Source: https://issuu.com/schweizertierschutz/docs/zirkusbericht_2014
Timestamp: 2017-03-29 10:01:01
Document Index: 318727001

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'in dubio', 'Art. 95', 'Art. 95', 'Art. 95', 'Art. 95', 'Art.\n95', 'Art. 95', 'Art. 95', 'Art. 95']

Zirkusbericht 2014 by Schweizer Tierschutz STS - issuu
S TS-REPORT
Zirkusbericht
ZIRKUSBERICHT 2014
Exkurs zum Thema «Elefanten im Zirkus» 5
Circus Knie	10
Haltung der Tiere im Zirkus-Zoo	11
Zirkusvorführung	20
Circus Nock	25
Haltung der Tiere im Zirkus-Zoo	26
Zirkusvorführung	28
Circus Royal	32
Haltung der Tiere im Zirkus-Zoo	32
Zirkusvorführung	37
Circus GO	39
Haltung der Tiere im Zirkus-Zoo	39
Zirkusvorführung	40
Circus Harlekin	42
Haltung der Tiere im Zirkus-Zoo	43
Zirkusvorführung	46
Cirque Helvetia	49
Zirkus Stey	50
Haltung der Tiere im Zirkus-Zoo	50
Zirkusvorführung	52
Tiershows mit Nutz- und Heimtieren	54
Bruno Isliker’s Tiershow	54
Circus Maus	56
Schweizer Tierschutz STS, Dornacherstrasse 101, Postfach, 4018 Basel
Tel. 061 365 99 99, Fax 061 365 99 90, Postkonto 40-33680-3
sts@tierschutz.com, www.tierschutz.com/zirkusbericht
Circus Knie: Sara Wehrli1,Sandra Dürrenberger2
Circus Nock: Sara Wehrli, Sandra Dürrenberger
Circus Royal: Dr. med. vet. Martina Schybli3, Sandra Dürrenberger
Zirkus Stey: Sara Wehrli, Dr. med. vet. Martina Schybli
Circus Harlekin: Sara Wehrli, Dr. med. vet. Martina Schybli
Circus GO: Sara Wehrli
Circus Maus: Sara Wehrli
Isliker’s Nutztiere: Sara Wehrli, Dr. med. vet. Martina Schybli
Koordination, Einleitung und Redaktion Gesamtbericht: Sara Wehrli
Zoologin, Fachstelle Wildtiere
Zoologin, Fachstelle Heimtiere und tierärztliche Beratungsstelle
Fachstelle Heimtiere und tierärztliche Beratungsstelle
1. Entstehung des Berichts
Bereits zum siebten Mal seit 2008 hat der Schweizer Tierschutz STS im Frühjahr 2014 diejenigen
Zirkusse1 der Schweiz besucht, welche Tiere im Programm auftreten lassen: Circus Knie, Circus
Nock, Circus Royal, Circus Gasser-Olympia, Circus Harlekin und Zirkus Stey. Erneut konnte erfreulicherweise allen besuchten Zirkussen ein akzeptables bis sehr gutes Zeugnis in Sachen Tierhaltung
und Tierpräsentation ausgestellt werden. Gröbere Missstände bei der Tierhaltung oder Dressur
waren nicht zu bemängeln. Auch die mitgeführten Tierarten beschränkten sich vornehmlich auf
wenig problematische Arten.
Es wurden jeweils sowohl die Zirkus-Zoos, als auch die Vorstellungen besucht und bewertet. Die
Besuche fanden jeweils angemeldet statt, und die Zirkusse erhielten die Möglichkeit, vor Veröffentlichung des Berichts Stellung zu nehmen. Aus Zeitgründen musste auf den Besuch eines weiteren
Zirkus, der in kleinerem Rahmen Tiere mitführt (und der anlässlich unseres letztjährigen Besuchs
gut abgeschnitten hatte), verzichtet werden: Der Westschweizer Cirque Helvetia hat uns jedoch
schriftlich Auskunft gegeben zu seiner Tierhaltung und -vorführung. Erstmals wurden dagegen mit
«Isliker’s Nutztiere» und dem «Circus Maus» zwei Klein-Zirkusse besucht, die nicht auf Tournee
gehen, sondern sich für private Anlässe und Firmenanlässe engagieren lassen. Diese beiden «Zirkusse» zeigen unseres Erachtens sehr schön auf, wie auch mit uns wohlbekannten Nutz- und
Heimtieren sehenswerte, respektvolle Dressurnummern präsentiert werden können und dass es für
eine «tierische Atmosphäre» in der Manege keiner schwierig zu haltender Exoten bedarf!
Durchgeführt haben diese Recherche die beiden Fachstellen Wildtiere und Heimtiere/Tierärztlicher Beratungsdienst des STS. Sämtliche Zirkusse der regulären Tournee wurden im Vorfeld über
Ort und Zeitpunkt des Besuchs informiert. Daraufhin wurden die STS-Kontrolleure von den Zirkussen Knie, Nock, Harlekin, Stey und GO an einem vereinbarten Termin erwartet und hatten sie so
die Möglichkeit, vor Ort Auskunft zu geben über Tierhaltung und -präsentation. Einzig der Circus
Royal verweigert sich einem Tierschutz-Besuch, so dass dieser unangemeldet in Form eines normalen Zirkuseintritts stattfand.
Die Gehege und Vorstellungen wurden aus Sicht von kritischen Besuchern mit Fachkenntnis
beurteilt. Den Zirkussen wurde anschliessend ein Protokoll des Berichts zur Stellungnahme zugesandt, und etwaige Rückmeldungen wurden, soweit sinnvoll, in den Bericht integriert.
Mit der Recherche galt es, die aktuellen Tierhaltungen in Schweizer Zirkussen zu dokumentieren.
Es werden (soweit vorhanden) positive und negative Beispiele von Tierhaltungen und -vorführungen
aufgezeigt. Allfällige Verstösse gegen die Mindest­anforderungen der Tierschutzverordnung werden
2. Grundsätzliches zur Tierschutzproblematik von Zirkussen
Von den über 20 Zirkussen und Varietés, die in der Schweiz jede Saison unterwegs sind, führen
2014 deren sieben Tiere mit (Circus Knie, Circus Nock, Circus Royal, Circus Gasser-Olympia GO,
Circus Harlekin, Circus Stey, Circus Helvetia) und haben Tiernummern – eigene oder engagierte –
In fahrenden Zirkussen gilt für alle Tierhaltungen zu beachten, dass die Tiere immer nur wenige
Tage an den einzelnen Gastspielorten verweilen. Danach werden sie zum nächsten Ort transportiert.
Das Ein- und Ausladen und der Transport bedeuten für Tiere – selbst wenn sie es gewohnt sind –
stets eine gewisse Belastung. Je nach Tierart dürfte diese unterschiedlich gross sein, bei Wildtieren
vermutlich tendenziell höher als bei domestizierten Tierarten. Entscheidend für die Belastung der
1	Anmerkung zur Schreibweise: Grundsätzlich verwenden wir die gebräuchliche und moderne Schreibweise «Zirkus». Die meisten Unternehmen verwenden in ihrem
Firmennamen jedoch noch die alte Schreibweise «Circus», die wir dann übernehmen, wenn direkter Bezug auf das jeweilige Unternehmen genommen wird.
Tiere ist zudem die Art und Weise, wie der Transport durchgeführt wird. Wichtige Faktoren sind:
Umgang mit den Tieren, Verlad, Ausstattung der Fahrzeuge und Verladerampen, Fahrdauer, Fahrweise, Ankunft im neuen Gehege, Temperaturen.
Grundsätzlich lässt sich fragen, ob (Wild-)Tiere in Zirkussen vertretbar sind und ob der Schaueffekt den den Tieren zugemuteten Stress, sowie die Einschränkung ihres artgerechten Lebensraums, rechtfertigt. Die Antwort darauf muss schlussendlich jede(r) ZirkusdirektorIn und jede(r)
ZuschauerIn für sich persönlich finden, da aufgrund des geltenden Gesetzes Tiervorführungen im
Zirkus grundsätzlich erlaubt sind. Der vorliegende Zirkusbericht soll dabei als Entscheidungshilfe
für den tierschutz­interessierten Laien dienen.
Aus Sicht des STS stellen sich bei Haltung und Vorführung von Tieren im Zirkus mehrere Probleme, auf die im Folgenden eingegangen werden soll.
Verschiedene Tierarten – darunter Wild- aber auch domestizierte Tiere – sind nach Erachten des
STS für eine Dressur und einen Auftritt in einer lauten Manege nicht oder wenig geeignet, beispielsweise Grosskatzen und Bären, Seelöwen, Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten, Hauskatzen oder
Affen. Insbesondere kleine Fluchttiere wie bspw. Kaninchen oder Ratten, die für ihr Wohlbefinden
auf leicht erreichbare, vertraute Rückzugsmöglichkeiten (Bau, Nest) angewiesen sind und offene
Räume meiden, die ausserdem schreckhaft auf fremde Menschen, Lärm oder plötzliche Bewegungen reagieren, sind für eine Show in der Manege denkbar ungeeignet! Oftmals werden diese Tiere
bei den Vorführungen auch unsanft angefasst, herumgereicht, sogar geworfen, übermässig lange in
Transportbehältern «aufbewahrt» oder dem Publikum zum Streicheln in die Hände gedrückt. Die
Tiere können sich dabei kaum wehren, verfallen nicht selten in Schreckstarre (geduckte Körperhaltung, angelegte Ohren, aufgerissene Augen, allenfalls Abgabe grösserer Mengen Urin können dabei
Zeichen von Stress sein) – für Laien ist die Angst dieser Tiere aber leider kaum ersichtlich…
Ebenfalls oftmals problematisch ist die Haltung von Kleintieren wie Kaninchen, Katzen, Ratten
oder Meerschweinchen auf Tournee. Da sie meist als «pflegeleicht» betrachtet werden, werden
ihnen kaum ausreichende Ausläufe, grosse Volieren oder der notwendige Sozialverband (Ratten,
Kaninchen!) zur Verfügung gestellt. Gerade die hierzulande oft nur für eine Saison von diversen
Zirkussen engagierten ausländischen (oft osteuropäischen) Tiere reisen unter teilweise sehr beengten Verhältnissen im Wohnwagen mit. Dabei werden die ohnehin schon minimalistischen Vorgaben
der Tierschutzverordnung nur knapp (resp. dank viel «Goodwill» der kantonalen Veterinärbehörden!)
eingehalten. So werden bspw. nicht selten 4-6 Katzen in einem Wohnwagen gehalten, wobei die
für das Wohlbefinden dringend notwendige Trennung von (mehreren) Katzenkistchen und Futterstelle ebenso wenig gewährleistet werden kann, wie ausreichend Rückzugs­möglichkeiten für alle
Tiere, oder Klettermöglichkeiten bei einer Raumhöhe von mind. zwei Metern!
Die Antwort auf die Frage, welche Tierarten sich für Zirkusse mehr, und welche weniger eignen,
lässt sich dabei nicht strikt entlang der Trennlinie «Wildtier» einerseits und «Haustier, Nutztier»
andererseits ziehen. Es stimmt zwar, dass Wildtiere über keine Anpassungen in Verhalten und Körperbau an ein Leben in menschlicher Obhut verfügen und daher meist schwieriger «artgerecht» zu
halten sind, als Haus- und Nutztiere, die über ebendiese Anpassungen sowie eine deutlich verringerte Scheu gegenüber Menschen verfügen. Jedoch ist zu bedenken, dass die Definition des Zustands «domestiziert» relativ vage ist (bspw. bei Kamelen oder Indischen Elefanten, die seit vielen
Generationen in menschlicher Obhut gehalten und vermehrt werden) und dass auch die Tierschutz­
verordnung bei der Zuordnung teilweise inkonsequent ist. Zudem gibt es (auch innerhalb einer Art)
grosse individuelle (Charakter-)Unterschiede, und weitere Kriterien, etwa ob es sich um ein Fluchtoder Raubtier handelt, einen Einzelgänger oder eine sehr soziale Art, oder wie territorial veranlagt
die jeweilige Art ist, dürften ebenfalls eine wichtige Rolle spielen bei der potentiellen Anpassungsfähigkeit einer Tierart an den «Lebensraum Zirkus».
Aus Tierschutzsicht unbestritten ist jedoch, dass gewisse Tierarten für eine tiergerechte Haltung
im Zirkus denkbar ungeeignet sind – insbesondere die grossen Raubtiere mit ihrem Revierverhalten
und ihren enormen Platzansprüchen, Wassertiere wie Seelöwen, Walrosse, Delphine oder Pinguine;
Nashörner, Flusspferde, Giraffen aufgrund ihrer Grösse und ihres schwierigen «Temperaments»,
Einzelgänger wie Tiger oder Braunbären (die im Zirkus meist in Gruppen gehalten werden!), besonders schreckhafte Fluchttiere (z. B. Kaninchen, Meerschweinchen) oder Reptilien, die als wechselwarme Tiere auf ein klimatisiertes Terrarium angewiesen sind.
Von grosser Tierschutzrelevanz ist zudem, wie der Lebenslauf der Tiere aussieht, welchen DressurMethoden sie unter­worfen wurden und ob das in der Manege Gezeigte im natürlichen Verhaltensrepertoire der jeweiligen Tierart liegt. Auch was die Dressur der Tiere betrifft, bestehen zwischen den
Zirkussen beträchtliche Unterschiede im Hinblick auf die öffentliche Transparenz. Während z. B.
der Circus Knie regelmässig öffentlich zugängliche Proben anbietet, kann über die Ausbildung der
Exkurs zum Thema «Elefanten im Zirkus»
Ein oft diskutiertes Thema ist die Haltung von Elefanten im Zirkus. Grundsätzlich entsprechen
die Ansprüche an eine moderne, möglichst artgerechte Elefantenhaltung nicht dem, was Zirkusse bieten können – dies schlichtweg aufgrund der Grösse der Tiere, ihres Platzbedarfs und komplexen Sozialverhaltens (Leben im Herdenverband). Der Trend bei der Elefantenhaltung geht klar
– und auch ganz im Sinne des Tierwohls! – hin zur Haltung in Grossgehegen, wo die Tiere unter
Ihresgleichen in einem möglichst stabilen Herdenverband leben, Nahrung suchen, baden, sich
beschäftigen und ihre Jungtiere grossziehen können.
Allerdings teilen der Indische Elefant und der Mensch eine jahrtausendelange gemeinsame
Geschichte, und die «Inder» werden teilweise seit Generationen in menschlicher Obhut gehalten
und gezüchtet. Manche Experten betrachten den Indischen Elefanten daher als semi-domestizierte Art, die mit dem Menschen als Sozialpartner interagieren und sich an ein Leben in menschlicher Obhut anpassen kann. Auch seien die Wanderungen der Indischen Elefanten weniger
ausgedehnt und seien sie weniger reizbar und aggressiv, als die «Afrikaner». Und schliesslich
seien Zirkuselefanten geistig und körperlich gefordert, während sie in schlechten Zoos oft einfach
vor sich vegetierten und deutliche Verhaltensstörungen (Stereotypien) entwickelten.
Der STS ist grundsätzlich der Meinung, dass Elefanten nicht in Zirkusse gehören. Im Falle
des Circus Knie – derzeit und wohl auch künftig das einzige Schweizer Zirkusunternehmen mit
Elefanten – nimmt er aber pragmatisch Stellung: Unter den Voraussetzungen eines fahrenden
Unternehmens hält der Circus Knie seine Elefanten vorbildlich und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und scheut auch keinen Aufwand, die Lebensbedingungen seiner Tiere
laufend zu verbessern, wo nur immer möglich – sei dies durch den Verzicht auf Anbindehaltung,
durch die Gruppenhaltung, die beheizten Zelte, die mitgeführten «Badewannen», die BadeAusflüge in Seen, die grossen Ausläufe oder durch das tägliche Training und das Angebot an
regelmässig wechselnden Beschäftigungs­angeboten. Angesichts der Tatsache, dass Knie’s Zirkuselefanten keinerlei Verhaltensstörungen zeigen (z. B. Stereotypien oder Aggressivität, die auf
mangelnde Haltungsbedingungen oder einen problematischen Umgang mit den Tieren schliessen
lassen könnten), und angesichts der Tatsache, dass die Tiere ausserhalb der Tournee-Saison im
Kinderzoo Rapperswil vorbildlich gehalten werden, kann die Elefantenhaltung im Circus Knie
aus Sicht des STS akzeptiert werden.
Der STS betrachtet folglich das «Modell Knie» als den unerlässlichen Standard, der für eine
Elefantenhaltung im Zirkus einzuhalten ist, damit sie aus Tierschutzsicht akzeptabel ist. Eine
solche Tierhaltung (enormer Aufwand an Finanzen, Infrastruktur, Personal!) ist derzeit nur dem
Schweizer Nationalzirkus überhaupt möglich und kommt für die anderen Zirkusunternehmen
hierzulande nicht in Frage. Auch allfällige aus dem Ausland engagierte Tiernummern müssten
sich an dem sehr hohen Standard von Knie messen lassen!
(z.T. ausländischen) Tiere, die bei gewissen anderen Unternehmen auftreten, nur spekuliert werden.
Grundsätzlich zu begrüssen ist die generelle Reduktion des Tierbestandes und der Tiernummern
bei den meisten Zirkusunternehmen und die Präsentation nur von geeigneten Arten wie Pferden,
Hunden oder Ziegen. Vereinzelt versuchen Zirkusse aber immer noch, «gegen den Strom zu schwimmen» und sich mit möglichst exotischen oder ausgefallenen Tiernummern eine Marktnische zu
sichern. Hier ist zu hoffen, dass das Bewusstsein des Publikums für eine angemessene Tierhaltung
und für eine würdige Präsentation der Tiere im Zirkus noch zunimmt und sich auch diese Zirkusse
den Publikumsbedürfnissen anpassen.
Gefragt sind unseres Erachtens ausserdem die Behörden, die die Einreise-Bewilligungen für
ausländische Zirkus-Truppen mit Tieren (insbesondere im Fall von Wildtieren und generell in Bezug
auf die Einhaltung der Schweizer Tierschutzverordnung) restriktiv handhaben sollten. So müssten
Zirkus-Nummern mit Grosskatzen, Affen, Pinguinen oder Seelöwen aber auch mit ungeeigneten
Haustieren der Vergangenheit angehören und hohe Haltungsstandards auch bei der Haltung von
Heimtieren in Wohnwagen durchgesetzt werden!
In mehreren europäischen Ländern sind generelle oder partielle Tierhaltungsverbote – häufig
Wildtierhaltungsverbote – für Zirkusse in Kraft; beispielsweise in Grossbritannien, Österreich, Slowenien oder Griechenland. Über Sinn und Unsinn solcher Verbote und über die teilweise willkürliche Unterscheidung zwischen «schwierig zu haltenden Wildtieren» und «leicht zu haltenden Haustieren» lässt sich streiten. Fakt ist aber, dass sich auch die Schweiz über kurz oder lang der
Diskussion wird stellen müssen. Der Schweizer Tierschutz STS will mit seinem jährlichen ZirkusRating dazu beitragen, dass sowohl bei den Tierhaltern als auch dem Publikum die Sensibilität für
das Thema Tierhaltung in Zirkussen steigt. Der STS ruft nicht nach generellen Tierhalte-Verboten,
sondern fordert die konsequente Durchsetzung höchster Haltungs-Standards, die Aufhebung der
gemäss Art. 95 TSchV existierenden «Ausnahmeregelung» für Zirkusse – beispielsweise bezüglich
des Platzangebotes für die mitgeführten Tiere – und er appelliert an die Vernunft der Zirkusbetreiber, wonach gewisse Tierarten aufgrund ihrer schwierigen Haltung und ihres ungeeigneten Verhaltens für eine Zirkuspräsentation nicht mehr in Frage kommen dürften. Hierzu kann sich der STS
entweder ein «Gentleman’s Agreement» mit den Zirkusunternehmen oder eine behördliche Liste
bezüglich nicht oder nur schwierig in Zirkussen zu haltender Tierarten vorstellen.
3. Verschiedene Gastspielorte
Die Bedingungen und Möglichkeiten an den verschiedenen Gastspielorten sind sehr unterschiedlich. Die Platzverhältnisse variieren stark, und Weiden z. B. für Pferde sind nicht überall verfügbar.
Verantwortungsbewusste Zirkusbetreiber nützen selbstverständ­lich ein grosses Platzangebot zugunsten ihrer Tiere, halten an beengten Orten die Frei­räume zwischen den Wohnwagen zugunsten
der Tiergehege klein und führen nur so viele Tiere mit, wie dies der Gastspielort mit den engsten
Platzverhältnissen zulässt. Das Beispiel Circus Knie zeigt zudem, dass an beengten Gastspielorten
durchaus die Möglichkeit besteht, Wiesen und Weiden dazu zu mieten (wobei hier nicht die Kosten
im Vordergrund stehen dürfen, sondern im Zweifelsfalle besser auf das Mitführen der Tiere verzichtet wird)! Auf das Mitführen von Tieren, die in der Manege nicht auftreten, sollte zudem möglichst
verzichtet werden, sofern die Kapazitäten des Zirkus nicht den Unterhalt eines regelrechten «fahrenden Zoos» ermöglichen.
4. Beurteilung der Gehege
Die Beurteilung der Gehege geschah aus Sicht von Besuchern mit Fachkenntnissen (Zoologinnen
und Veterinärin). So konnten besonders gute oder besonders problematische Tierhaltungen klar
identifiziert werden. Für eine abschliessende, detaillierte Beurteilung wäre jedoch ein wesentlich
höherer Aufwand an Zeit (sowie die Erlaubnis des jeweiligen Zirkusunternehmens zur internen und
doch kritischen Berichterstattung!) nötig gewesen. Dazu hätten Befragungen der Tierhalter/Tierpfle-
ger zu Details wie Fütterung, Beschäftigung, Management, Aussengehege-Zugang, Stallzeit, Gehege­
wechsel etc. und längere Beobachtungen der Tiere (Verhaltensstörungen, Gesundheit, Raumnutzung etc.) gehört. Dies hätte den Rahmen des alljährlichen Zirkusberichts aber gesprengt. Vielmehr
wollen wir gute Ansätze der Zirkustierhaltung sowie aus unserer Sicht problematische Formen
aufzeigen. Die Gehegeflächen konnten nicht im Detail ausgemessen werden, sondern wurden wo
möglich abgeschritten und geschätzt. Wo Schätzungen zu kleine Gehege vermuten liessen, wurde
grundsätzlich von der Einhaltung der Vorschriften gemäss TSchV ausgegangen («in dubio pro reo»),
es sei denn der mangelnde Platz war offensichtlich. Zudem hatten die Zirkusbetreiber vorgängig
zur Veröffentlichung dieses Berichts die Möglichkeit, sich zu den genannten Zahlen zu äussern und
ggf. Korrekturen anzubringen.
Tierschutz-Verordnung (TSchV)
Seit dem 1. September 2008 ist die neue Tierschutzverordnung (im Weiteren kurz «TSchV» genannt)
in Kraft. Bezüglich Haltung von Tieren im Zirkus hat sich einiges geändert. Die Mindestvorschriften
zum Halten von Wildtieren wurden zum Teil verschärft (Anhang 2). Die Ausnahmebedingungen für
Zirkusse wurden eingeschränkt. Neu lautet der entsprechende Artikel (Art. 95, Abs. 2, lit. a):
Den Mindestanforderungen nach Anhang 2 nicht voll entsprechen müssen:
a. Gehege für Tiere, die häufig und regelmässig in der Manege ausgebildet, trainiert oder vorgeführt
werden, sofern die räumlichen Verhältnisse an einzelnen Gastspielorten dies nicht zulassen.
Die Ausnahmebewilligung gilt also explizit nur für jene Tiere, die auch tatsächlich in der Manege
arbeiten. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass die Mindestvorschriften für sämtliche
Tiere immer eingehalten werden müssen, die nur zu Schauzwecken mitgeführt, aber nicht in der
Manege präsentiert werden. Da es sich bei diesem Zirkusbericht um eine Momentaufnahme handelt,
spielt die Örtlichkeit der Besichtigung natürlich eine Rolle, und es kann sein, dass den Tieren an
anderen Orten grössere (oder auch kleinere) Gehege und Ausläufe zur Verfügung gestellt werden.
Allerdings ergibt sich nach mehr als einem halben Jahrzehnt Zirkusbericht mit Besuchen der Zirkusse an den unterschiedlichsten Orten sowie auch durch den Eindruck, den der Umgang mit den
Tieren während der Vorführungen hinterlässt und durch Rück­meldungen von Seiten privater Besucher langsam ein Gesamtbild, das allgemeiner auf die Tierhaltung der jeweiligen Unternehmen
schliessen lässt. Generell scheinen leider die meisten tierführenden Zirkusse von der Ausnahmebewilligung relativ oft Gebrauch zu machen und dies auch bei Tieren, die gar nicht in der Manege
auftreten! Betroffen von der Ausnahmebewilligung sind insbesondere die Pferde­haltung (ohne
Auslauf oder Zugang zu Weiden), Lamas und Kamele (oft viel zu kleine Gehege), sowie die Notwendigkeit von Einstreu und Beschäftigungsmaterial.
Mit einer 2014 neu erstellten Amtsverordnung Wildtiere will das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV neu regeln, unter welchen Voraussetzungen Zirkusse von der
Ausnahmeregelung gemäss Art. 95, Abs. 2, lit. a Gebrauch machen können. So sollen die Innenund Aussengehege in solchen Fällen maximal 30 % kleiner sein dürfen, als von der TSchV eigentlich vorgeschrieben. Geltend gemacht werden darf die Ausnahme nur bei Tieren, die mindestens
dreimal täglich «beschäftigt» werden – sei dies durch Trainings oder Auftritte in der Manege, oder
durch zusätzliche Strukturen, spannend gestaltete Nahrungssuche oder Pflegeeinheiten (z. B. Abspritzen, Bad) im Gehege. Die Beschäftigung kann aber an Auf- und Abbautagen, sowie an spielfreien Tagen (!) reduziert werden. Zudem soll ein Zirkus maximal alle zwei Wochen von der Ausnahmebewilligung Gebrauch machen können – das Formular für die Tourneebewilligung sieht künftig
vor, dass Zirkusse im Voraus bekannt machen, an welchen Gastspielorten sie von der Flächenreduktion Gebrauch machen werden.
Der STS wendet sich entschieden gegen das Vorhaben der Behörden, Zirkussen auch künftig
grosszügige Ausnahmen bezüglich der Tierhaltung zuzugestehen! Es ist für uns unverständlich, dass
auf Tournee alle 14 Tage selbst die Minimalvorschriften (!) für die Tierhaltung unterschritten werden
dürfen, die eigentlich bereits die Grenze zur Tierquälerei definieren! Der STS fordert, dass die
Ausnahmeregelung gänzlich abgeschafft wird.
Wie üblich bei neuen gesetzlichen Bestimmungen gelten für bestehende Tierhaltungen Übergangsfristen. Für am 01.09.2008 bestehende Wildtierhaltungen gilt eine Anpassungsfrist von 10 Jahren.
Somit müssen für solche Gehege nur die alten Mindestanforderungen erfüllt werden, für neue
Gehege (auch für neu engagierte Zirkusnummern mit Tieren) müssen hingegen die Bestimmungen
der neuen TSchV eingehalten werden.
Verstösse gegen die TSchV
Wir gehen davon aus, dass für alle besuchten Zirkusse entsprechende Bewilligungen der zuständigen kantonalen Veterinärämter vorliegen. Die Bewilligungen liegen uns nicht vor, und somit ist uns
auch nicht bekannt, ob die Zirkusse zum Teil Ausnahmebewilligungen für kleinere Gehege, als dies
die TSchV vorschreibt, erhalten haben.
Zuständig ist jeweils das Veterinäramt des Kantons, in welchem der Zirkus sein Winterquartier
«Artgemäss» und «tiergerecht» aus Sicht des Schweizer Tierschutz STS
Es hat sich in der Diskussion um die Qualität einer Tierhaltung unter Zoo-Experten die Ansicht
durchgesetzt, dass eine «artgemässe» von einer «tiergerechten» Haltung unterschieden werden
muss, da die Maxime der «artgemässen Haltung» zumindest bei Wildtieren nie zu 100 % erfüllt
werden kann. Dieser Ansicht kann sich der STS anschliessen: Wirklich «artgemäss» ist für Wildtiere nur die Natur – mit all ihren Gefahren und Strapazen. Auch sogenannt «domestizierte» Tiere
verfallen unter naturnahen Voraussetzungen sehr rasch wieder in das ursprüngliche Verhalten ihrer
Ahnen. Das einzelne Tier kann aber auch in der freien Wildbahn leiden (Beutegreifer, Krankheit,
Hunger). Unter einer «tiergerechten» Haltung wird – im Gegensatz zur artgemässen Haltung – eine
Tierhaltung verstanden, welche die natürliche Anpassungsfähigkeit der Art nicht überfordert und
die zugleich das körperliche und psychische Wohl des einzelnen Tieres sichert. Eine tiergerechte
Haltung ist daher unter gewissen Voraussetzungen – und nicht bei allen Tierarten in gleichem Masse! – auch in einem Zoo oder Zirkus möglich.
Aus Sicht des STS stehen die Mindestanforderungen der TSchV bei vielen Tierarten in deutlichem
Widerspruch zu den heutigen Erkenntnissen der Verhaltenskunde. Sie genügen den Ansprüchen an
eine tiergerechte Tierhaltung nicht, sondern stellen lediglich die Grenze zur behördlich verfolgten
und geahndeten Tierschutzwidrigkeit dar. Aus diesem Grund haben wir zur Beurteilung der Gehege
die natürlichen Bedürfnisse der Tiere, deren essentiellen Verhaltensweisen, ihre Anpassungsfähigkeit und den Zustand der Tiere zu Grunde gelegt. Aufgrund unserer Erfahrung beim Einschätzen
von Tiergehegen und des Tier-Gesundheits­zustandes beurteilten wir, ob die Gehege den Tieren einen
Lebensraum bieten, der ihnen ein tiergerechtes Leben ermöglicht. Der Gesund­heitszustand und
das Verhalten der Tiere sind wichtige Gradmesser einer Haltungsanlage und geben nachvollziehbare Hinweise auf die Qualität der Tierhaltung und Tierpflege.
Eine legale Tierhaltung gemäss den gesetzlichen Mindestvorschriften ist angesichts der Tatsache,
dass die TSchV gerade in Bezug auf die Haltung von Wild- und Nutztieren minimalistisch ausfällt,
daher noch lange keine tiergerechte Haltung!
5. Forderungen des Schweizer Tierschutz STS zur Zirkustierhaltung in der
Aufgrund der oben beschriebenen Sachverhalte und Probleme bei der Haltung und Präsentation
von Tieren in Zirkussen richtet der Schweizer Tierschutz STS folgende Forderungen an die Behörden
und Zirkusbetreiber:
•	Keine Ausnahmebewilligungen mehr für Zirkusse! Der Art. 95 Abs. 2 TSchV, wonach Zirkusse
die Mindestvorschriften an die Tierhaltung nicht an sämtlichen Standorten erfüllen müssen,
gehört abgeschafft.
•	Solange Art. 95 Abs. 2 besteht, erachtet es der STS als notwendig, dass das Bundesamt für
Veterinärwesen und Lebensmittelsicherheit BLV und die kantonalen Veterinärbehörden eine Zusammenstellung erstellen, die aufzeigt, welcher Zirkus wo und wie oft von dieser Ausnahmebewilligung Gebrauch macht.
•	Das Bundesamt für Veterinärwesen und Lebensmittelsicherheit BLV soll eine «Schwarze Liste»
von Tierarten erstellen, die in Zirkussen nicht mehr mitgeführt werden sollen. Die Liste soll von
ausgewiesenen Experten aus den Bereichen Zootierhaltung und Tierschutz erstellt werden.
•	Unabhängig davon sollten Zirkusse freiwillig auf das Mitführen und die Präsentation problematischer Arten in der Manege verzichten. Dazu zählen insbesondere Grosskatzen, Bären, Affen,
Seelöwen und andere Robbenartige, Pinguine, Nashörner, Nilpferde, Giraffen, aber auch Kaninchen, Meerschweinchen oder Reptilien.
•	Zirkusse sollten freiwillig nur so viele Tiere mitführen, wie sie an jedem Standort auf Tournee
unter Einhaltung sämtlicher Vorgaben der TSchV halten können.
6. Beurteilung der Vorstellungen
Die einzelnen Nummern, in denen Tiere auftreten, wurden bei den Besuchen beurteilt. Die Fachleute des STS achteten auf den Umgang mit den Tieren, ob die Tiere überfordert waren, ob unverhältnismässige Härte oder Strafen eingesetzt wurden.
Da das Fotografieren während der Vorstellungen in den meisten Zirkussen verboten ist, existiert
kein Bildmaterial zu diesem Teil der Recherche.
© Schweizer Tierschutz STS Mai 2014
Der Circus Knie wurde in Buchs (SG) besucht. Es handelt sich um einen mittelgrossen Standort
auf Kies, Asphalt und Naturboden mit einer kleinen, angrenzenden Wiese, die als Ponyweide Verwendung findet. Die Tiergehege sind dem Platz entsprechend grosszügig dimen­sioniert. Sämtliche
Tiergehege sind reichlich mit verschie­denen Substraten (z. B. Stroh, Holzschnitzel, Erde) eingestreut und mit Beschäftigungsmaterial ausgestattet. Die Gehege und Boxen sind jeweils so gestaltet, dass die Besucher nur von ein oder zwei Seiten ans Gehege treten und die Tiere sich bei Bedarf
zurückziehen können. Gastiert der Zirkus über eine Woche an einem Standort mit beengten räumlichen Verhältnissen (z. B. in Basel), werden einige Tierarten (z. B. die Lamas und Guanakos) zurück
nach Rapperswil in den Kinderzoo gebracht, wo sie mehr Auslaufmöglichkeiten haben – was auch
für den beim Zirkus verbleibenden Tierbestand eine bessere Raumnutzung mit sich bringt!
Allen Pferden stehen grundsätzlich, wann immer es Wetter und Standort erlauben, Paddockboxen zur Verfügung, so dass die Pferde ihren Aufenthalt im Zelt oder im Freien stets selbst wählen
können. Dieses Jahr wurde am besuchten Standort drei neue Pferde in die Gruppe integriert. Dazu
wurde auf einer Seite des Pferde-Stallzeltes auf Paddockboxen verzichtet um eine stufenweise
Eingewöhnung (1. olfaktorisch-akkustisch, 2. visuell, 3. physischer Kontakt) der Hengste in die
Gruppe zu ermöglichen. An allen Standorten wird den Pferden zusätzlich täglicher Auslauf auf
Weiden in der Umgebung geboten. In Buchs stehen insgesamt vier Weiden dazu zur Verfügung.
Wenn an einem Standort keine Weiden vor Ort genutzt werden können, werden die Pferde täglich
mit Transportern auf entferntere Weiden gebracht, was die Qualität der Pferdehaltung deutlich
erhöht. Diese Massnahme zum Wohl der Tiere unterscheidet Knie positiv von den meisten anderen
Zirkussen.
Zwei Gruppen Ponys werden abwechselnd während zwei Stunden täglich für Ponyreiten eingesetzt. Der kleine Reitparcours ist mit Sägemehl und Holzschnitzeln gestreut und kann mit verstellbaren Elementen (Pfosten, Seilen) unterschiedlich angelegt werden. Die Tiere laufen somit nicht
immer im selben monotonen Kreis, sondern gehen immer wieder neue Wege.
Die Tiere des Circus Knie sehen gesund, sehr fit und sehr gepflegt aus. Ganz offensichtlich wird
ein freundlicher Umgang mit den Tieren gepflegt. Die Tiere sind Menschen gegenüber tolerant und
zutraulich. Mit den meisten Tieren (ausser
Affen, Ziegen und Schweinen) wird einmal täglich in der Manege trainiert,
auch wenn nicht alle Tiere im aktuellen
Programm auftreten.
Der Circus Knie bietet den Tieren optimale Bedingungen unter den Voraussetzungen eines fahrenden Unternehmens. Verschiedene Verbesserungen v.a.
in der Elefanten- und Pferdehaltung während der letzten Jahre (grundsätzlich keine Anbinde-,dafür ständige Gruppenhaltung
Paddockboxen und Weiden für die Pferde)
zeigen, dass der Circus Knie bestrebt ist,
neue Erkenntnisse in der Tierhaltung umzusetzen.
Haltung der Tiere im Zirkus-Zoo
Mischhaltung Ziegen, Schweine
2 Hängebauchschweine, 4 Afrikanische
Zwergziegen (drei Geissen, ein kastrierter Bock). Diese Tiere treten nicht im
Programm auf. Zustand der Tiere ist gut.
Zwei Ziegen sind trächtig.
Ein 3-teiliger Wagen mit eingebauten
Leitern, erhöhten Liegeplätzen (Veranden) und Ausguck am Dach. Die Längsseiten mit Rampen sind tagsüber stets
offen. Alle Abteile sind mit Sägespänen
und Heu eingestreut. Im Giebel des
Wagens befindet sich ein Ausgang mit
einer Aussenveranda und einem Abgang nach aussen, so dass die Tiere
jederzeit ihr Kletterbedürfnis ausleben
können und noch mehr Abwechslung haben.
Anschliessend an den Wagen ist ein Auslauf von ca. 50 m² eingerichtet. Der Untergrund besteht
aus Asphalt, ist aber grosszügig mit verschiedenen Substraten (Stroh, Erde, Holzschnipsel) eingestreut. Den Ziegen steht ein zusätzliches Klettergerüst, den Schweinen Stroh und Bälle als Beschäf­
tigungsmaterial zur Verfügung. Schatten ist im Bereich des Wagens und unter den Kletterstrukturen
vorhanden und wird an sonnigen Tagen gerne genutzt. An Standorten mit harter Unterlage wird den
Tieren zusätzlich ein Platz mit geeignetem Wühlmaterial, sowie – bei heisser Witterung – eine Suhle zur Verfügung gestellt.
Beurteilung der Haltung aus Tierschutzsicht
Gute, grosszügige und zweckmässige Haltung für diese kleinen, domestizierten Tierarten. Sowohl
der Auslauf als auch der Wagen mit seinen Kletter- und erhöhten sowie geschützten Liegemöglichkeiten sind für die Tiere interessant gestaltet. Dank der Grösse und Lage des Geheges können sich
die Tiere bei Bedarf vor den Besuchern zurückziehen und genügend Distanz wahren. Die Besucher
werfen trotz des allgemeinen Fütterungsverbotes regelmässig Popcorn in das Gehege. Dies bleibt
vom Zirkuspersonal leider unkommentiert, obwohl das Personal angewiesen ist die Besucher freundlich auf das Fütterungsverbot hinzuweisen.
Vor Witterung (Regen, Sonne) finden die Tiere in den stets offenen Ställen genügend Schutz.
Das Gehege ist nicht begehbar, und es darf nicht gefüttert werden – es ist somit kein «Streichelzoo».
Die Mindestvorschriften der TSchV werden weit übertroffen. Für diese Tierarten bestehen nur Minimalanforderungen, die auf die Haltung in der Landwirtschaft ausgerichtet sind.
Lamas / Guanakos
6 Lamas und 4 Guanakos in gemeinsamer Haltung. Die Guanakos stammen aus dem Zoo Zürich,
(«überzählige Tiere»), die Lamas aus dem Kinderzoo Rapperswil. Es handelt sich um Wallache oder
Stuten (keine Hengste in der Gruppe, da im Circus keine Zucht erwünscht ist). Die Kameliden
treten dieses Jahr nicht im Programm auf. Der Zustand der Tiere ist gut.
Den Tieren steht ein Wagen mit einem gedeckten Vorplatz zur Verfügung. Durch den Einsatz eines
grösseren «Chapiteaus» ist dieser noch etwas grösser, als in den Vorjahren. Der Wagen ist auf einer
Seite offen und (inkl. Vorplatz) dick mit Stroh eingestreut. Die Fläche beträgt inkl. des gedeckten
Vorplatzes rund 45 m2.
Die Tiere können eine Fläche von ca. 400 m² frei nutzen. Dieses Jahr konnte der Auslauf sogar
noch vergrössert werden, da im hinteren Teil des Zirkus-Standplatzes in Buchs zusätzliche Flächen
frei wurden. Der Untergrund besteht aus einem Kiesboden. Mehrere Ruheplätze sind mit Sägemehl
und Holzschnitzeln bestreut und werden offensichtlich genutzt. Ein Futterbecken, Wasser und
Salzlecken sind vorhanden. Frische Äste zum Knabbern gehören ebenfalls zum «Standard-Inventar»
der Tiergehege (Lamas und Guanakos, aber auch Affen, Elefanten, Ziegen, Kamele und Zebras).
Zweckmässige, gute Haltung für die Neuweltkameliden. Der stets offene Stall mit ge- decktem
Vorplatz dient den Tieren bei Bedarf als Witterungsschutz und Rückzugsort. Für die robusten Tiere
ist dies ausreichend.
Das Gehege ist nur auf einer Seite für die Besucher zugänglich, was den Tieren bei Bedarf erlaubt, sich in den hinteren Gehegeteil zurückzuziehen und so genügend Distanz zu den Besuchern
Für 6 Lamas ist eine Mindestfläche von 250 m2 und 30 m2 für jedes weitere Tier vorgeschrieben,
für bis zu 6 Guanakos 300 m2. Bei der Erstellung des Tiergeheges wird von der grösseren Mindestfläche für die Wildtiere (Guanakos) ausgegangen. Die artspezifischen Mindestmasse sind somit für
jeweils beide Arten erfüllt, jedoch nicht für die insgesamt 10 Tiere, da es sich ja um eine Mischhaltung handelt. Zusätzlich zu den 300 m2 für bis zu 6 Guanakos müssten noch 180 m2 für 6
zusätzliche Lamas hinzugerechnet werden (total 480 m2). Allerdings müssen Zirkusse gemäss Art.
95 TSchV den Mindestanforderungen nicht voll entsprechen, sofern die räumlichen Verhältnisse
an einzelnen Gastspielorten dies nicht erlauben. An einzelnen Standorten mit besonders engen
Raumverhältnissen werden die Lamas und Guanakos auf angemietete Weiden ausquartiert oder
nach Rapperswil gebracht.
Stallzelt 1: Pferde
Im grossen Stallzelt sind derzeit 27 Pferde untergebracht (7 Friesen, 1 Palomino, 8 Araber, 1
Achal-Tekkiner, 3 Andalusier, 3 Lusitanos, 1 Knabstrupper, 2 Pintos, 1 Boulonnais). Erst ab dem
Standort Zürich werden sämtliche insgesamt 31 Pferde mit auf Tournee sein. Es handelt sich fast
ausschliesslich um Hengste, die alle im Programm auftreten. Die Pferde werden täglich abgespritzt,
ausser an kalten, winterlichen Tagen. Zustand der Tiere: sehr gut, alle gesund, gepflegt und topfit.
Im neuen, hellen Stallzelt sind alle Boxen 3,5 x 3 m gross, ihre Fläche beträgt 10,5 m². Die Boxen
sind mit Stroh eingestreut und mit rutschfesten Gummimatten unterlegt; Wasser in Kesseln und
Lecksteine sind vorhanden. Die Hengste haben durch Gitterabtrennungen im oberen Bereich der
Boxenwand Sicht-, Hör- und Riechkontakt zueinander und stehen neben denselben Nachbarn wie
im Winterquartier, also jene Tiere nebeneinander, die gut miteinander harmonieren.
Alle Pferdeboxen verfügen üblicherweise
über einen permanent zugänglichen Auslauf (ca. 9 m2). Die Pferde können frei
wählen, ob sie sich im eingestreuten Innenbereich oder im Aussen­bereich aufhalten und sich der Witterung (Sonne,
Regen) aussetzen. Der Auslauf ermöglicht den Tieren auch direkten Sozialkontakt. Am besuchten Standort muss dieses Jahr allerdings auf der einen
Längsseite des Stallzelts wegen der Integration dreier neuer Hengste vorübergehend auf die Ausläufe verzichtet werden.
Den Pferden und Ponys stehen an diesem Standort insgesamt fünf Weiden zur Verfügung: Eine
kleinere Ponyweide am Rand des Zirkusgeländes (hier können jeweils vier Ponys zusammen weiden)
sowie vier Pferdeweiden ausserhalb des Ortes. Die Pferde werden zu viert mit dem Transporter zu
den Weiden gebracht und verbringen daher jeden Tag auch Zeit ausserhalb des Stalles.
Alle Pferde einzeln gehalten, aber mit Sicht- und Sozialkontakt zu benachbarten Tieren. Dies ist
auch auf der Weide der Fall. Die Boxengrösse ist ausreichend, alle sind gut mit Stroh eingestreut
und mit Salzsteinen und Wasser versorgt. Auch Heu wird zur Verfügung gestellt. Eine Gruppenhaltung von Pferden ist wünschenswert, bei Hengsten aber schwierig.
Aus Tierschutzsicht erfreulich sind nebst dem täglichen Weidegang auch die seit 2011 grösseren Boxen und die seit 2009 neuen, permanent zugänglichen Ausläufe für alle Pferde. Insgesamt
steht nun im Regelfall jedem Pferd knapp 20m² Platz zur Verfügung. Sehr positiv zu werten sind
die Weiden, welche den Tieren grundsätzlich täglich geboten werden.
Die Mindestanforderungen der TSchV werden mit dieser Haltung erfüllt und durch den täglichen
Weidegang übertroffen.
Stallzelt 2: Ponys
12 Ponys (verschiedene Grössen, grösstenteils Welsh-Pony-Mischlinge), ausschliesslich männliche
Tiere. Vier Ponys treten im Programm auf, die übrigen sind nur beim Ponyreiten im Einsatz. Die
Ponys werden beim Reitdienst regelmässig ausgewechselt und zusätzlich in der Manege trainiert,
auch wenn sie nicht im Programm auftreten.
Zustand der Tiere: sehr gut und sehr gepflegt.
Die Tiere werden in Doppel- oder Einzelboxen gehalten. Die Ställe befinden sich im Zelt mit freiem
Zugang zu einem kleinen Auslauf. Die Einzelboxen messen jeweils ca. 12 m2, die Doppelboxen
24 m2. Die Stall-Boxen (Liegebereich) sind dick mit Stroh eingestreut, der Untergrund im Auslaufteil ist Kies. Wasser, Heu und Lecksteine stehen den Tieren zur Verfügung.
Den Ponys steht an diesem Standort eine Weide am Rand des Zirkusgeländes zur Verfügung. Die
Ponys geniessen den Weidegang in jeweils zwei Zweiergruppen.
Die Ponys sind einzeln oder paarweise gehalten mit Sicht- und Sozialkontakt zu den benachbarten
Tieren. Die Haltung in den Boxen mit permanenten Ausläufen ist gut; eine Gruppenhaltung der
Ponys in miteinander harmonisierenden Hengstgruppen findet auf der täglichen Weide statt.
Die Mindestanforderungen der TSchV werden mit dieser Haltung erfüllt und bei täglichem Weidegang deutlich übertroffen.
Kamele, Steppenzebras und Watussi-Rinder
4 Steppenzebras (Stuten, handzahm), 4 weisse Kamele (Stuten), 2 Watussi-Rinder (domestizierte
afrikanische Rinderrasse: 2 Kühe). Zustand der Tiere: grundsätzlich sehr gut. Alle Kamele mit
aufrechtstehenden Höckern, sehr neugierig und übermütig (Spiel- und Komfortverhalten wurde
beobachtet); die Watussi-Rinder mit hervorragend ausgebildeten Hörnern. Die Rinder treten nicht
in der Manege auf.
Eines der Zebras (das Leittier) hatte zum Zeitpunkt unseres Besuchs ein Hufproblem und wurde
durch den Zootierarzt für die Behandlung narkotisiert. Dazu wurde das Tier ruhig, aber in Sichtkontakt von der Gruppe kurzzeitig separiert. Kurz nach der Narkose konnte das behandelte Zebra mit
einem neuen Hufverband wieder zurück in ihre Gruppe. Die Box (unter dem Unterstand, zwischen
dem Auslauf der Zebras und Kamele und jenem der Watussi-Rinder) ist dick mit Stroh gepolstert.
Ein Teil der Freiheitsdressur (Friesen und Zebras, präsentiert von Géraldine Knie) fällt an diesem
Abend aus dem Programm, weil die sich
die anderen Zebras bei der Aufführung
stark an der Leitstute orientieren.
Stall/Unterstand
Als Unterstand dient ein allseits offenes
Zelt (ca. 72 m2) weitab vom Fussweg
für die Besucher, mit Stroh eingestreut
und permanent nach vorne offen zum
Auslauf der Kamele und Zebras, sowie
nach hinten auf einen kleineren Auslauf für die Watussi-Rinder.
Die Ausläufe befinden sich auf Asphalt und sind permanent zugänglich, an mehreren
Stellen reichlich mit Sägemehl, Stroh und Holzschnitzeln eingestreut. Neu befinden sich im Auslauf
mehrere Gummimatten als Liegeflächen; eine davon «extraweich» gepolstert und damit ein sehr
komfortabler Liegeplatz für Kamele und Zebras. Grösse des Auslaufs ca. 500 m², Wassergefässe,
Salzlecken und Äste zum Knabbern sind vorhanden.
Gute Mischhaltung mit permanentem Zugang zum Auslauf. Dank dem Unterstand / Stall ist ein
genügender Witterungsschutz vorhanden, den die Tiere aufsuchen können. Weide ist an diesem
Standort nicht vorhanden. Eine Zirkusmitarbeiterin beschäftigt sich während unseres Rundgangs
liebevoll mit den Kamelen, die sehr aufgeweckt und zufrieden wirken.
Mindestanforderungen TSchV: Für Zebras ist eine Mindestfläche von 500 m2 (bis 5 Tiere) vorgeschrieben, für die 4 Kamele 350 m2. Für die insgesamt 8 Tiere zusammen ist die Gehegefläche
gemäss TSchV zu klein. Allerdings müssen Zirkusse gemäss Art. 95 TSchV den Mindestanforderungen nicht voll entsprechen, sofern die räumlichen Verhältnisse an einzelnen Gastspielorten dies
Die Mindestanforderungen an die Haltung von Rindern (domestizierte Nutztiere) werden mit
dieser Haltung übertroffen.
3 Elefantenkühe, die alle in der Manege auftreten und täglich trainiert werden. Eine Elefantenkuh
wird zudem beim Elefantenreiten eingesetzt. Zustand der Tiere: gut.
Als Stall dient ein Zelt, das auf einer Seite offen ist (je nach Witterungsbedingung eine bis drei
Seiten offen). Die Innenseite ist mit Elektrodrähten gegen die Zeltplane hin umzäunt. Die Elefanten
kennen diesen Zaun sehr genau, gehen sehr nahe an ihn heran und langen auch mit dem Rüssel
über und unter dem Zaun durch. Auch nachts werden die Elefanten grundsätzlich in der Gruppe
gehalten und nicht mehr, wie früher üblich, angebunden. Das ganze Zelt von 30 x 10 m steht den
Tieren im Regelfall Tag und Nacht zur Verfügung. Die Tiere werden nur noch ca. 20 Minuten pro
Tag für die Pflege (Füsse) angekettet.
Zurzeit müssen allerdings wegen
Machtkämpfen zwei der Elefantenkühe
von der dritten (Ceylon) abgetrennt gehalten werden, da diese sich seit letztem Sommer immer wieder grob mit
MaPalaj um den Vorrang streitet und
das Gehege auf Tournee die Elefanten
«in der Hitze des Gefechts» nicht
mehr zurückhalten könnte. Zwar hat
sich gemäss Franco Knie jun. das Verhältnis der beiden Tiere bereits wieder
entspannt (v.a. während der Winterpause in Rapperswil), sie seien aber
noch nicht wieder so weit, dass man sie unbeaufsichtigt zueinander
lassen könne. Daher werden das Gehege und der Stall derzeit zweigeteilt, wobei zwischen den
Abteilen eine Teilfläche ungenutzt als «Puffer» bleibt. Dadurch ist die Bewegungsfreiheit der Elefanten im Vergleich zu den Vorjahren leider etwas eingeschränkt; es sollte sich aber um einen vorübergehenden Zustand handeln. Die erneute Zusammengewöhnung findet regelmässig unter der
Aufsicht von Franco Knie jun. und Pfleger im Aussengehege und in der Manage während des Trainings statt.
Positiv zu erwähnen ist, dass auch das Elefantengehege von der Platzerweiterung auf dem
Standort Buchs profitieren konnte und um rund 150 m2 vergrössert werden konnte. Leider haben
die Elefanten aber wenig davon, wenn sie in Teilgehegen untergebracht werden müssen und dazwischen eine «Pufferzone» ungenutzt bleibt…
Der Untergrund im Stall ist Schotter, ein Teil besteht aus einer Holzunterlage. Heu liegt am Boden.
Das Zelt ist im Frühjahr (bei Temp. < 15 °C) noch beheizt.
Den Tieren stehen insgesamt ca. 900 m² Auslauf zur Verfügung (der abgetrennt gehaltenen Kuh
Ceylon derzeit aber nur etwa 300 m2, den beiden anderen ca. 550 m2). Der Untergrund ist Kies.
Frisches Heu liegt im Auslauf, der zudem an mehreren Stellen mit Sägemehl und Holzschnipseln
eingestreut ist. Das Sägemehl wird von den Tieren gerne auch zur Körperpflege verwendet. Die
Tiere werden täglich gewaschen, was fehlende Strukturen wie Scheuermöglichkeiten (Baumstämme
oder Felsen) und ein Sandbad teilweise ersetzen kann. Im Sommer wird ihnen ein Becken mit
Wasser angeboten, das Platz für jeweils ein Tier bietet. Zudem werden die drei Elefantenkühe mit
Geschicklichkeitsspielen beschäftigt: In der Mitte des Platzes ist bspw. ein kleiner Käfig montiert,
in dem sich mit Löchern versehene Kanister und Stroh befinden. In den Löchern der Spielzeuge
stecken frische Früchte oder Gemüse, z. B. Karotten, welche die Elefanten zu erreichen versuchen,
indem sie geduldig – und sehr geschickt! – mit dem Rüssel in dem Käfig herumtasten, die Kugeln
und Blöcke drehen und wenden, das Futter herausschütteln und aufsammeln. Die Tiere können
sich offenbar stundenlang mit diesem Spiel beschäftigen. Während unserem Rundgang beschäftigt
sich Ceylon aber hauptsächlich mit dem Erbetteln von Popcorn. Trotz des Fütterungsverbotes wird
ihr von den Besuchern im Minutentakt Popcorn zugesteckt. Ein kleines Kind legt ein kleines Stück
Plastik in die Rüsselspitze, welches vom Elefant ebenfalls geschluckt wurde.
An den Standorten Neuchâtel und Lausanne können die Elefanten zudem im See baden.
Grundsätzlich ist die Elefantenhaltung im Zirkus Knie unter den Voraussetzungen, die ein fahrendes
Unternehmen diesen Tieren überhaupt bieten kann, vorbildlich. Allerdings stellt sich die Frage,
weshalb die Elefantin Ceylon überhaupt auf Tournee mitgeführt wird, solange hierarchische Unruhen in der Gruppe herrschen, und ob nicht nur zwei – oder dann drei besser miteinander harmonierende Tiere – hätten mitgeführt werden können (zumal das Problem offenbar schon seit letztem
Sommer besteht)? Auf diese Weise könnte den Elefanten mehr Platz und allen Tieren ein Sozialverhalten gewährt werden.
Der Trend bei der Haltung von Elefanten in modernen Zoos geht in Richtung der Anlage von Parks,
also möglichst weitläufigen, Tausende von m2 grossen, naturnah gestalteten Gehegelandschaften
mit Vegetation, Bademöglichkeit, Bäumen. Unter Zirkusbedingungen auf Tournee sind solche Vorgaben nicht umsetzbar. Indische Elefanten werden aber seit Jahrtausenden in Gefangenschaft als
Arbeitstiere gehalten und können sich offenbar an ein Zusammenleben mit Menschen gewöhnen –
wenn sie bereits in Gefangenschaft geboren wurden (semi-domestizierte Tiere). Im Weiteren ist festzuhalten, dass sich die Zirkusleitung bei Knie sehr für das grösstmögliche Wohl ihrer Tiere engagiert.
Im Kinderzoo Rapperswil leben die Elefanten ausserhalb der Tournee in der Herde, in einer derzeit
2010 m2 grossen, mit verschiedenen Substraten, Scheuer- und Beschäftigungs­möglichkeiten gut
strukturierten Anlage und verfügen zudem über den grössten Freilaufstall der Schweiz. Bis 2015
soll im Kinderzoo Rapperswil ein moderner Elefantenpark auf einer Fläche von 6500 m2 entstehen,
der den Tieren modernste Haltungsbedingungen bieten wird. Auch Knies Zirkuselefanten dürfen
sich dann während mehrerer Monate im Jahr dieses neuen Freiraums erfreuen.
Mindestanforderungen TSchV: Für 3 Elefantenkühe verlangt die neue TSchV 500 m2 Aussengehege und 75 m2 Innengehege. Innen- und Aussengehege übertreffen bzw. erfüllen diese Anforderungen.
Der Standort in Buchs ist vom Raum her mittelgross. An einigen Plätzen steht den Tieren gemäss
Zirkusleitung weniger, an anderen dafür noch mehr Platz (inkl. Wiese) zur Verfügung.
Kapuziner-Affen (Gehaubter Kapuziner)
Total 12 adulte und halbwüchsige Tiere; davon 5 Männchen. Zustand der Tiere ist gut, Haltung in
natürlichem Sozialverband. Die Tiere stammen ursprünglich vom Primatenzoo Appeldorn.
Die ganze Anlage besteht aus drei (beheizbaren) Wagen, die alle miteinander verbunden sind. Der
mittlere Wagen ist auf seiner ganzen Länge ausgefahren, somit verdoppelt sich seine Grundfläche.
Zudem sind an beiden Stirnseiten Verandas angebaut. So entsteht eine «gekammerte» Haltung mit
einer totalen Fläche von ca. 125 m2. Dazu kommt ein rund 3 m hoher Ausguckkäfig: eine zusätzliche kleine Voliere kann auf dem Dach einer Veranda errichtet werden, was den Tieren eine zusätzliche Strukturierung bietet und ihnen ermöglicht, von dort oben einen guten Überblick zu erhalten.
Diesen Teil des Geheges erreichen die Tiere kletternd via eine Stange oder ein Seil.
Die gekammerte Unterteilung der ganzen Haltungsanlage ist sehr gut gelöst und bedeutet, dass
sich die Tiere bei Bedarf in die einzelnen Kompartimente zurückziehen können. So weichen sie
Artgenossen aus und können von ihnen nicht mehr gesehen werden, was bei Auseinandersetzungen
Die ganze Anlage ist reich strukturiert mit Seilen, Kletterästen, Sitz-Brettern (teilweise mit Heizung!) und Sichtblenden. Zwei spezielle Futterkisten sind montiert, die mit verschiedenen Materialien (Äpfel, Rosinen, Heu, einmal wöchentlich Grillen) bestückt werden. Die Affen kommen nur
durch kleine Öffnungen und mit «Arbeit» an das Futter ran, was eine mentale Herausforderung und
eine sinnvolle Beschäftigung bedeutet. Sobald im Frühjahr Äste mit frischem Laub zur Verfügung
stehen, erhalten die Affen auch frisches Grünfutter zur Beschäftigung
Diese Haltung kann als sehr gut für die kleine Affenart bezeichnet werden. Die Tiere haben eine
perfekt strukturierte und interessante Anlage zur Verfügung, die auch von der Grösse her befriedigt.
Die sinnvollen und abwechslungsreichen Beschäftigungen (Futter-kisten, belaubte Äste, verschiedenste Kletterstrukturen) werden von den Tieren rege genutzt. Wenn es Streit in der Gruppe gibt,
können sich die Tiere durch die verschiedenen Wagen problemlos ausweichen.
Die Mindestanforderungen der TSchV (10 m2 Aussengehege und 10 m2 Innengehege für bis zu 5
Tiere) werden mit dieser Haltung bei den Flächenmassen weit übertroffen, die zusätzlichen Anforderungen (Ausweichmöglichkeiten, Klettermöglichkeiten, Beschäfti­gung) sind allesamt erfüllt. Für
12 Kapuziner-Affen verlangt die TSchV lediglich 48 m2 Fläche (Aussen- und Innengehege).
11 Hunde verschiedener Rassen, alles
Rüden, aber die Hälfte davon kastriert
(1 Barsoi, 2 Berner Sennenhunde, 3
Australian Shepherd, 1 Border Collie,
1 Chihuahua, 1 Dansk Svensk Gårdshund, 1 Chinese Crested Dog, 1 Alaskan Malamute). Alle Hunde machen
einen gesunden, gepflegten Eindruck
und verhalten sich aufmerksam und
teilweise verspielt. Der kastrierte Malamute-Rüde (das Alpha-Tier) trägt,
wenn unbeaufsichtigt tagsüber einen
Maulkorb. Während der Nacht wird der
Alaskan Malamute gemäss der Halterin ohne Maulkorb alleine im Aussengehege gehalten. Ohne
Maulkorb würde er gemäss Aussage der Tierhalterin seine Rudelgefährten tyrannisieren und verbeissen; mit Maulkorb verhalte er sich friedlich, ohne aber seine Stellung im Rudel einzubüssen.
Bei unserem Besuch verhält er sich ausgeglichen und ruhig und zeigt keinerlei Aggressivität gegenüber Rudelmitgliedern. Auch in der Manege gibt es keine Probleme.
Für die Hunde ideal ist die artgemässe Haltung im Rudel. Dies kann – wie in diesem Fall – allerdings auch Haltungsprobleme aufgrund von Rangkämpfen oder Unverträglichkeiten mit sich bringen.
Den Hunden steht ein doppelstöckiger Wohnwagen mit verschiedenen Ruheplätzen (Betten,
Körben, Liegeflächen) zur Verfügung, der permanent mit einem Aussengehege verbunden ist. Wohn-
wagen und Gehege befinden sich ganz am Rand des Zirkus-Fuhrparks und sind durch die Wohnwagen und eine Hecke gut abgeschirmt. Der Auslauf ist relativ weitläufig (ca. 200 m2) und langgezogen, und mit einem hölzernen «Podest» und Rückzugsmöglichkeiten strukturiert. Die Hunde
haben genug Platz zum Herumtraben, Spielen oder für Rückzug und Ruhe. Gemäss Tierhalterin
werden die Tiere auch täglich ausgeführt; sie gehe mit jeweils 2-3 Tieren spazieren oder joggen.
Der Wohnwagen besteht aus zwei getrennten Abteilen, was noch zusätzliche Ausweichmöglichkeiten ergibt. Der Nackthund und der Chihuahua verbringen die Nacht im Wohnabteil der Tierhalterin; die anderen Hunde haben einen eigenen «Wohnbereich»;
Beurteilung der Haltung aus Tierschutz-Sicht
Aus Hundesicht ideal ist die Haltung im Rudel mit gleichzeitig engem Kontakt zu einer menschlichen Bezugsperson, welche die Tiere physisch und mental fordert (Training, Spaziergänge) und
führt und umsorgt. Positiv zu erwähnen ist das ständige Vorhandensein eines relativ grossen Auslaufs und die Möglichkeit, sich jederzeit in den Wohnwagen und dort in gesonderte Liegebereiche
zurückzuziehen. Im Rudel können sich die Hunde sehr ursprünglich und artgemäss verhalten und
die ganze Bandbreite ihres Sozialverhaltens ausleben. Problematisch bei der Rudelhaltung im
Gehege ist allenfalls der Umstand, dass sich «verfeindete» Tiere nicht aus dem Weg gehen können,
wie es bei wildlebenden Wölfen der Fall wäre.
Die dauernde Haltung mit Maulkorb kann keinesfalls die Lösung sein, denn sie ist weder Tierschutz- noch tierverhaltenskonform! Fellpflege, Trinken, Fressen und Gesichtsmimik sind durch
den Maulkorb eingeschränkt, was zur Belastung des Tieres und zu falschen Signalen innerhalb des
Rudels führt. Hier müsste den Ursachen der Unverträglichkeit auf den Grund gegangen werden,
evtl. mithilfe eines Hundepsychologen (denn dass ein Leittier seine Rudelgefährten blutig beisst
und ihre Unterwerfungsgesten nicht akzeptiert, ist nicht normal). Eine Umplatzierung des Rudelchefs wäre bloss als Mittel letzter Wahl in Betracht zu ziehen (da dies zu weiterer Unruhe im Rudel
führen dürfte, bis sich das neue Alphatier etabliert hat, und zudem eine starke Belastung für das
betroffene Tier wäre). Aus Tierschutzsicht sinnvoll wäre eine fachliche Begleitung der Tierhalterin
(noch auf der Tournee) durch eine(n) Verhaltensspezialisten/-in der STVV (Schweizerische Tierärztliche Vereinigung für Verhaltensmedizin). Diese decken in ihrer Beratung medikamentöse wie auch
verhaltenstherapeutische Aspekte ab. Eine Nachkontrolle zu einem späteren Zeitpunkt, ob die
Problematik gelöst werden konnte, müsste allenfalls in Deutschland stattfinden.
Nur, wenn Hunde dauernd in einem Zwinger/Gehege gehalten werden, gibt es gesetzliche Mindestvorgaben bezüglich Flächenmassen und Schlafboxen. Bei einer Haltung im Zwinger ohne zusätzlichen Auslauf müsste nebst einer definierten Mindestfläche (von Körpergrösse der Hunde abhängig)
für jeden Hund eine eigene Box oder ein Schlafplatz vorhanden sein. Bei der beobachteten Haltung
handelt es sich allerdings nicht um eine Zwingerhaltung, da die Tiere über ein Auslaufgehege verfügen und regelmässig ausgeführt werden. Zudem müssen alle Hunde, unabhängig von der Haltungsweise, über ausreichend Sozialkontakt mit Menschen verfügen und täglich im Freien ausgeführt werden oder Auslauf ausserhalb des Zwingers haben.
Die gesetzlichen Mindestanforderungen werden mit der angetroffenen Haltung übertroffen.
1. Tiernummer: Ouvertüre, Freiheitsdressur, Hohe Schule, «Gross und
Klein»
präsentiert von F
­ redy Knie jun., Ivan Frédéric Knie, Mary-José Knie und Chanel Marie Knie
1 Elefant, 2 Pinto-Pferde, 4 Ponys, 1 Andalusier, 1 Boulonnais, 1 Achal-Tekkiner
Während der akrobatischen Ouvertüre-Show des « Zirkusballets Bingo » schwenkt ein Scheinwerfer
plötzlich zum bis dahin dunklen Eingangsbereich, wo «wie aus dem Nichts» ein Elefant aufgetaucht
ist. Fredy Knie jun. steht beim Kopf des Tieres. Ein Artist des Zirkusballets «betritt» die Manege
mit einem spektakulären Sprung über den Rücken des Elefanten. Dann wird das Tier wieder aus
dem Zelt herausgeführt.
Mary-José Knie betritt die Manege. Ihr folgt ein Pinto-Hengst (ohne Brustgeschirr, nur mit Halfter). Die Artisten des Zirkusballets halten derweil lange Leuchtstäbe vor sich hin, und auf Kommando der Dompteuse läuft der Hengst im Slalom zwischen diesen Leuchtstäben hindurch, wobei
er am Halfter Hilfestellung erhält. Dann trabt ein zweiter Pinto-Hengst in die Manege. Die Pferde
umrunden die Manege hintereinander im Trab, dann tänzeln sie mehrmals über die als niedrige
«Hürden» hintereinander gehaltenen Leuchtstäbe der Artisten, wobei sie auch die Richtung wechseln. Unterdessen sind zwei grössere Ponys am Eingang der Manege seitlich aufgestellt worden,
entlang eines auf Brusthöhe am Manegenrand aufgelegten Bambusstange Die Ponys sind locker
ausgebunden und werden von je einem Assistenten am Halfter gehalten. Auf Kommando von MaryJosé Knie verlassen die beiden Pintos die Manege, indem sie im Galopp Anlauf nehmen und dann
in einem hohen Sprung über die Bambusstange und die Ponys hinwegsetzen.
Die Ponys verlassen das Zelt, und der junge Ivan Frédéric Knie reitet auf dem stolzen Andalusier-Hengst «Evento» in die Manege. Hier zeigt er eine harmonische Abfolge von verschiedenen
Figuren und Schrittfolgen der Hohen Schule, u.a. Piaffe, Volten, Wechseln, Traversieren, Verbeugen.
Pferd und Reiter harmonieren gut miteinander; die reiterischen Hilfen sind kaum sichtbar, und der
Hengst macht einen sicheren, konzentrierten Eindruck.
Nach diesem Show-Teil betritt Fredy Knie jun. mit einem weissen Kaltblüter am Halfter die
Manege. Auf dem Pferd sitzt die erst dreijährige Chanel Marie. Das Pferd ist ausgebunden. Am
Halfter geführt, dreht es eine Runde um die Manege, dann hilft Fredy Knie dem Mädchen beim
Absteigen, und Chanel nimmt eine kurze Reitgerte in die Hand. Dann trabt ein kleines, weisses
Pony in die Manege. Pferd und Pony drehen im Schritt eine Runde, zeigen Richtungswechsel und
gehen erst neben-, dann hintereinander. Chanel, in der Manegenmitte neben Fredy Knie jun. stehend, «hilft» bereits beim Dirigieren der Pferde mit. Zum Schluss dieses Showblocks «Gross und
Klein» stellt sich das Pferd mit den Vorderläufen auf ein in der Mitte der Manege bereitgestelltes
Podest, und das Pony dreht mehrere Runden unter ihm hindurch, ehe es sich unter der mächtigen
Pferdebrust ebenfalls mit den Vorderläufen auf das Podest stellt. Auch diese beiden Pferde wirken
entspannt und scheinen jederzeit genau zu wissen, was von ihnen erwartet wird.
Anschliessend verneigt sich das Pony auf Chanels Hinweis mit der Gerte, und das Pferd verlässt
das Rund. Das Pony springt noch mehrmals über ein Springseil, ehe es ebenfalls entlassen wird.
Dann reitet Ivan Frédéric auf dem Achal-Tekkiner herein, lässt das Pferd in die Hinterhand steigen
und «geht» so aus der Manege. Ihm folgt ein kleines, falbes Pony, auf welchem wieder Chanel
Marie sitzt. Fredy Knie jun. steht direkt neben dem Tier, als das Pony sich auf Kommando ebenfalls
aufrichtet und ebenso aus der Manege geht, während sich die dreijährige Chanel gekonnt am Sattel festhält.
Fazit der Vorführung
Eine aus Tierschutzsicht unproblematische Dressur. Die Kommandos sind klar, sehr zurück­haltend
und Mensch und Tier ein eingespieltes Team. Keine der Übungen verlangt von den Tieren unnatürliche oder überfordernde Bewegungsabläufe ab. Die Pferde sind offensichtlich freudig an der Arbeit,
sind temperamentvoll, aufmerksam und konzentriert, aber nie gestresst. Auch das dreijährige Kind
beweist bereits viel Einfühlungsvermögen und geht sehr sanft mit den Tieren um.
2. Tiernummer: Sketch mit Knabstrupper-Pferd
präsentiert von Maycol Errani
1 Knabstrupper-Pferd
Maycol Errani betritt die Manege, gefolgt von einem grossen Kaltblüter, der Rosi Hochegger gehört.
Im Hintergrund steht ein massives Holzbett mit Matratze und Decke in der Manege, im Vordergrund
eine Art Hindernis aus einem Springparcours.
Es folgt eine Art Sketch, bei welchem Mensch und Pferd einen «Dialog» aufführen. Maycol Errani spricht mit dem Pferd, fordert es auf, über das Hindernis zu springen, wobei das Pferd seinen
Unwillen durch Kopfschütteln auszudrücken scheint und seinen menschlichen Partner dazu bringt,
die Hindernisstange immer tiefer zu legen. Das Pferd «rebelliert» danach gegen weitere Aufforderungen verschiedenster Art, indem es Maycol Errani hinterrücks mit dem Kopf schubst oder ihn
«auslacht» oder «gähnt», indem es das Maul weit aufreisst. Im weiteren Verlauf des Sketchs «streiten» sich Pferd und Mensch um ein Handtuch, zeigt das Pferd einige Volten und wird dann mit
angeblich grosser Überredungskunst dazu gebracht, sich zuerst auf die Bettkante zu setzen und
anschliessend auf dem Bett niederzulegen, den Kopf auf Maycol Erranis Schoss, und sich zum
Schluss sogar noch selber zuzudecken und ruhig liegen zu bleiben. Am Schluss des Auftritts erhebt
sich das Pferd wieder und verlässt die Manege mit einem Sprung über ein niedriges Hindernis.
Das Pferd zeigt während der ganzen Vorführung ein erstaunliches «schauspielerisches» Können,
indem es jederzeit genau weiss, was im Verlauf des Stücks von ihm wann und in welcher Abfolge
verlangt wird. Dabei erhält es keine sichtbaren Hilfestellungen, etwa in Form von verbalen Kommandos, auffälligen Fingerzeigen oder Führung am Halfter. Nur ein einziges Mal wird die Gerte
leicht dirigierend eingesetzt, um das Pferd zum Absitzen auf dem Bett zu bewegen. Das Pferd zeigt
grosse Aufmerksamkeit mit zumeist nach vorn gerichteten, gespitzten Ohren und wirkt sehr ausgeglichen und motiviert. Maycol Errani lobt und belohnt das Pferd immer wieder durch kurzes Streicheln oder eine Handvoll Futter.
Eine aus Tierschutzsicht unproblematische Vorführung. Das Pferd ist mental gefordert, (körperlich
kaum) und ist den Anforderungen jederzeit gewachsen. Seine Körpersprache zeigt keinerlei Zeichen
von Belastung oder Widerwillen / Vermeidung, sondern vielmehr Konzentration und Motivation.
Durch positive Verstärkung (Lob, Futter) erhält das Tier Sicherheit. Der spielerische Kontext der
Nummer fördert hier ein ungeahntes tierisches Talent zutage. Maycol Errani geht auffallend sanft
mit seinen Tieren um. In der Tiernummer bekommt auch das Verhältnis zwischen Mensch und Tier
eine wichtige Bedeutung. Obwohl das Pferd seinen «Besitzer» zum Narren hält, wird es sehr geduldig und liebevoll behandelt. Dies sendet auch eine gute Message an das Publikum.
3. Tiernummer: Elefanten
präsentiert von Franco Knie jun., Linna Knie-Sun und Chris Rui Knie
3 Indische Elefantenkühe «MaPalaj», «Delhi» und «Ceylon»
Einer hinter dem anderen schreiten die drei Elefanten in die Manege und stellen sich mit den
Vorderläufen auf drei bereitgestellte Podeste. Auf dem Rücken des mittleren Tieres reitet Linna
Knie-Sun, und Franco Knie jun. dirigiert die Tiere. Zuerst drehen sie sich um die eigene Achse
(wobei die Vorderläufe auf den Podesten bleiben) und heben im Gleichtakt jeweils einen Vorderlauf
an. Dann steigen sie ganz auf das Podest, steigen mit den Vorderbeinen ab und wiederholen die
Volte um die Rückhand, ehe sie sich auf Kommando (kurz) auf das Podest setzen. Anschliessend
drehen sie hintereinander eine Runde um die Manege, wobei sie sich mit dem Rüssel am Schwanz
des vorhergehenden Tieres halten.
Die Reiterin steigt ab, und die drei Elefanten «marschieren» im Gleichschritt Schulter an Schulter, wobei sie langsam abwechselnd jeweils einen Vorderlauf hoch anheben. Am Manegenrand
angekommen, gehen sie in derselben Weise rückwärts und verneigen sich dann. Anschliessend
dirigiert Franco Knie jun. die drei Elefanten in eine liegende Stellung, wobei eines der Tiere etwas
Hilfestellung am Halfter benötigt und ein anderes Tier sich weigert, bis ein Assistent ihm ein riesiges Kopfkissen bereit legt. Dann legen sich Linna Knie-Sun und Chris Rui auf die Elefanten.
Anschliessend sitzen die Elefanten wieder (kurz) auf und erheben sich dann ganz, und zwei
Tiere verlassen die Manege. Unterdessen ist auf dem Boden eine Matte ausgebreitet worden, auf
die sich Franco Knie jun. rücklings niederlegt. Auf Kommando stellt sich der Elefant vorsichtig
direkt über ihn und legt sich dann ganz behutsam bäuchlings ab, so dass der Dompteur unter der
Brust und zwischen den Vorderbeinen des Dickhäuters zu liegen kommt. Zur Belohnung reicht
Franco Knie jun. dem Tier eine ganze Banane.
Zum Schluss der Vorführung betritt nochmals ein anderer Elefant die Manege und trägt dabei
Linna Knie-Sun, indem er sie mit dem Maul am Rock festhält,, stellt sich mit den Vorderfüssen auf
ein Podest und dreht eine Volte. Dann gibt er Linna Knie-Sun frei und verneigt sich. Schliesslich
kommen nochmals alle drei Elefanten in die Manege und gehen hintereinander, dann stützen sie
sich mit den Vorderläufen auf das Vordertier ab und verlassen so das Zelt.
Die Nummer verläuft druck- und stressfrei und verlangt von den Tieren keine unnatürlichen Bewegungen ab. (Kurzes Aufsitzen oder Aufstehen in die Hinterläufe, Abstützen auf Artgenossen sowie
Abliegen auf den Bauch kann in freier Wildbahn bspw. beim Schlammbaden, Spielen unter Jungtieren und Halbwüchsigen oder bei der Nahrungssuche unter hohen Bäumen beobachtet werden).
Die Tiere bleiben ruhig und folgsam. Die Kommandos sind klar, ruhig, und die Peitschen und
(stumpfen!) Ankhus-Haken werden kaum eingesetzt (und wenn, dann sehr sachte). Problemlose
4. Tiernummer: Artistennummer mit Friesen-Hengsten
7 Friesenhengste
Maycol Errani reitet (ohne Sattel) auf einem Friesen-Hengst in die Manege. Reiter und Pferd verneigen sich, dann steigt Maycol Errani ab. Auf leises Kommando tänzelt der Hengst um seinen
Dompteur herum und geht «bei Fuss» durch die Manege, sowohl im Schritt, wie dann auch im Trab
und Galopp neben Maycol Errani im Laufschritt. Schliesslich steigt das Pferd auf Kommando in
die Hinterläufe und verlässt dann die Manege.
Zwei weitere Friesen kommen herein. Sie sind ebenfalls ausgebunden und traben Schulter an
Schulter und, mit Hilfestellung am Halfter, auch seitlich durch die Manege. Maycol Errani gibt
seine Kommandos ruhig und verwendet die Peitsche bloss als Dirigierhilfe; ein einziges Mal versetzt
er einem der Pferde einen leichten «Zwick» am Bauch. Zwischendurch werden die Pferde immer
wieder gelobt und erhalten «Leckerli» als Belohnung. Erranis Körpersprache ist zurückhaltend und
ruhig, die Gestik meist subtil, der Umgang mit den Tieren respektvoll.
Wieder schwingt sich Errani auf den Rücken eines der Pferde; das andere Pferd führt er am
Zügel mit. Er dirigiert die beiden Hengste Seite an Seite mit den Vorderläufen auf den Rand der
Manege, steht selber auf, lässt die Tiere dann um die Manege traben und hält sich – je einen Fuss
auf einem Pferderücken – in der Balance. Dann stürmen zwei weitere Friesenpferde in die Manege
und bewegen sich, langsam rückwärts gehend und nur auf Zuruf, neben das Gespann. Zwei weitere Pferde folgen. Vom Manegenrand aus gibt Mary-José Knie mit einer langen Peitsche leichte
Hilfestellung (Dirigieren) beim Rückwärtsgang, als eines der Pferde sich zuerst weigert, die Übung
auszuführen. Schliesslich stehen alle Pferde Schulter an Schulter; Maycol Errani steht auf den
Tieren in der Mitte und lässt dann das ganze, imposante «Gespann» im Trab einige Runden um die
Manege drehen, wobei er die mittleren Tiere an langen, dünnen Zügeln locker führt und die Seitenpferde mit der Gerte dirigiert.
Schliesslich bleiben alle sechs Hengste Seite an Seite in der Manegenmitte stehen. Nochmals
drehen sie eine Runde, dann verlassen vier Pferde das Zirkuszelt, und Errani setzt sich auf den
Rücken eines der verbleibenden beiden Pferde. Nochmals drehen sie eine Runde, dann geht auch
das fünfte Tier hinaus. Der letzte Friese wird nach Absteigen seines Reiters nochmals belohnt und
folgt den anderen. Anschliessend galoppiert ein Araberschimmel in die Manege, steigt in der Mitte in die Hinterhand und verlässt die Manege wieder, gefolgt von zwei weiteren Araberhengsten, die
im Galopp um die Manege stürmen, dann Seite an Seite steigen und ebenfalls wieder das Manegenrund verlassen.
Die Kommandos und Hilfen sind ruhig und klar. Die Pferde kennen die Nummer offenbar gut und
können allein mit Handzeichen oder leichtem Anheben der Gerte dirigiert werden. Die Hilfen sind
kaum sichtbar. Die Tiere bleiben ruhig und folgsam. Problemlose Vorführung.
5. Tiernummer: Hunde-Revue
präsentiert von Rosi Hochegger
1 Dansk-Svensk Gårdshund, 2 Berner Sennenhunde, 3 Australian Shepherd, 1 Chinese Crested
Dog, 1 Alaskan Malamute
Die Dompteuse betritt die Manege zusammen mit einem Dansk-Svensk Gårdshund (einer vorläufig
von der FCI anerkannten, etwas einem Kurzhaar-Foxterrier ähnelnden, skandi­navischen Pinscherrasse). Dieser trägt ein Spielzeug im Maul und zeigt einige Figuren des «Dogdance» (Slalom um
die Beine seiner Dompteuse, vorwärts und rückwärts, Drehen um eigene Achse, Rollen am Boden,
Weitsprung und Hochsprung in die Arme der Dompteuse). Vor Aufregung bellt er dabei lauthals und
ist mit sichtlichem Elan bei der Sache. Dann verlässt er die Manege durch eine Art «Kulisse» aus
Hausfassaden und Treppen im Hintergrund.
Aus einem anderen Türchen der Kulisse stürzen sich hintereinander zwei Berner Sennenhunde
in die Manege und zeigen ebenfalls einige Dogdance-Übungen, z. B. Tänzeln auf den Hinterläufen.
Ihnen folgt ein Australian Shepherd, der ebenfalls «Gehen auf den Hinterläufen» und Rollen am
Boden zeigt, sowie ein weiterer Vertreter dieser Rasse, der mit seinem Hundepartner zusammen
durch die Manege tollt, wobei die Hunde jeweils über den Rücken ihres Artgenossen springen. Auch
diese zwei Hunde bellen vor Aufregung.
Es folgt der Chinese Crested Dog (ein Nackthund und damit eine tierschutzrelevante Zuchtform!),
der in der Manege um die eigene Achse wirbelt und auf den Hinterläufen herumspringt; erneut der
Gårdshund, der mit den Hinterläufen im Manegenboden scharrt und dabei die «Steps» seiner
menschlichen Partnerin nachahmt und anschliessend ein paar erstaunlich hohe Sprünge nach der
auffordernden Hand von Rosi Hochegger zeigt.
Ein weiterer Australian Shepherd läuft in hohem Tempo um die Manege und springt dabei durch
einen bereit gehaltenen Reifen; gefolgt vom Border Collie, der noch höhere Sprünge durch den
Reifen zeigt. Zum Schluss kommt der Alaskan Malamute in die Manege, die er in langsamem Trott
abschreitet, was wohl einen «unmotivierten» Eindruck erwecken soll. Er gibt auf Aufforderung
Pfote und weigert sich dann demonstrativ, durch den (zuerst absichtlich viel zu hoch gehaltenen)
Reifen zu springen – auch als dieser direkt über Boden gehalten wird. Schliesslich rollt er sich im
Sägemehl und wird von der Dompteuse mit Streicheleinheiten belohnt. Dann stellt er sich «tot»
und bleibt regungslos am Boden liegen. Ein Australian Shepherd apportiert eine Velopumpe, die
Hochegger an dem Schlittenhund scheinbar «anschliesst» und ihn durch «Aufpumpen» wieder zum
Leben erweckt, worauf der Malamute sich erhebt und aus der Manege trottet.
Zum Schluss der Vorführung werden von den Assistenten zwei Hürden am Manegenrand aufgestellt, und insgesamt sieben Hunde stürmen herein (Border Collie, Malamute, zwei Australian
Shepherds, zwei Berner Sennenhunde und der Gårdshund). Alle Hunde jagen durch die Manege
und springen hin und her über die Hürden, ehe sie das Zelt durch die Türchen in der Kulisse verlassen.
Aus Tierschutzsicht unproblematische Vorführung mit Standard-Elementen des Dogdance, welche
die Hunde (allesamt Vertreter «sportlicher» Rassen) weder physisch noch mental überfordern oder
belasten. Man sieht, dass den Hunden die Arbeit in der Manege auch sichtlich Spass macht – sie
sind verspielt, teilweise fast etwas überdreht. Die Dompteuse dirigiert die Hunde allein mit Handzeichen und Zurufen; Mensch und Hunde sind ein eingespieltes Team – sosehr, dass die Hunde
offenbar auch genau den Ablauf der Nummer kennen und kaum mehr der Aufforderung durch
Hochegger bedürfen. Die ganze Nummer läuft demzufolge rasant ab.
Der STS ist gegen die Zucht von Nackthunden, bei denen er die Definition einer Qualzucht erfüllt
sieht. Das Fell ist ein wichtiger mechanischer und thermischer Schutz für den Hundekörper, ganz
abgesehen von seiner sozialen Funktion. Die beschriebene Haltung und Präsentation des Tieres ist
aber aus Tierschutzsicht unproblematisch.
Der Circus Nock wurde dieses Jahr in Biel (BE) besucht. Der Zirkus gastiert mitten in der Stadt auf
einer Kiesfläche. Weiden für die Tiere sind an diesem Standort nicht vorhanden.
Der mitgeführte Tierbestand ist annähernd derselbe, wie im vergangenen Jahr. Nebst den Friesen
und iberischen Pferden werden ein Zebra, zwei Zwerg-Esel, zwei Kamele sowie fünf Ponys (davon
drei Mini-Shetlandponys) mitgeführt. Eines der Mini-Shetlandponys und die beiden Esel treten in
der Manege auf; die übrigen Ponys werden regelmässig beim Ponyreiten für Kinder eingesetzt.
Zudem gehören auch 5 Pudel zum Tierbestand. Diese sind jedoch bei den Artisten im Wohnwagen
untergebracht, die Haltung konnte daher nicht beurteilt werden.
Die beiden Kamelstuten, ein altes Zebra und die zwei grösseren Ponys teilen sich einen Auslauf
mit einem einfachen Unterstand, der gut eingestreut ist. Zudem haben die Tiere über eine flache
Rampe Zugang zum offenstehenden, aber sehr karg eingestreuten Transporter. Die Pferde, weitere
Ponys sowie zwei Esel sind im Stallzelt eingestellt. Die Paddockboxen verfügen über einen Aussenbereich, der an die eigentliche Box im Stallzelt anschliesst. Die Aussenboxen für die Pferde werden
genutzt, wann immer es Platz und Witterung erlauben. Gemäss Aussage Circus Nock und Erfahrung
des STS aufgrund etlicher Besuche an verschiedensten Standorten gibt es auf der Tournee nur
wenige Standorte, wo die Tiere keinen Auslauf nutzen können. An diesen Standorten dürfen sie
sich ausserhalb der Vorführungen zumindest zeitweise auch in der Manege zur freien Bewegung
Die Mini-Shetlandponys und Esel werden im Stallzelt zu dritt resp. zu zweit in grossen, sehr gut
eingestreuten Doppelboxen gehalten, was positiv zu erwähnen ist – erst recht, da zusätzlich zu
diesen Boxen auch Ausläufe zur Verfügung stehen, welche die verfügbare Fläche verdoppeln. An
manchen Standorten können die Pferde und Kamele zudem auf die Wiese (Gastrecht des Zirkus
bei diversen Bauern).
Bei einem Wohnwagen von Artisten befindet sich ein kleines Kaninchen-Gehege, in dem ein einzelnes
Zwergkaninchen sitzt. Eine Einzelhaltung von Kaninchen ist nicht artgerecht (aber leider legal)! Der nackte
Kiesboden ist «homöopathisch» mit
Stroh eingestreut; als einziger Rückzug dient eine Transportbox mitten in
dem nur etwa 1.5 m2 grossen Auslauf.
Futter- und Wasserschälchen stehen
zur Verfügung. Das Gehege befindet
sich allerdings am Rand des Zirkusgeländes; ist nur durch einen Gitterzaun
vom Trottoir und der Strasse getrennt.
Für das Fluchttier Kaninchen dürfte
dies belastend sein, da es vorbeigehenden Menschen und Hunden nur in die Box ausweichen kann. Entsprechend regungslos hockt es
direkt vor dem Eingang seiner Box und starrt auf die vorbeigehenden Passanten. Ein geschützterer
Standort für das Gehege wäre hier sicher wünschenswert; ausserdem sollte dem Tier mindestens
ein Artgenosse zugesellt werden! Gemäss Auskunft der Zirkusleitung handelt es sich um altes,
13-jähriges Tier, das keine Vergesellschaftung mit einem Artgenossen mehr ertrüge. Es verbringe
die Nacht im Wohnwagen «mit Familienanschluss» und sei mit Menschen und einem Hund sozialisiert, mit dem es auch spiele.
Aus Sicht des Tierschutzes sind die in der Manege gezeigten Tiernummern allesamt unproblematisch und machen einen harmonischen Eindruck. Die Tiere werden nicht überfordert, der Umgang
mit ihnen ist ruhig und freundlich, und die Gesten und Kommandos sind ruhig und zurückhaltend.
Kamele, Ponys und Zebra
2 Kamelstuten, 1 Zebra, 2 Ponys. Zustand der Tiere: gut. Das Zebra und die Ponys sind bereits
älter; ein Pony und das Zebra haben sich offenbar am vorherigen Standort auf einer Wiese gewälzt
und haben daher gerade ein etwas schmutziges Fell.
Auf einem Platz von etwa 200 m2 befinden sich zwei Kamelstuten, ein Zebra und zwei Ponys. Das
Zebra – einziges Wildtier in Nocks Tierbestand – tritt nicht mehr in der Manege auf, verbringt seinen
Lebensabend aber im gewohnten Umfeld auf Tournee. Als Unterstand für die Tiere dienen ein allseits offenes, aber gut eingestreutes Zeltdach von knapp 21 m2 (3x7 m) Fläche (der an Standorten
mit grösserem Platzangebot in der Fläche verdoppelt wird), sowie der nebenan stehende, aber nur
karg eingestreute Aufleger. Auch die eingestreute Fläche scheint für die Zahl der Tiere insgesamt
etwas knapp bemessen zu sein. Eine grosse Plastikwanne mit Wasser steht den Tieren als Tränke
zur Verfügung, und an den Gittern des Unterstands sind auch Salzsteine befestigt. Zudem ist Beschäftigungsmaterial in Form von trockenen Ästen vorhanden. Die Kamele machen einen gesunden
Eindruck: Sie haben sauberes, gepflegtes Fell, sind wohlgenährt und verletzungsfrei und mit (bis
auf einen) aufrecht stehenden Höckern – keine Selbstverständlichkeit bei Kamelen in Gefangenschaft, zumal in unseren Breitengraden! Zum Zeitpunkt des Besuches liefern sie sich gerade eine
kleinere Rangelei; es kehrt aber schnell wieder Ruhe ein. Dem Zebra und dem einen der beiden
Ponys sieht man ihr fortgeschrittenes Alter an; aber auch diese Tiere sind durchaus in gutem körperlichem Zustand und verhalten sich entspannt und ausgeglichen bei
Annäherung von Menschen (sowie
auch bei der – freundlichen – Annäherung eines angeleinten Staffordshire Bullterriers) ans Gitter.
grundsätzlich in Ordnung; die Fläche
für den Auslauf an diesem Standort
ist aber zu knapp bemessen. Begrüssenswert ist die Tatsache, dass den
Tieren Beschäf­tigungsmaterial (Äste,
Laub, Salzlecken) geboten wird, die
Liegefläche gut eingestreut ist und
der Transporter als Rückzugsbereich
offensteht (die eingestreute Liegefläche unter dem Unterstand wäre aber zu klein, falls einmal
alle Tiere gleichzeitig ruhen wollen). Ebenfalls erfreulich, dass das letzte verbliebene Zebra hier
Anschluss an die Pferdeherde hat (soweit möglich, sollte dies stets der Fall sein)!
Gemäss den Mindestanforderungen der TSchV muss allein der Auslauf für 1-5 Zebrastuten 500 m2
betragen. 1-3 Kamele benötigen 300 m2. Zudem sollten Scheuer­möglichkeiten oder ein Wälzplatz
vorhanden sein (Kies dürfte den Zweck erfüllen) und pro Tier (Kamel, Zebra) mindestens 8 m2 Platz
in einem Innengehege / Stall (in diesem Fall der Transportwagen und allenfalls Unterstand). Für
die Ponys sind 12 m2 Auslauffläche pro Tier vorgeschrieben.
Zirkusse müssen allerdings gemäss Art. 95 TSchV diesen Mindestanforderungen nicht voll entsprechen, sofern die räumlichen Verhältnisse an einzelnen Gastspielorten dies nicht zulassen (ist
in Biel offenbar der Fall, da alle Wohnwagen ebenfalls auf dem Standplatz parkiert werden müssen).
Stallzelt: Pferde, Mini-Shetlandponys, Esel
3 Friesen (zwei Hengste, ein Wallach),
7 Hengste Pura Raça Española PRE (6
Schimmel, 1 Brauner); 3 Mini-Shetland-Ponys, 2 Esel. Die Tiere machen
einen gesunden, fitten und aufmerksamen Eindruck. Mehrere Pferde geniessen entspannt die Sonne und zeigen
das pferdetypische «Schlafgesicht»
mit hängender Unterlippe; ein Pferd
hat sich sogar im Stroh abgelegt.
Die Pferde sind in einem langgestreckten Stallzelt untergebracht und stehen in gut eingestreuten Einzelboxen
(Hengste)! Die Boxen verfügen über rückwärts aufklappbare Wände, die
an diesem Standort geöffnet sind und somit die gesamte Boxenfläche um einen Teilbereich im
Freien mehr als verdoppeln. Durch die seitlichen Boxengitter ist die Kontaktnahme zu den Nachbarn
möglich. Die Ponys sind zu dritt in einer Doppelbox mit Aussenbereich untergebracht, ebenso die
zwei Esel. Sämtliche Boxen sind sehr gut eingestreut und sauber. Die Pferdeboxen messen 3 x
2.5 m (7.5 m2), die Boxen für die Ponys und Esel jeweils 6 x 2.5 m (15 m2) (Standardgrössen).
Die Ausläufe der Ponys und Esel sind nochmals so gross wie die Boxenfläche. Sämtlichen Tieren
stehen zudem Heu­netze, Salzsteine und Wasser zur Verfügung.
Die Boxen werden durch einen permanenten Auslauf vergrössert, indem die Seitenwand 90° nach
aussen geklappt wird und so frei zugängliche Aussenbereiche entstehen. Grösse der Ausläufe ca.
15 m2 für 3 Ponys resp. 2 Esel und rund 10 m2 für die Pferde. Wahrscheinlich ist die Errichtung
dieser Ausläufe aber – wie bei den Pferden – nicht an jedem Standort auf der Tournee möglich.
Eine Weide ist an diesem Standort nicht vorhanden.
Positiv hervorzuheben sind die permanent zugänglichen Ausläufe (sofern in Betrieb) für alle Pferdeartigen und die Boxen mit Paarhaltung bei den Ponys und Eseln. Wichtig ist, dass dieses Konzept
wenn immer möglich beibehalten und möglichst selten den standortbedingten Sachzwängen geopfert wird. Ein Weidezugang sollte zudem wo immer machbar gewährleistet werden!
Pferde und Ponys gehören zu den domestizierten Tieren. Die Mindestanforderungen der TSchV sind
1. Tiernummer: Monica Rivoli’s Hunde-Revue
5 weisse Mittelpudel
Die Polin M. Rivoli betritt die Manege, einen weissen Pudel in den Armen. Ihr folgen vier weitere
Pudel, die sich auf am Manegeneingang bereitgestellte Podeste setzen und dort artig warten. Die
Dompteuse setzt den fünften Hund in der Manegenmitte ab, wo er mehrmals im «Slalom» um ihre
Beine herumläuft, ehe er sich auf ebenfalls auf ein Podest setzt.
Ein Assistent reicht M. Rivoli einen Reifen, den sie auf etwa 1.2 m Höhe hält. Auf ihr Kommando springt einer der Hunde mit einem athletischen Sprung durch diesen Reifen. Ein zweiter Reifen
wird gereicht, diesmal mit einer «Wand» aus Zeitungspapier. Ein weiterer Hund springt durch
Reifen inklusive Papierwand hindurch. Ein weiterer Hund wird in die Manegenmitte gerufen. Auf
Fingerzeig tänzelt er auf den Hinterläufen und dreht sich mehrmals um die eigene Achse. Dann
springt er zusammen mit der Dompteuse mehrmals über ein Springseil.
Einer der Hunde setzt sich anschliessend in einen bereitgestellten, hölzernen Spielzeug-Kinderwagen, und ein zweiter Hund schiebt diesen einige Meter durch die Manege, indem er die Vorderläufe auf den Griff legt und auf den Hinterläufen geht. Ein weiterer Pudel rennt – ebenfalls auf den
Hinterläufen – am Manegenrand entlang und läuft dabei mit den Vorderläufen auf dem Rand mit.
Dann springen sämtliche Hunde mehrmals über kleine, aufgestellte Hürden; einer der Hunde
schlüpft unter den Hürden hindurch (gehört zum Programm), ein weiterer wirft die einzelnen Hürden mit den Vorderpfoten um.
Anschliessend werden zwei hohe Podeste in die Manege gebracht und zwischen diesen ein
«Mast» mit darauf montiertem Reifen. Einer der Hunde klettert über eine Agility-Rampe auf das
eine Podest und springt durch den Reifen auf das andere Podest und zurück. Dann werden Sprungdistanz und –höhe vergrössert, und ein weiterer Pudel zeigt seine Sprünge. Bei nochmaliger Steigerung der Schwierigkeit verweigert derselbe Hund den Sprung, jedoch ist dies so vorgesehen, denn
als der Assistent sich bückt – scheinbar, um den Hund aufzufordern – springt ihm dieser über den
Rücken auf das andere Podest. Zur Belohnung erhält er ein «Leckerli».
Zum Schluss der Vorführung wird der Reifen entfernt und auf den hohen Podesten ein relativ
schmaler Balancierbalken aufgelegt. Der kleinste der Pudel balanciert auf Kommando zweimal
langsam und vorsichtig über den Balken, wird aber jeweils in der Mitte des Balkens unsicher und
«rettet» sich mit einem Sprung vorwärts auf das Podest. Bei dieser Übung zeigt der Hund leichte
Anzeichen von Belastung – v.a. verstärktes Hecheln und Einklemmen des Schwanzes; die Augen
sind konzentriert auf den Balken gerichtet, in der Mitte scheint ihn der Mut zu verlassen, und er
tätigt einen etwas erschrocken wirkenden Sprung, wobei er mit den Hinterläufen leicht ausrutscht.
Diese Übung scheint dem Pudel keine Freude zu bereiten.
Die anderen Hunde, die jeweils gerade nicht an der Reihe sind, sitzen ziemlich geduldig auf den
Podesten und warten ihre jeweiligen Einsätze ab. Sie machen dabei einen sicheren, aufmerksamen
Eindruck und scheinen jederzeit ganz genau zu wissen, was von ihnen erwartet wird – eine wichtige Voraussetzung, um einer allfälligen Überforderung und «Stress» in der Manege vorzubeugen!
Einige der Hunde hecheln relativ stark oder wedeln, einer leckt sich auf seinem Podest die Flanke
und Genitalien, was ein Anzeichen nervöser Anspannung sein kann. Grundsätzlich ist das Verhalten
der Hunde aber eher als Konzentration / positiver Stress1 (Eustress) zu werten, denn als Belastung.
Die Tiere sind der Situation jederzeit gewachsen und wissen, was zu tun ist.
Die Dompteuse bewegt sich ruhig, mit fliessenden Bewegungen zwischen ihren Tieren, gibt
Kommandos sehr zurückhaltend, mit ruhiger Stimme und ruhigen Fingerzeigen und belohnt die
Hunde regelmässig mit Streicheleinheiten und «Leckerli».
Zum Finale überspringen sämtliche Hunde mehrmals noch eine Steilrampe, wie man sie auch
in Agility-Hindernisparcours sieht. Dann werden alle Hunde nochmals ausführlich belohnt und
verlassen die Manege.
Aus Tierschutzsicht unproblematische Vorführung, die den Hunden grundsätzlich keine sie körperlich oder mental überfordernden Übungen abverlangt. Die Dompteuse verhält sich ruhig und ermunternd, belohnt die Tiere regelmässig. Pudel sind als äusserst lernfähige, temperamentvolle,
gesunde und athletisch-agile Hunde grundsätzlich auch sehr gut für die Manege geeignet. Das
Repertoire der «Revue» entspricht Bewegungsabläufen und Übungen, wie sie Hunde im Bereich
des hier weit verbreiteten, sportlich betriebenen Dog-Dancing und Agility zeigen. Dennoch ist natürlich immer auf die individuelle Bereitschaft und Fähigkeit der Hunde einzugehen, und wenn ein
Tier mit einer Übung offensichtlich überfordert ist, diese zu unterlassen. Im Fall des in der Manege beobachteten kleineren Pudels, der bei der Balancier-Übung etwas «scheute», sollte vom Einsatz
dieses Hundes bei besagter Übung abgesehen werden, sollte er sich beim Training resp. «Einstudieren» der Übung weiterhin als unsicher erweisen.
2. Tiernummer: Freiheitsdressur mit Friesen, iberischen Hengsten, Eseln
und Kamelen
präsentiert von Franziska Nock
3 Friesen (1 Wallach, 2 Hengste), 3 PRE (Hengste), 2 Kamelstuten «Shakira» und «Fatima»,
2 Zwerg-Esel (Wallache)
F. Nock betritt mit drei Friesenpferden die Manege. Die Pferde sind locker ausgebunden und traben
zuerst einige Runden im Kreis. Dann wechseln sie auf Kommando die Richtung und laufen mal
hinter-, mal nebeneinander um die Manege, ehe drei weisse iberische Hengste in die Manege traben
und gegenläufig zu den Friesen ihre Runden absolvieren, wobei sie diese jeweils mittig kreuzen.
Zwei der iberischen Hengste tragen einen Maulkorb; eines der Tiere verhält sich denn auch teilweise etwas ungestüm und aufdringlich gegenüber seinen Artgenossen. Die Sicht der Pferde scheint
teilweise eingeschränkt zu sein (Mähne über die Augen, Kopf nach unten gezogen). Zwei Pferde
prallen bei der Aufführung leicht aneinander, als ihre Wege sich kreuzen sollen.
Auf leises Kommando drehen die Pferde Volten, und zwei Schimmelhengste steigen in die Hinterhand. Anschliessend werden alle Pferde angehalten und kurz mit Streicheleinheiten und «Le1	Eustress = Als Eustress werden Anforderungen bezeichnet, auf die ein Tier ausreichend reagieren kann, z. B. durch erhöhte Aufmerksamkeit,
artgemässe körperliche Betätigung und natürliches Verhalten. Eustress in Massen fördert die physische und psychische «Funktionsfähigkeit»
eines Lebewesens und bewirkt die Ausschüttung von Adrenalin und Dopamin (den «guten» Stresshormonen im Gegensatz zum «schlechten»,
weil chronisch belastenden Cortisol).
ckerli» belohnt. Dann traben sie wieder um die Manege, diesmal jeweils ein Friese und ein Iberer
nebeneinander. Die Ohren der Pferde sind auf- und teils nach vorne gerichtet, teils leicht nach
hinten abgedreht. Die Pferde wirken ruhig und ausgeglichen; weder übermässiges Schweifschlagen,
Trensenkauen oder sonstige Anzeichen von Belastung können festgestellt werden. F. Nock dirigiert
die Pferde mit ruhiger Stimme und Körpersprache, und die beiden Peitschen dienen lediglich als
Richtungsweiser und Verstärker von Gesten und haben kaum Tierkontakt.
Die zwei Kamelstuten betreten die Manege und umrunden diese in der Gegenrichtung zu den
Pferden. Die Pferde kreuzen sie dabei sowohl an der Innen- wie an der Aussenseite. Dann helfen
zwei Assistenten, die Kamele in der Mitte der Manege abzulegen – auf leichte Hilfestellung am
Halfter lassen sich die Trampeltiere nieder, und eines wälzt sich sogar wohlig in der Streu. F. Nock
lässt die Pferde nun in 8er-Schlaufen um die Kamele herum traben; die Assistenten bleiben dabei
auf Kopfhöhe der Kamele stehen und unterstützen sie durch Kraulen am Kopf und Belohnung in
Form von «Leckerli».
Anschliessend verlassen die iberischen Hengste die Manege, und die drei Friesen stellen sich
auf Kommando mit den Vorderhufen auf den Manegenrand. Dann traben die zwei kleinen Eselwallache ins Zirkuszelt und umrunden die Manege, wobei sie unter den Friesen hindurch gehen. Einer
der Esel trägt wie schon letztes Jahr einen Maulkorb; alles in allem verhalten sich die Esel aber
schon etwas ruhiger und souveräner, als letztes Jahr. Der vorangehende Esel trägt die Ohren aufrecht
und nach vorne gewandt, der hinten gehende hält die Ohren leicht nach hinten gewandt, aber
ebenfalls aufrecht. Nachdem sie ihre Runden absolviert haben, werden die beiden Esel in die Manegenmitte dirigiert. Hier beginnt einer der beiden, sich ausgiebig am Boden zu wälzen und lässt
auch nach mehrfachem Zureden und Hilfestellungen am Halfter durch F. Nock und einen Assistenten nicht davon ab. Man lässt ihn gewähren und bewegt unterdessen die beiden Kamele, die
immer noch in der Manegenmitte liegen, sachte zum Aufstehen. Dann werden Esel und Pferde aus
der Manege entlassen, und die beiden Kamelstuten bleiben allein zurück.
Die Kamele werden erneut belohnt, dann traben sie nebeneinander um die Manege und vollführen dabei noch mehrere Volten, ehe sie das Rund verlassen. Zum Schluss der Vorführung stürmt
noch ein iberischer Hengst im Galopp in die Manege und steigt auf Kommando in die Hinterläufe.
In der Hinterhand einige Schritte vorwärts gehend, wird er von F. Nock zum Vorhang dirigiert und
verlässt die Manege.
Aus Tierschutzsicht unproblematische Vorführung, die gut aufzeigt, wie Pferde und Kamele in respektvoller Art und Weise in der Manege präsentiert werden können. Die Pferde sind nur locker
ausgebunden, und alle Tiere wissen jederzeit, was von ihnen verlangt wird. Sie verhalten sich ausgeglichen und lebhaft, aber keineswegs nervös in der Manege, und wenn ein Tier einmal aus dem
vorgesehenen Ablauf der Nummer ausschert oder eine Aufgabe verweigert, wird dies akzeptiert.
Obschon teilweise viele, grosse Tiere (Pferde, Kamele) in der Manege sind, hat F. Nock die Truppe
jederzeit unter Kontrolle, und es kommt keine Hektik auf.
Die Körpersprache sämtlicher Pferde, aber auch der Esel und Kamele weist keinerlei Elemente
von Belastung oder Vermeidungsverhalten auf und zeugt von Aufmerksamkeit und Konzentration.
Es kann sogar Komfortverhalten in der Manege (Wälzen am Boden) beobachtet werden. Zu bemängeln ist höchstens, dass durch das Ausbinden und den somit gesenkten Kopf die Stirnhaare den
Pferden in die Augen fallen und somit die Sicht verdecken, was denn auch zu einem (leichten)
Zusammenstoss führt.
3. Tiernummer: Hohe Schule
geritten von Franziska Nock und Paolo Finardi
2 PRE (Schimmel), 1 PRE (Brauner), 1 weisses Mini-Shetlandpony
F. Nock und P. Finardi reiten auf zwei PRE-Schimmeln in die Manege und absolvieren mehrere
Runden nebeneinander. Dann zeigen sie verschiedene Figuren und Schrittfolgen der Hohen Schule, u.a. seitliche Schrittfolgen, Imponierschritt des Hengsts, Volten und Kreise umeinander, verzögerter Schrittrhythmus usw. Beide Reiter reiten sehr ruhig; die kombinierte Einwirkung über Zügel,
Gerte, Schenkeldruck, Gewichtverlagerung und (stumpfe) Sporen ist subtil und kaum sichtbar. P.
Finardi hält die Zügel relativ locker; F. Nock etwas kürzer. Der Hals der Pferde ist aber nie über die
Senkrechte hinaus gebogen. Eines der Pferde kaut relativ stark auf dem Mundstück und speichelt
– in diesem Kontext ein Zeichen starker Konzentration.
Nun verlassen die beiden Reiter das Zelt, und eine Assistentin betritt die Manege mit einem
weissen Mini-Shetlandpony am Zügel. Sie lässt das Pferdchen kurz mit den Vorderhufen auf den
Manegenrand stehen, dann bäumt es sich auf Kommando auf und geht einige Schritte auf den
Hinterläufen, ehe es sich seitlich vom Ausgang in die Hinterhand «hockt». Unter dem Applaus des
Publikums wird das Pony dann wieder hinausgeführt.
Dann reitet F. Nock erneut in die Manege; diesmal auf einem braunen PRE-Hengst. Erneut zeigt
sie einige Schrittfolgen der Hohen Schule und lässt das Pferd auch mehrmals im Seitwärtsgang die
Manege durchqueren und zum Rhythmus des Orchesters «tanzen». Bei dieser schwierigen Übung
hält sie die Zügel ziemlich kurz.
Aus Tierschutzsicht unproblematische, klassische Dressurnummer. Die Pferde werden korrekt geritten und weder durch die einzelnen Bewegungsabläufe noch die Dauer der einzelnen Übungen
überfordert. Auch bei eng gehaltenen Zügeln sind die Pferde zu keinem Zeitpunkt der (in der
Schweiz nun verbotenen) Rollkur unterworfen. Die Pferde verhalten sich konzentriert und ausgeglichen, und Pferd und Reiter harmonieren.
Der Circus Royal wurde dieses Jahr am Standort Grenchen beim Schwimmbad besucht. Die Tierhaltung kann von den Besuchern gegen eine Gebühr von 5.– resp. 3.– CHF (Kinder) besichtigt
In Grenchen befinden sich Zelt und Tiergehege auf dem Gelände direkt neben dem Schwimmbad.
Zelt und Tross stehen auf Kies, Weiden sind nicht vorhanden. Die Tiere sind in überdachten Gehegen, Pferdeboxen, in einem Tierwagen sowie einem Kaninchenstall mit Auslaufgehege untergebracht. Das grösste Gehege ist ein mit einem offenen Zelt bedecktes Gemeinschaftsgehege, welches
sich drei Nandus, vier Ziegen sowie vier Lamas miteinander teilen. Unter einem weiteren Zelt befinden sich mehrere aneinander liegende, kleinere Gehege, in welchen Ponys, Pferde, ein Grossesel,
zwei weitere Lamas, acht Kamele und fünf Watussi-Rinder untergebracht sind (durch Gitter getrennt). Vier Pferde sind in mit einer Zeltplane überdachten Boxen einquartiert. Mehrere Tauben
teilen sich eine Voliere; zwei Kaninchen steht ein kleiner Stall mit Auslauf zur Verfügung.
Die Kaninchen und Ziegen werden in der Vorstellung nicht eingesetzt. In der Pause sind bereits
alle Gehege leer, bis auf die der Rinder, Lamas und der vier Pferde. Vermutlich sind die Tiere bereits
für den Umzug verladen worden.
Lamas, Ziegen und Nandus
4 Lamas, 4 Ziegen, davon 3 Walliser
Schwarzhalsziegen, 3 Nandus
Die Tiere sind in einem P-förmigen Gehege von ca. 180 m2 Fläche untergebracht. Der Zaun des Geheges besteht
aus aneinandergereihten Metallgittern,
der Bodengrund aus Naturboden/Kies.
Es gibt an diesem Standort keine Weidemöglichkeit für die Tiere. Das Gehege
grenzt direkt an die Mauer des Schwimmbad-Gebäudes. Entlang der Mauer sind
viele Veloständer aufgestellt. Diese könnten für Tiere eine Verletzungsgefahr darstellen!
Circa die Hälfte des Geheges ist mit einem Zelt überdacht. Unter dem Zelt befindet sich eine
eingestreute Fläche von ca. 36 m2; die Einstreu besteht mehrheitlich aus Stroh und ist für den
Bodentyp (teilweise scharfe Kieselsteine) eher knapp bemessen. Heu und Wasser sind vorhanden.
Für die Nandus steht zudem ein Kessel mit Pellets bereit. Der Kessel befindet sich ausserhalb der
Abschrankung, wobei die Tiere mit dem Kopf durch die Gitter gelangen und die Pellets fressen
können. Durch diese Massnahme wird verhindert, dass die Ziegen an die Pellets gelangen können.
Obwohl dies in der Tierschutzverordnung so vorgeschrieben ist, steht für die Nandus (wieder) kein
Sandbad zur Verfügung.
Die Ziegen sind sehr zutraulich und lassen sich gerne streicheln. Die Lamas und Nandus halten
sich entspannt im Hintergrund auf. Zwei der Schwarzhalsziegen weisen allerdings schlecht gepflegte Vorderklauen auf, eine der beiden Ziegen hinkt zudem. Ein Tier weist zudem am Unterkiefer eine
starke Zahnfehlstellung auf. Die weisse Ziege hat am rechten Ohr eine alte, verheilte Verletzung,
macht aber sonst einen guten und gesunden Gesamteindruck, ebenso wie die Lamas und die Nandus, soweit dies aus Distanz feststellbar ist.
Bezüglich Gehegeeinrichtung sind das fehlende Sandbad für die Nandus sowie die Veloständer,
welche eine Verletzungsgefahr darstellen können, zu bemängeln. Auch die Einstreu könnte grosszügiger bemessen sein.
Problematisch ist zudem die Klauengesundheit der Ziegen; hier müsste dringend eine Klauenpflege durchgeführt und das hinkende Tier einem Tierarzt vorgestellt werden.
Gemäss Tierschutzverordnung vorgeschrieben sind für die Haltung von Lamas 250 m2 Auslauf für
eine Gruppe von bis zu 6 Tieren, zudem 2 m2 Unterstand pro Tier.
Für die Haltung von Nandus vorgeschrieben sind 500 m2 Auslauf für eine Gruppe von bis zu 6
Tieren, zudem 4 m2 Unterstand pro Tier und ein Sandbad.
Die Mindestmasse der Gesamtfläche werden somit weder für Lamas noch für Nandus erfüllt.
Zirkusse dürfen allerdings gemäss Art. 95 TSchV die Mindestmasse unterschreiten, sofern die
räumlichen Verhältnisse an einzelnen Gastspielorten deren Einhaltung nicht zulassen. Unverständlich ist, weshalb den Tieren nicht mehr Platz angeboten wurde, obwohl dazu noch freie Flächen
vorhanden gewesen wären.
Ziegen gehören zu den domestizierten Tieren, die Mindestanforderungen der TSchV sind mehr
als erfüllt. Wünschenswert für eine wirklich gute Ziegenhaltung wären allerdings Kletter- und hochgelegene Liegemöglichkeiten, was beides nicht vorhanden war.
Stallzelt für Grossesel, Watussi-Rinder, Kleinpferde, Ponys, Lamas
1 Esel, 5 Watussi-Rinder, 8 Kamele
(davon 1 Jungtier), 3 Ponys, 2 Haflinger-Pferde, 2 Lamas
Die Tiere werden in einem grossen
Stallzelt in insgesamt sieben Gehegen gehalten, welche durch einen
Mittelgang getrennt sind. Ein zusätzlicher Auslauf oder eine Weidemöglichkeit stehen nicht zur Verfügung. Der Grundriss der Boxen und
ihre niedrigen Trenngitter ermöglichen den Herdentieren Sozialkontakt auch mit benachbart stehenden Tieren. Alle Gehege sind
eingestreut, in der Regel mit einem Heu-Stroh-Gemisch. In allen Gehegen ist ein Wasserkessel
Gehege 1: In diesem ca. 3 x 6 m grossen Gehege befindet sich ein einzelnes Pony. Das Gehege ist
mit Stroh eingestreut, Heu fehlt allerdings. Ein Wasserkessel ist vorhanden, wurde von dem Tier
aber offenbar umgeworfen. In der Pause ist der Kessel noch leer, das Pony ist jedoch auch bereits
verladen, so dass unklar bleibt, wann es vor dem Transport das letzte Mal getrunken hat. Das Pony
wies einen fast zu guten Nährzustand auf.
Gehege 2: In diesem Gemeinschaftsgehege sind zwei Haflinger sowie drei Kamele untergebracht.
Das Gehege misst ca. 9 x 7 m. Die Haflinger sind, soweit beurteilbar, in gutem Allgemeinzustand,
ihr Nährzustand ist ebenfalls gut bis sehr gut. Die Kamele weisen teilweise hängende Höcker auf,
was bei Trampeltieren in menschlicher Obhut, gerade in unseren Breitengraden, recht häufig ist
(fehlender Fettspeicher).
Gehege 3: Das ca. 7 x 10 m grosse Gehege beherbergt fünf Kamele. Bei einem Tier handelt es sich
um ein Jungtier. Ein Tier hat starken Fellverlust an Hals, Bauch und Rücken, wodurch ein Grossteil
der Haut sichtbar ist. Dies ist aber höchstwahrscheinlich auf den Frühlings-Haarwechsel zurückzuführen. Dieses Tier tritt nicht in der Manege auf.
Gehege 4: Auf einer Fläche von ca. 3 x 4.5 m sind zwei Lamas untergebracht.
Gehege 5: Fünf Watussi-Rinder mit beträchtlichen Hörnern teilen sich das ca. 4 x 9 m grosse Gehege.
Gehege 6: Auf einer Fläche von ca. 4 x 4 m befinden sich zwei Ponys. Die Tiere weisen einen sehr
guten Nährzustand auf. Auffallend ist, dass ein Tier mehrmals während ca. drei Minuten starken
(allergischen?) Husten zeigt. Dieses Tier und seine Lungenprobleme fallen aufmerksamen Beobachtern schon seit über einem Jahr auf!
Gehege 7: Das letzte, ebenfalls ca. 4 x 4 m messende Abteil wird von einem Grossesel-Hengst
«bewohnt». Einstreu befindet sich nur in der Mitte des Geheges.
Mässig gute Haltung. Die Mindestvorschriften der Tierschutzverordnung sind bei den Lamas bei
Weitem nicht erfüllt. Weidegang sowie teilweise mehr Einstreu wären zudem wünschenswert, jedoch
auf diesem Gelände nicht möglich. Allerdings könnte den Tieren aber auf zugemieteten Weiden
Weidegang ermöglicht werden, wie es bspw. der Circus Knie vormacht!
Für die Pferdeartigen sind die Mindestvorschriften erfüllt. Unklar ist allerdings, warum ein Pony
einzeln gehalten wird. Auffallend ist zudem der starke und bereits langandauernde Husten eines
Tieres. Dieser wird von mehreren Beobachtern seit längerer Zeit festgestellt.
Grundsätzlich dürfen Zirkusse an einzelnen (!) Standorten, wo es die räumlichen Verhältnisse
notwendig machen, die Minimalvorschriften der Tierschutzverordnung unterschreiten. Unser Eindruck von Besuchen dieses Zirkus an verschiedensten Standorten in der Schweiz und über einen
Zeitraum von sieben Jahren ist allerdings, dass die beschriebene mässige Haltung der Kamele (aber
auch der Lamas und Pferde) beim Circus Royal leider eher die Norm, als die Ausnahme ist.
Kamele: Die Haltung bestand vor dem 1.9.2008, daher gilt die alte TSchV und eine 10-jährige
Übergangsfrist. Für drei Kamele müssten 300 m2 Auslauf zur Verfügung stehen, für jedes weitere
Tier 50 m2 zusätzlich (400 m2 für fünf Kamele), zudem 8 m2 Liegefläche im Stall (für fünf Tiere
total 40 m2). Mit rund 60-70 m2 (Gehege 2, 3) sind die Anforderungen an die Stallhaltung sowohl
von drei Kamelen und zwei Pferden (Gehege 2) wie auch fünf Kamelen (Gehege 3) erfüllt; es fehlen jedoch die für Kamele vorgeschriebenen Weideausläufe. Zirkusse dürfen gemäss TSchV an
einzelnen (!) Gastspielorten die Mindestmasse unterschreiten, wenn es die räumlichen Verhältnisse nicht anders zulassen.
Watussi-Rinder: Alleine Liegefläche Milchkühe im Freilaufstall liegt gemäss TSchV bei bereits
4.5 m2 (135 cm +/- 5 cm Widerristhöhe) resp. 5 m2 (145 cm Widerristhöhe +/- 5 cm)! Rinder
müssen gemäss TSchV je nach Alter und Gewicht unterschiedlich grosse Liegeflächen und Standplätze am Futter haben. Die Watussi-Rasse kann 300-400 kg Körpergewicht erreichen. Pro Tier
müssen in Systemen ohne Liegeboxen alleine 4.5-5 m2 Liegefläche zur Verfügung stehen (ohne
Platz an Krippe). Für fünf Rinder ist demzufolge zumindest eine Liegeflächevon mind. 25 m2 Fläche notwendig, plus der Platz an der Krippe. Die gesetzlichen Anforderungen sind damit bei der
angetroffenen Haltung knapp erfüllt, allerdings nur dann, wenn man die ausladenden Hörner der
Watussi-Rinder nicht in die Beurteilung einfliessen lässt.
Lamas: Für Gruppen von bis zu sechs Tieren muss eine Fläche von 250 m2 vorhanden sein, die
Fläche des Unterstandes muss pro Tier mindestens 2 m2 betragen. Die Anforderungen an die Boxenhaltung sind damit erfüllt; es fehlt jedoch der eigentlich vorgeschriebene Weideauslauf!
Pferdeartige: Diese gehören wie die Watussi-Rinder zu den domestizierten Tieren. Die Mindestanforderungen der TSchV sind mehr als erfüllt. Für eine gute Haltung erstrebenswert wäre allerdings
möglichst regelmässiger Weidegang.
Die vier Pferde sind in Einzelboxen von ca. 9 m2 Fläche untergebracht; die Boxen sind mit einem
offenen Zelt überdacht. Alle Boxen sind mit Stroh eingestreut. Auslauf sowie Weidegang sind nicht
Aus Tierschutzsicht ist diese Haltung nicht optimal. Die Boxengrösse entspricht knapp den Vorgaben der Tierschutzverordnung (9 m2). Die Pferde verfügen jedoch über keinerlei Auslauf. Die Gesamtfläche des Standorts ist zwar begrenzt, trotzdem wäre noch genügend Platz gewesen, um
diese Gehege zu vergrössern.
2 grosse Kaninchen
Die beiden Kaninchen haben einen aus
zwei Etagen bestehenden Kaninchenstall zur Verfügung, welcher in einem
ovalen Auslauf steht. Der Auslauf misst
ca. 7 m2, der Boden ist Naturboden/
Kiesgrund. Im Auslauf befinden sich
keinerlei Versteckmöglichkeiten; er ist
auch nicht überdacht. Der Stall misst
ca. 1 x 0.6 x 1.2 m und verfügt über zwei Etagen. Die Höhe beider
Abteile ist sehr niedrig, insbesondere in der unteren Etage. Eine Rampe zur oberen Etage fehlt. Die
Boxen sind mit Holzwolle und einem Heu-Stroh-Gemisch dick eingestreut. Den Kaninchen steht
zudem Wasser sowie eine Schüssel mit Pellets zur Verfügung.
Eine aus tierschützerischer Sicht klar verbesserungswürdige Kaninchenhaltung. Dank dem Auslauf
verfügen die Kaninchen zwar über eine ausreichend grosse Fläche, jedoch ist der Auslauf überhaupt
nicht strukturiert und besitzt (abgesehen vom Kaninchenstall) keinerlei erhöhte Flächen, Versteckoder Anlehnmöglichkeiten sowie Nageobjekte.
Der Kaninchenstall stellt die einzige Rückzugsmöglichkeit für die Tiere dar, allerdings ist auch
dieser nicht artgerecht konzipiert – insbesondere die untere Etage ist viel zu niedrig, als dass die
Kaninchen aufrecht sitzen können. Auch die obere Etage ist niedrig, eine sitzende Position ist –
wenn überhaupt – nur knapp möglich. Der Stall ist zudem überall von vorne einsehbar, den Kaninchen fehlt somit der für sie wichtige Sichtschutz.
Kaninchen gehören zu den domestizierten Tieren. Die Mindestanforderungen der TSchV sind bezüglich Fläche erfüllt. Nicht erfüllt ist hingegen die gesetzliche Anforderung, dass Kaninchen
täglich Objekte zum Benagen zur Verfügung haben müssen.
8 Pfauentauben
Die Tauben sind in einer Voliere von ca. 2 x 1.5 x 2 m untergebracht. Auf der Hinterseite der Voliere befinden sich mehrere Nestabteile aus Holz. Die Voliere befindet sich in einem der Zirkuswagen.
Akzeptabel, sofern die Tiere während des Trainings täglich Freiflug erhalten, was nicht beurteilt
Die Mindestvorschriften der Voliere sind gemäss Tierschutzverordnung erfüllt. Für Haustauben
gelten pro Paar in der Zuchtperiode für Innengehege 0.5 m2 Fläche. Bei der Haltung von adulten,
nicht brütenden Tieren kann die Besatzdichte um 50 % erhöht werden. (Auf den 2 m2 Fläche, die
gemäss TSchV für 4 brütende Paare notwendig sind, könnten also bis zu 12 nicht-brütende Vögel
gehalten werden). Bei täglichem, aber nicht permanentem Freiflug (ist bei dieser Zirkushaltung der
Fall) muss die Fläche allerdings um 50 % erhöht werden (= 3 m2 für bis zu 12 Vögel; tatsächlich
werden in der Voliere auf 3 m2 aber nur 8 Tiere gehalten).
1. Tiernummer: Vollblutaraber
präsentiert von Katja Kossmayer
3 Araberpferde
1 Pferd unbestimmter Rasse (vermutlich Friese)
Die Nummer beginnt mit der Demonstration verschiedener Dressurlektionen wie Volten mit Wechseln, Traversieren, Pesade, Piaffe, Ausholen mit den Vorderläufen, Verbeugung. Das von Kossmayer gerittene Pferd wirkt während der Vorführung entspannt. Es ist nicht ausgebunden und wird ohne
Sporen und kaum mit Gerteneinsatz geritten.
Anschliessend an die Dressureinlage erscheinen drei Vollblutaraber im Ring, welche von Kossmayer mittels Longiergerte, Gesten und Stimmkommandos durch verschiedene Figuren dirigiert
werden, wobei die Pferde unter anderem Volten zeigen, steigen und sich verbeugen. Alle drei Pferde sind ausgebunden, wobei bei einem Tier die Ausbinder zu kurz verschnallt sind, so dass der Hals
arg gebeugt ist.
Gezeigt werden verschiedene Dressurlektionen am Boden sowie unter dem Sattel. Gemessen an der
nervösen Wesensart der Araber sind die Tiere ruhig, die Nummer ist aus tierschützerischer Sicht
als unproblematisch zu beurteilen.
2. Tiernummer: Watussi-Rinder, Lamas, Kamele, Nandus, Grossesel
präsentiert von Oliver Skreinig
6 Kamele, 2 Lamas, 1 Esel, 3 Nandus, 3 Watussi-Rinder
Als erstes erscheinen drei Watussi-Rinder in der Manege, welche im Kreis dirigiert werden und
anschliessend mit den Vorderbeinen auf ein Podest steigen sollen. Zweien Tieren bereitet die Übung
keinerlei Probleme. Das dritte Tier scheut hingegen mehrmals vor dem Podest und weicht zurück.
Skreining sowie ein Zirkusmitarbeiter versuchen, das Tier mittels kräftigem Zug am Halfter sowie
Gerteneinsatz an den Hinterbeinen dazu zu bringen, seine Übung zu absolvieren. Nach ein paar
erfolglosen Anläufen wird aufgegeben; das Rind erhält einen tadelnden Klaps auf den Kopf.
Nachdem die Rinder wieder aus der Manege geführt worden sind, erscheinen zwei Lamas, welche über zwei ca. 70 cm grosse Hürden springen. Ebenfalls auf ein Podest steigen muss anschliessend ein Esel, was reibungslos klappt. Als «Zugabe» legt er sich hin und wälzt sich in der Streu.
Der Esel wirkt während seiner kurzen Vorführung ruhig und gehorcht gut; er wird einige Male mit
der Peitsche nur leicht touchiert. Dann wird der Esel von den drei Nandus abgelöst, welche mehrere Runden in der Manege drehen. Mehr wird von den Laufvögeln nicht verlangt, und sie werden
bald wieder entlassen.
Zum Schluss betreten sechs Kamele die Manege. Auch sie drehen mehrere Runden mit Richtungswechseln und reihen sich anschliessend in der Manege auf, wobei sich die äussersten zwei
Tiere hinlegen. Die Kamele wirken während der Vorführung ruhig und gelassen.
Grösstenteils unproblematische Vorführung. Die Mehrheit der Tiere wirkt ruhig; die meisten Darbietungen sind für die Tiere nicht fordernd. Positiv zu erwähnen ist der Umstand, dass die Tiere alle
mit Futter belohnt werden (positive Verstärkung). Etwas negativ fällt jedoch der vergleichsweise
starke Einsatz der Peitsche auf; insbesondere die Kamele werden mit viel «Peitschengeknalle»
dirigiert. Etwas problematisch erscheint ausserdem der Umgang mit dem dritten Watussi-Rind,
welches vor dem Podest scheut. Zwang (auch wenn nur in leichter Form) und negative Verstärkung
(sprich: Strafe, Tadel) sollten beim Umgang mit Tieren in der Manege tunlichst vermieden werden!
3. Tiernummer: Rassetauben
5 Pfauentauben
Während der Pause ist die Manege durch ein grosses Wasserbassin ersetzt worden; im zweiten Teil
wird gemäss Zirkusprogramm die «Märchen-Wasserwelt» präsentiert. Sämtliche nun folgende Vorstellungen drehen sich um dieses Thema, wobei die einzige noch folgende Tiernummer eine Vorstellung von Josy Casselly mit fünf Rassetauben zeigt. Casselly sitzt in einem Boot, welches im
hinteren Bereich ein Gestänge montiert hat. Auf diesem Gestänge sitzen vier Tauben, ein fünftes
Tier balanciert die Artistin auf ihren Händen. Während das Boot im Bassin seine Runden dreht,
lässt Casselly zunächst die eine Taube über ihre Hände gehen. Danach setzte sie zwei Tauben auf
einen kleinen Ring, wobei die Tauben auf dem sich drehenden Ring ausbalancieren müssen. Zum
Schluss holt Casselly eine kleine Leiter hervor, und eine der Tauben klettert mehrmals die Leiter
Ruhevolle, aus tierschützerischer Sicht unproblematische Vorführung. Der Umgang mit den Tauben
ist ruhig und angemessen; die Tiere wirken entspannt. Erstaunlich ist, dass die Tiere keine Flugnummer gezeigt haben. Es ist zu hoffen, dass sie während des Trainings trotzdem täglich Freiflug
Der Circus Gasser-Olympia (kurz: GO) wurde dieses Jahr in Bubendorf (BL) besucht. Der Zirkus
steht auf Wiese am Ortsrand. Dieses Jahr steht nur eine Tiernummer im Programm: Anja’s HundeRevue. Da der Zirkus als einziges Zirkusunternehmen hierzulande statt einer Manege über eine
Bühne verfügt, werden vorerst keine grossen Tiere (wie Pferde) mehr in der Show gezeigt.
Die vier Hunde, die in der Manege auftreten, leben mit ihrer Halterin im Wohnwagen, was gemäss
Tierschutzverordnung gesetzeskonform und aus Tierschutzsicht bei kleinen Rassen unproblematisch
ist, solange die Tiere täglichen Kontakt zu einer menschlichen Bezugsperson und täglich Auslauf
und Beschäftigung haben. Die Haltung der Tiere im Zirkus wurde daher nicht eingehend beurteilt.
3 Mittelpudel, 1 Chinese Crested Dog
Die Hunde leben im Wohnwagen mit
«Familienanschluss» und werden täglich mehrmals ausgeführt und beschäftigt (trainiert).
Bei kleinen Hunden wie Mittelpudeln
und Nackthunden ist eine Haltung im
Wohnwagen aus Tierschutzsicht sinnvoll und vertretbar, sofern die Tiere regelmässigen Auslauf erhalten und ausreichend beschäftigt werden. Der STS lehnt die Zucht von
Hunderassen wie dem Chinese Crested Dog (Nackthund) ab, da das Fell eine wichtige thermische
und mechanische Schutzfunktion sowie auch eine soziale Funktion für den Hund hat. Unserer
Meinung nach muss diese Rasse als Qualzucht eingeordnet werden.
Die gesetzlichen Anforderungen an die Hundehaltung sind erfüllt. Beim Chinese Crested Dog handelt es sich nicht um eine verbotene Züchtung.
Anja’s Hunde-Revue
3 Mittelpudel (1 schwarz, 2 weiss), 1 Chinese Crested Dog (Nackthund)
Zwei der Pudel und der Chinese Crested
Dog haben eine Art «Tutu» an und darunter eine bunte Hunde-Windel (!)
Auf der Bühne werden zwei grosse Podeste mit einem dazwischen liegenden
Balken, einer empor führenden Leiter
und einer herunter führenden Rutsche aufgestellt. Daneben wird ein pyramidenförmiges Podest mit mehreren seitlichen Hockern installiert.
Die Artistin «Anja» und ihr Partner betreten die Manege mit je einem Mittelpudel auf dem Arm,
gefolgt von einem weiteren Pudel und einem Nackthund. Alle Hunde setzen sich auf Kommando
auf die dreieckig ansteigenden Hocker am Rand der Bühne.
Dann wird einer der Pudel von «Anja» in die Mitte der Bühne gerufen, wo er auf Kommando um
ihre Beine Slalom läuft. Die anderen Hunde warten unterdessen artig auf ihren Plätzen. Dann wird
der erste Pudel an seinen Platz zurück geschickt und gleich von einem zweiten Pudel abgelöst.
Dieser macht Männchen und geht einige Schritte auf den Hinterläufen und dreht eine Pirouette.
Der dritte Pudel springt durch einen emporgehaltenen, flexiblen Kunststoff-Tunnel. Sämtliche
Hunde werden während der Vorführung oder gleich danach, zurück an ihrem Platz, mit «Leckerli»
Dann zeigt der Nackthund einige Dogdance-Figuren, springt über die vorgehaltenen Beine seiner
Halterin und durch Kreise, die sie mit den Armen formt. Zur Belohnung erhält er ebenfalls ein
«Leckerli».
Anschliessend springen die weissen Pudel auf Kommando einander gegenseitig über den Rücken
und zeigen Rollen am Boden, während die anderen Hunde ziemlich geduldig und ausgeglichen auf
ihren Hockern warten. Einzig der kleinere, schwarze Pudel wirkt etwas «überdreht», allerdings auf
eine freudige Art: Er hüpft herum, wedelt, fordert die anderen Hunde und den Assistenten am
Bühnenrand zum Spiel auf und kann generell kaum ruhig halten.
Nun werden mehrere, niedrige Hürden hintereinander aufgestellt und die Hunde über diesen
Parcours geschickt. Doch statt die Hürden springend zu überwinden, treiben die Hunde allen möglichen Schabernack: Der schwarze Pudel springt zur Belustigung des Publikums wie ein Gummiball
erratisch auf und ab und stösst dabei die Hindernisse um. Einer der weissen Pudel läuft Slalom
um die Hürden, und der dritte Pudel schlüpft darunter hindurch. Erst der Chinese Crested Dog
macht es «richtig» und springt gekonnt über die Hindernisse. Danach springen auch die Pudel über
die Hürden. Einer der Pudel geht dann noch auf Kommando einige Schritte im «Handstand» auf
den Vorderläufen.
Zum Schluss der Vorführung klettern die Hunde einer nach dem anderen die Leiter empor auf
die hohen Podeste, laufen souverän über den Balken und springen über die Rutschbahn ab. Die
Übung scheint den Hunden keine Probleme zu machen; sie wirken weiterhin sicher und sind freudig bei der Sache.
Ganz zum Schluss der Vorführung, als die anderen Hunde wieder an ihren Plätzen auf den Abgang warten, hebt «Anja» noch einen der weissen Pudel in den Armen hoch, platziert ihn aufrecht
sitzend auf der offenen, von sich gestreckten Handfläche und wippt ihn so mehrmals auf und ab.
Der Hund muss dabei über beachtliche Balance und Körperspannung verfügen, um nicht von der
winzigen Sitzfläche zu fallen, meistert die Übung aber mit Bravour.
Aus Tierschutzsicht unproblematische Vorführung. Die Hunde zeigen keinerlei Stresssignale wie
häufiges Kratzen, Gähnen, Lecken an den Genitalien oder Schwanzeinklemmen. Sie wirken im
Gegenteil entspannt (beim Warten auf ihren Sitzplätzen) oder verspielt und ihrer Sache sicher (bei
ihren jeweiligen Einsätzen). Die Dompteuse lenkt die Tiere mit ruhiger Stimme und, hauptsächlich,
Gesten und Fingerzeigen. Zudem werden die Tiere regelmässig mit Futter oder kurzen Streichel­
einheiten belohnt.
Die Hunde müssen keine sie überfordernden Übungen zeigen. Der «Handstand» ist zwar keine
natürliche Bewegungsform resp. Körperhaltung von Hunden, dauert aber nur kurz (zwei, drei Schrittchen) und scheint den agilen, athletischen Pudel nicht zu überfordern. Auch der Balanceakt auf
der ausgestreckten Handfläche ist für einen Hund sicher ungewohnt (Hunde sind ja keine Klettertiere wie Katzen!); das Tier scheint aber Zutrauen zu seiner menschlichen Partnerin zu haben und
der Herausforderung auch körperlich durchaus gewachsen.
Der Circus Harlekin tourt alljährlich im Kanton Bern und in Teilen des Mittellandes. Aus Tierschutzsicht macht er auch dieses Jahr einen mehrheitlich guten Eindruck: Die von Susanne Mani einstudierte Nummer mit Pferd und Maultier, wie auch die bei einem schwedischen Zirkus «geliehene»
Kamelnummer überzeugen durch den respektvollen Umgang mit den Tieren. Die eigenen Tierhaltungen sind ebenfalls vorbildlich.
Die schon zum zweiten Mal engagierte russische Clowntruppe «Sloby» setzt für ihre Nummer
wiederum Hund, Katze und Ratte ein – wobei der Umgang mit der Ratte in der Manege und gewisse Kunststücke, die die Katze zeigen muss, aus Tierschutzsicht fragwürdig sind. Auch ist die Tierschutzkonformität der Ratten- und Katzenhaltung im Wohnwagen zu hinterfragen.
Besichtigt wurde der Circus Harlekin dieses Jahr in Steffisburg (BE). Zirkuszelt und Tross stehen
auf einer Wiese am Ortsrand; den Kamelen, Pferdeartigen und Ochsen werden grosse Ausläufe und
Weiden geboten. Da es sehr stark regnet und das Geläuf entsprechend weich ist, halten sich die
Tiere hauptsächlich im Schutz der Unterstände auf.
Die Tiere machen einen gesunden und gepflegten Eindruck. Die vier Kamele (zwei dreijährige
Wallache, 2011 auf der Tournee des Circus Harlekin geboren, sowie zwei fünfjährige Stuten) leben
im Winterhalbjahr in Schweden beim «Cirkus Olympia», der Harlekin seit mehreren Jahren Tiere
für die Tourneen zur Verfügung stellt (unter dem Link: www.cirkusolympia.se/galleri/kameler erhält
man einen Eindruck von der Haltung der Kamele in Schweden). Die beiden Ochsen und die Lamas
stammen ebenfalls aus Schweden. Alle Tiere sind gesund und sehen sehr gepflegt aus; bei allen
Kamelen stehen die Höcker aufrecht, was bei diesen Tieren in menschlicher Obhut und unseren
Breitengraden keine Selbstverständlichkeit ist (häufige Bindegewebsschwächen und fehlender Fettspeicher). Die Tiere verhalten sich aufmerksam und ausgeglichen. Stereotypes Ve­rh
­ alten (Z. B.
«Weben») konnte nicht beobachtet werden.
Die dem Zirkus eigenen Esel, Maultiere und der weisse Freiberger-Wallach verbringen den Sommer teilweise auf Alpweiden im Berner Jura oder Oberland. Die Tiere, die nicht in der Manege
auftreten (zwei Zwergmaultiere und der Esel), sollen diesen Sommer im Diemtigtal zur Alp gebracht
werden. Während der Tournee stehen den Pferdeartigen nebst den Weide-Ausläufen (an den meisten Standorten) geräumige, gut eingestreute, saubere und mit Wasser, Heu und Salzlecken ausgestattete Doppelboxen / gedeckte Ausläufe zur Verfügung. Als weiterer Rückzugsort und Witterungsschutz dient der gut eingestreute Transporter, der offensteht und über eine Rampe vom Auslauf her
für zwei Maultiere und den Esel frei zugänglich ist.
Der Circus Harlekin hat dieses Jahr erneut drei Tiernummern im Programm: Nicole Pichler präsentiert eine Freiheitsdressur mit vier Kamelen, zwei Lamas und zwei Ochsen, die ausgebildete
Tierpflegerin Susanne Mani eine Nummer mit Pferd und Zwerg-Maultier. Ein russisches Clown-Duo
führt zudem eine Show mit einer Hauskatze und einer Farbratte vor, und auch ein Yorkshire-Terrier
hat einen Auftritt in der Manege.
Gemäss Zirkusleitung gibt es auf der Tournee nur zwei Standorte, an denen den Tieren kein
Auslauf geboten werden kann. An allen übrigen Plätzen werde den Tieren der grösstmögliche Auslauf gewährt. Grundsätzlich nehme der Zirkus zudem nur jene Tiere auf Tournee mit, die er für die
Show benötige. Im Frühjahr (bis zum Beginn der Alpsömmerung) sind allerding noch zwei ZwergMaultiere und ein Esel mit von der Partie, die nicht in der Manege auftreten.
Kamele, Lamas, Ochsen
4 Kamele (2 blonde Wallache, 2
braune Stuten), 2 Lamas (1 Wallach, 1 Stute), 2 junge Ochsen
(Braunvieh). Zustand der Tiere: gut
und gepflegt, einer der Ochsen mit
Hörnern, der andere hornlos. Eines
der Kamele wird nach der Vorstellung beim Kamelreiten für Kinder
in der Manege eingesetzt.
Den Tieren stehen ein teilweise
überdachtes, direkt an den Transportwagen angeschlossenes Gehege von ca. 60 m2 Fläche zur Verfügung (ca. 50 m2 davon
unter einer Plane als Witterungsschutz), sowie zwei direkt an das Gehege anschliessende, total
mehrere 100 m2 grosse Weideausläufe (vermutlich abwechselnd genutzt resp. mit Pferden geteilt).
Die Weide war zum Besichtigungszeitpunkt zugänglich, jedoch nutzte aufgrund des starken Regens
nur einer der Ochsen kurz diese Möglichkeit. Der überdachte Auslauf ist gut mit Stroh eingestreut,
und ein grosser Wasserkübel ist ebenfalls vorhanden. Der Zugang zum Transporter als möglicher
weiterer Unterstand ist allerdings verschlossen – die seitlich öffnenden Rampen hätten wohl zu viel
Platz weggenommen.
Den Kamelen, Lamas und Ochsen steht eine grosse Weide zur Verfügung, wo sie auch traben oder
(bei trockenem Wetter) sich am Boden wälzen können (Kamele, Lamas). Unter dem Stallzelt finden
sie Schutz vor der Sonne oder Witterung. Das Gehege ist gross genug, dass sich die Tiere bei Bedarf
vor Besuchern zurückziehen können. Unter dem Stallzelt ist der Boden gut eingestreut und selbst
bei Regenwetter trocken. Eine aus Tierschutzsicht und für Zirkus-Bedingungen gute Haltung dieser
Mindestanforderung TSchV: Für 4 erwachsene Kamele sind gemäss TSchV 350 m2 Auslauf vorgeschrieben (100 m2 pro Tier für die ersten drei Tiere, 50 m2 für jedes weitere Tier), sowie Unterstände von mindestens 8 m2 pro Tier. Für 2 Lamas sind 250 m2 Auslauf sowie pro Tier 2 m2 Fläche
unter einem Unterstand vorgeschrieben. Die gesetzlichen Haltungsvorschriften für Ochsen (Rinder)
sind Haltungsanforderungen aus dem Nutztier-Bereich und daher vergleichsweise minimalistisch
(für erwachsene Ochsen/Stiere je nach Stockmass mindestens 4-5 m2 Liegebereich) und mit der
angetroffenen Haltung mehr als erfüllt.
Pferd, Zwerg-Maultiere und Esel
1 Freiberger-Wallach, 3 Zwerg-Maultiere, 1 Esel
Das Pferd und sein «Manegenpartner», eines der beiden Zwerg-Mulis, teilen sich die eine Hälfte
der als Gruppenbox angelegten Haltung, die anderen beiden Maultiere und der Esel die andere
(diese Tiere treten in der Manege nicht auf und werden den Sommer auf der Alp verbringen). Die
beiden Gehege befinden sich teilweise unter einer Plane (ca. 8 m2) und sind gut eingestreut. Total
betragen die Flächen der «Boxen» ca. 18 m2 (Pferd und Zwerg-Muli), resp. 24 m2 (zwei ZwergMulis und ein Esel). Das etwas grössere Gehege der Maultiere und des Esels hat zudem über eine
Rampe direkten Zugang zum Transporter.
Die «Boxen» verfügen über Salzsteine, Tränken und aufgehängte Heunetze. An den Gittern geben
Schilder Auskunft über Name, Rasse und Geburtsdatum der Tiere. Es ist kein direkter Weidezugang
vorhanden, jedoch können die Tiere jederzeit auf die grosszügige Weide nebenan gebracht werden.
Sämtliche Tiere machen einen gesunden, ausgeglichenen Eindruck.
Gute und artgemässe Gruppenhaltung der Pferdeartigen. Es wird vorausgesetzt, dass die Pferde
trotz des fehlenden direkten Weidezugangs täglichen Weideauslauf geniessen, wie dies in den vergangenen Jahren an etlichen Standorten des Circus Harlekin auch zu beobachten war.
Mindestanforderung TSchV: Für die Haltung von Pferden müssen je nach Widerristhöhe der Tiere und nach Art der Haltung (Einzelbox oder Gruppenlaufstall)
unterschiedlich grosse Liegeflächen zur
Verfügung stehen – bei Haltung in der
Einraumgruppenbox (am ehesten mit
vorliegender Tierhaltung zu vergleichen)
bspw. 5.5 m2 für jedes Tier unter Stockmass 120 cm, oder 8 m2 für ein Pferd
mit Stockmass über 134 cm. Grenzt die
Weide nicht direkt an den Stall an,
muss zudem pro Tier eine MindestWeidefläche von 18 resp. 24 m2 zur
Verfügung stehen (empfohlen werden
allerdings 150 m2).
Für vier Kleinpferde (resp. 1 Esel)
sowie ein Pferd müssten daher 30 m2 eingestreute Liegefläche und ein
Auslauf von 96 m2 zur Verfügung stehen. Mit der in Steffisburg angetroffenen Haltung werden die
Anforderungen der Tierschutzverordnung somit erfüllt.
Hunde, Katzen, Ratten
4 kleine Hunde, 3 Katzen, 3 Ratten
Gemäss Zirkusleitung werden diese Tiere in einem Wohnwagen und im Bus des dazugehörigen
Zugfahrzeugs gehalten. Die Hunde würden mehrmals täglich ausgeführt, und auch die Katzen
hätten regelmässig Auslauf ins Freie. Die Ratten würden in einem herkömmlichen «Hamsterkäfig»
aus Draht gehalten.
Die Haltung so vieler Tiere auf derart engem Raum und bei ständigem Ortswechsel ist – bei aller
Zuwendung und Pflege – kaum tiergerecht. Ein Wohnwagen dürfte bspw. kaum über wirklich geeignete Klettermöglichkeiten für die Katzen verfügen (wobei zumindest eines der Tiere zumindest
während der Trainings/Shows regelmässig zum Klettern kommt), und die für drei Katzen per Gesetz
notwendigen Kotschalen können schwerlich vom Rest des Raumes (Futter- und Schlafplätze, andere Tiere) gesondert platziert werden, was für die reinlichen Tiere störend sein dürfte (Katzen
brauchen ein «stilles Örtchen» abseits von Störquellen, Futterschalen und ihren Komfortbereichen).
Auch Rückzugsmöglichkeiten vor den anderen Tieren dürften wenige vorhanden sein.
Für die Hunde dürfte die Haltung kaum problematisch sein, da sie Auslauf geniessen und für
sie der Anschluss an ihr erweitertes «Rudel» (andere Hunde, Menschen, andere Tiere) wichtig für
das Wohlbefinden ist.
Gut ist, dass die mitgeführten Ratten in der Gruppe gehalten werden – für die äusserst sozialen
Tiere absolut notwendig! Eine artgemässe Haltung kann allerdings mit den gesetzlich verlangten
Mindestvorschriften an die Käfiggrösse nicht gewährleistet werden. Immerhin werden die Tiere im
Zirkus beschäftigt und erhalten daher wohl regelmässig Freilauf. Ob allerdings die Unterbringung
in einem Wohnwagen, der zusätzlich von drei Katzen und vier Hunden (potentiellen Fressfeinden!)
bewohnt wird, für die Ratten zumutbar ist, muss (trotz dem Gewöhnungseffekt) bezweifelt werden.
Die Haltungsvorgaben für Katzen und Ratten sind minimalistisch. Für vier Katzen ist lediglich eine
Grundfläche von 7 m2 vonnöten bei einer Raumhöhe von 2 m. Zudem muss die Haltungseinheit
über erhöhte Liegeflächen, Rückzugsmöglichkeiten, geeignete Kletter- und Kratzmöglichkeiten,
Beschäftigungsmöglichkeiten und pro Katze eine Kotschale verfügen.
Für Ratten gibt es Haltungsvorschriften nur für die Haltung von Labortieren und für die Haltung
wilder Wanderratten, aber keine Vorgaben für die Haustierhaltung. Die Anforderungen an Rattenkäfige in der Laborhaltung sind je nach Körpergewicht (Grösse) der Tiere unterschiedlich. 300-400 g
schwere Tiere müssen bspw. total über eine Haltungseinheit mit einer Mindestfläche von 800 cm2
verfügen, wobei aber pro Tier mind. 350 cm2 zur Verfügung stehen müssen (ergibt bei drei Tieren
1050 cm2 oder ca. 1/10 m2). Zudem muss der Käfig über einen festen Boden, geeignete Nageobjekte und geeignetes Nistmaterial, sowie über Klettermöglichkeiten verfügen.
Für Hunde, die den Wohnbereich mit ihren Menschen teilen können und täglichen Auslauf haben, gibt es keine Vorgaben zur Mindestgrösse der Haltungseinheit.
1. Tiernummer: Freiheitsdressur mit Kamelen, Lamas und Ochsen
präsentiert von Nicole Pichler
4 Sibirische Kamele, 2 Lamas, 2 Braunvieh-Ochsen
Diese Tiergruppe wird vom schwedischen «Cirkus Olympia» als fertig ausgebildete Tiernummer an
andere Zirkusse vermietet.
«Nicole» betritt die Manege, gefolgt von den zwei prächtigen, jungen Kamelwallachen. Diese
drehen zuerst einige Runden hinter- und nebeneinander um die Manege, wechseln mehrmals die
Richtung und werden dabei durch die ausgestreckte Peitsche oder einen Wink mit derselben dirigiert, praktisch ohne Tierkontakt. Dann betritt ein Helfer die Manege, und Dompteuse und Helfer
führen die Kamele am Halfter Richtung Publikum und dirigieren sie mit den Vorderläufen auf den
Manegenrand. Nach einer kurzen, schnuppernden Begrüssung des Publikums am Manegenrand
werden die Kamele wieder in die Manegenmitte dirigiert, und die zwei dunklen, deutlich kleineren
Kamelstuten traben ins Rund.
Nun gehen alle vier Kamele erst hinter-, dann nebeneinander im Kreis. Schliesslich kommen
noch zwei Ochsen in die Manege. Sie sind locker ausgebunden (ohne Trense), können den Kopf
aber mühelos bis in die Waagrechte strecken, ehe die Zügel sich spannen. Das Ausbinden, welches
normalerweise an Pferden praktiziert wird, bewirkt, dass sich der Hals mehr rundet und Anlehnung
an das Gebiss (hier nicht vorhanden) gesucht wird. Zudem begrenzt es die Halsbewegungen des
Tieres auf die Seite. Eine Versammlung des Pferdes, bei der auch die Hinterhand mehr Gewicht
aufnimmt, wird damit aber nicht erreicht. Die Verwendung von Ausbindern ist dann problematisch,
wenn der Kopf zu sehr zur Brust hin gebunden wird (ist aber hier nicht der Fall). Wozu allerdings
die Ochsen überhaupt ausgebunden werden mussten, ist fraglich – wenn auch in diesem Fall sicher
kein Tierschutz-Problem.
Den Ochsen folgen die zwei Lamas im Trab. Alle acht Tiere gehen im Schritt oder Trab nebenund hintereinander, vollführen einige Volten und Wechsel ihrer Reihenfolge. Für diese grosse Tiergruppe ist das Manegenrund etwas klein; es kommt zu Stau und damit zu einer gewissen Unruhe,
da v.a. einer der beiden jungen Kamelwallache und eine der Kamelstuten übermütig oder ungeduldig reagieren – die Stute drängt beim Überholen am äusseren Rand die anderen Kamele und die
Lamas weg und schlägt sogar einmal aus; auch der eine Kamelwallach (derjenige, der vorne läuft)
kickt mehrmals nach hinten gegen das nachfolgende Tier oder stampft ungeduldig. Nicole Pichler
gelingt es aber mit sachten Gesten und zurückhaltenden Kommandos, wieder Ruhe in die Truppe
zu bringen. Ihre Körpersprache bleibt dabei subtil und wirkt zu keiner Zeit einschüchternd.
Sämtliche Tiere werden nun in der Manegenmitte versammelt, wobei die Kamele abliegen (und
sich eines sogar wohlig in der Streu wälzt) und von Nicole Pichler und ihrem Assistenten mit Streicheleinheiten und «Leckerli» belohnt. Dann gehen sie wieder im Kreis, wobei die hinten gehenden
Ochsen beim Ausgang jeweils eine Volte zeigen und dann die Manege verlassen, gefolgt von den
Kamelstuten und den Lamas. Die beiden Kamelwallache legen sich auf Kommando am Manegenrand ab, den Kopf jeweils gegen das Publikum gerichtet.
Dann traben die Lamas erneut in die Manege. Sie wirken zuerst etwas «nervös», bleiben dicht
beisammen, schauen aber aufmerksam und neugierig um sich; das eine der beiden Tiere löst sich
denn auch von seinem Partner und nähert sich dem Publikum in der ersten Reihe. Auf Kommando
galoppieren die beiden Lamas im Kreis und springen über die Schulter des einen liegenden Kamels.
Vor dem zweiten Kamel verweigern die Lamas jedoch den Sprung. Nicole Pichler versucht ein, zwei
Mal, das vordere Tier mit wiederholtem Kommando und leichter Hilfestellung am Halfter zu einem
Sprung zu bewegen, doch als sich das Tier immer noch weigert, erhält es dennoch seine Belohnung,
und die Lamas werden aus der Manege entlassen. Die beiden Kamele erheben sich, gehen nochmals
im Kreis, drehen vor dem Ausgang jeweils eine Volte und verlassen ebenfalls die Manege.
Eine aus Tierschutzsicht unproblematische Nummer. Die Tiere sind – bis auf zwei Kamele – ruhig,
die Kommandos werden sparsam eingesetzt, die Hinweise mittels Peitsche und Körper­sprache sind
klar, aber zurückhaltend. Die Tiere werden nach vollführter Übung ausgiebig belohnt. Auch wenn
eine Übung auseinander fällt und ein Tier nicht sofort kooperiert, bleibt die Dompteuse ruhig und
weist die Tiere gelassen an, so dass ohne unnötige Hektik wieder Ordnung in die Gruppe kommt.
Zudem werden Tiere, die eine Übung nicht vollführen wollen, auch nicht dazu gezwungen. Mensch
und Tier harmonieren gut, und es werden von den Tieren keine sie überfordernden «Kunststücke»
2. Tiernummer: Clown-Nummer mit Yorkshire-Terrier, Hauskatze und
präsentiert vom Clown-Duo «Sloby»
1 Yorkshire-Terrier, 1 Halblanghaar-Katze (Angora-Typ, rot), 1 Farbratte (weiss)
Die russischen Clowns treten in Begleitung eines Yorkshire-Terriers, einer roten Halblanghaarkatze
vom Angora-Typ, und einer grossen, weissen Ratte auf.
Unproblematisch sind die Vorführungen des Hundes: Er macht in der Manegenmitte Männchen (in
der Hocke und im Stand), «verneigt» sich auf den Vorderläufen oder sitzt längere Zeit regungslos
in der Manege, während sein «Dompteur» ihn scheinbar vergeblich auffordert, über eine (absichtlich viel zu hoch gehaltene) Reitgerte zu springen. Erst, als sein Herrchen die Gerte ganz tief hält,
bemüssigt sich das Hündchen zur Belustigung des Publikums, äusserst langsam über das Hindernis zu steigen. Etwas sehr lange muss der Terrier sich im aufrechten Stand auf den Hinterläufen
halten – dies scheint dem Tier zwar keine Probleme zu machen (es tänzelt auf diese Weise sogar
durch die Manege), ist aber keine für Hunde natürliche Fortbe­wegungsart! Die körperlichen und
mentalen Anforderungen an das Tier liegen im Bereich des hierzulande «sportlich» betriebenen
Dog-Dancings und dürften die Lernfähigkeit, den robusten Charakter und Beweglichkeit des Terriers nicht überstrapazieren.
Der Auftritt der Ratte ist dagegen aus Tierschutzsicht fragwürdig. Es ist anzunehmen, dass der
Lärm der Manege, der offene Raum (Ratten bewegen sich bevorzugt entlang von Mauern oder anderen schützenden Objekten und scheuen offene Räume, v.a. wenn sie diese zuvor nicht erkunden
und markieren konnten) und das grelle, wiederholt direkt auf das Tier gerichtete Scheinwerferlicht
bei der Ratte zu Angst führen. In der Manege sitzt sie auf den Schultern des Clowns, läuft an seinen Armen entlang, balanciert zusammen mit der Katze über eine Stange und wird den Kindern in
der ersten Reihe herumgereicht (wobei sie ziemlich zappelt, mit dem Schwanz peitscht und kräftige Spritzer Urin absetzt). Dabei wird die Ratte jeweils mit nur einer Hand über den Rücken gefasst,
wobei man eigentlich auch Nagetiere beim Herumtragen am Bauch/Hinterteil abstützen (d.h. beidhändig fassen) sollte. Für ein kleines, auf seinen Sozialverband angewiesenes Nagetier und scheues Fluchttier wie die Ratte, das es von Natur aus vermeidet, sich über offene Flächen zu bewegen,
ohne nahe Schlupfwinkel um sich zu wissen, dürfte die Stressbelastung während einer Zirkusshow
gross sein (auch wenn ein gewisser Gewöhnungseffekt eintreten sollte). Denn dabei wird die Ratte
stark exponiert und Lärm und je nachdem auch neuartigen Gerüchen ausgesetzt. Die beobachtete
Abgabe einer grösseren Urinmenge beim Herumreichen an die Kinder im Publikum (im Gegensatz
zu den Tröpfchen, die Ratten zur Orientierung im Raum ständig abgeben) ist in diesem Zusammenhang als Angstzeichen zu bewerten.
Auch der Auftritt der Katze ist aus Tierschutzsicht verbesserungswürdig. Zwar scheint sie vom
Publikum und der lauten Musik nicht besonders beeindruckt, nimmt «Leckerli» als Belohnung
entgegen und absolviert ihr Programm grösstenteils souverän. (Sie muss sich von den Clowns auf
der Schulter tragen lassen, über Balken balancieren oder sich mit den Vorderläufen daran entlang
hangeln, Menschen in die Arme springen, auf einen hohen Ausguck empor klettern, in mehreren
Metern Höhe auf einem schwankenden Hochsitz im Scheinwerferlicht warten, schliesslich auf eine
bereit gehaltene Matte springen). Allerdings wirkt die Katze dabei angespannt («weakly tense» oder
Stufe 3 gemäss Cat Stress Score nach Kessler/Turner) – nicht etwa nur «konzentriert» (sie schlägt
wiederholt stark mit dem Schwanz, einmal wird ein Fauchen gegen den Dompteur geäussert, ausserdem zeigt sie zweimal Flankenlecken, eine typische Übersprungs­handlung bei Belastung). Als
dem natürli­chen Verhalten zuwiderlaufende Übung muss das «Hangeln» in den Ellbögen zwischen
zwei waagrechten Balancierstangen betrachtet werden (das schon letztes Jahr auf dem Programm
stand und kritisiert worden war).
Zudem ist die Haltung einer Katze in einem Wohnwagen nicht ideal. Das Tier wird zwar beschäftigt
und kann den kleinen Wohnwagen als Heim nutzen, jedoch ist der Bewegungsspielraum dort ziemlich
eingeschränkt, die Katzentoilette kann kaum vom restlichen Aufenthaltsraum getrennt werden, und
die häufigen Ortswechsel sind für ein territoriales Tier wie die Hauskatze gewiss nicht optimal, auch
wenn – oder gerade weil! – das Tier allenfalls auch an der Leine nach draussen geführt wird.
3. Tiernummer: Pferde- und Maultierdressur
präsentiert von Susanne Mani
1 Freiberger-Wallach (Schimmel), 1 Zwerg-Maultier
Mit Susanne Mani betreten ein Freiberger-Schimmel und ein Zwerg-Maultier das Rund der Manege.
Beide Tiere sind locker ausgebunden. Die Dompteuse lässt die beiden im Kreis gehen, mal hinterund mal nebeneinander, dann auch gegenläufig oder sich kreuzend. Während der Freiberger-Wallach
sehr ruhig wirkt (Ohren immer nach vorne gerichtet, Kopf und Schweif ruhig), zeigt das Maultier
deutlich mehr Unruhe (Kauen auf der Trense, Schweifschlagen, Ohren meist leicht nach hinten
gerichtet, zweimal Kopfschütteln) – das Verhalten liegt aber noch im Bereich normaler «Nervosität»
(Anzeichen von Konzentration). Vermeidungsverhalten (Kopfabwenden, Ohren anlegen) oder Anzeichen von Angst (Augenrollen) können nicht beobachtet werden.
In der Mitte der Manege stellt ein Helfer ein niedriges Podest auf, auf welches sich das Pferd
mit den Vorderhufen stellt. Auf Kommando dreht anschliessend das kleine Maultier mehrere Runden unter dem Bauch des Pferdes hindurch. Anschliessend werden beide Tiere mit Streicheleinheiten und «Leckerli» belohnt.
Dann zeigen Pferd und Maultier nochmals einige Volten und drehen Runden in Schritt und Trab,
ehe sie die Manege verlassen.
Aus Tierschutzsicht unproblematische Vorführung. Der Umgang mit den Tieren ist freundlich und
respektvoll, und es werden keine überfordernden Übungen abverlangt. Die Tiere werden belohnt
und wissen jederzeit, was von ihnen verlangt wird. Die gelegentlichen Stressanzeichen (Schweifschlagen, Trensenkauen) beim Zwerg-Maultier können noch als Ausdruck positiven «Stresses»
(Konzentration) gedeutet werden.
Der Circus Helvetia konnte dieses Jahr aus Zeitgründen nicht besucht werden. Da dieser Zirkus nur
sehr wenige Tiere auf Tournee mitführt (eigene Tiere: Ponys) und die Haltung und Präsentation der
Tiere in der Manege beim letzten Besuch des STS in Ordnung waren, wurde die Zirkusleitung gebeten, uns schriftlich Auskunft zu ihrer Tierhaltung zu geben. Der
Circus Helvetia soll im kommenden Jahr wieder durch den STS besucht werden.
Tierhaltung und Tiervorführung
Die zwei sechsjährigen Ponys amerikanischer Rasse werden in kleinen Freilaufgehegen mit Anschluss an den Transportwagen gehalten,
wobei die Boxen infolge Aufforderung durch das kantonale Veterinäramt vor Kurzem vergrössert werden mussten. Im Auslauf wird
darauf geachtet, dass der Boden trocken und – wenn nötig – reichlich
eingestreut ist. Ebenfalls haben die Tiere täglichen Weideauslauf,
da sich gemäss Zirkusleitung alle Standorte auf Wiesen befinden.
Die Tiere hätten ständig Sozialkontakt, sowohl in den Boxen wie auch
auf der Weide, wenn auch durch einen Zaun getrennt, da es sich
um Hengste handle. Sie verstünden sich gut und würden sich auch
regelmässig gegeneinander «groomen» (soziale Fellpflege). Besonderes Augenmerk werde auf die richtige Ernährung gelegt, da Ponys
zu Übergewicht neigten (was der STS bei Ponys im Zirkus allerdings
bestätigen kann)!
Beim Hund, der dieses Jahr im Clown-Programm auftrete, handle es sich um einen Bichon, der
mit seiner Halterin auf Tournee sei. Er sei ein «Familienmitglied» und habe zudem Sozialkontakt
zu einem weiteren Hund, einem Yorkshire-Shi Tzu-Mischling des Zirkusdirektors.
Die Vorführung der Ponys kann auf Youtube eingesehen werden unter:
www.youtube.com/watch?v=mFjKat31VeA&feature=youtu.be
Eines der Ponys trabt bei dramatischer Musik durch den unteren Zuschauergang in die Manege;
auf dem Rücken einen grossen Stoff-Tiger. Das Pony ist normal ausgebunden. Auf Gesten seines
Dompteurs steigt es ein paar Mal kurz in die Hinterläufe und wird dafür mit «Leckerli» belohnt.
Dann trabt das zweite Pony mit einem «Rosaroten Panther» auf dem Rücken in die Manege. Auch
dieses Tier erhält zuerst eine Belohnung in Form eines «Leckerli». Dieses Pony ist eher kurz ausgebunden. Beide Tiere traben hinter- und nebeneinander mehrmals um die Manege, ehe sie auf
Kommando Schulter an Schulter steigen und dafür wieder belohnt werden.
Die Ponys wirken konzentriert, aber ruhig und ausgeglichen, was auch an ihrer Ohrstellung erkennbar ist. Der Dompteur dirigiert die Tiere mit sehr subtiler Körpersprache und durch die lenkend
gehaltene Peitsche und setzt Belohnungen grosszügig ein. Die beiden Ponys absolvieren dabei
relativ komplexe Richtungswechsel, Kreisfiguren und Schlaufen in der Manege. Zum Schluss steigen nochmals beide Ponys in die Hinterläufe und absolvieren auf diese Weise fast eine ganze
Runde in der Manege, ehe sie das Zelt verlassen. Aus tierschützerischer Sicht scheint auch die
diesjährige Tierhaltung und –präsentation beim Circus Helvetia unproblematisch zu sein.
Der Zirkus Stey, der alljährlich in der Nord- und Ostschweiz auf Tournee ist, wurde dieses Jahr in
Uster (ZH) auf dem Standplatz Püntwiese mitten in der Stadt besucht. Die Tiergehege befinden
sich auf Wiese, das Zelt auf kiesigem Untergrund. An diesem Standort steht dem Zirkus viel Platz
zur Verfügung, und den betriebseigenen Ponys wird erfreulicherweise denn auch ein grosser Auslauf
geboten. Auch die Hunde verfügen über einen ausreichenden Auslauf.
Der Zirkus Stey führt dieses Jahr fünf Shetland-Ponys und vier Hunde (drei Border Collies und
einen Jack-Russell Terrier) mit. Die Tiere machen einen gesunden und ausgeglichenen Eindruck;
die Hunde sind neugierig und freundlich, auch wenn man sich dem Gehege nähert.
5 Shetland-Ponys
Eines der Tiere hat kahle Stellen am
Körper, wo das Haar erst gerade wieder
nachzuwachsen scheint. Der Grund dafür ist uns nicht bekannt; es handelt
sich eindeutig nicht um den Verlust von
Winterfell (dieser wäre flächig und würde bei Pferden [anders als bei Kamelen!] nicht zu fast kahlen Stellen führen).
Den Ponys stehen als Stall zwei über flache Rampen zugängliche und gut eingestreute Pferde-Transporter zur Verfügung, sowie ein an
einen der Wagen angrenzender Unterstand unter Zeltplane (ca. 12 m2), der ebenfalls mit Stroh
eingestreut ist. Ein Weideauslauf von rund 400 m2 Fläche steht den Tieren ständig zur Verfügung;
Wasser und Heu sind vorhanden (Salzlecken im Wageninneren). Hier können sie weiden, traben,
oder sich am Boden wälzen und bei Bedarf vor den Besuchern zurückziehen. Positiv zu erwähnen
ist zudem die Haltung im Herdenverband.
Eine solche Ponyhaltung auf Tournee ist aus Tierschutzsicht vorbildlich. Die Tiere haben Sozialkontakt in der Herde, ausreichend Auslauf, Rückzug und Witterungsschutz. Es wäre zu wünschen, dass
diese Haltung auch an anderen Standorten mit geringerem Platzangebot möglichst beibehalten wird
(Wohnwagen eng stellen und Freiraum für Ausläufe zugunsten der Tiere nutzen, allenfalls Weiden
anmieten, Anzahl und Art der mitgeführten Tiere zum Vorherein an die räumlichen Gegebenheiten
der einzelnen Tourneestandorte anpassen).
Ponys gehören zu den domestizierten Tierarten. Die gesetzlichen Mindestvorschriften werden mit
der angetroffenen Haltung mehr als erfüllt.
3 Border Collies, Rüden, im Alter von
11 Monaten bis 6 Jahre
1 Jack-Russell Terrier
Die (aus Deutschland stammenden)
Hunde verfügen über einen eigenen
Transportwagen mit Veranda. Dessen
Inneres ist von aussen nicht einsehbar;
der Wagen steht aber offen und ist über
eine Rampe zugänglich. An den Wagen
anschliessend befindet sich ein kreisförmig mit einem Gitter umstellter, ca.
50 m2 grosser Auslauf auf Wiese. Der Auslauf ist sauber; die Hunde machen einen gesunden Eindruck und sind freundlich und aufmerksam. Wasser ist vorhanden. Bei unserem Besuch sind nur
die drei Border Collies im Gehege; der Terrier ist nur kurz zu sehen, als er an der Leine auf dem
Zirkusgelände unterwegs ist und dann im Wohnwagen des Hundehalters verschwindet. Der Hundehalter versichert uns, die Tiere würden regelmässig ausgeführt und bräuchten viel Beschäftigung.
Am Vormittag trainiere er regelmässig mit ihnen.
Die angetroffene Haltung ist aus Tierschutzsicht in Ordnung. Die Hunde haben Rudelanschluss
sowie eine menschliche Bezugsperson; sie sind offenbar auch gut sozialisiert. Der Auslauf ist nicht
gross, steht aber zumindest ständig zur Verfügung, und die Tiere werden offenbar regelmässig auch
ausserhalb des Geheges bewegt und beschäftigt.
Nur wenn Hunde dauernd in einem Zwinger/Gehege gehalten werden, gibt es gesetzliche Mindestvorgaben bezüglich Flächenmassen und Schlafboxen. Bei einer Haltung im Zwinger ohne zusätzlichen Auslauf müsste nebst einer definierten Mindestfläche (von Körpergrösse der Hunde abhängig)
für jeden Hund eine eigene Box oder ein Schlafplatz vorhanden sein, was gemäss Auskunft des
Tierhalters im Wagen vorhanden sei. Bei der beobachteten Haltung handelt es sich allerdings nicht
um eine Zwingerhaltung, da die Tiere über ein Auslaufgehege verfügen und regelmässig ausgeführt
werden. Zudem müssen alle Hunde, unabhängig von der Haltungsweise, über ausreichend Sozialkontakt mit Menschen verfügen und täglich im Freien ausgeführt werden oder Auslauf ausserhalb
des Zwingers haben.
1. Tiernummer: Clown-Nummer mit Hunden
präsentiert von Peter Taylor Balder
3 Border Collies, 1 Jack-Russell Terrier
Peter Taylor Balder betritt als Postbote verkleidet die Manege und schiebt auf einem Wägelchen
drei grosse Pakete vor sich hin, die er in der Manege abstellt. Eines der Pakete ist offenbar schwerer als die anderen und wird behutsam zu Boden gesetzt, während die zwei anderen Pakete tollpatschig fallen gelassen werden. Als der «Postbote» ihm den Rücken zudreht, öffnet sich der Deckel
des schweren Pakets, und ein Border Collie springt heraus und am Rücken des Postboten hoch.
Als sich dieser erstaunt wendet, ist der Hund aber bereits wieder in seinem Paket verschwunden.
So geht das zwei, drei Mal, ehe ein zweiter Border Collie in die Manege trabt und sich auf eines
der anderen Pakete setzt. An seinem Halsband hängt ein Fässchen, das der Postbote abnimmt und
den Hund dafür mit einem «Leckerli» belohnt. Dann verlässt dieser Hund wieder die Manege, und
der Jack-Russell Terrier kommt ins Zirkuszelt gestürmt und springt dem Postboten in die Arme.
Dann schlüpft der erste Border Collie wieder aus seinem «Paket» und stösst Peter Taylor Balder
von hinten mit den Pfoten an. Dieser täuscht Erschrecken vor und lässt den Jack-Russell Terrier
fallen, wobei der agile Hunde auf allen Vieren landet. Dann setzen sich beide Hunde auf je ein
Paket, und der zweite Border Collie kommt wieder herein. Dieser Hund soll nun durch einen Reifen
springen, verweigert sich der Aufforderung aber demonstrativ, indem er sich «tot stellt». Dafür
springt der Jack-Russell Terrier umso begeisterter durch den Reifen und über den Rücken des
anderen Hundes, der unterdessen wieder von seinem Sitzplatz herunter gekommen ist. Schliesslich
lassen sich auch die Collies bitten und springen durch den bereit gehaltenen Reifen. Der Terrier
springt auch immer wieder über die Rücken beider Collies.
Alle Hunde werden mit «Leckerli» belohnt und kurz gestreichelt. Dann wird eine Art Papierkübel
in die Manege gebracht und kommt der dritte Border Collie herein. Dieser wirft den bereitgestellten
Papierkübel um – und mit ihm den «erschrockenen» Postboten. Dieser holt sich hinter dem Vorhang
einen Besen und geht scheinbar auf den Hund los. Der Hund springt gekonnt über den schwingenden Besen und dann gegen den Arm des Postboten, als würde er ihn beissen. Zum Abschluss des
Intermezzos erhält auch dieser Hund eine Belohnung in Form von Futter.
Zum Schluss der Vorführung gehen alle drei Collies hintereinander aus der Manege; die hinteren
beiden auf den Hinterläufen, wobei sie sich mit den Vorderpfoten auf ihrem «Vordermann» abstützen und der Jack-Russell Terrier als Schlusslicht immer wieder über die Kruppe des hintersten
Collies springt.
Unproblematische Vorführung. Die Hunde sind mit sichtlicher Freude bei der Sache; insbesondere
der Jack-Russell Terrier wedelt und bellt immer wieder vor Aufregung und führt seine Kunststücke
mit grossem Elan vor. Der Dompteur geht respektvoll, verspielt und behutsam mit den Tieren um
und belohnt sie immer wieder. Kommandos sind kaum zu vernehmen; Mensch und Hunde sind ein
2. Tiernummer: Freiheitsdressur mit Shetland-Ponys
präsentiert von Martin Stey
Die fünf Ponys traben locker ausgebunden in die Manege. Martin Stey dirigiert sie mehrmals im
Kreis hinter- und nebeneinander um die Manege, dann lässt er sie in der Mitte stehenbleiben und
belohnt jedes Tier mit «Leckerli». Erneut traben die Ponys im Kreis und zeigen mehrere Richtungswechsel. Martin Stey setzt die Peitsche relativ energisch ein (ohne Tierkontakt, aber als akustisches
Signal – Peitschenknaller – und als Leitlinie) und verleiht seinen Kommandos auch durch eigenen
Körpereinsatz Nachdruck, indem er ständig mit den Ponys mitläuft, dazwischen geht, vor sie steht
usw. Die Ponys werden aber immer wieder belohnt und wirken nicht gestresst.
Dann führt eine Assistentin vier Ponys aus der Manege. Das verbliebene Tier setzt sich auf Kommando rückwärts in Bewegung und dreht auf diese Weise eine Runde. Martin Stey geht dabei
frontal mit dem Tier mit und tippt es mit der Peitschenspitze an Vorderläufen und Brust an. Zum
Schluss scharrt das Pony im Sand und «verneigt» sich auf Kommando. Dann wird es belohnt und
ebenfalls hinaus geführt.
Assistenten bringen eine Wippe in die Manege, und zwei Ponys werden herein geführt. Beide
Ponys werden von Martin Stey und seiner Assistentin auf die niedrige Wippe geführt. Dann lässt
der Dompteur das Tier auf seiner Seite ein wenig vor- und zurückgehen, so dass die Wippe mit den
beiden Ponys auf- und ab kippt. Abschliessend werden die Tiere erneut mit Futter belohnt.
Die Vorführung ist aus Tierschutzsicht unproblematisch. Die Ponys wirken nicht gestresst und
scheinen stets zu wissen, was von ihnen verlangt wird. Die Tiere werden regelmässig belohnt. Körpersprache und Gestik des Dompteurs könnten etwas zurückhaltender sein, sind jedoch nicht
problematisch, solange die Tiere mit der Peitsche höchstens sanft touchiert und nicht bedrängt
Tiershows mit Nutz- und Heimtieren
Für sehenswerte Tiernummern in der Manege bedarf es keiner exotischen Tiere wie Raubkatzen
oder Elefanten, ja nicht einmal eines Zirkus im herkömmlichen Sinn. Auch unsere Haus- und
Nutztiere sind mit Einfühlungsvermögen und Respekt seitens des «Dompteurs» zu erstaunlichen
Leistungen fähig. Dompteure müssen weder Ausnahmetalente noch menschliche «Alphatiere» sein,
um mit Tieren harmonisch zusammenarbeiten zu können. Was es braucht, um Tieren Kunststücke
beizubringen, sind vielmehr Gaben wie Geduld, Kenntnis der tierischen Körpersprache, Einfühlungsvermögen und Herzblut für die Arbeit mit Tieren.
Ob Tiere mittels positiver Motivation oder mittels Einschüchterung und Zwang dressiert wurden,
widerspiegelt sich oft an ihrem Verhalten in der Manege. Und nicht jeder, der im Zirkus als so
genannter «Tierlehrer» auftritt, hat sich tatsächlich je selber die Mühe gemacht, mit Tieren zu arbeiten! Dass «fix und fertig» ausgebildete Tiergruppen von Zirkus zu Zirkus tingeln und mancher
vermeintliche «Dompteur» oft bloss nur noch die Peitsche zum richtigen Zeitpunkt heben oder
senken muss, soll hier nicht unerwähnt bleiben!
Der STS hat dieses Jahr im Rahmen des Zirkusberichts auch zwei alternative Tier-Shows besucht
und bei diesen Einblick erhalten in die tägliche, spielerische Arbeit mit Haus- und Nutztieren –
deren Lohn begeisterter Beifall ist, bisweilen sogar im Zürcher Hallenstadion oder im Basler Theater! Gerade Nutztiere wie Rinder, Ziegen, Pferde, Ponys und Esel, aber natürlich auch Hunde,
Katzen oder Schweine sind sehr lernfähig, zu erstaunlicher Interaktion mit dem menschlichen
Partner und so auch zu eindrücklichen Leistungen in der Manege fähig. Ihr grosser Vorteil gegenüber
«Exoten» wie Tigern, Zebras oder Nandus ist, dass sie seit Jahrtausenden domestiziert sind (also
auch in Bezug auf ihre Raumansprüche und ihr Verhalten an ein Leben in menschlicher Obhut
angepasst). Sie lassen sich vergleichsweise einfach transportieren und in einem Zirkus auf Tournee
mitführen und artgerecht halten. Und für eine «tierische Atmosphäre» in der Manege sorgen sie
Bruno Isliker’s Tiershow
Im Reitstall Isliker in Oberseen, Winterthur,
haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, mit Pferden, Ponys, Kühen und Ziegen
Kunststücke einzuüben und diese vor Publikum zu präsentieren. Die Tiershow tritt
mehrmals pro Jahr an verschiedenen Anlässen auf, seien es Firmenfeste, Hochzeiten,
das CSI in Zürich, oder die OLMA in SanktGallen. Auf dem Hof leben rund 40 Pferde,
die täglichen Weidegang in der Herde geniessen. Über die Hälfte dieser Pferde
kommt beim Sechseläuten in Zürich mit
der Zunft Fluntern zum Einsatz.
Die von den Kindern mit viel Herzblut und
Feingefühl gemeinsam mit den Tieren einstudierten Dressurnummern haben ein artistisches Niveau,
wie man es auch in kleineren Schweizer Zirkussen sieht. So reitet ein jugendliches Mädchen auf
einem (ungesattelten!) Freiberger-Wallach verschiedene Dressurlektionen und über Sprunghindernisse, springt eine imposante und temperamentvolle Braunvieh-Kuh mit Reiterin über ein 40 cm
hohes Hindernis, zeigen eigenwillige Alpenziegen den «Spanischen Schritt» wie edle Dressurpferde oder lässt der seelenruhig entspannte Freiberger-Wallach, am Boden liegend, Kühe, andere
Pferde, Ponys und Ziegen in schnellem Galopp dicht über sich hinweg springen.
Die für Isliker’s Tiershows verwendeten Pferde, Ponys, Ziegen und
Kühe leben auf dem Bauernhof
mit täglichem Weidegang. Die Boxen sind relativ alt (12 m2-Boxen),
aber gut eingestreut und mit Wasser und Salzlecken versehen; die
Stallungen sind fensterlos, stehen
aber offen. Die Pferde und Kühe erhalten täglichen Weidegang auf den
zum Hof gehörigen, grossen Weiden.
Dabei gehen alle rund vierzig Pferde zusammen auf eine Weide, wo
sie in der Grossherde Sozialkontakte
und Freundschaften pflegen können.
Rund die Hälfte der Tiere gehört dem
Stall, die andere Hälfte sind Pensionspferde. Herr Bruno Isliker betont, dass sie nur langfristige
Pensionsgäste aufnehmen, damit die Herdenstruktur nicht durch ständige Wechsel unnötig strapaziert wird. Ponys und Ziegen haben eigene, etwas kleinere Weide-Abteile, wo den Ziegen auch einige
Strohballen als erhöhte Liegeflächen zur Verfügung stehen. Die zwei Kühe, die zum Stall gehören,
leben gemeinsam in einer für zwei Tiere geräumigen, gut eingestreuten Liegebox mit ständigem
Zugang zu einem Auslauf (auf Asphalt). Zudem können sie jeden Tag auf die Weide.
Zwei Ziegen und zwei Ponys teilen sich eine umfunktionierte, niedrige Pferdebox; das Abteil der
Ziegen ist durch eine Holzplanke von demjenigen der Ponys abgetrennt. Diese Boxenhaltung lässt
den Tieren wenig Platz; hier wäre eine eigene Stallung für die zwei Ziegen sinnvoll.
Die Tierhaltung im Stall ist gesetzeskonform und der tägliche Weidegang eine deutliche Aufwertung der Tierhaltungs-Qualität, zumal die Stallungen relativ alt sind. Sämtliche Tiere, die wir gesehen haben, machen einen guten, gesunden Eindruck – die Kühe sind allerdings sehr gut genährt,
die junge Kuh gar fettleibig.
Tiervorführung
Die Kühe, Ziegen, Pferde und Ponys haben tägliche Bewegung auf der Weide, einige Pferde und
die Ponys zusätzlich im Reitstall oder bei Ausritten und Spaziergängen. Mit den Tieren der Tiershow
wird ein- bis zweimal wöchentlich, jeweils ca. eine bis eineinhalb Stunden lang, trainiert. Die Trainings finden nach Ende des Reitunterrichts in der Reithalle statt. Regelmässig sind neben Herrn
Bruno Isliker und der Pferdepflegerin Andrea Helbling als Tierlehrer vier bis fünf Mädchen und
Teenager an den Trainings beteiligt.
Ihren Anfang fanden Islikers Tiershows mit der unterdessen 20-jährigen, stattlichen BraunviehKuh «Sibylle». Diese Kuh lässt sich von A. Helbling reiten und hat zu ihren besten Zeiten einen
Kuh-Hochsprung-Rekord (80 cm mit auf ihrem Rücken stehender Reiterin) aufgestellt. Heute gehen
die Kinder regelmässig noch mit ihr ausreiten.
In den täglichen Trainings wird v.a. Bodenarbeit gemacht mit den Tieren, ausserdem etwas
Dressur- und Springreiten mit zwei Pferden. Die aktuell im Training aufgebaute Kuh «Circe» (leider
sehr gut genährt, wohl aufgrund der vielen Futterbelohnung im Training…) springt bereits auch mit
Reiterin über 40 cm hohe Cavaletti-Hürden. Während der Trainings-Lektionen lässt sie sich kaum
aus der Ruhe bringen und kaut auch wieder – ein Zeichen von Gelassenheit, denn ein belasteter,
verängstigter Wiederkäuer verschiebt das Wiederkäuen auf später!
Zu Beginn der Lektion führen die Mädchen ihre Pferde, Ponys, Ziegen hinter A. Helbling mit
«Circe» um die Manege und üben auf Kommando Vor- und Rückhandwendung, Schenkelweichen
und Sprünge im Trab über niedrige Hürden. Eines der Pferde wird (ohne Sattel) geritten. Es folgen
Rückwärtsgang, Abliegen und Aufsitzen, was sowohl Pferde, als auch Kuh und Ziegen mit Bravour
meistern. Zur Belohnung werden die Tiere regelmässig gestreichelt und erhalten «Leckerli». Dann
legt sich der Freiberger-Wallach auf den Hallenboden, und die Kinder lassen ihre Tiere mit Anlauf
über ihn hinweg springen. Anschliessend wird Kuh «Circe» in Schritt, Trab und Galopp geritten,
zeigt Volten und ein paar Schritte rückwärts, springen Kinder mittels Trampolin über Pferderücken
und lassen die beiden Mini-Shetlandponys am Kreuzzügel durch die Halle traben und über Cavalettis springen. Ein Mädchen reitet den Freiberger-Wallach ohne Sattel und zeigt mehrere DressurSchrittfolgen, u.a. Volte, Paraden, Angaloppieren, Spanischer Schritt, Traversieren.
Der Umgang mit den Tieren ist jederzeit entspannt und freundlich. Die Tiere werden gelobt,
Fehlverhalten wird ignoriert, aber nicht bestraft. Wichtig sei, dass die Tiere von sich aus Motivation
zum Lernen und zur Arbeit zeigten, und dass sie die menschliche Führung anerkennten, so Bruno
Isliker. Diese Führungsposition übernehmen schon die Kinder, indem sie die Körpersprache der
Tiere richtig lesen und darauf entsprechend reagieren. Die Tiere sprechen sensibel auf Körperhaltung, Hände- oder Schenkeldruck, Antippen mit Fuss oder Gerte, Belohnung, Ignorieren, Zuwenden
oder Abwenden des Körpers usw. an. Es ist keinerlei Hektik oder Zwang zu bemerken, kein Zerren
an Halftern, keine körperliche Einschüchterung oder lautes Peitschenknallen (wie man es in manchen Zirkussen leider immer noch beobachten kann…).
Circus Maus
Seit 1972 betreibt der Tierpädagoge und
diplomierte Tierpfleger Heini Gugelmann
in Blauen, mitten im idyllischen Baselbieter Jura gelegen, seinen «Circus
Maus» als «kleinster Circus der Welt».
Er arbeitet u.a. mit Katzen, Hunden,
Ziegen, Kaninchen, Ratten, Enten,
Hühnern und Tauben. Regelmässig treten Tiere des Circus Maus in Aufführungen des Theaters Basel auf. Auch bietet
H. Gugelmann Workshops für Kinder an
– eine Gelegenheit für Stadtkinder, mit
Tieren in Kontakt zu kommen, den Umgang mit ihnen zu erlernen und mit ihnen Kunststücke vorzuführen. Der Circus wird
zudem Schweiz-weit von Firmen und Privatpersonen für Anlässe engagiert. Meist reist H. Gugelmann dabei mit seinen Tieren und den notwendigen Requisiten im Lieferwagen an und kehrt am
gleichen Tag zurück, so dass die Tiere nach der Vorstellung wieder ins heimische Gehege oder den
vertrauten Garten zurückkehren können.
Die Kleintiere des Circus Maus sind unter der liebevollen und geduldigen Anleitung und Führung
von H. Gugelmann zu erstaunlichen Leistungen fähig, so dass eine Vorführung des Kleinzirkus alles
bietet, was das Publikum sich von einer Tiernummer in einem guten Zirkus wünschen kann: Erstaunliche tierische Leistungen, gezeigt von motivierten, freudigen und entspannten Tieren, ein
harmonisches Miteinander von Mensch und Tier, eine Vielfalt an Tieren, sowie eine Mischung aus
akrobatischen und lustigen Elementen machen den Reiz der Vorführungen aus.
H. Gugelmann übt täglich in einer spielerischen Routine mit seinen Tieren im heimischen Garten und «Zirkuszelt». So werden die Tiere zusätzlich beschäftigt und gefordert, wobei Katzen,
Hunde und Ziegen den ganzen Tag unbegrenzt Freilauf rund um den abgelegenen Hof und mitten
in der Natur geniessen. Aber auch die in Volieren und Gehegen gehaltenen Hühner, Enten, Kaninchen, Ratten, ein altes Hängebauchschwein und zwei Kolkraben (die einzigen Wildtiere im Tierbestand des «Circus Maus» – treten allerdings nicht in der Show auf) erhalten täglich Freilauf resp.
Sämtliche Tiere des Circus machen einen gesunden, fitten Eindruck und verhalten sich ausgeglichen, sind lebhaft und motiviert.
Die Tierhaltung des Circus Maus ist
vorbildlich und sehr tiergerecht. Die
Tiere des Circus Maus leben auf einem
entlegenen Bauernhof im Baselbieter
Jura. Katzen, Hunde und Ziegen geniessen praktisch unbegrenzt Freilauf
während des ganzen Tages. Nur bei längerer Abwesenheit von H. Gugelmann
werden die Katzen vorübergehend in
einer Art Voliere mit Bambusdickicht,
Kletterästen und erhöhten Schlafboxen
gehalten. Zum Zeitpunkt des Besuchs
des STS streunten die beiden SiamMischlingskater «Fritz» und «Karl» und
zwei halbwüchsige Egyptian Mau frei auf
dem Gelände des Hofs herum. Für die Vorführung liessen sich Fritz und Karl dann problemlos einfangen und nahmen dann auch sehr aufmerksam und motiviert am täglichen Training teil.
Katzen und Hunde teilen sich die Wohnung – einen eigentlich ständig offenstehenden, vorne
mit einer Art Pergola überdachten Wohnwagen – mit H. Gugelmann. Sie haben dort auch verschiedene Schlafkörbe, Spielzeuge, Futter und Wasser zur Verfügung.
Die Tauben, Hühner und Enten leben in einer recht geräumigen Voliere, die mit seitlich angepflanzten Büschen über Sichtschutz und dank des geschlossenen Dachs über Witterungs- und
Feindschutz (Habicht!) verfügt. In der Voliere befinden sich verschieden hohe, unterschiedlich
dicke Sitzäste, Futter- und Wasserschalen, Substrat zum Scharren und für die Gefiederpflege, sowie
ein grosszügiges Wasserbecken für die Enten. Die Hühner und Enten können auch täglich auf dem
Hof spazieren und in den Wiesen Nahrung suchen.
Insgesamt vier weisse Zwergkaninchen leben in einem vorbildlich gestalteten Aussengehege
zusammen mit einem sehr alten Hängebauchschwein, das auf dem Hof noch seinen Lebensabend
verbringt. Das Aussengehege ist von der Fläche her gross, verfügt über grabbaren Untergrund (der
dem Schwein auch das Suhlen ermöglicht) und ein Teil des Geheges befindet sich unter einem
ausrangierten, als Innenstall benutzten Wohnwagen, der über eine flache Rampe zugänglich ist. So
haben die Tiere Witterungsschutz und können sich zusätzlich auch in die «Höhle» unter dem Wohnwagen zurückziehen und die Welt von dort aus sicherer Warte beobachten. In der Gehegemitte
befindet sich zudem ein interessant gestalteter Asthaufen mit weiteren Hohlräumen, Strohnestern
und Röhren. An einem Baumstamm befestigt ist eine Kratzbürste, die das Schwein für die Körperpflege nutzen kann.
Zwei Kolkraben leben in einer hohen, recht geräumigen Voliere, in deren Mitte ein Laubbaum
steht, der ausreichend erhöhte Sitzwarten und Sichtschutz bietet. Zudem werden die beiden handzahmen Raben täglich ins Freie gelassen, drehen dann ihre Kreise über dem Gehöft oder machen
auch mal einen Ausflug in den nahen Wald, schreiten durch den Garten und die Wiesen und beschäftigen sich dabei mit allem, was ihr Interesse erregt. Die Raben sind dabei so zahm, dass sie
auf Zuruf meist gleich angeflogen kommen und sich H. Gugelmann auf den ausgestreckten Arm
Die Trainings und Vorführungen finden in
einem kleinen Festzelt statt, wo H. Gugelmann die Requisiten laufend auf- und
abbaut. Als einzige Hilfsmittel setzt er
zwei Reitgerten ein, um die Tiere zu dirigieren, wobei die Spitze der Gerte auch
als sog. «Target» verwendet wird, das die
Tiere z. B. mit der Nase anstupsen beim
Männchen-Machen und daraufhin zur Belohnung ein «Leckerli» erhalten. Während
der Vorführung hält H. Gugelmann dauernd
Stimmkontakt zu den Tieren und lobt sie,
wenn sie ihre Sache gut machen; zudem
ist er nicht sparsam mit Belohnungen in
Form von Futter und Streicheleinheiten.
Auf diese Weise sind die Tiere auch mit Publikum und an unbekannten Orten ruhig und motiviert,
da sie die Unterstützung und das Wohlwollen von Seiten ihrer Bezugsperson spüren. Wenn eines
der Tiere gelegentlich eine Übung verweigert oder «falsch» absolviert, wird auf Strafen verzichtet
und die Übung abgebrochen. Gemäss H. Gugelmann würden Strafen oder Zwang die Tiere nur
nachhaltig verunsichern und die weitere Arbeit mit ihnen unnötig erschweren.
Haupt-Requisit der Vorführung ist ein grosses Podest, in dessen Hohlräumen Boxen integriert
sind, in denen Katzen, Ratten, ein Kaninchen, die Enten und Tauben kurz (!) auf ihren Auftritt
warten. Während des Auftritts stehen die unteren Boxen offen, so dass bspw. das Fluchttier Kaninchen, oder auch die Ratten, sich jederzeit wieder darin zurückziehen können. Dem Kaninchen wird
sogar während der Vorführung frisches Grünzeug zur Verfügung gestellt; es muss lediglich über ein
paar niedrige Hindernisse springen, ehe es sich wieder in die Box zurückziehen und dort fressen
kann. Die Hühner sitzen derweil auf an dem Podest montierten Stangen. Die Pfauentauben fliegen
aus ihrer Transportbox heraus, sobald deren Türklappe sich öffnet, und setzen sich ebenfalls auf
die Stangen. Auch die Enten, einmal in der Manege, dürfen sich anschliessend dort auch während
der Vorführung frei bewegen.
Die Vorführung enthält verschiedene Elemente: Hunde, Katzen, Tauben und Hühner sitzen gemeinsam auf dem Podest, dann machen die Vierbeiner «Männchen». Die Hunde laufen Slalom um
H. Gugelmanns Beine, springen einander über den Rücken und durch Reifen und Röhren, rollen
sich auf Kommando am Boden, und die Dalmatiner-Hündin beherrscht den «Spanischen Schritt».
Die Katzen und Ratten balancieren gemeinsam in luftiger Höhe über ein schmales Brett; ein Kater
läuft Slalom zwischen den Sitzstangen von Hühnern und Tauben; einer der Kater springt durch
Reifen, der andere geht auf einer grossen Kugel. Das Kaninchen springt einmal hin und zurück
über eine Reihe von vier niedrigen Hindernissen («Kanin-Hop»), wobei es nur eines Fingerzeigs und
keiner Nachhilfe durch Anstossen oder Aufheben bedarf. Das Fluchttier (!) wirkt auch in der Manege gelassen und zeigt kein Angstverhalten.
Die Enten gehen auf Kommando über eine pyramidenförmige Rampe und rutschen auf der
Rückseite runter. Die Tauben und Hühner sind eigentlich nur Statisten. Drei Ziegenböcke zeigen
auf ihren Podesten Volten, einer geht einige Schritte auf den Hinterläufen wie ein Dressurpferd,
zudem balancieren die Paarhufer über einen Balken, springen durch Reifen und gehen über eine
Schaukel. Der weisse Ziegenbock «Felix» beherrscht sogar den Balance-Akt auf der Kugel!
Geübt werden die Kunststücke, indem ein spontan von den Tieren gezeigtes Verhalten – z. B.
Rollen am Boden, Pfoten geben, weite Sprünge – gelobt und belohnt und dadurch zu einer immer
stärkeren Ausprägung motiviert wird. Neue Tiere werden dabei nach und nach in die täglichen
Trainings integriert und lernen «by doing» von den anderen Tieren. Musik wird nicht bei jedem
Training verwendet; jedoch werden die Tiere speziell vor Auftritten (z. B. auch am Theater Basel)
vor Ort an die dortigen Geräusch- und Lichtverhältnisse gewöhnt.
Die gezeigten Übungen und die Vorführung der Tiere in der Manege sind aus Tierschutzsicht
allesamt unproblematisch.
Schweizer Tierschutz STS: Zirkusbericht 2014