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Timestamp: 2016-10-26 21:29:55
Document Index: 304852442

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'BGE', 'Art. 29', 'Art. 28', 'Art. 28', 'Art. 5', 'Art. 28', 'Art. 27', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 134', 'Art. 159', 'Art. 135', 'Art. 4']

I 601/99 (02.11.2001)
I 601/99 Gr
E.________, 1960, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch den
Rechtsdienst f�r Behinderte, Sch�tzenweg 10, 3014 Bern,
A.- E.________ (geboren 1960) war infolge eines psychischen Zusammenbruchs im Winter 1990/91 hospitalisiert. In der Folge arbeitete sie an verschiedenen Stellen im Service und an der Bar, zuletzt im Cabaret X.________ Im November 1996 begab sie sich erneut in psychiatrische Behandlung. Mit Schreiben vom 24. Februar 1997 wurde E.________ auf Ende M�rz 1997 gek�ndigt, weil sie den Anforderungen nicht mehr gewachsen sei. Ab 1. M�rz 1997 war sie zu 100 % arbeitsunf�hig (Arztzeugnis vom 3. M�rz 1997). Nachdem sie im Juli und August 1997 in einer Bar t�tig gewesen war, nahm sie am 8. September 1997 die Arbeit im Umfang eines halben Pensums im Fr�hst�cksservice im Hotel B. auf. Am 20. April 1998 ersuchte sie um Leistungen der Invalidenversicherung. Frau Dr. med. A.________, �rztin f�r Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte eine agitierte depressive Reaktion mit Anpassungsst�rungen in Gef�hl und Sozialverhalten bei labiler impulsiver Pers�nlichkeit (Bericht vom 4. Mai 1998). Dr. med. G.________, Facharzt f�r Psychiatrie und Psychotherapie, schloss in seinem Gutachten vom 7. Oktober 1998 auf eine reaktiv depressive Symptomatik im Sinne einer Anpassungsst�rung mit l�ngerer depressiver Reaktion (ICD-10:F 43.21) auf der Grundlage einer emotional instabilen, impulsiven Pers�nlichkeit (ICD-10:F 60.30) sowie auf eine Entwurzelungsproblematik; das Leiden weise Krankheitswert auf und E.________ sei deshalb in ihrer bisherigen T�tigkeit im Service wie auch bei anderen Hilfsarbeiten zu 50 % arbeitsunf�hig. Mit Verf�gung vom 18. Dezember 1998 lehnte die IV-Stelle des Kantons Bern jegliche Leistungen ab.
B.- Die hiegegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern mit Entscheid vom 27. August 1999 ab.
C.- In ihrer Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst E.________ beantragen, es sei der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben und die IV-Stelle zu verpflichten, ihr berufliche Massnahmen, eventualiter eine Rente zu gew�hren.
Die IV-Stelle schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. DasBundesamtf�rSozialversicherungl�sstsichnichtvernehmen.
1.- a) Die Vorinstanz hat die Bestimmung und Grunds�tze �ber den Begriff der Invalidit�t (Art. 4 Abs. 1 IVG; BGE 102 V 165; AHI 2000 S. 151 Erw. 2a mit Hinweisen) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
b) Zu erg�nzen bleibt, dass die Behandelbarkeit einer psychischen St�rung, f�r sich allein betrachtet, nichts �ber deren invalidisierenden Charakter aussagt. F�r die Entstehung des Anspruchs auf eine Invalidenrente im Besonderen ist immer und einzig vorausgesetzt, dass w�hrend eines Jahres (ohne wesentlichen Unterbruch) eine mindestens 40%ige Arbeitsunf�higkeit nach Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG bestanden hat und eine anspruchsbegr�ndende Erwerbsunf�higkeit gem�ss Art. 28 Abs. 1 bis Abs. 1ter IVG sowie Art. 28 Abs. 2 IVG oder Art. 5 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 28 Abs. 3 IVG und Art. 27 f. IVV weiterhin besteht (zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil B. vom 5. Oktober 2001 [I 724/99]). In diesem Urteil hat das Eidgen�ssische Versicherungsgericht auch pr�zisiert, dass sich die invalidit�tsfremden Faktoren soziokultureller und psychosozialer Umst�nde im Rahmen der Invalidit�tsbemessung unter dem Gesichtspunkt zumutbarer Willensanstrengung zu ihrer �berwindung regelm�ssig nicht klar vom medizinischen Leiden selber trennen lassen. Art. 4 Abs. 1 IVG versichert zu Erwerbsunf�higkeit f�hrende Gesundheitssch�den, worunter soziokulturelle Umst�nde nicht zu begreifen sind. Es braucht in jedem Fall zur Annahme einer Invalidit�t ein medizinisches Substrat, das (fach)�rztlicherseits schl�ssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit wesentlich beeintr�chtigt. Je st�rker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgepr�gter muss eine fach�rztlich festgestellte psychische St�rung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeintr�chtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herr�hren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszust�nden klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstst�ndigte psychische St�rungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit sind unabdingbar, damit �berhaupt von Invalidit�t gesprochen werden kann. Wo der Gutachter dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umst�nden ihre hinreichende Erkl�rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Ist anderseits eine psychische St�rung von Krankheitswert schl�ssig erstellt, kommt der Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensm�ssig erwartet werden kann zu arbeiten (eventuell in einem gesch�tzten Rahmen) und einem Erwerb nachzugehen.
2.- Die Vorinstanz hat eine Leistungspflicht der Invalidenversicherung mit dem Argument verneint, es liege gar keine Invalidit�t im Sinne des Gesetzes vor, weil die Beschwerdef�hrerin nicht aus gesundheitlichen, sondern aus invalidit�tsfremden Gr�nden nicht in der Lage sei, ihre Arbeitsf�higkeit zu verwerten; zudem sei ihr Leiden behandelbar, weshalb ein invalidisierender Gesundheitsschaden gar nicht vorliegen k�nne.
3.- a) Es ist unbestritten, dass das psychische Leiden der Versicherten nicht chronifiziert ist, sondern ihr Gesundheitszustand durch entsprechende Behandlung verbessert werden kann. Dies allein gen�gt jedoch nicht, um einen Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG auszuschliessen (Erw. 1b).
b) Dr. med. G.________ diagnostiziert in seinem Gutachten vom 7. Oktober 1998 eine reaktiv depressive Symptomatik im Sinne einer Anpassungsst�rung mit l�ngerer depressiver Reaktion auf der Grundlage einer emotional instabilen, impulsiven Pers�nlichkeit sowie einer Entwurzelungsproblematik. Ausl�ser sei die schwerste Verunsicherung der Pers�nlichkeit der Versicherten gewesen, als ihr Ehemann sie zu Gunsten einer j�ngeren Frau verlassen habe und nachdem sie trotz mehrerer Schwangerschaften kein Kind habe bekommen k�nnen.
Zwar vermag Dr. med. G.________ nicht sicher zu beurteilen, ob das Leiden der Versicherten ausschliesslich kulturbedingt sei oder ob die Kriterien einer Pers�nlichkeitsst�rung im engeren Sinne erf�llt seien, doch h�lt er wiederholt fest, dass dem psychischen Leiden der Beschwerdef�hrerin Krankheitswert zukommt und dieses in nennenswerter Weise Einfluss auf die Arbeitsf�higkeit hat. Sowohl in ihrer angestammten T�tigkeit im Service wie auch in jeglicher anderen Hilfsarbeit attestiert er seit mindestens M�rz 1997 eine Arbeitsunf�higkeit von 50 %; seines Erachtens liegt jedoch bereits seit dem ersten, durch die Trennung vom Ehemann hervorgerufenen psychischen Zusammenbruch im Winter 1990/91 eine Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit von mindestens 20 % vor. Auf Grund dieser Einsch�tzung sowie der Tatsache, dass die Versicherte zum Zeitpunkt der Begutachtung bereits seit zwei Jahren bei Frau Dr. med. A.________ in psychiatrischer Behandlung war, ist von einem verselbstst�ndigten Krankheitsbild auszugehen, bei welchem die psychosozialen und soziokulturellen Faktoren in den Hintergrund getreten sind. Die �rztlich attestierte Arbeitsunf�higkeit im Service wie auch allgemein bei Hilfsarbeiten ist demnach nicht allein in psychosozialen und soziokulturellen Umst�nden begr�ndet, sondern vor allem in der seit Jahren andauernden und sich von den ausl�senden Faktoren verselbstst�ndigten depressiven Phase.
c) Die Sache wird mit der Feststellung, wonach bei der Versicherten ein Leiden vorliegt, welches einen Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG darstellt, an die IV-Stelle zur�ckgewiesen, damit diese die �brigen Voraussetzungen pr�fe und �ber das Leistungsbegehren neu entscheide.
4.- Das Verfahren ist kostenlos (Art. 134 OG). Dem Prozessausgang entsprechend steht der Beschwerdef�hrerin eine Parteientsch�digung zu (Art. 159 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 135 OG).
I. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. August 1999 und die Verf�gung der IV-Stelle Bern vom 18. Dezember 1998 aufgehoben werden und die Sache mit der Feststellung, dass bei der Versicherten ein Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG vorliegt, an die IV-Stelle Bern zur�ckgewiesen wird, damit sie �ber den Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung neu verf�ge.
III. Die IV-StelleBernhatderBeschwerdef�hrerinf�rdasVerfahrenvordemEidgen�ssischenVersicherungsgerichteineParteientsch�digungvonFr. 2'500. --(einschliesslichMehrwertsteuer)zubezahlen.
V. Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, der Ausgleichskasse des Kantons Bern und dem Bundesamt f�r Sozialversicherung zugestellt.