Source: https://www.flugrechte.eu/5720/flug-eurowings-von-k%C3%B6ln-nach-bangkok-%C3%BCber-stunden-versp%C3%A4tung
Timestamp: 2020-08-12 23:11:17
Document Index: 383935334

Matched Legal Cases: ['EuG', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 5', 'Art. 7', 'Art. 3', 'BGH', 'EuG', 'EuG']

EW 106 Flug CGN BKK mit Eurowings von Köln nach Bangkok über 6 Stunden verspätung - FLUGGASTRECHTE
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EW 106 CGN (Köln-Bonn, Deutschland) - BKK (Bangkok, Thailand)
Der Flieger wurde immer weiter verspätet. Erst hiess es nur 2 Stunden. Dann hiess es 4 Stunden. Bis dann alles mit Boarding von Eurowings und Startvorbereitungen abgewickelt war, waren es auch schon fast 6 Stunden Verspätung mit der wir dann losgeflogen sind. Die genaue Verspätung müsste ich noch recherchieren, aber es waren auf jeden fall fast 6 stunden verspätung.
Eurowings sagt, es wären widrige Wetterverhältnisse auf dem Vorflug gewesen, die zu der Verspätung geführt haben. Aber von schlechtem Wetter kann nicht die Rede sein. Es war zwar bewölkt, aber sonst nichts besonderes. Und wieso hat der Vorflug was mit unserem Flug zu tun?
Muss Eurowings für die 6 stündige Verspätung die Entschädigung nach der Fluggastverordnung 261/2004 EU-Recht bezahlen?
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Gefragt 9, Jan 2016 in Flugverspätung von Anonym
ihr Flug von Köln-Bonn nach Bangkok hatte eine Verspätung von ungefähr 6 Stunden. Tatsächlich müssen Sie eine solche Situation nicht einfach so hinnehmen. Im Falle einer Verspätung kann Ihnen ein Anspruch auf Ausgleichszahlungen aus der europäischen Fluggastrechte Verordnung zustehen. Dazu reichte es jedoch nicht bereits aus, dass der Flug verspätet startet. Es kommt vorallem darauf an, ob Sie auch Ihr Endziel tatsächlich mit einer Verspätung erreichen.
EuGH, Urteil vom 04.09.2014, Az.: C-452/13 (einfach zu finden bei Google unter „ reise-recht-wiki“)
Sie schreiben, dass Sie zwar die genaue Verspätung noch recherchieren müssen, sich jedoch ziemlich sicher sind das es 6 Stunden Verspätung waren.
Als Grund für die Verspätung wurden Ihnen von Eurowings widrige Wetterverhältnisse auf dem Vorflug genannt. Tatsächlich ist es so, dass eine Fluggesellschaft keine Ausgleichzahlungen leisten muss, wenn ein außergewöhnlicher Umstand vorliegt. Schlechte Wetterbedingungen können tatsächlich einen außergewöhnlichen Umstand darstellen und somit zum Erlöschen Ihres Anspruchs auf AUsgleichszahlungen führen. Jedoch schildern Sie, dass es zwar bewölkt war, jedoch keine weiteren Anzeichen für schlechtes Wetter ersichtlich waren. beachten Sie bitte, dass eine Fluggellschaft stets beweisen muss, dass tatsächlich ein außergewöhnlicher Umstand vorlag. In diesem Falle müsste Eurowings somit zunächst beweisen, dass tatsächlich widrige Wetterverhältnisse geherrscht haben.
Weiterhin ist problematisch, dass die widrigen Wetterverhältnisse wohl lediglich auf dem Vorflug geherrscht haben. Richtig haben Sie bereits festgestellt, dass dies dann wohl so gut wie nichts mit Ihrem Flug zu tun haben kann. So auch das folgende Urteil:
AG Geldern, Urteil vom 20.02.2008 – Az.: 4 C 241/07 (einfach zu finden bei Google unter "reise-recht-wiki")
Will sich ein Luftfahrtunternehmen, das einen bestimmten Flug annulliert hat, auf „mit der Durchführung des betreffenden Fluges nicht zu vereinbarende Wetterbedingungen“ als „außergewöhnliche Umstände“ berufen, so kann es nur die Wetterbedingungen heranziehen, die sich auf den annullierten Flug unmittelbar ausgewirkt haben. Beeinträchtigungen, die auf vorangegangene Flüge eingewirkt haben, bleiben unberücksichtigt.
Damit würden auch in Ihrem Fall die widrigen Wetterbedingungen auf dem Vorflug unberücksichtigt bleiben.
Die Höhe der Ausgleichszahlungen bestimmt sich wie folgt:
Im vorliegenden Fall liegt eine Entfernung von ca. 9.069, 30 km vor und einer Verspätung von ca. fast 6 Stunden. Folglich kann Ihnen ein Anspruch auf Ausgleichszahlungen in Höhe von 600 Euro je Fluggast zustehen.
Beantwortet 10, Jan 2016 von GeoHalle (2,100 Punkte)
Hallo, lieber Fragesteller!
Folgende Sachverhalte müssen bei Ihrer Frage geklärt werden: (1) Anspruch auf eine Ausgleichszahlung, (2) Haftungsbefreiende Gründe, (3) Ereignisse auf dem Vorflug.
Bei einer großen Flugverspätung könnten Sie einen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung haben. Die Entfernung zwischen Köln und Bangkok beträgt über etwas 9.000 km. Art. 6, Abs. 1, li. c) i. V. m. Art. 7, Abs. 1, li. c Verordnung 261/2004 besagen, dass bei dieser Entfernung Fluggästen ab 4 Stunden Verspätung eine Ausgleichszahlung in Höhe von 600 Euro pro Person zusteht.
Die Verordnung ist auch anwendbar, da es sich um einen Flug aus der EU handelt. Im Übrigen wäre das Ergebnis umgekehrt auch dasselbe, da es ein Non-Stop-Flug mit einer europäischen Fluggesellschaft ist.
(2) Haftungsbefreiende Gründe
Laut Art. 5, Abs. 3 Verordnung 261/2004 gilt folgendes:
Flugwidrige Wetterbedingungen stellen einen typischen außergewöhnlichen Umstand dar, den die Fluggesellschaft nicht beeinflussen kann.
Darüber hinaus muss die Fluggesellschaft auch bei außergewöhnlichen Umständen darlegen und evtl. nachweisen, welche Maßnahmen zur Vermeidung der Verspätung ergriffen worden waren. Erst wenn keine Maßnahmen aus technischer, personeller und wirtschaftlicher Sicht zumutbar waren, muss die Fluggesellschaft keine Ausgleichszahlung leisten.
(3) Ereignisse auf dem Vorflug
Manchmal sind auch nachfolgende Flüge eines Flugzeuges von der ursprünglichen Verspätung betroffen. Dies kann zum Beispiel dann passieren, wenn ein Flugzeug nach einer technischen Störung nicht lufttüchtig ist und repariert werden muss, sodass auch nachfolgende Flüge mit einer Verspätung starten oder schlimmstenfalls annulliert werden.
Theoretisch können außergewöhnliche Umstände auch auf nachfolgende Flüge übertragen werden. In solchen Situationen müssen die Ereignisse aber besonders schwerwiegend sein und die Fluggesellschaft muss sehr genau alle in Betracht kommenden Maßnahmen durchgehen und Schritt für Schritt darlegen, warum diese nicht möglich waren.
Dass eine anfängliche Verspätung auf nachfolgende Flüge übertragen werden muss ist oft auch ein Zeichen dafür, dass die Fluggesellschaft nicht genügend Zeit zwischen zwei Flügen einplant (Vgl. AG Hannover, Urt. v. 30.09.2013, Az: 532 C 7883/12). Diese allein wirtschaftliche Entscheidung darf nicht zulasten der Fluggäste fallen.
Auch schlechtes Wetter an einem Ort kann der Grund sein, dass ein Flugzeug verspätet startet und die Verspätung auch nachfolgende Flüge betrifft. Der Bundesgerichtshof hat im Urteil vom 14.10.2010 entschieden (Az. Xa ZR 15/10), dass in solchen Situationen kein außergewöhnlicher Umstand vorliegt bzw. dieser für nachfolgende Flüge nicht geltend gemacht werden kann (Vgl. auch AG Geldern, Urteil vom 20.02.2008, Az 4 C 241/07, AG Frankfurt, Urt. v. 25.05.2011, Az: 31 C 2/11 (16)).
Beantwortet 14, Jan 2016 von pulang ambon (5,020 Punkte)
bei einer Verspätung von Flügen können Ausgleichszahlungen aus der EU-Fluggastrechteverordnung in Betracht kommen.
Die Definition der großen Verspätung ist streckenabhängig:
Flugstrecke bis einschließlich 1.500 km: Verspätung über 2 Stunden
Flugstrecke zwischen 1.500 und 3.500 km: Verspätung über 3 Stunden
Flugstrecke zwischen 1.500 und 3.500 km: Verspätung über 4 Stunden
Darüber hinaus hat die Fluggesellschaft eine pauschale Entschädigung als Ausgleichsleistung (Art. 7 VO (EG) Nr. 261/2004) zu zahlen:
- 250 € für eine Flugstrecke bis zu 1.500 km
- 400 € für eine Flugstrecke zwischen 1.500 und 3.500 km
- 600 € bei Flugstrecken über als 3.500 km
Bietet die Luftfahrtgesellschaft jedoch einen Flug an, der nicht später als 2, 3 oder 4 Stunden (abhängig von der genannten Entfernung) gegenüber dem ursprünglich geplanten Flug am Zielort ankommt, stehen dem Passagier nur 50% der genannten Ausgleichszahlungen zu.
Fraglich ist nun, ob außergewöhnliche Umstände einen Ausschlussgrund darstellen könnten. Die Luftfahrtgesellschaft muss dabei unvermeidbare Umstände nachweisen. Solche können im Wetter, Sicherheit, oder Streik liegen.
Wetterbedingungen stellen allerdings dann keinen außergewöhnlichen Umstand dar, den die Luftfahrtgesellschaft von ihrer Ausgleichszahlungspflicht entbinden könnte, wenn sie nicht als außergewöhnlich aus den üblichen und erwartbaren Abläufen des Luftverkehrs herausragen (vgl. AG Frankfurt am Main, Urt. v. 15.05.2013, 29 C 1954/11 (21)). Für außergewöhnliche, aus den üblichen und zu erwartenden Abläufen des Luftverkehrs herausragende Wetterbedingungen spricht es, wenn diese geeignet gewesen sind, den Luftverkehr oder die Betriebstätigkeit eines oder mehrerer Luftfahrtunternehmen ganz oder teilweise zum Erliegen zu bringen. Dieses liegt z. B. vor, wenn ein Flughafen aufgrund von schlechtem Wetter vorübergehend geschlossen wird. Allgemein ist anerkannt, dass es sich bei Wetterbedingungen, die einen Start nicht zulassen, um einen außergewöhnlichem Umstand handelt (vgl. AG Königs Wusterhausen, Urt. v. 15.06.2011, 4 C 572/10). Die Luftfahrtunternehmen seien den Wetterbedingungen als Ereignisse von außen nämlich mittellos ausgesetzt und hätten keinerlei Einfluss auf den Wetterverlauf. Damit liegt dieser Bereich außerhalb des beherrschbaren und befreit die Luftfahrtgesellschaften von ihrer Ausgleichszahlungspflicht.
Wurde ein Flughafen nicht geschlossen, kann ein Pilot trotzdem entscheiden, ob und wann es aufgrund des Wetters zu gefährlich ist, ein Flugzeug zu landen. Diese Entscheidung ist wegen der Befugnisse des Piloten als Luftfahrzeugführer nach Art. 3 Abs. 1 LuftVO grundsätzlich bindend (vgl. AG Geldern, 03.08.2011, 4 C 242/09). Eine solche Entscheidung kann vom Gericht nur eingeschränkt auf grobe Fehler überprüft werden (vgl. LG Kleve, Urt. v. 07.04.2011, 6 S 116/10).
Vgl. http://passagierrechte.org/Schlechte_Wetterbedingungen
Bezüglich des Vorflugs:
Die Flüge im Umlaufverfahren durchzuführen, ist eine betriebswirtschaftliche Organisationsentscheidung der Fluggesellschaft. Solche Entscheidungen dürfen und sollen nicht zulasten des Fluggastes gehen (vgl. LG Hannover, Urt. v. 18.01.2012 – 14 S 52/11). Die Unvermeidbarkeit eines außergewöhnlichen Umstands liegt nur dann vor, wenn das Luftfahrtunternehmen alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen hat, um den Umstand zu verhindern, diese Maßnahmen aber gescheitert sind (vgl. BGH, Urt. v. 04.10.2010 – Xa ZR 15/10). Die Fluggesellschaft muss umfassend vortragen, welche personellen, materiellen und finanziellen Mittel zur Verfügung standen, um den Flug zum geplanten Zeitpunkt durchzuführen. Außerdem muss das Unternehmen hinreichend begründen, warum es ihm nicht zumutbar war, auf diese Möglichkeiten zurückzugreifen (vgl. AG Paderborn, 15.03.2012 – 50 C 254/11).
Sie sollten sich informieren, was genau der Grund für die Verschiebung war.
Beantwortet 20, Jan 2016 von Cockpit1 (21,990 Punkte)
Bearbeitet 19, Jan 2016 von Cockpit1
In dem von Ihnen geschilderten Fall liegt eine Verspätung des Fluges vor. Um in einem solchen Fall eine Entschädigung geltend machen zu können, muss eine erhebliche Ankunftsverspätung am Zielflughafen vorliegen.
Zum Vergleich das Folgende Urteil:
EuGH vom 04.09.2014- Az.: C-452/13-8-(einfach zu finden bei Google unter "reise-recht-wiki")
Der EuGH hat nun jedoch klargestellt, dass eine Verspätung beim Abflug keine Voraussetzung für die Entschädigung ist. Es kommt also allein auf die Ankunftsverspätung am Zielflughafen an. Für den Ankunftszeitpunkt ist nach dem Urteil des das Öffnen einer Tür des Flugzeugs maßgebend, und nicht wie bisher von den Gerichten angenommen das Berühren des Bodens (Touch-Down) oder das Erreichen der Parkposition (on-block).
Im vorliegenden Fall sind Sie mit einer Verspätung von über 6 Stunden von Köln Bonn gestartet. Sie geben zwar nicht an, wann genau Sie an Ihrem Zielflughafen in Bangkok gelandet sind. Es lässt sich jedoch annehmen, dass Sie auch in Bangkok eine Verspätung hatten. Somit liegt schon mal die Voraussetzug für die Geltendmachung von Ansprüchen gegen Eurowings vor. Bei einer solchen Verspätung steht Ihnen grundsätzlich ein Anspruch auf Ausgleichzahlungen zu.
Zu beachten ist jedoch, dass die Fluggesellschaft keine Ausgleichszahlung leisten muss, wenn außergewöhnliche Umstände im Sinne des Artikel 5 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261/2004/EG Ursache der Verspätung waren. Außergewöhnliche Umstände sind solche, die außerhalb des Machtbereiches der Fluggesellschaft stehen und auf die diese daher keinen Einfluss hat. Außergewöhnliche Umstände sind zum Beispiel der Streik des Bodenpersonals oder Wetterbedingungen, die den Flug beeinflussen.
Sie geben an, dass widrige Wetterbedingungen auf dem Vorflug Grund für die Verspätung des Vorfluges waren. Schlechte Wetterbedingungen können zwar einen außergewöhnlichen Umstand darstellen, jedoch müssen diese einen direkten Einfluss auf den Flug gehabt haben.
In Ihrem Fall hatten die widrigen Wetterbedingungen jedoch nur direkte Auswirkungen auf den Vorflug. Die Fluggesellschaft hat die Verspätung demnach selber zu verantworten. Es liegt kein außergewöhnlicher Umstand gemäß Artikel 5 Absatz 3 vor. Sie haben also einen Anspruch auf Ausgleichszahlung.
Artikel 7 der Verordnung bestimmt die Höhe der Ausgleichszahlung:
Im vorliegenden Fall liegt eine Entfernung von ca. 9.069, 30 km vor. Sie können also einen Anspruch in Höhe von 600 EUR pro Fluggast geltend machen.
Beantwortet 23, Jan 2016 von UeberdenWolken (10,020 Punkte)