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Timestamp: 2019-02-16 14:19:00
Document Index: 333806211

Matched Legal Cases: ['§ 217', '§ 323', '§ 323', '§ 217', '§ 212', 'Art. 4', '§ 3', '§ 217', '§ 226', '§ 212', '§ 230', '§ 212', '§ 229', '§ 231', '§ 213', '§ 211', '§ 230', '§ 212', '§ 276', '§ 294', '§ 276', '§ 213', '§ 215', '§ 210', '§ 294', '§ 212', '§ 213', '§ 215', '§ 214', '§ 230', '§ 212', '§ 323', '§ 217', '§ 4']

Säumniszuschlag, grobes Verschulden - Findok Internet
Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSW vom 03.06.2003, RV/0131-W/03
VwGH-Beschwerde zur Zl. 2003/13/0114 eingebracht. Mit Erk. v. 4.6.2008 als unbegründet abgewiesen.
RV/0131-W/03-RS1 Permalink
wie RV/0620-I/02-RS1
Die Bestimmung des § 217 Abs. 7 BAO ist dem § 323 Abs. 8 erster Satz zufolge erstmals auf Abgaben anzuwenden, für die der Abgabenanspruch nach dem 31. Dezember 2001 ent­steht. Da hierunter jene Abgaben zu verstehen sind, deren Nichtentrichtung zur Verwirkung des Säumniszuschlages führt, ist für den Anwendungsbereich dieser Regelung nicht der Zeit­punkt der Verwirkung des Säumniszuschlages, sondern der Zeitpunkt des Entstehens des Abgabenanspruches für die Stammabgabe maßgeblich (vgl. Ritz, SWK, 2001, S 312 u. S 346).
§ 323 Abs. 8 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
Der unabhängige Finanzsenat hat über die Berufungen des Bw. gegen die Bescheide des Finanzamtes für den 9.,18. und 19. Bezirk über die Festsetzung von ersten Säumniszuschlägen vom 9. Dezember 2002 entschieden:
Das Finanzamt für den 9., 18. und 19. Bezirk hat mit Bescheiden - jede Festsetzung eines Säumniszuschlages stellt einen gesonderten Bescheid dar- vom 9. Dezember 2002 wegen Nichtentrichtung der Einkommensteuer 1996 , Einkommensteuer 1997 und Einkommensteuer 1998 erste Säumniszuschläge in der Höhe von € 59,33,--, € 78,18,-- und € 78,58,-- vorgeschrieben. Dagegen erhob der Bw. am 16. Dezember 2002 betreffend des Säumniszuschlages auf Grund der Nichtentrichtung der Einkommensteuer 1996 und am 18. Dezember 2002 betreffend des Säumniszuschlages auf Grund der Nichtentrichtung der Einkommensteuer 1998 , mit der Begründung Anträge auf Aussetzung der Einhebung gestellt zu haben, Berufung, welche mit Berufungsvorentscheidung vom 3. Jänner 2003 abweisend entschieden wurde. Unbekämpft blieb die Vorschreibung eines ersten Säumniszuschlages betreffend Einkommensteuer 1997.
Im Vorlageantrag vom 13. Jänner 2003 führt der Bw. aus, dass ihm im Sinne der Bestimmung des § 217 Abs. 7 BAO kein Verschulden anzulasten sei, da er keinen Bankkredit zur Bezahlung der Abgabenschuldigkeiten erhalte. Gemäß § 212 a BAO hätte auf Grund seiner Aussetzungsanträge vom 22. Oktober 2002, 23. Oktober 2002 und 13. November 2002 bereits ein Guthaben auf dem Steuerkonto aufscheinen müssen, zudem sei die Vorschreibung der Einkommensteuer unter Verletzung des Gemeinschaftsrechtes erfolgt, - Verstoß gegen 6. Rl. Art. 4 (1) - daher stelle auch die Vorschreibung des Säumniszuschlages eine Verletzung des Gemeinschaftsrechtes dar.
Wird eine Abgabe, ausgenommen Nebengebühren (§ 3 Abs. 2 lit. d), nicht spätestens am Fälligkeitstag entrichtet, so sind gemäß § 217 Abs. 1 Bundesabgabenordnung ( BAO ) nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen Säumniszuschläge zu entrichten.
Abs.2 Der erste Säumniszuschlag beträgt 2% des nicht zeitgerecht entrichteten Abgabenbetrages.
Abs.3 Ein zweiter Säumniszuschlag ist für eine Abgabe zu entrichten, soweit sie nicht spätestens drei Monate nach dem Eintritt ihrer Vollstreckbarkeit (§ 226) entrichtet ist. Ein dritter Säumniszuschlag ist für eine Abgabe zu entrichten, soweit sie nicht spätestens drei Monate nach dem Eintritt der Verpflichtung zur Entrichtung des zweiten Säumniszuschlages entrichtet ist. Der Säumniszuschlag beträgt jeweils 1% des zum maßgebenden Stichtag nicht entrichteten Abgabenbetrages. Die Dreimonatsfristen werden insoweit unterbrochen, als nach Abs. 4 Anbringen oder Amtshandlungen der Verpflichtung zur Entrichtung von Säumniszuschlägen entgegenstehen. Diese Fristen beginnen mit Ablauf der sich aus Abs. 4ergebenden Zeiträume neu zu laufen.
Abs. 4 Säumniszuschläge sind für Abgabenschuldigkeiten insoweit nicht zu entrichten, als
a)ihre Einhebung gemäß § 212a ausgesetzt ist,
b)ihre Einbringung gemäß § 230 Abs. 2, 3, 5 oder 6 gehemmt ist,
c)ein Zahlungsaufschub im Sinn des § 212 Abs. 2 zweiter Satz nicht durch Ausstellung eines Rückstandsausweises (§ 229) als beendet gilt,
d)ihre Einbringung gemäß § 231 ausgesetzt ist.
Abs.5 Die Verpflichtung zur Entrichtung eines Säumniszuschlages gemäß Abs. 2 entsteht nicht, soweit die Säumnis nicht mehr als fünf Tage beträgt und der Abgabepflichtige innerhalb der letzten sechs Monate vor dem Eintritt der Säumnis alle Abgabenschuldigkeiten hinsichtlich derer die Gebarung gemäß § 213 mit jener der nicht zeitgerecht entrichteten Abgabenschuldigkeit zusammengefasst verbucht wird, zeitgerecht entrichtet hat. In den Lauf der fünftägigen Frist sind Samstage, Sonntage, gesetzliche Feiertage, der Karfreitag und der 24. Dezember nicht einzurechnen; sie beginnt in den Fällen des § 211 Abs. 2 und 3 erst mit dem Ablauf der dort genannten Frist.
Abs.6 Wird vor dem Ende einer für die Entrichtung einer Abgabe zustehenden Frist ein Vollstreckungsbescheid (§ 230 Abs. 7) erlassen, so tritt die Verpflichtung zur Entrichtung des Säumniszuschlages gemäß Abs. 2 erst mit dem ungenützten Ablauf dieser Frist, spätestens jedoch einen Monat nach Erlassung des Vollstreckungsbescheides ein und beginnt erst ab diesem Zeitpunkt die Dreimonatsfrist des Abs. 3 erster Satz zu laufen.
Abs.7 Auf Antrag des Abgabepflichtigen sind Säumniszuschläge insoweit herabzusetzen bzw. nicht festzusetzen, als ihn an der Säumnis kein grobes Verschulden trifft, insbesondere insoweit bei nach Abgabenvorschriften selbst zu berechnenden Abgaben kein grobes Verschulden an der Unrichtigkeit der Selbstberechnung vorliegt.
Gemäß § 212a. Abs.1 BAO ist die Einhebung einer Abgabe, deren Höhe unmittelbar oder mittelbar von der Erledigung einer Berufung abhängt, auf Antrag des Abgabepflichtigen insoweit auszusetzen, als eine Nachforderung unmittelbar oder mittelbar auf einen Bescheid, der von einem Anbringen abweicht, oder auf einen Bescheid, dem kein Anbringen zugrunde liegt, zurückzuführen ist, höchstens jedoch im Ausmaß der sich bei einer dem Begehren des Abgabepflichtigen Rechnung tragenden Berufungserledigung ergebenden Herabsetzung der Abgabenschuld. Dies gilt sinngemäß, wenn mit einer Berufung die Inanspruchnahme für eine Abgabe angefochten wird.
Abs.2 Die Aussetzung der Einhebung ist nicht zu bewilligen,
a) insoweit die Berufung nach Lage des Falles wenig erfolgversprechend erscheint, oder
c) wenn das Verhalten des Abgabepflichtigen auf eine Gefährdung der Einbringlichkeit der Abgabe gerichtet ist.
Abs.3 Anträge auf Aussetzung der Einhebung können bis zur Entscheidung über die Berufung (Abs. 1) gestellt werden. Sie sind zurückzuweisen, wenn sie nicht die Darstellung der Ermittlung des gemäß Abs. 1 für die Aussetzung in Betracht kommenden Abgabenbetrages enthalten. Weicht der vom Abgabepflichtigen ermittelte Abgabenbetrag von dem sich aus Abs. 1 ergebenden nicht wesentlich ab, so steht dies der Bewilligung der Aussetzung im
beantragten Ausmaß nicht entgegen.
Abs. 4 Die für Anträge auf Aussetzung der Einhebung geltenden Vorschriften sind auf Berufungen gegen die Abweisung derartiger Anträge und auf solche Berufungen betreffende Vorlageanträge (§ 276 Abs. 2) sinngemäß anzuwenden.
Abs.5 Die Wirkung einer Aussetzung der Einhebung besteht in einem Zahlungsaufschub. Dieser endet mit Ablauf der Aussetzung oder ihrem Widerruf (§ 294). Der Ablauf der Aussetzung ist anlässlich einer über die Berufung (Abs. 1) ergehenden a) Berufungsvorentscheidung oder b) Berufungsentscheidung oder c) anderen das Berufungsverfahren abschließenden Erledigung zu verfügen. Die Verfügung des Ablaufes anlässlich des Ergehens einer Berufungsvorentscheidung schließt eine neuerliche Antragstellung im Fall der Einbringung eines Vorlageantrages (§ 276 Abs. 2) nicht aus. Wurden dem Abgabepflichtigen für einen Abgabenbetrag sowohl Zahlungserleichterungen als auch eine Aussetzung der Einhebung bewilligt, so tritt bis zum Ablauf der Aussetzung oder ihrem Widerruf der Zahlungsaufschub auf Grund der Aussetzung ein.
Abs.6 Wurde eine Abgabenschuldigkeit durch die Verwendung von sonstigen Gutschriften (§ 213 Abs. 1) oder Guthaben (§ 215 Abs. 4) gänzlich oder teilweise getilgt, so sind, falls dies beantragt wurde, die getilgten Beträge in die Bewilligung der Aussetzung der Einhebung einzubeziehen, wenn die Tilgung a) vor Fälligkeit der Abgabenschuldigkeit oder b) vor Ablauf einer sonst für ihre Entrichtung gemäß § 210 Abs. 2
zustehenden Frist oder c) bei später als einen Monat vor ihrer Fälligkeit festgesetzten Abgaben vor Ablauf eines Monats ab Bekanntgabe des maßgeblichen Bescheides oder d) nach Einbringen des Antrages auf Aussetzung oder e) innerhalb eines Monats vor Ablauf d der Frist des Abs. 7 erfolgte.
Abs.7 Für die Entrichtung einer Abgabe, deren Einhebung ausgesetzt wurde, steht dem Abgabepflichtigen eine Frist bis zum Ablauf eines Monats ab Bekanntgabe des Bescheides über den Ablauf der Aussetzung (Abs. 5) oder eines die Aussetzung betreffenden Bescheides gemäß § 294 zu. Soweit einem vor Ablauf der für die Entrichtung einer Abgabe zur Verfügung stehenden Frist oder während der Dauer eines diese Abgabe betreffenden Zahlungsaufschubes im Sinn des § 212 Abs. 2 zweiter Satz eingebrachten Antrag auf Aussetzung der Einhebung nicht stattgegeben wird, steht dem Abgabepflichtigen für die Entrichtung eine Nachfrist von einem Monat ab Bekanntgabe des den Antrag erledigenden Bescheides zu.
Abs.8 Zur Entrichtung oder Tilgung von Abgabenschuldigkeiten, deren Einhebung ausgesetzt ist, dürfen Zahlungen, sonstige Gutschriften (§ 213 Abs. 1) sowie Guthaben (§ 215 Abs. 4) nur auf Verlangen des Abgabepflichtigen verwendet werden. Hiebei ist § 214 Abs. 4 sinngemäß anzuwenden, wenn bei Bekanntgabe des Verwendungszweckes auf den Umstand der Aussetzung der Einhebung der zu entrichtenden oder zu tilgenden Abgabenschuldigkeit ausdrücklich hingewiesen wurde.
Abs.9 Für Abgabenschuldigkeiten sind a) solange auf Grund eines Antrages auf Aussetzung der Einhebung, über den noch nicht entschieden wurde, Einbringungsmaßnahmen weder eingeleitet noch fortgesetzt werden (§ 230 Abs. 6) oder b) soweit infolge einer Aussetzung der Einhebung ein Zahlungsaufschub eintritt, Aussetzungszinsen in Höhe von einem Prozent über dem jeweils geltenden Basiszinssatz pro Jahr zu entrichten. Im Fall der nachträglichen Herabsetzung einer Abgabenschuld hat die Berechnung der Aussetzungszinsen unter rückwirkender Berücksichtigung des Herabsetzungsbetrages zu erfolgen. Wird einem Antrag auf Aussetzung der Einhebung nicht stattgegeben, so sind Aussetzungszinsen vor der Erlassung des diesen Antrag erledigenden Bescheides nicht festzusetzen. Im Fall der Bewilligung der Aussetzung der Einhebung sind Aussetzungszinsen vor der Verfügung des Ablaufes (Abs. 5) oder des Widerrufes der Aussetzung nicht festzusetzen.
Bemessungsgrundlage des Säumniszuschlages ist die nicht entrichtete Abgabenschuldigkeit, dies unabhängig davon, ob die Festsetzung der Stammabgabe rechtmäßig ist. ( VwGH 26.5.1999,99/13/0054.
Die Einkommensteuer 1996 in Höhe von € 2.966,51 und die Einkommensteuer 1998 in Höhe von € 3.929,13 mit Fälligkeitstag 11.11.2002 wurden nicht entrichtet.
Es war im gegenständlichen Verfahren nicht zu überprüfen, ob die Vorschreibung der Einkommensteuer zu Recht erfolgt ist oder nicht, sondern lediglich festzustellen, dass die Abgabenschuldigkeiten zum Fälligkeitstag nicht entrichtet wurden.
Zu den Einkommensteuernachforderungen liegt kein Antrag auf Aussetzung der Einbringung nach § 212 a BAO vor, daher ist auch die Verpflichtung Säumniszuschläge zu entrichten gegeben.
§ 323 Abs. 8 BAO (Übergangs- und Schlussbestimmungen) normiert dass die Änderungen des § 217 BAO - im Anlassfall bezüglich Einführung einer Verschuldenskomponente im Absatz 7 der bezogenen Gesetzesstelle- in der Fassung des Bundesgesetzblattes BGBl.I Nr.142/2000 erstmals auf Abgaben anzuwenden sind, für die der Abgabenanspruch nach dem 31. Dezember 2001 entsteht.
Nach § 4 Abs. 2 lit. a BAO entsteht der Abgabenanspruch für die zu veranlagende Einkommensteuer mit Ablauf des Kalenderjahres. Das ist für die Einkommensteuer 1996 der 31.12.1996 und für die Einkommensteuer 1998 der 31.12.1998.
Dem Einwand es liege kein Verschulden an der Nichtentrichtung der Säumniszuschläge vor, kann daher betreffend der verfahrensgegenständlichen Abgaben keine Berechtigung zukommen, da die gesetzliche Besserstellung auf die Nichtentrichtung der bezughabenden Abgaben nicht Anwendung finden kann.
Maßgeblich für den Anwendungsbereich dieser Regelung ist nicht der Zeitpunkt der Verwirkung des Säumniszuschlages, sondern der Zeitpunkt des Entstehens des Abgabenanspruches des Stammabgabe.
Eine Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit der Abgabenentrichtung konnte bei Angabenansprüchen die vor dem 31.12.2001 entstanden sind nicht Berücksichtigung finden.
Die Berufung war sohin spruchgemäß zu entscheiden.
Wien, 3. Juni 2003
Findok-Nr: 4367.1, aufgenommen am: 17.06.2003 19:18:05, zuletzt geändert am: 08.07.2008, Dokument-ID: 9668da4f-8f60-421a-9213-8ba3c55331a1, Segment-ID: e52241af-caa0-40c2-b2d1-8d72f44cc991