Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/die-elektrisch-betriebene-mobile-treppensteighilfe-fuer-einen-rollstuhl-327161
Timestamp: 2019-10-14 20:24:30
Document Index: 247588027

Matched Legal Cases: ['§ 33', '§ 33', '§ 34', '§ 33', '§ 12', '§ 33', '§ 33', '§ 73', '§ 139', '§ 33', '§ 275', '§ 127', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 31', '§ 1', '§ 6', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 31', '§ 6', '§ 5', '§ 7', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 40', '§ 3', '§ 40', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 41', '§ 31', '§ 18', '§ 40', '§ 40', '§ 31', '§ 33', '§ 31', '§ 40', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 2', '§ 14', '§ 33', '§ 182', '§ 5', '§ 6', '§ 55', '§ 60', '§ 31', '§ 7', '§ 33', 'Art 3', '§ 14', '§ 33', '§ 31', 'Art 1', 'Art 5', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 14', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 182', '§ 33', 'Art 1', '§ 36', '§ 182', '§ 33', '§ 40', '§ 40', '§ 33', '§ 182', '§ 4', '§ 554', '§ 3', '§ 2', '§ 554', '§ 33', '§ 33']

Die elek­trisch betrie­be­ne mobi­le Trep­pen­steig­hil­fe für einen Roll­stuhl | Rechtslupe
Ein in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ver­si­cher­ter Behin­der­ter hat kei­nen Anspruch nach § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V dar­auf, auf Kos­ten der Kran­ken­kas­se mit einer Trep­pen­steig­hil­fe ver­sorgt zu wer­den, und zwar unab­hän­gig davon, ob es um die Über­eig­nung oder die leih­wei­se Über­las­sung des Geräts geht und auch unab­hän­gig davon, ob das Gerät fabrik­neu oder schon gebraucht ist. Der Ver­sor­gungs­an­spruch besteht bereits vom Grund­satz her nicht.
So urteil­te das Bun­des­so­zi­al­ge­richt, dass die Kran­ken­kas­se nicht ver­pflich­tet ist, einer bei ihr ver­si­cher­ten Klä­ge­rin die Über­win­dung der Kel­ler­trep­pe im Hau­se sowie der zum Gar­ten füh­ren­den Trep­pe durch Aus­stat­tung mit einer Trep­pen­steig­hil­fe zu ermög­li­chen. Die Kran­ken­kas­sen sind nicht für sol­che Hilfs­mit­tel ein­tritts­pflich­tig, die ein dau­er­haft behin­der­ter Ver­si­cher­ter allein wegen sei­ner indi­vi­du­el­len Wohn­si­tua­ti­on benö­tigt.
Anspruchs­grund­la­ge für das Kla­ge­be­geh­ren ist § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V 1. Danach haben Ver­si­cher­te Anspruch auf Ver­sor­gung mit Hör­hil­fen, Kör­per­er­satz­stü­cken, ortho­pä­di­schen und ande­ren Hilfs­mit­teln, wenn sie nicht als all­ge­mei­ne Gebrauchs­ge­gen­stän­de des täg­li­chen Lebens oder nach § 34 Abs 4 SGB V aus der GKV-Ver­sor­gung aus­ge­schlos­sen und im Ein­zel­fall erfor­der­lich sind, um den Erfolg der Kran­ken­be­hand­lung zu sichern, einer dro­hen­den Behin­de­rung vor­zu­beu­gen oder eine Behin­de­rung aus­zu­glei­chen. Der Anspruch umfasst nach § 33 Abs 1 Satz 4 SGB V auch die not­wen­di­ge Ände­rung, Instand­set­zung und Ersatz­be­schaf­fung von Hilfs­mit­teln, die Aus­bil­dung in ihrem Gebrauch und, soweit zum Schutz der Ver­si­cher­ten vor unver­tret­ba­ren gesund­heit­li­chen Risi­ken erfor­der­lich, die nach dem Stand der Tech­nik zur Erhal­tung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit und der tech­ni­schen Sicher­heit not­wen­di­gen War­tun­gen und tech­ni­schen Kon­trol­len. Dabei besteht ein Anspruch auf Ver­sor­gung mit Blick auf die "Erfor­der­lich­keit im Ein­zel­fall" nur, soweit das begehr­te Hilfs­mit­tel geeig­net, aus­rei­chend, zweck­mä­ßig und wirt­schaft­lich ist und das Maß des Not­wen­di­gen nicht über­schrei­tet; dar­über hin­aus­ge­hen­de Leis­tun­gen darf die Kran­ken­kas­se gemäß § 12 Abs 1 SGB V nicht bewil­li­gen 2. Die Vor­aus­set­zun­gen des Ver­sor­gungs­an­spruchs nach § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V sind hier nicht erfüllt. Der mit der Bereit­stel­lung der mobi­len Trep­pen­steig­hil­fe bezweck­te zusätz­li­che Behin­de­rungs­aus­gleich betrifft nicht die – von der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung allein geschul­de­te – medi­zi­ni­sche Reha­bi­li­ta­ti­on der Klä­ge­rin, son­dern deren sozia­le bzw gesell­schaft­li­che Inte­gra­ti­on und Reha­bi­li­ta­ti­on, die in den Zustän­dig­keits­be­reich ande­rer Sozi­al­leis­tungs­trä­ger fällt, wobei vor allem die Sozi­al­hil­fe zu nen­nen ist.
Der Ver­sor­gungs­an­spruch nach § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V besteht nicht allein des­halb, weil die begehr­te Trep­pen­steig­hil­fe ver­trags­ärzt­lich ver­ord­net (§ 73 Abs 2 Satz 1 Nr 7 SGB V) wor­den und im HMV (§ 139 SGB V) ver­zeich­net ist. Den Kran­ken­kas­sen steht ein eige­nes Ent­schei­dungs­recht zu, ob ein Hilfs­mit­tel nach Maß­ga­be des § 33 SGB V zur medi­zi­ni­schen Reha­bi­li­ta­ti­on, also zur Siche­rung des Erfol­ges der Kran­ken­be­hand­lung, zur Vor­beu­gung gegen eine dro­hen­de Behin­de­rung oder zum Aus­gleich einer bestehen­den Behin­de­rung, im Ein­zel­fall erfor­der­lich ist; dabei kön­nen die Kran­ken­kas­sen zur Klä­rung medi­zi­nisch-the­ra­peu­ti­scher Fra­gen den Medi­zi­ni­schen Dienst der Kran­ken­ver­si­che­rung (MDK) ein­schal­ten (vgl § 275 Abs 3 Nr 1 SGB V). Eine ver­trags­ärzt­li­che Ver­ord­nung wäre nur dann für die Kran­ken­kas­sen ver­bind­lich, soweit sie für bestimm­te Hilfs­mit­tel auf ein Prü­fungs- und Geneh­mi­gungs­recht gene­rell ver­zich­tet haben, was zum Bei­spiel durch diver­se ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen mit Leis­tungs­er­brin­gern bzw. deren Ver­bän­den mög­lich ist (§ 127 SGB V). Eine sol­che Ver­ein­ba­rung ist für Trep­pen­steig­hil­fen nicht geschlos­sen wor­den.
Die Trep­pen­steig­hil­fe ist auch nicht schon des­halb zu gewäh­ren, weil die Klä­ge­rin wegen ihrer Geh­un­fä­hig­keit mit zwei Roll­stüh­len ver­sorgt wor­den ist und das Gerät die aus­schließ­li­che Funk­ti­on hat, einen geh­un­fä­hi­gen Ver­si­cher­ten im Roll­stuhl sit­zend und ohne Not­wen­dig­keit des Umsit­zens (aber nicht aus eige­ner Kraft, son­dern nur mit Hil­fe einer Begleit­per­son, die das Gerät bedient) Trep­pen über­win­den zu las­sen und so Orte errei­chen zu kön­nen, die ihnen sonst ver­wehrt blei­ben oder die nur auf ande­re, beschwer­li­che­re Wei­se erreicht wer­den könn­ten. Obwohl eine Trep­pen­steig­hil­fe also nur in Kom­bi­na­ti­on mit einem Roll­stuhl eine Funk­ti­on hat und inso­fern als "Zusatz­ge­rät" zum Roll­stuhl bezeich­net wer­den kann, folgt aus der medi­zi­ni­schen Not­wen­dig­keit des Roll­stuhls noch nicht die Not­wen­dig­keit der Trep­pen­steig­hil­fe. Die­ses Gerät hat im Rah­men des – hier allein in Betracht kom­men­den – Behin­de­rungs­aus­gleichs (3. Vari­an­te des § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V) für einen geh­un­fä­hi­gen Ver­si­cher­ten eine eigen­stän­di­ge Bedeu­tung, weil es die Bewe­gungs­mög­lich­kei­ten mit dem Roll­stuhl erwei­tert, indem Trep­pen kein unüber­wind­li­ches Hin­der­nis mehr dar­stel­len, um bestimm­te Orte auf­zu­su­chen. Eine Trep­pen­steig­hil­fe hat also von ihrer Kon­struk­ti­on und ihrem Ver­wen­dungs­zweck her einen eigen­stän­di­gen Nut­zen für den Ver­si­cher­ten und sei­ne Begleit­per­son. Die­ser Gebrauchs­vor­teil muss den Kri­te­ri­en der Ver­sor­gung mit einem "ande­ren Hilfs­mit­tel" im Sin­ne des § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V zum Zwe­cke des Behin­de­rungs­aus­gleichs genü­gen und ver­langt somit eine geson­der­te, von der Not­wen­dig­keit der Ver­sor­gung mit einem Roll­stuhl unab­hän­gi­ge Prü­fung der Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen.
Der Behin­de­rungs­aus­gleich nach § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V (vgl. jetzt auch § 31 Abs 1 Nr 3 SGB IX) hat zwei­er­lei Ziel­rich­tung:
Im Vor­der­grund steht der Aus­gleich der aus­ge­fal­le­nen oder beein­träch­tig­ten Kör­per­funk­ti­on selbst, wie es zum Bei­spiel ins­be­son­de­re bei Pro­the­sen der Fall ist. Bei die­sem sog unmit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich gilt das Gebot eines mög­lichst weit­ge­hen­den Aus­gleichs des Funk­ti­ons­de­fi­zits, und zwar unter Berück­sich­ti­gung des aktu­el­len Stands des medi­zi­ni­schen und tech­ni­schen Fort­schritts. Dabei kann die Ver­sor­gung mit einem fort­schritt­li­chen, tech­nisch wei­ter­ent­wi­ckel­ten Hilfs­mit­tel nicht mit der Begrün­dung abge­lehnt wer­den, der bis­her erreich­te Ver­sor­gungs­stan­dard sei aus­rei­chend, solan­ge ein Aus­gleich der Behin­de­rung nicht voll­stän­dig im Sin­ne des Gleich­zie­hens mit einem nicht behin­der­ten Men­schen erreicht ist 3. Die Wirt­schaft­lich­keit eines dem unmit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich die­nen­den Hilfs­mit­tels ist grund­sätz­lich zu unter­stel­len und erst zu prü­fen, wenn zwei tat­säch­lich gleich­wer­ti­ge, aber unter­schied­lich teu­re Hilfs­mit­tel zur Wahl ste­hen.
Dane­ben kön­nen Hilfs­mit­tel den Zweck haben, die direk­ten und indi­rek­ten Fol­gen der Behin­de­rung aus­zu­glei­chen (sog mit­tel­ba­rer Behin­de­rungs­aus­gleich). In die­sem Rah­men ist die GKV aller­dings nur für den Basis­aus­gleich der Fol­gen der Behin­de­rung ein­tritts­pflich­tig. Es geht hier nicht um einen Aus­gleich im Sin­ne des voll­stän­di­gen Gleich­zie­hens mit den letzt­lich unbe­grenz­ten Mög­lich­kei­ten eines gesun­den Men­schen. Denn Auf­ga­be der GKV ist in allen Fäl­len allein die medi­zi­ni­sche Reha­bi­li­ta­ti­on (vgl § 1 SGB V sowie § 6 Abs 1 Nr 1 iVm § 5 Nr 1 und 3 SGB IX), also die mög­lichst weit­ge­hen­de Wie­der­her­stel­lung der Gesund­heit und der Organ­funk­tio­nen ein­schließ­lich der Siche­rung des Behand­lungs­er­folgs, um ein selbst­stän­di­ges Leben füh­ren und die Anfor­de­run­gen des All­tags meis­tern zu kön­nen. Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de beruf­li­che oder sozia­le Reha­bi­li­ta­ti­on ist hin­ge­gen Auf­ga­be ande­rer Sozi­al­leis­tungs­sys­te­me (vgl zB § 5 Nr 2 SGB IX: Leis­tun­gen zur Teil­ha­be am Arbeits­le­ben und § 5 Nr 4 SGB IX: Leis­tun­gen zur Teil­ha­be am Leben in der Gemein­schaft). Ein Hilfs­mit­tel zum mit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich ist von der GKV daher nur zu gewäh­ren, wenn es die Aus­wir­kun­gen der Behin­de­rung im gesam­ten täg­li­chen Leben besei­tigt oder mil­dert und damit ein all­ge­mei­nes Grund­be­dürf­nis des täg­li­chen Lebens betrifft. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung gehö­ren zu die­sen all­ge­mei­nen Grund­be­dürf­nis­sen des täg­li­chen Lebens das Gehen, Ste­hen, Sit­zen, Lie­gen, Grei­fen, Sehen, Hören, Nah­rungs­auf­neh­men, Aus­schei­den, die ele­men­ta­re Kör­per­pfle­ge, das selbst­stän­di­ge Woh­nen sowie das Erschlie­ßen eines gewis­sen kör­per­li­chen und geis­ti­gen Frei­raums 4. Zum Grund­be­dürf­nis der Erschlie­ßung eines geis­ti­gen Frei­raums gehört ua die Auf­nah­me von Infor­ma­tio­nen, die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit ande­ren Men­schen sowie das Erler­nen eines lebens­not­wen­di­gen Grund­wis­sens bzw eines Schul­wis­sens 5. Zum kör­per­li­chen Frei­raum gehört – im Sin­ne eines Basis­aus­gleichs der ein­ge­schränk­ten Bewe­gungs­frei­heit – die Fähig­keit, sich in der eige­nen Woh­nung zu bewe­gen und die Woh­nung zu ver­las­sen, um bei einem kur­zen Spa­zier­gang "an die fri­sche Luft zu kom­men" oder um die – übli­cher­wei­se im Nah­be­reich der Woh­nung lie­gen­den – Stel­len zu errei­chen, an denen All­tags­ge­schäf­te zu erle­di­gen sind (z.B. Super­markt, Arzt, Apo­the­ke, Geld­in­sti­tut, Post), nicht aber die Bewe­gung außer­halb die­ses Nah­be­reichs. Soweit über­haupt die Fra­ge eines grö­ße­ren Radi­us über das zu Fuß Erreich­ba­re hin­aus auf­ge­wor­fen wor­den ist, sind schon immer zusätz­li­che qua­li­ta­ti­ve Momen­te ver­langt wor­den 6.
Im vor­lie­gen­den Fall geht es – wie bei der Aus­stat­tung mit einem Roll­stuhl – nicht um den unmit­tel­ba­ren, son­dern nur um einen mit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich, weil durch das Hilfs­mit­tel nicht das Gehen selbst ermög­licht wird (wie z.B. bei einer Bein­pro­the­se). Aus­ge­gli­chen wer­den ledig­lich die Fol­gen der Funk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gung der Bei­ne, hier in Form der Unfä­hig­keit, selbst und aus eige­ner Kraft – oder auch nur mit stüt­zen­der Hil­fe einer Begleit­per­son – eine Trep­pe hin­auf- und her­ab­zu­stei­gen. Das dabei betrof­fe­ne all­ge­mei­ne Grund­be­dürf­nis des täg­li­chen Lebens ist aber nicht das selbst­stän­di­ge Woh­nen, weil dies zum einen nur auf die Mög­lich­keit aus­ge­rich­tet ist, trotz der Behin­de­rung dau­er­haft in einer eige­nen Woh­nung zu leben, und zum ande­ren vor allem auf Hilfs­mit­tel abzielt, die vom Behin­der­ten selbst bedient wer­den und ihn von frem­der Hil­fe ganz oder teil­wei­se unab­hän­gig machen. Dies ist hier gera­de nicht der Fall, weil die Trep­pen­steig­hil­fe nur durch die Begleit­per­son zu bedie­nen ist, der geh­un­fä­hi­ge Ver­si­cher­te also selbst dann auf Hil­fe ange­wie­sen bleibt, wenn er sich mit sei­nem Roll­stuhl ansons­ten aus eige­ner Kraft fort­be­we­gen kann.
Betrof­fen ist viel­mehr das Grund­be­dürf­nis auf Erschlie­ßung eines kör­per­li­chen Frei­raums in Form der Bewe­gungs­mög­lich­keit in der eige­nen Woh­nung und im umlie­gen­den Nah­be­reich. Die­se Bewe­gungs­mög­lich­keit wird zwar grund­sätz­lich durch Roll­stüh­le gewähr­leis­tet, stößt aber dort an ihre Gren­zen, wo Trep­pen, also mehr als nur ein­zel­ne Stu­fen (zB bei einer Bord­stein­kan­te) zu bewäl­ti­gen sind. Hier kann eine Trep­pen­steig­hil­fe vom Grund­satz her eine geeig­ne­te Hil­fe sein, die ansons­ten ein­ge­schränk­te Bewe­gungs­mög­lich­keit eines Roll­stuhl­fah­rers – wenn auch nur mit frem­der Unter­stüt­zung – zu erwei­tern. Dabei muss aber der Zweck, eine bestimm­te Trep­pe im Roll­stuhl sit­zend zu über­win­den und so an einen ansons­ten nicht oder nur unter beson­de­ren Schwie­rig­kei­ten zu errei­chen­den Ort zu kom­men, vom Maß­stab der medi­zi­ni­schen Reha­bi­li­ta­ti­on gedeckt sein, weil die GKV nur für die­sen Bereich der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung zustän­dig ist (§ 5 Nr 1 SGB IX). Die Leis­tungs­pflicht der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ent­fällt, wenn zum Bei­spiel die beruf­li­che oder die sozia­le Reha­bi­li­ta­ti­on bezweckt wird (§ 5 Nr 2 und 4 SGB IX).
Ein über die Befrie­di­gung von all­ge­mei­nen Grund­be­dürf­nis­sen hin­aus­ge­hen­der Behin­de­rungs­aus­gleich ist als Leis­tung der GKV nicht vor­ge­se­hen, was sich aus der Rege­lung des § 31 Abs 1 Nr 3 SGB IX ergibt, die der Gesetz­ge­ber in Kennt­nis der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts zur Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung mit Wir­kung zum 1. Juli 2001 in Kraft gesetzt hat. Damit wird der Hilfs­mit­tel­be­griff für alle Trä­ger von Leis­tun­gen der medi­zi­ni­schen Reha­bi­li­ta­ti­on (§ 6 Abs 1, § 5 Nr 1 SGB IX) ein­heit­lich defi­niert. Selbst wenn der Vor­rang abwei­chen­der Rege­lun­gen für den ein­zel­nen Reha­bi­li­ta­ti­ons­trä­ger wei­ter­hin besteht (§ 7 SGB IX), kann aus der inso­weit unbe­rührt geblie­be­nen Fas­sung des § 33 SGB V nicht geschlos­sen wer­den, der Gesetz­ge­ber habe nun­mehr den Behin­de­rungs­aus­gleich durch die GKV über die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung hin­aus aus­wei­ten wol­len 7.
Nach die­sen Maß­stä­ben besteht kein Anspruch der Klä­ge­rin nach § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V, auf Kos­ten der Beklag­ten mit einer Trep­pen­steig­hil­fe ver­sorgt zu wer­den, und zwar unab­hän­gig davon, ob es um die Über­eig­nung oder die leih­wei­se Über­las­sung des Geräts geht und auch unab­hän­gig davon, ob das Gerät fabrik­neu oder schon gebraucht ist. Der Ver­sor­gungs­an­spruch besteht bereits vom Grund­satz her nicht.
Die Kran­ken­kas­se ist nicht ver­pflich­tet, der Klä­ge­rin die Über­win­dung der Kel­ler­trep­pe im Hau­se sowie der zum Gar­ten füh­ren­den Trep­pe durch Aus­stat­tung mit einer Trep­pen­steig­hil­fe zu ermög­li­chen. Die Kran­ken­kas­sen sind nicht für sol­che Hilfs­mit­tel ein­tritts­pflich­tig, die ein dau­er­haft behin­der­ter Ver­si­cher­ter allein wegen sei­ner indi­vi­du­el­len Wohn­si­tua­ti­on benö­tigt.
Bei der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung durch die Gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung kommt es nicht auf die kon­kre­ten Wohn­ver­hält­nis­se des ein­zel­nen Ver­si­cher­ten an, son­dern auf einen gene­rel­len, an durch­schnitt­li­chen Wohn- und Lebens­ver­hält­nis­sen ori­en­tier­ten Maß­stab. Beson­der­hei­ten der Woh­nung und des Umfel­des, die anders­wo – etwa nach einem Umzug – regel­mä­ßig so nicht vor­han­den sind und einem all­ge­mei­nen Wohn­stan­dard nicht ent­spre­chen, sind bei der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung durch die GKV nicht zu berück­sich­ti­gen. Der Ver­si­cher­te muss das Hilfs­mit­tel also nicht nur gera­de wegen der Beson­der­hei­ten sei­ner kon­kre­ten Wohn­ver­hält­nis­se, son­dern in glei­cher Wei­se auch in einer ande­ren Woh­nung und deren Umfeld benö­ti­gen. Mit ande­ren Wor­ten: Ein ande­rer Ver­si­cher­ter mit den glei­chen kör­per­li­chen Behin­de­run­gen müss­te auf das Hilfs­mit­tel in des­sen Wohn- und Lebens­si­tua­ti­on eben­falls ange­wie­sen sein. Fehlt es dar­an, ist ein Anspruch nach § 33 SGB V in der Regel aus­ge­schlos­sen. Es kann sich dann nur um eine Form der Hil­fe zur Anpas­sung an die kon­kre­te Wohn­si­tua­ti­on han­deln, für die nicht die Kran­ken­kas­sen, son­dern der Ver­si­cher­te selbst – im Rah­men sei­ner Eigen­ver­ant­wor­tung – oder ande­re Sozi­al­leis­tungs­trä­ger (zB Pfle­ge­kas­sen, Sozi­al­hil­fe­trä­ger, Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger) zustän­dig sein kön­nen.
In die­sem vor­ste­hen­den Sin­ne ist die Zustän­dig­keit für den Aus­gleich von Behin­de­rungs­fol­gen im Bereich der Mobi­li­tät vom Gesetz­ge­ber nach dem gel­ten­den Recht grund­sätz­lich ande­ren Zwei­gen der Sozi­al­ver­si­che­rung oder der Eigen­ver­ant­wor­tung der behin­der­ten Men­schen selbst zuge­wie­sen. Nach­dem bereits die frü­he­re Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts nur aus­nahms­wei­se von einer ent­spre­chen­den Ein­stands­pflicht der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung aus­ge­gan­gen war, hat der Gesetz­ge­ber ins­be­son­de­re mit der Begrün­dung eines Anspruchs auf Leis­tun­gen für wohn­um­feld­be­zo­ge­ne Maß­nah­men im Rah­men der sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung in die­ser Hin­sicht eine grund­le­gen­de Sys­tement­schei­dung getrof­fen. Rechts­grund­la­ge hier­für ist § 40 Abs 4 SGB XI. Danach gilt: "Die Pfle­ge­kas­sen kön­nen sub­si­di­är finan­zi­el­le Zuschüs­se für Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung des indi­vi­du­el­len Wohn­um­fel­des des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen gewäh­ren, bei­spiels­wei­se für tech­ni­sche Hil­fen im Haus­halt, wenn dadurch im Ein­zel­fall die häus­li­che Pfle­ge ermög­licht oder erheb­lich erleich­tert oder eine mög­lichst selbst­stän­di­ge Lebens­füh­rung des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen wie­der­her­ge­stellt wird. Die Höhe der Zuschüs­se ist unter Berück­sich­ti­gung der Kos­ten der Maß­nah­me sowie eines ange­mes­se­nen Eigen­an­teils in Abhän­gig­keit von dem Ein­kom­men des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen zu bemes­sen. Die Zuschüs­se dür­fen einen Betrag in Höhe von 2557 Euro je Maß­nah­me nicht über­stei­gen." Die­se Norm ist Teil des Geset­zes­pro­gramms, der häus­li­chen Pfle­ge den Vor­rang vor der sta­tio­nä­ren Pfle­ge zu geben (§ 3 Satz 1 SGB XI). Sie berück­sich­tigt, dass Leis­tun­gen zur Anpas­sung des Wohn­um­fel­des an die Bedürf­nis­se kran­ker und behin­der­ter Men­schen im Sozi­al­leis­tungs­sys­tem der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung nicht vor­ge­se­hen waren und des­halb ein in die Zustän­dig­keit der Pfle­ge­ver­si­che­rung fal­len­der Leis­tungs­be­darf bestehen kann, soweit nicht ande­re Trä­ger für die behin­der­ten­ge­rech­te Gestal­tung des Wohn­um­fel­des ein­zu­ste­hen haben. Hat kein ande­rer Leis­tungs­trä­ger vor­ran­gig ein­zu­tre­ten, soll des­halb die sozia­le Pfle­ge­ver­si­che­rung – aller­dings beschränkt auf den finan­zi­el­len Rah­men des § 40 Abs 4 Satz 3 SGB XI – die behin­der­ten­ge­rech­te Umge­stal­tung der Woh­nung des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen för­dern, wenn dadurch die häus­li­che Pfle­ge über­haupt erst ermög­licht oder erheb­lich erleich­tert wird oder ein Ver­blei­ben des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen in sei­ner häus­li­chen Umge­bung und damit eine mög­lichst selbst­stän­di­ge Lebens­füh­rung sicher­ge­stellt wer­den kann 8.
Mit die­ser Rege­lung hat der Gesetz­ge­ber des SGB XI an die schon zuvor seit lan­gem bestehen­de Unter­schei­dung zwi­schen der behin­der­ten­ge­rech­ten Anpas­sung der Wohn­si­tua­ti­on einer­seits und der Ver­sor­gung mit Hilfs­mit­teln zur Bewäl­ti­gung oder Min­de­rung von Behin­de­rungs­fol­gen ande­rer­seits ange­knüpft. In die­sem Sin­ne war bereits in der Ein­wei­sungs­norm des § 29 SGB I in der bis zum 30. Juni 2001 gel­ten­den Fas­sung 9 bei Leis­tun­gen zur Ein­glie­de­rung behin­der­ter Men­schen unter­schie­den wor­den zwi­schen Leis­tun­gen zur all­ge­mei­nen sozia­len Ein­glie­de­rung mit Hil­fen unter ande­rem "zur Ver­bes­se­rung der woh­nungs­mä­ßi­gen Unter­brin­gung" (§ 29 Abs 1 Nr 3 Buchst h SGB I) auf der einen und medi­zi­ni­schen Leis­tun­gen unter Ein­schluss von Hilfs­mit­teln (§ 29 Abs 1 Nr 1 Buchst d SGB I) auf der ande­ren Sei­te. Dar­an anschlie­ßend ist in dem am 1. Janu­ar 1997 in Kraft getre­te­nen SGB VII in des­sen § 41 eine aus­drück­li­che gesetz­li­che Grund­la­ge für Woh­nungs­hil­fe nor­miert wor­den, wonach die­se erbracht wird, "wenn infol­ge Art oder Schwe­re des Gesund­heits­scha­dens nicht nur vor­über­ge­hend die behin­der­ten­ge­rech­te Anpas­sung vor­han­de­nen oder die Bereit­stel­lung behin­der­ten­ge­rech­ten Wohn­raums erfor­der­lich ist." Ande­rer­seits hat der Gesetz­ge­ber in Abgren­zung dazu durch das zum 1.7.2001 in Kraft getre­te­ne SGB IX in des­sen § 31 Abs 1 expli­zit klar­ge­stellt, dass zur Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung sol­che Hil­fen nicht rech­nen, die bei einem Woh­nungs­wech­sel "nicht mit­ge­nom­men wer­den kön­nen". Ähn­lich ist in § 18 Abs 1 Satz 4 "Ver­ord­nung über die Ver­sor­gung mit Hilfs­mit­teln und über Ersatz­leis­tun­gen nach dem Bun­des­ver­sor­gungs­ge­setz" mit der am 1. Janu­ar 1990 in Kraft getre­te­nen Fas­sung 10 zur Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung bestimmt: "Unbe­weg­li­che Gegen­stän­de wer­den nicht gelie­fert."
Die­se an die frü­he­re Recht­spre­chung noch unter Gel­tung der RVO anknüp­fen­de Sys­tement­schei­dung des Gesetz­ge­bers kann nur durch die­sen selbst, nicht aber durch die Gerich­te kor­ri­giert wer­den. Nicht zu ver­ken­nen ist zwar, dass die von der Pfle­ge­ver­si­che­rung gewähr­te Unter­stüt­zung in dem knap­pen – und seit sei­ner Ein­füh­rung auch nicht ange­pass­ten – finan­zi­el­len Rah­men des § 40 Abs 4 Satz 3 SGB XI dem tat­säch­li­chen Bedarf für eine behin­der­ten­ge­rech­te Woh­nungs­aus­stat­tung kaum gerecht wer­den kann. Dies den heu­ti­gen Ver­hält­nis­sen anzu­pas­sen ist aber nicht Auf­ga­be der Gerich­te, son­dern allein des Gesetz­ge­bers. Dem­ge­mäß ist – wie bereits unter Gel­tung der RVO – nach der gegen­wär­ti­gen Rechts­la­ge wei­ter maß­ge­bend, dass Hil­fen bei der Beschaf­fung und Unter­hal­tung einer den Bedürf­nis­sen behin­der­ter Men­schen ent­spre­chen­den Woh­nung über die Zustän­dig­keit der GKV hin­aus­rei­chen, und zwar vor allem – aber nicht nur – dann, wenn sie mit der Ver­än­de­rung der Woh­nung selbst ver­bun­den sind 11. Dar­an hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt nach dem Inkraft­tre­ten von § 40 SGB XI und § 31 SGB IX wei­ter fest­ge­hal­ten. Eine Hil­fe zählt danach zu den Mit­teln der behin­de­rungs­ge­rech­ten Zurich­tung der Woh­nung und nicht zu den Hilfs­mit­teln nach § 33 SGB V und § 31 SGB IX, wenn sie nur in der kon­kre­ten Woh­nung (Wohn­grund­stück) wegen deren beson­de­rer Beschaf­fen­heit erfor­der­lich ist, nicht aber, wenn es die­ser Hil­fe typi­scher­wei­se und erfah­rungs­ge­mäß auch in ande­ren Woh­nun­gen bzw. Wohn­ge­bäu­den bedarf 12. Eine Trep­pen­steig­hil­fe ist hin­sicht­lich des häus­li­chen Ein­sat­zes inso­weit kein von der kon­kre­ten Wohn­si­tua­ti­on unab­hän­gi­ges Hilfs­mit­tel, weil das Gerät in einer trep­pen­lo­sen Wohn­um­ge­bung nicht erfor­der­lich ist.
Die Zwei­ge­schos­sig­keit einer Woh­nung (Mai­so­net­te) oder ein Dach­bo­den zäh­len nicht zum all­ge­mei­nen Wohn­stan­dard, so dass die beklag­te Kran­ken­kas­se kei­ne Hilfs­mit­tel für deren Erreich­bar­keit zur Ver­fü­gung stel­len muss. Dies gilt in ent­spre­chen­der Wei­se auch für einen Haus­gar­ten 13. Schon des­halb stellt sich nicht die Fra­ge, ob eine Trep­pen­steig­hil­fe erst dann in Betracht käme, wenn die Erreich­bar­keit des Haus­gar­tens über eine Beton­ram­pe oder über einen Außen­lift nicht zu rea­li­sie­ren und die­se Maß­nah­me preis­güns­ti­ger wäre. Da es hier um eine erwach­se­ne Ver­si­cher­te geht, braucht auch nicht ent­schie­den zu wer­den, ob die Nut­zung des Haus­gar­tens wenigs­tens für Kin­der und Jugend­li­che ein Grund­be­dürf­nis dar­stel­len kann, wie es das Bun­des­so­zi­al­ge­richt im Urteil im Zusam­men­hang mit der Bezu­schus­sung des bar­rie­re­frei­en Zugangs zum Gar­ten (§ 40 Abs 4 SGB XI) ange­deu­tet hat 14.
Soweit der Zugang zur Woh­nung nur über eine Trep­pe im Haus­flur (Trep­pen­haus) mög­lich ist, han­delt es sich zwar durch­aus um den all­ge­mein übli­chen durch­schnitt­li­chen Wohn­stan­dard, gera­de bei Miets­häu­sern. Nach dem vor­ste­hend auf­ge­zeig­ten Maß­stab fällt indes die Leis­tungs­zu­stän­dig­keit für Hil­fen bei der Bewäl­ti­gung sol­cher Hür­den nach dem gel­ten­den Recht grund­sätz­lich nicht in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung.
Das vor­ste­hen­de Ergeb­nis behält auch im Lich­te des § 33 SGB I Bestand, dort heißt es: "Ist der Inhalt von Rech­ten oder Pflich­ten nach Art und Umfang nicht im ein­zel­nen bestimmt, sind bei ihrer Aus­ge­stal­tung die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se des Berech­tig­ten oder Ver­pflich­te­ten, sein Bedarf und sei­ne Leis­tungs­fä­hig­keit sowie die ört­li­chen Ver­hält­nis­se zu berück­sich­ti­gen, soweit Rechts­vor­schrif­ten nicht ent­ge­gen­ste­hen. Dabei soll den Wün­schen des Berech­tig­ten oder Ver­pflich­te­ten ent­spro­chen wer­den, soweit sie ange­mes­sen sind." Auf die­se Rege­lung kann sich die Klä­ge­rin bei der Aus­le­gung des Leis­tungs­rechts nach § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V nicht stüt­zen.
Die in § 33 SGB I ange­spro­che­ne Berück­sich­ti­gung der ört­li­chen Ver­hält­nis­se betrifft nur die Aus­ge­stal­tung vor­han­de­ner Rechts­an­sprü­che, nicht hin­ge­gen die Begrün­dung der Rechts­an­sprü­che als sol­che. Dies bezieht sich also nicht auf das "Ob" des Bestehens, son­dern nur auf das "Wie" der Erfül­lung einer bestehen­den Leis­tungs­pflicht 15. Dem­ge­mäß hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bei einem geh­be­hin­der­ten und auch in der Arm­kraft beein­träch­tig­ten Ver­si­cher­ten, der den Nah­be­reich sei­ner Woh­nung nicht mehr zu Fuß erschlie­ßen konn­te, einen Anspruch nach § 33 SGB V auf eine Mobi­li­täts­hil­fe mit Elek­tro­mo­tor zuer­kannt und bei des­sen Aus­ge­stal­tung ein Wahl­recht zwi­schen einem Elek­troroll­stuhl und einem Sho­pri­der nach § 33 SGB I ange­nom­men (BSG SozR 3 – 1200 § 33 Nr 1)).
Offen lässt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt die Fra­ge, ob der Aus­schluss der Leis­tungs­pflicht der GKV nach § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V für in der Woh­nung bzw. im Haus ein­zu­set­zen­de Trep­pen­steig­hil­fen nicht nur bei dau­er­haft, son­dern auch bei vor­über­ge­hend (z.B. nach einer Ver­let­zung) "behin­der­ten" Ver­si­cher­ten gilt, die in abseh­ba­rer Zeit auf bestimm­te Hilfs­mit­tel oder ande­re Hil­fen nicht mehr ange­wie­sen sind und denen des­halb ein Umzug oder eine behin­de­rungs­ge­rech­te Umge­stal­tung der Woh­nung nicht zuge­mu­tet wer­den kann. Die zeit­li­che Gren­ze wird dabei durch § 2 Abs 1 Satz 1 SGB IX vor­ge­ge­ben: "Men­schen sind behin­dert, wenn ihre kör­per­li­che Funk­ti­on, geis­ti­ge Fähig­keit oder see­li­sche Gesund­heit mit hoher Wahr­schein­lich­keit län­ger als sechs Mona­te von dem für das Lebens­al­ter typi­schen Zustand abwei­chen und daher ihre Teil­nah­me am Leben in der Gesell­schaft beein­träch­tigt ist." Die­se Sechs­mo­nats­gren­ze des SGB IX kor­re­spon­diert mit der Rege­lung der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit in der sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung. Nach § 14 Abs 1 SGB XI sind Per­so­nen pfle­ge­be­dürf­tig, die wegen einer kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder see­li­schen Krank­heit oder Behin­de­rung für die gewöhn­li­chen und regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Ver­rich­tun­gen im Ablauf des täg­li­chen Lebens "auf Dau­er, vor­aus­sicht­lich für min­des­tens sechs Mona­te", in erheb­li­chen oder höhe­rem Maße der Hil­fe bedür­fen.
Im hier vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall kann die Klä­ge­rin den Anspruch gegen die beklag­te Kran­ken­kas­se auf Ver­sor­gung mit einer Trep­pen­steig­hil­fe nach § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V auch nicht auf das Argu­ment stüt­zen, sie benö­ti­ge die­ses Hilfs­mit­tel, um die Woh­nun­gen von Ver­wand­ten und Freun­den, Arzt­pra­xen und die ört­li­che Kir­che auf­zu­su­chen.
Das all­ge­mei­ne Grund­be­dürf­nis auf Mobi­li­tät im Nah­be­reich der Woh­nung ist durch die Aus­stat­tung der Klä­ge­rin mit zwei Roll­stüh­len gewähr­leis­tet. Hin­sicht­lich des von der Erschlie­ßung des Nah­be­reichs eben­falls umfass­ten Zugangs zu den Gebäu­den in die­sem Bereich ist zu unter­schei­den zwi­schen – öffent­li­chen oder pri­va­ten – Gebäu­den mit Publi­kums­ver­kehr (Behör­den, Post, Geld­in­sti­tu­te, Kir­chen, Thea­ter, Super­märk­te, Läden, Kli­ni­ken, Apo­the­ken, Arzt­pra­xen) einer­seits und pri­va­ten Gebäu­den ohne Publi­kums­ver­kehr (Wohn­ge­bäu­de) ande­rer­seits. Anders als nach der dem Trep­pen­rau­pen-Urteil vom 22. Mai 1984 16 zugrun­de lie­gen­den Situa­ti­on Anfang der 1980-er Jah­re, als auf die beson­de­ren Bedürf­nis­se von Roll­stuhl­fah­rern beim Gebäu­de- und Stra­ßen­bau noch wenig Rück­sicht genom­men wur­de und die For­de­rung nach weit­ge­hen­der Bar­rie­re­frei­heit noch nicht ins all­ge­mei­ne Bewusst­sein vor­ge­drun­gen war, ist heut­zu­ta­ge fest­zu­stel­len, dass Gebäu­de mit Publi­kums­ver­kehr in aller Regel einen eben­erdi­gen Zugang haben und bei Mehr­ge­schos­sig­keit ein Fahr­stuhl vor­han­den ist. Fehlt es bei einem öffent­li­chen Gebäu­de noch an einem behin­der­ten­ge­rech­ten Ein­gangs­be­reich, ist in aller Regel zumin­dest eine Ruf­an­la­ge vor­han­den, um den Pfört­ner zu benach­rich­ti­gen, der Hil­fe gewährt oder orga­ni­siert. Die Her­stel­lung der Bar­rie­re­frei­heit öffent­li­cher und vie­ler zivi­ler Bau­ten ist sowohl auf der Ebe­ne des Bun­des als auch in den Län­dern gesetz­lich der Ver­ant­wor­tung der Eigen­tü­mer zuge­wie­sen und damit der Zustän­dig­keit der GKV ent­zo­gen 17. Nur bei vor Erlass die­ser Rege­lun­gen errich­te­ten pri­va­ten Gebäu­den ohne Publi­kums­ver­kehr, ins­be­son­de­re selbst­ge­nutz­ten Wohn­ge­bäu­den und Miets­häu­sern, ist gele­gent­lich noch kei­ne Bar­rie­re­frei­heit vor­han­den 18. Die fort­schrei­ten­de, wenn auch noch nicht voll­stän­dig her­ge­stell­te Bar­rie­re­frei­heit in Deutsch­land stellt eine gene­rel­le Tat­sa­che dar. Wegen die­ser grund­le­gend geän­der­ten recht­li­chen Bewer­tung und der dar­aus fol­gen­den tat­säch­li­chen Situa­ti­on in Bezug auf die Bar­rie­re­frei­heit von Gebäu­den mit Publi­kums­ver­kehr und des öffent­li­chen Raums geht das Bun­des­so­zi­al­ge­richt nun­mehr davon aus, dass im Nah­be­reich der Woh­nung übli­cher­wei­se kei­ne Trep­pen mehr zu über­win­den sind und die Her­stel­lung der Bar­rie­re­frei­heit öffent­li­cher und vie­ler zivi­ler Bau­ten wei­ter­hin vor­an­schrei­tet. Des­halb steht einer/​einem Ver­si­cher­ten kein Anspruch gegen die Kran­ken­kas­se auf Gewäh­rung einer Trep­pen­steig­hil­fe (Trep­pen­rau­pe) in die­sem Rah­men zu; die dies noch beja­hen­de Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts aus dem Jah­re 1984 (BSG SozR 2200 § 182b Nr 29) gibt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt daher auf.
Soweit die Klä­ge­rin die Über­win­dung von Trep­pen in frem­den Wohn­ge­bäu­den gel­tend macht, geht es um den Besuch bei Ver­wand­ten und Freun­den. Dabei dient die Trep­pen­steig­hil­fe aber nicht der medi­zi­ni­schen Reha­bi­li­ta­ti­on, son­dern der Teil­ha­be am Leben in der Gemein­schaft. Für den Bereich der sozia­len Reha­bi­li­ta­ti­on ist aber nicht die Kran­ken­kas­se, son­dern – gege­be­nen­falls – der Sozi­al­hil­fe­trä­ger (§ 5 Nr 4 i.V.m. § 6 Abs 1 Nr 7 SGB IX und § 55 Abs 2 Nr 1 SGB IX)) leis­tungs­pflich­tig.
Zur sozia­len Reha­bi­li­ta­ti­on und Inte­gra­ti­on zählt auch der Besuch des Got­tes­diens­tes und von Ver­an­stal­tun­gen. Die Leis­tungs­pflicht der GKV ist also auch inso­weit aus­ge­schlos­sen.
Zur medi­zi­ni­schen Reha­bi­li­ta­ti­on gehört in vor­lie­gen­dem Zusam­men­hang aller­dings die Sicher­stel­lung der Mög­lich­keit, die noch nicht bar­rie­re­frei gestal­te­ten Pra­xen des Frau­en­arz­tes und des Zahn­arz­tes auf­su­chen zu kön­nen. Inso­fern fehlt es jedoch an der Erfor­der­lich­keit und Wirt­schaft­lich­keit der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung. Da es um ins­ge­samt nur vier Arzt­be­su­che jähr­lich geht, kann die Klä­ge­rin auf den Fahr­dienst (§ 60 SGB V) ver­wie­sen wer­den, für den die Kran­ken­kas­se pro Jahr ledig­lich rund 100 € auf­zu­brin­gen hät­te. Der Fahr­dienst über­nimmt auch den Trans­port des Ver­si­cher­ten und des Roll­stuhls in die Pra­xis­räu­me. Des­halb ist die Inan­spruch­nah­me des Fahr­diens­tes objek­tiv wirt­schaft­lich und der Klä­ge­rin sub­jek­tiv zumut­bar.
Der Leis­tungs­an­spruch gegen die Kran­ken­kas­se lässt sich auch nicht aus ande­ren Rechts­vor­schrif­ten her­lei­ten.
Ein Anspruch aus § 31 SGB IX schei­det aus. Die­se Vor­schrift gibt hin­sicht­lich des Hilfs­mit­tel­be­griffs nur den Rege­lungs­ge­halt wie­der, wie er durch die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung ent­wi­ckelt wor­den ist, und bestä­tigt somit die­se Recht­spre­chung. Eine Aus­wei­tung der Leis­tungs­pflicht der GKV bei der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung war nicht beab­sich­tigt, was vor allem dar­in zum Aus­druck kommt, dass nach § 7 Satz 2 SGB IX die Rege­lung des § 33 SGB V maß­geb­lich bleibt: "Die Zustän­dig­keit und die Vor­aus­set­zun­gen für die Leis­tun­gen zur Teil­ha­be rich­ten sich nach den für den jewei­li­gen Reha­bi­li­ta­ti­ons­trä­ger gel­ten­den Leis­tungs­ge­set­zen" 19.
Aus dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Gebot der Benach­tei­li­gung behin­der­ter Men­schen in Art 3 Abs 3 Satz 2 GG erge­ben sich eben­falls kei­ne wei­ter­ge­hen­den Leis­tungs­an­sprü­che gegen die Gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung bei der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung. Zwar ist das Ver­bot einer Benach­tei­li­gung zugleich mit einem Auf­trag an den Staat ver­bun­den, auf die gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be behin­der­ter Men­schen hin­zu­wir­ken 20. Die­sem Auf­trag zur Umset­zung und Kon­kre­ti­sie­rung hat der Gesetz­ge­ber mit dem SGB IX Rech­nung getra­gen, ohne dass damit der Auf­trag als erle­digt anzu­se­hen wäre. Der somit fort­be­stehen­de Auf­trag zur Aus­ge­stal­tung des Sozi­al­staats­ge­bots begrün­det indes kei­ne kon­kre­ten Leis­tungs­an­sprü­che 21.
Auch eine Leis­tungs­pflicht der Kran­ken­kas­se nach § 14 SGB IX schei­det aus. Die­se Vor­schrift ist als Anspruchs­grund­la­ge zu prü­fen, weil eine Leis­tungs­pflicht nach § 33 SGB V (bzw § 31 SGB IX) aus­schei­det und die Beklag­te als erstan­ge­gan­ge­ner Trä­ger den Leis­tungs­an­trag sei­ner­zeit nicht an einen ande­ren Sozi­al­leis­tungs­trä­ger wei­ter­ge­lei­tet hat.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 7. Okto­ber 2010 – B 3 KR 13/​09 R
in der zum Zeit­punkt der Senats­ent­schei­dung gel­ten­den Fas­sung des Art 1 Nr 17 Buchst a "Gesetz zur Stär­kung des Wett­be­werbs in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV-Wett­be­werbs­stär­kungs­ge­setz)" vom 26.03.2007, BGBl I 378, der inhalt­lich der bei Antrag­stel­lung gül­ti­gen Fas­sung des Art 5 Nr 9 des Geset­zes vom 19.06.2001, BGBl I 1046, ent­spricht.[↩]
vgl. BSG SozR 4 – 2500 § 33 Nr 11 RdNr 16[↩]
BSGE 93, 183 = SozR 4 – 2500 § 33 Nr 8, RdNr 4 – C‑leg-Pro­the­se[↩]
BSGE 93, 176 = SozR 4 – 2500 § 33 Nr 7, RdNr 13; BSGE 91, 60, 63 = SozR 4 – 2500 § 33 Nr 3; BSG SozR 3 – 3300 § 14 Nr 14; stRspr[↩]
BSG SozR 3 – 2500 § 33 Nr 29 und 46; BSG SozR 4 – 2500 § 33 Nr 11 RdNr 18[↩]
vgl. BSGE 93, 176 = SozR 4 – 2500 § 33 Nr 7 – Erreich­bar­keit ambu­lan­ter medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung für Wach­kom­a­pa­ti­en­tin; BSG SozR 3 – 2500 § 33 Nr 27 – Roll­stuhl-Bike für Jugend­li­che; BSG SozR 3 – 2500 § 33 Nr 46 – behin­der­ten­ge­rech­tes Drei­rad; BSG SozR 2200 § 182b Nr 13 – Falt­roll­stuhl[↩]
BSGE 98, 213 = SozR 4 – 2500 § 33 Nr 15, RdNr 16[↩]
vgl BT-Drucks 12/​5262 S 114 zu Art 1 § 36 Abs 4 des Geset­zes­ent­wurfs von CDU/​CSU und FDP zum Pfle­ge-Ver­si­che­rungs­ge­setz[↩]
vom 11.12.1975, BGBl I 3015[↩]
vom 04.10.1989, BGBl I 1989, 1834[↩]
BSG SozR 2200 § 182b Nr 10, 23 und 29[↩]
BSGE 101, 22 = SozR 4 – 2500 § 33 Nr 18, RdNr 11 ff – Decken­lif­ter[↩]
so bereits BSG SozR 4 – 3300 § 40 Nr 9[↩]
BSG SozR 4 – 3300 § 40 Nr 9[↩]
Mro­zyn­ski, SGB I, 4. Aufl 2010, § 33 RdNr 2[↩]
BSG SozR 2200 § 182b Nr 29[↩]
vgl §§ 4 und 8 Behin­der­ten­gleich­stel­lungs­ge­setz vom 27.04.2002 und § 554a BGB; auf Län­der­ebe­ne vgl zB § 3 Hes­si­sches Behin­der­ten-Gleich­stel­lungs­ge­setz vom 20.12.2004 und §§ 2, 33, 43, 46 Hes­si­sche Bau­ord­nung vom 18.06.2002[↩]
vgl. zum Anpas­sungs­an­spruch betrof­fe­ner Mie­ter § 554a BGB[↩]
vgl im Ein­zel­nen BSGE 91, 60 RdNr 12, 13 = SozR 4 – 2500 § 33 Nr 3, RdNr 13, 14 sowie zur Geset­zes­be­grün­dung BT-Drucks 14/​5074 S 94[↩]
vgl BT-Drucks 12/​8165 S. 29[↩]
BSGE 91, 60 RdNr 14 = SozR 4 – 2500 § 33 Nr 3 RdNr 15[↩]
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