Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VG%20Berlin&Datum=05.07.2010&Aktenzeichen=1%20K%20905.09
Timestamp: 2019-05-26 14:30:12
Document Index: 118546947

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 12', '§ 19', 'Art 1', 'Art 2', 'Art 8', 'Art. 8', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 12', 'Art. 8', 'Art. 1', '§ 12', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 8', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 19', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 8', '§ 1']

VG Berlin, 05.07.2010 - 1 K 905.09 - dejure.org
https://dejure.org/2010,2840
VG Berlin, 05.07.2010 - 1 K 905.09 (https://dejure.org/2010,2840)
VG Berlin, Entscheidung vom 05.07.2010 - 1 K 905.09 (https://dejure.org/2010,2840)
VG Berlin, Entscheidung vom 05. Juli 2010 - 1 K 905.09 (https://dejure.org/2010,2840)
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Artt. 1 Abs. 1, 8, 2 Abs. 1 GG; § 12a VersG
Zur Rechtswidrigkeit der Videoüberwachung von friedlichen Versammlungen; Versammlungsfreiheit; Recht auf informationelle Selbstbestimmung
§ 12a VersammlG, § 19a VersammlG, Art 1 GG, Art 2 Abs 1 GG, Art 8 GG
GG Art. 8; GG Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1; VersammlG § 12a Abs. 1 S. 1 i.V.m. 19a
Art. 8, 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG; § 12a Abs. 1 S. 1 i.V.m. 19a VersammlG
Rechtswidrigkeit von polizeilichen Filmaufnahmen während der Anti-Atom-Demo in Berlin 2009
Feststellungsklage gegen das Erstellen von Übersichtsaufnahmen während einer Versammlung; Eingriff in das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung durch die Übertragung von Echtzeitbildern im sog. Kamera-Monitor-Prinzip; Erhebliche Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung als Schutzgut einer gerechtfertigten Einschränkung der Versammlungsfreiheit; Rückgriff auf das allgemeine Polizeirecht des Landes Berlin zur Einschränkung der Versammlungsfreiheit
heise.de (Pressebericht, 27.07.2010)
Telepolis (Pressebericht, 29.07.2010)
Recht auf eigenes Bild auch für Demonstrationen
taz.de (Pressebericht, 28.07.2010)
Filmen auf Demos: Polizei übertreibt Überwachung
Friedliche Demonstrationen dürfen von der Polizei nicht gefilmt werden - Aufnahmen stellen Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung der Versammlungsteilnehmer dar
Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1, Art. 8 GG; §§ 12 a, 19 a VersG
Keine Filmaufnahmen bei friedlichen Demonstrationen
Übersichtsaufnahmen bei Demos in Berlin: Bloß Arbeitserleichterung für die Polizei
Das Filmen einer Versammlung und Übertragung in die Polizei-Einsatzleitstelle ist unzulässig, wenn keine erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung vorliegt
NVwZ 2010, 1442
DVBl 2010, 1245
Eine solche gesetzliche Grundlage existiere in Berlin nicht (VG Berlin, Urteil vom 5. Juli 2010 - 1 K 905.09 -).
Nach diesen Grundsätzen überschreitet das Anfertigen von bloßen Übersichtsaufnahmen durch die Polizei, die lediglich von der Kamera auf einen Monitor in Echtzeit übertragen und nicht gespeichert werden, verbunden mit der Möglichkeit des Heranzoomens einzelner Teilnehmer der Versammlung, die Schwelle zum Eingriff in den Schutzbereich der Versammlungsfreiheit (ebenso VG Münster…, Urteil vom 21. August 2009 - 1 K 1403/08 -, juris, Rn. 13 und 15; VG Berlin, Urteil vom 5. Juli 2010 - 1 K 905/09 -, juris, Rn. 15 f.; VerfGH Berlin…, Urteil vom 11. April 2014 - 129/13 -, juris, Rn. 47 ff.;… Schulze-Fielitz, a.a.O.;… Hoffmann-Riem, a.a.O., Rn. 31).
vgl. BVerfG, Beschluss vom 14. Mai 1985 - 1 BvR 233, 341/81 -, BVerfGE 69, 315, 349; so ist wohl auch BVerfG, Beschluss vom 17. Februar 2009 - 1BvR 2492/08 -, BVerfGE 122, 342, 372 f. zu verstehen; siehe ferner Dietel/Gintzel/Kniesel, VersG, 15. Aufl. 2008, § 12 a Rn. 14, und Söllner, Anmerkung zum Urteil des VG Berlin vom 5. Juli 2010 - 1 K 905.09 -, DVBl. 2010, 1248, 1249 f.
Ferner stellt auch die Beobachtung einer Versammlung durch die Polizei mittels Bildübertragung (sogenanntes Kamera-Monitor-Prinzip) einen Eingriff in die Versammlungsfreiheit dar (…OVG Rheinland-Pfalz, Urt. v. 5.2.2015 - 7 A 10683/14 -, DVBl. 2015, 583, juris, Rdnr. 29 ff.; VG Berlin, Urt. v. 5.7.2010 - 1 K 905.09 -, NVwZ 2010, 1442, juris, Rdnr. 15 ff.;… OVG Münster, Beschl. v. 23.11.2010 - 5 A 2288/09 -, NWVBl. 2011, 151, juris, Rdnr. 3, und vorgehend VG Münster, Urt. v. 21.8.2009 - 1 K 1403/08 -, NWVBl. 2009, 487, juris, Rdnr. 13 ff.).
vgl. BVerfG, Einstweilige Anordnung vom 17. Februar 2009 - 1 BvR 2492/08 -, juris; VG Berlin, Urteil vom 5. Juli 2010 - 1 K 905.09 -, juris; Dietel/Gintzel/Kniesel, Versammlungsgesetze, 17. Auflage § 12a, Rdnr. 8.
vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 21. Juli 2003- 1 S 377/02 - VG Sigmaringen, Beschluss vom2. April 2004 - 3 K 1344/04 - VG Berlin, Urteil vom5. Juli 2010 - 1 K 905.09 - jeweils juris.
Das Grundrecht der Klägerin auf informationelle Selbstbestimmung (vgl. OVG NRW, Beschl. v. 23.11.2010 - 5 A 2288/09 -, juris; VG A-Stadt, Urt. v. 05.07.2010 - 1 K 905.09 -, NVwZ 2010, 1442 = juris) wäre nur betroffen, wenn sie auf einem Lichtbild auch erkennbar wäre.
Aufgrund der im Blick auf das Urteil der Kammer vom 5. Juli 2010 (VG 1 K 905.09, juris) aktuell bestehenden Anordnungslage des Polizeipräsidenten in Berlin durch dessen generelle Weisung vom 3. August 2010 ist nicht davon auszugehen, dass derzeit bei Versammlungen in Berlin durch die Polizei Film- und Fotoaufnahmen gefertigt werden, sofern nicht die Voraussetzungen der §§ 19a, 12a VersammlG vorliegen.
Betroffenes Grundrecht ist insoweit nicht nur das Recht auf informationelle Selbstbestimmung (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG), sondern daneben ebenfalls das Recht aus Art. 8 Abs. 1 GG (…vgl. VGH BW, Urt. v. 26.01.1998 - 1 S 3280/96 -, NVwZ 1998, 761, 762; VG Berlin, Urt. v. 05.07.2010 - 1 K 905.09 -, juris, Rn. 13) und § 1 Abs. 1 NVersG.