Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/voruebergehende-schliessung-einer-grundschule-3202715
Timestamp: 2020-06-06 03:35:04
Document Index: 11358246

Matched Legal Cases: ['§ 24', '§ 6', '§ 21', '§ 21', '§ 21', 'Art. 7', 'Art. 6', '§ 26', '§ 26', '§ 24', '§ 6', '§ 26', '§ 32', '§ 28', '§ 33', '§ 26', '§ 28', '§ 26', '§ 123', '§ 24']

Vorübergehende Schließung einer Grundschule | Rechtslupe
Vorübergehende Schließung einer Grundschule
Vor­über­ge­hen­de Schlie­ßung einer Grund­schu­le
Bei dem Anspruch auf Besuch einer Tages­ein­rich­tung nach § 24 Abs. 3 Satz 1 SGB VIII, § 6 Abs. 1 HmbKi­BeG han­delt es sich um einen Anspruch des Kin­des, nicht des Erzie­hungs­be­rech­tig­ten.
Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ham­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den, dass die zeit­wei­se Schlie­ßung der von einem Kind besuch­ten Schu­le ein Eltern­teil nicht in sei­nen Rech­ten ver­letzt. Der Antrag­stel­ler hat sich gegen die vor­über­ge­hen­de Schlie­ßung der von sei­ner Toch­ter besuch­ten Grund­schu­le in Ham­burg gemäß § 21 Abs. 1 HmbSARS-CoV-2-Ein­däm­mungs­VO (i.d.F. v. 17.4.2020, HmbGVBl. S. 217) gewandt.
Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ham­burg fehlt dem Vater ein Rechts­schutz­be­dürf­nis. Aus­weis­lich des Antrags begehrt der Antrag­stel­ler die einst­wei­li­ge Ver­pflich­tung der Antrags­geg­ne­rin zur Außer­voll­zug­set­zung der genann­ten Vor­schrift zum 4. Mai 2020. Jedoch ord­net § 21 Abs. 1 HmbSARS-CoV-2-Ein­däm­mungs­VO in der der­zeit gül­ti­gen Fas­sung eine Schlie­ßung der Schule(n) nur bis ein­schließ­lich 3. Mai 2020 an. Etwas ande­res gilt auch nicht unter Beach­tung der Grund­sät­ze über die Inan­spruch­nah­me vor­beu­gen­den einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes [1]. Denn es ist schon nicht hin­rei­chend sicher abseh­bar, dass – wie der Antrag­stel­ler annimmt – und ggf. in wel­cher Wei­se die in § 21 Abs. 1 HmbSARS-CoV-2-Ein­däm­mungs­VO getrof­fe­ne Rege­lung über den 3. Mai 2020 hin­aus ver­län­gert wird.
Viel­mehr erscheint es mög­lich, dass ab dem 4. Mai 2020 eine jeden­falls teil­wei­se Öff­nung der Schu­len erfolgt, auch der von der Toch­ter des Antrag­stel­lers besuch­ten. Selbst wenn dies nicht der Fall sein soll­te, ist schließ­lich nicht erkenn­bar, dass und wes­halb es dem Antrag­stel­ler unzu­mut­bar sein soll­te, um Rechts­schutz gegen die dann gel­ten­de Rege­lung bzw. Fas­sung der HmbSARS-CoV-2-Ein­däm­mungs­VO nach­zu­su­chen.
Ledig­lich ergän­zend weist das Ver­wal­tungs­ge­richt Ham­burg dar­auf hin, dass die zeit­wei­se Schlie­ßung der von sei­ner Toch­ter besuch­ten Schu­le den Antrag­stel­ler nicht in sei­nen Rech­ten ver­let­zen dürf­te. Die Orga­ni­sa­ti­on des Schul­we­sens ist durch Art. 7 Abs. 1 GG dem staat­li­chen Ver­ant­wor­tungs­be­reich zuge­ord­net; dem ent­spricht es, dass Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG kei­nen Anspruch der Eltern oder sonst Erzie­hungs­be­rech­tig­ten auf Vor­hal­tung oder Öff­nung einer bestimm­ten Schu­le begrün­det [2]. Selbst gegen eine – hier nicht gege­be­ne – dau­er­haf­te Schlie­ßung der Schu­le ist Rechts­schutz grund­sätz­lich nur dann zu erlan­gen, wenn und soweit die schu­li­sche Aus­bil­dung des betrof­fe­nen Schü­lers in dem bis­her ein­ge­schla­ge­nen Bil­dungs­gang nicht mehr gesi­chert ist [3]. So liegt es hier indes nicht: Es bestehen kei­ne Anhalts­punk­te, dass die Schul­aus­bil­dung der Toch­ter des Antrag­stel­lers nach Wie­der­eröff­nung der Schu­le nicht fort­ge­setzt wer­den könn­te oder durch die vor­über­ge­hen­de Schlie­ßung nach­hal­tig beein­träch­tigt wäre. Auf die grund­sätz­li­che Fra­ge der Abgren­zung zwi­schen den Rech­ten des Antrag­stel­lers und den­je­ni­gen sei­ner Toch­ter – deren Ver­let­zung der Antrag­stel­ler nicht gel­tend macht – kommt es danach nicht mehr an.
2. Auch gegen § 26 Abs. 1 HmbSARS-CoV-2-Ein­däm­mungs­VO wen­det sich der Antrag­stel­ler ohne Erfolg. Zwar mag dies­be­züg­lich ein Rechts­schutz­be­dürf­nis gege­ben sein, weil die Vor­schrift eine Schlie­ßung u.a. der von dem Sohn des Antrag­stel­lers besuch­ten Kin­der­ta­ges­ein­rich­tung bis 6. Mai 2020 anord­net. Der Antrag ist inso­weit aber jeden­falls unbe­grün­det, denn dem Antrag­stel­ler kommt kein Anord­nungs­an­spruch der­ge­stalt zu, dass die indi­vi­du­el­le Unver­bind­lich­keit der ange­grif­fe­nen Vor­schrift fest­zu­stel­len wäre [4].
Zwar berührt § 26 Abs. 1 HmbSARS-CoV-2-Ein­däm­mungs­VO den in § 24 Abs. 3 Satz 1 SGB VIII nor­mier­ten und in § 6 Abs. 1 HmbKi­BeG aus­ge­stal­te­ten Anspruch auf För­de­rung in bzw. Besuch einer Tages­ein­rich­tung. Hier­bei han­delt es sich jedoch nach der bun­des­ge­setz­li­chen Rege­lung um einen Anspruch des Kin­des, nicht des/​der Erzie­hungs­be­rech­tig­ten [5]. Eine dahin­ge­hen­de – prin­zi­pi­ell mög­li­che – Aus­wei­tung des Krei­ses der Anspruchs­be­rech­tig­ten hat auch der Lan­des­ge­setz­ge­ber nicht vor­ge­nom­men [6]. Umso weni­ger kann ein ent­spre­chen­der Anspruch des/​der Erzie­hungs­be­rech­tig­ten unmit­tel­bar aus den vom Antrag­stel­ler zitier­ten Grund­rech­ten her­ge­lei­tet wer­den.
Im Übri­gen ist – ohne dass es hier­auf ent­schei­dungs­tra­gend ankä­me – nicht zu erken­nen, dass § 26 Abs. 1 HmbSARS-CoV-2-Ein­däm­mungs­VO den ein­fach-gesetz­li­chen Anspruch auf För­de­rung in einer die Rechts­wid­rig­keit der Norm begrün­den­den Wei­se ver­letz­te. Indem § 32 Satz 1 i.V.m. § 28 Abs. 1 Satz 2 IfSG zur Schlie­ßung von Gemein­schafts­ein­rich­tun­gen ermäch­tigt, zu denen auch Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen gehö­ren (s. § 33Nr. 1 Alt. 1 IfSG), beschränkt er zugleich den Anspruch auf Zugang zu den jewei­li­gen Ein­rich­tun­gen. Weder die Ermäch­ti­gung zur Anord­nung von Schlie­ßun­gen als sol­che noch die lan­des­recht­li­che Aus­ge­stal­tung in § 26 Abs. 1 HmbSARS-CoV-2-Ein­däm­mungs­VO begeg­net durch­grei­fen­den Beden­ken; dass die Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen des § 28 Abs. 1 Satz 1 und 2 IfSG erfüllt sind, stellt auch der Antrag­stel­ler nicht infra­ge [7]. In Anse­hung ihrer zeit­li­chen Beschrän­kung erweist sich die in § 26 Abs. 1 HmbSARS-CoV-2-Ein­däm­mungs­VO getrof­fe­ne Rege­lung auch nicht als offen­sicht­lich unver­hält­nis­mä­ßig.
3. Soweit sich der Antrag­stel­ler auf die „zu erwar­ten­den gesamt­ge­sell­schaft­li­chen und sozia­len Aus­wir­kun­gen“ beruft, wel­che die in ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten ange­ord­ne­ten Schlie­ßun­gen hät­ten, besteht kein Bezug zu sei­nen eige­nen Rech­ten.
Ver­wal­tungs­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 21. April 2020 – 6 E 1689/​20
vgl. nur Happ, in: Eyer­mann, VwGO, 15. Aufl. 2019, § 123 Rn. 37 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfG, Beschl. v. 22.6.1977 – 1 BvR 799/​76; Beschl. v. 26.2.1980 – 1 BvR 684/​78; Avenarius/​Hanschmann, Schul­recht, 9. Aufl. 2019, S. 335 m.w.N.[↩]
vgl. nur OVG Müns­ter, Beschl. v. 23.2.1989 – 15 B 2575/​88; Rux, Schul­recht, 6. Aufl. 2018, Rn. 1016[↩]
vgl. zum Gegen­stand der Fest­stel­lung BVerfG, Beschl.v.31.3.2020 – 1BvR712/​20; auch VG Ham­burg, Beschl. v. 16.4.2020 – 11 E 1630/​20, n.v., S. 3[↩]
vgl.nurWinkler, in: Rolfs et al., Beck­OK Sozi­alR, Stand: 56. Ed. (1.3.2020), § 24 SGB VIII Rn.41 m.w.N.[↩]
vgl. in die­sem Zusam­men­hang VG Ham­burg, Beschl. v. 17.12.2019 – 13 E 5123/​19, n.v., S. 4[↩]
vgl. dazu auch VG Ham­burg, Beschl. v. 2.4.2020 – 2 E 1550/​20, n.v., S. 4 f.; Beschl. v. 9.4.2020 – 9 E 1605/​20, n.v., S. 7 f.; Beschl. v. 17.4.2020 – 14 E 1635/​20, n.v., S. 6[↩]
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