Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Diebstahl-in-der-Diskothek--f169200.html
Timestamp: 2018-01-16 15:40:17
Document Index: 340217280

Matched Legal Cases: ['§242', '§ 153', '§ 203', '§ 153', '§ 40', '§ 40', '§153', '§153']

Diebstahl in der Diskothek (Strafrecht) - frag-einen-anwalt.de
17.12.2011 18:02 |
Ich bin 23 Jahre alt, ledig und wurde in der Diskothek beim doppelten Diebstahl (§242 StGB) erwischt!
Habe jetzt zwei Briefe bekommen in denen ich die Tat zugeben oder mich schriftlich, mündlich äußern soll. Ich habe diese Straftat unter starkem Alkoholeinfluss begangen!
-Erster Brief: Habe ich eine Damenhandtasche entwendet. (dabei wurde ich auch erwischt)
-Zweiter Brief: Hatte ich ein Handy (Wert von 1000€) einstecken, wo ich nicht mehr nachvollziehen kann wo ich es her hatte! (aber ein andere Besitzer)
Es wurde alles dem Besitzer zurück gegeben!
Musste auch an diesem Abend mit auf die Wache wo Bilder gemacht wurden inkl. Alkohltest!
Ich bin vorher noch nie bei der Polizei auffällig gewesen und jetzt habe ich Angst was mir bevorsteht! Ich bin sowieso nicht so ein Typ der so was macht! (Private Umstände und Alkoholeinfluss haben mein Hirn wohl komplett aussetzen lassen).
Im Internet steht auch etwas vom Ersttäterbonus! Gilt das noch bei mir?
- Bringt es was eine Aussage bei der Polizei zu machen?
- Warum habe ich zwei Briefe für jeden Fall bekommen und nicht einen wo beide Diebstähle drin sind?
- Tat zugeben unter § 153 a StPO?
- Nur die Tat zugeben?
- Mit welcher Strafe muss ich rechnen? Mein Bruttoeinkommen beträgt ca. 3000€
und im Voraus schon mal vielen vielen Dank!
<<Wie verhalte ich mich jetzt am besten?>>
Das taktisch klügste Verhalten wäre es zunächst, sich eine Übersicht darüber zu verschaffen, was an tatsächlichen Anhaltspunkten (und damit späteren Beweismitteln) bei den Ermittlungsbehörden vorliegt.
Eine Prüfung der Ermittlungsakte ist daher dringend anzuraten. Ein Anwalt kann diese Akte einsehen.
Erst wenn dies geklärt ist, kann man einschätzen, ob ein für eine Anklage erforderlicher hinreichender Tatverdacht (§ 203 StPO) als gegeben zu erachten ist. Ist dies nicht der Fall, wird es nicht einmal zu einer Anklage kommen.
Jedes weitere Verhalten sollte dann im Hinblick auf die dort gewonnenen Erkenntnisse ausgerichtet werden. So wäre etwa bei einer erdrückenden Beweislage ein volles Geständnis sicher dem Schweigen oder Leugnen vorzuziehen, weil dies Auswirkungen auf das Strafmaß haben kann.
<<- Bringt es was eine Aussage bei der Polizei zu machen?>>
Sie werden von der Polizei als Beschuldigter vernommen werden. Ihre Aussagen könnten u.U. die Grundlage einer späteren Anklage bilden.
Sie sollten sich daher zu dem Sachverhalt nicht äußern, bevor nicht o.g. Akteneinsicht erfolgt ist.
Das Schweigen darf Ihnen auch in einem späteren Strafverfahren nicht negativ angerechnet werden - es ist eines der bedeutensten Beschuldigtenrechte.
<<- Warum habe ich zwei Briefe für jeden Fall bekommen und nicht einen wo beide Diebstähle drin sind?>>
Mögliche Gründe sind, weil die Taten als voneinander unabhängige prozessuale Taten eingestuft wurden; oder weil unterschiedliche Beamten die Sache bearbeitet haben und daher zwei (polizeiliche) Aktenzeichen vergeben wurden. In einer denkbaren Anklage würden die beide Fälle aber sicherlich unter einem (gerichtlichen) Aktenzeichen angeklagt werden.
<<- Tat zugeben unter § 153 a StPO?
- Abstreiten>>
Dies hängt wie gesagt davon ab, welche Prozesstaktik sich nach Einsichtnahme in die Ermittlungsakte als sinnvoll anbietet.
Generell ist das "Abstreiten" aber in den seltensten Fällen förderlich. Sie sollten dann besser keinerlei Angaben machen - ausser natürlich, Sie haben konkrete Angaben zu machen, dass Sie eine Tat nicht begangen haben können oder dass jemand anders diese begangen hat.
Aber auch hier: zur Sicherheit erst, nachdem Sie wissen, wie die aktuelle Beweislage gegen Sie überhaupt aussieht (Akteneinsicht, s.o.).
<<- Mit welcher Strafe muss ich rechnen? Mein Bruttoeinkommen beträgt ca. 3000€>>
Bei Ihnen wird bei einer möglichen Strafzumessung positiv zu berücksichten sein, dass Sie nicht vorbestraft sind (von einem "Ersttäterbonus" zu sprechen halte ich aber für überzogen). Weiterhin wird etwa ein Geständnis stets zu Ihren Gunsten berücksichtigt werden.
Strafschärfend wird bei Ihnen aber sicher der hohe Wert der gestohlenen Sachen einbezogen.
Insgesamt erscheint insoweit (sofern es überhaupt zu einer Anklage und Verurteilung kommt) eine Geldstrafe als realistisch. Die dort anzusetzende Tagessätze liegen zwischen 5 und 360 (§ 40 Abs. 1 StGB).
Die Tagessatzhöhe bestimmt das Gericht unter Berücksichtigung Ihrer persönlichen (Schulden ?, Unterhalt ?,...) und wirtschaftlichen (Nettoeinkommen ?) Verhältnisse, § 40 Abs. 2 StGB.
Nachfrage vom Fragesteller	17.12.2011 | 20:18
- Was würde mich so eine Aktenansicht kosten?
Wobei ich ja auf frischer Tat ertappt worden bin!
Und das Handy in meiner Tasche gefunden wurde, vom Türsteher! Ist dann eine Akteneinsicht immernoch sinnvoll?
-Ist es relevant das im Brief die Schadenshöhe des Handy (1000€) viel zu hoch ist! (Nokia 8800)
- Wenn ich die Tat zugeben will, ist es dann sinnvoll anzukreuzen "ich bin mit einer Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Auflagen und Weisungen gemäss §153 a StPO einverstanden"
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 17.12.2011 | 21:02
Hier fällt seitens der Behörde eine Pauschale von € 12,00 an.
<<Wobei ich ja auf frischer Tat ertappt worden bin!
Und das Handy in meiner Tasche gefunden wurde, vom Türsteher! Ist dann eine Akteneinsicht immernoch sinnvoll?>>
Sofern man seine Optionen bestmöglich nutzen will ist eine Akteneinsicht immer sinnvoll.
<<-Ist es relevant das im Brief die Schadenshöhe des Handy (1000€) viel zu hoch ist! (Nokia 8800)>>
Sollte es zu einer Verhandlung kommen wird dies vom Gericht zu klären sein. Im Falle einer Einstellung unter Auflagen könnte sich dadurch die Höhe der zu leistenden Summer erhöhen. Hier sollte Rücksprache in diesem Fall Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft gehalten werden.
<<- Wenn ich die Tat zugeben will, ist es dann sinnvoll anzukreuzen "ich bin mit einer Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Auflagen und Weisungen gemäss §153 a StPO einverstanden">>
Sofern Sie an der Vermeidung einer öffentlichen Verhandlung interessiert sind: Ja.
Andererseits wird dies mit Kosten verbunden sein. Im Falle eines gerichtlichen Freispruchs wäre dies nicht der Fall.
Zu was man Ihnen hier raten sollte kann ich nicht sagen, weil es insoweit auf die Nachweisbarkeit ankommt.
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