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Timestamp: 2019-11-14 03:50:37
Document Index: 291510794

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 13', '§ 13', '§ 13', 'Art. 105', 'Art. 106', '§ 21', 'Art 108', 'Art. 11', 'Art. 9', '§ 15', '§ 14', '§ 4', '§ 2', '§ 1', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 23', '§ 23', '§ 24', '§ 25', '§ 25', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 46', '§ 18', '§ 149', '§ 59', '§ 1', '§ 4', '§ 13', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 6', '§ 4', '§ 6', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 9', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 10', '§ 11', '§ 3', '§ 3', '§ 10', '§ 20', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 3', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 9', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 2', '§ 15']

Umsatzsteuer ⇒ Lexikon des Steuerrechts | smartsteuer
1 Aufkommen der Umsatzsteuer
2 Umsatzsteuer als Verkehrsteuer
3 Umsatzsteuer als indirekte Steuer
4 Umsatzsteuer als Sach- und Objektsteuer
5 Steuerhoheit bei der Umsatzsteuer
6 Rechtsgrundlagen der Umsatzsteuer
7 Wirkungsweise der Umsatzsteuer
8 Das Allphasen-Nettoumsatzsteuersystem mit Vorsteuerabzug
9 Besteuerungsformen
10 Verfahren der Regelbesteuerung
10.1 Voranmeldungsverfahren
10.2 Steuererklärungsverfahren
10.3 Vorsteuer-Vergütungsverfahren
11 Umsatzsteuerliches Prüfungsschema
11.1 Umsatzart
11.2 Steuerbarkeit
11.3 Steuerpflicht
11.4 Steuersatz
11.5 Bemessungsgrundlage und Umsatzsteuer
11.6 Steuerentstehung
11.7 Steuerschuldner
11.8 Vorsteuerabzug
1. Aufkommen der Umsatzsteuer
Die USt ist nach der ESt einschließlich ihrer Erhebungsformen die aufkommensstärkste Steuer und somit größte Einnahmequelle des Staatshaushalts. Der Anteil der USt am Gesamtsteueraufkommen der Bundesrepublik Deutschland von insgesamt 705,7 Milliarden € im Jahr 2016 betrug rund 217,1 Milliarden €, das sind ca. 30,7 % des gesamten Steueraufkommens.
2. Umsatzsteuer als Verkehrsteuer
Da der USt Vorgänge des Rechts- und Wirtschaftsverkehrs, insbesondere Handel und Dienstleistungen, unterliegen, wird sie auch als Verkehrsteuer bezeichnet. Eine Besonderheit gilt insoweit für den Bereich der Einfuhrumsatzsteuer, die kraft gesetzlicher Regelung in § 21 Abs. 1 UStG eine Verbrauchsteuer darstellt.
3. Umsatzsteuer als indirekte Steuer
Mit USt ist grundsätzlich der gesamte private und öffentliche Endverbrauch belastet. Wirtschaftlich gesehen wird die USt letztlich vom Endverbraucher getragen (&equals; Steuerträger). Steuerschuldner ist dagegen gem. § 13a Abs. 1 Nr. 1 UStG im Grundsatz der leistende Unternehmer. Weil die USt vom Endverbraucher auf dem Umweg über den Unternehmer erhoben wird und somit Steuerschuldner (&equals; der Unternehmer) und Steuerträger (&equals; der Endverbraucher) verschiedene Personen sind, zählt sie zu den indirekten Steuern.
In den Fällen des § 13b UStG wird die Steuerschuldnerschaft jedoch umgekehrt, indem anstelle des leistenden Unternehmers kraft Gesetz der Leistungsempfänger zum Steuerschuldner wird (§ 13b UStG; → Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers). Mit Hilfe dieser Regelung sollen das Besteuerungsverfahren insbesondere für grenzüberschreitende Leistungsbeziehungen vereinfacht (Stichworte: Mehrwertsteuerpaket und B2B-Regel) und der Umsatzsteuerbetrug (Stichworte: Sicherungsverwertung, Bauleistungen, Gebäudereinigungen etc.) bekämpft werden.
4. Umsatzsteuer als Sach- und Objektsteuer
Im Gegensatz zur ESt berücksichtigt die USt weder die persönlichen Verhältnisse (z.B. Familienstand, Kinder, außergewöhnliche Belastungen) noch die individuelle Leistungsfähigkeit des Steuerschuldners. Sie knüpft also nicht an das Steuersubjekt (Person des Steuerpflichtigen), sondern an die Leistungsabgabe (Umsatz), also den Steuergegenstand (Objekt) an. Aus diesem Grund gehört die USt nicht zu den Personensteuern, sondern zu den Sach- oder Objektsteuern.
5. Steuerhoheit bei der Umsatzsteuer
Unter Steuerhoheit versteht man die Verteilung der drei wesentlichen öffentlich-rechtlichen Kompetenzbereiche im Zusammenhang mit einer Steuer auf die Gebietskörperschaften, den Bund, die Länder und die Gemeinden. Hierzu gehören die Berechtigung Steuergesetze zu erlassen, die Beteiligung am Steueraufkommen sowie die Zuständigkeit für die Verwaltung, also die Festsetzung und Erhebung der Steuer. Für den Bereich der USt liegt die Gesetzgebungshoheit beim Bund, d.h. gesetzliche Regelungen können ausschließlich im Rahmen der konkurrierenden Gesetzgebung des Bundes nach Art. 105 Abs. 2 GG durch Bundestag und Bundesrat beschlossen werden. Hinsichtlich der Verteilung des Aufkommens gehört die USt zu den Gemeinschaftssteuern, weil das Steueraufkommen nach Art. 106 Abs. 3 und Abs. 5a GG auf Bund, Länder und Gemeinden aufgeteilt wird. Verwaltet wird die Umsatzsteuer grundsätzlich von den einzelnen Bundesländern über die jeweils gem. § 21 AO örtlich zuständigen Finanzämter, die Einfuhrumsatzsteuer bildet wiederum eine Ausnahme, da sie vom Bund über die Hauptzollämter verwaltet wird, Art 108 Abs. 1 und Abs. 2 GG.
6. Rechtsgrundlagen der Umsatzsteuer
Die wichtigsten gesetzlichen Grundlagen für die USt sind das Umsatzsteuergesetz (UStG), in der Fassung der Bekanntmachung vom 21.2.2005 (BGBl I 2005, 386), zuletzt geändert durch Art. 11 Abs. 35 Gesetz zur Durchführung der Verordnung (EU) Nr. 910/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23.7.2014 über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste für elektronische Transaktionen im Binnenmarkt und zur Aufhebung der Richtlinie 1999/93/EG (eIDAS-Durchführungsgesetz) vom 18.7.2017 (BGBl I 2017, 2745) sowie die Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung (UStDV) in der Fassung der Bekanntmachung vom 21.2.2005 (BGBl I 2005, 434) zuletzt geändert durch Art. 9 Vierte Verordnung zur Änderung steuerlicher Verordnungen vom 12.7.2017 (BGBl I 2017, 2360). Da die USt eine EU-einheitliche Steuer ist, sind zusätzlich die gesetzlichen Bestimmungen der Mehrwertsteuersystemrichtlinie 2006/112/EG (MwStSystRL) sowie der zugehörigen Durchführungsverordnung zu beachten. Weiterhin sind die zum UStG ergangenen Verwaltungsanordnungen zu nennen, insbesondere der Umsatzsteuer-Anwendungserlass (UStAE) sowie die BMF-Schreiben und sonstigen Erlasse.
7. Wirkungsweise der Umsatzsteuer
Die USt ist so gestaltet, dass bei gleichem Steuersatz alle Waren und Dienstleistungen, wenn sie beim Endverbraucher ankommen, in gleicher Höhe mit USt belastet sind, unabhängig davon, wie viele Wirtschaftsstufen eine Ware oder Dienstleistung auf ihrem Weg zum Endverbraucher durchlaufen hat. Eine Erhebung der Steuer von der Steuer ist jedoch grundsätzlich ausgeschlossen. Dies wird durch den → Vorsteuerabzug des § 15 UStG erreicht. Er berechtigt den Unternehmer, von der Steuer, die er für seine Umsätze schuldet, die Umsatzsteuerbeträge (Vorsteuern) abzuziehen, die ihm andere Unternehmer für ihre an ihn ausgeführten steuerpflichtigen Umsätze offen in → Rechnung gestellt haben (§ 14 UStG).
Der Unternehmer hat die von ihm geschuldete USt auch dann zu entrichten, wenn sie vom Leistungsempfänger nicht als Vorsteuer abgezogen wird, bei ordnungsgemäßer Inrechnungstellung von ihm aber als Vorsteuer abgezogen werden könnte. Es ist nicht sachlich unbillig, dass der leistende Unternehmer unabhängig vom Vorsteuerabzug des Leistungsempfängers zur USt veranlagt wird (BFH Beschluss vom 4.4.2003, V B 212/02, BFH/NV 2003, 1098).
Umgekehrt besteht das Recht zum Vorsteuerabzug auch dann, wenn der Leistende die von ihm ausgewiesene Umsatzsteuer nicht abführt. Seine Grenze findet dieses Prinzip nur im Umsatzsteuerbetrug.
8. Das Allphasen-Nettoumsatzsteuersystem mit Vorsteuerabzug
Umsatzsteuer wird auf jeder Wirtschaftsstufe einer Leistungskette (z.B. Produzent – Großhändler – Zwischenhändler – Einzelhändler) erhoben, die Höhe der USt wird durch Multiplikation des Nettoentgelts mit dem anzuwendenden Regelsteuersatz von 19 % bzw. dem ermäßigten Steuersatz von 7 % ermittelt. Jeder Erwerber oder Dienstleistungsempfänger wird zunächst mit USt belastet, die Steuer wird dem Unternehmer jedoch vom Finanzamt in Form des Vorsteuerabzugs wieder erstattet, sofern kein Endverbrauch vorliegt. Aufgrund der dargestellten Wirkungsweise wird die Umsatzsteuer auch als Allphasen-Nettoumsatzsteuer mit Vorsteuerabzug bezeichnet.
Auf jeder Wirtschaftsstufe fällt im Ergebnis USt in Höhe des sog. Mehrwerts an, worunter im Handelsgeschäft die Differenz zwischen dem Nettoverkaufs- und dem Nettoeinkaufspreis einer Ware zu verstehen ist. Unter diesem Aspekt wird die USt auch als Mehrwertsteuer bezeichnet.
Abb.: Wirkungsweise der USt
Aus dem Beispiel wird deutlich, dass die USt eine nur beim Verkauf an den Letztverbraucher sich realisierende Steuer ist. Verdirbt eine Ware oder kann sie aus anderen Gründen nicht verkauft werden, so erhält der Fiskus keine Steuer. Der USt unterliegen die steuerbaren und steuerpflichtigen Umsätze (→ Steuerbarkeit, → Steuerbefreiungen gem. § 4 UStG).
Zu den Steuersätzen s. → Steuersätze bei der Umsatzsteuer.
Zur den Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs s. → Vorsteuerabzug.
9. Besteuerungsformen
Im Normalfall werden Unternehmer i.S.d. § 2 UStG nach den Regelungen in §§ 1–18 UStG besteuert (&equals; Regelbesteuerung). Da das Besteuerungsverfahren für Unternehmer und Finanzbehörden einen erheblichen Verwaltungsaufwand mit sich bringt, wird Unternehmern mit konstant geringen Umsätzen ermöglicht, auf die Erhebung von USt zu verzichten, im Gegenzug haben die betreffenden Unternehmer allerdings auch nicht die Möglichkeit des Vorsteuerabzugs. Diese sog. Kleinunternehmerregelung ist in § 19 UStG gesetzlich fixiert und gilt für Unternehmer, deren Bruttoumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr die Grenze von 17 500 € nicht überstiegen hat und auch im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich die Grenze von 50 000 € nicht übersteigen wird, § 19 Abs. 1 Satz 1 UStG. Nach § 19 Abs. 2 UStG kann der Unternehmer jedoch, auch wenn seine Umsätze unter den genannten Grenzen bleiben, auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung verzichten, mit der Folge, dass er dann der Regelbesteuerung unterliegt.
Nach §§ 23 ff. UStG gelten abweichend von der Regelbesteuerung in bestimmten Fällen Sonderregelungen. Zu diesen »besonderen Besteuerungsformen« gehören insbesondere:
die Besteuerung nach allgemeinen Durchschnittssätzen (§ 23 UStG),
die Besteuerung nach Durchschnittssätzen für land- und forstwirtschaftliche Betriebe (§ 24 UStG),
die Besteuerung von Reiseleistungen (§ 25 UStG) sowie
die Differenzbesteuerung (§ 25a UStG).
Vgl. hierzu auch → Wechsel der Besteuerungsart, → Wechsel der Besteuerungsform.
10. Verfahren der Regelbesteuerung
10.1. Voranmeldungsverfahren
In der Praxis muss jeder Unternehmer in gesetzlich bestimmten Zeitintervallen die USt aus den von ihm ausgeführten Ausgangsumsätzen an das Finanzamt melden. Dabei verrechnet er die für den betreffenden Zeitraum aus seinen Eingangsumsätzen bestehenden Vorsteueransprüche mit der USt, sodass sich ein Saldo ergibt, der der für den jeweiligen Zeitraum abzuführenden Steuerschuld bzw. dem Erstattungsanspruch entspricht.
Die Verrechnung der Vorsteuer mit der USt wird im Rahmen der unterjährig von den Unternehmern abzugebenden Voranmeldungen vorgenommen. Voranmeldungszeitraum ist grundsätzlich das Kalendervierteljahr (§ 18 Abs. 2 Satz 1 UStG).Beträgt die Steuer für das vorangegangene Kalenderjahr mehr als 7 500 €, ist der Kalendermonat Voranmeldungszeitraum, beträgt die Steuer für das vorangegangene Kalenderjahr nicht mehr als 1 000 €, kann das Finanzamt den Unternehmer von der Verpflichtung zur Abgabe von Voranmeldungen befreien (§ 18 Abs. 2 Satz 2 und 3 UStG). Sonderregelungen gelten im Falle von Unternehmensgründungen, bei denen gem. § 18 Abs. 2 Satz 4 UStG zwecks besserer behördlicher Überwachung in den ersten beiden Jahren immer monatliche Voranmeldungen abgegeben werden müssen.
Ein Unternehmer hat im Voranmeldungszeitraum Juli 07 Umsätze i.H.v. 100 000 € ausgeführt, die dem Steuersatz von 19 % unterliegen. Im gleichen Zeitraum hat er selbst Rechnungen über empfangene Leistungen erhalten, in denen zulässigerweise Vorsteuerbeträge von insgesamt 10 200 € ausgewiesen sind.
Die Zahllast für den Voranmeldungszeitraum Juli 07 errechnet sich wie folgt:
darauf 19 % Umsatzsteuer
an das FA zu zahlen
Die → Voranmeldung ist jeweils bis zum zehnten Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums abzugeben. Gem. § 46 UStDV kann dem Unternehmer auf Antrag aber eine Dauerfristverlängerung um einen Monat gewährt werden (→ Dauerfristverlängerung bei der USt).
Im Zusammenhang mit der Voranmeldung werden immer auch die → Zusammenfassende Meldung und die → Meldung nach der Fahrzeuglieferungs-Meldepflichtverordnung genannt. Anders als die Voranmeldung dienen dieser aber nicht unmittelbar der Steuerberechnung, sondern ausschließlich dem Funktionieren des innergemeinschaftlichen Kontrollverfahrens.
10.2. Steuererklärungsverfahren
Der Unternehmer hat – unabhängig vom Voranmeldungsverfahren – nach § 18 Abs. 3 UStG für das Kj. eine Steuererklärung abzugeben. Die Abgabefrist richtet sich nach den allgemeinen Abgabefristen für Steuererklärungen (§ 149 AO; → Abgabefristen von Steuererklärungen).
10.3. Vorsteuer-Vergütungsverfahren
Ausländische Unternehmer, die keinen Sitz, Wohnort oder keine Betriebsstätte im Inland haben, können unter den Voraussetzungen des § 59 UStDV die ihnen für in Deutschland ausgeführte Umsätze gesondert in Rechnung gestellten Vorsteuern in einem besonderen Verfahren vergütet erhalten (→ Vorsteuervergütungsverfahren).
11. Umsatzsteuerliches Prüfungsschema
Zur Beurteilung umsatzsteuerlicher Sachverhalte in Theorie und Praxis eignet sich folgendes Prüfungsschema:
§§ 1–3g UStG
§§ 4–9 UStG
Bemessungsgrundlage und Umsatzsteuer
§§ 13a, 13b UStG
11.1. Umsatzart
Das UStG unterscheidet gem. § 1 Abs. 1 Nr. 1, Nr. 4 und Nr. 5 UStG folgende drei Umsatzarten:
Lieferungen (→ Lieferung) und sonstige Leistungen (→ Sonstige Leistung)
innergemeinschaftliche Erwerbe (→ Innergemeinschaftlicher Erwerb).
11.2. Steuerbarkeit
Je nach Umsatzart müssen folgende unterschiedliche Tatbestandsmerkmale erfüllt sein, damit der jeweilige Umsatz steuerbar ist:
gegen Entgelt oder
unentgeltlich: Lieferungen gem. § 3 Abs. 1b UStG oder sonstige Leistungen gem. § 3 Abs. 9a UStG
Warenweg: Drittlandsgebiet – deutsches Zollgebiet
Eingangslieferung bzw. gleichgestellte Tatbestände (§ 1a Abs. 2 UStG),
Warenweg: Gemeinschaftsgebiet – Inland,
Erwerb von einem Unternehmen für ein Unternehmen oder von erwerbssteuerpflichtigen Rechtssubjekten i.S.v. § 1a Abs. 3 Nr. 1 UStG,
Erwerb im Inland.
Abb.: Steuerbare Umsätze
Wichtigstes Merkmal im Rahmen der Prüfung der Steuerbarkeit ist – einheitlich für alle Um-satzarten – die Frage, ob der jeweilige Umsatz im Inland (→ Inland) ausgeführt wurde. Hierzu ist abhängig anhand der einschlägigen Bestimmungen des UStG zu klären, an welchem Ort genau der jeweilige Umsatz stattgefunden hat. Je nach Umsatzart beinhaltet das UStG unterschiedliche Vorschriften zur Ortsbestimmung:
§§ 3 Abs. 5a, Abs. 6 bis 8 UStG
Sonderfälle: §§ 3c, 3e, 3f, 3g UStG
§§ 3a, 3b, 3e, 3f UStG
11.3. Steuerpflicht
Ein Umsatz ist immer dann steuerpflichtig, wenn keine der Steuerbefreiungsvorschriften nach § 4 UStG (für Lieferungen und sonstige Leistungen), § 4b UStG (für innergemeinschaftliche Erwerbe) und 5 UStG (für Einfuhren) Anwendung findet. Steuerfrei sind beispielsweise Ausfuhrlieferungen (§ 4 Nr. 1 Buchst. a, § 6 UStG), innergemeinschaftliche Lieferungen (§ 4 Nr. 1 Buchst. b, § 6a UStG), Grundstücksveräußerungen (§ 4 Nr. 9 Buchst. a UStG), die Vermietung und Verpachtung von Grundstücken (§ 4 Nr. 12 Buchst. a UStG) oder Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin (§ 4 Nr. 14 Buchst. a UStG). In Fällen der §§ 4 Nr. 9 Buchst. a und Nr. 12 Buchst. a UStG ist jedoch unter den Voraussetzungen des § 9 UStG die Möglichkeit der Option zu beachten.
11.4. Steuersatz
Der Regelsteuersatz beträgt nach § 12 Abs. 1 UStG 19 % der Bemessungsgrundlage. In Fällen des § 12 Abs. 2 UStG i.V.m. der Anlage 2 zum UStG ist der ermäßigte Steuersatz von 7 % anzuwenden. Der ermäßigte Steuersatz gilt beispielsweise für:
die Lieferung der meisten Lebensmittel (z.B. Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst), § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Anlage 2,
die Lieferung von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften, § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Anlage 2 Nr. 49,
die Leistungen der Zahntechniker, § 12 Abs. 2 Nr. 6 UstG,
die Vermietung von Wohn- und Schlafräumen zur kurzfristigen Beherbergung in Hotel und Pensionen, § 12 Abs. 2 Nr. 11 UStG.
11.5. Bemessungsgrundlage und Umsatzsteuer
Bemessungsgrundlage für die Ermittlung der USt ist grundsätzlich das Entgelt, das der Leistungsempfänger aufwendet, um die Leistung zu erlangen, jedoch abzüglich der im Preis enthaltenen gesetzlichen USt, § 10 Abs. 1 Satz 1 und 2 UStG. Dies gilt auch in Fällen des innergemeinschaftlichen Erwerbs, wobei zu beachten ist, dass der Rechnungsbetrag im Regelfall keine USt beinhaltet, weil der Lieferer im Herkunftsland der Ware eine steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung ausführt. In Fällen der Einfuhr ist Bemessungsgrundlage für die EUSt gem. § 11 Abs. 1 UStG der Zollwert, für unentgeltliche Wertabgaben nach § 3 Abs. 1b UStG und § 3 Abs. 9a UStG richtet sich die Bemessungsgrundlage nach § 10 Abs. 4 UStG.
11.6. Steuerentstehung
Vom Zeitpunkt der Steuerentstehung hängt ab, in welchem Voranmeldungszeitraum und in welcher Jahreserklärung der jeweilige Umsatz anzumelden und die zugehörige USt zu entrichten ist. Die Frage der Steuerentstehung wiederum ist abhängig davon, ob der Unternehmer seine Umsätze nach vereinbarten Entgelten (Sollversteuerung &equals; Regelfall) oder auf Antrag gem. § 20 UStG nach vereinnahmten Entgelten (Istversteuerung &equals; Ausnahmefall) versteuert. Im Fall der Sollversteuerung entsteht die USt grundsätzlich mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem die Leistung ausgeführt wurde, § 13 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 UStG. Abweichend hiervon entsteht die USt im Falle einer Anzahlung vor Leistungsausführung bereits mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem die Anzahlung vereinnahmt wurde, § 13 Abs. 1 Nr. 1a Satz 4 UStG. Berechnet der Unternehmer die USt nach vereinnahmten Entgelten, so entsteht die Steuer immer mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums, im dem die Entgelte vereinnahmt wurden, § 13 Abs. 1 Nr. 1b UStG.
11.7. Steuerschuldner
Steuerschuldner der USt ist nach § 13a Abs. 1 Nr. 1 UStG grundsätzlich der die Lieferung oder sonstige Leistung erbringende Unternehmer. In den Fällen des § 13b UStG (Reverse-Charge-Verfahren) wird die Steuerschuld jedoch aus Gründen der Verfahrensvereinfachung und der Bekämpfung des Umsatzsteuerbetrugs auf den Leistungsempfänger verlagert. Betroffen sind insbesondere folgende Bereiche:
im Inland steuerpflichtige sonstige Leistungen im Sinne von § 3a Abs. 2 UStG, die von einem im übrigen Gemeinschaftsgebiet ansässigen Unternehmer ausgeführt werden, § 13b Abs. 1 UStG,
Werklieferungen und nicht unter § 13b Abs. 1 UStG fallende sonstige Leistungen eines ausländischen Unternehmers, § 13b Abs. 2 Nr. 1 UStG,
Umsätze, die unter das Grunderwerbsteuergesetz fallen, soweit sie infolge einer Option nach § 9 UStG steuerpflichtig sind, § 13b Abs. 2 Nr. 3 UStG,
Bauleistungen sowie Reinigungsleistungen an Gebäuden, § 13b Abs. 2 Nr. 4 und Nr. 8 UStG.
Grundbedingung für den Übergang der Steuerschuld ist gem. § 13b Abs. 5 UStG, dass der Leistungsempfänger selbst auch Unternehmer i.S.d. § 2 UStG ist. Hinzu kommen je nach Einzelfall evtl. noch weitere zusätzliche Voraussetzungen.
11.8. Vorsteuerabzug
Die Voraussetzungen, ob und ggf. in welcher Höhe der Unternehmer zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, regelt § 15 UStG. Zu weiteren Einzelheiten siehe unter → Vorsteuerabzug.
Horst, Vorauszahlungen im Steuerrecht – eine Übersicht über diverse Steuerarten, Steuer & Studium 2007, 124.
→ Arbeitnehmerüberlassung
→ Ausfuhrlieferungen im nichtkommerziellen Reiseverkehr
→ Berufsbildende Einrichtungen, Umsatzsteuerbefreiung
→ Dauerfristverlängerung bei der USt
→ Differenzbesteuerung
→ Existenzminimum, steuerliche Gesamtbelastung
→ Garantieleistungen in der Kfz-Wirtschaft
→ Grundstücksvermietung
→ Hilfsgeschäfte
→ Istversteuerung
→ Personenbeförderung
→ Sollversteuerung
→ Sprachheilpädagogen
→ Telekommunikationsleistungen
→ Umsatzsteuerlagerregelung
→ Vorsteuervergütungsverfahren
→ Wechsel der Besteuerungsart
→ Werklieferung
→ Zusammenfassende Meldung