Source: https://www.reiserechtslupe.de/allgemeines/investitionen-in-die-kommunalen-kuranlagen-6271
Timestamp: 2019-03-21 22:17:42
Document Index: 5503144

Matched Legal Cases: ['§ 96', '§ 96', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 46', '§ 27', '§ 96', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 15']

Investitionen in die kommunalen Kuranlagen – Reiserechtslupe ")}}return a.proceed()});scriptParent=document.getElementsByTagName("script")[0].parentNode;if(scriptParent.tagName.toLowerCase!=="head"){head=document.getElementsByTagName("head")[0];aop_around(head,"insertBefore");aop_around(head,"appendChild")}aop_around(scriptParent,"insertBefore");aop_around(scriptParent,"appendChild");var a2a_config=a2a_config||{};a2a_config.no_3p=1;var addthis_config={data_use_cookies:false};var _gaq=_gaq||[];_gaq.push(["_gat._anonymizeIp"])}
Da der „Betrieb der Kureinrichtungen“ gegen eine Kurtaxe keine unternehmerische Tätigkeit darstellt, sind die erklärten Umsätze aus der Erhebung der Kurtaxe im Übrigen nicht umsatzsteuerbar und folglich die bereits vom Beklagten gewährten Vorsteuerbeträge abzuerkennen. Das Finanzgericht ist daran allerdings aufgrund des Verböserungsverbotes nach § 96 Abs. 1 Satz 2 Halbs. 1 FGO gehindert, da der Gemeinde bereits Vorsteuern in erheblichem Umfang zuerkannt und erstattet wurden10.
Selbst wenn aber die Gemeinde durch den „Betrieb der Kureinrichtungen“ gegen eine Kurtaxe unternehmerisch tätig gewesen sein sollte, würde der begehrte, weitere Vorsteuerabzug jedenfalls am fehlenden Zusammenhang zwischen den Kosten für die Errichtung, Unterhaltung und den Betrieb der Anlagen und ihrer (unterstellten) wirtschaftlichen Tätigkeit (Kurbetrieb) scheitern.
Entsprechendes gilt für den Park, dessen erklärtes Ziel es ist, die Lebensqualität für die Menschen im ländlichen Raum zu sichern und zu verbessern sowie dem demografischen Wandel zu begegnen. Eine Zuordnung zum Kurbetrieb ergibt sich daraus nicht. Auch die von der Gemeinde eingereichten Fotografien bestärken das Finanzgericht in der Auffassung, dass der Park dem Allgemeingebrauch gewidmet ist, weil er von allen Nutzungswilligen uneingeschränkt in Anspruch genommen werden kann, wenn es auf der Informationstafel u.a. heißt: „Herzlich Willkommen! Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Erwachsene…“.
Dennoch ist der hinsichtlich des Kurhauses gewährte Vorsteuerabzug im Ergebnis nicht zu beanstanden, denn die von der Gemeinde eingereichte Darstellung ihrer Nutzung in 2013 kann der Vorsteueraufteilung nicht zugrunde gelegt werden. So geht die Gemeinde im Hinblick auf Veranstaltungen wie „Tanz für Jedermann“, „Offener Abend“, „Musikhochschule Kammerkonzert“, „Comedy Night“, Neujahrsempfang und Gottesdienste -die der Allgemeinheit kostenfrei zur Nutzung angeboten wurden- davon aus, dass diese Teil einer unternehmerischen Tätigkeit seien. Damit überdehnt die Gemeinde die Reichweite ihrer -an dieser Stelle vom Finanzgericht entgegen obiger Ausführung lediglich hilfsweise unterstellten- unternehmerischen Sphäre. An dieser unzutreffenden Auffassung hält die Gemeinde auch weiterhin im Wesentlichen fest, indem sie nur einzelne Nutzungen (z.B. Agentendinner, Puppentheater, Weihnachtsfeier, Silvesterball und ein Kammerkonzert) nunmehr als nichtunternehmerische Verwendung des Kurhauses ansieht und einzelne umsatzsteuerfreie Vermietungen von Saalflächen mangels Optionsmöglichkeit zutreffend als vorsteuerschädlich betrachtet. Hinsichtlich des Großteils der vorgenannten Nutzungen hält sie jedoch ihre Auffassung aufrecht, dass diese Veranstaltungen Teil einer unternehmerischen Verwendung durch die Gemeinde gewesen seien (z.B. „Tanz für Jedermann“, „Offener Abend“, weitere Kammerkonzerte der Musikhochschule, „Comedy Night“ und Neujahrsempfang). Weil diese genannten Veranstaltungen einen Großteil der Belegung des Kurhauses ausmachen, ergibt sich die Ungeeignetheit des klägerseitigen Aufteilungsmaßstabs. Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die Gemeinde hinsichtlich der tatbestandlichen Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs die Feststellungslast trägt, reduziert das Finanzgericht die durch den Beklagten bereits gewährten Vorsteuerbeträge nur deshalb nicht, weil er hieran aufgrund des Verböserungsverbotes nach § 96 Abs. 1 Satz 2 Halbs. 1 FGO gehindert ist10.
EuGH, Urteil Evita-K vom 18.07.2013 – C-78/12, ABl EU 2013, Nr. C 260, 11 Rn. 37; BFH, Beschluss vom 03.08.2007 – V B 73/07, BFH/NV 2007, 2368 Rn. 12↩
BFH, Urteile vom 03.08.2017 – V R 62/16, BFH/NV 2018, 301 Rn. 23; vom 01.12 2011 – V R 1/11, BStBl II 2017, 834 Rn. 15 f.; vom 03.03.2011 – V R 23/10, BStBl II 2012, 74 Rn. 21; und vom 15.04.2010 – V R 10/09, BStBl II 2017, 863, 416 Rn. 14 bis 48↩
BFH, Urteil vom 03.08.2017 – V R 62/16, BFH/NV 2018, 301 Rn. 23↩
EuGH, Urteil Isle of Wight Council vom 16.09.2008 – C-288/07, ABl EU 2008, Nr. C 301, 9 Rn. 64↩
EuGH, Urteil National Roads Authority vom 19.01.2017 – C-344/15, ABl EU 2017, Nr. C 70 3-4 Rn. 44↩
vgl. EuGH, Urteil National Roads Authority vom 19.01.2017 – C-344/15, ABl EU 2017, Nr. C 70 3-4 Rn. 50 f.; Michel, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung -HFR- 2018, 162, 163; Birkenfeld in Birkenfeld/Wäger, Umsatzsteuer-Handbuch, § 46 Rn. 103; Eversloh, juris PraxisReport Steuerrecht -jurisPR-Steuerrecht- 12/2018, Anm. 6 D↩
ABl EU 2015, Nr. C 414, 3-4↩
Meurer, MwStR 2016, 192, 195; a.A. Küffner, DStR 2015, 2444, 2445↩
vgl. Heuermann in Sölch/Ringleb, UStG, Stand Juni 2018, § 27 Rn. 80; Widmann, Umsatzsteuer-Rundschau -UR- 2016, 13, 15↩
vgl. BFH, Urteil vom 26.11.1997 – X R 146/94, BFH/NV 1998, 961 Rn.19; Ratschow in Gräber, FGO, 8. Aufl., 2015, § 96 Rn. 51 f.↩↩
EuGH, Urteile Iberdrola vom 14.09.2017 – C-132/16, ABl EU 2017, Nr. C 382, 17 Rn. 25 f. und Sveda vom 22.10.2015 – C-126/14, ABl EU 2015, Nr. C 414, 3-4 Rn. 25 m.w.N.↩
EuGH, Urteile Iberdrola vom 14.09.2017 – C-132/16, ABl EU 2017, Nr. C 382, 17 Rn. 28 bis 30 und SKF vom 29.10.2009 – C-29/08, ABl EU 2009, Nr. C 312, 3-4 Rn. 57↩
EuGH, Urteile Iberdrola vom 14.09.2017 – C-132/16, ABl EU 2017, Nr. C 382, 17 Rn. 31 und Sveda vom 22.10.2015 – C-126/14, ABl EU 2015, Nr. C 414, 3-4 Rn. 29↩
BFH, Urteile vom 03.08.2017 – V R 62/16, BFH/NV 2018, 301 Rn. 26 – Marktplatz einer Kurstadt; vom 26.04.1990 – V R 166/84, BStBl II 1990, 799 Rn. 13 – Spazier- und Wanderwege einer Kurgemeinde; und vom 11.06.1997 – XI R 65/95, BStBl II 1999, 420 Rn. 21 – Strandpromenade; Urteil des Finanzgerichts -FG- München vom 24.07.2013 3 K 3274/10, Entscheidungen der Finanzgerichte -EFG- 2013, 1973 – Nichtzulassungsbeschwerde vom BFH zurückgewiesen mit BFH, Beschluss vom 12.03.2014 – XI B 97/13, BFH/NV 2014, 1062; Wäger, Entscheidungen des BFH für die Praxis der Steuerberatung -BFH/PR- 2018, 65, 66 Ziffer 3↩
Bock in Kunze/Schmidt, GemO für Baden-Württemberg, Stand Februar 2017, § 10 Rn. 15↩
Ade/Pautsch in Praxis der Kommunalverwaltung, Stand Juli 2017, § 10 Rn.03.1; Aker in Aker/Hafner/Notheis, GemO Baden-Württemberg, 2013, § 10 Rn. 8↩
Bock in Kunze/Schmidt, GemO für Baden-Württemberg, Stand Februar 2017, § 10 Rn. 15 m.w.N.↩
BFH, Urteile vom 03.03.2011 – V R 23/10, BStBl II 2012, 74 Rn. 23; und vom 22.10.2009 – V R 33/08, BFH/NV 2010, 957 Rn. 27 ff.↩
BFH, Urteil vom 03.08.2017 – V R 62/16, BFH/NV 2018, 301 Rn. 26↩
BFH, Urteile vom 03.08.2017 – V R 62/16, BFH/NV 2018, 301 Rn.19; und vom 03.03.2011 – V R 23/10, BStBl II 2012, 74 Rn. 31↩
BFH, Urteil vom 08.10.2008 – XI R 58/07, BStBl II 2009, 394; Heidner in Bunjes, 16. Aufl., 2017, UStG, § 15 Rn. 107↩