Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/verfassungsbeschwerde-telefax-fristwahrung-3130325?pk_campaign=feed&pk_kwd=verfassungsbeschwerde-telefax-fristwahrung
Timestamp: 2019-08-25 11:15:52
Document Index: 234952755

Matched Legal Cases: ['§ 92', '§ 23', 'Art. 103', '§ 93', '§ 108', '§ 114']

Die frist­ge­rech­te Begrün­dung erfor­dert gemäß § 92 in Ver­bin­dung mit § 23 Abs. 1 Satz 2 BVerfGG ins­be­son­de­re, dass ent­we­der die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen selbst vor­ge­legt oder wenigs­tens ihrem wesent­li­chen Inhalt nach mit­ge­teilt wer­den oder dass sich der Beschwer­de­füh­rer mit ihnen in einer Wei­se aus­ein­an­der­setzt, dass beur­teilt wer­den kann, ob sie mit dem Grund­ge­setz in Ein­klang ste­hen1.
Nicht aus­rei­chend ist es hin­ge­gen, bis zum Ablauf der Monats­frist ledig­lich die Beschwer­de­schrift per Tele­fax zu über­mit­teln und die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen – nach Frist­ab­lauf – mit dem Ori­gi­nal­schrift­satz nach­zu­rei­chen, ohne dass die Ent­schei­dun­gen im Ver­fas­sungs­be­schwer­de­schrift­satz hin­rei­chend wie­der­ge­ge­ben sind2.
Hin­sicht­lich der gerüg­ten Ver­let­zung von Art. 103 Abs. 1 GG las­sen sich der Ver­fas­sungs­be­schwer­de die genau­en Erwä­gun­gen, die das Land­ge­richt im Beschluss vom 17.07.2017 zu der Zurück­wei­sung der Gehörs­rü­ge bewo­gen haben, eben­falls nicht ent­neh­men. Die Dar­stel­lung in der Ver­fas­sungs­be­schwer­de, das Land­ge­richt habe sich bei sei­ner Ent­schei­dung über die Gehörs­rü­ge nicht weit­ge­hend dar­auf beschrän­ken dür­fen, den Aus­gangs­be­schluss des Land-gerichts ohne eige­ne wei­te­re Ermitt­lun­gen „mehr oder weni­ger nach­zu­voll­zie­hen”, ermög­licht eine ver­ant­wort­ba­re ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fung nicht. Abge­se­hen davon teilt die Beschwer­de­füh­re­rin auch ihren Vor­trag im Rah­men der Gehörs­rü­ge vor dem Land­ge­richt nicht mit, son­dern beschränkt sich auf die Anga­be, sie habe „umfang­reich” zu der nicht erfolg­ten Betei­li­gung am Beschwer­de­ver­fah­ren vor-getra­gen.
Zur Begrün­dung des Wie­der­ein­set­zungs­an­trags müs­sen sowohl der Hin­de­rungs­grund als auch die Umstän­de, die für die Beur­tei­lung des Ver­schul­dens maß­ge­bend sind, dar­ge­legt wer­den. Erfor­der­lich ist eine sub­stan­ti­ier­te und schlüs­si­ge Dar­stel­lung der für die unver­schul­de­te Frist­ver­säum­nis wesent­li­chen Tat­sa­chen3. Ein Ver­schul­den liegt vor, wenn ein Beschwer­de­füh­rer die­je­ni­ge Sorg­falt außer Acht lässt, die für einen gewis­sen­haf­ten und sei­ne Rech­te und Pflich­ten sach­ge­mäß wahr­neh­men­den Pro­zess­füh­ren­den im Hin­blick auf die Frist­wah­rung gebo­ten und ihm nach den gesam­ten Umstän­den des kon­kre­ten Fal­les zuzu­mu­ten ist. Die Anfor­de­run­gen an die Sorg­falts­pflicht dür­fen jedoch nicht über­spannt wer­den; es kommt dar­auf an, ob dem Betrof­fe­nen nach den gesam­ten Umstän­den des Fal­les ein Vor­wurf dar­aus gemacht wer­den kann, dass er die Frist ver­säumt hat bzw. nicht alle ihm zumut­ba­ren Anstren­gun­gen unter­nom­men hat, damit das Hin­der­nis bald­mög­lichst weg­fällt. Der Vor­wurf man­geln­der Sorg­falt des Bevoll­mäch­tig­ten ist dem Beschwer­de­füh­rer zuzu­rech­nen (§ 93 Abs. 2 Satz 6 BVerfGG)4.
Bei der Über­mitt­lung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nebst Anla­gen auf dem Post­weg dür­fen Ver­zö­ge­run­gen der Brief­be­för­de­rung durch die Post dem Beschwer­de­füh­rer nicht als Ver­schul­den ange­rech­net wer­den5. Der Bür­ger kann dar­auf ver­trau­en, dass die nach ihren orga­ni­sa­to­ri­schen und betrieb­li­chen Vor­keh­run­gen für den Nor­mal­fall fest­ge­leg­ten Post­lauf­zei­ten ein­ge­hal­ten wer­den6. Im Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Absen­ders liegt es danach allein, das zu beför­dern­de Schrift­stück so recht­zei­tig zur Post zu geben, dass es nach deren orga­ni­sa­to­ri­schen und betrieb­li­chen Vor­keh­run­gen bei regel­mä­ßi­gem Betriebs­ab­lauf den Emp­fän­ger frist­ge­recht errei­chen kann7.
Gemes­sen dar­an erfolg­te die Frist­ver­säum­nis nicht ohne Ver­schul­den sei­tens des Bevoll­mäch­tig­ten der Beschwer­de­füh­re­rin. Der von die­sem vor­ge­leg­te Ein­lie­fe­rungs­be­leg der Deut­schen Post AG lässt zwar erken­nen, dass er die Ver­fas­sungs­be­schwer­de im Ori­gi­nal mit Anla­gen am 19.08.2017 in Ber­lin zur Post gege­ben hat. Der Ein­lie­fe­rungs­be­leg trägt aber den Auf­druck „Ver­sand­schluss­zeit über­schrit­ten. Der Trans­port der Sen­dung beginnt am nächs­ten Werk­tag”. Der Bevoll­mäch­tig­te der Beschwer­de­füh­re­rin konn­te und muss­te daher bei Erhalt des Ein­lie­fe­rungs­be­legs am Sams­tag, den 19.08.2017, um 12.55 Uhr erken­nen, dass er die Ver­fas­sungs­be­schwer­de­schrift samt Anla­gen nicht so recht­zei­tig zur Post gebracht hat­te, dass bei gewöhn­li­cher Post­lauf­zeit mit einem recht­zei­ti­gen Ein­gang beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt am Mon­tag, den 21.08.2017, zu rech­nen war. Statt den Ein­lie­fe­rungs­be­leg zu über­prü­fen und den Auf­druck zur Kennt­nis zu neh­men, was ihm ermög­licht hät­te, wei­te­re Maß­nah­men zu ergrei­fen, um einen frist­ge­rech­ten Zugang noch zu bewir­ken – wie ins­be­son­de­re die Über­sen­dung der Anla­gen per Tele­fax, steck­te er den Ein­lie­fe­rungs­be­leg ein, ohne ihn zu lesen, so dass ihm der ent­spre­chen­de Auf­druck erst im Sep­tem­ber 2017 auf­fiel. Damit ließ er die­je­ni­ge Sorg­falt außer Acht, die für einen gewis­sen­haf­ten und sei­ne Rech­te und Pflich­ten sach­ge­mäß wahr­neh­men­den Pro­zess­füh­ren­den im Hin­blick auf die Frist­wah­rung gebo­ten und ihm nach den gesam­ten Umstän­den des kon­kre­ten Fal­les zuzu­mu­ten war. Ins­be­son­de­re konn­te er sich nicht dar­auf ver­las­sen, dass ihm nach sei­nen Anga­ben eine Post­mit­ar­bei­te­rin zwei Tage vor der Auf­ga­be zur Post aus­drück­lich bestä­tigt hat­te, dass an einem Sams­tag vor 13.15 Uhr ein­ge­lie­fer­te Post noch am sel­ben Tag „auf den Weg nach Karls­ru­he gebracht” wür­de. Unge­ach­tet des­sen, dass unklar ist, ob sich die­se Aus­kunft auf den Ein­wurf in den Brief­kas­ten vor der Post­stel­le bezog oder auch die Ein­lie­fe­rung in der Post­stel­le umfass­te, und die­se Aus­kunft fer­ner nicht beinhal­te­te, dass die Sen­dung bei nor­ma­lem Ver­lauf der Din­ge das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bis zum 21.08.2017 tat­säch­lich errei­chen kön­ne, wider­sprach der Auf­druck auf dem erhal­te­nen Ein­lie­fe­rungs­be­leg ein­deu­tig die­ser Aus­kunft und hät­te dem Bevoll­mäch­tig­ten daher Anlass geben müs­sen, an der Mög­lich­keit eines frist­ge­mä­ßen Ein­gangs zu zwei­feln.
Über­ra­schungs­ur­teil in der Beru­fungs­in­stanz? Ein § 108 Abs. 2 VwGO ver­let­zen­des Über­ra­schungs­ur­teil ist dann gege­ben, wenn das Gericht einen bis dahin nicht erör­ter­ten recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Gesichts­punkt zur Grund­la­ge sei­ner Ent­schei­dung macht und damit…
Der iso­lier­te Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag im… Die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe ist im Ver­fah­ren über eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de ent­spre­chend §§ 114 ff. ZPO zuläs­sig ((vgl. BVerfGE 1, 109, 110 ff.; 1, 415, 416; 79, 252, 253; 92, 122,…
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vgl. BVerfGE 88, 40, 45; 93, 266, 288; BVerfG, Beschluss vom 21.11.2007 – 1 BvR 2793/​07; stRspr↩
vgl. BVerfG, Beschluss vom 13.08.2013 – 2 BvR 2660/​06 33 m.w.N.↩
vgl. BVerfG, Beschluss vom 07.03.2017 – 2 BvR 162/​16 26 m.w.N.↩
vgl. BVerfG, Beschluss vom 05.07.2004 – 2 BvR 225/​00 10 m.w.N.; BVerfGE 135, 126, 139↩
vgl. BVerfGE 50, 1, 3; 51, 146, 149; 51, 352, 354; 53, 25, 28; 98, 169, 196 f.↩
vgl. BVerfGE 40, 42, 45; 41, 23, 27; 53, 25, 29; 62, 334, 337; stRspr↩
vgl. BVerfGE 62, 334, 337; BVerfG, Beschluss vom 07.03.2017 – 2 BvR 162/​16 26↩