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Timestamp: 2020-01-26 08:57:47
Document Index: 306050512

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'Art. 5', 'BGH']

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Kabelfernsehen und Rundfunkgesetze
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1 Schriften zum Öffentlichen Recht Band 249 Kabelfernsehen und Rundfunkgesetze Von Wolfgang Lieb Duncker & Humblot Berlin
2 WOLFGANG LIEB Kabelfernsehen und Rundfunkgesetze
3 Schriften zum öffentlichen Recht Band 249
4 Kabelfernsehen und Rundfunkgesetze Von Dr. Wolfgang Lieb D U N C K E R & H U M B L O T / B E R L I N
5 Alle Rechte vorbehalten 1974 Duncker & Humblot, Berlin 41 Gedruckt 1974 bei Buchdruckerei Bruno Luck, Berlin 65 Printed in Germany ISBN
6 Meinen Eltern
8 Vorwort Der Rundfunk, wie er heute verstanden wird, ist das Ergebnis eines stetigen Wandlungs- und Entwicklungsprozesses, der beeinflußt ist von technischen, wirtschaftlichen, anwendungsbezogenen, kulturellen und vor allem politischen Faktoren. Dieser Prozeß hat keinen Abschluß gefunden. Die Geschichte des Rundfunks ist begleitet von der Forderung nach einer Neuordnung des Rundfunkwesens. Der unfertige Zustand der Rechtsentwicklung" zeigt sich allenthalben, und seit es den Rundfunk gibt, ist die Diskussion ihn unter einen rechtlichen Begriff zu fassen, nie abgebrochen. Als ein komplexes Gewebe von Freiheit, staatlicher Einwirkung und administrativer Leitung" berührt er nahezu alle Rechtsgebiete. Er stellt sowohl das internationale als auch das nationale Recht ständig vor neue Fragen. Eine präzise juristische Erfassung scheint so wenig greifbar wie sein Ausbreitungsmittel, die Hochfrequenzschwingungen. Bei jeder technischen Neuerung, bei jedem neuen Anwendungsfeld oder jedem Wunsch politischer Einflußnahme entbrannte ein juristischer Streit. Das Fernsehurteil des Bundesverfassungsgerichts vom 28. Februar 1961, oft als Magna Charta" des Rundfunkrechts tituliert, brachte nur kurzfristige Beruhigung. Die Rundfunkanstalten stehen verwirrt vor der erfolgreichen Erprobung neuer Frequenzen im Gigahertzbereich; sie sind unsicher, ob die neuen audio-visuellen Systeme unter ihren Funktionsbereich fallen und sie befürchten vom Kabelfernsehen einen ihre Leistungsfähigkeit übersteigenden Aufgabenbereich. Auf der anderen Seite sieht die produzierende und die werbungstreibende Wirtschaft in den neuen elektronischen Medien ein neues, attraktives Absatzgebiet und die Verleger erhoffen sich endlich Zugang zu einem ihnen bisher verschlossenen publizistischen Mittel. Mit taktischen Schachzügen wird die Autorität des Fernsehurteils untergraben, werden Staat und Politiker unter Zugzwang gesetzt. Die Unsicherheit darüber, was überhaupt noch Rundfunk ist, ist zum Trauma" geworden. Das Kabelfernsehen ist einer der größten Unsicherheitsfaktoren. Seine juristische Einordnung soll hier versucht werden. Die Arbeit wurde im April 1973 abgeschlossen und von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln als Dissertation angenommen.
9 8 Vorwort Herrn Prof. Dr. Martin Kriele, der die Arbeit betreut hat, danke ich für seine wohlwollende Förderung und die mir bei der Ausgestaltung des Themas eingeräumte Freiheit. Bei der Friedrich-Ebert-Stiftung bedanke ich mich für das mir gewährte Promotionsstipendium. Im Institut für Rundfunkrecht an der Universität zu Köln fand ich äußerst günstige Arbeitsbedingungen, dafür bedanke ich mich bei den Direktoren und Mitarbeitern. Für die Herstellung des Manuskriptes habe ich mich bei Herrn Jakob de Jong, Fräulein Gisela Harms-Schüler und Fräulein Marion Arntjen zu bedanken. Schließlich danke ich Herrn Ministerialrat a. D. Dr. J. Broermann für die Aufnahme der Arbeit in diese Reihe. Köln, den Wolf gang Lieb
10 Inhaltsverzeichnis Einleitung I. Gegenstandsfindung: Kabelfernsehen u n d Rundfunk I I. Merkmale zur Unterscheidung zwischen Kabelfernsehen u n d herkömmlichem Rundfunk I I I. Kabelfernsehen heute Kabelfernsehen i n den USA Die Situation i n der Bundesrepublik 24 V I. Rechtsprobleme bei der Veranstaltung von Kabelfernsehen Erster 26 Teil Kabelfernsehen und Rundfunkrecht Kapitel Die fernmelderechtliche Seite des Rundfunks u n d das Kabelfernsehen I. Der Rundfunk als geschichtlicher Erfahrungsgegenstand I I. Die Rundfunkverbreitungstechnik nach dem Verständnis der administrativen Regelungen Die Rundfunkverfügungen der Weimarer Zeit Der Ausbau des Drahtfunks u n d die Drahtfunkverordnung Die Rundfunkregelungen der Besatzungszeit u n d das R u n d f u n k verwaltungsrecht der Bundesrepublik 44 I I I. Die Aussagen der Obergerichte über die Rundfunkverbreitungsverfahren 48 IV. Rundfunkverwaltungsrecht u n d internationales Fernmelderecht.. V. Zwischenergebnis Kapitel Die kulturell-rechtliche Seite des Rundfunks u n d das Kabelfernsehen 53 I. Das Kabelfernsehen und der Rundfunkbegriff nach A r t. 5 Abs. 1 Satz 2 GG 53 I I. Rundfunk und Drahtlosigkeit Z u r Entwicklung von Begriff und Gegenstand des Rundfunks 55
11 10 1. Die Beschreibungsqualität des Wortes R u n d - F u n k " a) F u n k " als drahtloses u n d drahtgebundenes Nachrichtenübermittlungsverfahren b) Die Gleichstellung von Raumfunk u n d D r a h t f u n k i m Fernmelderecht c) Besonderheit des niederfrequenten Drahtfunks d) Zwischenergebnis 2. R u n d " - F u n k und Drahtlosigkeit a) Die E n t w i c k l u n g des Rundfunkbegriffs b) Zwischenergebnis 3. Die Bedeutung von Kabel u n d Draht beim herkömmlichen Rundfunk a) Rundfunk und Rundfunkleitungstechnik b) Der Einsatz von Draht oder K a b e l bei der Verbreitung von Programmdarbietungen aa) Die ersten Programmübertragungen über Draht bb) Die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen f ü r die Einführung des drahtlosen Rundfunks cc) Ausnutzung vorhandener Leitungsnetze zur Verbreitung v o n Drahtfunkprogrammen dd) Drahtfunktechnik als Ergänzung zur drahtlosen Ausstrahlung ee) Der Drahtfunk als M i t t e l der Rundfunkpolitik ff) Der Ausbau von Drahtfunknetzen i m Nationalsozialismus gg) Der Drahtfunk als letztes intaktes Schnellnachrichtenmittel hh) Wiederaufbau des Drahtfunknetzes nach dem Weltkrieg ii) Die Entscheidung der Rundfunkanstalten f ü r den U K W Rundfunk kk) Die Bedeutung des Drahtfunks f ü r den Rundfunk anderer Länder 11) Der Einsatz v o n Kabel beim Fernsehen mm) Die Zentralantennenanlage nn) Zwischenergebnis 4. Der Rundfunk als besonderes technisches Nachrichtenmittel i n Abgrenzung zu Presse u n d F i l m 5. Zwischenergebnis I I I. Das Kabelfernsehen u n d die Rundfunkgesetze der Länder Der Rundfunkbegriff des Staats Vertrages über die Regelung des Rundfunkgebührenwesens Rundfunkgesetze, die den D r a h t f u n k ausdrücklich miteinbeziehen 94 a) Das Gesetz über den Westdeutschen Rundfunk, K ö l n " 94 b) Der Staatsvertrag über den Norddeutschen Rundfunk 95 c) Der Staatsvertrag über den Südwestfunk Rundfunkgesetze ohne eindeutige Festlegung der Übermittlungsverfahren Das Kabelfernsehen u n d einzelne Gesetzesbegriffe 101 I V. Ergebnis 102
12 nsverzeichnis 11 Zweiter Teil Die Erscheinungsformen des Kabelfernsehens und die Merkmale des herkömmlichen Rundfunks nach dem Grundgesetz und den Länderrundfunkgesetzen Kapitel Das Verhältnis der Rundfunkgesetze zum Grundgesetz bei der Gewinnung rechtlicher Wesensmerkmale des Rundfunks Kapitel Die rechtlichen Merkmale des Rundfunkbegriffs 108 I. Die Ausdrucksmittel des Rundfunks 108 II. Der Programminhalt als Wesensmerkmal 109 III. Der Rundfunk als für die Allgemeinheit bestimmte Darbietung Die Vieldeutigkeit des Begriffs der Allgemeinheit nach dem Wortlaut der Rundfunkgesetze Allgemeinheit als Merkmal der Abgrenzung des Rundfunks von den Funksonderdiensten 115 IV. Die verfassungsrechtliche Ausdeutung des Merkmals der Allgemeinheit Allgemeinheit als Allgemeinzugänglichkeit Allgemeinheit als faktische Offenheit" 121 V. Übertragbarkeit der Kriterien des Öffentlichkeitsbegriffs aus anderen Rechtsgebieten zur Konkretisierung des Merkmals der Allgemeinheit Öffentlichkeit auch als räumlich getrennte Vielzahl von Personen Ubiquität der Ätherwellen und unbegrenzte Öffentlichkeit" Allgemeinheit als breite Öffentlichkeit" Die Zweckbestimmung des Merkmals der Allgemeinheit beim Rundfunk im Unterschied zum urheberrechtlichen Öffentlichkeitsbegriff Die Beziehung der Beteiligten an den Funksonderdiensten als Unterscheidungsmerkmal zur Allgemeinheit des Teilnehmerkreises beim Rundfunk Zwischenergebnis Allgemeinheit bei der Wiedergabe oder Allgemeinheit des Rundfunkempfangs Zwischenergebnis 135 VI. Der Kommunikationsinhalt oder der Wille des Veranstalters als Kriterium der Bestimmung" für die Allgemeinheit Der Kommunikationsinhalt als Indiz für die Bestimmung einer Sendung für die Allgemeinheit Der Wille des Absenders als Entscheidungskriterium für die Bestimmung einer Sendung für die Allgemeinheit 139
13 nsverzeichnis a) I m nachhinein ist jede unbestimmte Personenmehrheit bestimmt 141 b) Verobjektivierung des Willensmoments 142 c) Zwischenergebnis 143 V I I. Die Allgemeinheit als Rezipient von Massenkommunikation 1. Die Masse 2. Das disperse P u b l i k u m a) Z a h l u n d Streuung der Teilnehmer keine essentiellen M e r k male der Massenkommunikation 147 b) Massenkommunikationsmittel als Sammelbegriff verschiedener gleichartiger Kommunikationsmedien Massenkommunikationsmittel u n d Grundgesetz Zwischenergebnis 151 V I I I. Allgemeinheit als Allgemeinheitsbezug des Programms Die liberale Komponente des A r t. 5 Abs. 1 GG als Verbot staatlicher Eingriffe i n die Programmgestaltung Allgemeinheitsbezug u n d die institutionelle Komponente der Rundfunkfreiheit 155 a) Politischer und unpolitischer Rundfunk b) Die Eingrenzung des Rundfunks auf die Wahrnehmung einer öffentlichen Aufgabe" c) Der Weg v o m Recht über die I n s t i t u t i o n zur Pflicht" d) Die öffentliche Aufgabe" als deflatorisch leerlaufendes Begriffssubstitut e) öffentliche Meinungsbildung als ständiger Prozeß ohne rechtlich bestimmbaren Verlauf f) Die Aufhebung der Trennung zwischen politischem u n d gesellschaftlichem Bereich i m demokratischen Sozialstaat g) Die verfassungsrechtliche Problematik einer programmlichen Inpflichtnahme h) A r t. 5 Abs. 1 Satz 2 GG schützt den politischen" und den unpolitischen" Rundfunk 3. Ergebnis I X. Exkurs: Der Rundfunk als publizistische Institution X. Die institutionell-publizistischen Voraussetzungen f ü r grammbetrieb 170 den Pro Kapitel Vergleich der verschiedenen Erscheinungsformen des Kabelfernsehens m i t dem herkömmlichen Rundfunk I. Vollversorgung einer größeren Region I I. Lokales Kabelfernsehen I I I. Verkabelung verschiedener örtlich zusammenliegender Gebäude oder einer Großwohnanlage 184 IV. Exkurs: Genehmigungsfreie Fernmeldeanlagen als Rundfunk 189
14 13 V. Kabelsendungen, die von einer Zentrale an verschiedene Einzelstellen m i t Publikums verkehr geliefert werden 191 V I. Kabelverteilung von Programmen an einem Ort m i t Publikumsverkehr 194 V I I. Kabelverteilung von Programmen an verschiedene private" E m p fangsstellen innerhalb eines Gebäudes 195 Dritter Teil Rückwirkungen der Einführung des Kabelfernsehens auf die Verfassungsmäßigkeit der Rundfunkgesetze Kapitel Rundfunkfreiheit ohne Wellenknappheit 201 I. Die teilweise i n der L i t e r a t u r gezogenen Konsequenzen aus einem behaupteten Wegfall der tatsächlichen Prämissen des Fernseh-Urteils 201 I I. Der Streit u m den Wegfall der technischen Prämisse 202 I I I. Die n u r potentielle Möglichkeit der Erhöhung der Programmzahl u n d die tatsächlichen Prämissen 203 I V. Die Verknüpfung der technischen m i t der finanziellen Prämisse Der hohe Kostenaufwand f ü r die Veranstaltung von R u n d f u n k sendungen läßt n u r eine kleine Z a h l von Veranstaltungsträgern zu Verbot jeder vermeidbaren Monopolisierung Die unterschiedliche Ausgangssituation bei Presse, F i l m und Rundfunk Die gesetzliche Regelung der Rundfunkfreiheit als vorbeugende Dienstleistungspflicht" des Gesetzgebers Die Verfassungsgarantie der Meinungspluralität gilt auch f ü r den lokalen Bereich 212 V. Binnenpluralistische Organisationsstruktur und individualbezogene Grundrechte 214 V I. Zwischenergebnis Kapitel Die Verfassungskonformität der binnenpluralistischen Organisationsstruktur auch beim Fortfall der Prämissen des Fernseh-Urteils I. Unterschiedliche Begründungsansätze I I. Die einzigartige Machtintensität und Suggestivkraft des Rundfunks als besonderes S t r u k t u r m e r k m a l 219 I I I. Die unterschiedlichen Wahrnehmungsbedingungen von Rundfunk u n d Presse Der Rundfunk als bequemstes" Massenmedium 220
15 nsverzeichnis Der Aktualitätsvorsprung des Rundfunks Der Glaubwürdigkeitsvorsprung des Rundfunks Die Beschränkung der Rezeption mehrfacher Angebote durch die geringere Disponibilität des Rundfunks u n d die fehlende Selektionsmöglichkeit für den Rezipienten innerhalb der Programme 223 I V. Zwischenergebnis Kapitel Die Verfassungsmäßigkeit des R u n d f u n k Monopols" bei Einführung des Kabelfernsehens 228 I. Die Unzulänglichkeit der Kennzeichnung des alleinigen R u n d f u n k veranstaltungsrechts der Rundfunkanstalten als Monopol" Die Verzahnung von Rundfunkgesetzen und Grundgesetz als Ausschlußgrund für private Rundfunkveranstaltungen Das Verfassungsgebot der Meinungsvielfalt und die Verlagerung der Rundfunkveranstaltungsträger ins öffentliche Recht als Ausschlußgründe für private R u n d f u n k i n i t i a t i v e n 231 I I. Die öffentlich-rechtliche S t r u k t u r der Rundfunkveranstaltungsträger u n d die Grundrechte Die allgemeine Meinungsäußerungsfreiheit A r t. 5 Abs. 1 GG (1. Halbsatz) Die Informationsfreiheit A r t. 5 Abs. 1 Satz 1 GG (2. Halbsatz) Die individualrechtliche Komponente des A r t. 5 Abs. 1 Satz 2 GG Die öffentlich-rechtliche S t r u k t u r des Rundfunks als Hinderungsgrund für erwerbswirtschaftliche Betätigungsformen i m Rundfunkwesen 237 a) Die Problematik des Verhältnisses zwischen A r t. 5 Abs. 1 Satz 2 GG u n d A r t. 12 Abs. 1 GG b) Verfassungsrechtliche Zulässigkeit staatlicher Wirtschaftsbetätigung aa) Z u den Voraussetzungen u n d Grenzen verfassungsrechtlich legitimierter staatlicher Wirtschaftsbetätigung bb) Das Vorliegen einer öffentlichen Aufgabe" als Voraussetzung für eine staatliche Handlungs- und Gestaltungskompetenz cc) Z u m gesetzgeberischen Ermessen auf der Ebene der H a n d lungskompetenz u n d i m Rahmen der Gestaltungskompetenz c) Die der aa) bb) A n w e n d u n g der Grundsätze der sozialen Determination Grundrechte" auf das Rundfunkrecht Die staatliche Handlungskompetenz i m Rundfunkwesen Die öffentlich-rechtliche Ausformung der Rundfunkveranstaltungsträger als eine i m Gestaltungsermessen des Gesetzgebers liegende zulässige Maßnahme cc) Bestätigung durch das Fernseh-Urteil d) Z u r sachlichen Vertretbarkeit der Beibehaltung der öffentlichen Rechtsform f ü r die Rundfunkveranstaltungsträger.. 249
16 nsverzeichnis aa) Die historische Gewachsenheit u n d Erprobtheit der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bb) Keine Verdrängung eines bestehenden Berufsbildes cc) Die Verlagerung der Rundfunkorganisationen ins P r i v a t recht als gesetzgeberischer Umweg dd) Die Begrenzung der Kommerzialisierung und der daseinsvorsorgerische Aspekt des Rundfunks ee) Gleichmäßige Rundfunkversorgung ff) K e i n Verstoß gegen den Subsidiaritätsgedanken 5. K e i n Verstoß gegen A r t. 14 GG Rundfunkgesetze u n d allgemeine Handlungsfreiheit nach A r t. 2 Abs. 1 GG 257 I I I. Die Bindungswirkung des Fernseh-Urteils nach 31 Abs. 2 B V G G auch bei unterstellter Verfassungswidrigkeit der Rundfunkgesetze I V. Gesetzeserfordernis als Hinderungsgrund f ü r die Vollziehbarkeit der eventuell einschlägigen Individualgrundrechte 259 Literaturverzeichnis 262
17 Abkürzungsverzeichnis AfPF AfPT Amtsbl. = Amtsblatt AöR ArchPR = Archiv für Post- und Fernmeldewesen = Archiv für Post und Telegraphie = Archiv des öffentlichen Rechts = Archiv für Presserecht BAnz. = Bundesanzeiger Bayr. = Bayerisches BayVBl. BayVGH BB = Bayerisches Verwaltungsblatt = Bayerischer Verwaltungsgerichtshof = Der Betriebsberater BDZV = Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e. V. BGB = Bürgerliches Gesetzbuch BGBl. = Bundesgesetzblatt BGH = Bundesgerichtshof BGHSt. = Amtliche Sammlung der Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Strafsachen BGHZ = Amtliche Sammlung der Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Zivilsachen BK = Bonner Kommentar BR = Bayerischer Rundfunk BRD = Bundesrepublik Deutschland Brit. Mil.-Reg. = Brit. Militär-Regierung BT = Bundestag BT-Drucks. = Bundestagsdrucksache BVerfG = Bundesverfassungsgericht BVerfGE = Amtliche Sammlung der Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts BVerwGE = Amtliche Sammlung der Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts CATV = Closed Antenna Television CDU = Christlich-Demokratische Union CSU = Christlich-Soziale Union DB = Der Betrieb DÖV = Die Öffentliche Verwaltung Drcks. = Drucksache DVB1. epd = Deutsches Verwaltungsblatt = Evangelischer Pressedienst
18 FAG fff-archiv Abkürzungsverzeichnis 17 = Gesetz über Fernmeldeanlagen = Unabhängiger Pressedienst für Fernsehen, Hundfunk und Film fi = fernseh-informationen Fn. = Fußnote GBl. = Gesetzblatt GG = Grundgesetz GVB1. = Gesetz- und Verordnungsblatt hekt. = hektographiert HR = Hessischer Rundfunk Hrsg. = Herausgeber i. S. = im Sinne i. V. m. = in Verbindung mit JR JuS = Juristische Rundschau = Juristische Schulung JZ = Juristenzeitung KG = Kammergericht LPG = Landespressegesetz m. w. N. = mit weiteren Nachweisen NDR n. F. = neue Folge NJW = Norddeutscher Rundfunk = Neue Juristische Wochenschrift NRW = Nordrhein-Westfalen NW = Nordrhein-Westfalen OLG = Oberlandesgericht OVG = Oberverwaltungsgericht Pr. RB = Preußen = Radio Bremen RegBl. = Regierungsblatt RGBl. = Reichsgesetzblatt RGSt. = Reichsgericht in Strafsachen, amtliche Entscheidungssammlung RGZ = Reichsgericht in Zivilsachen, amtliche Entscheidungssammlung RuF = Rundfunk und Fernsehen RV = Reichsverfassung SDR SFB SPD Sten. Ber. = Süddeutscher Rundfunk = Sender Freies Berlin = Sozialdemokratische Partei Deutschlands = Stenographischer Bericht SWF = Südwestfunk StaatsV = Staatsvertrag StGB = Strafgesetzbuch 2 Lieb
19 18 Abkürzungsverzeichnis TE-KA-DE = Süddeutsche Telefon-Apparate, Kabel- und Drahtwerke Mitteilungen A.G. TE-KA-DE Nürnberg tvc-archiv = Unabhängiger Pressedienst für Fernsehen und Hörfunk UFITA = Archiv für Urheber-, Film- und Theaterrecht u. U. = unter Umständen VerwArch = Verwaltungsarchiv Vfg. = Verfügung VG = Verwaltungsgericht VO = Verordnung VVDStRL = Veröffentlichungen der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer WDR = Westdeutscher Rundfunk Westf. = Westfalen WiR = Wirtschaftsrecht W.P. = Wahlperiode WRV = Weimarer Reichsverfassung Württ.-B. = Württemberg-Baden Württ.-H. = Württemberg-Hohenzollern ZDF = Zweites Deutsches Fernsehen ZfPF = Zeitschrift für das Post- und Fernmeldewesen ZRP = Zeitschrift für Rechtspolitik ZV + ZV = Zeitungs-Verlag und Zeitschriften-Verlag
20 Einleitung I. Gegenstandsfmdung: Kabelfernsehen und Rundfunk Die Rechtsunsicherheit, die durch die jetzt schon praktizierten und theoretisch durchführbaren Formen des Kabelfernsehens ausgelöst wurde, hat ihre Ursache in einer technischen Weiterentwicklung der gleichzeitigen elektronischen Fernübermittlung von Informationen an eine Vielzahl von Personen. Das Kabelfernsehen basiert im Vergleich zum herkömmlichen Rundfunk auf einem grundsätzlich unterschiedlichen Verfahren der Nachrichtenverbreitung, das damit gleichzeitig neue Kommunikationsformen eröffnet. Wie bei jeder Wandlung eines rechtlich erfaßten Sachverhalts entzündet sich auch hier die juristische Diskussion an der Frage, wie sich diese neue technische Entwicklung in die vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen einfügen läßt, ob sich das positive Recht entsprechend anpassen oder auch erweitern läßt oder ob gar ein so grundlegender Wandel der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten ist, daß bisheriges Recht verfassungswidrig geworden ist. Antworten auf diese Fragen lassen sich nicht abstrakt geben, eine Klärung muß die konkreten Veränderungen zum Ausgangspunkt nehmen. Um Ansätze für eine juristische Untersuchung zu finden, gilt es daher zunächst, die wichtigsten Unterschiede des Kabelfernsehens zu den herkömmlichen Methoden der Rundfunkkommunikation herauszuarbeiten. II. Merkmale zur Unterscheidung zwischen Kabelfernsehen und herkömmlichem Rundfunk Während beim heute in der Bundesrepublik Deutschland veranstalteten Rundfunk die Versorgung der einzelnen Teilnehmer drahtlos mittels Ätherwellen geschieht, erfolgt die Übertragung der Informationsinhalte an die Abnehmer beim Kabelfernsehen, wie schon das Wort ausdrückt, über Kabel- bzw. Drahtleitungen. Der herkömmliche drahtlose Rundfunk macht sich zur Programmverbreitung die physikalische Eigenschaft hochfrequenter elektrischer Wellen zunutze, sich im freien Raum radial fortzupflanzen, während beim Kabelfernsehen die elektrischen Signale längs verlegter Leitungen übermittelt werden 1. Daraus 1 Zur Technik vgl. Rindfleisch, fff-archiv vom , S. 443; Schneider, Reinhard, Fernsehen und Bildung, 3/4-V-1971, S. 205 ff.; Kösters, Fernsehen und Bildung, 1/2-V-1971, S. 24 ff. 2*
21 20 Einleitung resultieren Unterschiede in den Empfangsmöglichkeiten: Der drahtlose Rundfunkempfang ist, sofern nicht topographische Verhältnisse, atmosphärische Störungen oder sonstige Hindernisse die Ausbreitung der Wellen beeinträchtigen, an jedem beliebigen Ort mit einer ausreichenden Feldstärke möglich. Das Kabelfernsehen hingegen kann nur jene Empfänger versorgen, zu denen eine direkte Leitungsverbindung besteht. Während somit beim Raumfunk die Informationsabgabe notwendig ungezielt an jedermann, der ein Empfangsgerät bereithält, erfolgen muß, ermöglicht das Erfordernis einer festen Verbindung zwischen Absender und Empfänger einer Sendung beim Kabelfernsehen eine gezielte, örtlich und damit auch personell und zahlenmäßig beschränkte bzw. beschränkbare Informationsversorgung 2. Auf bestimmten Frequenzbereichen ist die Ausbreitungseigenschaft der Ätherwellen grenzenlos" 3, d. h. die Empfänger können Sendungen aus aller Welt aufnehmen. Bei der Informationsverbreitung über Kabel wird dagegen immer nur ein begrenztes Gebiet und eine endliche Zahl von Teilnehmer erreicht werden können. Zwar ist die Reichweite der zur Übertragung von beweglichen Bildern erforderlichen hohen Trägerfrequenzen ebenfalls begrenzt, doch dürfte schon aus wirtschaftlichen Gründen 4 das Haupteinsatzgebiet des Kabelfernsehens in der regional oder örtlich beschränkten Informationsversorgung liegen 5. Ein wesentlicher Vorteil der drahtgebundenen Programmübermittlung gegenüber dem Raumfunk ist jedoch, daß sie keine Rücksicht auf die naturgegebene Begrenztheit der zur Verfügung stehenden Zahl von Frequenzbereichen zu nehmen hat. Zumindest theoretisch ermöglicht das Kabelfernsehen, sei es durch die Verlegung mehrerer Kabel, sei es durch die Mehrfachbenutzung eines Kabels, eine nahezu beliebige Vielzahl paralleler Informationsangebote. Mit der Zahl der Verbreitungsmöglichkeiten erhöht sich auch die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten. Damit werden neue, vom bisherigen Erscheinungsbild des Rundfunks erheblich abweichende Kommunikationsformen denkbar. Die Vorschläge der Medienfachleute rei- 2 Vgl. dazu schon Huth, Radio Heute und Morgen, S. 45 f., 264 f.; Rindfleisch, fff-archiv vom , S Eckert, Der Rundfunk als Führungsmittel, S Zu den Investitionskosten vgl. Business Week, November 22, 1969, S. 100 f.; Fette, Film und Recht, Nr. 11/1969, S. 286; Schneider, Reinhard, Fernsehen und Bildung, 3/4-V-1971, S. 207 f.; Rindfleisch, Fernsehen und Bildung, 1/2-V-1971, S. 26 f.; Engelkamp, Elektronik für Millionen, S Vgl. Fette, Film und Recht, Nr. 11/1969, S. 283; Schneider, R., Fernsehen und Bildung, 3/4-V-1971, S. 205 ff.; vgl. auch schon Rechtsanwalt Deringer und den Sachverständigen Rindfleisch im Fernsehstreit vor dem Bundesverfassungsgericht, in: Zehner, Fernsehstreit, Bd. 2, S. 119 ff., 127; siehe auch Film und Recht 4/1970, S. 99; Media Perspektiven, 120/1971, S. 295; 136/1970, S. 19 f.; 146/1970, S. 1 ff.
22 III. Kabelfernsehen heute 21 chen dabei von der einfachen Weiterleitung ätherausgestrahlter Programme über den Import" von Sendungen aus nicht mehr empfangbaren Sendegebieten bis zur Verbreitung zusätzlicher Programmdarbietungen, die einen stärkeren lokalen Bezug haben oder auf Einzelinteressen abgestellt sind, und schließlich bis zum Pay Cable", wo auf der ungenutzten Kanalkapazität gegen Bezahlung Spielfilme, Sportprogramme, aber auch Informationen aus Datenbanken oder sonstige Hilfsdienste abgerufen werden können 6. Durch nahezu unbegrenzte Kanalkapazitäten eröffnen sich der elektronischen Nachrichtenübermittlung auch völlig neue Funktionsbereiche. So wird die Fernüberwachung von Häusern durch Polizei und Feuerwehr diskutiert; in Frankfurt am Main wird ein stadtinternes Kabel-Schulfernsehen in Angriff genommen 7, und in England bestehen an verschiedenen Hochschulen sog. closedcircuit television systems 8. In absehbarer Zeit wird sogar das Ausdrucken von Zeitungen über den Heimempfänger für möglich gehalten. Über sog. Dialogsysteme könnten Hausfrauen Einkaufsbestellungen aufgeben, es könnten Bankbuchungen vorgenommen werden, und der Wechselsprech- und -sehverkehr könnte verwirklicht werden. Die Denkmöglichkeiten erstrecken sich von der Utopie der wired nation" im Zeitalter der totalen Kommunikation bis zum Orwellschen Horrorbild der totalen elektronischen Kontrolle. Der Phanstasie sind nur noch wirtschaftliche Grenzen gesetzt. Die unabsehbare Vielfalt der künftigen Funktionsbereiche läßt eine allgemeinverbindliche rechtliche Kategorienbildung noch nicht zu. Ausgangspunkt der juristischen Abgrenzung des Kabelfernsehens vom Rundfunk können daher nur die jetzt schon durchgeführten und für die nahe Zukunft geplanten Einsatzformen der kabelgebundenen Informationsverbreitung sein. Dazu noch ein kurzer Uberblick. III. Kabelfernsehen heute "Cable television is coming down from the mountains and into big cities." So leitet Business Week seine umfassende Bestandsaufnahme über das amerikanische Kabelfernsehen ein 9, und in der Tat entstanden die ersten Programmverbreitungsnetze in solchen Gebieten, die durch Berge von den zuständigen ätherausgestrahlten Versorgungssendern abgeschattet wurden Vgl. etwa Neue Züricher Zeitung, Fernausgabe, Nr. 18 vom 20. Januar 1973, S. 51 ; Frankfurter Rundschau, Nr. 49 vom , S epd/kirche und Rundfunk, Nr. 29 vom 29. Juli 1972, S. 6 f.; vgl. zu den Einsatzmöglichkeiten auch ZV + ZV, 14-15/1971, S Vgl. epd/kirche und Rundfunk, Nr. 23 vom 17. Juni 1972, S Vgl. Business Week, November 22,1969, Special report, S. 100 ff. 10 Vgl. Tetzner, in: Hufen, Politik und Massenmedien, S. 231; Berg, in: Hufen, Politik und Massenmedien, S. 82 f.; Film- und Recht, Nr. 5/1972, S. 154 ff.
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