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Timestamp: 2019-01-24 10:41:57
Document Index: 74539944

Matched Legal Cases: ['Art. 727', 'Art. 727', 'Art. 727', 'Art. 727', 'Art. 72', 'Art. 727', 'Art. 663', 'Art. 732', 'Art. 745']

Revision des Aktienrechts und neue Ordnung der Revsionstätigkeit - PDF
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1 Revision des Aktienrechts und neue Ordnung der Revsionstätigkeit Autor: Michael Annen, geschäftsführender Partner, Buchhaltungs- und Revisions-AG, Zug, Partner SRG Schweizerische Revisionsgesellschaft AG, Aarau, Mitglied Fachkommission STV sowie Swiss Gaap FER Am 1. Januar 2008 ist die Neuordnung des Revisionsrechtes in Kraft getreten. Die Gesetzesänderungen hat auch für KMUs weitreichende Auswirkungen. Neben der Aktiengesellschaft wird auch die GmbH und andere Gesellschaftsformen wie Genossenschaften, Stiftung und allenfalls grosse Vereine revsionsstellenpflichtig. Die neue Gesetzgebung betrifft nicht mehr nur die Aktiengesellschaften sondern auch alle anderen revisionspflichtigen Unternehmen. Die wirtschaftlich bedeutenden Unternehmen sind auch KMU s Die Selbstregulierung weicht einer umfassenden Gesetzesregelung und ab 2008 werden Kapitalgesellschaften unabhängig ihrer Rechtsform 1 prüfungspflichtig. Prüfungsumfang und intensität hängen von Grössenkriterien der Gesellschaft ab. Kapitalgesellschaften, welche zwei der folgenden Kriterien in zwei aufeinanderfolgenden Jahren überschreiten (Art. 727 Abs. 2 OR) oder als Publikumsgesellschaften qualifizieren (Art. 727 Abs. 1 OR), unterliegen der ordentlichen Revision: - Bilanzsumme 10 Mio. - Umsatz 20 Mio. - Arbeitnehmer 50 Gesellschaften welche einer ordentlichen Revision Unterliegen werden als wirtschaftliche bedeutende Unternehmen eingestuft. Alle übrigen Gesellschaften, die kleinen Unternehmen, welche diese Kriterien nicht erfüllen, sind neu eingeschränkt prüfungspflichtig und unterliegen der eingeschränkten Revision (Art. 727a Abs. 1 OR). Die ordentliche Revision bedeutet nicht nur Mehraufwand für die Revisionsstelle, sondern auch zusätzliche Anforderungen an das zu prüfende Unternehmen. Das ordentlich geprüfte Unternehmen muss neu das interne Kontrollsystem (IKS) dokumentieren und eine Risikobeurteilung vornehmen, welche im Anhang der Jahresrechnung unter dem Punkt Durchführung einer Risikobeurteilung (Art. Xxx Ziff. Xx OR) offengelegt werden muss. Die Dokumentation des internen Kontrollsystems ist an die Grösse und Komplexität der Unternehmung anzupassen und es soll primär auf die wesentlichen Prozesse und Schlüsselkontrollen der Fokus gelegt werden, welche für die Jahresrechnungserstellung von Bedeutung sind. Die Offenlegungen im Anhang zur Risikobeurteilung setzt grundsätzlich im Ansatz ein Risikomanagement, oder zumindest eine jährliche Risikobeurteilung voraus. In der Praxis machen die Mehrheit der Gewerbler und KMUler wie die Grossunternehmer Ihre Risikoüberlegungen bereits heute Neu ist, dass diese jetzt auch auf Papier gebracht werden müssen. Denn im Rahmen der ordentlichen Revision hat der Revisor von Gesetzes 1 Vom neuen Revisionsrecht sind auch Genossenschaften, Vereine und Stiftungen erfasst. Personengesellschaften sind nach wie vor von der Revision befreit.
2 wegen zu prüfen, ob eine Risikobeurteilung durchgeführt wurde und ob ein internes Kontrollsystem existiert. Logischerweise kann der Prüfer nur prüfen, was auch vorhanden ist, sprich dokumentiert ist. So schreiben es die Prüfungsstandards vor. Dabei hat sich der Prüfer nicht auf die inhaltlichen Aspekte der Risikobeurteilung ein Urteil zu bilden; er beschränkt sich bei der Risikobeurteilung auf eine formelle Prüfung. Bei der Prüfung des internen Kontrollsystems ist neben der Formalisierung (sprich: Dokumentation) der wesentlichen Prozesse mit Ihren Schlüsselkontrollen auch die Umsetzung im Rahmen der Revision zu prüfen. Diese beiden Prüfungsgegenstände bedeuten erheblichen Mehraufwand für den Revisor aber auch für das zu prüfende Unternehmen. Dabei ist zu beachten, dass die Umsetzung resp. die Dokumentation des internen Kontrollsystems resp. der Risikobeurteilung bereits heute, d.h. im Geschäftsjahr 2008 vorhanden sein muss, damit der Revisor am Jahresende dies bestätigen kann. Bei einer ordentlichen Prüfung kann sich der Revisor nicht nur auf den bisherigen Standard Revisionsbericht beschränken, sondern muss einen zusätzlichen Erläuternden Bericht z.h. des Verwaltungsrates erstellen, welcher über die Revision detaillierter Auskunft gibt, insbes. auch über die Feststellungen des interne Kontrollsystem, über Rechnungslegung und anderen Schwachstellen. Fazit: Bei der ordentlichen Revision ändert sich doch einiges im Vergleich zur heutigen Revision: Neben der Jahresrechnung und dem Gewinnverwendungsvorschlag ist neu auch die Existenz eines internen Kontrollsystems (IKS) zu bestätigen. Dieser zusätzliche Prüfungsgegenstand bedeutet Mehrarbeit für Prüfer und Kunde. Das betroffene Unternehmen wird um eine angemessene Dokumentierung und Formalisierung des IKS nicht herumkommen, damit eine Bestätigung betreffend Existenz des IKS durch die Revisionsstelle erfolgen kann. Gerade KMUs, welche die Kriterien zur ordentlichen Revision (knapp) überschreiten oder konzernrechnungspflichtig sind 2 und diese Umsetzungen im Bereich IKS vornehmen müssen, ohne dafür die Ressourcen zu haben, werden vor einer grossen (administrativen) Zusatzlast und Herausforderung stehen. Die Revisionsexperten sind in jedem Fall auch gefordert! Die umfassende Prüfung, welche die ordentliche Revision darstellt, soll eine höhere Verlässlichkeit des Prüfungsergebnisses bringen Die Vereinfachungen für kleine KMU s Gesellschaften und Stiftungen, welche die Grössenkriterien von Bilanzsumme 10 Mio., Umsatz 20 Mio. und Arbeitnehmer 50 nicht erfüllen, müssen von Gesetzes wegen nur eine eingeschränkte Revision 3 durchführen. Die eingeschränkte Revision wird in der Praxis der heutigen KMU Revision gleichgestellt. Dies bedeutet, dass die Revisionssstelle in etwa den gleichen Aufwand betreiben muss wie heute. Den eingeschränkt heisst nicht weniger als heute, sondern ein reduzierter Prüfungsumfang gegenüber der neuen ordentlichen Reivison; so kann auf die Prüfung des internen Kontrollsystems verzichtet werden. Das zu prüfende Unternehmen kann demnach auf eine Formalisierung des internen Kontrollsystems 2 Art. 727 Abs. 1 Ziff. 3: Gesellschaften, welche eine Konzernrechnung erstellen müssen, sind ordentlich zu prüfen. 3 Vereine sind nur revisionspflichtig wenn diese einer ordentlichen Revision unterliegen. Unterhalb dieser Grössenkriterien gibt es keine gesetzliche Revision. D.h. in der Praxis werden die meisten kleinen Vereine weiterhin ihre Laienrevisoren für die Revision der Vereinsrechnung beauftragen können.
3 verzichten. Im weiteren muss die Revisionsstelle keinen erläuternden Bericht zu Handen des Verwaltungsates erstellen; die Berichterstattung beschränkt sich auf einen Standardrevisionsbericht mit Negativbestätigung. D.h. es wird nur bestätigt, dass keine Verstösse oder Abweichungen zum Gesetz oder Statuten gefunden wurden, welche nicht dem Gesetz oder Statuten entsprechen. Gesetzesverstösse (insbes. Entdeckung gegen deliktische Handlungen) sind nicht Bestandteil der Prüfung der eingeschränkten Revision. Eine Offenlegung an die Generalsversammlung entfällt; einzig die Anzeigepflicht bei Überschuldung bleibt analog zur ordentlichen Prüfung bestehen. Diese neue Form von Revisionsbericht wird für die Schweizer Wirtschaft gewöhnungsbedürftig sein. Mit der eingeschränkten Revision wird teilweise Neuland beschritten. Die Konzeption basiert auf dem im angelsächsischen Recht bekannte Review 4. Allerdings wurde im Gesetz festgeschrieben (Art. 72 a OR), dass die eingeschränkte Revision nicht nur ein Review sein soll, sondern umfassender ist: Neben analytischen Prüfungshandlungen und Befragungen sind angemessene Detailprüfungen (Bestandes- und Bewertungsprüfungen) durchzuführen. Der Prüfer hat sich auf Unterlagen, welche beim Kunden vorhanden sind, abzustützen. Was unterscheidet eine eingeschränkte Revision noch weiter von der ordentlichen Revision? Der Revisor kann auf Drittbestätigungen (z.b. Bankbestätigung, Debitoren oder Kreditorenbestätigung) verzichten und seine Prüfungshandlungen im wesentlichen auf die vorliegenden Unterlagen beim Unternehmen beschränken. Im Gegensatz zur ordentlichen Revision muss der Revisor bei der physischen Lagerinventur nicht anwesend sein. All diese Vereinfachungen sind schlussendlich für ein KMU kostensparend gegenüber der umfangreicheren ordentlichen Revision. Diese Vereinfachungen sind zu begrüssen und sinnvoll und berücksichtigen die KMU Landschaft Schweiz weitgehend. Es gibt aber auch bei der eingeschränkten Revision einen zusätzlichen Prüfungstatbestand. Die Offenlegung im Anhang betr. Durchführung einer Risikobeurteilung ist Bestandteil des Anhangs der Jahresrechnung und dieser ist sowohl für die ordentliche wie auch die eingeschränkte Revision Prüfungsgegenstand. Eingeschränkt geprüfte Kleinunternehmen sind gefordert wie auch Gesellschaften, die überhaupt nicht mehr geprüft werden. Denn: Eine Jahresrechnung mit Anhang muss jede Gesellschaft erstellen, egal ob geprüft wird oder nicht. Verzicht auf die Revision für Kleinstgesellschaften (Opting out) Ein Unternehmen, welches die Kriterien der ordentlichen Prüfung nicht erfüllt und eingeschränkt geprüft wird, kann vollständig auf eine Revisionsstelle verzichten (Opting out), sofern folgende Voraussetzungen erfüllt werden: Das Opting out ist nur möglich, falls die Gesellschaft nicht mehr als 10 Vollzeitstellen hat und alle Gesellschaftseigentümer (Aktionäre, Stammanteilsinhaber etc.) mit dem Verzicht einverstanden sind 5 : Einstimmigkeit ist absolut zwingend! Bestehende Gesellschaften mit Revisionsstelle müssen das Geschäftsjahr 2007 prüfen lassen und den Revisionsbericht an das Handelsregisteramt einreichen. Damit das Handelsregister den Verzicht resp. die Löschung der Revisionsstelle vornimmt, braucht es eine Statutenänderung, sofern eine Revisionsstelle bisher in den Statuten vorgesehen war. Im weiteren sind Bilanz und Erfolgsrechnung (2007) sowie eine Erklärung des Verwaltungsrates einzureichen, welche bestätigt, dass die Voraussetzungen eines Verzichtes ( Opting out ) erfüllt sind. 4 Als eigenständiger PS (PS 10) in den Schweizer Prüfungsstandards geregelt 5 Art. 727a Abs. 2 OR
4 Das Opting System ist ein Novum schlechthin und macht das Prüfen nach zwei Kategorien (ordentliche und eingeschränkte Prüfung) durchlässig. Das Gesetz gibt die minimalen Bedingungen vor, wann eine ordentliche Prüfung durchzuführen ist bzw. wann eine eingeschränkte Revision ausreicht. Neben dem Opting out besteht für das prüfende Unternehmen die Möglichkeit von der eingeschränkten Revision in die ordentliche Revision zu wechseln ( opting up wenn Aktionäre, welche 10 % des Aktienkapital vertreten, dies verlangen oder mittels Beschluss durch Generalversammlung oder Statutenbestimmung), d.h. eine umfassendere Prüfung bzw. ein Testat mit höherer Prüfungssicherheit zu erlangen als bei der eingeschränkten Revision. Ein Unternehmen, welches sich freiwillig der ordentlichen Revision unterstellt, kann auch ein sog. Opting down vollziehen; d.h. von der ordentlichen Revision in die eingeschränkte Revision wechseln oder von der eingeschränkten Revision auf die gesetzliche Revisionsstelle verzichten und eine freiwillige 6 Revision durchführen. Damit besteht für die KMUs eine interessante Möglichkeit auf die gesetzliche Revisionsstelle zu verzichten und durch einen professionellen Revisor eine Revision im Auftragsverhältnis nach Kundenwunsch durchführen zu lassen. Eine Revision im Auftragsverhältnis ist sowohl hinsichtlich der zu prüfenden Bereiche (Prüfungsumfang) als auch der Berichterstattung flexibel und kann auf die Bedürfnisse der Berichtsadressaten gerechter eingehen als eine eingeschränkte Revision dies kann. Diese Revisionsstelle ist nicht im Handelsregister eingetragen und damit auch nicht Organ.. Mit einer auftragsbasierten Revision kann für den Kunden Mehrwert geschaffen werden. Das Opting System greift nicht bei Stiftungen und Vereinen: Stiftungen können grundsätzlich kein Opting out machen; die Befreiung einer Stiftung von der Revision ist durch die Stiftungsaufsichtsbehörde bewilligungspflichtig und erfolgt nach der einschlägigen Gesetzgebung. Die Praxis hat nun gezeigt, dass eine Vielzahl von Klein- und Kleinststiftungen eine professionelle Revisionsstelle wählen müssen. Die Zeiten der Gefälligkeitsrevision oder die Ehrenamtliche Revision im Bereich der Stiftungen ist endgültig vorbei. Dabei ist zu beachten, dass viele Revisoren von Kleinsstiftungen von natürlichen Personen geprüft wurden. Natürliche Personen werden aber nur als Revisionsstellen zugelassen, wenn diese als Einzelfirma im Handelsregister eingetragen sind und die Zulassung bei der Revisionsaufsichtsbehörde erhalten haben. Es kann also sein, dass eine natürliche Person mit Zulassung als Revisor oder Revisionsexperte nicht mehr als Revisionsstelle amten kann, weil er keine Einzelfirma im Handelsregister eingetragen hat und sich nicht bei der Revisionsaufsichtsbehörde hat registrieren lassen. Wie bereits erwähnt sind Vereine gesetzlich nur der ordentlichen Prüfung verpflichtet, sofern diese die Kriterien erfüllen. Alle übrigen Vereine unterliegen keiner gesetzlichen Revisionspflicht. Eine Risikobeurteilung für jedes Unternehmen Mit Einführung des neuen Revisionsrechtes sind auch weitere Bestimmungen des Obligationenrechts überarbeitet worden. Eine bedeutende Bestimmung ist in Art. 663b Ziffer 12 OR 7 enthalten. Danach hat der Verwaltungsrat eine Risikobeurteilung vorzunehmen und Angaben darüber im Anhang der Jahresrechnung zu machen. Die Idee ist, dass der 6 Die freiwillige Revision ist nur möglich, wenn die Voraussetzungen des Opting out (10 Vollzeiststellen Im Jahresdurchschnitt) erfüllt sind. Die freiwillige Revision unterliegt nicht dem Gesetz und sog. Laienrevisoren können die Revision durchführen. 7 Der Anhang enthält:.12. Angaben über die Durchführung einer Risikobeurteilung
5 Verwaltungsrat regelmässig Rechenschaft über die Risiken in der Unternehmung ablegt und dabei ein systematisches Vorgehen wählt, um Risiken zu erkennen und zu messen sowie einen daraus notwendigen Handlungsbedarf abzuleiten. Die Offenlegung im Anhang zielt auf das Vorgehen der Risikoerfassung, - messung und beurteilung ab und weniger auf die Offenlegung von spezifischen Risiken. Der Verwaltungsrat steht in der Pflicht und hat die Risikobeurteilung für jede Gesellschaft vorzunehmen, welche einen Anhang nach Gesetz erstellen muss. Da der Anhang Bestandteil der Jahresrechnung ist, wird die Bestimmung über die Risikobeurteilung auch Prüfungsgegenstand sowohl für die ordentliche und wie auch eingeschränkte Revision. Mit der Erweiterung des Anhangs wird auch der Prüfungsumfang erweitert. Die Revisionsstelle hat allerdings keine Prüfung des Risikomanagements oder der richtigen Identifizierung und Bemessung der Risiken vorzunehmen; vielmehr beschränkt sich die Revisionsstelle auf die rein formale Überprüfung der Angaben über die Durchführung einer Risikobeurteilung im Anhang der Jahresrechnung, welche durch den Verwaltungsrat erstellt wird. In der nächsten Aktienrechtsreform, welche voraussichtlich in diesem Sommer im Parlament beraten wird, erfährt der Punkt der Offenlegung bzgl. Durchführung einer Risikobeurteilung schon wieder eine Aenderung. Die Offenlegung soll im neu geschaffenen Lagebericht abgehandelt werden und nicht mehr im Anhang. Dies hat den Vorteil, dass die eingeschränkt zu prüfenden Unternehmen ab Inkrafttreten der nächsten Aktienrechtsreform (kaum vor 2011) keine Risikobeurteilung mehr offen legen müssen, da der Lagebericht nur für ordentlich zu prüfende Unternehmen Pflicht sein wird. Vor- und Nachteile der neuen Gesetzgebung Jedes neue Gesetz bringt schlussendlich mehr Regulierung diesmal nicht für den Berufsstand der Revisoren sondern auch für deren Kundschaft, d.h. die Unternehmen. Durch die Beaufsichtigung der Revisorentätigkeit und die Schaffung der Revisionsaufsichtsbehörde wird die Selbstregulierung dieser Branche durch eine staatliche Aufsicht ersetzt. Damit nimmt die staatliche Tätigkeit und Einfluss weiter zu und die Kosten der Beaufsichtigung werden auf die Revisionsunternehmen überwälzt. Schlussendlich ist es die Wirtschaft, welche diese zusätzlichen Kosten zu berappen hat. Als Wirtschaftsliberaler ist diese Entwicklung äusserst bedauerlich. Der internationale Druck und Entwicklung hat dazu geführt, dass auch in der Schweiz der Berufsstand der Revisoren reguliert wurde. Andererseits ist es verständlich, dass eine gewisse Bereinigung erfolgt und nicht mehr Laienrevisoren eine gesetzliche Revision durchführen können, bzw. für wirtschaftliche bedeutende Unternehmen oder auch Publikumsgesellschaften höhere Anforderungen gelten. Die Qualität der Revisorentätigkeit müsste sich massgeblich verbessern. Ein positiver Aspekt der neuen Gesetzgebung ist die Unterscheidung der Revisionsart nach Grösse und Bedeutung einer Unternehmung. So können die klassischen KMU s ihre Pflicht mit einer eingeschränkten Revision erfüllen. Dies entspricht vom Aufwand her der heutigen KMU Revision. Für den Revisor sind die formalen Anforderungen sowie Einhaltung eines Prüfungsvorgehens mittels eines verbindlichen Prüfungsstandards vorgeschrieben. Kleinstunternehmen haben gar die Möglichkeit auf die Revisionsstelle vollständig zu verzichten (Opting out); dieser Verzicht ist sicherlich im Sinne der KMUs zu begrüssen. Als weiteren Vorteil eröffnet das Opting out für Kleinstgesellschaften die Möglichkeit, eine auftragsbasierte Revision massgeschneidert nach Kundenbedürfnissen durchzuführen zu können.
6 Ein weiterer Vorteil für die KMU s: Die Mitwirkung bei der Buchführung im Bereich der eingeschränkten Revision ist gesetzlich erlaubt; der Wunsch nach Dienstleistungen aus einer Hand im KMU Bereich wird damit gesetzlich festgeschrieben. In der Praxis bedeutet dies, dass der Kleinunternehmer seine Buchhaltung und die Revision der Jahresrechnung vom gleichen Treuhandunternehmen machen lassen darf. Das Treuhandunternehmen muss dabei gewisse Unabhängigkeitsrichtlinien beachten, so bedarf es zumindest einer personellen Trennung zwischen dem Buchführer und Revisor (nicht dieselbe Person!). Das neue Revisionsrecht bedeutet eine weitere Formalisierung der Prüfertätigkeit; dazu sind neue Standards und Arbeitshilfen zu beachten und anzuwenden. Der Aufwand für die Revisoren wird generell grösser: Die weniger hohe Prüfungssicherheit bei der eingeschränkten Revision wird durch mehr Formalisierung und Standardisierung bezüglich Aufwand bei der Revision wettgemacht. Neue Prüfungstatbestände wie die Risikobeurteilung wurden eingeführt. Eine Reduktion der Prüferhonorare bei eingeschränkten Revisionen sind kaum realisierbar; eher bleiben diese etwa im heutigen Rahmen oder erhöhen sich leicht. Bei der ordentlichen Prüfung steigt der Prüfungsumfang markant und damit einhergehend steigen tendenziell auch die Prüfungshonorare. Der Mehraufwand ist aber nicht nur bei den Revisoren zu eruieren: Die zu prüfenden Unternehmen werden in Zukunft interne Mehraufwendungen in Kauf nehmen müssen, um ein dokumentiertes Internes Kontrollsystem zu haben (bei ordentlicher Revision) oder die Risikobeurteilung dokumentarisch festzuhalten (bei ordentlicher und eingeschränkter Revision). Fazit Die Regulierungswelle hat auch den Berufsstand der Revisoren erfasst, welche Auswirkungen auf die Wirtschaft hat. Die Schweiz hat eine vernünftige Umsetzung der internationalen Entwicklungen und Anforderungen gefunden. Es gilt jetzt, die bestehende Ordnung dem Praxistest zu unterwerfen und wenn nötig Korrekturen zu machen. In jedem Fall darf die Regulierung im Bereich der Revision und Rechnungslegung nicht in dieser Kadenz weiter zunehmen. Die Neuregelung zwingt die Revisionsbranche sich weiter zu professionalisieren. Kleinere Revisions- und Treuhandfirmen können die Anforderungen, welche es für die Revision bei grösseren KMUs braucht, nur noch mit Mühe erfüllen. Die anzuwendenden Prüfungsstandards werden laufend ausgebaut, die Komplexität für die Prüfer steigt kontinuierlich. Eine Antwort der Revisionsbranche im KMU Segment ist die verstärkte Zusammenarbeit: die SRG Schweizerische Revisionsgesellschaft AG ( ist eine mögliche Antwort. Professionelle Revisoren und Treuhänder versuchen im Rahmen eines gemeinsamen Auftrittes und Netzwerkes professionelle Revisionsdienstleistungen am KMU Markt anzubieten. Das neue Revisionsrecht bedeutet mehr Struktur, mehr Standardisierung, mehr Prüfungsarbeit, aber letztlich auch mehr Administration oder weniger produktive Stunden für die Revisoren. Das neue Revisionsrecht stellt nicht nur die Revisoren und ihre Branche vor neue Herausforderungen, sondern auch die Unternehmen, welche einer ordentlichen oder eingeschränkten Revision unterliegen.
8 Kasten 10 Fragen 10 Antworten 1. Meine Revisionsstelle hat keine Zulassung was ist zu tun? Sie müssen eine neue Revisionsstelle wählen, welche eine Zulassung hat. Falls ihr Unternehmen eingeschränkt geprüft wird, reicht die Zulassung als zugelassener Revisor, ansonsten müssen Sie einen zugelassenen Revisionsexperten als Revisionsstelle wählen. 2. Ich bin ein klassisches KMU, unterliege aber aufgrund der Grössenkriterien der ordentlichen Revision. Was ist zu tun? Sie müssen im Geschäftsjahr 2008 ein dokumentiertes internes Kontrollsystem haben, deren Existenz durch die Revisionsstelle im Rahmen der Revision der Jahresrechnung zu bestätigen ist. Im weiteren haben Sie eine Risikobeurteilung durchzuführen, welche durch den Verwaltungsrat zu traktandieren und zu dokumentieren ist. Sprechen sie mit ihrer Revisionsstelle über den Umfang der Revision und die Honorare, da diese von den Vorjahren abweichen können. 3. Mein Unternehmen erreicht die Grössenkritieren (Bilanzsumme 10 Mio., Umsatz 20 Mio. und Vollzeitangestellte 50) nicht? Ergibt sich ein Handlungsbedarf? Nein, sofern sie eine Aktiengesellschaft sind, wird in Zukunft eine eingeschränkte Revision durchgeführt. Andere Kapitalgesellschaften können auch eine Revisionsstelle wählen und eine eingeschränkte Revision durchführen. Falls Sie weniger als 10 Vollzeitstellen beschäftigen, gibt es die Möglichkeit auf die Revisionsstelle ganz zu verzichten. Einstimmigkeit bei den Aktionäre/Gesellschafter ist erforderlich. 4. Wieweit unterscheidet sich die eingeschränkte Revision von der heutigen Revision? Zusätzlich müssen Sie im Anhang über die die Durchführung einer Risikobeurteilung Auskunft geben, welche durch den Revisor zu prüfen ist. Der Revisor gibt neu nur noch ein eingeschränktes Prüfungstestat ab. Eine Empfehlung an die Generalversammlung entfällt. Der Revisionsbericht wird anders lauten als früher. 5. Was ist zu tun, wenn ich auf die Revisionsstelle verzichten will (Opting out)? Ein Verzicht erfordert Einstimmigkeit der Aktionäre/Gesellschafter. Falls bisher in den Statuten eine Revisionsstelle vorgesehen war, müssen die Statuten angepasst werden. Für den Verzicht hat der Verwaltungsrat/Geschäftsführung eine Erklärung dem Handelsregister abzugeben, wonach bestätigt wird, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Verzicht erfüllt sind. Zusätzlich ist Bilanz und Erfolgsrechnung beim Handelsregister einzureichen. 6. Kann meine Revisionsstelle auch die Buchführung meiner Gesellschaft machen? Grundsätzlich ja, sofern die Revisionsstelle sicherstellt, dass nicht die selben Personen an der Buchführung und Revision mitwirken. Die Verantwortung der Jahresrechnung muss beim Unternehmer bleiben; die Revisionsstelle darf keine Bewertungsentscheide vornehmen. Die Revisionsstelle muss die Unabhängigkeitsanforderungen gemäss Standard zur eingeschränkten Revision erfüllen. 7. Wie finde ich heraus, ob meine Revisionsstelle auch eine Zulassung für die Revisorentätigkeit hat? Die Revisionsaufsichtsbehörde führt ein öffentliches Register, welches über Internet zugänglich ist ( Auf diese Weise finden sie einfach heraus, ob ihre Revisionsstelle eine enstsprechende Zulassung hat. 8. Was ist der Unterschied zwischen zugelassener Revisor und zugelassener Revisionsexperte? Der zugelassene Revisor darf Unernehmen prüfen, welche eingeschränkt prüfungspflichtig sind. Der zugelassene Revisionsexperten darf auch ordentlich zu prüfende Unternehmen prüfen. Gewisse Spezialprüfungen wie z.b. eine Kapitalherabsetzungsprüfung darf nur von einem Revisionsexperten vorgenommen werden. Eine Publikumsgesellschaft darf nur von einer staatliche beaufsichtigten Revisionsstelle geprüft werden.. Ab wann ist das neue Gesetz anwendbar? Das Gesetz ist am in Kraft getreten und ist für die Revision der Jahresrechnung Geschäftsjahr 2008 anwendbar. Spezialprüfungen (Kapitalerhöhung- oder herabsetzungsprüfung etc.) dürfen ab 1. Januar 2008 nur noch durch zugelassene Revisoren oder Revisionsexperten durchgeführt werden. 10. Wer dar Pensionskassen/Personalvorsorgestiftungen prüfen? Für die Prüfung Pensionskassen/Personalvorsorgestiftungen sind ausschliesslich Revisionsexperten zu gelassen. Die kantonale Stiftungsaufsicht verlangt bereits für das Geschäftsjahr 2007, dass ein zugelassener Revisionsexperte die Jahresrechnung prüft. Kasten 2: Das System der Revisionsaufsicht Das Revisionsaufsichtsgesetz (RAG) und die dazugehörige Verordnung (Revisionsaufsichts-verordnung, RAV) sind der zweite Pfeiler des neuen Revisionsrechts und bilden die Grundlage für die Zulassung von Revisoren resp. Revisionsexperten sowie das Funktionieren der Aufsichtsbehörde. Die Revisionsaufsichtsbehörde (RAB)
9 wird ab über die Revisorentätigkeit wachen; womit das Zeitalter der Selbstregulierung endgültig der Vergangenheit angehört. Ab 1. Januar 2008 ist eine Revisionstätigkeit nach neuer Gesetzgebung ohne Zulassung der Revisionsaufsichtsbehörde gesetzeswidrig und ein strafrelevanter Tatbestand 8. Analog zur Zweiteilung der Revision erfolgt auch die Zulassung nach zwei Kategorien: - der zugelassene Revisor ist für die eingeschränkte Revision ausreichend - der zugelassene Revisionsexperte ist für die ordentliche Revision notwendig sowie für Revisionen wo bisher der besonders befähigte Revisor zuständig war (wie z.b. Kapitalherabsetzungsprüfung gemäss Art. 732 OR, vorzeitige Löschung der Gesellschaft gemäss Art. 745 Abs. 1 OR oder Fusionsprüfung gemäss FusG). Für Publikumsgesellschaften wurde eine dritte Kategorie geschaffen: Neu muss jede Revisionsstelle, welche Publikumsgesellschaften prüft, als staatlich beaufsichtigte Revisionsstelle registriert sein. Die Unabhängigkeitsvoraussetzungen sowie die Aufsicht und Kontrolle sind schärfer und weitergehend als für die übrigen Revisionsstellen. Die Revisionsstelle führt Ihre Revisionen nach Vorgaben des Obligationenrechts durch, muss aber die zusätzlichen Prüfungsstandards welche von den Berufsverbänden herausgegeben wurden zwingend anwenden. Bei der ordentlichen Revision handelt es sich um die gesamten, umfangreichen Schweizerischen Prüfungsstandards während bei der eingeschränkten Revision der Standard zur eingeschränkten Revision zur Anwendung kommt. 8 Revision der Geschäftsjahre 2007 erfolgen noch nach altem Recht und können ohne Zulassung erfolgen. Anders allerdings die Regelung für punktuelle, d.h. nicht wiederkehrende Prüftatbestände; für solche gelten die neuen Vorschriften.