Source: http://orlich.at/orlich/blog.php?artikel=877
Timestamp: 2019-01-24 11:44:40
Document Index: 278483012

Matched Legal Cases: ['OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§ 25', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§ 25', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§ 1356', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH']

1.11.1.2.1.Judikatur zur Bürgschaft
Eine nachträgliche Erhöhung des Kreditvolumens ohne Zustimmung des Bürgen verändert die Bürgschaftsverpflichtung nicht. Rückzahlungen sind zugunsten des Bürgen zu verbuchen: OGH 01.10.2008, 6 Ob 131/08w, EvBl 2009/47, 321 = ecolex 2009/115, 327. Für Verzugsfolgen des Schuldners haftet der Bürge nur, soweit er (auch) solche in seiner Bürgschaftserklärung übernommen hat: OGH 24.08.2011, 3 Ob 117/11v, Zik 2012/224, 153.
Interzedent ist jeder, der die Haftung für eine materiell fremde Schuld übernimmt. "Materiell fremd" ist eine Schuld dann, wenn dem Zahlenden ein Regreßanspruch gegen den ursprünglichen Schuldner zusteht: OGH 20.04.2010, 4 Ob 205/09i, ÖBA 2010/1650, 610 = EvBl-LS 2010/150, 927 = Zak 2010/406, 237 = RdW 2010/572, 570 (Ist dem OGH hier eine Zirkeldefinition passiert? Denn: Regreßansprüche stehen denen zu, die eine materiell fremde Schuld zahlen.). Ein Interzedent bleibt somit auch dann Interzedent, wenn er formell als Hauptschuldner auftritt; denn es kommt auf den wirtschaftlichen Zweck der eingegangenen Verbindlichkeit an: OGH 03.09.2008, 3 Ob 111/08g, EvBl-LS 2009/21, 140 = RdW 2009/215, 271 = JBl 2009, 253 = ÖBA 2009/1537, 234 = EF-Z 2009/97, 145 (Ehegattin).
Auch der Schuldbeitritt des Interzedenten bedarf nunmehr der Schriftform: OGH 20.04.2010, 4 Ob 205/09i, ÖBA 2010/1650, 610 = EvBl-LS 2010/150, 927 = Zak 2010/406, 237 = RdW 2010/572, 570.
Zur Unterscheidung zwischen Interzession und echter Mitschuld ist der Parteiwille zu erforschen; dabei auch das Innenverhältnis zwischen Kreditnehmer und Mitschuldner und, ob dieses Innenverhältnis und ein allfälliges Eigeninteresse des Mitschuldners der Bank gegenüber offengelegt wurde: OGH 23.06.2009, 3 Ob 1/09g, RdW 2009/657, 641 = JBl 2009, 715 = ecolex 2009/405, 1053 = ÖBA 2010/1591, 55; OGH 1 Ob 31/09d, ÖBA 2010/1590, 53. Im Zweifel ist bloß Bürgschaft und nicht Schuldbeitritt anzunehmen: OGH 14.01.2010, 6 Ob 114/09x, ecolex 2010/148, 445 = Zik 2010/370, 236 (Details zu den Formerfordernissen).
Bei schlechter wirtschaftlicher Verfassung des Schuldners hat die Bank den Bürgen ("Interzedenten") vor seiner Bürgschaftserklärung zu warnen: OGH 30.08.2001, 8 Ob 4/01y, ecolex 2002, 85 = RdW 2002/135. Das gilt auch für die sogenannte "materielle Interzession", also wenn das Geld erkennbar nicht dem Kreditnehmer zukommen soll, sondern einem (kreditunwürdigen) Dritten, etwa dem Ehegatten: OGH 13.06.2006, 10 Ob 34/06g, RdW 2006/685, 755. Zur Beweislast: OGH 19.06.2006, 8 Ob 71/06h, ecolex 2006/428, 992; OGH 09.11.2006, 6 Ob 227/06k, ecolex 2007/49, 106.
Der Kreditgeber muß den Interzedenten auch dann warnen, wenn dieser über die finanzielle Situation des Hauptschuldners Bescheid weiß: OGH 22.12.2003, 2 Ob 288/03x, RdW 2004/310, 339. Anders OGH 21.07.2005, 8 Ob 61/05m, ecolex 2005/433, 910, wonach die Bank dann nicht warnen muß, wenn der Bürge über die Lage des Hauptschuldners "genau" Bescheid weiß.
Keine Warnpflicht bei bloßer Vorhersehbarkeit der Zahlungsunfähigkeit: OGH 06.05.2008, 1 Ob 83/08z, RdW 2008/657, 712. Eine erst nachträgliche Verschlechterung der Wirtschaftslage des Schuldners löst keine Warnpflicht mehr aus: OGH 24.11.2005, 3 Ob 58/05h, JBl 2006, 384.
Allein durch formularmäßige Erklärungen erfüllt die Bank ihre Aufklärungspflicht nicht: OGH 26.01.2006, 8 Ob 121/05k, EvBl 2006/80, 454 = ecolex 2006/203, 479.
Interzession bei Eigeninteresse und Nachforschungspflicht des Kreditgebers: OGH 20.04.2010, 1 Ob 39/10g, ÖBA 2011/1683, 60
Literatur dazu: Apathy, Neue Judikatur zum Kreditsicherungsrecht, ÖJZ 2008/28, 253; Heinrich, Die Interzedentenwarnung nach § 25c KSchG, JBl 2012, 359.
Zur Bürgenhaftung bei unbekanntem Aufenthalt des Hauptschuldners: OGH 19.12.2012, 3 Ob 203/12t, JBl 2013, 376.
Allgemeine Voraussetzungen: OGH 28.04.2015, 10 Ob 24/15z, ÖBA 2015/2156, 771 (Bauleiter und gewerberechtlicher GF). Dieses Mäßigungsrecht setzt voraus, daß der Interzedent der Bank wahrheitsgemäße Angaben über seine Vermögenslage gemacht hat: OGH 11.09.2003, 6 Ob 156/03i, ecolex 2004/6, 27 = RdW 2004/58, 85; daß der Interzedent kein Eigeninteresse an der Kreditaufnahme hat: OGH 06.11.2008,6 Ob 210/08p, RdW 2009/81, 78.
Zum Mäßigungsrecht bei Interzedenten, die über ihre Vermögenslage unvollständige Angaben gemacht haben: OGH 29.08.2013, 2 Ob 15/13i, ÖBA 2014/2012, 292.
§ 25d KSchG ist nicht beschränkt auf Kreditverbindlichkeiten: OGH 18.01.2011, 4 Ob 195/10w, Zak 2011/205, 115 = JBl 2011, 310 = ecolex 2011/162, 400 = ÖBA 2011/1723, 421 (Pflegegebühren).
Beispiele für richterliche Mäßigung: OGH 17.11.2009, 1 Ob 188/09t, RdW 2010/291, 281 (leichtsinniger Geschäftsführer und Krankenkasse).
Die Regeln des Konsumentenschutzgesetzes über die Interzession gelten nicht, wenn der Interzedent bloß ein Pfand bestellt: OGH 01.02.2007, 9 Ob 16/06b, RdW 2007/624, 599; OGH 28.03.2007, 7 Ob 260/06w, ecolex 2007/316, 758.
Sittenwidrigkeit einer übernommenen Bürgschaft ist dann anzunehmen, wenn der Haftungsvertrag inhaltlich zu mißbilligen ist (etwa: grobes Mißverhältnis zwischen Haftungssumme und Vermögensverhältnissen des Bürgen), wenn der Bürge an dem zu sicherenden Kredit kein Eigeninteresse hat (etwa: Bürgschaft durch nahe Angehörige) und wenn die Willensfreiheit des Bürgen "verdünnt" war: OGH 18.09.2009, 6 Ob 150/09s, RdW 2010/143, 145 = ÖBA 2010/1611, 191. Für die Annahme einer "verdünnten" Willensfreiheit genügt es schon, wenn der Sohn die Mutter unter Tränen anfleht, die Mithaftung zu übernehmen: OGH 26.11.2002, 10 Ob 315/02z, ecolex 2003/101, 236. Wesentliches Eigeninteresse des Bürgen am Kredit schließt Sittenwidrigkeit aus: OGH 25.11.2003, 8 Ob 100/03v, ecolex 2004/156, 364; OGH 22.02.2011, 8 Ob 5/11k, RdW 2011/491, 468.
– (§ 1356 ABGB) – Voraussetzungen der Inanspruchnahme des Ausfallsbürgen: OGH 20.12.2017, 8 Ob 127/17k, ÖBA 2018/2464, 349 = JBl 2018, 458.
Zur Angehörigenbürgschaft siehe auch: OGH 11.12.2002, 7 Ob 228/02h, ecolex 2003/130, 331.
Geht jemand eine Bürgschaft deshalb ein, weil der Gläubiger ihm zusichert, die Bürgschaft sei "risikolos", und ist die Unrichtigkeit dieser Zusicherung weder offensichtlich noch leicht überprüfbar, so kann der Bürge seine Bürgschaftserklärung wegen Geschäftsirrtum erfolgreich anfechten: OGH 11.03.2003, 5 Ob 4/03d, ecolex 2003/241, 589 = JBl 2003, 577.
Die Anfechtung des Grundgeschäftes wegen Irrtums steht nur dem Hauptschuldner, nicht aber dem Bürgen zu: OGH 25.02.2004, 7 Ob 25/04h, EvBl 2004/144.
Hat ein Bürge seine Bürgschaft aus einem Mietvertrag "unwiderruflich" übernommen, so ist die ordentliche Kündigung der Bürgschaft nicht vor Beendigung des Mietvertrages möglich: OGH 23.02.1999, 1 Ob 326/98t, ecolex 1999, 619.