Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20110/13
Timestamp: 2020-08-09 11:58:50
Document Index: 380632812

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 529', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 529', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 630', 'BGH']

BGH, 02.07.2013 - VI ZR 110/13 - dejure.org
https://dejure.org/2013,19402
BGH, 02.07.2013 - VI ZR 110/13 (https://dejure.org/2013,19402)
BGH, Entscheidung vom 02.07.2013 - VI ZR 110/13 (https://dejure.org/2013,19402)
BGH, Entscheidung vom 02. Juli 2013 - VI ZR 110/13 (https://dejure.org/2013,19402)
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§ 529 Abs 1 Nr 1 ZPO, § 823 Abs 1 BGB
Arzthaftungsprozess: Ausnahme von der Bindung des Berufungsgerichts an die erstinstanzlichen Feststellungen; Behandlungsfehler trotz mangelnder Mitwirkung des Patienten
Zivilprozessrecht - Gutachten, widersprüchliche - Bindungswirkung
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör im Zusammenhang mit Schadensersatz wegen fehlerhafter ärztlicher Behandlung im Zusammenhang mit der Behandlung eines diabetischen Fußsyndroms
LG Hannover, 03.09.2012 - 19 O 73/10
OLG Celle, 15.01.2013 - 1 U 71/12
OLG Celle, 04.02.2013 - 1 U 71/12
NJW 2014, 74
VersR 2014, 261
Konkrete Anhaltspunkte können sich aus Fehlern ergeben, die dem Eingangsgericht bei der Feststellung des Sachverhalts unterlaufen sind (…vgl. BGHZ 159, 254, 258 [juris Rn. 15]; BGH, Beschluss vom 2. Juli 2013 - VI ZR 110/13, NJW 2014, 74 Rn. 7 mwN).
Dafür reicht aus, dass der grobe Behandlungsfehler geeignet ist, den eingetretenen Schaden zu verursachen; nahe legen oder wahrscheinlich machen muss der Fehler den Schaden hingegen nicht." Eine Umkehr der Beweislast ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nur ausgeschlossen, wenn jeglicher haftungsbegründender Ursachenzusammenhang zwischen grobem Behandlungsfehler und Schaden gänzlich fehlt bzw. äußerst unwahrscheinlich ist (vgl. BGH, Beschluss vom 02.07.2013, Az. VI ZR 110/13;… Urt. vom 27.04.2004, Az. VI ZR 34/03 - jeweils nach juris).
Konkrete Anhaltspunkte, welche die Bindung an die vorinstanzlichen Feststellungen entfallen lassen, können sich aus Fehlern ergeben, die dem Gericht erster Instanz bei der Feststellung des Sachverhalts unterlaufen sind (BGH NJW 2014, 74; BGH NJW 2004, 2828).
Konkrete Anhaltspunkte, die eine Bindung des Berufungsgerichts entfallen lassen, können sich aus Verfahrensfehlern ergeben, die dem Eingangsgericht bei der Feststellung des Sachverhalts unterlaufen sind (BGH, Beschluss vom 02.07.2013 - VI ZR 110/13 - zitiert nach juris, dort Rn. 7;… Urteil vom 08.06.2004 - VI ZR 230/03 - zitiert nach juris, dort Rn. 15 f.).
Zweifel an der Richtigkeit und Vollständigkeit der entscheidungserheblichen Feststellungen können sich auch aus der Möglichkeit unterschiedlicher Wertung ergeben, d.h. dann, wenn aus der für das Berufungsgericht gebotenen Sicht eine gewisse - nicht notwendig überwiegende - Wahrscheinlichkeit dafür besteht, dass im Fall einer Beweiserhebung die erstinstanzliche Feststellung keinen Bestand haben wird (vgl. BGH, Beschluss vom 02.07.2013 - VI ZR 110/13 - zitiert nach juris, dort Rn. 7;… Zöller /Heßler , Zivilprozessordnung, 32. Auflage 2018, § 529 Rn. 2, 3 ff.).
OLG Brandenburg, 17.06.2020 - 7 U 146/17
Die erstinstanzlichen Feststellungen zum Ergebnis der Begutachtung sind nur dann fehlerhaft, wenn das Gutachten in sich widersprüchlich oder unvollständig ist, wenn der Sachverständige erkennbar nicht sachkundig war, wenn es neue Erkenntnisse gibt (BGH, Urteil vom 15.07.2003 - VI ZR 361/02, NJW 2003, 3480, Rn 6;… Urteil vom 08.06.2004 - VI ZR 230/03, BGHZ 159, 254, Rn. 16; BGH; Beschluss vom 02.07.2013 - VI ZR 110/13, NJW 2014 74 Rn. 7) oder das Erstgericht sich nicht mit Einwendungen aus einem Privatgutachten auseinandergesetzt hat (BGH;… Beschluss vom 11.03.2014 - VI ZB 22/13, MDR 2014, 741 Rn. 12).
Eine solche Würdigung setzt allerdings voraus, dass der Patient über die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Maßnahme vollständig und widerspruchsfrei informiert worden ist und er die Informationen auch verstanden hat (vgl. Senatsurteil vom 16. Juni 2009 - VI ZR 157/08, VersR 2009, 1267; Beschluss vom 2. Juli 2013 - VI ZR 110/13, VersR 2014, 261 Rn. 15).
Es kommt hinzu, dass selbst eine mangelnde Mitwirkung der Patientin bei einer medizinisch gebotenen Behandlung einen Behandlungsfehler dann nicht ausschließt, wenn die Patientin über das Risiko der Nichtbehandlung nicht ausreichend aufgeklärt worden ist (vgl. etwa BGH, Beschluss vom 02.07.2013 - VI ZR 110/13, NJW 2014, 74, 77;… Weidenkaff, in: Palandt, BGB, 76. Aufl. 2017, § 630c, Rdnr. 7).
Dann wäre ein Behandlungsfehler ausgeschlossen (vgl. Senat…, Urteil vom 16. Juni 2009 - VI ZR 157/08, VersR 2009, 1267 Rn. 14 sowie Beschluss vom 2. Juli 2013 - VI ZR 110/13, VersR 2014, 261 Rn. 15).
Das gilt nur dann nicht, wenn konkrete Anhaltspunkte Zweifel an der Richtigkeit oder Vollständigkeit der entscheidungserheblichen Feststellungen begründen und deshalb eine erneute Feststellung gebieten (vgl. BGH NJW 2014, 74).
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