Source: https://m.grin.com/document/269106
Timestamp: 2020-07-03 21:24:30
Document Index: 290759305

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 12', '§ 9', '§ 11', '§ 11', '§ 109', '§ 157', '§ 95', '§ 9', '§ 11', '§ 9', '§ 9', '§ 11', '§ 11', '§ 12', '§ 12']

Quantitative Analyse der Bewertung von unternehmerischem Vermögen ...
2 Bewertung von unternehmerischem Vermögen im Rahmen der Erbschaftsteuer
2.1 Sachlicher Anwendungsbereich der gesetzlichen Regelungen
2.2 Der gemeine Wert als Bewertungsziel
2.3 Determinierung der Bewertungsfunktion des neutralen
3 Darstellung des Ertragswertverfahrens
3.1 Systematische Einordnung
3.2 Inhaltliche Struktur gemäß IDW S
3.2.1 Abgrenzung und Ermittlung der Erfolgsgrößen
3.2.2 Vergangenheitsanalyse und Unternehmensplanung
3.2.3 Bestimmung des Kapitalisierungszinssatzes
3.2.3.2 Basiszinssatz und Risikozuschlag
3.2.3.3 Ertragsbesteuerung
3.2.3.4 Wachstum
3.2.4 Ermittlung des Unternehmenswerts
4 Analyse von Variationen der Parameter des
4.2 Phasenmethode
4.2.1 Parameter der Zählerterme
4.2.2 Parameter der Nennerterme
4.3 Beispiel HoGa-GmbH
4.3.1 Ausgangsfall
4.3.2 Variation ausgewählter Parameter
4.3.2.1 Zukunftserwartung
4.3.2.2 Steuerliche Situation auf Gesellschaftsebene
4.3.2.3 Nicht betriebsnotwendiges Vermögen
4.3.2.4 Variation aller Parameter
4.3.2.5 Kapitalisierungszinssatz und Wachstumsrate
4.3.3 Bedeutung der Phasen des Ertragswertverfahrens
Tabelle 1: Unternehmenswert nach IDW S 1 im Ausgangsfall
Tabelle 2: alternative Szenarien bei veränderter
Tabelle 3: Ertragswertabweichungen bei veränderter Zukunftserwartung
Tabelle 4: Ertragswertabweichung bei verändertem Gewerbesteuerhebesatz
Tabelle 5: Unternehmenswertabweichungen bei
verändertem nicht betriebsnotwendigen Vermögen
Tabelle 6: Unternehmenswertabweichung bei Variation aller Variablen
Tabelle 7: Ertragswerte bei Variation des
Kapitalisierungszinssatzes und der Wachstumsrate
Tabelle 8: Ertragswertabweichungen bei Variation des Kapitalisierungszinssatzes und der Wachstumsrate
Tabelle 9: absoluter Wertanteil des Restwerts am Ertragswert
Abbildung 1: Systematik des gemeinen Werts
gem. §§ 9 i. V. m. 11 BewG.
Abbildung 2: Funktionen der Unternehmensbewertung
Abbildung 3: Anteil des Restwerts am Unternehmenswert
Das BVerfG stellte im Beschluss vom 07.11.2006 fest, dass die damalige Erhebung der Erbschaftsteuer nicht mit dem Gleichheitsgrundsatz gem. Artikel 3 (1) Grundgesetz vereinbar ist.[1] Folglich bedurfte es einer gesetz-lichen Neuregelung. Das entsprechende Erbschaftsteuerreformgesetz trat am 01.01.2009 in Kraft.[2] Durch die Ergänzungen und Änderungen des Erbschaft- und Schenkungsteuer- sowie des Bewertungsrechts soll das vom BVerfG vorgegebene Bewertungsziel des gemeinen Wertes umgesetzt werden.
Im Zuge dessen wurde die betriebswirtschaftliche Unternehmensbewertung im BewG verankert. Entsprechend der Regierungsbegründung ist u. a. das Ertragswertverfahren anwendbar, da es sich an den Ertragsaussichten des Unternehmens orientiert.[3] Der Wert eines Unternehmens ist von vielen Einflussfaktoren sowie Ermessensentscheidungen abhängig. Das Ziel der Arbeit ist demgemäß die Beantwortung folgender Forschungsfragen:
1. Welche Einflussfaktoren sind in das Bewertungskalkül des Ertragswertverfahrens einzubeziehen?
2. Lassen sich anhand des Ertragswertverfahrens unter Anwendung der Phasenmethode allgemeingültige Aussagen hinsichtlich der Änderung in Bezug auf die Höhe des Unternehmenswerts formulieren?
3. Wie wirken sich die isolierte als auch die kombinierte Variation der Parameter im Rahmen der Wertermittlung auf die Höhe des Unternehmenswerts aus?
Aufgrund des umfassenden Themenkomplexes und der im Rahmen dieser Arbeit im Fokus stehenden objektivierte n Bewertung von unternehme-rischem Vermögen im Rahmen der Erbschaftsteuer, erfolgt eine Schwerpunktsetzung in der Gestalt, dass das Ertragswertverfahren ausschließlich anhand des Typisierungsrahmens IDW S 1 erläutert wird. Weiterhin ist der Ausarbeitung als Ausprägung unternehmerischen Vermögens ausnahmslos eine im Privatvermögen gehaltene GmbH-Beteiligung zugrunde gelegt.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in 5 Kapitel. Nach einer grund-sätzlichen Einführung in den Themenkomplex werden im 2. Kapitel die Grundlagen der Bewertung von unternehmerischem Vermögen im Rahmen der Erbschaftsteuer behandelt. Dabei erfolgt zuerst eine Abgrenzung des sachlichen Anwendungsbereichs der gesetzlichen Regelungen, bevor die Systematik des gemeinen Werts näher erläutert wird. Das Kapitel endet mit einem vergleichenden Überblick zu den Bewertungsfunktionen der Unternehmensbewertung, wobei als Anknüpfungspunkt für erbschaftsteuerliche Zwecke insbesondere die Maßgeblichkeit der Funktion des neutralen Gutachters erarbeitet wird.
Da für eine Analyse unter Berücksichtigung des Ertragswertverfahrens umfassende Kenntnisse über dessen Funktionsweise von essentieller Bedeutung sind, wird diese in Kapitel 3 ausführlich dargestellt. Nach einer einführenden systematischen Einordnung des Ertragswertverfahrens schließt sich die den Schwerpunkt dieses Kapitels bildende Erläuterung der inhalt-lichen Struktur an. Dieser Teil ist in mehrere Unterabschnitte gegliedert, in denen die bewertungsrelevanten Erfolgsgrößen abgegrenzt sowie weitere benötigte Vorgehensweisen und Parameter erörtert werden.
Kapitel 4 beinhaltet die quantitative Analyse dieser Arbeit. Nach einer kurzen Einleitung wird zunächst die Phasenmethode auf allgemein gültige Zusammenhänge hin untersucht. Im dritten Abschnitt des Kapitels werden anhand eines numerischen Beispielfalls die erarbeiteten Erkenntnisse – soweit möglich – quantifiziert, weitere Konkretisierungen der Parameter vorgenommen und in verschiedenen Variationen kritisch analysiert.
Im Fokus des 5. Kapitels steht die Beantwortung der aufgeworfenen Forschungsfragen. Den Abschluss bildet ein Ausblick hinsichtlich eines Ansatzpunktes für mögliche weiterführende quantitative Analysen.
Das ErbStG und das BewG regeln zum einen die Abgrenzung des Umfangs der zu bewertenden Unternehmen, zum anderen nach welchen Maßstäben und Verfahren diese zu bewerten sind. Grundsätzlich richtet sich die erbschaftsteuerliche Bewertung gem. § 12 (1) ErbStG nach dem Bewertungsgesetz, welches – soweit nichts anderes vorgeschrieben ist – gem. § 9 BewG den gemeinen Wert zugrunde legt.
Aufgrund der Erbschaftsteuerreform ist u. a. eine rechtsformneutrale Bewertung von Unternehmen kodifiziert. Gem. der Rechtsnormen § 11 (1), § 11 (2) i. V. m. § 109, § 157 sowie §§ 95-97 BewG gelten die Bewertungsvorschriften nicht nur für Anteile von Kapitalgesellschaften, sondern auch für Personengesellschaften und Einzelunternehmen, unabhängig davon, ob es sich bei den beiden Letztgenannten um Gewerbetreibende oder Frei-berufler handelt. Unter Einhaltung der Vorgaben des BVerfG ist die Bewertung durch eine konsequente und uneingeschränkte Ausrichtung am gemeinen Wert gekennzeichnet.[4]
Unter Berücksichtigung der gesetzlichen Definition gem. § 9 (2) und (3) BewG versteht die Rechtsprechung des BVerfG unter dem gemeinen Wert den bei einer Veräußerung unter objektivierten Bedingungen erziel-baren Preis.[5] Im Rahmen der Bewertung von unternehmerischem Vermögen kann dieser Veräußerungspreis gem. § 11 BewG als originärer gemeiner Wert aus Marktdaten erhoben werden, andernfalls ist der gemeine Wert mittels Bewertungsverfahren zu schätzen. Die Systematik des gemeinen Werts gem. §§ 9 i. V. m. 11 BewG ist in Abbildung 1 dargestellt.
Abbildung 1: Systematik des gemeinen Werts gem. §§ 9 i. V. m. 11 BewG
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Wollny, C. (2012), Rn. 562.
Der gemeine Wert ist somit als übergeordneter Bewertungsmaßstab anzusehen, der je nach Sachverhalt auf unterschiedliche Weise ermittelt wird. Viskorf zufolge stellt die Schätzung des gemeinen Werts mittels Bewertungsverfahren den Standardfall dar, da für die meisten Bewertungsfälle in Form von nicht börsenorientierten Unternehmen keine zeitnahen Verkaufspreise vorliegen.[6] § 11 (2) Satz 2 2. Hs. BewG beinhaltet verschiedene Methodenansätze zur Bewertung, welche u. a. die Anwendung des Ertragswertverfahrens ermöglichen.[7] Raum für Interpretationen bezüglich der Bewertungsfunktion in der betriebswirtschaftlichen Unternehmens-bewertung beinhaltet der letzte Halbsatz des § 11 (2) Satz 2 BewG, der auf die Sichtweise eines gedachten Erwerbers abstellt.
2.3 Determinierung der Bewertungsfunktion des neutralen Gutachters
Bei der betriebswirtschaftlichen Unternehmensbewertung steht gegenwärtig die Zweckabhängigkeit der Bewertung im Mittelpunkt,[8] mit der Folge, dass es den Unternehmenswert nicht gibt. Je nach Bewertungszweck kann für ein Bewertungssubjekt (= Person, für die eine Bewertung durchgeführt wird) dasselbe Bewertungsobjekt (= Unternehmen, das bewertet wird) unterschiedliche Werte aufweisen. Die Bewertungsfunktionen[9] der Unternehmensbewertung werden dabei entweder nach der funktionalen Unternehmensbewertung, die auch als Kölner Funktionslehre bekannt ist, oder der Funktionslehre des IDW unterschieden. Ein überblicksartiger Vergleich beider Theorien ist an dieser Stelle sachgerecht, da der Festlegung der Bewertungsfunktion im Rahmen der Ermittlung des Unternehmenswerts aufgrund der Zweckabhängigkeit eine entscheidende Bedeutung zukommt.[10] Abbildung 2 fasst die jeweiligen Funktionen zusammen.
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Nölle, J.-U. (2009), S. 16.
Wie Brösel/Matschke in ihren Ausführungen herausstellen, stimmen die Funktionen überwiegend überein.[11] Indes lehnt das IDW die Hauptfunktion der Argumentation ab, ergänzt jedoch die Funktion des neutralen Gut-achters, der einen objektivierten Unternehmenswert, d. h. einen von den individuellen Wertvorstellungen der betroffenen Parteien unabhängigen Unternehmenswert, ermittelt.[12]
In der aktuellen Diskussion stimmt der überwiegende Teil des Schrifttums[13] mit der Auffassung des BVerfG überein, welches die Anwendung des objektivierten Unternehmenswerts für Zwecke der Erbschaftsteuer bejaht.[14] Nach Behringer ist unter Berücksichtigung der Rechtssicherheit und Steuergerechtigkeit eine Objektivierung der Bewertung nötig, um subjektive Aspekte soweit wie möglich zu reduzieren bzw. völlig auszuschalten.[15] Der Vollständigkeit halber sei angeführt, dass aus Sicht der Kölner Funktionslehre der Bewertung für erbschaftsteuerliche Zwecke die o. g. Steuer-bemessungsfunktion zuzuordnen ist, bei der die Besteuerungsgrundlagen in Form der Unternehmenswerte zur Steuerbemessung ermittelt werden.[16]
[1] BVerfG vom 07.11.2006, 1 BvL 10/02, BStBl. 2007 II, S. 192.
[2] Gesetz zur Reform des Erbschaftsteuer- und Bewertungsrechts (Erbschaftsteuerreform-gesetz - ErbStRG) vom 24.12.2008, BGBl. I, S. 3018.
[3] Vgl. Hübner, H. & Tremel, U. (2009), S. 245.
[4] BVerfG vom 07.11.2006, 1 BvL 10/02, BStBl. 2007 II, S. 192.
[5] BVerfG vom 07.11.2006, 1 BvL 10/02, BStBl. 2007 II, S. 192; vgl. ebenso § 12 ErbStG; dazu Horn, H.-J., ErbStG Kommentar, § 12 Rn. 2.
[6] Vgl. Viskorf, H.-U. (2009), S. 593.
[7] Vgl. dazu Fußnote 3.
[8] Vgl. Matschke, M. J. & Brösel, G. (2012), S. 22.
[9] Die Begriffe „Zweck“ und „Funktion“ werden nachfolgend synonym verwendet.
[10] Vgl. IDW (2008), Rn. 17.
[11] Vgl. Matschke, M. J. & Brösel, G. (2012), S. 54 f.
[12] Vgl. IDW (2008), Rn. 12.
[13] Vgl. Kohl, T. & Schilling, D. (2008), S. 909; ebenso Wollny, C. (2012), Rn. 122;
andere Ansicht Dirrigl, H. (2009), S. 60.
[14] BVerfG vom 07.11.2006, 1 BvL 10/02, BStBl. 2007 II, S. 192.
[15] Vgl. Behringer, S. (2009), S. 78–85.
[16] Vgl. Meyering, S. (2011), S. 277; dazu auch Kappenberg, C. J. (2012), S. 26;
Dirrigl, H. (2009), S. 8 sowie Brösel, G., Zwirner, C. & Petersen, K. (2012), S. 484.
9783656601159
v269106
Quantitative Analyse Unternehmensbewertung Ertragswertverfahren IDW S 1 Erbschaftsteuer