Source: https://www.gevestor.de/details/witwenrente-756248.html
Timestamp: 2020-04-04 14:56:12
Document Index: 94582769

Matched Legal Cases: ['§ 46', '§ 46', '§ 50', '§ 46', '§ 46', '§ 242', '§ 77', '§ 78', '§ 1360', '§ 5', '§ 97', '§ 18', '§ 77', '§ 242', '§ 107']

[2020] Witwenrente in Deutschland - Alle Fragen übersichtlich erklärt
Witwenrente - Anspruch, Berechnung & Höhe
Witwenrente – Anspruch, Berechnung & Höhe
veröffentlicht: 02.01.2020 | Lesedauer: 13 Minuten | Thema: Witwenrente
Witwenrente und eigene Rente beeinflussen sich. Die Hinterbliebenenrente wird um eigenes Einkommen und damit auch eigene Renten gekürzt. (Foto: Syda Productions / Shutterstock.com)
Die wichtigsten Informationen zur Witwenrente im Überblick
Definition: Was ist die Witwenrente?
Wie Witwenrente beantragen?
Große Witwenrente | Große Witwerrente nach § 46 Abs. 2 SGB VI
Höhe Hinterbliebenenrente: Wie hoch ist die große Witwenrente?
Kleine Witwenrente | Kleine Witwerrente nach § 46 Abs. 1 SGB VI
Höhe Hinterbliebenenrente: Wie hoch ist die kleine Witwenrente?
Wie wird das Einkommen auf die Witwenrente angerechnet?
Freibeträge bei der Witwenrente
Hinzuverdienst zur Witwenrente: Worauf muss man achten?
Witwenrente neues und altes Recht
Unterschied: Witwenrente nach altem & neuem Recht
Steht die große oder die kleine Witwenrente zu?
Witwenrente bei Selbständigen
Witwenrente & Wiederheirat: Geht der Anspruch verloren?
Historische Entwicklung der Witwenrente
Fazit zur Witwenrente
Nach dem Tod des Ehepartners erhält der Hinterbliebene 3 Monate lang die gesetzliche Rente des Verstorbenen.
Anschließend besteht Anspruch auf die große oder kleine Witwenrente:
Große Witwenrente: 55 % der Bezüge des Verstorbenen
Kleine Witwenrente: 25 % der Bezüge des Verstorbenen
Das eigene Einkommen wird auf die Witwenrente angerechnet.
Bei erneuter Heirat endet der Anspruch auf Witwenrente.
Mit dem Tod des Ehepartners oder Elternteils hat man Anspruch auf die sogenannte Witwenrente. Diese „Rente wegen Todes” soll die Unterhaltszahlung ersetzen und somit den Lebensunterhalt der hinterbliebenen Person sichern. Eingetragene Lebenspartner werden in der Rentenversicherung Ehepartnern gleichgestellt.
Hinterbliebene erhalten die gesetzliche Rente des Verstorbenen noch 3 Monate nach dem Tod in voller Höhe ausgezahlt. Danach besteht Anspruch auf die große oder kleine Witwenrente, welche jedoch beantragt werden müssen.
Gibt es auch eine Witwerrente?
Ja, auch der hinterbliebene Ehemann hat einen gesetzlichen Anspruch auf die Witwenrente. Es gelten die gleichen Voraussetzungen wie für Ehefrauen. Allerdings muss die Ehefrau nach dem 31. Dezember 1985 geboren worden sein. Wie sich allerdings aus den aktuellen Zahlen der Bezugsempfänger ablesen lässt, wird die Hinterbliebenenrente zum vorwiegenden Teil (87 %) von Frauen bezogen, nur etwa 13 % der Bezugsnehmer sind Männer.
Bei einer Ehepartnerschaft bzw. im Falle einer eingetragenen Lebenspartnerschaft hat der Hinterbliebene Anspruch auf einen Teil der gesetzlichen Rente des Verstorbenen.
Damit für den Hinterbliebenen ein Anspruch entsteht, muss der verstorbene Ehepartner eine Rente bezogen oder mindestens 5 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben (§ 50 SGB VI). In den ersten 3 Monaten nach dem Tod des Ehepartners erhält der Hinterbliebene die bisher an den Verstorbenen gezahlte monatliche Rente in voller Höhe. Es gilt zu beachten, dass die Rentenversicherung die Hinterbliebenenrente nicht automatisch ausbezahlt. Ein Antrag auf Witwen- oder Witwerrente ist zwingend notwendig.
Treffen die Voraussetzungen auch auf eingetragene Partnerschaften zu, so haben diese ebenfalls Anspruch auf die Witwenrente. Eingetragene Partnerschaften sind in Hinblick auf die Witwenrente mit einer Ehe gleichzusetzen.
Das Beantragen der Witwenrente nimmt meist einen längeren Zeitraum in Anspruch. Aus diesem Grund wird während der Antragszeit eine sogenannte „Überbrückungszahlung“ geleistet. In der Regel wird diese vom zuständigen Bestattungsunternehmen beantragt und für eine Dauer von 3 Monaten gezahlt.
Wer die Witwenrente beantragen möchte, benötigt folgende Unterlagen:
Letzter Rentenbescheid bzw. letzte Gehaltsabrechnung
Der Antrag muss beim Versicherungsträger des Verstorbenen eingebracht werden. Dies kann persönlich oder postalisch erfolgen. In besonderen Fällen werden vom Versicherungsträger weitere Unterlagen wie beispielsweise Schulabschlusszeugnisse oder Geburtsurkunde der Kinder verlangt. Das 16-seitige Formular für die Einbringung des Antrages auf Witwenrente findet sich auf der Website der Deutschen Rentenversicherung.
Unter dem angegeben Link steht das auszufüllende Formular kostenfrei zum Download zur Verfügung. Dasselbe Formular bzw. die gleichen Antragsvoraussetzungen gelten auch für die Witwerrente.
Der Rentenantrag ist kompliziert und umfangreich. Bei Fragestellungen stehen die Mitarbeiter der Beratungsstellen der Rentenversicherung zur Verfügung. Auch ehrenamtliche Berater und Versichertenälteste helfen beim Ausfüllen. Erreichbar sind diese unter der kostenlosen Servicenummer der Deutschen Rentenversicherung unter 0800 1000 4800.
Um dem hinterbliebenen Ehepartner die nach dem Tod des Gatten bzw. der Gattin die neue veränderte finanzielle Situation zu erleichtern, erhält der Hinterbliebene die ersten drei Monate nach dem Sterbemonat (= „Sterbevierteljahr”) die Witwenrente in voller Höhe. In diesem Sterbevierteljahr wird auch das eigene Einkommen nicht angerechnet.
Im Gegensatz zur kleinen Witwenrente, welche eine Unterhaltszuschussfunktion haben soll, stellt die große Witwenrente einen Unterhaltsersatz dar. Bei den Anspruchsberechtigten geht der Gesetzgeber davon aus, dass dem Hinterbliebenen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann und er somit auf eine Unterhaltszahlung aus der Rentenversicherung angewiesen ist.
Die Anspruchsvoraussetzungen für die große Witwenrente sind in § 46 Abs. 2 SGB VI zu finden. Der anspruchsberechtigte Personenkreis umfasst in erster Linie alle Personen, die auch Anspruch auf eine kleine Witwenrente haben. Voraussetzung ist, dass der Hinterbliebene nach dem Tod des Ehepartners nicht wieder geheiratet und der Verstorbene mindestens 5 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat.
Entsprechend § 46 Abs. 2 SGB VI kann die große Witwenrente beantragen:
Wer ein eigenes Kind oder Kind des Verstorbenen, welches das 18. Lebensjahr noch nicht beendet hat, unter seiner Obsorge hat (bei häuslicher Gemeinschaft mit einem behinderten Kind entfällt die Altersgrenze).
Wer erwerbsgemindert ist (d.h. wer wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande ist, unter üblichen Bedingungen des Arbeitsmarktes mindestens 3 Stunden täglich erwerbstätig zu sein).
Wer das 45. Lebensjahr vollendet hat. Diese Altersgrenze steigt gemäß § 242a Abs 5 SGB VI ab 2012 je nach Todesjahr des Versicherten stufenweise an. Die Erhöhung beträgt jedes Jahr einen Monat. Für Todesfälle ab dem Jahr 2019 gilt demnach eine Altersgrenze von 47 Jahren.
Die große Witwenrente beträgt 55 % der an den Verstorbenen Ehepartner aus der gesetzlichen Rentenversicherung gezahlten oder berechneten monatlichen Rente. Der Rentenbetrag kann zusätzlich um einen Kinderzuschlag erhöht werden. Ist der Ehepartner vor dem 65. Lebensjahr verstorben wird der Rentenanspruch gemindert. Im Unterschied zur kleinen Witwenrente ist die Bezugsdauer der großen Witwenrente zeitlich nicht begrenzt.
Rentenabschlag: Minderung der großen Witwenrente
Im Falle des Ablebens des versicherten Ehepartners vor dem 65. Lebensjahr wird die Witwen- bzw. Witwerrente um einen Abschlag von 0,3 % je Monat gekürzt. Der maximale Rentenabschlag beträgt 10,8 % (§ 77 Abs. 2 Nr. 4 SGB VI).
Kinderzuschlag bei der großen Witwenrente
Sofern der hinterbliebene Ehegatte ein Kind bis zu seinem 3. Lebensjahr erzogen hat, wird die Witwenrente erhöht. Die Höhe des Kinderzuschlags variiert und ist abhängig von Bundesland und Anzahl der Kinder.
Die Berechnung der Höhe erfolgt nach § 78a Abs 1 SGB VI. Für jeden Monat der Erziehungszeit werden Entgeltpunkten gutgeschrieben. Für die ersten 36 Monate und das erste Kind werden monatlich 0,1010 Entgeltpunkte gewährt. Für weitere Kinder monatlich 0,0505 Entgeltpunkte.
Für die Zeiten vor dem 01.01.1992 wurden für den Kinderzuschlag lediglich 12 Kalendermonate gutgeschrieben. Die errechneten Entgeltpunkte werden auch mit dem jeweiligen Rentenfaktor, welcher für die Rentenhöhe maßgebend ist, multipliziert. Dies ist bei der großen Witwenrente der Faktor 0,55 und bei der kleinen Witwenrente 0,25.
Beispiel Zwillingsgeburt
Geburt 1. Kind: 20.03.1995
Geburt 2. Kind: 20.03.1995
Tod des versicherten Ehepartners: 22.09.2010
Der Kinderzuschlag bzw. die persönlichen Entgeltpunkte berechnen sich folgendermaßen:
Kind 1: April 1995 bis März 1998 = 36 Kalendermonate x 0,1010 = 3,6360
Kind 2: April 1995 bis März 1998 = 36 Kalendermonate x 0,0505 = 1,8180
Summe = 5,4550 persönliche Entgeltpunkte
Die persönlichen Entgeltpunkte werden nun für die große Witwenrente mit dem Faktor 0,55 multipliziert. Daher bekommt der hinterbliebene Ehepartner als monatliche Rente 93,00 € als Kinderzuschlag für die Erziehung der beiden Kinder.
Rentenwert x Entgeltpunkte x Rentenfaktor
Die kleine Witwenrente wird jenen Witwern und Witwen aus der gesetzlichen Rentenversicherung ausbezahlt, denen der Staat einen größeren Eigenbeitrag zum eigenen Lebensunterhalt zumutet.
Grundsätzlich sind Ehepartner entsprechend den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) verpflichtet, einander durch Arbeit und Vermögen angemessenen Unterhalt für die Familie zu leisten (§ 1360 Satz 1 BGB). Eine vergleichbare Unterhaltsverpflichtung besteht auch für eingetragene Lebenspartner (§ 5 Lebenspartnerschaftsgesetz).
Den Unterhaltsverlust, welcher durch den Tod des Ehepartners entsteht, will die Deutsche Rentenversicherung in Form der kleinen Witwenrente ausgleichen. Die kleine Witwenrente hat die Funktion eines Zuschusses zum Unterhalt, da der Gesetzgeber annimmt, dass der hinterbliebene Ehepartner einen Großteil des eigenen Unterhalts selbst erwirtschaften kann.
Werden die Voraussetzungen für die große Witwenrente nicht erfüllt, kann die kleine Witwenrente Ausgleich schaffen, wenn der hinterbliebene Ehepartner zum Todeszeitpunkt des Versicherungsnehmers jünger als 45 Jahre und 8 Monate (Stand 2019) ist. Auch bei dieser Form der Hinterbliebenenrente verschieben sich die Altersgrenzen jährlich um einen Monat nach hinten.
Nach neuem Recht (ab 2002) wird die kleine Witwenrente zeitlich befristet für die ersten beiden Jahre nach Ableben des Ehepartners gezahlt. Bei Heirat vor 2002 und Geburt des Ehepartners vor dem 2. Januar 1962, gilt das alte Recht. In diesem Fall hätte der Hinterbliebene Anspruch auf die kleine Witwenrente bis zum Lebensende.
Die kleine Witwen- bzw. Witwerrente steht dem Hinterbliebenen nach Ablauf des Sterbevierteljahres zu. Sie beträgt 25 % der Rente des Verstorbenen.
Wer bekommt einen Kinderzuschlag bei der kleinen Witwenrente?
Wie auch bei der großen Witwenrente ergibt sich ein Zuschlag zur Rente, falls der Hinterbliebene Ehepartner ein Kind bis zum 3. Lebensjahr erzogen hat. Der Zuschlag wird nach dem Sterbevierteljahr, in welchem die Rente des verstorbenen Ehepartners weitergezahlt wurde, gewährt.
Dieser Zuschlag gilt allerdings nur für Renten nach neuem Recht und somit für Anspruchsberechtigte, die im Jahr 2002 oder später geheiratet haben. Der nachfolgenden Tabelle lässt sich entnehmen, wie hoch der Kinderzuschlag ist:
Kleine Witwenrente 1. Kind Jedes weitere Kind
Die Rentenversicherung rechnet eigenes Einkommen auf die Witwenrente an. So kann es sein, dass die Hinterbliebenenrente gekürzt wird oder entfällt (§ 97 Abs. 1 SGB VI).
Der Hinzuverdienst zur Witwenrente wird grundsätzlichzu 40 % angerechnet, wenn der Freibetrag überschritten wird. Angerechnet werden fast alle Einkommensarten im Sinne der §§ 18a bis 18e SGB IV, wozu auch die gesetzliche Rente gehört. Verschiedene steuerfreie Einnahmen und Einnahmen aus Altersvorsorgeverträgen, die staatlich gefördert wurden, bilden eine Ausnahme.
Elterngeld des Hinterbliebenen
Um das anrechenbare Einkommen zu ermitteln, berechnet der Rentenversicherungsträger zunächst das Bruttoeinkommen.
Ermittlung des Netto-Einkommens
Zur Ermittlung des Einkommens wird vom Brutto-Arbeitseinkommen ein pauschalierter Betrag von 40 % abgezogen. Bekommt der hinterbliebene Ehegatte eine eigene Rente werden davon 14 % abgezogen.
Änderungen in der Einkommenshöhe bzw. beim laufenden Einkommen werden zu verschiedenen Zeitpunkten rentenrechtlich berücksichtigt.
Eine Einkommenserhöhung wird jeweils mit der nächsten Rentenanpassung berücksichtigt. Diese erfolgt immer zum 01.07 des Jahres.
Einkommensminderungen werden zur nächsten Rentenanpassung berücksichtigt. Verringert sich das Einkommen jedoch um mehr als 10 % zum berücksichtigten Einkommen, wird die Einkommensminderung ab dem Eintrittszeitpunkt berücksichtigt.
Zunächst einmal ist es wichtig, dass der Freibetrag aus dem aktuellen Rentenwert berechnet wird.
Das bedeutet: Wird die Rente erhöht, erhöht sich auch der Freibetrag. Aufgrund dieses Zusammenhanges gibt es auch beim Freibetrag einen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland. In den alten Bundesländern liegt der aktuelle Freibetrag bei 872,52 €, in den neuen Bundesländern sind es 841,90 €. Gibt es außerdem noch Kinder, die einen grundsätzlichen Anspruch auf Waisenrente haben, erhöht sich der Freibetrag um 179,37 € bzw. 171,86 € pro waisenrentenberechtigtes Kind.
Es lässt sich sagen, dass dem Hinzuverdienst zur Witwenrente grundsätzlich keine Grenzen gesetzt sind.
Je nach Höhe des eigenen Einkommens wird jedoch die Witwenrente um einen bestimmten Betrag gekürzt, sofern der persönliche Freibetrag überschritten wird. Da sich der Freibetrag stets der Höhe der gesetzlichen Rente anpasst, kann auch er sich mit der Zeit verändern. Es empfiehlt sich deshalb, bei einer generellen Rentenanpassung zu kontrollieren, ob auch der persönliche Freibetrag angepasst wurde.
Das Hinterbliebenenrecht wurde im Jahr 2002 neu geregelt. Aus Gründen des Bestandsschutzes gilt das alte Recht unter bestimmten Voraussetzungen weiter. Vor allem im Vergleich zwischen der kleinen und großen Witwenrente werden die Unterschiede zwischen alter und neuer Gesetzgebung sichtbar.
Kleine Witwenrente Große Witwenrente Kleine Witwenrente Große Witwenrente
Anteil vom Rentenanspruch 25 % 60 % 25 % 55 %
Kinderzuschlag Nein Nein Ja Ja
Dauer Unbegrenzt Unbegrenzt 24 Monate Unbegrenzt
Mindestdauer Ehe Keine Keine 1 Jahr 1 Jahr
Weitere Unterschiede ergeben sich im anzurechnenden Einkommen. Im alten Recht wurden folgende Einkommensarten angerechnet:
Erwerbseinkommen (Gehalt, Gewinn aus selbständiger Tätigkeit usw.)
Minijob-Einkünfte
Rente, Pension, berufsständische Versorgung
Entgeltersatzleistungen außer von Nicht-Sozialversicherungsträgern
Im neuen Recht wurde das anzurechnende Einkommen um folgende Einkommensarten erweitert:
Betriebsrenten/Zusatzversorgungen
Einkünfte aus privaten Renten-, Lebens- bzw. Unfallversicherungen
Um den Rentenanspruch bei der Witwenrente berechnen zu können, müssen vorab zwei wichtige Fragen geklärt werden:
Berechnung nach altem oder neuem Recht?
Anspruch auf kleine oder große Witwenrente?
Je nach Alter zum Zeitpunkt des Todes des Versicherten kann es zu einer Kürzung der Witwenrente kommen.
Stirbt ein Ehegatte vor seinem 65. Geburtstag, wird die Witwenrente um 0,3 % pro Monat vor dem 65. Geburtstag gekürzt. Liegt der Sterbefall also beispielsweise 11 Monate vor dem 65. Geburtstag, erfolgt eine Kürzung von 11 x 0,3 % = 3,3 %. Unabhängig von einem verfrühten Tod erfolgt eine pauschale Deckelung dieses Rentenabschlags bei einer Höhe von 10,8 %.
Frau Maier vollendete am 1. Mai 2017 ihr 42. Lebensjahr. Die Ehe mit Ihrem Mann war kinderlos. Im August 2017 stirbt ihr Mann. Er hat einen Rentenanspruch in der Höhe von 25 Entgeltpunkten erreicht.
Frau Maier beantragt die kleine Witwenrente und erhält für die ersten 3 Monate für die 25 Entgeltpunkte eine ungekürzte Witwenrente von 775,75 € für das Sterbevierteljahr.
Anschließend wird folgendermaßen gerechnet. Die 25 Entgeltpunkte des verstorbenen Ehemannes werden gemäß § 77 Absatz 2 SGB VI. um 10,8 % gekürzt. Dies ergibt Entgeltpunkte von 22,3, welche mit dem Rentenwert von 31,03 € vervielfältigt werden. Übrig bleiben 691,97 €. Die kleine Witwenrente beträgt somit 172,99 € – dies entspricht 25 % von 691,97 €.
Im Jahr 2002 gab es bei der Witwenrente eine Gesetzesänderung, die dazu führte, dass aktuell beide Renten parallel existieren. Aus Gründen des Bestandsschutzes gilt aktuell noch das vorteilhaftere Recht, sofern die Hochzeit vor 2002 stattfand und einer der Eheleute vor dem 2. Januar 1962 geboren wurde.
Unterschiede zwischen der Witwenrente nach altem Recht und neuem Recht
Im Gegensatz zum alten Recht muss die Ehe bei neuem Recht mindestens ein Jahr bestand haben.
Bei neuem Recht ist die kleine Witwenrente auf zwei Jahre befristet, bei altem Recht nicht.
Bei neuem Recht beträgt die große Witwenrente nur mehr 55 % des Rentenanspruchs des Verstorbenen, im Gegensatz zum alten Recht, wo dieser noch bei 60 % lag.
Bei neuem Recht wirken sich nahezu alle Einkünfte des hinterbliebenen Ehegatten negativ auf die Höhe der Witwenrente an.
Vorteil beim neuen Recht ist, dass auch ein Zuschlag wegen Kindererziehung geleistet werden kann.
Die große Witwenrente steht zu, wenn der verstorbene Ehepartner die allgemeine Wartezeit von 5 Jahren erfüllt hat und die Ehe mindestens 1 Jahr Bestand hatte (neues Recht).
Für die Inanspruchnahme der großen Witwenrente muss mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt sein:
Als Hinterbliebener muss man z. B. im Jahr 2020 mindestens 45 Jahre und 9 Monate alt sein
Gemeinsamer Haushalt mit einem minderjährigen oder behinderten Kind (leiblich oder adoptiert) oder mit einem Kind des Verstorbenen aus früherer Ehe
Teilweise oder vollständige Erwerbsminderung
Frau Maier, die aktuell zwei minderjährige Kinder hat, erfüllt mindestens eine der obigen Bedingungen und hat somit Anspruch auf die große Witwenrente.
Seit 2012 wird die Altersgrenze für Witwen- und Witwerrenten jährlich um einen Monat vom 45. Lebensjahr angehoben. Dies geschieht bis zur Obergrenze im Jahr 2029. Ab diesem Jahr gilt dann nur mehr die Altersgrenze von 47 Jahren für die große Witwer- bzw. Witwenrente (§ 242a SGB VI). Die große Witwenrente ist zeitlich nicht befristet, der hinterbliebene Ehegatte erhält sie bis zu seinem Lebensende.
Ist der verstorbene Ehepartner einer selbständigen Tätigkeit nachgegangen, stellt sich die Frage, ob für den Hinterbliebenen ebenfalls ein Anspruch auf Witwenrente besteht.
Grundsätzlich ist es so, dass selbständig Erwerbstätige bislang nicht verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und somit auch keine Rente erhalten. In diesem Fall würde dem Hinterbliebenen auch keine Witwenrente zustehen.
Aktuell wird in Deutschland darüber nachgedacht, Selbständige per Gesetz zu verpflichten, für das Alter vorzusorgen und in die Rentenversicherung einzuzahlen. Zudem soll die Rente für Selbständige insolvenzsicher und pfändungssicher sein.
Viele Selbständige sind bereits pflichtversichert, denn es gibt bereits jetzt die Möglichkeit, freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen.
Wer sich freiwillig versichert, kann aktuell selbst bestimmen, wie viel einbezahlt wird. Wird freiwillig in die Rentenversicherung einbezahlt, besteht im Todesfall für den Hinterbliebenen auch Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente.
Bei Ableben eines versicherten Beamten erhält der Hinterbliebene Ehepartner 60 % der Pension des Verstorbenen. Hinterbliebene, die nach dem 31.12.1961 geboren wurden, erhalten einen Anteil von 55 % der Anspruchsgrundlage.
Für Anträge zur Witwenrente bei Beamten ist in Deutschland die VBL, die Rentenanstalt des öffentlichen Dienstes, zuständig. Im Sinne des Beamtenversorgungsgesetzes erhalten Ehegatten von Beamten keine Witwenrente, sondern ein Witwengeld. Grundsätzlich gelten allerdings dieselben Regeln wie bei der Witwenrente.
Weiterführende Informationen zu den Sonderfällen finden sich hier.
Um sogenannte „Versorgungsehen“ zu verhindern, hat die Gesetzgebung den Anspruch auf Witwenrente auf Ehe bzw. Lebenspartnerschaften beschränkt, die mindestens 1 Jahr – vor Ableben eines der Ehepartner – Bestand hatte.
Dementsprechend entfällt die Witwenrente bei kurzer Ehe. Anders ist dies nur, wenn aufgrund besonderer Umstände nicht davon auszugehen ist, dass die Eheschließung allein oder überwiegend den Zweck der Hinterbliebenenversorgung hatte.
Folgende besondere Umstände können auch bei kurzer Ehe einen Anspruch auf Witwenrente begründen:
Unvorhersehbarer Tod des Ehepartners
Gemeinsame leibliche Kinder
Erziehung eines minderjährigen Kindes des Verstorbenen durch den Hinterbliebenen
Eine langjährige Lebensgemeinschaft ist hingegen kein besonderer Umstand, sondern vielmehr eine freie Entscheidung gegen eine Heirat.
Bei erneuter Heirat des hinterbliebenen Ehegatten erlischt der Anspruch auf Witwenrente.
Aus diesem Grund sollten sich Hinterbliebene, welche bereits Leistungen aus der Witwenrente beziehen, gut überlegen, ob eine Wiederheirat sinnvoll ist. Wird die Rentenversicherung nicht umgehend über die erneute Wiederheirat in Kenntnis gesetzt, kann dies für den bisherigen Leistungsbezieher teuer werden.
Werden trotz erneuter Eheschließung weiterhin Leistungen aus der Witwenrente bezogen, müssen diese zurückbezahlt werden Bei einer Wiederheirat besteht allerdings die Möglichkeit, eine Abfindung (§ 107 SGB VI) auf die große Witwenrente zu beantragen. Die Witwe bzw. der Witwer erhält anschließend 2 Jahresrenten entsprechend der Bezüge aus dem vorangegangenen Jahr.
Die Witwenrente wurde erstmals mit der Reichsversicherungsverordnung von 1911 eingeführt, wodurch die Hinterbliebenenversorgung für Witwen und Waisen gesichert werden sollte. Zu einer Gleichstellung von Witwen und Witwern kam es allerdings erst im Jahr 1986. Bis dato hatten Witwer lediglich Anspruch auf Witwenrente sofern der Unterhalt der Familie überwiegend durch die verstorbene Ehepartnerin bestritten wurde.
Dies hatte den historischen Hintergrund, dass eine Frau während einer Ehe normalerweise nicht berufstätig war. In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Reformen und Neuerungen im Hinterbliebenenrecht.
Bereits kurz nach der Gleichstellung von Männern und Frauen wurde eine Anrechnung eigener Einkommen beschlossen, welche mit der Rentenreform 2001 noch eine Ausweitung erfuhr. Seither wurde die Witwenrente in Deutschland wiederholt zur Diskussion gestellt. Immer wieder gab es Bestrebungen, den Anspruch auf Witwenrente nur im Falle einer Bedürftigkeit zu gewähren. Bislang fanden diese allerdings keine Mehrheit.
Der Tod des Ehe- oder Lebenspartners ist für jeden Hinterbliebenen ein schwerer Schicksalsschlag. Um neben dem Verlust eines geliebten Menschen nicht auch noch Existenzängste fürchten zu müssen, zahlt die gesetzliche Rentenversicherung die sogenannte Witwenrente aus.
Hatte der Verstorbene Anspruch auf eine Rentenversicherung, so erhält der bis zu dessen Tod eingetragene Ehe- oder Lebenspartner 3 Monate lang die Witwenrente in voller Höhe ausgezahlt. Bei Anstragstellung erfolgt danach die Auszahlund der kleinen oder großen Witwenrente. Eine Neuregelung 2002 schreibt vor, dass die Witwenrente nur noch ausgezahlt wird, wenn die Ehe mindestens ein Jahr bestanden hat.
Die Witwenrente wird dem Einkommen des Witwers angerechnet. Hierzu wird zunächst das Nettoeinkommen des Witwers ermittelt. Liegt dieses über einen bestimmten Freibetrag, wird vom der verbleibenden Nettoeinkünfte 40 % auf die Rente angerechnet. Deshalb fällt die Witwenrente meist geringer aus. Bei Wiederheirat des Witwers/der Witwe ist eine Abfindung in Höhe von 2 Jahresrenten möglich, erlischt aber nach erfolgter Auszahlung dieser Abfindung.