Source: https://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Kuendigung_Ehebruch_Kuendigung_wegen_Ehebruchs_LAG_Hamm_10Sa18-13.html
Timestamp: 2019-12-09 06:09:41
Document Index: 279638271

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 5', '§ 138', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', '§ 41', '§ 138', '§ 138', '§ 138', '§ 2', 'Art. 140', 'Art. 140', 'Art. 137', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 5', 'EGMR', 'Art. 5', 'Art. 5', '§ 611', 'EGMR', 'Art. 5', '§ 2', 'Art. 6', '§ 1579', 'EGMR', '§ 1579', '§ 1579', 'BGH', '§ 1587', '§ 5', 'Art. 8', '§ 5', 'EGMR', 'EGMR', 'Art. 5', '§ 611', '§ 241', 'Art. 140', 'Art. 140', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 9', '§ 92', '§ 264', '§ 269', '§ 72', 'Art. 5']

LAG Hamm, Urteil vom 14.06.2013, 10 Sa 18/13 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Hamm, Ur­teil vom 14.06.2013, 10 Sa 18/13
Schlagworte: Kirche, Kündigung: Verhaltensbedingt, AVR, Kündigung: Kirche
Aktenzeichen: 10 Sa 18/13
Entscheidungsdatum: 14.06.2013
2 Ca 786/12
ArbG Bo­cholt
14. Ju­ni 2013
Neu­ge­bau­er
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 14. Ju­ni 2013
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Lin­de und Müller
öffent­li­che Got­tesläste­rung und Her­vor­ru­fen von Hass und Ver­ach­tung ge­gen Re­li­gi­on und Kir­che (c. 1369 CIC), Straf­ta­ten ge­gen die kirch­li­chen Au­to­ritäten und die Frei­heit der Kir­che (ins­be­son­de­re gemäß den cc. 1373, 1374 CIC).
(3) Ein nach Ab­satz 2 ge­ne­rell als Kündi­gungs­grund in Be­tracht kom­men­des Ver­hal­ten schließt die Möglich­keit ei­ner
Wei­ter­beschäfti­gung aus, wenn es be­gan­gen wird, von pas­to­ral, ka­te­che­tisch oder lei­tend täti­gen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern oder Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern, die auf­grund ei­ner Mis­sio ca­no­ni­ca tätig sind. Von ei­ner Kündi­gung kann aus­nahms­wei­se ab­ge­se­hen wer­den, wenn schwer­wie­gen­de Gründe des Ein­zel­fal­les die­se als un­an­ge­mes­sen er­schei­nen las­sen.
mit Frau Q1 an den Or­geln der Kir­che zunächst ein­ge­stellt wer­de. Zu­letzt ver­si­cher­te der Kläger, den Propst so­fort zu in­for­mie­ren, wenn er – der Kläger – mit der GrO in Kon­flikt ge­ra­ten soll­te.
Am 2. April 2012 be­schloss der Kir­chen­vor­stand der Be­klag­ten, das Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger durch außer­or­dent­li­che frist­lo­se, hilfs­wei­se or­dent­li­che frist­ge­rech­te Kündi­gung zu be­en­den.
Der Kläger hat zu­sam­men­ge­fasst vor­ge­tra­gen: Die Kündi­gun­gen sei­en un­wirk­sam. Es feh­le nach dem ei­ge­nen Vor­trag der Be­klag­ten so­wohl an ei­nem wich­ti­gen Grund als auch an ei­ner so­zia­len Recht­fer­ti­gung. Das ihm vor­ge­wor­fe­ne Ver­hal­ten ver­s­toße nicht ge­gen gel­ten­des Recht der ka­tho­li­schen Kir­che, ins­be­son­de­re ha­be er da­mit kei­ne Loya­litäts­pflich­ten aus Art. 4, 5 GrO ver­letzt. Ein außer­ehe­li­ches Verhält­nis stel­le kei­ne schwer­wie­gen­de persönli­che sitt­li­che Ver­feh­lung im Sin­ne von Art. 5 Abs. 2 Spie­gel­strich 1 GrO dar. In Art. 5 Abs. 2 Spie­gel­strich 2 GrO sei in Be­zug auf das Ehe­sa­kra­ment al­lein die Wie­der­hei­rat als schwe­rer Loya­litäts­ver­s­toß vor­ge­se­hen. Dem ent­spre­che es, dass der Ehe­bruch durch den co­dex iuris ca­no­ni­ci (cic) des Jah­res 1983 als straf­be­wehr­tes cri­men ab­ge­schafft wor­den sei. Je­den­falls un­ter­lie­ge der Kläger als ein­fa­cher wei­sungs­ge­bun­de­ner Kir­chen­mu­si­ker kei­nen ge­stei­ger­ten Loya­litätsan­for­de­run­gen. Mit der Un­ter­schrift un­ter den Ar­beits­ver­trag ha­be er sich nicht ver­pflich­tet, im Fal­le der Tren­nung oder Schei­dung le­bens­lang ab­sti­nent zu le­ben. Selbst wenn man den Vor­trag der Be­klag­ten für schlüssig hal­ten woll­te, könne er zu den Vorwürfen schwei­gen, oh­ne die Geständ­nis­wir­kung des § 138 Abs. 3 ZPO aus­zulösen, da aus­sch­ließlich sein durch die Eu­ropäische Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EM­RK) geschütz­tes Pri­vat­le­ben be­trof­fen sei. Hilfs­wei­se be­strei­te er die Vorwürfe. Darüber hin­aus be­haup­tet der Kläger, er sei selbst über­zeug­ter Ka­tho­lik und ste­he hin­ter der Glau­bens- und Sit­ten­leh­re der ka­tho­li­schen Kir­che. Die cha­rak­ter­li­che Ver­schie­den­heit zwi­schen ihm und sei­ner Ehe­frau ha­be es al­ler­dings unmöglich ge­macht, die Ehe fort­zu­set­zen. Er be­ab­sich­tig­te we­der, mit ei­ner an­de­ren Frau in häus­li­cher Ge­mein­schaft zu le­ben oder Kin­der zu ha­ben, noch mit ei­ner an­de­ren Frau in der Ge­mein­de als Paar auf­zu­tre­ten. Letz­tes ha­be er auch in der Ver­gan­gen­heit nicht ge­tan, ins­be­son­de­re ha­be nicht in der Öffent­lich­keit die Hand ei­ner an­de­ren Frau ge­hal­ten. Die Dienst­ge­mein­schaft sei durch das ihm vor­ge­wor­fe­ne Ver­hal­ten nicht be­las­tet wor­den. Die Be­tei­li­gung im Propsteichor sei erst nach Aus­spruch der Kündi­gung dra­ma­tisch ge­sun­ken. Er wer­de kei­ne an­de­re aus­bil­dungs­adäqua­te Beschäfti­gung fin­den. Die Be­klag­te ha­be das Ver­fah­ren nach Art. 5 Abs. 1 GrO nicht ein­ge­hal­ten und durch den schritt­wei­sen Ent­zug ein­zel­ner Ar­beits­auf­ga­ben zu er­ken­nen ge­ge­ben, dass sie auf ei­ne Kündi­gung ver­zich­ten wer­de. Die Kündi­gung sei vom Kir­chen­vor­stand nicht ord­nungs­gemäß be­schlos­sen, der Be­schluss des Kir­chen­vor­stands nicht kir­chen­auf­sicht­lich ge­neh­migt und die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung nicht ord­nungs­gemäß an­gehört wor­den.
und ha­be sich bei sei­nem Va­ter darüber be­schwert, dass der Kläger mor­gens am Küchen­tisch sit­ze und al­les dop­pelt so lan­ge daue­re, weil der Kläger und die Zeu­gin Q1 ständig „knutsch­ten". Das Un­ter­hal­ten ei­ner außer­ehe­li­chen se­xu­el­len Be­zie­hung stel­le ei­ne schwer­wie­gen­de persönli­che sitt­li­che Ver­feh­lung im Sin­ne von Art. 5 Abs. 2 Spie­gel­strich 1 GrO dar. Die Ehe sei als Sa­kra­ment hei­lig und könne vom Men­schen nicht auf­gelöst wer­den. In­dem der Ehe­bruch als straf­be­wehr­tes cri­men ab­ge­schafft wor­den sei, ha­be die ka­tho­li­sche Kir­che nicht ei­nen zen­tra­len Be­stand­teil ih­rer Glau­bens- und Sit­ten­leh­re auf­ge­ge­ben. Der Ehe­bruch stel­le nach wie vor ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Sechs­te Ge­bot dar. Nach den ge­sam­ten Umständen sei der Be­klag­ten jeg­li­che Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­zu­mut­bar. Der Kläger neh­me als Kan­tor Auf­ga­ben in der Lit­ur­gie war und ste­he da­durch in beträcht­li­cher Nähe zur Verkündi­gung des ka­tho­li­schen Glau­bens. Es sei nicht hin­nehm­bar, dass er ei­ner­seits ein außer­ehe­li­ches Verhält­nis – auch öffent­lich – le­be und an­de­rer­seits den Stand­punkt ver­tre­te, kein „ver­bo­te­nes Verhält­nis" zur Zeu­gin Q1 zu pfle­gen und ein sol­ches hartnäckig wahr­heits­wid­rig be­strei­te. Der Kläger ha­be seit Sep­tem­ber 2011 ein ab­so­lut un­ein­sich­ti­ges und tak­ti­sches Ver­hal­ten an den Tag ge­legt. Das ha­be zu er­heb­li­chem Un­frie­den in der Ge­mein­de und zu ei­nem schwer­wie­gen­den Ver­trau­ens­ver­lust bei dem Dienst­vor­ge­setz­ten des Klägers geführt. Die Glaubwürdig­keit sei­nes Dienst­herrn wer­de durch das Ver­hal­ten des Klägers beschädigt. Die Be­klag­te ha­be al­les ge­tan, um die Kündi­gung zu ver­mei­den. Sie ha­be mehr­fach ver­geb­lich das Gespräch mit dem Kläger ge­sucht. Der Kläger ha­be die Kündi­gung pro­vo­ziert an­statt sie zu ver­hin­dern. Die Ein­schränkung sei­ner Tätig­kei­ten sei le­dig­lich ei­ne vorüber­ge­hen­de Maßnah­me ge­we­sen. Die dau­er­haf­te Beschäfti­gung ei­nes Kir­chen­mu­si­kers oh­ne kir­chen­mu­si­ka­li­sche Auf­ga­ben sei un­denk­bar. Der Kündi­gungs­be­schluss des Kir­chen­vor­stands vom 2. April 2012 sei, ob­wohl dies kei­ne Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung dar­stel­le, kir­chen­auf­sicht­lich ge­neh­migt und die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung kor­rekt be­tei­ligt wor­den.
außer­or­dent­li­che frist­lo­se als auch die or­dent­li­che frist­gemäße Kündi­gung un­verhält­nismäßig. Das In­ter­es­se des Klägers am Er­halt sei­nes Ar­beits­plat­zes und der Ach­tung sei­nes Pri­vat­le­bens über­wie­ge das – ob­gleich er­heb­li­che – Be­en­di­gungs­in­ter­es­se der Be­klag­ten und de­ren Selbst­be­stim­mungs­recht.
wirk­sam be­fun­den wer­den soll­te, sei das Ar­beits­verhält­nis je­den­falls ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung auf­zulösen. Ei­ne den Be­triebs­zwe­cken dien­li­che Zu­sam­men­ar­beit sei nicht mehr möglich. Ei­ner­seits ha­be der Kläger vorsätz­lich und be­harr­lich un­wah­re Be­haup­tun­gen im Rechts­streit auf­ge­stellt. An­de­rer­seits zei­ge er sich auch nach Zu­gang der Kündi­gung und während des Rechts­streits re­gelmäßig in­nig in der be­schrie­be­nen Wei­se mit der Zeu­gin Q1 in der Öffent­lich­keit. Der Kläger ver­su­che ganz of­fen­sicht­lich, die Be­klag­te zu pro­vo­zie­ren und ak­tiv die Glaubwürdig­keit der Kir­che zu un­ter­gra­ben. In die­sem Zu­sam­men­hang sei auch zu se­hen, dass der Kläger ent­ge­gen sei­ner bis­he­ri­gen Ge­wohn­heit mitt­ler­wei­le mehr­fach die Mes­se be­sucht und sich die Kom­mu­ni­on ha­be er­tei­len las­sen. Es ge­he dem Kläger dar­um, über die Be­klag­te zu „tri­um­phie­ren" und sie zu demüti­gen. Auf­grund des Ver­hal­tens des Klägers sähen sich zu­min­dest 33 Mit­glie­der des Propsteichors (vgl. das Schrei­ben vom 18. Fe­bru­ar 2013, Bl. 279 - 281 d.A.) so­wie der ge­sam­te Kir­chen­vor­stand und der Pfarr­ge­mein­de­rat (vgl. das Schrei­ben vom 2. April 2013, Bl. 290 - 291 d.A.) nicht mehr in der La­ge, künf­tig ge­deih­lich mit dem Kläger zu­sam­men zu ar­bei­ten. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Be­ru­fungs­vor­brin­gens der Be­klag­ten wird auf ih­re Schriftsätze vom 18. De­zem­ber 2012 (Bl. 221 - 233 d.A.), vom 19. De­zem­ber 2012 (Bl. 239 - 241 d.A.), vom 26. Fe­bru­ar 2013 (Bl. 262 - 267 d.A.), vom 7. März 2013 (Bl. 278 - 281 d.A.), vom 6. Ju­ni 2013 (Bl. 288 - 291 d.A.) so­wie vom 11. Ju­ni 2013 (Bl. 298 - 303 d.A.) Be­zug ge­nom­men.
ergänzend vor: Die Be­klag­te wol­le ei­nen ganz neu­en Kündi­gungs­grund einführen. Die ka­tho­li­sche Kir­che könne ih­ren Mit­ar­bei­tern nicht bei Mei­dung ei­ner Kündi­gung auf­er­le­gen, kei­ne vor- oder außer­ehe­li­chen se­xu­el­len Hand­lun­gen vor­zu­neh­men. Je­den­falls gehöre der Kläger nicht zu dem Per­so­nen­kreis, den bei ei­nem Loya­litäts­ver­s­toß ei­ne „Re­gelkündi­gung" tref­fe. Nach den in Art. 5 Abs. 4 GrO be­zeich­ne­ten Kri­te­ri­en sei ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung möglich. Er sei über­zeug­ter Ka­tho­lik, ha­be sich nach der Tren­nung von sei­ner Ehe­frau stets äußerst dis­kret ver­hal­ten und Ein­zel­hei­ten sei­ner pri­va­ten Le­bensführung nie in die Öffent­lich­keit ge­tra­gen. Die dies­bezügli­chen Vor­hal­tun­gen der Be­klag­ten blie­ben va­ge und un­kon­kret. Er sei nicht mit der Zeu­gin Q1 Hand in Hand her­um­ge­lau­fen und wei­se auf das Ent­schie­dens­te die Be­haup­tung zurück, sie hätten während der Chor­pro­ben Händ­chen ge­hal­ten. Es ge­be we­gen des an­geb­li­chen Ver­hal­tens des Klägers kei­ne La­ger­bil­dung im Chor. So­weit es über­haupt zu ei­ner La­ger­bil­dung ge­kom­men sein soll­te, sei die­se nach Aus­spruch der Kündi­gung auf­grund ei­ner Be­ein­flus­sung durch den Kir­chen­vor­stand oder ein­zel­ne Mit­glie­der ent­stan­den. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Be­ru­fungs­vor­brin­gens des Klägers wird auf des­sen Schrift­satz vom 10. Ja­nu­ar 2013 (Bl. 246 - 251 d.A.) Be­zug ge­nom­men.
Die Be­ru­fung ist teil­wei­se be­gründet. Ent­ge­gen dem Ar­beits­ge­richt ist die an­ge­fal­le­ne Kla­ge teil­wei­se un­be­gründet. Die or­dent­li­che Kündi­gung ist wirk­sam. Sie hat das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nach § 41 Abs. 2 KA­VO mit Ab­lauf des 30. Sep­tem­ber 2012 auf­gelöst. Hin­ge­gen hat das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend an­ge­nom­men, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht schon durch die außer­or­dent­li­che frist­lo­se Kündi­gung be­en­det wor­den ist.
I. Die or­dent­li­che frist­ge­rech­te Kündi­gung ist wirk­sam.
aa) Der Kläger hat seit spätes­tens Herbst 2011 und noch bei Zu­gang der Kündi­gung ein außer­ehe­li­ches ge­schlecht­li­ches Verhält­nis mit der Zeu­gin Q1
un­ter­hal­ten. Das steht auf­grund der un­zu­rei­chen­den Ein­las­sung des Klägers gemäß § 138 Abs. 3 ZPO fest.
je­doch die den Kläger im Rah­men ei­nes Rechts­streits in sei­nem wohl­ver­stan­de­nen Ei­gen­in­ter­es­se tref­fen­de Ob­lie­gen­heit, auf schlüssi­gen und sub­stan­ti­ier­ten Vor­trag der Be­klag­ten zu in sei­nem Kennt­nis­be­reich lie­gen­den Tat­sa­chen in eben­falls sub­stan­ti­ier­ter Wei­se zu er­wi­dern, wenn die Geständ­nis­fik­ti­on des § 138 Abs. 3 ZPO nicht ein­grei­fen soll. Es liegt hier nicht an­ders, als in ei­nem Rechts­streit um die Wirk­sam­keit ei­ner krank­heits­be­ding­ten Kündi­gung. In ei­nem sol­chen Ver­fah­ren kann den Ar­beit­neh­mer die pro­zes­sua­le Mit­wir­kungs­ob­lie­gen­heit tref­fen, sei­ne be­han­deln­den Ärz­te von der Schwei­ge­pflicht zu ent­bin­den (vgl. BAG 6. Sep­tem­ber 1989 - 2 AZR 19/89 - zu BI1b der Gründe, DB 1990, 429). Hier wie dort ist der Ar­beit­neh­mer vor ei­nem „Blank­zie­hen" in zwei­er­lei Hin­sicht geschützt: Zum ei­nen muss er sich oh­ne In­k­auf­nah­me von Rechts­nach­tei­len über­haupt nicht erklären, wenn der Vor­trag des Ar­beit­ge­bers be­reits aus Rechts­gründen un­schlüssig ist (so wie es bei ei­ner außer­ehe­li­chen Be­zie­hung in ei­nem säku­la­ren Ar­beits­verhält­nis re­gelmäßig der Fall sein wird) oder oh­ne greif­ba­re tatsächli­che An­halts­punk­te er­sicht­lich „ins Blaue hin­ein" er­folgt. Da­mit ist zu­gleich der – an sich be­rech­tig­ten – Befürch­tung des Klägers vor­ge­beugt, dass die staat­li­chen Ge­rich­te für Schnüffe­lei­en des Ar­beit­ge­bers im Pri­vat- und Fa­mi­li­en­le­ben ei­nes Ar­beit­neh­mers „in­stru­men­ta­li­siert" wer­den könn­ten. Zum an­de­ren und je­den­falls bleibt es die freie Ent­schei­dung des Ar­beit­neh­mers, ob und in­wie­weit er sich im Rechts­streit erklären möch­te. Auch im Pro­zess kann er zu ei­ner Erklärung in kei­nem Fall ge­zwun­gen wer­den. Er muss dann „nur" ge­ge­be­nen­falls die Fol­ge des § 138 Abs. 3 ZPO tra­gen (vgl. BAG 30. Ju­ni 1983 - 2 AZR 524/81 - zu B II 4 der Gründe, NJW 1984, 1917).
der Neu­fas­sung des co­dex iuris ca­no­ni­ci im Jah­re 1983 nicht länger als Ver­bre­chen an­ge­se­hen wird (so noch can. 2357 § 2 cic aF), ist oh­ne Be­lang. Das ka­no­ni­sche Recht nennt als We­sens­ei­gen­schaft ei­ner Ehe nach wie vor de­ren Un­auflöslich­keit (can. 1056 und 1141 cic) so­wie ih­re le­bens­lan­ge und aus­sch­ließli­che Na­tur (can. 1134 cic) (vgl. BAG 16. Sep­tem­ber 1999 - 2 AZR 712/98 - zu V 5 a bb der Gründe, NZA 2000, 208). Nach der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re kommt der Ehe nicht ei­ne for­mel­le Funk­ti­on im Sin­ne ei­nes frei zu schließen­den und auch wie­der zu lösen­den pri­vat­recht­li­chen Ver­trags zu, son­dern sie ist als Sa­kra­ment un­auflöslich und aus­sch­ließlich so­wie in­te­gra­ler Be­stand­teil der gött­li­chen Schöpfungs- und Erlösungs­ord­nung (vgl. BAG 8. Sep­tem­ber 2011 - 2 AZR 543/10 - Rn. 36, NZA 2012, 443). Nach ka­tho­li­schem Kir­chen­recht ist des­halb der Ehe­bruch (vgl. can. 1152 cic) nach wie vor als schwer­wie­gen­des Fehl­ver­hal­ten an­zu­se­hen (vgl. BAG 16. Sep­tem­ber 1999 - 2 AZR 712/98 - zu II 5 b der Gründe, NZA 2000, 208).
ständi­ger Recht­spre­chung ge­folgt ist (zB BAG 21. Fe­bru­ar 2001 - 2 AZR 139/00 - NZA 2001, 1136; 24. April 1997 - 2 AZR 268/96 - NZA 1998, 145; 18. No­vem­ber 1986 - 7 AZR 274/85 - AP GG Art. 140 Nr. 35), gewähr­leis­tet das durch Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV ver­fas­sungs­recht­lich verbürg­te Selbst­ord­nungs- und Selbst­ver­wal­tungs­recht den ver­fass­ten Kir­chen im Sin­ne ei­nes Selbst­be­stim­mungs­rechts darüber zu be­fin­den, wel­che Diens­te es in ih­ren Ein­rich­tun­gen ge­ben soll und in wel­chen Rechts­for­men sie wahr­zu­neh­men sind. Die Kir­chen können sich da­bei der staat­li­chen Pri­vat­au­to­no­mie be­die­nen, um ein Ar­beits­verhält­nis zu be­gründen und zu re­geln (BAG 8. Sep­tem­ber 2011 - 2 AZR 543/10 - Rn. 22, NZA 2012, 443 mwN).
so­weit die Ver­fas­sung das Recht der Kir­che an­er­kennt, hierüber selbst zu be­fin­den. Es bleibt da­nach grundsätz­lich den ver­fass­ten Kir­chen über­las­sen, ver­bind­lich zu be­stim­men, was die „Glaubwürdig­keit der Kir­che und der Ein­rich­tun­gen, in der sie beschäftigt sind" (vgl. Art. 4 Abs. 4, Art. 5 Abs. 5 GrO) er­for­dert, wel­ches die zu be­ach­ten­den „Grundsätze der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re" sind (vgl. Art. 4 Abs. 1 GrO) und wel­che „Loya­litäts­verstöße" (vgl. Art. 5 Abs. 2 GrO) aus „kir­chen­spe­zi­fi­schen Gründen" als „schwer­wie­gend" an­zu­se­hen sind. Auch die Ent­schei­dung darüber, ob und wie in­ner­halb der im kirch­li­chen Dienst täti­gen Ar­beit­neh­mer ei­ne Ab­stu­fung der Loya­litätsan­for­de­run­gen ein­grei­fen soll (vgl. Art. 5 Abs. 3 und Abs. 4 GrO) ist grundsätz­lich ei­ne dem kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­recht un­ter­lie­gen­de An­ge­le­gen­heit (vgl. BAG 21. Fe­bru­ar 2001 - 2 AZR 139/00 - Rn. 53, NZA 2001, 1136; 8. Sep­tem­ber 2011 - 2 AZR 543/10 - Rn. 24, NZA 2012, 443; bestäti­gend: EGMR 3. Fe­bru­ar 2011 - 18136/02 - NZA 2012, 199).
(1) Das Un­ter­hal­ten ei­ner außer­ehe­li­chen ge­schlecht­li­chen Be­zie­hung stellt ei­ne schwe­re persönli­che sitt­li­che Ver­feh­lung im Sin­ne von Art. 5 Abs. 2 Spie­gel­strich 1 der im Bis­tum Müns­ter wirk­sam in Kraft ge­setz­ten, über die Präam­bel der KA­VO für das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en in Be­zug ge­nom­me­nen und des­halb die Par­tei­en ar­beits­ver­trag­lich bin­den­den GrO dar. Der Kläger hat sich da­mit in er­heb­li­chem Maße il­loy­al im Sin­ne des Ethos der Be­klag­ten ver­hal­ten. Das Ge­gen­teil folgt ent­ge­gen sei­ner An­sicht nicht in ei­nem Um­kehr­schluss aus Art. 5 Abs. 2
Spie­gel­strich 2 GrO (vgl. BAG 16. Sep­tem­ber 1999 - 2 AZR 712/98 - zu II 5 b der Gründe, NZA 2000, 2008; LAG Düssel­dorf 13. Au­gust 1998 - 7 Sa 425/98 - zu A II der Gründe, LA­GE BGB § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 9 je­weils je­den­falls für das ge­schlecht­li­che Zu­sam­men­le­ben Un­ver­hei­ra­te­ter; in­so­weit als un­be­denk­lich ein­ge­stuft durch EGMR 23. Sep­tem­ber 2010 - 1620/03 - Rn. 68, NZA 2011, 279). Zum ei­nen stellt nach dem al­lein maßgeb­li­chen – wenn auch der Bevölke­rungs­mehr­heit mögli­cher­wei­se un­plau­si­bel, rückwärts­ge­rich­tet und ir­ra­tio­nal er­schei­nen­den (vgl. BAG 8. Sep­tem­ber 2011 - 2 AZR 543/10 - Rn. 39, NZA 2012, 443) – Verständ­nis der ka­tho­li­schen Kir­che ei­ne vor­ehe­li­che ge­schlecht­li­che
Be­zie­hung kei­ne Vor­stu­fe zur Ehe dar. „Ehen auf Pro­be" sind im ka­tho­li­schen Verständ­nis nicht vor­ge­se­hen, ins­be­son­de­re hat die Se­xua­lität nur in der – in­so­fern aus­sch­ließli­chen – Ehe ih­ren be­rech­tig­ten Platz. Da­nach kann auch ei­ne außer­ehe­li­che ge­schlecht­li­che Be­zie­hung kei­ne Vor­stu­fe zur Wie­der­hei­rat sein. Zum an­de­ren ist die Wie­der­hei­rat (can. 1085 cic) nicht der ein­zi­ge Fall des Ab­schlus­ses „ei­ner nach dem Glau­bens­verständ­nis und der Rechts­ord­nung der Kir­che ungülti­gen Ehe" im Sin­ne von Art. 5 Abs. 2 Spie­gel­strich 2 GrO. Viel­mehr kann ei­ne ungülti­ge Ehe nach Ka­pi­tel III (Die Tren­nen­den Hin­der­nis­se im All­ge­mei­nen) und IV (Ehe­kon­sens) des co­dex iuris ca­no­ni­ci aus zahl­rei­chen an­de­ren Gründen vor­lie­gen. Zu die­sen Ungültig­keits­gründen rech­net auch, dass zu­min­dest ein Part­ner ein We­sensele­ment oder ei­ne We­sens­ei­gen­schaft der Ehe durch po­si­ti­ven Wil­lens­akt aus­ge­schlos­sen hat (vgl. can. 1101 § 2 cic; zB Ab­leh­nung der Zeu­gung von Nach­kom­men­schaft durch ge­schlecht­li­ches Zu­sam­men­wir­ken oder In­fra­ge­stel­len der Un­auflöslich­keit oder Aus­sch­ließlich­keit der Ehe). Sch­ließlich rich­tet sich die Wie­der­hei­rat vor al­lem ge­gen die Un­auflöslich­keit der Ehe, während das Un­ter­hal­ten ei­ner außer­ehe­li­chen ge­schlecht­li­chen Be­zie­hung ei­nen schwe­ren Ver­s­toß ge­gen den Grund­satz der Aus­sch­ließlich­keit der Ehe dar­stellt.
(2) Die Vor­stel­lun­gen der ka­tho­li­schen Kir­che zur Aus­sch­ließlich­keit der Ehe ste­hen nicht in Wi­der­spruch zu den Grund­prin­zi­pi­en der Rechts­ord­nung. Der Bruch ei­ner be­ste­hen­den (bürger­li­chen) Ehe, die gemäß Art. 6 Abs. 1 GG un­ter dem be­son­de­ren Schutz der staat­li­chen Ord­nung steht, wird auch vom bürger­li­chen Recht als ein schwer­wie­gen­des Fehl­ver­hal­ten an­ge­se­hen (vgl. § 1579 Nr. 7 BGB). Das gilt un­ge­ach­tet der Tat­sa­che, dass dies in der ge­leb­ten Pra­xis auch an­ders ge­se­hen wird (vgl. BAG 16. Sep­tem­ber 1999 - 2 AZR 712/98 - zu II 5 a cc der Gründe, NZA 2000, 208; 24. April 1997 - 2 AZR 258/96 - zu II 1 b bb (2) der Gründe, NZA 1998, 145; in­so­weit an­er­kannt durch EGMR 23. Sep­tem­ber 2010 - 425/03 - Rn. 48, NZA 2011, 277). Die ne­ga­ti­ve Härte­klau­sel des § 1579 Nr. 7 BGB, bei der Verstöße ge­gen die ehe­li­che Treue­pflicht im Vor­der­grund ste­hen (vgl. Münch­Komm-BGB/Mau­rer 5. Aufl. § 1579 Rn. 44 und 47; OLG Hamm 3. Ju­ni 1997 - 7 UF 523/96 - Fam­RZ 1997, 1484), gewähr­leis­tet ge­ra­de die Ver­fas­sungsmäßig­keit des ver­schul­dens­un­abhängi­gen Un­ter­halts­rechts (vgl. BVerfG 14. Ju­li 1981 - 1 BvL 28/77 ua. - NJW 1981, 1771; BGH 16. April 2008 - XII ZR 7/05 - Rn. 27, NJW 2008, 2779; vgl. auch BVerfG 20. Mai 2003 - 1 BvR 237/97 - NJW 2003, 2819 für die
Härte­fall­klau­sel im Ver­sor­gungs­aus­gleich in § 1587c BGB). Der Grund­satz der Un­auflöslich­keit der kirch­li­chen Ehe spielt vor­lie­gend kei­ne Rol­le, weil der Kläger nicht ein­mal die Schei­dung sei­ner bürger­li­chen Ehe be­treibt. Im Übri­gen sieht auch das kirch­li­che Recht die Auflösung zu­min­dest der nicht voll­zo­ge­nen Ehe „aus ei­nem ge­rech­ten Grund" vor (can. 1142 cic). Mit al­le­dem ist im Übri­gen nicht ent­schie­den, dass der kirch­li­che Ar­beit­ge­ber sei­ne Ar­beit­neh­mer bei Mei­dung ei­ner Kündi­gung zu le­bens­lan­ger be­din­gungs­lo­ser Ab­sti­nenz nach dem Schei­tern ei­ner Ehe ver­pflich­ten darf. Denn es sind nicht In­halt und Verhält­nismäßig­keit der kirch­li­chen Loya­litäts­pflich­ten, son­dern es ist die Verhält­nismäßig­keit ei­ner auf de­ren kon­kre­te Ver­let­zung gestütz­ten ar­beits­recht­li­chen Maßnah­me zu über­prüfen (vgl. LAG Hamm 17. Fe­bru­ar 2012 - 18 Sa 867/11 - ju­risRn. 82; Gra­ben­war­ter in: Straßburg und das kirch­li­che Ar­beits­recht S. 9 [18]; Plum NZA 2011, 1194, 1199).
nichts „Ver­bo­te­nes" zu tun, sich sei­ner Ver­ant­wor­tung als kirch­li­cher Mit­ar­bei­ter be­wusst zu sein und den Propst von sich aus zu in­for­mie­ren, wenn er – der Kläger – mit der GrO in Kon­flikt ge­ra­ten soll­te. Sch­ließlich konn­te sich bei dem Kläger je­den­falls nach der Über­sen­dung des Auf­he­bungs­ver­trags im Ja­nu­ar 2012 kein schutzwürdi­ges Ver­trau­en mehr da­hin bil­den, dass die Be­klag­te ei­ne – ggf. ein­sei­ti­ge – Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses kei­nes­falls in Be­tracht zie­hen, son­dern es dau­er­haft bei den – zu­mal von ihm an­ge­grif­fe­nen – Be­schränkun­gen des Tätig­keits­be­reichs be­las­sen wer­de.
bb) Ei­ne Ab­mah­nung war im Streit­fall ent­behr­lich, weil ei­ne Ver­hal­tensände­rung in der Zu­kunft kei­nes­falls zu er­war­ten stand. Der Kläger war er­sicht­lich nicht ge­willt, die außer­ehe­li­che ge­schlecht­li­che Be­zie­hung mit der Zeu­gin Q1 zu be­en­den. Schon vor Aus­spruch der Kündi­gung hat­te er in an­walt­li­cher Ver­tre­tung und trotz di­ver­ser Gespräche mit Ver­tre­tern der Be­klag­ten und des Ge­ne­ral­vi­ka­ri­ats un­verrück­bar den Stand­punkt ein­ge­nom­men, dass das ihm vor­ge­wor­fe­ne Ver­hal­ten nach dem ei­ge­nen
Vor­trag der Be­klag­ten kei­nen Ver­s­toß ge­gen gel­ten­des Recht der ka­tho­li­schen Kir­che dar­stel­le. Im Übri­gen hat­te die hartnäckig fort­ge­setz­te Loya­litäts­ver­let­zung an­ge­sichts des ge­sam­ten Ver­hal­tens des Klägers zwi­schen­zeit­lich ei­ne sol­che Schwe­re er­reicht, dass ih­re wei­te­re Hin­nah­me durch die Be­klag­te of­fen­sicht­lich – auch für den Kläger er­kenn­bar – aus­ge­schlos­sen war.
(a) Al­ler­dings hat der Kläger ein er­heb­li­ches In­ter­es­se so­wohl an der Fort­set­zung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses als auch an der Ach­tung sei­nes Pri­vat- und Fa­mi­li­en­le­ben. Der Kläger war bei Zu­gang der Kündi­gung elf Jah­re bei der Be­klag­ten beschäftigt. Sei­ne fach­li­chen Fähig­kei­ten sind un­be­strit­ten. Bis in den Herbst 2011 ver­lief das Ar­beits­verhält­nis voll­kom­men störungs­frei. Als KOCH ist der Kläger kein Mit­ar­bei­ter mit ge­stei­ger­ten Loya­litätsob­lie­gen­hei­ten im Sin­ne von § 5 Abs. 3 GrO. Er nimmt zu ei­nem nicht un­er­heb­li­chen Teil „welt­li­che" Ar­beits­auf­ga­ben wahr. Zu­dem erfährt der Kläger star­ken Schutz durch Art. 8 EM­RK, weil das Loya­litätshin­der­nis auch sei­ner pri­va­ten Sphäre zu­zu­ord­nen ist. Da­bei ging ei­ner­seits die Auf­nah­me der außer­ehe­li­chen Be­zie­hung zu der Zeu­gin Q1 nicht mit ei­nem böswil­li­gen Ver­las­sen sei­ner Ehe­frau und sei­ner – er­wach­se­nen – Kin­der ein­her (vgl. § 5 Abs. 5 GrO für den Fall des Ab­schlus­ses ei­ner nach dem Glau­bens­verständ­nis und der Rechts­ord­nung der ka­tho­li­schen Kir­che ungülti­gen Ehe). An­de­rer­seits hat die Be­klag­te den Vor­wurf nicht sub­stan­ti­iert, der Kläger sei in ei­ne bis da­hin in­tak­te – stan­des­amt­li­che – Ehe der Q1 „ein­ge­bro­chen". Frei­lich kommt bei­den Umständen nur ein­ge­schränkt „ent­las­ten­de" Be­deu­tung zu, weil es um den außen­ste­hen­den Drit­ten un­be­kann­ten Zu­stand bei­der be­trof­fe­ner Ehen geht, während es – was die Glaubwürdig­keit der Be­klag­ten an­be­langt – ent­schei­dend auf das äußere Er­schei­nungs­bild und da­mit dar­auf an­kommt, ob zu­min­dest in den Au­gen Drit­ter ein Ver­s­toß ge­gen die kirch­li­chen Sit­ten­ge­set­ze vor­liegt (vgl. BAG 3. No­vem­ber 1981 - 1 AZR 38/81 - ju­risRn. 22). In­so­fern genügt ei­ne schein­bar auch ge­schlecht­li­che Be­zie­hung mit ei­ner an­de­ren Frau während ei­ner fort­be­ste­hen­den Ehe, oh­ne dass es maßgeb­lich dar­auf ankäme, ob der an­de­re Ehe­gat­te die­sen se­xu­el­len Kon­takt als Bruch ei­ner in­tak­ten Ehe emp­fin­det. Zu­guns­ten des Klägers un­ter­stellt das Lan­des­ar­beits­ge­richt wei­ter­hin, dass er nicht mit der Zeu­gin Q1 in der Ge­mein­deöffent­lich­keit oder während der Chor­pro­ben Händ­chen ge­hal­ten hat. Sch­ließlich dürf­te der Kläger als Kir­chen­mu­si­ker mit spe­zi­fi­scher Aus­bil­dung schlech­te Chan­cen ha­ben, ei­ne – gleich­wer­ti­ge – Beschäfti­gung zu fin­den (vgl. EGMR 23. Sep­tem­ber 2010 - 1620/03 - Rn. 73, NZA 2011, 279; zwei­felnd: Gra­ben­war­ter in Straßburg und das kirch­li­che Ar­beits­recht S. 9 [21] un­ter Hin­weis auf die Möglich­kei­ten ei­ner Tätig­keit im Be­reich des Mu­sik­un­ter­richts). In­des dürfen ungüns­ti­ge Aus­sich­ten des Ar­beit­neh­mers, ei­ne – an­ge­mes­se­ne – An­schluss­beschäfti­gung zu fin­den, je­den­falls dann nicht über­be­wer­tet wer­den, wenn die Gründe für die Kündi­gung zu­min­dest auch in sei­nem Ver­hal­ten lie­gen.
An­de­ren­falls er­hiel­te der Ar­beit­neh­mer ei­nen „Frei­fahrt­schein" für von ihm steu­er­ba­re er­heb­li­che Verstöße ge­gen kir­chen­spe­zi­fi­sche Loya­litäts- oder all­ge­mei­ne Ver­trags­pflich­ten. Das gölte ins­be­son­de­re für „verkündi­gungs­na­he" Mit­ar­bei­ter, an de­ren persönli­che Le­bensführung zwar be­son­de­re An­for­de­run­gen ge­stellt wer­den dürf­ten, die aber oft­mals bei Ver­lust des Ar­beits­plat­zes auf ei­nen neu­en kirch­li­chen Ar­beit­ge­ber an­ge­wie­sen sind (des­halb ins­ge­samt kri­tisch ge­genüber der Ar­gu­men­ta­ti­on des EM­GR: Gra­ben­war­ter aaO).
Hal­tung ge­genüber der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re zur Fra­ge der Aus­sch­ließlich­keit der Ehe.
(aa) Im Aus­gangs­punkt ist zu be­ach­ten, dass es sich bei der Be­klag­ten nicht um ei­ne ent­fernt kirch­li­che Ein­rich­tung, son­dern um ei­ne ka­tho­li­sche Kir­chen­ge­mein­de han­delt. Zu­dem hat sich der Kläger mit der Un­ter­zeich­nung des Ar­beits­ver­trags wil­lent­lich den Loya­litätsan­for­de­run­gen der ka­tho­li­schen Kir­che un­ter­wor­fen und da­mit sein Recht auf Ach­tung des Pri­vat- und Fa­mi­li­en­le­bens zu ei­nem ge­wis­sen Maß ein­ge­schränkt. Es stand ihm frei, ein Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten zu be­gründen oder nicht (vgl. LAG Ba­den-Würt­tem­berg 9. März 2012 - 12 Sa 55/11 - ju­risRn. 57; EGMR 23. Sep­tem­ber 2010 - 425/03 - Rn. 50, NZA 2011, 277, 23. Sep­tem­ber 2010 - 1620/03 - Rn. 71, NZA 2011, 279; 3. Fe­bru­ar 2011 - 18136/02 - Rn. 46, NZA 2012, 199). Des Wei­te­ren steht der Kläger als Kir­chen­mu­si­ker in un­mit­tel­ba­rer Nähe zum Verkündi­gungs­auf­trag der ka­tho­li­schen Kir­che im Sin­ne von Art. 5 Abs. 4 GrO. Die­se Fra­ge un­ter­liegt rich­ti­ger­wei­se ei­ner durch das deut­sche Ver­fas­sungs­recht ab­ge­si­cher­ten, le­dig­lich ei­ner Willkür- oder Plau­si­bi­litätskon­trol­le un­ter­lie­gen­den Einschätzungs­präro­ga­ti­ve der Kir­che (vgl. Gra­ben­war­ter in: Straßburg und das kirch­li­che Ar­beits­recht S. 9 [19]; Jous­sen aaO S. 27 [39]; Ma­gen aaO S. 41 [48]). So­weit man mit dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te (23. Sep­tem­ber 2010 - 1620/03 - Rn. 69, NZA 2011, 279) ei­ne un­ein­ge­schränk­te ge­richt­li­che Kon­trol­le der Nähe zum Verkündi­gungs­auf­trag für eröff­net hal­ten woll­te, gilt, dass man als Laie (nicht ge­weih­te Per­son) in der ka­tho­li­schen Kir­che der Verkündi­gung schwer­lich näher kom­men kann als ein Mit­ar­bei­ter im lit­ur­gi­schen Dienst (vgl. BAG 16. Sep­tem­ber 1999 - 2 AZR 712/98 - zu II 5 b der Gründe, NZA 2000, 208; LAG Düssel­dorf 13. Au­gust 1998 - 7 Sa 425/98 - zu A I der Gründe, LA­GE BGB § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 9; Ma­gen aaO S. 48). Nach der Dienst­an­wei­sung für Kir­chen­mu­si­ke­rin­nen und Kir­chen­mu­si­ker des Bischöfli­chen Ge­ne­ral­vi­ka­ri­ats wirkt der Kläger maßgeb­lich dar­an mit, das für die ka­tho­li­sche Kir­che zen­tra­le Er­eig­nis der Mess­fei­er (Eu­cha­ris­tie­fei­er) so­wie an­de­re sa­kra­men­ta­le
Fei­ern und Wort- und Ge­bets­got­tes­diens­te würdig zu ge­stal­ten. Er hat sei­nen Dienst aus­zuüben im Bemühen, um ei­ne vol­le und täti­ge Teil­nah­me der Gläubi­gen an den lit­ur­gi­schen Fei­ern. Sei­ne Wei­sungs­ge­bun­den­heit spielt hier­bei kei­ne Rol­le. Ne­ben der da­mit je­den­falls ge­ge­be­nen be­son­de­ren Nähe zur Verkündi­gung ist schließlich zu be­ach­ten, dass das – ent­schei­den­de – Loya­litätshin­der­nis (die fort­be­ste­hen­de Ehe) nicht aus der Sphäre von Frau Q1, son­dern aus der ei­ge­nen Sphäre des Klägers herrührt, der Kläger es aber bei dem sta­tus quo be­las­sen und nicht den ihm nach ka­no­ni­schen Recht ver­blei­ben­den Weg zur kir­chen­recht­li­chen Auflösung sei­ner Ehe be­schrei­ten möch­te (vgl. BAG 8. Sep­tem­ber 2011 - 2 AZR 543/10 - Rn. 46, NZA 2012, 443).
(bb) Es kommt hin­zu, dass der Loya­litäts­ver­s­toß sich nicht aus­sch­ließlich in der pri­va­ten Sphäre des Klägers ab­ge­spielt hat, son­dern ei­ne be­son­de­re Nähe zum Ar­beits­verhält­nis auf­weist. Die Zeu­gin Q1 ist Mit­glied des vom Kläger ge­lei­te­ten Propsteichors. Zu­dem hat sie bei dem Kläger Un­ter­richt an den Or­geln der Kir­che ge­nom­men. Da auch die Ehe­frau des Klägers Mit­glied des Propsteichors war, be­stand ein er­heb­li­ches – letzt­lich auch rea­li­sier­tes – Po­ten­ti­al, Ir­ri­ta­tio­nen nicht bloß in der Ge­mein­de, son­dern ins­be­son­de­re auch in dem vom Kläger zu lei­ten­den Chor her­vor­zu­ru­fen und da­mit das ar­beits­ver­trag­li­che Aus­tausch­verhält­nis zu be­ein­träch­ti­gen. In Ab­gren­zung zu dem vom Eu­ropäischen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te ent­schie­de­nen Fall Schüth (23. Sep­tem­ber 2010 - 1620/03 - NZA 2011, 279) konn­te und durf­te die Be­klag­te von dem Kläger auch bei Mei­dung ei­ner Kündi­gung er­war­ten, dass die­ser nicht ehe­bre­che­ri­sche Be­zie­hun­gen zu ei­nem – ih­rer­seits stan­des­amt­lich ver­hei­ra­te­ten – Chor­mit­glied auf­nimmt, dem er zu­dem in den Räum­lich­kei­ten der be­klag­ten Kir­chen­ge­mein­de Or­gel­un­ter­richt er­teilt, und hier­bei die Ent­ste­hung von Un­frie­den im Propsteichor in Kauf nimmt. Ei­ne auf ei­ne ehe­wid­ri­ge Be­zie­hung gestütz­te Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses kann je­den­falls dann re­gelmäßig nicht als so­zi­al­wid­rig an­ge­se­hen wer­den, wenn das Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers zu ei­ner er­heb­li­chen Störung des Ar­beits­ab­laufs führt (vgl. LAG Hamm 3. April 1984 - 7 Sa 1711/83 - ju­ris). In­so­fern ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Pflicht, auf die be­rech­tig­ten Be­lan­ge des Ar­beit­ge­bers Rück­sicht zu neh­men, sich be­reits als all­ge­mei­ne ver­trag­li­che Ne­ben­pflicht aus § 241 Abs. 2 BGB er­gibt. Die­se all­ge­mei­ne Leis­tungs­treue­pflicht ist kei­ne Be­son­der­heit kirch­li­cher Ar­beits­verhält­nis­se, son­dern je­dem Schuld­verhält­nis im­ma­nent (vgl. LAG Hamm 17.
Fe­bru­ar 2012 - 18 Sa 867/11 - ju­risRn. 67; Jous­sen in: Straßburg und das kirch­li­che Ar­beits­recht S. 27 [29]). Selbst in säku­la­ren Ar­beits­verhält­nis­sen gilt, dass die Ge­stal­tung des pri­va­ten Le­bens­be­reichs zwar grundsätz­lich außer­halb der Ein­fluss­sphäre des Ar­beit­ge­bers steht, je­doch durch ar­beits­ver­trag­li­che Pflich­ten in­so­weit ein­ge­schränkt wird, als sich das pri­va­te Ver­hal­ten auf den be­trieb­li­chen Be­reich aus­wirkt und dort zu Störun­gen führt. Es kommt dar­auf an, ob das außer­dienst­li­che Ver­hal­ten den Pflich­ten­kreis berührt (vgl. BAG 16. Sep­tem­ber 2004 - 2 AZR 447/03 - zu BI4d bb der Gründe, ZMV 2005, 152).
Ar­beits­verhält­nis­ses trotz des wei­te­ren – voll­kom­men un­ein­sich­ti­gen – Un­ter­hal­tens der ehe­bre­che­ri­schen Be­zie­hung mit der Zeu­gin Q1 würde den Verkündi­gungs­auf­trag der ka­tho­li­schen Kir­che und de­ren Glaubwürdig­keit ernst­haft gefähr­den. Außen­ste­hen­de könn­ten den Ein­druck ge­win­nen, die ka­tho­li­sche Kir­che las­se ei­ne Re­la­ti­vie­rung ih­rer Glau­bensüber­zeu­gun­gen zu und hal­te Glau­bens­wahr­hei­ten für dis­po­ni­bel. Zwänge man der Be­klag­ten dies auf, wäre das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht im Kern­be­reich be­ein­träch­tigt und könn­ten die Be­klag­te und die ka­tho­li­sche Kir­che er­heb­li­chen Scha­den neh­men. Es könn­te der Ein­druck ent­ste­hen, die Kir­che neh­me ih­re Glau­bens­grundsätze und ih­rer Verkündi­gungs­auf­trag nicht mehr ernst (vgl. LAG Hamm 17. Fe­bru­ar 2012 - 18 Sa 867/11 - ju­risRn. 69 und 74) und mes­se ih­ren zen­tra­len Wert­vor­stel­lun­gen selbst kei­ne all­zu große Be­deu­tung bei (vgl. BAG 25. Mai 1988 - 7 AZR 506/87 - zu I 2 c der Gründe, AP GG Art. 140 Nr. 36). Letzt­lich würde die Be­klag­te ih­re Iden­tität auf­ge­ben, wäre es für sie un­er­heb­lich, wie ih­re Mit­ar­bei­ter zur ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re ste­hen (vgl. LAG Ba­den-Würt­tem­berg 9. März 2012 - 12 Sa 55/11 - ju­risRn. 76). All dies gilt um­so mehr, wenn es sich – wie vor­lie­gend – um ei­nen Dau­er­zu­stand han­delt, der die Glaubwürdig­keit des Ar­beit­ge­bers und der Kir­che all­ge­mein fort­lau­fend berührt (vgl. BAG 25. Mai 1988 - 7 AZR 506/87 - zu I 3 b der Gründe, AP GG Art. 140 Nr. 36). Der Kläger un­ter­nimmt we­der den Ver­such, sei­ne Ehe kir­chen­recht­lich auflösen zu las­sen, noch macht er An­stal­ten, die außer­ehe­li­che Be­zie­hung zu der Zeu­gin Q1 zu be­en­den. Viel­mehr tre­ten bei­de ge­mein­sam in der Ge­mein­de – wenn auch mögli­cher­wei­se nicht händ­chen­hal­tend – auf. All dies stellt für ei­nen ka­tho­li­schen Ar­beit­ge­ber ein be­son­de­res Pro­blem dar. Denn nach ka­tho­li­schem Selbst­verständ­nis han­delt es sich um ei­ne fortwähren­de schwer­wie­gen­de Sünde ge­gen ein gött­li­ches Ver­bot und kann le­dig­lich ei­ne ab­ge­schlos­se­ne sünd­haf­te Hand­lung ver­ge­ben wer­den.
sei­ner Be­zie­hung mit der Zeu­gin Q1 ge­macht hat. So hat er nach dem un­be­strit­te­nen Vor­trag der Be­klag­ten am 9. Ja­nu­ar 2012 in ei­nem Gespräch ge­genüber dem Kir­chen­vor­stand erklärt, er ken­ne nicht ein­mal die neue Haus­num­mer der Zeu­gin Q1. Hin­ge­gen hat­te er die­ser nach dem eben­falls un­be­strit­te­nen Vor­trag der Be­klag­ten beim Um­zug und bei der Re­no­vie­rung ih­rer neu­en Woh­nung ge­hol­fen und mehr­fach von ih­rem Te­le­fon­an­schluss bei der Be­klag­ten an­ge­ru­fen. Außer­dem hat die Be­klag­te un­be­strit­ten vor­ge­tra­gen, dass der Kläger seit Herbst 2011 re­gelmäßig bei der Zeu­gin Q1 über­nach­te und der Sohn der Zeu­gin sich bei dem Zeu­gen Q1 darüber be­schwert ha­be, dass der Kläger mor­gens bei der Zeu­gin am Frühstücks­tisch sit­ze.
f) Die Kündi­gung ist nicht nach § 1 KSchG iVm. §§ 1, 7 AGG so­zi­al­wid­rig. Selbst wenn dem Kläger nicht gekündigt wor­den wäre, wenn er nicht kirch­lich ver­hei­ra­tet wäre, wäre die­se un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung (§ 3 Abs. 1 AGG) we­gen sei­ner Re­li­gi­on je­den­falls gemäß § 9 Abs. 2 AGG ge­recht­fer­tigt. Die auf­ge­zeig­te be­son­de­re Po­si­ti­on, die der Kläger als Kir­chen­mu­si­ker in der Lit­ur­gie in­ne­hat und die ihn in ei­ne be­son­de­re Nähe zum Verkündi­gungs­auf­trag der ka­tho­li­schen Kir­che bringt, recht­fer­tigt es, dass die Be­klag­te von ihm ei­ne Iden­ti­fi­ka­ti­on mit den Kern­punk­ten der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re for­dert (vgl. BAG 8. Sep­tem­ber 2011 - 2 AZR 543/10 - Rn. 30 ff. mwN, NZA 2012, 443).
Die Par­tei­en ha­ben gemäß § 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO die Kos­ten des Rechts­streits an­tei­lig zu tra­gen. Bei der Quo­ten­bil­dung war zu berück­sich­ti­gen, dass der Kläger nicht den dau­er­haf­ten Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses er­strei­ten konn­te. Der erst­in­stanz­li­che Über­gang vom Beschäfti­gungs­an­trag im un­an­ge­foch­ten be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis zum – nicht an­ge­fal­le­nen – vorläufi­gen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag im gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis stell­te ei­ne kos­ten­pri­vi­le­gier­te Kla­geände­rung ent­spre­chend § 264 Nr. 3 ZPO oh­ne teil­wei­se Kla­gerück­nah­me gemäß § 269 ZPO dar, ob­wohl mit ihm ein un­ech­ter Hilfs­an­trag an die Stel­le ei­nes un­be­ding­ten An­trags ge­tre­ten ist.
Die Re­vi­si­on war für den Kläger nach § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­zu­las­sen. In­so­fern ist die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­ge von grundsätz­li­cher Be­deu­tung, ob ein außer­ehe­li­ches ge­schlecht­li­ches Verhält­nis auch oh­ne Be­gründung ei­nes ge­mein­sa­men Haus­stands bzw. oh­ne ein eheähn­li­ches Zu­sam­men­le­ben als schwer­wie­gen­de persönli­che sitt­li­che Ver­feh­lung im Sin­ne von Art. 5 Abs. 2 Spie­gel­strich 1 GrO ein­zu­ord­nen ist. Hin­ge­gen be­stand kein Grund, die Re­vi­si­on auch für die Be­klag­te zu­zu­las­sen. Die Un­wirk­sam­keit der außer­or­dent­li­chen frist­lo­sen Kündi­gung be­ruht als Er­geb­nis der ab­sch­ließen­den In­ter­es­sen­abwägung aus­sch­ließlich auf den Umständen des Streit­falls.
Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich oder in
elek­tro­ni­scher Form beim
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