Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/elterngeld-fuer-deutsche-ehefrauen-amerikanischer-soldaten-325453
Timestamp: 2020-01-21 20:14:46
Document Index: 313159881

Matched Legal Cases: ['§ 30', '§ 68', '§ 30', '§ 30', 'Art 13', 'Art 13', 'Art 13', 'Art 74', 'Art 13', 'Art 13', 'Art 13', 'Art 13', '§ 12', 'Art 13', 'Art 13', 'Art 13', 'Art 56', 'Art 13', 'Art 13', 'Art 13', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', 'Art 13', 'Art 13', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 8', '§ 2', '§ 2', 'Art 13', '§ 2', '§ 1', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 2', '§ 1', '§ 7', '§ 30', 'Art 13', '§ 2', 'Art 31', 'Art 13', 'Art 13', 'Art 13', 'Art 13', 'Art 13', 'Art 13', 'Art 13', 'Art 13', 'Art 13']

Eltern­geld für deut­sche Ehe­frau­en ame­ri­ka­ni­scher Sol­da­ten | Rechtslupe
Eltern­geld für deut­sche Ehe­frau­en ame­ri­ka­ni­scher Sol­da­ten
Auch deut­sche Ehe­frau­en der in Deutsch­land sta­tio­nier­ten ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten wer­den grund­sätz­lich vom Anwen­dungs­be­reich des BEEG erfasst, denn nach § 30 Abs 1 SGB I gel­ten die Vor­schrif­ten die­ses Gesetz­bu­ches, zu denen nach § 68 Nr 15a SGB I der ers­te Abschnitt des BEEG – über das Eltern­geld – gehört, für alle Per­so­nen, die ihren Wohn­sitz oder gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in sei­nem Gel­tungs­be­reich haben. Nach § 30 Abs 2 SGB I blei­ben aller­dings die Rege­lun­gen des über- und zwi­schen­staat­li­chen Rechts unbe­rührt. Ihnen steht daher immer dann ein Anspruch auf Eltern­geld zu, wenn sie vor der Geburt des Kin­des in Deutsch­land außer­halb der NATO-Streit­kräf­te Ein­kom­men aus abhän­gi­ger Beschäf­ti­gung oder selbst­stän­di­ger Tätig­keit erzielt haben.
Das NATO-Trup­pen­sta­tut 1 (NATO­TrS­tat) und das Zusatz­ab­kom­men zum NATO-Trup­pen­sta­tut 2 (NATO­TrStatZ­Abk), die in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf­grund des Geset­zes vom 18. August 1961 3 sowie der Bekannt­ma­chung über das Inkraft­tre­ten des NATO­TrS­tat vom 16. Juni 1963 4 am 1. Juli 1963 in Kraft getre­ten sind und auf­grund ver­schie­de­ner Noten­wech­sel der Par­tei­en des Nord­at­lan­tik­ver­tra­ges nach der deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung auch für das Gebiet der neu­en Bun­des­län­der und Ber­lin (West) gel­ten, sind zwar zwi­schen­staat­li­ches Recht im Sin­ne des § 30 Abs 2 SGB I. Jedoch schließt Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk in Ver­bin­dung mit den Vor­schrif­ten des NATO­TrS­tat die Anwen­dung des Ers­ten Abschnitts des BEEG im vor­lie­gen­den Fall nicht aus.
Nach Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk wer­den zwi­schen­staat­li­che Abkom­men oder ande­re im Bun­des­ge­biet gel­ten­de Bestim­mun­gen über sozia­le Sicher­heit und Für­sor­ge auf Mit­glie­der einer Trup­pe, eines zivi­len Gefol­ges und auf Ange­hö­ri­ge nicht ange­wen­det, soweit nicht aus­drück­lich etwas ande­res vor­ge­se­hen ist. Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk ist grund­sätz­lich auf die Ehe­frau eines hier sta­tio­nier­ten ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten anwend­bar, die­se ist Ange­hö­ri­ge im Sin­ne der Vor­schrift, denn sie ist die Ehe­frau eines US-ame­ri­ka­ni­schen Mit­glieds einer Trup­pe der NATO-Streit­kräf­te. Als Ehe­frau erfüllt sie zwei­fels­oh­ne die Vor­aus­set­zun­gen des Ange­hö­ri­gen­be­griffs nach Art I Abs 1 Buchst c NATO­TrS­tat. Ihr Ehe­mann ist Ange­hö­ri­ger der US-Armee, die Trup­pe im Sin­ne des Art I Abs 1 Buchst a NATO­TrS­tat ist.
Über­dies gehört das BEEG mit dem dar­in gere­gel­ten Anspruch auf Eltern­geld zu den im Bun­des­ge­biet gel­ten­den Bestim­mun­gen über sozia­le Sicher­heit und Für­sor­ge. Der Denk­schrift zum NATO­TrS­tat und zu den Zusatz­ver­ein­ba­run­gen 5 ist zu ent­neh­men, dass die ver­trags­schlie­ßen­den Par­tei­en in jener Zeit unter den Begrif­fen der sozia­len Sicher­heit und Für­sor­ge die deut­sche Sozi­al­ver­si­che­rung sowie die deut­schen Bestim­mun­gen über die Betreu­ung von Per­so­nen "in Fäl­len der Not" ver­stan­den haben 6. Unter Berück­sich­ti­gung des­sen sind alle bis­he­ri­gen Ent­schei­dun­gen des Bun­des­so­zi­al­ge­richts zum Bun­des­er­zie­hungs­geld und zum Kin­der­geld davon aus­ge­gan­gen, dass sowohl das BErz­GG als auch das BKGG zu den im Bun­des­ge­biet gel­ten­den Bestim­mun­gen über sozia­le Sicher­heit und Für­sor­ge gehö­ren 7. Für das BEEG darf nichts ande­res gel­ten, zumal nach deut­scher Ver­fas­sungs­rechts­la­ge der Begriff der Für­sor­ge nicht nur für Leis­tun­gen des Staa­tes bei Bedürf­tig­keit bzw. Armut gilt. Der auch in Art 74 Abs 1 Nr 7 GG ver­wen­de­te Begriff der öffent­li­chen Für­sor­ge wird nicht beschränkt auf klas­si­sche Sozi­al­leis­tun­gen bei Not wie etwa die Sozi­al­hil­fe ver­stan­den. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und des Bun­des­so­zi­al­ge­richts fal­len dar­un­ter viel­mehr auch Leis­tun­gen in Not­la­gen "ande­rer Art", für die es nicht wesent­lich dar­auf ankommt, ob die Betrof­fe­nen sich selbst hel­fen kön­nen, eben­so Leis­tun­gen, für die eine Bedarfs­la­ge nur ganz unspe­zi­fisch oder typi­sie­rend zugrun­de gelegt wird, wie etwa das Kin­der­geld und das Bun­des­er­zie­hungs­geld 8 und damit auch das Eltern­geld 9.
Völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge wie das NATO­TrStatZ­Abk sind, wie jeder ande­re Ver­trags- oder Norm­text auch, zunächst nach dem Wort­laut, d.h. dem übli­chen Wort­sinn, aus­zu­le­gen 10, wobei die rein sprach­li­che Erfas­sung bei meist mehr­spra­chig ver­fass­ten Tex­ten erhöh­te Schwie­rig­kei­ten berei­tet. Spie­gelt der Wort­laut die kla­ren Inten­tio­nen der Ver­trags­par­tei­en nur unzu­rei­chend wider, ist auf ande­re Aus­le­gungs­me­tho­den, ins­be­son­de­re den his­to­ri­schen Wil­len der Ver­trags­par­tei­en, den sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang und schließ­lich den Sinn und Zweck der Ver­trags­klau­sel und/​oder des gesam­ten Ver­trags­werks zurück­zu­grei­fen. Hier­bei kann beson­ders die teleo­lo­gi­sche Aus­le­gung zu einem Vehi­kel für eine dyna­mi­sche Ver­trags­in­ter­pre­ta­ti­on wer­den, die sich vom sub­jek­ti­ven Wil­len der Par­tei­en bei Ver­trags­schluss ent­fernt 11. In glei­cher Wei­se kann und soll­te der Text eines völ­ker­recht­li­chen Ver­tra­ges aus­ge­legt wer­den, wenn sich ein über­ein­stim­men­des Wort­ver­ständ­nis aller Ver­trags­spra­chen nicht fest­stel­len lässt oder sich das Wort­ver­ständ­nis nach dem Ver­trags­schluss ver­än­dert hat. In die­sen Fäl­len muss der Begriff maß­ge­bend mit Blick auf den Sinn und Zweck des Ver­tra­ges aus­ge­legt wer­den.
Wäh­rend der fran­zö­si­sche Text des Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk ent­spre­chend dem deut­schen Wort­laut von "matie­re de secu­ri­te socia­le et d`assistance socia­le" spricht, ent­hält der eng­li­sche Text allein den Begriff "soci­al secu­ri­ty". Es kann indes im Ergeb­nis dahin­ste­hen, ob die Par­tei­en des NATO­TrStatZ­Abk bei Ver­trags­schluss den Begriff der Für­sor­ge im Sin­ne von staat­li­chen Hil­fe­leis­tun­gen bei wirt­schaft­li­cher Not enger ver­stan­den haben. Denn es ent­spricht Sinn und Zweck sei­nes Art 13 Abs 1, den dort beschrie­be­nen Per­so­nen­kreis unter den soeben dar­ge­leg­ten Vor­aus­set­zun­gen von der Anwen­dung des deut­schen Sys­tems der Sozia­len Sicher­heit und Für­sor­ge aus­zu­schlie­ßen. Dies erfor­dert es gera­de­zu, die­je­ni­gen Berei­che des deut­schen Sozi­al­rechts als erfasst anzu­se­hen, die nach deut­scher Rechts­auf­fas­sung zum Sys­tem der Sozia­len Sicher­heit und Für­sor­ge gehö­ren. Dem­zu­fol­ge ist auch die Leis­tung des Eltern­gel­des dem Bereich des deut­schen Sys­tems der Für­sor­ge im Sin­ne des Art 13 Abs 1 NATO­TrStatZ­Abk zuzu­ord­nen.
Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk erfasst nicht sämt­li­che mög­li­che Ansprü­che des betrof­fe­nen Per­so­nen­krei­ses aus dem bun­des­deut­schen Sys­tem der sozia­len Sicher­heit und Für­sor­ge. Er schließt, wie das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bereits ent­schie­den hat 12, als Aus­nah­me­vor­schrift die genann­ten Ansprü­che der Mit­glie­der der Trup­pe, des zivi­len Gefol­ges und der Ange­hö­ri­gen die­ser Per­so­nen nur aus, wenn und soweit deut­sche Sozi­al­rechts­nor­men für die­se Per­so­nen Rech­te oder Pflich­ten allein schon wegen des Umstands begrün­den wür­den, dass sie sich im Bun­des­ge­biet tat­säch­lich auf­hal­ten. Denn es wäre unan­ge­mes­sen, für die­se Per­so­nen allein wegen ihres tat­säch­li­chen Auf­ent­halts in Deutsch­land und ihren Bezie­hun­gen unter­ein­an­der oder zu der jewei­li­gen Trup­pe Rech­te und Pflich­ten durch deut­sche Bestim­mun­gen der sozia­len Sicher­heit und Für­sor­ge zu begrün­den. Hin­ge­gen fin­det deut­sches Sozi­al­recht unein­ge­schränkt Anwen­dung, wenn und soweit sei­ne Nor­men für die Gestal­tung von Rechts­ver­hält­nis­sen zu deut­schen Leis­tungs­trä­gern (§ 12 SGB I) an ande­re Umstän­de (z.B. Bezie­hun­gen die­ser Per­so­nen zu ande­ren inlän­di­schen Rechts­sub­jek­ten) anknüp­fen, ins­be­son­de­re wenn von den von Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk erfass­ten Per­so­nen außer­halb der Mit­glied­schaft zu den Streit­kräf­ten oder ihrem zivi­len Gefol­ge recht­li­che Bezie­hun­gen zur deut­schen Sozi­al­ver­si­che­rung begrün­det wor­den sind 13.
Die­ses enge, rein kol­li­si­ons­recht­li­che Ver­ständ­nis des Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk stimmt über­ein mit den Dar­le­gun­gen der Denk­schrift 14, wonach es der Stel­lung der aus­län­di­schen Streit­kräf­te in Deutsch­land nicht gerecht wer­den wür­de, wenn ihre Mit­glie­der, deren Zuge­hö­rig­keit zu den Streit­kräf­ten auf die mili­tä­ri­sche Orga­ni­sa­ti­on des Ent­sen­de­staa­tes zurück­geht, in die sie ein­ge­ord­net sind, mit ihren Ange­hö­ri­gen sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­lich so behan­delt wür­den, als ob sie bei einem Arbeit­ge­ber oder Dienst­herrn im gewöhn­li­chen Sin­ne in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in abhän­gi­ger Beschäf­ti­gung tätig wür­den. Die Streit­kräf­te, ihre Mit­glie­der und die Ange­hö­ri­gen befän­den sich auf­grund beson­de­rer Abma­chun­gen im Bun­des­ge­biet, die es nicht sinn­voll erschei­nen lie­ßen, die Bezie­hun­gen des ein­zel­nen Mit­glieds zu den Streit­kräf­ten als Beschäf­ti­gung iS des deut­schen Sozi­al­ver­si­che­rungs­rechts anzu­se­hen. Dem­ge­mäß soll­ten die Ent­sen­de­staa­ten und nicht die deut­schen Stel­len für die sozia­le Sicher­heit die­ser Per­so­nen ver­ant­wort­lich sein. Ähn­li­che Über­le­gun­gen gäl­ten für die Betreu­ung die­ser Per­so­nen in Fäl­len der Not. Anders sei es, wenn recht­li­che Bezie­hun­gen zur deut­schen Sozi­al­ver­si­che­rung außer­halb der Mit­glied­schaft zu den Streit­kräf­ten begrün­det wor­den sei­en oder her­ge­stellt wür­den. Es bestehe kein Grund, die­se recht­li­chen Bezie­hun­gen zu beschnei­den, weil es sich gleich­zei­tig um Mit­glie­der der Streit­kräf­te oder Ange­hö­ri­ge han­de­le.
Die­se Kon­zep­ti­on kommt deut­lich in Art 13 Abs 1 Satz 2 und 3 NATO­TrStatZ­Abk zum Aus­druck, wonach Rech­te und Pflich­ten, die die­sen Per­so­nen auf dem Gebiet der sozia­len Sicher­heit wäh­rend eines frü­he­ren Auf­ent­halts im Bun­des­ge­biet erwach­sen sind, unbe­rührt blei­ben und die Zuge­hö­rig­keit zu dem betrof­fe­nen Per­so­nen­kreis fer­ner nicht die Mög­lich­keit aus­schließt, dass in der deut­schen sozia­len Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rung zum Zwe­cke der frei­wil­li­gen Wei­ter­ver­si­che­rung Bei­trä­ge geleis­tet wer­den und im Rah­men einer bestehen­den Ver­si­che­rung Rech­te ent­ste­hen und gel­tend gemacht wer­den. Auch dar­auf hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in sei­ner grund­le­gen­den Ent­schei­dung vom 25. Febru­ar 1992 15 bereits hin­ge­wie­sen. Auch auf den Inhalt des Art 56 Abs 3 sowie den wei­te­ren Inhalt des Art 13 Abs 2 NATO­TrStatZ­Abk, die die­se enge kol­li­si­ons­recht­li­che Aus­le­gung des Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk stüt­zen, hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bereits auf­merk­sam gemacht 16.
Die­ses Ver­ständ­nis des Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk ent­spricht auch der Rechts­auf­fas­sung, die die Bun­des­re­gie­rung im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren des BEEG geäu­ßert hat. Der ursprüng­li­che, von den Frak­tio­nen der CDU/​CSU und der SPD vor­ge­leg­te, Ent­wurf eines Geset­zes zur Ein­füh­rung des Eltern­gel­des 17 hat­te – anders als etwa § 1 Abs 8 BErz­GG – den Per­so­nen­kreis der Ehe­gat­ten oder Lebens­part­ner von Mit­glie­dern der Trup­pe oder des zivi­len Gefol­ges eines NATO-Mit­glied­staa­tes nicht ange­spro­chen. Dem­ge­gen­über hat der Bun­des­rat in sei­ner Stel­lung­nah­me vom 7. Juli 2006 zum Gesetz­ent­wurf 18 die Ergän­zung des § 1 um einen dem § 1 Abs 8 BErz­GG glei­chen Abs 8 vor­ge­schla­gen, weil die Ver­sa­gung des Eltern­gel­des für den betrof­fe­nen Per­so­nen­kreis mit der Ziel­set­zung des Eltern­gel­des, ins­be­son­de­re als Ersatz eines aus­fal­len­den Ein­kom­mens, nicht ver­ein­bar sei 19. Dem ist die Bun­des­re­gie­rung in ihrem Gesetz­ent­wurf vom 25. August 2006 20 ent­ge­gen­ge­tre­ten. Dem Anlie­gen des Bun­des­ra­tes kön­ne nicht gefolgt wer­den. Auch ohne die vor­ge­schla­ge­ne Ergän­zung des § 1 BEEG sei­en Ansprü­che von Ehe­gat­ten der NATO-Trup­pen­mit­glie­der bzw. der Mit­glie­der des zivi­len Gefol­ges nicht gänz­lich aus­ge­schlos­sen. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hät­ten Ehe­gat­ten, bei denen zusätz­li­che Umstän­de vor­lä­gen, durch wel­che recht­li­che Bezie­hun­gen zur sozia­len Sicher­heit und Für­sor­ge in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land her­ge­stellt wür­den, durch­aus einen Anspruch auf deut­sche Fami­li­en­leis­tun­gen 21.
Nach alle­dem ent­hält Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk eine Kol­li­si­ons­re­gel, die fest­legt, dass deut­sches Sozi­al­recht – aus­nahms­wei­se – auf die dem inter­nen Bereich der aus­län­di­schen Streit­kräf­te zuge­ord­ne­ten Per­so­nen nicht anzu­wen­den ist, wenn und solan­ge sie sich im Bun­des­ge­biet auf­hal­ten und nur Bezie­hun­gen zum Ent­sen­de­staat oder unter­ein­an­der haben. Deut­sches Sozi­al­recht kann und muss dage­gen unein­ge­schränkt ange­wen­det wer­den, wenn (soweit und solan­ge) die­se Per­so­nen recht­li­che oder tat­säch­li­che Bezie­hun­gen zu Drit­ten, d.h. zu ande­ren, nicht "ent­sand­ten" Per­so­nen (Rechts­sub­jek­ten) unter­hal­ten, und die­se Bezie­hun­gen in dem jewei­li­gen sozi­al­recht­li­chen Zusam­men­hang rele­vant sind 22.
Wel­cher Art und wel­chen Umfangs die ein Ein­grei­fen des Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk aus­schlie­ßen­den und damit die Anwend­bar­keit des deut­schen Sozi­al­rechts begrün­den­den Rechts­be­zie­hun­gen sein müs­sen, kann sich nur nach dem (strei­ti­gen) Anspruch auf eine Sozi­al­leis­tung bestim­men. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Beklag­ten und des LSG ist dafür kei­nes­wegs stets erfor­der­lich, dass der Ange­hö­ri­ge des NATO-Trup­pen­mit­glieds als abhän­gig Beschäf­tig­ter oder als Selbst­stän­di­ger in alle Zwei­ge der deut­schen Sozi­al­ver­si­che­rung ein­be­zo­gen ist oder war 23. Es reicht viel­mehr aus, dass für den Anspruch auf die betref­fen­de Sozi­al­leis­tung ein Tat­be­stands­merk­mal erfüllt sein muss und erfüllt ist, das außer­halb des "NATO-Bereichs" liegt 24. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat nur in den Fäl­len auf das Erfor­der­nis einer inten­si­ven Bezie­hung zur deut­schen Sozi­al­ver­si­che­rung abge­stellt, in denen es nach den Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen selbst an einem Merk­mal fehlt, das über den NATO-Bereich hin­aus reicht. Beim Eltern­geld gibt es jedoch ein sol­ches Merk­mal. Auf Ange­hö­ri­ge von NATO-Trup­pen­mit­glie­dern ist der Ers­te Abschnitt des BEEG über das Eltern­geld anwend­bar, wenn sie vor der Geburt des betreu­ten Kin­des durch Erwerbs­tä­tig­keit Ein­kom­men außer­halb des Bereichs der NATO-Trup­pen erzielt haben.
Nach der Kon­zep­ti­on des BEEG steht der Anspruch auf Eltern­geld bei Erfül­lung der Vor­aus­set­zun­gen des § 1 Abs 1 BEEG dem Grun­de nach zwar allen Per­so­nen zu, gleich­gül­tig ob sie vor der Geburt des Kin­des erwerbs­tä­tig waren oder nicht. Die Höhe der Leis­tung wird jedoch beson­ders bemes­sen, wenn die Ein­kom­mens­er­satz­funk­ti­on des Eltern­gel­des zum Tra­gen kommt. Wer Ein­kom­men aus nicht­selbst­stän­di­ger oder selbst­stän­di­ger Arbeit (s § 2 Abs 7 und Abs 8 BEEG) erzielt hat, dem wird gemäß § 2 Abs 1 BEEG Eltern­geld in Höhe von 67 Pro­zent des in den zwölf Kalen­der­mo­na­ten vor dem Monat der Geburt des Kin­des durch­schnitt­lich erziel­ten monat­li­chen Ein­kom­mens aus Erwerbs­tä­tig­keit bis zu einem Höchst­be­trag von 1800 € monat­lich für vol­le Mona­te gezahlt. Nach § 2 Abs 2 BEEG ist in den Fäl­len, in denen das durch­schnitt­lich erziel­te monat­li­che Ein­kom­men vor der Geburt gerin­ger als 1000 € war, der Pro­zent­satz von 67% um 0,1 Pro­zent­punk­te für je 2 €, um die das maß­geb­li­che Ein­kom­men den Betrag von 1000 € unter­schrei­tet, auf bis zu 100% zu erhö­hen. Danach erhält eine Per­son, die nur gering­fü­gi­ge Ein­künf­te iS des § 8 SGB IV von bis zu 400 Euro monat­lich hat­te, einen Betrag von 388 Euro als Eltern­geld, der ober­halb des sog Grund­be­tra­ges in Höhe von min­des­tens 300 Euro monat­lich liegt. Letz­te­rer steht nach § 2 Abs 5 Satz 1 BEEG Per­so­nen zu, die vor der Geburt kein Ein­kom­men aus Erwerbs­tä­tig­keit hat­ten.
Hat der anspruch­stel­len­de Ange­hö­ri­ge eines NATO-Trup­pen­mit­glieds vor der Geburt des Kin­des in Deutsch­land außer­halb der NATO-Streit­kräf­te Ein­kom­men aus abhän­gi­ger Beschäf­ti­gung oder selbst­stän­di­ger Tätig­keit erzielt, erfüllt er die Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen nach § 2 Abs 1 in Ver­bin­dung Abs 7 bis 9 BEEG und damit ein Merk­mal, das über den vom NATO­TrStatZ­Abk erfass­ten Bereich hin­aus­reicht. Die­ser Umstand steht einem Durch­grei­fen des Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk ent­ge­gen und führt zur Anwend­bar­keit des ers­ten Abschnitts des BEEG. Das ist bei der Klä­ge­rin der Fall, denn sie war bis unmit­tel­bar vor der Geburt ihrer Toch­ter in Deutsch­land als Ver­si­che­rungs­mak­le­rin selbst­stän­dig erwerbs­tä­tig. Zudem hat sie aus die­ser Tätig­keit, wie sich aus dem Bescheid des Finanz­am­tes H. vom 2.3.2007 über Ein­kom­mens­steu­er für das Jahr 2005 (vgl dazu § 2 Abs 9 BEEG) ergibt, auch Ein­kom­men erzielt.
Der Klä­ge­rin steht dem Grun­de nach Eltern­geld für die ers­ten zwölf Lebens­mo­na­te ihrer Toch­ter M. zu. Anspruch auf Eltern­geld hat gemäß § 1 Abs 1 BEEG, wer einen Wohn­sitz oder sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in Deutsch­land hat, mit sei­nem Kind in einem Haus­halt lebt, die­ses Kind selbst betreut und erzieht sowie kei­ne oder kei­ne vol­le Erwerbs­tä­tig­keit aus­übt. Nach § 4 Abs 1 Satz 1 BEEG kann Eltern­geld in der Zeit vom Tag der Geburt bis zur Voll­endung des 14. Lebens­mo­nats des Kin­des bezo­gen wer­den, wobei gemäß § 4 Abs 3 Satz 1 BEEG ein Eltern­teil Eltern­geld min­des­tens für zwei und höchs­tens für zwölf Mona­te bezie­hen kann. Mut­ter­schafts­geld für die Zeit ab der Geburt des Kin­des wird nach Maß­ga­be des § 3 Abs 1 BEEG auf das der Mut­ter zuste­hen­de Eltern­geld ange­rech­net. Die Höhe des Eltern­gel­des bestimmt sich nach § 2 BEEG.
Dass die Klä­ge­rin die Grund­vor­aus­set­zun­gen des § 1 Abs 1 BEEG im Anspruchs­zeit­raum von zwölf Mona­ten nach dem Tag der Geburt erfüllt, haben sowohl die Beklag­te als auch die Tat­sa­chen­ge­rich­te ange­nom­men. Auch wenn das LSG nicht zu allen Tat­be­stands­merk­ma­len aus­drück­li­che tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat, bestehen kei­ne Zwei­fel an der Erfül­lung der genann­ten Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen, zumal auch ein ord­nungs­ge­mä­ßer Antrag (vgl § 7 BEEG) vor­liegt. Die Höhe des der Klä­ge­rin zuste­hen­den Eltern­gel­des hat die Beklag­te nun­mehr durch beson­de­ren Ver­wal­tungs­akt fest­zu­stel­len.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 30. Sep­tem­ber 2010 – B 10 EG 11/​09 R
Eltern­geld für deut­sche Ehe­frau­en ame­ri­ka­ni­scher Sol­da­ten Auch deut­sche Ehe­frau­en der in Deutsch­land sta­tio­nier­ten ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten wer­den grund­sätz­lich vom Anwen­dungs­be­reich des BEEG erfasst, denn nach § 30 Abs 1 SGB I gel­ten…
Abkom­men zwi­schen den Par­tei­en des Nord­at­lan­tik­ver­trags über die Rechts­stel­lung ihrer Trup­pen (NATO­TrS­tat) vom 19.06.1951, BGBl 1961 II, 1190[↩]
vom 03.08.1959, BGBl 1961 II, 1218[↩]
BGBl 1961 II, 1183[↩]
BGBl 1963 II, 745[↩]
BT-Drs. III/​2146[↩]
sie­he BT-Drs. III/​2146 S 234, 235[↩]
sie­he stell­ver­tre­tend: BSG, Urteil vom 12.07.1988 – 4/​11a REg 4/​87, SozR 6180 Art 13 Nr 5 S 28[↩]
zu alle­dem sie­he BSG, Urteil vom 25.06.2009 – B 10 EG 8/​08 R, BSGE 103, 291 = SozR 4 – 7837 § 2 Nr 2, RdNr 38 mwN[↩]
BSG, aaO, RdNr 39[↩]
Her­de­gen, Völ­ker­recht, 8. Aufl 2009, S 122 RdNr 28; unter Ver­weis auf Art 31 ff Wie­ner Ver­trags­rechts­kon­ven­ti­on Graf Vitzt­hum in Graf Vitzt­hum – Hrsg – Völ­ker­recht, 4. Aufl 2007, RdNr 123[↩]
Her­de­gen, aaO[↩]
grund­le­gend BSG, Urteil vom 25.02.1992 – 4 RA 34/​91, BSGE 70, 138, 143 = SozR 3 – 6180 Art 13 Nr 2, S 11; BSG Urteil vom 02.10.1997 – 14/​10 RKg 12/​96, SozR 3 – 6180 Art 13 Nr 8, S. 41[↩]
sie­he nur BSG SozR 3 – 6180 Art 13 Nr 8, S. 42[↩]
BT-Drs. III/​2146, S. 235[↩]
BSGE 70, 138, 145 = SozR 3 – 6180 Art 13 Nr 2 S 13[↩]
BT-Drs. 16/​1889[↩]
BT-Drs. 16/​2454, S. 9[↩]
BT-Drs. 16/​2454, aaO[↩]
BT-Drs. 16/​2454[↩]
BT-Drs. 16/​2454 S 12[↩]
vgl BSGE 70, 138, 145 = SozR 3 – 6180 Art 13 Nr 2 S 13 f[↩]
vgl dazu BSG, Urtei­le vom 18.07.1989 – 10 RKg 21/​88, SozR 6180 Art 13 Nr 6; und vom 15.12.1992 – 10 RKg 22/​91, SozR 3 – 6180 Art 13 Nr. 3[↩]
vgl dazu all­ge­mein BSG SozR 6180 Art 13 Nr 1; BSG SozR 3 – 6180 Art 13 Nr 5[↩]
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