Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/beschwerdewert-bei-der-verurteilung-zur-auskunftserteilung-367562
Timestamp: 2019-10-23 23:45:14
Document Index: 125467368

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Beschwer­de­wert bei der Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunfts­er­tei­lung | Rechtslupe
Beschwer­de­wert bei der Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunfts­er­tei­lung
Für die Bemes­sung des Wer­tes des Beschwer­de­ge­gen­stan­des ist bei der Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunfts­er­tei­lung das Inter­es­se des Rechts­mit­tel­füh­rers maß­ge­bend, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen. Abge­se­hen von dem Fall eines beson­de­ren Geheim­hal­tungs­in­ter­es­ses ist auf den Auf­wand an Zeit und Kos­ten abzu­stel­len, den die sorg­fäl­ti­ge Ertei­lung der geschul­de­ten Aus­kunft erfor­dert. Dabei kann der dem Beschwer­de­ge­richt bei sei­ner Schät­zung ein­ge­räum­te Ermes­sens­spiel­raum im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prüft wer­den, ob das Gericht die gesetz­li­chen Gren­zen über­schrit­ten oder sein Ermes­sen feh­ler­haft aus­ge­übt hat 1.
Die Kos­ten der Zuzie­hung einer sach­kun­di­gen Hilfs­per­son kön­nen bei der Bemes­sung des Wer­tes des Beschwer­de­ge­gen­stan­des nur berück­sich­tigt wer­den, wenn sie zwangs­läu­fig ent­ste­hen, weil der Aus­kunfts­pflich­ti­ge zu einer sach­ge­rech­ten Aus­kunfts­er­tei­lung nicht in der Lage ist 2. Davon ist im vor­lie­gen­den Fall schon des­halb nicht aus­zu­ge­hen, weil der Antrags­geg­ner vor­wie­gend zur Vor­la­ge bereits vor­han­de­ner Unter­la­gen ver­pflich­tet wur­de und die übri­gen Unter­la­gen mit gerin­gem Auf­wand erstel­len kann. Die von der Rechts­be­schwer­de ver­tre­te­ne Auf­fas­sung, die Aus­kunfts­ver­pflich­tung sei ange­sichts der Kom­ple­xi­tät der Buch­füh­rung eines Selb­stän­di­gen von vorn­her­ein nicht ohne Hil­fe sach­kun­di­ger Drit­ter zu bewäl­ti­gen, ist dem­ge­gen­über unsub­stan­ti­iert und ver­mag über­dies nicht zu über­zeu­gen. Der Antrags­geg­ner benö­tigt kei­ne juris­ti­schen oder steu­er­recht­li­chen Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten, um sei­ne Steu­er­be­schei­de und erklä­run­gen her­aus­zu­su­chen und vor­zu­le­gen und eine rei­ne Wis­sens­er­klä­rung über sei­ne Ein­künf­te und Aus­ga­ben abzu­ge­ben. Dies gilt auch hin­sicht­lich der Ver­pflich­tung in Zif­fer 2 d des amts­ge­richt­li­chen Teil­be­schlus­ses, wonach der Antrags­geg­ner für die Jah­re 2007, 2008 und 2009 die näher bezeich­ne­ten Unter­la­gen von Gesell­schaf­ten vor­zu­le­gen hat. Auch inso­fern han­delt es sich um vom Steu­er­be­ra­ter bereits erstell­te Unter­la­gen, die er nur noch her­aus­su­chen und vor­le­gen muss. Dass er Buch­füh­rung und Steu­er­be­ar­bei­tung auf Drit­te dele­giert habe und sich des­halb nicht mehr hier­mit aus­ken­ne, ist eben­falls uner­heb­lich, weil vom Antrags­geg­ner weder Buch­füh­rung noch Steu­er­be­ar­bei­tung ver­langt wer­den, son­dern nur die Zusam­men­stel­lung bereits vor­han­de­ner Unter­la­gen. Dar­auf, dass sei­ne Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­te für die Ertei­lung der Aus­kunft vier Stun­den à 150 € abrech­nen wür­de, kommt es nicht an, da er selbst die Aus­kunft ertei­len kann und muss.
Den eige­nen Zeit­auf­wand des Aus­kunfts­pflich­ti­gen hat das Ober­lan­des­ge­richt Bran­den­bug 3 im vor­lie­gen­den Fall zwar nur mit 3 € pro Stun­de bewer­tet. Selbst wenn man jedoch maxi­mal 17 € pro Stun­de ansetzt, wie u.a. der Bun­des­ge­richts­hof nach Erlass des ange­foch­te­nen Beschlus­ses ent­schie­den hat 4, ergibt sich bei 20 Stun­den kein Gesamt­auf­wand, der den Betrag von 600 € über­steigt.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Sep­tem­ber 2013 – XII ZB 457/​11
BGH, Beschlüs­se vom 23.05.2012 – XII ZB 594/​11 – Fam­FR 2012, 353; vom 26.10.2011 – XII ZB 465/​11, Fam­RZ 2012, 24 Rn. 17; vom 14.02.2007 – XII ZB 150/​05, Fam­RZ 2007, 711 Rn. 9; vom 03.11.2004 – XII ZB 165/​00, Fam­RZ 2005, 104, 105; BGHZ 155, 127 = Fam­RZ 2003, 1267, 1268 und vom 24.07.2002 – XII ZB 31/​02, Fam­RZ 2003, 597[↩]
BGH, Beschluss vom 26.10.2005 – XII ZB 25/​05, Fam­RZ 2006, 33, 34 und BGH, Urteil vom 11.07.2001 – XII ZR 14/​00, Fam­RZ 2002, 666, 667[↩]
OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 15.08.2011 – 15 UF 137/​11[↩]
BGH, Beschluss vom 21.03.2012 – XII ZB 420/​11; vgl. auch BGH Beschluss vom 28.09.2011 – IV ZR 250/​10, Fam­RZ 2012, 299 mwN[↩]
AuskunftspflichtBeschwerdeBeschwerdewertFamiliensache