Source: http://www.anwalt24.de/urteile/bverfg/2011-03-24/1-bvr-488_11
Timestamp: 2017-02-22 09:06:10
Document Index: 71975611

Matched Legal Cases: ['§ 325', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 325', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 12', 'Art. 14', '§ 325', '§ 335', '§ 23', '§ 92', '§ 93', '§ 325', '§ 335', '§ 93', '§ 93', '§ 335', 'Art. 1', '§ 93', '§ 23', '§ 92', '§ 325', 'Art. 103', '§ 90', '§ 335', '§ 335', '§ 93']

BVerfG, 24.03.2011 - 1 BvR 488/11 - Rechtfertigung von Grundrechtseingriffen durch die mit der Offenlegung in § 325 Abs. 1 Handelsgesetzbuch (HGB) verfolgten Zwecke | Urteile auf anwalt24.de
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BVerfG, 24.03.2011 - 1 BvR 488/11 - Rechtfertigung von Grundrechtseingriffen durch die mit der Offenlegung in § 325 Abs. 1 Handelsgesetzbuch (HGB) verfolgten Zwecke
BundesverfassungsgerichtBeschl. v. 24.03.2011, Az.: 1 BvR 488/11Gericht: BVerfGEntscheidungsform: BeschlussDatum: 24.03.2011Referenz: JurionRS 2011, 14070Aktenzeichen: 1 BvR 488/11 Verfahrensgang:vorgehend:Bundesamt für Justiz - 06.08.2009 - AZ: EHUG-00122729/2008-01/02LG Bonn - 13.01.2011 - AZ: 30 T 1183/09Rechtsgrundlagen:Art. 1 Abs. 1 GGArt. 2 Abs. 1 GGArt. 12 Abs. 1 GGArt. 14 Abs. 1 GG§ 325 Abs. 1 HGB§ 335 HGB§ 23 Abs. 1 S. 2 BVerfGG§ 92 BVerfGG§ 93a Abs. 2 BVerfGGVerfahrensgegenstand:Verfahren über die Verfassungsbeschwerdedes Herrn W...,als Geschäftsführer der Firma M... GmbH, ...gegena)den Beschluss des Landgerichts Bonn vom 13. Januar 2011 - 30 T 1183/09 -,b)die Ordnungsgeldentscheidung des Bundesamts für Justiz vom 6. August 2009 - EHUG-00122729/2008-01/02 -Redaktioneller Leitsatz:1.Grundrechtseingriffe durch die Offenlegung nach § 325 Abs. 1 HGB sind gerechtfertigt.2.Wird das Ordnungsgeldverfahren nach § 335 Abs. 1 S. 2 HGB unmittelbar gegen die Gesellschaft selbst durchgeführt, wird hierdurch nicht das vertretungsberechtigte Organ der offenlegungspflichtigen Gesellschaft unmittelbar und selbst betroffen.In dem Verfahren...hat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichtsdurch den Vizepräsidenten Kirchhof,den Richter Schluckebierund die Richterin Baer gemäß § 93bin Verbindung mit § 93a BVerfGGin der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 24. März 2011 einstimmig beschlossen:Tenor:Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.Gründe1Die Verfassungsbeschwerde betrifft die Festsetzung eines Ordnungsgeldes wegen unterlassener Vorlage von Jahresabschlussunterlagen nach § 335 HGB.2Der Beschwerdeführer rügt die Verletzung von Art. 1, 2, 3 und 103 GG.3Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Voraussetzungen hierfür nicht vorliegen (§ 93a Abs. 2 BVerfGG). Die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig, weil ihre Begründung offensichtlich den Anforderungen von § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG nicht genügt.4Das Bundesverfassungsgericht hat bereits mehrfach entschieden, dass mögliche Eingriffe in die Grundrechte durch die mit der Offenlegung in § 325 Abs. 1 HGB verfolgten, in erheblichem Allgemeininteresse liegenden Zwecke eines effektiven Schutzes des Wirtschaftsverkehrs durch Information der Marktteilnehmer und einer Kontrollmöglichkeit der betroffenen Gesellschaften vor dem Hintergrund deren nur beschränkter Haftung jedenfalls gerechtfertigt sind (BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 11. März 2009 - 1 BvR 3413/08 -, [...]; Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 10. September 2009 - 1 BvR 1636/09 -, [...], NJW 2009, S. 2588, NZG 2009, S. 874 ; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 1. Februar 2011 - 2 BvR 1236/10 -, [...]; siehe auch BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 11. Februar 2009 - 1 BvR 3582/08 -, [...], NZG 2009, S. 515). Mit dieser verfassungsgerichtlichen Rechtsprechung setzt sich die Verfassungsbeschwerde ebenso wenig auseinander wie mit der Begründung der angegriffenen Entscheidung des Landgerichts.5Die Rüge einer Verletzung von Art. 103 GG ist nicht ausgeführt und bereits deshalb unbeachtlich.6Darüber hinaus ist die Verfassungsbeschwerde unzulässig, weil der Beschwerdeführer durch die angefochtenen Beschlüsse des Bundesamts für Justiz und des Landgerichts nicht unmittelbar und selbst betroffen ist (§ 90 Abs. 1 BVerfGG). Denn die ergangenen Entscheidungen richten sich nicht - wie nach § 335 Abs. 1 Satz 1 HGB möglich gewesen wäre - gegen den Beschwerdeführer als vertretungsberechtigtes Organ der offenlegungspflichtigen Gesellschaft. Das Ordnungsgeldverfahren ist vielmehr nach § 335 Abs. 1 Satz 2 HGB unmittelbar gegen die Gesellschaft selbst durchgeführt worden. Damit belasten die angefochtenen Beschlüssen den Beschwerdeführer nicht unmittelbar; insbesondere kann der Beschwerdeführer nicht als Schuldner des verhängten Ordnungsgeldes in Anspruch genommen und das Ordnungsgeld gegen ihn nicht vollstreckt werden.7Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.8Diese Entscheidung ist unanfechtbar.KirchhofSchluckebierBaerHinweis: Das Dokument wurde redaktionell aufgearbeitet und unterliegt in dieser Form einem besonderen urheberrechtlichen Schutz. Eine Nutzung über die Vertragsbedingungen der Nutzungsvereinbarung hinaus - insbesondere eine gewerbliche Weiterverarbeitung außerhalb der Grenzen der Vertragsbedingungen - ist nicht gestattet.
BVerfG, 24.03.2011BVerfG, 24.03.2011