Source: https://www.weka.ch/themen/finanzen-controlling/rechnungswesen/revision/article/revisionsrecht-zwei-pruefungsvarianten-und-ein-pruefungsverzicht/
Timestamp: 2017-10-22 23:01:21
Document Index: 105614807

Matched Legal Cases: ['Art. 727', 'Art. 727', 'Art. 731', 'Art. 728', 'Art. 728', 'Art. 729', 'Art. 729', 'Art. 729', 'Art. 730', 'Art. 730', 'Art. 730', 'Art. 730', 'Art. 731', 'Art. 731', 'Art. 728', 'Art. 729']

Das Revisionsrecht in der Schweiz ist grundsätzlich nicht mehr nur an die Rechtsform eines Unternehmens geknüpft, sondern wegen der Neufassung des Revisionsrechts auf den 1. Januar 2008 nunmehr abhängig von der Grösse beziehungsweise wirtschaftlichen Bedeutung der Unternehmen.
Das Revisionsrecht im Schweizer Obligationenrecht
Darüber hinaus ist das Revisionsrecht kein eigenständiges Gesetz, sondern Teil des Schweizer Obligationenrechts (OR) und unterscheidet abweichend von internationalen Standards zwei Prüfungsvarianten mit unterschiedlichem Prüfungsumfang sowie einen Prüfungsverzicht bei Vorliegen definierter Voraussetzungen.
1. Publikumsgesellschaften, zu denen diejenigen Gesellschaften zählen, die:
c. mindestens 20% der Aktiven oder des Umsatzes zur Konzernrechnung einer Gesellschaft nach Buchstabe a oder b beitragen;
4. Gesellschaften, deren Aktionäre, die zusammen mindestens 10% des AK vertreten, eine ordentliche Revision verlangen. Dieser Fall wird als so genanntes Opting-up bezeichnet. Ein Opting-up kann auch jeder Gesellschafter verlangen, den eine persönliche Haftung oder eine Nachschusspflicht trifft.
6. Gesellschaften, bei denen die Generalversammlung beschliesst, dass eine ordentliche Revision durchzuführen ist.
Nach Art. 727a OR gibt es für alle diejenigen Unternehmen, welche die oben genannten Kriterien einer ordentlichen Revision nicht erfüllen, die Pflicht zur eingeschränkten Revision der Jahresrechnung. Während die ordentliche Revision durch zugelassene Revisionsexperten erfolgt, sind bei der eingeschränkten Revision nach Art. 727c OR auch bereits zugelassene Revisoren zulässig. Die Gesellschaften, die zur eingeschränkten Revision verpflichtet sind, müssen als Revisionsstelle einen zugelassenen Revisor nach den Vorschriften des Revisionsaufsichtsgesetzes vom 16. Dezember 2005 bezeichnen.
Im Revisionsrecht kann mit der Zustimmung sämtlicher Aktionäre auf die eingeschränkte Revision verzichtet werden, wenn die Gesellschaft nicht mehr als zehn Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt hat (Opting-out). Gesellschaften, die auf eine eingeschränkte Revision gänzlich verzichten dürfen und die ein Opting-out beschlossen haben, können die eingeschränkte Revision modifizieren und einzelne gesetzliche Vorgaben der eingeschränkten Revision ausser Acht lassen (Opting-down).
Gläubiger der Gesellschaft können gemäss Art. 731b Abs. 1 OR (Mängel in der Organisation der Gesellschaft) beim Richter verlangen, dass die Gesellschaft ihren Opting-out- oder Opting-down-Beschluss rückgängig macht und eine normale eingeschränkte Revision durchführt (Opting-in).
Der Verwaltungsrat kann die Aktionäre schriftlich um Zustimmung ersuchen. Er kann für die Beantwortung eine Frist von mindestens 20 Tagen ansetzen und darauf hinweisen, dass das Ausbleiben einer Antwort als Zustimmung gilt. Haben die Aktionäre auf eine eingeschränkte Revision verzichtet, so gilt dieser Verzicht auch für die nachfolgenden Jahre. Jeder Aktionär hat jedoch das Recht, spätestens 10 Tage vor der Generalversammlung eine eingeschränkte Revision zu verlangen. Die Generalversammlung muss in diesem Fall die Revisionsstelle wählen. Soweit erforderlich, passt der Verwaltungsrat die Statuten an und meldet dem Handelsregister die Löschung oder die Eintragung der Revisionsstelle an.
Art. 728 OR enthält neue, weit gehende Unabhängigkeitsvorschriften bei der ordentlichen Revision:
Art. 728b OR verlangt folgende Berichtserstattung bei der ordentlichen Revision:
Art. 729a OR legt fest:
Revisionsbericht bei eingeschränkter Prüfung
Art. 729b OR bestimmt:
Es besteht auch eine Deponierungspflicht der Bilanz durch die Revisionsstelle gemäss Art. 729c OR: Ist die Gesellschaft offensichtlich überschuldet und unterlässt der Verwaltungsrat die Anzeige, so benachrichtigt die Revisionsstelle das Gericht.
Art. 730 OR enthält für die ordentlichen und eingeschränkten Prüfungen folgende Bestimmungen zur Wahl:
1 Die Generalversammlung wählt die Revisionsstelle.
2 Als Revisionsstelle können eine oder mehrere natürliche oder juristische Personen oder Personengesellschaften gewählt werden.
3 Finanzkontrollen der öffentlichen Hand oder deren Mitarbeiter können als Revisionsstelle gewählt werden, wenn sie die Anforderungen dieses Gesetzes erfüllen. Die Vorschriften über die Unabhängigkeit gelten sinngemäss.
4 Wenigstens ein Mitglied der Revisionsstelle muss seinen Wohnsitz, seinen Sitz oder eine eingetragene Zweigniederlassung in der Schweiz haben.
Art. 730a OR enthält für die ordentliche und eingeschränkte Prüfungen folgende Bestimmungen zur Amtsdauer der Revisionsstelle:
1 Die Revisionsstelle wird für ein bis drei Geschäftsjahre gewählt. Ihr Amt endet mit der Abnahme der letzten Jahresrechnung. Eine Wiederwahl ist möglich.
2 Bei der ordentlichen Revision darf die Person, die die Revision leitet, das Mandat längstens während sieben Jahren ausführen. Sie darf das gleiche Mandat erst nach einem Unterbruch von drei Jahren wieder aufnehmen.
3 Tritt eine Revisionsstelle zurück, so hat sie den Verwaltungsrat über die Gründe zu informieren; dieser teilt sie der nächsten Generalversammlung mit.
4 Die Generalversammlung kann die Revisionsstelle jederzeit mit sofortiger Wirkung abberufen.
Art. 730b OR enthält für die ordentlichen und eingeschränkten Prüfungen folgende Bestimmungen zur Auskunft und Geheimhaltung der Revisionsstelle:
1 Der Verwaltungsrat übergibt der Revisionsstelle alle Unterlagen und erteilt ihr die Auskünfte, die sie für die Erfüllung ihrer Aufgaben benötigt, auf Verlangen auch schriftlich.
2 Die Revisionsstelle wahrt das Geheimnis über ihre Feststellungen, soweit sie nicht von Gesetzes wegen zur Bekanntgabe verpflichtet ist. Sie wahrt bei der Berichterstattung, bei der Erstattung von Anzeigen und bei der Auskunftserteilung an die Generalversammlung die Geschäftsgeheimnisse der Gesellschaft.
Art. 730c OR enthält für die ordentlichen und eingeschränkten Prüfungen folgende Bestimmungen zur Dokumentation und Aufbewahrung von Arbeitspapieren der Revisionsstelle:
1 Die Revisionsstelle muss sämtliche Revisionsdienstleistungen dokumentieren und Revisionsberichte sowie alle wesentlichen Unterlagen mindestens während zehn Jahren aufbewahren. Elektronische Daten müssen während der gleichen Zeitperiode wieder lesbar gemacht werden können.
2 Die Unterlagen müssen es ermöglichen, die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften in effizienter Weise zu prüfen.
Art. 731 OR enthält für die ordentlichen und eingeschränkten Prüfungen folgende Bestimmungen zur Abnahme der Jahresrechnung und Gewinnverwendung:
1 Bei Gesellschaften, die verpflichtet sind, ihre Jahresrechnung und gegebenenfalls ihre Konzernrechnung durch eine Revisionsstelle prüfen zu lassen, muss der Revisionsbericht vorliegen, bevor die Generalversammlung die Jahresrechnung und die Konzernrechnung genehmigt und über die Verwendung des Bilanzgewinns beschliesst.
3 Liegt der erforderliche Revisionsbericht nicht vor, so sind die Beschlüsse zur Genehmigung der Jahresrechnung und der Konzernrechnung sowie zur Verwendung des Bilanzgewinnes nichtig. Werden die Bestimmungen über die Anwesenheit der Revisionsstelle missachtet, so sind diese Beschlüsse anfechtbar.
Art. 731a OR enthält für die ordentliche und eingeschränkte Prüfungen folgende besondere Bestimmungen zu zusätzlichen Aufgaben der Revisionsstelle:
1 Die Statuten und die Generalversammlung können die Organisation der Revisionsstelle eingehender regeln und deren Aufgaben erweitern.
2 Der Revisionsstelle dürfen weder Aufgaben des Verwaltungsrates, noch Aufgaben, die ihre Unabhängigkeit beeinträchtigen, zugeteilt werden.
3 Die Generalversammlung kann zur Prüfung der Geschäftsführung oder einzelner Teile Sachverständige ernennen.
Revisionsrecht: Überblick zu den wesentlichen Unterschieden zwischen ordentlicher und eingeschränkter Revision
Ordentliche Revision (Full Audit) Art. 728 bis 728c OR
Prüfung durch zugelassenen Revisionsexperten oder staatlich beaufsichtigtes Revisionsunternehmen (bei Publikumsgesellschaften).
Weitgehende und umfassende Prüfung.
Umfassender Revisionsbericht an VR und zusammenfassender an GV.
Anzeige- und Informationspflicht bei Verstössen gegen das Gesetz, die Statuten oder das Organisationsreglement und im Falle der Überschuldung.
Rotationspflicht des leitenden Revisors.
Eingeschränkte Revision (Review) Art. 729 bis 729c OR
Prüfung durch zugelassenen Revisor.
Weniger weitgehende Prüfung, auf bestimmte Prüfungshandlungen beschränkt.
Zusammenfassender Revisionsbericht an GV.
Anzeigepflicht im Falle der Überschuldung.
Keine Rotationspflicht des leitenden Revisors.