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Timestamp: 2018-06-23 23:18:56
Document Index: 170268597

Matched Legal Cases: ['§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 20']

Sportgeräte (Schi) und Bürosessel als Werbungskosten einer Lehrerin - Findok Internet
Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSW vom 10.08.2011, RV/2415-W/09
Sportgeräte (Schi) und Bürosessel als Werbungskosten einer Lehrerin
RV/2415-W/09-RS1 Permalink
Das Aufteilungsverbot gilt auch für die Schiausrüstung einer Sportlehrerin, die diese im Rahmen von Schulschikursen verwendet, weil eine (nahezu) ausschließlich berufliche Veranlassung der Aufwendungen für Sportgeräte nur bei Berufssportlern oder Trainern in Betracht kommt.
Schiausrüstung, Bürosessel, Werbungskosten, Lehrer, Lehrerin
Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung der T, vom 12. Juni 2009 gegen den Bescheid des Finanzamtes Wien 9/18/19 Klosterneuburg vom 28. Mai 2009 betreffend Einkommensteuer (Arbeitnehmerveranlagung) 2008 entschieden:
Mit Erklärung zur Arbeitnehmerveranlagung 2008 beantragte die Bw. u.a. die Absetzung von Werbungskosten.
Mit Schreiben vom 21. April 2009 ersuchte das Finanzamt die Bw. um Ergänzung:
"1) Werbungskosten-Beiträge: Nachweis, welche Beiträge nicht bereits von der bezugsauszahlenden Stelle berücksichtigt wurden (Zahlungsbelege über Art/Höhe)
2) Arbeitsmittel: Aufstellung mit Summenberechung und folgenden Angaben:
Datum/konkrete Art/Firma, Händler/Rechnungsbetrag/Betrag berufl. Nutzung/Anteil %
3) Fachliteratur: Literaturliste (Autor, Titel, Datum, Betrag, Summe)
4) Reisekosten: Berechnungsaufstellung mit Angabe der Aufwandart, weiter: Datum/Dauer, Abfahrts/Zielort, Entfernung, Zweck, Kostenersatz des Arbeitgebers
5) Bildungskosten: a) Aufgliederung (Art/Bildungsanstalt/Datum/Betrag/Ersätze)
6) Sonstige Werbungskosten: a) Aufstellung zur Summenberechnung
Das Finanzamt erließ am 28. Mai 2009 den Einkommensteuerbescheid 2008 und berücksichtigte Werbungskosten in Höhe von € 1.658,50. Begründend wurde ausgeführt:
"Typische Ausgaben der Lebensführung sind gemäß § 20 Abs. 1 Z. 2 lit. a EStG selbst dann nicht zur Gänze abzugsfähig, wenn sie der Beruf mit sich bringt. Sportbekleidung und Schi sind dem § 20 zuzuordnen. Einrichtungsgegenstände fallen ebenfalls darunter, ausgenommen es liegen die Voraussetzungen für ein abzugfähiges (bei LehrerInnen nicht zutreffend) Arbeitszimmer vor. Aufwandgruppe Arbeitsmittel daher € 314,60 (abzgl. Kleidung, Schi, Bürosessel).
Reisekosten: Eine Sportartikelmesse ist für die breite Öffentlichkeit und nicht nur für eine bestimmte Berufsgruppe konzipiert. Die diesbezüglichen Kosten fallen daher ebenfalls unter § 20 (verbleibt € 485,04).
Sonstige Werbungskosten: Internet: Nach ständiger Rechtsprechung ist auf Grund der breiten Einsatzmöglichkeiten von einer mindestens 40%igen Privatnutzung auszugehen und müßte ein geringerer Anteil konkret nachgewiesen sein. Da eine berufl. Nutzung grundsätzlich glaubhaft ist, wurde ein Anteil von 60 % angesetzt (€ 144,--, sonst. Webungskosten gesamt € 276,,--). Sonderausgaben: Es wurde eine Versicherungsbestätigung über € 160,89 vorgelegt (1/4 ist wendiger als € 60,--)."
"Wie in dem beigelegten Artikel aus der Wiener Zeitung ersichtlich, wurde einer Lehrerin vom Verwaltungsgerichtshof zugestanden, dass sie die Aufwendungen für ihre Snowboardausrüstung zu 60 % auf mehrere Jahre absetzen kann. Auch ich habe im letzten Jahr Schi gekauft, die ich, da ich privat nur mehr Schitouren gehe und nur noch in den seltesten Fällen (2008 waren es 4 Tage) Schi fahre, vor allem für Schulschikurse benötige.
Ähnlich geht es mir mit dem Bürosessel (€ 119,--). Da ich in der Schule keinen Arbeitsplatz habe, muss ich natürlich meine Vorbereitungs- und Korrekturarbeiten zu Hause verrichten. Privat nutze ich meinen Bürostuhl nie.
Ich sehe bei vielen Aufwendungen durchaus ein, dass sie steuerlich nicht abgesetzt werden können. Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass die Schule ein Arbeitsplatz ist, an dem wir für jegliche Arbeitsmittel vom Kugelschreiber angefangen über Bücher bis hin zum Laptop) selbst aufkommen müssen, auch wenn wir sie steuerlich absetzen können. Ich sehe aber nicht ein, warum ich für Schiausrüstung, die noch dazu nicht billig ist, zu 100 % selbst aufkommen soll, wenn sich sie doch für berufliche Zwecke brauche."
Im vorliegenden Fall ist zu beurteilen, ob es sich bei der Schiausrüstung und bei dem Bürosessel um Werbungskosten oder um nicht abzugsfähige Kosten der privaten Lebensführung handelt, wobei die Ausgaben dem Aufteilungsverbot des § 20 Abs. 1 Z 2 lit. a EStG 1988 unterliegen.
1) Bürosessel:
Bildet ein im Wohnungsverband gelegenes Arbeitszimmer keinen Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen, sind vom Abzugsverbot auch die Einrichtungsgegenstände erfasst, selbst wenn sie (auch) beruflich genutzt werden, d.h. Stühle, (Schreib)Tische, (Schreibtisch)Lampen, Schänke, Vorhänge, Teppiche, Bilder, Wandverbauten, Bücheregale und Kommoden (siehe VwGH 3.7.03, 99/150177, vgl. Jakom/Baldauf/EStG, 2011, § 20 Rz 57).
Bei der Lehrtätigkeit ist der Mittelpunkt außerhalb eines Arbeitszimmers an dem Ort, an dem die Vermittlung von Wissen und technischem Können selbst erfolgt (vgl. Jakom/Baldauf, EStG, § 20 Rz 52 und die dortigen Judikaturhinweise)
2) Schiausrüstung
Es entspricht der ständigen Rechtsprechung, dass Aufwendungen für die Freizeitgestaltung, wie z.B. für Sportgeräte, die sowohl beruflich als auch privat genutzt werden können, unter das Abzugsverbot des § 20 Abs 1 Z 2 lit a EStG 1988 fallen (vgl.Jakom/Baldauf/EStG, 2011, § 20 Rz 90, Stichwort: Sportgeräte und die dort zitierte Judikatur). Ein diesem Grundsatz allenfalls entgegenstehender Nachweis, dass ein Sportgerät (nahezu) ausschließlich beruflich genutzt wird, ist vom Abgabepflichtigen zu erbringen, weil derjenige, der typische Aufwendungen der privaten Lebensführung als Werbungskosten geltend macht, von sich aus nachzuweisen hat, dass diese Aufwendungen entgegen der allgemeinen Lebenserfahrung (nahezu) ausschließlich die berufliche Sphäre betreffen (vgl. VwGH 28.4.1987, 86/14/0174).
Schi stellen in aller Regel kein Arbeitsmittel dar, sondern dienen typischerweise der privaten Bedürfnisbefriedigung. Aufgrund der Lebenserfahrung ist festzustellen, dass Schifahren als gängige Sportart von sportlichen Menschen auch privat ausgeübt wird. Eine ausschließlich berufliche Verwendung der Schiausrüstung ist unwahrscheinlich und wurde von der Bw. auch nicht behauptet. Eine (nahezu) ausschließlich berufliche Veranlassung kommt nur bei Berufssportlern und Trainern in Betracht. Es wäre an der Bw. gelegen gewesen, den Nachweis von Behauptungen, die der allgemeinen Lebenserfahrung widersprechen, zu erbringen. Eine Verpflichtung der Abgabenbehörde, die Bw. hinsichtlich der von ihr zu erbringenden Beweise anzuleiten, besteht nicht (VwGH 24.6.1999, 94/15/0196).
Da die Bw. in ihrer Berufung eine private Nutzung der Ausrüstung zugestanden hat und auch nicht ausgeschlossen werden kann, dass in Zukunft auch eine private Verwendung erfolgen könnte, muss die Anschaffung der Ausrüstung im Streitjahr als entsprechend privat mitveranlasst gelten.
Die Ausgaben für die Schiausrüstung sind daher unter Hinweis auf das Abzugsverbot des § 20 Abs. 1 Z 2 lit. a EStG 1988 zur Gänze nicht abzugsfähig.
Findok-Nr: 54823.1, aufgenommen am: 30.08.2011 11:19:52, Dokument-ID: 9105d85a-63ae-4b81-8b6b-8ff147f3a4b5, Segment-ID: 556e7946-b1a5-4fb2-acc0-11ec3b9440df