Source: https://rd.springer.com/chapter/10.1007/978-3-642-96428-2_12
Timestamp: 2018-08-15 21:30:01
Document Index: 53943354

Matched Legal Cases: ['§ 92', '§ 93', '§ 54', '§ 55', '§ 224', '§ 233', '§ 66', '§ 639']

Pfandrechte | Springer for Research & Development
Römisches Recht pp 152-162 | Cite as
Pfandrechte sind dingliche Rechte, die einem Gläubiger zur Sicherung seiner Forderung eingeräumt werden. Das klassische römische Recht kannte zwei Grundtypen solcher Rechte: die zivilrechtliche Sicherungsübereignung (fiducia cum creditore contracta, § 92) und das eigentliche Pfandrecht (pignus, h ypotheca, § § 93f.), das in seiner klassischen Ausgestaltung ein Werk prätorischer Rechtsschöpfung war. Bei der fiducia erhielt der Gläubiger das zivile Eigentum an dem Sicherungsobjekt und unterlag lediglich einer schuldrechtlichen Verpflichtung zur Rückübereignung nach Tilgung der Schuld. Das prätorische Pfandrecht dagegen gab dem Gläubiger nur ein beschränkt dingliches Recht an fremder Sache, das ihn befähigte, beim Ausbleiben der Erfüllung seine Befriedigung in der Sache zu suchen, und dessen Bestand unmittelbar mit dem der gesicherten Forderung verknüpft war, derart, daß es ohne eine solche Forderung weder entstehen noch fortbestehen konnte (akzessorischer Charakter des Pfandrechts). Das j ustinianische Recht kannte nur noch das eigentliche Pfandrecht; die fiducia war zusammen mit den zivilen Übereignungsformen (mancipatio, in iure cessio), an die sie gebunden war, im Lauf des vierten und fünften Jahrhunderts außer Übung gekommen (vgl. § 54, 5; § 55, 4); in den justinianischen Rechtsbüchern ist sie durch Interpolationen ausgemerzt.
Lit. bei Windscheid-Kipp.: Pand. I 91125 (§ 224*); Manigk: RE 6, 2316; 9, 411f. Moderne Gesamtdarstellungen: Rabel: Grundzüge d. röm. Privatr. 493ff.; Perozzi: Ist. I2 804ff.; Siber: Röm. R. II 119ff. Neuere Speziallit. s. u. jeweils bei den betreffenden Fragen. — Imfolgenden wird grundsätzlich ‘nur das durch Rechtsgeschäft begründete („gesetzte“) Pfand behandelt. Doch gelten die dabei entwickelten Regeln im wesentlichen auch für das „genommene“ Pfand, das der Magistrat durch seine Amtsdiener dem im Prozeß unterlegenen Schuldner vollstreckungshalber für den siegreichen Gläubiger abnehmen ließ (pignes in causa iudicati capturm, Pfändungspfand, Ulp. D. 42 1, 15; Bethmann-Hollweg: Röm. Zivilprozeß II 693ff.). Ausschließlich in das Zivilprozeßrecht gehört die Pfändung, die der legis actio per pignoris capionem zugrunde lag (Gai. 4, 26ff.); in das Staatsrecht die vom Magistrat als Ungehorsamsstrafe verhängte Pfändung (Monmsszx: Röm. Staatsr. I 3 160f.). Unerörtert bleibt im folgenden endlich auch das sog. pignes praetorium, ein unvollkommenes Pfandrecht, das im wesentlichen auf eine Beschlagnahme (detentio und custodia) hinausläuft, vgl. Deruburg: Röm. Pfandr.I 400ff.; Windscheid-Kipp: Pand. I 9 1168ff. (§ 233, 2); Naber: Mnemosyne 31, 211ff.
Auch eine prekaristische Überlassung des Inventars würde den Pächter nicht sichergestellt haben, da er in einem Besitzstreit mit dem Verpächter der exceptio vitiosae possessionis unterlegen wäre (§ 66, 2a).Google Scholar
Hypothesen über die Entstehungszeit beider Rechtsbehelfe bei GIRARD-v. Masst: Gesch. u. Syst. d. röm. R. 838, Anm. 1 u. 3; Serer: Röm. R. II 124, Anm. 15; Volterra: Osservazioni sul pegno di cosa altrui in dir. rom. 12, Anm. 1, 1930; CARREIa.1: Sulla accessorietà del pegno nel dir. rom. 3, Anm. 1, 1934.Google Scholar
Die ältere Lit. über diese dunkle Stelle bei Windsonem-Kupp: Pand. I 1219f. (§ 639, Anm. 16). Weitgehende Interpolationen behauptet neuerdings Biondi: La compensazione nel dir. rom. 276 ff., 1927.Google Scholar
Wenger L., Kunkel W. (1949) Pfandrechte. In: Römisches Recht. Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft, vol 2/3. Springer, Berlin, Heidelberg
DOI https://doi.org/10.1007/978-3-642-96428-2_12