Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=A%2014%20S%201361/97
Timestamp: 2019-10-17 09:13:06
Document Index: 87139545

Matched Legal Cases: ['§ 116', '§ 117', '§ 318', '§ 116', '§ 173', '§ 318', '§ 116', '§ 117', '§ 116', '§ 116', '§ 117', '§ 104', '§ 116', '§ 116', '§ 116', '§ 116', '§ 117', '§ 104', '§ 116', '§ 116', '§ 116', '§ 116', '§ 104', '§ 117', '§ 116', '§ 116', '§ 116']

VGH Baden-Württemberg, 12.03.1999 - A 14 S 1361/97 - dejure.org
https://dejure.org/1999,3945
VGH Baden-Württemberg, 12.03.1999 - A 14 S 1361/97 (https://dejure.org/1999,3945)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 12.03.1999 - A 14 S 1361/97 (https://dejure.org/1999,3945)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 12. März 1999 - A 14 S 1361/97 (https://dejure.org/1999,3945)
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Zeitpunkt der Wirksamkeit einer gerichtlichen Entscheidung bei Bekanntgabe durch Zustellung
§ 116 Abs 2 VwGO, § 117 Abs 4 VwGO, § 318 ZPO
VG Stuttgart, 26.03.1997 - A 2 K 14415/95
ESVGH 49, 239 (Ls.)
NVwZ-RR 2000, 125
VBlBW 1999, 262
Ergeht ein Urteil aufgrund mündlicher Verhandlung durch Zustellung an die Beteiligten (vgl. § 116 Abs. 2 VwGO), so tritt die Bindungswirkung gemäß § 173 VwGO in Verbindung mit § 318 ZPO bereits mit der in § 116 Abs. 2 VwGO für diesen Fall ausdrücklich vorgeschriebenen Übergabe des Urteils - bzw. zumindest des Tenors der Entscheidung (vgl. § 117 Abs. 5 Satz 2 VwGO) - an die Geschäftsstelle ein (ebenso Bay. VGH…, Beschluss vom 24.7.1998 - 25 ZB 98.32972 -, juris Rn. 3; VGH Ba. Wü., Beschluss vom 12.3.1999 - A 14 S 1361/97 -, juris Rn. 7; Thür. OVG…, Beschluss vom 26.1.2000 - 3 ZKO 25.00 -, juris Rn. 4).
Das Ermessen kann sich aber im Hinblick auf die Notwendigkeit, rechtliches Gehör zu gewähren, oder mit Rücksicht auf die Pflicht, den Sachverhalt von Amts wegen zu erforschen, im Einzelfall dahingehend verdichten, dass nur die Wiedereröffnung sachgerecht ist (VGH Ba.-Wü., Beschluss vom 12.3.1999 - A 14 S 1361/97 -, juris Rn. 6).
Ergeht - wie hier - ein Urteil aufgrund mündlicher Verhandlung durch Zustellung an die Beteiligten (vgl. § 116 Abs. 2 VwGO), so tritt die Bindungswirkung bereits mit der in § 116 Abs. 2 VwGO für diesen Fall ausdrücklich vorgeschriebenen Übergabe des Urteils - bzw. zumindest des Tenors der Entscheidung (vgl. § 117 Abs. 4 Satz 2 VwGO) - an die Geschäftsstelle ein (ebenso: Bay. VGH…, Beschluss vom 24.7.1998 - 25 ZB 98.32972 -, juris Rn. 3; VGH Ba.-Wü., Beschluss vom 12.3.1999, a. a. O., Rn. 7; Thür. OVG…, Beschluss vom 26.1.2000 - 3 ZKO 25.00 -, juris Rn. 4; wohl auch BVerwG…, Beschluss vom 27.4.2005 - BVerwG 5 B 107.04 u. a. -, juris Rn. 7;… Geiger, in: Eyermann, VwGO, 14. Auflage 2014, § 104 Rn. 14;… Kuntze, in: Bader u. a., VwGO, 4. Auflage 2007, § 116 Rn. 10;… Redeker/von Oertzen, VwGO, 14. Auflage 2004, § 116 Rn. 7).
Denn es wäre wenig plausibel, wenn der Gesetzgeber zwar für die "Fällung" des Urteils durch Übergabe des Tenors an die Geschäftsstelle eine zweiwöchige Frist gesetzt, hiermit aber nicht zugleich die Verbindlichkeit des Urteils verknüpft, sondern eine abweichende Entscheidung auch in der Zeit danach zugelassen hätte (VGH Ba.-Wü., Beschluss vom 12.3.1999, a. a. O., Rn. 7).
Darüber hinaus sind dieser Auffassung praktische Erwägungen entgegenzuhalten, weil hiermit die Wirksamkeit einer Entscheidung von Umständen abhängig gemacht würde, die der entscheidende Spruchkörper nicht beeinflussen kann (Bay. VGH, Beschluss vom 24.7.1998, a. a. O. Rn.3, VGH Ba.-Wü., Beschluss vom 12.3.1999, a. a. O., Rn. 7).
Das Ermessen kann sich aber im Hinblick auf die Notwendigkeit, rechtliches Gehör zu gewähren, oder mit Rücksicht auf die Pflicht, den Sachverhalt von Amts wegen zu erforschen, im Einzelfall dahingehend verdichten, dass nur die Wiedereröffnung sachgerecht ist (VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 12.03.1999 - A 14 S 1361/97 -, juris Rn. 6).
Ergeht wie hier gemäß § 116 Abs. 2 VwGO ein Urteil aufgrund mündlicher Verhandlung durch Zustellung an die Beteiligten - mangels Verkündungstermins kann die Klägerin daher auch nicht, wie im Schriftsatz vom 19.12.2016 beantragt, dessen Verlegung verlangen -, so tritt die Bindungswirkung bereits mit der in § 116 Abs. 2 VwGO für diesen Fall ausdrücklich vorgeschriebenen Übergabe des Urteils - bzw. zumindest des Tenors der Entscheidung (vgl. § 117 Abs. 4 Satz 2 VwGO) - an die Geschäftsstelle ein (ebenso: BayVGH…, Beschluss vom 24.07.1998 - 25 ZB 98.32972 -, juris Rn. 3; VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 12.03.1999, aaO, Rn. 7; ThürOVG…, Beschluss vom 26.01.2000 - 3 ZKO 25.00 -, juris Rn. 4; NdsOVG…, Beschluss vom 28.05.2015 - 5 LA 195/14 -, juris Rn. 95; wohl auch BVerwG…, Beschluss vom 27.04.2005 - 5 B 107.04 u.a. -, juris Rn. 7;… Geiger in Eyermann, VwGO, 14. Aufl., § 104 Rn. 14;… Kuntze in Bader u.a., VwGO, 4. Aufl., § 116 Rn. 10;… Redeker/von Oertzen, VwGO, 14. Aufl., § 116 Rn. 7).
Denn es wäre wenig plausibel, wenn der Gesetzgeber zwar für die "Fällung" des Urteils durch Übergabe des Tenors an die Geschäftsstelle eine zweiwöchige Frist gesetzt, hiermit aber nicht zugleich die Verbindlichkeit des Urteils verknüpft, sondern eine abweichende Entscheidung auch in der Zeit danach zugelassen hätte (vgl. VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 12.03.1999, aaO, Rn. 7; NdsOVG…, Beschluss vom 28.05.2015, aaO, Rn. 95).
Darüber hinaus sind dieser Auffassung praktische Erwägungen entgegenzuhalten, weil hiermit die Wirksamkeit einer Entscheidung von Umständen abhängig gemacht würde, die der entscheidende Spruchkörper nicht beeinflussen kann (BayVGH, Beschluss vom 24.07.1998, aaO, Rn. 3, VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 12.03.1999, aaO, Rn. 7; NdsOVG…, Beschluss vom 28.05.2015, aaO, Rn. 95).
In einem solchen Fall ist das Urteil frühestens dann "erlassen" und für das Gericht bindend, wenn das vollständige Urteil oder zumindest der Entscheidungstenor der Geschäftsstelle übergeben worden ist (vgl. VGH Mannheim, Beschluss vom 12. März 1999, NVwZ-RR 2000, 125, 126;… im Einzelnen str., vgl. Kilian in Sodan/Ziekow, VwGO, 2. Aufl. 2006, Rzn. 33 ff. zu § 116;… Lambiris in Posser/ Wolff, VwGO, 2008, Rz. 12 zu § 116).
Diese in § 104 Abs. 3 Satz 2 VwGO vorgesehene Möglichkeit ist zeitlich beschränkt und besteht nur bis zum Erlass des Urteils (…vgl. VGH Kassel, Beschl. v. 10.2.1999, 6 UZ 371/98.A, AuAS 1999, 201, juris Rn. 5; VGH Mannheim, Beschl. v. 12.3.1999, A 14 S 1361/97, AuAS 1999, 199, juris Rn. 6).
Wird - wie hier - statt der Verkündung die Zustellung eines aufgrund mündlicher Verhandlung ergangenen Urteils beschlossen, wird das Urteil nach der Rechtsprechung des Senats (Beschluss vom 12.3.1999 - A 14 S 1361/97 -, VBlBW 1999, 262) mit der Übergabe des Urteils bzw. des Tenors der Entscheidung (§ 117 Abs. 4 VwGO) an die Geschäftsstelle wirksam und für das Gericht bindend.
Dem gegenüber geht die verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung überwiegend davon aus, dass das Urteil im Falle des § 116 Abs. 2 VwGO entweder schon mit der Übergabe des von den mitwirkenden Richtern unterschriebenen Urteilstenors an die Geschäftsstelle (…so BVerwG, B. v. 29.9.2015 - 7 B 22/15 - juris Rn. 3; VGH BW, B. v. 12.3.1999 - A 14 S 1361/97 - juris; BayVGH, U. v. 30.4.1986 - 25 B 82 C 762, BayVBl 1986, 655/656;… Schmidt in Eyermann a. a. O., § 116 Rn. 14) oder aber danach mit dem Abruf, d. h. der fernmündlichen Bekanntgabe des unterschriebenen und an die Geschäftsstelle übergebenen Urteilstenors durch bzw. an zumindest einen Prozessbeteiligten erlassen werde (so OVG NRW, B. v. 2.4.1981, DVBl 1981, 691/692;… Clausing in Schoch/Schneider/Bier a. a. O., § 116 Rn. 10).