Source: https://www.xn--kfz-sachverstndiger-schrter-nkc74c.de/kfz-unfall-lexikon/die-nachbesichtigung/
Timestamp: 2020-02-24 23:28:22
Document Index: 385719239

Matched Legal Cases: ['§ 249', 'BGH', 'BGH', '§ 249', '§ 249', '§ 249']

Muß ich im Schadensfall durch den Versicherer nachbesichtigen lassen ?
Die Nachbesichtigung eines Unfallfahrzeugs
Gern wird in Unfallsachen,welche fiktiv abgerechnet werden sollen, seitens der Haftpflichtversicherer an den Gutachten der Geschädigten rumgemäkelt. Oft wird ein Prüfbericht übersandt, in dem ein geringerer Reparaturaufwand berechnet und auf eine ganz leicht erreichbare, spitzen freie Werkstatt verwiesen wird, oder aber die Versicherung möchte von ihrem Recht auf Nachbesichtigung durch einen eigenen Sachverständigen Gebrauch machen. Oft wird der Geschädigte auch gern unter Umgehung des eigenen Rechtsanwaltes angeschrieben.Darf die Versicherung das?
Versuchen kann man es, ein Recht darauf besteht nicht.
Weißt das Schadengutachten eines Unfallgeschädigten keine gravierenden Mängel auf, Vorschäden sind nicht vorhanden oder aber zu solchen sind im Gutachten bereits ausreichende Ausführungen gemacht worden und finden sich keine Anhaltspunkte für ein betrügerisches Verhalten, besteht kein Grund, der Versicherung eine Nachbesichtigung zu erlauben.
Zum Nachbesichtigungsrecht hat das Landgericht Berlin in seiner Entscheidung vom 13.07.2011, Az: 42 0 22/10, ebenfalls deutlich Stellung genommen:
(…) Ist ein Kraftfahrzeug bei einem Unfall beschädigt worden, so kann der Geschädigte von dem ersatzpflichtigen Schädiger den zur Herstellung erforderlichen Geldbetrag gemäß § 249 Satz 2 BGB verlangen. Dieser Geldbetrag bemisst sich danach, was vom Standpunkt eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Eigentümers in der Lage des Geschädigten für die Instandsetzung des Fahrzeugs zweckmäßig und angemessen erscheint (BGH in ständiger Rechtsprechung, vgl. etwa BGHZ 54,82, 84ff.; 61, 346, 349f; 63, 182, 184ff.; Senatsurteil vom 20. Juni 1972 –VI ZR 61/71 = VersR 1972, 1024, 1025). Diese Ersetzungsbefugnis des § 249 Satz 2 BGB soll dem Geschädigten die Auseinandersetzung mit dem Schädiger darüber ersparen, ob die Herstellung durch den Schädiger nach § 249 Satz 1 BGB gelungen ist und vom Geschädigten als Ersatzleistung angenommen werden muss. Damit sie dieses Ziel voll erreichen kann, ist der Ersatz in Grenzen losgelöst von im Einzelfall von dem Geschädigten für die Schadensbeseitigung tatsächlich aufgewendeten Beträgen. Für das, was zur Schadensbeseitigung nach § 249 Satz 2 BGB erforderlich ist, ist ein objektivierender, nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten typisierender Maßstab anzulegen. Dafür stellt das Schätzungsgutachten eines anerkannten Kfz-Sachverständigen über die Höhe der voraussichtlichen Reparaturkosten nicht nur für das Gericht, sondern auch für den Schädiger eine sachgerechte Grundlage dar, sofern das Gutachten hinreichend ausführlich ist und das Bemühen erkennen lässt, dem konkreten Schadensfall vom Standpunkt eines wirtschaftlich denkenden Betrachters gerecht zu werden. Zwar ist es dem Schädiger unbenommen, durch substantiierte Einwände die Annahmen des Sachverständigen in Einzelpunkten in Zweifel zu ziehen. Solange aber keine Anhaltspunkte für gravierende Mängel bestehen, bleibt das Schätzgutachten eine ausreichende Grundlage für die Darlegung des Unfallschadens.
LG Berlin, Urteil vom 13.07.2011