Source: http://gkr-ekbo.de/mitarbeit-in-der-gemeinde/pfarrdienst/
Timestamp: 2019-01-21 12:08:58
Document Index: 152235293

Matched Legal Cases: ['Art. 15', '§ 13', '§ 14', 'Art. 16', '§ 37', '§ 21', '§ 4', '§ 4']

Der Pfarrdienst gehört zum Auftrag, den Gott seiner ganzen Kirche gegeben hat: „die in Christus geschehene Versöhnung Gottes mit der Welt zu bezeugen und zur Versöhnung mit Gott zu rufen. Alle Dienste, ob in Verkündigung oder Lehre, in Diakonie oder Kirchenmusik, in der Leitung oder der Verwaltung, sind Entfaltungen des einen Amtes.“ (Grundartikel II.2 GO – Grundordnung der EKBO)
Pfarrerinnen/Pfarrer dienen dem Auftrag der Kirche in der Regel hauptamtlich. Die Ordination erfolgt zu Beginn des Dienstes und gilt lebenslang. Ordiniert werden Theologinnen/Theologen bzw. Gemeindepädagoginnen/ Gemeindepädagogen, die nach erfolgreicher erster und zweiter Theologischer Prüfung in den beruflichen oder ehrenamtlichen Pfarrdienst berufen werden. Das Ordinationsversprechen berechtigt und verpflichtet dazu, das Evangelium Jesu Christi öffentlich zu predigen, wie es in der heiligen Schrift gegeben und in den Bekenntnissen unserer Kirche bezeugt ist, der Gemeinde mit Taufe und Abendmahl zu dienen, in Gottesdienst, Seelsorge und Unterricht am Aufbau der Gemeinde mitzuwirken, für die Einheit der Kirche einzutreten und zum Dienst in der Welt zu ermutigen. Die Ordination wahrt die Freiheit gegenüber allen Bestrebungen, die Verkündigung des Evangeliums für evangeliumsfremde Zwecke zu instrumentalisieren. Das Beichtgeheimnis gilt unverbrüchlich und ist auch im staatlichen Recht besonders geschützt.
In der lebenslangen Bindung unterscheidet sich der Pfarrdienst rechtlich von den Arbeitsverhältnissen anderer Mitarbeitenden und wird bestimmt vom geltenden Pfarrdienstrecht (Rechtssammlung der EKBO – RS 315, 318, 320ff). Pfarrerinnen und Pfarrer werden in der Regel in ein öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis berufen. Die Dienstaufsicht über Pfarrerinnen/Pfarrer führt nicht der Gemeindekirchenrat, sondern die Superintendentin/der Superintendent und das Konsistorium. Der Gemeindekirchenrat nimmt „die Verantwortung der Kirchengemeinde für die schriftgemäße Verkündigung des Evangeliums“ wahr, „unbeschadet des besonderen Auftrages“ der Pfarrerinnen/Pfarrer (Art. 15.2 GO). Deswegen braucht das Miteinander von Pfarrerinnen/Pfarrern sowie Gemeindekirchenrat den regelmäßigen Austausch über die sachgemäße Aktualisierung des Evangeliums im jeweiligen Kontext und die gegenseitige Fürbitte.
Wichtige Praxisbausteine:
Agenden und Lebensordnung
Für Gottesdienste und Amtshandlungen hat die Landessynode die Agenden für unsere Kirche eingeführt, die im Bereich der Union Evangelischer Kirchen (UEK), teilweise gemeinsam mit der Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD), erarbeitet wurden, um im gottesdienstlichen Handeln liturgische Klarheit mit Lebensnähe zu verbinden. Dabei handelt es sich um das Evangelische Gottesdienstbuch, das Taufbuch, die Agende zur Konfirmation, das Traubuch, die Agende zur Bestattung und die Agende zu Berufung, Einführung, Verabschiedung. Die inhaltlichen Einführungen dieser Agenden bieten theologische Grundlegungen, kirchengeschichtliche Entwicklungen und rechtliche Informationen zu den einzelnen Themen, die auch für Gemeindekirchenräte hilfreich sind, um die Praxis der eigenen Gemeinde in Gottesdienst und Amtshandlungen sachgemäß zu bedenken.Wenn Menschen, die einer anderen oder keiner christlichen Kirche angehören, um eine Amtshandlung bitten, sieht die „Ordnung kirchlichen Lebens“ (RS 210) vor, dass Pfarrerinnen/Pfarrer den Gemeindekirchenrat in die Entscheidungsfindung einbeziehen. Die Lebensordnung bietet Leitlinien, die zu einem verlässlichen Handeln der Kirche beitragen und zugleich Spielräume eröffnen, die in seelsorgerlicher Verantwortung gestaltet werden können.
Leitbild und Musterdienstvereinbarung
An den Pfarrdienst werden vielfältige Anforderungen gestellt und Erwartungen gerichtet. Er beansprucht Pfarrerinnen/Pfarrer in ihrer gesamten Existenz. Angesichts der daraus resultierenden Überlastung werden klare Prioritätensetzungen und verabredete Aufgabenbeschreibungen gebraucht. Dem dient das von der Kirchenleitung 2003 verabschiedete Leitbild „Pfarrerin und Pfarrer als Beruf“ zusammen mit der Musterdienstvereinbarung (RS 319). Für den Dienst in einer Gemeindepfarrstelle soll eine Dienstvereinbarung in Anlehnung an die Musterdienstvereinbarung geschlossen werden (§ 13 Pfarrdienstausführungsgesetz, RS 318). Die Dienstvereinbarung wird im Gespräch zwischen Pfarrerin/Pfarrer und Gemeindekirchenrat/Gemeindekirchenräten frühestens ein Jahr nach Dienstbeginn erarbeitet. Das Gespräch leitet in der Regel die Superintendentin/der Superintendent. Leitbild und Musterdienstvereinbarung werden zur Zeit überarbeitet.
http://www.kirchenrecht-ekbo.de/document/203
Bei der Pfarrstellenbesetzung wirken Gemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche zusammen. Die Fäden für den ordnungsgemäßen Vollzug nach dem Pfarrstellenbesetzungsgesetz (RS 350) laufen bei der Superintendentin/dem Superintendenten zusammen. Gemeindepfarrstellen werden in der EKBO für zehn Jahre übertragen. Für vakante Pfarrstellen regelt die Superintendentin/der Superintendent die Vertretung und kann die Verwaltung der Pfarrstelle einer Pfarrerin/einem Pfarrer übertragen, die/der dadurch stimmberechtigtes Mitglied im Gemeindekirchenrat der vakanten Gemeinde wird (§ 14 Pfarrdienstausführungsgesetz, Art. 16.1.3 GO).
Mitarbeitende im Pfarrdienst „müssen erreichbar sein und ihren Dienst innerhalb angemessener Zeit im Dienstbereich aufnehmen können“ (§ 37.1 EKD-Pfarrdienstgesetz, RS 315). Der Erreichbarkeit dient auch die Residenzpflicht. Gemeindepfarrerinnen und –pfarrer sind verpflichtet, am Dienstsitz zu wohnen. Über Ausnahmen entscheidet der Kreiskirchenrat (§ 21 Pfarrdienstausführungsgesetz). Der Gemeindekirchenrat weist der Pfarrerin/dem Pfarrer die Dienstwohnung in gebrauchsfähigem Zustand schriftlich zu (§ 4 und 8 Pfarrdienstwohnungsverordnung, RS 302). Die Pfarrerin/der Pfarrer ist für die Schönheitsreparaturen zuständig und gibt die Wohnung am Ende des Dienstverhältnisses in einwandfreiem Zustand zurück (§ 4.7 Pfarrdienstwohnungsverordnung). Die Formulare für die schriftliche Zuweisung der Dienstwohnung und die Wohnungsübergabe bereitet das zuständige Kirchliche Verwaltungsamt (KVA) vor (Muster siehe RS 305). Ausstattungsrichtlinien für Pfarrdienstwohnungen finden sich in RS 306.
Prädikantinnen/Prädikanten haben mit ihrem ehrenamtlichen Verkündigungsdienst teil am Amt der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung. Siehe dazu die Handreichung für Prädikantinnen und Prädikanten „Leidenschaftlich“.
Lektorinnen/Lektoren leiten nach Beauftragung durch den Gemeindekirchenrat Gottesdienste und verwenden für die Predigt geeignete Vorlagen. Siehe Richtlinien für den Lektorendienst (RS 494).
Dieser Beitrag wurde verfasst von Ulrike Menzel, Superintendentin des Kirchenkreises Cottbus.