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Timestamp: 2016-12-02 20:04:12
Document Index: 124872441

Matched Legal Cases: ['§ 78', '§ 79', '§ 80', '§ 81', '§ 62', '§ 63', '§ 64', '§ 65', '§ 66', '§ 68', '§ 73']

Karl Marx - Erster Entwurf zum "Bürgerkrieg in Frankreich"
Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx/Friedrich Engels - Werke, (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 17, 5. Auflage 1973, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1962, Berlin/DDR. S. 493-571.
[Erster Entwurf zum "Bürgerkrieg in Frankreich"]
Geschrieben April/Mai 1871.
Aus dem Englischen und Französischen.
Texte der Handschrift, die aus dem Französischen übersetzt wurden, sind durch spitze Klammern gekennzeichnet. Für eine Reihe von Textstellen sowie für die Erklärungen einiger fremdsprachiger Ausdrücke konnte Engels Übersetzung der Endfassung des "Bürgerkriegs in Frankreich" zugrunde gelegt werden.
Die Verteidigungsregierung
|493| Vier Monate nach Beginn der Kampfhandlungen, als die Verteidigungsregierung [der] Pariser Nationalgarde einen Köder hingeworfen hatte, indem sie ihr erlaubte, ihre Kampffähigkeit in Buzenval zu zeigen, hielt die Regierung den geeigneten Augenblick für gekommen, um Paris auf die Kapitulation vorzubereiten. Auf der Versammlung der Maires von Paris zur Frage der Kapitulation enthüllte Trochu in Gegenwart und mit Unterstützung von Jules Favre und einigen anderen seiner Kollegen schließlich seinen "Plan". Wörtlich sagte er:
"Die erste Frage, die mir von meinen Kollegen am Abend des 4. September vorgelegt wurde, war die: Kann Paris mit irgendwelcher Aussicht auf Erfolg eine Belagerung der preußischen Armee aushalten? Ich zögerte nicht, dies zu verneinen. Mehrere meiner hier anwesenden Kollegen werden einstehn für die Wahrheit dieser meiner Worte und für mein Beharren auf dieser Meinung. Ich sagte ihnen, in diesen selben Worten, daß, wie die Dinge lägen, der Versuch, Paris gegen eine preußische Belagerung zu behaupten, eine Torheit sei. Ohne Zweifel, fügte ich hinzu, eine heroische Torheit; aber mehr wäre es nicht ... Die Ereignisse haben meine Voraussicht nicht Lügen gestraft."
Trochus Plan war daher vom ersten Tage der Proklamierung der Republik an die Kapitulation von Paris und von Frankreich. Er war faktisch der Oberbefehlshaber der Preußen. In einem Brief an Gambetta bekannte Jules Favre selbst so viel, daß der niederzuschlagende Feind nicht der preußische Soldat, sondern der Pariser (Revolutionär) "Demagoge" sei. Die hochtönenden Versprechungen, welche die Verteidigungsregierung dem Volk gemacht hatte, waren daher lauter bewußte Lügen. Ihren "Plan" führten sie systematisch durch, indem sie die Verteidigung von Paris bonapartistischen Generalen übertrugen, die Nationalgarde desorganisierten und unter der Mißwirtschaft von Jules Ferry den Hunger organisierten. |494| Die Versuche der Pariser Arbeiter am 5. Oktober, 31. Oktober usw., an die Stelle dieser Verräter die Kommune zu setzen, wurden als Verschwörungen mit dem Preußen niedergeschlagen! Nach der Kapitulation wurde die Maske fallen gelassen (beiseite geworfen). Die capitulards wurden eine Regierung von Bismarcks Gnaden. Als seine Gefangenen schlossen sie mit ihm einen allgemeinen Waffenstillstand, dessen Bedingungen Frankreich entwaffneten und jeden weiteren Widerstand unmöglich machten. In Bordeaux als Regierung der Republik wieder auferstanden, flehten diese selben capitulards durch Thiers, ihren Ex-Botschafter, und Jules Favre, ihren auswärtigen Minister, im Namen der Mehrheit der sogenannten Nationalversammlung und lange vor der Erhebung von Paris Bismarck inbrünstig an, Paris zu entwaffnen und zu besetzen und "seine Kanaille" niederzuschlagen, wie Bismarck selbst bei seiner Rückkehr aus Frankreich nach Berlin seinen Bewunderern in Frankfurt spöttisch erzählte. Die Besetzung von Paris durch die Preußen - das war das letzte Wort des "Plans" der Verteidigungsregierung. Die zynische Unverschämtheit, mit der dieselben Leute seit ihrer Niederlassung in Versailles vor Preußen kriechen und nach seiner bewaffneten Einmischung rufen, hat selbst die feile Presse Europas verblüfft. Die Heldentaten der Pariser Nationalgarde, seitdem sie nicht mehr unter, sondern gegen die capitulards kämpft, hat auch den größten Zweifler gezwungen, das Wort "Verräter" den frechen Stirnen der Trochu, Jules Favre und Co. einzubrennen. Die von der Kommune beschlagnahmten Dokumente haben schließlich die juristischen Beweise für ihren Hochverrat beigebracht. Unter diesen Papieren befinden sich Briefe der bonapartistischen sabreurs |Haudegen|, denen die Ausführung von Trochus "Plan" anvertraut worden war, in denen diese elenden Schurken Witze reißen und sich lustig machen über ihre eigene "Verteidigung von Paris" (vgl. zum Beispiel den Brief von Alphonse-Simon Guiod, Oberkommandant der Artillerie der Pariser Verteidigungsarmee, Großkreuz der Ehrenlegion, an Susane, Divisionsgeneral der Artillerie; der Brief wurde vom "Journal Officiel" der Kommune veröffentlich).
Es ist daher offensichtlich, daß die Männer, die jetzt die Versailler Regierung bilden, dem Schicksal überführter Verräter nur durch einen Bürgerkrieg, den Untergang der Republik und eine monarchische Restauration unter dem Schutz der preußischen Bajonette entgehen können.
Aber - und das ist äußerst charakteristisch für die Männer des Kaiserreichs, ebenso wie für die Männer, die nur auf seinem Boden und in seiner |495| Atmosphäre zu Scheinvolkstribunen sich entwickeln konnten - die siegreiche Republik würde sie nicht nur als Verräter brandmarken, sie hätte sie als gemeine Verbrecher dem Kriminalgericht übergeben müssen. Man sehe sich nur Jules Favre, Ernest Picard und Jules Ferry an, diese Großen der von Thiers' geführten Verteidigungsregierung!
Eine Reihe beglaubigter gerichtlicher Aktenstücke, die sich über ungefähr 20 Jahre erstrecken und von Herrn Millière, Abgeordneter zur Nationalversammlung, veröffentlicht wurden, beweisen, daß Jules Favre, in ehebrecherischer wilder Ehe lebend mit der Frau eines in Algier wohnenden Trunkenbolds, durch eine höchst verwickelte Verkettung verwegner Fälschungen es fertiggebracht hatte, im Namen seiner Bastarde eine große Erbschaft zu erschleichen, die ihn zum reichen Mann machte, und daß nur die Begünstigung der bonapartistischen Gerichte ihn in einem von den rechtmäßigen Anwärtern unternommenen Prozesse vor der Entdeckung rettete. So ist Jules Favre, dieses salbungsvolle Sprachrohr von Familie, Religion, Eigentum und Ordnung, schon lange dem Code pénal verfallen. Lebenslängliche Zwangsarbeit wäre unter jeder anständigen Regierung sein unvermeidliches Los.
Ernest Picard, der gegenwärtige Versailler Minister des Innern, der sich am 4. September selbst zum Minister des Innern der Verteidigungsregierung ernannte, nachdem er vergeblich versucht hatte, von Louis Bonaparte ernannt zu werden, - dieser Ernest Picard ist der Bruder eines gewissen Arthur Picard. Als er gemeinsam mit Jules Favre und Co. die Unverschämtheit hatte, diesen seinen biedern Bruder als Kandidaten für das Corps législatif im Departement Seine-et-Oise vorzuschlagen, veröffentlichte die Regierung des Kaiserreichs zwei Dokumente: einen Bericht der Polizeipräfektur (vom 31. Juli 1867), welcher besagte, daß dieser Arthur Picard als "escroc" |"Betrüger"| von der Börse ausgeschlossen wurde, und ein anderes Dokument, vom 11. Dezember 1868, nach welchem Arthur den Diebstahl von 300.000 frs. gestanden hatte, von ihm begangen als Direktor eines Zweigbüros der Société générale", rue Palestro Nr. 5. Ernest machte nicht nur seinen biedern Arthur zum Chefredakteur seines eignen Blattes "L'Électeur libre", das unter dem Kaiserreich gegründet wurde und bis heute erscheint, ein Blatt, in dem die Republikaner täglich als "Räuber, Banditen und partageux" beschimpft werden, sondern, einmal Minister des Innern der "Verteidigung" geworden, beschäftigte Ernest Arthur als seinen finanziellen Vermittler zwischen dem Ministerium des Innern und der |496| Börse, um dort die ihm anvertrauten Staatsgeheimnisse in baren Profit zu verwandeln.
Die ganze "Geschäfts"-Korrespondenz zwischen Ernest und Arthur ist in die Hände der Kommune gefallen. Wie der rührselige Jules Favre ist Ernest Picard, der Joe Miller der Versailler Regierung, ein dem Code pénal und den Galeeren verfallner Mann!
Um dieses Trio voll zu machen: Jules Ferry, vor dem 4. September ein armer brotloser Advokat, hatte, nicht zufrieden damit, die Hungersnot in Paris zu organisieren, es fertiggebracht, aus dieser Hungersnot ein Vermögen für sich herauszuschwindeln. Der Tag, an dem er sich für seine Betrügereien während der Belagerung von Paris zu verantworten haben wird, wird für ihn der Tag des jüngsten Gerichts sein.
Kein Wunder also, daß diese Männer, die nur in einer von preußischen Bajonetten geschützten Monarchie hoffen können, den Galeeren zu entgehen, die nur in der Unruhe des Bürgerkriegs ihr ticket-of-leave (1) erlangen können, daß diese Desperados sogleich von Thiers ausgesucht und von den Krautjunkern als sicherste Werkzeuge der Konterrevolution akzeptiert wurden!
Kein Wunder, daß, als Anfang April gefangne Nationalgardisten in Versailles den wilden Exzessen der "Lämmer" Piétris und des Mobs von Versailles ausgesetzt waren, Herr Ernest Picard, "die Hände in den Hosentaschen, von Trupp zu Trupp spazierte und Witze riß", während "auf dem Balkon der Präfektur Madame Thiers, Madame Jules Favre und ein Schwarm ähnlicher Damen in bester Gesundheit und Laune zusahen" und sich an jener widerlichen Szene ergötzten. Kein Wunder also, daß, während der eine Teil Frankreichs unter der Ferse der Eroberer stöhnt, während Paris, das Herz und Haupt Frankreichs, täglich Ströme seines besten Blutes in der Selbstverteidigung gegen die einheimischen Verräter vergießt ..., die Thiers, Favre und Co. im Palast Ludwigs XIV. wilden Gelagen frönen, wie zum Beispiel der großen fête, die Thiers zu Ehren von Jules Favre bei dessen Rückkehr aus Rouen gab (wohin er geschickt worden war, um mit den Preußen zu konspirieren) (vor ihnen zu kriechen). Es ist die zynische Orgie entkommener Verbrecher!
|497| Wenn die Verteidigungsregierung anfangs Thiers zu ihrem Auswärtigen Botschafter machte, der an alle Höfe Europas betteln ging, um dort einen König für Frankreich gegen ihre Intervention gegen Preußen einzutauschen, wenn sie ihn später auf eine Rundreise durch die französischen Provinzen schickte, um dort mit den châteaux |Schloßherren| zu konspirieren und die allgemeinen Wahlen im geheimen vorzubereiten, welche, zusammen mit der Kapitulation, Frankreich im Handstreich nehmen sollten, - so machte Thiers seinerseits sie zu seinen Ministern und hohen Bamten. Sie waren zuverlässige Leute.
Es gibt etwas recht Mysteriöses in Thiers' Vorgehen - seine Verwegenheit bei der Beschleunigung der Pariser Revolution. Nicht damit zufrieden, Paris aufzustacheln durch die antirepublikanischen Demonstrationen seiner Krautjunker, durch die Drohung, Paris zu enthaupten und zu enthauptstadten (décapiter et décapitaliser), durch Dufaures - Thiers' Justizminister - Gesetz vom 10. März über die échéances |Verfallstermine| der Wechsel, das den Pariser Handel mit dem Bankrott bedrohte, durch die Ernennung orleanistischer Gesandten, durch die Verlegung der Nationalversammlung nach Versailles, durch die Erhebung einer neuen Zeitungssteuer, durch die Beschlagnahme der republikanischen Pariser Blätter, durch die Erneuerung des Belagerungszustands, der zuerst von Palikao verhängt und mit dem Sturz der bonapartistischen Regierung am 4. September aufgehoben worden war, durch die Ernennung des décembriseur und Ex-Senators Vinoy zum Gouverneur von Paris, des bonapartistischen Gendarmen Valentin zum Polizeipräfekten und des Jesuitengenerals Aurelle de Paladines zum Oberkommandanten der Nationalgarde von Paris, - nicht zufrieden damit eröffnete er den Bürgerkrieg mit schwachen Kräften durch Vinoys Angriff auf die Höhen von Montmartre, durch den Versuch, zuerst den Nationalgardisten die Geschütze wegzunehmen, die ihnen gehörten und die ihnen durch die Pariser Konvention nur deshalb belassen wurden, weil sie ihr Eigentum waren; auf diese Weise gedachte er, Paris zu entwaffnen.
Woher dieser fiebrige Eifer, d'en finir |es zu erledigen|? Paris zu entwaffnen und niederzuschlagen war selbstverständlich die erste Voraussetzung für eine monarchistische Konterrevolution; aber ein verschlagener Intrigant wie Thiers konnte das Scheitern des heiklen Unternehmens, indem er es ohne gehörige Vorbereitung und mit lächerlich unzureichenden Mitteln begann, nur deshalb riskieren, weil er unter dem Druck eines ungeheuer notwendig gewordenen Schrittes stand. Sein Beweggrund war folgender. Durch Vermitt- |498| lung seines Finanzministers Pouyer-Quertier hatte Thiers ein Anlehen von zwei Milliarden beantragt, sofort zahlbar, und von einigen weiteren Milliarden, die zu bestimmten Fristen folgen sollten. Bei dieser Transaktion war jenen großen Bürgern - Thiers, Jules Favre, Ernest Picard, Jules Simon, Pouyer-Quertier usw. ein wahrhaft königliches pot-de-vin (Trinkgeld) vorbehalten. Aber die Sache hatte einen Haken. Bevor sie den Vertrag endgültig siegelten, wünschten die Kontrahenten eine Garantie: die Befriedung von Paris. Daher Thiers' rücksichtsloses Vorgehen. Daher der wilde Haß auf die Pariser Arbeiter, die eigensinnig genug waren, ihn bei diesem hübschen Geschäft zu stören.
Was die Jules Favres, Picards usw. anbetrifft, so haben wir genug gesagt, um zu beweisen, daß sie würdige Komplizen eines solchen Geschäfts waren. Was Thiers selber anbetrifft, so ist wohlbekannt, daß er sich während seiner beiden Amtsperioden als Minister unter Louis-Philippe 2 Millionen verschaffte, und daß man ihn in seiner Amtszeit als Premier (vom März 1840) von der Tribüne der Deputiertenkammer wegen seines Unterschleifs anklagte, worauf er als Antwort Tränen vergoß - einen Artikel, den er ebenso freigebig verteilt wie Jules Favre und der gefeierte Komödiant Frédéric Lemaître. Nicht weniger bekannt ist es, daß die erste Maßnahme, die Herr Thiers traf, um Frankreich vor dem ihm durch den Krieg drohenden Finanzruin zu retten, war - sich selbst mit einem Jahressold von 3 Millionen frs. auszustatten, mit genau der gleichen Summe, die Louis Bonaparte 1850 von Herrn Thiers und seiner Bande in der gesetzgebenden Versammlung als Entgelt dafür bekam, daß er ihnen die Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts gestattete. Diese Ausstattung des Herrn Thiers mit 3 Millionen war das erste Wort "jener sparsamen Republik", worauf er seinen Pariser Wählern 1869 Aussicht gemacht hatte. Was Pouyer-Quertier betrifft, so ist er Baumwollspinner in Rouen. 1869 war er der Führer eines Fabrikanten-Konklaves, das eine allgemeine Kürzung der Löhne zur "Eroberung" des englischen Marktes für notwendig erklärte, - eine Intrige, die von der Internationale vereitelt wurde. Pouyer-Quertier, sonst ein glühender und völlig serviler Anhänger des Kaisertums, fand nur einen Fehler an ihm, seinen Handelsvertrag mit England, der seinen eignen Fabrikanteninteressen schadete. Sein erster Schritt als Finanzminister des Herrn Thiers war, den "verhaßten" Vertrag anzuklagen und die Notwendigkeit zu verkünden, die alten Schutzzölle für seinen eignen Betrieb wieder einzuführen. Sein zweiter Schritt war der patriotische Versuch, das Elsaß durch die wiedereingeführten alten Schutzzölle zu treffen, unter dem Vorwand, daß in diesem Fall kein internationaler Vertrag ihrer Wiedereinführung |499| im Wege stünde. Durch diesen Meisterstreich wäre sein eigner Betrieb in Rouen den gefährlichen Wettbewerb der Konkurrenzfabriken in Mülhausen losgeworden. Sein letzter Schritt war, seinem Schwiegersohn, Herrn Roche-Lambert, das Amt eines Generalsteuereinnehmers des Loiret zum Geschenk zu machen, eine der reichen Pfründen, die den regierenden Bourgeois in den Schoß fällt - und derselbe Pouyer-Quertier hatte es seinem bonapartistischen Vorgänger, Herrn Magne, so sehr übelgenommen, daß dieser seinem eigenen Sohn diese fette Pfründe gegeben hatte! Dieser Pouyer-Quertier war also gerade der rechte Mann für die Ausübung des obenerwähnten Geschäfts.
<30. März. "Rappel" Jules Ferry, Ex-Maire von Paris, hat durch Zirkular vom 28. März den Akzisebeamten verboten, irgendwelche Steuern für die Stadt Paris weiter zu erheben.>
Kleine Staatsschuftereien, - ein kleiner Charakter ... ein angenagtes Gewissen ... ewiger Anstifter von Parlamentsintrigen ... kleinliche Schliche und Kniffe ... Einstudieren seiner Predigten über Liberalismus, über die "libertes nécessaires" |"notwendigen Freiheiten"| ... emsig bemüht ... starke Gründe abzuwägen gegen möglichen Mißerfolg ... zwingende Beweisgründe, die aufwiegen ... Art Heroismus in übertriebener Gemeinheit ... erfolgreiche Kriegslisten im Parlament ...
<Herr E. Picard ist ein Lump, der während der ganzen Dauer der Belagerung an der Börse die Niederlagen unserer Armeen in baren Profit verwandelt hat.>
<Blutbad, Verrat, Brandstiftung, Meuchelmord, Verleumdung, Lüge.>
In seiner Rede vor der Versammlung der Maires usw. (25. April) sagt Thiers selber, daß
"die Mörder von Clément Thomas und Lecomte" eine Handvoll Verbrecher [sind] <"und desgleichen jene, die mit Recht als geistige Urheber oder als Helfershelfer dieser Verbrecher angesehn werden können, das heißt eine sehr kleine Zahl von Individuen">.
|500| Dufaure möchte Paris niederwerfen durch Verfolgungen der Presse in den Provinzen. Ungeheuerlich - Zeitungen vor Gericht zu bringen, weil sie "Versöhnung" predigen.
Dufaure spielt in Thiers' Intrige eine wichtige Rolle. Durch sein Gesetz vom 10. März brachte er den ganzen verschuldeten Pariser Handel auf. Durch sein Gesetz über Hausmieten bedrohte er ganz Paris. Beide Gesetze sollten Paris dafür strafen, daß es Frankreichs Ehre gerettet und die Übergabe an Bismarck 6 Monate verzögert hatte. Dufaure ist Orleanist und "Liberaler" im parlamentarischen Sinne des Wortes. Folglich war er immer der Minister der Unterdrückung und des Belagerungszustands.
Er übernahm sein erstes Ministeramt am 13. Mai 1839, nach der Niederlage der dernière prise d'armes |letzten bewaffneten Erhebung| der republikanischen Partei und war daher in der damaligen Juliregierung der Minister erbarmungsloser Unterdrückung.
Am 2. Juni 1849 berief Cavaignac, der am 29. Oktober (1848) zur Aufhebung des Belagerungszustands gezwungen war, zwei Minister Louis-Philippes in sein Kabinett (Dufaure für Inneres und Vivien). Er ernannte sie auf Verlangen der rue de Poitiers (Thiers), welche Garantien forderte. Er hoffte, sich so die Unterstützung der Monarchisten für die bevorstehenden Präsidentenwahlen zu sichern. Dufaure gebrauchte die ungesetzlichsten Mittel, um Cavaignacs Kandidatur sicherzustellen. Einschüchterung und Wählerbestechung wurden niemals in größerem Maßstab praktiziert. Dufaure überschwemmte Frankreich mit Schmähschriften gegen die anderen Kandidaten, besonders gegen Louis Bonaparte, was ihn nicht hinderte, später Minister Louis Bonapartes zu werden. Dufaure wurde wiederum der Minister des Belagerungszustands vom 13. Juni 1849 (anläßlich der Demonstration der Nationalgarde gegen die Beschießung Roms usw. durch die französische Armee). Jetzt ist er wieder der Minister des Belagerungszustands, der in Versailles (für das Departement Seine-et-Oise) verhängt wurde. Thiers erhält Vollmacht, über jedes beliebige Departement den Belagerungszustand zu erklären. Ebenso wie 1839 und 1849 will Dufaure neue Repressionsgesetze, neue Preßgesetze, ein Gesetz zur "Verkürzung der Formalitäten an den Kriegsgerichten". In einem Zirkular an die procuteurs généraux bezeichnet er den Ruf nach "Versöhnung" als ein Preßverbrechen, das streng geahndet werden muß. Es ist be- |501| zeichnend für das französische Gerichtswesen, daß nur ein einziger procureur général (der von Mayenne |Louis Vacheron|) Dufaure schrieb, er werde zurücktreten ...
"Ich kann einem Ministerium nicht dienen, das mir in einer Zeit des Bürgerkriegs befiehlt, mich in Parteikämpfe zu stürzen und Bürger, die mein Gewissen für unschuldig hält, zu verfolgen, weil sie das Wort Versöhnung ausgesprochen haben."
Dufaure gehörte 1847 zur "Union libérale", die gegen Guizot konspirierte, wie er zur "Union libérale" von 1869 gehörte, die sich gegen Louis Bonaparte verschwor.
In bezug auf das Gesetz vom 10. März und das Hausmietengesetz muß bemerkt werden, daß sowohl Dufaures wie Picards, beide sind Advokaten, beste Klienten sich unter den Hausbesitzern und den Geldsäcken befinden, die durch die Belagerung von Paris nichts verlieren wollen.
Jetzt, wie nach der Februarrevolution 1848, sagen diese Leute zu der Republik, wie der Henker zu Don Carlos sagte: "Je vais t'assassiner, mais c'est pour ton bien". (Ich werde dich morden, aber zu deinem eignen Besten.)
Lecomte und Clément Thomas
Nach Vinoys Versuch, die Buttes |Höhen| von Montmartre zu nehmen (am 18. März wurden sie |Lecomte und Thomas| um 4 Uhr im Park von Château-Rouge erschossen), wurden General Lecomte und Clément Thomas gefangen genommen und von denselben erregten Soldaten des 81. Linienregiments erschossen. Es war ein kurzer Akt der Lynchjustiz, vollzogen trotz des dringenden Einspruchs einiger Delegierter des Zentralkomitees. Lecomte, ein Halsabschneider mit Schulterstücken, hatte auf der place Pigalle seinen Truppen viermal befohlen, auf einen unbewaffneten Haufen von Weibern und Kindern zu feuern. Statt auf das Volk zu schießen, erschossen die Soldaten ihn. Clément Thomas, Ex-Wachtmeister und "General", ohne Umstände von den Herren des "National", dessen gérant er gewesen war, am Vorabend der Junimassaker (1848) ernannt, hatte sein Schwert niemals in das Blut eines anderen Feindes als der Pariser Arbeiterklasse getaucht. Er war einer der finstren Intriganten, die die Juni-Insurrektion bewußt provozierten, und einer ihrer grausamsten Henker. Als am 31. Oktober 1870 die Pariser proletarischen |502| Nationalgarden die "Verteidigungsregierung" im Stadthause überrumpelten und gefangensetzten, gaben diese selbsternannten Leute, diese gens de paroles |Männer von Wort|, wie einer von ihnen, Picard, sie neulich nannte, ihr Ehrenwort, daß sie der Kommune Platz machen würden. Nachdem man ihnen so gestattet hatte, ungestraft zu entkommen, warfen sie Trochus Bretonen gegen ihre allzu vertrauensseligen Fänger. Einer von ihnen jedoch, Herr Tamisier, legte sein Amt als Oberkommandant der Nationalgarde nieder. Er lehnte es ab, sein Ehrenwort zu brechen. Da hatte wieder Clément Thomas' Stunde geschlagen. Er wurde an Tamisiers Stelle zum Oberkommandanten der Nationalgarde ernannt. Er war der richtige Mann für Trochus "Plan". Er führte niemals gegen die Preußen Krieg, er führte Krieg gegen die Nationalgarde, die er desorganisierte, spaltete und verleumdete, indem er alle dem "Plan" Trochus feindlichen Offiziere beseitigte, einen Teil der Nationalgarden gegen den andern ausspielte und sie bei "Ausfällen" opferte, die so geplant waren, daß sie sie lächerlich machen mußten. Verfolgt von den Schatten seiner Juniopfer mußte dieser Mann ohne offizielle Befugnis notwendig wieder auf [dem] Kriegsschauplatz des 18. März erscheinen, wo er ein neues Blutbad unter dem Volk von Paris witterte. Er fiel im ersten Augenblick der Volksempörung der Lynchjustiz zum Opfer. Die Leute, die Paris der Gnade des décembriseur Vinoy ausgeliefert hatten, um die Republik zu morden und die im Vertrag Pouyer-Quertiers festgesetzten pots-de-vin |Trinkgelder| einzustecken, schrien jetzt: Mörder, Mörder! Ihr Geheul wurde von der europäischen Presse aufgenommen, die so nach dem Blut der "Proletarier" gierte. Eine Posse hysterischer "Empfindsamkeit" wurde in der Krautjunker-Versammlung inszeniert, und heute wie damals waren die Leichen ihrer Freunde höchst willkommne Waffen gegen ihre Feinde. Paris und das Zentralkomitee wurden für einen Vorfall verantwortlich gemacht, der außerhalb ihrer Kontrolle lag. Es ist bekannt, wie in den Junitagen 1848 die "Ordnungsmänner" Europa mit ihrem Schrei der Entrüstung gegen die Insurgenten wegen der Ermordung des Erzbischofs von Paris |Affre| erschütterten. Sogar schon damals wußten sie durch das Zeugnis des Herrn Jacquemet, des vicaire général |Generalvikars| des Erzbischofs, der diesen zu den Barrikaden begleitet hatte, recht gut, daß der Bischof von den Truppen Cavaignacs erschossen worden war und nicht von den Insurgenten; aber sein Leichnam paßte ihnen in den Kram. Herr Darboy, der gegenwärtige Erzbischof von Paris, einer der Geiseln, die von der Kommune zur Selbstverteidigung gegen die wilden Grausamkeiten der Versailler Regierung festgenommen |503| worden war, scheint jedoch die seltsame Ahnung zu hegen, wie aus seinem Brief an Thiers hervorgeht, - daß Papa Transnonain darauf aus sein könnte, mit seiner Leiche als einem Gegenstand heiliger Entrüstung zu spekulieren. Kaum ein Tag verging, an dem die Versailler Presse nicht seine Hinrichtung anzeigte, zu welcher die fortgesetzten Grausamkeiten und Verletzung des Kriegsrechts seitens der "Ordnungspartei" jede andere Regierung außer der der Kommune getrieben hätten. Die Versailler Regierung hatte kaum einen ersten militärischen Erfolg erzielt, als Hauptmann Desmaret, der an der Spitze seiner Gendarmen den ritterlichen Flourens meuchelmordete, von Thiers ausgezeichnet wurde. Flourens hatte den "Verteidigungsmännern" am 31. Oktober das Leben gerettet. Vinoy, der Feigling (Ausreißer), wurde zum Großkreuz der Ehrenlegion ernannt, weil er unseren tapferen Genossen Duval, als er gefangengenommen wurde, innerhalb der Feldschanzen morden ließ, weil er, als zweite Rate, mehrere Dutzend gefangene Angehörige der Linientruppen, die sich dem Volk von Paris angeschlossen hatten, erschießen ließ und diesen Bürgerkrieg durch die "Dezembermethoden" eröffnete. General Galliffet - "der Gatte jener bezaubernden Marquise, deren Maskenballkostüme eins der Wunder des Kaiserreichs waren", wie ein Londoner Skribent es zartfühlend ausdrückt, "überraschte" bei Rueil einen Hauptmann, einen Leutnant und Gemeine der Nationalgarde, ließ sie sofort erschießen und veröffentlichte unverzüglich eine Proklamation, in der er sich der Tat rühmt. Das sind ein paar von den Mördern, die die Versailler Regierung offiziell bekanntgemacht und geehrt hat. 25 Soldaten des 80. Linienregiments wurden von Soldaten des 75. Regiments als "Rebellen" erschossen.
"Jeder, der in der Uniform der regulären Armee in den Reihen der Kommunisten ergriffen wurde, wurde ohne jedes Erbarmen auf der Stelle erschossen. Die Regierungstruppen waren beispiellos grausam."
"Herr Thiers teilte die ermunternden Einzelheiten von Flourens' Tod der Nationalversammlung mit."
Versailles, 4. April. Thiers, dieser mißgebildete Zwerg, berichtet über seine nach Versailles gebrachten Gefangnen (in seiner Proklamation):
"Niemals war der betrübte Blick ehrlicher Leute" (der Männer Piétris!) "auf so entwürdigte Gesichter einer entwürdigten Demokratie gefallen."
"Vinoy erhebt Einspruch gegen irgendwelche Gnade für aufständische Offiziere oder Liniensoldaten."
Am 6. April Dekret der Kommune über Vergeltungsmaßregeln (und Geiseln):
|504| "In Erwägung, daß die Versailler Regierung die Gesetze der Menschlichkeit und die des Krieges offen mit Füßen tritt und daß sie sich solcher Greuel schuldig gemacht hat, durch die nicht einmal die Invasoren Frankreichs sich entehrt haben ... wird dekretiert usw." (Folgen die Artikel |Folgen die Artikel: in der Handschrift deutsch|.)
5. April. Proklamation der Kommune:
"Täglich erschlagen oder erschießen die Banditen von Versailles unsere Gefangenen, und stündlich erfahren wir, daß ein neuer Mord begangen worden ist ... Das Volk verabscheut Blutvergießen selbst im Zorn, so wie es den Bürgerkrieg verabscheut, aber es ist seine Pflicht, sich gegen die wilden Anschläge seiner Feinde zu schützen, und was es auch kosten möge, es soll Aug' um Auge, Zahn um Zahn sein."
<"Die Polizeisergeanten, die gegen Paris kämpfen, bekommen 10 frs. pro Tag.">
Versailles. 11. April. Scheußlichste Einzelheiten über die kaltblütige Erschießung von Gefangenen, nicht von Deserteuren, werden von Stabsoffizieren und anderen Augenzeugen mit offensichtlichem Genuß wiedergegeben.
In seinem Brief an Thiers protestiert Darboy
"gegen die gräßlichen Exzesse, die das Grauen unseres brudermörderischen Kriegs vermehren".
In der gleichen Art schreibt Deguerry (curé de la Madeleine |Pfarrer der Madelaine-Kirche|):
"Diese Exekutionen rufen <in Paris großen Zorn hervor und können zu schrecklichen Repressalien führen." "So ist man entschlossen, für jede neue Exekution zwei der zahlreichen Geiseln hinrichten zu lassen, die man in der Hand hat. Urteilen Sie selbst, in welchem Maße das, worum (ich) Sie als Priester bitte, dringend und absolut notwendig ist>."
Inmitten dieser Greuel schreibt Thiers an die Präfekten: "L'Assemblée siège paisiblement." (Elle aussi a le coeur léger.) |"Die Versammlung tagt in Frieden weiter." (Auch sie ist leichten Herzens)|
Thiers und la commission des quinze seiner Krautjunker besaßen die kaltschnäuzige Unverschämtheit, die "angeblichen Massenexekutionen und Repressalien, die den Versailler Truppen zugeschrieben werden", "offiziell abzustreiten". Aber Papa Transnonain [sagt] in seinem Zirkular vom 16. April über die Beschießung von Paris:
|505| "Wenn einige Kanonenschüsse gefallen sind, so geschah das nicht durch die Versailler Armee, sondern durch einige Insurgenten, die glauben machen wollen, sie schlügen sich, wo sie sich doch nirgends zu zeigen wagen."
Thiers hat unter Beweis gestellt, daß er seinen Helden, Napoleon I., wenigstens in einem übertrifft: in verlogenen Berichten. (Paris beschießt sich natürlich selber, damit es Herrn Thiers verleumden kann!)
Diesen widerlichen Provokationen der bonapartistischen Gauner gegenüber hat sich die Kommune damit begnügt, Geiseln zu nehmen und Vergeltungsmaßregeln anzudrohen, aber ihre Drohungen sind auf dem Papier geblieben! Nicht einmal die als Offiziere verkleideten Gendarmen, nicht einmal die gefangengenommenen Gendarmen, bei denen man Sprengbomben gefunden hatte, wurden vor ein Kriegsgericht gestellt! Die Kommune hat es abgelehnt, ihre Hände mit dem Blut dieser Bluthunde zu besudeln!
Einige Tage vor dem 18. März legte Clément Thomas dem Kriegsminister Le Flô einen Plan vor zur Entwaffnung von Dreiviertel der Nationalgarde.
<"Die Blüte der Kanaille", sagte er, "hat sich rund um Montmartre konzentriert und ist mit Belleville im Einverständnis.">
<Die am 8. Februar unter dem Druck des Feindes gewählte Versammlung, dem die in Versailles regierenden Männer alle Forts übergeben und Paris schutzlos ausgeliefert hatten, diese Versailler Versammlung hatte einen einzigen durch die am 28. Januar in Versailles unterzeichnete Konvention klar bestimmten Zweck: zu entscheiden, ob der Krieg fortgesetzt werden könne oder ob Frieden zu schließen sei; und, im letzteren Fall, die Friedensbedingungen festzulegen und die schnellstmögliche Räumung des französischen Territoriums zu sichern.>
Chanzy, Erzbischof von Paris usw.
Die Freilassung Chanzys fand fast zur gleichen Zeit wie die Flucht Saissets statt. Die royalistischen Journalisten sagten einstimmig den Tod des Generals voraus. Sie wollten diese liebenswerte Tat den Roten anhängen. |506| Dreimal sei seine Hinrichtung angeordnet worden, und nun würde er wirklich erschossen werden.
Nach der Vendôme-Affäre: In Versailles herrschte Bestürzung. Ein Angriff auf Versailles wurde für den 23. März erwartet, denn die Führer der kommunalen Bewegung hatten angekündigt, daß sie gegen Versailles marschieren würden, falls die Nationalversammlung irgendeine feindselige Handlung unternähme. Die Versammlung unternahm nichts. Im Gegenteil: Sie stimmte einem dringlichen Vorschlag zu, Kommunalwahlen in Paris abzuhalten usw. Mit diesen Zugeständnissen gab die Versammlung ihre Machtlosigkeit zu. Gleichzeitig - royalistische Intrigen in Versailles. Bonapartistische Generale und der Herzog d'Aumale. Favre bekannte offen, er habe einen Brief von Bismarck erhalten, der besagt, Paris werde von deutschen Truppen besetzt werden, wenn bis zum 26. März die Ordnung nicht wiederhergestellt sei. Die Roten durchschauten klar diesen kleinen Kunstgriff. Die <Vendôme-Affäre wurde provoziert> von <dem Fälscher J. Favre, diesem infamen Jesuiten, der am> (21. März?) <die Tribüne der Versailler Versammlung bestieg, um das Volk, das ihn aus dem Nichts geholt hatte, zu beleidigen und Paris gegen die Departements aufzuwiegeln>.
30. März. Proklamation der Kommune:
<"Heute mißbrauchen die Verbrecher, die ihr nicht einmal verfolgen wolltet, eure Großmut, um direkt vor den Toren der Stadt einen Herd monarchistischer Verschwörung zu organisieren. Sie beschwören den Bürgerkrieg herauf, sie setzen alle Arten der Bestechung ins Werk, sie nehmen jeden Helfershelfer an, sie haben sogar gewagt, beim Ausländer um Hilfe zu betteln.">
Am 25. April sagte Thiers auf seinem Empfang für die Maires, Adjunkten und Gemeinderäte des Seine-Departemets:
<"Die Republik existiert. Das Haupt der Exekutivgewalt ist nur ein einfacher Bürger.">
Der Fortschritt Frankreichs von 1830 bis 1871 besteht nach Herrn Thiers darin: 1830 war Louis-Philippe "die beste der Republiken"; 1871 ist das ministerielle Fossil der Herrschaft Louis-Philippes, der kleine Thiers selbst, die beste der Republiken.
Herr Thiers begann sein Regime mit einer Usurpation. Von der Nationalversammlung wurde er zum Chef des Ministeriums der Versammlung ernannt; zum Chef der Exekutive von Frankreich ernannte er sich selbst.
Die Nationalversammlung und die Revolution von Paris
|507| Die Versammlung, einberufen auf Diktat des fremden Eindringlings, war, wie in der Versailler Konvention vom 28. Januar klar niedergelegt wurde, nur für den einzigen Zweck gewählt: über die Fortsetzung des Krieges zu entscheiden oder die Friedensbedingungen festzulegen. Dadurch, daß sie das französische Volk an die Wahlurnen riefen, definierten die Pariser capitulards selbst klar diesen besonderen Auftrag der Versammlung, und das erklärt weitgehend ihre Zusammensetzung überhaupt. Da die Fortsetzung des Krieges schon durch die Waffenstillstandsbedingungen, die die capitulards demütig angenommen haben, unmöglich gemacht worden war, hatte die Versammlung faktisch nur den schmachvollen Frieden zur Kenntnis zu nehmen, und für diese besondre Tat waren die schlechtesten Leute Frankreichs gerade die besten.
Die Republik wurde am 4. September proklamiert, nicht von den Winkeladvokaten, die sich im Stadthaus als Verteidigungsregierung etabliert hatten, sondern durch das Volk von Paris. Ihr jubelte ganz Frankreich ohne eine einzige Stimme des Widerspruchs zu. Sie eroberte sich ihre Daseinsberechtigung durch einen fünfmonatigen Krieg, dessen Eckstein der lange Widerstand von Paris war. Ohne diesen Krieg, der von der Republik und im Namen der Republik geführt wurde, hätte Bismarck nach der Kapitulation von Sedan das Kaiserreich restauriert; die Winkeladvokaten mit Herrn Thiers an der Spitze hätten nicht um Paris willen verhandeln müssen, sondern wegen persönlicher Garantien gegen eine Reise nach Cayenne, und von der Krautjunker-Versammlung hätte man nie etwas gehört. Sie kam nur zusammen dank der republikanischen Revolution, die von Paris ihren Ausgang nahm. Da sie keine verfassungsgebende Versammlung war, wie Herr Thiers selbst bis zum Überdruß wiederholt hat, hätte sie nicht einmal, außer als bloßer Chronist der vergangenen Ereignisse der republikanischen Revolution, das Recht gehabt, die Absetzung der Dynastie der Bonaparte zu verkünden. Darum ist die einzige rechtmäßige Macht in Frankreich die Revolution selbst, deren Zentrum Paris ist. Diese Revolution wurde nicht gegen Napoleon den Kleinen, sondern gegen die sozialen und politischen Zustände gemacht, die das Zweite Kaiserreich hervorbrachten, die ihre letzte Vollendung unter seiner Herrschaft erhielten und die - wie der Krieg mit Preußen glänzend offenbarte - Frankreich in einen Leichnam verwandeln würden, wenn sie nicht durch die erneuernden Kräfte der französischen Arbeiterklasse verdrängt worden wären. Die Krautjunker-Versammlung, von der Revolution nur |508| mit der Vollmacht betraut, die unheilvollen Bedingungen zu unterzeichnen, die ihre gegenwärtige "Exekutive" dem fremden Eroberer in die Hand gegeben hatte, beging mit ihren Versuchen, die Revolution als einen ebensolchen capitulard zu behandeln, wie sie selbst einer war, eine ungeheuerliche Usurpation. Ihr Krieg gegen Paris ist nichts anderes als feige chouannerie unter dem Schutz preußischer Bajonette. Er ist eine gemeine Verschwörung zur Erdrosselung Frankreichs, um die Vorrechte, die Monopole und den Luxus der degenerierten, kraftlosen und verfaulenden Klassen zu retten, die es an den Abgrund gezerrt haben, vor dem es nur durch die Herkuleshand einer echten sozialen Revolution gerettet werden kann.
Thiers' schönste Armee
Noch ehe er "Staatsmann" wurde, hatte Thiers schon seine Stärke im Lügen als Geschichtsschreiber bewiesen. Aber die Eitelkeit, die für zwerghafte Leute so bezeichnend ist, hat ihn diesmal zum Gipfel des Lächerlichen verleitet. Seine Ordnungsarmee, der Abschaum der bonapartistischen Soldateska, von Bismarcks Gnaden aus preußischen Gefängnissen frisch rückimportiert, die päpstlichen Zuaven, die Chouans Charettes, die Vendéer Cathelineaus, die "Municipals" Valentins, die Ex-Polizeisergeanten Piétris und die korsischen Gendarmen Valentins, die unter Louis Bonaparte nur die Spione in der Armee, unter Herrn Thiers aber die kriegerische Blüte seiner Armee bilden, das Ganze unter der Aufsicht Epauletten tragender mouchards und unter dem Befehl der ausgerissenen Dezembermarschälle, die keine Ehre zu verlieren hatten - diesen buntscheckigen, häßlichen Haufen von Galgenvögeln nennt Herr Thiers "die schönste Armee, die Frankreich je gehabt"! Wenn er den Preußen immer noch gestattet, in St. Denis zu sitzen, so nur deshalb, um sie durch den Anblick der "schönsten Armee" von Versailles zu schrecken.
Kleine Staatsschuftereien. Ewiger Einbläser von Parlamentsintrigen, war Herr Thiers nie mehr als ein "fähiger" Journalist und gerissener "Wortfechter", ein Meister parlamentarischer Schufterei, ein Virtuose des Meineids, ausgelernt in all den kleinen Kriegslisten, gemeinen Treulosigkeiten und schlauen Kniffen des parlamentarischen Parteikampfs. Dieser boshafte |509| Zwerg bezauberte die französische Bourgeoisie ein halbes Jahrhundert lang, weil er der getreuste geistige Ausdruck ihrer eigenen Klassenverderbtheit ist. Als er in den Reihen der Opposition saß, wiederholte er wieder und wieder seine schale Predigt von den "libertés nécessaires"', um sie niederzustampfen, als er an die Macht kam. Wenn er nicht im Amt war, pflegte er Europa mit Frankreichs Schwert zu drohen. Und welcher Art waren seine diplomatischen Leistungen in Wirklichkeit? 1841 die Erniedrigung durch die Londoner Konvention einzustecken, den Krieg mit Preußen durch seine Deklamationen gegen die deutsche Einheit zu beschleunigen, Frankreich 1870 durch seine Bettelreise an alle europäische Höfe zu kompromittieren, 1871 die Pariser Kapitulation zu unterzeichnen, einen "Frieden um jeden Preis" anzunehmen und von Preußen Erlaubnis und Mittel zu erflehen, um einen Bürgerkrieg in seinem eigenen niedergetretenen Vaterland zu entfachen. Einem Menschen seines Schlages blieben die verborgenen Kräfte der modernen Gesellschaft selbstverständlich immer unbekannt; aber er war sogar unfähig, die handgreiflichsten Veränderungen auf ihrer gesellschaftlichen Oberfläche zu verstehen. Zum Beispiel klagte er jede Abweichung von dem veralteten französischen Schutzzollsystem als eine Heiligtumsschändung an und verstieg sich als Minister Louis-Philippes dazu, den Bau von Eisenbahnen als törichtes Blendwerk verächtlich abzutun; sogar unter Louis Bonaparte widersetzte er sich eifrig jeder Reform der verfaulten französischen Heeresorganisation. Ein Mensch ohne Ideen, ohne Überzeugung und ohne Mut.
Ein professioneller "Revolutionist" in dem Sinne, daß er in seiner Gier nach Pose, nach Macht und Bereicherung auf Kosten der Staatskasse, niemals Bedenken trug, wenn er in die Reihen der Opposition verbannt war, die Leidenschaften des Volkes zu erregen und eine Katastrophe zu provozieren, um einen Rivalen zu stürzen; gleichzeitig ist er ein äußerst flacher Routinier usw. Die Arbeiterklasse verleumdet er als die "vile multitude" |"schofle Menge"|. Einer seiner früheren Kollegen in den gesetzgebenden Versammlungen, sein Zeitgenosse, ein Kapitalist und dennoch Mitglied der Pariser Kommune, Herr Beslay, wendet sich in einer öffentlichen Ansprache an ihn wie folgt:
"Die Unterwerfung (asservissement) der Arbeit unter das Kapital, das ist der ('Kern') Ihrer Politik, und seit dem Tag, da Sie die Republik der Arbeit im Stadthaus eingesetzt sehn, haben Sie ohne Aufhören Frankreich zugerufen: 'Das sind Verbrecher!'"
|510| Kein Wunder, daß Herr Thiers durch seinen Minister des Innern Ernest Picard angeordnet hat, "die Internationale Assoziation" an der Verbindung mit Paris zu hindern (Sitzung der Versammlung. 28. März).<Zirkular von Thiers an die Präfekten und Unterpräfekten:>
"Die guten Arbeiter, die im Vergleich zu den schlechten so zahlreich sind, sollten wissen, daß, wenn das Brot wieder ihre Münder flieht, sie es den Adepten der Internationale verdanken, welche die Tyrannen der Arbeit sind, als deren Befreier sie sich ausgeben."
Ohne die Internationale ...
(Jetzt die Geldgeschichte.) (Er und Favre haben ihr Geld nach London übersiedelt.)|In der Handschrift deutsch| Es gibt ein Sprichwort, daß, wenn Schurken sich streiten, die Wahrheit herauskommt. Wir können deshalb das Bild von Thiers nicht besser vollenden als mit den Worten des Londoner Moniteur, der dem Herrn seiner Versailler Generale gehört. Die "Situation" sagt in ihrer Nummer vom 28. März:
"Herr Thiers ist niemals Minister gewesen, ohne die Soldaten zur Niedermetzelung des Volkes zu treiben, er, der Vaterlandsverräter, der Blutschänder, der Kassendieb, der Plagiator, der Verräter, der Ehrgeizling, der (Impotente)."
Gewiegt in heimtückischen Kniffen und geriebenen Winkelzügen.
Vor der Julirevolution mit den Republikanern verbunden, erhaschte er sein erstes Ministeramt unter Louis-Philippe, indem er seinen alten Protektor Laffitte beseiteschob. Seine erste Tat war, seinen alten Mitarbeiter Armand Carrel ins Gefängnis zu werfen. Er schmeichelte sich als Spion bei Louis-Philippe ein, und als Gefängnisgeburtshelfer spionierte er bei der Herzogin von Berry, aber im Mittelpunkt seiner Tätigkeit standen die Niedermetzelung der aufständischen Pariser Republikaner in der rue Transnonain und die Septembergesetze gegen die Presse, um dann als stumpfgewordenes Werkzeug beiseitegeworfen zu werden. Nachdem er sich 1840 wieder an die Macht intrigiert hatte, entwarf er die Befestigungen von Paris, denen sich die gesamte demokratische Partei, ausgenommen die Bourgeoisrepublikaner vom "National", als einem Anschlag auf die Freiheit von Paris widersetzte. Herr Thiers erwiderte auf ihren Protestruf von der Tribüne der Deputiertenkammer herab:
|511| <"Was? Sich einbilden, daß irgendwelche Festungswerke die Freiheit gefährden können ... Das heißt, sich völlig außerhalb aller Realitäten stellen. Und vor allem ist das eine Verleumdung ganz gleich welcher Regierung, wenn man voraussetzt, daß sie eines Tages versuchen könnte, sich durch ein Bombardement der Hauptstadt zu behaupten. Was? Nachdem sie mit ihren Bomben die Kuppel des Invalidendoms oder des Pantheons durchbohrt, nachdem sie das Heim eurer Familien dem Feuer preisgegeben, würde sie vor euch hintreten, um euch um die Bestätigung ihres Daseins zu bitten! Aber eine solche Regierung wäre nach dem Sieg hundertmal unmöglicher als vorher.">
In der Tat, weder die Regierung des Louis-Philippe noch die der bonapartistischen Regentschaft wagte es, sich aus Paris zurückzuziehen und es zu bombardieren. Eine solche Benutzung der Befestigungen war Herrn Thiers vorbehalten, der sie ursprünglich entworfen hatte.
Als König Bomba |Ferdinand II.| von Neapel im Januar 1848 Palermo bombardierte, erklärte Herr Thiers wiederum in der Deputiertenkammer:
< "Sie wissen, meine Herren, was in Palermo vorgeht: Sie alle erbeben vor Schauder, wenn Sie hören, daß 48 Stunden lang eine große Stadt bombardiert worden ist. Von wem? Von einem auswärtigen Feind, in Anwendung des Kriegsrechts? Nein, meine Herren, von ihrer eignen Regierung. Und weswegen? Weil diese unglückliche Stadt ihre Rechte forderte. Wohlan, und für die Forderung ihrer Rechte erhielt sie 48 Stunden Bombardement. Erlauben Sie mir, an die Meinung von Europa zu appellieren. Es heißt der Menschlichkeit einen Dienst erweisen, wenn man sich erhebt und von der vielleicht größten Tribüne Europas einige Worte der Entrüstung gegen solche Taten widerhallen läßt. Meine Herren, als die Österreicher vor 50 Jahren in Anwendung des Kriegsrechts Lille bombardieren wollten, um sich eine lange Belagerung zu ersparen, als später die Engländer, die ebenfalls das Kriegsrecht anwandten, Kopenhagen bombardierten, und erst kürzlich, als der Regent Espartero, der seinem Lande Dienste geleistet hatte, Barcelona bombardieren wollte, um einen Aufstand zu unterdrücken, da gab es in allen Teilen der Welt eine allgemeine Entrüstung.">
Über ein Jahr später spielte Thiers den wütendsten Verteidiger des Bombardements von Rom durch die Truppen der Französischen Republik und feierte seinen Freund, den General Changarnier, für die Niedersäbelung der Pariser Nationalgarden, die gegen diesen Bruch der französischen Verfassung protestierten.
Wenige Tage vor der Februarrevolution von 1848, unwirsch ob der langen Verbannung vom Amt, wozu Guizot ihn verurteilt hatte, und die wachsende Bewegung der Massen witternd, die ihn, wie er hoffte, in die Lage |512| versetzen würde, seinen Rivalen zu vertreiben und sich Louis-Philippe aufzuzwingen, rief Thiers in der Deputiertenkammer aus:
<"Ich gehöre zur Partei der Revolution, nicht allein in Frankreich, sondern in Europa. Ich wünsche, daß die Regierung der Revolution in den Händen gemäßigter Männer bleiben möge; ... aber sollte diese Regierung in die Hände heftiger Leute fallen, selbst in die von Radikalen, so werde ich darum doch meine Sache nicht im Stich lassen. Ich werde immer zur Partei der Revolution gehören."> Die Februarrevolution niederzuschlagen, das war seine ausschließliche Beschäftigung von dem Tag an, da die Republik ausgerufen wurde, bis zum coup d'état.
Die ersten Tage nach der Februarexplosion versteckte er sich ängstlich, aber die Pariser Arbeiter verachteten ihn zu sehr, um ihn zu hassen. Doch bei seiner notorischen Feigheit - die Armand Carrel auf seine Prahlerei, "er werde eines Tages an [den] Ufern des Rheins sterben", antworten ließ: "In der Gosse wirst du sterben" - wagte er nicht, auf der öffentlichen Bühne eine Rolle zu spielen, ehe die Volkskräfte durch die Niedermetzelung der Juni-Insurgenten zusammengebrochen waren. Anfangs, als die Bühne noch nicht sicher genug war, um wieder öffentlich auf ihr zu erscheinen, beschränkte er sich darauf, die Verschwörung der Gesellschaft in der rue de Poitiers im geheimen zu lenken, deren Ergebnis die Restauration des Kaiserreichs war.
Während der Belagerung von Paris antwortete Jules Favre auf die Frage, ob Paris im Begriff sei, zu kapitulieren: Die Bombardierung von Paris wäre nötig, damit das Wort Kapitulation ausgesprochen werden könnte! Das erklärt seine melodramatischen Proteste gegen die Bombardierung durch die Preußen und warum die letztere eine Schein-Bombardierung war, während die Beschießung durch Thiers harte Wirklichkeit ist.
Parlamentarischer Pickelhäring.
Seit 40 Jahren steht Thiers auf der Bühne. Nie hat er auch nur eine einzige nützliche Maßnahme auf irgendeinem staatlichen Gebiet oder im praktischen Leben eingeleitet. Eitel, skeptisch, ein Epikureer: Er hat niemals um der Sache willen geschrieben oder gesprochen. In seinen Augen ist die Sache selbst bloßer Vorwand für die Schaustellung seiner Feder oder seiner Zunge. Außer seiner Gier nach Amt und Unterschleif und Geltung gibt es nichts Wirkliches an ihm, nicht einmal seinen Chauvinismus..
|513| Im echten Stil vulgärer professioneller Zeitungsschreiber macht er sich heute in seinen Berichten über das schlechte Aussehen seiner Versailler Gefangenen lustig, dann wieder gibt er bekannt, daß die Krautjunker <"sich wohl befinden">, dann macht er sich lächerlich durch seine Berichte über die Einnahme von "Moulin-Saquet" (am 4. Mai), wo 300 Gefangene gemacht wurden.
<"Der Rest der Insurgenten ist gelaufen, was er laufen konnte, 150 Tote und Verwundete auf dem Schlachtfeld zurücklassend">, und schnippisch setzt er hinzu: <"Das ist der Sieg, den die Kommune morgen in ihren Berichten feiern kann." "Paris wird in kurzem befreit sein von den schrecklichen Tyrannen, die es bedrücken.">
Paris - das Paris der Masse des Pariser Volks, das gegen ihn kämpft, ist für ihn nicht "Paris". "Paris - das ist das reiche, das kapitalistische, das faulenzende" Paris (warum nicht das kosmopolitische Bordell?). Das ist das Paris des Herrn Thiers. Das wirkliche Paris, das arbeitende, denkende, kämpfende Paris, das Paris des Volkes, das Paris der Kommune ist eine "vile multitude". Das ist die ganze Haltung des Herrn Thiers, nicht nur gegenüber Paris, sondern gegenüber Frankreich. Das Paris, das seinen Mut bei der "friedlichen Kundgebung" und bei Saissets "Eskapade" zeigte, das sich jetzt in Versailles, in Rueil, in Saint-Denis und Saint-Germain-en-Laye drängt, gefolgt von den Kokotten, die an den "Männern der Religion, der Familie, der Ordnung und des Eigentums" hängen (das Paris der wirklich "gefährlichen", der ausbeutenden und müßigen Klassen) (der "francs-fileurs"), die sich damit belustigen, den Kampf durchs Fernglas zu betrachten, für die "der Bürgerkrieg nur ein angenehmes Zwischenspiel ist" das ist das Paris des Herrn Thiers (ganz wie die Emigration von Koblenz das Frankreich des Herrn de Calonne war). In seinem vulgären Zeitungsschreiberstil weiß er nicht einmal eine Scheinwürde zu wahren, aber um von der Etikette der "Legitimität" nicht abzuweichen, mordet er die Frauen, Mädchen und Kinder, die unter den Trümmern von Neuilly gefunden wurden. Er konnte es nicht unterlassen, die Gemeindewahlen, die er in Frankreich angeordnet hat, durch die Feuersbrunst von Clamart zu illuminieren, das mit Petroleumgranaten niedergebrannt wurde. Die römischen Geschichtsschreiber vollenden Neros Charakterbild, indem sie uns sagen, daß das Ungeheuer sich rühmte, ein Verseschmied und Komödiant zu sein. Aber bringt einen bloßen professionellen Zeitungsschmierer und parlamentarischen Pickelhäring wie Thiers' an die Macht, und er wird neronischer als Nero sein.
Wenn er den bonapartistischen "Generalen" gestattet, sich an Paris zu rächen, spielt er seine Rolle nur als blindes Werkzeug von Klasseninteres- |514| sen; aber seine eigene Rolle spielt er in der kleinen Nebenkomödie der Berichte, Reden, Aufrufe, in denen die Eitelkeit, die Niedertracht und der schlechteste Geschmack des Zeitungsschmierers zum Vorschein kommen,
Er vergleicht sich mit Lincoln und die Pariser mit den rebellischen Sklavenhaltern des Südens. Die Leute aus den Südstaaten kämpften für die Versklavung der Arbeit und die territoriale Trennung von den Vereinigten Staaten. Paris kämpft für die Befreiung der Arbeit und die Trennung der Staatsschmarotzer Thiers', der Möchtegern-Sklavenhalter Frankreichs, von der Macht!
In seiner Rede vor den Maires:
<"Sie können sich auf mein Wort verlassen, das ich nie gebrochen habe!"
"Die Versammlung ist die liberalste Versammlung, die es in Frankreich je gegeben hat.">
Er wird die Republik retten |in der Handschrift deutsch|,
<"vorausgesetzt, daß Ordnung und Arbeit nicht andauernd von denjenigen bedroht werden, die sich als spezielle Wächter des Wohls der Republik ausgeben".> —————
In der Sitzung der Assemblée vom 27. April sagt er |In der Handschrift deutsch|: "Die Versammlung ist liberaler als er selbst!">
Thiers, dessen rhetorischer Trumpf immer die Schmähung der Wiener Verträge war, unterschreibt den Pariser Vertrag, nicht nur die Losreißung eines Teils von Frankreich, nicht nur die Besetzung von fast seiner Hälfte, sondern die Milliarden der Kriegsentschädigung, ohne von Bismarck auch nur Aufstellung und Nachweis seiner Kriegskosten zu verlangen! Er gestattet der Versammlung in Bordeaux nicht einmal, die Artikel seiner Kapitulation zu diskutieren!
Er, der sein Leben lang den Bourbonen vorhielt, daß sie im Rücken ausländischer Armeen zurückkehrten und daß sie sich gegenüber den Verbündeten, die Frankreich nach dem Friedensschluß besetzt hielten, unwürdig benahmen, verlangt in dem Vertrag von Bismarck nichts als ein |515| Zugeständnis: 40.000 Mann zur Niederwerfung von Paris (wie Bismarck im Reichstag feststellte). Paris war für alle Erfordernisse der inneren Verteidigung und gegen fremden Angriff vollständig durch seine bewaffnete Nationalgarde gesichert, aber Thiers fügte sofort zu der Kapitulation von Paris vor dem Ausländer die Kapitulation von Paris vor ihm selbst und Co. hinzu. Diese Abmachung war eine Abmachung zum Bürgerkrieg. Und diesen Bürgerkrieg selbst eröffnet er nicht nur mit passiver Duldung Preußens, sondern mit den Gefälligkeiten, die es ihm erweist, mit den gefangenen französischen Truppen, die es ihm großmütig aus den deutschen Kerkern schickt! In seinen Berichten, in seinen und Favres Reden in der Versammlung kriecht er vor Preußen im Staub und droht Paris alle acht Tage mit preußischer Intervention, nachdem es ihm nicht gelungen war, sie zu erwirken, wie von Bismarck selbst festgestellt worden ist. Die Bourbonen waren die Würde selbst im Vergleich zu diesem Pickelhäring, diesem großen Apostel des Chauvinismus!
Nach dem Zusammenbruch Preußens (Tilsiter Friede 1807) spürte seine Regierung, daß sie sich und das Land nur durch eine große soziale Erneuerung (Veränderung) retten konnte. Sie bürgerte in Preußen in kleinem Maßstab, innerhalb der Schranken einer Feudalmonarchie, die Ergebnisse der Französischen Revolution ein. Sie befreite die Bauern usw. Nach der Niederlage Rußlands im Krimkrieg, die - mochte es auch durch die Verteidigung Sewastopols seine Ehre gerettet und den Ausländer durch seine diplomatischen Triumphe in Paris geblendet haben - doch im Lande selbst die Fäulnis seines sozialen und politischen Systems zutage gebracht hatte, befreite seine Regierung den Leibeigenen und veränderte das ganze Verwaltungs- und Gerichtssystem. In beiden Ländern war die kühne soziale Reform eingeengt und in ihrem Wesen beschränkt, da sie vom Thron aufgezwungen und nicht (anstatt zu sein) vom Volk erobert worden war. Trotzdem kam es zu großen sozialen Veränderungen, die die schlimmsten Vorrechte der herrschenden Klassen beseitigten und die ökonomische Basis der alten Gesellschaft veränderten. Sie spürten, daß die schwere Krankheit nur mit heroischen Mitteln geheilt werden konnte. Sie spürten, daß sie den Siegern nur mit sozialen Reformen antworten konnten, dadurch, daß sie Elemente der Erneuerung aus dem Volk ins Leben riefen. Die französische Katastrophe von 1870 ist ohne Beispiel in der Geschichte der Neuzeit! Sie zeigte, daß das offizielle Frankreich, das Frankreich des Louis Bonaparte, das Frankreich der herrschenden Klassen und |516| ihrer Staatsparasiten - ein verwesender Leichnam ist. Und was ist der erste Versuch der schändlichen Leute, die durch Überrumpelung des Volkes an die Regierung gekommen waren und die sie dank einer Verschwörung mit dem fremden Eindringling weiter innehaben, was ist [ihr] erster Versuch? Unter preußischem Schutz durch Louis Bonapartes Soldateska und Piétris Polizei das in Paris begonnene ruhmvolle Werk der Erneuerung aus dem Volk zu erdrosseln, alle die alten legitimistischen Gespenster, die die Julirevolution schlug, die fossilen Schwindler des Louis-Philippe, die von der Februarrevolution geschlagen wurden, heraufzubeschwören und eine Orgie der Konterrevolution zu feiern! Solchen Heroismus übertriebener Selbsterniedrigung hat es in den Annalen der Geschichte noch nicht gegeben! Aber, und das ist in höchstem Grade charakteristisch, statt einen allgemeinen Entrüstungsschrei seitens des offiziellen Europas und Amerikas hervorzurufen, ruft er eine Welle der Sympathie und einen Strom wilder Anklagen gegen Paris hervor! Das beweist, daß Paris, seiner historischen Vergangenheit getreu, die Erneuerung des französischen Volkes darin sucht, das Volk zum Vorkämpfer der Erneuerung der alten Gesellschaft zu machen, daß es die soziale Erneuerung der Menschheit zur nationalen Aufgabe Frankreichs macht! Es ist die Emanzipation der produzierenden Klasse von den ausbeutenden Klassen, von ihren Gefolgsleuten und ihren Staatsparasiten, die die Wahrheit des französischen Sprichworts erhärten: "Les valets du diable sont pire que le diable." |"Die Lakaien des Teufels sind schlimmer als der Teufel selber."| Paris hat die Fahne der Menschheit gehißt!
18. März: Die Regierung belegte
"jedes Exemplar einer jeden Zeitschrift, wie immer ihr Charakter, mit einer Stempelgebühr von 2 Centimes". "Verboten, neue Zeitschriften zu gründen bis zur Aufhebung des Belagerungszustands."
Die verschiedenen Fraktionen der französischen Bourgeoisie waren nacheinander an der Macht; die großen Grundbesitzer unter der Restauration (den alten Bourbonen), die Kapitalisten unter der parlamentarischen Julimonarchie (Louis-Philippe), während ihre bonapartistischen und republikanischen Elemente im Hintergrund wühlten. Ihre Parteifehden und -intrigen wurden selbstverständlich unter dem Vorwand der öffentlichen Wohlfahrt ausgetragen, und wenn eine Volksrevolution diese Monarchien beseitigt hatte, entstand eine andere. Das alles änderte sich mit der Republik (vom Februar). Alle Fraktionen der Bourgeoisie verbanden sich in der |517| Ordnungspartei, das heißt der Partei der Grundeigentümer und Kapitalisten, sie schlossen sich zusammen, um die ökonomische Unterjochung der Arbeit und die sie stützende Unterdrückungsmaschine des Staates zu behaupten. Im Unterschied zur Monarchie, deren Name schon das Übergewicht der einen Bourgeoisfraktion über die andere, den Sieg der einen Seite und die Niederlage der anderen (den Triumph der einen und die Demütigung der anderen Seite) bezeichnete, war die Republik die anonyme Aktienkompanie der vereinigten Bourgeoisfraktionen, aller Ausbeuter des Volkes zusammengenommen; und in der Tat umarmten einander Legitimisten, Bonapartisten, Orleanisten, Bourgeoisrepublikaner, Jesuiten und Voltairianer - nicht mehr verborgen unter dem Schirm der Krone, nicht mehr in der Lage, das Volk für ihre Parteifehden zu interessieren, indem sie diese als Kämpfe für das Volkswohl maskierten, nicht mehr einander untergeordnet. Direkter und offener Antagonismus ihrer Klassenherrschaft gegenüber der Emanzipation der produzierenden Massen; Ordnung das ist der Name für die ökonomischen und politischen Bedingungen ihrer Klassenherrschaft und der Knechtung der Arbeit; diese anonyme oder republikanische Form des Bourgeoisregimes - diese Bourgeoisrepublik, diese Republik der Ordnungspartei ist das abscheulichste aller politischen Regimes. Ihr direktes Geschäft, ihr einziger raison d'être |Daseinsgrund| ist, das Volk zu unterdrücken. Sie ist der Terrorismus der Klassenherrschaft. Das wird auf folgende Weise erreicht: Das Volk kämpft und macht die Revolution, proklamiert die Republik und schafft Platz für eine Nationalversammlung; dann werden die Bourgeois, deren bekannte republikanische Deklarationen eine Garantie für ihre "Republik" darstellen, von der Mehrheit der Versammlung, die sich aus den besiegten und offenen Feinden der Republik zusammensetzt, in den Vordergrund der Bühne geschoben. Die Republikaner werden mit der Aufgabe betraut, das Volk in die Falle eines Aufstandes zu treiben, um es dann mit Feuer und Schwert niederzuschlagen. Diese Rolle wurde nach der Februarrevolution (bei der Juni-Insurrektion) von der Partei des "National" mit Cavaignac an der Spitze gespielt. Durch ihr Verbrechen gegen die Massen verlieren diese Republikaner dann ihren Einfluß. Sie haben ihre Arbeit getan, und wenn ihnen auch gestattet wird, die Ordnungspartei in ihrem allgemeinen Kampf gegen das Proletariat zu unterstützen, so werden sie doch gleichzeitig von der Regierung entfernt, in die letzten Reihen gedrängt und nur "geduldet". Die vereinigte royalistische Bourgeoisie wird dann zur Stütze der Republik, die wahre Herrschaft der "Ordnungspartei" setzt ein. Da die materielle |518| Kraft des Volkes zeitweilig gebrochen ist, beginnt da Werk der Reaktion - die Liquidierung aller in vier Revolutionen erkämpften Zugeständnisse - Schritt für Schritt. Das Volk wird bis zum Wahnsinn gepeinigt, nicht nur durch die Taten der Ordnungspartei, sondern auch durch die zynische Unverschämtheit, mit der es als besiegt behandelt wird und mit der in seinem eigenen Namen, im Namen der Republik, diese niedrige Bande es unumschränkt regiert. Selbstverständlich kann diese krampfhafte Form des anonymen Klassendespotismus nicht lange währen, kann nur eine Durchgangsphase sein. Die Bande weiß, daß sie auf einem revolutionären Vulkan sitzt. Andererseits setzt, wenn die Partei der Ordnung in ihrem Krieg gegen die Arbeiterklasse vereint ist - in ihrer Eigenschaft als Ordnungspartei, das Intrigenspiel ihrer verschiedenen Fraktionen gegeneinander, jede für die Vorherrschaft ihres Sonderinteresses in der alten Ordnung der Gesellschaft, jede für die Restauration ihres eignen Prätendenten und persönlicher Ambitionen, mit voller Kraft ein, sobald die Herrschaft dieser Partei durch die Zerstörung der materiellen revolutionären Kräfte gesichert (garantiert) scheint. Diese Verbindung des allgemeinen Kriegs gegen das Volk mit der allgemeinen Verschwörung gegen die Republik, verbunden mit den inneren Fehden ihrer Herrscher und ihrem Intrigenspiel, lähmt die Gesellschaft, erregt ihren Widerwillen und verwirrt die Masse der Bourgeoisie, "stört" das Geschäft, hält diese Klasse in einem Zustand chronischer Unruhe. Alle Bedingungen des Despotismus werden unter diesem Regime geschaffen (werden erzeugt), - aber ein Despotismus ohne Ruhe, ein Despotismus mit parlamentarischer Anarchie an der Spitze. Dann hat die Stunde für den coup d'état geschlagen, und die unfähige Bande muß irgendeinem glückbegünstigten Prätendenten Platz machen, der der anonymen Form der Klassenherrschaft [ein] Ende macht. Auf diese Weise machte Louis Bonaparte der Bourgeoisrepublik nach ihrem vierjährigen Bestehen ein Ende. Während dieser ganzen Zeit war Thiers "âme damnée" der Ordnungspartei |hatte sich Thiers der Ordnungspartei "mit Leib und Seele verkauft"|, die im Namen der Republik die Republik bekriegte, einen Klassenkrieg gegen das Volk führte und in Wirklichkeit das Kaiserreich schuf. Er spielte damals genau die gleiche Rolle wie jetzt, allein damals nur als parlamentarischer Intrigant, jetzt als Haupt der Exekutive. Sollte er von der Revolution nicht überwunden werden, wird er jetzt wie damals ein getäuschtes Werkzeug sein. Welche der rivalisierenden Gruppen auch an die Macht kommen wird, ihr erster Akt wird sein, den Mann beiseitezuwerfen, der Frankreich an Preußen auslieferte und Paris bombardierte.
|519| Thiers hatte Louis Bonaparte vieles übelgenommen. Letzter hatte ihn als Werkzeug und als Gimpel benutzt. Er hatte ihn erschreckt (seine Nerven erschüttert), als er ihn nach dem coup d'état verhaften ließ. Er hatte ihn vernichtet, indem er das parlamentarische Regime beseitigte, das einzige, unter dem ein bloßer Staatsparasit wie Thiers, ein bloßer Schwätzer, eine politische Rolle spielen kann. Und nicht zuletzt hatte Thiers als historischer Schuhputzer Napoleons so lange dessen Taten beschrieben, daß er sich einbildete, er habe sie selbst vollbracht. Die legitime Karikatur Napoleons I. war in seinen Augen nicht Napoleon der Kleine, sondern der kleine Thiers. Bei alledem gab es keine von Louis Bonaparte begangene Schändlichkeit, die nicht von Thiers unterstützt worden wäre, von der Besetzung Roms durch französische Truppen bis zu dem Krieg mit Preußen.
Nur ein Mann seiner Seichtigkeit kann sich einen Augenblick lang einbilden, daß eine Republik mit seinem Kopf auf ihren Schultern, mit einer halb legitimistischen, halb orleanistischen Nationalversammlung, mit einer Armee unter bonapartistischen Führern, ihn, wenn sie siegt, nicht beiseiteschieben wird.
Es gibt nichts Grotesk-Abscheulicheres als einen Däumling, der gern den Timur Tamerlan spielen will (die Rolle spielt). Bei ihm sind die Akte der Grausamkeit nicht nur eine Sache des Geschäfts, sondern Gegenstand theatralischer Schaustellung (Bühneneffekt) von phantastischer Eitelkeit. "Seine" Bulletins zu schreiben, "seine" Strenge zu zeigen, "seine" Truppen, "seine" Strategie, "seine" Beschießungen, "seine" Petroleumgranaten zu haben, "seine" Feigheit unter der Kaltblütigkeit zu verstecken, mit der er den Dezembergaunern gestattet, sich an Paris zu rächen! Das ist eine Art Heroismus übertriebener Gemeinheit! Er ergötzt sich an der wichtigen Rolle, die er spielt, und dem Lärm, den er in der Welt macht! Er bildet sich durchaus ein, ein großer Mann zu sein! Und wie gigantisch (titanisch) muß er, der Zwerg, der parlamentarische Geiferer, in den Augen der Welt aussehen! Inmitten der schrecklichen Szenen dieses Krieges kann man nicht umhin, über die lächerlichen Kapriolen zu lächeln, die Thiers' Eitelkeit vollführt! Herr Thiers ist ein Mensch mit lebhafter Phantasie, er hat eine künstlerische Ader und die Eitelkeit eines Künstlers, die in der Lage ist, ihn zum Glauben an seine eignen Lügen und zum Glauben an seine eigne Größe zu verleiten.
Durch alle Reden, Bulletins usw. von Thiers zieht sich ein Hang zu aufgeblasener Eitelkeit.
|520| Dieser affreux |scheußliche| Triboulet:
Glänzende Beschießung (mit Petroleumgranaten) vom Mont-Valérien aus, sie zerstört |zerstört: in der Handschrift deutsch| einen Teil der Häuser in Les Ternes innerhalb des Walls(?), von einer grandiosen Feuersbrunst und einem fürchterlichen Kanonendonner begleitet, der ganz Paris erschüttert. Granaten absichtlich in die Viertel von Les Ternes und der Champs Elysées geschleudert.
Sprenggranaten, Petroleumgranaten.
Der glorreiche britische Zeilenschinder hat die glänzende Entdeckung gemacht, daß dies nicht das ist, was wir unter Selbstverwaltung zu verstehen pflegen. Selbstverständlich, das ist es nicht. Es ist nicht die Selbstverwaltung von Städten durch Schildkrötensuppe schlürfende Aldermen |Ratsherren|, geschäftemachende Kirchenbehörden und wilde Arbeitshausaufseher. Es ist nicht die Selbstverwaltung von Grafschaften durch die Besitzer großer Ländereien, dicker Geldsäcke und hohler Köpfe. Es sind nicht die gerichtlichen Schandtaten der "Großen Unbezahlten". Es ist nicht die politische Selbstregierung des Landes durch einen oligarchischen Klub und das Lesen der Zeitung "Times". Es ist das Volk, das selbst und für sich selbst handelt.
In diesem Krieg von Kannibalen das Ekelhafteste - das "literarische" Geschrei des gräßlichen Zwergs, der an der Spitze der Regierung steht!
Die grausame Behandlung der Versailler Gefangnen wurde keinen Augenblick unterbrochen, und ihre kaltblütige Ermordung wurde wieder aufgenommen, sobald sich Versailles überzeugt hatte, daß die Kommune zu human war, ihr Dekret über Repressalien durchzuführen!
Das "Paris-Journal" (in Versailles) meldet, daß 13 Liniensoldaten, die auf der Bahnstation Clamart gefangengenommen wurden, auf der Stelle erschossen worden sind, und daß alle in Versailles eintreffenden Gefangnen in Linienuniform sofort, nachdem ihre Identität geklärt ist, hingerichtet werden!
Herr Alexander Dumas, der Sohn, berichtet, daß ein junger Mann, der die Funktion eines Generals ausgeübt, wenn er auch den Generalsrang nicht hatte, erschossen wurde, nachdem er (unter Bewachung) einige hundert Yards zurückgelegt hatte.
|521| 5. Mai. "Mot d'Ordre": <Nach der "Liberté", die in Versailles erscheint, "sind alle Soldaten der regulären Armee, die in Clamart unter den Insurgenten ergriffen wurden, auf der Stelle erschossen worden"> (von dem Lincoln Thiers!) (Lincoln anerkannte auch für den Gegner das Kriegsrecht). "Das sind die Leute, die an den Mauern aller französischen Gemeinden die Pariser als Mörder beschimpfen!" Die Banditen!
Desmaret.
<Abordnung der Kommune in Bicêtre (am 27. April), um eine Untersuchung über die 4 Nationalgardisten des 185. Marschbataillons der Nationalgarde anzustellen, wo sie den überlebenden (schwer verwundeten) Scheffer besucht haben.
"Der Kranke hat erklärt, daß er am 25. April bei Belle-Epine, in der Nähe von Villejuif, mit drei seiner Kameraden von berittenen Jägern überrascht wurde, die sie aufforderten, sich zu ergeben. Da es sinnlos war, den sie umzingelnden Kräften Widerstand zu leisten, warfen sie ihre Waffen zu Boden und ergaben sich. Die Soldaten umringten sie, nahmen sie gefangen, ohne irgendwelche Gewalt oder Drohung gegen sie anzuwenden. Sie waren bereits einige Minuten Gefangene, als ein Rittmeister der Jäger eintraf und sich mit dem Revolver in der Faust auf sie stürzte. Ohne ein Wort zu sagen, feuerte er auf einen von ihnen und schoß ihn nieder; dann schoß er ebenso auf den Gardisten Scheffer, der eine Kugel direkt in die Brust erhielt und neben seinen Kameraden hinfiel. Die beiden anderen Gardisten wichen - von diesem schändlichen Überfall erschreckt - zurück, aber der rasende Rittmeister stürzte sich auf die beiden Gefangnen und tötete sie mit zwei weiteren Revolverschüssen. Nach dieser grausamen, barbarischen und feigen Tat zogen sich die Jäger mit ihrem Anführer zurück und ließen ihre Opfer auf dem Boden liegen.">
Die "New-York Tribune" übertrifft die Londoner Blätter.
Herrn Thiers' "liberalste und freiestgewählte Nationalversammlung, die es in Frankreich je gegeben hat" verträgt sich bestens mit seiner "schönsten Armee, die Frankreich je gehabt". Diese vergreiste, unter falschem Vorwand gewählte Chambre introuvable besteht fast ausschließlich aus Legitimisten und Orleanisten. Die Gemeinderatswahlen, die unter Thiers persönlich am 30. April durchgeführt wurden, zeigen ihr Verhältnis zum französischen Volk! Von (rund) 700.000 Gemeinderäten, die von den im verstümmelten Frankreich noch gebliebenen 35.000 Gemeinden gewählt wurden, sind 200 Legitimisten, 600 Orleanisten, 7.000 geschworene Bonapartisten und der ganze Rest Republikaner oder Kommunisten. (Versailler Korrespondent der "Daily News" vom 5. Mai.) Bedarf es noch eines weiteren Beweises, daß diese Versammlung mit der orleanistischen Mumie Thiers an der Spitze nur eine Minderheit von Usurpatoren vertritt?
|522| Herr Thiers stellte die Kommune immer wieder als Werkzeug einer Handvoll von "Sträflingen" und "ticket-of-leave-men", des Abschaums von Paris hin. Und diese "Handvoll" Desperados hält seit mehr als 6 Wochen die vom unbesiegbaren Mac-Mahon geführte und von Thiers' eignem Genius beflügelte "schönste Armee, die Frankreich je gehabt", in Schach!
Nicht nur die Taten der Pariser haben ihn widerlegt. Alle Schichten von Paris haben gesprochen,
<"Man darf die Pariser Bewegung keineswegs mit der Überrumplung von Montmartre verwechseln, die nur Anlaß und Ausgangspunkt gewesen ist; diese Bewegung ist allgemein und wurzelt tief im Bewußtsein von Paris; sogar der größte Teil derer, die sich aus dem einen oder andern Grund von ihr ferngehalten haben, verneinen durchaus nicht deren soziale Rechtmäßigkeit.">
Wer sagt das? Die Delegierten der Syndikatskammern, Leute, die im Namen von 7.000-8.000 Kaufleuten und Industriellen sprechen. Sie sind nach Versailles gegangen und haben es dort gesagt ... Die Ligue de la réunion républicaine ... die Manifestation der Freimaurer usw.
Les provinciaux espiègles. |Die Provinzschelme.|
Wenn sich Thiers einen Augenblick lang einbildete, daß die Provinzen tatsächlich gegen die Pariser Bewegung wären, würde er alles in seiner Macht Stehende tun, um den Provinzen die günstigsten Möglichkeiten zu geben, jene Bewegung und alle "ihre Schrecken" kennenzulernen. Er würde sie dazu anhalten, die Bewegung in ihrer nackten Realität anzusehen, sich mit ihren eigenen Augen und Ohren davon zu überzeugen, was sie ist. Das tut er nicht! Er und seine "Verteidigungsmänner" versuchen, die Provinzen niederzuhalten, ihre allgemeine Erhebung für Paris durch eine Mauer von Lügen zu verhindern, so wie sie während der preußischen Belagerung die Nachrichten aus den Provinzen nach Paris nicht durchließen. Den Provinzen wird nur gestattet, Paris durch die Versailler camera obscura (Zerrspiegel) zu betrachten.<(Nur die Lügen und Verleumdungen der Versailler Journale gelangen in die Departements und gelten dort etwas.)> Plünderungen und Morde von 20.000 ticket-of-leave-men entehren die Hauptstadt.
|523| <"Die Liga hält es für ihre erste Pflicht, Klarheit zu schaffen und die normalen Beziehungen zwischen der Provinz und Paris wiederherzustellen.">
So wie sie waren, als sie in Paris belagert wurden, so sind sie heute, da sie es belagern.
<"Wie in der Vergangenheit ist die Lüge ihre Lieblingswaffe. Sie unterdrücken und beschlagnahmen die Zeitungen der Hauptstadt, unterbrechen die Verbindungen>, durchschnüffeln die Briefe, <so daß die Provinz auf die Nachrichten angewiesen ist, die die Jules Favre, Picard und Konsorten ihr zu geben belieben, ohne daß es ihr möglich ist, die Richtigkeit nachzuprüfen.">
Thiers' Berichte, Picards Rundschreiben, Dufaures ... Die Plakate in den Gemeinden. Die Versailler Gaunerpresse und die Deutschen. Der petit "Moniteur". Die Wiedereinführung von Reisepässen, um sich von einem Ort zum andern zu begeben. Eine Armee von mouchards nach allen Richtungen ausgeschickt. Verhaftungen (in Rouen etc. unter preußischer Amtsgewalt) etc. <Die Tausende von Polizeikommissaren, die in der Umgegend von Paris verteilt sind, haben vom Polizeipräfekten Valentin Befehl erhalten, alle Zeitungen, ganz gleich welcher Richtung, die in der aufständischen Stadt gedruckt werden, zu beschlagnahmen und sie öffentlich zu verbrennen - wie in den besten Zeiten der Heiligen Inquisition.>
Die Regierung Thiers forderte zuerst die Provinzen auf {1}, Bataillone der Nationalgarden zu bilden und nach Versailles zum Kampf gegen Paris zu schicken.
"Die Provinz", so schreibt eine Zeitung aus Limoges, "zeige ihre Unzufriedenheit, indem sie die Freiwilligenbataillone verweigerte, die Thiers und seine Krautjunker von ihr forderten."
Die paar Idioten aus der Bretagne, die unter der weißen Fahne fochten jeder mit dem Herzen Jesu in weißem Linnen auf der Brust, und deren Schlachtruf war: "Vive le roi!" |"Es lebe der König"|, sind die einzige "Provinz"-Armee, die sich um Thiers geschart hat.
Die Wahlen. "Vengeur" vom 6. Mai.
Herrn Dufaures Preßgesetz (8. April). Offen gegen die "Exzesse" der Provinzpresse gerichtet.
Dann die zahlreichen Verhaftungen in der Provinz. Sie fallen unter die Gesetze über die Verdächtigen.
|524| <Geistige und polizeiliche Blockade der Provinz.>
23. April. Havre: Der Gemeinderat hat drei seiner Mitglieder nach Paris und Versailles gesandt mit dem Auftrag, seine Vermittlung anzubieten, um den Bürgerkrieg auf der Basis der Erhaltung der Republik und der Gewährung von munizipalen Freiheiten für ganz Frankreich zu beenden ... Am 23. April Delegierte aus Lyon von Picard und Thiers empfangen: <"Krieg um jeden Preis"> - deren Antwort | deren Antwort: in der Handschrift deutsch|.
<Die Adresse der Delegierten von Lyon am 24. April von Greppo der Versammlung vorgelegt.>
Die Gemeinden der Provinzstädte besaßen die große Unverschämtheit, ihre Abordnungen nach Versailles zu senden, um die Versailler aufzurufen, das von Paris Geforderte zu gewähren; nicht eine Gemeinde Frankreichs hat eine Adresse gesandt, die die Taten Thiers' und der Krautjunker gutheißt; die Provinzblätter, ebenso wie diese Gemeinderäte - so beklagt sich Dufaure in seinem gegen die Versöhnung gerichteten Zirkular an die procureurs généraux -
<"stellen die aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene Versammlung in eine Reihe mit der selbsternannten Kommune von Paris und tadeln die erstere, weil sie Paris seine munizipalen Rechte nicht gewährt habe usw."> -
und was schlimmer ist, diese Gemeinderäte, zum Beispiel der von Auch, <"fordern einstimmig von ihr, unverzüglich einen Waffenstillstand mit Paris vorzuschlagen> und daß die am 8. Februar gewählte Versammlung sich selbst auflöst, weil ihr Mandat abgelaufen ist". <(Dufaure, Versailler Versammlung, 26. April.)>
Man sollte festhalten, daß dies die alten Gemeinderäte waren, nicht die am 30. April gewählten. Ihre Abordnungen so zahlreich, daß Thiers beschloß, sie nicht mehr persönlich zu empfangen, sondern sie an einen untergeordneten Ministerialbeamten zu verweisen.
Schließlich die Wahlen vom 30. April - das endgültige Urteil über die Versammlung und die Wahlüberrumpelung, aus der sie hervorgegangen war. Wenn daher die Provinzen bisher nur passiven Widerstand gegen Versailles geleistet haben, ohne sich für Paris zu erheben, so ist das aus den festen Positionen zu erklären, die die alten Behörden dort noch innehaben, und aus dem Trancezustand, in den das Kaiserreich die Provinz versetzte und den der Krieg aufrechterhielt. Es ist offensichtlich, daß es nur die Armee, Regierung und die chinesische Lügenmauer der Versailler sind, die zwischen Paris und den Provinzen stehen. Wenn jene Mauer fällt, werden sich die Provinzen mit Paris vereinigen.
|525| Es ist äußerst charakteristisch, daß dieselben Leute (Thiers und Co.), die im Mai 1850 durch eine Parlamentsverschwörung (Bonaparte half ihnen, um sie in eine Falle zu locken, um sie in der Hand zu haben und um sich selbst nach dem coup d'état als Wiederhersteller des allgemeinen Stimmrechts gegen die Ordnungspartei und ihre Versammlung auszugeben) das allgemeine Stimmrecht beseitigten, weil es ihnen unter der Republik noch Streiche spielen konnte, jetzt seine fanatischen Verfechter sind und es zu ihrer "legitimen" Waffe gegenüber Paris machen, nachdem es unter Bonaparte so organisiert worden war, daß es ein bloßes Spielzeug in der Hand der Exekutive, einen bloßen Apparat des Betrugs, der Überrumplung und Fälschung seitens der Exekutive darstellte. <(Kongreß der> Ligue des Villes) ("Rappel", 6. Mai!)
Trochu, Jules Favre und Thiers, Provinzler
Man könnte fragen, wie diese überalterten parlamentarischen Pickelhäringe und Intriganten wie Thiers, Favre, Dufaure, Garnier-Pagès (nur durch ein paar Schufte vom gleichen Kaliber verstärkt) es fertigbringen, nach jeder Revolution erneut auf der Bildfläche zu erscheinen und die Exekutivgewalt zu usurpieren, diese Leute, die stets die Revolution ausnutzen und verraten, die das Volk niederschießen, das sie verwirklicht, die die wenigen liberalen Zugeständnisse kassieren, welche früheren Regierungen abgerungen wurden? (Zu denen sie selbst in Opposition standen.)
Die Sache ist sehr einfach. In erster Linie verschont sie die Großmut des Volkes, auch wenn sie sehr unpopulär sind, wie Thiers nach der Februarrevolution. Nach jeder erfolgreichen Volkserhebung wird von den unversöhnlichen Feinden des Volkes der Ruf nach Versöhnung erhoben und vom Volke in den ersten Augenblicken der Begeisterung über seinen eignen Sieg wiederholt. Nach diesem ersten Augenblick bleiben solche Leute wie Thiers und Dufaure im Hintergrund, solange das Volk die materielle Gewalt besitzt, und arbeiten im Geheimen. Sie erscheinen wieder, sobald es entwaffnet ist, und werden von der Bourgeoisie als ihre chefs de file |Flügelmänner| begrüßt.
Oder sie waren, wie Favre, Garnier-Pagès, Jules Simon etc. (ergänzt durch einige Jüngere von ähnlichem Kaliber) und Thiers selbst nach dem |526| 4. September, die "honette" republikanische Opposition unter Louis-Philippe; danach die parlamentarische Opposition unter Louis Bonaparte. Die reaktionären Regimes, die sie selbst vorbereiteten, wenn sie durch die Revolution an die Macht kamen, sichern ihnen die Reihen der Opposition, während sie die wirklichen Revolutionäre deportieren, töten und ins Exil treiben. Das Volk vergißt ihre Vergangenheit, die Mittelklasse sieht sie als ihre Leute an, ihre schändliche Vergangenheit ist vergessen, und so erscheinen sie wieder, um ihren Verrat und ihre Schandtaten von neuem zu beginnen.
Nacht vom 1. zum 2. Mai: Das Dorf Clamart war in der Hand des Militärs, die Bahnstation in der Hand der Aufständischen gewesen (diese Station beherrscht das Fort Issy). Durch einen Handstreich drang das 22. Jägerbat[aillon] ein (wobei seine Patrouillen von einem Wachsoldaten hereingelassen wurden, da ihnen die Parole verraten worden war), überrumpelte die Garnison, von der die meisten in ihren Betten schliefen, machte nur 60 Gefangne und metzelte 300 Insurgenten mit dem Bajonett nieder. Dazu |Dazu: in der Handschrift deutsch| Liniensoldaten nachher auf der Stelle erschossen. Thiers besitzt die Unverschämtheit, in seinem Zirkular an die Präfekten, Zivil- und Militärbehörden vom 2. Mai zu sagen:
"Sie" (die Kommune) "verhaftet Generale" (Cluseret!), "nur um sie zu erschießen, und bildet einen Wohlfahrtsausschuß, der gänzlich unwürdig ist!"
Truppen unter General Lacretelle nahmen durch einen coup de main die Redoute Moulin-Saquet, die zwischen Fort d'Isy und Montrouge liegt. Die Garnison wurde durch Verrat des Kommandanten Gallien überrumpelt, der die Parole den Versailler Truppen verkauft hatte. 150 Föderierte mit Bajonetten niedergemacht und über 300 gefangengenommen. Herr Thiers, schreibt der Korrespondent der "Times", war schwach, als er hätte stark sein müssen (der Feigling ist immer schwach, sobald er für sich Gefahr zu befürchten hat), und fest, als alles durch einige Zugeständnisse zu gewinnen war. (Der Schuft ist immer stark, wenn die Anwendung materieller Gewalt Frankreich ausblutet, und spielt sich auf, nur wenn er persönlich in Sicherheit ist. Das ist seine ganze Schlauheit. Thiers ist, mit den Worten des Antonius zu sprechen, ein "ehrenwerter Mann".)
|527| Thiers' Bulletin über |über: in der Handschrift deutsch| Moulin-Saquet (4. Mai):
<"Befreiung von Paris von den scheußlichen Tyrannen, die es bedrücken". ("Die Versailler waren als Nationalgardisten verkleidet"); ("der größte Teil der Föderierten schlief und wurde im Schlaf erschlagen oder gefangengenommen".)
Picard: "Unsre Artillerie bombardiert nicht, sie kanoniert bloß" ("Moniteur des communes", Picards Zeitung).
"Der sterbend in einer Gefängniszelle begrabene Blanqui, der von den Gendarmen in Stücke gehauene Flourens, der von Vinoy füsilierte Duval, - sie alle haben diese Leute am 31. Oktober in der Hand gehabt und ihnen nichts getan.">
1. MASSREGELN FÜR DIE ARBEITERKLASSE
|528| Nachtarbeit von Bäckergesellen untersagt (20. April).
Die private Gerichtsbarkeit, die die Fabrikherren etc., (Fabrikanten) (Unternehmer, große und kleine) usurpiert hatten, wobei sie gleichzeitig Richter, Vollstrecker, Gewinner und streitende Partei in einer Person waren, abgeschafft, jenes Recht, ihr eignes Strafgesetzbuch zu haben, das es ihnen gestattete, die Löhne der Arbeiter durch Geldbußen und die als Strafen getarnten Lohnabzüge usw. zu berauben, in öffentlichen und privaten Werkstätten abgeschafft; den Unternehmern Strafen angedroht, wenn sie gegen dies Gesetz verstoßen; Geldbußen und Lohnabzüge, seit dem 18. März eingetrieben, müssen den Arbeitern zurückgezahlt werden (27. April). Verkauf von Pfändern in Leihhäusern ausgesetzt (29. März).
Eine große Anzahl Werkstätten und Fabriken in Paris sind geschlossen worden, da ihre Besitzer geflohen sind. Das ist die alte Methode der industriellen Kapitalisten, die sich "durch das spontane Wirken der Gesetze der politischen Ökonomie" berechtigt glauben, nicht nur aus der Arbeit Profit zu ziehen, was für sie die Voraussetzung jeglicher Arbeit ist, sondern sie überhaupt einzustellen und die Arbeiter auf die Straße zu werfen - um eine künstliche Krise zu erzeugen, sobald eine siegreiche Revolution die "Ordnung" ihres "Systems" bedroht. Die Kommune hat, sehr weise, eine kommunale Kommission eingesetzt, welche in Zusammenarbeit mit den von den verschiednen Syndikatskammern vorgeschlagenen Delegierten nach Mitteln und Wegen suchen wird, die verlaßnen Werkstätten und Fabriken an Arbeiterkooperativgenossenschaften zu übergeben, mit einiger Entschädigung für die geflüchteten Kapitalisten (16. April); (diese Kommission hat auch Statistiken der verlassenen Werkstätten aufzustellen).
|529| Die Kommune hat an die Mairien die Anordnung gegeben, hinsichtlich der Entschädigung von 75 Centimes keinen Unterschied zu machen zwischen den sogenannten illegitimen Frauen und den Müttern und Witwen von Nationalgardisten.
Die Kommune hat die öffentlichen Prostituierten in Paris, die bisher für die "Männer der Ordnung" gehalten wurden, sich aber aus Gründen der "Sicherheit" der letzteren in persönlicher knechtender Abhängigkeit von der Polizeigewalt befanden, von dieser entwürdigenden Sklaverei befreit und sowohl den Boden beseitigt, auf dem die Prostitution blüht als auch die Männer, die sie gedeihen ließen. Die feineren Prostituierten - die Kokotten - waren selbstverständlich unter der Herrschaft der Ordnung nicht Sklavinnen, sondern Herrinnen der Polizei und der Regierenden.
Natürlich hatte die Kommune noch keine Zeit, den öffentlichen Unterricht (Erziehung) zu reorganisieren; aber durch die Beseitigung des religiösen und klerikalen Elements hat sie es unternommen, das Volk geistig zu emanzipieren. Sie hat (am 28. April) eine Kommission zur Organisierung des (allgemeinen (elementaren) wie des beruflichen) Unterrichts ernannt.
Sie hat angeordnet, daß alle Lehrmittel wie Bücher, Landkarten, Papier etc. von den Lehrern kostenlos ausgegeben werden, die sie ihrerseits von den zuständigen Mairien erhalten. Kein Lehrer ist berechtigt, aus welchen Gründen immer, von seinen Schülern Bezahlung für diese Lehrmittel zu verlangen. (28. April.)
Pfandhäuser: <Jeder vor dem 25. April 1871 ausgestellte Pfandschein über die Verpfändung von Kleidung, Möbeln, Wäsche, Büchern, Bettzeug und Arbeitswerkzeugen, der nicht über |nicht über: in der Handschrift deutsch| 20 frs. beträgt, kann ab kommenden 12. Mai unentgeltlich eingelöst werden.> (7. Mai.)
2. MASSREGELN FÜR DIE ARBEITERKLASSE, ABER ÜBERWIEGEND FÜR DIE MITTELKLASSEN
Wohnungsmietsbeträge für die letzten drei Quartal: bis April gänzlich erlassen: Alle in diesen drei Quartalen bereits gezahlten Summen werden auf die künftigen Zahlungen angerechnet. Das gleiche Gesetz ist für möblierte Räume vorgesehen. Alle von den Hausbesitzern ergangenen Kündigungen sind um 3 Monate hinauszuschieben (29. März).
|530| Echéances (Bezahlung fälliger Wechsel) (Verfall von Wechseln): Alle Verfahren wegen verfallener Wechsel werden ausgesetzt (12. April).
Alle Handelspapiere dieser Art müssen innerhalb von (Abzahlungen verteilt über) zwei Jahren abgezahlt werden, beginnend am kommenden 15. Juli, wobei die Schuld nicht mit Zinsen belastet werden darf. Die Gesamtsumme der fälligen Beträge wird in 8 <gleiche Teile> geteilt, die vierteljährlich zahlbar sind (wobei das erste Vierteljahr vom 15. Juli an datiert). Nur auf diese Teilzahlungen ist, wenn sie verfallen sind, gerichtliche Verfolgung zulässig (16. April). Dufaures Gesetze wegen der Mieten und Wechsel brachten den Bankrott der Mehrheit der ehrlichen Pariser Ladenbesitzer mit sich.
Die Notare, Gerichtsvollzieher, Taxatoren, Büttel und andere Gerichtsbeamte, die bisher aus ihren Ämtern ein Vermögen herausholten, in Angestellte der Kommune verwandelt, die von ihr ein festes Gehalt beziehen wie andre Arbeiter.
Da die Professoren der Medizinischen Hochschule geflohen sind, hat die Kommune eine Kommission ernannt zur Gründung freier Universitäten, die keine Staatsparasiten mehr sein werden; sie hat den Studenten, die ihr Examen bestanden haben, die Möglichkeit gegeben, unabhängig vom Doktortitel zu praktizieren (der Titel wird von der Fakultät verliehen werden).
Da die Richter vom Zivilgericht des Seine-Departements, die wie die andren Beamten immer bereit sind, unter jeder Klassenregierung zu amtieren, geflohen waren, ernannte die Kommune einen Advokaten für die Erledigung der dringendsten Geschäfte bis zur Reorganisation der Gerichte auf der Basis allgemeiner Wahlen (26. April).
3. ALLGEMEINE MASSREGELN
Zwangsaushebung abgeschafft. Im gegenwärtigen Krieg muß jeder waffenfähige Mann (in der Nationalgarde) dienen. Diese Maßnahme - ausgezeichnetes Mittel, um alle Verräter und Feiglinge, die sich in Paris verborgen halten, loszuwerden (29. März).
Glücksspiele untersagt (2. April).
Die Kirche vom Staat getrennt; das Kultusbudget abgeschafft, alle Kirchenländereien zum Nationaleigentum erklärt (3. April).
Die Kommune hatte auf Grund privater Informationen Untersuchungen angestellt und festgestellt, daß die "Regierung der Ordnung" neben der alten |531| Guillotine den Bau einer neuen Guillotine angeordnet (einer schneller arbeitenden und transportablen) und sie im voraus bezahlt hatte. Die Kommune ließ sowohl die alte wie die neue Guillotine am 6. April öffentlich verbrennen. Die Versailler Blätter stellten - von der "Ordnungs"-Presse der ganzen Welt unterstützt - die Sache so dar: Das Pariser Volk hätte diese Guillotinen aus Protest gegen den Blutdurst der Konmmunarden verbrannt! (6. April.) Alle politischen Gefangnen wurden nach der Revolution vom 18. März sofort freigelassen. Aber die Kommune wußte, daß unter dem Regime des Louis Bonaparte und seiner würdigen Nachfolgerin, der Verteidigungsregierung, viele Menschen ohne irgendwelche Anklage, bloß als politisch Verdächtige eingekerkert worden waren. Daher beauftragte sie [eines] ihrer Mitglieder - Protot - damit, Untersuchungen anzustellen. Er ließ 150 Personen frei, die seit sechs Monaten verhaftet und noch keiner gerichtlichen Untersuchung unterzogen worden waren; viele von ihnen war n noch unter Bonaparte verhaltet worden und hatten ein Jahr lang ohne Anklage oder gerichtliche Untersuchung im Gefängnis gesessen (9. April). Diese Tatsache, die für die Verteidigungsregierung bezeichnend ist, brachte sie in Wut. Sie behauptete, die Kommune habe alle Sträflinge freigelassen. Aber wer ließ verurteilte Sträflinge frei? Der Fälscher Jules Favre. Kaum zur Herrschaft gekommen, beeilte er sich, Pic und Taillefer in Freiheit zu setzen, die in der Geschichte mit der Zeitung "L'Étendard" wegen Diebstahl und Fälschung verurteilt worden waren. Einer dieser Edlen, Taillefer, der die Frechheit hatte, nach Paris hineinzugehn, wurde wieder in die ihm zukommende Unterkunft gesteckt. Aber das ist nicht alles. Die Versailler Regierung hat verurteilte Diebe aus den maisons centrales |Gefängnissen| von ganz Frankreich unter der Bedingung entlassen, daß sie in die Armee des Herrn Thiers' eintreten!
Dekret über die Zerstörung der Säule auf der place Vendôme als
"ein Denkmal der Barbarei, Sinnbild roher Gewalt und falschen Ruhms, Bestätigung des Militarismus, Leugnung des internationalen Rechts" (12. April).
Wahl Frankels (deutsches Mitglied der Internationale) in die Kommune für gültig erklärt: "in Erwägung, daß die Fahne der Kommune die Fahne der Weltrepublik ist und daß Ausländer zugelassen werden können" (4. April); Frankel später zum Mitglied der Exekutivkommission der Kommune gewählt (21. April).
Das "Journal Officiel" hat mit der Veröffentlichung der Berichte über die Sitzungen der Kommune begonnen (15. April).
|532| Dekret Paschal Groussets zum Schutz von Ausländern gegen Requisition. Noch nie war eine Regierung in Paris so höflich gegenüber Ausländern (27. April).
Die Kommune hat politische und Berufs-Eide abgeschafft (4. Mai).
Zerstörung des "Chapelle expiatoire de Louis XVI" |"Sühnekapelle Ludwigs XVI."| genannten Denkmals in der rue d'Anjou-St. Honoré (Werk der Chambre introuvable von 1816) (7. Mai).
4. MASSREGELN ZUR ÖFFENTLICHEN SICHERHEIT
Entwaffnung der "loyalen" Nationalgarden (30. März).
Die Kommune erklärt, daß ein Sitz in ihren Reihen mit einem Sitz in der Versailler Versammlung unvereinbar ist (29. März).
Dekret über Repressalien. Niemals durchgeführt. Die Burschen nur verhaftet, Erzbischof von Paris und curé der Madeleine-Kirche |Darboy und Deguerry|; der ganze Stab des Jesuitenkollegs; Pfründner aller großen Kirchen; Teil dieser Burschen verhaftet als Geiseln, teils als Verschwörer mit Versailles, teils, weil sie versuchten, Kirchenvermögen dem Zugriff der Kommune zu entziehen (6. April).
"Die Monarchisten führen Krieg wie Wilde; sie erschießen die Gefangenen, sie ermorden die Verwundeten, sie feuern auf Ambulanzen, Soldaten heben die Gewehrkolben hoch und feuern dann verräterisch" (Proklamation der Kommune).
Hinsichtlich dieser Dekrete über Repressalien ist zu bemerken:
Erstens: Alle Schichten der Pariser Bevölkerung haben sich - nach der Auswanderung der Kapitalisten, der Faulenzer und der Parasiten - an Versailles gewandt wegen Beendigung des Bürgerkriegs - außer der Pariser Geistlichkeit. Der Erzbischof und der curé der Madeleine haben, als sie schon Geiseln waren, nur an Thiers geschrieben, um "das Vergießen ihres eignen Blutes" abzuwenden.
Zweitens: Nach der Veröffentlichung des Dekrets der Kommune über Repressalien, über die Ergreifung von Geiseln usw. hörte die brutale Behandlung der von Versailles gemachten Gefangnen durch Piétris Lämmer und Valentins Gendarmen nicht auf, sondern die Ermordung der gefangnen Pariser Soldaten und Nationalgardisten wurde eingestellt, um mit erneuter Raserei wieder einzusetzen, sobald die Versailler Regierung sich überzeugt hatte, daß die Kommune zu human war, ihr Dekret vom 6. April |533| durchzuführen. Dann begann der Massenmord von neuem. Die Kommune ließ nicht einen Geisel, nicht einen Gefangnen hinrichten; sogar einige Gendarmerieoffiziere, die Paris in Nationalgardistenuniform als Spione betreten hatten, wurden nur verhaftet.
Überrumplung der Redoute von Clamart (2. Mai). Bahnstation in der Hand der Pariser, Gemetzel, Bajonettkampf, das 22. Jägerbataillon (Galliffet?) erschießt Liniensoldaten auf der Stelle, ohne jede Formalität (2. Mai). Redoute Moulin-Saquet, zwischen Fort d'Isy und Montrouge gelegen, nachts durch Verrat des Kommandanten Gallien überrumpelt, der die Parole an die Versailler Truppen verkauft hatte. Die Föderierten im Bett überrascht und ein großer Teil von ihnen niedergemacht. (4. Mai?)
25. April. 4 Nationalgardisten (dies festgestellt durch nach Bicêtre entsandte Beauftragte, wo der einzige Überlebende der 4 Mann <von Belle-Epine, in der Nähe von Villejuif:; sein Name Scheffer). Diese Männer wurden von berittenen Jägern umzingelt und ergaben sich auf deren Aufforderung, da sie keinen Widerstand leisten konnten; sie wurden entwaffnet; die Soldaten taten ihnen nichts. Aber dann trifft der Rittmeister der Jäger ein und schießt sie einen nach dem andern mit dem Revolver nieder. Auf dem Boden liegen gelassen. Scheffer, schrecklich verwundet, überlebte.
13 Liniensoldaten, die auf der Bahnstation Clamart gefangengenommen wurden, sind auf der Stelle erschossen worden, und alle in Versailles eintreffenden Gefangenen in Linienuniform werden sofort, nachdem ihre Identität geklärt ist, hingerichtet. (Versailler "Liberté".) Alexander Dumas, der Sohn, der sich jetzt in Versailles aufhält, berichtet, daß ein junger Mann, der die Funktion eines Generals ausgeübt, wenn er auch den Generalsrang nicht hatte, auf Befehl eines bonapartistischen Generals erschossen wurde, nachdem er unter Bewachung einige hundert Yards zurückgelegt hatte ... Pariser Truppen und Nationalgardisten in Häusern werden [von] Gendarmen umzingelt, [die] das Haus mit Petroleum begießen und dann anzünden. Einige (calcinés |verkohlte|) Leichen vor Nationalgardisten wurden von der Ambulanz der Presse in Les Ternes transportiert ("Mot d'Ordre", 20. April), "Sie haben kein Recht auf Ambulanzen."
Thiers. Blanqui. Erzbischof. General Chanzy. (Thiers sagte, seine Bonapartisten hätten es vorgezogen, erschossen zu werden.)
Haussuchungen etc. Casimir Bouis <ernannt zum Vorsitzenden einer Untersuchungskommission> über das Vorgehen der Diktatoren vom 4. Sep- |534| tember (14. April). Haussuchungen in Privathäusern und Papiere beschlagnahmt, aber keine Möbel fortgeschafft und versteigert (Papiere der Burschen vom 4. September, des Thiers' etc. und bonapartistischer Polizeileute |vom 4. September, des Thiers' etc. und bonapartistischer Polizeileute: in der Handschrift deutsch|), z.B. im Hause von Lafont, <dem Generalinspektor der Gefängnisse) (11. April). Die Häuser (Eigentum) von Thiers und Co., als die von Verrätern, durchsucht, aber nur Papiere beschlagnahmt.
Verhaftungen in ihren eigenen Reihen: Das schockiert den Bourgeois maßlos, der politische Idole und "große Männer" braucht.
"Es ist jedoch aufreizend" ("Daily News" vom 6. Mai. Pariser Korresp.) "und entmutigend, daß, wie auch immer die Autorität der Kommune sein mag, ihre Zusammensetzung dauernd wechselt und wir heute nicht wissen, bei wem die Macht morgen sein wird ... In all diesem ewigen Wechsel erkennt man mehr denn je das Fehlen eines leitenden Kopfes. Die Kommune ist eine Anhäufung von gleichwertigen Atomen, von denen jedes auf das andre eifersüchtig und keines mit oberster Kontrollgewalt über die andren ausgestattet ist."
Unterdrückung von Zeitungen!
5. FINANZMASSREGELN
Siehe "Daily News", 6. Mai.
Hauptausgaben für den Krieg!
Nur 8.928 frs, aus Beschlagnahmen - alles von Geistlichen usw. genommen.
"Vengeur" vom 6. Mai.
DIE ENTSTEHUNG DER KOMMUNE UND DAS ZENTRALKOMITEE
|535| Die Kommune war in Lyon, dann in Marseille, Toulouse usw. proklamiert worden, nach Sedan. Gambetta versuchte sein Bestes, um sie niederzuschlagen.
Die verschiednen Bewegungen in Paris Anfang Oktober zielten auf die Errichtung der Kommune als einer Verteidigungsmaßnahme gegen die ausländische Invasion, als Verwirklichung der Erhebung vom 4. September. Die Bewegung des 31. Oktober führte nur deshalb nicht zur Errichtung der Kommune, weil Blanqui, Flourens und die andren damaligen Führer der Bewegung den gens de paroles |Männern von Wort| glaubten, die ihr parole d'honneur |Ehrenwort| gegeben hatten, abzudanken und einer von allen Pariser Arrondissements frei gewählten Kommune Platz zu machen. Sie scheiterte, weil ihre Führer jenen Leuten das Leben retteten, die so begierig darauf sind, ihre Retter umzubringen. Sie ließen Trochu und Ferry entkommen, und diese fielen mit Trochus Bretonen über sie her. Man sollte sich daran erinnern, daß am 31. Oktober die selbsternannte "Verteidigungsregierung" nur geduldet existierte. Sie hatte noch nicht einmal die Farce eines Plebiszits auf sich genommen. Unter diesen Umständen war natürlich nichts einfacher, als den Charakter der Bewegung falsch darzustellen, sie als verräterische Verschwörung mit den Preußen in Verruf zu bringen, sich die Amtsniederlegung des einzigen unter ihnen, der sein Wort nicht brechen wollte |Tamisier|, zunutze zu machen und durch die Ernennung von Clément Thomas zum Oberkommandanten der Nationalgarde die Bretonen Trochus zu stärken, die |536| für die Verteidigungsregierung dasselbe waren, wie die korsischen spadassins |Mordgesellen| für Louis Bonaparte; nichts war leichter für diese alten Panikmacher, [als] an die feigen Ängste der Mittelklasse vor den Arbeiterbataillonen, die die Initiative ergriffen hatten, zu appellieren; nichts war leichter, als durch den Appell an den Patriotismus Mißtrauen und Zwietracht unter den Arbeiterbataillonen zu säen und dadurch einen jener Tage blinder Reaktion und unheilvoller Mißverständnisse zu inszenieren, mit denen sie es immer verstanden haben, ihre usurpierte Gewalt zu behaupten. Wie sie am 4. September durch eine Überrumplung an die Macht geschlüpft waren, so waren sie nun in der Lage, dieser Macht eine Scheinsanktion zu verleihen durch eine Volksbefragung nach echt bonapartischem Muster aus der Zeit des Terrors der Reaktion.
Hätte Anfang November 1870 die Kommune in Paris den Sieg errungen (damals war sie in den großen Städten des [Landes] schon eingeleitet und würde sicherlich in ganz Frankreich Nachahmung gefunden haben), so hätte man nicht nur den Verrätern die Verteidigung aus der Hand genommen und [sie] mit Begeisterung durchgeführt, wie der gegenwärtige heldenhafte Kampf von Paris zeigt, sondern auch der Charakter des Krieges hätte sich völlig verändert. Er wäre der Krieg des republikanischen Frankreichs geworden, das die Fahne der sozialen Revolution des 19. Jahrhunderts gehißt hätte, gegen Preußen, diesen Bannerträger der Eroberung und Konterrevolution. Statt den verschlissenen alten Intriganten an alle Höfe Europas betteln zu schicken, hätte es die produzierenden Klassen in der alten und der neuen Welt elektrisiert. Durch die Eskamotage der Kommune am 31. Oktober sicherten die Jules Favre und Co. die Kapitulation Frankreichs vor Preußen und begannen sie den gegenwärtigen Bürgerkrieg.
Aber eins ist klar: Die Revolution vom 4. September war nicht nur die Wiedererrichtung der Republik, weil der Platz des Usurpators durch seine Kapitulation bei Sedan leer geworden war, sie eroberte nicht nur diese Republik von dem fremden Eindringling durch den langen Widerstand, den Paris leistete, obwohl es unter der Führung seiner Feinde kämpfte, diese Revolution bahnte sich den Weg zum Herzen der arbeitenden Klassen. Die Republik hatte aufgehört, ein Name für eine Sache der Vergangenheit zu sein. Sie ging mit einer neuen Welt schwanger. Ihre wirkliche Tendenz, vor dem Auge der Welt verhüllt durch die Betrügereien, die Lügen und die Gemeinheiten einer Bande von intrigierenden Advokaten und Wortfechtern, kam immer wieder an die Oberfläche in den krampfartigen |537| Bewegungen der arbeitenden Klassen von Paris (und Südfrankreichs), deren Losung immer die gleiche war: die Kommune!
Die Kommune, die positive Form der Revolution gegen das Kaiserreich und seine Existenzbedingungen - deren Errichtung zuerst in den Städten Südfrankreichs versucht wurde, die während der Belagerung von Paris in krampfartigen Bewegungen immer wieder proklamiert und durch die Manöver der Verteidigungsregierung und der Bretonen Trochus, des Helden des "Planes von der Kapitulation", zum Scheitern gebracht wurde -, wurde schließlich am 26. März siegreich errichtet. Aber sie hatte nicht plötzlich an diesem Tag das Licht der Welt erblickt. Sie war das unveränderliche Ziel der Arbeiterrevolution. Die Kapitulation von Paris, die offne Verschwörung in Bordeaux gegen die Republik, der coup d'état, der mit dem nächtlichen Angriff auf Montmartre begann, scharte alle lebensbejahenden Kräfte von Paris um den Kampf für die Kommune und gestattete es den "Verteidigungsmännern" nicht mehr, sie auf die isolierten Bemühungen der bewußtesten und revolutionärsten Teile der Pariser Arbeiterklasse zu beschränken.
Die Verteidigungsregierung war nur hingenommen worden als ein pis aller |Notbehelf| in der ersten Überraschung, als eine Kriegsnotwendigkeit. Die wahre Antwort des Volkes von Paris auf das Zweite Kaiserreich, das Kaiserreich der Lügen, - war die Kommune.
So datiert auch die Erhebung des ganzen lebensbejahenden Paris - mit Ausnahme der Säulen des Bonapartismus und seiner offiziellen Opposition, der großen Kapitalisten, der Börsenjobber, der Gauner, der Faulenzer und der alten Staatsparasiten - gegen die Verteidigungsregierung nicht vom 18. März, obwohl sie an diesem Tag ihren ersten Sieg gegen die Verschwörung gewann; sie datiert vom 28. Januar, vom Tag der Kapitulation! Die Nationalgarde - das sind alle bewaffneten Männer von Paris - organisierte sich und regierte in Wirklichkeit von diesem Tag an Paris, unabhängig von der von Bismarcks Gnaden eingesetzten Usurpatorenregierung der capitulards. Sie verweigerte die Ablieferung ihrer Waffen und Artillerie, die ihr Eigentum waren, die als ihr Eigentum in der Kapitulation amtlich an erkannt und ihr daher gelassen worden waren. Es war nicht die Großmut Jules Favres, die diese Waffen vor Bismarck rettete, sondern die Bereitschaft des bewaffneten Paris, gegen Jules Favre und Bismarck um seine Waffen zu kämpfen. Angesichts des fremden Eindringlings und der Friedensverhandlungen wollte Paris die Lage nicht komplizieren. Es fürchtete den |538| Bürgerkrieg. Es beschränkte sich auf eine verteidigende Haltung und begnügte sich mit der De-facto-Selbstverwaltung von Paris. Aber es organisierte sich ruhig und unentwegt zum Widerstand. (Sogar in den Kapitulationsbedingungen hatten die capitulards unmißverständlich ihr Bestreben gezeigt, die Übergabe Frankreichs an Preußen zugleich zum Mittel ihrer Herrschaft über Paris zu machen. Die einzige Konzession von seiten Preußens, auf der sie bestanden, eine Konzession, die ihnen Bismarck als Bedingung auferlegt hätte, wenn sie sie nicht als Konzession erbettelt hätten - waren 40.000 Soldaten zur Unterdrückung von Paris. Angesichts seiner 300.000 Mann Nationalgarde - mehr als genug, um Paris gegen einen Angriff des auswärtigen Feindes zu sichern und um seine innere Ordnung zu verteidigen - konnte die Forderung nach diesen 40.000 Mann keinen andren Zweck haben; überdies wurde das offen zugegeben.) Gestützt auf ihre bestehende militärische Organisation bildete sie eine politische Föderation nach einem sehr einfachen Plan. Dies war der Zusammenschluß der ganzen Nationalgarde, die untereinander verbunden war durch die Delegierten jeder Kompanie, die ihrerseits die Delegierten der Bataillone bestimmten, und diese wiederum die Hauptdelegierten, Legionsräte, von denen jeder sein Arrondissement vertreten und mit den Delegierten der anderen 19 Arrondissements zusammenarbeiten sollte. Diese von der Mehrheit der Bataillone der Nationalgarde gewählten 20 Delegierten bildeten das Zentralkomitee, das am 18. März die größte Revolution unseres Jahrhunderts einleitete und bis jetzt seinen Posten in dem gegenwärtigen ruhmvollen Kampf von Paris weiterhin innehat. Niemals waren Wahlen exakter, niemals haben Delegierte wahrhaftiger die Massen vertreten, aus denen sie hervorgegangen waren. Auf den Einwand der Außenseiter, daß sie unbekannt seien - und in der Tat, sie sind nur den arbeitenden Klassen bekannt, sie sind keine Routiniers, keine durch die Schandtaten ihrer Vergangenheit, durch die Jagd nach Unterschleif und Amt gekennzeichneten Männer, erwiderten sie stolz: "Das waren auch die 12 Apostel", - und sie antworteten durch ihre Taten.
DER CHARAKTER DER KOMMUNE
Die zentralisierte Staatsmaschinerie, die mit ihren allgegenwärtigen und verwickelten militärischen, bürokratischen, geistlichen und gerichtlichen Organen die lebenskräftige bürgerliche Gesellschaft wie eine Boa constructor umklammert (umstrickt), wurde zuerst in den Zeiten der absoluten |539| Monarchie als Waffe der entstehenden modernen Gesellschaft in ihrem Kampf um die Emanzipation vom Feudalismus geschmiedet. Die grundherrlichen Vorrechte der mittelalterlichen Feudalherren, Städte und Geistlichkeit wurden in Attribute einer einheitlichen Staatsgewalt verwandelt, die die feudalen Würdenträger durch bezahlte Staatsbeamte ersetzte und die Waffen von den mittelalterlichen Gefolgsleuten der Grundbesitzer und den Korporationen der Städtebürger an ein stehendes Heer übertrug; sie setzte an die Stelle der buntscheckigen (parteigefärbten) Anarchie sich befehdender mittelalterlicher Mächte den geregelten Plan einer Staatsmacht mit einer systematischen und hierarchischen Teilung der Arbeit. Die erste französische Revolution mit ihrer Aufgabe, die nationale Einhit zu begründen (eine Nation zu schaffen), mußte jede lokale, territoriale, städtische und provinzielle Unabhängigkeit beseitigen. Sie war daher gezwungen, das zu entwickeln, was die absolute Monarchie begonnen hatte, die Zentralisation und Organisation der Staatsmacht, und den Umfang und die Attribute der Staatsmacht, die Zahl ihrer Werkzeuge, ihre Unabhängigkeit und ihre übernatürliche Gewalt über die wirkliche Gesellschaft auszudehnen, eine Gewalt, die faktisch den Platz des mittelalterlichen übernatürlichen Himmels mit seinen Heiligen einnahm. Jedes geringfügige Einzelinteresse, das aus den Beziehungen der sozialen Gruppen hervorging, wurde von der Gesellschaft selbst getrennt, fixiert und von ihr unabhängig gemacht und ihr in der Form des Staatsinteresses, das von Staatspriestern mit genau bestimmten hierarchischen Funktionen verwaltet wird, entgegengesetzt.
Dieser Schmarotzerauswuchs an der bürgerlichen Gesellschaft, der vorgibt, ihr ideales Ebenbild zu sein, erfuhr seine volle Entwicklung unter der Herrschaft des ersten Bonaparte. Die Restauration und die Julimonarchie fügten ihm nichts hinzu außer einer größeren Arbeitsteilung, die im selben Maße wuchs, wie die Arbeitsteilung innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft neue Interessengruppen und infolgedessen neuen Stoff für die Tätigkeit des Staats schuf. In ihrem Kampf gegen die Revolution von 1848 waren die parlamentarische Republik in Frankreich und alle Regierungen Kontinentaleuropas gezwungen, mit ihren Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Volksbewegung die Aktionsmittel und die Zentralisation dieser Regierungsgewalt zu stärken. Alle Revolutionen vervollkommneten auf diese Weise nur die Staatsmaschinerie, statt diesen ertötenden Alp abzuwerfen. Die Fraktionen und Parteien der herrschenden Klassen, die abwechselnd um die Herrschaft kämpften, sahen die Besitzergreifung (Kontrolle) (Bemächtigung) und die Leitung dieser ungeheuren Regierungsmaschinerie als die hauptsächliche Siegesbeute an. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit stand |540| die Schaffung ungeheurer stehender Armeen, einer Masse von Staatsparasiten und kolossaler Staatsschulden. In der Epoche der absoluten Monarchie war die Staatsmaschinerie ein Kampfmittel der modernen Gesellschaft gegen den Feudalismus, dessen Krönung die Französische Revolution war; und unter dem ersten Bonaparte diente sie nicht nur zur Unterdrückung der Revolution und Vernichtung aller Freiheiten des Volkes, sondern auch als ein Werkzeug der Französischen Revolution für den Kampf nach außen, um im Interesse Frankreichs statt feudaler Monarchien mehr oder weniger Staaten nach dem Vorbild Frankreichs auf dem Kontinent zu schaffen. Unter der Restauration und der Julimonarchie wurde sie nicht nur [ein] Mittel der gewaltsamen Klassenherrschaft der Bourgeoisie, sondern auch ein Mittel, das der direkten ökonomischen Ausbeutung eine zweite Ausbeutung des Volkes hinzufügte, indem sie den bürgerlichen Familien alle guten Stellen im Staatsapparat sicherte. In der Zeit des revolutionären Kampfes von 1848 diente sie schließlich als Mittel, diese Revolution zu vernichten und alle Versuche zur Emanzipation der Volksmassen zunichte zu machen. Aber seine letzte Entwicklung erreichte der Schmarotzer Staat erst unter dem Zweiten Kaiserreich. Die Regierungsgewalt mit ihrem stehenden Heer, ihrer alles dirigierenden Bürokratie, ihrer verdummenden Geistlichkeit und ihrer servilen Gerichtshierarchie war von der Gesellschaft selbst so unabhängig geworden, daß ein lächerlich mittelmäßiger Abenteurer mit einer gierigen Bande von Desperados hinter sich genügte, sie zu handhaben. Sie brauchte nicht mehr den Vorwand einer bewaffneten Koalition des alten Europas gegen die moderne Welt, die durch die Revolution von 1789 begründet worden war. Sie trat nicht mehr als ein Mittel der Klassenherrschaft auf, untergeordnet einem parlamentarischen Ministerium oder einer gesetzgebenden Versammlung. Unter ihrer Herrschaft sogar die Interessen der herrschenden Klassen verletzend, deren parlamentarische Komödie sie durch selbstgewählte Corps législatifs und selbstbezahlte Senate ersetzte; in ihrer absoluten Herrschaft sanktioniert durch das allgemeine Wahlrecht und durch die anerkannte Notwendigkeit, die "Ordnung" aufrechtzuerhalten, das heißt die Herrschaft des Grundbesitzers und Kapitalisten über den Produzenten; unter den Fetzen einer Maskerade der Vergangenheit die Orgien der Korruption der Gegenwart und den Sieg der parasitären Gruppe, der Finanzschwindler, verdeckend; die Ausschweifungen aller reaktionären Einflüsse der Vergangenheit zulassend - ein Pandämonium der Niedertracht -, so hatte die Staatsmacht ihren letzten und höchsten Ausdruck im Zweiten Kaiserreich gefunden. Auf den ersten Blick schien dies der endgültige Sieg dieser Regierungsgewalt über die Gesell- |541| schaft zu sein, in Wirklichkeit war es jedoch die Orgie aller verderbten Elemente dieser Gesellschaft. Den Nichteingeweihten erschien es nur als der Sieg der Exekutive über die Legislative, als die endgültige Niederlage jener Form der Klassenherrschaft, die vorgibt, die Selbstherrschaft der Gesellschaft zu sein, beigebracht [durch] eine andere ihrer Formen, die sich als eine über der Gesellschaft stehende Macht ausgibt. In der Tat aber war es nur die verkommenste und die einzig mögliche Form dieser Klassenherrschaft, die ebenso demütigend für die herrschenden Klassen wie für die arbeitenden Klassen war, die sie durch ihre Klassenherrschaft in Fesseln hielten.
Der 4. September war nur die Wiederherstellung der Republik gegen den grotesken Abenteurer, der sie erdrosselt hatte. Der wahre Gegensatz des Kaisertums selbst - das heißt der Staatsmacht, der zentralisierten vollziehenden Gewalt, von der das Zweite Kaiserreich nur die erschöpfende Formel war - war die Kommune. Jene Staatsmacht ist in Wirklichkeit die Schöpfung der Bourgeoisie, zuerst als Mittel, den Feudalismus zu zerbrechen, dann als Mittel, die Freiheitsbestrebungen der Produzenten, der Arbeiterklasse, zu unterdrücken. Alle Reaktionen und alle Revolutionen haben nur dazu gedient, diese organisierte Macht - diese organisierte Gewalt zur Versklavung der Arbeit - aus einer Hand in die andere, von einer Fraktion der herrschenden Klassen an die andere zu übertragen. Sie hatte den herrschenden Klassen als Mittel der Unterjochung und der Bereicherung gedient. Sie hatte aus jeder neuen Veränderung neue Kräfte gesogen. Sie hatte als Werkzeug gedient, um jede Volkserhebung niederzuschlagen und die arbeitenden Klassen zu unterdrücken, nachdem sie gekämpft hatten und ausgenutzt worden waren, um die Übertragung der Staatsmacht von einem Teil ihrer Unterdrücker an den andern zu sichern. Daher war die Kommune nicht eine Revolution gegen diese oder jene - legitimistische, konstitutionelle, republikanische oder kaiserliche - Form der Staatsmacht. Die Kommune war eine Revolution gegen den Staat selbst, gegen diese übernatürliche Fehlgeburt der Gesellschaft; sie war eine Rücknahme des eignen gesellschaftlichen Lebens des Volkes durch das Volk und für das Volk. Sie war nicht eine Revolution, um die Staatsmacht von einer Fraktion der herrschenden Klassen an die andre zu übertragen, sondern eine Revolution, um diese abscheuliche Maschine der Klassenherrschaft selbst zu zerbrechen. Sie war keiner jener zwerghaften Kämpfe zwischen der Klassenherrschaft in Form der vollziehenden Gewalt und den parlamentarischen Formen der Klassenherrschaft, sondern eine Revolte gegen beide dieser Formen, die einander ergänzen, und von denen die parlamentarische |542| Form nur daß betrügerische Anhängsel der vollziehenden Gewalt war. Das Zweite Kaiserreich war die letzte Form dieser Staatsusurpation. Die Kommune war die entschiedene Negation jener Staatsmacht und darum der Beginn de sozialen Revolution des 19. Jahrhunderts. Was daher immer ihr Geschick in Paris, sie wird <ihren Weg um die Welt> machen. Sie wurde von der Arbeiterklasse Europas und der Vereinigten Staaten sogleich als das Zauberwort der Freiheit begrüßt. Der Ruhm und die vorsintflutlichen Taten des preußischen Eroberers schienen nur Trugbilder einer gewesnen Vergangenheit.
Nur die Arbeiterklasse konnte dieses neue Streben durch das Wort "Kommune" formulieren und durch die kämpfende Kommune von Paris einleiten. Sogar der letzte Ausdruck jener Staatsgewalt - das Zweite Kaiserreich - war, wenn es auch den Stolz der herrschenden Klassen demütigte und ihre parlamentarischen Ansprüche auf Selbstregierung hinwegfegte, nur die letztmögliche Form ihrer Klassenherrschaft gewesen. Obwohl das Zweite Kaiserreich sie politisch enteignete, war es die Orgie, unter der alle ökonomischen und sozialen Schändlichkeiten ihres Regimes zur vollen Herrschaft kamen. Die mittlere Bourgeoisie und das Kleinbürgertum waren kraft ihrer ökonomischen Existenzbedingungen davon ausgeschlossen, eine neue Revolution einzuleiten, und gezwungen, dem Weg der herrschenden Klassen zu folgen oder Verbündete der Arbeiterklasse zu werden. Die Bauern waren die passive ökonomische Basis des Zweiten Kaiserreichs, dieses letzten Triumphs eines von der Gesellschaft getrennten und von ihr unabhängigen Staates. Nur die Proletarier, von der neuen sozialen Aufgabe entflammt, die sie für die gesamte Gesellschaft zu vollbringen haben, nämlich die Abschaffung aller Klassen und der Klassenherrschaft, waren imstande, das Werkzeug dieser Klassenherrschaft - den Staat: -, diese zentralisierte und organisierte Regierungsgewalt zu zerbrechen, der sich anmaßt, Herr statt Diener der Gesellschaft zu sein. Das Zweite Kaiserreich, die letzte Krönung und gleichzeitig die schlimmste Prostituierung des Staates, der den Platz der mittelalterlichen Kirche eingenommen hatte, wurde im aktiven Kampf der herrschenden Klassen, mit passiver Unterstützung der Bauernschaft, gegen die Proletarier geboren. Es war gegen sie ins Leben getreten. Und von ihnen wurde es zerbrochen, nicht als besondre Form der (zentralisierten) Regierungsgewalt, sondern als ihr mächtigster und vollendetster Ausdruck der scheinbaren Unabhängigkeit von der Gesellschaft und daher auch ihre prostituierteste Wirklichkeit, von Kopf bis Fuß mit Schande bedeckt, deren Inbegriff absolute Fäulnis im Innern und absolute Ohnmacht nach außen gewesen ist.
|543| Aber diese eine Form der Klassenherrschaft war nur zusammengebrochen, um die vollziehende Gewalt, die staatliche Regierungsmaschine, zum großen und einzigen Angriffsobjekt der Revolution zu machen.
Der Parlamentarismus in Frankreich war am Ende. Seine letzte Periode und vollste Herrschaft war die parlamentarische Republik von Mai 1848 bis zum coup d'état. Das Kaiserreich, das ihn tötete, war seine eigne Schöpfung. Unter dem Kaiserreich mit seinem Corps législatif und seinem Senat - und in dieser Form wurde es in den Militärmonarchien Preußen und Österreich reproduziert - war der Parlamentarismus eine bloße Farce gewesen, ein bloßes Anhängsel des Despotismus in seiner gröbsten Form. Der Parlamentarismus in Frankreich war also tot, und die Arbeiterrevolution war sicher nicht darauf aus, ihn von den Toten zu erwecken.
Die Kommune - das ist die Rücknahme der Staatsgewalt durch die Gesellschaft als ihre eigne lebendige Macht, an Stelle der Gewalt, die sich die Gesellschaft unterordnet und sie unterdrückt; das ist die Rücknahme der Staatsgewalt durch die Volksmassen selbst, die an Stelle der organisierten Gewalt der Unterdrückung ihre eigne Gewalt schaffen; das ist die politische Form ihrer sozialen Emanzipation an Stelle der künstlichen Gewalt (die sich ihre Unterdrücker aneigneten) (ihre eigne Gewalt, den Unterdrückern entgegengesetzt und gegen sie organisiert) der Gesellschaft, von ihren Feinden zu ihrer Unterdrückung gehandhabt. Die Form war einfach wie alles Große. Im Gegensatz zu früheren Revolutionen - wo die für jede historische Entwicklung notwendige Zeit in der Vergangenheit immer verlorenging und wo in den ersten Tagen des Triumphs des Volkes, sobald es seine siegreichen Waffen niedergelegt hatte, diese dann gegen das Volk selbst gerichtet wurden - setzte die Kommune als erstes an die Stelle der Armee die Nationalgarde.
"Zum erstenmal seit dem 4. September ist die Republik von der Regierung ihrer Feinde befreit ... in der Stadt eine Nationalmiliz, die die Bürger gegen die Macht (die Regierung) verteidigt, anstatt eines stehenden Heeres, das die Regierung gegen die Bürger verteidigt." (Proklamation des Zentralkomitees vom 22. März.)
(Das Volk brauchte nur diese Miliz im nationalen Maßstab zu organisieren, um mit dem stehenden Heere Schluß zu machen; das ist die erste ökonomische conditio sine qua non |unerläßliche Bedingung| für alle sozialen Verbesserungen, um diese Quelle von Steuern und Staatsschulden und diese ständige Gefahr der Regierungsusurpation durch die Klassenherrschaft - der regulären Klassenherrschaft oder der eines Abenteurers, der vorgibt, alle Klassen zu |544| retten - sofort zu beseitigen.) Das ist gleichzeitig die sicherste Garantie gegen äußere Aggression, die faktisch den kostspieligen Militärapparat in allen andern Staaten unmöglich macht; das ist die Emanzipation des Bauern von der Blutsteuer und davon, die ergiebigste Quelle für alle staatliche Besteuerung und Staatsschulden [zu sein]. Hier schon der Punkt, in dem die Kommune ein Anreiz für den Bauern und das erste Wort seiner Emanzipation ist. Die "unabhängige Polizei" wird beseitigt und ihre Rohlinge durch Diener der Kommune ersetzt. Das allgemeine Stimmrecht, bisher entweder für die parlamentarische Sanktion der Heiligen Staatsmacht oder als Spielzeug in der Hand der herrschenden Klassen mißbraucht, vom Volk nur anwendbar, um einmal in vielen Jahren die parlamentarische Klassenherrschaft zu sanktionieren (deren Werkzeuge zu wählen), wird seinem wirklichen Zweck angepaßt: durch die Gemeinden ihre eignen Beamten für Verwaltung und Gesetzgebung zu wählen. Beseitigung der Täuschung, daß Verwaltung und politische Leitung Geheimnisse wären, transzendente Funktionen, die nur den Händen einer ausgebildeten Kaste - Staatsparasiten, hochbezahlten Sykophanten und Sinekuristen in den höheren Stellungen anvertraut werden könnten, die die Gebildeten der Massen aufsaugen und sie in den unteren Stellen der Hierarchie gegen sie selbst kehren. Beseitigung der Staatshierarchie überhaupt und Ersetzung der hochfahrenden Beherrscher des Volkes durch seine jederzeit absetzbaren Diener, der Scheinverantwortlichkeit durch wirkliche Verantwortlichkeit, da sie dauernd unter öffentlicher Kontrolle arbeiten. Bezahlt wie gelernte Arbeiter, 12 Pfund im Monat, das höchste Gehalt nicht über 240 Pfund im Jahr - ein Gehalt, das nach einem hohen wissenschaftlichen Gewährsmann, Professor Huxley, etwas mehr als 1/5 dessen beträgt, womit ein Angestellter des Londoner Schulrats zufrieden ist. Der ganze Trug von Staatsgeheimnissen und Staatsansprüchen wurde von einer Kommune beseitigt, die überwiegend aus einfachen Arbeitern besteht, die die Verteidigung von Paris organisieren, gegen die Prätorianer Bonapartes Krieg führen, die Versorgung dieser riesigen Stadt sichern, alle die Posten ausfüllen, die bisher zwischen Regierung, Polizei und Präfektur aufgeteilt waren; sie erledigen ihre Arbeit öffentlich, einfach, unter den schwierigsten und verwickeltsten Umständen, und erledigen sie, wie Milton sein "Paradise Lost" schrieb, das heißt für ein paar Pfund; sie handeln vor aller Augen, ohne Ansprüche auf Unfehlbarkeit, ohne sich hinter Kanzleiausflüchten zu verstecken, und sie scheuen sich nicht, Fehler einzugestehen, indem sie sie korrigieren. Sie machen mit einem Schlag die öffentlichen Funktionen - militärische, administrative und politische - zu wirklichen Arbeiterfunktionen statt der verborgenen Eigenschaften einer ausgebildeten |545| Kaste; (halten Ordnung in der Unruhe des Bürgerkrieges und der Revolution) (leiten Maßnahmen zur allgemeinen Erneuerung ein). Wie groß die Verdienste der einzelnen Maßregeln der Kommune auch sein mögen, ihre größte Maßregel war die Schaffung der Kommune selbst, die in einem Zeitpunkt geboren wurde, da der äußere Feind vor dem einen Tor stand und der Klassenfeind vor dem andern; und sie beweist durch ihr Dasein ihre Lebenskraft, bestätigt ihre Theorien durch ihre Taten. Ihr Erscheinen war ein Sieg über die Besieger Frankreichs. Das gefangengehaltene Paris nahm sich mit einem kühnen Sprung seine Führung Europas zurück, nicht indem es sich auf die rohe Gewalt stützte, sondern indem es an die Spitze der sozialen Bewegung trat, indem es in sich die Hoffnungen der Arbeiterklasse aller Länder verkörperte.
Wenn alle großen Städte sich nach dem Muster von Paris als Kommunen organisierten, könnte keine Regierung diese Bewegung durch den plötzlichen Vorstoß der Reaktion unterdrücken. Gerade durch diesen vorbereitenden Schritt würde die Zeit für die innere Entwicklung, die Garantie der Bewegung gewonnen. Ganz Frankreich würde sich zu selbsttätigen und sich selbst regierenden Kommunen organisieren, das stehende Heer würde durch die Volksmiliz ersetzt, die Armee der Staatsparasiten beseitigt, die klerikale Hierarchie durch die Schullehrer ersetzt, die Staatsgerichte in Organe der Kommune verwandelt werden; die Wahlen in die nationale Vertretung wären nicht mehr eine Sache von Taschenspielerstücken einer allmächtigen Regierung, sondern der bewußte Ausdruck der organisierten Kommunen; die Staatsfunktionen würden auf einige wenige Funktionen für allgemeine nationale Zwecke reduziert.
Das ist also die Kommune - die politische Form der sozialen Emanzipation, der Befreiung der Arbeit von der Usurpation (der Sklaverei) der Monopolisten der Arbeitsmittel, die von den Arbeitern selbst geschaffen oder Gaben der Natur sind. So wie die Staatsmaschine und der Parlamentarismus nicht das wirkliche Leben der herrschenden Klassen, sondern nur die organisierten allgemeinen Organe ihrer Herrschaft, die politischen Garantien, Formen und Ausdrucksweisen der alten Ordnung der Dinge sind, so ist die Kommune nicht die soziale Bewegung der Arbeiterklasse und folglich nicht die Bewegung einer allgemeinen Erneuerung der Menschheit, sondern ihr organisiertes Mittel der Aktion. Die Kommune beseitigt nicht den Klassenkampf, durch den die arbeitenden Klassen die Abschaffung aller Klassen, und folglich aller [Klassenherrschaft] erreichen wollen (weil sie kein Sonderinteresse vertritt. Sie vertritt die Befreiung der "Arbeit", das heißt der grundlegenden und natürlichen Bedingungen des individuellen und |546| sozialen Lebens, die nur durch Usurpation, Betrug und künstliche Machenschaften von der Minderheit der Mehrheit auferlegt werden kann), aber sie schafft das rationelle Zwischenstadium, in welchem dieser Klassenkampf seine verschiednen Phasen auf rationellste und humanste Weise durchlaufen kann. Die Kommune kann gewaltsame Reaktionen und ebenso gewaltsame Revolutionen hervorrufen. Sie beginnt die Befreiung der Arbeit - ihr großes Ziel, indem sie einerseits die unproduktive und schädliche Tätigkeit der Staatsparasiten abschafft, die Ursachen beseitigt, denen ein riesiger Anteil des Nationalprodukts für die Sättigung des Staatsungeheuers zum Opfer gebracht wird, und indem sie andererseits die tatsächliche örtliche und nationale Verwaltungsarbeit für Arbeiterlohn durchführt. Sie beginnt daher mit einer unermeßlichen Einsparung, mit ökonomischer Reform ebenso wie mit politischer Umgestaltung.
Wenn die kommunale Organisation einmal im nationalen Maßstab fest errichtet ist, dann wären die Katastrophen, die ihr möglicherweise noch bevorstehen, sporadische Sklavenhalter-Rebellionen, die zwar das Werk des friedlichen Fortschritts für den Augenblick unterbrechen, die Bewegung aber nur beschleunigen würden, weil sie der Sozialen Revolution das Schwert in die Hand geben.
Die Arbeiterklasse weiß, daß sie durch verschiedene Phasen des Klassenkampfes hindurch muß. Sie weiß, daß die Ersetzung der ökonomischen Bedingungen der Sklaverei der Arbeit durch die Bedingungen der freien und assoziierten Arbeit nur das progressive Werk der Zeit sein kann (jene ökonomische Umgestaltung), daß sie nicht nur eine Veränderung der Verteilung erfordern, sondern auch eine neue Organisation der Produktion, oder besser die Befreiung (Freisetzung) der gesellschaftlichen Formen der Produktion in der gegenwärtigen organisierten Arbeit (erzeugt durch die gegenwärtige Industrie) von den Fesseln der Sklaverei, von ihrem gegenwärtigen Klassencharakter, und ihre harmonische nationale und internationale Koordinierung. Die Arbeiterklasse weiß, daß dieses Erneuerungswerk immer wieder aufgehalten und behindert werden wird durch die Widerstände erworbener Anrechte und Klassenegoismen. Sie weiß, daß das gegenwärtige "spontane Wirken der Naturgesetze des Kapitals und des Grundeigentums" nur im Verlauf eines langen Entwicklungsprozesses neuer Bedingungen durch "das spontane Wirken der Gesetze der gesellschaftlichen Ökonomie der freien und assoziierten Arbeit" ersetzt werden kann, so wie das "spontane Wirken der ökonomischen Gesetze der Sklaverei" und das "spontane Wirken der ökonomischen Gesetze der Leibeigenschaft" abgelöst wurde. Aber die Arbeiterklasse weiß zugleich, daß durch die kommunale Form der |549| politischen Organisation sofort große Fortschritte erzielt werden können und daß die Zeit gekommen ist, jene Bewegung für sich selbst und die Menschheit zu beginnen,
(Kriegsentschädigung.) Noch vor der Errichtung der Kommune hatte das Zentralkomitee durch sein "Journal Officiel" erklärt: "Der Großteil der Kriegsentschädigung sollte von den Urhebern des Krieges gezahlt werden." Das ist die große "Verschwörung gegen die Zivilisation", vor der sich die "Ordnungsmänner" am meisten fürchten. Das ist die praktischste Frage. Wenn die Kommune siegt, werden die Urheber des Krieges die Kriegsentschädigung zahlen müssen; wenn Versailles siegt, werden die produzierenden Massen, die schon mit Blut, Trümmern und Kontributionen gezahlt haben, wieder zahlen müssen, und die Würdenträger der Finanz werden es sogar fertigbringen. aus der Transaktion Profit zu schlagen. Die Bezahlung der Kriegskosten wird durch den Bürgerkrieg entschieden werden. Die Kommune vertritt in diesem lebenswichtigen Punkt nicht nur die Interessen der Arbeiterklasse, des Kleinbürgertums, im wesentlichen der ganzen Mittelklasse, mit Ausnahme der Bourgeoisie (der reichen Kapitalisten) (der reichen Grundbesitzer und ihrer Staatsparasiten). Sie vertritt vor allem das Interesse der französischen Bauernschaft. Auf sie wird der Großteil der Kriegssteuern abgewälzt werden, wenn Thiers und seine "ruraux" siegen. Und die Leute sind dumm genug, den Ruf der "ruraux" zu wiederholen, daß sie - die Großgrundbesitzer - den Bauern vertreten, der natürlich in der Schlichtheit seines Herzens ganz darauf versessen ist, für diese guten "Grundbesitzer" die Milliarden Kriegsentschädigung zu zahlen, die ihn schon eine Milliarde Entschädigung für die Revolution zahlen ließen!
Dieselben Leute kompromittierten absichtlich die Februarrepublik durch die Zuschlagssteuer von 45 Centimes für die Bauern, aber das taten sie im Namen der Revolution, im Namen der von ihr geschaffnen "provisorischen Regierung". Jetzt führen sie in ihrem eignen Namen einen Bürgerkrieg gegen die Republik der Kommune, um die Kriegsentschädigung von ihren eignen Schultern auf die des Bauern abzuwälzen! Er wird natürlich entzückt darüber sein!
Die Kommune wird die Zwangsaushebung abschaffen, die Ordnungspartei wird dem Bauern die Blutsteuer auferlegen. Die Ordnungspartei |550| wird ihm den Steuereinnehmer für die Aushaltung einer parasitären und kostspieligen Staatsmaschine aufzwingen, die Kommune wird ihm eine wohlfeile Regierung geben. Die Ordnungspartei wird fortfahren, ihn durch den städtischen Wucherer zu unterdrücken, die Kommune wird ihn vom Alp der Hypotheken befreien, die auf seinem Stück Land liegen. Die Kommune wird das parasitäre Gerichtswesen - den Notar, den Gerichtsvollzieher usw. -, das die Masse seiner Einkünfte verschlingt, durch Kommunalbeamte ersetzen, die ihre Arbeit für Arbeiterlöhne verrichten, statt sich an der Arbeit des Bauern zu bereichern. Sie wird dieses ganze gerichtliche Spinngewebe beseitigen, das den französischen Bauern umgarnt, in welchem Advokaten und Maires Unterschlupf gefunden haben, diese Bourgeoisspinnen, die sein Blut saugen! Die Ordnungspartei wird ihn unter der Herrschaft des Gendarmen halten, die Kommune wird ihn ins unabhängige gesellschaftliche und politische Leben zurückführen! Die Kommune wird ihn durch den Schullehrer aufklären, die Ordnungspartei wird ihm die Verdummung durch den Pfaffen aufzwingen! Aber der französische Bauer ist vor allem ein Mann, der rechnet! Er wird es außerordentlich vernünftig finden, daß die Bezahlung der Geistlichkeit nicht mehr vom Steuereinnehmer bei ihm eingezogen, sondern der "freiwilligen Betätigung" seines Frömmigkeitstriebs überlassen bleiben wird!
Der französische Bauer hatte Louis Bonaparte zum Präsidenten der Republik gewählt, aber die Ordnungspartei war (in der Zeit der anonymen Herrschaft der Republik unter den verfassungsgebenden und gesetzgebenden Versammlungen) der Schöpfer des Kaisertums! Was der französische Bauer wirklich bedarf, das fing er an, 1849 und 1850 zu zeigen, indem er überall seinen Maire dem Regierungspräfekten, seinen Schullehrer dem Regierungspfaffen und sich selbst dem Regierungsgendarmen entgegenstellte! Der Kern der reaktionären Gesetze der Ordnungspartei im Jahre 1849 - und insbesondere im Januar und Februar 1850 - war speziell gegen die französische Bauernschaft gerichtet! Wenn der französische Bauer Louis Bonaparte zum Präsidenten der Republik gemacht hatte, weil der Bauer traditionsgemäß alle Vorteile, die er von der ersten Revolution empfangen, in seiner Einbildung auf den ersten Napoleon übertragen hatte, so bewiesen die bewaffneten Bauernaufstände in einigen französischen Departements und die Jagd der Gendarmen auf sie nach dem coup d'état, daß diese Täuschung rasch am Zusammenbrechen war! Das Kaiserreich stützte sich auf die künstlich genährten Täuschungen und die traditionellen Vorurteile des Bauern, die Kommune würde sich auf seine lebendigen Interessen und seine wirklichen Bedürfnisse stützen.
|551| Der Haß des französischen Bauern konzentriert sich auf den "Krautjunker", den Schloßherrn, den Mann der Entschädigungsmilliarde und auf den städtischen Kapitalisten in der Maske des Grundbesitzers, dessen Eingriff in die Rechte des Bauern niemals rascher vorangeschritten war als unter dem Zweiten Kaiserreich, zum Teil durch künstliche Maßnahmen des Staates gefördert, zum Teil naturgemäß aus der Entwicklung der modernen Landwirtschaft selbst erwachsend. Die "Krautjunker" wissen, daß drei Monate Herrschaft der Republik der Kommune in Frankreich das Signal für den Aufstand der Bauernschaft und des landwirtschaftlichen Proletariats gegen sie wären. Daher ihr wilder Haß auf die Kommune! Was sie noch mehr als die Emanzipation des städtischen Proletariats fürchten, ist die Emanzipation der Bauern! Die Bauern würden bald das städtische Proletariat als ihren Führer und Erzieher begrüßen. Natürlich gibt es in Frankreich wie in den meisten Ländern des Kontinents einen tiefen Widerspruch zwischen den städtischen und ländlichen Produzenten, zwischen dem industriellen Proletariat und der Bauernschaft. Die Bestrebung des Proletariats, die materielle Basis seiner Bewegung ist die im großen Rahmen organisierte Arbeit, obgleich sie jetzt despotisch organisiert ist und die Produktionsmittel zentralisiert sind, obgleich sie jetzt in der Hand der Monopolisten zentralisiert sind, nicht nur als Produktionsmittel, sondern als Mittel der Ausbeutung und Versklavung des Produzenten. Was das Proletariat zu tun hat, ist den gegenwärtigen kapitalistischen Charakter dieser organisierten Arbeit und dieser zentralisierten Arbeitsmittel umzuwandeln, sie aus Werkzeugen der Klassenherrschaft und Klassenausbeutung in Formen der freien assoziierten Arbeit und in gesellschaftliche Produktionsmittel zu verwandeln. Andererseits ist die Arbeit des Bauern isoliert und seine Produktionsmittel sind zersplittert, zerstreut. Auf diesen ökonomischen Unterschieden ruht als Überbau eine ganze Welt von verschiednen sozialen und politischen Anschauungen. Aber dieses bäuerliche Eigentum ist seit langem aus seiner normalen Phase herausgewachsen, das heißt aus der Phase, in der es eine Realität war, eine Produktionsweise und eine Eigentumsform, die den ökonomischen Bedürfnissen der Gesellschaft entsprach und die ländlichen Produzenten selbst in normale Lebensbedingungen versetzte. Es ist in seine Verfallsperiode eingetreten. Auf der einen Seite ist daraus ein breites prolétariat foncier (ländliches Proletariat) entstanden, dessen Interessen mit denen der städtischen Lohnarbeiter identisch sind. Die Produktionsweise selbst ist durch den modernen Fortschritt der Agronomie überholt. Schließlich ist das bäuerliche Eigentum selbst nominell geworden, indem es dem Bauern die Illusion des Eigentums läßt: und |552| ihn von den Früchten seiner eignen Arbeit expropriiert. Die Konkurrenz der großen Farmer, die Blutsteuer, die Staatssteuer, der Wucher des städtischen Hypothekengläubigers und die zahllosen kleinen Diebereien des Gerichtssystems, das ihn von allen Seiten umgarnt, haben ihn auf die Stellung eines indischen Raiat herabgedrückt, während seine Expropriation - sogar Expropriation von seinem nominellen Eigentum - und seine Degradation zu einem ländlichen Proletarier eine alltägliche Tatsache ist. Folglich ist das, was den Bauern vom Proletarier trennt, nicht mehr sein wirkliches Interesse, sondern sein illusionäres Vorurteil. Wenn die Kommune, wie wir gezeigt haben, die einzige Macht ist, die ihm große unmittelbare Wohltaten sogar unter ihren gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen erweisen kann, so ist sie gleichzeitig die einzige Regierungsform, die ihm die Umgestaltung seiner gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen sichern, ihn einerseits vor der Expropriation durch den Grundbesitzer bewahren und ihn andererseits aus der Bedrückung, Mühe und dem Elend, zu dem er unter dem Schein des angeblichen Eigentums verurteilt ist, retten kann; sie kann sein nominelles Eigentum an dem Boden in wirkliches Eigentum an den Früchten seiner Arbeit verwandeln, kann die Vorteile der modernen Agronomie, die von gesellschaftlichen Bedürfnissen diktiert werden und ihn jetzt täglich wie ein Feind bedrohen, mit der Erhaltung seiner Stellung als wirklich unabhängiger Produzent verbinden. Da er von der Republik der Kommune sofort Nutzen hätte, würde er ihr bald vertrauen.
UNION (LIGUE) RÉPUBLICAINE
Die Partei der Unordnung, deren Regime unter der Korruption des zweiten Kaiserreichs seinen Gipfel erklomm, hat Paris verlassen (Auswanderung aus Paris), gefolgt von ihrem Zubehör, ihrem Anhang, ihren Dienern, ihren Staatsparasiten, ihren mouchards, ihren "Kokotten" und der ganzen niederen Bohème (den gewöhnlichen Verbrechern), die die Ergänzung zu jener distinguierten Bohème bilden. Aber die wirklich lebenskräftigen Elemente der Mittelklassen, durch die Arbeiterrevolution von ihren Pseudovertretern befreit, haben sich zum erstenmal in der Geschichte der französischen Revolutionen von dieser Partei getrennt und sind unter ihren eignen Fahnen aufgetreten. Das ist die "Liga der republikanischen Freiheit", die als Vermittler zwischen Paris und der Provinz wirkt, die Versailles ablehnt und unter den Bannern der Kommune marschiert.
DIE KOMMUNALREVOLUTION ALS VERTRETERIN ALLER KLASSEN DER GESELLSCHAFT,
DIE NICHT VON FREMDER ARBEIT LEBEN
|553| Wir haben gesehen, daß das Pariser Proletariat für den französischen Bauern kämpft und daß Versailles gegen ihn kämpft; daß die "ruraux" die größte Furcht davor haben, daß Paris von den Bauern gehört und nicht mehr durch die Blockade von ihnen getrennt werden könnte; daß ihrem Krieg gegen Paris das Bestreben zugrunde liegt, die Bauern in ihrer Knechtschaft zu halten und sie wie zuvor als ihr "taillable à merci et miséricorde" |"Auf Gnade und Ungnade zinspflichtig"| Objekt zu behandeln.
Zum erstenmal in der Geschichte hat sich die kleine und die moyenne |mittlere| Bourgeoisie offen um die Revolution der Arbeiter geschart und sie als das einzige Mittel zu ihrer eignen und zu Frankreichs Rettung ausgerufen! Sie bilden mit ihnen die Hauptmasse der Nationalgarde, sie sitzen mit ihnen in der Kommune, sie vermitteln für sie in der Union républicaine!
Die wichtigsten Maßregeln, die die Kommune ergriffen hat, sind für die Rettung der Mittelklasse ergriffen worden - Maßregeln der Schuldnerklasse von Paris gegen die Gläubigerklasse! Diese Mittelklasse hatte sich in der Juni-Insurrektion (1848) gegen das Proletariat unter den Fahnen der Kapitalistenklasse, ihrer Generale und ihrer Staatsparasiten geschart. Sie wurde sogleich am 19. September 1848 durch die Ablehnung der "concordats à l'amiable" bestraft. Der Sieg über die Juni-Insurrektion er wies sich auch zugleich als Sieg des Gläubigers, des reichen Kapitalisten über den Schuldner, die Mittelklasse. Der Gläubiger bestand unbarmherzig auf seinem Pfund Fleisch. Am 13. Juni 1849 wurde die Nationalgarde dieser Mittelklasse entwaffnet und von der Armee der Bourgeoisie niedergesäbelt! Unter dem Kaiserreich wurde diese Mittelklasse im Ergebnis der Vergeudung der Staatsressourcen, an denen sich die reichen Kapitalisten gesundgestoßen hatten, der Ausplünderung durch den Börsenschwindler, die Eisenbahnkönige, die Schwindelgesellschaften des Crédit mobilier usw. ausgeliefert und durch die Assoziationen der Kapitalisten (Aktiengesellschaften) expropriiert. Wenn sie in ihrer politischen Stellung herabgedrückt und in ihren ökonomischen Interessen beeinträchtigt wurde, so wurde sie durch die Orgien dieses Regimes sittlich entrüstet. Die Schändlichkeiten des Krieges gaben den letzten Anstoß und empörten ihre |554| Gefühle als Franzosen. Angesichts des Unheils, das Frankreich durch diesen Krieg widerfuhr, seiner Krise des nationalen Zusammenbruchs und seines finanziellen Ruins kann - das spürt diese Mittelklasse - nicht die korrupte Klasse der Möchtegern-Sklavenhalter Frankreichs, sondern können nur die mannhaften Bestrebungen und die herkulische Kraft der Arbeiterklasse Rettung bringen!
Sie spürt, daß nur die Arbeiterklasse sie von der Pfaffenherrschaft befreien, die Wissenschaft aus einem Werkzeug der Klassenherrschaft in eine Kraft des Volkes verwandeln, die Männer der Wissenschaft selbst aus Kupplern des Klassenvorurteils, stellenjagenden Staatsparasiten und Bundesgenossen des Kapitals in freie Vertreter des Geistes verwandeln kann! Die Wissenschaft kann nur in der Republik der Arbeit ihre wahre Rolle spielen.
REPUBLIK NUR MÖGLICH ALS BEKENNTNIS ZUR SOZIALEN REPUBLIK
Der Bürgerkrieg hat die letzten Illusionen über die "Republik" zerstört, wie das Kaiserreich die Illusion des unorganisierten "allgemeinen Wahlrechts" in den Händen des Staatsgendarmen und des Pfaffen. Alle lebenskräftigen Elemente Frankreichs erkennen, daß eine Republik in Frankreich und Europa nur als "Soziale Republik" möglich ist, das heißt als Republik, die der Kapitalisten und Grundbesitzerklasse die Staatsmaschine entreißt, um sie durch die Kommune zu ersetzen, die die "soziale Emanzipation" offen als das große Ziel der. Republik bekennt und so jene soziale Umgestaltung durch die kommunale Organisation garantiert. Jede andre Republik kann nichts sein als der anonyme Terrorismus aller monarchistischen Fraktionen, der vereinigten Legitimisten, Orleanisten und Bonapartisten, der zur Errichtung eines quelconque |beliebigen| Kaiserreichs als schließlichem Ziel führt, als der anonyme Terror der Klassenherrschaft, der, wenn er seine schmutzige Arbeit getan, immer mit einem Kaiserreich enden wird!
Die Berufsrepublikaner der Krautjunker-Versammlung sind Leute, die trotz der Experimente von 1848-1851, trotz des Bürgerkriegs gegen Paris tatsächlich an die republikanische Form des Klassendespotismus als mögliche Form von Dauer glauben, während die "Ordnungspartei" sie nur als eine Form der Verschwörung verlangt, um die Republik zu bekämpfen und |555| die ihr einzig angemessene Form, die Monarchie, oder besser das Kaisertum, als Form des Klassendespotismus wieder einzuführen. 1848 wurden diese freiwillig <Betrogenen> in den Vordergrund geschoben, bis sie, durch die Juni-Insurrektion den Weg für die anonyme Herrschaft aller Fraktionen der Möchtegern-Sklavenhalter in Frankreich geebnet hatten. 1871 werden sie in Versailles von Anfang an in den Hintergrund geschoben, um dort als "republikanische" Dekoration der Herrschaft Thiers' zu figurieren und durch ihre Anwesenheit den Krieg der bonapartistischen Generale gegen Paris zu sanktionieren! Sich der Ironie nicht bewußt, halten diese Wichte ihr Parteitreffen in dem Salle de Paume (Ballhaussaal) ab, um zu zeigen, wie sie gegenüber ihren Vorgängern von 1789 heruntergekommen sind! Durch ihre Schoelcher usw. versuchten sie Paris zu bewegen, seine Waffen an Thiers auszuliefern, und durch die Nationalgarde der "Ordnung" unter Saisset versuchten sie, es zur Entwaffnung zu zwingen! Wir sprechen nicht von den sogenannten sozialistischen Pariser Deputierten wie Louis Blanc. Sie lassen die Beleidigungen eines Dufaure und der ruraux demütig über sich ergehen, faseln von Thiers' "gesetzlichen" Rechten und bedecken sich durch ihr Gewinsel vor den Banditen mit Schande!
Die Arbeiter und Comte
Wenn die Arbeiter aus der Zeit des sozialistischen Sektenwesens herausgewachsen sind, so sollte man nicht vergessen, daß sie dem Comtismus niemals ins Garn gegangen sind. Diese Sekte hat der Internationale niemals etwas gegeben, außer einer Gruppe von etwa einem halben Dutzend Personen, deren Programm vom Generalrat zurückgewiesen wurde. Comte ist den Pariser Arbeitern bekannt als der Prophet des Kaisertums (der persönlichen Diktatur) in der Politik, der kapitalistischen Herrschaft in der politischen Ökonomie, der Hierarchie in allen Sphären der menschlichen Tätigkeit, sogar in der Sphäre der Wissenschaft, und als der Autor eines neuen Katechismus mit einem neuen Papst und neuen Heiligen an Stelle der alten.
Wenn seine Jünger in England populärer sind als die in Frankreich, so nicht durch die Predigt ihrer Sektendoktrinen, sondern durch ihren persönlichen Wert und weil ihre Sekten die Formen des proletarischen Klassenkampfs, die ohne sie geschaffen wurden, akzeptieren, wie zum Beispiel die Trade-Unions und die Streiks in England, die von ihren Pariser Glaubensbrüdern nachgerade als Ketzerei gerügt werden.
DIE KOMMUNE (SOZIALE MASSREGELN)
|556| Daß die Pariser Arbeiter die Initiative zu der gegenwärtigen Revolution ergriffen haben und in heroischer Selbstaufopferung die Hauptlast in diesem Kampf tragen, ist nichts Neues. Es ist das erstaunliche Merkmal aller französischen Revolutionen! Es ist nur eine Wiederholung der Vergangenheit! Daß die Revolution im Namen und offen für die Volksmassen, das heißt für die produzierenden Massen, gemacht wird, ist ein Merkmal, das diese Revolution mit allen ihren Vorgängerinnen gemein hat. Ihr neues Merkmal ist, daß das Volk nach der ersten Erhebung nicht die Waffen niedergelegt und seine Macht in die Hände der republikanischen Marktschreier der herrschenden Klassen übergeben hat, daß es durch die Errichtung der Kommune die wirkliche Leitung seiner Revolution in seine eignen Hände genommen und gleichzeitig das Mittel gefunden hat, sie im Fall des Erfolgs in den Händen des Volkes selbst zu halten, indem es die Staatsmaschinerie, die Regierungsmaschine der herrschenden Klassen, durch seine eigne Regierungsmaschine ersetzt. Darin besteht ihr unerhörtes Verbrechen! Arbeiter, die gegen das Regierungsprivileg der obern Zehntausend verstoßen und ihren Willen kundtun, die ökonomische Basis jenes Klassendespotismus zu zerbrechen, der die organisierte Staatsmacht der Gesellschaft in seinem eignen Interesse handhabte! Das ist es, was die respektablen Klassen in Europa wie in den Vereinigten Staaten von Amerika in den Paroxysmus von Krämpfen geworfen hat, das ist die Ursache für ihre Schreie des Abscheus, es sei Gotteslästerung, für ihre wilden Appelle, mit dem Volk abzurechnen, und für die gemeinen Schimpfereien und Verleumdungen, die sie von ihren Parlamentstribünen aus und in den Bedientenstuben ihrer Tagespresse loslassen!
Die größte Maßregel der Kommune ist ihr eignes Dasein, ihr Arbeiten und Handeln unter unerhört schwierigen Umständen! Die von der Kommune gehißte rote Fahne krönt in Wirklichkeit nur die Regierung der Arbeiter von Paris! Sie haben als ihr Ziel klar und bewußt die Emanzipation der Arbeit und die Umgestaltung der Gesellschaft proklamiert! Aber der wirklich "soziale" Charakter ihrer Republik besteht nur darin, daß Arbeiter die Pariser Kommune regieren! Was ihre Maßregeln betrifft, so müssen sie nach Lage der Dinge grundsätzlich auf die militärische Verteidigung und die Versorgung von Paris beschränkt sein!
Einige gönnerhafte Freunde der Arbeiterklasse, die sogar vor den wenigen Maßregeln der Kommune, die sie für "sozialistisch" halten, ihren Abscheu kaum verbergen, obgleich sie außer ihrer Tendenz nichts Sozialisti- |557| sches enthalten, bringen ihre Genugtuung zum Ausdruck und suchen standesgemäße Sympathien für die Pariser Kommune durch die große Entdeckung zu erschmeicheln, daß die Arbeiter immerhin vernünftige Leute seien und, wenn sie an der Macht sind, sozialistischen Unternehmungen entschlossen den Rücken kehren! In Wirklichkeit versuchen sie in Paris weder Phalanstere noch ein Ikarien zu errichten. Weise Männer ihrer Zeit! Diese wohlmeinenden Gönner, in tiefer Unkenntnis der wirklichen Bestrebungen und der wirklichen Bewegung der arbeitenden Klassen, vergessen eines. Alle sozialistischen Gründer von Sekten gehören einer Zeit an, in der weder die Arbeiterklasse genügend geübt und organisiert war durch die Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft selbst, um auf der Bühne der Weltgeschichte als historischer Akteur aufzutreten, noch die materiellen Bedingungen ihrer Emanzipation in der alten Welt selbst genügend herangereift waren. Ihr Elend bestand, aber noch nicht die Bedingungen für ihre eigene Bewegung. Die utopischen Gründer von Sekten, die in ihrer Kritik der gegenwärtigen Gesellschaft das Ziel der sozialen Bewegung klar beschrieben - die Beseitigung des Systems der Lohnarbeit mit allen seinen ökonomischen Bedingungen der Klassenherrschaft -, fanden weder in der Gesellschaft selbst die materiellen Bedingungen ihrer Umgestaltung, noch in der Arbeiterklasse die organisierte Macht und das Bewußtsein der Bewegung. Sie versuchten, die fehlenden historischen Bedingungen der Bewegung durch phantastische Bilder und Pläne einer neuen Gesellschaft zu kompensieren, in deren Propaganda sie das wahre Mittel des Heils sahen. Von dem Moment an, da die Bewegung der Arbeiterklasse Wirklichkeit wurde, schwanden die phantastischen Utopien, nicht weil die Arbeiterklasse das Ziel aufgegeben hatte, das diese Utopisten anstrebten, sondern weil sie die wirklichen Mittel gefunden hatte, sie zu verwirklichen, weil an die Stelle phantastischer Utopien die wirkliche Einsicht in die historischen Bedingungen der Bewegung trat und die Kräfte für eine Kampforganisation der Arbeiterklasse sich immer mehr zu sammeln begannen. Aber die beiden Endziele der von den Utopisten verkündeten Bewegung sind auch die von der Pariser Revolution und von der Internationale verkündeten Endziele. Nur die Mittel sind verschieden, und die wirklichen Bedingungen der Bewegung sind nicht mehr von utopischen Fabeln umwölkt. Diese gönnerhaften Freunde des Proletariats sind daher nur die Opfer ihrer eignen Ignoranz, wenn sie über die laut verkündeten sozialistischen Tendenzen dieser Revolution ihre Glossen machen. Nicht das Pariser Proletariat ist schuld daran, wenn für diese Leute die utopischen Schöpfungen der Propheten der Arbeiterbewegung immer noch die "soziale Revolution" |558| sind, mit andern Worten, wenn die soziale Revolution für sie immer noch "utopisch" ist.
"Journal Officiel" des Zentralkomitees vom 20. März:
"Die Proletarier der Hauptstadt, inmitten der défaillances |Ohnmacht| und des Verrats der regierenden (herrschenden) Klassen, haben verstanden (compris), daß für sie die Stunde gekommen war, die Lage zu retten, indem sie die Leitung (Verwaltung) der öffentlichen Angelegenheiten (der Staatsgeschäfte) in ihre eignen Hände nahmen."
Sie brandmarken "die politische Unfähigkeit und die moralische Altersschwäche der Bourgeoisie" als die Quelle "von Frankreichs Unglück".
"Die Arbeiter, die alles hervorbringen und nichts genießen, die inmitten der von ihnen angehäuften Produkte, der Frucht ihrer Arbeit und Mühe, Not leiden ... sollen sie denn nie für ihre Emanzipation arbeiten dürfen? ... Das Proletariat hat angesichts der permanenten Bedrohung seiner Rechte, der absoluten Ablehnung aller seiner rechtmäßigen Bestrebungen, des Ruins des Landes und aller seiner Hoffnungen verstanden, daß es seine gebieterische Pflicht und sein absolutes Recht war, sein Geschick in seine eignen Hände zu nehmen und seinen Triumph zu sichern, indem es sich der Staatsgewalt bemächtigte (en s'emparant du pouvoir)." Hier wird klar gesagt, daß die Regierung der Arbeiterklasse in erster Linie notwendig ist, um Frankreich vor dem Ruin und der Verderbnis zu retten, mit der es die herrschenden Klassen bedrohen, daß die Entfernung dieser Klassen von der Macht (der Klassen, die die Fähigkeit, Frankreich zu regieren, verloren haben) ein Erfordernis der nationalen Sicherheit ist.
Aber nicht weniger klar wird gesagt, daß die Regierung der Arbeiterklasse Frankreich retten und die nationale Sache nur vollbringen kann, wenn sie für die Emanzipation der Arbeiterklasse arbeitet, denn die Bedingungen dieser Emanzipation sind zugleich die Bedingungen der Erneuerung Frankreichs.
Die Arbeiterregierung wird verkündet als Krieg der Arbeit gegen die Monopoleigentümer an den Arbeitsmitteln, gegen das Kapital.
Der Chauvinismus der Bourgeoisie ist eine bloße Eitelkeit, die alle ihre eigenen Ansprüche national bemänteln soll. Er ist ein Mittel, durch stehende Heere die internationalen Kämpfe zu verewigen, in jedem Land die Produzenten zu unterjochen, indem man sie gegen ihre Brüder in jedem anderen Land hetzt, ein Mittel, die internationale Zusammenarbeit der Arbeiterklassen, die erste Bedingung ihrer Emanzipation, zu verhindern. Der wahre Charakter jenes Chauvinismus (seit langem zur bloßen Phrase |559| geworden) ist nach Sedan in dem Verteidigungskrieg zum Vorschein gekommen, der von der chauvinistischen Bourgeoisie überall gelähmt wurde; er kam zum Vorschein in der Kapitulation Frankreichs, in dem Bürgerkrieg, der mit Bismarcks Duldung unter Thiers, diesem Hohenpriester des Chauvinismus, geführt wird! Er kam zum Vorschein in der kleinen Polizeiintrige der Antideutschen Liga, in der Ausländerjagd in Paris nach der Kapitulation. Man hoffte, das Volk von Paris (und das ganze französische Volk) zu der Leidenschaft des Nationalhasses verdummen zu können und daß es durch künstliche Exzesse gegen die Ausländer sein wirkliches Streben und seine einheimischen Verräter vergessen würde!
Wie diese künstliche Bewegung vor dem Atem des revolutionären Paris verschwunden (vergangen) ist! Laut seine internationalen Tendenzen verkündend - denn die Sache des Produzenten ist überall die gleiche und ihr Feind überall der gleiche, welcher Nationalität (in welchem nationalen Gewand) er auch auftreten mag - verkündete Paris als einen Grundsatz die Zulassung von Ausländern in die Kommune, wählte sogar einen ausländischen Arbeiter |Leo Frankel| (ein Mitglied der Internationale) in seine Exekutivkommission, dekretierte [die Zerstörung des] Symbols des französischen Chauvinismus - der Vendôme-Säule!
Und während seine Bourgeois-Chauvinisten Frankreich zerstückelt haben und nach dem Diktat des fremden Eroberers vorgehen, haben die Pariser Arbeiter den äußeren Feind geschlagen, indem sie ihren eignen Klassenherrschern einen Schlag versetzten, und die Grenzen beseitigt, indem sie die Stellung der Vorhut der Arbeiter aller Nationen eroberten!
Der echte Patriotismus der Bourgeoisie - so selbstverständlich für die Eigentümer der verschiednen "nationalen" Güter - ist infolge des kosmopolitischen Charakters ihrer finanziellen, kommerziellen und industriellen Tätigkeit zu einem bloßen Trugbild verblaßt. Unter ähnlichen Umständen würde er in allen Ländern ebenso verpuffen wie in Frankreich.
DIE DEZENTRALISATIONSBESTREBUNGEN DER RURAUX UND DIE KOMMUNE
Es wird behauptet, daß Paris und mit ihm die anderen französischen Städte durch die Herrschaft der Bauern unterdrückt würden, und daß sein gegenwärtiger Kampf ein Kampf um die Befreiung von der Herrschaft der Bauernschaft ist! Niemals wurde eine dümmere Lüge ausgesprochen!
|560| Paris als Mittelpunkt und Schwerpunkt der zentralisierten Regierungsmaschine unterwarf die Bauernschaft der Herrschaft des Gendarmen, des Steuereinnehmers, des Präfekten, des Pfaffen und der ländlichen Magnaten, das heißt dem Despotismus seiner Feinde, und beraubte sie allen Lebens (nahm ihr die Lebenskraft). Es unterdrückte alle Organe eines unabhängigen Lebens in den landwirtschaftlichen Bezirken. Andererseits nutzten die Regierung, der ländliche Magnat, der Gendarm und der Pfaffe, denen die zentralisierte Staatsmaschine mit ihrem Zentrum Paris den ganzen Einfluß in der Provinz übertragen hatte, diesen Einfluß für die Regierung und die Klassen aus, deren Regierung sie war, - nicht gegen das Paris der Regierung, des Parasiten, des Kapitalisten, des Faulenzers, des kosmopolitischen Bordells, sondern gegen das arbeitende und denkende Paris. Auf diese Weise wurden, durch die Regierungszentralisation mit Paris als ihrer Basis, die Bauern durch das Paris der Regierung und des Kapitalisten unterdrückt, und das Paris der Arbeiter wurde unterdrückt durch die Macht der Provinz, die in die Hände der Feinde der Bauern gelegt worden war.
Der Versailler "Moniteur" (vom 29. März) erklärt, "daß Paris keine freie Stadt sein kann, weil es die Hauptstadt ist".
Das ist richtig. Paris, die Hauptstadt der herrschenden Klassen und ihrer Regierung, kann keine "freie Stadt" und die Provinz kann nicht "frei" sein, weil ein solches Paris die Hauptstadt ist. Die Provinz kann nur frei sein mit der Kommune in Paris. Die Ordnungspartei ist auf Paris weniger deswegen erbost, weil es seine eigne Emanzipation von ihr und ihrer Regierung verkündet hat, sondern weil es damit das Signal für die Emanzipation des Bauern und der Provinz von ihrer Herrschaft gegeben hat.
"Journal Officiel" der Kommune, 1. April:
"Die Revolution vom 18. März hatte nicht zum alleinigen Ziel, Paris eine gewählte Kommunalvertretung zu sichern, die der despotischen Vormundschaft einer stark zentralisierten nationalen Staatsgewalt untergeordnet ist. Sie soll die Unabhängigkeit erringen und sichern für alle Gemeinden Frankreichs sowie für alle übergeordneten Gruppen, Departements und Provinzen, die untereinander zu ihrem gemeinsamen Interesse durch einen wirklich nationalen Pakt vereint sind; sie soll die Republik garantieren und für immer erhalten ... Paris hat seine scheinbare Allmacht aufgegeben, die mit seiner Selbstaufgabe identisch ist, es hat aber nicht jene moralische Macht aufgegeben, jenen geistigen Einfluß, der seiner Propaganda sooft den Sieg in Frankreich und Europa gebracht hat."
"Wieder arbeitet und leidet jetzt Paris für ganz Frankreich, für das es durch seine Kämpfe und seine Opfer die geistige, moralische, administrative und ökonomische |561| Erneuerung, Ruhm und Gedeihen vorbereitet." (Durch Ballon verbreitetes Programm der Pariser Kommune.)
Herr Thiers arrangierte auf seiner Reise durch die Provinzen die Wahlen, und vor allem seine eignen Wahlen in den verschiedensten Orten. Aber es gab eine Schwierigkeit. Die bonapartistischen Vertreter der Provinz waren für den Augenblick unmöglich geworden. (Außerdem wollte weder er sie, noch sie ihn.) Viele von den alten orleanistischen Routiniers erlitten dasselbe Schicksal wie die Bonapartisten. Daher war es notwendig, an die legitimistischen Grundbesitzer zu appellieren, die sich aufs Land und von der Politik völlig zurückgezogen hatten und gerade die Richtigen zum Verdummen waren. Sie haben der Versailler Versammlung den typischen Charakter gegeben, ihren Charakter der "Chambre introuvable" Ludwigs XVIII., ihren "junkerlichen" Charakter. In ihrer Eitelkeit glaubten sie natürlich, daß nun mit dem Sturz des zweiten bonapartistischen Kaiserreiches und unter dem Schirm des fremden Eroberers endlich ihre Zeit gekommen sei, wie sie 1814 und 1815 gekommen war. Aber wieder waren sie die Dummen. Soweit sie agieren, können sie nur als Elemente der "Ordnungspartei" und ihres "anonymen" Terrorismus agieren, wie von 1848 bis 1851. Ihre eignen Parteiergüsse verleihen dieser Gesellschaft nur komischen Charakter. Sie sind daher gezwungen, den Gefängnisgeburtshelfer der Herzogin von Berry als Präsidenten und die Pseudorepublikaner der Verteidigungsregierung als Minister zu dulden. Sie werden abgeschoben werden, sobald sie ihre Pflicht getan haben. Aber durch dieses seltsame Zusammentreffen von Umständen - eine Laune der Geschichte - sind sie gezwungen, Paris anzugreifen, weil es gegen die "République une et indivisible" (so nennt es Louis Blanc; Thiers nennt es die Einheit Frankreichs) revoltiert, während es ihre erste Heldentat gerade war, gegen die Einheit zu revoltieren, indem sie sich für die "Enthauptung und Enthauptstadtung" von Paris erklärten, indem sie wünschten, daß die Versammlung in einer Provinzstadt thront. Was sie wirklich wollen, ist, zu dem zurückzukehren, was der zentralisierten Staatsmaschine vorausging, sich von deren Präfekten und Ministern mehr oder weniger unabhängig machen, und die Zentralisation durch den provinziellen und lokalen Einfluß der châteaux |Schloßherren| ersetzen. Sie wollen eine reaktionäre Dezentralisation Frankreichs. Was Paris will, ist, jene Zentralisation ersetzen, die ihre Pflicht gegen den Feudalismus erfüllt hat, aber zur bloßen Einheit eines künstlichen Körpers geworden ist, die sich auf Gendarmen, auf rote und schwarze Armeen stützt, das Leben der wirk- |562| lichen Gesellschaft unterdrückt., wie ein Alpdruck auf ihr lastet, Paris dadurch, daß sie es einschließt und die Provinzen draußen läßt, eine "scheinbare Allmacht" verleiht, - dieses neben der französischen Gesellschaft bestehende unitarische Frankreich will es ersetzen durch die politische Vereinigung der französischen Gesellschaft selbst, durch die kommunale Organisation.
Die wirklichen Anhänger der Zerstörung der Einheit Frankreichs sind daher die Krautjunker, die der vereinigten Staatsmaschine feindlich gegenüberstehen, soweit sie mit ihrer eignen örtlichen Wichtigkeit (ihren grundherrlichen Vorrechten) in Konflikt kommt, soweit sie der Widersacher des Feudalismus ist.
Was Paris will, ist, dieses künstliche unitarische System zerbrechen, soweit es der Widersacher der wirklichen lebendigen Einheit Frankreichs und ein bloßes Werkzeug der Klassenherrschaft ist.
Comtistische Anschauungen
Leute, die überhaupt nichts begreifen von dem bestehenden ökonomischen System, sind selbstverständlich noch weniger in der Lage, die Ablehnung dieses Systems durch die Arbeiter zu begreifen. Sie können natürlich nicht begreifen, daß die soziale Umgestaltung, die die Arbeiterklasse anstrebt, das notwendige, historische, unvermeidliche Erzeugnis des bestehenden Systems selbst ist. Sie sprechen in wegwerfendem Ton von der angedrohten Abschaffung des "Eigentums", denn in ihren Augen ist ihre gegenwärtige klassenbedingte Form des Eigentums - eine historisch vorübergehende Form - das Eigentum schlechthin, und die Abschaffung dieser Form daher die Abschaffung des Eigentums. Wie sie jetzt die "Ewigkeit" der Herrschaft des Kapitals und des Systems der Lohnarbeit verteidigen, so hätten sie, wenn sie in der feudalen Zeit oder in der Zeit der Sklaverei gelebt hätten, das feudale System oder das System der Sklaverei verteidigt - als auf der Natur der Dinge berufend, als spontan aus der Natur entspringend; sie wären wütend gegen die "Mißbräuche" dieser Gesellschaftssysteme aufgetreten, hätten aber gleichzeitig von der Höhe ihrer Ignoranz herab auf die Prophezeiungen der Beseitigung dieser Systeme mit dem Dogma von ihrer "Ewigkeit" und ihrer Berichtigung durch "moralische Hemmungen" ("Nötigungen") geantwortet.
Sie haben in ihrer Einschätzung der Ziele der Pariser arbeitenden Klas- |563| sen ebenso recht wie Herr Bismarck mit seiner Erklärung, daß das, was die Kommune will, die preußische Städteordnung sei.
Arme Leute! Sie wissen nicht einmal, daß jede gesellschaftliche Form des Eigentums ihre eigne "Moral" hat, und daß die Form des gesellschaftlichen Eigentums, die das Eigentum zum Attribut der Arbeit macht - weit davon entfernt, individuelle "moralische Hemmungen" zu schaffen -, die "Moral" des Individuums von ihren Klassenschranken befreien wird.
Wie der Atem der Volksrevolution Paris verwandelt hat! Die Februarrevolution wurde die Revolution der moralischen Verachtung genannt! Sie wurde verkündet durch die Rufe des Volkes: "À bas les grands voleurs! À bas les assassins!" |"Nieder mit den großen Dieben! Nieder mit den Mördern!"| So war die Stimmung des Volkes. Was jedoch die Bourgeoisie betrifft, so wollte sie freiere Hand für ihre Korruption! Die bekam sie unter der Regierung des Louis Bonaparte (Napoleons des Kleinen). Paris, die Riesenstadt, die Stadt geschichtlicher Initiative, wurde in das maison dorée |Freudenhaus| aller Faulenzer und Schwindler der Welt, in ein kosmopolitisches Bordell verwandelt! Nach dem Auszug der "besseren Leute" erschien wieder das Paris der Arbeiterklasse, heroisch, selbstaufopfernd, begeistert im Gefühl seiner herkulischen Aufgabe! Keine Leichen in der Morgue, keine Unsicherheit auf den Straßen. Paris war niemals ruhiger. Statt der Kokotten die heldenhaften Weiber von Paris! Das mannhafte, standhafte, kämpfende, arbeitende, denkende Paris! Das großmütige Paris! Vor sich den Kannibalismus seiner Feinde, ergriff es Maßnahmen, damit seine Gefangenen ihm nicht mehr gefährlich werden konnten! Was Paris nicht länger mehr dulden will, das ist die Existenz der cocottes und cocodès |Kokotten und Gecken|. Was es entschlossen ist hinauszujagen oder umzuwandeln, ist dieser unnütze, skeptische und egoistische Menschenschlag, der von der Riesenstadt Besitz ergriffen hat, um sich ihrer zu bedienen, als ob sie ihm gehörte. Keine Berühmtheit des Kaiserreichs soll das Recht haben zu sagen: "Paris ist sehr angenehm in seinen feinsten Stadtvierteln, aber in den anderen gibt es zu viele Paupers."
(Vérité" vom 23. April):
"Gewöhnliche Verbrechen in Paris erstaunlich vermindert. Diebe und Kokotten, Mord und Straßenraub fehlen: alle Konservativen sind nach Versailles geflohen!"
"Nicht ein einziger nächtlicher Überfall wurde gemeldet, nicht einmal in den abgelegensten und unbelebtesten Vierteln, seitdem die Bürger ihre eigene Polizei sind."
Thiers über die Krautjunker
|564| Diese Partei
"weiß nur drei Mittel anzuwenden: auswärtige Invasion, Bürgerkrieg und Anarchie ... Eine solche Regierung wird nie die Frankreichs sein". (Deputiertenkammer, 5. Januar 1833.)
Und dieser gleiche Trochu sagte in seinem berühmten Programm: "Der Gouverneur von Paris wird nie kapitulieren", und Jules Favre in seinem Zirkular: "Nicht einen Stein unsrer Festungen, noch einen Fußbreit unsrer Gebiete" - genau wie Ducrot: "Ich werde nach Paris nur tot oder siegreich zurückkehren". Später in Bordeaux fand er, daß sein Leben gebraucht wurde, um die "Rebellen" von Paris niederzuhalten. (Diese Wichte wissen, daß sie bei ihrer Flucht nach Versailles die Beweise für ihre Verbrechen in Paris zurückgelassen haben, und um diese Beweise zu zerstören, würden sie nicht davor zurückschrecken, Paris in einen Trümmerberg zu verwandeln, getaucht in ein Meer von Blut.) (Durch Ballon verbreitetes Manifest an die Provinz.)
"Die Einheit, wie sie das bisher vom Kaiserreich, der Monarchie und der parlamentarischen Regierung auferlegt worden ist, ist nichts anderes als despotische, unwissende, willkürliche und beschwerliche Zentralisation. Die politische Einheit, wie sie von Paris erstrebt wird, ist die freiwillige Vereinigung aller örtlichen Initiative" ... eine zentrale Abordnung der föderierten Kommunen. "Das Ende der alten Regierungs- und klerikalen Welt, der Vorherrschaft des Militärs und der Bürokratie, des Geschäftemachens mit Monopolbesitz und Vorrechten, denen das Proletariat seine Sklaverei und |565| das Land sein Unglück und seine Katastrophe verdankte." (Deklaration der Kommune vom 19. April.)
Gendarmen und Polizisten
20.000 Gendarmen (aus ganz Frankreich nach Versailles beordert, im ganzen 30.000 unter dem Kaiserreich) und 12.000 Pariser Polizisten, - das ist die Grundlage der schönsten Armee, die Frankreich je gehabt.
Republikanische Deputierte von Paris
"Die republikanischen Deputierten von Paris haben weder gegen das Bombardement von Paris noch gegen die Massenexekutionen der Gefangenen, noch dagegen protestiert, daß man das Volk von Paris verleumdet. Sie haben im Gegenteil durch ihre Anwesenheit in der Versammlung und ihr Schweigen all diese Taten sanktioniert, was um so schwerer ins Gewicht fällt, weil sie anerkannte Mitglieder der republikanischen Partei waren. Sie sind die Verbündeten und bewußten Helfershelfer der monarchistischen Partei geworden. Erklärt sie zu Verrätern an ihrem Auftrag und der Republik." (Association générale des Défenseurs de la République".) (9. Mai.)
"Zentralisation führt zur Apoplexie in Paris und zum Fehlen von Leben überall" (Lamennais).
<"Jetzt konzentriert sich alles in einen einzigen Mittelpunkt, und dieser Mittelpunkt ist gleichsam der Staat selbst"> (Montesquieu).
Die Vendôme-Affäre etc.
Das Zentralkomitee der Nationalgarde, das aus Delegierten jeder Kompanie gebildet wurde, brachte beim Einmarsch der Preußen in Paris die Kanonen und Mitrailleusen, die durch die Beiträge der Nationalgarde selbst beschafft worden waren, nach Montmartre, Belleville und La Villette; diese Kanonen und Mitrailleusen waren von der Regierung der nationalen Verteidigung zurückgelassen worden, gerade in den von den Preußen zu besetzenden Stadtteilen.
Am Morgen des 18. März wandte sich die Regierung mit einem nachdrücklichen Aufruf an die Nationalgarde, aber von 400.000 Nationalgardisten meldeten sich nur 300 Mann.
|566| Am 18. März um 3 Uhr morgens erschienen Polizisten und einige Linienbataillone in Montmartre, Belleville und La Villette, um die Wachen bei den Geschützen zu überrumpeln und ihnen die Geschütze mit Gewalt wegzunehmen.
Die Nationalgardisten leisteten Widerstand, die Liniensoldaten levèrent la crosse en l'air |hoben ihre Kolben hoch| trotz der Drohungen und Befehle des Generals Lecomte, der am gleichen Tag zur gleichen Zeit wie Clément Thomas von seinen Soldaten erschossen wurde.
("Linientruppen warfen die Kolben ihrer Gewehre hoch und verbrüderten sich mit den Insurgenten.")
Der Siegesbericht von Aurelle de Paladines war bereits gedruckt; auch Dokumente über eine décembrisation |Staatsstreich nach dem Muster des 2. Dezember 1851| von Paris wurden gefunden.
Am 19. März erklärte das Zentralkomitee den Belagerungszustand in Paris für aufgehoben, am 20. verkündete Picard ihn für das Departement Seine-et-Oise.
18. März (früh: noch im Glauben an seinen Sieg) Proklamation von Thiers an die Mauern angeschlagen:
"Die Regierung hat beschlossen zu handeln. Die Verbrecher, die vorgeben, eine Regierung zu bilden, müssen der regulären Justiz überantwortet und die weggenommenen Kanonen müssen an die Arsenale zurückgegeben werden."
Am Spätnachmittag, nach dem Scheitern des nächtlichen Überraschungsangriffs, appelliert er an die Nationalgarde:
"Die Regierung plant keinen coup d'état. Die Regierung der Republik hat kein anderes und kann kein anderes Ziel haben als die Sicherheit der Republik."
Er will nur
"das aufrührerische Komitee beseitigen" ... "von dem fast alle der Bevölkerung unbekannt sind".
Am späten Abend eine dritte Proklamation an die Nationalgarde, von Picard und d'Aurelle unterzeichnet:
"Einige irregeführte Leute ... leisten der Armee und der Nationalgarde heftigen Widerstand ... Die Regierung hat entschieden, daß euch eure Waffen belassen werden sollen. Nehmt sie entschlossen auf, um die Herrschaft des Gesetzes wiederherzustellen und die Republik vor Anarchie zu retten."
(Am 17. versucht Schoelcher sie zur Entwaffnung zu beschwatzen.)
|567| Proklamation des Zentralkomitees vom 19. März.
"Der Belagerungszustand ist aufgehoben. Das Volk von Paris wird aufgerufen, seine Kommunalwahlen durchzuführen."
Dasselbe an die Nationalgarden:
"Ihr habt uns mit der Verteidigung von Paris und eurer Rechte beauftragt ... Jetzt ist unser Mandat erloschen; wir geben es euch zurück, wir wollen nicht an die Stelle derer treten, die der Atem des Volkes <soeben hinweggefegt hat>."
Sie ließen es zu, daß sich Mitglieder der Regierung in Ruhe nach Versailles zurückziehen (sogar solche wie Ferry, die sie in der Hand hatten).
Die für 22. März angesetzten Kommunalwahlen wegen Demonstration der Ordnungspartei auf 26. März verschoben.
21. März. Wütendes Protestgeschrei der Versammlung gegen die Worte "Vive la République!", die an den Schluß der Proklamation "An die Bürger und die Armee (Soldaten)" gesetzt werden sollen. Thiers: "Könnte durchaus ein gesetzlicher Vorschlag sein usw." (Protest der Krautjunker.) Jules Favre hielt eine feierliche Ansprache gegen die Doktrin, daß die Republik höher stehe als das allgemeine Wahlrecht, schmeichelte der Junkermehrheit, drohte den Parisern mit preußischer Intervention und provoziert - die Demonstration des Paris der Ordnung. Thiers: "er werde, komme was da wolle, keine bewaffnete Macht zum Angriff gegen Paris schicken" (er hatte noch keine Truppen dazu).
<Das Zentralkomitee war seines Sieges so wenig sicher, daß es bereitwillig die Vermittlung der Maires und der Deputierten von Paris annahm ... Thiers' Starrsinn ermöglichte ihm (dem Komitee) eine Atempause von ein oder zwei Tagen, dann wurde es sich seiner Kraft bewußt. Zahllose Fehler der Revolutionäre. Anstatt die Polizeisergeanten unschädlich zu machen, öffnete man ihnen die Tore; sie gingen nach Versailles, wo sie als Retter begrüßt wurden; man ließ das 43. Linienregiment abziehen; man entließ alle Soldaten nach Hause, die sich mit dem Volk verbrüdert hatten; man ließ die Reaktion sich direkt im Zentrum von Paris organisieren; man ließ Versailles in Ruhe. Tridon, Jaclard, Varlin, Vaillant wollten, daß man sofort daranging, die Royalisten zu vertreiben ... Favre und Thiers unternahmen dringende Schritte bei den preußischen Behörden, um ihre Unterstützung zu erhalten... zur Unterdrückung der Aufstandsbewegung in Paris;
Trochu und Clément Thomas ständig damit beschäftigt, alle Versuche der Bewaffnung und Organisierung der Nationalgarde zu verhindern. Der |568| Marsch auf Versailles wurde vom Zentralkomitee beschlossen, vorbereitet und unternommen, ohne Wissen der Kommune und sogar in direktem Gegensatz zu ihrem klar erklärten Willen ...
Bergeret ... anstatt die Brücke von Neuilly zu sprengen, die die Föderierten wegen Mont-Valerien und den bei Courbevoie aufgestellten Batterien nicht halten konnten, ließ zu, daß die Royalisten sich ihrer bemächtigen, sich dort stark verschanzen und sich damit einen Verbindungsweg nach Paris sichern ...>
Wie Herr Littre in einem Brief ("Daily News" vom 20. April) schrieb:
"Da Paris ohne Waffen, Paris von den Vinoy, den Valentin, den Paladines gefesselt, war die Republik verloren. Das verstanden die Pariser. Vor die Wahl gestellt: ohne Kampf zu unterliegen oder einen furchtbaren Kampf mit unsicherem Ausgang zu riskieren, entschieden sie sich für den Kampf, und ich kann sie dafür nur loben."
Die Expedition nach Rom - das Werk von Cavaignac, Jules Favre und Thiers.
<"Eine Regierung, die alle inneren Vorzüge der republikanischen Regierung mit der äußeren Kraft der monarchischen Regierung verbindet. Ich meine die föderative Republik ... Es ist eine Gesellschaft von Gesellschaften, die eine neue bilden, welche sich durch zahlreiche Genossen vergrößern kann, bis ihre Macht ausreicht für die Sicherheit derer, die sich vereinigt haben. Diese Art Republik ... kann ihre Größe behaupten, ohne im Innern auszuarten. Die Form dieser Gesellschaft beugt allen Nachteilen vor." (Montesquieu, "Esprit des lois", l. IX, ch. I.)
Konstitution von 1793:
§ 78. In jeder Gemeinde der Republik besteht eine Gemeindeverwaltung. In jedem Distrikt eine vermittelnde Verwaltung, in jedem Departement eine Zentralverwaltung. § 79. Die Gemeindebeamten werden von den Gemeindeversammlungen gewählt. § 80. Die Verwaltungsbeamten werden von den Wählerversammlungen des Departements und des Distrikts gewählt. § 81. Die Gemeindevertretungen und die Verwaltungen werden alljährlich zur Hälfte erneuert.
Vollzugsrat. § 62. Besteht aus 24 Mitgliedern. § 63. Die Wählerversammlung eines jeden Departements ernennt einen Kandidaten. Das Corps législatif wählt aus der allgemeinen Liste die Mitglieder des Rats. § 64. Er wird in jeder Legislaturperiode im letzten Monat ihrer Session zur Hälfte erneuert. § 65. Der Rat ist mit der Leitung und Überwachung der allgemeinen Verwaltung beauftragt. § 66. Er ernennt, nicht aus seinen Reihen, die obersten Beamten der allgemeinen Verwaltung der Republik. § 68. Diese Beamten bilden keinen Rat; sie sind getrennt, ohne unmittelbare Beziehungen untereinander; sie üben keinerlei persönliche Macht aus. § 73. Der Rat ruft die Beamten ab und ersetzt sie bei seiner Erneuerung.>
Einerseits aufgestachelt durch Jules Favres Aufruf zum Bürgerkrieg in der Versammlung - er sagte, daß die Preußen mit Eingreifen gedroht hät- |569| ten, wenn die Pariser nicht sofort nachgeben würden - und ermutigt durch die Geduld des Volkes und die passive Haltung des Zentralkomitees ihr gegenüber, entschloß sich die "Ordnungspartei" in Paris zu einem coup de main, der am 22. März unter dem Vorwand einer friedlichen Kundgebung, einer friedlichen Demonstration gegen die revolutionäre Regierung unternommen wurde. Es war eine friedliche Demonstration von sehr eigentümlicher Art.
"Die ganze Bewegung schien eine Überraschung zu sein. Es gab keine Vorbereitungen, um ihr zu begegnen."
"Ein Zug feiner Herren", in ihrer ersten Reihe die Stammgäste des Kaisertums, die Heeckeren, Coëtlogon, Henri de Pène etc. Sie mißhandelten und entwaffneten die als Patrouillen (Posten) aufgestellten Nationalgardisten, die zur place Vendôme Hohen, von wo die Nationalgarden sofort zur rue Neuve des Petits-Champs marschierten. Als sie auf die Aufrührer stießen, bekamen sie Befehl, nicht zu schießen; aber die Aufrührer gehen vor unter dem Ruf: "Nieder mit den Mördern! Nieder mit dem Komitee!", beleidigen die Gardisten, versuchen, ihnen die Gewehre wegzunehmen, schießen mit einem Revolver auf den Bürger Maljournal (lieutenant d'état-major de la place |Leutnant vom Stab der place Vendôme|) <(Mitglied des Zentralkomitees)>. General Bergeret fordert sie auf, sich zurückzuziehen (auseinanderzugehen) (zurückzugehen). Für etwa 5 Minuten werden die Trommeln gerührt und die sommations (entsprechen dem Verlesen der englischen riot acts) wiederholt. Sie antworten mit beleidigendem Geschrei. Zwei Nationalgarden fallen schwer verwundet. In der Zwischenzeit zögern ihre Kameraden und feuern in die Luft. Die Aufrührer versuchen mit Gewalt, die Linien der Föderierten zu durchbrechen und sie zu entwaffnen. Bergeret kommandiert Feuer, und die Feiglinge fliehen. Die émeute ist sofort zerstreut und das Feuer wird eingestellt. Aus Häusern wurde auf die Nationalgarden geschossen. Zwei von ihnen, Wahlin und François, wurden getötet, acht verwundet. Die Straßen, durch die die "Friedlichen" fliehen, sind mit Revolvern und Stockdegen bestreut (von denen viele in der rue de la Paix aufgelesen wurden). Bei dem Vicomte de Molinet, von hinten getötet (von seinen eignen Leuten), wurde ein mit Kette befestigter Dolch gefunden.
Es wurde zum Sammeln geblasen. Eine Anzahl von Stockdegen, Revolvern und Dolchen lag auf den Straßen, die die "unbewaffnete" Demonstration passiert hatte. Revolverschüsse wurden abgegeben, ehe die |570| Insurgenten den Befehl erhielten, auf den Haufen zu feuern. Die Manifestanten waren die Angreifer (General Sheridan als Augenzeuge von einem Fenster aus).
Das war also einfach ein Versuch der Reaktionäre von Paris, mit Revolvern, Stockdegen und Dolchen bewaffnet, das zu schaffen, was Vinoy mit seinen Polizeisergeanten, Soldaten, Kanonen und Mitrailleusen nicht geschafft hatte. Daß die "unteren Klassen" von Paris sich von den "feinen Herren" von Paris nicht einmal entwaffnen ließen, war wirklich ein starkes Stück!
Als am 13. Juni 1849 die Pariser Nationalgarden eine wirklich "unbewaffnete" und "friedliche" Demonstration machten, um gegen ein Verbrechen zu protestieren, nämlich gegen den Angriff französischer Truppen auf Rom, da wurde General Changarnier von seinem Busenfreund Thiers gepriesen, weil er sie niedersäbelte und niederschoß. Der Belagerungszustand wurde erklärt; neue Unterdrückungsgesetze, neue Ächtungen, eine neue Schreckensherrschaft! Im Gegensatz zu alldem hielten sich das Zentralkomitee und die Arbeiter von Paris während des unmittelbaren Zusammenstoßes strikt in der Verteidigung, ließen die Angreifer, die Herren mit den Dolchen, ruhig nach Hause gehen und ermutigten sie durch ihre Nachsicht, dadurch, daß sie sie für dieses vermessene Unternehmen nicht zur Verantwortung zogen, so sehr, daß sie sich zwei Tage später unter Führung des aus Versailles geschickten Admirals Saisset wieder zusammenrotteten und sich wieder in Bürgerkrieg versuchten.
Diese Vendôme-Affäre erregte in Versailles ein Geschrei über die "Ermordung unbewaffneter Bürger", das in der ganzen Welt widerhallte. Bemerkt sei, daß sogar Thiers, während er auf der Ermordung der beiden Generale ewig herumritt, es nicht ein einziges Mal gewagt hat, die Welt an diese "Ermordung unbewaffneter Bürger" zu erinnern.
Wie in mittelalterlichen Zeiten: Der Ritter darf gegen den Plebejer von jeder beliebigen Waffe Gebrauch machen, aber letzterer darf nicht einmal wagen, sich zu verteidigen.
(27. März. Versailles. Thiers:
"Ich wende mich in aller Form gegen diejenigen, die mich beschuldigen, ich sei auf dem Weg zur Errichtung einer Monarchie. Ich habe die Republik als vollendete Tatsache vorgefunden. Vor Gott und den Menschen erkläre ich, daß ich sie nicht verraten werde.")
Auch nach der zweiten Erhebung der Ordnungspartei unternahm das Pariser Volk keinerlei Repressalien. Das Zentralkomitee beging sogar den großen Fehler, daß es entgegen dem Rat seiner energischsten Mitglieder |571| nicht sofort auf Versailles marschierte, wo nach der Flucht des Admirals Saisset und dem blamablen Zusammenbruch der Nationalgarde der Ordnung uneingeschränkte Bestürzung herrschte, weil noch keinerlei Kräfte zum Widerstand organisiert waren.
Nach der Wahl der Kommune versuchte die Ordnungspartei abermals ihre Stärke an der Wahlurne, und als sie wiederum geschlagen wurde, bewerkstelligte sie ihren Auszug aus Paris. Im Verlauf der Wahl Händeschütteln und Verbrüderung der Bourgeois mit den aufständischen Nationalgarden (in den Hofräumen der Mairien), während die Bourgeois untereinander von nichts andrem reden als von "décimation en masse" |"massenweiser Dezimierung"|, Mitrailleusen", "in Cayenne schmoren", Massenerschießungen".
"Die Ausreißer von gestern glauben heute, die Männer vom Stadthaus durch Schmeicheln beruhigen zu können, bis die Krautjunker und bonapartistischen Generale, die sich in Versailles sammeln, in der Lage sein werden, auf sie zu schießen."
Thiers begann den bewaffneten Angriff auf die Nationalgarde zum zweitenmal in [der] Affäre vom 2. April. Gefecht zwischen Courbevoie und Neuilly in der Nähe von Paris. Nationalgarden geschlagen, Brücke von Neuilly von Thiers' Soldaten besetzt. Mehrere Tausend Nationalgarden, die aus Paris herausgekommen sind und Courbevoie, Puteaux und die Brücke von Neuilly besetzt haben, zersprengt. Viele gefangengenommen. Viele der Insurgenten sofort als Rebellen erschossen. Die Versailler Truppen eröffneten das Feuer.
"Die Versailler Regierung hat uns angegriffen. Da sie auf die Armee nicht rechnen kann, hat sie die päpstlichen Zuaven Charettes, die Bretonen Trochus und Valentins Gendarmen geschickt, um Neuilly zu beschießen."
Am 2. April hatte die Versailler Regierung eine Division vorgeschickt, die hauptsächlich aus Gendarmen, Marineinfanterie, Waldhütern und Polizei bestand. Vinoy mit zwei Infanteriebrigaden und Galliffet an der Spitze einer Kavalleriebrigade und mit einer Artilleriebatterie gingen auf Courbevoie vor.
Paris. 4. April. Millière (Erklärung):
" ... das Volk von Paris unternahm keinerlei aggressive Schritte ..., als die Regierung es von den Ex-Soldaten des Kaiserreichs, die unter dem Befehl von Ex-Senatoren als Prätorianergarde organisiert waren, angreifen ließ".
(1) In England gibt man gemeinen Verbrechern nach Verbüßung des größern Teils ihrer Haft häufig Urlaubsscheine, mit denen sie entlassen und unter Polizeiaufsicht gestellt werden. Diese Scheine heißen tickets-of-leave und ihre Inhaber ticket-of-leave-men. [Anmerkung von Engels zur deutschen Ausgabe des "Bürgerkriegs in Frankreich" von 1871.] Textvarianten
{1} In der Handschrift steht über den Worten "forderte zuerst die Provinzen auf": "wandte sich mit einem besorgten Aufruf an die Provinzen, bevor sie von Bismarck eine Armee Gefangener erhalten hatte" <=