Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_tariflicher_Ausschluss_der_ordentlichen_Kuendigung_Moegliechkeit_der_Weiterbeschaeftigung_BAG_2AZR879-07.html
Timestamp: 2018-02-18 04:50:28
Document Index: 296404807

Matched Legal Cases: ['§ 24', '§ 111', '§ 24', '§ 111', '§ 24', '§ 111', '§ 23', '§ 174', '§ 174', '§ 9', '§ 24', '§ 626', '§ 24', '§ 111', '§ 174', '§ 24', '§ 134', '§ 24', '§ 24', '§ 1', '§ 24', '§ 24', '§ 111', '§ 24', '§ 24', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 24', '§ 24', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 24', '§ 25', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 24', '§ 111', '§ 24', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 1', '§ 102', '§ 174', '§ 625', '§ 626', '§ 24', '§ 134', '§ 24', '§ 24', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 55', '§ 2', '§ 55', '§ 2', '§ 2', '§ 111', '§ 2', '§ 2', '§ 55', '§ 2', '§ 55', '§ 2', '§ 2', '§ 55', '§ 2', '§ 55', '§ 2', '§ 2', '§ 111', '§ 626', '§ 24', '§ 9', '§ 13', '§ 626', '§ 9', '§ 13', '§ 9', '§ 13', '§ 9', '§ 9', '§ 24', '§ 9', '§ 174', '§ 97']

Schlag­worte: Kündigung: Ordentlich, Kündigung: Unkündbarkeit, Kündigung: Änderungskündigung, Änderungskündigung
Akten­zeichen: 2 AZR 879/07
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 7.02.2007, 31 Ca 11654/06, WK 31 Ca 508/07
hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 26. März 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Rost, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ey­lert und die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Ber­ger so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Fal­ke und Lücke für Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 9. Au­gust 2007 - 18 Sa 753/07 - wird auf Kos­ten der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten noch über die Wirk­sam­keit ei­ner be­triebs­be­ding­ten or­dent­li­chen, hilfs­wei­se außer­or­dent­li­chen Be­en­di­gungskündi­gung mit Aus­lauf­frist, ei­ner be­triebs­be­ding­ten or­dent­li­chen, hilfs­wei­se außer­or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gung mit Aus­lauf­frist so­wie über ei­nen Auflösungs­an­trag des Ar­beit­ge­bers.
Die 1952 ge­bo­re­ne Kläge­rin war seit dem 1. Au­gust 1971 bei dem be­klag­ten Luft­fahrt­un­ter­neh­men beschäftigt. Zu­letzt war sie als „Hu­man Re­sour­ce (HR) Exe­cu­ti­ve Eu­ro­pe“ für die Per­so­nal­ab­tei­lung im Be­reich „Pay & Re­ward“ in B tätig.
Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­det kraft ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me der Man­tel­ta­rif­ver­trag Nr. 13 für die Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten in Deutsch­land, die vom Ge­halts­ta­rif­ver­trag er­fasst sind, vom 26. No­vem­ber 2003 An­wen­dung (im Fol­gen­den MTV Nr. 13). In dem mit „Or­dent­li­che Kündi­gung“ über­schrie­be­nen § 24 die­ses Ta­rif­ver­trags heißt es un­ter Ziff. 7:
„Nach ei­ner Beschäfti­gungs­zeit von 17 Jah­ren ist die or­dent­li­che Kündi­gung mit der Aus­nah­me ei­ner Ände­rungskündi­gung bis zu ei­ner Her­ab­grup­pie­rung von ma­xi­mal 2 Vergütungs­grup­pen un­ter Wah­rung des Be­sitz­stan­des aus­ge­schlos­sen.
Nach ei­ner Beschäfti­gungs­zeit von 22 und mehr Jah­ren ist die or­dent­li­che Kündi­gung aus­ge­schlos­sen. Dies gilt nicht bei Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des und bei ei­ner Be­triebsände­rung im Sin­ne des § 111 Be­trVG.“
Im Jah­re 1992 ver­leg­te die Be­klag­te die Deutsch­land-Di­rek­ti­on ein­sch­ließlich der Per­so­nal­ab­tei­lung von B nach F. Die Kläge­rin wur­de in B wei­ter­beschäftigt, was in ei­ner Ergänzungs­ver­ein­ba­rung zum Ar­beits­ver­trag nie­der­ge­legt wur­de. Am Stand­ort in B sind noch die Be­rei­che „Cust­o­m­er Ser­vice“, „En­gi­nee­ring“ und „Fracht“ ver­blie­ben. Im Be­reich „Cust­o­m­er Ser­vice“ wa­ren zu­letzt nicht mehr als fünf Mit­ar­bei­ter beschäftigt. Die Be­klag­te rech­net die Kläge­rin die­sem Be­reich zu. In den an­de­ren Be­rei­chen („En­gi­nee­ring“ und „Fracht“) sind wei­te­re Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten beschäftigt; strei­tig ist, ob es sich bei den ein­zel­nen Be­rei­chen um ei­genständi­ge Be­trie­be han­delt.
In B be­steht ein Be­triebs­rat. Auf­grund ab­ge­sun­ke­ner Ar­beit­neh­mer­zah­len fand im Jahr 2004 ei­ne Be­triebs­rats­wahl außer­halb des re­gelmäßigen Tur­nus­ses statt. Die re­gelmäßige Be­triebs­rats­wahl 2006 wur­de am 15. Ju­ni 2006 durch­geführt. In ei­nem von der Be­klag­ten ein­ge­lei­te­ten Wahl­an­fech­tungs­ver­fah­ren, mit dem sie die Nich­tig­keit der Wahl gel­tend ge­macht hat­te, verständig­ten sich die Par­tei­en auf die Durchführung ei­ner Neu­wahl und das Ver­blei­ben des gewähl­ten Be­triebs­rats bis zur Be­kannt­ga­be des Wahl­er­geb­nis­ses im Amt. Im Sep­tem­ber 2006 wur­de neu gewählt.
Am 5. Mai 2006 ver­sand­te die Be­klag­te mit ei­ner E-Mail die zukünf­ti­ge Or­ga­ni­sa­ti­on der Per­so­nal­ab­tei­lung.
Mit Schrei­ben vom 14. Ju­ni 2006 kündig­te sie der Kläge­rin or­dent­lich be­triebs­be­dingt zum 31. De­zem­ber 2006, hilfs­wei­se außer­or­dent­lich mit ent­spre­chen­der Aus­lauf­frist. Zur Be­gründung ver­wies sie auf die Zen­tra­li­sie­rung des Be­reichs „Pay & Re­ward“, der kom­plet­ten Um­or­ga­ni­sa­ti­on des Be­reichs „Hu­man Re­sour­ce“ und ei­ner Ver­la­ge­rung der Auf­ga­ben der Kläge­rin nach L. Un­strei­tig gab es zu die­ser Zeit ne­ben der in L zu be­set­zen­den Stel­le für die ver­la­ger­te Auf­ga­be auch in F freie Stel­len bei der Be­klag­ten, bei­spiels­wei­se als „In­dus­tri­al Re­la­ti­ons (IR) Exe­cu­ti­ve“. Der Be­triebs­rat wur­de vor Aus­spruch der Kündi­gung nicht an­gehört. Die Kläge­rin wies die von Frau V mit dem Zu­satz „HR Ma­na­ger Cen­tral Eu­ro­pe“ un­ter­zeich­ne­te Kündi­gung we­gen ei­ner feh­len­den Beifügung ei­ner Voll­macht zurück.
Mit Schrei­ben vom 29. Ju­ni 2006 kündig­te die Be­klag­te nach Anhörung des Be­triebs­rats B das Ar­beits­verhält­nis vor­sorg­lich or­dent­lich be­triebs­be­dingt zum 31. De­zem­ber 2006, hilfs­wei­se außer­or­dent­lich mit ent­spre­chen­der Aus­lauf­frist und bot der Kläge­rin ei­ne Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses als „IR Exe­cu­ti­ve“ am Stand­ort F bei im Übri­gen un­veränder­ten Be­din­gun­gen an. Dem wie­der­um von Frau V mit dem Zu­satz „HR Ma­na­ger Cen­tral Eu­ro­pe“ un­ter­zeich­ne­ten Kündi­gungs­schrei­ben war ei­ne Voll­macht bei­gefügt. Die Kläge­rin wies das Kündi­gungs­schrei­ben er­neut mit Schrei­ben vom 4. Ju­li 2006 we­gen der feh­len­den Vor­la­ge der Voll­macht des die Be­vollmäch­ti­gung un­ter­zeich­nen­den Herrn G zurück. Sie nahm aber das Ände­rungs­an­ge­bot un­ter Vor­be­halt an.
Die Kläge­rin hat - so­weit für die Re­vi­si­ons­in­stanz noch von In­ter­es­se - so­wohl ge­gen die Be­en­di­gungs- als auch ge­gen die Ände­rungskündi­gun­gen Kla­ge er­ho­ben. Sie ver­tritt die Auf­fas­sung, die or­dent­li­chen Kündi­gun­gen sei­en be­reits auf­grund ih­rer ta­rif­li­chen Unkünd­bar­keit un­wirk­sam. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne aus­nahms­wei­se mögli­che or­dent­li­che Kündi­gung nach § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13 sei­en nicht erfüllt. We­der lie­ge ei­ne Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG vor, noch ge­be es ei­nen wich­ti­gen Grund. Die or­dent­li­chen Kündi­gun­gen sei­en so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt. Das Kündi­gungs­schutz­ge­setz fin­de An­wen­dung; die in B ver­blie­be­nen Be­rei­che bil­de­ten ei­nen ein­heit­li­chen Be­trieb mit mehr als zehn Mit­ar­bei­tern. Die Be­en­di­gungskündi­gun­gen sei­en auf­grund der Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten auf frei­en Ar­beitsplätzen in L und F un­wirk­sam. Auch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung mit Aus­lauf­frist sei an­ge­sichts der ta­rif­li­chen Re­ge­lung un­zulässig. Es ge­be kei­nen wich­ti­gen Grund. Den Ände­rungskündi­gun­gen er­man­ge­le es an ei­nem drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis. Die Auf­ga­ben der Kläge­rin er­for­der­ten kei­ne An­we­sen­heit an ei­nem be­stimm­ten Ar­beits­ort. Sie könne ih­re Ar­beit trotz der be­haup­te­ten Um­or­ga­ni­sa­ti­on nach wie vor von B aus er­le­di­gen. Zu den Kündi­gun­gen vom 14. Ju­ni 2006 sei der Be­triebs­rat nicht und zu de­nen vom 29. Ju­ni 2006 nicht ord­nungs­gemäß an­gehört wor­den. Ein ord­nungs­gemäß gewähl­ter Be­triebs­rat ha­be sich im Amt be­fun­den, am 14. Ju­ni 2006 noch der 2004 gewähl­te und am 29. Ju­ni 2006 der neu gewähl­te Be­triebs­rat. Auf ei­ne Nich­tig­keit der Wahl
könne sich die Be­klag­te auf­grund der Ei­ni­gung im Wahl­an­fech­tungs­ver­fah­ren nicht be­ru­fen.
Die Kläge­rin hat zu­letzt - so­weit für die Re­vi­si­ons­in­stanz noch von In­ter­es­se - be­an­tragt
fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin zu der Be­klag­ten we­der durch die or­dent­li­che Kündi­gung vom 14. Ju­ni 2006 noch durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 14. Ju­ni 2006 auf­gelöst wor­den ist, son­dern un­gekündigt über den 31. De­zem­ber 2006 hin­aus fort­be­steht;
fest­zu­stel­len, dass so­wohl die mit or­dent­li­cher Ände­rungskündi­gung vom 29. Ju­ni 2006 als auch die mit außer­or­dent­li­cher Ände­rungskündi­gung vom 29. Ju­ni 2006 durch die Be­klag­te aus­ge­spro­che­ne Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt ist oder aus an­de­ren Gründen rechts­un­wirk­sam ist.
die Kla­ge ab­zu­wei­sen;
hilfs­wei­se das Ar­beits­verhält­nis ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung auf­zulösen.
Die Be­klag­te ist der Auf­fas­sung, die Kündi­gun­gen sei­en wirk­sam. Die or­dent­li­chen Kündi­gun­gen sei­en auf­grund des Aus­nah­me­tat­be­stands des § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13 zulässig. Mit der For­mu­lie­rung hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en deut­lich zum Aus­druck ge­bracht, dass ta­rif­lich or­dent­lich unkünd­ba­re Ar­beit­neh­mer bei be­triebsändern­den Maßnah­men noch or­dent­lich künd­bar sei­en. Die kom­plet­te Um­or­ga­ni­sa­ti­on des Be­reichs „Hu­man Re­sour­ce“ sei ei­ne Be­triebsände­rung iSd. § 111 Satz 3 Ziff. 4 1. Alt. Be­trVG. Die geänder­te Struk­tur do­ku­men­tie­re die E-Mail vom 5. Ju­ni 2006. Die Kläge­rin ge­nieße kei­nen Kündi­gungs­schutz, ihr Be­trieb „Cust­o­m­er Ser­vice“ er­rei­che den Schwel­len­wert nicht. Die drei in B ver­blie­be­nen Be­rei­che sei­en je­weils ei­gen-ständi­ge Be­trie­be iSd. § 23 Abs. 1 KSchG. Im Übri­gen sei die or­dent­li­che Be­en­di­gungskündi­gung so­zi­al ge­recht­fer­tigt. Auf­grund der un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung, den Be­reich „Pay & Re­ward“ in L zu zen­tra­li­sie­ren und die Tätig­kei­ten der Kläge­rin dort­hin zu ver­la­gern, sei der Ar­beits­platz der Kläge­rin in B weg­ge­fal­len. Die Kündi­gung sei auch verhält­nismäßig. Die Kläge­rin ha­be
sich vor Aus­spruch der Be­en­di­gungskündi­gung auch nicht auf freie Stel­len be­wor­ben, son­dern viel­mehr klar si­gna­li­siert, ei­ne dau­er­haf­te Tätig­keit in L oder F kom­me für sie nicht in Be­tracht. Je­den­falls sei­en die vor­sorg­li­che or­dent­li­che Ände­rungskündi­gung so­zi­al ge­recht­fer­tigt bzw. die hilfs­wei­sen außer­or­dent­li­chen Kündi­gun­gen mit Aus­lauf­frist wirk­sam. Die drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­se be­gründe­ten auch ei­nen wich­ti­gen Kündi­gungs­grund. Ei­ner Anhörung des Be­triebs­rats ha­be es nicht be­durft. Bei Aus­spruch der Be­en­di­gungskündi­gun­gen ha­be sich auf­grund des Ab­laufs der Amts­zeit, bei Aus­spruch der Ände­rungskündi­gun­gen auf­grund der Nich­tig­keit der Wahl kein Be­triebs­rat mehr im Amt be­fun­den. Die Zurück­wei­sung der Kündi­gun­gen nach § 174 Satz 1 BGB sei un­be­rech­tigt. Der Kläge­rin sei be­kannt ge­we­sen, dass Frau V Per­so­nal­lei­te­rin für Zen­tral­eu­ro­pa sei. Hilfs­wei­se wer­de die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­langt. Die Kläge­rin ha­be sich wi­der bes­se­ren Wis­sens auf § 174 Satz 1 BGB be­ru­fen.
Die Kläge­rin hat die Zurück­wei­sung des Auflösungs­an­trags be­an­tragt.
Gründe für ei­ne Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses nach § 9 Abs. 1 Satz 2 KSchG sei­en nicht ge­ge­ben.
Das Ar­beits­ge­richt hat - so­weit in der Re­vi­si­ons­in­stanz noch von In­ter­es­se - den ge­gen die Be­en­di­gungskündi­gun­gen vom 14. Ju­ni 2006 und den ge­gen die Ände­rungskündi­gun­gen vom 29. Ju­ni 2006 ge­rich­te­ten Kündi­gungs­schutz­anträgen statt­ge­ge­ben und den Auflösungs­an­trag der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit der für die Be­klag­te zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on er­strebt sie wei­ter­hin die Ab­wei­sung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge, hilfs­wei­se die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Die or­dent­li­chen Be­en­di­gungs- und Ände­rungskündi­gun­gen sind gemäß § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13 un­wirk­sam.
Auch die hilfs­wei­sen außer­or­dent­li­chen Kündi­gun­gen mit Aus­lauf­frist sind un­wirk­sam, weil kein wich­ti­ger Grund iSd. § 626 Abs. 1 BGB vor­liegt. Sch­ließlich war das Ar­beits­verhält­nis auch nicht auf den hilfs­wei­se von der Be­klag­ten ge­stell­ten Auflösungs­an­trag auf­zulösen.
A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet: Die or­dent­li­che Be­en­di­gungskündi­gung sei un­wirk­sam, sie sei so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt. Das Kündi­gungs­schutz­ge­setz fin­de An­wen­dung, weil die Be­klag­te in B mehr als fünf Ar­beit­neh­mer in ei­nem ein­heit­li­chen Be­trieb beschäfti­ge. Die or­dent­li­che Be­en­di­gungskündi­gung sei un­verhält­nismäßig, die Be­klag­te ha­be der Kläge­rin die frei­en Ar­beitsplätze in L und F nicht vor­ran­gig an­ge­bo­ten. Auch ha­be die Kläge­rin vor Aus­spruch der Be­en­di­gungskündi­gung nicht un­miss­verständ­lich zu er­ken­nen ge­ge­ben, sie sei un­ter kei­nen Umständen - auch nicht un­ter dem Vor­be­halt der so­zia­len Recht­fer­ti­gung - be­reit, zu geänder­ten Be­din­gun­gen zu ar­bei­ten. Des­halb sei auch die hilfs­wei­se außer­or­dent­li­che Be­en­di­gungskündi­gung mit Aus­lauf­frist un­wirk­sam. Die or­dent­li­che Ände­rungskündi­gung sei un­wirk­sam, weil sie ta­rif­lich aus­ge­schlos­sen sei. Die Vor­aus­set­zun­gen des ta­rif­lich ge­re­gel­ten Aus­nah­me­tat­be­stands (§ 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13) sei­en nicht ge­ge­ben. Die Be­klag­te ha­be die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG we­gen ei­ner grund­le­gen­den Ände­rung der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on nicht hin­rei­chend dar­ge­legt. Ein wich­ti­ger Grund sei nicht er­kenn­bar. Ei­ne be­triebs­be­ding­te Ände­rungskündi­gung aus wich­ti­gem Grund sei nur un­ter verschärf­ten An­for­de­run­gen möglich, die die Be­klag­te nicht dar­ge­legt ha­be. Es feh­le schon an der Dar­le­gung ei­nes schlüssi­gen un­ter­neh­me­ri­schen Kon­zepts. Auch die außer­or­dent­li­che Ände­rungskündi­gung mit Aus­lauf­frist sei un­verhält­nismäßig. Der Ta­rif­ver­trag las­se zwar ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung aus wich­ti­gem Grund zu, dar­an feh­le es aber im Ent­schei­dungs­fall. Der Auflösungs­an­trag sei er­folg­los. Es lie­ge kein Auflösungs­grund vor. Mit der Zurück­wei­sung nach § 174 BGB ha­be die Kläge­rin le­dig­lich von ei­nem ihr zu­ste­hen­den Recht Ge­brauch ge­macht. Im Übri­gen sei nicht er­kenn­bar, wie sich die­ses Ver­hal­ten auf die wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit ne­ga­tiv aus­wir­ken sol­le.
B. Dem folgt der Se­nat im Er­geb­nis und auch teil­wei­se in der Be­gründung.
I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Recht sämt­li­che streit­ge­genständ­li­chen Kündi­gun­gen für un­wirk­sam an­ge­se­hen.
1. Die or­dent­li­che Be­en­di­gungskündi­gung vom 14. Ju­ni 2006 zum 31. De­zem­ber 2006 ist schon we­gen Ver­s­toßes ge­gen das ta­rif­li­che Kündi­gungs­ver­bot des § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13 nich­tig (§ 134 BGB). Nach § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13 ist der Aus­spruch ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung ge­genüber der Kläge­rin aus­ge­schlos­sen. Die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner aus­nahms­wei­se zulässi­gen or­dent­li­chen Kündi­gung nach § 24 Ziff. 7 Un­terabs. 2 Satz 2 MTV Nr. 13 lie­gen nicht vor.
Es kann des­halb da­hin­ge­stellt blei­ben, ob das Kündi­gungs­schutz­ge­setz über­haupt auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en auf­grund der Größe des B Be­triebs der Be­klag­ten An­wen­dung fin­det und ob die­se Kündi­gung auch iSd. § 1 KSchG so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt wäre.
a) Die or­dent­li­che Kündi­gung der Kläge­rin, die mehr als 22 Jah­re bei der Be­klag­ten beschäftigt ist, ist auf­grund des kraft ar­beits­ver­trag­li­cher In­be­zug­nah­me an­wend­ba­ren § 24 Ziff. 7 Un­terabs. 2 Satz 1 MTV Nr. 13 aus­ge­schlos­sen.
b) Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne gleich­wohl aus­nahms­wei­se Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung nach § 24 Ziff. 7 Un­terabs. 2 Satz 2 MTV Nr. 13 sind nicht erfüllt.
aa) Es kann da­hin­ste­hen, ob bei­de Vor­aus­set­zun­gen der Ta­rif­norm („wich­ti­ger Grund“ und „Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG“) ku­mu­la­tiv vor­lie­gen müssen. Selbst wenn nur ei­ne der bei­den Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sein muss, um ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung zu ermögli­chen, wäre die­se im Ent­schei­dungs­fall nicht wirk­sam, weil kei­ne der bei­den Vor­aus­set­zun­gen ge­ge­ben ist.
bb) Es liegt kein wich­ti­ger Grund iSd. § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13 vor. Ei­ne Be­en­di­gungskündi­gung ist schon we­gen der vor­ran­gi­gen Möglich­keit ei­ner Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen un­verhält­nismäßig.
(1) Der in § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13 ent­hal­te­ne und in­halts­gleich in § 626 Abs. 1 BGB ver­wand­te Rechts­be­griff des wich­ti­gen Grun­des ist ein un­be­stimm­ter Rechts­be­griff. Sei­ne An­wen­dung durch die Tat­sa­chen­ge­rich­te kann im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren nur dar­auf­hin über­prüft wer­den, ob das Be­ru­fungs­ge­richt den Rechts­be­griff selbst ver­kannt hat, ob es bei der Un­ter­ord­nung des Sach­ver­halts un­ter die­se Rechts­norm Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Er­fah­rungssätze ver­letzt hat und ob es al­le vernünf­ti­ger­wei­se in Be­tracht kom­men­den Umstände, die für oder ge­gen die außer­or­dent­li­che Kündi­gung spre­chen, wi­der­spruchs­frei be­ach­tet hat (st. Rspr., vgl. et­wa Se­nat 29. No­vem­ber 2007 - 2 AZR 724/06 - mwN, AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 40 = EzA BGB 2002 § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 5).
Ge­mes­sen dar­an fehlt es hier an ei­nem wich­ti­gen Grund für ei­ne or­dent­li­che Be­en­di­gungskündi­gung iSd. § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13. Die Erwägun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts zur Un­verhält­nismäßig­keit im Rah­men der man­geln­den so­zia­len Recht­fer­ti­gung zur or­dent­li­chen und hilfs­wei­sen außer­or­dent­li­chen Kündi­gung mit Aus­lauf­frist gel­ten hier ent­spre­chend. Zum Zeit­punkt der Kündi­gung wa­ren nämlich un­strei­tig Ar­beitsplätze bei der Be-klag­ten in F und L frei, die der Kläge­rin an­zu­bie­ten ge­we­sen wären.
(2) Was un­ter ei­nem wich­ti­gen Grund iSd. § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13 zu ver­ste­hen ist, rich­tet sich nach den all­ge­mei­nen Grundsätzen zur Be­stim­mung ei­nes wich­ti­gen Grun­des nach § 626 Abs. 1 BGB.
(a) Ver­wen­det ein Ta­rif­ver­trag den Be­griff des wich­ti­gen Grun­des, ist grundsätz­lich da­von aus­zu­ge­hen, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die­sen iSd. § 626 Abs. 1 BGB ge­braucht ha­ben und nicht an­ders ver­stan­den wis­sen wol­len (st. Rspr., vgl. et­wa Se­nat 27. No­vem­ber 2003 - 2 AZR 601/02 - AP BGB § 626 Krank­heit Nr. 11 = EzA BGB 2002 § 626 Krank­heit Nr. 1; 10. Ok­to­ber 2002 - 2 AZR 418/01 - EzA BGB 2002 § 626 Unkünd­bar­keit Nr. 1).
(b) Dies gilt auch im Ent­schei­dungs­fall. Zwar ist die Ver­wen­dung des Be­griffs des wich­ti­gen Grun­des in § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13 als Vor­aus­set­zung für ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung eher un­gewöhn­lich. Der wich­ti­ge Grund ist re­gelmäßig Vor­aus­set­zung für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung. Al­ler­dings ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auch ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung „aus wich­ti­gem Grund frist­los“ in § 25 MTV Nr. 13 ge­re­gelt. Es kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en den Be­griff in zwei un­mit­tel­bar auf­ein­an­der­fol­gen­den Vor­schrif­ten zur sel­ben Re­ge­lungs­ma­te­rie un­ein­heit­lich ver­wen­det ha­ben und ver­wen­den woll­ten. Viel­mehr spricht al­les dafür, dass sie ei­ne or­dent­li­che Be­en­di­gungskündi­gung ei­nes langjähri­gen Ar­beits­verhält­nis­ses aus be­triebs­be­ding­ten Gründen nur aus­nahms­wei­se ermögli­chen und des­halb die An­for­de­run­gen an den Kündi­gungs­grund mit der For­mu­lie­rung des wich­ti­gen Grun­des verschärfen woll­ten.
(3) Ein wich­ti­ger Grund für ei­ne or­dent­li­che Be­en­di­gungskündi­gung in die­sem Sin­ne liegt aber schon dann nicht vor, wenn die Möglich­keit be­steht, den Ar­beit­neh­mer auf ei­nem an­de­ren frei­en Ar­beits­platz - ggf. zu geänder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen - wei­ter­zu­beschäfti­gen. Sol­che Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten hat der Ar­beit­ge­ber von sich aus an­zu­bie­ten. Das An­ge­bot kann le­dig­lich in sog. Ex­tremfällen un­ter­blei­ben. Macht der Ar­beit­ge­ber vor Aus­spruch ei­ner Kündi­gung dem Ar­beit­neh­mer das An­ge­bot, den Ver­trag den noch be­ste­hen­den Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten an­zu­pas­sen, und lehnt der Ar­beit­neh­mer die­ses An­ge­bot ab, so ist der Ar­beit­ge­ber den­noch re­gelmäßig nach dem Verhält­nismäßig­keits­grund­satz ver­pflich­tet, ei­ne Ände­rungskündi­gung aus­zu­spre­chen. Ei­ne Be­en­di­gungskündi­gung ist nur in dem Aus­nah­me­fall zulässig, in dem der Ar­beit­neh­mer un­miss­verständ­lich zum Aus­druck ge­bracht hat, er wer­de die geänder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen in kei­nem Fall - auch nicht bei Aus­spruch ei­ner Ände­rungskündi­gung und auch nicht un­ter dem Vor­be­halt ih­rer so­zia­len Recht­fer­ti­gung - an­neh­men. Der Ar­beit­ge­ber trägt im Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für das dem Ar­beit­neh­mer un­ter­brei­te­te Ände­rungs­an­ge­bot, das sich als die letz­te Al­ter­na­ti­ve für ei­ne Fortführung des Ar­beits­verhält­nis­ses dar­stel­len muss, und die de­fi­ni­ti­ve und endgülti­ge Ab­leh­nung durch den ta­rif­lich be­son­ders geschütz­ten
Ar­beit­neh­mer (vgl. für die Prüfung im Rah­men des § 1 KSchG: Se­nat 21. April 2005 - 2 AZR 132/04 - BA­GE 114, 243; 21. April 2005 - 2 AZR 244/04 - AP KSchG 1969 § 2 Nr. 80 = EzA KSchG § 2 Nr. 52).
(4) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend an­ge­nom­men, dass die Be­klag­te der Kläge­rin ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung auf frei­en Ar­beitsplätzen in F und L nicht an­ge­bo­ten hat. Ins­be­son­de­re ist ein kon­kre­tes Ände­rungs­an­ge­bot an die Kläge­rin mit dem Hin­weis der „letz­ten Al­ter­na­ti­ve“ vor Aus­spruch der Be­en­di­gungskündi­gung nicht er­folgt. Dass freie Stel­len zur Be­wer­bung aus-ge­schrie­ben wa­ren, reicht in­so­weit nicht aus. Er­for­der­lich ist ein an den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ge­rich­te­tes kon­kre­tes Ver­trags­an­ge­bot. Hier­zu fehlt jeg­li­cher Vor­trag der Be­klag­ten. Auch kann - wor­auf die Vor­in­stanz eben­falls zu Recht hin­ge­wie­sen hat - auf­grund des fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts nicht von ei­ner endgülti­gen und vor­be­halt­lo­sen Ab­leh­nung ei­ner sol­chen Wei­ter­beschäfti­gung durch die Kläge­rin aus­ge­gan­gen wer­den. Der pau­scha­le Vor­trag der Be­klag­te, die Kläge­rin ha­be klar si­gna­li­siert, ei­ne dau­er­haf­te Tätig­keit in L oder F kom­me für sie nicht in Be­tracht, ist in­so­weit un­zu­rei­chend. Es ist we­der vor­ge­tra­gen noch er­sicht­lich, dass die Kläge­rin ein ent­spre­chen­des kon­kre­tes An­ge­bot nicht ein­mal un­ter dem Vor­be­halt der so­zia­len Recht­fer­ti­gung an­ge­nom­men hätte. Dies gilt um­so mehr, als sie bei der nach­ge­scho­be­nen Ände­rungskündi­gung ge­ra­de ei­ne sol­che An­nah­me un­ter Vor­be­halt erklärt hat. Dass die Kläge­rin das An­ge­bot für un­zu­mut­bar hält, ist da­bei un­er­heb­lich. Ein wich­ti­ger Grund iSd. § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13 ist dem­ent­spre­chend nicht er­kenn­bar.
cc) Es liegt auch kei­ne Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG und § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13 vor. Die im Rah­men der or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gung er­folg­te Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die Be­klag­te ha­be ei­ne sol­che Be­triebsände­rung nicht aus­rei­chend dar­ge­legt, hält ei­ner re­vi­si­ons­recht­li­chen Prüfung stand.
(1) Nach § 111 Satz 3 Ziff. 4 Be­trVG - auf die sich die Be­klag­te aus­sch­ließlich be­ruft - gel­ten als Be­triebsände­run­gen iSd. § 111 Be­trVG grund­le­gen­de
Ände­run­gen der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on, des Be­triebs­zwecks oder der Be­triebs­an­la­gen.
(a) Für das Vor­lie­gen ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts nach § 111 Be­trVG kommt es zwar auf die Un­ter­neh­mens­größe an. Im Rah­men der Be­triebsände­rungs­tat­bestände des Sat­zes 3 der Norm ist aber wei­ter­hin der Be­triebs­be­griff (im be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Sin­ne) maßgeb­lich (vgl. Fit­ting 24. Aufl. § 111 Rn. 63 f.). Vorgänge, die sich aus­sch­ließlich auf Un­ter­neh­mens­ebe­ne ab­spie­len, stel­len kei­ne Be­triebsände­rung im Sin­ne des § 111 Be­trVG dar. Al­ler­dings können Ände­run­gen auf Un­ter­neh­mens­ebe­ne mit Ände­run­gen der be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on zu­sam­men­tref­fen (vgl. Fit­ting 24. Aufl. § 111 Rn. 56, 59).
(b) Ei­ne Ände­rung der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on nach § 111 Satz 3 Ziff. 4 1. Alt. Be­trVG liegt vor, wenn der Be­triebs­auf­bau, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich Zuständig­kei­ten und Ver­ant­wor­tung, um­ge­wan­delt wird. Grund­le­gend ist die Ände­rung, wenn sie sich auf den Be­triebs­ab­lauf in er­heb­li­cher Wei­se aus­wirkt. Maßgeb­lich dafür ist der Grad der Verände­rung (BAG 18. März 2008 - 1 ABR 77/06 - AP Be­trVG 1972 § 111 Nr. 66 = EzA Be­trVG 2001 § 111 Nr. 5; 18. No­vem­ber 2003 - 1 AZR 637/02 - BA­GE 108, 311, 314). Es kommt ent­schei­dend dar­auf an, ob die Ände­rung ein­schnei­den­de Aus­wir­kun­gen auf den Be­triebs­ab­lauf, die Ar­beits­wei­se oder die Ar­beits­be­din­gun­gen der Ar­beit­neh­mer hat. Die Ände­rung muss in ih­rer Ge­samt­schau von er­heb­li­cher Be­deu­tung für den ge­sam­ten Be­triebs­ab­lauf sein. Nur dann ist die mit § 111 Satz 3 Ziff. 4 1. Alt. Be­trVG ver­bun­de­ne Fik­ti­on ge­recht­fer­tigt, die Maßnah­me iSv. § 111 Satz 1 Be­trVG zie­he we­sent­li­che Nach­tei­le für die Be­leg­schaft oder er­heb­li­che Tei­le nach sich (BAG 18. März 2008 - 1 ABR 77/06 - aaO).
(2) Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ses Rah­mens hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu Recht an­ge­nom­men, die Be­klag­te ha­be ei­ne Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG nicht aus­rei­chend dar­ge­legt.
(a) Be­ruft sich der Ar­beit­ge­ber auf ei­ne ta­rif­lich aus­nahms­wei­se mögli­che or­dent­li­che Kündi­gung ei­nes an sich ta­rif­lich or­dent­lich unkünd­ba­ren Ar­beit-
neh­mers, die ei­ne Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG vor­aus­setzt, muss er de­ren Vor­aus­set­zun­gen dar­le­gen und ggf. be­wei­sen.
(b) Im Ent­schei­dungs­fall fehlt es be­reits an ei­nem hin­rei­chen­den Vor­trag der Be­klag­ten in­wie­weit „ein Be­trieb“ im be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Sin­ne von den Ände­run­gen be­trof­fen ist. Ihr Vor­trag be­schränkt sich al­lein auf die Be­haup­tung ei­ner eu­ro­pa­wei­ten Re­or­ga­ni­sa­ti­on des Be­reichs „Hu­man Re­sour­ce“. Da­mit be­zieht sie sich al­lein auf das Un­ter­neh­men, nicht aber auf den im Rah­men des § 111 Satz 3 Be­trVG maßgeb­li­chen Be­trieb. Wenn die Be­klag­te da­von aus­geht, der Be­reich „Cust­o­m­er Ser­vice“ bil­de ei­nen ei­genständi­gen Be­trieb, hätte sie näher zu ei­ner grund­le­gen­den Ände­rung die­ser be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on vor­tra­gen müssen, ins­be­son­de­re wel­che Ände­run­gen auf Un­ter­neh­mens­ebe­ne mit ei­ner grund­le­gen­den Ände­rung der Or­ga­ni­sa­ti­on die­ses Be­reichs ein­her­ge­hen bzw. ein­her­ge­gan­gen sind. Das ist un­ter­blie­ben.
(c) Zu­dem fehlt es vor al­lem an ei­nem sub­stan­zi­ier­ten Sach­vor­trag der Be­klag­ten, der er­ken­nen ließe, wel­che grund­le­gen­de Or­ga­ni­sa­ti­onsände­rung, gleich auf wel­cher Ebe­ne, er­folgt ist. Aus der E-Mail vom 5. Mai 2006, auf die die Be­klag­te in ers­ter Li­nie Be­zug nimmt, er­gibt sich ei­ne sol­che nicht hin­rei­chend. Die ein­zi­ge Ände­rung der Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren, die man der E-Mail und dem Sach­vor­trag der Be­klag­ten ent­neh­men kann, ist die Zen­tra­li­sie­rung der Ak­ti­vitäten im Be­reich „Pay and Re­ward, Peop­le Sys­tems and Com­mu­ni­ca­ti­ons ac­tivi­ties“ in L (un­ter Weg­fall die­ser Ak­ti­vitäten außer­halb von L). Zu Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt in die­sem Zu­sam­men­hang dar­auf hin­ge­wie­sen, es sei da­mit aber nicht hin­rei­chend dar­ge­tan wor­den, wes­halb die­se Ände­rung „grund­le­gend“ sein soll. Die pau­scha­le Be­haup­tung der Be­klag­ten, die Ände­rung sei grund­le­gend, weil eu­ro­pa­weit der ge­sam­te Be­reich „Hu­man Re­sour­ce“ be­trof­fen sei, reicht hier­zu nicht aus. Die Be­klag­te hätte viel­mehr dar­le­gen müssen, ob und in­wie­weit die Zen­tra­li­sie­rung der Ak­ti­vitäten in L ein­schnei­den­de Aus­wir­kun­gen auf den Be­triebs­ab­lauf, die Ar­beits­wei­se oder die Ar­beits­be­din­gun­gen der Ar­beit­neh­mer in dem hier in Re­de ste­hen­den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Sin­ne hat und ob und in-
wie­weit die­se in ih­rer Ge­samt­schau von er­heb­li­cher Be­deu­tung für den ge­sam­ten Be­triebs­ab­lauf sind. Dar­an fehlt es.
(d) Auch sons­ti­ge Ände­run­gen der Or­ga­ni­sa­ti­on sind dem Sach­vor­trag und der E-Mail der Be­klag­ten nicht mit der er­for­der­li­chen Deut­lich­keit zu ent­neh­men. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Recht dar­auf ver­wie­sen, es sei nicht er­kenn­bar, ob wei­te­re Or­ga­ni­sa­ti­onsände­run­gen oder nur per­so­nel­le Verände­run­gen statt­ge­fun­den hätten. Über die Zen­tra­li­sie­rung der ge­nann­ten Ak­ti­vitäten in L hin­aus­ge­hen­de Or­ga­ni­sa­ti­onsände­run­gen hat die Be­klag­te zwar pau­schal be­haup­tet („kom­plet­te Re­or­ga­ni­sa­ti­on des Be­reichs ‚Hu­man Re­sour­ce’“), oh­ne ih­ren Vor­trag je­doch näher zu kon­kre­ti­sie­ren und zu sub­stan­zi­ie­ren. Erst recht ist nicht er­kenn­bar, in­wie­weit sons­ti­ge Ände­run­gen „grund­le­gend“ iSd. § 111 Satz 3 Ziff. 4 Be­trVG sein sol­len. Da­mit ist die Be­klag­te ih­rer Dar­le­gungs­last nicht nach­ge­kom­men.
Im Übri­gen scheint auch die Be­klag­te zunächst selbst nicht von ei­ner Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG aus­ge­gan­gen zu sein, hat sie doch den Be­triebs­rat un­strei­tig nicht nach § 111 Satz 1 Be­trVG be­tei­ligt.
c) Da die Kündi­gung vom 14. Ju­ni 2006 be­reits we­gen Ver­s­toßes ge­gen das ta­rif­li­che Kündi­gungs­ver­bot un­wirk­sam ist, kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob sie darüber hin­aus noch aus wei­te­ren von der Kläge­rin vor­ge­brach­ten Gründen (§ 1 Abs. 2 KSchG, § 102 Abs. 1 Be­trVG, § 174 BGB, § 625 BGB), mit de­nen sich das Lan­des­ar­beits­ge­richt nur zum Teil aus­ein­an­der­ge­setzt hat, un­wirk­sam ist.
2. Die hilfs­wei­se erklärte außer­or­dent­li­che Be­en­di­gungskündi­gung vom 14. Ju­ni 2006 mit Aus­lauf­frist zum 31. De­zem­ber 2006 ist gleich­falls rechts­un­wirk­sam.
Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob für ei­ne außer­or­dent­li­che be­triebs­be­ding­te Kündi­gung mit Aus­lauf­frist in An­be­tracht des ta­rif­li­chen Son­derkündi­gungs­schut­zes mit Aus­nah­me­re­ge­lung über­haupt noch Raum ist.
Die außer­or­dent­li­che Kündi­gung mit Aus­lauf­frist ist nämlich schon des­halb un­wirk­sam, weil sie un­verhält­nismäßig ist. Auch ihr fehlt es an ei­nem
wich­ti­gen Grund iSd. § 626 Abs. 1 BGB (vgl. die Ausführun­gen zu B I 1 b bb der Gründe).
3. Die or­dent­li­che Ände­rungskündi­gung vom 29. Ju­ni 2006 zum 31. De­zem­ber 2006 ist we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13 iVm. § 134 BGB nich­tig.
Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne aus­nahms­wei­se zulässi­ge or­dent­li­che Kündi­gung gemäß § 24 Ziff. 7 Un­terabs. 2 Satz 2 MTV Nr. 13 lie­gen auch in­so­weit nicht vor.
a) Die An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die Be­klag­te ha­be die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des iSd. § 24 Ziff. 7 Un­terabs. 2 Satz 2 MTV Nr. 13 nicht aus­rei­chend dar­ge­legt, ist nicht zu be­an­stan­den.
aa) Es ist zwar nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, dass auch be­trieb­li­che Gründe ei­nen wich­ti­gen Grund für ei­ne sol­che Ände­rungskündi­gung dar­stel­len können. Die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner sol­chen Kündi­gung aus wich­ti­gem Grund ge­hen aber über die An­for­de­run­gen an ei­nen be­triebs­be­ding­ten Grund iSd. §§ 1, 2 Satz 1 KSchG deut­lich hin­aus (vgl. Se­nat 2. März 2006 - 2 AZR 64/05 - AP KSchG 1969 § 2 Nr. 84 = EzA KSchG § 2 Nr. 58).
(1) Drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se iSd. §§ 1, 2 Satz 1 KSchG für ei­ne or­dent­li­che Ände­rungskündi­gung sind nur dann ge­ge­ben, wenn sich der Ar­beit­ge­ber bei ei­nem an sich an­er­ken­nens­wer­ten An­lass dar­auf be­schränkt hat, le­dig­lich sol­che Ände­run­gen vor­zu­schla­gen, die der Ar­beit­neh­mer bil­li­ger­wei­se hin­neh­men muss (vgl. Se­nat 2. März 2006 - 2 AZR 64/05 - mwN, AP KSchG 1969 § 2 Nr. 84 = EzA KSchG § 2 Nr. 58).
Da­bei ist - un­abhängig da­von, ob das Ände­rungs­an­ge­bot ab­ge­lehnt oder un­ter Vor­be­halt an­ge­nom­men wur­de - zu prüfen, ob das Beschäfti­gungs­bedürf­nis für den be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer zu den bis­he­ri­gen Ver­trags­be­din­gun­gen ent­fal­len ist (Se­nat 2. März 2006 - 2 AZR 64/05 - mwN, AP KSchG 1969 § 2 Nr. 84 = EzA KSchG § 2 Nr. 58). Dies kann auf ei­ner un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung zur Zen­tra­li­sie­rung und Ver­la­ge­rung von Ar­beits-
plätzen an ei­nen an­de­ren Ort be­ru­hen. Ei­ne sol­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung un­ter­liegt im Kündi­gungs­schutz­pro­zess nur ei­ner Miss­brauchs­kon­trol­le. Sie ist le­dig­lich da­hin­ge­hend zu über­prüfen, ob sie of­fen­bar un­vernünf­tig oder willkürlich ist und ob sie ursächlich für den vom Ar­beit­ge­ber gel­tend ge­mach­ten Ände­rungs­be­darf ist (Se­nat 2. März 2006 - 2 AZR 64/05 - mwN, aaO).
Ob der Ar­beit­neh­mer ei­ne ihm vor­ge­schla­ge­ne Ände­rung bil­li­ger­wei­se hin­neh­men muss, ist nach dem Verhält­nismäßig­keits­grund­satz zu er­mit­teln. Die Ände­run­gen müssen ge­eig­net und er­for­der­lich sein, um den In­halt des Ar­beits­ver­trags den geänder­ten Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten an­zu­pas­sen. Die­se Vor­aus­set­zun­gen müssen für al­le Ver­tragsände­run­gen vor­lie­gen. Aus­gangs­punkt ist die bis­he­ri­ge ver­trag­li­che Re­ge­lung, das heißt die an­ge­bo­te­nen Ände­run­gen dürfen sich nicht wei­ter vom In­halt des bis­he­ri­gen Ar­beits­verhält­nis­ses ent­fer­nen, als es zur Er­rei­chung des an­ge­streb­ten Zie­les er­for­der­lich ist (Se­nat 2. März 2006 - 2 AZR 64/05 - mwN, AP KSchG 1969 § 2 Nr. 84 = EzA KSchG § 2 Nr. 58).
(2) Für das Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des bei ei­ner Ände­rungskündi­gung müssen dem­ge­genüber verschärf­te Maßstäbe gel­ten. An­dern­falls blie­be das Er­for­der­nis ei­nes wich­ti­gen Grun­des für ei­ne aus­nahms­wei­se zu-lässi­ge or­dent­li­che Ände­rungskündi­gung ei­nes ta­rif­lich or­dent­lich Unkünd­ba­ren be­deu­tungs­los (vgl. Se­nat 2. März 2006 - 2 AZR 64/05 - AP KSchG 1969 § 2 Nr. 84 = EzA KSchG § 2 Nr. 58; 18. Mai 2006 - 2 AZR 207/05 - AP BAT § 55 Nr. 5 = EzA KSchG § 2 Nr. 60; 26. Ju­ni 2008 - 2 AZR 147/07 - AP BAT § 55 Nr. 8).
(a) Auch bei Über­prüfung ei­ner auf ei­nen wich­ti­gen Grund gestütz­ten be­triebs­be­ding­ten Ände­rungskündi­gung ist grundsätz­lich das Bedürf­nis des Ar­beit­ge­bers an­zu­er­ken­nen, die un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dun­gen nicht ei­ner Zweckmäßig­keits­kon­trol­le durch die Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen zu un­ter­wer­fen. Der­ar­ti­ge Un­ter­neh­mer­ent­schei­dun­gen können an sich ge­eig­net sein, ei­nen wich­ti­gen Grund für Ände­rungskündi­gun­gen zu be­gründen (vgl. Se­nat 2. März 2006 - 2 AZR 64/05 - AP KSchG 1969 § 2 Nr. 84 = EzA KSchG § 2 Nr. 58).
(b) Ent­schei­den­der Ge­sichts­punkt ist aber, ob das geänder­te un­ter­neh­me­ri­sche Kon­zept die vor­ge­schla­ge­ne Ände­rung er­zwingt oder ob es im We­sent­li­chen auch oh­ne oder mit we­ni­ger ein­schnei­den­den Ände­run­gen im Ar­beits­ver­trag des Gekündig­ten durch­setz­bar bleibt. Außer­dem muss der Ar­beit­ge­ber be­reits bei Er­stel­lung des un­ter­neh­me­ri­schen Kon­zepts ver­ein­bar­te Kündi­gungs­be­schränkun­gen berück­sich­ti­gen. Die Be­klag­te ist mit der Be­schränkung der or­dent­li­chen Künd­bar­keit auf die Fälle des wich­ti­gen Grun­des und der Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG ei­ne weit­rei­chen­de Ver­pflich­tung und - da­mit ein­her­ge­hend - ein ho­hes Ri­si­ko ein­ge­gan­gen. Des­halb kann nicht je­de mit dem Fest­hal­ten am Ver­trags­in­halt ver­bun­de­ne Last ei­nen wich­ti­gen Grund bil­den (vgl. Se­nat 2. März 2006 - 2 AZR 64/05 - AP KSchG 1969 § 2 Nr. 84 = EzA KSchG § 2 Nr. 58; 18. Mai 2006 - 2 AZR 207/05 - AP BAT § 55 Nr. 5 = EzA KSchG § 2 Nr. 60; 26. Ju­ni 2008 - 2 AZR 147/07 - AP BAT § 55 Nr. 8).
(c) Im Pro­zess wirkt sich die über­nom­me­ne Ver­pflich­tung bei der Dar­le­gungs­last aus. Aus dem Vor­brin­gen des Ar­beit­ge­bers muss er­kenn­bar sein, er ha­be auch un­ter Berück­sich­ti­gung der ver­trag­lich ein­ge­gan­ge­nen be­son­de­ren Ver­pflich­tun­gen al­les Zu­mut­ba­re un­ter­nom­men, die durch die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung not­wen­dig ge­wor­de­nen An­pas­sun­gen auf das un­be­dingt er­for­der­li­che Maß zu be­schränken (Se­nat 2. März 2006 - 2 AZR 64/05 - AP KSchG 1969 § 2 Nr. 84 = EzA KSchG § 2 Nr. 58; 18. Mai 2006 - 2 AZR 207/05 - AP BAT § 55 Nr. 5 = EzA KSchG § 2 Nr. 60; 26. Ju­ni 2008 - 2 AZR 147/07 - AP BAT § 55 Nr. 8).
bb) Un­ter Berück­sich­ti­gung des ein­ge­schränk­ten re­vi­si­ons­recht­li­chen Prüfungs­maßstabs hält die Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, es lie­ge kein wich­ti­ger Grund vor, ei­ner re­vi­si­ons­recht­li­chen Prüfung im Er­geb­nis stand.
(1) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist im We­sent­li­chen von den ge­nann­ten Grundsätzen aus­ge­gan­gen.
Auch wenn für die aus­ge­spro­che­ne Ände­rungskündi­gung ein an­er­ken­nens­wer­ter An­lass be­stand, weil die Be­klag­te die un­ter­neh­me­ri­sche
Ent­schei­dung ge­trof­fen hat, die bis­her von der Kläge­rin aus­geübte Tätig­keit in B im Rah­men ei­ner Zen­tra­li­sie­rung des Be­reichs „Pay & Re­ward“ nach L zu ver­la­gern, und An­halts­punk­te für ei­ne rechts­miss­bräuch­li­che Ent­schei­dung nicht er­kenn­bar sind, er­gibt sich aus dem Vor­trag der Be­klag­ten je­doch nicht, dass sie sich dar­auf be­schränkt hat, le­dig­lich sol­che Ände­run­gen an­zu­bie­ten, die die Kläge­rin an­ge­sichts des grundsätz­li­chen Aus­schlus­ses der or­dent­li­chen Kündi­gung bil­li­ger­wei­se hin­neh­men muss­te. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zum ei­nen zu Recht an­ge­nom­men, die Be­klag­te ha­be nicht vor­ge­tra­gen, dass sie bei der un­ter­neh­me­ri­schen Kon­zep­ti­on die be­son­de­ren ver­trag­li­chen Bin­dun­gen der Kläge­rin über­haupt und an­ge­mes­sen berück­sich­tigt ha­be. Zum an­de­ren sei nicht er­kenn­bar, ob tatsächlich die der Kläge­rin an­ge­bo­te­nen Ver­tragsände­run­gen er­for­der­lich sei­en oder die Or­ga­ni­sa­ti­onsände­rung oh­ne oder mit we­ni­ger ein­schnei­den­den Maßnah­men und Verände­run­gen hätten um­ge­setzt wer­den können.
(2) Die Be­klag­te hat vor al­lem nicht hin­rei­chend dar­ge­legt, war­um bei ei­ner Sch­ließung des Funk­ti­ons­be­reichs in B die Kläge­rin ih­re Tätig­keit - sei es in der bis­he­ri­gen Funk­ti­on, sei es als „IR Exe­cu­ti­ve“ - nicht wei­ter­hin vom Stand­ort B aus (ggf. von ei­nem „ho­me-of­fice“) er­brin­gen kann, oh­ne dass da­durch das un­ter­neh­me­ri­sche Kon­zept in Fra­ge ge­stellt wird. Dass die Er­brin­gung der Tätig­kei­ten nicht stand­ort­ge­bun­den ist, hat die Be­klag­te nicht in Ab­re­de ge­stellt. Sie hat sich viel­mehr nur auf ih­re un­ter­neh­me­ri­sche Frei­heit be­ru­fen, selbst zu ent­schei­den, von wo aus die Tätig­keit er­bracht wer­den soll. Da­mit wird sie den An­for­de­run­gen, be­reits bei Er­stel­lung des un­ter­neh­me­ri­schen Kon­zepts ver­ein­bar­te (ta­rif­li­che) Kündi­gungs­be­schränkun­gen zu berück­sich­ti­gen, nicht ge­recht. Der Se­nat hat die Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, ei­ne Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit auf ei­nem Heim­ar­beits­platz zu prüfen und nur dann aus­zu­sch­ließen, wenn spe­zi­ell auf den Ar­beit­neh­mer und sei­ne Tätig­keit be­zo­ge­ne ar­beits­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Gründe dies im Hin­blick auf die Durch­set­zung des Ge­samt­kon­zepts un­zu­mut­bar ma­chen, im Fal­le von ta­rif­li­chen Unkünd­bar­keits-re­geln an­er­kannt (vgl. Se­nat 2. März 2006 - 2 AZR 64/05 - AP KSchG 1969 § 2 Nr. 84 = EzA KSchG § 2 Nr. 58). Ob ei­ne der­ar­ti­ge Un­zu­mut­bar­keit vor­liegt, hat die Be­klag­te nicht dar­ge­legt. Dies gilt um­so mehr als die Kläge­rin schon seit
Jah­ren ih­re Tätig­keit fern­ab der Per­so­nal­ab­tei­lung er­bringt und der Be­reich „Hu­man Re­sour­ce“ auch zukünf­tig von ver­schie­de­nen Stand­or­ten be­dient wer­den wird, selbst wenn der Be­reich „Pay and Re­ward“ in L zen­tra­li­siert wor­den sein mag. Die pau­scha­le Be­ru­fung auf Ef­fi­zi­enz­ge­sichts­punk­te reicht in die­sem Zu­sam­men­hang nicht aus.
(3) Darüber hin­aus er­sch­ließt sich nicht oh­ne Wei­te­res aus dem Sach­vor­trag der Be­klag­ten, in­wie­weit ei­ne Beschäfti­gung der Kläge­rin in B aus ar­beits­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Gründen mit der Zen­tra­li­sie­rung un­ver­ein­bar sein soll. Dies gilt um­so mehr, als die Kläge­rin ei­nen ta­ge­wei­sen Ein­satz vor Ort an­ge­bo­ten hat­te.
b) Re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den ist wei­ter die An­nah­me des Be­ru­fungs­ge­richts, ei­ne Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG lie­ge nicht vor; in­so­weit kann voll­umfäng­lich auf die Ausführun­gen zur or­dent­li­chen Be­en­di­gungskündi­gung Be­zug ge­nom­men wer­den.
4. Auch die hilfs­wei­se erklärte außer­or­dent­li­che Ände­rungskündi­gung vom 29. Ju­ni 2006 mit ei­ner Aus­lauf­frist zum 31. De­zem­ber 2006 ist rechts­un­wirk­sam.
Es liegt schon kein wich­ti­ger Grund iSd. § 626 Abs. 1 BGB vor. In­so­weit wird auf die Ausführun­gen zum wich­ti­gen Grund iSd. § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13 ver­wie­sen, die hier ent­spre­chend gel­ten.
II. Das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin war auch nicht auf den hilfs­wei­se ge­stell­ten Auflösungs­an­trag der Be­klag­ten nach § 9 Abs. 1 Satz 2 KSchG auf­zulösen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den An­trag zu Recht zurück­ge­wie­sen.
1. Der Auflösungs­an­trag ist un­zulässig, so­weit die Be­klag­te ihn auf die außer­or­dent­li­che Be­en­di­gungskündi­gung mit Aus­lauf­frist er­streckt, in­dem sie ihn mit dem Hin­weis ge­stellt hat, er knüpfe „an die Be­en­di­gungskündi­gun­gen vom 14. Ju­ni 2006“ an. Ein Auflösungs­an­trag des Ar­beit­ge­bers kann sich nach § 13 Abs. 1 Satz 3 KSchG nicht auf ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung be­zie­hen.
Dies gilt auch für ei­ne hilfs­wei­se außer­or­dent­li­che Kündi­gung mit Aus­lauf­frist im Fal­le der Unkünd­bar­keit (so auch LAG Rhein­land-Pfalz 18. Fe­bru­ar 2008 - 5 Sa 381/07 -; LAG Ber­lin 3. Ok­to­ber 1983 - 12 Sa 63/83 - EzA BGB § 626 nF Nr. 84; LAG Köln 22. Ju­ni 1989 - 10 Sa 246/89 - LA­GE KSchG § 9 Nr. 14; KR/Fried­rich 8. Aufl. § 13 KSchG Rn. 64). Der Ge­set­zes­wort­laut ist ein­deu­tig. Während § 9 KSchG ein beid­sei­ti­ges An­trags­recht kennt, sieht § 13 Abs. 1 Satz 3 KSchG nur für den Ar­beit­neh­mer, nicht aber für den Ar­beit­ge­ber ei­nen Auflösungs­an­trag vor. Der Ge­setz­ge­ber sieht ei­ne un­be­rech­tig­te außer­or­dent­li­che Kündi­gung als be­son­ders schwer­wie­gen­den Ein­griff in das Ar­beits­verhält­nis an und ver­wei­gert dem Ar­beit­ge­ber des­halb be­wusst die Möglich­keit sei­nen Auflösungs­an­trag zu stel­len.
2. Der auf die or­dent­li­che Be­en­di­gungskündi­gung be­zo­ge­ne Auflösungs­an­trag ist un­be­gründet.
a) Der Ar­beit­ge­ber kann ei­ne Auflösung nach § 9 Abs. 1 Satz 2 KSchG nur ver­lan­gen, wenn die Kündi­gung le­dig­lich so­zi­al­wid­rig ist. Die Lösungsmöglich­keit nach § 9 Abs. 1 Satz 2 KSchG be­deu­tet für den Ar­beit­ge­ber ei­ne Vergüns­ti­gung. Sie kommt nur in Be­tracht, wenn ei­ne Kündi­gung „nur“ so­zi­al­wid­rig und nicht auch aus an­de­ren Gründen un­wirk­sam ist. Dies gilt al­ler­dings nur dann, wenn die an­der­wei­ti­ge Un­wirk­sam­keit Fol­ge ei­nes Ver­s­toßes ge­gen ei­ne Schutz­norm zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers ist (st. Rspr., vgl. zu­letzt Se­nat 28. Au­gust 2008 - 2 AZR 63/07 - NZA 2009, 275). Zwi­schen den Par­tei­en ver­trag­lich ver­ein­bar­te Kündi­gungs­be­schränkun­gen sind Schutz­nor­men zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers (vgl. da­zu BAG 20. Ju­ni 1986 - 7 AZR 37/85 - RzK I 11a Nr. 14; LAG Hamm 23. Au­gust 2000 - 18 Sa 2250/99 -). Des­halb kann schon auf­grund der Un­wirk­sam­keit der or­dent­li­chen Be­en­di­gungskündi­gung we­gen Ver­s­toßes ge­gen § 24 Ziff. 7 MTV Nr. 13 al­lein aus die­sem Grund der Auflösungs­an­trag kei­nen Er­folg ha­ben.
b) Im Übri­gen liegt kein Auflösungs­grund iSd. § 9 Abs. 1 Satz 2 KSchG vor.
Die Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, es lägen kei­ne Auflösungs­gründe vor, ist re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, es sei nicht er­sicht­lich, in­wie­weit ei­ne Zurück­wei­sung nach § 174 Satz 1 BGB, die im Übri­gen der Ar­beit­ge­ber durch die Beifügung ei­ner vom ge­setz­li­chen Ver­tre­ter der Be­klag­ten un­ter­zeich­ne­ten Ori­gi­nal­voll­macht von vorn­her­ein hätte ver­hin­dern können, ei­ne den Be­triebs-zwe­cken dien­li­che wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit nicht er­war­ten las­sen soll. Die Be­klag­te hat in­so­weit kei­ne wei­te­ren tatsächli­chen oder recht­li­chen As­pek­te be­nannt, die ei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung recht­fer­ti­gen würden. Im Übri­gen hat die Be­klag­te, in­dem sie die Kläge­rin oh­ne Ver­pflich­tung über den Kündi­gungs­ter­min hin­aus wei­ter­beschäftigt hat, selbst zu er­ken­nen ge­ge­ben, dass ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin nicht un­zu­mut­bar ist.
III. Die Kos­ten der Re­vi­si­on fal­len nach § 97 Abs. 1 ZPO der Be­klag­ten zur Last.
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