Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/die-schenkung-als-einkommen-und-das-anfangsvermoegen-im-zugewinnausgleich-369573
Timestamp: 2020-08-10 23:02:32
Document Index: 73545894

Matched Legal Cases: ['§ 1374', '§ 1374', '§ 1374', '§ 1374', '§ 1374', '§ 1374', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1374', '§ 1374', '§ 1374', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1374']

Die Schenkung als Einkommen - und das Anfangsvermögen im Zugewinnausgleich | Rechtslupe
Die Schenkung als Einkommen - und das Anfangsvermögen im Zugewinnausgleich
Mit der Rege­lung, dass eine „den Umstän­den nach zu den Ein­künf­ten“ zu rech­nen­de Zuwen­dung nach § 1374 Abs. 2 BGB dem Anfangs­ver­mö­gen nicht hin­zu­ge­rech­net wird, soll Ver­zer­run­gen der Zuge­winn­aus­gleichs­bi­lanz ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den, die sich aus der künst­li­chen Erhö­hung des Anfangs­ver­mö­gens durch die zum Ver­brauch bestimm­ten Zuwen­dun­gen erge­ben kön­nen; maß­geb­li­ches Abgren­zungs­kri­te­ri­um ist daher, ob die Zuwen­dung zur Deckung des lau­fen­den Lebens­be­dar­fes die­nen oder die Ver­mö­gens­bil­dung des begüns­tig­ten Ehe­gat­ten för­dern soll [1].
In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ist dem Antrag­stel­ler durch das gemein­schaft­li­che Tes­ta­ment der Ehe­leu­te R., wonach er aus dem Nach­lass wei­te­re 30 % der Geschäfts­an­tei­le an der Karl R.GmbH zum vier­fa­chen Nomi­nal­wert erwer­ben durf­te, ein Ankaufs­recht im Wege des Ver­mächt­nis­ses [2] zuge­wen­det wor­den. Soweit die­ses Ankaufs­recht einen Ver­mö­gens­wert hat, ist es dem Antrag­stel­ler als Zuwen­dung von Todes wegen im Sin­ne des § 1374 Abs. 2 BGB ange­fal­len. Die­ses Ver­mö­gen nach § 1374 Abs. 2 Halb­satz 2 BGB ist den Umstän­den nach auch nicht zu den Ein­künf­ten des Antrag­stel­lers zu rech­nen.
Das Gesetz defi­niert nicht näher, was in die­sem Zusam­men­hang unter „Ein­künf­ten“ zu ver­ste­hen ist. Mit der Ziel­set­zung, die der Zuge­winn­aus­gleich ver­folgt, sol­len nur Ver­mö­gens­zu­wäch­se aus­ge­gli­chen wer­den. Wenn dabei auch sol­che unent­gelt­li­chen Zuwen­dun­gen nach § 1374 Abs. 2 BGB pri­vi­le­giert wären, die nicht der Ver­mö­gens­bil­dung, son­dern von vorn­her­ein nur dem Ver­brauch die­nen, wür­de dies – zum Nach­teil des ande­ren Ehe­gat­ten – zu einer stän­di­gen Ver­grö­ße­rung des Anfangs­ver­mö­gens füh­ren, ohne dass die­se Zuwen­dun­gen im End­ver­mö­gen noch in nen­nens­wer­tem Umfang in Erschei­nung tre­ten wür­den. Es wür­de dann nicht nur eine Nicht­be­tei­li­gung des ande­ren Ehe­gat­ten an die­sen Zuwen­dun­gen, son­dern fak­tisch sogar des­sen Benach­tei­li­gung erreicht [3]. Bei unent­gelt­li­chen Zuwen­dun­gen im Sin­ne des § 1374 Abs. 2 BGB ist des­halb in ers­ter Linie danach zu unter­schei­den, ob sie zur Deckung des lau­fen­den Lebens­be­dar­fes die­nen oder die Ver­mö­gens­bil­dung för­dern sol­len. Das wird im Ein­zel­fall unter Berück­sich­ti­gung des Anlas­ses der Zuwen­dung, der Wil­lens­rich­tung des Zuwen­den­den und der wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Zuwen­dungs­emp­fän­gers zu beur­tei­len sein [4].
Ein Ver­mö­gens­er­werb von Todes wegen wird in den meis­ten Fäl­len nicht zu den Ein­künf­ten zu rech­nen sein, da eine sol­che Zuwen­dung in der Regel unab­hän­gig von einem kon­kre­ten Lebens­be­darf des Zuwen­dungs­emp­fän­gers erfolgt [5]. Im Übri­gen wer­den sich bei grö­ße­ren Sach­zu­wen­dun­gen brauch­ba­re Anhalts­punk­te für die Beur­tei­lung, ob es sich um Ein­künf­te han­delt, vor allem aus der Pro­gno­se gewin­nen las­sen, mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit der Zuwen­dungs­ge­gen­stand, wäre die Ehe in einem über­schau­ba­ren Zeit­raum nach der Zuwen­dung geschei­tert, noch mit einem nen­nens­wer­ten Ver­mö­gens­wert im End­ver­mö­gen des begüns­ti­gen Ehe­gat­ten vor­han­den gewe­sen wäre [6].
Nach die­sen Maß­stä­ben spricht unter den hier obwal­ten­den Umstän­den nichts für die Annah­me, dass die Zuwen­dung des Ankaufs­rechts für die Gesell­schafts­an­tei­le durch das Ver­mächt­nis der Ehe­leu­te R. zu den Ein­künf­ten des Antrag­stel­lers gerech­net wer­den könn­te.
Eine ande­re Beur­tei­lung kann auch nicht mit der Über­le­gung gerecht­fer­tigt wer­den, dass das Ver­mächt­nis der Ehe­leu­te R. auf der beruf­li­chen Tätig­keit des Antrag­stel­lers für die Karl R.GmbH beru­he und die Antrags­geg­ne­rin die­se Berufs­tä­tig­keit im Rah­men der ehe­li­chen Rol­len­ver­tei­lung maß­geb­lich geför­dert habe. Zwar ist es für die durch § 1374 Abs. 2 BGB pri­vi­le­gier­ten Erwerbs­tat­be­stän­de kenn­zeich­nend, dass sie typi­scher­wei­se in kei­nem Zusam­men­hang mit der ehe­li­chen Lebens- und Wirt­schafts­ge­mein­schaft ste­hen und auf per­sön­li­chen Bezie­hun­gen des erwer­ben­den Ehe­gat­ten zu dem zuwen­den­den Drit­ten oder auf ähn­li­chen beson­de­ren Umstän­den beru­hen, an denen der ande­re Ehe­gat­te nicht teil­hat [7]. Mit der Aus­nah­me­re­ge­lung, dass ein „den Umstän­den nach zu den Ein­künf­ten“ zu rech­nen­des Ver­mö­gen dem Anfangs­ver­mö­gen nicht hin­zu­ge­rech­net wird, soll indes­sen allein Ver­zer­run­gen der Zuge­winn­aus­gleichs­bi­lanz ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den, die sich aus der künst­li­chen Erhö­hung des Anfangs­ver­mö­gens durch die zum Ver­brauch bestimm­ten Zuwen­dun­gen erge­ben kön­nen. Die Aus­nah­me­re­ge­lung ermög­licht es dem­ge­gen­über – schon im Inter­es­se der Rechts­si­cher­heit und zur Ver­mei­dung von untrag­ba­ren Abgren­zungs­schwie­rig­kei­ten – nicht, die der Pri­vi­le­gie­rung bestimm­ter Zuwen­dungs­ar­ten zugrun­de lie­gen­de typi­sie­ren­de Vor­stel­lung, der ande­re Ehe­gat­te kön­ne zu dem Ver­mö­gens­er­werb nichts bei­getra­gen haben, in jedem Ein­zel­fall auf ihre Stich­hal­tig­keit zu über­prü­fen.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Novem­ber 2013 – XII ZB 434/​12
im Anschluss an BGH, Urteil in BGHZ 101, 229 = FamRZ 1987, 910[↩]
vgl. auch BGH Urteil vom 27.06.2001 – IV ZR 120/​00, FamRZ 2001, 1297, 1298[↩]
OLG Bre­men OLGR 1998, 205, 207; Münch­Komm-BGB/­Koch 6. Aufl. § 1374 Rn. 28; Erman/​Budzikiewicz BGB 13. Aufl. § 1374 Rn.20; Johannsen/​Henrich/​Jaeger Fami­li­en­recht 5. Aufl. § 1374 Rn. 39[↩]
BGH, Beschluss BGHZ 101, 229, 234 = FamRZ 1987, 910, 911[↩]
vgl. auch OLG Zwei­brü­cken FamRZ 1984, 276, 277[↩]
vgl. auch Büte Zuge­winn­aus­gleich bei Ehe­schei­dung 4. Aufl. Rn. 28; Haußleiter/​Schulz Ver­mö­gens­aus­ein­an­der­set­zung bei Tren­nung und Schei­dung 5. Aufl. Kap. 1 Rn. 47; Kogel Stra­te­gien beim Zuge­winn­aus­gleich 4. Aufl. Rn.190[↩]
vgl. BGH, Urteil BGHZ 130, 377, 381 = FamRZ 1995, 1562, 1563 mwN[↩]
Grund­er­werb­steu­er bei der Schei­dung Ver­ein­ba­ren Ehe­gat­ten zur Rege­lung der Ver­mö­gens­aus­ein­an­der­set­zung im Zusam­men­hang mit ihrer Schei­dung, dass sie vor­erst Mit­ei­gen­tü­mer des wei­ter­hin von einem Ehe­gat­ten und dem gemein­sa­men Kind genutz­ten…
Die Schen­kung als Ein­kom­men – und das Anfangs­ver­mö­gen im… Mit der Rege­lung, dass eine „den Umstän­den nach zu den Ein­künf­ten“ zu rech­nen­de Zuwen­dung nach § 1374 Abs. 2 BGB dem Anfangs­ver­mö­gen nicht hin­zu­ge­rech­net wird,…