Source: https://www.wernerschell.de/forum/neu/viewtopic.php?t=22908
Timestamp: 2020-07-04 06:31:43
Document Index: 142140845

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 7', '§ 7', 'Art. 7', '§ 7']

Ein Arbeitnehmer darf seine erworbenen Ansprüche auf bezahlten Jahresurlaub nicht automatisch verlieren, ... - Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Ein Arbeitnehmer darf seine erworbenen Ansprüche auf bezahlten Jahresurlaub nicht automatisch verlieren, ...
Beitrag von WernerSchell » 18.01.2019, 07:04
PRESSEMITTEILUNG Nr. 165/18
Luxemburg, den 6. November 2018
Urteile in den Rechtssachen C-619/16 und C-684/16
Sebastian W. Kreuziger / Land Berlin und
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. /
Ist der Arbeitgeber hingegen in der Lage, den ihm insoweit obliegenden Beweis zu erbringen, dass der Arbeitnehmer aus freien Stücken und in voller Kenntnis der Sachlage darauf verzichtet hat, seinen bezahlten Jahresurlaub zu nehmen, nachdem er in die Lage versetzt worden war, seinen
Urlaubsanspruch tatsächlich wahrzunehmen, steht das Unionsrecht dem Verlust dieses Anspruchs und – bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses – dem entsprechenden Wegfall der finanziellen Vergütung für den nicht genommenen bezahlten Jahresurlaub nicht entgegen.
HINWEIS: Im Wege eines Vorabentscheidungsersuchens können die Gerichte der Mitgliedstaaten in einem bei ihnen anhängigen Rechtsstreit dem Gerichtshof Fragen nach der Auslegung des Unionsrechts oder nach der Gültigkeit einer Handlung der Union vorlegen. Der Gerichtshof entscheidet nicht über den nationalen Rechtsstreit. Es ist Sache des nationalen Gerichts, über die Rechtssache im Einklang mit der Entscheidung des Gerichtshofs zu entscheiden. Diese Entscheidung des Gerichtshofs bindet in gleicher Weise andere nationale Gerichte, die mit einem ähnlichen Problem befasst werden. Zur Verwendung durch die Medien bestimmtes nichtamtliches Dokument, das den Gerichtshof nicht bindet. Der Volltext der Urteile (C-619/16 und C-684/16) wird am Tag der Verkündung auf der Curia-Website veröffentlicht.
Filmaufnahmen von der Verkündung der Urteile sind verfügbar über „Europe by Satellite“  (+32) 2 2964106
Quelle: https://curia.europa.eu/jcms/upload/doc ... 0165de.pdf
Tagesschau am 06.11.2018:
Wer seinen Jahresurlaub nicht beantragt, behält deshalb trotzdem seinen Anspruch auf eine Auszahlung. Auch im Erbfall hat der EuGH die Arbeitnehmerrechte gestärkt. ... (weiter lesen unter) ... https://www.tagesschau.de/wirtschaft/ar ... b-103.html bzw. https://www.tagesschau.de/inland/faq-ur ... h-101.html
Süddeutsche Zeitung am 06.11.2018:
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Rechte von Arbeitnehmern auf eine Auszahlung nicht genommenen Urlaubs gestärkt.
Der EuGH entschied am Dienstag, dass Beschäftigte ihre Ansprüche nicht automatisch verlieren dürften, wenn sie keinen Urlaub beantragt haben.
In einem weiteren Urteil stellte das Gericht fest, dass beim Tod eines Arbeitnehmers die Erben eine finanzielle Abgeltung für nicht genommenen Urlaub verlangen können.
... (weiter lesen unter) ... https://www.sueddeutsche.de/karriere/eu ... -1.4198854
LTO am 06.11.2018:
EuGH gibt Rechtsreferendar Recht
Ver­gü­tung von Res­t­ur­laub geht auch ohne Urlaub­s­antrag
Urlaub kann in Geld abgegolten werden, selbst wenn der Arbeitnehmer keinen Urlaub beantragt hatte. Ausnahme: Der Arbeitgeber hat über mögliche Anspruchsverluste genau informiert. Geklagt hatte ein Rechtsreferendar. .... (weiter lesen unter) ... https://www.lto.de/recht/hintergruende/ ... haedigung/
Beitrag von WernerSchell » 19.02.2019, 17:18
- Obliegenheiten des Arbeitgebers
Der Anspruch eines Arbeitnehmers auf bezahlten Jahresurlaub erlischt in der Regel
nur dann am Ende des Kalenderjahres, wenn der Arbeitgeber ihn zuvor über seinen
konkreten Urlaubsanspruch und die Verfallfristen belehrt und der Arbeitnehmer den
Urlaub dennoch aus freien Stücken nicht genommen hat.
Der Beklagte beschäftigte den Kläger vom 1. August 2001 bis zum 31. Dezember
2013 als Wissenschaftler. Nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses verlangte
der Kläger ohne Erfolg, den von ihm nicht genommenen Urlaub im Umfang von
51 Arbeitstagen aus den Jahren 2012 und 2013 mit einem Bruttobetrag iHv.
11.979,26 Euro abzugelten. Einen Antrag auf Gewährung dieses Urlaubs hatte er
während des Arbeitsverhältnisses nicht gestellt.
Die Vorinstanzen haben der Klage stattgegeben. Das Landesarbeitsgericht hat
angenommen, der Urlaubsanspruch des Klägers sei zwar zum Jahresende verfallen.
Der Kläger habe aber Schadensersatz in Form von Ersatzurlaub verlangen können,
weil der Beklagte seiner Verpflichtung, ihm von sich aus rechtzeitig Urlaub zu
gewähren, nicht nachgekommen sei. Mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses
sei der Ersatzurlaubsanspruch abzugelten.
Die Revision des Beklagten hatte vor dem Neunten Senat des Bundesarbeitsgerichts
Erfolg. Sie führt zur Zurückverweisung der Sache an das Landesarbeitsgericht.
§ 7 Abs. 3 Satz 1 BUrlG sieht vor, dass Urlaub, der bis zum Jahresende nicht
gewährt und genommen wird, verfällt. Das galt nach bisheriger Rechtsprechung
selbst für den Fall, dass der Arbeitnehmer den Arbeitgeber rechtzeitig, aber erfolglos
aufgefordert hatte, ihm Urlaub zu gewähren. Allerdings konnte der Arbeitnehmer
unter bestimmten Voraussetzungen Schadensersatz verlangen, der während des
Arbeitsverhältnisses auf Gewährung von Ersatzurlaub und nach dessen Beendigung
auf Abgeltung der nicht genommenen Urlaubstage gerichtet war.
Diese Rechtsprechung hat der Senat weiterentwickelt und damit die Vorgaben
des Gerichtshofs der Europäischen Union aufgrund der Vorabentscheidung vom
6. November 2018 (- C-684/16 - [Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der
Wissenschaften]) umgesetzt. Nach Maßgabe des § 7 Abs. 1 Satz 1 BUrlG ist es
dem Arbeitgeber vorbehalten, die zeitliche Lage des Urlaubs unter Berücksichtigung
der Urlaubswünsche des Arbeitnehmers festzulegen. Entgegen der Annahme des
Landesarbeitsgerichts zwingt die Vorschrift den Arbeitgeber damit zwar nicht, dem
Arbeitnehmer von sich aus Urlaub zu gewähren. Allerdings obliegt ihm unter
Beachtung von Art. 7 Abs. 1 der Richtlinie 2003/88/EG (Arbeitzeitrichtlinie) die
Initiativlast für die Verwirklichung des Urlaubsanspruchs. Nach der Rechtsprechung
des Gerichtshofs ist der Arbeitgeber gehalten, „konkret und in völliger Transparenz
dafür zu sorgen, dass der Arbeitnehmer tatsächlich in der Lage ist, seinen bezahlten
Jahresurlaub zu nehmen, indem er ihn - erforderlichenfalls förmlich - auffordert, dies
zu tun“. Der Arbeitgeber hat klar und rechtzeitig mitzuteilen, dass der Urlaub am
Ende des Bezugszeitraums oder eines Übertragungszeitraums verfallen wird, wenn
der Arbeitnehmer ihn nicht nimmt.
Bei einer richtlinienkonformen Auslegung des § 7 BUrlG kann der Verfall von Urlaub
daher in der Regel nur eintreten, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer zuvor
konkret aufgefordert hat, den Urlaub zu nehmen, und ihn klar und rechtzeitig darauf
hingewiesen hat, dass der Urlaub anderenfalls mit Ablauf des Urlaubsjahres oder
Übertragungszeitraums erlischt. Das Landesarbeitsgericht wird nach der Zurückverweisung
der Sache aufzuklären haben, ob der Beklagte seinen Obliegenheiten
Urteil vom 19. Februar 2019 - 9 AZR 541/15 -
Quelle. Pressemitteilung vom 19.02.2019
Tel.: 03 61/26 36-12 27
Fax: 03 61/26 36-22 27
Gericht stärkt Arbeitnehmer in Sachen Urlaub
Beitrag von WernerSchell » 20.02.2019, 07:28
Ärzte Zeitung vom 20.02.2019:
Ab in den Urlaub? Nicht beantragter Urlaub kann nicht mehr automatisch verfallen. Mit einem Grundsatzurteil stärkt das Bundesarbeitsgericht die Rechte der Arbeitnehmer. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=98 ... efpuryykqr