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Timestamp: 2020-02-27 17:27:22
Document Index: 65290482

Matched Legal Cases: ['EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR']

LNP081 Top Silkroader! Gerne wieder! | Logbuch:Netzpolitik
Veröffentlicht am 12. Oktober 2013 von Linus Neumann
Haftung für Kommentare – ULG und Facebook — BND und die Provider — NSA und Tor — Klage gegen GCHQ
Die Metaebene beendet die Herbstferien und wir nehmen uns wieder der Nachrichtenlage an. Viel juristisches ist dieses Mal dabei: wir greifen eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) über Haftung für anonyme Nutzerkommentare auf und eine Entscheidung eines Gerichts in Schleswig-Holstein über die Zulässigkeit der Nutzung von Facebook. Außerdem wird beim EGMRgegen den GCHQ Klage eingereicht. Im unserer Rundschau zu Geheimdiensten stellen wir fest, dass die NSA mit Tor wohl noch seine liebe Müh hat und dass die Aktivitäten des BND bei deutschen Providern nach wie vor Rätsel aufgibt.
Dauer: 1:12:20
27 Gedanken zu „LNP081 Top Silkroader! Gerne wieder!“
anZen sagte am 13. Oktober 2013 um 02:49 :
EGMR-Entscheidungen lösen für deutsche Rechtsanwender keine strikte Bindungswirkung aus. Stattdessen ziehen Entscheidungen aus Straßburg eine Berücksichtigungspflicht nach sich. Berücksichtigen bedeutet hier, dass Gerichte und Behörden sich im Rahmen methodisch vertretbarer Gesetzesauslegung des nationalen Rechts mit dem Einfluss der EMRK und den einschlägigen Entscheidungen des EGMR erkennbar auseinandersetzen müssen. Eine bloße Kenntnisnahme ist dabei nicht ausreichend, während eine Pflicht zur schematischen Vollstreckung von EGMR-Entscheidungen nicht besteht, weil sie höherrangiges Recht, wie etwa das nationale Verfassungsrecht, verletzten könnte. Die Rechtsprechung des EGRM darf also nicht einfach übernommen werden, sondern muss sorgsam in das komplexe Rechtsgefüge der nationalen Rechtsordnung eingepasst werden.
Nationalen Rechtsanwendern bleibt es aber unbenommen, von den Urteilen des EGMR mit einer nachvollziehbaren und ausführlichen Begründung abzuweichen.
Roger sagte am 13. Oktober 2013 um 08:38 :
Wichtig bei Silkroad zu beachten ist, dass keine Auftragsmorde und keine Waffen gehandelt wurden. Genauso wenig Kinderpornographie. Es gab mal einen Abkömmling für Waffen, der wurde aber relativ schnell wieder abgeschaltet.
kiliAN sagte am 13. Oktober 2013 um 09:28 :
Das BBC-Interview mit Glenn Greenwald war wirklich ein bemerkenswerte Darstellung von Journalismus britscher Prägung. Wer es noch nicht gesehen hat, sollte das sich unbeidngt zu Gemüte führen, richtig übel: http://www.youtube.com/watch?v=f1Zvo8N3G94
EbtBetroffener sagte am 14. Oktober 2013 um 03:11 :
Danke für das Teilen! Eine sehr bewundernswerte Person. Schön, dass wir sie haben.
Ferdinand sagte am 16. Oktober 2013 um 00:33 :
Hier gibts eine etwas längere Version:
http://www.youtube.com/watch?v=-moGtQFvsVU
Interessanterweise hat die Moderatorin die Gäste ähnlich angefahren. Trotzdem war es gut, dass sie lediglich eine Übertragung zu Greenwald hatten. Er konnte sich anscheinend kaum noch halten…
anon sagte am 13. Oktober 2013 um 19:20 :
Keine Auftragsmorde, keine Massenvernichtungswaffen, und … kein KiPo? Ich glaub das waren die drei Regeln der Seidenstraße
anon sagte am 13. Oktober 2013 um 19:26 :
oh, natürlich, was geschah: Dread Pirate Roberts, man munkelt er hätte die Seite auch nicht selbst geschrieben sondern 2011 übernommen (für die Übernahme, keine Quelle. Der Rest mittlerweile wahrsch leicht zu finden), hat über SR jemanden befreundet, welchem er die zwei Aufträge erteilt hat. An zwei unterschiedliche Kontakte. Laut Aussage des FBI (erster Kontakt), gab es unter dem Namen keinen Canadian Resident, beim zweiten gab es nur keinen verzeichneten Homicide in der Gegend in der es stattgefunden haben hätte sollen (einmal 80.000$ und ich glaube 1250 Bitcoins für Auftrag zwei)
DocFoo sagte am 14. Oktober 2013 um 11:41 :
Betr.: SendungsTitel –> man bekommt von Euch nur Flausen in den Kopf…! :-)
https://www.dropbox.com/s/znd4np5gq9h68ag/Bildschirmfoto%202013-10-14%20um%2011.33.59.png
H. sagte am 14. Oktober 2013 um 12:17 :
IaaL, aber…
…was Ihr in der Sendung nicht erwähnt ist, dass es sich bei dem Fall um eine Kommentarfunktion ohne Login handelte, es konnte also wirklich jeder anonym kommentieren.
Die meisten Portale machen heutzutage irgendeine Form von Login vor die Kommentarfunktion, so dass es nicht anonym, sondern pseudonym ist.
Ich vermute, dass das Gericht auch hier die Grenze ziehen würde, wo der Seitenbetreiber die Verantwortung von sich weisen kann.
Linus Neumann sagte am 14. Oktober 2013 um 12:24 :
Ja, das ist ein wichtiger Punkt. Mir ist das auch direkt nach der Sendung aufgefallen.
Genau das kommt davon – finde ich nicht erstrebenswert.
Die Folge wird sein: Der Betreiber muss IP und Email-Adresse der Kommentierenden herausgeben.
Dann wird es einen Fall mit nichtgültiger Email-Adresse geben.
Dann wird Email-Response zum Anmelden erzwungen.
Dann wird es einen Fall mit einer Temporary Inbox geben.
Dann haben wir irgendwann die lang ersehnte Ausweispflicht im Internet.
Das Ende von anonymen Selbsthilfegruppen, weil irgendeine Flachpfeife sich ja von irgendeiner anderen Flachpfeife verunglimpft fühlen könnte, und niemand das juristische Risiko tragen möchte.
Kein Wunder, dass das Deepweb boomt.
H. sagte am 14. Oktober 2013 um 12:32 :
Tja, aber:
Login o.ä. vor der Kommentarfunktion braucht man als Seitenbetreiber allein schon, um Spam ein wenig unter Kontrolle zu halten. Und nebenbei, auch bei Euch hier werden Beiträge per Moderation freigeschaltet.
(Wir haben viele Jahre zwei sehr große “Social Media”-Sites technisch betreut. Ich hätte das vorher auch anders gesehen, aber seitdem muss ich leider zugeben, dass rein anonyme Beiträge ohne vorherige Prüfung den Aufwand nicht wert sind – und das schon bevor man Trabbel mit Anwälten oder Behörden einrechnet.)
Linus sagte am 14. Oktober 2013 um 12:33 :
*hust”
Die Trolldrossel
Bernd sagte am 14. Oktober 2013 um 15:54 :
Herr Neumann, wo krieg ich deinen einen vServer für 3,80 Euro im Monat?
Ich habe früher auch mal 3 tor relays betrieben, allerdings ging mir dann auf 2 dieser 3 tor relays der RAM und die CPU aus. Insofern würde ich mich freuen, wenn ich für 3.80 wieder einen zweiten tor relay betreiben könnte…
Linus Neumann sagte am 14. Oktober 2013 um 16:11 :
allerdings ging mir dann auf 2 dieser 3 tor relays der RAM und die CPU aus.
Diesem Problem lässt sich in /etc/torrc entgegen wirken:
BandwidthRate XX KB
BandwidthBurst XX KB
Tritt bei mir aber nicht auf.
wo krieg ich deinen einen vServer für 3,80 Euro im Monat?
Ich hab mich um 10ct vertan.
Google zum Beispiel “vserver für 3,90 Monat”
Bernd sagte am 14. Oktober 2013 um 22:37 :
> Diesem Problem lässt sich in
> /etc/torrc entgegen wirken
Schon klar, aber was bringt es mir einen tor relay mit einem limit von 500KB oder weniger zu betreiben?
Linus sagte am 15. Oktober 2013 um 01:18 :
Wie du dir sicherlich schon ausgerechnet hast, hat der angesprochene vServer im Schnitt sehr viel mehr gemacht.
Reinhold sagte am 14. Oktober 2013 um 20:04 :
Wie funktioniert Tor auf dem Rückweg/Antwortweg?
Die Verschlüsselung auf dem Hinweg zur Exitnode ist mir klar – aber wie kann der Exit dann die Antwort aus dem Internet verschlüsseln ohne meinen publickey/Identität zu wissen?
Linus Neumann sagte am 14. Oktober 2013 um 20:26 :
Die Exit Node verschlüsselt mit deinem (temporären) Pubkey, aber der ist ja nicht gleichbedeutend mit deiner “Identität” – du kannst ihn ja temporär erstellen, wechseln, und vor allem: Du brauchst ihn niemandem öffentlich bekannt zu machen – im Gegenteil.
Hier liegt der Unterschied zu PGP: Der Exit bekommt eine an ihn verschlüsselte Anfrage mit der Bitte “verschlüssele die Antwort hiermit” – es kann dem Exit aber egal sein, wer da fragt und daher gibt es auch kein Web of Trust oder öffentliche Identitäten für Clients.
Bei den Relays ist das etwas anderes.
Reinhold sagte am 14. Oktober 2013 um 22:42 :
ah cool – THX!
und ach ja – weiter so!
es ist immer eine Freude euch zu zuhören und die letzte Woche noch mal revue passiert zu bekommen :-D
PR sagte am 15. Oktober 2013 um 18:13 :
Linus, Du sagst, “das traurige ist, Silkroad ist weg”. Warum ist das gleich noch mal traurig?
ad sagte am 17. Oktober 2013 um 20:46 :
Weniger Drogen und ihre Konsumenten finden zueinander?
Clarissa sagte am 18. Oktober 2013 um 00:19 :
Das ist mir auch sauer aufgestoßen. Haha, Drogen. Und Auftragsmorde sind ja viel schlimmer, da machen doch die Drogen nichts aus. Und dann hier in den Kommentaren noch, dass Silkroad ja “Regeln” hatte. Pubertäre Kackscheiße sowas. m(
ad sagte am 18. Oktober 2013 um 18:10 :
Kriminalität im Umfeld des Drogenhandels ist ein Effekt der Prohibition. Wenn man diese für falsch hält, ist eine besonders negative Haltung gegenüber dem Kerngeschäft von Silk Road nicht zu erwarten.
Johannes sagte am 16. Oktober 2013 um 19:11 :
Zu Tor: Wäre es für die Geheimdienste nicht eine Strategie, das Tor-Netz mit Knoten zu fluten? 2011 gab es ~2500 Tor-Knoten. Was ist, wenn die Dienste hingehen und ggf. durch Malware-Botnetze 25000 Knoten hinstellen? Dann wird mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 75% eine Verbindung nur über Geheimdienstrelays geroutet. Die Geheimdienste kennen dann beide Kommunikationspartner und können obendrein noch den Inhalt entschlüsseln.
Gibt es da einen Mechanismus, der das verhindert? Oder habe ich da was falsch verstanden?
Tim Pritlove sagte am 17. Oktober 2013 um 00:26 :
Ja hast Du. Als “Relay” leitet man zwar Kommunikation weiter, aber durch das “Onion-Routing” ist ein- und ausgehender Traffic verschlüsselt und kann nicht abgeschnorchelt werden.
Linus sagte am 17. Oktober 2013 um 00:40 :
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Geheimdienste Tor-Exits betreiben. Das bringt ihnen aber nur etwas, wenn entweder
1. die Nutzer dann personenbezogene Daten durch den Exit jagen (hier reicht es unter Umständen schon aus, seine Email abzuholen)
2. der Geheimdienst sowohl den Entry, als auch die Relays in der Mitte, als auch den Exit kontrolliert, die du gerade nutzt.
Um [2] zu erschweren, werden außerdem noch zufällige Verzögerungen eingebaut, so dass ein Überwacher nicht den Traffic an Entry und Exit korrelieren kann.
All das funktioniert aber nur unter der Annahme, dass der Angreifer nicht alle Nodes kontrolliert, du man nutzt – und aus diesem Grund routet man über verschiedene Kontinente.
Siehe auch: http://www.heise.de/security/meldung/Tor-Benutzer-leicht-zu-enttarnen-1949449.html aber das war eben nur ein Labor-Experiment.
Und: Die Relays sind im Prinzip am uninteressantesten, weil sie nur verschlüsselten Traffic hin- und her-schieben. Sie bergen kein Risiko für ihre Betreiber und sind daher sehr viele. Somit geht deine 75%-Rechnung am Ende nicht auf.
Andy sagte am 20. Oktober 2013 um 09:30 :
Gute Sendung Jungs!
– Sicherheit von iMessage im Angesicht der neusten Berichte und Apple’s PR dazu
– wie könnte ein sicherer Messager aussehen?
-> die Einschätzung von Linus zu beide Themen würde mich sehr interessieren, da ich glaube dass er auf diesem Gebiet sehr fit ist