Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%202011,%202120
Timestamp: 2018-10-22 15:28:01
Document Index: 202600293

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 286', '§ 286', '§ 286', '§ 286', '§ 286', '§ 765', '§ 93', '§ 286', 'BGH', 'BGH', '§ 286', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 286', '§ 286', 'BGH', '§ 286', 'BGH', 'BGH']

BGH, 10.02.2011 - VII ZR 53/10 - dejure.org
BGB § 286 Abs. 1, Abs. 4
§ 286 Abs 1 BGB, § 286 Abs 4 BGB
Selbstschuldnerische Bürgschaft: Fälligkeit und Verzugseintritt bei fehlenden Informationen zur Hauptschuld
Zum Ausschluss des Verzugs eines Bürgen
Verzug des Bürgen bei fehlender Anforderung der für seine Leistung entscheidungserheblichen Unterlagen
Zurückweisung der Mahnung wegen fehlender Vollmacht; Fälligkeit der Bürgschaft; Erbringung von Informationen zur Hauptschuld; Verzug des Bürgen; selbstschuldnerische Bürgschaft; Fälligkeit der Hauptforderung; Leistungsaufforderung; fehlende Unterrichtung des Bürgen zur Hauptschuld; Pflicht des Bürgen zur Beschaffung von Informationen
Zum Verzug eines Bürgen
Fälligkeit der Forderung aus einer selbstschuldnerischen Bürgschaft mit der Fälligkeit der Hauptschuld; zum Verzug des Bürgen, dem notwendige Informationen zur Hauptschuld fehlen
Fälligkeit und Verzug einer selbstschuldnerischen Bürgschaft, § 286 Abs. 1, Abs. 4 BGB
Fälligkeit einer selbstschuldnerischen Bürgschaft
BGB § 286 Abs. 1, 4
Verzugsvoraussetzungen bei selbstschuldnerischer Bürgschaft
BGB §§ 765, 174, 286 Abs. 4; ZPO § 93
Fälligkeit der selbstschuldnerischen Bürgschaft; Vertretenmüssen nach § 286 Abs. 4 BGB
Verzugsvoraussetzungen einer Bürgschaftsforderung
Wann gerät Bürge in Zahlungsverzug? (IBR 2011, 210)
Bürgschaftsforderung wird regelmäßig mit Hauptforderung fällig! (IBR 2011, 264)
Bürge darf mit Nichtwissen bestreiten! (IBR 2015, 1035)
Kurznachricht zu "Zahlungsverzug des selbstschuldnerischen Bürgen" von RA/FABauR/ArchR Dr. A. Olrik Vogel und RA/FABauR/ArchR Dr. Claus Schmitz, M.A., original erschienen in: NJW 2011, 2096 - 2097.
NJW 2011, 2120
ZIP 2011, 559
MDR 2011, 436
NZBau 2011, 286
VersR 2011, 929
WM 2011, 541
BauR 2011, 828
ZfBR 2011, 452
Rechtsfehlerfrei nimmt das Berufungsgericht weiter an, dass danach bei Fehlen anderer Vereinbarungen der Parteien jedenfalls die Ansprüche aus einer - hier vorliegenden - selbstschuldnerischen Bürgschaft zugleich mit der gesicherten Forderung entstehen und es für den Beginn der Verjährungsfrist keiner Leistungsaufforderung bedarf (…BGH, Urteile vom 29. Januar 2008 - XI ZR 160/07, BGHZ 175, 161 Rn. 24…, vom 8. Juli 2008 - XI ZR 230/07, WM 2008, 1731 Rn. 18…, vom 11. März 2008 - XI ZR 81/07, juris Rn. 11…, vom 23. September 2008 - XI ZR 395/07, WM 2008, 2165 Rn. 10 und vom 10. Februar 2011 - VII ZR 53/10, WM 2011, 541 Rn. 12).
Wegen § 286 Abs. 1 und 4 BGB fällt die Gefahr, der Bürge könnte frühzeitig in Verzug geraten (so Schlößer, NJW 2006, 645, 647 f.; Schulze-Hagen, BauR 2007, 170, 186), nicht ins Gewicht (…vgl. Senatsurteil vom 29. Januar 2008 - XI ZR 160/07, BGHZ 175, 161 Rn. 25; Hohmann, WM 2004, 757, 760), zumal der Gläubiger Informationen zur Hauptschuld, die der Bürge mit zumutbaren Anstrengungen nicht erlangen kann, mitzuteilen hat (BGH, Urteil vom 10. Februar 2010 - VII ZR 53/10, WM 2011, 541 Rn. 16 f.).
Wie jeder andere Schuldner kommt die Obergesellschaft nicht in Verzug, wenn sie an der Leistung durch eine nicht zu vertretende Ungewissheit über das Bestehen und den Umfang der Forderung gehindert ist (vgl. BGH, Urteil vom 10. Februar 2011 - VII ZR 53/10, ZIP 2011, 559 Rn. 16; Urteil vom 12. Juli 2006 - X ZR 157/05, NJW 2006, 3271, 3272).
Der Besteller kommt mit der Rückgabepflicht nicht in Verzug, wenn er einem nicht zu vertretenden Irrtum über das Bestehen oder den Umfang einer gesicherten Forderung unterlegen ist (vgl. BGH, Urteil vom 10. Februar 2011 - VII ZR 53/10, BauR 2011, 828 Rn. 16 = NZBau 2011, 286 zur Leistungspflicht eines Bürgen).
bb) Geklärt ist auch, dass ein Schuldner nicht in Verzug gerät, wenn er an der Leistung durch eine nicht zu vertretende Ungewissheit über das Bestehen und den Umfang der gesicherten Forderung gehindert ist (BGH, Urteil vom 10. Februar 2011 - VII ZR 53/10, BauR 2011, 828 = NZBau 2011, 286 = ZfBR 2011, 452 m.w.N.).
Der Schuldner kommt nicht in Verzug, wenn er an der Leistung durch eine nicht zu vertretende Ungewissheit über das Bestehen und den Umfang der geschuldeten Forderung gehindert ist (BGH NJW 2011, 2120, 2121 f.).
Er darf insoweit nicht untätig bleiben (BGH NJW 2011, 2120, 2122).
Der Beklagte hat sich nicht entlastet (Zur Beweislast: BGH, Urteil vom 10. Februar 2011 - VII ZR 53/10 -, NJW 2011, 2120).
Umstände, die den Verzugseintritt ausschließen, hat der Schuldner darzulegen und ggf. zu beweisen (vgl. BGH 10. Februar 2011 - VII ZR 53/10 - Rn. 15, NJW 2011, 2120) .
Insoweit ist er für das Fehlen des Vertretenmüssens beweisbelastet (BGH, Urteil vom 10.02.2011 - VII ZR 53/10, NJW 2011, 2120, 2121).
Werden die notwendigen Informationen nicht erteilt, gerät der Rückgriffsschuldner nicht in Verzug, wenn ihn kein eigenes Verschulden daran trifft, dass er sie nicht erhalten hat (BGH, a.a.O., NJW 2011, 2120, 2122 zur Situation bei der Inanspruchnahme eines Bürgen durch den Gläubiger).
Selbst wenn der Senat unterstellen wollte, die Klägerin wäre bei - einem durch die Beklagte bis dahin unterstellt ungehinderten - Bauablauf mit Eintritt des vertraglichen Fertigstellungstermins in der 11. KW 2011 in Verzug geraten, wäre dieser Verzug zeitgleich beendet bzw. gemäß § 286 Abs. 4 BGB ausgeschlossen, da die Klägerin an der Nachholung der Leistung - bis zur Wiederherstellung der Freigabe/Lieferpräqualifikation der Schaltanlage O. am 15.03.2011 - ohne ihr Verschulden gehindert war (vgl. Staudinger/Löwisch, BGB, Neubearb. 2009, § 286, Rn 169/170 mwN; BGH, Urteil vom 10.02.2011, VII ZR 53/10, NJW 2011, 2120, dort Rn 15/16 mwN).
Die für die Voraussetzungen des § 286 Abs. 4 BGB darlegungs- und beweispflichtige Beklagte (vgl. BGH, Urteil vom 10. Februar 2011 - VII ZR 53/10 -, Rn. 15, juris), hat die Voraussetzungen eines unverschuldeten Rechtsirrtums, an den strenge Anforderungen gestellt werden (vgl. BGH…, Urteil vom 11. Juli 2012 - VIII ZR 138/11 -, Rn. 19, juris), nicht dargetan.
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