Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Hamm&Datum=22.02.2001&Aktenzeichen=6%20U%2029/00
Timestamp: 2019-11-21 15:47:55
Document Index: 19011026

Matched Legal Cases: ['§ 18', '§ 823', '§ 847', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

OLG Hamm, 22.02.2001 - 6 U 29/00 - dejure.org
https://dejure.org/2001,9602
OLG Hamm, 22.02.2001 - 6 U 29/00 (https://dejure.org/2001,9602)
OLG Hamm, Entscheidung vom 22.02.2001 - 6 U 29/00 (https://dejure.org/2001,9602)
OLG Hamm, Entscheidung vom 22. Februar 2001 - 6 U 29/00 (https://dejure.org/2001,9602)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2001,9602) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Geltendmachung eines auf Erben übergegangenen Schmerzensgeldanspruchs eines Verstorbenen; Berücksichtigung des Mitverschuldens eines Verstorbenen an einem Unfall bei der Bemessung des Schmerzensgelds; Einhaltung des Sichtfahrgebotes und Beachtung der gebotenen Sorgfalt ...
StVO § 18 Abs. 6; BGB § 823; BGB § 847
LG Münster, 15.11.1999 - 11 O 270/99
NZV 2002, 234
Die Beschwerdeführer rügen insoweit zu Recht, dass ein auf den Tod eines nahen Angehörigen gestützter Schmerzensgeldanspruch nach ganz überwiegender Auffassung nur dann in Betracht kommt, wenn über den hiermit üblicher Weise einhergehenden seelischen Schmerz hinaus eine pathologisch fassbare Gesundheitsbeschädigung von einigem Gewicht und einiger Dauer vorliegt (z. B. BGH NJW 1989, 2317; OLG Koblenz NJW-RR 2001, 318; KG NZV 2002, 38, 39; OLG Hamm NZV 2002, 234; OLGR Jena 2003, 495).
Kommt es, wie in der hier vorliegenden Sache, wegen des Todes eines nahen Angehörigen des Betroffenen bei diesem zu gesundheitlichen Auswirkungen, so kann u. U. ein eigener Schadensersatzanspruch wegen einer psychisch vermittelten Primärverletzung entstehen (OLG Hamm, OLGR 2002, 169 ff.).
(1) Nach der ständigen, insoweit restriktiven Rechtsprechung des BGH (vgl. BGHZ 56, 163, 164 ff.; 132, 341, 344; VersR 1976, 539 f.; NJW 1989, 2317 f.; 2006, 3268, 3270) und der ihm folgenden Obergerichte (vgl. OLG Hamm NZV 2002, 234; OLG Celle OLGR 2007, 548, 551;… OLG Naumburg OLGR 2009, 422 f. [juris-Rn. 18 ff.]), der der Senat folgt, steht ein Schmerzensgeldanspruch grundsätzlich nur dem Unfallopfer selbst zu, nicht seinen Angehörigen, auch dann nicht, wenn diese durch seine Verletzungen oder seinen Tod psychisch schwer belastet werden; eine Ausnahme kommt nach dieser Rechtsprechung nur dann in Betracht, wenn die psychische und die darauf beruhende körperliche Beeinträchtigung des Angehörigen über das hinausgeht, was nahe Angehörige bei Todesnachrichten erfahrungsgemäß erleiden müssen, d. h. wenn die Beeinträchtigung des Angehörigen ihrerseits nach allgemeiner Verkehrsauffassung Krankheitswert hat.
Der Geschädigte kann allerdings die Behandlungskosten verlangen, wenn er die ernsthafte Absicht hat, die Behandlung auch tatsächlich durchführen zu lassen (…BGH, a.a.O., 1539; vgl. auch OLG Hamm, OLGR Hamm 2002, 42, 43).
Auch in dem Fall, der der Entscheidung des OLG Hamm, 22. Februar 2001, 6 U 29/00 = NZV 2002, 234 zugrunde lag, hatte die dortige Klägerin - anders als vorliegend - durch den Unfall keine unmittelbaren Körperverletzungen erlitten.
Diese müssen aber medizinisch feststellbar sein und über das allgemeine Risiko hinausgehen (St Rspr., BGHZ 137, 142, 145 ff; 132, 341, 343 ff; 172, 263 Tz 12; BGH NJW 1998, 813, 814; NJW 1997, 1640, 1641; s auch NJW 1983, 340, 341; NJW 1986, 777, 778 f; NJW 1991, 2347, 2348; NJW 1991, 2347, 2348.) Es muss eine pathologisch fassbare Gesundheitsbeschädigung von einiger Intensität vorliegen (OLG Hamm NZV 2002, 234; OLG Naumburg NZV 2005, 530 mwN; zu den Voraussetzungen eines Entschädigungsanspruches Adelmann VersR 2009, 449 f).
Der Geschädigte kann aber die Behandlungskosten verlangen, wenn er die Absicht hat, die Behandlung auch tatsächlich durchführen zu lassen (BGH, NJW 1986, 1538, 1539; vgl. auch OLG Hamm, OLGR Hamm 2002, 42, 43).