Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=GRUR%202000,%20149
Timestamp: 2019-04-24 01:02:37
Document Index: 137803116

Matched Legal Cases: ['§ 826', '§ 69', 'BGH', 'BGH', '§ 826', 'BGH', '§ 823', '§ 826', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 826', 'BGH', '§ 826', 'BGH', '§ 826', 'BGH', 'BGH', '§ 826', 'BGH', '§ 826', 'BGH', '§ 826', '§ 826', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Rechtsprechung: GRUR 2000, 149 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: BPatG, 07.09.1999
§ 826 BGB, Rechte des Zweiterwerbers eines Computerprogramms gegen den Hersteller, zum Schädigungsvorsatz;
§ 69c Nr. 3 UrhG, Erschöpfungsgrundsatz
Hersteller - Computer - Programm - Computerprogramm - Software - Programmsperre - Codewort - Schadensersatz - Kennwort
Keine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung gegenüber Nacherwerber durch Einbau einer periodischen Programmsperre in Computersoftware ("Programmsperre”)
Zur Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen der Hersteller eines Computerprogramms, der in die von ihm entwickelte Software eine periodisch wirksam werdende Programmsperre (expiration date) einbaut, die ohne die Eingabe eines dem eigenen Vertragspartner jeweils mitgeteilten Codeworts den Zugriff auf das Programm hindert, von einem Zweiterwerber, der das Programm in Unkenntnis der Sperre gebraucht erwirbt, wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung (¤ 826 BGB) auf Schadensersatz in Anspruch genommen werden kann
Programmsperren bedenklich
Keine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung gegenüber Nacherwerber durch Einbau einer periodischen Programmsperre in Computersoftware ("Programmsperre")
NJW 2000, 1719 (Ls.)
NJW-RR 2000, 393
ZIP 1999, 2158
GRUR 2000, 249
VersR 2001, 251
WM 2000, 74
BB 2000, 585
DB 2000, 417
Sie hätte sich dann in einem Tatbestandsirrtum befunden, mit der Folge, dass die subjektiven Voraussetzungen eines Sittenverstoßes zu verneinen wären (vgl. RGZ 159, 211, 227; BGHZ 101, 380, 388 ; BGH…, Urteil vom 28. September 1973 - I ZR 136/71 - aaO;… vom 19. Februar 1986 - IVb ZR 71/84 - aaO; vom 15. September 1999 - I ZR 98/97 - VersR 2001, 251, 253;… Staudinger/Oechsler, aaO, Rn. 89;… Spindler in Bamberger/Roth, BGB, 2. Aufl., § 826 Rn. 10).
Die Art und die Richtung der Schädigungsfolgen müssen ebenfalls vorausgesehen und gewollt oder jedenfalls billigend in Kauf genommen worden sein (vgl. BGH, Urteil vom 15.09.1999 - I ZR 98/97, NJW-RR 2000, 393, 395).
Anders als im Rahmen von § 823 BGB muss sich der Vorsatz bei § 826 BGB auch auf den Schaden selbst erstrecken (BGH, Urteil vom 15.09.1999, NJW-RR 2000, 393 - 395).
Hinsichtlich der Schädigung ist der Vorsatz zu bejahen, wenn der Schädiger die Art und Richtung der Schadensfolgen vorausgesehen und gewollt oder zumindest billigend in Kauf genommen hat (vgl. BGH, Urteil vom 20.11.1990 - VI ZR 6/90 = NJW 1991, 634; Urteil vom 15.09.1999 - I ZR 98/97 = NJW 2000, 393).
Die Beklagte zu 2 musste bei Verkauf an einen gewerblichen Fahrzeughändler eine Weiterveräußerung des Gebrauchtwagens ernsthaft in Betracht ziehen und hat diese, einschließlich der damit verbundenen Vermögensnachteile beim Kläger als Dritterwerber, billigend in Kauf genommen (BGH, Urt. v. 15.9.1999, NJW-RR 2000, 393;… OLG Braunschweig, 8 U 29/05, NJW 2007, 609, Rn. 21 m. w. N., zit. n. Juris).
Erforderlich und ausreichend ist vielmehr, dass der Vorsatz Richtung und Art des Schadens umfasst und der Ersatzpflichtige den dem Ersatzberechtigten entstandenen Schaden zumindest in Form des bedingten Vorsatzes zufügt (…BGH, Urt. v. 14.6.2000 - VIII ZR 218/99, NJW 2000, 2896;… Urt. v. 20.11.1990, BGHR BGB § 826 Schädigungsvorsatz 2; Urt. v. 15.9.1999 - I ZR 98/97, BGHR BGB § 826 Schädigungsvorsatz 7;… BGH, Urt. v. 28.6.1966 - VI ZR 287/64, VersR 1966, 1032, 1034;… Urt. v. 27.1.1994 - I ZR 326/91, ZIP 1994, 789, 792;… MünchKomm(BGB)/Wagner, 4. Aufl., § 826 Rdn. 20).
Die Verwirklichung des subjektiven Tatbestandes setzt nämlich voraus, dass der Schädiger zwar nicht die Person des Geschädigten, so doch zumindest Art und Richtung des eingetretenen Schadens kannte (…BGH, Urt. v. 14.6.2000 - VIII ZR 218/99, NJW 2000, 2896;… Urt. v. 20.11.1990, BGHR BGB § 826 Schädigungsvorsatz 2; Urt. v. 15.9.1999 - I ZR 98/97, BGHR BGB § 826 Schädigungsvorsatz 7;… BGH, Urt. v. 28.6.1966 - VI ZR 287/64, VersR 1966, 1032, 1034;… Urt. v. 27.1.1994 - I ZR 326/91, ZIP 1994, 789, 792;… MünchKomm(BGB)/Wagner, 4. Aufl., § 826 Rdn. 20;… Bamberger/Roth/Spindler, BGB, § 826 Rdn. 10).
Da die hier in Rede stehende Software gegen Zahlung eines Einmalentgelts auf Dauer überlassen wird (zur entsprechenden Anwendung kaufvertragsrechtlicher Bestimmungen vgl. BGH NJW 1981, 2684; CR 1987, 358; NJW 1990, 3011 = CR 1990, 707; CR 1997, 470, 472; CR 2000, 207; krit. Ulmer, CR 2000, 493 ff)) und daher die Sicherung eines vertraglichen Zahlungsanspruchs ausscheidet, kann der Einsatz von Programmsperren allenfalls unter dem Gesichtspunkt des Mißbrauchsschutzes in Betracht kommen (vgl. Wuermeling, CR 1994, 585 ff; die Zulässigkeit derartiger Maßnahmen blieb in der Entscheidung BGH CR 2000, 94 Programmsperre offen; vgl. zur instanzgerichtlichen Rechtsprechung Wuermeling in seiner Anmerkung CR 2000, 96 f).
Bei der - regelmäßig nur durch Indizien möglichen - Ermittlung der subjektiven Seite ist in Rechnung zu stellen, dass im Rechtsverkehr grundsätzlich jeder darauf vertrauen darf, dass der andere Teil die Regeln und Gepflogenheiten eines redlichen Geschäftsverkehrs beachtet und niemand ohne besondere Anhaltspunkte mit der Unredlichkeit seines Geschäftspartners rechnen muss, weshalb regelmäßig nicht verlangt werden kann, dass das arglistige Verhalten eines Dritten zum Gegenstand der eigenen Betrachtungen und Voraussicht gemacht wird (vgl. BGH, Urteil vom 15. September 1999 - I ZR 98/97, NJW-RR 2000, 393 [unter II 2 b bb]).
LG Kassel, 29.03.2001 - 1 S 452/00