Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=2%20Ws%20227/10
Timestamp: 2019-03-26 15:48:12
Document Index: 43173741

Matched Legal Cases: ['§ 172', '§ 203', '§ 2', '§ 121', '§ 121', 'BGH', '§ 67', '§ 2', 'EGMR', '§ 67']

Rechtsprechung: 2 Ws 227/10 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: OLG Karlsruhe, 04.08.2010
StPO § 172; StPO § 203
mittelbayerische.de (Pressebericht, 26.04.2013)
Der unerklärliche Tod eines jungen Mannes
spiegel.de (Pressebericht zum Verfahren - vor Ergehen der Entscheidung, 21.12.2009)
sueddeutsche.de (Pressebericht zum Verfahren - vor Ergehen der Entscheidung, 17.09.2009)
Fall Tennessee Eisenberg: Ein Tod, der die Politik kaltlässt
§§ 2 Abs. 6, 67d Abs. 3 StGB; § 121 Abs. 2 Nr. 3 GVG; Artt. 5, 7 EMRK
Zur Vorlagepflicht bei Entscheidungen über die Erledigung der Sicherungsverwahrung gemäß § 121 Abs. 2 Nr. 3 GVG
Imme die anderen? Aber: So einfach wie sich Frau Leutheuser-Schnarrenberger das (vielleicht) gedacht hat, läuft es nicht…
Sicherungsverwahrung - und keine Vorlage an den BGH
NStZ-RR 2010, 322
Die Rechtsprechung der zuständigen Oberlandesgerichte war ebenfalls uneinheitlich (vgl. einerseits OLG Frankfurt am Main…, Beschluss vom 24. Juni 2010 - 3 Ws 485/10 -, NStZ 2010, S. 573; OLG Hamm, Beschluss vom 6. Juli 2010 - 4 Ws 157/10 -, juris; OLG Karlsruhe, Beschluss vom 4. August 2010 - 2 Ws 227/10 -, NStZ-RR 2010, S. 322; andererseits OLG Celle, Beschluss vom 25. Mai 2010 - 2 Ws 169/10, 170/10 -, NStZ-RR 2010, S. 322; OLG Stuttgart…, Beschluss vom 1. Juni 2010 - 1 Ws 57/10 -, RuP 2010, S. 157; OLG Koblenz…, Beschluss vom 7. Juni 2010 - 1 Ws 108/10 -, RuP 2010, S. 154; OLG Nürnberg, Beschluss vom 24. Juni 2010 - 1 Ws 315/10 -, juris; OLG Köln, Beschluss vom 14. Juli 2010 - 2 Ws 431/10 -, juris).
Allerdings hat das Oberlandesgericht Karlsruhe (Beschluss vom 04.08.2010 - 2 Ws 227/10) gemeint, der 4. Strafsenat habe die Rechtsfrage implizit auch für § 67d Abs. 3 Satz 1 StGB entschieden.
Entgegen der Auffassung der Verteidigerin gibt der Beschluss des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 04.08.2010 - 2 Ws 227/10 - keinen Anlass, an der Zulässigkeit der Vorlage zu zweifeln (vgl. auch den parallelen Vorlagebeschluss des Oberlandesgerichts Nürnberg vom 04.08.2010 - 1 Ws 404/10).
Dieser Rechtsauffassung haben sich zwischenzeitlich die Oberlandesgerichte Frankfurt (Beschlüsse vom 24.06.2010 - 3 Ws 485/10 - und vom 01.07.2010 - 3 Ws 418/10 und 3 Ws 539/10); Hamm (Beschluss vom 06.07.2010 - 4 Ws 157/10), Karlsruhe (Beschlüsse vom 15.07.2010, - 2 Ws 458/09 - und vom 04.08.2010 - 2 Ws 227/10) und Schleswig (Beschluss vom 15.07 2010 - 1 OJs 3/10) angeschlossen (ebenso Grabenwarter JZ 2010, 857; Gaede HRRS 2010, 329, 332 ff.).
Die letzte Entscheidung des Landgerichts Freiburg vom 09.06.2010 hob das Oberlandesgericht Karlsruhe auf die sofortige Beschwerde des Betroffenen mit Beschluss vom 04.08.2010 (Az. 2 Ws 227/10, As. I 23) auf und erklärte die Sicherungsverwahrung für erledigt.
Dieselbe Ansicht vertreten die Oberlandesgerichte Frankfurt am Main (u. a. Beschluss vom 19. August 2010 - 3 Ws 688+689/10), Hamm (Beschluss vom 6. Juli 2010 - 4 Ws 157/10 -, und Karlsruhe (u. a. Beschluss vom 04. August 2010 - 2 Ws 227/10 - zitiert nach juris).
Zwar folgt diese Erledigung nicht - wie vom Senat früher vertreten (vgl. NStZ-RR 2010, 322) - aus dem Umstand, dass in sog. Altfällen, zu denen auch der vorliegende zählt, in konventionskonformer Auslegung des § 2 Abs. 6 StGB unter Berücksichtigung der Entscheidung des EGMR vom 17.12.2009 (StV 2010, 181ff.) das Rückwirkungsverbot mit der Folge einer zehnjährigen Befristung der ersten Sicherungsverwahrung nach § 67d Abs. 1 StGB gilt.