Source: http://m.hensche.de/Urlaub_bei_Teilzeit_Urlaub_bei_Wechsel_von_Vollzeit_zu_Teilzeit_EuGH_C-415-12.html
Timestamp: 2017-03-24 20:04:14
Document Index: 90792210

Matched Legal Cases: ['Art.7', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

HENSCHE Arbeitsrecht: Urlaub bei Teilzeit
Was geschieht mit dem Resturlaub nach einer Verringerung der Arbeitszeit?
Der vierwöchi­ge ge­setz­li­che Min­des­t­ur­laub in Deutsch­land er­gibt sich da­her erst aus ei­ner Um­rech­nung: Rech­net man die im BUrlG vor­ge­schrie­be­nen 24 Werk­ta­ge in Wo­chen um, er­ge­ben sich (24 : 6 =) vier Wo­chen Ur­laub. Ar­beit­neh­mer, die we­ni­ger als sechs Ta­ge pro Wo­che ar­bei­ten, müssen die­se vier Wo­chen dann wie­der mit der An­zahl ih­rer wöchent­li­chen Ar­beits­ta­ge mul­ti­pli­zie­ren, um auf ih­re Ur­laubs­ta­ge zu kom­men. So hat man z.B. bei ei­ner Fünf-Ta­ge-Wo­che ei­nen ge­setz­li­chen Ur­laub von (4 Wo­chen x 5 Ar­beits­ta­ge =) 20 Ar­beits­ta­gen. Im Ge­setz nicht ge­re­gelt ist die Fra­ge, wie of­fe­ner Rest­ur­laub beim Über­gang von Voll­zeit zu Teil­zeit um­zu­rech­nen ist. Was pas­siert mit dem Rest­ur­laub, den ein Ar­beit­neh­mer während ei­ner voll­zei­ti­gen (fünftägi­gen) Beschäfti­gungs­zeit er­wor­ben, aber nicht ge­nom­men hat, wenn sei­ne Ar­beits­zeit auf ei­nen Teil­zeit­um­fang ver­rin­gert wird? Hier gibt es zwei Be­trach­tungs­wei­sen:
Und da die für den Ar­beit­neh­mer ungüns­ti­ge Um­rech­nung des Rest­ur­laubs beim Wech­sel von Voll­zeit zur Teil­zeit ihm sei­nen be­reits er­wor­be­nen Ur­laub weg­knapst, verstößt sie ge­gen Art.7 der Richt­li­nie 2003/88/EG, so je­den­falls das Ar­beits­ge­richt Nien­burg. Über die Vor­la­ge des Ar­beits­ge­richts Nien­burg hat nun­mehr vor zwei Wo­chen der EuGH ent­schie­den: EuGH, Be­schluss vom 13.06.2013, Rechts­sa­che C-415/12 (Bran­des ./. Land Nie­der­sach­sen).
Der Fall Bianca Brandes: Nach Mutterschutz und Elternzeit Kürzung des Resturlaubs um 12 Tage?
Die kla­gen­de Ar­beit­neh­me­rin, Frau Bi­an­ca Bran­des, war zunächst voll­zei­tig in ei­ner Fünf-Ta­ge-Wo­che beschäftigt. Im Jahr 2010 konn­te sie we­gen ei­nes schwan­ger­schafts­be­ding­ten Beschäfti­gungs­ver­bo­tes und während der Zei­ten ih­res Mut­ter­schut­zes 22 Ur­laubs­ta­ge nicht neh­men. Ab Mit­te De­zem­ber 2011 ar­bei­te­te sie nur noch im hälf­ti­gen Um­fang, und zwar drei Ta­ge pro Wo­che. Zu die­ser Zeit wa­ren wei­te­re sie­ben Ar­beits­ta­ge Ur­laub of­fen. Da­her woll­te Frau Bran­des ge­richt­lich fest­stel­len las­sen, dass aus 2010 und 2011 ins­ge­samt 29 Ar­beits­ta­ge Ur­laub in das Jahr 2012 über­tra­gen wur­den. Ihr Ar­beit­ge­ber, das Land Nie­der­sach­sen, nahm die Um­rech­nung aber in der oben be­schrie­be­nen, d.h. für den Ar­beit­neh­mer ungüns­ti­gen Wei­se vor. Dem Land Nie­der­sach­sen zu­fol­ge müssen die 29 Ar­beits­ta­ge Ur­laub aus der Voll­zeit durch die da­ma­li­gen fünf Ar­beits­ta­ge ge­teilt, d.h. in Wo­chen um­ge­rech­net und mit der neu­en Zahl der Ar­beits­ta­ge, d.h. mit drei, mul­ti­pli­ziert wer­den. Ab­ge­run­det würden der Kläge­rin da­mit 17 Ar­beits­ta­ge Ur­laub zu­ste­hen, im­mer­hin 12 we­ni­ger als von ihr er­rech­net.
EuGH: Arbeitnehmer dürfen durch den Wechsel von Vollzeit zu Teilzeit keine während der Vollzeittätigkeit erworbenen Urlaubsansprüche verlieren
Da­bei be­ruft sich der Ge­richts­hof auf ei­ne Ent­schei­dung aus dem Jah­re 2010, die ei­nen öster­rei­chi­schen Vor­la­ge­fall be­traf (EuGH, Ur­teil vom 22.04.2010, C-486/08 - Zen­tral­be­triebs­rat der Lan­des­kran­kenhäuser Ti­rols). Be­reits in die­sem Ur­teil hat­te der EuGH klar­ge­stellt, dass der Über­gang von Voll­zeit zu Teil­zeit we­der den Ur­laubs­an­spruch re­du­zie­ren noch da­zu führen darf, dass der Ar­beit­neh­mer den be­reits er­wor­be­nen Ur­laub nur mit ge­rin­ge­rem Ur­laubs­ent­gelt ver­brau­chen kann. Al­ler­dings lag dem öster­rei­chi­schen Fall ei­ne Ur­laubs­be­rech­nung in St­un­den zu­grun­de, die sich von der deut­schen Be­rech­nung nach Ta­gen un­ter­schei­det, so dass das o.g. EuGH-Ur­teil aus dem Jah­re 2010 nicht oh­ne wei­te­res auf das deut­sche Ur­laubs­recht zu über­tra­gen ist.
Bewertung: Ur­laub bei Teil­zeit