Source: http://flugrechte.eu/index.php?qa=8867&qa_1=%C3%A4nderung-zugesicherten-zielflughafes-anderen-flughafen&show=9422
Timestamp: 2017-08-18 07:06:46
Document Index: 246656049

Matched Legal Cases: ['§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', 'EuG', '§651', 'Art. 7', '§ 651']

Änderung des zugesicherten Zielflughafes (=Wohnort) auf anderen Flughafen - Flugrechte
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Änderung des Abflugortes und Vorlegung des Fluges
Anrecht auf Entschädigung bei Änderung des Rückflug der Air-Berlin zu einem anderen Ort?
Flugzeitenverschiebung (405)
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In der Ausschreibung einer Kreuzfahrt wurde der Rückflug von Italien nach Nürnberg (=unser Wohnort) zugesichert. Bestätigt wurde nun der Rückflug von Italien nach München. Eine Umbuchung des Fluges wurde vom Veranstalter verweigert und evtl. ein Rail- and Flyticket in Aussicht gestellt.
Nachdem nur noch wenige Tage bis zum Reiseantritt bestehen, folgende Fragen:
1. Muss ich ein Rail- and Flyticket als vollständigen Ersatz akzeptieren, weil sich dadurch die Reisezeit wesentlich verlängert und die Reise wesentlich beschwerlicher wird?
2. Kann ich einen Airport-Shuttle beauftragen und die Kosten dem Veranstalter in Rechnung stellen oder muss ich die günstigste Rückreisemöglichkeit ab München wählen?
3. Wie lange muss ich warten, bis eine Entscheidung des Veranstalters bzgl. Rail- and Flyticket vorliegt?
bezieht sich auf eine Antwort auf: Ist die Änderung des vertraglich festgelegten Flughafen rechtens und welche Möglichkeiten habe ich?
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Gefragt 20 Mär in Reisevertragsrecht von Weisslein Siegfried (120 Punkte)
Ihr habt eine Kreuzfahrt gebucht, dessen Rückflug ursprünglich von Italien nach Nürnberg führen sollte. Es gab nun eine Änderung, sodass euer Rückflug nach München geht. Damit seid ihr nicht einverstanden.
Da du eine Pauschalreise gebucht hast kann ich mir vorstellen, dass dir Ansprüche aus den §§ 651 a - m BGB zustehen.
Hast du nämlich einen Reisevertrag gebucht, § 651 a BGB, wie eben bei einer Pauschalreise, dann kann sich aus § 651d BGB beispielsweise ein Anspruch auf Reisepreisminderung ergeben, oder aber die Möglichkeit die Reise im Sinne von § 651e BGB zu kündigen. Und zwar einmal dann, wenn die Reise mangelbehaftet ist, also ein Mangel vorliegt, und außerdem dann, wenn dein Reiseveranstalter diesem Mangel nicht abhilft, siehe § 651c BGB.
Wann ein Mangel vorliegt bestimmt sich ebenfalls nach § 651c:
Also wenn eine Reise nicht die zugesicherten Eigenschaften hat und mit Fehlern behaftet ist. Dies muss dem Reisenden außerdem unzumutbar sein.
Euer Rückflug wurde verändert. Ob dies ein Mangel beziehungsweise unzumutbar sein kann, kann möglicherweise durch vergleichbare Urteile eingegrenzt werden:
AG Kleve, Urteil vom 20.01.1999, Az.: 3 C 564/98 (einfach zu finden, wenn du bei Google eingibst: AG Kleve AZ.: 3 C 564/98 reise-recht-wiki.de)
Änderung des Abflugortes von Paderborn auf Münster durch den Reiseveranstalter und eine Verspätung um knapp 8,5h Stunden. Führte zu einer Minderung in Höhe von 5 % des Tagespreises pro Stunde.
AG Düsseldorf, Urteil vom 08.07.1998, Az.: 25 C 7283/98 (einfach zu finden, wenn du bei Google eingibst: AG Düsseldorf AZ.: 25 C 7283/98 reise-recht-wiki.de)
AG Düsseldorf, Urteil vom 12.04.2002, Az.: 30 C 14061/01 (ganz einfach zu finden, wenn du bei Google AG Düsseldorf 30 C 14061/01 reise-recht-wiki.de eingibst)
Landung in München anstatt in Nürnberg. Rückflug von 15.00 Uhr auf 5.00 Uhr vorverschoben. Reisemangel und Unzumutbarkeit bejaht.
Änderungen eines eigentlich gebuchten Ziel- oder Abflugortes wurden also durch das AG Kleve und Düsseldorf bestätigt als mögliche Reisemängel eingeordet. Ihr wurdet von Nürnberg nach München umgebucht. Das sind knapp 170 km. Vergleichbar ist das streckenmäßig deshalb denke ich mit dem Urteil des AG Kleve, bei dem den Klägern eine Minderung von 5 % des Tagespreises pro Stunde zugesprochen wurde. Allerdings muss ich dazu sagen, dass bei dem Urteil des AG Kleve außerdem eine Flugzeitenverschiebung von knapp 8 Stunden vorlag, ebenso lag auch eine Vorverlegung beim Urteil des AG Düsseldorf von 2002 vor. Du schreibst nicht, ob sich auch eure Flugzeiten verändern, dies wäre interessant zu wissen.
Schafft euer Reiseveranstalter also keine Abhilfe - das heißt einen Flug nach Nürnberg - dann ist es denke ich möglich, dass ihr gemäß § 651d BGB eine Minderung eures Reisepreises verlangen und erhalten könnt. Überprüfe dazu aber vielleicht noch einmal eure Reisezeiten.
Du fragst außerdem, wie es mit einem Rail and Fly Ticket aussieht. Mir ist nicht bekannt, dass solch ein Ticket als Ersatz der Ansprüche aus dem BGB fungieren würde. Sicher kann dein Reiseveranstalter dir dieses Angebot machen, aber ich denke, dass du es auch ablehnen kannst, wenn du beispielsweise Interesse an einer Reisepreisminderung hast.
Da ich persönlich davon ausgehen würde, dass die Flughafenänderung einen Mangel begründen kann, denke ich auch, dass dein Reiseveranstalter die Mehrkosten tragen müsste, die mit der deshalb anfallenden Fahrt verbunden sind. Bietet dir der Reiseveranstalter so ein Ticket also noch, ist das denke ich sehr gut.
Wenn nicht, dann würde ich persönlich nicht empfehlen die teuerste Rückreisemöglichkeit zu wählen. Kommt beispielsweise ein Koffer einige Tage später bei seinem Eigentümer an, dann werden diese auch keine Luxusanschaffungen ersetzt, die er in der Zwischenzeit getätigt hat. Ich denke, dass eine gewisse Verhältnismäßigkeit zu wahren ist. Aber im Endeffekt ist es deine Entscheidung.
Wie lange du auf eine Rückmeldung deines Reiseveranstalters warten musst ist meines Wissens nach nicht festgelegt. Eine angemessene Zeit erscheinen für eine Fristsetzung meine ich etwa 2 Wochen. Allerdings erwähnst du, dass der Reiseantritt unmittelbar bevorsteht. Insofern kann diese Frist sicher verkürtzt werden.
Melde dich also einmal bei deinem Reiseveranstalter, stelle ihm deine Fragen vielleicht auch noch einmal selbst, und verlange, wenn du möchtest, eine Reisepreisminderung. Es klang nicht so, als würdest du die Reise gerne absagen. Dies steht dir aber natürlich auch offen. Bei Vorliegen eines Mangels, wie bei dir ja möglich, so § 651e BGB über die Kündigung eines Reisevertrages wegen Mangels:
Sollte die Änderung deines Rückfluges möglicherweise auf die Airline zurückführen zu sein, dann könnten sich für dich außerdem Ansprüche aus der EU-Fluggastrechteverordnung ergeben.
Dabei denke ich, dass Ansprüche aus Artikel 5 und Artikel 7 und 8 EU-VO für dich interessant sein könnten.
Nach Artikel 5 können Ansprüche aus Artikel 7 und 8 in Frage kommen, wenn eine Annulierung eines Fluges vorliegt.
Der EuGH definierte die Annulierung so. Du bist auf einen anderen Flughafen umgebucht worden, und wie oben bereits durch 3 Urteile umrahmt, kann davon ausgegangen werden, dass dein ursprünglicher Flug nicht mehr so durchgeführt wurde wie geplant, und eine Annulierung vorliegt.
Dann gewährt dir Artikel 8 EU-VO beispielsweise folgendes:
b) anderweitiger Beförderung zum Endziel unter verglei
Beantwortet 19 Jun von HeliMoon (4,390 Punkte)
Ihnen wurde in einer Ausschreibung einer Kreuzfahrt ein Rückflug von Italien nach Nürnberg zugesichert.
Bedauerlicherweise wurde in der Buchungsbestätigung jedoch München als Zielflughafen aufgeführt statt Nürnberg.
Sie fragen sich nun ob und wenn ja welche Ansprüche sie gegen die Fluggesellschaft stellen könnten.
Meines Erachtens nach könnten sie zunächst eine entsprechende Entschädigung gegen den Reiseveranstalter geltend machen, sofern ein sog. Reisemangel nach §651 c BGB vorliegt.
Auf der selben Grundlage könnten Sie darüber hinaus eine Entschädigung fordern, weil der Zielflughafen geändert wurde und ihnen dadurch Transportkosten durch das Taxi entstanden sind.
Durch die Änderung des Zielflughafens für den Rückflug ist ihnen ein Umstand entstanden der auch mit Kosten verbunden war.
Die Verlängerung des Heimwegs mit den verbundenen Kosten sollten für eine Ausgleichszahlung meines Erachtens nach ausreichen.
Darüber hinaus könnten Sie eine Ausgleichszahlung nach Art. 7 der EG-Verordnung 261/2004 fordern hinsichtlich der Vorverlegung des Rückflugs und Änderung des Zielflughafens.
AG Erding, Urt. v. 17.04.2013 (leicht zu finden im Volltext unter der googlesuche "2 C 228/13 reise-recht-wiki")
AG Düsseldorf, Urt. v. 12.04.2002(leicht zu finden im Volltext unter der googlesuche "30 C 14061/01 reise-recht-wiki")
Ich hoffe ich konnte ihnen etwas weiterhelfen und wünsche ihnen einen gute Restwoche und einen guten Start ins Wochenende :)
Beantwortet 6 Jul von George (7,230 Punkte)
Aufgrund der Notwendigkeit, eine kurzfristige Entscheidung zu treffen, habe ich mich kurz vor der Abreise entschieden, einen Flughafenshuttle von München nach Nürnberg für 138 € für 2 Personen zu beauftragen. Diese Absicht hatte ich auch dem Veranstalter 1 Woche vorher mitgeteilt und darauf keine Antwort erhalten. Die Rechnung habe ich diesem dann zur Erstattung mit Hinweis auf § 651c BGG weitergeleitet. Nach zweimaliger Mahnung mit Vollstreckungsandrohung wurde dann der Betrag erstattet. Ich bedanke mich für die ausführliche Kommentierung.
Kommentiert 9 Jul von Weisslein Siegfried (120 Punkte)