Source: http://www.juralit.com/2015/08/15/ein-exzellenter-kommentar-zum-urheberrecht-2/
Timestamp: 2018-09-20 03:19:49
Document Index: 341160103

Matched Legal Cases: ['§ 61', '§ 13', '§ 38', 'EuG', 'BGH', 'EGMR', 'BGH', 'EuG', 'EuG']

Ein exzellenter Kommentar zum Urheberrecht
Dreier/Schulze, UrhG, 5. Aufl., 2015, C.H.Beck
Thomas Dreier/Gernot Schulze
unter Mitwirkung von Louisa Specht
München: C.H.Beck, 2015, 2323 S., 159 Euro
Das Urheberrecht stellt in der digitalisierten Informationsgesellschaft, deren Vernetzung maßgeblich auf mobiler und leitungsgbundener Telekommunikation beruhen, den entscheidenden Rechtsrahmen für die Schaffung, Verbreitung und Nutzung des Rohstoffs Information dar, wenn und soweit es sich um urheberrechtlich schutzfähige Werke und Leistungen handelt. Dieser Rechtsrahmen regelt - nicht in jeder Hinsicht abschließend und aufgrund technischer Entwicklungen immer wieder lückenhaft - das Verhältnis zwischen Urhebern und Rechteverwertern, betrifft aber auch das Verhältnis von Verlegern und Produzenten untereinander. Darüber hinaus bestimmt es, wie die Gesellschaft mit geschützten Werken und Leistungen umgehen muss. Die hier bestehenden nationalen Regeleungen geraten immer mehr unter den Einfluss des europäischen und des internationalen Rechts und fügen sich nicht bruchlos ineinander.
Seit der letzten Auflage aus dem Jahr 2013 war das Urheberrecht erneut in erheblicher Bewegung. Zu verzeichnen waren erhebliche Gesetzesänderungen wie die Auswirkungen der Schutzdauerrichtlinie 2011/77/EG auf das nationale Recht, der EU - Richtlinie zu den verwaisten und vergriffenen Werken, die in den neuen §§ 61-61c UrhG sowie §§ 13c und 13d UrhWG ihre Umsetzung erfahren hat, die EU-Richtlinie RL 2014/26 EG zu den Verwertungsgesellschaften sowie das Gesetz über unseriöse Geschäftspraktiken mit seinen Auswirkungen auf die Abmahnungen und den fliegenden Gerichtsstand in privaten Internetangelegenheiten. Hinzu kommen noch die Änderungen in § 38 Abs.4 UrhG zum Zweitverwertungsrecht wissenschaftlicher Autoren. Weitere Änderungen zeichnen sich bereits ab. Auch die Änderungen beim Designschutz beeinflussen das Urheberrecht.
Darüber hinaus war eine Fülle an Entscheidungen des EuGH sowie des BGH zu berücksichtigen, wie etwa die Entscheidung “Geburtstagszug” sowie eine erneute Caroline-Entscheidung des EGMR, nebst etwa den neuen “Filesharing”-Urteilen des BGH. Insbesondere die urheberrechtlich relevanten Entscheidungen des EuGH sind erheblich gestiegen, ohne das die Auswirkungen auf das deutsche Recht immer eindeutig sind. Nach wie vor liegt der Schwerpunkt des Kommentars auf der pointierten Auswertung der Rechtsprechung. Das gesamte Urheberrecht wird in diesem Kommentar knapp, sehr präzise und stets hochaktuell kommentiert.
Vertieft wurden etwa aufgrund der bisherigen Praxiserfahrungen die Kommentierung der Normen betreffend das Leistungsschutzrechtes für Presseverleger, auf die bereits die Vorauflage in einem Nachtrag eingegegangen war.
Da die Rechtsprechung sich seit der Vorauflage - wie gezeigt - erheblich weiter entwickelt hat, wird diese Entwicklung entsprechend dokumentiert. Dies gilt - ähnlich wie im Markenrecht - in immer bedeuterenden Ausmaß insbesondere für die Rspr. des EuGH für das Urheberrecht, wobei die Vorlagenfragen aus allen Mitgliedsstaaten der EU kommen, ohne das von einem einheitlichen Urheberrecht der EU gesprochen werden kann. Vielmehr finden sich europarechtliche Prägungen und Überlagerungen, die mit dem nicht vergemeinschafteten Urheberrecht in Einklang gebracht werden müssen, was ein besonderes Anliegen dieses Kommentars ist, der an den geeigneten Stellen stets auf die europarechtlichen Vorlagen zurückgreift und die Umsetzungen bei Bedarf auch kritisch problematisiert.
Diese Entwicklung hat nicht nur dogmatische Auswirkungen, sondern führt zu erheblichen rechtspolitischen Kontroversen - sie schlagen sich unter anderem in allen maßgeblichen Blogs nieder - rund um die zukünftige Ausgestaltung des Urheberrechts, die in dieser Kommentierung auch aufgegriffen werden, da es sich beim Urheberrecht um ein Rechtsgebiet handelt, das zwangsläufig mit zukünftigen gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen konfrontiert wird, wobei mit Kritik nicht gespart wird. Die ausgezeichnete und sehr detaillierte Kommentierung des Kunsturhebergesetzes hat nunmehr Frau Dr. Louisa Specht allein übernommen.
Letztlich geht die Kommentierung auf alle aktuellen Entwicklungen ein und erlaubt dem Rechtsanwender sich dazu eine verlässliche, rechtliche Meinung zu bilden. Die Kommentierung ist dabei betont praxisnah und geht auch auf Praxisfragen ein, die bislang noch nicht Gegenstand von Urteilen waren, wie etwa im Bereich des Urhebervertragsrechts.
Dieser seit der ersten Auflage ganz exzellente Kommentar zum Urheberrecht bietet dem Leser eine Fülle von Informationen, die es erlauben, urheberrechtliche Problemfälle präzise einer praxisorientierten Lösung zuzuführen.
August 15th, 2015 Posted by admin | Medienrecht, Wirtschaftsrecht, IT - Recht | no comments