Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/unterbringung-zur-heilbehandlung-339040
Timestamp: 2020-02-27 07:29:29
Document Index: 50399299

Matched Legal Cases: ['§ 1901', 'Art 2', '§ 1906', 'BGH', '§ 1906', '§ 1901', 'Art. 2', '§ 1906', '§ 1906', '§ 1906', '§ 1906', '§ 1906', '§ 1906', '§ 1906', 'Art. 2', '§ 1896', 'Art. 2', '§ 1904', '§ 22', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Unter­brin­gung zur Heil­be­hand­lung | Rechtslupe
Eine Unter­brin­gung zur Heil­be­hand­lung ist dann nicht anzu­ord­nen, wenn sie allein dar­auf gerich­tet ist, die Behand­lung, in die der Betreu­er zum Woh­le des Betrof­fe­nen bereits ein­ge­wil­ligt hat, gegen den natür­li­chen Wil­len des Betrof­fe­nen durch­zu­set­zen. Eine for­mel­le Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für eine Zwangs­be­hand­lung des Betreu­ten fehlt im Betreu­ungs­recht.
Das Land­ge­richt Stutt­gart geht in der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung mit dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 1 und dem Bun­des­ge­richts­hof 2 davon aus, dass die Ver­ab­rei­chung von Medi­ka­men­ten gegen den geäu­ßer­ten Wil­len des Betrof­fe­nen selbst dann einen schwer­wie­gen­den Ein­griff in die Grund­rech­te des Betrof­fe­nen auf Selbst­be­stim­mung und kör­per­li­che Unver­sehrt­heit dar­stellt, wenn der Betrof­fe­ne auf­grund sei­ner Erkran­kung nicht in der Lage ist, sei­nen Wil­len frei zu bestim­men.
Der Maß­nah­me kann nicht schon des­halb die Ein­griffs­qua­li­tät abge­spro­chen wer­den, weil sie mit Zustim­mung oder auf Anord­nung des Betreu­ers erfolgt, der, wenn die Ein­wil­li­gung des Betrof­fe­nen fehlt, die­se nach § 1901 BGB erset­zen kann.
Für den Betrof­fe­nen wird der Ein­griff, der in einer medi­zi­ni­schen Zwangs­be­hand­lung liegt, nicht dadurch weni­ger belas­tend, dass gera­de ein Betreu­er zustimmt 3. Des­halb ist die Zwangs­be­hand­lung auch im Ver­hält­nis Betreu­er – Betrof­fe­ner als recht­fer­ti­gungs­be­dürf­ti­ger Ein­griff in die Rech­te des Betrof­fe­nen auf Selbst­be­stim­mung und kör­per­li­che Unver­sehrt­heit zu wer­ten.
Die Ein­griffs­qua­li­tät einer Zwangs­be­hand­lung ent­fällt auch nicht des­halb, weil sie etwa zum Zweck der Hei­lung erfol­gen soll, geht es doch um den Schutz auch und ins­be­son­de­re der Selbst­be­stim­mung.
Ein sol­cher Grund­rechts­ein­griff ist gem. Art 2 Abs. 2, 104 Abs. 1 GG nur auf­grund eines for­mel­len Geset­zes, das – so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt – die Vor­aus­set­zun­gen des Ein­griffs in mate­ri­el­ler und for­mel­ler Hin­sicht aus­drück­lich bestimmt, mög­lich. Dabei müs­sen die Vor­aus­set­zun­gen für die Zuläs­sig­keit des Ein­griffs hin­rei­chend klar und bestimmt gere­gelt sein, wobei die Anfor­de­rung an den Grad der Klar­heit und Bestimmt­heit umso stren­ger sind, je inten­si­ver der Grund­rechts­ein­griff ist, den eine Norm vor­sieht. Für die nähe­ren Anfor­de­run­gen kann, nicht zuletzt hin­sicht­lich der Fra­ge, inwie­weit Maß­ga­ben, die sich aus dem Grund­ge­setz ablei­ten las­sen, aus­drück­li­cher und kon­kre­ti­sie­ren­der Fest­le­gung im ein­fa­chen Gesetz bedür­fen, auch der jewei­li­ge Kreis der Norman­wen­der und Norm­be­trof­fe­nen von Bedeu­tung sein 4.
In der Zwangs­be­hand­lung mit Psy­cho­phar­ma­ka sieht das Land­ge­richt Stutt­gart mit dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 5 schon ange­sichts der Wirk­wei­se der Medi­ka­men­te, die see­li­sche Ver­än­de­run­gen bezwe­cken, einen schwer­wie­gen­den Ein­griff in die Grund­rech­te der Betrof­fe­nen. Der Kreis der Norm­be­trof­fe­nen besteht jeden­falls zum Teil aus schwer psy­chisch Kran­ken. Die­se Umstän­de begrün­den hohe Anfor­de­run­gen an die Bestimmt­heit und Klar­heit der Ermäch­ti­gungs­norm. Für die aktu­ell oder poten­ti­ell betrof­fe­nen Unter­ge­brach­ten sowie für die zur Norman­wen­dung in ers­ter Linie beru­fe­nen Ent­schei­dungs­trä­ger, die einer kla­ren, Rechts­si­cher­heit ver­mit­teln­den Ein­griffs­grund­la­ge auch im eige­nen Inter­es­se bedür­fen, müs­sen die wesent­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Zwangs­be­hand­lung zur Errei­chung eines fest defi­nier­ten Zwecks erkenn­bar sein 6.
Im Ein­zel­nen ist den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu ent­neh­men, dass eine Zwangs­be­hand­lung im Rah­men einer öffent­lich­recht­li­chen Unter­brin­gung nur für die Fäl­le gesetz­lich vor­ge­se­hen wer­den kann, in denen eine Ein­wil­li­gung in die Behand­lung an der krank­heits­be­dingt feh­len­den Ein­sichts­fä­hig­keit des Betrof­fe­nen schei­tert. Eine Behand­lung unter Zwang darf nur als letz­tes Mit­tel und nur dann ein­ge­setzt wer­den, wenn sie im Hin­blick auf das Behand­lungs­ziel, das ihren Ein­satz recht­fer­tigt, Erfolg ver­spricht und für den Betrof­fe­nen nicht mit Belas­tun­gen ver­bun­den ist, die außer Ver­hält­nis zu dem zu erwar­ten­den Nut­zen ste­hen. Dies muss sich in hin­rei­chend kon­kre­tem Maße bereits aus der gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung erge­ben. Eine Norm, die ledig­lich vor­sieht, dass die Maß­nah­men dem Betrof­fe­nen zumut­bar sein müs­sen und nicht außer Ver­hält­nis zu dem zu erwar­ten­den Erfolg ste­hen dür­fen, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als nicht hin­rei­chend kon­kret ange­se­hen 7, Rdn. 77)).
Wei­ter­hin muss nach den Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die gesetz­li­che Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge, die eine Zwangs­be­hand­lung im Bereich der öffent­lich­recht­li­chen Unter­brin­gung recht­fer­tigt, ver­fah­rens­recht­li­che Vor­ga­ben ent­hal­ten: Eine Zwangs­be­hand­lung darf nur auf Anord­nung und unter der Lei­tung eines Arz­tes und nach vor­he­ri­ger Ankün­di­gung, unter vor­ge­ge­be­nen Regeln für die Doku­men­ta­ti­on durch­ge­führt wer­den. Die gesetz­li­che Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge muss klar­stel­len, dass eine Zwangs­be­hand­lung nur nach vor­he­ri­ger Bemü­hung um eine auf Ver­trau­en gegrün­de­ten, im Rechts­sin­ne frei­wil­li­gen Zustim­mung ange­ord­net wer­den darf, zudem muss sie eine vor­aus­ge­hen­de Über­prü­fung der Maß­nah­me durch Drit­te in gesi­cher­ter Unab­hän­gig­keit von der Unter­brin­gungs­ein­rich­tung vor­se­hen 8.
Dabei hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus­drück­lich fest­ge­stellt, dass die wesent­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Zwangs­be­hand­lung aus dem Gesetz selbst erkenn­bar sein müs­sen und etwai­gen Män­geln der gesetz­li­chen Rege­lung nicht im Wege ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung abge­hol­fen wer­den kann 9, Rdn. 74, 80))
Die Norm des § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB, der die betreu­ungs­ge­richt­li­che Geneh­mi­gung der Unter­brin­gung zur Heil­be­hand­lung regelt, ent­hält kei­ne der­ar­ti­ge Ermäch­ti­gung zur zwangs­wei­sen Durch­set­zung der Behand­lung gegen­über dem Betrof­fe­nen.
Die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des BGH 10 hat in § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB letzt­lich eine Ermäch­ti­gung zur Zwangs­be­hand­lung gese­hen.
Dabei geht auch die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung davon aus, dass allein aus den gesetz­li­chen Ver­tre­tungs­vor­schrif­ten der §§ 1901, 1902 BGB ein Betreu­er kei­ne Zwangs­be­fug­nis zur Behand­lung her­lei­ten kann.
"Durch die gesetz­li­che Ver­tre­ter­stel­lung" – so der Bun­des­ge­richts­hof 11 – "wird zwar die Rechts­macht des Betreu­ers nach außen begrün­det. Inner­halb sei­nes Auf­ga­ben­krei­ses ist der Betreu­er berech­tigt, die Geschäf­te des Betrof­fe­nen zu besor­gen. Indes­sen ist mit der Ein­räu­mung die­ser Rechts­macht nicht zwin­gend die Macht ver­bun­den, die betrof­fe­ne Ent­schei­dung auch durch­set­zen zu kön­nen. Gera­de im grund­rechts­re­le­van­ten Bereich ist die Rechts­macht des gesetz­li­chen Ver­tre­ters beschränkt. (…) Der Vor­mund nimmt im Rah­men der Für­sor­ge eine öffent­li­che Funk­ti­on wahr und des­halb kann sich auch das Mün­del gegen­über dem Vor­mund auf sei­ne Grund­rech­te beru­fen. Dies vor­aus­ge­setzt, greift der Geset­zes­vor­be­halt in Art. 2 Abs. 2, 104 Abs. 1 GG ein; es bedarf zur Vor­nah­me von Zwangs­be­hand­lun­gen gegen den Wider­stand des Betreu­ten einer Rechts­grund­la­ge durch for­mel­les Gesetz."
Die­ses for­mel­le Gesetz sieht der Bun­des­ge­richts­hof in § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB. Die­ser soll die Zwangs­be­hand­lung ein­wil­li­gungs­un­fä­hi­ger Betrof­fe­nen gegen deren natür­li­chen Wil­len wäh­rend der – gericht­lich geneh­mig­ten – sta­tio­nä­ren Unter­brin­gung ermög­li­chen. Eine Unter­brin­gung zur Heil­be­hand­lung sei nur dann betreu­ungs­ge­richt­lich zu geneh­mi­gen, wenn die Heil­be­hand­lung medi­zi­nisch not­wen­dig sei. Als medi­zi­nisch not­wen­dig kön­ne sie jedoch nur ange­se­hen wer­den, wenn sie recht­lich zuläs­sig sei, so dass der Betrof­fe­ne auf Grund von § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB nur dann unter­ge­bracht wer­den kön­ne, wenn er wäh­rend der Unter­brin­gung auch behan­delt wer­den dür­fe. Wür­de man die zwangs­wei­se Über­win­dung des der Behand­lung ent­ge­gen­ste­hen­den Wil­lens des Betreu­ten auch im Rah­men einer Unter­brin­gungs­maß­nah­me als unzu­läs­sig anse­hen, wäre der Anwen­dungs­be­reich des § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGBG sehr begrenzt. Die Vor­schrift kön­ne daher sinn­voll nur so aus­ge­legt wer­den, dass der Betreu­te die not­wen­di­gen medi­zi­ni­schen Maß­nah­men, in die der Betreu­er zu des­sen Wohl bereits ein­ge­wil­ligt habe, und derent­we­gen der Betreu­te unter­ge­bracht wer­den dür­fe, unab­hän­gig von sei­nem mög­li­cher­wei­se ent­ge­gen­ste­hen­den natür­li­chen Wil­len wäh­rend der Unter­brin­gung zu dul­den habe. 12. Des­halb sei im Rah­men der gericht­li­chen Ent­schei­dung über die Unter­brin­gung zur Heil­be­hand­lung die dann zwangs­wei­se zu dul­den­de Behand­lung so prä­zi­se wie mög­lich anzu­ge­ben, weil sich nur aus die­sen Anga­ben der Unter­brin­gungs­zweck sowie Inhalt, Gegen­stand und Aus­maß der vom Betreu­ten zu dul­den­den Behand­lung hin­rei­chend kon­kret und bestimm­bar ergä­ben 13.
Nach den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom März und Okto­ber 2011, deren Beach­tung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­ner letz­ten Ent­schei­dung 14 aus­drück­lich den Fach­ge­rich­ten zur Auf­ga­be macht, ist nun­mehr § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB anhand beschrie­be­nen Maß­stä­be ver­fas­sungs­kon­form aus­zu­le­gen.
§ 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB ermäch­tigt das Betreu­ungs­ge­richt nach sei­nem Wort­laut nur dazu, die Unter­brin­gung des Betrof­fe­nen zur Heil­be­hand­lung zu geneh­mi­gen, dem Betrof­fe­nen gegen­über also eine frei­heits­ent­zie­hen­de Maß­nah­me anzu­ord­nen, in deren Rah­men dann eine Heil­be­hand­lung durch­ge­führt wer­den kann. Der Wort­laut des § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB ent­hält kei­ner­lei Hin­weis auf eine Zwangs­be­hand­lung. Für den jewei­li­gen Kreis der Norm­be­trof­fe­nen, bei denen es sich in aller Regel um schwer psy­chisch erkrank­te und des­halb beein­träch­tig­te Men­schen han­delt, ergibt sich kei­nes­wegs bereits aus dem Wort­laut der Vor­schrift, dass die Heil­be­hand­lung auch gegen den Wil­len des Betrof­fe­nen durch­ge­führt wer­den kann, dass die Norm also etwa zur Zwangs­me­di­ka­ti­on berech­ti­gen soll 15.
Zudem hat der Gesetz­ge­ber § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB bewusst nicht als Grund­la­ge für eine Zwangs­be­hand­lung for­mu­liert. Er hat viel­mehr trotz Pro­blem­be­wusst­seins 16 aus­drück­lich davon abge­se­hen, im Betreu­ungs­recht eine Ermäch­ti­gung zur Zwangs­be­hand­lung wie auch ein gene­rel­les Ver­bot der Zwangs­be­hand­lung zu regeln 17. Ein for­mel­les Gesetz (Art. 2 Abs. 2 GG), das zum Grund­rechts­ein­griff berech­tigt, hat er also gera­de nicht geschaf­fen.
Dass die Vor­schrift nach die­sem Ver­ständ­nis nur einen beschränk­ten Anwen­dungs­be­reich hat, muss ange­sichts der unmiss­ver­ständ­li­chen Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hin­ge­nom­men wer­den. Die­sem Ver­ständ­nis steht – wie oben aus­ge­führt – auch der gesetz­ge­be­ri­sche Wil­le nicht ent­ge­gen. Wei­ter ver­kennt das Land­ge­richt Stutt­gart nicht, dass es zumeist dem objek­ti­ven Wohl des Betrof­fe­nen ent­spre­chen mag, eine Behand­lung durch­zu­füh­ren. Das Land­ge­richt sieht – wie auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 7, Rdn. 81)) – die Gefahr, dass sich durch die­se Hand­ha­bung die Unter­brin­gungs­zei­ten für den Ein­zel­nen durch­aus ver­län­gern kön­nen. Die Kam­mer sieht auch, dass die der­zei­ti­ge Situa­ti­on, die eine Behand­lung gegen den Wil­len der Betrof­fe­nen, trotz Behand­lungs­be­dürf­tig­keit, nicht zulässt und auch Akut­zu­stän­den nur noch unzu­läng­lich, etwa mit Fixie­run­gen, begeg­nen lässt, für alle Betei­lig­ten unbe­frie­di­gend ist. Die­ser Nach­teil muss ange­sichts der Schwe­re der Grund­rechts­ein­grif­fe und des Feh­lens einer kla­ren und bestimm­ten Ein­griffs­norm im Sin­ne eines wirk­sa­men Grund­rechts­schut­zes und unter Berück­sich­ti­gung der hier­zu ergan­ge­nen Recht­spre­chung hin­ge­nom­men wer­den 18.
Das Land­ge­richt Stutt­gart muss nicht ent­schei­den, ob und inwie­weit die übri­gen Anfor­de­run­gen, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in den genann­ten Ent­schei­dun­gen zum baden­würt­tem­ber­gi­schen Unter­brin­gungsG und zum rhein­land­pfäl­zi­schen Maß­re­gel­voll­zugsG für eine Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge for­mu­liert hat, im Bereich der Unter­brin­gung nach BGB gewähr­leis­tet sind, da es bereits an einer gesetz­lich nor­mier­ten Ermäch­ti­gung zur Zwangs­be­hand­lung fehlt.
Die Ansicht, die Vor­ga­ben des BVerfG gel­ten für den Bereich des Betreu­ungs­rechts nicht, weil die §§ 1896 ff BGB ein geschlos­se­nen Rege­lungs­sys­tem ent­hal­ten, des­sen Schutz­ni­veau den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen sowohl in mate­ri­el­ler als auch in ver­fah­rens­recht­li­cher Hin­sicht gerecht wür­de 19, kann nicht über­zeu­gen. Die Vor­ga­ben des BVerfG zur ermäch­ti­gen­den Norm grün­den auf der Qua­li­tät des Grund­rechts­ein­griffs. Für den Betrof­fe­nen wird der Ein­griff, der in der medi­zi­ni­schen Zwangs­be­hand­lung liegt, nicht dadurch weni­ger belas­tend, dass gera­de ein Betreu­er zustimmt 3. Es ist gem. Art. 2 Abs. 2 GG dem Gesetz­ge­ber vor­be­hal­ten, Ein­griffs­be­rei­che und deren Zie­le zu for­mu­lie­ren, dies ist hier nicht erfolgt. Eine Norm, deren Wort­laut für den Kreis der Norman­wen­der und Norm­be­trof­fe­nen klar ergibt, dass die Zwangs­be­hand­lung betreu­ungs­ge­richt­lich geneh­migt wer­den kann, erkennt die Kam­mer auch nicht in den übri­gen Vor­schrif­ten des Betreu­ungs­rechts. Ledig­lich in § 1904 BGB wird für gefähr­li­che ärzt­li­che Ein­grif­fe das betreu­ungs­ge­richt­li­che Geneh­mi­gungs­er­for­der­nis – aller­dings unab­hän­gig vom natür­li­chen Wil­len des Betrof­fe­nen – gere­gelt, dies ist hier nicht gege­ben.
Land­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 16. Febru­ar 2012 – 2 T 35/​12
Zwangs­be­hand­lung im Maß­re­gel­voll­zug Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt war jetzt die Ver­fas­sungs­be­schwer­de eines im Maß­re­gel­voll­zug des Frei­staa­tes Sach­sen Unter­ge­brach­ten gegen sei­ne Zwangs­be­hand­lung im Maß­re­gel­voll­zug erfolg­reich. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erklär­te § 22…
BVerfG NJW 2011, 2113[↩]
BGH NJW 2006, 1277[↩]
BVerfG, NJW 2011, 2113, 2118, Rdn. 71[↩][↩]
BVerfG, NJW 2011, 2113, 2119, Rdn. 73[↩]
BVerfG, NJW 2011, 2113, 2114, Rdn. 44[↩]
vgl. BVerfG, NJW 2011, 2113, 2119, Rdn. 74[↩]
BVerfG, NJW 2011, 2113 ((2120[↩][↩]
BVerfG, NJW 2011, 3571, 3572, Rdn. 43 und 44; NJW 2011, 2113, 2120, Rdn. 79 f.[↩]
BVerfG, NJW 2117 ((2113[↩]
BGH, Fam­RZ 2006, 615[↩]
BGH, NJW 2006, 1277, 1279[↩]
BGH, NJW 2006, 1277, 1280, Rdn. 24[↩]
BGH, NJW 2006, 1277, 1281, Rdn. 27[↩]
BVerfG, Beschluss vom 15.12.2011 – 2 BvR 2362/​11[↩]
so auch Moll-Vogel, FamRB 2011, 249, jeden­falls zwei­felnd: Bien­wald, FRP 2012, 4; AG Bre­men, Beschluss vom 16.01.2012 – 41 XVII A 89/​03[↩]
BT-Drucks 11/​4528 S. 70 – 72[↩]
BT-Drucks. 11/​4528, 72[↩]
BVerfG, NJW 2011, 2113, 2120, Rdn. 81[↩]
vgl. Olzen/​Metzmacher BtPrax 2011, 233[↩]