Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/gesellschaftsrecht/auskunft-ueber-die-treuhandgesellschafter-389388
Timestamp: 2020-08-12 19:04:39
Document Index: 288424324

Matched Legal Cases: ['§ 242', '§ 242', '§ 226', '§ 666', '§ 666', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 28']

Auskunft über die Treuhandgesellschafter | Rechtslupe
Einem Kom­man­di­tis­ten hat gegen den regis­ter­füh­ren­den Treu­hand­ge­sell­schaf­ter, mit dem er durch einen Ver­wal­tungs­treu­hand­ver­trag ver­bun­den ist, einen Anspruch auf Aus­kunft über Namen und Anschrif­ten der Treu­ge­ber. Die­ser Anspruch besteht bereits aus der gesell­schafter­li­chen Ver­bun­den­heit iVm § 242 BGB [1].
Die Treu­ge­ber sind im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen FaAll zwar weder unmit­tel­ba­re Ver­trags­part­ner der Kom­man­di­tis­tin [2] noch mit ihr durch eine Innen­ge­sell­schaft ver­bun­den [3] oder nach den Rege­lun­gen im Gesell­schafts- und Treu­hand­ver­trag – anders als in den Sach­ver­hal­ten, die den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs vom 05.02.2013 [4] zugrun­de lagen – wie unmit­tel­ba­re Mit­ge­sell­schaf­ter der Kom­man­di­tis­tin zu behan­deln sind (sog. qua­li­fi­zier­te Treu­hand). Die Kom­man­di­tis­tin und die Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin sind jedoch bei­de unmit­tel­ba­re Kom­man­di­tis­ten – die Kom­man­di­tis­tin ist als sol­che, nach­dem sie sich zuvor nur als Treu­ge­be­rin betei­ligt hat­te, inzwi­schen im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen – und dem­ge­mäß durch den Gesell­schafts­ver­trag mit­ein­an­der ver­bun­den. Auf­grund die­ser (gesellschafts)vertraglichen Bezie­hung schul­den sie sich in die­sem Ver­hält­nis gegen­sei­ti­ge Rück­sicht­nah­me, die auch die Pflicht umfasst, die Aus­übung von Gesell­schaf­ter­rech­ten nicht zu be- oder zu ver­hin­dern. Dar­aus folgt hier die Pflicht der Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin zur Aus­kunfts­er­tei­lung.
Die Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin ver­fügt als nach dem Gesell­schafts- und Treu­hand­ver­trag regis­ter­füh­ren­de Gesell­schaf­te­rin über die Anga­ben zu den Treu­ge­bern, auf deren Kennt­nis die Kom­man­di­tis­tin ange­wie­sen ist, um ihr im Gesell­schafts­ver­trag gewähr­tes Gesell­schaf­ter­recht, die Ein­be­ru­fung einer Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung zu ver­lan­gen, aus­üben zu kön­nen. Eine ande­re Mög­lich­keit, an deren Namen und Anschrif­ten zu gelan­gen und so das für das Ein­be­ru­fungs­ver­lan­gen erfor­der­li­che Quo­rum zu errei­chen, besteht für die Kom­man­di­tis­tin nicht. Ohne die Aus­kunfts­ver­pflich­tung hät­te die Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin es mit­hin in der Hand, die Kom­man­di­tis­tin an der Aus­übung ihres Mit­glied­schafts­rechts auf Dau­er und end­gül­tig zu hin­dern.
Das Feh­len einer unmit­tel­ba­ren gesell­schafts­ver­trag­li­chen Bezie­hung zwi­schen der Kom­man­di­tis­tin und den Treu­ge­bern begrün­det kein schüt­zens­wer­tes Anony­mi­täts­in­ter­es­se der Treu­ge­ber und steht dem Aus­kunfts­an­spruch nicht ent­ge­gen. Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits in frü­he­ren Ent­schei­dun­gen aus­ge­führt hat [5], hat der Gesell­schaf­ter einer Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaft – wie auch ein GmbH-Gesell­schaf­ter – grund­sätz­lich gegen einen Mit­ge­sell­schaf­ter, der sei­nen Gesell­schafts­an­teil treu­hän­de­risch für einen Drit­ten hält, einen Anspruch dar­auf zu erfah­ren, wer des­sen Treu­ge­ber ist.
Die­ses Aus­kunfts­recht der Kom­man­di­tis­tin ist ledig­lich durch das Ver­bot der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung (§ 242 BGB) und das Schi­ka­ne­ver­bot gemäß § 226 BGB begrenzt [6]. Anhalts­punk­te für das Vor­lie­gen die­ser Aus­schluss­grün­de hat das Beru­fungs­ge­richt nicht fest­ge­stellt.
Ange­sichts des­sen kommt es nicht mehr dar­auf an, dass sich der Anspruch der Kom­man­di­tis­tin auf Aus­kunft gemäß § 666 BGB auch aus dem nach der Ein­tra­gung der Kom­man­di­tis­tin als Direkt­kom­man­di­tis­tin als Ver­wal­tungs­treu­hand fort­be­stehen­den Treu­hand­ver­hält­nis mit der Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin ergibt.
Dabei ist ergän­zend dar­auf abzu­stel­len, dass es sich im vor­lie­gen­den Fall nur bei for­ma­ler Betrach­tung um ledig­lich zwei­sei­ti­ge Treu­hand­ver­hält­nis­se zwi­schen der Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin und ihren jewei­li­gen Treu­ge­bern han­delt. In der Sache sind die­se viel­mehr gesell­schafts­ver­trag­lich über­la­gert: So ist bereits die Begrün­dung des jewei­li­gen Treu­hand­ver­hält­nis­ses durch den Abschluss eines drei­sei­ti­gen Ver­trags zwi­schen der Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin, dem ein­zel­nen Treu­ge­ber und der Fonds­ge­sell­schaft erfolgt. Der Bei­tritt zur Fonds­ge­sell­schaft war einem Anle­ger nur als Treu­ge­ber mög­lich. Auch wenn die Treu­ge­ber hier nicht wie bei einer qua­li­fi­zier­ten Treu­hand einem unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ter in den Rech­ten und Pflich­ten gleich­ge­stellt sind, so ist doch zwi­schen allen drei ver­trag­schlie­ßen­den Par­tei­en des Treu­hand­ver­tra­ges ver­ein­bart wor­den, dass die Treu­ge­ber hin­sicht­lich der Erträ­ge wie Gesell­schaf­ter gestellt wer­den und sie wei­ter einen Anspruch dar­auf haben, dass die Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin ihnen eine Voll­macht zur per­sön­li­chen Stimm­rechts­aus­übung in der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung erteilt. Ersicht­lich ist nur im Hin­blick auf die­se Mög­lich­keit der unmit­tel­ba­ren Stimm­rechts­aus­übung in der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung eine sepa­ra­te Treu­ge­ber­ver­samm­lung nicht für erfor­der­lich gehal­ten wor­den.
Wegen die­ser gesell­schafts­ver­trag­li­chen Über­la­ge­rung ist es der Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin ver­wehrt sich dar­auf zu beru­fen, die Namen und Anschrif­ten der ande­ren Treu­ge­ber sei­en von ihrer Aus­kunfts­pflicht gemäß § 666 BGB aus der Ver­wal­tungs­treu­hand mit der Kom­man­di­tis­tin nicht umfasst, da sich der Treu­hand­ver­trag auf Pflich­ten gegen­über der Kom­man­di­tis­tin aus dem zwei­sei­ti­gen Treu­hand­ver­hält­nis beschrän­ke. Aus der Ein­bet­tung in das Gesell­schafts­ver­hält­nis folgt viel­mehr die Pflicht der Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin jedem ein­zel­nen Treu­ge­ber und Direkt­kom­man­di­tis­ten gegen­über, die­sem die Aus­übung sei­ner (Treugeber)Rechte zu ermög­li­chen, und sei es in der Form, eine gemein­sa­me Wei­sung meh­re­rer Treu­ge­ber an die Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin her­bei­zu­füh­ren, auf Grund derer die­se die Ein­be­ru­fung einer Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung ver­lan­gen müss­te. Dem ein­zel­nen Ver­trags­part­ner der Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin, sei er Treu­ge­ber, sei er Kom­man­di­tist, ist die­se Mög­lich­keit, eine Ein­be­ru­fung der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung zu bewir­ken, aber nur dann eröff­net, wenn er mit den ande­ren Treu­ge­bern in Kon­takt tre­ten kann.
Hier kommt noch hin­zu, dass das von der Treu­hand­ge­sell­schaf­te­rin ange­führ­te Anony­mi­täts­in­ter­es­se der Treu­ge­ber auch des­halb nicht schüt­zens­wert ist, weil nach dem Fonds­pro­spekt, den alle Bei­tre­ten­den als für sich ver­bind­lich aner­kannt haben, ohne­hin beab­sich­tigt war, nach einer gewis­sen Über­gangs­zeit aus steu­er­li­chen Grün­den sämt­li­che Treu­hand­ver­hält­nis­se auf­zu­lö­sen und den Treu­ge­bern durch Ein­tra­gung ins Han­dels­re­gis­ter die Stel­lung unmit­tel­ba­rer Kom­man­di­tis­ten zu ver­schaf­fen. Dass die­ses Vor­ha­ben nicht bei allen umge­setzt wor­den ist, ändert nichts dar­an, dass die Treu­ge­ber von Anfang an damit rech­nen muss­ten, dass sie unmit­tel­ba­re Gesell­schaf­ter und dann als Ver­trags­part­ner ein­an­der zur Mit­tei­lung ihrer Namen und Anschrif­ten ver­pflich­tet sein wür­den [7].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Sep­tem­ber 2014 – II ZR 374/​13
vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 48 mwN[↩]
zum Aus­kunfts­an­spruch vgl. BGH, Beschluss vom 21.09.2009 – II ZR 264/​08, ZIP 2010, 27 Rn. 7 ff.[↩]
vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 187/​09, ZIP 2011, 322 Rn. 11 ff.[↩]
BGH, Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131; und – II ZR 136/​11, ZIP 2013, 619[↩]
BGH, Urtei­le vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 28 und – II ZR 136/​11, ZIP 2013, 619 Rn. 29[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 187/​09, ZIP 2011, 322 Rn. 22; Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 12[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, BGHZ 196, 131 Rn. 12 mwN[↩]
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