Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kapitalanlagerecht/rueckforderung-darlehensgebuehren-verjaehrung-3126613
Timestamp: 2020-08-08 10:03:10
Document Index: 161860830

Matched Legal Cases: ['§ 195', '§ 199', '§ 812', '§ 199', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Rückforderung von Darlehensgebühren - und ihre Verjährung | Rechtslupe
Berei­che­rungs­an­sprü­che ver­jäh­ren nach der Regel­ver­jäh­rung des § 195 BGB in drei Jah­ren. Die regel­mä­ßi­ge Ver­jäh­rungs­frist beginnt grund­sätz­lich mit dem Schluss des Jah­res, in dem der Anspruch ent­stan­den ist und der Gläu­bi­ger von den anspruchs­be­grün­den­den Umstän­den Kennt­nis erlangt hat oder ohne gro­be Fahr­läs­sig­keit erlan­gen muss­te (§ 199 Abs. 1 BGB). Der Gläu­bi­ger eines Berei­che­rungs­an­spruchs aus § 812 Abs. 1 Satz 1 Fall 1 BGB hat die­se Kennt­nis, wenn er von der Leis­tung und den Tat­sa­chen weiß, aus denen sich das Feh­len des Rechts­grun­des ergibt [1].
Auf die­ser Grund­la­ge muss dem Anspruchs­be­rech­tig­ten die Erhe­bung einer Kla­ge Erfolg ver­spre­chend, wenn auch nicht risi­ko­los mög­lich sein [2]. Der Ver­jäh­rungs­be­ginn setzt danach aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit und Bil­lig­keit grund­sätz­lich nur die Kennt­nis der den Anspruch begrün­den­den Umstän­de vor­aus. Nicht erfor­der­lich ist in der Regel, dass der Gläu­bi­ger aus den ihm bekann­ten Tat­sa­chen die zutref­fen­den recht­li­chen Schlüs­se zieht. Aus­nahms­wei­se kann die Rechtsun­kennt­nis des Gläu­bi­gers den Ver­jäh­rungs­be­ginn aber hin­aus­schie­ben, wenn eine unsi­che­re und zwei­fel­haf­te Rechts­la­ge vor­liegt, die selbst ein rechts­kun­di­ger Drit­ter nicht zuver­läs­sig ein­zu­schät­zen ver­mag. In die­sen Fäl­len fehlt es an der Zumut­bar­keit der Kla­ge­er­he­bung als über­grei­fen­der Vor­aus­set­zung für den Ver­jäh­rungs­be­ginn. Das gilt erst recht, wenn der Durch­set­zung des Anspruchs eine gegen­tei­li­ge höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung ent­ge­gen­steht [1].
Teil­wei­se wird auf den 13.05.2014 abge­stellt, weil vor den bei­den an die­sem Tage ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs zu Bear­bei­tungs­ent­gel­ten bei Ver­brau­cher­dar­le­hen [3] eine Kla­ge­er­he­bung für einen Unter­neh­mer nicht zumut­bar gewe­sen sei [4].
Wei­ter­ge­hend wird ver­tre­ten, dass die drei­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist bis­lang noch nicht zu lau­fen begon­nen habe und folg­lich nur die zehn­jäh­ri­ge Höchst­frist des § 199 Abs. 4 BGB maß­geb­lich sei, weil die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu Bear­bei­tungs­ent­gel­ten bei Dar­le­hens­ver­trä­gen nur Ver­brau­cher­dar­le­hen betrof­fen habe. Die Fra­ge, ob die dabei ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze auf Unter­neh­mer­dar­le­hen zu über­tra­gen sei­en, wer­de in der Recht­spre­chung der Instanz­ge­rich­te über­wie­gend ver­neint. Des­halb bestehe bis heu­te eine unsi­che­re Rechts­la­ge [5].
Schließ­lich wird nach einer wei­te­ren Ansicht die zu Bear­bei­tungs­ent­gel­ten bei Ver­brau­cher­dar­le­hen ergan­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [6] auch auf Unter­neh­mer­dar­le­hen über­tra­gen. Die Ver­jäh­rungs­frist habe danach mit dem Ablauf des Jah­res 2011 zu lau­fen begon­nen [7].
Zutref­fend ist für den Bun­des­ge­richts­hof die letzt­ge­nann­te Ansicht. Die Grund­sät­ze, die der Bun­des­ge­richts­hof zu Ver­brau­cher­dar­le­hen auf­ge­stellt hat [6], gel­ten auch für Unter­neh­mer­dar­le­hen.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat für Ansprü­che auf Rück­zah­lung von Bear­bei­tungs­ent­gelt im Rah­men von Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen eine Kla­ge­er­he­bung im Jah­re 2011 als zumut­bar ange­se­hen. Denn in die­sem Jahr hat­te sich eine gefes­tig­te Auf­fas­sung der Ober­lan­des­ge­rich­te her­aus­ge­bil­det, wonach Klau­seln über Bear­bei­tungs­ent­gel­te in Abwei­chung von einer frü­he­ren höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung unwirk­sam sind [8]. Folg­lich war mit Ablauf die­ses Jah­res eine Rück­for­de­rungs­kla­ge für den Bank­kun­den zwar nicht risi­ko­frei, aber zumut­bar.
Vor dem Jahr 2011 stand bei Unter­neh­mer- wie bei Ver­brau­cher­dar­le­hen der Zumut­bar­keit einer Rück­for­de­rungs­kla­ge die älte­re Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ent­ge­gen, die Bear­bei­tungs­ent­gel­te in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen all­ge­mein gebil­ligt hat­te [9].
Eine Ände­rung die­ser Sicht trat ein, als sich im Jah­re 2011 eine gefes­tig­te ober­lan­des­ge­richt­li­che Recht­spre­chung her­aus­ge­bil­det hat­te, die Bear­bei­tungs­ent­gel­te in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen bei Abschluss von Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen miss­bil­lig­te. Auf die­se Ent­wick­lung hat der Bun­des­ge­richts­hof sei­ne Auf­fas­sung gestützt, ein rechts­kun­di­ger Drit­ter habe im Jahr 2011 bil­li­ger­wei­se damit rech­nen müs­sen, dass Ban­ken die erfolg­rei­che Beru­fung auf die älte­re Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zukünf­tig ver­sagt wer­den wür­de [10]. Dies habe zum Anlauf der drei­jäh­ri­gen Regel­ver­jäh­rungs­frist mit Ablauf des Jah­res 2011 geführt.
Zwar haben in der Fol­ge eine Rei­he von Instanz­ge­rich­ten mit unter­schied­li­chen Begrün­dun­gen ent­spre­chen­de Ent­gelt­klau­seln in Unter­neh­mer­dar­le­hens­ver­trä­gen als wirk­sam ange­se­hen [11]. Dies führt jedoch nicht dazu, dass Unter­neh­mern mit Ablauf des Jah­res 2011 die Erhe­bung einer Kla­ge auf Rück­zah­lung von Bear­bei­tungs­ent­gel­ten nicht zuzu­mu­ten war. Denn zumut­bar ist die gericht­li­che Gel­tend­ma­chung eines Anspruchs, sobald sie hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg hat. Nicht erfor­der­lich ist, dass die Rechts­ver­fol­gung risi­ko­los mög­lich ist [12]. Mit dem Risi­ko, dass erst eine abschlie­ßen­de Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs Gewiss­heit über den Bestand und die Reich­wei­te der in der Recht­spre­chung der Instanz­ge­rich­te ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze brin­gen konn­te, waren Unter­neh­mer nicht anders als Ver­brau­cher belas­tet. Danach war in bei­den Fäl­len mit Ablauf des Jah­res 2011 die Erhe­bung einer Rück­for­de­rungs­kla­ge zumut­bar.
BGH, Urteil vom 28.10.2014 – XI ZR 348/​13, BGHZ 203, 115 Rn. 35 mwN[↩][↩]
BGH, Urteil vom 23.09.2008 – XI ZR 262/​07, WM 2008, 2155 Rn. 14 mwN[↩]
BGH, Urtei­le vom 13.05.2014 – XI ZR 405/​12, BGHZ 201, 168; und – XI ZR 170/​13, WM 2014, 1325[↩]
vgl. OLG Cel­le, Urteil vom 02.12 2015 – 3 U 113/​15 61[↩]
vgl. LG Erfurt, Urteil vom 17.06.2016 – 9 S 200/​15 30 f.; Lammeyer/​Singbartl, GWR 2016, 482, 484; ähn­lich für Dar­le­hens­ge­büh­ren bei Bau­spar­dar­le­hen: Trä­ber, AG 2017, R51, R52[↩]
BGH, Urteil vom 28.10.2014 – XI ZR 348/​13, BGHZ 203, 115 Rn. 44 ff.[↩][↩]
vgl. OLG Frank­furt am Main, ZIP 2016, 1158, 1159; OLG Düs­sel­dorf, WM 2016, 1983, 1985; LG Essen, Beck­RS 2015, 16652[↩]
BGH, Urteil vom 28.10.2014 – XI ZR 348/​13, BGHZ 203, 115 Rn. 46 mwN[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 21.02.1985 – III ZR 207/​83, WM 1985, 686, 687; vom 01.06.1989 – III ZR 219/​87, WM 1989, 1011, 1014; und vom 29.05.1990 – XI ZR 231/​89, BGHZ 111, 287, 293[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 28.10.2014 – XI ZR 348/​13, BGHZ 203, 115 Rn. 59[↩]
vgl. etwa OLG Köln, WM 2016, 1985; OLG Frank­furt am Main, ZIP 2016, 2211; LG Braun­schweig, Beck­RS 2016, 03868; LG Stutt­gart, Urteil vom 15.06.2016 4 S 194/​15, juris; LG Schwein­furt, Urteil vom 21.10.2016 32 S 25/​16, juris; LG Kre­feld, Urteil vom 09.12 2016 1 S 47/​16[↩]
BGH, Urteil vom 28.10.2014 – XI ZR 348/​13, BGHZ 203, 115 Rn. 56 mwN[↩]