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Timestamp: 2016-10-22 23:56:38
Document Index: 204331284

Matched Legal Cases: ['Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 4', 'BGE', 'Art. 4', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'in fine', 'BGE']

U 258/04 (23.11.2006)
U 258/04
Pr�sidentin Leuzinger, Bundesrichter Ferrari, Ursprung, Sch�n und Borella; Gerichtsschreiber Fessler
Z�rich Versicherungs-Gesellschaft, Recht Prozesse und UVG, 8085 Z�rich Versicherung,
(Entscheid vom 12. Juli 2004)
Der 1955 geborene M.________, Dr. med., arbeitet seit 1. Februar 1999 - ab 1. Juli 2000 in der Funktion eines Qualit�tsbeauftragten - am Zentrum X.________. Er ist bei der Z�rich Versicherungs-Gesellschaft (nachfolgend: Z�rich) obligatorisch gegen die gesundheitlichen und erwerblichen Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen sowie Berufskrankheiten versichert. Gem�ss Bagatellunfall-Meldung UVG vom 3. Januar 2003 verletzte sich M.________ am 25. Dezember 2002 beim Wandern auf der Insel Tasmanien am linken Fuss. Als Art der Sch�digung wurde ein Bruch angegeben. Im �Fragebogen zur obligatorischen Unfallversicherung� der Z�rich vom 10. Januar 2003 schilderte der Versicherte den Vorfall im Einzelnen wie folgt: �Mehrst�ndige Wanderung im Freycinet Park mit Gep�ck. Stechender Schmerz beim Bergabgehen, Ferse links, professionelles Schuhwerk; zun�chst Verdacht auf Zerrung, daher Ruhigstellung ab 26.12.2002 (Fotos vorhanden).� Mit Verf�gung vom 19. Februar 2003 verneinte die Z�rich eine Leistungspflicht mit der Begr�ndung, der Vorfall vom 25. Dezember 2002 stelle weder einen Unfall noch eine unfall�hnliche K�rpersch�digung dar. Dagegen machte M.________ einspracheweise geltend, er habe auf der Wanderung am 25. Dezember 2002 zwei Traumata erlitten, �als ich mit der linken Ferse aus einer senkrechten Granitspalte nach unten abrutschte und mit dem linken Absatz auf einem Felsvorsprung aufschlug� und �als ich beim Abstieg vom Mt. Graham �ber die S�dflanke (Granitfelsen) erneut einen H�henunterschied von ca. 1,50 m �berwinden musste, und, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, den Schwerpunkt reflexartig und unvorhergesehen auf den linken Fuss verlagerte�. Mit Einspracheentscheid vom 14. April 2003 best�tigte die Z�rich die Verf�gung vom 19. Februar 2003.
Die Beschwerde des M.________ wies das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern nach zweifachem Schriftenwechsel mit Entscheid vom 12. Juli 2004 ab.
M.________ f�hrt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit den Rechtsbegehren, der kantonale Gerichtsentscheid sei aufzuheben, der Vorfall vom 25. Dezember 2002 sei als Unfall, allenfalls als unfall�hnliches Ereignis anzuerkennen und die Z�rich sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Im Weitern werden verschiedene Beweisantr�ge gestellt.
Die Z�rich beantragt die Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.
In zwei weiteren Eingaben hat sich M.________ zur Sache ge�ussert.
Am 23. November 2006 hat das Eidgen�ssische Versicherungsgericht den Fall partei�ffentlich beraten.
Streitig und zu pr�fen ist, ob der Beschwerdef�hrer am 25. Dezember 2002 einen Unfall im Sinne von alt Art. 9 Abs. 1 UVV (in Kraft gewesen bis 31. Dezember 2002) oder eine unfall�hnliche K�rpersch�digung nach Art. 9 Abs. 2 UVV erlitten hat. Entgegen dem kantonalen Gericht kommt Art. 4 des am 1. Januar 2003 in Kraft getretenen Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) �ber den Unfallbegriff nicht zur Anwendung (BGE 130 V 332 f. Erw. 2.2 und 2.3, 129 V 4 Erw. 1.2, 127 V 467 Erw. 1). Diese Feststellung ist allerdings insofern nicht von Bedeutung, als Art. 4 ATSG inhaltlich mit alt Art. 9 Abs. 1 UVV �bereinstimmt und die hiezu ergangene Rechtsprechung weiterhin G�ltigkeit hat (RKUV 2004 Nr. U 530 [U 123/04] S. 576 Erw. 1.2 mit Hinweis auf Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, S. 56 ff. Rz 1 und 4 ff.).
Im angefochtenen Entscheid wird die Rechtsprechung zum Begriff der Ungew�hnlichkeit und der Pl�tzlichkeit des �usseren Faktors als begriffsnotwendige Merkmale eines Unfalles resp. einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Das kantonale Gericht ist bei der Beurteilung der Frage, ob der Beschwerdef�hrer am 25. Dezember 2002 einen Unfall oder eine unfall�hnliche K�rpersch�digung erlitten hat, von der Schilderung im Fragebogen der Z�rich vom 10. Januar 2003 ausgegangen. Danach hat der Versicherte beim Bergabgehen anl�sslich einer mehrst�ndigen Wanderung einen stechenden Schmerz im linken Fuss versp�rt. Im Einzelnen hat die Vorinstanz erwogen, in Ziffer 2 des Fragebogens werde deutlich darauf hingewiesen, der Vorgang, der zur K�rpersch�digung gef�hrt habe, m�sse im Detail, pr�zise und vollst�ndig geschildert werden. Auf sp�tere Erg�nzungen m�sse der Versicherer nicht eintreten. Der Beschwerdef�hrer habe in seiner Antwort die mehrst�ndige Wanderung mit Gep�ck, den stechenden Schmerz beim Bergabgehen in der linken Ferse und das professionelle Schuhwerk genannt. H�tte der Vorfall im Abrutschen und Aufschlagen bzw. in einer reflexartigen Abwehrbewegung bestanden, w�re anzunehmen, dass er dies im Formular vermerkt haben w�rde. Im E-Mail vom 18. Februar 2003 werde auf die besondere Topografie und Geologie, die Marschdauer und die gep�ckbedingte kinetische Energie hingewiesen. Auch hier werde ein Aus- oder Abrutschen beim Bergabgehen nicht erw�hnt. Die Angaben in dem zwei Wochen nach dem Ereignis ausgef�llten Fragebogen vom 10. Januar 2003 k�nnten als �Aussage der ersten Stunde� gewertet werden, welcher bei der W�rdigung des Sachverhaltes besonderes Gewicht zukomme. Zudem habe der Versicherte in der Beschwerde festgehalten, er habe auf dem R�ckweg am 1. Januar 2003 die Klinik Y.________ aufgesucht, um u.a. differentialdiagnostisch einen Tumor sichern oder ausschliessen zu k�nnen. Schlug er den Fuss tats�chlich auf, h�tte er als Arzt doch wohl kaum einen Tumor in Betracht gezogen. �berdies stehe die Schilderung vom 10. Januar 2003 mit der Beurteilung der Radiologen des Zentrums X.________ einer �Erm�dungsfraktur des Calcaneus� in Einklang.
Ausgehend von den Angaben im Fragebogen der Z�rich vom 10. Januar 2003 hat die Vorinstanz mangels Ungew�hnlichkeit und Pl�tzlichkeit des �usseren Faktors einen Unfall oder eine unfall�hnliche K�rpersch�digung verneint. Insbesondere lasse sich weder in der mehrst�ndigen Wanderung mit Gep�ck noch im Bergabgehen etwas Ungew�hnliches erkennen. Ebenfalls sei aufgrund der medizinischen Akten davon auszugehen, dass der Versicherte am 25. Dezember 2002 eine Erm�dungsfraktur am Calcaneus links erlitten habe.
3.1 Nach der Rechtsprechung hat die versicherte Person die Umst�nde des als Unfall gemeldeten Ereignisses glaubhaft zu machen. Unvollst�ndige, ungenaue oder widerspr�chliche Angaben zum Geschehensablauf k�nnen die Verneinung der Leistungspflicht der Unfallversicherung zur Folge haben. Im Streitfall hat das Sozialversicherungsgericht zu entscheiden, ob die einzelnen Merkmale des Unfallbegriffs, insbesondere die Ungew�hnlichkeit des �usseren Faktors, gegeben sind. Hiezu hat es im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes die notwendigen Beweise zu erheben. Spricht der rechtserhebliche Sachverhalt nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit f�r das Vorliegen der einzelnen Begriffsmerkmale - die blosse M�glichkeit gen�gt nicht -, ist ein Unfall im Rechtssinne zu verneinen (BGE 116 V 140 Erw. 4b, 103 V 176 Erw. 2a; RKUV 2003 Nr. U 485 [U 307+308/01] S. 259 Erw. 5).
Bei sich widersprechenden Angaben des Versicherten �ber den Unfallhergang ist auf die Beweismaxime hinzuweisen, wonach die sogenannten spontanen �Aussagen der ersten Stunde� in der Regel unbefangener und zuverl�ssiger sind als sp�tere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachtr�glichen �berlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein k�nnen. Wenn der Versicherte seine Darstellung im Laufe der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die er kurz nach dem Unfall gemacht hat, meistens gr�sseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverf�gung des Versicherers (BGE 121 V 47 Erw. 2a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 III 328 Erw. 5, 130 V 120 Erw. 2.2.7 sowie RKUV 2004 Nr. U 512 [U 349/02] S. 283 Erw. 4.2).
Der Grundsatz, wonach die ersten Aussagen nach einem sch�digenden Ereignis in der Regel unbefangener und zuverl�ssiger sind als sp�tere Darstellungen, stellt eine im Rahmen freier Beweisw�rdigung zu ber�cksichtigende Entscheidungshilfe dar. Sie kann nur zur Anwendung gelangen, wenn von zus�tzlichen Abkl�rungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (RKUV 2004 Nr. 524 [U 236/03] S. 546).
3.2 Im Lichte dieser Grunds�tze l�sst sich die vorinstanzliche Sachverhaltsw�rdigung nicht beanstanden. Insbesondere durfte das kantonale Gericht dem Umstand, dass der Versicherte trotz klarer Fragestellung zum Vorfall vom 25. Dezember 2002 im Fragebogen der Z�rich vom 10. Januar 2003 kein spezielles Ereignis nannte, das den Schmerz unmittelbar ausl�ste oder mit zeitlicher Verz�gerung im Sinne einer Teilursache ausgel�st haben k�nnte, entscheidendes Gewicht beigemessen hat. Daran �ndert nichts, dass er in der Anmeldung Radiologie vom 3. Januar 2003 �Dauerschmerz Fuss links nach Wanderung mit Aufschlag links� angegeben hatte. Abgesehen davon stellt das harte Aufschlagen mit der linken Ferse auf dem Boden f�r sich allein genommen keinen Vorgang aussergew�hnlicher Art dar. Darin kann keine f�r den Unfallbegriff letztlich entscheidende Programmwidrigkeit (BGE 130 V 118 Erw. 2.1) erblickt werden, welche den Rahmen des Normalen und �blichen beim Bergabgehen in felsigem Gel�nde ohne gesicherten Weg mit bis zu 1,5 m hohen Abs�tzen sprengte. Es kann sich insoweit nicht anders verhalten als bei jenem Versicherten, welcher beim Ausstieg aus einem Wagen der S-Bahn bei einer Tritth�he von etwa 43 cm mit dem rechten Fuss hart auf dem Perron auftrat und in der Folge von der Lendengegend ins Bein ausstrahlende Schmerzen versp�rte (nicht ver�ffentlichtes Urteil N. vom 2. Dezember 1993 [U 82/92]). In diesem Zusammenhang kann daraus, dass bei oder nach einer K�rperbewegung Schmerzen auftreten, allein nicht auf eine ungew�hnliche Ursache im Sinne eines programmwidrig gest�rten Ablaufs geschlossen werden (Urteil G. vom 17. August 2004 [U 243/03] Erw. 3.2; vgl. auch BGE 129 V 180 Erw. 2.1 in fine und RKUV 2003 Nr. U 492 [U 56/01] S. 372 Erw. 2.2). Ebenfalls vermag die Best�tigung der Sachverhaltsschilderung in der Einsprache durch die Ehefrau des Versicherten nichts am vorinstanzlichen Beweisergebnis betreffend den gemeldeten Vorfall vom 25. Dezember 2002 zu �ndern. Aufgrund des Vorstehenden hat die Vorinstanz zu Recht und insoweit unbestritten einen Unfall im Rechtssinne verneint.
Im Weitern ist nicht zu beanstanden, dass das kantonale Gericht aufgrund der medizinischen Unterlagen davon ausgegangen ist, der Versicherte habe �berwiegend wahrscheinlich am 25. Dezember 2002 eine Erm�dungsfraktur am Calcaneus links - und nicht eine �bone bruise� (Knochenprellung nach Trauma) - erlitten. Die Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geben zu keiner anderen Betrachtungsweise Anlass. Von diesbez�glichen Abkl�rungen ist daher abzusehen. Der aus der Art der Verletzung gezogene Schluss der Vorinstanz auf das Fehlen des Begriffsmerkmals der Pl�tzlichkeit (BGE 116 V 148 oben) ist nicht bestritten. Somit f�llt auch eine unfall�hnliche K�rpersch�digung ausser Betracht.
Luzern, 23. November 2006