Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BFHE%20177,%20209
Timestamp: 2019-10-14 19:44:26
Document Index: 162827452

Matched Legal Cases: ['§ 35', '§ 35', '§ 69', '§ 35', '§ 35', 'BGH', '§ 35', '§ 34', '§ 35', '§ 35', '§ 35']

BFH, 16.03.1995 - VII R 38/94 - dejure.org
https://dejure.org/1995,1217
BFH, 16.03.1995 - VII R 38/94 (https://dejure.org/1995,1217)
BFH, Entscheidung vom 16.03.1995 - VII R 38/94 (https://dejure.org/1995,1217)
BFH, Entscheidung vom 16. März 1995 - VII R 38/94 (https://dejure.org/1995,1217)
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AO 1977 §§ 35, 69
Verfügungsmacht - Außenverhältnis - Betriebskredit - Vermögensdisposition - Verfügungsberechtigter
AO (1977) § 35, § 69
§§ 35, 69 AO
Abgabenordnung; Haftung einer Bank als Verfügungsberechtigte
Haftung einer Bank für Steuerschulden ihres Kreditnehmers bei Forderungsabtretung und Einflußnahme auf Geschäftsführung und Vermögensdispositionen
BFHE 177, 209
WM 1995, 1139
WM 1995, 1995
BB 1995, 1124
BB 1995, 970
BStBl II 1995, 859
Nicht ausreichend ist eine rein tatsächliche Verfügungsmacht, etwa die Möglichkeit, über (allein) wirtschaftlichen Druck auf die Verfügungen des Steuerpflichtigen Einfluss zu nehmen (vgl. hierzu BFH, Urteil vom 16. März 1995 - VII R 38/94, BStBl. II 1995, 859 betreffend eine Bank; Mösbauer, DB 2005, 1816, 1819); vielmehr muss die Verfügungsmöglichkeit rechtlich eingeräumt worden sein, sodass der Verfügungsberechtigte aufgrund bürgerlichrechtlicher 78 79 Verfügungsmacht im Außenverhältnis wirksam handeln kann (vgl. BFH, Urteil vom 21. Februar 1989 - VII R 165/85, BStBl. II 1989, 491 unter II.1.;… Jatzke in Beermann/Gosch, 62. Lfg., § 35 AO Rn. 7).
Soweit die Klägerin mit Schriftsatz vom 31. Januar 2008 erstmals rügt, die Entscheidung des FG weiche vom Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 29. April 1994 V ZR 280/92 (Betriebs-Berater 1994, 1378) sowie des BFH vom 16. März 1995 VII R 38/94 (BFHE 177, 209, BStBl II 1995, 859) ab, ist dieses Vorbringen nicht zu berücksichtigen, weil es erst nach Ablauf der Begründungsfrist eingegangen ist.
b) Das FG-Urteil weicht auch nicht von dem Urteil des BFH in BFHE 177, 209, BStBl II 1995, 859 ab.
Danach ist auch derjenige als Verfügungsberechtigter anzusehen, der aufgrund seiner Stellung in der Lage ist, tatsächliche und rechtliche Rechtsverhältnisse herbeizuführen, die ihn dazu befähigen, rechtlich verbindlich die Pflichten des gesetzlichen Vertreters entweder selbst zu erfüllen oder durch die Bestellung der entsprechenden Organe erfüllen zu lassen (BFH-Urteil vom 16. März 1995 VII R 38/94, BFHE 177, 209, BStBl II 1995, 859).
Wer als Verfügungsberechtigter auftritt, hat gemäß § 35 AO dieselben Pflichten wie der gesetzliche Vertreter i.S.v. § 34 AO, soweit er sie rechtlich und tatsächlich erfüllen kann (BFH vom 16. März 1995 VII R 38/94, BFHE 177, 209, BStBl II 1995, 859;… vom 7. April 1992 VII R 104/90, BFH/NV 1993, 213).
Dazu ist eine Beteiligung des Verfügungsberechtigten am Wirtschafts- und Rechtsverkehr erforderlich (BFH-Urteil vom 16. März 1995 VII R 38/94, BStBl II 1995, 859 m.w.N.).
Die Verfügungsmacht kann dabei auf Gesetz, behördlicher oder gerichtlicher Anordnung oder Rechtsgeschäft beruhen (vgl. BFH in BStBl II 1995, 859 ).
Die Vereinbarungen in dem Beratervertrag vom 31. Mai 1995 weisen S eindeutig nur eine beratende Funktion als Beauftragter des Aufsichtsrats und der Gesellschafter der Unternehmensgruppe und keine einem Geschäftsführer entsprechende rechtliche Stellung zu (vgl. dazu BFH-Urteil vom 16. März 1995 VII R 38/94, BFHE 177, 209, BStBl II 1995, 859).
BFH, 08.06.2004 - VII B 363/03
Im Falle einer Sicherungsabtretung von Kundenforderungen an eine Bank hat der Senat mit Urteil vom 16. März 1995 VII R 38/94 (BFHE 177, 209, BStBl II 1995, 859) entschieden, dass zur Haftung einer Bank als Verfügungsberechtigte (§§ 35, 69 AO 1977) für die Steuerschulden des Kreditnehmers es grundsätzlich nicht ausreiche, dass sie sich zur Sicherung ihrer Betriebskredite die Forderungen des Kreditnehmers habe abtreten lassen und dass sie in tatsächlicher Hinsicht auf dessen Geschäftsführung und die Vermögensdispositionen Einfluss nehmen könne.
Da es ferner einem Privatgläubiger grundsätzlich unbenommen ist, Kreditgewährungen oder Warenlieferungen nur gegen die Einräumung von Sicherungsrechten vorzunehmen und dann von diesen Sicherungsrechten auch durch Offenlegung gegenüber Schuldnern der GmbH Gebrauch zu machen, kommt ein solcher Sicherungsnehmer als weiterer haftender Verfügungsberechtigter im Sinne der §§ 35, 69 AO nur in Betracht, wenn und soweit er darüber hinaus die Geschäfte der GmbH an Stelle des Geschäftsführers mit sichtbarer Wirkung nach außen maßgeblich gesteuert hat (grundlegend BFH-Urteil vom 16. März 1995 VII R 38/94, BStBl II 1995, 859 für den Fall einer Globalzession zu Gunsten einer Bank).
Der Verfügungsberechtigte i.S.d. § 35 AO muß zwar am Rehtsverkehr teilnehmen, ein Auftreten gegenüber Finanzbehörden oder in steuerlichen Angelegenheiten ist aber nicht erforderlich (vgl. BFH-Urteil vom 16.03.1995 VII R 38/94 BStBl. II 1996, 859, 860 r.Sp.).