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Timestamp: 2018-02-22 10:05:45
Document Index: 85471820

Matched Legal Cases: ['Art 39', 'Art. 12', 'Art. 13', 'Art. 13', 'Art 14', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art 13', 'Art. 69', 'Art. 10', 'Art. 71', 'Art. 74', 'Art. 18', 'Art. 67', 'Art. 44']

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1 Leitfaden für den mobilen europäischen Arbeitnehmer CES CONFEDERATION EUROPEENNE DES SYNDICATS
3 Leitfaden für den mobilen europäischen Arbeitnehmer Bart Vanpoucke FGTB & Ger Essers FNV-Bruxelles Europäischer CONFEDERATION Gewerkschaftsbund EUROPEENNE DES SYNDICATS (EGB)(CES) mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Kommission
4 Lietfaden für den mobilen europänischen Arbeitnehmer Vorwort TEIL I : Rechtssystem und Vorschriften EU-Vertrag Freier Arbeitnehmerverkehr: VO 1612/ a. Das Recht auf Beschäftigung von Unionsbürgern b. Das Recht auf Beschäftigung von Nicht-Unionsbürgern (Bürger aus Drittstaaten) c. Recht auf Beschäftigung von Bürgern aus den neuen Mitgliedstaaten Koordinierung der Sozialversicherung: VO 1408/71 und VO 883/ a. Allgemeines b. Regeln zum geltenden Sozialversicherungsrecht c. Anrechenbarkeit von Sozialleistungen d. Zusammenrechnung von Versicherungszeiten e. Koordinierung der Berechnungsmethoden für Sozialleistungen Grenzüberschreitendes Arbeitsrecht a. Allgemeines b. EWR-Vertrag c. Richtlinie über die Entsendung von Arbeitnehmern im Rahmen der Erbringung von Dienstleistungen 96/71/EG d. Zuständiges Arbeitsgericht: VO 44/ Steuerliche Koordinierung: Doppelbesteuerungsabkommen a. Allgemeines b. Grundsatz des Arbeitslandes c. Bedingte Aufrechterhaltung des Grundsatzes des Wohnsitzlandes d. Lohnaufteilung e. Besteuerung von Pensionen und Sozialleistungen f. Spezielle Regelungen für Grenzgänger g. Unterschiedliche Zuständigkeiten bei Sozialversicherungsabgaben und Besteuerung h. Methoden zur Verhinderung der Doppelbesteuerung i. Zum Abschluss: Gewerkschaftliche Bedenken Zusatzpensionen Aufenthaltsrecht a. Allgemeines b. Aufenthaltsrecht für maximal drei Monate c. Aufenthaltsrecht über drei Monate d. Daueraufenthaltsrecht e. Aufenthaltsrecht nach Beendigung der Tätigkeiten f. Soziale Vorteile und soziale Unterstützung
5 TEIL II : Mobile Arbeitnehmer Der entsandte Arbeitnehmer a. Allgemeines b. Sozialversicherung c. Steuergesetzgebung d. Arbeitsrecht Der arbeitsuchende Arbeitnehmer a. Allgemeines b. Grenzüberschreitende Arbeitsvermittlung: EURES c. Arbeitssuche bei Weiterbezug der innerstaatlichen Arbeitslosenunterstützung d. Aufenthaltsrecht während der Arbeitssuche e. Aufenthaltsrecht während der Beschäftigungszeit f. Garantien auf Arbeitslosenunterstützung nach Ende der Beschäftigungszeit g. Garantien auf Krankenversicherung h. Praktische Tipps Der grenzüberschreitende Arbeitnehmer a. Allgemeines b. Recht auf Beschäftigung und Arbeitsvorschriften c. Sozialversicherung d. Steuergesetzgebung Der multinationale Arbeitnehmer a. Allgemeines b. Sozialversicherung c. Steuergesetzgebung d. Arbeitsvorschriften e. Beispielsfälle Der migrierende Arbeitnehmer a. Allgemeines b. Arbeitsvorschriften & Aufenthaltsrecht c. Sozialversicherung d. Steuer- und Prämienpflicht für ausländische Pensionen TEIL III Informationsquellen
6 Vorwort Innerhalb der Europäischen Union und des europäischen Wirtschaftsraums gilt der Grundsatz des freien Personenverkehrs. Für den europäischen Arbeitnehmer bedeutet das, dass er das Recht hat, sich in einen anderen Mitgliedstaat zu begeben und dort zu arbeiten und/oder Arbeit zu suchen. Er kann dabei mit einer größeren Bewegungsfreiheit und einem besseren Schutz als andere, nicht-europäische Arbeitnehmer rechnen. Trotzdem gerät der mobile Arbeitnehmer in einen freien Komplex von Regelungen. Die europäischen Gesetze und Vorschriften sind trotz ihres Umfangs absichtlich relativ bescheiden gehalten. Die oft sehr verschiedenen innerstaatliche Gesetze und Vorschriften der Mitgliedstaaten bleiben jedoch großteils erhalten. Das einzige Ziel ist es, in dieser bunten Landschaft einige Grundrechte festzulegen und auf einigen Gebieten auch eine Koordinierung der verschiedenen Rahmen in dem Rechtssystem zu erreichen. Das ist jedoch keineswegs der Anlass für eine Angleichung und/oder Standardisierung. Für den mobilen Arbeitnehmer bedeutet dies konkret, dass seine Rechte und Pflichten nicht nur durch die europäischen Gesetze und Vorschriften garantiert werden. Sie werden auch weiterhin durch die innerstaatliche(n) Rechtssystem(e) seines Wohn- und/oder Arbeitslandes bestimmt. Auf einem für den mobilen Arbeitnehmer wichtigem Gebiet hat Europa weiterhin sehr wenige anzubieten: die Steuergesetzgebung. Hier fehlt zunächst die europäische Koordinierung. Dadurch bleiben Hunderte der von den Mitgliedstaaten vereinbarten bilateralen Steuerabkommen zur Verhinderung der Doppelbesteuerung noch zur Gänze in Kraft. In Teil I werden einige wichtige europäische Verträge, Verordnungen und Richtlinien erläutert. Wir behandeln auch kurz die Grundprinzipien des OECD-Musterabkommens zur Verhinderung der Doppelbesteuerung, die fast alle bilateralen Doppelbesteuerungsabkommen beeinflusst haben. Die Umsetzung all dieser Themen auf konkrete, grenzüberschreitende Beschäftigungen wird in Teil II (Kapitel 8 bis einsch. 12) weiter erörtert. Die erste Auflage erschien Diese überarbeitete Auflage ist vom März
7 TEIL I Gesetze und Vorschriften Kapitel 1. EU-Vertrag Kapitel 2. Freier Arbeitnehmerverkehr: VO 1612/68 Kapitel 3. Koordinierung der Sozialversicherung: VO 1408/71 und VO 883/04 Kapitel 4. Geltendes Arbeitsrecht: EWR-Vertrag Kapitel 5. Steuerliche Koordinierung und Doppelbesteuerungs-Abkommen Kapitel 6. Zusatzpensionen Kapitel 7. Aufenthaltsrecht 7
8 1. EU-Vertrag Der EU-Vertrag legt einige grundlegende Grundrechte für europäische Bürger fest. Die wichtigsten Artikel des EU-Vertrags für grenzüberschreitende beziehungsweise migrierende Arbeitnehmer sind: Artikel 12 Unbeschadet besonderer Bestimmungen dieses Vertrags ist in seinem Anwendungsbereich jede Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit verboten. Artikel Es wird eine Unionsbürgerschaft eingeführt. Unionsbürger ist, wer die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaats besitzt. Die Unionsbürgerschaft ergänzt die innerstaatliche Staatsbürgerschaft, ersetzt sie aber nicht. 2. Die Unionsbürger haben die in diesem Vertrag vorgesehenen Rechte und Pflichten. Artikel Jeder Unionsbürger hat das Recht, sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten vorbehaltlich der in diesem Vertrag und in den Durchführungsvorschriften vorgesehenen Beschränkungen und Bedingungen frei zu bewegen und aufzuhalten. Artikel Innerhalb der Gemeinschaft ist die Freizügigkeit der Arbeitnehmer gewährleistet. 2. Sie umfasst die Abschaffung jeder auf der Staatsangehörigkeit beruhenden unterschiedlichen Behandlung der Arbeitnehmer der Mitgliedstaaten in Bezug auf Beschäftigung, Entlohnung und sonstige Arbeitsbedingungen. 3. Sie gibt vorbehaltlich der aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gerechtfertigten Beschränkungen den Arbeitnehmern das Recht, a) sich tatsächlich um angebotene Stellen zu bewerben; b) sich zu diesem Zweck im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten frei zu bewegen; c) sich in einem Mitgliedstaat aufzuhalten, um dort nach den für die Arbeitnehmer dieses Staates geltenden Rechts- und Verwaltungsvorschriften eine Beschäftigung auszuüben; d) nach Beendigung einer Beschäftigung im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats unter den Bedingungen zu verbleiben, welche die Kommission in Durchführungsverordnungen festlegt. 4. Dieser Artikel findet keine Anwendung auf die Beschäftigung in der öffentlichen Verwaltung. Artikel 42 Der Rat beschließt gemäß dem Verfahren des Artikels 251 die auf dem Gebiet der sozialen Sicherheit für die Herstellung der Freizügigkeit der Arbeitnehmer notwendigen Maßnahmen; zu diesem Zweck führt er insbesondere ein System ein, welches aus- und einwandernden Arbeitnehmern und deren anspruchsberechtigten Bürgern folgendes sichert: a) die Zusammenrechnung aller nach den verschiedenen innerstaatlichen Rechtsvorschriften berücksichtigten Zeiten für den Erwerb und die Aufrechterhaltung des Leistungsanspruchs sowie für die Berechnung der Leistungen, b) die Zahlung der Leistungen an Personen, die in den Hoheitsgebieten der Mitgliedstaaten wohnen. Artikel 293 Soweit erforderlich, leiten die Mitgliedstaaten untereinander Verhandlungen ein, um zugunsten ihrer Staatsangehörigen folgendes sicherzustellen: 8
9 den Schutz der Personen sowie den Genuss und den Schutz der Rechte zu den Bedingungen, die jeder Staat seinen eigenen Angehörigen einräumt, die Beseitigung der Doppelbesteuerung innerhalb der Gemeinschaft Die im EU-Vertrag formulierten Rechte sind insbesondere in der EU-Verordnung (VO) 1612/68 über den freien Arbeitnehmerverkehr innerhalb der Europäischen Union, in der Koordinierungsverordnung für Sozialversicherung VO 1408/71, in den Aufenthaltsrichtlinien etc. geregelt. 2. Freier Arbeitnehmerverkehr: VO 1612/68 a. Das Recht auf Beschäftigung von Unionsbürgern Die europäische Verordnung 1612/68, die die Rechte migrierender oder grenzüberschreitender Arbeitnehmer und ihrer Familienmitglieder regelt, resultiert aus dem in Artikel 12 und 39, Absatz 2 des EU-Vertrags formulierten Diskriminierungsverbots aufgrund der Staatsbürgerschaft. Als Bedingung für die Anwendung der VO 1612/68 gilt daher, dass der Arbeitnehmer Bürger eines der Mitgliedstaaten des europäischen Wirtschaftsraumes (EU = Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie Liechtenstein, Norwegen und Island) sein muss. Mit der Schweiz wurde ein zusätzlicher Vertrag geschlossen. Art 39 des EU-Vertrages garantiert den freien Arbeitnehmerverkehr. Das bedeutet, dass jeder Unionsbürger unmittelbar in nahezu allen Bereichen arbeiten darf. Eine Ausnahme gilt für Behörden, jedoch nur in beschränktem Sinn. Es betrifft nur Behörden funktionen sowie Beamte bei der Polizei oder die richterliche Gewalt, die nicht eine unmittelbare Teilnahme an der Ausübung von öffentlicher Gewalt beinhalten und Tätigkeiten zum Schutz des allgemeinen Interesses des Staats oder öffentlicher Körperschaften umfassen. Die europäische Verordnung 1612/68 garantiert die Gleichbehandlung von EU-Arbeitnehmern in den Mitgliedstaaten hinsichtlich: Annahme und Ausübung von entlohnter Arbeit (Artikel 1); Verhandeln und Abschluss von Arbeitsverträgen (Artikel 2); Zugang zum Arbeitsmarkt (Artikel 3), einschließlich eventueller quantitativer Beschränkungen (Artikel 4); Zugang zu den Dienstleistungen der Arbeitsämter (Artikel 5); Bedingungen für die Anstellung und Werbung (Artikel 6). 9
10 Sehr wichtig ist Artikel 7 der VO 1612/68. Dieser Artikel regelt die Nicht-Diskriminierung betreffend: Arbeits- und Anstellungsbedingungen; Soziale und steuerliche Vergünstigungen; Recht auf Berufsausbildung, Rehabilitation und Umschulung; Bestimmungen von individuellen und kollektiven Arbeitsverträgen. Artikel 7 VO 1612/68 : 1. Ein Arbeitnehmer, der Staatsangehöriger eines Mitgliedstaats ist, darf auf Grund seiner Staatsangehörigkeit im Hoheitsgebiet der anderen Mitgliedstaaten hinsichtlich der Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen, insbesondere im Hinblick auf Entlohnung, Kündigung und, falls er arbeitslos geworden ist, im Hinblick auf berufliche Wiedereingliederung oder Wiedereinstellung, nicht anders behandelt werden als die inländischen Arbeitnehmer. 2. Er genießt dort die gleichen sozialen und steuerlichen Vergünstigungen wie die inländischen Arbeitnehmer. 3. Er kann mit dem gleichen Recht und unter den gleichen Bedingungen wie die inländischen Arbeitnehmer Berufsschulen und Umschulungszentren in Anspruch nehmen. 4. Alle Bestimmungen in Tarif- oder Einzelarbeitsverträgen oder sonstigen Kollektivvereinbarungen betreffend Zugang zur Beschäftigung, Beschäftigung, Entlohnung und alle übrigen Arbeits- und Kündigungsbedingungen sind von Rechts wegen nichtig, soweit sie für Arbeitnehmer, die Staatsangehörige anderer Mitgliedstaaten sind, diskriminierende Bedingungen vorsehen oder zulassen. Dieser wichtige Artikel 7 sorgt daher dafür, dass der migrierende und grenzüberschreitende Arbeitnehmer das Recht auf dieselben sozialen und steuerlichen Vergünstigungen wie der innerstaatliche Arbeitnehmer hat. Unter sozialen und steuerlichen Vergünstigungen werden insbesondere verstanden: Studienbeihilfe für Kinder, Kündigungsabfindungen, die prämienfreie fortgesetzte Ansparung von Betriebspensionen in Fall der Arbeitslosigkeit, steuerliche Abgabenkürzungen, Mutterschaftsgeld (Geburtenprämien), Zulassung zu kollektiven besonderen Krankenversicherungen, steuerliche Abzugsposten etc Soziale Vergünstigungen dürfen jedoch nicht mit den gesetzlichen Sozialleistungen verwechselt werden. Die Koordinierung der gesetzlichen Sozialversicherung wird in VO 1408/71 geregelt (siehe Kapitel 3). Beispiele : Eine schwedische Familie übersiedelt nach Brüssel. Beide Elternteile beziehen in Belgien ihren Lohn. Bei der Geburt eines Kindes besteht Anspruch auf belgisches Mutterschaftsgeld (Geburtenprämien). Dies darf aufgrund der nicht-belgischen Staatsbürgerschaft nicht verweigert werden. Das Mutterschaftsgeld ist eine sogenannte soziale Vergünstigung (Artikel 7, Absatz 2 VO 1612/68). Eine deutsche Familie wohnt in Maastricht, der Vater arbeitet als Lohnbezieher in Belgien. Bei der Geburt eines Kindes hat die Familie das Recht auf belgisches Mutterschaftsgeld. Belgien darf nicht fordern, dass die Familie in Belgien wohnen muss. Würde der Vater als Selbständiger in Belgien arbeiten, dann bestünde kein Recht auf Mutterschaftsgeld, weil Artikel 7, Absatz 2 der VO 1612/68 nur für Arbeitnehmer und nicht für Selbständige gilt (Urteilsentscheidung zur Causa C-43/99 Leclere). Eine französische Studentin wohnt in Holland wegen einer Hochschulausbildung. Sie arbeitet dort 2 Tage pro Woche im Lohndienst. Die Studentin hat - weil sie Arbeitnehmerin ist - Anspruch auf eine zusätzliche holländische Studienbeihilfe (Urteilsentscheidung zur Causa C- 57/89 Raulin). 10
11 Ein weiteres Beispiel (Artikel 7, Absatz 4 VO 1612/68): Ein griechischer Arzt geht nachdem er zuerst in einer vergleichbaren Funktion in Griechenland gearbeitet hat nach Deutschland, um dort zu arbeiten. In den deutschen Bestimmungen zu den Arbeitsbedingungen (Kollektivvereinbarungen) war geregelt, dass Arbeitnehmer (u.a. Ärzte) - nach einigen Dienstjahren in deutschen Krankenhäusern in eine höhere Gehaltsstufe aufsteigen können. Der Gerichtshof befand dazu, dass die (vergleichbaren) Dienstjahre in Griechenland mitgezählt und mit den deutschen Dienstjahren gleichgestellt werden mussten (Urteilsentscheidung zur Causa C-15/96 Schöning-Kougebetopoulou). 1 Als Folge der Einführung der neuen Richtlinie über das Aufenthaltsrecht 2004/38/EG werden die Artikel 10 und 11 aus VO 1612/68 gestrichen. Der Beitritt zu Fachverbänden und die Ausübung von Fachverbandsrechten werden in Artikel 8 geregelt. Artikel 8 VO 1612/68 : 1. Ein Arbeitnehmer, der die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaats besitzt und im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats beschäftigt ist, hat Anspruch auf gleiche Behandlung hinsichtlich der Zugehörigkeit zu Gewerkschaften und der Ausübung gewerkschaftlicher Rechte, einschließlich des Wahlrechts; er kann von der Teilnahme an der Verwaltung von Körperschaften des öffentlichen Rechts und der Ausübung eines öffentlich-rechtlichen Amtes ausgeschlossen werden. Er hat ferner das Recht auf Wählbarkeit zu den Organen der Arbeitnehmervertretungen in den Betrieben. Diese Bestimmungen berühren nicht die Rechts- und Verwaltungsvorschriften, durch die in einigen Mitgliedstaaten weitergehende Rechte an Arbeitnehmer aus anderen Mitgliedstaaten eingeräumt werden. b. Das Recht auf Beschäftigung von Nicht-Unionsbürgern (Bürger aus Drittstaaten) Arbeitnehmer, die Bürger eines EU-Mitgliedstaats (sowie der Schweiz) sind, haben das Recht, in einem anderen Mitgliedstaat zu arbeiten. Arbeitnehmer, die keine Bürger eines EU-Mitgliedstaats (sowie der Schweiz) sind sogenannte Bürger aus Drittstaaten haben nicht unmittelbar das Recht, in einem anderen Mitgliedstaat zu arbeiten. Sie benötigen dazu eine Arbeitsgenehmigung. Im Fall, dass ein EU-Arbeitnehmer mit einem Bürger, der kein Bürger eines EU-Mitgliedsstaates ist (ein Bürger aus Drittstaaten), verheiratet ist und in einem anderen Mitgliedstaat lebt und arbeitet, gilt, dass der Ehepartner auch das Recht hat, im Gastland (Wohnland) Arbeit gegen Lohn zu verrichten. Bis vor kurzem war sein/ihr Recht auf Beschäftigung in dem Wohnland nach Artikel 11 der VO 1612/68 garantiert. Von jetzt an wird es nach Artikel 23 der Richtlinie über das Aufenthaltsrecht 2004/38/EG 1 gesichert. Artikel 23 Richtlinie 2004/38/EG Die Familienangehörigen eines Unionsbürgers, die das Recht auf Aufenthalt oder das Recht auf Daueraufenthalt in einem Mitgliedstaat genießen, sind ungeachtet ihrer Staatsangehörigkeit berechtigt, dort eine Erwerbstätigkeit als Arbeitnehmer oder Selbständiger aufzunehmen. Beispiele : Ein finnischer Arbeitgeber stellt einen italienischen Arbeitnehmer an. Er ist mit einer argentinischen Frau verheiratet. Beide Ehepartner haben unmittelbar das Recht, in Finnland zu bleiben und dort zu arbeiten. Für Unionsbürger gilt dies auf Grund von Artikel 1 VO 1612/68 und für seinen Ehegatten auf Grund Artikel 23 der Richtlinie 2004/38/EG. Für Nicht-Unionsbürger ist keine Arbeitsgenehmigung erforderlich. 11
12 Eine kroatische Krankenschwester, die in Kroatien lebt - einem Land, das nicht Teil der Europäischen Union ist - hat nicht automatisch das Recht, in Österreich zu arbeiten. Dafür ist eine Arbeitsgenehmigung erforderlich. Selbst, wenn diese kroatische Krankenschwester mit einem Deutschen verheiratet ist, der als Grenzarbeiter von Kroatien aus in Österreich arbeitet, darf sie nicht in Österreich arbeiten. Zieht das Ehepaar nach Österreich um, so ist keine Arbeitsgenehmigung mehr erforderlich. Eine in Belgien niedergelassene Baufirma beschäftigt marokkanische Arbeitnehmer in einem festen Arbeitsverhältnis und entsendet sie vorübergehend nach Frankreich. Dabei ist das Unternehmen nicht verpflichtet, eine Arbeitsgenehmigung bei der französischen Behörde zu beantragen. Dies folgt aus den Artikeln 49 und 50 (freier Dienstleistungsverkehr) des EG-Vertrags (Urteilsentscheidung zur Causa C-43/93 Vander Elst sowie dem Urteil aus der Rechtssache C-445/03 Kommission/Luxemburg). Eine israelische Ballett-Tänzerin wohnt in Amsterdam (NL) und arbeitet in Antwerpen (B). Da sie keine Unionsbürgerin ist, darf sie nur arbeiten, falls eine Arbeitsgenehmigung besteht. Sie hat Anspruch auf belgische Kinderbeihilfe (Sozialleistung) aufgrund der Koordinierungsverordnung für Sozialversicherung VO 1408/71. Sie hat kein Recht auf belgisches Mutterschaftsgeld (soziale Vergünstigung) gemäß Artikel 7, Absatz 2 der VO 1612/68. Sie hat zwar ein Recht auf Kinderbeihilfe, jedoch nicht auf Mutterschaftsgeld, weil die Bürger aus Drittstaaten zwar unter den persönlichen Anwendungsbereich der Koordinierungsverordnung für Sozialversicherung VO 1408/71 fallen, doch nicht unter den Anwendungsbereich der Verordnung betreffend den freien Arbeitnehmerverkehr VO 1612/68. c. Recht auf Beschäftigung von Bürgern aus den neuen Mitgliedstaaten Die Europäische Union kennt aus den vergangenen Jahren zwei wichtige Erweiterungen. Die EU15 wurde am 1. Mai 2004 mit zehn neuen Mitgliedstaaten (Zypern, Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowenien und der Tschechei, welche Beitrittsländer genannt werden) zur EU 25. Folglich wurden wir am 1. Januar 2007 zur EU27, als noch einmal zwei neue Mitgliedstaaten (Bulgarien und Rumänien) hinzukamen, welche Beitrittsländer genannt werden. Bei jeder Erweiterung sind für die alten und die neuen Mitgliedstaaten Übergangsregelungen vereinbart. Diese ermöglichen es der Politik, das sensible Gewohnheitsrecht auf freien Zugang für Arbeitnehmer stufenweise einzuführen. Dabei kommt es im Wesentlichen auf das anfängliche System an, wonach Bürger aus den neuen Mitgliedstaaten eine Arbeitsgenehmigung benötigten, um in einem alten Mitgliedstaat arbeiten zu können. Aus diesem Grund kann eine Übergangszeit gewährt werden. Für Zypern und Malta hingegen werden keine Übergangsregeln aufgestellt. Ihre Bürger wurden schon beim Beitritt in 2004 ohne Arbeitsgenehmigung in allen alten Mitgliedstaaten zugelassen. Bürger der übrigen 2004-Beitrittsländer und der 2007-Beitrittsländer können dagegen - soweit sie nicht die Staatsbürgerschaft eines der alten Mitgliedstaaten haben (= EU15 für die Beitrittsländern und EU25 für die Beitrittsländer) - mit beschränkenden Maßnahmen konfrontiert werden, wenn sie entlohnte Arbeit in einem alten Mitgliedstaat von EU15 bzw. EU25 verrichten wollen. Er ist anzumerken, dass wenn der alte Mitgliedstaat A gegenüber dem Bürger des neuen Mitgliedstaats B beschränkende Maßnahmen aufrechterhält, der letztgenannte Staat seinerseits dasselbe gegenüber dem Bürger aus dem Mitgliedstaat A tun kann (= Reziprozität). 12
13 Das soll den Mitgliedstaaten die Möglichkeit geben, über einem Zeitraum von höchstens 7 Jahren allmählich von dem früheren, innerstaatlich gesteuerten Genehmigungssystem zu einer EU-Regelung (VO 1612/68) mit einem völlig offenen Arbeitsmarkt überzugehen. Die Mitgliedstaaten, die die Übergangsregelung nutzen wollen, haben sich verpflichtet, danach zu trachten, die Zugangspolitik zu ihrem Arbeitsmarkt zu erweitern. Außerdem dürfen sie bestehende Rechte nicht beschneiden. Auch wird es eine Vorrangregelung geben, welche beinhaltet, das Personen aus einem der neuen Mitgliedstaaten im Falle einer freien Stelle für Ausländer gegenüber Personen aus Nicht-Mitgliedstaaten bevorzugt werden. Die Übergangsregelung selbst erfolgt in 3 Phasen, verteilt auf 7 Jahre. In jeder Phase gibt es immer weniger Spielraum für innerstaatliche Politik und eine immer größere Verantwortungspflicht gegenüber den Mitgliedstaaten, die die innerstaatliche Genehmigungspolitik beibehalten wollen. Phase 1 => vom für die Beitrittsländer und vom für die Beitrittsländer: In den ersten zwei Jahren nach dem Beitritt erlassen die alten Mitgliedstaaten innerstaatliche Vorschriften über die Zulassung von Arbeitnehmern aus den neuen Mitgliedstaate, die die EU-Vorschriften über den freien Verkehr umsetzen sollen. Jeder alte Mitgliedstaat kann jedoch auf freiwilliger Basis beschließen, die EU-Vorschriften bereits beim Beitritt anzuwenden. Phase 2 => vom für die Beitrittsländer und vom für die Beitrittsländer: Am Ende der ersten Phase wird die Übergangsregelung von der Europäischen Kommission ausgewertet. Jeder Mitgliedstaat, der die Übergangsregelung genutzt hat, muss dann auch mitteilen, ob er die Übergangszeit noch einmal für höchstens drei Jahre verlängern will. Falls nicht, so sind in dem Mitgliedstaat keine Arbeitsgenehmigungen mehr erforderlich. Die Verordnung Freier Arbeitnehmerverkehr ist dann anzuwenden. In dem Fall können die Mitgliedstaaten weitere Gewährleistungsmaßnahmen für bestimmte Regionen oder Berufe oder bei unerwarteten Problemen auf dem Arbeitsmarkt ergreifen. Phase 3 => vom für die Beitrittsländer und vom für die Beitrittsländer: Nach dieser zweiten Phase von 3 Jahren werden die Mitgliedstaaten, die das noch nicht getan haben, noch einmal gebeten, ihren Arbeitsmarkt völlig zu öffnen. Nur wenn sie eine ernste Beeinträchtigung oder eine drohende ernste Beeinträchtigung des Arbeitsmarkts anzeigen können, darf das System der Arbeitsgenehmigungen noch einmal für höchstens 2 Jahre weitergeführt werden. Ab dem für die Beitrittsländer und ab dem für die Beitrittsländer darf kein einziger Mitgliedstaat mehr Arbeitsgenehmigungen verlangen und die VO 1612/68 gilt ohne Einschränkungen im gesamten Hoheitsgebiet der erweiterten Europäischen Union mit den EU25- bzw. EU27-Mitgliedstaaten. Unter den Beitrittsländern haben nur Irland, Großbritannien und Schweden von Anfang an ihren Arbeitsmarkt geöffnet. Bei dem Übergang in die zweite Phase folgen ihnen Finnland, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien. Belgien, Frankreich, Luxemburg, die Niederlande und Dänemark gaben zu erkennen, die Möglichkeiten der zweiten Phase, die sich ihnen bieten, in Anspruch nehmen werden. Allerdings haben sie gleichzeitig ein erleichtertes Verfahren für die Arbeitsgenehmigung eingeführt, das sich entweder über den 13
14 ganzen Arbeitsmarkt (Dänemark) oder auf ganz spezielle Wirtschaftsbereiche und Berufe, für die ein Bedarf an Arbeitskräften besteht (Belgien, Frankreich, die Niederlande und Luxemburg), erstreckt. Nach dieser zweiten Phase von 3 Jahren werden die Mitgliedstaaten, die das noch nicht getan haben, noch einmal gebeten, ihren Arbeitsmarkt völlig zu öffnen. Nur wenn sie eine ernste Beeinträchtigung oder eine drohende ernste Beeinträchtigung des Arbeitsmarkts anzeigen können, darf das System der Arbeitsgenehmigungen noch einmal für höchstens 2 Jahre weitergeführt werden. Ab dem für die Beitrittsländer und ab dem für die Beitrittsländer darf kein einziger Mitgliedstaat mehr Arbeitsgenehmigungen verlangen und die VO 1612/68 gilt ohne Einschränkungen im gesamten Hoheitsgebiet der erweiterten Europäischen Union mit den EU25- bzw. EU27-Mitgliedstaaten. Unter den Beitrittsländern haben nur Irland, Großbritannien und Schweden von Anfang an ihren Arbeitsmarkt geöffnet. Bei dem Übergang in die zweite Phase folgen ihnen Finnland, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien. Belgien, Frankreich, Luxemburg, die Niederlande und Dänemark gaben zu erkennen, die Möglichkeiten der zweiten Phase, die sich ihnen bieten, in Anspruch nehmen werden. Allerdings haben sie gleichzeitig ein erleichtertes Verfahren für die Arbeitsgenehmigung eingeführt, das sich entweder über den ganzen Arbeitsmarkt (Dänemark) oder auf ganz spezielle Wirtschaftsbereiche und Berufe, für die ein Bedarf an Arbeitskräften besteht (Belgien, Frankreich, die Niederlande und Luxemburg), erstreckt. Die Übergangsregelung gilt nur für den freien Arbeitnehmerverkehr. Der freie Dienstleistungsverkehr also eine Entsendung von Arbeitnehmern im Rahmen der Erbringung von Dienstleistungen ist ab dem ersten Tag des Beitritts möglich, ebenso wie der freie Verkehr von Selbständigen, Studenten, Pensionisten, Touristen, usw... Nur für Österreich und Deutschland gilt eine spezielle Gewährleistungsklausel, aufgrund der eine Entsendung von Arbeitnehmern aus den neuen Mitgliedstaaten an Bedingungen geknüpft werden kann. Dies gilt nicht nur hinsichtlich der Beitrittsländer, sondern auch für die Beitrittsländer. Diese Möglichkeit gilt jedoch nur für eine begrenzte Anzahl von Dienstleistungen, wie das Baugewerbe und die industrielle Reinigung, und darf nur angewandt werden, wenn die betreffenden Bereiche ernsthaft beeinträchtigt sind. Wer bereits vor dem 1. Mai 2004 in einem der alten Mitgliedstaaten arbeitet und eine Arbeitsgenehmigung für mindestens zwölf Monate besitzt, darf auch weiterhin in dem Mitgliedstaat arbeiten. Seine Familienmitglieder, die zum Beitrittsdatum zum Arbeitsmarkt in einem Mitgliedstaat auch rechtmäßig Zugang hatten, behalten diese ebenfalls. Findet die Familienzusammenführung jedoch nach dem Beitrittsdatum statt, so haben die Familienmitglieder erst dann Zugang zum Arbeitsmarkt des Mitgliedstaats, wenn sie dort achtzehn Monate wohnen oder ab dem dritten Jahr nach dem Beitritt, je nachdem, was zuerst eintritt. Kurz gesagt, wer während des Übergangszeitraums sein Recht ausüben will, in einem anderen Mitgliedstaat zu arbeiten, hat sich über die genaue Situation in dem Land, wo er oder sie arbeiten will, zu informieren. Der Übergangszeitraum soll einer Massenmigration bis zu einem Ausmaß, welches den Arbeitsmarkt beeinträchtigt, vorbeugen. Es ist nicht der Zweck, den gesamten Verkehr unmöglich zu machen. 14
15 3. Koordinierung der Sozialversicherung: VO 1408/71 und VO 883/04 a. Allgemeines Die europäische Koordinierungsverordnung VO 1408/71 über die Koordinierung der gesetzlichen Sozialversicherung innerhalb der Gemeinschaft regelt die Rechte von migrierenden und grenzüberschreitenden Arbeitnehmer sowie ihrer Familienmitglieder. Die Koordinierungsverordnung VO 1408/71 verhindert, dass die erworbenen Rechte auf Sozialleistungen dieser Arbeitnehmer und ihrer Familienmitglieder - die ihr Recht auf freien Verkehr ausüben wollen - verloren gehen. Die praktische Auswirkung der Koordinierung ist in der Durchführungsverordnung VO 574/72 geregelt. 2 Diese Anweisungen gelten auch für VO 883/04 (Art. 12 bis einschl. 16). Die Koordinierungsverordnung VO 1408/71 soll in absehbarer Zeit (2008/2009?) durch die Verordnung VO 883/04 ersetzt werden. Die Verordnung 883/2004 tritt in Kraft, sobald die zugehörige Durchführungsverordnung durch das Europäische Parlament genehmigt wurde. Die Europäische Kommission hat einen Vorschlag für die Durchführungsverordnung (KOM (2006) 16) vorgelegt. Die Koordinierungsverordnung VO 1408/71 gilt nur für Arbeitnehmer, die Staatsbürger eines Mitgliedstaats sind, der zum europäischen Wirtschaftsraum gehören (EU = die Europäische Union) sowie Liechtenstein, Norwegen und Island). Ab 1. Juli 2002 ist die Verordnung auch auf die Schweiz anwendbar. Ab Juni 2003 ist sie außerdem auf Nicht-Unionsbürger (sog. Bürger aus Drittstaaten) erweitert, die rechtmäßig in einem der Mitgliedstaaten bleiben (ausgenommen Dänemark). Die Verordnung 1408/71 regelt nur die gesetzlichen Sozialversicherungssysteme. Sie regelt nicht zusätzliche Sozialversicherungen (Betriebspensionen, private Krankenversicherungen, zusätzliche private Kranken- und Invaliditätsversicherungen usw...). Die wichtigsten Koordinierungsgrundsätze der Verordnung 1408/71 sind: a. die Bestimmung der geltenden Gesetze zur Sozialversicherung zur Verhinderung von Gesetzeskonflikten; b. die verpflichtende Anrechenenbarkeit von Sozialleistungen im Bezug auf Familienbeihilfen, Sozialleistungen im Fall von Krankheit, Invalidität, Alter und Tod; c. die Zusammenrechnung von Versicherungszeiten in den diversen Mitgliedstaaten; d. die Koordinierung der Berechnungsmethoden für Sozialleistungen. b. Regeln zum geltenden Sozialversicherungsrecht Um zu verhindern, dass ein migrierender oder grenzüberschreitender Arbeitnehmer keinem Rechtssystem zur Sozialversicherung unterliegt oder dass zwei Rechtssysteme gleichzeitig gelten, wurden in VO 1408/71 Regeln aufgenommen. Diese Regeln in Artikel 13 bis einschl. 17 bestimmen, welches Sozialversicherungsrecht in einem bestimmten Fall gilt. Diese Regeln sind ihrer Art nach zwingend und lassen daher keine Wahl zu. Die Regeln sind auch exklusiv, das heißt, dass auf den Arbeitnehmer nur ein Sozialversicherungssystem gelten kann (Art. 13). Meistens gilt der Grundsatz des Arbeitslandes (lex loci laboris) 2. 15
16 3 VO 883/04 verstärkt die Exklusivität. In keinem Fall soll es möglich sein, in zwei Mitgliedstaaten gleichzeitig sozialversichert zu sein. Zusätzlich wird die VO 883/04 auch die Periode für die Entsendung von Arbeitnehmern von 12 auf 24 Monate verlängern. 4 Artikel 11, Absatz 2 a) VO 883/04 5 Artikel 12, Absatz 1 VO 883/04 6 Artikel 13, Absatz 1 a) VO 883/04 7 Artikel 13, Absatz 1 b) VO 883/04 8 Die Regelung, dass eine Person zwei Sozialversicherungssystemen unterworfen wird, wird in VO 883/2004 abgeschafft. In oben genanntem Beispiel gilt, dass diese Person für alle Arbeiten - auch für die als Selbständiger in Belgien - in den Niederlanden sozialversichert wird. 9 Artikel 16 VO 883/ Artikel 11 bis einschl.15 VO 883/04 Von diesen generellen Regeln wird in einer begrenzten Anzahl von Fällen abgewichen. Zum Beispiel, in dem Fall, dass ein Arbeitnehmer durch seinen Arbeitgeber für kurze Zeit in einen anderen Mitgliedstaat entsendet wird. In manchen Fällen wird auch vom Grundsatz des Arbeitslandes abgewichen, falls der Arbeitnehmer in mehreren Mitgliedstaaten gleichzeitig tätig ist. Und trotz des Exklusivitätsgrundsatzes ist die doppelte Rechtsunterwerfung doch noch in einer genau umschriebenen Situation möglich (Kombination einer gleichzeitigen Aktivität als Lohnempfänger und Selbständiger in Arbeitsländern mit unterschiedlichen Sozialversicherungssystemen für beide Berufskategorien). 3 Beispiele: Ein Bürger aus Portugal arbeitet in Spanien, kehrt aber mindestens 1 Mal pro Woche nach Portugal zurück. Der Arbeitnehmer ist Grenzgänger. Er ist im Arbeitsland Spanien sozialversichert (Art. 13, Absatz 2 litt a VO 1408/71) 4. Ein schwedisches Unternehmen entsendet einen Personalmanager für 12 Monate nach Dänemark. Da es sich um eine Entsendung von Arbeitnehmern im Rahmen der Erbringung von Dienstleistungen handelt, bleibt dieser Arbeitnehmer in Schweden sozialversichert (Art 14, Absatz 1 litt b VO 1408/71) 5. Ein Bürger aus Italien arbeitet im Auftrag eines französischen Unternehmens in sowohl in Frankreich als auch in Italien. Er ist in einem Mitgliedstaat sozialversichert. Dies ist Italien, das Land, wo er als Lohnbezieher arbeitet und wohnt. Der französische Arbeitgeber hat deshalb in Italien Sozialversicherungsbeiträge zu leisten (Art. 14, Absatz 2 litt b i VO 1408/71) 6. Ein Bürger aus Österreich wird bei einem deutschen Unternehmen als Wartungsmechaniker eingestellt. Dieser Wartungsmechaniker arbeitet sowohl in Italien als auch in der Schweiz. Der Wartungsmechaniker ist in einem Mitgliedstaat sozialversichert, nämlich in Deutschland, der Ort der Niederlassung seines Arbeitgebers (Art. 14, Absatz 2 litt b ii VO 1408/71) 7. Ein Bürger aus Belgien arbeitet in Belgien als Selbständiger und in Holland als Lohnbezieher. In sehr seltenen Ausnahmefällen gilt, dass diese Person als Lohnbezieher in Holland und gleichzeitig als Selbständiger in Belgien versichert ist (sog. gespaltene Rechtsunterworfenheit, in Beilage VII der VO 1408/71 geregelt). Eine solche Regelung gilt auch für einige andere Mitgliedstaaten 8. In einigen Ausnahmefällen kann von dem in der VO 1408/71, in Art 13 bis einschl. 16, vorgeschriebenen geltenden Rechtssystem abgewichen werden. Dies ist in Artikel 17 geregelt, der wie folgt lautet: Artikel 17 VO 1408/71 9 : Deux ou plusieurs États membres ou les autorités compétentes de ces États peuvent prévoir d un commun accord, dans l intérêt de certains travailleurs ou de certaines catégories de travailleurs, des exceptions aux dispositions des Artikel s 13 à
17 c. Anrechenbarkeit von Sozialleistungen In vielen Mitgliedstaaten verfällt das Recht auf Sozialleistung, oder die Auszahlung, wenn der Arbeitnehmer nicht mehr im Hoheitsgebiet des Mitgliedstaats wohnt. Bei Rückkehr in das Herkunftsland oder bei Übersiedlung in einen anderen Mitgliedstaat können die angesparten Rechte auf Sozialleistungen daher verfallen. Dies stellt eine ernste Behinderung des freien Arbeitnehmerverkehrs dar. In der europäischen Verordnung 1408/71 ist deshalb in eine Regelung vorgesehen, die bestimmt, dass Sozialleistungen für Elternschaft, Krankheit, Invalidität, Alter und Tod auch weiter an diejenigen zu zahlen sind, die zum Empfang von Sozialleistungen berechtigt sind, die in einem anderen Mitgliedstaat wohnen oder in ihr Herkunftsland zurückkehren. Diese Verpflichtung zur Anrechnung wirkt nicht absolut. Beihilfe(artige) Sozialleistungen können zum Beispiel nicht angerechnet werden. Für Arbeitslosenunterstützungen gilt, dass diese nur für sehr beschränkte Zeit (max. 3 Monate) angerechnet werden können (Art. 69 VO 1408/71) 11. Die europäische Verordnung 1408/71 regelt auch, wie ein kranker Arbeitnehmer kontrolliert werden muss, der im Krankheitsfall Anspruch auf Krankengeld oder Lohnfortzahlung hat, aber in einem anderen Mitgliedstaat wohnt. Gleichzeitig gibt es Regeln, die verhindern, dass Kinderbeihilfe doppelt oder gar nicht gezahlt wird (sog. Kollisionsbestimmungen). 11 Artikel 64 VO 883/04 12 In VO 883/04 sind ein einzelnes Kapitel (9) und ein Zusatz (X) aufgenommen. 13 Artikel 65, Absatz 2 erster Satz VO 883/04 Beispiele : Die gesetzlichen Alterspensionen und Renten im Fall des Todes und der Arbeitsunfähigkeit in Frankreich sind unmittelbar anrechenbar. Dies gilt jedoch nicht für zusätzliche Sozialleistungen des Fonds National de Solidarité (Gesetz vom 30. Juni 1956) und die Sozialleistungen für behinderte Erwachsenen (französisches Gesetz vom 30. Juni 1975). Die italienische Pension (und andere Vergütungen) für Taubstumme, der irische Arbeitslosenunterstützung in Irland (Social Welfare <Consolidation> Akt 1993) und zum Beispiel die Kosten der Niederlassung von Pensionisten in Dänemark sind in einem anderen Mitgliedstaat nicht anrechenbar, weil dies nicht auf Prämien oder Beiträge beruhende Leistungen sind (Art. 10 bis bzw. Beilage II bis VO 1408/71) 12. Ein in Portugal lebender portugiesischer Grenzgänger, der sein ganzes Berufsleben in Spanien gearbeitet hat, erhält bei Langzeitarbeitslosigkeit eine portugiesische Arbeitslosenunterstützung (Grundsatz des Wohnsitzlandes Art. 71, Absatz 1 litt a ii VO 1408/71). 13 Dieser Grundsatz gilt auch für einen spanischen Arbeitnehmer, der nach Portugal übersiedelt, aber weiterhin in Spanien arbeitet. Eine in Holland wohnende Familie mit einem Alleinverdiener, wobei der Vater als Lohnbezieher in Deutschland arbeitet, hat vorrangig Anspruch auf die deutsche Kinderbeihilfe. Die deutsche Kinderbeihilfe ist anrechenbar. Es darf nicht gefordert werden, dass die Kinder in Deutschland aufgewachsen sind (Art. 74 VO 1408/71). Da das holländische Kinderbeihilfesystem eine Versicherung für die jeweiligen Staatsbürger ist, besteht Anspruch auf zusätzliche holländische Kinderbeihilfe, falls diese höher als die deutsche Kinderbeihilfe ist. Da die Mutter nicht in Holland arbeitet, hat sie auch Anspruch (abgeleitetes Recht) auf die deutschen Sozialleistungen im Fall der Mutterschaft (beschlossen C-245/94 Hoever und C-312/94 Zacher). Wenn die Mutter in den Niederlanden arbeitet, hat sie Anspruch auf die deutschen Sozialleistungen, wenn sie die deutschen Voraussetzungen erfüllt. 17
18 14 In der neuen Verordnung 883/04 werden sämtliche Bestimmungen zusammengetragen und in einem allgemeinen Artikel 6 aufgenommen. Artikel 6 der VO 883/04: Zusammenrechnung der Zeiten Sofern in dieser Verordnung nichts anderes bestimmt ist, berücksichtigt der zuständige Träger eines Mitgliedstaats, dessen Rechtsvorschriften: den Erwerb, die Aufrechterhaltung, die Dauer oder das Wiederaufleben des Leistungsanspruchs, die Anwendung bestimmter Rechtsvorschriften, oder den Zugang zu bzw. die Befreiung von der Pflichtversicherung, der freiwilligen Versicherung oder der freiwilligen Weiterversicherung, von der Zurücklegung von Versicherungszeiten, Beschäftigungszeiten, Zeiten einer selbständigen Erwerbstätigkeit oder Wohnzeiten abhängig machen, soweit erforderlich die nach den Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats zurückgelegten Versicherungszeiten, Beschäftigungszeiten, Zeiten einer selbständigen Erwerbstätigkeit oder Wohnzeiten, als ob es sich um Zeiten handeln würde, die nach den für diesen Träger geltenden Rechtsvorschriften zurückgelegt worden sind. 15 In VO 883/04 ist dieser Grundsatz in dem Allgemeinen Artikel 6 aufgenommen. 16 Artikel 61 VO 883/04 17 Artikel 52 VO 883/04 d. Zusammenrechnung von Versicherungszeiten In vielen innerstaatlichen Rechtssystemen wird das Recht auf Sozialleistung, ebenso wie die Dauer und Höhe an die Bedingung geknüpft, dass der Antragsteller während eines bestimmten Zeitraums sozialversichert gewesen sein muss und seine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt hat. In vielen Bestimmungen gelten Wartezeiten oder es werden Anforderungen für den Bezug der Leistungen gestellt. Solche Bestimmungen sind für migrierende und grenzüberschreitende Arbeitnehmer sehr nachteilig. Bei einem Übergang von einem Sozialversicherungssystem zum anderen können sie dennoch immer wieder mit Wartezeiten bzw. Anforderungen für den Bezug der Leistungen konfrontiert werden. In der Koordinierungsverordnung 1408/71 wurden deshalb Bestimmungen mit aufgenommen, die vorschreiben, dass angesparte Versicherungszeiten in anderen Mitgliedstaaten für die Feststellung des Rechts auf Sozialleistung mitgezählt müssen werden (sog. Zusammenrechnungsregeln) 14. Der Datenaustausch zwischen den Mitgliedstaaten über die angesparten Versicherungszeiten erfolgt über e- Formulare. Beispiele : In Belgien erwirbt man erst den Anspruch auf Krankengeld, wenn man bereits 6 Monate sozialversichert war. Ein irischer Arbeitnehmer, der in Belgien arbeitet und nach 3 Monaten krank wird, hat dennoch Recht auf belgisches Krankengeld, falls er mit dem Formular E-104 (Irl) nachweisen kann, dass er zuvor mindestens 3 Monate in Irland versichert gewesen ist (Art. 18 VO 1408/71) 15. Ein Bürger aus Griechenland hat 5 Jahre in Griechenland gearbeitet. Danach übersiedelt er nach Frankreich. Nach 3 Monaten Arbeit in Frankreich wird er arbeitslos. In Frankreich hat man frühestens Recht auf Arbeitslosenunterstützung, wenn man dort während eines Zeitraums von 22 Monaten 182 Tage lang sozialversichert gewesen ist. Durch Zusammenrechnung und Gleichstellung der Zeiträume hat der griechische Arbeitnehmer aber das Recht auf französische Arbeitslosenunterstützung, wenn er ein E-301 (Gr) vorweisen kann (Art. 67 VO 1408/71) 16. ß Ein finnischer Arbeitnehmer hat 4 Jahre lang in Deutschland gearbeitet. In der deutschen Pensionsversicherung kennt man eine Wartezeit von 5 Jahren. Wenn der finnische Arbeitnehmer weniger als 5 Jahre sozialversichert gewesen ist, so hat er einfach auf Grundlage seiner deutschen Leistungen kein Recht auf eine deutsche Alterspension. Als er vorher jedoch lange in Finnland sozialversichert gewesen ist und das mit einem Formular E-205 beweisen kann, dann hat er durch Zusammenrechnung und Gleichstellung der finnischen und deutschen Versicherungszeiten dennoch ein Recht auf eine deutsch Alterspension (Art. 44 VO 1408/71). 17 Dies nennt man die sog. Verordnungspension. e. Koordinierung der Berechnungsmethoden für Sozialleistungen Die Koordinierungsverordnung 1408/71 regelt in Artikel 13 bis einschl , wo der grenzüberschreitende Arbeitnehmer sozialversichert ist. Damit wird verhindert, dass der Arbeitnehmer nicht doppelt oder gar nicht sozialversichert ist. Damit sind jedoch nicht alle Probleme gelöst. So können bei der Zahlung von Kinderbeihilfe dadurch Probleme entstehen, dass beide Elternteile dem Rechtssystem verschiedener Mitgliedstaaten unterliegen, weil der eine Elternteil im Wohnsitzland und der andere in einem anderen Mitgliedstaat arbeitet. 18
19 Beispiele : Die Familie wohnt in Portugal. Einer der Elternteile arbeitet als Grenzgänger in Spanien und der andere Elternteil arbeitet in Portugal. Die Frage ist, welcher Mitgliedstaat verpflichtet ist, die Kinderbeihilfe zu zahlen. Das Wohnsitzland der Familie oder das Arbeitsland von einem der Elternteile? Oder muss das Wohnsitzland der Familie (Portugal) nicht zuerst und das Arbeitsland dann allenfalls noch zusätzlich zahlen? Die Familie wohnt in Maastricht (Holland). Der Vater arbeitet als Lohnbezieher in Deutschland und die Mutter in Belgien. Die Frage ist, welcher der drei Mitgliedstaaten die Kinderbeihilfe zahlen muss. Auch ist geregelt, wie viel jeder Mitgliedstaat zahlen muss. Der Gerichtshof hat sich dazu in der Causa Danner (C-168/88) bindend geäußert. Diese Art von Situationen wird durch die Koordinierungsverordnung VO 1408/71 in Kombination mit der Durchführungsverordnung VO 574/72 geregelt. Bei der Koordinierung der Familienbeihilfensysteme wird die Tatsache berücksichtigt, dass mehrere Arten von Kinderbeihilfesystemen existieren (Arbeitnehmerversicherungen, Versicherung für die jeweiligen Staatsbürger sowie Versicherungen für Selbständige). Die Koordinierungsverordnung VO 1408/71 regelt, welcher Mitgliedstaat vorrangig Familienbeihilfe zu zahlen hat und wie es verhindert wird, dass es zu einer Anhäufung von Kinderbeihilfen kommt (Kapitel 7 VO 1408/71) Artikel 12 bis einschl. 16 VO 883/04 19 Kapitel 8 VO 883/04 20 In der neuen Verordnung VO 883/04 gilt diese pensions-spezifische Methode nur in Spanien und Frankreich, wenn diese beiden Staaten sich im Anhang VI haben aufführen lassen. Dies ist allerdings nicht der Fall. Folglich gilt die sogenannte Pro-Rata- Methode. Bei Invalidität kann es auch eine Anhäufung geben. In einer großen Anzahl von Mitgliedstaaten sind Invaliditätsversicherungen Risikoversicherungen (z.b. Holland, Belgien, Irland, Frankreich, Großbritannien und Spanien). Das heißt, dass die Höhe der Invaliditätspension von der Versicherungsdauer unabhängig ist. Die anderen Mitgliedstaaten kennen Ansparmodelle. Beispiele : Ein migrierender Arbeitnehmer wohnt und arbeitet 1 Jahr lang in Spanien (Risikosystem). Er hat vorher 15 Jahre in Frankreich gearbeitet (Risikosystem). Im Fall der Invalidität hat dieser migrierende Arbeitnehmer unabhängig von seiner bisherigen Versicherung nur das Recht auf die gesamte spanische Invaliditätspension (sog. pensions-spezifische Methode). Er hat gemäß VO 1408/71 Anspruch auf eine spanische Invaliditätspension, als ob er immer in Spanien sozialversichert gewesen wäre 20. Ein migrierender Arbeitnehmer wohnt und arbeitet 1 Jahr in Spanien (Risikosystem). Vorher hat er 15 Jahre lang in Österreich gearbeitet (Ansparsystem). Im Falle einer Invalidität hat dieser migrierende Arbeitnehmer unabhängig von seiner bisherigen Versicherung immer das Recht auf die gesamte spanische Invaliditätspension. Da er jedoch vorher in einem Ansparsystem versichert war, besteht Anspruch auf die österreichische Invaliditätspension. Wird diese auch gezahlt, so wird es für die spanische Invaliditätspension in Abzug gebracht (Keine Anhäufung). Falls der Arbeitnehmer nach österreichischem Sozialrecht jedoch nicht für arbeitsunfähig erklärt wird, hat der migrierende Arbeitnehmer Anspruch auf die gesamte spanische Invaliditätspension. Die Koordinierung im Fall einer Invalidität ist kompliziert. Dabei werden die wesentlichen Unterschiede zwischen den Invaliditätssystemen berücksichtigt. Es wird zwischen Risikosystemen und Ansparsystemen unterschieden. Für die Art der Koordinierung spielt die Versicherungssituation zu dem Zeitpunkt, als der Arbeitnehmer arbeitsunfähig wird, eine entscheidende Rolle. Dabei wird zwischen Arbeitnehmern, die zuletzt in ein Ansparsystem versichert waren, und solchen, die zuletzt in einem Risikosystem versichert waren, unterschieden. 19
20 Die Koordinierung zielt darauf ab, dass angesparte Rechte nicht verloren gehen. Sie löst jedoch nicht das Problem der oft großen Unterschiede zwischen den Invaliditätssystemen. Es kann vorkommen, dass ein migrierender oder grenzüberschreitender Arbeitnehmer in dem einen Mitgliedstaat für völlig arbeitsunfähig erklärt wird und dass er gleichzeitig in dem anderen Mitgliedstaat nicht oder nur teilweise für arbeitsunfähig erklärt wird. Der Mangel in der Angleichung kann nicht durch Koordinierung gelöst werden. Auch für Alters- und Überlebenspensionen gibt es spezielle Koordinierungsbestimmungen. Für eine tiefergehende und ausführliche Beschreibung aller Koordinierungsbestimmungen, siehe Kapitel 10 und Grenzüberschreitendes Arbeitsrecht a. Allgemeines Bei grenzüberschreitender Arbeit ist die Frage, welches Arbeitsrecht bzw. welche Arbeitsbedingungen (Kollektivvereinbarungen) gelten. Bevor man diese Frage beantwortet, ist es wichtig, zu erwähnen, von welchen Arten von grenzüberschreitender Arbeit es sich handelt. Für einige Situationen gilt der Vertrag von Rom über das Recht, das auf vertragliche Verpflichtungen anzuwenden ist (EWR-Vertrag vom 19. Juni 1980). Der EWR-Vertrag gilt bei internationalen Arbeitsverträgen. Dies ist der Fall, wenn ein Arbeitgeber aus einem bestimmten Mitgliedstaat seine Arbeitnehmer in einem oder mehreren anderen Mitgliedstaaten Tätigkeiten ausführen lässt. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein deutsches Unternehmen einen in Frankreich wohnenden Arbeitnehmer Tätigkeiten in Luxemburg, Frankreich und Belgien ausführen lässt oder wenn ein griechisches Unternehmen einen Arbeitnehmer 2 Jahre lang nach Spanien entsendet. Der Vertrag über die europäische Wirtschaftsgemeinschaft gilt grundsätzlich auch für einen Arbeitnehmer, der in einem anderen Mitgliedstaat für einen dort ansässigen Arbeitgeber arbeitet (z.b. Grenzgänger). Es handelt sich jedoch dann nur um grenzüberschreitendes Wohnen. In diesem Fall wird fast immer die Gültigkeit des Arbeits rechts und der Arbeitsbedingungen (Kollektivvereinbarungen) des Arbeitslandes (lex locis laboris) vereinbart. Der EWR-Vertrag wird in der europäischen Verordnung (Rom I) über das auf vertragliche Schuldverhältnis anzuwendende Recht KOM (2005) 650 endgültig umgesetzt. Das Eingangsdatum ist unsicher (2008?). 20
Leitfaden für den mobilen europäischen Arbeitnehmer. European Trade Union Confederation (ETUC)
Leitfaden für den mobilen europäischen Arbeitnehmer European Trade Union Confederation (ETUC) Leitfaden für den mobilen europäischen Arbeitnehmer Dr. Katrin Distler, DGB & Ger Essers, FNV Europäischer