Source: https://www.aussenwirtschaftslupe.de/abkommensberechtigung-und-schachtelprivilegierung-einer-us-amerikanischen-s-corporation-6047
Timestamp: 2019-08-20 08:42:30
Document Index: 103264696

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 3', 'Art. 1', 'Art. 4', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 1', '§ 50', '§ 50', 'Art 10', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 1', '§ 50', '§ 52', '§ 50', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Abkommensberechtigung und Schachtelprivilegierung einer US-amerikanischen „S‑Corporation” | Außenwirtschaftslupe
Für im Streit­jahr bezo­ge­ne Divi­den­den ist die Aus­nah­me­re­ge­lung damit auch dann nicht ein­schlä­gig, falls die Ver­güns­ti­gun­gen, wel­che das DBA-USA 1989⁄2008 gewährt, hin­ter jenen des DBA-USA 1989⁄1991 zurück­blei­ben soll­ten: Zwar unter­schei­det das Ände­rungs­pro­to­koll in Art. XVII Abs. 2 zwi­schen dem Zeit­punkt sei­nes Inkraft­tre­tens einer­seits und ande­rer­seits dem Zeit­punkt, in wel­chem das Ände­rungs­pro­to­koll erst­mals anzu­wen­den ist. Für den letz­te­ren Zeit­punkt wird wie­der­um danach unter­schie­den, um wel­che Steu­ern es sich han­delt. Rich­tig ist es auch, dass Art. XVII Abs. 5 des Ände­rungs­pro­to­kolls in inso­fern miss­ver­ständ­li­cher Wei­se allein den Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens auf­greift und die­sen als den maß­ge­ben­den Zeit­punkt dafür bestimmt, in dem der zwölf­mo­na­ti­ge Ver­scho­nungs­zeit­raum zu lau­fen beginnt. Doch ver­knüpft die Ver­scho­nungs­re­ge­lung den Beginn jenes Zeit­raums mit „den Bestim­mun­gen die­ses Pro­to­kolls nach Abs. 2”, was in dann doch wie­der unmiss­ver­ständ­li­cher Wei­se jene (Grund-)Regelungen in ihrer Gesamt­heit ein­be­zieht, also sowohl was den Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens als auch des erst­ma­li­gen Anwen­dens anbe­langt. Zutref­fend weist das Finanz­ge­richt dar­auf hin, dass sich die­ses Rege­lungs­ver­ständ­nis noch deut­li­cher aus dem –aus­weis­lich der Schluss­for­mel des Ände­rungs­pro­to­kolls– glei­cher­ma­ßen ver­bind­li­chen eng­lisch­spra­chi­gen Text der Rege­lung ergibt; dort wird näm­lich nicht iso­liert auf den Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens abge­stellt („… shall enter into force …”, s. den Ein­gangs­satz­teil von Art. XVII Abs. 2 sowie den Schluss­satz­teil in Abs. 2 Buchst. a des Ände­rungs­pro­to­kolls), son­dern auf den­je­ni­gen Zeit­punkt des erst­ma­li­gen Anwen­dens („… shall have effect …” bzw. „… would have effect …”, s. eben­falls Ein­gangs­satz­teil in Art. XVII Abs. 2 sowie in Abs. 5 des Ände­rungs­pro­to­kolls). Und zu Recht weist das BZSt auch dar­auf hin, dass das Aus­le­gungs­er­geb­nis andern­falls sinn­wid­rig wäre: Das novel­lier­te Abkom­men wäre für im Abzugs­we­ge erho­be­ne Steu­ern nach Maß­ga­be der Grund­re­ge­lung in Art. XVII Abs. 2 Buchst. a des Ände­rungs­pro­to­kolls erst­mals für Beträ­ge anzu­wen­den, wel­che am oder nach dem 1.01.2007 gezahlt oder gut­ge­schrie­ben wer­den. Dar­an wür­de sich bei der von der Klä­ge­rin befür­wor­te­ten Les­art auch dann nichts ändern, wenn von der Ver­scho­nungs­re­ge­lung des Abs. 5 der Vor­schrift Gebrauch gemacht wird. Mit ande­ren Wor­ten: Genau für jene Beträ­ge, für die ein etwai­ger Ver­trau­ens­schutz ein­zu­for­dern wäre, blie­be die Per­son, die die Abkom­mens­ver­güns­ti­gun­gen in Anspruch neh­men möch­te, unge­schützt.
Anders als nach frü­he­rer Abkom­mens­la­ge ist die Klä­ge­rin kei­ne in dem ande­ren Ver­trags­staat ansäs­si­ge Gesell­schaft i.S. von Art. 4 Abs. 1 DBA-USA 1989⁄2008. Ansäs­sig im Sin­ne die­ser Vor­schrift ist näm­lich, wie sich aus der dafür maß­ge­ben­den Begriffs­be­stim­mung in Art. 4 Abs. 1 Satz 1 DBA-USA 1989⁄2008 ergibt, eine sol­che Gesell­schaft nur dann, wenn sie nach dem Recht die­ses Staats dort auf­grund des Ortes ihrer Geschäfts­lei­tung, des Ortes der Grün­dung oder eines ande­ren ähn­li­chen Merk­mals steu­er­pflich­tig ist. Als „S‑Corporation” erfüll­te die Klä­ge­rin die­se Ansäs­sig­keits­merk­ma­le im Streit­jahr in den USA indes­sen nicht, weil nach US-ame­ri­ka­ni­schem Recht nicht sie selbst der ame­ri­ka­ni­schen Ertrags­be­steue­rung unter­lag; besteu­ert wur­den dort viel­mehr ihre Gesell­schaf­ter. Im Ein­zel­nen ver­weist der BFH dazu, um auch inso­weit Wie­der­ho­lun­gen zu ver­mei­den, erneut auf sein Urteil in BFHE 222, 509, BSt­Bl II 2009, 2345.
Der Begriff des Nut­zungs­be­rech­tig­ten wird im Abkom­men selbst nicht defi­niert. Er ist den­noch ein abkom­mens­recht­li­cher, für des­sen Aus­le­gung in Ein­klang mit Art. 3 Abs. 2 DBA-USA 1989⁄2008 nur dann auf das natio­na­le Recht des jewei­li­gen Anwen­der­staats zurück­zu­grei­fen ist, wenn der Zusam­men­hang des Abkom­mens nichts ande­res erfor­dert. Ein sol­cher vor­ran­gi­ger Abkom­mens­zu­sam­men­hang fehlt indes­sen. Aus­schlag­ge­bend ist in die­sem Punkt des­halb allein das natio­na­le Recht des Quel­len­staats, hier also von Deutsch­land. Wegen der Ein­zel­hei­ten ver­weist der BFH ein­mal mehr auf sein Urteil in BFHE 222, 509, BSt­Bl II 2009, 234.
Bestä­ti­gung von BFH, Urteil vom 20.08.2008 — I R 39⁄07, BFHE 222, 509, BSt­Bl II 2009, 234↩
Anschluss an BFH, Urteil vom 20.08.2008 — I R 39⁄07, BFHE 222, 509, BSt­Bl II 2009, 234↩
vgl. BFH, Urteil vom 20.08.2008 — I R 39⁄07, BFHE 222, 509, BSt­Bl II 2009, 234↩
BGBl II 2008, 117↩
m.w.N.; s. auch Schnit­ger in Endres/​Jacob/​Gohr/​Klein, DBA-Deutsch­lan­d/U­SA, Art. 1 Rz 69↩
vgl. BFH, Urteil vom 06.06.2012 — I R 52⁄11, BFHE 237, 356↩
vgl. Wolff in Was­ser­mey­er, Dop­pel­be­steue­rung, Art. 4 USA Rz 25↩
eben­so Anger/​Wagemann, IStR 2012, 648; Anger/​Sewtz, IStR 2009, 273; Renger/​Faller, GmbH-Rund­schau 2012, 1028; Plewka/​Renger, IWB Heft 1/​2009, Fach 3 Grup­pe 2 S. 1397; Kleutgens/​Sinewe, Recht der Inter­na­tio­na­len Wirt­schaft, Bei­la­ge 2 zu Heft 12/​2006, 1, 3; wohl auch Mit­ter­mai­er in Wassermeyer/​Richter/​Schnittker, Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten im Inter­na­tio­na­len Steu­er­recht, Tz. 32.125; Jacob, JbFStR 2011/​2012, S. 534, 538; der­sel­be, Steu­er­an­walts­ma­ga­zin –SAM– 2011, 42, 47; Wehr­ße, Grenz­über­schrei­ten­de Besteue­rung von Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten, 2011, S. 113 f.; Lüdi­cke in Brunsbach/​Endres/​Lüdicke/​Schnitger [Hrsg.], Deut­sche Abkom­mens­po­li­tik — Trends und Ent­wick­lun­gen 2011/​2012 -, Insti­tut für Finan­zen und Steu­ern e.V. –IFSt – , Schrift Nr. 480⁄2012, S. 53 ff., 56; Fox in Raupach/​Pohl/​Töben/​Sieker [Hrsg.], Pra­xis des Inter­na­tio­na­len Steu­er­rechts, 2008, S. 215, 219 ff.; Gosch, BFH/​PR 2009, 77; anders z.B. Wolff in Was­ser­mey­er, a.a.O., Art. 1 USA Rz 113; Schnit­ger in Endres/​Jacob/​Gohr/​Klein, a.a.O., Art. 1 Rz 73; Eimer­mann, IStR 2009, 58; Oel­le­rich, Inter­na­tio­na­le Steu­er-Rund­schau –ISR– 2012, 15; wohl auch Mouldi/​Loose, Betriebs-Bera­ter 2012, 2163; Dre­mel in Schönfeld/​Ditz, DBA‑, Art. 1 Rz 146, und unter Umstän­den Bahns/​Keuthen, IStR 2010, 750; unklar Schön­feld, IStR 2007, 274, 276 einer­seits, in Schönfeld/​Ditz, a.a.O., Art. 10 Rz 454 ande­rer­seits↩
ohne dass dies aller­dings aus­schlag­ge­bend wäre↩
s. dazu auch Schnit­ger in Endres/​Jacob/​Gohr/​Klein, a.a.O., Art. 1 Rz 76, Gohr, daselbst, Art. 10 Rz 71↩
vgl. Denk­schrift zum Ände­rungs­pro­to­koll zum DBA-USA 1989⁄2008, dort zu Art. 1 Abs. 7, BT-Drs. 16⁄2708, S. 35↩
z.B. –bezo­gen auch auf § 50d Abs. 1 EStG– BFH, Urteil vom 21.05.1997 — I R 79⁄96, BFHE 184, 281, BSt­Bl II 1998, 113; Gosch in Kirch­hof, EStG, 12. Aufl., § 50d Rz 25; Kaeser/​Wassermeyer in Was­ser­mey­er, a.a.O., Art 10 MA Rz 40 [alt 34]↩
eben­so z.B. Kreienbaum/​Nürnberger, IStR 2006, 806, 811; Anger/​Sewtz, IStR 2009, 273; Anger/​Wagemann, IStR 2012, 648, 649; Jacob, JbFStR 2011/​2012, S. 534, 538; der­sel­be, SAM 2011, 42, 47 und IStR 2011, 98; Wehr­ße, a.a.O., S. 113 f.; Fox in Raupach/​Pohl/​Töben/​Sieker [Hrsg.], a.a.O., S. 214; Lüdi­cke, IFSt, Schrift Nr. 480⁄2012, S. 53 ff., 56, dort unter Hin­weis auf die sog. anwen­der­staats­ori­en­tier­te Betrach­tungs­wei­se, s. dazu BFH, Urteil vom 25.05.2011 — I R 95⁄10, BFHE 234, 63; Lüdi­cke in Dötsch/​Herlinghaus/​Hüttemann/​Lüdicke/​Schön [Hrsg.], Die Per­so­nen­ge­sell­schaft im Steu­er­recht, 2011, S. 95 ff., S. 112 ff.; anders z.B. Wolff in Was­ser­mey­er, a.a.O., Art. 1 USA Rz 113, Art. 10 USA Rz 61 ff.; Eimer­mann, IStR 2009, 58; Dre­mel in Schönfeld/​Ditz, a.a.O., Art. 1 Rz 146; Oel­le­rich, ISR 2012, 15; wie­der­um unklar Schön­feld, IStR 2007, 274, 276 einer­seits, in Schönfeld/​Ditz, a.a.O., Art. 10 Rz 454 ande­rer­seits↩
so Wolff in Was­ser­mey­er, a.a.O., Art. 10 USA Rz 62↩
s. dazu Wolff, eben­da, aber auch Schmit­ger in Endes/​Jacob/​Gohr/​Klein, a.a.O., Art. 1 Rz 76↩
s. aber –für Zah­lun­gen nach dem 30.06.2013– nun­mehr § 50d Abs. 1 Satz 11 i.V.m. § 52 Abs. 59a Satz 6 EStG 2009 i.d.F. der Ände­rung durch das Gesetz zur Umset­zung der Amts­hil­fe­richt­li­nie sowie zur Ände­rung steu­er­li­cher Vor­schrif­ten vom 26.06.2013, BGBl I 2013, 1809, BSt­Bl I 2013, 790↩
BFH, Urteil in BFHE 234, 63; s. dazu auch Gosch in Kirch­hof, a.a.O., § 50d Rz 10a, m.w.N.↩
Ver­trag zur Grün­dung der Euro­päi­schen Gemein­schaft i.d.F. des Ver­trags von Niz­za zur Ände­rung des Ver­trags über die Euro­päi­sche Uni­on, der Ver­trä­ge zur Grün­dung der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten und eini­ger damit zusam­men­hän­gen­der Rechts­ak­te –ABl.EG 2002, Nr. C‑325, 1↩
Ver­trag über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on i.d.F. des Ver­trags von Lis­sa­bon zur Ände­rung des Ver­trags über die Euro­päi­sche Uni­on und des Ver­trags zur Grün­dung der Euro­päi­schen Gemein­schaft –AEUV – , ABl.EU 2008, Nr. C‑115/​47↩
vgl. EuGH, Urteil vom 20.10.2011 — C‑284/​09 „Kom­mis­si­on ./​. Deutsch­land”, Slg. 2011, I‑9879↩
s. EuGH, Urteil vom 13.11.2012 — C‑35/​11 „Test Clai­mants in the FII Group Liti­ga­ti­on”, IStR 2012, 924↩
s. zur Dis­kus­si­on Lemait­re, IWB 2013, 269, 276, m.w.N.↩
vgl. BFH, Urteil vom 11.01.2012 — I R 25⁄10, BFHE 236, 318, m.w.N.↩
jeweils i.d.F. des Geset­zes zur Umset­zung des EuGH, Urteils vom 20.10.2011 in der Rechts­sa­che C‑284/​09, BGBl I 2013, 561↩