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Timestamp: 2018-09-22 00:08:19
Document Index: 144784318

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 357', '§ 8', '§ 4', 'EuG', '§ 3', '§ 3', '§ 312']

OLG Koblenz: Onlinehändler darf widerrufendem Verbraucher Rücksendekosten nur bei vertraglicher Vereinbarung auferlegen – Dr. Damm und Partner | Rechtsanwälte & Fachanwälte
OLG Koblenz: Onlinehändler darf widerrufendem Verbraucher Rücksendekosten nur bei vertraglicher Vereinbarung auferlegen
OLG Koblenz, Beschluss vom 08.03.2010, Az. 9 U 1283/09
§§ 3, 4 Nr. 11 UWG, § 357 Abs. 2 S. 3 BGB
Das OLG Koblenz hat entschieden, dass dem Verbraucher bei Ausübung des Widerrufsrechtes die Kosten der Rücksendung nur dann auferlegt werden können, wenn hierüber eine gesonderte vertragliche Vereinbarung geschlossen worden ist. Ein Hinweis innerhalb der Widerrufsbelehrung reiche hierzu nicht aus. Die Auferlegung von Rücksendekosten ohne gesonderte vertragliche Vereinbarung stelle einen Wettbewerbsverstoß dar.
In dem Verfahren auf Erlasse einer einstweiligen Verfügung
wegen wettbewerbsrechtlicher Auseinandersetzung
hat der 9. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Koblenz … durch … am 08.03.2010 beschlossen:
Der Verfügungsanspruch beruht auf §§ 8 Abs. 1,4 Nr. 11 UWG. Die beanstandeten Klauseln sind unrichtige Belehrungen über das Widerrufsrecht des Kunden. Ihre Verwendung stellt einen Verstoß gegen eine Marktverhaltensregelung im Sinne des § 4 Nr. 11 UWG dar (KG-GRUR-RR 2008,308; OLG Hamm, OLGR 2009, 810).
Hinsichtlich der Klausel, die die Verpflichtung zum Wertersatz regelt, kann die Vereinbarkeit mit europäischem Recht offenbleiben (vgl. hierzu: EuGH, Urteil vom 03.09.2009, Az. C-489/07, zitiert nach juris). Der Senat folgt der Auffassung des Bundesgerichtshofs im Urteil vom 09.12.2009 (Az. VIII ZR 219/08, zitiert nach juris), der festgestellt hat, dass eine inhaltlich entsprechende Klausel hinsichtlich der Verpflichtung zum Wertersatz einer Inhaltskontrolle nicht standhält. Die Verwendung der Formulierung, dass „ggf.“ Wertersatz zu leisten sei, führt zu keiner anderen Beurteilung.
Die Verstöße führen zu einer spürbaren Beeinträchtigung der Interessen der Verbraucher und der sonstigen Marktteilnehmer im Sinne des § 3 UWG. Hiervon ist dann auszugehen, wenn eine unzutreffende Information die Verbraucher veranlassen kann, eine bestimmte geschäftliche Entscheidung zu treffen. Für das Merkmal der Spürbarkeit reicht es aus, dass die geschäftliche Handlung geeignet ist, eine Beeinträchtigung der Verbraucher tatsächlich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit herbeizuführen. Dazu bedarf es aber keiner Feststellungen möglicher Auswirkungen auf das reale Marktgeschehen. Die Feststellung, ob eine Auswirkung spürbar ist, lässt sich nicht quantitativ treffen, sondern erfordert eine Wertung anhand der Schutzzwecke des UWG (HerfermehI/Köhler/Bornkamm, UWG, 27. Aufl., Rnr. 122 zu § 3 UWG).
Nach diesem Maßstab liegen keine Bagatellverstoße vor. Im Rahmen des Internet-Handels wird ein großer Kreis potentieller Kunden angesprochen. Dies gilt unabhängig von der Größe des Unternehmens des Verfügungsbeklagten. Die inhaltlich unzutreffende Belehrung über die Wertersatzpflicht und die Kosten der Rücksendung sind geeignet, die Entscheidung der Verbraucher im Einzelfall zu beeinflussen, ob sie ihr Widerrufsrecht nach § 312 d BGB ausüben oder ob sie wegen einer möglichen Kostenbelastung hiervon absehen.
Auf das Urteil hingewiesen hat die Online-Zeitschrift Medien Internet und Recht (MIR).