Source: https://www.recht-freundlich.de/anwaltshaftung/rechtsanwalt-anwaltshaftung
Timestamp: 2018-01-18 12:11:21
Document Index: 82587396

Matched Legal Cases: ['§ 627', '§ 280', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 19', 'BGH']

In Kategorie(n): Anwaltshaftung - 16. Juni 2017 von Dipl.-Jur. Alexander Deja
Das Thema Anwaltshaftung ist kein leichtes Thema, aber in der praktischen Arbeit von großer Bedeutung. Viele Mandanten sind der Ansicht, dass Anwälte kaum haftbar zu machen sind. Dies ist nicht richtig und entspricht auch nicht der gängigen Auslegung durch die Gerichte. Anwälte haften für Ihre Fehler genauso, wie andere Dienstleister. Die Schwierigkeit besteht vielmehr darin herauszufinden, ob tatsächlich ein Fehler gemacht wurde, der eine Anwaltshaftung nach sich zieht. Denn auch wenn die Anwaltshaftung grundsätzlich besteht, haftet der Anwalt nicht für jeden beliebigen Fehler. Gründe um mit dem Anwalt unzufrieden zu sein, kann es durchaus geben. Ein verlorener Prozess, eine versäumte Frist, hohe Kosten oder aber persönliche Unzufriedenheit, weil Sie meinen, dass der Anwalt keine gute Arbeit geleistet hat. Auch mangelnde Kommunikation oder Missverständnisse können ein Grund dafür sein, mit dem Rechtsanwalt unzufrieden zu sein.
Problematisch bei der Durchsetzung möglicher Schadensersatzansprüche jedoch, dass man als juristischer Laie nicht genau wissen kann, was der Anwalt darf und was nicht, wo er vielleicht einen Fehler begangen hat oder wo sich der Fall noch im Rahmen des gesetzlich unerheblichen verhält.
Sie sind daher, wenn Sie meinen, dass Ihr Anwalt einen Fehler gemacht habe, wiederum darauf angewiesen, einen anderen Anwalt mit der Überprüfung zu beauftragen und ggf. Regressansprüche gegen den Anwalt geltend machen. Gerne übernehmen wir dies für Sie. Wir helfen Ihnen weiter, falls Sie Fragen zur Anwaltshaftung haben. In der Regel weiß nur ein Rechtsanwalt, was ein Anwalt darf und was nicht. Bei uns sind Sie in guten Händen.
Der folgende Beitrag gibt Ihnen einen kleinen Überblick über die Grundlagen der Anwaltshaftung, sodass Sie danach einschätzen können, ob ein relevanter Fehler vorliegt. Kontaktieren Sie uns gerne, wenn danach noch offene Fragen bleiben.
Grundlage der Anwaltshaftung: Der Anwaltsvertrag
Die Pflichten des Rechtsanwalts
Probleme bei der Anwaltshaftung
Fazit zur Anwaltshaftung
Zwischen Ihnen und dem von Ihnen beauftragten Anwalt besteht ein Vertragsverhältnis. Dieses wird regelmäßig ein Dienstvertrag darstellen. In der Regel vor allem dann, wenn ein Rechtsstreit im Raum steht. Im Einzelfall kann es sich aber auch um einen Werkvertrag handeln. Da der Rechtsanwalt die Vermögensinteressen seines Mandanten zu wahren hat, wird dieser Vertrag auch als Dienstvertrag bezeichnet, der eine Geschäftsbesorgung zum Gegenstand hat. Die Unterscheidung zwischen Dienstvertrag und Werkvertrag ist durchaus relevant, da bei einem Werkvertrag der Rechtsanwalt für einen bestimmten Erfolg eintreten muss. So z.B. bei der Erstellung eines Rechtsgutachtens, durch welcher der Rechtsanwalt eine abschließende Begutachtung schuldet. Solange er diese nicht fertiggestellt hat, verfügt er auch über keinen Anspruch hinsichtlich des geschuldeten Werklohns. Im Prinzip ist keine direkte Form der klassischen Anwaltshaftung, sondern die Geltendmachung des vertraglich geschuldeten Primäranspruchs. Jedoch kann dies neben der Folge, dass der Anwalt keinen Anspruch auf den vereinbarten Werklohn hat, dazu führen, dass die Mehrkosten durch die Beauftragung eines anderen Rechtsanwalts von ursprünglichen Anwalt ersetzt verlangt werden können.
Dabei kommt der Anwaltsvertrag auch mündlich zustande. Auf das unterzeichnen einer Vollmacht, die selbst nur ein Aspekt des Anwaltsvertrags ist und der Durchführung dient, ist dafür nicht erforderlich. Gleichwohl bleibt es den Parteien überlassen, einige wichtige Aspekte schriftlich festzuhalten. Dies lohnt sich gerade dann, wenn hinter dem Mandat eine größere wirtschaftliche Bedeutung steht.
Der Anwaltsvertrag kann jederzeit nach § 627 BGB von beiden Seiten gekündigt werden. Die Kündigung hat zur Folge, dass die vertraglich vereinbarten Hauptleistungspflichten nicht mehr geschuldet werden. Davon zu trennen ist die Frage, welche Vergütung noch geschuldet ist. Der Rechtsanwalt darf jedoch nicht zur Unzeit kündigen, da er sich andernfalls schadensersatzpflichtig macht. Kündigt der Mandant den Vertrag, schuldet er das Entgelt für die bisher erbrachten Dienste, also idR. die bisher angefallene Vergütung. Daher kann dies zu doppelten Kosten für den Mandanten führen, der seinen „neuen“ Rechtsanwalt auch noch bezahlen muss. Achten Sie dabei auch auf die Einbeziehung der Rechtsschutzversicherung der Rechtsschutzversicherung, welche die doppelten Kosten nur in besonderen Konstellationen übernimmt.
Die Haftung für den Anwalt ergibt sich dann aus § 280 I BGB, welcher eine Pflichtverletzung fordert. Hierbei ist besonders relevant, was der Anwalt also grundsätzlich schuldet, weil nur dann bestimmt werden kann, wann er eine solche Pflicht verletzt hat. Ein Erfolg wird dies in der Regel, so wie bereits oben angedeutet, nicht sein, wenn ein Dienstvertrag vorliegt. Sie können also einen Rechtsanwalt nicht daher in Regress nehmen, nur weil Sie den Prozess verloren haben. Es muss zu einer Pflichtverletzung gekommen sein.
Der folgende Absatz soll die Pflichten des Rechtsanwalts beleuchten.
Ein Anwalt hat recht viele Pflichten. Grob kann man zwischen berufsrechtlichen und vertraglichen Pflichten unterscheiden. Erstere sind für die Anwaltshaftung nicht so relevant, da diese oft auch nur berufsrechtlich sanktioniert werden, also im öffentlichen Interesse und nicht im Mandanteninteresse bestehen. Schaltet der Anwalt bspw. unerlaubte Werbung, so kann er zwar berufsrechtliche Konsequenzen erfahren, die einzelnen Mandanten können aber nicht im Rahmen der Anwalts Haftung gegen den Rechtsanwalt vorgehen. Ausnahmen gibt es bspw. dort, wo die berufsrechtlichen Regeln im Mandanteninteresse bestehen, z.B., dass der Anwalt, wenn er ein Mandat nicht annehmen möchte, dies unverzüglich dem Mandanten mitteilen soll. Im Folgenden werden daher die vertraglichen Pflichten näher beleuchtet.
Der Rechtsanwalt schuldet gemäß des Dienstvertrags die bloße Tätigkeit und die Wahrnehmung der Vermögensinteressen seines Mandanten. Dies bedeutet aber nicht, dass der Anwalt die Tätigkeit einfach irgendwie leisten kann. Er muss diese nach seinem Stand gemäß und nach den für einen Rechtsanwalt üblichen Gepflogenheiten und hinsichtlich des anwaltlichen Standards in dieser Qualität erbringen. Hierbei sind die Hauptleistungspflichten angesprochen, deren Verletzung zur Anwaltshaftung führen kann. Beide Vertragsparteien treffen aber auch Nebenpflichten (auch den Mandanten). Diese Pflichten zielen auf die Rücksichtnahme auf den jeweils anderen Teil und dessen Rechtsgüter. So wird dann die Hauptleistung, bspw. das Durchführen eines Prozesses nicht schlecht durchgeführt, aber der andere Teil dennoch irgendwie geschädigt. So ist z.B. das Eigentum des Vertragspartners zu achten. Zerstört der Mandant bspw. aus Fahrlässigkeit eine Vase im Büro des Anwalts, muss diese wegen Vertragspflichtverletzung ersetzt werden. Beleidigt der Anwalt seinen Mandanten kann dies wegen einer Rücksichtnahmepflichtverletzung zum Rücktritt und anschließend ggf. auch zum Schadensersatz führen.
Die Rücksichtnahmepflichten sind schwer zu greifen, da diese vielgestaltig auftauchen. Daher soll hierzu nur kurz gesagt werden, dass die Parteien, also der Anwalt und der Mandant, auf die Rechte und Rechtsgüter des anderen Teils Rücksicht nehmen müssen. Dies kann sogar voraussetzen, die Rechtsgüter des Vertragspartners aktiv vor Schäden zu bewahren, wenn man dafür einzustehen hat. So muss der Anwalt, wenn er der Rechtsanwaltshaftung entgehen möchte, den Mandanten auf mögliche Ansprüche Dritter hinweisen, wenn diese für den Anwalt offensichtlich sind. Ebenso muss der den Mandanten vor möglichen Schäden warnen, wenn z.B. eine Gefahrenquelle im Machtbereich des Anwalts besteht (z.B. feuchter Boden). Sie sehen also, dass ein Anwalt auch dann haften kann, also der Anwaltshaftung unterliegt, wenn er den Prozess ordnungsgemäß führt.
Doch zumeist ist maßgeblich, ob der Anwalt seine Hauptleistungspflicht richtig ausgeübt hat, deren Verletzung zur Anwaltshaftung führen kann . Damit soll sich der folgende Absatz beschäftigen.
Welche Pflichten den Rechtsanwalt treffen, ergibt sich aus dem übernommenen Mandat, also dem Vertrag und dessen vertragszweck selbst. Ihm obliegt eine umfassende Prüfungs-, Beratungs- und Belehrungspflicht. Das bedeutet, dass zunächst der Sachverhalt zu ermitteln und ggf. durch Nachfragen soweit zu klären ist, wie es für den Fall von Bedeutung ist. Ist z.B. ein Vertrag für den Fall wichtig, muss sich der Anwalt diesen geben lassen, um diesen ggf. prüfen zu können. Gerade auch bei Versicherungsfällen sollte sich der Anwalt immer die Versicherungsbedingungen geben lassen.
Der Rechtsanwalt hat den Mandanten möglichst erschöpfend zu beraten und alle geeigneten Schritte zu unternehmen, um dessen Rechte zu wahren und vermeidbare Nachteile abzuwenden. Irrt sich der Rechtsanwalt bezüglich eines rechtlichen Umstandes, hat er dies idR zu vertreten, weil es seine Aufgabe ist, dass Recht zu kennen. Anders sieht es aber dann aus, wenn ein Gericht nur einen Sachverhalt nur anders beurteilt. Dann kommt es darauf an, ob die Auslegung des Anwalts auch vertretbar gewesen ist. Der Anwalt hat daher detaillierte Gesetzeskenntnisse aufzuweisen. Dies gilt auch für bisher ihm unbekannte Rechtsgebiete. Sein Studium hat ihn dazu befähigt, sich in diese hineinzuarbeiten. Möchte dies der Anwalt nicht tun, so hat er das Mandat abzulehnen, bzw. niederzulegen. Oftmals werden solche Mandate leider dennoch angenommen und halbherzig bearbeitet. Dies dient nicht dem Mandanten und ist stets eine Gefahr, in die Anwaltshaftung zu rutschen. Zur erschöpfenden Beratung gehört auch die grundsätzlich vollkommene Aufklärung der rechtlichen Begebenheiten des Falls: „Ist ein Rechtsanwalt mit der Führung eines Rechtsstreits beauftragt, so ist er verpflichtet, den Auftraggeber in dem erforderlichen Umfang über die Notwendigkeiten, Aussichten und Gefahren des Prozesses ins Bild zu setzen. Er muß hierbei den ihm vorgetragenen Sachverhalt daraufhin überprüfen, ob er geeignet ist, den vom Auftraggeber erstrebten rechtlichen Erfolg zu begründen, und den Auftraggeber gegebenenfalls veranlassen, unvollständige Informationen zu ergänzen.“ (BGH, Urteil vom 17. Januar 1963 – III ZR 145/61 –, juris). Dies zeigt, dass der BGH von einem Wechselspiel ausgeht: Der Mandant soll in die Lage versetzt werden, richtig zu entscheiden und ggf. noch, jetzt als wichtig erkannte Informationen nachzuliefern. Der Anwalt kann dabei auch die für den Mandanten günstigste Auslegung wählen, darf dabei aber nicht das Risiko außer Acht lassen und muss dieses dem Mandanten auch mitteilen („dies könnte ein Gericht aber auch anders sehen“). Sonst droht die Anwaltshaftung.
Bei seiner Tätigkeit hat er das Gebot des sichersten Weges zu beachten. Davon kann im Einzelfall natürlich in Rücksprache mit dem Mandanten abgewichen werden. Dies bedeutet zunächst, dass der Rechtsanwalt dem Mandanten die Rechtslage mitteilen muss und dann auch Maßnahmen ergreifen muss, die zur Rechtsdurchsetzung oder Verteidigung notwendig sind. Zum Gebot des sichersten Weges gehört auch, eine rechtssichere Gestaltung zu erreichen. Hierbei muss der Rechtsanwalt auch auf die Formulierung achten. So hat der Bundesgerichtshof in einem Fall der Anwaltshaftung entschieden: „Soll der Rechtsanwalt einen von seinem Mandanten geschlossenen Vertrag beenden, so verletzt der die anwaltliche Sorgfaltspflicht, wenn er durch Verwendung eines unzutreffenden Fachausdrucks (konkret: “Rücktritt” statt “Kündigung”) das Risiko eines Mißverständnisses hervorruft. […] Aufgabe des Rechtsanwalts, der mit einer Rechtsgestaltung beauftragt ist, ist es, schon durch die Wortwahl seiner Erklärung Klarheit zu schaffen.“ (BGH, Urteil vom 04. Juni 1996 – IX ZR 51/95 –, juris). Dies zeigt gut, dass der Rechtsanwalt, der vorliegend in Anwaltshaftung genommen wurde, rechtlich icht hinreichend geprüft hat, welche Gestaltung sinnvoll gewesen wäre.
Zu den vermeidbaren Nachteilen gehören z.B. auch der Eintritt der Verjährung und die Wahrung von Fristen. Dies sind häufige Anwaltsfehler, die zur Anwaltshaftung führen können, wenn die übrigen Voraussetzungen vorliegen. Ist aber jedenfalls eine Frist versäumt, gelingt es den Mandanten aber zunächst relativ einfach, gegenüber dem Gericht später eine Pflichtverletzung darzulegen und zu beweisen.
Auch hat der Anwalt den Sachverhalt soweit erforderlich aufzuklären, wobei er grundsätzlich auf die Richtigkeit der vom Mandanten gelieferten Informationen vertrauen darf; er muss aber – wo notwendig – durch Nachfragen, ausnahmsweise auch durch eigene Ermittlungen, eine soweit wie möglich vollständige Sachverhaltsaufklärung herbeiführen. Der Anwalt muss daher auch, um der Anwaltshaftung zu entgehen nachprüfen, ob sich Unstimmigkeiten im Sachverhalt finden, dieser vielleicht zu subjektiv gefärbt oder auch einfach unvollständig ist. Als Mandant sollten Sie immer daraufhin wirken, einen vollständigen Sachverhalt abzuliefern. Erzählen Sie daher lieber zu viel als zu wenig und teilen Sie dem Rechtsanwalt alles mit, was aus Ihrer Sicht wichtig. Verschweigen Sie nämlich Dinge, die wichtig sind, und trifft der Anwalt daher eine objektiv falsche Entscheidung, können Sie diesen nur dafür haftbar machen, wenn dieser hätte nachfragen müssen, also in der Regel nur dann, wenn sich die Nachfrage aufgedrängt hat. Aber auch bei der Informationspflicht des Mandanten kommt es auf den individuellen Mandanten an. So müssen an einen Universitätsprofessor höhere Anforderungen gestellt werden, als bspw. an einen einfachen Arbeiter. Der Rechtsanwalt ist aber verpflichtet naheliegende Gedanken anzustellen um den Sachverhalt auszufüllen, insbesondere, wenn der Mandant ersichtlich nicht mehr liefern kann. Dies hat auch der Bundesgerichtshof in einem Fall der Anwaltshaftung ausgedrückt: „Ihr unentschuldbarer Fehler war, daß ihnen der Gedanke, der Brief könne noch bei M sein, nicht kam, wie das Berufungsgericht tatsächlich festgestellt hat. Die Geschäftserfahrung und Sachkenntnis von Di durften den Beklagten und seinen Referendar von einer gründlichen Prüfung und Erörterung der Sachlage nicht abhalten.“ (BGH, Urteil vom 21. November 1960 – III ZR 160/59 –, Rn. 24, juris). Hier hat sich also der Anwalt auf eine mögliche Sachverhaltsalternative beschränkt, ohne, dass er wahrgenommen hat, dass es auch andere mögliche Alternativen gab. Hätte der Mandant aber wiederum gesagt, dass eine bestimmte Alternative zugetroffen hätte, dann hätte der Rechtsanwalt auch darauf vertrauen dürfen, ohne Gefahr zu laufen, in Anwaltshaftung genommen zu werden.
Darüber hinaus hat sich der Anwalt in den von ihm beratenen Rechtsgebieten stets über den aktuellen Stand zu informieren. Hierbei ist auch zu berücksichtigen, welche Rechtsgebiete der Anwalt ausübt oder zu ausüben vorgibt und mit welcher Tiefe dies verknüpft ist. So werden an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht höhere Anforderungen zu stellen sein, als an einen Anwalt, der nur gelegentlich Arbeitsrecht macht. Im Rahmen der Anwaltshaftung ist dies zu berücksichtigen.
Insgesamt drücken sich die Pflichten des Rechtsanwalts und damit auch eine Anleitung zur Vermeidung der Anwaltshaftung mit dem Bundesgerichtshof aus: „Zur Aufklärungspflicht des Rechtsanwalts gesellt sich seine Rechtsprüfungspflicht, die den Mittelpunkt der geschuldeten Leistung bildet und mit der Aufklärungspflicht in enger Wechselwirkung steht. Hierbei schöpft der Rechtsanwalt aus seiner Rechtsgelehrtheit, seiner Kenntnis und seinem Verständnis von Recht und Gesetz, seinem Fundus an juristischem Wissen und praktischen Erfahrungen. In dieser juristisch-anwaltlichen Kompetenz, die von der Persönlichkeit des Rechtsanwalts getragen wird, gründet im Wesentlichen das Vertrauen des Mandanten.“
Ein Rechtsanwalt schuldet dem Mandanten in bestimmten Fällen auch eine Aufklärung. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass dies nach der gesetzlichen Konzeption eher die Ausnahme ist. Verletzt der Anwalt die Aufklärungspflicht, ist dies ein Fall für die Anwaltshaftung.
Dies ist zunächst für die anwaltliche Vergütung wichtig. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der Rechtsanwalt auf Nachfrage des Mandanten Auskunft über die voraussichtlichen Gebühren geben muss, um nicht in die Anwaltshaftung zu rutschen. Der BGH führt aus: „Hierbei kommt der praktischen Brauchbarkeit der Belehrung besonderes Gewicht zu. Der Anwalt muß die tatsächliche Höhe der zu erwartenden Gebühren angeben, damit der Auftraggeber seine weiteren Maßnahmen danach einrichten kann. Deshalb gehört hierzu grundsätzlich nicht nur die Angabe der zahlenmäßigen Gesamthöhe der Gebühren, sondern in der Regel auch ein Hinweis darauf, welche Gebühren voraussichtlich entstehen werden.“ (BGH, Urteil vom 13. März 1980 – III ZR 145/78 –, BGHZ 77, 27-32, Rn. 40).
Die Auskunftspflichten können sogar so weit gehen, dass der Anwalt Ansprüche, die der Mandant gegen ihn selbst hat, zu offenbaren: „Erhält ein Rechtsanwalt einen Auftrag, Schadenersatzansprüche aus BNotO § 19 gegen einen Notar durchzusetzen, so muß er, falls er aufgrund früherer Tätigkeiten für den Mandanten für den Schaden mitverantwortlich sein kann, prüfen und mit dem Mandanten erörtern, ob diesem auch Ersatzansprüche gegen ihn zustehen.“ (BGH, Urteil vom 29. November 1983 – VI ZR 3/82 –, juris). Auch hier droht also die Anwaltshaftung.
Wie Sie sehen gibt es wirklich klare Fälle nur selten. Meist stehen dem Rechtsanwalt mehrere Handlungsalternativen zur Verfügung, die Vor- und Nachteile haben. Den absolut richtigen Weg gibt es also nicht immer. Maßgeblich ist auch aus Sicht der Rechtsprechung, dass der Anwalt zu dem fraglichen Zeitpunkt jeweils einen vertretbaren Weg wählt. Entscheidet er sich z.B. keine Klage zu erheben und versäumt deshalb eine Frist, muss später sich gefragt werden, ob dies ein guter Weg war. Hat der Mandant einen umstand verschwiegen, der zum Obsiegen geführt hätte, wäre eine Klage zwar im Nachhinein gut gewesen, jedoch kann der Anwalt trotzdem nicht im Rahmen der Anwaltshaftung in Anspruch genommen werden, da er diese Information bei seiner Entscheidung nicht gehabt hat.
Die Beweislast für das Vorliegen eines Fehlers trägt der Mandant. Dies wird aber dadurch etwas abgeschwächt, dass der Anwalt erklären muss, wie der das Mandat bearbeitet hat. Er muss beschreiben, wie er seine Hinweis- und Beratungspflichten erfüllt hat. Kann der Mandant eine Pflichtverletzung beweisen, muss der Anwalt darlegen, warum ihm ausnahmsweise kein Verschulden trifft. Beruft sich dieser auf mangelnde Kenntnis des Rechts, ist das unerheblich, weil dies gerade das vertragliche Risiko darstellt. Ggf. ist dies aber bei der Frage der Pflichtverletzung zu beachten. So wird man von einem Fachanwalt eine andere Beratung erwarten dürfen, als von einem „normalen“ Anwalt. Ein Fachanwalt muss also auch die feineren Winkelzüge und Prozessstrategien kennen.
Letztlich muss es auch zu einem kausalen Schaden gekommen sein. Dies bedeutet, dass Sie ohne Fehler in Ihrem Vermögen besser dastünden als mit. Vergisst der Anwalt eine Frist, ist dies z.B. dann unerheblich, wenn dies auch ohne Fristversäumnis nicht zum Erfolg hätte führen können. Maßgeblich ist dabei aus der Sicht der Rechtsprechung nicht, wie das Gericht vorliegend entschieden hätte, sondern wie es hätte entscheiden müssen. Hätte das Gericht also ohne den Fehler des Rechtsanwalts den Anspruch zugestanden, bleibt dies trotzdem unberücksichtigt, wenn die Entscheidung rechtlich nicht gehalten hätte. Dann besteht auch keine Chance für die Anwaltshaftung.
Wie bereits aufgezeigt gibt es mehrere Probleme, wenn man die Anwaltshaftung bemühen möchte. Zunächst muss die Pflichtverletzung des Anwaltes herausgearbeitet und dann überprüft werden, ob es zu einem kausalen Schaden gekommen ist. Bestreitet der Anwalt die Pflichtverletzung oder den Schaden, muss entsprechendes noch nachgewiesen werden.
Zugegeben ist das selbst für Juristen oft nicht einfach. Für den Mandanten erst Recht nicht. Denn woher soll dieser das Wissen beziehen, welches man für die Geltendmachung der Anwaltshaftung braucht? Wenn selbst klare Fehler des Anwalts nicht zu einer Anwaltshaftung führen müssen?
Wir raten Ihnen daher für die Überprüfung und Geltendmachung der Anwaltshaftung einen Rechtsanwalt aufzusuchen. Sozusagen einen Rechtsanwalt für Anwaltshaftung. Da es hier keine Fachanwälte für dieses Themengebiet gibt, können Sie nahezu auf jeden Anwalt zurückgreifen, wobei wir Anwälte empfehlen, die zumindest auch zu zivilrechtlichen Fragestellungen Auskunft geben können. Kennen Sie keinen bestimmten Anwalt, der Ihnen im Falle der Anwaltshaftung behilflich sein kann, dann schauen Sie gerne auf die Internetseite und auf Bewertungen im Internet.
Die Anwaltshaftung ist ein schwieriges und vielfältiges Gebiet. Sie erfordert eine Kenntnis dessen, was von Anwälten geschuldet wird und eine genaue Einschätzung, auch der rechtlichen Komponenten. Allen voran die Frage der Pflichtverletzung. So muss derjenige, der eine Anwaltshaftung bemühen möchte auch wissen, ob überhaupt eine relevante Pflichtverletzung vorliegt, bzw. worin die besteht und dass diese zu einem kausalen Schaden geführt hat. Einen Rechtsanwalt sollten Sie grundsätzlich dann einschalten, wenn Ihnen durch ihren ehemaligen Anwalt ein empfindlicher Schaden entstanden ist oder ein solcher akut droht. Achten Sie bei der Auswahl Ihres neuen Rechtsanwalts darauf, dass dieser über Erfahrung hinsichtlich Anwaltshaftung verfügt.
Haben Sie die Vermutung, dass Ihr Anwalt einen Fehler begangen hat? Dann sollten Sie dies durch einen anderen Anwalt, der sich auf Anwaltshaftung spezialisiert hat, vertraulich prüfen lassen. Gerne können wir dies auch für Sie übernehmen. Kontaktieren Sie uns dazu gerne. Wir prüfen Ihren Fall der Anwaltshaftung.
Anwaltshaftung durch Falschberatung
8 Kommentare zu “Rechtsanwalt für Anwaltshaftung”
Rauch Gerhard says:
ich habe nach meiner Scheidung und dem Vermögensausgleich die Anwältin gewechselt. weil es nicht mehr weiterging und manch fragwürdige Entscheidungen gegeben hatte. Es geht nun noch um den Vermögensausgleich. Hab von Anfang an gesagt meine ex ist eine Borderliner. Sie nahm den Auftrag an . Mit der gegnerischen Anwältin machte sie einen Vergleich, mit den Daten der ersten Anwältin (ausgerechnet mit den falschen zahlen), mir erschien es zu hoch, weil ich auf allen anfallenden Kosten sitzengeblieben bin, wie z.B. Hund Unterhalt Schulden usw. Ich habe das abgelehnt. Darauf hat sie mir Mandat gekündigt , mit der Begründung ich wolle mich nicht einigen und sie muss auf den ruf ihrer Kanzlei schauen. Nebenbei viel mündlich, auf so etwas habe sie keine Lust und es wäre auch nicht ihr Mandat. Für alles hab ich über 4000 Euro bezahlt. jetzt habe ich einen Abschluss von mir selber über 58 000 Euro erreicht. Ist es möglich wenigstens mein Geld, welches ich ihr bezahlt habe, zurück zu fordern. Von meiner Rechtschutzversicherung habe ich Deckungszusage erhalten.
G.Rauch
10. August 2017 um 08:52 Uhr
vielen Dank für Ihre Anfrage zu “Rechtsanwalt für Anwaltshaftung”. Wir antworten Ihnen gern per Mail.
9. Juni 2017 um 21:21 Uhr
Necat Kurt says:
Wir waren vor Gericht weil bei Kauf unseres Hauses Feuchtigkeit im Keller und Garage uns von der Verkäuferin verschwiegen wurde.
Der Schaden am Haus betrug ca. 80.000€ ermittelt durch ein Gerichtsgutachter.
Am 1. Gerichtstermin wurde uns ein Vergleich empfohlen in höhe von 7500,-€. Wir hatten kein Rechtsschutz stattdessen Prozesskostenhilfe bewilligt bekommen. Unsere Rechtsanwältin hat mit uns 5 Minuten gesprochen und erklärt das wir keine Kosten übernehmen müssen von der Gegenseite das wäre bei einem Vergleich so üblich hieß es. Und unsere Kosten bzw. Gerichtskosten würde die Prozesskostenhilfe übernehmen hatte sie uns mündlich erklärt. Das Gericht hat aber dann schriftlich nach ein paar Tage nach der Gerichtsverhandlung entschieden das wir 91% und die Gegenseite nur 9% der Prozesskosten übernehmen müsse. Das bedeutet für uns ca. 6500,-€ müssen wir an die gegen Seite zahlen. Über diese Entscheidung war unsere Rechtsanwältin auch erstaunt aber mehr können die nicht machen da ihre Haftpflichtversicherung keinen entstanden Schaden und keine Erfolgsaussichten sieht .
Selbstverständlich hätten wir den Prozess fortgeführt wenn wir gewusst hätten das es eine Null Nummer ist.
Würde Sie hier eine Chance sehen wenn wir die Gegenseite für Schadensersatz anklagen würden?
Über eine Antwort und zusammenarbeit würden wir uns sehr freuen.
vielen Dank für Ihre Anfrage zu “Rechtsanwalt für Anwaltshaftung”. Wir haben uns per Mail mit Ihnen in Verbindung gesetzt.
göller says:
Ich habe viel probleme
Mit ra scheidung. Betreuung. Anwaltshaftung. Und das ra nix tun. Car ein halbes jahr keine antwort.
Darf das sein….
Auch die Richterin schrieb sehr schlecht über mir
Und darf weiter arbeiten in meiner sache…..darf das sein
Bitte helfen sie erstmal unverblindlich per mail
Bekomm rechtschutz
Brauchen sie fahrgeld
Frau gölller
vielen Dank für Ihren Kommentar zu “Rechtsanwalt für Anwaltshaftung”. Aus den wenigen Informationen können wir keine Einschätzung abgeben, daher schlage ich vor, dass Sie uns einfach einmal anrufen. Vielleicht lässt sich am Telefon schneller klären, ob ein Fall der Anwaltshaftung vorliegt und wie wir Ihnen als Rechtsanwaltskanzlei weiterhelfen können.
11. April 2017 um 09:59 Uhr
wir könnten Ihre Expertise in Sachen Anwaltshaftung benötigen. Unser Rechtsanwalt hat unserer Ansicht nach nicht nur falsch beraten, sondern auch seine Pflichten in Sachen Fristversäumnis verpasst. zumindest konnten wir eine Frist nicht wahrnehmen, weil wir nicht informiert waren. Es geht um insgesamt 12.000 Euro. Wir würden Sie bitten, sich den Fall insgesamt anzuschauen und uns mitzuteilen, ob wir – gemeinsam mit Ihnen – eine Anwaltshaftung ins Auge fassen. MfG K.
vielen Dank für Ihre Anfrage zu “Rechtsanwalt für Anwaltshaftung”. Wir bieten Ihnen an, uns Ihren Fall unverbindlich per Mail oder Telefon genauer mitzuteilen. Gern helfen wir Ihnen dabei, die möglicherweise tatsächlich einschlägige Anwaltshaftung durchzusetzen. Wir nehmen gern mit Ihnen Kontakt auf.