Source: https://issuu.com/neincobson/docs/nordlicht_09_2015_web
Timestamp: 2017-06-22 19:21:08
Document Index: 213029559

Matched Legal Cases: ['BGH', 'EuG', 'BGH', 'EuG', 'EuG', 'BGH', 'EuG']

Nordlicht 09 2015 web by Jakob Wilder - issuu
nr. 9 | 2015	Nordlicht
Offizielles Mitteilungsblatt der Kassen채rztlichen Vereinigung Schleswig-HolsteinAKTUESeptember 2015 | 18. JahrgangLLGemeinsame Institutsgr체ndungse
26 nQualit채tssicherung in
채rztlicher HandInhalt
seite	4rubrik/Themaheft 9 | 2015TITELTHEMAAus dem InhaltKooperation: Institut für Ärztliche Qualität
in Schleswig-Holstein – Patienten sollen von
gemeinsamer Qualitätssicherung profitierenKVSH, Ärztekammer und Krankenhausgesellschaft haben das
„ Institut für Ärztliche Qualität in Schleswig-Holstein“ gegründet.
Es soll die Qualitätssicherung in der Medizin optimieren und die
Patientenbehandlung verbessern. Im Titelthema erläutern wir
Struktur und Aufgaben der neuen Einrichtung und lassen
die Gründer zu Wort kommen.5Statements zur Gründung des „Instituts für
Ärztliche Qualität in Schleswig-Holstein“6FAQ: Beteiligte – Aufgaben – Hintergründe8Nachrichten Kompakt
Gesundheitspolitik10Flüchtlinge in der Arztpraxis: Zwischenstation
Boostedt12Dr. Georg Ludwig, Vorsitzender des Vereins
„Medizinische Hilfe für Griechenland e. V.“:
„Die Lage ist dramatisch“14Harald Stender, hausärztlicher Koordinator des
Kreises Dithmarschen, zieht eine Zwischenbilanz:
„Meine Aufgabe hat noch viel Potenzial“04Praxis & KV
16Öffentliche Ausschreibung von Vertragspraxen17Heilmittelpreise18Psychotherapie-News20Neues aus KBV und KVenDer Praxisalltag von Dr. Minu Seddigh-Brettschneider,
Dr. Victor Brettschneider und Dr. Frank Homoet hat sich in
den letzten Monaten verändert. In ihrer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in Boostedt werden immer häufiger Flüchtlinge aus
der nahe gelegenen Erstaufnahmeeinrichtung behandelt.Die Menschen im Land
21Serie: Neu niedergelassen in Schleswig-Holstein22Dr. Uwe Denker stellt sein Buch „Praxis ohne
Grenzen – Medizin in einem reichen Land“ vor:
Mittelschicht im Wartezimmer24Glosse: Skurriles aus der SprechstundeService
26Sicher durch den Verordnungsdschungel:
So verordnen Sie wirtschaftlich27Sie fragen – wir antworten28Kommentar: Vorsorge29Seminare31Termine10
Dr. Uwe Denker hat ein Buch
veröffentlicht. Der Gründer
der „ Praxis ohne Grenzen“
beschreibt darin exemplarische
Fälle aus dem Praxisalltag der
Hilfseinrichtung. Er kommt
zu dem Schluss, dass immer
häufiger Menschen aus der Mitte
der Gesellschaft vom sozialen
Abstieg bedroht sind.Wertvolle Informationen für Sie und Ihr
markierten Seiten2Nordlichtaktuell9 | 2015Nordlicht nr. 9 | 2015
während Sie den Sommer und sicher Ihre Ferien genossen haben, hat der Bund das
umstrittene Versorgungsstärkungsgesetz in Kraft gesetzt. Nun gibt es das Enddatum,
bis zu dem die ungeliebten Terminservicestellen der KVen stehen müssen. Jetzt muss
zwischen uns allen die Diskussion stattfinden, was denn überhaupt der erträglichste
– sprich: der mit dem wenigsten Aufwand für alle verbundene Weg ist, der gleichzeitig akzeptabel funktioniert. Der Herr Professor mit der Fliege wird sicher den medialen
Tsunami organisieren, der für den 1. Februar 2016 schon vorauszusehen ist.
Der Gesetzgeber ermöglicht grundsätzlich auch, den Terminservice zusammen mit den
Krankenkassen zu gestalten. Nicht, dass wir sie fragen wollten! Aber damit sie für die
Augen von Politik und Öffentlichkeit gar nicht erst in Versuchung geführt werden, haben
die Krankenkassen nun wie Banken und DAX-Unternehmen ihre Wirtschaftsdaten des
ersten Quartals veröffentlicht. Vom Finanzvolumen passen sie ja auch in diese Reihe.
Wen wundert´s, dass immer die ersten Quartale Minuszahlen haben. Wenn in den Praxen
am meisten los ist, hat die Baubranche Pause, bleiben in den Nord- und Ostseebädern
die meisten Restaurants geschlossen, Urlauber tragen ihr Geld in die Sonne von Mallorca
und Gran Canaria. So what? Sind die Zahlen also nichts als Begleitmusik zu den Berliner
Honorarverhandlungen? Ein bisschen Angstmache? Im Sinne von: Freut euch bloß nicht zu
früh, dass da am Ende eine gute Drei vorm Komma stehen könnte?
Schauen wir eher auf andere Zahlen. „Die neue Völkerwanderung“ titulierte neulich eine
Zeitung die rasante Flüchtlings- und Zuwanderungswelle. Sie könnte recht haben, dass
Globalisierung, Internet und Co sowie die wirtschaftliche Attraktivität unseres Landes uns
noch lange nicht zu der Normalität und Integration führen werden, die wir wollen und
können, und dass wir erst noch beweisen müssen, dass wir mit einer solchen Problematik auch fertig werden. Ein herzlicher Dank an die Kollegen, die sich bereits jetzt mit
großer Menschlichkeit und trotz großer Sprachbarrieren und damit verbundener diagnostischer Unsicherheit um die Akutbehandlung bemühen. Schauen Sie in diesem Heft in den
Bericht zur Boostedter Praxis. Medizin mit den Mitteln aller Sinne wird wieder gefordert,
sie war noch nie die schlechteste Basis.
IhreDr. Monika Schliffke9 | 2015Nordlichtaktuell3Titelthema
K ooperationPatienten sollen von
gemeinsamer Qualitätssicherung profitieren
Die Kassenärztliche Vereinigung, die Ärztekammer und die Krankenhausgesellschaft
gehen im Gesundheitswesen neue Wege. Sie haben das „ Institut für Ärztliche Qualität
in Schleswig-Holstein“ mit Sitz in Bad Segeberg gegründet. Ziel des Instituts ist es, die
Qualitätssicherung in der Medizin zu optimieren und damit die Patientenbehandlung zu
Viele medizinische Leistungen werden heute sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich erbracht. Patienten werden
während einer Erkrankung häufig in mehreren Sektoren behandelt. So kann auf die Diagnose in einer Arztpraxis eine Therapie im
Krankenhaus folgen und die Weiter- oder Nachbehandlung dann
wiederum ambulant durchgeführt werden. Die dazugehörige
Qualitätssicherung der medizinischen Leistungen läuft allerdings
bislang getrennt voneinander. Das soll sich nun ändern – zum Vorteil für Patienten und Ärzte. Künftig soll es in der ambulanten und
stationären Versorgung einheitliche Qualitätsstandards geben.
Dazu melden die behandelnden Ärzte relevante Behandlungsdaten der Patienten an das Institut. Dort werden die Daten ausgewertet, sodass Behandlungsverläufe im Ganzen beurteilt werden können: Ist die Behandlung zu aller Zufriedenheit verlaufen
oder hat es Probleme gegeben? Aus dieser Analyse werden dann
Rückschlüsse gezogen, wie die Qualität medizinischer Leistungen
weiter verbessert und Behandlungsstrategien aus den Bereichen
„Klinik“ und „Arztpraxis“ aufeinander abgestimmt werden
Schlüsse ziehen, Behandlungsabläufe optimieren
„Qualitätssicherung ist mehr als das Sammeln von Daten und das
Erstellen von Statistiken“, sagte Dr. Monika Schliffke, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein.
„Sie ergibt nur dann Sinn, wenn daraus auch Schlüsse gezogen
werden können, die den Arzt in seiner Behandlung bestätigen
oder ihm zeigen, was sinnvollerweise zu ändern wäre.“
Die Gründung des Instituts geschieht unter anderem mit Blick auf
die zum 1. Januar 2016 geltende Richtlinie des Gemeinsamen
Bundesausschusses (G-BA) in Berlin. Diese sieht eine sektorenübergreifende Qualitätssicherung zunächst für die Untersuchung
und Behandlung der Herzkranzgefäße (Koronarangiografie und
perkutane Koronarintervention) vor. Im weiteren Verlauf sollen
unter anderem die Erfassung und Vermeidung von Krankenhausinfektionen, die Versorgung psychischer Erkrankungen sowie
Kniegelenkspiegelungen hinzukommen. In Planung ist auch, dass
telemedizinische Verfahren und das Zweitmeinungsverfahren vor
ausgewählten Operationen in Zukunft zum Aufgabenbereich des
Instituts gehören.
4Nordlicht„Die mit dem ‚Institut für Ärztliche Qualität in Schleswig-Holstein’
angestrebte noch engere Verzahnung der einzelnen Versorgungsangebote ist ein richtungsweisender weiterer Schritt, um die
ohnehin schon sehr gute medizinische Versorgung zu verbessern“, betonte Petra Thobaben, Vorsitzende der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein.
Qualität in der Medizin als urärztliches Anliegen
Alle drei Organisationen wollen mit der Institutsgründung aber
auch vorhandene Kompetenzen zusammenführen und ein Zeichen setzen: „Qualität in der Medizin ist primär ein urärztliches
Anliegen und fußt ebenso auf dem neuesten Stand der Wissenschaft und technischen Entwicklung wie auf einem vertrauensvollen individuellen Arzt-Patienten-Verhältnis. Diese Expertise
wollen wir noch umfassender mit Kennzahlen hinterlegen, um sie
dann in gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Überlegungen
zum bestmöglichen Benefit für die schleswig-holsteinische Versorgungslandschaft einzubringen“, so Dr. Carsten Leffmann, ärztlicher Geschäftsführer der Ärztekammer Schleswig-Holstein. Mit
diesem Kompetenzzentrum für Qualität in der Gesundheitsversorgung lasse sich die für alle Beteiligten nötige Transparenz verbessern, um die Behandlungsqualität zu steigern und Behandlungsfehler möglichst zu vermeiden.
aktuell9 | 2015Titelthema
Statements„Wir leben Qualität“Qualität ist in der Medizin ein Begriff, der untrennbar mit der beruflichen Identität jedes Arztes
verbunden ist. Qualitätssicherung bedeutet auch den ständigen Spagat zwischen Erwartungshaltung von Bevölkerung, Kassen und Politik sowie technischem und bürokratischem Aufwand.
Mit dem „Institut für Ärztliche Qualität in Schleswig-Holstein“ wollen wir die sich erweiternden
Herausforderungen annehmen und für Ärzte wie für Patienten nutzbar machen. Für Ärzte steht
im Vordergrund, dass der wichtigste Qualitätsindikator einer Behandlung immer die intensive
vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung mit zielerreichendem Nutzen ist und bleibt. Dieses
zentrale, von subjektiven Inhalten getragene Element ist der Kern medizinischer Behandlung
und darf nicht durch externe Überregulierungsmaßnahmen zerstört werden. Dazu müssen
wir als Ärzteschaft und Standesorganisationen selbst beitragen. Ärzte in Praxen und Kliniken
unterscheiden sich nicht in ihrer intrinsischen beruflichen Motivation. Das Institut soll daher die
Bemühungen aller unterstützen, die Werteinhalte des Berufes unabhängig von Sektoren gegen
Regulierungswahn und Ökonomisierung zu verteidigen. Nur so ist das Vertrauen, das die Bevölkerung diesem Beruf entgegenbringt, zu rechtfertigen und zu erhalten. Wir leben Qualität – das
Ärztliche Qualitätsinstitut macht diese auch nach außen sichtbar und erlebbar.
Dr. Monika Schliffke, Vorstandsvorsitzende
der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein„Ärztliche Qualität ist unteilbar“
Unter dem Signum dieser gemeinsamen Überzeugung fanden vor mehr als zwei Jahren erste
Sondierungsgespräche zwischen der Ärztekammer Schleswig-Holstein und der Kassenärztlichen
Vereinigung statt. Primäres Ziel war die Überwindung der zunehmenden Fremdbestimmung
sogenannter Qualitätsmerkmale ärztlichen Handelns und ärztlicher Tätigkeit. Erwartete Synergieeffekte bei der Zusammenführung bereits existierender Verfahren in beiden Institutionen
waren ein zusätzliches Motiv für die Grundidee. Die zwischenzeitliche Entwicklung im politischen Umfeld hat aus dem gemeinsamen Wunsch zweier Institutionen zu einer notwendigen
und unverzichtbaren Erweiterung um den dritten Partner, der schleswig-holsteinischen Krankenhausgesellschaft, geführt. Nur so scheint gewährleistet, dass alte und neue Qualitätsverfahren
aus gesetzlichen Aufträgen sowie selbst gesetzte Qualitätsziele nach ärztlich definierten Kriterien
und über die klassischen Sektorengrenzen hinweg umgesetzt werden können.
Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein„Engere Verzahnung der einzelnen Versorgungsangebote“
Es ist elementarer Teil des Berufsverständnisses der Ärzte und Pflegenden in den Kliniken,
mit einer möglichst fehlerfreien und komplikationslosen Behandlung die Gesundheit der Patienten wieder herzustellen oder die Beschwerden zu lindern. Die Krankenhäuser in SchleswigHolstein engagieren sich deshalb schon seit langem für eine hohe Qualität. Dazu sind umfangreiche Qualitätssicherungsverfahren etabliert. Diese reichen von bundesweiten Strukturvorgaben und Mindestmengen über landesweite Überprüfungen, wie zum Beispiel der Schlaganfallversorgung oder bei Krebserkrankungen bis hin zu Zertifizierungen und Maßnahmen zur
Risikobegrenzung. Besonders hervorzuheben ist die externe stationäre Qualitätssicherung, an
deren Entwicklung die schleswig-holsteinischen Kliniken bereits Ende der 80er Jahre als erstes
Bundesland maßgeblich mitgewirkt haben. Die mit dem Institut angestrebte noch engere
Verzahnung der einzelnen Versorgungsangebote ist ein weiterer richtungsweisender Schritt,
um die ohnehin schon sehr gute medizinische Versorgung zu verbessern.
Bernd Krämer, Geschäftsführer
der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein9 | 2015Nordlichtaktuell5Titelthema
FAQBeteiligte – Aufgaben –
Was niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten über das „ Institut für Ärztliche
Qualität in Schleswig-Holstein“ wissen sollten.Institut für Ärztliche Qualität
in Schleswig-Holstein6Wer sind die Gründer und Träger des Instituts?
Die Gründer des „Instituts für Ärztliche Qualität in SchleswigHolstein gGmbH (ÄQSH)“ sind:
 die Ärztekammer Schleswig-Holstein
 die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein
 die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein
Jede der drei Organisationen ist mit gleichen Anteilen Träger
dieses neuen Kompetenzzentrums. Aus ihren Reihen wird
zudem ein Lenkungsausschuss gebildet, der entscheidet, welche Projekte das Institut künftig zur Bearbeitung annehmen
wird. Das Institut wird seinen Sitz in Bad Segeberg haben.der Ärzte und Krankenhäuser über die durchgeführten
Behandlungen entgegenzunehmen und entsprechend
den Vorgaben zu verarbeiten sowie die Auswertung der
 Die sektorenübergreifende Qualitätssicherung soll, wie
gesetzlich vorgegeben, auf weitere Behandlungen
ausgedehnt werden. Damit wachsen auch die Aufgaben
des Instituts. Perspektivisch können Qualitätssicherungsverfahren beispielsweise auch bei telemedizinischen Verfahren oder Zweitmeinungsverfahren vor ausgewählten
Operationen gewinnbringend zum Einsatz kommen.Welche Aufgaben hat das Institut?
 Mit der Gründung des Instituts wird eine Struktur geschaffen, die Expertise und jahrelange Erfahrung im Qualitätsmanagement für künftige Qualitätssicherungsprojekte
bevorzugt in der Schleswig-Holsteinischen Gesundheitsversorgung zusammenführt. Diese Kompetenz soll vor
allem für Verfahren zur Verfügung stehen, bei denen ein
sektorenübergreifender Ansatz sinnvoll ist.
 Ab 2016 gelten für bestimmte Behandlungen, die sowohl
in Krankenhäusern als auch in Arztpraxen durchgeführt
werden, einheitliche Qualitätsstandards. Eine erste
Aufgabe des Instituts wird es sein, die MeldungenWeshalb ist es wichtig, dass das Institut in ärztlicher Hand
 Ärztekammer, KVSH und Krankenhausgesellschaft wollen
mit der Institutsgründung sehr deutlich machen, dass die
Messung und Beurteilung der Qualität ärztlichen Handelns auch primär in ärztliche Hand gehört.
 Im Sinne der Transparenz der Behandlungsabläufe und
deren qualitativen Beurteilung wird das Institut dann
Daten und Ergebnisse für die externe Aufarbeitung und
Veröffentlichungund damit die profunde Basis für den
weiteren Diskurs bereitstellen.Nordlichtaktuell9 | 2015Titelthema S owohl in Kliniken als auch
unter niedergelassenen Ärzten
gibt es bereits seit vielen Jahren einen intensiven Austausch
über Behandlungsoptionen und
Krankheitsverläufe mit dem
Ziel, voneinander zu lernen.
Im Sinne eines strukturierten
Qualitätsmanagements benötigen Ärzte unter anderem
aber auch vergleichende Daten
zur Analyse von Stärken und
Schwächen, umgezielte Maßnahmen zur kontinuierlichen
ergreifen zu können.
 Das Institut tritt mit dem klaren
Ziel an, den sektorenübergreifenden ärztlichen Austausch
zu Fragen der Behandlungsqualität zu stärken und zu
 Ziel des Instituts ist es, Qualitätsverbesserungsmaßnahmen in der Gesundheitsversorgung kompetent
methodologisch zu unterstützen und damit Dienstleister
von Professionellen und Patienten gleichermaßen zu
 Vergleichende Betrachtungen von Behandlungsdaten
lassen Schlüsse zu, die den Arzt in seiner Behandlung
bestätigen oder ihm aufzeigen, was sinnvollerweise zu
ändern wäre.
 Qualitätsmanagement ist deshalb mehr als das Sammeln
und Melden von Daten und das Erstellen von Statistiken
und Berichten. Vielmehr hat eine auf die Versorgungsverbesserung ausgerichtete Maßnahmenergreifung die
verschiedensten medizinischen Aspekte zu berücksichtigen. Eine auf formale Kenndaten gestützte Betrachtung
Worum geht es bei der neuen sektorenübergreifenden
Qualitätssicherung ab 2016?
 Obwohl es medizinische Leistungen gibt, die sowohl im
ambulanten als auch im stationären Bereich erbracht
werden, erfolgt die Qualitätsbetrachtung bisher streng
nach Sektoren getrennt.
 Das soll sich sinnvollerweise ändern. Für Leistungen, die
sowohl in Praxen als auch in Kliniken erbracht werden,
wird es künftig einheitliche Qualitätsstandards geben.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das oberste
Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung
der Ärzte und Krankenkassen, ist gesetzlich beauftragt,
die Standards für einzelne Behandlungen festzulegen.
 Ab Januar 2016 wird diese sektorenübergreifende
Qualitätssicherung zunächst für die Untersuchung und
Behandlung der Herzkranzgefäße (Koronarangiografie
und perkutane Koronarintervention) konkret umgesetzt.
In der Planung sind weiterhin einheitliche Standards fürdie Erfassung und Vermeidung von Krankenhausinfektionen, für die Versorgung psychischer Erkrankungen
sowie für Kniegelenkspiegelungen.
Weshalb ein gemeinsames Institut für diese Aufgaben?
 Die Richtlinien des G-BA zur sektorenübergreifenden
Qualitätssicherung sehen vor, dass die Krankenhausgesellschaften die Patientendaten der Klinikärzte und die
Kassenärztlichen Vereinigungen die der niedergelassenen
Ärzte entgegennehmen und weiterleiten.
 Schleswig-Holstein geht mit der Institutsgründung einen
anderen Weg, der doppelte Strukturen vermeidet und
unnötige Bürokratie gar nicht erst entstehen lässt.
 Statt neue Parallelwelten von ambulant und stationär zu
schaffen, bündeln die Ärztekammer, die Krankenhausgesellschaft und die KVSH ihre Kompetenzen zum Nutzen
der Qualität in der Medizin in einem gemeinsamen
Institut. Meldewege und EDV können so schlank gehalten
werden, der Personalbedarf fällt geringer aus, Kosten
 Für ärztlich besetzte Auswertungskommissionen werden
bei der gemeinsamen Lösung weniger Ärzte benötigt: Ärztliche Fachkompetenz beider Sektoren wird in
gemeinsamen und gleichrangigen Kommissionen vereint.
Auch dies ist ein Beitrag, Ressourcen effizient zu nutzen
und ärztliches Engagement nicht zu überfordern.
 In Sachen Qualität in der Medizin wird es in Zukunft einen
Ansprechpartner in Schleswig-Holstein geben – egal, ob
es um ambulante oder stationäre Versorgung geht. Die
Qualität ärztlichen Handelns am Patienten ist nicht nach
Sektoren teilbar. Das Anliegen, eine bestmögliche Qualität in der Versorgung von Patientinnen und Patienten
zu bieten vereint alle Akteure im Gesundheitswesen. Die
Hauptrepräsentanten der Anbieter ärztlicher Leistungen
haben sich konsequenterweise hier zusammengetan.
Redaktion9 | 2015Nordlichtaktuell7NACHRICHTEN KOMPAKT
M usik in der P raxisP atienteninformationÄrzte müssen keine
GEMA-Gebühr zahlenMultimedikationKarlsruhe – Damit Ärzte und Psychotherapeuten in ihrer Praxis
Hintergrundmusik aus dem Radio abspielen dürfen, müssen sie
keine Lizenzbeiträge an die GEMA zahlen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Praxisinhaber können ihre bestehenden Verträge mit der GEMA kündigen. Der Bundesgerichtshof begründete seine Entscheidung damit, dass die Wiedergabe
von Hörfunkprogrammen in Arztpraxen nicht öffentlich und
damit auch nicht vergütungspflichtig sei. Damit schlossen sich
die Richter der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes
(EuGH) an. Inhaber von Arztpraxen sind damit nicht mehr verpflichtet, Lizenzbeiträge an die GEMA zu bezahlen. Praxisinhaber,
die bereits eine vertragliche Vereinbarung mit der GEMA abgeschlossen haben, können diese zum nächstmöglichen Zeitpunkt
kündigen. Ärzte, die sich neu niederlassen, sollten erst gar keinen Lizenzvertrag abschließen und Zahlungsaufforderungen mit
Verweis auf die Rechtslage nicht nachkommen. Der BGH urteilte
zugunsten eines Düsseldorfer Zahnarztes. Dieser ließ in seinem
Wartezimmer Radiomusik im Hintergrund laufen und hatte dafür
einen Lizenzvertrag mit der GEMA. Den kündigte er 2012 angesichts eines Urteils des EuGH auf. Der EuGH hatte 2012 im Falle
eines italienischen Zahnarztes entschieden, dass es sich bei der
Musik in der Praxis nicht um eine gebührenpflichtige öffentliche
Wiedergabe handelt. Der BGH musste nun klären, ob das Urteil
des EuGH auf deutsche Verhältnisse angewandt werden kann
und entschied, dass der italienische Sachverhalt in wesentlichen
Punkten mit dem deutschen übereinstimme.V erträgeFrüherkennungsuntersuchung
U10/U11 und J2 mit der AOK
Bad Segeberg – Der Vertrag zu den Früherkennungsuntersuchungen für Kinder und Jugendliche wurde zum 1. Juli 2015
angepasst. Die Vergütung der Früherkennungsuntersuchungen
U10, U11 und J2 (Pseudoziffern 99055B, 99055C und 99055D)
wurde von 50 Euro auf 53 Euro erhöht. Die Vertragsunterlagen sind im Downloadcenter auf www.kvsh.de zu finden.
Auf Wunsch werden die Unterlagen auch per Post zugestellt
(Tel. 04551 883 331).
8NordlichtBerlin – Um die Frage „Multimedikation – Nehme ich zu viele
Medikamente ein?“ geht es in einer neuen Patienteninformation
der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Patienten erfahren, wann es notwendig ist, verschiedene Arzneimittel gleichzeitig einzunehmen, und was dabei zu beachten ist. Die Broschüre
erläutert, wie es zu einer Multimedikation kommen kann und
welche Folgen mitunter damit verbunden sind. Die Leser erhalten
Tipps, was sie tun können, um mögliche Risiken zu vermeiden.
Das zweiseitige Informationsblatt will dafür sensibilisieren, dass
nicht jede gesundheitliche Störung medikamentös behandelt
werden muss. Die Einnahme vieler Arzneimittel kann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Deshalb sollten Patienten
ihrem Arzt ungewöhnliche Symptome sogleich mitteilen und
auch Ängste und Sorgen schildern. Erstellt wurde die Information vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) im
Auftrag von KBV und Bundesärztekammer. Die Patienteninformation steht zum Download auf der Internetseite der KBV unter
www.kbv.de bereit.B roschüreIGeL-Ratgeber
Berlin – Über den richtigen Umgang mit Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) informiert eine Broschüre der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Bundesärztekammer. Checklisten, ein Muster-Behandlungsvertrag und weiterführende Adressen ermöglichen einen umfassenden Überblick
zum Thema. Der Ratgeber soll vor allem zum offenen Gespräch
zwischen Arzt und Patient anregen und beiden Seiten hierfür
eine Orientierung bieten. Der Ratgeber möchte einen Beitrag
zum verantwortungsvollen Umgang mit IGeL leisten und stellt
klar: Ärzte dürfen Patienten auf keinen Fall drängen, eine IGeL in
Anspruch zu nehmen. Sie handeln berufswidrig, wenn sie ihren
Patienten eine IGeL ohne überzeugende Begründung, aber mit
großem Nachdruck nahelegen. Der IGeL-Ratgeber steht ausschließlich in elektronischer Form zur Verfügung und kann als
PDF-Dokument heruntergeladen werden: http://www.kbv.de/
html/igel.php
aktuell9 | 2015NACHRICHTEN KOMPAKT
P olitikW artezimmerBundeskabinett beschließt
Gesetz gegen KorruptionNeue Patienteninformation
zu multiresistenten ErregernBerlin – Das Bundeskabinett hat ein Gesetz zur Bekämpfung von
Korruption im Gesundheitswesen beschlossen. Damit soll ein
neuer Straftatbestand „Bestechlichkeit im Gesundheitswesen“ in
das Strafgesetzbuch eingeführt werden. Die neuen Paragrafen
299a und 299b Strafgesetzbuch sehen vor, dass „wer als Angehöriger eines Heilberufes im Zusammenhang mit der Ausübung
seines Berufes einen Vorteil für sich oder einen Dritten als Gegenleistung dafür fordert, sich versprechen lässt oder annimmt“ mit
einer Geldstrafe oder einer bis zu dreijährigen Haftstrafe bestraft
wird. Gleiches gilt für die Person, die einem Angehörigen eines
Heilberufes „in Zusammenhang mit dessen Berufsausübung
einen Vorteil für diesen oder einen Dritten als Gegenleistung
anbietet“. „Korruption ist immer dann, wenn etwas verordnet
wird, was medizinisch nicht angezeigt, sondern eher zum finanziellen Vorteil für denjenigen ist, der etwas verschreibt“, erklärte
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). Der Vorsitzende der
Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Gassen, beurteilte den Kabinettsentwurf skeptisch: „Wichtig ist, dass Kooperationen, die für eine gute Patientenversorgung wünschenswert
sind, nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Es wäre am
besten, das Gesetz benennt klare Regeln und Beispiele, wann
Korruption vorliegt.“ Ähnlich wie Gassen hatte bereits Anfang
des Jahres der Präsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich
Montgomery, bei der Bewertung des Referentenentwurfes klargestellt: „Wir wollten ein Anti-Korruptionsgesetz, das für alle
im Gesund­heitswesen gilt – keine lex specialis nur für Ärzte.“
So werden beispielsweise Klinikbetreiber oder andere Entscheidungsträger von anderen Gesundheitseinrichtungen nicht
speziell erwähnt. Das Gesetz soll nach der Sommerpause in die
parlamentarische Beratung und dann spätestens Anfang 2016 in
Kraft treten.V ordruckeGrünes Rezept
mit neuem Hinweis
Berlin – Das Grüne Rezept, das Ärzte für nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel ausstellen können, wurde überarbeitet.
Es enthält jetzt den Hinweis, dass einzelne Krankenkassen die
Kosten für bestimmte nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel als Satzungsleistung übernehmen. „Dieses Rezept können
Sie bei vielen gesetzlichen Krankenkassen zur Voll- oder Teilerstattung als Satzungsleistung einreichen.“ Dieser Satz auf dem
Grünen Rezept löst nach Angaben des Deutschen Apothekerverbands ab sofort den alten, nicht mehr zutreffenden Hinweis ab,
wonach Patienten das Grüne Rezept nicht zur Erstattung bei den
gesetzlichen Krankenkassen einreichen könnten. Der Hinweis
auf die mögliche Erstattungsfähigkeit von OTC-Arzneimitteln als
Satzungsleistung befindet sich auf allen neu ausgestellten GrüneRezept-Formularen. Vertragsärzte können diese bei Bedarf
kostenlos bei der „Initiative Grünes Rezept“ bestellen unter
www.ini.gruenerezepte.de. Ältere Formulare für das Grüne
Rezept können aufgebraucht werden.
9 | 2015NordlichtBerlin – Eine neue Patienteninformation der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung (KBV) erklärt, für wen multiresistente Erreger wirklich bedrohlich sind und wie man sich und andere schützen kann. Infektionen durch Bakterien lassen sich meist gut mit
Antibiotika behandeln. Einige Bakterien sind jedoch unempfindlich gegenüber vielen Antibiotika: Bei multiresistenten Erregern
(MRE), am bekanntesten ist der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), wirken die meisten Antibiotika nicht.
Diese und andere Zusammenhänge fasst die neue Information
„MRSA und Co. – Was Sie über diese Erreger wissen sollten“ für
Patienten auf zwei Seiten zusammen. Der Text erläutert zum
Beispiel, wie MRE entstehen, welche Risikofaktoren es für eine
Infektion gibt und welche Hygieneregeln man einhalten sollte.
Erstellt wurde die Patienteninformation im Auftrag von KBV und
Bundesärztekammer vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der
Medizin (ÄZQ). Das ÄZQ hat bereits über 50 solcher Informationen verfasst, einige davon in mehreren Sprachen. Die Themen
reichen von Krebs über Herzschwäche und Hauterkrankungen bis
hin zu Hinweisen zur Antibiotikatherapie. Die Dokumente stehen
zum kostenlosen Download im Internet zur Verfügung: www.
patienten-information.de.V erordnungImpfungen für Flüchtlinge
Bad Segeberg – Die Impfstoffe
für Impfungen von Flüchtlingen
dürfen nicht aus dem Praxisvorrat
genommen und auch nicht über das
Impfstoffrezept bezogen werden.
Kostenträger ist das Land SchleswigHolstein. Die Impfstoffe sind vom
jeweiligen Amt zu tragen und über
Einzelverordnung zu beziehen.K rankenkassenOrganspendeausweise
kommen mit der Post
Berlin - Mehr als 70 Millionen Versicherte in Deutschland erhalten
in den nächsten Wochen von ihrer Krankenkasse einen Organspendeausweis zugeschickt. Nach der Reform des Transplantationsgesetzes von 2012 sind die Kassen verpflichtet, alle zwei Jahre einen
solchen Vordruck allen Bürgern ab 16 Jahren zukommen zu lassen.
Die Zahl der Organspender in Deutschland ist im ersten Halbjahr
2015 erstmals seit längerem wieder gestiegen. Von Januar bis
Ende Juni gab es 464 Organspender gegenüber 435 im Vergleichszeitraum des Vorjahres, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mitteilte.
aktuell9gesundheitspolitik
F lüchtlinge in der A rztpraxisZwischenstation Boostedt
Während die Politik noch über den richtigen Umgang mit der wachsenden Zahl von
Flüchtlingen diskutiert, sind die Menschen längst in den Praxen der niedergelassenen
Ärzte angekommen. Auch der Alltag von Dr. Minu Seddigh-Brettschneider, Dr. Victor
Brettschneider und Dr. Frank Homoet aus Boostedt hat sich in den letzten Monaten
verändert. Sie behandeln immer häufiger Flüchtlinge und Asylbewerber, denn nicht weit
von ihrer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis entfernt liegt eine der Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes Schleswig-Holstein.(v. l.) Dr. Victor Brettschneider, Dr. Frank Homoet und Dr. Minu Seddigh-BrettschneiderBoostedt im Hochsommer. Der Asphalt flimmert in der Mittagshitze. Die Luft ist schwül und für den Nachmittag sind schwere
Gewitter für die ländliche Region um Neumünster angesagt. Trotz
der hohen Temperaturen sind auf dem schmalen Gehweg neben
der vielbefahrenen Bundesstraße vor dem Ortseingangsschild
auffallend viele Menschen unterwegs. Es sind Flüchtlinge, die
einzeln oder in kleineren Gruppen zu Fuß in Richtung des knapp
zwei Kilometer entfernt liegenden Zentrums der 4.600-Einwohner-Gemeinde unterwegs sind. Die meisten wollen in einem der
Supermärkte oder an der Tankstelle Kleinigkeiten einkaufen. Sie
benutzen für einen Teil ihres Weges eine alte Panzerstraße, die
zu einem versteckt hinter hohen Kiefern liegenden hinteren Teil
der Rantzau-Kaserne führt. Das Gras am Weg ist frisch gemäht.
Hohe Bäume und Büsche verdecken von außen den Blick auf die
10Nordlichteingezäunten Unterkünfte. In der Kaserne ist seit April dieses Jahres eine der Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge und Asylbewerber untergebracht, betrieben vom Deutschen Roten Kreuz
im Auftrag des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten. Rund
500 Flüchtlinge, die einen Asylantrag in Deutschland stellen wollen, kommen dort während der ersten Wochen ihres Asylverfahrens unter, bevor sie auf verschiedene Kommunen weiter verteilt werden. Die meisten von ihnen stammen aus Syrien, Eritrea,
Afghanistan, dem Irak, dem Kosovo, Albanien oder dem Jemen.
Auf dem Gelände gibt es zwei Beratungsbüros des Deutschen
Roten Kreuzes und des Landesamts, einen Speisesaal, eine Polizeistation und eine medizinische Servicestelle, die für die Erstversorgung der Asylsuchenden zuständig ist und sie unter anderem
bei der Vermittlung von Terminen bei Fachärzten unterstützt.
aktuell9 | 2015gesundheitspolitikHausärztliche Gemeinschaftspraxis BoostedtHausarztpraxis Teil der Versorgungskette
Eine der Praxen, in der seit Eröffnung der Erstaufnahmeeinrichtung immer häufiger Flüchtlinge behandelt werden, ist die
hausärztliche Gemeinschaftspraxis Boostedt. Sie hat sich in den
letzten Monaten zu einem festen Bestandteil der medizinischen
Versorgungskette für diesen Patientenkreis entwickelt. Die Praxis
liegt neben einer Apotheke im alten Ortskern. Dort sind seit 1993
die beiden Allgemeinmediziner Dr. Minu Seddigh-Brettschneider
und Dr. Victor Brettschneider sowie der hausärztliche Internist
Dr. Frank Homoet, der 2005 in die Praxis einstieg, niedergelassen. Als das Ärzteehepaar Anfang der 90er Jahre aus Berlin nach
Boostedt kam und sich dort niederließ, waren schon einmal Flüchtlinge in der Rantzau-Kaserne untergebracht: Spätaussiedler aus
Russland und Kasachstan, die nach Deutschland kamen. „Wir erleben jetzt sozusagen ein Déjà-vu. Damals sind wir in die Kaserne
gefahren, um erkrankte Menschen zu behandeln. Jetzt kommen
sie eben zu uns“, berichtet Brettschneider, der pragmatisch denkt
und handelt. Für die erste Kontaktaufnahme zu den neuen Patienten hat sich der Allgemeinmediziner sicherheitshalber einige
arabische Redewendungen auf einen Spickzettel geschrieben.
Gut organisierte Abläufe
Als Anfang dieses Jahres klar wurde, dass die Erstaufnahmeeinrichtung nach Boostedt kommt, nahmen Seddigh-Brettschneider,
Brettschneider und Homoet Kontakt zu den Verantwortlichen bei
Kommune, Kreis und dem Land auf. Sie boten an, Flüchtlinge in
ihrer Praxis zu behandeln. Sie wollten deren Behandlung aber nicht
über eine Sondersprechstunde regeln, sondern in den laufenden
Praxisbetrieb integrieren. So kam es auch. Seit April melden die
beiden Mitarbeiterinnen aus der medizinischen Servicestelle in
der Erstaufnahmeeinrichtung regelmäßig Patienten an. Die Fallzahlen steigen kontinuierlich. Im zweiten Quartal 2015 wurden
90 Patienten aus der Ersteinrichtung behandelt. Im dritten Quartal
sind es jetzt schon 115 Patienten. „Bei uns wird niemand abgewiesen. Wir haben die Praxisabläufe darauf eingestellt, dass neue
Patienten hinzukommen. Die Flüchtlinge sind sehr freundlich und
dankbar, wenn sie zu uns kommen. Wir haben bisher nur gute
Erfahrungen mit ihnen gemacht und behandeln sie gern“, berichtet Seddigh-Brettschneider. Die drei Ärzte beteiligen sich auch an
der regelmäßig stattfindenden Impfsprechstunde in der Erstaufnahmeeinrichtung, die personell über das Medizinische Praxisnetz
Neumünster organisiert wird. 20 bis 30 Patienten werden jeden
Mittwoch geimpft.
Kaum höherer Aufwand
Die Flüchtlinge, überwiegend Männer, kommen in der Regel mit
einem festen Termin und in Begleitung eines Dolmetschers oder
eines sprachkundigen Angehörigen in die Praxis. Manchmal sind
9 | 2015Nordlichtsie aber auch allein. Die Ärzte haben durch die Behandlung so
gut wie keinen bürokratischen Mehraufwand, weil die Absprache
mit den beiden Mitarbeiterinnen in der Erstaufnahme sehr gut
funktioniert. Den erforderlichen Krankenbehandlungsschein des
Landesamtes, der vom medizinischen Personal in der Erstaufnahmeeinrichtung ausgestellt wird, hat jeder Flüchtling dabei. Dazu
kommt ein Laufzettel mit den wichtigsten Vorinformationen über
die Beschwerden, vorherige Behandlungen und Medikamentengaben. Die Praxismitarbeiterinnen legen jeden Behandlungsfall
zweimal an: eine Dokumentation geht an den Arzt, die andere
ist für die Erstaufnahmeeinrichtung bestimmt. „So fällt für die
Helferinnen vielleicht etwas mehr Dokumentationsaufwand an,
als wenn wir gleich die elektronische Gesundheitskarte nutzen
könnten wie die Kollegen in Hamburg oder Bremen“, erklärt
Brettschneider. Sprachlich ist die Praxis gut auf die Flüchtlinge
vorbereitet. Das gilt auch für den Fall, dass diese nicht mit einem
vom Landesamt bezahlten Dolmetscher in die Sprechstunde kommen. Alle drei Ärzte sprechen Englisch, das auch viele Syrer gut
beherrschen. Es gibt im Praxisteam eine Arzthelferin, die Türkisch
kann. Seddigh-Brettschneider spricht Persisch, eine Sprache, die
von vielen Afghanen verstanden wird. Wenn sprachlich nichts
mehr geht, hat sich ein telefonischer Dolmetscherdienst bewährt.
„Das geht schneller, als wenn erst extra ein Dolmetscher aus
Neumünster zu uns kommen muss“, erläutert Homoet.
Schicksale in der Sprechstunde
Das Spektrum der behandelten Erkrankungen bei den Flüchtlingen ist sehr breit. Besonders häufig sind Fälle von Diabetes, Bluthochdruck und Durchfall- bzw. Hauterkrankungen. Da es sich um
schwerere Erkrankungen handelt, planen die Ärzte etwas mehr
Behandlungszeit ein. Welche Vorgeschichte die Kranken haben,
erfahren sie trotz der guten Vorinformationen aus der Erstaufnahme oft nicht, denn die Flüchtlinge bringen in der Regel keine
Krankenakten aus ihrer Heimat mit. Viele sind durch Folter oder
die Strapazen einer oft monatelangen Flucht traumatisiert. Ihre
genauen Schicksale bleiben für die Ärzte oft im Dunkeln. Doch
wenn die Kommunikation sehr gut läuft, erfahren sie mehr. Ein
Flüchtling berichtete, dass er auf einem völlig überfüllten Flüchtlingsboot über das Mittelmeer kam. Das Schiff ging im Sturm
unter. Dabei sind auch Angehörige seiner Familie ertrunken.
Brettschneider ist sich bewusst, dass die ambulante Behandlung
von Flüchtlingen immer eine Gratwanderung ist. Er liest dazu
eine Passage aus dem entsprechenden Paragrafen des Asylbewerberleistungsgesetzes vor, nach dem Asylbewerber mit Krankenbehandlungsschein nur Anspruch auf ärztliche Behandlung
bei akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen, einschließlich
der Versorgung mit Arznei- und Verbandsmitteln sowie sonstiger
zur Genesung, zur Besserung oder zur Linderung von Krankheiten
oder Krankheitsfolgen erforderlichen Leistungen haben. „Klassische hausärztliche Abklärungsmedizin dürfen wir in dem sonst
üblichen Maße nicht anwenden. Gleiches gilt für Therapien. Wir
sind auch bei der Neueinstellung von Medikamenten defensiver,
da wir wegen der kurzen Verweildauer der Patienten in der Erstaufnahme nicht nachprüfen können, ob ein neues Medikament
besser vertragen wird.“ Was aus den Menschen, die sie behandelt
haben, am Ende wird, erfahren die Ärzte nicht. Sie wissen, dass
Boostedt für ihre Patienten aus der Erstaufnahmeeinrichtung nur
eine Zwischenstation ist.
Jakob Wilder, KVSHaktuell11gesundheitspolitik
E ngagement„Die Lage ist dramatisch“
Dr. Georg Ludwig ist Vorsitzender des Vereins „ Medizinische Hilfe
für Griechenland e. V.“, der regelmäßig Hilfstransporte in das krisengeschüttelte Land organisiert. Im Nordlicht-Interview beschreibt
der Orthopäde aus Bad Schwartau die katastrophalen Zustände
im griechischen Gesundheitswesen und erläutert, warum gerade
jetzt weiter Hilfe geleistet werden muss.
Nordlicht: Sie haben schon vor gut zwei Jahren mit einigen
Mitstreitern den gemeinnützigen Verein „Medizinische Hilfe für
Griechenland“ gegründet und seitdem mehrere Hilfstransporte
organisiert. Wie sieht ihre Hilfe konkret aus?Nordlicht: Dr. Ludwig, das griechische Gesundheitssystem
steht nach Jahren der Krise kurz vor dem Kollaps. Anfang
August traten die 8.000 griechischen Kassenärzte für eine
Woche aus Protest gegen die Sparmaßnahmen in einen Ausstand. Patienten müssen häufig direkt beim Arzt zahlen, bevor
sie behandelt werden. Wie ist die Situation vor Ort?
Dr. Georg Ludwig: Sehr schlecht. Immer mehr Menschen
verarmen und können sich keine Krankenversicherung mehr
leisten. Nicht nur der griechische Staat ist pleite, sondern auch
die Krankenkassen. Sie vergüten daher seit geraumer Zeit die
erbrachten Leistungen nicht mehr ausreichend. Apotheken
lösen Rezepte daher schon länger nur noch gegen Cash ein.
Mich überrascht es daher nicht, dass griechische Kassenärzte
das auch so machen. Schließlich müssen sie ja von etwas leben.
In den drei karitativen Praxen auf Kreta, die wir durch unseren
Hilfsverein mit Spenden beliefern, behandeln die Ärzte ihre
Patienten natürlich kostenlos. Dorthin kommen Menschen, die
besonders hart von der Krise getroffen wurden und sich nicht
selbst helfen können, vor allem ältere Menschen.12NordlichtLudwig: Apotheken, Altenheime und Sanitätshäuser liefern
uns ihre überschüssigen Arznei- und Hilfsmittel. Das Ganze
wird dann vor dem Transport geprüft und ist entsprechend
hochwertig. Wir werben auch dafür, Geld zu spenden, damit
wir den relativ teuren Transport bezahlen können. Alle Spendenmittel gehen an drei Sozialpraxen. Sie liegen in Chania,
Rethymnon und Heraklion an der Nordküste Kretas. Dort werden Bedürftige und chronisch Kranke von ehrenamtlich tätigen Haus- und Fachärzten kostenlos behandelt. Leider konnten wir bisher keine Impfstoffe für Kinder nach Griechenland
bringen. Dabei wäre das besonders wichtig, denn viele Kinder können dort nicht mehr geimpft werden. Momentan wird
sozusagen gewürfelt, welches Kind geimpft wird, weil es nicht
genug Impfstoff für alle gibt. Der Transport bis Griechenland ist
allerdings sehr teuer, denn es muss eine lückenlose Kühlkette
gewährleistet sein. Wir sind daher dringend auf Geldspenden
angewiesen, damit wir den Impfstoff in Griechenland vor Ort
kaufen und den Behandlern dann direkt zur Verfügung stellen
Nordlicht: Kreta ist eine Insel, die viele Deutsche aus dem
Urlaub kennen. Wie sieht die Situation der Menschen dort
nach fünf Jahren Dauerkrise aus?
Ludwig: Wer sich eher in den Tourismus-Hochburgen aufhält,
mit dem Mietauto unterwegs ist und nicht genauer hinschaut,
sieht so gut wie nichts von der Not. Die Griechen sind ein sehr
stolzes Volk und verstecken die Armut so gut es geht. In den
öffentlichen Krankenhäusern sieht es ganz anders aus. Dort
regiert der Mangel: kaputte Türen, fehlende Handläufe an den
Wänden, ausgetretene Stufen. Überall warten kranke Menschen in langen Schlangen auf eine Behandlung. Verbandsmaterial und Medikamente gibt es kaum. In den ohnehin maroden
und seit Jahren unterfinanzierten Kliniken fehlt es an Ärzten
und Pflegepersonal. Viele Fachkräfte wurden entlassen oder
sind ausgewandert.aktuell9 | 2015gesundheitspolitikNordlicht: Der monatelange Schuldenstreit mit Griechenland
hat das deutsch-griechische Verhältnis schwer belastet. Gegenseitige Vorwürfe und Schuldzuweisungen vergifteten das
Klima. Wie ist die Stimmung im Land?Nordlicht: Sie haben wieder einen Hilfstransport von hohem
Wert auf die Reise geschickt. Wie können Sie sicher sein, dass
alles bei den Bedürftigen ankommt und nicht in dunklen Kanälen versickert?Ludwig: Sehr schlecht und angespannt. Die Menschen sind sehr
aufgebracht und sehen in Deutschland den Hauptverantwortlichen für die Krise. Das ist natürlich viel zu kurz gedacht, ist
aber leider die vorherrschende öffentliche Meinung. Dass die
Griechen und vor allem ihre Eliten selbst für einen großen Teil
der Misere verantwortlich sind, wird dagegen in weiten Teilen
der Bevölkerung ignoriert. Das ist auch den Medien zu verdanken, die häufig sehr undifferenziert über Deutschland berichten.Ludwig: Ich vertraue den Menschen auf Kreta, die jede Woche
in den von uns belieferten Sozialpraxen kostenlos Dienst tun.
Darunter sind Ärzte aller Fachrichtungen, Zahnärzte und Krankenschwestern. Viele kenne ich persönlich. Die Lieferung, die
jetzt rausging, werde ich sogar selbst in Empfang nehmen und
persönlich an die Helferteams übergeben.
Nordlicht: Wie reagieren die Menschen auf Kreta auf die
Ludwig: Hocherfreut. Viele können zuerst gar nicht glauben,
dass die Hilfe ausgerechnet aus Deutschland kommt. Wir
informieren deshalb auch die griechische Öffentlichkeit über
unser Projekt, um zu zeigen, dass Deutschland auch solidarisch
handelt.„Wir müssen uns in der Krise
antizyklisch verhalten
und gerade jetzt helfen.“Das Interview führte Jakob Wilder, KVSHNordlicht: Umgekehrt gibt es auch in Deutschland Stimmen,
die sagen, dass Griechenland ohnehin nicht mehr zu helfen
sei und sich allein aus der Krise befreien müsse. Hat sich diese
„Ohne-mich“-Einstellung auf die Spendenbereitschaft ausgewirkt?
Ludwig: Ja, und zwar sehr negativ. Die Unterstützung brach
ziemlich ein. Die Hilfslieferung im Wert von rund 15.000 Euro,
die jetzt heraus ging, ist die erste in diesem Jahr. Sonst haben
wir immer zwei bis drei Lieferungen im Wert von mehreren
zehntausend Euro zusammen bekommen. Viele potenzielle
Spender misstrauen Griechenland. Dafür ist sicher zum Teil auch
eine gewisse Negativberichterstattung mitverantwortlich.
Nordlicht: Die weitverbreitete Korruption in Griechenland
lässt sich aber schwer wegdiskutieren.
Ludwig: Leider stimmen viele Vorwürfe. Die politische und
wirtschaftliche Elite hat Griechenland über Jahrzehnte zugrunde
gerichtet. Ohne das Geld im Briefumschlag, den sprichwörtlichen „Fakelaki“, funktioniert vieles in diesem Land tatsächlich nicht. Wir sollten aber Tsipras und Varoufakis erst einmal
vergessen und an die Menschen denken, die unter der Krise
leiden und nicht mehr medizinisch versorgt werden. Denen muss
geholfen werden. Ressentiments und gegenseitige Schuldzuweisungen haben da keinen Platz. Ich hoffe, dass wir über die
humanitäre Hilfe beitragen können, wieder eine gemeinsame
Ebene mit den Griechen zu bekommen. Wir müssen uns in der
Krise antizyklisch verhalten und gerade jetzt helfen.9 | 2015NordlichtInfo-Flyer für das WartezimmerSie können den Hilfsverein
„Medizinische Hilfe für Griechenland e. V.“
BIC: NOLADE 21 SPL
IBAN: DE 25 23050101 0 162961221aktuell13gesundheitspolitik
Z wischenbilanz„Meine Aufgabe hat
noch viel Potenzial“InterviewSeit circa einem dreiviertel Jahr ist Harald Stender als hausärztlicher Koordinator des
Kreises Dithmarschen im Einsatz. Der ehemalige Geschäftsführer des Westküstenklinikums berät und unterstützt Städte und Gemeinden, die einen Hausarzt suchen.
Der Kreis hatte die Stelle neu geschaffen, an der Finanzierung beteiligt sich auch die
KVSH. Im Nordlicht-Interview zieht Stender eine Zwischenbilanz.14Nordlicht: Wie fällt Ihre vorläufige Bilanz als hausärztlicher
Koordinator aus?Nordlicht: Gibt es etwas, von dem Sie sagen: Das hätte ich
mir leichter vorgestellt?Harald Stender: Zunächst ist bemerkenswert, welche bundesweite Aufmerksamkeit sowohl die Schaffung der Stelle des
Koordinators im Kreis Dithmarschen als auch das Projekt „Eigeneinrichtung Büsum“ erhalten hat. In Medien und Vorträgen in
ganz Deutschland wird der Kreis
Dithmarschen und auch die KVSH mit
dieser Vorwärtsstrategie als extrem
dargestellt. Eine persönliche Bilanz
nach einem halben Jahr fällt positiv
aus. Die Eigeneinrichtung Büsum ist
bereits tätig und wird bis Anfang 2016
baulich neu gestaltet. Es ist gelungen, insgesamt drei Hausärzte als
Nachfolger für die Eigeneinrichtung
Büsum sowie Praxen in Tellingstedt,
Wöhrden/Neuenkirchen für das Kreisgebiet zu gewinnen. Drei weitere
Ärzte haben zusammen mit dem
Weiterbildungsprogramm des Westküstenklinikums
Weiterbildungsstelle in Praxen im Kreisgebiet erhalten. Alle drei werden nach
dem Abschluss der Weiterbildung
mit Sicherheit Praxen in Dithmarschen übernehmen oder im Kreisgebiet angestellt werden. In weiteren
Gemeinden sind wir mit den Hausärzten zusammen in der Nachfolgesucher aktiv und haben gute Aussichten sogar überörtliche
Gemeinschaftspraxen/Berufsausübungsgemeinschaften zu bilden. Die Aktivitäten im Kreis Dithmarschen ziehen bereits
Bewerber aus anderen Teilen des Bundesgebietes an. Die
Bestrebungen zur Nachwuchsgewinnung werden also immer
mehr zum „Selbstläufer“.Stender: Ja. Ich hätte mir vorgestellt, dass sich die Politik in
den zentralen Orten gleichmäßig und schneller davon überzeugen lässt, dass die Orte in wenigen Jahren ein Problem in
der hausärztlichen Versorgung bekommen, wenn nicht schon
jetzt vorausschauend gehandelt wird.
Ein Teil dieser Orte hat das Problem
erkannt; ein Teil sieht bei den finanziellen Problemen der Gemeinden zurzeit
keinen Handlungsbedarf und lässt das
Thema erst einmal auf sich zukommen.
Ich konnte bisher in Dithmarschen nur
circa 50 Prozent der zentralen Orte von
der Notwendigkeit überzeugen, bei der
Nachfolgersuche schon jetzt gestalterisch tätig zu werden. Dieser Prozentsatz ist jedoch immer noch deutlich
höher als in anderen Regionen mit
ländlicher Prägung. Es geht aber besser!NordlichtNordlicht: Vielen Bürgermeistern – so
haben Sie es einmal formuliert – sei
noch nicht bewusst, dass sie kein
Anrecht auf eine Arztstelle in ihrem Ort
hätten und sie sich darum selbst um
den Nachwuchs bemühen müssten. Hat
sich das mittlerweile geändert?
Stender: Ja. In zehn Regionalkonferenzen
Gemeindevertretersitzungen zum Thema „hausärztliche Versorgung“ ist im Kreis
Dithmarschen das Bewusstsein für die komplexe Thematik
„Bedarfsplanung“ deutlich gesteigert worden. Dennoch ist das
Vertrauen in die „Selbstheilungskräfte“ bei der Nachfolgersuche für bestehende Praxen immer noch sehr groß. Ich betone
in jeder Veranstaltung, dass der Wettbewerb um die nächsteaktuell9 | 2015gesundheitspolitikGeneration der Hausärzte und eine geringere Zahl an Nachwuchskräften für die hausärztliche Versorgung bereits begonnen hat. Das Thema ist also weitgehend bekannt.„Die Aktivitäten zur Nachwuchsgewinnung werden immer mehr
zum ‚Selbstläufer’.“Nordlicht: Welche Ziele setzen Sie sich jetzt?Nordlicht: Sie haben zu Beginn ihrer Tätigkeit gesagt, Sie
wollten Gemeinden, Städte und niedergelassene Ärzte ermutigen, „neue Wege zu gehen“. Genau das hat Büsum gemacht
und die bundesweit erste kommunale Eigeneinrichtung
gegründet. Dagegen haben sich Lunden und St. Michaelisdonn
von der Idee einer „Gemeindepraxis“ offensichtlich wieder
verabschiedet. Woran liegt das?
Stender: Neue Wege zu gehen – obwohl noch keine Unterbesetzung in der Gemeinde vorliegt – bedeutet, dass man die vorhandenen – zum großen Teil älteren Ärzte – davon überzeugen
muss, sich in eine Gemeinschaftspraxis oder Eigeneinrichtung
einzubringen. Die niedergelassenen Ärzte sind Individualisten
und nicht überall davon zu überzeugen, ihre Praxis in eine
solche Gemeinschafts- und Zukunftslösung einzubringen. Die
Ärzte schließen dann lieber ihre Praxis irgendwann, anstatt sich
vorausschauend in eine Gemeinschaftslösung mit anderen einzubringen. Das Scheitern solcher Bemühungen liegt dann nicht
an den Gemeinden, die weiterhin engagiert sind, sondern an9 | 2015der mangelnden Bereitschaft der Ärzte, sich zum Wohle der
Versorgungsicherheit mit ihren eigenen Interessenlagen dem
Gemeinwohl unterzuordnen. Die Gemeinden werden also in
diesen Fällen warten müssen, bis die ersten Kassenarztsitze
unbesetzt bleiben. Das Ziel „Gemeindepraxis“ ist aufgeschoben,
nicht aufgehoben.NordlichtStender: Ich werde versuchen, weitere „Verbundlösungen“ –
z. B. Gemeinschaftspraxen, Gemeindepraxen und überörtliche
Berufsausübungsgemeinschaften zu unterstützen und Ärzte
davon zu überzeugen, sich rechtzeitig zusammenzuschließen,
bevor sie als Einzelpraxen keine Nachfolger mehr finden. Das
mustergültige Weiterbildungsverbundkonzept mit den Westküstenkliniken soll weiter ausgebaut werden. Die Eigeneinrichtung Büsum wird mit meiner Unterstützung derzeit um
weitere Anbieter im Bereich des Gesundheitswesens ergänzt
und bekommt damit eine zunehmende Bedeutung als regionales Gesundheitszentrum. Die Gemeinde und die Ärztegenossenschaft werden sich mit meiner Unterstützung um eine
längere Finanzierung von weitergehenden Innovationen durch
die Robert Bosch Stiftung bewerben. Außerdem entsteht eine
über den Kreis Dithmarschen hinausgehende Task Force für die
Besetzung schwieriger Hausarztstandorte mit Vertretern der
KVSH, Ärztegenossenschaft Nord und Techniker Krankenkasse,
an der ich mich mit meiner Erfahrung gerne beteilige.
Das Interview führte Marco Dethlefsen, KVSHaktuell15PRAXIS & KV
M itteilungen der K V S H
Folgende Ärzte/Psychotherapeuten/MVZ wurden zugelassen und haben um Veröffentlichung
NameOrtFachgruppeBeginnNachfolger vonDipl.-Psych.
Uta Oberbeck25348 Glückstadt,
Am Fleth 19Psychologische
Psychotherapeutin27.07.2015Dipl.-Psych.
Rudi GebhardtDipl.-Psych.
Veronika Immelmann
– halbe Zulassung –25840 Friedrichstadt,
Lohgerberstraße 31Psychologische
Psychotherapeutin01.03.2015Folgende Ärztin/Psychotherapeutin/MVZ haben die Genehmigung zur Verlegung ihrer Vertragspraxis erhalten und um Veröffentlichung gebeten:16NameFachgruppevonnachDatumAnnika SahleePsychologische
Psychotherapeutin24105 Kiel,
Holtenauer Straße 6924105 Kiel,
Feldstraße 111-11304.05.2015Nordlichtaktuell9 | 2015PRAXIS & KVHeilmittelpreise
Auch in diesem Jahr haben Sie die Möglichkeit, Ihre Ausgaben anhand einer aktualisierten Übersicht zu den Heilmittelpreisen zu kontrollieren. Die Übersicht beinhaltet die
jeweiligen Preise der einzelnen Krankenkassen/-verbände mit den Leistungserbringern.
Neu ist, dass Sie an dieser Stelle nur noch die jeweils umsatzstärksten Heilmittel* finden. Die ausführliche Liste mit allen
Heilmittelpreisen finden Sie, wie gewohnt auf der Internetseite
www.kvsh.de  Praxis  Verordnungen. Mit den hier aufgeführten Preisen decken Sie in der Regel fast den gesamten Bereich
Ihrer Heilmittelverordnungen ab.listung einen Preisvergleich bezogen auf die unterschiedlichen
Heilmittel. Zum anderen können Sie die jeweiligen Preise Ihrer
Richtgrößensumme (Produkt aus den drei Richtgrößen für Mitglieder, Familienmitglieder und Rentner und den jeweiligen Fallzahlen) gegenüberstellen. So haben Sie einen Richtwert für die
von Ihnen veranlassten Heilmittelverordnungskosten.Empfehlenswert ist es, die gelisteten Preise (am besten den
jeweiligen Maximalpreis) für Ihre Heilmittelverordnungen in Ihrer
Praxis-EDV zu hinterlegen. Zum einen ermöglicht Ihnen diese AufStand 01.07.2015LeistungsbezeichnungDauer in Minuten**Min.Max.in Euroin Euro15-2515,1016,006025,8028,49Krankengymnastik zur Behandlung von zentralen Bewegungsstörungen
bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres nach Bobath oder Vojta30-4523,0529,45Krankengymnastik zur Behandlung von zentralen Bewegungsstörungen
nach Vollendung des 18. Lebensjahres nach Bobath, Vojta oder PNF25-3519,3522,70Physiotherapie
Krankengymnastik, auch auf neurophysiologischer Grundlage als Einzelbehandlung
Gerätegestützte Krankengymnastik (KG-Gerät),
parallele Einzelbehandlung bis zu drei Patienten, je PatientKlassische Massagetherapie (KMT)15-2010,0010,86Manuelle Therapie15-2517,2519,09Manuelle Lymphdrainage (MLD) – Ganzbehandlung6032,7040,00Manuelle Lymphdrainage (MLD) – Großbehandlung4523,6028,00Warmpackung einzelner oder mehrerer Körperteile20-30Hausbesuch inklusive Wegegeld
Hausbesuch in einer sozialen Einrichtung inklusive Wegegeld, je Patient7,808,8010,5111,504,746,50Ergotherapie
Ergotherapeutische Einzelbehandlung bei motorisch-funktionellen Störungen30-4527,7528,41Ergotherapeutische Einzelbehandlung bei sensomotorischen/perzeptiven Störungen45-6037,0538,38Ergotherapeutische Einzelbehandlung
als Hirnleistungstraining/neuropsychologisch orientiert30-4526,4231,15Ergotherapeutische Einzelbehandlung bei psychisch-funktionellen Störungen60-7540,1448,159,2012,85Hausbesuch ohne Wegegeld
Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie64,5375,00Stimm-, sprech- und sprachtherapeutische EinzelbehandlungLogopädische Befunderhebung
3023,6626,56Stimm-, sprech- und sprachtherapeutische Einzelbehandlung4535,3039,61Stimm-, sprech- und sprachtherapeutische Einzelbehandlung6043,0252,809,6912,6528,0528,857,5811,00Hausbesuch inklusive Wegegeld
Podologische Komplexbehandlung (beider Füße)45-50Hausbesuch inklusive Wegegeld*Quelle: www.gkv-his.de
**Die Zeitangaben bedeuten „Zeit mit dem Patienten“9 | 2015Nordlichtaktuell17PRAXIS & KV
P s y chotherapiePsychotherapie-NewsStudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen – Gruppenpsychotherapie –
Unterlagen an den Medizinischen DienstKeine ausreichende Versorgung
von psychisch erkrankten
Die neuesten Ergebnisse der Studie zur Gesundheit
(KiGGS-Studie) des Robert Koch-Instituts Berlin
(RKI) zeigen im Bereich der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen besorgniserregende Zustände auf.
Die Untersuchung ergab beispielsweise, dass ungefähr
20 Prozent der Jugendlichen im Alter von 3–17 Jahren in
Deutschland zu der Risikogruppe für psychische Auffälligkeiten gehörten. Hierbei waren Jungen mit 23,4 Prozent häufiger
betroffen als Mädchen (16,9 Prozent). Bis zur Pubertät seien
Jungen anfälliger für psychische Probleme, in der Pubertät
kippe dies aber zulasten der Mädchen. Kinder aus Familien
mit niedrigem Sozioökonomischem Status (SES) waren um
das 3,4 bis 3,7-fache häufiger betroffen. In diesen Familien
waren häufiger „emotionale Probleme“ zu finden, während
bei Familien mit höherem Status über häufiger „Verhaltensauffälligkeiten“ berichtet wurden. Von der Risikogruppe,
die immerhin ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen in
Deutschland ausmacht, seien nur wenige der auffällig klassifizierten Kinder und Jugendlichen aktuell oder im letzten Jahr
in Behandlung bei einem Facharzt, Psychotherapeuten oder
in Kontakt mit der Jugendhilfe gewesen.
Von Psychotherapeuten und Fachärzten werden diese
Zustände immer wieder bemängelt. So auch jüngst erst von
den Kinder- und Jugendärzten. Auf ihrem diesjährigen Kinder- und Jugendärztetag machten sie „Seelische Gesundheit
bei Kindern und Jugendlichen“ zum Schwerpunktthema und
empfanden die Situation als höchst bedenklich. Ein Grund
hierfür wurde in der mangelnden Versorgung von psychisch
erkrankten Kindern und Jugendlichen gesehen. Und sie
machten deutlich, dass das Risiko von Chronifizierung und
psychischer Erkrankung im Erwachsenenalter bei dieser Risikogruppe besonders hoch sei. Die beste Prävention hierfür
sei eine adäquate Behandlung im Kindesalter.18Nordlichtaktuell9 | 2015PRAXIS & KVGruppenpsychotherapie –
beschließt ErweiterungDatenschutz
Vertragsärzte und -psychotherapeuten müssen
Unterlagen direkt an den MDK schickenIm Juli hat der Gemeinsame Bundesausschuss
(G-BA) eine geringfügige Änderung der Psychotherapie-Richtlinie beschlossen.Zukünftig sollen auch in der tiefenpsychologisch fundierten
und in der analytischen Psychotherapie regelhaft Einzel- und
Gruppentherapie kombinierbar sein. Diese Möglichkeit gab
es bislang nur für die Verhaltenstherapie. Durch die Richtlinienänderung können nun auch die psychoanalytisch
begründeten Verfahren jeweils als Einzelbehandlung, als
Gruppenbehandlung oder in Kombination durchgeführt werden. Der G-BA verspricht sich allein von dieser Flexibilisierung
eine Zunahme der durchgeführten Gruppenpsychotherapie.
Betroffene Psychotherapeuten sehen dies eher skeptisch.
Damit tatsächlich mehr Gruppenpsychotherapien angeboten
und durchgeführt werden, bedarf es einer durchgreifenden
Novellierung der Psychotherapie-Richtlinie mit deutlichen
Verbesserungen. Und genau diese Forderung haben die
Regierungsparteien in Berlin nicht ohne Grund in ihren Koalitionsvertrag mit aufgenommen. Was der G-BA jetzt abgeliefert hat, ist für die Praxis fast belanglos und dient dem Ziel,
Gruppenpsychotherapien zu fördern, sicherlich kaum.
Der Beschluss wird dem Bundesministerium für Gesundheit
(BMG) zunächst zur Prüfung vorgelegt und tritt nach erfolgter
Nichtbeanstandung und Bekanntmachung im Bundesanzeiger in Kraft. Eine Beanstandung seitens des Ministeriums ist
jedoch nicht zu erwarten.Wie bereits im Nordlicht 8 | 2015 berichtet, stellt die
Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationssicherheit klar, dass ärztliche und psychotherapeutische
Unterlagen direkt an den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) geschickt werden müssen. Eine Weiterleitung über die Krankenkassen verstößt gegen den Datenschutz.
Das sogenannte Umschlagsverfahren, bei dem Vertragsärzte
und -psychotherapeuten die Unterlagen über die Krankenkassen an den MDK weiterleiten, ist – bis auf weiteres – nicht
erlaubt. Hintergrund sind Verstöße der Krankenkassen gegen
den Datenschutz. Die Bundesbeauftragte weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass Unterlagen an den MDK – wie vom
Gesetz vorgeschrieben – auch „unmittelbar“ an diesen zu
übermitteln sind (Paragraf 276 Abs. 2 SGB V).
Bis auf weiteres nicht betroffen von der Stellungnahme der
Bundesbeauftragten ist das sogenannte Gutachterverfahren
nach der Psychotherapie-Richtlinie. Hier besteht deswegen
ein Unterschied, weil hier keine gesetzliche Regelung vorliegt, die eine unmittelbare Übersendung der Daten an den
Gutachter vorgibt. Insofern verbleibt es hier bei den bisherigen Regelungen, die besagen, dass der Psychotherapeut
seinen Bericht im verschlossenen und extra dafür vorgesehenen Umschlag an die Krankenkasse zur Weiterleitung an
den Gutachter übersendet.
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Kiel9 | 2015Nordlichtaktuell19PRAXIS & KV
N eues aus K ven und K B VHausarztvertrag für Barmer
GEK-Versicherte in BremenStiftungslehrstuhl wird
zum ordentlichen LehrstuhlBremen – Für eine optimierte medizinische Versorgung soll
ein neuer Hausarztvertrag sorgen, den die Barmer GEK und die
Kassenärztliche Vereinigung Bremen abgeschlossen haben.
Seit dem 1. Juli 2015 können sich Versicherte der Barmer GEK
aus Bremen und Bremerhaven bei ihrem Hausarzt einschreiben. Der Vertrag folgt bekannten Mustern: Die teilnehmenden
Ärzte erfüllen besondere qualitätsorientierte Versorgungsstandards und übernehmen für die teilnehmenden Versicherten die Steuerung der Behandlung. Sie koordinieren alle diagnostischen, therapeutischen und pflegerischen Maßnahmen.
Bei Bedarf vereinbart der Hausarzt einen schnellen Termin bei
einem Facharzt zur Mit- oder Weiterbehandlung. Für die Versicherten ist die Teilnahme an diesem Vertrag freiwillig und
kostenlos. Im Bundesland Bremen bieten neben der Barmer
GEK bereits die AOK Bremen/Bremerhaven, die hkk, die IKK
gesund plus sowie rund 60 Betriebskrankenkassen Hausarztverträge an, die über die KV Bremen abgewickelt werden.
110.000 Patienten sind eingeschrieben – eine der höchsten
prozentualen Beteiligungsquoten in Deutschland.München – Der vor sechs Jahren von der AOK Bayern und der
Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) ins Leben gerufene Stiftungslehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Technischen Universität München hat sich als feste Einrichtung in
der Aus- und Weiterbildung der Hausärzte und in der Versorgungsforschung etabliert. Zum 1. Juli 2015 wurde dieser deshalb in einen ordentlichen Lehrstuhl umgewandelt. Die Initiatoren des Lehrstuhls, AOK Bayern und KVB, begrüßen dies
als wichtiges Signal für den Erhalt und die Stärkung der hausärztlichen Versorgung in Bayern und sehen sich damit in ihrer
damaligen Entscheidung bestätigt, ein solches Vorhaben zu
planen und zu finanzieren. AOK Bayern und KVB finanzierten
den Stiftungslehrstuhl jeweils mit über 930.000 Euro.„Ärztlich willkommen“
Ulrich Thamer verstorben
Dortmund – Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe
(KVWL) trauert um ihren ehemaligen Vorstandsvorsitzenden
Ulrich Thamer. Der engagierte Berufspolitiker und Facharzt
für Neurologie und Psychiatrie, Psychosomatische Medizin
und Psychotherapie aus Herten erlag am 31. Juli im Alter
von 70 Jahren einer langen schweren Krankheit. Der zweifache Familienvater war von 1989 bis 2010 berufspolitisch
aktiv, zunächst als Mitglied der KVWL-Vertreterversammlung,
seit 1993 als ehrenamtliches Mitglied des Vorstandes und ab
Januar 2001 als erster hauptamtlicher Vorstandsvorsitzender
der Körperschaft. Über die regionalen Grenzen hinaus vertrat
der Hertener Facharzt die Interessen der westfälisch-lippischen
Ärzteschaft als KVWL-Delegierter in der Vertreterversammlung
der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sowie als Mitglied im
Gemeinsamen Bundesausschuss und im Bundesschiedsamt.
Ulrich Thamer war außerdem im Vorstand des Zentralinstituts
für die Kassenärztliche Versorgung engagiert.20NordlichtHannover – 26 Kommunen aus den Landkreisen Diepholz,
Nienburg und Verden, die regionalen Wirtschaftsförderungen
und die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen verkündeten den offiziellen Startschuss ihrer gemeinsamen Initiative
zur Gewinnung von Hausärzten für die Mitte Niedersachsens.
Ab sofort starten die Maßnahmen der eigens entwickelten
Kampagne „Ärztlich willkommen“ in den teilnehmenden
Kommunen und an den Universitäten Niedersachsens. Innerhalb von zwei Jahren hatte die Arbeitsgruppe zusammen
einen Lösungsansatz entwickelt, um die zukünftige ärztliche
Versorgung im ländlichen Raum proaktiv und vor allem rechtzeitig und flächendeckend zu sichern. Hierzu sind Maßnahmen
entwickelt worden, die ab diesem Sommer in der Region
für mehr Zusammenhalt und Sensibilität für das Thema sorgen. Mit Live-Aktionen an den medizinischen Fakultäten in
Oldenburg, Göttingen und Hannover, sollen so den zukünftigen
Ärzten die Vorteile einer Niederlassung in der Mitte dieses
Bundeslandes näher gebracht werden. Die Kampagne ist für
drei Jahre ausgelegt. Unter www.aerztlich-willkommen.de
finden Interessenten Informationen zur Region sowie zu
gezielten Förderungsmöglichkeiten durch die Kommunen und
die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsens. Interessierte
Studierende und Ärzte mit abgeschlossener Weiterbildung finden auf der Seite außerdem konkrete Ansprechpartner: Einen
Regionslotsen, der als erster Ansprechpartner der Initiative die
Interessierten navigiert sowie Ortslotsen, die vor Ort in ihrer
Kommune beraten.aktuell9 | 2015die menschen im landNeu niedergelassen in
angestellt, ob in der Stadt oder auf dem Land: Sie alle nutzen die vielfältigen Möglichkeiten, um als niedergelassener Arzt zu arbeiten. Wer sind diese Ärzte und Psychotherapeuten? Welche Motivation bringen sie mit? Welches Berufsverständnis haben sie?Name: Burkhard Rudolph
Geburtsdatum: 15.09.1966
Fachrichtung: Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie
Sitz der Praxis: Eutin
Neu niedergelassen seit 1. April 20151.	Warum haben Sie sich für die Niederlassung entschieden?
Mein berufliches Ziel ist seit der Studienzeit die Niederlassung und das selbstständige und eigenverantwortliche Arbeiten.
Der soziale Aspekt, Menschen zu helfen, ist sehr schön, aber auch die Zusammenarbeit mit Kollegen und die Freude an der apparativen Medizin sind wichtig.
René Goscinny, ob er mir eine Geschichte erzählen kann. Edward Snowden, ob er weitere Geheimnisse kennt.
Boule (Petanque: französisches Kugelspiel) spielen und mit dem Hund spazieren gehen.
„Der kleine Prinz“ von Saint-Exupéry
ausgewandert.9 | 2015Nordlichtaktuell21die menschen im land
V or O rtMittelschicht
Fünf Jahre nach dem Start seiner mittlerweile bundesweit anerkannten Initiative veröffentlichte Dr. Uwe Denker das Buch „ Praxis ohne Grenzen – Medizin in einem reichen
Land“. Der Allgemeinmediziner aus Bad Segeberg beschreibt darin den Praxisalltag in
der Hilfseinrichtung und stellt eine zunehmende soziale Schieflage fest, die in der Mitte
der Gesellschaft angekommen ist.Welche Menschen kommen eigentlich in eine Hilfseinrichtung
wie die „Praxis ohne Grenzen“? Diese Frage konnte auch Dr. Uwe
Denker noch nicht beantworten, als er Anfang 2010 die erste
„Praxis ohne Grenzen“ in Bad Segeberg gründete. Eine Einrichtung, die sich von Anfang an nur aus Spendengeldern finanzierte.
Mittlerweile unterstützen 74 Mediziner und Therapeuten aller
Fachrichtungen das Projekt und behandeln kostenlos ambulant
Patienten. Fünf bis zehn Patienten kommen im Schnitt in die
Sprechstunde, die immer mittwochs von 15 bis 17 Uhr in der
Kirchstraße stattfindet. Über 500 Patienten werden inzwischen
in der Praxiskartei geführt. Dazu kommen viele Menschen, die
Denker zu Hause anrufen und am Telefon um Rat fragen. Beim
Projektstart vermuteten viele, dass vor allem Langzeitarbeitslose,
Alkoholiker, Obdachlose oder Flüchtlinge erscheinen würden, um
sich bei Denker und seinen Helfern behandeln zu lassen. Es kam
anders, wie Denkers Auswertungen zeigen, denn den Löwenanteil der Patienten machten von Anfang an Handwerker, Taxifahrer, Bauzeichner, Bauunternehmer, Gastronomen, Kaufleute, Ver22Nordlichtsicherungsvertreter und Angehörige anderer finanziell eigentlich
eher gut gestellten Berufsgruppen aus. Das ist eine der vielen
überraschenden Erkenntnisse aus dem Arbeitsalltag, den der
vielfach ausgezeichnete Allgemeinmediziner in seinem gerade
erschienenen Buch „Praxis ohne Grenzen – Medizin in einem reichen Land“ schildert. „Über die Hälfte unserer Patienten sind ehemalige Mittelständler“, berichtet Denker. „Diese Menschen kommen fast nie aus der Region Segeberg. Viele haben sogar eine
gute soziale Position in ihrer Heimatgemeinde. Nun schämen Sie
sich für ihre Notlage und wollen aus Angst vor Gesichtsverlust
nicht erkannt werden.“
Probleme mit der Versicherungspflicht
In der Veröffentlichung betreibt Denker Ursachenforschung. Er
sieht als Hauptgrund für die soziale Unwucht, die immer mehr
gerade die Mitte der Gesellschaft trifft, die seit 2009 in Deutschland geltende Versicherungspflicht. „Jeder Bundesbürger muss
versichert sein. Doch die Realität, die sich ungeschminkt in
aktuell9 | 2015die menschen im landEingang zur „Praxis ohne Grenzen“ in Bad Segeberg, Kirchstraße 2unserer Patientenklientel widerspiegelt, sieht anders aus“, so
Denker. Die betroffenen Patienten stammen aus zwei Gruppen,
berichtet er. Zum einen kämen Menschen, die auch früher schon
nicht versichert waren und mehr oder weniger freiwillig darauf
verzichten, sich bei einer Krankenkasse anzumelden. Eine zweite,
stetig wachsende Gruppe bestehe aber aus Menschen, die die
Beiträge zu ihrer Krankenversicherung nicht mehr zahlen können.
In der Regel fallen mehrere hundert Euro Beitrag pro Monat an.
Kann der Versicherte nicht mehr zahlen, wird er zum Schuldner
seiner Versicherung. Folge: Er wird von ihr heruntergestuft und
die Krankenversicherung muss nur noch die Behandlung von akuten Krankheiten und Schmerzen zahlen. Andere Leistungen entfallen ersatzlos. Die Versicherungspflicht habe die Situation vieler
Selbstständiger, die früher gut verdient haben, im Endeffekt also
eher verschlechtert, prangert Denker in seinem Buch an. „Dieser
Personenkreis, zu dem oft auch die Ehepartner und die Kinder
der Betroffenen gehören, hat von einem Tag auf den anderen
keinen Versicherungsschutz mehr. Die finanzielle Notlage weitet sich dann immer mehr aus, denn diese Menschen können ja
nicht mehr so ohne weiteres aus der Krankenversicherung austreten. Die Beitragsforderungen der Versicherungen türmen sich
immer mehr auf, zumal auch bis zu fünf Prozent Zinsen im Monat
und eine Meldung bei der SCHUFA dazu kommen“, erläutert der
Fälle und Forderungen
Denker, der bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2005 eine eigene
Praxis in Bad Segeberg geführt hat, liefert in seinem Buch eine
Reihe von bedrückenden Fallbeispielen. Neben den 14 menschlichen Schicksalen, die er beschreibt, kämpft er mit seiner Veröffentlichung immer auch ein Stück gegen die vorherrschende
öffentliche Meinung an. In einem von sozialer Absicherung
geprägten Gemeinwesen wie Deutschland dürfte es doch eigentlich niemanden ohne Krankenversicherung geben. „Zu uns kommt
aber der Scheinselbstständige, der seine Beiträge nicht mehr
bezahlen kann, weil er seinen einzigen Auftraggeber verloren hat.
Zu uns kommt auch der Unternehmer, dem ein Auftrag wegplatzt,
obwohl er schon in Material und Personal investiert hat“, so Denker. „Wir geben Katastrophenalarm, weil mit dem Mittelstand
die tragende Säule unserer Gesellschaft zu uns kommt. Da muss
strukturell etwas passieren.“ Als Antwort auf diesen Missstand hat
9 | 2015Nordlichter zehn Forderungen erarbeitet, die im Klappentext des Buches zu
finden sind. Er fordert unter anderem eine Grundversicherung für
alle mit einkommensabhängigen Beiträgen und der Möglichkeit
der privaten Zusatzversicherung, die Senkung der Mehrwertsteuer
auf verschreibungspflichtige Medikamente, die zurzeit in Deutschland 19 Prozent beträgt und einen Krankenhauszugang zum Notfalltarif für nicht versicherte Kranke.
Weiterhin Bedarf für „Praxis ohne Grenzen“
Denker sieht auch in Zukunft großen Bedarf für die „Praxis ohne
Grenzen“. „Schätzungen gehen von etwa 800.000 Menschen in
Deutschland aus, die ganz ohne oder ohne ausreichenden Krankenversicherungsschutz sind“, so Denker. Dazu kämen in letzter
Zeit immer mehr EU-Bürger in die Praxis, die keinen Versicherungsschutz haben, aber akut erkrankt sind. „Außerdem erscheinen immer häufiger Patienten aus der ganzen Welt bei uns, die
dringend behandelt werden müssen. Das muss man sich mal vorstellen. Wir hatten im kleinen Bad Segeberg sogar schon Patienten
aus der Mongolei“, erklärt der Allgemeinmediziner. Den meisten
kann sofort geholfen werden. Wirklich schwierig werde es aber
erst dann, wenn die Behandlung richtig teuer werde, etwa bei
chronischen Erkrankungen oder wenn ein Krankenhausaufenthalt
nötig ist. Dann helfen oft nur noch Bittbriefe oder Spendengelder.
Denkers Initiative ist bundesweit inzwischen mehrfach ausgezeichnet und nachgeahmt worden. In Schleswig-Holstein gibt es
„Praxen ohne Grenzen“ außer in der „Keimzelle“ Bad Segeberg
noch in Flensburg, Husum, Rendsburg, Preetz, Pinneberg, Neustadt und Stockelsdorf. Dazu kommt eine in Solingen und zwei
täglich geöffnete Praxisambulanzen in Hamburg und in Mainz.
Jakob Wilder, KVSHSpendenkonto:
Praxis ohne Grenzen – Region Bad Segeberg e. V.
Spendenkonto bei der Volksbank Raiffeisenbank eG
Konto: 56 800 000
BLZ: 212 900 16
IBAN: DE61 2129 0016 0056 8000 00
www.praxisohnegrenzen.deaktuell23die menschen im land
G losseSkurriles aus der
arschen. Seine Patien
n aber
z geschlossen, was ih
isse in seiner Arztbn
nicht davon ab
lten. Im Nordlicht
praxis für di
Augenzwinkern das,
alles passieren kann
einem als niederSpaß mit den
Pippi Langstrumpf kam auch ohne
Rechnen durchs LebenSie kennen sicher den Song von Astrid Lindgrens rothaariger
Göre: „Zwei mal drei macht vier, widde-widde-witt und drei
macht neune. Ich mach‘ mir die Welt, widde-widde wie sie
mir gefällt ...“. Wie ich dieser Tage erkennen musste, kommt
man nicht nur in Schweden, sondern auch in Dithmarschen
ohne Kenntnis der Grundrechenarten durchaus kommod durchs
Ein männliches Exemplar der Gattung Homo sapiens dithmarsicus hat einen Termin zur Sonografie des Abdomens bei mir
gebucht. Diese Untersuchung dient zur weiteren Abklärung
chronischer Bauchbeschwerden, nachdem Anamnese, klinische
Untersuchung sowie Labormedizin einschließlich Urinstatus
keine Erleuchtung gebracht haben.
Im heimeligen Schummerlicht des Untersuchungsraumes stelle
ich Organ für Organ eine unauffällige Lage, Form, Größe und
Atemverschieblichkeit fest und bin in meiner Examination mittlerweile an der Harnblase angelangt. Obwohl selbiges Organ
nicht unbedingt prall gefüllt ist, scheint dem Manne die Bildgebung der Vesica urinaria unangenehm zu werden; er wird
unruhig und fragt dann mit fester Stimme, was – bitte-schön!
– ich denn „da unten“ suchen würde. Ich antworte, dass mein24NordlichtBegehr ein zweidimensionales Bild seiner Harnblase sei … und
kann dann doch nicht umhin, dem Schalk im Nacken nachzugeben: „Außerdem zähle ich gerade ihre Hoden … eins, zwei,
drei … ja, da sind vier Stück!“. Ich strahle den Mann auffordernd
an, ein vortrefflicher Spaß am Morgen vertreibt Praxis-Kummer
und Patienten-Sorgen. Doch der Mann blickt unsicher zurück
und wünscht zu wissen, ob das vielleicht ein Witz gewesen sei.
Natürlich! … befleißige ich mich zu versichern, die Hoden könne
man aus dieser Perspektive – und noch dazu in dieser Anzahl! –
nur in sehr ungünstigen Situationen detektieren.
Um das volle Vertrauen meines Patienten zurückzuerobern,
erzähle ich den asbach-uralten Scherz vom Manne, der festgestellt habe, dass drei Testes sein eigen sind. Er sucht den Arzt
auf und verbirgt sein Anliegen in einer Rechenaufgabe: „Herr
Doktor, wenn wir ihre und meine Hoden zusammenzählen,
kommen wir auf fünf“. Daraufhin fragt in diesem Ulk der Arzt
verblüfft nach: „Wie, sie haben nur einen?“ Für diesen Spaß
erhält man bekanntlich im benachbarten Bundesland Hamburg
schon Rentenzahlung, aber normalerweise ruft die Erzählung
beim Gegenüber zumindest das pflichtbewusste „Hahaha“ hervor. Nicht so bei meinem Patienten, der stumm bleibt. Hm …
habe ich mich nun vollends unbeliebt gemacht? Ich frage den
Menschen nach dem Grund des Ausbleibens jeglicher Heiterkeit, ob er den Witz schon gekannt habe? „Nööö“, bekomme
ich zur Antwort, die Erzählung sei ihm zu schnell gegangen, so
fix könne er nicht rechnen.
Nachdem ich dergestalt erheitert den Menschen mit der beruhigenden Mitteilung komplett unauffälliger sonomorphologischer
Befunde entlassen und den nächsten Untersuchungsschritt, die
Planung von Allergie- und Zucker-Intoleranztests, terminiert
habe, trage ich die Ultraschall-Ergebnisse in meine Praxissoftware ein. Während die Tastatur mit festem Anschlag malträtiertaktuell9 | 2015die menschen im landwird, kichere ich leise vor mich hin. Dies lockt eine meiner
fleißigen Mitarbeiterinnen aus dem Flur an, die – von einer
Praktikantin gefolgt – zu wissen verlangt, was mich so amüsiere. Ich erzähle die oben geschilderten Begebenheiten und
derweil sich meine Angestellte köstlich erheitert, fragt die
Praktikantin nach, ob ich die Rechnung nochmal langsam wiederholen könne, denn: „Zwei plus drei macht … äähhh … fünf
… minus vier … ergibt … äh … das ist doch zwei, oder? Die
Antwort ist doch zwei, oder Herr Doktor?“ Nun ist es an mir,
zu verstummen. Als verständnisvoller Ausbilder biete ich aber
selbstverständlich an, in der Mittagspause diese Geschichte
nochmals eingehend zu beleuchten unter besonderer Berücksichtigung der drei … oder waren das vier? … Grundrechenarten.9 | 2015Nordlichtaktuell25SERVICE
T eam B eratungWelche Arzneimittel sind grundsätzlich verordnungsfähig?
Heil- und Hilfsmitteln.Sicher durch den VerordnungsdschungelSo verordnen
Sie wirtschaftlich
Das Wirtschaftlichkeitsgebot – notwendig, zweckmäßig und ausreichend – ist den verordnenden Ärzten schon in Fleisch und Blut
übergegangen. Nichtsdestotrotz sollten Sie sich eine Stelle der
Arzneimittelrichtlinie (AMR) in Erinnerung rufen. Es handelt sich
hier um den Paragrafen16 Absatz 2 Satz 5 AMR. Dort ist festgelegt,
dass die Verordnung von fixen Wirkstoffkombinationen unwirtschaftlich ist, wenn an deren Stelle das angestrebte Behandlungsziel mit therapeutisch gleichwertigen Monopräparaten medizinisch zweckmäßiger und/oder kostengünstiger zu erreichen ist.
Die KVSH hatte aus diesem Grund bereits im Newsletter vom
29. Juli 2015 auf das Kombipräparat Sincronium® mit den Wirkstoffen Atorvastatin, ASS und Ramipril hingewiesen. Die Polypille
Sincronium® kostet im Monat circa 30 Euro, während die Verordnung gleichwertiger Generika als Einzelkomponenten circa
9,50 Euro im Monat kostet. Ähnliches gilt auch für die Standardkombinationen wie Amlodipin mit Valsartan und gegebenenfallsHCT und vergleichbare Kombinationen. Darüber hinaus ist es fraglich, ob nicht frei gewählte Wirkstoffmengen zielführender sein
Ebenfalls neu bzw. wieder auf dem Markt ist Metoclopramid
(MCP) in Tropfenform. Diese werden gerade in den Praxen beworben. Sie sind zwar zulasten der Krankenkassen verordnungsfähig aber unwirtschaftlich. 100 Milliliter MCP-Lösung kosten circa
16,45 Euro. 100 MCP-Tabletten mit zehn Milligramm Wirkstoff
kosten circa 15,55 Euro. Das klingt zunächst nicht dramatisch.
Die Tageshöchstdosis beträgt jedoch 30 Milliliter, sodass man
mit 100 Millilitern gerade einmal drei Tage auskommt, während
die Tablettenform bei einer Gabe von 30 Milligramm pro Tag für
30 Tage reicht.
Thomas Frohberg, kvshIhre Ansprechpartner im Bereich Arzneimittel,
2604551 883 362
aktuell9 | 2015ServiceSie fragen – wir antworten
In welchem Zeitraum kann der eAbrechnungsCheck durchgeführt werden?
Der eAbrechnungs-Check steht ab dem 20. des letzten Monats
des Quartals bis zum Fristende der Abrechnungsabgabe also
dem 15. des ersten Monats des neuen Quartals im OnlinePortal der KVSH zur Verfügung.Sind Asylbewerber bei Arznei-/Heil- und
Hilfsmitteln zuzahlungspflichtig?
Nein, Asylbewerber sind von Zuzahlungen befreit.Ist die Verwendung des Musters 7 (Überweisung vor Aufnahme einer Psychotherapie zur
Abklärung somatischer Ursachen) noch notwendig?
Sofern ein Konsiliarbericht angefordert wird, ist das Muster 7
verbindlich zu verwenden.Ist es richtig, dass die probatorischen
Sitzungen nach der GOP 35150 nur bis zum
Antragsdatum der Psychotherapie erbracht
und abgerechnet werden dürfen?
Ja, die probatorischen Sitzungen dienen ausschließlich dem
Zweck festzustellen, ob ein Antrag auf Psychotherapie gestellt
werden soll. Somit darf die GOP 35150 nur vor Antragsstellung
abgerechnet werden.Wir erhalten eine Überweisung zur postoperativen Behandlung vom Operateur. Müssen wir
die Überweisung als Schein anlegen, wenn
der Patient vorher im Quartal schon bei uns
behandelt wurde?
Nein, bei einem Patienten für den schon ein Schein in der
Abrechnung angelegt wurde, muss in diesem Fall kein zweiter
Schein angelegt werden. Der Überweisungsschein wird vier
Quartale in der Praxis aufbewahrt.Das Service-Team erreichen Sie unter
9 | 2015Nordlichtaktuell27SERVICE
kOMMENTARVorsorge
Es sind bewegende Bilder, die wir tagtäglich von Menschen auf
der Flucht zu sehen bekommen. Man kann ihre Schicksale nur
ahnen und wünschen, dass sich ihre Hoffnungen auf ein Leben
in Sicherheit und Wohlergehen erfüllen. Ihre Not fordert uns in
nicht geahnter Weise. Einerseits gilt es, der Humanitas Bahn zu
brechen, gerade gegen Widerstände. Andererseits müssen wir
mit klarem Blick sehen, was machbar ist. Schon jetzt zeichnen
sich die Grenzen der Belastbarkeit ab. Sie zu negieren hieße,
die Hoffnungen der Flüchtlinge ebenso zu enttäuschen wie
unsere eigenen Erwartungen an unsere Hilfsmöglichkeiten. Was
dabei auf dem Spiel steht, macht die Entscheidung der Bundeskanzlerin und des französischen Staatschefs deutlich, die „das
Flüchtlingsproblem“ gemeinsam zur Chefsache erklärt haben.rio, dem eine Krise zugrunde liegt? Wie werden Helfer und Pflegekräfte auf die absehbaren Belastungen vorbereitet? Wie geht
man mit religiösen oder anderen Vorbehalten gegen medizinisch notwendige Therapien um? Wie kann man insbesondere
in ländlichen Regionen eine Versorgung sicherstellen, wenn es
schon jetzt vielfach kneift?Besonders gefordert sind Länder, Kreise und Gemeinden. Hier
wird sich erweisen müssen, ob die vielbeschworene Willkommenskultur den Belastungen eines nicht erlebten Zustroms an
Flüchtlingen standhalten kann. Noch erscheint alles handhabbar. Auch wenn es beim Auf- und Ausbau von Unterkünften hier
und da stockt, muss niemand auf der Straße schlafen. Und auch
die medizinische Erstversorgung funktioniert. Die beabsichtigte
Ausstattung der Flüchtlinge mit Gesundheitskarten ist ein richtiger Schritt. Und viele Ärzte sind Vorbilder für ihren Einsatz in
und außerhalb von Praxen und Kliniken. Über einige Beispiele
wird in diesem Heft berichtet.Das Sonntagsfahrverbot für schwere LKW aufzuheben, um den
Aufbau von Unterkünften nicht zu erschweren, ist ein richtiger,
wenn auch sehr kleiner Schritt, den im Übrigen der Wirtschaftsminister veranlasst hat. Wo bleibt die Initiative der Sozialministerin, um noch rechtzeitig gemeinsam mit Kreisen und
Kommunen, Krankenkassen und Krankenhäusern, Ärztekammer und KV, dem DRK und anderen Hilfsorganisationen eine
Planung aufzustellen, damit der Notfall nicht eintritt oder falls
doch, alle notwendigen Maßnahmen im Vorwege geklärt sind?Damit sind die Probleme aber nicht vom Tisch. Denn was derzeit noch mit Hilfe in Einzelfällen getan ist, muss künftig flächendeckend angeboten werden. Und dabei ist es fast unerheblich, ob die Zahl der Flüchtlinge die prognostizierten Werte
erreicht. In jedem Fall werden es so viele sein, dass das System
der medizinischen Versorgung an den Rand des Kollapses gerät.
Ohne planerische Vorsorge wird es also nicht gehen. Das fängt
bei der Erfassung freier Behandlungskapazitäten in Praxen und
Krankenhäusern an und hört bei der Frage von Bezahlung und
Abrechnung nicht auf. Es geht aber auch darum, worauf deutsche Patienten zeitweilig verzichten können. Und dabei wird es
sicher nicht um die Termingarantie beim Facharzt gehen.
Was passiert zum Beispiel, wenn eine ganz „normale“
Grippeepidemie unser Land heimsucht – von anderen, schwereren Krankheiten nicht zu reden? Letztmals war der Vorrat an
Impfstoff verbraucht, bevor die Grippewelle anschwoll. Was
plant die Industrie jetzt? Gibt es überhaupt ein Planungsszena-28Nordlicht„Noch ist Zeit zur Vorsorge,
aber die Zeit drängt.“Der im Mai verkündete Flüchtlingspakt der Landesregierung mit
Verbänden, Kammern, Wohnungsunternehmen und zahlreichen
hilfsbereiten Organisationen ist gut und richtig. Er ist aber nicht
das Instrument, um die medizinischen und sozialen Herausforderungen des bevorstehenden Winterhalbjahres zu meistern.
Dafür müssen andere Experten an den Tisch. Das Kieler Innenministerium zeigt, wie es geht. Dort tagt inzwischen regelmäßig eine Runde hochrangiger Fachleute des Landes und der
Kommunen sowie der Sicherheits- und Hilfsorganisationen, die
sich unter anderem mit den Themen Erstaufnahme, Unterbringung, der öffentlichen Sicherheit sowie rechtlichen und finanziellen Fragen beschäftigt. Wann gibt es eine entsprechende
Runde im Kieler Sozialministerium?
Noch ist Zeit zur Vorsorge, aber die Zeit drängt. Krisenmanagement ist angesagt – und das sollte auch in Schleswig-Holstein
Chefsache sein.
Peter Weiher, Journalistaktuell9 | 2015Service
was , wann , wo ?SeminareNicht zu allen Seminaren
wird persönlich eingeladen.fÜR Ärzte und
QM-Mitarbeiterthema: QEP®-Einführungsseminarthema: Qualitätsmanagement –	die G-BA Richtlinie erfüllendatum:	9. Oktober 2015, 15.00 bis 21.00 Uhr
10. Oktober 2015, 9.00 bis 17.00 Uhrdatum: 11. November 2015, 14.00 bis 18.00 UhrMit QEP® stellt die Kassenärztliche Bundesvereinigung ein für Praxen spezifisches Qualitätsmanagementverfahren zur Verfügung. QEP® – „Qualität
•	die Möglichkeit zur Fremdbewertung/ZertifizierungWie sind die Anforderungen aus der Richtlinie „Qualitätsmanagement in
kann ein QM-System die Umsetzung erleichtern?Inhalte des Seminars:
•	Arbeitstechniken und Werkzeuge; erste Schritte für den Aufbau eines
QM-Systems in der eigenen PraxisIn dem Seminar werden unter anderem die folgenden Inhalte behandelt:
•	Welche Anforderungen bestehen bei Themen, wie Arbeitsschutz,
einsetzen können. Sie erfahren außerdem, wie Ihre KV Sie bei der Umsetzung von QM unterstützt.ORT: Sitzungszentrum der KVSH, Bismarckallee 1 – 6, 23795 Bad SegebergOrt: Sitzungszentrum der KVSH, Bismarckallee 1 – 6, 23795 Bad SegebergTeilnahmegebühr: 200 Euro, inkl. Kursmaterial
(QEP®-Qualitätszielkatalog/QEP®-Manual) und VerpflegungTeilnahmegebühr:	50 Euro
Fortbildungspunkte:.5Fortbildungspunkte: 18
Abmeldungen können schriftlich bis zehn Tage vor der Veranstaltung und
im Krankheitsfall kostenlos erfolgen. Bei Absage bis drei Tage vor Seminarbeginn wird eine Bearbeitungsgebühr von 50 Prozent der Teilnahmegebühr fällig. Die Benennung von Ersatzpersonen ist möglich. Spätere Absagen oder Nichterscheinen erfordern die volle Seminargebühr.kontakt + anmeldung
Bismarckallee 1 – 6, 23795 Bad SegebergBismarckallee 1 – 6, 23795 Bad Segeberg	Angelika Ströbel	Regina Steffen
9 | 2015TEILNAHMEBEDINGUNGEN: Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, werden die
Sie keine Absage, so gilt die Teilnahme als bestätigt.	Angelika Ströbel	Regina Steffen
Nordlichtaktuell29SERVICEfÜR Ärzte und
thema: Moderatorengrundausbildungfür Qualitätszirkel
datum: 27. November 2015, 15.00 bis 21.00 Uhr
28. November 2015, 9.00 bis 17.00 Uhr
•	mit schwierigen Situationen in Gruppenprozessen umgehen.
Teilnahmegebühr:	200 Euro inklusive Tagungspauschale
Bismarckallee 1 – 6, 23795 Bad Segeberg	Paul Brandenburg	Regina Steffen
E-Mail	paul.brandenburg@kvsh.de	regina.steffen@kvsh.de
30Nordlichtaktuell9 | 2015ServiceVeranstaltungen
für KVSH-Termine Gewähr.23. September 2015, 15.00 Uhr bis 18.00 UhrNotfallmanagement in der Arztpraxis7. Oktober 2015, 14.00 bis 17.00 UhrOffene Sprechstunde
E-Mail: bettina.fanselow@kvsh.deOrt:	media docks, Willy-Brandt-Allee 31a, 23554 Lübeck
Info:	Anmeldung: Ärztegenossenschaft Nord eG, Bahnhofstr. 1–3,
23795 Bad Segeberg, Tel. 04551 9999 0
www.aegnord.de25. bis 26. September 2015,
Fr. 9.00 bis 18.30 Uhr, Sa. 9.00 bis 12.30 uhrTransplantationsnephrologie
Ort:	Hörsaal der Klinik für Dermatologie, Haus 19, Arnold-Heller-Str. 3,
Info:	Organisation: A. Blunk, B. Ueberle, Tel. 0431 597 1338,
Fax 0431 597 1337, Anmeldung online über:
www.nephrologie-uni-kiel.de	Karin Ruskowski, Zulassung/Praxisberatung
E-Mail: karin.ruskowski@kvsh.de26. September 2015, 9.00 bis 16.00 Uhr	www.kvsh.dePEER REVIEW VERFAHREN in der AllgemeinmedizinKVSH-Kreisstellen
16. September 2015, 18.00 bis 20.00 UhrZufallsbefunde – wie geht‘s weiter?
Ort:	Alte Post, Flensburg
Info:	Medizinische Klinik I, Klinik für Chirurgie, Medizinische Klinik II
Tel. 0461 812 2103, www.diako.de oder Tel. 0461 816 2511,
www.malteser-franziskus.de, Anmeldung unter Tel. 04551 88130
www.aeksh.deOrt:	Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung,
Info:	Vermittelt werden Inhalte und Ausführungsdetails des Peer Review
Verfahrens sowie Kompetenzen in der Rolle als Peer. Teilnahmegebühr: 150 Euro. Anmedlung schriftlich unter Angabe der
Kontaktdaten (vollständiger Name, Adresse, Telefon) per E-Mail
oder Fax (formlos). Akademie für med. Fort- und Weiterbildung,
Birte Wachholz, Tel. 04551 8813 145, Fax 04551 8813 194
E-Mail:	akademie@aeksh.de
www.aeksh.de30. September 2015, 19.30 UhrBalintgruppe EckernfördeSchleswig-Holstein
12. September 2015, 9.00 Uhr bis 19.30 Uhr3. Schleswig-Holsteiner Psychotherapeutentag der DPtV
Ort:	Wissenschaftszentrum Kiel, Fraunhoferstraße 13, 24118 Kiel
Info:	Workshops zu verschiedenen Themen: Die Wege zum Vertragspsychotherapeuten, Abrechnung psychotherapeutischer
Leistungen, Interkulturelle Aspekte in der psychotherapeutischen
Praxis, Geschlechtsidentitätsstörungen und vieles mehr.
www.dptv-sh.de23. September 2015, 13.30 bis 15.00 UhrZeichen und Symbole von Subkulturen
Ort:	AHG Klinik Lübeck, Weidenweg 9-15, 23562 Lübeck,
Vortragsraum Haus 2
Info:	Sibille Wolfgram, Kunsttherapeutin, AHG Klinik Lübeck,
Tel. 0451 5894 0, Fax 0451 5894 331, die Teilnahme ist
kostenlos und eine Anmeldung ist nicht erforderlich
E-Mail:	luebeck@ahg.de
www.ahg.de/luebeckOrt:	Langebrückstraße 20, 24340 Eckernförde
Info:	Dr. Gaissmaier – Tel. 04351 76 77 38
E-Mail:	dr.m.f.x.gaissmaier@t-online.de15.Oktober 2015, 16.45 bis 20.00 UhrReanimationsguidelines 2015
Fortbildung für Ärzte und Rettungsdienstpersonal
Ort:	UKSH, Campus Kiel, Hörsaal der Chirurgie
Info:	Am 15. Oktober 2015 erscheinen weltweit die neuen Reanimationsempfehlungen (ILCOR). Gemeinsam mit dem Deutschen Rat
für Wiederbelebung (GRC) werden am UKSH Standort Kiel eine der
deutschlandweit zeitgleich stattfindenden Präsentationen organisiert,
die in vier Beiträgen die Highlights der neuen WiederbelebungsEmpfehlungen vorstellt. Zur Veranstaltungsplanung ist eine namentliche Anmeldung zwingend bis zum 8. Oktober 2015 per E-Mail
www.uksh.de15. Oktober 2015, 20.00 UhrUmwelttoxikologie – was ein Arzt wissen sollte
Info:	Referent: Prof. Dr. K. Maser, Kiel, Fortbildungspunkte werden
www.aev-rd.de9 | 2015Nordlichtaktuell31Service
Lisa-Marie Lüthje����������������������������������������������������������������������������� 453
32NordlichtDelegations-Vereinbarung
Leif Esser������������������������������������������������������������������������������������������ 307
Kristina Kramar�������������������������������������������������������������������������������� 561
Paul Brandenburg���������������������������������������������������������������������������� 637
aktuell9 | 2015Service
Melanie Lübker�������������������������������������������������������������������������������� 427
Stephanie Purrucker������������������������������������������������������������������������ 4599 | 2015NordlichtPhotodynamische Therapie am Augenhintergrund
Sabrina Wienke�������������������������������������������������������������������������������� 527
Fax��������������������������������������������������������������������������������������������������� 488aktuell33Service
kontaktTelematik-Hotline��������������������������������������������������������������������������������� 888
Klaus-Henning Sterzik�������������������������������������������������������������� 230/251Prüfungsstelle
Dagmar Hergert-Lüder (Leiterin)����������������������������������������������������� 898901034NordlichtImpressumNordlicht aktuell
Form eines Wortes genutzt wird („der Arzt“), ist hiermit selbstverständlich auch die weibliche Form gemeint („die Ärztin“).aktuell9 | 2015Service
9 | 2015NordlichtKreis OstholsteinDr. Bettina Schultz, Frauenärztin
E-Mail������������������������������������������������������������� Kreisstelle.Stormarn@kvsh.deaktuell35Sicher, schnell und unkompliziertDie Online-Dienste der KVSHOnline-Abrechnung
e-DokumentationeneKVSHFormulareAbrechnungsCheckDiskussionsforum
SchnellinformationeneKVSH ist das Schlagwort für
die verschiedenen OnlineDienste der KVSH, die Sie im
Internet oder im KV-SafeNet*
eKVSH gewährleistet Ihnen
größtmögliche Sicherheit. Ihre
Daten sind bei der Datenübertragung zwischen Praxis und
KVSH bestens geschützt.SammelerklärungTerminkalender er SafeMail-Dienst bietet
Ihnen die Möglichkeit, Arztbriefe und Befunde schnell
und sicher zu kommunizieren
– direkt aus dem Praxisverwaltungssystem heraus. Weitere
safemail.ekvsh.de. it dem AbrechnungsCheck
können Sie ihre Abrechnungsdaten vorab durch die Regelwerke der KVSH prüfen lassen.
So werden honorarrelevante
Fehler schon vor Abgabe
der Abrechnungsunterlagen
vermieden.Telematik-Hotline: Telefon 04551 883 888 | E-Mail portal@kvsh.de | Fax 04551 883 7296
Fragen zur Praxis-EDV, Praxissystemberatung, eGK: Telefon 04551 883 286 | E-Mail edv-beratung@kvsh.de | Fax 04551 883 322
Alle anderen Fragen über die Service-Hotline: Telefon 04551 883 388 | E-Mail service@kvsh.dewww.ekvsh.de | www.ekvsh.safenet.de*Bitte beachten Sie, dass KV-SafeNet nicht mit der Firma SafeNet, Inc., USA, in firmenmäßiger oder vertraglicher Verbindung steht.Die Vorteile für Sie und Ihre PraxisAll pages:23456789101112131415161718192021222324252627282930313233343536InfoRead laterLikeShareDownloadMoreNordlicht 09 2015 web Published on Aug 28, 2015 neincobsonFollowRead moreRead moreSimilar toPopular nowJust for youGo explore