Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BStBl%20II%201983,%20324
Timestamp: 2019-07-16 07:33:07
Document Index: 294029689

Matched Legal Cases: ['Art. 97', '§ 9', '§ 10', '§ 173', '§ 55', '§ 101', '§ 173', '§ 173', '§ 370', '§ 378', '§ 169', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 152', '§ 169', '§ 173', '§ 173', '§ 278', '§ 150', '§ 173', '§ 173', '§ 72', '§ 173']

BFH, 03.02.1983 - IV R 153/80 - dejure.org
https://dejure.org/1983,76
BFH, 03.02.1983 - IV R 153/80 (https://dejure.org/1983,76)
BFH, Entscheidung vom 03.02.1983 - IV R 153/80 (https://dejure.org/1983,76)
BFH, Entscheidung vom 03. Februar 1983 - IV R 153/80 (https://dejure.org/1983,76)
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EGAO 1977 Art. 97 § 9, § 10; AO 1977 § 173 Abs. 1 Nr. 2; EStG § 55 Abs. 5; FGO § 101
Veräußerung eines Grundstücks - Landwirtschaftlicher Betrieb - Teilwert - Einkünfte aus Landwirtschaft - Grobes Verschulden des steuerlichen Beraters - Abänderung eines Steuerbescheids - Verpflichtungsklage
Bei Anwendung des § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO ist grobes Verschulden des steuerlichen Beraters dem Steuerpflichtigen zuzurechnen
BFHE 137, 547
Nach der Rechtsprechung hat der Steuerpflichtige auch ein Verschulden seines steuerlichen Beraters, dessen er sich zur Ausarbeitung der Steuererklärung bedient, bei der Anfertigung der Steuererklärung zu vertreten; dabei werden an einen solchen Berater erhöhte Sorgfaltsanforderungen hinsichtlich der von diesem zu erwartenden Kenntnis und sachgemäßen Anwendung der steuerrechtlichen Vorschriften gestellt (z.B. BFH-Urteile vom 3. Februar 1983 IV R 153/80, BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324; vom 28. Juni 1983 VIII R 37/81, BFHE 139, 8, BStBl II 1984, 2; vom 9. Mai 2012 I R 73/10, BFHE 238, 1, BStBl II 2013, 566; Klein/Rüsken, AO, 12. Aufl., § 173 Rz 126).
So hat der Senat im Urteil in BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324 ausgeführt, dass sich die Festsetzungsfrist dann verlängert, wenn die Person, deren sich die Steuerpflichtige zur Erfüllung seiner steuerlichen Pflichten bedient, dabei eine Steuerhinterziehung (§ 370 AO 1977) oder eine leichtfertige Steuerverkürzung (§ 378 Abs. 1 AO 1977) begeht (3.b cc der Gründe; so auch Tipke/Kruse, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, § 169 AO 1977 Tz. 18).
Der erkennende Senat hat wiederholt ausgeführt, dass eine leichtfertige Steuerverkürzung auch dann vorliegen kann, wenn der steuerliche Berater den Gewinn des Steuerpflichtigen zu niedrig ermittelt und diesen Gewinn in die von ihm vorbereitete, aber vom Steuerpflichtigen unterzeichnete Steuererklärung einsetzt (vgl. Senatsurteile vom 23. Oktober 1986 IV R 54/86, BFH/NV 1988, 409, und in BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324, unter 3.b cc zur Verlängerung der Festsetzungsfrist).
Ein mit der Anfertigung und Abgabe der Steuererklärung Betrauter wird hinsichtlich der darin enthaltenen Erklärungen nicht als Bevollmächtigter, sondern lediglich als Erfüllungsgehilfe des Steuerpflichtigen tätig (vgl. BFH-Urteile vom 3. Februar 1983 IV R 153/80, BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324, …und vom 28. November 1990 VI R 174/87, BFH/NV 1991, 502).
Grobe Fahrlässigkeit ist anzunehmen, wenn er die ihm nach seinen persönlichen Verhältnissen zumutbare Sorgfalt in ungewöhnlichem Maße und in nicht entschuldbarer Weise verletzt (BFH-Urteil vom 3. Februar 1983 IV R 153/80, BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324).
Ein grobes Verschulden kann vorliegen, wenn der Steuerpflichtige seine Erklärungspflicht schlecht erfüllt, indem er unzutreffende oder unvollständige Erklärungen abgibt (Urteile in BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324; vom 28. Juni 1983 VIII R 37/81, BFHE 139, 8, BStBl II 1984, 2, und vom 29. Juni 1984 VI R 181/80, BFHE 141, 232, BStBl II 1984, 693).
Die hierzu getroffenen Feststellungen des FG können mangels durchgreifender Verfahrensrügen in der Revisionsinstanz nur darauf überprüft werden, ob der Rechtsbegriff des groben Verschuldens richtig erkannt ist und ob die Würdigung der Verhältnisse hinsichtlich des individuellen Verschuldens den Denkgesetzen und Erfahrungssätzen entspricht (Urteil in BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324).
Bei der Klage auf Änderung eines Steuerbescheids handelt es sich um eine Verpflichtungsklage (Urteil in BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324), so daß das Gericht den Steuerbetrag nicht selbst festsetzen kann, sondern dem FA die entsprechende Festsetzung aufgeben muß.
BFH, 28.06.1983 - VIII R 37/81
Bei Anwendung des § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO beben eigenem groben Verschulden auch das …
Der VIII. Senat schließt sich der Rechtsauffassung des IV. Senats im Urteil vom 3. Februar 1983 IV R 153/80 (BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324) an, daß im Rahmen des § 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 AO 1977 der Steuerpflichtige ein grobes Verschulden seines steuerlichen Beraters bei der Anfertigung der Steuererklärung in gleicher Weise zu vertreten hat wie das Verschulden eines Bevollmächtigten.
Das Verschulden eines Beteiligten hängt im Rahmen des § 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 AO 1977 - wie auch sonst im Verwaltungsverfahren - von seinen persönlichen Umständen und Fähigkeiten ab (Urteil des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 3. Februar 1983 IV R 153/80, BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324).
Grobe Fahrlässigkeit ist anzunehmen, wenn der Beteiligte die ihm persönlich zuzumutende Sorgfalt in ungewöhnlichem Maße verletzt (BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324, mit Rechtsprechungs- und Literaturhinweisen).
Die hierzu getroffenen Feststellungen des FG können - abgesehen von zulässigen und begründeten Verfahrensrügen - in der Revisionsinstanz nur darauf überprüft werden, ob der Rechtsbegriff der groben Fahrlässigkeit und die aus ihm abzuleitenden Sorgfaltspflichten richtig erkannt worden sind und ob die Würdigung der Verhältnisse hinsichtlich des individuellen Verschuldens den Denkgesetzen und Erfahrungssätzen entspricht (BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324).
Der erkennende Senat schließt sich der Auffassung des IV. Senats in dem Urteil in BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324 an, daß dem Steuerpflichtigen im Rahmen des § 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 AO 1977 ein grobes Verschulden seines steuerlichen Beraters bei der Anfertigung von Steuererklärungen in gleicher Weise wie das Verschulden eines Bevollmächtigten zuzurechnen ist.
Insbesondere muß von Angehörigen der steuerberatenden Berufe die Kenntnis und sachgemäße Anwendung der einschlägigen steuerrechtlichen Bestimmungen erwartet werden (BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324).
Der IV. Senat des BFH hat im Urteil in BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324, dem sich die oben zitierten Senate des BFH angeschlossen haben, die Zurechnung des Verschuldens im Rahmen des § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO 1977 letztlich mit einer Analogie zu § 152 Abs. 1 Satz 3 und § 169 Abs. 2 Satz 3 AO 1977 begründet (…kritisch hierzu Frotscher in Schwarz, Abgabenordnung, § 173 Rz. 84).
Für "sonstige Hilfspersonen" hat er dagegen nicht einzustehen (vgl. BFH-Urteil in BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324;… Koenig in Pahlke/Koenig, a.a.O., § 173 Rz. 123).
N.; vom 31. Oktober 1989 VIII R 60/88, BFHE 160, 7 [BFH 31.10.1989 - VIII R 60/88], BStBl II 1990, 518, 519; vom 29. Juni 1984 VI R 181/80, BFHE 141, 232, BStBl II 1984, 693, 694; vom 28. Juni 1983 VIII R 37/81, BFHE 139, 8, BStBl II 1984, 2, 3) als auch bei beratenen Steuerpflichtigen (vgl. BFH-Urteile in BFHE 139, 8, BStBl II 1984, 2, 3; vom 3. Februar 1983 IV R 153/80, BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324, 327, u. ö.).
Im übrigen muß sich der Steuerpflichtige jedoch ein Verschulden seines steuerlichen Beraters als seines Erfüllungsgehilfen i. S. von § 278 des Bürgerlichen Gesetzbuchs zurechnen lassen (vgl. BFH- Urteile vom 7. November 1990 X R 143/88, BFHE 163, 329, BStBl II 1991, 325, 327; in BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324, 327;… Frotscher/Dumke, a.a.O., § 150 Rz. 27).
In diesem Zusammenhang hat der BFH ferner erkannt, daß bei Beauftragung eines fachkundigen Beraters ein vom Steuerpflichtigen zu vertretendes grobes Verschulden eher anzunehmen sei als bei einer eigenständigen Erfüllung seiner Pflichten (vgl. Urteil in BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324, 329).
In der Revisionsinstanz können die dazu getroffenen Feststellungen des FG grundsätzlich nur daraufhin überprüft werden, ob der Rechtsbegriff der Leichtfertigkeit und die aus ihm abzuleitenden Sorgfaltspflichten richtig erkannt worden sind und ob die Würdigung der Verhältnisse hinsichtlich des notwendigen individuellen Verschuldens den Denkgesetzen und Erfahrungssätzen entspricht (…vgl. BFH-Urteile vom 26. Oktober 1994 II R 84/91, BFH/NV 1995, 476, 478; in BFHE 160, 7 [BFH 31.10.1989 - VIII R 60/88], BStBl II 1990, 518, 519; in BFHE 139, 8, BStBl II 1984, 2, 3; in BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324, 328).
Das FG hat insbesondere beachtet, dass sich ein Steuerpflichtiger im Zusammenhang mit § 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 AO das Verschulden eines von ihm hinzugezogenen steuerlichen Beraters wie eigenes Verschulden zurechnen lassen muss (BFH-Urteil vom 17. November 2005 III R 44/04, BFHE 211, 401, BStBl II 2006, 412, m.w.N.) und dass von einem steuerlichen Berater die Kenntnis und sachgemäße Anwendung steuerrechtlicher Bestimmungen erwartet werden kann (BFH-Urteil vom 3. Februar 1983 IV R 153/80, BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324).
Grobe Fahrlässigkeit ist anzunehmen, wenn der Steuerpflichtige die ihm nach seinen persönlichen Verhältnissen zumutbare Sorgfalt in ungewöhnlichem Maße und in nicht entschuldbarer Weise verletzt (Senatsurteil vom 3. Februar 1983 IV R 153/80, BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324).
Ein grobes Verschulden kann nicht nur vorliegen, wenn der Steuerpflichtige seine Erklärungspflicht schlecht erfüllt, indem er unzutreffende oder unvollständige Erklärungen abgibt (Urteile in BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324; vom 28. Juni 1983 VIII R 37/81, BFHE 139, 8, BStBl II 1984, 2, und vom 29. Juni 1984 VI R 181/80, BFHE 141, 232, BStBl II 1984, 693).
BFH, 29.06.1984 - VI R 181/80
Nichtbeachtung ausdrücklich gestellter Fragen im Steuererklärungsvordruck ist …
Unterlassen eines Einspruchs kann ein dem Steuerberater zuzurechnendes grobes …
BFH, 30.10.1986 - III R 163/82
Steuerminderung - Nachträglich bekanntgewordene Tatsachen - Gewinnschätzung - …
BFH, 21.07.1989 - III R 303/84
1. Änderung wegen neuer Tatsachen bei nachträglicher Stellung eines nicht …
NV-Verfügung - Absehen von einer Veranlagung - Antrag auf Steuerfestsetzung - …
Bei Anwendung des § 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 AO sind steuermindernde Tatsachen …
BFH, 22.02.1991 - III R 35/87
Änderung von Einkommensteuerbescheiden - Inkrafttreten der AO 1977 - Wirkung für …
BFH, 17.02.1989 - III R 35/85
1. Zum Begriff der Zuwiderhandlung gegen die Kontensperre (§ 72 AO 1977) und zum …
BFH, 24.03.1987 - X R 9/80
Folgen des nachträglichen Bekanntwerdens von steuererheblichen Tatsachen
BFH, 19.08.1983 - VI R 177/82
Änderung eines Steuerbescheides - Anwendbarkeit des § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO 1977 - …
BFH, 07.03.1986 - III R 66/82
Berichtigung einer bestandskräftigen Vermögensabgabeveranlagung
BFH, 11.07.1985 - IV R 227/84
Voraussetzungen für die Änderung eines Einkommensteuerbescheids
BFH, 28.06.1983 - VIII R 204/80
BFH, 28.06.1983 - VIII R 206/80
BFH, 24.01.2002 - IX B 120/01
Nichtzulassungsbeschwerde - Grundsätzliche Bedeutung - Steuerberater - …
BFH, 30.01.1997 - III B 99/95
Erforderliche Sorgfaltspflichten bei der Ausfüllung einer Steuererklärung
BFH, 28.11.1990 - VI R 174/87
Anforderungen für Einreichung des Antrages auf Lohnsteuerjahresausgleich
BFH, 20.01.1988 - I R 1/84
Steuerrechtlicher Charakter von in nachträglich erstellten Bilanzen enthaltenen …
BFH, 12.11.1987 - V S 17/87
Kriterien für die Gewährung von Prozesskostenhilfe
FG Sachsen, 28.10.2009 - 8 K 957/09
Grobes Verschulden an der nachträglichen Erklärung von Erhaltungsaufwand für eine …
BFH, 19.09.1985 - V R 22/85
Anforderungen an Einspruch gegen einen Umstatzsteuerbescheid
FG Baden-Württemberg, 18.12.1998 - 9 K 252/93
Aufhebung eines Kircheneinkommensteuerbescheids wegen nachträglichen …
FG Niedersachsen, 23.01.1998 - XIV 375/97
Aufhebung oder Änderung eines Steuerbescheides zugunsten des Steuerpflichtigen …
BFH, 01.03.1984 - IV R 261/82
BFH, 28.06.1983 - VIII R 163/80