Source: http://m.hensche.de/Abmahnungen_und_Lohneinbehalt_wegen_unberechtigter_Betriebsratsschulung_sind_im_Urteilsverfahren_zu_klaeren_LAG_Berlin-Brandenburg_10Ta1993-11_u.html
Timestamp: 2017-02-25 04:58:33
Document Index: 103501490

Matched Legal Cases: ['§ 78', '§ 87', '§ 87', '§ 66', '§ 2', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 37', '§ 78', '§ 23', '§ 78', '§ 78']

HENSCHE Arbeitsrecht: 10 Ta 1993/11
Betriebsratsmitglied, Betriebsrat: Schulung
Der An­spruch von Be­triebs­rats­mit­glie­dern auf Ge­gen­stands­lo­serklärung von Ab­mah­nun­gen und des Rückgängig­ma­chens von Lohn­ein­be­halt we­gen aus Sicht der Ar­beit­ge­be­rin nicht er­for­der­li­cher Schu­lungs­teil­nah­me hat im ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils­ver­fah­ren zu er­fol­gen. Dar­an ändert auch ei­ne Be­zug­nah­me auf § 78 Be­trVG nichts.
Arbeitsgericht Potsdam, Beschluss vom 07.07.2011, 2 BV 16/11
Ber­lin-Bran­den­burg Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben) 10 Ta 1993/11
2 BV 16/11Ar­beits­ge­richt Pots­dam Be­schluss
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg am 2. Ja­nu­ar 2012 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt W.-M. be­schlos­sen:
dem Pro­to­koll der Sit­zung vom 5. Mai 2011 und dem Ori­gi­nal des Schrift­sat­zes der Rechts­anwälte Ber­ger vom 2. Mai 2011). Mit beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Anträgen vom 2. Mai 2011 ha­ben - nach der Klar­stel­lung im Schrift­satz vom 5. De­zem­ber 2011 - die Be­tei­lig­ten zu 1. bis 3. zwei­mal zwei weit­ge­hend iden­ti­sche Anträge ge­stellt. Mit die­sen soll der Ar­beit­ge­be­rin ein­mal auf­ge­ge­ben wer­den, ei­ne am 27. De­zem­ber 2010 ge­genüber der Be­tei­lig­ten zu 1. aus­ge­spro­che­ne Ab­mah­nung für ge­gen­stands­los zu erklären und aus ih­rer Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen so­wie ei­ne ge­genüber der Be­tei­lig­ten zu 2. am 1. De­zem­ber 2010 aus­ge­spro­che­ne Ab­mah­nung für ge­gen­stands­los zu erklären und aus der Per­so­nal­ak­te der Be­tei­lig­ten zu 1. zu ent­fer­nen, wo­bei es sich bei letz­te­rer Be­zeich­nung wohl um ei­nen of­fen­sicht­li­chen Schreib­feh­ler han­deln dürf­te. Nach den Ausführun­gen auf Sei­te 21 des Schrift­sat­zes vom 2. Mai 2011 han­del­te es sich je­weils um münd­li­che Ab­mah­nun­gen. Zum an­de­ren soll der Ar­beit­ge­be­rin auf­ge­ge­ben wer­den, ei­nen in­fol­ge ei­ner Se­min­ar­teil­nah­me der Be­tei­lig­ten zu 1. und 2. im No­vem­ber 2010 er­folg­ten Lohn­ab­zug in Höhe von 248,70 EUR brut­to für die Be­tei­lig­te zu 1. und 252,55 EUR brut­to für die Be­tei­lig­te zu 2. rückgängig zu ma­chen und den je­wei­li­gen Be­trag an die Be­tei­lig­ten zu 1. bzw. 2. aus­zu­zah­len. Der Lohn­ab­zug er­folg­te nach den Ausführun­gen auf Sei­te 21 des Schrift­sat­zes vom 2. Mai 2011 je­weils mit der Ja­nu­a­rab­rech­nung 2011, nach dem Vor­trag auf Sei­te 22 des Schrift­sat­zes mit der Be­gründung, dass die Be­tei­lig­ten zu 1. und 2. we­gen der Se­min­ar­teil­nah­me ih­re Ar­beits­pflicht ver­letzt hätten.
Am 18. Au­gust 2011 be­schloss das Ar­beits­ge­richt Pots­dam, der so­for­ti­gen Be­schwer­de nicht ab­zu­hel­fen. Der Schwer­punkt des Ver­fah­rens lie­ge im In­di­vi­du­al­recht, so dass das Ur­teils­ver­fah­ren die rich­ti­ge Ver­fah­rens­art sei. In der Be­schwer­de­instanz ging die Ak­te am 30. Sep­tem­ber 2011 ein. Die Ar­beit­ge­be­rin meint, dass die Vor­fra­ge, al­so die Be­rech­ti­gung/Nicht­be­rech­ti­gung der Schu­lungs­teil­nah­me im ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren zu klären und in­so­weit für ein we­gen der dar­aus fol­gen­den Ansprüche nach­fol­gen­des Ur­teils­ver­fah­ren präju­di­zi­ell sei. Das ände­re je­doch nichts an der Ver­fah­rens­art für das nach­fol­gen­de Ver­fah­ren. Die Be­tei­lig­ten zu 1. bis 3. würden of­fen­sicht­lich das zulässi­ge und not­wen­di­ge Be­schluss­ver­fah­ren zur Klärung der Not­wen­dig­keit ei­ner Schu­lungs­maßnah­me und den sich hier­aus er­ge­ben­den In­di­vi­dual­ansprüchen der ein­zel­nen Be­triebs­rats­mit­glie­der, die im Ur­teils­ver­fah­ren gel­tend zu ma­chen sei­en, ver­mi­schen. Frag­lich sei auch, ob der Be­triebs­rat als Gre­mi­um in­so­weit über­haupt als An­trag­stel­ler auf­tre­ten könne. Ei­ne Ab­mah­nung ha­be es zu kei­nem Zeit­punkt ge­ge­ben.
1. Die Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 1. bis 3. ge­gen die Ver­wei­sung der Anträge aus dem ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren in das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teils­ver­fah­ren ist nach § 87 Abs. 1 ArbGG statt­haft. Sie ist auch gemäß § 87 Abs. 2 ArbGG in Ver­bin­dung mit §§ 66
2.Die Be­schwer­de des Be­tei­lig­ten zu 3. ist be­gründet. Zwar ist dem Ar­beits­ge­richt zu­zu­ge­ben, dass es sich um in­di­vi­du­al­recht­li­che Ansprüche der Be­tei­lig­ten zu 1. und 2. han­delt (vgl. da­zu nach­fol­gend 3.-5.). Der Be­triebs­rat als An­trag­stel­ler ist je­doch nicht Träger sol­cher In­di­vi­du­al­rech­te. In­so­fern kann auch der Be­triebs­rat nicht von der Zuständig­keit nach § 2 Abs. 1 Nr. 4a ArbGG er­fasst wer­den, da er we­der Ar­beit­neh­mer noch de­ren Hin­ter­blie­be­ner ist. Für den Be­triebs­rat ver­bleibt es beim ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren als der zu­tref­fen­den Ver­fah­rens­art. Aus Sicht des Be­triebs­ra­tes han­delt es sich um ei­ne An­ge­le­gen­heit aus dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (§ 78 Be­trVG). Ob sol­che Anträge ei­nes Be­triebs­ra­tes zulässig sind (da­ge­gen LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Be­schluss vom 6. Ju­li 2011 - 13 TaBV 4/11), war im der­zei­ti­gen Ver­fah­rens­sta­di­um, in dem es al­lein um die zu­tref­fen­de Ver­fah­rens­art geht, noch nicht zu ent­schei­den.
3.Die Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 1. bis 2. ist al­ler­dings nicht be­gründet. Der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts vom 7. Ju­li 2011 ist in­so­weit zu­tref­fend. Die Be­schwer­de der bei­den Be­triebs­rats­mit­glie­der war da­her zurück­zu­wei­sen. Den Be­triebs­rats­mit­glie­dern steht ge­gen die Ar­beit­ge­be­rin im ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren kein An­spruch zu, die Ab­mah­nun­gen für ge­gen­stands­los zu erklären und aus der Per­so­nal­ak­te der Be­tei­lig­ten zu 1. und wohl zu 2. zu ent­fer­nen. In­wie­fern je­weils ei­ne münd­li­che Ab­mah­nung über­haupt er­teilt wor­den ist und ob ei­ne ge­ge­be­nen­falls münd­lich er­teil­te Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te ei­nes Be­triebs­rats­mit­glie­des zu ent­fer­nen ist, muss zunächst das Ar­beits­ge­richt nach rechts­kräfti­ger Be­stim­mung der zu­tref­fen­den Ver­fah­rens­art selbst ent­schei­den.
Per­so­nal­ak­te ei­nes Be­triebs­rats­mit­glieds ent­fernt wer­den, da es sich hier­bei um ei­nen in­di­vi­du­al­recht­li­chen An­spruch des je­wei­li­gen Be­triebs­rats­mit­glieds han­delt, für den das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teils­ver­fah­ren zur Verfügung steht. Das glei­che gilt für die be­gehr­te Rückgängig­ma­chung des Lohn­ab­zugs und die dar­aus re­sul­tie­ren­de Aus­zah­lung des ein­be­hal­te­nen Be­tra­ges. 4.Dar­an ändert die von den Be­schwer­deführern in ih­rer Ar­gu­men­ta­ti­on her­ge­stell­te Ver­knüpfung zu § 78 Be­trVG nichts, wie die hier er­ken­nen­de Kam­mer im An­schluss an die zu­tref­fen­de Ent­schei­dung des LAG Ba­den-Würt­tem­berg vom 6. Ju­li 2011 - 13 TaBV 4/11 fest­ge­stellt hat.
4.1Zwar ist der Be­griff der Be­hin­de­rung in § 78 Satz 1 Be­trVG um­fas­send zu ver­ste­hen (vgl. BAG, Be­schluss vom 20. Ok­to­ber 1999 - 7 ABR 37/98). Er er­fasst je­de un­zulässi­ge Er­schwe­rung, Störung oder gar Ver­hin­de­rung der Be­triebs­rats­ar­beit (BAG, Be­schluss vom 12. No­vem­ber 1997 - 7 ABR 14/97; Be­schluss vom 19. Ju­li 1995 - 7 ABR 60/94). Ein Ver­schul­den oder ei­ne Be­hin­de­rungs­ab­sicht des Störers ist nicht er­for­der­lich. Dem Be­triebs­rat steht bei ei­ner Störung oder Be­hin­de­rung sei­ner Ar­beit durch den Ar­beit­ge­ber ein Un­ter­las­sungs­an­spruch zu. Ein sol­cher An­spruch ist zwar in § 78 Satz 1 Be­trVG nicht aus­drück­lich ge­re­gelt. Er folgt je­doch aus dem Zweck der Vor­schrift, die Erfüllung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben zu si­chern (BAG, Be­schluss vom 12. No­vem­ber 1997 - 7 ABR 14/97).
4.2In der Li­te­ra­tur wird darüber hin­aus an­ge­nom­men, dass bei ei­ner an­dau­ern­den Be­hin­de­rung auch ein Be­sei­ti­gungs­an­spruch be­ste­he (vgl. GK-Be­trVG, Kreutz, 9. Auf­la­ge 2010, § 78 Rn. 39; Thüsing, in: Ri­char­di, Be­trVG, 12. Auf­la­ge 2010, § 78 Rn. 16), wo­bei so­wohl der Be­triebs­rat als auch das be­trof­fe­ne Be­triebs­rats­mit­glied an­trags­be­rech­tigt sei­en (vgl. Preis, in: Wlotz­ke u.a., Be­trVG, 4. Auf­la­ge 2009, § 78 Rn. 20; APS-Künzl, 3. Auf­la­ge 2007, § 78 Be­trVG Rn. 33, 60; Busch­mann, in: Däubler u.a., Be­trVG 12. Auf­la­ge 2010, § 78 Rn. 30).
4.3Hin­sicht­lich der Fra­ge, wer die Be­sei­ti­gung ei­ner Be­ein­träch­ti­gung ver­lan­gen kann, ist nach Auf­fas­sung der er­ken­nen­den Kam­mer nach dem je­wei­li­gen Ge­gen­stand des An­spruchs zu dif­fe­ren­zie­ren.
4.3.2Der An­spruch auf Ge­gen­stands­lo­serklärung und Ent­fer­nung ei­ner Ab­mah­nung aus ei­ner Per­so­nal­ak­te ist da­bei in glei­cher Wei­se ein in­di­vi­du­al­recht­li­cher An­spruch, wie der aus § 37 Abs. 2 und 3 Be­trVG fol­gen­de Vergütungs­an­spruch, der auch nur vom je­wei­li­gen Be­triebs­rats­mit­glied in­di­vi­du­ell ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber gel­tend ge­macht wer­den kann. Der vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­ne Vor­halt ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Pflicht­ver­let­zung ver­bun­den mit ei­ner Kündi­gungs­an­dro­hung rührt al­lein aus in­di­vi­du­al­recht­li­chen Be­fug­nis­sen des Ar­beit­ge­bers. Auch der dies­bezüglich gel­tend ge­mach­te Be­sei­ti­gungs­an­spruch hat ei­ne in­di­vi­du­al­recht­li­che Ziel­rich­tung, was schon der Be­zug auf die kon­kre­te Per­so­nal­ak­te ei­nes Ar­beit­neh­mers er­ken­nen lässt. Kol­lek­tiv­recht­li­che Be­sei­ti­gungs­ansprüche des Be­triebs­rats­mit­glieds kom­men in­so­weit nicht in Be­tracht (vgl. APS-Künzl, 3. Auf­la­ge 2007, § 78 Rn. 29).
4.3.2.1Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist ein Ar­beit­neh­mer be­rech­tigt, die Rück­nah­me ei­ner miss­bil­li­gen­den Äußerung des Ar­beit­ge­bers zu ver­lan­gen, wenn die­se Äußerung un­rich­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen enthält oder ih­rer Form und ih­rem In­halt nach ge­eig­net ist, ihn in sei­ner Rechts­stel­lung und sei­nem be­ruf­li­chen Fort­kom­men zu be­ein­träch­ti­gen (vgl. hier­zu und zum Fol­gen­den BAG, Ur­teil vom 31. Au­gust 1994 - 7 AZR 893/93). Ist der er­ho­be­ne Vor­wurf ob­jek­tiv nicht ge­recht­fer­tigt, ist der Ar­beit­ge­ber auf­grund sei­ner all­ge­mei­nen Fürsor­ge­pflicht ge­hal­ten, die Ab­mah­nung aus den Per­so­nal­ak­ten zu ent­fer­nen (BAG, Ur­teil vom 27. No­vem­ber 1985 - 5 AZR 101/94; BAG, Ur­teil vom 27. Ju­ni 1990 - 7 AZR 348/89; BAG, Ur­teil vom 15. Ju­li 1992 - 7 AZR 466/91).
4.3.2.2Mit der Ab­mah­nung übt der Ar­beit­ge­ber sein ar­beits­ver­trag­li­ches Gläubi­ger­recht aus. Der Ar­beit­neh­mer wird als Schuld­ner der Ar­beits­leis­tung auf sei­ne ver­trag­li­chen Pflich­ten hin­ge­wie­sen und auf de­ren Ver­let­zung auf­merk­sam ge­macht. Zu­gleich wird er für die Zu­kunft zu ei­nem ver­trags­treu­en Ver­hal­ten auf­ge­for­dert. Für den Fall ei­ner er­neu­ten Pflicht­ver­let­zung wer­den in­di­vi­du­al­recht­li­che Kon­se­quen­zen in Aus­sicht ge­stellt (BAG, Ur­teil vom 15. Ju­li 1992 - 7 AZR 466/91).
4.3.2.3An ei­ner sol­chen Ab­mah­nung ist der Ar­beit­ge­ber nicht schon des­we­gen ge­hin­dert, weil der gerügte Pflicht­ver­s­toß des Ar­beit­neh­mers in Zu­sam­men­hang mit ei­ner Tätig­keit als Be­triebs­rats­mit­glied steht (BAG, Ur­teil vom 31. Au­gust 1994 - 7 AZR 893/93). Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist zwar die Kündi­gung ei­nes Be­triebs­rats­mit­glieds un­zulässig, so­weit ihm al­lein die Ver­let­zung ei­ner Amts­pflicht vor­ge­hal­ten wird. In­so­weit ist le­dig­lich die Durchführung ei­nes Aus­schluss­ver­fah­rens nach § 23 Abs. 1 Be­trVG möglich (BAG, Ur­teil vom 26. Ja­nu­ar 1994 - 7 AZR 640/92). Ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung kommt nur in Fra­ge, wenn zu­gleich ei­ne schwe­re Ver­let­zung ar­beits­ver­trag­li­cher Pflich­ten vor­liegt. Die Be­rech­ti­gung ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung un­ter­liegt da­bei stren­ge­ren Maßstäben als die­je­ni­ge ei­nes Ar­beit­neh­mers, der nicht dem Be­triebs­rat an­gehört (BAG, Ur­teil vom 15. Ju­li 1992 - 7 AZR 466/91; BAG, Ur­teil vom 10. No­vem­ber 1993 - 7 AZR 682/92). Dem­ent­spre­chend kommt ei­ne Ab­mah­nung aber in Be­tracht, wenn das Be­triebs­rats­mit­glied zu­min­dest auch sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­letzt hat. Da ein Be­triebs­rats­mit­glied, ab­ge­se­hen von der Ar­beits­be­frei­ung we­gen der Durchführung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben, in glei­cher Wei­se wie an­de­re Ar­beit­neh­mer zur
4.3.3Ein sol­cher in­di­vi­du­al­recht­li­cher Be­sei­ti­gungs­an­spruch, der auf der Ausübung in­di­vi­du­al­recht­li­cher Be­fug­nis­se durch den Ar­beit­ge­ber be­ruht, steht al­lein dem be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer als Ar­beit­neh­mer im ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils­ver­fah­ren, nicht aber dem Be­triebs­rats­mit­glied im ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren zu. Hier­bei spielt es kei­ne Rol­le, dass sich das ein­zel­ne Be­triebs­rats­mit­glied durch die­se Ab­mah­nung selbst in sei­ner Ar­beit gestört oder be­hin­dert sieht (§ 78 Satz 1 Be­trVG) oder sei­ne Be­nach­tei­li­gung an­nimmt (§ 78 Satz 2 Be­trVG). Maßgeb­lich für die Fra­ge, wem ein Be­sei­ti­gungs­an­spruch zu­steht, ist nicht die et­waig ver­letz­te Rechts­norm, son­dern das An­trags­ziel, wel­ches hier in­di­vi­du­al­recht­lich aus­ge­stal­tet ist.
5.Glei­ches gilt für den Lohn­ein­be­halt für die in­fol­ge der Schu­lungs­teil­nah­me aus­ge­fal­le­ne Ar­beits­zeit der Be­tei­lig­ten zu 1. und 2. In­so­weit kann auf die vor­ste­hen­den Ausführun­gen ver­wie­sen wer­den.
6.Bei den Ab­mah­nun­gen, die den Be­tei­lig­ten zu 1. und 2. nach dem Vor­trag der Be­tei­lig­ten zu 1. bis 3. er­teilt wor­den sind, han­delt es sich um ei­ne Ab­mah­nung im oben be­schrie­be­nen Rechts­sin­ne. Gerügt wird ei­ne kon­kret be­zeich­ne­te Ver­let­zung ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung zum Er­schei­nen am Ar­beits­platz. Den Be­tei­lig­ten zu 1. und 2. wur­den in der Ab­mah­nung kei­ne Verstöße ge­gen ih­re Pflich­ten aus dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz vor­ge­wor­fen. Es wird al­lein ein Ver­s­toß ge­gen ei­ne Ver­pflich­tung zur Er­brin­gung der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Ar­beits­leis­tung und da­mit ein ar­beits­ver­trags­be­zo­ge­nes Fehl­ver­hal­ten gerügt. Da­mit be­trifft ein dies­bezügli­cher Be­sei­ti­gungs­an­spruch al­lein den in­di­vi­du­al­recht­li­chen Rechts­kreis und kann nicht von den Be­triebs­rats­mit­glie­dern als Or­gan kol­lek­tiv­recht­lich gel­tend ge­macht wer­den. Dem­gemäß ist für die Be­tei­lig­ten zu 1. und 2. das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teils­ver­fah­ren die zu­tref­fen­de Ver­fah­rens­art.
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