Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/versicherungspflicht-einer-tagesmutter-334083
Timestamp: 2020-07-08 06:58:47
Document Index: 362199830

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 5', '§ 8', '§ 8', '§ 2', '§ 15', '§ 5', '§ 8', '§ 2', '§ 2', '§ 5', '§ 18', '§ 3', '§ 3', '§ 10', '§ 4', '§ 10', '§ 16', '§ 162', '§ 18', '§ 3', '§ 18', '§ 10', '§ 1', '§ 3', '§ 2', '§ 2', '§ 3', '§ 2', '§ 101', '§ 539', '§ 8', '§ 2', '§ 240', '§ 1227', '§ 10', '§ 1227', '§ 1227', '§ 18', '§ 18', '§ 2']

Versicherungspflicht einer Tagesmutter | Rechtslupe
Versicherungspflicht einer Tagesmutter
Ver­si­che­rungs­pflicht einer Tages­mut­ter
Es besteht eine Ver­si­che­rungs­pflicht in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung als selbst­stän­di­ge Erzie­he­rin im Sin­ne von § 2 Satz 1 Nr 1 SGB VI bei einer Tätig­keit als Tages­mut­ter.
So hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­den. In ihrer Tätig­keit als Tages­mut­ter war die Betrof­fe­ne nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts als "Erzie­he­rin" nach § 2 Satz 1 Nr 1 SGB VI ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­tig und nicht (auch) – wie es in den ange­foch­te­nen Beschei­den heißt – als in der Kin­der­pfle­ge täti­ge Pfle­ge­per­son nach § 2 Satz 1 Nr 2 SGB VI [1]. Sie war aus­ge­hend von den hier­zu im ange­grif­fe­nen Urteil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen selbst­stän­dig tätig [2] und beschäf­tig­te im Zusam­men­hang hier­mit kei­nen ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Arbeit­neh­mer. Die Betrof­fe­ne war in der Zeit vom 1.10.2001 bis 31.3.2003 nicht etwa nach § 5 Abs 2 Satz 1 Nr 2 SGB VI in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­frei, weil sie eine gering­fü­gi­ge selbst­stän­di­ge Tätig­keit (§ 8 Abs 3 SGB IV) aus­üb­te. Nach den im strei­ti­gen Zeit­raum (noch) gel­ten­den Fas­sun­gen des § 8 SGB IV war für die Annah­me einer gering­fü­gi­gen selbst­stän­di­gen Tätig­keit nach des­sen Abs 1 Nr 1 neben der Gering­fü­gig­keit des Ent­gelts näm­lich erfor­der­lich, dass die­se Tätig­keit regel­mä­ßig weni­ger als 15 Stun­den in der Woche aus­ge­übt wur­de [3]. Nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts war die­se – sei­ner­zeit kumu­la­tiv zu erfül­len­de – zeit­li­che Vor­aus­set­zung nicht gege­ben, sodass es hier auf die Höhe des aus der selbst­stän­di­gen Tätig­keit als Tages­mut­ter erziel­ten Arbeits­ein­kom­mens für die Beur­tei­lung der Gering­fü­gig­keit nicht (mehr) ankommt.
Ent­ge­gen der vom Lan­des­so­zi­al­ge­richt ver­tre­te­nen Auf­fas­sung steht der Annah­me einer selbst­stän­di­gen Tätig­keit der Betrof­fe­nen als einer der Vor­aus­set­zun­gen ihrer Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht nicht ent­ge­gen, dass sie im strei­ti­gen Zeit­raum aus ihrer Tätig­keit als Tages­mut­ter im Umfang von 70 vH – und damit über­wie­gend – von der Finanz­ver­wal­tung als steu­er­frei ange­se­he­ne Ein­nah­men aus öffent­li­chen Mit­teln nach dem Recht des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern erhielt. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt folgt dem Beru­fungs­ge­richt nicht, soweit es unter Hin­weis auf eine For­mu­lie­rung im Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts vom 22. Juni 2005 [4] die Mei­nung ver­tritt, die Betrof­fe­ne habe ihre (gesam­te) Tätig­keit mit Blick auf die­se Fall­ge­stal­tung des­halb ohne Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht aus­ge­übt. Es ist zunächst durch­aus über­prü­fungs­wür­dig, ob es in die­sem Zusam­men­hang für die Annah­me der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht Selbst­stän­di­ger – im Hin­blick auf die Vor­aus­set­zung "selbst­stän­di­ge Tätig­keit" – über­haupt auf das Vor­lie­gen eines unge­schrie­be­nen (Tatbestands)Merkmals der "Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht" ankom­men kann. Jedoch braucht er sich in die­sem Punkt nicht abschlie­ßend fest­zu­le­gen, weil eine sol­che Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht der Betrof­fe­nen – wenn man sie wei­ter for­dern will – auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts hier jeden­falls zu beja­hen ist.
Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat aller­dings in der Ver­gan­gen­heit, im Zusam­men­hang mit der Bei­trags­be­mes­sung bei haupt­be­ruf­lich selbst­stän­dig Erwerbs­tä­ti­gen in der frei­wil­li­gen Kran­ken­ver­si­che­rung [5], mit der Antrags­pflicht­ver­si­che­rung selbst­stän­dig Erwerbs­tä­ti­ger in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung [6], mit der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht selbst­stän­dig Täti­ger (SozR 4 – 2600 § 2 Nr 2) und mit dem Aus­schluss haupt­be­ruf­lich selbst­stän­dig Erwerbs­tä­ti­ger von der Fami­li­en­ver­si­che­rung [7] für die Annah­me selbst­stän­di­ger (Erwerbs)Tätigkeit stets als uner­läss­lich ange­se­hen, dass die Tätig­keit (auch) auf die Erzie­lung posi­ti­ver Ein­künf­te gerich­tet war. Er hat dies zum Teil – bezo­gen auf die jewei­li­ge gesetz­li­che Rege­lung – mit der Ent­ste­hungs­ge­schich­te, dem Zweck und dem Wort­laut die­ser Rege­lung begrün­det [8]. Zur Erläu­te­rung hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt aus­ge­führt, dass es nicht zum Begriff der selbst­stän­di­gen (Erwerbs)Tätigkeit gehö­re, dass Ein­künf­te, dh Arbeits­ein­kom­men iS von § 15 SGB IV, tat­säch­lich erzielt wer­den. Die Tätig­keit müs­se ledig­lich (sub­jek­tiv) dar­auf gerich­tet sein, posi­ti­ve Ein­künf­te zu erzie­len; das sei etwa aus­ge­schlos­sen, wenn sie der Lieb­ha­be­rei die­ne [9].
Gegen das Erfor­der­nis einer Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht als Vor­aus­set­zung einer die Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht begrün­den­den selbst­stän­di­gen Tätig­keit könn­te vor allem spre­chen, dass das Gesetz mit den auch für selbst­stän­dig Täti­ge gel­ten­den Rege­lun­gen über die Ver­si­che­rungs­frei­heit in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung wegen (Entgelt)Geringfügigkeit (§ 5 Abs 2 Satz 1 Nr 2 SGB VI iVm § 8 Abs 1 Nr 1, Abs 3 SGB IV) schon ein sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­ches Instru­ment und Kor­rek­tiv bereit­hält, um für die Zuord­nung zum Kreis der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen rele­van­te von irrele­van­ten selbst­stän­di­gen Tätig­kei­ten zu unter­schei­den. Dem – einer genaue­ren Betrach­tung bedür­fen­den – Rege­lungs­kon­text des § 2 Satz 1 SGB VI könn­te mög­li­cher­wei­se zu ent­neh­men sein, dass es für die Annah­me von Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht ohne Rück­sicht auf sub­jek­ti­ve Vor­stel­lun­gen allein auf die Erfül­lung des objek­ti­ven Tat­be­stan­des selbst­stän­di­ger Tätig­keit ankom­men soll, dies mit der Fol­ge, dass dann alle selbst­stän­dig Täti­gen iS von § 2 Satz 1 SGB VI – unter den wei­te­ren, für die ein­zel­nen Per­so­nen­grup­pen in Nr 1 bis 10 der Vor­schrift gere­gel­ten Vor­aus­set­zun­gen – der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht unter­lie­gen; die Fra­ge, ob mit die­ser Tätig­keit des Betrof­fe­nen Arbeits­ein­kom­men erzielt wer­den "soll", hät­te dann grund­sätz­lich kei­ne eigen­stän­di­ge Bedeu­tung mehr und die Fra­ge, ob (tat­säch­lich) Arbeits­ein­kom­men erzielt wor­den ist, nur inso­weit, als wegen des­sen Höhe Ver­si­che­rungs­frei­heit wegen (Entgelt)Geringfügigkeit nach § 5 Abs 2 Satz 1 Nr 2 SGB VI bestehen kann.
Einer abschlie­ßen­den Fest­le­gung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts zu der geschil­der­ten Pro­ble­ma­tik bedarf es vor­lie­gend indes­sen nicht, weil den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts jeden­falls zu ent­neh­men ist, dass die Tätig­keit der Betrof­fe­nen als Tages­mut­ter in der Zeit vom 1.10.2001 bis 31.3.2003 auf die Erzie­lung posi­ti­ver Ein­künf­te gerich­tet war. Denn eine – ggf wei­ter­hin erfor­der­li­che – Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht kann bereits dar­aus her­ge­lei­tet wer­den, dass die Betrof­fe­ne Ein­kom­men aus selbst­stän­di­ger Tätig­keit erzie­len woll­te, von dem jeden­falls Tei­le – näm­lich die von den Eltern bzw Per­so­nen­sor­ge­be­rech­tig­ten der betreu­ten Kin­der an sie geleis­te­ten Zah­lun­gen – ein­kom­men­steu­er­pflich­tig waren. Dass und in wel­chem Ver­hält­nis aus die­ser Tätig­keit neben steu­er­pflich­ti­gen Ein­künf­ten auch sol­che erzielt wer­den soll­ten, die steu­er­frei waren oder einen (blo­ßen) Auf­wen­dungs- und Kos­ten­er­satz dar­stell­ten, ist für die Annah­me der Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht ohne Bedeu­tung.
Die von den Eltern auf der Grund­la­ge des pri­vat­recht­li­chen Betreu­ungs­ver­trags an die Betrof­fe­ne geleis­te­ten Zah­lun­gen ("Eltern­bei­trä­ge") waren nach § 18 Abs 1 Nr 3 EStG als Ein­künf­te aus sons­ti­ger selbst­stän­di­ger Arbeit ein­kom­men­steu­er­pflich­tig. Sie waren nicht nach § 3 Nr 11 EStG (oder § 3 Nr 26 EStG) steu­er­frei. Wie sich aus dem vom Lan­des­so­zi­al­ge­richt her­an­ge­zo­ge­nen und ange­wand­ten ein­schlä­gi­gen Lan­des­recht eben­falls ergibt, stell­ten die Zah­lun­gen auch kei­nen (blo­ßen) Auf­wen­dungs- und Kos­ten­er­satz dar.
Nach § 10 Abs 5 und Abs 9 des Zwei­ten Geset­zes zur Ände­rung des Ers­ten Aus­füh­rungs­ge­set­zes zum Kin­der- und Jugend­hil­fe­ge­setz (KitaG) des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern vom 11.12.1995 [10] hat­ten sich die Per­so­nen­sor­ge­be­rech­tig­ten an der Erstat­tung der Tages­pfle­ge­kos­ten zu betei­li­gen und durf­te die Höhe die­ser Betei­li­gung 30 vH der der Tages­mut­ter zur erstat­ten­den Tages­pfle­ge­kos­ten nicht über­stei­gen. Nach § 4 Abs 1 der im maß­ge­ben­den Zeit­raum gel­ten­den, auf­grund des § 10 Abs 4 Satz 3 und des § 16 Abs 1 des Zwei­ten Geset­zes zur Ände­rung des KitaG erlas­se­nen Betriebs­kos­ten­lan­des­ver­ord­nun­gen [11] hat­ten sich die Per­so­nen­sor­ge­be­rech­tig­ten für Kin­der bis zum Schul­ein­tritt an den Tages­pfle­ge­kos­ten mit höchs­tens 231,90 DM bzw 121 Euro bzw 123,80 Euro monat­lich zu betei­li­gen. Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts stell­ten sich die von den Eltern der betreu­ten Kin­der auf pri­vat­recht­li­cher Grund­la­ge als "Eltern­bei­trag" geleis­te­ten Zah­lun­gen in Höhe von 121 Euro je Kind monat­lich als Betei­li­gung der Per­so­nen­sor­ge­be­rech­tig­ten an der Tages­pfle­ge­kos­ten­er­stat­tung im Sin­ne die­ser Vor­schrif­ten dar, die das Bun­des­so­zi­al­ge­richt – als Lan­des­recht und damit im Sin­ne von § 162 SGG nicht revi­si­bel – sowohl in der Fest­stel­lung des genann­ten Inhalts als auch in ihrer Aus­le­gung durch das Beru­fungs­ge­richt sei­ner Ent­schei­dung zu Grun­de zu legen hat.
Pri­va­te Zah­lun­gen für die Betreu­ung, Ver­sor­gung und Erzie­hung eines Kin­des in einer frem­den Fami­lie wur­den in den Jah­ren 2001 bis 2003, um die es hier geht, nach einer Ver­wal­tungs­an­wei­sung des Bun­des­mi­nis­ters der Finan­zen (BMF) [12] als sol­che aus einer sons­ti­gen selbst­stän­di­gen Tätig­keit iS des § 18 Abs 1 Nr 3 EStG und damit als ein­kom­men­steu­er­pflich­tig ange­se­hen. Die in der Anwei­sung vom 20.1.1984 ver­tre­te­ne Auf­fas­sung des Bun­des­mi­nis­ters der Finan­zen, dass die – für das aus öffent­li­chen Mit­teln gezahl­te Pfle­ge­geld im enge­ren Sin­ne und das Erzie­hungs­geld gel­ten­de [13] – Steu­er­be­frei­ung nach § 3 Nr 11 EStG auf Zah­lun­gen aus pri­va­ten Mit­teln nicht ent­spre­chend anzu­wen­den war, wur­de weder in der Recht­spre­chung der Finanz­ge­rich­te [14] noch in der steu­er­recht­li­chen Lite­ra­tur [15] in Zwei­fel gezo­gen. Nach einem Schrei­ben der für die Betrof­fe­ne ört­lich zustän­di­gen Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on Ros­tock vom 10.4.2002, des­sen Inhalt das Lan­des­so­zi­al­ge­richt in sei­nem Urteil fest­ge­stellt hat und das auf den Erlass des Finanz­mi­nis­te­ri­ums des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern vom 6.3.1992 [16] ver­weist, betrach­te­te auch die Finanz­ver­wal­tung des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern die von pri­va­ter Sei­te gezahl­ten "Eltern­bei­trä­ge" als nach § 18 Abs 1 Nr 3 EStG steu­er­pflich­tig.
Die von den Eltern geleis­te­ten Zah­lun­gen stell­ten auch kei­nen (blo­ßen) Auf­wen­dungs- und Kos­ten­er­satz dar. Das ist auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts zum ein­schlä­gi­gen Lan­des­recht aus § 10 Abs 4 Satz 3 des bereits erwähn­ten Zwei­ten Geset­zes zur Ände­rung des KitaG vom 11.12.1995 des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern und aus § 1 Abs 5 der maß­ge­ben­den Betriebs­kos­ten­lan­des­ver­ord­nun­gen zu ent­neh­men. Danach setz­ten sich die Tages­pfle­ge­kos­ten aus den Kos­ten für ange­mes­se­ne Sach­auf­wen­dun­gen (Sach­kos­ten) und den Kos­ten der Erzie­hung zusam­men und teil­ten sich die Kos­ten für ange­mes­se­ne Auf­wen­dun­gen und die­je­ni­gen für Erzie­hung im Ver­hält­nis 30 vH zu 70 vH auf (vgl im Übri­gen – zu dem (antei­li­gen) Abzug einer Betriebs­aus­ga­ben­pau­scha­le bei von pri­va­ter Sei­te vor­ge­nom­me­nen Zah­lun­gen – die Ver­wal­tungs­an­wei­sung des BMF vom 01.08.1988, IV B 4‑S 2248 – 10/​88, BStBl I 1988, 329)).
War die Tätig­keit der Betrof­fe­nen als Tages­mut­ter mit­hin nicht schon (von vorn­her­ein) dar­auf gerich­tet, aus­schließ­lich nach § 3 EStG steu­er­freie Ein­nah­men zu erzie­len oder einen (blo­ßen) Auf­wen­dungs- und Kos­ten­er­satz zu erhal­ten – nur dann könn­te eine ggf erfor­der­li­che Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht ent­fal­len -, so kann offen­blei­ben, ob und inwie­weit der an die Betrof­fe­ne aus öffent­li­chen Mit­teln vom Land, der Wohn­sitz­ge­mein­de und dem ört­li­chen Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe gezahl­te Anteil der Tages­pfle­ge­kos­ten­er­stat­tung ein­kom­men­steu­er­recht­lich zu behan­deln war. Denn dar­auf, in wel­chem Ver­hält­nis aus der Tätig­keit als Tages­mut­ter bezo­ge­ne steu­er­pflich­ti­ge zu steu­er­frei­en Ein­künf­ten stan­den, kommt es für die Annah­me einer – ggf erfor­der­li­chen – Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht nicht an. Ins­be­son­de­re war es nicht not­wen­dig, dass der steu­er­pflich­ti­ge Anteil der Zah­lun­gen als steu­er­frei zu behan­deln­de Ein­künf­te "über­wog".
Dem Lan­des­so­zi­al­ge­richt ist nicht zu fol­gen, soweit es einer For­mu­lie­rung im Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts vom 22. Juni 2005 [4] ent­nom­men hat, es kom­me für die Annah­me einer – sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­lich bedeut­sa­men – Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht der Betrof­fe­nen und damit für das Vor­lie­gen einer selbst­stän­di­gen Tätig­keit als einer der Vor­aus­set­zun­gen ihrer Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht nach § 2 Satz 1 Nr 1 SGB VI all­ge­mein dar­auf an, dass der steu­er­pflich­ti­ge Anteil der (pri­va­ten) Zah­lun­gen als steu­er­frei zu behan­deln­de Ein­künf­te (aus öffent­li­chen Mit­teln) "über­wo­gen" haben muss. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt stellt inso­weit viel­mehr klar, dass sich ein sol­ches gene­rel­les Erfor­der­nis des "Über­wie­gens" weder aus dem Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht noch aus dem Ein­kom­men­steu­er­recht und den dazu ergan­ge­nen minis­te­ri­el­len Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen aus­drück­lich oder mit­tel­bar her­lei­ten lässt. Das Gericht sieht sich in die­ser Aus­le­gung bestä­tigt durch eine in die­sem Sin­ne erfolg­te Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung vom 4.12.2001 auf eine Klei­ne Anfra­ge der Abge­ord­ne­ten Ina Len­ke ua, betref­fend die "Ein­kom­men­steu­er­li­che und ren­ten­ver­si­che­rungs­recht­li­che Situa­ti­on von Müt­tern und Vätern in der Tages­pfle­ge" [17]. Dort wird eben­falls aus­ge­führt, bei einer stets in ihrer Gesamt­heit zu betrach­ten­den Tätig­keit wer­de "eine erwerbs­mä­ßi­ge und infol­ge­des­sen ren­ten­ver­si­che­rungs­recht­lich zu beur­tei­len­de Tätig­keit … immer dann vor­lie­gen …, wenn die Tages­pfle­ge­per­son aus ihrer Tätig­keit Ein­künf­te erzie­le, die nach § 2 EStG der Besteue­rung unter­lie­gen"; dabei sei "uner­heb­lich, ob ggf für ein­zel­ne Kin­der anteils­mä­ßig oder in vol­lem Umfang Pfle­ge- und Erzie­hungs­gel­der aus öffent­li­chen Kas­sen gezahlt wer­den, die gemäß § 3 Nr 11 EStG steu­er­frei gestellt" sei­en. Das kann dahin­ge­hend ver­stan­den wer­den, dass nach Ansicht der Bun­des­re­gie­rung für eine ggf wei­ter­hin zu ver­lan­gen­de Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht allein an die (blo­ße) Steu­er­bar­keit von Ein­künf­ten (ohne Rück­sicht auf deren ein­kom­men­steu­er­recht­li­che Behand­lung als steu­er­pflich­tig oder steu­er­frei) als Kri­te­ri­um ange­knüpft wer­den soll.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 25. Mai 2011 – B 12 R 13/​09 R
vgl zu die­ser Unter­schei­dung im Ein­zel­nen BSG, Urteil vom 22.06.2005 – B 12 RA 12/​04 R, SozR 4 – 2600 § 2 Nr 2 RdNr 7 f, 12, mwN[↩]
vgl zur selbst­stän­di­gen Aus­übung einer Tätig­keit als sog. Tages­mut­ter etwa BSG SozR 3 – 4100 § 101 Nr 10 S 37, zur – alter­na­tiv – eben­so bestehen­den Mög­lich­keit der Aus­übung im Rah­men einer abhän­gi­gen Beschäf­ti­gung vgl. ande­rer­seits BSG SozR 3 – 2200 § 539 Nr 40 S 157 f[↩]
vgl erst die Ände­rung des § 8 Abs 1 Nr 1 SGB IV durch Gesetz vom 23.12.2002 mWv 1.4.2003, BGBl I 4621[↩]
SozR 4 – 2600 § 2 Nr 2 RdNr 8[↩][↩]
Urteil vom 26.09.1996 – 12 RK 46/​95, BSGE 79, 133 = SozR 3 – 2500 § 240 Nr 27[↩]
Urteil vom 25.02.1997 – 12 RK 33/​96, SozR 3 – 2200 § 1227 Nr 8[↩]
Urteil vom 04.06.2009 – B 12 KR 3/​08 R, SozR 4 – 2500 § 10 Nr 9[↩]
vgl zB SozR 3 – 2200 § 1227 Nr 8 S 10[↩]
SozR 3 – 2200 § 1227 Nr 8 S 10 f[↩]
GVOBl M‑V 1995, 603[↩]
vom 20.11.2000, GVOBl M‑V 2000, 546; vom 26.03.2002, GVOBl M‑V 2002, 148; vom 29.01.2003, GVOBl M‑V 2003, 104[↩]
vom 20.01.1984, IV B 4‑S 2248 – 2/​84, BStBl I 1984, 134[↩]
vgl die Ver­wal­tungs­an­wei­sung des BMF vom 16.11.1982, IV B 4‑S 2121 – 85/​82, BStBl I 1984, 133; spä­ter Ver­wal­tungs­an­wei­sung des BMF vom 07.02.1990, IV B 1‑S 2121 – 5/​90, BStBl I 1990, 109[↩]
vgl etwa BFHE 161, 361 = BStBl II 1990, 1018[↩]
vgl zB Wacker in Schmidt, EStG, 21. Aufl 2002, § 18 RdNr 155 – Tages­mut­ter -; Lam­brecht in Kirch­hof, EStG, 2. Aufl 2002, § 18 RdNr 151, 25[↩]
IV 310‑S 2248 – 1/​91[↩]
BT-Drucks 14/​7725, S 5[↩]
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