Source: https://home.kpmg/at/de/home/insights/2020/03/ean-2020-02.html
Timestamp: 2020-04-04 18:37:55
Document Index: 9486228

Matched Legal Cases: ['§ 201', '§ 221', '§ 238', '§ 251', '§ 243', '§ 267', '§ 245']

Express Accounting News 2020/02
COVID-19 – Berücksichtigung in Abschlüssen per 31. Dezember 2019
Diese Ausgabe von "Express Accounting News" enthält Informationen zu den Auswirkungen des Coronavirus auf die Rechnungslegung und Berichterstattung zum Stichtag 31. Dezember 2019
Der Ausbruch des Coronavirus COVID-19 Anfang 2020 wurde von der WHO zu einem öffentlichen Gesundheitsnotstand von internationaler Bedeutung erklärt, der erhebliche Auswirkungen auf die Bevölkerung und Unternehmen auf der ganzen Welt hat. Im Folgenden werden zentrale Fragen in Bezug auf Abschlüsse des Jahres 2019 nach UGB und IFRS behandelt.
1. Betrifft der Ausbruch von COVID-19 die Bilanzierung des Jahres 2019?
Bei der Beurteilung der Frage, ob nach dem Abschlussstichtag gewonnene Erkenntnisse im Jahres- oder Konzernabschluss zu berücksichtigen sind, ist zu unterscheiden, ob die neuen Informationen bessere Erkenntnisse über die Verhältnisse zum Abschlussstichtag liefern (sog wertaufhellende Erkenntnisse) oder ob es sich um neue Erkenntnisse und Änderungen der Verhältnisse nach dem Abschlussstichtag handelt (sog wertbegründende Tatsachen) (AFRAC 16 und IAS 10).
Nach allgemeiner Ansicht (Vergleiche auch den fachlichen Hinweis des deutschen Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) vom 4. März 2020) stellen die Auswirkungen des Coronavirus gemäß AFRAC 16 bzw IAS 10 wertbegründende und damit nicht zu berücksichtigende Ereignisse dar. Dementsprechend sind die bilanziellen Konsequenzen des Coronavirus erst in Abschlüssen mit Stichtag nach dem 31. Dezember 2019 abzubilden. Im Wertaufhellungszeitraum zwischen dem Ende des Geschäftsjahres 2019 und dem Zeitpunkt der Aufstellung des Abschlusses eingetretene Ereignisse geben nicht Aufschluss über die Verhältnisse zum Abschlussstichtag, sondern verändern sie. Die Berücksichtigung im Zahlenwerk von Abschlüssen zum Stichtag 31. Dezember 2019 ist aufgrund des in § 201 Abs. 2 Z 3 UGB festgeschriebenen Stichtagsprinzip daher nicht erforderlich.
Falls jedoch Ereignisse nach dem Bilanzstichtag darauf hindeuten, dass die Annahme der Unternehmensfortführung nicht mehr angemessen ist, darf der Jahres- bzw. Konzernabschluss nicht auf der Grundlage der Going-Concern-Annahme aufgestellt werden. Bei der Beurteilung der Angemessenheit hat das Unternehmen sämtliche verfügbaren Informationen über die Zukunft, mindestens jedoch die ersten zwölf Monate nach dem Abschlussstichtag in Betracht zu ziehen. Daher ist COVID-19 in die Überlegungen mit einzubeziehen.
2. Welche Angaben sind im Anhang zum Jahres- und Konzernabschluss per 31. Dezember 2019 zu machen?
Wertbegründende Ereignisse nach dem Bilanzstichtag sind im Anhang zum Jahresabschluss von mittelgroßen und großen Gesellschaften (§ 221 UGB) gemäß § 238 Abs 1 Z 11 UGB und zum Konzernabschluss gemäß § 251 Abs 1 UGB und IAS 10 als Ereignisse nach dem Abschlussstichtag anzugeben. Dabei ist die Art des Ereignisses und eine Schätzung seiner finanziellen Auswirkungen zu erläutern. Ist eine Schätzungen der finanziellen Auswirkungen nicht möglich, hat ein Unternehmen diese Tatsache anzugeben (AFRAC 16 und IAS 10).
3. Welche Angaben sind im Lagebericht des Jahres- und Konzernabschlusses per 31. Dezember 2019 zu machen?
Der Lagebericht hat gemäß § 243 Abs 2 Z 1 UGB bzw § 267 Abs 1 UGB iVm § 245a Abs 1 UGB auf die voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens/des Konzerns einzugehen. Dabei sind auch die wesentlichen Risiken und Ungewissheiten zu beschreiben, denen das Unternehmen ausgesetzt ist. Besteht ein wesentliches Risiko, dass die Auswirkungen der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus zu einer negativen Abweichung von Prognosen oder Zielen des Konzerns führen werden, ist darüber im Rahmen des Lageberichts zu berichten.
4. Was tun, wenn zwischen Aufstellung und Feststellung des Jahresabschlusses neue Tatsachen zu COVID-19 bekannt werden?
Eine Verpflichtung den bereits aufgestellten Abschluss aufgrund neu bekannt gewordener wesentlicher Umstände zu ändern, besteht gemäß AFRAC 16 nur in Hinblick auf wertaufhellende, NICHT jedoch im Hinblick auf wertbegründende Tatsachen. Daher ist grundsätzlich keine Anpassung von Anhang und Lagebericht aufgrund zusätzlicher Tatsachen in Bezug auf die Auswirkungen der Corona-Krise erforderlich.
Davon ausgenommen sind lediglich solche Umstände, die aufgrund ihrer Tragweite die Anwendbarkeit der Going-Concern-Prämisse auf das bilanzierende Unternehmen insgesamt in Frage stellen.
5. Welche Auswirkungen bestehen auf die Rechnungslegung für Stichtage nach dem 31. Dezember 2019?
Für Bilanzstichtage nach dem 31. Dezember 2019 sind die Auswirkungen von COVID-19 wertaufhellend und damit auch im Zahlenwerk der Bilanzierung zu berücksichtigen. Diese Auswirkungen können abhängig vom Unternehmen und Branche äußerst weitreichend sein. Wir bereiten derzeit eine gesonderte Kundeninformation zu diesem Thema vor.
Aktuell planen wir statt des Accounting Circle am 2. April 2020 eine einstündige Veranstaltung per Webinar mit umfangreichen Informationen zur bestmöglichen Unterstützung unserer Kunden in der derzeitigen herausfordernden Situation.