Source: https://www.gabler-banklexikon.de/definition/bewertung-des-anlage-und-umlaufvermoegens-56250
Timestamp: 2020-01-29 02:10:58
Document Index: 260451511

Matched Legal Cases: ['§ 253', '§ 253', '§ 253', '§ 253', '§ 253', '§ 6', '§ 253', '§ 253', '§ 6', '§ 340', '§ 253', '§ 255']

Bewertung des Anlage- und Umlaufvermögens • Definition | Gabler Banklexikon
1. Die handelsrechtliche Bewertung von Vermögensgegenständen des Anlage- und Umlaufvermögens richtet sich nach den allgemeinen Bewertungsgrundsätzen. Die Wertobergrenze wird durch die Anschaffungskosten oder Herstellungskosten bestimmt (§ 253 I 1 HGB). Damit wird das Realisationsprinzip umgesetzt, das den Ausweis von Gewinnen erst erlaubt, wenn sie realisiert sind. Zusätzlich ist das Imparitätsprinzip zu beachten, das besagt, dass noch nicht realisierte Verluste bilanziert werden müssen. Es wird durch das Niederstwertprinzip konkretisiert, das zur Festlegung des Wertansatzes von Vermögensgegenständen einen Vergleich ihrer Anschaffungs- oder Herstellungskosten (ggf. vermindert um planmäßige Abschreibungen) und ihrer Stichtagsvergleichswerte (Börsen- oder Marktpreis bzw. beizulegender Wert) verlangt. Grundsätzlich ist der niedrigere der beiden Werte anzusetzen (§ 253 III, IV HGB).
2. Bewertung des Anlagevermögens: Das abnutzbare Anlagevermögen ist zu vermindern um planmäßige Abschreibungen mittels eines Abschreibungsplanes, der die Anschaffungs- und Herstellungskosten auf die Geschäftsjahre zu verteilen hat, in denen der Vermögensgegenstand voraussichtlich genutzt werden kann. Grundsätzlich zulässig sind Abschreibungen nach Maßgabe der Inanspruchnahme (leistungsbezogene Abschreibung) wie auch die zeitbedingten Abschreibungsverfahren (im Wesentlichen lineare und degressive Abschreibung sowie der planmäßige Übergang von degressiver auf lineare Abschreibung). Bei einer voraussichtlich dauernden Wertminderung sind außerplanmäßige Abschreibungen vorzunehmen (§ 253 III 5 HGB). Bei einer vorübergehenden Wertminderung ist die Abschreibung auf den niedrigeren beizulegenden Wert mit Ausnahme des Finanzanlagevermögens, bei dem auch bei einer voraussichtlich nur vorübergehenden Wertminderung eine außerplanmäßige Abchreibung vorgenommen werden darf, untersagt (§ 253 III 6 HGB). Wenn die Gründe, die zu einer außerplanmäßigen Abschreibung geführt haben, zu einem späteren Bilanzstichtag nicht mehr bestehen, gilt ein Wertaufholungsgebot (§ 253 V 1 HGB).
3. Auch in der Steuerbilanz sind die abnutzbaren Anlagegegenstände planmäßig abzuschreiben. Regelabschreibung ist die lineare Methode. Handelsrechtliche Abschreibungswahlrechte dürfen in der Steuerbilanz nur dann ausgeübt werden, wenn es die steuerrechtlichen Bewertungsvorschriften zulassen. Fällt der Grund für eine außerordentliche Abschreibung (Absetzung für außergewöhnliche Abnutzung, Teilwertabschreibung) weg, so muss auf den höheren tatsächlichen Wert zugeschrieben werden. Hierbei dürfen jedoch die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, bei abnutzbaren Anlagegegenständen vermindert um planmäßige Abschreibungen, nicht überschritten werden. Steuerrechtliche Abschreibungen sind grundsätzlich nur dann zulässig, wenn ein Grund für eine Absetzung für außergewöhnliche Abnutzung oder eine dauerhafte Wertmindeurng gemäß § 6 I Nr. 1 EStG vorliegt.
4. Bewertung des Umlaufvermögens: Für das Umlaufvermögen gelten grundsätzlich die gleichen Bewertungsgrundsätze wie für das Anlagevermögen. Eine planmäßige Abschreibung gibt es für das Umlaufvermögen jedoch nicht. Bei einer Wertminderung sind außerplanmäßige Abschreibungen zwingend vorzunehmen (§ 253 IV HGB), auch wenn sie nicht von Dauer ist (strenges Niederstwertprinzip). Wie für das Anlagevermögen besteht auch für das Umlaufvermögen ein Wertaufholungsgebot (§ 253 V 1 HGB). Steuerrechtlich ist eine außerplanmäßige Abschreibung (Teilwertabschreibung) im Umlaufvermögen hingegen nur dann zulässig, wenn es sich um eine dauerhafte Wertminderung handelt (§ 6 I Nr. 2 EStG). Eine Dauerhaftigkeit wird dann angenommen, wenn die Wertminderung bis zur Aufstellung der Steuerbilanz fortbesteht.
Abweichend von den allgemeinen Bewertungsgrundsätzen sind Finanzinstrumente des Handelsbestandes grundsätzlich zum beizulegenden Zeitwert abzüglich eines Risikoabschlages zu bewerten (§ 340e III HGB). Für Finanzinstrumente, die auf einem aktiven Markt gehandelt werden, entspricht der beizulegende Zeitwert dem Marktpreis. Für Finanzinstrumente, die nicht auf einem aktiven Markt gehandelt werden, ist der beizulegende Zeitwert anhand anerkannter Bewertungsverfahren zu bestimmen (Discounted-Cashflow-Verfahren, Optionspreismodelle etc.); ist dies nicht möglich, sind die Anschaffungskosten gemäß § 253 IV HGB fortzuführen (§ 255 IV HGB).
Mindmap Bewertung des Anlage- und Umlaufvermögens Quelle: https://www.gabler-banklexikon.de/definition/bewertung-des-anlage-und-umlaufvermoegens-56250 node56250 Bewertung des Anlage- ... node58692 Herstellungskosten node56250->node58692 node56251 Bewertungsgrundsätze node56250->node56251 node55403 Abschreibung node56250->node55403 node62435 Vorsorgereserven für allgemeine ... node58376 Geschäftswert node57888 Finanzanlagevermögen node62589 Wertaufholung node62589->node56250 node62589->node58376 node62589->node57888 node62589->node55403 node56596 Cashflow Return on ... node56596->node58692 node56313 Bilanzierungswahlrecht node56313->node58692 node61037 Rohergebnis node61037->node58692 node58633 Handelsergebnis node62610 Wertpapiere im Jahresabschluss ... node58633->node62610 node62600 Wertpapier node62222 verbundene Unternehmen node56251->node58692 node62431 Vorsichtsprinzip node56251->node62431 node58569 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ... node56251->node58569 node61584 Stetigkeitsprinzip node56251->node61584 node62610->node56250 node62610->node62435 node62610->node62600 node62610->node62222 node60969 Return on Investment ... node60969->node55403 node61394 Sonderbetriebsausgaben node61394->node55403 node81593 Tax Shield node81593->node55403 node61590 Steuerbilanz und Handelsbilanz ... node61590->node55403 node61975 True and Fair ... node61975->node56251 node61627 stille Reserven der ... node61627->node62589
Mindmap Bewertung des Anlage- und Umlaufvermögens Quelle: https://www.gabler-banklexikon.de/definition/bewertung-des-anlage-und-umlaufvermoegens-56250 node56250 Bewertung des Anlage- ... node56251 Bewertungsgrundsätze node56250->node56251 node55403 Abschreibung node56250->node55403 node58692 Herstellungskosten node56250->node58692 node62610 Wertpapiere im Jahresabschluss ... node62610->node56250 node62589 Wertaufholung node62589->node56250
Prof. Dr. Michael Hinz
Inhaber der Professur Internationale Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung
Abschreibung Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Kredite Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Wertpapiere Aktivposten der Bankbilanz Anlagendeckung Aufwandsrentabilität Bewertung des Anlage- und Umlaufvermögens Bewertungsgrundsätze Bilanzanalyse, Analyse der Ertragslage Bilanzanalyse, Analyse der Vermögens- und Kapitalstruktur Bilanzansatzvorschriften Cashflow Cashflow Return on Investment (CFROI) Deckungsbeitragsrechnung Economic Value Added (EVA) Finanzinstrumente, Bilanzierung Fonds für allgemeine Bankrisiken Fristenkongruenz bilanzunwirksame Geschäfte bilanzwirksame Geschäfte
Wertpapiere im Jahresabschluss der Kreditinstitute