Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=21%20U%205534/10
Timestamp: 2019-04-20 09:34:08
Document Index: 45268171

Matched Legal Cases: ['§ 251', '§ 251', '§ 251', '§ 90', '§ 251', '§ 251', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

OLG München, 11.04.2011 - 21 U 5534/10 - dejure.org
OLG München, 11.04.2011 - 21 U 5534/10
Tierhalterhaftung: Verhältnismäßigkeitsschwelle bei der Verletzung eines Tiers; Berücksichtigung der mitwirkenden Tiergefahr des verletzten Hundes
Tierhalterhaftung - Verhältnismäßigkeitsschwelle, Ermittlung - Haftungsverteilung
Anders als bei Sachen ist bei Tieren die Verhältnismäßigkeitsschwelle höher als 130%
bld.de (Volltext und Entscheidungsanmerkung)
§§ 251, 254 BGB
Allgemeines Schadensersatzrecht - Anwendung der 130%-Grenze auf verletzte Tiere
VersR 2011, 1412
So können bei Tieren mit einem geringen materiellen Wert Behandlungskosten auch dann ersatzfähig sein, wenn sie ein Vielfaches dieses Wertes ausmachen (vgl. BT-Drucks. 11/5463 S. 5; vgl. OLG München, VersR 2011, 1412;… MünchKommBGB/Oetker, 6. Aufl., § 251 Rn. 62; vgl. auch LG Bielefeld, NJW 1997, 3320, 3321 für Tiere ohne Marktwert).
Insoweit hat der Gesetzgeber mit § 251 Abs. 2 Satz 2 BGB eine Ausnahmeregelung im Sinne von § 90a Satz 3 BGB geschaffen, mit der die Ersetzungsbefugnis des Schuldners nach § 251 Abs. 2 Satz 1 BGB eingeschränkt wird (…Erman/Ebert, BGB, 14. Aufl., § 251 Rn. 2, 25 f.; vgl. auch Bocianiak, VersR 2011, 981, 982; so im Ergebnis - ohne Begründung - OLG München, VersR 2011, 1412) und der geschädigte Tierhalter Wiederherstellung in Höhe der verhältnismäßigen Heilbehandlungskosten beanspruchen kann.
Andererseits können aber schon von einem Tier ausgehende und auf ein anderes Tier einwirkende Reize eine für einen Schaden mitursächliche Tiergefahr darstellen (BGH, Urteil vom 31.05.2016, Az.: VI ZR 465/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 2737 f.; BGH, Urteil vom 06.07.1976, Az.: VI ZR 177/75, u.a. in: NJW 1976, Seiten 2130 f.; OLG Hamm, Urteil vom 17.12.2012, Az.: 6 U 53/12, u.a. in: BeckRS 2014, Nr.: 19663 = "juris"; OLG München, Urteil vom 11.04.2011, Az.: 21 U 5534/10, u.a. in: VersR 2011, Seiten 1412 f.), so dass ggf. wohl auch die Rivalität von Rüden bei hinzukommen von Hündinnen aufgrund des tierischen Balz- und Sozial-Instinkts von Rüden eine solche Tiergefahr darstellen kann.
Dies ändert aber dem Grunde nach noch nichts daran, dass der Hund des Klägers ein Rüde ist und deshalb davon auszugehen ist, dass der Rüde des Beklagten gerade deshalb den Hund des Klägers als "Rivalen" hinsichtlich der beiden hinzugekommenen Hündinnen angesehen hatte (OLG München, Urteil vom 11.04.2011, Az.: 21 U 5534/10, u.a. in: VersR 2011, Seiten 1412 f.).
Dies allein schon hätte hier somit zur Folge, dass der Beklagte 70 % der vorgenannten 2.977,44 Euro an Tierarztkosten hätte ersetzen müssen, mithin also einen Betrag von insgesamt 2.084,21 Euro und nicht nur die außergerichtlich gezahlten 1.488,72 Euro (OLG München, Urteil vom 11.04.2011, Az.: 21 U 5534/10, u.a. in: VersR 2011, Seiten 1412 f.).
So können bei Tieren mit einem geringen materiellen Wert Behandlungskosten auch dann ersatzfähig sein, wenn sie ein Vielfaches dieses Wertes ausmachen (BGH, Urteil vom 31.05.2016, Az.: VI ZR 465/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 2737 f.; BGH, Urteil vom 27.10.2015, Az.: VI ZR 23/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 1589 f.; OLG München, Urteil vom 11.04.2011, Az.: 21 U 5534/10, u.a. in: VersR 2011, Seiten 1412 ff.).
OLG Schleswig, 19.08.2014 - 4 W 19/14
Heilbehandlungskosten bei Tieren; Behandlungsfehler bei Tieren; Tierarzthaftung
Dem Wert des Hundes kommt hier eine erhebliche Bedeutung zu (OLG München VersR 2011, 1412), dabei z. B., ob der Hund reinrassig ist, Zuchtpapiere besitzt oder eine besondere wertsteigernde Ausbildung durchlaufen hat.