Source: https://www.juraforum.de/lexikon/inobhutnahme
Timestamp: 2018-03-19 19:51:20
Document Index: 92112349

Matched Legal Cases: ['§ 42', '§ 8', 'Art. 104', '§ 42', '§ 8', '§ 1666', '§ 8', 'BGH', '§ 89', '§ 86', '§ 89', '§ 1666']

ᐅ Inobhutnahme: Definition, Begriff und Erklärung im JuraForum.de
Erklärung zum Begriff Inobhutnahme
Die vorläufige Aufnahme und Unterbringung eines Kindes oder Jugendlichen in Notsituation durch das Jugendamt wird als Inobhutnahme bezeichnet.
Juristisch wird in diese Maßnahme in Deutschland über den § 42 des SGB VIII geregelt und stellt eine so genannte andere Aufgabe der Jugendhilfe dar. Sie erfolgte 25.800 mal im Jahre 2006 (Quelle: Statistisches Bundesamt).
II. Der Begriff „Herausnahme“
Die Inobhutnahme ist eine Maßnahme zur schnellen und möglichst unbürokratischen Intervention zugunsten des Kindes und dient als Klärungshilfe für Betroffene in Krisensituationen, sowie dem unmittelbaren Kinderschutz. Die Inobhutnahme gehört zu den wenigen rein fürsorglichen Leistungen der Jugendhilfe, bei denen der Staat sich selber in die Pflicht nimmt, um auch in Ausnahmesituation jedem Minderjährigen eine materielle Grundsicherung zu gewähren.
Sucht ein Kind oder Jugendlicher selber um Schutz nach, so ist das Jugendamt bzw. die dafür zuständige Einrichtung (z.B. der Kindernotdienst) verpflichtet, dieser Bitte nachzukommen. Maßgeblich ist ausschließlich das subjektive Empfinden des Schutzsuchenden. Selbst wenn beteiligte Erwachsene auf den ersten Blick zu einem anderen Schluss kommen, ist das Kind bzw. der Jugendliche erst einmal in Obhut zu nehmen.
Erfährt das Jugendamt von einer Kindeswohlgefährdung (vgl. dazu auch § 8a) SGB-VIII, ist es verpflichtet, diesen jungen Menschen in Obhut zu nehmen. Freiheitsentziehende Maßnahmen sind ohne richterliche Entscheidung einen Tag nach Beginn zu beenden (Art. 104 GG). Sie sind außerdem nur zulässig, um Gefahren für Leib und Leben des Betroffen oder Dritten abzuwenden.
Durch das Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz (KICK) wurden die Inobhutnahme und die Herausnahme zum 01. Oktober 2005 in dem neu gefassten § 42 SGB VIII (Inobhutnahme) zusammengeführt. Der Begriff der Herausnahme kommt in diesen nicht mehr vor. Im Hinblick auf die Situation im Elternhaus ist das Jugendamt aufgrund seines sog. Schutzauftrages (nun ausdrücklich in § 8a SGB VIII hervorgehoben) auch bei einer Gefährdung eines Minderjährigen zunächst verpflichtet, die Eltern zur Zusammenarbeit zu bewegen. Ist dies nicht möglich, muss das JA ggf. nach den §§ 1666 bzw. 1666a BGB eine Eilentscheidung des Familiengerichts erwirken. Bei Gefahr im Verzug ist der Minderjährige ( ggf. mit Unterstützung durch die Polizei) direkt in Obhut zu nehmen und die Entscheidung des Gerichts nachzuholen. Eigene Befugnisse zur Anwendung sog. "unmittelbaren Zwangs" hat das Jugendamt nicht (vgl. §§ 8a Abs. 4, 42 Abs. 6 SGB VIII).
Inobhutnahme gegen den eigenen Willen? Monterey schrieb am 26.01.2017, 22:06 Uhr:
Folgendes Szenario: Ein Jugendlicher (16 j.) streitet sich mit seiner Mutter, sodass von einem Nachbarn die Polizei gerufen wurde. Diese entscheidet den Jugendlichen zum Kinder und Jugendnotdienst zu bringen. Allerdings entfernt sich der Jugendliche am nächsten Tag wieder aus der Einrichtung und macht sich auf den Weg nach Hause. Dort... » weiter lesen
Inobhutnahme ohne Schriftverkehr Kurtz78 schrieb am 16.11.2016, 01:13 Uhr:
Guten Abend Juraforum. (y)Was sagen Sie zu folgendem fiktiven Fall?Mal angenommen, zwei Mitarbeiter des Jugendamtes erscheinen und wollen die (durch Dritte angeregte) Inobhutnahme eines kleinen Kindes durchführen. Es gab diesbezüglich zuvor keinen Austausch zwischen dem JA und den (grundsätzlich kooperationsbereiten) Eltern... » weiter lesen
Inobhutnahme nach Verleumdung Jurtv schrieb am 12.08.2016, 23:43 Uhr:
Angenommen A und B (Großeltern) verleumden C (Tochter) beim Jugendamt nach einem Familienkonflikt. Behaupten z.B. C sei körperlich behindert, geisteskrank, nehme Drogen und wolle sich und D (Enkel) umbringen. Weiter, D bekomme nichts zu essen etc. . Das Jugendamt nimmt D sofort in Obhut und gibt es A und B in Pflege, später wird D in... » weiter lesen
Sorgerechtsentzug, Kindeswohlschädigung, Kindesentfremdung Brokenheart35 schrieb am 15.06.2015, 21:00 Uhr:
Hallo an alle,nehmen wir mal an, es gäbe eine Mutter, die wegen folgendem ziemlich verzweifelt ist:Das Jugendamt hat Ende Januar ihre 3 Kinder in Obhut genommen,weil sie in s Krankenhaus musste. (der Große ist 9, die Zwillinge sind 3 geworden).Seit Ende Februar ist sie aus dem Krankenhaus entlassen, und dachte eigentlich, sie bekäme... » weiter lesen
kindeswohlgefährtung rechte als vater Herr J. schrieb am 23.11.2014, 01:42 Uhr:
Jugendamt bittet ein krankenhaus, ein neugeborenes Baby den eltern nicht mit nach hause zu geben. Die Mama ist schon entlassen aber ließ sich zu ihren Baby verlegen und blieb 24std am tag bei ihren Baby und nutzte die hilfe der schwestern im umgang mit dem Baby. Auf tel. anfrage beim sozialdienst des Krankenhauses, nach einem... » weiter lesen
Inobhutnahme GGFree schrieb am 15.03.2014, 14:37 Uhr:
Hallo, mal angenommen, in einer laufenden Untersuchung vor einem Familiengericht geht es um Kindeswohlgefährdung. Das JA gibt an, eine Herausnahme des Kindes prüfen zu wollen und alle dafür notwendigen Maßnahmen vorzubereiten. Die Eltern widersprechen. Der Richter beschließt (noch) keine Herausnahme; das Hauptsacheverfahren läuft also... » weiter lesen
Kinder vor die Tür setzen? claudi666 schrieb am 22.09.2013, 19:15 Uhr:
Hallo! Ich bin neu hier und möchte gerne folgendes wissen: Angenommen in einer Familie eskaliert es immer und immer wieder, so sehr, dass die noch minderjährigen Kinder (13-15 Jahre alt) Alkohol trinken und fremde Menschen verletzten, regelmässig Drogen konsumieren, Schule schwänzen, zuhause Möbel zerschlagen und zu guter letzt noch... » weiter lesen
Misshandlung von Schutzbefohlenen bobhope92 schrieb am 23.09.2012, 16:47 Uhr:
Angenommen ein Jugendlicher (J), 16 Jahre alt, wird seit seiner Kindheit bis zu seinem fiktiven Dasein im Jetzt geschlagen, unterdrückt, angeschrien etc(geschlagen wöchentlich,angeschrien und beleidigt täglich, das alles in gleichen Maßen von Vater sowie Mutter ). J möchte seine Eltern anzeigen, u.U. verklagen. Jetzt kommen meine... » weiter lesen
Eltern müssen bei Kind-Inobhutnahme Kostenbeitrag in Kindergeldhöhe leisten
Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat heute entschieden, dass Eltern im Falle der Inobhutnahme ihres Kindes dazu herangezogen werden dürfen, einen Mindestkostenbeitrag in Höhe des Kindergeldes für die vom Jugendamt sichergestellte Unterbringung des Kindes zu zahlen.Das Jugendamt der beklagten Stadt hatte die 17-jährige Tochter des Klägers auf ihreBitte Anfang Februar 2009 in Obhut genommen und in einer Jugendhilfeeinrichtung... » weiter lesen
BGH zur Haftung des Jugendamtes bei vorläufer Unterbringung in einer Pflegefamilie
Die klagende Krankenkasse und die klagende Pflegekasse nehmen aus übergegangenem Recht eines bei ihnen versicherten, am 30. November 2000 geborenen Kindes den beklagten Landkreis als Träger des Jugendamts wegen erbrachter Sozialleistungen auf Schadensersatz in Anspruch. Bei einem unangemeldeten Hausbesuch am 11. Januar 2001 fanden Mitarbeiter des Jugendamts den Säugling, in einer schmutzigen Decke eingewickelt, in Gesellschaft zweier Männer... » weiter lesen
BayVGH: Bezirke müssen Kosten für Inobhutnahme eines anonym geborenes Kindes tragen
30.06.2005 | Recht & Gesetz
Die Bezirke sind als überörtliche Träger der Kinder- und Jugendhilfe zur Erstattung der Kosten verpflichtet, die einem örtlichen Jugendhilfeträger (Landkreis) durch die Inobhutnahme eines neugeborenen Kindes im Anschluss an eine anonyme Geburt entstehen. Dies hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) in einem jetzt veröffentlichten Urteil entschieden und damit ein Urteil des Verwaltungsgerichts Regensburg im Ergebnis bestätigt. Der... » weiter lesen
Inobhutnahme Urteile und Entscheidungen
» VGH-BADEN-WUERTTEMBERG, 18.03.2002, 7 S 1818/01
1. § 89 b SGB VIII gilt für die Kostenerstattung bei der Inobhutnahme eines Jugendlichen auch dann, wenn es sich um einen Jugendlichen handelt, der um Asyl nachsucht oder einen Asylantrag gestellt hat. § 86 Abs. 7 SGB VIII ist insoweit keine Sonderregelung für asylsuchende Jugendliche. 2. Der Kostenerstattungsanspruch nach § 89 b Abs....
» OVG-BREMEN, 18.06.2003, OVG 2 A 82/02
Zur Inobhutnahme von Kindern durch das Jugendamt; Maßnahmen nur aufgrund von §§ 1666, 1666a BGB zulässig.
» OLG-FRANKFURT, 18.07.2001, 2 WF 194/01
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Inobhutnahme – Weitere Begriffe im Umkreis
Die Jugendhilfe in der Bundesrepublik definiert sich als Zusammenfassung der Leistungen, die öffentliche und ebenso auch freie Trägerschaften für Kinder, Jugendliche und deren Familien anbieten. Das Kinder- und Jugendhilfegesetz mit den...