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Timestamp: 2020-07-09 02:18:38
Document Index: 261401125

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 140', 'Art. 136', 'Art. 2', 'Art. 5', 'Art. 4', 'Art. 140', 'Art. 136', 'Art. 4', 'Art. 140', 'Art. 136', 'Art. 140', 'Art. 136', 'Art. 4', 'Art. 140', 'Art. 136', 'Art. 140', 'Art. 136', 'Art. 140', 'Art. 136', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 140', 'Art. 136', 'Art. 140', 'Art. 136', 'Art. 140', 'Art. 136', 'Art. 4', 'Art. 140', 'Art. 136', 'Art. 140', 'Art. 136', 'Art. 140', 'Art. 136', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 4', '§ 22', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 140', 'Art. 138', 'Art. 5', 'Art. 9']

Art. 4 GG als Grundrecht unter Vorbehalt?
von Niklas Raabe (Autor)
Seminararbeit 2013 31 Seiten
A. Die Religionsfreiheit und die Herausforderung des religiösen Pluralismus: Der Grundrechtsvorbehalt als mögliche Weichenstellung
B. Der Grundrechtsvorbehalt als Rechtsgrundlage für die Einschränkung von Grundrechten
C. Die Schrankenseite der Religionsfreiheit: Das Fehlen eines expliziten Vorbehalts in Art. 4 Abs. 1, 2 GG trotz Notwendigkeit gewisser Beschränkungen als Problemstellung
D. Untersuchung expliziter Vorbehaltsmodelle: Art. 140 GG i.V.m Art. 136 Abs. 1 WRV als Mittelpunkt aktueller Diskussionen
I. Übertragung der Grundrechtsvorbehalte der Art. 2 Abs. 1, Art. 5 Abs. 2 GG auf Art. 4 Abs. 1, 2 GG: Unzulässigkeit der Figur der „Schrankenleihe“
II. Art. 140 GG i.V.m Art. 136 Abs. 1 WRV als expliziter Grundrechtsvorbehalt des Art. 4 Abs. 1, 2 GG
1. Stand der Diskussion in Literatur und Rechtsprechung: Der Vorbehalt aus Art. 140 GG i.V.m Art. 136 Abs. 1 WRV als äußerst umstrittenes Element
2. Auslegung des Art. 140 GG i.V.m Art. 136 Abs. 1 WRV als Grundrechtsvorbehalt des Art. 4 Abs. 1, 2 GG
a) Wortlautauslegung: Die „bürgerlichen und staatsbürgerlichen [] Pflichten“ als Ansatzpunkt für einen Grundrechtsvorbehalt
b) Systematische Auslegung: Enthalten eines Vorbehalts aufgrund des Art. 140 GG i.V.m Art. 136 Abs. 1 WRV im Kontext als vollgültiges Verfassungsrecht
c) Das gespaltene Bild der historischen Auslegung: Für einen Vorbehalt, aber gegen Art. 140 GG i.V.m Art. 136 Abs. 1 WRV
d) Teleologische Auslegung: Notwendigkeit der Interpretation des Art. 140 GG i.V.m Art. 136 Abs. 1 WRV gerade als Vorbehalt des Art. 4 Abs. 1, 2 GG aus heutiger Perspektive
e) Zusammenfassung: Art. 4 Abs. 1, 2 GG unter dem Vorbehalt des Art. 140 GG i.V.m Art. 136 Abs. 1 WRV
3. Die Einordnung des Art. 140 GG i.V.m Art. 136 Abs. 1 WRV als qualifizierter Grundrechtsvorbehalt im Sinne der allgemeinen Gesetze
III. Einzelne Aspekte der Religionsfreiheit unter den weiteren, speziellen Vorbehalten des Art. 140 GG i.V.m Art. 136 ff. WRV
IV. Zusammenfassung: Art. 4 Abs. 1, 2 GG unter dem Grundrechtsvorbehalt des Art. 140 GG i.V.m Art. 136 Abs. 1 WRV sowie unter den speziellen Grundrechtsvorbehalten des Art. 140 GG i.V.m Art. 136 ff. WRV
E. Verfassungsimmanente Schranken: Anwendung außerhalb des Anwendungsbereichs der expliziten Grundrechtsvorbehalte des Art. 140 GG i.V.m Art. 136 ff. WRV
F. Ergebnis: Art. 4 GG als Grundrecht unter Vorbehalt
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Das Grundrecht auf Religionsfreiheit des Art. 4 Abs. 1, 2 GG gilt seit der Verkündung des Grundgesetzes als besonders schwierig zu handhabendes Grundrecht. Bereits im Parlamentarischen Rat gab es Diskussionen um die Interpretation und Ausgestaltung des Art. 4 GG[1]. Tatsächlich halten diese Diskussionen nicht nur bis heute an, sondern der religiöse Pluralismus der letzten Jahrzehnte sorgte und sorgt zudem für einen deutlichen Wandel des „Religionsverfassungsrechts“[2], welches dadurch erheblich an Aktualität und Bedeutung gerade in der Praxis der Gerichte[3] gewonnen hat.
Anschaulich dazu sind die Worte von M. Heimbach-Steins: „Schon allererste – beschreibende und deutende – Blicke auf die religiöse Situation der Gegenwart lassen erkennen, dass die Präsenz von Religion im Plural ihrer Erscheinungsformen eine Reihe neuartiger Herausforderungen für alle Beteiligten mit sich bringt“.[4] Ähnlich beschreibt auch K.-H. Kästner die Problematik: „Das Grundrecht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit tendiert in hohem Maße dazu, mit sonstigen Ordnungskategorien der rechtsstaatlichen Verfassung in Spannung zu geraten.“[5] Ein besonderes Problem besteht gerade darin, dass in Bezug auf Glaube und Religion vieles auf Werten und Prinzipien beruht, die jede Gesellschaft bzw. jede Einzelperson subjektiv[6] anders bewertet. Mit den anschaulichen Worten von M. Morlok: „Das Problem der Kollision zwischen dem objektiv verbindlichen Rechtsbefehl und der persönliche für verbindlich gehaltenen (politischen) Überzeugung kann in vielerlei Hinsichten entstehen“.[7] Es besteht ein Spannungsverhältnis zwischen rechtlichen und religiösen Vorgaben; so ist schließlich auch das „Menschenbild des Grundgesetzes () selbst Weltanschauung“[8].
So ist es wenig verwunderlich, dass in kaum einer Frage im Kontext der Religionsfreiheit und des Religionsverfassungsrechts ein wirklicher gesellschaftlicher bzw. rechtlicher Konsens besteht[9], zudem werden die Herausforderungen gleichzeitig umso größer. Nach A. v. Campenhausen und H. de Wall ist die Religionsfreiheit folglich „zum Testfall für den Umgang der deutschen Verfassungsordnung mit kultureller Vielfalt und damit für ihre Integrationsfähigkeit geworden“[10]. Die Auflistung anschaulicher Beispiele für die derzeit schwierige und im Wandel begriffene Situation des Religionsverfassungsrechts und die Herausforderungen des religiösen Pluralismus ließe sich noch lange fortführen[11]. Die Antwort unserer Gesellschaft auf die pluralistischen Tendenzen betrifft jedenfalls „das Verständnis der Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenlebens angesichts der Phänomene weltanschaulicher und religiöser Pluralisierung“[12].
[1] So bspw. in der 24. Sitzung des Ausschusses für Grundsatzfragen am 23. November 1948, Deutscher Bundestag/Bundesarchiv (Hrsg.), Der Parlamentarische Rat 1948-1949. Akten und Protokolle. 14 Bände; Bd. 5/II: Ausschuß für Grundsatzfragen, 1993, S. 621-647; siehe zum Grundrechtsvorbehalt insb. S. 625-632, siehe ferner auch die 26. Sitzung des Ausschusses für Grundsatzfragen am 30. November 1948, Deutscher Bundestag/Bundesarchiv (Hrsg.), Der Parlamentarische Rat, ebda., S. 712-733(dort S. 762-764); siehe ferner auch die kurze Darstellung der Diskussionen im Parlamentarischen Rat von M. Morlok in: H. Dreier (Hrsg.), Grundgesetz-Kommentar, Bd. I, 2. Auflage 2004, Art. 4 Rn. 17 f.; siehe letztendlich auch das Urteil von M. Borowski, Die Glaubens- und Gewissensfreiheit des Grundgesetzes, 2006, S. 58 f.: „Unsicherheit hinsichtlich grundrechtsdogmatischer Grundfragen deutlich spürbar“.
[2] Dieser Wandel äußert sich mit am deutlichsten im fortwährenden Begriffsstreit zwischen dem traditionellen Terminus des „Staatskirchenrechts“ oder dem des „Religionsverfassungsrechts“. Dem neueren Trend entsprechend soll im Folgenden vom „Religionsverfassungsrecht“ gesprochen werden, ohne dabei inhaltlich Aussagen treffen zu wollen. Näher zur Diskussion siehe ausführlich M. Morlok, „Staatskirchenrecht“ oder „Religionsverfassungsrecht“. Vorläufige Bilanz einer aktuellen Debatte, in: J. Goldenstein (Hrsg.): Vom Staatskirchenrecht zum Religionsverfassungsrecht? Ein Begriffsstreit und seine religionspolitischen Konsequenzen, 2009, S. 7-30.
[3] Siehe hierzu nur beispielhaft die viel diskutierten Entscheidungen BVerfGE 93, 1 – Kruzifix; 104, 337 – Schächten; 108, 282 – Kopftuch; LG Köln JZ 2012, 805 – Knabenbeschneidung.
[4] M. Heimbach-Steins, Religionsfreiheit: Ein Menschenrecht unter Druck, 2012, S. 16.
[5] So K.-H. Kästner, Hypertrophie des Grundrechts auf Religionsfreiheit. Über das Verhältnis der Religions- und Weltanschauungsfreiheit zum Geltungsanspruch des allgemeinen Rechts, in: JZ 1998, S. 974-982 (977); siehe auch Heimbach-Steins, Religionsfreiheit (Fn. 4), S. 16: Religion könne als „Konfliktthema“ gesehen werden, für „religiöse wie nicht-religiöse Zeitgenossen“.
[6] Siehe dazu W. Bock, Die Religionsfreiheit zwischen Skylla und Charybdis, in: AöR 123 (1998), S. 444-475 (444): Religion als „wesentliches Element unterschiedlicher kultureller Identitätsbildung“.
[7] Morlok (Fn. 1), Art. 4 Rn. 50.
[8] C. Hillgruber, Staat und Religion. Überlegungen zur Säkularität, zur Neutralität und zum religiös-weltanschaulichen Fundament des modernen Staates, 2007, S. 52.
[9] Siehe Heimbach-Steins, Religionsfreiheit (Fn. 4), S. 17, wo auch von „widersprüchlichen Tendenzen“ gesprochen wird.
[10] A. v. Campenhausen/H. de Wall, Staatskirchenrecht. Eine systematische Darstellung des Religionsverfassungsrechts in Deutschland und Europa, 4. Auflage 2006, S. 52.
[11] So habe nach Kästner, Hypertrophie (Fn. 5), S. 974 die verfassungsrechtliche Garantie aus Art. 4 Abs. 1, 2 GG bereits eine derartige (wissenschaftliche) Entfaltung erfahren, dass sich „die kritische Frage ihrer Einbettung in die übrige verfassungsstaatliche Ordnung aufdrängt“; C. Tomuschat, Die Menschenrechte und die Religionen, in: H. R. Schlette (Hrsg.), Religionskritik in interkultureller und interreligiöser Sicht. Dokumentation des Symposiums des Graduiertenkollegs „Interkulturelle religiöse bzw. religionsgeschichtliche Studien“ vom 20.-23.11.1996 an der Universität Bonn, 1998, S. 145-158 (153) spricht von einer zunehmenden „Vielfalt der Religionsgemeinschaften“ in einer „zunehmend pluralistischen Welt“; H, Maurer, Die Schranken der Religionsfreiheit, in: ZevKR 49 (2004), S. 311-332 (331) spricht davon, dass „immer mehr Menschen eigenen Vorstellungen folgen und auf ihre tatsächlichen oder vermeintlichen Rechte pochen“; Morlok (Fn. 1), Art. 4 Rn. 47 spricht von „erheblichen Herausforderungen“ die durch „unterschiedliche sozial- und mentalitätsstrukturelle Veränderungen“ bedingt seien; nach v. Campenhausen/de Wall, Staatskirchenrecht (Fn. 10), S. 51 werden „Verständnis und Dogmatik der Religionsfreiheit () in jüngerer Zeit im Schrifttum in Frage gestellt“; G. Robbers, Das deutsche Staatskirchenrecht auf dem Prüfstand. Die neue Bedeutung der Religion, in: Johannes Goldenstein (Hrsg.): Vom Staatskirchenrecht zum Religionsverfassungsrecht? Ein Begriffsstreit und seine religionspolitischen Konsequenzen, 2009, S. 123-134 (124) zufolge „tritt [die Religion] erneut in das öffentliche Bewusstsein“, jedoch „wachsen aber auch religiöse Auseinandersetzungen“ in der Konsequenz; F. Hufen, Staatsrecht II. Grundrechte, 3. Auflage 2011, § 22 Rn. 3 spricht von „multikulturelle[r] Gesellschaft“, die „ganz neue grundrechtliche Fragestellungen aufwirft“; F. Wittreck, Religionsverfassungsrecht als Kompass einer modernen Religionspolitik?, in: Daniel Bogner/Marianne Heimbach-Steins (Hrsg.), Freiheit – Gleichheit – Religion. Orientierungen moderner Religionspolitik, 2012, S. 53-76 (55, dort insb. Fn. 2 m.w.N.) sowie S. 64, weist auf die „mehrfache Pluralisierung durch das Auftreten zumindest faktisch normsetzender Akteure“, namentlich der „europäischen Institutionen“ hin; T. Holzner/H. Ludyga, Vorwort, in: T. Holzner/H. Ludyga (Hrsg.), Entwicklungstendenzen des Staatskirchen- und Religionsverfassungsrechts. Ausgewählte begrifflich-systematische, historische, gegenwartsbezogene und biographische Beiträge, 2013, S. 9-11 (9) sprechen schließlich vom „Vordringen anderer Religionsgesellschaften“.
[12] Heimbach-Steins, Religionsfreiheit (Fn. 4), S. 27; siehe auch Holzner/Ludyga, Vorwort (Fn. 11), S. 9: „Da der Umgang mit Religionen und besonders Minderheitsreligionen charakteristisch für eine Gesellschaft ist und hieraus auf Liberalität und Toleranz von Recht und Verfassung geschlossen werden kann, kommt dieser Frage auch über das Staatskirchen- und Religionsverfassungsrecht hinausgreifende Bedeutung grundlegender Art zu.“
9783656636755
9783656636724
v271420
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Rechtswissenschaftliche Fakultät
Religionsverfassungsrecht Staatskirchenrecht Religionsrecht Art. 4 GG Grundrechte Staatsrecht Verfassungsrecht Öffentliches Rechte Grundrechtsvorbehalt
Niklas Raabe (Autor)
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