Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=10.07.2012&Aktenzeichen=7%20A%2011.11
Timestamp: 2020-05-26 00:24:36
Document Index: 114201982

Matched Legal Cases: ['§ 74', '§ 22', '§ 66', '§ 74', '§ 66', '§ 3']

Kein weiterer Lärmschutz für Anlieger einer U-Bahnbaustelle
Ist die AVV Baulärm anwendbar, so wird der unbestimmte Rechtsbegriff der schädlichen Umwelteinwirkungen für Geräuschimmissionen von Baustellen durch ihre Vorschriften konkretisiert (…vgl. BVerwG, Urt. v. 8.9.2016, 3 A 5.15, juris Rn. 95 m.w.N.; Urt. v. 10.7.2012, 7 A 11.11, juris Rn. 26;… OVG Koblenz, Urt. v. 18.11.2015, 8 C 10421/15, juris Rn. 59;… OVG Bremen, Urt. v. 13.1.2005, 1 D 224/04, juris Rn. 175;… OVG Hamburg, Beschl. v. 19.2.2001, 2 Bs 370/00, juris Rn. 127).
nicht zurückgegriffen werden, denn Baustellen sind vom Anwendungsbereich der TA Lärm ausdrücklich ausgeschlossen, vgl. Nr. 1 lit. f) TA Lärm (…vgl. BVerwG, Urt. v. 19.12.2017, 7 A 7.17, juris Rn. 54 m.w.N.; Urt. v. 10.7.2012, a.a.O., Rn. 25;… VGH Mannheim, Urt. v. 8.2.2007, 5 S 2257/05, juris Rn. 131).
Baulärm ist auch dann, wenn er - in unterschiedlichem Maße - über mehrere Jahre von einer Baustelle ausgeht, im Gegensatz zu grundsätzlich dauerndem Gewerbe- oder Verkehrslärm zeitlich begrenzt, also vorübergehend (vgl. BVerwG, Urt. v. 10.7.2012, a.a.O., Rn. 26 ff.;… VGH München, Urt. v. 11.7.2016, 22 A 15.40033, juris Rn. 83;… Urt. v. 24.1.2011, 22 A 09.40052, juris Rn. 99 ff. m.w.N.;… zum belastungsmindernden Aspekt nur vorübergehender Einwirkung auch OVG Hamburg, Beschl. v. 19.2.2001, 2 Bs 370/00, juris Rn. 129).
der AVV Baulärm festgelegten Immissionsrichtwerte entfalten nur für den Regelfall Bindungswirkung (vgl. hierzu und zum Folgenden BVerwG, Urt. v. 10.7.2012, 7 A 11.11, juris Rn. 30 ff.).
Das Bundesverwaltungsgericht (Urt. v. 10.7.2012, a.a.O., Rn. 32;… so auch Beschl. v. 1.4.2016, 3 VR 2.15, juris Rn. 27, 30;… dem folgend VGH München, Urt. v. 11.7.2016, 22 A 15.40033, juris Rn. 83;… vgl. auch VGH Mannheim, Urt. v. 8.2.2007, 5 S 2257/05, juris Rn. 136) führt hierzu weiter aus:.
Zu den Rechtsmaßstäben gilt dabei das im Zusammenhang mit Betriebslärm Ausgeführte (vgl. zur Anwendung auf Baulärm BVerwG, Urt. v. 10.7.2012, 7 A 11.11, juris Rn. 41 f., 53): Die Betrachtung eines Summenpegels aus Geräuschen unterschiedlicher Quellen kann danach im Ausnahmefall geboten sein, wenn es um eine kumulierte Belastung geht, welche die verfassungsrechtliche Schwelle zur Gesundheitsgefährdung - oder zu Eingriffen in die Substanz des Eigentums - überschreitet, was in Bezug auf Wohngebiete nur für Belastungen oberhalb von 70 dB(A) tags bzw. 60 dB(A) nachts und für Mischgebiete oberhalb von 72 dB(A) tags bzw. 62 dB(A) nachts angenommen wird, wobei eine exakte Grenze nicht zu ziehen ist.
Auf die TA Lärm kann selbst bei mehrjähriger Dauer einer Baustellenaktivität nicht zurückgegriffen werden, denn Baustellen sind vom Anwendungsbereich der TA Lärm ausdrücklich ausgeschlossen, vgl. Nr. 1 lit. f) TA Lärm (…vgl. BVerwG, Urt. v. 19.12.2017, 7 A 7.17, juris Rn. 54 m.w.N.; Urt. v. 10.7.2012, a.a.O., Rn. 25;… VGH Mannheim, Urt. v. 8.2.2007, 5 S 2257/05, juris Rn. 131).
§ 74 Abs. 2 Satz 2 VwVfG erfasst insoweit auch nachteilige Wirkungen durch das Vorhaben, die durch Lärm oder andere Beeinträchtigungen aufgrund der Bauarbeiten für das planfestgestellte Vorhaben entstehen (vgl. BVerwG, Urteil vom 10. Juli 2012 - 7 A 11.11 -, BVerwGE 143, 249 und juris, Rn. 24).
Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit von Baulärm sind die §§ 22 Abs. 1 und 3 Abs. 1 BImSchG in Verbindung mit den nach § 66 Abs. 2 BImSchG weiterhin anwendbaren Vorschriften der AVV Baulärm (vgl. BVerwG, Urteil vom 10. Juli 2012, a.a.O., juris, Rn. 25).
Dabei konkretisiert die AVV Baulärm den Rechtsbegriff der schädlichen Umwelteinwirkungen für Geräuschimmissionen von Baustellen und bestimmt das vom Normgeber für erforderlich gehaltene Schutzniveau differenzierend nach dem Gebietscharakter und nach Tages- und Nachtzeiten durch Festlegung bestimmter Immissionsrichtwerte (vgl. BVerwG, Urteil vom 10. Juli 2012, a.a.O., juris, Rn. 26 f.).
Eine Abweichung kommt insbesondere dann in Betracht, wenn die Schutzwürdigkeit des Einwirkungsbereichs der Baustelle im konkreten Fall etwa wegen einer vorhandenen Lärmvorbelastung ausnahmsweise als geringer anzusehen ist, als es in den Immissionsrichtwerten der Allgemeinen Verwaltungsschrift zum Ausdruck kommt (vgl. BVerwG, Urteil vom 10. Juli 2012, a.a.O., juris, Rn. 32).
Zwar können Freisitze von Restaurants und Gaststätten grundsätzlich zu den schutzwürdigen Außenbereichen gehören (vgl. BVerwG, Urteil vom 10. Juli 2012 - 7 A 11.11 -, BVerwGE 143, 249 und juris, Rn. 35).
Auch Ertragseinbußen, die etwa durch die Furcht der Kunden vor unzumutbarem Lärm entstehen, sind unerheblich, da § 74 Abs. 2 Satz 2 VwVfG dem Schutz vor tatsächlichen und nicht vor vermeintlichen Lärmbelastungen dient (vgl. BVerwG, Urteil vom 10. Juli 2012 - 7 A 11.11 -, BVerwGE 143, 249 und juris, Rn. 74; BayVGH…, Urteil vom 11. Juli 2016 - 22 A 15.40035 -, juris, Rn. 121 ff.).
Die AVV Baulärm, deren Fortgeltung § 66 Abs. 2 BImSchG vorsieht, konkretisiert insoweit für Geräuschimmissionen an Baustellen den unbestimmten Rechtsbegriff der schädlichen Umwelteinwirkungen des § 3 Abs. 1 Bundesimmisionsschutzgesetz - BImSchG -, wobei nach Gebietscharakter und Tages- und Nachtzeiten differenziert wird (vgl. BVerwG, Urteil vom 10. Juli 2012, a.a.O., juris, Rn. 26 f.).