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Timestamp: 2019-08-22 18:37:45
Document Index: 103056753

Matched Legal Cases: ['§ 66', '§ 128', '§ 66', '§ 66', '§ 406', '§ 266', '§ 406', '§ 66', '§ 66', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 66', '§ 66', '§ 66', '§ 66', '§ 66', '§ 19', '§ 70', '§ 66', '§ 66', 'BGH']

Gemäß § 66 Abs. 1 ZPO kann der­je­ni­ge, der ein recht­li­ches Inter­es­se dar­an hat, dass in einem zwi­schen ande­ren Per­so­nen anhän­gi­gen Rechts­streit eine Par­tei obsiegt, die­ser Par­tei zum Zwe­cke ihrer Unter­stüt­zung bei­tre­ten. Dabei ist der Begriff des recht­li­chen Inter­es­ses weit aus­zu­le­gen1. Es ist erfor­der­lich, dass der Neben­in­ter­ve­ni­ent zu der unter­stütz­ten Par­tei oder zu dem Gegen­stand des Rechts­streits in einem Rechts­ver­hält­nis steht, auf das die Ent­schei­dung des Rechts­streits durch ihren Inhalt oder ihre Voll­stre­ckung unmit­tel­bar oder auch nur mit­tel­bar recht­lich ein­wirkt. Der blo­ße Wunsch eines Neben­in­ter­ve­ni­en­ten, der Rechts­streit möge zuguns­ten einer Par­tei ent­schie­den wer­den, stellt ledig­lich einen Umstand dar, der ein tat­säch­li­ches Inter­es­se am Obsie­gen einer Par­tei zu erklä­ren ver­mag2.
Ein recht­li­ches Inter­es­se für den Gesell­schaf­ter am Bei­tritt zu einem gegen die Gesell­schaft geführ­ten Pro­zess ist bei Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten wegen der Haf­tung nach §§ 128, 129, 161 Abs. 2 HGB aner­kannt3. Bei Zah­lungs­kla­gen der Gesell­schaft gegen Nicht­ge­sell­schaf­ter ist dage­gen ein recht­li­ches Inter­es­se im Sin­ne des § 66 Abs. 1 ZPO nicht gege­ben. Das Inter­es­se, die Ver­mö­gens­si­tua­ti­on der Gesell­schaft als Klä­ge­rin zu ver­bes­sern, um etwa höhe­re Tan­tie­men von der kla­gen­den Gesell­schaft oder als Gesell­schaf­ter einer Akti­en­ge­sell­schaft auf­grund der ver­bes­ser­ten Ver­mö­gens­si­tua­ti­on der Gesell­schaft höhe­re Divi­den­den zu erhal­ten, ist ein rein wirt­schaft­li­ches und kein recht­li­ches4.
Eine abwei­chen­de Beur­tei­lung ergibt sich nicht aus dem Umstand, dass die Klä­ge­rin eine fran­zö­si­sche SCI ist, deren Gesell­schaf­te­rin die Neben­in­ter­ve­ni­en­tin ist. Denn auch die­se ver­fügt nach dem maß­geb­li­chen fran­zö­si­schen Recht über ein eige­nes Gesell­schafts­ver­mö­gen, wäh­rend die Gesell­schaf­ter ledig­lich einen Geschäfts­an­teil hal­ten5. Das Inter­es­se der Gesell­schaf­te­rin als Gesell­schaf­te­rin einer SCI ist nur rein wirt­schaft­lich.
Das recht­li­che Inter­es­se für die Gesell­schaf­te­rin als Neben­in­ter­ve­ni­en­tin kann auch nicht dadurch begrün­det wer­den, dass im Fall eines Unter­lie­gens der Gesell­schaft 26 im Kla­ge­ver­fah­ren ein Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch für die Beklag­ten ent­ste­hen kann, für den die Gesell­schaf­te­rin akzes­so­risch haf­ten müss­te. Das recht­li­che Inter­es­se im Sin­ne des § 66 Abs. 1 ZPO muss sich aus der Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che erge­ben. Das Inter­es­se zur Ver­mei­dung einer ungüns­ti­gen Kos­ten­ent­schei­dung zu Las­ten der Haupt­par­tei genügt nicht. Es darf nicht erst durch den Rechts­streit geschaf­fen wer­den, in dem der Bei­tritt erfol­gen soll6.
Ohne Erfolg blieb vor dem Bun­des­ge­richts­hof auch das Argu­ment, dass die ein­zel­nen Gesell­schaf­ter einer per­so­na­li­siert struk­tu­rier­ten Gesell­schaft etwa einer OHG oder KG als Ver­letz­te einer Untreue­hand­lung anzu­se­hen sei­en und ihnen des­we­gen nach § 406e Abs. 1 StPO auch ein Akten­ein­sichts­recht zuste­he. Die Fra­ge der Aus­le­gung des Straf­tat­be­stan­des der Untreue nach § 266 StGB und ein dar­aus im Straf­ver­fah­ren fol­gen­des Akten­ein­sichts­recht gemäß § 406e Abs. 1 StPO ist nicht gleich­zu­set­zen mit dem Erfor­der­nis eines recht­li­chen Inter­es­ses gemäß § 66 Abs. 1 ZPO am Obsie­gen des Rechts­streits der Gesell­schaft gegen­über einem Nicht­ge­sell­schaf­ter im Hin­blick auf eine Scha­dens­er­satz­for­de­rung. Dass der Gesell­schaf­ter inso­weit ein wirt­schaft­li­ches Inter­es­se hat, steht außer Fra­ge und nicht im Gegen­satz zur Aus­le­gung des Untreu­e­tat­be­stan­des des Straf­ge­setz­bu­ches7, begrün­det aber aus sich her­aus kein Recht zum Bei­tritt nach § 66 Abs. 1 ZPO.
st. Rspr. BGH, Urteil vom 17.01.2006 – X ZR 236/​01, BGHZ 166, 18 Rn. 7; Beschluss vom 18.11.2015 – VII ZB 2/​15, WM 2016, 532 Rn. 11↩
BGH, Beschluss vom 10.02.2011 – I ZB 63/​09, NJW-RR 2011, 907 Rn. 10; Beschluss vom 24.04.2006 – II ZB 16/​05, ZIP 2006, 1218 Rn. 8, 12; Beschluss vom 18.11.2015 – VII ZB 2/​15, BGHZ 207, 378 Rn. 11↩
BGH, Urteil vom 13.02.1974 – VIII ZR 147/​72, BGHZ 62, 131, 133; RG, JW 1911, 817; OLG Ham­burg, ZIP 1988, 663; Man­sel in Wieczorek/​Schütze, ZPO, 4. Aufl., § 66 Rn. 71; Münch­Komm-ZPO/­Schul­tes, 5. Aufl., § 66 Rn. 9; Jaco­by in Stein/​Jonas, ZPO, 23. Aufl., § 66 Rn. 12, 29↩
vgl. RGZ 83, 182, 184; OLG Ros­tock, OLGR 2002, 423, 424; OLG Schles­wig, ZIP 1999, 1760, 1761; Man­sel in Wieczorek/​Schütze, ZPO, 4. Aufl., § 66 Rn. 73; Münch-KommZ­PO/­Schul­tes, 5. Aufl., § 66 Rn. 17; a.A. Henckel, Par­tei­leh­re und Streit­ge­gen­stand im Zivil­pro­zess, 1961, S. 145; Gum­mert in Münch­ner Hand­buch des Gesell­schafts­rechts, Bd. 1, 4. Aufl., § 19 Rn. 37; Neubauer/​Herchen in Münch­ner Hand­buch des Gesell­schafts­rechts, Bd. 1, 4. Aufl., § 70 Rn. 10↩
Part Socia­le; Ferred/​Sonnenberger, Das fran­zö­si­sche Zivil­recht, Bd. 2, 2. Aufl., 2 L 129; Mel­chers, BWNotZ 2000, 58, 60↩
Man­sel in Wieczorek/​Schütze, ZPO, 4. Aufl., § 66 Rn. 41; Jaco­by in Stein/​Jonas, ZPO, 23. Aufl., § 66 Rn. 21; Wie­ser, Das recht­li­che Inter­es­se des Neben­in­ter­ve­ni­en­ten, 1962, S. 40; vgl. auch RGZ 169, 50, 51 f.↩
vgl. BGH, Beschluss vom 23.02.2012 1 StR 586/​11, NStZ 2013, 38 Rn. 10, 19↩