Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Vorbehalt_Kuerzung_Arbeitszeit_Kein_unbegrenzter_Vorbehalt_zur_einseitigen_Kuerzung_von_Arbeitszeit_4Sa849_15.html
Timestamp: 2018-05-26 00:04:47
Document Index: 16284418

Matched Legal Cases: ['§ 305', '§ 8', '§ 305', '§ 134', '§ 305', '§ 134', '§ 307', '§ 15', '§ 15', '§ 622', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 296']

HENSCHE Arbeitsrecht: 4 Sa 849/15
Schlag­worte: Arbeitszeit, Ordentliche Kündigung, Befristung des Arbeitsvertrags
Akten­zeichen: 4 Sa 849/15
Ent­scheid­ungs­datum: 29.01.2016
1. Ei­ne ver­trag­li­che Ab­re­de, die nur dem Ar­beit­ge­ber, nicht auch dem Ar­beit­neh­mer das Recht zur or­dent­li­chen Kündi­gung ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses gibt, ist un­wirk­sam.
2. Zur Un­wirk­sam­keit ei­nes Ge­stal­tungs­rechts, wel­ches Ein­grif­fe in den Kern­be­reich des Ar­beits­verhält­nis­ses zulässt.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Aachen, 3 Ca 3564/14
I. Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Aa­chen vom 19.03.2015– 3 Ca 3564/14 h – wird mit der Maßga­be zurück­ge­wie­sen, dass der Te­nor wie folgt neu ge­fasst wird:
1. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en über den 01.08.2014 hin­aus bis zum 31.08.2015 auf der ursprüng­lich ver­ein­bar­ten Ba­sis ei­ner 40-St­un­den­wo­che bei ei­ner mo­nat­li­chen Brut­to­vergütung von 2.790,39 EUR (i. W. zwei­tau­send­sie­ben­hun­dert­neun­zig Eu­ro, Cent wie ne­ben­ste­hend) fort­be­stan­den hat.
2. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en we­der durch die Ände­rungskündi­gung des Be­klag­ten vom 21.11.2014 noch durch die Kündi­gung vom 21.11.2014 mit Ab­lauf des 31.12.2014 be­en­det wor­den ist.
3. Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 6.216,95 EUR (i. W. sechs­tau­send­zwei­hun­dert­sech­zehn Eu­ro, Cent wie ne­ben­ste­hend) brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins aus 1.395,21 EUR (i. W. ein­tau­send­drei­hun­dertfünf­und­neun­zig Eu­ro, Cent wie ne­ben­ste­hend) seit dem 01.09.2014, aus wei­te­ren 1.395,21 EUR (i. W. ein­tau­send­drei­hun­dertfünf­und­neun­zig Eu­ro, Cent wie ne­ben­ste­hend) seit dem 01.10.2014, aus wei­te­ren 1.395,21 EUR (i. W. ein­tau­send­drei­hun­dertfünf­und­neun­zig Eu­ro, Cent wie ne­ben­ste­hend) seit dem 07.11.2014, aus wei­te­ren 2.031,32 EUR (i. W. zwei­tau­send­ein­und­dreißig Eu­ro, Cent wie ne­ben­ste­hend) seit dem 01.12.2014 zu zah­len.
II. Die Kos­ten des Rechts­streits hat der Be­klag­te zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob das zwi­schen ih­nen be­gründe­te und bis zum 31.08.2015 be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis auf Grund ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Klau­sel von ei­nem Ar­beits­verhält­nis mit 40 St­un­den­wo­che in ein sol­ches mit 20 St­un­den­wo­che geändert wor­den ist, ob es auf Grund ei­ner Ände­rungskündi­gung vom 21.11.2014 und ei­ner Kündi­gung vom sel­ben Da­tum zum 31.12.2014 be­en­det wor­den ist, so­wie um Ansprüche aus dem Ge­sichts­punkt des An­nah­me­ver­zu­ges für Au­gust bis No­vem­ber 2014 ein­sch­ließlich ei­ner Jah­res­son­der­zah­lung.
Der Kläger und der Be­klag­te ha­ben je ein Ar­beits­ver­trags­ex­em­plar vor­ge­legt, wel­che bei­de vom Kläger un­ter­schrie­ben sind und auf Be­klag­ten­sei­te zwei Un­ter­schrif­ten tra­gen, die im äußeren Schrift­bild nicht vollständig übe­rein­stim­men. Auf die An­la­gen B 1 und B 2 (Bl. 66/67 d. A. und Bl. 68/69 d. A.) wird Be­zug ge­nom­men.
In dem Ar­beits­ver­trag ist un­ter an­de­rem Fol­gen­des ge­re­gelt:
• 1. Das Ar­beits­verhält­nis be­ginnt am 1. Sep­tem­ber 2012. Es en­det au­to­ma­tisch, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf am 31.08.2015. Das Ar­beits­verhält­nis ist zeit­lich be­fris­tet, weil der Ar­beits­platz aus öffent­li­chen Mit­teln des Bun­des­haus­halts ge­bun­den gefördert wird.
Herr B wird auf die Ge­samt­dau­er des Pro­jekts „Wir in NRW“ (FKZ:2 des Bun­des­amt für M und F ) ein­ge­stellt. Da die Pro­jekt­fi­nan­zie­rung je­weils für ein Haus­halts­jahr (Ka­len­der­jahr) be­wil­ligt wird, kann das Ar­beits­verhält­nis vor­zei­tig, zum 31. De­zem­ber des be­wil­lig­ten Förder­jah­res en­den, soll­te die Fort­set­zung der Förde­rung für das Fol­ge­jahr nicht ge­neh­migt wer­den.
• 2. Die Ar­beits­zeit beträgt 40 St­un­de pro Wo­che. Sie ist im Rah­men des oben ge­nann­ten Pro­jek­tes zu erfüllen. Soll­te sich die Zu­wen­dung für die Pro­jekt­fi­nan­zie­rung ver­rin­gern, kann die Ar­beits­zeit ent­spre­chend gekürzt wer­den. Der Ar­beits­platz be­fin­det sich in H .
Die mo­nat­li­che Vergütung wur­de in An­leh­nung an TVöD Ent­gelt­grup­pe 9 Stu­fe 2 ver­ein­bart und be­trug zu­letzt 2.790,39 € brut­to.
We­gen des In­halts des im Ar­beits­ver­trag ge­nann­ten Pro­jek­tes wird auf die An­la­ge B 4 (Bl. 77 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men, we­gen des Zu­wen­dungs­be­schei­des des Bun­des­am­tes für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge für das Haus­halts­jahr 2014 be­tref­fend das Pro­jekt „Wir in Nord­rhein-West­fa­len“ wird auf An­la­ge B 3 (Bl. 70 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Un­ter dem Da­tum des 31.07.2014 schrieb der Be­klag­te an den Kläger Fol­gen­des (Bl. 6. d. A.):
„Sehr ge­ehr­ter Herr C,
wie be­reits mit­ge­teilt, ha­ben wir mit der Um­be­wil­li­gung sei­tens BAMF vom 26.06.2014 und nun vom 31.07.2014 er­fah­ren, dass für die Ausübung der Tätig­keit nicht mehr die vol­le Sum­me, son­dern die Hälf­te der Per­so­nal­kos­ten zur Verfügung ste­hen. Das hat zu be­deu­ten, dass Ih­re Ar­beits­zeit bei der Land­mann­schaft sich von 40 auf 20 St­un­den pro Wo­che re­du­ziert. Falls Sie den­noch In­ter­es­se an der Tätig­keit ha­ben, un­ter­schrei­ben Sie bit­te un­verzüglich den an Sie schon früher ge­schick­ten Ände­rungs­ver­trag.
Soll­ten Sie den Ände­rungs­ver­trag nicht an­neh­men wol­len und bei der Land­mann­schaft der D aus R nicht mehr beschäftigt sein wol­len, tei­len Sie uns dies so­fort mit.
Bit­te be­ach­ten Sie, dass al­le Beschäfti­gungs­verände­run­gen ent­spre­chend dem Ar­beits­amt mit­ge­teilt wer­den müssen.“
Un­ter dem Da­tum des 17.07.2014 hat der Be­klag­te dem Kläger ei­nen Ar­beits­ver­trags­ent­wurf (Bl. 98 – 100 d. A.) für ei­nen Ar­beits­ver­trag mit veränder­ten In­halt vor­ge­legt.
Mit Da­tum vom 21.11.2014 über­sand­te der Be­klag­te dem Kläger ein mit „Ände­rungskündi­gung“ über­schrie­be­nes Schrei­ben, in dem es wie folgt heißt (Bl. 111 d. A.):
„Sehr ge­ehr­ter Herr B hier­mit kündi­gen wird das mit Ih­nen be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis zum nächst­zulässi­gen Zeit­punkt auf. Dies ist nach un­se­rer Be­rech­nung der 31.12.2014.
Zu­gleich bie­ten wird Ih­nen an, das Ar­beits­verhält­nis ab dem Fol­ge­tag, das heißt nach un­se­rer Be­rech­nung ab dem 1. Ja­nu­ar 2015 zu den fol­gen­den Be­din­gun­gen fort­zu­set­zen:
1. Die re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit wird auf 20 St­un­den pro Wo­che ver­rin­gert.
2. Die mo­nat­li­che Vergütung beträgt 1.395,18 € brut­to.
3. Im Übri­gen ver­bleibt es bei den ar­beits­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen aus dem be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag vom 01.09.2012.
Tei­len Sie uns baldmöglichst, spätes­tens je­doch in­ner­halb von drei Wo­chen nach Zu­gang die­ser Erklärung mit, ob Sie mit der Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu den geänder­ten Be­din­gun­gen ein­ver­stan­den sind. Äußern Sie sich in­ner­halb die­ser Frist nicht oder leh­nen Sie die Ände­rung Ih­rer Ar­beits­be­din­gun­gen in­ner­halb der Frist ab, en­det das Ar­beits­verhält­nis mit Wir­kung zum Ab­lauf des 31.12.2014.“
Mit Da­tum des­sel­ben Ta­ges, dem Kläger zu­ge­gan­gen am 28.11.2014, über­sand­te der Be­klag­te dem Kläger ei­nen mit „Kündi­gung“ über­schrie­be­nes Schrei­ben, in dem es heißt (Bl 112 d. A.):
„Sehr ge­ehr­ter Herr B ,
hier­mit kündi­gen wir das mit Ih­nen be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis or­dent­li­che frist­gemäß zum nächst­zulässi­gen Zeit­punkt auf. Dies ist nach un­se­rer Be­rech­nung der 31.12.2014.
Im Au­gust 2014 rech­ne­te der Be­klag­te dem Kläger ei­nen Be­trag von 2.790,39 € brut­to ab und über­wies ihm 1.113,21 € net­to.
Mit sei­ner Kla­ge be­gehrt der Kläger Ent­gelt­dif­fe­ren­zen hin­sicht­lich des Mo­nats Au­gust und die Gehälter für Sep­tem­ber, Ok­to­ber und No­vem­ber 2014 so­wie die Jah­res­son­der­zah­lung für 2014 in Höhe von 2.184,31 € brut­to.
Im Lau­fe des Rechts­streits for­der­te der Be­klag­te mit Schrei­ben vom 14.04.2015 den Kläger auf, ab dem 15.04.2015 sei­ne Ar­beit wie­der auf­zu­neh­men (Schrei­ben Bl. 217 d. A.). Mit E-Mail vom 10.04.2015 be­kräftig­te der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Be­klag­ten ge­genüber der Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers die­se Auf­for­de­rung (Bl. 218 d. A.). Der Kläger nahm so­dann sei­ne Ar­beit wie­der in vol­lem Um­fang (40 St­un­den) auf.
In der münd­li­chen Ver­hand­lung vor der er­ken­nen­den Kam­mer erklärte der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Klägers, die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 31.08.2015 sei nicht im Streit. Der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Be­klag­ten erklärte da­zu, zu die­sem Zeit­punkt sei auch das Pro­jekt be­en­det wor­den. Un­strei­tig wur­de des­wei­te­ren, dass der Kläger nicht über den 31.08.2015 hin­aus beim Be­klag­ten ge­ar­bei­tet hat.
Der Kläger hat mit der Kla­ge­schrift, die am 29.09.2014 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen ist, zunächst be­an­tragt fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nach wie vor auf der ursprüng­lich ver­ein­bar­ten Ba­sis ei­ner 40 St­un­den-Wo­che und da­mit ei­ner der­zei­ti­gen Brut­to­vergütung von 2.790,39 € fort­be­steht. Des­wei­te­ren hat der Kläger in der Kla­ge­schrift die Be­zah­lung des Mo­nats Au­gust mit 2790,39 € brut­to abzüglich be­zahl­ter 1.113,71 € net­to be­gehrt. Mit Schrift­satz vom 08.10.2014, beim Ar­beits­ge­richt am 09.10.2014 ein­ge­gan­gen, hat der Kläger des­wei­te­ren das Sep­tem­ber­ge­halt abzüglich ge­zahl­ter 1.113,71 € net­to ein­ge­klagt. Mit der am 16.12.2014 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen Kla­ge­er­wei­te­rung hat er die Zah­lungs­anträge für die Gehälter bis ein­sch­ließlich No­vem­ber 2014, ein­sch­ließlich der Jah­res­son­der­zah­lung für 2014, abzüglich der je­weils für die ein­zel­nen Mo­na­te ge­zahl­ten Net­to­beträge gel­tend ge­macht. Darüber hin­aus hat er in die­sem
Schrift­satz die am 27.11.2014 bei ihm ein­ge­gan­ge­ne Ände­rungskündi­gung und die am 28.11.2014 ein­ge­gan­ge­ne Be­en­di­gungskündi­gung je­weils vom 21.11.2014 an­ge­grif­fen.
• 1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nach wie vor auf der ursprüng­lich ver­ein­bar­ten Ba­sis ei­ner 40 St­un­den­wo­che und da­mit ei­ner der­zei­ti­gen mo­nat­li­chen Brut­to­vergütung von 2.790,39 € fort­be­steht;
• 2. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 6.216,95 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 1.395,21 € seit dem 01.09.2014, aus wei­te­ren 1.395,21 € seit dem 03.11.2014 und aus wei­te­ren 2.031,32 € seit dem 01.12.2014 zu zah­len:
• 3. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en we­der durch die Ände­rungskündi­gung des Be­klag­ten vom 21.11.2014 noch durch die Kündi­gung vom 21.11.2014 mit Ab­lauf des 31.12.2014 sei­ne Be­en­di­gung fin­den wird, son­dern über den 31.12.2014 hin­aus un­gekündigt fort­be­steht.
Der Be­klag­te hat vor­ge­tra­gen, der Kläger ha­be die Pro­jekt­zie­le und Pro­jek­tin­hal­te nicht erfüllt. Es ha­be Be­schwer­den ins­be­son­de­re aus der Lan­des­grup­pe NRW ge­ge­ben. Dem Kläger als Pro­jekt­lei­ter fehl­ten eben­so Ide­en wie Er­fah­run­gen. Sch­ließlich ar­bei­te der Kläger für ei­ne Kon­kur­renz­or­ga­ni­sa­ti­on der Lands­mann­schaft.
We­gen der Ein­zel­hei­ten die­ses Vor­tra­ges wird auf Blatt 60 – 64, 117 ff d. A. Be­zug ge­nom­men.
Des­wei­te­ren trägt der Be­klag­te vor: Um zu ver­mei­den, dass die Pro­jekt­zie­le gefähr­det würden, sei ei­ne „Um­wid­mung“ der Pro­jekttätig­keit und der Pro­jekt­orga­ni­sa­ti­on vor­zu­neh­men ge­we­sen, die un­ter dem 31.07.2014 vom B ge­neh­migt wor­den sei. Er be­zieht sich da­zu auf die E-Mail des B vom 31.07.2014 (An­la­ge B 10 = Bl. 86/87 d. A.).
Um die Pro­jekt­zie­le zu ver­wirk­li­chen – so der Be­klag­te wei­ter – und den Fort­lauf des Pro­jekts zu er­rei­chen, sei­en die Per­so­nal­kos­ten auf­zu­tei­len ge­we­sen. Die vol­le Stel­le sei mit dem 01.08.2014 in ei­ne Halb­tags­stel­le zu re­du­zie­ren ge­we­sen. Um die Pro­jekt­zie­le zu gewähr­leis­ten ha­be das B be­reits mit Mail­schrei­ben vom 26.06.2014 zu­ge­stimmt, das zur Er­rei­chung des Pro­jekt­zie­les zusätz­lich Ar­beits­kraft Drit­ter ein­ge­bun­den wer­de (E-Mail des B vom 26.06.2014 An­la­ge B 11 = Bl. 88 f d. A.).
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 19.03.2015 (Bl. 137 ff d. A.) der Kla­ge in vol­lem Um­fang statt­ge­ge­ben. We­gen sei­ner Ent­schei­dungs­gründe wird auf Blatt 141/142 der Ak­ten Be­zug ge­nom­men.
Ge­gen die­ses am 19.03.2015 verkünde­te und am 31.08.2015 dem Be­klag­ten zu­ge­stell­te Ur­teil hat die­ser am 20.08.2015 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 14.09.2015 be­gründet.
Der Be­klag­te wie­der­holt im We­sent­li­chen sei­nen erst­in­stanz­li­chen Vor­trag. In­so­weit wird auf die Be­ru­fungs­be­gründung und den Schrift­satz vom 22.01.2016 (Bl. 229 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Er trägt vor, auch die Kon­kur­renztätig­keit des Klägers sei ab­ge­mahnt wor­den (An­la­ge BK 11 = Bl. 245 d. A.).
Des­wei­te­ren be­ruft er sich dar­auf, dass zum Zeit­punkt der Kündi­gun­gen vom 21.11.2015 noch kein Be­wil­li­gungs­be­scheid für Zu­wen­dun­gen für das Jahr 2015 vor­ge­le­gen ha­be. Die­ser sei – was als sol­ches un­strei­tig ist – erst am 06.05.2015 er­las­sen wor­den und am 07.05.2015 beim Be­klag­ten ein­ge­gan­gen.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Aa­chen, AZ: 3 Ca 3564/14 h, verkündet in ab­gekürz­ter Form am 19.03.2015 und zu­ge­stellt mit Ur­teils­gründen am 31.08.2015, auf­zu­he­ben und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
die Be­ru­fung des Be­klag­ten mit der Maßga­be zurück­zu­wei­sen, dass der An­trag zu 1. lau­ten soll:
Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en über den 01.08.2014 hin­aus bis zum 31.08.2015 auf der ursprüng­lich ver­ein­bar­ten Ba­sis von 40 St­un­den­wo­che bei ei­ner mo­nat­li­chen Brut­to­vergütung von 2.790,39 € fort­be­stan­den hat,
und dass im An­trag zu 2. der Satz­teil „son­dern über den 31.12.2014 fort­be­steht“ fort­ge­las­sen wird.
die Ab­wei­sung der Kla­ge auch hin­sicht­lich die­ser An­trags­fas­sung.
Der Kläger­ver­tre­ter ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil.
In­so­weit wird auf die Be­ru­fungs­er­wi­de­rung Be­zug ge­nom­men.
Die zulässi­ge, form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te und be­gründe­te Be­ru­fung des Be­klag­ten hat­te in der Sa­che kei­nen Er­folg. Le­dig­lich auf Grund der un­strei­ti­gen Tat­sa­che, dass das Ar­beits­verhält­nis in­zwi­schen be­en­det wur­de, war der Te­nor zu 1) des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils nach ent­spre­chen­der, vom Ge­richt an­ge­reg­ter An­tragsände­rung zum Kla­ge­an­trag zu 1) neu zu fas­sen.
A. So­weit die Be­ru­fung meint, es lie­ge be­reits ein Rechts­feh­ler des erst­in­stanz­li­chen Ge­richts dar­in, dass es sich nicht da­mit aus­ein­an­der­ge­setzt ha­be, wel­cher Ar­beits­ver­trag ge­gol­ten ha­be, „weil un­ter­schied­li­che Ar­beits­verträge durch un­ter­schied­li­che Un­ter­zeich­nun­gen vor­lie­gen“, so ist die­ser Ein­wand un­be­gründet:
Zwar gibt es 2 Ex­em­pla­re des Ar­beits­ver­tra­ges, nämlich das vom Kläger mit der Kla­ge­schrift vor­ge­leg­te Ex­em­plar und das von dem Be­klag­ten als An­la­ge 1 b) zu der Kla­ge­er­wi­de­rung (Bl. 30 d. A.) vor­ge­leg­te Ex­em­plar. Der Be­klag­te hat erst­in­stanz­lich in der Kla­ge­er­wi­de­rung ge­meint, die Un­ter­schrif­ten könn­ten, wenn man die Un­ter­schrif­ten­leis­ten mit­ein­an­der ver­glei­che „nicht stim­men“. Die Un­ter­schrif­ten sei­en ähn­lich, stimm­ten aber nicht übe­rein. Dar­auf­hin hat der Kläger er­wi­dert, es sei­en ihm sei­ner­zeit zwei Verträge zu­ge­schickt wor­den, von de­nen er ei­nen nach ei­ge­ner Un­ter­schrifts­leis­tung wie­der zurück­ge­sandt ha­be. Dem ist der Be­klag­te nicht mehr ent­ge­gen­ge­tre­ten. Es ist nicht nach­voll­zieh­bar, was der Be­klag­te mit sei­ner Rüge in der Be­ru­fungs­in­stanz aus­sa­gen will. Die bei­den Ex­em­pla­re des Ar­beits­ver­tra­ges sind im Übri­gen im In­halt gleich. Dies gilt auch und ge­ra­de für die im vor­lie­gen­den Fall re­le­van­ten Klau­seln.
B. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht ent­schie­den, dass der Be­klag­te nicht be­rech­tigt war, die Ar­beits­zeit und das Ge­halt des Klägers ab dem 01.08.2014 ein­sei­tig zu kürzen.
Der Be­klag­te hat mit Schrei­ben vom 31.07.2014 (Bl. 6 d. A.) dem Kläger fol­gen­des mit­ge­teilt:
Da­zu be­ruft sich der Be­klag­te auf Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges, die wie folgt lau­tet:
„Die Ar­beits­zeit beträgt 40 St­un­de pro Wo­che. Sie ist im Rah­men des oben ge­nann­ten Pro­jek­tes zu erfüllen. Soll­te sich die Zu­wen­dung für die
Pro­jekt­fi­nan­zie­rung ver­rin­gern, kann die Ar­beits­zeit ent­spre­chend gekürzt wer­den. Der Ar­beits­platz be­fin­det sich in H .“
I. Der Be­klag­te meint in der Be­ru­fungs­be­gründung, mit die­ser Klau­sel sei ein „Abände­rungs­recht“ ver­ein­bart. Es sei auch nicht nur ein Abände­rungs­recht hin­sicht­lich der Ar­beits­zeit ver­ein­bart, viel­mehr „ei­ne aus­drück­li­che Rechts­grund­la­ge zur Abände­rung der Ar­beits­zeit bei ent­spre­chen­der Ge­halts­re­du­zie­rung“. Die dort ge­nann­te Vor­aus­set­zung, nämlich die Ver­rin­ge­rung der Zu­wen­dung für die Pro­jekt­fi­nan­zie­rung, sei auch ein­ge­tre­ten. Da­zu be­ruft sich der Be­klag­te auf die „Um­wid­mung Mi­nis­te­ri­um“ (BAMF) vom 31.07.2014, vor­ge­legt als An­la­ge BK 2.
Er meint wei­ter, weil nicht mehr das glei­che „Fi­nan­zie­rungs­vo­lu­men“ wie bis­lang zur Verfügung ge­stan­den ha­be, sei ein „Au­to­ma­tis­mus“ ein­ge­tre­ten. Es sei – so meint er an­de­rer­seits – „ei­ne Abände­rung auch des Ar­beits­ver­tra­ges vor­zu­neh­men“. Ins­ge­samt sei der Be­klag­te be­rech­tigt ge­we­sen, gemäß Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges die Ar­beits­zeit ent­spre­chend zu kürzen, was ei­ner ent­spre­chen­den Lohn­re­du­zie­rung gleich­lau­fe.
II. Die Klau­sel in Zif­fer 2 des Ar­beits­ver­tra­ges enthält zunächst nicht ei­nen „Au­to­ma­tis­mus“, son­dern sieht aus­drück­lich vor, dass die Ar­beits­zeit „ent­spre­chend gekürzt wer­den“ kann. Sie bil­ligt mit­hin dem Ar­beit­ge­ber ein Ge­stal­tungs­recht zu.
1. Die­ses Ge­stal­tungs­recht ist durch die Klau­sel in­halt­lich nicht be­grenzt. Der Be­klag­te hat es – wenn man das Schrei­ben vom 31.07.2014 als Ausübung ei­nes Ge­stal­tungs­rechts aus­le­gen will – da­hin­ge­hend aus­geübt, dass er die Ar­beits­zeit und das Ge­halt des Klägers hal­biert hat. Selbst wenn man un­ter­stellt, dass auch die ent­spre­chen­de Re­du­zie­rung des Ge­hal­tes Mit­in­halt der Klau­sel sein soll­te (was je­den­falls nicht – wie der Be­klag­te meint – „aus­drück­lich“ in der Klau­sel ent­hal­ten ist), dann ist die Klau­sel un­wirk­sam.
Die Klau­sel lässt nämlich ein­sei­ti­ge Ein­grif­fe in den Kern­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses zu. Der Kern­be­stand ist be­trof­fen, wenn we­sent­li­che Ele­men­te des Ar­beits­ver­tra­ges ei­ner ein­sei­ti­gen Ände­rung un­ter­lie­gen sol­len, durch die das Gleich­ge­wicht von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung grund­le­gend gestört wird (vgl. hier­zu und zum Fol­gen­den ErfK/Preis §§ 305-310 BGB Rn. 58 m. w. N.). Zum Kern­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses gehört ins­be­son­de­re die Vergütungs­pflicht und die Ar­beits­pflicht des Ar­beit­neh­mers (vgl. BAG 31.01.1985 Ez­BAT § 8 Di­rek­ti­ons­recht Nr. 3).
Da es sich hier nicht um über­ta­rif­li­che Leis­tun­gen oder Ne­ben­ein­nah­men han­delt (vgl. da­zu ErfK/Preis aaO Rn. 59 mit Nach­wei­sen zur höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung) son­dern um un­mit­tel­bar im Sy­nal­lag­ma ste­hen­de Ver­trags­be­stand­tei­le, wird mit ei­nem Recht, das un­be­grenzt die ein­sei­ti­ge Kürzung von Ar­beits­zeit und ent­spre­chen­dem Ent­gelt zulässt und im vor­lie­gen­den Fall bis zu 50 % aus­geübt wur­de, der Kern­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses be­trof­fen, der Ände­rungskündi­gungs­schutz um­gan­gen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in der Ent­schei­dung vom 12.12.1984 – al­so in der Zeit vor Einführung der AGB-Kon­trol­le nach §§ 305 ff BGB auch für Ar­beits­verträge – ent­schei­den, dass ei­ne ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung, die bei ar­beits­zeit­abhängi­ger Vergütung den Ar­beit­ge­ber be­rech­ti­gen soll, die zunächst fest­ge­leg­te Ar­beits­zeit später ein­sei­tig nach Be­darf zu re­du­zie­ren, ei­ne ob­jek­ti­ve Um­ge­hung von zwin­gen­den Vor­schrif­ten des Kündi­gungs- und Kündi­gungs­schutz­rechts dar­stellt und nach § 134 BGB nich­tig ist (BAG 12.12.1984 – 7 AZR 509/83). In den Fällen, in de­nen ei­ne AGB-Kon­trol­le nach §§ 305 ff BGB ver­an­lasst war, hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt später als Re­gel her­aus­ge­ar­bei­tet, dass zur Wirk­sam­keit der Klau­sel der im Ge­gen­sei­tig­keits­verhält­nis ste­hen­de wi­der­ruf­li­che Teil des Ge­samt­ver­diens­tes un­ter 25 % lie­gen muss und der Ta­rif­lohn nicht un­ter­schrit­ten wer­den darf (BAG 12.01.2005, NZA 2005, 465). Ei­ne Klau­sel, die ei­ne ein­sei­ti­ge 50 pro­zen­ti­ge Re­du­zie­rung an Ar­beits­zeit und Ent­gelt vor­sieht, ist mit­hin so­wohl nach § 134 BGB als auch – falls es sich um AGB han­delt – nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB un­wirk­sam.
2. Selbst wenn die Klau­sel aber wirk­sam wäre, lässt sich nicht fest­stel­len, dass die dar­in be­schrie­be­nen Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, dass sich nämlich „die Zu­wen­dung für die Pro­jekt­fi­nan­zie­rung ver­rin­gert“ hat. Die An­la­ge BK 2, auf die sich der Be­klag­te da­zu be­ruft, ent­spricht An­la­ge B 10 aus der 1. In­stanz = Bl. 86 ff.
Die­se An­la­ge enthält ei­ne E-Mail­kor­re­spon­denz zwi­schen dem Geschäftsführer des Be­klag­ten Herrn S und Herrn St G , Sach­be­ar­bei­ter im Re­fe­rat 312 beim Bun­des­amt für M und F (B – wel­ches nicht ein Mi­nis­te­ri­um ist, wie der Be­klag­te in der Be­ru­fungs­be­gründung meint). Tatsächlich be­trifft die­se Kor­re­spon­denz Um­wid­mungs­anträge, zu de­nen Herr G an Herrn S am 31.07.2014 schreibt: „In der Hoff­nung, dass es kei­ne wei­te­ren Um­wid­mungs­anträge gibt und aus sach­li­chen Gründen zu Guns­ten des Pro­jekts stim­me ich der Um­wid­mung zu. Ganz all­ge­mein hal­te ich fest, dass per­ma­nen­te Um­wid­mun­gen ei­ne ho­hen Ver­wal­tungs­auf­wand dar­stel­len. Auch den Um­stand, dass Pro­jek­te nach und nach um­ge­baut wer­den, kann ich grundsätz­lich nicht befürwor­ten.“
Aus der ers­ten Mail die­ser Kor­re­spon­denz vom 25.06.2014 (Bl. 89 d. A.) er­gibt sich, dass Herr S bei Herrn G Fol­gen­des be­an­tragt hat­te:
„Sehr ge­ehr­ter Herr G ,
zum Zwe­cke der bes­se­ren Um­set­zung der Pro­jekt­zie­le im Pro­jekt 312/2609000623 „Wir in NRW“ be­an­tra­ge ich ei­ne Um­wid­mung in der Po­si­ti­on Per­so­nal­kos­ten.
Der Ge­samt­be­trag in Höhe von 42.548,00 € soll nun wie folgt auf­ge­teilt wer­den:
0812 Ent­gelt­grup­pe E 1 – E 11 31.500,00 €
0817 Beschäfti­gungs­ent­gel­te 11.048,00 €.
Der Ge­samt­be­trag ist da­von nicht be­trof­fen.
Die Ände­rung würde da­zu bei­tra­gen, dass we­sent­lich ef­fek­ti­ver zum Zwe­cke der Pro­jekt­ziel­um­set­zung ge­ar­bei­tet wer­den kann.
Es han­delt sich al­so um ei­ne von dem Be­klag­ten selbst in­iti­ier­te neue Auf­tei­lung der Per­so­nal­kos­ten, de­ren Ge­samt­be­trag sich nicht verändert, mit­hin of­fen­sicht­lich nicht um ei­ne Ver­rin­ge­rung der Per­so­nal­kos­ten.
Der Be­klag­te hat die­ses auch – erst­in­stanz­lich erläutert (Schrift­satz vom 29.10.2014 Bl. 63 d. A.):
„Um die Pro­jekt­zie­le zu ver­wirk­li­chen und den Fort­lauf des Pro­jekts zu er­rei­chen, wa­ren die Per­so­nal­kos­ten auf­zu­tei­len. So war die vol­le Stel­le, letzt­lich be­gin­nend mit dem 01.08.2014, in ei­ne Halb­tags­stel­le zu re­du­zie­ren. Um die Pro­jekt­zie­le zu gewähr­leis­ten, das Pro­jekt über­haupt bes­ser zu or­ga­ni­sie­ren und ef­fek­ti­ver zum Zwe­cke der Pro­jekt­ziel­um­set­zung zu ar­bei­ten, stimm­te das B be­reits mit Mail-Schrei­ben vom 26.06.2014 zu, dass zur Er­rei­chung des Pro­jekt­zie­les zusätz­li­che Ar­beits­kraft Drit­ter ein­ge­bun­den wird“.
Es ist mit­hin nicht die Pro­jekt­fi­nan­zie­rung ver­rin­gert wor­den. Viel­mehr hat der Be­klag­te auf ei­ge­ne Initia­ti­ve die Mit­tel für den Kläger kürzen las­sen, um Drit­te im Pro­jekt beschäfti­gen zu können, oh­ne dass sich die Pro­jekt­fi­nan­zie­rung ins­ge­samt änder­te. Da­mit lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen der Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges nicht vor.
Es er­gibt sich al­so, dass, selbst wenn man das Schrei­ben vom 31.07.2014 als Ausübung ei­nes Ge­stal­tungs­rech­tes aus­le­gen woll­te, die­ses nach Grund­la­ge und Durchführung un­wirk­sam war. Da­mit be­stand das Ar­beits­verhält­nis über den 31.07.2014 hin­aus als ein Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis zu 40 St­un­den und ent­spre­chen­der Vergütung fort.
C. Das Ar­beits­verhält­nis wur­de auch nicht durch die Ände­rungskündi­gung des Be­klag­ten vom 21.11.2014 zum 31.12.2014 be­en­det.
Es ist nicht vor­ge­tra­gen, dass der Kläger die­se Ände­rungskündi­gung un­ter Vor­be­halt an­ge­nom­men ha­be. Es ging mit­hin nur noch um die Be­en­di­gung. Im Kern zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt die­se Kündi­gung für un­wirk­sam an­ge­se­hen, weil die Par­tei­en ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag ge­schlos­sen ha­ben.
Der Ar­beits­ver­trag war gemäß Nr.1 Abs. 1 Satz 1 bis zum 31.08.2015 be­fris­tet. Gemäß § 15 Abs. 3 Tz­B­fG gilt: Ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis un­ter­liegt nur dann der or­dent­li­chen Kündi­gung, wenn dies ein­zel­ver­trag­lich oder im an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­trag ver­ein­bart ist.
I. Die Par­tei­en ha­ben nicht vor­ge­tra­gen, dass ein Ta­rif­ver­trag gilt.
II. Im Ar­beits­ver­trag des Klägers ist kei­ne Klau­sel ent­hal­ten, die den Be­klag­ten im vor­lie­gen­den Fall zu der Ände­rungskündi­gung vom 21.11.2014 (eben­so we­nig wie zu der Be­en­di­gungskündi­gung vom sel­ben Tag) be­rech­tig­te:
Die Klau­sel in Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges enthält ein sol­ches Kündi­gungs­recht nicht. We­der er­gibt sich die­ses aus­drück­lich dar­aus, noch be­han­delt die Klau­sel über­haupt ei­ne Kündi­gung. Sie sieht le­dig­lich ein ein­sei­ti­ges Kürzungs­recht vor.
III. Selbst wenn man die­ses an­ders sähe, dann wäre die Klau­sel als Ver­ein­ba­rung im Sin­ne des § 15 Abs. 3 Tz­B­fG un­wirk­sam, weil sie nach ih­rem In­halt nur ein ein­sei­ti­ges Recht des Ar­beit­ge­bers re­gelt. Nach – so­weit er­sicht­lich – all­ge­mei­ner Mei­nung kann ent­spre­chend dem Rechts­ge­dan­ken des § 622 Abs. 6 BGB nicht ein­sei­tig zu Guns­ten des Ar­beit­ge­bers ei­ne Kündi­gungsmöglich­keit ver­ein­bart wer­den (vgl. KR/Lip­ke 10. Auf­la­ge § 15 Tz­B­fG Rn. 20 d; Münch­Komm/Hes­se § 15 Tz­B­fG Rn. 28; KDZ/Däubler/Wro­blew­ski § 15 Tz­B­fG Rn. 13; APS/Back­haus § 15 Tz­B­fG Rn. 21).
IV. Sch­ließlich aber lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen der in Nr. 2 des 1Arbeitsvertrages ge­re­gel­ten Rech­te nicht vor. Der Fall, dass oh­ne Verände­rung der Pro­jekt­mit­tel auf Initia­ti­ve des Be­klag­ten die Per­so­nal­mit­tel aus dem Pro­jekt um­ver­teilt wer­den, nämlich so, dass für den Kläger we­ni­ger Mit­tel und dafür für wei­te­re Per­so­nen Mit­tel zur Verfügung ste­hen, ist von Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges nicht er­fasst.
D. Auch die gleich­zei­tig mit der Ände­rungskündi­gung aus­ge­spro­che­ne Be­en­di­gungskündi­gung war un­wirk­sam.
I. Sie schei­tert wie­der­um an § 15 Abs. 3 Tz­B­fG. Der Be­klag­te meint in der Be­ru­fungs­be­gründung, Nr. 1 des Ar­beits­ver­tra­ges ent­hal­te „ein aus­drück­li­ches Kündi­gungs­recht der Be­klag­ten auch vor Frist­ab­lauf“. Der Be­klag­te be­zieht sich da­bei ins­be­son­de­re auf den letz­ten Satz der Nr. 1 der wie folgt lau­tet:
„Da die Pro­jekt­fi­nan­zie­rung je­weils für ein Haus­halts­jahr (Ka­len­der­jahr) be­wil­ligt wird, kann das Ar­beits­verhält­nis vor­zei­tig, zum 31. De­zem­ber des be­wil­lig­ten Förder­jah­res en­den, soll­te die Fort­set­zung der Förde­rung für das Fol­ge­jahr nicht ge­neh­migt wer­den.“
1. Es la­gen be­reits nicht die Vor­aus­set­zun­gen die­ses Sat­zes vor. Vor­aus­set­zung ist: „Soll­te die Fort­set­zung der Förde­rung für das Fol­ge­jahr nicht ge­neh­migt wer­den,....“
Der Be­klag­te be­ruft sich dar­auf, dass „zum Zeit­punkt der Kündi­gung vom 21.11.2014“ ein Be­wil­li­gungs­be­scheid für das Ka­len­der­jahr 2015 auf Sei­ten des B nicht vor­ge­le­gen ha­be.
Mit Schrift­satz vom 22.01.2016 ergänzt der Be­klag­te, dass der Be­wil­li­gungs­be­scheid für das Haus­halts­jahr 2015 vom BAMF für den Zeit­raum vom 01.01. bis zum 31.08.2015 erst mit Be­wil­li­gungs­be­scheid vom 06.05.2015 „aus­ge­folgt“ wor­den sei.
Die Klau­sel kann nicht so aus­ge­legt wer­den, dass zu ei­nem von dem Be­klag­ten frei gewähl­ten Zeit­punkt das Ar­beits­verhält­nis durch Kündi­gung be­en­det wer­den kann, wenn zufällig zu die­sem Zeit­punkt noch kein Be­wil­li­gungs­be­scheid vor­liegt – auch oh­ne dass fest­steht, dass ein sol­cher in der wei­te­ren Zeit nicht mehr er­fol­gen wer­de. Das er­gibt sich schon aus dem Wort­laut der Klau­sel, denn der Wort­laut stellt nicht dar­auf ab, ob zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt der Be­wil­li­gungs­be­scheid noch nicht vor­liegt, son­dern dar­auf, ob die Fort­set­zung der Förde­rung für das Fol­ge­jahr nicht ge­neh­migt wird. Dass sie nicht ge­neh­migt würde, stand zum Zeit­punkt der Kündi­gung of­fen­sicht­lich nicht fest. Die Be­wil­li­gung er­folg­te später.
2. Es kann da­bei da­hin­ste­hen, ob die Klau­sel über­haupt als Ver­ein­ba­rung ei­nes Kündi­gungs­rechts nach § 15 Abs. 3 Tz­B­fG aus­ge­legt wer­den kann. Dem Wort­laut nach je­den­falls zielt sie of­fen­bar auf ei­ne au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung (auch der Be­klag­te sieht dar­in im zu­letzt zi­tier­ten Schrift­satz ei­ne „von außen ein­tre­ten­de Be­din­gung“).
3. Die Klau­sel schei­det aber un­abhängig da­von, dass, wie oben ge­sagt, ih­re Vor­aus­set­zun­gen nicht vor­la­gen, als Grund­la­ge für ei­ne Kündi­gung des Be­klag­ten im Sin­ne des § 15 Abs. 3 Tz­B­fG wie­der­um des­halb aus, weil sie – woll­te man sie als Kündi­gungs­recht aus­le­gen – er­sicht­lich nur zu Guns­ten des Ar­beit­ge­bers galt (s. oben C. III.).
II. Die Ände­rungskündi­gung und die Be­en­di­gungskündi­gung vom 21.11.2014 wa­ren aber noch aus ei­nem wei­te­ren Grund un­wirk­sam. Der Be­klag­te hat mit sel­ben Da­tum und zum sel­ben Zeit­punkt (31.12.2014) so­wohl ei­ne Ände­rungskündi­gung als auch mit ge­son­der­tem Schrei­ben ei­ne Be­en­di­gungskündi­gung aus­ge­spro­chen. So­wohl die Ände­rungskündi­gung als auch die Kündi­gung als ein­sei­ti­ge Ge­stal­tungs­rech­te sind be­son­de­ren Be­stimmt­heits­an­for­de­run­gen un­ter­wor­fen. Der Geg­ner muss Klar­heit darüber ha­ben, was gel­ten soll. Mit der Ände­rungskündi­gung hat der Be­klag­te ein Fort­set­zungs­an­ge­bot ver­bun­den. Mit der Be­en­di­gungskündi­gung hin­ge­gen nicht. Es war mit­hin für den Kläger nach Er­halt bei­der Schrei­ben völlig un­klar, ob das Ar­beits­verhält­nis un­be­dingt be­en­det wer­den soll­te oder ob die Be­en­di­gung un­ter dem Vor­be­halt der Nicht-An­nah­me des mit der Ände­rungskündi­gung un­ter­brei­te­ten Ver­trags­an­ge­bots ste­hen soll­te. Das Ver­hal­ten der Be­klag­ten war wi­dersprüchlich und per­plex (vgl. in ei­nem an­de­ren Zu­sam­men­hang mit der Ände­rungskündi­gung da­zu BAG 10.09.2009 – 2 AZR 822/07). Bei­de Kündi­gun­gen genügten da­mit nicht den für ein­sei­ti­ge Wil­lens­erklärun­gen er­for­der­li­chen Be­stimmt­heits- und Klar­heits­grundsätzen.
E. Da das Ar­beits­verhält­nis im Jah­re 2014 über den 31.07.2014 hin­aus als ein Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis zu 40 Wo­chen­stun­den mit ei­ner Brut­to­vergütung von 2.790,39 € fort­be­stand, ste­hen dem Kläger auch die mit dem An­trag zu 3. gel­tend ge­mach­ten und vom Ar­beits­ge­richt aus­ge­ur­teil­ten Ansprüche we­gen An­nah­me­ver­zugs zu.
Der An­nah­me­ver­zug wur­de mit dem Schrei­ben vom 31.07.2014 (Bl. 6 d. A.) be­gründet, wel­ches in sei­ner Wir­kung ei­ner Teilkündi­gung gleich­steht. Für den Fall der Kündi­gung aber gilt nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, dass An­nah­me­ver­zug auch oh­ne ein tatsächli­ches oder wört­li­ches An­ge­bot nach § 296 BGB be­gründet wird (ständi­ge Recht­spre­chung seit der Ent­schei­dung vom 09.08.1984 NZA 1985, 119; vgl. auch Bun­des­ar­beits­ge­richt 19.01.1999 NZA 1999, 925, 13.07.2005 NZA 2005, 1384; 11.01.2006 NZA 2006, 314). Wie bei ei­ner Vollkündi­gung, hat der Be­klag­te in dem Schrei­ben vom 31.07.2014 klar er­ken­nen las­sen, dass er sei­ner ka­len­da­ri­schen Mit­wir­kungs­hand­lung, nämlich der zur Verfügung­stel­lung ei­nes funk­ti­onsfähi­gen Ar­beits­plat­zes (in Voll­zeit) nicht nach­kom­men wer­de und von ei­ner ent­spre­chen­den Um­ge­stal­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses aus­geht (vgl. auch Bun­des­ar­beits­ge­richt 27.01.1994 NZA 1995, 134 zur An­ord­nung von Kurz­ar­beit).
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