Source: http://www.kinderschutz-niedersachsen.de/index.cfm?uuid=76EF0BE3D6D3C7361CC6E617215E282C
Timestamp: 2020-07-10 12:41:55
Document Index: 331542489

Matched Legal Cases: ['§ 16', '§ 1666', '§ 17', '§ 27', 'Art. 6', '§ 1', '§ 1', '§ 50', '§ 8', '§ 1666', '§ 8', '§ 8', '§ 42', '§ 8', '§ 42', '§ 72', '§ 8']

Kindesvernachlässigung ist ein zentrales Thema im Alltag der Jugendhilfe:
Jugendhilfe hat den Auftrag, im Rahmen von Früherkennung und Prävention (frühzeitiges Bereitstellen von Angeboten familienergänzender und familienstützender Hilfen, vgl. auch §§ 16 ff. SGB VIII und § 1666a BGB) das Wohl des Kindes zu fördern und zu gewährleisten. Dazu gehören allgemeine Beratungs-, Unterstützungs- und Entlastungsangebote für alle Familien mit Kindern, z.B. Angebote der Kindertagesbetreuung, der Jugendarbeit, der Familienbildung oder der allgemeinen Familienberatung.
Weiterhin hat die Jugendhilfe spezifische Angebote zur Krisenbewältigung (§§ 17-20 SGB VIII) und Hilfen zur Erziehung (§§ 27 ff. SGB VIII) bereitzustellen und den Familien im Bedarfsfall anzubieten.
Jugendhilfe muss in Ausübung des "staatlichen Wächteramtes" zur Sicherung des Kindeswohls (vgl. Art. 6 Abs. 2 u. 3 GG, § 1 Abs. 2 u. 3 KKG, § 1 Abs. 2 u. 3 SGB VIII, § 50 Abs. 3 SGB VIII) die Interessen von Kindern schützen. Das Jugendamt als öffentlicher Träger der Jugendhilfe ist außerdem die zentrale Informationsstelle und der maßgebliche Akteur bei hoheitlichen Interventionen (§ 8a SGB VIII, § 1666a BGB). Wenn das Kindeswohl trotz der Hilfeangebote nicht gewährleistet ist, müssen Fachkräfte der Jugendhilfe prüfen, ob das Gericht einzuschalten ist (§ 8a Abs. 2 SGB VIII). In Notfällen und akuten Gefährdungssituationen kann das Jugendamt Kinder oder Jugendliche in Obhut nehmen (§ 8a Abs. 2 SGB VIII, § 42 SGB VIII).
Durch das KICK (Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz), in Kraft getreten 2005, wurden eine Reihe von Maßnahmen gebündelt und auch der Schutzauftrag des Jugendamtes und der Träger von Einrichtungen und Diensten, die Hilfen nach dem SGB VIII erbringen, konkretisiert (siehe Gesetzlicher Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung § 8a SGB VIII). Diese Vorschrift wurde durch das Bundeskinderschutzgesetz neu strukturiert. Ebenso erfolgte die Neuordnung der vorläufigen Maßnahmen bei Krisenintervention (§ 42 SGB VIII). Ein weiterer Baustein ist die verschärfte Prüfung der Eignung von Personen, die im sozialen Bereich tätig werden möchten oder sind (§ 72a SGB VIII).
Der Allgemeine Sozialdienst (ASD) ist im Bereich der Jugendhilfe und des Kinderschutzes an erster Stelle zu nennen. Er vermittelt und gewährt Beratungs- und Betreuungsangebote, weiterführende Hilfen und wacht als sozialpädagogische Instanz mit gesetzlichem Schutzauftrag über die Gewährleistung des Kindeswohls.
Die Anforderungen an die sozialen Dienste haben seit der Einführung des SGB VIII (Kinder-und Jugendhilfegesetz) zugenommen. Die "Philosophie" dieses Gesetzes ist es, verstärkt familien- und kindbezogen Förderleistungen anzubieten und Interventionen dahinter zurücktreten zu lassen. Mit § 8a SGB VIII wird die Doppelfunktion von Hilfe und Schutz des Kindes, die auch Kontrolle beinhaltet, noch einmal besonders betont.