Source: http://www.anwalt24.de/rund-ums-recht/BVerfG_12_10_2010_1_BvL_14_09_Vereinbarkeit_der_fehlenden_Ha-d4158192.html
Timestamp: 2016-12-09 17:33:16
Document Index: 184497391

Matched Legal Cases: ['Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 116', '§ 116', '§ 277', '§ 823', '§ 1664', '§ 116', '§ 116', 'Art. 6', '§ 116', '§ 116']

BundesverfassungsgerichtBeschl. v. 12.10.2010, Az.: 1 BvL 14/09Gericht: BVerfGEntscheidungsform: BeschlussDatum: 12.10.2010Referenz: JurionRS 2010, 26340Aktenzeichen: 1 BvL 14/09 Verfahrensgang:vorgehend:LG Memmingen - 27.04.2009 - AZ: 2 O 2548/05Rechtsgrundlagen:Art. 3 Abs. 1 GGArt. 6 Abs. 1 GGArt. 6 Abs. 2 GGArt. 6 Abs. 5 GG§ 116 Abs. 1 SGB X§ 116 Abs. 6 S. 1 SGB X§ 277 BGB§ 823 Abs. 1 BGB§ 1664 Abs. 1 BGBFundstellen:BVerfGE 127, 263 - 293BGBl I 2010, 1718DÖV 2011, 79FamRB 2011, 64FamRZ 2010, 2050-2055FF 2011, 87FStBay 2012, 400FStBW 2011, 1007-1009FStHe 2012, 435-438FStNds 2012, 247-250KomVerw/B 2011, 468-471KomVerw/LSA 2011, 469-471KomVerw/MV 2011, 469-471KomVerw/S 2011, 465-468KomVerw/T 2011, 471-473MDR 2010, 1452-1453NJW 2011, 1793-1798NZV 2011, 385r+s 2011, 138SGb 2011, 30SGb 2011, 210-217ZAP 2010, 1158ZAP EN-Nr. 737/2010ZFE 2011, 114-116ZfSH/SGB 2010, 727-733Verfahrensgegenstand:Verfassungsrechtlichen Prüfung, ob § 116 Abs. 6 Satz 1 SGB X insoweit mit dem Grundgesetz vereinbar ist, als er eine Haftungsprivilegierung des nicht in häuslicher Gemeinschaft lebenden, zum Unterhalt verpflichteten Kindesvaters im Gegensatz zu in häuslicher Gemeinschaft lebenden Familienangehörigen nicht vorsieht,- Aussetzungs- und Vorlagebeschluss des Landgerichts Memmingen vom 27. April 2009 (2 O 2548/05) -Amtlicher Leitsatz:Übernimmt ein Elternteil, dessen Kind aufgrund der Trennung der Eltern nicht ständig bei ihm lebt, im Rahmen des ihm rechtlich möglichen Maßes tatsächlich Verantwortung für sein Kind und hat häufigen Umgang mit diesem, der ein regelmäßiges Verweilen und Übernachten im Haushalt des Elternteils umfasst, entsteht zwischen Elternteil und Kind eine häusliche Gemeinschaft im Sinne des § 116 Abs. 6 Satz 1 Zehntes Buch Sozialgesetzbuch, die in gleicher Weise dem Schutz des Art. 6 Abs. 1 GG unterliegt wie diejenige, bei der Elternteil und Kind täglich zusammenleben.In dem Verfahren...hat das Bundesverfassungsgericht - Erster Senat - unter Mitwirkung der Richterin und Richter Vizepräsident Kirchhof, Hohmann-Dennhardt, Bryde, Gaier, Eichberger, Schluckebier, Masing, Paulus am 12. Oktober 2010 beschlossen:Tenor:1§ 116 Absatz 6 Satz 1 des Zehnten Buches Sozialgesetzbuch in der Fassung der Bekanntmachung des Zehnten Buches Sozialgesetzbuch vom 18. Januar 2001 (Bundesgesetzblatt I Seite 130) ist mit dem Grundgesetz auch insoweit vereinbar, als nach dieser Vorschrift nicht ausgeschlossen ist, dass bei nicht vorsätzlicher Schädigung durch einen zum Unterhalt verpflichteten Elternteil, der im Zeitpunkt des Schadensereignisses mit seinem geschädigten Kind nicht in häuslicher Gemeinschaft lebt, Ansprüche nach Absatz 1 auf den Sozialhilfeträger übergehen.2§ 116 Absatz 6 Satz 1 des Zehnten Buches Sozialgesetzbuch ist im Lichte von Artikel 6 Absatz 1 und Absatz 2 des Grundgesetzes dahingehend auszulegen, dass auch derjenige Elternteil die Tatbestandsvoraussetzung eines Lebens in häuslicher Gemeinschaft erfüllt, der zwar getrennt von seinem Kind lebt, jedoch seiner Verantwortung für das Kind in dem ihm rechtlich möglichen Maße nachkommt und regelmäßigen wie längeren Umgang mit dem Kind pflegt, sodass dieses zeitweise auch in seinen Haushalt integriert ist.