Source: http://reichstagsakten.de/?vol=rta1556&doc=dok494
Timestamp: 2017-09-20 16:44:08
Document Index: 68651651

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'Art. 15', '§\u200994', '§\u200995', 'Art. 4', 'Art. 15']

J) Resolutionen, Eingaben, Gutachten ‹ Nr. 494 Resolution der Reichsstädte zum 3. HA (Landfrieden)
«Nr. 494 Resolution der Reichsstädte zum 3. HA (Landfrieden) »
Missverständliche Regelungen zum Vorgehen bei Verdacht auf Landfriedensbruch ohne sichere Beweislage im Reichslandfrieden 1548 und in der EO 1555. Verbesserung der Sicherheit auf den Reichsstraßen. Keine Änderung der missverständlichen Artikel, sondern Klärung des Verdachts auf Landfriedensbruch durch die Kreisobersten.
Konzipiert vom Nürnberger Gesandten Chr. Gugel. Im SR verlesen und gebilligt am 12. 3. 15571. Im RR verlesen am 13. 3.2
HASt Köln, K+R 122, fol. 234–237’ (Dorsv.: Der erbarn frey- und Reichs stett bedencken etlicher artickell halben, im landtfrieden begriffen.) = Textvorlage. ISG Frankfurt, RTA 70, fol. 282–286 (Kop. Überschr. wie Dorsv. in Textvorlage. Zusätzlich: Ist auff sambstag, den 13. Martii, in gemainer Reichs versamblung verlesen worden anno 1557.) = B. StadtA Augsburg, RTA 15, unfol. (Kop. Dorsv. wie in Textvorlage. Zusätzlich: Den 12. Martii im stett rate abgehört unnd beschlossen.) = C. StA Nürnberg, NRTA 26, unfol. (Kop.). HStA Düsseldorf, JB II 2295, fol. 327–329’ (Kop.). HAB Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 57 Aug. Fol., fol. 470–473’ (Kop.).
Š/234/ Kg. bittet in der Proposition um Bericht zum Vollzug der 1555 verabschiedeten EO in den Reichskreisen sowie um die Beratung von Maßnahmen, falls dabei Probleme auftreten3. Dazu Stellungnahme des SR:
/234 f./ Im Konflikt der Gff. zur Lippe und von Rietberg4 berufen sich beide Seiten auf unterschiedliche Artikel des Reichslandfriedens [1548] und der EO im RAb 1555, Rietberg speziell auf die Berechtigung zur Gegenwehr, da der Gf. zur Lippe landfriedbrüchigen Tätern Unterschlupf gewähre. Dies erlaube gemäß Landfrieden [1548], Artikel „So eß sich nachmalß erfyndt“5, auch dann die Gegenwehr, wenn der Landfriedensbruch noch nicht offenkundig ist. Dagegen beruft sich der Gf. zur Lippe auf andere Artikel des Landfriedens und der EO, wie die Eingabe der Jülicher Gesandten ausführt6.
/234’/ Sintemal nuhn die Reichs ordnunga wol ethwz zweifflich und disputirlich, insonderheit obberurter disposition halben, die eynem zuläst, nith alleyn in notorischen fellen, sonder auch die sich hernach erfynden werden, mith der thatt und so paldt ehr seyne freundt und gehilffen haben mach [!], zuhandlen, hergegen aber die andere dispositiones sich ansehen lassen, alß limitirten und restringirten sie dieselben ordnungen auff die meynung, da solliche bezignußb und verdacht nicht offenpar, dz via iuris und nicht mith der that gehandlet werden soltec; furnemblich in dießem fall, da sich der besorgend standt zum rechten erpietet, aber sich der /235/ ander theil dran nicht begnugen lassen wolt, inhalt der disposition des abschiedtz, fol. 307. Diese letztere, eindeutige Formulierung der EO wird allerdings durch den unmittelbar folgenden Artikel8 wieder relativiert, indem dieser es bei der allgemeinen Generaldisposition des Landfriedens belässt und die spezielle Regelung aufhebt.
Den fraglichen Vollzug der EO auf Kreisebene hat SR zwar beraten, doch werden dazu zweifellos die höheren Stände eine Erklärung abgeben.
d–Die Reichsstädte bringen als besonderen Punkt die mangelnde Sicherheit auf den Reichsstraßen vor9, /235’/ also dz in fil orthen schier nymandt und kheyn biderman sicher und one gefar seyns leibs, lebenß, hab und gutter wandern und werben darff. Zu dem dz auch fil grosser beschwerlicher nhamen in eyner kurtz gescheen, dardurch fil und mancherlei nation beschwerdt und zu schaden gefurt, dergleichen in fil jarhen hievor nicht gehort worden. Mith underthenigster Špitt und anlangen, dz ire kgl. Mt. neben und mith sampt gemeynen Reichs stenden eyn gnedigst eynsehenß mith abstellung sollicher beschwerd und zu handthabung des gemeynen landtfriedenß haben wolten; der trostlichen zuversicht, wie dan auch die erbarn frey- und Reichs stett gantz undertheniglich und dienstlich gepetten haben wollen, dz gemeyne stende des Reichs zu vorkomung sollichs ubelß auch gepurenden und schuldigen vleiß furwenden wollen, damith mehrberurter landtfrieden in wurckliche fruchtbarliche volntziehung gebracht werden mocht. Daran auch, wz und sovill sonst dießes und ander puncten halben in der verordnung dieß landtfriedenß begriffen, wollen sie, die frey- und Reichs stett, alles ires vermogenß an inen einichen mangel auch nicht erscheinen lassen–d.
Aber die haubtfrag betreffende, welcher gestalt die angetzogene artikeln im Reichs landtfrieden und jungsten abschied zuhelffen, achten sie, die anwesende /236/ stett und derselben gesandten, darfur, dz in beeden ordnungen dießes falß und puncten halben nichtz zuendern, sonder dz man dieselben disposition bederseitz also steen und pleiben lassen mog.
Nachdem aber die clausel im landtfrieden der gegenwehr und verfolgung halben (so sich der fridbruch oder beschedigung nachmalß erfinde) gantz weitleuffich10, und eynem jedem, der zu thetlichen, landtfridbruchigen handlungen lust und naigung hatt, dardurch und auß mißverstandt derselben clauseln die thur geoffnet, den andern zuuberziehen und zuvergewaltigen under dem scheyn, dz ehr den bedacht odere beschedigung gegen ime kondt und wolt außfuren, ungeacht dz der ander des nicht gestendig undf ordenliche außfurung recht und alle pilligkeit leiden mögh, in massen sich dan der graff von derg Lip auch erpotten und vernemmen lassen: Und aber die entlich und hauptsach des landtfriedens ist, dz fried und ruhe im Reich gehalten, nymandt unpilliger weiß uberzogen, beschedigt und beschwerdt, auch on zweifell der disponenten will und meynung nicht geweßen, dz eyner uff eynen plossen verdacht solte und mochte ubertzogen werden, daß auch kheyne gegenwehr kan gebraucht werden, eß sey dan eyne frevenliche oder geferliche offension und belaidigung /236’/ furgangen, die aber aufs wenigst must kundtbar oder aber der verdacht durch rechtmessige antzeigung, fur und ehe eyn gewaldt gebraucht, nach inhalt und vermog der ander des landfriedenß disposition (under der rubrick, wie gegen denen, die des fridbruchs verdacht etc.11) ausfundich gemacht worden sey.
So wirdt dißer fall dahin bedacht, dz eyn erklerung obberurter clausel und punctenß auf dieße meynung ongeferlich gescheen mocht, dz dem, der eyner vergeweltigung oder beschedigung in sorgen stund, bevor stehen solt, nicht Šalleyn bei dem ksl. camergericht umb mandata de non offendendo antzuhalten, sonder auch im fall, da periculum in mora, den kraiß obristen zuersuchen, ine fur gewalt und bei den rechten und landtfrieden zuhanthaben. Darauf solt der obrist onverzogklich die verordnete reth zusamen, auch beide partheien durch sich selbst oder ir volmechtige anwelthe zuerscheinen erfordern, sie sumarie anhoren und, so der angegeben landtfriedbruch oder geferliche beschedigung nicht offenpar oder mith redlichen, erheblichen, genugksamen antzeigungen nicht außfundich gemacht wehre oder alßpaldt ausfundich und beweißlich gemachth werden kondt, den gewaltetigen alßpaldt eynen stilstandt bei eyner namhafften peen gepieten und nichtz /237/ weniger solliche verordnung thun, damith dem unrechtmeßigen gewaldt nach ußweisung der Reichs ordnung mocht gewehrt werden.
So aber der obrist der sachen auch verwandt, dz alßdan die zugeordnete uff gescheen erforderung und anhalten nichtz desto weniger verbunden und schuldig seyn solten, berurte vorsehung, wie gemeldt, zuthun und im fall der notturfft die andern negsten kraiß obristen auch umb radt, hilff und beystandt zuersuchen; und damith keyn zerruttung im Reich erfolge, moglichsten vleiß furwenden, auff dz der gehorsam standt, welcher recht und onverweilte außfurung und erkanthnuß leiden mach [!], bey der constitution des landtfriedens onvergeweltigt geschutzt und gehanthabt werde.
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Nürnberg, fol. 389’ [Nr. 313].
Kurmainz, pag. 827 [Nr. 104].
Vgl. Proposition [Nr. 1], fol. 66’ [Als auch auf obgedachtem ... gebracht werden.].
Vgl. die Supplikation [Nr. 557], dort die Jülicher Eingabe vom 31. 1. 1557.
Reichslandfrieden 1548, Art. 4: Machoczek, RTA JR XVIII, Nr. 75 S. 970 f.
Berufung auf Reichslandfrieden 1548, Art. 15: Machoczek, RTA JR XVIII, Nr. 75 S. 977–981.
Bezugnahme auf die EO im RAb 1555, § 94: Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3134 (vgl. dazu auch die Angaben in der Jülicher Eingabe: Nr. 557).
EO im RAb 1555, § 95: Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3134.
Vgl. dazu auch die Supplikation der Reichsstädte [Nr. 570].
Landfrieden 1548, Art. 4 (wie Anm. 5).
Landfrieden 1548, Art. 15 (wie Anm. 6).
ordnung] In B, C: ordnungen.
bezignuß] In B: verzegkhnus. C wie Textvorlage.
solte] In B, C danach: unnd.
Die ... lassen] Fehlt in B. C wie Textvorlage.
bedacht oder] In B: verdacht unnd. In C: verdacht oder.
und] In B, C danach: die.
von der] In B, C: zu.
gemacht] Korr. nach B und C. Fehlt in der Textvorlage irrtümlich.
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