Source: http://www.hensche.de/Frist_bei_Entschaedigung_fuer_Diskriminierung_Klage_BAG_8AZR662-13.html
Timestamp: 2016-12-07 18:17:17
Document Index: 281041801

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 167', 'BGH', '§ 167', 'BGH', 'BGH', '§ 167', 'BGH', '§ 15']

ARBEITSRECHT AKTUELL // 14/189
Bei AGG-Ent­schä­di­gun­gen ist Ei­le ge­bo­ten
Wie wahrt man die Zwei­mo­nats­frist für die außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ei­ner Entschädi­gung we­gen Dis­kri­mi­nie­rung? Der Fall des BAG: Schwer­be­hin­der­te Be­wer­be­rin wird erhält we­gen ih­rer Be­hin­de­rung ei­ne Stel­le als Fach­an­ge­stell­te für Bäder­be­trie­be nicht
BAG: Die Zwei­mo­nats­frist für die außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ei­ner AGG-Entschädi­gung wird durch Kla­ge­ein­rei­chung ge­wahrt
Wie wahrt man die Zwei­mo­nats­frist für die außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ei­ner Entschädi­gung we­gen Dis­kri­mi­nie­rung? Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) sieht bei Dis­kri­mi­nie­run­gen von Ar­beit­neh­mern und Stel­len­be­wer­bern ei­nen An­spruch auf und Scha­dens­er­satz und Gel­dentschädi­gung vor (§ 15 Abs.1 und 2 AGG). Die­se Ansprüche müssen gemäß § 15 Abs.4 AGG in­ner­halb ei­ner Zwei­mo­nats­frist schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den. § 15 Abs.4 AGG lau­tet:
Der Fall des BAG: Schwer­be­hin­der­te Be­wer­be­rin wird erhält we­gen ih­rer Be­hin­de­rung ei­ne Stel­le als Fach­an­ge­stell­te für Bäder­be­trie­be nicht Im Streit­fall ging es um ei­ne aus­ge­bil­de­te Fach­an­ge­stell­te für Bäder­be­trie­be, die we­gen ei­ner Er­kran­kung an mul­ti­pler Sk­le­ro­se (MS) mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung (GdB) von 50 schwer­be­hin­dert war. Sie be­warb sich bei ei­nem Be­trei­ber von Hal­len- und Freibädern um ei­ne ent­spre­chen­de Stel­le auf ei­ne be­fris­te­te Stel­le als El­tern­zeit­ver­tre­tung. Bei ei­ner Be­sich­ti­gung ih­res zukünf­ti­gen Ar­beits­plat­zes teil­te die Be­wer­be­rin dem Ar­beit­ge­ber ih­re Be­hin­de­rung mit. Der zog dar­auf­hin das Ver­trags­an­ge­bot zurück. We­gen der Be­hin­de­rung sei die Kläge­rin nicht in der La­ge, die Tätig­keit aus­zuüben, so der Ar­beit­ge­ber in ei­nem Ab­leh­nungs­schrei­ben von En­de De­zem­ber 2011. Die Be­wer­be­rin reich­te dar­auf­hin oh­ne vor­he­ri­ge außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung am 20.02.2012 Kla­ge auf Scha­dens­er­satz und Entschädi­gung nach § 15 Abs.1 und 2 AGG. Die Kla­ge wur­de dem Ar­beit­ge­ber ei­nen Tag nach Ab­lauf der Zwei­mo­nats­frist des § 15 Abs.4 Satz 1 AGG zu­ge­stellt wur­de.
BAG: Die Zwei­mo­nats­frist für die außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ei­ner AGG-Entschädi­gung wird durch Kla­ge­ein­rei­chung ge­wahrt Das BAG hob das LAG-Ur­teil auf und ver­wies die An­ge­le­gen­heit zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das LAG zurück. In der der­zeit al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mel­dung des BAG heißt es zur Be­gründung: Im vor­lie­gen­den Fall trat zu Guns­ten der Ar­beit­neh­me­rin ei­ne Rück­wir­kung der Kla­ge­zu­stel­lung nach § 167 ZPO ein. Da­bei schließt sich das BAG ei­ner Grund­satz­ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) an, mit der die­ser den An­wen­dungs­be­reich des § 167 ZPO auf frist­ge­bun­de­ne außer­ge­richt­li­che Mahn­schrei­ben er­wei­tert hat (BGH, Ur­teil vom 17.07.2008, I ZR 109/05). Nach die­ser neue­ren BGH-Recht­spre­chung ist § 167 ZPO im All­ge­mei­nen auch an­wend­bar, wenn durch die Zu­stel­lung ei­ne Frist ge­wahrt wer­den soll, die auch durch außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ge­wahrt wer­den könn­te. Nur in Son­derfällen, so das BAG im An­schluss an den BGH, schei­det ei­ne Rück­wir­kungs­re­ge­lung aus. Ei­nen sol­chen Aus­nah­me­fall stellt die Frist des § 15 Abs.4 AGG nach An­sicht der Er­fur­ter Rich­ter nicht dar. Das BAG dis­tan­ziert sich aus­drück­lich von ei­ner ge­gen­tei­li­gen Äußerung in sei­nem Buli­cke-Ur­teil vom Ju­li 2012 (BAG, Ur­teil vom 21.06.2012, 8 AZR 188/11), die es in die­sem Ur­teil ne­ben­her, d.h. nicht ur­teilstra­gend ge­macht hat­te (als "ob­iter dic­tum").