Source: https://www.deutscher-schadendienst.de/rechts-ueberholen/
Timestamp: 2018-12-18 22:57:25
Document Index: 290928367

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 2', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7']

Rechts überholen — hier ist es erlaubt! | Deutscher Schadendienst
Rechts überholen — in diesen Fällen ist es erlaubt!
Jedem Autofahrer aus täglicher Praxis und jedem Fahrschüler mit Beginn der theoretischen Ausbildung bekannt: in Deutschland wird generell links überholt. Doch groß ist die Versuchung, wenn ein sogenannter „Schleicher“ den Verkehrsfluss auf der linken Spur der Autobahn behindert. Rechts überholen scheint das Mittel der Wahl um den Schleicher zu überwinden und dem eigenen Frust Abhilfe zu schaffen.
Doch ist das erlaubt? In welchen Fällen darf auf Deutschen Straßen auch auf dem rechten Fahrstreifen überholt werden?
Der Überholvorgang — Rechtslage
Das korrekte Verhalten im Straßenverkehr hat der Deutsche Gesetzgeber im Rahmen der Straßenverkehrsordnung (StVO) normiert.
Gemäß § 2 Abs. 1, 2 StVO gilt in Deutschland das sogenannte Rechtsfahrgebot: Fahrzeuge müssen demnach von zwei Fahrbahnen die rechte benutzen; wobei auf der Fahrbahn selbst ebenfalls möglichst weit rechts zu fahren ist.
Ein Überholvorgang ist daher grundsätzlich durch Wechsel auf den links neben dem zu überholenden Fahrzeug gelegenen Fahrstreifen einzuleiten (vgl. § 5 Abs. 1 StVO). Ausscher-, Überhol- und Wiedereinschervorgang sind anderen Verkehrsteilnehmern dabei rechtzeitig und unter Verwendung der Fahrtrichtungsanzeiger zu kommunizieren (§ 5 Abs. 4a StVO).
Die Vorschrift des § 5 StVO ist mithin in Bezug auf den Überholvorgang eindeutig: rechts überholen ist grundsätzlich verboten; überholt wird von links.
Rechts überholen: Mögliche Sanktionen im Verstoßfall
Werden andere Verkehrsteilnehmer dennoch entgegen der eindeutigen Bestimmungen rechts überholt, drohen mitunter empfindliche Strafen. Dies trifft insbesondere auf Überholvorgänge von rechts zu, die auf Bundesdeutschen Autobahnen unternommen werden. Hier droht je nach Gefährdungslage eine Geldbuße zwischen 100 und 300€, sowie ein einmonatiges Fahrverbot (vgl. Nr. 17-19.1.2. BKatV).
Da Deutsche Autofahrer — anders als beispielsweise in den USA — durch das strikte Rechtsfahrgebot schlicht nicht mit einem von rechter Seite eingeleiteten Überholvorgang rechnen, produziert dieser ein verhältnismäßig großes Verkehrsrisiko. Das empfindliche Strafmaß ist daher sicherlich vernünftig.
Doch wie bei den meisten verkehrsrechtlichen Bestimmungen hat der Gesetzgeber auch im Fall des aus dem Rechtsfahrgebot abgeleiteten Grundsatzes des Linksüberholens bestimmte Ausnahmen vorgesehen.
Ausnahmen vom Grundsatz des Linksüberholens — hier ist rechts überholen erlaubt!
Vom Grundsatz des Linksüberholens darf in einigen Fällen abgewichen werden:
so ist es erlaubt, Linksabbieger, die einen Abbiegevorgang angezeigt und sich entsprechend eingeordnet haben, rechts zu überholen (§ 5 Abs. 7 StVO).
es ist geboten, Schienenfahrzeuge rechts zu überholen, soweit der Schienenverlauf dies zulässt. In Einbahnstraßen sind Schienenfahrzeuge links oder rechts zu überholen (§ 5 Abs. 7 StVO).
sofern ein ausreichender Sicherheitsabstand gewahrt werden kann (mindestens ein Meter), ist es Rad- und Mofafahrern erlaubt, auf der rechten Fahrbahn wartende Fahrzeuge mit angemessener Geschwindigkeit und maximaler Vorsicht rechts zu überholen (§ 5 Abs. 8 StVO).
Vom Gebot möglichst weit rechts zu fahren (§ 2 Abs. 2 StVO) dürfen Kraftfahrzeuge auf Fahrbahnen mit mehreren Fahrstreifen abweichen, wenn die Verkehrsdichte dies rechtfertigt (§ 7 Abs. 1 S. 1 StVO).
Vom Grundsatz des Linksüberholens darf auch in den Fällen abgewichen werden, in denen…
der Verkehr derart verdichtet ist, dass sich auf den Fahrstreifen für eine Richtung Fahrzeugschlangen gebildet haben. In diesen Fällen darf rechts zumindest schneller gefahren werden als links (§ 7 Abs. 2 StVO).
auf der Fahrbahn für eine Richtung eine Fahrzeugschlange auf dem linken Fahrstreifen langsam fährt (max. 60 kM/h) oder steht (beispielsweise in einer Stausituation). In diesen Fällen dürfen die stehenden oder sich langsam bewegenden Fahrzeuge mit geringfügig höherer Geschwindigkeit (max. 80 kM/h) und äußerster Vorsicht durch Fahrzeuge auf rechts befindlichen Fahrbahnen überholt werden (§ 7 Abs. 2a StVO).
Zudem gilt innerhalb geschlossener Ortschaften auf Fahrbahnen mit mehreren Fahrstreifen für Fahrzeuge — mit einem zulässigen Gesamtgewicht von nicht mehr als 3,5 Tonnen — der Grundsatz der freien Fahrstreifenwahl (§ 7 Abs. 3 StVO).
Außerdem gelten Beschleunigungs- und Verzögerungsvorgänge bei Befahren und Verlassen Bundesdeutscher Autobahnen nicht als Überholvorgänge.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass durchaus Ausnahmen vom strengen Grundsatz des Linksüberholens bestehen. In einigen Fällen ist es nämlich durchaus zulässig, zum Beispiel in Stausituationen, andere Verkehrsteilnehmer unter größter Vorsicht und bei geringer Geschwindigkeitsdifferenz nötigenfalls auch von rechts zu überholen.
In den meisten Fällen bleibt der Überholvorgang von rechts aber — zu recht — ein empfindlich geahndetes Vergehen.