Source: https://www.arbeitszeit-klug-gestalten.de/alles-zu-arbeitszeitgestaltung/arbeitszeitmodelle-im-ueberblick/teilzeit/
Timestamp: 2019-01-23 21:52:38
Document Index: 191726640

Matched Legal Cases: ['§8', '§3', '§4', '§5', '§ 16', '§8', '§8', '§7']

Teilzeit: ein Begriff, verschiedene Arbeitszeitlösungen
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Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten in Teilzeit: 2015 waren es weit mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen (57,8 Prozent) und 20 Prozent aller erwerbstätigen Männer, Tendenz steigend.
Der Begriff "Teilzeit" steht für eine Vielzahl von Arbeitszeitlösungen, die alle eines gemeinsam haben: Die Beschäftigten arbeiten durchschnittlich weniger Stunden pro Woche als eine vergleichbare Vollzeitkraft. Daraus ergeben sich für Arbeitgeber und Beschäftigte zahlreiche Varianten, die deutlich über die weit verbreitete 20-Stunden-Woche hinausgehen.
Wenn Teilzeitmodelle im Konsens von Unternehmensleitung und Beschäftigten vereinbart werden, stellen sie ein sehr wichtiges Instrument zur Arbeitgeber-Attraktivität und Familienfreundlichkeit dar und können auch wirtschaftlich interessant sein. Rechtliche Aspekte regelt das Teilzeit- und Befristungsgesetz.
Varianten der Teilzeit
Klassische Teilzeit
Die tägliche Arbeitszeit wird gleichmäßig reduziert, Dauer und Länge der Arbeitstage liegen fest.
Beispiel: Eine Person in der Buchhaltung arbeitet Montag bis Freitag jeweils von 8.00 bis 13.00 Uhr.
Variable Teilzeit
Die wöchentliche Arbeitszeit wird reduziert, die Lage der Arbeitszeit ist aber variabel.
Beispiel: Eine Person in einem Bekleidungsgeschäft arbeitet 20 Stunden pro Woche. Diese 20 Stunden sind entweder verbindlich auf jeden Wochentag aufgeteilt (z.B. Montag und Dienstag 8 Stunden und Mittwoch 4 Stunden) oder sie werden je nach Arbeitsanfall und in Absprache mit der Person flexibel auf die Woche verteilt, also beispielweise immer am Dienstag 8 Stunden und am Mittwoch 4 Stunden, sowie einen Tag variabel entweder samstags oder montags.
Saisonale Teilzeit
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit wird reduziert. Die Beschäftigten werden aber, je nach saisonaler Auslastung, entweder Vollzeit oder Teilzeit beschäftigt.
Beispiel: Eine Person mit einer 32-Stunden-Woche arbeitet in einer Gaststätte mit Biergarten. Im Sommer ist sehr viel mehr zu tun als im Winter. Die Person arbeitet von Mai bis August 42 Stunden in der Woche. Die so entstandenen 160 „Überstunden“ gleicht sie in den Monaten Januar bis April aus, in denen sie nur 22 Stunden arbeitet. Von September bis Dezember gilt die reguläre Arbeitszeit von 32 Stunden in der Woche.
Vollzeitnahe Teilzeit
Der Begriff "vollzeitnahe Teilzeitarbeit" umschreibt Wochenarbeitszeiten ab 30 Stunden. Der Teilzeitumfang liegt näher an der klassischen Vollzeitstelle als an der 50-Prozent-Teilzeitstelle. Dieses Modell wird intensiv in Zusammenhang mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf diskutiert. Eine vollzeitnahe Teilzeitarbeit ermöglicht auch Fach- und Führungskräften, anspruchsvolle Tätigkeiten in Teilzeit ausüben und dennoch Zeit für Familienaufgaben zu haben. Aber auch (z.B. ältere) Beschäftigte mit gesundheitlichen Beschwerden können von einer 4-Tage-Woche profitieren. Im Vergleich mit anderen EU-Ländern liegt Deutschland bei der Teilzeitarbeit für Führungskräfte deutlich unter dem Durchschnitt.
Beispiel: Eine Person arbeitet als Teamleitung in einem Entwicklungsbüro und wird mit 32 Stunden (80%) beschäftigt. Die Arbeitszeit kann sie sich relativ frei einteilen und situativ entscheiden, ob ein 6-Stunden-Tag oder ein freier Tag pro Woche hilfreicher wäre. In der Regel pendeln sich trotz der Entscheidungsfreiheit bestimmte Arbeitszeitroutinen ein. Besonders gut lassen sich Familienaufgaben und Beruf dann vereinbaren, wenn beide Elternteile in vollzeitnaher Teilzeit arbeiten.
Teilzeit in Schichtarbeit
Nicht ganz einfach, aber machbar - das gilt für Teilzeit in Schichtarbeit. In der Regel fällt es leichter, ganze freie Schichten einzuplanen als in jeder Schicht weniger Stunden zu leisten. Die konkrete Lösung muss aber immer im Einzelfall gesucht und gefunden werden.
Mögliche Ansätze sind:
Zusätzliche Freischichten
Zwei Personen teilen sich einen Arbeitsplatz (Job-Sharing)
Einführen einer zusätzlichen Mittelschicht mit reduzierter Arbeitszeit
Ausgedünnte Schichten für Teilzeit nutzen (geringere Schichtstärke in der Nacht oder am Wochenende)
Arbeit in Teilzeit aus Arbeitgebersicht
Teilzeitmodelle können dazu beitragen, Auftragsschwankungen im Tages-, Wochen- und Jahresverlauf auszugleichen
Untersuchungen haben gezeigt, dass Beschäftigte mit einer verkürzten Tages- oder Wochenarbeitszeit häufig besonders effizient arbeiten, um ihre Aufgaben in der zur Verfügung stehenden Zeit zu erledigen
Gute Fachkräfte können gebunden werden – eventuell kann ein Teilzeitangebot einer Kündigung vorbeugen
Die Möglichkeit zur Teilzeit spricht bei einer Stellenausschreibung einen breiteren Kreis von Interessenten/innen an
Möglichkeiten zur Teilzeit steigern die Arbeitgeber-Attraktivität
Teilzeit ermöglicht Beschäftigten nach der Geburt eines Kindes, schneller wieder in den Beruf zurück zu gehen und damit dem Unternehmen wieder zur Verfügung zu stehen
Motivation und Loyalität der Beschäftigten
Urlaubsvertretung kann - je nach Vereinbarung - erleichtert werden
Leicht erhöhter Verwaltungsaufwand
Leicht erhöhter Aufwand für Führungs- und Organisationsaufgaben sowie Weiterbildung
Arbeitsabläufe müssen auf die Teilzeitstelle zugeschnitten werden
Beschäftigte in Teilzeit sind seltener zu erreichen und müssen ggf. vertreten werden
Bei maschinengebundener Arbeit entstehen Leerlaufzeiten oder es muss eine weitere Person in Teilzeit gefunden werden
Arbeit in Teilzeit aus Beschäftigtensicht
Bessere Vereinbarkeit von Beruf und privaten Interessen
Erziehung von Kindern, Pflege von Familienangehörigen, Ehrenämter , Weiterbildungswünsche und Hobbys sind besser umzusetzen
Teilzeit kann eine Beschäftigungsfähigkeit trotz gesundheitlicher Einschränkungen ermöglichen
Geringerer Stress insgesamt, wenn das Privatleben auch erheblichen Einsatz fordert
Geringeres Gehalt, dies kann insbesondere in Niedriglohnsektoren oder bei Alleinverdienern keine Existenzsicherung gewährleisten
Arbeit in Teilzeit ermöglicht in vielen Fällen keine ausreichende Renten-Absicherung
Je nach Unternehmenskultur geringere Entwicklungsmöglichkeiten, geringere Karrierechancen
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Gemäß Teilzeit- und Befristungsgesetz haben Beschäftigte in Unternehmen mit mehr als 15 Beschäftigten einen Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung, sofern sie länger als sechs Monate im Unternehmen beschäftigt sind und sofern keine betrieblichen Gründe dem entgegenstehen (§8 TzBfG)
Es gelten die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG), insbesondere zur täglichen Höchstarbeitszeit (§3), zu Pausen (§4) und zu den Ruhezeiten zwischen zwei Arbeitstagen (§5), sowie zur Aufzeichnung der Arbeitszeit (§ 16 (2))
Bei Jugendlichen, Schwangeren und Stillenden muss die tägliche Höchstarbeitszeit beachtet werden (§8 JArbSchG, §8 MuSchG)
Der Betriebs/Personalrat hat das Recht, über Teilzeitarbeit im Unternehmen informiert zu werden (§7 TzBfG). Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, in einer Betriebsvereinbarung die Regelungen des Gesetzes zu konkretisieren.
Teilzeitarbeit kann schwankenden Personalbedarf über den Tag, die Woche oder das Jahr hinweg ausgleichen
Mit Teilzeitbeschäftigungen können daher oft Kundenwünsche nach Erreichbarkeit zu bestimmten Uhrzeiten besser ermöglicht werden
Im Sinne einer guten Betriebskultur sollten Teilzeitlösungen auch die Bedürfnisse der Beschäftigten (z.B. bei der Lage der Arbeitszeit und bei der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit) berücksichtigen
Teilzeitmodelle können bei bestimmten Tätigkeiten, bei denen Teams zusammenarbeiten müssen (Montageteam, Handwerksteam etc.) nur eingeschränkt umgesetzt werden. Hier bieten sich Teilzeitmodelle mit ganzen freien Tagen oder festen halben freien Tagen an
Teilzeit kann gut dazu beitragen, die Vereinbarung von Privatem und Beruf zu erleichtern und dadurch den Stress reduzieren
Teilzeit kann dazu beitragen, die Beschäftigungsfähigkeit im aktuellen Beruf zu erhalten, wenn durch die Teilzeit körperliche oder psychische Belastungen reduziert werden
Insgesamt sind Teilzeitmodelle eher gesundheitsförderlich, so lange sie die nachfolgenden Empfehlungen berücksichtigen:
Den Beschäftigten sollte, wo möglich, eine hohe Zeitautonomie ermöglicht werden, zumindest aber eine Mitsprache bei der Lage und Länge der Arbeitszeit am Tag
Kritische Arbeitszeiten am Abend, in der Nacht und am Wochenende sollte eher vermieden werden (außer Beschäftigte wünschen dies)
Wird Teilzeitarbeit gegen das Interesse von Beschäftigten eingeführt, kann das dazu führen, dass diese Beschäftigten aus finanziellen Gründen eine zweite Tätigkeit aufnehmen, was zu zusätzlicher gesundheitlicher Belastung führen kann
Ein offensiv kommuniziertes Teilzeit-Angebot stärkt die Arbeitgeber-Attraktivität nach außen
Beschäftigte, deren Wünsche nach Teilzeit berücksichtigt werden, verfügen in der Regel über eine höhere Motivation und Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber
Durch Teilzeitoptionen erweitert sich der Kreis der potenziellen Bewerber für eine Stelle und kann daher die Bewerberqualität steigern
Auch Ausbildung in Teilzeit ist möglich und führt oft zu sehr dankbaren und motivierten Auszubildenden. Unterstützung erhalten Arbeitgeber durch die Agentur für Arbeit
Der Erfolg eines guten Teilzeitmodells, auch für Fach- und Führungskräfte, hängt von der Unternehmenskultur ab: Ergebnisorientierung und eine Vertrauenskultur sind entscheidend
Teilzeit kann einen Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Beruf, Kindern und Pflegearbeit leisten und stellt daher besonders für Beschäftigte in der Lebensmitte ein wichtiges und wertvolles Arbeitszeitmodell dar
Teilzeitangebote ermöglichen nicht nur Frauen, sondern auch Männern, Entwicklungsmöglichkeiten bei gleichzeitigem Engagement für die Familie. Insbesondere vollzeitnahe Teilzeitmodelle sind hier sinnvoll
Checkliste Teilzeit
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