Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Lenkzeitunterbrechungen_LAG_Berlin-Brandenburg_6Sa350-10.html
Timestamp: 2017-10-20 01:19:05
Document Index: 207169210

Matched Legal Cases: ['§ 256', '§ 247', '§ 613', '§ 4', '§ 12', '§ 11', '§ 286', '§ 614', 'Art. 6', '§ 21', '§ 256', '§ 21', '§ 533', '§ 256', '§ 256', '§ 241', '§ 823', '§ 253', '§ 253', '§ 611', '§ 3', '§ 611', '§ 92', '§ 3']

HENSCHE Arbeitsrecht: 6 Sa 350/10
Schlag­worte: Lenkzeit, Arbeitszeit
Akten­zeichen: 6 Sa 350/10
Ent­scheid­ungs­datum: 21.05.2010
1. Die Re­ge­lun­gen über Lenk­zeit­un­ter­bre­chun­gen und Ru­he­zei­ten für Kraft­fah­rer be­gründen als bloße Ne­ben­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers kei­nen ein­klag­ba­ren Leis­tungs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers. (Rn.29)
2. An ei­ner Fest­stel­lung, dass der Ar­beit­ge­ber die Re­ge­lun­gen über Lenk­zeit­un­ter­bre­chun­gen und Ru­he­zei­ten zu be­ach­ten hat, be­steht kein nach § 256 Abs 1 ZPO er­for­der­li­ches In­ter­es­se, wenn darüber kein Streit zwi­schen den Par­tei­en herrscht, die­ser sich viel­mehr dar­auf be­schränkt, ob auf­ge­tre­te­ne Verstöße auf der Dis­po­si­ti­on der Tou­ren durch den Ar­beit­ge­ber be­ru­hen. (Rn.30)
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Brandenburg, Urteil vom 3.12.2009, 1 Ca 881/09
1 Ca 881/09
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 21. Mai 2010
1. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bran­den­burg an der Ha­vel vom 03.12. 2009 – 1 Ca 881/09 - im Kos­ten­aus­spruch und in­so­weit geändert, wie die Kla­ge im Um­fang von 881,00 € brut­to nebst Zin­sen ab­ge­wie­sen wor­den ist, und die Be­klag­te ver­ur­teilt, an den Kläger 881,00 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über den Ba­sis­zins­satz seit dem 02.12.2009 zu zah­len.
3. Die Kos­ten des Rechts­streits 1. In­stanz ha­ben bei ei­nem Streit­wert von 8.046,42 € der Kläger zu 89,05 % und die Be­klag­te zu 10,95 % zu tra­gen, während die Kos­ten der Be­ru­fungs­in­stanz bei ei­nem Streit­wert von 9.046,42 € dem Kläger zu 90,26 % und der Be­klag­ten zu 9,74 % auf­er­legt wer­den.
Der am ….. 1953 ge­bo­re­ne Kläger stand seit dem 1. Mai 1992 als Kraft­fah­rer in den Diens­ten ei­nes Un­ter­neh­mens des Ein­zel­han­dels. Auf sein Ar­beits­verhält­nis fand der bis En­de 1999 all­ge­mein­ver­bind­li­che Man­tel­ta­rif­ver­trag für den Ein­zel­han­del im Land Bran­den­burg (MTV) An­wen­dung. Am 6. No­vem­ber 2006 ging das Ar­beits­verhält­nis im We­ge ei­nes Be­triebs­teilüber­gangs auf die Be­klag­te über.
Mit sei­ner Kla­ge be­gehrt der Kläger Zah­lung von Ur­laubs­geld für 2009 und ei­ner Entschädi­gung we­gen sys­te­ma­ti­scher Ver­let­zung der Vor­schrif­ten über Lenk- und Ru­he­zei­ten, die er außer­dem zum Ge­gen­stand von Leis­tungs- und Fest­stel­lungs­anträgen macht.
Das Ar­beits­ge­richt Bran­den­burg an der Ha­vel hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, ein An­spruch des Klägers auf Ur­laubs­geld für 2009 sei noch nicht fällig, weil dem Kläger noch nicht min­des­tens die Hälf­te sei­nes ta­rif­ver­trag­li­chen Jah­res­ur­laubs gewährt wor­den sei. Verstöße ge­gen die Vor­schrif­ten über die tägli­chen Ru­he­zei­ten in den Mo­na­ten April bis Ju­ni 2009 ha­be der Kläger trotz Be­strei­tens der Be­klag­ten nicht be­wie­sen, sei­ne Lenk­zei­ten an den ein­zel­nen Ta­gen ha­be er trotz ent­spre­chen­der Auf­la­ge nicht dar­ge­legt.
Ge­gen die­ses ihm am 18. Ja­nu­ar 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich die am 17. Fe­bru­ar 2009 ein­ge­leg­te und am 29. März 2009 nach ent­spre­chen­der Verlänge­rung der Be­gründungs­frist be­gründe­te Be­ru­fung des Klägers. Er be­haup­tet in Ergänzung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­tra­ges zu ei­nem auch Rest­ur­laub aus dem Vor­jahr um­fas­sen­den Ur­laubs­an­trag vom 14. Ju­li 2009 (Ab­lich­tung Bl. 25 d. A.) auch in der Zeit vom 16. bis 27. No­vem­ber 2009 Ur­laub er­hal­ten und die rest­li­chen Ta­ge im Ja­nu­ar 2010 ge­nom­men zu ha­ben.
In den Mo­na­ten April bis Au­gust 2009 sei es auf Grund sei­nes Ein­sat­zes durch die drei Dis­po­nen­ten der Be­klag­ten zu neun Verstößen ge­gen ge­setz­li­che Vor­ga­ben zur Ru­he­zeit, drei Ta­ges­lenk­zei­ten­verstößen und 41 Verstößen ge­gen die Vor­ga­ben zu Lenk­zeit­un­ter­bre­chun­gen ge­kom­men. Die­se Verstöße ließen sich den Aus­wer­tun­gen der Schaublätter sei­nes Lkw (Ab­lich­tung Bl. 261 bis 271 d. A.) ent­neh­men. Dar­in sei ei­ne als Mob­bing zu wer­ten­de per­ma­nen­te Schi­ka­ne zu se­hen, durch die er nach ei­nem im Sep­tem­ber 2007 er­lit­te­nen Herz­in­farkt ei­ner er­heb­li­chen Ge­fahr für sei­ne Ge­sund­heit aus­ge­setzt wor­den sei. Durch per­ma­nen­ten Man­gel an Schlaf- und Ru­he­zeit lei­de er zu­dem un­ter Schlafstörun­gen und Blut­hoch­druck.
das an­ge­foch­te­ne Ur­teil wie folgt zu ändern:
1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, dem Kläger ein Ur­laubs­geld für das Jahr 2009 in Höhe von 881,00 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz gemäß § 247 BGB seit dem 01.07.2009 zu zah­len.
2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, dem Kläger gemäß Ar­ti­kel 8 Abs. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 561/2006 in­ner­halb je­des Zeit­rau­mes von 24 St­un­den ei­ne tägli­che Ru­he­zeit von min­des­tens elf zu­sam­menhängen­den St­un­den un­ter der Maßga­be zu gewähren, dass die Ru­he­zeit höchs­tens drei mal pro Wo­che auf nicht we­ni­ger als neun zu­sam­menhängen­de St­un­den verkürzt wer­den darf, so­fern bis zum En­de der fol­gen­den Wo­che ei­ne ent­spre­chen­de Ru­he­zeit zum Aus­gleich gewährt wird.
3. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, dem Kläger, so­fern die­ser kei­ne Ru­he­zeit nimmt, ei­ne Lenk­zeit­un­ter­bre­chung von min­des­tens 45 Mi­nu­ten nach ei­ner Ge­samt­lenk­dau­er von 270 Mi­nu­ten zu gewähren, wo­bei die tägli­che Lenk­zeit neun St­un­den und die wöchent­li­che Lenk­zeit 56 St­un­den nicht über­schrei­ten darf.
4. Vor­sorg­lich, für den Fall der Un­zulässig­keit der Kla­ge­anträge 2 und 3 wird fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, bei der Schicht – Dienst­plan­ein­tei­lung des Klägers zu gewähr­leis­ten,
a) dass der Kläger in­ner­halb je­des Zeit­rau­mes von 24 St­un­den ei­ne tägli­che Ru­he­zeit von min­des­tens elf zu­sam­menhängen­den St­un­den ein­le­gen kann,
b) dass die Ru­he­zeit da­bei höchs­tens drei mal pro Wo­che auch nicht we­ni­ger als neun zu­sam­menhängen­de St­un­den verkürzt wer­den darf, so­fern bis zum En­de der fol­gen­den Wo­che ei­ne ent­spre­chen­de zum Aus­gleich gewährt wird,
c) dass nach ei­ner Ge­samt­lenk­dau­er 270 Mi­nu­ten ei­ne Lenk­zeit­un­ter­bre­chung von 45 Mi­nu­ten ein­ge­legt wer­den kann, so­fern der Kläger kei­ne Ru­he­zeit nimmt,
d) dass die tägli­che Lenk­zeit neun St­un­den und die wöchent­li­che Lenk­zeit 56 St­un­den nicht über­schrei­tet.
5. Äußerst vor­sorg­lich, für den Fall der Un­zulässig­keit auch die­ses An­tra­ges – fest­zu­stel­len, dass der Kläger be­rech­tigt ist, nach ei­ner Ge­samt­lenk­dau­er von 270 Mi­nu­ten ei­ne Lenk­zeit­un­ter­bre­chung von 45 Mi­nu­ten ein­zu­le­gen, so­fern der Kläger kei­ne Ru­he­zeit nimmt, so­wie dass der Kläger be­rech­tigt ist, in­ner­halb je­des Zeit­rau­mes von 24 St­un­den ei­ne tägli­che Ru­he­zeit von min­des­tens elf zu­sam­menhängen­den St­un­den ein­zu­le­gen, wo­bei die Ru­he­zeit höchs­tens drei mal pro Wo­che auch nicht we­ni­ger als neun zu­sam­menhängen­de St­un­den verkürzt wer­den kann, so­fern bis zum En­de der fol­gen­den Wo­che ei­ne ent­spre­chen­de Ru­he­zeit zum Aus­gleich gewährt wird.
6. Hilfs­wei­se, für den Fall der Ab­wei­sung auch die­ses An­tra­ges wird fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te bei der Ein­tei­lung des Klägers zu dienst­li­chen Fahr­ten in der Zeit vom 02.04.2009 bis 31.08.2009 so­wie am 04.11.2009 ge­gen die ge­setz­li­chen Vor­ga­ben zu den Lenk- und Ru­he­zei­ten so­wie ge­gen die ge­setz­li­chen Vor­ga­ben zu Fahrt­un­ter­bre­chun­gen ver­s­toßen hat.
7. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger ein in das Er­mes­sen des Ge­richt ge­stell­tes Schmer­zens­geld – je­doch nicht un­ter 2.500,00 € - nebst Zin­sen in Höhe von 5 % über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.
Sie be­haup­tet, bei dem Ur­laub des Klägers im Ja­nu­ar 2010 ha­be es sich um an­tei­li­gen Ur­laub für die­ses Jahr ge­han­delt. Der Vor­trag des Klägers, die Tou­ren­pläne hätten kei­ne aus­rei­chen­den Zei­ten für tägli­che Ru­he­zei­ten und Lenk­zeit­un­ter­bre­chun­gen vor­ge­se­hen, sei wei­ter­hin so pau­schal, dass ei­ne Ein­ver­neh­mung der als Zeu­gen be­nann­ten Dis­po­nen­ten auf ei­ne un­zulässi­ge Aus­for­schung hin­aus­lie­fe. Zu­dem sei der Kläger für die Ein­hal­tung der Vor­schrif­ten über Lenk­zeit­un­ter­bre­chun­gen in ers­ter Li­nie selbst ver­ant­wort­lich ge­we­sen. Nach der ei­ge­nen erst­in­stanz­li­chen Schil­de­rung des Klägers sei der dienst­ha­ben­de Dis­po­nent auf sei­nen Hin­weis nicht aus­rei­chen­der Ru­he­zeit so­fort ein­ver­stan­den ge­we­sen, den Ar­beits­be­ginn auf ei­ne späte­re Uhr­zeit zu ver­schie­ben. Da der Kläger auf ein mit Schrift­satz vom 30. Ok­to­ber 2009 un­ter­brei­te­tes An­ge­bot ei­nes be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ments bis­lang nicht ein­ge­gan­gen sei, be­ste­he An­lass, die be­haup­te­ten ge­sund­heit­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen und de­ren Ver­ur­sa­chung durch die Art des Ar­beits­ein­sat­zes zu be­strei­ten.
1. Die in­ner­halb der verlänger­ten Be­gründungs­frist ord­nungs­gemäß be­gründe­te Be­ru­fung des Klägers ist nur zu ei­nem ge­rin­gen Teil be­gründet.
1.1 Der Kläger hat An­spruch auf Zah­lung von 881,00 € brut­to Ur­laubs­geld nebst Ver­zugs­zin­sen.
1.1.1 Der Haupt­an­spruch be­ruht auf § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB und §§ 4 Abs. 5, 5 Abs. 4 TVG i. V. m. § 12 A Nr. 1, 2 und 8 Abs. 1 Satz 1 MTV EinzH.
1.1.1.1 Nach die­ser ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung, die seit En­de der All­ge­mein­ver­bind­lich­keit nach­ge­wirkt hat und mit Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses des Klägers auf Grund Be­triebs­teilüber­gangs am 6. No­vem­ber 2006 des­sen Be­stand­teil ge­wor­den ist, hat der
Kläger in je­dem Ka­len­der­jahr ei­nen An­spruch in Höhe von 45 % des je­wei­li­gen ta­rif­li­chen Ent­gelt­an­spruchs für das letz­te ta­rif­lich ver­ein­bar­te Be­rufs­jahr der Ta­rif­grup­pe K 2. Die­ser be­lief sich nach sei­ner in­so­weit un­wi­der­spro­che­ner Dar­stel­lung seit 2006 auf 881,00 € brut­to und wur­de auch in die­ser Höhe von der Be­klag­ten 2007 an ihn ge­zahlt.
1.1.1.2 Der An­spruch ist auch in­zwi­schen fällig ge­wor­den, weil die Be­klag­te dem Kläger min­des­tens die Hälf­te sei­nes Jah­res­ur­lau­bes für 2009 gewährt hat, der gemäß § 11 Nr. 1 MTV nach voll­ende­tem 30. Le­bens­jahr 36 Werk­ta­ge und da­mit in der 5-Ta­ge-Wo­che (36 x 5/6 =) 30 Ar­beits­ta­ge dau­er­te. Wie dem Ur­laubs­an­trag des Klägers vom 14. Ju­li 2009 zu ent­neh­men ist, hat­te er für die Zeit vom 14. Sep­tem­ber bis 11. Ok­to­ber 2009 Ur­laub be­an­tragt. Selbst wenn es sich da­bei laut Ein­tra­gung des Klägers bei 14,5 Ta­gen um Rest­ur­laub aus dem vo­ri­gen Jahr ge­han­delt ha­ben soll­te, wären da­mit doch zu­min­dest 5,5 Ta­ge Ur­laub auf 2009 ent­fal­len, die zu­sam­men mit wei­te­ren zehn Ur­laubs­ta­gen in der Zeit vom 16. bis 27. No­vem­ber 2009 be­reits die Hälf­te des Ur­laubs für die­ses Jahr aus­mach­ten.
1.1.2 Ver­zugs­zin­sen ste­hen dem Kläger gemäß §§ 286 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Nr. 1, 288 Abs. 1 BGB erst ab dem 2. De­zem­ber 2009 zu, weil sein An­spruch gemäß § 614 Satz 2 BGB erst nach Ab­lauf des Mo­nats No­vem­ber 2009 am 1. De­zem­ber 2009 fällig ge­wor­den ist.
1.2 Der Kläger hat kei­nen im We­ge der Leis­tungs­kla­ge durch­setz­ba­ren An­spruch auf Leis­tung ei­ner tägli­chen Ru­he­zeit im be­stimm­ten Min­dest­um­fang und Gewährung von Lenk­zeit­un­ter­bre­chun­gen nach be­stimm­ten Lenk­zei­ten un­ter Ein­hal­tung tägli­cher und wöchent­li­cher Lenk­zeit­gren­zen. Dass die Be­klag­te als Ar­beit­ge­ber des Klägers ver­pflich­tet ist, die­se sich aus Art. 6 und 8 VO (EG) Nr. 561/2006 und § 21a Abs. 4 Arb­ZG er­ge­ben­den Vor­ga­ben bei sei­ner Beschäfti­gung zu be­ach­ten, be­trifft nicht das Was, son­dern, das Wie der ge­schul­de­ten Leis­tung, stellt mit­hin ei­ne bloße Ne­ben- und kei­ne Ne­ben­leis­tungs­pflicht dar.
1.3 Den auf ei­ne ent­spre­chen­de Fest­stel­lung ge­rich­te­ten Hilfs­anträgen des Klägers konn­te eben­falls nicht ent­spro­chen wer­den, weil es an dem nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­chen Fest­stel­lungs­in­ter­es­se man­gel­te. Dass sie die vom Kläger zum Ge­gen­stand ei­nes Fest­stel­lungs­be­geh­rens ge­mach­ten recht­li­chen Vor­ga­ben zu be­ach­ten hat bzw. dass der Kläger be­rech­tigt ist, sei­ne Ar­beits­leis­tung an die­sen Vor­ga­ben aus­zu­rich­ten, ist von der Be­klag­ten nie in Ab­re­de ge­stellt wor­den. Strei­tig war le­dig­lich, ob auf­ge­tre­te­ne Verstöße von der Be­klag­ten auf Grund der Tou­ren­pläne zu ver­tre­ten sind. Da­ge­gen herrsch­te auch nicht et­wa Streit darüber, was als Lenk­zeit an­zu­se­hen ist, wel­che An­for­de­run­gen an ei­ne
Lenk­zeit­un­ter­bre­chung zu stel­len sind oder wie die Ru­he­zeit zu be­rech­nen ist (vgl. zu solch ei­nem Fall BAG, Ur­teil vom 24.03.1998 – 9 AZR 172/97 – AP GVG § 21e Nr. 4 zu IV 1 der Gründe). Le­dig­lich bei der ge­le­gent­li­che prak­ti­zier­ten Über­las­sung des Lkw für Fahr­ten des Klägers nach Hau­se oder zur Ar­beit schei­nen die Par­tei­en de­ren lenk- und ru­he­zeit­recht­li­che Be­deu­tung übe­rein­stim­mend ver­kannt zu ha­ben, was aus die­sem Grund aber auch ge­ra­de kei­nen durch ge­richt­li­che Ent­schei­dung klärungs­bedürf­ti­gen Streit­punkt dar­stell­te.
1.4 Der mit der Be­ru­fungs­be­gründung zulässi­ger­wei­se gemäß § 533 ZPO er­ho­be­ne wei­te­re Hilfs­an­trag auf Fest­stel­lung von Verstößen ge­gen ge­setz­li­che Vor­ga­ben bei der Ein­tei­lung des Klägers zu dienst­li­chen Fahr­ten ent­spricht eben­falls nicht den Zulässig­keits­an­for­de­run­gen des § 256 Abs. 1 ZPO. Die­ser An­trag ist nicht auf ein Rechts­verhält­nis oder auch nur ei­nen Teil da­von ge­rich­tet, son­dern auf die Fest­stel­lung von Tat­sa­chen. Da­mit genügte er auch nicht den An­for­de­run­gen an ei­ne Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge nach § 256 Abs. 2 ZPO.
1.5 Der Kläger kann schließlich auch nicht Zah­lung ei­ner Entschädi­gung in Geld ver­lan­gen.
1.5.1 Dass sei­ne Schlafstörun­gen und sein Blut­hoch­druck auf vor­ga­be­wid­ri­ge Tou­ren­pläne der Dis­po­nen­ten der Be­klag­ten zurück­ge­hen, was ei­ne Haf­tung der Be­klag­ten we­gen Ver­let­zung ih­rer Pflicht zur Rück­sicht­nah­me gemäß §§ 241 Abs. 2, 278 Satz 1, 280 Abs. 1 BGB und ei­ne de­lik­ti­sche Haf­tung gemäß §§ 823 Abs. 1, 831 Abs. 1 Satz 1 BGB be­gründen und da­mit gemäß § 253 Abs. 2 BGB auch zur Zah­lung ei­ner Entschädi­gung in Geld ver­pflich­ten würde, hat der Kläger bloß pau­schal be­haup­tet, trotz be­reits erst­in­stanz­li­cher Be­an­stan­dung der Be­klag­ten je­doch nicht sub­stan­ti­iert dar­ge­legt. Die von ihm mit der Be­ru­fungs­be­gründung in Be­zug ge­nom­me­nen Aus­wer­tun­gen der Schaublätter des Fahr­ten­schrei­bers sei­nes Lkw wei­sen für den Zeit­raum von fünf Mo­na­ten le­dig­lich zehn Ru­he­zeit­un­ter­schrei­tun­gen und drei Ta­ges­lenk­zeitüber­schrei­tun­gen aus, während es 41 Mal zu ver­späte­ten Lenk­zeit­un­ter­bre­chun­gen ge­kom­men ist, die der Kläger selbst hätte ver­mei­den können. Auf die von der Be­klag­ten be­reits erst­in­stanz­lich vor­ge­brach­ten zum Teil ganz er­heb­li­chen Ab­wei­chun­gen der Fahrt­stre­cken des Klägers vom Tou­ren­schein ist die­ser über­haupt nicht ein­ge­gan­gen, son­dern hat mit sei­ner Be­ru­fungs­be­gründung le­dig­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Be­klag­te den frag­li­chen Zeit­raum oh­ne Ein­be­hal­te zum St­un­den­lohn ab­ge­rech­net ha­be, und dar­aus ge­fol­gert, dass der Um­fang sei­ner Ar­beits­zeit un­strei­tig sein dürf­te.
1.5.2 Selbst wenn die do­ku­men­tier­ten Verstöße ge­gen Vor­schrif­ten über Lenk- und Ru­he­zei­ten auf den Tou­ren­plänen der Dis­po­nen­ten be­ruht ha­ben soll­ten, was bei den ganz über­wie­gend auf­ge­tre­te­nen ver­späte­ten Lenk­zeit­un­ter­bre­chun­gen schon nicht er­kenn­bar war, ließe sich dar­aus doch nicht ab­lei­ten, dass die Dis­po­nen­ten den Kläger da­mit hat­ten sys­te­ma­tisch schi­ka­nie­ren wol­len, wor­in ei­ne schwe­re Ver­let­zung des All­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts läge, die, von der ge­setz­li­chen Neu­re­ge­lung in § 253 BGB un­berührt, eben­falls zu ei­ner Entschädi­gung in Geld ver­pflich­tet hätte (da­zu BAG, Ur­teil vom 16.05.2007 – 8 AZR 709/06 – BA­GE 122, 304 = AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 5 zu B II 3 b bb und cc der Gründe). Da­ge­gen sprach be­reits, dass ein Hin­weis des Klägers auf nicht aus­rei­chen­de Ru­he­zeit so­fort berück­sich­tigt wor­den ist. Auch hat der Kläger nichts zu ei­nem feind­li­chen Um­feld vor­ge­bracht, dass in An­leh­nung an die De­fi­ni­ti­on ei­ner Belästi­gung in § 3 Abs. 3 AGG ku­mu­la­tiv zu ei­ner Würde­ver­let­zung vor­lie­gen muss, um von sog. Mob­bing als ei­ner sich aus zahl­rei­chen Ein­zel­ak­ten zu­sam­men­set­zen­den Ver­let­zungs­hand­lung spre­chen zu können (da­zu BAG, Ur­teil vom 25.10.2007 – 8 AZR 593/06 – BA­GE 124, 295 = AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 6 R 59; Ur­teil vom 24.09.2009 – 8 AZR 705/08 – NZA 2010, 387 R 29).
2. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 92 Abs. 1 Satz 1, 97 Abs. 1, 269 Abs. 3 Satz 2 ZPO. Zur Er­mitt­lung der zweit­in­stanz­li­chen Quo­te ist der neue Hilfs­an­trag des Klägers gemäß § 3 Ts. 1 ZPO mit 1.000,00 € ne­ben dem erst­in­stanz­li­chen Streit­wert von 8.046,42 € in An­satz ge­bracht wor­den.
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