Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Annahmeverzug_LAG_Duesseldorf_13Sa70-10.html
Timestamp: 2017-06-23 19:04:28
Document Index: 344366063

Matched Legal Cases: ['§ 305', '§ 14', '§ 66', '§ 520', '§ 4', '§ 615', '§ 286']

HENSCHE Arbeitsrecht: 13 Sa 70/10
Annahmeverzugslohn: Zwischenverdienst
Ent­ge­gen der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (zu­letzt BAG 22.11.2005 - 1 AZR 407/04 - NZA 2006, 736) ist bei der An­rech­nung an­der­wei­ti­gen Ver­diens­tes kei­ne Be­rech­nung über die ge­sam­te Dau­er des An­nah­me­ver­zugs durch­zuführen, son­dern ei­ne sol­che nach Zeit­ab­schnit­ten.
Arbeitsgericht Mönchengladbach, Urteil vom 19.11.2009, 4 Ca 2793/09
4 Ca 2793/09Ar­beits­ge­richt Mönchen­glad­bach Verkündet am 06. Mai 2010
Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter: Rechts­an­walt N. X.,L. str. 61, E.,
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte T. T. u. a.,T. str. 1, E.,
T A T B E S T A N D : Die Par­tei­en strei­ten über den Fort­be­stand ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses.
Mit Ur­teil vom 19. No­vem­ber 2009 – auf des­sen In­halt im Ein­zel­nen ver­wie­sen wird – hat das Ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en über den 31. Mai 2009 hin­aus fort­be­steht und auch nicht durch die Be­fris­tung zum 28. Fe­bru­ar 2010 be­en­det wird. Es hat un­ter Be­zug auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 16. April 2008 (– 7 AZR 132/07 – NZA 2008, 876) an­ge­nom­men, die (Al­ters-) Be­fris­tung zum 31. Mai 2009 im Ver­trag vom 29. Fe­bru­ar 2008 sei als über­ra­schen­de Klau­sel nach § 305 c Abs. 1 BGB un­wirk­sam. Die Be­fris­tung zum 28. Fe­bru­ar 2010 schei­te­re am An­schluss­ver­bot des § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG, da be­reits zu­vor im Rah­men der Aus­hilfstätig­keit ein Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en be­stan­den ha­be. Über­dies hat es die Be­klag­te un­ter Ab­wei­sung im Übri­gen zur Zah­lung von 914,14 € brut­to für Ju­li 2009 und für je­weils 1.801,80 € brut­to für Sep­tem­ber und Ok­to­ber 2009 ver­ur­teilt. Das Ur­teil ist der Be­klag­ten am21. De­zem­ber 2009 zu­ge­stellt wor­den. Mit ei­nem am 12. Ja­nu­ar 2010 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz hat sie Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se – nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum22. März 2010 – am 19. März 2010 be­gründet.
E N T S C H E I D U N G S G R Ü N D E : I. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist zulässig, ins­be­son­de­re un­ter Be­ach­tung der Vor­ga­ben der §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG in Ver­bin­dung mit § 520 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.
II. Die Be­ru­fung bleibt je­doch weit­ge­hend oh­ne Er­folg, da die Kla­ge mit Aus­nah­me ei­nes Teils der Zins­for­de­rung be­gründet ist.
1.Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en hat nicht am 31. Mai 2009 auf­grund der Al­ters­be­fris­tung in § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges sein En­de ge­fun­den.
2.Das Ar­beits­verhält­nis ist auch nicht auf­grund ei­ner Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Kläger und dem Zeu­gen I. in dem Gespräch am 3. Ju­ni 2009 auf­gelöst wor­den. Da­bei konn­te die Kam­mer da­hin­ste­hen las­sen, wel­chen In­halt das Gespräch ge­habt hat.
3.Im Zeit­raum Ju­li bis Ok­to­ber 2009 hat dem­nach zwi­schen den Par­tei­en das ursprüng­li­che Ar­beits­verhält­nis fort­be­stan­den. Die Be­klag­te ist aus dem Ge­sichts­punkt des An­nah­me­ver­zu­ges nach §§ 615, 611, 293 ff. BGB zur Zah­lung des Ge­halts von 1.837,80 € brut­to mo­nat­lich ver­pflich­tet.
4. Das Ar­beits­verhält­nis hat auch nicht am 28. Fe­bru­ar 2010 ge­en­det. Zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen nimmt die Be­ru­fungs­kam­mer zunächst auf die Ausführun­gen im an­ge­foch­te­nen Ur­teil Be­zug (Sei­te 10 f. der Gründe). Die Be­klag­te hat die An­nah­me des Ar­beits­ge­richts, we­gen ei­nes zu­vor be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses lie­ge ein Ver­s­toß ge­gen das An­schluss­ver­bot vor, in der Be­ru­fungs­in­stanz nicht in Zwei­fel ge­zo­gen. Be­reits in ih­rem erst­in­stanz­li­chen Schrift­satz vom 7. Ok­to­ber 2009 hat die Be­klag­te selbst vor­ge­tra­gen, der Kläger sei zwi­schen Fe­bru­ar 2007 und Fe­bru­ar 2008 für sie als ge­ringfügig Beschäftig­ter und da­mit im Rah­men ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses tätig ge­we­sen. Dies reicht aus, um das An­schluss­ver­bot aus­zulösen, selbst wenn die An­nah­me des Ar­beits­ge­richts un­zu­tref­fend sein soll­te, es ha­be be­reits ca. neun Jah­re lang ein Ar­beits­verhält­nis be­stan­den. Die Be­ru­fungs­kam­mer hält es vor dem Hin­ter­grund der tatsächli­chen und recht­li­chen Ab­wick­lung für un­ver­tret­bar, das da­ma­li­ge Aus­hilfs­verhält­nis der Par­tei­en als freie Mit­ar­beit zu qua­li­fi­zie­ren. In­so­weit wird auf die Ausführun­gen un­ter II. 2. ver­wie­sen.
5. Die Zins­ansprüche be­ru­hen auf §§ 286 Abs. 1 und 2, 288 Abs. 1 BGB. Zu­tref­fend hat die Be­klag­te dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Ansprüche des Klägers für Ok­to­ber 2009 erst am 31. des Mo­nats fällig ge­wor­den sind, so dass die Zin­sen in­so­weit erst ab dem 1. No­vem­ber 2009 zu­zu­spre­chen wa­ren.
R E C H T S M I T T E L B E L E H R U N G : Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Be­klag­ten hin­sicht­lich der Zah­lungs­ansprüche
Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.
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