Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VIII%20ZR%20236/12
Timestamp: 2019-08-24 03:50:17
Document Index: 151801551

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 5', '§ 36', '§ 433', '§ 157', '§ 10', '§ 11', '§ 36', '§ 39', '§ 562', '§ 563', '§ 133', '§ 157', '§ 433', '§ 5', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 102', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 267', '§ 148', '§ 1', 'BGH', '§ 133', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 5', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 157', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 315', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Rechtsprechung: VIII ZR 236/12 - dejure.org
https://dejure.org/2015,44618
BGH, 09.12.2015 - VIII ZR 236/12 (https://dejure.org/2015,44618)
BGH, Entscheidung vom 09.12.2015 - VIII ZR 236/12 (https://dejure.org/2015,44618)
BGH, Entscheidung vom 09. Dezember 2015 - VIII ZR 236/12 (https://dejure.org/2015,44618)
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§ 5 Abs. 2 GasGVV, § 36 Abs. 1 EnWG, § 433 Abs. 2 BGB, §§ 157, 133 BGB, § 10 Abs. 1, § 11 Abs. 1 EnWG, § 36 Abs. 1, § 39 Abs. 1 EnWG, § 562 Abs. 1 ZPO, § 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO
§ 133 BGB, § 157 BGB, § 433 Abs 2 BGB, § 5 Abs 2 GasGVV vom 26.10.2006, § 4 Abs 1 AVBGasV
Berechtigung eines Energieversorgers zu einer Erhöhung des Arbeitspreises auf Grundlage eines gesetzlichen Preisanpassungsrechts; Weitergabe von Kostensteigerungen seiner eigenen (Bezugs-)Kosten während der Laufzeit des Vertrages an den Abnehmer; Einordnung eines Gaslieferungsvertrags als Tarifkundenvertrag (jetzt: Grundversorgungsvertrag); Automatische Tarifeinstufung nach dem Prinzip der Bestpreisabrechnung
LG Düsseldorf, 04.07.2012 - 23 S 277/11
Von dem Preisänderungsrecht nicht erfasst sind hingegen Preiserhöhungen, die über die bloße Weitergabe von (Bezugs-)Kostensteigerungen hinausgehen und der Erzielung eines (zusätzlichen) Gewinns dienen (…Senatsurteile vom 28. Oktober 2015 - VIII ZR 158/11, aaO Rn. 85, und VIII ZR 13/12, aaO Rn. 87; jeweils mwN; vom 9. Dezember 2015 - VIII ZR 236/12, aaO).
Ein diesen Transparenzanforderungen entsprechendes gesetzliches Preisänderungsrecht des Gasversorgungsunternehmens kann auch nicht aus einer richtlinienkonformen Auslegung der vorgenannten Vorschriften hergeleitet und dadurch in diese "hineingelesen" werden, da eine solche Auslegung über den erkennbaren Willen des (nationalen) Gesetz- und Verordnungsgebers hinausginge; das nationale Recht gibt insoweit also keinen Raum für eine richtlinienkonforme Auslegung (BGH, Urteil vom 09.12.2015 - Aktenzeichen VIII ZR 236/12, BeckRS 2016, 02871, beck-online, Rn. 19; BGH…, Urteil vom 28.10.2015 - Aktenzeichen VIII ZR 13/12, BeckRS 2015, 18142, beck-online, Rn. 17).
Dies wäre nur dann der Fall, wenn die Klägerin eine in der erforderlichen Weise dem Staat zuzurechnende Organisation oder Einrichtung wäre, die bei der Erbringung ihrer Versorgungsleistungen mit besonderen Rechten und Pflichten versehen wäre, welche über die ansonsten auf diesem Gebiet für die Beziehungen zwischen Privatpersonen geltenden Vorschriften hinausgingen (vgl. BGH vom 09.12.2015, Az. VIII ZR 236/12, juris, Rn. 21; BGH…, Urteil vom 28.10.2015 - Aktenzeichen VIII ZR 13/12, BeckRS 2015, 18142, beck-online, Rn. 66).
Das Recht der Klägerin als Grundversorgerin, bei dem auf unbestimmte Dauer angelegten Vertragsverhältnis Kostensteigerungen ihrer eigenen Bezugskosten während der Laufzeit des Vertrages an die Beklagte weiterzugeben, ergab sich aus einer ergänzenden Vertragsauslegung des Gaslieferungsvertrages (vgl. BGH vom 09.12.2015, Az. VIII ZR 236/12, juris, Rn. 15, 22; BGH…, Urteil vom 28.10.2015 - Aktenzeichen VIII ZR 13/12, BeckRS 2015, 18142, beck-online, Rn. 68 ff.).
So unterliegen etwa Zahlungsansprüche aus Energielieferungsverträgen nicht § 102 EnWG (vgl. nur BGH, Urteile vom 9. Dezember 2015 - VIII ZR 236/12, EnWZ 2016, 222 Rn. 13 ff., vom 6. April 2016 - VIII ZR 71/10, NJW 2016, 3589 Rn. 12 ff. …und vom 9. November 2016 - VIII ZR 246/15, NJW-RR 2017, 432 Rn. 12 ff., jeweils mwN).
https://dejure.org/2013,10516
BGH, 16.04.2013 - VIII ZR 236/12 (https://dejure.org/2013,10516)
BGH, Entscheidung vom 16.04.2013 - VIII ZR 236/12 (https://dejure.org/2013,10516)
BGH, Entscheidung vom 16. April 2013 - VIII ZR 236/12 (https://dejure.org/2013,10516)
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Auslegung von Art. 3 Abs. 3 Richtlinie 2003/55/EG über Preisänderungen in Gaslieferungsverträgen
Richtlinie 2003/55/EG Art. 3 Abs. 3
Mit Beschluss vom 16.04.2013 (Az. VIII ZR 236/12) hat der Bundesgerichtshof das hiesige Verfahren im Hinblick auf das beim Europäischen Gerichtshof aufgrund eines Vorlagebeschlusses gemäß Art. 267 AEUV im Verfahren VIII ZR 71/10 bereits anhängige Verfahren C-359/11 gemäß § 148 ZPO analog ausgesetzt.
Mit Urteil vom 09.12.2015 (Az. VIII ZR 236/12) hat der Bundesgerichtshof das Urteil des Landgerichts Düsseldorf daraufhin aufgehoben und die Sache zur neuen Verhandlung und Entscheidung zurückverwiesen.
Die Beklagten sind als Tarifkunden im Sinne des § 1 Abs. 2 GasGVV anzusehen (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 16).
Ob ein allgemeiner Tarif oder ein Sondertarif vorliegt, ist durch Auslegung nach §§ 133, 157 BGB zu ermitteln (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 16).
Maßgeblich ist insoweit, ob der vertragsgegenständliche Tarif aus Sicht eines durchschnittlichen Abnehmers als Tarif der allgemeinen Grundversorgung oder als Sonderkundentarif einzustufen ist (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 16).
Dem steht auch nicht entgegen, dass der vertragsgegenständliche Tarif eine Staffelung nach dem Verbrauch enthält und bei der Abrechnung eine Aufspaltung in vormals Kleinverbrauchstarif und Grundpreistarif bzw. nunmehr Klassik Staffeltarif I und II erfolgt (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 16).
Allein daraus, dass die Klägerin zwei Grundversorgungstarife anbietet, folgt nicht, dass die beiden Tarife bereits als Sondertarife zu behandeln wären (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 16).
Einem Versorgungsunternehmen steht es vielmehr frei, auch im Rahmen der Grundversorgung verschiedene verbrauchsabhängig gestaffelte Tarife anzubieten (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 17).
Dies gilt auch dann, wenn die Tarifeinstufung automatisch nach dem Prinzip der Bestpreisabrechnung erfolgt und gegenüber dem Kunden jeweils mit dem anhand seines individuellen Verbrauchs für ihn günstigeren Modell (hoher Grundpreis und niedriger Arbeitspreis bzw. niedriger Grundpreis und hoher Arbeitspreis) abgerechnet wird (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 17).
Ein Preisanpassungsrecht der Klägerin aus § 4 Abs. 2 AVBGasV bzw. § 5 Abs. 2 GasGVV scheidet vorliegend aus (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 18 ff.).
Die Regelungen sind nicht gemeinschaftsrechtskonform, weil sie nicht die in der Gas-Richtlinie aufgestellten Transparenzanforderungen gewährleisten (…vgl. EuGH, Urteil v. 23.10.2014, C-359/11 und C-400/11, Schulz und Egbringhoff, Rn. 53; BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 18;… BGH, Urteil v. 28.10.2015, VIII ZR 158/11, Rn. 21 ff., 33;… BGH, Urteil v. 28.10.2015, VIII ZR 13/12, Rn. 23 ff., Rn. 35).
Bei Preisänderungen ist darin insbesondere keine Unterrichtung des Kunden über sein Kündigungsrecht vorgesehen (…vgl. EuGH, Urteil v. 23.10.2014, C-359/11 und C-400/11, Schulz und Egbringhoff, Rn. 53; BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 18;… BGH, Urteil v. 28.10.2015, VIII ZR 158/11, Rn. 21 ff., 33;… BGH, Urteil v. 28.10.2015, VIII ZR 13/12, Rn. 23 ff., Rn. 35).
Auch eine richtlinienkonforme Auslegung bzw. eine richtlinienkonforme Rechtsfortbildung der Regelungen scheidet diesbezüglich aus, da nicht umgesetzte bzw. nicht fristgerecht umgesetzte Richtlinien der Europäischen Union zur Auslegung oder Fortbildung des nationalen Rechts nur insoweit herangezogen werden können, als dieses hierfür Raum bietet (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 19 f.).
Einer richtlinienkonformen Auslegung bzw. einer richtlinienkonformen Rechtsfortbildung steht vorliegend sowohl der Wortlaut der Regelungen als auch der Wille des Gesetzgebers entgegen (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 19 f.).
Bei Preiserhöhungen war hiernach lediglich eine Information des Kunden über den Umfang, aber gerade kein Hinweis auf sein Kündigungsrecht vorgesehen (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 19 f.).
Eine unmittelbare Wirkung der in der Gas-Richtlinie aufgestellten Transparenzanforderungen scheidet ebenfalls aus, da es sich vorliegend um ein ausschließlich zwischen Privatpersonen bestehendes Rechtsverhältnis handelt (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 19, 21).
Dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 09.12.2015 (Az. VIII ZR 236/12) entsprechend ergibt sich ein Preisanpassungsrecht der Klägerin jedoch aus einer ergänzenden Vertragsauslegung des Gaslieferungsvertrags, dessen wirksame Ausübung auch nicht an die Unterrichtung der Beklagten über ihr Kündigungsrecht gebunden ist (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 22;… BGH, Urteil v. 28.10.2015, VIII ZR 158/11, Rn. 66 ff.;… BGH, Urteil v. 28.10.2015, VIII ZR 13/12, Rn. 68 ff.).
Aus der gebotenen und sich am objektiv zu ermittelnden hypothetischen Willen der Vertragsparteien auszurichtenden ergänzenden Auslegung eines auf unbestimmte Dauer angelegten Gaslieferungsvertrags nach §§ 157, 133 BGB ergibt sich, dass das Versorgungsunternehmen zum einen berechtigt ist, Steigerungen seiner Bezugskosten, welche nicht durch Kostensenkungen in anderen Bereichen ausgeglichen werden, während der Vertragslaufzeit an seine Kunden weiterzugeben, und zum anderen verpflichtet ist, bei einer Tarifanpassung Kostensenkungen ebenso zu berücksichtigen wie Kostenerhöhungen (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 22).
Dadurch ist der erhöhte Preis vorliegend zum vereinbarten Preis geworden (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 23).
Ausgangspunkt ist insoweit der vor dem 01.01.2005 geltende und zuletzt am 03.12.2003 von 4, 09 Ct/kWh auf 4, 35 Ct/kWh erhöhte Arbeitspreis (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 23;… BGH, Urteil v. 28.10.2015, VIII ZR 158/11, Rn. 84;… BGH, Urteil v. 28.10.2015, VIII ZR 13/12, Rn. 86).
Der Billigkeit im Sinne des § 315 BGB entsprechend werden von dem Preisänderungsrecht allerdings keine Preiserhöhungen erfasst, welche über eine bloße Bezugskostensteigerung hinausgehen und einer zusätzlichen Gewinnerzielung dienen (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12, juris, Rn. 23;… BGH, Urteil v. 28.10.2015, VIII ZR 158/11, Rn. 85;… BGH, Urteil v. 28.10.2015, VIII ZR 13/12, Rn. 87).
Die vom Bundesgerichtshof im Urteil vom 09.12.2015 (Az. VIII ZR 236/12) vorgenommene ergänzende Vertragsauslegung trägt insoweit nicht nur einem angemessenen Ausgleich der beiderseitigen Interessen Rechnung, sondern auch dem Ziel sowohl des nationalen als auch des europäischen Energiewirtschaftsrechts, eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten (…vgl. BGH, Urteil v. 06.04.2016, VIII ZR 71/10, juris, Rn. 40;… BGH, Urteil v. 28.10.2015, VIII ZR 158/11, Rn. 76 ff.;… BGH, Urteil v. 28.10.2015, VIII ZR 13/12, Rn. 78 ff.).
Sowohl im hiesigen Verfahren als auch den parallel hierzu anhängigen Verfahren hat sich der Bundesgerichtshof bereits zu sämtlichen für die Belange der Rechtsfortbildung und zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung entscheidungserheblichen Fragen geäußert (vgl. BGH, Urteil v. 09.12.2015, VIII ZR 236/12; BGH, Urteil v. 06.04.2016, VIII ZR 71/10; BGH, Urteil v. 28.10.2015, VIII ZR 158/11; BGH, Urteil v. 28.10.2015, VIII ZR 13/12).