Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=2%20StR%20237/05
Timestamp: 2019-05-19 09:52:16
Document Index: 75840954

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 32', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 32']

BGH, 02.11.2005 - 2 StR 237/05 - dejure.org
https://dejure.org/2005,2418
BGH, 02.11.2005 - 2 StR 237/05 (https://dejure.org/2005,2418)
BGH, Entscheidung vom 02.11.2005 - 2 StR 237/05 (https://dejure.org/2005,2418)
BGH, Entscheidung vom 02. November 2005 - 2 StR 237/05 (https://dejure.org/2005,2418)
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Körperverletzung mit Todesfolge; Einschränkung des Notwehrrechts (Absichtsprovokation; sozialethisch zu missbilligendes Vorverhalten; Rechtswidrigkeit des Vorverhaltens)
Gebotenheit einer Notwehrhandlung; Niederstechen des Opfers ohne jegliche Vorwarnung mit einem wuchtigen Messerstich in die Brust; Voraussetzungen einer Absichtsprovokation (Notwehrprovokation); Notwehreinschränkung bei sozialethisch verwerflichem Vorverhalten in engem zeitlichen und räumlichen Zusammenhang
Provozierte Notwehr, Absichtsprovokation
Einschränkung des Notwehrrechts bei provozierter Notwehrlage
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 02.11.2005, Az.: 2 StR 237/05 (Einschränkung des Notwehrrechts jenseits der sog. Absichtsprovokation)" von Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Claus Roxin, original erschienen in: StV 2006, 234 - 237.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 02.11.2005, Az.: 2 StR 237/05 (Einschränkungen des Notwehrrechts in Fällen der schuldhaft herbeigeführten Notwehrlage)" von Prof. Dr. Nikolaus Bosch, original erschienen in: JA 2006, 490 - 491.
NStZ 2006, 332
StV 2006, 234
Vermag er dies nicht, kann er - je nach der Stärke der ihm anzulastenden Provokation und dem Gewicht des beeinträchtigten Rechtsguts - auch Beschränkungen bei der Auswahl der Abwehrmittel unterliegen (BGH, Urteil vom 2. November 2005 - 2 StR 237/05, NStZ 2006, 332, 333).
Indes hängt das Maß der Einschränkungen des Notwehrrechts von den Umständen des Einzelfalls ab, insbesondere von dem Gewicht der schuldhaften Verursachung einerseits und dem Gewicht der drohenden Rechtsgutsverletzung andererseits (BGH, Urteil vom 2. November 2005 - 2 StR 237/05 - NStZ 2006, 332, 333 m.w.N.).
Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs setzt eine Notwehreinschränkung vielmehr voraus, dass die tatsächlich bestehende Notwehrlage durch ein rechtswidriges, jedenfalls aber sozialethisch zu missbilligendes Vorverhalten des Angegriffenen verursacht worden ist und zwischen diesem Vorverhalten und dem rechtswidrigen Angriff ein enger zeitlicher und räumlicher Zusammenhang besteht (BGH, Beschluss vom 4. August 2010 - 2 StR 118/10, NStZ 2011, 82; Urteile vom 2. November 2005 - 2 StR 237/05, NStZ 2006, 332; vom 25. März 2014 - 1 StR 630/13, NStZ 2014, 451, 452;… vom 3. Juni 2015 - 2 StR 473/14, BGHR StGB § 32 Abs. 2 Verteidigung 22 jeweils mwN).
cc) Danach kann dahinstehen, ob hier das Notwehrrecht des Angeklagten außerdem unter dem Gesichtspunkt der Gebotenheit der Verteidigung eine Einschränkung erfahren musste, wie das Landgericht gemeint hat, ohne allerdings zu prüfen, ob das Vorverhalten des Angeklagten als sozialethisch verwerflich zu werten ist (vgl. zur Einschränkung der Notwehr nach Provokation BGH, Urteile vom 21. März 1996 - 5 StR 432/95, BGHSt 42, 97, 100 f., vom 2. November 2005 - 2 StR 237/05, NStZ 2006, 332, 333 f. und vom 25. März 2014 - 1 StR 630/13; Beschluss vom 4. August 2010 - 2 StR 118/10, NStZ 2011, 82, 83 mwN).
Darüber hinaus vermag ein sozialethisch zu missbilligendes Vorverhalten das Notwehrrecht nur einzuschränken, wenn zwischen diesem Vorverhalten und dem rechtswidrigen Angriff ein enger zeitlicher und räumlicher Ursachenzusammenhang besteht und es nach Kenntnis des Täters auch geeignet ist, einen Angriff zu provozieren (vgl. BGH, Urteile vom 2. November 2005 - 2 StR 237/05, NStZ 2006, 332, 333 und vom 21. März 1996 - 5 StR 432/95, BGHSt 42, 97, 100).
Denn die bloße Kenntnis oder die ("billigende') Annahme, ein bestimmtes eigenes Verhalten werde eine andere Person zu einem rechtswidrigen Angriff provozieren, kann für sich allein nicht zu einer Einschränkung des Rechts führen, sich gegen einen solchen Angriff mit den erforderlichen und gebotenen Mitteln zur Wehr zu setzen (vgl. BGH, Beschluss vom 4. August 2010 - 2 StR 118/10, NStZ 2011, 82, 83; Urteile vom 2. November 2005 - 2 StR 237/05, NStZ 2006, 332, 333 und vom 12. Februar 2003 - 1 StR 403/02, NJW 2003, 1955, 1959;… Fischer, StGB, 65. Aufl., § 32 Rn. 43).