Source: https://www.gevestor.de/details/diese-vorschriften-gelten-fuer-die-honorarberatung-719339.html
Timestamp: 2017-12-11 13:29:25
Document Index: 206967248

Matched Legal Cases: ['§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31']

Diese Vorschriften gelten für die Honorarberatung
Das Gesetz zur Honorar-Anlageberatung sichert Ihnen als Kunde umfassende Rechte, die Sie vor undurchsichtigen oder gar unseriösen Machenschaften des Beraters bzw. der Bank oder des Wertpapierhandelshauses schützen.
In den folgenden Abschnitten erfahren Sie – Punkt für Punkt – mehr zu den gesetzlichen Regeln, die seit August 2014 für die Honorarberatung im Bereich der Wertpapiere und Finanzanlagen gelten. All diese Vorschriften finden Sie im Wertpapierhandelsgesetz (WpHG).
Aufklärung von Anfang an
Handelt es sich bei der Beratung, die Sie in Anspruch nehmen, um eine Honorarberatung oder nicht? Das muss Ihnen der Berater gleich von Anfang an mitteilen (§ 31 Abs. 4b WpHG). „Von Anfang an“ heißt: vor Beginn der Beratung und zusätzlich noch einmal vor Abschluss des Beratungsvertrags.
Diese Aufklärung muss er in schriftlicher Form erbringen. Es reicht also nicht, Ihnen einfach nur mündlich darüber Bescheid zu geben. Außerdem schreibt der Gesetzgeber vor, dass diese Aufklärung in verständlicher Form erbracht wird.
Berater muss verschiedene Produkte und verschiedene Anbieter einbeziehen
Ein Honorarberater darf nicht nur ein Finanzinstrument oder einen Anbieter empfehlen. In seine Auswahl muss er vielmehr eine hinreichende Anzahl verschiedener Finanzinstrumente und Anbieter einbeziehen.
Im Gesetz heißt es wörtlich, die bei der Auswahl berücksichtigten Finanzinstrumente müssten „hinsichtlich ihrer Art und ihres Anbieters oder Emittenten hinreichend gestreut sein“ (§ 31 Abs. 4c Nr. 1 WpHG). Was allerdings „hinreichend“ genau bedeutet, werden wohl erst die Gerichte im Laufe der Zeit festlegen.
Klar ist jedenfalls: Nur die eigenen Produkte anzubieten ist bei der Honorarberatung nicht erlaubt. Ebenso wenig ist es möglich, sich nur auf Anbieter zu beschränken, die mit dem eigenen Haus irgendwie verbunden sind, etwa einer Fondsgesellschaft, die als Tochtergesellschaft einer Bank gehört (§ 31 Abs. 4d WpHG).
Beispiel: Bei einer Honorarberatung durch die Deutsche Bank darf Ihnen diese also nicht nur DWS-Fonds empfehlen, die Sparkasse nicht nur Deka-Fonds und die Volksbank nicht nur Union-Invest-Fonds.
Allerdings ist aktuell noch unklar, ob wirklich alle Bank- und Wertpapierhandelshäuser in das Honorarberatungsgeschäft einsteigen und damit auch die Finanzinstrumente der Konkurrenz bei ihren Empfehlungen einbeziehen. Das dürfte eher unwahrscheinlich sein.
Verbot, Geschenke, Provisionen oder Geldzuwendungen anzunehmen
Ein Honorarberater oder eine Bank, die Honorarberatung anbietet, darf sich ausschließlich vom Kunden (also dem beratungswilligen Anleger) bezahlen lassen (§ 31 Abs. 4c Nr. 2 WpHG).
Verboten ist es, parallel dazu nicht monetäre Geschenke, Provisionen oder Geldzuwendungen von demjenigen Finanzanbieter einzustreichen, dessen Produkte vermittelt werden. Zu den nicht monetären Geschenken gehören beispielsweise die Unterstützung für Kundenveranstaltungen oder allzu üppig ausgestattete Schulungen zu bestimmten Finanzprodukten.
Berater muss Interessenkonflikte offenlegen
Wenn ein Honorarberater Ihnen ein Produkt aus dem eigenen Haus empfiehlt, muss er das offenlegen. Gleiches gilt für Finanzprodukte von Unternehmen, mit denen er bzw. seine Bank oder sein Wertpapierhandelshaus in irgendeiner Form eng verbunden oder sogar wirtschaftlich verflochten ist (§ 31 Abs 4d Nr. 1 WpHG).
Auch hier haben Sie als Anleger also die volle Transparenz. Sie bekommen auf jeden Fall mit, wenn der Berater der Bank oder des Wertpapierhandelshauses ein Papier empfiehlt, das den Vertriebsinteressen seines Hauses entspricht.
Sogenannte Festpreisgeschäfte sind verboten
Wer kauft eigentlich die empfohlenen Wertpapiere für Sie? Hinter dieser banalen Frage steckt eine Falle, die der Gesetzgeber bei der Honorarberatung ausgeschlossen hat.
Konkret: Kauft die Bank die gewünschten Wertpapiere für Sie in Ihrem Namen, ist das ein Kommissionsgeschäft. Bei einem solchen Kommissionsgeschäft fallen immer Provisionen an. Diese Provisionen muss die Bank auf jeden Fall offenlegen (auch bei der herkömmlichen Nicht-Honorarberatung).
Bei einer Honorarberatung muss die Bank diese Provisionen – siehe oben – sogar unverzüglich und vollständig an den beratenen Kunden erstatten. Um der Offenlegungspflicht zu entgehen, sind viele Banken in der Praxis aber zu sogenannten Festpreisgeschäften übergegangen. Das heißt: Die Banken kaufen die gewünschten Wertpapiere zunächst direkt auf eigene Rechnung.
Anschließend werden diese Wertpapiere an den Kunden weiterverkauft, der sie haben will. Dadurch fallen keine klassischen Provisionen an. Vielmehr verdient die Bank eben am Unterschied zwischen ihrem Einkaufspreis und dem Verkaufspreis, zu dem sie die Papiere an den Kunden weiterverkauft.
Das Ganze ist für den Kunden reichlich intransparent – und das ist vonseiten der Bank durchaus beabsichtigt.
Denn: Bei einem Festpreisgeschäft ohne Provisionen muss die Bank nichts offenlegen – und bei Honorarberatung somit auch nichts erstatten. Deshalb hat der Gesetzgeber der Praxis mit den Festpreisgeschäften von vornherein einen Riegel vorgeschoben. Sie sind nämlich bei der Honorarberatung schlichtweg verboten (§ 31 Abs. 4d Nr. 1 WpHG).
Fazit: Guter Ansatz, aber lückenhafte Umsetzung und handfeste Probleme in der Praxis
Eigentlich ist es wünschenswert, der Honorarberatung einen klaren gesetzlichen Rahmen zu verpassen.
Mit dem neuen Gesetz wurde dazu auch ein erster Versuch unternommen. Ob dieser Versuch allerdings praxistauglich ist, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Folgende Gründe sprechen dagegen.
Zu enge Beschränkung
Die Geltung des Gesetzes nur auf Wertpapiere und Finanzinstrumente zu beschränken und dabei die Beratung in Bezug auf Versicherungen, Bankeinlagen, Bausparverträge und Darlehen auszuschließen ist reichlich blauäugig. De facto wird es nicht möglich sein, eine provisionsunabhängige Beratung zu allen Finanzprodukten aus einer Hand zu erhalten.
Zu hohe Auflagen an freie Berater
Freie Finanzberater müssen sich entscheiden: Bieten sie nur Honorarberatung an oder nur provisionsfinanzierte Beratung? Es wird vielen Beratern schwerfallen, sich ganz vom Provisionsgeschäft zu verabschieden. Deshalb werden Sie außerhalb von Banken und Wertpapierhandelshäusern womöglich lange suchen müssen, um einen freien Honorar- Anlagenberater zu finden.
Kaum höhere Transparenz als im Provisionsgeschäft
Die Transparenz im Provisionsgeschäft ist heute größer als früher. Konkret müssen Banken und Wertpapierhandelshäuser Sie als Verbraucher heute sehr umfassend darüber informieren, welche Provisionen bei der Vermittlung eines Finanzproduktes an sie zurückfließen. Das hat der Bundesgerichtshof in mehreren Urteilen klargestellt.
Diese neu Transparenz heißt aber auch: Als Kunde haben Sie bei einer Finanzberatung den Überblick über die anfallenden Kosten auch, wenn Sie keine Honorarberatung, sondern eine klassische, provisionsfinanzierte Beratung in Anspruch nehmen.
Also werden sich viele Kunden nach wie vor fürs Provisionsgeschäft entscheiden. Auch deswegen, weil sie dort nicht mit so viel Geld in Vorleistung treten müssen.
Unsicherheit über Honorarhöhe
Die wenigsten Honorarberater dürften ihre Leistungen zum Festpreis anbieten. Vielmehr werden viele ihr Honorar in Abhängigkeit von der Zahl der benötigten Stunden berechnen.
Das aber ist für Sie als Kunde vergleichsweise intransparent: Wie viele Stunden braucht ein Berater, um den gewünschten Vergleich verschiedener Geldanlagen zu erstellen? Wie viele Stunden stellt er für die Vorbereitung und Durchführung eines Beratungsgesprächs in Rechnung? Welchen Stundensatz setzt er dafür an?
All das ist in keiner Gebührenordnung festgelegt, wie sie etwa für Rechtsanwälte und Notare gilt. Das ist zwar einerseits gut – fördert es doch den freien Wettbewerb. Aber andererseits fehlt Ihnen als Kunde jede Orientierung in Bezug auf die wahren Kosten, die für eine Beratung anfallen.
Auch deswegen werden sich wohl auch künftig viele Anleger für die klassische, provisionsfinanzierte Beratung entscheiden.