Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/gefaehrliche-koerperverletzung-und-der-nicht-abgesprochen-einsatz-eines-elektroschockers-3146209
Timestamp: 2020-05-25 10:48:29
Document Index: 277063484

Matched Legal Cases: ['§ 224', '§ 224', '§ 224', 'BGH', 'BGH', '§ 25', '§ 25']

Gefährliche Körperverletzung - und der nicht abgesprochen Einsatz eines Elektroschockers | Rechtslupe
Gefährliche Körperverletzung - und der nicht abgesprochen Einsatz eines Elektroschockers
Muss­te ein Mit­tä­ter mit der Ver­wen­dung eines Werk­zeugs (hier: eines Elek­tro­schock­ge­räts) durch den ander­ne Mit­tä­ter weder auf­grund des gemein­sa­men Tat­plans noch nach den Umstän­den des Gesche­hens rech­nen, reicht die Ankün­di­gung des Mit­tä­ters, das Gerät gegen den Geschä­dig­ten ein­zu­set­zen, für eine mit­tä­ter­schaft­li­che Zurech­nung nach den Grund­sät­zen der suk­zes­si­ven Mit­tä­ter­schaft allei­ne nicht aus, auch wenn er die Ankün­di­gung wahr­nahm und das Vor­ge­hen sei­nes Mit­tä­ters akzep­tier­te.
Erfor­der­lich ist viel­mehr die Erbrin­gung eines die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung för­dern­den objek­ti­ven Tat­bei­tra­ges 1.
Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ließ sich ein die Ver­wirk­li­chung der Tat­be­stand­s­al­ter­na­ti­ve des § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB för­dern­den Tat­bei­trag des Ange­klag­ten den Urteils­grün­den nicht ent­neh­men. Eine irgend­wie gear­te­te Mit­wir­kung des Ange­klag­ten an dem Gesche­hens­ab­lauf zwi­schen der Ankün­di­gung des Mit­an­ge­klag­ten und dem nach­fol­gen­den tat­säch­li­chen Ein­satz des Elek­tro­schock­ge­räts hat das Land­ge­richt nicht fest­ge­stellt.
Wegen der rechts­feh­ler­frei erfolg­ten Annah­me einer gemein­schaft­lich began­ge­nen Kör­per­ver­let­zung nach § 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB wird der Schuld­spruch durch die unzu­tref­fen­de recht­li­che Bewer­tung der Straf­kam­mer nicht berührt. Da das Land­ge­richt die Ver­wirk­li­chung von zwei Tat­be­stand­s­al­ter­na­ti­ven des § 224 Abs. 1 StGB aus­drück­lich straf­schär­fend berück­sich­tigt hat, kann aber die Ein­zel­stra­fe nicht bestehen blei­ben.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. April 2019 – 4 StR 102/​19
vgl. BGH, Urteil vom 27.01.2011 – 4 StR 502/​10, NStZ 2011, 699, 702; Beschlüs­se vom 18.05.2010 – 5 StR 143/​10, Stra­Fo 2010, 296; vom 29.04.1998 – 2 StR 664/​97, StV 1998, 649; Urtei­le vom 07.09.1993 – 5 StR 394/​93, BGHR StGB § 25 Abs. 2 Tat­bei­trag 4; vom 07.08.1984 – 1 StR 385/​84, NStZ 1984, 548; Fischer aaO, § 25 Rn. 39 mwN[↩]
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