Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/98071,0.html
Timestamp: 2019-10-22 07:09:34
Document Index: 303059703

Matched Legal Cases: ['§ 222', '§ 303', '§ 16', '§22', '§222', '§16', '§ 212', '§ 16', '§ 212', '§ 212', '§ 303', '§ 222']

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Verfasst am: 24 Nov 2006 - 17:19:24 Titel: Vorsatz - Fahrlässigkeit
Ich habe hierzu ein Problem, welches ich am Fall verdeutlichen will.
A sieht im Garten einen Schatten und meint es handelt sich um einen Hund. Tatsächlich ist es aber der Nachbar B. A schießt auf den vermeintlichen Hund und tötet schließlich B.
Ich hätte jetzt auf § 222 fahrlässige Tötung und § 303 Sachbeschädigung ( Hund) getippt.
So nun aber zu meinen Problem:
Es handelt sich ja hier um ein Irrtum auf Tatbestandsebene. Totschlag scheidet aus da A ja das Tatbestandsmerkmal "Mensch" nicht erkannt hat, er also keinen entsprechenden Vorsatz hatte. Es würde also ein Fahrlässigkeitsdelikt vorliegen. Da aber Tatbestandsirrtümer schon denklogisch Vorsatz voraussetzen, kann § 16 StGB ja eigtl. nicht zur Anwenung kommen in Bezug auf die Tötung des B. Oder ???
Ich bitte um Hilfe. Danke !
Zuletzt bearbeitet von Illtis am 24 Nov 2006 - 18:30:36, insgesamt einmal bearbeitet
Verfasst am: 24 Nov 2006 - 18:21:57 Titel:
hehe ... wo wird denn im Gesetz Vorsatz positiv beschrieben ?
Den Abgrenzungstatbestand hast de ja schon gefunden
Verfasst am: 24 Nov 2006 - 18:37:59 Titel:
Danke für die Antwort, mir ist dieser einfache Fall dennoch nicht ganz schlüssig. Kannst du mal etwas genauer darlegen? Würde mich freuen.
a. Versuchte Sachbeschädigung in Bezug auf den Hund und
b. fahrlässige Tötung des B?. Kommt hier die Fahrlässigkeit zum tragen, da ja Tatbestandirrtümer den Vorsatz erfordern oder ist der Vorsatz dann nur in Bezug auf die Tötung des Hundes zu sehen?
Verfasst am: 24 Nov 2006 - 18:44:15 Titel:
Der Versuch richtet sich nach der Vorstellung des Täters von der Tat, vgl. §22.
Wenn er glaubt einen Hund vor sich zu haben und gezielt schießt, aber keinen Hund trifft (aus welchen Gründen auch immer ... schon tot, gar nicht existent, danebengeschossen), so hat er sich nur wegen versuchter Sachbeschädigung strafbar gemacht da kein Hund ("Sache") beschädigt wurde.
Verfasst am: 24 Nov 2006 - 18:57:16 Titel:
Wenn ich den Sachverhalt richtig interpretiere hat der Mann noch nichtmal entfernt damit gerechnet, daß der Schatten ein Mensch sein könnte.
Denke auch, daß der §222 zu prüfen ist.
Dann mußt de halt gucken, ob er diejenige Sorgfalt außer Acht gelassen hat, zu der er nach den Umständen verpflichtet war.
So wie der Fall dargestellt ist würd´ ich schon sagen, daß man nicht Nachts einfach auf sich bewegende Schatten schießt. (Mal vorausgesetzt der Sachverhalt ist abschließend dargestellt.)
Das mit dem Vorsatz ist übrigens so ne Sache.
Der §16 hilft mit seiner Formelierung den Begriff Vorsatz von Anderen abzugrenzen. Der Wortlaut sagt ja "Wer bei der Begehung der Tat einen Umstand nicht kennt, der zum gesetzlichen Tatbestand gehört, handelt nicht vorsätzlich." Erst ne Interpretation der Norm (Umkehrschluß) führt dazu zu sagen, daß dann jedenfalls zum Vorsatz die richtige Kenntnis der Tatumstände gehört.
Aber zum Vorsatz gibts einige Meinungsstreite. (Z.B. bei Affekttaten)
Im Grunde genommen ist deine Lösung ja richtig. Wenn de nochmal genau auf die Sachbeschädigung geguckt hättest, wär dir das ohnehin selbst aufgefallen.
Verfasst am: 24 Nov 2006 - 19:50:17 Titel:
Klassischer Lehrbuchfall.
Strafbarkeit gem. § 212 I StGB
- Objektiver Tatbestand ist erfüllt.
- Subjektiver Tatbestand nicht erfüllt , da es sich hier um einen beachtlichen error in objecto handelt (er hält den Menschen ja für einen Hund). Der error in objecto schließt nach § 16 I 1 StGB das Wissen um den TB des § 212 I StGB aus.
Ergebnis: § 212 I StGB (-)
Desweiteren wäre noch eine Strafbarkeit des A nach §§ 303 Abs. 2, 22, 23 StGB und nach § 222 StGB zu prüfen.