Source: https://www.leuchtfarbenspiel.de/2018/02/14/autoren-und-steuern/
Timestamp: 2018-08-18 16:06:45
Document Index: 166743490

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 19', '§ 18', '§ 4', '§ 11', '§ 7']

Mein Geschenk für euch zum Valentinstag ist vielleicht auf den ersten Blick extrem unromantisch und es wird auch auf den zweiten Blick nicht romantischer. Aber es kommt von Herzen und es ist eine wichtige Sache, die ich euch erzählen möchte. Denn jeder, der mit seinem Buch Geld verdient, sollte sich die Frage stellen:
Was ist jetzt eigentlich mit der Steuer?
Denn der Staat besteuert so gut wie alles und auch Autoren kommen da nicht ungeschoren davon. Und da ich ja gewissermaßen an der Quelle sitze (ich arbeite momentan noch im Finanzamt, wechsle aber bald zum Steuerberater), wollte ich euch mein Wissen nicht vor-enthalten. Auf gesetzliche Vorschriften will ich hier so gut es geht verzichten, weil die meisten von euch da sicher eh nicht nachschauen.
Vorab: Das, was in der Fachsprache die Umsatzsteuer ist, wird im allgemeinen Volksmund als "Mehrwertsteuer" bezeichnet. Es handelt sich aber hierbei um dieselbe Steuer. Als Autor erbringst du eine sonstige Leistung an den Verleger. Diese ist (zur Zeit) zu einem Steuersatz von 7 % steuerpflichtig, wenn du dem Verlag die nach dem Urhebergesetz Rechte an deinem Werk einräumst oder sie ihm überträgst. Anders verhält es sich hier beim Selfpublishing. Hier lieferst du selbst die Bücher, erbringst also eine Lieferung. Zum Glück unterliegt die Lieferung von Büchern aber auch dem ermäßigten Steuersatz von 7 %.
In der Umsatzsteuererklärung gibst du also deine Einnahmen (das wird regelmäßig das Autorenhonorar sein) netto an und ermittelst die Umsatzsteuer gesondert. Als Unternehmer darfst du übrigens auch Rechnungen mit gesondert ausgewiesener Umsatzsteuer erstellen.
Von den Einnahmen abziehbar sind vorsteuerbehaftete Ausgaben. Die Vorsteuer ist nichts anderes als die Umsatzsteuer auf Ausgaben, die du für die Lieferungen bzw. Leistungen eines an-deren Unternehmers bezahlst.
Praxisbeispiel zum Verständnis: Du kaufst dir einen Schreibfüller zum Preis von 11,90 €. Dieser wird mit 19 % besteuert, also setzt sich der Einkaufspreis zusammen aus
10,00 € Preis der Lieferung
1,90 € Umsatzsteuer.
Diese 1,90 € Umsatzsteuer kannst du dann als Vorsteuer in deiner Umsatzsteuererklärung abziehen.
Für wen das jetzt alles extrem kompliziert erscheint:
Das Umsatzsteuergesetz bietet mit dem § 19 die Möglichkeit der Anwendung der sogenannten KLEINUNTERNEHMERREGELUNG. Diese ist für dich als Autoren sicher interessant. Denn wenn du Kleinunternehmer bist, brauchst du keine Umsatzsteuererklärungen abgeben und keine Umsatzsteuer zahlen (natürlich entfällt dann aber auch das Vorsteuerabzugsrecht). Voraussetzungen hierfür sind:
- dein Umsatz im Vorjahr lag nicht über 17.500 € (Umsatz sind NUR die Einnahmen!)
- dein Umsatz in diesem Jahr liegt voraussichtlich nicht über 50.000 €
Wenn das auf dich zutrifft, kannst du beim Finanzamt einen Antrag auf Anwendung des § 19 UStG stellen und bist somit fein raus aus der Umsatzsteuergeschichte. Übrigens: im ersten Jahr, in dem du deine Tätigkeit aufnimmst, wird hier nur auf die 17.500-Euro-Grenze abgestellt.
Einkommensteuerrechtlich erzielst du mit deiner schriftstellerischen Arbeit Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit im Sinne des § 18 EStG. Das heißt, du musst eine Steuererklärung abgeben, in der dein Gewinn ausgewiesen ist.
Den Gewinn ermittelst du üblicherweise im Rahmen der Einnahmenüberschussrechnung (§ 4 Abs. 3 EStG). Natürlich kannst du auch die Bilanzierung wählen, diese ist aber wesentlich komplizierter. Dafür würde ich dann wirklich den Gang zum Steuerberater empfehlen. Aber bleiben wir bei der Einnahmenüberschussrechnung, kurz: EÜR.
Hier subtrahierst du deine Betriebsausgaben von deinen Betriebseinnahmen und die Differenz ist dein Gewinn oder Verlust. Klingt einfach, oder?
Wichtig ist, dass hier das Zufluss-/ Abflussprinzip gilt. Das bedeutet grob gesagt, dass du in 2016 auch nur die Einnahmen versteuern musst, die tatsächlich auf deinem Konto gelandet sind. Genauso darfst du aber auch nur die Ausgaben absetzen, die du in diesem Jahr getätigt hast. Da gibt es natürlich noch ein paar Ausnahmeregelungen, insbesondere wenn du umsatzsteuerpflichtig bist. Wenn du dir bei einer Sache nicht sicher bist, kannst du aber auch beim Finanzamt anrufen, oder deinen Steuerberater. Wie du willst.
Was musst du denn überhaupt als Betriebseinnahmen ansetzen?
• Dein Autorenhonorar. Wenn du Kleinunternehmer bist, gehört auch die Umsatzsteuer zu deinen Einnahmen. Wenn nicht, dann auch. Aber dann wird sie gesondert ausgewiesen.
• Einnahmen aus privaten Buchverkäufen.
• Einnahmen, die du als Blogger durch Werbung erzielst, wenn das Bloggen Gegen-stand deiner schriftstellerischen Tätigkeit ist.
Diese Liste ist definitiv nicht abschließend. Grob gesagt musst du alle Einnahmen angeben, die im Zusammenhang mit der schriftstellerischen Tätigkeit stehen.
Was du im Gegenzug dazu zum Beispiel als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen kannst:
• deinen PC. Er ist das wichtigste Werkzeug eines Autoren. Im Anlagenverzeichnis wird er mit den Anschaffungskosten aktiviert und über 3 Jahre abgeschrieben. Solltest du dir den PC im laufenden Jahr anschaffen, ist er für dieses Jahr nur zeitanteilig für x / 12 (Monate) abzugsfähig.
Beispiel: Wenn du dir deinen PC am 05.03.2016 für 1.500 € angeschafft hast, kannst du
für 2016 1.500 € : 3 Jahre x 10/12 = 417 €
für 2017 und 2018 1.500 € : 3 Jahre = 500 €
als AfA (Absetzung für Abnutzung) als Betriebsausgaben absetzen.
ACHTUNG: Wenn du die Kleinunternehmerregelung anwendest, kannst du die Anschaffungskosten in Höhe des BRUTTO-Betrags absetzen, also inklusive der Umsatzsteuer. Wenn du aber dich für die Umsatzsteuerpflicht entscheidest, kannst du die Anschaffungskosten nur NETTO absetzen. Dies ist darin begründet, dass du die bei Anschaffung gezahlte Umsatzsteuer ja als Vorsteuer in voller Höhe zurückerstattet bekommst.
• Aufwendungen für Schreibmaterial, Stifte, Blöcke, etc. Diese gelten als geringwertige Wirtschaftsgüter, wenn sie nicht mehr als 410 € (Achtung: für Wirtschaftsgüter, die nach dem 31.01.2017 angeschafft werden gilt die neue Grenze von 800 Euro) gekostet haben.
• die Kosten für deine Website sowie allgemein für die Marketinginstrumente, die du nutzt. Auch für Visitenkarten sind die Kosten abziehbar.
ACHTUNG: Du kannst sogar die Fahrtkosten für die Wege absetzen, die du zurück-legst, wenn du zum Beispiel zu einem Meeting mit dem Verlag fährst oder auch zu einer Lesung. Wenn du zum Beispiel zu einer 50 km entfernten Lesung musst, berechnet sich die Betriebsausgabe wie folgt:
50 km x 2 Fahrten (hin und zurück) x 0,30 €/km = 30 €
Natürlich kannst du auch ein Fahrtenbuch führen oder deinen PKW ins Betriebsvermögen einlegen und die tatsächlichen Kosten absetzen. Hier musst du aber aufpassen, dann wird auch oft eine Privatnutzung angenommen. Ich tendiere eher zu der o.g. Variante, es sei denn, du fährst mehrere 1.000 km im Jahr im Rahmen deiner schriftstellerischen Tätigkeit.
Natürlich ist das Spektrum der abziehbaren Betriebsausgaben noch viel größer. Solltest du dir deinen Lebensunterhalt als Autorin verdienen (und Einnahmen haben, die höher als 50.000 € im Jahr sind), dann empfehle ich dir steuerliche Beratung. Die kostet zwar was, aber das sind ja dann wieder Betriebsausgaben!
Was auch noch interessante Betriebsausgaben für Autoren sind: Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer. Aber das Thema ist unglaublich komplex. Wenn Interesse besteht, mach ich da nochmal einen eigenen Artikel drüber!
Hier kannst du beruhigt sein: die schriftstellerische Arbeit ist KEIN Gewerbebetrieb. Mithin entfällt für dich alles, was mit Gewerbesteuer zu tun hat. Also, einmal aufatmen bitte! Wenn es allerdings Abgrenzungsschwierigkeiten gibt, zum Beispiel, weil du dich auch auf Werbung oder sowas spezialisierst, erkundige dich bitte vorher, ob sich da nichts ändert.
Tja, das waren die Grundlagen des Steuerrechts für Autoren, kurz und kompakt zusammengefasst (obwohl es doch über 1.000 Wörter geworden sind, aber immerhin noch besser, als sich durch 2.500 Seiten Einkommensteuergesetz zu quälen). Und wenn sich hier ein Fehler eingeschlichen hat, schreibt mich bitte an! Jeder macht mal Fehler und ich möchte keine falschen Informationen hier auf meinem Blog haben
tagPlaceholderTags: Autorenleben, schreiben, tipps, steuerrecht, steuern, autoren, einkommensteuer
Kia Kahawa (Donnerstag, 22 Februar 2018 16:49)
Tut mir leid, ich habe den Artikel nicht ganz gelesen, bin nur kurz darauf gestoßen. Habe ihn überflogen und war ob der vielen Fehler bestürzt.
Aussagen wie "3. GEWERBESTEUER
Hier kannst du beruhigt sein: die schriftstellerische Arbeit ist KEIN Gewerbebetrieb. Mithin entfällt für dich alles, was mit Gewerbesteuer zu tun hat. Also, einmal aufatmen bitte! " sind grob fahrlässig und sollten von keinem Autor und keiner Autorin einfach so auf die leichte Schulter genommen werden.
Darüber hinaus gilt ein PC nicht als selbstständig nutzbares Wirtschaftsgut, da erohne Preipherie-Geräte nicht funktionieren kann. Eine lineare Abschreibung ist nicht einfach so machbar.
Die Sache mit den geringwertigen Wirtschaftsgütern ist übrigens aucgh enorm oberflächlich angeschnitten worden. Ich vermisse hier zumindest einen winzigen Hinweis, dass man zwischen GWG und Sammelposten unterscheiden darf.
Beim Zu- und Abflussprinzip hast du mit den Sätzen "Das bedeutet grob gesagt, dass du in 2016 auch nur die Einnahmen versteuern musst, die tatsächlich auf deinem Konto gelandet sind. Genauso darfst du aber auch nur die Ausgaben absetzen, die du in diesem Jahr getätigt hast." ebenfalls eine riskante Beratung gegeben, da nach § 11 EStG gewisse regelmäßige Einnahmen und Ausgaben, wie solche für Mieten oder regelmäßige Zahlungen (Webspace, Mitgliedsbeiträge und co) in einer Zehntagesfrist dem Veranlagungsjahr zugewiesen werden können.
Gerade wegen solcher falschen, oberflächlichen Informationen finde ich es enorm wichtig, einen Haftungsausschluss für diesen Artikel anzubringen. Ohne speziellen Disclaimer könnte jemand deinen Informationen Glauben schenken, seine Steuererklärung machen und sich im Fall der Fälle auf dich berufen. Das kann zu echten Problemen führen.
Ich empfehle dir dringend, einen Haftungsausschluss unter diesen Artikel zu packen.
Kia Kahawa von "Autoren an die Steuer"
Luisa (Donnerstag, 22 Februar 2018 17:28)
danke für den Hinweis mit dem Haftungsausschluss.
Den Rest kann ich leider nicht nachvollziehen. Ich habe Steuerrecht studiert und arbeite im Finanzamt. Schriftstellerische Arbeit ist nunmal kein Gewerbebetrieb. Was du sicher meinst, sind vielleicht Menschen, die nebenbei bloggen oder auf Youtube Geld verdienen, wo es dazu kommen kann, dass es sich um eine gemischte Tätigkeit handelt und die gewerbliche Tätigkeit überwiegt. Ich habe aber explizit von der Tätigkeit als Autor/in gesprochen. Ich habe nicht mal die Journalisten mit einbezogen. Also ist meine Aussage hierzu vollkommen korrekt.
Eine lineare Abschreibung eines PCs ist die gängige Variante und meinetwegen kannst du "externe Geräte" ja dann noch dazu abschreiben (wenn du das Ladekabel meinst?). Ich möchte auf § 7 Abs. 1 EStG S. 1, 2 verweisen. Dieser spricht insbesondere von "Wirtschaftsgütern, deren Nutzungsdauer sich auf einen Zeitraum von mehr als einem Jahr erstreckt".
Was mich stört ist, dass du den Artikel ungenau gelesen hast. Ich wollte die grundlegenen Züge des Steuerrechts darstellen, ohne weitere Vertiefungen (wie z.B. die Unterscheidung GWG/ SaPo). Ich weiß, dass du in deinen Artikeln immer alles extrem ausführlich behandelst. Aber meiner Meinung nach ist diese Herangehensweise jedem selbst überlassen. Ebenso verhält es sich mit den regelmäßig wiederkehrenden Einnahmen. Sicher weißt du, dass das ein unglaublich kompliziertes Thema ist und hier ohne steuerliche Vorkenntnisse kaum jemand den Überblick verhält. Deshalb habe ich geschrieben "grob gesagt".
Ich finde es nicht in Ordnung, dass du meine Informationen als falsch bezeichnest, denn das sind sie nicht. Sie sind allenfalls oberflächlich, aber 1. ich habe diese Artikelreihe "Autoren und Steuern" auch erst angefangen und 2. war dieses Allgemeinhalten gerade meine Absicht. Dieser Artikel dient NICHT der ausführlichen Steuerberatung, sondern der ersten Überblicksverschaffung.
Ich wünsche dir noch einen schönen Tag. In Zukunft wäre es vielleicht besser, wenn du die Artikel ausführlicher lesen würdest und nicht gleich alles als "falsch" bezeichnest. Sicher kann auch ich Fehler machen, aber in diesem Fall liegt ja kein Fehler vor.
Kia Kahawa (Donnerstag, 05 April 2018 10:37)
gerne doch. Das mit dem Haftungsausschluss ist sehr wichtig bei solchen Artikeln.
Dass ich den Artikel deiner Meinung nach zu oberflächlich gelesen habe, tut mir leid. Aber ich habe dadurch, dass ich "Autoren an die Steuer" schreibe, immer meine Zielgruppe vor Augen. Meine Arikel richten sich an Autorinnen und Autoren, die (noch) nicht so viel verdienen und sich allmählich an das Thema Steuern heranwagen. Da du sofort mit Umsatzsteuer und "keine Gewerbetätigkeit!" anfängst, sprichst du wahrscheinlich die hauptberuflichen Autoren an, die wirklich nur Autoren sind. In dem Fall tut es mir leid, dass ich von mir auf andere, also auf dich geschlossen habe.
Ich meine nur, mich erinnern zu können, dass du den Artikel mit "das war alles, was du wissen musst" oder ähnlichem abgeschlossen hast. Das hatte mich dann dazu bewegt, dich unbedingt auf den Haftungsausschluss hinzuweisen.
Dass die lineare Abschreibung eines PCs die gängige Methode ist, weiß ich aus der Praxiserfahrung im Steuerbüro. Aber aus den Schulbüchern weiß ich, dass das eigentlich nicht richtig ist, weil ein Wirtschaftsgut selbstständig nutzbar sein muss. Ein PC funktioniert nicht ohne Preipheriegeräte, also Bildschirm, Maus, Tastatur. Also darf man ihn streng genommen nach dem Gesetz nicht abschreiben; in Hinweisen und Richtlinien habe ich nichts dazu gefunden.
Was in der Praxis möglich ist, kannst du gerne in deine Artikel schreiben, klar. Nur ich persönlich schaue gerne haargenau auf die Gesetze. Die sind für mich wie Rätsel für Liebhaber von Detektivgeschichten und ich bin ein Fan von den Irrsinnigkeiten des Steuer-Dschungels.
Daher will ich mich gerne entschuldigen, da ich einiges zu voreilig über einen Kamm geschert habe. Dennoch bleibe ich dabei, dass du für deine Leserinnen und Leser ganz deutlich klar machen solltest, wann etwas auf sie zutreffen kann und wann nicht, und sowieso: Dass du unschuldig bist, wenn jemand etwas aus deinem Text macht.
Mehr dazu in einer Mail.
Luisa (Montag, 09 April 2018 21:11)
danke, dass du dich noch mal dazu geäußert hast.
Ich persönlich bin ein Mensch der Praxis und mir ist es wichtig, dass andere die Grundlagen verstehen. Das tiefere Schulbuchwissen ist oftmals unglaublich fachspezifisch und für die Allgemeinheit kaum verständlich, sodass ich es bewusst außen vor gelassen habe.
Das mit dem PC habe ich wirklich noch nie gehört. Hier gehe ich einfach von der "allgemeinen Verwaltungspraxis" aus und schreibe den PC als selbstständig nutzbares WG ab. Aber der Denkansatz ist interessant (:
Und ich weise von nun an auch bewusst darauf hin, dass meine Aufzählungen keineswegs abschließend sind und auch im Steuerrecht Meinungen, Urteile und fachspezifische Vorschriften bestehen, die ich unmöglich alle berücksichtigen kann.