Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/gesellschaftsrecht/abtretung-von-gesellschafterdarlehn-in-der-krise-359490
Timestamp: 2020-07-10 13:51:24
Document Index: 138770036

Matched Legal Cases: ['§ 30', '§ 32', '§ 135', '§ 39', '§ 135', '§ 32', '§ 135', '§ 39', '§ 39', '§ 135', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 39', '§ 135', '§ 39', '§ 135']

Durch den im Zuge des Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung des GmbH­Rechts und zur Bekämp­fung von Miss­bräu­chen (MoMiG) vom 23.10.2008 [1] ein­ge­füg­ten § 30 Abs. 1 Satz 3 GmbHG wur­den die Recht­spre­chungs­re­geln zu den eigen­ka­pi­ta­ler­set­zen­den Gesell­schaf­ter­dar­le­hen auf­ge­ge­ben, weil nach die­ser Vor­schrift Gesell­schaf­ter­dar­le­hen und gleich­ge­stell­te Leis­tun­gen nicht mehr wie Stamm­ka­pi­tal zu behan­deln sind. Als Aus­gleich für den Ver­zicht auf das Rechts­in­sti­tut des Kapi­tal­er­sat­zes wur­den zur Ver­mei­dung von Schutz­lü­cken die Novel­len­re­geln der §§ 32a, 32b GmbHG aF [2] in das Insol­venz­recht ver­la­gert und ins­be­son­de­re § 135 Abs. 1 Nr. 2 InsO aus­ge­baut [3]. Bei der insol­venz­recht­li­chen Behand­lung von Gesell­schaf­ter­dar­le­hen wird nun­mehr – vor dem Hin­ter­grund einer erwei­tern­den Aus­le­gung des Begriffs der kapi­ta­ler­set­zen­den Dar­le­hen durch die Recht­spre­chung, die jedes Gesell­schaf­ter­dar­le­hen als poten­zi­ell kapi­ta­ler­set­zend ein­stuf­te [4] – gene­rell auf das Merk­mal "kapi­ta­ler­set­zend" ver­zich­tet und jedes Gesell­schaf­ter­dar­le­hen dem Nach­rang des § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO unter­wor­fen [5]. In Kon­se­quenz die­ser Ände­rung wird durch eine Ver­schär­fung des § 135 Abs. 1 Nr. 2 InsO die Rück­ge­währ jedes – und nicht nur eines "kapi­ta­ler­set­zen­den" – Gesell­schaf­ter­dar­le­hens durch die Gesell­schaft bin­nen eines Jah­res vor Antrag­stel­lung von der Insol­venz­an­fech­tung erfasst, ohne dass das bis­he­ri­ge Erfor­der­nis einer "Gesell­schafts­kri­se" hin­zu­tre­ten muss [6].
Mit Hil­fe der Ein­be­zie­hung "gleich­ge­stell­ter For­de­run­gen" wird außer­dem der bis­he­ri­ge § 32a GmbHG aF in per­so­nel­ler – durch Ein­be­zie­hung Drit­ter – und sach­li­cher Hin­sicht über­nom­men [7]. Die Vor­schrift des § 135 Abs. 1 Nr. 2 InsO unter­stellt die Rück­ge­währ eines Dar­le­hens im Sin­ne des § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO wie auch einer gleich­ge­stell­ten For­de­rung der Anfech­tung. Gleich­ge­stell­te For­de­run­gen sind Ver­bind­lich­kei­ten, die einem Gesell­schaf­ter­dar­le­hen wirt­schaft­lich ent­spre­chen. Die Ein­be­zie­hung gleich­ge­stell­ter For­de­run­gen ermög­licht es, den Nach­rang des § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO und damit die Anfecht­bar­keit auf Dritt­for­de­run­gen zu erstre­cken. Im Blick auf die Reich­wei­te der Rege­lun­gen im Ver­hält­nis zu Drit­ten kann folg­lich auf die zum Eigen­ka­pi­tal­er­satz­recht ent­wi­ckel­te Recht­spre­chung zurück­ge­grif­fen wer­den [8].
Die Bestim­mung des § 135 InsO knüpft an die soge­nann­ten Novel­len­re­geln der §§ 32a, 32b GmbHG aF an [9]. Im Blick auf die Viel­ge­stal­tig­keit der Sach­ver­hal­te, die der Dar­le­hens­ge­wäh­rung durch einen Gesell­schaf­ter wirt­schaft­lich glei­chen und daher im Inter­es­se des Gläu­bi­ger­schut­zes ent­spre­chen­den Rechts­fol­gen unter­wor­fen wer­den müs­sen, hat der Gesetz­ge­ber bereits bei Ein­füh­rung der Novel­len­re­geln, die für das gel­ten­de Recht Leit­bild­funk­ti­on haben, von dem Ver­such Abstand genom­men, die in Betracht kom­men­den Tat­be­stän­de im Ein­zel­nen kasu­is­tisch zu regeln. Viel­mehr soll­te die Recht­spre­chung mit Hil­fe der Gene­ral­klau­sel des § 32a Abs. 3 Satz 1 GmbHG aF in den Stand gesetzt wer­den, nicht aus­drück­lich vom Wort­laut des Geset­zes erfass­te, jedoch ver­gleich­ba­re Sach­ver­hal­te gleich zu behan­deln [10]. Die­se Rege­lungs­tech­nik hat das MoMiG in Anleh­nung an § 32a Abs. 3 Satz 1 GmbHG aF durch die Ein­füh­rung des Merk­mals der "gleich­ge­stell­ten For­de­rung" in § 39 Abs. 1 Nr. 5, § 135 Abs. 1 InsO bei­be­hal­ten [11]. Dar­um ist auch bei der Aus­le­gung des Tat­be­stands der gleich­ge­stell­ten For­de­rung (§ 39 Abs. 1 Nr. 5, § 135 Abs. 1 Nr. 2 InsO) in Über­ein­stim­mung mit dem frü­he­ren Recht Vor­sor­ge dage­gen zu tref­fen, dass der Gesell­schaf­ter das mit einer Dar­le­hens­ge­wäh­rung ver­bun­de­ne Risi­ko auf die Gemein­schaft der Gesell­schafts­gläu­bi­ger abwälzt [12].