Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-betrieb/wesentliche-beteiligung-von-1-338060
Timestamp: 2020-01-17 22:31:05
Document Index: 303400060

Matched Legal Cases: ['§ 17', 'Art. 3', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17']

Wesent­li­che Betei­li­gung von 1% | Rechtslupe
Wesentliche Beteiligung von 1%
Wesent­li­che Betei­li­gung von 1%
Die Absen­kung der Betei­li­gungs­gren­ze des § 17 Abs. 1 EStG auf 1% durch das Steu­er­sen­kungs­ge­setz vom 23. Okto­ber 2000 1 ist nach Ansicht des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf ver­fas­sungs­ge­mäß.
Es ist all­ge­mein aner­kannt und vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mehr­fach bestä­tigt wor­den, dass der Gesetz­ge­ber bei der Erschlie­ßung von Steu­er­quel­len einen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum hat 2, und nicht gehin­dert wäre, Gewin­ne aus jeder Ver­äu­ße­rung von Gegen­stän­den des Pri­vat­ver­mö­gens zu besteu­ern 3.
Will der Gesetz­ge­ber eine bestimm­te Steu­er­quel­le erschlie­ßen, ande­re hin­ge­gen nicht, dann ist der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz solan­ge nicht ver­letzt, wie die Dif­fe­ren­zie­rung nicht will­kür­lich ist, son­dern auf sach­ge­rech­ten Erwä­gun­gen, ins­be­son­de­re finanz­po­li­ti­scher, volks­wirt­schaft­li­cher, sozi­al­po­li­ti­scher oder steu­er­tech­ni­scher Natur, beruht 4.
Unter Beach­tung die­ser Grund­sät­ze hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schie­den, dass es ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den ist, dass der Steu­er­ge­setz­ge­ber die Besteue­rung von Gewin­nen aus der Ver­äu­ße­rung von Antei­len an Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten bis ein­schließ­lich 1998 von einer Betei­li­gungs­quo­te von mehr als 25 % am Stamm­ka­pi­tal der Gesell­schaft abhän­gig gemacht hat 5. Die Nähe einer sol­chen Betei­li­gung zur Geschäfts­füh­rung der Gesell­schaft, die mit­un­ter­neh­mer­ähn­li­che Stel­lung des Gesell­schaf­ters, sein mög­li­cher Ein­fluss auf die Aus­schüt­tungs- und Rück­la­gen­po­li­tik, ver­bun­den mit der Mög­lich­keit, die Vor­aus­set­zun­gen für die Ent­ste­hung von Ver­äu­ße­rungs­ge­win­nen plan­mä­ßig her­bei­zu­füh­ren, wur­de als aus­rei­chen­der sach­li­cher Grund für die Bestim­mung der Wesent­lich­keits­gren­ze ange­se­hen.
Auch die Absen­kung der Betei­li­gungs­quo­te von 25 % auf 10 % durch das Steu­er­ent­las­tungs­ge­setz 1999/​2000/​2002 vom 24.03.1999 ist unter dem Gesichts­punkt des Art. 3 Abs. 1 GG als unbe­denk­lich beur­teilt wor­den 6. Sie liegt im Rah­men des gesetz­ge­be­ri­schen Gestal­tungs­spiel­raums.
Das­sel­be gilt für die hier zu beur­tei­len­de Rege­lung des § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG i.d.F. des Steu­er­sen­kungs­ge­set­zes vom 23.10.2000. Durch die­se Rege­lung wird der grund­sätz­lich zuläs­si­ge Weg einer brei­te­ren steu­er­li­chen Erfas­sung von Wert­stei­ge­run­gen im Pri­vat­ver­mö­gen fort­ge­setzt. In Zusam­men­hang mit dem eben­falls im Steu­er­sen­kungs­ge­setz vom 23.10.2000 vor­ge­nom­me­nen Sys­tem­wech­sel vom kör­per­schaft­steu­er­li­chen Anrech­nungs­ver­fah­ren zum Halb­ein­künf­te­ver­fah­ren misst der Gesetz­ge­ber der Besteue­rung von Betei­li­gungs­ein­künf­ten i.S.v. § 17 EStG eine neue Funk­ti­on bei. Die Erfas­sung von Gewin­nen aus Anteils­ver­äu­ße­run­gen wird nicht mehr mit der mit­un­ter­neh­mer­ähn­li­chen Stel­lung des wesent­lich betei­lig­ten Gesell­schaf­ters gerecht­fer­tigt. Statt­des­sen dient § 17 EStG nun­mehr dazu sicher­zu­stel­len, dass der zu weni­ger als 10 % betei­lig­te Anteils­eig­ner die Halb­ein­künf­te­be­steue­rung nicht dadurch ver­hin­dert, dass er sei­ne Betei­li­gung vor der Gewinn­aus­schüt­tung (steu­er­frei) ver­äu­ßert, sich aber dabei die in der Gesell­schaft ange­sam­mel­ten Rück­la­gen ver­gü­ten lässt 7. Dies ist ein sach­ge­rech­ter Grund, der einen Ver­stoß gegen den Gleich­heits­grund­satz aus­schließt. Dem­entspre­chend hat der Bun­des­fi­nanz­hof in einem vor­läu­fi­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Her­ab­set­zung der Betei­li­gungs­gren­ze von 10 % auf 1 % als nicht ernst­lich zwei­fel­haft ange­se­hen 8.
Der Klä­ger weist zwar zutref­fend dar­auf hin, dass aus der Ver­äu­ße­rung einer Betei­li­gung von weni­ger als 1 % ein erheb­lich höhe­rer Gewinn ent­ste­hen kann als bei ihm, und dass ein sol­cher höhe­rer Gewinn steu­er­frei bleibt. Die­ses Pro­blem hat indes­sen auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in den schon zitier­ten Ent­schei­dun­gen vom 07.10.1969 und 20.11.1984 erkannt, aber im Hin­blick dar­auf, dass die Anknüp­fung der Steu­er­pflicht an eine Betei­li­gungs­quo­te sach­lich gerecht­fer­tigt ist, als uner­heb­lich ange­se­hen. Es hat dazu aus­ge­führt, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt habe nicht zu ent­schei­den, ob die Her­an­zie­hung von sol­chen Gewin­nen auch da, wo die Betei­li­gungs­quo­te nicht erreicht ist, nur mit Rück­sicht auf die Gewinn­hö­he ange­zeigt wäre 9; das Gericht habe auch nicht nach­zu­prü­fen, ob der Gesetz­ge­ber die zweck­mä­ßigs­te, ver­nünf­tigs­te oder gerech­tes­te Lösung gefun­den habe 10.
Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 6. Okto­ber 2011 – 8 K 3811/​09 E
Wesent­li­che Betei­li­gung an einer Gesell­schaft – und die Sen­kung… Für den Bun­des­fi­nanz­hof ist es ernst­lich zwei­fel­haft, ob sich die Betei­li­gungs­gren­ze nach der im Jahr der Ver­äu­ße­rung gel­ten­den Wesent­lich­keits­gren­ze gemäß § 17 Abs. 1 Satz…
vgl. BVerfG, Urteil vom 09.12.2008 – 2 BvL 1/​07 u.a., BGBl – I 2008, 2888, unter C.I.02.a) der Grün­de, m.w.N.; BFH, Beschluss vom 06.04.2009 – IX B 204/​08, BFH/​NV 2009, 1262; BFH, Beschluss vom 13.11.2007 – VIII B 35/​07, BFH/​NV 2008, 220[↩]
zuletzt: BVerfG, Beschluss vom 07.07.2010 – 2 BvR 748/​05 u.a., BGBl I 2010, 1296, unter B.II. der Grün­de; eben­so: BVerfG, Beschluss vom 09.07.1969 – 2 BvL 20/​65, BSt­Bl II 1970, 156, unter C.II.03.d) aa) der Grün­de; Beschluss vom 07.10.1969 – 2 BvL 3/​66 u.a., BSt­Bl II 1970, 160, unter C.II.01. der Grün­de[↩]
BVerfG, Beschluss vom 05.02.2002 – 2 BvR 305/​93 u.a., NJW 2002, 3009, unter C.III.01. der Grün­de[↩]
BVerfG, Beschluss vom 07.10.1969, a.a.O., unter C.II.03. der Grün­de; Beschluss vom 20.11.1984 – 1 BvR 727/​82, NJW 1986, 421[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 01.03.2005 – VIII R 92/​03, BSt­Bl II 2005, 398, unter II.02.a) der Grün­de, m.w.N.; BVerfG, Beschluss vom 07.07.2010, a.a.O., unter B. II. der Grün­de[↩]
vgl. BT-Drs. 14/​2683, S. 113, 114; BT-Drs. 14/​3366, S. 118; BFH, Urteil vom 01.03.2005 – VIII R 25/​02, BSt­Bl II 2005, 436, unter II.02.c). der Grün­de[↩]
BFH, Beschluss vom 06.04.2009 – IX B 204/​08, BFH/​NV 2009, 1262; zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Vor­schrift s. auch: Gosch, in: Kirch­hof, EStG, 9. Aufl., § 17, Rdnr. 2; Rapp, in: Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, § 17, Rdnr. 6 und 9[↩]
BVerfG, Beschluss vom 07.10.1969, a.a.O., unter C.II.03.c) der Grün­de[↩]
BVerfG, Beschluss vom 07.10.1969, a.a.O., unter C.II.02. der Grün­de[↩]
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