Source: https://www.koerperverletzung.com/fahrlaessige-toetung/
Timestamp: 2020-07-10 10:09:41
Document Index: 265891601

Matched Legal Cases: ['§ 222', '§ 222', '§ 227', '§ 222', '§ 222', '§ 222', '§ 222', '§ 78', '§ 78']

Sie sind hier: Startseite / Wann liegt eine fahrlässige Tötung vor?
fahrlässige Tötung Geldstrafe
Um einer genaueren Abgrenzung der Tatbestände Rechnung zu tragen, soll an dieser Stelle eine Auseinandersetzung mit dem strafrechtlichen Vergehen der fahrlässigen Tötung erfolgen.
Die Strafverfolgung für fahrlässige Tötung richtet sich nach § 222 StGB.
Die Differenzierung ist besonders aus dem Grund von Bedeutung, als immer wieder irreführende Tatbestandsbegriffe wie etwa die “fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge” im alltäglichen Sprachgebrauch auftauchen.
Es handelt sich hierbei jedoch um die Vermischung zweier Tatbestände, die so nach deutschem Strafrecht nicht sachdienlich oder möglich erscheint: die fahrlässige Körperverletzung und die Körperverletzung mit Todesfolge.
Worin sich die beiden Sachverhalte unterscheiden und warum eine “fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge” tatsächlich als “fahrlässige Tötung” zu ahnden ist, erfahren Sie im Folgenden.
Was ist eine fahrlässige Tötung? Zur Abgrenzung der Begriffe
Was bedeutet fahrlässige Tötung? Definition nach StGB
Das Strafmaß für fahrlässige Tötung nach § 222 StGB
Fahrlässige Tötung – Verjährung der Strafverfolgung
Es ist nicht immer einfach, im deutschen Rechtssystem den Überblick zu behalten. Es gibt zahlreiche, gesetzlich festgeschriebene Regelungen, doch ist jede Handlung durch individuelle Muster geprägt, die sich nicht so einfach in die Schablonen der Gesetzestexte pressen lassen. So verhält es sich auch bei der Körperverletzung.
Dennoch gibt es einige Unterscheidungen im Strafgesetzbuch (StGB), die den Tatbestand der “fahrlässigen Körperverletzung mit Todesfolge” zu einem irrealen Faktotum werden lassen.
Grundlegender Unterscheidungspunkt der beiden hier kombinierten Tatbestände ist das Schuldverhältnis: Während eine fahrlässig begangene Handlung die Vernachlässigung der notwendigen Sorgfaltspflicht zur Grundlage hat, ist bei einer Körperverletzung mit Todesfolge stets auf Vorsatz zu erkennen, um eine Verurteilung erreichen zu können. Dabei genügt auch schon ein bedingter Vorsatz.
Die Körperverletzung mit Todesfolge beschreibt nach § 227 StGB eine vorsätzliche Körperverletzung. Das gleichzeitige Vorliegen der Fahrlässigkeit bei zu erkennendem Vorsatz ist unmöglich. Eine Verurteilung wegen eines Tatbestands, der auf “fahrlässige (vorsätzliche) Körperverletzung mit Todesfolge” lautet, ist damit faktisch ausgeschlossen.
Kommt ein Opfer infolge einer fahrlässigen Körperverletzung – etwa im Straßenverkehr – zu Tode, so ist demgegenüber eine Verurteilung wegen einer fahrlässigen Tötung nach § 222 StGB anzunehmen.
Unfall mit Todesfolge: Das Strafmaß richtet sich nach § 222 StGB.
Generell ist eine fahrlässig begangene Tat nicht strafrechtlich zu ahnden. Doch gilt eine Ausnahme exakt dann, wenn der Tatbestand auch bei vorliegender Fahrlässigkeit explizit unter Strafe gestellt ist. Da sich für die fahrlässige Tötung ein eigener Paragraph im Strafgesetzbuch findet, kann dieses Vergehen als eine der zahlreichen Ausnahmen gelten.
Doch was genau bedeutet Fahrlässigkeit überhaupt? Grundlegend ist mit dem Begriff die Außerachtlassung und Vernachlässigung der notwendigen Sorgfaltspflicht – vor allem im Straßenverkehr – bezeichnet und lässt sich am besten in Abgrenzung zum Vorsatz verstehen. Bei diesem hat der Handelnde die Tatbegehung willentlich und ggf. auch wissentlich ausgeführt. Bei einer fahrlässigen Tötung, Körperverletzung oder anderen Fahrlässigkeitstatbeständen kann das Wollen der Verletzung des Opfers hingegen ausgeschlossen werden.
Doch es gibt weitere Abstufungen, die fahrlässiges Handeln näher bestimmen können:
einfache Fahrlässigkeit: Außerachtlassung der Sorgfaltspflicht im Verkehr
grobe Fahrlässigkeit: Außerachtlassung der Sorgfaltspflicht in erheblichem Maße
bewusste Fahrlässigkeit (luxuria): Der Handelnde weiß um die Möglichkeit der Folgen seines Handelns, vertraut jedoch auf die Nichterfüllung getreu dem Motto: “Es wird schon nix passieren!”
unbewusste Fahrlässigkeit (negligentia): Hierbei hat der Täter die möglichen Folgen nicht in Betracht gezogen, hätte sie jedoch durch Einhaltung der Verkehrsregeln abwenden können.
Aus den Schilderungen geht hervor, dass vor allem bei Unfällen im Straßenverkehr eine Fahrlässigkeit zum Tragen kommt. Missachtet ein Verkehrsteilnehmer allgemeingültige Verkehrsregeln und kommt damit seiner Sorgfaltspflicht nicht nach, so liegt im Falle eines Crashs mit Personenschaden fahrlässige Körperverletzung vor.
Verstirbt das Unfallopfer, so kommt der Tatbestand der fahrlässigen Tötung erschwerend hinzu und überwiegt ersteren. Doch was droht bei einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung?
Zwar ist die fahrlässige Tötung vor allem im Straßenverkehr gegeben, sie lässt sich jedoch auch auf andere alltägliche Lebensbereiche ausweiten: so etwa auf den Arbeitsschutz auf Baustellen oder in Werkstätten sowie bei dem Hantieren mit Waffen – oder deren Überlassen in unbefugte Hände – letztlich in allen Bereichen, in denen die Unversehrtheit der Personen auf der Beachtung grundsätzlicher Sicherheitsmaßnahmen und Richtlinien beruht.
“Wer durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.” (§ 222 StGB)
Es ist also möglich, dass der Tod eines Menschen infolge eines Unfalles in einem nachfolgenden Strafverfahren lediglich mit einer Geldstrafe geahndet wird. Ausschlaggebend für die Strafbemessung sind die jeweiligen Umstände des zu verhandelnden Vorfalls. Auch der Grad der Fahrlässigkeit kann die Richter dazu bewegen, sich im oberen oder unteren Bereich des Strafmaßes hinsichtlich der Individualstrafe festzulegen.
Fahrlässige Tötung: Das Strafmaß liegt bei einer Geldstrafe bis hin zu fünf Jahren Haft.
Stand ein Unfallfahrer zum Beispiel bei einem Unfall mit Todesfolge unter Alkohol, so kann ihm Fahrlässigkeit in besonders schwerem Maße vorgeworfen werden – und damit eine grob fahrlässige Tötung.
Bei einem Unfall mit Todesfolge ist zudem auch maßgeblich, wie der Unfallverursacher anschließend reagierte. Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort – Fahrer- bzw. Unfallflucht – kann sich ebenfalls verschärfend auswirken. Hinzu käme in einem solchen Falle auch der zusätzliche Tatbestand der Unfallflucht, der in der Regel ebenfalls strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht. Eine Freiheitsstrafe ist dann wahrscheinlicher.
Mindesthöhe der Strafe bei fahrlässiger Tötung: Die Mindeststrafe für eine fahrlässige Tötung liegt nach § 222 StGB bei einer Geldstrafe. Hierbei ist in jedem Einzelfall zu entscheiden, wie viele Tagessätze dem Täter anzuordnen sind. Die Höhe eines einzelnen Tagessatzes lässt sich anhand des Einkommens des Beschuldigten festlegen. Ab einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen gelten Sie als vorbestraft – unerheblich, wie hoch die finale Strafzahlung letztlich tatsächlich ausfallen mag.
Anders als bei der fahrlässigen Körperverletzung handelt es sich bei dem darauf aufbauenden Tötungsdelikt nicht um ein Vergehen, dass eines Antrages durch das Opfer oder dessen gesetzliche Vertreter bedarf. Als Offizial- und nicht Antragsdelikt wird die fahrlässige Tötung von Amts wegen durch die Staatsanwaltschaft angezeigt und strafrechtlich verfolgt.
Denn: Der Versuch setzt implizit auch immer schon einen Vorsatz beim Handelnden voraus. Da Vorsatz und Fahrlässigkeit sich gegenseitig ausschließen, ist eine “versuchte fahrlässige Tötung” faktisch nicht möglich.
Im Übrigen: Es ist nicht zulässig, den Begriff “fahrlässiger Totschlag” synonym für den hier behandelten Tatbestand zu verwenden. Auch der Totschlag hebt sich als Vorsatzdelikt ab und kann deshalb nicht zugleich fahrlässig erfolgen.
Verjährung: Eine fahrlässige Tötung verjährt nach frühestens fünf Jahren.
Die Verjährungsfristen im Strafrecht richten sich nach den gesetzlich festgelegten Höchststrafen eines Delikts. Die entsprechenden Stufen sind in § 78 Absatz 3 StGB festgeschrieben. Nach § 78 Absatz 3 Nummer 4 StGB ist die fahrlässige Tötung bei einer gesetzlichen Höchststrafe von fünf Jahren mit einer Verjährungsfrist von ebenfalls fünf Jahren belegt.
Das bedeutet: Auch noch bis zu fünf Jahre nach der Tat kann ein Beschuldigter aufgrund von fahrlässiger Tötung strafrechtlich belangt werden. Begeht ein Täter etwa eine Unfallflucht nach einem Unfall mit Todesfolge, um den Konsequenzen zu entgehen, muss er noch mindestens fünf weitere Jahre bangen, dass ihn die Strafe für die fahrlässige Tötung doch noch ereilt – neben der für die Fahrerflucht.
Fahrlässige Tötung durch Unterlassen: Wird ein Arzt oder anderes medizinisches Personal wegen einer fahrlässigen Tötung angeklagt, so handelt es sich in vielen Fällen um eine Tötung durch Unterlassen. Das bedeutet, dass vermeintlich die notwendige Sorgfaltspflicht hier hinsichtlich der benötigten medizinischen Betreuung vernachlässigt wurde. Ob nun durch falsche Medikamentengabe, Nichterkennen eines akuten Notfalls oder auf Fahrlässigkeit beruhender Operationsfehler: In der Ausübung seiner Tätigkeit kann auch ein Arzt eine fahrlässige Tötung begehen.
4.31 5 29 Loading...
Wie kurz muss der Zeitraum zwischen der Unterlassung und dem Eintreten des Todes sein?
eine pauschale Aussage lässt sich hierzu nur schwer treffen. Üblicherweise handelt es sich hier um eine Einzelfallentscheidung.
Floarea E. sagt
8. Februar 2017 at 13:36
Mein Schwiegervater ist im März 1991 verstorben durch ein,, Unfall am Arbeitsplatz ” . Baufirma. Die Hinterbliebenen ( mein Mann, damals 14 Jahre alt) und meine Schwiegermutter (52 Jahre alt damals) haben die Firma nie um Schadenersatz oder Barunterhalt oder Schmerzensgeld verklagt. Der Mann, und Familien Vater war übrigens der Alleinverdiener.
Es hat sich damals irgendwie geregelt dass meine Schwiegermutter um die 600 Euro Rente von der Berufsgenossenschaft bekommt,da kommt noch ihre Rente aus Rumänien in wert von 120 Euro dazu,muß sie also mit nicht mal 800 Euro im Monat auskommen,Miete bezahlen und leben,die Firma kamm ungestraft davon.
KANN mann jetzt noch was machen,rechtlich gesehen,um Schadenersatz verklagen, oder ist der Frist schon verjährt???? Hoffe auf schnelle Antwort,vielen Dank
Hallo Floarea,
Lassen Sie sich aber im Zweifel von einem Anwalt beraten, ob dennoch Möglichkeiten bestehen, in diesem Fall rechtlich vorzugehen bzw. welche finanziellen Leistungen Ihrer Schwiegermutter gegebenenfalls zustehen.
K. Dutschko sagt
3. Mai 2017 at 20:09
Wenn eine Pflegekraft wissentlich hygienebestimmungen verletzt! ( gelängel ) und ein Bewohner nachweislich dadurch verstirbt ! In welche Kategorie fällt das?
8. Mai 2017 at 8:20
Hallo K. Dutschko,
in diesem Fall kann keine pauschale Aussage getroffen werden, da eine Fahrlässigkeit oder ein Vorsatz nachgewiesen werden müssen. Die Entscheidung, um welche ein Verstoß oder Vergehen es sich handelt, obliegt der Entscheidung eines Gerichtes und betreffen immer den Einzelfall. Es ist empfehlenswert sich hier an einen Anwalt zu wenden.
Aii sagt
28. Mai 2017 at 1:29
Hallo. Mein Freund hat heute einen Frontalen Zusammenstoß verursacht. Er war zu schnell und hatte die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und ist somit ins Gegengenverkehr geraten. Die Insassen des 2. Wagens sind am Unfallort sofort verunglückt. Mein Freund war nicht alkoholisiert oder unter Drogen gesetzt. Mit welcher Strafe müssen wir jetzt rechnen?
29. Mai 2017 at 8:35
im Fall eines Verkehrsunfalls mit einer fahrlässigen Tötung kann eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren drohen. Das genau Strafmaß ist jedoch eine Einzelfallentscheidung und hängt von den Umständen des Unfalls ab. Wir können hier nicht beurteilen, ob es sich um eine fahrlässige Tötung handelt. Am besten wenden Sie sich an einen Anwalt, der Sie entsprechend beraten kann.
23. November 2017 at 2:38
Unser Vater lebte in einer betreuten Seniorenresidenz, war einige Wochen stark erkältet bis das Pflegepersonal bei einem Besuch des Generalbevollmächtigten für Vermögensangelegenheiten und Finanzen vor seiner Abreise darauf angesprochen wurden ob nicht einmal der Hausarzt kommen sollte. Das Pflegepersonalverständigte den Hausarzt, der am Telefon eine Einweisung in eine Psychiatrische Klinik veranlasste, sich den Patienten nicht einmal vor Ort anschaute. Da in der Klinik erst am darauf folgenden Tag ein Mediziner unseren Vater untersuchte und Sauerstoff und Infusion veranlasste verstarb mein Vater in den Abendstunden in der Klinik.Wir sind fassungslos und Fragen uns wer ist denn da eigentlich hauptverantwortlich für diesen Vorgang? Mit freundlichen Grüßen
wir können diese Sachlage rechtlich nicht beurteilen und auch keine Beratung anbieten. Daher empfehlen wir Ihnen, sich an einen Anwalt zu wenden, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen.