Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/elterngeldzahlungen-als-bezuege-eines-behinderten-kindes-395900
Timestamp: 2020-08-09 12:12:52
Document Index: 193341184

Matched Legal Cases: ['§ 62', '§ 63', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 33', '§ 32', '§ 10', '§ 32', '§ 41']

Elterngeldzahlungen - als Bezüge eines behinderten Kindes | Rechtslupe
Elterngeldzahlungen - als Bezüge eines behinderten Kindes
Das Eltern­geld, das ein behin­der­tes Kind, für das Kin­der­geld begehrt wird, wegen der Betreu­ung und Erzie­hung sei­nes eige­nen Kin­des erhält, gehört in vol­lem Umfang zu den Bezü­gen, die zur Abde­ckung des Grund­be­darfs des behin­der­ten Kin­des geeig­net sind.
Nach § 62 Abs. 1, § 63 Abs. 1 i.V.m. § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 EStG wird Kin­der­geld für ein Kind gewährt, das wegen kör­per­li­cher, geis­ti­ger oder see­li­scher Behin­de­rung außer­stan­de ist, sich selbst zu unter­hal­ten, sofern die Behin­de­rung ‑wie im Streit­fall- vor Voll­endung des 25. Lebens­jah­res ein­ge­tre­ten ist.
Ein Kind ist außer­stan­de, sich selbst zu unter­hal­ten, wenn es sei­nen Lebens­un­ter­halt nicht bestrei­ten kann. Der gesam­te Lebens­be­darf eines behin­der­ten Kin­des setzt sich aus dem Grund­be­darf und dem indi­vi­du­el­len behin­de­rungs­be­ding­ten Mehr­be­darf zusam­men [1]. Der Grund­be­darf ori­en­tiert sich in den Jah­ren 2010 und 2011 am Jah­res­grenz­be­trag nach § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG von 8.004 EUR [2], wel­cher der Höhe nach dem Grund­frei­be­trag nach § 32a Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG ent­spricht. Er beläuft sich monat­lich auf 667 EUR. Die Prü­fung des Imstan­deseins zum Selbst­un­ter­halt ist für jeden ein­zel­nen Monat durch­zu­füh­ren [3]. Errei­chen die Ein­künf­te und Bezü­ge des Kin­des die Sum­me aus Grund­be­darf und behin­de­rungs­be­ding­tem Mehr­be­darf, so kann das Kind sich selbst unter­hal­ten.
Das Blin­den­geld von monat­lich 608, 96 € deckt den durch die Blind­heit ver­ur­sach­ten Mehr­be­darf des Kin­des auch inso­weit abdeckt, als es den antei­li­gen Pausch­be­trag nach § 33b Abs. 3 Satz 3 EStG von monat­lich 308, 33 € über­steigt. Denn nach dem Urteil in BFHE 214, 544, BStBl II 2010, 1054, an dem der Bun­des­fi­nanz­hof fest­hält, ist zu ver­mu­ten, dass in Höhe des tat­säch­lich aus­ge­zahl­ten Blin­den­gel­des ein behin­de­rungs­be­ding­ter Mehr­auf­wand besteht. Wei­te­rer behin­de­rungs­be­ding­ter Mehr­be­darf ist in dem hier ent­schie­de­nen Fall nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt nicht anzu­set­zen.
Zu den Bezü­gen, mit deren Hil­fe das Kind sei­nen exis­ten­zi­el­len Grund­be­darf abde­cken kann, gehö­ren auch die Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts und für die Kos­ten für Unter­kunft und Hei­zung nach dem SGB II [4].
Auch das Eltern­geld zählt zu den Bezü­gen des Kin­des und ist daher bei der Prü­fung der (Un-)Fähigkeit zum Selbst­un­ter­halt ein­zu­be­zie­hen.
Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf [5] war der Ansicht, nur Eltern­geld, das den Betrag von 300 EUR über­schrei­tet, füh­re zu anzu­set­zen­den Bezü­gen. Es bezog sich hier­zu auf die zur Ein­künf­te- und Bezü­ge­gren­ze des § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG ergan­ge­ne Ver­wal­tungs­an­wei­sung nach Abschn. 63.4.2.3.1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 der Dienst­an­wei­sung zur Durch­füh­rung des Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleichs nach dem X. Abschnitt des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (DA-FamEStG 2009) [6].
Als Grund für die­se Ver­wal­tungs­reg­lung kommt § 10 Abs. 1 BEEG in Betracht, der bestimmt, dass das Eltern­geld bei Sozi­al­leis­tun­gen, deren Zah­lung von ande­ren Ein­kom­men abhän­gig ist, bis zu einer Höhe von ins­ge­samt 300 EUR im Monat unbe­rück­sich­tigt bleibt. Die Vor­schrift ist bei der Prü­fung der (Un-) Fähig­keit zum Selbst­un­ter­halt eines Kin­des, für das Kin­der­geld nach § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 EStG begehrt wird, jedoch schon des­halb nicht anwend­bar, weil der Anspruch auf Kin­der­geld ori­gi­när dem Kin­der­geld­be­rech­tig­ten ‑in der Regel einem Eltern­teil- zusteht und nicht dem Kind, das wegen eines eige­nen Kin­des Eltern­geld bezieht.
In den neue­ren Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen wird das Eltern­geld in vol­lem Umfang in die Ermitt­lung der Bezü­ge eines behin­der­ten Kin­des ein­be­zo­gen [7].
BFH, Urteil vom 15.10.1999 – VI R 183/​97, BFHE 189, 442, BStBl II 2000, 72[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 14.12 2004 – VIII R 59/​02, BFH/​NV 2005, 1090[↩]
BFH, Urteil vom 04.11.2003 – VIII R 43/​02, BFHE 204, 120, BStBl II 2010, 1046; BFH, Urteil vom 11.04.2013 – III R 35/​11, BFHE 241, 499, BStBl II 2013, 1037[↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 26.11.2003 – VIII R 32/​02, BFHE 204, 454, BStBl II 2004, 588, zu Leis­tun­gen nach dem Bun­des­so­zi­al­hil­fe­ge­setz; und vom 20.03.2013 – XI R 51/​10, BFH/​NV 2013, 1088, zur Grund­si­che­rung nach §§ 41 ff. des Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch; BFH, Urteil vom 08.08.2013 – III R 30/​12, BFH/​NV 2014, 498[↩]
FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 23.05.2013 – 14 K 2164/​11 Kg[↩]
BStBl I 2009, 1033[↩]
s. zuletzt Kap. A 18.5.2 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 der Dienst­an­wei­sung zum Kin­der­geld nach dem EStG, Stand 2014, BStBl I 2014, 918; zuvor Abschn. 63.3.6.4 Abs. 3 Satz 3 i.V.m. Abschn. 31.2.4.2 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 DA-FamEStG, Stand 2012, BStBl I 2012, 739[↩]
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