Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=2%20StR%20465/95
Timestamp: 2020-03-31 00:16:19
Document Index: 64857737

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 223', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 225', '§ 225', '§ 225', '§ 225', '§ 225', '§ 225', '§ 225', 'BGH', 'BGH', '§ 13', '§ 13', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 225', 'BGH', '§ 225', '§ 225', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 225', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 225', 'BGH', '§ 225', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 223']

BGH, 06.12.1995 - 2 StR 465/95 - dejure.org
BGH, 06.12.1995 - 2 StR 465/95
https://dejure.org/1995,3099
BGH, 06.12.1995 - 2 StR 465/95 (https://dejure.org/1995,3099)
BGH, Entscheidung vom 06.12.1995 - 2 StR 465/95 (https://dejure.org/1995,3099)
BGH, Entscheidung vom 06. Dezember 1995 - 2 StR 465/95 (https://dejure.org/1995,3099)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1995,3099) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Definitin des Begriffs "Quälen" - Verwirklichung des Tatbestandsmerkmals "Quälen" durch unterlassene Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe durch die Eltern eines Kindes
StGB § 223b
NStZ-RR 1996, 197
Das Merkmal "quälen' erfordert über den Vorsatz hinaus keine besondere subjektive Beziehung des Täters zur Tat im Sinne eines Handelns aus Lust an der Schmerzzufügung, aus niedriger Gesinnung oder aus Böswilligkeit; es reicht eine Tatbegehung aus Gleichgültigkeit oder Schwäche (vgl. BGH, Urteil vom 12. September 1961 - 5 StR 329/61; Senat, Urteil vom 1. April 1969 - 1 StR 561/68; BGH, Beschluss vom 17. Januar 1991 - 4 StR 560/90, NStZ 1991, 234; BGH, Urteil vom 6. Dezember 1995 - 2 StR 465/95, NStZ-RR 1996, 29 197).
Quälen kann nach heute nahezu allgemeiner Meinung auch durch Unterlassen begangen werden (st. Rspr.; vgl. Senat, Urteil vom 1. April 1969 - 1 StR 561/68; BGH, Beschluss vom 17. Januar 1991 - 4 StR 560/90, NStZ 1991, 234; BGH, Urteile vom 30. März 1995 - 4 StR 768/94, BGHSt 41, 113, 117; vom 6. Dezember 1995 - 2 StR 465/95, NStZ-RR 1996, 197; vom 3. Juli 2003 - 4 StR 190/03, NStZ 2004, 94; vom 5. März 2008 - 2 StR 626/07, BGHSt 52, 153, 156; BGH, Beschluss vom 28. Oktober 2010 - 5 StR 411/10; vgl. auch BGH, Urteil vom 4. Juli 2002 - 3 StR 64/02 für die Variante des rohen Misshandelns;… ebenso Fischer, 62. Aufl., § 225 Rn. 8;… Hirsch in LK, 12. Aufl., § 225 Rn. 17;… Stree/Sternberg-Lieben in Schönke/Schröder, 29. Aufl., § 225 Rn. 11;… Hardtung in MüKo-StGB, 2. Aufl., § 225 Rn. 2, 15;… Momsen/Momsen-Pflanz in SSW-StGB, 2. Aufl., § 225 Rn. 12;… Eschelbach in BeckOK-StGB, § 225 Rn. 16;… Paeffgen in NK-StGB, 4. Aufl., § 225 Rn. 18).
Insbesondere wer es unterlässt, für sein Kind leidensvermindernde ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, kann dieses durch Unterlassen quälen (vgl. Senat, Urteil vom 1. April 1969 - 1 StR 561/68; BGH, Urteile vom 6. Dezember 1995 - 2 StR 465/95, NStZ-RR 1996, 197; vom 5. März 2008 - 2 StR 626/07, BGHSt 52, 153, 159; OLG Düsseldorf, NStZ 1989, 269).
Anders als bei der Variante der "rohen Misshandlung' (…vgl. hierzu im Kontext von § 13 StGB auch Weigend aaO § 13 Rn. 77) oder der "böswilligen Vernachlässigung' ist eine besondere Begehungsweise nicht vorausgesetzt (vgl. BGH, Urteil vom 6. Dezember 1995 - 2 StR 465/95, NStZ-RR 1996, 197).
BGH, 05.03.2008 - 2 StR 626/07
Verfahren wegen tödlicher Misshandlung eines geistig Behinderten muss vor dem …
Die Tätlichkeiten des Angeklagten am Abend des 6. Juli 2003 stellten eine rohe Misshandlung dar; in der sich anschließenden Untätigkeit des Angeklagten könnten ein Quälen durch Unterlassen (vgl. BGH NStZ-RR 1996, 197; NStZ 1991, 234; Urteil vom 1. April 1969 - 1 StR 561/68;… Fischer StGB 55. Aufl. § 225 Rdn. 8a am Ende) und eine böswillige Vernachlässigung der Fürsorgepflicht liegen.
Dass die Angeklagte keinen Arzt herbeirief, hätte deshalb unter den rechtlichen Gesichtspunkten des Quälens durch Unterlassen (vgl. BGH NStZ-RR 1996, 197; NStZ 1991, 234; Urteil vom 1. April 1969 - 1 StR 561/68;… Fischer a.a.O. § 225 Rdn. 8a am Ende) und der böswilligen Vernachlässigung geprüft werden müssen.
Beweiswürdigung bei der Misshandlung einer Schutzbefohlenen durch deren Eltern …
Im übrigen beanstandet die Beschwerdeführerin zu Recht, daß das Landgericht ersichtlich nicht bedacht hat, daß auch für die Unterlassungstäterschaft im Rahmen des § 225 StGB bedingter Vorsatz genügt (BGH NStZ-RR 1996, 197, 198), der sich - wenn nicht sogar eher positive Kenntnis und damit direkter Vorsatz naheliegt - hier schon deshalb aufdrängte, weil nach den getroffenen Feststellungen der Verdacht der Kindesmißhandlung bei den Arztbesuchen ausdrücklich erörtert wurde.
BGH, 07.12.2006 - 2 StR 470/06
Urteilsgründe (Weitschweifigkeit; Revisionsfestigkeit); Misshandlung von …
Es fehlt in den genannten Fällen schon an der hierfür erforderlichen Feststellung länger dauernder Schmerzen oder Leiden (vgl. BGHSt 41, 113, 115; NStZ-RR 1996, 197), die über die typischen Auswirkungen der festgestellten Körperverletzungen durch Schläge hinausgingen.
LG Kassel, 29.04.2009 - 1 (6) Ks 2620 Js 46369/05
Vorliegen eines bedingten Tötungsvorsatzes bei objektiver Lebensgefährlichkeit …
Die Tätlichkeiten des Angeklagten am Abend des 6. Juli 2003 stellten eine rohe Misshandlung dar; in der sich anschließenden Untätigkeit des Angeklagten könnten ein Quälen durch Unterlassen (vgl. BGH NStZ-RR 1996, 197 [BGH 06.12.1995 - 2 StR 465/95]; NStZ 1991, 234 [BGH 17.01.1991 - 4 StR 560/90]; Urteil vom 1. April 1969 - 1 StR 561/68;… Fischer StGB 55. Aufl. § 225 Rdn. 8 a am Ende) und eine böswillige Vernachlässigung der Fürsorgepflicht liegen.
Dass die Angeklagte keinen Arzt herbeirief, hätte deshalb unter den rechtlichen Gesichtspunkten des Quälens durch Unterlassen (vgl. BGH NStZ-RR 1996, 197 [BGH 06.12.1995 - 2 StR 465/95]; NStZ 1991, 234 [BGH 17.01.1991 - 4 StR 560/90]; Urteil vom 1. April 1969 - 1 StR 561/68;… Fischer a.a.O. § 225 Rdn. 8 a am Ende) und der böswilligen Vernachlässigung geprüft werden müssen.
LG Düsseldorf, 04.04.2017 - 7 KLs 6/13
Haftstrafen gegen drei frühere Mitarbeiter der Jugendhilfeeinrichtung EDUCON
Ebenso wenig wird Böswilligkeit vorausgesetzt (BGH NStZ-RR 96, 197).
LG Köln, 24.05.2013 - 104 Ks 19/13
Quälen im Sinne von § 225 Abs. 1 StGB bedeutet das Verursachen länger dauernder oder sich wiederholender erheblicher Schmerzen und Leiden und kann auch durch Unterlassen verwirklicht werden (BGH NStZ-RR 1996, 197).
BGH, 12.06.1997 - 5 StR 252/97
Fürsorgepflichtverletzung durch Quälen oder rohes Misshandeln durch Unterlassen - …
Zwar können die Alternativen des Quälens und des rohen Mißhandelns auch durch Unterlassen verwirklicht werden (BGH NStZ 1991, 234; BGHR StGB § 223 b Handlungen 2).