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Timestamp: 2017-06-22 22:59:14
Document Index: 166434302

Matched Legal Cases: ['Art. 31', 'Art. 38', 'Art. 37', 'Art. 31', 'Art. 37', 'Art. 31', 'Art. 31', 'Art. 37', 'Art. 31', 'Art.14', 'Art. 31', 'Art. 3']

REACH Praxisführer zur Expositionsbewertung und zur Kommunikation in den Lieferketten Teil III: REACH und Gemische - PDF
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1 REACH Praxisführer zur Expositionsbewertung und zur Kommunikation in den Lieferketten Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Copyright Copyright bei CEFIC (AISBL) und VCI e.v. Vervielfältigung ist erlaubt, außer für kommerzielle Zwecke, unter der Voraussetzung, dass die Quelle erwähnt und angegeben wird. CEFIC und VCI beanspruchen keine Urheberrechte auf irgendein offizielles Dokument, etwa die REACH Leitlinien (deren Inhalte in dieser Veröffentlichung genutzt werden könnten) oder auf Informationen, die von den EU-Institutionen und der ECHA zur Verfügung gestellt wurden. Haftungsausschluss Die Angaben in diesem REACH Leitfaden sind ausschließlich als Hilfestellung gedacht. Die Angaben wurden nach bestem Wissen erstellt und auf der Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen. Ihre Nutzung geschieht auf eigene Verantwortung. Es werden keine Verantwortung und keine Garantie übernommen für die Vollständigkeit, Aktualität und Richtigkeit der Angaben. Es wird keine Haftung übernommen für Schädigungen jedweder Art, die durch die Nutzung der Angaben oder durch das Vertrauen auf diese Angaben entstanden sind. Dies gilt nicht, wenn die Schäden von CEFIC oder vom VCI oder seinen Erfüllungsgehilfen vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht wurden.2 Wichtige Hinweise für den Leser Dieses Dokument wurde von einer Arbeitsgruppe des VCI erstellt als Teil des gemeinsamen VCI/CEFIC-Projektes, Instrumente und Leitfäden für die Industrie zu entwickeln. Es bezieht sich auf Stoffsicherheitsbeurteilungen, Stoffsicherheitsberichte und Expositionsszenarien. Das vorliegende Dokument ist Teil III des REACH Praxisführers zur Expositionsbeurteilung und zur Kommunikation in den Lieferketten. Es beschreibt den Stand der Entwicklungen zum 1. Quartal Viele dieser Themen sind weiterhin in der Entwicklung, sowohl innerhalb der Industrie als auch bei der Europäischen Chemikalienagentur ECHA. Dieser Leitfaden ist daher nicht als abgeschlossen zu betrachten, sondern gibt einen Überblick über den aktuellen Stand. Der Praxisführer besteht aus fünf Teilen. Eine Übersicht finden Sie im Vorwort zu Teil I. Eine Beschreibung von Gliederung und Inhalten des Praxisführers steht auf der folgenden Internetseite zur Verfügung: VCI: Alle zugehörigen Materialien können von dieser Seite heruntergeladen werden. Sie finden hier zusätzlich Hinweise zu verwandten Themen und neuen Entwicklungen. Die englischsprachigen Veröffentlichungen zum Praxisführer finden Sie auf der folgenden Internet-Seite: CEFIC:3 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische REACH Praxisführer zur Expositionsbeurteilung und zur Kommunikation in den Lieferketten Teil 3: REACH und Gemische Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung 1 2 Gemische in Lieferketten 1 3 REACH-Pflichten für Akteure, die mit Stoffen in Gemischen und mit Gemischen umgehen 4 4 Formulierer und REACH Aufgaben für Formulierer, die unter REACH bestehen bleiben Neue Verpflichtungen für Formulierer unter REACH Tipps um die REACH Verpflichtungen leichter zu erfüllen Informationen, die der Formulierer für die Risikobeschreibung von Stoffen in Gemischen zur Verfügung stellen sollte 14 5 Expositionsszenarien für Gemische 16 6 Die Erarbeitung von Expositionsszenarien und erweiterten Sicherheitsdatenblättern für Gemische Der Arbeitsprozess und die wesentlichen Schritte Zusammenstellen von Daten aus stoffbezogenen Expositionsszenarien Veränderung stoffspezifischer Expositionsszenarien 25 7 Identifizierung der Leitsubstanzen Einleitung DPD+ Methodik Ablaufschema zur Identifizierung von Leitsubstanzen basierend auf der DPD+ Methode 34 8 Vertiefte Bewertung von Gemischen Spezifische intrinsische Eigenschaften von Stoffen Spezifische Verwendungsbedingungen Wechselwirkungen zwischen Stoffen eines Gemisches 40 III4 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische 9 IT Unterstützung zur Erstellung von Sicherheitsdatenblättern von Gemischen Stoffsicherheitsbeurteilungen nachgeschalteter Anwender für Gemische Unterschiede zwischen den Eigenschaften eines Gemisches und den Eigenschaften seiner Ausgangsstoffe Glossar 51 Anhang I: Konzentrationsgrenzwerte für Stoffe in Gemischen gemäß REACH Art Annex II: Aufnahme von Informationen aus dem Expositionsszenario in den Hauptteil des Sicherheitsdatenblattes 56 Anhang III: Das einfache Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe (EMKG) 62 IV5 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai Einleitung Die sichere Verwendung von Chemikalien ist eines der Hauptziele von REACH. Stoffsicherheitsbeurteilungen von Stoffen sind daher von zentraler Bedeutung. In ihnen wird der gesamte Lebenszyklus eines Stoffes bewertet. In sehr vielen Fällen werden Stoffe während ihres Lebenszyklus in Gemischen eingesetzt. Daher ist auch diese Verwendung in den Stoffsicherheitsbeurteilungen mitzubetrachten. Der Einsatz eines Stoffes in einem Gemisch führt oft zu Veränderungen bei den Verwendungsbedingungen. Dies kann dazu führen, dass für das Gemisch andere technischen Anwendungsbedingungen gelten und andere Risikomanagement-Maßnahmen erforderlich sind als für die einzelnen Stoffe. Die meisten chemischen Produkte sind Gemische. Sie werden in der Regel aus Rohstoffen oder auch direkt hergestellt, um dabei gezielt bestimmte Eigenschaften und Effekte der Rohstoffe zu ändern oder um spezifische Effekte des Gemisches zu erzielen. Gemische können aus Stoffen oder anderen Gemischen hergestellt werden, oft sind sie auch direkt das Ergebnis eines Produktionsprozesses (etwa wenn ein Stoff in einer Lösung hergestellt wird). In den folgenden Kapiteln werden die Aufgaben und Verpflichtungen dargestellt, die sich unter REACH für die verschiedenen Akteure ergeben, die mit Gemischen zu tun haben. 2 Gemische in Lieferketten Abbildung 1 zeigt eine typische Lieferkette für Gemische. Sie beginnt mit der Herstellung der Stoffe, die als Rohstoffe für das Gemisch eingesetzt werden, und endet mit dem Endanwender, der das Gemisch in einer industriellen oder gewerblichen Anwendung einsetzt. Einzelheiten der Struktur dieser Lieferkette können sich im konkreten Fall für verschiedene Gemische unterscheiden. Die Lieferkette kann länger oder kürzer sein. Zwischen den Einzelschritten werden in vielen Fällen Händler beteiligt sein. Die Hauptelemente der Abbildung 1 werden aber für die meisten Gemische zutreffend sein 1. Die unterschiedlichen Akteure, die in Abbildung 1 gezeigt werden, haben bezogen auf Gemische verschiedene Aufgaben unter REACH: Hersteller von Stoffen müssen die Stoffe registrieren und Stoffsicherheitsberichte für Stoffe erstellen, die sie in Mengen von 10 Tonnen / Jahr oder mehr pro Registrant herstellen. 1 Um die Abbildung übersichtlich zu halten, sind Importeure von Stoffen und Gemischen nicht eingezeichnet worden. Ihre Rolle und ihre Aufgaben werden im Einzelnen beschrieben in Kapitel 15, S.126ff der ECHA Leitlinie für Nachgeschaltete Anwender. 16 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Formulierer stellen Gemische her aus Stoffen oder Gemischen. Wenn sie selber keine Stoffe herstellen oder importieren, sind sie unter REACH ausschließlich nachgeschaltete Anwender. Gemische, die der erste Formulierer in der Lieferkette hergestellt hat, können von einem weiteren Formulierer als Ausgangsmaterial für seine Gemische verwendet werden. Daher treten in Lieferketten oft mehrere Formulierer auf, bevor das fertige Gemisch an den Endanwender geliefert wird 2. Endanwender chemischer Produkte. Sie verwenden Gemische in industriellen oder professionellen Anwendungen und haben spezielle Verpflichtungen unter REACH (im Gegensatz zu privaten Anwendern, die unter REACH nicht als nachgeschaltete Anwender gelten). Händler können in Lieferketten an mehreren Stellen tätig werden, sie gelten nicht als nachgeschaltete Anwender. 2 Private Anwender werden unter REACH nicht als nachgeschaltete Anwender betrachtet. 27 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Abbildung 1 Lieferketten und Gemische 38 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische 3 REACH-Pflichten für Akteure, die mit Stoffen in Gemischen und mit Gemischen umgehen Die REACH-Pflichten sind unterschiedlich für Stoffhersteller, Formulierer und Endanwender und werden in diesem Kapitel im Detail beschrieben. Hierzu ist es hilfreich, sich vorab einen Überblick zu verschaffen, welche Dokumente für als gefährlich eingestufte Stoffe und welche Dokumente für Gemische von den verschiedenen Akteuren erwartet werden können, die in Lieferketten mit Gemischen umgehen. (Bitte beachten Sie: Nicht alle der nachfolgend aufgeführten Dokumente sind für jeden Stoff verpflichtend. Als Beispiel: Stoffsicherheitsberichte sind nur erforderlich für registrierungspflichtige Stoffe, die jährlich in einer Menge von 10 Tonnen oder mehr pro Registrant hergestellt werden; Stoffsicherheitsberichte von nachgeschalteten Anwendern sind nur erforderlich für Verwendungen, die nicht vom Expositionsszenario des Lieferanten abgedeckt werden und für die keine Ausnahmen geltend gemacht werden können. REACH-Dokumente, die der Hersteller / Importeur (H/I) für die Registrierung eines gefährlichen Stoffes erstellen muss. Registrierungsdossier. Stoffsicherheitsbericht 3 (CSR), in dem die Ergebnisse der Stoffsicherheitsbeurteilung (CSA) des Stoffes dokumentiert werden. Der Stoffsicherheitsbericht ist Teil des Registrierungsdossiers. Expositionsszenarien (ES) für die identifizierten Verwendungen eines Stoffes (sie sind Teil des Stoffsicherheitsberichtes). Erweiterte Sicherheitsdatenblätter (esdb), mit einem Expositionsszenarium oder mehreren Expositionsszenarien als Anhang, falls der Stoff in Europa auf den Markt gebracht wird. REACH-Dokumente, die gegebenenfalls von nachgeschalteten Anwendern erstellt oder weitergeleitet werden für Gemische, die als gefährlich eingestuft werden: Erweitertes Sicherheitsdatenblatt für das Gemisch. Expositionsszenarien für Stoffe im Gemisch, falls erforderlich gemäß REACH Art und/oder REACH Art Expositionsszenario für das Gemisch als Ergebnis einer eigenen Bewertung oder als Möglichkeit für die Gestaltung des erweiterten Sicherheitsdatenblattes des nachgeschalteten Anwenders für das Gemisch (Möglichkeit gemäß REACH Art. 31.2) 3 Der Stoffsicherheitsbericht ist erforderlich für registrierungspflichtige Stoffe, die jährlich in einer Menge von 10 Tonnen oder mehr pro Registrierer hergestellt werden. Er ist Teil des Registrierungsdossiers. 49 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Meldung des nachgeschalteten Anwenders an die europäische Chemikalienagentur (ECHA) über Verwendungen, die nicht abgedeckt sind durch das Expositionsszenario, das der nachgeschaltete Anwender von seinem Lieferanten erhalten hat (entsprechend REACH Art. 38). Stoffsicherheitsbericht des nachgeschalteten Anwenders (DU CSR) für einen oder mehrere als gefährlich eingestufte(n) Stoff(e) im Gemisch (entsprechend REACH Art. 37.4), wenn die Verwendung nicht durch das Expositionsszenario des Lieferanten abgedeckt ist oder der Lieferant von der Verwendung abrät. Stoffsicherheitsbericht des nachgeschalteten Anwenders (DU CSR) für das Gemisch (REACH Art. 31.2) 4 (als Möglichkeit, nicht verpflichtend). Fast alle REACH-Verpflichtungen beziehen sich auf Stoffe als solche oder auf Stoffe in einem Gemisch aber nicht auf Gemische als solche. Gemische werden direkt angesprochen in Titel IV von REACH. Hier werden Verpflichtungen zur Kommunikation in den Lieferketten festgesetzt. Diese beinhalten auch Sicherheitsdatenblätter für Gemische. Für Akteure, die mit Gemischen umgehen, sind drei Verpflichtungen durch REACH von hoher Bedeutung: 1. Die Stoffsicherheitsbeurteilung von Stoffen (Hersteller / Importeur) Die Stoffsicherheitsbeurteilung muss die Herstellung des Stoffes und alle identifizierten Verwendungen während des gesamten Lebenszyklus des Stoffes umfassen. Hierzu gehört auch die Verwendung in Gemischen (REACH Art und Anhang I). Diese Anforderung gilt nur für Hersteller und Importeure, die Stoffe registrieren. (In besonderen Fällen kann es sein, dass auch nachgeschaltete Anwender eigene Stoffsicherheitsberichte erstellen, falls ihre Verwendungen nicht von den Expositionsszenarien ihrer Lieferanten abgedeckt werden siehe Teil I des Praxisführers, Kapitel 4, 5 und 7). Im Kapitel 4.4 gehen wir auf die Frage ein, wie der Registrant im Rahmen seiner Stoffsicherheitsbeurteilung berücksichtigen kann, dass sein Stoff in Gemischen verwendet wird. 2. Überprüfung des nachgeschalteten Anwenders (NA), ob seine Verwendungen im Expositionsszenario abgedeckt sind Jeder nachgeschaltete Anwender eines Stoffes oder eines Gemisches in der gesamten Lieferkette hat die Verpflichtung zu überprüfen, ob seine Verwendung (und ggf. die Verwen- 4 REACH Art legt fest, in welchen Fällen ein Stoffsicherheitsbericht eines nachgeschalteten Anwenders nicht erforderlich ist (für Einzelheiten siehe REACH Praxisführer Teil I, Kapitel 7.3). 510 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische dungen seiner Kunden) abgedeckt werden durch die Expositionsszenarien, die er erhalten hat (siehe Abbildung 2). Dies schließt den ersten Formulierer, der das Gemisch 1 herstellt, genauso ein wie die nachfolgenden Formulierer und letztlich den Endanwender des fertigen Gemisches. Der nachgeschaltete Anwender muss prüfen, ob er die Verwendungsbedingungen erfüllt, die im Expositionsszenario beschrieben sind, das er erhalten hat (REACH Art. 37.4) (In den Abbildungen wird dies Überprüfung der Verwendungsbedingungen genannt. Im Englischen wird diese Aufgabe abgekürzt als DU compliance check. Dieser Überprüfungsschritt hat nichts zu tun mit dem sogenannten Compliance Check der Europäischen Chemikalienagentur, der sich auf die Registrierungsdossiers bezieht). Der nachgeschaltete Anwender hat vier Möglichkeiten, wenn seine Verwendung nicht abgedeckt ist und er die Verwendungsbedingungen aus dem Expositionsszenario nicht umsetzen kann: Kontakt mit dem Lieferanten, damit er seine Verwendung im Expositionsszenario berücksichtigt; Erarbeitung einer eigenen Stoffsicherheitsbeurteilung; Wechsel des Lieferanten; Einsatz eines Ersatzstoffes. Im Detail werden die Überprüfung, ob die Verwendung des Anwenders abgedeckt ist, die sich hieraus ergebenden Konsequenzen und zugehörige Fristen beschrieben im Teil I des Praxisführers, in den Kapiteln 7.2 und Einbeziehung von Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB) (H/I, NA)) Jeder nachgeschaltete Anwender bezieht bei der Erstellung seines eigenen Sicherheitsdatenblattes für identifizierte Verwendungen die einschlägigen Expositionsszenarien aus den ihm zur Verfügung gestellten Sicherheitsdatenblättern ein und nutzt sonstige einschlägige Informationen aus diesen Sicherheitsdatenblättern (REACH Art. 31.7, 2. Satz). Diese Anforderung gilt für jeden, der Sicherheitsdatenblätter erhält und der dann selber für seinen Stoff bzw. sein Gemisch ein Sicherheitsdatenblatt erstellen muss für die identifizierten Verwendungen. Dies gilt daher auch für Formulierer, die Gemische herstellen und sie zusammen mit den zugehörigen Sicherheitsdatenblättern an ihre Kunden verkaufen. Die nachfolgende Abbildung 2 beschreibt die in diesem Zusammenhang wesentlichen Aufgaben für den Formulierer und für den Endanwender des Gemisches. 5 Der nachgeschaltete Anwender hat sechs Monate Zeit, die Meldung über nicht abgedeckte Verwendungen zu erstellen und an die ECHA zu senden. Er hat ein Jahr Zeit, um seine eigene Stoffsicherheitsbeurteilung durchzuführen (in beiden Fällen beginnt diese Zeitspanne mit dem Erhalt eines Sicherheitsdatenblattes mit einer Registrierungsnummer und einem Expositionsszenario). 611 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Die Endanwender des Gemisches selber erstellen keine Sicherheitsdatenblätter mehr. Für sie stellt sich die Aufgabe des Einbezugs von Informationen in Sicherheitsdatenblätter daher nicht. Abbildung 3 zeigt die Aufgaben, die mit der Erstellung eines Sicherheitsdatenblattes für Gemische verbunden sind. Sie werden im Detail in Kapitel 6 beschrieben. Abbildung 2 Zentrale Aufgaben für Formulierer und Endanwender, wenn sie Sicherheitsdatenblätter erhalten und erstellen. Beide Akteure müssen die Anwendungsbedingungen und Risikomanagement- Maßnahmen implementieren, die sich auf ihre eigenen Verwendungen beziehen. Die untere Hälfte der Abbildungen zeigt drei verschiedene Möglichkeiten, Informationen aus Sicherheitsdatenblättern von Rohstoffen in das Sicherheitsdatenblatt des Gemisches einzubeziehen. Dies wird detailliert in Kapitel 5 beschrieben. 712 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Abbildung 3 Zentrale Aufgaben für einen nachgeschalteten Anwender bei der Erstellung des Sicherheitsdatenblattes für ein Gemisch. Die untere Hälfte der Abbildung zeigt drei Möglichkeiten, Informationen aus den Sicherheitsdatenblättern der Rohstoffe in das Sicherheitsdatenblatt des Gemisches einzubeziehen. Ein Hinweis für die zweite Möglichkeit: es kann erforderlich sein, Expositionsszenarien zu modifizieren, bevor sie weitergeleitet werden können. Einzelheiten werden in Kapitel 5 beschrieben. 813 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai Formulierer und REACH Formulierer, die Gemische aus Rohstoffen herstellen, aber selber keine Stoffe importieren oder herstellen, sind unter REACH nachgeschaltete Anwender. Daher müssen sie die Pflichten erfüllen, die REACH für nachgeschaltete Anwender festlegt. Einige dieser Verpflichtungen gelten für alle nachgeschalteten Anwender, unabhängig davon, ob es sich um Formulierer oder um Anwender von Gemischen handelt. Einige Anforderungen gelten spezifisch für Formulierer. 4.1 Aufgaben für Formulierer, die unter REACH bestehen bleiben Formulierer, die aus Rohstoffen (Stoffen und Gemischen) Gemische herstellen, haben in den Lieferketten folgende spezifische Aufgaben und Verpflichtungen: Einstufung und Kennzeichnung des Gemisches: Bewertung der gefährlichen Eigenschaften des Gemisches und Beschreibung der Anwendungsbedingungen und Risikomanagement-Maßnahmen, die für einen sicheren Umgang mit den Produkten erforderlich sind 6. Überprüfung der Beurteilung der gefährlichen Eigenschaften, sobald sie neue Informationen über die Stoffe erhalten. Erstellung von Sicherheitsdatenblättern für die Produkte, wenn sie an Kunden weitergegeben werden. Diese Sicherheitsdatenblätter sollen alle Informationen enthalten, die erforderlich sind, um mit den Gemischen sicher umzugehen. Wie bereits vor REACH, sind auch unter REACH Sicherheitsdatenblätter für Gemische nur erforderlich, falls die Gemische gemäß der Zubereitungsrichtlinie (REACH Art (a)) als gefährlich eingestuft werden. Zusätzlich werden Sicherheitsdatenblätter erforderlich für Gemische, die wenigstens einen als gefährlich eingestuften Stoff enthalten oder einen PBT / vpvb 7 Stoff in einer Konzentration über den Konzentrationsgrenzwerten, die in REACH Art festgelegt werden, und für Gemische, die einen Stoff enthalten, für den es einen gemeinschaftlichen Grenzwert für die Exposition am Arbeitsplatz gibt. 8 (Hinweis: Die Bewertung der PBT Eigenschaften ist eine neue Anforderung, die in REACH festgelegt wird). Außerdem gilt, dass Sicherheitsdatenblätter nicht erstellt werden müssen für gefährliche Stoffe oder Gemische, die der breiten Öffentlichkeit angeboten oder verkauft werden wenn Die Zubereitungsrichtlinie (DPD, Dangerous Preparations Directive) und die CLP-Verordnung legen die rechtlichen Verpflichtungen zur Bewertung der gefährlichen Eigenschaften von Gemischen fest, unabhängig von REACH. PBT: persistent, bioakkumulierbar und toxisch; vpvb: sehr persistent und sehr bioakkumulierbar REACH Art bezieht sich auf Sicherheitsdatenblätter, die auf Verlangen des Abnehmers hin erstellt werden. 914 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische sie mit ausreichenden Informationen versehen sind, die es dem Anwender ermöglichen, mit ihnen sicher umzugehen (REACH Art. 31.4). 4.2 Neue Verpflichtungen für Formulierer unter REACH REACH legt für Formulierer neue Pflichten fest und führt bei einigen bereits vorher bestehenden, jetzt fortgeführten Verpflichtungen zu teilweisen Änderungen. Formulierer müssen überprüfen, ob ihre Verwendungen und die ihrer Kunden von den Expositionsszenarien abgedeckt werden, die sie von ihren Lieferanten erhalten haben. Die erweiterten Sicherheitsdatenblätter, die Formulierer erhalten, werden in naher Zukunft Expositionsszenarien enthalten. Hiermit verbunden ist für Formulierer die neue Aufgabe, zu prüfen, ob ihre Verwendungen und die Verwendungen ihrer Kunden von den Expositionsszenarien abgedeckt werden (dies wird genauer beschrieben im Teil I des Praxisführers, in den Kapiteln 7 und 7.2). Falls die Angaben im Expositionsszenario nicht mit den Verwendungsbedingungen der identifizierten Verwendungen zusammenpassen, kann die Expositionssituation beim Formulierer und seinen Kunden deutlich anders sein als im Expositionsszenario beschrieben. Eine sichere Verwendung ist dann nicht garantiert. Wenn die Expositionsszenarien der Stoffe die Verwendung des Gemisches nicht abdecken, hat der Formulierer verschiedene Möglichkeiten. In jedem Falle muss wenigsten ein Akteur der Lieferkette eine Expositionsbeurteilung vornehmen, eine Risikobeschreibung durchzuführen und Bedingungen für eine sichere Verwendung zu identifizieren. Der nachgeschaltete Anwender hat allerdings auch das Recht, seine Verwendung dem Lieferanten mitzuteilen, damit sie zu einer identifizierten Verwendung wird (REACH Artikel 37.2.) 9 Formulierer werden unter REACH mehr Informationen über ihre Stoffe erhalten. Sie müssen überprüfen, ob sich Einstufung und Kennzeichnung geändert haben. Die Sicherheitsdatenblätter müssen in jedem Fall überarbeitet werden, um den neuen Anforderungen von REACH Anhang II und der Einstufung gemäß der CLP-Verordnung zu genügen. Die Registrierung von Stoffen wird zu zusätzlichen Informationen zu den gefährlichen Eigenschaften der Stoffe führen. Die Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen kann sich ändern entweder aufgrund dieser neuen Informationen oder aufgrund der Änderung der Gesetzeslage (zur CLP-Verordnung siehe auch Teil I des Praxisführers, Kapitel 2.6). 9 Aus Gründen des Schutzes der menschlichen Gesundheit oder der Umwelt kann der Registrant entscheiden, eine identifizierte Verwendung nicht einzubeziehen (REACH Art. 37.3). In diesem Falle unterrichtet er die ECHA und den nachgeschalteten Anwender schriftlich über die Gründe und beliefert den Anwender nicht mit dem Stoff, ohne ihm die Gründe mitzuteilen. 1015 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 In den Lieferketten werden in größerem Umfang als bisher Informationen zur sicheren Verwendung der Stoffe kommuniziert werden. Hierzu gehören insbesondere stoffspezifische Grenzwerte (PNECs, DNELs). In zunehmendem Maße werden Sicherheitsdatenblätter für Stoffe Expositionsszenarien als Anhänge haben, die sichere Verwendungsbedingungen beschreiben. Zu einem späteren Zeitpunkt werden dann erweiterte Sicherheitsdatenblätter mitgeliefert werden für Gemische, die als gefährlich eingestuft sind. Wenn Formulierer Sicherheitsdatenblätter für ihre Produkte erstellen, müssen sie die einschlägigen Informationen aus den Expositionsszenarien, die sie erhalten haben, einbeziehen und auch andere einschlägige Informationen aus den erhaltenen Sicherheitsdatenblättern nutzen. (REACH Art. 31.7). Diese Anforderung gilt für alle Akteure der Lieferkette, die Sicherheitsdatenblätter erstellen müssen. Sie ist insbesondere für die Formulierer wichtig, da sie mit Informationen zu allen Stoffen zu tun haben, die sie für ihre Produkte einsetzen. Das Kapitel 5 geht auf die Frage ein, wie Informationen aus Expositionsszenarien für Stoffe berücksichtigt werden können bei der Erstellung des erweiterten Sicherheitsdatenblattes für das Gemisch. 4.3 Tipps um die REACH Verpflichtungen leichter zu erfüllen Führen Sie eine Überprüfung, ob Ihre Verwendungen abgedeckt sind, nur dann durch, wenn die Konzentration des Stoffes im Gemisch die Konzentrationsgrenzen übersteigt, die in REACH Art genannt sind. Wenn Sie für ein Gemisch ein erweitertes Sicherheitsdatenblatt erstellen: Konzentrieren Sie sich auf die relevanten Inhaltsstoffe und nutzen Sie dafür die Abschneidekonzentrationen, die in REACH Art genannt sind.! Im Allgemeinen muss für Stoffe in Gemischen keine Stoffsicherheitsbeurteilung durchgeführt werden, wenn ihre Konzentration unter 0,1% liegt (z.b. Stoffe, die gekennzeichnet sind als T+, T, CMR Kat 1 oder 2, N) oder unter 1% (Stoffe, die gekennzeichnet sind als Xn, C, Xi sensibilisierend, CMR Kat.3) (Art.14.2)! Es gibt Ausnahmen von dieser Regel: Für bestimmte Stoffe können spezifische Konzentrationsgrenzen festgelegt sein in der Zubereitungsrichtlinie (Richtlinie 1999/45/EC) oder in der CLP Verordnung ((EC) No. 1272/2008). (Die CLP- Verordnung beinhaltet auch das Einstufungs- und Kennzeichnungsverzeichnis). In diesen Fällen ist keine Stoffsicherheitsbeurteilung erforderlich, wenn die Konzentration des Stoffes im Gemisch niedriger ist als die niedrigste stoff-spezifische Konzentrationsgrenze (siehe REACH Art und Anhang I dieses Leitfadens). 1116 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Konzentrieren Sie sich für die einzelnen Expositionspfade auf die jeweiligen Leitsubstanzen im Gemisch dies ist genauer beschrieben im Kapitel 7 dieses Leitfadens. Entscheiden Sie, wenn Sie mehrere Expositionsszenarien für einen Stoff erhalten haben, welche hiervon für Ihre Verwendung und für die Verwendung des Gemisches, das sie verkaufen, von Bedeutung ist. Entscheiden Sie, ob für das Gemisch ein neues Expositionsszenario notwendig oder angemessener ist. Hinweis: Zu Beginn wird der nachgeschaltete Anwender nicht alle Informationen verfügbar haben, da erweiterte Sicherheitsdatenblätter erst nach und nach im Laufe der Registrierung der Stoffe erstellt werden. Es wird zunächst eine Einzelfallentscheidung sein, wann eine Überarbeitung eines Sicherheitsdatenblattes aufgrund neuer Informationen sinnvoll ist. Stoffbezogene Informationen sollten vom Lieferanten sorgfältig bewertet und zusammengestellt werden. Wenn derselbe Stoff von mehreren Lieferanten bereitgestellt wird, sollten Einstufung, Kenzeichnung und Angaben zu den gefährlichen Eigenschaften (DNEL-Werte, PNEC-Werte) identisch sein. In der Praxis ist das derzeit oft nicht der Fall; aufgrund der gemeinsamen Registrierung ist anzunehmen, dass sich die Situation verbessern wird). Eine sorgfältige Prüfung ist erforderlich, wenn Informationen vom nächsten Akteur in der Lieferkette für eigene Bewertungen weiterverwendet werden (siehe hierzu auch Kapitel 9.2). Eine Plausibilitätsprüfung der erhaltenen Daten in den Expositionsszenarien der Rohstoffe Stoffe und Gemische ist für den nachgeschalteten Anwender sehr wichtig und Teil der rechtlichen Verpflichtungen, die in der Zubereitungsrichtlinie bzw. in der CLP Verordnung für die Bewertung von Gemischen festgesetzt sind. In Kapiteln 15 des Sicherheitsdatenblattes ist anzugeben, ob ein Stoffsicherheitsbericht erstellt wurde oder nicht. Zusätzlich sollte ein Hinweis erfolgen, ob ein Expositionsszenario erstellt wurde. Bei Gemischen ist es für die weitere Nutzung der Informationen in der Lieferkette sinnvoll, darüber hinaus genauer anzugeben, für welche Stoffe im Gemisch Stoffsicherheitsberichte und Expositionsszenarien erstellt wurden (oder ob diese Dokumente für das Gemisch als solches erarbeitet wurden). Informationen in Expositionsszenarien für Stoffe, die als Rohstoffe für Gemische verwendet werden, sollten in Form von Modulen strukturiert werden. Das hilft dem nachfolgenden Formulierer, die Informationen auszuwählen, die für das Expositionsszenario des Gemisches wichtig sind. Die Expositionsszenarien der Stoffe sollten die Verwendung der Stoffe in Gemischen bereits abdecken. 1217 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Die Registranten sollten Hinweise und Hilfestellungen geben, wie Formulierer zeigen können, dass eine Verwendung in Gemischen abgedeckt ist, auch wenn einzelne Anwendungsbedingungen der Anwender vom Expositionsszenario abweichen (die Anwendung einfacher Rechenoperationen zur Anpassung von Expositionsabschätzungen wird im Englischen als Scaling bezeichnet. Das Vorgehen ist näher beschrieben im Teil I des Praxisführers, im Kapitel 7.7). Die Eingangsgrößen, die für die Expositionsabschätzung im Expositionsszenario verwendet wurden, die angewandte Methodik und die Ergebnisse sollten in einer nachvollziehbaren Weise dokumentiert werden. Dies erleichtert es dem nachfolgenden Anwender zu überprüfen, ob seine Verwendungen im Expositionsszenario seines Lieferanten abgedeckt sind. Im Expositionsszenario kann auch ein Hinweis auf eine Internetseite gegeben werden, wo diese Daten verfügbar sind (siehe z.b. In Expositionsszenarien von Gemischen sollte klar angegeben werden, welche Stoffe des Gemisches die risikobestimmenden Komponenten sind, die auch die entsprechenden Risikomanagement-Maßnahmen bedingen. Dies sollte für die einzelnen Expositionspfade geschehen, die mit den zugehörigen Risikoquotienten im Expositionsszenario aufgeführt werden sollten. Letzteres ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber eine notwendige Voraussetzung, damit nachgeschaltete Anwender überprüfen können, ob ihre Verwendungen abgedeckt sind, und um in der Lieferkette nachfolgende Bewertungen von Gemischen vornehmen zu können. Diese Informationen können im Standardformat für Expositionsszenarien im Abschnitt 3 gegeben werden ( Informationen zur Vorhersage der Exposition, siehe hierzu auch Teil II des Praxisführers, Kapitel 9.2). In Expositionsszenarien für Stoffe sollten nicht alle Informationen aus der Expositionsabschätzung genannt werden, sondern nur die, die für den nachgeschalteten Anwender wichtig sind, um die Stoffe sicher zu verwenden und die Überprüfung seiner Anwendungsbedingungen vorzunehmen. Wenn in Einzelfällen zusätzliche Informationen aus dem Stoffsicherheitsbericht gebraucht werden, können sie auf einer öffentlich zugänglichen Internetseite zur Verfügung gestellt werden (siehe z.b18 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische 4.4 Informationen, die der Formulierer für die Risikobeschreibung von Stoffen in Gemischen zur Verfügung stellen sollte Die Stoffsicherheitsbeurteilung eines Stoffes sollte dessen gesamten Lebenszyklus umfassen. In ihr sind die verschiedenen Expositionswege, die Anwendungsbedingungen und die Risikomanagement-Maßnahmen zu berücksichtigen, die in den identifizierten Verwendungen angewendet werden. In sehr vielen Fällen wird ein registrierter Stoff von Formulierern eingesetzt werden, um Gemische zu produzieren. Im Allgemeinen kennt der Stoffhersteller nicht die Rezepturen der Gemische, in denen sein Stoff später in der Lieferkette von nachgeschalteten Anwendern verwendet wird. Daher kann er in seiner Stoffsicherheitsbeurteilung mögliche Änderungen der Expositionssituation, die sich durch den Einsatz des Stoffes in Gemischen ergeben, nicht berücksichtigen. In der Regel wird der Registrant die Verwendung des Stoffes in Gemischen in erster Linie als Verdünnung des Stoffes durch andere Bestandteile des Gemisches betrachten. Abgesehen von dem Verdünnungseffekt wird er davon ausgehen, dass die Stoffe inert sind und nicht miteinander reagieren. Wenn im Gemisch Stoffe mit gleichen gefährlichen Eigenschaften oder gleichen Wirkungen zusammengebracht werden, sind synergistische (verstärkende) oder antagonistische (abschwächende) Wirkungen bei der Bewertung des Gemisches zu berücksichtigen, wie es z.b. in der Zubereitungsrichtlinie beschrieben ist. Wenn der Stoffhersteller von diesen Wirkungen nichts weiß (was oft der Fall ist), kann er solche Effekte bei der Stoffsicherheitsbeurteilung nicht berücksichtigen. Dann ist es die Aufgabe des Formulierers, seine spezifischen Kenntnisse der Eigenschaften des Gemisches in die Bewertung des Gemisches einzubringen. Wenn hingegen für spezifische Verwendungen allgemein bekannt ist, dass die Stoffe sich im Gemisch anders verhalten (synergistisch oder antagonistisch), sollte dies bereits vom Stoffhersteller in der Stoffsicherheitsbeurteilung berücksichtigt werden. Beispiele hierfür sind die Zunahme der Löslichkeit eines Stoffes in einem Gemisch, das Lösungsvermittler (Carrier) enthält, und die Abnahme des Sensibilisierungspotenzials in Gemischen, die verschiedene oberflächenaktive Stoffe enthalten. In den meisten Fällen werden diese Änderungen der Eigenschaften vom Formulierer beabsichtigt. Sie werden genutzt, um bestimmte funktionale Eigenschaften des Gemisches zu erreichen. Wenn solche Veränderungen der Eigenschaften vorhersehbar sind und sie die Expositionssituation beeinflussen, sollte der Formulierer seinen Lieferanten hierüber informieren. In diesem Falle kann der Registrant diese Eigenschaftsänderungen in der Stoffsicherheitsbeurteilung der Rohstoffe des Gemisches berücksichtigen. Im Folgenden geben wir einige Empfehlungen, die diesen Austausch zwischen den Lieferanten der Rohstoffe und den Formulierern erleichtern können: 1419 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Expositionsszenarien für Stoffe, die in Gemischen eingesetzt werden, sollten Informationen enthalten, welcher Konzentrationsbereich durch das Expositionsszenario abgedeckt wird. Im Expositionsszenario können für unterschiedliche Konzentrationsbereiche spezifische Verwendungsbedingungen beschrieben werden. Hierdurch wird sichergestellt, dass das Expositionsszenario einen breiten Anwendungsbereich der Stoffe in unterschiedlichen Gemischen abdeckt. Es sollte darüber hinaus deutlich gemacht werden, dass diese Angaben sich nur auf Gemische beziehen, in denen die anderen Bestandteile keine verändernde Wirkung auf die Exposition durch das Gemisch haben. Bestimmte Eigenschaften des Gemisches müssen direkt am Gemisch bestimmt werden (z.b. Entflammbarkeit). Vom Ergebnis dieser Tests hängt dann ab, welche Risikomanagement-Maßnahmen für das Gemisch erforderlich sind. Für diese Fälle können, je nachdem, wie der Test ausfällt, bereits im Expositionsszenario der Stoffe, die in solchen Gemischen verwendet werden, unterschiedliche Risikomanagement-Maßnahmen angegeben werden. Die Einstufung eines Gemisches ist in vielen Fällen anders als die Einstufung seiner Inhaltsstoffe (z.b. wird ein Gemisch, das 2% Diethylether enthält, nicht als entzündlich eingestuft, während Ethylether als Stoff als hochentzündlich eingestuft ist). Der Lieferant eines Stoffes kann spezifische Risikomanagement-Maßnahmen und Anwendungsbedingungen für unterschiedliche Einstufungen der Gemische beschreiben, in denen sein Stoff später eingesetzt wird. Dies erleichtert es dem Formulierer, die angemessenen Verwendungsbedingungen für sein Gemisch zu ermitteln und im Sicherheitsdatenblatt des Gemisches zu kommunizieren. Jeder nachgeschaltete Anwender hat das Recht, seinem Lieferanten seine Verwendung eines Stoffes mitzuteilen. Hierzu gehört auch der Einsatz des Stoffes in einem Gemisch. 10 Die folgenden Informationen sollte der Formulierer seinem Lieferanten mitteilen: Der Stoff wird in einem Gemisch eingesetzt. Die Höchstkonzentration des Stoffes im Gemisch oder bedeutende Konzentrationsbereiche, falls der Stoff in verschiedenen Konzentrationen eingesetzt werden kann (der Registrant kann dann für diese unterschiedlichen Bereiche spezifische Anwendungsbedingungen und Risikomanagement-Maßnahmen spezifizieren) 10 Diese Information sollte in einer Form mitgeteilt werden, die ihre Berücksichtigung bei der Stoffsicherheitsbeurteilung ermöglicht. Im Rahmen der REACH Leitlinien ist das Use Deskriptor System (UDS) entwickelt worden, das in einer harmonisierten Form die Beschreibung der Anwendungsbranchen, der Prozesse, der Produkt- und der Erzeugnistypen ermöglicht. Zusätzliche Informationen zu Anwendungsbedingungen und Risikomanagement-Maßnahmen sind von hohem Wert. Die Zuordnung von Verwendungen zum UDS wird oft als Mapping von Verwendungen bezeichnet. Es wird genauer beschrieben im Teil II dieses Praxisführers, in den Kapiteln 9 und20 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Änderungen in den expositionsbestimmenden Größen durch den Einsatz des Stoffes im Gemisch, falls solche Änderungen zu erwarten sind. In der Regel werden diese Informationen Teil des Austausches in den Lieferketten über Verwendungen und Verwendungsbedingungen sein. Der Einsatz in einem Gemisch kann als eine besondere Verwendungsbedingung eines Stoffes verstanden werden. Diese Informationen sollten Teil des Mappings von Verwendungen sein (siehe vorangehende Fußnote). In vielen Fällen zeigen schon die Produktkategorien an, dass Stoffe in Gemischen eingesetzt werden. Repräsentative Informationen zu Expositionen in verschiedenen Industriebranchen sollten von den Branchenverbänden zusammengestellt werden (siehe hierzu auch Teil II, Kapitel 10 des Praxisführers). 5 Expositionsszenarien für Gemische Expositionsszenarien für Gemische sind eine von mehreren Möglichkeiten Informationen zu Stoffen in die Erstellung der erweiterten Sicherheitsdatenblätter für Gemische einzubeziehen. (Es gibt in REACH keine formale Verpflichtung für irgendeinen Akteur der Lieferkette, ein Expositionsszenario für ein Gemisch als solches zu erstellen). Wenn ein Registrant ein Expositionsszenario für einen Stoff erstellt, der in der Lieferkette verwendet wird, muss er dieses Expositionsszenario kommunizieren. Für nachgeschaltete Anwender, die eigene Sicherheitsdatenblätter erstellen, besteht keine gesetzliche Verpflichtung, eigene Expositionsszenarien zu erstellen, solange ihre Verwendungen (einschließlich der identifizierten Verwendungen ihrer Kunden) von den Expositionsszenarien ihrer Lieferanten abgedeckt werden. Nachgeschaltete Anwender sind aber gesetzlich verpflichtet, bei der Erstellung ihrer eigenen Sicherheitsdatenblätter stoffbezogene Informationen einzubeziehen, die sie erhalten haben (REACH Art. 31.7, siehe auch Kapitel 2). Hierfür stehen ihnen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung 11 : 1. Weiterleitung der Expositionsszenarien der einzelnen Stoffe des Gemisches an den Kunden ohne diese zu überarbeiten oder abzugleichen. Hinweis: Ein einfaches Weiterleiten ist nur möglich, wenn die Informationen in den Expositionsszenarien untereinander stimmig sind und wenn sie nicht im Widerspruch stehen zu den Informationen im Sicherheitsdatenblatt. In vielen Fällen wird es erforderlich sein, eines oder mehrere der erhaltenen stoffbezogenen Expositionsszenarien anzu- 11 Diese Möglichkeiten werden im Einzelnen beschrieben in der ECHA Leitlinie zu Informationsanforderungen und zur Stoffsicherheitsbeurteilung, Kapitel G, Extending the safety data sheet (in der Fassung vom Mai 2008 auf den Seiten 18ff). 1621 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 passen, damit sie die besondere Expositionssituation abbilden, die vom Gemisch ausgeht. Diese angepassten Expositionsszenarien werden dann zu Anhängen des Sicherheitsdatenblatts des Gemisches. 2. Zusammenführung der erhaltenen stoffbezogenen Expositionsszenarien zu einem neuen Expositionsszenario für das Gemisch ( Gemisch-Expositionsszenario ). Es wird als Anhang für das Sicherheitsdatenblatt des Gemisches verwendet. 3. Auszug der relevanten Informationen zu Risikomanagement-Maßnahmen und Verwendungsbedingungen aus den erhaltenen Expositionsszenarien, Zusammenfassung der Informationen und Berücksichtigung bei der Ausarbeitung der entsprechenden Abschnitte des Sicherheitsdatenblattes des Gemisches. (Wenn der direkte nachgeschaltete Anwender ein Formulierer ist, der Produkte für die breite Öffentlichkeit herstellt, hat er eine weitere Möglichkeit: Er kann die einschlägigen Informationen zu Risikomanagement-Maßnahmen und Verwendungsbedingungen herausziehen, zusammenfassen und dann berücksichtigen für eine Information der breiten Öffentlichkeit zur sicheren Verwendung seiner Produkte. Dies ist eine vierte Möglichkeit). Letztlich wird es von der jeweiligen Situation des Akteurs im Markt abhängen, welche der dargestellten Möglichkeiten für sein Unternehmen und seine Kunden am besten passt. Es hängt außerdem von der Zahl gefährlicher Stoffe im Gemisch und von der Art der Wirkungen der Stoffe ab. Die erste Möglichkeit, das einfache Weiterleiten der Expositionsszenarien, die ein Akteur von seinem Lieferanten erhalten hat, erscheint auf den ersten Blick am einfachsten zu sein. Diese Möglichkeit kann besonders für Gemische interessant sein, die nur eine sehr begrenzte Zahl an gefährlichen Stoffen enthalten. Allerdings muss sichergestellt sein, dass die Information aus den Expositionsszenarien der Stoffe mit der Information im Sicherheitsdatenblatt des Gemisches übereinstimmt. Es kann erforderlich sein die für die Stoffe erhaltenen Expositionsszenarien zu ändern, wenn das Gemisch besondere expositionsbestimmende Eigenschaften aufweist (siehe Kapitel 6.3). Wenn für mehrere Stoffe im Gemisch derselbe Expositionsweg von Bedeutung ist, empfiehlt es sich, dies in einem Expositionsszenario für diesen Weg für das Gemisch zu berücksichtigen. Es ist in der Praxis sehr unwahrscheinlich, dass nachgeschaltete Anwender Maßnahmen für die sichere Verwendung eines Stoffes umsetzen werden, wenn sie in mehreren Expositionsszenarien verteilt kommuniziert werden. Im Einzelfall wird es eine Unternehmensentscheidung sein, welche der Möglichkeiten für das Unternehmen die beste darstellt. Dies kann auch von den Kundenbedürfnissen abhängen. Bei der Entscheidung spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: 1. Wenn es sich bei dem Gemisch um ein Produkt handelt, das vom Endanwender unter unterschiedlichen Bedingungen eingesetzt wird (z.b. Klebstoffe für verschiedene Anwendungen), kann die Zusammenführung der Information in neue, spezifische 1722 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Expositionsszenarien für die jeweiligen Verwendungen die beste Möglichkeit darstellen. Denn in diesem Fall sind spezifische Risikomanagement-Maßnahmen für jede der unterschiedlichen Anwendungen erforderlich. Sie können im Anhang des Sicherheitsdatenblattes in anwendungsspezifischen Expositionsszenarien in dem nötigen Detaillierungsgrad beschrieben werden, während die Hauptkapitel des Sicherheitsdatenblattes Informationen enthalten, die für alle Anwender von Bedeutung sind. 2. Handelt es sich bei dem Gemisch um ein Endprodukt, das nur von einer ganz bestimmten Nutzergruppe verwendet wird, kann der Einbezug der Information in die Kapitel 1 16 des Sicherheitsdatenblattes der beste Weg sein. Hier erfolgt dann die Beschreibung der Anwendungsbedingungen und der Risikomanagement-Maßnahmen, bezogen auf die spezifische Verwendung. Da es nur eine Anwendung gibt, müssen nicht nutzerspezifisch unterschiedliche Anwendungsbedingungen und Risikomanagement-Maßnahmen beschrieben werden. Da die Anwendungsbedingungen klar festgelegt sind, ist es in diesem Falle nicht erforderlich, Möglichkeiten der Anpassung der Expositionsabschätzung durch Scaling darzustellen. 3. Viele Gemische werden in den Lieferketten weiter bearbeitet, bevor sie ihren Endanwender erreichen. Sie werden als Rohstoffe für die Herstellung weiterer Gemische verwendet. In diesen Fällen sollten die Angaben zur sicheren Verwendung in Form von Expositionsszenarien weitergegeben werden. Dies erleichtert es dem nachfolgenden Akteur, die für sein Sicherheitsdatenblatt relevanten Informationen zu identifizieren und zu berücksichtigen. 4. Wenn es für den nachgeschalteten Anwender wichtig ist, selber Expositionsabschätzungen durch Nutzung von Scalinghilfen durchzuführen, ist es derzeit einfacher, diese Hilfen im Expositionsszenario zu geben als in den Kapiteln 1 16 des Sicherheitsdatenblattes. 5. Wenn ein Expositionsszenario als Anhang mitgeliefert wird, sollte sichergestellt werden, dass die Informationen in den Kapiteln 1 16 des Sicherheitsdatenblattes vereinbar sind mit den Informationen, die im Expositionsszenario gegeben werden. 6. Industrielle Anwender, die bereits selber Erfahrungen mit der Durchführung von arbeitsplatzbezogenen Expositionsüberwachungen gesammelt haben, können in erster Linie an stoffspezifischen Informationen in den Kapiteln 1 16 des Sicherheitsdatenblattes interessiert sein. Für diese Kunden kann es am besten sein, die Informationen aus den Expositionsszenarien direkt in die Kapitel 1 16 einzuarbeiten. 7. Darüber hinaus ist es wahrscheinlicher, dass Chemikalien sicher eingesetzt werden, wenn die hierfür benötigten Informationen in einer strukturierten Art geliefert werden. Dies erleichtert es dem nachgeschalteten Anwender zu überprüfen, ob er die Bedingungen einhält, die als sicher bewertet wurden. Die Chancen auf eine Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen durch gewerbliche Anwender und Handwerker steigen, 1823 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 wenn sie in einem kurzen und knappen Anhang dargestellt werden und nicht auf mehreren Seiten eines Sicherheitsdatenblattes verteilt sind. Hinweis: Im Anhang II wird eine Übersicht gegeben über die Inhalte des Expositionsszenarios und die entsprechenden Abschnitte im Sicherheitsdatenblatt. Dies ist eine Hilfestellung, falls nachgeschaltete Anwender Informationen aus stoffbezogenen Expositionsszenarien in den Hauptteil des Sicherheitsdatenblatt des Gemisches einbeziehen möchten. 6 Die Erarbeitung von Expositionsszenarien und erweiterten Sicherheitsdatenblättern für Gemische In diesem Kapitel werden die Arbeitsschritte dargestellt, die für die Erstellung von erweiterten Sicherheitsdatenblättern von Gemischen erforderlich sind. Sie gelten prinzipiell sowohl für einfache, als auch für kompliziert aufgebaute Gemische. Vorab soll an dieser Stelle bereits ein Hinweis auf die Bedeutung der Auswahl von Leitsubstanzen gelegt werden, auf die wir dann näher im Kapitel 7 eingehen: Gemische bestehen oft aus vielen Stoffen. Die Aufgabe, relevante Informationen aus den Expositionsszenarien der Einzelstoffe in das erweiterte Sicherheitsdatenblatt des Gemisches einzubeziehen, kann vereinfacht werden, wenn es möglich ist, sich auf die Stoffe zu konzentrieren, die die gefährlichen Eigenschaften des Gemisches bestimmen und die für das Gemisch erforderlichen Risikomanagement- Maßnahmen. In diesen Fällen können die anderen Stoffe, die die Anwendungsbedingungen nicht beeinflussen, unberücksichtigt bleiben. Für Gemische mit vielen Inhaltsstoffen sind folgende Gesichtspunkte wichtig: 1. Informationen aus stoffbezogenen Expositionsszenarien müssen nur einbezogen werden für die Stoffe, deren Konzentrationen im Gemisch die in REACH Art genannten Grenzen überschreiten; Wenn diese Konzentrationen überschritten werden, sollten in einem weiteren Auswahlschritt zwei Fragen beantwortet werden: Sind für diesen Inhaltsstoff besondere Risikomanagement-Maßnahmen und Anwendungsbedingungen für das Gemisch erforderlich? Werden diese Risikomanagement-Maßnahmen bereits aufgrund anderer Stoffe oder aufgrund der Eigenschaften des Gemisches selbst erforderlich (unabhängig davon, ob Expositionsszenarien für diese Stoffe vorhanden sind)? Es werden derzeit verschiedene Instrumente entwickelt, die die Identifizierung der risikobestimmenden Stoffe einzelner Expositionswege erleichtern (diese Stoffe werden je nach Methode Leitsubstanzen, kritische Komponenten oder Prioritätsstoffe genannt). Ihnen liegt eine gemeinsame Annahme zugrunde: Wenn die Risiken, die mit den Leitsubstanzen verbunden sind, angemessen kontrolliert sind, gilt das auch für die Risiken 1924 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische der anderen Stoffe des Gemisches, die zur gleichen Art der Exposition beitragen (gleicher Endpunkt). 6.1 Der Arbeitsprozess und die wesentlichen Schritte Das Ablaufdiagramm 1 zeigt die Hauptschritte für die Erstellung eines erweiterten Sicherheitsdatenblattes für ein Gemisch. Sie beinhalten die Nutzung vorhandener Kenntnisse, die Anforderungen an die Einstufung und Kennzeichnung des Gemisches und die neuen Verpflichtungen gemäß REACH. Das Ablaufdiagramm 1 zeigt den gesamten Prozess von der Identifikation der Inhaltsstoffe und der Beurteilung der gefährlichen Eigenschaften bis zur Erstellung des Sicherheitsdatenblattes des Gemisches. Ablaufschema 1 Bewertung eines Gemisches und Erstellung des erweiterten Sicherheitsdatenblattes 2025 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 In der folgenden Tabelle 1 werden weitere Einzelheiten zu den Arbeitsschritten beschrieben. Die Schritte 1 4 beziehen sich auf die Bewertung der gefährlichen Eigenschaften des Gemisches, die Schritte 5 8 auf die Erstellung des erweiterten Sicherheitsdatenblattes für das Gemisch. Sie enthalten auch die Möglichkeit, ein Expositionsszenario für das Gemisch zu erstellen. Die Tabelle und das Ablaufdiagramm 1 beziehen sich auf die Fälle, in denen der Formulierer nicht einfach die Expositionsszenarien, die er erhalten hat, weiterleitet, sondern sie zusammenführt oder die Informationen in die Kapitel 1 16 des Sicherheitsdatenblattes einbaut (siehe hierzu Kapitel 7.6). Einige der Schritte werden darüber hinaus detaillierter in den folgenden Unterkapiteln beschrieben. In diesen Fällen erfolgt in der Tabelle ein entsprechender Verweis. Für den Formulierer sind die Schritte aufwändiger für neue Gemische als für Gemische, die er bereits im Vertrieb hat und deren Eigenschaften er bereits kennt. Tabelle 1 Erläuterung der Arbeitsschritte, die für die Bewertung eines Gemisches und für die Erstellung des erweiterten Sicherheitsdatenblattes des Gemisches erforderlich sind. Schritt Aufgabe Erläuterungen 1 Identifiziere die Inhaltsstoffe des Gemisches und das vorhandene Wissen zur Bewertung 1.1 Dokumentation des bisherigen Sicherheitsdatenblattes für das Gemisch und weiterer Informationen, die sich auf dieses Produkt beziehen. 1.2 Dokumentation der Rezeptur des Gemisches 1.3 Zusammenstellung der Rohstoffe, die für die Herstellung des Gemisches verwendet werden (Stoffe und Gemische) 1.4 Zusammenstellung der Stoffe, ihres Gehaltes (%) und ihrer Einstufung (R-Sätze). Auflistung beginnend mit den Stoffen, die in den höchsten Konzentrationen eingesetzt werden. 1.5 Identifikation der Inhaltsstoffe, die für die weitere Bewertung nicht von Bedeutung sind, weil (1) ihre Konzentration im Gemisch niedriger ist als die Konzentrationsgrenzen, die in der Zubereitungsrichtlinie bzw. in REACH genannt sind (0.1%, 1% oder stoffspezifische Konzentrationsgrenzen, siehe REACH Art und Anhang dieses Leitfadens) (2) sie nicht als gefährlich eingestuft und nicht als PBToder vpvb-stoff bewertet Beispiele für diese Informationen sind bestehende Sicherheitsdatenblätter, technische Merkblätter, Informationen auf dem Etikett, weitere Informationen (z.b. aus bestehender Gesetzgebung, branchenspezifische Angaben zu angemessenen Risikomanagement-Maßnahmen). In dieser Liste A1 der Rohstoffe werden sowohl Stoffe als auch Gemische gelistet. Ergebnis dieses Schrittes ist eine Liste mit den Inhaltsstoffen (Liste A2). Nicht als gefährlich eingestufte Inhaltsstoffe müssen im Sicherheitsdatenblatt eines Gemisches nicht aufgeführt werden. Daher wird der Formulierer, wenn er als Rohstoff ein Gemisch einsetzt, in der Regel nicht alle Bestandteile dieses Gemisches kennen, sondern nur die als gefährlich eingestuften Stoffe. Markierung dieser Stoffe in der Liste A2 mit (1) oder (2). 2126 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Schritt Aufgabe Erläuterungen 1.6 Auswertung der Schritte : Wie viele Inhaltsstoffe des Gemisches sind für die Bewertung von Bedeutung? 1.7 Fachbeurteilung, ob die als nicht-relevant eingeschätzten Stoffe die Expositionseigenschaften des Gemisches verändern können. Erstellung einer Liste A3, die die Stoffe nennt, die für die Bewertung zu berücksichtigen sind. Falls erforderlich: Erweiterung der Liste der bewertungs-relevanten Stoffe. Ergebnis: Liste A4. 2 Dokumentiere die Besonderheiten der expositionsbestimmenden Größen im Gemisch 2.1 Dieser Schritt erfordert eine Fachbeurteilung der Eigenschaften des Gemisches (physikalisch-chemische Eigenschaften, schädliche Wirkungen auf die menschliche Gesundheit bzw. Auf die Umwelt) 2.2 Überprüfung: Sind Wechselwirkungen zwischen den Inhaltsstoffen des Gemisches bekannt, die zu einer Verringerung oder Zunahme der Expositionen führen? Gibt es Hinweise auf additive oder andere Wechselwirkungen? Sie können beabsichtigt sein, damit das Gemisch die gewünschte Funktion erfüllt. Sie sind wichtig für die Bewertung des Gemisches. 3 Einstufen & Kennzeichnen (C&L) des Gemisches 4 C&L ist durchzuführen gemäß Zubereitungsrichtlinie (DPD) bis 1. Juni 2015, ab dann verpflichtend gemäß CLP Verordnung (C&L kann freiwillig bereits früher entsprechend CLP Verordnung vorgenommen werden). Überprüfung: Beruht die Bewertung des Gemisches auf experimentellen Untersuchungen des Gemisches selber oder auf den Eigenschaften der Inhaltsstoffe? In den meisten Fällen werden solche Wechselwirkungen nur bekannt sein, wenn sie beabsichtigt sind. Siehe hierzu auch die Kapitel 8.3 und 11. Berücksichtigung dieser Kenntnisse bei den nachfolgenden Bewertungsschritten. Auf diese Zeitvorgaben wird genauer im Teil I des Praxisführers eingegangen, im Kapitel 2.6. Die DPD-Richtlinie bzw. Die CLP-Verordnung geben die gesetzlichen Grundlagen für die Einstufung und Kennzeichnung vor. Bei der Einstufung und Kennzeichnung eines Gemisches entsprechend der Zubereitungsrichtlinie ist der ph-wert des Gemisches mit zu berücksichtigen, falls von Bedeutung, außerdem alle Eigenschaften, die für die sichere Verwendung des Gemisches wichtig sind (siehe hierzu auch die Kapitel 8.3 und 11). Dokumentiere die Unterschiede in der Einstufung und Kennzeichnung des Gemisches und der Stoffe Solche Unterschiede können als Hinweis gesehen werden, dass Informationen aus den Expositionsszenarien der Stoffe nicht unverändert für das Expositionsszenario des Gemisches übernommen werden können, sondern eine Anpassung erfordern. Siehe hierzu Kapitel Überprüfe: Identifizierung von Leitsubstanzen sinnvoll? Der Ansatz der Leitsubstanzen ist sinnvoll für Gemische mit vielen Inhaltsstoffen, bei denen die gefährlichen Eigenschaften des Gemisches anhand der Daten zu den Inhaltsstoffen ermittelt werden können. Er ist nicht angebracht, wenn die Beurteilung der gefährlichen Eigenschaften des Gemisches anhand von Untersuchungen am Gemisch selbst erfolgt (z.b. für gefährliche physikalisch-chemische Eigenschaften). Die Identifikation von Leitsubstanzen ist nicht erforderlich, wenn bereits Fachkenntnisse zu dem Gemisch vorliegen, die eine Beurteilung ermöglichen. 6 Identifiziere die Leitsubstanzen Identifizierung der Leitsubstanzen, falls angebracht unter Nutzung der DPD+ Methodik. Im Kapitel 7 werden weitere Informationen zum geeigneten Vorgehen gegeben, z.b. zu Fachkenntnissen und zur DPD+ Methodik. Es kann außerdem sein, dass Unternehmen bereits eigene Erfahrungen haben, um die Leitsubstanzen für den Arbeitsschutz zu ermitteln. Diese Erfahrungen sollten natürlich bei der Bewertung der Gemische berücksichtigt werden. Im Kapitel 7 werden die Identifizierung von Leitsubstanzen und die erforderlichen Kontrollschritte im Einzelnen beschrieben. 2227 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Schritt Aufgabe Erläuterungen 7 Stelle die erforderlichen Informationen für das ES/ erweiterte SDB des Gemisches zusammen 7.1 Sammlung der Sicherheitsdatenblätter und der Expositionsszenarien für Leitsubstanzen und (für die Kontrollschritte) auch für die anderen Inhaltsstoffe des Gemisches. 7.2 Analyse der Datenbasis Klärung, ob zusätzliche Daten erforderlich sind Diese Informationen können in unternehmensspezifischen IT Systemen ausgewertet und gespeichert werden (siehe hierzu Kapitel 9). 7.3 Schließen von Datenlücken: In den kommenden Jahren werden für viele Stoffe noch keine Expositionsszenarien zur Verfügung stehen, aufgrund der in REACH vorgegebenen Fristen für die Registrierung. Falls für die Leitsubstanzen eines Gemisches keine Expositionsszenarien verfügbar sind, sollten andere Datenquellen genutzt werden, um die passenden Risikomanagement-Maßnahmen und Anwendungsbedingungen bestimmen. Ausgangspunkt hierfür bilden die vorhandenen Sicherheitsdatenblätter der Rohstoffe bzw. Der Gemische. Sicherheitsbeurteilungen wurden bereits unter der bestehenden Gesetzgebung zu Sicherheitsdatenblättern und der Richtlinie zu chemischen Stoffen (CAD) vorgenommen. Auch sie sollten als Informationsquelle genutzt werden. Weitere Informationen geben bestehende branchenspezifische Leitfäden zur Verwendung von Stoffen und Gemischen. Risikomanagement-Maßnahmen und Anwendungsbedingungen können auch bestimmt werden durch Nutzung von Expositionsabschätzungs-Instrumenten wie dem Einfachen Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe (EMKG), siehe hierzu Anhang IIII. Falls erforderlich, kann der Lieferant angesprochen werden, um fehlende Daten zu ergänzen (z.b. zu branchenspezifischen Informationen). Hierbei ist zu beachten, dass die Verfügbarkeit von Expositionsszenarien auch davon abhängt, wann gemäß REACH für den jeweiligen Stoff spätestens eine Registrierung erfolgen muss. Wenn es sich bei den Leitsubstanzen um Stoffe mit einem kleinen Produktionsvolumen handelt, kann es sein, dass die Expositionsszenarien erst 2013 oder 2018 vorliegen Erstelle das Expositionsszenarios für das Gemisch oder integriere es in die Kapitel 1 16 des Sicherheitsdatenblattes Zusammenstellung einzelner relevanter Risikomanagement-Maßnahmen und Anwendungsbedingungen 8.2 Zusammenführung der verschiedenen Maßnahmen und Anwendungsbedingungen 8.3 Überprüfung, ob die Maßnahmen alle Stoffe im Gemisch abdecken 8.4 Entscheidung, ob Hilfestellungen zum Scalen gegeben werden sollen und falls ja Ausarbeitung dieser Hilfestellung 8.5 Entscheidung, in welcher Form die erarbeiteten Informationen in das Sicherheitsdatenblatt des Gemisches einbezogen werden sollen. 8.5A Strukturierung der erarbeiteten Informationen in der Form eines Expositionsszenarios für das Gemisch oder 8.5B Einbau der Informationen in die Abschnitte 1 16 des Sicherheitsdatenblattes Es kann sein, dass Informationen aus den stoffbezogenen Expositionsszenarien angepasst werden müssen an die spezifischen Verwendungsbedingungen des Gemisches siehe hierzu Kapitel 6.3 Kontrollschritte werden im Kapitel 7. 3 beschrieben. Einzelheiten zum Scaling werden beschrieben im Teil I des Praxisführers, im Kapitel 7.7. Nachgeschaltete Anwender haben mehrere Möglichkeiten, Informationen in das SDB einzubeziehen. Sie werden im Kapitel 5 dargestellt. Struktur und Inhalte eines Expositionsszenarios werden beschrieben im Teil II des Praxisführers, im Kapitel 9.2. Siehe hierzu Kapitel 5 und Anhang II. In der Ausarbeitung der Fallstudie des 2-Komponentenklebers sind alle Arbeitsschritte durchgeführt worden, die in der Tabelle beschrieben sind. Dieses Fallbeispiel ist im Teil V des REACH Praxisführers enthalten. 2328 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische 6.2 Zusammenstellen von Daten aus stoffbezogenen Expositionsszenarien Abbildung 4 zeigt, wie ein Formulierer Informationen über Leitsubstanzen nutzen kann, um das Expositionsszenario seines Gemisches zu erstellen. Im Beispiel wurde die DPD+ Methodik angewendet, die in den folgenden Kapiteln beschrieben wird. Das Beispiel bezieht sich auf ein Gemisch mit fünf Inhaltsstoffen. Drei dieser Stoffe sind Leitsubstanzen: aufgrund ihrer gefährlichen Eigenschaften und aufgrund ihrer Konzentration im Gemisch bestimmen sie, welche Risikomanagement-Maßnahmen und welche Anwendungsbedingungen für das Gemisch erforderlich sind. BADGE (Bisphenol A diglycidylether) ist die Leitsubstanz für Expositionen der Haut, der Augen und der aquatischen Umwelt; Xylol bestimmt, welche Risikomanagement-Maßnahmen zur Kontrolle der inhalativen Belastungen erforderlich werden; Isophorondiamin ist die Leitsubstanz für orale Belastungen. Die übrigen beiden Stoffe im Gemisch, Benzylalkohol und Ethanol, sind keine Leitsubstanzen. Es kann davon ausgegangen werden, dass eventuelle Risiken dieser Stoffe angemessen kontrolliert werden durch die Verwendungsbedingungen, die aufgrund der Leitsubstanzen festgelegt werden. 24 29 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Abbildung 4 Zusammenstellung von Daten aus stoffbezogenen Expositionsszenarien. Drei der fünf Inhaltsstoffe des Gemisches wurden als Leitsubstanzen für einzelne Expositionswege identifiziert. Die zugehörigen Informationen aus den Expositionsszenarien werden als Bausteine für die Erstellung des Expositionsszenarios des Gemisches genutzt. Auf der Grundlage der Ergebnisse der DPD+ Methodik entnimmt der Formulierer jetzt aus den Expositionsszenarien der drei Leitsubstanzen die für den jeweiligen Expositionspfad wichtigen Informationen zu Risikomanagement-Maßnahmen und Anwendungsbedingungen und erstellt aus diesen Informationen das Expositionsszenario des Gemisches. Am Beispiel: Um im Expositionsszenario des Gemisches die Risikomanagement-Maßnahmen für inhalative Belastungen zu beschreiben, nutzt er die Informationen zu diesem Expositionsweg aus dem Expositionsszenario für Xylol, der Leitsubstanz für inhalative Belastungen. Für die anderen Expositionswege geht er entsprechend vor. 6.3 Veränderung stoffspezifischer Expositionsszenarien Einige Eigenschaften des Gemisches, die für die Expositionssituation wichtig sind, können im Gemisch anders sein als die Annahmen, die hierzu in den Expositionsszenarien der Rohstoffe getroffen wurden. Zum Beispiel kann der Gehalt eines Stoffes im Gemisch niedriger sein als vermutet. In diesen Fällen kann es erforderlich werden, dass der Formulierer die Informationen aus den Expositionsszenarien der Rohstoffe anpasst, bevor er sie für das 2530 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Expositionsszenario des Gemisches verwenden kann (oder bevor er sie in die Kapitel 1 16 des erweiterten Sicherheitsdatenblattes des Gemisches einbaut). Die folgende Tabelle 2 zeigt hierfür ein Beispiel. Der Registrant ist davon ausgegangen, dass der Stoff als reiner Stoff eingesetzt wird (Konzentration 100 %). Im Gemisch wird der Stoff in einer Konzentration von 60 % verwendet. Der Registrant hat außerdem angenommen, dass 10 % der Einsatzmenge des Stoffes ins Abwasser freigesetzt wird (Emissionsfaktor Wasser: 0,1). Dem Formulierer liegen zusätzliche Messergebnisse vor, die belegen, dass bei den Verwendungen seiner Kunden niedrigere Freisetzungen auftreten und nur 2 % ins Abwasser gelangen (Emissionsfaktor Wasser: 0,02). Wenn die Expositionsabschätzung für eine Stoffkonzentration von 60% und eine Freisetzung ins Wasser von 2 % durchgeführt wird, ergibt sich hieraus eine täglich einsetzbare Menge des Gemisches von 16,7 kg. Der Formulierer dokumentiert in seinem Expositionsszenario seines Gemisches diesen Wert für die Einsatzmenge und die zugehörigen Eingangsgrößen für die Berechnung. Tabelle 2 Änderung der Daten aus einem stoffbezogenem Expositionsszenario für die Nutzung im Expositionsszenario des Gemisches. Größen, die verändert wurden, sind unterstrichen. Parameter ES Stoff ES Gemisch C: Konzentration des Stoffes im Produkt 1 0,6 f wasser: Freisetzungsfaktor ins Wasser 0,1 0,02 f minderung: Effizienz von Minderungsmaßnahmen 0 0 f KA: Entfernung des Stoffes in der Kläranlage 0,15 0,15 T em: Emissions-Tage pro Jahr [Tage/Jahr] KAPAZITÄT: Wassermenge in der Kläranlage [m 3 /d] VERDÜNNUNG: Verdünnungsfaktor im Vorfluter RCR: Risikoquotient 1 1 M safe: Menge des Produkts, die pro Tag eingesetzt werden kann [kg/d] bei RCR = ,7 Abkürzung: ES = Expositionsszenario Der Formulierer verwendet die folgende Formel, um die maximale Einsatzmenge seines Produktes zu berechnen, die er oder sein Kunde pro Tag benutzen kann. Er nutzt bei der Berechnung die Daten aus dem Expositionsszenario des Rohstoffes und seine Kenntnisse der Eigenschaften und der Einsatzbedingungen des Gemisches. (Die Abkürzungen, die in der Formel verwendet werden, werden in der vorherigen Tabelle 2 in der ersten Spalte erklärt). 2631 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai Identifizierung der Leitsubstanzen 7.1 Einleitung Da Gemische aus zahlreichen Einzelstoffen bestehen können, kann der nachgeschaltete Anwender Stoffe und Gemische als Rohmaterialien bei der Formulierung von Gemischen einsetzen. Somit erhält er von seinem/n Lieferanten ein oder mehrere SDB für Stoffe, ein oder mehrere SDB für Gemische. In der Übergangszeit bis zur Registrierung aller Phase-in -Stoffe (Juni 2018) wird er SDB mit oder ohne ES erhalten. Für Stoffe, die nur in Mengen unter 10 Tonnen pro Jahr hergestellt oder importiert werden, wird es selbst nach diesem Datum keine Expositionsszenarien geben. Insbesondere für komplexe Gemische wird die Handhabung der Fülle an Informationen zu Gefahren für die menschliche Gesundheit und die Umwelt, die in den einzelnen SDB enthalten sind, schwierig sein. In diesen Fällen ist eine Identifizierung derjenigen Stoffe hilfreich, die spezifische Verwendungsbedingungen erfordern und die kritischsten Risikomanagement-Maßnahmen veranlassen. Diese so genannten kritischen Bestandteile (s. ECHA-Leitlinie für nachgeschaltete Anwender) oder Leitsubstanzen (s. DPD+ Methodik weiter unten) können spezifisch für einen Endpunkt und einen Pfad sein, d.h. es kann verschiedene Leitsubstanzen geben für die orale Exposition des Menschen, die inhalative Exposition des Menschen, die dermale Exposition des Menschen, die Freisetzung in die Umwelt und deren Exposition. Es wurde zwei Verfahren zur Identifizierung dieser Leitsubstanzen vorgeschlagen: die Bewertung ausgehend von den kritischen Bestandteilen ( critical components approach, CCA) und die DPD+ Methodik. 2732 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Das in den ECHA-Leitlinien für nachgeschaltete Anwender (ECHA ) umrissene CCA- Verfahren ist auf DNEL und PNEC für alle Stoffe, ihre Konzentrationen im Gemisch (C) sowie stoff- und verwendungsspezifische Verfügbarkeitsparameter (A) angewiesen, die das Expositionspotential ausweisen. Ein Risikoindikator RI = C x A/(DNEL bzw. PNEC) kennzeichnet den relativen Anteil eines Einzelstoffes am Gesamtrisiko des Gemischs. Das CCA-Verfahren ist bisher noch nicht detailliert entwickelt worden. Erste Ideen zur Bestimmung der Verfügbarkeitsparameter (A) und des Risikoindikators (RI) sind beschrieben worden. Das prinzipielle Vorgehen wurde als Konzept im europäischen Diskussionsprozess zu Expositionsszenarien vorgestellt 13. Die Umsetzung des CCA-Verfahrens wurde als schwierig erachtet, da es DNEL und PNEC für alle Substanzen im Gemisch erfordert (diese Werte werden für viele Phase-in -Stoffe vor dem Juni 2018 nicht verfügbar sein und für Stoffe, die in Mengen unter 10 Tonnen/Jahr registriert werden, selbst danach nicht vorliegen), eine Kenntnis der detaillierten Zusammensetzung von Gemischen anderer Lieferanten erfordert (für alle Stoffe mit einem DNEL, unabhängig davon, ob ihre Konzentration über oder unter dem Konzentrationsgrenzwert für die Kennzeichnung des Gemisches liegt), die oftmals als vertrauliche Informationen gilt. Daher wurden andere Wege zur Identifizierung von Leitsubstanzen in einem Gemisch gesucht. Eine alternative, von der Industrie entwickelte Methode ist die DPD+ Methode 14. Die Methode basiert auf der aktuellen Gesetzgebung zur Einstufung von Gemischen nach Richtlinie 1999/45/EG (Zubereitungsrichtlinie, Dangerous Preparations Directive, DPD), ergänzt ( plus ) durch die Berücksichtigung der Flüchtigkeit der Stoffe. Wenn für einen als Leitsubstanz identifizierten Stoff kein Expositionsszenario vorliegt, müssen die Informationen zu adäquaten Risikomanagement-Maßnahmen und Verwendungsbedingungen aus anderen Quellen ermittelt werden, z.b. existierenden Sicherheitsdatenblättern (s. Tabelle 1, Abschnitt 7.3). 12 Die deutsche Fassung dieser Leitlinie ist verfügbar unter 13 Das CCA-Verfahren wurde auf dem Workshop zu Expositionsszenarien für Zubereitungen und generische Expositionsszenarien (Varese / Italien, Mai 2008) vorgestellt. Die Prinzipien des CCA-Verfahrens wurden kurz in der ECHA-Leitlinie für nachgeschaltete Anwender beschrieben. Es gibt jedoch keine praxistaugliche Beschreibung des CCA-Verfahrens. 14 Eine Beschreibung der Methode ist (auf Englisch) verfügbar unter: 2833 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai DPD+ Methodik Prinzipien Die Zubereitungsrichtlinie 1999/45/EG (DPD) erfordert die Einstufung eines Gemisches, wenn endpunktspezifische Konzentrationsgrenzwerte von einem Bestandteil des Gemisches überschritten werden, der wiederum selbst aufgrund seiner toxikologischen und/oder ökotoxikologischen Eigenschaften eingestuft ist. Die DPD+ Methode macht sich diese Regeln der DPD zunutze indem die Konzentrationsgrenzwerte, die zur Einstufung des Gemisches als gefährlich führen, mit den Konzentrationen der Stoffe im Gemisch verglichen werden. Daraus folgt, dass alle nach Richtlinie 67/548/EWG eingestuften Stoffe im DPD+ Ansatz berücksichtigt werden. Je nach Einstufung der Stoffs werden entweder die allgemeinen Konzentrationsgrenzwerte der Anhänge II, III und V der DPD für bestimmte R-Sätze oder wenn verfügbar spezifische Konzentrationsgrenzwerte nach Anhang VI der Verordnung (EG) Nr. 1272/ 2008 ( CLP- Verordnung ) 15 verwendet. Diese Konzentrationsgrenzwerte werden als Indikator der von einem Stoff ausgehenden Gefahren verwendet und mit der Konzentration des Stoffs im Gemisch verglichen. Annex I der (englischen) methodischen Beschreibung der DPD+ Methode listet die allgemeinen Konzentrationsgrenzwerte aus der DPD pfadspezifisch für alle R-Sätze auf. Das Verhältnis aus Substanzkonzentration C i und Konzentrationsgrenzwert C L wird als Leitsubstanzindikator (LSI) bezeichnet: LSI = C i /C L Für die inhalative Exposition wird der Dampfdruck VP ("vapour pressure ) eingeführt, um die unterschiedliche Flüchtigkeit von Stoffen zu berücksichtigen. LSI = VP x C i /C L LSI müssen für die Pfade Inhalation, dermale und orale Exposition, Augenexposition sowie für die aquatische Umwelt getrennt berechnet werden. Der Stoff mit dem höchsten LSI pro Pfad wird als Leitsubstanz ausgewählt. In der methodischen Beschreibung wird betont, dass bei einem Unterschied der LSIs zweier Stoffe von weniger als 10% beide Substanzen als Leitsubstanzen berücksichtigt werden sollen. Zudem ist zur Identifizierung geeigneter Risikomanagement-Maßnahmen die Gesamtmenge von Stoffen mit identischem gesundheitsbezogenem Endpunkt zu berücksichtigen, da diese Stoffe additive Wirkungen entfalten können. (Anmerkung: in diesem Fall ist Expertenwissen erforderlich, um zu entscheiden, ob die Summe der RCRs in der Bewertung verwendet werden muss). 15 Den substanzspezifischen Konzentrationsgrenzen wird eine höhere Priorität als den allgemeinen Konzentrationsgrenzen nach DPD eingeräumt. 2934 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Benötigte Eingangsdaten Die folgenden Informationen werden mindestens zur Anwendung von DPD+ benötigt: Identität und Konzentration von Gefahrstoffen in einem Gemisch, Einstufung der Stoffe (R-Sätze), Spezifische Konzentrationsgrenzwerte für die Stoffe, soweit verfügbar, Dampfdruck der Stoffe. Allgemeine Konzentrationsgrenzwerte für die Einstufung von Gemischen nach den Anhängen II, III und V der Zubereitungsrichtlinie 1999/45/EG oder stoffspezifische Konzentrationsgrenzwerte aus Anhang VI der CLP-Verordnung werden als Eingangsdaten für C L verwendet. Anwendungsbereich und Grenzen der DPD+ Methode DPD+ wurde nicht zur Bewertung physikalisch-chemischer Gefahren entwickelt. Da die Zubereitungsrichtlinie 1999/45/EG vom Hersteller eines Gemisches die experimentelle Bestimmung der physikalisch-chemischen Eigenschaften des Gemisches verlangt 16, ist die Identifizierung von Leitsubstanzen für solche Gefahren nicht notwendig. Zudem können für einige gesundheitsbezogene Endpunkte, wie z.b. Hautreizung, Informationen aus der Testung des Gemisches selbst vorliegen. In diesen Fällen sollten die Daten für das Gemisch zur Bestimmung geeigneter Risikomanagement-Maßnahmen herangezogen werden. Die Identifizierung einer Leitsubstanz ist für den entsprechenden Pfad nicht notwendig. Allerdings ist DPD+ in einem solchen Fall für die anderen Pfade anzuwenden. Stoffe, die kanzerogene, mutagene oder reproduktionstoxische Eigenschaften haben (CMR) Stoffe (Kategorie 1 oder 2 nach Richtlinie 67/548/EWG), Atemwegssensibilisierer sowie PBT- oder vpvb-stoffe sind durch die DPD+ Methode nicht abgedeckt. Gemische, die solche Stoffe in sicherheitsrelevanten Konzentrationen enthalten, erfordern weitergehende Betrachtungen zur Identifizierung der Stoffe, die Risikomanagement-Maßnahmen auslösen. Ebenso führen eine Ätzwirkung oder Anwendungen mit einer Bildung und Inhalation von Aerosolen zu zusätzlichen Bewertungsschritten außerhalb des Anwendungsbereichs von DPD+. Die Berücksichtigung von Wirkungen auf die Umwelt ist weniger differenziert als bei toxikologischen Wirkungen, da im aktuellen Einstufungssystem nur wenige R-Sätze für die Umwelt existieren. Da die Zubereitungsrichtlinie zudem keine Konzentrationsgrenzwerte für die R- Sätze R54 bis R57 (giftig für Pflanzen, Tiere, Bodenorganismen oder Bienen) enthält, ist der Anwendungsbereich von DPD+ auf Wirkungen auf die aquatische Umwelt beschränkt. Bei der Anwendung der Methode sind ihre Grenzen zu beachten: 16 Siehe Richtlinie 1999/45/EC, Artikel 5, Absatz 2-4 und CLP-Verordnung Anhang I, Abschnitt für Ausnahmen von dieser Anforderung 3035 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Wechselwirkungen zwischen Bestandteilen des Gemisches können mit DPD+ nicht bewertet werden Physikalisch-chemische Gefahren müssen getrennt beurteilt werden Zur Betrachtung des Ausmaßes der inhalativen Exposition wird der Dampfdruck der Einzelstoffe berücksichtigt. Es sind keine besonderen Regelungen zur Berücksichtung hoher Expositionen aufgrund spezifischer Verwendungen, wie z.b. Sprühanwendungen, vorgesehen. Aerosolexpositionen müssen daher gesondert behandelt werden. Auf Stoffe, die einer weitergehenden Bewertung bedürfen (CMR-Stoffe der Kategorie 1 oder 2, Atemwegssensibilisierer, PBT- und vpvb-stoffe, endokrine Disruptoren sowie nicht abbaubare Stoffe, s. Kapitel 8), kann die Methode nicht angewendet werden. Es sind somit zusätzliche Schritte nötig um sicherzustellen, dass ausreichende Risikomanagement-Maßnahmen auch für diese kritischen Stoffe ermittelt werden (die im Folgenden als Prioritätsstoffe bezeichnet werden, um sie von den mittels DPD+ identifizierten Leitsubstanzen abzugrenzen). Ein auch diese Schritte umfassendes Ablaufschema wird weiter unten vorgeschlagen. Die Möglichkeiten einer weitergehenden Bewertung von Gemischen sind in Kapitel 8 beschrieben, das auch spezifische Verwendungsbedingungen, wie die Bildung von Aerosolen, berücksichtigt. Erfahrungen mit DPD+ und Empfehlungen Im Anwendungsbereich funktioniert die Methode gut und ist einfach zu verwenden. Die benötigten Eingangsdaten sind im Allgemeinen verfügbar und die Anwendung der Methode sowie die Identifizierung der Leitsubstanzen erfolgt ohne Schwierigkeiten. Die Methode kann auf einfache Weise elektronisch umgesetzt werden. Innerhalb des ES Modifiers (s. Teil I des Praxisführers, Kapitel 7.7.2) steht ein Microsoft Excel basiertes DPD+ Modul zur Verfügung. Daher kann DPD+ als pragmatisches und sofort einsetzbares Verfahren zur Identifizierung von Leitsubstanzen erachtet werden. Auf Basis der bisher gemachten Erfahrungen ist zu erwarten, dass die aufgrund der Anwesenheit von CMR-Stoffen der Kategorie 1 oder 2 notwendigen Risikomanagement-Maßnahmen auch sichere Verwendungsbedingungen für die Leitsubstanz und somit das gesamte Gemisch bieten. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass diese Betrachtungen pfadspezifisch sind. Beispielsweise sind Nickelsalze als Kanzerogene der Kategorie 1 ausschließlich nach inhalativer Exposition eingestuft und die Risikomanagement- Maßnahmen für andere Expositionspfade können durch andere Stoffe im Gemisch bedingt sein. DPD+ kann auf Gemische angewendet werden, die hautsensibilisierende und ätzende Stoffe enthalten. Allerdings sollten die stark differierenden Wirkstärken von Substanzen hinsichtlich dieser Endpunkte berücksichtigt werden. Wenn mehr als ein Stoff pro Endpunkt im Gemisch vorhanden ist, sollte die Eignung der gewählten Risikomanagement-Maßnahmen für jeden dieser Stoffe geprüft werden. 3136 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Weitere Entwicklungen Wie bereits erwähnt wird die Intensität der inhalativen Exposition durch Einführung des Dampfdrucks als Gewichtungsfaktor berücksichtigt. Da der Dampfdruck der Einzelsubstanzen nur einen groben Anhaltspunkt für die inhalative Exposition gegenüber dem Gemisch bietet (beispielsweise wird die Prozesstemperatur in diesem Ansatz nicht berücksichtigt), könnten weitere Entwicklungen andere Parameter verwenden. Allerdings sollte immer die Balance zwischen Genauigkeit und (einfacher) Handhabung gewahrt bleiben. Mit der CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 wurde der Übergang zum neuen Globalen Harmonisierten System (GHS) zur Einstufung und Kennzeichnung eingeleitet. Zur weiteren Verwendung von DPD+ sollte die Methode in das neue System übersetzt werden, was ohne grundsätzliche Änderungen in der Methodik möglich sein sollte. Durch die Verwendung der Regeln der Zubereitungsrichtlinie 1999/45/EG wird die Auswahl der Leitsubstanzen vor allem durch kurzzeitige Wirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt (z.b. akute Toxizität, Hautreizung und -sensibilisierung, kurzfristige aquatische Toxizität) bestimmt. Stoffe mit dem gleichen R-Satz führen zu demselben LSI-Wert, unabhängig von ihrer Wirkstärke und ihren langfristigen Wirkungen. In den nächsten Jahren werden vermehrt DNELs und PNECs verfügbar sein, die auf einen Schutz bei chronischer Exposition abzielen. Es sollte beachtet werden, dass Stoffe mit identischen R-Sätzen (z.b. R48/20/22 oder R63) sehr unterschiedliche DNELs haben können. Ebenso wird für die dermale Exposition der Regelungsbereich auf systemische Effekte nach wiederholter Exposition erweitert, wobei die Hautpenetration von Chemikalien stark variiert. Es sollten Wege gesucht werden, um die verschiedenen stoffspezifischen Informationen bei der Identifizierung der Leitsubstanzen zu integrieren. Regeln für die Verwendung von (stoffspezifischen) Konzentrationsgrenzwerten Bei bestimmten Einstufungen führen unterschiedliche Konzentrationen eines Stoffes im Gemisch zu unterschiedlichen Einstufungen des Gemisches. Beispielsweise führt ein ätzender Stoff (R 34) zu einer Einstufung des Gemisches als reizend (R 36/38), wenn die Konzentration 5% ist, aber zu einer Einstufung als ätzend (R 34), wenn die Konzentration 10% ist. DPD+ verwendet die niedrigste Konzentration für jeden R-Satz, die zu irgendeiner Einstufung des Gemisches führt, selbst wenn dies in einem anderen R-Satz resultiert (in dem obigen Beispiel würde somit 5% für die Berechnung des LSI verwendet). Das gleiche Prinzip gilt für stoffspezifische Konzentrationsgrenzwerte. Der Bewerter muss die Konzentrationsgrenzwerte für einen spezifischen R-Satz bestimmen. Beispiele für die Anwendung von DPD+ und die Identifizierung der Leitsubstanzen sind in den Tabellen 3 A und B dargestellt. 3237 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Tabelle 3 Beispiel für die Anwendung von DPD+ auf ein Gemisch (2-Komponenten-Kleber) mit fünf Bestandteilen A: Zusammenstellung der Eingangsdaten Gesamt- Dampfdruck R-Satz Zusammensetzung (hpa bei Bestandteil % 25 C) Inhalation Dermal Auge Verschluk- ken Aquatisch Allg. Konzentrationsgrenzwert (%) Spez. Konzentrationsgrenzwert (%) BADGE 60,00% Niedrig R38 20,00% 5,00% BADGE 60,00% Niedrig R36 20,00% 5,00% BADGE 60,00% Niedrig R43 1,00% BADGE 60,00% Niedrig R51/53 2,50% Xylol 10,00% 10,65 R20 25,00% 12,50% Xylol 10,00% 10,65 R21 25,00% 12,50% Xylol 10,00% 10,65 R38 20,00% Isophorondiamin 18,00% 0,0258 R21 25,00% Isophorondiamin 18,00% 0,0258 R22 25,00% Isophorondiamin 18,00% 0,0258 R34 5,00% Isophorondiamin 18,00% 0,0258 R34 5,00% Isophorondiamin 18,00% 0,0258 R43 1,00% Isophorondiamin 18,00% 0,0258 R52/53 25,00% Benzylalkohol 10,00% 0,13 R20 25,00% Benzylalkohol 10,00% 0,13 R22 25,00% Ethanol 2,00% 78,91 3338 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische B: Identifizierung der Leitsubstanzen (höchster LSI pro Pfad fett gesetzt mit grauer Schattierung) Gesamt- Zusammensetzung Inhalation Dermal Auge Verschlucken Aquatisch Bestandteil R-Satz LSI R-Satz LSI R-Satz LSI R-Satz LSI R-Satz LSI BADGE R38 12,0 BADGE R36 12,0 BADGE R43 60,0 BADGE R51/53 24,0 Xylol R20 8,5 Xylol R21 0,8 Xylol R38 0,5 Isophorondiamin R21 0,7 Isophorondiamin R22 0,7 Isophorondiamin R34 3,6 Isophorondiamin R34 3,6 Isophorondiamin R43 18,0 Isophorondiamin R52/53 0,7 Benzylalkohol R20 0,05 Benzylalkohol R22 0,4 Ethanol Abkürzungen: BADGE = Bisphenol A diglycidylether LSI = Leitsubstanzindikator 7.3 Ablaufschema zur Identifizierung von Leitsubstanzen basierend auf der DPD+ Methode Die Arbeitsschritte zur Ermittlung der Leitsubstanzen sind im Ablaufschema 2 detailliert dargestellt. Die Analyse beginnt mit der Identifizierung der Stoffe, die einer weitergehenden Bewertung bedürfen (z.b. als Kanzerogene der Kategorie 1 oder 2 eingestufte Stoffe). Wenn solche Prioritätsstoffe in relevanten Konzentrationen im Gemisch vorhanden sind, werden die Risikomanagement-Maßnahmen für diese Stoffe zuerst ermittelt. Im nächsten Schritt werden zusätzliche Leitsubstanzen mittels der DPD+ Methode ermittelt. Danach wird bestimmt, ob die für die Prioritätsstoffe getroffenen Risikomanagement- Maßnahmen eine angemessene Kontrolle aller identifizierten Leitsubstanzen erlauben. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen zusätzliche Risikomanagement-Maßnahmen ermittelt werden, so dass alle Leitsubstanzen im Gemisch abgedeckt sind. 3439 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Ablaufschema 2: Arbeitsschritte zur Identifizierung von Leitsubstanzen (Schritt 6) und zur Zusammenstellung angemessener Risikomanagement-Maßnahmen (Schritt 7) 3540 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Prioritätsstoffe und Leitsubstanzen erfordern im Allgemeinen die strengsten Risikomanagement-Maßnahmen. Wenn diese Maßnahmen allerdings stoffspezifisch sind (beispielsweise ein Fällungsschritt), kann es sein, dass sie andere Stoffe im Gemisch mit unterschiedlichen physikalisch-chemischen Eigenschaften nicht angemessen kontrollieren. Es wird daher zur Sicherstellung, dass die empfohlenen Risikomanagement-Maßnahmen tatsächlich für das Gemisch angemessen sind, die Anwendung von Kontrollschritten empfohlen. Diese Schritte sind in Ablaufschema 3 dargestellt. Ablaufschema 3: Kontrollschritte Kontrollschritt 1 soll sicherzustellen, dass die für Leitsubstanzen und / oder Prioritätsstoffe getroffenen Risikomanagement-Maßnahmen auch die anderen Stoffe im Gemisch abdecken. Vielleicht wird eine Leitsubstanz sehr effizient durch eine stoffspezifische Maßnahme entfernt (z.b. die Fällung verbleibender Sulfidkonzentrationen im Abwasser durch Eisenhydroxid), doch hat diese Fällung keinerlei Auswirkung auf ein im Gemisch vorhandenes Tensid. In diesem Fall muss die Aufnahme von Risikomanagement-Maßnahmen für das Tensid (wie im entsprechenden Sicherheitsdatenblatt vorgeschlagen) in Betracht gezogen werden. 3641 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Ein weiteres Beispiel sind Stoffe in einem Gemisch, für die spezielle Handschuhe zum Schutz vor einer dermalen Exposition notwendig sind. Die für solche Leitsubstanzen erforderlichen Handschuhe bieten dann nicht notwendigerweise Hautschutz gegenüber weiteren im Gemisch enthaltenen Substanzen. Der Schutz gegenüber diesen Stoffen kann andere Handschuhe erforderlich machen. Für die Praxis wird empfohlen, die Sicherheitsdatenblätter und Expositionsszenarien der Stoffe hinsichtlich vorgeschriebener, stoffspezifischer Risikomanagement-Maßnahmen zu überprüfen. Wenn solche Maßnahmen darin vorgeschrieben werden, kann eine Anpassung der für die Leitsubstanzen ermittelten Maßnahmen notwenig sein. Kontrollschritt 2 bezieht sich auf Stoffe mit Risiken für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt, die durch andere Informationen, wie vorliegende DNELs, Arbeitsplatzgrenzwerte ( occupational exposure limits, OELs) oder PNECs, angezeigt werden, selbst wenn sie die Kriterien zur Einstufung und Kennzeichnung nicht erfüllen. REACH verlangt eine Bewertung der durch die Verwendung dieser Stoffe resultierenden Risiken. Wenn für Stoffe in einem Gemisch niedrige Grenzwerte (z.b. OELs) oder DNELs/PNECs im Sicherheitsdatenblatt ausgewiesen werden, sollte geprüft werden, ob die vorgeschlagenen Risikomanagement-Maßnahmen und Verwendungsbedingungen diese Stoffe angemessen abdecken. Letztere sollten mit branchenspezifischen Empfehlungen im Einklang stehen. Es sollte systematisch geprüft werden, ob die Expositionsszenarien der Stoffe spezifische Risikomanagement-Maßnahmen und Verwendungsbedingungen für Bereiche und Expositionspfade beschreiben, die nicht auf die Einstufung von Stoffen bezogen sind. Es muss sichergestellt sein, dass diese Informationen bei der Erstellung des Sicherheitsdatenblattes für das Gemisch angemessen einbezogen werden. In diesen Fällen kann eine Änderung der empfohlenen Risikomanagement-Maßnahmen und Verwendungsbedingungen notwendig sein. Hinweis: Es besteht keine Notwendigkeit für ein umfassendes Studium aller relevanten Informationen. Die Kontrollschritte 1 und 2 sollen vorliegende stoffspezifische Informationen berücksichtigen. Dies kann durch eine Screening der vom Lieferanten erhaltenen Expositionsszenarien erfolgen. 3742 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische 8 Vertiefte Bewertung von Gemischen 8.1 Spezifische intrinsische Eigenschaften von Stoffen Wie oben diskutiert, sind einige Gruppen von Stoffen durch den DPD+ Ansatz nicht abgedeckt. Die bedeutendste dieser Gruppen sind als kanzerogen, mutagen oder reproduktionstoxisch eingestufte Stoffe (CMR-Stoffe der Kategorie 1 oder 2). Das Vorkommen einer oder mehrerer CMR-Stoffe der Kategorie 1 oder 2 in einem Gemisch oberhalb ihrer Einstufungsgrenzwerte löst eine weitergehende Bewertung aus, die die Ermittelung adäquater Risikomanagement-Maßnahmen sicherstellen soll, so dass diese kritischen Bestandteile abgedeckt werden. Die Europäische Gesetzgebung zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (darunter die Richtlinie 2004/37/EG) verlangt strenge Expositionsminderung und Schutzmaßnahmen, wenn eine Substitution nicht möglich ist. Im Allgemeinen ist es plausibel anzunehmen, dass durch die Anwesenheit von CMR-Stoffen der Kategorie 1 oder 2 ausgelöste Risikomanagement-Maßnahmen am Arbeitsplatz auch zu adäquaten Schutzmaßnahmen für andere Stoffe führen. Für einige Stoffe allerdings beziehen sich die CMR-Eigenschaften nur auf einen bestimmten Expositionspfad. So sind Nickelverbindungen beispielsweise mit R49 eingestuft ( Kann Krebs erzeugen beim Einatmen ) und Risikomanagement-Maßnahmen würden darauf abzielen, allein die inhalative Exposition zu begrenzen. In solchen Fällen ist die pfadspezifische Konsolidierung der Maßnahmen, die sowohl von CMR-Stoffen als auch von ermittelten Leitsubstanzen ausgelöst werden, obligatorisch. Die gleichen Prinzipien sind auch auf andere Stoffe mit spezifischen Gesundheitsgefahren, wie Atemwegssensibilisierer, PBT- oder vpvb-stoffe, anzuwenden, die ebenfalls nicht im Anwendungsbereich von DPD+ liegen. Für einige bekannte Atemwegssensibilisierer wie Toluoldiisocyanate (TDI) oder 4,4'-Methylendiphenyldiisocyanat (MDI) stehen branchenspezifische Leitlinien zur Verfügung, die für eine vertiefte Bewertung verwendet werden können. Beispielsweise gibt die European Diisocyanate and Polyol Producers Association auf ihrer Website (http://www.isopa.org) wertvolle Informationen zu Sicherheit und Gesundheit. Die deutsche Technische Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 430 bietet Hilfestellung sowohl bei der Bewertung der Gefahren und der Exposition als auch bei der Identifizierung von Risikomanagement-Maßnahmen für Isocyanat-Arbeitsplätze. Bei PBT- und vpvb-stoffen ist die Umsetzung von Risikomanagement-Maßnahmen notwendig, die die Exposition und Emissionen soweit wie möglich minimieren (REACH Anhang I, 6.5). Für diese Substanzen ist eine quantitative Risikocharakterisierung nicht möglich. Weitere Anleitungen werden in Kapitel R.11 der ECHA-Leitlinien zu Informationsanforderungen und Stoffsicherheitsbeurteilung (ECHA 2008) gegeben. 3843 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Zurzeit existiert keine allgemein harmonisierte und verabschiedete Strategie zur Testung von endokrin wirksamen Chemikalien und zur Bewertung, ob diese zu adversen Effekten (endokrine Störung) führen. Dies ist für jeden Fall einzeln zu untersuchen. Zur Ermittlung geeigneter Risikomanagement-Maßnahmen kann die vorliegende Erfahrung im Umgang mit beispielsweise (nach Richtlinie 67/548/EWG) als reproduktionstoxisch eingestuften Stoffe als Ausgangspunkt dienen soweit keine weiteren Informationen aus dem Stoffsicherheitsbericht für diese Stoffe vorliegen. Vertiefte Bewertung im Fall von CMR-Stoffen das Beispiel Borate Mit der ersten Anpassung an den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008, wurden Borate wie Natriumtetraborat als reproduktionstoxisch (Repr. Cat. 2, R60-61) eingestuft. Daher sind Gemische, die die Stoffe in Konzentrationen 4,5% enthalten, als reproduktionstoxisch (Kategorie 2) einzustufen. Für Natriumtetraborat kann ein NOAEL für reproduktionstoxische Wirkungen aus verlässlichen experimentellen Studien ermittelt werden, der dann die Ableitung eines DNEL ermöglicht. Als Konsequenz ist der spezifische Konzentrationsgrenzwert mit 4,5% bedeutend höher als der allgemeine Konzentrationsgrenzwert von 0,5% für R Dieser DNEL kann für die stoffspezifische Bewertung systemischer Wirkungen nach inhalativer und dermaler Exposition verwendet werden. In dieser Bewertung ermittelte Risikomanagement- Maßnahmen können mit denen verglichen werden, die mittels der DPD+ Methode für die Leitsubstanzen über alle Pfade und Endpunkte bestimmt wurden. 8.2 Spezifische Verwendungsbedingungen Spezielle Formen der Anwendung von Gemischen erfordern Betrachtungen, die über den üblicherweise angewandten Einzelstoff-Ansatz hinausgehen. Beispielsweise führen Sprühanwendungen zur Bildung beträchtlicher Aerosolmengen. Unabhängig von den gefährlichen Eigenschaften der im Aerosol enthaltenen Stoffe kann die Einatmung großer Partikelmengen die Fähigkeit der menschlichen Lunge zur Selbstreinigung und Regeneration beeinträchtigen. Zudem führt die vergrößerte Oberfläche während des Sprühens zu einer beschleunigten Freisetzung flüchtiger Stoffe. Daher haben viele EU-Staaten selbst für inerte Materialien wie Eisen oder Aluminium Arbeitsplatzgrenzwerte für Staub und/oder Feinstaub (Durchmesser < 10 µm) aufgestellt. Deutschland hat Arbeitsplatzgrenzwerte (allgemeiner Staubgrenzwert) für alveolengängigen Feinstaub von 3 mg/m 3 verabschiedet. Für Lackaerosole kann nach BG-Regel 231 der BG BAU (Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft) die analytische Bestimmungsgrenze von 1,45 mg/m 3 zur Beurteilung der Gefährdung herangezogen werden. Es ist offensichtlich, dass die Konzentrationen an einatembarem Lackaerosol im Atemluftbereich des Anwenders diese Grenzwerte leicht überschreiten, so dass Atemschutzausrüstung selbst bei effektiver Lüftung obligatorisch ist. 3944 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Andere Beispiele für Verwendungsbedingungen, bei denen Risikomanagement-Maßnahmen durch andere als stoffspezifische gesundheitliche Erwägungen ausgelöst werden, ist die Entstehung von Feinstäuben und Rauchen in der Metallindustrie und anderen industriellen Umgebungen. Ferner kann während der Lebensdauer vieler Produkte (z.b. Lackierungen) durch Tätigkeiten wie Mahlen, Sandstrahlen und Polieren, sowie beim Recycling Staub entstehen, was speziell zu berücksichtigen ist. 8.3 Wechselwirkungen zwischen Stoffen eines Gemisches Die Gefährdungsbeurteilung eines formulierten Produktes kann von der stoffbezogenen Gefährdungsbeurteilung abweichen, da einige Eigenschaften sich signifikant verändern. Die mit dem Staubungsverhalten und den Oberflächeneigenschaften von Partikeln (quarzähnliche Partikel, Nanopartikel) assoziierten Gefahren sind vernachlässigbar, so lange diese Partikel in eine Polymermatrix eingebunden sind. Die Entzündlichkeit von Feststoffen (Aluminium, Nitrozellulose) ist unterhalb bestimmter Konzentrationen irrelevant. Die Ätzwirkung organischer Säuren und Amine geht aufgrund der Puffermechanismen des formulierten Produktes verloren (Antagonismus). Die aus dem Flammpunkt abgeleitete Einstufung kann bei wasserbasierten Materialien unzutreffend sein. Auf der anderen Seite können sich gesundheitsgefährdende Eigenschaften in Gemischen unter bestimmten Umständen verstärken (Synergismus). Einige Stoffe, wie Dimethylsulfoxid, können die Hautpenetration von anderen Stoffen erhöhen und somit zu einer stärkeren Toxizität nach dermaler Exposition führen. Die Bewertung der spezifischen Eigenschaften von Gemischen hängt wesentlich von dem Expertenwissen des Formulierers ab, weil die Wirkungen einer Vielzahl möglicher Kombinationen von Stoffen in einem Gemisch nicht vorausgesehen werden können. Abschnitt 11 enthält mehr Einzelheiten zu den verschiedenen Eigenschaften von Gemischen. 9 IT Unterstützung zur Erstellung von Sicherheitsdatenblättern von Gemischen Viele Unternehmen erstellen Sicherheitsdatenblätter für ihre Chemikalien in einem automatisierten Prozess. Unternehmen, die Hunderte und Tausende von Produkten herstellen, haben keine andere Wahl, zumal die Sicherheitsdatenblätter oft in mehr als 30 Sprachen erstellt werden. REACH erfordert es, zusätzliche Informationen aus stoffbezogenen Expositionsszenarien in die Sicherheitsdatenblätter der Gemische einzubeziehen. Um diese Anforderung effektiv umzusetzen, muss auch dieser Einbezug soweit als möglich automatisiert erfolgen. Der Anteil an Handarbeit in Form individueller Expertenentscheidungen sollte daher soweit als möglich verringert werden. (Für die abschließende Qualitätssicherung des automatisiert 40 45 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 erstellten Sicherheitsdatenblattes allerdings bleibt eine Beurteilung durch eine Person mit Fachkenntnis erforderlich). IT Systeme können die Aufgaben unterstützen, die zur Erstellung eines erweiterten Sicherheitsdatenblattes in den vorhergehenden Kapiteln 6 bis 8 beschrieben wurden. Dies wird erleichtert, wenn die zusätzlichen Informationen in den Expositionsszenarien der Stoffe einheitlich und baustein-artig strukturiert sind. Die folgende Abbildung 5 zeigt eine generelle Vorgehensweise, um erweiterte Sicherheitsdatenblätter in einem automatisierten Prozess zu erstellen 17. Abbildung 5 Elemente eines IT Systems zur Erstellung erweiterter Sicherheitsdatenblätter (esdbs). In einer eigenen Datenbank werden Informationen gespeichert, die sich auf die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung aller Rohstoffe beziehen (CLP Daten) und Daten aus Expositionsszenarien dieser Rohstoffe (diese Rohstoffe sind Stoffe oder Gemische). Aus dieser Datenbank werden Informationen zu den Inhaltsstoffen des jeweiligen Gemisches 17 Die folgenden drei Abbildungen wurden ausgearbeitet durch Herrn Morabito, DuPontCoatings. Grundlage ist das IT System, das in diesem Unternehmen zur Erstellung von Sicherheitsdatenblättern eingesetzt wird. 4146 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische entnommen und in einer zweiten Datenbank gespeichert. Weitere Datenbanken enthalten Standardsätze für die Inhalte der Sicherheitsdatenblätter, Beschreibungen der Verwendungen der Produkte, passende Risikomanagement-Maßnahmen, Produktrezepturen und Daten zu den physikalisch-chemischen Eigenschaften der Gemische. Grundlage für die Erstellung des erweiterten Sicherheitsdatenblatt des Gemisches sind dann die stoffliche Zusammensetzung und die physikalisch-chemischen Eigenschaften des Gemisches. Bereits heute geschieht in vielen Fällen die Anwendung der Zubereitungsrichtlinie zur Einstufung und Kennzeichnung von Gemischen in einem automatisierten Prozess. Zusätzlich erforderliche Bewertungsschritte können in existierende IT Systeme zur Erstellung von erweiterten Sicherheitsdatenblättern integriert werden, z.b. die Identifizierung von Leitsubstanzen. Wie im Kapitel 8 beschrieben, sind zur weitergehenden Bewertung von Gemischen zusätzliche Fachentscheidungen erforderlich. Wenn sie sich auf Standardsituationen beziehen, können sie in die IT Entscheidungsbäume aufgenommen werden, z.b. ob das Gemisch Stoffe enthält, die als CMR 1 oder CMR 2 Stoffe eingestuft sind (siehe Kapitel 8.1). Eigenschaften dieser Art können eindeutig anhand der Ergebnisse der Stoffeinstufung festgestellt werden. Zusätzlich können weitere Risikomanagement-Maßnahmen automatisch im Sicherheitsdatenblatt genannt werden, die sich auf besondere Anwendungsbedingungen beziehen (z.b. Sprühanwendungen mit Aerosolbildung). Voraussetzung hierfür ist, dass Hinweise auf diese besonderen Anwendungsbedingungen in der entsprechenden Datenbank beim jeweiligen Produkt angegeben werden. Die Abbildungen 6 und 7 zeigen Beispiele für Entscheidungsbäume, die in IT Systemen umgesetzt werden können zur automatisierten Erstellung erweiterter Sicherheitsdatenblätter. Grundlage ist ein existierendes System in einem Unternehmen, das Beschichtungsprodukte herstellt. Die Entscheidungsbäume zeigen daher sowohl die generelle Struktur, als auch unternehmensspezifische Elemente, z.b. Bausteine für Sprüh-Anwendungen. Im Einzelfall hängt es von der internen Organisation eines Unternehmens und seinen Produkten ab, wie der Entscheidungsbaum im Detail aufgebaut ist. 42 47 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Abbildung 6 Entscheidungsbaum zur Umsetzung einer vertieften Bewertung von Gemischen in einem automatisierten Prozess. Der Schwerpunkt liegt auf besonderen Eigenschaften der Inhaltsstoffe des Gemisches. In der Abbildung 6 bilden die Ergebnisse aus der Anwendung der DPD+ Methodik den Startpunkt des Entscheidungsbaumes. Die Prioritätsstoffe und weitere Leitsubstanzen wurden identifiziert. Die Informationen in der Datenbank erlauben eine automatisierte Beantwortung der Frage, ob für die Leitsubstanzen Expositionsszenarien vorhanden sind. Wenn dies nicht der Fall ist, werden Informationen aus anderen Quellen genutzt, um angemessene Risikomanagement-Maßnahmen zu finden. Beispiele für solche Quellen sind vorhandene Sicherheitsdatenblätter oder Expositionsabschätzungsinstrumente, in denen Vorschläge für Maßnahmen gemacht werden (z.b. das Einfache Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe (EMKG), siehe hierzu Kapitel 6.1, Tabelle 1, Abschnitt 7.3 und den Anhang III). Erfahrungen aus der Praxis zeigen außerdem, dass in den meisten Fällen Lieferanten von Rohstoffen bereit sind 4348 Mai 2010 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische zusätzliche Informationen zu ihren Produkten zur Verfügung zu stellen, wenn dies für die Erstellung der erweiterten Sicherheitsdatenblätter der Gemische erforderlich ist. Die Abbildung 6 zeigt zwei weitere Entscheidungsfragen, die automatisiert beantwortet werden können: Enthält das Gemisch Stoffe, die sensibilisierend auf die Atemwege wirken können? Enthält das Gemisch Stoffe, die als karzinogen, mutagen oder reproduktionstoxisch Kategorie 1 oder 2 eingestuft sind? Falls dies der Fall ist, müssen die Risikomanagement- Maßnahmen im Expositionsszenario angepasst werden, um die eventuellen Risiken durch diese spezifischen Stoffeigenschaften angemessen zu kontrollieren. Besondere Anwendungsbedingungen eines Gemisches können ebenfalls die Expositionssituation verändern. Daher sind sie im Sicherheitsdatenblatt zu berücksichtigen. In Abbildung 7 wird ein Entscheidungsbaum gezeigt, der auf drei Besonderheiten der Anwendung eingeht: hohe Prozess-Temperaturen, Einsatz von Gemischen als Teil von 2-Komponenten- Systemen und Anwendungen, bei denen Gemische gesprüht werden. 44 49 REACH Praxisführer / Teil III: REACH und Gemische Mai 2010 Abbildung 7 Entscheidungsbaum zur Umsetzung einer vertieften Bewertung von Gemischen in einem automatisierten Prozess. Der Schwerpunkt liegt auf Besonderheiten bei den Anwendungsbedingungen. Bei hohen Prozesstemperaturen und bei Sprühanwendungen werden in den Sicherheitsdatenblättern der Gemische zusätzliche spezifische Risikomanagement-Maßnahmen genannt. Für sie sind generische Beschreibungen verfügbar, die die vorher ermittelten stoffspezifischen Daten ersetzen bzw. ergänzen. Wenn Gemische als Teil eines Zwei-Komponentensystems eingesetzt werden, wird im beschriebenen IT System eine zusätzliche Produktbeschreibung erzeugt. Sie bezieht sich auf die Zusammensetzung der gebrauchsfertigen Mischung der beiden Komponenten (diese 45 Mehr anzeigen
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