Source: http://david-forum.xobor.de/t371f10-Vorsicht-Falle-Mediation.html
Timestamp: 2018-03-25 01:13:25
Document Index: 192513455

Matched Legal Cases: ['§ 58', '§ 26', '§ 26', '§ 26', '§ 79', '§ 79', '§ 80', '§ 103', '§ 103']

Unsere Neuen » Vorsicht Falle: Mediation
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#1 von Trauler , 01.11.2014 19:04
In einem jüngst ergangenen Urteil eines kirchlichen Gerichts wurde noch einmal -und einmal wieder - auf "Mediation" als Mittel im Konflikt zwischen einem Kirchenvorstand und einer Pfarrperson hingewiesen. Dem gegenüber gilt: VOR MEDIATION ALS HILSMITTEL IN GEMEINDEKONFLIKTEN KANN NUR MIT ALLEN NACHDRUCK GEWARNT WERDEN! PFARRPERSONNEN MÜSSEN SICH DEM KONSEQUENT VERWEIGERN1
Ich will das erklären und begründen. "Mediation" kam Mitte der 80er Jahre aus den USA zu uns. Sie wurde als Vermittlungsverfahren in Scheidungsprozessen angepriesen und auch geübt. Als Vorstandmitglied des ältesten deutschen Eheberaterverbandes habe seinerzeit miterlebt wie zwei Münchener Rechtsanwälte diese Beratungsmethode mit Juristen trainierten. Ziel war und ist noch heute, dass aus einem strittigen Scheidungsprozess eine einvernehmliche Scheidung würde. Was Eheberater auf ihrem Gebiet schon vorher mit Erfolg praktizierten, sollten Juristen übernehmen.: Dabei lag die Erfahrung zugrunde, dass streitende Eheleute einem Rat zur Ehe- und Scheidungsberatung in der Mehrzahl nicht folgten. Eine Beratung zum Frieden - also einer einvernehmlichen Scheidung - wurde gewissermaßen als Versuch in den juristischen Prozess eingebaut. MEDIATION IST EIN VERFAHREN IN SCHEIDUNGSKONFLIKTEN ODER ÄHNLICHEN PROZESSEN. Näheres ist hier nicht wichtig. Wichtig ist nur eins: Bei einer klassischen Mediation stehen sich zwei gleichwertige Partner gegenüber. Sie haben beide etwas zu gewinnen oder etwas zu verlieren. Bei Verweigerung zum Ausgleich oder Kompromiss greifen Z: b: die gesetzlichen Regelungen für eine Scheidung. Beide können durch diese Regelungen etwas verlieren oder gewinnen.
In einem Gemeindekonflikt stehen sich jedoch nicht zwei Einzelpersonen gegenüber. Vielmehr kämpft eine Gruppe gegen einen Einzelnen. Sollte die Situation eintreten, dass entweder der Pfarrer aus der Gemeinde "geht" oder der Kirchenvorstand seines Amtes enthoben wird, könnte man annäherungsweise von einer Gleichwertigkeit sprechen. Aber selbst diese ist in einem solchen Fall nicht gegeben. Die Pfarrperson verliert durch kirchenamtliche Amtsenthebung Wohnung und Einkünfte. Die Kirchenältesten kehren in ihren Wohnungen und wirtschaftliche Sicherheit zurück. Für sie gibt es keinen Zwang oder irgendwelchen Druck. MEDIATION IM GEMEINDEKONFIKT HÄNGT EINSEITIG VOM GUTEN WILLEN EINES PARTNERS AB.
Mittel der Wahl ist eine "ANGEORDNETE SUPERVISION". Sie muss tunlichst einen amtlichen Charakter haben und unter Beisein von Superintendent etc. erfolgen. Eine Verweigerung seitens der Pfarrperson würde zum Ablauf einer Amtsenthebung führen. Eine Verweigerung des Kirchenvorstandes müsset konsequenterweise die Auflösung dieses Gremium zur Folge haben. Als nicht "friedensfähig" haben die Mitglieder das verlassen, was sie einmal gelobt und scheiden konsequenterweise aus ihrem Dienst aus.
RE: Vorsicht Falle: Mediation
#2 von Trauler , 02.11.2014 17:36
Lieber Dr. Arndt,
wir hatten ja schon gelegentlich das Vergnügen unterschiedliche Erkenntnisse auszutauschen. In der Tat sin die Unterschiede zwischen einer Mediation und einer Supervision subtilerer Art. Noch einmal: Mediation war und ist ursprünglich ein anerkennenswertes Werkzeug im Ehestreit. Sie gehört in die Beziehung gleichwertiger und gleichbelasteter Partner. Superversion kann Einzelsupervision sein und Gruppensupervision. Sie kann freiwillig und pflichtgemäß - angeordnet - sein. In der Weiterbildung zum Eheberater - auch zum Psychotherapeuten - müssen sich Betreffende einer Supervision unterziehen. Es liegt nicht in ihrer Freiwilligkeit. Auch Mitarbeiter von Beratungsstellen müssen das tun. Die Teilnahme an einer Superrevision ist also nicht beliebig. Die im Artikel "Ade, Freiheit der Verkündigung und Seelsorge, der Ihnen dem Vernehmen nach einmal zuging, ist eine Situation beschrieben, die ich meine: Supervision als offizielle Sitzung des KV unter "amtlicher" Leitung des Superintendenten und fachlicher Leiters des Supervisors. In dieser Konstellation ist sie nicht einseitig abzubrechen. Dabei muss zwangsläufig - wenn es sich denn um einen qualifizierten Supervisor handelt - deutlich werden, wo die Probleme liegen. Ein halbwegs gestandener Supervisor würde die Tatschlagsphrase "Wir haben keine Vertrauen mehr" nicht stehen lassen können.
Aber sie haben Recht. Auch eine Supervision ist kein Allheilmittel. Aber sie könnte jene unselige Möglichkeit einer Versatzung "wegen nachhaltiger Störung" minimieren. Im halbwegs offenen Dialog könnten die wirklichen Konflikte und Hintergründe aufgedeckt werden. Freilich: Dies setzt ein pflichtgemäßes Amtsverständnis der Vertreter der Mittelinstanz voraus. Diese Arbeit hat aber eine andere Zielrichtung als Mediation. Worum es bei dieser geht, hoffe ich gezeigt zu haben.
#3 von Joringel , 03.11.2014 10:56
Lieber Trauler,
Du scheinst Dich ja auf dem Gebiet gut auszukennen. Was ist denn von einem Coach zu halten, der eingesetzt wird, um zwei Teams zur Zusammenarbeit zu bewegen. Team A kommt hervorragend mit der Teamleiterin klar, Team B fährt eine absolute Verweigerungshaltung gegenüber der Teamleitung und versucht auch Team A zu beeinflussen. Wo sollte Deiner Meinung nach der Coach ansetzen und was genau sind seine Aufgaben? Deine Antwort könnte mir helfen in einer konkreten Situation in meinem Verantwortungsbereich klarer zu sehen.
#4 von Trauler , 04.11.2014 12:12
Liebe(r) Joringel,
diese kurze Frage ist eine von denen, die "man" eigentlich nicht beantworten kann, was ich nicht als Tadel verstanden wissen möchte. Präzis: Um eine gute Antwort zu geben, müsste ich viel mehr Einzelheiten wissen - gegebenenfalls im direkten E-Mail-Kontakt. (Die Adresse kennt der David-Vorstand.) Eine Antwort gebe ich jedoch. Bei Problemen gilt der Grundsatz, dass sich jeweils nur ein Konflikt zur Zeit lösen lässt. Die geschilderte Situation erweckt bei jedoch den Eindruck, dass es zumindest um zwei Konflikte geht. Einmal geht es um die Zusammenarbeit zweier Arbeitsgruppen. Zum anderen geht es um den Konflikt in "Team B". Dieser Konflikt wäre - ist - zuerst zu bearbeiten. Bei näheren zusehen könnte es sich dabei wieder um mehrere Konflikt handeln. Aus der Schilderung ist mir nicht deutlich, ob es sich um unterschiedliche Leitungen handeln oder nicht. Mir ist auch nicht klar, was unter Zusammenarbeit zu verstehen ist. Es könnte sich bei diese Situation um eine eher komplizierte und mehrschichtige Angelegenheit handeln, bei der zunächst eine sehr geduldige Analyse und Bestandsaufnahme nötig ist, weil (s.o.) unterschiedliche Konflikte sich vermengen. - Soviel in Kürze.
#5 von Joringel , 04.11.2014 17:26
Lieber Trauler, erst einmal Danke für Deine "Dennoch-Antwort". Ich verstehe, dass meine Angaben zu unpräzise sind. Leider kann ich nicht deutlicher werden. Der Berufsverband dieser Spezies gibt sehr anschaulich Auskunft über die Aufgaben eines Coaches.
[/b]Definition Coaching[/b]
[b]Als ergebnis- und lösungsorientierte Beratungsform dient Coaching der Steigerung und dem Erhalt der Leistungsfähigkeit. Als ein auf individuelle Bedürfnisse abgestimmter Beratungsprozess unterstützt ein Coaching die Verbesserung der beruflichen Situation und das Gestalten von Rollen unter anspruchsvollen Bedingungen.
#6 von Achim , 04.11.2014 21:31
Lieber Trauler, liebe Freunde,
bin Dir und Euch für Eure Beiträge in Sachen Mediation ausserordentlich dankbar. Das Thema " Mediationsfalle" sehe ich als nebenberuflicher Mediator etwas anders, will mich der aktuellen Diskussion nicht verschließen, bitte nur höflichst um Nachsicht, dass wir (und ich) uns jetzt erst einmal nur auf die reibungslose Abwicklung des diesjährigen Jahrestreffens in Eisenach konzentrieren. Einverstanden?
#7 von Trauler , 06.11.2014 19:55
(ich gehe jetzt einmal davon au, dass ich mir einer Damen spreche). Danke für die Mitteilung über die Aufgaben eines Coaches. Sie kann und wird auch bei anderen für eine gute Klarheit sorgen. Deutlich wird - wovon ich selbst auch bisher immer ausging - dass ein Coach kein Supervisor ist, obwohl seine Aufgaben mit denen in der Einzelsupervision überschneiden. Aufdecken von Gemeindekonflikten und Konfliklösung gehören jedoch nicht zu den klassischen Aufgaben eines Coaches.
#8 von Achim , 07.11.2014 00:34
die Anfänge der Mediation mögen in der Konfliktbewältigung zwischen Eheleuten gelegen haben, wo beide Konfliktpartner, wie der Mediator sie nennen würde, sich halbwegs gleichberechtigt gegenüberstehen, anders als in den uns beschäftigenden Konfliktfällen, in denen ein mehrköpfiger Kirchenvorstand (nebst LKA) einem einzelnen/einsamen Pfarrer gegenübertritt, wobei die Mitglieder des KV anders als der betroffenen Pfarrer keine persönlichen/wirtschaftlichen Konsequenzen zu befürchten hat.
Nun wird man aber schon für die Mediation in Scheidungsfällen bezweifeln dürfen, dass sich die Medianden dort stets "auf Augenhöhe" begegnen (Chefarzt hat Krankenschwester geheiratet). Auch in den Fällen der Scheidungsmediation wird es "Machtgefälle " geben, seien diese nun in den wirtschaftlichen Verhältnissen begründet oder in unterschiedlicher psychischer Robustheit.
In diesen Fällen ist es stets die vornehmste Aufgabe des sachkundigen Mediators, das etwa vorhandene "Machtgefälle" angemessen zu berücksichtigen, was in der Tat leichter gesagt als getan ist.
Allein deshalb, weil zwischen den Medianden ein "Machtgefälle" besteht, folgt daraus noch nicht die Ungeeignetheit der Mediation zur Konfliktbewältigung, macht sie allenfalls und wahrscheinlich nur schwieriger. Als Beleg dafür nehme ich die sich gerade im Arbeitsrecht etablierende Mediation, wo das "Machtgefälle" zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ja naturgegeben vorliegt.
Und dass auf einer oder beiden Seiten der Konfliktparteien mehrere Personen beteiligt sind, führt per se nicht zur Ungeeignetheit der Mediation als Methode/Mittel der Konfliktbewältigung, was ich an der Mediation anlässlich des Konflikts um den Stuttgarter Bahnhof festmache. In solchen Fällen wird die Mediation natürlich schwierig und setzt einen/mehrere erfahrene Mediatoren voraus.
Nach alledem komme ich zu dem Befund, dass die Mediation auch für die uns beschäftigenden Konflikte (Pfarrer versus Kirchenvorstand/LKA) das geeignete Mittel der Konfliktbereinigung ist, wie es ja auch das Pfarrdienstgesetz vorsieht.
Aber der Pferdefuss:
Das Mediationsverfahren war schon immer freiwillig und ist es nach dem Inkraftreten des Mediationsgesetzes erst recht, woran auch dass Pfarrdienstgesetz nichts ändert.
Also kann niemand zur Mediation gezwungen werden, jeder Mediand kann das laufende Mediationsverfahren jederzeit ohne Begründung abbrechen und der Mediator ist zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Ich habe hier heute in unserer Bibliothek den Fall eines betroffenen Pfarrers näher dargestellt, insbesondere die kirchengerichtliche Entscheidung bzgl. der dort entstandenen Verfahrenskosten, die der Kirche auferlegt wurden, weil sie das mehrfache Angebot des Pfarrers einer Mediation ignorierte.
Möchte hier nur vorläufig festhalten, dass das Kirchengericht ernsthafte Bemühungen außergerichtlicher Streitbeilegung nicht erkennen konnte und schon deshalb die Kirche in die Vefahrenskosten verdonnerte.
Aber was geschieht, wenn der Gemeindevorstand/LKA sich nolens volens auf eine Mediation, einlässt,- unter dem Eindruck der vorzitierten Entscheidung? Um anschließend bedauernd mitzuteilen, man habe alles versucht, leider sei die Mediation aber fehlgeschlagen? Herrliches - leicht vorzuschiebendes - Alibiargument.
Ihr merkt schon, dass ich im Ergebnis unserem Freund Trauler näher komme, allerdings mit anderer Begründung:
Ich betreue anwaltlich eine Eurer Pfarrkolleginnen, die sich mit allen Konsequenzen der "Ungedeihlichkeit" ausgesetzt sieht. Vor rund einem Jahr fand in ihrer und meiner Anwesenheit ein unerfreuliches Personalgespräch statt, in dessen Verlauf ich immer wieder vortrug, dass evtl. vorhandene Defizite vorrangig per Mediation zu bearbeiten seien. Eisiges Schweigen.
Wochen später meldet sich plötzlich telefonisch ein Mediator bei ihr. Das Mediationsgesetz schreibt vor, dass die Person des Mediators einvernehmlich zwischen den Konfkliktparteien zu bestimmen sei. Meiner Mandantin wird die Ablehnung dieses Mediators zu Unrecht als Ablehnung der Mediation als solche vorgeworfen.
#9 von Joringel , 07.11.2014 09:17
Ja, das macht Mut. Mutig auch der Betroffene, der das nicht alles als "unvermeidlich" geschluckt hat. Offensichtlich arbeitet die Kirche daraufhin, dass die Betroffenen schon im Vorfeld die Flinte ins Korn schmeißen und viele tun es ja auch. Aber mit welcher Entmutigung, Missmut bis hin zur Verzweiflung! Hier hat einer auch für andere etwas getan. Und noch etwas: Wenn der Betroffene erschöpft war , dann ja wohl aus dienstlicher Überforderung und nicht vom Gocartfahren. Da hätte ja auch mal die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers - lies des anprangernden Superintendenten - greifen können. Wovon träumst Du denn , Joringel?
#10 von Joringel , 08.11.2014 11:47
#11 von wegeem ( Gast ) , 08.11.2014 11:48
Handelt es sich um einen Konflikt oder erfüllen die „Tatbestände“ klare Kriterien von Mobbing?
Die Antwort ist entscheidend für die Wahl der Mittel: Mediation eignet sich bei Konflikten.
In allen Beiträgen, die hier stehen, ist auch nur von Konflikten die Rede.
Allerdings hege ich den Verdacht, daß die Rede nicht mehr von reinen Konflikten ist, sondern eben schon von Mobbing, anteiligem, vermischtem Mobbing. Gerade, wenn es um Gruppen geht, kann das so sein.
Vielleicht schwierig zu erkennen, aber wenn man analytisch und tiefergehend hinschaut, vielleicht doch in den Ansätzen zu erkennen. Das halte ich vorallem für möglich anhand der vielen verschiedenen Mobbingdefinittionen oder Synonymen für Mobbing, die es gibt.
Die helfen schon für die Einordnung, womit man es eigentlich zu tun hat.
Mediation halte ich nicht für eine Methode, um gegen Mobbing vorzugehen.
Ich würde gerne mal ein Protokoll lesen über eine Mediation, wo das als gelungen
dargestellt wird. Nach allem, was ich bisher gehört habe, hat mich noch keiner überzeugen können.
Ausbildungsstätten nehmen gerne in ihren Katalog auf, daß sie mit Mediation auch dem
Mobbing abhelfen können und die zukünftigen Mediatoren tragen das weiter, schon bevor sie jemals einen Nachweis geliefert und einer kritischen Überprüfung standgehalten haben. Das ist in meinen Augen irreführend und fahrlässig.
Ich schließe mich also der obigen Warnung vor Mediation bei Mobbing an.
Wer noch Argumente hat, kann sie aber gerne vorbringen, vielleicht dient das der
wegeem.
wegeem
#12 von Trauler , 11.11.2014 11:52
Achim und "wegeem" haben die Diskussion um die Mediation weitergeführt, gut so. Das führt dazu noch einmal zwei Probleme weiter zu betrachten. Alle mir bekannten Fälle von Vertreibungen vom Pfarrpersonen haben es in irgendeiner Weise mit Mobbing zu tun. Und Mobbing ist - auf eine kurze Formel gebracht und noch einmal formuliert - die Verbindung von durchaus zugrunde liegenden oft mehrfachen Konflikten, verbunden mit emotionalem Prozessen und vor allem ein gehörigen Portion Unwahrheit. Bei Mobbing stoßen wir immer auf Intrigen. Eine angeordnete - sozusagen "amtliche" - Supervision ist bei Pfarrkonflikten darum das Mittel der Wahl, weil eine erste und mitunter langwierige Aufgabe darin besteht, die einzelnen Konflikte zu erkennen und einer Lösung zuzuführen. Ceterum censeo: Mediation ist darum in Gemeindekonflikten ungeeignet und eine Falle, weil sie auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruht. Mir bekannte Fälle haben gerade das gezeigt. Ein Kirchenvorstand lässt die Mediation nach zwei oder drei Sitzungen platzen. Und das geht dann bei "Nachhaltiger Störung" einseitig zu Lasten der Pfarrperson. Da treffe ich mich ja mit Achim, der gern mitunter etwas anderer Meinung ist als ich. Aber das belebt ja und liegt sicher auch an der jeweilig unterschiedlichen Grundkompetenz. Dass er dennoch in der von ihm betreuten Situation einmal Mediation vorgeschlagen hat, nimmt mich dann doch etwas Wunder. Aber das ist ja Vergangenheit.
Auf eines möchte ich hinweisen. Die Gefahr ist, dem Zauber des Wortes zu erliegen. "Mediation" (Vermittlung o. ä.) gibt schon vom Wort her das erwünschte Ziel an. Denn das wollen wir doch alle in Streitfällen, eine Vermittlung und auch gütliche Einigung. Da wirkt Mediation schon vom Wort her wie ein Zauber besonders für alle jene meist in Sachen Streitkultur und Konfliktbearbeitung ahnungslosen Oberkirchenräte. "Supervision" als Methodenangabe wirkt dagegen sperrig, zumal viele Leute sich darunter nichts rechtes vorstellen können.
Nun ist Achim als Mediator in gewisser Weise genauso Partei, wie ich es als langjähriger Supervisor bin. Und natürlich hat Mediation als Beratungs-und Vermittlungsansatz ihren großen Wert. Lieber Achim und da erlaube ich mir einen kleinen Einwand gegen das benannte Machtgefälle. Ei freilich: Manche Scheidungsauseinandersetzung ist nichts anderes als ein verborgener Machtkampf. Und oft spielt die Kompetenz beteiligter Anwälte dabei eine gewaltige Rolle. Davon können - wie es denn mitunter doch geschieht - beteiligte Eheberater "ein Lied singen". Aber das Machtgefälle wird umgrenzt von gesetzlichen Bestimmungen. Und wie das Machtgefälle beim Arbeitskampf aussieht, hat der Streik der Lokführer gezeigt. Eine kleine Gewerkschaft konnte halb Deutschland lahmlegen.
Aber diese Differenzen sind unbedeutend angesichts der Tatsache, das auch Achim die Mediation letztendlich als im Pfarrkonflikt ungeeignet ansieht. Es geht uns ja nicht ums Recht haben sondern darum, in Pfarrkonflikten falsche Wege zu vermeiden.
Ein Letztes: Wir verdanken Joringel eine Auflistung der Aufgaben eines Coaches. Denn das ist das neuste Zauberwort in der "Beratungsszene": Coaching. Diese Liste von Joringel ist es wert, ausgedruckt zu werden - auch wenn sie vermutlich im Internet zu finden ist. Ein Coach ist genauso wie ein Mediator ein Spezialist auf einem bestimmten Beratungssegment. Das ist zu achten. Aber beide Professionen sind in ihren Begrenzungen wahrzunehmen.
#13 von Joringel , 11.11.2014 14:06
Danke für Deinen engagierten Beitrag. Die Rechtslage für betroffene Pfarrer und Pfarrerinnen lädt geradezu zu zu einer engagierten Diskussion ein, da sie ein Skandal ist, den die Kirche in ihrer unerschütterlichen Selbstgerechtigkeit nicht wahrnehmen will. Sonst hätte sie schon längst etwas geändert. Den Verein D.A.V.I.D.e.V. gibt es schon seit mehr als 10 Jahren und er hat immer wieder seine Stimme erhoben, Texte und Appelle geschrieben, um das Unrecht sichtbar zu machen. Ich warte nur noch auf folgende Stellenanzeige: "Evangelische Kirchengemeinde Heilig Geist sucht evangelisch getauften Eventmanager mit Zusatzausbildung in Betriebswirtschaft. Führerschein und eigenes Auto für Dienstfahrten erwünscht, Hebräisch und Homiletik überflüssig. "
Anders sieht es bei Mitarbeitern in Kirche und Diakonie aus. Sie können zwar zum Arbeitsgericht gehen, aber gegen das innerdienstliche Mobbing, die hinterhältigen Attacken und Verleumdungen kommen sie kaum an. Denn schließlich hat der Arbeitgeber die Macht, die Stellen aufzustocken oder zu streichen, willige Handlager für sein Mobbing zu benutzen und zu befördern. Damit kommen die nach oben, die keine Skrupel haben, sie werden "belohnt". Das Arbeitsklima für die/den Betroffene(n) gleicht dem Aufenthalt einer kleinen Forelle in einem Haifischbecken. Es gibt ein verschrecktes Opfer und alle anderen lauern bis sie zuschnappen können. Dafür gibt es dann noch ein Extra-Leckerli von den Vorgesetzten. Und wenn dann noch ein Coach bescheinigt, der auch anderweitig in diesem famosen Biotop Aufträge erhält, dass die Forelle die Haifische provoziert, dass man ihren Zusammenhalt und ihre Stärke nicht genug loben kann, ja, was dann...?
Das Fatale beim Mobbing ist - das "Zeige mir Deine Wunden" funktioniert nicht. Ein blauer Fleck am Arm läßt sich nachweisen, aber eine verwundete Seele sieht man nicht. Oder doch? Wenn wir genau hinschauen sehen wir die Trauer in den Augen, die Fassungslosigkeit und Angst und die Frage: Warum gerade ich? Was habe ich, die kleine Forelle denn den zähnebewaffneten Haifischen getan? Aber schon diese Frage ist verboten, denn dann bekommen die Haifische Schaum vor den Rachen, weil sie sich selbst natürlich für höchst ehrbare Raubfische halten, das hat ihnen der Oberraubfisch auch immer wieder bestätigt. Sie und zuschnappen? ...Eine Frechheit, wer so etwas behauptet. (Wartet mal bis es dunkel ist und keiner hinschauen kann). Am nächsten Morgen sieht man die kleine Forelle nicht mehr im Haifischbecken, vermutlich ist sie freiwillig herausgesprungen. Wir, die Haifische waschen unser Gebiss in Unschuld. Ist ja auch egal, wo die Forelle abgeblieben ist. Der Oberraubfisch hat ja noch seine tapferen Raubfische, man zwinkert sich gegenseitig zu und macht eine Sektchen auf...endlich ist er fort der kleine Fisch mit den aufdringlichen roten Punkten und den erschrockenen Augen und der Trauer im Gesicht. Unter uns Haifischen - er war ja auch wirklich eine Zumutung! Soviel Hinwendung zu benachteiligten Menschen, soviel Verantwortungsgefühl, soviel Einfühlungsvermögen, soviel Freude am Dienst, soviel Gewissenhaftigkeit, soviel fachliches Können - das ist eben nicht normal. Prost für das liebe Haifischrudel, Prost für den/die Rudelführer(in) und Prost für die gute Zusammenarbeit mit dem Coach, der sein Gutachten schon fertig hatte, bevor er sich an die 'Arbeit machte. Ah, fast hätte der Berichterstatter noch etwas vergessen: DAS ALLES GESCHIEHT ZUM WOHLE DER HILSBEDÜRFTIGEN! DENN WENN DIE FORELLE DIE HAIFISCHE MIT IHRER SANFTMÜTIGKEIT PROVOZIERT UND DIESE SICH DANN ÄRGERN UND IHRE WUT AN DEN HILFSBEDÜRFTIGEN AUSLASSEN, WER HAT DANN SCHULD DARAN? RICHTIG - DIE KLEINE FORELLE!
Lieber Trauler, im Übrigen hast Du Recht, die Definition stammt aus dem Internet von dem entsprechenden Berufsverband. Hier ist der Link! http://www.dbvc.de/der-verband/ueber-uns...n-coaching.html
#14 von Robin , 11.11.2014 16:23
Deine Geschichte ist wunderbar! Sie sollte hier nur nicht als Antwort auf Trauler auftauchen. Denn Ihr beide seid ja einer Meinung. Wäre nicht eine eigene Überschrift in der Rubrik "Berichterstattung über Mobbing..." denkbar? Zum Beispiel: "Parabel von einem christlichen Haifischbecken". Denn Du hast ja eine ganz bestimmte Einrichtung, die sich den Dienst an den Schwächsten auf die Fahne schreibt, im Blick. Kopiere doch Deine Geschichte und stelle sie unter den Mobbingberichten für alle Interessenten noch einmal ein.
#15 von Achim , 11.11.2014 16:36
" Da treffe ich mich ja mit Achim, der gern mitunter etwas anderer Meinung ist als ich."
Köstlich. So macht das "Streiten" sogar Spaß und Freude, - ohne jede Ironie.
"...und liegt sicher auch an der jeweilig unterschiedlichen Grundkompetenz."
Wohl wahr. Eröffnet allerdings die Chance, voneinander zu lernen, - befinde mich gerade im Lernprozess.
" Dass er dennoch in der von ihm betreuten Situation einmal Mediation vorgeschlagen hat, nimmt mich dann doch etwas Wunder."
Kann ich nachvollziehen. Aber:
Das neue Pfarrdienstgesetz verpflichtet den kirchlichen Dienstherrn - gut versteckt unter der Überschrift "Dienstaufsicht" (§ 58 Abs.1 i.V.m. § 26 Abs. 5), aber verbindlich, bei Konflikten diesen einerseits rechtzeitig, andererseits mit geeigneten Mitteln zu begegnen.
Sodann zählt § 26 Abs. 5 S. 2 beispielhaft auf, welche "geeigneten Mittel" in Betracht kommen (Visitation, Mediation, Gemeindeberatung, Supervision).
Aus Sinn und Zweck dieser Vorschrift folgt, dass der Dienstherr aktiv zur Befriedung beitragen soll oder muß. Soll oder muß? Das ist hier die juristische Frage.
Der amtlichen Begründung zu § 26 dort Ziff.21 läßt sich entnehmen:
"Es wird erhofft, dass diese Regelung auch hilft, Versetzungsverfahren nach §§ 79,80 zu vermeiden." Klingt gut. Die kalte Dusche folgt im nächsten Satz der amtlichen Begründung:
"Allerdings ist die Anwendung der hier genannten Mittel nicht obligatorische Voraussetzung einer Versetzung nach § 79 Abs. 2 Satz 2 Nummer 5 (vgl. Begründung zu § 80)".
Da bin ich aus verschiedenen Gründen anderer Auffassung, insbesondere angesichts des § 103 ( auch wieder versteckt und verklausuliert: Verhältnismäßigkeitsprinzip; das Nachlesen der amtlichen Begründung zu § 103 empfiehlt sich sehr, Stichwort: Zumutbarkeit).
In meiner damaligen Beratungssituation ging es mir vorrangig darum, den Dienstherrn überhaupt in Sachen Befriedung aktiv in die Pflicht zu nehmen, sehenden Auges, dass er offenkundig an keiner aussergerichtlichen Lösung wirklich ernsthaft interessiert war. Ich habe ihm damals Mediation, Mediation und Mediation vorgeschlagen, eigentlich in der Vorstellung, er würde sie ablehnen. Diesen Eindruck konnte und mußte ich zunächst auch gewinnen. Ich wollte im dann nachfolgenden Verfahren die Ablehnung der Mediation für meinen Mandanten gewinnbringend einsetzen ( s.o.). Allerdings: das LKA hat diese "Falle" dann spät, aber doch gesehen und ein Mediationsverfahren eingeleitet, jedoch sehr dilettantisch, ohne Kenntnis des Mediationsgesetzes, das verbindlich vorschreibt, dass die Medianden sich auf einen Mediator verständigen müssen, er also nicht einseitig vom LKA vorgegeben werden darf, wie hier geschehen. Denke also, meinen Mandanten noch aus der " Mediationsfalle" befreien zu können.
hier im Forum sprechen wir uns den Gepflogenheiten anderer Foren folgend generell ohne Rücksicht auf Namen, Beruf und Titel "per Du" an, respektieren aber selbstverständlich, den Wunsch "per Sie" angesprochen zu werden, wenn er denn geäußert wird.
Deine Argumentation "Mediationsfalle" hat mich überzeugt. Könntest Du diesen Deinen Beitrag nicht irgendwo "zitierfähig" unterbringen?