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Timestamp: 2020-04-08 12:31:51
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Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EGMR', 'EuG', 'EuG', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EuG']

by Felix Magin » 2016-05-29 13:24
Bebbi wrote: Nassauskiesung sagt mir tatsächlich was, das Datum etc. nicht. Wobei ich mich frage, ob ich so einen Entscheidungsnamen selbst festlegen kann im Rahmen einer Arbeit. Mein Eindruck ist ja, dass das eher Namen sind, die sich im laufe der Zeit herausbilden und irgendwer muss damit anfangen ...
Bei EuGH-Entscheidungen legt der Gerichtshof den "Trivialnamen" auch selbst fest. Allerdings hält sich die Literatur nicht immer dran. Die berühmte "Cassis-de-Dijon-Entscheidung" (sicherlich unter den Top 10 der bekanntesten EuGH-Entscheidungen) heißt offiziell auch "Rewe / Bundesmonopolverwaltung für Branntwein". Die Namen entnimmt man der Überschrift der Entscheidung auf der Website des EuGH ([url]curia.europa.eu[/url]). In Deutschland wird sie aber von den Meisten "Cassis de Dijon" genannt - in Frankreich interessanterweise oft "Rewe Zentral" - was ja ebenfalls nicht ganz stimmt, aber dem echten Entscheidungsnamen näher kommt.
Überhaupt entsteht der Kurzname oft aus dem Namen einer oder beider Parteien. Nassauskiesung und Volkszählung sind hier natürlich schlechte Beispiele, aber das Lüth-Urteil des BVerfG, die Bosphorus-Entscheidung des EGMR oder die Keck-Entscheidung des EuGH sind halbwegs gute Beispiele. Halbwegs gute Beispiele, weil die Keck-Entscheidung auf Deutsch offiziell "Keck und Mithouard" heißt, und auch bei uns oft "Keck et Mithouard" genannt wird, weil die beiden Herren Franzosen sind. Also hast Du im Grunde recht: Einen wirklich verbindlichen Namen gibt es im (erweiterten) deutschen Rechtskreis wohl nicht. Ein starkes Indiz ist es aber, wenn das gleiche Gericht in einer späteren Entscheidung einen Namen für die vorherige verwendet. Das BVerfG spricht, glaube ich, zuweilen von der Nassauskiesungs-Entscheidung oder vom Lüth-Urteil. Dann ist man auf der sicheren Seite, wenn man den Namen verwendet.
Im anglo-amerikanischen Raum kann das "Finden" des Namens einfacher sein, aber darüber weiß JJ sicherlich mehr als ich.
Ich habe mir angewöhnt, bei EuGH- und EGMR-Entscheidungen in der ersten Nennung die Streitparteien vollständig zu nennen (bei deutschen Urteilen sind die ohnehin wegzensiert). Wenn mein Kurzname sich nicht aus den Streitparteien ergibt, füge ich den noch in Klammern und Anführungszeichen an. Wenn er eine Verkürzung der Streitparteien ist, verzichte ich auf die Mitteilung meines Kurznamens - ich nenne ja sowieso immer auch die erste Fußnote, sodass der Leser im Zweifel nachsehen kann:
EGMR – Bosphorus Hava Yolları Turizm ve Ticaret Anonim Şirketi // IRL, Urt. v. 30.06.2005 – 45036/98, NJW 2006, S. 197
EGMR – Bosphorus (Fn. X), NJW 2006, S. 197
Bebbi wrote: Am meisten Probleme bereit mit als Nicht-Juristen, dass es diverse Traditionsstränge gibt, wie man was angibt und man auch mit google nicht immer die anderen Angaben findet
Kopf hoch - eigentlich kannst Du nicht viel falsch machen. Wenn der Nachweis eindeutig und übersichtlich ist, ist der Hauptteil gemacht. Alles darüber hinaus ist entweder vorgeschrieben (wenn man für jemanden oder bei jemandem schreibt) - dann kann man dort nachfragen; oder eine Frage der persönlichen Vorlieben - dann muss es nur konsequent verwendet werden (Kinderspiel mit Citavi) und eindeutig sein. Bei konkreten Fragen wäre es mir eine Freude, Dir auch künftig zu helfen (gern auch per PN, dann müssen wir keinen Thread dazu finden...).
Bebbi wrote: Würde euch Juristen dann die Haare zu Berge stehen, wenn ich als Fundstelle
Bundesverfassungsgericht Entscheidungen online [bverwg.de > Entscheidungen]
angeben würde?
Hier also - je nach Zitationsstil z. B.
BVerwG, Urteil vom vom 17.12.2002; 4 C 15.01; Bundesverfassungsgericht Entscheidungen online [bverwg.de > Entscheidungen]
Zunächst mal halte ich die Semikola zwischen Datum, Aktenzeichen und Fundstelle für verwirrend, weil für mich ein Semikolon in der Fußnote das Ende eines Nachweises anzeigt. Aber das ist vermutlich nur ein Tippfehler Deinerseits gewesen, genau wie das doppelte "vom" oder dass Du "Bundesverfassungsgericht" geschrieben hast, obwohl es um ein Bundesverwaltungsgerichtsurteil geht.
"Bundesverfassungsgericht Entscheidungen online" stört mich auf sprachlicher Ebene, weil wir im Deutschen kein "Binde Leer Zeichen" haben, anders als im Englischen ;-) . Ein zusammengesetztes Substantiv ("Bundesverfassungsgerichtsentscheidungen online") oder eine Bindestrichkonstruktion ("BVerfG-Entscheidungen online") gefielen mir hier deutlich besser.
Aber ich bin kein Germanist, deswegen ist das nur meine persönliche - absolut unverbindliche und bisweilen überhebliche - Meinung.
Wenn ich solch eine Fußnote läse, würde ich mich fragen, ob es überhaupt nötig war, der Datenbank noch einen Namen zu geben.
BVerwG, Urteil vom 17.12.2002 - 4 C 15.01 -, bverwg.de > Entscheidungen
BVerwG, Urteil vom 17.12.2002 - 4 C 15.01 -, bverwg.de
Würden mir völlig ausreichen (wie gesagt, wer auf bverwg.de geht, um eine Entscheidung zu suchen, wird schon selbst auf die Idee kommen, dass er auf "Entscheidungen" klicken sollte).
Aber wenn Du dem Kind einen Namen geben möchtest, darfst Du das natürlich gerne tun! Bei der Namenswahl wäre ich vielleicht nochmal vorsichtig: Bundesverwaltungsgerichtsentscheidungen (BVerwGE) ist ja der Name der so genannten amtlichen Sammlung (wie amtlich die wirklich ist, weiß ich nicht, aber das ist ein anderes Thema). Wenn Du die Datenbank jetzt als "Bundesverwaltungsgerichtsentscheidungen online" bezeichnest, legt das die Vermutung nahe, es handele sich um die Online-Ausgabe der BVerwGE (wie beispielsweise Spiegel online). Ob das so ist, weiß ich nicht; solange ich es nicht weiß, würde ich aber die Verwechslungsgefahr vermeiden wollen, indem ich etwa "(Online-)Datenbank des BVerwG" schreibe (wahlweise mit oder ohne dem Klammerinhalt).
Zuletzt noch ein - vermutlich wieder sehr juristischer - Gedanke: In die BVerwGE (also die Druckversion) kommen nur diejenigen Entscheidungen, die von den BVerwG-Richtern für wichtig genug erachtet werden (anders als bei den BVerfGE, in die alle Entscheidungen kommen - daher auch mein Zweifel an der Amtlichkeit der BVerwGE). Ähnlich ist es mit den Zeitschriften: die Redaktionen veröffentlichen nur eine Auswahl der Entscheidungen, gemäß der Bedeutung, die die Redakteure ihnen beimessen (das hängt natürlich auch vom Rechtsgebiet der Zeitschrift ab - in der Zeitschrift für Ausländerrecht stehen andere Entscheidungen als in der Neuen Zeitschrift für Bau- und Vergaberecht). Wenn man für eine Entscheidung eine Druckfundstelle angeben kann, möglichst eine halbwegs "wichtige" (BVerwGE, NJW, NVwZ...) erhöht das bei juristischen Lesern den Eindruck, eine "bedeutende" Entscheidung zu sehen. Das ist ähnlich wie das Alter der Entscheidung: Einerseits macht es natürlich Eindruck, wenn die Gerichte bereits seit 100 Jahren so entscheiden, andererseits bietet eine Entscheidung des PrOVG keine Gewähr dafür, dass sich seitdem nichts geändert hat. Deshalb schreiben wir dann gerne "Ständige Rechtsprechung seit [erste Entscheidung zu dieser Ansicht], vgl. nur [relativ neue Entscheidung, die auch von "ständiger Rechtsprechung" spricht und sich auf die erste bezieht]".
Warum erzähle ich Dir das? Aus folgender Überlegung: Wenn du eine Entscheidung "nur" mit der Online-Fundstelle zitierst, hat sie bei juristisch bewanderten Lesern nicht die Überzeugungskraft einer Entscheidung, die irgendwo des Druckens wert befunden wurde. Schließlich achtet der Mensch in aller Regel nicht nur auf die Stichhaltigkeit von Argumenten, sondern auch auf die Person, die sie vorbringt. Manchmal muss er das (EuGH-Entscheidungen sind verbindlich, selbst wenn ich sie für falsch halte), manchmal geschieht es aus Bescheidenheit (Habermas ist viel intelligenter als ich, bestimmt übersehe ich was, wenn ich anderer Meinung bin), manchmal aus Denkfaulheit. Jedenfalls ist es zum Untermauern einer These stets hilfreich, ein "gewichtiges" Zitat dazu zu finden. Daher würde ich an Deiner Stelle stets versuchen, eine gedruckte Fundstelle für Deine Entscheidungen zu finden. Wenn Du natürlich nur aufzeigen möchtest, dass sich die Rechtsprechung mit einem bestimmten Thema befasst hat, ist das witzlos, aber das kannst Du selbst besser einschätzen als ich.
In viel zu vielen Worten also: Nein, die Haare stehen mir nicht zu Berge, aber kommentarlos abnicken möchte ich es trotzdem nicht.
jaysquared wrote: Nur eine Fundstelle angeben scheint mir eher Komfortgewinn für den Autor als für den Leser zu sein
Das kommt darauf an: Wenn ich für etwas ohnehin vier Urteile angebe, wird es sehr unübersichtlich, wenn ich für diese Urteile jeweils noch mehrere Fundstellen angebe. Zumal - wie gesagt - meine Leser derzeit alle in der Lage sind, anhand des Aktenzeichens ODER einer Fundstelle die Entscheidung zu finden. Man sollte sich also (wie immer) Gedanken über die Zielgruppe machen, bevor man sich für eine Variante entscheidet.
jaysquared wrote:
Felix Magin wrote: Wenn ich im Erstzitat schon angebe, dass ich nach juris zitiere, kann ich doch in der Folge auf diese Info verzichten, oder? Oder übersehe ich hier was?
[...] Mein Gedankengang war der, dass wenn ich als Quelle eine Zeitschrift verwende, dann ergibt sich aus den Folgezitaten ja die verwendete Fundstelle (die Quellenfundstelle). Diesen Komfortgewinn für den Leser wollte ich auch für juris nachbilden.
Das überzeugt mich, werde ich fortan auch so machen. Danke!
Ist aus Deinem Ansatz für die Parallelfundstellen eigentlich was geworden? Den finde ich nämlich sehr sinnvoll und würde ihn gerne verwenden!
by Bebbi » 2016-05-29 13:46
danke für die ganzen Ausführungen, die ich mit Interesse gelesen habe.
Felix Magin wrote: Bei konkreten Fragen wäre es mir eine Freude, Dir auch künftig zu helfen (gern auch per PN, dann müssen wir keinen Thread dazu finden...).
Felix Magin wrote: Zunächst mal halte ich die Semikola zwischen Datum, Aktenzeichen und Fundstelle für verwirrend, weil für mich ein Semikolon in der Fußnote das Ende eines Nachweises anzeigt.
Auf die Satzzeichen hatte ich jetzt nicht so Wert gelegt aber es ist so, dass ich die ganz gerne verwende um Blöcke abzugrenzen in der Quellenangabe im LitVZ. Meine ganz persönliche Präferenz. Die Tipfehler sind wirklich einfach Tipfehler gewesen.
Felix Magin wrote: "Bundesverfassungsgericht Entscheidungen online" stört mich auf sprachlicher Ebene, weil wir im Deutschen kein "Binde Leer Zeichen" haben, anders als im Englischen ;-) . Ein zusammengesetztes Substantiv ("Bundesverfassungsgerichtsentscheidungen online") oder eine Bindestrichkonstruktion ("BVerfG-Entscheidungen online") gefielen mir hier deutlich besser.
Der letzte Vorschlag ("(Online-)Datenbank des BVerwG") gefällt mir, da er sehr präzise ist.
Felix Magin wrote: Wenn ich solch eine Fußnote läse, würde ich mich fragen, ob es überhaupt nötig war, der Datenbank noch einen Namen zu geben.
In der Fußnote würde ich dann eher zum Namen statt zu Klickstrecke tendieren.
BVerwG, Urteil vom 17.12.2002 - 4 C 15.01 -, Datenbank des BVerwG
Bebbi, der jetzt hoffentlich etwas besser gewappnet ist für die zukünftigen Herausforderungen im Umgang mit juristischer Literatur
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