Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=16.12.1999&Aktenzeichen=IX%20ZR%20117/99
Timestamp: 2019-07-20 10:43:49
Document Index: 16134420

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 675', 'Art. 1', '§ 1', '§ 675', 'Art. 1', '§ 1', 'BGH', 'BGH', '§ 139', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 1', '§ 1', '§ 134', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 134', '§ 134', '§ 134', '§ 139', 'BGH', '§ 139', 'BGH', '§ 139']

BGH, 16.12.1999 - IX ZR 117/99 - dejure.org
https://dejure.org/1999,306
BGH, 16.12.1999 - IX ZR 117/99 (https://dejure.org/1999,306)
BGH, Entscheidung vom 16.12.1999 - IX ZR 117/99 (https://dejure.org/1999,306)
BGH, Entscheidung vom 16. Dezember 1999 - IX ZR 117/99 (https://dejure.org/1999,306)
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BGB § 675; RBerG Art. 1 § 1
Geschäftsbesorgungsvertrag - Vertragspartner - Sozietät - Rechtsbesorgung - Treuhand - Treuhänderische Geldverwaltung
Keine Haftung eines in Sozietät mit Rechtsanwälten tätigen Wirtschaftsprüfers für treuhänderische Geldverwaltung im Zusammenhang mit Rechtsbesorgung
Geschäftsbesorgungsvertrag, - mit Sozietät aus unterschiedlichen Berufsangehörigen
Zur Frage, ob ein auf Rechtsbesorgung und Geldverwaltung gerichteter Geschäftsbesorgungsvertrag - auch - mit den Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern einer Anwaltssozietät zustandekommt
Zur Haftungsstruktur von interprofessionellen Sozietäten
Keine Mithaftung von Steuerberater-/WP-Sozien in gemischter Sozietät bei Rechtsberatung
Eingabe in der Suchmaske auf der nächsten Seite: Jahrgang 2000, Seite 127
Partner eines Geschäftsbesorgungsvertrages, der auf Rechtsbesorgung und treuhänderische Geldverwaltung gerichtet ist
Eingabe in der Suchmaske auf der nächsten Seite: Jahrgang 2000, Seite 95
Rechtsberatung; Geschäftsbesorgung durch gemischte Sozietät
BGB §§ 675, 134, 705; RBerG Art. 1 § 1
NJW 2000, 1333
ZIP 2000, 545
MDR 2000, 606
VersR 2000, 901
WM 2000, 963
BB 2000, 636
DB 2000, 917
AnwBl 2000, 316
Für die Anwendung einer Auslegungsregel, Vertragsparteien wollen sich gesetzeskonform verhalten und nichts Unredliches anstreben (dazu BGH, Urteil vom 3. Dezember 2003 - VIII ZR 86/03, NJW 2004, 1240; BGH, Urteil vom 16. Dezember 1999 - IX ZR 117/99, NJW 2000, 1333), ist kein Raum, wenn - wie hier festgestellt - Angeklagter und Laborarzt übereinkamen, unter "Verzicht auf die rechtlich gebotene Direktabrechnung" gegenüber dem Patienten dem Laborarzt "eine stetige und möglichst umfangreiche Weiterbeauftragung durch die Einsendeärzte, die ihrerseits an Honoraren beteiligt werden, auf die sie keinen Anspruch haben", zu sichern (UA S. 22 f.).
Ohne Erfolg wendet die Revisionserwiderung dagegen ein, dass die Aufrechterhaltung einzelner Bestimmungen nach dem hypothetischen Parteiwillen nicht in Betracht komme, weil § 139 BGB unanwendbar sei, wenn sich aus dem Zweck der Verbotsnorm eine abweichende Regelung ergebe (vgl. BGH, Urteil vom 16. Dezember 1999 - IX ZR 117/99, NJW 2000, 1333, 1335).
So hat der Bundesgerichtshof entschieden, daß ein Geschäftsbesorgungsvertrag, der auf eine Rechtsbesorgung und eine sich daraus ergebende treuhänderische Geldverwaltung gerichtet ist, im Zweifel nur mit den Rechtsanwälten, nicht mit den Steuerberatern oder Wirtschaftsprüfern einer Sozietät zustande kommt, der Personen aus verschiedenen Berufen angehören, weil andernfalls wegen eines Verstoßes gegen das Rechtsberatungsgesetz die Gefahr der Nichtigkeit des geschlossenen Vertrages bestünde (BGH, Urt. v. 16.12.1999 - IX ZR 117/99, NJW 2000, 1333, 1335).
Bei einer gemischten Sozietät - wie im vorliegenden Fall - ist ein Vertrag, der zwischen dem Auftraggeber und einem Sozietätsmitglied geschlossen wird, in der Regel dahin auszulegen, daß nur diejenigen Mitglieder der Sozietät die Vertragserfüllung übernehmen sollen, die berufsrechtlich und fachlich dazu befugt sind (…BGH, Urt. v. 3. Juni 1993 - IX ZR 173/92, WM 1993, 1677, 1681; v. 16. Dezember 1999 - IX ZR 117/99, z.V.b.).
a) Nach der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kommt bei Sozietäten unterschiedlicher Berufsangehöriger der Vertrag im Zweifel nur mit denjenigen Sozien zustande, die auf dem zu bearbeitenden Rechtsgebiet tätig werden dürfen (BGH, Urt. v. 16. Dezember 1999 - IX ZR 117/99, NJW 2000, 1333, 1334; v. 17. Februar 2000 - IX ZR 50/98, NJW 2000, 1560, 1561; vgl. schon Senatsurt. v. 3. Juni 1993 - IX ZR 173/92, WM 1993, 1677, 1681 unter IV).
Denn Art. 1 § 1 RBerG ist ein Verbotsgesetz im Sinne von § 134 BGB (BGHZ 37, 258, 261 f;… BGH, Urt. v. 7. Mai 1992 - IX ZR 151/91, NJW-RR 1992, 1110, 1115; v. 30. September 1999 - IX ZR 139/98, WM 1999, 2360, 2361; v. 16. Dezember 1999 - IX ZR 117/99, aaO S. 1335).
Deshalb wurde davon ausgegangen, bei einer gemischten Sozietät - wie im vorliegenden Fall - sei ein Vertrag, der zwischen dem Auftraggeber und einem Sozietätsmitglied geschlossen werde, in der Regel dahin auszulegen, dass nur diejenigen Mitglieder der Sozietät die Vertragserfüllung übernehmen sollten, die berufsrechtlich und fachlich dazu befugt seien (BGH, Urt. v. 16. Dezember 1999 - IX ZR 117/99, aaO;… v. 17. Februar 2000 - IX ZR 50/98, aaO).
Das gilt aber nicht, wenn sich aus dem Zweck des Verbotsgesetzes anderes ergibt (BGH, Urteil vom 21. Oktober 2010 - IX ZR 48/10, NJW 2011, 373, 374; Urteil vom 16. Dezember 1999 - IX ZR 117/99, NJW 2000, 1333, 1335;… MünchKommBGB/Armbrüster, 6. Aufl., § 134 Rn. 103;… Staudinger/Sack/Seibl, BGB, Neubearbeitung 2011, § 134 Rn. 88;… Palandt/Ellenberger, BGB, 72. Aufl., § 134 Rn. 13, § 139 Rn. 18).
Insoweit bewendet es bei der bisherigen Rechtsprechung, wenn ein Mandat das berufsrechtlich zulässige Tätigkeitsfeld des zu seiner Wahrnehmung eingeschalteten Sozietätsangehörigen überschreitet, etwa weil der Anstellungsvertrag für den Geschäftsführer einer GmbH nach dem Willen des Mandanten von einem Steuerberater der Sozietät entworfen werden soll (vgl. BGH, Urt. v. 16. Dezember 1999 - IX ZR 117/99, NJW 2000, 1333, 1335; v. 17. Februar 2000 - IX ZR 50/98, NJW 2000, 1560 f).
Darüber hinaus findet § 139 BGB immer dann keine Anwendung, wenn sich insbesondere aus dem Zweck des die Genehmigung vorsehenden Gesetzes eine abweichende Regelung ergibt (vgl. BGH, Urteil vom 16. Dezember 1999 - IX ZR 117/99 - NJW 2000, 1333 ;… Palandt/Heinrichs, a.a.O., § 139 Rn. 18).
OLG Dresden, 02.06.2000 - 5 U 2862/99
Einlegund einer Berufung; Ausübung einer rechtsberatenden Tätigkeit