Source: https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Aufsichtsrecht/Verfuegung/vf_180103_Festsetzung_Positionslimits_Spanish_Power.html
Timestamp: 2018-08-17 05:01:48
Document Index: 356638420

Matched Legal Cases: ['§ 54', 'Art. 14', '§ 54', 'Art. 14', '§ 41', '§ 17', '§ 54', 'Art. 14', '§ 54', 'Art. 20', 'Art. 20', 'Art. 18', 'Art. 20', 'Art. 20', 'Art. 18', 'Art. 20']

BaFin - Verfügungen - Allgemeinverfügung zur Festsetzung eines Positionslimits für Spanish …
Allgemeinverfügung zur Festsetzung eines Positionslimits für Spanish …
Allgemeinverfügung gemäß §§ 54 Abs. 1, 56 Abs. 1 Satz 2 WpHG i.V.m. Art. 14 Buchstabe a der Delegierten Verordnung (EU) 2017/591 der Kommission vom 1. Dezember 2016 zur Festsetzung eines Positionslimits für Spanish Power Future (Base) Kontrakte und Spanish Power Option (Base) Kontrakte
Geschäftszeichen WA 12-Wp 7410-2017/0007Datum: 03.01.2018
Bekanntmachung vom 3. Januar 2018 zum Zwecke der Bekanntgabe der Allgemeinverfügung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gemäß §§ 54 Abs. 1, 56 Abs. 1 Satz 2 WpHG i.V.m. Art. 14 Buchstabe a der Delegierten Verordnung (EU) 2017/591 der Kommission vom 1. Dezember 2016 zur Festsetzung eines Positionslimits für Spanish Power Future (Base) Kontrakte und Spanish Power Option (Base) Kontrakte nach § 41 Abs. 3 und 4 VwVfG i. V. m. § 17 Abs. 2 FinDAG mit Wirkung zum 4. Januar 2018 (Bekanntgabezeitpunkt)
I. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht legt nach §§ 54 Abs. 1, 56 Abs. 1 Satz 2 WpHG in Verbindung mit Art. 14 Buchstabe a Delegierte Verordnung (EU) 2017/591 das Positionslimit für Warenderivate der Art Spanish Power Future (Base) und Spanish Power Option (Base) der European Energy Exchange AG (EEX) auf 12.814.389 MWh für den Spot-Monat und 14.192.000 MWh für die anderen Monate fest.
II. Diese Allgemeinverfügung wird mit Wirkung zum 4. Januar. 2018 wirksam.
Zum 3. Januar 2018 treten die Regelungen der §§ 54 ff. WpHG in Bezug auf Positionslimits für Warenderivate in Kraft. Danach haben für alle Warenderivate, die an deutschen Handelsplätzen gehandelt werden, Positionslimits zu gelten. Das Positionslimit erstreckt sich auf alle Maturitäten des Spanish Power Future (Base) sowie sowohl auf die Futures als auch die Optionen. Es findet Anwendung auf die aggregierte und genettete Position eines Positionshalters in Positionen an einem Handelsplatz sowie Positionen in ökonomisch gleichwertigen OTC-Kontrakten.
Bei den Spanish Power Future (Base) und Optionen (Base) der EEX in Leipzig handelt es sich um Warenderivate, deren Underlying der durchschnittliche Spot-Preis für Strom in dem Liefergebiet Spanien für Lieferzeitpunkte in der Zukunft bildet. Warenderivate auf spanischen Strom werden auch an anderen Handelsplätzen angeboten, z.B. an der MeFFPower. Für die Spanish Power Kontrakte (Base) werden eine Vielzahl verschiedener Fälligkeiten, angeboten.
Als handelbare Einheiten für Stromkontrakte gelten dabei Monatskontrakte, da Kontrakte mit monatlicher Fälligkeit die in diesem Segment gebräuchlichste Wareneinheit darstellen. Da es sich bei Stromkontrakten um Derivate handelt, denen eine durchgängig zu liefernde Ware zugrunde liegt, werden handelbare Einheiten und Positionslimits in MWh angegeben. Eine handelbare Einheit besteht daher aus 720 MWh.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bundesanstalt) geht in ihrer Entscheidung von einer lieferbaren Menge in Höhe von 80.089.930 MWh für den Kalendermonat aus. Sie stützt sich dabei auf Zahlen von ENTSO-E (European System of Transmission System Operators for Electricity) für das Liefergebiet Spanien. Zugrunde gelegt wurde zum einen die jeweilige Netto-Erzeugungskapazität (Net Generating Capacity – NGC) für das Jahr 2017 und zum anderen die durchschnittliche Netto-Importkapazität des Liefergebiets im Jahr 2017. Die Zahlen von ENTSO-E wurden in MWh umgerechnet und anschließend durch den Faktor zwölf dividiert, um den Wert für den maßgeblichen Zeitraum eines Kalendermonats zu ermitteln.
Die Bundesanstalt legt ihrer Entscheidung außerdem offene Kontraktpositionen in Höhe von 56.768.000 MWh für alle Fälligkeiten zu Grunde. Sie stützt sich dabei auf Angaben der EEX zur Höhe der offenen Kontraktpositionen in den Monaten Juni, Juli und August im Jahr 2017. Aus den angegebenen Werten für die einzelnen Handelstage wurde ein Durchschnitt gebildet und dieser in MWh umgerechnet. Die Werte für Optionen wurden anhand ihres Delta-Faktors gewichtet.
Der zugrunde liegende Warenmarkt, also der Strommarkt in dem Liefergebiet Spanien, ist dadurch gekennzeichnet, dass die Energieerzeugung Spaniens sich in den Händen einiger weniger Gesellschaften, wie Endesa und Iberdrola, befindet und aufgrund seiner geringen grenzüberschreitenden Kapazitäten relativ isoliert von seinen Nachbarländern operiert. Alleiniger Betreiber des nationalen Energietransportnetzes ist Red Eléctra de Espana. Mit der Reform des Strommarktes in den vergangenen Jahren hat die spanische Aufsichtsbehörde National Commission of Markets and Competition – CNMC eine stärkere Position erhalten. Die CNMC hat nunmehr die Regulierungsbefugnis für wesentliche Bereiche der Energiewirtschaft sowie für den Zugang zu grenzüberschreitender Energieinfrastruktur.
Im Vergleich zu vielen anderen Ländern der EU ist der durchschnittliche Preis für Strom in Spanien relativ hoch.
Lediglich dann, wenn das Warenderivat für einen Zeitraum von drei aufeinanderfolgenden Monaten im Spot-Monat und in anderen Monaten offene Kontraktpositionen von durchschnittlich nicht mehr als 10.000 handelbaren Einheiten aufweist, hat die zuständige Behörde immer ein Positionslimit von 2.500 handelbaren Einheiten festzulegen. Ein derartiger Fall liegt hier jedoch nicht vor. Kontrakte der Art Spanish Power Future (Base) und Spanish Power Option (Base) der EEX weisen durchweg höhere Werte an offenen Kontraktpositionen auf.
Für das Spot-Monat-Limit ist zunächst ein Richtwert von 20.022.483 MWh anzusetzen, also 25% der lieferbaren Menge.
Die Bundesanstalt berücksichtigt im Einklang mit Art. 20 Abs. 2 Buchstaben c, d und e Delegierte Verordnung in ihrer Entscheidung die Beaufsichtigung des Energiemarktes durch die nationale Aufsichtsbehörde CNMC. Darüber hinaus handelt es sich bei Strom um eine Ware, die kaum speicherbar ist, was nach Art. 20 Abs. 2 Buchstabe e Delegierte Verordnung (EU) 2017/591 ebenfalls zu berücksichtigen ist. Diese Faktoren sprechen für eine Anpassung des Limits nach oben.
Allerdings hat die Bundesanstalt im Umkehrschluss aus Art. 18 Abs. 3 Delegierte Verordnung (EU) 2017/591 zu berücksichtigen, dass die lieferbare Menge wesentlich höher als die Zahl der offenen Kontraktpositionen ist, was für eine signifikante Anpassung des Positionslimits nach unten spricht, da ansonsten die volle Anzahl der offenen Positionen gehalten werden könnte und das Positionslimit effektiv nicht zum Einsatz käme.
Weiterhin ist auch zu berücksichtigen, dass in Übereinstimmung mit Art. 20 Abs. 2 Buchstabe b, c und d Delegierte Verordnung (EU) 2017/591 der zu Grunde liegende Energiemarkt im Liefergebiet Spanien aufgrund seiner geringen grenzüberschreitenden Kapazitäten relativ isoliert von seinen Nachbarländern operiert. Der derzeitige grenzüberschreitende Energiehandel beschränkt sich auf 4% der vorhandenen Gesamtkapazität. Der Preis pro MWh ist für den Endkunden dadurch relativ hoch und wird wegen der geringfügigen Vernetzung mit dem Ausland trotz des Angebotsüberhangs nicht gesenkt. Dies spricht ebenfalls für eine Anpassung des Positionslimits nach unten.
Aufgrund der nur sehr geringen Volatilität der Preise am spanischen Energiemarkt wird dieser Faktor nicht weiter berücksichtigt.
Insgesamt und nach Abwägung aller vorgenannten Faktoren erachtet die Bundesanstalt daher ein Positionslimit von 16% der lieferbaren Menge als angemessen.
Für das Positionslimit der anderen Monate ist zunächst ein Richtwert von 14.192.000 MWh anzusetzen, also 25% der offenen Kontraktpositionen.
Die Bundesanstalt berücksichtigt in ihrer Entscheidung das hohe Handelsvolumen von Warenderivaten mit längerer Laufzeit, wie Kontrakte mit quartalsweisen oder jährlichen Laufzeiten im Gegensatz zum geringen Handelsvolumen von täglichen oder wöchentlichen Kontrakten, was für eine Anpassung des Positionslimit nach oben spricht.
Im Einklang mit Art. 20 Abs. 2 Buchstabe c, d und e Delegierte Verordnung (EU) 2017/591 wird auch bei dem Positionslimit für andere Monate die Regulierung des Energiemarktes durch die nationale Aufsichtsbehörde CNMC, sowie die geringe Möglichkeit Strom für längere Zeit zu speichern durch die Bundesanstalt berücksichtigt. Diese Faktoren sprechen für eine Anpassung des Positionslimits nach oben.
Darüber hinaus ist nach Art. 18 Abs. 3 Delegierte Verordnung (EU) 2017/591 zu beachten, dass die Nachfrage für Energiekontrakte wesentlich geringer ist, als das Angebot dieser Kontrakte. Ferner ist der Markt für Spanish Power Future (Base) Kontrakte relativ neu und die Kontrakte noch als wenig liquide einzustufen. Dies spricht ebenfalls für eine Anpassung des Positionslimits nach oben.
Unter Berücksichtigung von Art. 20 Abs. 2 Buchstabe c, d und e Delegierte Verordnung (EU) 2017/591 ist der relativ hohe Strompreis pro MWh für den Endverbraucher und der geringe grenzüberschreitende Wettbewerb auch für die Anpassung des Positionslimit für andere Monate relevant. Dies spricht für eine Anpassung des Positionslimits auch für andere Monate nach unten.
Die Bundesanstalt sieht daher nach Abwägung aller Faktoren ein Positionslimit bei 25% der offenen Kontraktpositionen für andere Monate als angemessen an.
Webcode https://www.bafin.de/dok/10338724