Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=KG&Datum=01.09.2008&Aktenzeichen=1%20Ss%20120/08
Timestamp: 2019-05-25 00:35:20
Document Index: 27426045

Matched Legal Cases: ['§ 185', '§ 193', 'Art 5', 'Art 12', 'BGH', 'Art. 5', 'BGH', '§ 170']

KG, 01.09.2008 - (2) 1 Ss 120/08 (11/08) - dejure.org
KG, 01.09.2008 - (2) 1 Ss 120/08 (11/08)
https://dejure.org/2008,23443
KG, 01.09.2008 - (2) 1 Ss 120/08 (11/08) (https://dejure.org/2008,23443)
KG, Entscheidung vom 01.09.2008 - (2) 1 Ss 120/08 (11/08) (https://dejure.org/2008,23443)
KG, Entscheidung vom 01. September 2008 - (2) 1 Ss 120/08 (11/08) (https://dejure.org/2008,23443)
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§ 185 StGB, § 193 StGB, Art 5 Abs 1 S 1 GG, Art 12 Abs 1 S 2 GG
Beleidigung: Bezeichnung von Richtern am Kammergericht als eine Art Hilfstruppe der Klägerin
Das Revisionsgericht ist an sie gebunden (vgl. BGHSt 21, 371, 372; Senat, Urteil vom 1. September 2008 - (2) 1 Ss 120/08 (11/08) -).
b) Das Landgericht ist unter Berücksichtigung der Ausführungen im Urteil des Senats vom 1. September 2008 - (2) 1 Ss 120/08 (11/08) - mit zutreffenden Erwägungen davon ausgegangen, daß es sich bei den Äußerungen des Angeklagten um eine auf Tatsachenelementen beruhende Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG (vgl. BVerfG NJW 2000, 199, 200) handelt, die eine Bewertung der Arbeitsweise und Motivation der bezeichneten Richter enthalten.
Auch wenn die Ausführungen des Angeklagten in dem besagten Schriftsatz inzidenter sogar den Vorwurf von Straftaten beinhalten (z.B. Rechtsbeugung), so ist anerkannt, daß der Kritiker prinzipiell sogar seine strafrechtliche Bewertung von Vorgängen als persönliche Rechtsauffassung zum Ausdruck bringen kann, selbst wenn sie objektiver Beurteilung nicht standhält (vgl. BGH NJW 1982, 2248, 2269; BayObLG NJW 2001, 1511, 1512; Senat, Urteil vom 1. September 2008 - (2) 1 Ss 120/08 (11/08) - zu den nicht unüblichen Ausdrücken "Unrechtsurteil" und "Handlanger der Staatsanwaltschaft" vgl. Meier-Göring DRiZ 2009, 370; zu der Einstellungsverfügung nach § 170 Abs. 1 StPO bezüglich einer staatsanwaltschaftlichen Äußerung "Strafverteidiger sind Söldner" vgl. Lewitzki/Thielemann DRiZ 2009, 368).
Tatsachenbehauptungen, die in einem solchen Werturteil enthalten sind, nehmen dabei an dem Schutz der Meinungsfreiheit teil, wenn sie die Voraussetzung für die Bildung von Meinungen sind, weil sich diese in der Regel auf tatsächliche Annahmen stützen oder zu tatsächlichen Verhältnissen Stellung beziehen (vgl. BVerfGE 90, 241, 247) - anders ausgedrückt, wenn sie sich, wie häufig, mit Wertungen verbinden oder vermischen, beide sich nicht trennen lassen und der tatsächliche Gehalt in den Hintergrund tritt (vgl. BVerfG NJW 2000, 199, 200; zum Ganzen ausführlich KG, Urteil vom 1. September 2008 - (2) 1 Ss 120/08 (11/08) - m.w.N.).