Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/unentgeltliche-befoerderung-schwerbehinderter-im-oeffentlichen-personenverkehr-351014
Timestamp: 2020-04-06 06:32:35
Document Index: 53478230

Matched Legal Cases: ['§ 27', '§ 145', '§ 27', '§ 28', '§ 145', '§ 145', '§ 69', '§ 147', '§ 72', '§ 33', '§ 27', '§ 27', '§ 28', '§ 145', '§ 27', '§ 27', '§ 145', 'Art 1', '§ 57', '§ 59', '§ 57', '§ 145', '§ 27', '§ 145', '§ 27', '§ 1', '§ 20', '§ 39', '§ 1', '§ 27', '§ 27', '§ 145', '§ 27', '§ 145', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 27', '§ 59', '§ 145', '§ 27', '§ 27', '§ 28', '§ 145', '§ 25', '§ 25', '§ 145', 'Art 3', 'Art 3', 'Art 3', 'Art 3', '§ 145', '§ 145', '§ 145', '§ 27', '§ 27', '§ 57', '§ 145', '§ 145', '§ 145', '§ 145', '§ 145', '§ 145', '§ 145', '§ 145', '§ 145', '§ 57', '§ 57', '§ 145', '§ 145', '§ 145', '§ 145', '§ 20', '§ 28', 'Art 18', '§ 145', '§ 145', '§ 145', '§ 145', '§ 57']

Unent­gelt­li­che Beför­de­rung Schwer­be­hin­der­ter im öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr | Rechtslupe
Unent­gelt­li­che Beför­de­rung Schwer­be­hin­der­ter im öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr
Der Bezug von (lau­fen­der) Kraft­fahr­zeug­hil­fe berech­tigt einen Schwer­be­hin­der­ten nicht zum kos­ten­lo­sen Bezug einer Wert­mar­ke zur Beför­de­rung im ÖPNV. Zwar erhält der Bezie­her einer Kraft­fahr­zeug­hil­fe eine lau­fen­de Leis­tung nach § 27d BVG. Die­se ist jedoch nicht im Sin­ne des § 145 Abs 1 S 5 Nr 2 SGB IX für den (not­wen­di­gen) Lebens­un­ter­halt bestimmt, son­dern wird nach § 27d Abs 1 Nr 3 BVG i.V.m. § 28 Abs 1 Nr 2 KFürsV – ein­kom­mens- und ver­mö­gens­un­ab­hän­gig – als Ein­glie­de­rungs­hil­fe für behin­der­te Men­schen gewährt.
Rechts­grund­la­ge für den Anspruch eines Schwer­be­hin­der­ten auf Aus­ga­be einer Wert­mar­ke zur Beför­de­rung im öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr ohne Ent­rich­tung des gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Eigen­an­teils von 60 € ist inso­weit § 145 Abs 1 SGB IX.
Nach § 145 ABs. 1 SGB IX wer­den schwer­be­hin­der­te Men­schen, die infol­ge ihrer Behin­de­rung in ihrer Bewe­gungs­fä­hig­keit im Stra­ßen­ver­kehr erheb­lich beein­träch­tigt oder hilf­los oder gehör­los sind, von Unter­neh­mern, die öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr betrei­ben, gegen Vor­zei­gen eines ent­spre­chend gekenn­zeich­ne­ten Aus­wei­ses nach § 69 Abs. 5 im Nah­ver­kehr im Sin­ne des § 147 Abs. 1 unent­gelt­lich beför­dert; die unent­gelt­li­che Beför­de­rung ver­pflich­tet zur Zah­lung eines tarif­mä­ßi­gen Zuschla­ges bei der Benut­zung zuschlag­pflich­ti­ger Züge des Nah­ver­kehrs. Vor­aus­set­zung ist, dass der Aus­weis mit einer gül­ti­gen Wert­mar­ke ver­se­hen ist. Sie wird gegen Ent­rich­tung eines Betra­ges von 60 € für ein Jahr oder 30 € für ein hal­bes Jahr aus­ge­ge­ben. Wird sie vor Ablauf der Gül­tig­keits­dau­er zurück­ge­ge­ben, wird auf Antrag für jeden vol­len Kalen­der­mo­nat ihrer Gül­tig­keit nach Rück­ga­be ein Betrag von 5 € erstat­tet, sofern der zu erstat­ten­de Betrag 15 € nicht unter­schrei­tet; Ent­spre­chen­des gilt für jeden vol­len Kalen­der­mo­nat nach dem Tod des schwer­be­hin­der­ten Men­schen. Auf Antrag wird eine für ein Jahr gül­ti­ge Wert­mar­ke, ohne dass der Eigen­an­teil zu ent­rich­ten ist, u.a. an schwer­be­hin­der­te Men­schen aus­ge­ge­ben,
die blind im Sin­ne des § 72 Abs. 5 SGB XII oder ent­spre­chen­der Vor­schrif­ten oder hilf­los im Sin­ne des § 33b EStG oder ent­spre­chen­der Vor­schrif­ten sind oder
die Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem SGB II oder für den Lebens­un­ter­halt lau­fen­de Leis­tun­gen nach dem Drit­ten und Vier­ten Kapi­tel des SGB XII, dem SGB VIII oder den §§ 27a und 27d BVG erhal­ten.
Um eine sol­che Leis­tung für den Lebens­un­ter­halt, die zur Befrei­ung von der Zuzah­lung der 60 € berech­tigt, zählt nicht die Gewäh­rung einer Kraft­fahr­zeug­hil­fe nach § 27d Abs 1 Nr 3 BVG iVm § 28 Abs 1 Nr 2 KFürsV, auch zwar nicht, wenn sie lau­fend gezahlt wird.
Zunächst bezieht sich die For­mu­lie­rung "für den Lebens­un­ter­halt" in § 145 Abs 1 S 5 Nr 2 SGB IX nicht nur auf die dort auf­ge­führ­ten Leis­tun­gen nach dem Drit­ten und Vier­ten Kapi­tel des SGB XII sowie nach dem SGB VIII, son­dern auch auf Leis­tun­gen nach den §§ 27a und 27d BVG. Anders lässt sich der Wort­laut der Norm gram­ma­ti­ka­lisch nicht deu­ten. Es muss sich dem­nach auch bei den Leis­tun­gen nach §§ 27a und 27d BVG um sol­che zum Lebens­un­ter­halt han­deln 1.
An sich könn­te der Begriff "Lebens­un­ter­halt" so weit ver­stan­den wer­den, dass er auch die Unter­hal­tung eines Kraft­fahr­zeugs umfasst 2; im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang ver­bie­tet sich jedoch nach Auf­fas­sung des Senats eine sol­che Aus­le­gung.
Für ein enges Ver­ständ­nis des Begrif­fes "Lebens­un­ter­halt" spricht bereits die Geset­zes­ent­wick­lung.
§ 145 SGB IX wur­de durch Art 1 des SGB IX – Reha­bi­li­ta­ti­on und Teil­ha­be behin­der­ter Men­schen – vom 19.06.2001 3 mit Wir­kung ab 1.07.2001 ein­ge­führt. Nach der Begrün­dung zum Ent­wurf des SGB IX han­delt es sich um eine inhalts­glei­che Über­nah­me des bis dahin gül­ti­gen Rechts 4. Die zuvor maß­geb­li­che Rege­lung befand sich zunächst in § 57 SchwbG idF durch das Gesetz über die unent­gelt­li­che Beför­de­rung Schwer­be­hin­der­ter im öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr vom 09.07.1979 5 und nach der Bekannt­ma­chung der Neu­fas­sung des SchwbG vom 26.08.1986 6 ab 1.08.1986 in § 59 SchwbG.
Ziel der Ver­güns­ti­gung war und ist es, die Teil­ha­be schwer­be­hin­der­ter Men­schen am öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr durch erleich­ter­ten Zugang zu öffent­li­chen Trans­port­mit­teln zu för­dern, da Mobi­li­tät als Grund­be­dürf­nis der moder­nen Gesell­schaft aner­kannt wird 7. Die­se Kom­pen­sa­ti­ons­funk­ti­on wird bereits an den Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen deut­lich, wonach eine behin­de­rungs­be­ding­te erheb­li­che Beein­träch­ti­gung der Bewe­gungs­fä­hig­keit im Stra­ßen­ver­kehr vor­lie­gen muss.
Im Rah­men des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 1984 8 wur­de aus Ein­spa­rungs­grün­den 9 erst­mals eine Eigen­be­tei­li­gung in Höhe von 120 DM jähr­lich für die Aus­ga­be der zur Beför­de­rung berech­ti­gen­den Wert­mar­ke ein­ge­führt. Die gleich­zei­ti­ge Rege­lung von Aus­nah­men für Berech­tig­te, die die Wert­mar­ke nach wie vor ohne Leis­tung die­ser Eigen­be­tei­li­gung erhal­ten soll­ten, dien­te dem Zweck, "die Belan­ge typi­scher Grup­pen ein­kom­mens­schwa­cher Frei­fahrt­be­rech­tig­ter" zu berück­sich­ti­gen, "ohne daß die Ver­sor­gungs­äm­ter die Höhe des Ein­kom­mens im Ein­zel­nen prü­fen müs­sen" 10.
Bald danach erkann­te der Gesetz­ge­ber, dass durch die­se Rege­lun­gen des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 1984 Här­ten auf­ge­tre­ten waren 11, die durch das Gesetz zur Erwei­te­rung der unent­gelt­li­chen Beför­de­rung Schwer­be­hin­der­ter im öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr vom 18.07.1985 12 besei­tigt wer­den soll­ten. Es wur­de der dama­li­ge § 57 Abs 1 S 4 Nr 2 SchwbG, der Vor­gän­ger­vor­schrift zur Aus­nah­me­re­ge­lung des § 145 Abs 1 S 5 Nr 2 SGB IX, neu gefasst und dabei auch Behin­der­te mit auf­ge­nom­men, die "für den Lebens­un­ter­halt lau­fen­de Leis­tun­gen nach (…) den §§ 27a und 27d des Bun­des­ver­sor­gungs­ge­set­zes erhal­ten" 13.
Damit ergibt sich bereits aus der Geset­zes­his­to­rie, dass die Aus­ga­be einer kos­ten­frei­en Wert­mar­ke eine Aus­nah­me von der Regel einer Frei­fahrt­be­rech­ti­gung unter Zah­lung einer Eigen­be­tei­li­gung dar­stellt 14. Nur einem begrenz­ten Per­so­nen­kreis soll­te nach der Ein­füh­rung der Eigen­be­tei­li­gung das Pri­vi­leg unent­gelt­li­cher Beför­de­rung ohne Eigen­be­tei­li­gung zugu­te­kom­men. Alle übri­gen Frei­fahrt­be­rech­tig­ten soll­ten sich an den Kos­ten der Ver­güns­ti­gung betei­li­gen 15. Inso­weit ist die Befrei­ungs­vor­schrift grund­sätz­lich eng aus­zu­le­gen 16.
Fer­ner lässt sich aus der durch den Wort­laut gepräg­ten inne­ren Sys­te­ma­tik des § 145 Abs 1 S 5 Nr 2 SGB IX schlie­ßen, dass der Begriff "Lebens­un­ter­halt" ein­heit­lich zu ver­ste­hen ist, unab­hän­gig davon, ob Leis­tun­gen nach dem Drit­ten und Vier­ten Kapi­tel des SGB XII, des SGB VIII oder den §§ 27a, 27d BVG ange­spro­chen wer­den. Ent­spre­chen­des gilt für die an ers­ter Stel­le auf­ge­führ­ten Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem SGB II. Wenn sich die den Lebens­un­ter­halt betref­fen­den Leis­tun­gen nach dem SGB II, SGB VIII und SGB XII grund­sätz­lich an dem men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mum ori­en­tie­ren (vgl dazu § 1 Abs 1, § 20 SGB II, § 39 SGB VIII, § 1, §§ 27 ff SGB XII), hat dies auch für die­je­ni­gen Leis­tun­gen nach §§ 27a und 27d BVG zu gel­ten, die gemäß § 145 Abs 1 S 5 Nr 2 SGB IX zu einer Befrei­ung von der Ent­rich­tung des Eigen­an­teils füh­ren. Einem so ver­stan­de­nen not­wen­di­gen Lebens­un­ter­halt die­nen Leis­tun­gen zur Unter­hal­tung eines Kraft­fahr­zeugs grund­sätz­lich nicht 17.
Ent­ge­gen der Ansicht des Klä­gers läuft die Bezug­nah­me auf § 27d BVG in § 145 Abs 1 S 5 Nr 2 SGB IX bei einem sol­chen Ver­ständ­nis des Begriffs "Lebens­un­ter­halt" nicht leer.
Wäh­rend § 27a BVG selbst ergän­zen­de Hil­fen zum Lebens­un­ter­halt regelt und damit die Befrei­ung von der Leis­tung eines Eigen­an­teils bereits dann ein­tre­ten lässt, wenn die ent­spre­chen­de Hil­fe­leis­tung für den Lebens­un­ter­halt lau­fend gewährt wird, stellt ein lau­fen­der Leis­tungs­be­zug nach § 27d BVG nicht auto­ma­tisch eine "Hil­fe für den Lebens­un­ter­halt" in die­sem Sin­ne dar. Viel­mehr betrifft § 27d BVG aus­drück­lich "Hil­fen in beson­de­ren Lebens­la­gen", die dar­über hin­aus auch teil­wei­se ein­kom­mens- und ver­mö­gens­un­ab­hän­gig geleis­tet wer­den. Je nach kon­kre­ter Hil­fe in beson­de­ren Lebens­la­gen ist zu unter­schei­den, ob die­se Leis­tun­gen gera­de (auch) die Siche­rung des Lebens­un­ter­halts bezwe­cken oder der Abde­ckung einer sich vom all­ge­mei­nen Lebens­un­ter­halt abzu­gren­zen­den spe­zi­el­len Bedarfs­la­ge die­nen.
Schon gemäß § 27d Abs 1 Nr 1 BVG iVm § 28a KFürsV 18 kön­nen Hil­fen zum Auf­bau oder zur Siche­rung der Lebens­grund­la­ge erbracht wer­den, wenn den Leis­tungs­be­rech­tig­ten sonst vor­aus­sicht­lich ergän­zen­de Hil­fen zum Lebens­un­ter­halt erbracht wer­den müss­ten. Die­se Leis­tung soll gera­de nicht nur in einer bestehen­den Not­la­ge Abhil­fe schaf­fen, son­dern dazu bei­tra­gen, nach Mög­lich­keit bereits vor­beu­gend, das Ent­ste­hen einer (Lebensunterhalts-)Notlage zu ver­hin­dern 19. Die­se kon­kre­te Hil­fe in beson­de­ren Lebens­la­gen knüpft folg­lich unmit­tel­bar an das Feh­len einer aus­rei­chen­den wirt­schaft­li­chen Lebens­grund­la­ge des Betrof­fe­nen an und bezweckt, dem Berech­tig­ten den Auf­bau oder die Siche­rung einer Lebens­grund­la­ge durch eige­ne Tätig­keit zu erhal­ten (vgl § 28a Abs 1 KFürsV), um einen ergän­zen­den Bezug von Hil­fen zum Lebens­un­ter­halt zu ver­mei­den. Denn gemäß § 28a Abs 2 KFürsV sol­len die­se Leis­tun­gen in der Regel nur erbracht wer­den, wenn die Leis­tungs­be­rech­tig­ten sonst ergän­zen­de Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt erhal­ten müss­ten.
Auch im Rah­men der nach § 27d Abs 1 Nr 3 BVG zu erbrin­gen­den Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen gibt es sol­che, in denen Hil­fen für den Lebens­un­ter­halt ent­hal­ten sind. Dies kann ins­be­son­de­re bei sta­tio­nä­ren Ein­glie­de­rungs­hil­fen, wie zB bei Leis­tun­gen in einer sta­tio­nä­ren Ein­rich­tung der Behin­der­ten­hil­fe, der Fall sein, die neben dem Bedarf für die Wohn­form behin­der­ter Men­schen auch den Bedarf für die Unter­brin­gung berück­sich­ti­gen; dazu gehört auch eine Grund­pau­scha­le für Unter­kunft und Ver­pfle­gung 20.
Zum Sinn und Zweck der Vor­gän­ger­re­ge­lung des § 59 Abs 1 S 5 Nr 2 SchwbG hat das BSG bereits aus­ge­führt, dass die Pri­vi­le­gie­rung der Bezie­her von Leis­tun­gen für den Lebens­un­ter­halt ihre Begrün­dung dar­in fin­det, dass bei die­sen Per­so­nen bereits fest­ge­stellt wur­de, dass der not­wen­di­ge Lebens­un­ter­halt ohne frem­de Hil­fe nicht gedeckt wer­den kann und eine Selbst­be­tei­li­gung die­ser Per­so­nen an den Kos­ten für die Wert­mar­ke im Ergeb­nis die sozia­len Aus­gleichs­sys­te­me belas­ten wür­de 21.
Ent­spre­chend die­ser Ziel­set­zung hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt § 145 Abs 1 S 5 Nr 2 SGB IX inner­halb der Wort­laut­gren­ze dahin aus­ge­legt, dass der Begriff "für den Lebens­un­ter­halt lau­fen­de Leis­tun­gen nach dem Drit­ten und Vier­ten Kapi­tel des Zwölf­ten Buches" nicht nur Leis­tun­gen umfasst, die ihren Rechts­grund allein im SGB XII haben, son­dern auch Leis­tun­gen, die in ent­spre­chen­der Anwen­dung des Drit­ten und Vier­ten Kapi­tels des SGB XII an Per­so­nen erbracht wer­den, die Sozi­al­hil­fe­emp­fän­gern im Wesent­li­chen gleich­ste­hen 22. Denn aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en zu den jewei­li­gen Ände­run­gen der Befrei­ungs­tat­be­stän­de für ein­kom­mens­schwa­che schwer­be­hin­der­te Men­schen bei der unent­gelt­li­chen Beför­de­rung im Per­so­nen­ver­kehr ergibt sich kein Anhalts­punkt dafür, dass der Gesetz­ge­ber sein ursprüng­li­ches Anlie­gen, "alle Per­so­nen zu erfas­sen, die zur Deckung ihres not­wen­di­gen Lebens­un­ter­hal­tes Leis­tun­gen der öffent­li­chen Für­sor­ge erhal­ten" 23, auf­ge­ge­ben haben könn­te 24.
Etwas ande­res gilt auch nicht für Leis­tun­gen nach §§ 27a und 27d BVG. Ins­be­son­de­re ist nicht ersicht­lich, dass der Gesetz­ge­ber die Emp­fän­ger von Leis­tun­gen der Kriegs­op­fer­für­sor­ge unab­hän­gig von dem Bezug lau­fen­der Leis­tun­gen zum Lebens­un­ter­halt begüns­ti­gen und damit bes­ser­stel­len woll­te als Bezie­her lebens­un­ter­halts­si­chern­der Leis­tun­gen nach dem SGB II, SGB VIII oder SGB XII.
Der Schwer­be­hin­der­te erhält die Kraft­fahr­zeug­hil­fe nach § 27d Abs 1 Nr 3 BVG iVm § 28 Abs 1 Nr 2 KFürsV nicht für sei­nen so ver­stan­de­nen Lebens­un­ter­halt.
Da durch die Kraft­fahr­zeug­hil­fe eine spe­zi­el­le schä­di­gungs­be­ding­te Bedarfs­si­tua­ti­on abge­deckt und dem Betrof­fe­nen inso­weit eine Teil­nah­me am Leben in der Gemein­schaft ermög­licht wer­den soll 25, ist die­se kon­kre­te Form der Ein­glie­de­rungs­hil­fe kei­ne lau­fen­de Leis­tung für den Lebens­un­ter­halt iS des § 145 Abs 1 S 5 Nr 2 SGB IX. Dies wird auch dadurch deut­lich, dass sie grund­sätz­lich unab­hän­gig von den indi­vi­du­el­len Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen geleis­tet wird, sofern die gesund­heit­li­chen Vor­aus­set­zun­gen zum Leis­tungs­be­zug erfüllt sind (vgl § 25c Abs 3 S 2 iVm § 25f Abs 1 S 6 BVG) 26.
Dass der Klä­ger danach für den Zeit­raum vom 01.05.2010 bis 30.04.2011 nach § 145 Abs 1 S 5 Nr 2 SGB IX kei­nen Anspruch auf Aus­ga­be einer kos­ten­lo­sen Wert­mar­ke für die unent­gelt­li­che Beför­de­rung im Per­so­nen­ver­kehr ohne Ver­pflich­tung zur Ent­rich­tung des Eigen­an­teils hat­te, begeg­net kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken, ins­be­son­de­re wird Art 3 Abs 1 GG nicht ver­letzt.
Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz des Art 3 Abs 1 GG gebie­tet dem Norm­ge­ber, wesent­lich Glei­ches gleich und wesent­lich Unglei­ches ungleich zu behan­deln; dies gilt sowohl für unglei­che Belas­tun­gen als auch für unglei­che Begüns­ti­gun­gen. Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz unter­sagt dem Gesetz­ge­ber jedoch nicht jede Dif­fe­ren­zie­rung. Viel­mehr bedürf­ten Dif­fe­ren­zie­run­gen stets einer Recht­fer­ti­gung durch Sach­grün­de, die dem Dif­fe­ren­zie­rungs­ziel und dem Aus­maß der Ungleich­be­hand­lung ange­mes­sen sind.
Je nach Rege­lungs­ge­gen­stand und Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­mal erge­ben sich aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz unter­schied­li­che Gren­zen, die vom blo­ßen Will­kür­ver­bot bis zu einer stren­gen Bin­dung an Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­er­for­der­nis­se rei­chen. Dem Gesetz­ge­ber wer­den dabei umso enge­re Gren­zen gesetzt, je stär­ker sich die Ungleich­be­hand­lung auf ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­te Frei­hei­ten aus­wirkt und je weni­ger der Ein­zel­ne nach­tei­li­ge Fol­gen durch eige­nes Ver­hal­ten ver­mei­den kann 27. Die aus Art 3 Abs 1 GG fol­gen­den Gren­zen sind ins­be­son­de­re dann über­schrit­ten, wenn eine Grup­pe von Normadres­sa­ten im Ver­gleich zu ande­ren Normadres­sa­ten anders behan­delt wird, obwohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Gewicht bestehen, dass sie die unglei­che Behand­lung recht­fer­ti­gen könn­ten 28.
Dem­nach ergibt sich aus Art 3 Abs 1 GG auch ein Ver­bot gleich­heits­wid­ri­ger Begüns­ti­gungs­aus­schlüs­se, bei denen also eine Begüns­ti­gung einem Per­so­nen­kreis gewährt und einem ande­ren ohne hin­rei­chen­den Grund vor­ent­hal­ten wird. Wer­den bei der Gewäh­rung bedürf­tig­keits­ab­hän­gi­ger Sozi­al­leis­tun­gen die Emp­fän­ger ande­rer Sozi­al- oder Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen in unter­schied­li­cher Wei­se der Ein­kom­mens­an­rech­nung unter­wor­fen, muss also die Berech­ti­gung zur unter­schied­li­chen Behand­lung genau geprüft wer­den 29.
Gemes­sen an die­sen ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben ist Maß­stab für die Recht­fer­ti­gung der Aus­wahl der von der sozia­len Ver­güns­ti­gung iS des § 145 Abs 1 S 5 Nr 2 SGB IX betrof­fe­nen Per­so­nen­krei­se das Will­kür­ver­bot 30. Die­ses wird hier nicht ver­letzt.
Soweit die Befrei­ung von der Ver­pflich­tung, für die Aus­ga­be der Wert­mar­ke nach § 145 SGB IX einen Eigen­an­teil in Höhe von 60 € für ein Jahr bzw 30 € für ein hal­bes Jahr leis­ten zu müs­sen, gemäß § 145 Abs 1 S 5 Nr 2 SGB IX für Bezie­her von Leis­tun­gen nach § 27d BVG davon abhän­gig ist, dass die­se lau­fen­de Leis­tun­gen für den Lebens­un­ter­halt erhal­ten, ist die­ses Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­mal jeden­falls nicht will­kür­lich. Per­so­nen, deren nach § 27d BVG bezo­ge­ne Leis­tun­gen nicht dem Lebens­un­ter­halt die­nen, wer­den dadurch nicht sach­wid­rig benach­tei­ligt.
Der Gesetz­ge­ber woll­te im Jah­re 1983 die Kos­ten ein­däm­men, die vor dem Inkraft­tre­ten der Ände­run­gen durch das Haus­halts­be­gleit­ge­setz 1984 mit der Frei­fahrt­be­rech­ti­gung ein­her­gin­gen. Zu die­sem Zweck hat er den Grund­satz ein­ge­führt, dass alle Schwer­be­hin­der­ten, die Anspruch auf Aus­ga­be einer Wert­mar­ke zur Beför­de­rung im öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr haben, einen Eigen­an­teil in Höhe von monat­lich umge­rech­net 5 € zu leis­ten haben. Damit wird der gesetz­li­che Zweck der Mobi­li­täts­för­de­rung durch unent­gelt­li­che Beför­de­rung nur mode­rat rela­ti­viert, wobei gleich­zei­tig die durch Erstat­tung der Fahr­geld­aus­fäl­le ent­ste­hen­den finan­zi­el­len Belas­tun­gen der öffent­li­chen Hand ein­ge­dämmt wer­den 31.
Ledig­lich für beson­ders schutz­be­dürf­ti­ge Per­so­nen­grup­pen hat der Gesetz­ge­ber eine Aus­nah­me von die­ser Regel vor­ge­se­hen und ihnen die Wert­mar­ke nach wie vor ohne Eigen­an­teils­leis­tung zugäng­lich gemacht. Inso­weit hat das BSG bereits zur Vor­gän­ger­re­ge­lung in § 57 Abs 1 S 5 Ziff 1 bis 3 SchwbG ent­schie­den, dass die Begüns­ti­gung der dort genann­ten Per­so­nen­krei­se gegen­über ande­ren Schwer­be­hin­der­ten nicht will­kür­lich erfolgt ist 32. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Eigen­be­tei­li­gung im Ver­gleich zum Nut­zen der Wert­mar­ke nur eine gerin­ge finan­zi­el­le monat­li­che Belas­tung dar­stellt. Inso­weit erscheint es gerecht­fer­tigt, dass der Gesetz­ge­ber eine Befrei­ungs­mög­lich­keit nur in engen Gren­zen zuge­las­sen hat. Die­se wer­den – soweit es § 145 Abs 1 S 5 Nr 2 SGB IX betrifft – durch das Erfor­der­nis eines Bezu­ges lau­fen­der Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts sach­ge­recht bestimmt, da die begüns­tig­ten Per­so­nen wirt­schaft­lich vom Exis­tenz­mi­ni­mum leben. Dadurch wird den Belan­gen "typi­scher Grup­pen ein­kom­mens­schwa­cher Frei­fahrt­be­rech­tig­ter" 33 ange­mes­sen Rech­nung getra­gen. Im Gesamt­zu­sam­men­hang der Ver­güns­ti­gung ist zudem bedeut­sam, dass sich der Gesetz­ge­ber dafür ent­schie­den hat, die Ver­güns­ti­gung, die mit der Aus­ga­be einer Wert­mar­ke zur Beför­de­rung im öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr ein­her­geht, allen nach § 145 Abs 1 S 1 SGB IX Berech­tig­ten zukom­men zu las­sen, ohne dass es auf die Ursa­che ihrer Behin­de­rung oder auf die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se ankä­me 34.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 25. Okto­ber 2012 – B 9 SB 1/​12 R
Der Unfall wäh­rend der Arbeit – mit dem nicht auf dem… Kommt es auf dem Betriebs­ge­län­de beim Unter­neh­mer zu einem Beiß­vor­fall mit sei­nem nur aus pri­va­ten Grün­den gehal­te­nen Hund, tritt die gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung nicht ein. Mit…
vgl Masuch in Hauck/​Noftz, SGB IX, Stand März 2012, K § 145 RdNr 26; Wink­ler in Mül­ler-Wen­ner/Wink­ler, SGB IX Teil 2, 2. Aufl 2011, § 145 RdNr 14[↩]
vgl BSG Urteil vom 11.03.1976 – 7 RAr 45/​75, Soz­Sich 1976, 186, 187[↩]
BGBl I 1046[↩]
vgl BT-Drucks 14/​5074, S 115[↩]
BGBl I 989[↩]
BGBl I 1421[↩]
Opper­mann in Knick­rehm, Gesam­tes Sozia­les Ent­schä­di­gungs­recht, 1. Aufl 2012, § 145 RdNr 1[↩]
BR-Drucks 302/​83, S 63[↩]
BR-Drucks 302/​83, S 89; vgl dazu bereits auch BSG, Urtei­le vom 17.07.2008 – B 9/​9a SB 11/​06 R, SozR 4 – 3250 § 145 Nr 1 RdNr 34 und vom 06.10.2011 – B 9 SB 6/​10 R, SozR 4 – 3250 § 145 Nr 3 RdNr 35[↩]
BT-Drucks 10/​3218, S 1; BT-Drucks 10/​3495, S 1[↩]
BGBl I 1516[↩]
vgl BT-Drucks 10/​3495, S 5; BR-Drucks 291/​85, S 1[↩]
vgl dazu BSG, Urtei­le vom 17.07.2008 – B 9/​9a SB 11/​06 R, SozR 4 – 3250 § 145 Nr 1 RdNr 29 sowie vom 06.10.2011 – B 9 SB 6/​10 R, SozR 4 – 3250 § 145 Nr 3 RdNr 18[↩]
vgl bereits zu § 57 Abs 1 S 4 SchwbG idF vom 22.12.1983, BGBl I 1532: BSG Urteil vom 08.10.1987 – 9a RVs 6/​87, SozR 3870 § 57 Nr 1 und zur Rechts­la­ge nach Ein­füh­rung von § 145 SGB IX: BSG, Urtei­le vom 17.07.2008 – B 9/​9a SB 11/​06 R, SozR 4 – 3250 § 145 Nr 1 RdNr 29 sowie vom 06.10.2011 – B 9 SB 6/​10 R, SozR 4 – 3250 § 145 Nr 3 RdNr 18, jeweils mwN[↩]
vgl Vogl in juris­PK SGB IX, Online-Aus­ga­be, § 145 RdNr 47, Stand Febru­ar 2010[↩]
vgl dazu BVerfG Urteil vom 09.02.2010 – 1 BvL 1/​09, 1 BvL 3/​09, 1 BvL 4/​09, BVerfGE 125, 175 = SozR 4 – 4200 § 20 Nr 12[↩]
§ 28a mit Wir­kung vom 01.01.2005 ein­ge­führt durch Art 18 Nr 24 Gesetz zur Ände­rung des Bun­des­ver­sor­gungs­ge­set­zes und ande­rer Vor­schrif­ten des Sozia­len Ent­schä­di­gungs­rechts vom 13.12.2007, BGBl I 2904[↩]
vgl Emp­feh­lun­gen zur Kriegs­op­fer­für­sor­ge, hrsg von Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft der Inte­gra­ti­ons­äm­ter und Haupt­für­sor­ge­stel­len, Stand Janu­ar 2012, 27d.2 S 7[↩]
vgl Emp­feh­lun­gen zur Kriegs­op­fer­für­sor­ge, aaO, 27d.3 S 20/​3, 35f[↩]
vgl BSG Urteil vom 13.12.1994 – 9 RVs 7/​93[↩]
vgl dazu BSG, Urteil vom 06.10.2011 – B 9 SB 6/​10 R, SozR 4 – 3250 § 145 Nr 3 RdNr 19[↩]
BT-Drucks 10/​3138 S 40[↩]
BSG, Urteil, aaO, RdNr 28[↩]
vgl BVerwG Urteil vom 23.11.1995 – 5 C 7/​94[↩]
Ernst, Die Ent­wick­lung der Kriegs­op­fer­für­sor­ge, SuP 2000, 343, 352[↩]
zB BVerfG Beschluss vom 21.07.2010 – 1 BvR 611/​07, 1 BvR 2464/​07, BVerfGE 126, 400, 418 mwN[↩]
zB BVerfG Beschluss vom 21.07.2010 – 1 BvR 611/​07, 1 BvR 2464/​07, BVerfGE 126, 400, 416[↩]
BVerfG Beschluss vom 16.03.2011 – 1 BvR 591/​08, 1 BvR 593/​08, SGb 2011, 702, 705 mwN[↩]
vgl BSG Urteil vom 06.10.2011 – B 9 SB 6/​10 R, SozR 4 – 3250 § 145 Nr 3 RdNr 46; vom 17.07.2008 – B 9/​9a SB 11/​06 R, SozR 4 – 3250 § 145 Nr 1 RdNr 30 ff, 36[↩]
vgl BSG vom 17.07.2008 – B 9/​9a SB 11/​06 R, SozR 4 – 3250 § 145 Nr 1 RdNr 28[↩]
BSG Urteil vom 08.10.1987 – 9a RVs 6/​87, SozR 3870 § 57 Nr 1 S 4[↩]
vgl BT-Drucks 10/​335 S 89[↩]
vgl BT-Drucks 8/​2453, S 8f[↩]
39 sgb vKraftfahrzeughilfeSchwerbehindertenausweisSchwerbehinderungWertmarke