Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%201968,%20373
Timestamp: 2019-08-24 08:00:14
Document Index: 175326586

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 640', '§ 640', '§ 110', '§ 903', 'BGH', '§ 640', 'BGH', '§ 110', '§ 51', '§ 110', '§ 110', '§ 110', '§ 104', 'BGH', 'BGH', '§ 116', '§ 640', '§ 110', '§ 640', '§ 110', '§ 110', '§ 110', '§ 640', '§ 1542', '§ 640', '§ 640', 'BGH', 'BGH', '§ 640', '§ 656', '§ 640', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 640', '§ 640', 'BGH', 'BGH']

BGH, 09.01.1968 - VI ZR 77/66 - dejure.org
https://dejure.org/1968,1162
BGH, 09.01.1968 - VI ZR 77/66 (https://dejure.org/1968,1162)
BGH, Entscheidung vom 09.01.1968 - VI ZR 77/66 (https://dejure.org/1968,1162)
BGH, Entscheidung vom 09. Januar 1968 - VI ZR 77/66 (https://dejure.org/1968,1162)
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Selbstständiger Ersatzanspruch einer Berufsgenossenschaft gegen haftungsprivilegierte Personen - Vorsätzliches oder grob fahrlässiges Herbeiführen eines Arbeitsunfalls - Zivilrechtliche Natur von § 640 Reichsversicherungsordnung (RVO) - Erzieherischer Zweck des Erstattungsanspruchs zur sorgfältigen Beachtung von Unfallverhütungsvorschriften
Selbstständiger Ersatzanspruch einer Berufsgenossenschaft gegen haftungsprivilegierte Personen; Vorsätzliches oder grob fahrlässiges Herbeiführen eines Arbeitsunfalls; Zivilrechtliche Natur von § 640 Reichsversicherungsordnung ( RVO ); Erzieherischer Zweck des Erstattungsanspruchs zur sorgfältigen Beachtung von Unfallverhütungsvorschriften
VersR 1968, 373
Anders als beim Streit über Ansprüche aus § 110 Abs. 1 SGB VII und dessen Vorgängernormen (Senat, Urteile vom 27. November 1956 - VI ZR 206/55, NJW 1957, 384, 385 - zu §§ 903 ff. RVO; vom 7. November 1967 - VI ZR 79/66, VersR 1968, 64 f.; vom 9. Januar 1968 - VI ZR 77/66, VersR 1968, 373, 374 f.; vom 28. September 1971 - VI ZR 216/69, BGHZ 57, 96, 100 f. - jeweils zu § 640 RVO; vgl. auch Senat, Urteil vom 11. Februar 2003 - VI ZR 34/02, BGHZ 154, 11, 18) handelt es sich beim Streit um die Frage, ob dem Träger der gesetzlichen Unfallversicherung gemäß § 110 Abs. 1a SGB VII ein Regressanspruch gegen einen Unternehmer zusteht, um eine öffentlich-rechtliche Streitigkeit in Angelegenheiten der gesetzlichen Unfallversicherung im Sinne des § 51 Abs. 1 Nr. 3 SGG, für die der Rechtsweg zu den Sozialgerichten eröffnet ist.
Zum anderen gewährt § 110 Abs. 1 SGB VII nicht nur dem Unfallversicherungsträger einen Regressanspruch, sondern jedem Sozialversicherungsträger, dem infolge des Versicherungsfalls Aufwendungen entstanden sind; auch insoweit kommt es nicht darauf an, ob der jeweilige Sozialversicherungsträger in einer öffentlich-rechtlichen Beziehung zum Verpflichteten steht (…vgl. Senat, Urteile vom 27. November 1956 - VI ZR 206/55, aaO;… vom 7. November 1967 - VI ZR 79/66, aaO; vom 9. Januar 1968 - VI ZR 77/66, VersR 1968, 373, 374).
(3) Vor allem aber tritt der Anspruch aus § 110 Abs. 1a SGB VII anders als derjenige aus § 110 Abs. 1 SGB VII, durch den der Schädiger so gestellt wird, wie er ohne die Privilegierung nach den §§ 104 ff. SGB VII stünde (…Senat, Urteile vom 27. Juni 2006 - VI ZR 143/05, BGHZ 168, 161 Rn. 15, 18;… vom 29. Januar 2008 - VI ZR 70/07, BGHZ 175, 152 Rn. 13), nicht an die Stelle eines ohne diese Privilegierung auf den Sozialversicherungsträger kraft Gesetzes gemäß § 116 SGB X übergeleiteten Schadensersatzanspruchs (zu § 640 RVO Senat, Urteile vom 7. November 1967 - VI ZR 79/66, VersR 1968, 64 f.; vom 9. Januar 1968 - VI ZR 77/66, VersR 1968, 373, 374 f.).
Dementsprechend ist eine nach bürgerlichem Recht zu beurteilende Unfallverursachung und Verantwortlichkeit des Verpflichteten nur für § 110 Abs. 1 SGB VII Anspruchsvoraussetzung (vgl. zu § 640 RVO Senat, Urteil vom 9. Januar 1968 - VI ZR 77/66, VersR 1968, 373, 375), nicht aber für § 110 Abs. 1a SGB VII. Damit fehlt dem Anspruch aus § 110 Abs. 1a SGB VII die Anbindung an bürgerlich-rechtliche Normen, die maßgebend dafür ist, den Anspruch aus § 110 Abs. 1 SGB VII als bürgerlich-rechtlich zu qualifizieren.
Im Urteil vom 9. Januar 1968 (VI ZR 77/66 - VersR 1968, 373) hat der Senat erklärt, der Rückgriffsanspruch habe den Charakter eines Schadensersatzanspruchs des SVT, den der Sache nach der Unfallurheber geschädigt habe, indem für ihn eine Leistungspflicht entstanden sei, die ihm ohne den Unfall nicht erwachsen wäre; insofern gehe es bei § 640 RVO in gleicher Weise wie bei § 1542 RVO um eine Schadloshaltung des SVT; materiell handele es sich um den Anspruch auf Ersatz des eigenen Schadens, den § 640 RVO dem SVT als mittelbar Geschädigtem gegeben habe.
Dieser Zweck tritt hinter dem Zweck, dem SVT einen finanziellen Ausgleich für seine ihm infolge des Unfalls erwachsenen Lasten zu verschaffen, zurück (Senatsurteile vom 7. November 1967 - VI ZR 79/66 - VersR 1968, 64 und vom 9. Januar 1968 - VI ZR 77/66 - VersR 1968, 373;… Lauterbach, Unfallversicherung, 3. Aufl. § 640 Anm. 23).
Ein hierauf gegründeter Anspruch ist - was auch von den Parteien nicht in Zweifel gezogen wird - vor den ordentlichen Gerichten geltend zu machen (st. Rspr. seit BGH, Urteile vom 7. November 1967 - VI ZR 79/66 - VersR 1968, 64 f. und vom 9. Januar 1968 -VI ZR 77/66 - VersR 1968, 373, 374; vgl. auch BGHZ 57, 96, 99 f.).
Diese imSenatsurteil vom 9. Januar 1968 - VI ZR 77/66 - VersR 1968, 373 noch offen gelassene Frage der Zuständigkeit ist in der Rechtslehre umstritten.
Vielmehr gewährt § 640 RVO der Berufsgenossenschaft einen selbständigen Ersatzanspruch eigener Art: der Schädiger muß, weil er nach den §§ 656, 637 RVO den unmittelbar Geschädigten grundsätzlich nicht haftet, den der mittelbar geschädigten Berufsgenossenschaft entstandenen Schaden ersetzen (vgl. das erwähnte Senatsurteil vom 7. November 1967 - VI ZR 79/66 und vom 9. Januar 1968 - VI ZR 77/66;… Lauterbach, Unfallversicherung, 3. Aufl. § 640 RVO Anm. 23; Brox Betr 1966, 489).
Ausgehend von der privat-rechtlichen Rechtsnatur des Rückgriffsanspruch rechnet der Senat im wesentlichen in Übereinstimmung mit dem BGH (vgl. BGHZ VersR 1968, 373 ff; BGHZ 57, 96 ff) und der Literatur (vgl. Lauterbach, aaO, § 640, Anm. 45 unter Aufgabe früherer gegenteiliger Meinung; Bereiter-Hahn, aaO, § 640, Anm. 6; Gunkel, WzS 1964, 65 ff, 67, 68; ders., "Die Haftung von Unternehmern und Betriebsangehörigen", 2. Aufl., S. 47, 61; Wolber, Soz.Vers.
BGH, 30.01.1968 - VI ZR 132/66
In gleichem Sinne hat der erkennende Senat die Frage bereits in seinen Urteilen vom 7. November 1967 - VI ZR 79/66 - (VersR 1968, 64) und vom 9. Januar 1968 - VI ZR 77/66 - entschieden.
BGH, 04.03.1969 - VI ZR 261/67
Pflichtverletzung des Geschäftsführers eines Betriebes durch mangelnde Kontrolle …
Diese mit der ständigen Rechtsprechung des erkennenden Senats (vgl. Urteile vom 9. Januar 1968 - VI ZR 77/66 - VersR 1968, 373 und vom 30. April 1968 - VI ZR 29/67 - VersR 1968, 673) in Einklang stehende Auffassung wird von der Revision nicht in Zweifel gezogen.