Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=30.07.2008&Aktenzeichen=V%20R%2066/06
Timestamp: 2019-11-14 06:20:17
Document Index: 298658554

Matched Legal Cases: ['§ 4', 'Art. 13', 'Art. 13', '§ 4', 'Art. 13', '§ 4', '§ 4', 'Art. 13', '§ 4', '§ 4', '§ 4', 'Art. 13']

BFH, 30.07.2008 - V R 66/06 - dejure.org
https://dejure.org/2008,2101
BFH, 30.07.2008 - V R 66/06 (https://dejure.org/2008,2101)
BFH, Entscheidung vom 30.07.2008 - V R 66/06 (https://dejure.org/2008,2101)
BFH, Entscheidung vom 30. Juli 2008 - V R 66/06 (https://dejure.org/2008,2101)
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UStG 1993/1999 § 4 Nr. 23; Richtlinie 77/388/EWG Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. h, Art. 13 Teil A Abs. 2 Buchst. b
UStG 1993/1999 § 4; Richtlinie 77/388/EWG Art. 13 Teil A
UStG § 4; UStG § 4; 31977L0388 Art. 13 Abs. 1
Beherbergung und Verköstigung von Jugendlichen in einem Urlaubsaufenthalt mit Freizeitangebot als "Aufnahme zu Erziehungs-, Ausbildungs- und Fortbildungszwecken" i.S.v § 4 Nr. 23 Umsatzsteuergesetz ( UStG ) 1993 und 1999; Voraussetzungen für die Steuerfreiheit von ...
Umsatzsteuer - Freizeitangebote für Jugendliche nicht umsatzsteuerbefreit
Beherbergung und Verköstigung von Jugendlichen in einem Urlaubsaufenthalt mit Freizeitangebot als "Aufnahme zu Erziehungs-, Ausbildungs- und Fortbildungszwecken" i.S.v § 4 Nr. 23 Umsatzsteuergesetz (UStG) 1993 und 1999; Voraussetzungen für die Steuerfreiheit von ...
Beherbergung und Verköstigung von Jugendlichen
Beherbergung und Verköstigung von Jugendlichen auf Ferienbauernhof umsatzsteuerpflichtig
Ferienaufenthalt für Jugendliche und Umsatzsteuer
Ein Ferienbauernhof für Kinder und Jugendliche tätigt umsatzsteuerpflichtige Leistungen
Ferienbauernhof: Aufnahme von Jugendlichen nicht umsatzsteuerfrei
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BFH vom 30.7.2008, Az.: V R 66/06 (Steuerbefreiung bei Kinder- und Jugendbetreuung)" von Dipl.-Finw. Frank Fritsch, original erschienen in: UStB 2009, 91.
BFHE 223, 381
BStBl II 2010, 507
Sie sollte die bereits bestehende Umsatzsteuerbegünstigung dahingehend erweitern, dass diese auch Schullandheimen und anderen mit Schul- und Erziehungsmaßnahmen in Zusammenhang stehenden Einrichtungen und damit umfassend Einrichtungen im Bereich der Jugenderziehung und -ausbildung zugute kommen (vgl. BFH-Urteil vom 30. Juli 2008 V R 66/06, BFHE 223, 381, BFH/NV 2009, 516, m.w.N.).
Es genügt deshalb, wenn die Aufnahme solange andauert, dass der im Gesetz vorausgesetzte Erziehungszweck erreicht werden kann (vgl. BFH-Urteile in BFHE 223, 381, BFH/NV 2009, 516; vom 19. Dezember 1963 V 102/61 U, BFHE 78, 280, BStBl III 1964, 110).
Abzugrenzen ist die Aufnahme zu Erziehungs-, Ausbildungs- oder Fortbildungszwecken aber von Leistungen der Beherbergung und Verköstigung während eines kurzfristigen Urlaubsaufenthalts mit Freizeitangebot und Freizeitgestaltung, die die im Gesetz vorausgesetzte "Aufnahme zu Erziehungs-, Ausbildungs- und Fortbildungszwecken" jedenfalls nicht erfüllen (BFH-Urteil in BFHE 223, 381, BFH/NV 2009, 516).
Soweit Befreiungen nicht hinreichend in innerstaatliches Recht umgesetzt worden sind, kann sich der Steuerpflichtige zwar grundsätzlich darauf berufen (BFH-Urteile in BFHE 223, 381, BFH/NV 2009, 516; vom 18. August 2005 V R 71/03, BFHE 211, 543, BStBl II 2006, 143; vom 8. November 2007 V R 2/06, BFHE 219, 428, BStBl II 2008, 634, m.w.N.).
Die Befreiungsvorschrift soll Einrichtungen im Bereich der Jugenderziehung und Ausbildung zugute kommen und ist dadurch gekennzeichnet, dass Jugendliche zu Erziehungs-, Ausbildungs- oder Fortbildungszwecken bei sich aufgenommen werden und im Rahmen dieses Unternehmens aufgrund der Aufnahme Leistungen der Beherbergung, Beköstigung und Naturalleistungen anfallen (vgl. BFH-Urteile vom 30. Juli 2008 V R 66/06, BFHE 223, 381, BFH/NV 2009, 516; vom 24. Mai 1989 V R 127/84, BFHE 157, 464, BStBl II 1989, 912).
b) In revisionsrechtlich nicht zu beanstandender Weise hat das FG unter Hinweis auf die Grundsätze des BFH-Urteils vom 30. Juli 2008 V R 66/06 (BFHE 223, 381, BStBl II 2010, 507) die Steuerbefreiung des § 4 Nr. 23 UStG verneint.
Auf diese Befreiung kann sich, soweit sie nicht hinreichend in innerstaatliches Recht umgesetzt worden ist, ein Steuerpflichtiger berufen (vgl. zur Berufbarkeit z.B. BFH-Urteile in BFHE 219, 428, BStBl II 2008, 634, LS 1; in BFHE 223, 381, BStBl II 2010, 507, unter II.2.b, m.w.N.).
Die Vorschriften der Richtlinie 77/388/EWG bzw. der MwStSystRL sind auf die Streitjahre zwar grundsätzlich unmittelbar anwendbar, da der deutsche Gesetzgeber die Vorschriften der Richtlinien zu diesem Zeitpunkt noch nicht in innerstaatliches Recht umgesetzt hatte (vgl. BFH-Urteile vom 30.07.2008, V R 66/06, BFHE 223, 381, BStBl II 2010, 507; vom 18.08.2005, V R 71/03, BFHE 211, 543, BStBl II 2006, 143; vom 08.11.2007, V R 2/06, BFHE 219, 428, BStBl II 2008, 634, m.w.N.).
So genügt die Unterbringung und Betreuung von Kindern im Rahmen eines Ferienaufenthalts von fünf Tagen hierfür nicht (vgl. BFH-Urteil vom 30.07.2008 V R 66/06, BStBl II 2010, 507 und vom 12.05.2009 V R 35/07, BStBl II 2009, 1032).
Zudem wurde jedenfalls die erforderliche Dauer der Aufnahme nicht erreicht (vgl. BFH-Urteil vom 30.07.2008 V R 66/06, BStBl II 2010, 507 und vom 12.05.2009 V R 35/07, BStBl II 2009, 1032), da es sich dabei nur um eine kurzfristige Unterbringung und Betreuung von Kindern gehandelt hat (5 Tage, vgl. Niederschrift der mündlichen Verhandlung).
Abzugrenzen ist die Aufnahme zu Erziehungs-, Ausbildungs- oder Fortbildungszwecken aber von Leistungen der Beherbergung und Verköstigung während eines kurzfristigen Urlaubsaufenthalts mit Freizeitangebot und Freizeitgestaltung, die die im Gesetz vorausgesetzte "Aufnahme zu Erziehungs-, Ausbildungs- und Fortbildungszwecken" jedenfalls nicht erfüllen (vgl. BFH-Urteil in BFH/NV 2009, 516).
Soweit Befreiungen gemäß der Richtlinie 77/388/EWG nicht hinreichend in innerstaatliches Recht umgesetzt worden sind, kann sich der Steuerpflichtige zwar grundsätzlich unmittelbar darauf berufen (vgl. BFH-Urteile in BFH/NV 2009, 516; vom 18.08.2005 V R 71/03, BStBl II 2006, 143 ; vom 08.11.2007 V R 2/06, BStBl II 2008, 634 m.w.N.).
Selbst wenn daher der Kläger sich in dem von ihm beschriebenen Umfang um die Jugendlichen kümmerte, Spiele durchführte, gemeinsame Essen veranstaltete und Ausflüge in die Natur machte, war dies nicht Gegenstand der Leistungen, für die er bezahlt wurde (a.A., Nds. FG, Urteil vom 09.09.2005, 5 K 70/02, EFG 2005, 1975, Revision zugelassen unter Az.: V R 66/06 als Revisionsverfahren fortgeführt).
Diese von der Klägerin angeführten Vorschriften der Richtlinie 77/388/EWG sind in den Streitjahren zwar grundsätzlich unmittelbar anwendbar, da der deutsche Gesetzgeber sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht in innerstaatliches Recht umgesetzt hatte (BFH-Urteile in BFHE 223, 381, BFH/NV 2009, 516; vom 18. August 2005 V R 71/03, BFHE 211, 543, BStBl II 2006, 143; vom 8. November 2007 V R 2/06, BFHE 219, 428, BStBl II 2008, 634, m.w.N.), doch liegen die Voraussetzungen der Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g und Buchst. h der Richtlinie 77/388/EWG im Streitfall nicht vor.