Source: https://dr-effertz.de/rechtsbeziehungen-bei-der-arzneimittelabgabe-in-der-apotheke/
Timestamp: 2020-08-04 02:26:39
Document Index: 279891283

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 433', '§ 611', '§ 433', '§ 630', '§ 630', '§ 129']

Rechtsbeziehungen bei der Arzneimittelabgabe in der Apotheke - Dr. Effertz
Categories Allgemeines Recht, Bürgerliches Recht, Pharmazeutische Gesetzeskunde, Vertragsrecht
Date Januar 9, 2019
Ein Ver­ständ­nis für die Ver­trags- und Rechts­be­zie­hun­gen bei der Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be in der Apo­the­ke ver­schafft Sicher­heit und kann vor unlie­ben Über­ra­schun­gen schüt­zen. Nur so besteht die Chan­ce Ansprü­che Drit­ten gegen­über durch­zu­set­zen.
Geld gibt es immer nur auf Grund­la­ge eines gül­ti­gen (Kauf-)Vertrages. Wel­ches Ver­trags­ver­hält­nis der jewei­li­gen Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be zugrun­de liegt, hängt vom Arz­nei­mit­tel und dem Ver­si­che­rungs­sta­tus des Pati­en­ten ab.
Direk­te Ver­trags­be­zie­hung zum Pri­vat­pa­ti­en­ten
Bei der Abga­be von Arz­nei­mit­teln im Rah­men der Selbst­me­di­ka­ti­on oder an Pri­vat­pa­ti­en­ten ent­ste­hen direk­te Ver­trags­be­zie­hun­gen mit vol­len Rech­ten und Pflich­ten.
Grund­über­le­gun­gen zu den Rechts­be­zie­hun­gen
Da es sich bei Arz­nei­mit­teln um beson­de­re Waren, die unter den Rah­men­be­din­gun­gen der Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung (ApBe­trO) abzu­ge­ben sind, han­delt, schul­det der Apo­the­ker neben der Her­aus­ga­be der Ware zusätz­lich eine ord­nungs­ge­mä­ße Bera­tung; zumin­dest ein Bera­tungs­an­ge­bot. Dies ergibt sich aus dem öffent­li­chen Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gungs­auf­trag (vgl. § 1 Bun­de­s­apo­the­ker­ord­nung und § 1 Apo­the­ken­ge­setz).
Wich­tig zu ver­ste­hen, ist dass die Ver­trä­ge, die in der Fol­ge betrach­tet wer­den, grund­sätz­lich zwi­schen dem Inha­ber einer Apo­the­ke und Drit­ten zustan­de kom­men (vgl. auch Lern­text “Haf­tungs­grund­sät­ze in der Apo­the­ke).
Juris­tisch aus­ge­drückt, spricht man — abhän­gig vom Umfang der tat­säch­lich erbrach­ten Bera­tungs­leis­tung — im Rah­men der Abga­be nicht-ver­schrei­bungs­pflich­ti­ger Arz­nei­mit­tel von einem rei­nen Kauf­ver­trag nach § 433 BGB oder einem gemischt-typi­schen Ver­trag mit Ele­men­ten des Kauf- und Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges nach § 611 BGB. Die Bera­tung stellt dabei einen beson­de­ren Dienst­leis­tungs­aspekt höher­wer­ti­ger Natur dar.
Auch wird ein OTC-Arz­nei­mit­tel regel­haft nur dann abge­ge­ben, sofern der Pati­ent das Arz­nei­mit­tel bezahlt hat. Im Fal­le einer Vor­ab­lie­fe­rung bestehen zivil­recht­li­che Zah­lungs­an­sprü­che nach § 433 BGB, die im Ver­wei­ge­rungs­fall im Zwei­fel auch gegen­über dem Pati­en­ten voll­streckt wer­den kön­nen — nach­zu­le­sen im All­ge­mei­nen Schuld­recht*.
Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be auf Grund­la­ge ärzt­li­cher Ver­ord­nung
Da der Apo­the­ker nicht zur klas­si­schen Behand­lung befugt ist (Heil­kun­de­ver­bot), fin­det der Behand­lungs­ver­trag nach § 630a ff BGB heu­te für Apo­the­ker (noch) kei­ne Anwen­dung. Auch hier geht man von einem gemischt-typi­schen Ver­trag aus, bei dem aller­dings zwi­schen Pri­vat- und kas­sen­ver­si­cher­ten zu unter­schei­den ist:
Im Wesent­li­chen ist die ver­trag­li­che Situa­ti­on zwi­schen einem Apo­the­ker und einem Pri­vat­ver­si­cher­ten der­je­ni­gen bei der OTC-Abga­be im Ergeb­nis iden­tisch – es kommt ein gemischt-typi­scher Ver­trag zustan­de. Ledig­lich die Anbah­nung des Ver­trags­schlus­ses ist eine ande­re, da der Pati­ent mit einer kon­kre­ten ärzt­li­chen Ver­ord­nung vor­stel­lig wird.
Das Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis „im Hin­ter­grund“ der Ver­si­cher­ten betrifft den Apo­the­ker nicht, da es sich ledig­lich um eine ver­si­che­rungver­trag­li­che Erstat­tung der Aus­la­gen des Pati­en­ten han­delt.
Im Hin­ter­grund besteht wei­ter­hin ein Behand­lungs­ver­trag nach §§ 630a ff BGB zwi­schen dem Pati­ent und sei­nem Arzt, der zu der Ver­ord­nung im Rah­men der zuge­sag­ten The­ra­pie geführt hat. Dies muss den Apo­the­ker jedoch eben­falls nicht wei­ter inter­es­sie­ren.
Die Rechts­be­zie­hun­gen bei der Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be in der Apo­the­ke sind somit für “direk­te Geschäf­te” mit den Pati­en­ten (OTC, Pri­vat­pa­ti­en­ten) rela­tiv leicht zu über­schau­en. Dies gilt umge­kehrt auch für Fra­gen der ver­trag­li­chen Haf­tung des Apo­the­kers gegen­über den Pati­en­ten (vgl. Lern­text “Haf­tungs­grund­sät­ze in der Apo­the­ke”).
Son­der­fall Rezep­tur
Die Arz­nei­mit­tel­her­stel­lung durch den Apo­the­ker auf Grund­la­ge einer indi­vi­du­el­len Ver­schrei­bung wird in der Lite­ra­tur dem Werks­ver­trag zuge­ord­net. Aller­dings dürf­te es in der Pra­xis auch hier in der Regel­ver­sor­gung haupt­säch­lich ver­trag­li­che Misch­for­men geben, da eine blo­ße Her­stel­lung ohne anschlie­ßen­de End­ver­brauchs­ab­ga­be ledig­lich im Bereich der Lohn­her­stel­lung für ande­re Apo­the­ken denk­bar scheint. Indi­vi­du­al­re­zep­tu­ren hin­ge­gen erfol­gen i. d. R. auf Grund­la­ge einer ärzt­li­chen Ver­schrei­bung und beinhal­ten ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Sub­stan­zen.
Neben der Her­stel­lung erfol­gen übli­cher­wei­se auch die Abga­be und Bera­tung zu der Zube­rei­tung an den Pati­en­ten oder einen Bevoll­mäch­tig­ten. Damit dürf­ten die gemischt-typi­schen Ver­trags­ele­men­te aus Dienst­leis­tungs- und Kauf­ver­trag ledig­lich um jene des Werk­ver­tra­ges ergänzt wer­den. Im Bereich der GKV bestün­de ent­spre­chend der Abga­be von Arz­nei­mit­teln auf ärzt­li­che Ver­ord­nung ein gesetz­lich-ver­trag­li­cher Ver­gü­tungs­an­spruch auf Grund­la­ge des Rah­men­ver­tra­ges (Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung) nach § 129 SGB V (vgl. Lern­text Rechts­be­zie­hun­gen zum GKV-Pati­en­ten bei der Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be in der Apo­the­ke).
Tag:gemischt-typischer Vertrag, Kaufvertrag, Liefervertrag, Werkvertrag