Source: http://m.hensche.de/Fristlose_Kuendigung_Geschaeftsfuehrer_Zweiwochenfrist_BGH_IIZR273-11.html
Timestamp: 2018-04-23 13:19:14
Document Index: 383589874

Matched Legal Cases: ['§ 626', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 626']

28.05.2013. Wer als Ge­schäfts­füh­rer ei­ner GmbH sei­ne Pflich­ten ge­gen­über der Ge­sell­schaft mas­siv ver­letzt, ris­kiert die au­ßer­or­dent­li­che und frist­lo­se Kün­di­gung sei­nes Ge­schäfts­füh­rer­ver­trags.
In ei­nem sol­chen Fall müs­sen sich die Ver­tre­ter der Ge­sell­schaft al­ler­dings mit dem Aus­spruch der Kün­di­gung be­ei­len, denn ge­mäß § 626 Abs.2 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) muss die Kün­di­gung in­ner­halb von zwei Wo­chen er­klärt wer­den.
Die­se kur­ze Frist be­ginnt aber erst dann, wenn die zur Kün­di­gung be­rech­tig­ten Ver­tre­ter der Ge­sell­schaft al­le zur Kün­di­gung be­rech­ti­gen­den Tat­sa­chen ken­nen, d.h. ein blo­ßes "Ken­nen-Müs­sen" ge­nügt nicht: Bun­des­ge­richts­hof, Ur­teil vom 09.04.2013, II ZR 273/11.
Wann beginnt die Zweiwochenfrist zur Erklärung einer fristlosen Kündigung beim Verdacht krimineller Machenschaften des Geschäftsfüherers?
Der Geschäftsführer ei­ner GmbH muss die fi­nan­zi­el­len In­ter­es­sen der Ge­sell­schaft wah­ren. Ge­gen die­se Pflicht verstößt er grob, wenn er ei­nen Be­ra­ter­ver­trag zu­las­ten der GmbH ab­sch­ließt, der die GmbH zu er­heb­li­chen Zah­lun­gen ver­pflich­tet, wenn da­bei zu­gleich klar ist, dass ef­fek­ti­ve Be­ra­tungs­leis­tun­gen gar nicht er­bracht wer­den sol­len. Ein sol­cher Schein­be­ra­ter­ver­trag schädigt die GmbH und be­rech­tigt sie zur frist­lo­sen Kündi­gung des Geschäftsführer­ver­trags.
Der Fall des BGH: Geschäftsführer einer zur Sparkasse Düsseldorf gehörenden GmbH schanzt Kölner Politiker Josef Müller einen Beratervertrag zu
Im Streit­fall ging es um ei­nen Geschäftsführer ei­ner Toch­ter­ge­sell­schaft der Stadt­spar­kas­se Düssel­dorf, der Toch­ter Nr.1. Der Geschäftsführer war später auch Geschäftsführer ei­ner hun­dert­pro­zen­ti­gen Toch­ter-GmbH die­ser Spar­kas­sen-Toch­ter, der Toch­ter Nr.2.
Zu­las­ten der Toch­ter Nr.1 hat­te der Geschäftsführer im Jah­re 2000 mit dem Kölner Po­lit­ker Jo­sef Müller ei­nen Be­ra­ter­ver­trag ver­ein­bart, der Herrn Müller ein Ge­halt von 200.000 DM pro Jahr be­scher­te. Die­ses Ge­halt er­stat­te­te die Spar­kas­se Köln der Toch­ter Nr.1. Hin­ter­grund all des­sen war ei­ne po­li­ti­sche Vet­tern­wirt­schaft, die An­fang 2009 öffent­lich be­kannt wur­de und da­zu führ­te, dass Herr Müller am 01.02.2009 al­le po­li­ti­schen Ämter nie­der­leg­te. An­geb­lich war zwi­schen den Spar­kas­sen-Chefs und Herrn Müller aus­ge­mau­schelt, dass die­ser nie­mals Be­ra­tungs­leis­tun­gen er­brin­gen soll­te.
BGH: Erst wenn die zur Kündigung berechtigten Vertreter der GmbH Kenntnis von den Kündigungsgründen haben, beginnt die Zweiwochenfrist für die Kündigungserklärung
Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH)hob das OLG-Ur­teil auf und ver­wies den Rechts­streit zurück an das OLG. Aus Sicht des BGH hat­te die be­klag­te Toch­ter Nr.1 die Zwei­wo­chen­frist ein­ge­hal­ten.
Denn nur dann, wenn die Kündi­gungs­gründe be­reits im We­sent­li­chen be­kannt sind und nur noch ergänzen­de Er­mitt­lun­gen nötig sind, z.B. ei­ne Anhörung des Geschäftsführers oder die Aufklärung von ge­gen ei­ne Kündi­gung spre­chen­den Tat­sa­chen, muss die GmbH die­se Er­mitt­lun­gen zügig durchführen. Auf ei­nen bloßen An­fangs­ver­dacht hin, wie er mögli­cher­wei­se hier im Streit­fall schon 2004 be­stand, muss die GmbH kei­ne Er­mitt­lun­gen an­stel­len.
Da­her lag hier im Fe­bru­ar 2004 höchs­tens ein "Ken­nenmüssen" der Ver­feh­lun­gen des Geschäftsführers vor, und das genügt nicht, um die Zwei­wo­chen­frist des § 626 Abs.2 BGB in Gang zu set­zen.