Source: https://blogs.pwc.de/regulatory/tag/supervisory-slotting-approach/
Timestamp: 2020-08-05 17:25:19
Document Index: 321939665

Matched Legal Cases: ['Art. 153', 'Art. 153', 'Art. 147', 'Art. 153', 'Art. 153', 'Art. 1', 'Art. 153', 'Art. 153']

Supervisory Slotting Approach Archives - Regulatory
Schlagwort: Supervisory Slotting Approach
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Spezialfinanzierungen – Risikogewichte nach dem Slotting Approach
Die European Banking Authority (EBA) hat am 13. Juni 2016 den finalen Entwurf der „Regulatory Technical Standards on Assigning Risk Weights to Specialised Lending Exposures under Art. 153(9) CRR” (EBA/RTS/2016/02) veröffentlicht. Damit kommt sie ihrem Auftrag zur Präzisierung der Faktoren nach Art. 153 Abs. 5 CRR, die die Institute bei der Zuweisung von Risikogewichten bei Spezialfinanzierungen im Rahmen des Slotting Ansatzes zu berücksichtigen haben, nach.
Ausfallrisiken und potentielle Verluste bei Spezialfinanzierungen (Specialised Lending – SL) sind in besonders hohem Maße vom wirtschaftlichen Erfolg des finanzierten Projektes abhängig. Daher sind diese Risikopositionen, die grundsätzlich der Forderungsklasse Unternehmen angehören, im Rahmen der Anwendung des IRBA immer dann zu separieren, wenn die in Art. 147 Abs. 8 CRR aufgelisteten Kriterien zutreffen:
die Forderung besteht gegenüber einer Gesellschaft, die speziell zur Finanzierung und Durchführung des Projektes gegründet wurde;
die vertraglichen Vereinbarungen gewähren dem Kreditgeber einen erheblichen Einfluss auf die betreffenden Vermögenswerte und die durch diese generierten Einkünfte;
die Rückzahlung der Verbindlichkeit wird im Wesentlichen durch Einkünfte gewährleistet, die durch die finanzierten Vermögenswerte erwirtschaftet werden.
Grundsätzlich stehen für SL drei Wege zur Zuweisung von Risikogewichten zur Verfügung:
der Basis-IRBA (bei dem die Institute keine eigenen Schätzungen für die LGD und die Konversionsfaktoren verwenden);
der fortgeschrittene IRBA (mit eigenen Schätzungen der LGD und der Konversionsfaktoren) sowie
für die Fälle, in denen die Bank nicht in der Lage ist, die Verlustwahrscheinlichkeit PD zu schätzen oder die Mindestanforderungen an die Bestimmung der Ausfallwahrscheinlichkeiten zu erfüllen, sieht Art. 153 Abs. 5 CRR die Zuweisung von aufsichtlich vorgegebenen Risikogewichten vor („Supervisory Slotting Approach“).
Bei Anwendung des Slotting Approach haben die Institute die Zuweisung der Risikogewichte zu den Forderungen unter Berücksichtigung von fünf in Art. 153 Abs. 5 Satz 2 CRR aufgelisteten Faktoren vorzunehmen:
Transaktions- und/oder Vermögenswertmerkmale,
Stärke des Geldgebers und des Trägers unter Berücksichtigung etwaiger Einkünfte aus öffentlich-rechtlichen Partnerschaften sowie
Absicherungspaket
Diese Faktoren sind als Hauptrisikotreiber zwingend bei der Ermittlung des Risikogewichts für die fraglichen Positionen zu berücksichtigen.
Die Zuweisung der Risikogewichte nach EBA/RTS/2016/02
Mit dem neuen RTS präzisiert die EBA diese Faktoren im Hinblick auf verschiedene Spezialfinanzierungsklassen. In Anlehnung an die entsprechenden Ausführungen des Baseler Ausschusses, unterscheidet die EBA folgende Klassen:
Projektfinanzierungen,
Objektfinanzierungen sowie
Für jede SL-Klasse gliedert die EBA die Hauptrisikotreiber (Faktoren) mit Blick auf die jeweiligen spezifischen Risiken in einer Bewertungstabelle in Sub-Faktoren und Sub-Faktor-Komponenten auf. Beispielhaft zeigt die folgende Abbildung einen Teil der für Projektfinanzierungen vorgesehenen Bewertungstabelle:
Quelle: EBA/RTS/2016/02, S. 15.
Da es bei der Bewertung vorkommen kann, dass die Sub-Faktoren (bzw. auch die Komponenten der Sub-Faktoren) unterschiedlichen Kategorien zugeordnet werden, gibt die EBA in Art. 1 des RTS einen mehrere Schritte umfassenden Prozess vor, um eine gewisses Maß an Einheitlichkeit zu gewährleisten: Zunächst hat eine Aggregation ausgehend von den Sub-Faktor-Komponenten über die Sub-Faktoren bis zu den einzelnen Faktoren (Hauptrisikotreibern) unter Berücksichtigung der relativen Bedeutsamkeit der einzelnen Bestandteile zu erfolgen. Die Faktoren/Hauptrisikotreiber sind dann im Zuge der Ermittlung des gewichteten Durchschnitts einer einzigen Kategorie (gegebenenfalls gerundet) zuzuordnen.
Unter Berücksichtigung der verbleibenden Laufzeit erfolgt im letzten Schritt die Risikogewichtung über die Zuordnung der Spezialfinanzierung in die entsprechenden Kategorie (Tabelle 1 Art. 153 Abs. 5 CRR).
Restlaufzeit Kategorie
Unter 2,5 Jahren 50% 70% 115% 250% 0%
2,5 Jahre oder länger 70% 90% 115% 250% 0%
Ausgefallene Risikopositionen sind stets der Kategorie 5 zuzuordnen.
Die detaillierten Vorgaben der EBA machen in aller Regel eine Anpassung der bestehenden Prozesse erforderlich. Die Institute haben umfangreiche Dokumentationsanforderungen zu erfüllen: So haben sie für sämtliche Positionen, die ein Risikogewicht mittels des Slotting Approach erhalten haben, folgende Infomationen zu dokumentieren:
die Spezialfinanzierungs-Klasse,
die Kategorie in Tabelle 1 (Art. 153 (5) CRR), der die fragliche Position letztlich zugeordnet wurde,
die Bewertung der Spezialfinanzierungs-Risikoposition auf jeder Ebene des mehrstufigen Aggregationsprozesses und zusätzlich
für jede Risikoposition die jedem einzelnen Faktor im Zuge des beschriebenen Aggregationsprozesses beigelegten Gewichtungen.
Die Banken haben nach der (noch ausstehenden) Veröffentlichung des RTS im EU-Amtsblatt ein Jahr Zeit für die Anpassung ihrer bestehenden Prozesse.
Änderungen bei der aufsichtlichen Behandlung von Spezialfinanzierungen zeichnen sich auf Basis des Konsultationspapieres des Baseler Ausschusses zur Anwendung des IRBA („Reducing variation in credit risk-weighted assets – constraints on the use of internal model approaches“) vom 24. März 2016 ab. Vorgesehen ist, dass im Rahmen des IRBA künftig ausschließlich der Supervisory Slotting Ansatz anwendbar sein soll. Dies dürfte zu einer deutlich höheren Relevanz dieses Ansatzes in der Praxis führen. Da der Baseler Ausschuss seine Arbeiten im Zusammenhang mit der Überarbeitung der IRB-Ansätze bis zum Jahresende 2016 abschließen möchte, sollten sich alle Institute, die die Zuweisung von Risikogewichten bei ihren SL-Positionen bislang mit Hilfe des IRBA, aber nicht mittels des Slotting-Approach, vorgenommen haben, möglichst zeitnah mit den Vorgaben der EBA auseinandersetzen.
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