Source: https://sekundarschule-velen.de/sites/Schulprogramm/Inklusionskonzept.php
Timestamp: 2020-07-04 00:14:29
Document Index: 301240494

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 4', '§ 5', '§ 6', '§ 7', '§ 8', '§37', '§ 21', '§ 18', '§ 48', '§ 28', '§ 30', '§ 37']

Sonderpädagogische Förderung und Inklusiver Unterricht
2. Sekundarschule Velen/Ramsdorf als Lernort
3. Inklusiver Unterricht und sonderpädagogische Förderung
3.2 Förderschwerpunkte in der Inklusion
3.3 Aufgabenfelder sonderpädagogischer Förderung
3.4 Schüler/-innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf
3.5 Personelle, sächliche, und räumliche Voraussetzungen
3.5.1 Raumausstattung
3.5.2 Sachausstattung, Lehr- und Lernmittel
3.5.3 Personelle Rahmenbedingungen
3.6 Kooperation
3.6.1 Einsatz der Sonderpädagogen
3.6.2 Unterstützung innerhalb der Sekundarschule
3.6.3 Elternarbeit
3.6.4 Kooperation mit anderen Institutionen
3.7 Unterrichtsgestaltung
3.7.1 Differenzierung und Individualisierung
3.7.2 Lernstudiozeiten
3.8 Diagnostik
3.9 Förderpläne
3.10 Leistungsbewertung
3.10.1 Beurteilungen individueller Schülerleistung
3.10.2 Zeugnisse und Schulabschlüsse
3.11 Berufswahlvorbereitung
3.12 Beratung und Prävention
1. Leitgedanken: "Lass uns miteinander ...." lernen, Gemeinschaft erleben und durch Vielfalt Bereicherung erfahren.
• Unsere Schule will nicht nur Lernort, sondern auch Lebensraum für alle am Schulleben Beteiligten sein. Wir nutzen die Chance zu lebensnahem Lernen, indem wir außerschulische Lernorte und Institutionen einbeziehen.
• Wir sind eine Schule, die helfen will, die eigene Persönlichkeit zu finden, zu fördern und zu entwickeln und die Persönlichkeit des an¬deren zu achten.
• Wir motivieren die Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme und aktiven Mitarbeit im gesellschaftlichen Leben und fördern Teamfähigkeit.
• Wir vermitteln unseren Schülerinnen und Schülern Sachkompetenz und Wissen und fördern ihre Bereitschaft zum lebenslangen Lernen. Wir unterstützen sie dabei, sich Fähigkeiten und Fertigkeiten anzueignen, und bieten dafür Orientierungshilfen.
• Wir wollen die individuelle Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft unserer Schülerinnen und Schüler fördern, wobei die Grundlagen der Leistungsbewertung offenliegen.
• Wir verstehen uns als lernende Schule, die ihre Ziele plant und überprüft, um sich auf der Grundlage dieses Verständnisses weiterzuentwickeln.
In allen allgemeinbildenden Schulen ist aufgrund unterschiedlicher Kulturen, Sprachen, Lebensformen, Kompetenzen, Interessen und Bedürfnissen die Schüler-schaft verschieden. Auf diese Vielfalt muss sich die Schule einstellen und Ansätze entwickeln, die allen Schülerinnen und Schülern in ihren Lern- und Entwicklungsbedürfnissen gerecht werden. Die Sekundarschule Velen/Ramsdorf will eine Schule sein, in der sich Schüler/-innen mit ihren unterschiedlichen Herkunftsorten, Interessen, Fähigkeiten, Stärken und Schwächen wohl fühlen. Sie versteht Vielfalt wie in den Leitgedanken erwähnt als Bereicherung. Schüler lernen von und mit Schülern. Das vorliegende Konzept orientiert sich an diesen Leitgedanken.
Die Umsetzung des Inklusionsgedankens orientiert sich vor allem am Schulgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (Schulgesetz NRW - SchulG) und der Verordnung über die sonderpädagogische Förderung, den Hausunterricht und die Schule für Kranke (Ausbildungsordnung sonderpädagogische Förderung - AO-SF). Durch die Aufnahme von Schüler/-innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf wird das Zusammenleben bereichert und es wird Toleranz sowie gegenseitige Wertschätzung gefördert. Insbesondere steht ein solidarisches Miteinander in einer Schule des Gemeinsamen Lernen im Vordergrund.
Die Abraham-Frank-Sekundarschule ist eine Schule mit zwei Teilstandorten. Die Jahrgangsstufen 5 und 6 werden am ersten Teilstandort in der Paulusstraße 7 in Ramsdorf beschult, die Jahrgangsstufen 7 bis 10 am zweiten Teilstandort, An der Krummen Mauer 5 – 9 in Velen. Sie wird von Schülerinnen und Schülern aus, Velen, Ramsdorf, Heiden, Hochmoor, Gescher und Weseke besucht. Im Schuljahr 2017/2018 gehen ca. 150 Mädchen und 210 Jungen in die aktuell dreizügig geführte Sekundarschule. Ein sehr hoher Prozentanteil der Schülerschaft nutzt für den Schulweg den Bus.
Die Schule verfügt an beiden Teilstandorten jeweils über eine an das Schulgebäude angeschlossene Sporthalle sowie eine Mensa.
Derzeit unterrichten ca. 40 Lehrerinnen und Lehrer an der Schule, darunter 3 Sonderpädagogen.
Die Unterrichtsstunden werden im Vormittagsbereich im 67,5-Minuten-Takt gegeben. Nach der einstündigen Mittagspause findet der Unterricht am Montag, Mittwoch und Donnerstag im 45-Minuten Zeitraster statt. Die Schüler/-innen werden im Gebundenen Ganztag unterrichtet. Der Unterricht umfasst an drei Tagen sechs und an zwei Tagen vier Stunden.
Es gilt das Lehrerraumprinzip. Bei der Umsetzung des Lehrerraumprinzips erhalten die Lehrkräfte, die Hauptfächer in der integrativen Lerngruppe unterrichten, möglichst einen Klassenraum mit einem angegliederten und einsehbaren Gruppenraum. In den entsprechenden Klassenräumen werden neben den eingeführten Lehrbüchern und für den Unterricht benötigte Medien auch zusätzliche Fördermaterialien angeboten.
In der Mittagspause gehen die Schülerinnen und Schülern gemeinsam in die Mensa. Sie haben die Möglichkeit vorab ein Mittagmenü auszusuchen oder ihre selbst mitgebrachten Speisen dort zu verzehren. Ein Schulsozialarbeiter steht Kindern, Eltern und Lehrern zur Verfügung.
3. Inklusion und sonderpädagogische Förderung
Die Kultusministerkonferenz hat mit der Empfehlung "Inklusive Bildung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in Schulen" vom 20. Oktober 2011 die Grundlage für ein höchstmögliches Maß an gleichberechtigter Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an Bildung geschaffen.
Auf der Grundlage des Schulgesetzes werden an der Sekundarschule Velen/Ramsdorf Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet und erzogen (Inklusive Bildung). Schüler/-innen, die auf sonderpädagogische Unterstützung angewiesen sind, werden nach ihrem individuellen Bedarf besonders gefördert, um ihnen ein möglichst hohes Maß an schulischer und beruflicher Eingliederung, gesellschaftlicher Teilhabe und selbstständiger Lebensgestaltung zu ermöglichen.
Die Vorgaben zur Umsetzung des Gemeinsamen Lernens sind zu finden im Schulgesetz (SchulG) und in der Verordnung über die sonderpädagogische Förderung (AO-SF). Eine detailierte Übersicht über rechtliche Rahmenbedingungen für das Gemeinsame Lernen in der Sekundarstufe I finden sich im Manual zur Erstellung eines schulischen Konzepts: Gemeinsames Lernen, Inklusion in der allgemeinen Schule. (Düsseldorf 2015)
Für eine angemessene individuelle Förderung sind verschiedene Schwerpunkte sonderpädagogischer Förderung zu unterscheiden. Dabei werden die Förderschwerpunkte Lernen, Emotionale und soziale Entwicklung und Sprache unter dem Begriff Lern- und Entwicklungsstörungen zusammengefasst (AO-SF, § 4), die sich häufig gegenseitig bedingen oder wech¬selseitig verstärken.
Ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Förder¬schwerpunkt Lernen besteht, wenn die Lern- und Leistungsausfälle schwerwiegender, umfänglicher und langdauernder Art sind.
Ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Förderschwerpunkt Sprache besteht, wenn der Gebrauch der Sprache nachhaltig gestört und mit erheblichem subjektiven Störungsbe¬wusstsein sowie Beeinträchtigungen in der Kommunikation verbunden ist und dies nicht alleine durch außerschulische Maßnahmen behoben werden kann.
Ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung (Erziehungsschwierigkeit) besteht, wenn sich ein Schüler der Erziehung so nachhaltig verschließt oder widersetzt, dass er im Unterricht nicht oder nicht hinreichend gefördert werden kann und die eigene Entwicklung oder die der Mitschülerinnen und Mitschüler erheblich gestört oder gefährdet ist. (Vgl. AO-SF § 4)
Ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung besteht, wenn das schulische Lernen im Bereich der kognitiven Funktionen und in der Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit dauerhaft und hochgradig beeinträchtigt ist, und wenn hinreichende Anhaltspunkte dafür sprechen, dass die Schülerin oder der Schüler zur selbstständigen Lebensführung voraussichtlich auch nach dem Ende der Schulzeit auf Dauer Hilfe benötigt. (AO-SF § 5)
Ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Förderschwerpunkt Körperliche und motorische Entwicklung besteht, wenn das schulische Lernen dauerhaft und umfänglich beeinträchtigt ist auf Grund erheblicher Funktionsstörungen des Stütz- und Bewegungssystems, Schädigungen von Gehirn, Rückenmark, Muskulatur oder Knochengerüst, Fehlfunktion von Organen oder schwerwiegenden psychischen Belastungen infolge andersartigen Aussehens. (AO-SF § 6)
Ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation besteht, wenn das schulische Lernen auf Grund von Gehörlosigkeit oder Schwerhörigkeit schwerwiegend beeinträchtigt ist. Gehörlosigkeit liegt vor, wenn lautsprachliche Informationen der Umwelt nicht über das Gehör aufgenommen werden können.
Schwerhörigkeit liegt vor, wenn trotz apparativer Versorgung lautsprachliche Informationen der Umwelt nur begrenzt aufgenommen werden können und wenn erhebliche Beeinträchtigungen in der Ent¬wicklung des Sprechens und der Sprache oder im kommunikativen Verhalten oder im Lernverhalten auftreten oder wenn eine erhebliche Störung der zentralen Verarbeitung der Höreindrücke besteht. (AO-SF § 7)
Ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Förderschwerpunkt Sehen besteht, wenn das schulische Lernen auf Grund von Blindheit oder Sehbehinderung schwerwiegend beeinträchtigt ist.
Blindheit liegt vor, wenn das Sehvermögen so stark herabgesetzt ist, dass die Betroffenen auch nach optischer Korrektur ihrer Umwelt überwiegend nicht visuell begegnen. Schülerinnen und Schüler, die mit Erblindung rechnen müssen, werden bei der Feststellung des Be¬darfs an sonderpädagogischer Unterstützung Blinden gleichgestellt.
Eine Sehbehinderung liegt vor, wenn auch nach optischer Korrektur Teilfunktionen des Sehens, wie Fern- oder Nahvisus, Gesichtsfeld, Kontrast, Farbe, Blendung und Bewegung erheblich eingeschränkt sind oder wenn eine erhebliche Störung der zentralen Verarbeitung der Seheindrücke besteht. (AO-SF § 8)
Die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen erfordert eine Neuorientierung von Schule und Unterricht im Kontext individueller Förderbedürfnisse und Fördermöglichkeiten.
Wesentliche Aufgabe der Sonderpädagogen ist es, den Bildungsprozess unabhängig vom Förderort bestmöglich zu unterstützen. Die individuellen Lernvoraussetzungen der Schüler/-innen sind in jedem Fall Ausgangspunkt und bilden den Bezugsrahmen des jeweiligen Lern- und Entwicklungsprozesses, der Bildung und Teilhabe ermöglicht.
Der Bildungsprozess dieser Schüler/-innen soll unabhängig vom Förderort gewährleistet werden. Ausgehend von den individuellen Lernvoraussetzungen sind im Gemeinsamen Lernen die zielgleichen Bildungsgänge der allgemeinen Schule (Förderschwerpunkte Sprache und Kommunikation - SQ, Emotionale und Soziale Entwicklung - ESE, Hören, Sehen und Körperliche und Motorische Entwicklung - KM) und die zieldifferenten Bildungsgänge (Lernen – LE und Geistige Entwicklung – GG) zu unterscheiden.
3.4 Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf
Die Zusammensetzung der Klassen erfordert die Berücksichtigung einer heterogenen Zusammensetzung der Schüler/-innen. Übergangsgespräche und Besuche in den Grundschulen bilden hierfür eine wesentliche Grundlage. Schüler/-innen mit ausgewiesenem Förderbedarf sollten so integriert werden, dass sie keine erkennbare Sonderstellung im sozialen Gefüge der Klassengemeinschaft einnehmen. Aus pädagogischen Erwägungen wie auch organisatorischen Gründen werden
Schüler/-innen mit dem Förderbedarf Lernen an der Sekundarschule mit maximal 5 Kindern in einer Klasse gemeinsam unterrichtet um sie bestmöglich zu integrieren, zu fördern und zu fordern. Kinder mit den Förderschwerpunkten EsE, KM, SQ sowie HK können in den übrigen Klassen unterrichtet und individuell sonderpädagogisch gefördert werden.
Bedingungen für eine Förderung im Gemeinsamen Lernen sind der festgestellte Förderbedarf und der Antrag der Eltern auf Teilnahme ihres Kindes am Gemeinsamen Lernen in einer allgemeinen Schule. Personelle und sächliche Voraussetzungen müssen dafür gegeben sein.
Die sonderpädagogische Förderung in der Regelschule und in der Förderschule sind als gleichwertig anzusehen.
Die Eltern der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf erhalten Informationen über die Schullaufbahn und die Abschlussmöglichkeiten ihrer Kinder. Die Aufnahme in einer inklusiven Klasse setzt gemäß §37 Abs.1 AO-SF einen Antrag der Eltern voraus, der bei der Schulaufsichtsbehörde zu stellen ist.
Die Eltern der Förderschüler informieren sich ebenfalls vor Ort über die veränderten Lernbedingungen in einer inklusiven Klasse der Sekundarschule Velen/Ramsdorf und beziehen neben den zuständigen Sonderpädagogen die Schulleitung der Abraham-Frank-Sekundarschule in den Beratungsprozess mit ein.
Im Anschluss daran findet ein Aufnahmegespräch statt. Nach Prüfung der rechtlichen, personellen, sächlichen und räumlichen Voraussetzungen sowie der Prüfung der Fördermöglichkeiten entscheidet die Schulleitung nach Rücksprache mit dem Inklusionskoordinator des Kreises Borken und dem Vertreter der Bezirksregierung Münster über die Aufnahme eines Schülers bzw. einer Schülerin.
3.5 Personelle, sächliche und räumliche Voraussetzungen
3.5.1 Personelle Rahmenbedingungen
Um den Schüler/-Innen die Möglichkeit zu bieten, eine verlässliche und emotionale stabile Beziehung zu entwickeln, sollte die Zahl der unterrichtenden Lehrer möglichst klein gehalten werden. Damit bietet man einen überschaubaren Bezugsrahmen, in dem sich die Schüler/-innen sicher bewegen können. Nach Möglichkeit deckt der Klassenlehrer möglichst viele Unterrichtsfächer ab. Die Fachlehrkräfte unterstützen das Konzept des Gemeinsamen Lernens in der inklusiven Lerngruppe.
Der Einsatz der Sonderpädagogen richtet sich zunächst grundsätzlich nach den Bedürfnissen der Schüler/-innen mit Förderbedarf. Die vielfältigen Aufgaben umfassen die Betreuung der Schüler/innen mit Förderbedarf im Unterricht und in den Lernzeiten aber auch eine gezielte Einzel- oder Gruppenförderung, Diagnose, Planung und Beratung sowie bei Bedarf den Einsatz zur Klärung von Konflikten. Selbstverständlich kommen die Unterstützungsmöglichkeiten, die sich aus der sonderpädagogischen Fachlichkeit ergeben, möglichst allen Schüler/innen zugute.
Im Stundenplan findet sich das breite Aufgabenspektrum wieder. Ergänzend zum Unterricht der Regelschullehrer unterstützen die Sonderpädagogen vor allem in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch die zieldifferent geförderten Schüler/innen. Alternativ dazu werden im Bereich der Grundkurse leistungsdifferenzierte Kurse, mit Förderschülern und Regelschüler durch den Sonderpädagogen eigenverantwortlich angeboten. Am Anfang jedes Schulhalbjahres wird der Stundenbedarf der zielgleich geförderten Schüler/-innen anhand von Beobachtungs- und Informationsaustausch mit Kollegen ermittelt und im Stundenplan ergänzt. Der Besprechungsbedarf der Sonderpädagogen wie auch der Austausch mit Lehrern, die Kinder mit Förderbedarf unterrichten, sollte in Form von Beratungsstunden im Stundenplan verankert werden.
Eine durchgängige Unterrichtsversorgung erfordert unter besonderen Bedingungen wie z.B. Krankheit oder Verhinderung eine Vertretung der Lehrerinnen und Lehrer durch Kollegen. Für eine Unterrichtsversorgung im Vertretungsfall stehen mit Einschränkungen auch die sonderpädagogischen Lehrkräfte zur Verfügung. Ein sinnvoller Vertretungseinsatz ist auf die Lerngruppen und Klassen mit Schüler/-innen mit Förderbedarf beschränkt, da die zugehörigen Sonderpädagogen mit den Bedürfnissen dieser Schüler/-innen vertraut sind, diese berücksichtigen und schülerbezogene Absprachen weiterführen können. Vertretungsunterricht für eine Gesamtklasse, in der der Sonderpädagogen regulär eingesetzt ist, sollte für einen überschaubaren Zeitraum kein Problem darstellen. Da eine individuelle sonderpädagogische Förderung längerfristig aber kaum gesichert ist, ist bei längeren Zeiträumen für eine Vertretung durch einen Regelschullehrer zu sorgen.
Gerade aufgrund der besonderen Bedürfnisse der Schüler/-innen mit Förderbedarf nach Beziehung und Konstanz ist die Doppelbesetzung mit einem Sonderpädagogen nicht als Vertretungsreserve zu sehen und sollte nur in Ausnahmefällen und nach Absprache aufgelöst werden.
Die besonderen Bedürfnisse einzelner Schüler/-innen machen einen Austausch von Informationen unverzichtbar. Neben einem ständigen informellen Austausch mit Einzelkollegen, die für eine Vertretung vorgesehen sind, werden regelmäßig in Konferenzen, besonders den Zeugniskonferenzen, Informationen zur besonderen Förderung einzelner Schüler/-innen ausgetauscht. Das Gesamtkollegium wird in besonderen Fällen informiert, um auch im Vertretungsfall angemessen reagieren zu können.
Der Gedanke des Zusammenlernens von Regelschülern und Kindern mit sonder-pädagogischem Förderbedarf muss vom gesamten Kollegium getragen werden. Die pädagogische Arbeit Klassendes Gemeinsamen Lernens ist für alle Kollegen transparent, damit ein langfristiges Verständnis für die damit verbundenen Aufgaben und Besonderheiten entsteht. Regelmäßig wird das Thema „Inklusion an unserer Schule“ in Gesamtkonferenzen thematisiert.
Kollegiale und fachkompetente Unterstützung von Lehrern, die nicht unmittelbar in die Arbeit mit den inklusiven Gruppen verbunden sind, ergeben sich alltäglich im Schulleben wie z.B. bei Projekten oder Sportfesten. Der tägliche Austausch im Gespräch ist immer wieder ein Gewinn.
Die inklusive Klasse wird durch das Klassenlehrerteam geleitet.. Bedingt durch das Fachlehrerprinzip an der Sekundarschule und die begrenzten Ressourcen der zur Verfügung stehenden Förderschullehrer ergeben sich wechselnde und variierende Unterstützungsformen. Flexibilität ist gefordert.
Die sonderpädagogische Lehrkraft stellt die Verbindung zwischen einzelnen Fachlehrern dar und ist für die Schüler/-innen mit festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf eine feste Bezugsperson. Eine unterrichtliche Hauptverantwortung liegt zwar bei den jeweiligen Klassen- und Fachlehrern, für eine gezielte sonderpädagogische Unterstützung ist eine Doppelbesetzung fast unumgänglich.
Eine konstante Doppelbesetzung, auf die sich auch die Schüler/-innen einstellen können, ermöglicht ein differenzierteres und individuelleres Unterrichtsangebot. So können erforderliche sonderpädagogische Prinzipien gewinnbringender umgesetzt werden:
- Binnendifferenzierung über einen längeren Zeitraum
- Gemeinsames Beobachten für eine umfassende Diagnostik
-Effektiveres gemeinsames Planen von präventiven Maßnahmen bei
Schüler/-innen ohne sonderpädagogischen Förderbedarf
- Transparenz und Austausch der Kompetenzen der beteiligten Lehrkräfte
Die Grundlage eines kooperativen Unterrichtens ist das gemeinsame Planen. Die in der inklusiven Klasse unterrichtenden Fachkräfte und die sonderpädagogische Lehrkraft müssen sich regelmäßig abstimmen.
Der Einsatz förderpädagogischer Medien ermöglicht eine ergänzende, gezielte Förderung von Kindern, die an ihre Lerngrenzen stoßen und bietet darüber hinaus die Möglichkeit für anschaulicheren Unterricht für alle Schüler/-innen. Für die verschiedenen Herangehensweisen an die Unterrichtsinhalte stehen dem Team unterschiedliche Medien und Einrichtungsausstattungen zu Verfügung. Die meisten Klassenräume sind beispielsweise mit einem Whiteboard oder Beamer ausgestattet und für den Anschluss eines Laptops vorbereitet.
In der bisherigen Entwicklungsphase des gemeinsamen Unterrichts stehen Finanzmittel zur Anschaffung von Lehr- und Lernmitteln zur Verfügung. Im Bereich der Kernfächer wurde in Anlehnung an Lehrmitteln aus dem Bereich der Förderschule Lernen ein Grundstock an Unterrichtsmaterialien für Lehrer und Schüler/-innen angeschafft. Die Selbstherstellung passender Medien und das Erarbeiten eigener Mappen zu unterschiedlichen Themen sind ratsam, damit ein gezielter Einsatz möglich ist und auch zukünftig darauf zurückgegriffen werden kann. Die Aufbewahrung dieser Unterrichtsmaterialien befindet sich im Differenzierungsraum in Ramsdorf.
Sinnvoll ist eine Aufstockung des Unterrichtsmaterials zu den Bereichen der Wahrnehmung, der Konzentration und Ausdauer sowie der Sprache, um den Anforderungen von unterschiedlichen Förderschwerpunkten der Schüler/-innen gerecht werden zu können. Materialien zum Bereich der Verhaltensmodifikation sind von besonderer Bedeutung. Um die jeweilige Lernausgangslage zu beschreiben und den Schüler/-innen zu richtigen Zeit entsprechende Lernanreize geben zu können, muss diagnostisches Material weiterhin angeschaft werden, bzw die Kooperation mit der im Moment noch bestehenden, aber auslaufenden Johannesschule in Borken ausgebaut, bzw deren Verbleib auf Dauer geklärt werden..
3.5.3 Raumausstattung
Für das Schuljahr 2016 wurde ein Sonderpädagogik-Raum am Standort in Ramsdorf eingerichtet, in dem Fördermaterialien gezielt eingesetzt werden und differenzierende Unterrichtsmaßnahmen stattfinden. Im Förderraum sollten mehrere Arbeitsplätze für mindestens zwei Kleingruppen vorhanden sein. Dieser Raum kann gleichzeitig als Vorbereitungsraum sowie als Medienraum für sonderpädagogisches Fördermaterial dienen. Diese Materialsammlung kann allen zukünftigen inklusiven Lerngruppen der Schule zugänglich sein. Des Weiteren bietet sich solch ein Förderraum als Beratungs- und Besprechungsraum an. Den besonderen Bedürfnissen der Kinder mit Förderbedarf entsprechend bietet der Raum eine Möglichkeit zum Rückzug und zur intensiven sonderpädagogischen Betreuung.
Auch für den gemeinsamen Klassenunterricht ist ein ausreichend großer Raum erforderlich, der verschiedene Funktionsbereiche bietet und z.B. mit einem Gruppenraum eine äußere Differenzierung ermöglicht.
Die Arbeit in einer inklusiven Klasse erfordert eine besonders enge Zusammenarbeit aller Beteiligten im Team. Die grundlegende Verantwortung für die Klassenführung kommt dem Klassenlehrerteam zu. Alle Lehrkräfte einer Klasse sind für das Classroom-Management, das Klassenklima und die Lernatmosphäre verantwortlich. Sie legen gemeinsame Ziele fest und treffen verbindliche Absprachen. In regelmäßigen wöchentlichen Beratungsstunden bespricht das Kernteam unterrichtliche Inhalte und trifft individuelle schülerbezogene Absprachen:
- aktuelle unterrichtliche Lernsituation und Lernentwicklung
- Entwicklungen oder Probleme hinsichtlich der Lernentwicklung
- Neuerungen und Probleme im Lebensumfeld der Schüler/-innen und
- Aktuelle Vorkommnisse in Unterricht und Pausen
- Differenziertes Unterrichtsmaterial und dessen Weiterentwicklung
- Förderplanung
Regelmäßige Besprechungen im Kernteam sind Voraussetzung für eine produktive Zusammenarbeit und sollten fest im Stundenplan verankert sein. Für die umfangreiche didaktisch-methodische Absprache sind Verfügungsstunden einzuplanen. (Vgl. Manual zur Erstellung eines schulischen Konzepts: Gemeinsames Lernen, Inklusion, in der allgemeinen Schule, Düsseldorf 2012)
Formen unterrichtsbezogener Teamarbeit:
- Die primäre Unterrichtsverantwortung obliegt den Regelschullehrern, die
Sonderpägagogen unterstützen durch zusätzliches Material oder differenzierte Hilfen („Supplemental-teaching“).
- Beide Lehrkräfte unterrichten in unterschiedlichen Bereichen Schüler/-innen mit unterschiedlichem Niveau („Remedial-teaching“) bzw. beide Lehrkräfte unterrichten zeitgleich verschiedene Niveaugruppen.
- Beide Lehrkräfte führen den Unterricht mit der gesamten Schülergruppe durch, dabei übernehmen sie wechselweise die Führung („Team-teaching“)
Ergänzend sollte in jedem Schulhalbjahr in einer sog. „Fachkonferenz Inklusion“ die Möglichkeit geboten werden, Themen zu vertiefen, neue Aspekte einer sinnvollen Förderung zu erarbeiten und Informationen an die Kollegen des Regelschulsystems weiterzugeben. Dem Austausch wird so ein höheres Maß an Verbindlichkeit eingeräumt.
3.6.2 Zusätzliche Unterstützung innerhalb der Sekundarschule
Die im Regelschulbereich seit langem geforderten zusätzlichen pädagogischen Fachkräfte sind in einer Schule mit einem „Inklusiven Leitgedanken“ besonders notwendig. Vorteilhaft ist die Unterstützung der Lehrer durch einen Sozialpädagogen oder Sozialpädagogin. Das sozialpädagogische Arbeitsfeld kann nicht von den Lehrern allein abgedeckt werden, zumal sich dieses Feld durch den wachsenden Anteil an Schüler/-innen mit emotionalen und sozialen Problemen vergrößern wird. An der Sekundarschule deckt derzeit Herr Thorn diese wichtige Aufgabe ab.
Die Eltern der Schüler/-innen mit Förderbedarf werden über die allgemeinen Kontakte hinaus in einem wechselseitigen Dialog in den Förderprozess eingebunden. Sie sind ein wichtiger Kooperationspartner. Zeitnahe Beratungsgespräche über den Lernfortschritt oder über ein mit den Eltern festgelegtes Ziel sind wichtige Elemente der Zusammenarbeit.
Mit zunehmenden Alter der Schüler rückt das Gespräch mit den Schüler/-innen in den Vordergrund. Ein Schülersprechtag wäre für alle Schüler wünschenswert. Ausgehend von seiner Selbsteinschätzung werden dort Entwicklungen und Perspektiven thematisiert.
Weitere Schwerpunkte sind die Vermittlung an therapeutische Einrichtungen oder die individuelle Beratung in Erziehungsfragen.
3.6.4 Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
Die Sonderpädagogen der Sekundarschule stehen in ständigem Kontakt zu Institutionen sonderpädagogischer Förderung. Besonders das Unterstützungsnetzwerk für Schulen im Prozess des Gemeinsamen Lernens im Kreis Borken in der Person Susann Mayer und Wilhelm Ernst ermöglicht einen ständigen Austausch von Informationen.
Bei regelmäßigen Treffen im Qualitätszirkel findet ein intensiver fachlicher Austausch statt. Hier werden Neuerungen, geänderte Vorgaben, Pädagogische Ideen und Konzepte vorgestellt und später evaluiert. Die Arbeit im Qualitätszirkel sorgt vor allem im Hinblick auf die Fachkompetenz für eine stetige Entwicklung.
Die Sekundarschule steht in engem Kontakt mit außerschulischen Institutionen. Diese Zusammenarbeit ist für die Schüler/-innen mit Problemen im sozial-emotionalen Bereich und mit Auffälligkeiten in den kognitiven Stützfunktionen sehr wichtig. Im Rahmen der individuellen Förderung ist die Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Jugendhilfe und mit therapeutischen Einrichtungen von großer Bedeutung. Die Kooperation mit der schulpsychologischen Beratungsstelle in Borken, dem Haus der Beratung in Ahaus und den Tagesgruppeneinrichtungen sollte intensiviert werden.
Sonderpädagogische Förderung erfolgt durch innere Differenzierung, durch Doppelbesetzung (stundenweise in den Fächern Deutsch und Mathematik), durch Formen äußerer Differenzierung (im Fach Englisch) in Kleingruppen und auch durch Einzelbetreuung. Die Art der Förderung wird jeweils mit dem zuständigen Teampartner abgestimmt. (vgl AO-SF § 21)
Die Differenzierungsmaßnahmen haben das Ziel, die Schüler/-innen ihrem Lernstand entsprechend zu fördern und zu unterstützen sowie an eine größtmögliche Selbstständigkeit heranzuführen. Die Schüler/-innen lernen somit auch, mit ihren Schwierigkeiten in ihrer realen Umwelt umzugehen. Die Regelschüler profitierten besonders im Bereich des sozialen Lernens. Dazu zählen Schlüsselqualifikationen wie Hilfsbereitschaft, Verständnis, Toleranz, Teamfähigkeit und Empathie.
Der Hauptgedanke einer inklusiven Förderung besteht maßgeblich darin, allen Schüler/-innen möglichst häufig die Chance zu geben, sich gemeinsam mit einem Unterrichtsinhalt auseinanderzusetzen. Durch differenzierte Maßnahmen im Rahmen kooperierenden Lernens kann auf die jeweiligen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Schüler/-innen in besonderer Weise eingegangen werden.
Für den inklusiven Unterricht gelten Prinzipien, die durch offene Unterrichtssituationen leichter möglich werden. Zu solchen Grundlagen zählen zum Beispiel die Anwendung verlässlicher Rituale, die Klarheit der Aufgabenstellung oder das Lernen an Stationen. Offene Unterrichtsformen sind besonders für das Prinzip der inneren Differenzierung geeignet. Die Anleitung zum selbstständigen Arbeiten wird gefördert durch:
Aufgrund der unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Förderbedürfnisse der Kinder mit und ohne festgestellten Förderbedarf haben die Methoden der Binnen-differenzierung einen hohen Stellenwert im Unterricht einer integrativen Klasse. Um die Gradwanderung zwischen Individualisierung und gemeinsamem Lernen gering zu halten, bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten. In der Regel findet der Unterricht im Klassenverband mit zieldifferenten Aufgaben zu einem gemeinsamen Lerngegen-stand statt. Möglich ist auch ein gemeinsames Arbeiten in der Klasse bei Bereit-stellung von Rückzugsmöglichkeiten. Des Weiteren bietet sich ein gemeinsamer Unterrichtseinstieg an mit der Möglichkeit, in Freiarbeit unterschiedliche Erarbeitungsmethoden anzuwenden um dann zum Abschluss die auf unterschiedlichen Niveaus erarbeiteten Resultate sich gegenseitig vorzustellen.
Das erforderliche hohe Maß an Binnendifferenzierung in inklusiven Klassen kann durch unterschiedliche Aspekte des kompetenzorientierten Lernens angestrebt werden:
- Differenzierung der Zeit (Variation des Lerntempos, hinreichende Zeitvorgaben)
- Differenzierung des Umfangs (Variation der Lernschritte)
- Differenzierung des Niveaus (Veränderung von Lernzielen bei
unterschiedlichen Anforderungsniveaus, eine flexible Beurteilung
von Leistung)
- Differenzierung der Hilfe und der Medien (unterschiedliche
Phasen des Übens, unterschiedliches Material).
Binnendifferenzierung kann aber nach Erfahrung auch an ihre Grenzen stossen. Unter Umständen kann im Fach Englisch die individuelle Vermittlung der Inhalte eine äußere Differenzierung notwendig machen. In den höheren Jahrgangsstufen kann es im Einzelfall zunehmend schwieriger werden, dem Anspruch nach gemeinsamen Arbeiten am gleichen Unterrichtsgegenstand gerecht zu werden.
Die sog. Lernstudiozeiten ermöglichen selbstständigeres, eigenverantwortliches Lernen in individuellem Tempo anhand eines Wochenplans. Während der Lernstudio-Zeiten kümmert sich die sonderpädagogische Fachkraft im Idealfall insbesondere um die Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf.
Eng verzahnt mit der Förderung des Kindes ist die Diagnose des gegenwärtigen Entwicklungsstandes. Zu Beginn des 5. Schuljahres wird versucht, ein möglichst umfassendes Bild der Schüler/-innen für eine individuelle Förderung zu gewinnen.
Folgende Diagnoseinstrumente finden ihren Einsatz an der Abraham-Frank-Sekundarschule Velen/Ramsdorf:
Ebenso findet eine Eingangsdiagnostik zu Beginn der Klasse 5 u.a. mithilfe einer online-Diagnose in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch statt. Ferner findet zu Beginn der Klasse 5 die Überprüfung des Leseverständnisses mittels des Elfe-Lesetestes statt. Evaluation und Re-Testung in Klasse 6.
Standardisierte Verfahren können der Elfe-Lesetest, die HSP- Hamburger Schreibprobe, die LES-Lehrereinschätzliste wie auch die Mathe-Überprüfung einer Dyskalkulie sein.
Informelle Verfahren die zum Einsatz kommen sind Einzelgespräche mit Schülerinnen und Schülern, Beobachtungen zum Arbeits- und Sozialverhalten sowie zu den kognitiven Stützfunktionen Wahrnehmung, Konzentration, Motivation, Emotionalität und Aufmerksamkeit.
Aber auch die Sammlung externer Informationen wie die Berichte der Grundschule, Ergebnisse von Gutachten und Zeugnissen, Berichte von außerschulischen Kooperationspartnern wie dem SPZ; von Logopäden, Ergotherapeuten oder dem Schulpsychologischem Dienst usw. sind von elementarer Bedeutung.
Die Maßnahmen und Angebote der Förderung werden während der gesamten Schulzeit immer wieder ermittelt, überprüft und im Förderplan festgehalten. Dieser ist auch Grundlage einer gezielten Beratung der Eltern und Schüler/-innen am Lernberatungstag.
Die individuellen Förderpläne der am Unterricht teilnehmenden Förderschüler/-innen orientieren sich an den Förderzielen, die gemäß AO-SF individuell festgelegt wurden. Der zuständige Förderschullehrer entwickelt diese in Absprache mit dem Klassenlehrer, den Eltern und den Schülerinnen und Schülern.
In der Förderplanung soll folgendes festgelegt werden:
- Individuelle Lernvoraussetzungen der Schüler/-innen
- Individuelle Lernziele gemäß des Förderschwerpunktes und die daraus folgenden Fördermaßnahmen.
Die Förderpläne werden konkret und für alle am Lernprozess Beteiligten verständlich und nachvollziehbar formuliert. Sie beziehen sich auf unterschiedliche Entwicklungs-bereiche. Hierbei stehen das Arbeits- und Sozialverhalten, insbesondere die Motivation sowie Konzentration und sprachliche, kognitive Kompetenzen im Vordergrund. Sie sind prozessbegleitend und den aktuellen Entwicklungen angepasst. Fachbezogene Ziele sollen mit individuellen, entwicklungsbezogenen Förderzielen einhergehen.
Nach § 18 (1) AO-SF überprüft die Klassenkonferenz bei Bedarf mindestens einmal jährlich, ob der festgestellte sonderpädagogische Förderbedarf und der festgelegte Förderschwerpunkt weiterhin bestehen. Weiterhin ist zu klären, ob der Besuch eines anderen Förderortes angebracht ist. Im Zweifelsfall ist abzuklären, ob für ein Kind, das trotz aller möglich geleisteten sonderpädagogischen Maßnahmen nicht hinreichend gefördert werden kann, der Wechsel zu einem anderen Förderort als sinnvoll erscheint.
Ergänzend kann der Bedarf eines Nachteilsausgleiches bei zielgleicher Förderung festgehalten werden. Gerade im Hinblick auf die Zentralen Abschlussprüfungen kann ein Nachteilsausgleich nur gewährt werden, wenn die Schule nachweist, dass dem Schüler auch schon im laufenden Schuljahr ein individueller Nachteilsausgleich (Dokumentation im Förderplan) gewährt wurde.
Die Richtlinien und Rahmenpläne der Verbundschule (Kl. 8-10) und der Sekundarschule (Kl. 5-7) sowie die Bildungspläne der entsprechenden Förderschule bilden die Grundlage zur Leistungsbewertung für die Schüler/-innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die zieldifferent unterrichtet werden.
Hierzu zählen Schüler/-innen mit dem Förderschwerpunkt
- Geistige Entwicklung.
Zieldifferentes Fördern bedeutet auch ein zieldifferentes Beurteilen der einzelnen Schülerleistungen. Tests und Klassenarbeiten werden den individuellen Leistungs-fähigkeiten angepasst. Die individuelle Anstrengungsbereitschaft und Lernfortschritte werden bewertet und beurteilt. Falls die Beschreibungen zusätzlich mit Noten bewertet werden sollen, wird dieses durch die Schulkonferenz beschlossen. Als Maßstab gelten Anforderungen der jeweils vorhergehenden Jahrgangsstufe einer Regelschule. Leistungen von Schüler/-innen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung werden ohne Noten beschreibend dargestellt.
Schüler/-innen mit dem Förderschwerpunkt
- sprachliche Qualifikation
werden nach den Richtlinien und Vorgaben der Regelschule unterrichtet. Abhängig vom individuellen Förderschwerpunkt erfolgt die Leistungsbewertung mit einem Nachteilsausgleich.
Für Schüler/-innen, die im Bildungsgang der Sekundarschule zielgleich unterrichtet werden gelten die Bestimmungen der allgemeinen Schule. Die Vorschriften über Hilfen für Behinderte zum Ausgleich Behinderung bedingter Nachteile oder Mehraufwendungen (Nachteilsausgleich) sind so zu gestalten, dass sie der Art und Schwere der Behinderung Rechnung tragen, und zwar unabhängig von der Ursache der Behinderung (Vgl. § 48 SGB).
Schüler/-innen, die mit dem Förderschwerpunkt Lernen zieldifferent gefördert werden, erhalten gemäß § 28 Abs. 2 AO-SF ein mit der Schulausicht des Kreises Borken abgesprochenes Ankreuzzeugnis mit vorher festgelegten beschreibenden Items in allen Fächern. Die Leistungsbewertung erstreckt sich auf die Ergebnisse des Lernens sowie die individuellen Anstrengungen und Lernfortschritte. Darüber hinaus werden Aussagen über das Arbeitsverhalten und das Sozialverhalten vermerkt.
Bei Schüler/-innen mit dem Förderschwerpunkt Lernen und dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung entscheidet am Ende des Schuljahres die Klassenkonferenz, in welcher Lerngruppe sie im nächsten Jahr gefördert werden.
Auf dem Zeugnis wird folgendes vermerkt: „NN wird im Förderschwerpunkt Lernen gefördert und auf der Grundlage der Ausbildungsordnung für die sonderpädagogische Förderung im Bildungsgang Lernen unterrichtet.“
Zeugnisse für zieldifferent geförderte Schulabgänger müssen sich an folgende Vorgaben halten:
Im Bildungsgang Lernen ist eine Wiederholung der Klassen nicht vorgesehen, es sei denn, der Erwerb eines Hauptschulabschlusses (nach Klasse 9) ist beabsichtigt.
Bei Abgang nach der Vollendung der Schulzeitpflicht vor der Klasse 10 erhalten die Schulabgänger ein Zeugnis mit der Bescheinigung der erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten (§ 30, Abs. 1 AO-SF).
Bei Verlassen der Schule nach dem Durchlaufen der Klasse 10 erreichen die Schüler/-innen
- ein Abschlusszeugnis der Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen nach Klasse 10 als Berichtszeugnis. Benotungen sind möglich. Der Förderschwerpunkt der Schüler/-innen wird auf dem Zeugnis angegeben. Bei für Bewerbungen relevanten Zeugnissen kann diese Information nach § 37 (3) AO-SF auf Wunsch entfallen.
- einen Hauptschulabschluss nach Klasse 9 (HSA 9 ) nach 30 § (3) AO-SF. Zeugnisse dieses Bildungsganges erhalten die Bemerkungen:
„N.N. wurde im Gemeinsamen Unterricht im Förderschwerpunkt/in den Förderschwerpunkten … sonderpädagogisch gefördert und wird laut Beschluss der Klassenkonferenz vom … in den Bildungsgang aufgenommen, der zu einem, dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Abschluss führt.“
Diese Zeugnisse enthalten sowohl Noten als auch Leistungsbeschrei-bungen.
Gedanke: Aufhebung des sonderpädagogischen Förderbedarfs zur 10 für HS-Abschluss 10a
Schüler/-innen mit dem Förderbedarf im Bereich "Sprache (SQ)", "Emotionale und Soziale Entwicklung (ESE)", "Körperliche und Motorische Entwicklung (KM)", "Sehen (SH und BL)" und "Hören und Kommunikation (SG und GH)" werden, soweit kein weiterer Förderschwerpunkt im Bereich "Lernen" oder "Geistige Entwicklung" vorliegt, in dem jeweiligen Bildungsgang der besuchten allgemeinbildenden Schule unterrichtet. (Vgl. Informationen im internen Bereich für Lehrkräfte, Kreis-Borken)
Für Schüler/innen, die im Bildungsgang der Sekundarschule zielgleich unterrichtet werden gelten die Bestimmungen der allgemeinen Schule.
In den Zeugnissen wird mit einer Bemerkung auf die bestehenden Förderschwerpunkte und den Bildungsgang hingewiesen: „NN wird im Gemeinsamen Unterricht sonderpädagogisch im Förderschwerpunkt …. gefördert und auf der Grundlage der Richtlinien der Verbundschule/ Sekundarschule unterrichtet.
3.11 Berufsvorbereitung
Schüler/-innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf nehmen soweit wie möglich an den regulären Berufswahlvorbereitungsprogrammen der Sekundarschule Velen/Ramsdorf teil. Praktika in verschiedenen Berufszweigen sowie individuelle Angebote der Berufsberatung kommen hinzu. Der Schwerpunkt der Berufsorientierung liegt in den Jahrgangsstufen 8, 9 und 10. Berufserkundungstage, das Projekt KAoA mit Berufsfeldererprobungen und einer Potentialanalyse sowie Workshops zum Bewerbungstraining sind einige Arbeitsfelder, die in diesen Stufen zur Berufswahlorientierung angeboten werden.
Die Einbeziehung sonderpädagogischer Aspekte in das Konzept der Berufswahl-orientierung und -vorbereitung erfolgt nach den individuellen Bedürfnissen der einzel-nen Schüler/-innen.
Die Agentur für Arbeit bietet im Rahmen der Berufsberatung die Betreuung der Schüler/-innen mit einem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf im Bereich Lernen sowie deren Eltern durch einen speziellen Berufsberater und Berufswahlkoordinator an. Der Übergang in die Berufswelt oder die nachschulische Betreuung werden in Zusammenarbeit mit Reha-Fachleuten gemeinsam mit den Eltern und den Schüler/-innen erarbeitet. Diese Fachleute suchen bislang nur Förderschulen unaufgefordert auf. Kontakt zu den Regelschulen nehmen sie dann auf, wenn sie von der Regelschule informiert wurden, dass dort Jugendliche mit festgestelltem Förderbedarf im Rahmen der Integration unterrichtet werden. Vor allem Schüler/-innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden nach dem 10. Schulbesuchsjahr vor allem Förderangebote und Lehrgänge der Kreishandwerkerschaft oder des Berufsorientierungszentrums (BOZ) Ahaus angeboten. Darüber hinaus stehen die Angebote der KAoA-Standardelemente für Schüler/-innen mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung in den Bereichen:
- und/oder mit anerkannter Schwerbehinderung
Der genaue Ablauf des Berufsvorbereitungsprozesses für Schüler mit sonderpädagogischer Förderung ist im Berufswahlprozesskonzept der Abraham Frank Sekundarschule sehr detailliert beschrieben.
In einem inklusiven System setzt sich die Beratungstätigkeit der Sonderpädagogischen Lehrkraft aus verschiedenen Ebenen zusammen. Beratung hat zum Ziel, eine Aufgabe oder ein Problem zu lösen oder sich der Lösung anzunähern. Die Beratung bildet einen vielschichtigen Baustein der Arbeit und ist im Beratungskonzept der Abraham-Frank-Sekundarschule eingebunden.
Informelle Beobachtungen und Lernzielerfassung machen es möglich, im Rahmen einer präventiven Arbeit die Entstehung von sonderpädagogischem Förderbedarf und negativen Entwicklungen möglichst zu verhindern bzw. angemessen zu reagieren.
4. Qualitätsentwicklung und Evaluation
Die Teams der integrativ unterrichtenden Klassen organisieren in regelmäßigen Teambesprechungen den Informationsaustausch, konzeptionelle Unterrichtsplanungen und sowie individuelle Fallbesprechungen. Dabei ist es wünschenswert, dass der Besprechungstermin des Kernteams Berücksichtigung im Stundenplan findet.
Fortbildungen und SCHILF-Veranstaltungen zum Thema „Inklusion und Integrative Lerngruppen“ sind relevant und sind Bestandteil des Schulprogramms der Abraham-Frank-Sekundarschule Velen/Ramsdorf. Schwerpunkte der Schulentwicklungsarbeit in den kommenden Jahren sind Fortbildungen des Lehrerkollegiums in Bereichen wie Kooperation und Teamarbeit, Beratung, Umgang mit auffälligen Schüler/-innen oder Förderplanarbeit. Interessant sind auch didaktische Methoden, die einen offenen Unterricht ermöglichen und kooperatives Lernen zulassen.
Der Konzeptentwurf zum gemeinsamen Unterrichten von Kindern mit und ohne festgestelltem Förderbedarf sowie dessen Realisierung in der Unterrichtspraxis ist in regelmäßigen Evaluationsgesprächen zu optimieren. Erfahrungen im Schulalltag erfordern oftmals Veränderungen, die sich auch in der Weiterentwicklung dieser konzeptionellen Grundlagen widerspiegeln werden.
Neben den Beratungssituationen innerhalb des Klassenteams wird der Sonder-pädagoge auch zu Beratungen innerhalb der Schule hinzugezogen. Für die Beratungs- und Präventionsarbeit ist es sinnvoll, entsprechende Anteile aus dem Stundenkontingent der Sonderpädagogen bereitzustellen. Bereiche der Beratung sind neben der Elternarbeit, Teamarbeit, der Kooperation mit außerschulischen Institutionen auch der intensive Kontakt zur Stammschule.
Präventive Arbeit kann die Entstehung von sonderpädagogischem Förderbedarf eventuell verhindern. Stehen entsprechende zeitliche Ressourcen zu Verfügung kann die Förderschullehrerin durch Beratung von Eltern und Kollegen, durch systematische Beobachtung oder durch entsprechende Diagnoseverfahren Unterstützung anbieten. So profitieren auch Kinder mit erhöhtem Förderbedarf von sonderpädagogischen Maßnahmen.
Die Abraham-Frank-Sekundarschule, Sekundarschule wird sich weiterhin für die Entwicklung eines inklusiven Unterrichts einsetzen, wobei der personelle Rahmen stetig überprüft und angepasst werden muss.
Das Feld der präventiven Förderung wächst in der Sekundarstufe wie auch im Bereich der Primarstufe stetig. Diese Entwicklung erfordert ergänzende Personalressourcen sowie ein Erweitern der Handlungskompetenzen innerhalb eines Kollegiums.
Die wertvollen Kompetenzen und unterschiedlichen Perspektiven der Regelschullehrer wie auch der Sonderpädagogen an der Abraham-Frank-Sekundarschule haben die bisherige inklusive Arbeit erfolgreich beginnen lassen und werden auch in Zukunft im Sinne jeden Kindes eingesetzt werden.
- Verordnung über die sonderpädagogische Förderung, den Hausunterricht und die Schule für Kranke (Ausbildungsordnung sonderpädagogische Förderung - AO-SF); April 2005, zuletzt geändert durch Verordnung vom 1. Juli 2016
- Schulgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (Schulgesetz NRW - SchulG); 15. Februar 2005
- Qualitätsleitfaden Gemeinsamer Unterricht des vds, Lüdinghausen 2010
- Runderlass des Ministeriums für Schule und Weiterbildung zur Berufs- und Studienorientierung; Düsseldorf 2010
- Manual zur Erstellung eines schulischen Konzepts: Gemeinsames Lernen, Inklusion in der allgemeinen Schule; Düsseldorf 2015
- Schulamt Borken: Informationen für Lehrkräfte – Interner Bereich: Kreis Borken.de