Source: http://m.hensche.de/Urlaubsabgeltung_EuGH_begrenzt_Anspruch_auf_Urlaubsabgeltung_nach_laengerer_unwiderruflicher_Freistellung_C-341-15_Maschek_u.html
Timestamp: 2018-02-23 00:31:39
Document Index: 129047800

Matched Legal Cases: ['Art.7', 'Art.7', 'Art. 7', 'Art. 267', 'Art.7', 'Art. 7', '§ 41', '§ 33', '§ 73', '§ 74', '§ 68', '§ 68', '§ 115', '§ 68', '§ 68', '§ 68', '§ 115', '§ 115', '§ 41', '§ 41', 'Art.7', '§ 41', '§ 115', '§ 41', 'Art.7', '§ 41', 'Art.7', '§ 41', 'Art.7', 'Art.7', 'Art.7', 'Art. 7', '§ 7', 'Art. 7', 'Art.7', 'Art.7', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art.7', 'Art.7', 'Art.7', 'Art.7', 'Art.7', 'Art.7', 'Art.7', 'Art.7', 'Art.7', 'Art.15', 'Art.7', 'Art.7', 'Art.7', 'Art.7', 'Art.7', 'Art. 7']

Schlag­worte: Urlaubsabgeltung, Urlaub: Abgeltung, Freistellung
Akten­zeichen: C-341/15
Ent­scheid­ungs­datum: 20.07.2016
Leit­sätze: Art.7 Abs.2 der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung ist wie folgt aus­zu­le­gen:
- Er steht na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen, nach de­nen ein Ar­beit­neh­mer, des­sen Ar­beits­verhält­nis in­fol­ge sei­nes An­trags auf Ver­set­zung in den Ru­he­stand be­en­det wur­de und der nicht in der La­ge war, sei­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub vor dem En­de die­ses Ar­beits­verhält­nis­ses zu ver­brau­chen, kei­nen An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für den nicht ge­nom­me­nen Ur­laub hat.
- Ein Ar­beit­neh­mer hat beim Ein­tritt in den Ru­he­stand An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für be­zahl­ten Jah­res­ur­laub, den er nicht ge­nom­men hat, weil er aus Krank­heits­gründen sei­ne Auf­ga­ben nicht wahr­ge­nom­men hat.
- Ein Ar­beit­neh­mer, des­sen Ar­beits­verhält­nis be­en­det wur­de und der nach ei­ner mit sei­nem Ar­beit­ge­ber ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­rung während ei­nes be­stimm­ten Zeit­raums vor sei­ner Ver­set­zung in den Ru­he­stand wei­ter­hin sein Ent­gelt be­zog, aber ver­pflich­tet war, nicht an sei­nem Ar­beits­platz zu er­schei­nen, hat kei­nen An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für den während die­ses Zeit­raums nicht ge­nom­me­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub, es sei denn, dass er den Ur­laub we­gen Krank­heit nicht neh­men konn­te.
- Es ist zum ei­nen Sa­che der Mit­glied­staa­ten, zu ent­schei­den, ob sie Ar­beit­neh­mern ne­ben dem in Art.7 der Richt­li­nie 2003/88/EG vor­ge­se­he­nen An­spruch auf be­zahl­ten Min­dest­jah­res­ur­laub von vier Wo­chen wei­te­re Ansprüche auf be­zahl­ten Ur­laub gewähren. In die­sem Fall können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass ein Ar­beit­neh­mer, der vor der Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses aus Krank­heits­gründen sei­nen zusätz­li­chen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub nicht in vol­lem Um­fang ver­brau­chen konn­te, An­spruch auf ei­ne die­sem zusätz­li­chen Zeit­raum ent­spre­chen­de fi­nan­zi­el­le Vergütung hat. Zum an­de­ren ist es Sa­che der Mit­glied­staa­ten, die Be­din­gun­gen für die Gewährung fest­zu­le­gen.
Vor­ins­tan­zen: Verwaltungsgericht Wien
20. Ju­li 2016(*)
„Vor­la­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung - So­zi­al­po­li­tik - Richt­li­nie 2003/88/EG - Art. 7 - An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub - Ver­set­zung in den Ru­he­stand auf An­trag des Be­trof­fe­nen - Ar­beit­neh­mer, der sei­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub vor En­de sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nicht ver­braucht hat - Na­tio­na­le Re­ge­lung, die ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für nicht ge­nom­me­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub aus­sch­ließt - Krank­heits­ur­laub - Be­am­te“
In der Rechts­sa­che C-341/15
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Ver­wal­tungs­ge­richt Wien (Öster­reich) mit Ent­schei­dung vom 22. Ju­ni 2015, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 8. Ju­li 2015, in dem Ver­fah­ren
Hans Ma­schek
Ma­gis­trats­di­rek­ti­on der Stadt Wien - Per­so­nal­stel­le Wie­ner Stadt­wer­ke
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten F. Bilt­gen (Be­richt­er­stat­ter) so­wie der Rich­ter A. Borg Bart­het und E. Le­vits,
- der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch M. Kel­ler­bau­er und M. van Beek als Be­vollmäch­tig­te,
1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art.7 der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (ABl. 2003, L 299, S. 9).
Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Herrn Hans Ma­schek und der Ma­gis­trats­di­rek­ti­on der Stadt Wien – Per­so­nal­stel­le Wie­ner Stadt­wer­ke, sei­ner Dienst­ge­be­rin, über die fi­nan­zi­el­le Vergütung für be­zahl­ten Jah­res­ur­laub (Ur­laubs­er­satz­leis­tung), den er vor En­de sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nicht ge­nom­men hat.
3 Art. 7 („Jah­res­ur­laub“) der Richt­li­nie 2003/88 lau­tet:
4 Die Richt­li­nie 2003/88 wur­de spe­zi­ell für die Be­am­ten der Stadt Wien durch § 41a des Ge­set­zes über das Be­sol­dungs­recht der Be­am­ten der Bun­des­haupt­stadt Wien – Be­sol­dungs­ord­nung 1994 (im Fol­gen­den: BO) um­ge­setzt; die­ser sieht in der im Jahr 2014 geänder­ten Fas­sung Fol­gen­des vor:
„(1) Dem Be­am­ten gebührt anläss­lich des Aus­schei­dens aus dem Dienst­stand oder aus dem Dienst­verhält­nis ei­ne Er­satz­leis­tung für den noch nicht ver­brauch­ten Er­ho­lungs­ur­laub, wenn er nicht un­mit­tel­bar in ein an­de­res Dienst­verhält­nis zur Ge­mein­de Wien über­nom­men wird (Ur­laubs­er­satz­leis­tung). Die Ur­laubs­er­satz­leis­tung gebührt nur in­so­weit, als der Be­am­te das Un­ter­blei­ben des Ver­brauchs des Er­ho­lungs­ur­laubs nicht zu ver­tre­ten hat.
(2) Der Be­am­te hat das Un­ter­blei­ben des Ver­brauchs ins­be­son­de­re dann zu ver­tre­ten, wenn er aus dem Dienst aus­ge­schie­den ist durch
1. Kündi­gung …, so­fern ihn an der Kündi­gung ein Ver­schul­den trifft,
2. Auflösung des Dienst­verhält­nis­ses gemäß § 33 Abs. 1 [un­ent­schul­dig­tes Fern­blei­ben vom Dienst], § 73 [Aus­tritt] oder § 74 [Ent­las­sung] [des Ge­set­zes über das Dienst­recht der Be­am­ten der Bun­des­haupt­stadt Wien – Dienst­ord­nung 1994, im Fol­gen­den: DO],
3. Ver­set­zung in den Ru­he­stand über An­trag gemäß § 68b Abs. 1 Z 1, § 68c Abs. 1 oder § 115i [DO].
(3) Die Ur­laubs­er­satz­leis­tung ist für je­des Ka­len­der­jahr, aus dem ein noch nicht ver­brauch­ter und nicht ver­fal­le­ner An­spruch auf Er­ho­lungs­ur­laub vor­han­den ist, ge­son­dert zu be­mes­sen. …
(4) Die Ur­laubs­er­satz­leis­tung gebührt für je­nen Teil des er­satz­leis­tungsfähi­gen Ur­laub­s­aus­maßes, der nach Ab­zug des tatsächlich ver­brauch­ten Er­ho­lungs­ur­laubs aus die­sem Ka­len­der­jahr ver­bleibt.
5 Nach § 68c Abs. 1 DO kann der Be­am­te auf sei­nen An­trag in den Ru­he­stand ver­setzt wer­den, wenn er das 60. Le­bens­jahr voll­endet hat und dem kei­ne wich­ti­gen dienst­li­chen In­ter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen.
6 Gemäß § 68b Abs. 1 DO ist der Be­am­te auf sei­nen An­trag in den Ru­he­stand zu ver­set­zen, wenn er
„1. ei­ne ru­he­ge­nussfähi­ge Ge­samt­dienst­zeit … von 540 Mo­na­ten er­reicht hat,
2. dau­ernd dienst­unfähig (§ 68a Abs. 2 ers­ter Fall) ist, …“
7 Nach § 115i DO ist der Be­am­te, der zwi­schen 720 und 776 Le­bens­mo­na­te voll­endet hat und über aus­rei­chen­de Vor­dienst­zei­ten verfügt, auf sei­nen An­trag in den Ru­he­stand zu ver­set­zen.
8 Herr Ma­schek, ge­bo­ren am 17. Ja­nu­ar 1949, war seit dem 3. Ja­nu­ar 1978 Be­am­ter der Stadt Wien.
9 In der Zeit vom 15. No­vem­ber 2010 bis zum 30. Ju­ni 2012, dem Zeit­punkt sei­ner Ver­set­zung in den Ru­he­stand, er­schien er nicht zum Dienst.
10 Das vor­le­gen­de Ge­richt legt dar, dass nach den dienst­behörd­li­chen Auf­zeich­nun­gen über Herrn Ma­schek nur die Ab­we­sen­heit zwi­schen dem 15. No­vem­ber 2010 und dem 31. De­zem­ber 2010 von der Dienst­ge­be­rin als krank­heits­be­dingt ein­ge­stuft wor­den sei.
11 Die übri­gen dienst­li­chen Ab­we­sen­hei­ten zwi­schen dem 1. Ja­nu­ar 2011 und dem 30. Ju­ni 2012 sei­en von der Dienst­ge­be­rin auf­grund zwei­er Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen ihr und Herrn Ma­schek über die­se Ab­we­sen­hei­ten und ih­re Fol­gen nicht be­an­stan­det wor­den.
12 Die ers­te, am 20. Ok­to­ber 2010 ge­schlos­se­ne Ver­ein­ba­rung lau­tet:
„1. All­ge­mein
Auf­grund des vor­lie­gen­den Sach­ver­halts kann ei­ne Wei­ter­ver­wen­dung des Herrn DI Ma­schek in der Funk­ti­on des Ab­tei­lungs­lei­ters über den un­ten dar­ge­leg­ten Zeit­raum hin­aus sei­tens der Dienst­ge­be­rin kei­nes­falls mehr er­fol­gen.
Im Zu­sam­men­hang mit der in Aus­sicht ge­nom­me­nen Ru­he­stands­ver­set­zung mit 1. Ok­to­ber 2011 wird sei­tens der Dienst­ge­be­rin so­wie DI Ma­schek Fol­gen­des ab­ge­stimmt:
2. Pen­si­ons­an­trag mit 1. Ok­to­ber 2011
DI Ma­schek stellt bis En­de des Jah­res ei­nen schrift­li­chen An­trag auf Ru­he­stands­ver­set­zung mit 1. Ok­to­ber 2011.
3. Funk­ti­on als Ab­tei­lungs­lei­ter
Um ei­ne ge­ord­ne­te Überg­a­be zu gewähr­leis­ten, behält DI Ma­schek sei­ne Po­si­ti­on als Ab­tei­lungs­lei­ter bis 31.12.2010. Bis zu die­sem Zeit­punkt wird Herr DI Ma­schek 5 bis 6 Wo­chen sei­nes Er­ho­lungs­ur­lau­bes kon­su­mie­ren. Die Ein­tei­lung des Ur­laubs wird in Ab­stim­mung mit den Wie­ner Li­ni­en bis En­de Ok­to­ber vor­ge­nom­men.
Mit 1. Ja­nu­ar 2011 wird DI Ma­schek von der Funk­ti­on als Ab­tei­lungs­lei­ter ent­bun­den.
4. Ver­zicht auf die Dienst­leis­tung
Ab 1. Ja­nu­ar 2011 ver­zich­tet die Ma­gis­trats­di­rek­ti­on – Per­so­nal­stel­le Wie­ner Stadt­wer­ke auf die Er­brin­gung der Dienst­leis­tung von DI Ma­schek. Dies un­ter Bei­be­hal­tung des Ent­gel­tes …“
Am 21. Ju­li 2011 wur­de die zwei­te Ver­ein­ba­rung ge­schlos­sen, die die ers­te er­setzt und in der es heißt:
Die die­ses Übe­r­ein­kom­men un­ter­fer­ti­gen­den Par­tei­en kom­men da­hin­ge­hend übe­rein, dass ei­ne Wei­ter­ver­wen­dung von Hrn. DI Ma­schek in der Funk­ti­on des Ab­tei­lungs­lei­ters über den un­ten dar­ge­leg­ten Zeit­raum hin­aus nicht mehr er­fol­gen soll.
Im Zu­sam­men­hang mit der in Aus­sicht ge­nom­me­nen Ru­he­stands­ver­set­zung mit 1. Ju­li 2012 wird sei­tens Hrn. DI Ma­schek und der Dienst­ge­be­rin Fol­gen­des ver­ein­bart:
2. Pen­si­ons­an­trag mit 1. Ju­li 2012
Hr. DI Ma­schek stellt ei­nen schrift­li­chen An­trag auf Ru­he­stands­ver­set­zung mit 1. Ju­li 2012. So­dann wird der Be­scheid auf Ru­he­stands­ver­set­zung an Hrn. DI Ma­schek persönlich … aus­ge­folgt. Hr. DI Ma­schek erklärt schrift­lich, ge­gen die­sen Be­scheid kein Rechts­mit­tel zu er­grei­fen.
Die Funk­ti­on von Hrn. DI Ma­schek als Ab­tei­lungs­lei­ter be­stand bis zum 31.12.2010. Mit 1. Jänner 2011 wur­de er von die­ser ent­bun­den.
Ab 1. Jänner 2011 ver­zich­tet die Ma­gis­trats­di­rek­ti­on – Per­so­nal­stel­le Wie­ner Stadt­wer­ke in Ab­stim­mung mit der Wie­ner Li­ni­en GmbH & Co KG auf die Er­brin­gung der Dienst­leis­tung von Hrn. DI Ma­schek. Dies un­ter Bei­be­hal­tung des Ent­gelts …
7. Auf­schie­ben­de Be­din­gung
Die­ses Übe­r­ein­kom­men wird un­ter der auf­schie­ben­den Be­din­gung ab­ge­schlos­sen, dass die Ver­zichts­erklärung vom 21. Ju­li 2011 rechts­wirk­sam zu­stan­de kommt und Hr. DI Ma­schek ei­nen rechts­wirk­sa­men Rechts­mit­tel­ver­zicht gemäß Punkt 2. die­ses Übe­r­ein­kom­mens ab­gibt.“
14 Zu­gleich mit dem Ab­schluss der zwei­ten Ver­ein­ba­rung stell­te Herr Ma­schek ein An­su­chen auf Ver­set­zung in den Ru­he­stand. In­fol­ge­des­sen er­ließ sei­ne Dienst­ge­be­rin am 21. Ju­li 2011 ei­nen Be­scheid, mit dem Herr Ma­schek gemäß § 115i Abs. 1 DO mit Wir­kung zum 1. Ju­li 2012 in den Ru­he­stand ver­setzt wur­de. Dar­auf­hin gab er ei­nen Rechts­mit­tel­ver­zicht ge­gen die­sen Be­scheid ab.
15 Für das vor­le­gen­de Ge­richt steht so­mit fest, dass zum ei­nen die Dienst­ab­we­sen­heit von Herrn Ma­schek vom 15. No­vem­ber 2010 bis zum 31. De­zem­ber 2010 krank­heits­be­dingt ge­recht­fer­tigt ge­we­sen sei und dass er zum an­de­ren vom 1. Ja­nu­ar 2011 bis zum 30. Ju­ni 2012, al­so bis zum En­de sei­nes Dienst­verhält­nis­ses we­gen Ver­set­zung in den Ru­he­stand, auf­grund ei­ner dienst­li­chen Wei­sung, die sich aus der zwei­ten Ver­ein­ba­rung er­ge­ben ha­be, ver­pflich­tet ge­we­sen sei, nicht zum Dienst zu er­schei­nen.
16 Herr Ma­schek trägt je­doch vor, dass er kurz vor dem 30. Ju­ni 2012 er­krankt sei. Ihm ha­be da­her ei­ne Ur­laubs­er­satz­leis­tung zu­ge­stan­den, und er ha­be ei­nen ent­spre­chen­den An­trag bei sei­ner Dienst­ge­be­rin ge­stellt.
17 Mit Be­scheid vom 1. Ju­li 2014 wur­de sein An­trag gemäß § 41a Abs. 2 Z 3 BO ab­ge­wie­sen.
18 Das Ver­wal­tungs­ge­richt Wien, das mit der von Herrn Ma­schek ge­gen die­sen Be­scheid er­ho­be­nen Be­schwer­de be­fasst ist, äußert ers­tens Zwei­fel an der Ver­ein­bar­keit von § 41a Abs. 2 BO mit Art.7 Abs.2 der Richt­li­nie 2003/88.
19 Nach § 41a Abs. 2 BO wer­de nämlich ei­nem Be­am­ten, der „das Un­ter­blei­ben des Ver­brauchs [sei­nes Jah­res­ur­laubs] … zu ver­tre­ten“ ha­be, der An­spruch auf die Ur­laubs­er­satz­leis­tung u. a. dann vor­ent­hal­ten, wenn er wie im Aus­gangs­ver­fah­ren nach § 115i Abs. 1 DO in den Ru­he­stand ver­setzt wer­de.
20 In­fol­ge­des­sen ist das vor­le­gen­de Ge­richt in Be­zug auf ei­ne Si­tua­ti­on wie die des Aus­gangs­ver­fah­rens der Mei­nung, dass § 41a Abs. 2 BO im Wi­der­spruch zur Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs zu Art.7 der Richt­li­nie 2003/88 ste­hen könne, da dem Be­am­ten, der auf sei­nen An­trag in den Ru­he­stand ver­setzt wor­den sei, der An­spruch auf ei­ne Ur­laubs­er­satz­leis­tung vor­ent­hal­ten wer­de, auch wenn er kurz vor sei­ner Ver­set­zung in den Ru­he­stand er­krankt sei und ein ent­spre­chen­des ärzt­li­ches At­test vor­ge­legt ha­be.
21 Zwei­tens fragt sich das vor­le­gen­de Ge­richt, wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Gewährung ei­ner Ur­laubs­er­satz­leis­tung an ei­nen Ar­beit­neh­mer un­ter­liegt, der wie im Aus­gangs­ver­fah­ren sei­nen An­spruch auf be­zahl­ten Er­ho­lungs­ur­laub we­gen ei­ner Krank­heit nicht vor der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses kon­su­mie­ren konn­te. Es ist ins­be­son­de­re der An­sicht, dass die Gewährung ei­ner sol­chen Ur­laubs­er­satz­leis­tung da­von abhängen soll­te, dass ein sol­cher Ar­beit­neh­mer sei­nen Ar­beit­ge­ber zeit­nah von sei­ner Krank­heit in­for­mie­re und ihm ein ärzt­li­ches At­test darüber vor­le­ge.
22 Drit­tens wirft das vor­le­gen­de Ge­richt für den Fall, dass § 41a Abs. 1 und 2 BO nach An­sicht des Ge­richts­hofs ge­gen das Uni­ons­recht verstößt, die Fra­ge auf, ob das na­tio­na­le Recht in An­wen­dung von Art.7 der Richt­li­nie 2003/88 zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer, de­nen ei­ne Ur­laubs­er­satz­leis­tung zu Un­recht vor­ent­hal­ten wird, Mo­da­litäten zur Ausübung des An­spruchs auf ei­ne sol­che Leis­tung vor­se­hen muss, die ins­be­son­de­re in Be­zug auf die Höhe der die­sen Ar­beit­neh­mern zu gewähren­den Er­satz­leis­tung güns­ti­ger sind als die­je­ni­gen, die in der Richt­li­nie vor­ge­se­hen sind.
23 Un­ter die­sen Umständen hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Wien be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
1. Ist ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung, wie die ge­genständ­li­che Be­stim­mung des § 41a Abs. 2 BO, wel­che ei­nem Ar­beit­neh­mer, wel­cher auf ei­ge­nen An­trag hin zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt das Beschäfti­gungs­verhält­nis be­en­det, grundsätz­lich kei­nen Ur­laubs­er­satz­leis­tungs­an­spruch im Sin­ne des Art.7 der Richt­li­nie 2003/88 zu­er­kennt, mit Art.7 die­ser Richt­li­nie ver­ein­bar?
Ver­nei­nen­den­falls wird an­ge­fragt, ob ei­ne na­tio­na­le Be­stim­mung, wel­che nor­miert, dass je­der Dienst­neh­mer, der auf sei­nen ei­ge­nen An­trag hin ein Dienst­verhält­nis be­en­det, al­les zu un­ter­neh­men hat, um ei­nen of­fe­nen Er­ho­lungs­ur­laubs­an­spruch bis zum En­de des Dienst­verhält­nis­ses zu kon­su­mie­ren, und dass ein Ur­laubs­er­satz­leis­tungs­an­spruch im Fall der Be­en­di­gung des Dienst­verhält­nis­ses auf An­trag des Ar­beit­neh­mers nur dann ent­steht, wenn der Ar­beit­neh­mer auch im Fall der Be­an­tra­gung ei­nes Er­ho­lungs­ur­laubs be­gin­nend mit dem Tag der An­trag­stel­lung auf Be­en­di­gung des Dienst­verhält­nis­ses nicht in der La­ge ge­we­sen wäre, ei­nen Er­ho­lungs­ur­laub im Um­fang des dem Ur­laubs­er­satz­leis­tungs­an­trag zu­grun­de lie­gen­den Aus­maßes zu kon­su­mie­ren, mit Art.7 der Richt­li­nie 2003/88 ver­ein­bar ist.
2. Ist da­von aus­zu­ge­hen, dass ein An­spruch auf ei­ne Ur­laubs­entschädi­gungs­leis­tung nur dann be­steht, wenn der Ar­beit­neh­mer, wel­cher in­fol­ge ei­ner Ar­beits­unfähig­keit nicht in der La­ge war, sei­nen Ur­laubs­an­spruch un­mit­tel­bar vor der Be­en­di­gung sei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zu kon­su­mie­ren, a) sei­nen Dienst­ge­ber oh­ne unnöti­gen Auf­schub (und so­hin grundsätz­lich vor dem Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses) von die­ser sei­ner Ar­beits­unfähig­keit (et­wa in­fol­ge ei­ner Er­kran­kung) in Kennt­nis ge­setzt hat, und b) sei­ne Ar­beits­unfähig­keit (et­wa in­fol­ge ei­ner Er­kran­kung) oh­ne unnöti­gen Auf­schub (und so­hin grundsätz­lich vor dem Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses) (et­wa durch ei­ne ärzt­li­che Krank­schrei­bung) be­legt hat?
Ver­nei­nen­den­falls wird an­ge­fragt, ob ei­ne na­tio­na­le Be­stim­mung, wel­che nor­miert, dass ein An­spruch auf ei­ne Ur­laubs­entschädi­gungs­leis­tung nur dann be­steht, wenn der Ar­beit­neh­mer, wel­cher in­fol­ge ei­ner Ar­beits­unfähig­keit nicht in der La­ge war, sei­nen Ur­laubs­an­spruch un­mit­tel­bar vor der Be­en­di­gung sei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zu kon­su­mie­ren, a) sei­nen Dienst­ge­ber oh­ne unnöti­gen Auf­schub (und so­hin grundsätz­lich vor dem Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses) von die­ser sei­ner Ar­beits­unfähig­keit (et­wa in­fol­ge ei­ner Er­kran­kung) in Kennt­nis ge­setzt hat, und b) sei­ne Ar­beits­unfähig­keit (et­wa in­fol­ge ei­ner Er­kran­kung) oh­ne unnöti­gen Auf­schub (und so­hin grundsätz­lich vor dem Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses) (et­wa durch ei­ne ärzt­li­che Krank­schrei­bung) be­legt hat, mit Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88 ver­ein­bar ist.
3. Nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on (vgl. Ur­tei­le vom 18. März 2004, Me­ri­no Go­mez, C-342/01, EU:C:2004:160, Rn. 31, vom 24. Ja­nu­ar 2012, Do­m­in­guez, C-282/10, EU:C:2012:33, Rn. 47 bis 50, so­wie vom 3. Mai 2012, Nei­del, C-337/10, EU:C:2012:263, Rn. 37) steht es den Mit­glied­staa­ten frei, ei­nem Ar­beit­neh­mer über den durch § 7 der Richt­li­nie 2003/88 ga­ran­tier­ten Min­dest­an­spruch hin­aus ei­nen Ur­laubs­an­spruch oder ei­nen Ur­laubs­er­satz­leis­tungs­an­spruch ge­setz­lich ein­zuräum­en. Auch sind die durch Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88 zu­er­kann­ten Ansprüche un­mit­tel­bar an­wend­bar (vgl. Ur­tei­le vom 24. Ja­nu­ar 2012, Do­m­in­guez, C-282/10, EU:C:2012:33, Rn. 34 bis 36, und vom 12. Ju­ni 2014, Bol­la­cke, C-118/13, EU:C:2014:1755, Rn. 28).
Be­wirkt an­ge­sichts die­ser Aus­le­gung des Art.7 der Richt­li­nie 2003/88 ei­ne Kon­stel­la­ti­on, in wel­cher der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber ei­nem be­stimm­ten Per­so­nen­kreis deut­lich über die Vor­ga­ben die­ser Richt­li­ni­en­be­stim­mung hin­aus ei­nen Ur­laubs­er­satz­leis­tungs­an­spruch zu­er­kennt, dass in­fol­ge der un­mit­tel­ba­ren An­wend­bar­keit des Art.7 der Richt­li­nie 2003/88 auch den Per­so­nen, wel­chen richt­li­ni­en­wid­rig durch das na­tio­na­le Ge­setz ein Ur­laubs­er­satz­leis­tungs­an­spruch ab­er­kannt wur­de, ein Ur­laubs­er­satz­leis­tungs­an­spruch in dem deut­lich über die Vor­ga­ben die­ser Richt­li­ni­en­be­stim­mung hin­aus­ge­hen­den, durch die na­tio­na­le Re­ge­lung nur den durch die­se Be­stim­mung begüns­tig­ten Per­so­nen zu­ge­spro­che­nen Aus­maß zu­steht?
24 Mit sei­nen drei Fra­gen, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 7 Abs. 2 der Richt­li­nie 2003/88 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht, nach de­nen ein Ar­beit­neh­mer, des­sen Ar­beits­verhält­nis in­fol­ge sei­nes An­trags auf Ver­set­zung in den Ru­he­stand be­en­det wur­de und der nicht in der La­ge war, sei­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub vor dem En­de die­ses Ar­beits­verhält­nis­ses zu ver­brau­chen, kei­nen An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für nicht ge­nom­me­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub hat. So­fern dies be­jaht wird, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten in An­wen­dung von Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88 zu­guns­ten ei­nes Ar­beit­neh­mers, der ent­ge­gen die­ser Be­stim­mung kei­nen An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für nicht ge­nom­me­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub hat, Mo­da­litäten zur Ausübung die­ses An­spruchs vor­se­hen müssen, die ins­be­son­de­re in Be­zug auf die Höhe der ihm zu gewähren­den Vergütung güns­ti­ger sind als die­je­ni­gen, die sich aus der Richt­li­nie 2003/88 er­ge­ben.
25 Um dem vor­le­gen­den Ge­richt ei­ne sach­dien­li­che Ant­wort zu ge­ben, ist ers­tens dar­auf hin­zu­wei­sen, dass schon nach dem Wort­laut von Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88 – von dem die­se Richt­li­nie kei­ne Ab­wei­chung zulässt – je­der Ar­beit­neh­mer An­spruch auf ei­nen be­zahl­ten Min­dest­jah­res­ur­laub von vier Wo­chen hat. Die­ser An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub, der nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs als ein be­son­ders be­deut­sa­mer Grund­satz des So­zi­al­rechts der Uni­on an­zu­se­hen ist, wird so­mit je­dem Ar­beit­neh­mer un­abhängig von sei­nem Ge­sund­heits­zu­stand gewährt (Ur­tei­le vom 20. Ja­nu­ar 2009, Schultz-Hoff u. a., C-350/06 und C-520/06, EU:C:2009:18, Rn. 54, so­wie vom 3. Mai 2012, Nei­del, C-337/10, EU:C:2012:263, Rn. 28).
26 Wenn das Ar­beits­verhält­nis be­en­det wur­de und es des­halb nicht mehr möglich ist, be­zahl­ten Jah­res­ur­laub tatsächlich zu neh­men, hat der Ar­beit­neh­mer nach Art. 7 Abs. 2 der Richt­li­nie 2003/88 An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung, um zu ver­hin­dern, dass ihm we­gen die­ser feh­len­den Möglich­keit je­der Ge­nuss des An­spruchs auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub, selbst in fi­nan­zi­el­ler Form, vor­ent­hal­ten wird (vgl. Ur­tei­le vom 20. Ja­nu­ar 2009, Schultz-Hoff u. a., C-350/06 und C-520/06, EU:C:2009:18, Rn. 56, vom 3. Mai 2012, Nei­del, C-337/10, EU:C:2012:263, Rn. 29, so­wie vom 12. Ju­ni 2014, Bol­la­cke, C-118/13, EU:C:2014:1755, Rn. 17).
27 Fer­ner ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Art.7 Abs.2 der Richt­li­nie 2003/88 in sei­ner Aus­le­gung durch den Ge­richts­hof kei­ne an­de­re Vor­aus­set­zung für die Eröff­nung des An­spruchs auf fi­nan­zi­el­le Vergütung auf­stellt als die, dass das Ar­beits­verhält­nis be­en­det ist und der Ar­beit­neh­mer nicht den ge­sam­ten Jah­res­ur­laub ge­nom­men hat, auf den er zum Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses An­spruch hat­te (Ur­teil vom 12. Ju­ni 2014, Bol­la­cke, C-118/13, EU:C:2014:1755, Rn. 23).
28 Dar­aus folgt, dass ein Ar­beit­neh­mer, der nicht in der La­ge war, vor dem En­de sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses sei­nen ge­sam­ten be­zahl­ten Jah­res­ur­laub zu neh­men, nach Art.7 Abs.2 der Richt­li­nie 2003/88 An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für den nicht ge­nom­me­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub hat. Der Grund für die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses spielt da­bei kei­ne Rol­le.
29 Da­her hat der Um­stand, dass ein Ar­beit­neh­mer sein Ar­beits­verhält­nis von sich aus be­en­det, kei­ne Aus­wir­kung dar­auf, dass er ge­ge­be­nen­falls ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für den be­zahl­ten Jah­res­ur­laub be­an­spru­chen kann, den er vor dem En­de sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nicht ver­brau­chen konn­te.
30 In An­be­tracht des­sen ist Art.7 Abs.2 der Richt­li­nie 2003/88 da­hin aus­zu­le­gen, dass er na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht, nach de­nen ein Ar­beit­neh­mer, des­sen Ar­beits­verhält­nis in­fol­ge sei­nes An­trags auf Ver­set­zung in den Ru­he­stand be­en­det wur­de und der nicht in der La­ge war, sei­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub vor dem En­de die­ses Ar­beits­verhält­nis­ses zu ver­brau­chen, kei­nen An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für den nicht ge­nom­me­nen Ur­laub hat.
31 Zwei­tens ist hin­sicht­lich ei­ner Si­tua­ti­on wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Art.7 Abs.2 der Richt­li­nie 2003/88 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ein­zel­staat­li­chen Be­stim­mun­gen oder Ge­pflo­gen­hei­ten ent­ge­gen­steht, nach de­nen dem Ar­beit­neh­mer am En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses kei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für nicht ge­nom­me­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub ge­zahlt wird, wenn er sich während des ge­sam­ten Be­zugs- und/oder Über­tra­gungs­zeit­raums oder ei­nes Teils da­von im Krank­heits­ur­laub be­fand und des­halb sei­nen An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub nicht ausüben konn­te (Ur­tei­le vom 20. Ja­nu­ar 2009, Schultz-Hoff u. a., C-350/06 und C-520/06, EU:C:2009:18, Rn. 62, so­wie vom 3. Mai 2012, Nei­del, C-337/10, EU:C:2012:263, Rn. 30).
32 So­mit ist Art.7 Abs.2 der Richt­li­nie 2003/88 da­hin aus­zu­le­gen, dass ein Ar­beit­neh­mer beim Ein­tritt in den Ru­he­stand An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für be­zahl­ten Jah­res­ur­laub hat, den er nicht ge­nom­men hat, weil er aus Krank­heits­gründen sei­ne Auf­ga­ben nicht wahr­ge­nom­men hat (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 3. Mai 2012, Nei­del, C-337/10, EU:C:2012:263, Rn. 32).
33 Folg­lich hat Herr Ma­schek in Be­zug auf den Zeit­raum zwi­schen dem 15. No­vem­ber und dem 31. De­zem­ber 2010, für den fest­steht, dass er sich im Krank­heits­ur­laub be­fand und des­halb in die­sem Zeit­raum den von ihm er­wor­be­nen An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub nicht ver­brau­chen konn­te, gemäß Art.7 Abs.2 der Richt­li­nie 2003/88 An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für nicht ge­nom­me­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub.
34 Außer­dem ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach ständi­ger Recht­spre­chung mit dem in Art.7 der Richt­li­nie 2003/88 ver­an­ker­ten An­spruch auf Jah­res­ur­laub ein dop­pel­ter Zweck ver­folgt wird, der dar­in be­steht, es dem Ar­beit­neh­mer zu ermögli­chen, sich zum ei­nen von der Ausübung der ihm nach sei­nem Ar­beits­ver­trag ob­lie­gen­den Auf­ga­ben zu er­ho­len und zum an­de­ren über ei­nen Zeit­raum der Ent­span­nung und Frei­zeit zu verfügen (Ur­tei­le vom 20. Ja­nu­ar 2009, Schultz-Hoff u. a., C-350/06 und C-520/06, EU:C:2009:18, Rn. 25, und vom 22. No­vem­ber 2011, KHS, C-214/10, EU:C:2011:761, Rn. 31).
35 Un­ter die­sen Umständen ist zur Gewähr­leis­tung der prak­ti­schen Wirk­sam­keit die­ses An­spruchs auf Jah­res­ur­laub fest­zu­stel­len, dass ein Ar­beit­neh­mer, des­sen Ar­beits­verhält­nis be­en­det wur­de und der nach ei­ner mit sei­nem Ar­beit­ge­ber ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­rung während ei­nes be­stimm­ten Zeit­raums vor sei­ner Ver­set­zung in den Ru­he­stand wei­ter­hin sein Ent­gelt be­zog, aber ver­pflich­tet war, nicht an sei­nem Ar­beits­platz zu er­schei­nen, kei­nen An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für den während die­ses Zeit­raums nicht ge­nom­me­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub hat, es sei denn, dass er den Ur­laub we­gen Krank­heit nicht neh­men konn­te.
36 Folg­lich hat das vor­le­gen­de Ge­richt zu prüfen, ob Herr Ma­schek nach der in Rn. 13 des vor­lie­gen­den Ur­teils wie­der­ge­ge­be­nen, am 21. Ju­li 2011 ge­trof­fe­nen zwei­ten Ver­ein­ba­rung zwi­schen ihm und sei­nem Ar­beit­ge­ber tatsächlich ver­pflich­tet war, in der Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2011 bis zum 30. Ju­ni 2012 nicht an sei­nem Ar­beits­platz zu er­schei­nen, und wei­ter­hin sein Ent­gelt be­zog. Wenn ja, hat Herr Ma­schek kei­nen An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für den be­zahl­ten Jah­res­ur­laub, den er in die­ser Zeit nicht ver­brau­chen konn­te.
37 Konn­te Herr Ma­schek hin­ge­gen, was das vor­le­gen­de Ge­richt zu prüfen hat, sei­nen An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub während die­ses Zeit­raums krank­heits­be­dingt nicht ver­brau­chen, hat er gemäß Art.7 Abs.2 der Richt­li­nie 2003/88 An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für nicht ge­nom­me­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub.
38 Was drit­tens die Fra­ge be­trifft, ob die na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten in An­wen­dung von Art.7 der Richt­li­nie 2003/88 zu­guns­ten ei­nes Ar­beit­neh­mers, der ent­ge­gen die­ser Be­stim­mung kei­nen An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für nicht ge­nom­me­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub hat, Mo­da­litäten zur Ausübung die­ses An­spruchs vor­se­hen müssen, die ins­be­son­de­re in Be­zug auf die Höhe der ihm zu gewähren­den Vergütung güns­ti­ger sind als die­je­ni­gen, die sich aus der Richt­li­nie 2003/88 er­ge­ben, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Richt­li­nie 2003/88 zwar Min­dest­vor­schrif­ten für Si­cher­heit und Ge­sund­heits­schutz bei der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung fest­le­gen soll, die von den Mit­glied­staa­ten zu be­ach­ten sind, doch ha­ben die­se gemäß Art.15 der Richt­li­nie das Recht, für die Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten zu er­las­sen. So­mit steht die Richt­li­nie 2003/88 in­ner­staat­li­chen Be­stim­mun­gen nicht ent­ge­gen, die ei­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub vor­se­hen, der den durch Art.7 der Richt­li­nie ga­ran­tier­ten Min­dest­zeit­raum von vier Wo­chen über­steigt und un­ter den im na­tio­na­len Recht fest­ge­leg­ten Be­din­gun­gen für die In­an­spruch­nah­me und Gewährung ein­geräumt wird (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 24. Ja­nu­ar 2012, Do­m­in­guez, C-282/10, EU:C:2012:33, Rn. 47, so­wie vom 3. Mai 2012, Nei­del, C-337/10, EU:C:2012:263, Rn. 34 und 35).
39 Dem­nach ist es zum ei­nen Sa­che der Mit­glied­staa­ten, zu ent­schei­den, ob sie Ar­beit­neh­mern ne­ben dem in Art.7 der Richt­li­nie 2003/88 vor­ge­se­he­nen An­spruch auf be­zahl­ten Min­dest­jah­res­ur­laub von vier Wo­chen wei­te­re Ansprüche auf be­zahl­ten Ur­laub gewähren. In die­sem Fall können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass ein Ar­beit­neh­mer, der vor der Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses aus Krank­heits­gründen sei­nen zusätz­li­chen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub nicht in vol­lem Um­fang ver­brau­chen konn­te, An­spruch auf ei­ne die­sem zusätz­li­chen Zeit­raum ent­spre­chen­de fi­nan­zi­el­le Vergütung hat. Zum an­de­ren ist es Sa­che der Mit­glied­staa­ten, die Be­din­gun­gen für die Gewährung fest­zu­le­gen (vgl. Ur­teil vom 3. Mai 2012, Nei­del, C-337/10, EU:C:2012:263, Rn. 36).
40 Nach al­le­dem ist auf die vom vor­le­gen­den Ge­richt ge­stell­ten Fra­gen zu ant­wor­ten, dass Art.7 Abs.2 der Richt­li­nie 2003/88 wie folgt aus­zu­le­gen ist:
- Es ist zum ei­nen Sa­che der Mit­glied­staa­ten, zu ent­schei­den, ob sie Ar­beit­neh­mern ne­ben dem in Art.7 der Richt­li­nie 2003/88 vor­ge­se­he­nen An­spruch auf be­zahl­ten Min­dest­jah­res­ur­laub von vier Wo­chen wei­te­re Ansprüche auf be­zahl­ten Ur­laub gewähren. In die­sem Fall können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass ein Ar­beit­neh­mer, der vor der Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses aus Krank­heits­gründen sei­nen zusätz­li­chen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub nicht in vol­lem Um­fang ver­brau­chen konn­te, An­spruch auf ei­ne die­sem zusätz­li­chen Zeit­raum ent­spre­chen­de fi­nan­zi­el­le Vergütung hat. Zum an­de­ren ist es Sa­che der Mit­glied­staa­ten, die Be­din­gun­gen für die Gewährung fest­zu­le­gen.
41 Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem beim vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.
Art.7 Abs.2 der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung ist wie folgt aus­zu­le­gen:
- Es ist zum ei­nen Sa­che der Mit­glied­staa­ten, zu ent­schei­den, ob sie Ar­beit­neh­mern ne­ben dem in Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88 vor­ge­se­he­nen An­spruch auf be­zahl­ten Min­dest­jah­res­ur­laub von vier Wo­chen wei­te­re Ansprüche auf be­zahl­ten Ur­laub gewähren. In die­sem Fall können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass ein Ar­beit­neh­mer, der vor der Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses aus Krank­heits­gründen sei­nen zusätz­li­chen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub nicht in vol­lem Um­fang ver­brau­chen konn­te, An­spruch auf ei­ne die­sem zusätz­li­chen Zeit­raum ent­spre­chen­de fi­nan­zi­el­le Vergütung hat. Zum an­de­ren ist es Sa­che der Mit­glied­staa­ten, die Be­din­gun­gen für die Gewährung fest­zu­le­gen.
* Ver­fah­rens­spra­che: Deut­sche.
zur Übersicht C-341/15