Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%20122,%20308
Timestamp: 2019-02-21 20:55:57
Document Index: 303376583

Matched Legal Cases: ['BGH', 'Art. 231', '§ 6', '§ 900', '§ 550', 'BGH', '§ 320', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 985', 'BGH', '§ 894', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 11', '§ 11', 'BGH', '§ 475', '§ 477', 'BGH', '§ 477', '§ 203', 'BGH', 'BGH', '§ 472', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 30.04.1993 - V ZR 234/91 - dejure.org
Grundbuch - Berichtigung - Verwirkung - Verjährung - Revision
Verwirkung des Grundbuchberichtigungsanspruches nach Nichtweiterverfolgen eines einstweiligen Verfügungsverfahrens vor dem Kreisgericht im Jahre 1959
EGBGB 1986 Art. 231 § 6 Abs. 1; BGB §§ 900 Abs. 1, 894; ZPO §§ 550, 565 Abs. 3 Nr. 1
Verjährung des Herausgabeanspruchs; Verwirkung des Grundbuchbesichtigungsanspruchs
Verjährungseinrede; Verwirkung des Grundbuchberichtigungsanspruchs
BGHZ 122, 308
NJW 1993, 2178
ZIP 1993, 1120
MDR 1993, 974
DNotZ 1993, 738
NJ 1993, 459
WM 1993, 1521
JR 1994, 331
Sie ist vielmehr vom Tatrichter im Rahmen seines Beurteilungsermessens aufgrund einer Gesamtwürdigung der Umstände des jeweiligen Einzelfalls unter Berücksichtigung des Grundsatzes von Treu und Glauben (§ 320 Abs. 2, § 242 BGB) zu beantworten (…BGH, Urteile vom 18. April 2007 - XII ZR 139/05, NZM 2007, 484 Rn. 29;… vom 26. März 2003 - XII ZR 167/01, aaO;… vgl. auch Conrad, aaO S. 1382;… Schmidt, aaO S. 714 f.;… Schmidt-Futterer/Eisenschmid, aaO Rn. 424) und kann vom Revisionsgericht nur eingeschränkt darauf überprüft werden, ob die Wertungsgrenzen erkannt, die tatsächliche Wertungsgrundlage ausgeschöpft und die Denk- und Erfahrungssätze beachtet worden sind (vgl. BGH, Urteile vom 30. April 1993 - V ZR 234/91, BGHZ 122, 308, 314; vom 8. Mai 2003 - VII ZR 216/02, NJW 2003, 2448 unter III 2;… vom 12. Januar 2011 - XII ZR 83/08, BGHZ 188, 50 Rn. 25; jeweils mwN).
Ein Recht ist verwirkt, wenn sich der Schuldner wegen der Untätigkeit seines Gläubigers über einen gewissen Zeitraum hin bei objektiver Beurteilung darauf einrichten darf und eingerichtet hat, dieser werde sein Recht nicht mehr geltend machen, und deswegen die verspätete Geltendmachung gegen Treu und Glauben verstößt (Senat, Urteil vom 30. April 1993 - V ZR 234/91, BGHZ 122, 308, 315;… Urteil vom 21. Oktober 2005 - V ZR 169/04, NJW-RR 2006, 235 Rn. 10 jeweils mwN).
Deren Würdigung ist Sache des Tatrichters und demgemäß in der Revisionsinstanz nur beschränkt nachprüfbar (Senat, Urteil vom 30. April 1993 - V ZR 234/91, BGHZ 122, 308, 314).
aa) Ein Recht ist verwirkt, wenn sich der Schuldner wegen der Untätigkeit seines Gläubigers über einen gewissen Zeitraum hin bei objektiver Beurteilung darauf einrichten darf und eingerichtet hat, dieser werde sein Recht nicht mehr geltend machen, und deswegen die verspätete Geltendmachung gegen Treu und Glauben verstößt (st. Rspr.; vgl. Senat, Urteil vom 30. April 1993 - V ZR 234/91, BGHZ 122, 308, 315 mwN; Senat…, Urteil vom 21. Oktober 2005 - V ZR 169/04, NJW-RR 2006, 235 Rn. 10).
Die Verwirkung ist somit ein Sonderfall der unzulässigen Rechtsausübung (§ 242 BGB); sie kann im gesamten Privatrecht eingewendet werden (Senat, Urteil vom 30. April 1993- V ZR 234/91, BGHZ 122, 308, 314).
Das Revisionsgericht hat jedoch nachzuprüfen, ob der Tatrichter alle erheblichen Gesichtspunkte berücksichtigt hat und die Bewertung dieser Gesichtspunkte von den getroffenen tatsächlichen Feststellungen getragen wird (BGHZ 122, 308, 314;… Sen.Urt. v. 17.3.1994 - X ZR 16/93, GRUR 1994, 597, 601 - Zerlegvorrichtung für Baumstämme).
Sind bei einer fehlerhaften Subsumtion unter einen unbestimmten Rechtsbegriff - wie den der Verwirkung - weitere tatsächliche Feststellungen weder erforderlich noch zu erwarten, eröffnen die gesetzliche Pflicht zur eigenen Sachentscheidung und das Gebot der Prozeßökonomie dem Revisionsgericht die Möglichkeit, die Anknüpfungstatsachen durch tatsächliche Schlüsse selbst dahin zu würdigen, ob die Subsumtion unter den rechtlichen Tatbestand möglich wird (BGH, Urt. v. 30.4.1993 - V ZR 234/91, NJW 1993, 2178, 2179 m.w.N.).
Verwirkung kann auch bei dem Herausgabeanspruch des Eigentümers nach § 985 BGB eintreten (vgl. Senat, Urteil vom 30. April 1993 - V ZR 234/91, BGHZ 122, 308, 314 zu § 894 BGB).
a) Ein Recht ist verwirkt, wenn sich der Schuldner wegen der Untätigkeit seines Gläubigers über einen gewissen Zeitraum hin bei objektiver Beurteilung darauf einrichten darf und eingerichtet hat, dieser werde sein Recht nicht mehr geltend machen, und deswegen die verspätete Geltendmachung gegen Treu und Glauben verstößt (ständige Rechtsprechung, siehe nur Senat, BGHZ 122, 308, 315 m.w.N.;… BGH, Urt. v. 14. November 2002, VII ZR 23/02, NJW 2003, 824).
Die Verwirkung ist somit ein Sonderfall der unzulässigen Rechtsausübung (§ 242 BGB); sie kann im gesamten Privatrecht eingewendet werden (Senat, BGHZ 122, 308, 314).
Diese Frage, mit der sich das Berufungsgericht von seinem Standpunkt aus zu Recht nicht befasst hat, kann der Senat selbst entscheiden (vgl. BGH, Urt. v. 30.04.1993 - V ZR 234/91, BGHZ 122, 309, 316;… Sen.Urt. v. 19.04.2005 - X ZR 15/04, NJW 2005, 2766).
Zu Recht hat daher das Berufungsgericht auf der Grundlage des maßgeblichen Rechts der DDR geprüft, ob vor diesem Zeitpunkt bereits eine Verjährung der hier geltend gemachten Ansprüche eingetreten war (vgl. BGH, Urteil vom 30. April 1993 - V ZR 234/91 - NJW 1993, 2178 [BGH 30.04.1993 - V ZR 234/91]).
Diese Zehnjahresfrist konnte, da den Verjährungsvorschriften des ZGB (auch über § 11 Abs. 1 EGZGB) keine rückwirkende Kraft zukommt, allerdings nicht schon mit dem Schadensereignis am 4. Juni 1973 beginnen, sondern lief erst ab dem 1. Januar 1976, dem Inkrafttreten des ZGB (vgl. dazu Janke, NJ 1981, 333; Lübchen, NJ 1975, 710, 712; die Frage einer Rückwirkung des § 11 Abs. 1 EGZGB wurde offengelassen in BGH, Urteil vom 30. April 1993 - V ZR 234/91 - aaO).
a) Auch wenn es um die Zehnjahresfrist des § 475 Ziff. 2 Satz 2 ZGB geht, ist eine Verjährungshemmung auf der Grundlage des § 477 Abs. 1 Ziff. 4 ZGB zu prüfen (vgl. auch BGH, Urteil vom 30. April 1993 - V ZR 234/91 - aaO).
c) Vielmehr ist die Regelung in § 477 Abs. 1 Ziff. 4 ZGB mit derjenigen in § 203 BGB vergleichbar (vgl. BGH, Urteil vom 30. April 1993 - V ZR 234/91 - aaO; zur Parallelität beider Vorschriften auch BGH, Urteil vom 4. März 1994 - V ZR 287/92 - Umdruck S. 7; s. auch Adlerstein/Pech, DtZ 1991, 193, 197; Rädler, DtZ 1993, 299, 300).
Dem steht nicht entgegen, daß der Eintritt der Verjährung, der nach dem Recht der DDR von Amts wegen zu berücksichtigen war (vgl. Kommentar zum ZGB, Vorbemerkung vor § 472 ZGB), nunmehr nach Inkrafttreten des Einigungsvertrages nur noch auf Einrede zu beachten ist (vgl. BGH, Urteil vom 30. April 1993 - V ZR 234/91 - aaO, 2179).
Die Testamentsauslegung kann der Senat insoweit selbst vornehmen, weil die hierfür neben dem Text und dem Gesamtzusammenhang der letztwilligen Verfügung maßgebenden Umstände unstreitig sind und Anhaltspunkte dafür, dass weiterer für die Auslegung relevanter Vortrag zu erwarten ist, nicht vorliegen (vgl. BGHZ 122, 308, 316 ; BGH, Urteil vom 4. Februar 2009 - VIII ZR 66/08 - WuM 2009, 228 unter II 2 b).
Haftung eines Vermögensverwalters für unberechtigt erhobene Klagen; …
BGH, 15.05.2002 - IV ZR 100/01
Erlöschen einer Krankentagegeldversicherung durch Kündigung des …
OLG Jena, 05.04.2007 - 1 U 446/06
Verjährung erbrechtlicher Ansprüche nach dem ZGB/DDR für im Ausland lebende …
BAG, 29.10.1998 - 6 AZR 271/97