Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=GRUR%202002,%20269
Timestamp: 2019-03-22 23:42:03
Document Index: 149253907

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 2', '§ 505', 'BGH', 'OGH', '§ 1', '§ 4', '§ 1', 'BGH', '§ 4', '§ 4', '§ 284', '§ 1', 'BGH', 'BGH', '§ 284', 'BGH', 'Art. 19', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 11.10.2001 - I ZR 172/99 - dejure.org
Wettbewerbswidrig - Unerlaubte Veranstaltung eines Glückspiels - Gesetzeskenntnis - Gewerbetreibender - Gesetzesauslegung
Kein wettbewerbswidriges Handeln durch deutschlandweite Werbung für Sportwetten im Falle behördlicher Genehmigung nach dem Gewerbegesetz der DDR
NJW 2002, 1500 (Ls.)
Mit einem derartigen Verständnis setzt sich der Senat nicht in Widerspruch zu dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 11. Oktober 2001 - I ZR 172/99 - (GewArch 2002, 162).
Im Hinblick darauf, daß das mit dem Klageantrag beanstandete Verhalten nicht gegen § 2 Nr. 2 VerbrKrG (§ 505 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BGB) verstößt, kann offenbleiben, ob der Beklagten schon deshalb kein Vorwurf unlauteren Wettbewerbshandelns gemacht werden könnte, weil diese sich für ihre Rechtsansicht auf einen eindeutigen Gesetzeswortlaut berufen konnte und entgegenstehende höchstrichterliche Rechtsprechung nicht ergangen war (vgl. dazu auch BGH, Urt. v. 11.10.2001 - I ZR 172/99, GRUR 2002, 269, 270 = WRP 2002, 323 - Sportwetten-Genehmigung; vgl. weiter OGH ÖBl. 2001, 261 - Hausdruckerei;… Doepner, Festschrift für Helm, 2002, S. 47, 61 f.;… v. Ungern-Sternberg, Festschrift für Erdmann, 2002, S. 741, 749).
Das Berufungsgericht ist allerdings mit Recht davon ausgegangen, daß der Tatbestand des § 1 UWG a.F. unter dem Gesichtspunkt des Rechtsbruchs - ebenso wie nunmehr der Tatbestand des § 4 Nr. 11 UWG - nicht erfüllt ist, wenn ein Marktverhalten durch einen Verwaltungsakt ausdrücklich erlaubt worden ist und der Verwaltungsakt nicht nichtig ist (vgl. zu § 1 UWG a.F.: BGH, Urt. v. 11.10.2001 - I ZR 172/99, GRUR 2002, 269, 270 = WRP 2002, 323 - Sportwetten-Genehmigung;… Stolterfoth, Festschrift für Rittner, 1991, S. 695, 710 f.;… zu § 4 Nr. 11 UWG: Baumbach/Hefermehl/Köhler, Wettbewerbsrecht, 23. Aufl., § 4 UWG Rdn. 11.20; Köhler, GRUR 2004, 381, 388 Fn. 88).
Das gegen § 284 Abs. 1 und Abs. 4 StGB verstoßende Verhalten der Beklagten erfüllt, da es sich bei dieser Vorschrift um eine wertbezogene Norm mit unmittelbar wettbewerbsregelndem Charakter handelt, den Tatbestand des § 1 UWG (vgl. BGH, Urt. v. 11.10.2001 - I ZR 172/99, GRUR 2002, 269, 270 = WRP 2002, 323 - Sportwetten-Genehmigung).
Dies ist nach ständiger Rechtsprechung anerkannt, weil die Strafvorschrift auch dem Schutz der Verbraucher dient (…BGH, Urt. v. 1. April 2004 - i ZR 317/01 - Schöner Wetten; Urt. v. 11. Oktober 2001 - I ZR 172/99 - Sportwetten-Genehmigung).
Die Vorschrift des § 284 StGB bietet deshalb mit der die Strafbewehrung aufhebenden behördlichen Erlaubnis ein Instrument zur Kanalisierung des Spieltriebs in geordnete Bahnen (BGH, Urt. v. 11. Oktober 2001 - I ZR 172/99 - Sportwetten-Genehmigung).
So ist noch in dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 11. Oktober 2001 - I ZR 172/99 - Sportwetten-Genehmigung - ausgeführt, nach der Beurteilung der Behörden und Gerichte sei eine aufgrund des Gewerbegesetzes der DDR erteilte Genehmigung gemäß Art. 19 EV eine ausreichende Grundlage für die bundesweite Tätigkeit des Sportwetten-Unternehmens.
Die Lauterkeit des Wettbewerbs verlangt, dass ein Gewerbetreibender nicht ohne weiteres auf Kosten seiner Mitbewerber das Risiko rechtswidrigen Handelns eingeht (vgl. BGH, Urteil vom 11. Oktober 2001 - I ZR 172/99, GRUR 2002, 269, 270 = WRP 2002, 323 - Sportwetten-Genehmigung).
Ohne Erfolg berufen sich die Beklagten unter Bezugnahme auf die Entscheidung "Sportwetten-Genehmigung" des BGH (GRUR 2002, 269, 270) darauf, dass das beanstandete Verhalten angesichts der bestehenden Gewerbegenehmigung vom 11.04.1990, auf die die Beklagten vertrauen dürften, nicht wettbewerbswidrig sei.
Wer weder die Rechtswidrigkeit seines Verhaltens kennt noch sich dieser Einsicht bewusst verschließt und auch nicht auf die Haltung der Verwaltungsbehörden in unlauterer Weise eingewirkt hat, handelt jedoch grundsätzlich auch dann nicht schuldhaft, wenn er sich nicht vorsichtshalber nach der strengsten Gesetzesauslegung und Einzelfallbeurteilung richtet, wenn die zuständigen Behörden und Gerichte sein Verhalten ausdrücklich als rechtlich zulässig bewerten (vgl BGHZ 163, 265, 270 f = NJW 2005, 2705, Juris RdNr 21; BGH Urteil vom 11.10.2001 - I ZR 172/99 - NJW-RR 2002, 395, 396, Juris RdNr 19 mwN) .
Im Streitfall ist vielmehr entscheidend, daß sich die Klägerin für ihre Betätigung als Sportwettunternehmen auf die ihr am 14. September 1990 erteilte Gewerbeerlaubnis stützen kann, wobei Gründe für deren Nichtigkeit sowie dafür, daß sie nicht fortgilt, von den für die Klägerin örtlich zuständigen Verwaltungsgerichten in Thüringen (VG Gera, Beschl. v. 13.1.1997 - 1 E 1274/96 GE; Thüringer OVG GewArch 2000, 118, 119 ff.) ausdrücklich verneint worden sind (vgl. OLG Nürnberg OLG-Rep 2001, 154; vgl. auch BGH, Urt. v. 11.10.2001 - I ZR 172/99, GRUR 2002, 269, 270 = WRP 2002, 323 - Sportwetten-Genehmigung).
OLG Celle, 19.12.2002 - 13 U 156/02
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OLG Hamm, 19.02.2002 - 4 U 155/01
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VG Bremen, 24.07.2006 - 5 V 1717/06
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