Source: https://www.ra-kotz.de/dachlawine_haftung_des_hauseigentuemers.htm
Timestamp: 2018-01-17 17:57:32
Document Index: 149547775

Matched Legal Cases: ['§ 823', '§ 823', '§ 276', 'BGH', '§ 823', 'BGH', '§ 823', 'BGH', '§ 823', 'BGH', '§ 823', 'BGH', '§ 823', 'BGH', '§ 823']

Dachlawine – Haftung des Hauseigentümers - RA Kotz
Insofern trifft einen Gebäudeeigentümer nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts (DR 1942, Seite 1759) und ihm nachfolgend des Bundesgerichtshofs (Urteil vom 08.12.1954, VI ZR 289/53, u. a. in: NJW 1955, Seiten 300 f. = VersR 1955, Seite 82 = BB 1955, Seiten 49 f. = DB 1955, Seite 46 = VRS Band 8, Seite 99 = LM Nr. 4 zu § 823 BGB) sowie der herrschenden Rechtsprechung (vgl. u. a.: OLG Jena, Beschluss vom 28.03.2012, Az.: 4 U 966/11; OLG Hamm, Beschluss vom 07.02.2012, Az.: I-7 U 87/11; OLG Brandenburg, Urteil vom 23.08.2011, Az.: 2 U 55/10, u. a. in: NJW-RR 2012, Seiten 96 f.; OLG Jena, Urteil vom 20.12.2006, Az.: 4 U 865/05, u. a. in: WuM 2007, Seiten 138 f.; OLG Hamm, NJW-RR 2003, Seiten 1463 f.; OLG Dresden, Urteil vom 17.07.1996, Az.: 8 U 696/96, u. a. in: DAR 1997, Seiten 492 ff.; OLG Düsseldorf, OLG-Report 1993, Seite 119; OLG Köln, ZfSch 1989, Seite 44; OLG Celle, Urteil vom 28. Oktober 1987, Az.: 9 U 227/86, u. a. in: NJW-RR 1988, Seiten 663 f.; OLG Hamm, Urteil vom 11.11.1986, Az.: 27 U 68/86, u. a. in: NJW-RR 1987, Seite 412; OLG Saarbrücken, VersR 1985, Seite 299; OLG Karlsruhe, Urteil vom 18.03.1983, Az.: 15 U 280/82, u. a. in: NJW 1983, Seiten 2946 f.; OLG Karlsruhe, Urteil vom 24.07.1980, Az.: 9 U 291/78; OLG Celle, Urteil vom 19.03.1980, Az.: 9 U 204/79, u. a. in: VersR 1980, Seiten 1028 f.; OLG Stuttgart, VersR 1973, Seiten 324 f.; OLG Karlsruhe, VersR 1956, Seite 542; LG Potsdam, Beschluss vom 06.02.2012, Az.: 7 S 118/11; LG Bückeburg, Urteil vom 07.12.2011, Az.: 1 S 49/11; LG Köln, Beschluss vom 29.03.2012, Az.: 13 S 4/12; LG Bautzen, VersR 1999, Seiten 1254 f.; LG Konstanz, Urteil vom 29.05.1981, Az.: 6 O 323/80; LG Kempten, VersR 1963, 1088; AG Brandenburg an der Havel, Urteil vom 21.10.2011, Az.: 32 C 47/11; AG Halle/Saale, Urteil vom 21.07.2011, Az.: 93 C 4596/10, u. a. in: “juris”; AG Jena, Urteil vom 17.03.2011, Az.: 22 C 630/10, u. a. in: Info M 2011, Seite 192; AG München, Urteil vom 13.03.2009, Az.: 132 C 11208/08; AG Mannheim, BWGZ 1999, Seite 684; AG Säckingen, VersR 1979, Seite 552) und Literatur (Strauch, NZM 2012, Seiten 524 f.; Beuermann, Grundeigentum 2010, Seite 146; Hugger/Stallwanger, DAR 2005, Seiten 665 ff.; Birk, NJW 1983, Seiten 2911 ff.; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.; Gaisbauer, DWW 1967, Seite 345) grundsätzlich nicht die Pflicht, Dritte vor Dachlawinen durch spezielle Maßnahmen zu schützen, weil vom Gebäudeeigentümer Sicherheitsmaßregeln in der Regel nur beim Vorliegen “besonderer Umstände” verlangt werden können. Regelmäßig trifft den Hauseigentümer also nicht die Pflicht, Dritte vor Dachlawinen durch spezielle Maßnahmen zu schützen. Allein die allgemeine Gefahr, dass von einem schneebedeckten Dach Lawinen abgehen können, begründet also keine Pflicht, Vorkehrungen zu treffen.
Der § 823 Abs. 1 BGB bestimmt insofern dann eine Ersatzpflicht, wenn vorsätzlich oder fahrlässig fremde Rechtsgüter verletzt werden. Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt (§ 276 BGB). Die im Verkehr erforderliche Sorgfalt ist die nach Anschauung der Allgemeinheit erforderliche Sorgfalt; Lebenserfahrung und Gewissenhaftigkeit eines besonnenen Durchschnittsmenschen bilden den Maßstab (LG Augsburg, VersR 1952, Seite 184; Birk, NJW 1983, Seiten 2911 ff.). Grundlage dafür, ob jemanden eine Verkehrssicherungspflicht trifft ist der Gedanke des “neminem laede” (verletze niemand!). Deshalb hat auch der, von dessen Sache eine konkrete Gefahr ausgeht, dafür zu sorgen, dass Dritte keinen Schaden nehmen (AG Wangen, VersR 1979, Seite 923; Birk, NJW 1983, Seiten 2911 ff.). Ein Gebäudeeigentümer ist nämlich wie jeder andere Eigentümer einer Sache verpflichtet, die Beschädigung anderer Personen oder Sachen durch sein Eigentum im Interesse der öffentlichen Sicherheit insoweit zu verhüten, als dies die billige Rücksichtnahme auf andere verlangt. Es liegt auch kein unabwendbares Ereignis vor, wenn eine Dachlawine von einem Gebäude niedergeht (AG Schönau, VersR 1953, Seite 264; Birk, NJW 1983, Seiten 2911 ff.; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.).
Nur wenn aber “besondere Umstände” vorliegen, muss ein Gebäudeeigentümer je nach Notwendigkeit einerseits und Zumutbarkeit andererseits überhaupt Maßnahmen zur Verhinderung von Schneelawinen ergreifen (Reichsgerichts, DR 1942, Seite 1759; BGH, Urteil vom 08.12.1954, VI ZR 289/53, u. a. in: NJW 1955, Seiten 300 f. = VersR 1955, Seite 82 = BB 1955, Seiten 49 f. = DB 1955, Seite 46 = VRS Band 8, Seite 99 = LM Nr. 4 zu § 823 BGB; OLG Jena, Beschluss vom 28.03.2012, Az.: 4 U 966/11; OLG Düsseldorf, Urteil vom 17.02.2012, u. a. in: NJW-RR 2012, Seiten 780 ff.; OLG Hamm, Beschluss vom 07.02.2012, Az.: I-7 U 87/11; OLG Brandenburg, Urteil vom 23.08.2011, Az.: 2 U 55/10, u. a. in: NJW-RR 2012, Seiten 96 f.; OLG Jena, Urteil vom 20.12.2006, Az.: 4 U 865/05, u. a. in: WuM 2007, Seiten 138 f.; OLG Hamm, NJW-RR 2003, Seiten 1463 f.; OLG Dresden, Urteil vom 17.07.1996, Az.: 8 U 696/96, u. a. in: DAR 1997, Seiten 492 ff.; OLG Köln, VersR 1988, Seite 1244; OLG Celle, Urteil vom 28. Oktober 1987, Az.: 9 U 227/86, u. a. in: NJW-RR 1988, Seiten 663 f.; OLG Hamm, Urteil vom 11.11.1986, Az.: 27 U 68/86, u. a. in: NJW-RR 1987, Seite 412; OLG Saarbrücken, VersR 1985, Seite 299; OLG Karlsruhe, Urteil vom 18.03.1983, Az.: 15 U 280/82, u. a. in: NJW 1983, Seiten 2946 f.; OLG Karlsruhe, Urteil vom 24.07.1980, Az.: 9 U 291/78; OLG Celle, Urteil vom 19.03.1980, Az.: 9 U 204/79, u. a. in: VersR 1980, Seiten 1028 f.; OLG Stuttgart, VersR 1973, Seiten 324 f.; OLG Karlsruhe, VersR 1956, Seite 542; LG Potsdam, Beschluss vom 06.02.2012, Az.: 7 S 118/11; LG Bückeburg, Urteil vom 07.12.2011, Az.: 1 S 49/11; LG Konstanz, Urteil vom 29.05.1981, Az.: 6 O 323/80; LG Kempten, VersR 1963, 1088; AG Brandenburg an der Havel, Urteil vom 21.10.2011, Az.: 32 C 47/11; AG München, Urteil vom 13.03.2009, Az.: 132 C 11208/08; AG Säckingen, VersR 1979, Seite 552; Strauch, NZM 2012, Seiten 524 f.; Beuermann, Grundeigentum 2010, Seite 146; Birk, NJW 1983, Seiten 2911 ff.; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.; Gaisbauer, DWW 1967, Seite 345).
Der Grad der vom Gebäudeeigentümer anzuwendenden Sorgfalt bestimmt sich – beim Fehlen baurechtlicher Anordnungen wie hier – somit danach, was der “normale und gesunde Verkehr” hier vor Ort erfordert, wobei die Anforderungen je nach den örtlichen Gegebenheiten durchaus verschieden sind (BGH, Urteil vom 08.12.1954, VI ZR 289/53, u. a. in: NJW 1955, Seiten 300 f. = VersR 1955, Seite 82 = BB 1955, Seiten 49 f. = DB 1955, Seite 46 = VRS Band 8, Seite 99 = LM Nr. 4 zu § 823 BGB; OLG Brandenburg, Urteil vom 23.08.2011, Az.: 2 U 55/10, u. a. in: NJW-RR 2012, Seiten 96 f.; OLG Saarbrücken, VersR 1985, Seite 299; OLG München, NJW 1965, Seite 1085; LG Augsburg, DAR 1965, Seite 96; LG Kempten, VersR 1969, Seite 743; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.).
Als solch “besondere Umstände” wurden von den Gerichten u. a. angesehen: allgemeine Schneelage des Ortes, allgemeine Beschaffenheit des Gebäudes, allgemein ortsübliche Sicherheitsvorkehrungen, allgemeine örtliche Verkehrsverhältnisse, die konkreten Schneeverhältnisse, die konkrete Witterungslage, die konkreten Informationen der Beteiligten und die konkrete Verkehrseröffnung (BGH, Urteil vom 08.12.1954, VI ZR 289/53, u. a. in: NJW 1955, Seiten 300 f. = VersR 1955, Seite 82 = BB 1955, Seiten 49 f. = DB 1955, Seite 46 = VRS Band 8, Seite 99 = LM Nr. 4 zu § 823 BGB; OLG Jena, Beschluss vom 28.03.2012, Az.: 4 U 966/11; OLG Düsseldorf, Urteil vom 17.02.2012, u. a. in: NJW-RR 2012, Seiten 780 ff.; OLG Brandenburg, Urteil vom 23.08.2011, Az.: 2 U 55/10, u. a. in: NJW-RR 2012, Seiten 96 f.; OLG Naumburg, NJW-RR 2011, Seiten 1535 f.; OLG Saarbrücken, VersR 1985, Seite 299; OLG Karlsruhe, NJW 1983, Seite 2946; OLG Stuttgart, MDR 1983, Seite 316; OLG Karlsruhe, Urteil vom 24.07.1980, Az.: 9 U 291/78; OLG Stuttgart, VersR 1973, Seiten 324 f.; OLG Stuttgart, VersR 1973, Seite 356; OLG München, VersR 1965, Seite 908; OLG Düsseldorf, VersR 1961, Seite 911; OLG Köln, VersR 1958, Seite 114; OLG Karlsruhe, VersR 1956, Seite 542; LG Bückeburg, Urteil vom 07.12.2011, Az.: 1 S 49/11; LG Konstanz, Urteil vom 29.05.1981, Az.: 6 O 323/80; LG Koblenz, VersR 1974, Seite 814; LG Kempten, VersR 1963, Seite 1088; AG Halle/Saale, Urteil vom 21.07.2011, Az.: 93 C 4596/10, u. a. in: “juris”; AG Wangen, VersR 1979, Seite 923). Es sind insbesondere somit die konkreten örtlichen Verhältnisse, die besonderen Witterungsumstände, die Lebhaftigkeit des örtlichen Verkehrs zu oder vor dem Gebäude, die Bauart des betreffenden Gebäudes/Daches und die zumutbare Absicherung durch den Gebäudeeigentümer zu berücksichtigen (Birk, NJW 1983, Seiten 2911 ff.; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.).
In einem schneereichen Gebiet sind insofern aber andere Anforderungen zu stellen als in einem schneearmen Bereich (OLG Brandenburg, Urteil vom 23.08.2011, Az.: 2 U 55/10, u. a. in: NJW-RR 2012, Seiten 96 f.; Birk, NJW 1983, Seiten 2911 ff.; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.; Krebs, VersR 1961, Seite 911). Was in einer Großstadt oder in einem Ort mit starkem Fremdenverkehr als schuldhaft unvorsichtig zu gelten hat, kann in einem anderen Ort noch der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt entsprechen (BGH, Urteil vom 08.12.1954, VI ZR 289/53, u. a. in: NJW 1955, Seiten 300 f. = VersR 1955, Seite 82 = BB 1955, Seiten 49 f. = DB 1955, Seite 46 = VRS Band 8, Seite 99 = LM Nr. 4 zu § 823 BGB; OLG München, NJW 1965, Seite 1085; LG Tübingen, VersR 1967, Seite 669). Teils kann das Vorliegen nur eines solchen “besonderen Umstandes” ggf. sogar ausreichen, um die Haftpflicht zu begründen; liegen jedoch mehrere Umstände gleichzeitig vor, so ergibt sich in der Regel eine Haftung (Birk, NJW 1983, Seiten 2911 ff.).
Die vor Ort jeweils üblichen Schneeverhältnisse geben insofern den Maßstab für die “im Verkehr erforderliche Sorgfalt” ab. Die allgemeine Schneelage des Ortes, in dem die Dachlawine niederging, kann für die Frage nach Vorsorgemaßnahmen (Präventivmaßnahmen) somit entscheidend sein. In Betracht kommen das Anbringen von Schneefanggittern oder Dachhaken. Dabei sind in schneereichen Gebieten andere Anforderungen zu stellen als in schneearmen (OLG Zweibrücken, Urteil vom 09.07.1999, Az.: 1 U 181/98, u. a. in: OLG-Report 2000, Seiten 7 f.; OLG Saarbrücken, VersR 1985, Seite 299; OLG München, NJW 1965, 1085; OLG Düsseldorf, VersR 1961, 911; LG Berlin, Beschluss vom 29.03.2011, Az.: 49 S 178/10, u. a. in: SVR 2012, Seite 141; Birk, NJW 1983, Seiten 2911 ff.). Zu unterscheiden sind schneearme, schneereiche sowie mittlere Lagen.
Unter Berücksichtigung dessen ist somit hier aber zunächst grundsätzlich davon auszugehen, dass – bei Fehlen besonderer gesetzlicher Vorschriften – die Anbringung eines sich über die ganze Breite der Hausfront erstreckenden Schneefanggitters nicht in jedem Falle, sondern nur unter besonderen Voraussetzungen vom Gebäudeeigentümer verlangt werden kann (BGH, Urteil vom 08.12.1954, VI ZR 289/53, u. a. in: NJW 1955, Seiten 300 f. = VersR 1955, Seite 82 = BB 1955, Seiten 49 f. = DB 1955, Seite 46 = VRS Band 8, Seite 99 = LM Nr. 4 zu § 823 BGB; OLG Jena, Urteil vom 18.06.2008, Az.: 2 U 202/08, u. a. in: NJW-RR 2009, Seiten 168 f.; OLG Jena, Urteil vom 20.12.2006, Az.: 4 U 865/05, u. a. in: OLG-Report 2007, Seiten 173 f.; OLG Zweibrücken, OLG-Report 2000, Seite 7; OLG Dresden, OLG-Report 1997, Seite 121; OLG Köln, VersR 1988, Seite 1244; OLG Saarbrücken, VersR 1985, Seite 299; OLG Karlsruhe, NJW 1983, Seite 2946; OLG Stuttgart, MDR 1983, Seite 316; OLG München, NJW 1965, Seite 1085; OLG Stuttgart, DAR 1964, Seite 214; OLG Düsseldorf, VersR 1961, Seite 911; LG Konstanz, VersR 1965, Seite 1013; LG Kempten, VersR 1969, Seite 743; AG Burgwedel, NHG 1968, Seite 25; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.). Sind Schneefanggitter vor Ort aber nicht üblich, so besteht in der Regel auch keine Haftung für Schäden durch Dachlawinen (OLG Jena, OLG-Report 2007, Seiten 173 f.; OLG Zweibrücken, OLG-Report 2000, Seite 7; OLG Dresden, OLG-Report 1997, Seite 121; OLG Köln, VersR 1988, Seite 1244; OLG Saarbrücken, VersR 1985, Seite 299; OLG Karlsruhe, NJW 1983, Seite 2946; OLG Stuttgart, MDR 1983, Seite 316; OLG München, VersR 1965, Seite 908; OLG Düsseldorf, VersR 1961, Seite 911; LG Kempten, VersR 1963, Seite 1088; LG Traunstein, VersR 1963, Seite 1088; AG Burgwedel, NHG 1968, Seite 25; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.). Insoweit gelangt das Gericht hier aber gerade nicht zu der Überzeugung, dass Schneefanggitter auf den Dächern der in der Nähe des Schadensortes befindlichen Gebäude üblich sind. Im Stadtgebiet der Stadt Brandenburg an der Havel finden sich nämlich vor allem Gebäude älterer Bauart, die nur vereinzelt Schneefanggitter aufweisen, so dass hier auch nicht von einer “Ortsüblichkeit” hinsichtlich der Anbringung derartiger Schneefanggitter ausgegangen werden kann, die eine entsprechende Pflicht der beklagten Kirchengemeinde hätte generieren können. Soweit die Nichtanbringung von Schneefanggittern durch den Kläger als Verletzung der der Klägerin obliegenden Verkehrssicherungspflichten rügt, ist somit hier festzustellen, dass es in der Stadt Brandenburg an der Havel keinesfalls ortsüblich ist, dass Schneefanggitter an Gebäuden angebracht werden. Dies vor allem wohl auch deshalb, da die Stadt der norddeutschen Tiefebene zuzurechnen und daher auch nicht als besonders schneereich einzustufen ist (AG Brandenburg an der Havel, Urteil vom 21.10.2011, Az.: 32 C 47/11). Insofern kann in der zur Entscheidung anstehenden Konstellation am Fehlen solcher Gitter auch nicht der von der Klägerseite erhobene Vorwurf einer Verkehrssicherungspflichtverletzung anknüpfen.
Derartige weitere besondere Umstände erlauben aber selbst dann noch nicht den Schluss auf eine permanente erhöhte Schadensneigung dieses Daches und können deshalb auch keine Pflicht des Gebäudeeigentümers begründen, auf jeden Fall Schneefanggitter zum Schutz vor Dachlawinen zu installieren; zumindest dann nicht, wenn – wie hier – Schneefanggitter gesetzlich weder vorgeschrieben noch im Hinblick auf die Schneearmut der Region ortsüblich sind (OLG Zweibrücken, Urteil vom 09.07.1999, Az.: 1 U 181/98, u. a. in: OLG-Report 2000, Seiten 7 f.; LG Berlin, SVR 2012, Seite 141; LG Mannheim, Urteil vom 21.02.1998, Az.: 1 S 442/97, u. a. in: BWGZ 1999, Seiten 682 f.), so dass die beklagte Kirchengemeinde hier auch deswegen schon nicht aufgrund “besonderer Umstände” in dem schneearmen Gebiet der Stadt Brandenburg an der Havel verpflichtet war Schneefanggitter auf dem Dach der Kirche anzubringen.
Einem Gebäudeeigentümer kann insoweit also grundsätzlich im Land Brandenburg – und insbesondere in der Stadt Brandenburg an der Havel – in der Regel nicht der Vorwurf gemacht werden, auf die Gefahr von Dachlawinen nicht (ausreichend) hingewiesen zu haben, es sei denn, es liegen besondere Umstände vor, die ihm bei zumutbarer Beobachtung der Verhältnisse anzeigen, dass mit einem Niedergehen von Schneemassen an der Dachschräge alsbald zu rechnen ist (OLG Düsseldorf, OLG-Report 1993, Seite 119; OLG Karlsruhe, NJW 1983, Seite 2946; LG Karlsruhe, MDR 1998, Seiten 161 f. = NZM 1998, Seiten 154 f.). Eine Warnpflicht in schneearmen Gebieten besteht nämlich nur dort, wo eine konkrete Gefahrenquelle vorliegt, mit welcher der Verkehrsteilnehmer nach den konkret gegebenen Umständen nicht zu rechnen braucht (LG Berlin, VersR 1967, Seite 69). Notwendig ist also eine über das Maß des zu Erwartenden hinausgehende Gefahrenlage (OLG Düsseldorf, VersR 1953, Seite 70; LG Berlin, VersR 1967, Seite 69), z.B. wenn die Schneemassen auf dem Dach erheblich sind und zudem auch mit einem baldigen Abrutschen in stärkerem Maße gerechnet werden muss und deshalb eine über den gewöhnlichen Umfang hinausgehende Verkehrsgefährdung konkret zu besorgen ist (OLG München, VersR 1965, Seite 1037; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.). Allein dass es zuvor heftig geschneit hatte und unmittelbar vor dem Schadenszeitpunkt Tauwetter einsetzte, zeigt aber noch keine im Winter ganz ungewöhnlichen Umstände auf. Hieraus lässt sich zwar eine generell-abstrakte Dauergefahr, nicht aber eine konkret drohende, den üblichen Rahmen verlassende außergewöhnliche Gefahrlage begründen (LG Köln, Beschluss vom 29.03.2012, Az.: 13 S 4/12; AG Halle/Saale, Urteil vom 21.07.2011, Az.: 93 C 4596/10, u. a. in: “juris”). Für das Vorliegen einer solchen besonderen Gefahrenlage trifft im Übrigen den geschädigten Kläger hier die Beweislast (LG Karlsruhe, MDR 1998, Seiten 161 f. = NZM 1998, Seiten 154 f.).
Sind derartige Sicherheitsmaßregeln gegen die durch das Herabstürzen von Schnee drohenden Gefahren im Übrigen vor Ort selbst bei derartigen “besonderen Umständen” nicht üblich, so können sie von dem einzelnen Gebäudeeigentümer auch nur bei Vorliegen weiterer besonderer Umstände verlangt werden (Reichsgericht, DR 1942, Seite 1759; BGH, Urteil vom 08.12.1954, VI ZR 289/53, u. a. in: NJW 1955, Seiten 300 f. = VersR 1955, Seite 82 = BB 1955, Seiten 49 f. = DB 1955, Seite 46 = VRS Band 8, Seite 99 = LM Nr. 4 zu § 823 BGB; OLG Düsseldorf, OLG-Report 1993, Seite 119; OLG Karlsruhe, NJW 1983, Seite 2946; OLG Düsseldorf, VersR 1961, Seite 911; AG Halle/Saale, Urteil vom 21.07.2011, Az.: 93 C 4596/10, u. a. in: “juris”).
Bei ungewöhnlich niedrigen Temperaturen, bzw. Tauwetter – so wie hier -, Wetterumschlag und starken Schneefällen kann zwar insofern eine Warnpflicht des Gebäudebesitzers im Land Brandenburg nicht (wie in Hamburg) ausgeschlossen werden (vgl. auch: OLG Köln, VersR 1958, Seite 114; OLG Stuttgart, VersR 1973, Seite 324; LG Landau, Urteil vom 03.06.1982, Az.: 3 O 123/82; AG Darmstadt, DAR 1980, Seite 276; AG Bonn, VersR 1980, Seite 396). Sind insofern aber Fernseh-, Rundfunk- und Presseaufrufe auch dem Geschädigten bekannt gewesen bzw. hätte er sie bei pflichtgemäßem Handeln kennen müssen, so entfällt auch (ohne weitere, hinzukommende “besondere Umstände”) ein Ersatzanspruch (OLG Karlsruhe, Justiz 1972, Seite 355). Zum Schutz vor ohnehin allgemein bekannten generell-abstrakten Gefahren ist eine Warnung nämlich nicht weiterführend und mithin auch nicht geboten (LG Köln, Beschluss vom 29.03.2012, Az.: 13 S 4/12; LG Wuppertal, Schaden-Praxis 2012, Seiten 8 f.; LG Berlin, SVR 2012, Seite 141; LG Passau, NJW-RR 1987, Seiten 1508 f.; AG Halle/Saale, Urteil vom 21.07.2011, Az.: 93 C 4596/10, u. a. in: “juris”).
Die für den Kläger hier bestehende Gefahr war nämlich für diesen ohne Weiteres erkennbar, da er als Anwohner eine gute Möglichkeit der Kenntnisnahme hatte. Die beklagte Kirchengemeinde hatte in dieser Hinsicht auch keinerlei Wissensvorsprung vor dem Kläger (KG Berlin, Beschluss vom 09.02.2011, Az.: 11 U 17/10, u. a. in: Grundeigentum 2011, Seite 482; LG Bückeburg, Urteil vom 07.12.2011, Sz.: 1 S 49/11; LG Wuppertal, Schaden-Praxis 2012, Seiten 8 f.; LG Berlin, VersR 1967, Seite 69; AG Halle/Saale, Urteil vom 21.07.2011, Az.: 93 C 4596/10, u. a. in: “juris”).
In der Regel kann von einem Gebäudeeigentümer auch nicht verlangt werden, den Schnee etwa täglich vom Dach zu räumen; insbesondere dann nicht, wenn er das Dach bei Schnee und Eis nur unter Lebensgefahr betreten könnte (OLG Jena, Urteil vom 18.06.2008, Az.: 2 U 202/08, u. a. in: NJW-RR 2009, Seiten 168 f.; OLG Düsseldorf, OLG-Report 1993, Seite 131; OLG Celle, NJW-RR 1988, Seite 663; OLG Köln, VersR 1980, Seite 878; LG Köln, Beschluss vom 29.03.2012, Az.: 13 S 4/12; LG Bückeburg, NZV 2012, Seiten 135 f.; LG Hechingen, VersR 1958, Seite 494; Hugger/Stallwanger, DAR 2005, Seiten 665 ff.; Birk, NJW 1983, Seiten 2911 ff.; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.). Es würde in Norddeutschland wohl auch eine Überspannung der an den Grundeigentümer zu stellenden Sorgfaltsanforderungen bedeuten, wollte man die stetige Räumung des Schnees vom Dach durch Bedienstete oder durch beauftragte Dachdecker oder die Feuerwehr verlangen (LG Hamburg, ZMR 1968, Seite 115; AG Hamburg, MDR 1967, 762; AG Hamburg, ZMR 1970, Seite 272). Auch und gerade die Räumung des Daches einer Kirche – wie hier – ist wegen der erheblichen Gefahren für die Ausführenden grundsätzlich unzumutbar (LG Kempten, VersR 1969, Seite 743). Im Hinblick auf die bloße und nicht konkrete Möglichkeit, dass der Schnee abrutschen könnte, braucht ein Verkehrssicherungspflichtige insofern das Dach auch nicht vom Schnee zu befreien (LG Hamburg, ZMR 1968, Seite 115). Die hiesige Wetterlage begründete auch noch nicht einen “besonderen Umstand”. Nach den ergiebigen – aber sich noch im Rahmen des Üblichen befindlichen – Schneefällen setzte zwar Tauwetter ein. Daraus lässt sich für die beklagte Kirchengemeinde aber noch keine Pflicht ableiten, an dem besagten Tag das Dach von Schnee und Eis zu befreien, da eine solche Wetterlage im Winter üblich ist (LG Bückeburg, Urteil vom 07.12.2011, Az.: 1 S 49/11).
Soll also eine Pflicht zur Abwendung von Dachlawinen durch den Gebäudeeigentümer begründet werden, müssen vielmehr weitere “besondere Umstände”, über einen besonders nachhaltigen Schneefall oder eine spezielle Wetterlage hinaus vorliegen, die eine Gefährdung Dritter nahelegen (LG Bielefeld, Urteil vom 11.03.2011, Az.: 8 O 310/10; AG Mannheim, Urteil vom 30.07.1997, Az.: 17 C 1363/97).
Insofern wäre hier eine generell erhöhte Gefahrenlage (etwa wegen der örtlichen Lage der Kirche an einer Straße mit starkem Verkehrsaufkommen) nötig gewesen. Denn gerade in einem starken Durchgangsverkehr läge ein besonderes Gefahrenpotential dahingehend, dass Verkehrsteilnehmer mit großer Sicherheit durch herab fallende Schneemassen geschädigt werden. Die Straße “Kirchgasse” in Brandenburg an der Havel führt zwar insofern direkt an der Kirche vorbei, es handelt sich aber insoweit zum einen um einen verkehrsberuhigten Bereich und zum anderen um eine gerade in diesem Bereich endende Sackgasse, die (insbesondere nach 18:00 Uhr) nicht mehr dem steten Fahrzeugverkehr dient. Ein fließender Verkehr, der es den Verkehrsteilnehmern unmöglich macht auf äußere Gegebenheiten wie Schneelawinen zu achten, ist also in dieser Straße gerade nicht typisch. Für die Fußgänger existiert zudem ein gesonderter Fußweg, der der Kirche gegenüber liegt und damit gerade nicht im Gefahrenbereich möglicher Schneelawinen vom streitgegenständlichen Teil des Kirchendaches liegt.