Source: https://km-bw.de/,Lde/Startseite/Jugend_Sport/Teilnahme+am+Sportunterricht
Timestamp: 2019-11-20 03:47:17
Document Index: 137796341

Matched Legal Cases: ['§ 1631', 'Art. 14', '§ 1', '§ 3', '§ 2', '§ 30']

Kultusministerium - Teilnahme am Sportunterricht
© LSB NRW, Foto: Andrea Bowinkelmann​
Bewegung, Spiel und Sport fördern die körperliche, seelische, kognitive und soziale Entwicklung.
Speziell der Sportunterricht leistet einen grundlegenden Beitrag zum schulischen Bildungsauftrag. Er trägt wesentlich zur ganzheitlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen bei, weil Bewegung als Motor der kindlichen Entwicklung in enger Beziehung zur Sprach-, Denk- und Sozialentwicklung steht.
Schulpflicht und Fürsorgepflicht
Die Aufsichtspflicht im Rahmen schulischer Veranstaltungen ist in keinem Gesetz ausdrücklich formuliert. Landesgesetzgeber und Schulverwaltung haben bewusst auf förmliche Regelungen zur Aufsichtspflicht verzichtet. Vielmehr sollen im schulischen Kontext die Eigenverantwortlichkeit und der pädagogische Ermessensspielraum die ihnen zustehende Bedeutung erhalten. Ihre Notwendigkeit bei der täglichen Arbeit ist jedoch unbestritten. Bizer & von Alberti (2016) führen sie juristisch betrachtet auf die Konsequenz des Minderjährigen Schutzes zurück: Der Minderjährige ist für sein Tun nicht voll verantwortlich, daher füllt ein Erwachsener diese Lücke, in der Regel die Eltern. Im Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 1631) wird diese Aufgabe durch den Begriff der Personensorge näher erläutert: „Die Personensorge umfasst insbesondere die Pflicht und das Recht, das Kind zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen und seinen Aufenthalt zu bestimmen“. Nun greift der Staat in das Erziehungsrecht der Eltern ein, in dem er die Schulpflicht gesetzlich vorschreibt1. Aus dieser Verpflichtung zum Besuch einer Schule folgt, dass für die Zeit des Schulbesuchs die Pflicht zur Pflege und Erziehung und zur Personensorge und damit die Aufsichtspflicht an den Staat, in diesem Fall vertreten durch die Schule, übergeht. Somit tritt der Lehrer an die Stelle der Eltern. Auch im Rahmen der Fürsorgepflicht, welche eine Amtspflicht für einen Lehrer darstellt, hat der Lehrer gegenüber den Schüler Sorge zu tragen.
Eine weitere, in diesem Zusammenhang bedeutsame Pflicht, stellt die Garantenstellung bzw. Garantenpflicht dar. Sie beschreibt die rechtliche Pflicht, für den Schutz bestimmter Rechtsgüter einzutreten oder bestimmte Gefahren abzuwenden. Die Eltern-Kind-Konstellation mit der gültigen Fürsorgepflicht stellt eben genau diese Garantenpflicht dar. Für den Bereich der Schule wird für die Lehrkraft diese Garantenstellung aus der Verfassung des Landes Baden-Württemberg [LV Artikel 14 (1) Schulpflicht] abzuleiten sein. Daraus resultiert für die Lehrkraft die Verpflichtung, in einer gesundheitsgefährdenden Situation für den Schüler adäquat zu agieren und Schaden von ihm fern zu halten.
[1] GG Artikel 7 Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates und Landesverfassung Baden-Württemberg Art. 14 Absatz 1: Es besteht allgemeine Schulpflicht.
Grundsätzliche Teilnahmepflicht
Jede Schülerin und jeder Schüler ist verpflichtet, den Unterricht und die übrigen verbindlichen Veranstaltungen der Schule regelmäßig und ordnungsgemäß zu besuchen. (§ 1 Abs. 1 der Schulbesuchsverordnung)
Sport gehört zu den Pflichtfächern, deshalb ist die Teilnahme am Sportunterricht und insbesondere auch am Schwimmunterricht für alle Schülerinnen und Schüler verbindlich.
Sofern gravierende – gesundheitliche – Gründe vorliegen, kann eine Schülerin, ein Schüler ganz oder teilweise vom Sportunterricht befreit werden. Vom Sportunterricht werden Schülerinnen und Schüler teilweise oder ganz nur dann befreit, wenn es ihr Gesundheitszustand erfordert (§ 3 Abs. 1). Für eine Befreiung bis zu sechs Monaten ist ein ärztliches Attest vorzulegen, das längstens für ein Schuljahr gilt.
Anwesenheitspflicht besteht grundsätzlich auch bei Freistellung von der Sportpraxis, da die Schülerin, der Schüler an den theoretischen Anteilen des Unterrichts ohne Einschränkung weiterhin teilnehmen kann. Auch eine Mitarbeit als Moderator, Berater, Helfer, Schiedsrichter etc. ist in der Regel möglich und wünschenswert. Mit Ausnahme des motorischen Lernens können alle anderen Kompetenzbereiche weiterhin geschult und auch beurteilt werden.
In Ausnahmefällen kann die verantwortliche Lehrkraft von der Teilnahme einer Schülerin, eines Schülers am Sportunterricht absehen. Dies ist in jedem Einzelfall nach strengen Maßstäben zu prüfen.
Teilnahmeregelungen in der Kursstufe
Schülerinnen und Schüler, die vom Sport befreit sind, müssen zusätzlich zu den Kursen; zu deren Besuch sie ohnehin verpflichtet sind, in entsprechender Anzahl Kurse in anderen Fächern (aus dem Pflicht- oder Wahlbereich oder Seminarkurs) besuchen (§ 2 Abs. 5 Abiturverordnung Gymnasien der Normalform [NGVO]).
Die Ersatzkurse müssen nicht zwingend in den Halbjahren besucht werden, in denen die Befreiung vorliegt und können in diesem Fall auch nur für ein Halbjahr besucht werden.
Bei verletzungsbedingtem bzw. krankheitsbedingtem Ausfall im Kernfach Sport, der länger als ein Halbjahr dauert, ist eine nachträgliche Umwahl des Kernfachs nach Rücksprache mit dem Regierungspräsidium möglich. (mit Feststellungsprüfungen im neuen Kernfach, § 30 Abs. 3 NGVO)
Im Kernfach Sport kann keine Leistungsfeststellung ausgelassen werden. Bei Krankheit muss die Leistungsüberprüfung nachgeholt werden. Die Note kann bis dahin ausgesetzt werden.
Teilnahme am Sportunterricht während der Menstruation
Die folgende Empfehlung der Kommission Frauensport der DGSP (Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention) zur Teilnahme am Schulsport während der Menstruation, soll die Fragen von Schülerinnen, Eltern und Lehrkräften über das Verhalten beim Schulsport während der Menstruation klären:
Da die Menstruation ein natürlicher Vorgang ist, braucht bei gesunden Schülerinnen der gewohnte Tagesablauf nicht geändert zu werden. Daher sollte die Teilnahme am Schulsport selbstverständlich sein. Prinzipiell kann jede Sportart während der Regelblutung betrieben werden.
Individuell kann die sportliche Leistungsfähigkeit vor und während der Menstruation Schwankungen unterliegen, daher sollten für Prüfungen im Sport zwei Termine zur Verfügung stehen.
Sportliche Bewegung kann in vielen Fällen eventuell vorhandene Menstruationsbeschwerden lindern, denn sie fördert die Durchblutung, löst Verkrampfungen der Muskulatur und entspannt psychisch.
Hygieneprobleme lassen sich durch Verwendung von Tampons vermeiden. Die Tampon-Benutzung von der ersten Menstruation an ist gesundheitlich unbedenklich. Damit sind Mädchen auch beim Schwimmen sicher geschützt.
Mehr unter: https://daten2.verwaltungsportal.de/dateien/seitengenerator/flyer_schulsport_2-final.pdf.
Schulsport bei extremen Wetterbedingungen
Folgende Empfehlungen zur Vermeidung von Problemen durch Sport bei großer Hitze sollten bei Kindern und Jugendlichen beachtet werden:
Wenn möglich, sollte die sportliche Aktivität an sehr heißen Tagen auf die kühleren Tageszeiten früh morgens oder am späten Nachmittag gelegt werden.
Bei Hitze sollten Belastungsintensität und -dauer reduziert werden.
Auf ausreichend Flüssigkeitsaufnahme vor, während und nach der sportlichen Betätigung ist zu achten.
Bei intensiver Sonneneinstrahlung sollte auf einen ausreichenden Sonnenschutz exponierter Hautareale geachtet und ggf. eine Kopfbedeckung getragen werden, um einem Sonnenstich vorzubeugen. Bei Schwäche, Übelkeit oder Schwindel muss die Belastung abgebrochen werden.
Mehr unter: https://daten2.verwaltungsportal.de/dateien/seitengenerator/flyerhitzesport.pdf.