Source: https://www.abfallratgeber.bayern.de/haushalte/abfalltrennung/bioabfall/index.htm
Timestamp: 2019-07-21 17:51:10
Document Index: 48449776

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 7', '§ 8', '§ 17', '§ 17', '§ 7', '§ 11', 'Art. 4', '§ 11']

Abfalltrennung >>
Warum ist das Sammeln von Bioabfällen so wichtig?
Aus Bioabfall können hochwertige Komposte oder Gärreste erzeugt werden. Durch die Verwendung dieser Komposte und Gärreste in der Landwirtschaft oder dem Gartenbau werden dem Boden organische Masse und Nährstoffe für das Pflanzenwachstum zugeführt. Der Einsatz von Torf (i.d.R. Importware aus dem Baltikum) und Mineraldünger zur Bodenverbesserung und zur Ertragssicherung kann damit reduziert oder ersetzt werden. Aus Bioabfall kann außerdem Biogas zur Strom- bzw. Wärmeerzeugung hergestellt werden. wodurch der Bedarf an fossilen Energieträgern, wie Kohle oder Öl reduziert wird.
Bioabfälle, die häufig sehr feucht sind und die getrennt vom sonstigen Hausmüll über eine eigene Biotonne gesammelt werden, müssen nicht in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werden.
Was gehört in die Biotonne und was nicht?
Ihre Stadt oder Ihr Landkreis informieren Sie, welche Abfälle in die Biotonne sollen und welche Abfälle in andere Sammelsysteme oder in den Restmüll gehören.
Materialien, die üblicherweise in die Biotonne dürfen sind zum Beispiel:
pflanzliche Küchenabfälle z.B. Obstschalen
Materialien, die üblicherweise nicht in die Biotonne dürfen sind beispielsweise
Holzreste, behandelt (z.B. imprägniert)
Je nach Behandlungsverfahren und Verwertungsweg in den Städten und Landkreisen können unterschiedliche Materialien für die Biotonne zugelassen sein.
Worauf sollte man beim Umgang mit der Biotonne achten?
Im Sommer ist die Gefahr von Insektenbefall aufgrund der Bedingungen in der Tonne (Nahrung, Feuchtigkeit, Wärme) sehr groß. Abhilfe schaffen hier die Verpackung der Küchenabfälle in Papier(tüten), Sammelbehälter mit Deckel, ein schattiger Standort der Biotonne, eine regelmäßige Leerung und Säuberung.
Im Winter besteht die Gefahr, dass der Bioabfall aufgrund der enthaltenen Feuchtigkeit in der Tonne festfriert und somit die Tonnen nicht richtig geleert werden können. Hier hilft es, die Biotonne mit Eierkarton, zerknülltem Zeitungspapier oder mit zerkleinerten Zweigen und Ästen auszulegen, um die Feuchtigkeit zu binden und die Verwendung von Papiertüten. Eine möglichst frostsichere Aufstellung zumindest am Tag vor der Abholung z. B. im Kellereingang oder Garage hilft ebenfalls.
Aus hygienischen Gründen sollte der Sammelbehälter aus der Küche häufig geleert und gereinigt werden. Auch hier ist die Sammlung in Papiertüten hygienischer. Händewaschen nach der Leerung des Küchensammelbehälters wird empfohlen.
Was ist mit Eigenkompostierung?
Eigenkompostierung ist die Erzeugung von Kompost im eigenen Garten und dessen Verwertung auf den eigenen Gartenflächen. Zum Befüllen des Komposthaufens werden i.d.R. Gartenabfälle wie z.B. Rasenschnitt, Fallobst und Gemüse- und Obstreste aus der Küche oder auch Kaffeesatz verwendet.
Wichtig ist, dass nicht alle organischen Abfälle für die Eigenkompostierung geeignet sind. Tierische Abfälle (Fleisch, Knochen und Haustierstreu und -exkremente) Wurzel- und Samenunkräuter und kranke Pflanzen sollten aus hygienischen Gründen (Krankheitserreger, Ungeziefer), um keine Unkräuter zu verbreiten und um keine Ratten, Mäuse oder Ungeziefer anzulocken, nicht im eigenen Garten kompostiert werden.
Hinweise zum richtigen Kompostieren und zu geeigneten Abfällen sind in der LfU Broschüre „Den eigenen Kompost aufsetzen“ enthalten.
Die Abfallwirtschaftsämter und die Abfallberater Ihrer Stadt und Ihres Landkreises stehen für Fragen zur Verfügung.
Das Aktionsbündnis „Aktion Biotonne Deutschland“ (unterstützt u.a. von NABU, Bundesumweltministerium, Handelsketten, Kommunen) versucht sowohl mehr organische Küchenabfälle als auch weniger Plastik in die Biotonne zu bekommen. Die Aufklärungskampagne findet zweimal im Jahr statt und bietet in den Aktionswochen Infos und Spaßiges rund um die Biotonne, so z.B. den Biotonnen-Check online unter www.aktion-biotonne-deutschland.de
Unter www.ab-kommunen.de bietet das Aktionsbündnis eine Reihe von Infos und Aktionsmaterialien, die kommunale Abfallberater für ihre Öffentlichkeitsarbeit und für Veranstaltungen vor Ort im Rahmen der Aktionswochen nutzen können. Die Aufklärungskampagne findet zweimal im Jahr statt und soll Abfallberatern die Möglichkeit geben, fernab vom Wertstoffhof mit den Bürgern in Kontakt zu treten.
Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) fordert seit dem 01.01.2015 die getrennte Sammlung von Bioabfällen (§ 11 Abs. 1 KrWG): „(1) Soweit dies zur Erfüllung der Anforderungen nach § 7 Abs. 2 bis 4 und § 8 Abs. 1 erforderlich ist, sind Bioabfälle, die einer Überlassungspflicht nach § 17 Abs. 1 unterliegen, spätestens ab dem 1. Januar 2015 getrennt zu sammeln.“ Adressaten sind die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger.
Bei der Ausgestaltung einer getrennten Bioabfallerfassung gilt es dabei folgende Aspekte aus der aktuellen Diskussion und im speziellen aus dem KrWG in die Überlegungen mit einzubeziehen:
Eine Eigenkompostierung von Bioabfällen ist weiterhin zulässig. Sofern eine Verwertung auf den eigenen, privat genutzten Grundstücken nicht möglich bzw. nicht beabsichtigt wird, unterliegen die Bioabfälle der Überlassungspflicht an den öffentlich rechtlichen Entsorgungsträger (vgl. § 17 Abs. 1 S. 1 KrWG).
Ausdrückliche Bezugnahme auf technische Möglichkeit und wirtschaftliche Zumutbarkeit bei Einführung einer Getrennterfassung (vgl. § 7 Abs. 4 KrWG).
Eine Konkretisierung über den Abfallwirtschaftsplan Bayern hinaus ist nicht absehbar.
Die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 KrWG werden für Bayern in Art. 4 Abs. 1 Bayerisches Abfallwirtschaftsgesetz (BayAbfG) umgesetzt. Demnach sind seitens der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger Erfassungssystem für Bioabfälle, soweit dies technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist, zur stofflichen Verwertung vorzuhalten.
Weitergehende Rechtsverordnungen gem. § 11 Abs. 2 (speziell Nr. 2) KrWG sind seitens der Bundesregierung derzeit nicht geplant.
Die Einführung einer Biotonne ist unbeschadet anderer Trennungssysteme grundsätzlich wünschenswert.
Stand der Bioabfallerfassung in Bayern
In Bayern bieten 78 von 96 entsorgungspflichtigen Körperschaften die Biotonne an. Nach Angaben der Abfallbilanz Bayern 2013 sind ca. 76 % der Einwohner in den Städten und Landkreisen an die Biotonne angeschlossen. Bayernweit wurden in 2013 ca. 69,4 kg/(Ew*a) Bioabfälle über die Biotonne erfasst. Neben den in der Biotonne gesammelten Abfällen zählt auch das separat erfasste Grüngut zur Fraktion der Bioabfälle. Für die Erfassung von Grüngut sind in Bayern ganz überwiegend Bringsysteme eingerichtet; 95 von 96 entsorgungspflichtigen Körperschaften bieten entsprechende Sammelstellen an. In 2013 wurden je Einwohner 90,2 kg Grüngut erfasst, davon sind ca. 75,3 kg/(Ew*a) aus Hausgärten und 14,9 kg/(Ew*a) aus der kommunalen Grünflächenpflege.
Entwicklung der Biotonne
Die Bioabfallsammlung über die Biotonne wurde in vielen Kommunen von Beginn bis Mitte der 1990er Jahre eingeführt. Bis 1997 war die Biotonne in Deutschland bereits in über 330 Verwaltungseinheiten (von 419) eingeführt. Weitere Bestrebungen in den verbleibenden entsorgungspflichtigen Körperschaften gab es allerdings in den letzten Jahren kaum noch, teilweise wurde die Biotonne sogar wieder abgeschafft. [Fricke et al, ANS Schriftenreihe 44, 2003] Die Beweggründe für die Einführung der Biotonne lagen neben der Abfallvermeidung oftmals in der Bestrebung, die Restabfallmengen zu reduzieren, um so hohe Entsorgungskosten bzw. knapp werdendes Deponievolumen einzusparen.
Parallel zur Einführung der Biotonne etablierte sich die Kompostierung als Verwertungsschiene für Bioabfälle. In Zeiten der Energiewende haben sich die Ansprüche an eine nachhaltige Bioabfallverwertung weiter entwickelt. Heute laufen die Bestrebungen in Richtung der umfassenden Nutzung der im Bioabfall enthaltenen Potenziale aus stofflicher, aber auch aus energetischer Sicht. Daher wurde in den vergangenen 10 Jahren die kombinierte energetische und stoffliche Nutzung von Bioabfällen, die sogenannte Kaskadennutzung von Bioabfällen, entwickelt und vorangetrieben. Die Kaskadennutzung von Bioabfällen, d.h. die parallele stoffliche (Lieferant von Düngernährstoffen und Humus) und energetische Nutzung (Erzeugung von Biogas) ist inzwischen in einer Vielzahl neu gebauter Anlagen realisiert.
Einflüsse auf die Erfassungs- und Verwertungsstrukturen
Das KrWG mit seinen Regelungen zur getrennten Sammlung von Biofällen in den Städten und Landkreisen soll einen Impuls für die Erfassung zusätzlicher Mengen verwertbarer Abfälle darstellen, die bisher im Restmüll verbleiben und gemeinsam mit dem Restabfall meist thermisch entsorgt werden. Öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger, die bislang keine Biotonne eingeführt haben, lassen in ihre Überlegungen zur Gestaltung der Erfassungssysteme u.a. nachfolgende Aspekte mit einfließen. Grundsätzlich erscheint allerdings die Einführung der Biotonne empfehlenswert und ist zu befürworten.
Einflüsse auf das bereits bestehende Erfassungs- und Verwertungssystem
Eine separate Erfassung von Grüngut und sonstigem Bioabfall ist gut denkbar, insbesondere wenn Grüngut schon bisher erfolgreich gesondert gesammelt wird (z. B. über ein Bringsystem).
Zur Bewertung der umweltbezogenen Wirkungen, die mit der Einführung einer Biotonne verbunden sind, helfen Ökobilanzen, die Sammlung und Verwertung aller haushaltsnah anfallenden Grüngut- und Bioabfallströme berücksichtigen. Die ökologische Bewertung sollte dabei die regionalen Spezifika und die bereits vorhandenen Erfassungs- und Verwertungssysteme berücksichtigen. Wertstoffpotenzialanalysen des Restabfalls sowie die Untersuchung des bisherigen Erfassungssystems liefern die Grundlage, um beispielsweise Basisdaten für Sammelmenge, Qualität und Zusammensetzung der Biotonne abzuleiten.
Mögliche ökologische Vorteile bei Einführung einer Biotonne, z.B. bei Bioabfallbehandlung in modernen Anlagen, die oftmals Kaskadennutzung mit geringen umweltschädlichen Emissionen verbinden, können durch die Entsorgungsstruktur vor Ort (z.B. bereits vorhandene ökologisch hochwertige Grüngut-Behandlung, hoher Sammelaufwand in Regionen mit geringer Besiedlungsdichte) relativiert werden.
Den Mehrkosten, die mit der Einführung des zusätzlichen Sammel- und Behältersystems Biotonne für eine Kommune verbunden sind, stehen Kostenminderungen aus Erfassung und Entsorgung einer verringerten Restabfallmenge gegenüber.