Source: https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/eugh-rsc28916-bio-produkte-einheitliches-kontrollsystem-online-handel/?r=rss
Timestamp: 2017-12-18 06:53:08
Document Index: 239859871

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'Art. 28', 'Art. 27', 'Art. 28', '§ 3', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

EuGH zum Onlinevertrieb von Bio-Erzeugnissen
EuGH zum Onlinevertrieb von Bio-Erzeugnissen: Ver­trauen ist nur gut
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Auch Onlinehändler, die Bioerzeugnisse an Endverbraucher vertreiben, müssen sich einem nationalen Kontrollsystem unterwerfen. Diese Entscheidung des EuGH stärkt den Verbraucherschutz, meint Christoph Naendrup.
Onlinehändler von Bio- und oder Öko-Produkten dürften enttäuscht sein – für Verbraucher jedoch hat die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) durchaus ihr Gutes. Sie können sicher sein, dass Produkte, auf denen "Bio" steht, auch dann den für solche Produkte vorgeschrieben Kontrollmechanismen unterworfen sind, wenn sie über Online-Händler bezogen werden. Einer Erstreckung existierender Befreiungsmöglichkeiten auf den Online-Handel hat der EuGH mit seinem Urteil (12.10.2017, Az. RS C 289/16) eine deutliche Absage erteilt.
Gelegenheit, sich zu der Frage zu äußern, ob für den Onlinehandel von Bio-Produkten im Grundsatz die gleichen Voraussetzungen gelten wie für den stationären Handel, bekam der EuGH aufgrund einer Vorlage des Bundesgerichtshofs (BGH). Dieser war in einem Verfahren der Wettbewerbszentrale gegen einen Onlinehändler von "Bio-Gewürzen" mit der Frage konfrontiert, ob sich der Händler auf eine Ausnahmevorschrift im deutschen Öko-Landbaugesetz (ÖLG) berufen kann oder nicht. Da das ÖLG im Wesentlichen der Durchführung europäischer Rechtsakte auf dem Gebiet des ökologischen Landbaus dient, konkret u.a. der Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 834/2007, legte der BGH diese Frage dem EuGH vor.
Bio-Unternehmer in einheitlichem Kontrollsystem
Diese Verordnung gemeinschaftsrechtlichen Rahmen über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen bildet im Wesentlichen den Rahmen für einen EU-weiten ökologischen/biologischen Produktionssektor. Einer ihrer Kernpunkte Verordnung ist die Vorgabe, dass jeder Unternehmer, der ökologische/biologische Erzeugnisse erzeugt, aufbereitet, lagert, einführt, oder in Verkehr bringt, verpflichtet ist, sich einem von den Mitgliedstaaten einzurichtenden Kontrollsystem anzuschließen (Art. 28 Abs. 1 der Verordnung).
Das System soll wiederum u.a. gewährleisten, dass für jedes Erzeugnis die Rückverfolgbarkeit über alle Produktions- und Handelsstufen hinweg gewährleistet ist, um insoweit insbesondere dem Verbraucher die Sicherheit zu geben, dass, wo "bio" drauf steht, auch "bio" drin ist (Art. 27 Absätze 1 und 13 der Verordnung).
Reine Händler können ausgenommen werden
Die Verordnung sieht in Art. 28 Abs. 2 jedoch eine Befreiungsmöglichkeit vor: "Die Mitgliedstaaten können Unternehmer, die Erzeugnisse direkt an Endverbraucher oder -nutzer verkaufen, von der Anwendung dieses Artikels befreien, sofern diese Unternehmer die Erzeugnisse nicht selbst erzeugen, aufbereiten oder an einem anderen Ort als in Verbindung mit der Verkaufsstelle lagern oder solche Erzeugnisse nicht aus einem Drittland einführen oder solche Tätigkeiten auch nicht von Dritten ausüben lassen."
Deutschland hat von dieser Möglichkeit in § 3 Abs. 2 des ÖLG Gebrauch gemacht. Unternehmer, die Erzeugnisse im Sinne der Verordnung direkt an Endverbraucher oder -nutzer abgeben, sind von dem Einhalten der Pflichten nach Artikel 28 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 834/2007 freigestellt. Voraussetzung ist nur, dass sie diese Erzeugnisse nicht selbst erzeugen oder erzeugen lassen, aufbereiten oder aufbereiten lassen, an einem anderen Ort als einem Ort in Verbindung mit der Verkaufsstelle lagern oder lagern lassen oder aus einem Drittland einführen oder einführen lassen.
Bio-Unternehmen unterliegen einem einheitlichen Kontrollsystem
Ausnahmen sind möglich beim Direktverkauf an Endverbraucher
EuGH: Ausnahmen sind per se eng auszulegen
Dr. Christoph Naendrup, LL.M. , EuGH zum Onlinevertrieb von Bio-Erzeugnissen: Vertrauen ist nur gut. In: Legal Tribune Online, 13.10.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/25007/ (abgerufen am: 18.12.2017)
13.10.2017 12:46, Horst
Verbraucherschutz... Mal wieder nichts als aufgezwängte Produktverteuerung und Bevormundung
13.10.2017 12:52, AB
"Vertrauen ist nur gut"
Fehlt da igendwas? Soll das eine Anspielung auf "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" sein? Seltsamer Titel, m.E.
13.10.2017 16:56, llamaz
Also in Bezug auf offene Ware kann ich das nachvollziehen. Sonst kauft ein Online-Händler 2 t Biobananen und 2 t normale Bananen und verkauft 4 t Biobananen und keiner merkts. Wenn das ganze aber auch für fertig abgepackte Ware gilt, dann find ichs übertrieben. Wie soll ein Online-Händler z.B. Biokosmetik die er vom Hersteller im Tiegel bekommt austauschen...
llamaz Auf diesen Kommentar antworten
16.10.2017 11:17, Lea
Indem er neue Tiegel kauft und umfüllt.
16.10.2017 13:34, B.
Oder noch einfacher, Etiketten vom Tiegel löst und neue draufklebt. Alles schon dagewesen.
02.11.2017 12:35, Nils
Und ein stationärer Händler kann das nicht? Völlig bescheuerter EU-Bürokratismus das Ganze.
17.11.2017 01:45, M.
Wieso ist der Online-Handel "raus"? Man kann online auch zur Abholung im Geschäft oder zur lokalen Lieferung bestellen. In beiden Fällen ist der Unternehmer / Personal und der Käufer anwesend?
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