Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/verlaengerung-der-bewaehrungszeit-ueber-die-hoechstgrenze-hinaus-354316
Timestamp: 2019-08-20 03:35:27
Document Index: 315604750

Matched Legal Cases: ['§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56', '§ 56']

Ver­län­ge­rung der Bewäh­rungs­zeit über die Höchst­gren­ze hin­aus | Rechtslupe
Verlängerung der Bewährungszeit über die Höchstgrenze hinaus
§ 56 f Abs.2 Satz 2 StGB erlaubt eine Ver­län­ge­rung der Bewäh­rungs­zeit über die Höchst­gren­ze des § 56 a StGB hin­aus um die Hälf­te der ursprüng­lich bestimm­ten Bewäh­rungs­zeit.
Einer Ver­län­ge­rung der Bewäh­rungs­zeit steht weder ent­ge­gen, dass die Bewäh­rungs­zeit bereits abge­lau­fen ist1, noch dass mit der Ver­län­ge­rung, die sich rück­wir­kend unmit­tel­bar an die abge­lau­fe­ne Bewäh­rungs­zeit anschließt2, die Höchst­frist von fünf Jah­ren gemäß § 56a Abs. 1 Satz 2 StGB über­schrit­ten wird. Denn § 56f Abs. 2 Satz 2 StGB erlaubt eine Über­schrei­tung die­ser Höchst­gren­ze bis zur Hälf­te der ursprüng­lich bestimm­ten Bewäh­rungs­dau­er unab­hän­gig von der Dau­er der zunächst bestimm­ten Bewäh­rungs­zeit3.
Die­ses Ver­ständ­nis von § 56f Abs. 2 Satz 2 StGB lässt sich zwar weder aus dem Wort­laut noch aus der Geset­zes­sys­te­ma­tik ablei­ten, ergibt sich aber nach der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te4.
Danach war mit der Neu­fas­sung des § 56f Abs. 2 Satz 2 durch das 23. Straf­rechts­än­de­rungs­ge­setz vom 13.04.1986 kei­ne Ände­rung der vor­he­ri­gen Rechts­la­ge beab­sich­tigt, wonach bei der Ver­län­ge­rung der Bewäh­rungs­zeit gemäß § 56f Abs. 2 Satz 1 StGB das Höchst­maß der Bewäh­rungs­zeit (im Sinn des § 56a Abs. 1 Satz 2 StGB) um nicht mehr als die Hälf­te der zunächst bestimm­ten Bewäh­rungs­zeit über­schrit­ten wer­den durf­te. Vom Bun­des­rat war des­halb zunächst vor­ge­schla­gen wor­den, § 56f Abs. 2 Satz 2 StGB wie folgt zu fas­sen: „In den Fäl­len der Num­mer 2 kann das Höchst­maß der Bewäh­rungs- und Unter­stel­lungs­zeit über­schrit­ten wer­den, jedoch darf die Bewäh­rungs­zeit um nicht mehr als die Hälf­te der zunächst bestimm­ten Bewäh­rungs­zeit ver­län­gert wer­den.” Aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ergibt sich, dass mit der letzt­li­chen Strei­chung des Ver­wei­ses auf die Höchst­dau­er der Bewäh­rungs­zeit in der Gesetz gewor­de­nen Fas­sung nur eine redak­tio­nel­le Klar­stel­lung, aber kei­ne inhalt­li­che Ände­rung bezweckt war5.
Der so inter­pre­tier­te Inhalt der gesetz­li­chen Rege­lung in § 56f Abs. 2 Satz 2 StGB bie­tet aber kei­nen Anhalt dafür, dass die Anwen­dung die­ser Vor­schrift von der Dau­er der ursprüng­lich bestimm­ten Bewäh­rungs­zeit abhän­gen soll. Soweit sich die Gegen­auf­fas­sung dar­auf beruft, dass die Geset­zes­än­de­rung im Kon­text einer beab­sich­tig­ten Ver­kür­zung der Bewäh­rungs­zei­ten zu sehen sei6 und des­halb „über­lan­ge” Bewäh­rungs­zei­ten vom Gesetz­ge­ber nicht gewollt gewe­sen sei­en7, ver­kennt dies, dass eine Ver­kür­zung der Bewäh­rungs­zei­ten vom Gesetz­ge­ber gera­de nicht beschlos­sen wor­den ist und ein ent­spre­chen­der gesetz­ge­be­ri­scher Wil­le auch sonst kei­nen Nie­der­schlag in der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung gefun­den hat8.
Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 26. Novem­ber 2012 – 2 Ws 412 – 413/​12; 2 Ws 412/​12; 2 Ws 413/​12
Ver­län­ge­rung der Bewäh­rungs­zeit über die Höchst­gren­ze hin­aus § 56 f Abs.2 Satz 2 StGB erlaubt eine Ver­län­ge­rung der Bewäh­rungs­zeit über die Höchst­gren­ze des § 56 a StGB hin­aus um die Hälf­te der ursprüng­lich bestimm­ten Bewäh­rungs­zeit. Einer Ver­län­ge­rung…
vgl. OLG Karls­ru­he Die Jus­tiz 1982, 437; Hub­rach in Leip­zi­ger Kom­men­tar, StGB, 12. Aufl., Rn. 41 zu § 56f m.w.N.↩
OLG Cel­le NStZ 1991, 206; OLG Schles­wig NStZ 1986, 363; OLG Zwei­brü­cken StV 1987, 351; Hub­rach, a.a.O., Rn. 42 zu § 56f; a.A. OLG Bam­berg NStZ-RR 2006, 326↩
OLG Braun­schweig Nds­Rpfl 2011, 269; OLG Jena VRS 118, 274; OLG Bran­den­burg OLGSt StGB § 56f Nr 49; OLG Ham­burg NStZ-RR 1999, 330; JR 1993, 75; OLG Frank­furt StV 1989, 25; OLG Olden­burg NStZ 1988, 502; OLG Hamm JMBlNW 1987, 6; Döl­ling NStZ 1989, 345, 347; Maatz MDR 1988, 1017; Mos­ba­cher in Satzger/​Schmitt/​Widmaier, StGB, Rn. 28 zu § 56f; a.A. OLG Dres­den Rpfle­ger 2011, 114; OLG Cel­le Nds­RPfl 2010, 412; OLG Köln, Beschluss vom 29.03.2010 – 2 Ws 194/​10; OLG Schles­wig SchlHA 2010, 91; OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 11.03.2010 – 3 Ws 483/​09; OLG Stutt­gart Die Jus­tiz 2000, 315; Hub­rach a.a.O., Rn. 38 f. zu § 56f; SK-Schall, StGB, 8. Aufl., Rn. 38 zu § 56f; Osten­dorf in Kindhäuser/​Neumann/​Paeffgen, StGB, 3. Aufl., Rn. 14 zu § 56f; Schra­der MDR 1990, 391, 394 – wonach nur dann eine Durch­bre­chung der Fünf­jah­res­gren­ze mög­lich ist, wenn und soweit das Ein­ein­halb­fa­che der ursprüng­li­chen Bewäh­rungs­zeit über fünf Jah­re hin­aus­geht↩
vgl. dazu die aus­führ­li­chen Dar­stel­lun­gen bei OLG Hamm a.a.O., OLG Bran­den­burg a.a.O., Döl­ling a.a.O., Schra­der a.a.O.↩
BT-Drucks. 10/​4391 S. 16↩
Schra­der a.a.O.↩
vgl. auch OLG Stutt­gart a.a.O.↩
OLG Braun­schweig a.a.O., Maatz a.a.O.↩