Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/kindergeldfestsetzung-aufhebung-doppelzahlungsfaellen-3125403?pk_campaign=feed&amp;pk_kwd=kindergeldfestsetzung-aufhebung-doppelzahlungsfaellen
Timestamp: 2019-10-20 22:13:04
Document Index: 80985327

Matched Legal Cases: ['§ 31', '§ 16', '§ 5', '§ 72', '§ 31', '§ 370', '§ 378', '§ 384', '§ 66', '§ 169']

Kin­der­geld­fest­set­zung – und ihre Auf­he­bung in Dop­pel­zah­lungs­fäl­len | Rechtslupe
Die fünf­jäh­ri­ge Fest­set­zungs­frist auf­grund leicht­fer­ti­ger Steu­er­ver­kür­zung endet nicht, bevor die Ver­fol­gung der Steuer­ord­nungs­wid­rig­keit ver­jährt; die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung beginnt jedoch erst mit der letzt­mals zu Unrecht erlang­ten Kin­der­geld­zah­lung 1.
Der Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleich nach Maß­ga­be der §§ 31, 62 bis 78 EStG obliegt gemäß § 16 AO i.V.m. § 5 Abs. 1 Nr. 11 FVG dem Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern (vor­mals Bun­des­amt für Finan­zen) und wird durch die Dienst­stel­len der Bun­des­agen­tur für Arbeit (Bun­des­agen­tur, vor­mals Bun­des­an­stalt für Arbeit) als Fami­li­en­kas­sen durch­ge­führt. Die­se Dienst­stel­len sind indes­sen sach­lich nicht zustän­dig, wenn gemäß § 72 EStG eine Kör­per­schaft, Anstalt oder Stif­tung des öffent­li­chen Rechts oder die Deut­sche Post AG, Deut­sche Post­bank AG oder Deut­sche Tele­kom AG als Fami­li­en­kas­se das Kin­der­geld an Ange­hö­ri­ge des öffent­li­chen Diens­tes fest­zu­set­zen und zu zah­len haben 2. Davon geht auch die Dienst­an­wei­sung zum Kin­der­geld nach dem Ein­kom­men­steu­er­ge­setz (DA-KG) 2014 aus 3. Durch den Ein­tritt oder das Aus­schei­den des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten aus dem öffent­li­chen Dienst ändert sich mit­hin die sach­li­che Zustän­dig­keit für die Kin­der­geld­fest­set­zung.
Wenn die sach­lich zustän­di­ge Fami­li­en­kas­se danach durch Ein­tritt des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten in den öffent­li­chen Dienst wech­selt, kann die bis­he­ri­ge Kin­der­geld­fest­set­zung auf­ge­ho­ben und das Kin­der­geld von der zustän­dig gewor­de­nen Fami­li­en­kas­se neu fest­ge­setzt wer­den. Statt­des­sen kann sich die zustän­dig gewor­de­ne Behör­de aber auch die bis­he­ri­ge Fest­set­zung zu Eigen machen und die Kin­der­geld­zah­lung auf Grund­la­ge des Bescheids der zuvor zustän­di­gen Fami­li­en­kas­se fort­füh­ren 4.
Dem steht nicht ent­ge­gen, dass beim Wech­sel der sach­li­chen Zustän­dig­keit nicht zwin­gend ein neu­er Bescheid erge­hen muss, son­dern ‑was im Streit­fall aller­dings nicht gesche­hen ist- die zustän­dig gewor­de­ne Fami­li­en­kas­se aus Ver­ein­fa­chungs­grün­den auf­grund des bis­he­ri­gen Bescheids leis­ten kann, wenn sie den Kin­der­geld­be­rech­tig­ten schrift­lich dar­auf hin­weist, dass sie als nun­mehr zustän­di­ge Fami­li­en­kas­se das Kin­der­geld in der bis­her fest­ge­setz­ten Höhe unver­än­dert aus­zahlt und die ursprüng­lich zustän­di­ge Fami­li­en­kas­se sach­lich unzu­stän­dig gewor­den ist und des­halb die Kin­der­geld­zah­lun­gen ein­stellt 5.
Der Vater hat durch den zwei­fa­chen Bezug von Kin­der­geld, das als Steu­er­ver­gü­tung gewährt wird (§ 31 Satz 3 EStG), nicht gerecht­fer­tig­te Steu­er­vor­tei­le erlangt. Denn er hat­te die Fami­li­en­kas­se über sei­ne Ver­be­am­tung im Novem­ber 1999 pflicht­wid­rig in Unkennt­nis gelas­sen (§ 370 Abs. 1 Nr. 2 AO). Er han­del­te nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt auch leicht­fer­tig, so dass der Tat­be­stand der leicht­fer­ti­gen Steu­er­ver­kür­zung nach § 378 AO erfüllt ist. Inso­weit ist uner­heb­lich, dass gegen ihn kein Straf- oder Buß­geld­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wur­de. Denn die Fra­ge, ob Steu­er­be­trä­ge leicht­fer­tig ver­kürzt wur­den, ist von den Finanz­be­hör­den und Finanz­ge­rich­ten in eige­ner Zustän­dig­keit zu ent­schei­den 6.
Die Ver­fol­gung von Steuer­ord­nungs­wid­rig­kei­ten ver­jährt gemäß § 384 AO in fünf Jah­ren. Dabei beginnt die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung erst mit der letzt­mals zu Unrecht erlang­ten Kin­der­geld­zah­lung. Denn der Erfolg der pflicht­wid­ri­gen Unter­las­sung trat erst mit der letz­ten Aus­zah­lung ein, d.h. der Aus­zah­lung des Kin­der­gel­des für August 2008. Aus dem das Kin­der­geld­recht beherr­schen­den Monats­prin­zip (§ 66 Abs. 2 EStG) ist nicht her­zu­lei­ten, dass jede monat­li­che Aus­zah­lung eine been­de­te Ord­nungs­wid­rig­keit dar­stellt, was zur Fol­ge hät­te, dass mit jeder Aus­zah­lung für den jewei­li­gen Monat auch die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung begän­ne 7.
Bestä­ti­gung des BFH, Urteils vom 26.06.2014 – III R 21/​13, BFHE 247, 102, BSt­Bl II 2015, 886[↩]
BFH, Urteil vom 19.01.2017 – III R 31/​15, BFHE 256, 502, BSt­Bl II 2017, 642; BFH, Beschluss vom 28.12 2006 – III B 91/​05, BFH/​NV 2007, 864[↩]
BFH, Urteil vom 25.09.2014 – III R 25/​13, BFHE 247, 233, BSt­Bl II 2015, 847[↩]
BFH, Beschluss vom 05.03.1979 – GrS 5/​77, BFHE 127, 140, BSt­Bl II 1979, 570; Ban­niz­za in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 169 AO Rz 67, m.w.N.[↩]
BFH, Urtei­le vom 26.06.2014 – III R 21/​13, BFHE 247, 102, BSt­Bl II 2015, 886; vom 18.12 2014 – III R 13/​14, BFH/​NV 2015, 948, Leit­satz, und Rz 22, 23[↩]