Source: https://www.ebnerstolz.de/de/eugh-vorlage-umfang-der-von-youtube-geschuldeten-auskuenfte-274753.html
Timestamp: 2020-07-14 18:47:02
Document Index: 141354791

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'Art. 8', 'BGH']

EuGH-Vorlage: Umfang der von YouTube geschuldeten Auskünfte - Ebner Stolz
EuGH-Vorlage: Umfang der von YouTube geschuldeten Auskünfte
Die Klä­ge­rin ist eine Film­ver­wer­te­rin. Die Beklagte zu 1), die YouTube LLC, bet­reibt die Inter­net­platt­form "YouTube", deren Mut­ter­ge­sell­schaft ist die Beklagte zu 2), die Google Inc. Beim Hoch­la­den von Videos auf "YouTube" müs­sen sich Benut­zer regi­s­trie­ren und dabei zwin­gend ihren Namen, eine E-Mail-Adresse und ein Geburts­da­tum ange­ben. Für die Ver­öf­f­ent­li­chung eines Videos von mehr als 15 Minu­ten Länge muss außer­dem eine Tele­fon­num­mer ange­ge­ben wer­den. Fer­ner müs­sen die Nut­zer in die Spei­che­rung von IP-Adres­sen ein­wil­li­gen.
Die Klä­ge­rin macht exk­lu­sive Nut­zungs­rechte an den Film­wer­ken "Par­ker" und "Scary Movie 5" gel­tend. Diese Filme wur­den in den Jah­ren 2013 und 2014 von drei ver­schie­de­nen Nut­zern auf "YouTube" hoch­ge­la­den. Die Klä­ge­rin nimmt die Beklag­ten auf Aus­kunft­s­er­tei­lung in Anspruch. In der Revi­si­ons­in­stanz strei­ten die Par­teien noch dar­über, ob die Klä­ge­rin Ansprüche auf Aus­kunft über die E-Mail-Adres­sen, die Tele­fon­num­mern und die­je­ni­gen IP-Adres­sen hat, die für das Hoch­la­den der bei­den Filme und für den letz­ten Zugriff auf die Kon­ten der Benut­zer genutzt wur­den.
Das LG wies die Klage ab. Das OLG gab ihr teil­weise statt und ver­ur­teilte die Beklag­ten zur Aus­kunft über die E-Mail-Adres­sen der Benut­zer, die die Filme hoch­ge­la­den haben, und wies die Klage im Übri­gen ab. Mit ihrer Revi­sion ver­fol­gen die Klä­ge­rin ihre Kla­g­an­träge und die Beklag­ten ihren Antrag auf voll­stän­dige Abwei­sung der Klage wei­ter. Der BGH hat das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem EuGH Fra­gen zur Aus­le­gung der Richt­li­nie 2004/48/EG zur Durch­set­zung der Rechte des geis­ti­gen Eigen­tums vor­ge­legt.
Nach Auf­fas­sung des BGH stellt sich die Frage, ob sich die in Art. 8 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2004/48/EG gere­gelte Aus­kunftspf­licht von Per­so­nen, die - wie hier die Beklag­ten - in gewerb­li­chem Aus­maß für rechts­ver­let­zende Tätig­kei­ten genutzte Dienst­leis­tun­gen erbracht haben, über Adres­sen der Her­s­tel­ler, Erzeu­ger, Ver­t­rei­ber, Lie­fe­rer und ande­rer Vor­be­sit­zer der Waren oder Dienst­leis­tun­gen sowie der gewerb­li­chen Abneh­mer und Ver­kaufs­s­tel­len auch erst­reckt auf
die E-Mail-Adres­sen der Nut­zer der Dienst­leis­tun­gen und/oder
die Tele­fon­num­mern der Nut­zer der Dienst­leis­tun­gen und/oder
die von den Nut­zern der Dienst­leis­tun­gen für das Hoch­la­den der rechts­ver­let­zen­den Dateien genutz­ten IP-Adres­sen nebst genauem Zeit­punkt des Hoch­la­dens.
Falls die Aus­kunftspf­licht die für das Hoch­la­den der rechts­ver­let­zen­den Dateien genutz­ten IP-Adres­sen umfasst, möchte der BGH mit einer wei­te­ren Vor­la­ge­frage wis­sen, ob sich diese Aus­kunft auch auf die IP-Adresse erst­reckt, die von dem Nut­zer, der zuvor rechts­ver­let­zend Dateien hoch­ge­la­den hat, zuletzt für einen Zugriff auf sein Benut­zer­konto bei der Beklag­ten zu 1) ver­wen­det wurde, nebst genauem Zeit­punkt des Zugriffs und unab­hän­gig davon, ob bei die­sem letz­ten Zugriff Rechts­ver­let­zun­gen began­gen wur­den.
21.02.2019 nach oben