Source: https://issuu.com/leander_adam/docs/2001_libertad-de_online-demonstration
Timestamp: 2017-03-24 06:25:46
Document Index: 49936522

Matched Legal Cases: ['§240', '§303', '§303', '§ 240', '§ 111', '§ 240', '§ 240', 'BGH', '§\n111']

2001_Libertad-de_Online-Demonstration by Leander Adam - issuu
Infomappe zum Prozess Online-Demo 2001 gegen Lufthansa
Online-Demo 2001 gegen Lufthansa
-Handy: 0179-376 48 12
resse-Handy:
.libertad.de/online
http://www.libertad.de/online
.libertad.de/online--demo
Free all political prisoners in the world
Kampagne für internationale
Tel.: 069-79202750
KNr: 80 200 69 300
GLS Bank eG (BLZ 430 609 67)
zur Anklage 2005
- Libertad!-Presseerklärung 30.03.05: Nach vier Jahren / Am 14. Juni 2005 steht die Online-Demonstration gegen Lufthansa von 2001 vor Gericht
- 28.12.2004 Auszüge aus der Anklageschrift
- 30.03.2005: heise-online: Prozesstermin wegen Onlineblockade der Lufthansa-Website festgesetzt
- Amtsrichterin Wild (So oder So - Nr. 15)
- Daten zur Abschiebepraxis: Abschiebungen auf dem Luftwege / Deutsche Flüchtlingspolitik und ihre
zur Online-Demo 2001
- 07.03.2001: kein mensch ist illegal und Libertad! rufen zur Blockade der Lufthansa-Homepage auf.
- 10.05.2001: Online-Demonstration beim Ordnungsamt Köln angemeldet / Antwort
- 18.06.2001: eMail an Jürgen Weber, Deutsche Lufthansa AG
- 19.06.2001, 18:30 Uhr - Wir machen mit! / Liste der Personen und Gruppen am Vorabend der
- Frankfurt/Köln 29./30.Mai 2001: Veranstaltungsrede von Andreas-Thomas Vogel
- Mai 2001: Masnual zur Online Protest Software
- Netzaktivismus gegen Abschiebung, Erfolg einer Imageverschmutzungskampagne (So oder So Nr. 9)
zur Razzia 17.10.2001
- 17.10.2001: Polizeirazzia bei AbschiebegegnerInnen, Pressemitteilung der Kampagne Libertad!
- ZWEIHUNDERTFÜNFZIG WERDEN MEHR, Aufruf von Hans Branscheidt, medico international,
24.10.2001: Abschiebungen: Mit unlauteren Mitteln geht die Lufthansa gegen ihre Kritiker vor, Pressemitteilung von kein mensch ist illegal
------------unter http://www
resseschau:
.libertad.de/online--demo findet sich u.a. folgende PPresseschau:
- "Wenn man im Internet schmutzige Geschäfte machen kann, kann man da auch demonstrieren", raumzeit
- Infodienst 13.04.05: Kommentierte Presseschau
- Protest mit Folgen / Vier Jahre nach der ersten Online-Demonstration setzt die Frankfurter Justiz ein Verfahren gegen die
Initiatoren an, Frankfurter Rundschau 08.04.05
- "Einnahmeverluste der Lufthansa freuen uns", Interview mit Libertad! - Junge Welt 05.04.05
- Prozesstermin wegen Onlineblockade der Lufthansa-Website festgesetzt - heise-online 30.03.05
- Online-Demo vor Gericht - Ziviler elektronischer Widerstand oder Computersabotage? - ak - analyse + kritik - Zeitung für
linke Debatte und Praxis / Nr. 492 / 18.2.2005
- Anklage gegen E-Demonstranten - Harald Neuber 09.02.2005 - Telepolis
- Antirassistischer Online-Protest vor Gericht - Anklage wegen Nötigung: Nach einer Online-Demo gegen die LufthansaAbschiebepraxis droht erstmals ein juristisches Nachspiel - taz vom 9.2.2005, ANNE BECKER
- Jahre später: Anklage nach Online-Demo - Velten Schäfer - Neues Deutschland 25.01.05
- Einfach in den Nicht-Streik treten/Mit Verängstigten kämpfen - die Linke auf der Suche nach neuen Aktionsformen -Velten
Schäfer - Neues Deutschland 14.01.05
Background: Hintergründe & Links
- Fotoreportage von den Aktionen vor/während der Hauptversammlung der Lufthansa AG am 20.06.2001 in Köln. Dort wurde
der Startklick der Online-Demo gemacht. Von Arbeiterfotografie: http://www.galerie-arbeiterfotografie.de
- "Von Online-Demos & digitalen Attacken", Ein Projekt des 4. Jahrgangs der Ev. Journalistenschule Berlin gibt einen Überblick
über Netzaktivismus, auch zur Online-Demo bis 2001: http://www.gep.de/medienakademie/netzaktivismus/index.htm
- Netzaktivismus gegen Abschiebung, Erfolg einer Imageverschmutzungskampagne (Eine Auswertung der Online-Demo 2001) Artikel aus So oder So Nr. 9
- 29./30.05.01: "Online-Demo ja - virtuelle Solidarität NEIN!", Veranstaltungsrede eines Libertad!-Aktivisten
- Fragen an die Aktivist/innen / Virtuell & auf der Strasse (So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 8 /Frühjahr 2001)
- Reinhold Grether: Politische Aktion und ziviler Ungehorsam Online - Eine Linksammlung zum Thema ungeheuren Ausmasses:
http://www.netzwissenschaft.de/media/netc.htm
- Online-Aktivismus: Vom virtuellen Sit-in bis zur digitalen Sabotage, Eine kleine Einführung in die Welt der elektronischen
Proteste. Von Anne Morell / Libertad!, In: [ So oder So - Die Libertad!-Zeitung Nr. 15 - Mai/Juni 2005 ]
Libertad!-P
resseerklärung vom 30.März 2005
Am 14. Juni 2005 steht die Online-Demonstration gegen Lufthansa
von 2001 vor Gericht
Im Dezember 2004 erhob die Staatsanwaltschaft Frankfurt nach über drei Jahren Ermittlungsarbeit Anklage gegen
den Anmelder der Libertad!-Domains www.libertad.de und www.sooderso.de . Angeklagt wurde als „Nötigung“ und
„öffentliche Aufforderung zu Straftaten“ der Aufruf und die Beteiligung an der ersten größeren Demonstration im
deutschsprachigen Internet. Das Amtsgericht Frankfurt hat diese Anklage jetzt zugelassen.
Zur Erinnerung: Die „Straftat“ wurde fast genau vier Jahre zuvor - am 20. Juni 2001 - begangen. „kein mensch ist
illegal“ und Libertad! hatten zum Protest gegen das deportation.business der Lufthansa aufgerufen. In Fortführung
der „deportation.class“-Kampagne wurde mit einem elektronischen Go-in auf die Internetpräsenz
www.lufthansa.com gegen das Abschiebegeschäft von Fluggesellschaften protestiert, für die die Lufthansa AG
stellvertretend aber prominent steht. Es sollte erreicht werden, dass Lufthansa sich aus diesem Geschäft zurückzieht.
Über 250 Organisationen aus den Bereichen der Menschenrechtsarbeit, der Asylpolitik und Gewerkschaften und
hunderte antifaschistische und linke Aktivist/innen begrüßten die Online-Demonstration gegen die Lufthansa und
riefen dazu auf. Parallel zur deren Jahreshauptversammlung am 20.06.2001 beteiligten sich schließlich 13.000
Menschen im vereinten Protest gegen die routiniert vollzogene Abschiebungspraxis. Zeitweise war durch die vielen
Zugriffe die Lufthansa-Seite gar nicht oder nur schwer zu erreichen.
Obwohl die Online-Demo bereits Monate vor dem ersten Mausklick Staatsschutz und Justizministerium alarmierte,
gab es offensichtlich kein „öffentliches Interesse“ an der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Erst auf Anzeige der
Lufthansa AG nach der Online-Demo wurde das Verfahren eingeleitet und ermittelt, die Räume von Libertad! und
Wohnungen durchsucht und zahlreiche Rechner und Speichermedien beschlagnahmt.
Ursprünglich wurde neben Nötigung (§240) auch wegen Datenveränderung (§303a) und Computersabotage
(§303b) ermittelt. Bis auf Nötigung und Anstiftung wurden die anderen Vorwürfe in der Anklage fallen gelassen.
Offensichtlich erschien es nicht realistisch, daraus eine prozesstaugliche Anklage zu konstruieren.
Von Polizei und Staatsanwaltschaft wurde während der Ermittlungen immer wieder betont, dass man mit dem
Verfahren juristisches Neuland betrete und es allgemeine Bedeutung habe. So wurde auch gegen die Inhaber/innen
von Domains, die die Mobilisierungs-Homepage (go.to/online-demo) gespiegelt hatten, ermittelt. Bei Providern
wurde versucht, die bei der Lufthansa gespeicherten IP-Adressen gegen Nutzer/innen auflösen zu lassen. Laut Akten
rückte aber kein Provider die Daten heraus. In monatelanger Auswertung der unzähligen bei Libertad! beschlagnahmten Datenträger wurde der kriminalistische Beweis erhoben, was nie strittig war: Libertad! und der jetzt Angeklagte riefen zur Online-Demo auf. Jeder Zeit war in aller Offenheit agiert worden. Die Demonstration war sogar
bei Ordnungsamt und Polizei Köln zwecks „Verkehrsregulierung“ auf den Datenautobahnen angemeldet worden.
Bis auf einige Rechner, auf denen offensichtlich noch nicht mal das Wort „online“ zu finden war wurden alle Produktiv-Geräte jahrelang einbehalten. Erst im März 2005 - parallel zur Zulassung der Anklage - verfügte die Staatsanwaltschaft die Herausgabe aller Rechner - mit ausgebauter Festplatte. Was natürlich auch schon im Oktober 2001
bei der Beschlagnahme möglich gewesen wäre. Das bestätigt, dass es bei der polizeilichen Operation auch um die
Behinderung der Arbeit von Libertad! ging.
Libertad! und der Beschuldigte werden den anstehenden Prozess nutzen,
erneut die Abschiebepraxis und die Beteiligung von Flugggesellschaften
öffentlich zu thematisieren. Hans-Peter Kartenberg, der Sprecher von
Libertad!, sagte dazu: „Der Prozess ist eine gute Gelegenheit. Gleichzeitig ist
es auch notwendig, weil die deportation.class keine vergangene Sache ist.
Auch 2004 wurden tausende Menschen unter Beteiligung von Lufthansa,
LTU und anderen Airlines abgeschoben. Wir werden deshalb vor Gericht
und auf der Straße gegen die Einschränkung des Demonstrationsrechts und
gegen das Abschiebegeschäft protestieren“.
Der Angeklagte Andreas-Thomas Vogel bemerkt zu dem Prozess: „Ich stehe
stellvertretend für alle Aktivist/innen der Online-Demo vor Gericht. Dabei
hat der Prozess auch eine grundsätzliche Bedeutung. Es ist der erste Prozess,
in dem von staatlicher Seite versucht wird, massenhafte Proteste im Internet
abzuurteilen und damit eine Handhabe gegen zukünftige Online-Aktivitäten
Libertad!, der Angeklagte und sein Verteidiger stehen Anfragen und für
6100 Js 226314/01
Frankfurt am Main, 28.12.2004
Der Schreiner Andreas-Thomas Stephan VOGEL, ...
Wahlverteidiger: RA Thomas Scherzberg....
am 14.5.2001 und danach in Frankfurt am Main durch Verbreiten von Schriften zu einer rechtswidrigen Tat Nötigung gemäß § 240 StGB - aufgefordert zu haben.
Der Angeschuldigte ist Verantwortlicher der Internet-Domains „libertad de“ und „sooderso.de“. Aus Protest gegen
die Beteiligung der Deutschen Lufthansa AG an der Abschiebung aus Deutschland ausgewiesener Ausländer und
um die Gesellschaft zur „Aufgabe des Geschäfts mit den Abschiebungen zu bewegen“ rief er bereits unter dem
7.3.2001 per Flugblatt (Libertad!) wie auch im Internet (sooderso.de) unter der Überschrift „Online-Demonstration
gegen „Deportation Business““ zu einer Blockade der Lufthansa-Homepage auf. Weiter heißt es darin unter anderem: „Man darf gespannt sein, wie die Lufthansa auf die online Demo reagiert. Der Konzern verfügt über enorme
Rechenkapazitäten für seine Internetpräsenz. Sollte es trotzdem gelingen, die Homepage wie geplant zu blockieren,
würde dies sicherlich nicht das Vertrauen der Kundinnen fördern, die zukünftig nicht mehr im Reisebüro, sondern im
Internet buchen sollen ... Damit compunterkundige DemonstrantInnen aber auch per Mausklick teilnehmen können,
wird noch rechtzeitig vor der Internet-Demo eine Protest-Software veröffentlicht“.
Am 14.5.2001 stellte der Angeschuldigte sodann unter der Überschrift „Deportation class: Internet-Demo gegen
das Abschiebegeschäft“ und „Lufthansa goes offline - Online-Demonstration gegen „Deportation Business“ folgenden Aufruf ins Internet (libertad.de/projekte/depclass/demo): „kein Mensch ist illegal und Libertad! rufen zur
Blockade der Lufthansa-Homepage am 20.Juni 2001 auf“. Weiter heißt es in diesem Aufruf. „Wenn Konzerne, die
mit Abschiebungen Geld verdienen, ihre grössten Filialen im Netz aufbauen, dann muss man auch genau dort
demonstrieren. Ähnlich wie bei einer Sitzblockade soll der Zugang zur Homepage der Lufthansa AG durch tausende
InternetnutzerInnen zeitweise versperrt werden. Aber das geht nur, wenn viele mitmachen. Kein mensch ist illegal
und Libertad! Rufen deshalb internationale und deutsche Gruppen auf, sich an den Vorbereitungen der InternetDemo zu beteiligen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest, aber für den Tag X erwarten wir mehrere tausend
Teilnehmerinnen.“
Zur Durchführung dieser „Internet-Demo“ wurde eigens eine „Online Protest Software“ entwickelt und ebenfalls vom
Angeschuldigten zum Herunterladen für alle ins Internet eingestellt (libertad.de/projekte/depclass/spiegel/dt/action/
readme.hmtl). Weiter heißt es hierzu: „Das Ziel der Online-Demonstration ist es, durch massenhafte gleichzeitige
Zugriffe am 20. Juni 2001 um 10 Uhr deutsche Zeit auf die im world wide web öffentlich zugänglichen Seiten der
Lufthansa AG deren Internetpräsenz zu beeinträchtigen, um Protest gegen das Abschiebegeschäft der Lufthansa AG
auszudrücken. Damit eine breite und effektive Demonstration zustandekommen kann, wird auf dieser website eine
kostenlose Online Protest Software angeboten, die sich Demonstrationsteilnehmerinnen rechtzeitig vor dem 20. Juni
2001 herunterladen können - und sollen.“ Hierzu wird „garantiert“, dass, unter anderem,
- „die Software die Zugriffsgeschwindigkeit auf die Internetseiten der Lufthansa in einer Weise optimiert, die durch
das wiederholte manuelle Laden dieser Seiten in einem Internetbrowser nicht möglich wäre“
- „die Software wiederholte Anfragen tatächlich an Lufthansa-Rechner stellt und diese nicht nach der ersten Abfrage
aus dem Zwischenspeicher („Cache“) des eigenen Intemetbrowsers geladen werden“.
Den Aufrufen des Angeschuldigten folgend kam es am 20.6.2001 in der Zeit zwischen 10.00 Uhr und 12.00 Uhr
zu über 1,2 Millionen Zugriffe durch 13614 verschiedene IP-Adressen auf die Lufthansa Homepage
„www.Lufthansa.com“, wobei bei 137 IP-Adressen die Anzahl der jeweiligen Zugriffe zwischen 25267 und 1018
lag. Dadurch lagen die Antwortzeiten für bei der Lufthansa anfragende Interessenten und Kunden in dem genannten
Zeitraum zeitweise zwischen 3 bis 10 Minuten, was zu einem deutlichen Buchungsrückgang und damit verbundenen
Einnahmeausfall bei der Gesellschaft führte.
Vergehen, strafbar gemäß § 111 StGB in Verbindung mit § 240 StGB.
... Es wird beantragt, das Hauptverfahren zu eröffnen.
Claude Oberstaatsanwalt
.heise.de/newsticker/meldung/58057
heise--online: http://www
http://www.heise.de/newsticker/meldung/58057
Prozesstermin wegen Onlineblockade der Lufthansa-Website
Die spektakuläre Online-Blockade gegen Lufthansa
wird ein spätes Nachspiel haben: Vier Jahre nach der
Aktion wird es gegen den Anmelder der Domains
libertad.de und sooderso.de am 14. Juni 2005 einen
Prozess wegen öffentlicher Aufforderung zu einer
Nötigung geben. Das Amtsgericht Frankfurt hat die
nach mehr als dreijährigen Ermittlungen erhobene
Anklage der Staatsanwaltschaft akzeptiert. Damit geht
das Gericht zumindest von einer prinzipiellen Strafbarkeit des Aufrufs aus, während die Aktivisten auch
weiterhin auf einem von der Justiz bestrittenen OnlineDemonstrationsrecht bestehen.
Der Angeklagte Andreas-Thomas Vogel erklärte laut
einer Presseerklärung von Libertad!: "Ich stehe stellvertretend für alle Aktivisten der Online-Demo vor
Gericht. Dabei hat der Prozess auch eine grundsätzliche Bedeutung." Es sei der erste Prozess, in dem von
staatlicher Seite versucht werde, massenhafte Proteste im Internet abzuurteilen und damit eine Handhabe
gegen zukünftige Online-Aktivitäten zu haben. Die
Frage, ob das Recht auf Versammlungsfreiheit und
damit insbesondere auf Demonstrationen aller Art auch
im virtuellen Raum gilt, ist in den vergangenen Jahren
ausgiebig diskutiert worden. Nun wird diese Frage im
konkreten Fall auch juristisch beleuchtet werden.
Proteste an sich seien natürlich auch online nicht strafbar, bestätigte die zuständige Richterin auf Nachfrage
von heise online. Die Anklage stütze sich vor allem
darauf, dass nicht zu individuellen Protesten aufgerufen wurde, sondern zu einer konzertierten Aktion zu
einem fest verabredeten Zeitpunkt mit einer klaren
Behinderungsabsicht. Die Tatsache, dass auf den genannten Domains eine Software zur Verfügung gestellt
wurde, die den massenhaften Aufruf der LufthansaWebsite automatisch erledigte, wird als deutliches Indiz hierfür gewertet. Die 1,2 Millionen Zugriffe seien
von 13.000 IP-Adressen ausgegangen, wobei von 137
Adressen jeweils zwischen 1000 und 25.000 Zugriffe
registriert worden seien.
Im Prinzip handele es sich hierbei um Gewalt gegen
Sachen, sagte die Richterin. Auch wenn ihr speziell
für diesen Fall kein Präzedenzfall bekannt sei, so gebe
es doch eine Vielzahl an Fällen, bei denen Gewalt nicht
zwingend als körperliche Gewalt verstanden wird, die
die vorläufige Einschätzung stützen, dass der Aufruf
eine Straftat gewesen sein könnte.
Ein abschließendes Urteil wird natürlich erst nach der
Verhandlung gefällt, bei dem auch die Dauer der Blockade von einigen Minuten und die Höhe des Schadens eine Rolle spielen werden. Trotz ihrer
Beschwichtigungen unmittelbar nach der Aktion, dass
deren Erfolg nur minimal gewesen sei, wird die Lufthansa im Verfahren wohl auch einen wirtschaftlichen
Schaden in die Waagschale werfen wollen. "Wie hoch
der Schaden wirklich ist, müssen wir noch sehen", erklärte die Richterin gegenüber heise online. Unabhängig von einer zivilrechtlichen Klage werde es hierzu
wohl auch im Strafverfahren eine Beweisaufnahme
Neben der grundsätzlich interessanten Frage, welche
Protestformen im Internet erlaubt sind, wird die Entscheidung des Gerichts für den Angeklagten auch persönlich sehr bedeutsam sein: Die Anstiftung zu einer
Straftat kann prinzipiell wie die Tat selbst bestraft
werden. Bei Nötigung bedeutet dies eine Geldstrafe
oder Haft bis zu maximal drei Jahren. Das eigentliche
Ziel behält Libertad! trotzdem fest im Blick: Am
Prozesstag ist vor dem Amtsgericht eine ganz reale
Demonstration für einen freien Online-Protest geplant.
(anm/c't)
So oder So - Die Libertad!-Zeitung Nr
Nr.. 15
Amtsrichterin Wild
Zur Richterin im Prozess wegen der Onlineblockade
der Lufthansa-Webseite ist Amtsrichterin Bettina Wild
auserkoren worden. Dass sie Erfahrungen mit OnlineAktivismus hätte, ist uns nicht bekannt. Politischen
Verfahren stand sie dagegen schon vor; hat auch schon
Demonstranten verurteilt - ist also einschlägig erfahren. Und so äußerte sie sich auch schon vor Prozessbeginn zur Sache. "Proteste an sich seien natürlich auch
online nicht strafbar", sagt sie politisch korrekt auf
Nachfrage von heise online ( http://www.heise.de/
newsticker/meldung/58057). Die Anklage stütze sich
vor allem darauf, dass nicht zu individuellen Protesten aufgerufen wurde, sondern zu einer konzertierten
Aktion zu einem fest verabredeten Zeitpunkt mit einer klaren Behinderungsabsicht. Die Tatsache, dass auf
den genannten Domains eine Software zur Verfügung
gestellt wurde, die den massenhaften Aufruf der Lufthansa-Website automatisch erledigte, wird als deutliches Indiz hierfür gewertet. "Im Prinzip handele es
sich hierbei um Gewalt gegen Sachen", sagte die Richterin. Auch wenn ihr speziell für diesen Fall kein Präzedenzfall bekannt sei, so gebe es doch eine Vielzahl
an Fällen, bei denen Gewalt nicht zwingend als körperliche Gewalt verstanden wird, die die vorläufige
Einschätzung stützen, dass der Aufruf eine Straftat
Da stellt sich die Frage, ab wie vielen Mausklicks
Gewalt anfängt. In Analogie zur offline-Demonstration kann man auch sagen: technische Hilfsmittel wie
Lautsprecherwägen oder Seitentransparente gehören
zu jeder guten Demo. Softwaregesteuerte Mausklicks
oder animierte Banner zu jeder guten online-Demo.
Und wie bei Demos üblich um den Verkehr zu regeln,
wurde die Anmeldung beim Ordnungsamt Köln nicht
mit Auflagen beantwortet, sondern mit der Erklärung
der Unzuständigkeit.
Amtsrichterin Wild ist in Frankfurt/Main dafür be-
kannt, dass sie es mit der Gewalt hat und sich auskennt in Verurteilungen wegen Nötigung.
Am 27. Oktober 2003 verurteilte sie einen an der Sitzblockade vor der US-Airbase Beteiligten zu 20 Tagessätzen auf Bewährung sowie einer Geldbuße von
100 Euro. Ein Student aus Heidelberg hatte sich im
Rahmen der "resist-the-war"-Kampagne mit mehreren tausend Personen während des Irak-Krieges an den
Sitzblockaden beteiligt. Amtsrichterin Wild sah den
Straftatbestand der Nötigung (§ 240 StGB) als verwirklicht an. Dieser Tatbestand erfordert die Ausübung
von Gewalt. Außerdem muss die Ausübung der Gewalt in Relation zum angestrebten Zweck als "verwerflich" eingestuft werden können. Der 23-Jährige erklärte, er sei von der Rechtmäßigkeit ihrer Aktion ausgegangen. Die Richterin sah dies anders. Die Handlungsweise sei verwerflich gewesen, weil die Verkehrsteilnehmer eingeschränkt worden seien. Amtsrichterin
Wild holte damit im ersten Prozess gegen einen Teilnehmer an der US-Airbase-Blockade den Nötigungsparagraphen erneut aus der juristischen Mottenkiste.
Beim Gewaltbegriff berief sie sich auf einen verfassungsrechtlich untergeordneten BGH-Beschluss. Eine
Prüfung des Verwerflichkeitstatbestandes hinsichtlich
der Völkerrechts- und Grundgesetzwidrigkeit des IrakKrieges ließ die Richterin völlig außer Acht.
Passend dazu heißt es in einem Weblog: "Wenn im
Netz das Versammlungs/Demonstrationsrecht nicht
gelten sollte, dann ist das Netz etwas rein virtuelles,
ohne jeden materiellen Bezug zur realen Welt. Dann
sollte die Lufthansa auch keine Schadensersatzansprüche geltend machen können, da der Schaden ja
ebenfalls nur virtuell war. Wenn das Netz jedoch ein
realer, öffentlicher Raum ist, in dem man seine Grundrechte wahrnehmen darf (und soll), so muss dort auch
das Demonstrationsrecht gelten." ( http://drupal.koepf.de/node/view/296)
Abschiebungen auf dem Luftwege
Im Jahr 2004 wurden 21.970 Abschiebungen auf dem
Luftweg von deutschen Flughäfen aus durchgeführt.
Hauptzielstaaten waren:
- ehemaliges Jugoslawien: 4.421
- Türkei: 3.666
- Bulgarien: 1.208
- Vietnam: 1.036
- Rumänien: 1.013
- Ukraine: 998
- Russische Föderation: 782
- Georgien: 575
- Algerien: 531
- Bosnien-Herzegovina: 463
- Sonstige: 7.277.
Im Jahr 2003 wurden über deutsche Flughäfen
insgesamt 23.944 Abschiebungen in 127 Zielländer
auf dem Luftweg durchgeführt.
Im Jahr 2002 wurden über deutsche Flughäfen
insgesamt 26.286 in 124 Zielländer Abschiebungen
Im Jahr 2001 wurden über 31.000 ausländische
Staatsangehörige auf dem Luftweg von deutschen
Flughäfen „zurückgeführt“.
- gut 25.000 Personen abgeschoben
- über 1.800 Personen zurückgeschoben
- knapp 4.000 Personen zurückgewiesen.
- 24.000 Zurückführungen ohne Sicherheitsbegleitung
- mehr als 6.000 mit Sicherheitsbegleitung.
Im Vorfeld von Abschiebungen, Zurückschiebungen und
Zurückweisungen wurden
- 9.398 Fälle storniert
- 778 Rückführungen scheiterten.
In 4.300 Fällen verließen die Ausländer das Land mit
Charter- und Teilcharterflügen.
3.200 Ausländer wurden bei den Flügen von Beamten
des Bundesgrenzschutzes oder Polizisten der Länder
begleitet. (Bei 2.438* abgeschobenen Menschen
kamen insgesamt 3.978* Beamte zum Einsatz)
In ebenfalls gut 3.000 Fällen hat das Personal der
Luftverkehrsgesellschaften oder der Zielstaaten die
Sicherheitsbegleitung übernommen. Dabei sind 289
Algerier und 211 Jugoslawen mit Sicherheitskräften aus
ihren Ländern zurückgebracht worden.
Mit knapp 12.000 Rückführungen liegt der Flughafen
Frankfurt am Main bzw. Frankfurt- Hahn an der Spitze,
gefolgt von Düsseldorf mit 4.049* Abschiebungen,
Berlin-Schönefeld mit 3.366* Abschiebungen und
München mit 3.097* Abschiebungen.
Der weitaus überwiegende Teil der Flugabschiebungen
ging in die Türkei (3.647 Fälle = 15,52 %*) und in die
Bundesrepublik Jugoslawien (2.902 Fälle = 12,35 %*),
dort vor allem in den Kosovo.
(* Zahlen von Jan.-Nov. 2001)
Quellen: jeweils Antworten der Bundesregierung aus
der Fragestunde des Deutschen Bundestages
Deutsche Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen Folgen: 1.1.1993 bis 31.12.2004
161 Flüchtlinge starben auf dem Weg in die Bundesrepublik Deutschland oder an den Grenzen, davon
allein 121 an den deutschen OstGrenzen*,
125 Flüchtlinge töteten sich angesichts ihrer drohenden Abschiebung oder starben bei dem Versuch, vor
der Abschiebung zu fliehen,
davon 48
575 Flüchtlinge haben sich aus Angst vor der Abschiebung oder aus Protest gegen die drohende Abschiebung (Risiko-Hungerstreiks)
oder versuchten, sich umzubringen, davon befanden
sich 372 Menschen in Abschiebehaft,
262 Flüchtlinge wurden durch Zwangsmaßnahmen
oder Mißhandlungen während der Abschiebung verletzt,
21 Flüchtlinge kamen nach der Abschiebung in
ihrem Herkunftsland zu Tode, und mindestens
384 Flüchtlinge wurden im Herkunftsland von Polizei
oder Militär mißhandelt und gefoltert,
59 Flüchtlinge verschwanden nach der Abschiebung
11 Flüchtlinge starben bei abschiebe-unabhängigen
Polizeimaßnahmen,
360 wurden durch Polizei oder Bewachungspersonal
verletzt, davon 118 Flüchtlinge in Haft.
67 Menschen starben bei Bränden oder Anschlägen
auf Flüchtlingsunterkünfte, 700 Flüchtlinge wurden z.T.
erheblich verletzt,
12 Menschen starben durch rassistische Angriffe auf
(* die Angaben für 2004 werden sich noch erhöhen,
weil die offiziellenZahlen des Bundesinnenministeriums
nicht vollständig vorliegen)
FAZIT: Durch staatliche Maßnahmen der BRD kamen
323 Flüchtlinge ums Leben - durch rassistische Übergriffe oder bei Bränden in Unterkünften starben 79
kein mensch ist illegal und Libertad! rufen zur Blockade der LLufthansa-Homepage
ufthansa-Homepage auf
Online-Demonstration gegen "Deportation Business"
Die Deutsche Lufthansa AG steht aufgrund ihres Geschäfts mit Abschiebungen immer stärker in der
Kritik. Vor Flugschaltern und Reisebüros, selbst auf der jährlichen Aktionärsversammlung protestieren
antirassistische Gruppen gegen das "deportation business" der Fluglinie. Das Netzwerk kein mensch ist
illegal [http://www.contrast.org/borders/kein] und die Solidaritätsinitiative Libertad! [http://
www.libertad.de] planen nun, diese Proteste ins Internet auszuweiten.
Wenn Konzerne, die mit Abschiebungen Geld verdienen, ihre grössten Filialen im Netz aufbauen,
dann muss man auch genau dort demonstrieren. Ähnlich wie bei einer Sitzblockade soll der Zugang zur
Homepage der Lufthansa AG durch tausende InternetnutzerInnen zeitweise versperrt werden. Aber das
geht nur, wenn viele mitmachen. Kein mensch ist illegal und Libertad! rufen deshalb internationale und
deutsche Gruppen auf, sich an den Vorbereitungen der Internet-Demo zu beteiligen. Ein genauer Termin
steht noch nicht fest, aber für den Tag X erwarten wir mehrere tausend TeilnehmerInnen.
Über 30.000 Menschen werden jedes Jahr per Flugzeug aus Deutschland abgeschoben - und die
Lufthansa mit ihrem "weltumspannenden Verbindungsnetz" verkauft den Löwenanteil der als "deporteetickets" gekennzeichneten Flugscheine. Die Deportation Class bringt also beträchtliche Einnahmen, aber
nicht nur das: seitdem am 28. Mai 1999 der Sudanese Amir Ageeb in einer Lufthansa-Maschine unter
den Misshandlungen deutscher Grenzpolizisten zu Tode kam, sieht sich der Konzern mit lauter werdenden
Forderungen nach einem Rückzug aus dem schmutzigen Geschäft konfrontiert. Nachdem kein mensch ist
illegal auf die mögliche Haftung der Flugkapitäne im Falle der Tötung oder Verletzung von Zwangspassagieren hingewiesen hatte, empfahl die Pilotenvereinigung Cockpit ihren Mitgliedern, zukünftig keine
Personen an Bord zu nehmen, die einen Transport ablehnen oder gar gefesselt sind. Und selbst die ÖTV
forderte ihre im Lufthansa-Aufsichtsrat sitzenden Mitglieder auf, sich gegen das Geschäft mit den Abschiebungen einzusetzen.
Am empfindlichsten dürfte den Konzern-Vorstand jedoch getroffen haben, dass sich auch in den
USA das verschlechterte Image zunehmend bemerkbar macht. In einem Artikel des Wall Street Journals
vom 29. Januar 2001 wurde ausführlich über die öffentliche Diskussion um die Abschiebeflüge berichtet
- keine gute publicity, wo man die USA gerade zum "Zukunftsmarkt" erklärt hatte. Und den will Lufthansa
durch das Internet erobern. Der eCommerce-Bereich, der jetzt noch weniger als 10% der Buchungen
verzeichnet, soll im Jahr 2005 schon 40% der gesamten Umsätze erwirtschaften.
So verlockend gewinnträchtig, so anfällig ist der elektronische Kapitalismus. Zusammen mit der
Siemens AG, der Deutschen Telekom und dem BKA ist die Lufthansa deshalb am "Arbeitskreis zum Schutz
von Infrastrukturen" beteiligt, der abseits der Öffentlichkeit Massnahmen zur polizeilichen Kontrolle des
Netzes vorbereitet. In den Vorstandsetagen fürchtet man Hackerattacken, wie sie bereits yahoo, CNN und
Microsoft trafen - und vielleicht mehr noch die Ausweitung politischer online-Proteste. Wie empfindlich
Lufthansa auf Kritik aus dem Netz reagiert, wurde schon im Oktober 2000 deutlich, als der Konzern seine
AnwältInnen anwies, einem Aktivisten von kein mensch ist illegal Unterlassungsgelder anzudrohen, falls
nicht eine kritische Plakatausstellung aus dem Internet verschwinde. Dieses recht konventionelle Vorgehen
führte jedoch nur dazu, dass sich weltweit dutzende Internetprojekte gegen die Zensurversuche solidarisierten und die Ausstellung durch Spiegelung auf ihren Servern weitere Verbreitung fand.
Man darf gespannt sein, wie die Lufthansa auf die online-Demo reagiert. Der Konzern verfügt über
enorme Rechenkapazitäten für seine Internetpräsenz. Sollte es trotzdem gelingen, die Homepage wie
geplant zu blockieren, würde dies sicherlich nicht das Vertrauen der KundInnen fördern, die zukünftig
nicht mehr im Reisebüro, sondern im Internet buchen sollen. Wir sind optimistisch und setzen darauf, dass
die Kritik an den Abschiebeflügen schon so breite Kreise erreicht hat, dass eine grosse Demonstration mit
internationaler Beteiligung zustandekommen wird. Proteste auf Flugschaltern wird es natürlich weiterhin
geben. Damit computerunkundige DemonstrantInnen aber auch per Mausklick teilnehmen können, wird
noch rechtzeitig vor der Internet-Demo eine Protest-Software veröffentlicht.
-Demonstration beim Ordnungsamt Köln angemeldet.
Betreff: Anmeldung einer virtuellen Demonstration
Von : online-demo <online-demo@gmx.net>
An : ordnungsamt@stadt-koeln.de
Datum : Donnerstag, 10. Mai 2001, 12:39
====================== Original Nachrichtentext ===================
hiermit melde ich folgende Demonstration an:
Datum: 20.06.2001, 10.00 Uhr
Ort: http://www.lufthansa.com
Thema: Stop Deportation Business
Versammlungsleiter: Jan Hofmann
Stellvertretende Versammlungsleiterin: Anne Morell
Anschrift: online-demo@gmx.net
Erwartete TeilnehmerInnenzahl: 40 000
Mit freundlichen Grüssen, Jan Hofmann
================= Ende des Original Nachrichtentextes =============
Der Anmelder erhielt daraufhin folgende Antwort:
Date: Thu, 31 May 2001 07:53:52 +0200
From: Robert.kilp@STADT-KOELN.DE
To: online-demo@gmx.net
Subject: WG: Anmeldung einer virtuellen Demonstration
in NRW sind die Ordnungsbehörden für Demonstrationen nicht zuständig. Wie das in
Bayern ist, weiss ich nicht. Wenn eine Demonstration für NRW angemeldet wird,
müssen Sie sich an die jeweilige Polizeibehörde wenden. Das ist in Köln der
Polizeipräsident Köln, Waidmarkt, 50667 Köln.
Ich möchte Sie aber vorsorglich darauf hinweisen, dass Demonstrationen nach dem
Versammlungsrecht behandelt werden. Diese Rechtsnorm geht von einer physischen
Versammlung im öffentlichen Raum (Strasse, Grünanlage, Versammlungshalle etc.)
aus. Eine virtuelle Demonstration ist daher m. E. nicht vorgesehen.
Bevor man daher das macht, was Sie beabsichtigen, sollte man sich daher vorher
die nötige Rechtsberatung einholen, inwieweit eine ''virtuelle Demonstration''
nicht andere Rechtsnormen verletzt. Im übrigen möchte ich Sie darauf hinweisen,
dass EMails bisher noch keine rechtsverbindlichen Erklärungen darstellen.
eMail an Jürgen W
ufthansa A
eber,, Deutsche LLufthansa
<online-demo@gmx.net> an <juergen.weber@dlh.de>
subject: Deportation Business/Aktionärsversammlung
: online-demo <online-demo@gmx.net>
: juergen.weber@dlh.de <juergen.weber@dlh.de>
Datum : Montag, 18. Juni 2001, 09:53
Betreff: Deportation Business/Aktionärsversammlung
—====——====——====——====——====——====-—====——====——====—
am kommenden Mittwoch, den 20.Juni findet die jährliche Aktionärsversammlung
Ihres Unternehmens statt.
Im vergangenen Jahr erklärten Sie zu diesem Anlass den Aktionärinnen und Aktionären sowie der besorgten Öffentlichkeit, über einen Ausstieg aus dem Geschäft
mit der Abschiebung in Verhandlung treten zu wollen.
Zusammen mit zahlreichen Abschiebegegnerinnen und Abschiebegegnern müssen wir
jedoch feststellen, dass Sie die breite Kritik der Öffentlichkeit an diesem
Geschäftszweig nicht ernst nehmen. Stattdessen erlauben Sie sich den Zynismus,
von Abschiebungen zu sprechen, die „mit freundlichem Service vonstatten gehen“
(telepolis, 17.03.2001).
Es ist müssig zu erörtern, ob dies dem Ernst der Sache angemessen ist. Reichen
Ihnen zwei Tote nicht, um endlich die Konsequenzen zu ziehen?
Es würde Ihnen gut bekommen, sich einen Augenblick über ihr Selbstbewusstsein
als grosses Unternehmen hinwegzusetzen. Im Folgenden steht Ihnen die Möglichkeit
offen, das zu lesen, was Abschiebegegnerinnen und Abschiebegegner aus vielen
Ländern der Welt Ihnen zu sagen haben.
Sollten Sie dies nicht wahrnehmen wollen, bleibt mir nur stellvertretend darauf
hinzuweisen, dass am 20. Juni eine Online-Demonstration gegen Ihr Abschiebegeschäft stattfinden wird.
Es ist ein schmutziges Geschäft, mit Abschiebungen Geld zu verdienen.
18.06.2001,
für ‚kein mensch ist illegal‘ und ‚Libertad!‘,
19.06.2001, 18:30 Uhr - W
ir machen mit!
Liste der PPersonen
ersonen und Gruppen am V
orabend der Online
-Demonstration gegen LLufthansa
+++ Die Lufthansa will den Ticketverkauf über Internet und Handy massiv ausbauen. Im Jahr 2005
solle jedes vierte Flugticket online gekauft werden. Die Zahl von 250.000 Buchungen über die
Internetseite im vergangenen Jahr solle 2001 verdoppelt werden. [dpa, So 04 Mär. 2001 14:20 MEZ]
Deutschland schiebt jährlich 40.000 Menschen ab, davon 30.000 im Luftverkehr als menschliches
Stückgut. Der Mensch wird zum "Schübling" - und der wird bei Bedarf gefesselt, geknebelt oder betäubt.
Und die Lufthansa AG verkauft den Löwenanteil dieser als "deportee-tickets" gekennzeichneten Flugscheine. Zweimal bereits bedeutete diese Deportation.Class den Tod: Kola Balunke (1994) und Aamir Ageeb
(1999) überlebten ihre Deportation nicht. Beide starben durch die Hand von BGS-Beamten, beide saßen
in einem Flugzeug der Lufthansa.
Wir protestieren gegen das Deportation.Business. Wenn Konzerne wie die Deutsche Lufthansa AG
ins Internet gehen, dann soll unsere Empörung über das gleichermaßen einträgliche wie auch tödliche
Geschäft nicht nur auf der Straße stehen. Denn auch der Datenhighway eignet sich zur "Sitzblockade".
Anreisen muss dazu niemand. Das massenhafte und zeitgleiche Einloggen ins Internet ist notwendig,
damit der Zugang zur Homepage der Lufthansa AG durch zigtausende Internetnutzer/innen als Zeichen
des Protestes versperrt wird. Ähnlich wie bei einer Sitzblockade rufen deshalb die Initiativen kein Mensch
ist illegal und Libertad! für den 20. Juni 2001 parallel zur Aktionärsversammlung der Lufthansa in Köln
zu einer ONLINE-DEMONSTRATION gegen Abschiebung und Deportation auf.
"They won't have your names when you ride the big airplane,
All they will call you will be 'deportees'."
Wir machen mit! Wir unterstützen die Online-Demonstration und rufen zur Teilnahme auf:
kein mensch ist illegal- und Libertad!-Gruppen *
Abdellatif CHAIRA, Marocco * Achim Rohde * Achim Schuster, Sozialpädagoge, Hamburg * AG Antifa/Antira des StuRa der MLU
Halle/Wittenberg * AG toll WUT * AgenturQuerulant * Aiso Heinze, AK Asyl Oldenburg * AK Asyl, Göttingen * ak internationalismus
muenchen * Aktion 3.Welt Saar, Losheim * Aktion Kritischer SchülerInnen Tirol * Aktion Noteingang (Projektgruppe Leipzig) *
Alejandro Alonso Garcia, Barcelona, SPAIN * Alex, AZ Aachen * Alexander Lazarek (ToneFloat) * Allan Myhara, Winnipeg, Manitoba,
Canada * AMAGIERA, Frankfurt * Anat Frumkin * Andreas Beisbart, Mitglied der Büren-Gruppe Paderborn * Andreas Lüdecke *
André Yaël, cinéaste, Bruxelles, Belgique * angie, Frankfurt * Anja Weiß, Dr., - Sozialwissenschaftlerin, München * Anna Forstner,
Regensburg * Anna Kohler, Berlin * Annette Frölich, Wiesbaden * Annette Herkenrath, Studentin, Hamburg * Annette Windgasse,
Flüchtlingsberaterin, Wuppertal * Antiapartheidsgruppe Kiel * Antifa Hanau * Antifa Jugend Front Nürnberg * Antifa K (Köln) *
ANTIFA KARA YILDIZ * antifa link, oberhausen * Antifa Nordlippe * Antifa Saar, Saarbrücken * Antifa-Plenum Rosenheim * AntifaProjekt des AStA der Sporthochschule Köln * AntiFa-Referat der EFH in Bochum * Antifaschistische Aktion Hamm * Antifaschistische
Gruppe Frankfurt * Antifaschistische Gruppe Fuchs Mühlhausen * antifaschistische liste der fh, frankfurt * antiracist antisexist
summer camp project, europe * Antirassismusplenum Göttingen * Antirassistische Gruppe Für Freies Fluten (AG3F) Hanau *
Antirepressionsgruppe Mühlhausen (Thüringen) * Antje Steinborn, Dresden * Antje Steiner, hamburg * Arbeitskreis Asyl Oldenburg
* Arbeitskreis Infocafé „Der Winkel“, Belzig * ARGE Presse (Österreich) * Aric-NRW, Duisburg * Arnold Lenz, Berlin * AStA der
evangelischen Fachhochschule Bochum * Autonome Antifa in der OA, Nürnberg * Autonome Antifa Lüdenscheid * Autonome
Antifa [M] Göttingen * Autonome Jugend Antifa Unna * Autonome Jugendantifa Nürnberg * autonome liste café kurzschlusz der FH
Frankfurt/Main * Autonome Netzguerilla / Zelle München * Autonomes Kulturzentrum Metzgerstraße, Hanau * Autonomes Zentrum Marbach e.V. * Axel Garbelmann, Kassel * [agjg], sozialistische Jugend in BaWü *
B. Doumeche, Aachen, Lehrsthul für Biotechnologie * Basis Druck verlag, berlin * Basisgruppe Jura Göttingen * basisgruppen.net,
www.basisgruppen.net * Bastian Ripper, Erzieher, Darmstadt * Bayerischer Flüchtlingsrat * Beate Flechtker * Beate Winzer * Beatrice
Schlee, Freiburg * Beatrice Weder Assir, St. Gallen, Schweiz * Belén Rodríguez de Francisco, Madrid (España) * Benedikt Axer, Bad
Münstereifel * Benedikt Heilmann, Konstanz * Benjamin Albrecht, Frankfurt * Bernd Kuehn, Bonn * Bernhard Könnecke, Berlin *
Bianca Miglioretto, Journalitisin, Zürich * Birgit Erbe, Berlin * Birgit Guth, Berlin * BLACK DREAM ENTERTAINMENT * blaue-weltarchiv * Boris Breuer, Zweibrücken * Brigitte Bosbach-Stenzer, München * Buchladen Le Sabot, Bonn * Buergerinitiative Asyl
Regensburg * Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer PolizistInnen (Hamburger Signal) e.V. und SAFERCITY.DE * Bunte Antifa Rein-
heim * Bunte Hilfe Darmstadt * buntes_plenum, Eberswalde * Bärbel Proll, Kaiserslautern * Bücherladen König Kurt, Dresden *
Bündnis gegen Rechts * Büren-Gruppe Paderborn *
C.Heinze, Bad Salzuflen * Carsten Balk, Norden * CCLE, Collectif contre les expulsions, Belgien * Centro de Documentación en
Derechos Humanos „Segundo Montes Mozo S.J.“, Quito, Ecuador * Chile Komitee Saar, St. Ingbert * Chris Clune / Nastrovje
Potsdam * Chris Methmann * Christian Ahrens * Christian Herwartz, Ordenssleute gegen Ausgrenzung, Berlin * Christian Olt *
Christian Palmizi, Heilbronn * Christian Schiefer, Worms * Christian Wunner * Christiane Böhm, Mitglied des Landesvorstandes der
PDS Rheinland-Pfalz, Mainz * Christine Koch, Sozialpädagogin, Tübingen * Cintia Castro, (Agrupación de Ex Presos Políticos),
Argentina * clark nova, Leipzig * Claudia Fix, Publizistin * Claudia Lenz, Uni Hamburg * Claudia Omoregie, Altenpflegerin,
Mannheim * Claudia Ratter, AK Asyl Oldenburg * Claudia Schild, Berlin * Claudia Williams, Berlin * club alpha 60, Schwaebisch
Hall * Colin McDonald, Volkswirt, Hamburg * Colombet Nicolas , dijon, France * com.une.farce, zeitschrift für kritik im netz &
bewegung im alltag * Constance Adenung, Berlin * Contraste e.V., Monatszeitung für Selbstorganisation * Cornelis Horlacher,
Friedrichsdorf *
Dagmar Diener, Asylberatung/Nürnberg * Dagmer Carolin Wolf, Essen * Daniel Schnieder, freier Journalist * Daniel Wentsch,
Denzlingen * David Klanke, Grüne Jugend Wilhelmshaven * David Schmitz * DemoZ Ludwigsburg e.V., Verein für politische und
kulturelle Bildung * Der Störenfried, Alternative Zeitung aus Magdeburg * DGB Jugendbüro Südhessen * Die AntifaschistInnen,
autonomes Internetprojekt, Marburg * Die Gruppe, Magdeburg * DIE LINKE SEITE * Dieter Lamour, Aachen * Dieter Schmidt,
Frankfurt * Dirk Schroeder * diskus, frankfurter studentInnen zeitschrift * DKP-Thüringen * Dokumentationsteam Aamir Ageeb
München * Dolores, Mirna, Victoria y Cristián, Equipo, ODEP- Organización de Defensa Popular * Dorothe Cremer, Hamburg *
Dorothee Oelrich, Bremen * Dr. Bienek Unternehmensberatung GmbH * Dritte Welt Forum in Hannover e.V. * Dritte Welt Haus,
E. Gutiérrez Rodríguez, Hamburg * Eberswalder Infosystem [EIS] * El Incontrolado * Ella, Habbel und Caro * Elmar Witting, Freising
* Elmar Flamme, EDV-Leiter Stadtkrankenhaus Rüsselsheim * epileptic.recordings * Erin Wiegand, Studentin, (SAHRDC), New
Delhi, India * Erkan Kurukavak * Ernst Otte * Ernst-Ludwig Iskenius, Refugio, Villingen-Schwenningen * Erol Akdag, Bruxelles * Eva
Danninger *
Fabian Pokall, fitzroy, melbourne, australia * Fabio De Masi, Hamburg [‚solid] - die sozialistische jugend/Leiter der Programmkommission * fachschaft sozialarbeit, fh frankfurt * Felix Hoffmann * felS (für eine linke Strömung) * Florian Muhle, Großenkneten
* Fluchtpunkt Morbach/Hunsrück * Flüchtlingsrat Wiesbaden * Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V.
Berlin * Franziska Markovic, Vorstandsmitglied der PDS Oldenburg * François Gobbe - Kairos Europe (Wallonie-Bruxelles) *
François Ribac La Rente, Saint Valérien, France * Frauengruppe CAMUR, Hannover * Freies Radio Kassel * Friedhelm Röder, Dr.,
Gabriele Riemer, Berlin, Lehrerin * Gabriele von Hundelshausen, Hamburg * Gaby Kluwe-Schleberger, Psychotherapeutische
Praxis * Georg Wissmeier * Gerd Trautner * Gesellschaft für Politische Neuordnung, Nürnberg * Gisela Penteker, Dr., Ärztin, 21784
Geversdorf * Gregor Schmoldt * gruppe „freiheit für alle politischen gefangenen“ mannheim * Gruppe AKMS * Gruppe augenauf
Zürich * Gruppe basis, Saarbruecken * gruppe holzklau-www.psychoglobal.de * Gudrun Schroeter, Berlin * Günther Heinrichs,
Hajo Busch, Hamburg * Harald Münster * Heike Braun, Bad Hersfeld * Helene Kapolnek * Helge Meves aka apemantus, Vorsitzender der SozialistInnen im Internet (SII) bei der Politik-Community Democracy Online today * Helgo Ollmann - Vorsitzender IGMedien Remscheid/Solingen * Helmut Schönberger, Lahr * Hendrik Giese, SJD - Die Falken KV Kiel * Hermann Bueren,
pädag.Mitarbeiter, Arbeit und Leben DGB/VHS NW e.V. * Herwig Putsche, Flüchtlingsberater, Hanau * Homa Arjomand (The
international Federation of Iranian Refugees-Canada Branch) *
IKM Komitee gegen Isolationshaft Hamburg * Ines Rehbein * Infoladen Hanau * infoladen und archiv, Frankfurt * infoladen,
Wuppertal * Informationsstelle Kurdistan e.V., Hamburg * Initiative „BürgerInnen beobachten den BGS“, Dortmund * Initiative
gegen Abschiebehaft, Berlin * Internationale Sozialisten, www.internationalesozialisten.de * Internationale Unabhängige
Untersuchungskommission Andrea Wolf, München * Internationaler Antiexpo2000 Kontakt, München * Internationales Sekretariat
der CNT und Syndicat de L’Industrie Informatique CNT-SII aus Frankreich * Isgard Lechleitner, AK Asyl Oldenburg *
Jan Dietrich, Hamburg * Jana Hönke, Studentin, Leipzig * Jasmin-Marei Christen, SJD - Die Falken, Hamburg * Jens Strampfe,
Hamburg * Jens Tiedemann, Tostedt * Joachim Petzschmann, Ratingen * Johannes Schäfer * Jona Königes, Kaufungen * Jonas
Wahler * José Bové (Confédération paysanne), Antiglobalisierungsaktivist, Frankreich France) * Judith Dellheim, Mitglied des
Parteivorstandes der PDS, Berlin * Jugend Antifa Belzig [JAB] * Julia Wellnhofer * Julian Wörner, Berlin * Jungdemokraten/Junge
Linke Hessen * JungdemokratInnen/Junge Linke Berlin * JungdemokratInnen/Junge Linke, Bundesverband * Jurij, Karlsruhe * Jusos
in der SPD, Unterbezirk Leipzig-Borna * Jutta Harbusch * Jutta Heppekausen, Dozentin Päd. Hochschule Freiburg * Jörg Urbanek,
Kanak Attak, Bundesweit * Karawane Nürnberg * Karawane-Gruppe Halle (Antirassismus/Flüchtlingshilfe),Halle/Saale * Karawanegruppe München * Karin Brandl, AK Asyl Oldenburg * Kein Friede, Frankfurt * Kein Mensch ist illegal, westl. Ruhrgebiet * Kein
Mensch ist illegal-Göttingen * Klaus Becker, Dipl.-Päd., Fraktionsvorsitzender Bündnis90/DIE GRÜNEN im Kreistag Alzey-Worms *
Kocku von Stuckrad, Dr., Universität Bremen, Fachbereich Religionswissenschaft * Kommando Luftschloss, Saarbruecken * Kommune Niederkaufungen * Kommunikationszentrum Meuchefitz e.V., Meuchefitz * Kooperative Flüchtlingssolidarität Hannover *
Kreisjugendring Bad Kreuznach * Kristina Hadeler, Nürnberg * Kunstkreis Bottrop * Kurdisch-Deutscher Freundschaftskreis Münster-
land e. V. * Kölner Appell *
LaRadio, FrauenLesbenRadio, Freiburg * Lars Büttner * Laurent d’Ursel, Bruxelles, Belgique * Le Réseau No Pasaran (Netzwerk No
Pasaran), Frankreich * Lemmy * Liliane Leible und Paul Bauer, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der AntifaschistInnen
(VVN-BdA), KV Ortenau, lezterer Mitglied des geschäftsführenden Landesvorstandes BaWü * Linke Fachschaften und Basisgruppen
an der Uni Göttingen * Linksruck * Lucero Mendez * Lutter-Gruppe, Kommune auf der Burg, Lutter * [LDF] Denzlingen *
Mag Wompel (LabourNet) * Magalie Olympe * Magus&Fool - RockReggae/München * Manfred Kuhn, Hamburg * Marc Usjuergens
* Marika Fusser, Rheinbach * Marion Rüth * Marita Blauth für die TuBF Bonn * Markus Pflüger, Referent für Friedensarbeit der AGF
Trier * Markus Rachbauer, Bad Schallerbach, Österreich * Markus Trojahn, Amberg * Martin Höfft, Würzburg * Martin Schneider,
Student, Meschede * Maryam Namazie, Executive Director International Federation of Iranian Refugees (IFIR), London, England *
Mathieu THEVENIN, Professeur, Paris, France * Matthias Bodenmüller, Mannheim * Matthias Haan * Matthias Schmidt, Köln *
Maurice OReilly, Dr., Mathematics Department, St Patrick’s College, Dublin, IRELAND * Mechthild Blumenberg, M.A.,
Lateinamerikanistin, Vereidigte Dolm./Übersetzerin, Bremen * Mette Eichmann-Wilde, Bad Hersfeld * Michael Held, Bad Hersfeld
* Michael Langhorst, Hauneck * Michael Marquardt, Berlin * Michael Rudolph, Bad Hersfeld * Mona Ragy Enayat, Dipl.-Grafikerin,
Leipzig * Monika Berberich, Frankfurt * Monika Pater, wiss. Mitarbeiterin, Hamburg * Moritz und Gabriele Denis, Berlin * MUMIASOLI-CREW! Münster * music for our children *
“no sevice“ - Kassel * Nadine Henkel, Studentin, Frankfurt am Main * Nadine Talakovics, Leipzig, Studentin * Netzwerk- Selbsthilfe,
Berlin * Nico Jütten, Heidelberg * Nina Weise, Bad Hersfeld *
ODEP- Organización de Defensa Popular, Chile * Oliver Kloss, DTP-Fachmann, Leipzig * Oliver Pauls, Reinheim * Olivièr Flagèl
Mantèl, estudiant, Senta Gabèla, Occitània * Organisierte Autonomie Nürnberg * Organización de Defensa del Pueblo (ODEP)
Chile * OS/3 - Fraktion für eine offene Stadt, Darmstadt *
Patrick Herzig * PDS Dortmund, Oldenburg, Saarbrücken, Saarland * PDS im Bundestag, Regionalbüro Nordbayern * PDS KV
Bottrop, Hannover, Nürnberg * PDS-Basisgruppe Gronau * PDS-BO-SBH * people.not.profit.collective (Uni München) * Peter Erve,
Asylberatung/Nürnberg * Peter Hirsch * Peter Hübner, Bergen/D. * Peter Kleinert, Filmemacher, Köln, zur Zeit in Datca/Türkei *
Peter Niebuhr, AK Asyl Oldenburg * Pia Noe-Runge und Dr. Karsten Runge, Hamburg * projekt archiv, oberhausen * Projekt
Vereinte Linke *
Rainer Oberkötter, Essen * rave gegen rechts * Reinhold Kühnrich, AK Asyl Oldenburg * Residents Against Racism, Dublin, Irland *
Ricarda Grzeschik, Berlin * Robert Rückel, Erlangen * Robert S.A. Nio * Robert Schwarz, Wien * Rolf van Raden, [‚solid]BundessprecherInnenrates * Rote Flora, Hamburg * Rudi Maier, (Autonome Zentrum Marbach e.V.) * Ruediger Hartmann * Ruth
Ruge, Trägerin des Saarländischen Verdienstordens, Chile-Solidarität Saar * Rüstungs-Informationsbüro Baden-Württemberg (RIB
e.V.), Waldkirch *
Sabine Heinz, Hannover * Sabine Meißner, Freies Radio Kassel * Sabine Seyb, Berlin * Sahin Aydin, IG Medien und Freier Journalist
* Sahin Cenik, Bad Hersfeld * Sandra Steifer, Asylberatung/Nürnberg * Sara Skinner * Sarah Krieg, Tübingen * Sascha Martinovic,
Rheine * Sascha Willms, Dresden * Schnoelker, Münster a. Neckar * sdaj-thueringen * Sebastian Elsässer, Berlin * Sebastian Leber,
AStA der Uni Hamburg * Sebastian Ludwig, Berlin * Sevda Altintas, Hamburg * Silvia Hofmann, Asylberatung/Nürnberg * Simon
Hirschfeld * Simon Kleschin, Berlin, Student * Simone Eberhardt, Tübingen * Sonja Albrecht, Potsdam * ST. PAULI FANS GEGEN
RECHTS (Standort Oberbayern) * Stefan Gantner, Bruchsal * Stefan Klingbeil (Vorstand), FREIES RADIO WUESTE WELLE, Tübingen
* Stephan Bülow, Weimar * Stephan Dörner, Düsseldorf * strompost * Studentische Versammlung zur Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft, Erlangen * subversiv! Neunkirchen/Saar * Susanne Heeg, Hamburg, Wissenschaftliche Assistentin * Susanne
Jallow, Stuttgart * Susanne Maurer, Dr., Rottenburg * Susanne Steinborn, Berlin * Susanne Werner, Berlin * Sven Thiermann,
Sozialwissenschaftler, Dresden * Sven Wörner, Leipzig * Sybille Weyrich-Wiglow, (Flüchtlingsrat Ratingen) * Tobias Zober, Merseburg
* [‚solid]- die sozialistische jugend Berlin, Bottrop, Frankfurt/Main, Wolfenbüttel *
Tamara Musfeld, Dr., Wissenschaftlerin, TU Berlin * Tanja Scheiterbauer, Hamburg * Textgalaerie, Forum f. digitale Literatur e.V.,
Konstanz * Thomas Brunst (BAG Kritischer PolizistInnen) * Thomas Mayer, Student, München * Thomas Seibert, Dr., medico international, Frankfurt * Tidi Tiedemann, Filmproduzent, Mainz * Tilman Blaßhofer, Frankfurt am Main * Tim Nierkens, Lemgo * Tina
Hoffmann, Berlin * Titus Stahl * Tobias Hassels, Bad Mergentheim * Toralf Herschel * Toralf Herschel, Leipzig * trojan tv *
Ulli Böhm * Ulrike Zeilinger, Freiburg * Unabhängiges Jugendzentrum Kornstrasse, Hannover * UNRAST Verlagskollektiv, Münster
* unterm durchschnitt * Ursula Saif * Uta Keppler, Regensburg * Ute Determann, Hamburg * Ülkü Güney *
viktormarek, Musiker, Hamburg * VL-Casa, autonome Ortsgruppe Osnabrück * Volker Löffler, Tübingen *
wadi e. V., Frankfurt a. M. * Webbe Heinze, AK Asyl Oldenburg * Werner Völkel, Lehrer/Nürnberg * Wiljo Heinen, Böklund *
Wissenschaftlich-humanitäres Komitee, Regionalgruppe Ruhrgebiet * Wolfgang Köhler, Hamburg *
xborder website, Australien *
YXK - Verband der StudentInnen aus Kurdistan e.V. *
ZEGG Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung, Belzig
Frankfurt/Köln 29./30.Mai 2001
Veranstaltungsrede von Andreas
Andreas--Thomas V
Online-Demo ja - virtuelle Solidarität NEIN! in etwa so könnte ich unsere Position überschreiben.
Wir werden täglich mit neuen Begriffen bombardiert - die Werbebranche ist da recht findig. Und
jetzt machen wir da noch mit: Virtuelle Blockade, Online-Demo, Internet-Aktion, -- eProtest statt
Lauter Schlagworte, die vielleicht so kurzlebig, sicher heute noch so oberflächig sind, wie die bunten
Wir wollen uns aber daran machen, auch dort Protest und Widerstand zu organisieren, wo Kommerz
und Leuteverdummung Programm ist.
Wir haben uns in Libertad! zusammengeschlossen, um die Solidarität mit den politischen Gefangenen weltweit zu organisieren. Wir wollen ein internationales Netzwerk von Unterstützungsgruppen und
Solidaritätskomitees schaffen. Mord und Folter, Isolationshaft und andere Verbrechen an gefangenen
Oppositionellen, sind keine nationale Eigenart dieses oder jenes Staates. Wer um Befreiung und soziale
Emanzipation kämpft, ist überall auf der Welt ein "public enemy", ein Staatsfeind - zur Fahndung ausgeschrieben, dem unendlichen Erfindungsreichtum staatlicher Quälerei unterworfen.
Dagegen auf allen Ebenen Widerstand zu organisieren, ist unser Hauptanliegen. Deswegen beteiligen wir uns auch schon seit längerem an den Aktivitäten gegen den staatlichen Rassismus in Deutschland. Das ist für uns kein Gegensatz, und - so meinen wir - sollte es auch für niemanden anderes sein.
Die Kampagne gegen das Deportation.Business der Lufthansa läuft schon seit zwei Jahren. Als wir
uns überlegten, wie wir die Kampagne unterstützen können, war bald der Gedanke geboren, andere,
bisher in Deutschland nicht genutzte, Protestformen anzuwenden. Wir fragten uns: wo und wie können wir
das Geschäft mit der Abschiebung empfindlich treffen und bloßstellen? Was müssen wir machen, damit
sich viele Menschen, ob alt, ob jung, reisefreudig oder auch nicht, wegen Arbeit oder sonstigem unabkömmlich usw. usf. an einer Aktion beteiligen können?
So sind wir aufs Internet gekommen. Die Lufthansa will ihre Präsenz dort gewaltig ausbauen. So will
die deportation.airline in vier Jahren jedes vierte Flugticket online verkaufen. Im vergangenen Jahr wurden bereits 250.000 Flüge online gebucht - und für dieses Jahr will die Lufthansa AG diese Zahl verdoppeln. Also, können wir eindeutig feststellen, das die Lufthansa-Niederlassung im Internet für ihr Geschäft
eine immer größere Bedeutung bekommt. Also, ein guter Ort für eine Protestkundgebung. Auch ein Ort,
an dem sich viele treffen können, ohne durchs halbe Land fahren zu müssen - und doch ihre Protest
gegen das Geschäft mit der Abschiebung deutlich machen können.
Denn das wollen wir erreichen: Durch eine Massenaktion, durch die Teilnahme von xtausenden rund
um den Erdball zu gleichen Zeit am gleichen Ort, die Lufthansa-Seite im Internet in Mausklicks gegen das
deportation.business vorrübergehend ertränken. Wir haben das auch eine elektronische Abstimmung
gegen Abschiebung genannt.
Ziel ist, der Lufthansa AG und der Öffentlichkeit das massive und massenhafte NEIN! zu sagen. Die
Lufthansa soll aus dem Verkauf der deportee-tickets aussteigen. Wenn wir das erreicht haben, wird es
auch den anderen Fluggesellschaften, die schon im Geschäft sind oder in den Startlöchern hocken, eine
Wir werden noch darüber sprechen, was wir am 20. Juni, ab 10 Uhr morgens zusammen machen,
was getan werden sollte und wie sich alle daran beteiligen können. Zuvor möchte ich mich noch etwas
mit dieser Form der Demonstration beschäftigen.
Im Zentrum steht für uns das Anliegen und das Ziel, nicht das Mittel und die Technik. Elektronischer
oder digitaler Widerstand ist keine Spielerei. Sicherlich hat es den Reiz des Neuen. Für uns ist es aber nur
ein Teil unseres Kampfes für gesellschaftliche Befreiung. Die Begründung und der Zusammenhang stehen
dabei für uns an erster Stelle - und wir beziehen uns bewusst auf eine reale Kampagne, die gegen die
deportation.class, weil es aus unserer Sicht auch nur so Sinn macht.
Schon jetzt, nach dieser kurzen Zeit, seitdem das Vorhaben Online-Demo öffentlich ist, haben wir
ein Ziel erreicht: Schon allein die Ankündigung der Online-Demo hat die Lufthansa-Abschiebepraxis
wieder in die Öffentlichkeit gebracht. Und anders als vielleicht zu erwarten war, wird in erster Linie über
diesen Hintergrund der Aktion berichtet. Das ist gut so - denn damit ist schon jetzt der Zweck erfüllt, die
Kampagne gegen die Lufthansa-Deportationsflüge mit einer weiteren Aktionsform zu unterstützen und das
Image der Lufthansa als saubere Fluglinie anzukratzen.
Warum macht Libertad! so was?, wurde ich mehrfach gefragt. Wir machen es auch, weil wir neue
Formen von Protest und Widerstand ausprobieren wollen. Wir sind guten Mutes, dass wir zusammen
dabei auch auf weitere Ideen kommen werden. Wir machen das mit einem durchaus kritischem Blick,
über die Möglichkeiten elektronischen Widerstandes. Das sei gleich vorweg gesagt, keine
Internetdemonstration kann die Bewegung gegen die "Hardware" der Verhältnisses ersetzen - macht sie
nicht nur nicht überflüssig, sondern verdeutlich - wie wir meinen - ihre Notwendigkeit. Und wie bei jedem
gesellschaftlichen, insbesondere oppositionellen, Tätigwerden kommt man mit einem simulierten, nicht
echten Angriff auf die herrschenden Verhältnisse nicht sehr weit.
Wichtig ist uns die Transparenz der Aktion und der angewandten Methoden. Diese Form des elektronischen Widerstandes, die wir propagieren, ist kein Coup aus der Computerfreakecke, kein Hackerstreich. Die könnten viel effektiver sein. Wir bauen nur auf die - sicherlich technisch unterstützte - Massenaktivität. Deswegen sprechen wir auch von Kundgebung oder Demonstration, weil das die Beteiligung
zahlreicher Menschen impliziert und klar ist, dass es in der Öffentlichkeit stattfindet.
Sind wir Geisterfahrer auf der Datenautobahn? Nein, eher nicht. Wir nutzen das Internet aber zur
gegenseitigen Information, der Vernetzung von Aktions- und Solidaritätsgruppen, immer mit dem Ziel der
Verabredung gemeinsamer praktischer Schritte gegen die herrschenden Verhältnisse. Das interessiert uns
am meisten und da beteiligen wir uns an einem sich auch elektronisch vernetzenden Widerstand, der sich
im virtuellen Raum verständigt um real zu handeln.
Andererseits ist das Internet alles andere als ein widerständischer Bereich, sondern dominiert von
Geschäftemacherei, rassistischer und sexistischer Propaganda, und immer stärker unter der Fuchtel
staatlicher und kommerzieller Ordnungsfanatiker.
Aber es ist ein öffentlicher Raum, in dem die sozialen und politischen Widersprüche genauso präsent sind wie in der wirklichen Welt auch. Denn es ist ein Teil davon. Und so wenig wie uns die Straße
gehört, gehört uns die Internet-Welt. Jede nicht der Warengesellschaft und dem herrschenden Konsens
entsprungene und verpflichtete soziale Äußerung von Bedürfnissen und Interessen, muss für ihre
Durchsetzung kämpfen. Das ist dort nicht anders als an anderen Orten auch, sei es in der Schule, in den
Büros und Fabriken - oder praktisch bei Demonstrationen und Kundgebungen auf den Plätzen der Städte.
Mit der ersten Online-Demo in Deutschland wollen wir auch ein Zeichen setzen. Nicht nur gegen
die Lufthansa und das Abschiebegeschäft. Wir wollen zeigen, dass es möglich ist, im Internet kollektiv
solidarisch zu handeln. Das ist nicht selbstverständlich. Technik und Medium ermöglichen zwar die kollektive Interaktion, fördern aber auch einen verfluchten Individualismus und eine gemeinschaftsfeindliche
Dagegen setzen wir auf die gemeinsame Aktion. Heute gegen staatlichen Rassismus und Menschenmisshandlung durch Deportation. Morgen vielleicht gegen staatliche Institutionen und Firmen, die in der
Überwachungs- und Repressionstechnologie-Branche tätig sind.
Natürlich ist der Online-Protest materiell schwer fassbar. Am 20. Juni sehen wir es hoffentlich an
den immer langsamer werdenden Servern der Lufthansa, bis ihnen quasi die Luft ausgeht und nur noch
Fehlermeldungen kommen. Natürlich wäre das nur sinnbildchen für den geforderten Ausstieg der Lufthansa aus dem deportation.business. Ansonsten geht es aber genau um diese Realität - die OnlineDemonstration ist insofern real, wie sie mit massenhafter Beteiligung den virtuellen Raum nutzt - weil und
um in die herrschenden Verhältnisse zu intervenieren.
Denn das letzte was wir wollen, ist eine virtuelle Solidarität. In diesem Sinne, ist unser Motto heute:
let's go to online-demo
Masnual zur Online PProtest
rotest Software
++++ONLINE PROTEST SOFTWARE++++
Das Ziel der Online-Demonstration ist es, durch massenhafte gleichzeitige Zugriffe auf die im World
Wide Web öffentlich zugänglichen Sites der Lufthansa AG deren Internetpräsenz zu beeinträchtigen und
somit unseren Protest gegen das Abschiebegeschäft der Lufthansa AG zu äußern. Damit eine breite und
effektive Demonstration zustandekommen kann, wird in den nächsten Tagen unter der Adresse http://
go.to/online-demo eine - natürlich: kostenlose - Online Protest Software angeboten, die sich
DemonstrationsteilnehmerInnen von dieser Seite vorab herunterladen können - und sollen.
Was macht die Online PProtest
rotest Software?
* Die Software fragt ausschliesslich die von der Lufthansa bereitgestellten Internetseiten ab. Möglicherweise wird
eine Protest-Email-Verschickung integriert, das steht jedoch noch nicht endgültig fest und wird auf der OnlineDemo-Website bekanntgegeben.
* Die Software automatisiert und beschleunigt einfache Operationen, die herkömmliche Browser (wie Internet
Explorer oder Netscape Navigator) ebenfalls ausführen können und sollen.
* Die Software automatisiert das Zugreifen auf die Internetseiten der Lufthansa. Die Zugriffe mit Hilfe der Software
geschehen in einer Geschwindigkeit, die manuell, d.h. etwa durch das wiederholte Laden der Lufthansa-Seiten in
einem Internetbrowser, nicht möglich ist.
* Die Software gewährleistet, dass wiederholte Anfragen tatsächlich an die Lufthansarechner gestellt werden und
nicht nach der ersten Abfrage aus dem Zwischenspeicher (''Cache'') des eigenen Internetbrowsers geladen werden.
* Die Software dringt weder in fremde Rechner ein, noch werden durch sie fremde Daten zerstört oder verändert.
An der Online-Demo können alle teilnehmen, die Zugang zu einem Rechner mit Internetanschluss
haben. Es ist jedoch zu beachten, dass es unterschiedliche Software für die verschiedenen Betriebssysteme gibt. Für TeilnehmerInnen, die keine Möglichkeit haben Dateien aus dem Internet lokal zu speichern
(downloaden) gibt es ebenfalls ein Programm. Zuerst muss also geklärt werden, auf welchem Betriebssystem die Software laufen soll. Es gibt drei Möglichkeiten:
1. WINDOWS und LINUX /UNIX
Für die Betriebssysteme Windows 95, 98, ME, NT, 2000 (32bit-Systeme), d.h. alle ausser Windows 3.x, sowie
für Unix/Linuxsysteme (PC-Linux, Sun, FreeBSD und andere) wird es jeweils ein Programm geben, das auf den
eigenen Rechner herunterzuladen und dort lokal am Mittwoch, den 20.6. um 10:00 Uhr deutsche Zeit (8.00 GMT)
zu starten (auszuführen) ist . Es handelt sich um ein eigenständiges Programm, das sich durch einfaches Löschen
wieder vom Rechner entfernen lässt. Es werden weder Registrierungseinträge noch sonstige Veränderungen im
Betriebssystem vorgenommen. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, sollte auf alle Fälle diese Möglichkeit wählen, weil
sie effektiver ist: im Gegensatz zur dritten Variante belasten diese Programme während der Aktion nicht die zentralen Online-Demonstrations-Rechner, die eben für die dritte Variante vorgesehen sind.
2. MAC OS und andere
Für MAC OS (Macintosh) und weitere Betriebssysteme steht ein sogenanntes ''Applet'' zur Verfügung, das auf
den eigenen Rechner herunterzuladen ist. Das ''Applet'' besteht voraussichtlich aus zwei Dateien. Eine davon, eine
HTML-Datei, muss dann in den Internetbrowser geladen werden. Von da aus wird das Applet dann am Mittwoch,
den 20.6. um 10:00 Uhr deutsche Zeit (8.00 GMT) gestartet.
3. OHNE DOWNLOAD
Für alle diejenigen, die keine Downloadmöglichkeit haben (wie z.B. in einigen Firmen oder in den meisten
Internetcafés) gibt es ebenfalls ein ''Applet''. Dieses ''Applet'' wird direkt von der Online-Demonstrations-Homepage
aus gestartet. Genauere Informationen werden auf der Homepage bekannt gegeben.
Java und JavaScript!
Sowohl für die Zweite als auch für die dritte Variante sind Browser notwendig, die sowohl JavaScript- als auch
Java-fähig sind. Das sind aber fast alle derzeit gängigen wie InternetExplorer von Microsoft (ab Version 4.0) oder
Netscape Navigator. Eventuell muß der Browser hierfür eingestellt werden.
Dazu gibt es auf der Homepage eine Anleitung. In Internetcafes sind die Browser schon richtig eingestellt.
Ebenfalls muß der sogenannte Browser-Cache ausgeschaltet werden. Auch hierfür wird es eine Anleitung auf der
Homepage geben.
Änderungen diesen Punkt betreffend sind noch möglich und werden rechtzeitig auf der Online-Demonstrations-Homepage (Adressen: http://go.to/online-demo und http://stop-depclass.scene.as) bekannt gegeben.
S0 GEHT'S!
Die Software wird in den nächsten Tagen zum Download zur Verfügung stehen.
Ihr findet sie unter der Adresse
http://go.to/online-demo oder
http://stop-depclass.scene.as - nach der Sprachauswahl unter der Rubrik ''ACTION'' bzw. ''DOWNLOAD''.
Die Software sollte rechtzeitig VOR der Aktion auf den eigenen Rechner heruntergeladen werden. Um ein
gleichzeitiges Downloaden zu vieler Menschen kurz vor der Aktion zu vermeiden, ist es wichtig, diese Vorgänge
soweit wie möglich zeitlich zu streuen. Deshalb bitten wir euch, das Programm irgendwann in der Zeit bis zum 19.6.
Die Software ist je nach Betriebssystem maximal etwa 1,0 MB gross (die genaue Grösse steht noch nicht fest).
Das Applet (etwa für die MAC-Betriebssysteme) wird deutlich kleiner sein. Das Herunterladen auf deinen Rechner
kann also einige Minuten in Anspruch nehmen. Je nach Rechner und Leitung wird dies etwa zwischen 1,5 und 10
Minuten dauern. Mit einer ISDN-Verbindung geht es schnell, mit einer Modemverbindung dauert es etwas länger.
Das Programm ist ein sich selbst entpackendes Archiv.
Eine weitere Möglichkeit ist, dass wir euch das Programm per Email schicken. Hierfür müsstet ihr uns ein
kurzes Mail an unsere Kontakt-Email-Adresse depclass@gmx.de senden (hieraus muss die Email-Adresse, an die
das Programm versandt werden soll, sowie das Betriebssystem eindeutig hervorgehen).
-Demonstration am 20. Juni 10.00 Uhr deutsche Zeit (8.00GMT):
Wichtig ist, dass ihr an der Demonstration pünktlich teilnehmt, weil wir nur durch zeitgleiche Zugriffe
Und: ob von zu Hause, aus dem Internetcafé, von einer Firma oder wo auch immer, und unabhängig von den Systemvoraussetzungen gilt: als erstes muss eine Verbindung mit dem Internet hergestellt
Erste Variante (mit der heruntergeladenen Software) :
Das heruntergeladene Programm muss gestartet (ausgeführt) werden. Bei Windowssystemen geschieht dies
durch Klicken oder Doppelklicken (je nach lokaler Einstellung) auf den Programmnamen. Wahlweise auch über
Start -> Ausführen und anschließender Eingabe des Programmnamens mit vollständigem Pfad.
Bei Linux/Unix-Systemen wird das Programm via Befehlszeile ausgeführt: in das Verzeichnis wechseln, in dem
sich das Programm befindet ((cd <Pfad zum Programm>() anschließend ausführen ( Programm>(./<Programmname>( ).
Zweite Variante (mit dem heruntergeladenen Applet):
Die mitgelieferte HTML-Datei muss in den Browser geladen werden. Dies geschieht üblicherweise durch einen
Doppelklick auf die Datei selbst. Andernfalls muß der Browser gestartet und die HTML-Datei darin geöffnet werden.
Dritte Variante (Starten des Applets auf der Homepage):
Auf der Homepage auf die Seite gehen, die das Applet enthält. Dort den entsprechenden Link ''Start Applet''
Digitaler W
So oder So Nr
Nr.. 9 - Herbst 2001
Netzaktivismus gegen Abschiebung
Erfolg einer Imageverschmutzungskampagne
Köln, 20. Juni 2001, kurz vor 10 Uhr. Erwartende
Spannung liegt auf dem Platz vor der Kölnarena.
Drinnen in der Messehalle hat die Lufthansa AG zur
Jahres-hauptversammlung der Aktionäre geladen.
Draußen protestieren Gruppen von „kein mensch ist
illegal“ und Libertad!. Mit Transparenten, Straßentheater und Installationen wird ein Aspekt der Geschäftspolitik der größten deutschen Airline in den
Mittelpunkt gerückt, um den es, nach Willen des Vorstandes, auf der Aktionärsversammlung auf keinen Fall
gehen soll: das Geschäft mit der Abschiebung, das
Deportation Business.
Die Lufthansa AG steht wegen dieser Pra-xis schon
seit geraumer Zeit im Zentrum der Kritik. Wie andere
Fluggesellschaften auch, beteiligt sie sich an der
Abschie-bungen. Jährlich werden 30.000 Menschen
per Flugzeug aus Deutschland abgeschoben. Ein Großteil dieser als „deportee-tickets“ gekennzeichneten
Flugscheine verkauft die Lufthansa AG Es ist ein tödliches Geschäft: Am 28. Mai 1999 stirbt der Sudanese
Aamir Ageeb nach Misshandlungen durch Grenzschützer in einer Lufthansa-Maschine.
Ausgesprochen medienwirksam entwickelte „kein
mensch ist illegal“ die deportation.class-Kampagne,
mit der die Lufthansa AG zum Ausstieg aus diesem
Geschäft bewegt werden soll. Die Kampagne beschmutzt das Image der sauberen Airline - und das ist
auch der Zweck. Auch zur diesjährigen Hauptversammlung warteten Vorstand, Aktionäre und Medienvertreterinnen gespannt auf mögliche „Zwischenfälle“. Waren sie doch auch angekündigt.
Anfang März hatten „kein mensch ist illegal“ und
Libertad! aufgerufen, die Internetpräsenz der Lufthansa
AG zu blockieren. Massenhafte Aufrufe der LufthansaWebsite sollten sie als sichtbaren Ausdruck des Protestes gegen das deportation-business im besten Falle
lahm legen. Diese neue Aktionsform bot sich auch
deshalb an, weil Lufthansa vorhat, in den nächsten
Jahren jedes vierte Flugticket online zu verkaufen. Im
vergangenen Jahr wurden bereits 250.000 Flüge online
gebucht - und für dieses Jahr will die Lufthansa AG
diese Zahl verdoppeln. Ein guter Ort also für eine Protestkundgebung, sagten sich die Initiator/innen.
Eher augenzwinkernd wurde sie auch beim Kölner
Ordnungsamt angemeldet, aber das fühlte sich für den
virtuel-len Raum nicht zuständig. Wie sollte sie auch
den (Daten-)Verkehr regeln? Trotzdem ist es ein Ort,
an dem sich viele treffen können, ohne durchs halbe
Land fahren zu müssen – und doch gemeinsam mit
vielen gegen das Geschäft mit der Abschiebung protestieren zu können.
Mittels geschickter Pressearbeit, massenhaften Flyers,
Plakaten und einer gemeinsamen Ausgabe der „deportation.class“- Zeitung gelang es schnell eine große
Öffentlichkeit zu erreichen. Entsprechend erwartungsvoll war auch die Stimmung vor der Kölnarena. Die
Online-Demonstration sollte während der Eröffnungsrede von 10 bis zwölf Uhr stattfinden und: der symbolische Startklick - wo auch sonst - vor Ort erfolgen.
Nach dem Startklick
Demonstrant/innen hatten sich im Vorfeld über die
Homepage (go.to/online-demo) über die „Demoroute“
informiert und brauchbare „Winkelemente“ besorgt:
Eine Software stand zur Verfügung und konnte heruntergeladen wer den. Damit wurde eine technische
Hilfestellung gegeben, um in viel höherer Geschwindigkeit als es mit der Hand möglich ist, fortlaufend
die Lufthansa-Seiten anzuklicken. Nach dem der Startklick erfolgte und die zeitbegrenzte Software um 10
Uhr „scharf“ war, setzte ein elektronischer Ansturm
auf www.lufthansa.com ein. Innerhalb der zweistündigen Aktion gab es mindestens zwei zehn- bis fünfzehnminütige Phasen, in denen die Server der Lufthansa nicht oder nur äußerst schwer zu erreichen waren. Auch wenn es unmöglich ist, die genaue Teilnehmer/ tausendfach abgeforderte Software und die Verwendung eines Javascripts, das von der Homepage
aufgerufen werden konnte, die Gewissheit, dass gut
und gerne zehntausend Menschen sich an der Aktion
beteiligten. Die ersten Nachrichten des WDR noch
während der Online-Aktion verkündeten gar einen
Ausfall der Lufthansa-Seite.
Tatsächlich hat es diesen Ausfall nicht gegeben - und
es hat ihn doch gegeben. Wie geht das? Es hing zum
Teil sehr stark vom jeweiligen Providernetz ab, ob der
online-Ticketschalter zu erreichen war. Teilnehmer/
innen aus einigen Netzen, wie z.B. dem Deutschen
Forschungsnetz (DFN) handelten sich von vornherein
Fehlermeldungen ein. Das DFN-Netz, an dem fast alle
Universitäten hängen, hatte die Studierenden und das
Universitätspersonal pauschal ausgesperrt: Anfragen
an die Lufthansa-Seite wurden erst gar nicht weitergeleitet. Auch andere, kommerzielle Anbieter von
Internetzugängen wurden von den Lufthansa-Systemadministratoren mit dem Wunsch angegangen, aus ihren Netzen alle Anfragen an Lufthansa herauszufiltern,
um so den Ansturm abzuschwächen. Überhaupt betrieb die Lufthansa AG einen beträchtlichen organisatorischen, technischen und finanziellen Aufwand, um
den Imageverlust abstürzender Internetseiten zu vermeiden. So orderte sie zusätzliche Bandbreite. Um die
Präsenz auf jeden Fall aufrecht zu halten und ohne
Rücksicht auf ihre Kunden schaltete sie zwischen verschiedenen Netzen hin und her. Damit gingen jeweils
die Kundendaten, Anfragen, Bestellungen etc. verloren. Die Direktive war ganz augenscheinlich, koste es
was es wolle, die Lufthansa-Präsenz im Netz aufrechtzuerhalten. Was dahinter geschah - bzw. eben nicht
mehr stattfand: die normalen Funktionen, Flüge abfragen und buchen - war nicht mehr wichtig. Während der Rede des Vorstandsvorsitzenden sollte auf
keinen Fall der Eindruck entstehen, die Gegner/innen
der deportation.class hätten Erfolg.
litische Erfolg wird erst wirklich sichtbar in der Auswertung. Der Online-Demo gegen die Lufthansa fehlte trotzdem eine besser mögliche Visualisierung der
Aktion und eine Plattform der Kommunikation zwischen den Demonstrant/innen in realtime.
Die politischen Ziele hatte die Online-Demo bereits
vor dem ersten Mausklick erreicht. Sicher auch durch
den Neuigkeitswert einer erstmaligen öffentlich angekündigten Internetaktion, griffen zahlreichen Medien die Thematik der Aktion auf. Anders als vielleicht
zu befürchten war, stand dabei nicht allein das Mittel,
die Aktionsform, im Mittelpunkt. Die Abschiebepraxis
und die Beteiligung der Lufthansa wurden thematisiert. Die deportation.class-Kampagne erreichte eine
große Breitenwirkung. So stand die Lufthansa AG
schon vor dem 20. Juni wieder im Zentrum der Kritik.
Ihrem Versuch, die Aktivist/innen als „terroristisch“
und „kriminell“ zu brandmarken, war auch kein Erfolg beschieden. Selbst die verbale Unterstützung aus
dem Bundes-justizministerium konnte die öffentliche
Wahrnehmung der Aktion nicht beeinflussen.
Während die Initiator/innen von Anfang an, den politischen Charakter der Aktion hervorhoben, forcierten
nach der Aktion einige Medien (Spiegel-online, Stimmen bei indymedia u.a.) eine geradezu militaristische
Bewertung. Weil kein Server kaputt gegangen ist,
konnte die Aktion nur ein Misserfolg sein. Das Ziel
war allerdings die (technische) Störung der OnlineGeschäfte der Lufthansa und die (politische) Denunziation des Abschiebe-Geschäftes. Beides konnte die
Online-Demo erreichen. Die Initiator/innen von „kein
mensch ist illegal“ und Libertad! verwiesen nach der
Aktion auch darauf, dass für sie die Aktivitäten eines
digitalen Protestes niemals alleine stehen.
„Wir sind“, so ein Onliner „durchaus kritisch, was
die Möglichkeiten elektronischen Widerstandes betrifft.
Keine Internetdemonstration ersetzt die Bewegung auf
der Straße, bestenfalls ist es eine Ergänzung. Dabei
stehen sich virtuelle und reale Wirklichkeiten nicht
gegenüber. Massenhaft wurde an einem Tag zur verabredeten Stunde die Lufthansa virtuell ,besetzt’ mit
dem Ziel realer Einflussnahme auf ihre Geschäftspolitik. Im Anschluss an unsere Aktion wurden Vorschläge laut, die nächsten Castor-Transporte mit elektronischen Blockaden der Internetseiten der Deutsche
Bahn zu, begleiten’. Ich glaube, die wenigsten hängen dabei dem Irrtum an, gesellschaftliches,
insbesondere oppositionelles, Tätigwerden käme mit
einem nur simulierten, nicht echten Angriff auf die
herrschenden Verhältnisse sehr weit.“
Die Erfahrung einer Online-Demo ist nicht zu vergleichen mit der einer auf der Straße. Der/die Einzelne
bewegt sich in einer nicht sichtbaren Menge, die Frage „Wie viele sind wir?“ kann nicht durch Schulterklettern erkannt werden. Einige mochten das Gemeinschaftsgefühl vermissen, auch die unmittelbare Konfrontation mit der Staatsmacht blieb aus. Kein Seitenspalier, aber auch keine unsäglichen Parolen, die man
gar nicht erst mit- rufen möchte. All das kann ein –
auch kollektiver - elektronischer Protest nicht bieten.
Die massenhafte Beteiligung, der technische und po-
In der Folge der Aktion gab es auch Stimmen, die die
Wirksamkeit der Software bemängelten. Es gab Ratschläge, wie die Effizienz hätte gesteigert werden können und vielleicht doch den einen oder anderen
„Hackertrick“ zur Anwendung gebracht werden sollte. Aber bereits vor der Online-Demo hatte ein Aktivist der Kampagne auf diesen Punkt hingewiesen:
„Wichtig ist uns die Transparenz der Aktion und der
angewandten Methoden. Diese Form des elektronischen Widerstandes, die wir propagieren, ist kein Coup
aus der Computerfreak-Ecke, kein Hackerstreich. Die
könnten viel effektiver sein. Wir bauen nur auf die sicherlich technisch unterstützte - Massenaktivität.
Deswegen sprechen wir auch von Kundgebung oder
Demonstration, weil das die Beteiligung zahlreicher
Menschen impliziert und klar ist, dass es in der Öffentlichkeit stattfindet.“
Pressemitteilung der K
ampagne Libertad!
Beamte der politischen Polizei brachen heute morgen in Frankfurt a.M. die Büroräume der Initiative
Libertad! auf und beschlagnahmten sämtliche Computer sowie zahlreiche Festplatten, CD's und Dokumente.
Ebenfalls durchsucht wurde die Wohngemeinschaft des Verantwortlichen der von der Gruppe betriebenen Internetdomains libertad.de und sooderso.de. Auch hier nahmen die Beamten sechs Computer
Hintergrund ist eine Online-Demonstration, zu der die Initiative Libertad! am 20. Juni diesen Jahres
aufgerufen hatte, um gegen
Abschiebungen mit der Deutschen Lufthansa AG zu protestieren. Laut Durchsuchungsbeschluss des
Amtsgerichts Frankfurt beteiligten sich am 20. Juni 13.614 Menschen an der Internet-Aktion.
Weil der Lufthansa durch die über 1,2 Millionen Seitenaufrufe nicht näher ausgewiesener wirtschaftlicher Schaden entstanden sei, wertet die Polizei die Online-Aktion als "Nötigung" und die Erklärung, mit
der 150 Menschenrechtsgruppen und Flüchtlingsräten zu dem Protest aufgerufen hatten, als "Anstiftung
zu Straftaten".
"Das ist ein Angriff auf die Demonstrationsfreiheit", erklärte heute morgen Anne Morell, die die
Online-Demo schon am 10. Mai 2001 beim Ordnungsamt Köln ordnungsgemäss angemeldet hatte. "Es
ist skandalös, dass 13 000 DemonstrantInnen zu Kriminellen gestempelt werden, während gleichzeitig
ein Unternehmen, das aus Abschiebungen Profit schlägt, im
Internet ihren Geschäften nachgehen kann", empört sich die Online-Aktivistin.
Bei den Durchsuchungen entstand erheblicher Sachschaden. Im Frankfurter Dritte-Welt- Haus, in
dem sich neben den Büroräumen von Libertad! auch Räume von amnesty international und zahlreicher
Initiativen befinden, wurden sämtliche Türen aufgebrochen. Obwohl der Betreiber von libertad.de die
Beamten darauf hingewiesen hatte, wurde der Vorstand des Dritte-Welt-Hauses nicht informiert. Stattdessen zogen es die Beamten vor, die Eingangstür einzuschlagen. Entgegen dem Durchsuchungsbeschluss
liessen sich die Beamten auch durch herbeigeeilte Vorstandsmitglieder nicht davon abbringen, die Räume
der übrigen Initiativen ebenfalls zu durchkämmen.
Die seit 1993 bestehende Initiative Libertad!, die sich für politische Gefangene einsetzt, sieht ihre
Arbeit durch die Beschlagnahmung von zehn Computern und wichtiger Unterlagen stark beeinträchtigt.
Auf der Homepage der Online-DemonstratInnen <http://go.to/online-demo> unterdessen ist ein Software-Bausatz für Online-Demonstrationen ins Netz gestellt worden. "Wir hoffen, dass eProtest im Zeitalter
von eCommerce Schule macht", erklärte Anne Morell, "und wir rufen alle DemokratInnen und
AbschiebegegnerInnen dazu auf, online und offline gegen diese kleingeistige Polizeistaatsmentalität zu
Aufruf von Hans Branscheidt, medico international,
anlässlich der Kriminalisierung der Onlinedemonstration gegen die LLufthansa
ZWEIHUNDERTFÜNFZIG WERDEN MEHR
Eine der gelungensten und integersten demokratischen Aktionen ereignete sich im Juni 2001,
Initiiert für die der Öffentlichkeit des virtuellen Netzes. Von 150 namhaften Organisationen aus den
Sphären der Menschenrechtsarbeit, der Asylpolitik, von Gewerkschaften und NGO’s begrüßt, gefördert,
mitgetragen und vor allem aufgerufen, beteiligten sich schließlich 13 000 Menschen an der Aktion gegen
die Deutsche Lufthansa: im vereinten Protest gegen die routiniert vollzogene Abschiebungspraxis.
Millionenfach tätigten demokratische Menschen entschiedene „Klicks“ wählten kumulativ die Webseite der Lufthansa an, die dadurch zeitwillig blockiert wurde. Nun behauptet die Lufthansa eine dadurch
verursachte wirtschaftliche Schädigung und meint vor allem aber ein Geschäft, dass ihr dadurch zu
entgehen droht, wenn es ihr unmöglich gemacht werden sollte, weiterhin lukrative Zwangabschiebungen
von gefesselten Passagieren samt den regulär zwei beamteten Begleitern durchführen zu können. Mitte
des Jahres schon hatte die Pilotenvereinigung Cockpit und zugleich auch die ÖTV ihren Mitgliedern
empfohlen, die Mitnahme von Personen zu verweigern, die sich gegen ihre Verschubung wehren oder
gefesselt sind.
Gegen diese Aktion und gegen deren demokratische Intention haben nun am 17. Oktober Polizei
und Staatsanwaltschaft zugeschlagen. Den Verantwortlichen der beteiligten Internet-Domains
www.libertad.de und www.sooderso.de wurde ein gegen sie eingeleitetes Verfahren wegen Nötigung (§
111, 240 StGB) zur Kenntnis gebracht. Büroräume wurden verwüstet, Computer beschlagnahmt und ein
nennenswerter wirtschaftlicher Schaden verursacht. Und irgendwo im Hintergrund wird auch der deutsche
Repressions-Präzeptor Otto Schily Regie geführt haben.
Die Onlinedemonstration gegen die Lufthansa hat nicht mehr und nicht weniger realisiert als das,
was die soeben beendete UN-Konferenz gegen Rassismus in Durban nicht nur gefordert, sondern als
Praxis allen Bürgerinnen und Bürgern der Welt und den NGO’s verpflichtend auferlegt hat. Die moralische Legitimität und die von den Vereinten Nationen gestützte Legalität des Protest gegen die Lufthansa
darf nicht in Deutschland in Straftat und Verbrechen umgewandelt werden.
Als einer der Unterzeichner und Aufrufer der Onlinedemo bitte ich Sie ganz herzlich, ihr persönliches
Veto einzulegen - gegen den Abbau von demokratischen Rechten und Pflichten, die im aktuellen Kontext
des planmäßigen Beseitigung von Bürgerrechten durch „Sicherheitspakete“ folgenreich erkennbar wird.
Beteiligen Sie sich unverzüglich an einer Kampagne des demokratischen Einspruchs bei den Polizeien und
Staatsanwaltschaften. Richten Sie denselben Protest an die Lufthansa. Per Fax, per eMail, Brief oder
Deutsche Lufthansa AG, Vorstandsvorsitzender Jürgen Weber. ...
Amtsgericht Frankfurt, ...
Staatsanwaltschaft Frankfurt, ...
Polizeipräsidium Frankfurt. ...
Spenden Sie unbedingt und bitte großzügig auf das Libertad!-Konto. Damit die Arbeit weitergeht.
Damit sofort der wirtschaftliche Schaden und die Beschlagnahme der technischen Kommunikationsgeräte
Damit vor allem aus der primären Aktion der Onlinedemo, die nun inkrimiert wird, sinnvoll die
zweite Kampagne hervorgeht: um die Zwangsabschiebungen nun erst recht zu verhindern, und zugleich
jetzt darüber hinaus die Freiheit der Versammlung im Internet zu erkämpfen.
ZWEIHUNDERTFÜNZIG WERDEN MEHR! - Der Stein, den sie aufgehoben haben, soll auf ihre
eigenen Füße fallen.
Frankfurt am Main 18.10.2001,
Pressemitteilung von kein mensch ist illegal
Pressemitteilung 24.10.2001
Abschiebungen: Mit unlauteren Mitteln geht die Lufthansa gegen
ihre Kritiker vor.
Am 17.10.01 ließ die Staatsanwaltschaft Frankfurt nach einer Anzeige der Lufthansa AG die Räume
der Initiative Libertad! sowie die Wohnung des Domain-Inhabers der Webseite www.Libertad.de durchsuchen.
Libertad hatte gemeinsam mit der Kampagne kein mensch ist illegal zu einer Online-Demonstration
gegen das Abschiebegeschäft aufgerufen, durch die am 20.o6.01 die Webseite der Lufthansa AG
zeitweise blockiert worden war. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten mehr als 13.000 Menschen
an der Online-Demo teilgenommen. Bei der gewaltsamen Durchsuchung wurden zahlreiche Türen
aufgebrochen und neun Rechner beschlagnahmt.
"Typisch," meinte dazu Jan Hoffmann, Sprecher der deportation.class-Kampagne, "sobald sich die
Lufthansa mit demokratischem Massenprotest konfrontiert sieht, ruft sie nach der Staatsgewalt." Dazu
passe bestens, dass sich die Lufthansa nach wie vor weigere, eine klare Position gegen die
menschenrechtswidrigen Abschiebungen zu beziehen. Ihre finanzielle Überlegenheit versucht die Lufthansa AG auch im Prozeß gegen die gemeinnützige Forschungseinrichtung "Forschungsgesellschaft
Flucht und Migration e.V." (FFM) in Berlin auszuspielen. Im Juni 01 hatte die Lufthansa eine einstweilige
Verfügung gegen den Verein erwirkt, die jedoch vom LG Frankfurt am 12.Juli wieder aufgehoben wurde.
Die Lufthansa fordert von FFM wegen einer angeblichen Urheberrechtsverletzung die Löschung der
Internet-Seite www.deportation-class.com.
FFM ist jedoch weder Inhaber der Internet-Domain deportation-class.com, noch hat FFM inhaltlichen oder technischen Einfluß auf die Webseite. Das LG Frankfurt wies daher den Antrag auf Erlaß der
einstweiligen Verfügung zurück. Mehr als 10.000 DM überwies die Lufthansa den Anwälten von FFM.
Doch die Lufthansa läßt nicht locker und legte Berufung zum OLG Frankfurt ein, wo am 29.Januar 02
neu verhandelt wird. "Die Lufthansa AG weiss, dass meine Mandanten mit der Webseite nichts zu tun
haben und sie nicht löschen können," erklärte Rechtsanwältin Gisela Seidler, die FFM vertritt, "Offenbar
will die Lufthansa AG ihre KritikerInnen einschüchtern, indem sie eine Gruppe exemplarisch durch hohe
Prozeßkosten zu ruinieren versucht."
"Die Lufthansa AG soll nicht glauben, dass wir mit unseren Protesten bereits am Ende sind. Nach z.T.
erfolgreichen Aktionen gegen andere Fluggesellschaften wie die rumänische Fluggesellschaft Tarom, die
ihre Charterabschiebungen deshalb eingestellt hat, werden wir jetzt auch der Lufthansa AG wieder mehr
Aufmerksamkeit schenken", sagt Jan Hoffmann, "bereits jetzt führt die Durchsuchungsaktion bei Libertad!
zu breiter Solidarisierung unter Menschenrechtsorganisationen". So bekannte sich Hans Branscheidt von
der in Frankfurt ansässigen Organisation medico international zur Teilnahme an der Online-Demonstration und rief zu Selbstanzeigen der Aufrufer und TeilnehmerInnen auf, während die Organisation "United
against Racism" (Österreich) eine Fax- und Email-Kampagne startete. Für November und Dezember
kündigte kein mensch ist illegal weitere Aktionen gegen die Lufthansa AG an.
2001_Libertad-de_Online-Demonstration