Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20ZR%202/72
Timestamp: 2019-04-22 09:18:15
Document Index: 384852424

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 64', 'BGH', '§ 92', '§ 64', '§ 64', 'BGH', '§ 64', '§ 92', '§ 64', '§ 64', '§ 64', '§ 93', '§ 64', '§ 43', '§ 37', 'BGH', '§ 37', '§ 64', '§ 64', '§ 64', '§ 43', 'BGH', '§ 43']

BGH, 18.03.1974 - II ZR 2/72 - dejure.org
BGH, 18.03.1974 - II ZR 2/72
Pflichtwidrige Nichtanmeldung eines Konkurses trotz erkennbarer Überschuldung der Gesellschaft - Inanspruchnahme der Geschäftsführer einer (GmbH) (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) - Beweis des Fehlens eines zwischen Konkursreife und Konkursantrag gezahlten Betrages in der Konkursmasse - Pflicht eines Geschäftsführers zur Beanchtung von Weisungen der Gesellschafter - Einwand der unzulässigen Rechtsausübung
NJW 1974, 1088
MDR 1974, 736
WM 1974, 412
DB 1974, 910
§ 64 Abs. 2 GmbHG ist, wie der Senat wiederholt ausgesprochen hat, keine Schadenersatznorm, sondern enthält einen Ersatzanspruch eigener Art (Sen.Urt. v. 18. März 1974 - II ZR 2/72, NJW 1974, 1088 f.; vgl. auch BGHZ 143, 184 ff. = ZIP 2000, 184).
Das Zahlungsverbot des § 92 Abs. 2 Satz 1 AktG gilt - ebenso wie das gleichartige Zahlungsverbot des § 64 Satz 1 GmbHG (= § 64 Abs. 2 Satz 1 GmbHG a.F.) - bereits ab Eintritt der Insolvenzreife (BGHZ 143, 184, 188 ; 163, 134, 141 ; Sen. Urt. v. 18. März 1974 - II ZR 2/72, NJW 1974, 1088, 1089, jeweils zu § 64 GmbHG;… MünchKommAktG/Spindler 3. Aufl. § 92 Rdn. 61 m.w.Nachw., anders noch MünchKommAktG/Hefermehl/Spindler 2. Aufl. Rdn. 44).
a) Sinn und Zweck des mit der Ersatzpflicht des Geschäftsführers bewehrten Zahlungsverbots gemäß § 64 Abs. 2 GmbHG ist es, die verteilungsfähige Vermögensmasse einer konkursreifen GmbH im Interesse der Gesamtheit ihrer Gläubiger zu erhalten und eine zu ihrem Nachteil gehende, bevorzugte Befriedigung einzelner Gläubiger zu verhindern (vgl. Sen.Urt. v. 18. März 1974 - II ZR 2/72, WM 1974, 412 = NJW 1974, 1088; Fleck, GmbHR 1974, 224, 230;… Scholz/K. Schmidt aaO, § 64 Rdn. 35).
Denn dies ändert nichts daran, daß der Scheckbetrag im Ergebnis zum Nachteil der Gläubigergesamtheit in der Masse fehlt, der ihr ohne die Verrechnung mit dem Debet - sei es als offene Forderung gegenüber dem Schuldner, sei es als vom Geschäftsführer unmittelbar eingezogener und von ihm zu thesaurierender Betrag - zur Verfügung stünde, worauf es für § 64 Abs. 2 GmbHG entscheidend ankommt (vgl. Sen.Urt. v. 18. März 1974 aaO).
Bei diesen Ansprüche mag zum Teil der Schutz der Gläubiger und nicht so sehr das Interesse der Gesellschaft im Vordergrund stehen; so kann namentlich bei einer nach Konkursreife geleisteten Zahlung (§ 93 Abs. 3 Nr. 6 AktG) zweifelhaft sein, ob durch sie der Gesellschaft überhaupt ein Schaden entstanden ist (vgl. zu § 64 Abs. 2 Satz 1 GmbHG: Urt. d. Sen. v. 18.3. 74 - II ZR 2/72, LM GmbHG § 43 Nr. 4).
Das Weisungsrecht nach § 37 Abs. 1 GmbHG ist erst dort begrenzt, wo die Geschäftsführer die im Allgemein- und Gläubigerinteresse bestehenden Gesetzespflichten zu erfüllen haben (vgl. BGH 18. März 1974 - II ZR 2/72 - NJW 1974, 1088;… Roth/Altmeppen/Altmeppen § 37 Rn. 6) .
Es war dann Sache des Beklagten, zu seiner Entlastung nachzuweisen, daß ihn an der dadurch bewirkten Schmälerung der zur Befriedigung der Gläubiger zur Verfügung stehenden Masse kein Verschulden trifft (vgl. auch Sen.Urt. v. 18. März 1974 - II ZR 2/72, NJW 1974, 1088, 1089 und aus dem Schrifttum statt aller Hachenburg/Ulmer aaO § 64 Rdn. 36, 41 ff. u. 58).
Dabei kann es nach dem gegenwärtigen Sach- und Streitstand dahinstehen, ob an der in einer früheren Entscheidung des Senats vom 18. März 1974 (II ZR 2/72, NJW 1974, 1088, 1089) unter Zustimmung von Teilen des Schrifttums (…vgl. Hachenburg/Ulmer aaO § 64 Rdn. 46;… Scholz/K. Schmidt aaO § 64 Rdn. 11 u. Scholz/Uwe H. Schneider aaO § 43 Rdn. 105) vertretenen Ansicht festzuhalten ist, wonach eine solche Konkurrenz zumindest unter dem Gesichtspunkt des Einwandes unzulässiger Rechtsausübung ausscheidet, wenn der Verstoß mit Wissen und Wollen des Gesellschafters, dem in einer Zweipersonen-Gesellschaft das fahrlässige Dulden des vorsätzlichen Verhaltens des einen Gesellschafter-Geschäftsführers durch den anderen haftungsrechtlich gleich stehen muß, erfolgt ist.
Zwar hat der Senat in seinem vom Berufungsgericht erwähnten Urteil BGHZ 31, 258, 278 ausgesprochen, mit Rücksicht auf die Weisungsbefugnis der Gesellschafter brauche ein Geschäftsführer gegenüber "seiner" GmbH im allgemeinen nicht zu haften, wenn er der alleinige Gesellschafter sei (ebenso Urt. d. Sen. v. 18.3.74 - II ZR 2/72, LM GmbHG § 43 Nr. 4).
OLG Düsseldorf, 06.02.1992 - 6 U 17/91