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Timestamp: 2017-02-22 11:16:24
Document Index: 43427336

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 615', '§ 615', '§ 615', '§ 611', '§ 14', '§ 14', '§ 11', '§ 615', '§ 615', '§ 615']

HENSCHE Arbeitsrecht: 26 Sa 1840/09
1. Nach Aus­spruch ei­ner Kündi­gung ist ein Ar­beit­neh­mer zur Auf­nah­me der Ar­beit nur dann ver­pflich­tet, wenn der Ar­beit­ge­ber ihm den Ar­beits­platz an­bie­tet und zu­gleich erklärt, die Ar­beits­leis­tung als Erfüllung des be­ste­hen­den Ar­beits­ver­tra­ges an­zu­neh­men, oder die Par­tei­en ein Pro­zess­ar­beits­verhält­nis ver­ein­bart ha­ben (vgl. BAG 24. Sep­tem­ber 2003 - 5 AZR 500/02 - AP Nr. 4 zu § 11 KSchG 1969 = NZA 2004, 90 = EzA § 615 BGB 2002 Nr. 4, zu I der Gründe mwN). (Rn.25) 2. Der Ar­beit­ge­ber darf bei sei­ner Ar­beits­auf­for­de­rung die Kündi­gung nicht auf­recht­er­hal­ten. Auch das An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes Pro­zess­ar­beits­verhält­nis­ses ist nicht aus­rei­chend, so­lan­ge es nicht an­ge­nom­men wird (vgl. BAG 14. No­vem­ber 1985 - 2 AZR 98/84 - AP Nr. 39 zu § 615 BGB = NZA 1986, 637 = EzA § 615 BGB Nr. 46, zu C I 2 e der Gründe). (Rn.25) 3. Die­sen An­for­de­run­gen genügt ei­ne Erklärung des Ar­beit­ge­bers, im Fal­le des Ob­sie­gens im Kündi­gungs­schutz­pro­zess müsse auch die Ar­beit wie­der ge­leis­tet wer­den, nicht. Dar­an ändert auch die späte­re An­zei­ge der Leis­tungsfähig­keit und Leis­tungs­be­reit­schaft durch den Ar­beit­neh­mer nichts. (Rn.26) Vor­ins­tan­zen:
Arbeitsgericht Berlin, 3. Juli 2009, Az: 6 Ca 17749/08, Urteil
Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg Verkündetam 5. No­vem­ber 2009Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)26 Sa 1840/09
6 Ca 17749/08Ar­beits­ge­richt Ber­lin L., VAals Ur­kunds­be­am­ter/inder Geschäfts­stel­le
In Sa­chenpp hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 26. Kam­mer, auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 5. No­vem­ber 2009durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt K. als Vor­sit­zen­denso­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Sch. und Z.
I. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 3. Ju­li 2009 - 6 Ca 17749/08 - wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen. II. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.
Die Kläge­rin hat die An­sicht ver­tre­ten, die Ab­mah­nun­gen sei­en un­wirk­sam. Die Be­klag­te ha­be nicht erklärt, dass sie wie­der zur Ar­beit er­schei­nen müsse, soll­te die Rechts­un­wirk­sam­keit der Kündi­gung fest­ge­stellt wer­den, was auch gar nicht möglich ge­we­sen sei, da von Sei­ten der Be­klag­ten nie­mand persönlich an­we­send ge­we­sen sei. Außer­dem ha­be sich hier nicht die Kläge­rin, son­dern die Be­klag­te ver­trags­wid­rig ver­hal­ten, in­dem sie die Teil­nah­me an dem Be­triebs­aus­flug un­ter­sagt ha­be. Am 1. Ok­to­ber 2008 ha­be kei­ne Ar­beits­ver­pflich­tung be­stan­den. Am 6. Ok­to­ber 2008 sei sie zu der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Ar­beits­zeit er­schie­nen. Der Vor­ge­setz­te M. ha­be ihr ge­sagt, sie sei­en am Mon­tag ab 6:00 Uhr da. Sie ha­be dar­auf mit „gut“ ge­ant­wor­tet. Sie ha­be am 6. Ok­to­ber auf die Fra­ge des Vor­ge­setz­ten, wo sie ge­we­sen sei, nicht ge­sagt, sie ha­be ver­schla­fen, son­dern sie ha­be ge­schla­fen. Die Kläge­rin hat be­an­tragt,
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und das im We­sent­li­chen da­mit be­gründet, dass ei­ne Ver­pflich­tung zur Ar­beits­auf­nah­me am 1. Ok­to­ber 2008 oh­ne ei­ne Erklärung der Be­klag­ten gar nicht be­stan­den ha­be. Ein Ein­verständ­nis mit ei­nem frühe­ren Ar­beits­be­ginn am 6. Ok­to­ber 2008 ha­be auch nicht fest­ge­stellt wer­den können. Die Be­klag­te hat ge­gen das ihr am 29. Ju­li 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil am 21. Au­gust 2009 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 23. Sep­tem­ber 2009 bei dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.
I. Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist statt­haft so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den. II. Die Be­ru­fung ist aber un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt ist zu­tref­fend zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, bei­de Ab­mah­nun­gen aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu ent­fer­nen.
Ei­ne sol­che miss­bil­li­gen­de Äußerung des Ar­beit­ge­bers in Form ei­ner Ab­mah­nung ist ge­eig­net, den Ar­beit­neh­mer in sei­nem be­ruf­li­chen Fort­kom­men und sei­nem Persönlich­keits­recht zu be­ein­träch­ti­gen. Des­halb kann der Ar­beit­neh­mer die Be­sei­ti­gung die­ser Be­ein­träch­ti­gung ver­lan­gen, wenn die Ab­mah­nung for­mell nicht ord­nungs­gemäß zu­stan­de ge­kom­men ist, un­rich­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen enthält, auf ei­ner un­zu­tref­fen­den recht­li­chen Be­wer­tung des Ver­hal­tens des Ar­beit­neh­mers be­ruht, den Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit ver­letzt oder kein schutzwürdi­ges In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers am Ver­bleib der Ab­mah­nung in der Per­so­nal­ak­te mehr be­steht (vgl. BAG 23. Ju­ni 2009 - 2 AZR 606/08 - NZA 2009, 1011 = EzA-SD 2009, Nr. 19, 5, zu I 2 der Gründe). 2) Von die­sen Grundsätzen ist auch das Ar­beits­ge­richt aus­ge­gan­gen und hat sie auf den Streit­fall zu­tref­fend an­ge­wandt. a) Die ers­te Ab­mah­nung vom 9. Ok­to­ber 2008 ist zu Un­recht er­folgt. Die Kläge­rin hat da­durch, dass sie am 1. Ok­to­ber 2008 die Ar­beit nicht um 7:00 Uhr auf­nahm, kei­ne Ver­trags­pflicht ver­letzt. Das Ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend aus­geführt, dass die Kläge­rin oh­ne ei­ne kon­kre­te Auf­for­de­rung durch die Be­klag­te nicht zur Auf­nah­me der Ar­beit ver­pflich­tet war. aa) Der Ar­beit­neh­mer ist auf­grund des gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis­ses zu wei­te­rer Ar­beits­leis­tung nicht ver­pflich­tet (vgl. grund­le­gend BAG Großer Se­nat 27. Fe­bru­ar 1985 - GS 1/84 - BA­GE 48, 122 = AP Nr. 14 zu § 611 BGB Beschäfti­gungs­pflicht, zu C I 3 der Gründe; BAG 22. Ok­to­ber 2003 – 7 AZR 113/03 – AP Nr. 6 zu § 14 Tz­B­fG = NZA 2004, 1275 = EzA § 14 Tz­B­fG Nr. 6, zu II 1 c bb der Gründe; 30. März 1989 – 6 AZR 288/87 - Ju­ris, zu II 2 der Gründe). Nach Aus­spruch ei­ner Kündi­gung ist ein Ar­beit­neh­mer zur Auf­nah­me der Ar­beit nur dann ver­pflich­tet, wenn der Ar­beit­ge­ber ihm den Ar­beits­platz an­bie­tet und zu­gleich erklärt, die Ar­beits­leis­tung als Erfüllung des be­ste­hen­den Ar­beits­ver­tra­ges an­zu­neh­men, oder die Par­tei­en ein Pro­zess­ar­beits­verhält­nis ver­ein­bart ha­ben (vgl. BAG 24. Sep­tem­ber 2003 – 5 AZR 500/02 – AP Nr. 4 zu § 11 KSchG 1969 = NZA 2004, 90 = EzA § 615 BGB 2002 Nr. 4, zu I der Gründe mwN). Der Ar­beit­ge­ber darf bei sei­ner Ar­beits­auf­for­de­rung die Kündi­gung nicht auf­recht­er­hal­ten. Auch das An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes Pro­zess­ar­beits­verhält­nis­ses ist nicht aus­rei­chend, so­lan­ge es nicht an­ge­nom­men wird (vgl. BAG 14. No­vem­ber 1985 - 2 AZR 98/84 - AP Nr. 39 zu § 615 BGB = NZA 1986, 637 = EzA § 615 BGB Nr. 46, zu C I 2 e der Gründe).
bb) Die Be­klag­te hat ent­spre­chen­de Erklärun­gen nicht ab­ge­ge­ben. Der Be­klag­ten­ver­tre­ter hat in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung am 11. Sep­tem­ber 2008 auch nach ei­ge­nem Vor­trag nicht erklärt, er be­trach­te die Kündi­gung als ge­gen­stands­los und bie­te die - 7 -
b) Die Be­klag­te ist auch ver­pflich­tet, die zwei­te Ab­mah­nung vom 9. Ok­to­ber 2008 aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen. Sie enthält je­den­falls in­so­weit ei­ne un­rich­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tung, als der Kläge­rin vor­ge­wor­fen wird, sie ha­be „be­reits zum zwei­ten Mal in­ner­halb kürzes­ter Zeit ge­gen die ar­beits­ver­trag­li­che Pflicht, pünkt­lich zur Ar­beit zu er­schei­nen“, ver­s­toßen. Wie aus­geführt, ist der Kläge­rin die Ver­let­zung ei­ner Ver­trags­pflicht im Zu­sam­men­hang mit der Ar­beits­auf­nah­me am 1. Ok­to­ber 2008 nicht vor­zu­wer­fen, so­dass die Dar­stel­lung ei­ner wie­der­hol­ten Ver­trags­ver­let­zung un­zu­tref­fend ist. Die­ser Um­stand ist auch be­acht­lich, zu­mal die Be­klag­te durch die­se For­mu­lie­rung ge­ra­de den be­son­de­ren Un­wert­ge­halt des kläge­ri­schen Ver­hal­tens her­vor­he­ben will. Be­den­ken be­ste­hen auch - 8 -
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