Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/pflanzenlieferungen-fuer-eine-gartenanlage-3140387
Timestamp: 2019-12-15 12:41:11
Document Index: 354254678

Matched Legal Cases: ['§ 118', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 1', '§ 1']

Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on gel­ten für die im Streit­fall ent­schei­den­de Fra­ge, unter wel­chen Bedin­gun­gen meh­re­re zusam­men­hän­gen­de Leis­tun­gen als eine Gesamt­leis­tung zu behan­deln sind, fol­gen­de Grund­sät­ze 1.
Nicht allein bedeut­sam ist hin­ge­gen, ob die Betei­lig­ten die Ver­ein­ba­run­gen in ein oder zwei Ver­trags­ur­kun­den nie­der­ge­legt haben 4. Für den umge­kehr­ten Fall hat der Bun­des­fi­nanz­hof bereits im Urteil vom 31.05.2007 5 ent­schie­den, dass bloß der Umstand, dass Leis­tun­gen auf­grund einer ein­zi­gen Ver­trags­grund­la­ge erbracht wer­den, nicht die Annah­me einer ein­heit­li­chen Leis­tung recht­fer­tigt.
Nach dem BFH-Urteil in BFHE 226, 407, BSt­Bl II 2010, 239 kön­nen zwar jeweils selb­stän­di­ge Leis­tun­gen vor­lie­gen, wenn der Betrei­ber einer Baum­schu­le auf Wunsch eines Teils sei­ner Kun­den auch das Ein­pflan­zen der dort gekauf­ten Pflan­zen über­nimmt 6. Aus der maß­geb­li­chen Sicht des Ver­brau­chers gehe dann weder die sons­ti­ge Leis­tung des Ein­pflan­zens in der Pflan­zen­lie­fe­rung noch die Pflan­zen­lie­fe­rung in die­ser sons­ti­gen Leis­tung auf. Etwas ande­res gilt jedoch, wenn unter Ver­wen­dung von Pflan­zen auf der Grund­la­ge eines Gesamt­kon­zepts etwas selb­stän­di­ges "Drit­tes" i.S. einer gärt­ne­ri­schen Anla­ge geschaf­fen wird 7.
Das Finanz­ge­richt Müns­ter ist bei sei­ner Ent­schei­dung 8 in der Vor­in­stanz von unzu­tref­fen­den Rechts­grund­sät­zen aus­ge­gan­gen und hat daher zu Unrecht eine ein­heit­li­che Leis­tung mit der Begrün­dung ver­neint, dass die gar­ten­bau­li­chen Arbei­ten und die Pflan­zen­lie­fe­run­gen in getrenn­ten Ver­trä­gen und zeit­ver­setzt ver­ein­bart und durch­ge­führt wur­den. Für die Abgren­zung von ein­heit­li­cher Leis­tung zu getrenn­ten Leis­tun­gen kommt es nicht (ent­schei­dend) dar­auf an, ob die zu beur­tei­len­den Leis­tun­gen (for­mal) in einem ein­heit­li­chen oder in meh­re­ren getrenn­ten Ver­trä­gen ver­ein­bart wur­den, son­dern dar­auf, ob sich die jewei­li­gen Leis­tun­gen aus der Sicht des Durch­schnitts­ver­brau­chers nach ihrem wirt­schaft­li­chen Gehalt als Haupt- und Neben­leis­tung oder als kom­ple­xe Leis­tung dar­stel­len 9.
Soweit das Finanz­ge­richt aus­führt, es bestün­den kei­ne Zwei­fel am Vor­lie­gen getrenn­ter Leis­tun­gen, wenn die Pflan­zen­lie­fe­run­gen ‑wie ursprüng­lich geplant- von der Fir­ma L und damit einem Drit­ten an die F aus­ge­führt wor­den wären, ist dies zwar zutref­fend. Denn nach stän­di­ger Recht­spre­chung kommt eine ein­heit­li­che Leis­tung bei ent­gelt­li­chen Leis­tun­gen meh­re­rer Unter­neh­mer nicht in Betracht 10.
Der Behand­lung als ein­heit­li­che Leis­tung durch den BFH steht nicht ent­ge­gen, dass die Beur­tei­lung, ob eine ein­heit­li­che Leis­tung vor­liegt, im Wesent­li­chen das Ergeb­nis einer tat­säch­li­chen Wür­di­gung durch das Finanz­ge­richt dar­stellt, an die der Bun­des­fi­nanz­hof grund­sätz­lich gebun­den ist (§ 118 Abs. 2 FGO). Denn nach stän­di­ger Recht­spre­chung hat der Bun­des­fi­nanz­hof im Rah­men der revi­si­ons­recht­li­chen Nach­prü­fung der Aus­le­gung von Ver­trä­gen durch das Finanz­ge­richt auch nach­zu­prü­fen, ob das Finanz­ge­richt die für die Aus­le­gung bedeut­sa­men Begleit­um­stän­de, ins­be­son­de­re die Inter­es­sen­la­ge der Betei­lig­ten erforscht und zutref­fend gewür­digt hat. Ent­spre­chen­des gilt für die umsatz­steu­er­recht­li­che Beur­tei­lung eines Leis­tungs­bün­dels aus der Sicht eines Durch­schnitts­ver­brau­chers 11.
Im Streit­fall hat das Finanz­ge­richt Müns­ter 8 nicht berück­sich­tigt, dass das Inter­es­se des Leis­tungs­emp­fän­gers (F) auf die Erstel­lung einer fer­ti­gen Gar­ten­an­la­ge und damit eines Wer­kes gerich­tet war, hin­ter das die ein­zel­nen Lie­fe­run­gen und Dienst­leis­tun­gen zurück­tre­ten. Aus­weis­lich des Bau­ver­trags war Ver­trags­ge­gen­stand die Über­tra­gung sämt­li­cher Bau­leis­tun­gen des Gewer­kes "Gar­ten- und Land­schafts­bau"; dies beinhal­te­te alle Leis­tun­gen, die zur voll­stän­di­gen, funk­ti­ons­ge­rech­ten und män­gel­frei­en Erstel­lung und Lie­fe­rung der beauf­trag­ten Pla­nungs- und Bau­leis­tun­gen erfor­der­lich sind. Aus­ge­nom­men war zwar zunächst die Lie­fe­rung der Pflan­zen, mit dem Abschluss der 3. Ver­trags­er­gän­zung gehör­te aber auch dies zum geschul­de­ten Leis­tungs­um­fang.
BFH, Urtei­le vom 02.08.2018 – V R 6/​16, BFHE 262, 272, unter II. 1.a, Rz 13, sowie vom 10.01.2013 – V R 31/​10, BFHE 240, 380, BSt­Bl II 2013, 352; und vom 25.06.2009 – V R 25/​07, BFHE 226, 407, BSt­Bl II 2010, 239, Rz 19, m.w.N.[↩]
vgl. z.B. EuGH, Urteil Bog u.a. vom 10.03.2011 – C‑497/​09, EU:C:2011:135, BSt­Bl II 2013, 256, Rz 54, m.w.N.; BFH, Urteil in BFHE 240, 380, BSt­Bl II 2013, 352, unter II. 1.a bb, Rz 19 ff.[↩]
vgl. z.B. EuGH, Urteil Bog u.a. in EU:C:2011:135, BSt­Bl II 2013, 256, Rz 53, m.w.N.; EuGH, Beschluss Pur­ple Par­king Ltd. und Air­park Ser­vices Ltd. vom 19.01.2012 – C‑117/​11, EU:C:2012:29, HFR 2012, 674, Rz 29; EuGH, Urteil Deut­sche Bank AG vom 19.07.2012 – C‑44/​11, EU:C:2012:484, BSt­Bl II 2012, 945, Rz 21[↩]
BFH, Urtei­le vom 19.03.2009 – V R 50/​07, BFHE 225, 224, BSt­Bl II 2010, 78, Rz 24, sowie vom 24.01.2008 – V R 42/​05, BFHE 221, 316, BSt­Bl II 2008, 697, unter II.b cc, Rz 26[↩]
BFH, Urteil vom 31.05.2007 – V R 18/​05, BFHE 217, 88, BSt­Bl II 2008, 206, unter II. 1.b, Rz 19[↩]
BFH, Urteil in BFHE 226, 407, BSt­Bl II 2010, 239, Leit­satz[↩]
BFH, Urteil in BFHE 226, 407, BSt­Bl II 2010, 239, unter Rz 23; zum Kri­te­ri­um des selb­stän­di­gen Drit­ten, vgl. BFH, Urteil vom 03.03.1988 – V R 183/​83, BFHE 153, 90, BSt­Bl II 1989, 205, unter II. 1.[↩]
FG Müns­ter, Urteil vom 01.12.2016 – 5 K 1145/​16 U, EFG 2017, 1479[↩][↩]
vgl. Nies­kens in Rau/​Dürrwächter, Kom­men­tar zum UStG, § 1 Rz 720[↩]
BFH, Urtei­le vom 16.10.2013 – XI R 39/​12, BFHE 243, 77, BSt­Bl II 2014, 1024, Rz 40; und vom 07.02.1992 – V R 53/​85, BFHE 164, 482, BSt­Bl II 1991, 737, Rz 14; BFH, Beschluss vom 18.04.2007 – V B 157/​05, BFH/​NV 2007, 1544; vgl. auch Nies­kens in Rau/​Dürrwächter, UStG-Kom­men­tar, § 1 Rz 722[↩]
BFH, Urtei­le vom 10.02.2010 – XI R 49/​07, BFHE 228, 456, BSt­Bl II 2010, 1109, Rz 33, zur Garan­tie­zu­sa­ge; in BFHE 240, 380, BSt­Bl II 2013, 352, Rz 35, zur Din­ner-Show, sowie vom 13.11.2013 – XI R 24/​11, BFHE 243, 471, BSt­Bl II 2017, 1147, Rz 44 a.E.[↩]