Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F23-12-2013-8C_440-2013
Timestamp: 2016-10-24 06:58:34
Document Index: 226502447

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 96', 'Art. 106', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 97', 'Art. 105', 'Art. 14', 'Art. 97', 'Art. 105', 'Art. 105', 'Art. 105', 'Art. 95', 'Art. 105', 'Art. 97', 'Art. 92', 'Art. 93', 'Art. 93', 'Art. 93', 'Art. 93', 'BGE', 'BGE', 'Art. 95', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_440/2013 {T 0/2 } � � Urteil vom 23. Dezember 2013
Die 1956 geborene S.________ war seit 1. November 1985 bei der Firma X.________ als Berufs- und Laufbahnberaterin angestellt und damit bei der Visana Versicherungen AG (nachfolgend: Visana) gegen die Folgen von Unf�llen versichert, als sie am 11. Januar 2011 auf Glatteis ausrutschte und sich beim Sturz eine Thorax- und Rippenkontusion rechts sowie ein leichtes posttraumatisches Cervicalsyndrom zuzog. Die Visana erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Am 24. Januar 2011 konnte die Versicherte ihre Arbeit in gewohntem Umfang (70 %) wieder aufnehmen. Die �rztliche Behandlung durch den Hausarzt Dr. med. L.________, Facharzt f�r Allgemeinmedizin FMH, wurde am 25. Januar 2011 unter Vorbehalt allf�lliger Komplikationen abgeschlossen. In der Folge liess sich die Versicherte ab 2. Februar 2011 physiotherapeutisch und ab 11. April 2011 wegen posttraumatischer Kokzigodynie osteopathisch behandeln (r�ckwirkende Verordnung des Dr. med. L.________ vom 20. Mai 2011). Am 16. Dezember 2011 suchte sie u.a. wegen anhaltenden Beschwerden in der Steissbeingegend erneut den Hausarzt auf. Es folgten physiotherapeutische Behandlungen.
Nach Einholung der medizinischen Unterlagen, insbesondere eines Verlaufsberichts des Hausarztes Dr. med. L.________ vom 25. April 2012, und nach R�cksprache mit dem beratenden Arzt Dr. med. K.________, Facharzt f�r Innere Medizin FMH, vom 3. Mai 2012stellte die Visana ihre Versicherungsleistungen mit Verf�gung vom 15. Mai 2012 r�ckwirkend per 20. Mai 2011 ein, mit der Begr�ndung, dass die Steissbeinbeschwerden mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf das Ereignis vom 11. Januar 2011 zur�ckzuf�hren sind. Auf Einsprache hin hielt sie daran fest, nachdem sie zuvor bei Dr. med. V.________, Vertrauens�rztlicher Dienst, eine Aktenbeurteilung eingeholt hatte (Einspracheentscheid vom 24. August 2012).
Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern hiess die dagegen erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 10. Mai 2013 teilweise gut, hob den Einspracheentscheid der Visana vom 24. August 2012 insoweit auf, als es deren Leistungspflicht f�r die ab 21. Mai 2011 anhaltenden Beschwerden im Bereich des Steissbeins bejahte und wies die Sache in diesem Umfang an die Visana zur�ck, damit diese im Sinne der Erw�gungen verfahre. Im �brigen wies es die Beschwerde ab.
Die Visana f�hrt hiegegen Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Rechtsbegehren, der kantonale Gerichtsentscheid sei, insoweit eine Leistungspflicht der Versicherung f�r die ab 21. Mai 2011 anhaltenden Beschwerden im Bereich des Steissbeins bejaht werde, aufzuheben und der Einspracheentscheid vom 24. August 2012 vollumf�nglich zu best�tigen.
W�hrend die Versicherte auf Abweisung der Beschwerde schliesst, verzichten die Vorinstanz und das Bundesamt f�r Gesundheit auf eine Vernehmlassung.
1.1.�Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann wegen Rechtsverletzung gem�ss Art. 95 und Art. 96 BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erw�gungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begr�ndung abweisen (vgl. BGE 130 II 136 E. 1.4 S. 140). Das Bundesgericht pr�ft grunds�tzlich nur die geltend gemachten R�gen; es ist nicht gehalten, wie eine erstinstanzliche Beh�rde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu pr�fen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen werden (BGE 135 II 384 E. 2.2.1 S. 389 mit Hinweisen; Urteil 8C_934/2008 vom 17. M�rz 2009 E. 1, nicht publ. in: BGE 135 V 194, aber in: SVR 2009 UV Nr. 35 S. 120).
1.2.�Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Milit�r- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105��� Abs. 3 BGG). Zu pr�fen ist vorliegend allerdings nur die Rechtm�ssigkeit der Verweigerung von Versicherungsleistungen in Form von Heilbehandlung - einer Sachleistung (Art. 14 ATSG) - durch die Beschwerdef�hrerin f�r die ab 21. Mai 2011 anhaltenden Beschwerden. In solchen F�llen gilt die eingeschr�nkte Kognition (gem�ss Art. 97 Abs. 1 und Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG; SVR 2011 UV Nr. 1 S. 1, 8C_584/2009 E. 4; ferner Ulrich Meyer/Johanna Dormann, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2011, N. 43 f. und Fn. 156 zu Art. 105 BGG). Danach legt das Bundesgericht seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann die Sachverhaltsfeststellung von Amtes wegen nur berichtigen oder erg�nzen, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG) und wenn die Behebung des Mangels f�r den Verfahrensausgang entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG).
2.1.�Streitig und - im Rahmen der eingeschr�nkten Kognition - zu pr�fen ist einzig, ob das kantonale Gericht Bundesrecht verletzte, indem es die Leistungspflicht der Visana in Bezug auf die ab 21. Mai 2011 anhaltend geklagten Beschwerden im Bereich des Steissbeins bejahte. Unbestritten ist dagegen die Verneinung der Leistungspflicht f�r die im Dezember 2011 als R�ckfall gemeldeten Beschwerden. Die f�r die Beurteilung der Streitsache massgebenden Rechtsgrundlagen wurden im angefochtenen Entscheid korrekt dargelegt. Darauf wird verwiesen.
2.2.�Formell handelt es sich dabei um einen R�ckweisungsentscheid. R�ckweisungsentscheide sind grunds�tzlich Zwischenentscheide, welche - abgesehen vom hier nicht massgeblichen Fall von Art. 92 BGG - gem�ss Art. 93 BGG nur unter den alternativen Voraussetzungen anfechtbar sind, dass sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken k�nnen (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder dass die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeif�hren und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten f�r ein weitl�ufiges Beweisverfahren ersparen w�rde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG); dies gilt auch, wenn damit �ber materielle Teilaspekte entschieden wird, weil diese zusammen mit dem Endentscheid anfechtbar sind (Art. 93 Abs. 3 BGG; BGE 133 V 477 E. 4.2 und 4.3 S. 481 f.). Ein nicht wieder gutzumachender Nachteil liegt f�r die Verwaltung vor, wenn sie durch materiellrechtliche �nderungen im R�ckweisungsentscheid verpflichtet wird, eine ihres Erachtens rechtswidrige neue Verf�gung zu treffen ( BGE 133 V 477 E. 5.2.4 S. 484 f.). Die R�ckweisung erfolgte im angefochtenen Entscheid mit der verbindlichen Feststellung einer grunds�tzlich �ber den 21. Mai 2011 hinaus bestehenden Leistungspflicht der Beschwerdef�hrerin. Die Visana ist damit verhalten worden, eine aus ihrer Sicht rechtswidrige Verf�gung zu erlassen. Diese wird sie mangels formeller Beschwer nicht selber anfechten k�nnen. Der R�ckweisungsentscheid f�hrt unter diesen Umst�nden zu einem nicht wieder gutzumachenden Nachteil, weshalb die Eintretensvoraussetzungen erf�llt sind.
3.1.�Nach zutreffender Wiedergabe der medizinischen Unterlagen und W�rdigung der gesamten Aktenlage hielt die Vorinstanz fest, dass aufgrund des Krankheits- und Therapieverlaufes mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen sei, dass die Steissbeinbeschwerden, auch wenn sie �rztlicherseits erstmals am 20. Mai 2011 diagnostiziert wurden, bereits im Verlaufe der am 2. Februar 2011 aufgenommenen Physiotherapiebehandlung aufgetreten sind. Dies lasse sich nahtlos in das von der Versicherten glaubhaft und nachvollziehbar gezeichnete Gesamtbild einf�gen, wonach diese am 2. Februar 2011 mit der Physiotherapeutin �ber die Steissbeinbeschwerden gesprochen habe und ihr diesbez�glich eine Osteopatiebehandlung vorgeschlagen worden sei. Der Umstand, dass im Anschluss an den Unfall aufgrund der vorab in Angriff genommenen Therapiemassnahmen (Physiotherapie- und Osteopathiebehandlungen) vorerst auf eine ausgedehnte Diagnostik verzichtet worden sei, d�rfe der Versicherten nicht zum Nachteil gereichen. Dass der Hausarzt Dr. med. L.________ bis zum Behandlungsabschluss vom 25. Januar 2011 keine Befunde beschrieben habe, die f�r eine Traumatisierung des Steissbeines sprechen w�rden, k�nnte entgegen dem Vertrauensarzt Dr. med. V.________ daran nichts �ndern. Aufgrund der in sich stimmigen und insgesamt schl�ssigen Schilderungen der Versicherten sei nachvollziehbar, dass vorerst die Beschwerden seitens der Thoraxkontusion im Vordergrund gestanden und sich die Beschwerden im Bereich des Steissbeines erst im Verlaufe der Physiotherapie bemerkbar gemacht h�tten. Dies werde vom Vertrauensarzt denn auch grunds�tzlich nicht bestritten. Vor diesem Hintergrund lasse sich der von der Beschwerdef�hrerin in der Beschwerde beschriebene Unfallhergang - entgegen der Darstellung des Vertrauensarztes - ohne weiteres mit der dabei erlittenen Verletzung im Bereich des Steissbeins in Einklang bringen. Die Vorinstanz bejahte die Unfallkausalit�t der ab 21. Mai 2011 anhaltenden Beschwerden im Bereich des Steissbeins und wies die Sache zur Festlegung der diesbez�glichen Leistungspflicht an die Unfallversicherung zur�ck. Dies ist nicht zu beanstanden.
3.2.�Die Einwendungen der Beschwerdef�hrerin sind nicht geeignet die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung als offensichtlich unrichtig, als Ergebnis willk�rlicher Beweisw�rdigung oder als rechtsfehlerhaft nach Art. 95 BGG (vgl. E. 1 hievor) erscheinen zu lassen, noch f�hren sie zur Bejahung einer Rechtsverletzung. Insbesondere hat die Versicherte entgegen der Beschwerdef�hrerin den urspr�nglich geschilderten Unfallhergang in der vorinstanzlichen Beschwerde nicht ge�ndert. Vielmehr handelt es sich um eine Pr�zisierung, hat sie doch in der echtzeitlichen Schilderung lediglich davon gesprochen, auf Glatteis ausgerutscht und gest�rzt zu sein. In der vorinstanzlichen Beschwerde hat sie alsdann ausgef�hrt, dass sie auf dem glatten, eisigen, steilen Fussweg ausrutschte, abrupt auf das Ges�ss fiel und es sie gleichzeitig, da sie am Arm ihres Mannes ging, herum zog. Sie seien gemeinsam gest�rzt. Von einem heftigen Sturz auf das Ges�ss ist entgegen der Beschwerdef�hrerin nicht die Rede. Indem die Vorinstanz auf den in der Beschwerde beschriebenen Unfallhergang abstellte, kann ihr nicht eine Missachtung der im Sozialversicherungsrecht praxisgem�ss geltenden Beweismaxime vorgeworfen werden, wonach den "Aussagen der ersten Stunde" in beweisrechtlicher Hinsicht gr�sseres Gewicht zukommt als sp�teren Darstellungen (BGE 121 V 45 E. 2a S. 46 f.). Entgegen der Beschwerdef�hrerin schliesst im �brigen auch die echtzeitliche Schilderung des Unfallhergangs jegliche Prellung des Steissbeins oder des Beckens nicht zum vorneherein aus. Die Feststellung der Vorinstanz, wonach die Steissbeinbeschwerden im Februar 2011 im Verlauf der Physiotherapiebehandlung und mithin nur wenige Wochen nach dem Unfall aufgetreten sind, erweist sich aufgrund der Aktenlage nicht als offensichtlich unrichtig und ist f�r das Bundesgericht verbindlich. Dass die Steissbeinbeschwerden erst im Mai 2011 �rztlich dokumentiert wurden, ist dabei nicht weiter relevant. Mithin ist entgegen den Versicherungs�rzten nicht von einer Latenzzeit von vier Monaten bis zum Auftreten der Steissbeinbeschwerden auszugehen. Inwiefern die Feststellung der Vorinstanz, wonach sich der Krankheits- und Therapieverlauf nahtlos in das von der Versicherten glaubhaft und nachvollziehbar gezeichnete Gesamtbild einf�gen lasse, aktenwidrig sein soll, ist nicht ersichtlich. Ein klarer Widerspruch zur tats�chlichen Situation vermag die Beschwerdef�hrerin nicht zu begr�nden. Vielmehr hat sich das kantonale Gericht mit der Aktenlage geh�rig auseinandergesetzt und sie rechtsprechungskonform gew�rdigt. Die Einwendungen der Beschwerdef�hrerin sind nicht geeignet, die Beweisw�rdigung als willk�rlich erscheinen zu lassen. Eine Beweisw�rdigung ist nicht bereits willk�rlich, wenn sie nicht mit der Darstellung der Beschwerdef�hrerin �bereinstimmt oder eine andere L�sung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen w�re, sondern erst, wenn der Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, zur tats�chlichen Situation in klarem Widerspruch steht oder auf einem offenkundigen Fehler beruht (BGE 127 I 54 E. 2b S. 56; vgl. auch BGE 135 V 2 E. 1.3 S. 4 f.). Dies trifft hier nicht zu. Damit ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz von der Unfallkausalit�t der Beschwerden im Bereich des Steissbeins ausging und die Leistungspflicht �ber den 20. Mai 2011 hinaus bejahte. Entgegen der Beschwerdef�hrerin bezieht sich die Aussage des Vertrauensarztes Dr. med. V.________, wonach der status quo sine vel ante anfangs April 2011 erreicht war, nicht auf die Steissbeinbeschwerden, ging er doch davon aus, dass diese bis Mai 2011 gar nicht ausgewiesen waren. Hinsichtlich der Dauer der Leistungspflicht l�sst sich daraus nichts ableiten. Damit erweist sich die R�ckweisung der Vorinstanz zur Festsetzung der Leistungspflicht f�r die ab 21. Mai 2011 anhaltenden Beschwerden nicht als bundesrechtswidrig. Die Beschwerde ist mithin abzuweisen.