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Timestamp: 2019-08-19 12:03:52
Document Index: 70487970

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 5', '§ 264', '§252', '§ 266', '§ 266']

1. Ausarbeitung des Themas
2.1 Bilanzarten
2.2 Was die Bilanz im Rahmen des Jahresabschlusses darstellt
3. Die Bilanz im internationalen Kontext
3.1 Grundlagen der Rechnungslegungsnormen HGB, IAS und US-GAAP
3.1.1 Unterschiedliche Ansätze der Rechnungslegungsstandards
3.1.2 Die Auswirkungen divergenter Zielansätze auf die Bilanz
3.2 Vergleich der Bilanz der drei Normen
3.2.1 Formaler Aufbau der Bilanz
3.2.2 Die Hauptbestandteile der Bilanz
3.2.2.1 Assets
3.2.2.2 Liabilities
3.2.2.3 Equity
3.2.3 Die Behandlung einzelner Bilanzpositionen im Vergleich
3.2.3.1 US-GAAP versus HGB
3.2.3.2 IAS versus HGB
Die vorliegende Arbeit strebt einen Vergleich zwischen drei verschiedenen Rechnungslegungssystemen für den Bereich der externen Bilanz an. Im einzelnen wird auf die Rechnungslegungsnormen des deutschen Handelsgesetzbuch (HGB), der US-amerikanischen Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) und der International Accounting Standards (IAS) eingegangen.
Die Einführung in das Thema bildet ein Überblick über die Vielfalt der Bilanzarten im betrieblichen Rechnungswesen und eine kurze Beschreibung der allgemeingültigen Funktion der Bilanz im Rahmen des Jahresabschlusses. Im nächsten Schritt sind ausgehend von den unterschiedlichen Ansätzen der o.g. Rechnungslegungssysteme die elementaren Auswirkungen auf die Bilanz dargestellt.
Im Hauptteil werden formeller Bilanzaufbau und detaillierte Erläuterungen der Hauptbestandteile der Bilanz der drei Bilanzierungsstandards einander gegenübergestellt und verglichen. Im Anschluß sind anhand der Konzernabschlüsse von Siemens und Volkswagen (VW) für einzelne Bilanzpositionen, deren bilanzielle Behandlung zwischen den Rechnungslegungssystemen, US-GAAP versus HGB, bzw. IAS versus HGB, besonders different ist, direkte Vergleiche der Ansatzkriterien dargestellt.
Im Schlußteil werden die Auswirkungen der erörterten Unterschiede auf Jahresüberschuß und Eigenkapital aufgezeigt. Das zusammenfassende Ergebnis des Vergleichs der drei Rechnungslegungssysteme für den Bereich der Bilanz folgt sodann.
Die Arbeit behandelt vornehmlich die Thematik des Bilanzansatzes. Der Bereich des Bilanzausweises wird aufgrund der Begrenzung auf 15 Seiten lediglich peripher tangiert. Der Themenkomplex Bewertung ist nicht Gegenstand dieser Ausarbeitung.
Im Bereich des betrieblichen Rechnungswesens existieren verschiedene Bilanztypen, die für verschiedene Adressaten und zur Befriedigung diverser Informationsbedürfnisse aufgestellt werden. Hinzu kommen eine Vielzahl von Mischformen von Bilanzarten.
Die Abbildung im Anhang 1 (Seite 19) stellt nach Unterscheidungskriterien geordnet die am häufigsten auftretenden Bilanzarten dar.
Im Folgenden wird die Jahresabschlußbilanz thematisiert. Die Bilanz des Jahresabschlusses ist eine Erfolgsbilanz, die sich an externe Adressaten richtet. Sie wird von rechtlich selbständigen Unternehmen (Einzelbilanz) und von Konzernen (Konzernbilanz) für jedes Geschäftsjahr (Jahresbilanz) aufgestellt. Im Rahmen dieser Arbeit werden nationale und internationale Normen differenziert betrachtet.
Die Bilanz ist die Gegenüberstellung von Vermögen und Kapital eines Unternehmens zu einem bestimmten Zeitpunkt, dem Bilanzstichtag. Das Vermögen (Aktiva) gibt Aufschluß über die Verwendung der eingesetzten finanziellen Mittel.
Das Kapital (Passiva) zeigt die Ansprüche der Gläubiger (Fremdkapital) und der Unternehmer (Eigenkapital) an das Vermögen.1
Das Eigenkapital entsteht durch Zuführung von Unternehmenseignern (Einlagen) oder durch Verzicht auf Gewinnansprüche von seiten der Eigner. Beim Fremdkapital handelt es sich um, von Fremden oder Unternehmenseignern, zeitlich begrenzt zur Verfügung gestellte Mittel.2
Die Aufgaben und der daraus abzuleitende Stellenwert der Bilanz als Bestandteil des Jahresabschlusses werden durch die Zielfunktionen des jeweiligen Rechnungslegungssystem determiniert. Konsequenterweise ergeben sich daraus unterschiedliche Strukturen und Darstellungsweisen der Bilanz.
Aufgrund unterschiedlicher Rechtstraditionen sowie divergenter Finanzwirtschafts-und Steuerrechtssysteme sind in der Vergangenheit stark vereinfacht ausgedrückt zwei Bilanzierungswelten entstanden: Zum einen die durch das deutsche HGB maßgeblich vertretene kontinentaleuropäische und zum anderen die anglo-amerikanische Bilanzierungswelt, in der die US-GAAP eine herausragende Rolle spielen.3
Die IAS waren ursprünglich als Kompromiß zwischen den o.g. Bilanzierungswelten angelegt, sie weisen jedoch heute eine deutlich anglo-amerikanische Orientierung auf.4
Der fundamentale Unterschied zwischen den US-GAAP bzw. den daran angelehnten IAS und der Rechnungslegung nach HGB besteht in der divergenten Zielfunktion und der ungleichen Adressierung des Jahresabschlusses. So ist der Jahresabschluß nach US-GAAP und IAS vornehmlich auf die Befriedigung der Investoren mit entscheidungsrelevanten Informationen ausgelegt. Die Bedürfnisse anderer Jahresabschlußadressaten sind von nachrangiger Bedeutung. Eine Zahlungsbemessungsfunktion obliegt dem Jahresabschluß nicht.
Nach deutscher Rechnungslegung muß der Jahresabschluß gleich zwei Funktionen erfüllen: die Informationsfunktion und die Zahlungsbemessungs- funktion.
Der Jahresabschluß soll dabei die Informationsbedürfnisse von Anteilseignern, Gläubigern und der allgemeinen Öffentlichkeit befriedigen.
Die Zahlungsbemessungsfunktion bezieht sich einerseits auf die Ausschüttungsbemessung für Anteilseigner und andererseits auf die Bemessung der Steuern.
Im Gegensatz zu der investororientierten Rechnungslegung nach US-GAAP und IAS ist der Jahresabschluß nach HGB primär auf den Gläubigerschutz fokussiert.
Aufgrund der enormen Differenzen zwischen den Bilanzierungswelten sind die Auswirkungen auf die Funktion und Bedeutung der Bilanz entsprechend hoch.
Zentrale Funktion der Bilanz nach IAS und US-GAAP ist es, den Investoren Anhaltspunkte zur Beurteilung der situativen und strukturellen Unternehmensliquidität zu vermitteln.5 Damit sind Themenkomplexe wie Anlagendeckungsgrad, Verschuldungsgrad und Goldene Bilanzregel gemeint. Der Bilanzausweis des Jahresüberschusses ist lediglich Teil der Informationsfunktion.
Nach HGB wird die Gewinnermittlung als Hauptaufgabe der Bilanz angesehen.
Die Funktion der Steuerbemessung des Jahresabschlusses ist durch das Maßgeblichkeitsprinzip (§ 5 Abs.1 Satz 1 EStG) im deutschen Recht kodifiziert. Im Zusammenhang mit dem umgekehrten Maßgeblichkeitsprinzip (§ 5 Abs. 1 Satz 2 EStG) führt dieser Sachverhalt zur Verkettung von Handels-und Steuerbilanz und zu einer Verzerrung der Handelsbilanz.6
Mit Verzerrung der Handelsbilanz ist die Anwendung von Wahlrechten innerhalb des HGB gemeint, die nur aus steuerlichen Gründen erfolgen und somit streng genommen "das den tatsächlichen Verhältnissen entsprechende Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Kapitalgesellschaft" (§ 264 Abs. 2 HGB) manipulieren.
Gemäß dem Gläubigerschutzgedanken des deutschen Systems kommt der Bilanz zudem im Rahmen der Informationsfunktion die elementare Aufgabe zu, das Schuldendeckungspotential der Unternehmung offenzulegen. Imparitäts- und Realisationsprinzip (§252 Abs.1 Nr.4 HGB) werden hieraus begründet. Generell läßt sich aufgrund der konträren Schwerpunkte der Bilanz feststellen, daß die Bilanz aus internationaler Sichtweise eine weitaus geringere Rolle innerhalb der Bestandteile des Jahresabschlusses spielt, als das nach deutscher Rechnungslegung der Fall ist.
Die Bilanzen unterscheiden sich sowohl inhaltlich, als auch in ihrer formellen Darstellung.
Nach US-GAAP und IAS kann die Bilanz in Konto- oder in Staffelform aufgestellt werden. Praxisüblich ist die Staffelform.
Die US-GAAP schreiben keine verbindliche Gliederung für die Bilanz vor.
Für börsennotierte Unternehmen ist allerdings die Mindestgliederung gemäß der SEC-Vorschrift Rule 5-02 der Reg. S-X verpflichtend.7 Hiernach wird auf der Aktivseite in Current und Noncurrent Assets und auf der Passivseite in Liabilities und Stockholders' equity unterschieden. Über diesen Mindestinhalt hinaus liegt es gemeinhin im Interesse der Unternehmen, die Daten empfängergerecht darzustellen.8 Nach US-amerikanischer Tradition erfolgt die Gliederung der Bilanzpositionen absteigend nach abnehmender Liquidität. Ein Beispiel für eine Bilanz nach US-GAAP ist im Anhang 2 (Seite 20) dargestellt.
Auch nach IAS gibt es keine einheitliche Mustergliederung. In IAS 1 (revised 1997) Tz. 53 bis 75 werden sowohl verpflichtende Anforderungen für den Aufbau und die formelle Gestaltung der Bilanz als auch darüber hinausgehende Empfehlungen definiert. Die Bilanz ist entweder nach aufsteigender oder nach absteigender Liqidität aufzubauen. Der Anhang 3 (Seite 21) zeigt einen Bilanzaufbau zu Mindestanforderungen.
Nach dem deutschen Handelsrecht ist die Bilanz in Kontoform aufzustellen (§ 266 Abs.1 S.1 HGB). Sehr detaillierte Gliederungsvorschriften für Aktiv- und Passivseite ergeben sich für Kapitalgesellschaften aus § 266 Abs. 2 und 3 HGB. Die Bilanz ist somit absteigend nach zunehmender Liquidität zu gliedern.
In Tz. 47 des IAS-Framework werden die sogenannten elements der Bilanz aufgezählt. Die Aktivseite der Bilanz enthält demnach ausschließlich assets, auf der Passivseite wird in equity und liabilities unterschieden.
Nach US-GAAP ergibt sich eine ähnliche Regelung aus dem SFAC 5.9
Handelsrechtlich werden Aktiva in Bilanzierungshilfen, Vermögensgegenstände und aktive Rechnungsabgrenzungsposten unterteilt; Passiva sind zu untergliedern in Eigenkapital, Rückstellungen, Verbindlichkeiten und passive Rechnungsabgrenzungsposten.
Die einzelnen Elemente der Bilanz sind im Vergleich der drei Rechnungslegungsstandards also nicht kongruent. Nachfolgend werden die Hauptbestandteile der Bilanz, ausgehend von den IAS und differenziert nach den drei Systemen, definiert, erläutert und miteinander verglichen.
Assets sind nach IAS wie folgt definiert:
"An asset is a resource controlled by the enterprise as a result of past events and from which future economic benefits are expected to flow to the enterprise."10
Das Vorliegen von Anschaffungskosten oder sonstigen Aufwendungen reicht für die Deklaration als asset also nicht aus. Umgekehrt können assets zum Beispiel im Fall der unentgeltlichen Zuteilung eines Vermögenswertes auch ohne vorhergehende Aufwendungen vorliegen; es müssen lediglich die oben dargestellten Voraussetzungen erfüllt werden.11
Die physische Existenz ist für das Vorliegen eines assets ohne Bedeutung.12 Folglich sind auch immaterielle Vermögensgegenstände assets, wenn sie die oben genannten Kriterien erfüllen. Hierbei ist es konsequenterweise unerheblich ob es sich um einen selbsterstellten oder einen erworbenen Wert handelt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß besonders bei ungeschützten immateriellen Werten eine konkrete Beschreibung des Wertes zur Abgrenzung von anderen Positionen vorliegt. Die zwingende Voraussetzung der Kontrolle des Unternehmens über den zu bilanzierenden Wert muß dabei entweder durch Rechte oder auch durch die Geheimhaltung des Wertes erfüllt werden.13
Gemäß IAS 38 Tz. 45 sind immaterielle Vermögensgegenstände auch dann assets, wenn sie sich noch in der Entwicklungsphase befinden. Dahingegen sind Forschungskosten generell als Aufwand zu erfassen.
Die Deklaration des Wertes als asset sagt noch nichts über dessen Bilanzierungsfähigkeit aus. Gemäß des Framework des IASC müssen hierfür folgende Kriterien (Recognition Criteria) zutreffen:
- Es ist wahrscheinlich, daß durch das asset ein zukünftiger ökonomischer Nutzen dem Unternehmen zufließt.
- Die Kosten oder der Wert des assets lassen sich zuverlässig ermitteln.14
Unter Anlehnung an den anglo-amerikanischem Sprachgebrauch versteht man unter wahrscheinlich eine Wahrscheinlichkeit größer 0,5.15 Als zuverlässige Bewertung gilt neben der Orientierung an Anschaffungs- und Herstellungskosten, eine Schätzung nach vernünftigen Gesichtspunkten.16
1 Vgl.: Gabler: Wirtschaftslexikon. Wiesbaden 1997, 2. Band, S. 614.
2 Vgl.: Coenenberg, Adolf G.: Jahresabschluß und Jahresabschlußanalyse. Landsberg/Lech 2000, S. 28.
3 Vgl.: Förschle, Gerhart u.a.: Internationale Rechnungslegung: US-GAAP, HGB und IAS. Bonn 1999, S. 4.
4 Vgl.: Glaum, Martin: Rechnungslegung auf globalen Kapitalmärkten. Wiesbaden 1996, S. 1.
5 Vgl.: Glaum, Martin: Rechnungslegung auf globalen Kapitalmärkten. Wiesbaden 1996, S. 106.
6 Vgl.: Coenenberg, Adolf G.: Jahresabschluß und Jahresabschlußanalyse. Landsberg/Lech 2000, S. 40.
7 Vgl.: Förschle, Gerhart u.a. Internationale Rechnungslegung: US-GAAP, HGB und IAS. Bonn 1999, S. 9.
8 Vgl.: Müller, Werner: Internationales Rechnungswesen: Aufstellung nd Auswertung des Jahresabschlusses nach EU-Richtlinien, IAS und US-GAAP. München/Wien 2001, S. 65.
9 Vgl. Müller, Werner: Internationales Rechnungswesen: Aufstellung nd Auswertung des Jahresabschlusses nach EU-Richtlinien, IAS und US-GAAP. München/Wien 2001, S. 70.
10 IASC: Conceptual Framework, in: International Accounting Standards. London 2001, Tz.49, S. 66.
11 Vgl.: IASC: Conceptual Framework, in: International Accounting Standards. London 2001, Tz.59 u. Tz. 58, S. 68-69.
12 Vgl.: ebenda, Tz.56, S. 68.
13 Vgl.: ebenda, Tz.57, S. 68.
14 Vgl.: ebenda, Tz.83 u. Tz.89, S. 74 u. S76.
15 Vgl.: Coenenberg, Adolf G.: Jahresabschluß und Jahresabschlußanalyse. Landsberg/Lech 2000, S. 99.
16 Vgl.: IASC: Conceptual Framework, in: International Accounting Standards. London 2001, Tz.86, S.76.
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Bilanz Vergleich US-GAAP Internationales Rechnungswesen