Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=III%20ZR%2014/10
Timestamp: 2019-07-16 01:29:19
Document Index: 108012933

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BGH, 16.09.2010 - III ZR 14/10 - dejure.org
https://dejure.org/2010,1594
BGH, 16.09.2010 - III ZR 14/10 (https://dejure.org/2010,1594)
BGH, Entscheidung vom 16.09.2010 - III ZR 14/10 (https://dejure.org/2010,1594)
BGH, Entscheidung vom 16. September 2010 - III ZR 14/10 (https://dejure.org/2010,1594)
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Emissionsprospekt eines Filmfonds: Umfang der Nachforschungspflichten des Anlageberaters hinsichtlich des benannten Erlösversicherers
Umfang der Nachforschungspflichten eines Anlageberaters im Hinblick auf den im Emissionsprospekt eines Filmfonds angesprochenen Erlösversicherer
Zu den Nachforschungspflichten des Anlageberaters über die Solidität und Bonität des Erlösversicherers für einen Filmfonds
Zum Umfang der Nachforschungs- und Prüfungspflichten eines Anlageberaters
Zum Umfang der Nachforschungspflichten eines Anlageberaters im Hinblick auf den im Emissionsprospekt eines Filmfonds angesprochenen Erlösversicherer
Zum Umfang der Beratungspflicht eines Anlageberaters
Aktienrecht - Nachforschungspflichten des Anlageberaters bzgl Erlösversicherers
Zu Nachforschungspflichten des Anlageberaters über die Solidität und Bonität des Erlösversicherers für einen Filmfonds
Apollo Media Fonds: Falsche oder unterlassene Informationen über Erlösausfallversicherer begründen Schadenersatzansprüche geschädigter Anleger
Aufklärungspflichten des Anlageberaters; Nachforschungspflichten, Auswertung seriöser Wirtschaftspresse
Zum Pflichtenkreis eines Anlageberaters, der Filmfonds empfiehlt
LG Augsburg, 01.12.2008 - 10 O 5136/07
OLG München, 10.12.2009 - 24 U 41/09
NJW-RR 2011, 329
ZIP 2010, 2206
VersR 2011, 77
WM 2010, 1932
DB 2010, 2277
NZG 2010, 1272
Das vom Berufungsgericht angeführte wirtschaftliche Hauptrisiko einer Filmproduktion, die Vorstellungen möglicher Verwertungspartner oder den Geschmack des Publikums nicht zu treffen (vgl. BGH, Urteil vom 16. September 2010 - III ZR 14/10, ZIP 2010, 2206 Rn. 11), wird ausdrücklich beschrieben.
Dazu gehört die Auswertung vorhandener Veröffentlichungen in der Wirtschaftspresse (…vgl. z.B. Senatsurteile vom 5. März 2009 - III ZR 302/07, WM 2009, 688, 690 Rn. 13 ff;… vom 5. November 2009 - III ZR 302/08, WM 2009, 2360, 2362 Rn. 16, 18 und vom 16. September 2010 - III ZR 14/10, NZG 2010, 1272, 1273 Rn. 10).
Dabei hatte der Berater insbesondere diejenigen Eigenschaften und Risiken des Filmfonds zu erläutern, die für die Entscheidung des Klägers wesentliche Bedeutung haben konnten (vgl. BGH, Urteil vom 16.09.2010 - III ZR 14/10 -, RdNr. 10, 11, zitiert nach Juris; BGH, Urteil vom 01.12.2011 - III ZR 56/11 -, RdNr. 10, zitiert nach Juris).
Das Hauptrisiko des Fonds bestand darin, bei den Filmproduktionen die Vorstellungen möglicher Verwertungspartner oder den Geschmack des Publikums nicht zu treffen (vgl. BGH, Urteil vom 16.09.2010 - III ZR 14/10 -, RdNr. 11, zitiert nach Juris).
(Vgl. zu den Anforderungen an die Pflichten eines Anlageberaters bei der Prüfung eines Emissionsprospekts BGH, Urteil vom 16.09.2010 - III ZR 14/10 -, RdNr. 10; BGH, Urteil vom 01.12.2011 - III ZR 56/11 -, RdNr. 10, zitiert nach Juris.).
Der Erfolg des Fonds einerseits bzw. ein möglicher Verlust des Anlagekapitals andererseits war nach der Konzeption des Fonds mithin hauptsächlich davon abhängig, inwieweit es gelingen würde, bei den Filmproduktionen den Publikumsgeschmack zu treffen (vgl. zu diesem Risiko bei einem Filmfonds BGH, Urteil vom 16.09.2010 - III ZR 14/10 -, zitiert nach Juris; vgl. zum besonderen Risiko bei einem Filmfonds auch BGH, Urteil vom 27.10.2009 - XI ZR 338/08 -, RdNr. 28, zitiert nach Juris).
Die Bedeutung dieses Hauptrisikos, nämlich die Abhängigkeit des Fondserfolges vom erwarteten oder erhofften Publikumsgeschmack (vgl. BGH, Urteil vom 16.09.2010 - III ZR 14/10 -, RdNr. 11, zitiert nach Juris) wird verharmlost bzw. verschleiert (ebenso bei einem identischen oder weitgehend übereinstimmenden Prospekt OLG Naumburg, VersR 2013, 361).
Das vom Berufungsgericht angeführte wirtschaftliche Hauptrisiko einer Filmproduktion, den Geschmack des Publikums nicht zu treffen (vgl. BGH, Urteil vom 16. September 2010 - III ZR 14/10, ZIP 2010, 2206 Rn. 11), wird ausdrücklich beschrieben.
Dies gilt ebenso für die Entscheidung des BGH vom 16.09.2010 - III ZR 14/10, die sich mit den Pflichten des Anlageberaters bei der Zeichnung eines Filmfonds befasst.
Ein Anlageberater ist zu mehr als nur zu einer Plausibilitätsprüfung verpflichtet (vgl. BGH NJW-RR 2011, 329).
Die Beklagte musste deshalb nicht auf (klägerseits behauptete) Fehler im Prospekt hinweisen, oder die Klagepartei zumindest darüber aufklären, dass bestimmte, wesentliche Darstellungen im Prospekt keine gesicherte Grundlage hatten (vgl. OLG Karlsruhe, Urteil vom 18. Juni 2014 - 9 U 114/11 -, juris unter Hinweis auf BGH, Urteil vom 16.09.2010 - III ZR 14/10 -, RdNr. 10; BGH, Urteil vom 01.12.2011 - III ZR 56/11 -, RdNr. 10, und die dort dargelegten Anforderungen an die Pflichten eines Anlageberaters bei der Prüfung eines Emissionsprospekts.).
Ein Berater, der sich in Bezug auf eine bestimmte Anlageentscheidung als kompetent geriert, hat sich dabei aktuelle Informationen über das Objekt, das er empfehlen will, zu verschaffen (BGH, Urteil vom 01. Dezember 2011 - III ZR 56/11 -, juris, Rz.10 unter Verweis auf BGH…, Urteil vom 01. Dezember 2011 - III ZR 56/11 -, juris vgl. z.B. Senatsurteile vom 5. März 2009 - III ZR 302/07, WM 2009, 688, 690 Rn. 13 ff;… vom 5. November 2009 - III ZR 302/08, WM 2009, 2360, 2362 Rn. 16, 18 und vom 16. September 2010 - III ZR 14/10, NZG 2010, 1272, 1273 Rn. 10).
Er muss deshalb eine Anlage, die er empfehlen will, mit üblichem kritischem Sachverstand prüfen oder den Kunden auf ein diesbezügliches Unterlassen hinweisen (vgl. BGH WM 2010, 1932-1934).
Dazu gehört die Auswertung vorhandener Veröffentlichungen in der Wirtschaftspresse (…BGH, U. vom 01.12.2011, WM 2012, 24f., Rz. 9f.; U. vom 16.09.2010, WM 2010, 1932ff., Rz. 10).