Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=IX%20ZR%20141/93
Timestamp: 2019-08-22 23:23:15
Document Index: 209527189

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 765', '§ 600', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 812', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 28.10.1993 - IX ZR 141/93 - dejure.org
https://dejure.org/1993,219
BGH, 28.10.1993 - IX ZR 141/93 (https://dejure.org/1993,219)
BGH, Entscheidung vom 28.10.1993 - IX ZR 141/93 (https://dejure.org/1993,219)
BGH, Entscheidung vom 28. Januar 1993 - IX ZR 141/93 (https://dejure.org/1993,219)
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Bürgschaft auf erstes Anfordern - Hauptforderung - Darlegung - Urkundenprozeß - Verurteilung unter Vorbehalt der Rechte - Einwendungen im Rückforderungsprozeß
Kein Schlüssigkeitserfordernis für Hauptforderung bei Zahlungsverlangen aus Bürgschaft auf erstes Anfordern
BGB § 765; ZPO § 600
Bürgschaften auf erstes Anfordern sind gefährlich! (IBR 1994, 93)
NJW 1994, 380
ZIP 1993, 1851
MDR 1994, 721
WM 1994, 106
BB 1994, 312
DB 1994, 1031
ZfBR 1994, 70
Für die Inanspruchnahme des Bürgen genügt es, daß der Gläubiger die Bürgenleistung vertragsgemäß angefordert hat und behauptet, seine Forderung sei fällig (Senatsurt. v. 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, NJW 1994, 380, 381; v. 17. Oktober 1996 - IX ZR 325/95, ZIP 1996, 2062).
c) Der Bürge kann sich im Erstprozeß auf die materielle Unbegründetheit der Anforderung nur dann berufen, wenn klar auf der Hand liegt, daß der Gläubiger eine formale Rechtsstellung mißbraucht (Senatsurt. v. 28. Oktober 1993, aaO;… v. 17. Oktober 1996, aaO S. 2064).
Hinsichtlich eines eventuellen Nachverfahrens wird auf das Senatsurteil vom 28. Oktober 1993 (aaO S. 382) hingewiesen.
a) Der Bürge, der sich zur Zahlung auf erstes Anfordern verpflichtet, muß in der Regel sofort zahlen und kann Einwendungen oder Einreden aus dem Hauptschuldverhältnis erst in einem Rückforderungsprozeß geltend machen (BGHZ 74, 244, 247 f;… BGH, Urt. v. 12. März 1992 - IX ZR 141/91, aaO.; v. 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, NJW 1994, 380, 381; v. 17. Oktober 1996 - IX ZR 325/95, WM 1996, 2228 f).
Der Gläubiger braucht nur die Bürgenleistung vertragsgerecht anzufordern, muß aber nicht die verbürgte Hauptforderung schlüssig darlegen (BGH, Urt. v. 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, aaO.;… v. 17. Oktober 1996 - IX ZR 325/95, aaO.).
Alle anderen Streitfragen tatsächlicher und rechtlicher Art, die den verbürgten Anspruch betreffen, sind regelmäßig erst in einem künftigen Rechtsstreit auf Rückforderung der Bürgenleistung - noch nicht im Nachverfahren eines Urkundenprozesses wegen der Bürgenhaftung - auszutragen, es sei denn, daß ausnahmsweise der Einwand einer mißbräuchlichen, für jedermann klar erkennbaren Ausnutzung einer formalen Rechtsstellung gemäß § 242 BGB durchgreift (BGH, Urt. v. 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, aaO. 381 f, v. 17. Oktober 1996 - IX ZR 325/95, aaO. 2229 f).
Garantie und Bürgschaft auf erstes Anfordern sind typische Geschäfte vor allem bei der Konzernfinanzierung und im internationalen Handel (…BGH, Urt. v. 24. November 1983 - IX ZR 2/83, WM 1984, 44, 45;… v. 12. März 1992 - IX ZR 141/91, aaO. 1447; v. 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, aaO. 381).
Nimmt der Gläubiger einen Bürgen oder Garanten aus seiner Verpflichtung auf erstes Anfordern in Anspruch, so hat er dafür im Rahmen der formellen Dokumentenstrenge grundsätzlich dasjenige eindeutig erkennbar zu erklären, was als Voraussetzung der vorläufigen Zahlungspflicht in den Urkunden niedergelegt ist (vgl. BGH, Urt. v. 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, aaO., v. 17. Oktober 1996 - IX ZR 325/95, aaO. 2229; v. 23. Januar 1996 - XI ZR 105/95, NJW 1996, 1052, 1053; v. 12. März 1996 XI ZR 108/95, NJW 1996, 1673); eine wörtliche Übereinstimmung ist entgegen der Ansicht der Revision nur dann erforderlich, wenn dies ausdrücklich vereinbart ist (…vgl. v. Westphalen, Die Bankgarantie im internationalen Handelsverkehr 2. Aufl. S. 151; Nielsen, Bankgarantien bei Außenhandelsgeschäften 1986 S. 82).
Das Berufungsgericht hat eine mißbräuchliche Ausnutzung einer formalen Rechtsstellung verneint (vgl. zu den Voraussetzungen BGH, Urt. v. 28. Oktober 1993 IX ZR 141/93, aaO.;… v. 17. Oktober 1996 - IX ZR 325/95, aaO. 2229 f).
Formularmäßige Vereinbarung eines Sicherheitseinbehalts ohne Ausgleich; Ablösung …
Er ist nicht verpflichtet, schlüssig darzulegen, daß die durch die Bürgschaft gesicherte Hauptforderung besteht; Einwendungen können - abgesehen von Mißbrauchsfällen - erst im Rückforderungsprozeß geltend gemacht werden (st. Rspr.; vgl. BGH, Urteile vom 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, NJW 1994, 380 und vom 17. Oktober 1996 - IX ZR 325/95, BauR 1997, 134 = ZfBR 1997, 38).
BGH, 17.10.1996 - IX ZR 325/95
Darlegung der Fälligkeitsvoraussetzungen bei einer Bürgschaft auf erstes …
Zur schlüssigen Darlegung eines Anspruchs aus einer Bürgschaft auf erstes Anfordern reicht es aus, wenn der gläubiger das erklärt, was als Voraussetzung der Zahlung in der Bürgschaft niedergelegt ist (Senatsurteil vom 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, NJW 1994, 380, 381; vgl. auch Senatsurteil vom 24. November 1983 - IX ZR 2/83, WM 1984, 44).
Insbesondere darf nicht der Streit über die Berechtigung der Hauptanforderung bereits in den ersten Bürgschaftsprozeß verlagert werden (Senatsurteil vom 13. Juli 1989 - IX ZR 223/88, WM 1989, 1496, 1497 f; vom 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, NJW 1994, 380, 381).
Der Bürge kann sich gegenüber einer Bürgschaft auf erstes Anfordern ausnahmsweise auf materielle Unbegründetheit der Anforderung berufen, wenn es klar auf der Hand liegt, daß der Gläubiger eine formale Rechtsstellung mißbraucht, § 242 BGB (Senatsurteil vom 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93 a.a.O.).
Darüber ist vielmehr erst im Rückforderungsprozeß - nicht dem Nachverfahren des gegenwärtigen Urkundsprozesses (vgl. dazu Senatsurteil vom 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, a.a.O. s. 382) - zu entscheiden.
Auch eine derartige fällige Forderung ist verbürgt und im gegenwärtigen Rechtsstreit geltend zu machen; ein möglicher Streit über die Berechtigung ist ebenfalls im Rückforderungsprozeß auszutragen (vgl. Senatsurteil vom 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, a.a.O. S. 382).
Denn das Vorbehaltsurteil verschafft dem Gläubiger noch nicht sicher die liquiden Mittel, die er aufgrund einer Bürgschaft auf erstes Anfordern erwarten darf (Urt. v. 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, WM 1994, 106, 108).
Dieser Zweck wird nur erreicht, wenn alle Streitfragen tatsächlicher und rechtlicher Art, die die Begründetheit der Hauptforderung betreffen, in den Rückforderungsprozeß verwiesen werden, sofern nicht ausnahmsweise klar auf der Hand liegt, daß der Gläubiger eine formale Rechtsstellung mißbraucht (BGHZ 74, 244; BGH, Urt. v. 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, NJW 1994, 380, 381 m.w.N.).
Dies geschieht in der Praxis einmal dadurch, daß die Zahlung von der Erfüllung bestimmter formaler Merkmale abhängig gemacht wird (…vgl. BGH, Urt. v. 24. November 1983 - IX ZR 2/83, NJW 1984, 923, 924; v. 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, NJW 1994, 380, 381).
Schon nach der bisherigen Rechtsprechung des Senats ist die Schlüssigkeit des Klagebegehrens in diesem Punkt zu prüfen (vgl. Senatsurt. v. 28. Oktober 1993 - IX ZR 141/93, NJW 1994, 380, 381).
Die Klausel "auf erstes Anfordern" führt daher dazu, dass der Bürge oder Garant auf Verlangen des Begünstigten die geforderte Summe sofort zahlen muss und Einwendungen gegen die materielle Berechtigung der Ansprüche des Begünstigten erst nach Zahlung durch Rückforderungsklage aus § 812 BGB geltend machen kann (vergl. zur Bürgschaft: BGHZ 74, 244, 247 f. = NJW 1979, 1500; BGH NJW 1994, 380, 381 mwN.; NJW 1997, 255; NJW 1997, 1445, 1436; NJW 1998, 2280; NJW 1999, 2361, 2362 f.; NJW 2001, 1857; zur Garantie: BGHZ 90, 287, 292 f., 294 = NJW 1984, 2030, 2031 f.; BGHZ 90, 287, 294 = NJW 1984, 2030, 2032; BGH BauR 1987, 98, 99; NJW 1999, 570, 571; NJW 2001, 282 f.).
auch der Zahlungspflichtige die Schlüssigkeit zu prüfen (BGH NJW 1984, 923 f.; NJW 1994, 380, 381; NJW 1997, 255; NJW 1998, 2280, 2281).
Alle anderen Einwendungen tatsächlicher oder rechtlicher Art, die sich nicht gegen das Vorliegen der in dieser Urkunde akzeptierten formalen Voraussetzungen der Zahlungsaufforderung richten, sind jedoch erst in einem künftigen Rechtsstreit auf Rückforderung der Bürgenleistung auszutragen, es sei denn, dass ausnahmsweise der Einwand einer missbräuchlichen, für jedermann klar erkennbaren Ausnutzung einer formalen Rechtsstellung gemäß § 242 BGB durchgreift (zur Bürgschaft BGH NJW 1988, 2610; NJW 1994, 380, 381; NJW 1997, 255; NJW 1997, 1445, 1436 mwN.; zur Garantie: BGHZ 90, 287, 292 f. = NJW 1984, 2030, 2031; BGH BauR 1987, 98, 99; NJW 1989, 1480, 1481; NJW 1999, 570, 571).
Ein rechtsmissbräuchliches Verhalten muss sich der Gläubiger, der vereinbarungsgemäß seine materielle Berechtigung weder darzulegen noch zu beweisen hat, daher nur dann entgegenhalten lassen, wenn offensichtlich oder für jedermann liquide beweisbar ist, dass trotz Vorliegens der formellen Voraussetzungen der (materielle) Bürgschafts- oder Garantiefall nicht eingetreten ist (vergl. zur Bürgschaft BGH NJW 1985, 1694, 1695; NJW 1988, 2610; BauR 1989, 618, 620; NJW 1994, 380, 381; NJW 1996, 717, 718; NJW 1997, 255, 256; NJW 1997, 1445, 1436; NJW 1998, 2280, 2281; NJW 2000, 1563, 1564; NJW 2001, 1857; zur Garantie: BGHZ 90, 287, 292 f., 294 = NJW 1984, 2030, 2031 f.; BGH BauR 1987, 98, 99 und 101; NJW 1988, 2610; NJW 1989, 1480, 1481; NJW 1999, 570, 571; NJW 2001, 282 f.).
Das entspricht sinngemäß den Erwägungen, aus denen der Bundesgerichtshof dem im Urkundenprozess verklagten Bürgen, der sich auf erstes Anfordern verpflichtet hat, die Erhebung seiner Einwendungen aus dem Hauptschuldverhältnis im Nachverfahren versagt (z.B. NJW 1994, 380; NJW 1997, 225) und das Urkundsverfahren für den Rückforderungsprozess als jedenfalls in der Regel unstatthaft ansieht (NJW 2001, 3549 = BKR 2001, 87).
BFH, 01.10.1997 - II R 38/95
Unvereinbarkeit des Stichtagsprinzips nach dem Bewertungsrecht mit möglichen und …
OLG Brandenburg, 25.03.1999 - 12 U 157/98
Zulässigkeit von Einwendungen gegen die Inanspruchnahme aus einer Bürgschaft auf …
LG Köln, 12.04.2006 - 91 O 56/05
LG Bremen, 04.08.2005 - 2 O 454/05
Partnerausschüttungsbürgschaft und Verzug der Bank