Source: http://www.vdaa.de/Anforderungen-an-die-Hinweispflicht-nach-6-Satz-2-KSchG%3B-Betriebsratsbeteiligung-bei-Massenentlassun/
Timestamp: 2018-03-19 16:45:04
Document Index: 169415020

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 102', '§ 102', '§ 102', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 613', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 4', '§ 102', '§ 102', '§ 8', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 125', '§ 20', '§ 17', '§ 6', '§ 125', '§ 17', '§ 102', '§ 4', '§ 17', '§ 17', '§ 125', '§ 17', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 125', '§ 125', '§ 125', '§ 111', '§ 125', '§ 613', '§ 111', '§ 125', '§ 125', '§ 1', '§ 1', '§ 4', '§ 6', 'Art. 1', '§ 6', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 17', '§ 4', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 139', '§ 68', '§ 6', '§ 5', '§ 6', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 102', '§ 17', '§ 125', '§ 102', '§ 112', '§ 1', '§ 102', '§ 102', '§ 102', '§ 17', '§ 112', '§ 102', '§ 102', '§ 102', '§ 102', '§ 1', '§ 102', '§ 112', '§ 1', '§ 4', '§ 102', '§ 4', '§ 102', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 613', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 125', '§ 17', '§ 17', '§ 613', '§ 17', '§ 17', '§ 18', '§ 17', '§ 113', '§ 97', '§ 6', '§ 17']

Anfor­de­run­gen an die Hin­weis­pflicht nach § 6 Satz 2 KSchG; Betriebs­rats­be­tei­li­gung bei Mas­sen­ent­las­sung | Verband deutscher ArbeitsrechtsAnwälte e.V.
Anfor­de­run­gen an die Hin­weis­pflicht nach § 6 Satz 2 KSchG; Betriebs­rats­be­tei­li­gung bei Mas­sen­ent­las­sung
1. Die Klä­ge­rin hat sich erst in der Beru­fungs­in­stanz auf eine feh­ler­haf­te Betrie­brats­an­hö­rung und eine nicht ordun­gungs­ge­mä­ße Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge beru­fen. Nach § 6 Satz 1 KSchG wäre das nur bis…
(vdaa) 1. Die Klä­ge­rin hat sich erst in der Beru­fungs­in­stanz auf eine feh­ler­haf­te Betrie­brats­an­hö­rung und eine nicht ordun­gungs­ge­mä­ße Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge beru­fen. Nach § 6 Satz 1 KSchG wäre das nur bis zum Schluss der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Arbeits­ge­richt mög­lich gewe­sen.
2. Das Arbeits­ge­richt genüg­te sei­ner Hin­weis­pflicht nach § 6 Satz 2 KSchG durch fol­gen­de For­mu­lie­rung in der Ladung zur Güte­ver­hand­lung: “Die kla­gen­de Par­tei wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nur bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung in der
ers­ten Instanz auch wei­te­re Unwirk­sam­keits­grün­de gel­tend gemacht wer­den kön­nen (§ 6 KSchG).” Auf die Rechts­fol­gen einer Ver­let­zung der Hin­weis­pflicht kam es daher nicht an.
3. Außer­dem war die Kün­di­gung auch nicht wegen feh­ler­haf­ter Betrie­brats­be­tei­li­gung unwirk­sam. Der Arbeit­ge­ber konn­te das Anhö­rungs­ver­fah­ren nach § 102 BetrVG mit den Inter­es­sen­aus­gleichs­ver­hand­lun­gen ver­bin­den (vgl. BAG 28. August 2003 — 2
AZR 377/02 — AP Nr. 134 zu § 102 BetrVG 1972 = EzA § 102 BetrVG 2001 Nr. 4, zu B II 1 der Grün­de; 20. Sep­tem­ber 2006 — 6 AZR 219/06 — AP Nr. 24 zu § 17 KSchG 1969, zu II 1 a der Grün­de).
4. Auch § 17 Abs. 2 KSchG war gewahrt. Ob ein Ver­stoß des Arbeit­ge­bers gegen § 17 Abs. 2 KSchG zur Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung führt (zwei­felnd: BAG 24. Okto­ber 1996 — 2 AZR 895/95 — AP Nr. 8 zu § 17 KSchG 1969 = NZA 1997, 373 = EzA KSchG § 17 Nr. 6, zu B II 2 b der Grün­de; offen­ge­las­sen durch BAG 28. Mai
2009 — 8 AZR 273/08 — AP Nr. 370 zu § 613a BGB = NZA 2009, 1267 = EzA § 17 KSchG Nr 20, zu B II 3 der Grün­de) konn­te dahin­ste­hen. Der Betriebs­rat hat den Erhalt der Unter­la­gen nach § 17 KSchG in dem durch ihn unter­zeich­ne­ten Inter­es­sen­aus­gleich aus­drück­lich bestä­tigt.
5. Den Anfor­de­run­gen des § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG ist auch genügt, wenn der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge ein allein durch den Betriebs­rat im Ori­gi­nal unter­zeich­ne­ter Inter­es­sen­aus­gleich bei­ge­fügt war aus dem sich der Stand­punkt des Betriebs­rats mit aus­rei­chen­der Deut­lich­keit ablei­ten lässt, ins­be­son­de­re wenn sich
aus die­sem — wie hier — auch des­sen not­wen­di­ger Kennt­nis­stand ergibt. Dann ist es unschäd­lich, wenn der Insol­venz­ver­wal­ter ledig­lich eine Kopie des durch den Betriebs­rat unter­schrie­be­nen Inter­es­sen­aus­gleichs gegen­ge­zeich­net und der Arbeits­agen­tur zuge­lei­tet hat.
1. Die Beru­fung der Klä­ge­rin gegen das Urteil des Arbeits­ge­richts Bran­den­burg an der Havel vom 03.12.2009 — 2 Ca 834/09 — wird auf ihre Kos­ten zurück­ge­wie­sen
2. Die Revi­si­on wird zuge­las­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit einer betriebs­be­ding­ten Kün­di­gung.
Die Klä­ge­rin war bei der Beklag­ten unter Aner­ken­nung einer Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit seit 1991 als tech­ni­sche Mit­ar­bei­te­rin (Kon­struk­teu­rin) tätig.
Am 1. Juni 2009 wur­de über das Ver­mö­gen der K. Haus GmbH, der dama­li­gen Arbeit­ge­be­rin der Klä­ge­rin, wie auch über alle übri­gen Unter­neh­men der K.-Gruppe das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net und der Beklag­te zum Insol­venz­ver­wal­ter bestellt.
Am 10. Juni 2009 sag­te der letz­te Inter­es­sent einer Gesamt­lö­sung, die eine Über­nah­me fast sämt­li­cher Unter­neh­men der Betrie­be K.-Gruppe ermög­licht hät­te, dem Beklag­ten ab. Die­ser stell­te dar­auf­hin noch am 10. Juni 2009 die Pro­duk­ti­on am Stand­ort Zie­sar ein und die Beleg­schaft — mit weni­gen Aus­nah­men — mit Wir­kung vom 11. Juni 2009 frei.
Am 24. Juni 2009 einig­te der Beklag­te sich mit dem Betriebs­rat auf einen Inter­es­sen­aus­gleich mit Namens­lis­te. Wer­ben­de oder pro­du­zie­ren­de Tätig­keit hat es in dem Betrieb in Zie­sar seit­her nicht mehr gege­ben.
Unter § 4 (Anhö­rung nach § 102 BetrVG) des Inter­es­sen­aus­gleichs heißt es:
“Der Betriebs­rat erklärt mit Unter­zeich­nung die­ses Inter­es­sen­aus­glei­ches, dass er bereits im Rah­men der Ver­hand­lun­gen über die­sen Inter­es­sen­aus­gleich ord­nungs­ge­mäß die nach § 102 BetrVG erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen über die zu berück­sich­ti­gen­den Kün­di­gungs­grün­de und zur Sozi­al­aus­wahl in einer Lis­te sämt­li­cher Arbeit­neh­mer und Aus­zu­bil­den­der mit ihren rele­van­ten Sozi­al­da­ten (Name, Funk­ti­on, Abtei­lung, Geburts­da­tum, Ein­tritts­da­tum, Fami­li­en­stand, Unter­halts­pflich­ten laut Lohn­steu­er­kar­te oder soweit ande­res bekannt, indi­vi­du­el­le Kün­di­gungs­frist, even­tu­ell Schwer­be­hin­de­rung, etc.) erhal­ten hat und so bereits ord­nungs­ge­mäß ange­hört wur­de.
Der Betriebs­rat hat auch eine Lis­te der zu kün­di­gen­den Arbeit­neh­mer und Aus­zu­bil­den­den erhal­ten. Der Betriebs­rat erklärt, dass er die beab­sich­tig­ten Kün­di­gun­gen zur Kennt­nis nimmt und kei­ne wei­te­re Stel­lung­nah­me abge­ben wird und das Anhö­rungs­ver­fah­ren als abge­schlos­sen sieht.”
Unter § 8 (Unter­rich­tung nach § 17 KSchG) des Inter­es­sen­aus­gleichs heißt es:
“Der Betriebs­rat erklärt hier­mit, recht­zei­tig und umfas­send gemäß § 17 KSchG über die Anzei­ge­pflich­ti­gen Maß­nah­men unter­rich­tet wor­den zu sein. Der vor­lie­gen­de Inter­es­sen­aus­gleich ersetzt die Stel­lung­nah­me des Betriebs­rats gemäß § 17 Abs. 3 KSchG (§ 125 InsO) sowie § 20 Abs. 1 und 2 KSchG.”
Mit Schrei­ben vom 25. Juni 2009 hör­te der Beklag­te den Betriebs­rat “vor­sorg­lich noch­mals” zu den beab­sich­tig­ten Kün­di­gun­gen an. Er nahm in die­sem Schrei­ben Bezug auf die Ver­hand­lun­gen über den Inter­es­sen­aus­gleich und die dort erteil­ten Infor­ma­tio­nen sowie die bereits über­ge­be­nen Unter­la­gen. Die Kün­di­gun­gen soll­ten danach unmit­tel­bar nach Abschluss des Anhö­rungs­ver­fah­rens aus­ge­spro­chen wer­den. Die per­sön­li­chen Daten der betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer ein­schließ­lich der maß­geb­li­chen Kün­di­gungs­fris­ten wur­den noch­mals über­ge­ben.
Mit Schrei­ben vom 25. Juni 2009 infor­mier­te der Beklag­te die Agen­tur für Arbeit über die geplan­te Mas­sen­ent­las­sung. Die­sem Schrei­ben war neben den in § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG gefor­der­ten Unter­la­gen unter ande­rem der Inter­es­sen­aus­gleich bei­ge­fügt. Den bei­ge­zo­ge­nen Akten der Agen­tur für Arbeit Pots­dam ist auch zu ent­neh­men, dass die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge des Beklag­ten dort am 25. Juni 2009 um 12:37 Uhr per Tele­fax ein­ge­gan­gen ist. Der in Ablich­tung bei­ge­füg­te Inter­es­sen­aus­gleich war mit Unter­schrif­ten bei­der Betriebs­part­ner ver­se­hen. Den Inhalt der Ver­wal­tungs­ak­ten stell­ten die Par­tei­en in der Beru­fungs­ver­hand­lung aus­drück­lich unstrei­tig, nach­dem die­se dem Klä­ger­ver­tre­ter in der Ver­hand­lung zur Ein­sicht­nah­me zur Ver­fü­gung gestellt wor­den waren. Unter den Par­tei­en war aller­dings zuletzt auch unstrei­tig, dass der Beklag­te das Ori­gi­nal des Inter­es­sen­aus­gleichs weder zu die­sem Zeit­punkt noch vor der Ver­sen­dung der Kün­di­gun­gen unter­zeich­net hat­te, son­dern nur eine ihm durch den Betriebs­rat per E-Mail über­sand­te mit der Unter­schrift des stell­ver­tre­ten­den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den ver­se­he­ne Ablich­tung.
Am 25. Juni 2009 gegen 16:00 Uhr wur­den einem Post­be­diens­te­ten in Stein­heim die Kün­di­gun­gen für sämt­li­che betrof­fe­nen Beleg­schafts­mit­glie­der über­ge­ben, so auch die der Klä­ge­rin zum 30. Sep­tem­ber 2009. Die Kün­di­gun­gen wur­den mit der maß­geb­li­chen Kün­di­gungs­frist aus­ge­spro­chen.
Kei­ne Kün­di­gun­gen erhiel­ten vier Per­so­nal­buch­hal­te­rin­nen, ein Haus­meis­ter und ein Mit­ar­bei­ter, der noch Auf­ma­ße neh­men soll­te, damit ange­fan­ge­ne Pro­jek­te abge­rech­net wer­den konn­ten.
Die Klä­ge­rin ist mit der Ladung zur Güte­ver­hand­lung wie folgt belehrt wor­den:
“Die kla­gen­de Par­tei wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nur bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung in der ers­ten Instanz auch wei­te­re Unwirk­sam­keits­grün­de gel­tend gemacht wer­den kön­nen (§ 6 KSchG).”
Die Klä­ge­rin hat die Ansicht ver­tre­ten, die Kün­di­gung sei nicht gerecht­fer­tigt. Es sei davon aus­zu­ge­hen, dass die wirt­schaft­li­che Betä­ti­gung nicht voll­stän­dig habe ein­ge­stellt wer­den sol­len. Der Beklag­te habe in einer Pres­se­mit­tei­lung vom 10. Juni 2009 selbst mit­ge­teilt, dass nun­mehr Ein­zel­lö­sun­gen her­bei­ge­führt wer­den soll­ten. Außer­dem sei nicht erkenn­bar, dass der Inter­es­sen­aus­gleich vor dem Aus­spruch der Kün­di­gung unter­zeich­net wor­den sei. Im Übri­gen habe der Beklag­te noch vor Ablauf der Kün­di­gungs­frist in der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung bekannt gege­ben, dass es vier Inter­es­sen­ten gebe. Unter den Gesichts­punk­ten feh­ler­haf­ter Betriebs­rats­an­hö­rung und nicht ord­nungs­ge­mä­ßer Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge ist die Wirk­sam­keit der Kün­di­gung erst­in­stanz­lich durch die Klä­ge­rin nicht bean­stan­det wor­den.
fest­zu­stel­len, dass das Arbeits­ver­hält­nis zwi­schen den Par­tei­en durch die Kün­di­gung vom 25. Juni 2009 nicht auf­ge­löst wur­de.
Der Beklag­te hat bean­tragt, die Kla­ge abzu­wei­sen. Er habe bereits am 10. Juni 2009 die Absicht gehabt, den Betrieb sofort und nicht nur vor­über­ge­hend still­zu­le­gen. Das Bemü­hen, einen Inves­tor zu fin­den, habe aller­dings fort­be­stan­den. Vier Arbeit­neh­me­rin­nen sei­en zur Abwick­lung ins­be­son­de­re der Per­so­nal­sach­be­ar­bei­tung wei­ter benö­tigt wor­den, ein Arbeit­neh­mer, um die vor­han­de­nen Maschi­nen und tech­ni­schen Anla­gen in einem guten Zustand zu hal­ten, um Boten­diens­te durch­zu­füh­ren und typi­sche Haus­meis­ter­tä­tig­kei­ten. Ein sechs­ter Arbeit­neh­mer habe die ange­ar­bei­te­ten Außen­stän­de (Fer­tig­häu­ser) bei den Kun­den auf­neh­men sol­len, um so noch Teil­ab­rech­nun­gen die­ser Gewer­ke gewähr­leis­ten zu kön­nen. Eine Sozi­al­aus­wahl sei nicht durch­zu­füh­ren gewe­sen, da sämt­li­che Arbeit­neh­mer die betriebs­be­ding­ten Kün­di­gun­gen auf Grund­la­ge des Inter­es­sen­aus­gleichs vom 24. Juni 2009 erhal­ten hät­ten.
Bereits am 24. Juni 2009 sei bei ihm in Stein­heim der durch den stell­ver­tre­ten­den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den K. unter­zeich­ne­te Inter­es­sen­aus­gleich per E-Mail ein­ge­gan­gen. Er habe die­sen unmit­tel­bar nach Ein­gang der E-Mail gegen­ge­zeich­net. Der Betriebs­rat habe am 25. Juni 2009 vor Über­ga­be der Kün­di­gung an den Post­be­diens­te­ten noch ein­mal aus­drück­lich erklärt, kei­ne wei­te­re Stel­lung­nah­me abge­ben zu wol­len. Die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge sei am 25. Juni 2009 gegen­über der Agen­tur für Arbeit um 12:37 Uhr per Fax erfolgt. Bei­ge­fügt sei der am 24. Juni 2009 unter­zeich­ne­te Inter­es­sen­aus­gleich gewe­sen. In der Beru­fungs­ver­hand­lung war inso­weit unstrei­tig, dass das Schrei­ben an die Agen­tur für Arbeit, ver­se­hen mit dem Inter­es­sen­aus­gleich, zum ange­ge­be­nen Zeit­punkt dort ein­ge­gan­gen ist, nach­dem dem Klä­ger­ver­tre­ter Ein­sicht in die bei­ge­zo­ge­nen Akten der Bun­des­agen­tur gewährt wor­den war.
Das Arbeits­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen und das im Wesent­li­chen mit der Still­le­gungs­ent­schei­dung des Beklag­ten und deren Umset­zung begrün­det. Die wirt­schaft­li­che Akti­vi­tät wer­de durch den Beklag­ten nicht fort­ge­setzt. Er ver­wer­te nur noch das Ver­mö­gen.
Die Klä­ge­rin hat gegen das ihr am 6. Janu­ar 2010 zuge­stell­te Urteil vom 3. Dezem­ber 2009 am 5. Febru­ar 2010 Beru­fung ein­ge­legt und die­se mit einem am 4. März 2010 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz begrün­det. Sie bestrei­tet auch in der Beru­fungs­in­stanz eine voll­stän­di­ge Still­le­gungs­ab­sicht. Außer­dem bestrei­tet sie, dass über den 30. Sep­tem­ber 2009 hin­aus kei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keit bestan­den habe. Auch sei eine Sozi­al­aus­wahl nicht ent­behr­lich gewe­sen. Die vier durch die Beklag­te benann­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen wür­den noch wäh­rend des Beru­fungs­ver­fah­rens wei­ter beschäf­tigt, so auch der Haus­meis­ter. Der Inter­es­sen­aus­gleich kön­ne ange­sichts der nicht gewahr­ten Schrift­form weder die Wir­kun­gen des § 125 InsO ent­fal­ten noch den Anfor­de­run­gen des § 17 KSchG genü­gen. Auch sei der Betriebs­rat nicht ord­nungs­ge­mäß nach § 102 BetrVG betei­ligt wor­den. So sei die Klä­ge­rin in dem Schrei­ben an den Betriebs­rat vom 25. Juni 2009 nicht genannt. Eine Sam­me­l­an­hö­rung sei aber nicht aus­rei­chend. Der Betriebs­rat hät­te zu jeder ein­zel­nen Kün­di­gung geson­dert betei­ligt wer­den müs­sen. Auf die Rege­lung unter § 4 des Inter­es­sen­aus­gleichs kön­ne sich der Beklag­te wegen der feh­len­den Schrift­form nicht beru­fen. Die Rege­lung sei auch nicht geeig­net, die Anhö­rung zu erset­zen. Die Betriebs­par­tei­en könn­ten nicht wirk­sam ver­ein­ba­ren, das Anhö­rungs­ver­fah­ren habe sich mit der Durch­füh­rung des Inter­es­sen­aus­gleichs erle­digt. Im Übri­gen sei auch kei­ne aus­drück­li­che Erklä­rung des Betriebs­rats erkenn­bar, eine wei­te­re Stel­lung­nah­me nicht abge­ben zu wol­len. Der Beklag­te habe inso­weit in ver­schie­de­nen Ver­fah­ren unter­schied­li­che Stel­lung­nah­men vor­ge­legt. Sie bestrei­te, dass die hand­schrift­li­che Anmer­kung des Herrn St. auf der Stel­lung­nah­me vom 25. Juni 2009 durch den stell­ver­tre­ten­den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den an die­sem Tag ver­an­lasst wor­den und die­ser Ver­merk dem Beklag­ten vor Absen­dung der Kün­di­gun­gen zuge­gan­gen sei. Damit sei die Anhö­rungs­frist nicht gewahrt.
Außer­dem feh­le es an einer ord­nungs­ge­mä­ßen Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge. Zunächst sei in dem Schrei­ben an die Agen­tur für Arbeit vom 25. Juni 2009 auf einen fal­schen Inter­es­sen­aus­gleich, näm­lich den vom 2. Juni 2009, Bezug genom­men wor­den. Auch feh­le es an der bei­ge­füg­ten Stel­lung­nah­me des Betriebs­rats. Der Beklag­te habe auch nicht dar­ge­legt, dass er den Betriebs­rat min­des­tens zwei Wochen vor Erstat­tung der Anzei­ge unter­rich­tet und der Agen­tur für Arbeit den Stand der Bera­tung mit­ge­teilt habe. Nur ein den for­ma­len Anfor­de­run­gen des Geset­zes genü­gen­der Inter­es­sen­aus­gleich kön­ne aber die Vor­aus­set­zun­gen des § 17 KSchG erfül­len. Auch den Anfor­de­run­gen des § 17 Abs. 2 Satz 2 KSchG sei die Beklag­te nicht nach­ge­kom­men.
Ihre Behaup­tung, der Inter­es­sen­aus­gleich sei sowohl durch den stell­ver­tre­ten­den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den als auch durch den Beklag­ten erst nach der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge unter­zeich­net wor­den, hielt die Klä­ge­rin nach Vor­la­ge der Akten der Agen­tur für Arbeit in der Beru­fungs­ver­hand­lung nicht auf­recht.
das Urteil des Arbeits­ge­richts Bran­den­burg an der Havel vom 3. Dezem­ber 2009 — 2 Ca 834/09 abzu­än­dern und fest­zu­stel­len, dass das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en durch die Kün­di­gung des Beklag­ten vom 25. Juni 2009 nicht auf­ge­löst wor­den ist.
Der Beklag­te bean­tragt, die Beru­fung zurück­zu­wei­sen. Er ist der Ansicht, auf den for­mal wirk­sa­men Abschluss des Inter­es­sen­aus­gleichs kom­me es für § 125 InsO nicht an. Die vier Per­so­nal­buch­hal­te­rin­nen und der Haus­meis­ter sei­en ledig­lich noch damit beschäf­tigt, insol­venz­spe­zi­fi­sche Tätig­kei­ten aus­zu­füh­ren. Für eine Kon­struk­teu­rin habe es seit der Betriebs­ein­stel­lung im Juni 2009 kei­ne Arbeits­auf­ga­ben mehr gege­ben, was die Klä­ge­rin nicht bestrei­tet. Der Betriebs­rat sei bereits vor dem 24. Juni 2009 aus­rei­chend über die sofor­ti­ge Still­le­gung des Betrie­bes sowie die beab­sich­tig­te Kün­di­gung der Beleg­schaft infor­miert gewe­sen. Außer­dem hät­ten ihm sämt­li­che maß­geb­li­chen Per­so­nen­da­ten vor­ge­le­gen. Er habe dem­nach bereits mit der Unter­zeich­nung des Inter­es­sen­aus­glei­ches zu den beab­sich­tig­ten Kün­di­gun­gen abschlie­ßend Stel­lung genom­men. Am 25. Juni 2009 hät­ten auch die Mit­glie­der des Betriebs­rats St. und W. bereits vor 12:37 Uhr den Erhalt des Anhö­rungs­schrei­bens vom 25. Juni 2009 nebst vier­sei­ti­ger Anla­ge bestä­tigt. Erst danach sei auf­ge­fal­len, dass noch die aus­drück­li­che Erklä­rung des Betriebs­rats feh­le, wonach kei­ne wei­te­re Stel­lung­nah­me abge­ge­ben wer­den sol­le. Die ent­spre­chen­de Stel­lung­nah­me des Betriebs­rats­mit­glieds St. sei auf Ver­an­las­sung des stell­ver­tre­ten­den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den ange­bracht wor­den und noch vor 15:45 Uhr in sei­nem Büro per E-Mail ein­ge­gan­gen. Bei dem Hin­weis auf den Inter­es­sen­aus­gleich vom 2. Juni 2009 in dem Anhö­rungs­schrei­ben an die Agen­tur für Arbeit han­de­le es sich um ein Büro­ver­se­hen. Bei­ge­fügt gewe­sen sei dem Schrei­ben an die Agen­tur für Arbeit vom 25. Juni 2009 nicht ein Inter­es­sen­aus­gleich vom 2. Juni, son­dern der vom 24. Juni 2009, was inso­weit nicht strei­tig ist.
Wegen der Ein­zel­hei­ten wird Bezug genom­men auf die Schrift­sät­ze der Par­tei­en vom 2. und 29. März sowie vom 22. und 28. April 2010 Bezug genom­men und auf den Inhalt des Pro­to­kolls der Beru­fungs­ver­hand­lung am 5. Mai 2010. Die Kam­mer hat die Akte der Agen­tur für Arbeit Pots­dam zum Akten­zei­chen 141.1 (Ver­fah­ren nach §§ 17 ff. KSchG) zu Beweis­zwe­cken bei­ge­zo­gen und zum Gegen­stand der Beru­fungs­ver­hand­lung gemacht.
I. Die Beru­fung ist zuläs­sig. Sie ist statt­haft sowie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und begrün­det wor­den.
II. Die Beru­fung ist jedoch unbe­grün­det, da die Kla­ge unbe­grün­det ist.
1) Die Kün­di­gung ist sozi­al gerecht­fer­tigt (§ 1 Abs. 1, Abs. 2 KSchG) . Sie ist durch drin­gen­de betrieb­li­che Erfor­der­nis­se, die einer Wei­ter­be­schäf­ti­gung des Klä­gers in dem Betrieb ent­ge­gen­ste­hen, bedingt (§ 1 Abs. 2 KSchG) und auch nicht wegen einer feh­ler­haf­ten sozia­len Aus­wahl iSv. § 1 Abs. 3 KSchG sozi­al unge­recht­fer­tigt.
a) Zu den drin­gen­den betrieb­li­chen Erfor­der­nis­sen gehört die Still­le­gung des gesam­ten Betriebs durch den Arbeit­ge­ber. Die blo­ße Ein­stel­lung der Pro­duk­ti­on bedeu­tet aller­dings noch kei­ne Betriebs­still­le­gung. Unter Betriebs­still­le­gung ist viel­mehr die Auf­lö­sung der zwi­schen Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer bestehen­den Betriebs- und Pro­duk­ti­ons­ge­mein­schaft zu ver­ste­hen, die ihre Ver­an­las­sung und zugleich ihren unmit­tel­ba­ren Aus­druck dar­in fin­det, dass der Unter­neh­mer die bis­he­ri­ge wirt­schaft­li­che Betä­ti­gung in der ernst­li­chen Absicht ein­stellt, die Ver­fol­gung des bis­he­ri­gen Betriebs­zwecks dau­ernd oder für eine ihrer Dau­er nach unbe­stimm­te, wirt­schaft­lich nicht uner­heb­li­che Zeit­span­ne nicht wei­ter zu ver­fol­gen. Der Arbeit­ge­ber muss end­gül­tig ent­schlos­sen sein, den Betrieb still­zu­le­gen. Für die sozia­le Recht­fer­ti­gung einer Kün­di­gung fehlt es am end­gül­ti­gen Ent­schluss zur Betriebs­still­le­gung, wenn der Arbeit­ge­ber im Zeit­punkt der Kün­di­gung noch in Ver­hand­lun­gen über eine Betriebs­ver­äu­ße­rung steht. Ist bei Zugang der Kün­di­gung die Betriebs­still­le­gung end­gül­tig geplant und bereits ein­ge­lei­tet, hat sich jedoch der Arbeit­ge­ber eine Betriebs­ver­äu­ße­rung vor­be­hal­ten, die dann spä­ter doch noch gelingt, bleibt es bei der sozia­len Recht­fer­ti­gung der Kün­di­gung. Zu prü­fen ist nur, ob der vor­ge­tra­ge­ne Kün­di­gungs­grund einer beab­sich­tig­ten Still­le­gung die Kün­di­gung sozi­al recht­fer­tigt . Der Arbeit­ge­ber ist nicht gehal­ten, eine Kün­di­gung erst nach Durch­füh­rung der Still­le­gung aus­zu­spre­chen. Es kommt auch eine Kün­di­gung wegen beab­sich­tig­ter Still­le­gung in Betracht. Grund­sätz­lich brau­chen betrieb­li­che Grün­de noch nicht tat­säch­lich ein­ge­tre­ten zu sein; es genügt viel­mehr, wenn sie sich kon­kret und greif­bar abzeich­nen. Sie lie­gen dann vor, wenn im Zeit­punkt des Aus­spruchs der Kün­di­gung auf Grund einer ver­nünf­ti­gen, betriebs­wirt­schaft­li­chen Betrach­tung davon aus­zu­ge­hen ist, zum Zeit­punkt des Kün­di­gungs­ter­mins sei mit eini­ger Sicher­heit der Ein­tritt eines die Ent­las­sung erfor­der­lich machen­den betrieb­li­chen Grun­des gege­ben. Beruft sich der Arbeit­neh­mer im Rah­men eines Kün­di­gungs­schutz­pro­zes­ses dar­auf, der Betrieb sei von dem bis­he­ri­gen Arbeit­ge­ber nicht still­ge­legt, son­dern an einen neu­en Inha­ber über­tra­gen und aus die­sem Grund sei ihm gekün­digt wor­den, so hat der Arbeit­ge­ber die Tat­sa­chen zu bewei­sen, die die Kün­di­gung bedin­gen; es ist sei­ne Auf­ga­be vor­zu­tra­gen und nach­zu­wei­sen, dass die Kün­di­gung sozi­al gerecht­fer­tigt ist. Fehlt es dar­an, ist der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge statt­zu­ge­ben, ohne dass es der Fest­stel­lung bedarf, dass der tra­gen­de Beweg­grund für die Kün­di­gung ein Betriebs­über­gang ist. An der Ver­tei­lung die­ser Dar­le­gungs- und Beweis­last ändert sich durch § 125 InsO nichts. Die in § 125 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 InsO ent­hal­te­ne Ver­mu­tung der sozia­len Recht­fer­ti­gung kommt nur zum Tra­gen, wenn der Insol­venz­ver­wal­ter eine Betriebs­än­de­rung und die Exis­tenz des Inter­es­sen­aus­gleichs mit Namens­lis­te dar­legt und ggf. beweist . § 125 InsO kann nicht auf Vor­gän­ge erstreckt wer­den, die sich nicht als Betriebs­än­de­rung dar­stel­len und damit außer­halb des Anwen­dungs­be­reichs des § 111 BetrVG lie­gen. Daher kommt es auch im Rah­men des § 125 InsO zunächst dar­auf an, inwie­weit eine Still­le­gung des Betriebs und nicht eine Betriebs­ver­äu­ße­rung geplant war. Ein Betriebs­über­gang gem. § 613a BGB stellt näm­lich kei­ne Betriebs­än­de­rung iSd. § 111 BetrVG dar (vgl. BAG 26. April 2007 — 8 AZR 695/05 — AP Nr. 4 zu § 125 InsO = ZIP 2007, 2136, zu B I, II der Grün­de) .
d) Bei Zugrun­de­le­gung die­ser Grund­sät­ze ist die Kün­di­gung sozi­al gerecht­fer­tigt. Der Beklag­te ist sei­ner Dar­le­gungs­last nach­ge­kom­men.
aa) Die Dar­le­gungs­last des Beklag­ten rich­tet sich hier aller­dings schon des­halb nicht nach § 125 InsO, da zum Zeit­punkt des Aus­spruchs der Kün­di­gun­gen ein form­wirk­sa­mer Inter­es­sen­aus­gleich im Sin­ne der Vor­schrift nicht vor­lag. Das ist unter den Par­tei­en unstrei­tig.
bb) Der Beklag­te beab­sich­tig­te zum Zeit­punkt des Aus­spruchs Kün­di­gun­gen aber, den Betrieb still­zu­le­gen. Zu die­sem Zeit­punkt gab es kei­ne Inter­es­sen­ten mehr für eine Über­nah­me des Betriebs. Ver­hand­lun­gen mit poten­ti­el­len Erwer­bern waren geschei­tert. Einer Still­le­gungs­ab­sicht steht es nach den dar­ge­leg­ten Grund­sät­zen nicht ent­ge­gen, wenn der Insol­venz­ver­wal­ter sich auch nach Zugang der Kün­di­gung wei­ter um Inter­es­sen­ten für eine Fort­füh­rung des Betrie­bes bemüht. Solan­ge es ent­spre­chen­de Ange­bo­te nicht gibt, wider­spre­chen sol­che Bemü­hun­gen der Still­le­gungs­ab­sicht zum Zeit­punkt des Zugangs der Kün­di­gung nicht. All­ge­mei­ne Vor­über­le­gun­gen im Zeit­punkt des Aus­spruchs der Kün­di­gung scha­den nicht. Der Beklag­te hat durch die Kün­di­gung sämt­li­cher Arbeits­ver­hält­nis­se mit den dafür vor­ge­se­he­nen Kün­di­gungs­fris­ten eine recht­lich aner­kann­te Form der Betriebs­still­le­gung durch Auf­lö­sung der Betriebs­ge­mein­schaft gewählt. Die Pro­duk­ti­on wur­de auf unab­seh­ba­re Zeit ein­ge­stellt.
e) Die Kün­di­gung ver­stößt auch nicht gegen § 1 Abs. 3 KSchG. Die Sozi­al­aus­wahl ist aller­dings man­gels eines form­wirk­sa­men Inter­es­sen­aus­gleichs nicht nur ein­ge­schränkt über­prüf­bar. Die Klä­ge­rin hat aber nicht dar­ge­legt, dass sie hin­sicht­lich der aus­zu­üben­den Tätig­keit mit einem nicht gekün­dig­ten Beleg­schafts­mit­glied ver­gleich­bar beschäf­tigt wor­den ist. Die Dar­le­gungs- und Beweis­last im Rah­men des § 1 Abs. 3 Satz 1 KSchG liegt gemäß Satz 3 die­ser Vor­schrift letzt­lich beim Arbeit­neh­mer. Zwar ist auch hier unter Berück­sich­ti­gung des Aus­kunfts­an­spruchs des Arbeit­neh­mers von einer abge­stuf­ten Dar­le­gungs- und Beweis­last aus­zu­ge­hen. Nach­dem der Beklag­te vor­ge­tra­gen hat­te, dass für die Klä­ge­rin als Kon­struk­teu­rin eine Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keit nicht bestand und die ver­blie­be­nen Beleg­schafts­mit­glie­der gänz­lich ande­re Tätig­kei­ten aus­üb­ten, hät­te es kon­kre­ten Vor­trags der Klä­ge­rin zur Ver­gleich­bar­keit hin­sicht­lich der aus­zu­üben­den Tätig­keit bedurft. Dar­an fehlt es. Ange­sichts der durch den Beklag­ten dar­ge­stell­ten Tätig­kei­ten die­ser Mit­ar­bei­ter gibt es für eine Ver­gleich­bar­keit kei­ne Anhalts­punk­te.
2) Die Wirk­sam­keit der Kün­di­gung schei­tert auch weder an einer feh­ler­haf­ten Betriebs­rats­an­hö­rung noch an einer unzu­rei­chen­den Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge. Die Klä­ge­rin kann sich dar­auf schon des­halb nicht beru­fen, weil sie die­se Unwirk­sam­keits­grün­de nicht recht­zei­tig nach §§ 4, 6 KSchG gel­tend gemacht hat. Die Klä­ge­rin hat erst­mals in der Beru­fungs­be­grün­dung Beden­ken gegen die Wirk­sam­keit unter die­sen Gesichts­punk­ten vor­ge­tra­gen.
a) Nach § 6 Satz 1 KSchG in der zum 1. Janu­ar 2004 erfolg­ten Neu­fas­sung durch Art. 1 Nr. 4 des Geset­zes zu Refor­men am Arbeits­markt vom 24. Dezem­ber 2003 (BGBl. I S. 3002) (im Fol­gen­den: § 6 nF. KSchG) kann sich ein Arbeit­neh­mer, der inner­halb der Kla­ge­frist des § 4 KSchG die Rechts­un­wirk­sam­keit einer Kün­di­gung im Kla­ge­we­ge gel­tend gemacht hat, in die­sem Ver­fah­ren bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ers­ter Instanz zur Begrün­dung der Unwirk­sam­keit auch auf inner­halb der Kla­ge­frist noch nicht gel­tend gemach­te Grün­de beru­fen. Die Rege­lung erfasst gera­de auch den Fall, dass ein Arbeit­neh­mer form- und frist­ge­recht Kla­ge gegen die von ihm als sozi­al­wid­rig ange­se­he­ne Kün­di­gung erho­ben hat und nach Ablauf der Kla­ge­frist wei­te­re Unwirk­sam­keits­grün­de nach­schie­ben will, wie zB. die unter­blie­be­ne oder mit Män­geln behaf­te­te Anhö­rung des Betriebs­rats (vgl. BAG 8. Novem­ber 2007 — 2 AZR 314/06 — AP Nr. 63 zu § 4 KSchG 1969 = NZA 2008, 936 = EzA § 4 nF KSchG Nr. 81, zu B I 3 b der Grün­de).
b) Die Klä­ge­rin hat in die­sem Sin­ne den sons­ti­gen Unwirk­sam­keits­grund der feh­ler­haf­ten Betriebs­rats­an­hö­rung und der nicht mit § 17 KSchG im Ein­klang ste­hen­den Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge für die von ihr mit einer frist­ge­rech­ten Kün­di­gungs­schutz­kla­ge nach § 4 nF KSchG ange­grif­fe­ne ordent­li­che Kün­di­gung des Beklag­ten nicht recht­zei­tig nach § 6 Satz 1 nF KSchG gel­tend gemacht.
aa) Die Klä­ge­rin hat sich auf die­se Unwirk­sam­keits­grün­de erst in der Beru­fungs­in­stanz beru­fen. Die­ser Zeit­punkt liegt außer­halb des nach § 6 Satz 1 KSchG zuläs­si­gen Rah­mens.
bb) Dem steht auch § 6 Satz 2 nF. KSchG nicht ent­ge­gen. Das Arbeits­ge­richt ist sei­ner Ver­pflich­tung nach § 6 Satz 2 nF. KSchG nach­ge­kom­men, die Klä­ge­rin auf ihre Rech­te aus § 6 Satz 1 nF. KSchG hin­zu­wei­sen. Es hat die Klä­ge­rin und deren Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te aus­weis­lich Bl. 15 und 16 dA. mit der Ladung aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass “nur bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung in der 1. Instanz auch wei­te­re Unwirk­sam­keits­grün­de gel­tend gemacht wer­den kön­nen (§ 6 KSchG)”.
cc) Wel­che Rechts­fol­gen einer Ver­let­zung der Hin­weis­pflicht nach § 6 Satz 2 KSchG als Ver­fah­rens­feh­ler nach § 139 Abs. 2 ZPO durch das Arbeits­ge­richt zukommt, bedarf daher hier kei­ner Ent­schei­dung; ins­be­son­de­re kann offen­blei­ben, ob das Lan­des­ar­beits­ge­richt in einem der­ar­ti­gen Fall bei einer Gel­tend­ma­chung sons­ti­ger Unwirk­sam­keits­grün­de in der Beru­fungs­in­stanz trotz des Zurück­wei­sungs­ver­bots des § 68 ArbGG das erst­in­stanz­li­che Urteil auf­zu­he­ben und die Sache zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Arbeits­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen hat (so zu § 6 aF KSchG: BAG 30. Novem­ber 1961 — 2 AZR 295/61 — AP Nr. 3 zu § 5 KSchG = NJW 1962, 1587; zu § 6 nF KSchG: offen­ge­las­sen BAG 12. Mai 2005 — 2 AZR 426/04 — AP Nr. 53 zu § 4 KSchG 1969 = NZA 2005, 1259 = EzA KSchG § 4 nF Nr. 70, zu B II 1 der Grün­de) oder ob es zu einer eige­nen Ent­schei­dung befugt ist (so wohl BAG 8. Novem­ber 2007 — 2 AZR 314/06 — AP Nr. 63 zu § 4 KSchG 1969 = NZA 2008, 936 = EzA § 4 nF KSchG Nr. 81, zu B I 3 d cc der Grün­de, im Ergeb­nis aller­dings dort wie­der­um offen­ge­las­sen).
3) Die Kün­di­gung war im Übri­gen aber auch nicht wegen einer feh­ler­haf­ten Betriebs­rats­be­tei­li­gung nach § 102 BetrVG oder nach § 17 Abs. 2 KSchG unwirk­sam.
a) Der Arbeit­ge­ber ist auch bei Vor­lie­gen eines Inter­es­sen­aus­gleichs iSd. § 125 InsO ver­pflich­tet, den Betriebs­rat nach § 102 BetrVG zu einer beab­sich­tig­ten Kün­di­gung anzu­hö­ren. Die Betriebs­rats­an­hö­rung unter­liegt inso­weit kei­nen erleich­ter­ten Anfor­de­run­gen. Aller­dings muss er die dem Weg­fall des Arbeits­plat­zes und der Sozi­al­aus­wahl zugrun­de lie­gen­den Tat­sa­chen, die dem Betriebs­rat bereits aus den Ver­hand­lun­gen zum Abschluss eines Inter­es­sen­aus­gleichs bekannt sind, im Anhö­rungs­ver­fah­ren nicht erneut mit­tei­len. Dies gilt zumin­dest dann, wenn zwi­schen den Ver­hand­lun­gen über den Inter­es­sen­aus­gleich und der Anhö­rung — wie hier — ein über­schau­ba­rer Zeit­raum liegt (vgl. BAG 5. Novem­ber 2009 — 2 AZR 676/08 — NZA 2010, 457 = NJW 2010, 1395 = EzA-SD 2010, Nr. 7, 3, zu II 1 a der Grün­de; 22. Janu­ar 2004 — 2 AZR 111/02 — AP Nr. 1 zu § 112 BetrVG 1972 Namens­lis­te = EzA KSchG § 1 Inter­es­sen­aus­gleich Nr. 11, zu C VII der Grün­de mwN.).
Der Arbeit­ge­ber kann aber das Anhö­rungs­ver­fah­ren nach § 102 BetrVG mit den Inter­es­sen­aus­gleichs­ver­hand­lun­gen ver­bin­den (vgl. BAG 28. August 2003 — 2 AZR 377/02 — AP Nr. 134 zu § 102 BetrVG 1972 = EzA § 102 BetrVG 2001 Nr. 4, zu B II 1 der Grün­de; 20. Sep­tem­ber 2006 — 6 AZR 219/06 — AP Nr. 24 zu § 17 KSchG 1969, zu II 1 a der Grün­de). Die Ver­pflich­tung des Arbeit­ge­bers, neben den Ver­hand­lun­gen über den Inter­es­sen­aus­gleich mit Namens­lis­te nach § 112 BetrVG auch den Betriebs­rat zu den aus­zu­spre­chen­den Kün­di­gun­gen nach § 102 BetrVG anzu­hö­ren, macht kei­ne Ver­dop­pe­lung des Betei­li­gungs­ver­fah­ren not­wen­dig. Es ist viel­mehr zuläs­sig und meist sogar zweck­mä­ßig, dass bei­de Ver­fah­ren zusam­men­ge­fasst wer­den, damit der Betriebs­rat gleich­zei­tig mit dem Abschluss des Inter­es­sen­aus­gleichs auch zu den beab­sich­tig­ten Kün­di­gun­gen Stel­lung neh­men kann. Die Mög­lich­keit, bei­de Ver­fah­ren mit­ein­an­der zu ver­bin­den, bedeu­tet aller­dings nicht, dass in den Ver­hand­lun­gen mit dem Betriebs­rat über einen Inter­es­sen­aus­gleich mit Namens­lis­te zugleich die Anhö­rung des Betriebs­rats nach § 102 BetrVG zu den aus­zu­spre­chen­den Kün­di­gun­gen zu sehen wäre. Die Ein­lei­tung des Anhö­rungs­ver­fah­rens unter Beach­tung der in § 102 Abs. 1 BetrVG umschrie­be­nen Erfor­der­nis­sen ist Auf­ga­be des Arbeit­ge­bers. Dazu ist stets erfor­der­lich, dass der Arbeit­ge­ber den Betriebs­rat um die Stel­lung­nah­me zu einer kon­kre­ten Kün­di­gungs­ab­sicht ersucht. Sol­len des­halb Inter­es­sen­aus­gleich und Betriebs­rats­an­hö­rung mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den, so ist dies schon bei der Ein­lei­tung des Betei­li­gungs­ver­fah­rens klar­zu­stel­len. Außer­dem ist es dann zweck­mä­ßig, dass die Betriebs­part­ner im Wort­laut des Inter­es­sen­aus­gleichs zum Aus­druck brin­gen, mit der Unter­zeich­nung des Inter­es­sen­aus­gleichs sol­le auch das Anhö­rungs­ver­fah­ren nach § 102 BetrVG hin­sicht­lich sämt­li­cher aus­zu­spre­chen­der Kün­di­gun­gen abge­schlos­sen sein (vgl. BAG 20. Mai 1999 — 2 AZR 532/98 — AP Nr. 5 zu § 1 KSchG 1969 Namens­lis­te = NZA 1999, 1101 = EzA § 102 BetrVG 1972 Nr. 102, zu II 2 der Grün­de).
Der Arbeit­ge­ber muss aller­dings im Pro­zess hin­rei­chend kon­kret dar­le­gen und ggf. bewei­sen, dass der Betriebs­rat über die not­wen­di­gen Kennt­nis­se ver­füg­te (vgl. BAG 22. Janu­ar 2004 — 2 AZR 111/02 — AP Nr. 1 zu § 112 BetrVG 1972 Namens­lis­te = EzA KSchG § 1 Inter­es­sen­aus­gleich Nr. 11, zu C VII der Grün­de mwN).
b) Der Betriebs­rat hat in § 4 des Inter­es­sen­aus­gleichs aus­drück­lich erklärt, dass ihm die Kün­di­gungs­grün­de und die rele­van­ten Sozi­al­da­ten der betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer bekannt gewe­sen sei­en. Der Beklag­te hat dar­über hin­aus vor­ge­tra­gen, dass dem Betriebs­rat die beab­sich­tig­te sofor­ti­ge Betriebs­still­le­gung sowie die von den Kün­di­gun­gen betrof­fe­nen und die wei­ter­zu­be­schäf­ti­gen­den Beleg­schafts­mit­glie­der mit ihren Sozi­al­da­ten bekannt gewe­sen sei­en. Auch sei dem Betriebs­rat der Umstand bekannt gewe­sen, dass alle Kün­di­gun­gen mit den maß­geb­li­chen Kün­di­gungs­fris­ten aus­ge­spro­chen wer­den soll­ten. Die Klä­ge­rin hat nicht vor­ge­tra­gen, von wel­chen bedeut­sa­men Umstän­den der Betriebs­rat gleich­wohl kei­ne Kennt­nis gehabt haben soll. Der Umstand, dass der Inter­es­sen­aus­gleich man­gels Erfül­lung des Schrift­form­er­for­der­nis­ses als sol­cher noch nicht wirk­sam zustan­de gekom­men war, steht der ord­nungs­ge­mä­ßen Anhö­rung nach § 102 BetrVG nicht ent­ge­gen. Zum einen hat­te der Betriebs­rat mit sei­ner Unter­schrift vor Zugang der Kün­di­gun­gen sei­ner­seits bereits alles für die Wirk­sam­keit Erfor­der­li­che getan. Für ihn gab es kein “Zurück” mehr. Außer­dem han­delt es sich bei dem Inhalt des § 4 des Inter­es­sen­aus­gleichs um eine Wis­sens­mit­tei­lung, nicht um eine Wil­lens­er­klä­run­gen.
Der Betriebs­rat hat mit Unter­zeich­nung des Inter­es­sen­aus­gleichs zugleich erklärt, dass die Anhö­rung nach § 102 BetrVG als erfolgt gel­ten sol­le. Außer­dem hat er dort erklärt, dass er kei­ne wei­te­re Stel­lung­nah­me abge­ben wer­de und das Anhö­rungs­ver­fah­ren als abge­schlos­sen anse­he. Es konn­te daher dahin­ste­hen, ob noch vor Ver­sen­dung der Kün­di­gung durch den Beklag­ten dar­über hin­aus auf Ver­an­las­sung des stell­ver­tre­ten­den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den eine wei­te­re abschlie­ßen­de Erklä­rung auf die vor­sorg­li­che noch­ma­li­ge Anhö­rung vom 25. Juni 2009 abge­ge­ben wor­den ist.
c) Der Wirk­sam­keit der Kün­di­gung steht außer­dem auch nicht eine Ver­let­zung der Mit­tei­lungs­pflicht nach § 17 Abs. 2 BetrVG ent­ge­gen.
Es kann dahin­ste­hen, ob ein Ver­stoß des Arbeit­ge­bers gegen § 17 Abs. 2 KSchG zur Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung führt (zwei­felnd: BAG 24. Okto­ber 1996 — 2 AZR 895/95 — AP Nr. 8 zu § 17 KSchG 1969 = NZA 1997, 373 = EzA KSchG § 17 Nr. 6, zu B II 2 b der Grün­de; offen­ge­las­sen durch BAG 28. Mai 2009 — 8 AZR 273/08 — AP Nr. 370 zu § 613a BGB = NZA 2009, 1267 = EzA § 17 KSchG Nr 20, zu B II 3 der Grün­de) .
Hier ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Beklag­te sei­ne Ver­pflich­tun­gen nach § 17 Abs. 2 KSchG gegen­über dem Betriebs­rat erfüllt hat. Der Betriebs­rat hat den Erhalt der Unter­la­gen nach § 17 KSchG in dem durch ihn unter­zeich­ne­ten Inter­es­sen­aus­gleich aus­drück­lich bestä­tigt. Auch wird durch des­sen Inhalt deut­lich, dass der Betriebs­rat über die wesent­li­chen inso­weit not­wen­di­gen Anga­ben infor­miert und Sinn und Zweck der Vor­schrift damit genügt war.
4) Die Wirk­sam­keit der Kün­di­gung schei­tert auch nicht an § 17 Abs. 3 Satz 1 bis 3 KSchG.
a) Danach hat der Arbeit­ge­ber der Agen­tur für Arbeit die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge und mit die­ser eine Abschrift der Mit­tei­lung an den Betriebs­rat zuzu­lei­ten, die zumin­dest die in § 17 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 bis 5 KSchG vor­ge­schrie­be­nen Anga­ben ent­hält (§ 17 Abs. 3 Satz 1 KSchG) . Die­ses Erfor­der­nis hat die Beklag­te dadurch erfüllt, dass sie aus­weis­lich der bei­ge­zo­ge­nen Akte der Agen­tur für Arbeit die­ser am 25. Juni 2009 um 12:37 Uhr und damit vor Ver­sen­dung der Kün­di­gun­gen — was in der Beru­fungs­in­stanz zuletzt unstrei­tig war — die in der Vor­schrift genann­ten Unter­la­gen über­sandt hat. Auch inso­weit war dem mit­über­sand­ten Inter­es­sen­aus­gleich zu ent­neh­men, dass der Betriebs­rat den Erhalt der Unter­la­gen nach § 17 KSchG aus­drück­lich bestä­tigt hat­te. Dar­über hin­aus ist dem Betriebs­rat aus­weis­lich des Inhalts der Akte der Agen­tur für Arbeit am 25. Juni 2009 mit den übri­gen erfor­der­li­chen Unter­la­gen auch ein ent­spre­chen­des Infor­ma­ti­ons­schrei­ben über­sandt wor­den. Das in Kopie bei­ge­füg­te Schrei­ben ist mit einem Ein­gangs­ver­merk des Betriebs­rats vom 25. Juni 2009 ver­se­hen.
b) Aller­dings war der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge nicht — wie von § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG gefor­dert — eine geson­der­te Stel­lung­nah­me des Betriebs­rats zu den Ent­las­sun­gen bei­ge­fügt. Auch hat der Beklag­te nicht nach § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG glaub­haft gemacht, dass er den Betriebs­rat min­des­tens zwei Wochen vor Erstat­tung der Anzei­ge nach § 17 Abs. 3 Satz 1 KSchG unter­rich­tet hat. Durch die Bei­fü­gung des durch den Betriebs­rat im Ori­gi­nal und den Beklag­ten auf der Kopie unter­zeich­ne­ten Inter­es­sen­aus­gleichs hat er ledig­lich den Stand der Ver­hand­lun­gen mit­ge­teilt.
Den Anfor­de­run­gen des § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG ist aber auch genügt, wenn der Anzei­ge ein durch den Betriebs­rat unter­zeich­ne­ter Inter­es­sen­aus­gleich bei­ge­fügt ist. Dar­aus lässt sich der Stand­punkt des Betriebs­rats mit aus­rei­chen­der Deut­lich­keit ablei­ten, ins­be­son­de­re wenn sich aus die­sem — wie hier — auch der not­wen­di­ge Kennt­nis­stand ergibt. Mit der Unter­zeich­nung des Inter­es­sen­aus­gleichs hat der Betriebs­rat sei­nen Stand­punkt kund­ge­tan. Das kommt auch durch § 125 InsO zum Aus­druck. Aus der Vor­schrift lässt sich nicht ablei­ten, dass nur ein form­wirk­sam gül­ti­ger Inter­es­sen­aus­gleich den Anfor­de­run­gen des § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG genügt. Dar­in ist nur fest­ge­stellt, dass die Anfor­de­run­gen die­ser Norm bei Vor­lie­gen eines sol­chen Inter­es­sen­aus­gleichs in jedem Fall erfüllt sind.
Dar­über hin­aus führt das Feh­len bestimm­ter Vor­aus­set­zun­gen des § 17 Abs. 3 KSchG nach der Recht­spre­chung des BAG (28. Mai 2009 — 8 AZR 273/08 — AP Nr. 370 zu § 613a BGB = NZA 2009, 1267 = EzA § 17 KSchG Nr 20, zu B II 3 der Grün­de) nach Sinn und Zweck der Vor­schrift nicht zur Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung, wenn die Agen­tur für Arbeit die Dar­le­gung selbst nicht als zwin­gend erfor­der­li­che Vor­aus­set­zung für die Ent­schei­dun­gen im Rah­men der §§ 17 ff. KSchG betrach­tet hat, dh. wenn die Agen­tur für Arbeit nach­träg­lich zu erken­nen gege­ben hat, dass sie auf­grund der vom Arbeit­ge­ber gemach­ten Anga­ben und der von ihm mit­ge­teil­ten Unter­rich­tung des Betriebs­rats in der Lage war, sich ein aus­rei­chen­des Bild von den geplan­ten Mas­sen­ent­las­sun­gen zu machen, um erfor­der­li­che arbeits­markt­po­li­ti­sche Maß­nah­men zu ergrei­fen und/oder Ent­schei­dun­gen nach § 18 Abs. 1 oder Abs. 2 KSchG zu tref­fen. Stel­le eine Behör­de ent­ge­gen einer gesetz­li­chen Vor­ga­be für die Wirk­sam­keit einer Anzei­ge nur gerin­ge­re als die gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen, so kön­ne dies nicht dazu füh­ren, dass ein Drit­ter, hier die Klä­ge­rin, sich mit Erfolg auf die Unwirk­sam­keit der Anzei­ge beru­fen kön­ne, da die gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an die Anzei­ge in ers­ter Linie dazu dien­ten, der Behör­de eine ord­nungs­ge­mä­ße Erle­di­gung ihrer Auf­ga­ben zu ermög­li­chen oder die­se zumin­dest zu erleich­tern. Ob dem für die vor­lie­gen­de Kon­stel­la­ti­on gefolgt wer­den kann, kann aus den oben dar­ge­leg­ten Grün­den dahin­ste­hen. Die Bun­des­agen­tur hat sich aus­weis­lich der bei­ge­zo­ge­nen Akte und der sich dar­in befind­li­chen Check­lis­te zu ihrer Ent­schei­dung ohne die Anfor­de­rung wei­te­rer Unter­la­gen in der Lage gese­hen. Sie ist dabei auch vom Vor­han­den­sein einer Stel­lung­nah­me des Betriebs­rats aus­ge­gan­gen.
5) Das nach § 17 Abs. 2 Satz 2 BetrVG erfor­der­li­che Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren war jeden­falls mit Unter­zeich­nung des Inter­es­sen­aus­gleichs durch den Betriebs­rat abge­schlos­sen (vgl. dazu die die gerin­ge­ren Anfor­de­run­gen der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts akzep­tie­ren­de Ent­schei­dung des BVerfG 25. Febru­ar 2010 — 1 BvR 230/09 — NZA 2010, 439, zu II 1 b bb der Grün­de).
6) Die Kün­di­gungs­frist des § 113 Satz 2 InsO ist gewahrt.
III. Die Ent­schei­dung über die Kos­ten beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.
IV. Die Kam­mer hat die Revi­si­on im Hin­blick auf die grund­le­gen­de Bedeu­tung der ent­schei­dungs­re­le­van­ten Rechts­fra­gen (Anfor­de­run­gen an die Beleh­rung nach § 6 Satz 2 KSchG, Vor­aus­set­zun­gen einer wirk­sa­men Betriebs­rats­be­tei­li­gung nach § 17 Abs. 2 KSchG und einer wirk­sa­men Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge) zuguns­ten der Klä­ge­rin zuge­las­sen.
Gericht:	LArbG Ber­lin-Bran­den­burg 26. Kam­mer
Ent­schei­dungs­da­tum:	03.06.2010
Akten­zei­chen:	26 Sa 263/10
Doku­ment­typ:	Urteil