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Timestamp: 2020-07-13 17:51:11
Document Index: 64201991

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 124', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 113', '§ 79', '§ 6', 'Art. 101', '§ 6', '§ 77', '§ 26', '§ 33', '§ 6', '§ 119', '§ 568', 'BGH']

Übertragung eines Rechtsstreits auf den Einzelrichter | Rechtslupe
Übertragung eines Rechtsstreits auf den Einzelrichter
Hat das Finanz­ge­richt von der ihm nach § 6 Abs. 1 FGO gege­be­nen Mög­lich­keit Gebrauch gemacht, den Rechts­streit durch Beschluss des Bun­des­fi­nanz­hofs dem Bericht­erstat­ter als Ein­zel­rich­ter zur Ent­schei­dung zu über­tra­gen, ist die­ser Beschluss nach § 6 Abs. 4 Satz 1 FGO unan­fecht­bar.
Eine feh­ler­haf­te Anwen­dung des § 6 FGO kann des­halb regel­mä­ßig nicht mit der Revi­si­on (§ 124 Abs. 2 FGO) und somit auch nicht mit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gerügt wer­den [1].
Die in § 6 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 FGO für eine Über­tra­gung des Rechts­streits auf­ge­führ­ten mate­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen, dass die Sache kei­ne beson­de­ren Schwie­rig­kei­ten tat­säch­li­cher oder recht­li­cher Art auf­weist und kei­ne grund­sätz­li­che Bedeu­tung hat, sind dabei nicht als tat­be­stand­li­che Vor­aus­set­zun­gen für das Über­tra­gungs­er­mes­sen des Finanz­ge­richts, son­dern ledig­lich als der Über­prü­fung durch das Rechts­mit­tel­ge­richt ent­zo­ge­ne Leit­li­ni­en eines dem Finanz­ge­richt ein­ge­räum­ten Ermes­sens zu ver­ste­hen [2].
Eine Beset­zungs­rü­ge mit der Begrün­dung, die Vor­aus­set­zun­gen des § 6 Abs. 1 FGO für eine Über­tra­gung auf den Ein­zel­rich­ter hät­ten nicht vor­ge­le­gen, kann des­halb nur aus­nahms­wei­se Erfolg haben, so etwa dann, wenn sich die Über­tra­gung auf den Ein­zel­rich­ter als "greif­bar geset­zes­wid­rig" erweist. Dies ist eine Ent­schei­dung aber nur dann, wenn sie mit der gel­ten­den Rechts­ord­nung schlecht­hin unver­ein­bar ist, weil sie jeder Grund­la­ge ent­behrt und inhalt­lich dem Gesetz fremd ist [3]. Mit der pau­scha­len Behaup­tung, die Über­tra­gung des Rechts­streits auf den Ein­zel­rich­ter sei ver­fah­rens­feh­ler­haft, kommt eine greif­ba­re Geset­zes­wid­rig­keit jeden­falls nicht in Betracht [4].
Der Über­tra­gungs­be­schluss ist auch nicht des­halb unwirk­sam, weil er kei­ne wei­ter­ge­hen­de Begrün­dung ent­hält. Denn für den nach § 6 Abs. 4 Satz 1 FGO unan­fecht­ba­ren Beschluss des Finanz­ge­richts zur Über­tra­gung des Rechts­streits auf den Ein­zel­rich­ter ist eine Begrün­dung nicht erfor­der­lich (§ 113 Abs. 2 Satz 1 FGO). Dies gilt selbst dann, wenn einer der Betei­lig­ten sich zuvor gegen eine Über­tra­gung des Rechts­streits auf den Ein­zel­rich­ter aus­ge­spro­chen hat [5]. Ein Ein­ver­ständ­nis des Klä­gers ist ‑anders als in den Fäl­len des § 79a Abs. 3 und 4 FGO- gera­de nicht erfor­der­lich [6].
Durch die Über­tra­gung des Rechts­streits auf den Bericht­erstat­ter als Ein­zel­rich­ter (§ 6 Abs. 1 FGO) ist dem Klä­ger der gesetz­li­che Rich­ter nicht ent­zo­gen wor­den; viel­mehr ist der Ein­zel­rich­ter der gesetz­li­che Rich­ter i.S. des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG [7].
Auch war im zwei­ten Rechts­gang kein neu­er Beschluss erfor­der­lich. Durch den im ers­ten Rechts­gang ergan­ge­nen Über­tra­gungs­be­schluss war nach den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen der Bericht­erstat­ter wirk­sam zum Ein­zel­rich­ter i.S. des § 6 Abs. 1 FGO bestimmt wor­den. Sei­ne hier­durch begrün­de­te Zustän­dig­keit hat sich nach der Zurück­ver­wei­sung des Ver­fah­rens an das Finanz­ge­richt fort­ge­setzt. Denn ver­weist der BFH einen vom Ein­zel­rich­ter ent­schie­de­nen Rechts­streit an das Finanz­ge­richt zurück, ohne aus­drück­lich eine Zurück­ver­wei­sung an den Voll­se­nat aus­zu­spre­chen, so ist im zwei­ten Rechts­gang ohne wei­te­res erneut der Ein­zel­rich­ter zustän­dig [8]. Uner­heb­lich ist somit, dass die zurück­ver­wei­sen­de Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs kei­nen aus­drück­li­chen Aus­spruch zur Zustän­dig­keit ent­hielt.
BFH, Beschluss vom 12.10.2006 – VII B 326/​05, BFH/​NV 2007, 519[↩]
BFH, Beschlüs­se vom 21.10.1999 – VII R 15/​99, BFHE 190, 47, BStBl II 2000, 88; vom 21.11.2012 – II B 78/​12, BFHE 238, 546, BStBl II 2013, 172[↩]
vgl. BFH, Beschlüs­se vom 28.01.2003 – VI B 75/​02, BFH/​NV 2003, 926; vom 21.12 2004 – II B 13/​04, BFH/​NV 2005, 897; vom 10.03.2005 – VI B 166/​04, BFH/​NV 2005, 1089; vom 11.01.2011 – VI B 60/​10, BFH/​NV 2011, 876; vom 12.12 2013 – III B 55/​12, BFH/​NV 2014, 575[↩]
BFH, Beschluss vom 15.04.2014 – V S 5/​14 (PKH), BFH/​NV 2014, 1381[↩]
BFH, Urteil vom 20.02.2001 – IX R 94/​97, BFHE 194, 38, BStBl II 2001, 415[↩]
vgl. BFH, Beschluss vom 25.07.2003 – XI B 202/​02, BFH/​NV 2003, 1541[↩]
BFH, Beschluss vom 12.12 2011 – IX B 3/​11, BFH/​NV 2012, 700, m.w.N.[↩]
vgl. aus­führ­lich BFH, Beschluss vom 26.10.1998 – I R 22/​98, BFHE 187, 206, BStBl II 1999, 60[↩]
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