Source: https://welt-der-bwl.de/Saldierungsverbot
Timestamp: 2020-07-05 09:17:36
Document Index: 254239425

Matched Legal Cases: ['§ 246', '§ 246', '§ 246', '§ 274', '§ 268', '§ 276', '§ 387', '§ 387', '§ 387']

Saldierungsverbot / Verrechnungsverbot nach § 246 Abs. 2 Satz 1 HGB (GoB) | Rechnungswesen - Welt der BWL
Saldierungsverbot Definition
Das Saldierungsverbot des § 246 Abs. 2 Satz 1 HGB als eines der GoB besagt, dass
Posten der Aktivseite nicht mit Posten der Passivseite
Aufwendungen nicht mit Erträgen und
Grundstücksrechte nicht mit Grundstückslasten
verrechnet werden dürfen.
Ausnahmen vom Saldierungsverbot sind nur möglich, falls vom Gesetzgeber explizit zugelassen, z.B.
das Saldierungsgebot des § 246 Abs. 2 Satz 2 HGB für Pensionsrückstellungen und das dazugehörige Deckungsvermögen;
die Saldierung aktiver und passiver latenter Steuern nach § 274 Abs. 1 Sätze 1 bis 3 HGB;
die Möglichkeit, erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen bzw. Vorräte offen von dem Posten Vorräte abzusetzen (§ 268 Abs. 5 Satz 2 HGB) oder
der für kleine und mittelgroße Kapitalgesellschaften zulässige saldierte Ausweis eines Rohergebnisses in der GuV gemäß § 276 Abs. 1 Satz 1 HGB.
Alternative Begriffe: Bruttoprinzip, Verrechnungsverbot.
Saldierungsverbot Beispiel
Beispiel: Saldierungsverbot Forderungen/Verbindlichkeiten
Kunde A schuldet einem Unternehmen 100.000 €. Das Unternehmen wiederum schuldet dem Lieferanten B 120.000 €.
Würde das bilanzierende Unternehmen die Kundenforderungen mit den Lieferverbindlichkeiten saldieren, würden in der Bilanz lediglich 20.000 € als Verbindlichkeiten ausgewiesen.
Der Einblick in die Vermögenslage wäre dadurch beeinträchtigt: das Unternehmen hat Schulden von 120.000 € und nicht von 20.000 € (wenn Kunde A seine offenen Rechnungen nicht bezahlen kann, bleiben die Schulden von 120.000 € bestehen).
Deshalb weist das Unternehmen aufgrund des Saldierungsverbots die 100.000 € unter den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen auf der Aktivseite der Bilanz und die 120.000 € als Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen auf der Passivseite der Bilanz aus.
Auch die Umgliederung für kreditorische Debitoren und debitorische Kreditoren resultiert aus dem Saldierungsverbot.
Aufrechnung nach § 387 BGB
Eine Saldierung von Forderungen und Verbindlichkeiten kommt für den Ausnahmefall in Betracht, dass unter den Voraussetzungen des § 387 BGB gleichartige Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber demselben Geschäftspartner bestehen und sich diese aufrechenbar gegenüberstehen.
Aufrechnung Beispiel
Unternehmer A liefert am 10. Januar an Unternehmer B Waren im Wert von 1.000 € auf Rechnung, die nach den auf der Rechnung genannten Zahlungsbedingungen kurzfristig innerhalb von 2 Wochen zu bezahlen sind.
Zu demselben Datum erhält A von B Rohstoffe im Wert von 800 € geliefert, für die ebenfalls eine zweiwöchige Zahlungsfrist gilt.
Rechnen A und B die Forderungen und Verbindlichkeiten gemäß § 387 BGB auf, kann A die saldierte Forderung von 200 € bilanzieren, während B die saldierte Verbindlichkeit gegenüber A ausweisen kann.
‹ Richtigkeit hoch Stetigkeit ›