Source: https://www.ergo-online.de/arbeitsschutz/aufgaben-des-arbeitgebers/gefaehrdungsbeurteilung/artikel/beurteilung-der-arbeitsshybedingungen-grundlagen-und-umsetzung-der-gefaehrdungsbeurteilung/servicelinks/
Timestamp: 2019-06-16 14:41:06
Document Index: 40666261

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 6', '§ 4']

◊ Mutterschutzgesetz (MuSchG)
◊ Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz (MuSchArV)
◊ Sozialgesetzbuch IX Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen
Technische Regel für Arbeitsstätten ASR V3 Gefährdungsbeurteilung
Voraussetzung für die Mitbestimmung ist allein das Vorliegen einer Gefährdung, die muss feststehen oder muss durch eine Gefährdungsbeurteilung festgestellt werden. Die Einigungsstelle kann diese nicht durchführen, sondern das muss der Arbeitgeber tun. Auch sieht das BAG bei Eilmaßnahmen keine Mitbestimmung des Betriebsrates, sondern im Sinne der Prävention.
Bundesarbeitsgericht BAG vom 8.6.2004, AZ: 1 ABR 4/03 und AZ: 1 ABR 13/03 Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates
Kein Mitbestimmungsrecht des Personalrates
Gewerkschaft ver.di: ver.di-Online-Handlungshilfe zur Gefährdungsbeurteilung- online-Port Gefährdungsbeurteilung mit vielen Informationen und Verweisen.
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Portal Gefährdungsbeurteilung. Übersicht über Gefährdungsfaktoren und Verfahren.
Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (Hrsg.): Gefährdungsbeurteilung. Allgemeiner Maßnahmen- und Gefährdungskatalog. VBG Fachwissen 2017.
Gruber / Kittelmann / Mierdel: Leitfaden für die Gefährdungsbeurteilung. Bochum: Verlag Technik & Information, 15. überarbeitete Auflage 2017.
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.): Ratgeber zur Gefährdungsbeurteilung. Handbuch für Arbeitsschutzfachleute. 3. Auflage, Dortmund 2016, 528 Seiten, verfügbar als download unter www.baua.de
Hinrichs, Sven: Gefährdungsbeurteilung Psychischer Belastungen, hg. von Hans Böckler Stiftung, Reihe Praxiswissen Betriebsvereinbarungen, Düsseldorf 2016 (Auswertung von 27 Betriebsvereinbarungen).
Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie GDA: Empfehlung zur Umsetzung Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Kurzbroschüre der Träger der GDA, 2. Auflage 201, GDA.
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.): Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Erfahrungen und Empfehlungen. Berlin: Erich Schmidt Verlag 2013, BAuA.
DGUV Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (Hrsg.): Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen - Tipps zum Einstieg. Berlin 2013, DGUV.
Bundesrat: Verordnungsantrag der Länder Hamburg, Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein. Entwurf einer Verordnung zum Schutz vor Gefährdungen durch psychische Belastung bei der Arbeit. Drucksache 315/13, beschlossen am 3.5.2013, verfügbar als download unter www.bundesrat.de
Romahn, Regine: Gefährdungsbeurteilungen. hg. v. Hans-Böckler-Stiftung, Schriftenreihe Betriebs- und Dienstvereinbarungen, 2. Auflage, Frankfurt: Bund-Verlag 2013.
Gemeinsame deutsche Arbeitsschutzstrategie GDA (Hrsg.): Leitlinie Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz. Stand 2012 (Leitlinie für Arbeitsschutzbehörden), GDA.
Gemeinsame deutsche Arbeitsschutzstrategie GDA (Hrsg.): Leitlinie Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation. Stand 2011 (Leitlinie für Arbeitsschutzbehörden), GDA.
Deutsche gesetzliche Unfallversicherung DGUV (Hrsg.): Die Gefährdungsbeurteilung - Grundlage des Arbeitsschutzes. DGUV Forum, Nr. 9 2010, Deutsche gesetzliche Unfallversicherung DGUV.
Schröder, Martina / Riesenberg, Dr. Horst: Die Gefährdungsbeurteilung aus Sicht der Gewerkschaften. In: DGUV Forum Nr. 9 2010.
Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz: Datenbank. "Instrumente der Gefährdungsbeurteilung". Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Portal Gefährdungsbeurteilung mit Datenbank. Portal Gefährdungsbeurteilung (vernetzt mit der Datenbank der Europ. Agentur).
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Gefährdungsbeurteilung mithilfe der Leitmerkmalmethode und Leitmerkmalmethode heben, halten, tragen sowie ziehen, schieben. verfügbar als download unter www.baua.de
Sujet / Hans-Böckler-Stiftung / ver.di Genderpolitik (Hrsg.): Arbeitsbedingungen beurteilen - geschlechtergerecht. Gender Mainstreaming in der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Düsseldoft 2010, Bezug bei Gewerkschaft ver.di Berlin und Sujet Organisationsberatung Hamburg.
Peter Martin, Peter / Prümper, Jochen / Harten, Gerd von: Ergonomie-Prüfer zur Beurteilung von Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen (ABETO). Frankfurt/Main: Bund-Verlag 2008.
Holm, Matthias / Geray, Max: Integration der psychischen Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung. Hg. von Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, in Kooperation mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit INQA, Dortmund 2007, 2. Auflage, download unter INQA.
Szymanski, Hans: Die alterssensible Gefährdungsbeurteilung - Basis für eine zeitgemäße Arbeitsgestaltung, in: REFA-Nachrichten 6/2006, S. 20-25.
Dr. Elke Ahlers: BETRIEBLICHE GESUNDHEITSFÖRDERUNG UND GEFÄHRDUNGSBEURTEILUNGEN. Vortrag auf der A+A 2015, Tag der Betriebs- und Personalräte, 29.10.2015.
Langhoff, Thomas / Satzer, Rolf: Erfahrungen zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung bei psychischen Belastungen, BAuA-Projekt F 2193; in: ARBEIT. Zeitschrift für Arbeitsforschung, Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik, 4/2010, 267-282.
Qualitätsgrundsätze zur Erstellung von Handlungshilfen für eine Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz, Stand: (27.02.2009), hg. von der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie GDA, www-gda-portal.de
Die wichtigsten rechtlichen Anforderungen an die Gefährdungsbeurteilung bei Bildschirm- und Büroarbeit
Gesetze und Verordnungen sind rechtlich bindend und Mussvorschriften.
Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten konkretisieren diese und bei Umsetzung handelt der Arbeitgeber rechtssicher. Bei Abweichung davon muss er das gleiche Niveau von Sicherheit und Gesundheitsschutz erreichen und nachweisen.
Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR V3 „Gefährdungsbeurteilung“ konkretisiert das gesamte Verfahren für den Bereich Gefährdungsbeurteilung der Arbeitsstätte und der Bildschirmarbeitsplätze inklusive der Software.
Ermittlung und Beurteilung der Gefährdungen und Belastungen
◊ Arbeitsschutzgesetz 1996: § 5 „Beurteilung der Arbeitsbedingungen“
◊ DGUV-Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention 2013: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“
Beurteilung der Gefährdungen und ermitteln, welche Maßnahmen erforderlich sind
◊ Arbeitsstättenverordnung 2016: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“
Gefährdungsbeurteilung der physischen und psychischen Belastungen sowie bei Bildschirmarbeitsplätzen, insbesondere die Belastungen der Augen oder die Gefährdung des Sehvermögens der Beschäftigten
Sicherstellen, dass die Gefährdungsbeurteilung fachkundig durchgeführt wird
Berücksichtigung der Schutzziele im Anhang
◊ Betriebssicherheitsverordnung 2015: § 3 „Gefährdungsbeurteilung“
Gefährdungsbeurteilung vor der Verwendung von Arbeitsmitteln (z. B. EDV-Geräte)
Beginn bereits vor der Auswahl und der Beschaffung der Arbeitsmittel
Berücksichtigung der Eignung des Arbeitsmittels für die geplante Verwendung, die Arbeitsabläufe und die Arbeitsorganisation
Berücksichtigung der Gebrauchstauglichkeit des Arbeitsmittels einschließlich der ergonomischen, alters- und alternsgerechten Gestaltung
Berücksichtigung der physischen und psychischen Belastungen, die bei der Verwendung von Arbeitsmitteln auftreten
Gefährdungsbeurteilung darf nur von fachkundigen Personen durchgeführt werden
Risikobeurteilung, Maßnahmenfindung und –umsetzung, Wirksamkeitskontrolle
◊ Arbeitsschutzgesetz 1996: § 3 „Grundpflichten des Arbeitgebers“
Anstreben einer Verbesserung
Überprüfung der Gefährdungsbeurteilungen, insbesondere dann, wenn sich die betrieblichen Gegebenheiten hinsichtlich Sicherheit und Ge¬sundheitsschutz verändert haben
Einrichtung und Betreiben von Arbeitsstätten, so dass Gefährdungen für die Sicherheit und die Gesundheit möglichst vermieden und verbleibende Gefährdungen möglichst gering gehalten werden.
Berücksichtigung des Stands der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene, der ergonomischen Anforderungen und der Technischen Regel für Arbeitsstätten
Schutzziele im Anhang der Arbeitsstättenverordnung
Ableiten der notwendigen und geeigneten Schutzmaßnahmen
Regelmäßige Überprüfung der Gefährdungsbeurteilung und Berücksichtigung des Stands der Technik
◊ Arbeitsschutzgesetz 1996: § 6 „Dokumentation“
Dokumentation der festgelegten Maßnah¬men und des Ergebnisses ihrer Überprüfung
Auskunftspflicht gegenüber dem Unfallversicherungsträger zu allen Informationen über die getroffenen Maßnahmen
Dokumentation des Ergebnisses der Gefährdungsbeurteilung vor der erstmaligen Verwendung der Arbeitsmittel mit Angabe der Gefährdungen, die bei der Verwendung der Arbeitsmittel auftreten, der Schutzmaßnahmen, das Ergebnis der Überprüfung der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen
Technische Regel für Arbeitsstätten ASR V3 „Gefährdungsbeurteilung“
Fachkunde mit Berufsausbildung, Berufserfahrung, zeitnahe Berufsausübung – insbesondere Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt
Gegenstand der Ermittlung und Beurteilung - Einrichten (bauliche Maßnahmen, Ausstattung, Anlegen von Verkehrswegen, Festlegen von Arbeitsplätzen), dabei während der Planung Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene und die ergonomischen Anforderungen ermitteln; Berücksichtigung Anforderungen der Barrierefreiheit in der Planung; Berücksichtigung von Abnutzungserscheinungen; prospektive Betrachtung der Nutzung durch verschiedene Personengruppen; Berücksichtigung des Alters mit verschiedenen Leistungsvoraussetzungen; Prüfung auch bei Mietobjekten
Gegenstand der Ermittlung und Beurteilung - Betreiben (Instandhalten, Optimieren, Ablauforganisation in der Arbeitsstätten), dabei Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene und die ergonomischen Anforderungen berücksichtigen; Berücksichtigung von Sonderzuständen wie Notfall, Brand, Stromausfall etc.
Umsetzung der Prozessschritte (Vorbereiten, ermitteln Gefährdungen, beurteilen, Maßnahmenfestlegung, Umsetzung, Wirksamkeitsüberprüfung, fortschreiben)
Ermitteln nach Art der Tätigkeit, Gliederung nach Tätigkeitsgruppen/Arbeitsbereichen, gleichartiges zusammenfassbar; Dauer und Häufigkeit erfassen, besondere Personengruppen wie Schwangere, Leiharbeitnehmer berücksichtigen, sonstige anwesende Personen berücksichtigen wie Kunden
Berücksichtigung der Kooperation mehrerer Arbeitgeber in der Arbeitsstätte, Verfahren für Telearbeitsplätze und mobil Tätige
Systematische Ermittlung der Gefährdungen und Gefahrenquellen bei Planung oder dem Istzustand, weitere Informationen nutzen (Vorschriften und Regelwerk, insbesondere Technische Regeln, Branchenregeln, Gefährdungs- und Belastungskataloge der Berufsgenossenschaften, Herstellerinformationen, Arbeitsanweisungen, Unfallberichte, Erkrankungsschwerpunkte, Begehungsprotokolle, Instandhaltungsunterlagen, Brandschutzkonzepte, Anordnungen der Behörden, Erfahrungswerte)
Methoden sind Besichtigung, Beobachtung, prüfen, messen, abschätzen, Simulationen, Berechnungen, Befragungen
Für die Beurteilung ist die Umsetzung der Schutzziele Arbeitsstättenverordnung zu prüfen, die Berücksichtigung der gesicherten arbeitswiss. Erkenntnisse aus den Regelwerken und Veröffentlichungen von Berufsgenossenschaften oder staatlicher Arbeitsschutzinstitutionen, bei Bedarf eigenen Entwicklung und Dokumentation von Beurteilungsmaßstäben
Vollständige Beurteilung aller Arbeitsplätze, aller Personengruppen, aller Betriebszustände, aller möglichen Wechselwirkungen
Erforderlichkeit von unverzüglichen Maßnahmen wenn unmittelbare Gefahr besteht und/oder wenn die Beurteilung Maßnahmen als erforderlich bestimmt und Gesundheitsgefährdungen bestehen oder wenn Verbesserungen möglich sind
Maßnahmen sind nach Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene und die ergonomischen Anforderungen zu entwickeln, Technische Regeln besonders zu berücksichtigen, Abweichungen davon dokumentieren; Unterweisungen sind Maßnahme
Beachtung der Maßnahmenhierarchie, Priorisierung der Maßnahmen, Umsetzungsplanung
Prüfung der Wirksamkeit durch Beobachtung, Messung oder Befragung
Dokumentation vor Aufnahme der Tätigkeit, mit weiterführenden Unterlagen
Systematik der Gefährdungsfaktoren und typische Gefährdungen bei Bildschirm- und Büroarbeit
Quelle: Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie. GDA Leitlinie: Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation. Stand 2017 GDA (Leitlinie für Arbeitsschutzbehörden)
Die Gesundheit wird am Bildschirmarbeitsplatz gefährdet, wenn z. B. durch einen zu hohen Arbeitstisch und eine fehlende Fußstütze die Füße nicht auf dem Boden stehen können. Rücken und Beine werden dadurch überbeansprucht. Eine psychisch wirkende Gesundheitsgefahr stellt Lärm dar oder die fehlende Schulung für ein EDV-Programm. Beides führt zu erhöhtem Stress, der auf Dauer körperliche Folgen haben kann.
Hier sind die wichtigsten Gefährdungsfaktoren entsprechend der Systematik der Arbeitsschutzinstitutionen (staatliche Aufsichtsbehörden und Unfallversicherungsträger) aufgelistet.
Mechanische Gefährdungsfaktoren: gefährliche Oberflächen an Tischen und Schränken, ungesicherte überladene Regale und dadurch herabfallende Gegenstände, einklemmen bei Schubläden, ausrutschen und stolpern durch ungeeignete Fußböden, Absturz bei ungesicherten Treppen oder ungeeigneten Aufstiegshilfen
Elektrische Gefährdungsfaktoren: Gefährliche Körperströme/elektrischer Schlag durch schadhafte Elektrogeräte, elektrostatische Aufladung durch Bodenmaterialien und trockene Luft
Gefahrstoffe: Reinigungsmittel, Feuchtarbeiten – sie Gefährden die Haut, einatmen von Tonerstäube, Gase aus lösemittelhaltigen Materialien
Biologische Arbeitsstoffe: Schimmelpilze, Verkeimung von Klimageräten
Brand und Explosionsgefährdungen: Kurzschlüsse in Elektrogeräten
Thermische Gefährdungen: überhitzte Elektrogeräte
Gefährdung durch spezielle physikalische Einwirkungen: Lärm, Vibration in Fahrzeugen, optische Strahlung (Laser, UV-Strahlung), ionisierende Strahlung (Röntgenstrahlung), elektromagnetische Felder
Gefährdungen durch Arbeitsumgebungsbedingungen: Klima (Hitze im Sommer, Zugluft, zur geringe Luftfeuchtigkeit), Beleuchtung (Blendung, zu dunkel, zu hell), unzureichende Flucht- und Verkehrswege, unzureichende Bewegungsfläche, keine Pausenräume, mangelhafte Sanitärräume
physische Gefährdungsfaktoren/Arbeitsschwere: schwere dynamische Arbeit wie Lastenhandhabung im Lager, einseitige Körperbewegungen, Haltearbeit, einseitige Körperhaltung am Bildschirm
Psychische Gefährdungsfaktoren: ungenügend gestaltete Arbeitsaufgaben/Arbeitsorganisation/ Arbeitszeit/soziale Beziehungen am Arbeitsplatz wie überfordernde Arbeitsaufgaben wegen fehlender Qualifikation, Konflikte im Team und ungenügend gestaltete Arbeitsplatzbedingungen wie Störung der Konzentration durch Lärm, Enge unzureichende Software
Sonstige Gefährdungen: durch Menschen (Kunden), Pflanzen, Tiere
Anforderungen an die Qualität von Handlungshilfen für die Gefährdungsbeurteilung nach Vorgaben der Aufsichtsinstitutionen (Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie GDA)
Nachvollzug des vollständigen Prozesses
Sie ermöglichen ein systematisches Vorgehen bei der Ermittlung, Bewertung der Gefährdung, Maßnahmenentwicklung und Wirksamkeitsprüfung. Dabei werden die unterschiedlichen Betriebszustände (Normalbetrieb und typische Störungen) berücksichtigt.
Sie orientieren sich in ihrer Sprache und Gestaltung an der Zielgruppe (Arbeitgeber im Kleinbetrieb, betriebliche Arbeitsschutzexperten). Sie sind anpassbar an den Betrieb und den gewünschten Detaillierungsgrad (Grob- oder Feinanalyse) und praxisgerecht handhabbar. Sie ermöglichen es, die Prüftiefe und das Präzisionsniveau am Gefährdungspotenzial auszurichten.
Sie sind branchen- oder tätigkeitsbezogen und enthalten vollständig die jeweiligen Untersuchungsbereiche und die typischen Gefährdungen für Arbeitsplatz- oder Tätigkeitstypen (z.B. Programmierer, Sachbearbeiter oder Berater mit Kundenkontakt, Call Center oder Außendienst).
Typische Gefährdungen, arbeitswissenschaftlich fundiert
Sie zeigen die typischen Gefährdungen der Branche oder Berufstätigkeit. Sie sind arbeitswissenschaftlich geprüft und berücksichtigen den Stand der gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse (Checklisten oder Fragebögen müssen die Systematik der Gefährdungsfaktoren umfassen und getestet sein. Werden z.B. in Fragebögen Fragen nicht klar und eindeutig gestellt, sind die Ergebnisse nicht zu gebrauchen. Sind Fragen nicht verständlich, werden sie nicht beantwortet)
Hinweis auf gleichartige Arbeitsbedingungen
Sie ermögliche die Beurteilung von speziellen Anforderungen für Gruppen wie werdende Mütter, Schwerbehinderte, Jugendliche, Praktikanten oder Leiharbeitnehmer.
Beurteilungskriterien – Vorschriften, Regelwerk
Sie enthalten nachvollziehbare Beurteilungskriterien der Gefährdungen unter Bezug zu den Sollvorschriften in Gesetzen, Verordnungen, Normen und nachvollziehbare Analysekriterien. Die rechtliche Bedeutung wird dabei klar beschrieben. Sie ermöglicht eine Gesamtbeurteilung von Gefährdungen unter Berücksichtigung von Kombinationswirkungen einzelner Faktoren.
Hinweis auf Einschalten von Experten
Berücksichtigung der Grundsätze § 4 ArbSchG bei Maßnahmen und Rangfolge der Schutzmaßnahmen
Sie bieten Ansatzpunkte für die konkrete Maßnahmenfindung, die Dringlichkeit der Maßnahmen wird aufgezeigt.
Methoden der Überprüfung der Wirksamkeitskontrolle
Sie geben Hinweise auf die Möglichkeiten der Wirksamkeitskontrolle. Sie sind standardisiert, um Wirksamkeitsprüfungen und Wiederholungen leicht zu ermöglichen.
Die regelmäßige Aktualisierung wird vereinfacht.
Die Dokumentation wird erleichtert.
Beteiligungsorientierung Sie gehen beteiligungsorientiert vor und fordern die Beteiligung der betrieblichen Interessenvertretung.
Quelle: Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie: Qualitätsgrundsätze zur Erstellung von Handlungshilfen für eine Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz. Stand: 27.02.2009, hg. von der GDA.
Schema des Vorgehens bei der Gefährdungsbeurteilung
Systematik der psychischen Belastungs- und Gefährdungsfaktoren
Quellen: Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie GDA: „Empfehlung zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung“. GDA 2. Auflage 2016 und DIN EN ISO 10075
Anforderungen an die Prozessqualität der Gefährdungsbeurteilung (Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie GDA)
GDA Leitlinie: Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz 2015,
GDA-Leitlinie: Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation 2017
Vollständige Analyse in allen Bereichen des Betriebes und für alle Tätigkeiten, gleichartige Tätigkeiten oder Arbeitsplätze können dabei zusammengefasst werden
Regelungen Gefährdungsbeurteilung - Tipps für Betriebs- und Dienstvereinbarungen zur Gefährdungsbeurteilung
von Regine Romahn
Wie Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen sind, wird vom Gesetzgeber nicht vorgegeben. Er nennt lediglich Grundsätze, die es zu berücksichtigen gilt. Konkretisiert wird das Verfahren, die Anforderungen an die Qualität und den Prozess für den Bereich Arbeitsstätten und Bildschirmarbeitsplätze mit der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR V3 „Gefährdungsbeurteilung“ von 2017. Da diese nicht rechtsverbindlich ist, haben Unternehmen Spielräume zur Ausgestaltung. Die Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung ist noch immer nicht in allen Betrieben erfolgt.
Auch zwanzig Jahre nach der Verabschiedung des Arbeitsschutzgesetzes ist diese Aufgabe offenbar nicht leicht zu bewältigen. In einer WSI-Betriebsrätebefragung des Jahres 2015 bestätigten 78 Prozent der Befragten die Durchführung. Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen hatten nur 14 Prozent der Betriebe durchgeführt. Die Dachevaluation der GDA (Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie) 2013 ergab, dass 51 Prozent der Betriebe eine Gefährdungsbeurteilung hatten, davon 98 Prozent der Betriebe mit mehr als 250 Beschäftigten (GDA 2013, n = 6.500 Betriebe)
Die Gestaltung von Gefährdungsbeurteilungen ist komplex. Die Vielzahl der Gestaltungsfelder in den von der Hans-Böckler-Stiftung in der Online-Datenbank gesammelten rund 40 Vereinbarungen spiegelt das wider. Da es nicht nur um die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten geht, sondern auch um die Vermeidung arbeitsbedingter Erkrankungen und den Erhalt des Wohlbefindens, müssen Gefährdungsbeurteilungen neben den sogenannten klassischen Gefährdungen (Lärm, Beleuchtung etc.) heute auch psychische und soziale Belastungen einzubeziehen. Die Qualifizierung, Arbeitsgestaltung, Arbeitsorganisation, die Arbeitszeit, das Arbeitstempo und -volumen, Verantwortung, Führungsstil, Arbeitsplatzunsicherheit - all das sind Arbeitsbedingungen, die Gesundheitsbeschwerden und Erkrankungen für die Beschäftigten, aber auch Qualitäts- und Produktivitätseinbußen für Betriebe nach sich ziehen können.
In den Vereinbarungen wird aus den Gefährdungsbeurteilungen kein betriebliches Gesundheitsschutzprogramm abgeleitet. Infolge der Gefährdungsbeurteilung fallen vielfältige Aufgaben im Arbeits-und Gesundheitsschutz aktuell und kontinuierlich an. Sie übersteigen die Ressourcen eines Betriebes, die ungeplant neben dem Produktions- und Dienstleistungsprozess eingesetzt werden können. Eine systematische Planung ist daher erforderlich. Sie sollte ein kurz- und mittelfristiges Programm umfassen, das einen Aufgaben- und Zeitplan enthält und Verantwortlichkeiten beschreibt.
Beschäftigte von Fremdfirmen, auch Leiharbeit
Kommissionen, Ausschüsse etc. nutzen oder bilden zur Verfahrenssteuerung, Beratung, Konfliktregelung;
Controlling-Verfahren vereinbaren,
was: Inhalte beschreiben; Verfahren und Ergebnisse; wer hat wie mit welchen Ergebnissen die einzelnen Arbeitsschritte und Phasen der Gefährdungsbeurteilung bearbeitet
wie: Art der Dokumentation, EDV und/oder Papier;
Mitarbeiterbeschwerden über Mängel im Arbeits- und Gesundheitsschutz oder bei der Gefährdungsbeurteilung
Hans-Böckler-Stiftung: online-Archiv Betriebs- und Dienstvereinbarungen. Das Archiv Betriebliche Vereinbarungen der Hans-Böckler-Stiftung umfasst knapp 10.000 Vereinbarungen. Auswertungen zu aktuellen Themen mit anonymisierten Textauszügen und weiterführende Hinweise.
Der Fragebogen zum Selbsttest unterstützt Betroffene am Bildschirmarbeitsplatz. Sie können damit selbst prüfen, ob die wichtigsten Anforderungen an die Ergonomie und den vorbeugenden Gesundheitsschutz an Ihrem Arbeitsplatz erfüllt sind.
Sie können den Fragebogen gleich am Bildschirm ausfüllen und bei Bedarf ausdrucken.
Bei einer großen Zahl von Mängeln (d.h. viele mit "nein" beantwortete Fragen) sollten Sie sich an die verantwortliche Führungskraft wenden. Oder fragen Sie ihre Interessenvertretung.
Der Kurztest ersetzt nicht die Gefährdungsbeurteilung.
Bildschirm und Sehen
Der Bildschirm ist für meine Arbeitsaufgaben ausreichend groß.
Der Abstand zum Bildschirm ist ausreichend, um die Informationen gut lesen zu können.
Die Zeichen sind scharf, deutlich, groß genug und gut lesbar.
Die oberste Zeile ist unterhalb der Augenhöhe.
Der Bildschirm flimmert nicht.
Der Bildschirm hat einen Hinweis, das er strahlungsarm ist.
(Prüfsiegel TCO o.a.).
Das Blickfeld ist frei von Blendungen und Spiegelungen.
Der Bildschirm ist zur häufigen Nutzung zentral angeordnet.
Für das Notebook sind Dockingstation, Zusatzbildschirm bzw. -tastatur vorhanden.
Der Sonneneinfall lässt sich komfortabel regulieren.
Es ist ausreichend hell am Schreibtisch und am Bildschirm.
Eine Sichtverbindung nach draußen ist vorhanden.
Tastatur ist getrennt und flexibel aufstellbar.
Die Maus ist handgerecht und lässt sich gut bewegen (Rechts-/Linkshänder)
Arbeitstisch und Arbeitsstuhl
Für die benötigten Arbeitsmittel und Geräte steht ausreichend Tischfläche zur Verfügung (Standard 160 cm Tischbreite).
Elektrische Leitungen und Anschlusskabel sind sicher abgedeckt verlegt, auch unter dem Tisch.
Fußstützen und Manuskripthalter können bei Bedarf angefordert werden.
Der freie Beinraum am Arbeitstisch ermöglicht guten Bewegungsspielraum.
Die Tischhöhe ist der Körpergröße und Proportion angemessen.
Der Arbeitsstuhl lässt sich leicht einstellen.
Der Arbeitsstuhl ermöglicht eine gute Arbeitshaltung (rechter Winkel Ober-/Unterschenkel, Bodenkontakt, waagrechte Unterarme) und Unterstützung beim Sitzen (hohe durchgehende Rückenlehne, verstellbare Armlehnen und Rückenlehne).
Schränke und Regale lassen sich frei und sicher benutzen.
Raum und Arbeitsumgebung
Am Arbeitsplatz und im Arbeitsraum gibt es ausreichende Bewegungs- und Verkehrsflächen.
Mit dem Stuhl kann ich mindestens 1 m frei zurück rollen.
Ablagen und Abstellflächen sind ausreichend vorhanden.
Während der Arbeit gibt es in der Regel keine Störungen und Belästigungen durch Lärm.
Das Klima ist behaglich, Temperatur und Feuchte angenehm und ohne Zugluft.
Ausreichende Lüftung ist möglich.
Elektrische Aufladungen und elektrische Schläge kommen nicht vor.
Die Software unterstützt meine Arbeitsaufgaben.
Sie ist auf meine Anforderungen gut angepasst.
Die EDV läuft weitgehend störungsfrei.
Die Ausbildung für die Software/Einweisung ist ausreichend.
Ich habe eine abwechslungsreiche Arbeit.
In unserem Abteilung gibt es eine gute Zusammenarbeit.
Wir werden gut informiert und bei EDV- und Organisationsmaßnahmen oder Umbau/Umzug beteiligt.
Das Betriebsklima ist bei uns in Ordnung.
Die Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten in unserem Betrieb sind gut.
Ich komme mit den Anforderungen der Arbeitsaufgaben gut zurecht.
Stress und Zeitdruck kommen vor, aber nicht ständig und sind zu bewältigen.
Wir werden regelmäßig über Fragen des Gesundheitsschutzes informiert.
Die Vorsorge für Bildschirmarbeit (Augen) wird in Abständen im Betrieb angeboten.
Die Kosten für eine spezielle Bildschirmbrille werden bei uns erstattet.
Gesundheitsbeschwerden bei Augen, Rücken, Armen, Allgemeinbefinden liegen bei mir nicht vor.
Pausen kann ich ungestört nehmen.
Auch Kurzpausen sind regelmäßig pro Stunde möglich.
Meine Arbeitsbedingungen sind gut und weitere Verbesserungen nicht dringlich.