Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/wohnungseigentumsrechtliche-beschlussmaengelklage-und-die-beschraenkte-revisionszulassung-399669
Timestamp: 2020-05-26 20:03:33
Document Index: 331876555

Matched Legal Cases: ['§ 46', '§ 16', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Wohnungseigentumsrechtliche Beschlussmängelklage - und die beschränkte Revisionszulassung | Rechtslupe
Bei der woh­nungs­ei­gen­tums­recht­li­chen Beschluss­män­gel­kla­ge kann die Revi­si­ons­zu­las­sung auf ein­zel­ne Beschluss­män­gel­grün­de beschränkt wer­den.
Aller­dings ist es rich­tig, dass die Zulas­sung der Revi­si­on nicht auf ein­zel­ne Rechts­fra­gen oder Anspruchs­ele­men­te beschränkt wer­den kann. Zuläs­sig ist aber eine Beschrän­kung auf einen tat­säch­lich und recht­lich selb­stän­di­gen und damit abtrenn­ba­ren Teil des Gesamt­streit­stoffs, auf den auch die Par­tei selbst ihre Revi­si­on beschrän­ken könn­te. Dafür reicht es aus, dass der von der Zulas­sungs­be­schrän­kung betrof­fe­ne Teil des Streits in tat­säch­li­cher Hin­sicht unab­hän­gig von dem übri­gen Pro­zess­stoff beur­teilt wer­den kann und nach einer Zurück­ver­wei­sung eine Ände­rung des von der beschränk­ten Zulas­sung erfass­ten Teils nicht in die Gefahr eines Wider­spruchs zu dem nicht anfecht­ba­ren Teil gerät 1.
Dass Beschluss­män­gel­grün­de abtrenn­ba­re Tei­le des Streit­stoffs sein kön­nen, hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits für die akti­en­recht­li­che Anfech­tungs­kla­ge ent­schie­den 2.
Für die Beschluss­män­gel­kla­ge nach dem Woh­nungs­ei­gen­tums­ge­setz gilt nichts ande­res. Auch hier wird der Streit­ge­gen­stand durch die jeweils gel­tend gemach­ten Beschluss­män­gel­grün­de als Teil des zugrun­de lie­gen­den Lebens­sach­ver­halts bestimmt 3. Schon des­halb kann die Kla­ge auf ein­zel­ne Beschluss­män­gel mit der Fol­ge begrenzt wer­den, dass nach Ablauf der Frist des § 46 Abs. 1 Satz 2 Halb­satz 2 WEG nach­ge­scho­be­ne Anfech­tungs­grün­de – sieht man von der Mög­lich­keit der Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nach Satz 3 der Rege­lung ab – nicht mehr berück­sich­tigt wer­den 4. Erst recht ist eine sol­che Beschrän­kung im Ver­lauf des Rechts­streits mög­lich 5. Auch mit Blick auf Nich­tig­keits­grün­de bleibt es Sache der kla­gen­den Par­tei, ob sie ihre Kla­ge (wei­ter­hin) auch auf nich­tig­keits­be­grün­den­de Umstän­de stüt­zen möch­te oder nicht 6.
Gemes­sen dar­an liegt hier eine wirk­sa­me Beschrän­kung vor: Bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung hat das Beru­fungs­ge­richt die Revi­si­on hin­sicht­lich sämt­li­cher Beschlüs­se zuge­las­sen, bei denen die Fra­ge Bedeu­tung erlangt, ob unter Stim­men­mehr­heit im Sin­ne von § 16 Abs. 3 WEG nur das sog. Kopf­prin­zip ver­stan­den wer­den kann. Das sind alle Beschlüs­se, die mit der Beschluss­män­gel­kla­ge ange­grif­fen wer­den. Von der Beschrän­kung erfasst wer­den sämt­li­che Beschluss­män­gel­grün­de, die mit der Fra­ge des Stimm­ge­wichts und dem dar­auf gestütz­ten Teil des Lebens­sach­ver­halts nichts zu tun haben. Da die Revi­si­on auf die­se wei­te­ren Beschluss­män­gel­grün­de nicht zurück­kommt, hält sich das ein­ge­leg­te Rechts­mit­tel im Rah­men der Zulas­sung; eine über­schie­ßen­de – teil­wei­se unstatt­haf­te – Rechts­mit­tel­ein­le­gung liegt nicht vor.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Juli 2015 – V ZR 198/​14
BGH, Beschluss vom 15.04.2014 – XI ZR 356/​12; Urteil vom 17.09.2008 – IV ZR 191/​05, VersR 2008, 1524 Rn. 7; jeweils mwN; vgl. auch BGH, Beschluss vom 02.12 2014 – IV ZR 296/​12, zu II. 1.[↩]
BGH, Beschluss vom 07.12 2009 – II ZR 63/​08, WM 2010, 848, 849 mwN[↩]
vgl. auch BGH, Urteil vom 16.01.2009 – V ZR 74/​08, BGHZ 179, 230 Rn.20 mwN[↩]
BGH, Urteil vom 16.01.2009 – V ZR 74/​08, aaO, Rn. 9 f.; Urteil vom 02.10.2009 – V ZR 235/​08, BGHZ 182, 307 Rn. 12 ff.[↩]
BGH, Beschluss vom 07.12 2009 – II ZR 63/​08, aaO[↩]
BGH, Urteil vom 16.01.2009 – V ZR 74/​08, aaO, Rn.20[↩]
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