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Timestamp: 2019-02-18 18:01:29
Document Index: 273707005

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 16', '§ 15', '§ 12', 'BGH']

BGH 2 StR 449/94 - 2. November 1994 (LG Gera) · hrr-strafrecht.de
BGH 2 StR 449/94 - 2. November 1994 (LG Gera)
BGH 2 StR 449/94:
Zitiervorschlag: BGH, 2 StR 449/94, Urteil v. 02.11.1994, HRRS-Datenbank, Rn. X
BGH 2 StR 449/94 - Urteil vom 2. November 1994 (LG Gera)
BGHSt 40, 304; beendeter Versuch bei mangelnden Vorstellungen über die Handlungsfolgen (letzte Ausführungshandlung; bedingter Vorsatz; Eventualvorsatz; Gleichgültigkeit).
Macht ein Täter sich nach der letzten Ausführungshandlung keine Vorstellungen über die Folgen seines Tuns, so ist ein beendeter Versuch anzunehmen. (BGHSt)
Auf die Revision der Staatsanwaltschaft wird das Urteil des Landgerichts Gera vom 5. April 1994 mit den Feststellungen aufgehoben.
Nach einer tätlichen Auseinandersetzung des Angeklagten mit seinem Bruder F. in der Wohnung der Zeugin H. forderte dieser den Angeklagten auf, "daß er verschwinden solle, woraufhin der Angeklagte die Wohnung verließ. Als der F. kurze Zeit später bemerkte, daß der Angeklagte seine Tasche vergessen hatte, nahm er diese und trug sie hinaus auf den Hof. Der Angeklagte, der gerade über den Hof ging, drehte sich um, ging auf den F. zu und stach diesen zweimal mit einem von ihm mitgeführten Springmesser, welches offen in seiner Gesäßtasche steckte, in den Oberbauch, wobei er billigend in Kauf nahm, daß sein Bruder dadurch getötet werden könnte. Nachdem der Angeklagte die Stiche geführt hatte, machte er sich jedoch keine Vorstellung darüber, ob die Stiche tatsächlich zum Tode führen würden.
Der F. konnte sich nach den Stichen noch ins Haus begeben, wo er vor der Wohnungstür des Zeugen B. im zweiten Stockwerk zusammenbrach. Auf welche Weise der F. ins Haus gelangte, konnte nicht mehr geklärt werden. Fest steht, daß er dies ohne fremde Hilfe tat" (UA S. 5).
Durch die Stiche hatte F. lebensbedrohliche Verletzungen an Leber und Magen erlitten. Er konnte gerettet werden.
Die hier vertretene Auffassung steht im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Annahme von bedingtem Vorsatz bei einem Täter, dem bei seiner Tat der Erfolgseintritt gleichgültig ist. Ein solcher Täter handelt vorsätzlich, weil er mit jeder eintretenden Möglichkeit einverstanden ist (BGH NJW 1960, 1821, 1822; vgl. ferner RGSt 75, 127; Schroeder in LK 11. Aufl. § 16 Rdn. 93; Cramer in Schönke/Schröder StGB 24. Aufl. § 15 Rdn. 84; Roxin AT § 12 I Rdn. 30).
Externe Fundstellen: BGHSt 40, 304; NJW 1995, 974; NStZ 1995, 121; NStZ 1995, 403; StV 1995, 296