Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F30-11-2012-9C_596-2012
Timestamp: 2016-10-28 23:34:17
Document Index: 104448427

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 105', 'Art. 97', 'Art. 95', 'Art. 105', 'BGE', 'Art. 106', 'BGE']

Rechtsanwalt Marco B�chel,
Mit unangefochten in Rechtskraft erwachsener Verf�gung vom 16. Mai 2008 lehnte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen ein Gesuch um berufliche Eingliederungsmassnahmen des1963 geborenen T.________ mit der Begr�ndung ab, er sei am konkreten Arbeitsplatz angemessen eingegliedert. Mit Vorbescheid vom 15. Januar 2010 k�ndigte die IV-Stelle dem Versicherten die Zusprache einer Viertelsrente ab 1. September 2008 an. Dagegen liess der Versicherte einwenden, vom Durchschnittseinkommen h�tten zus�tzlich 10 % abgezogen werden m�ssen, weil er nur noch leichte, wechselbelastende Arbeiten ausf�hren k�nne, und weitere 10 %, weil er nur noch teilzeitlich arbeiten k�nne, was zu einem Invalidit�tsgrad von 57 % f�hre mit Anspruch auf eine halbe Rente. Mit Verf�gung vom 24. M�rz 2010 sprach die IV-Stelle dem Versicherten ab 1. M�rz 2010 eine Viertelsrente zu, und mit Verf�gung vom 7. Mai 2010 folgte die Zusprache einer Viertelsrente f�r die Zeit von September 2008 bis Februar 2010. Die Verwaltung hielt u.a. fest, ein Teilzeitabzug sei ausgeschlossen, weil die Restarbeitsf�higkeit ganzt�gig umgesetzt werde.
Die Beschwerde des T.________, wonach bei einem Gesamtabzug vom Durchschnittseinkommen von 25 % ein Invalidit�tsgrad von 60 % bestehe mit Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, hiess das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 3. Juli 2012 in dem Sinne gut, dass es dem Beschwerdef�hrer - unter Ber�cksichtigung eines zus�tzlichen Abzugs von 10 % vom anwendbaren Tabellenlohn - mit Wirkung ab 1. September 2007 eine halbe Invalidenrente zusprach.
Die IV-Stelle erhebt Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Rechtsbegehren, nach Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sei der Entscheid vom 3. Juli 2012 aufzuheben, soweit er ab 1. September 2007 einen Anspruch auf eine halbe Rente bejaht, und es sei festzustellen, dass der Beschwerdegegner ab jenem Datum Anspruch auf eine Viertelsrente habe.
Der Beschwerdegegner schliesst auf Abweisung der Beschwerde, sofern darauf einzutreten sei, und beantragt, dieser sei keine aufschiebende Wirkung zu erteilen. Vorinstanz und Bundesamt f�r Sozialversicherungen verzichten auf eine Vernehmlassung.
Mit dem Erlass dieses Urteils er�brigt sich ein Entscheid �ber das Gesuch um aufschiebende Wirkung.
Mit der Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann u.a. die Verletzung von Bundesrecht ger�gt werden (Art. 95 lit. a BGG). Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zu Grunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz von Amtes wegen - oder wenn ger�gt (Art. 97 Abs. 1 BGG) - berichtigen oder erg�nzen, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG).
Streitig und zu pr�fen ist, ob das kantonale Gericht bei der Ermittlung des Invalidit�tsgrades des Versicherten gem�ss BGE 126 V 75 zu Recht einen leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn von 10 % ber�cksichtigt hat. Ob ein behinderungsbedingt oder anderweitig begr�ndeter Abzug vom statistisch ermittelten Invalideneinkommen vorzunehmen ist, ist eine vom Bundesgericht frei �berpr�fbare Rechtsfrage (Art. 106 Abs. 1 BGG; BGE 132 V 393 Erw. 3.3; vgl. auch Urteil 9C_40/2011 vom 1. April 2011 E. 2.1.2).
3.1 Die Vorinstanz erwog, beim vorzunehmenden Einkommensvergleich sei dem Valideneinkommen von Fr. 67'713.- ein Invalideneinkommen von Fr. 36'100.- (Arbeitsf�higkeitsgrad von 60 %) gegen�berzustellen. Es k�nne nicht von einem �berproportionalen Lohnnachteil bei Teilzeitarbeit ausgegangen werden. Allerdings weise der Beschwerdef�hrer die �blichen Konkurrenznachteile eines gesundheitlich angeschlagenen Arbeitnehmers auf (Unf�higkeit, �berstunden zu leisten bzw. zu mehr als 60 % zu arbeiten, Unf�higkeit, an einem nicht adaptierten Arbeitsplatz eingesetzt zu werden, reale oder auch nur bef�rchtete Gefahr �berproportionaler Krankheitsabsenzen usw.), so dass sich ein Abzug vom Tabellenlohn rechtfertige. Die Nachteile seien aber entgegen der Auffassung des Beschwerdef�hrers bei weitem nicht so ausgepr�gt, dass sie den Maximalabzug von 25 % rechtfertigen w�rden. Ein zus�tzlicher Abzug von 10 % erscheine als angemessen. Das zumutbare Invalideneinkommen betrage somit Fr. 32'490.-. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 67'713.- resultiere eine behinderungsbedingte Erwerbseinbusse von Fr. 35'223.-. Das entspreche einem Invalidit�tsgrad von abgerundet 52 %. Die Beschwerde sei demnach gutzuheissen, und der Beschwerdef�hrer habe mit Wirkung ab September 2007 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
3.2 Die beschwerdef�hrende IV-Stelle legt dar, im Gegensatz zur Vorinstanz w�rden sich ihre Verf�gungen vom 24. M�rz und 7. Mai 2010 auf einen Invalidit�tsgrad von 48 % mit Anspruch auf eine Viertelsrente ab September 2007 st�tzen, wobei der massgebliche Invalidit�tsgrad auf einem Invalideneinkommen beruhe, welches ohne einen Abzug vom Tabellenlohn bemessen wurde. Die Vorinstanz anerkenne die Rechtsprechung, wonach bei einer grunds�tzlich vollzeitlich arbeitsf�higen, aber krankheitsbedingt lediglich reduziert leistungsf�higen versicherten Person kein �ber die Ber�cksichtigung der eingeschr�nkten Leistungsf�higkeit und damit des Rendements hinaus gehender Abzug gerechtfertigt ist. Die von der Vorinstanz zur Begr�ndung eines 10%igen Abzuges erw�hnten Umst�nde w�rden jedoch ebenfalls keinen Abzug rechtfertigen. Eine angeblich gesundheitlich bedingte geringere Flexibilit�t bei der Einsetzbarkeit k�nne rechtsprechungsgem�ss nicht als abzugsrelevant anerkannt werden. Stellen, welche eine solche Flexibilit�t verlangen, fielen vorweg ausser Betracht, ohne dass gesagt werden k�nne, das aufgrund des Anforderungs- und Belastungsprofils in Frage kommende Arbeitsmarktsegment werde dadurch entscheidend verkleinert (SVR 2010 IV Nr. 28 E. 2.3.3, 9C_708/2009). Auch ein angeblich h�heres Risiko, aus krankheitsbedingten Gr�nden der Arbeit fernbleiben zu m�ssen, k�nne nicht als Abzugsgrund anerkannt werden. Anzumerken sei, dass mit der Anerkennung einer 60%igen Restarbeitsf�higkeit der leidensbedingten Beeintr�chtigung des Beschwerdegegners bereits hinreichend Rechnung getragen wurde; eine weitergehende Anrechnung beim leidensbedingten Abzug lasse sich nicht halten, da sie einer unzul�ssigen doppelten Ber�cksichtigung derselben Einschr�nkung gleichk�me. Somit habe die Vorinstanz den 10%igen Abzug vom Tabellenlohn in Verletzung von Bundesrecht vorgenommen.
3.3 Die Einw�nde der Beschwerdef�hrerin sind stichhaltig. Die von der Vorinstanz dargelegten Nachteile sind nicht direkt behinderungsbedingter Art und rechtfertigen grunds�tzlich keinen (behinderungsbedingten) Abzug vom Tabellenlohn. Im vorliegenden Fall verh�lt es sich nicht anders. Weder begr�ndet die Vorinstanz noch ist - im Sinne der Ausf�hrungen der IV-Stelle - ersichtlich, dass das auf Grund des Anforderungs- und Belastungsprofils in Frage kommende Arbeitsmarktsegment durch die fraglichen Umst�nde entscheidend verkleinert wird (SVR 2010 IV Nr. 28 S. 87, 9C_708/2009 E. 2.3; Urteil 9C_11/2012 vom 28. Februar 2012 E. 2.2.4). Die Beschwerde ist somit wegen Bundesrechtswidrigkeit des kantonalen Entscheides begr�ndet.