Source: http://www.ligist.at/startseite/unsere-gemeinde/bauamt/4-abstaende.html
Timestamp: 2019-02-15 21:49:34
Document Index: 41633321

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§13', '§13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13']

4 - Abstände
Diesmal soll das Thema Abstände (§ 13 BauG) ein wenig beleuchtet werden.
Grundsätzlich muss man 2 verschiedene Abstände unterscheiden:
Gebäudeabstand: das ist der Abstand, den 2 Gebäude voneinander haben müssen
Grenzabstand: das ist der Abstand, den ein Gebäude von einer Grundgrenze haben muss
Den Gebäudeabstand ermittelt man, in dem man die Summe der Geschoße beider Gebäude um 4 vermehrt.
Der Grenzabstand ermittelt sich dadurch, dass man die Geschoßanzahl des einzelnen Gebäudes um 2 vermehrt.
Als Gebäude gelten überdeckte, allseitig oder überwiegend umschlossene Bauwerke, die von Menschen betreten werden können.
Als Nebengebäude gelten eingeschoßige, ebenerdige, unbewohnbare Bauten von untergeordneter Bedeutung mit einer Geschoßhöhe bis 3,0 m, einer Firsthöhe bis 5,0 m und bis zu einer bebauten Fläche von 40 m². Hierzu gelten z.B. Geräteschuppen, Glashäuser oder Gartenhütten.
Garagen sind keine Nebengebäude. Garagen gelten als Gebäude oder als Teil eines Gebäudes!
Schutzdächer (Flugdächer, Carports) gelten weder als Gebäude, noch als Nebengebäude, sondern als bauliche Anlage. Die Abstandsregeln im §13 BauG beziehen sich jedoch nur auf Gebäude bzw. Nebengebäude, daher ist der §13 BauG für Carports nicht relevant. Allerdings gibt es in der Brandschutzrichtlinie für Garagen, überdachte Stellplätze und Parkdecks (OIB Richtlinie 2.2) Abstandsregeln für Carports. Zu diesen komme ich am Ende dieser Bauseite.
Ein Geschoß ist ein Gebäudeabschnitt zwischen den Oberkanten der Fußböden übereinanderliegender Räume oder der lichte Abschnitt zwischen Oberkante des Fußbodens und der Unterfläche des Daches, wenn die jeweils geforderte Raumhöhe erreicht wird.
Als Geschoße in der jeweiligen Gebäudefront sind jene anzurechnen
die vollausgebaut oder zu Aufenthaltsräumen ausbaufähig sind
deren Außenwandfläche mehr als 50% und im Mitteln mehr als 1,5m über den natürlichen Gelände liegen
wenn Dachgeschoße bzw. ausbaufähige Dachböden an der Traufenseite eine Kniestockhöhe von über 1,25 m oder eine Dachneigung größer 70° haben
An der Giebelseite wird das unterste Dachgeschoß bzw. der unterste ausbaufähige Dachboden nicht als Geschoß gezählt, sofern die Kniestockhöhe 1,25 m nicht übersteigt und die Dachneigung nicht mehr als 70° beträgt. Ein allfälliger oberer ausbaufähiger Dachboden gilt jedoch wieder als Geschoß.
Nun zu den wichtigsten Abstandsregeln (§ 13 BauG):
Gebäude sind entweder unmittelbar aneinander zu bauen, oder es muss der Gebäudeabstand eingehalten werden.
Jede Gebäudefront, die nicht unmittelbar an der Nachbargrenze steht, muss von dieser um den Grenzabstand entfernt sein.
Steht ein Gebäude an der Grundgrenze, hat der Nachbar die Wahl, entweder an die Grundgrenze anzubauen (wenn zulässig) oder den Gebäudeabstand einzuhalten. Weist das bestehende Gebäude an der Grenze Öffnungen auf, ist das Anbauen nicht zulässig.
Bei Gebäuden ohne übliche Geschoßeinteilung (z.B. Hallen) wird eine fiktive Geschoßeinteilung mit einer Höhe von 3 m angesetzt. Restgeschoßhöhen mit mehr als 1,5 m werden als Geschoß gerechnet.
Für Gebäude auf demselben Bauplatz können geringere Gebäudeabstände zugelassen werden, der Mindestabstand zweier Gebäude darf aber 2 m nicht unterschreiten („Reichen" sind nicht zulässig).
Mit Zustimmung des Nachbarn können Nebengebäude an der Grundgrenze zugelassen werden.
Für Nebengebäude (oder wenn dies im Interesse des Ortsbild- oder Denkmalschutzes sowie der Altstadterhaltung liegt, auch für Gebäude) können geringere Abstände von Nachbargrundgrenzen und Nachbargebäuden von der Behörde zugelassen werden,
aber auch hier muss der Gebäudeabstand mind. 2 m betragen.
Steht auf dem angrenzenden Grundstück ein Nebengebäude, ist zur Ermittlung des Abstandes (für Gebäude) nur der Grenzabstand einzuhalten.
Die beschriebenen Abstandsregeln gelten nicht gegenüber öffentlichen Verkehrsflächen (§ 13 Abs. 13) bzw. kann auf Grund brandschutztechnischer Notwendigkeit der erforderliche Abstand vergrößert werden (§ 13 Abs. 15).
Auf Grund des genannten § 13 Abs. 15 wird unter anderem die OIB Richtlinie 2.2 (Brandschutzrichtlinie für Garagen, überdachte Stellplätze und Parkdecks) Entscheidungsgrundlage für die Ermittlung von Abständen bei Carports, da nämlich bei der Unterschreitung gewisser Abstände verstärkte Brandschutzvorschriften zu beachten sind.
Carports unter 35 m² Nutzfläche müssen gemäß OIB-RL 2.2, wenn ein Abstand zum Nachbargrundstück von 2 m unterschritten wird, über die gesamte betroffene Länge und Höhe aus Materialien der Feuerwiderstandsklasse REI 60 bzw. EI 60 (früher F60) errichtet werden.
Bei Carports über 35 m² Nutzfläche kommt bei Unterschreitung von 2 m Abstand zur Grundgrenze noch hinzu, dass die Baustoffe mindestens der Euroklasse A2 („kein Beitrag zum Brand") entsprechen müssen, wobei dann eine REI 30 bzw. EI 30 Widerstandsklasse ausreicht. Allerdings scheidet hier der Werkstoff Holz zumindest für die relevanten Seiten des Carports automatisch aus, da Holz nicht der Euroklasse A2 zuzuordnen ist.
Von beiden vorgenannten Absätzen kann dann abgewichen werden, wenn auf Grund der baulichen Umgebung eine Brandübertragung auf Nachbargebäude nicht zu erwarten ist.
Nächste Folge: die unterschiedlichen Genehmigungen (bewilligungspflichtig, anzeigepflichtig, bewilligungsfrei)