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Timestamp: 2019-10-22 08:36:16
Document Index: 294969662

Matched Legal Cases: ['§ 143', '§ 143', '§ 143', 'Art. 9', '§ 143', '§ 143', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 103', '§ 143', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 143', '§ 143', 'Art. 9', '§ 143', '§ 143', 'Art. 9', '§ 143', 'Art. 9', '§ 143', '§ 143', '§ 2', 'Art. 9', '§ 143', '§ 143', '§ 143', '§ 143', 'BGH', 'BGH', '§ 143', '§ 143']

Straf­ba­re Ver­let­zung einer Gemein­schafts­mar­ke – und die feh­len­de Zustim­mung zur Nut­zung | Rechtslupe
Strafbare Verletzung einer Gemeinschaftsmarke - und die fehlende Zustimmung zur Nutzung
Straf­ba­re Ver­let­zung einer Gemein­schafts­mar­ke – und die feh­len­de Zustim­mung zur Nut­zung
Soweit § 143a Abs. 1 Mar­kenG ein Han­deln "trotz eines Ver­bo­tes und ohne Zustim­mung des Mar­ken­in­ha­bers" ver­langt, ist der Aus­spruch eines geson­der­ten Ver­bo­tes nicht erfor­der­lich 1. Viel­mehr genügt das abso­lut wir­ken­de Ver­bot der Benut­zung der Gemein­schafts- bzw. Uni­ons­mar­ke 2.
Durch die Über­nah­me die­ser bei­den Tat­be­stands­merk­ma­le des Arti­kels 9 Absatz 1 Satz 2 der damals gül­ti­gen Ver­ord­nung über die Gemein­schafts­mar­ke 3 soll­te sicher­ge­stellt wer­den, dass die Straf­be­weh­rung nicht über die Reich­wei­te der gemein­schafts­recht­li­chen Rechts­ge­wäh­rung hin­aus­geht.
Die Ände­rung der in § 143a Abs. 1 Mar­kenG zitier­ten EU-Ver­ord­nung lässt die Straf­bar­keit des Ange­klag­ten unbe­rührt.
Im vor­lie­gen­den Fall war das Land­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, dass der Ange­klag­te mit den seit dem 23.03.2016, dem Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens der Ver­ord­nung (EU) 2015/​2424 vom 16.12 2015 zur Ände­rung der in § 143a Abs. 1 Mar­kenG zitier­ten Ver­ord­nung (EG) Nr.207/2009 (zuvor: GemeinschaftsmarkenVO/​GMV; seit­dem: UnionsmarkenVO/​UMV), ver­üb­ten Tat­hand­lun­gen die Rech­te von Inha­bern einer Uni­ons­mar­ke nach Art. 9 Abs. 2 lit. a UMV ver­letzt und sich des­we­gen auch hin­sicht­lich die­ser Taten gemäß § 143a Abs. 1 Nr. 1 Mar­kenG straf­bar gemacht hat. Aller­dings ist die star­re Ver­wei­sung in § 143a Abs. 1 Mar­kenG auf Art. 9 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr.207/2009 der mit dem Inkraft­tre­ten der Ver­ord­nung (EU) 2015/​2424 ver­bun­de­nen Ände­rung nicht ange­passt wor­den. Seit­dem geht sie ins Lee­re, da die Rege­lun­gen in Art. 9 Abs. 1 Satz 2 GMV, auf die ver­wie­sen wird, in Art. 9 Abs. 2 UMV über­führt wur­den.
Die­ser Umstand, der sich nicht durch eine bewuss­te Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers erklä­ren lässt, wirkt sich auch unter Berück­sich­ti­gung des ver­fas­sungs­recht­li­chen Bestimmt­heits­ge­bots (Art. 103 Abs. 2 GG) auf die Beur­tei­lung des vor­lie­gen­den Falls nicht aus. Denn bei der Straf­vor­schrift des § 143a Mar­kenG han­delt es sich nicht etwa um eine Blan­kett­norm, die Sank­tio­nen an Ver­stö­ße gegen ander­wei­tig gere­gel­te, ledig­lich in Bezug genom­me­ne Ver­hal­tens­pflich­ten anknüpft 4. Viel­mehr hat der Gesetz­ge­ber den Text der in Bezug genom­me­nen Vor­schrift in vol­lem Wort­laut in die Ver­wei­sungs­norm auf­ge­nom­men. Para­graph 143a Mar­kenG, der durch Art. 9 Nr. 35 des "Geset­zes zur Berei­ni­gung von Kos­ten­re­ge­lun­gen auf dem Gebiet des geis­ti­gen Eigen­tums" vom 13.12 2001 5 in das Mar­ken­ge­setz ein­ge­fügt wur­de, greift in sei­nem Absatz 1 auch inso­weit die in Art. 9 Abs. 1 Satz 2 der damals gül­ti­gen Ver­ord­nung (EG) Nr. 40/​94 über die Gemein­schafts­mar­ke genann­ten Ver­let­zungs­hand­lun­gen auf und über­nimmt den Wort­laut der in Bezug genom­me­nen Rege­lung 6. Die­se war wort­laut­i­den­tisch mit Art. 9 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr.207/2009 in ihrer Fas­sung bis ein­schließ­lich 22.03.2016, auf die § 143a Mar­kenG in sei­ner seit dem 28.12 2010 gül­ti­gen Fas­sung ver­weist. Die Wie­der­ga­be des Wort­lauts der Rege­lung, auf die zudem ver­wie­sen wird, hat bewirkt, dass der eigent­li­che Straf­tat­be­stand in § 143a Mar­kenG voll aus­for­mu­liert ist 7 und es zur Bestim­mung des straf­ba­ren Ver­hal­tens nicht des Rück­griffs auf die in Bezug genom­me­ne Norm bedarf.
Der Ver­weis auf Art. 9 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr.207/2009 war aller­dings aus Sicht des Gesetz­ge­bers gleich­wohl nicht ver­zicht­bar. Er erfüll­te viel­mehr einen gesetz­ge­be­ri­schen Zweck, der bei Aus­le­gung und Anwen­dung des § 143a Abs. 1 Mar­kenG zu berück­sich­ti­gen ist. Mit dem Ver­weis soll­te näm­lich ein Gleich­lauf der unmit­tel­bar gel­ten­den Rechts­ge­wäh­rung durch die Ver­ord­nung über die Gemein­schafts­mar­ke und der Straf­be­weh­rung sicher­ge­stellt wer­den. Durch Über­nah­me der in der Ver­ord­nung über die Gemein­schafts­mar­ke genann­ten Ver­let­zungs­hand­lun­gen soll­te die Reich­wei­te der gemein­schafts­recht­li­chen Schutz­be­stim­mun­gen als Anknüp­fungs­punkt der Straf­be­weh­rung kon­kre­ti­siert wer­den 6.
Es bedarf hier kei­ner Ent­schei­dung, ob die­ser Gleich­lauf von § 143a Abs. 1 Mar­kenG auch gegen­über der unmit­tel­bar gel­ten­den Rechts­ge­wäh­rung in Art. 9 Abs. 2 UMV in vol­lem Umfang besteht und wel­che Fol­ge­run­gen sich aus mög­li­chen Abwei­chun­gen für die straf­recht­li­che Bewer­tung von Ver­stö­ßen erge­ben könn­ten. Denn jeden­falls hin­sicht­lich der vom Land­ge­richt ange­nom­me­nen Ver­let­zungs­hand­lung nach § 143a Abs. 1 Nr. 1 Mar­kenG ist der vom Gesetz­ge­ber gewoll­te Gleich­lauf mit der uni­ons­recht­li­chen Rege­lung nicht gestört. Die­se fin­det sich jetzt, wie vom Land­ge­richt im Grund­satz erkannt, in Art. 9 Abs. 2 lit. a UMV, der für den Umfang der Rechts­ge­wäh­rung des Mar­ken­in­ha­bers gegen­über Drit­ten kei­ne rele­van­ten Abwei­chun­gen zu der Beschrei­bung der Ver­let­zungs­hand­lung in § 143a Abs. 1 Nr. 1 Mar­kenG auf­weist.
Der Ver­ur­tei­lung nach § 143a Abs. 1 Nr. 1 Mar­kenG steht, wor­auf der Gene­ral­bun­des­an­walt in sei­ner Stel­lung­nah­me zu Recht hin­weist, unter Berück­sich­ti­gung von § 2 StGB auch nicht ent­ge­gen, dass die in Bezug genom­me­ne Ver­ord­nung (EG) 207/​2009 mit Wir­kung zum 1.10.2017 durch die Ver­ord­nung (EU) 2017/​1001 auf­ge­ho­ben und ersetzt wur­de. Denn Art. 9 Abs. 2 der letzt­ge­nann­ten Ver­ord­nung ent­hält die­sel­ben Rech­te und ihnen kor­re­spon­die­ren­de Ver­bo­te wie die Vor­gän­ger­ver­ord­nung.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Janu­ar 2018 – 5 StR 554/​17
BT-Drs. 14/​6203 S. 71; vgl. auch Büscher in: Büscher/​Dittmer/​Schiwy, Gewerb­li­cher Rechts­schutz, 3. Aufl., § 143a Mar­kenG Rn. 1; Ekey in: Ekey­/­Ben­der/­Fuchs-Wis­se­mann, Mar­ken­recht, Bd. 1, 3. Aufl., § 143a Mar­kenG Rn. 7; Thier­ing in: Ströbele/​Hacker/​Thiering, Mar­kenG, 12. Aufl., § 143a Rn. 6[↩]
Beck­OK MarkenR/​Klingelhöfer, Mar­kenG, § 143a Rn. 4[↩]
Ver­ord­nung [EG] Nr. 40/​94 des Rates vom 20.12 1993, ABl. EG 1994 Nr. L 11, S. 1[↩]
vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 10.01.2017 – 5 StR 532/​16, BGHSt 62, 13[↩]
BGBl. I 3656[↩]
BT-Drs. 14/​6203 S. 71[↩][↩]
Büscher aaO § 143a Mar­kenG Rn. 2; Thier­ing aaO § 143a Mar­kenG Rn. 2[↩]
Markenrecht Wirtschaftsstrafrecht