Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=19.12.2007&Aktenzeichen=II%20R%2065/06
Timestamp: 2018-06-21 04:52:46
Document Index: 231726202

Matched Legal Cases: ['§ 1', 'Art. 4', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', 'Art. 100', 'Art. 267', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

BFH, 19.12.2007 - II R 65/06 - dejure.org
GrEStG § 1; Richtlinie 69/335/EWG Art. 4, 5, 10, 11, 12
§ 1 Abs. 3 Nr. 1 GrEStG verstößt nicht gegen EG-Recht
Entstehung der Grunderwerbsteuer infolge der Vereinigung der Anteile einer Gesellschaft mit Grundbesitz in einer Hand aufgrund der veränderten Zuordnung der Grundstücke; Erwerb aller Anteile an einer Gesellschaft mit Grundbesitz; Mittelbares Halten von Anteilen der grundbesitzenden Gesellschaft durch einen Alleingesellschafter vor der Anteilsvereinigung über eine weitere Untergesellschaft; Zuordnung der Erhebung der Grunderwerbsteuer in den Anwendungsbereich der Richtlinie 69/335/EWG; Charakter der Grunderwerbsteuer im Sinne einer Gesellschaftsteuer bei Erwerb aller Anteile
Grunderwerbsteuerpflicht der Vereinigung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft in einer Hand verstößt nicht gegen EU Recht
Kurznachricht zu "Hinweis zum Urteil des BFH v. 19.12.2007, Az.: II R 65/06 (Besteuerung einer Anteilsvereinigung nicht EU-rechtswidrig)" von RA/Dipl.-Kfm. Ludwig Görden, FA StR, original erschienen in: GmbH-StB 2008, 97.
FG München, 16.11.2005 - 4 K 4000/03
BFHE 220, 542
FamRZ 2007, 1651
DB 2008, 617
BStBl II 2008, 489
Es geht dabei nicht um die Besteuerung gesellschaftsrechtlicher Vorgänge (BFH-Urteil vom 19. Dezember 2007 II R 65/06, BFHE 220, 542, BStBl II 2008, 489).
b) Eine Vereinigung aller Anteile in einer Hand i.S. von § 1 Abs. 3 Nr. 1 (und Nr. 2) GrEStG liegt nicht nur dann vor, wenn der Anteilserwerber die Anteile einer Gesellschaft mit Grundbesitz selbst (unmittelbar) hält, sondern auch dann, wenn es sich bei der Beteiligung des Anteilserwerbers um eine nur mittelbare, d.h. über eine andere Gesellschaft vermittelte handelt, an der er zu 100 v.H. beteiligt ist (BFH-Urteile vom 19. Dezember 2007 II R 65/06, BFHE nn;… in BFH/NV 2003, 505; vom 20. Oktober 1993 II R 116/90, BFHE 172, 538, BStBl II 1994, 121).
Zur Vermeidung von Wiederholungen wird auf das zur amtlichen Veröffentlichung bestimmte Urteil des Senats vom 19. Dezember 2007 II R 65/06 (BFHE nn) Bezug genommen.
Maßgeblich ist vielmehr eine grunderwerbsteuerrechtliche Zuordnung in dem Sinne, dass eine Gesellschaft die Sachherrschaft an einem Grundstück auch dann ausübt, wenn sie dieses aufgrund eines unter § 1 GrEStG fallenden Vorgangs erworben hat (vgl. BFH-Urteil vom 19. Dezember 2007 II R 65/06, BFHE 220, 542, BStBl II 2008, 489, m.w.N.).
§ 1 Abs. 3 GrEStG ist verfassungsgemäß und verstößt auch nicht gegen europäisches Gemeinschaftsrecht (vgl. BVerfG-Beschluss vom 10. Juni 1963 1 BvR 345/61, BVerfGE 16, 203; BFH-Urteile vom 19.12.2007 II R 65/06, BStBl II 2008, 489;… vom 2. April 2008 II R 53/06, BFH/NV 2008, 1268).
Eine Vereinigung aller (fast aller) Anteile in einer Hand i.S. von § 1 Abs. 3 GrEStG liegt nicht nur dann vor, wenn der Anteilserwerber die Anteile einer Gesellschaft mit Grundbesitz selbst unmittelbar hält, sondern auch dann, wenn es sich - wie nunmehr durch die gesetzliche Neufassung klargestellt - bei der Beteiligung des Anteilserwerbers um eine nur mittelbare, d.h. über eine andere Gesellschaft vermittelte handelt, an der er beherrschend beteiligt ist (BFH in BStBl II 2008, 489;… in BFH/NV 2008, 1268).
cc) Die Grunderwerbsteuer verstößt nach den BFH-Urteilen vom 19. Dezember 2007 II R 65/06 (BFHE 220, 542, BStBl II 2008, 489) und vom 2. April 2008 II R 53/06 (BFHE 220, 550, BStBl II 2009, 544, unter II.2.d bb) nicht gegen die Richtlinie 69/335/EWG des Rates vom 17. Juli 1969 betreffend die indirekten Steuern auf die Ansammlung von Kapital (…Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften --ABlEG-- L 249, S. 25), die im Streitjahr (2002) i.d.F. der Richtlinie 85/303/EWG des Rates vom 10. Juni 1985 (…ABlEG L 156, S. 23) galt.
Anders als im Bereich von Art. 100 Grundgesetz - GG - steht die Einleitung des Vorabentscheidungsverfahrens nach Art. 267 Abs. 2 AEUV im Ermessen des erkennenden Gerichts und bedarf es der Einholung einer Vorabentscheidung nur dann, wenn die inmitten stehende europarechtliche Frage nicht schon eindeutig auf der Grundlage der bislang ergangenen Rechtsprechung des EuGH geklärt ist, so dass für Zweifel vernünftigerweise kein Raum bleibt (vgl. BFH, Urteil vom 19. Dezember 2007 II R 65/06, BFH/NV 2008, 693 ;… Beschluss vom 25. November 1997 VII B 176/97, BFH/NV 1998, 755 ).
Es bedarf der Einholung einer Vorabentscheidung nur dann, wenn die anstehende unionsrechtliche Frage nicht schon eindeutig auf der Grundlage der bislang ergangenen Rechtsprechung des EuGH geklärt ist, so dass für Zweifel vernünftigerweise kein Raum bleibt (vgl. BFH-Urteile vom 19. Dezember 2007 II R 65/06, BFH/NV 2008, 693; vom 21. Oktober 2009 I R 114/08, DStR 2010, 37; vom 18. November 2008 VIII R 24/07, BStBl II 2009, 518; vgl. EuGH-Urteil vom 6. Oktober 1982 Rs. 283/81 "C.I.L.F.I.T.", Slg. 1982, 3415).
(Besteuerung von Einkünften aus ausländischen Investmentfonds im …