Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/verbrauchssteuern/bettensteuer-an-rhein-und-ruhr-381816
Timestamp: 2019-11-20 17:44:03
Document Index: 88513838

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 38', '§ 43', '§ 137', 'Art. 28', '§ 43', 'Art. 3', '§ 133', 'Art. 28', 'Art. 3', 'Art. 105', '§ 38', '§ 113', '§ 137', '§ 149', '§ 137', 'Art.20', 'Art. 105', '§ 30', '§ 132', '§ 132']

Bet­ten­steu­er an Rhein und Ruhr | Rechtslupe
Bettensteuer an Rhein und Ruhr
Bet­ten­steu­er an Rhein und Ruhr
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die von der Stadt Dort­mund ein­ge­leg­ten Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­den gegen Ent­schei­dun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts in Müns­ter, wonach für eine Bet­ten­steu­er in Nord­rhein-West­fa­len nur eine Steu­er­schuld­ner­schaft des jewei­li­gen Hotel­gas­tes, nicht aber auch des Hotels, in Fra­ge kommt 1, zurück­ge­wie­sen.
Die Fra­ge, ob Steu­er­schuld­ner einer kom­mu­na­len sog. Bet­ten­steu­er auch der sein kann, der nicht sämt­li­che (sub­jek­ti­ven und objek­ti­ven) Tat­be­stands­merk­ma­le (hier: pri­va­ter Cha­rak­ter des Besuchs), an deren Vor­lie­gen das Gesetz die Steu­er­pflicht knüpft, in sei­ner Per­son selbst ver­wirk­licht, betrifft aus­schließ­lich die Aus­le­gung einer Norm des Lan­des­rechts.
Inso­weit hat – für die Rechts­la­ge in Nord­rhein-West­fa­len – das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter 1 § 12 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b KAG NW dahin aus­ge­legt, dass der Betrei­ber des Beher­ber­gungs­be­trie­bes nicht Schuld­ner, son­dern allen­falls Ent­rich­tungs­pflich­ti­ger der genann­ten Steu­er sein kön­ne, da er nur zu einem Teil des steu­er­be­grün­den­den Tat­be­stan­des in einer beson­de­ren recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Bezie­hung ste­he. Der Ver­weis der lan­des­recht­li­chen Norm auf § 38 und § 43 AO stellt den erfor­der­li­chen Bun­des­rechts­be­zug nicht her. Wird eine Vor­schrift des Bun­des­rechts auf der Grund­la­ge des Lan­des­rechts her­an­ge­zo­gen, um das Lan­des­recht zu ergän­zen oder aus­zu­le­gen, wird die Vor­schrift Teil des Lan­des­rechts und ent­zieht sich damit revi­si­ons­recht­li­cher Über­prü­fung 2. Sind Nor­men des Lan­des- und des Bun­des­rechts durch Bezug­nah­men ver­schränkt, liegt revi­si­bles Bun­des­recht i.S.d. § 137 Abs. 1 Nr. 1 VwGO dann vor, wenn die Anwen­dung der Norm des Bun­des­rechts auf den kon­kret gere­gel­ten Sach­ver­halt auf dem Geset­zes­be­fehl eines Recht­set­zungs­or­gans des Bun­des beruht. Kommt die Norm des Bun­des­rechts hin­ge­gen auf­grund eines Norm­set­zungs­be­fehls des Lan­des­ge­setz­ge­bers zur Anwen­dung, ist sie nicht revi­si­bel. Ver­weist das Lan­des­recht auf eine Norm des Bun­des­rechts, wird die­se auf­grund eines Norm­set­zungs­be­fehls des Bun­des ange­wen­det, wenn sich ihr sach­li­cher Anwen­dungs­be­reich durch die Ver­wei­sung nicht ändert. Das ist der Fall, wenn der Lan­des­ge­setz­ge­ber die bun­des­recht­li­che Norm als gel­tend vor­aus­setzt und sie ledig­lich zum Anknüp­fungs­punkt einer eige­nen Rege­lung nimmt. Ob ihre Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind, ist des­halb eine revi­si­ble Vor­fra­ge für die Anwen­dung der lan­des­recht­li­chen Norm. Dem­ge­gen­über ist der Norm­set­zungs­be­fehl des Lan­des maß­geb­lich, wenn die Ver­wei­sung auf das Bun­des­recht des­sen sach­li­chen Anwen­dungs­be­reich, wie der Bun­des­ge­setz­ge­ber ihn bestim­men konn­te und woll­te, erwei­tert 3.
So liegt die Sache hier. Die Abga­ben­ord­nung wird auf­grund eines Norm­set­zungs­be­fehls des Lan­des­ge­setz­ge­bers ange­wandt und dient der Ergän­zung des Lan­des­rechts. Ihr sach­li­cher Anwen­dungs­be­reich wird durch die vom Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len erfass­ten Rege­lungs­be­rei­che erwei­tert 4.
ie grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Rechts­sa­che ergibt sich nicht dar­aus, dass das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Schles­wig-Hol­stein 5 oder auch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt 6 den Begriff des Steu­er­schuld­ners mög­li­cher­wei­se anders aus­ge­legt oder ange­wandt haben. Denn deren Ent­schei­dun­gen lag das jeweils gel­ten­de Lan­des­recht zugrun­de. Im Übri­gen hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in jenem Urteil 7 den Begriff des Steu­er­schuld­ners nicht pro­ble­ma­ti­sie­ren müs­sen.
Die Revi­si­on ist durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt auch nicht zuzu­las­sen, weil die Beschwer­de die Ver­let­zung des von Art. 28 Abs. 2 GG geschütz­ten kom­mu­na­len Steu­er­fin­dungs­rechts gel­tend macht. Die Beschwer­de beschränkt sich auf die Rüge, dass zwar nach Auf­fas­sung des OVG Müns­ter eine Gestal­tung der Sat­zung mög­lich sei, bei der der Beher­ber­gungs­gast Steu­er­schuld­ner und der Beher­ber­gungs­be­trieb Steu­er­ent­rich­tungs­pflich­ti­ger i.S.d. § 43 Satz 2 AO sei. Eine sol­che Rege­lung füh­re jedoch infol­ge eines struk­tu­rel­len Voll­zugs­de­fi­zits zu einer Ver­let­zung des Art. 3 Abs. 1 GG. Damit kann die Beschwer­de schon des­halb nicht durch­drin­gen, weil es an der Fest­stel­lung ent­spre­chen­der Tat­sa­chen fehlt. Rechts­fra­gen, die in einem Revi­si­ons­ver­fah­ren erst auf der Grund­la­ge von Tat­sa­chen erheb­lich wer­den könn­ten, wel­che von der Vor­in­stanz nicht fest­ge­stellt wur­den, recht­fer­ti­gen regel­mä­ßig – und auch hier – die Zulas­sung der Revi­si­on nicht 8. Davon abge­se­hen fehlt es an der Dar­le­gung (§ 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO), dass der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung zu den bun­des­recht­li­chen Nor­men, deren Ver­let­zung gel­tend gemacht wird, bis­her kei­ne Aus­sa­gen zu ent­neh­men sind, die eine bun­des­rechts­kon­for­me Aus­le­gung und Anwen­dung des Lan­des­rechts gewähr­leis­ten 9. Die Zulas­sung der Revi­si­on wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung kann nur dann in Betracht kom­men, wenn der Rechts­streit Anlass zur Klä­rung einer bun­des­recht­lich nicht oder noch nicht aus­rei­chend geklär­ten Rechts­fra­ge gibt 10. Die Beschwer­de zeigt nicht auf, zu wel­cher wei­te­ren grund­sätz­li­chen Klä­rung des Rege­lungs­ge­halts von Art. 28 Abs. 2 und Art. 3 Abs. 1 GG der Rechts­streit Anlass geben wür­de.
Die grund­sätz­li­che Bedeu­tung ergibt sich auch nicht dar­aus, dass der Begriff des Steu­er­schuld­ners im Zusam­men­hang mit der Aus­le­gung von Art. 105 Abs. 2a GG klä­rungs­be­dürf­tig wäre. Denn die ver­fas­sungs­recht­lich vor­ge­ge­be­nen Merk­ma­le der Auf­wand­steu­er, die von der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der erfasst wird, bestim­men nicht den Schuld­ner­be­griff 11. Die Fra­ge, wer einer­seits Steu­er­schuld­ner, ande­rer­seits (nur) Steu­er­ent­rich­tungs­pflich­ti­ger ist, rich­tet sich nach der ein­fach­recht­li­chen Aus­ge­stal­tung der jewei­li­gen Steu­er und ist von dem zustän­di­gen Norm­ge­ber fest­zu­le­gen.
Die Beschwer­de macht wei­ter­hin gel­tend, das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt wei­che von den Urtei­len des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 11.07.2012 – 9 CN 1.11 und BVerwG 9 CN 2.11 – ab, weil das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in den genann­ten Ent­schei­dun­gen den Beher­ber­gungs­be­trieb als Steu­er­schuld­ner benannt und mit­hin kei­nen Ver­stoß gegen die Rege­lun­gen der §§ 38, 43 AO gese­hen habe. Damit ist nicht dar­ge­legt, dass das Beru­fungs­ge­richt bei Anwen­dung der­sel­ben Vor­schrift mit einem eige­nen Rechts­satz von einem Rechts­satz des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts abge­wi­chen ist. Die Beschwer­de kri­ti­siert ledig­lich die Rechts­an­wen­dung im kon­kre­ten Fall. Mit Angrif­fen gegen die beru­fungs­ge­richt­li­che Wür­di­gung kann eine Abwei­chungs­rü­ge jedoch nicht begrün­det wer­den 12.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20. August 2014 – 9 B 9.2014 13
OVG NRW, Urtei­le vom 23.10.2013 – OVG 14 A 314/​13; OVG 14 A 315/​13; OVG 14 A 316/​13; OVG 14 A 317/​13[↩][↩]
BVerwG, Urtei­le vom 30.01.1996 – 1 C 9.93, Buch­holz 430.2 Kam­mer­zu­ge­hö­rig­keit Nr. 7 S. 3; und vom 07.06.2006 – 4 C 7.05, NVwZ 2006, 1065, 1066; Beschlüs­se vom 03.07.2007 – 9 B 9.07, Buch­holz 310 § 113 Abs. 1 VwGO Nr. 27 Rn. 8; und vom 10.08.2007 – 9 B 19.07, Buch­holz 310 § 137 Abs. 1 VwGO Nr. 29 Rn. 5[↩]
BVerwG, Urteil vom 21.02.2013 – 7 C 4.12, Buch­holz 406.27 § 149 BBergG Nr. 3 Rn. 14; Neu­mann, in: Sodan/​Ziekow, VwGO, 4. Aufl.2014, § 137 Rn. 74 ff. m.w.N.[↩]
vgl. auch BVerwG, Urteil vom 27.06.2012 – 9 C 7.11, BVerw­GE 143, 222 Rn. 10 = Buch­holz 11 Art.20 GG Nr.206[↩]
OVG Schles­wig, Beschluss vom 15.02.2012 – 4 MR 1/​12, NVwZ 2012, 77; und Urteil vom 07.02.2013 – 4 KN 1/​12, NVwZ-RR 2013, 816[↩]
BVerwG, Urteil vom 11.07.2012 – 9 CN 1.11, BVerw­GE 143, 301 = Buch­holz 11 Art. 105 GG Nr. 51[↩]
eben­so im Par­al­lel­ur­teil BVerwG 9 CN 2.11[↩]
stRspr, vgl. nur Beschluss vom 17.03.2000 – 8 B 287.99, BVerw­GE 111, 61, 62 = Buch­holz 428 § 30a VermG Nr. 14[↩]
vgl. z.B. Beschluss vom 23.03.1992 – 5 B 174.91, Buch­holz 310 § 132 VwGO Nr. 306[↩]
BVerwG, Beschluss vom 03.04.2013 – 9 B 44.12 5 m.w.N.[↩]
vgl. zu den ein­zel­nen Merk­ma­len BVerfG, Beschluss vom 04.02.2009 – 1 BvL 8/​05, BVerfGE 123, 1, 15 ff.[↩]
BVerwG, Beschlüs­se vom 12.12 1991 – 5 B 68.91, Buch­holz 310 § 132 VwGO Nr. 302; und vom 28.08.2007 – 9 B 15.07 4[↩]
gleich­lau­tend: BVerwG, Beschlüs­se vom 20.08.2014 – 9 B 10.14, 9 B 7.14 und 9 B 8.14[↩]
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