Source: http://www.juraforum.de/lexikon/muendel
Timestamp: 2017-01-19 04:37:54
Document Index: 213752917

Matched Legal Cases: ['§ 1773', '§ 1773', '§ 1773', '§ 1896', '§ 1806', '§ 1773', '§ 1909', '§ 1774', '§ 1780', '§ 1781', '§ 1791', '§ 1791', '§ 1775', '§ 1776', '§ 1777', '§ 1780', '§ 1782', '§ 1785', '§ 1780', '§ 1786', '§ 1788', '§ 1787', '§ 1793', '§ 1793', '§ 1809', '§ 1821', '§ 1802', '§ 1857', '§ 1857', '§ 1807', '§ 1626', '§ 1795', '§ 2', '§ 1890', '§ 1833', '§ 207', '§ 1629', '§ 2', 'e contrario']

Mündel: Definition, Begriff und Erklärung im JuraForum.de
Neueintrag für Anwälte	MündelLexikon | Jetzt kommentieren(2) Teilen Twittern E-Mail
Erklärung zum Begriff MündelInhaltsverzeichnisI. Begrifflichkeiten: Mündel, Vormund, MündelgeldII. Rechtslage: Vormundschaft (§§ 1773 - 1895 BGB)1. Allgemeines2. Auswahl des Vormunds3. Rechte und Pflichten des Vormunds4. Beendigung der Vormundschaft
Bei einem Mündel handelt es sich um eine minderjährige Person, die mangels eigener Geschäftsfähigkeit unter Vormundschaft i.S.d. §§ 1773 BGB steht. Eine solche Vormundschaft wird von Amts wegen angeordnet, wenn der Minderjährige nicht unter elterlicher Sorge steht oder wenn die Eltern weder in den die Person noch in den das Vermögen betreffenden Angelegenheiten zur Vertretung des Minderjährigen berechtigt sind.
I. Begrifflichkeiten: Mündel, Vormund, Mündelgeld
Der Begriff Mündel bezeichnet eine Person, die mangels eigener Geschäftsfähigkeit unter Vormundschaft i.S.d. §§ 1773 BGB [Bürgerliches Gesetzbuch] steht. Der Ausdruck ist im deutschen Recht nur noch für Minderjährige gebräuchlich. Seit dem 01. Januar 1992 können Volljährige nämlich nicht mehr entmündigt und unter Vormundschaft, sondern lediglich unter Betreuung gem. §§ 1896 ff. BGB gestellt werden. Deshalb spricht man bei Volljährigen von „Betreuten“.
Die Person, die mit der Vormundschaft betraut ist, nennt man hingegen Vormund. Dieser fungiert als gesetzlicher Vertreter des Mündels.
Der Begriff Mündelgeld umschreibt das Geldvermögen eines Mündels, welches vom Vormund verzinslich und mündelsicher angelegt werden muss (vgl. §§ 1806 ff. BGB)
II. Rechtslage: Vormundschaft (§§ 1773 - 1895 BGB)
Die Vormundschaft setzt – anders als die Pflegschaft (vgl. § 1909 BGB) – das Bedürfnis einer allgemeinen Fürsorge für Person und Vermögen des Minderjährigen voraus. In diesen Fällen ordnet das Familiengericht gem. § 1774 BGB von Amts wegen die Vormundschaft an (das Verfahren richtet sich nach den Vorschriften des FamFG). In der Regel geschieht dies, wenn die Eltern verstorben sind oder ihnen das Sorgerecht entzogen wurde.
Als Vormund kommen sowohl einzelne Personen als auch mehrere Personen (bspw. ein Ehepaar) in Betracht. Voraussetzung ist, dass zur Vormundschaft fähig (§ 1780 BGB) und tauglich (§ 1781 BGB) sind.
Daneben können auch das Jugendamt (§ 1791b BGB) oder ein Verein (§ 1791a) zur Vormundschaft bestellt werden.
Möglich ist aber auch die Bestellung mehrerer Vormünder (sog. Mitvormundschaft, §§ 1775, 1797 BGB).
Nach § 1776 BGB steht den Eltern ein Benennungsrecht zu. Sie können demnach durch letztwillige Verfügung (Testament oder Erbvertrag) bestimmen, wer als Vormund für ihr Kind berufen werden soll. Dabei gilt die Anordnung des zuletzt verstorbenen Elternteils (vgl. Abs. 2). Die Eltern können jedoch keine dritte Person für diese Entscheidung durch letztwillige Verfügung benennen.
Die Voraussetzungen des Benennungsrechts sind in § 1777 BGB geregelt. Danach können die Eltern nur dann einen Vormund benennen, wenn ihnen zur Zeit ihres Todes die Sorge für die Person und das Vermögen des Kindes zusteht. Außerdem müssen auch die Eltern bei Ausübung ihres Benennungsrechts darauf achten, dass ihre Wunschkandidaten zur Vormundschaft fähig und tauglich i.S.d. § 1780, 1781 BGB sind.
Das Familiengericht ist grundsätzlich an eine wirksame Benennung gebunden, soweit sie dem Wohl des Kindes / der Kinder dient.
Umgekehrt können die Eltern aber auch bestimmte Personen von der Vormundschaft ausschließen (vgl. § 1782 BGB). Das Familiengericht isst an diese Entscheidung in gleicher Weise gebunden.
Ein Mündel, welcher das 14. Lebensjahr vollendet hat, kann der Bestellung einer bestimmten Person als Vormund widersprechen.
b. Pflicht zur Übernahme einer Vormundschaft
Nach § 1785 BGB ist jeder Deutsche dazu verpflichtet, die Vormundschaft, für die er von dem Familiengericht ausgewählt wird, zu übernehmen. Etwas anderes gilt nur, wenn er den Voraussetzungen einer Vormundschaft (§§ 1780 ff. BGB) nicht entspricht oder ihm ein Ablehnungsrecht gem. § 1786 BGB zusteht.
Demjenigen, der die Übernahme der Vormundschaft ohne Grund ablehnt, kann das Familiengericht gem. § 1788 BGB ein Zwangsgeld verhängen. Daneben hat der Mündel gem. § 1787 BGB einen Anspruch auf Schadensersatz für die Schäden, die ihm durch die eingetretenen Verzögerung der Vormundschaft entstanden sind.
3. Rechte und Pflichten des Vormunds
Regelungen zur Führung der Vormundschaft finden sich in den §§ 1793 ff. BGB. Nach § 1793 Absatz 1 BGB hat der Vormund nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht, für die Person und das Vermögen des Mündels zu sorgen, insbesondere das Mündel zu vertreten. Insoweit gelten also die Regelungen der Eltern entsprechend, vor allen zum Sorgerecht.
Dennoch unterliegt der Vormund der Aufsicht und Kontrolle des Familiengerichts. Zuständig ist dabei jedoch der Rechtspfleger. Der Vormund benötigt deshalb auch für zahlreiche Rechtshandlungen eine Genehmigung (vgl. dazu ausführlich §§ 1809 ff., § 1821 ff. BGB). Außerdem hat er dem Gericht gegenüber regelmäßig zu berichten und die Vermögensverwaltung nachzuweisen (§§ 1802, 1839 ff. BGB).
In den Fällen, in denen ein Vormund von den Eltern benannt wurde, kann er gem. § 1857 BGB von verschiedenen Genehmigungs- und Rechenschaftspflichten befreit werden.
Im Übrigen stehen diese Befreiungen gem. § 1857a BGB auch den Vereins - und Amtsvormündern zu.
Soweit der Vormund Mündelgeld verwaltet, hat er es grundsätzlich mündelsicher (§§ 1807 ff. BGB) anzulegen (s.o.).
Der Vormund unterliegt ferner den gleichen Beschränkungen wie die Eltern. Dazu gehören insbesondere die allgemeinen Regelungen zur elterlichen Sorge nach den §§ 1626 Absatz 2, 1631 ff. BGB, etwa die gewaltfreie Erziehung. In diesem Zusammenhang unterliegt er auch den besonderen Beschränkungen nach dem Gesetz über die religiöse Kindererziehung. Daneben ist auch der Vormund gem. § 1795 BGB von der Vertretungsmacht ausgeschlossen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen.
4. Beendigung der Vormundschaft
Eine Vormundschaft endet in der Regel, wenn das Mündel volljährig wird, also das 18. Lebensjahr vollendet (vgl. § 2 BGB). Die Vormundschaft endet jedoch auch, wenn die unverheiratete minderjährige Mutter des Mündels volljährig wird oder das Mündel rechtskräftig adoptiert worden ist.
Daneben ist eine Beendigung der Vormundschaft auch dann möglich, wenn die Gründe für die Einrichtung der Vormundschaft weggefallen sind und das Gericht den Beschluss aufhebt, mit dem die Vormundschaft eingerichtet wurde.
Eine Vormundschaft endet folgelogisch jedoch auch dann, wenn das Mündel stirbt.
Ist die Vormundschaft beendet, so hat das Mündel gegen seinen Vormund einen Anspruch auf Erteilung einer Rechenschaft über seine Tätigkeit sowie einen Herausgabeanspruch hinsichtlich des verwalteten Vermögens (vgl. § 1890 BGB). Hat der Vormund dem Mündel schuldhaft einen Schaden verursacht, so hat das Mündel darüber hinaus einen Schadensersatzanspruch aus § 1833 BGB, wobei die Verjährung während der Dauer der Vormundschaft gem. § 207 BGB gehemmt ist.
Für Verpflichtungen, die der Vormund rechtswirksam im Namen des Mündels einem Dritten gegenüber eingegangen ist, haftet der Mündel nur im Rahmen des § 1629a BGB.
Mitwirkende/Autoren: Wikipedia, JuraforumWiki-Redaktion, isaErstellt von Wikipedia, 01.06.2013 00:00Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 29.04.2016 21:24 Haben Sie Fragen zu diesem Begriff? Stellen Sie eine Frage zu dem Begriff im Forum.Nachrichten zu MündelDas Bürgerbild in politischen Reden - Aktuelle Studie der Universität in Koblenz (10.11.2011, 16:10)Was halten Politiker von den Bürgern? Um dies herauszufinden, wurden im Rahmen einer Studie des Seminars Medienwissenschaft der Universität in Koblenz in Kooperation mit dem Verband der Redenschreiber deutscher Sprache in Königswinter zehn Reden...Hochschule Merseburg lädt zur Aufführung ins Theater am Campus (TaC) ein (10.06.2011, 12:10)Studierende spielen Klassiker von Oscar WildeHerzlich eingeladen wird durch die Theatergruppe "Drama Club HoMe" der Hochschule Merseburg unter der Leitung von Deborah LeGuillou und Professor Thomas Buchanan zur Aufführung von „The Importance of...Justizministerin: Vormund darf Kind nicht nur aus Akten kennen (11.01.2010, 10:38)Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger zu verbessertem Kinderschutz durch beabsichtigte Änderungen im Vormundschaftsrecht:
Kinder sind die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft. Nicht jedes Kind hat das Glück, in der eigenen...Reform des ehelichen Güterrechts: Schulden zählen bei Zugewinn mit (20.08.2008, 16:37)Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf zur Reform des Zugewinnausgleichs und der Verwaltung von Girokonten betreuter Menschen beschlossen. Die Bedeutung des Zugewinnausgleichs ist 50 Jahre nach seinem Inkrafttreten besonders aktuell, denn...Güterrechtsreform: Berücksichtigung von Schulden bei der Eheschließung (06.11.2007, 08:57)Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat einen Gesetzentwurf zur Reform des Zugewinnausgleichs und der Verwaltung von Girokonten betreuter Menschen auf den Weg gebracht. Die Bedeutung des Zugewinnausgleichs ist fast 50 Jahre nach seinem...Aktuelle Forenbeiträgevormundschaft (23.06.2011, 09:26)Einen wunderschönen guten morgen
so habe mal ne frage der vormund eines Kindes kümmerte sich nicht 3 jahre lang um das kind.
Wurde immer zur großen schwester abgegeben somit war sie für die im dem sin verandwortlich für die kleene.
jetz aber wurde der vormund darauf hingewissen das sie sich um die kleene zu...Vormund möchte Haus verschenken (30.01.2013, 21:23)Hallo zusammen,
mal angenommen, in einem fiktiven Fall, wäre der Opa Vormund seiner Enkelin.
Und nun könnte man sich vorstellen, dass der Opa noch eine Tochter hat.
Was müsste der Opa nun tun, wenn er sein Eigentum - ein Mehrfamilienhaus - zu Lebzeiten an seine Tochter und seine Enkelin (Mündel) verschenken möchte? Zu bedenken wäre...Vormund (23.06.2011, 12:12)Einen wunderschönen guten morgen
jetz aber wurde der vormund darauf hingewissen das sie sich um die kleene zu...Bahn (15.02.2010, 21:45)Mal angenommen jemand bezieht/bekommt von einem Anbieten ( schule Arbeitgeber usw..) eine sogenannte Bussfahrkarte. Dieser wird dann in der Bahn kontrolliert und es stellt sich heraus das die Karte Ungültig ist. bei nachfrage beim Geber der Karte stellt sich heraus das diese durch diesen gesperrt wurde da der Kunde kein Anspruch mehr...
97 - Fün;f = Bisherige Kommentare zum Begriff (0)
Mündel – Weitere Begriffe im Umkreis
Kaum ein Thema ist heutzutage derart stark in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt wie das Kindeswohl. „Kindeswohl“ oder auch „Wohl des Kindes“ ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, welcher im Familienrecht, im Adoptionsrecht, im...
Der Begriff der Minderjährigkeit ist nicht definiert. Nach § 2 BGB ergibt sich jedoch, dass die Volljährigkeit mit der Vollendung des 18. Lebensjahres eintritt. Gemäß dem Umkehrschluss (sog. argumentum e contrario) ist ein Minderjähriger...
Wenn sich zwei Personen dazu entschließen, ihr Leben zusammen verbringen zu wollen, so wird diese Verbindung als „Lebensgemeinschaft“ bezeichnet. Die am häufigsten praktizierte Form der Lebensgemeinschaft ist die Ehe, welche vertraglich zustande...