Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/parteiberichtigung-384998
Timestamp: 2019-09-20 08:41:29
Document Index: 381695186

Matched Legal Cases: ['§ 50', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 50', '§ 50']

Par­tei­be­rich­ti­gung | Rechtslupe
Parteiberichtigung
Par­tei­be­rich­ti­gung
Die Par­tei­be­zeich­nung ist als Teil einer Pro­zess­hand­lung der Aus­le­gung zugäng­lich1. Für sich allei­ne genom­men ist die "wort­wört­li­che" Bezeich­nung der Par­tei in der Kla­ge­schrift für die Bestim­mung der Par­tei­stel­lung nicht aus­schlag­ge­bend. Viel­mehr kommt es dar­auf an, wel­cher Sinn der von der kla­gen­den Par­tei in der Kla­ge­schrift gewähl­ten Bezeich­nung bei objek­ti­ver Wür­di­gung des Erklä­rungs­in­halts bei­zu­le­gen ist.
Maß­ge­bend ist dabei, wie die Bezeich­nung bei objek­ti­ver Deu­tung aus der Sicht der Emp­fän­ger (Gericht und Gegen­par­tei) zu ver­ste­hen ist2. Als Aus­le­gungs­mit­tel kön­nen auch spä­te­re Pro­zess­vor­gän­ge die­nen3.
Bei objek­tiv unrich­ti­ger äuße­rer Bezeich­nung ist grund­sätz­lich die Per­son als Par­tei anzu­se­hen, die erkenn­bar durch die Par­tei­be­zeich­nung betrof­fen wer­den soll4.
Es gilt der Grund­satz, dass die Kla­ge­er­he­bung von der in Wahr­heit nicht genann­ten bzw. gegen die in Wahr­heit gemein­te Par­tei nicht an deren feh­ler­haf­ter Bezeich­nung schei­tern darf, wenn die­se Män­gel in Anbe­tracht der jewei­li­gen Umstän­de letzt­lich kei­ne ver­nünf­ti­gen Zwei­fel an dem wirk­lich Gewoll­ten auf­kom­men las­sen, solan­ge nur aus dem Inhalt der Kla­ge­schrift und ihren Anla­gen sowie den wei­ter zu berück­sich­ti­gen­den Umstän­den deut­lich wird, wel­che Par­tei tat­säch­lich gemeint ist5.
Von einer sol­chen feh­ler­haf­ten Par­tei­be­zeich­nung ist die irr­tüm­li­che Benen­nung einer fal­schen, am mate­ri­el­len Rechts­ver­hält­nis nicht betei­lig­ten Per­son als Par­tei zu unter­schei­den6. In die­sem Fall wird die irr­tüm­lich Benann­te dann auch Par­tei, weil es auf den Wil­len der die Kla­ge erhe­ben­den "Per­son" ankommt, und zwar so, wie der Wil­le objek­tiv geäu­ßert ist7.
Ein Par­tei­wech­sel liegt also vor, wenn an Stel­le der unrich­ti­gen Bezeich­nung eine fal­sche Par­tei benannt wird. Wenn die Par­tei ein­deu­tig auf­ge­führt wird, bleibt aber für eine Aus­le­gung der Par­tei­be­zeich­nung kein Raum8.
Bei ein­deu­ti­ger Par­tei­be­stim­mung ist jedoch grund­sätz­lich kein Raum für eine ande­re Par­tei­be­zeich­nung, auch nicht an Hand der Her­an­zie­hung des spä­te­ren Gesche­hens zum Zwe­cke der Aus­le­gung9.
Jedoch kann nicht unbe­ach­tet blei­ben, ob die irr­tüm­lich benann­te Par­tei über­haupt recht­lich exis­tent ist. Im Fal­le einer tat­säch­lich nicht exis­ten­ten Par­tei gibt es näm­lich kei­ne in die­sem Sin­ne bloß irr­tüm­lich benann­te Par­tei. Da eine "nicht­exis­ten­te Par­tei" man­gels Rechts­fä­hig­keit nicht par­tei­fä­hig ist (§ 50 Abs. 1 ZPO), liegt eine "irr­tüm­li­che Par­tei­be­zeich­nung" als Aus­le­gungs­gren­ze nicht vor.
Ein sol­cher Fall ist mit den Fäl­len ver­gleich­bar, in denen ein offen­sicht­lich unselbst­stän­di­ger Orga­ni­sa­ti­ons­teil (z.B.: Bau­amt) einer ansons­ten aus sich her­aus erkenn­bar eigent­lich gemein­ten Rechts­per­sön­lich­keit (im Bei­spiel Bau­amt, die Stadt) fälsch­li­cher­wei­se als Par­tei benannt wird10.
BGHZ 4, 328, 334; BGH WM 1981, 829 [↩]
BGH, Urteil vom 26.02.1987 – VII ZR 58/​86, NJW 1987, 1946; BGHZ 4, 328, 334 [↩]
BGH, Urteil vom 26.02.1987 aaO.; BGH, NJW 1981, 1453, 1454 [↩]
BGH, Urteil vom 24.11.1980 – VIII ZR 208/​79, juris mit Ver­weis auf: RGZ 157, 369, 374; BGHZ 4, 328, 334; BGH, Beschluss vom 09.11.1977 – VIII ZB 34/​77; BFH BB 1979, 362 [↩]
BGH, Beschluss vom 10.03.2009 – VIII ZR 265/​08, WuM 2009, 357-358 [↩]
BGH, Beschluss vom 10.03.2009 – VIII ZR 265/​08, WuM 2009, 357-358 mit Ver­weis auf: BGH NJW-RR 2008, 582 [↩]
Zöl­ler-Voll­kom­mer, ZPO 30. Aufl. Vorb. § 50 Rn. 9 [↩]
OLG Koblenz, Urteil vom 30.07.2007 – 12 U 234/​06; OLG Schles­wig, Urteil vom 05.05.1998 – 6 U 86/​97; Bur­bal­la MDR 2007, 439 ff. [↩]
vgl. Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Urteil vom 05.05.1998 – 6 U 86/​97 [↩]
vgl. ähn­lich Lin­dacher in Münch­Komm-ZPO 4. Aufl.2013 vor §§ 50 Rdnr.14 [↩]
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