Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/postreform-und-der-widerspruch-gegen-den-uebergang-des-arbeitsverhaeltnisses-3104674
Timestamp: 2020-07-11 01:30:12
Document Index: 393598288

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 613', '§ 21', '§ 613', '§ 324', '§ 21', '§ 613', '§ 21', 'Art. 12', 'Art. 73', 'Art. 80', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 143', '§ 21', '§ 21', 'Art. 3', 'Art. 100', '§ 2', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 174']

Postreform - und der Widerspruch gegen den Übergang des Arbeitsverhältnisses | Rechtslupe
Postreform - und der Widerspruch gegen den Übergang des Arbeitsverhältnisses
§ 21 Post­PersRG steht im Ein­klang mit der Ver­fas­sung.
Eine direk­te, ana­lo­ge oder ent­spre­chen­de Anwen­dung von § 613a BGB schei­det aus, da der Gesetz­ge­ber mit § 21 Post­PersRG eine spe­zi­el­le Rege­lung erlas­sen und damit zum Aus­druck gebracht hat, dass die­se und nicht § 613a BGB bei der Pri­va­ti­sie­rung im Zuge der sog. Post­re­form II Anwen­dung fin­den soll. Auch hat der Gesetz­ge­ber anders als in § 324 UmwG für § 21 Post­PersRG nicht bestimmt, dass § 613a Abs. 6 BGB unbe­rührt bleibt.
§ 21 Post­PersRG, der zwar uni­ons­rechts­kon­form einem Wider­spruchs­recht nicht ent­ge­gen­steht, jedoch nicht wei­ter­ge­hend einen Anspruch auf Fort­be­stand des Arbeits­ver­hält­nis­ses mit dem bis­he­ri­gen Arbeit­ge­ber ent­hält, steht im Ein­klang mit der Ver­fas­sung.
Der Staat hat eine Schutz­pflicht im Hin­blick auf das durch Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­te Inter­es­se des Arbeit­neh­mers auf Ach­tung der aus­ge­üb­ten Arbeits­platz­wahl [1]. Aller­dings unter­schei­det sich die vor­lie­gen­de Situa­ti­on grund­le­gend von der beim "Betriebs­über­gang Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Gie­ßen und Mar­burg" [2] oder der im Fall "Job­cen­ter" [3].
Vor­lie­gend war es der Ver­fas­sungs­ge­ber selbst, der durch die Ände­rung der Art. 73 Nr. 7, Art. 80 Abs. 2 und Art. 87 Abs. 1 Satz 1 GG sowie die Ein­fü­gung von Art. 87f und Art. 143b GG eine neue Ver­fas­sungs­ord­nung für das Post­we­sen errich­tet hat [4]. Im Zuge des­sen wur­de der Ver­fas­sungs­auf­trag durch ein­fa­ches Gesetz, näm­lich das PTNeuOG ein­schließ­lich § 21 Post­PersRG erfüllt. Die­ses wur­de vom Bun­des­tag gleich­zei­tig mit der neu­en Ver­fas­sungs­ord­nung für das Post­we­sen am 29.06.1994 ver­ab­schie­det; auch im Bun­des­rat ist die Zustim­mung für bei­de syn­chron am 8.07.1994 beschlos­sen wor­den [5].
Der vom Arbeit­neh­mer ver­folg­te Anspruch besteht aus einem wei­te­ren Grund nicht. Ist das Arbeits­ver­hält­nis zwi­schen­zeit­lich im Rah­men wei­te­rer Betriebs­über­gän­ge auf wei­te­re Erwer­ber über­ge­gan­gen und sind dage­gen Wider­sprü­che nicht oder nicht erfolg­reich erho­ben wor­den, stellt sich die ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­ge einer Ver­pflich­tung, für einen Arbeit­ge­ber zu arbei­ten, der nicht frei gewählt wor­den ist, nicht mehr in Bezug auf den "Erst­erwer­ber". Der Arbeit­neh­mer kann sich aus sei­ner heu­ti­gen Posi­ti­on her­aus nicht rück­wir­kend dar­auf beru­fen, für die Deut­sche Tele­kom AG als nicht frei gewähl­ter Arbeit­ge­be­rin arbei­ten zu müs­sen, weil die­se Arbeits­pflicht schon seit dem 1.09.2007 für ihn nicht mehr besteht [6]. Der Recht­spre­chung des BVerfG zum Recht auf freie Wahl des Arbeits­plat­zes ist weder eine Bestands­ga­ran­tie für den ein­mal gewähl­ten Arbeits­platz zu ent­neh­men [7] noch eine Garan­tie, gegen­über einem durch wei­te­re Betriebs(teil)übergänge "ent­fern­ten" frü­he­ren Arbeit­ge­ber ein Rück­kehr­recht oder ein unge­ach­tet des­sen fort­be­stehen­des Wider­spruchs­recht gel­tend machen zu kön­nen.
Im hier ent­schie­de­nen Fall konn­te es das Bun­des­ar­beits­ge­richts auch dahin­ste­hen las­sen, ob und ggf. auf wel­chem Weg bei dem Über­gang eines Arbeits­ver­hält­nis­ses von der Deut­schen Bun­des­post TELEKOM auf die Deut­sche Tele­kom AG (dar­auf bezieht sich der Wider­spruch des Arbeit­neh­mers) die Vor­ga­ben der Richt­li­nie 2001/​23/​EG zu beach­ten waren.
Dazu müss­te ein Über­gang "auf einen ande­ren Inha­ber" vor­lie­gen, wovon im Fall einer Ände­rung der Rechts­form [8] nicht ohne Wei­te­res aus­zu­ge­hen ist [9].
Dahin­ste­hen kann, ob mit Rück­sicht auf die Vor­ga­ben der Richt­li­nie 2001/​23/​EG [10] und ange­sichts des Umstands, dass kei­ne davon aus­ge­nom­me­ne Tätig­keit in Aus­übung hoheit­li­cher Befug­nis­se vor­liegt [11], § 21 Post­PersRG richt­li­ni­en­kon­form aus­leg­bar ist. Denn letzt­lich wäre die Richt­li­nie 2001/​23/​EG, sofern die in ihr bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind, gegen­über dem Staat als Arbeit­ge­ber [12] jeden­falls unmit­tel­bar anzu­wen­den.
Dar­auf kommt es hier nicht an, denn die Richt­li­nie 2001/​23/​EG stützt einen Antrag auf Fort­be­stand des Arbeits­ver­hält­nis­ses nicht. Der Inhalt des Wider­spruchs­rechts ist uni­ons­recht­lich nicht aus­ge­stal­tet; die Rechts­fol­gen eines Wider­spruchs für das Arbeits­ver­hält­nis rich­ten sich nach natio­na­lem Recht [13]. Die Richt­li­nie ver­pflich­tet die Mit­glied­staa­ten nicht, die Auf­recht­erhal­tung des Arbeits­ver­tra­ges oder Arbeits­ver­hält­nis­ses mit dem Ver­äu­ße­rer für den Fall vor­zu­se­hen, dass der Arbeit­neh­mer sich frei dafür ent­schei­det, den Arbeits­ver­trag oder das Arbeits­ver­hält­nis nicht mit dem Erwer­ber fort­zu­set­zen [14]. Der Schutz, den die Richt­li­nie bie­ten soll, ist gegen­stands­los, wenn der Betrof­fe­ne selbst, auf­grund sei­ner eige­nen, frei­en Ent­schei­dung dar­auf ver­zich­tet und das Arbeits­ver­hält­nis nach dem Über­gang nicht mit dem neu­en Inha­ber fort­setzt. In einem sol­chen Fall fin­det Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/​23/​EG kei­ne Anwen­dung [15].
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 16. Juli 2015 – 8 AZR 266/​13
BVerfG 25.01.2011 – 1 BvR 1741/​09, Rn. 69, 72, BVerfGE 128, 157[↩]
BVerfG 25.01.2011 – 1 BvR 1741/​09 – aaO[↩]
Vor­la­ge des Bun­des­ar­beits­ge­richts nach Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG, BAG 26.09.2013 – 8 AZR 775/​12 (A) [↩]
vgl. BVerfG 17.01.2012 – 2 BvL 4/​09, Rn. 2, BVerfGE 130, 52[↩]
BR-Drs. 676/​94 [Beschluss][↩]
vgl. BAG 24.04.2014 – 8 AZR 369/​13, Rn. 18, BAGE 148, 90[↩]
BVerfG 25.01.2011 – 1 BvR 1741/​09, Rn. 72, BVerfGE 128, 157[↩]
für Umwand­lun­gen nach § 2 PostUmwG beja­hend BAG 24.09.2008 – 6 AZR 76/​07, Rn. 32, BAGE 128, 73[↩]
vgl. BAG 18.12 2008 – 8 AZR 660/​07, Rn. 40[↩]
zur Fra­ge eines Über­gangs beru­hend auf ein­sei­ti­gen Ent­schei­dun­gen staat­li­cher Stel­len: EuGH 6.09.2011 – C‑108/​10 – [Scat­to­lon] Rn. 14 ff., 29, 45, 63 f. mwN, Slg. 2011, I‑7491; 29.07.2010 – C‑151/​09 – [UGT-FSP] Rn. 24 f. mwN, Slg. 2010, I‑7591[↩]
vgl. zum Betrieb öffent­li­cher Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­te EuGH 14.09.2000 – C‑343/​98 – [Col­li­no und Chiap­pe­ro] Rn. 26 ff. mwN, Slg. 2000, I‑6659[↩]
ua. EuGH 26.05.2005 – C‑297/​03 – [Sozi­al­hil­fe­ver­band Rohr­bach] Rn. 30, Slg. 2005, I‑4305[↩]
ua. EuGH 16.12 1992 – C‑132/​91, – C‑138/​91 und – C‑139/​91 – [Kats­ikas ua.] Rn. 37, Slg. 1992, I‑6577[↩]
EuGH 7.03.1996 – C‑171/​94 und – C‑172/​94 – [Merckx und Neu­huys] Rn. 35, Slg. 1996, I‑1253; 16.12 1992 – C‑132/​91, – C‑138/​91 und – C‑139/​91 – [Kats­ikas ua.] Rn. 35, aaO; BAG 24.04.2014 – 8 AZR 369/​13, Rn. 22, BAGE 148, 90[↩]
EuGH 16.12 1992 – C‑132/​91, – C‑138/​91 und – C‑139/​91 – [Kats­ikas ua.] Rn. 30 ff. mwN, aaO; 11.07.1985 – 105/​84 – [Dan­mols Inven­tar] Rn. 16, Slg. 1985, 2639[↩]
§ 174 ao491 ff bgbPostreformTelekom