Source: https://www.arbeitsinspektion.gv.at/inspektorat/Uebergreifende_Themen/Arbeitsplatzevaluierung/Evaluierungsthema_Jugendliche_ArbeitnehmerInnen
Timestamp: 2018-12-11 03:14:44
Document Index: 4077108

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 5', '§ 6', '§ 3']

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Evaluierungsthema: Jugendliche ArbeitnehmerInnen
Beispiel Handelsbetrieb
Beispiel Friseurbetrieb - Haarwäsche
Beispiel KFZ-Lackierer - Mischplatz
Beispiel Tischler - Montagearbeiten
Beispiel Elektriker - Stemmarbeiten
Die Evaluierung der Arbeitsplätze von jugendlichen ArbeitnehmerInnen unterscheidet sich lediglich in dem Punkt von der „allgemeinen“ Evaluierung (für „Erwachsene“), dass Körperkraft, Alter der Stand der Ausbildung und der Unterweisung der Jugendlichen mit zu berücksichtigen ist (§ 1 Abs. 6 KJBG-VO).
Die KJBG-VO enthält zum Teil direkt anzuwendende Verbote aber auch Zielbestimmungen, bei denen durch Evaluierung festzustellen ist, ob bestimmte Arbeiten von Jugendlichen durchgeführt werden dürfen bzw. bis zu welchem Ausmaß (z.B. Dauer, Lasten!).
Schutz vor der Einwirkung gesundheitsgefährdender und biologischer Arbeitsstoffe (§ 3 KJBG-VO)
feststellen ob:
geringe Menge oder
geschlossene Apparatur
Verbote bzw.
Ausnahmen für Jugendliche in Ausbildung (§ 3 Abs. 2 KJBG-VO)
Schutz vor Belastungen, die die psychische oder physische Leistungsfähigkeit Jugendlicher übersteigen (§ 5 KJBG-VO)
Zu den physische Belastungen gehören beispielsweise:
Stemmarbeiten mit nicht kraftbetriebenen Arbeitsmitteln
besonders belastende Hitze
Arbeiten in Räumen mit Temperaturen unter -10°C
Schutz bei Arbeiten mit gefährlichen Arbeitsmitteln (§ 6 Abs. 1 KJBG-VO)
feststellen ob bestehende Unfallgefahren nicht durch geeignete Maßnahmen beseitigt sind.
Ausnahmen für Jugendliche in Ausbildung
Anlieferung mit LKW in Gitterboxen oder auf Paletten, Containern
zu berücksichtigende Kriterien sind die Gebindegrößen, das Gewicht und die Höhe der Lagerung, dazu kommt noch die Belastung durch das Verbringen der Container, Gitterboxen im Betrieb.
Manuelle Lastenhandhabung = heben, tragen, ziehen, schieben.
Lastgrenzen für Jugendliche:
Männl. Jugendliche 20 kg, bis 10 x pro Tag, bis zu 5 min bzw. 0,3 km Weglänge
Weibl. Jugendliche 10 kg, bis 10 x pro Tag, bis zu 5 min bzw. 0,3 km Weglänge
Bei geringeren Lasten:
Männl. Jugendliche 5 bis 10 kg bis 200 x pro Tag, bis zu 60 min bzw. 4 km Weglänge
Weibl. Jugendliche 3 bis 5 kg bis 200 x pro Tag, bis zu 60 min bzw. 4 km Weglänge
Beispiel 6er-Trage Mineralwasser (6 x 1,5 l = 9 kg)
Weibl. Jugendliche nur untergeordnet zulässig (max. 10 x pro Tag)
Männl. Jugendliche bis 200 x pro Tag möglich, daher Kommissionieren durchaus zulässig
Haarwäsche (Anmerkung: vorrangige Tätigkeit der Jugendlichen zu Beginn der Lehrzeit)
Jugendliche und Erwachsene wären durch die Belastung mit Wasser und Shampoo an sich gleich belastet, es ist aber eine Tätigkeit, die vor allem Jugendliche ausüben. Es liegt somit eine besondere Gefährdung jugendliche ArbeitnehmerInnen auf Grund der Häufigkeit vor, aber trotzdem: es bleibt ein Thema der allgemeinen Evaluierung und nicht der KJBG-Evaluierung.
Maßnahmen: PSA - unabhängig vom Alter der ArbeitnehmerInnen
Mischplatz (Lösemittel, Lackbestandteil Isocyanat)
Kriterien § 3 KJBG-VO „geringe Menge oder geschlossene Apparatur“ treffen nicht zu. Mischplatz hat eine Absaugung. Somit liegt fürs Erste ein Verbot vor „Arbeiten unter Einwirkung gesundheitsgefährdender Arbeitsstoffe“.
Jugendliche in Ausbildung dürfen mit den verbotenen Arbeiten unter Aufsicht beschäftigt werden.
Das Thema „Aufsicht“ ist im Rahmen der Evaluierung zu berücksichtigen.
Als Aufsichtspersonen eignen sich z.B. Ausbilder/innen oder Gesellen/Gesellinnen mit entsprechender einschlägiger Ausbildung und Erfahrung (etwa vier Jahre einschlägige Tätigkeit).
Die Aufsichtsperson hat Kenntnis bei welchen Tätigkeiten eine Aufsicht des/der Jugendlichen erforderlich ist, weiters Kenntnis über Schutzmaßnahmen für den Tätigkeitsbereich des/der Jugendlichen.
Die Aufsichtsperson soll rechtzeitig bei Gefahrensituationen eingreifen.
Zu den Tätigkeiten, die beaufsichtigt werden sollen, gehören z.B. das Öffnen von Gebinden, das Umfüllen, die Inbetriebnahme der Absaugung, das Abfüllen des gemischten Lackes und der Lackiervorgang im engeren Sinn mit der Verwendung der vorgesehenen PSA.
Montagearbeiten – Anpassen eines Regalbretts mit der Handkreissäge.
Zwei Faktoren sind zu berücksichtigen: Lehrzeit und Leistung der Maschine.
Handkreissägen unter 1200 Watt Leistung dürfen ab Beginn der Lehrzeit verwendet werden. Maschinen höherer Leistung erst nach dem 18 Monat Lehrzeit oder 12 Monaten Lehrzeit bei besonderer Gefahrenunterweisung im Berufsschulunterricht.
Stemmarbeiten fürs Verlegen von Leitungen unter Putz. Bei der Durchführung von Stemmarbeiten mit Maschinen ist für Jugendliche der Auslösegrenzwert für Vibrationen maßgeblich. Die Grenzwerte sind gekennzeichnet durch:
Höhe der Exposition der Schwingbeschleunigung a (für Jugendliche 2,5 m/s², 8-Stunden) und
dem Beurteilungszeitraum (in der Regel 8 h)
Für Hand-Arm-Vibrationen sagt die Angabe „2,5 m/s² sind überschritten“ nicht, dass ein Arbeitsmittel für Jugendliche generell verboten wäre. Es kommt immer auch auf die Dauer der Benutzung an. Die Zeiten der Expositionsdauer (Te) müssen zum Beurteilungszeitraum (To) umgerechnet werden, um die tatsächliche Einwirkung ermitteln zu können [Formel: (Te/To)1/2). Ein Rechner ist auf der Web-Site der Arbeitsinspektion verfügbar). Werte zu bestimmten Zeiträumen:
2,5 m/s² über 8 h
3,5 m/s² über 4 h
5 m/s² über 2 h
7 m/s² über 1 h
10 m/s² über ½ h
Mit der Höhe der Schwingbeschleunigung sinkt lediglich die Dauer für die Benutzung je Schicht!
Mit einem Standard-Bohrhammer (ahw= 7 m/s²) dürfte ein Jugendlicher daher maximal 1 h pro Tag arbeiten.
VII2@sozialministerium.at
Letzte Änderung am: 15.07.2016
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