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Timestamp: 2020-02-23 20:18:22
Document Index: 67583783

Matched Legal Cases: ['§903', '§906', '§ 1004', '§ 31', '§ 906', '§ 93', '§ 21', '§ 3', '§ 906', '§ 903', '§ 1004', '§ 905', '§ 94', '§ 93', 'Art. 231', '§ 5', '§ 94', 'Art. 231', '§ 5', 'Art. 231', '§ 5', '§ 3', '§ 42', '§ 906', 'Art. 124', '§ 1004', '§ 903', 'Art. 124', '§ 1004', '§ 903', '§ 903', '§ 924', 'Art. 124', '§ 903', '§ 903', '§ 906', '§ 906', '§ 1004', '§ 906', 'BGH', 'BGH', '§ 823', '§ 907', '§ 823', '§ 907', '§ 906', '§ 906', '§ 3', '§ 3', '§ 906', 'BGH', '§ 93', '§906', '§ 21', '§ 21', '§ 21', '§ 906', '§ 906', '§ 906', 'BGH', '§ 906', 'BGH']

Gesetzliche Regelungen zum Luft- und Lichtentzug durch das ... | Hausarbeiten publizieren
Gesetzliche Regelungen zum Luft- und Lichtentzug durch das Nachbargrundstück
a. Begriff: Grundstück
b. Begriff: Nachbar
c. Begriff: Nachbarrecht
d. Struktur und Normgefüge des privatrechtlichen Nachbarrechtsverhältnisses
i. §903 BGB
ii. §906 BGB
1. Kaltluftsee-Fall
2. Begriff: Einwirkung
3. Entzug von Licht
4. Entzug von Luft
5. Entzug von Luft und Licht
6. Negative Immission
7. Ähnliche Einwirkung
8. Ausnahme
9. Rechtsfolge
iii. Arten nachbarrechtlicher Normen
iv. § 1004 BGB
2. Fensterrecht
e. Struktur und Normgefüge des öffentlich-rechtlichen Nachbarrechtsverhältnisses
f. Das nachbarliche Gemeinschaftsverhältnis
g. Prognose
Alheit, Nachbarrecht von A - z, 1996, 6. Auflage.
Bender/Dohle, Nachbarschutz, 1972.
Der Grosse Brockhaus 18. Auflage Band 8.
Dirnberger in: Simon/Busse, Bayrische Bauordnung, 120. EL Mai 2015, Rn.684- 686.
Dyong, in Ernst/Zinkahn/Bielenberg, BauGB, § 31 Rdnr. 111f.
Eichenhofer, in: NJW, 2008, Heft 39 (Seite 2801-2880), Eichenhofer. Licht und Recht, (NJW 2008,2828).
Fritzsche, in: BeckOK BGB/Fritzsche BGB § 906 Rn. 1-4.
Grziwotz/ Lüke/ Saller, Praxishandbuch Nachbarrecht 2. Auflage, 2013.
Hahn/Schulte, öffentlich-rechtliches Baunachbarrecht, 1. Auflage, 1998, Berlin, Münster, Rehm Verlagsgruppe.
Holch, in: MünchKommBGB/ Holch, § 93.
Horst, in: Beck’sches Rechtsanwalts-Handbuch, 10. Auflage 2011, § 21 Der Nachbarrechtsfall, Rn. 118-122.
Kunig, in GS für Martens s. 599, 604, 612 ff.
Landmann/Rohmer, UmweltR/Thiel BImSchG § 3 Rn. 65.
Laufke, in: Festschrift für Heinrich Lange zum 70. Geburtstag, 1970.
Meyers Grosses Taschenlexikon Band 15.
Mugdan Band III, Die gesammten Materialien zum Bürgerlichen Gesetzbuch für das Deutsche Reich, Update: 2015-07.31 14:11:06.
Reetz, Der Schutz vor negativen Immissionen als Regelungsaufgabe des zivilrechtlichen und des öffentlich-rechtlichen Nachbarschutzes, 1996.
Ring, Grundriß des Nachbarrechts, 1997.
Säcker, in: Münchener Kommentar/Säcker, BGB § 906 Zuführung unwägbarer Stoffe, 6. Auflage 2013. Rdn. 1.
Singer, Persönlichkeitsschutz in Nachbarschaftslagen, 1999.
Thiel, in : Landmann/Rohmer, Umweltrecht, 76. EL Mai 2015, Rn. 69.
Wenzel, NJW 2005, 241,247.
Westermann, Schwerpunkte BGB - Sachenrecht (begründet von Harry Westermann), 10. Auflage 2002.
In Zeiten des Materialismus rückt die Frage nach dem Schutz individueller Rechtsgüter in den Mittelpunkt der privaten Lebensführung. Zentrale Bedeutung kommt insbesondere Grundstücken zu, da diese mit den darauf stehenden Eigenheimen oftmals den Lebensmittelpunkt ausmachen. Grundstücke grenzen an andere Grundstücke, somit beeinflusst die Nutzung eines Grundstücks auch andere Grundstücke.
Diese juristische Seminararbeit bearbeitet die Thematik des Luft- und LichtentZugs durch das Nachbargrundstück. Im Fokus steht somit die Frage, inwieweit diese Thematik betreffende Konflikte vom Gesetz geregelt sind. Besonderes Augenmerk fällt hierbei auf die Unterscheidung zwischen negativen und positiven Einwirkungen in der Rechtsprechung.
Zu Beginn der Arbeit wird auf die Begriffe des Grundstücks, des Nachbarn und des Nachbarrechts eingegangen. Es folgt das privatrechtliche NachbarrechtsVerhältnis. Diesem sind die §§ 903, 906 BGB untergeordnet. Es wird kurz in den Kaltluftsee-Fall eingeführt, welcher im weiteren Verlauf der Arbeit einige Male hinzugezogen wird. Einen Schwerpunkt der Arbeit bildet die Abgrenzung zwi- sehen dem Begriff der Einwirkung und dem der negativen Immission. Hierbei wird auf den Entzug von Luft und Licht näher eingegangen als auch auf die Rechtsfolgen, die sich aus der Differenzierung des Immissionsbegriffes ergeben. Des Weiteren werden zwei Arten von nachbarrechtlichen Normen vorgestellt. Mit Hilfe eines aktuellen Falls auf Anspruchsgrundlage des § 1004 Abs. 1 BGB werden diese nochmals verdeutlicht. Diesem folgt das Fenster- und Lichtrecht, welches dem öffentlich-rechtlichen Nachbarrecht zuzuordnen ist. Am Ende der Arbeit wird auf das nachbarschaftliche Gemeinschaftsverhältnis eingegangen, gefolgt von den rechtlichen Regelungen eines Nachbarlandes. Die Schlussbetrachtung fasst die Erkenntnisse der Arbeit nochmals zusammen.
Bei der Thematik des Licht- und Luftentzugs durch das Nachbargrundstück kommt der Begrifflichkeit des Grundstücks eine entscheidende Bedeutung zu. So ist das Grundstück, welches in räumlichem Zusammenhang mit anderen Grundstücken steht, Bezugsobjekt des Nachbarrechts. Erst die räumliche Nähe von Grundstücken zueinander begründet das nachbarliche Verhältnis, das wiederum das Nachbarrecht begründet.[1] Der Rechtsbegriff des Grundstücks ist also für das Greifen des Nachbarrechts und somit auch für etwaige rechtliche Folgen, die sich Z.B. aus dem Entzug von Licht oder Luft durch das Nachbargrundstück ergeben können, von entscheidender Bedeutung.
Je nach sachlichem Zusammenhang wird unter einem Grundstück verschiedenes verstanden.[2] Grundsätzlich wird zwischen vier Grundstücksbegriffen unterschieden: dem wirtschaftlichen, dem vermessungstechnischen, dem Steuerrechtlichen und dem privatrechtlichen.[3] Für das Nachbarrecht ist der privatrechtliche Begriff entscheidend. Der Rechtsbegriff des Grundstücks wird im Sinne des bürgerlichen Rechts und der Grundbuchordnung folgendermaßen definiert: das Grundstück - als räumlich abgegrenzter Teil der Erdoberfläche - muss im Bestandsverzeichnis eines Grundbuchblattes unter einer Nummer verbucht sein.[4] Abgegrenzt wird diese Definition von den anderen vor allem dadurch, dass sich das Eigentum nicht auf die Erdoberfläche beschränkt.[5] Nach § 905 s. 1 BGB erstreckt sich das Grundstück und folglich auch das Eigentum an ihm auf den Raum über der Oberfläche und auf den Erdkörper unter der Oberfläche. Luft- und Lichtentzug durch das Nachbargrundstück betreffen i.d.R. den Raum über der Oberfläche. Es ist hervorzuheben, dass der Luftraum über dem Grundstück als solcher kein Teil desselben ist. Zwar verleiht ein Grundstück gewisse Befugnisse über gewissen Luftraum, zum Grundstück selbst gehören laut § 94 I BGB jedoch lediglich Sachen, die mit diesem unter oder über der Erdoberfläche fest verbunden sind, insbesondere Gebäude und in der Erde eingepflanzte Pflanzen. Gebäude und Pflanzen können nicht vom Grundstück getrennt werden, ohne dass der eine oder der andere Teil zerstört oder in seinem Wesen verändert wird. Sie sind somit wesentliche Bestandteile des Grundstücks im Sinne des § 93 BGB und können folglich nicht Gegenstand besonderer Rechte sein.[6]
Eine Besonderheit zu dieser Regelung ist in den neuen Bundesländern anzutreffen. So findet aufgrund Art. 231 § 5 EGBGB der § 94 BGB keine Anwendung im Beitrittsgebiet.[7] Gebäude, Baulichkeiten, Anlagen, Anpflanzungen oder Einrichtungen gehören nicht zu den Bestandteilen eines Grundstücks, da das DDR-Recht anhand eines bestehenden Nutzungsrechts ein selbstständiges Eigentum an diesen begründete und dieses gemäß Art. 231 § 5 EGBGB bestehen bleibt.[8] Stattdessen gelten gemäß Art. 231 § 5 Abs. 2 s. 1 EGBGB das Nutzungsrecht an dem Grundstück und die erwähnten Anlagen, Anpflanzungen oder Einrichtungen als wesentliche Bestandteile des Gebäudes.
Das Eigentum an einer Sache umfasst ebenso einige Rechte dieser Sache. Ein Grundstück hat Z.B. das Recht auf Lichteinfall.[9] Ein Grundstück selbst kann jedoch keine Rechte geltend machen. Entzieht ein Störer durch Nutzung seines Grundstücks einem anderen Grundstück Licht oder Luft, so liegt es am Geschädigten seine Rechte geltend zu machen. Etwaige Rechte solcher nachbarschaftlicher Konstellationen sind im Nachbarrecht geregelt und können folglich vom Nachbarn geltend gemacht werden.
Grundsätzlich wird der Nachbar als Nebenwohner oder Nahewohnender defi- niert.[10] Im Mittelpunkt steht oftmals die ״räumliche Wohn- und Siedlungsnähe, in der die sozialen Beziehungen der dort lebenden Menschen durch besonders ausgeprägte persönliche und dauerhafte Beziehungen bestimmt sind“.[11] Diese Definitionen werden jedoch weitestgehend lediglich dem soziologischem Gesichtspunkt gerecht, da sie überwiegend unter diesem getroffen wurden.[12] Im immissionsschutzrechtlichen Kontext bedarf es somit eines weitaus differenzierteren Rechtsbegriffs. Hierbei ist zwischen der zivilrechtlichen und der öffentlichrechtlichen Definition zu unterscheiden. So gingen die Verfasser des BGB von einem vorindustriellen, engen Nachbarbegriff aus. [13] Dies setzte für ein Nachbarverhältnis, aufgrund der i.d.R. langanhaltend gleichbleibenden Verhältnisse auf engem Raum, eine Situationsgebundenheit zweier nebeneinanderliegender Grundstücke zueinander voraus.[14] Des Weiteren unterscheidet diese Zivilrechtliehe Definition zwischen dem kleinnachbarlichen Bereich, der nur die Anwohner angrenzender Grundstücke einschließt, und dem großnachbarlichen Bereich, welcher auch weit entfernt lebende Personen umfasst, sofern diese von Einwirkungen betroffen sind.[15] Da die Konfliktlagen im Immissionsschutzrecht oft raumgreifend sind, kommt vor allem die großnachbarliche Bezeichnung in Betracht. Problem ist allerdings, dass eine solche Definition zwar eine Difieren- zierung bietet, jedoch keine Abgrenzung zu Nichtnachbarn zulässt.[16]
Die öffentlich-rechtliche Definition des Nachbarn folgt einem anderen DenkanSatz. Festgehalten ist sie im öffentlichen Immissionsschutzrecht in §§ 3 I, 5 I BImSchG und allein der dadurch individuell geschützte Nachbar ist klagebefugt gegen die emittierende Anlage nach § 42 II VwGO.[17] Diese Differenzierung setzt das ״qualifizierte Betroffensein“[18] als entscheidendes Kriterium voraus. Diesem Nachbarbegriff ist somit nur jemand zuzuordnen, der von der Immission deutlich stärker betroffen ist als die breite Masse. Es muss folglich eine Nähebeziehung der Person, räumlicher und zeitlicher Art, vorliegen, wobei die Immission nicht bloß vorübergehender Natur sein sollte.[19] Die Immobiliarberechtigung ist für die Nachbarstellung des Bundesimmissionsschutzgesetzes im Gegensatz zu der privatrechtlichen, auf die im § 906 BGB Bezug genommen wird, von keinem entscheidenden Belang.[20]
Umstritten ist, ob dieser öffentlich-rechtliche Denkansatz auch im Zivilrecht hinzugezogen werden kann. Dies ist abhängig von der zu Grunde liegenden Betrachtungsweise, ״wie [...] das heftig umstrittene Verhältnis zwischen privatem und öffentlichem Nachbar- und Immissionsschutzrecht“[21] zu beurteilen ist.
Aus dem Verhältnis zwischen Nachbarn ergeben sich nachbarschaftliche Streitigkeiten. Diese zu regeln und zu beschwichtigen ist Aufgabe des Nachbarrechts.
Die Rechte der Eigentümer von Grundstücken, wie sie mit ihrem Eigentum verfahren, sind grundsätzlich weitreichend. Aus diesem Grund gibt es viele Brennpunkte zu den Befugnissen, die sich aus den Regeln des Nachbarrechts ergeben.[22] Das Nachbarrecht umfasst alle Normen, die dieses Verhältnis regeln. Diese Vorschriften betreffen Immission, Notweg, überbau, gefahrbedrohende Bauten und Einrichtungen sowie Pflanzen im Grenzbereich.[23] Diese Normen betreffen die gegenseitige Rücksichtnahme und Duldung.[24] Unter soziologischem Gesichtspunkt besitzt das Nachbarrecht große soziale Verantwortung. Es hat die gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten und den gesellschaftliehen Frieden zu stabilisieren.[25]
Zugeordnet sind die Rechtsnormen dem privatrechtlichen und dem öffentlichrechtlichen Nachbarrecht. Beide existieren autonom, sich nebeneinander ergänzend. Das private Nachbarrecht entwickelte sich zwar früher, die Beştim- mungen des Landesrechts haben jedoch gemäß Art. 124 EGBGB neben den Regelungen des BGB zu gelten. Gleiches gilt für die Bestimmungen des öffent- liehen Rechts des Bundes und der Länder.[26] Mit Ausnahme Hamburgs haben alle Bundesländer von der Regelungsmöglichkeit Gebrauch gemacht.[27]
Das privatrechtliche Nachbarrecht, auch zivilrechtliches Nachbarrecht, ist durch das zweiseitige Rechtsverhältnis zwischen den einzelnen i.d.R. grenzbenachbarten Grundstückseigentümern gekennzeichnet.[28] Diese führen i.d.R. ein Verhältnis auf der Gleichordnungsebene, wodurch mögliche Ansprüche vor dem Zivilgericht geltend zu machen sind. Den Kernbestand des zivilrechtlichen Nachbarrechts enthalten die §§ 1004, 906 - 923 BGB auf der Grundlage der §§ 903 - 905 BGB.[29] Ergänzt werden diese durch Art. 124 EGBGB legitimiert von ergänzenden Landesnachbargesetzen.[30] Die sächsischen landesrechtlichen Vorschriften zum Nachbarrecht sind im ״Sächsische[n] Nachbarrechtsgesetz V. 11. 11. 1997 (GVBI. s. 582) i. d. F. V. 8. 12. 2008 (GVBI. s. 840)“[31] geregelt.
Vorgesehen sind aus den §§ 1004, 906 BGB drei Konfliktlösungsarten, ein verschuldungsunabhängiger Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch, ein verschuldensunabhängiger Ausgleichanspruch und ein verschuldensabhängiger, deliktischer Schadensersatzanspruch.[32]
i. § 903 BGB
Die Normen der § 903 BGB bis § 924 BGB regeln das private Nachbarrecht, jedoch nicht abschließend.[33] Weitere Beschränkungen ergeben sich durch Art. 124 EGBGB begründet aus den landesgesetzlichen Vorschriften. Mit Ausnahme Hamburgs regeln die Länder ihre landesrechtlichen Vorschriften in den Nachbarrechtsgesetzen und den jeweiligen Ausführungsgesetzen zum BGB.[34] In Hamburg sind diese in der Bauordnung geregelt.
Nach § 903 s. 1 BGB kann der Eigentümer einer Sache, soweit nicht das Gesetz oder Rechte Dritter dem entgegenstehen, mit der Sache nach Belieben verfahren und andere von jeder Einwirkung ausschließen. In der Praxis bietet diese Norm ein großes Konfliktpotential. So ist der Eigentümer von einem Grundstück einerseits dazu berechtigt, dieses nach Belieben zu nutzen. Andererseits jedoch grenzen Grundstücke verschiedener Eigentümer Z.T. unmittelbar aneinander, wodurch diverse Einwirkungen aus der Nutzung von einem Grundstück auf ein anderes eintreten können. Das Konfliktpotential entfaltet sich aus dem im gleichen Satz geregelten Recht, andere von jeder Einwirkung auf seine Sache auszuschließen.
Die aus § 903 BGB entstehenden Konflikte sollten möglichst reduziert werden. Der § 906 BGB bildet die ״zentrale Norm des Nachbarrechts im BGB und des privaten Umweltrechts“[35] sowie das Fundament für die Einschränkung der Eigentümerbefugnisse. Sie stellt einen eindeutigen Grundstücksbezug her.[36] Betroffen ist vom § 906 BGB das Verhältnis zwischen Nachbarn i.s. der Definition die dieser Arbeit zugrunde liegt. Die Regelung beruht auf der Erkenntnis, dass das Konfliktpotential beim Nachbarrecht zu einem bedeutenden Teil in den Rechten jedes einzelnen Grundstückseigentümers liegt, Einwirkungen gemäß §§ 1004, 903 BGB zu verbieten.[37]
Aus diesem Grund schränkt § 906 BGB unter gewissen Umständen Abwehrrechte ein bzw. schließt sie gar aus. Stattdessen wird eine Reihe von Dui- dungspflichten und Ausgleichsansprüchen geregelt, um jedem einzelnen eine angemessene Nutzung seines Eigentums zu ermöglichen.[38] Vor diesem Hintergrund sieht sich das Nachbarrecht des BGB's mit der Meinung konfrontiert, eher dem ״Aspekt subjektiver Interessen und nur mittelbar [dem] Gemeinwohl“[39] zu dienen. ״Gesetzestechnisch handelt es sich [jedoch] [...] um eine Begrenzung des Inhalts des Privateigentums bzw. der Ausschließungsbefugnis des Grundeigentümers.“[40]
Zur Verdeutlichung der Problematik des Luft- und Lichtentzuges durch das Nachbargrundstück im Hinblick auf die rechtlichen Regelungen, wird im Folgenden der sogenannte Kaltluftsee-Fall hinzugezogen.
Der Kaltluftsee-Fall wurde 1991 vor dem BGH untersucht. Der Störer hatte auf seinem Grundstück eine Zwischendeponie für Erdaufschub errichtet, welche 4,5m hoch, 25m breit und 200m lang war. Dadurch bildete sich auf dem Klägergrundstück ein Kaltluftsee. Der Begriff Kaltluftsee meint, dass durch den Erdaufschub die kalte Luft auf dem Grundstück des Klägers gestaut worden war. Es wurde eine Abflussbehinderung der Luft herbeigeführt, der natürliche Kaltluftabfluss behindert. Der Kläger baute auf seinem Grundstück Weinstöcke an. Durch den Nichtabfluss der kalten Luft entstanden an 1.467 Rebstöcken erhebliehe Frostschäden.[41]
Der BGH lehnte einen Schadensersatzanspruch ab, wonach die Störer gemäß § 823 Abs. 2 BGB i.v.m. § 907 BGB 19.9667,47 DM nebst Zinsen an den Klä- ger als Schadensersatz für Aufwendungen für Instandsetzungsarbeiten, Material und Gutachterkosten sowie Entschädigung für Ertragsausfälle in den Jahren 1985 bis 1987 zu zahlen hätten. Der Anspruch sei abzulehnen, da die Entstehung eines Kaltluftsees keine unzulässige Einwirkung auf das Nachbargrundstück darstelle.
Der Anspruch nach § 823 Abs. 2 BGB i.v.m. § 907 BGB wäre durchsetzbar, wenn eine unzulässige Einwirkung vom Nachbargrundstück auf das Grundstück des Geschädigten übergehen würde.
Der privatrechtliche Begriff der Einwirkung ist in § 906 BGB geregelt. Definiert ist dieser unter der ״Zuführung unwägbarer Stoffe“. Als diverse Einwirkungen aufgeführt sind die Zuführung von Gasen, Dämpfen, Gerüchen, Rauch, Ruß, Wärme, Geräusch, Erschütterungen und ähnliche.
Während der § 906 BGB eine privatrechtliche Norm darstellt, kann das Bundesimmissionsschutzgesetz als dessen öffentlich-rechtliches Gegenstück angesehen werden.[42] Dieses spricht in § 3 Abs. 1 BImSchG nicht direkt von EinWirkungen, sondern definiert schädliche Umwelteinwirkungen als Immissionen, die nach Art, Ausmaß oder Dauer geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft herbeizuführen.
Diese Differenzierung ist jedoch weitestgehend unerheblich, da die im § 3 Abs. 3 BImSchG genannten Beispiele für Immissionen weitestgehend denen des § 906 BGB gleichen.[43] Somit werden im weiteren Verlauf der Arbeit trotz der peniblen Unterscheidung zwischen zivilrechtlicher und öffentlich-rechtlicher Definition die Begrifflichkeiten der Einwirkung und der Immission als gleichbedeutend betrachtet.
43 Grziwotz/Lüke/Saller, 2013. 43 Grziwotz/Lüke/Saller, 2013.
[1] Grziwotz/Lüke/Saller, 2013.
[2] Grziwotz/Lüke/Saller, 2013.
[3] Grziwotz/Lüke/Saller, 2013.
[4] BGH, 19.12.1967 - v BLw 24/ 67.
[5] Grziwotz/Lüke/Saller, 2013.
[6] MünchKommBGB/ Holch, § 93 Rn. 9.
[7] Grziwotz/Lüke/Saller, 2013.
[8] Grziwotz/Lüke/Saller, 2013.
[9] Eichenhofer, in: NJW, 2008, Heft 39 (Seite 2801-2880), Eichenhofer. Licht und Recht, (NJW 2008,2828).
[10] Der Grosse Brockhaus 18. Auflage Band 8 s. 87.
[11] Meyers Grosses Taschenlexikon Band 15 s. 119.
[12] Singer, 1999.
[13] Mugdan Band III s. 145 ff.
[14] Münchener Kommentar/Sacker §906 Rdn. 1.
[15] Singer, 1999.
[16] Singer, 1999.
[17] Kunig, In GS für Martens s. 599, 604, 612 ff.
[18] BVerwG, 22.10.1982-BVerwG 7 c 50/78.
[19] BVerwG, 22.10.1982 - BVerwG 7 c 50/78.
[20] Singer, 1999.
[21] Singer, 1999, s. 26
[22] Grziwotz/Lüke/Saller, 2013.
[23] Grziwotz/Lüke/Saller, 2013.
[24] Westermann, 2002.
[25] Singer, 1999.
[26] Grziwotz/Lüke/Saller, 2013.
[27] Horst, in: Beck’sches Rechtsanwalts-Handbuch, 10. Auflage 2011, Rn 118-122.
[28] Bender/Dohle, Nachbarschutz, Rdnr. 9; Reetz S. 25.
[29] Reetz, Der Schutz vor negativen Immissionen als Regelungsaufgabe des zivilrechtlichen und des öffentlich-rechtlichen Nachbarschutzes.
[30] Laufke, in: Festschrift für Heinrich Lange zum 70. Geburtstag, 1970, S. 275 ff.
[31] Horst, in: Rechtsanwalts-Handbuch, 10. Auflage 2011, § 21 Der Nachbarrechtsfall, Rn 118-122.
[32] Reetz, Der Schutz vor negativen Immissionen als Regelungsaufgabe des zivilrechtlichen und des öffentlich-rechtlichen Nachbarschutzes.
[33] Horst, in: Beck'sches Rechtsanwalts-Handbuch, 10. Auflage 2011, § 21 Der Nachbarrechtsfall, Rn 118-122.
[34] Horst, in: Beck'sches Rechtsanwalts-Handbuch, 10. Auflage 2011, § 21 Der Nachbarrechtsfall, Rn 118-122.
[35] ВесkOK BG B/Fritzsche BGB § 906 Rn.
[36] ВесkOK BG B/Fritzsche BGB § 906 Rn.
[37] Grziwotz/Lüke/Saller, 2013, s. 178 1-3.
[38] ВесkOK BG B/Fritzsche BGB § 906 Rn. 1-3.
[39] BGH, 22.02.1991 -VZR 308/89.
[40] BeckOK BGB/Fritzsche BGB § 906 Rn. 2.
[41] BGH, 22.02.1991 - V ZR 308/89.
[42] Grziwotz'Lüke/Saller, 2013.
[43] Grziwotz'Lüke/Saller, 2013.
Henryk Listewnik (Autor)
V414322
9783668651739
9783668651746
Luftentzug Lichtentzug Nachbar Grundstück negative Emission
Henryk Listewnik (Autor), 2015, Gesetzliche Regelungen zum Luft- und Lichtentzug durch das Nachbargrundstück, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/414322
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