Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BAG&Datum=24.01.2017&Aktenzeichen=1%20AZR%20772/14
Timestamp: 2020-02-25 06:41:00
Document Index: 131193189

Matched Legal Cases: ['§ 305', '§ 315', '§ 87', '§ 308', '§ 87', '§ 308', '§ 308', '§ 308', '§ 87', '§ 315', '§ 308', '§ 87', '§ 611', '§ 611', '§ 308', '§ 87']

https://dejure.org/2017,5990
BAG, 24.01.2017 - 1 AZR 772/14 (https://dejure.org/2017,5990)
BAG, Entscheidung vom 24.01.2017 - 1 AZR 772/14 (https://dejure.org/2017,5990)
BAG, Entscheidung vom 24. Januar 2017 - 1 AZR 772/14 (https://dejure.org/2017,5990)
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Widerrufsvorbehalte in Arbeitsverträgen, Inhaltskontrolle und Ausübungskontrolle; Materielle Wirksamkeit eines Widerrufsvorbehalts im Arbeitsrecht; Theorie der Wirksamkeitsvoraussetzung als Anspruchsgrundlage für Entlohnungsansprüche; Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats ...
Mitbestimmungswidrige Kürzung des Weihnachtsgeldes
BAGE 158, 44
Denn die Theorie der Wirksamkeitsvoraussetzung trägt keinen Anspruch auf Vergütung bei mitbestimmungswidrig eingeführten Vergütungsbestandteilen (vgl. BAG 24. Januar 2017 - 1 AZR 772/14 - Rn. 44) .
Selbst wenn man zugunsten des Klägers annähme, auch bei einer fehlenden Tarifbindung der Beklagten seien die Entlohnungsgrundsätze des TV VO mitbestimmungsgemäß in ihrem Betrieb eingeführt worden (vgl. dazu etwa BAG 24. Januar 2017 - 1 AZR 772/14 - Rn. 45 f., BAGE 158, 44) , wären die Entscheidungen der Beklagten, die Renten zum 1. Juli 2015 und zum 1. Juli 2016 nur um 0, 5 vH zu erhöhen, nicht mitbestimmungspflichtig.
Ein in einer AGB enthaltener Widerrufsvorbehalt unterliegt neben einer Inhaltskontrolle nach den §§ 305 ff. BGB der Ausübungskontrolle nach § 315 Abs. 1 BGB (BAG 24.01.2017 - 1 AZR 772/14, EzA § 87 BetrVG 2001 Betriebliche Lohngestaltung Nr. 38 = BeckRS 2017, 112013).
Auf der zweiten Stufe erfolgt dann die Prüfung der konkreten Ausübung des Widerrufsrechts (BAG 24.01.2017 - 1 AZR 774/14, EzA § 308 BGB 2002 Nr. 14 = BeckRS 2017, 111108; 24.01.2017 - 1 AZR 772/14, EzA § 87 BetrVG 2001 Betriebliche Lohngestaltung Nr. 38 - BeckRS 2017, 112013;… s. DLW/Dörner, a.a.O. Kap. 3 Rn. 716 ff).
Der Verwender muss insoweit vorgeben, was ihn zum Widerruf berechtigen soll (z.B. wirtschaftliche Gründe, Leistung oder Verhalten des Arbeitnehmers; BAG 20.04.2011 EzA § 308 BGB 2002 Nr. 12; 24.01.2017 - 1 AZR 774/14, EzA § 308 BGB 2002 Nr. 14 = BeckRS 2017, 111108; 24.01.2017 - 1 AZR 772/14, BeckRS 2017, 112013; s. Stoffels NZA 2017, 1217 ff.).
Stets bedarf es zudem auf der zweiten Stufe der Prüfung der konkreten Ausübung des Widerrufsrechts (BAG 24.01.2017 - 1 AZR 774/14, EzA § 308 BGB 2002 Nr. 14; 24.01.2017 - 1 AZR 772/14, EZA § 87 BetrVG 2001 Betriebliche Lohngestaltung Nr. 38 = BeckRS 2017, 112013).
Auch wenn die Klausel also selbst angemessen ist, muss die Ausübung des vorbehaltenen Widerrufs im Einzelfall billigem Ermessen i.S.d. § 315 BGB entsprechen (BAG 12.01.2005 - 5 AZR 364/04, NZA 2005, 465; 21.03.2012 EzA § 308 BGB 2002 Nr. 13; 24.01.2017 - 1 AZR 772/14, EzA § 87 BetrVG 2001 Betriebliche Lohngestaltung Nr. 38; s. Stoffels NZA 2017, 1217 ff.).
Für die rechtsgestaltende Leistungsbestimmung verbleibt ein nach billigem Ermessen auszufüllender Spielraum, innerhalb dessen dem Arbeitgeber mehrere Entscheidungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen können (BAG 19.03.2014 EzA § 611 BGB 2002 Gratifikation, Prämie Nr. 39; 11.12.2013 EzA § 611 BGB 2002 Gratifikation, Prämie Nr. 38; 24.01.2017 - 1 AZR 774/14 - EzA § 308 BGB 2002 Nr. 14; 24.01.2017 - 1 AZR 772/14- EzA § 87 BetrVG 2001 Betriebliche Lohngestaltung Nr. 38).
Selbst wenn man zugunsten des Klägers annähme, auch bei einer fehlenden Tarifbindung der Beklagten seien die Entlohnungsgrundsätze des TV VO mitbestimmungsgemäß in ihrem Betrieb eingeführt worden (vgl. dazu etwa BAG 24. Januar 2017 - 1 AZR 772/14 - Rn. 45 f., BAGE 158, 44) , wäre die Entscheidung der Beklagten, die Renten zum 1. Juli 2015 nur um 0, 5 vH zu erhöhen, nicht mitbestimmungspflichtig.
Entzieht der Arbeitgeber Arbeitnehmern eine mitbestimmungspflichtige Leistung oder Vergünstigung, die er zuvor gewährt hat, kann ein davon betroffener Arbeitnehmer auf der Grundlage der Theorie der Wirksamkeitsvoraussetzung nur dann beanspruchen, wenn die Einführung der Leistung mitbestimmungsgemäß erfolgt ist (vgl. BAG 24. Januar 2017 - 1 AZR 772/14 - Rn. 44) .
Diese setzt eine auf die Zustimmung zu der Maßnahme gerichtete Beschlussfassung des Betriebsrats bzw. der Personalvertretung und deren Verlautbarung gegenüber dem Arbeitgeber voraus (BAG 24. Januar 2017 - 1 AZR 772/14 - Rn. 46 mwN) .