Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=XI%20R%201/96
Timestamp: 2019-11-14 05:52:54
Document Index: 104532054

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 4', '§ 5', '§ 5', '§ 4', '§ 15', '§ 12', '§ 23', '§ 116', '§ 4']

BFH, 19.02.1997 - XI R 1/96 - dejure.org
https://dejure.org/1997,80
BFH, 19.02.1997 - XI R 1/96 (https://dejure.org/1997,80)
BFH, Entscheidung vom 19.02.1997 - XI R 1/96 (https://dejure.org/1997,80)
BFH, Entscheidung vom 19. Februar 1997 - XI R 1/96 (https://dejure.org/1997,80)
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EStG § 5, § 4 Abs. 1
Wertpapiere - Gewillkürtes Betriebsvermögen - Gewerbebetrieb - Zuordnung von Termin- und Optionsgeschäften
EStG §§ 5, 4 Abs. 1
§§ 5, 4 EStG
Einkommensteuer; Wertpapiergeschäfte im Rahmen einer Ehevermittlung und Partnervermittlung
Der gewerbliche Wertpapierhandel
Kurznachricht zu "Verlustträchtige Mietwohngrundstücke als gewillkürtes Betriebsvermögen?" von der Redaktion der GmbH-StB, original erschienen in: GmbH-StB 2007, 126 - 127.
EStG § 4 Abs 1, EStG § 15 Abs 2, EStG § 12
Gewerbebetrieb; Gewillkürtes Betriebsvermögen; Termingeschäft; Vermögensverwaltung; Wertpapier
FG Münster - EFG 1996
FG Münster, 10.08.1994 - 5 K 6393/89
FG Münster, 26.10.1995 - 13 K 1801/94
BFH, 13.02.1997 - IV R 15/96
BFHE 182, 567
NJW 1997, 2775
BB 1997, 1092
DB 1997, 1209
BStBl II 1997, 399
Darüber hinaus bietet sich bilanzierenden Gewerbetreibenden die Möglichkeit, Betriebsvermögen in weitem Umfang zu willküren, also auch nicht unmittelbar dem Betrieb dienende, sondern nur zur objektiven Stärkung geeignete Wirtschaftsgüter in das Betriebsvermögen aufzunehmen (vgl. BFHE 182, 567 ).
In Übereinstimmung hiermit hat das BFH-Urteil in BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399 dem Vorbringen des dortigen Klägers, er handele über drei verschiedene Banken, keine rechtliche Bedeutung beigemessen.
Denn angesichts der veränderten Gewohnheiten von Privatanlegern prägt heute selbst eine Fremdfinanzierung in nennenswertem Umfang Wertpapiergeschäfte nicht mehr als gewerblich (vgl. auch dazu Senatsurteil in BFHE 194, 198, BStBl II 2001, 706, unter II. 2. d; ebenso bereits BFH-Urteile in BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399, unter II. 1. b; in BFHE 187, 287, BStBl II 1999, 448, unter II. 2. b).
Das Merkmal der Fremdfinanzierung hat zudem auch nach der früheren Rechtsprechung nur dann Bedeutung erlangt, wenn es sich um eine vollständige Kreditfinanzierung der Geschäfte handelte (…BFH-Urteil in BFH/NV 1994, 80) oder eine Eigenfinanzierung als Alternative überhaupt möglich gewesen wäre (BFH-Urteile in BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399, unter II. 1. b, und in BFHE 187, 287, BStBl II 1999, 448, unter II. 2. b).
Dies rechtfertigt es, auch noch erhebliche Wertpapierumschichtungen für eigene Rechnung der Vermögensverwaltung zuzuordnen (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 19. Februar 1997 XI R 1/96, BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399, unter II.1.b).
b) Dies gilt grundsätzlich auch für die Beurteilung des An- und Verkaufs von Wertpapieren (BFH-Urteil vom 19. Februar 1997 XI R 1/96, BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399).
Demgemäß hat der XI. Senat des BFH in seinem Urteil in BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399 ausgeführt, dass Wertpapiergeschäfte selbst in größerem Umfang im Allgemeinen noch zur privaten Vermögensvorsorge und -verwaltung und damit auch dann nicht zum Bereich gewerblicher Betätigung gehören, wenn die sonstigen Merkmale dafür (z.B. Nachhaltigkeit, Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr) gegeben sind.
Der An- und Verkauf von Wirtschaftsgütern ist ein Gewerbebetrieb, wenn sich der Steuerpflichtige "wie ein Händler" (BFH-Urteile in BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399; vom 29. Juni 1987 X R 23/82, BFHE 150, 218, BStBl II 1987, 744; vom 16. Juli 1987 X R 48/82, BFHE 150, 224, BStBl II 1987, 752) --bezogen auf den Streitfall: wie ein Wertpapierhändler-- verhalten hat (vgl. BFH-Urteile in BFHE 164, 53, BStBl II 1991, 631;… vom 15. März 1994 X R 38/92, BFH/NV 1994, 850).
b) Der XI. Senat des BFH hat in seinem Urteil in BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399 (unter II. 1. a der Entscheidungsgründe) --beiläufig-- ausgeführt: Optionsgeschäfte, die eine physische Erfüllung ausschließen, die letztlich nur auf einen Barausgleich zwischen Basispreis und dem aktuellen Marktpreis gerichtet seien, begründeten ebenso wenig wie Differenzgeschäfte (hierzu BFH-Urteil vom 13. Oktober 1988 IV R 220/85, BFHE 154, 532, BStBl II 1989, 39) eine Tätigkeit, die am Markt gegen Entgelt angeboten werde.
Die Nutzbarmachung eigener einschlägiger beruflicher Kenntnisse macht Wertpapiergeschäfte auf eigene Rechnung noch nicht zu gewerblichen (BFH-Urteile vom 24. Oktober 1969 IV R 139/68, BFHE 98, 494, BStBl II 1970, 411; in BFHE 164, 53, BStBl II 1991, 631; in BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399; in BFHE 187, 287, BStBl II 1999, 448).
g) Es ist auch nicht erkennbar, dass die Wertpapiergeschäfte des Klägers seinem Betrieb als Versicherungsagent zugeordnet werden könnten (vgl. hierzu BFH-Urteil in BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399, unter 3. der Entscheidungsgründe;… zu branchenuntypischen Termingeschäften vgl. BFH-Urteil vom 11. Juli 1996 IV R 67/95, BFH/NV 1997, 114).
Das Finanzgericht (FG) führte unter Bezugnahme auf die Grundsätze der Senatsentscheidung vom 19. Februar 1997 XI R 1/96 (BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399) aus, im Streitfall sei der Rahmen der privaten Vermögensverwaltung und damit die Grenze zur gewerblichen Betätigung nicht überschritten.
Dies gilt grundsätzlich auch für die Beurteilung des An- und Verkaufs von Wertpapieren (Senatsentscheidung in BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399).
Demgemäß hat der Senat im Urteil in BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399 ausgeführt, daß Wertpapiergeschäfte selbst in größerem Umfang im allgemeinen noch zur privaten Vermögensvorsorge und -verwaltung und damit auch dann nicht zum Bereich gewerblicher Betätigung gehören, wenn die sonstigen Merkmale dafür (z.B. Nachhaltigkeit, Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr) gegeben sind.
Selbst die Nutzbarmachung einschlägiger beruflicher Kenntnisse (z.B. eines Bankangestellten) macht Wertpapiergeschäfte auf eigene Rechnung noch nicht zu gewerblichen (BFH-Urteile vom 24. Oktober 1969 IV R 139/68, BFHE 98, 494, BStBl II 1970, 411; in BFHE 164, 53, BStBl II 1991, 631; in BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399).
Nach dem wichtigsten Kriterium für die Abgrenzung einer gewerblichen Tätigkeit von einer Vermögensverwaltung - Umschichtung von Vermögenswerten und Verwertung der Vermögenssubstanz gegenüber Fruchtziehung aus dem Vermögen (BFH-Urteil vom 19.02.1997 - XI R 1/96 -, BStBl II 1997, 399 ) - habe er in den beiden Streitjahren einen gewerblichen Wertpapierhandel betrieben.
Die im BFH-Urteil in BStBl II 1997, 399 genannten weiteren Kriterien überzeugten nicht.
Der BFH in BStBl II 1997, 399, 402 führe aus, dass die Fremdfinanzierung von Wertpapiergeschäften nur dann ein geeignetes Abgrenzungskriterium sei, wenn der Steuerpflichtige die Geschäfte auch mit Eigenkapital - wie im BFH-Urteil in BStBl II 1991, 66 - hätte durchführen können.
Das BFH-Urteil in BStBl II 1991, 66 habe daher zu Recht im Gegensatz zu dem BFH-Urt., in BStBl II 1997, 399 - den Umstand der Fremdfinanzierung als ein wichtiges Indiz für die Gewerblichkeit des Wertpapierhandels eines Steuerpflichtigen angesehen.
Wertpapiergeschäfte auf eigene Rechnung gehörten nach der Rechtsprechung des BFH in BStBl II 1997, 399 selbst in größerem Umfang im allgemeinen noch zur privaten Vermögensverwaltung.
Außerdem ist erforderlich, dass die Tätigkeit den Rahmen privater Vermögensverwaltung überschreitet (BFH in BStBl II 1997, 399).
Zusätzlich kann von Bedeutung sein, ob ein Steuerpflichtiger sich "wie ein Händler" verhält (BFH in BStBl II 1997, 399 m.w.N.).
Daher wird eine Zuordnung von Wertpapiergeschäften zum gewerblichen Bereich regelmäßig nur dann in Frage kommen, wenn die Tätigkeit auch dem Bild entspricht, das nach der Verkehrsauffassung einen Gewerbebetrieb ausmacht (z.B. das Unterhalten eines Büros oder einer Organisation zur Durchführung von Geschäften, Ausnutzung eines Marktes unter Einsatz beruflicher Erfahrungen.) oder andere bei einer privaten Vermögensverwaltung ungewöhnliche Verhaltensweisen vorliegen (BFH in BStBl II 1997, 399 m.w.N.).
Zum gewillkürten Betriebsvermögen können nur Wirtschaftsgüter gehören, die objektiv dazu geeignet und erkennbar dazu bestimmt sind, den Betrieb zu fördern (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 19. Februar 1997 XI R 1/96, BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399).
Umgekehrt deutet ein Tätigwerden ausschließlich für eigene Rechnung darauf hin, dass der Rahmen der privaten Vermögensverwaltung nicht überschritten wird (BFH-Urteil vom 19. Februar 1997 XI R 1/96, BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399, unter II. 1. b).
Keine Bedeutung hat der Umstand, dass der Kläger sein früher allein bei der X Bank bestehendes Depot auf mehrere Banken verteilt hat (vgl. BFH-Urteil in BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399).
b) Wirtschaftsgüter gehören zum gewillkürten Betriebsvermögen, wenn sie objektiv dazu geeignet und erkennbar dazu bestimmt sind, den Betrieb zu fördern (BFH-Urteile in BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399, unter II.2.b, und vom 2. Oktober 2003 IV R 13/03, BFHE 203, 373, BStBl II 2004, 985, unter 1.a).
Dieser Aspekt kommt vor allem für die Zuordnung von Bankguthaben, Wertpapieren und Grundstücken zum gewillkürten Betriebsvermögen zum Tragen (vgl. BFH-Urteile in BFHE 168, 572, BStBl II 1993, 21; in BFHE 182, 204, BStBl II 1997, 351, unter II.2.a, und in BFHE 182, 567, BStBl II 1997, 399, unter II.2.c).
FG Niedersachsen, 28.11.2001 - 13 K 257/94
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