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Timestamp: 2016-10-26 00:42:33
Document Index: 71639659

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 19', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_779/2013 � � Urteil vom 30. Dezember 2013
Der 1977 geborene E.________ war ab Februar 2009 als Projektleiter bei der H._________ AG t�tig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen Unfallfolgen versichert. Als er am 27. September 2010 auf einer Baustelle ein Fenster kontrollierte, prallte ein Fensterfl�gel gegen seinen Kopf. Der gleichentags aufgesuchte Hausarzt stellte die Diagnosen "vegetative Dystonie und Commotio" und attestierte eine volle Arbeitsunf�higkeit. Nach einigen Tagen nahm der Versicherte die Arbeit wieder auf. Er wurde aber in der Folge phasenweise und in unterschiedlichem Ausmass erneut arbeitsunf�hig geschrieben. Die SUVA gew�hrte Heilbehandlung und richtete Taggeld aus. Es fanden verschiedene medizinische Abkl�rungen statt. Vom 6. Juli bis 21. September 2011 hielt sich E.________ sodann zur station�ren Rehabilitation in der Klinik X.________ auf. In deren Austrittsbericht vom 26. September 2011 wurde auf nurmehr psychisch bedingte Beschwerden geschlossen. Mit Verf�gung vom 23. November 2011 stellte die SUVA die Heilbehandlung und das Taggeld per 1. Dezember 2011 ein und verneinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente sowie auf eine Integrit�tsentsch�digung. Sie begr�ndete dies damit, die noch geklagten Beschwerden st�nden nicht in einem ad�quaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom 27. September 2010. Die vom Krankenpflegeversicherer des E.________ hiegegen vorsorglich eingereichte Einsprache wurde wieder zur�ckgezogen. Die Einsprache des Versicherten wies die SUVA mit Entscheid vom 27. Januar 2012 ab.
Beschwerdeweise beantragte E.________, die SUVA sei zu verpflichten, ab 1. Dezember 2011 weiter Heilbehandlung zu gew�hren und Taggeld auszurichten; eventuell sei ein polydisziplin�res Gerichtsgutachten einzuholen. Das Sozialversicherungsgericht wies die Beschwerde mit Entscheid vom 16. September 2013 ab.
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten l�sst E.________ sein vorinstanzliches Leistungsbegehren erneuern; eventuell sei die Sache zur Einholung eines polydisziplin�ren Gutachtens an die Vorinstanz resp. an die SUVA zur�ckzuweisen oder sei vom Bundesgericht ein solches Gutachten einzuholen.
Streitig und zu pr�fen ist, ob der Beschwerdef�hrer aus dem Unfall vom 27. September 2010 ab 1. Dezember 2011 weiterhin Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung hat. Er beantragt konkret Heilbehandlung und Taggeld.
Die Rechtsgrundlagen f�r die Beurteilung der Streitsache sind im angefochtenen Entscheid, auf den verwiesen wird, zutreffend dargelegt. Das betrifft nebst den massgeblichen Beweisgrunds�tzen namentlich die zu beachtenden kausalen Zusammenh�nge. Danach setzt die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gem�ss UVG voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod) ein nat�rlicher und ein ad�quater Kausalzusammenhang besteht. Dabei spielt die Ad�quanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem nat�rlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die ad�quate weitgehend mit der nat�rlichen Kausalit�t deckt. Sind die geklagten Beschwerden nat�rlich unfallkausal, aber nicht organisch objektiv ausgewiesen, so ist die Ad�quanz hingegen besonders zu pr�fen. Hief�r ist vom augenf�lligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind gegebenenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen. Hat die versicherte Person beim Unfall eine Verletzung erlitten, welche die Anwendung der sog. Schleudertrauma-Rechtsprechung rechtfertigt, so sind hiebei die mit BGE 117 V 359 eingef�hrten und durch BGE 134 V 109 pr�zisierten Kriterien massgebend. Ist diese Rechtsprechung nicht anwendbar, so sind grunds�tzlich die Ad�quanzkriterien, welche f�r psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wurden (sog. Psycho-Praxis; BGE 115 V 133), anzuwenden (vgl. BGE 138 V 248 E. 4 S. 250 f. mit Hinweisen).
Im vorinstanzlichen Verfahren war noch der Zeitpunkt von Fallabschluss und Ad�quanzpr�fung streitig.
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vor�bergehenden Leistungen und Pr�fung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integrit�tsentsch�digung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der �rztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allf�llige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG; BGE 134 V 109E. 3 und 4 S. 112 ff.). Dabei bestimmt sich der Gesichtspunkt der namhaften Besserung des Gesundheitszustandes namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsf�higkeit (BGE 134 V 109 E. 4.3 S. 115). Im Zeitpunkt des Fallabschlusses ist der Unfallversicherer zweifellos auch befugt, die Ad�quanzfrage zu pr�fen (BGE 134 V 109; Urteil 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2).
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung stehen nicht zur Diskussion. Sodann kann nach Lage der medizinischen Akten mit dem kantonalen Gericht verl�sslich ausgeschlossen werden, dass eine Fortsetzung der �rztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung erwarten liess. Das wird in der Beschwerde auch nicht substanziiert in Frage gestellt.
Der angefochtene Entscheid befasst sich im Weiteren mit der Frage, ob die noch geklagten Beschwerden mit einer organisch objektiv ausgewiesenen Folge des Unfalls vom 27. September 2010 zu erkl�ren sind.
4.1.�Die Vorinstanz hat dies als erstes hinsichtlich der angegebenen Beschwerden im Bereich der Halswirbels�ule (HWS) und des geklagten Tinnitus verneint.
Bez�glich der erstgenannten Beschwerden wird dies, nach Lage der medizinischen Akten zu Recht, nicht in Frage gestellt. Der Versicherte macht aber geltend, der Tinnitus sei organisch objektiv ausgewiesen.
Die Rechtsprechung umschreibt den Begriff der organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge - als Differenzierungsmerkmal f�r das Erfordernis einer Ad�quanzpr�fung - wie folgt: Objektivierbar sind Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabh�ngig sind. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann somit erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abkl�rungen best�tigt wurden und die hiebei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (BGE 138 V 248 E. 5.1 S. 251). Dies gilt auch bei einem Tinnitus (BGE 138 V 248).
Der Versicherte beruft sich zur St�tzung seines Standpunktes namentlich auf den Untersuchungsbericht des Otorhinolaryngologen Dr. med. M.________ vom 16. Januar 2013. Dieser schliesst zwar auf einen cochleo-synaptischen Tinnitus mittleren Schweregrades. Aus dem Untersuchungsbericht geht aber hervor, dass Dr. med. M.________ diese Diagnose gest�tzt auf die mittels Reintonaudiogramm, Fragebogen und der VAS-Skala der subjektiven Lautheit erhobenen Tinnitus-Charakteristika sowie das erhobene audiometrische Muster gestellt hat. Ein bildgebend/apparativer Nachweis, welcher ein Absehen von der besonderen Ad�quanzpr�fung gestatten w�rde, ist damit nicht erbracht (vgl. zum Ganzen BGE 138 V 248 E. 5.9 S. 256 ff.).
Aus der Beschwerde wird nicht klar, ob sich der Versicherte auch auf den otoneurologischen Untersuchungsbericht des Dr. med. P.________ von der Abteilung Arbeitsmedizin der SUVA vom 27. Juli 2011 berufen will. Dr. med. P.________ hielt indessen lediglich fest, der Versicherte habe einen inzwischen fast verschwundenen Tinnitus erw�hnt. Der Arzt sah sich nicht veranlasst, diesbez�glich Befunde zu erheben oder eine Diagnose zu stellen. Erst recht �usserte er sich nicht zu Organizit�t und Kausalit�t eines solchen Leidens. Sein Bericht l�sst mithin keine Schl�sse auf eine organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolge als Erkl�rung f�r den Tinnitus zu. Anhaltspunkte f�r eine solche Unfallfolge ergeben sich im �brigen auch nicht aus den restlichen medizinischen Akten.
4.2.�Zur Diskussion steht weiter die von Dr. med. P.________ im Bericht vom 27. Juli 2011 diagnostizierte und als unfallkausal beurteilte commotio labyrinthi. Die Vorinstanz hat erwogen, diese f�hre nicht zu relevanten Beschwerden und stelle keine invalidisierende Unfallfolge dar. In der Tat best�tigt und begr�ndet Dr. med. P.________ in seinem Bericht �berzeugend, dass diesem Befund im privaten und beruflichen Alltag praktisch keine Bedeutung zukommt, weil die Gleichgewichtsfunktion als Ganzes ausgezeichnet ist. Die aus der commotio labyrinthi resultierenden St�rungen des Gleichgewichtsfunktionssystems sind nicht erheblich und bewirken weder einen Integrit�tsschaden noch eine Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit. Auch eine besondere Behandlung erachtet der Arzt als nicht notwendig. Festzuhalten bleibt, dass Dr. med. P.________ zwar versicherungsinterner Arzt ist. Aus den �brigen medizinischen Akten ergeben sich aber keine Anhaltspunkte, welche - im Sinne von BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f. - auch nur geringe Zweifel an seiner fach�rztlichen Beurteilung zu begr�nden verm�chten. Das gilt entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung auch f�r den Bericht des Dr. med. M.________ vom 16. Januar 2013, zumal sich dieser weder zur Arbeitsf�higkeit noch zu einer allf�lligen Integrit�tseinbusse �ussert.
Nach dem Gesagten bewirkt die commotio labyrinthi keine f�r einen weiteren Leistungsanspruch aus der Unfallversicherung relevanten Beschwerden. Daher kann die Frage, ob sie organisch objektiv nachgewiesen ist, offen bleiben.
4.3.�Der Versicherte macht weiter geltend, an neuropsychologischen Einschr�nkungen zu leiden. Zudem sei ein psychoorganisches Syndrom diagnostiziert worden. Auch hief�r ist aber nach Lage der Akten kein organisch objektivierbarer Gesundheitsschaden ausgewiesen. Dass Dr. med. M.________ im Bericht vom 16. Januar 2013 Mikrol�sionen erw�hnt, rechtfertigt keine andere Betrachtungsweise, zumal sich der Facharzt hiebei offensichtlich nicht auf bildgebend/apparativ erhobene Befunde st�tzen kann.
4.4.�Mit dem kantonalen Gericht ist sodann in antizipierter Beweisw�rdigung von weiteren medizinischen Abkl�rungen abzusehen, da diese keinen entscheidrelevanten neuen Aufschluss erwarten lassen. Anzuf�gen bleibt, dass die Vorinstanz entgegen der Auffassung des Versicherten die medizinischen Akten, einschliesslich des Berichtes des Dr. med. M.________ vom 16. Januar 2013, in nicht zu beanstandender Weise in ihre Beweisw�rdigung einbezogen und dies in ihrem Entscheid auch dargelegt hat.
Demnach lassen sich die allenfalls f�r weitere Leistungen aus dem Unfall vom 27. September 2010 relevanten Beschwerden nicht mit einer organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge erkl�ren. Der ad�quate Kausalzusammenhang zum Unfall vom 27. September 2010 l�sst sich daher nicht ohne besondere Pr�fung bejahen. Dabei muss die Frage nach der nat�rlichen Unfallkausalit�t nicht beantwortet werden, wenn diese Pr�fung ergibt, dass es an der Ad�quanz fehlt (BGE 135 V 465 E. 5.1 S. 472). Das kantonale Gericht hat dies zutreffend erkannt. Richtig ist auch, dass die Frage, ob bei der Ad�quanzpr�fung allenfalls nach der Psycho-Praxis vorzugehen w�re, offen gelassen werden kann, wenn selbst die Anwendung der f�r die versicherte Person in der Regel und sicher auch hier g�nstigeren Schleudertrauma-Praxis zur Verneinung des ad�quaten Kausalzusammenhangs f�hrt (SVR 2010 UV Nr. 3 S. 11, 8C_283/2009 E. 9 Ingress).
Die Vorinstanz hat eine solche Ad�quanzpr�fung vorgenommen. Sie ist zum Ergebnis gelangt, dass ein mittlerer Unfall im engeren Sinn vorliege und von den praxisgem�ss zus�tzlich zu ber�cksichtigenden Kriterien nur eines, und zwar in nicht besonders ausgepr�gter Weise, erf�llt sei, was zur Verneinung des ad�quaten Kausalzusammenhangs f�hre. Diese Beurteilung beruht auf einer sorgf�ltigen W�rdigung von Sach- und Rechtslage. Sie entspricht in allen Teilen Gesetz und Praxis (vgl. BGE 134 V 109; SVR 2010 UV Nr. 25 S. 100, 8C_897/2009 E. 4.5). Das stellt der Beschwerdef�hrer denn auch nicht in Frage. Fehlt es demnach am ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 27. September 2010 und den noch geklagten relevanten Beschwerden, wurde ein weiterer Leistungsanspruch zu Recht verneint. Die Beschwerde ist abzuweisen.