Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/78678,50.html
Timestamp: 2019-08-18 05:31:30
Document Index: 96758499

Matched Legal Cases: ['§ 250', '§ 251', '§ 250', '§ 250', '§ 251', '§ 250', '§ 251', '§227', '§222', '§221', '§239', '§251']

Verfasst am: 06 Aug 2006 - 12:37:13 Titel:
eure Überlegungen hinsichtlich der veruchten Erpressung habe ich mitverfolgt. Meine Frage ist, ob ihr bei der Prüfung des fehlgeschlagenen Versuchs alle gegebenen Theorien (Einzelaktstheorie, Planhorizont...) darstellen oder gleich und nur mit der h.L (Rücktrittshorizont ) begründen. Ich glaube, dass alle Theorien im vorliegenden Fall letzendlich zum Ergebnis: Fehlschlag (+) führen.
Verfasst am: 06 Aug 2006 - 13:34:03 Titel:
Naja. Ich bin keineswegs davon überzeugt, dass die versuchte Erpressung fehlgeschlagen ist.
Lediglich mit der "Einzelakttheorie" käme man "problemlos" zu diesem Ergebnis. Wendet man jedoch die kaum noch vertretene "Tatplantheorie" oder die "Gesamtbetrachtungslehre" der h. M. an, dann muss man durch Auslegung der Sachverhaltsangaben das Bewusstsein von A und B ermitteln.
Nach der Gesamtbetrachtungslehre ist ein Versuch fehlgeschlagen, wenn der Täter erkennt oder glaubt, keine Möglichkeit mehr zu haben, den tatbestandlichen Erfolg ohne zeitliche Zäsur mit den ihm seines Erachtens zur Verfügung stehenden Mitteln herbeizuführen.
Und was glauben A und B????
Jetzt geht es ans auslegen und argumentieren!!!!
Glaubt man wirklich, dass ein Auszubildender (für den gewöhnliche 150 Euro eine Menge Geld ist und der gerade 5 Euro gestohlen hat) 150 Euro zu Hause auf dem Tisch liegen hat?
Für mich erscheint das eher als lebensfremd. Meines Erachtens ist der Versuch der Erpressung daher nicht fehlgeschlagen. A und B glaubten nicht, keine Möglichkeit mehr zu haben die Erpressung zu vollenden. Sie nutzten lediglich eine lukrativere Möglichkeit den C zu einem größeren Bruch zu "verwenden".
Ergebnis: Versuchte Erpressung ist nicht fehlgeschlagen, wohl aber sind A und B auch nicht freiwillig zurückgetreten --> Strafbar wegen versuchte Erpressung
Verfasst am: 09 Aug 2006 - 10:25:51 Titel:
Also was die Freiwilligkeit des Rücktritts vom Versuch angeht: A flüchtet vor Schreck, als er sieht, das C am Knebel erstickt ist, und lässt die gesamte Beute liegen. Also autonome Gründe, Freiwilligkeit liegt vor.
Und das Messer: Ursprünglich für die Hitlerjugend im 3. Reich erfunden und gefertigt, wird es heutzutage hauptsächlich von den Pfadfindern genutzt, die es eindeutig als Werkzeug und nicht als Waffe einsetzen.
Also prüfe ich innerhalb des § 250 nur II Nr. 1?
Denn Absatz 1 wird ja von Absatz 2 konsumiert, und auch Absatz 2 Nr. 3 a und b werden konsumiert (von § 251). Und wenn sie konsumiert werden, müsste ich sie ja auch nicht mehr prüfen, sondern nur noch bei den Konkurrenzen erwähnen, oder?
Verfasst am: 09 Aug 2006 - 10:39:56 Titel:
Es ist immer so eine Sache mit dem "nur in den Konkurrenzen" erwähnen. Klar ist auf jeden Fall, dass konsumierte Delikte nur kurz angesprochen werden sollen. Vielleicht handelst du sie im Rahmen der Prüfung wenigstens im Urteilsstil ab.
Wenn ein Fahrtenmesser nur zur Pfadfinderei benutzt wird und es nicht dazu bestimmt ist, jemandem zu Leibe zu rücken, dann liegt klar nur ein gefährliches Werkzeug vor.
Verfasst am: 09 Aug 2006 - 15:38:21 Titel:
War wohl etwas vorschnell mit der Annahme, der Rücktritt sei freiwillig gewesen. Sicher muss es problematisiert werden, zu differenzieren ist dabei: Der Rücktrittsgrund lag im Schock des A über den unerwarteten Erstickungstod des C. A sah, das C erstickt ist, ließ alles liegen und floh. Ist nun das "Entsetzen" als autonomer Grundzu werten, oder war die Zwangslage für A so groß, das er aufgrund seiner seelischen Lähmung nicht mehr in der Lage war, die Tat zu vollenden (dann Unfreiwilligkeit). Im SV gibts keine Anhaltspunkte zu den näheren Umständen. Dennoch komme ich zum Ergebnis freiwilliger Rücktritt. Einfach aus dem Grund, weil A ja die Möglichkeit hatte, die Beute noch mitzunehmen, also aus verbrecherischer Sicht "unvernünftig" handelte, ohne Kalkül oder Berechnung. Er hatte wohl noch die Möglichkeit zu entscheiden, ob er die Tat vollendet oder nicht.
Gibt`s ähnliche/andere Ansichten?
Verfasst am: 09 Aug 2006 - 15:52:52 Titel:
Was den versuchten schweren Raub mit todesfolge angeht so gehe ich anders vor. Ich verneine auf Seiten des A den Vorsatz, C in die Gefahr des Todes nach § 250 II, Nr.3b bringen zu wollen. Komme somit zu einer strafbarkeit wegen versuchten schweren Raubes, der Rücktritt scheitert an der Unfreiwilligkeit. A lässt zwar alles stehen und liegen, jedoch tut er dieses nicht freiwillig sondern weil er vor schreck (Gründe die nicht in seiner spähre liegen) über den Tod des C die Flucht ergreift. Jedoch ist er wegen einer fahrlässigen Tötung strafbar, die wiederum dem B nicht zugerchnet werden kann.
Ich will ehrlich sein. Ich finde die Hausarbeit ziemlich haarig. 11 Seiten und das alles darin unterbringen ist ziemlich heftig.
Verfasst am: 09 Aug 2006 - 16:54:15 Titel:
Ja, natürlich, da hast du vollkommen Recht: § 250 II Nr. 3b scheitert am fehlenden Gefährdungsvorsatz.
An Mireille und oepfae:
Was die Freiwilligkeit des Rücktritts angeht, so liegt hier eher keine Freiwilligkeit vor. Die Auffassung von Mireille, wonach er noch die Möglichkeit hatte, zu entscheiden, ob er die Tat vollendet oder nicht, scheint mir nicht überzeugend. Objektiv gesehen hatte er die Möglichkeit, sicher. Aber subjektiv ? Hier ist der Sachverhalt wohl eher so auszulegen, dass er über den Tod des C so erschrocken ist, dass er überhaupt nicht mehr Herr seiner Sinne war und gar keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte und sich demnach eben gerade nicht autonom entscheiden konnte. Die Argumentationslinie von oepfae ist daher vorzugswürdig.
Im Übrigen gibt es noch ein eher strafrechtsfernes Argument Rücktritt zu verneinen und das liegt in der von oepfae, wie ich meine zurecht als "heftig" empfundenen Tatsache, dass die Seitenzahl der HA auf 11 beschränkt ist. Bejaht man den Rücktritt, so muss man sich ausführlich mit dem Streit auseinandersetzen, ob ein solcher beim hier vorliegenden erfolgsqualifizierten Versuch überhaupt möglich ist. Verneint man ihn aber, kann man ja in etwa so vorgehen: "Möglicherweise ist A jedoch vom versuchten schweren Raub mit TF zurückgetreten, indem er die Beute liegen ließ. Ob ein solcher Rücktritt vom erfolsqualifizierten Versuch möglich ist, ist umstr. Nach der h.M. ist dies möglich, eine Minderansicht lehnt dies ab. Die Entscheidung dieser Frage kann hier dahinstehen, wenn bereits die Rücktrittsvoraussetzungen nicht vorliegen." Verneint man dann den Rücktritt, braucht man die einzelnen Argumente der beiden Auffassungen ebenso wenig aufzuführen wie einen Streitentscheid.
Verfasst am: 09 Aug 2006 - 21:26:36 Titel:
Also was die Freiwilligkeit des Rücktritts betrifft, kann man nicht einfach sagen, A sei nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen=Unfreiwilligkeit. Im SV steht: Entsetzt läßt er alles liegen und flieht. ABzustellen ist nun auf das Maß des Entsetzens. Ist A in einem solchen Schockzustand, das er aufgrund seiner seelischen Zwangslage gar nicht mehr autonom reagieren und entscheiden kann? Oder ist er immerhin noch soweit Herr seiner Sinne, die Lage zu überblicken und sich zwischen der Alternative Tatvollendung und Tatabruch zu entscheiden. Beides lässt sich vertreten.
Doch die Tatsache, das man sich bei Verneinung der Freiwilligkeit einen Streit abschneidet und dadurch Seiten spart, ist natürlich handfest.
Sagt mal, wie baut ihr eigentlich die Prüfung des versuchten schweren Raubes mit Todesfolge bezüglich A auf?
Und wenn § 251 geprüft wird, muss man dann noch § 250 II Nr. 3 b prüfen (obwohl ja § 251 diesen konsumiert)?
Ich weiß, immer dasselbe mit mir...
Nichtsdestotrotz, arbeitet schön weiter, ich verzieh mich erst mal in Urlaub, meld mich dann letzte Augustwoche. Ciao!
Verfasst am: 11 Aug 2006 - 11:02:32 Titel:
Ich habe die Unfreiwilligkeit bejaht (Stratenwerth/Kuhlen AT) gibt gute Anhaltspunkte dafür. Also A ist strafbar wegen versuchten schweren Raubes mit Todesfolge. Ich bin jetzt nicht sicher, ob ich weiter die §227, §222, §221, §239 prüfen muss, sind diese alle nicht vom §251 mitumfasst und treten deswegen zurück?
Verfasst am: 14 Aug 2006 - 09:38:14 Titel:
Genau ! Eine räuberische Erpressung ist hier gar nicht gegeben !