Source: https://www.vorfaelligkeitsentschaedigungsrechner.org/
Timestamp: 2018-02-26 03:06:31
Document Index: 212832327

Matched Legal Cases: ['§ 490', '§ 488', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 812', '§ 489']

Vorfälligkeitsentschädigungsrechner - Entgelt sicher berechnen!
Vorfälligkeits­entschädigungs­rechner – wie viel Sie für die Kreditablösung zahlen
Bei vorzeitiger Darlehensablösung ist eine Vorfälligkeitsentschädigung zu zahlen.
Kann ein Immobiliendarlehen entweder nicht mehr bedient werden oder ändert sich die finanzielle Situation zum positiven, überlegen sich viele Verbraucher ihre finanziellen Verbindlichkeiten vor Ende der Laufzeit bzw. Sollzinsbindung zu lösen.
Dabei fällt die Zahlung einer Ausgleichsleistung, der sogenannten Vorfälligkeitsentschädigung an. Nicht selten erwarten Darlehensnehmer hier vier-, in anderen Fällen sogar fünfstellige Gebühren, die an den Darlehensgeber – in der Regel die Bank – zu zahlen sind. Begründet liegt dies darin, dass ihr durch die vorzeitige Ablösung oder Tilgung Zinszahlungen entgehen und dadurch ein wirtschaftlicher Schaden entsteht.
Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) hält in § 490 Absatz 2 fest:
„Der Darlehensnehmer kann einen Darlehensvertrag, bei dem der Sollzinssatz gebunden und das Darlehen durch ein Grund- oder Schiffpfandrecht gesichert ist, unter Einhaltung der Fristen des § 488 Abs. 3 Satz 2 vorzeitig kündigen, wenn seine berechtigten Interessen dies gebieten und seit dem vollständigen Empfang des Darlehens sechs Monate abgelaufen sind. Ein solches Interesse liegt insbesondere vor, wenn der Darlehensnehmer ein Bedürfnis nach einer anderweitigen Verwertung der zur Sicherung des Darlehens beliehenen Sache hat. Der Darlehensnehmer hat dem Darlehensgeber denjenigen Schaden zu ersetzen, der diesem aus der vorzeitigen Kündigung entsteht (Vorfälligkeitsentschädigung).“
Gibt ein Darlehensnehmer sein Darlehen noch vor der Inanspruchnahme zurück, weil er es doch nicht benötigt, verlangt die Bank eine Nichtabnahmeentschädigung. Mit diesem Betrag wird die Bank für Besorgung und Zurverfügungstellung der Geldmittel entschädigt. Die Berechnung der Nichtabnahmeentschädigung erfolgt auf gleichem Wege wie die der Vorfälligkeitsentschädigung.
Wie hoch die Entschädigungen sein dürfen, ist gesetzlich festgelegt. Laut Gesetzgeber dürfen Banken oder Darlehensgeber vom Darlehensnehmer keine Entschädigungen fordern, die über der tatsächlichen Schadenshöhe liegen.
Wann es sinnvoll ist, ein Darlehen vorzeitig abzulösen, um anschließend gegebenenfalls umzuschulden, ist u. a. abhängig von der gegenwärtigen Zinssituation und den eigenen finanziellen Mitteln. Worauf Sie bei der verfrühten Darlehensrückführung oder -kündigung achten müssen, erklären wir Ihnen im Folgenden.
Berechnung der Vorfälligkeits­entschädigung
Vorfälligkeitsentschädigungsrechner sind häufig kostenlos im Internet zu finden.
In der Regel berechnet die darlehensgebende Bank die geforderte Vorfälligkeits­entschädigung.
Um überprüfen zu können, ob die Berechnung korrekt erfolgte, ist es erforderlich, die Rechnung nachzuvollziehen. Hierbei können Online-Rechner helfen.
So können gegebenenfalls erheblich zu viel verlangte Entgelte für die vorzeitige Beendigung einer Baufinanzierung vermieden werden. Das Nachrechnen kann sich daher lohnen.
Wodurch Banken im Speziellen finanzielle Nachteile erleiden, hat der Bundesgerichtshof (BGH) in verschiedenen Urteilen ausgeführt. Je nachdem wie das zurückgeflossene Geld wiederverwendet wird, errechnet sich der Schaden einer Bank aus den aktuellen Renditen für Pfandbriefe sowie dem Kreditzins (Nominalzins). Der Unterschied zwischen beiden beziffert ihren Nachteil. Maßgeblich ist, welcher Stichtag der Berechnung zugrunde gelegt wird. Renditen variieren von Tag zu Tag, weshalb sie sich in erheblichem Umfang auf die zu zahlende Vorfälligkeitsentschädigung auswirken können.
Vorfälligkeits­entschädigungsrechner online
Wie Sie selbst die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung berechnen können? Hilfreich können die vielen, kostenlos im Internet angebotenen Vorfälligkeitsentschädigungs­rechner sein.
Darüber hinaus stehen Kreditnehmern auch die Verbraucherzentralen der Bundesländer zur Verfügung, die neben zahlreichen Informationen rund um das Thema auch ebenjenen Service für eine Beratungsgebühr von bis zu 70 Euro anbieten. Bei Bedarf kann auch ein Fachanwalt für Bank- und Kapitalrecht herangezogen werden, um die Richtigkeit der Vorfälligkeitsentschädigungs-Rechnung nachzuvollziehen.
Auf diesen Wegen können Sie ermitteln, wann sich die vorzeitige Ablösung eines Kredits lohnt oder ob es sich empfiehlt, zumindest ein Teil der bereits gezahlten Vorfälligkeitsentschädigung zurückzuverlangen.
Unterschied zwischen Vorfälligkeitsentgelt und Vorfälligkeits­entschädigung
Darlehensnehmer, die sich zur vorzeitigen Vertragslösung einer Baufinanzierung entschließen, sind dazu verpflichtet, der kreditgebenden Bank zum Ausgleich ihres wirtschaftlichen Schadens eine Vorfälligkeitsentschädigung zu zahlen. Diese sollte nicht mit dem Vorfälligkeitsentgelt verwechselt werden.
Eine Bank muss nicht in jedem Fall dem Ablösewunsch eines Darlehens stattgeben. Sie kann ihre Zustimmung auch an eine Bedingung knüpfen: die Zahlung eines Vorfälligkeitsentgelts.
Die Höhe des Vorfälligkeitsentgelts ist nicht festgelegt, darf jedoch auch nicht unbegrenzt hoch angesetzt werden. Es gilt nach BGH-Urteil XI ZR 226/02: Der Kreditgeber darf vom Kreditnehmer kein Vorfälligkeitsentgelt verlangen, das mehr als doppelt so hoch wie die Vorfälligkeitsentschädigung ist.
Ob für Sie ein Vorfälligkeitsentgelt in Frage kommt, ist abhängig von den Erfolgschancen eines Widerrufs bzw. einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Je geringer Ihre Aussichten, desto ratsamer ist es, ein Vorfälligkeitsentgelt zu zahlen. Bei Unsicherheit halten Sie hier unbedingt Rücksprache mit einem qualifizierten Experten. Er berät Sie über Ihre Erfolgsaussichten.
Welche Kennzahlen braucht es, um die Vorfälligkeit zu berechnen?
Wie wird die Vorfälligkeitsentschädigung berechnet? Entscheidend sind einige Darlehens-Parameter, die Sie Ihren Unterlagen (Darlehensvertrag oder Tilgungsplan) entnehmen. Dazu zählen:
Vertragsbeginn (Zeitpunkt des vollständigen Erhalts des Darlehens)
gebundener Sollzins (ausgehandelter Prozentsatz, zu dem das geliehene Geld verzinst werden muss)
Ende der Sollzinsbindung (Zeitpunkt, bis zu welchem der Nominalzins vereinbart ist; muss nicht zwingend mit Darlehenslaufzeit übereinstimmen)
Restschuld (zum Zeitpunkt der Kreditrückgabe, geht aus aktuellem Tilgungsverlaufsplan hervor)
Ratenturnus
maximale Sondertilgung pro Jahr
Auf all diese Faktoren stützen sich in der Regel Online-Rechner, um die Vorfälligkeitsentschädigung zu kalkulieren.
Vorfälligkeits­entschädigung berechnen – die zwei Möglichkeiten
Zur Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung sind laut BGH zwei Optionen zugelassen: die Aktiv-Passiv-Methode und die Aktiv-Aktiv-Methode. Beide dürfen Banken benutzen, um ihren Schaden zu beziffern und die Ablösesumme zu berechnen.
Was die jeweiligen Berechnungswege ausmacht und worin sie sich unterscheiden, zeigen wir im Folgenden auf.
Die Aktiv-Passiv-Methode (Anlage in Hypothekenpfandbriefe)
Die Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung kann auf zwei unterschiedlichen Wegen erfolgen.
Diese Berechnungsart kommt in der Praxis am häufigsten vor, weshalb sich auch die Vorfälligkeitsentschädigungs­rechner in der Regel auf diesen Berechnungsweg stützen.
Bei der Aktiv-Passiv-Methode handelt es sich um ein Gedankenmodell, das davon ausgeht, dass die Bank das zurückgeflossene Geld bis zum ursprünglichen Ende des Darlehensvertrages nicht wieder als Kredit vergibt, sondern am Kapitalmarkt anlegt – durch den Erwerb von Wertpapieren wie z. B. Pfandbriefen.
Hierfür würde sie Zinsen erhalten, die den Schaden durch die vorzeitige Rückgabe oder Kündigung mindern.
Der Unterschied zwischen den entgangenen Zinsen sowie der hypothetischen Rendite aus der Wiederanlage entspricht der vom Kreditnehmer zu zahlenden Vorfälligkeitsentschädigung.
Wie hoch das vom Kreditnehmer zu zahlende Entgelt ist, hängt damit maßgeblich von der Höhe der angenommenen Wertpapier-Zinssätze ab. Je niedriger diese sind, desto erheblicher der Schaden für die Bank und ergo die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung.
Dabei ist es Banken nicht erlaubt, zu geringe Zinsen anzunehmen, um ihre Entschädigung zu steigern, wie es der Bundesgerichtshof in seinem Urteil XI ZR 27/00 festgehalten hat.
Die Aktiv-Aktiv-Methode (Neuausleihung)
Der Aktiv-Aktiv-Ansatz legt eine Wiedervergabe des Rückzahlungsbetrags als Darlehen an einen neuen Kreditnehmer zugrunde.
Die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung ergibt sich aus dem Zinsmargenschaden und unter Umständen dem Zinsverschlechterungs­schaden.
Die Bereitstellung eines neues Kredites kann sich nachteilig für die Bank auswirken, wenn der neue Kreditnehmer einen geringeren Zinssatz zahlt als der alte Kreditnehmer (Zinsverschlechterungsschaden, auch Zinsausfallschaden genannt). Auch hier ergibt sich das zu zahlende Vorfälligkeitsentgelt u. a. aus der Differenz beider Werte.
Darüber hinaus ist auch der Zinsmargenschaden für die Berechnung der Vorfälligkeitszinsen relevant, da der Bank der erwartete Nettogewinn verwehrt bleibt. Er errechnet sich aus dem Unterschied zwischen den festgelegten Darlehenszinsen sowie den Refinanzierungskosten des Kreditinstituts, wobei ebenfalls die sogenannte Risikoprämie wie auch Verwaltungskosten abzuziehen sind.
Die zu zahlende Vorfälligkeitsentschädigung steigt, je früher das Darlehen vor Ende der Zinsbindung gekündigt wird.
Kreditinstitute wenden zur Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung Aktiv-Aktiv-Berechnung eher selten an, da neue Kreditnehmer in der Regel höhere Darlehenszinssätze zahlen und die Vorfälligkeitsentschädigung damit niedriger ausfallen würde. Die Aktiv-Aktiv-Methode ist daher nicht sehr weit verbreitet.
Woran ein guter Vorfälligkeits­entschädigungsrechner
erkennbar ist
Vorfälligkeitsentschädigung berechnen: Lohnt sich nicht nur bei der Baufinanzierung.
Wer eine Baufinanzierung abschließt, um sich seinen Traum vom Haus oder der eigenen Wohnung zu erfüllen, leiht sich von einem Darlehensgeber über einen längeren Zeitraum hinweg Fremdkapital, da das angehäufte Eigenkapital nicht ausreicht, um das Vorhaben auf einen Schlag zu bezahlen. Monatlich muss dieser Kredit inklusive Zinsen bedient werden.
Wer wider Erwarten vor Ablauf der Zinsbindungsfrist sein Darlehen ablösen oder tilgen möchte, sollte sich – um vermeidbare Kosten zu umgehen – mit einem Vorfälligkeitskeits­entschädigungsrechner, der kostenlos im Internet zur Verfügung steht, informieren.
Vorfälligkeitsentgelt-Rechner gibt es im Internet sehr viele. Sie variieren in Aufbau und Funktionsweise und sollten deshalb einem kritischen Vergleich unterzogen werden. In der Regel können Sie völlig anonym und unverbindlich die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung berechnen. Doch woran erkennen Sie einen guten Vorfälligkeitsrechner?
Ganz entscheidend ist, dass der gewählte Rechner einfach zu bedienen ist. Darüber hinaus sollte er möglichst detailliert die Konditionen Ihres Immobiliendarlehens abfragen, um die Ablösesumme so genau wie möglich beziffern zu können.
Sind die Ergebnisse der Vorfälligkeits­entschädigungsrechner verbindlich?
Wer sich eines Vorfälligkeitszinsen-Rechners bedient, um herauszufinden, wie hoch das zu zahlende Entgelt für die vorzeitige Rückführung oder Kündigung einer Immobilienfinanzierung ist, fragt sich: Ist das angezeigte Ergebnis korrekt und verbindlich?
Darauf gibt es nur eine Antwort: Keiner der Online-Rechner für die Vorfälligkeitsentschädigung gibt das Ergebnis auf Euro und Cent exakt an. Kreditnehmer sollten das Ergebnis daher immer als Orientierungshilfe verstehen, das lediglich einen Anhaltspunkt für die korrekte Höhe liefert.
Einige Anwälte bemängeln z. B., dass individuelle, auf den Kreditnehmer zugeschnittene Konditionen und Arrangements, sich nicht über einen Vorfälligkeitsentschädigungsrechner online abbilden lassen, was das Ergebnis in erheblichem Umfang verzerren kann. Auf die Überprüfung durch einen Anwalt oder auch Experten der Verbraucherzentrale kann daher nicht verzichtet werden.
Sondertilgungsrechte bei der Ermittlung der Vorfälligkeits­entschädigung
Bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung ist die Sondertilgung zu berücksichtigen, wenn sie vertraglich ausdrücklich vereinbart wurde. Als Sondertilgung sind Zahlungen definiert, die der Kreditnehmer über die reguläre Darlehensrate hinaus entrichten und meist höher sind. Für sie fallen in der Regel höhere Zinsen an.
Dem Darlehensnehmer bieten Sondertilgungen die Möglichkeit, sich schneller zu entschulden und die Vertragslaufzeit zu verringern. Für gewöhnlich ist dies vertraglich einmal pro Jahr möglich.
Enthält Ihr Tilgungsplan also die Möglichkeit der Sondertilgung, muss die Bank bei der Berechnung ihres Schadens, der Vorfälligkeitsentschädigung, diese schadensmindernd einbeziehen. Ist dies nicht der Fall, entsteht nach § 812 Abs. 1 BGB ein Rückerstattungsanspruch. Der vom Darlehensnehmer zu viel gezahlte Betrag, ist vom Darlehensgeber herauszugeben.
Bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung ist ein besonderes Augenmerk auf die Sondertilgungsrechte zu richten.
Wird die Vorfälligkeitsentschädigung berechnet, muss eine Sondertilgungsmöglichkeit auch dann berücksichtigt werden, wenn sie bisher noch keine Anwendung gefunden hat.
So haben es die Landgerichte in Darmstadt (Az: 25 S 43/06) und Heidelberg (Az: 1 O 219/05) bereits in den Jahren 2005 und 2006 entschieden.
Theoretisch sind demnach auch nachträgliche Sondertilgungen möglich, die bei der Ermittlung der Vorfälligkeitsentschädigung einbezogen werden müssen.
Vor diesem Hintergrund ist daher, die von der Bank berechnete Vorfälligkeitsentschädigung auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Lassen Sie sich bei Bedarf von einem erfahrenen Fachanwalt für Banken- und Kapitalmarktrecht beraten. Er oder auch die Mitarbeiter der Verbraucherzentralen stehen Ihnen beratend zur Seite und überprüfen die Vorfälligkeitsentschädigungs­berechnung auf Herz und Nieren.
Wann fällt keine Vorfälligkeitsentschädigung an?
Nicht in jedem Fall muss bei der vorzeitigen Kündigung einer Immobilienfinanzierung ein Vorfälligkeitsentgelt gezahlt werden. Es existieren zwei Szenarien, in denen Kreditnehmer um die Zahlung dieser herumkommen.
Die Vorfälligkeitsentschädigungs­berechnung entfällt laut § 489 Absatz 1 Nr. 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) zum einen bei Immobilienverträgen, die bereits mindestens zehn Jahre laufen. Entscheidend ist der Tag, an dem das Darlehen vollständig an den Kreditnehmer ausgezahlt wurde. Er gilt als Beginn der 10-jährigen Frist. Um die Zahlung der Vorfälligkeitsentschädigung zu umgehen, muss jedoch in den ersten sechs Monaten nach Ende der 10-jährigen Frist gekündigt werden.
An der Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung kommen Sie ebenfalls vorbei, wenn ihr Darlehensvertrag eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung aufweist. Ist dies der Fall, können Sie Ihren Kredit widerrufen und ohne Vorfälligkeitsentgelt zurückzahlen. In diesem Fall sollten Kreditnehmer sich dringend Hilfe bei einem qualifizierten Anwalt für Bank- und Kapitalrecht suchen, da sich Banken hier gerne querstellen.
Warum bei fehlerhafter Widerrufsbelehrung kein Vorfälligkeits­entgelt zu zahlen ist
Kreditnehmer, die ab November 2002 – dem Zeitpunkt der Einführung des Widerrufsrechts für Immobiliendarlehen – eine Baufinanzierung abgeschlossen haben, kommen gegebenenfalls um die Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung herum. Grund sind fehlerhafte Widerrufsbelehrungen in zahlreichen Kreditverträgen.
Nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg sind etwa vier von fünf Baufinanzierungsverträgen, die im Zeitraum zwischen November 2002 und 2010 geschlossen wurden, mit fehlerhaften Widerrufsbelehrungen versehen. Sie ermöglichen Bankkunden auch heute noch – mehr als zehn Jahre später – ihr Darlehen zu widerrufen. In diesem Zusammenhang wird auch von „Widerrufs-Joker“ gesprochen.
Eine Widerrufsbelehrung ist fehlerhaft, wenn sie nicht vollständig bzw. nicht ordnungsgemäß erfolgte.
Eine Belehrung muss folgende Angaben umfassen, um rechtswirksam zu sein:
Art der Erklärung des Widerrufs
Widerrufs-Anschrift
Die Widerrufsfrist startet regulär, hat der Darlehensnehmer die Belehrung erhalten. Ist diese fehlerhaft, wird sie unwirksam, wodurch ein Kredit auch heute noch später widerrufen werden kann.
Gerade angesichts des derzeit niedrigen Zinsniveaus kann es sich daher lohnen, seinen Darlehensvertrag zu prüfen und sich gegebenenfalls von ihm zu lösen. Durch Umschuldung sind so erhebliche Einsparungen möglich. Hinzu kommen die Ersparnisse durch die nicht zu entrichtende Vorfälligkeitsentschädigung.
Wer bereits eine Vorfälligkeitsentschädigung gezahlt hat, ohne die Widerrufsbelehrung geprüft zu haben, sollte dies nachholen und bei Bedarf anwaltliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Eine bereits gezahlte Vorfälligkeitsentschädigung kann so zurückverlangt werden.
Ein „ewiges Widerrufsrecht“ existiert jedoch nicht: Das Umsetzungsgesetz zur europäischen Wohnimmobilienkredit-Richtlinie trat im März 2016 in Kraft.
Fazit: Worauf Sie bei der vorzeitigen Darlehensrückführung oder -kündigung achten sollten
1. Prüfen Sie die vom Kreditgeber geforderte Vorfälligkeitsentschädigung sorgfältig. Ist sie nachvollziehbar?
Wie hoch ist der Wiederanlagezins veranschlagt?
Von welchem Gültigkeitsdatum der Zinsen geht der Kreditgeber aus?
In welchem Umfang sind die geringeren Verwaltungskosten einkalkuliert?
In welchem Umfang sind die geringeren Risikokosten berücksichtigt?
Sind eventuelle, zukünftige Sondertilgungen einberechnet?
Wie hoch sind die geforderten Bearbeitungsgebühren?
2. Holen Sie sich bei Abweichungen oder Unklarheiten Experten-Rat.
Treten bei der Überprüfung der Bankunterlagen Fragen auf, zögern Sie nicht und wenden sich an einen Rechtsanwalt, der sich auf das Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisiert hat. Wahlweise helfen auch die Verbraucherzentralen in Finanzbelangen weiter. Beide benötigen jedoch einige Wochen, um Ihre Unterlagen einer ausführlichen Prüfung zu unterziehen und ein Gutachten zu erstellen.
3. Verlangen Sie bei Ihrer Bank eine Korrektur der berechneten Vorfälligkeitsentschädigung.
Ergibt die Prüfung durch den Experten eine geringere Vorfälligkeitsentschädigung als die von der Bank veranschlagte, empfiehlt es sich, den Kreditgeber zu kontaktieren und eine Senkung einzufordern.
4. Anwaltliche Unterstützung bei Widerstand
Weigert sich die Bank, das Gutachten anzuerkennen, ist die Inanspruchnahme anwaltlicher Hilfe ratsam. Qualifizierte und erfahrene Advokaten unterstützen bei der Durchsetzung von Ansprüchen.