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Timestamp: 2020-07-08 03:22:33
Document Index: 306987242

Matched Legal Cases: ['§ 1040', 'BGH', 'BGH', '§ 1029', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Die Schiedsklausel - nach Kündigung des Vertrages | Mediationslupe
Die Schiedsklausel - nach Kündigung des Vertrages
Die Schieds­klau­sel ist nach § 1040 Abs. 1 Satz 2 ZPO als eine von den übri­gen Ver­trags­be­stim­mun­gen unab­hän­gi­ge Ver­ein­ba­rung zu behan­deln. Allein aus dem Umstand, dass die übri­gen Ver­trags­be­stim­mun­gen wir­kungs­los gewor­den sind, kann nicht dar­auf geschlos­sen wer­den, dass dies auch für die Schieds­klau­sel gilt.
Viel­mehr ist anhand von Wort­laut und Zweck der Schieds­ver­ein­ba­rung sowie der Inter­es­sen­la­ge der Par­tei­en zu ent­schei­den, ob mit der Been­di­gung der übri­gen Ver­trags­be­stim­mun­gen auch die Schieds­klau­sel ent­fal­len soll­te.
Dabei ist im Zwei­fel davon aus­zu­ge­hen, dass eine Schieds­ver­ein­ba­rung, wonach alle Rechts­strei­tig­kei­ten aus oder im Zusam­men­hang mit einem Ver­trag durch ein Schieds­ge­richt ent­schie­den wer­den sol­len, bedeu­tet, das Schieds­ge­richt sol­le auch über die Fra­ge der Gül­tig­keit und des Bestehens des Ver­trags und die bei Unwirk­sam­keit oder Been­di­gung des Ver­trags bestehen­den Ansprü­che ent­schei­den.
In einem sol­chen Fall führt die Unwirk­sam­keit oder Been­di­gung des Haupt­ver­trags nicht zur Unwirk­sam­keit oder Been­di­gung der dar­in ent­hal­te­nen Schieds­ver­ein­ba­rung1. Das gilt erst recht, wenn die Par­tei­en Strei­tig­kei­ten über die Gül­tig­keit des Ver­trags aus­drück­lich in die Schieds­klau­sel ein­be­zo­gen haben2.
Eine Schieds­klau­sel „ für alle Strei­tig­kei­ten aus und im Zusam­men­hang mit die­sem Ver­trag “ erfasst auch Strei­tig­kei­ten anläss­lich der Been­di­gung des Ver­tra­ges.
Eine Abre­de, die Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten oder Strei­tig­kei­ten aus einem Ver­trag all­ge­mein einem Schieds­ge­richt zuweist, ist grund­sätz­lich weit aus­zu­le­gen3. In der ver­trag­li­chen Rege­lung, mit der die Par­tei­en dem Schieds­ge­richts­ver­fah­ren nicht nur Strei­tig­kei­ten „aus dem Sozie­täts­ver­trag“ unter­wor­fen haben, son­dern auch sol­che, die sich „im Zusam­men­hang mit die­sem Ver­trag“ erge­ben, kommt der Wil­le der Par­tei­en zum Aus­druck, eine mög­lichst umfas­sen­de Zustän­dig­keit des Schieds­ge­richts zu begrün­den4.
Einen nach­voll­zieh­ba­ren Grund für ein erkenn­ba­res Inter­es­se der Par­tei­en, die­se wei­te Schieds­klau­sel zu beschrän­ken und Strei­tig­kei­ten im Zusam­men­hang mit der Been­di­gung des Sozie­täts­ver­trags von ihrem Anwen­dungs­be­reich aus­zu­neh­men, sah der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall nicht. Eine sol­che Annah­me liegt auch fern. Die Rechts­fol­gen im Fall der Auf­lö­sung der Sozie­tät oder des Aus­schei­dens eines Gesell­schaf­ters kön­nen Vor­fra­gen auf­wer­fen, die Bestim­mun­gen des Sozie­täts­ver­trags berüh­ren, die der Schieds­klau­sel unter­fal­len; das ver­kennt die Rechts­be­schwer­de, wenn sie meint, Fra­gen der Fort­füh­rung, Abfin­dung und Bewer­tung woll­ten die Par­tei­en einer Ent­schei­dung durch die ordent­li­che Gerichts­bar­keit unter­wer­fen. Es liegt nicht im Inter­es­se der Par­tei­en, dass über die­se Fra­gen ein­mal ein staat­li­ches Gericht und ein­mal ein Schieds­ge­richt ent­schei­det.
Eben­falls ver­warf der Bun­des­ge­richts­hof die Rüge eines Ver­sto­ßes gegen den Grund­satz der Ver­mu­tung der Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit der Ver­trags­ur­kun­de5. Der vor­lie­gen­den Schieds­klau­sel kann nicht ent­nom­men wer­den, dass Strei­tig­kei­ten anläss­lich der Been­di­gung der Sozie­tät von ihr nicht erfasst sein soll­ten; damit konn­te der Text der Schieds­klau­sel inso­weit auch kei­ne Ver­mu­tung der Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit begrün­den6.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Okto­ber 2018 — I ZB 17⁄18
vgl. BGH, Beschluss vom 09.08.2016 — I ZB 1⁄15, SchiedsVZ 2017, 103 Rn. 17 mwN [↩]
vgl. OLG Ham­burg, SchiedsVZ 2013, 180, 182; Lach­mann, Hand­buch für die Schieds­ge­richts­pra­xis, 3. Aufl., Rn. 532 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 04.10.2001 — III ZR 281⁄00, NJW-RR 2002, 387 14] mwN; Beschluss vom 01.08.2002 — III ZB 66⁄01, NJW-RR 2002, 1462, 1463 5]; MünchKomm-.ZPO/Münch, 5. Aufl., § 1029 Rn. 110 mwN [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 25.10.2016 — X ZR 27⁄15, SchiedsVZ 2017, 144 Rn. 17 [↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 11.05.2017 — I ZB 63⁄16, WM 2018, 817 Rn.19 [↩]
vgl. BGH, WM 2018, 817 Rn.20 [↩]