Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bsg/2010-12-15/b-14-as-61_09-r
Timestamp: 2017-10-18 04:45:04
Document Index: 68004036

Matched Legal Cases: ['§ 330', '§ 170', '§ 44', '§ 40', '§ 330', '§ 22', '§ 11', '§ 22', '§ 22', '§ 40', '§ 330', '§ 168', '§ 40', '§ 22']

BSG, 15.12.2010 - B 14 AS 61/09 R - Vom Grundsicherungsträger geltend gemachte Ausnahmen für die Rücknahme eines rechtswidrigen nicht begünstigenden Verwaltungsakts mit Wirkung für die Vergangenheit liegen nicht vor; Rücknahme eines rechtswidrigen nicht begünstigenden Verwaltungsakts mit Wirkung für die Vergangenheit auf Grundlage der vom Grundsicherungsträger geltend gemachten Ausnahmen; Gewährung von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem SGB II; Zulässigkeit des Abzugs einer überhöhten Warmwasserpauschale | anwalt24.de
Urt. v. 15.12.2010, Az.: B 14 AS 61/09 R
Vom Grundsicherungsträger geltend gemachte Ausnahmen für die Rücknahme eines rechtswidrigen nicht begünstigenden Verwaltungsakts mit Wirkung für die Vergangenheit liegen nicht vor; Rücknahme eines rechtswidrigen nicht begünstigenden Verwaltungsakts mit Wirkung für die Vergangenheit auf Grundlage der vom Grundsicherungsträger geltend gemachten Ausnahmen; Gewährung von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem SGB II; Zulässigkeit des Abzugs einer überhöhten Warmwasserpauschale
Referenz: JurionRS 2010, 36402
SG Dortmund - 26.08.2009 - AZ: S 27 (22) AS 493/08
§ 330 Abs. 1 SGB III
BSGE 107, 165 - 169
SGb 2011, 92-93
SGb 2012, 106-108
Az: B 14 AS 61/09 R
S 27 (22) AS 493/08 (SG Dortmund)
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Luisenstraße 11, 44137 Dortmund,
Der 14. Senat des Bundessozialgerichts hat auf die mündliche Verhandlung vom 15. Dezember 2010 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. U d s c h i n g , den Richter Prof. Dr. S p e l l b r i n k und die Richterin K r a u ß sowie die ehrenamtliche Richterin H e s s e und den ehrenamtlichen Richter N a z a r e k
Die statthafte und im Übrigen zulässig eingelegte Sprungrevision des Klägers ist im Sinne der Aufhebung des Urteils und der Zurückverweisung der Sache an das LSG begründet (§ 170 Abs 2 Satz 2, Abs 4 Sozialgerichtsgesetz [SGG]). Entgegen der Auffassung des Beklagten kann dem Anspruch auf Rücknahme nach § 44 Abs 1 Satz 1 SGB X nicht entgegengehalten werden, dieser sei gemäß § 40 Abs 1 Satz 2 Nr 1 SGB II iVm § 330 Abs 1 SGB III ausgeschlossen (dazu unter 2). Für eine abschließende Entscheidung, ob dem Kläger höhere KdU zustehen, fehlen allerdings ausreichende tatsächliche Feststellungen durch das SG (dazu unter 3).
Schon die beim BSG anhängig gewesenen Streitigkeiten wegen des Abzuges von Kosten für die Warmwasserzubereitung zeigen, dass eine einheitliche Praxis der Träger der Grundsicherung nicht bestand. So findet sich etwa ein Abzug von den Heizkosten in Höhe von 1/6 (BSGE 97, 217 [BSG 07.11.2006 - B 7b AS 8/06 R] = SozR 4-4200 § 22 Nr 1, RdNr 3), in Höhe von 18 % (BSGE 99, 47 = SozR 4-4200 § 11 Nr 5, RdNr 43-44; BSG Urteil vom 13.11.2008 - B 14/7b AS 4/07 R - Juris RdNr 3) oder pauschal in Höhe 6,50 Euro (BSG SozR 4-4200 § 22 Nr 6 RdNr 20; BSG, FEVS 60, 145, 150) bzw 8,18 Euro für "den Haushaltsvorstand" (Urteil vom 25.6.2008 - B 11b AS 45/06 R - Juris RdNr 4; BSGE 100, 94 [BSG 27.02.2008 - B 14/11b AS 15/07 R] = SozR 4-4200 § 22 Nr 5, RdNr 4).
Damit kann offen bleiben, ob im Anwendungsbereich des § 40 Abs 1 Satz 2 Nr 1 SGB II - wie bei der unmittelbaren Anwendung des § 330 Abs 1 SGB III - weitere Voraussetzung eine Änderung (nicht schon die erstmalige Begründung) der ständigen Rechtsprechung des Revisionsgerichts ist (vgl BSGE 91, 302, 307 [BSG 09.12.2003 - B 7 AL 22/03 R] = SozR 4-4100 § 168 Nr 2; Merten, aaO, § 40 SGB II RdNr 7) oder die Änderung von obergerichtlicher Rechtsprechung zum Bundessozialhilfegesetz (hier des OVG Nordrhein-Westfalen Urteil vom 13.9.1988 - 8 A 1239/86 - FEVS 38, 151), die vom Bundesverwaltungsgericht als dem zuständig gewesenen Revisionsgericht nicht überprüft worden ist, ausreicht.
In einem weiteren Schritt wird es die Angemessenheit der Kosten zu überprüfen haben. Zwar ist die Angemessenheitsprüfung der Unterkunftskosten getrennt von den Kosten der Heizung durchzuführen (vgl nur BSGE 104, 41 [BSG 02.07.2009 - B 14 AS 36/08 R] = SozR 4-4200 § 22 Nr 23) und der Kläger macht im Ergebnis lediglich höhere Heizkosten geltend. Das entbindet das LSG vorliegend aber nicht davon, auch die KdU auf ihre Angemessenheit zu überprüfen, da eine weitergehende Aufspaltung der Leistung insoweit nicht zulässig ist. Nur wenn und soweit die Unterkunftskosten ursprünglich insgesamt rechtswidrig zu niedrig bewilligt waren, kann das Überprüfungsbegehren des Klägers Erfolg haben.