Source: https://www.flugrechte.eu/6002/pauschalreise-ge%C3%A4nderte-flugzeiten-und-zielflughafen
Timestamp: 2018-09-20 13:23:20
Document Index: 3696595

Matched Legal Cases: ['§651', '§651', '§651', '§ 651', '§651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', 'BGH', 'BGH', '§ 651']

Pauschalreise - Geänderte Flugzeiten und Zielflughafen - FLUGGASTRECHTE
Im August 2015 buchten wir eine 14tägige Pauschalreise über die TUI nach Kuba. Der Reisepreis war 4.736,00 €. Eingeschlossen waren die Flugreisen Leipzig-Köln-Varadero und zurück. Aufgrund der voraussichtlichen Flugdaten vom 18.8.15 buchten wir diese Reise, da sie als Leipziger ideal für uns waren:
08.02.16 Leipzig - Köln 08:15 - 09:15
08.02.16 Köln - Varadero 11:35 - 17:00
19.02.16 Varadero - Köln 17:20 - 08:45+1 (Ankunft 20.02.)
20.02.16 Köln - Leipzig 10:35 - 11:35
Nach einer weiteren geringfügigen Veränderung der aktuellen Flugzeiten erhielten wir am 02.02.16 eine Mail mit dennun noch einmal veränderten Flugbedingungen:
08.02.16 Köln- Varadero 11:20 - 16:40
19.02.16 Varadero - Köln 18:45 - 10:25+1 (Ankunft 20.02.)
20.02.16 Köln - Berlin-Tegel 15.20 - 16:30
Unsere Urlaubsfreude ist natürlich jetzt beschränkt. Denn unter diesen Bedingungen hätten wir nicht gebucht. Wie kommen wir von Tegel ohne Mehraufwand nach Leipzig? Aus den vorgegebenen ca. 14 Stunden Rückflug sind jetzt ca. 22 Stunden geworden. Und am 22.02. müssen wir wieder arbeiten.
Meine generelle Frage wäre bereits vor Abflug: Sind diese Änderungen rechtens und muss ich sie als Kunde hinnehmen?
Lohnt sich bei diesem Sachverhalt das Einschalten Ihrer Kanzlei mit Aussicht auf Erfolg? Es geht mir dabei weniger um das Geld sondern um die Frage, ob wir dieses Verhalten des Reiseveranstalters / Flugunternehmens akzeptieren müssen. Vielleicht bekomme ich noch einen Hinweis von euch vor dem Abflug. Danke
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Gefragt 3, Feb 2016 in Rechtsberatung von Anonym
wieder getaggt 3, Feb 2016 von admin
es ist an der Tagesordnung, dass Flugunternehmen bzw. Reisevermittler kurzfristig die bereits mitgeteilten Flugzeiten ändern, manchmal mit einem beträchtlichen Unterschied. Auch eine Änderung des Zielflughafens kommt oft vor.
Als erstes beschäftige ich mich mit der Änderungen der Flugzeigt, Sie schildern, dass der Flug nun insgesamt 22 Stunden statt 14 Stunden dauert. Dies bedeutet erstmal, dass Sie mit einem Unterschied von 8 Stunden am Zielflughafen ankommen.
Reisevermittler behalten sich sehr oft die Flugzeiten vor, dies ist jedoch nicht wirksam. So hat das Bundesgerichtshof am 10.Dezember 2013 (Az: X ZR 24/13) entschieden. Die Beklate (Reisevermittlerin) behaltete sich in einer Klausel der Reisebedigungen vor die Flugzeiten kurzfristig verändern zu können:
Diese Klausel wurde jedoch als unwirksam betrachtet. Dabei wurde insbesondere darauf eingegangen, dass Flugzeiten ein fester Bestandteil einer Pauschalreise sind, der Kunde sich also unter anderem wegen dieser für bestimmte Reise entscheidet. Laut Gerichtsurteil führten geänderte Reisezeiten zu einer Abweichung vond er vetraglichen Leistung. Entsprechende Klauseln im Kleingedruckten der Reiseunterlagen, welche nachträgliche Änderungen bei Pauschalreisen ermöglichen sollen, sind unzulässig.
Da Sie höchstwahrscheinlich die Änderung der Reisezeiten als auch des Flugzieles angenommen haben, haben Sie einen Anspruch auf Minderung des Reisepreises. Dabei können bis zu 100% des Tagespreises geltend gemacht werden (§651 d BGB). Es ist jedoch wenig Eile geboten. Diese Ansprüche müssen einen Monate nach Reiseende geltend gemacht werden. Liegt eine Gesamheit von Reiseleistungen vor, so sieht das Gesetz auch eine Entschädigung für die nutzlos aufgewendete Urlaubszeit vor (§651 f Abs. 2 BGB). Danach ist eine ENtschädigung in Geld auch beo Geltung des Montrealer Übereinkommen nicht ausgeschlossen.
Welche Flugzeitänderung hinnehmbar ist, ist nicht wirklich fesgelegt. Das AG Kleve entschied im Urteil vom 22.02.1996, Az: 3 C 750/95, dass eine Flugverspätung zwischen 4 und 5 Stunden noch im Bereich des Hinnehmbare liegt und nicht zu einer Reisepreisminderung führt.
Das AG Bonn, Urteil vom 27.06.1996, Az: 18 C 14/96 war der Meinung, dass eine Vorverlegung des Fluges um 5 Stunden nicht als Beförderungsmangel zu qualifizieren ist und deshalb nicht zu einer Reisepreisminderung berechtigt.
Eine Flugzeitänderung ist jedoch unter bestimmten Voraussetzungen unzumutbar. Dies ist der Fall, wenn ein Reisetag verloren geht oder nie Nachtruhe beeinträchtigt wird. In dem Fall hätten Sie einen Anspruch auf Reisepreisminderung nach §651 d BGB.
Eine Flughafenänderung stellt ebenso einen Reisemangel dar, der im Prinzip gleiche Ansprüche zur Folge hat, wie die Reisezeitänderung. Besonders relevant ist der Anspruch auf Schadensersatz nach § 651 f Abs. 1 BGB. Ersatzfähig sind inbesondere die Unkosten, welche der Reisende hatte, um zu dem anderen Flughafen zu gelangen.
Um noch mal auf Ihre Frage zurückzukommen, ob es sich lohnt die Ansprüche geltenden zu machen, antworte ich ja, denn Ihre Flugzeitänderung betrug 8 Stunden, was deutlich über dem Schnitt liegt, der als Anspruchslos gilt und der Zielflughafen einen sehr großen Unterschied für Sie ausmacht.
Ich empfehle Ihnen einen Anwalt einzuschalten und Ihre Ansprüche so schnell wie möglich geltend zu machen.
Beantwortet 19, Feb 2016 von Zeta (6,220 Punkte)
Im allgemeinen Flugalltag kommt es sehr häufig vor, dass sich Flugtermine noch auf kurz- oder längerfristige Weise ändern können. Dies gilt auch für die Flughäfen.
In Ihrem Fall würden sie mit einer großen Verspätung erst wieder in Deutschland ankommen, dazu kommt, dass dieser nicht dem ursprünglichen Zielflughafen entspricht.
In Ihrem Fall startet der Flug allerdings immer noch am selben Tag, die Nachtruhe ist auch nicht gestört.
Möglicherweise ist aber die Änderung des Abflughafens eine solche erhebliche Veränderung. Dies ist allerdings eine Abwägung des Einzelfalls.
Falls diese Verlegung als sehr erheblich gilt, kommen verschiedene Ansprüche in Betracht.
Sie können zum einem zwischen der Möglichkeit wählen, die Reise gem. §651a Abs. 5 BGB kostenlos komplett zu stornieren oder eine gleichwertige Alternativreise verlangen, wenn der Reiseveranstalter in der Lage ist, eine solche Reise ohne Mehrpreis für den Reisenden aus seinem Angebot anzubieten.
Gemäß § 651d BGB könnte auch ein Recht auf Reisepreisminderung für die jeweils verkürzten Tage bestehen. Die Minderung des Reisepreises würde dann anteilig berechnet werden. Dies kann bis zu 100 % für den Betroffenen Tag sein. Der Mangel muss allerdings unverzüglich bei dem jeweiligen Reiseveranstalter angezeigt werden.
Ich denke schon, dass es sich lohnen würde, den Anwalt einzuschalten, er kann Ihnen Ihre Ansprüche im Detail darlegen und weitere Schritte anraten.
Beantwortet 12, Mär 2016 von Cockpit1 (19,170 Punkte)
ob die vorgenommenen Änderungen der Flugzeiten und des Zielflughafens in Ihrem Fall rechtens sind oder nicht, richtet sich grundsätzlich nach dem Reisevertragsrecht des BGBs. Meiner Meinung nach stellt sich in Ihrem Fall die Rechtslage wie nachfolgend dar:
In einer einseitigen vorherigen Änderung der Flugzeiten und der Flugroute kann grundsätzlich ein Mangel der Reise gem. § 651d BGB bzw. eine unzumutbare erhebliche Änderung wesentlicher Reiseleistungen gem. § 651a Abs. 5 BGB liegen. Ist dies der Fall, wären Sie gem. § 651d BGB berechtigt den Reisepreis zu mindern bzw. gem. § 651a Abs. 5 BGB berechtigt, die Reise nicht anzutreten und den kompletten Reisepreis erstattet zu verlangen bzw. alternativ die Teilnahme an einer gleichwertigen anderen Reise zu verlangen, sofern der Reiseveranstalter hierfür freie Kapazitäten hat.
Fraglich ist daher, ob die Änderungen in Ihrem Fall einen solchen Mangel bzw. erhebliche Änderung von wesentlichen Reiseleistungen darstellen. Um dies beurteilen zu können, sollte man bereits ergangene Urteile mit ihrem Fall vergleichen. So kann man z.B. den Urteilen des AG Hannover 519 C 7511/08, des AG Düsseldorf 232 C 8790/08 oder AG Bad Homburg 2 C 2743/01 (Urteil im Ganzen nachzulesen unter der Eingabe "reise-recht-wiki.de AG Düsseldorf 232 C 8790/08" bzw. reise-recht-wiki.de + Gericht + Aktenzeichen) entnehmen, dass ein solcher Mangel bzw. eine erhebliche Änderung nur dann gegeben ist, wenn die neuen Flugzeiten nicht mehr auf dem ursprünglichen Abreisetag liegen, die Flugzeit um mehr als 8 Stunden verschoben wurde oder durch die geänderten Flugzeiten die Nachtruhe erheblich beeinträchtigt wurde. In Ihrem Fall wurde der Abflug in Varadero jedoch lediglich um ca. 1,5 Stunden nach hinten verschoben und die Ankunft in Berlin um ca. 5 Stunden. Auch bleiben die Abreisetage die gleichen und es gibt keine Beeinträchtigungen der Nachtruhe. Daher stellt allein die Flugzeitenänderung keinen Mangel bzw. eine unzumutbare erhebliche Änderung wesentlicher Reiseleistungen dar.
Fraglich ist, ob in Ihrem Fall deshalb etwas anderes gilt, weil auch der Ankunftsflughafen geändert wurde. Dies kann in Ihrem Fall jedoch nicht pauschal beantwortet werden, da es hierbei auch wieder auf die verspätete Ankunft ankommt, wobei hier ein Transfer von Berlin nach Leipzig eventuell zu berücksichtigen ist. In Ihrem Fall ist die Verspätung jedoch knapp an der Grenze, an der bereits ein Mangel angenommen wurde. Daher ist nicht sicher vorher zu sagen, wie ein eventuell von Ihnen angerufenes Gericht entscheiden würde. So entschied z.B. das AG Düsseldorf, dass ein Mangel bei der Änderung Bremen statt Düsseldorf und einer Verspätung hierdurch von nur 7 Stunden gegeben ist. (AG Düsseldorf 41 C 12609/95) Das AG Kleve entschied jedoch, dass ein Mangel bei einer Änderung Münster statt Paderborn erst bei einer Verspätung von 8,5 Stunden gegeben ist. (AG Kleve 3 C 564/98).
Daher ist nicht vorhersehbar, ob hier ein Mangel gegeben ist oder nicht, d.h. es ist fraglich, ob es erfolgsversprechend wäre, gegen die Änderungen rechtlich vorzugehen.
Beantwortet 15, Mär 2016 von Cockpit1 (19,170 Punkte)
Sie haben eine Pauschalreise gebucht, mithin einen Reisevertrag im Sinne des § 651a BGB abgeschlossen. Das bedeutet, Ihnen könnten Minderungsansprüche gemäß § 651d BGB gegen den Reiseveranstalter TUI zustehen. Das wiederum setzt voraus, dass es sich bei den Flugänderungen und den damit einhergehenden Unannehmlichkeiten um einen Reisemangel im Sinne des § 651d BGB handelt. Im Folgenden möchte ich zunächst den Begriff des Reisemangels definieren und dann Fälle aufzeigen, in denen ein Reisemangel von der Rechtsprechung angenommen wurde.
Das Amtsgericht Köln hat den Reisemangel folgendermaßen definiert:
Sie können den gesamten Text finden, wenn Sie bei Google Amtsgericht Köln, 142 C 78/15 reise-recht-wiki.de eingeben.
Der BGH hat zum Reisemangel geschrieben:
Ob ein Reisemangel die Reise erheblich beeinträchtigt, ist nach dem Anteil des Mangels in Relation zur gesamten Reiseleistung sowie danach zu beurteilen, wie gravierend sich der Mangel für den Reisenden ausgewirkt hat. Ein Reisemangel verliert insoweit nicht an Gewicht, wenn der Preis der Reise besonders gering war.
bei Interesse einfach googeln BGH, X ZR 76/11 reise-recht-wiki.de
In einem ersten Schritt muss also das Vorliegen eines Reisemangels festgestellt werden, in einem zweiten Schritt, muss geklärt werden, um wie viel der Reisepreis gemindert werden kann.
Nun einige Urteile, die auf hier bisher noch nicht genannt wurden.
Amtsgericht München, 06.05.2009 (Amtsgericht München, 212 C 1623/09 reise-recht-wiki.de googeln)
Amtsgericht Ludwigsburg, 15.08.2008 (Amtsgericht Ludwigsburg, 10 C 1621/08 reise-recht-wiki.de)
Landgericht Düsseldorf, 20.05.2011 (Landgericht Düsseldorf, 22 S 262/10 reise-recht-wiki.de googeln)
Dabei verkennt sie nicht, dass der Klägerin und ihrem Lebensgefährten durch die Vorverlegung des Rückflugs faktisch zumindest ein halber Urlaubstag entgangen ist – auch bei einem Rückflug um 16.40 Uhr, wie ursprünglich geplant, hätte der Transfer zum Flughafen zur Mittagszeit begonnen – und eine nennenswerte Nachtruhe angesichts des frühen Transferbeginns entfiel.
Ich hoffe, diese weiteren Urteile konnten dazu beitragen, sich ein noch besseres Bild davon zu machen, wann ein Reisemangel im Sinne des § 651d BGB vorliegt.
Sie haben eine Pauschalreise über Tui nach Kuba gebucht. Nun wurden sowohl die Flugzeiten, als auch der Zielflughafen geändert. Sie fragen sich, welche Ansprüche Sie dadurch gegen den Reiseveranstalter geltend machen können.
Beantwortet 22, Jan 2017 von MajorTommie (13,860 Punkte)