Source: http://zukunfthr.spdata.de/abfindungen-sinnvoll-einsetzen
Timestamp: 2020-07-07 09:23:07
Document Index: 300044421

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 113', '§ 112', '§ 9', '§ 187']

Abfindungen sinnvoll einsetzen
Das Beste für Arbeitnehmer und Arbeitgeber herausholen
Eines ist gewiss: Kündigungen sind keine angenehme Angelegenheit – weder für den Arbeitnehmer noch für den Arbeitgeber. Unternehmen versuchen vielfach, den harten Einschnitt in der Laufbahn des Mitarbeiters abzumildern, indem sie ihm eine Abfindung zahlen. Dies ist gängige Praxis in vielen Betrieben, weshalb Arbeitnehmer zum Teil schon voraussetzen, bei einer Vertragsauflösung auf jeden Fall eine Abfindung zu erhalten. Doch in welchen Fällen ist der Arbeitgeber wirklich zu einer Abfindung verpflichtet? Und was bleibt dem Gekündigten nach Abzug der Steuern noch von seiner Abfindung übrig? Wie können beide Seiten am besten von der Abfindung profitieren? Wir haben genauer hingeschaut.
Wann genau sind Abfindungen Pflicht?
Viele Arbeitnehmer gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass ihnen bei Auflösung des Arbeitsverhältnisses eine Abfindung zusteht. Doch in welchen Fällen besteht überhaupt die Pflicht zur Abfindungszahlung? Häufig werden Abfindungen gezahlt, wenn ein Aufhebungsvertrag unterzeichnet wird. Doch genau in diesem Fall ist die Abfindung eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. Die Pflicht zur Zahlung einer Abfindung besteht in folgenden Fällen:
Regelungen nach § 1a Kündigungsschutzgesetz: Der Arbeitgeber spricht eine betriebsbedingte Kündigung aus und weist den Gekündigten darauf hin, dass ihm eine Abfindung zusteht, wenn er innerhalb einer dreiwöchigen Frist keine Klage gegen die Kündigung erhebt. Lässt der Arbeitnehmer die Frist tatsächlich verstreichen, ohne eine Klage einzuleiten, steht ihm die Abfindung nach § 1a KSchG zu.
Regelungen nach § 113 Betriebsverfassungsgesetz: Wenn im Rahmen einer Betriebsänderung kein Interessenausgleich zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber stattfindet, kann durch ein Gerichtsurteil die Zahlung einer Abfindung verfügt werden.
Regelungen im Sozialplan: Bei Kündigungen im Rahmen einer Betriebsänderung regelt der Sozialplan, wie Arbeitnehmer abzufinden sind (Grundlage: § 112 BetrVG).
Gerichtsurteil in einem Kündigungsschutzprozess: Wird die Kündigung im Rahmen einer Klage für unwirksam befunden, kann das Arbeitsverhältnis bei Zahlung einer richterlich festgesetzten Abfindung aufgelöst werden. Dies ist in vielen Fällen sinnvoll, wenn trotz Unwirksamkeit der Kündigung eine weitere Zusammenarbeit unter den entsprechenden Umständen nicht mehr vorstellbar ist (Grundlage: § 9, 10 KSchG).
Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag: Wenn im Tarif- oder Arbeitsvertrag die Zahlung einer Abfindung vorgeschrieben ist, ist diese Regelung einzuhalten.
Gerichtlicher oder außergerichtlicher Vergleich: Einigen sich die Parteien nach einem Streit auf einen Vergleich, der eine Abfindung beinhaltet, ist diese zu zahlen.
Vor- und Nachteile aus Arbeitnehmersicht
Klar ist, dass eine Abfindung dem Arbeitnehmer nicht das beendete Arbeitsverhältnis ersetzt. Andererseits ist für ihn eine Vertragsauflösung mit Abfindung natürlich besser als ohne. Doch mit welchen Abzügen muss der Arbeitnehmer rechnen? Und was kann der Arbeitgeber tun, um dem ehemaligen Mitarbeiter entgegenzukommen und damit das Ausscheiden möglichst konfliktfrei zu gestalten?
Bei der Entgegennahme einer Abfindung muss der Arbeitnehmer mit bestimmten Abzügen oder Einbußen rechnen, die auch nicht immer nur die Abfindungssumme selbst betreffen. Beispielsweise kann auch das Arbeitslosengeld betroffen sein, wenn der Arbeitnehmer die Abfindung erhält, weil er einer Vertragsaufhebung zugestimmt hat. Denn wird durch die Vertragsauflösung das Arbeitsverhältnis früher beendet, als es bei einer Einhaltung der Kündigungsfrist der Fall gewesen wäre, kann das Arbeitsamt eine Sperrfrist verhängen.
Was die Abfindungssumme selbst betrifft, so ist die Abfindung zwar beitragsfrei in der Sozialversicherung, aber dafür lohnsteuerpflichtig. Noch dazu wird die Abfindung zu einem Steuersatz versteuert, für den das Finanzamt die Abfindung zusammen mit dem übrigen Einkommen des Jahres zu Grunde legt (z. B. Abfindung: 30.000 € + Einkommen: 40.000 €). In bestimmten Fällen kann die Steuerlast jedoch durch die Fünftelregelung gemindert werden. Das heißt, dass für die Berechnung des Steuersatzes nur ein Fünftel der Abfindung zählt (1/5 Abfindung: 6.000 € + Einkommen 40.000 €). Damit wird im Normalfall der Steuersatz geschrumpft, weil er nicht so stark von der Progression betroffen ist. Trotzdem wird die gesamte Summe versteuert (Abfindung: 30.000 € + Einkommen: 40.000 €).
Möchte der Arbeitgeber seinen ausgeschiedenen Mitarbeiter steuerlich entlasten, kann er vereinbaren, die Zahlung auf das nächste Jahr zu verschieben. Erwartet der Arbeitnehmer im nächsten Jahr ein geringeres sonstiges Einkommen, würde auch dadurch der Steuersatz entsprechend niedriger ausfallen. In bestimmten Fällen ist auch eine Stückelung der Abfindung über mehrere Jahr möglich.
Tipp bei älteren Arbeitnehmern: Umwandlung in Rente
Eine Vertragsauflösung ist sicherlich für den Großteil der Arbeitnehmer eine heikle Situation. Bei der Frage, wie sorgenvoll oder gelassen man diesem Einschnitt entgegensieht, spielt auch das Alter eine wichtige Rolle. Die Jungspunde unter den Arbeitnehmern machen sich vielfach schneller Hoffnungen auf einen neuen Job als ihre Kollegen, deren Alter schon nah an der Regelaltersgrenze liegt. Sollten diese keine weitere Anstellung vor dem Renteneintritt finden, drohen ihnen Abzüge bei der Rente. Wenn Sie als Arbeitgeber diesen Menschen entgegenkommen möchten, können Sie ihnen anbieten, die Abfindung an die Rentenversicherung zu zahlen (Grundlage: § 187a SGB VI). Auf diese Weise würde die spätere Rente weniger stark gemindert.
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