Source: https://www.recht.de/phpbb/viewtopic.php?f=11&t=250057
Timestamp: 2018-09-23 13:59:04
Document Index: 148906660

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 9', '§ 5', '§ 9', '§ 5', '§ 9']

recht.de • Thema anzeigen - Reine Telearbeit / Dienstort
Aktuelle Zeit: 23.09.18, 15:59
Betreff des Beitrags: Reine Telearbeit / Dienstort
Verfasst: 24.02.14, 01:26
Registriert: 17.09.06, 12:54
Beamter A erhielt im Jahr 2013 einen reinen Telearbeitsplatz aus familiären Gründen.
Als Dienstort für Reisekosten wurde der bisherige Dienstort bestimmt,obwohl dieser nur sporadisch aufgesucht wurde.
Dienstreisen konnten nur vom bisherigen Dienstort, nicht dem Telearbeitsplatzort abgerechnet werden.
Können nun diese Fahrten zur bisherigen Behörde und zu anderen Behörden vom Telearbeitsplatz aus
als Dienstreisen steuerlich erfasst werden?
Ist es rechtmäßig, dass die Behörde einen fiktiven Dienstort bestimmt?
Betreff des Beitrags: Re: Reine Telearbeit / Dienstort
Verfasst: 24.02.14, 01:29
Moderator: bitte in Steuerrecht verschieben.
Ansonsten: jeder Arbeitgeber auch Dienstherr MUSS seit 1.1.14 den ersten Arbeitsort festlegen und darf das damit auch nach seiner Einschätzung
Verfasst: 24.02.14, 21:50
...danke für die Info. Diese Festlegung muss wohl aus steuerlichen Gründen erfolgen?
Ich habe das Beamtenforum gewählt, da die Begriffe "reiner Telearbeitsplatz" vermutlich entscheidgend sind. Praktisch gibt es ja keinen "ersten" Arbeitsplatz. Dieser ist rein fiktiv.
Das Problem ist einfach, dass Beamter A sämtliche Reisekosten erst ab diesem fiktiven Dienstort abrechnen darf und A somit auf hohen Kosten sitzen bleibt (z.B. Neuwagen u. tats. Fahrkosten).
Können Fahrten zur bisherigen Behörde (jetzt fiktiver Dienstsitz) und zu anderen Behörden vom Telearbeitsplatz aus als Dienstreisen steuerlich erfasst werden?
Bin für alle Antworten sehr dankbar, da die finanziellen Belastungen für A sehr hoch sind.
Verfasst: 25.02.14, 23:33
...möchte das Thema nochmal nach oben holen und vor alllem die erste Antwort:
Die rechtliche Folge könnte somit sein, dass tatsächlich nur ab diesen ersten Arbeitsort Reisekosten abgerechnet werden könnten. Somit wäre es auch nicht möglich Dienstreisen ab Wohnort steuerlich abzusetzen sondern nur die Entfernungspauschale.
Bräuchte für diese These noch eine rechtliche Grundlage oder Begründung, da ich es immer noch nicht ganz glauben kann - aber die Fakten (Schreiben mit Dienstortfestlegung usw.) sprechen für obige These.
Verfasst: 27.02.14, 05:27
§ 9 Abs. 1 EStG Fassung 01.01.14.
Bitte einmal das BMF-Schreiben zur Neuordnung des Reisekostenrechts zum 1.1.14 ergooglen, die offizielle Anweisung an alle privaten und öffentlichen Arbeitgeber.
Bitte nicht die -diesseits unverständlichen - Argumentationskonstrukte mit irgendwelchen fiktkven Diensstätten. Solche gibt es nicht.
Erste Tätigkeitsstätte kann nie die Wohnung bzw privates Arbeitszimmer darin (in Ihren Wortem: Telearbeitsplatz) sein, da dies keine ortsfeste Betriebsstätte des Arbeitgebers ist.
Der Arbeitgeber legt die erste Arbeitsstätte fest, das muss IMMER eine Betriebsstätte des Arbeitgebers sein. Keine Privatwohnung eines Arbeitnehmers/Beamten.
Dafür reicht es, wenn der Arbeitnehmer/Beamte Teile seiner Tätigkeit dort abzuleisten hat, wie zb das Hinsenden von Stundenzetteln/AU Bescheinigungen/Krankmeldungen.
Auf die "qualitative" Tätigkeit des Arbeitnehmers dort ja oder nein, kommt es ausdrucklich nicht an, sprich nicht darauf, ob und wieviel er dort seine Tagesarbeit verrichtet.
Das war im Übrigen nie anders vorher und Fahrtrn vom häuslichen Arbeitplatz zum Arbeitgeber/Dienstherrn noch nie steuerlich als Dienstreise/-fajrt abzurechnen, sondern immer mit der Entfernungspauschale. Hat man zb ein oder zwei Präsenztage an der Dienststelle die Woche -wie üblich - kann man rund 46 Wochen x ein oder zwei Tage die Entfernungspauschale in Amsatz bringen, also diejenigen Tage, die man auch tatsächlich fährt.
Den Rest der Tage hat man auch keine Kosten, da man zuhause bleibt und keine Fahrt hat.
Fahrten zur Dienststelle sind selbstverständlich keine Dienstreisen!
Bitte im BMF Schreiben und § 9 ggf nachlesen und durch die 52 Seiten des BMF durcharbeiten.
Erste Tatigkeitsstätte ist also der Sitz der Behörde, der Sie zugeteilt wurden.
Argumente wie Neuwagen sind steuerrechtlich/dienstreisekostenrechtlich irrelevant Privatentscheidung, ob man Neuwagen oder gebrauchten erwirbt oder mot dem Zug fährt; ebenso "hohe Kosten", da man näher heranziehen kann, zudem erhalten Beamte Alimentation, nicht nur den eigentlichen fachlichen Anforderungen entsprechende Gehälter. Der Alimentationsgrundsatz bei Beamten führt dazu, dass die Gehältern immer erheblich höher sind als vergleichbaree Job in der Privatwirtschaft, und damit sind alle Kosten abgedeckt.
Wenn Ihnen die steuerlichen Folgen für etwaige Dienstreisen missfallen, die Ihr Dienstherr nun mal nicht abweichend von der Anweisung des BMF durchführen kann, wäre die Alternative:
Schreibtisch/Arbeitsplatz wieder beim Dienstherrn in dieser Dienststätte beantragen und den "Telearbeitsplatz" zuhause aufgeben und täglich wieder in der Behörde arbeiten.
Zuletzt geändert von Nordlicht14 am 27.02.14, 05:51, insgesamt 2-mal geändert.
Verfasst: 27.02.14, 05:32
Es ist und bleibt keine beamtenrechtliche Frage, sondern einen steuerrechtliche und gehört ins Steuerforum.
Verfasst: 27.02.14, 07:37
.......zudem erhalten Beamte Alimentation, nicht nur den eigentlichen fachlichen Anforderungen entsprechende Gehälter. Der Alimentationsgrundsatz bei Beamten führt dazu, dass die Gehältern immer erheblich höher sind als vergleichbaree Job in der Privatwirtschaft, und damit sind alle Kosten abgedeckt.
wenngleich sicher vieles richtig ist, was du hier schreibst.....
Aber mit Verlaub, DAS (Zitierte) da ist Unfug!
Weder ist das Beamtensalär "höher als in vergleichbaren Jobs in der Privatwirtschaft" , noch sind damit "alle Kosten abgedeckt".
Verfasst: 03.03.14, 00:59
Zusamenfassend wurde somit ein reisekostenrechtlicher Dienstort festgelegt, der aber kaum aufgesucht wird. Dies erforderten die geltenden beamtenrechtlichen (Dienstreisen) und steuerrechtlichen Gesetze.
Dies ist für den Beamten A der ungünstigste Fall, da sämtliche Dienstreisen nicht vom Wohnort (=Telearbeitsplatz) sondern vom festgelegten Dienstort abgerechnet werden müssen (die Entfernung ist jeweils ab festgelegten Dienstort am kürzesten). Hintergrund: Die Behörde ist über das gesamte Bundesland verteilt und daher kann auf Dienstreisen nicht verzichtet werden. Ein Ausweichen auf den ÖPNV ist nicht/kaum möglich, da keine Infrastrukur vorhanden ist. Soweit wäre der dienstrechtliche Teil nun geklärt.
Der Beamte A nutzt für diese Dienstreisen (ab dem festgelegten Dienstort) einen privaten Neuwagen, bei dem tatsächliche Fahrtkosten i.H.v. ca. 0,80 € / km anfallen. Trifftige Gründe für die Nutzung des privaten PKWs werden bei Dienstreisen nur teilweise anerkannt.
Können diese tatsächlichen Fahrtkosten ab dem festgelegten Dienstort bei Fortbildungsreisen und Dienstreisen zumindest als Werbungskosten (abzgl. Reisekostenentschädigung) abgesetzt werden?
(Die Frage wurde auf Grund der Reisekostenproblematik / Dienstort nicht in Steuerrecht gestellt)
Verfasst: 04.03.14, 12:30
zu der Thematik Reisen zu Fortbildungen habe ich folgendes gefunden:
Rechtslage ab 1.1.2014:
Die Begriffe "Arbeitsstätte" und "regelmäßig" werden durch die Begriffe "Tätigkeitsstätte" und "erste" Tätigkeitsstätte ersetzt. Grundsätzlich kommt die Entfernungspauschale bei Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zur Anwendung. Für weitere Fahrten können die tatsächlichen Kosten oder die pauschalen Kilometersätze zum Ansatz gebracht werden.
(Quelle http://www.steuertipps.de/lexikon/d/dienstreise)
Für den Beamten A kommt es nicht darauf an Kosten "herauszuschinden". Vielmehr ist der PKW ein notwendig um die Dienstreisen in einer sinnvollen Zeit durchführen zu können (Fahrzeiten mit PKW bereits ca. 4 Std / Dienstreise).
Kann jemand bestätigen, ob die zitierte Quelle auch im Reisekostenrecht oder eben im nächsten Schritt im Steuerrecht bei Beamten angewendet werden kann? (tats. Fahrtkosten als Werbungskosten) bei Dienstreisen)
Verfasst: 16.03.14, 16:35
Das ist zu querulatorisch.
Kein PKW hat übrigens Kosten von 0,80. Ein Ferrari vielleicht. Andere Pkws auch der oberen Mittelklasse, wie (Wortsperre: Firma) 5er/Audi A 6, liegen bei bis zu 0, 58/0,62.
Siehe (Wortsperre: Firmename) Tabellen.
Arbeitgeber erstatten 0,30. Finanzamt erkennt auch 0,30 an.
Mehr kriegen auch selbst wir Anwälte nicht erstattet und zahlen den Rest auch drauf.
Halten Sie sich an die Rahmenbedingungen und laufen Sie nicht gegen die Wand an. Oder kaufen Sie sich einen gebrauchten Kleinwagen, wenn Ihrer Ihnen zu teuer erscheint.
Verfasst: 17.03.14, 12:01
Das gegen die "Wand" laufen soll natürlich verhindert werden. Leider helfen pauschale Aussagen ohne Quellen auch nicht weiter.
Laut http://de.wikipedia.org/wiki/Reisekosten gilt Folgendes:
Warum soll dies bei Beamten A im Fall von Dienstreisen und Fortbildungsreisen bei Abwesenheit von der regelmäßigen Arbeitsstätte / Wohnung nicht gelten? Hier würde der Gesetzgeber gegenüber Beamten mit zweierlei Maß messen.
Die Wegstreckenentschädigung laut § 5 I BRKG beträgt 0,20 € pro km. Höchstens jedoch 130 €. Beamter A ist teilweise auch in anderen Bundesländern dienstlich tätig. Soll Beamter A nun sine dienstlich veranlassten Fahrten selbst bezahlen?
Die Quellen im Netz z.B. http://www.vlh.de/arbeiten-pendeln/dien ... er-ab.html schreiben alle übereinstimmend, dass der individuelle km-Satz als Werbungskosten (abzgl. Reisekostenentschädigung) angesetzt werden kann.
Im § 9 IVa S2 EStG wird wieder auf das BRKG verwiesen. Hier ist aber auch die Rede von tatsächlichen Fahrtkosten, die abgezogen werden können. Hebelt etwa der § 5 BRKG den § 9 EStG aus?
Des Weiteren ist ein km-Satz von 0,80 € bei geringer Jahreskilometerleistung (unter 5000) rechnerisch korrekt - wenn auch ungewöhnlich.