Source: https://www.medizinrecht-halle.com/aktuelles/2019/bundesgerichtshof-entscheidet-ueber-haftung-nach-unzureichender-aufklaerung-von-organspendern-vor-einer-lebendspende/
Timestamp: 2019-11-22 20:09:44
Document Index: 291513834

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 19', '§ 8', '§ 8', 'BGH', 'BGH']

Bundesgerichtshof entscheidet über Haftung nach unzureichender Aufklärung von Organspendern vor einer Lebendspende | Oliver Krause
Sachverhalt und bisheriger Prozessverlauf, BGH, VI ZR 495/16:
Sachverhalt und bisheriger Prozessverlauf, BGH, VI ZR 318/17:
Die vom Gesetzgeber bewusst streng formulierten und in § 19 Abs. 1 Nr. 1 TPG gesondert strafbewehrten Aufklärungsvorgaben sollen den potentiellen Organspender davor schützen, sich selbst einen größeren persönlichen Schaden zuzufügen; sie dienen dem „Schutz des Spenders vor sich selbst“. Jedenfalls bei der Spende eines – wie hier einer Niere – nicht regenerierungsfähigen Organs, die nur für eine besonders nahestehende Person zulässig ist (§ 8 Abs. 1 Satz 2 TPG), befindet sich der Spender in einer besonderen Konfliktsituation, in der jede Risikoinformation für ihn relevant sein kann. Die echte Freiwilligkeit der Spende ist zudem vorab durch eine Kommission zu verifizieren (§ 8 Abs. 3 TPG). Könnte die Behandlungsseite vor diesem Hintergrund mit dem Einwand des rechtmäßigen Alternativverhaltens eine Haftung abwenden, bliebe die rechtswidrige Organentnahme insoweit sanktionslos und würden die gesonderten Aufklärungsanforderungen des Transplantationsgesetzes unterlaufen. Dies erschütterte das notwendige Vertrauen potentieller Lebendorganspender in die Transplantationsmedizin. Denn die Einhaltung der Vorgaben des Transplantationsgesetzes ist unabdingbare Voraussetzung, wenn – um des Lebensschutzes willen – die Bereitschaft der Menschen zur Organspende langfristig gefördert werden soll.
BGH, VI ZR 495/16: Oberlandesgericht Hamm – Urteil vom 7. September 2016 – I-3 U 6/16 / Landgericht Essen – Urteil vom 2. November 2015 – 1 O 279/13
BGH, VI ZR 318/17: Oberlandesgericht Hamm – Urteil vom 5. Juli 2017 – I-3 U 172/16 / Landgericht Essen – Urteil vom 5. September 2016 – 1 O 262/13
Quelle: Bundesgerichtshof, Mitteilung der Pressestelle Nr. 010/2019 vom 29.01.2019, Urteile vom 29. Januar 2019 – VI ZR 495/16 und VI ZR 318/17