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Timestamp: 2020-04-06 02:07:04
Document Index: 131633397

Matched Legal Cases: ['§ 37', '§ 37', '§ 195', '§ 280', '§ 37', '§ 43', '§ 37', '§ 37', '§ 199', 'BGH', '§ 37', '§ 187', '§ 188', '§ 204', '§ 37', '§ 43', '§ 204', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 199', '§ 37', '§ 37', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 199', 'BGH']

Aufklärungspflichtverletzung in der Anlageberatung — und die Entstehung des Schadensersatzanspruchs | BankenBote
Aufklärungspflichtverletzung in der Anlageberatung — und die Entstehung des Schadensersatzanspruchs
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Sparen & Anlage5. August 2015
Der auf Ver­let­zung ein­er Aufk­lärungs- oder Beratungspflicht eines Wert­pa­pier­di­en­stleis­tung­sun­ternehmens beruhende Schadenser­satzanspruch entste­ht mit dem schul­drechtlichen Erwerb der pflichtwidrig emp­fohle­nen Wert­pa­piere1.
Vor­liegend war zwis­chen der Bank und ihrem Kun­den zumin­d­est stillschweigend jew­eils ein Beratungsver­trag in Bezug auf den von der Bank emp­fohle­nen offe­nen Immo­bilien­fonds zus­tande gekom­men. Dabei hat die Bank ihre Pflicht ver­let­zt, ihren Kun­den unge­fragt über die Möglichkeit ein­er zeitweili­gen Aus­set­zung der Anteil­srück­nahme durch die Fonds­ge­sellschaft aufzuk­lären2.
Diese Ver­tragspflicht hat die Bank allerd­ings im Falle eines etwaigen Ver­stoßes nur fahrläs­sig ver­let­zt, so dass das Beru­fungs­gericht zu Recht von der drei­jähri­gen Ver­jährungs­frist nach § 37a WpHG aF aus­ge­gan­gen ist3. Das Beru­fungs­gericht hat eine vorsät­zliche Beratungspflichtver­let­zung der Bank, für die nicht die kurze Ver­jährungs­frist des § 37a WpHG aF, son­dern die Regelver­jährung der §§ 195, 199 BGB gilt4, rechts­fehler­frei verneint. Dabei ist es zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass die Dar­legungs- und Beweis­last für vorsät­zlich­es Han­deln nicht der geschädigte Anleger trägt, weil sich dieser insoweit auf § 280 Abs. 1 Satz 2 BGB berufen kann, so dass die Bank beweisen muss, dass sie die Pflichtver­let­zung nicht vorsät­zlich began­gen hat5. Vor­liegend hat die Bank diesen Gegen­be­weis erfol­gre­ich geführt.
Allerd­ings war hier ein etwaiger, allein auf Fahrläs­sigkeit gestützter Schadenser­satzanspruch des Kun­den wegen der am 18.07.2008 erfol­gten Beratung nach § 37a WpHG aF i.V.m. § 43 WpHG ver­jährt. Danach ver­jährt der Anspruch des Kun­den gegen ein Wert­pa­pier­di­en­stleis­tung­sun­ternehmen auf Schadenser­satz wegen Ver­let­zung der Pflicht zur Infor­ma­tion und wegen fehler­hafter Beratung im Zusam­men­hang mit ein­er Wert­pa­pier­di­en­stleis­tung oder Wert­pa­pierneben­di­en­stleis­tung in drei Jahren von dem Zeit­punkt an, in dem der Anspruch ent­standen ist.
Nach der Recht­sprechung des Bun­des­gericht­shofs6 begin­nt die tage­ge­nau zu berech­nende Ver­jährung nach § 37a WpHG aF im Zeit­punkt des Erwerbs der Wert­pa­piere durch den Anleger. Mit dem “Erwerb der Wert­pa­piere” ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­sion nicht erst das dingliche Aus­führungs­geschäft, son­dern bere­its der schul­drechtliche Ver­tragss­chluss gemeint. Dies legt bere­its der Wort­laut des § 37a WpHG aF nahe, der im Zusam­men­hang mit der für den Ver­jährungs­be­ginn maßge­blichen Anspruch­sentste­hung an die Beratungsleis­tung und damit an den anschließen­den schul­drechtlichen Erwerb­svor­gang anknüpft. Bei der gebote­nen wer­tenden Betra­ch­tung ist der Anleger von diesem Zeit­punkt an nicht lediglich dem bei speku­la­tiv­en Wert­pa­pier­an­la­gen erhöht­en Risiko eines Ver­mö­gen­snachteils aus­ge­set­zt, son­dern bere­its geschädigt. Dieser Beurteilung ste­ht nicht ent­ge­gen, dass die Wert­pa­piere möglicher­weise zunächst, solange ein Kursver­lust nicht einge­treten ist, ohne Ein­buße wieder veräußert bzw. zurück­gegeben wer­den kön­nen. Denn bei ein­er Beratung schuldet das Wert­pa­pier­di­en­stleis­tung­sun­ternehmen eine auf die Anlageziele des Kun­den abges­timmte Empfehlung von Pro­duk­ten. Der Erwerb ein­er diesen Zie­len nicht entsprechen­den emp­fohle­nen Wert­pa­pierkap­i­ta­lan­lage lässt auch bei objek­tiv­er Betra­ch­tung bere­its den schul­drechtlichen Ver­tragss­chluss den konkreten Ver­mö­gensin­ter­essen des Anlegers nicht angemessen und damit als nachteilig erscheinen7.
Dies entspricht soweit ersichtlich der herrschen­den Mei­n­ung in der instanzgerichtlichen Recht­sprechung und Lit­er­atur8.
Aus dem — zu § 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB9 ergan­genen — 10 ergibt sich nichts anderes. Soweit es dort heißt, der Anspruch entste­he “schon mit dem (unwider­ru­flichen und vol­l­zo­ge­nen) Erwerb der Anlage”, kön­nte dies zwar auch wenn dies dort nicht entschei­dungser­he­blich gewe­sen ist als missver­ständlich aufge­fasst wer­den. Aus der Inbezug­nahme des Urteils des Bun­des­gericht­shofs vom 08.03.2005 ergibt sich aber, dass der BGH damit nicht von der bish­eri­gen Recht­sprechung abwe­ichen wollte. Dies hat der Bun­des­gericht­shof mit Urteil vom 30.10.201411 klargestellt. Entsprechen­des gilt in Bezug auf die 12; und vom 11.07.201213.
Vor­liegend ist das erste schul­drechtliche Erwerb­s­geschäft bere­its beim Beratungs­ge­spräch am 18.07.2008 zus­tande gekom­men. Soweit die Kau­forder erst am 21.07.2008 weit­ergeleit­et und am 22.07.2008 aus­ge­führt wor­den ist, ist dies uner­he­blich. Uner­he­blich ist auch, dass der Kunde vor­liegend die Kau­forder nach der Prax­is der Bank hätte rück­ab­wick­eln kön­nen. Denn bei dieser Möglichkeit han­delte es sich lediglich um eine Kulanzregelung im Einzelfall, auf die der Kunde keinen rechtlichen Anspruch hat­te. Für den Beginn der Ver­jährungs­frist nach § 37a WpHG aF ist daher allein der Abschluss des schul­drechtlichen Ver­trages maßge­blich. Danach begann vor­liegend die Ver­jährungs­frist gemäß § 187 Abs. 1 BGB am Tag nach dem Beratungs­ge­spräch, also am 19.07.2008, und endete gemäß § 188 Abs. 2 BGB am 18.07.2011, einem Mon­tag. Da der Kunde seine Beschw­erde beim Ombuds­mann der pri­vat­en Banken erst am 19.07.2011 ein­gere­icht hat, kon­nte er damit eine Hem­mung der Ver­jährung gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 4 BGB nicht mehr erre­ichen.
Bei dem zweit­en Beratungs­ge­spräch am 15.06.2009 und dem dabei abgeschlosse­nen Kaufver­trag über 20 Anteile an dem Immo­bilien­fonds han­delt es sich im Ver­hält­nis zu der Beratung vom 18.07.2008 um einen selb­ständi­gen Geschehens­ablauf und damit einen neuen Lebenssachver­halt, der zur Annahme ver­schieden­er Stre­it­ge­gen­stände führt14. Ein auf eine fehler­hafte Beratung gestützter Schadenser­satzanspruch unter­liegt daher ein­er eigen­ständi­gen Ver­jährung15. Die auch insoweit noch ein­greifende drei­jährige Ver­jährungs­frist des § 37a WpHG aF i.V.m. § 43 WpHG begann danach am 16.06.2009 und wäre am 15.06.2012 abge­laufen. Durch die Klageer­he­bung am 13.01.2012 hat der Kunde die Ver­jährung gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB rechtzeit­ig gehemmt.
Bun­des­gericht­shof, Urteil vom 24. März 2015 — XI ZR 278/14
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Bestä­ti­gung BGH, Urteil vom 08.03.2005 — XI ZR 170/04, BGHZ 162, 306 [↩]
vgl. dazu BGH, Urteile vom 29.04.2014 — XI ZR 130/13, BGHZ 201, 55 Rn. 17 ff.; und — XI ZR 477/12 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 19.12 2006 — XI ZR 56/05, BGHZ 170, 226 Rn. 13, 15 [↩]
BGH, Urteile vom 08.03.2005 — XI ZR 170/04, BGHZ 162, 306, 312; vom 19.12 2006 — XI ZR 56/05, BGHZ 170, 226 Rn.20; vom 24.09.2013 — XI ZR 204/12, WM 2013, 2065 Rn. 35; und vom 30.10.2014 — III ZR 493/13, WM 2014, 2310 Rn. 39; Beschluss vom 27.11.2014 — III ZR 294/13, WM 2015, 67 Rn. 8 [↩]
BGH, Urteil vom 12.05.2009 — XI ZR 586/07, WM 2009, 1274 Rn. 16 ff. [↩]
Urteil vom 08.03.2005 — XI ZR 170/04, BGHZ 162, 306, 309; siehe auch BGH, Urteil vom 05.08.2014 — XI ZR 172/13, WM 2014, 1763 Rn. 9 [↩]
BGH, Urteil vom 08.03.2005 — XI ZR 170/04, BGHZ 162, 306, 310 [↩]
OLG Celle, Urteil vom 20.11.2013 3 U 75/13 37; OLG Frank­furt am Main, BKR 2014, 515 Rn. 29; BKR 2015, 38 Rn. 24; Urteil vom 15.04.2011 19 U 213/1019; OLG Köln, WM 2006, 2130, 2131 f.; OLG München, Urteil vom 16.04.2012 19 U 2837/11 15 ff.; OLG Saar­brück­en, OLGR 2009, 792; OLG Schleswig, WM 2013, 2258, 2264; LG Düs­sel­dorf, WM 2006, 1386, 1387; LG Mün­ster, Urteil vom 24.07.2007 14 O 491/05 26; LG Nürn­berg-Fürth, WM 2006, 571, 572; Palandt/Ellenberger, BGB, 74. Aufl., § 199 Rn. 21; Koller in Assmann/Schneider, WpHG, 5. Aufl., § 37a Rn. 7, 9; Leisch in Köl­ner Kom­men­tar zum WpHG, 1. Aufl., § 37a Rn. 66, 69; Schäfer in Festschrift Schi­man­sky, 1999, S. 699, 710 f.; Simon, EWiR 2012, 787, 788; aA OLG Frank­furt am Main, ZIP 2011, 1506 f.; OLG München, ZIP 2012, 2096, 2099 [aus anderen Grün­den aufge­hoben durch BGH, Urteil vom 21.03.2013 — III ZR 182/12, WM 2013, 836]; LG Wies­baden, BKR 2013, 128 Rn. 30; zum ver­gle­ich­baren Mei­n­ungs­stand aus der Zeit vor Erlass des BGH, Urteils vom 08.03.2005 — XI ZR 170/04 siehe dort BGHZ 162, 306, 309 [↩]
vgl. dazu BGH, Urteil vom 08.04.2014 — XI ZR 341/12, WM 2014, 1036 Rn. 25 [↩]
BGH, Urteil vom 24.03.2011 — III ZR 81/10, WM 2011, 874 [↩]
BGH, Urteil vom 30.10.2014 — III ZR 493/13, WM 2014, 2310 Rn. 30 [↩]
BGH, Urteil vom 15.02.2012 — IV ZR 194/09, WM 2012, 806 Rn. 31 [↩]
BGH, Urteil vom 11.07.2012 — IV ZR 164/11, BGHZ 194, 39 Rn. 70 [↩]
vgl. dazu BGH, Urteil vom 22.10.2013 — XI ZR 42/12, BGHZ 198, 294 Rn. 15 ff. [↩]
vgl. Palandt/Ellenberger, BGB, 74. Aufl., § 199 Rn. 21; Grüneberg, WM 2014, 1109, 1112 unter Hin­weis auf BGH, Urteil vom 21.03.2000 — IX ZR 183/98, WM 2000, 1348, 1349 f. [↩]
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