Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.09.2001&Aktenzeichen=I%20ZR%2054/96
Timestamp: 2019-06-24 12:43:35
Document Index: 54168704

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 126', '§ 127', '§ 128', '§ 126', '§ 127', '§ 128', '§ 127', '§ 126', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', '§ 823', '§ 127', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 3', 'BGH', 'BGH', '§ 3', '§ 127', 'BGH', 'BGH', '§ 5', '§ 127', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 19.09.2001 - I ZR 54/96 - dejure.org
https://dejure.org/2001,567
BGH, 19.09.2001 - I ZR 54/96 (https://dejure.org/2001,567)
BGH, Entscheidung vom 19.09.2001 - I ZR 54/96 (https://dejure.org/2001,567)
BGH, Entscheidung vom 19. September 2001 - I ZR 54/96 (https://dejure.org/2001,567)
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MarkenG § 126 Abs. 1, § 127 Abs. 1 und Abs. 4 Nr. 1, § 128 Abs. 1
§ 126 MarkenG; § 127 MarkenG; § 128 MarkenG
Relevanz der Herkunft der Ware - Etiketten - Kennzeichnungsverbot - Entlokalisierende Zusätze - Irreführung des Verkehrs - Kaufentscheidung der Verbraucher - Brauerei
Markenrecht; Schutz geographischer Herkunftsangaben (,,Warsteiner'')
MarkenG §§ 127, 126, 128
Ausnahme vom Kennzeichnungsverbot wegen geographischer Herkunftsangabe bei gewichtigen Interessen und entlokalisierenden Zusätzen ("Warsteiner III")
Markengesetz, §§ 126 Abs. 1, 127 Abs. 1 und 4 No. 1, und 128 Abs. 1
NJW 2002, 600
MDR 2002, 404
GRUR 2002, 160
Wie der Senat bereits für die bekannte Marke (BGHZ 138, 349, 351 f. - MAC Dog;… BGH, Urt. v. 14.1.1999 - I ZR 149/96, GRUR 1999, 992, 995 = WRP 1999, 931 - BIG PACK;… Urt. v. 29.4.1999 - I ZR 152/96, GRUR 2000, 70, 73 = WRP 1999, 1279 - SZENE;… Urt. v. 20.10.1999 - I ZR 110/97, GRUR 2000, 608, 610 = WRP 2000, 529 - ARD-1; BGHZ 147, 56, 60 f. - Tagesschau;… BGH, Urt. v. 26.4.2001 - I ZR 212/98, GRUR 2002, 167, 171 = WRP 2001, 1320 - Bit/Bud) sowie für geographische Herkunftsbezeichnungen (BGHZ 139, 138, 139 f. - Warsteiner II;… BGH, Urt. v. 10.8.2000 - I ZR 126/98, GRUR 2001, 73, 76 = WRP 2000, 1284 - Stich den Buben; Urt. v. 19.9.2001 - I ZR 54/96, GRUR 2002, 160, 161 = WRP 2001, 1450 - Warsteiner III) entschieden hat, ist in dem Anwendungsbereich der jeweiligen Bestimmungen des Markengesetzes für die gleichzeitige Anwendung der §§ 1 und 3 UWG oder des § 823 BGB grundsätzlich kein Raum.
Die (einfache) geographische Herkunftsangabe gemäß § 127 Abs. 1 MarkenG setzt nicht voraus, daß der Verbraucher mit ihr eine besondere, auf regionale oder örtliche Eigenheiten zurückzuführende Qualitätsvorstellung verbindet (vgl. BGHZ 139, 138, 140 - Warsteiner II; BGH, Urt. v. 19.9.2001 - I ZR 54/96, GRUR 2002, 160, 161 = WRP 2001, 1450 - Warsteiner III).
Er hat diese Frage in einer weiteren Entscheidung nunmehr offengelassen (vgl. hierzu BGH GRUR 2002, 160, 162 - Warsteiner III).
Ausgangspunkt dieser Abwägung ist, daß im allgemeinen kein schutzwürdiges Interesse Dritter besteht, eine unrichtige geographische Herkunftsangabe zu verwenden (…vgl. BGH, Urt. v. 6.6.1980 - I ZR 97/78, GRUR 1981, 71, 72 = WRP 1981, 18 - Lübecker Marzipan; BGH GRUR 2002, 160, 162 - Warsteiner III;… Gloy, Festschrift für Piper, S. 543, 559;… Großkomm.UWG/Lindacher, § 3 Rdn. 573).
Der durchschnittlich informierte und verständige Verbraucher, auf den es für die Beurteilung der Verkehrsauffassung ankommt (vgl. BGH GRUR 2002, 160, 162 - Warsteiner III, m.w.N.), weiß jedoch, daß er nähere Angaben zu einem bestimmten Bier auf den Flaschenetiketten findet.
Der Senat hat daher einen Hinweis auf eine von der (einfachen) geographischen Herkunftsangabe abweichende Braustätte auf dem Rücketikett genügen lassen (vgl. BGH GRUR 2002, 160, 162 - Warsteiner III).
Für das besondere, früher ebenfalls aus § 3 UWG hergeleitete Verbot der Verwendung irreführender geographischer Herkunftsangaben, das heute in § 127 Abs. 1 MarkenG geregelt ist, hat der Bundesgerichtshof den Einwand zugelassen, daß seine Anwendung im Einzelfall unverhältnismäßig ist (BGHZ 139, 138, 145 - Warsteiner II; BGH, Urt. v. 19.9.2001 - I ZR 54/96, GRUR 2002, 160, 162 = WRP 2001, 1450 - Warsteiner III;… Urt. v. 18.4.2002 - I ZR 72/99, GRUR 2002, 1074, 1076 = WRP 2002, 1286 - Original Oettinger).
Auf die Anfrage des 3. Strafsenats vom 14. Dezember 2001 (NJW 2002, 1437) hat der 1. Strafsenat am 3. April 2002 beschlossen, daß er an seiner Rechtsansicht festhalte, und dies näher ausgeführt (NJW 2002, 600).
Selbst dort, wo noch eine relevante Irrführung zur Tatbestandsverwirklichung vonnöten ist (§ 5 UWG; nicht als Merkmal im Rahmen des § 127 MarkenG: BGH GRUR 2001, 420 [juris Tz. 35] - SPA ; offengelassen in BGH GRUR 2002, 160 [juris Tz. 33] - Warsteiner III ; 2002, 1074 [juris Tz. 49] - Original Oettinger ), ist auch dieses Merkmal erfüllt.
Auf den streitgegenständlichen Etiketten befinden sich insgesamt sechs zusammengenommen hinreichend deutliche Hinweise darauf, dass das betreffende Bier (Hefe-Weizen) in Memmingen gebraut wird bzw. von der M. AG, M. hergestellt wird, und zwar nicht nur, wie in dem dem Urteil des Bundesgerichtshofes vom 19.09.2001 (WRP 2001, 1450 - Warsteiner III) zugrunde liegenden, eine unmittelbare geographische Herkunftsangabe betreffenden Fall, auf den Rücketiketten, sondern auch auf den Vorder- und Halsetiketten.
Die vorstehenden Feststellungen kann der Senat, der zu den angesprochenen Verkehrskreisen gehört, aus eigener Sachkunde und Anschauung treffen (vgl. BGH WRP 2002, 527 - Elternbriefe; BGH WRP 2001, 1450, 1453 - Warsteiner III insbesondere auch zum maßgeblichen Verbraucherleitbild).
Im Hinblick darauf, dass die Gefahr der Irreführung über die geographische Herkunft des Bieres durch die entlokalisierenden Zusätze ausgeräumt wird, kommt es im vorliegenden Fall, anders als in den Fällen, die den Urteilen des Bundesgerichtshofs vom 02.07.1998 - 1 ZR 55/96 = WRP 1998, 1002 = Warsteiner II und vom 19.09.2001 - 1 ZR 54/96 = WRP 2001, 1450 - Warsteiner III zugrunde lagen und in denen Fehlvorstellungen des Verkehrs über die Herkunft der Ware verblieben waren, nicht mehr auf eine Interessenabwägung unter Verhältnismäßigkeitsgesichtspunkten an, die hier im Übrigen zulasten der Antragstellerin ausginge; auf die Ausführungen des Landgerichts im angegriffenen Urteil unter II 2 b der Entscheidungsgründe hierzu wird Bezug genommen.
Andererseits ist aber auch zu beachten, dass nach neuerer Rechtsprechung des BGH - auch bei Ärzten - nicht stets von einer sorgfältigen Befassung, sondern von einer situationsabhängigen Aufmerksamkeit auszugehen ist (BGH WRP 02, 1050, 1054 - Teilunterwerfung; BGH WRP 01, 1450, 1453 - Warsteiner III; BGH GRUR 00, 619 - Orient-Teppichmuster), die im ärztlichen Tagesgeschäft gelegentlich durchaus zu Wahrnehmungsfehlern bzw. nur oberflächlicher Befassung führen kann.
Die Beklagte hat nicht ein wertvolles, nicht zu beanstandendes Kennzeichen im Wege der Unternehmensexpansion für ein weiteres Produkt eingesetzt (vgl. dazu BGH GRUR 2002, 160 [162] - Warsteiner III), sondern lediglich eine Bezeichnung aufgegriffen, die früher von einer anderen Brauerei für ein anderes, an einem anderen Ort hergestelltes Bier verwendet worden war, ohne selbst einen wertvollen Besitzstand hinsichtlich der berechtigten Verwendung dieser Bezeichnung erlangt zu haben.
Dieser Prozentsatz ist nicht nur allgemein nach Maßgabe des auch in das nationale Recht transponierten europäischen Verbraucherleitbilds (BGH GRUR 2000, 619, 621 -Orient-Teppichmuster; BGH GRUR 2002, 160, 162 -Warsteiner III) zu revidieren (…vgl. Omsels, a. a. O., S. 128 ff. Rn. 311 ff. m. w. N.).
Dieser Grundsatz gilt für die bekannte Marke (z.B. BGH GRUR 02, 167, 171 - Bit/Bud) und die geographische Herkunftsbezeichnung (z.B. BGH WRP 01, 1450 - Warsteiner III) ebenso wie für den Schutz des Unternehmenskennzeichens (BGH WRP 02, 694, 696 - shell.de).
LG Magdeburg, 04.05.2016 - 36 O 103/15
Magdeburger Firma darf im geschäftlichen Verkehr nicht auf eine Magdeburger …