Source: https://b-umf.de/p/pflegefamilien/
Timestamp: 2018-09-25 10:51:18
Document Index: 48511421

Matched Legal Cases: ['§ 33', '§ 27', '§ 37', '§ 39', '§ 33', '§ 44', '§ 33', '§ 39', '§ 33']

Pflegefamilien für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF) - BumF
Das Kompetenzzentrum Pflegekinder hat eine Arbeitshilfe zur Vorbereitung von zukünftigen Pflegeeltern herausgegeben. Die Handreichung ist eine komprimierte Darstellung der einzelnen Schritte im Prozess der Vorbereitung und der allgemeinen Eignungseinschätzung. Das Komeptenzzentrum hat zudem bereits vor Längerem eine Arbeitshilfe zum Thema "Jugendliche Flüchtlinge in Gastfamilien" sowie die Bibliographie "Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Kinderflüchtlinge, Kindersoldaten" herausgegeben, die ebenfalls hilfreich für die Praxis sind.
Gastfamilien – Hilfsbereitschaft nutzen statt ausnutzen
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden in der Regel in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe untergebracht und betreut. Eine Unterbringung in einem familiären Umfeld im Rahmen der sog. Vollzeitpflege ist jedoch ebenfalls möglich (§ 33 SGB VIII). Hierüber entscheidet das örtliche Jugendamt unter Beteiligung des Minderjährigen. Der/die Vormund/in muss die Unterbringung in Vollzeitpflege beantragen (§§ 27, 33 SGB VIII).
Personen, die im Sinne des SGB VIII Pflegestelle sein möchten, brauchen eine Erlaubnis des Jugendamtes. Nur wenige Ausnahmefälle, darunter u.a. Verwandte und Verschwägert bis zum 3. Grad sind davon ausgenommen.
Pflegefamilien haben Anspruch auf Beratung und Unterstützung durch das Jugendamt (§ 37 SGB VIII). Der/die Vormund/in hat, als Personensorgeberechtigte und Anspruchsinhaber/in der Hilfe, zudem Anspruch auf das sogenannte Pflegegeld (§ 39 SGB VIII). Da die Kosten für Pflege und Erziehung aber von den Pflegeeltern aufgewendet werden, wird dieses oftmals ohne Umweg über die Vormünder direkt an die Pflegeeltern geleistet. Es handelt sich hierbei um monatliche Pauschalbeträge, deren Höhe sich kommunal unterscheidet.
Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. gibt hierzu jährliche bundesweite Empfehlungen für Sachkostenpauschalen und Kosten für die Pflege und Erziehung heraus. Details müssen jedoch beim Pflegekinderdienst des örtlichen Jugendamtes erfragt werden.
Wer kann junge Flüchtlinge aufnehmen?
Sofern Ihr örtlich zuständiges Jugendamt eine Unterbringung in Familien in Betracht zieht, erfolgt dies in der Regel in Pflegefamilien – im Rahmen der Vollzeitpflege nach § 33 SGB VIII. Die Vorbereitung und Überprüfung der Eignung von Pflegefamilien unterliegt den fachlichen Standards der Jugendhilfe und wird durch das Jugendamt bzw. den Pflegekinderdienst koordiniert (§ 44 SGB VIII). Hier arbeiten die Jugendämter eng mit freien Trägern zusammen, die diverse Schulungen anbieten, um interessierte Familien auf die Aufgaben vorzubereiten.
Ob bei Ihnen vor Ort Pflegefamilien gesucht werden, müssen Sie daher bei Ihrem örtlichen Jugendamt erfragen. Eine Liste öffentlicher und freier Träger die Pflegefamilien für junge Flüchtlinge findet sich bei moses-online.de.
Wenn Sie ein Pflegekind aufnehmen möchten, müssen Sie nicht verheiratet sein. Auch Alleinstehende und unverheiratete oder gleichgeschlechtliche Paare können ein Pflegekind aufnehmen. Die persönliche Eignung ist ausschlaggebend. Hierzu werden unter anderem Wohnraum, wirtschaftliche Verhältnisse, persönliche Belastbarkeit sowie Zeit und Kompetenz für Erziehungsaufgaben geprüft. Zudem müssen Pflegeeltern in der Regel spezifische Schulungen durchlaufen.
Verwandte von jungen Flüchtlingen
Leben unbegleitete Minderjährige bei Angehörigen, haben diese, genauso wie andere Pflegeeltern, Anspruch auf Unterstützung durch das Jugendamt. Sie sind, soweit der/die Vormund/in dies beantragt, Pflegestelle im Sinne von § 33 SGB VIII, wenn das Jugendamt sie für den konkreten Bedarf als geeignet einschätzt – im Zweifel aber muss eine fehlende Eignung durch zusätzliche Hilfen ausgeglichen werden, bevor die Verwandten als ungeeignet abgelehnt werden. Wird die Hilfe gewährt, so entsteht der Anspruch auf das Pflegegeld als so genannter Annexanspruch automatisch (§ 39 SGB VIII). Es gelten dabei dieselben Grundsätze wie für andere Pflegeeltern.
Details finden Sie auf unserer Themenseite “Betreuung durch Verwandte”
Alle Materialien zu Pflegefamilien
Übersichtsseite "Pflegefamilien für junge Flüchtlinge", Moses Online Arbeitshilfe "Vorbereitung von zukünftigen Pflegeeltern", Kompetenz-Zentrum Pflegekinder, 01/2018 Empfehlungen "Pauschalbeträge in der Vollzeitpflege (§§ 33, 39 SGB VIII) für das Jahr 2018", Deutscher Verein, 09/2017 Arbeitshilfe "Gastfamilien für minderjährige Flüchtlinge", Diakonie Deutschland, 09/2017 Bibliographie "Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Kinderflüchtlinge, Kindersoldaten", Kompetenz-Zentrum Pflegekinder, 01/2017 Arbeitshilfe "Jugendliche Flüchtlinge in Gastfamilien", Kompetenz-Zentrum Pflegekinder, 2016