Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F09-01-2012-9C_683-2011
Timestamp: 2016-10-23 20:38:20
Document Index: 242715404

Matched Legal Cases: ['Art. 99', 'BGE', 'in fine', 'BGE', 'BGE', 'Art. 61', 'BGE', 'Art. 42', 'Art. 106', 'BGE', 'Art. 106', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

9C_683/2011 (09.01.2012)
9C_683/2011
Der 1960 geborene S.________ meldete sich im M�rz 2008 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Nach Abkl�rungen und Durchf�hrung des Vorbescheidverfahrens sprach die IV-Stelle des Kantons Z�rich dem Versicherten mit Verf�gungen vom 3. September 2009 eine ganze Invalidenrente vom 1. bis 31. M�rz 2008 und entsprechend einer Invalidit�t von 55 % eine halbe Rente ab 1. April 2008 zu.
Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich hat die Beschwerde des S.________ mit Entscheid vom 22. Juni 2011 abgewiesen.
S.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren und beantragen, unter Aufhebung des Entscheides vom 22. Juni 2011 sei die IV-Stelle des Kantons Z�rich zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen (mindestens eine Dreiviertelsrente) auszurichten; eventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zur�ckzuweisen, damit diese ein Gerichtsgutachten einhole und gest�tzt darauf neu entscheide.
1.2 Der vom Versicherten neu aufgelegte Bericht der Frau Dr. med. P.________ (behandelnde Psychiaterin) vom 12. September 2011 ist nach Erlass des vorinstanzlichen Entscheides entstanden und deshalb unzul�ssig (Art. 99 Abs. 1 BGG). Im �brigen l�sst er keine R�ckschl�sse auf den massgebenden Sachverhalt zu (vgl. BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243 mit Hinweis; 121 V 362 E. 1b in fine S. 366).
Gest�tzt auf das Gutachten des Zentrums X.________ vom 19. Februar 2009 hat die Vorinstanz eine Arbeitsf�higkeit von 70 % in einer angepassten T�tigkeit ab 1. April 2008 festgestellt. Ausserdem hat sie f�r das Invalideneinkommen einen Leidensabzug von 15 % einger�umt. Beim daraus resultierenden Invalidit�tsgrad von 55 % hat sie den Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung ab dem 1. April 2008 best�tigt.
3.1 Bei der Beurteilung der Arbeitsunf�higkeit st�tzt sich die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von �rztlichen und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verf�gung zu stellen sind. Aufgabe des Arztes oder der �rztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bez�glich welcher T�tigkeiten die versicherte Person arbeitsunf�hig ist. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er f�r die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden ber�cksichtigt und in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob die Beschreibung der medizinischen Situation und Zusammenh�nge einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begr�ndet sind (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 mit Hinweis).
3.2 Bei den vorinstanzlichen Feststellungen zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsf�higkeit der versicherten Person handelt es sich grunds�tzlich um Entscheidungen �ber eine Tatfrage (BGE 132 V 393 E. 3.2 S. 397 ff.), welche das Bundesgericht seiner Urteilsfindung zugrunde zu legen hat (E. 1). Die konkrete Beweisw�rdigung stellt ebenfalls eine Tatfrage dar. Dagegen ist die Beachtung des Untersu-chungsgrundsatzes und der Beweisw�rdigungsregeln nach Art. 61 lit. c ATSG Rechtsfrage (BGE 132 V 393 E. 3.2 und 4 S. 397 ff.; Urteil I 865/06 vom 12. Oktober 2007 E. 4 mit Hinweisen), die das Bundesgericht im Rahmen der den Parteien obliegenden Begr�ndungs- bzw. R�gepflicht (Art. 42 Abs. 2 BGG und Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.4.1 und 1.4.2 S. 254) frei �berpr�fen kann (Art. 106 Abs. 1 BGG).
3.3 Der Einwand des Beschwerdef�hrers, wonach das Gutachten des Zentrums X.________ ohne jegliche Begr�ndung und Auseinandersetzung mit der von der behandelnden Psychiaterin attestierten Arbeitsunf�higkeit von 70 % erstellt wurde, h�lt nicht stand. Denn das Gutachten wurde in Kenntnis dieses Berichtes verfasst, und die Vorinstanz hat richtig erkannt, dass darin keine objektiv feststellbaren Gesichtspunkte genannt werden, welche im Rahmen der Begutachtung des Zentrums X.________ unerkannt geblieben und geeignet sind, zu einer von den Experten abweichenden Beurteilung zu gelangen (Urteil I 936/05 vom 2. April 2007 E. 3.3). Diesbez�glich hat die Vorinstanz auch zu Recht auf die Verschiedenheit von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag (BGE 125 V 351 E. 3b/cc S. 353; Urteile 8C_740/2010 vom 29. September 2011 E. 6; 9C_842/2009 vom 17. November 2009 E. 2.2) verwiesen.
3.4 Weiter r�gt der Beschwerdef�hrer, dass die Nebenwirkungen der Strahlentherapie (Dyspnoe und Lhermitte-Syndrom) ungen�gend beachtet und die Diagnose Pneumonitis nicht erw�hnt worden sei. Die Vorinstanz hat verbindlich festgestellt (E. 1), dass bereits die behandelnde Onkologin in ihrem Bericht vom 22. Februar 2008 - der zur Erstellung des Gutachtens des Zentrums X.________ herangezogen wurde - diese Beschwerden f�r vollst�ndig remittiert gehalten hat. Folglich sind sie gen�gend ber�cksichtigt worden.
3.5 Sodann wendet der Beschwerdef�hrer ein, dass die Vorinstanz im Gegensatz zum Gutachten des Zentrums X.________ und dem Bericht der behandelnden Psychiaterin eine abweichende ICD-10-Klassifikation vorgenommen habe. Die Gutachter des Zentrums X.________ qualifizierten das psychische Leiden des Beschwerdef�hrers zun�chst als ICD-10: F43.22 (Anpassungsst�rung, Angst und depressive Reaktion gemischt); die behandelnde Psy-chiaterin kategorisierte es dagegen als ICD-10: F43.21 (Anpassungsst�rung, l�ngere depressive Reaktion). In den Schlussfolgerungen des Gutachtens des Zentrums X.________ zu den psychischen Untersuchungsergebnissen wurde festgehalten, dass die eigenen Ergebnisse weitestgehend im Einklang mit den Anf�hrungen der behandelnden Psychiaterin stehen und diese gem�ss ICD-Klassifikation eine Anpassungsst�rung mit l�ngerer depressiver Reaktion erf�llen, bei akzentuierten hypochondrischen sowie �ngstlich-vermeidenden Pers�nlichkeitsz�gen. Unter Ber�cksichtigung beider Klassifikationen (ICD-10: F43.22 und F43.21), welche sich im Wesentlichen lediglich in ihrer Dauer unterscheiden (Dilling/Mombour/Schmidt, Internationale Klassifikation psychischer St�rungen: ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 7. Aufl. 2010, S. 185 f.), wurde im Gutachten schliesslich eine Arbeitsunf�higkeit von 30 % f�r die zuletzt ausge�bte T�tigkeit sowie f�r jede Verweist�tigkeit attestiert. Somit �berzeugt das Gutachten in Bezug auf die Arbeitsf�higkeitssch�tzung (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). Die vorinstanzliche Argumentation, wonach die Anpassungsst�rung gem�ss ICD-Klassifikation im Grenzbereich dessen liegt, was als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes und als potentiell invalidisierendes Leiden gilt (Urteil 9C_636/2007 vom 28. Juni 2008 E. 3.3.2), ist daher nicht ausschlaggebend f�r die Feststellung der Arbeitsf�higkeit.
3.6 Ohnehin beschr�nkt sich der Beschwerdef�hrer im Wesentlichen lediglich darauf, die Beweise abweichend von der Vorinstanz zu w�rdigen und daraus andere Schl�sse zu ziehen, was nicht gen�gt (Urteil 9C_688/2007 vom 22. Januar 2008 E. 2.3).
4.1 Ob und in welchem Ausmass Tabellenl�hne herabzusetzen sind, ist von s�mtlichen pers�nlichen und beruflichen Umst�nden des konkreten Einzelfalls (leidensbedingte Einschr�nkung, Alter, Dienstjahre, Nationalit�t/Aufenthaltskategorie und Besch�ftigungsgrad) abh�ngig. Der Einfluss s�mtlicher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgem�ssem Ermessen gesamthaft zu sch�tzen, wobei der Abzug auf h�chstens 25 % zu begrenzen ist (Urteil 9C_650/2008 vom 25. November 2008 E. 5.3 mit Hinweisen).
4.2 Die Einw�nde gegen die H�he des vorinstanzlich einger�umten Leidensabzuges von 15 % dringen nicht durch. Denn diese ist eine Ermessensfrage, deren Beantwortung letztinstanzlicher Korrektur nurmehr dort zug�nglich ist, wo das kantonale Gericht das Ermessen rechtsfehlerhaft ausge�bt hat, also Ermessens�berschreitung, -missbrauch oder -unterschreitung vorliegt (vgl. BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399). Gr�nde f�r eine rechtsfehlerhafte Aus�bung des Ermessens werden indessen nicht substanziiert geltend gemacht, vielmehr setzt der Beschwerdef�hrer bloss sein Ermessen anstelle desjenigen der Vorinstanz.
Nach dem Gesagten sind die vorinstanzliche Beweisw�rdigung und Sachverhaltsfeststellung nicht offensichtlich unrichtig und beruhen auch nicht auf einer Rechtsverletzung. Zudem ist in Bezug auf das Invalideneinkommen keine rechtsfehlerhafte Ermessensaus�bung erkennbar. Die �brigen Faktoren der Invalidit�tsbemessung werden weder in tats�chlicher noch in rechtlicher Hinsicht beanstandet. Es besteht kein Anlass f�r eine n�here Pr�fung von Amtes wegen (BGE 125 V 413 E. 1b und 2c S. 415 ff.; 110 V 48 E. 4a S. 53). Das kantonale Gericht hat folglich zu Recht den Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung ab dem 1. April 2008 best�tigt.