Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=GRUR%201971,%20317
Timestamp: 2019-06-25 18:55:26
Document Index: 249851875

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BGH, 12.03.1971 - I ZR 119/69 - dejure.org
https://dejure.org/1971,436
BGH, 12.03.1971 - I ZR 119/69 (https://dejure.org/1971,436)
BGH, Entscheidung vom 12.03.1971 - I ZR 119/69 (https://dejure.org/1971,436)
BGH, Entscheidung vom 12. März 1971 - I ZR 119/69 (https://dejure.org/1971,436)
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Unzulässigkeit von unaufgeforderten Vertreterbesuchen zur Erlangung von Aufträgen für Grabsteine - Länge der notwendigen Wartezeit nach dem Todesfall - Erforderlichkeit des Schutzes der Allgemeinheit vor den Auswüchsen des Wettbewerbs - Vorliegen einer groben Pietätlosigkeit
BGHZ 56, 18
NJW 1971, 1216
MDR 1971, 556
GRUR 1971, 317
DB 1971, 809
Dasselbe gilt für die Beurteilung des Berufungsgerichts, eine Missachtung der Gefühle der Hinterbliebenen könne insoweit auch für sich allein ausreichen, weil der Schutz der Intimsphäre Vorrang vor dem wirtschaftlichen Gewinnstreben habe und werbliche Maßnahmen im Hinblick auf einen Trauerfall daher in gewissem Umfang zurückzutreten hätten (…vgl. BGH, Urt. v. 1.2.1967 - Ib ZR 3/65, GRUR 1967, 430, 431 - Grabsteinaufträge I; BGHZ 56, 18, 19 ff. - Grabsteinaufträge II).
Mit Recht ist das Berufungsgericht auch davon ausgegangen, dass dem Beklagten die beanstandete Werbung anders als ein diesem Werbezweck dienendes unaufgefordertes Aufsuchen der Hinterbliebenen in ihrem Privatbereich nur auf Zeit verwehrt werden kann (vgl. BGHZ 56, 18, 21 - Grabsteinaufträge II).
Den unzulässigen Eingriff in die Intimsphäre hat der Senat dort nicht in der durch jedwede Art von Werbung für Grabmalaufträge bestehenden Belästigung, sondern in dem von einem Vertreterbesuch in einer solchen Angelegenheit stets ausgehenden Druck gesehen (BGHZ 56, 18, 20 f.).
Derartige Besuche hat der BGH generell, nicht nur innerhalb einer vierwöchigen Wartefrist, als unzulässig angesehen (BGH, GRUR 1971, 317, 318 - Grabsteinwerbungen II).
Das Berufungsgericht ist zutreffend davon ausgegangen, daß Vertreterbesuche, bei denen Verbraucher ohne vorherige Kontaktaufnahme im häuslichen Bereich angesprochen werden, wettbewerbsrechtlich seit jeher als zulässig angesehen worden sind, es sei denn, daß aufgrund besonderer Umstände die Gefahr einer untragbaren oder sonst wettbewerbswidrigen Belästigung und Beunruhigung des privaten Lebensbereichs gegeben wäre (…vgl. BGH, Urt. v. 8.7.1955 - I ZR 52/54, GRUR 1955, 541 = WRP 1955, 206 - Bestattungswerbung;… Urt. v. 11.11.1958 - I ZR 179/57, GRUR 1959, 277, 280 - Künstlerpostkarten; BGHZ 54, 188, 193 - Telefonwerbung I;… BGH, Urt. v. 1.2.1967 - Ib ZR 3/65, GRUR 1967, 430, 431 - Grabsteinaufträge I; BGHZ 56, 18, 20 [BGH 12.03.1971 - I ZR 119/69] - Grabsteinaufträge II).
Sittenwidrig ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zum UWG ein Verhalten, das dem Anstandsgefühl der beteiligten Kreise widerspricht oder das die Allgemeinheit mißbilligt und für untragbar ansieht (vgl. BGHZ 15, 356, 364f - Progressive Kundenwerbung; BGHZ 19, 392, 396 - Anzeigenblatt; 54, 188, 191 - Fernsprechwerbung; 56, 18, 19 - Grabsteinaufträge II; BGH, GRUR 1988, 614, 615 - Btx-Werbung;… von Gamm, Wettbewerbsrecht, 5. Aufl, Kap 18 RdNr. 7;… Baumbach/Hefermehl, Wettbewerbsrecht, 17. Aufl, Einl UWG RdNr. 66; Großkomm UWG/Schünemann, Einl D RdNr. 10).