Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Arbeitsvertragliche_Bezugnahme_auf_BAT_nach_dessen_Ersetzung_durch_TVoeD_LAG_Hamburg_8Sa1-08.html
Timestamp: 2017-10-22 19:05:43
Document Index: 53335102

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 133', '§ 2', '§ 37', '§ 2', '§ 256', '§ 256', 'BGH', '§ 133', '§ 157', 'BGH', '§ 2', '§ 1', '§ 64', '§ 97', '§ 72']

HENSCHE Arbeitsrecht: 8 Sa 1/08
Schlag­worte: Tarifvertrag: Bezugnahme
Akten­zeichen: 8 Sa 1/08
Ent­scheid­ungs­datum: 22.05.2008
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 31.10.2007, 24 Ca 118/07
Geschäfts­zei­chen:
8 Sa 1/08
(24 Ca 118/07 ArbG Ham­burg)
An­ge­stell­te
er­kennt das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, 8. Kam­mer
auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. Mai 2008
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Rühl als Vor­sit­zen­den
den eh­ren­amt­li­cher Rich­ter Wi.
die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Sch.
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 31.10.2007 (24 Ca 118/07) wird zurück­ge­wie­sen.
2. Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens zu tra­gen.
Ge­gen die­ses Ur­teil kann Re­vi­si­on bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den. Die Re­vi­si­on kann nur dar­auf gestützt wer­den, dass das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf der Ver­let­zung ei­ner Rechts­norm be­ruht.
Die Re­vi­si­ons­schrift muss ent­hal­ten:
- die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird;
- die Erklärung, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wird.
Mit der Re­vi­si­ons­schrift soll ei­ne Aus­fer­ti­gung oder be­glau­big­te Ab­schrift des an­ge­foch­te­nen Ur­teils vor­ge­legt wer­den.
Die Re­vi­si­on ist zu be­gründen. Die Re­vi­si­ons­be­gründung muss ent­hal­ten:
- die Erklärung, in­wie­weit das Ur­teil an­ge­foch­ten und des­sen Auf­he­bung be­an­tragt wird (Re­vi­si­ons­anträge),
- die An­ga­be der Re­vi­si­ons­gründe, und zwar,
a) die be­stimm­te Be­zeich­nung der Umstände, aus de­nen sich die Rechts­ver­let­zung er­gibt,
b) so­weit die Re­vi­si­on dar­auf gestützt wird, dass das Ge­setz in Be­zug auf das Ver­fah­ren ver­letzt sei, die Be­zeich­nung der Tat­sa­chen, die den Man­gel er­ge­ben.
Ei­ne Re­vi­si­on kann nur ein Rechts­an­walt oder ei­ne Rechts­anwältin, der bzw. die bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­sen ist, ein­le­gen und be­gründen.
Die Frist für die Ein­le­gung der Re­vi­si­on (Not­frist) beträgt ei­nen Mo­nat, die Frist für die Be­gründung der Re­vi­si­on zwei Mo­na­te. Die Re­vi­si­ons­be­gründungs­frist kann auf An­trag ein­mal bis zu ei­nem wei­te­ren Mo­nat verlängert wer­den.
Die Re­vi­si­ons­frist und die Re­vi­si­ons­be­gründungs­frist be­gin­nen mit dem Ta­ge der von Amts we­gen er­folg­ten Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils des Lan­des­ar­beits­ge­richts, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.
2. Aus tech­ni­schen Gründen sind die Re­vi­si­ons­schrift, die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift und die sons­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren in sie­ben­fa­cher Aus­fer­ti­gung (und für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ei­ne Aus­fer­ti­gung mehr) bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­zu­rei­chen.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob auf ihr Ar­beits­verhält­nis der Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Länder (im Fol­gen­den: TV-L) und der Ta­rif­ver­trag zur Über­lei­tung der Beschäftig­ten der Länder in den TV-L und zur Re­ge­lung des Über­g­angs­rechts (im Fol­gen­den: TVÜ-Länder) kraft ver­trag­li­cher In­be­zug­nah­me An­wen­dung fin­den. Darüber hin­aus be­gehrt der Kläger ei­ne ta­rif­li­che Son­der­zah­lung.
Der Kläger ist seit dem 01.11.1995 bei der Be­klag­ten bzw. ih­rer Rechts­vorgänge­rin als Er­zie­her beschäftigt. Er war in die Ta­rif­grup­pe V b der An­la­ge 1 zum BAT ein­grup­piert. Sein Mo­nats­ge­halt be­trug zu­letzt € 3.090,97 brut­to. Die Be­klag­te ist ei­ne ge­meinnützi­ge GmbH, die dem L. e. V. gehört, ei­nem in Ham­burg ansässi­gen El­tern­ver­ein. Die Be­klag­te ist Träger zahl­rei­cher Be­hin­der­ten¬ein­rich­tun­gen. Sie ist nicht ta­rif­ge­bun­den.
Im Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en vom 06.10.1995 (Anl. K 1, Bl. 5 d. A.) heißt es un­ter Zif­fer 2
„So­weit nach­ste­hend nichts an­de­res ver­ein­bart ist, gel­ten für das Ar­beits­verhält­nis die Be­stim­mun­gen des Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­tra­ges (BAT) in der je­weils gülti­gen Fas­sung und die da­zu ab­ge­schlos­se­nen Zu­satz­verträge.“
Zif­fer 9 des Ar­beits­ver­tra­ges enthält ei­ne Re­ge­lung zur be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung. Bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges ha­ben die Par­tei­en an die Möglich­keit, dass der BAT nicht fort­geführt wer­den könn­te, nicht ge­dacht.
Der Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag vom 23.02.1961 wur­de auf Ar­beit­ge­ber­sei­te von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, der Ta­rif­ge­mein­schaft der Länder
und der Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­verbände ab­ge­schlos­sen. Die letz­te Ände­rung er­folg­te durch den 78. Ände­rungs­ta­rif­ver­trag vom 31.01.2003.
Am 01.10.2005 trat der Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) in Kraft, wel­cher am 19.09.2005 auf Ar­beit­ge­ber­sei­te durch die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und die Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­verbände ge­schlos­sen wor­den war.
Am 01.11.2006 trat der am 12.10.2006 zwi­schen der Ta­rif­ge­mein­schaft der Länder und Ver.di ab­ge­schlos­se­ne Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Länder (TV-L) in Kraft. Be­reits am 08.06.2006 schlos­sen die glei­chen Ta­rif­ver­trags­par­tei­en den Ta­rif­ver­trag über Ein­mal­zah­lun­gen für die Jah­re 2006 und 2007 (Anl. K 2, Bl. 14 d. A.). Der Ta­rif­ge­mein­schaft der Länder gehören al­le Bun­desländer an mit Aus­nah­me von Ber­lin und Hes­sen.
Mit der am 04.06.2007 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge be­gehrt der Kläger die Fest­stel­lung, dass der TV-L so­wie der TVÜ-Länder für das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en maßgeb­lich sind.
Er hat die An­sicht ver­tre­ten, die Gel­tung der ge­nann­ten Ta­rif­verträge er­ge­be sich im We­ge ergänzen­der Aus­le­gung aus dem Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en. Durch die Auf­spal­tung des BAT in zwei un­ter­schied­li­che Re­ge­lungs­wer­ke sei ei­ne plan­wid­ri­ge Re­ge­lungslücke ent­stan­den. Hätten die Par­tei­en die­se Lücke bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges er­kannt, wäre nur ei­ne Be­zug­nah­me auf die Re­ge­lung der Länder in Be­tracht ge­kom­men, da we­der die Be­klag­te noch das Beschäfti­gungs­verhält­nis der Par­tei­en ei­ne Be­zie­hung zum Bund oder zu den Kom­mu­nen auf­wei­se.
Mit sei­ner am 06.07.2007 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge­er­wei­te­rung hat der Kläger ta­rif­li­che Son­der­zah­lun­gen für die Jah­re 2006 und 2007 gel­tend ge­macht. Der An­spruch er­ge­be sich aus § 2 (1) a bzw. b des Ta­rif­ver­trags über Ein­mal­zah­lun­gen für die Jah­re 2006 und 2007. Nach An­la­ge 2 zum TVÜ-L sei der Kläger von der Vergütungs­grup­pe V b BAT in die Ent­gelt­grup­pe 9 TV-L über­ge­lei­tet wor­den.
1. fest­zu­stel­len, dass auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en der Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Länder (TV-L) und der Ta­rif­ver­trag zur Über­lei­tung der Beschäftig­ten der Länder in den
TV-L und zur Re­ge­lung des Über­g­angs­rechts (TVÜ-Länder) an­wend­bar ist, mit der Aus­nah­me, dass sich die Al­ters­ver­sor­gung nach ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung rich­tet.
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger € 310,- brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent¬punk­ten seit dem 10.07.2007 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Sie hat die An­sicht ver­tre­ten, auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en sei nach wie vor der BAT an­wend­bar. Zif­fer 2 des Ar­beits­ver­tra­ges sei ein­deu­tig. Der BAT exis­tie­re nach wie vor, er wer­de le­dig­lich nicht mehr fort­ge­schrie­ben. Ei­ne Re­ge­lungslücke sei nicht ent­stan­den und könne folg­lich auch nicht im We­ge ergänzen­der Ver­trags­aus­le­gung ge­schlos­sen wer­den. Der TV-L sei kein Zu­satz­ver­trag zum BAT und ha­be die­sen auch nicht ab­gelöst. Die im TV-L vor­ge­nom­me­nen Re­ge­lun­gen, ins­be­son­de­re die Schaf­fung neu­er Ta­rif­grup­pen, die Einführung ei­nes Leis­tungs­sys­tems, die Fle­xi­bi­li­sie­rung der Ar­beits­zeit so­wie die Ab­schaf­fung des Orts­zu­schlags sei­en so weit­rei­chend, dass ein Wil­le der Par­tei­en, statt des BAT nun­mehr ein völlig neu­es Ta­rif­werk an­zu­wen­den, oh­ne ei­ne sog. Ta­rif­wech­sel­klau­sel nicht un­ter­stellt wer­den könne. Die Fort­gel­tung des BAT stel­le dem­ge­genüber die in­ter­es­sen­ge­rech­te­re Lösung dar, auch wenn die Ge­halts-ent­wick­lung nicht mehr dy­na­mi­siert sei. Dies wer­de sich erst aus­wir­ken, wenn die Lücke zum marktübli­chen Ge­halts­ni­veau zu ei­nem un­trag­ba­ren Lohn­gefälle führe, wor­auf durch frei­wil­li­ge An­pas­sun­gen re­agiert wer­den könne.
Das Ar­beits­ge­richt hat die be­gehr­te Fest­stel­lung ge­trof­fen und die Be­klag­te zur Zah­lung von € 210,- an den Kläger ver­ur­teilt. Der Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en sei gemäß §§ 133, 157 BGB da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass das gel­ten­de Ta­rif­werk für die Beschäftig­ten des öffent­li­chen Diens­tes An­wen­dung fin­den soll. Dies sei seit dem 01.11.2006 der TV-L. An­halts­punk­te für ei­ne Be­zug­nah­me auf den TVöD sei­en un­strei­tig nicht vor­han­den. Ei­ne Ta­rif­wech­sel­klau­sel sei nicht er­for­der­lich, denn der Über­gang von BAT und TV-L sei kein Ta­rif­wech­sel, da die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en für
den­sel­ben Re­ge­lungs­be­reich ei­nen neu­en Ta­rif­ver­trag ge­schaf­fen hätten. Die von der Be­klag­ten her­vor­ge­ho­be­nen struk­tu­rel­len Verände­run­gen hätten eben­so im Rah­men des BAT er­fol­gen können. Der Zah­lungs­an­spruch des Klägers aus § 2 (1) b des Ta­rif­ver­trags über Ein­mal­zah­lun­gen für die Jah­re 2006 und 2007 sei nur in Höhe von € 210,- be­gründet. Da die­se Zah­lung mit den Bezügen für Ja­nu­ar 2007 fällig ge­we­sen sei, ha­be sie der Kläger durch die am 06.07.2007 er­ho­be­ne Kla­ge in­ner­halb der Aus­schluss­frist des § 37 I TV-L gel­tend ge­macht. Ei­ne recht­zei­ti­ge Gel­tend­ma­chung der im Ju­li 2006 fälli­gen Son­der­zah­lung ha­be der Kläger hin­ge­gen nicht dar­ge­legt.
Ge­gen das am 31.10.2007 verkünde­te und dem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten am 17.12.2007 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Be­klag­te am 04.01.2008 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se – nach Verlänge­rung der Be­gründungs­frist bis zum 17.03.2008 – am 13.03.2008 be­gründet.
Die Be­klag­te meint, das Ar­beits­ge­richt ha­be § 2 des Ar­beits­ver­trags im Sin­ne ei­ner Be­zug­nah­me auf das Ta­rif­ver­trags­werk des öffent­li­chen Diens­tes aus­ge­legt und da­nach fest­ge­stellt, der TV-L sei an die Stel­le des BAT ge­tre­ten. Bei­des tref­fe nicht zu. Der TV-L sei kei­ne Um­be­nen­nung oder Fort­set­zung des BAT, son­dern ein an­de­rer Ta­rif­ver­trag als der BAT. Der BAT sei auf Ar­beit­ge­ber­sei­te von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, der Ta­rif­ge­mein­schaft der Länder so­wie der Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber ab­ge­schlos­sen wor­den. Par­tei des TV-L und des TVÜ-Länder sei dem­ge­genüber nur die Ta­rif­ge­mein­schaft der Länder, während die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und die kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­verbände mit dem TVöD ein ei­ge­nes Re­ge­lungs­werk ver­ein­bart hätten. Dass auch die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht von ei­ner Fortführung des BAT durch den TV-L aus­gin­gen, er­ge­be sich dar­aus, dass ein Über­lei­tungs­ta­rif­ver­trag für er­for­der­lich ge­hal­ten wur­de. Der BAT ha­be auch nicht auf­gehört zu exis­tie­ren, son­dern gel­te in Hes­sen und Ber­lin fort, die vor Ab­schluss des TV-L aus der Ta­rif­ge­mein­schaft der Länder aus­ge­tre­ten sei­en. Dass der BAT nicht mehr fort­ge­schrie­ben wer­de, be­deu­te nicht, dass er lücken­haft ge­wor­den sei. Auch vor der Ver­ein­ba­rung der an­de­ren Ta­rif­verträge sei der BAT teil­wei­se über meh­re­re Jah­re nicht verändert wor­den, oh­ne dass des­halb ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung in Be­tracht ge­zo­gen wor­den sei. Sch­ließlich er­ge­be sich auch aus dem Um­stand, dass die Par­tei­en ei­ne dy­na­mi­sche
Be­zug­nah­me­klau­sel ver­ein­bart hätten, kei­ne Be­fug­nis, das in Be­zug ge­nom­me­ne Re­gel­werk durch ein an­de­res zu er­set­zen. Durch die dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf den BAT hätten die Par­tei­en nämlich ein Re­gel­werk ver­ein­ba­ren wol­len, wel­ches über Jahr­zehn­te auch den Rah­men­be­din­gun­gen des schwächs­ten der drei auf Ar­beit­ge­ber­sei­te Be­tei­lig­ten Rech­nung ge­tra­gen ha­be. Durch die Auflösung die­ser Ge­mein­schaft sei dies nun nicht mehr gewähr­leis­tet, was durch un­ter­schied­li­che Re­ge­lun­gen zu Ar­beits­zeit und Ent­gelt im TVöD ei­ner­seits und im TV-L an­de­rer­seits be­legt wer­de. Selbst wenn ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung vom An­satz her in Be­tracht käme, so würde die­se an feh­len­den An­halts­punk­ten dafür schei­tern, dass die Par­tei­en auch ein an­de­res, von an­de­ren Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aus­ge­han­del­tes Re­ge­lungs­werk in Be­zug neh­men woll­ten. Die Aus­klam­me­rung der kos­tenträch­ti­gen be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung aus der Be­zug­nah­me be­le­ge, brin­ge den Wil­len zum Aus­druck, ei­ne ei­ge­ne Ver­trags­sys­te­ma­tik zu schaf­fen. Dies schließe es aus, von ei­nem Wil­len zur Ein­be­zie­hung ei­nes Ta­rif­werks für den öffent­li­chen Dienst aus­zu­ge­hen. Da­bei sei auch zu be­ach­ten, dass zwi­schen BAT und TV-L in we­sent­li­chen Punk­ten struk­tu­rel­le Un­ter­schie­de bestünden.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 31.10.2007 (24 Ca 118/07) ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Er ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil mit Rechts­ausführun­gen und nimmt auf die Be­gründung des Ar­beits­ge­richts im Ein­zel­nen Be­zug.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf das erst­in­stanz­li­che Ur­teil so­wie die Schriftsätze der Par­tei­en nebst An­la­gen ver­wie­sen.
Die zulässi­ge Be­ru­fung ist nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die vom Kläger be­gehr­te Fest­stel­lung zu Recht ge­trof­fen (I) und die Be­klag­te auch zu Recht zur Zah­lung von € 210,- an den Kläger ver­ur­teilt (II).
I. Der Fest­stel­lungs­an­trag des Klägers ist zulässig und be­gründet.
1) Das Ar­beits­ge­richt ist zu Recht von der Zulässig­keit des Fest­stel­lungs­an­trags nach § 256 ZPO aus­ge­gan­gen.
a) Ge­gen­stand ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge nach § 256 ZPO kann das Be­ste­hen oder Nicht­be­ste­hen ei­nes Rechts­verhält­nis­ses sein. Ein Rechts­verhält­nis ist die recht­lich ge­re­gel­te Be­zie­hung zwi­schen Per­so­nen oder zwi­schen Per­so­nen und Sa­chen (BAG v. 03.05.2006 – 1 ABR 63/04 – NZA 07, 285 Tz 19; BGH v. 25.10.2004 – II ZR 413/02 – ZIP 05, 42). Die Fest­stel­lungs­kla­ge muss sich nicht not­wen­dig auf ein Rechts­verhält­nis ins­ge­samt er­stre­cken. Sie kann sich viel­mehr auf ein­zel­ne Be­zie­hun­gen oder Fol­gen aus ei­nem Rechts­verhält­nis, auf be­stimm­te Ansprüche oder Ver­pflich­tun­gen oder auf den Um­fang ei­ner Leis­tungs­pflicht be­zie­hen (BAG v. 29.09.2004 – 1 AZR 473/03 – EzA-SD 05, Nr. 5 12 – 13; Urt. v. 13.02.2003 – 8 AZR 102/02 – DB 03, 1740; Urt. V. 19.06.1985 – 5 AZR 57/84 – DB 86, 132). Bloße Ele­men­te oder Vor­fra­gen ei­nes Rechts­verhält­nis­ses können hin­ge­gen nicht Ge­gen­stand ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge sein (BAG v. 03.05.2006 – 1 ABR 63/04 – NZA 07, 285, Tz 19; BAG v. 13.02.2003, a.a.O.; BAG v. 29.11.2001 – 4 AZR 757/00 – BA­GE 100, 43 = DB 02, 1561).
b) Die An­wend­bar­keit ei­nes be­stimm­ten Ta­rif­ver­trags auf ein Ar­beits­verhält­nis ist ei­ne Ver­pflich­tung, die Ge­gen­stand ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge sein kann (BAG v. 15.03.2006 – 4 AZR 75/05 – BA­GE 117, 248 = NZA 06, 690, Tz 15 m. w. N.). Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se er­gibt sich dar­aus, dass mit der An­wend­bar­keit ei­nes Ta­rif­ver­trags ei­ne Viel­zahl von Fra­gen, die den In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses be­tref­fen, geklärt wer­den kann.
2) Der Fest­stel­lungs­an­trag des Klägers ist auch be­gründet, denn auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en sind der TV-L so­wie der TVÜ-Länder an­wend­bar. Dies er­gibt sich im We­ge ergänzen­der Ver­trags­aus­le­gung aus der in Zif­fer 2 des Ar­beits­ver­tra­ges ver­ein­bar­ten Be­zug­nah­me auf den BAT in der je­weils gülti­gen Fas­sung und die da­zu ab­ge­schlos­se­nen Zu­satz­verträge.
a) Bei der Fra­ge, wel­che Ver­ein­ba­rung zwi­schen den Par­tei­en ei­nes Ver­tra­ges gilt, ist zunächst zu prüfen, ob sich ein übe­rein­stim­men­der Wil­le der Par­tei­en fest­stel­len lässt. Wenn fest­steht, was die Par­tei­en übe­rein­stim­mend ge­wollt ha­ben, dann ist für ei­ne Aus­le­gung ih­rer Erklärun­gen nach den Maßstäben der §§ 133, 157 BGB kein Raum; ihr übe­rein­stim­men­der Wil­le geht dem Wort­laut ei­ner Erklärung vor (BAG v. 06.02.1974 – 3 AZR 232/73 – Tz 18). Be­darf es der Aus­le­gung der Ver­trags­be­stim­mun­gen, ist aus­ge­hend von de­ren Wort­laut der ob­jek­ti­ve Be­deu­tungs­ge­halt der Erklärung zu er­mit­teln. Maßge­bend ist der all­ge­mei­ne Sprach­ge­brauch un­ter Berück­sich­ti­gung des ver­trag­li­chen Re­ge­lungs­zu­sam­men­han­ges. In die Aus­le­gung ein­zu­be­zie­hen sind auch die Be­gleit­umstände der Erklärung, so­weit sie ei­nen Schluss auf den Sinn­ge­halt der Erklärung zu­las­sen. Die tatsächli­che Hand­ha­bung des Ar­beits­verhält­nis­ses ermöglicht eben­falls Rück­schlüsse auf des­sen In­halt. Von Be­deu­tung für das Aus­le­gungs­er­geb­nis sind auch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te, der von den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ver­folg­te Re­ge­lungs­zweck so­wie die Ab­schluss der Ver­ein­ba­rung be­ste­hen­de In­ter­es­sen­la­ge der Be­tei­lig­ten (BAG v. 15.03.2005 – 9 AZR 97/04 – AP Nr. 33 zu § 157 BGB, Tz 23 m. w. N.), wo­bei der Grund­satz der nach bei­den Sei­ten hin in­ter­es­sen­ge­rech­ten Aus­le­gung zu be­ach­ten ist (vgl. BAG v. 12.12.2007 – 4 AZR 998/06 – NZA 08, 649, Tz 24; BAG v. 07.11.2007 – 5 AZR 880/06 – NZA 08, 355, Tz 17; BGH v. 07.11.2001 – VIII ZR 213/00 – NJW 02, 506, Tz 12).
Ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung setzt ei­ne un­be­wuss­te Lücke ei­ner ver­trag­li­chen Re­ge­lung vor­aus. Bei ih­rer Sch­ließung ist zu fra­gen, was die Par­tei­en ver­ein­bart hätten, wenn ih­nen die Lücke be­wusst ge­we­sen wäre, wo­bei nicht die sub­jek­ti­ve Vor­stel­lung ei­ner Ver­trags­par­tei maßge­bend ist, son­dern das, was die Par­tei­en bei an­ge­mes­se­ner Abwägung ih­rer In­ter­es­sen nach Treu und Glau­ben als red­li­che Ver­trags­part­ner ver­ein­bart hätten (BAG v. 12.12.2007 – 10 AZR 97/07 – NZA 08, 409, Tz 29; Urt. v. 11.10.2006 – 5 AZR 721/05 – NZA 07, 87, Tz 34). Bei der
ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung muss die Ant­wort auf die­se Fra­ge in­ner­halb des durch den Ver­trag selbst ge­zo­ge­nen Rah­mens ge­sucht wer­den. Das Er­geb­nis der ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung darf nicht im Wi­der­spruch zu dem im Ver­trag aus­ge­drück­ten Par­tei­wil­len ste­hen (BAG v. 12.12.2007, a.a.O., Urt. v. 24.10.2007 – 10 AZR 825/06 – NZA 08, 40, Tz 34).
b) Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze auf den vor­lie­gen­den Fall er­weist sich die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts im Er­geb­nis als zu­tref­fend.
aa) Ein übe­rein­stim­men­der Wil­le der Par­tei­en, wel­che Re­ge­lun­gen für die Ver­trags­be­zie­hung maßgeb­lich sein soll, wenn der BAT nicht fort­geführt wird und die auf Ar­beit­ge­ber­sei­te am BAT be­tei­lig­ten Ko­ali­tio­nen un­ter­schied­li­che Ta­rif­verträge ab­sch­ließen, kann nicht fest­ge­stellt wer­den. Un­strei­tig ha­ben die Par­tei­en bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­trags die­se Möglich­keit nicht in Erwägung ge­zo­gen.
bb) Die Gel­tung des TV-L lässt sich nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer nicht im We­ge der (nor­ma­len) Aus­le­gung aus Zif­fer 2 des Ar­beits­ver­tra­ges ab­lei­ten. Zwar kann die­se Ver­ein­ba­rung, wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­geführt hat, so ver­stan­den wer­den, dass das für den öffent­li­chen Dienst gel­ten­de Ta­rif­werk in Be­zug ge­nom­men wer­den soll. Da­mit al­lein lässt sich in­des die Fra­ge, wel­cher Ta­rif­ver­trag heu­te An­wen­dung fin­den soll, nicht be­ant­wor­ten, denn es gibt seit En­de 2006 zwei Ta­rif­verträge, die als sol­che des öffent­li­chen Diens­tes be­zeich­net wer­den können. Die Fra­ge, wel­cher von meh­re­ren Ta­rif­verträgen für den öffent­li­chen Dienst auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en An­wen­dung fin­den soll, ha­ben die Par­tei­en nicht ge­re­gelt.
cc) Ge­nau dar­in be­steht die Re­ge­lungslücke, die auch un­be­wusst ent­stan­den ist. Die Par­tei­en ha­ben nämlich bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges im Jahr 1995 nicht et­wa ent­schie­den, die Fra­ge of­fen zu las­sen, wel­cher Ta­rif­ver­trag bei ei­ner even­tu­el­len Auf­spal­tung des BAT gel­ten soll. Sie ha­ben viel­mehr die­se Möglich­keit nach ih­rem übe­rein­stim­men­den Sach­vor­trag nicht in Erwägung ge­zo­gen.
Der Auf­fas­sung der Be­klag­ten, es lie­ge kei­ne Re­ge­lungslücke vor, da der BAT wei­ter­hin be­ste­he, kann nicht ge­folgt wer­den. Sie berück­sich­tigt zu we­nig, dass die
Par­tei­en ei­ne dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf den BAT gewählt ha­ben. Ei­ne dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me ist so zu ver­ste­hen, dass die Par­tei­en die Re­ge­lung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses ak­tu­el­len Ent­wick­lun­gen an­pas­sen wol­len. Dies gilt ins­be­son­de­re für die Vergütung. Dass die Gehälter, wie die Be­klag­te ar­gu­men­tiert, un­ter der Gel­tung des BAT manch­mal über länge­re Zeit nicht an­ge­passt wor­den sind, steht dem nicht ent­ge­gen. Auch ei­ne länge­re Pha­se des Still­stan­des in der Ta­ri­fent­wick­lung ist mit ei­ner sta­ti­schen Re­ge­lung nicht zu ver­glei­chen. Da Le­bens­hal­tungs­kos­ten im Re­gel­fall nicht über ei­nen länge­ren Zeit­raum sin­ken son­dern stei­gen (vgl. Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt Deutsch­land, Stich­wort: Ver­brau­cher­prei­se), würde ei­ne sta­ti­sche Be­zug­nah­me zu ei­ner kon­ti­nu­ier­li­chen Ab­sen­kung des rea­len Ein­kom­mensführen. Dafür, dass die Par­tei­en ei­ne sol­che Re­ge­lung tref­fen wol­len, fehlt jeg­li­cher An­halts­punkt. Sie woll­ten die An­pas­sung ih­rer Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen – mit Aus­nah­me der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung, die ex­pli­zit aus­ge­klam­mert wur­de – auch aus­sch­ließlich der Ta­ri­fent­wick­lung über­las­sen. Das er­gibt sich aus dem Feh­len ei­ner ver­trag­li­chen An­pas­sungs­klau­sel z. B. für den Fall, dass ta­rif­li­che Ent­gelt­stei­ge­run­gen aus Sicht der Par­tei­en zu hoch oder zu ge­ring aus­fal­len. Dass der BAT in den Ländern Ber­lin und Hes­sen noch nicht durch ei­ne neue Re­ge­lung er­setzt wor­den ist, führt zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis, denn es spricht nichts dafür, dass der BAT zu­min­dest von die­sen bei­den Ländern als Ta­rif­werk fort­geführt wird. Ei­ne sol­che Fortführung im Sin­ne ei­ner An­pas­sung an veränder­te Umstände ist aber das, wor­auf es den Par­tei­en bei der Ver­ein­ba­rung ei­ner dy­na­mi­schen Be­zug­nah­me­klau­sel ty­pi­scher­wei­se an­kommt. Dass im vor­lie­gen­den Fall bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges an­de­re Erwägun­gen ei­ne Rol­le spiel­ten, ist nicht er­sicht­lich.
dd) Die Re­ge­lungslücke im Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en kann im We­ge ergänzen­der Ver­trags­aus­le­gung ge­schlos­sen wer­den. Hätten die Par­tei­en bei Ver­trags­schluss die Möglich­keit ei­ner Auf­tei­lung des BAT in un­ter­schied­li­che Re­ge­lungs­wer­ke in Be­tracht ge­zo­gen, dann hätten sie die Gel­tung des für sie sachnähe­ren Re­ge­lungs­wer­kes ver­ein­bart (eben­so: LAG Nie­der­sach­sen v. 06.07.2007 – 3 Sa 1790/06 – ZTR 07, 690, Tz 25). Das ist – in­so­weit zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig – der TV-L. Die Be­klag­te und ihr Träger­ver­ein sind schwer­punktmäßig in Ham­burg tätig. An­knüpfungs­punk­te, die ei­ne Be­zie­hung zum Bund oder zu den Ge­mein­den er­ge­ben könn­ten, sind nicht vor­han­den.
Die Fra­ge, ob es sich bei dem TV-L um ei­ne Fortführung des BAT oder um ei­nen an­de­ren Ta­rif­ver­trag han­delt, kann da­hin­ste­hen. Selbst wenn der TV-L als völlig ei­genständi­ges Ta­rif­werk zu be­wer­ten wäre, wäre un­ter den ge­ge­be­nen Umständen von ei­nem hy­po­the­ti­schen Wil­len der Par­tei­en aus­zu­ge­hen, die­ses Re­ge­lungs­werk auf ihr Ar­beits­verhält­nis an­zu­wen­den. Ei­ne sach­ge­rech­te Al­ter­na­ti­ve ist nicht er­sicht­lich: Ein Ein­verständ­nis mit ei­ner sta­ti­schen Be­zug­nah­me auf den BAT in sei­ner letz­ten Fas­sung hätte die Be­klag­te bei Ver­trags­schluss vom Kläger red­li­cher­wei­se nicht er­war­ten können. Für ei­ne Ver­ein­ba­rung des TVöD feh­len eben­so An­knüpfungs­punk­te wie für die Be­zug­nah­me auf ei­nen an­de­ren Ta­rif­ver­trag. Den Ver­zicht auf jeg­li­che Be­zug­nah­me auf ta­rif­li­che Re­ge­lung für den Fall der Nicht­fortführung des BAT zu ver­ein­ba­ren, wäre in Be­tracht ge­kom­men. Da der Ar­beits­ver­trag je­doch kei­ne An­pas­sungs­klau­seln enthält, spricht nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer mehr dafür, dass die Par­tei­en auf ein ta­rif­li­ches Re­gel­werk Be­zug ge­nom­men hätten.
Ei­ner Ta­rif­wech­sel­klau­sel, wel­che die Par­tei­en des vor­lie­gen­den Rechts­streits nicht ver­ein­bart ha­ben, be­darf es für ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung im Sin­ne ei­ner An­wen­dung des TV-L nicht. Die Kam­mer folgt in­so­weit der Li­te­ra­tur, die die­se Fra­ge für den Über­gang vom BAT zum TVöD über­wie­gend ver­neint (Möller /Wel­ko­borsky, NZA 06, 1382; Fie­berg NZA 05, 1226; Wert­he­bach NZA 05, 1224; a. A. wohl nur Hümme­rich/Mäßen, NZA 05, 961). Die Ver­tre­ter der h. M. stim­men dar­in übe­rein, dass die Ablösung des BAT durch den TVöD mit den Fällen, in de­nen das BAG ei­ne Ta­rif­wech­sel­klau­sel für er­for­der­lich ge­hal­ten hat, nicht ver­gleich­bar ist. Dar­an hat sich durch den Ab­schluss des TV-L nichts geändert. Letzt­lich geht es um die Auf­spal­tung der bis­he­ri­gen Ta­rif­ge­mein­schaft in zwei Be­rei­che. Da­bei hat zwar auf Ar­beit­ge­ber­sei­te ei­ne Verände­rung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en statt­ge­fun­den. Die­ser ist aber mit dem Über­tritt ei­nes Ar­beit­ge­bers in ei­nen an­de­ren Ar­beit­ge­ber­ver­band nicht ver­gleich­bar.
Die von der Be­klag­ten be­ton­ten struk­tu­rel­len Un­ter­schie­de zwi­schen BAT und TV-L ste­hen ei­ner ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung eben­falls nicht ent­ge­gen. Ei­ne dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf ei­nen Ta­rif­ver­trag, wie sie die Par­tei­en im vor­lie­gen­den Fall ver­ein­bart ha­ben, be­inhal­tet grundsätz­lich auch die Be­reit­schaft,
weit­rei­chen­de, auch struk­tu­rel­le Verände­run­gen des Ta­rif­ver­trags um­zu­set­zen. Dass die Par­tei­en die ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen auf ih­re Ge­eig­net­heit für ihr Ver­trags­verhält­nis über­prüft ha­ben, be­legt der Ab­schluss ei­ner ei­genständi­gen, für die Ar­beit­ge­be­rin ge­genüber dem Ta­rif­ver­trag güns­ti­ge­ren Re­ge­lung zur be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung. Da ent­spre­chen­de Aus­nah­men oder Vor­be­hal­te für an­de­re Fra­gen feh­len, ist von ei­ner un­ein­ge­schränk­ten Ak­zep­tanz ta­rif­li­cher Ände­run­gen aus­zu­ge­hen. Dass die Verände­run­gen des TV-L ge­genüber dem BAT ge­ra­de we­gen der Verände­run­gen der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auf Ar­beit­ge­ber­sei­te be­son­ders gra­vie­rend aus­ge­fal­len sind, ist im Übri­gen le­dig­lich ei­ne Ver­mu­tung der Be­klag­ten, de­ren Rich­tig­keit die Kam­mer je­den­falls nicht po­si­tiv fest­stel­len kann. Die Kam­mer geht viel­mehr da­von aus, dass ent­spre­chen­de struk­tu­rel­le Verände­run­gen auch in­ner­halb des BAT hätten vor­ge­nom­men wer­den können.
II. Der Zah­lungs­an­spruch des Klägers er­gibt sich aus § 2 (1) b des Ta­rif­ver­trags über Ein­mal­zah­lun­gen für die Jah­re 2006 und 2007. Die An­wend­bar­keit die­ses Ta­rif­ver­trags auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en er­gibt sich aus des­sen § 1 I als Fol­ge der An­wend­bar­keit des TV-L.
III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 64 VI ArbGG i. V. m. § 97 ZPO.
IV. Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ruht auf § 72 II Nr. 1 ArbGG.
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