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Timestamp: 2019-04-22 16:35:16
Document Index: 226280764

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 4', '§ 8', '§ 4', '§ 8', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 4']

Trockener Sommer wirkt sich auf die Dokumentation der Nährstoffbilanz und Düngebedarfsermittlung aus » Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen
Trockener Sommer wirkt sich auf die Dokumentation der Nährstoffbilanz und Düngebedarfsermittlung aus
Geschrieben von Dierk Koch, Fachinformation Pflanzenbau
Berücksichtigung trockenheitsbedingter Mindererträge im Jahr 2018 beim betrieblichen Nährstoffvergleich (§ 8 Absatz 5) und bei der Düngebedarfsermittlung (§ 4) 2019 nach Düngeverordnung
Aufgrund der anhaltenden Trockenheit im Frühjahr und Sommer 2018 liegt das diesjährige Ertragsniveau in einigen Regionen Hessens bei verschiedenen Kulturen erheblich unter dem Mittelwert der Vorjahre.
Für solche Ausnahmejahre sieht die Düngeverordnung vor, dass der Landwirt
im betrieblichen Nährstoffvergleich unvermeidliche Verluste an Stickstoff und Phosphat nach Vorgabe oder in Abstimmung mit der nach Landesrecht zuständigen Stelle berücksichtigen darf (§ 8 Abs. 5 DüV) und
bei der Ermittlung des Stickstoff-Düngebedarfs, in welcher das Ertragsniveau der drei Vorjahre zu berücksichtigen ist, für ein Jahr mit einem besonders niedrigen Ertragsniveau den Vorjahreswert ansetzt (Tabelle 3 in Anlage 4 zu § 4 DüV).
Der jährliche betriebliche Nährstoffvergleich für Stickstoff (N) und Phosphat (P2O5) ist nach dem Muster der Anlage 5 zur DüV zu erstellen. Gemäß der dort dargestellten Tabelle sind in der zu ermittelnden Differenz zwischen Zufuhr (N bzw. P2O5) und Abfuhr (N bzw. P2O5) unvermeidliche Verluste und erforderliche Zuschläge nach § 8 Absatz 5 zu berücksichtigen. Infolge der Trockenheit haben Pflanzen dem Boden vielfach weniger N und P2O5 als in normalen Jahren entzogen.
Das wegen des verringerten Entzugs in höherer Menge im Boden verbliebene Phosphat geht dem System allerdings kurz- und mittelfristig nicht oder nur in geringer Menge verloren (wegen der geringen Mobilität von Phosphat im Boden) und kann in den Folgejahren von den Kulturpflanzen genutzt werden. Ein P2O5-Verlustabzug ist in der Regel nicht gerechtfertigt. In Sonderfällen, z. B. auf besonderen Standorten, können Verluste in Abstimmung mit der nach Landesrecht zuständigen Stelle (RP Kassel) geltend gemacht werden. Die vorherige Inanspruchnahme einer Beratung durch den LLH ist empfehlenswert.
Auch Stickstoff (N) wurde dem Boden im Jahr 2018 vielfach in geringerer Menge als in den Vorjahren entzogen. Diese Bilanzüberschüsse, die z. T. in organischer Substanz gebunden sind, können im Herbst und Winter mineralisiert werden. Hier besteht das Risiko der Verlagerung in tiefere Bodenschichten. Die bisher vorliegenden Ergebnisse der Bodenstickstoffuntersuchungen (siehe Abbildungen 1 und 2) zeigen relativ geringe Nmin-Werte im Boden.
Dennoch können während der Versickerungsphase im Winter 2018/19 wesentliche Stickstoffmengen, aufgrund günstiger Mineralisierungsbedingungen, unterhalb des durchwurzelbaren Horizontes verlagert werden. Für die Herbstbestellung sollte daher alles unternommen werden, um eine Verlagerung von Stickstoff zu verhindern. Die Düngebedürftigkeit der jetzt bestellten oder noch zu bestellenden Kulturen sollte daher unter der Berücksichtigung hoher Bilanzüberschüsse vorsichtig kalkuliert werden.
Anhand von Erkenntnissen (aus der Lysimeteranlage des LLH) über Sickerwassermengen und die darin enthaltene Nährstofffracht wird das RP Kassel voraussichtlich im März 2019 den Anteil des wegen Mindererträgen im Jahr 2018 nicht entzogenen Stickstoffs vorgeben, der als Verlust im Nährstoffvergleich für die Ernte 2018 geltend gemacht werden darf. Zusammen mit dieser Vorgabe werden der LLH und das RP Kassel anhand eines Beispiels darüber informieren, wie die Höhe dieses Abzuges (in kg N/Betrieb) konkret berechnet werden kann.
Vor dem Aufbringen von wesentlichen Mengen an Stickstoff oder Phosphat mit Düngemitteln hat der Landwirt den Düngebedarf der Kultur für jeden Schlag oder jede Bewirtschaftungseinheit nach den Vorgaben des § 4 DüV zu ermitteln (§ 3 Abs. 2 DüV). Das Ertragsniveau im Durchschnitt der letzten drei Jahre ist als ein Faktor bei der N-Düngebedarfsermittlung gemäß Anlage 4 (zu § 4 DüV) in Form eventueller Zu- oder Abschläge vom Stickstoffbedarfswert (DüV-Tabellenwert) zu berücksichtigen. Weicht das Ertragsniveau im Jahr 2018 um mehr als 20 % vom Ertragsniveau des Jahres 2017 ab, kann bei der Ermittlung des Düngebedarfs an Stickstoff statt des Ertragsniveaus 2018 das Ertragsniveau des Jahres 2017 für die Berechnung des 3-jährigen Durchschnittsertrages und zur Ermittlung der Ertragsdifferenz im Rahmen der Düngebedarfsermittlung herangezogen werden. Die Mindererträge des Jahres 2018 sind, ebenso wie die Erträge der anderen Vorjahre, mit betriebseigenen Daten oder durch andere geeignete Quellen zu belegen oder glaubhaft zu machen.
Beispielrechnung für Winterweizen A, B (Standardertragsniveau 80 dt/ha gemäß Tabelle 2, Anlage 4 zu § 4 DüV):
Ertrag 2016: 77 dt/ha
Ertrag 2017: 74 dt/ha
Ertrag 2018: 48 dt/ha (Abweichung um 35 % vom Ertrag 2017)
Wegen einer Abweichung von mehr als 20 % vom Vorjahreswert ist bei der Bildung des 3-Jahresmittels für den Ertrag 2018 der Wert des Ertrages 2017 anzusetzen. Der Durchschnitt wird wie folgt gebildet: (77 + 74 + 74)/3 = 75, d. h. der DüV-Tabellenwert (80 dt/ha) wird um 5 dt/ha unterschritten. Daher sind in diesem Fall vom Stickstoffbedarfswert (230 kg/ha nach DüV-Tabelle) mindestens 5/10 von 15 kg/ha, d. h. mindestens 7,5 kg/ha, abzuziehen.
NEU: Nährstoffbilanz-Rechner 2019 - Version 5.1 ( 09.04.19)