Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/gruendungszuschuss-fuer-die-selbstaendige-taetigkeit-im-ausland-365676
Timestamp: 2020-01-22 13:37:34
Document Index: 318768892

Matched Legal Cases: ['§ 57', '§ 57', '§ 421', '§ 30', '§ 30', '§ 30', '§ 30', '§ 37', '§ 57', '§ 57', '§ 57', '§ 57', '§ 57', '§ 57', '§ 58', '§ 421', '§ 57', '§ 58', '§ 57', '§ 30', '§ 57', 'Art 3', 'Art 14', '§ 28', '§ 57', '§ 30', 'Art 14', '§ 57', '§ 2', '§ 12', '§ 30', '§ 30', '§ 30', '§ 421', '§ 57', '§ 30', '§ 119', '§ 30']

Grün­dungs­zu­schuss für die selb­stän­di­ge Tätig­keit im Aus­land | Rechtslupe
Grün­dungs­zu­schuss für die selb­stän­di­ge Tätig­keit im Aus­land
Für die Auf­nah­me einer selbst­stän­di­gen Tätig­keit im Aus­land besteht (bei gleich­zei­ti­ger Ver­le­gung des Wohn­sit­zes ins Aus­land) kein Anspruch auf einen Grün­dungs­zu­schuss.
Nach § 57 Abs 1 SGB III haben Arbeit­neh­mer, die durch Auf­nah­me einer selbst­stän­di­gen, haupt­be­ruf­li­chen Tätig­keit die Arbeits­lo­sig­keit been­den, zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts und zur sozia­len Siche­rung in der Zeit nach der Exis­tenz­grün­dung Anspruch auf einen GZ, wenn sie die im Ein­zel­nen in § 57 Abs 2 SGB III genann­ten Vor­aus­set­zun­gen erfül­len (u.a. Anspruch auf eine Ent­gel­ter­satz­leis­tung nach dem SGB III bzw Aus­übung einer als Arbeits­be­schaf­fungs­maß­nah­me geför­der­ten Beschäf­ti­gung bis zur Auf­nah­me der selbst­stän­di­gen Tätig­keit, Nach­weis der Trag­fä­hig­keit der Exis­tenz­grün­dung). Dage­gen kann § 421l SGB III 1 nicht als Rechts­grund­la­ge her­an­ge­zo­gen wer­den, weil nach des­sen Abs 5 die Rege­lun­gen vom 01.07.2006 an nur noch Anwen­dung fin­den, wenn der Anspruch auf För­de­rung vor die­sem Tag bestan­den hat, was bei Auf­nah­me einer selbst­stän­di­gen Tätig­keit am 4.09.2008 nicht der Fall sein kann.
Bei einer geplan­ten selb­stän­di­gen Tätig­keit im Aus­land schei­tert ein Anspruch auf Grün­dungs­zu­schuss bereits an § 30 Abs 1 SGB I, der die Vor­schrif­ten des SGB auf Per­so­nen begrenzt, die ihren Wohn­sitz oder gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in sei­nem Gel­tungs­be­reich haben (Ter­ri­to­ria­li­täts­prin­zip).
Nach § 30 Abs 3 S 1 SGB I hat jemand sei­nen Wohn­sitz dort, wo er eine Woh­nung unter Umstän­den inne­hat, die dar­auf schlie­ßen las­sen, dass er die Woh­nung bei­be­hal­ten und benut­zen wird. Ent­schei­dend sind die tat­säch­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se; der Wohn­sitz liegt dort, wo jemand den Schwer­punkt der Lebens­ver­hält­nis­se hat 2.
Den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat gemäß § 30 Abs 3 S 2 SGB I jemand dort, wo er sich unter Umstän­den auf­hält, die erken­nen las­sen, dass er an die­sem Ort oder in die­sem Gebiet nicht nur vor­über­ge­hend ver­weilt. Dies umfasst auch ein inso­weit erfor­der­li­ches sub­jek­ti­ves Ele­ment, näm­lich den Wil­len, auf län­ge­re Dau­er an dem betref­fen­den Ort zu ver­wei­len 3, der im Wege einer vor­aus­schau­en­den Betrach­tungs­wei­se (Pro­gno­se) fest­zu­stel­len ist 4.
§ 30 SGB I wird auch nicht durch abwei­chen­de Rege­lun­gen des deut­schen Rechts (vgl § 37 S 1 SGB I) oder des über- und zwi­schen­staat­li­chen Rechts ver­drängt. Ins­be­son­de­re ist § 57 SGB III nicht zu ent­neh­men, es rei­che bereits ein in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­der Bezug zur Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft aus.
Zwar trifft es zu, dass der Grün­dungs­zu­schuss an Arbeit­neh­mer geleis­tet wird, die durch Auf­nah­me einer selbst­stän­di­gen Tätig­keit die Arbeits­lo­sig­keit in Deutsch­land been­den (§ 57 Abs 1 SGB III), die (u.a.) bis zur Auf­nah­me einen Anspruch auf eine Ent­gel­ter­satz­leis­tung nach dem SGB III haben und die bei Auf­nah­me noch über eine bestimm­te Dau­er eines Anspruchs auf Arbeits­lo­sen­geld ver­fü­gen (§ 57 Abs 2 S 1 Nr 1 und 2 SGB III). Aus § 57 SGB III in der ein­schlä­gi­gen Fas­sung ergibt sich über die genann­ten Rege­lun­gen hin­aus aber auch, dass die Trag­fä­hig­keit der Exis­tenz­grün­dung nach­ge­wie­sen sein muss (§ 57 Abs 2 S 1 Nr 3 SGB III) und dass die Leis­tung zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts und zur sozia­len Siche­rung erbracht wird (§ 57 Abs 1 SGB III, vgl auch § 58 SGB III). Inso­fern kann die zu § 421l SGB III idF des Zwei­ten Geset­zes für moder­ne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt vom 23.12.2002, BGBl I 4621, ergan­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts 5 nicht auf die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung über­tra­gen wer­den, weil für den Exis­tenz­grün­dungs­zu­schuss nach der vor­ge­nann­ten Vor­schrift weder die Prü­fung einer Erfolgs­aus­sicht noch eine Zweck­bin­dung zur sozia­len Siche­rung vor­ge­schrie­ben war 6.
Durch die Gesamt­re­ge­lung des § 57 iVm § 58 SGB III kommt somit zum Aus­druck, dass wäh­rend des Leis­tungs­be­zugs auch die wei­te­re Aus­übung der selbst­stän­di­gen Tätig­keit gege­ben sein muss, wes­halb ein ter­ri­to­ria­ler Bezug auch für die Zeit ab Auf­nah­me die­ser Tätig­keit als erfor­der­lich anzu­se­hen ist. Es kann folg­lich – wie das LSG zutref­fend aus­ge­führt hat – nicht ange­nom­men wer­den, durch § 57 SGB III sei die all­ge­mei­ne Regel des § 30 SGB I modi­fi­ziert wor­den. Der gegen­läu­fi­gen Ansicht, § 57 SGB III erfor­de­re aus­schließ­lich die Been­di­gung der Arbeits­lo­sig­keit in Deutsch­land 7, ist nicht zu fol­gen.
Dass der Exis­tenz­grün­der unter den gege­be­nen Umstän­den kei­nen Anspruch auf einen Grün­dungs­zu­schuss hat, begeg­net kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Es ist weder eine Ver­let­zung des Art 3 Abs 1 GG noch eine Ver­let­zung des Art 14 GG ersicht­lich.
Ins­be­son­de­re steht dem Aus­schluss eines Leis­tungs­an­spruchs nicht die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sugns­ge­richts und des Bun­des­so­zi­al­ge­richts ent­ge­gen, wonach es dem Gesetz­ge­ber nicht frei steht, ohne gewich­ti­ge sach­li­che Grün­de den Anknüp­fungs­punkt zwi­schen Bei­trags­er­he­bung und Leis­tungs­be­rech­ti­gung zu wech­seln 8. Denn die die­ser Recht­spre­chung zugrun­de lie­gen­den Fall­ge­stal­tun­gen, die vor allem Per­so­nen mit zeit­wei­li­gem grenz­na­hen Aus­lands­wohn­sitz betref­fen, sind mit dem vor­lie­gen­den Fall nicht ver­gleich­bar. In einem Fall wie dem vor­lie­gend ent­schie­de­nen, in dem der Exis­tenz­grün­der wäh­rend der Ver­si­che­rungs­pflicht gemäß § 28a SGB III im Inland gewohnt und danach den Wohn­sitz und den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in das außer­eu­ro­päi­sche Aus­land ver­legt hat, ist der Gesetz­ge­ber nicht gehin­dert, den Leis­tungs­an­spruch von einem fort­be­stehen­den Bezug zum Inland abhän­gig zu machen. Inso­weit stellt die gesetz­li­che Rege­lung nach § 57 SGB III iVm § 30 Abs 1 SGB I auch eine zuläs­si­ge Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung iS des Art 14 Abs 2 S 1 GG dar.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 6. März 2013 – B 11 AL 5/​12 R
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idF des Fünf­ten Geset­zes zur Ände­rung des SGB III und ande­rer Geset­ze vom 22.12.2005, BGBl I 3676[↩]
vgl BSG SozR 3 – 5870 § 2 Nr 36 S 140 ff; BSG SozR 4 – 7837 § 12 Nr 1 RdNr 18; See­wald in Kas­se­ler Kom­men­tar zum Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht, § 30 SGB I, RdNr 15 ff, Stand Ein­zel­kom­men­tie­rung Sep­tem­ber 2007[↩]
vgl BSGE 60, 262, 263 = SozR 1200 § 30 Nr 10 mwN[↩]
vgl BSG SozR 4 – 1200 § 30 Nr 6 RdNr 25 mwN[↩]
BSG, Urteil vom 27.08.2008 – B 11 AL 22/​07 R – BSGE 101, 224 = SozR 4 – 4300 § 421l Nr 2[↩]
vgl BSG, Urteil vom 27.08.2008 aaO RdNr 22, 29[↩]
so – nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich – zu § 57 SGB III in der ab 1.01.2005 gel­ten­den Fas­sung: Hes­si­sches LSG Urteil vom 23.09.2011 – L 7 AL 104/​09[↩]
BVerfG Beschluss vom 30.12.1999 – 1 BvR 809/​95, SozR 3 – 1200 § 30 Nr 20; BSG, Urtei­le vom 27.08.2008 – B 11 AL 7/​07 R, SozR 4 – 4300 § 119 Nr 7; und vom 07.10.2009 – B 11 AL 25/​08 R – BSGE 104, 280 = SozR 4 – 1200 § 30 Nr 5[↩]