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Timestamp: 2019-09-17 22:54:54
Document Index: 91997772

Matched Legal Cases: ['BGH', 'Art. 15', 'Art. 12', 'Art. 13', 'EuG', 'BGH', '§ 4', 'BGH', '§ 4', 'BGH', 'Art. 15', 'Art. 13', 'BGH', 'EuG']

Deut­sche Äcker für Schwei­zer Land­wir­te | Rechtslupe
Der BGH hat mit Beschluss vom 23. Novem­ber 2007 das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten die Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt, ob nach Art. 15 Abs. 1 des Anhangs I des Abkom­mens zwi­schen der Euro­päi­schen Gemein­schaft und ihren Mit­glied­staa­ten einer­seits und der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft ande­rer­seits über die Frei­zü­gig­keit1 nur Selb­stän­di­gen im Sin­ne von Art. 12 Abs. 1 des Anhangs I des Abkom­mens in dem Auf­nah­me­staat hin­sicht­lich des Zugangs zu einer selb­stän­di­gen Erwerbs­tä­tig­keit und deren Aus­übung eine Behand­lung zu gewäh­ren ist, die nicht weni­ger güns­ti­ger ist als die den eige­nen Staats­an­ge­hö­ri­gen gewähr­te Behand­lung, oder ob dies auch für selb­stän­di­ge Grenz­gän­ger im Sin­ne von Art. 13 Abs. 1 des Anhangs I des Abkom­mens gilt. Nach­dem der EuGH in einer Par­al­lel­sa­che2 die­se Fra­ge beant­wor­tet hat, hat der BGH mit Ein­ver­ständ­nis der Betei­lig­ten das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nicht auf­recht­erhal­ten und nun­mehr über die Beschwer­de ent­schie­den, die er für begrün­det erach­te­te.
Nach § 4 Abs. 2 LPachtVG liegt eine unge­sun­de Ver­tei­lung der Boden­nut­zung in der Regel vor, wenn die Ver­pach­tung Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Agrar­struk­tur wider­spricht. Das ist nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Land­wirtswchafts­se­nats des BGH3 der Fall, wenn land­wirt­schaft­li­che Grund­stü­cke auf dem Gebiet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land durch Ver­pach­tung an schwei­ze­ri­sche Land­wir­te, deren Betriebs­stät­te in der Schweiz liegt, der Nut­zung deut­scher Voll­erwerbs­land­wir­te ent­zo­gen wer­den, die die­ses Land drin­gend zur Schaf­fung und Erhal­tung leis­tungs- und wett­be­werbs­fä­hi­ger Betrie­be benö­ti­gen. Das in die schwei­ze­ri­sche Agrar­struk­tur ein­ge­bet­te­te Nut­zungs­in­ter­es­se schwei­ze­ri­scher Land­wir­te muss dem­ge­gen­über zurück­tre­ten, so dass im Ergeb­nis bei der Anwen­dung von § 4 LPachtVG schwei­ze­ri­sche Land­wir­te mit Betriebs­sitz in der Schweiz als außer­halb der deut­schen Agrar­struk­tur ste­hend, mit­hin wie Nicht­land­wir­te zu behan­deln sind.
Der Land­wirt­schafts­se­nat des BGH hält die­se Recht­spre­chung nun­mehr aus­drück­lich nicht mehr auf­recht. Ihr steht näm­lich die Rege­lung in Art. 15 Abs. 1 des Anhangs I des Abkom­mens zwi­schen der Euro­päi­schen Gemein­schaft und ihren Mit­glied­staa­ten einer­seits und der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft ande­rer­seits über die Frei­zü­gig­keit4, wel­ches am 1. Juni 2002 in Kraft getre­ten ist5, ent­ge­gen. Danach muss eine Ver­trags­par­tei den selb­stän­di­gen Grenz­gän­gern einer ande­ren Ver­trags­par­tei im Sin­ne des Art. 13 die­ses Anhangs hin­sicht­lich des Zugangs zu einer selb­stän­di­gen Erwerbs­tä­tig­keit und deren Aus­übung im Auf­nah­me­staat eine Behand­lung gewäh­ren, die nicht weni­ger güns­tig ist als die den eige­nen Staats­an­ge­hö­ri­gen gewähr­te Behand­lung6.
ABl. 2002, L 114, S. 6 [↩]
BLw 10/​07 [↩]
BGHZ 101, 95, 99 [↩]
BGBl. II S. 1692 [↩]
EuGH, Urteil vom 22. Dezem­ber 2008, C‑13/​08, DÖV 2009, 210 [↩]