Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20191/08
Timestamp: 2019-09-21 18:40:33
Document Index: 251351230

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 314', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 1', 'Art. 2', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 26.05.2009 - VI ZR 191/08 - dejure.org
https://dejure.org/2009,274
BGH, 26.05.2009 - VI ZR 191/08 (https://dejure.org/2009,274)
BGH, Entscheidung vom 26.05.2009 - VI ZR 191/08 (https://dejure.org/2009,274)
BGH, Entscheidung vom 26. Mai 2009 - VI ZR 191/08 (https://dejure.org/2009,274)
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Zulässigkeit der Darstellung einer spektakulären Straftat ("Kannibale von Rotenburg") in einem Spielfilm; Güter- und Interessenabwägung der Kunst- und Filmfreiheit mit dem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht; Ausgeprägte Übereinstimmung zwischen dem Erscheinungsbild, dem ...
Persönlichkeitsrecht - Zulässigkeit der Verfilmung einer realen Straftat
Bundesgerichtshof erlaubt Verwertung des Horrorfilms »Rohtenburg«
"Kannibale von Rotenburg" darf ins Kino
Der Spielfilm über den "Kannibalen von Rotenburg" darf gezeigt werden
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Versäumnisurteil des BGH vom 26.5.2009, Az.: VI ZR 191/08 (Zulässige Persönlichkeitsdarstellung im Spielfilm "Kannibale von Rotenburg")" von RA Tobias Gostomzyk, original erschienen in: NJW 2009, 3579 - 3580.
LG Kassel, 12.01.2006 - 5 O 55/06
BVerfG, 17.06.2009 - 1 BvQ 26/09
NJW 2009, 3576
MDR 2009, 1040
VersR 2009, 1085
afp 2009, 398
Denn niemand kann sich auf den Schutz seiner Intim- oder Privatsphäre hinsichtlich solcher Tatsachen berufen, die er selbst der Öffentlichkeit preisgegeben hat (vgl. Senatsurteile vom 26. Mai 2009 - VI ZR 191/08, VersR 2009, 1085 Rn. 26;… vom 25. Oktober 2011 - VI ZR 332/09, aaO;… vom 20. Dezember 2011 - VI ZR 261/10, VersR 2012, 368 Rn. 16; jeweils mwN; vgl. auch BVerfGE 101, 361, 385; BVerfG, NJW-RR 2007, 1191, 1193).
Indes gehört der Bereich der Sexualität nicht zwangsläufig und in jedem Fall zu diesem Kernbereich (vgl. Senatsurteile vom 24. November 1987 - VI ZR 42/87, VersR 1988, 497; vom 26. Mai 2009 - VI ZR 191/08, VersR 2009, 1085 Rn. 25;… BVerfG, AfP 2009, 365 Rn. 25).
Er kann sich dann nicht gleichzeitig auf den öffentlichkeitsabgewandten Schutz seiner Intim- oder Privatsphäre berufen (…vgl. Senatsurteile vom 24. November 1987 - VI ZR 42/87, aaO; vom 26. Mai 2009 - VI ZR 191/08, aaO Rn. 26 mwN; BVerfGE 101, 361, 385).
Er kann sich dann nicht gleichzeitig auf den öffentlichkeitsabgewandten Schutz seiner Privatsphäre berufen (vgl. Senatsurteile vom 24. November 1987 - VI ZR 42/87, VersR 1988, 497, 498; vom 26. Mai 2009 - VI ZR 191/08, aaO, Rn. 26 mwN; BVerfGE 101, 361, 385).
Aus diesem Grund umfasst das allgemeine Persönlichkeitsrecht den Schutz vor Äußerungen, die - wie die angegriffene Berichterstattung - geeignet sind, sich abträglich auf sein Bild in der Öffentlichkeit auszuwirken (vgl. Senatsurteile vom 26. Mai 2009 - VI ZR 191/08, VersR 2009, 1085 Rn. 11; vom 26. Oktober 2010 - VI ZR 230/08, BGHZ 187, 200;… vom 22. Februar 2011 - VI ZR 114/09, AfP 2011, 586 Rn. 11, 14, - VI ZR 115/09, juris Rn. 11, 14 und - VI ZR 346/09 - AfP 2011, 180 Rn. 10, 13, jeweils mwN; BVerfGE 54, 148, 153; 99, 185, 193).
Dieses Verhalten des Klägers kann entweder als eine die Rechtswidrigkeit ausschließende Einwilligung in die Berichterstattung der Beklagten zu werten sein oder jedenfalls dazu führen, dass sein Interesse an einem Schutz seiner Persönlichkeit im Rahmen der Abwägung hinter dem Interesse der Beklagten an einer Berichterstattung zurückzutreten hat (vgl. zur Einwilligung in eine Persönlichkeitsbeeinträchtigung: BVerfGE 106, 28, 45 f.; Senatsurteile vom 28. September 2004 - VI ZR 305/03, VersR 2005, 83 mwN; vom 19. Oktober 2004 - VI ZR 292/03, VersR 2005, 84, 86; LG Köln, AfP 1989, 766 f.; siehe auch OLG Karlsruhe, OLGR 2006, 598, 599; OLG Frankfurt, ZUM 2007, 915, 916; LG München, ZUM-RD 2008, 309;… Prinz/Peters, Medienrecht, 1999, Rn. 249; vgl. zur Berücksichtigung bei der Abwägung: Senatsurteile vom 3. Mai 1977 - VI ZR 36/74, NJW 1977, 1288, 1289, insoweit in BGHZ 68, 331 nicht abgedruckt; vom 26. Mai 2009 - VI ZR 191/08, VersR 2009, 1085 Rn. 26;… BVerfG, AfP 2010, 365 Rn. 32; BVerfGK 9, 54, 62).
Eine diesbezügliche "Selbstöffnung", die einer Berufung des Klägers auf das Recht zur Privatheit entgegenstehen könnte (…vgl. Senatsurteile vom 29. November 2016 - VI ZR 382/15, VersR 2017, 365 Rn. 12;… vom 25. Oktober 2011 - VI ZR 332/09, AfP 2012, 47 Rn. 16; vom 26. Mai 2009 - VI ZR 191/08, AfP 2009, 398 Rn. 26, jeweils mwN), hat es nach den aufgrund der Beweiskraft des Tatbestands gemäß § 314 Satz 1 ZPO für den Senat bindenden Feststellungen des Berufungsgerichts (…vgl. Senatsurteile vom 21. September 2015 - VI ZR 100/14, juris Rn. 50;… vom 24. Juni 2014 - VI ZR 560/13, VersR 2014, 1470 Rn. 42) nicht gegeben.
Dafür kann unter Umständen die Schilderung von Einzelheiten aus dem Lebenslauf des Betroffenen oder die Nennung seines Wohnortes und seiner Berufstätigkeit ausreichen (vgl. BGH, Urteil vom 21.06.2005, Az. VI ZR 122/04, NJW 2005, 2844, BGH, Urteil vom 25.06.2009, Az. VI ZR 191/08, AfP 2009, 398; OLG Stuttgart, Urteil vom 16.06.2010, Az. 4 U 20/10, zitiert nach Juris; BVerfGE 119, 1).
Er kann dann nicht gleichzeitig den öffentlichkeitsabgewandten Schutz seiner Privatsphäre geltend machen (vgl. Senatsurteile vom 24. November 1987 - VI ZR 42/87, VersR 1988, 497, 498;… vom 14. Oktober 2008 - VI ZR 272/06, AfP 2008, 610 Rn. 23; vom 26. Mai 2009 - VI ZR 191/08, AfP 2009, 398 Rn. 26;… vom 25. Oktober 2011 - VI ZR 332/09, AfP 2012, 47 Rn. 16; BVerfGE 101, 361, 385).
Dafür kann unter Umständen die Schilderung von Einzelheiten aus dem Lebenslauf des Betroffenen oder die Nennung seines Wohnortes und seiner Berufstätigkeit ausreichen (vgl. BGH, Urteil vom 21.06.2005, Az. VI ZR 122/04, NJW 2005, 2844; BGH, Urteil vom 25.06.2009, Az. VI ZR 191/08, AfP 2009, 398; OLG Stuttgart, Urteil vom 16.06.2010, Az. 4 U 20/10, zitiert nach Juris BVerfGE 119, 1).
(Erfolgloser) Antrag auf einstweilige Anordnung; allgemeines Persönlichkeitsrecht …
Das fachgerichtliche Verfahren fand seinen Abschluss in dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 26. Mai 2009 - VI ZR 191/08 -, mit dem die Klage des Antragstellers abgewiesen wurde.
(1) Zu Recht hat das Landgericht zwischen dem Persönlichkeitsrecht des Antragstellers aus Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 GG - insbesondere unter Berücksichtigung der maßgebenden Lebach-Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum Resozialisierungsinteresse des Antragstellers (vgl. BVerfGE 35, 202; BVerfG, Beschl. d. 1. Kammer des Ersten Senats v. 10.06.2009 - 1 BvR 1107/09 -, AfP 2009, 365; vgl. auch BGH, Urt. vom 26.05.2009 - VI ZR 191/08 -, NJW 2009, 3576; BGHZ 183, 353;… BGH, Urt. v. 13.11.2012 - VI ZR 330/11 -, MDR 2013, 151) - sowie der Meinungs- und Kunstfreiheit der Antragsgegnerin aus Art. 5 Abs. 1, Abs. 3 GG abgewogen.
Er muss grundsätzlich auch dulden, dass das von ihm selbst durch seine Tat erregte Informationsinteresse der Öffentlichkeit in einer nach dem Prinzip freier Kommunikation lebenden Gemeinschaft auf den dafür üblichen Wegen befriedigt wird (vgl. BGH, Urt. vom 26.05.2009 - VI ZR 191/08 -, NJW 2009, 3576).
Dafür kann unter Umständen die Schilderung von Einzelheiten aus dem Lebenslauf des Betroffenen oder die Nennung seiner Berufstätigkeit ausreichen (…BGH, Urteile vom 21.6.2005 - VI ZR 122/04 - NJW 2005, 2844, juris Rn. 10; vom 26.5.2009 - VI ZR 191/08 - AfP 2009, 398, juris Rn. 9;… vgl. BVerfGE 119, 1, juris Rn. 75).
Wie bereits oben dargelegt, ist derjenige in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht von einer Veröffentlichung betroffen, der erkennbar deren Gegenstand ist (…BGH, Urteile vom 21.6.2005 - VI ZR 122/04 - aaO, juris Rn. 10; vom 26.5.2009 - VI ZR 191/08 - AfP 2009, 398, juris Rn. 9;… vgl. BVerfGE 119, 1, juris Rn. 75).