Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Befristung_Haushalt_ArbG_Duesseldorf_7Ca416-09.html
Timestamp: 2018-07-18 18:34:35
Document Index: 371412384

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 1', '§ 14', '§ 6', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 6', '§ 14', '§ 14', '§ 6', '§ 14', '§ 6', '§ 14', '§ 6', '§ 622', '§ 6', '§ 14', '§ 6', '§ 14', '§ 14', '§ 6', '§ 6', '§ 14', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 14', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 14', '§ 31', '§ 6', '§ 6', '§ 72', '§ 72', '§ 91']

ArbG Düsseldorf, Urteil vom 02.06.2009, 7 Ca 416/09 - HENSCHE Arbeitsrecht
ArbG Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 02.06.2009, 7 Ca 416/09
Einzelfallentscheidung zu § 14 Abs. 1 S. 2 N. 7 TzBfG
Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tungs­ab­re­de.
Die 42-jähri­ge Kläge­rin war bei e. seit dem 03.07.2000 beschäftigt. Sie war in der Ent­gelt­grup­pe 2 des Ta­rif­ver­tra­ges für den öffent­li­chen Dienst der Länder (TV-L) ein­grup­piert. Die Beschäfti­gung er­folg­te auf Grund­la­ge zahl­rei­cher (15) je­weils be­fris­te­ter Ar­beits­verträge. Der letz­te Ver­trag vom 28.11.2007 (Bl. 49 d. A.) weist ei­ne Be­fris­tung bis zum 31.12.2008 und ei­ne Beschäfti­gung mit 87,81 % der durch­schnitt­li­chen, re­gelmäßigen, wöchent­li­chen Ar­beits­zeit auf. In § 1 Abs. 3 des Ar­beits­ver­tra­ges heißt es:
„Das Ar­beits­verhält­nis ist gem. § 14 Abs. 1 Teil­zeit­be­fris­tungs­ge­setzt Tz­B­fG be­fris­tet bis zum 31.12.2008 und zwar we­gen Vor­lie­gens des fol­gen­den sach­li­chen Grun­des:
Vorrüber­ge­hend freie Haus­halts­mit­tel (§ 6 Abs. 8 Haus­halts­ge­setz).
der nutz­ba­ren Stel­len­an­tei­le der un­ter den LBV-Ak­ten­num­mern 1504 und 1119 beschäftig­ten Per­so­nen.“
Der beim M. be­ste­hen­de Per­so­nal­rat wur­de die Be­fris­tung mit Schrei­ben vom 08.11.2007 (Bl. 71 d. A.) mit­ge­teilt und um Zu­stim­mung ge­be­ten. Der Per­so­nal­rat stimm­te am 15.11.2007 zu.
Nach Ab­lauf der Be­fris­tung wur­de für die Kläge­rin ei­ne Er­satz­kraft ein­ge­stellt. Bei der Ent­schei­dung, die Kläge­rin nicht wei­ter­hin be­fris­tet zu beschäfti­gen, spiel­te ei­ne länge­re Er­kran­kung der Kläge­rin ei­ne Rol­le (vgl. Bl. 43 d.A.).
Die Kläge­rin macht gel­tend, es sein un­klar, war­um das be­klag­te M. ei­ne Pro­gno­se­ent­schei­dung ge­trof­fen ha­be, wo­nach das Ar­beits­verhält­nis am 31.12.2008 en­den sol­le, ob­wohl Haus­halts­mit­tel bis zum 31.12.2009 zur Verfügung stünden. Sie übe seit über 7 Jah­ren die glei­che Tätig­keit aus. Die An­zahl der Be­fris­tun­gen spre­che be­reits für ei­ne Um­ge­hung des KSchG.
1.fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis auf­grund der Be­fris­tung nicht zum 31.12.2008 be­en­det wor­den ist;
2.das be­klag­te M. zu ver­ur­tei­len, sie zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen wei­ter­zu­beschäfti­gen.
Das be­klag­te M. be­an­tragt,
Es be­ruft sich auf § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG und be­haup­tet, es hätten nur be­fris­te­te Haus­halts­mit­tel zur Verfügung ge­stan­den, so wie es auch im Ar­beits­ver­trag an­ge­ge­ben wor­den sei.
Die Mit­ar­bei­te­rin N.. mit der LBV-Ak­ten­num­mer 1119 (Be­sol­dungs­grup­pe A9) hätte bis längs­tens 31.12.2009 Son­der­ur­laub be­hal­ten, was un­strei­tig ist. Es ha­be die frei­ge­wor­de­nen Mit­tel nur bis zum 31.12.2008 ausschöpfen wol­len. Dies stünde ihm frei. Zu­dem ha­be es für das Jahr 2009 noch kei­ne Pro­gno­se tref­fen können, da das Haus­halts­ge­setz 2009 noch nicht ver­ab­schie­det ge­we­sen sei.
Die Kla­ge ist un­be­gründet. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ist auf­grund der Be­fris­tungs­ab­re­de im Ar­beits­ver­trag vom 28.11.2007 mit Ab­lauf des 31.12.2008 be­en­det wor­den. Die Be­fris­tung ist gem. § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG wirk­sam.
1. Die Zulässig­keit der Be­fris­tung er­gibt sich aus § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG in Ver­bin­dung mit § 6 Abs. 8 des Ge­set­zes über die Fest­stel­lung des Haus­halts­pla­nes des Lan­des Nord­rhein West­fa­len für das Haus­halts­jahr 2007 (Haus­halts­ge­setz 2007 (HHG) NW vom 30.1.2007) so­wie für das Jahr 2008 vom 20.12.2007.
a)Nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG liegt ein sach­li­cher Grund für die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges vor, wenn der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln vergütet wird, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sind, und er ent­spre­chend beschäftigt wird. Er­for­der­lich ist die Vergütung des Ar­beit­neh­mers aus Haus­halts­mit­teln, die mit ei­ner kon­kre­ten Sach­re­ge­lung auf der Grund­la­ge ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren Zweck­set­zung ver­se­hen sind. Die für die Vergütung des be­fris­te­ten ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers verfügba­ren Haus­halts­mit­tel müssen für ei­ne Auf­ga­be von nur vorüber­ge­hen­der Dau­er vor­ge­se­hen sein. Die Vor­aus­set­zun­gen des Be­fris­tungs­grun­des lie­gen et­wa dann nicht vor, wenn Haus­halts­mit­tel le­dig­lich all­ge­mein für die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern im Rah­men von be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen be­reit­ge­stellt wer­den.
Der Sach­grund des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG er­for­dert ne­ben der nur zeit­lich be­grenz­ten Verfügbar­keit von Haus­halts­mit­teln den über­wie­gen­den Ein­satz des be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers ent­spre­chend der Zweck­set­zung der be­reit­ste­hen­den Haus­halts­mit­tel. Da­bei sind die Umstände bei Ver­trags­schluss maßgeb­lich. Dies gilt auch für die Fra­ge, ob der Ar­beit­neh­mer aus den Haus­halts­mit­teln vergütet wor­den ist (vgl. zu all­dem BAG 19.03.2008 - 7 AZR 1098/06).
b)Nach § 6 Abs. 8 HHG NW können Plan­stel­len und Stel­len für Zeiträume, in de­nen Stel­len­in­ha­be­rin­nen oder Stel­len­in­ha­bern vorüber­ge­hend kei­ne oder kei­ne vol­len Bezüge zu gewähren sind, im Um­fang der nicht in An­spruch ge­nom­me­nen Plan­stel­len- oder Stel­len­an­tei­le für die Beschäfti­gung von be­am­te­ten Hilfs­kräften und Aus­hilfs­kräften in An­spruch ge­nom­men wer­den. Das BAG hat zu vor­he­ri­gen ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten in Haus­halts­ge­set­zen des Lan­des NRW, die vom Wort­laut her iden­tisch wa­ren, fest­ge­stellt, dass die­se Re­ge­lun­gen ei­ne Be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG recht­fer­ti­gen. Zwar stellt § 6 Abs. 8 HHG NW selbst kei­ne Haus­halts­mit­tel für die Ein­stel­lung von be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern be­reit. Die Be­stim­mung enthält le­dig­lich ei­ne an die Ver­wal­tung ge­rich­te­te Ermäch­ti­gung für die Beschäfti­gung von Aus­hilfs­kräften. Der Be­trag der hierfür zur Verfügung ste­hen­den Haus­halts­mit­tel er­gibt sich erst aus der Zu­ord­nung zu dem im maßgeb­li­chen Haus­halts­zeit­raum vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­ber, die von der Ver­wal­tung vor­ge­nom­men wird. Die be­tragsmäßige Aus­wei­sung der für die be­fris­te­te Beschäfti­gung zur Verfügung ste­hen­den Haus­halts­mit­tel im Haus­halts­plan ist je­doch in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG nicht er­for­der­lich. Es ist für das Merk­mal der Haus­halts­mit­tel aus­rei­chend, wenn die Plan­stel­len und Stel­len, durch die Lan­des­ver­wal­tung vor dem Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges in nach­voll­zieh­ba­rer Form - re­gelmäßig durch ei­nen Ak­ten­ver­merk, fest­ge­stellt wor­den sind. Hier­durch ste­hen die für die Ver­wen­dung durch die Lan­des­ver­wal­tung verfügba­re Haus­halts­mit­tel fest (vgl. BAG 07.11.2007 - 7 AZR 791/06).
Ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung als Aus­hilfs­kraft im Sin­ne des § 6 Abs. 8 HHG NW liegt vor, wenn die Haus­halts­mit­tel be­wirt­schaf­ten­de Dienst­stel­le hier­durch ent­we­der ei­nen Mehr­be­darf bei sich oder in ei­ner Dienst­stel­le ih­res nach­ge­ord­ne­ten Geschäfts­be­reichs ab­deckt oder ei­nen be­trieb­li­chen Be­darf in der Dienst­stel­le aus­gleicht, der der vorüber­ge­hend ab­we­sen­de Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­ber an­gehört. Mit die­sem In­halt genügt die Vor­schrift den zu stel­len­den An­for­de­run­gen (BAG 07.11.2007 a. a. O.). Der vom Lan­des­ge­setz­ge­ber ver­wand­te Be­griff der Aus­hilfs­kraft um­fasst ei­ne Beschäfti­gung zur De­ckung ei­nes vorüber­ge­hen­den Be­darfs wie auch ei­ne Beschäfti­gung zur Ver­tre­tung. Dies ent­spricht der Be­deu­tung des Be­griffs der Aus­hilfs­kraft in ar­beits­recht­li­chen Vor­schrif­ten, wie zum Bei­spiel in § 622 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 BGB. Das in § 6 Abs. 8 HHG NW ver­wand­te Merk­mal der Aus­hilfs­kraft ori­en­tiert sich da­her an den Sach­gründen des vorüber­ge­hen­den Be­darfs an der Ar­beits­leis­tung so­wie der Ver­tre­tung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers. Bei­des sind Auf­ga­ben von vorüber­ge­hen­der Dau­er, die der Ge­setz­ge­ber als Sach­gründe für die be­fris­te­te Beschäfti­gung in § 14 Abs. 1 Tz­B­fG an­er­kannt hat.
Die für die Aus­hilfs­kraft im Sin­ne des § 6 Abs. 8 HHG NW gel­ten­den An­for­de­run­gen müssen al­ler­dings nicht den An­for­de­run­gen an die Sach­gründe in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 oder 3 Tz­B­fG genügen, da an­sons­ten der Sach­grund des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG kei­ne ei­genständi­ge Be­deu­tung hätte. Des­halb können die nach § 6 Abs. 8 HHG NW an den Be­griff des Aus­hilfs­an­ge­stell­ten zu stel­len­den An­for­de­run­gen hin­ter den Vor­aus­set­zun­gen der ge­nann­ten Sach­gründe zurück­blei­ben. Sie müssen aber noch ei­ne dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Un­ter­maßver­bot und den ge­mein­schafts­recht­li­chen An­for­de­run­gen genügen­de Be­fris­tungs­kon­trol­le ermögli­chen. Dies er­for­dert ei­nen er­kenn­ba­ren Zu­sam­men­hang zwi­schen der Ab­we­sen­heit des Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­bers und der Beschäfti­gung des Aus­hilfs­an­ge­stell­ten. An­sons­ten gin­ge die Ori­en­tie­rung der von dem Be­griff der Aus­hilfs­kraft im Sin­ne des § 6 Abs. 8 HHG NW um­fas­sen­den Tätig­kei­ten zu den Sach­gründen des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 und 3 Tz­B­fG ver­lo­ren (vgl. zu all­dem BAG 07.11.2007 - 7 AZR 791/06).
Die Ermäch­ti­gung in § 6 Abs. 8 HHG NW trägt dem Um­stand Rech­nung, dass der öffent­li­che Ar­beit­ge­ber - an­ders als ein pri­va­ter Ar­beit­ge­ber - kei­ne Ver­pflich­tun­gen ein­ge­hen darf, die haus­halts­recht­lich nicht ge­deckt sind. § 6 Abs. 8 HHG NW soll es den Dienst­stel­len des Be­klag­ten ermögli­chen, Haus­halts­mit­tel, die auf­grund ei­ner zeit­lich be­grenz­ten Ab­we­sen­heit von Plan­stel­len- und Stel­len­in­ha­bern zur Verfügung ste­hen, zur Ab­de­ckung ei­nes be­ste­hen­den Ar­beits­kräfte­be­darfs zu nut­zen, da die un­be­fris­te­te Ein­stel­lung von Ar­beit­neh­mern auf­grund der haus­halts­recht­li­chen Vor­ga­ben nicht möglich ist. Da­bei kann es sich um ei­nen Ar­beits­kräfte­be­darf han­deln, der auf ei­nen An­stieg der Ar­beits­men­ge der im Be­reich der Haus­halts­mit­tel be­wirt­schaf­ten­den Dienst­stel­le oder ei­ner ihr nach­ge­ord­ne­ten Dienst­stel­le zurück­zuführen ist oder zur Ab­de­ckung ei­nes auf der Ab­we­sen­heit ei­nes Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­bers be­ru­hen­den be­trieb­li­chen Be­darfs. Bei der Beschäfti­gung ei­ner Aus­hilfs­kraft zur De­ckung ei­nes Mehr­be­darfs müssen der vorüber­ge­hend ab­we­sen­de Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­ber und der be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer nicht der glei­chen Dienst­stel­le an­gehören. Es ist aus­rei­chend, dass bei­de Ar­beit­neh­mer dem Geschäfts­be­reich der Haus­halts­mit­tel be­wirt­schaf­ten­den Dienst­stel­le zu­ge­ord­net sind und ver­gleich­ba­re Tätig­kei­ten ausüben. Hier­durch wird der für das Merk­mal der Aus­hilfs­an­ge­stell­ten im Sin­ne des § 6 Abs. 8 HHG NW der er­for­der­li­che Zu­sam­men­hang her­ge­stellt.
Wird der be­fris­tet ein­ge­stell­te Ar­beit­neh­mer in der Dienst­stel­le beschäftigt, der der vorüber­ge­hend ab­we­sen­de Plan­stel­len- bzw. Stel­len­in­ha­ber bis zu dem Be­ginn sei­ner Ar­beits­verände­rung an­gehört hat, muss der Be­darf an der Ar­beits­leis­tung des be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers nicht auf ei­ner an­ge­stie­ge­nen Ar­beits­men­ge be­ru­hen, son­dern kann auf ei­ne feh­len­de Ab­de­ckung der bis­he­ri­gen Ar­beits­men­ge durch die vor­han­de­ne Be­leg­schaft zurück­zuführen sein. An­ders als bei dem Sach­grund der Ver­tre­tung (§ 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Tz­B­fG) ist kein Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen der be­fris­te­ten Beschäfti­gung der Aus­hilfs­kraft und dem durch die vorüber­ge­hen­de Ab­we­sen­heit des Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­bers in der Dienst­stel­le ent­stan­de­nen Ar­beits­kräfte­be­darfs er­for­der­lich. § 6 Abs. 8 HHG ver­langt nicht, dass der be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer zur Ver­tre­tung des vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Plan­stel­len-bzw. Stel­len­in­ha­bers oder ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers ein­ge­stellt wor­den ist. Ei­ne recht­li­che und fach­li­che Aus­tausch­bar­keit der Aus­hilfs­kraft mit dem vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­ber ist nicht er­for­der­lich. Es ist viel­mehr aus­rei­chend, wenn der Beschäftig­te Auf­ga­ben wahr­nimmt, die an­sons­ten ei­nem oder meh­re­ren an­de­ren Ar­beit­neh­mern der Dienst­stel­le über­tra­gen wor­den wären, die dem Ar­beits­be­reich des vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­bers an­gehören (BAG 07.11.2007 a. a. O.).
Nach § 6 Abs. 8 HHG NW steht es im Er­mes­sen der Haus­halts­mit­tel be­wirt­schaf­ten­den Dienst­stel­le, ob sie von der Möglich­keit ei­ner auf die vorüber­ge­hend zur Verfügung ste­hen­den Haus­halts­mit­tel gestütz­ten be­fris­te­ten Ein­stel­lung über­haupt Ge­brauch macht. Die­ser Frei­raum um­fasst auch die Dau­er der Beschäfti­gung der Aus­hilfs­kraft.
Vor die­sem Hin­ter­grund ist die Be­fris­tungs­ab­re­de im Ar­beits­ver­trag vom 28.11.2007 wirk­sam.
a) Das be­klag­te M. war nicht ge­hal­ten, die durch den Son­der­ur­laub der Mit­ar­bei­te­rin N.. frei­ge­wor­de­nen Mit­tel voll aus­zuschöpfen. Wie sich aus der zi­tier­ten Recht­spre­chung des BAG’s er­gibt, ist § 6 Abs. 8 HHG NW so aus­zu­le­gen, dass es im Er­mes­sen des c. steht, ob und in­wie­weit es frei­wer­den­de Mit­tel nutzt.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin ist die Be­fris­tung auch nicht des­halb un­wirk­sam, weil bei der An­zahl von 15 Be­fris­tungs­verträgen von ei­ner Um­ge­hung des KSchG aus­zu­ge­hen ist. Das Ge­setz sieht kei­ne zeit­li­che Höchst­be­gren­zung oder ei­ne Ma­xi­mal­zahl an Be­fris­tungs­verlänge­run­gen vor, wenn ein sach­li­cher Grund für die Be­fris­tung be­steht. Die Vor­aus­set­zung des sach­li­chen Grun­des ver­hin­dert nach Auf­fas­sung des Ge­setz­ge­bers be­reits ei­ne Um­ge­hung des KSchG. Le­dig­lich wenn kein sach­li­cher Grund vor­liegt, wird die An­zahl der Be­fris­tungs­verlänge­rung bzw. die Höchst­dau­er der Be­fris­tung be­grenzt (§ 14 Abs. 2 Tz­B­fG). Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des BAG in der Ent­schei­dung vom 11.12.1991 (7 AZR 431/09) stei­gen die An­for­de­run­gen an den Sach­grund der Be­fris­tung und an die Pro­gno­se nicht mit zu­neh­men­der Dau­er der Beschäfti­gung bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber. Was dies im Fal­le der Ver­tre­tungs­be­fris­tung oder der Be­fris­tung aus Haus­halts­gründen kon­kret zur Fol­ge ha­ben soll, ist für die Kam­mer auch nicht er­kenn­bar. Un­abhängig von der bis­he­ri­gen Dau­er des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses müssen schlicht die Vor­aus­set­zun­gen der Ver­tre­tungs­be­fris­tung bzw. der Be­fris­tung aus Haus­halts­gründen vor­lie­gen.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des c. hätte es al­ler­dings auch ei­ne Be­fris­tung mit der Kläge­rin bis zum 31.12.2009 ab­sch­ließen können. Es kommt nicht ent­schei­dend dar­auf an, dass zum Zeit­punkt der Be­fris­tungs­ab­re­de noch kein Haus­halts­ge­setz für das Jahr 2009 vor­lag. Würde dies stim­men, so wäre auch die vor­lie­gen­de Be­fris­tungs­ab­re­de un­wirk­sam, da das Haus­halts­ge­setz für das Jahr 2008 am 28.11.2007 eben­falls noch nicht ver­ab­schie­det ge­we­sen sei. Die Kam­mer teilt nicht die da­hin­ge­hen­de Auf­fas­sung des LAG Hamm (23.08.2007 - 11 Sa 348/07), wo­nach ei­ne Be­fris­tung, die sich auch auf das nach­fol­gen­de Haus­halts­jahr er­streckt, man­gels Rechts­grund­la­ge un­zulässig ist. Gemäß § 31 HHG 2007 (und 2008) gel­ten die Ab­schnit­te 2 bis 9 auch nach Ab­lauf des 31.12.2007 bzw. 31.12.2008 bis zur Verkündung des Haus­halts­ge­set­zes 2009 wei­ter. Des Wei­te­ren ist zu berück­sich­ti­gen, dass sämt­li­che Haus­halts­ge­set­ze der vor­he­ri­gen Jah­re ei­ne § 6 Abs. 8 HHG NW 2007 und 2008 ent­spre­chen­de ge­setz­li­che Re­ge­lung auf­wie­sen. Maßgeb­lich für die Zulässig­keit der Be­fris­tung sind die Umstände bei Ver­trags­ab­schluss. Zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses galt noch nicht das HHG NW 2008, dies ist erst am 20.12.2007 ver­ab­schie­det wor­den. Die Kam­mer meint, dass die je­wei­li­ge Re­ge­lung im Haus­halts­ge­setz nebst der Vor­schrift zur Wei­ter­gel­tung des Haus­halts­ge­set­zes als Rechts­grund­la­ge aus­rei­chend ist. Auch die Re­ge­lung in § 6 Abs. 8 HHG 2007 recht­fer­tig­te die Pro­gno­se für 2008 und 2009, dass e. kei­ne über die durch die Be­ur­lau­bung der Kol­le­gin hin­aus­ge­hen­den Haus­mit­tel zur Beschäfti­gung von Per­so­nal zur Verfügung ste­hen würden. Der Ge­setz­ge­ber hat be­reits in der Ver­gan­gen­heit ge­zeigt, dass er sol­che Re­ge­lun­gen auf­stellt. Aus Sicht der Kam­mer kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Ge­setz­ge­ber so­wohl die Behörden­lei­ter als auch die be­trof­fe­nen Ver­tre­tungs­kräfte „zwin­gen“ woll­te, bis zur Verkündung des je­wei­li­gen Haus­halts­ge­set­zes mit dem Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges zu war­ten.
Auch der Um­stand, dass das be­klag­te M. auf­grund der länge­ren Er­kran­kung der Kläge­rin mo­ti­viert war, das be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis nicht noch­mal zu verlängern, führt nicht zur Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tungs­ab­re­de. Es wird noch­mals dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Umstände zum Zeit­punkt der Be­fris­tungs­ab­re­de ent­schei­dend sind. Zum Zeit­punkt der Be­fris­tungs­ab­re­de am 28.11.2007 wuss­te das be­klag­te M. aber nicht, dass die Kläge­rin für ei­nen länge­ren Zeit­raum er­kran­ken wird. Der Kläge­rin ist zwar zu­zu­ge­ben, dass ein sol­ches Ver­hal­ten mit der Vor­stel­lung von ei­ner so­zia­len Ver­ant­wor­tung ge­genüber Mit­ar­bei­tern nur schwer in Übe­rein­stim­mung zu brin­gen ist. Ein sol­ches Ver­hal­ten führt aber nicht zur Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tungs­ab­re­de. Ob die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Wi­der­ein­stel­lungs­an­spruch vor­lie­gen, kann da­hin­ste­hen, dies ist nicht Streit­ge­gen­stand des Ver­fah­rens ist.
Die Be­fris­tungs­ab­re­de ist auch nicht man­gels Zu­stim­mung des Per­so­nal­rats gem. § 72 LPV­GNW a. F. un­wirk­sam.
Nach § 72 Abs. 1 Nr. 1 LPVG NW a.F. hat­te der Per­so­nal­rat bei der Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen mit­zu­be­stim­men. Das Mit­be­stim­mungs­recht war nicht nur beim erst­ma­li­gen Ab­schluss, son­dern auch bei der be­fris­te­ten Verlänge­rung ei­nes Ar­beits­ver­trags ge­ge­ben. Die Ver­let­zung des Mit­be­stim­mungs­rechts führt nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BAG (vgl. et­wa BAG 10.2.1999 - 7 AZR 733/97) zur Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung.
Das be­klag­te M. hat den Zu­stim­mungs­an­trag vom 08.11.2007 zur Ak­te ge­reicht, aus dem sich auch er­gibt, dass der Per­so­nal­rat zu­ge­stimmt hat un­ter dem 15.11.2007. Es ist nicht zu er­ken­nen, aus wel­chen kon­kre­ten Gründen die Kläge­rin die Ord­nungs­gemäßheit der Per­so­nal­rats­be­tei­li­gung an­zwei­felt.
Der Kla­ge­an­trag zu 2 war eben­falls ab­zu­wei­sen, da zwi­schen den Par­tei­en kein Ar­beits­verhält­nis mehr be­steht.
Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 91 Abs. 1 S. 1. ZPO, 46 Abs. 2 ArbGG.
Der Streit­wert­fest­set­zung la­gen für den Kla­ge­an­trag zu 1, 3 und für den Kla­ge­an­trag zu 2 zwei geschätz­te Mo­nats­gehälter der Kläge­rin zu­grun­de.
zur Übersicht 7 Ca 416/09