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Timestamp: 2019-10-20 19:15:52
Document Index: 251334533

Matched Legal Cases: ['§ 307', '§ 307', '§ 305', '§ 305', '§ 307', '§ 307', '§ 1', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 611', '§ 611', '§ 618', '§ 615']

BAG > 2010 > BAG, 25.08.2010 - 10 AZR 275/09 - Inhaltskontrolle von Arbeitsverträgen; Versetz...
Urt. v. 25.08.2010, Az.: 10 AZR 275/09
Das BAG hat entschieden, dass ein Arbeitgeber nicht das Recht hat, die vertraglich vereinbarte Tätigkeit eines Beschäftigten einseitig zu ändern. Das gelte auch dann, wenn er sich ein solches Recht im von ihm formulierten Arbeitsvertrag vorbehalten hat. Dadurch werde der Arbeitnehmer unverhältnismäßig benachteiligt. Derartige Veränderungen dürfen nur per Änderungskündigung angegangen werden.
Referenz: JurionRS 2010, 26094
Aktenzeichen: 10 AZR 275/09
LAG Chemnitz - 26.01.2009 - AZ: 3 Sa 483/08
ArbG Leipzig - 18.06.2008 - AZ: 10 Ca 2149/07
BAGE 135, 239 - 249
BB 2010, 2883-2884
EzA-SD 23/2010, 8-11
MDR 2011, 431-432
NJW 2011, 329-333
NZA 2010, 1355-1359
RdW 2011, 246-247
hat der Zehnte Senat des Bundesarbeitsgerichts aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 25. August 2010 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesarbeitsgericht Prof. Dr. Mikosch, die Richter am Bundesarbeitsgericht Reinfelder und Mestwerdt sowie den ehrenamtlichen Richter Frese und die ehrenamtliche Richterin Alex für Recht erkannt:
Allgemeine Geschäftsbedingungen sind dabei nach ihrem objektiven Inhalt und typischen Sinn einheitlich so auszulegen, wie sie von verständigen und redlichen Vertragspartnern unter Abwägung der Interessen der normalerweise beteiligten Verkehrskreise verstanden werden, wobei nicht die Verständnismöglichkeiten des konkreten, sondern die des durchschnittlichen Vertragspartners des Verwenders zugrunde zu legen sind. Ansatzpunkt für die nicht am Willen der konkreten Vertragspartner zu orientierende Auslegung Allgemeiner Geschäftsbedingungen ist in erster Linie der Vertragswortlaut. Ist der Wortlaut eines Formularvertrags nicht eindeutig, kommt es für die Auslegung entscheidend darauf an, wie der Vertragstext aus der Sicht der typischerweise an Geschäften dieser Art beteiligten Verkehrskreise zu verstehen ist, wobei der Vertragswille verständiger und redlicher Vertragspartner beachtet werden muss (zB Senat 10. Dezember 2008 - 10 AZR 1/08 - Rn. 14, AP BGB § 307 Nr. 40 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 40). Von Bedeutung für das Auslegungsergebnis sind ferner der von den Vertragsparteien verfolgte Regelungszweck sowie die der jeweils anderen Seite erkennbare Interessenlage der Beteiligten (BAG 9. Juni 2010 - 5 AZR 332/09 - Rn. 36, NZA 2010, 877 [BAG 09.06.2010 - 5 AZR 332/09]; 21. Oktober 2009 - 4 AZR 880/07 - Rn. 18).
Bleibt nach Ausschöpfung der Auslegungsmethoden ein nicht behebbarer Zweifel, geht dies gem. § 305c Abs. 2 BGB zulasten des Verwenders. Die Anwendung der Unklarheitenregel des § 305c Abs. 2 BGB setzt voraus, dass die Auslegung einer einzelnen AGB-Bestimmung mindestens zwei Ergebnisse als vertretbar erscheinen lässt und von diesen keines den klaren Vorzug verdient. Es müssen "erhebliche Zweifel" an der richtigen Auslegung bestehen. Die entfernte Möglichkeit, zu einem anderen Ergebnis zu kommen, genügt für die Anwendung der Bestimmung nicht (zB Senat 10. Dezember 2008 - 10 AZR 1/08 - Rn. 15, AP BGB § 307 Nr. 40 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 40). Der die Allgemeinen Geschäftsbedingungen verwendende Arbeitgeber muss bei Unklarheiten die ihm ungünstigste Auslegungsmöglichkeit gegen sich gelten lassen (BAG 12. Dezember 2006 - 3 AZR 388/05 - Rn. 30, AP BetrAVG § 1 Zusatzversorgungskassen Nr. 67 = EzA BetrAVG § 1 Zusatzversorgung Nr. 18; st. Rspr. BGH, vgl. zB zuletzt 14. Juli 2010 - VIII ZR 246/08 - Rn. 41, MDR 2010, 1096 [BGH 14.07.2010 - VIII ZR 246/08]; 9. Juni 2010 - VIII ZR 294/09 - Rn. 16, NJW 2010, 2877 [BGH 09.06.2010 - VIII ZR 294/09]).
zu 1.: st. Rspr., zuletzt zB BAG 13. April 2010 - 9 AZR 36/09 - [zur Feststellungsklage]; 29. Oktober 1997 - 5 AZR 573/96 - AP BGB § 611 Direktionsrecht Nr. 51 = EzA BGB § 611 Direktionsrecht Nr. 19 [zur Leistungsklage]
zu 2.: Anschluss an BAG 17. Februar 1998 - 9 AZR 130/97 - AP BGB § 618 Nr. 27 = EzA BGB § 615 Nr. 89; 30. September 1993 - 2 AZR 283/93 - BAGE 74, 291; 26. Januar 1988 - 1 AZR 531/86 - BAGE 57, 242; 14. Juli 1965 - 4 AZR 347/63 - BAGE 17, 241
zu 3.: Anschluss und Fortführung von BAG 13. April 2010 - 9 AZR 36/09 -
zu 4.: Anschluss und Fortführung von BAG 9. Mai 2006 - 9 AZR 424/05 - BAGE 118, 184
zu den Auslegungsgrundsätzen bei Allgemeinen Geschäftsbedingungen und allgemein zur Prüfung eines Versetzungsvorbehalts vgl. II 2 der Gründe