Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/schummeleien-bei-der-notarbewerbung-und-die-persoenliche-eignung-344882
Timestamp: 2020-01-25 17:31:41
Document Index: 262645186

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 6']

Schum­me­lei­en bei der Not­ar­be­wer­bung und die per­sön­li­che Eig­nung | Rechtslupe
Die per­sön­li­che Eig­nung für das Amt des Notars stellt einen unbe­stimm­ten Rechts­be­griff dar, des­sen Inter­pre­ta­ti­on durch die Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung gericht­lich voll über­prüf­bar ist. Die­ser ver­bleibt bei der Pro­gno­se, ob der Bewer­ber auf­grund sei­ner rich­tig fest­ge­stell­ten und recht­lich zutref­fend bewer­te­ten per­sön­li­chen Umstän­de für das Amt geeig­net ist, ein Beur­tei­lungs­spiel­raum 1. Der vol­len gericht­li­chen Über­prü­fung unter­liegt aller­dings die Fra­ge, ob ein Umstand über­haupt für die Eig­nung von Bedeu­tung ist und wel­ches Gewicht ihm im Ein­zel­fall zukommt.
Wahr­heits­wid­rig unvoll­stän­di­ge Anga­ben im Bewer­bungs­ver­fah­ren begrün­den im All­ge­mei­nen Zwei­fel an der per­sön­li­chen Eig­nung des Bewer­bers zum Notar. Auf die Ver­hal­tens­wei­sen, die den nicht genann­ten Ver­fah­ren zugrun­de lie­gen, kommt es dabei nicht zuvör­derst an. Unvoll­stän­di­ge Anga­ben spre­chen auch regel­mä­ßig für eine Täu­schungs­ab­sicht des Bewer­bers. Er ver­sucht auf die­se Wei­se, Sach­ver­hal­te nach sei­ner Aus­wahl der Beur­tei­lung durch die für die Beset­zung zustän­di­ge Jus­tiz­ver­wal­tungs­be­hör­de zu ent­zie­hen.
Auch wenn bei objek­ti­ver Betrach­tung mit einer nega­ti­ven Aus­wir­kung durch das ver­schwie­ge­ne Ver­fah­ren nicht zu rech­nen ist, hat die­ser Umstand kei­nen Ein­fluss auf die Ver­pflich­tung zur Voll­stän­dig­keit und Wahr­haf­tig­keit der Anga­ben.
Ob schon die hohe Anzahl berufs­recht­li­cher Ver­fah­ren (hier: 14 Ver­fah­ren in 5 Jah­ren) unter Berück­sich­ti­gung der zugrun­de lie­gen­den Umstän­de die per­sön­li­che Eig­nung von Rechts­an­walt Sch. für das Amt des Notars in Zwei­fel zie­hen könn­ten, bedarf kei­ner Klä­rung. Jeden­falls kann sich ein Bewer­ber nicht der Ver­pflich­tung zu wahr­heits­ge­mä­ßen und voll­stän­di­gen Anga­ben durch den Hin­weis "jeweils soweit ersicht­lich" ent­le­di­gen. Eine ande­re, dem ver­schwei­gen­den Bewer­ber ent­ge­gen­kom­men­de Auf­fas­sung ist mit den Sorg­falts­an­for­de­run­gen an einen künf­ti­gen Notar nicht ver­ein­bar. Der Bewer­ber hat sich erfor­der­li­chen­falls kun­dig zu machen, soll­te er nicht auf einen gesi­cher­ten Wis­sens­stand zurück­grei­fen kön­nen.
Der Bewer­ber kann auch nicht ein Ver­fah­ren vor der Rechts­an­walts­kam­mer unter Hin­weis dar­auf ver­schwie­gen, dass man­gels eines berufs­rechts­wid­ri­gen Ver­hal­tens ein Rüge­ver­fah­ren von der Rechts­an­walts­kam­mer nicht ein­ge­lei­tet wor­den sei. Hier­auf kommt es für die Fra­ge der Ver­let­zung der Wahr­heits­pflicht nicht an.
BGH, Beschluss vom 25.11.1996 – NotZ 48/​95, BGHZ 134, 137, 139 ff.[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 31.07.2000 – NotZ 5/​00, DNotZ 2000, 943; vom 17.11.2008 – NotZ 10/​08, NJW-RR 2009, 350, 251; vom 22.03.2010 – NotZ 21/​09, ZNotP 2010, 314 Rn. 6 und NotZ 10/​09, ZNotP 2010, 232 Rn. 22 und vom 15.11.2010 – NotZ 1/​10, ZNotP 2011, 36[↩]
BGH, Beschluss vom 13.12.1993 – NotZ 33/​92, BGHR BNo­tO § 6 Eig­nung 4[↩]