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Timestamp: 2019-09-18 09:56:07
Document Index: 263961057

Matched Legal Cases: ['§ 205', '§ 38', '§ 80', '§ 9', '§ 31', '§ 71', '§ 90', '§ 80', '§ 376', '§ 80', '§ 376', '§ 376', '§ 84', '§ 2', '§ 80', '§ 90', '§ 80']

Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSW vom 17.06.2003, RV/0667-W/03
RV/0667-W/03-RS1 Permalink
Vertretungsbefugnis vor Finanzbehörden, Ausgleichsvermittler, Unternehmensberater einschließlich Unternehmensreorganisatoren, Buchhalter, Verwaltung von beweglichem Vermögen
Der unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung der Bw. gegen den Bescheid des Finanzamtes für den 23. Bezirk betreffend Ablehnung der Bw. als geschäftsmäßiger Parteienvertreter entschieden:
Über das Vermögen des HS wurde vom Landesgericht Korneuburg am 15. April 2002 der Konkurs eröffnet und Mag. D, Rechtsanwalt, zur Masseverwalterin bestellt (Vertreter: Dr. I). Nach rechtskräftiger Bestätigung des Zwangsausgleiches wurde das Konkursverfahren am 19. November 2002 aufgehoben und die Masseverwalterin ihres Amtes enthoben.
Am 3. Feber 2003 langte bei dem für HS zuständigen Finanzamt für den 23. Bezirk eine Vollmacht des HS vom 28. Jänner 2003 an die Bw. ein, die folgenden Wortlaut hatte:
Vollmacht (incl. Prozessvollmacht, Honorarvereinbarung)
Buchführung, Personalverrechnung, Unternehmensberatung, Insolvenz- und Sanierungsberatung, Sanierungsprüfung, Vermögensverwaltung (treuhändige Verwahrung und Verwaltung von Vermögensrechten aller Art - insbes. Unternehmensverwaltung)
Firmenadresse, Telefon- und Faxnummer
für alle vorkommenden Fälle erteile(n). Dies betrifft sowohl die Vertretung vor Landes-, Kreis- bzw. Handelsgerichten, Bezirksgerichten, Verwaltungs- und Finanzbehörden, Körperschaften öffentl. Rechts als auch außergerichtliche bzw. außerbehördliche Vertretung. Der Vollmachtnehmer ist berechtigt, Vergleiche jeder Art, insbesondere auch solche nach § 205 ZPO, abzuschließen, für mich (uns) Erklärungen abzugeben bzw. entgegenzunehmen sowie Verpflichtungen zu übernehmen, ferner zur Feststellung der hiefür notwendigen Fakten in sämtliche Unterlagen, insbesondere in die Akten der Gerichts-, Verwaltungs- und Finanzbehörden Einsicht zu nehmen. Gem. § 38 BWG wird einer ausdrücklichen Entbindung vom Bankgeheimnis zugestimmt.
Diese Vollmacht gilt auch für sämtliche Tätigkeiten, zu denen ein Unternehmensberater im Rahmen seiner Berufsberechtigung befugt ist. Also auch auf die Klärung steuerlicher Fragen bei der Erstellung von Finanz- und Investitionsplänen gegenüber Finanzbehörden, die Vertretung in Steuersachen vor Finanzbehörden im Rahmen des Berufsrechtes, die Vertretung in arbeits- und sozialrechtlichen Angelegenheiten wie z.B. vor Arbeitsmarktverwaltungen, sowie die Vertretung in Angelegenheiten des Betriebsanlagenrechts gegenüber den Gewerbebehörden, die Vertretung vor Umweltbehörden. Die Vollmacht gilt auch für die Verwaltung des Unternehmens im Sinne des § 80 Abs. 2 BAO und 107 a RAO.
Der Vollmachtnehmer ist weiters berechtigt, Geld oder Geldeswert für mich (uns) zu beheben, in Empfang zu nehmen und darüber rechtsverbindlich zu quittieren, wobei aus Treuhandgeldern anfallende Zinsen zur Deckung des Verwaltungsaufwandes verwendet werden, bewegliche und unbewegliche Sachen und Rechte zu veräußern, zu verpfänden oder entgeltlich oder unentgeltlich zu übernehmen, Anleihen und Darlehensverträge zu bestellen und überhaupt alles vorzukehren, was er für nützlich und notwendig zur Verwaltung bzw. zur Durchführung einer Schuldenregulierung erachtet.
Weiters bezieht sich die Vollmacht auf die Entgegennahme von gewöhnlichen und eingeschriebenen Briefsendungen, auf Pakete, auf Sendungen mit Wertangaben, auf Telegramme, auf RSa und RSb Zusendungen. Sie umfasst auch die als "vertraulich", "persönlich" oder "privat" gekennzeichnete Post sowie Zusendungen von Gerichten, Verwaltungs-, insbesondere Finanzbehörden und Körperschaften öffentl. Rechts (§§ 9-13 ZustellG).
Zugleich verspreche(n) ich (wir), seine und seines Substituten in Gemäßheit dieser Vollmacht unternommenen Schritte und Maßregeln für genehm zu halten und verpflichte(n) mich (uns), seine Gebühren und Auslagen zur ungeteilten Hand zu begleichen. Ebenso erkläre(n) ich (wir) mich (uns) mit der gerichtlichen Geltendmachung der diesbezüglichen Ansprüche ebenda einverstanden. Die autonomen Honorarrichtlinien gelten als vereinbart. Es gilt österreichisches Recht; Erfüllungsort und Gerichtsstand ist der jeweilige Kanzleisitz des Parteienvertreters.
Mit Bescheid vom 25. Feber 2003 lehnte das Finanzamt die Bw. als geschäftsmäßigen Parteienvertreter ab mit der Begründung, die Bw. sei nachhaltig und entgeltlich als Bevollmächtigte des HS aufgetreten, ohne über die Befugnis nach den Bestimmungen der §§ 31 bis 33 sowie 71 WTBO zur geschäftsmäßigen Vertretung von Parteien vor der Abgabenbehörde zu verfügen.
Gegen diesen Bescheid hat HR mit der Begründung berufen, die WTBO sei mit 1. Juli 1999 außer Kraft getreten, weshalb "keine Regularien zu irgendeiner Bestimmung bezogen auf Parteienvertretung der Wirtschaftstreuhandberufe" mehr bestünden. Die Bw. lege die Stellungnahme des Bundesministeriums für "Wissenschaft und Arbeit" vor, die unter anderem die befugte Parteienvertretung auch für die Bw. bestätige.
Vorgelegt wurden folgende Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit:
Ausgleichsvermittler, Vertretungsrecht
SCh Dr. Koprivnikar
Ausgleichsvermittlung, Parteienvertretung
Ausgleichsvermittler-, Wirtschaftstreuhänder
Ausgleichsvermittler-, Standesregeln
Diese Schreiben bezogen sich auf das Gewerbe der Ausgleichsvermittlung, zu dem die Bw. nach ihren Angaben berechtigt ist.
Das Finanzamt erließ mit Bescheid vom 14. März 2003 einen Mängelbehebungsauftrag und erklärte, HR sei nicht befugt, als gesetzmäßiger Parteienvertreter einzuschreiten. Zur Mängelbehebung wurde eine Frist bis zum 10. April 2003 eingeräumt.
In Beantwortung dieses Vorhaltes legte HR mit Eingabe vom 10. April 2003 zur Untermauerung des Standpunktes, es liege eine befugte geschäftsmäßige Parteienvertretung vor, verschiedene Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit sowie einen Auszug der BAO-Änderungen vor, in dem der Absatz § 71 3. markiert war. Dieser lautet: In § 90 a Abs. 1 tritt an die Stelle der Wortfolge "der von der Partei bevollmächtigte Notar, Rechtsanwalt oder Wirtschaftstreuhänder" die Wortfolge "die in den §§ 80 ff bezeichneten Vertreter".
Vorgelegt wurden die o.a. Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit sowie folgende weitere Schreiben:
Ausgleichsvermittler, § 376 Z 34 c GewO 1994
Ausgleichsvermittlung, Unternehmens-
beratung, Parteienvertretung
In einer weiteren Eingabe vom 14. Mai 2003 erklärte HR, eine Ablehnung seiner Person als geschäftsmäßiger Parteienvertreter der Bw. sei rechtlich nach den Bestimmungen des § 80 BAO unmöglich, weil er auch handels- und gewerberechtlicher Geschäftsführer der Bw. sei. Darüber hinaus sei festzuhalten, dass die Bw. im Besitz der gleichen Berufszulassungen sei wie HR.
1. Unternehmensberatung, Unternehmensverwaltung 2. Vermögensverwaltung 3. Insolvenz- und Schuldnerberatung, Sanierungsprüfung 4. Buchhaltung.
Zusätzlich zu den bereits vorgelegten Schreiben, die teilweise in Kopie nochmals vorgelegt wurden, wurden folgende Schreiben vorgelegt:
Unternehmensberater, Vertretungsrechte
Dr. Forster, BMWA
Ausgleichsvermittler; Vertretungsbefugnis vor
dem Bezirksgericht
Mag. Lesniak, BMWA
Parteienvertretung durch Insolvenzberater
vor Abgabenbehörden des Bundes
MR Dr. Ott, BMF
Da HR Geschäftsführer der Bw. ist, ist er auch dazu berechtigt, die Bw. im Berufungsverfahren betreffend deren Ablehnung als geschäftsmäßige Parteienvertreterin zu vertreten.
Strittig ist, ob die Bw geschäftsmäßig vertreten hat, ohne hiezu befugt zu sein.
Die Bw. hat durch die Vorlage einer uneingeschränkten Vollmacht bei der Finanzbehörde zu erkennen gegeben, dass sie HS geschäftsmäßig vertritt. Dafür spricht auch die Bezeichnung der Bw. als Parteienvertreter. Die vorgelegte Vollmacht ermächtigt die Bw zum Einschreiten für alle vorkommenden Fälle, sodass nicht von nur gelegentlicher Vertretung gesprochen werden kann.
Zur Tätigkeit als Ausgleichsvermittler:
Die Bw stützt ihr Berufungsbegehren ua. auf die Auskunftsschreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit betreffend ihre Tätigkeit als Ausgleichsvermittler.
Die wesentliche Aufgabe eines Ausgleichsvermittlers besteht darin, den Vermögensstatus des an ihn herangetretenen Schuldners festzustellen und Vorschläge zur ausgleichsweisen Bereinigung der schwebenden Forderungen zu erstatten. Der Ausgleichsvermittler ist auch befugt, in direkte Verhandlungen mit den einzelnen Gläubigern zu treten und deren Zustimmung zum Ausgleichsvorschlag einzuholen. Die Tätigkeit des Ausgleichsvermittlers wird im Interesse und in Vertretung des Schuldners entfaltet und erstreckt sich auch auf die außergerichtliche Vorbereitung eines Ausgleiches oder die Vermittlung eines außergerichtlichen Ausgleiches.
Bis zur Gewerberechtsnovelle 1992 fand die Tätigkeit des Ausgleichsvermittlers dort ihre Grenze, wo etwa in die den Rechtsanwälten vorbehaltenen Tätigkeiten eingegriffen wurde. Die Beratung oder Auskunftserteilung des Ausgleichsvermittlers durfte daher z.B. nicht "zum Gebrauch vor Gericht" bestimmt sein, also praktisch die (beratende) Tätigkeit einer zur berufsmäßigen Parteienvertretung vor Gericht oder Behörden befugten Person nicht ersetzen und auch nicht den Inhalt einer Eingabe z.B. an das Gericht so bestimmen, dass damit im Ergebnis eine Aufgabe berufsmäßiger Parteienvertreter erledigt wurde. Insoweit kam es auch auf den Inhalt der Beratung oder Auskunftserteilung an. Sie konnte zwar grundsätzlich auch Rechtsfragen betreffen, durfte aber nicht so weit gehen, dass sie z.B. dem "Gebrauch vor Gericht" dienen konnte. Der Ausgleichsvermittler war etwa befugt, den Schuldner dahin zu beraten, dass dieser zur Wahrung seiner Rechte oder zur Abwendung wirtschaftlichen Schadens gegen jemanden eine Klage oder gegen eine Entscheidung ein Rechtsmittel erheben kann, nicht aber auch über die inhaltlichen und formellen Erfordernisse des dazu nötigen Schriftsatzes oder über den Inhalt der z.B. vor Gericht abzugebenden Erklärungen. Eine so weit gehende Beratung des Schuldners über sein Verhalten z.B. in einem gerichtlichen Verfahren oder über den Inhalt von Eingaben in einem solchen Verfahren wäre mit der Winkelschreibereibestimmung nicht vereinbar gewesen.
Die Gewerberechtsnovelle 1992 brachte insofern eine Änderung, als ab 1. Juli 1993 gem. § 376 Z 34c Abs 7 GewO 1973 idF des Art I Z 227 des Bundesgesetzes BGBl 29/1993 auch Ausgleichsvermittler zur berufsmäßigen Parteienvertretung in Insolvenzverfahren vor dem Gerichtshof 1. Instanz und vor Behörden befugt sind. Dies entspricht der geltenden Rechtslage (nunmehr: § 376 Z 34 c Abs. 7 GewO 1994 idF BGBl. I Nr. 111/2002).
Die Vertretungsbefugnis des Ausgleichsvermittlers vor Abgabenbehörden des Bundes beschränkt sich daher auf Fälle, die mit einem Insolvenzverfahren im Zusammenhang stehen. Da im gegenständlichen Fall das Konkursverfahren nach rechtskräftiger Bestätigung des Zwangsausgleiches bereits aufgehoben wurde, ist kein Insolvenzverfahren mehr anhängig.
Es konnten auch keine Anhaltspunkte dafür gefunden werden, dass die Vertretungsbefugnis der Bw auf das Vollstreckungsverfahren beschränkt sein sollte. In diesem Fall hätte die vorgelegte Vollmacht auf das Exekutionsverfahren eingeschränkt werden müssen bzw. hätte überhaupt eine Vollmacht, die ausschließlich auf die Vertretung im Vollstreckungsverfahren lautet, vorgelegt werden müssen.
Aufgrund der vorgelegten Vollmacht ist die Bw zwar auch zur Vertretung im Vollstreckungsverfahren befugt, es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass sie auch andere Vertretungshandlungen setzt, zu denen sie zwar aufgrund der Vollmacht berechtigt, aber aufgrund ihrer Stellung als Ausgleichsvermittler nicht befugt ist.
1. Unternehmensberater einschließlich der Unternehmensreorganisatoren 2. Buchhalter 3. Verwaltung von beweglichem Vermögen.
Die Gewerbeberechtigung von Unternehmensberatern umfasst nicht die uneingeschränkte Befugnis zur Vertretung vor Abgabenbehörden (vgl. Ritz, a.a.O., RZ 9 zu § 84).
Gemäß § 2 Abs. 1 Z 3 und 4 Wirtschaftstreuhandberufsgesetz BGBl. I Nr. 58/1999 (WTBG) ist es den zur selbständigen Ausübung des Wirtschaftstreuhandberufes Selbständiger Buchhalter Berechtigten vorbehalten, folgende Tätigkeiten auszuüben: 3. die Vertretung in Abgabe- und Abgabestrafverfahren für Bundes-, Landes- und Gemeindeabgaben, ausgenommen der Vertretung vor den Finanzbehörden, den unabhängigen Verwaltungssenaten und dem Verwaltungsgerichtshof, hiebei ersetzt die Berufung auf die Bevollmächtigung deren urkundlichen Nachweis. 4. die Vertretung und die Abgabe von Erklärungen in Angelegenheiten der unterjährigen Umsatzsteuervoranmeldungen.
Da die aus § 80 BAO abgeleitete Befugnis der Vertretung sich auf die Verwaltung eines bestimmten Vermögens bezieht (arg.: soweit ihre Verwaltung reicht), rechtfertigt diese Bestimmung nicht die Annahme der Befugnis zur uneingeschränkten Vertretung einer natürlichen Person vor den Finanzbehörden. Vermögensverwalter sind daher nur insoweit zur Vertretung berufen, als es das von ihnen verwaltete Vermögen erfordert.
An der mangelnden geschäftsmäßigen Vertretungsbefugnis ändert die Gewährung der elektronischen Akteneinsicht gemäß § 90 a Abs. 1 BAO an die in den §§ 80 ff bezeichneten Vertreter Nichts, weil die Gewährung der Akteneinsicht kein Recht zur Parteienvertretung im Allgemeinen beinhaltet, insbesondere nicht das Recht, Erklärungen abzugeben bzw. entgegenzunehmen sowie Verpflichtungen zu übernehmen, wie dies in der Vollmacht der Bw. zum Ausdruck gebracht wird.
Findok-Nr: 4558.1, aufgenommen am: 02.07.2003 10:23:00, zuletzt geändert am: 29.03.2006, Dokument-ID: 15cf84fd-ae81-47b4-8097-6e5acb557467, Segment-ID: b25e5ae7-1b91-4b51-a8ef-9ae37af0a4b0