Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.06.1984&Aktenzeichen=VI%20ZR%2076/83
Timestamp: 2019-11-21 10:52:56
Document Index: 139149806

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 249', '§ 276', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 847', 'BGH']

BGH, 19.06.1984 - VI ZR 76/83 - dejure.org
https://dejure.org/1984,889
BGH, 19.06.1984 - VI ZR 76/83 (https://dejure.org/1984,889)
BGH, Entscheidung vom 19.06.1984 - VI ZR 76/83 (https://dejure.org/1984,889)
BGH, Entscheidung vom 19. Juni 1984 - VI ZR 76/83 (https://dejure.org/1984,889)
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Fehler des Arztes bei der aus Gründen der Familienplanung gewünschten Sterilisation - Ersatzansprüche der Eltern wegen der Unterhaltsbelastung - Schmerzensgeldanspruch der Mutter wegen der Belastungen durch die Schwangerschaft - Kind als Schaden - Geburt eines Kindes ...
BGB § 249, § 276, § 823
OLG Frankfurt, 01.12.1982 - 13 U 171/81
NJW 1984, 2625
MDR 1985, 133
VersR 1984, 864
Die Rechtsprechung der Zivilgerichte zur Haftung für ärztliche Beratungsfehler oder für fehlgeschlagene Schwangerschaftsabbrüche (zum Schwangerschaftsabbruch vgl. BGHZ 86, 240 ff.; 89, 95 ff.; 95, 199 ff.;… BGH, NJW 1985, S. 671 ff.;… VersR 1985, S. 1068 ff.;… VersR 1986, S. 869 f.;… VersR 1988, S. 155 f.;… NJW 1992, S. 1556 ff.; zur Sterilisation vgl. BGHZ 76, 249 ff.; 76, 259 ff.; BGH, NJW 1984, S. 2625 f.) ist im Blick darauf der Uberprüfung bedürftig.
Auch wenn diesen Ausführungen keine Bindungswirkung beikommt und der erkennende Senat seine Rechtsprechung schon mehrfach kritischer Prüfung unterzogen hat (vgl. z. B. Senatsurteile BGHZ 76, 249, 252 sowie vom 19. Juni 1984 - aaO), machen sie doch eine neuerliche eingehende Prüfung der Rechtslage erforderlich.
Bestehen schon gegen die rechtliche Wirksamkeit eines auf Sterilisation gerichteten Vertrags keine Bedenken (dazu Senatsurteile BGHZ 67, 58, 51 f. [BGH 30.06.1976 - I ZR 63/75] sowie vom 19. Juni 1984 - aaO -), so gilt das erst recht für den vorliegenden Fall.
Das hat der Senat u. a. für Fälle der Sterilisation aus Gründen einer Familienplanung bejaht (Senatsurteile BGHZ 76, 249, 256; 76, 259, 263 f. [BGH 18.03.1980 - VI ZR 247/78];… vom 18. März 1980 - aaO;… vom 2. Dezember 1980 - aaO S. 279;… vom 10. März 1981 - aaO und vom 19. Juni 1984 - aaO).
In Fällen der vorliegenden Art geht es - jenseits aller weltanschaulichen Erwägungen und aller Überlegungen, die das Eltern-Kind-Verhältnis betreffen - lediglich darum, dass eine von den Eltern nicht gewünschte Belastung der wirtschaftlichen Verhältnisse durch die Vertragsverletzung des Arztes herbeigeführt wird und dieser zuzurechnen ist (vgl. Senatsurteile BGHZ 124, 128, 138 und vom 19. Juni 1984 - VI ZR 76/83 - aaO; ferner BVerfGE 96, 375, 400).
Die Haftung des Arztes entfällt nur dann, wenn im Einzelfall der innere Grund der haftungsrechtlichen Zurechnung, nämlich die Störung der Familienplanung, nachträglich weggefallen ist (vgl. Senatsurteile BGHZ 76, 249, 258; 76, 259, 264 f. und vom 19. Juni 1984 - VI ZR 76/83 - aaO, Seite 865), was der beklagte Arzt darzulegen und zu beweisen hat (Senatsurteil BGHZ 76, 259, 265).
Wie oben bereits ausgeführt, entfällt die Haftung des Arztes allerdings dann, wenn im Einzelfall der innere Grund der haftungsrechtlichen Zurechnung, nämlich die Störung der Familienplanung, nachträglich weggefallen ist (vgl. Senatsurteil vom 19. Juni 1984 - VI ZR 76/83 - aaO).
Diese kann im Einzelfall fehlen, wenn der innere Grund dieser Zurechnung, nämlich die Störung der Familienplanung, nachträglich weggefallen ist (BGH NJW 1984, 2625).
Der Bundesgerichtshof sah seinerzeit keinen Anlass, Beispiele für einen derartigen Wegfall zu entwickeln ( BGH NJW 84, 2625).
Daran vermag die auf achtbaren sittlichen Gründen beruhende anderweitige Überzeugung derjenigen, die die derzeitige gesetzliche Regelung für sittlich anstößig, ja verwerflich und für verfassungswidrig halten, nichts zu ändern (zur notwendigen Toleranz gegenüber anderen Meinungen in diesem Falle, vgl. Senatsurteil vom 19. Juni 1984 - VI ZR 76/83 - NJW 1984, 2625 [BGH 19.06.1984 - VI ZR 76/83] = VersR 1984, 864 m.w.N.).
Diese wirtschaftliche Seite wird deshalb in solchen Fällen von dem Schutzzweck des Arztvertrages mitumfaßt; mißglückt der Schwangerschaftsabbruch infolge ärztlichen Fehl Verhaltens, so ist mithin auch die Belastung mit dem Unterhalt eine diesem Umstand zuzurechnende Schadensfolge (zur Unterhaltsbelastung durch die Geburt eines planwidrig auf die Welt gekommenen Kindes siehe Senatsurteile BGHZ 76, 249 ff und vom 19. Juni 1984 aaO).
Es fehlte damit an dem Zurechnungszusammenhang zwischen dem Fehl verhalten des Beklagten und der die Klägerin belastenden Folge, nämlich der Geburt des Kindes und den daraus erwachsenden Unterhaltsbelastungen (vgl. dazu und zu der Frage, wann ein Kind im Rechtssinne "erwünscht" oder "unerwünscht" ist, das Senatsurteil vom 19. Juni 1984 - VI ZR 76/83 - a.a.O.).
Der Bundesgerichtshof hat wiederholt klar gestellt (NJW 1980, 1450 [BGH 18.03.1980 - VI ZR 105/78] ; NJW 1983, 1371; NJW 1984, 648; NJW 1984, 2625 [BGH 19.06.1984 - VI ZR 76/83] ), daß es möglich ist, Schadensersatzansprüche wegen des Unterhaltsaufwands für ein gesundes eheliches Kind herzuleiten, wenn durch das schuldhafte Versagen eines Arztes eine wirtschaftliche Familienplanung durchkreuzt worden ist.
Der Bundesgerichtshof hat klargestellt, daß die Mutter für die Belastung der Schwangerschaft infolge eines Behandlungsfehlers oder versäumter Aufklärung über das Versagerrisiko ein Schmerzensgeld fordern kann, auch wenn die Schwangerschaft ohne pathologische Begleitumstände verläuft (BGH NJW 1980, 1452 [BGH 18.03.1980 - VI ZR 247/78] ; NJW 1984, 2625 [BGH 19.06.1984 - VI ZR 76/83] ).
Im Anschluß an die Rechtsprechung des VI. Zivilsenats des BGH (NJW 1984, 2625 ) ist daran festzuhalten, daß ärztliche Fehler bei einer Sterilisation, die zu einer unerwünschten Schwangerschaft geführt haben, Schadensersatzansprüche wegen der Belastung mit der Unterhaltspflicht gegenüber dem Kind begründen können.«.
1.) In der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, der sich der Senat wiederholt angeschlossen hat, ist seit langem anerkannt, daß bei einer versehentlich fehlgeschlagenen Sterilisation ein vertraglicher Schadensersatzanspruch jedenfalls dann besteht, wenn der vorgesehene Eingriff den allen Beteiligten bekannten Zweck hatte, die Geburt weiterer Kinder zu verhindern; wird durch ein Fehlverhalten des mit dieser Aufgabe betrauten Arztes die Familienplanung gestört oder vereitelt, ist der hierdurch verursachte Unterhaltsaufwand von dem Vertragspartner der Mutter zu ersetzen (BGH NJW 1980, 1450; BGH NJW 1984, 2625 ).
Die schuldhafte Herbeiführung einer ungewollten Schwangerschaft ist als eine zum Ersatz des immateriellen Schadens verpflichtende Körperverletzung im Sinne des § 847 BGB zu werten (vgl. BGH NJW 1984, 2625 ; OLG Köln VersR 1988, 43 ).