Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=1%20S%20233.10
Timestamp: 2019-04-18 19:35:35
Document Index: 211234788

Matched Legal Cases: ['§ 80', '§ 316', '§ 3', '§ 29', '§ 11', '§ 13', '§ 11', '§ 29', '§ 11']

OVG Berlin-Brandenburg, 18.01.2011 - 1 S 233.10 - dejure.org
§ 80 Abs 5 VwGO, § 316 StGB, § 3 Abs 1 StVG, § 29 Abs 8 S 1 StVG, § 11 Abs 8 FeV
Fahrerlaubnisentziehung; Eignungsmangel; Alkohol; wiederholte Zuwiderhandlungen unter Alkoholeinfluss; medizinisch-psychologisches Gutachten; Rechtmäßigkeit der Gutachtenanordnung; maßgeblicher Zeitpunkt; Tilgung
Maßgeblicher Zeitpunkt für Beurteilung der Rechtmäßigkeit einer MPU-Anordnung ist der Zeitpunkt der Aufforderung
Beurteilung der Rechtmäßigkeit der Anordnung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens im Zeitpunkt der Gutachtenanforderung; Rechtmäßigkeit eines Gutachtens bei nach Gutachtenerstellung eintretendem Verwertungsverbot für einen Verkehrsverstoß
VG Berlin, 16.11.2010 - 20 L 337.10
NJW 2011, 1832
NZV 2011, 469
Diese Auffassung entspricht der Rechtsprechung des OVG Berlin-Brandenburg (vgl. B.v. 30.10.2012 - 1 B 9.12 - juris Rn. 20 und v. 18.1.2011 - 1 S 233.10 - juris Rn. 5), des OVG Bautzen (…B.v. 24.7.2008 - 3 B 18/08 - juris Rn. 5) und des OVG Mecklenburg-Vorpommern (…B.v. 13.2.2007 - 1 M 13/07 - juris Rn. 7 mit zustimmender Anmerkung von Geiger, SVR 2007, 354).
Nach derzeitigem Sachstand fand die Aufforderung zur Vorlage eines medizinisch-psychologischen Gutachtens vom 02. März 2015 -- in dem insoweit maßgeblichen Zeitpunkt ihres Erlasses (OVG Berlin-Brandenburg, Beschl. v. 18. Januar 2011 - OVG 1 S 233.10 -, juris Rn. 5; dazu neigend auch: Bayerischer VGH, Beschl. v. 27. Mai 2015 - 11 CS 15.645 -, NJW 2015, 3050 m. w. N.) - in § 13 S. 1 Nr. 2 lit c) FeV keine materielle Rechtsgrundlage (sogleich unter 1.) und sie war darüber hinaus in mehrfacher Hinsicht formell rechtswidrig (unter 2.).
vgl. dazu OVG NRW, Urteil vom 6. September 2011 - 16 A 1394/09 -, juris; OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 18. Januar 2011 - OVG 1 S 233.10 -, juris.
Der Kostenbescheid ist rechtsfehlerhaft, weil die rechtlichen Voraussetzungen für eine Aufforderung an den Kläger, ein medizinisch-psychologisches Gutachten vorzulegen, am 13. Juli 2011 (vgl. OVG Berlin-Brandenburg, Beschl. v. 18. Januar 2011 - OVG 1 S 233.10 - BA S. 3 ) nicht mehr vorlagen.
Vorliegend erweist sich die Aufforderung zur Vorlage eines medizinisch-psychologischen Gutachtens vom 02. März 2015 in dem insoweit maßgeblichen Zeitpunkt ihres Erlasses (OVG Berlin-Brandenburg, Beschl. v. 18. Januar 2011 - OVG 1 S 233.10 - juris Rn. 5) als rechtswidrig, so dass der Antragsgegner aus dem Umstand, dass der Antragsteller dieses Gutachten nicht fristgemäß vorgelegt hatte, nicht nach § 11 Abs. 8 S. 1 FeV auf dessen fehlende Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen schließen durfte.
Ein Rückgriff ist danach ohne weiteres zulässig, da die Zuwiderhandlungen im maßgeblichen Zeitpunkt der Gutachtensanforderung (vgl. OVG Berlin-Brandenburg vom 18.1.2011, OVG 1 S 233.10 - juris) im Verkehrszentralregister noch nicht gemäß § 29 StVG zu tilgen waren.
In dem erstgenannten Zusammenhang ist das Vorbringen bereits deshalb unerheblich, weil sich diese Frage nach den Verhältnissen im Zeitpunkt des Erlasses der Anordnung beurteilt (etwa OVG Berlin-Brandenburg, Beschl. v. 18. Januar 2011 - OVG 1 S 233.10), im Übrigen liegen die Voraussetzungen des § 11 Abs. 8 S. 1 FeV vor, weil die zu Recht geforderte medizinisch-psychologische Untersuchung nicht durchgeführt worden ist.