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Timestamp: 2018-11-15 11:09:04
Document Index: 131603963

Matched Legal Cases: ['§ 171', '§ 171', '§ 171', '§ 171', '§ 171', '§ 171']

ECLI: ECLI:DE:BFH:2018:U.030718.VIIIR9.16.0
Normen: § 171 Abs 5 S 1 AO, § 171 Abs 5 S 2 AO, § 171 Abs 9 AO
Zitiervorschlag: BFH, Urteil vom 03. Juli 2018 – VIII R 9/16 –, BFHE nn
1. Die Ablaufhemmung nach § 171 Abs. 9 AO schließt den Eintritt der Ablaufhemmung nach § 171 Abs. 5 Satz 1 AO nicht generell aus, wenn die Ermittlungen der Steuerfahndung vor dem Ablauf der ungehemmten Festsetzungsfrist beginnen und die Steuerfestsetzung auf den Ermittlungen der Steuerfahndung beruht (Bestätigung der Senatsrechtsprechung im BFH-Urteil vom 17. November 2015 VIII R 68/13, BFHE 252, 210, BStBl II 2016, 571)(Rn.23)(Rn.27).
2. Ein solches "Beruhen" der Steuerfestsetzungen auf rechtzeitig begonnenen Ermittlungen setzt voraus, dass die Steuerfahndung vor Ablauf der ungehemmten Festsetzungsfrist Ermittlungshandlungen vornimmt, die konkret der Überprüfung der nacherklärten Besteuerungsgrundlagen dienen(Rn.28).
1. Die spätere Steuerfestsetzung nacherklärter Besteuerungsgrundlagen eines bestimmten Veranlagungszeitraums beruht nicht mehr auf einer rechtzeitigen Ermittlungshandlung, wenn die Steuerfahndung nach Eröffnung der Prüfung vor Ablauf der ungehemmten Festsetzungsfrist des streitgegenständlichen Veranlagungszeitraums (hier: 1996 und 1997) zwar Ermittlungen hinsichtlich der Besteuerungsgrundlagen eines anderen Veranlagungszeitraums des Prüfungszeitraums (hier: etwa für die Jahre 1998 bis 2006) vornimmt, mit der Ermittlung der Besteuerungsgrundlagen des betrachteten Veranlagungszeitraums (hier: der Streitjahre 1996 und 1997) aber erst nach Ablauf des ungehemmten Festsetzungsfrist tatsächlich beginnt(Rn.30).
2. § 171 Abs. 5 Satz 2 AO greift nur in Bezug auf denjenigen konkreten Steueranspruch ein, der durch eine im Ermittlungsverfahren näher aufzuklärende Straftat verletzt worden sein soll. Verjährungsrechtlich will das Gesetz sicherstellen, dass die im Zuge des eingeleiteten Steuerstrafverfahrens gewonnenen Erkenntnisse bei der Festsetzung des betroffenen Steueranspruchs Berücksichtigung finden. Erkenntnisgewinn in diesem Sinne verspricht aber nicht irgendein Steuerstrafverfahren, sondern nur ein solches, das gerade wegen der vermeintlichen Verletzung eines bestimmten Steueranspruchs eingeleitet wurde (Rn.38).
3. Parallelentscheidung: BFH-Urteil vom 03.07.2018 VIII R 10/16, vollständig dokumentiert.
DB 2018, 2735-2739 (Leitsatz und Gründe)
vorgehend FG München, 25. Februar 2016, Az: 13 K 2818/13, Urteil
Vergleiche BFH, 17. Dezember 2015, Az: V R 58/14
Vergleiche BFH, 17. November 2015, Az: VIII R 68/13
Vergleiche BFH, 26. Juni 2014, Az: IV R 51/11
im Text BFH, 22. Dezember 2010, Az: I R 84/09
Vergleiche BFH, 15. Juni 2010, Az: VIII B 2/10
Vergleiche BFH, 8. Juli 2009, Az: VIII R 5/07
Vergleiche BFH, 14. April 2005, Az: XI R 83/03
Bestätigung BFH, 24. April 2003, Az: VII R 3/02
Vergleiche BFH, 9. März 1999, Az: VIII R 19/97