Source: http://www.hensche.de/Rentenversicherung_GmbH-Geschaeftsfuehrer_Pflicht_zur_Rentenversicherung_eines_GmbH-Geschaeftsfuehrers_BSG_B12RA1-04R-u.html
Timestamp: 2019-09-19 16:51:24
Document Index: 166453930

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 13', '§ 2', '§ 2', '§ 165', '§ 2', '§ 168', '§ 168', '§ 723', '§ 7', '§ 7', 'BGH', '§ 15', '§ 560', '§ 2', 'Art 3', '§ 7', 'Art 2', '§ 2', 'Art 7', 'Art 4', '§ 2', '§ 23', '§ 9', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 13', '§ 2', 'Art 9', 'Art 19', 'Art 3', 'Art 5', 'Art 12', 'Art 14', 'Art 2', '§ 13', '§ 13', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 13', 'BGH', 'BGH', '§ 842', '§ 1', '§ 104', '§ 168', '§ 168', '§ 25', '§ 7', '§ 35', '§ 35', '§ 35', '§ 181', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 723', '§ 13', '§ 13', '§ 723', '§ 13', '§ 13', '§ 29', '§ 13', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art 2', 'Art 2', '§ 94', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art 3', '§ 2', '§ 2', 'Art 4', '§ 2', '§ 7', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 2', 'Art 3', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 1248', '§ 3', '§ 7', '§ 96', 'Art 19', '§ 183']

BSG, Urteil vom 24.11.2005, B 12 RA 1/04 R - HENSCHE Arbeitsrecht
BSG, Ur­teil vom 24.11.2005, B 12 RA 1/04 R
Schlagworte: Rentenversicherung, GmbH-Geschäftsführer
Vorinstanzen: Sozialgericht Itzehoe, Urteil vom 16.10.2002, S 2 RA 71/01
Schleswig-Holsteinisches Landessozialgericht, Urteil vom 27.10.2003, L 8 RA 108/02
24. No­vem­ber 2005
Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund, Ruhr­s­traße 2, 10709 Ber­lin,
Der 12. Se­nat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 24. No­vem­ber 2005 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter B a l z e r , den Rich­ter Dr. B e r c h t o l d und die Rich­te­rin H ü t t m a n n - S t o l l so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter J u n g w i r t h und Z ä h r i n g e r für Recht er­kannt:
Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 27. Ok­to­ber 2003 auf­ge­ho­ben.
Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des So­zi­al­ge­richts It­ze­hoe vom 16. Ok­to­ber 2002 wird zurück­ge­wie­sen, so­weit die­ses die Kla­ge ge­gen die Fest­stel­lung der Ver­si­che­rungs­pflicht des Klägers im Be­scheid vom 30. Ja­nu­ar 2001 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 13. Ju­ni 2001 ab­ge­wie­sen hat.
Im Übri­gen wird der Rechts­streit zur er­neu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­so­zi­al­ge­richt zurück­ver­wie­sen.
Die Be­tei­lig­ten strei­ten im We­sent­li­chen über die Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht des Klägers als sog ar­beit­neh­merähn­li­cher Selbstständi­ger.
Der 1948 ge­bo­re­ne Kläger ist Al­lein­ge­sell­schaf­ter und al­lei­ni­ger Geschäftsführer der 1995 ge­gründe­ten Un­ter­neh­mens­be­ra­tung J. H. GmbH. Bei die­ser sind kei­ne an­de­ren Mit­ar­bei­ter beschäftigt. Der Kläger ent­rich­te­te frei­wil­li­ge Beiträge zur Be­klag­ten.
Im Rah­men ei­ner Prüfung der Ver­si­che­rungs­pflicht gab der Kläger im No­vem­ber 2000 ge­genüber der Be­klag­ten ua an, sei­ne Tätig­keit als Un­ter­neh­mens­be­ra­ter im Um­fang von mehr als 15 St­un­den wöchent­lich und nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber, da­mals die L. GmbH & Co. KG in B., aus­zuüben. Er beschäfti­ge kei­nen Ar­beit­neh­mer und be­zie­he ein Geschäftsführer­ge­halt in Höhe von 15.000,00 DM mo­nat­lich zuzüglich der Nut­zung ei­nes Kraft­fahr­zeu­ges. Der Kläger leg­te als Nach­wei­se ei­ne Ge­halts­be­schei­ni­gung für den Mo­nat Ok­to­ber 2000, ei­nen Aus­zug aus dem Han­dels­re­gis­ter so­wie den Ge­sell­schafts­ver­trag vor.
Mit Be­scheid vom 30. Ja­nu­ar 2001 stell­te die Be­klag­te die Ver­si­che­rungs­pflicht des Klägers auf Grund sei­ner selbstständi­gen Tätig­keit als Un­ter­neh­mens­be­ra­ter für die Zeit ab dem 1. Ja­nu­ar 1999 fest und for­der­te un­ter Zu­grun­de­le­gung des Re­gel­bei­trags für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar 1999 bis 31. Ja­nu­ar 2001 die Zah­lung rückständi­ger Beiträge in Höhe von 21.656,60 DM. Dem stan­den für den­sel­ben Zeit­raum ge­leis­te­te frei­wil­li­ge Beiträge in Höhe von 41.673,30 DM ge­genüber, über de­ren "Um­wand­lung bzw Rücker­stat­tung" mit ge­son­der­tem Be­scheid ent­schie­den wer­den soll­te. Wi­der­spruch und Kla­ge des Klägers sind je­weils er­folg­los ge­blie­ben (Wi­der­spruchs­be­scheid der Be­klag­ten vom 13. Ju­ni 2001, Ur­teil des So­zi­al­ge­richts It­ze­hoe <SG> vom 16. Ok­to­ber 2002).
Auf den An­trag des Klägers, ein­kom­mens­ge­rech­te Beiträge zu zah­len, er­teil­te ihm die Be­klag­te un­ter dem 6. März 2003 ei­nen neu­en Bei­trags­be­scheid.
Auf die Be­ru­fung des Klägers hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG) mit Ur­teil vom 27. Ok­to­ber 2003 das Ur­teil des SG, den Aus­gangs­be­scheid der Be­klag­ten vom 30. Ja­nu­ar 2001 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 13. Ju­ni 2001 so­wie den Bei­trags­be­scheid vom 6. März 2003 auf­ge­ho­ben. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen Fol­gen­des aus­geführt: Der Kläger übe als Al­lein­ge­sell­schaf­ter und Geschäftsführer der GmbH, die kei­ne wei­te­ren Mit­ar­bei­ter beschäfti­ge, zwar ei­ne selbstständi­ge Tätig­keit aus. Die­se sei je­doch nicht ar­beit­neh­merähn­lich. Ei­ne sol­che al­lein­un­ter­neh­me­ri­sche Ein-Mann-GmbH fal­le nicht un­ter § 2 Satz 1 Nr 9 Sechs­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch - Ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung (SGB VI). Da die GmbH ei­ner­seits als ju­ris­ti­sche Per­son selbst rechtsfähig sei und als Un­ter­neh­mer am
Markt auf­tre­te, ins­be­son­de­re die Verträge mit den Auf­trag­ge­bern schließe, an­de­rer­seits aber nicht als ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Adres­sat in Be­tracht kom­me, ent­ste­he das Pro­blem des § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI für die GmbH selbst nicht. Per­so­nen im Sin­ne der Vor­schrift sei­en nur natürli­che. § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI sei als Aus­nah­me­vor­schrift eng aus­zu­le­gen und auf ju­ris­ti­sche Per­so­nen nicht an­wend­bar. Der ein­zi­ge Ge­sell­schaf­ter, der auch gleich­zei­tig al­lei­ni­ger Geschäftsführer der Ge­sell­schaft sei, kom­me wie­der­um als ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ges Rechts­sub­jekt nicht in Be­tracht, weil sei­ne persönli­che Haf­tung und da­mit sei­ne In­an­spruch­nah­me nach § 13 Abs 2 GmbH-Ge­setz (Gmb­HG) aus­schei­de und der Geschäftsführer ei­ner Ein-Per­so­nen-GmbH nicht zu dem ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Per­so­nen­kreis zähle, da er als al­lei­ni­ger Ge­sell­schaf­ter be­herr­schen­den Ein­fluss auf die Ge­sell­schaft ha­be (Hin­weis auf Hoh­meis­ter in NZS 1999, 213). Die Ver­si­che­rungs­pflicht könne auch nicht et­wa dann in der Per­son des Ge­sell­schaf­ters ein­tre­ten, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI durch die GmbH erfüllt würden. Ei­ne Ge­set­zes­um­ge­hung lie­ge in­so­fern nicht vor.
Die Be­klag­te wen­det sich hier­ge­gen mit der Re­vi­si­on. Un­strei­tig sei, dass das Tat­be­stands­merk­mal "Per­so­nen" in § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI al­lein natürli­che Per­so­nen er­fas­se und da­her fol­ge­rich­tig auch der Kläger - und nicht et­wa die GmbH - als ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­tig ein­ge­stuft wor­den sei. Auf der Grund­la­ge der für das So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht maßgeb­li­chen tat-sächli­chen Verhält­nis­se könne es al­lein dar­auf an­kom­men, dass nur der Ge­sell­schaf­ter-Geschäftsführer - und nicht die von ihm ge­lei­te­te GmbH - im Rechts­ver­kehr auf­tre­te und müsse de­ren recht­li­che Exis­tenz - eben­so wie nach ständi­ger Recht­spre­chung bei der Prüfung von Ver­si­che­rungs­pflicht auf Grund abhängi­ger Beschäfti­gung - "hin­weg­fin­giert" wer­den. Ein Ab­stel­len auf die GmbH die­ne dem­ge­genüber letzt­lich nur der Ge­set­zes­um­ge­hung. Sch­ließlich spre­che auch § 165 Abs 3 SGB VI dafür, dass sich die Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht auch auf selbstständig mit­ar­bei­ten­de Ge­sell­schaf­ter ei­ner GmbH er­stre­cken könne. Da­mit sei vor­lie­gend der Tat­be­stand des Buchst b in § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI erfüllt.
un­ter Auf­he­bung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils die Be­ru­fung ge­gen das Ur­teil des SG It­ze­hoe vom 16. Ok­to­ber 2002 zurück­zu­wei­sen.
Er hält das an­ge­foch­te­ne Ur­teil für zu­tref­fend. Die Auf­fas­sung der Be­klag­ten führe zu vom Ge­setz­ge­ber we­der vor­her­ge­se­he­nen noch gewünsch­ten Er­geb­nis­sen.
Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten er­weist sich als be­gründet, so­weit sie in den an­ge­foch­te­nen Be­schei­den die Ver­si­che­rungs­pflicht des Klägers als sog ar­beit­neh­merähn­li­cher Selbstständi­ger fest­ge­stellt hat. In­so­fern war das der Kla­ge statt­ge­ben­de Ur­teil des LSG auf­zu­he­ben und die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des SG zurück­zu­wei­sen. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten er­weist sich darüber hin­aus im Sin­ne der Auf­he­bung des Be­ru­fungs­ur­teils und der Zurück­ver­wei­sung der Sa­che an das LSG als be­gründet, als die­ses die Ver­wal­tungs­ak­te der Be­klag­ten zu Bei­trags­pflicht und Bei­tragshöhe so­wie das Ur­teil des SG auf­ge­ho­ben hat. In­so­fern fehlt es bis-her an aus­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen.
1. Die Be­klag­te hat im Er­geb­nis zu­tref­fend die Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht des Klägers ab dem 1. Ja­nu­ar 1999 fest­ge­stellt. Ein­zi­ger "Auf­trag­ge­ber" des oh­ne Ar­beit­neh­mer selbstständig täti­gen Klägers ist die J. H. GmbH, de­ren ein­zi­ger Ge­sell­schaf­ter und Al­lein­geschäftsführer er gleich­zei­tig ist. Die Erfüllung die­ser not­wen­di­gen und hin­rei­chen­den Vor­aus­set­zun­gen be­legt die Zu­gehörig­keit des Klägers zum ver­si­cher­ten Per­so­nen­kreis und sei­ne vom Ge­setz ty­pi­sie­rend zu Grun­de ge­leg­te Schutz­bedürf­tig­keit, oh­ne dass wei­te­re Ge­sichts­punk­te zu prüfen wären. We­der kommt es da­her für die Fra­ge der Ver­si­che­rungs­pflicht zusätz­lich auf ei­ne kon­kre­te wirt­schaft­li­che Schutz­bedürf­tig­keit des Klägers an, noch sind sons­ti­ge Außen­be­zie­hun­gen der GmbH von Be­deu­tung.
a) Zu­tref­fend hat das LSG al­ler­dings ent­schie­den, dass der Kläger als Geschäftsführer im maßgeb­li­chen Verhält­nis zu "sei­ner" GmbH nicht abhängig beschäftigt ist. Schon, wer auf Grund ei­ner Sperr­mi­no­rität oder weil er Mehr­heits­ge­sell­schaf­ter ist, kraft sei­ner ge­sell­schafts­recht­li­chen Stel­lung als Geschäftsführer-Ge­sell­schaf­ter in der La­ge ist, ihm nicht ge­neh­me Ent­schei­dun­gen der Ge­sell­schaft zu ver­hin­dern, ist nicht abhängig beschäftigt (Bun­des­so­zi­al­ge­richt <BSG> vom 18. April 1991, 7 RAr 32/90, SozR 3-4100 § 168 Nr 5 S 8 und vom 8. De­zem­ber 1994, 11 RAr 49/94, SozR 3-4100 § 168 Nr 18 S 45, vom 30. Ju­ni 1999, B 2 U 35/98 R, SozR 3-2200 § 723 Nr 4 S 15 mwN, vom 17. Mai 2001, B 12 KR 34/00 R, SozR 3-2400 § 7 Nr 17 S 57). Erst recht ist in sei­ner dienst­ver­trag­li­chen Stel­lung nicht persönlich abhängig, wem - wie dem Kläger als Al­lein­ge­sell­schaf­ter - ge­sell­schafts­recht­lich und in­ner­halb der Gren­zen des Rechts ei­ne un­be­schränk­te Ge­stal­tungs­macht zu­kommt. Sei­ne Selbstständig­keit liegt da­mit um­ge­kehrt auf der Hand. Der Kläger al­lein be­stimmt als Or­gan die in­ter­ne Wil­lens­bil­dung und ver­tritt die Ge­sell­schaft nach außen. Ein von sei­nem ab­wei­chen­der Wil­le der GmbH und ei­ne Bin­dung hier­an sind aus­ge­schlos­sen (vgl BSG vom 6. März 2003, B 11 AL 25/02 R, SozR 4-2400 § 7 Nr 1 S 3 f mwN). So­weit das dienst­ver­trag­li­che Verhält­nis der GmbH zum Kläger als natürli­cher Per­son be­trof­fen ist, ist da­her im Blick auf die ein­heit­li­che Wil­lens­bil­dung in den ver­schie­de­nen Funk­ti­ons­krei­sen ei­ne Wei­sungs­abhängig­keit hin­sicht­lich Zeit, Dau­er und Ort der Ar­beits­ausführung oder auch nur ei­ne funk­ti­ons­ge­recht die­nen­de Teil­ha­be an ei­nem je­den­falls durch frem­de Or­ga­ni­sa­ti­on vor­ge­ge­be­nen Ar­beits­pro­zess von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen (vgl
ent­spre­chend zur wirt­schaft­li­chen Selbstständig­keit des geschäftsführen­den Al­lein­ge­sell­schaf­ters ei­ner GmbH im In­sol­venz­ver­fah­ren Bun­des­ge­richts­hof <BGH> vom 22. Sep­tem­ber 2005, IX ZB 55/04, WM 2005, 2191; zur Rechts­na­tur der Bezüge ei­nes Mehr­heits­ge­sell­schaf­ters und Al­lein­geschäftsführers als Ar­beits­ein­kom­men aus selbstständi­ger Tätig­keit iS von § 15 Vier­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IV) BSG vom 14. De­zem­ber 1995, 2 RU 41/94, SozR 3-2200 § 560 Nr 2 S 10 f).
b) Der als Rechts­grund­la­ge für die Ver­si­che­rungs­pflicht des Klägers in sei­ner Tätig­keit für die GmbH da­nach al­lein in Be­tracht kom­men­de § 2 Nr 9 SGB VI be­gründe­te zunächst idF durch Art 3 Nr 4 des Ge­set­zes zu Kor­rek­tu­ren in der So­zi­al­ver­si­che­rung und zur Si­che­rung der Ar­beit-neh­mer­rech­te vom 19. De­zem­ber 1998 (BGBl I 3843) Ver­si­che­rungs­pflicht ab dem 1. Ja­nu­ar 1999 für selbstständig täti­ge Per­so­nen, die im Zu­sam­men­hang ih­rer selbstständi­gen Tätig­keit mit Aus­nah­me von Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen (§ 7 Abs 4 Satz 3 SGB IV) kei­nen ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Ar­beit­neh­mer beschäfti­gen so­wie re­gelmäßig und im We­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tätig sind (sog ar­beit­neh­merähn­li­che Selbstständi­ge). Durch Art 2 Nr 1 Buchst a des Ge­set­zes zur Förde­rung der Selbstständig­keit vom 20. De­zem­ber 1999 (BGBl 2000 I 2) wur­de § 2 (nun­mehr Satz 1) Nr 9 SGB VI in der Wei­se rück­wir­kend zum 1. Ja­nu­ar 1999 geändert, dass selbstständig täti­ge Per­so­nen ver­si­che­rungs­pflich­tig sind, die a) im Zu­sam­men­hang mit ih­rer selbstständi­gen Tätig­keit re­gelmäßig kei­nen ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Ar­beit­neh­mer beschäfti­gen, des­sen Ar­beits­ent­gelt aus die­sem Beschäfti­gungs­verhält­nis re­gelmäßig 630 Deut­sche Mark im Mo­nat über­steigt, und b) auf Dau­er und im We­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tätig sind (vgl zur Be­gründung BT-Drucks 14/1855 S 8 f). Seit­her sind Ände­run­gen nur noch hin-sicht­lich der Ent­gelt­gren­ze in Buchst a er­folgt (vgl Art 7 Nr 2 4. Eu­ro-Einführungs­ge­setz vom 21. De­zem­ber 2000, BGBl I 1983, und Art 4 Nr 1 Buchst a Buchst bb des Zwei­ten Ge­set­zes für mo­der­ne Dienst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt vom 23. De­zem­ber 2002, BGBl I 4621).
c) § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI re­gelt al­lein die Ver­si­che­rungs­pflicht natürli­cher Per­so­nen. Die Vor­schrift spricht mit "Per­so­nen" glei­cher­maßen im Haupt­satz hin­sicht­lich der Rechts­fol­ge und im Ne­ben­satz hin­sicht­lich ih­rer tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen je­weils den­sel­ben Kreis von Be­trof­fe­nen an. Schon weil das ge­sam­te Leis­tungs­pro­gramm der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (§ 23 Ers­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch - All­ge­mei­ner Teil <SGB I>; §§ 9 ff SGB VI) of­fen­sicht­lich al­lein auf natürli­che Per­so­nen ab­stellt, kann es sich hier­bei je­weils nur ein­heit­lich um natürli­che Per­so­nen han­deln. Die­ser Um­stand schließt es gleich­zei­tig von vorn­her­ein aus, die Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen des § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI zunächst auch in Be­zug auf ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son zu prüfen, um dann die Rechts­fol­ge der Ver­si­che­rungs­pflicht bei ei­ner be­tei­lig­ten natürli­chen Per­son ein­tre­ten zu las­sen (vgl in die­sem Sin­ne aber et­wa Brand, DB 1999, 1162, 1168). Viel­mehr ge­bie­tet die auch im So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht zu be­ach­ten­de je­weils ei­genständi­ge Rechts­sub­jek­ti­vität von natürli­cher und ju­ris­ti­scher Per­son ih­re Un­ter­schei­dung auch in ih­rer Be­zie­hung zu­ein­an­der.
d) Die Ver­si­che­rungs­pflicht des Klägers in sei­ner selbstständi­gen Tätig­keit ist nicht des­halb aus­ge­schlos­sen, weil er als Geschäftsführer für die GmbH tätig ist. So­weit Grund­la­ge der Ver­si­che­rungs­pflicht in § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI die Be­zie­hung des Ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen zu ei­nem an­de­ren Rechts­sub­jekt ("Auf­trag­ge­ber") ist, kommt in­so­fern auch ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son als Part­ner in Be­tracht. Ver­si­cher­ter und "Auf­trag­ge­ber" blei­ben in­des auch dann selbst­verständ­lich zu un­ter­schei­den. Ent­ge­gen der Re­vi­si­on kommt es da­her bei Prüfung der Fra­ge, wer "Auf­trag­ge­ber" iS des § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI der je­wei­li­gen selbstständig er­werbstäti­gen natürli­chen Per­son ist, nicht in Be­tracht, die Rechts­persönlich­keit be­tei­lig­ter ju­ris­ti­scher Per­so­nen - wie hier der J. H. GmbH - "hin­weg­zu­fin­gie­ren" und an­sch­ließend das Re­sul­tat die­ser Vor­ge­hens­wei­se al­lein der natürli­chen Per­son zu­zu­ord­nen. Ins­be­son­de­re schließt in­so­fern der Um­stand, dass der Kläger grundsätz­lich nicht für Schul­den der Ge­sell­schaft haf­tet (§ 13 Abs 2 des Ge­set­zes be­tref­fend die Ge­sell­schaft mit be­schränk­ter Haf­tung <Gmb­HG>), nicht sei­ne Haf­tung ge­genüber der Ge­sell­schaft aus. Das Be­ru­fungs­ge­richt, das sei­ne ent­spre­chen­de Ar­gu­men­ta­ti­on je­weils wort­ge­treu von Hoh­meis­ter (NZS 1999, 213, 214 f) über­nom­men hat, ver­kennt dies eben­so wie den Um­stand, dass das Feh­len ei­ner abhängi­gen Beschäfti­gung die Ver­si­che­rungs­pflicht nicht aus­sch­ließt, wo der ge­setz­li­che Tat­be­stand ge­ra­de ei­ne selbstständi­ge Er­werbstätig­keit for­dert.
Die Er­geb­nis­se sei­ner selbstständi­gen Tätig­keit, die der Kläger als de­ren Erfüllungs­ge­hil­fe und oh­ne ei­ge­ne Ar­beit­neh­mer ge­genüber Drit­ten er­bringt, kom­men dau­er­haft und al­lein der J. H. GmbH zu­gu­te. Sie ist da­mit der al­lein in Be­tracht kom­men­de "Auf­trag­ge­ber" im Sin­ne des § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI. Dar­auf, mit wel­chen und wie vie­len Part­nern der Auf­trag­ge­ber sei­ner­seits gleich­zei­tig in wirt­schaft­li­chem und/oder recht­li­chem Kon­takt steht, kommt es dem­ge­genüber nicht an. In­so­fern fehlt es an der er­for­der­li­chen Rechts­grund­la­ge für ei­ne Zu­ord­nung, die im Ein­zel­fall die un­ter­schied­li­che Rechts­sub­jek­ti­vität über­brücken könn­te.
Im Ge­gen­teil be­steht ver­fas­sungs­recht­lich wie ein­fach­ge­setz­lich auch im hier­an an­knüpfen­den So­zi­al­recht ei­ne grundsätz­li­che Ver­pflich­tung, die vom bürger­li­chen Recht gewähr­leis­te­te und aus­ge­stal­te­te ei­genständi­ge Exis­tenz und Hand­lungsfähig­keit ju­ris­ti­scher Per­so­nen recht­lich zu Grun­de zu le­gen. Ei­ne spe­zi­al­ge­setz­li­che Ermäch­ti­gung, von den vom Par­la­ments-Ge­setz­ge­ber mit Schaf­fung des Gmb­HG ge­trof­fe­nen grundsätz­li­chen Wer­tun­gen ab­zu­wei­chen, fehlt. Die ab­wei­chen­de Auf­fas­sung kann sich auch nicht et­wa auf ei­ne ent­spre­chen­de rich­ter­li­che Rechts­fort­bil­dung durch das BSG be­ru­fen. Ins­be­son­de­re be­ruht die Recht­spre­chung des BSG zur selbstständi­gen Tätig­keit des sog Ge­sell­schaf­ter-Geschäftsführers nicht auf der feh­len­den An­er­ken­nung der Ei­genständig­keit der GmbH als ju­ris­ti­scher Per­son.
aa) Die Exis­tenz und Viel­falt der Er­schei­nungs­form ju­ris­ti­scher Per­so­nen sind Aus­druck der grundsätz­li­chen Ver­pflich­tung des Ge­setz­ge­bers aus Art 9 Abs 1 Grund­ge­setz (GG), das Ver­eins- und Ge­sell­schafts­recht so aus­zu­ge­stal­ten, dass ein Aus­gleich von frei­er As­so­zia­ti­on und Selbst­be­stim­mung der Ver­ei­ni­gun­gen un­ter Berück­sich­ti­gung der Not­wen­dig­keit ei­nes ge­ord­ne­ten Ver­eins­le­bens und schutzwürdi­ger sons­ti­ger Be­lan­ge gewähr­leis­tet ist (Bun­des­ver­fas-
sungs­ge­richt <BVerfG> vom 1. März 1979, 1 BvR 532/77 ua, BVerfGE 50, 290, 355). Die auf die­ser Grund­la­ge ermöglich­te inländi­sche ju­ris­ti­sche Per­son ist rechtsfähig und nimmt gleich­wer­tig mit den natürli­chen Per­so­nen am Rechts­le­ben teil (BVerfG vom 25. Ok­to­ber 1966, 2 BvR 506/63, BVerfGE 20, 323). Sie hat aus Art 19 Abs 3 GG iVm Art 3 Abs 1 GG ei­nen grundsätz­li­chen - wenn auch nicht sche­ma­ti­schen - An­spruch auf Gleich­be­hand­lung mit natürli­chen Per­so­nen (BVerfG vom 3. Ju­li 1973, 1 BvR 153/69, BVerfGE 35, 348, 357) und kann sich da­ne­ben un­ter an­de­rem auf die Grund­rech­te aus Art 5 GG (BVerfG vom 4. April 1967, 1 BvR 414/64, BVerfGE 21, 271, 277, vom 24. Fe­bru­ar 1971, 1 BvR 435/68, BVerfGE 30, 173, 191), Art 12 GG (BVerfG vom 29. No­vem­ber 1967, 1 BvR 175/66, BVerfGE 22, 380, 383 mwN) und Art 14 GG (BVerfG vom 1. März 1979, 1 BvL 21/78, BVerfGE 50, 290, 341) so­wie ins­be­son­de­re auf das Grund­recht der wirt­schaft­li­chen Ent­fal­tungs­frei­heit aus Art 2 Abs 1 GG (BVerfG vom 29. Ju­li 1959, 1 BvR 394/58, BVerfGE 10, 89, 89, vom 14. Ok­to­ber 1970, 1 BvR 306/68, BVerfGE 29, 260, 265, vom 25. Ja­nu­ar 1984, 1 BvR 272/81, BVerfGE 66, 116, 130, vom 3. Mai 1994, 1 BvR 737/94, NJW 1994, 1784 = DB 1994, 1350, je­weils mwN) be­ru­fen. Dies führt et­wa hin­sicht­lich des Ei­gen­tums da­zu, dass zunächst das Ei­gen­tum der ju­ris­ti­schen Per­son vom An­teils­ei­gen­tum der Ge­sell­schaf­ter zu un­ter­schei­den ist und letz­te­res als ge­sell­schafts­recht­lich ver­mit­tel­tes Ei­gen­tum auch bei ei­ner ge­rin­gen Ge­sell­schaf­ter­zahl den Ei­gentümer re­gelmäßig auf ei­ne Nut­zung des Vermögens­werts und ei­ne mit­tel­ba­re Verfügungs­be­fug­nis über die Or­ga­ne der Ge­sell­schaft be­schränkt, das heißt an­ders als beim Sach­ei­gen­tum der Ge­brauch des Ei­gen­tums und die Ver­ant­wor­tung hierfür aus­ein­an­der fal­len (BVerfG vom 1. März 1979, 1 BvL 21/78 ua, BVerfGE 50, 290, 341 f).
bb) Dem ent­spricht ein­fach­ge­setz­lich die selbstständi­ge In­ha­ber­schaft von Rech­ten und Pflich­ten der GmbH (§ 13 Abs 1 Gmb­HG) so­wie die - grundsätz­li­che - Haf­tungs­be­schränkung auf das Ge­sell­schafts­vermögen (§ 13 Abs 2 Gmb­HG). Über die Rechts­fi­gur der ju­ris­ti­schen Per­son darf nicht leicht­fer­tig und schran­ken­los hin­weg­ge­gan­gen wer­den (stRspr vgl et­wa BGH vom 13. No­vem­ber 1973, VI ZR 53/72, BGHZ 61, 380, 383 mwN). Dies gilt eben­so für die recht­li­che Ver­schie­den­heit zwi­schen der - seit der GmbH-No­vel­le des Jah­res 1980 (Ge­setz vom 4. Ju­li 1980, BGBl I 836) aus­drück­lich (zB § 1 Gmb­HG) ge­re­gel­ten - Ein-Mann-GmbH und ih­rem Al­lein­ge­sell­schaf­ter, die nur in be­son­de­ren Aus­nah­mefällen durch­bro­chen wer­den darf (vgl hier­zu allg et­wa BGH vom 13. No­vem­ber 1973, VI ZR 53/72, BGHZ 61, 380, 383 mwN). In­so­fern hat der BGH in sei­ner Ent­schei­dung vom 16. Ok­to­ber 2003, IX ZR 55/02, BGHZ 156, 310, 314 mwN) zu­sam­men­fas­send dar­auf hin­ge­wie­sen, dass über der "wirt­schaft­li­chen Iden­tität" zwi­schen der Ein-Mann-GmbH und dem Al­lein­ge­sell­schaf­ter die grund­le­gen­den ge­setz­li­chen Re-ge­lun­gen der recht­li­chen Verhält­nis­se nicht ver­nachlässigt wer­den dürf­ten. Hin­sicht­lich des Ge­sell­schafts­vermögens und des Pri­vat­vermögens gel­te das Tren­nungs­prin­zip. Für Ge­sell­schafts-schul­den haf­te nur die GmbH mit ih­rem Vermögen (§ 13 Abs 2 Gmb­HG), für persönli­che Schul-den al­lein der Ge­sell­schaf­ter selbst. GmbH und Al­lein­ge­sell­schaf­ter sei­en nicht nur selbst-ständi­ge, von­ein­an­der grundsätz­lich un­abhängi­ge Recht­sträger, sie verfügten auch über ge­son­der­te Vermögens­mas­sen, die un­ter­schied­li­chen Gläubi­gern haf­te­ten. Schon des­halb müsse die GmbH - wie im dort ent­schie­de­nen Fall - in der La­ge sein, Ein­grif­fe von persönli­chen Gläubi­gern
ih­res Ge­sell­schaf­ters in ihr Vermögen mit der Dritt­wi­der­spruchs­kla­ge ab­zu­weh­ren. Auch im Verhält­nis zwi­schen Ein-Mann-GmbH und Al­lein­ge­sell­schaf­ter kom­me es auf die recht­li­che Zu­ord­nung der ein­zel­nen Ge­genstände an. Auch wenn da­her die prak­ti­sche Durchführung des Ver­kehrs zwi­schen Al­lein­ge­sell­schaf­ter/-geschäftsführer und GmbH na­tur­gemäß der For­men-stren­ge nur un­ter­liegt, so­weit dies ge­setz­lich un­ab­ding­bar ist bzw Dar­le­gungs- und Be­weis­last ent­spre­chend ver­min­dert sind, ändert dies nichts dar­an, dass es im Blick auf die recht­li­che Ver­schie­den­heit der Per­so­nen und ih­rer Rechts­po­si­tio­nen - zB für die Gel­tend­ma­chung ei­nes Scha­dens­er­satz­an­spruchs der GmbH durch den Geschäftsführer im ei­ge­nen Na­men - ei­ner wirk­sa­men Ab­tre­tung der ent­spre­chen­den Rech­te an ihn oder zu­min­dest sei­ner Ermäch­ti­gung im Sin­ne ei­ner ge­willkürten Pro­zess­stand­schaft be­darf (BGH vom 8. März 2004, II ZR 316/01, DB 2004, 1418 = BB 2004, 1359). Sch­ließlich kann et­wa die GmbH den Schädi­ger auf Zah­lung des Brut­to­ent­gelts in An­spruch neh­men, wenn ihr durch ei­ne von die­sem ver­ur­sach­te un­fall­be­ding­te Dienst­unfähig­keit des Al­lein­geschäftsführers/-ge­sell­schaf­ters ein Aus­fall in Höhe wei­ter-be­zahl­ten Ent­gelts ent­stan­den ist (BGH vom 9. März 1971, VI ZR 158/69, LM Nr 8 zu § 842 BGB = VersR 1971, 570).
cc) Die­sen grund­le­gen­den Ge­ge­ben­hei­ten trägt seit je­her auch die Recht­spre­chung des BSG zur Ver­si­che­rungs­pflicht von Ge­sell­schaf­tern und Geschäftsführern ei­ner GmbH auf Grund abhängi­ger Beschäfti­gung Rech­nung. Schon weil es selbst­wi­dersprüchlich wäre, von ei­ner "Be­zie­hung" des (po­ten­zi­ell) Ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen zur ju­ris­ti­schen Per­son GmbH zu spre­chen, würde letz­te­re im Sin­ne der Re­vi­si­on "hin­weg­fin­giert", ist die GmbH in An­knüpfung an die bürger­lich-recht­li­che Ord­nung stets auch hier als recht­lich und sach­lich von der natürli­chen Per­son zu un­ter­schei­den­de ei­genständi­ge Per­son ver­stan­den wor­den. Fol­ge­rich­tig ist das im Zen­trum des In­ter­es­ses ste­hen­de Verhält­nis bei­der zu ein­an­der je­weils dar­auf be­fragt wor­den, in­wie­weit in ihm ei­ne persönli­che Abhängig­keit ih­ren Aus­druck fin­det (vgl in grundsätz­li­cher Fortführung der Auf­fas­sung be­reits des Reichs­ver­si­che­rungs­amts <RVA>, An 1936, IV 217 Nr 4988; EuM 40, 372, ex­em­pla­risch BSG vom 13. De­zem­ber 1960, 3 RK 2/56, BS­GE 13, 196, 198 ff = SozR Nr 5 zu § 1 AVG aF; vom 9. No­vem­ber 1989, 11 RAr 7/89, BS­GE 66, 69, 70 ff = SozR 4100 § 104 Nr 19 S 35 ff; vom 18. April 1991, 7 RAr 32/90, SozR 3-4100 § 168 Nr 5 S 7 ff; vom 8. De­zem­ber 1994, 11 RAr 49/94, SozR 3-4100 § 168 Nr 18, 45 ff; vom 17. Ju­ni 1999, B 3 KR 1/98 R, SozR 3-5425 § 25 Nr 13 S 68; Ur­tei­le des Se­nats vom 23. Ju­ni 1994, 12 RK 72/92, NJW 1994, 2974 = USK 9448, vom 18. De­zem­ber 2001, B 12 KR 10/01 R, SozR 3-2400 § 7 Nr 20 S 78).
dd) Die ju­ris­ti­sche Per­son er­langt Hand­lungsfähig­keit durch ih­re Or­ga­ne (§§ 35 ff Gmb­HG), de­ren Funk­ti­on durch natürli­che Per­so­nen aus­geübt wird. So­weit die Funk­ti­on des Geschäftsführers zur Ver­tre­tung der Ge­sell­schaft nach außen be­rech­tigt (§ 35 Abs 1 Gmb­HG), han­delt es sich um ei­nen Fall ge­setz­li­cher Ver­tre­tung. Dies gilt auch, so­weit ei­ne natürli­che Per­son im Zu­sam­men­hang mit ein und der­sel­ben Be­zie­hung gleich­zei­tig als Geschäftsführer der GmbH für die­se wie auch für sich selbst han­delt (zur Üblich­keit der Be­frei­ung von den Be­schränkun­gen der § 35 Abs 4 Gmb­HG, § 181 Bürger­li­ches Ge­setz­buch <grundsätz­li­ches Ver­bot von In­sich­ge-
schäften> in der­ar­ti­gen Fällen BGH vom 8. März 2004, II ZR 316/01, DB 2004, 1418). Auch im Verhält­nis ei­ner Ein-Mann-GmbH zu ih­rem Al­lein­ge­sell­schaf­ter/-geschäftsführer sind da­her die be­tei­lig­ten Rechts­sub­jek­te zu un­ter­schei­den und die un­ter­schied­li­che Zu­ord­nung der ein­zel­nen Ge­genstände zu be­ach­ten (BGH vom 16. Ok­to­ber 2003, IX ZR 55/02, BGHZ 156, 310, 314 mwN). Das So­zi­al­recht folgt dem und ent­nimmt nicht et­wa aus­nahms­wei­se dem Zu­sam­men­tref­fen meh­re­rer Funk­tio­nen in ein und der­sel­ben natürli­chen Per­son ei­ne gleich­zei­ti­ge "Ver­schmel­zung" von natürli­cher und ju­ris­ti­scher Per­son.
ee) Et­was an­de­res gilt ins­be­son­de­re auch nicht im Blick auf die sog Durch­griffs­haf­tung (zu de­ren Vor­aus­set­zun­gen vgl zu­sam­men­fas­send et­wa BSG vom 26. Ja­nu­ar 1978, 2 RU 90/77, BS­GE 45, 279 = SozR 2200 § 723 Nr 4, und vom 27. Sep­tem­ber 1994, 10 RAr 1/92, SozR 3-7685 § 13 Nr 1). We­der kann nämlich ei­ne we­sent­lich zur Bewälti­gung von außer­gewöhn­li­chen Pro­blem­la­gen ent­wi­ckel­te Recht­spre­chung schon ih­rer In­ten­ti­on nach ih­rer­seits ge­ne­rell das Verständ­nis der Rechtsfähig­keit der ju­ris­ti­schen Per­son GmbH ab­sch­ließend fest­le­gen, noch gibt es für den vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang ein­schlägi­ge spe­zi­al­ge­setz­li­che Aus­nah­me­re­ge­lun­gen. Die zi­vil­ge­richt­li­che Recht­spre­chung hat ins­be­son­de­re für die Fall­grup­pen der Vermögens­ver­mi­schung und der (ma­te­ri­el­len) Un­ter­ka­pi­ta­li­sie­rung so­wie all­ge­mein dann, wenn ei­ne Be­ru­fung auf die Selbstständig­keit der ju­ris­ti­schen Per­son mit Treu und Glau­ben un­ver­ein­bar ist, ins­be­son­de­re weil die­se Rechts­fi­gur miss­braucht oder dem Zwe­cke der Rechts­ord­nung zu­wi­der ver­wen­det wor­den ist, aus­nahms­wei­se die persönli­che In­an­spruch­nah­me ei­nes Ge­sell­schaf­ters für Schul­den der Ge­sell­schaft für möglich er­ach­tet (vgl zu­sam­men­fas­send et­wa BSG vom 27. Sep­tem­ber 1994, 10 RAr 1/92, SozR 3-7685 § 13 Nr 1 S 3 f). Dies wird seit lan­gem auch für die Ein-Mann-GmbH an­ge­nom­men (vgl et­wa BSG vom 26. Ja­nu­ar 1978, 2 RU 90/77, BS­GE 45, 279 = SozR 2200 § 723 Nr 4). Um­ge­kehrt kann dann, wenn in ei­nem Rechts­ge­biet (hier dem Steu­er­recht) grundsätz­lich an die bürger­lich-recht­li­che Aus­ge­stal­tung an­ge­knüpft wird, selbst durch Ge­setz nur aus­nahms­wei­se ein "Durch­griff" auf Tat­bestände im Kreis oder in der Per­son der Ge­sell­schaf­ter er­fol­gen und da­mit die mit ih­rer recht­li­chen Selbstständig­keit un­ver­meid­lich ver­bun­de­ne ei­ge­ne und ein­heit­li­che Vermögens- und Er­folgs­rech­nung der ju­ris­ti­schen Per­son durch­bro­chen wer­den (vgl BVerfG vom 24. Ja­nu­ar 1962, 1 BvR 845/58, BVerfGE 13, 331, 340 f, zu aus­nahms­wei­se ge­recht­fer­tig­ten Aus­nah­men vgl an­de­rer­seits BVerfG vom 11. No­vem­ber 1964, 1 BvR 216/64, BVerfGE 18, 224). An­halts­punk­te für das Vor­lie­gen der­ar­ti­ger Kon­stel­la­tio­nen feh­len im vor­lie­gen­den Fall. Ei­ne er­wei­tern­de An­wen­dung des "Durch­griffs", von dem stets nur mit al­ler Vor­sicht Ge­brauch ge­macht wer­den darf (BSG vom 7. De­zem­ber 1983, 7 RAr 20/82, BS­GE 56, 76, 82 = SozR 7685 § 13 Nr 1 mwN), ist im Blick auf die Lei­tent­schei­dung des Ge­setz­ge­bers für ei­ne recht­li­che Ver­selbstständi­gung der GmbH aus­ge­schlos­sen (BVerfG vom 24. Ja­nu­ar 1962, aaO S 340). Selbst bei Vor­lie­gen der sog Durch­griffs­vor­aus­set­zun­gen wird der GmbH im Übri­gen nichts von ih­rer Rechts­sub­jek­ti­vität ge­nom­men (aus­drück­lich et­wa Kars­ten Schmidt: Ge­sell­schafts­recht, 3. Aufl 1997, S 232) und kommt es da­her nicht et­wa zu ei­ner "Ver­men­gung der Rechts­sub­jek­te" un­ter Auf­ga­be des Tren­nungs­prin­zips. Viel­mehr führt der "Durch­griff" al­lein da­zu, dass ne­ben die GmbH für die Erfüllung ge­gen die­se ge­rich­te­ter Ansprüche (vgl BSG vom 7. De­zem­ber 1983, 7 RAr 20/82, BS­GE 56, 76, 79 f =
SozR 7685 § 13 Nr 1 mwN) ein wei­te­rer Haf­tungs­schuld­ner hin­zu­tritt bzw die GmbH in er­wei­ter­tem Um­fang in An­spruch ge­nom­men wird. Die Durch­griffs­haf­tung soll da­mit Drit­te in eng be­grenz­ten Fällen vor den Fol­gen der Tren­nung von ju­ris­ti­scher Per­son und Ge­sell­schaf­ter schützen. Glei­ches gilt für die Fall­ge­stal­tun­gen, die ins­be­son­de­re in der Li­te­ra­tur als Zu­rech­nungs­durch­griff (vgl da­zu Schmidt: Ge­sell­schafts­recht, 3. Aufl, S 235 ff; Rai­ser: Ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten, 3. Aufl, § 29 Rd­Nr 5; Scholz/Em­me­rich: GmbH-Ge­setz, 9. Aufl, § 13 Rd­Nr 72 mwN) be­zeich­net wer­den. Die dafür ge­nann­ten Bei­spie­le - An­fech­tung von Verträgen we­gen Irr­tum über die Zu­verlässig­keit des Ge­sell­schaf­ters oder Aus­schluss des gutgläubi­gen Er­werbs im Verhält­nis von Ge­sell­schaft und Ge­sell­schaf­ter so­wie die Mak­lerfälle, in de­nen ein Ge­sell­schaf­ter den Ab­schluss des Geschäfts mit ei­ner von ihm be­herrsch­ten Ge­sell­schaft ver­mit­telt - be­tref­fen den Schutz Drit­ter vor den im Ein­zel­fall un­ge­recht­fer­tig­ten Fol­gen der Tren­nung von Ge­sell­schaft und Ge­sell­schaf­ter. So­weit bei An­wen­dung des § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI ein Auf­trags­verhält­nis zwi­schen Geschäftsführer und GmbH we­gen der Ge­sell­schaf­ter­stel­lung ver­neint wer­den soll, wird aber kein außen­ste­hen­der Drit­ter geschützt. Der Kläger als Ge­sell­schaf­ter und Geschäftsführer will sich viel­mehr den Fol­gen der von ihm selbst mit der Ge­sell­schafts­gründung her­bei­geführ­ten Rechts­la­ge ent­zie­hen. Dafür ist die Rechts­fi­gur der Durch­griffs­haf­tung oder des Zu­rech­nungs­durch­griffs je­den­falls nicht ge­eig­net.
e) Da der Kläger in sei­ner selbstständi­gen Tätig­keit zu­dem auch kei­ne Ar­beit­neh­mer beschäftigt, sind al­le Vor­aus­set­zun­gen der Ver­si­che­rungs­pflicht nach § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI erfüllt. Ei­ner zusätz­li­chen Prüfung sei­ner "Ar­beit­neh­merähn­lich­keit" bzw sei­ner kon­kre­ten "Schutz­bedürf­tig­keit" be­darf es nicht. Bei­de As­pek­te ha­ben in den tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen von § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI ab­sch­ließend ih­ren kon­kre­ti­sie­ren­den Aus­druck ge­fun­den.
Das Ge­setz er­fasst mit § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI ei­nen neu­en Per­so­nen­kreis, der ty­pi­sie­rend für so schutz­bedürf­tig ge­hal­ten wird, dass dies ei­nen Ein­griff in die Vor­sor­ge­frei­heit (Art 2 Abs 1 GG) recht­fer­tigt. Dem Par­la­ments-Ge­setz­ge­ber steht in­so­fern ei­ne wei­te Ge­stal­tungs­frei­heit zu, die es ihm ermöglicht, den Kreis der Ver­si­cher­ten je­weils so fle­xi­bel ab­zu­gren­zen, um glei­cher-maßen die Leis­tungsfähig­keit der So­li­dar­ge­mein­schaft si­cher­zu­stel­len als auch die im Hin­blick auf das ver­si­cher­te Wag­nis Schutz­bedürf­ti­gen zu er­fas­sen (BVerfG vom 14. Ok­to­ber 1970, 1 BvR 307/68, BVerfGE 29, 221, 235 ff = SozR Nr 7 zu Art 2 GG, vom 9. Fe­bru­ar 1977, 1 BvL 11/74, BVerfGE 44, 70, 89 f = SozR 5420 § 94 Nr 2). Der Einschätzung, dass ty­pi­scher­wei­se dann, wenn Selbstständi­ge im Zu­sam­men­hang mit ih­rer selbstständi­gen Tätig­keit kei­ne ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Ar­beit­neh­mer beschäfti­gen und sie im We­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tätig sind, "die­se nicht we­ni­ger so­zi­al schutz­bedürf­tig sind als die der­zeit in § 2 Satz 1 Nr 1 bis 7 SGB VI er­fass­ten Selbstständi­gen" (BT-Drucks 14/45 S 20), wur­de während der Ge­set­zes­be­ra­tun­gen - so­weit er­sicht­lich - nicht wi­der­spro­chen. So­weit das gel­ten­de Recht hier­auf be­ruht, be­wegt es sich in­ner­halb des auf­ge­zeig­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Rah­mens.
Ein un­be­stimm­ter rechts­po­li­ti­scher Be­griff des ar­beit­neh­merähn­li­chen Selbstständi­gen hat im Ge­setz selbst kei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den. In § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI kommt die "Ar­beit­neh-
merähn­lich­keit" der be­trof­fe­nen Selbstständi­gen not­wen­dig, aber auch stets hin­rei­chend und ab­sch­ließend in den nor­ma­ti­ven und al­lein sub­sum­ti­onsfähi­gen Kri­te­ri­en der Tätig­keit für ei­nen Auf­trag­ge­ber und der feh­len­den Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern in ei­nem ins­ge­samt ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Um­fang zum Aus­druck. Nach In­kraft­tre­ten von § 2 (Satz 1) Nr 9 SGB VI kann da­her in ei­nem recht­li­chen Sin­ne von "ar­beit­neh­merähn­li­chen Selbstständi­gen" al­len­falls noch ge­spro­chen wer­den, so­weit hier­un­ter ei­ne Be­zeich­nung ge­ra­de für den ge­setz­li­chen Tat­be­stand oh­ne Ver­wen­dung der Ge­set­zesspra­che ver­stan­den wird.
Eben­so we­nig be­darf im Rah­men des § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI ei­ner nähe­ren Prüfung, ob ge­ra­de der Kläger im Blick auf sei­ne kon­kre­te wirt­schaft­li­che La­ge "schutz­bedürf­tig" ist. Für die Ein­be­zie­hung in die Ren­ten­ver­si­che­rung ist nämlich nicht die wirk­li­che, son­dern die mut­maßli­che Ver­si­che­rungs­bedürf­tig­keit ent­schei­dend, die sich aus all­ge­mei­nen Merk­ma­len und aus der durch­schnitt­li­chen Le­bens­la­ge der be­trof­fe­nen Bevölke­rungs­grup­pe er­gibt. Die Ver­si­che­rungs­pflicht setzt nicht die in­di­vi­du­el­le so­zia­le Schutz­bedürf­tig­keit je­des ein­zel­nen Ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen vor­aus, son­dern be­ruht auf der Erfüllung des for­ma­len ge­setz­li­chen Tat­be­stan­des, in dem nach Auf­fas­sung des Ge­setz­ge­bers die so­zia­le Schutz­bedürf­tig­keit ty­pi­sie­rend zum Aus­druck kommt (vgl BVerfG vom 26. No­vem­ber 1964, 1 BvL 14/62, BVerfGE 18, 257, 270 = SozR Nr 55 zu Art 3 GG). Nicht an­ders als bei abhängig Beschäftig­ten ist in­so­fern im gel­ten­den Recht auch für die auf Grund der Ausübung ei­ner selbstständi­gen Er­werbstätig­keit Pflicht­ver­si­cher­ten oh­ne Be­lang, ob sie we­gen ih­rer in­di­vi­du­el­len wirt­schaft­li­chen Schwäche zu ei­ge­ner Le­bens­vor­sor­ge nicht fähig sind und da­her ei­ner Si­che­rung ge­gen die Wechs­elfälle des Le­bens durch die Zwangs­ver­si­che­rung bedürfen. Schon we­gen die­ser grundsätz­li­chen Un­er­heb­lich­keit des kon­kre­ten öko­no­mi­schen Si­che­rungs­be­darfs kommt es im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang ins­be­son­de­re auch nicht auf das Vermögen an, das der Kläger ge­ra­de als Ge­sell­schaf­ter in Form sei­ner GmbH-An­tei­le in­ne­hat.
2. Die ge­gen die­ses Er­geb­nis und sei­ne Be­gründung vor­ge­brach­ten Einwände grei­fen nicht durch. Wie dar­ge­legt, bleibt der Ge­setz­ge­ber mit der Ein­be­zie­hung des neu­en Ver­si­cher­ten­krei­ses der "ar­beit­neh­merähn­li­chen Selbstständi­gen" in­ner­halb sei­nes Ge­stal­tungs­er­mes­sens. Al­lein maßgeb­lich ist in­so­fern die Be­zie­hung des un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen selbstständig Täti­gen zu sei­nem Auf­trag­ge­ber. Da­ge­gen kommt ei­ne Zu­rech­nung der Verhält­nis­se des Auf­trag­ge­bers auch dann nicht in Be­tracht, wenn es sich - wie hier - um ei­ne im Al­lein­ei­gen­tum des Ver­si­cher­ten ste­hen­de ju­ris­ti­sche Per­son han­delt. Ei­nen be­son­de­ren "Norm­zweck" des § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI, der es ge­bie­ten könn­te, in Fällen der vor­lie­gen­den Art hin­ter dem vom Wort­laut verkörper­ten Be­deu­tungs­ge­halt zurück­blei­ben und den Ein­tritt von Ver­si­che­rungs­pflicht aus­nahms­wei­se von vor­ne her­ein aus­zu­sch­ließen, gibt es nicht. Auch ist für die vom Kläger re­präsen­tier­te Per­so­nen­grup­pe nicht et­wa aus Ge­sichts­punk­ten der Gleich­be­hand­lung ei­ne spe­zi­al­ge­setz­li­che Rechts­fol­gen­re­duk­ti­on ge­bo­ten.
a) Ein Be­leg dafür, dass ent­ge­gen der Auf­fas­sung des er­ken­nen­den Se­nats Verhält­nis­se der ju­ris­ti­schen Per­son GmbH ver­si­che­rungs­recht­lich auch ih­ren ein­zel­nen Ge­sell­schaf­tern zu­ge-
rech­net wer­den könn­ten, oder all­ge­mein gülti­ge äußere Gren­zen ei­ner der­ar­ti­gen Zu­rech­nung las­sen sich sons­ti­gen Re­ge­lun­gen über die Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht Selbstständi­ger nicht ent­neh­men. Dies gilt ins­be­son­de­re für den Ver­si­che­rungs­pflicht­tat­be­stand des § 2 Satz 1 Nr 8 SGB VI. Die Vor­schrift legt zunächst fest, dass - von be­stimm­ten Aus­nah­men ab­ge­se­hen - selbstständig täti­ge Ge­wer­be­trei­ben­de, die in die Hand­werks­rol­le ein­ge­tra­gen sind und in ih­rer Per­son die für die Ein­tra­gung in die Hand­werks­rol­le er­for­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen erfüllen, ver­si­che­rungs­pflich­tig sind (Hs 1). Ist ei­ne Per­so­nen­ge­sell­schaft in die Hand­werks­rol­le ein­ge­tra­gen, gilt als Ge­wer­be­trei­ben­der, wer als Ge­sell­schaf­ter in sei­ner Per­son die Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­tra­gung in die Hand­werks­rol­le erfüllt (Hs 2). Hs 2 aaO erklärt sich aus dem Be­stre­ben, nach Einführung der hand­werks­recht­li­chen Möglich­keit, auch Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten als selbstständi­ge Hand­wer­ker in die Hand­werks­rol­le ein­zu­tra­gen (Art 4 Nr 1 des Ge­set­zes zur Ände­rung der Hand­werks­ord­nung <HwO> vom 9. Sep­tem­ber 1965, BGBl I 1254), Kon­ti­nuität hin­sicht­lich der Ver­si­che­rungs­pflicht der Ge­sell­schaf­ter zu wah­ren (vgl hier­zu und zur Ent­wick­lung ins­ge­samt Ur­teil des Se­nats vom 15. Ju­ni 2000, B 12 RJ 4/99 R, SozR 3-2600 § 2 Nr 4). Die An­ord­nung ist schon dort auf die selbst ein­tra­gungsfähi­gen Ge­sell­schaf­ter von Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten be­schränkt und stellt be­reits in­so­fern ei­ne spe­zi­al­ge­setz­li­che Er­wei­te­rung der grundsätz­li­chen Ver­si­che­rungs­pflicht selbst in die Hand­werks­rol­le ein­ge­tra­ge­ner natürli­cher Per­so­nen auf Grund ge­setz­li­cher Fik­ti­on -"gilt"- dar. Die selbst nicht ein­tra­gungsfähi­gen Be­triebs­lei­ter und Ge­sell­schaf­ter - selbst al­ler­dings eben­falls ein­tra­gungsfähi­ger, § 7 HwO - ju­ris­ti­scher Per­so­nen sind da­mit von der Ver­si­che­rungs­pflicht nach Nr 8 aus­ge­nom­men (vgl be­reits zum frühe­ren Recht des Hand­wer­ker­ver­si­che­rungs­ge­set­zes Ur­teil des Se­nats vom 2. Ju­ni 1982, 12 RK 13/82, SozR 5800 § 1 Nr 8).
Der Ver­si­che­rungs­pflicht­tat­be­stand nach § 2 Satz 1 Nr 8 SGB VI ist da­mit ua an die Ei­gen­schaft als Ge­sell­schaf­ter ei­ner Per­so­nen­ge­sell­schaft ge­knüpft und ins­be­son­de­re durch die hand­wer­ker­ver­si­che­rungs­recht­li­che Be­son­der­heit der Ver­bin­dung von Ein­tra­gung - hier der Per­so­nen­ge­sell­schaft - in die Hand­wer­ker­rol­le und Ver­si­che­rungs­pflicht ge­kenn­zeich­net. Es bedürf­te zu-nächst sei­ner darüber hin­aus­ge­hen­den Er­wei­te­rung im Bin­nen­be­reich, um nur hier zusätz­lich ei­ne An­wend­bar­keit auch auf Ge­sell­schaf­ter ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son zu be­gründen. Schon hierfür gibt es kei­ne me­tho­di­sche Grund­la­ge (be­reits Ur­teil des Se­nats vom 2. Ju­ni 1982 aaO; vgl zur un­ter­schied­li­chen Be­hand­lung von Per­so­nen- und Ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten auch Klat­ten­hoff in Hauck/Hai­nes, Kom­men­tar zum SGB VI, Stand: X/05, § 2 Rd­Nr 40b). Erst recht ist nicht er­kenn­bar, war­um Nr 8 über den Son­der­be­reich der Hand­wer­ker­ver­si­che­rung und selbst bei Zu­grun­de­le­gung ei­nes "er­wei­ter­ten Verständ­nis­ses" maßstabs­bil­dend auch im Rah­men der ren­ten­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Be­ur­tei­lung ne­ben die Ge­sell­schaf­ter­stel­lung tre­ten­der Be­zie­hun­gen von Ge­sell­schaf­tern zur ju­ris­ti­schen Per­son GmbH wir­ken könn­te.
b) Eben­so we­nig ist durch sons­ti­ge Nor­men ei­ne Be­schränkung der Ver­si­che­rungs­pflicht in Fällen der vor­lie­gen­den Art ge­bo­ten. Ins­be­son­de­re gibt § 1 Satz 4 SGB VI we­der An­lass, den An­wen­dungs­be­reich von § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI te­leo­lo­gisch zu re­du­zie­ren (so wohl im Er­geb­nis et­wa Näge­le, BB 2001, 305, 312), noch verstößt der Um­stand, dass es vor­lie­gend an ei­ner ent-
spre­chen­den Re­ge­lung der Ver­si­che­rungs­frei­heit fehlt, ge­gen Art 3 Abs 1 GG. Bei § 1 S 4 SGB VI han­delt es sich um ei­ne eng aus­zu­le­gen­de Aus­nah­me­vor­schrift von der Ver­si­che­rungs­pflicht abhängig Beschäftig­ter und da­mit nach § 1 S 1 Nr 1 SGB VI ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Vor­stands­mit­glie­der ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft (AG). Wie die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Vorläufer­re­ge­lung der §§ 3 Abs 1a, 2 Abs 1a An­ge­stell­ten­ver­si­che­rungs­ge­setz (AVG) zeigt (BSG vom 18. Sep­tem­ber 1973, 12 RK 5/73, BS­GE 36, 164 = SozR Nr 23 zu § 3 AVG, vom 22. No­vem­ber 1973, 12/3 RK 20/71, BS­GE 36, 258 = SozR Nr 24 zu § 3 AVG; vom 27. März 1980, 12 RAr 1/79, SozR 2400 § 3 Nr 4 mwN), be­ruht die Her­aus­nah­me des ge­nann­ten Per­so­nen­krei­ses auf der Erwägung, dass die AGen bei ty­pi­sie­ren­der Be­trach­tung zu den "großen Ge­sell­schaf­ten" gehören und ih­re Vor­stands­mit­glie­der we­gen der her­aus­ra­gen­den und star­ken wirt­schaft­li­chen Stel­lung trotz abhängi­ger Beschäfti­gung grup­pen­spe­zi­fisch nicht des Schut­zes und der Si­cher­heit der Ren­ten­ver­si­che­rung bedürfen (BSG vom 31. Mai 1989, 4 RA 22/88, BS­GE 65, 113, 118 = SozR 2200 § 1248 Nr 48). Ei­ner Über­tra­gung die­ses Ge­dan­kens auf Fälle der vor­lie­gen­den Art steht be­reits ent­ge­gen, dass es sich hier um die Ver­si­che­rungs­pflicht von Selbstständi­gen han­delt und im Übri­gen ei­ne ty­pi­sie­ren­de Ver­gleich­bar­keit der (Ein-Mann-)GmbH mit AGen von vor­ne her­ein aus­schei­det. Un­ter an­de­rem im Blick hier­auf hat der Se­nat be­reits mehr­fach ent­schie­den, dass die Re­ge­lung des § 3 Abs 1 Satz 4 SGB VI - außer beim VVaG - nicht ana­log auf die Or­ga­ne an­de­rer ju­ris­ti­scher Körper­schaf­ten über­trag­bar ist (Ur­teil vom 19. Ju­ni 2001, B 12 KR 44/00 R, SozR 3-2400 § 7 Nr 18 S 65 ff).
3. Der Se­nat kann man­gels ent­spre­chen­der Fest­stel­lun­gen nicht über die Rechtmäßig­keit des Bei­trags­be­schei­des vom 6. März 2003 ent­schei­den, der gemäß § 96 Abs 1 So­zi­al­ge­richts­ge­setz (SGG) Ge­gen­stand des Be­ru­fungs­ver­fah­rens ge­wor­den ist und die Re­ge­lun­gen des Erst­be­schei­des vom 30. Ja­nu­ar 2001 vollständig er­setzt hat.
4. Die Kos­ten­ent­schei­dung bleibt dem Ur­teil des Be­ru­fungs­ge­richts vor­be­hal­ten. Da­bei wird hin­sicht­lich der vom SG aus­ge­spro­che­nen Ver­pflich­tung des Klägers, 150,00 € an die Staats­kas­se zu zah­len (Ver­schul­dens­kos­ten), zu berück­sich­ti­gen sein, dass ei­ne miss­bräuch­li­che Fortführung des Rechts­streits vor­lie­gend schon des­halb aus­schei­det, weil er zen­tral ei­ne höchst­rich­ter­lich noch nicht ent­schie­de­ne Fra­ge­stel­lung be­trifft. Darüber hin­aus wird zu be­ach­ten sein, dass die bloße Mei­nungs­dif­fe­renz mit dem Vor­sit­zen­den Rechts­schutz Su­chen­de grundsätz­lich nicht zwingt, auf ihr Grund­recht auf Zu­gang zum Ge­richt und Ent­schei­dung ih­res Rechts­streits durch das Ur­teil ei­ner un­abhängi­gen In­stanz aus Art 19 Abs 4 GG ent­we­der zu ver­zich­ten oder ihr Recht - an­ders als an­de­re Be­tei­lig­te aus dem in § 183 SGG ge­nann­ten Per­so­nen­kreis - nur ge­gen Zah­lung von Kos­ten durch­zu­set­zen.
zur Übersicht B 12 RA 1/04 R