Source: https://www.fastflip.de/bgh-urteil-zur-kurzzeitvermietung-201960297.html
Timestamp: 2019-04-25 02:04:13
Document Index: 161259256

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 13', 'BGH', '§ 15']

BGH-Urteil zur Kurzzeitvermietung - Fast Flip
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BGH-Urteil zur Kurzzeitvermietung
15. April 2019 12. April 2019 von Uwe Koch
Wohnungseigentümergemeinschaften können Vermietungen an Feriengäste nicht verbieten. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden (AZ: V ZR 112/18). Der BGH urteilte heute, dass eine Eigentümergemeinschaft eine kurzfristige Vermietung einer Wohnung einem Wohnungseigentümer nicht einfach verbieten kann. Dies würde die Rechte des betreffenden Eigentümers verletzen.
Mit einer solchen Mehrheit beschlossen die Wohnungseigentümer in der Eigentümerversammlung vom 29. März 2017, die Teilungserklärung dahingehend zu ändern, dass die Überlassung einer Wohnung an täglich oder wöchentlich wechselnde Feriengäste, vor Ort befristet Tätige oder andere Mieter mit Unterkunftsbedürfnissen von kurzer Dauer sowie eine Nutzung als Werkswohnung nicht mehr zulässig ist.
Ein entsprechender Beschluss über den Kopf der Betroffenen hinweg sei rechtswidrig, urteilten nun die Karlsruher Richter. Die maßgebliche Vorschrift findet sich im Wohnungseigentumsgesetz. In § 13 WEG Abs. 1 heißt es: „Jeder Wohnungseigentümer kann, soweit nicht das Gesetz oder Rechte Dritter entgegenstehen, mit den im Sondereigentum stehenden Gebäudeteilen nach Belieben verfahren, insbesondere diese bewohnen, vermieten, verpachten oder in sonstiger Weise nutzen, und andere von Einwirkungen ausschließen.“
Über die Nutzung des Sondereigentums darf damit soweit nichts anderes vereinbart ist – der Sondereigentümer frei entscheiden, und er darf sich darauf verlassen, dass seine auf das Sondereigentum bezogenen Nutzungsbefugnisse nicht ohne sein Zutun eingeschränkt werden. Infolgedessen dürfen auch Vermietungen von besonders kurzer Dauer oder bestimmter Art – wie etwa die Vermietung als Ferien- oder Werkswohnung – nur mit Zustimmung aller Wohnungseigentümer verboten werden; andernfalls entstünden im Übrigen erhebliche Abgrenzungs- und Wertungsprobleme.
Die Eigentumsrechte der übrigen Wohnungseigentümer werden hierdurch nicht außer Acht gelassen. Allerdings erfordern Regelungen, die – wie das Verbot der kurzzeitigen Vermietung in einer reinen Wohnungseigentumsanlage – die Zweckbestimmung aller Einheiten betreffen, laut den BGH-Richtern eine allstimmige Beschlussfassung; diese zu erreichen, kann sich gerade in größeren Anlagen als schwierig erweisen. Den übrigen Wohnungseigentümern stehen aber ggf. andere Rechtsschutzmöglichkeiten zur Verfügung.
Was die Kurzzeitvermietung angeht, müssen damit einhergehende Störungen wie Überbelegung, fortwährende Verstöße gegen die Hausordnung oder Lärmbelästigungen durch Feriengäste nicht hingenommen werden; sie können einen Unterlassungsanspruch gemäß § 15 Abs. 3 WEG begründen. Solche Störungen machen die Beklagten allerdings – soweit ersichtlich – nicht geltend. Der von ihnen vornehmlich angeführte Umstand, dass die kurzzeitigen Mieter den anderen Bewohnern unbekannt sind, stellt für sich genommen keine Störung dar, so die Bundesrichter.