Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=9%20RVs%203/88
Timestamp: 2020-02-28 13:15:32
Document Index: 299582530

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 48', '§ 48', '§ 38', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 4', '§ 48', '§ 48', '§ 26', '§ 12', '§ 33', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 4', '§ 7', '§ 3', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 45', '§ 48', '§ 4', '§ 48', '§ 24', '§ 48', 'Art. 59', '§ 13', '§ 120', '§ 119', '§ 40', '§ 114', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 48']

BSG, 04.07.1989 - 9 RVs 3/88 - dejure.org
https://dejure.org/1989,943
BSG, 04.07.1989 - 9 RVs 3/88 (https://dejure.org/1989,943)
BSG, Entscheidung vom 04.07.1989 - 9 RVs 3/88 (https://dejure.org/1989,943)
BSG, Entscheidung vom 04. Juli 1989 - 9 RVs 3/88 (https://dejure.org/1989,943)
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Sozialleistungsgesetz - Änderung - Regelung - Rechtsverhältnisse
Mitteilung über das Ende des Schwerbehindertenschutzes
SG Berlin, 25.09.1987 - S 47 Vs 619/87
LSG Berlin, 16.08.1988 - L 13 Vs 75/87
BSGE 65, 185
In einem solchen Fall wirken sich die Grundsätze über den Selbstvollzug von Gesetzen nicht aus, die die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG) entwickelt hat (vgl zB BSG, Urteil vom 30.08.2007 - B 10 LW 4/06 R - RdNr 13, zur Veröffentlichung vorgesehen;… BSGE 77, 253, 258 f = SozR 3-8570 § 13 Nr. 1 S 6 f; BSGE 65, 185, 188 f = SozR 1300 § 48 Nr. 57 S 174).
Nach der Rechtsprechung des BSG (Urteil vom 4.7.1989 - 9 RVs 3/88 - BSGE 65, 185 = SozR 1300 § 48 Nr. 57) enthalte § 38 SchwbG 1986 eine "Schonfrist" und unterscheide im Übrigen nicht zwischen der dem schwerbehinderten Menschen mit einem GdB von weniger als 50 vermittelten Schonung durch die aufschiebende Wirkung von Widerspruch und Klage gegen einen Neufeststellungsbescheid mit einem GdB von weniger als 50 und der sich gemäß Abs. 1 anschließenden Schonfrist.
Es handelt sich dabei nach der Rechtsprechung des BSG um einen Verwaltungsakt, der konkret für den jeweiligen Einzelfall das Ende der Schwerbehinderteneigenschaft regelt und der damit zahlreiche Rechtsverhältnisse - unter anderem gegenüber Sozialversicherungsträgern - beeinflusst (BSGE 65, 185 = SozR 1300 § 48 Nr. 57) .
Die Aufhebung der Leistungsbewilligung mit Wirkung für die Zukunft (dh für einen Zeitpunkt nach Bekanntgabe des Aufhebungsbescheids: BSG vom 4.7.1989 - BSGE 65, 185, 188 = SozR 1300 § 48 Nr. 57 S 173) nach § 48 Abs. 1 Satz 1 SGB X war an keine Frist gebunden.
Dies gilt selbst dann, wenn klare gesetzliche Regelungen vorliegen, die den Anspruch entfallen lassen oder sonst beeinflussen (vgl. dazu: BSG vom 4. Juli 1989 - 9 RVs 3/88 - SozR 1300 § 48 Nr. 57;… BSG vom 21. Februar 1985 - 11 RLw 1/84 - SozR 5850 § 4 Nr. 8).
Die im Rechtsstaat gebotene Rechtsklarheit und Rechtssicherheit verlangt grundsätzlich eine Konkretisierung des gesetzlich gestalteten Verwaltungsrechtsverhältnisses durch Verwaltungsakt (oder Vertrag - vgl schon BSG SozR 1300 § 48 Nr. 57 S 173 f;… BSG SozR 3-1300 § 48 Nr. 13 S 19;… BSGE 75, 226, 266 = SozR 3-8560 § 26 Nr. 2 S 16;… Erichsen, Allgemeines Verwaltungsrecht, 10. Aufl 1995, § 12 I Rdnr 5, S 243 ff;… Badura, in: Erichsen, aaO, § 33 I 1 Rdnr 2, S 417; Maurer, DVBl 1989, 798, 806, jeweils mwN).
Gleichwohl ist eine sinngemäße Anwendung dieser Rückwirkungsermächtigung über ihren sehr begrenzten unmittelbaren Anwendungsbereich hinaus (vgl BSGE 65, 185, 189 = SozR 1300 § 48 Nr. 57; BSG DRV 1986, 638) in eng begrenztem Umfang auch auf solche Fallgestaltungen geboten, bei denen lediglich der dem Dauerverwaltungsakt zugrundeliegende gesetzliche Anspruch zum Ruhen gekommen oder weggefallen ist, ohne daß der sich aus dem Verwaltungsakt selbst ergebende Anspruch kraft Gesetzes dasselbe Schicksal erfahren hätte:.
Die Vertrauensschutz- und Entlastungsfunktion der Leistungsbewilligung (BSGE 65, 185, 188 = SozR 1300 § 48 Nr. 57) dürfen nur dann in Frage gestellt werden, wenn der Begünstigte die ihn bösgläubig machende Schlußfolgerung gezogen hat oder er sich diesem Schluß auch unter Würdigung der Funktionen des Verwaltungsaktes grob fahrlässig entzogen hat (…BSG SozR 1300 § 48 Nr. 22; KasselerKomm - Steinwedel, § 48 SGB X Rdnr 55).
Dieses Verwaltungsverfahrensrecht gilt fort, soweit das SGB nicht anzuwenden ist (§ 4 Abs. 1 S 2 SchwbG 1986, § 7 Abs. 1 SchwbAwV, jetzt idF vom 3. April 1984 - BGBl I 509;… vgl dazu BSGE 52, 168, 170 = SozR 3870 § 3 Nr. 13;… BSGE 60, 287, 288 f = SozR 1300 § 48 Nr. 29;… BSGE 63, 243, 244 [BSG 15.06.1988 - 7 RAr 26/86] = SozR 1300 § 48 Nr. 43; BSGE 65, 185, 186 = SozR 1300 § 48 Nr. 57;… SozR 1300 § 45 Nr. 48; 1300 § 48 Nr. 13; 3870 § 4 Nr. 3).
Für die "Gleichartigkeit" der Verwaltungsakte kommt es somit vor allem darauf an, daß die Rechtmäßigkeit der durch sie bewirkten Änderungen in den Rechtsstellungen der Betroffenen allein von der richtigen Anwendung einer abstrakten und deshalb für alle gleichen Rechtsformel abhängt, hingegen nicht von individuellen Umständen, insbesondere nicht von den jeweiligen persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnissen (stellv. BSG SozR 1300 § 48 Nr. 57 S 174;… Schnapp, aaO, § 24 RdNr 49).
Die Bewilligung dem Grunde nach ist weiterhin wirksam; es verbietet sich deshalb eine von dieser Bewilligung abweichende inhaltliche Regelung, also auch die vom Beklagten verfügte Leistungsablehnung ohne zusätzliche Aufhebung bzw Rücknahme dieser Verfügung (vgl: BSGE 65, 185, 188 f = SozR 1300 § 48 Nr. 57;… BSGE 77, 86, 91 f = SozR 3-5405 Art. 59 Nr. 1;… BSGE 77, 253, 258 f = SozR 3-8570 § 13 Nr. 1;… BSGE 83, 95, 98 = SozR 3-4100 § 120 Nr. 2;… BSG SozR 3-4100 § 119 Nr. 18 S 91; BSG, Urteil vom 30. August 2007 - B 10 LW 4/06 R - RdNr 13; Urteil vom 22. April 2008 - B 1 KR 10/07 R - RdNr 9;… vgl auch Eicher in Eicher/Spellbrink, SGB II, 2. Aufl 2008, § 40 RdNr 8 und 14).
Wegen der Regelung des § 114 AFG kann die Lage der betroffenen Zahlungszeiträume hier auf sich beruhen (vgl dazu: BSGE 65, 185, 188 = SozR 1300 § 48 Nr. 31; BSG Urteil vom 24. April 1997 - 13 RJ 23/96 -, zur Veröffentlichung vorgesehen).
Eine solche besteht generell nicht, sofern eine Leistung durch Verwaltungsakt bewilligt ist (vgl BSG SozR 1300 § 48 Nr. 57).
Die Vorschrift des § 48 SGB X schafft die verfahrensrechtlichen Voraussetzungen dafür, bei einer Umgestaltung des Rechts durch den Gesetzgeber auch laufende Fälle einzubeziehen, wenn und soweit der Gesetzgeber in sogenannter unechter Rückwirkung (vgl BVerfGE 79, 29, 45 f; 72, 175, 196) [BVerfG 13.05.1986 - 1 BvR 1542/84]die Rechtslage neu gestaltet (vgl BSGE 65, 185 = SozR 1300 § 48 Nr. 57 und SozR 3-2500 § 48 Nr. 1).
Anderes ist auch der Entscheidung des Senats vom 4. Juli 1989 (BSGE 65, 185 = SozR 1300 § 48 Nr. 57) nicht zu entnehmen.
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