Source: http://m.hensche.de/Betriebsuebergang_Tarifvertrag_Betriebsuebergang_und_arbeitsvertraglich_in_Bezug_genommener_Tarifvertrag_EuGH_C-426-11_Alemo-Herron_u.html
Timestamp: 2017-02-19 11:42:40
Document Index: 130604117

Matched Legal Cases: ['Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 8', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 8', 'Art. 3', 'Art. 16', 'Art. 6', 'Art. 52', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 8', 'Art. 3', 'Art. 3']

HENSCHE Arbeitsrecht: C-426/11
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 3 der Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len (ABl. L 82, S. 16).
Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Herrn Alemo-Her­ron u. a. ei­ner­seits und der Park­wood Lei­su­re Ltd (im Fol­gen­den: Park­wood) an­de­rer­seits über die An­wen­dung ei­nes Kol­lek­tiv­ver­trags.
Die Richt­li­nie 2001/23 ko­di­fi­ziert die Richt­li­nie 77/187/EWG des Ra­tes vom 14. Fe­bru­ar 1977 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len (ABl. L 61, S. 26) in der durch die Richt­li­nie 98/50/EG des Ra­tes vom 29. Ju­ni 1998 (ABl. L 201, S. 88) geänder­ten Fas­sung (im Fol­gen­den: Richt­li­nie 77/187).
Art. 3 Abs. 1 bis 3 der Richt­li­nie 2001/23 be­stimmt:
3. Nach dem Über­gang erhält der Er­wer­ber die in ei­nem Kol­lek­tiv­ver­trag ver­ein­bar­ten Ar­beits­be­din­gun­gen bis zur Kündi­gung oder zum Ab­lauf des Kol­lek­tiv­ver­trags bzw. bis zum In­kraft­tre­ten oder bis zur An­wen­dung ei­nes an­de­ren Kol­lek­tiv­ver­trags in dem glei­chen Maße auf­recht, wie sie in dem Kol­lek­tiv­ver­trag für den Veräußerer vor­ge­se­hen wa­ren. Die Mit­glied­staa­ten können den Zeit­raum der Auf­recht­er­hal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen be­gren­zen, al­ler­dings darf die­ser nicht we­ni­ger als ein Jahr be­tra­gen.“
Art. 8 die­ser Richt­li­nie lau­tet:
Die Richt­li­nie 77/187 wur­de im Ver­ei­nig­ten König­reich durch die Trans­fer of Un­der­ta­kings (Pro­tec­tion of Em­ploy­ment) Re­gu­la­ti­ons 1981 (Ver­ord­nung von 1981 über den Über­gang von Un­ter­neh­men [Ar­beit­neh­mer­schutz], im Fol­gen­den: TU­PE) um­ge­setzt.
Re­gu­la­ti­on 5 (2) (a) der TU­PE, mit der Art. 3 Abs. 2 der Richt­li­nie 2001/23 um­ge­setzt wird, be­stimmt: „[S]ämt­li­che Rech­te, Be­fug­nis­se und Pflich­ten des Veräußerers, die sich aus dem Ver­trag er­ge­ben oder mit ihm im Zu­sam­men­hang ste­hen, [ge­hen] auf­grund die­ser Re­gu­la­ti­on auf den Er­wer­ber über“.
Nach dem na­tio­na­len Recht ha­ben die Par­tei­en die Möglich­keit, in den von ih­nen ge­schlos­se­nen Ver­trag ei­ne Klau­sel auf­zu­neh­men, wo­nach das Ar­beits­ent­gelt des Ar­beit­neh­mers pe­ri­odisch von ei­nem Drit­ten wie z. B. dem Na­tio­nal Joint Coun­cil for Lo­cal Go­vern­ment Ser­vices (im Fol­gen­den: NJC) be­stimmt wird, dem der Ar­beit­ge­ber nicht an­gehört oder in dem er nicht ver­tre­ten ist. Nach dem kol­lek­ti­ven Ar­beits­recht des Ver­ei­nig­ten König­reichs sind ta­rif­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen die­ser Art nur dann rechts­ver­bind­lich, wenn die Par­tei­en dies aus­drück­lich ver­ein­ba­ren. In die­sem Fall können die Be­stim­mun­gen ei­nes sol­chen Ta­rif­ver­trags als Be­stim­mun­gen des in­di­vi­du­el­len Ar­beits­ver­trags zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und dem Ar­beit­neh­mer wirk­sam wer­den. Dies kann, wie im vor­lie­gen­den Fall, da­durch er­reicht wer­den, dass in den Ver­trag ei­ne Klau­sel auf­ge­nom­men wird, wo­nach für den Ar­beit­neh­mer die zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und ei­ner Ge­werk­schaft ver­ein­bar­ten oder von ei­ner an­de­ren Stel­le wie dem NJC aus­ge­han­del­ten Be­din­gun­gen gel­ten. Mit ih­rer Ein­be­zie­hung wer­den die­se Be­din­gun­gen als Be­stim­mun­gen des Ar­beits­ver­trags wirk­sam.
Im Jahr 2002 über­trug ei­ner der Be­zirksräte Lon­dons, der Le­wis­ham Lon­don Bo­rough Coun­cil (im Fol­gen­den: Le­wis­ham), das Lei­su­re De­part­ment (Ab­tei­lung für Frei­zeit) auf das Pri­vat­un­ter­neh­men CCL Li­mi­ted (im Fol­gen­den: CCL), das die Ar­beit­neh­mer die­ser Ab­tei­lung über­nahm. Im Mai 2004 über­trug CCL die­sen Geschäfts­be­reich auf Park­wood, ein an­de­res Pri­vat­un­ter­neh­men.
So­lan­ge das Lei­su­re De­part­ment Le­wis­ham un­ter­stand, gal­ten für die Verträge mit den Ar­beit­neh­mern die­ser Ab­tei­lung die Ar­beits­be­din­gun­gen, die im Rah­men des NJC, ei­nem Ta­rif­ver­hand­lungs­or­gan auf der lo­ka­len öffent­li­chen Ebe­ne, aus­ge­han­delt wur­den. Die An­wend­bar­keit der im Rah­men des NJC aus­ge­han­del­ten Ver­ein­ba­run­gen be­ruh­te nicht auf dem Ge­setz, son­dern auf ei­ner im je­wei­li­gen Ar­beits­ver­trag ent­hal­te­nen Ver­trags­klau­sel, die Fol­gen­des vor­sah: „Während der Dau­er Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses mit [Le­wis­ham] rich­ten sich die Ar­beits­be­din­gun­gen nach den vom [NJC] pe­ri­odisch aus­ge­han­del­ten Ta­rif­verträgen …, die durch von den Ver­hand­lungs­ausschüssen von [Le­wis­ham] auf lo­ka­ler Ebe­ne ge­schlos­se­ne Ver­ein­ba­run­gen ergänzt wer­den.“
Zum Zeit­punkt des Über­gangs des Lei­su­re De­part­ments auf CCL galt der im Rah­men des NJC für die Zeit vom 1. April 2002 bis zum 31. März 2004 ge­schlos­se­ne Kol­lek­tiv­ver­trag. Im Mai 2004 ging das die­sen Geschäfts­be­reich be­trei­ben­de Un­ter­neh­men auf Park­wood über.
Park­wood be­tei­ligt sich nicht am NJC und könn­te dies auch gar nicht, da sie ein pri­va­tes Un­ter­neh­men ist und nicht zur öffent­li­chen Ver­wal­tung gehört.
Im Rah­men des NJC wur­de im Ju­ni 2004 ei­ne neue Ver­ein­ba­rung ge­schlos­sen, die rück­wir­kend zum 1. April 2004 in Kraft trat und bis zum 31. März 2007 galt. Die­se Ver­ein­ba­rung wur­de mit­hin nach dem Über­gang des be­tref­fen­den Un­ter­neh­mens auf Park­wood ge­schlos­sen. Auf­grund des­sen war Park­wood der Auf­fas­sung, dass die neue Ver­ein­ba­rung für sie nicht bin­dend sei, und teil­te dies den Ar­beit­neh­mern mit, de­nen sie die im Rah­men des NJC für die Zeit von April 2004 bis März 2007 ver­ein­bar­te Loh­nerhöhung ver­wei­ger­te.
Da sich Park­wood wei­ger­te, die im Rah­men des NJC ver­ein­bar­ten Be­din­gun­gen zu ak­zep­tie­ren, er­ho­ben die Ar­beit­neh­mer ei­ne Kla­ge beim Em­ploy­ment Tri­bu­nal, die 2008 ab­ge­wie­sen wur­de. Ge­gen die­ses Ur­teil leg­ten sie Be­ru­fung beim Em­ploy­ment Ap­peal Tri­bu­nal ein, das ih­rem Rechts­mit­tel am 12. Ja­nu­ar 2009 statt­gab. Ge­gen das Ur­teil die­ses Ge­richts leg­te Park­wood beim Court of Ap­peal (Eng­land & Wa­les) (Ci­vil Di­vi­si­on) ein Rechts­mit­tel ein.
Die Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens ha­ben ge­gen die Ent­schei­dung des Court of Ap­peal (Eng­land & Wa­les) (Ci­vil Di­vi­si­on) ein Rechts­mit­tel beim Su­pre­me Court of the United King­dom ein­ge­legt, das be­schloss, dem Ge­richts­hof be­stimm­te Fra­gen zur Aus­le­gung und Wir­kung der Richt­li­nie 2001/23 vor­zu­le­gen. Nach An­sicht des vor­le­gen­den Ge­richts ist nämlich die Fra­ge, die der Ge­richts­hof im Ur­teil Wer­hof zu be­ant­wor­ten hat­te, nicht die glei­che wie die­je­ni­ge, die im Aus­gangs­ver­fah­ren zu ent­schei­den ist.
Hier­zu trägt es vor, dass das deut­sche Recht, das in der dem Ur­teil Wer­hof zu­grun­de lie­gen­den Rechts­sa­che ge­genständ­lich ge­we­sen sei, in der Fra­ge des Schut­zes von Ar­beit­neh­mern nach dem Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens oder Be­triebs ei­nen „sta­ti­schen“ An­satz ver­fol­ge. Es se­he vor, dass ta­rif­ver­trag­lich ver­ein­bar­te Re­ge­lun­gen nur mit dem In­halt Teil des Ar­beits­ver­trags würden, den sie zum Zeit­punkt des Un­ter­neh­mens- oder Be­triebsüber­gangs hätten, und dass sie nach dem Über­gang nicht an­ge­passt würden.
Hin­ge­gen stel­le sich im Aus­gangs­ver­fah­ren die Fra­ge, ob ein Mit­glied­staat dar­an ge­hin­dert sei, den Ar­beit­neh­mern im Fall ei­nes Un­ter­neh­mens- oder Be­triebsüber­gangs in An­wen­dung des na­tio­na­len Ver­trags­rechts ei­nen „dy­na­mi­schen“ Schutz zu gewähren, d. h. ei­nen Schutz, der den Er­wer­ber nicht nur den zum Zeit­punkt des be­tref­fen­den Über­gangs gel­ten­den Kol­lek­tiv­verträgen, son­dern auch den nach dem Über­gang ge­schlos­se­nen Kol­lek­tiv­verträgen un­ter­wer­fe.
Da­her be­schloss der Su­pre­me Court of the United King­dom, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
Mit sei­nen drei Fra­gen, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 3 der Richt­li­nie 2001/23 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er es ei­nem Mit­glied­staat ver­wehrt, vor­zu­se­hen, dass im Fall ei­nes Un­ter­neh­mensüber­gangs wie dem des Aus­gangs­ver­fah­rens die Klau­seln, die dy­na­misch auf nach dem Zeit­punkt des Über­gangs ver­han­del­te und ge­schlos­se­ne Kol­lek­tiv­verträge ver­wei­sen, ge­genüber dem Er­wer­ber durch­setz­bar sind.
Vor­ab ist fest­zu­stel­len, dass das Ur­teil Wer­hof zu Art. 3 der Richt­li­nie 77/187 ei­ni­ge für das Aus­gangs­ver­fah­ren sach­dien­li­che Ausführun­gen enthält. Das Aus­gangs­ver­fah­ren be­trifft zwar die Richt­li­nie 2001/23, doch sind die­se Ausführun­gen auf die­se Richt­li­nie vollständig über­trag­bar, da sie die Richt­li­nie 77/187 ko­di­fi­ziert und die ein­schlägi­gen Be­stim­mun­gen von Art. 3 der bei­den Richt­li­ni­en gleich­lau­tend sind. 22
Ers­tens ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Ge­richts­hof in Rand­nr. 37 des Ur­teils Wer­hof fest­ge­stellt hat, dass Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 77/187 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er nicht dem ent­ge­gen­steht, dass der Er­wer­ber, der nicht Par­tei ei­nes den Veräußerer bin­den­den Kol­lek­tiv­ver­trags ist, auf den der Ar­beits­ver­trag ver­weist, durch Kol­lek­tiv­verträge, die dem zum Zeit­punkt des Un­ter­neh­mensüber­gangs gel­ten­den nach­fol­gen, nicht ge­bun­den ist.
Fer­ner er­gibt sich aus Art. 8 der Richt­li­nie 2001/23, dass die­se Richt­li­nie die Möglich­kei­ten der Mit­glied­staa­ten nicht ein­schränkt, für die Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten an­zu­wen­den oder zu er­las­sen oder für die Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re Kol­lek­tiv­verträge und an­de­re zwi­schen den So­zi­al­part­nern ab­ge­schlos­se­ne Ver­ein­ba­run­gen, die für die Ar­beit­neh­mer güns­ti­ger sind, zu fördern oder zu­zu­las­sen.
Im Aus­gangs­ver­fah­ren steht, wie be­reits aus dem Wort­laut der zwei­ten Vor­la­ge­fra­ge her­vor­geht, fest, dass sich die­se Klau­seln, die auf Kol­lek­tiv­verträge ver­wei­sen, die nach dem Zeit­punkt des be­tref­fen­den Un­ter­neh­mensüber­gangs aus­ge­han­delt und ge­schlos­sen wur­den, und dy­na­mi­sche ver­trag­li­che Ansprüche gewähren, als für die Ar­beit­neh­mer güns­ti­ger er­wei­sen.
Je­doch dient die Richt­li­nie 77/187 nicht nur dem Schutz der Ar­beit­neh­mer­inter­es­sen bei ei­nem Un­ter­neh­mensüber­gang, son­dern sie soll auch ei­nen ge­rech­ten Aus­gleich zwi­schen den In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer ei­ner­seits und de­nen des Er­wer­bers an­de­rer­seits gewähr­leis­ten. Ins­be­son­de­re stellt sie klar, dass der Er­wer­ber in der La­ge sein muss, die für die Fort­set­zung sei­ner Tätig­keit er­for­der­li­chen An­pas­sun­gen vor­zu­neh­men (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Wer­hof, Rand­nr. 31).
In­so­weit ist fest­zu­stel­len, dass im Aus­gangs­ver­fah­ren das Un­ter­neh­men von ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son des öffent­li­chen Rechts auf ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son des Pri­vat­rechts über­ge­gan­gen ist.
Da es sich um den Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens vom öffent­li­chen auf den pri­va­ten Sek­tor han­delt, ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Fort­set­zung der Tätig­keit des Er­wer­bers in An­be­tracht der un­ver­meid­li­chen Un­ter­schie­de, die zwi­schen die­sen bei­den Sek­to­ren bei den Ar­beits­be­din­gun­gen be­ste­hen, beträcht­li­che An­pas­sun­gen er­for­dert.
Ei­ne Klau­sel, die dy­na­misch auf nach dem Über­gang des be­tref­fen­den Un­ter­neh­mens ver­han­del­te und ge­schlos­se­ne Kol­lek­tiv­verträge ver­weist, wel­che die Ent­wick­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen im öffent­li­chen Sek­tor re­geln sol­len, könn­te je­doch den Hand­lungs­spiel­raum, den ein pri­va­ter Er­wer­ber benötigt, um die­se An­pas­sungs­maßnah­men zu er­grei­fen, er­heb­lich ein­schränken.
In ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on kann ei­ne sol­che Klau­sel den ge­rech­ten Aus­gleich zwi­schen den In­ter­es­sen des Er­wer­bers in sei­ner Ei­gen­schaft als Ar­beit­ge­ber ei­ner­seits und de­nen der Ar­beit­neh­mer an­de­rer­seits be­ein­träch­ti­gen.
Zwei­tens ist fest­zu­stel­len, dass nach ständi­ger Recht­spre­chung die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 2001/23 im Ein­klang mit den Grund­rech­ten aus­zu­le­gen sind, wie sie in der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on (im Fol­gen­den: Char­ta) an­er­kannt wur­den (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 27. Sep­tem­ber 2012, Ci­ma­de und GISTI, C-179/11, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 42).
Hier­zu führt das vor­le­gen­de Ge­richt zwar aus, dass das Recht auf ne­ga­ti­ve Ver­ei­ni­gungs­frei­heit nicht Ge­gen­stand des Aus­gangs­ver­fah­rens sei. Art. 3 der Richt­li­nie 2001/23 ist je­doch auf je­den Fall im Ein­klang mit Art. 16 der Char­ta zur un­ter­neh­me­ri­schen Frei­heit aus­zu­le­gen.
Die­ses Grund­recht um­fasst ins­be­son­de­re die Ver­trags­frei­heit, wie sich aus den Erläute­run­gen er­gibt, die als An­lei­tung für die Aus­le­gung der Char­ta der Grund­rech­te ver­fasst wur­den (ABl. 2007, C 303, S. 17) und die gemäß Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 3 EUV und Art. 52 Abs. 7 der Char­ta für de­ren Aus­le­gung zu berück­sich­ti­gen sind (Ur­teil vom 22. Ja­nu­ar 2013, Sky Öster­reich, C-283/11, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 42).
Im Hin­blick auf Art. 3 der Richt­li­nie 2001/23 folgt dar­aus, dass es dem Er­wer­ber möglich sein muss, im Rah­men ei­nes zum Ver­trags­ab­schluss führen­den Ver­fah­rens, an dem er be­tei­ligt ist, sei­ne In­ter­es­sen wirk­sam gel­tend zu ma­chen und die die Ent­wick­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen sei­ner Ar­beit­neh­mer be­stim­men­den Fak­to­ren mit Blick auf sei­ne künf­ti­ge wirt­schaft­li­che Tätig­keit aus­zu­han­deln.
Dem Er­wer­ber, um den es im Aus­gangs­ver­fah­ren geht, ist es je­doch ver­wehrt, in dem be­tref­fen­den Ta­rif­ver­hand­lungs­or­gan mit­zu­wir­ken. Die­ser Er­wer­ber hat da­her we­der die Möglich­keit, im Rah­men ei­nes zum Ver­trags­ab­schluss führen­den Ver­fah­rens sei­ne In­ter­es­sen wirk­sam gel­tend zu ma­chen, noch die Möglich­keit, die die Ent­wick­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen sei­ner Ar­beit­neh­mer be­stim­men­den Fak­to­ren mit Blick auf sei­ne künf­ti­ge wirt­schaft­li­che Tätig­keit aus­zu­han­deln.
Un­ter die­sen Umständen ist die Ver­trags­frei­heit die­ses Er­wer­bers so er­heb­lich re­du­ziert, dass ei­ne sol­che Ein­schränkung den We­sens­ge­halt sei­nes Rechts auf un­ter­neh­me­ri­sche Frei­heit be­ein­träch­ti­gen kann.
Art. 3 der Richt­li­nie 2001/23 in Ver­bin­dung mit Art. 8 die­ser Richt­li­nie ist aber nicht da­hin aus­zu­le­gen, dass er die Mit­glied­staa­ten zum Er­lass von Maßnah­men ermäch­tigt, die zwar für die Ar­beit­neh­mer güns­ti­ger sind, aber den We­sens­ge­halt des Rechts des Er­wer­bers auf un­ter­neh­me­ri­sche Frei­heit be­ein­träch­ti­gen können (vgl. ent­spre­chend Ur­teil vom 6. Sep­tem­ber 2012, Deut­sches Wein­tor, C-544/10, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nrn. 54 und 58). 37
Nach al­le­dem ist auf die drei vor­ge­leg­ten Fra­gen zu ant­wor­ten, dass Art. 3 der Richt­li­nie 2001/23 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er es ei­nem Mit­glied­staat ver­wehrt, vor­zu­se­hen, dass im Fall ei­nes Un­ter­neh­mensüber­gangs die Klau­seln, die dy­na­misch auf nach dem Zeit­punkt des Über­gangs aus­ge­han­del­te und ab­ge­schlos­se­ne Kol­lek­tiv­verträge ver­wei­sen, ge­genüber dem Er­wer­ber durch­setz­bar sind, wenn die­ser nicht die Möglich­keit hat, an den Ver­hand­lun­gen über die­se nach dem Über­gang ge­schlos­se­nen Kol­lek­tiv­verträge teil­zu­neh­men.
Art. 3 der Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er es ei­nem Mit­glied­staat ver­wehrt, vor­zu­se­hen, dass im Fall ei­nes Un­ter­neh­mensüber­gangs die Klau­seln, die dy­na­misch auf nach dem Zeit­punkt des Über­gangs ver­han­del­te und ab­ge­schlos­se­ne Kol­lek­tiv­verträge ver­wei­sen, ge­genüber dem Er­wer­ber durch­setz­bar sind, wenn die­ser nicht die Möglich­keit hat, an den Ver­hand­lun­gen über die­se nach dem Über­gang ab­ge­schlos­se­nen Kol­lek­tiv­verträge teil­zu­neh­men. Un­ter­schrif­ten
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