Source: https://www.bag-urteil.com/11-10-2017-5-azr-621-16/
Timestamp: 2020-05-26 03:02:37
Document Index: 322213258

Matched Legal Cases: ['§ 362', '§ 3', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 305', '§ 3', '§ 366', '§ 3', '§ 291', '§ 261']

﻿ ﻿ BAG – 5 AZR 621/16 | bag-urteil.com
ECLI:DE:BAG:2017:111017.U.5AZR621.16.0
ZTR 2018, 97
Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des Landesarbeitsgerichts Bremen vom 10. August 2016 – 3 Sa 8/16 – aufgehoben.
Die Berufung der Beklagten gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Bremen-Bremerhaven vom 5. November 2015 – 9 Ca 9117/15 – wird zurückgewiesen mit der Maßgabe, dass die in Ziff. 1 ausgeurteilten Zinsen seit dem 7. Mai 2015 und die in Ziff. 2 ausgeurteilten Zinsen seit dem 3. September 2015 zu zahlen sind.
5 AZR 621/16 > Rn 1
5 AZR 621/16 > Rn 2
Jede/r Mitarbeiter/in (ohne s. Punkt „Ausnahmen“) erhält
pro Monat eine Prämie von
DM 100,00.
5 AZR 621/16 > Rn 3
5 AZR 621/16 > Rn 4
5 AZR 621/16 > Rn 5
5 AZR 621/16 > Rn 6
5 AZR 621/16 > Rn 7
5 AZR 621/16 > Rn 8
5 AZR 621/16 > Rn 9
5 AZR 621/16 > Rn 10
5 AZR 621/16 > Rn 11
5 AZR 621/16 > Rn 12
5 AZR 621/16 > Rn 13
2. Lediglich hilfsweise für den Fall, dass die Klägerin mit ihrem Begehr nicht durchdringt, weil das Gericht in der Bezeichnung „*davon Anw.prämie“ eine wirksame Tilgungsbestimmung sieht und ein Erlöschen des Anspruchs durch Erfüllung (§ 362 Abs. 1 BGB) annimmt, stützt sie ihr Klagebegehren auf das Mindestlohngesetz iVm. § 3 Abs. 2 AV 2014.
5 AZR 621/16 > Rn 14
5 AZR 621/16 > Rn 15
5 AZR 621/16 > Rn 16
5 AZR 621/16 > Rn 17
5 AZR 621/16 > Rn 18
5 AZR 621/16 > Rn 19
aa) Weil der Mindestlohn nach § 1 Abs. 2 Satz 1 MiLoG „je Zeitstunde“ festgesetzt ist und das Gesetz den Anspruch nicht von der zeitlichen Lage der Arbeit oder den mit der Arbeitsleistung verbundenen Umständen oder Erfolgen abhängig macht, sind mindestlohnwirksam alle im arbeitsvertraglichen Austauschverhältnis erbrachten Entgeltzahlungen mit Ausnahme der Zahlungen, die der Arbeitgeber ohne Rücksicht auf eine tatsächliche Arbeitsleistung des Arbeitnehmers erbringt oder die auf einer besonderen gesetzlichen Zweckbestimmung beruhen (BAG 25. Mai 2016 – 5 AZR 135/16 – Rn. 30 ff., BAGE 155, 202; 21. Dezember 2016 – 5 AZR 374/16 – Rn. 23 f., BAGE 157, 356; zum Streitstand zwischen „Entgelttheorie“ und „Normalleistungstheorie“ im Schrifttum vgl. nur – jeweils mwN – Riechert/Nimmerjahn Mindestlohngesetz 2. Aufl. § 1 Rn. 106 ff.; MüKoBGB/Müller-Glöge 7. Aufl. § 1 MiLoG Rn. 22 f.).
5 AZR 621/16 > Rn 20
5 AZR 621/16 > Rn 21
5 AZR 621/16 > Rn 22
5 AZR 621/16 > Rn 23
5 AZR 621/16 > Rn 24
5 AZR 621/16 > Rn 25
5 AZR 621/16 > Rn 26
(1) Bei den Klauseln des AV 2014 handelt es sich schon nach dem äußeren Erscheinungsbild um Allgemeine Geschäftsbedingungen (§ 305 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 BGB). Diese sind – ausgehend vom Vertragswortlaut – nach ihrem objektiven Inhalt und typischen Sinn einheitlich so auszulegen, wie sie von rechtsunkundigen, verständigen und redlichen Vertragspartnern unter Abwägung der Interessen der normalerweise beteiligten Verkehrskreise verstanden werden, wobei die Verständnismöglichkeiten des durchschnittlichen Vertragspartners des Verwenders zugrunde zu legen sind (st. Rspr., zB BAG 26. Oktober 2016 – 5 AZR 456/15 – Rn. 18, BAGE 157, 97). Weil die Auslegung der uneingeschränkten Überprüfung durch das Revisionsgericht unterliegt, kann dieses – wie vorliegend – bei unterbliebener Auslegung durch das Berufungsgericht die Auslegung selbst vornehmen.
5 AZR 621/16 > Rn 27
5 AZR 621/16 > Rn 28
5 AZR 621/16 > Rn 29
5 AZR 621/16 > Rn 30
Sie hat der Klägerin für die streitgegenständlichen Monate für geleistete Arbeit jeweils den in § 3 Abs. 2 AV 2014 vereinbarten vertraglichen Stundenlohn gezahlt. Das belegt die auch in der vorgenannten Klausel verwandte Bezeichnung „Mindestlohn“ in den Lohnabrechnungen. Mit diesen Zahlungen sollte zwar – wie der Hinweis „*davon Anw.prämie“ zeigt – zugleich der Anspruch der Klägerin auf die Anwesenheitsprämie getilgt werden. Dafür reichte indes der gewährte Betrag nicht aus. Die mit den Lohnabrechnungen getroffene Tilgungsbestimmung (§ 366 Abs. 1 BGB) ist dahingehend auszulegen, dass mit dem Gezahlten jedenfalls und zuerst der Anspruch der Klägerin aus § 3 Abs. 2 AV 2014 erfüllt werden sollte (zur Auslegung einer Tilgungsbestimmung BAG 10. Juli 2013 – 10 AZR 777/12 – Rn. 22 f.), zumal die Beklagte den Anspruch der Klägerin auf Anwesenheitsprämie nicht durch eine eigenständige Zahlung, sondern nur durch eine „Anrechnung“ miterfüllen wollte.
5 AZR 621/16 > Rn 31
5 AZR 621/16 > Rn 32
5 AZR 621/16 > Rn 33
5. Der Anspruch der Klägerin auf Prozesszinsen folgt aus §§ 291, 288 Abs. 1 Satz 2 BGB. Rechtshängigkeit ist jeweils mit Zustellung der Klageerweiterungen eingetreten, § 261 Abs. 2 ZPO. Erst ab dem Tag danach beginnt für die jeweils anhängig gemachten Beträge die Verzinsung (vgl. BAG 19. August 2015 – 5 AZR 1000/13 – Rn. 30, BAGE 152, 221). Insoweit ist die Zinsentscheidung des Arbeitsgerichts zu korrigieren.
5 AZR 621/16 > Rn 34
Koch Biebl Volk
Zorn Bormann
Das Urteil BAG – 5 AZR 621/16 wird zitiert in:
> BAG, 03.12.2019 – 9 AZR 44/19