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Timestamp: 2018-02-23 02:44:19
Document Index: 97784825

Matched Legal Cases: ['§ 123', '§ 123', '§ 242', '§ 243', '§ 23', '§ 32']

Versuchter Diebstahl in besonders schweren Fall? - frag-einen-anwalt.de
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Versuchter Diebstahl in besonders schweren Fall?
| 05.12.2009 09:47 |
Ich bin 20 Jahre alt und nicht vorbestraft. Ich war gestern Abend mit meinem Kumpel in der Stadt unterwegs und haben im Laufe des Abends einige Bier sowie Glühwein getrunken. Als wir später am Abend zu einer Disco laufen wollten, sind wir über den bereits geschlossenen Weihnachtsmarkt gegangen. Dabei sind wir zwischen den "Buden" langgelaufen, um den Weg abzukürzen.
Spontan viel uns bei einer Bude auf, dass diese nur durch ein kleines, dreistelliges Zahlenschloss gesichert war - woraufhin ich meinte, dass man ja durch ausprobieren schnell die richtige Kombination herausfinden könnte. So geschah es, dass wir uns gegenseitig etwas angestichelt haben und das dann einfach ausprobieren wollten. Der Reiz hierbei war jedoch das Öffnen des Schlosses - nicht etwa Diebstahl oder sonstiges. Nach einigen Minuten gezieltem Probieren hatten wir dann auch die richtige Kombination und dachten, dass wir nun auch mal in die Hütte reinschauen sollten. Ich habe daraufhin die Hütte betreten, während mein Kumpel draußen gewartet hat.
Unmittelbar darauf habe ich nur gehört, dass Leute vom Sicherheitsdienst vor der Hütte waren - diese haben uns scheinbar beim Ausprobieren von Kombinationen gesehen. Ich habe erstmal in der Hütte gewartet und darauf gehofft, dass diese wieder verschwinden würden und ich die Hütte wieder verlassen kann - stattdessen hatten diese jedoch (verständlicher Weise) die Polizei gerufen. Nur wenige Minuten später war diese auch vor Ort, ein Beamter hat dann in die Hütte geschaut und mich entdeckt (Ich stande ganz normal vor der Tür und habe gewartet - nicht versteckt etc.) Mein Kumpel ist in der Zwischenzeit stiften gegangen.
Die Beamten haben dann meine Personalien aufgenommen und einen Alkoholtest gemacht (pusten lassen), welcher 0,78 Promille ergab. Sie haben auch nach den Personalien meines Kumpels gefragt, welche ich angegeben habe. Das Zahlenschloss habe ich außerdem ausgehändigt, damit die Beamten die Hütte damit wieder verschließen konnten. Ich wurde anschließend mit auf die Wache genommen. Auf der Fahr wurde gesagt, dass das "versuchter Diebstahl in besonders schweren Fall" wäre und ich höchstwahrscheinlich Erkennungsdienstlich behandelt werde. Auf der Wache angekommen ging dann jedoch alles ganz schnell. Ein Beamter meinte nur, dass sich das mit der erkennungsdienstlichen Behandlung erübrigt hätte (ich wurde noch nie zuvor erkennungsdienstlich behandelt) und ich durfte wieder gehen. Kein Bluttest, keine Befragung.
Das ganze war einfach nur ein riesen Unfug! Ich bin bislang der Polizei noch nie in irgendeiner Form bekannt geworden.
Welche Folgen wird diese Geschichte vermutlich nach sich ziehen? Sind hier Eintragungen in das Führungszeugnis zu erwarten? Falls ja, wie lange würden diese Bestehen bleiben?
Aus strafrechtlicher Sicht haben Sie durch Ihr Verhalten ohne Zweifel zunächst einen Hausfriedensbruch begangen (§ 123 StGB).
Dieser wird mit Freiheitsstrafe bis 1 Jahr oder Geldstrafe bestraft.
Es handelt sich jedoch um ein Antragsdelikt (vgl. § 123 II StGB), die Tat wird also nur auf Antrag des Hausrechtsinhabers verfolgt.
Mit einem entsprechenden Antrag dürfte hier aber wohl zu rechnen sein.
Weiterhin könnte es sich in der Tat um einen versuchten Diebstahl in einem besonders schweren Fall handeln (§§ 242 II, 22, 243 StGB).
Da das Zahlenschloss offensichtlich der Gewahrsamssicherung diente und es sich damit um eine Schutzvorrichtung handeln dürfte, die dazu dient, vor Wegnahme der gesicherten Sachen zu schützen, ist wohl von einer Verwirklichung des Regelbeispiels in § 243 I 2 Nr.2 StGB auszugehen.
Grundsätzlich steht auf einen besonders schwerer Fall des Diebstahls eine Freiheitsstrafe von 3 Monaten bis zu 10 Jahren.
Da es in Ihrem Fall jedoch zu keinem vollendeten Diebstahl gekommen ist, sondern von einem Versuch auszugehen ist, kann die Strafe nach §§ 23 II, 49 I StGB gemildert werden.
Vorliegend ist aufgrund der mitgeteilten Umstände –soweit eine Beurteilung im Rahmen der Beantwortung der Frage in diesem Forum überhaupt möglich ist- allenfalls vom unteren Bereich des Strafrahmens auszugehen.
Eine genauere Beurteilung ist jedoch erst nach Einsicht in die Ermittlungsakte möglich, wovon auch Ihre weitere Verteidigungsstrategie abhängig gemacht werden sollte.
Insofern rate ich Ihnen an, gegenüber der Polizei keinerlei weitere Angaben zu machen und mit der weiteren Verteidigung einen Kollegen Ihres Vertrauens vor Ort zu beauftragen.
Dieser wird zunächst Akteneinsicht beantragen und anschließend das weitere Vorgehen mit Ihnen besprechen.
In das Führungszeugnis werden weniger ins Gewicht fallende Erstverurteilungen zu Geldstrafe von nicht mehr als 90 Tagessätzen oder zu Freiheitsstrafe von nicht mehr als 3 Monaten nicht im Führungszeugnis aufgeführt (vgl. § 32 BZRG).
Ein Eintrag beim Bundeszentralregister erfolgt aber dennoch.
In Ihrem Fall dürfte es höchstwahrscheinlich nicht zu einer höheren Verurteilung kommen und da Sie angeben, dass bisher keine Eintragungen vorhanden sind, wird es aller Voraussicht nach auch nicht zu einem Eintrag im Führungszeugnis kommen.
Der Vollständigkeit halber noch Ihre Frage nach der Löschung einer möglichen Eintragung:
Verurteilungen zu Geldstrafen oder zu Freiheitsstrafe von nicht mehr als 3 Monaten werden im allgemeinen nach 3 Jahren aus dem Führungszeugnis entfernt.
Rechtsanwältin & Diplom-Verwaltungswirtin (FH)
Bewertung des Fragestellers 05.12.2009 | 13:26
FRAGESTELLER 05.12.2009 4,6/5.0
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