Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F30-09-2013-8C_569-2013
Timestamp: 2016-10-20 21:33:57
Document Index: 248957165

Matched Legal Cases: ['Art. 18', 'Art. 8', 'Art. 24', 'Art. 16', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 21']

{T�0/2} 8C_569/2013 � � Urteil vom 30. September 2013
Der 1951 geborene G.________ war seit 9. Januar 2006 als Hilfsarbeiter im Bereich Flachdachsanierungen f�r die R.________ AG, Bauspenglerei/Bedachungen, t�tig und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen und Berufskrankheiten versichert. Am 24. November 2006 fiel er bei der Arbeit von der Leiter und riss einen Eimer mit heissem Bitumen mit. Dabei zog er sich eine Verbrennung von 8 % der K�rperoberfl�che mit zweitgradig oberfl�chlicher Verbrennung beider Unterarme, Thorax und Gesicht, davon fleckf�rmig 1 % zweitgradig tief, eine stabile Kompressionsfraktur des Brustwirbelk�rpers (BWK) 12 sowie eine Nasenbeinfraktur zu (Operationsbericht des Spitals X.________, Klink f�r Wiederherstellungschirurgie, vom 28. November 2006). Die SUVA erbrachte Versicherungsleistungen. Gest�tzt auf das von ihr in Auftrag gegebene interdisziplin�re Gutachten des Medizinischen Zentrums Y.________ vom 13. M�rz 2011 und die erg�nzende Stellungnahme zur Integrit�tseinbusse vom 15. Juli 2011 sprach sie G.________ mit Verf�gung vom 4. Oktober 2011 ab 1. Oktober 2011 eine Invalidenrente, basierend auf einer Erwerbsunf�higkeit von 17 %, und eine Integrit�tsentsch�digung, entsprechend einer Integrit�tseinbusse von 35 %, zu. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 2. Dezember 2011 fest.
Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich wies die dagegen erhobene Beschwerde ab (Entscheid vom 4. Juni 2013).
G.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren mit dem Rechtsbegehren, es seien ihm eine Rente, basierend auf einer mindestens 50%igen Erwerbsunf�higkeit, und eine Integrit�tsentsch�digung aufgrund einer mindestens 70%igen Integrit�tseinbusse zuzusprechen, und die Heilungskosten seien auch nach Entstehung der Rente von der Unfallversicherung zu �bernehmen; eventualiter sei ein polydisziplin�res Gerichtsgutachten einzuholen. Ferner wird beantragt, es sei ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen.
Die f�r die Beurteilung der Streitsache relevanten Rechtsgrundlagen werden im angefochtenen Entscheid zutreffend wiedergegeben. Hervorzuheben sind die Bestimmungen und Grunds�tze zum Anspruch auf Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG) und Integrit�tsentsch�digung (Art. 24 Abs. 1 UVG), zur Ermittlung des Invalidit�tsgrades bei Erwerbst�tigen nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG) sowie zum f�r einen Leistungsanspruch nebst anderem vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod; BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f. mit Hinweis; zum Gen�gen der Teilurs�chlichkeit zur Bejahung der Kausalit�t: BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 f.). Darauf - wie auch auf die Erw�gungen zu dem im Sozialversicherungsrecht bei der Beantwortung von Tatfragen �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125) sowie zum Beweiswert und zur W�rdigung �rztlicher Berichte und Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352) - wird verwiesen.
4.1.�Nach ausf�hrlicher W�rdigung der medizinischen Unterlagen hat das kantonale Gericht aufgezeigt, weshalb die interdisziplin�re Expertise des Medizinischen Zentrums Y.________ vom 13. M�rz 2011 den praxisgem�ssen Anforderungen (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) gen�gt, und dass der Beschwerdef�hrer laut diesem beweiskr�ftigen Gutachten unter Ber�cksichtigung der unfallbedingten gesundheitlichen Einschr�nkungen in einer leidensangepassten, k�rperlich leichten (kein Heben von Lasten �ber 10 kg) und wechselbelastenden T�tigkeit vollst�ndig arbeitsf�hig ist. Gem�ss der Expertise des Medizinischen Zentrums Y.________ muss aufgrund der subjektiven Gleichgewichtsst�rungen bzw. der Akrophobie (H�henangst) von T�tigkeiten mit hoher Sturz- oder Absturzgef�hrdung auf ungesicherten Ger�sten oder Leitern abgesehen werden. Aus demselben Grund sowie - aus somatischer Sicht - wegen der eingeschr�nkten Belastbarkeit des R�ckens und der rechten Schulter sei der Versicherte in der zuletzt ausge�bten, k�rperlich schweren Besch�ftigung als Dachdeckerhilfsarbeiter seit dem Arbeitsunfall vom 24. November 2006 dauerhaft zu 100 % arbeitsunf�hig. Die Beurteilungen des Medizinischen Zentrums Y.________ vom 15. Juli 2011 und des Dr. med. S.________, Facharzt f�r Chirurgie FMH, SUVA-Versicherungsmedizin, vom 25. Mai 2011, welche zu einer Integrit�tsentsch�digung, basierend auf einer Integrit�tseinbusse von 35 %, f�hren, werden von der Vorinstanz ebenfalls als zuverl�ssig eingestuft.
4.2.�Es ist unbestritten, dass der Beschwerdef�hrer seine angestammte T�tigkeit als Dachdeckerhilfsarbeiter nicht mehr ausf�hren kann. Uneinigkeit besteht jedoch hinsichtlich der Arbeitsf�higkeit in einer leidensangepassten Besch�ftigung. Die Parteien bejahen dabei �bereinstimmend den nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den Beschwerden in der rechten Schulter, der BWK12-Fraktur, den Verbrennungen und der Akrophobie.
4.2.1.�Dar�ber hinaus macht der Versicherte geltend, dass auch die Beschwerden in der Lendenwirbels�ule (LWS) unfallkausal seien, bzw. es sei von einer vor�bergehenden oder richtunggebenden Verschlimmerung der degenerativen Befunde auszugehen. Wie es sich damit verh�lt, kann offen bleiben, denn mit Blick auf das Gutachten des Medizinischen Zentrums Y.________ steht fest, dass das LWS-Leiden weder zu einer quantitativen noch zu einer zus�tzlichen qualitativen Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit in einer k�rperlich leichten Verweist�tigkeit f�hrt. Soweit er aus der Behauptung, der Gutachter des Medizinischen Zentrums Y.________ Dr. med. E.________, Facharzt f�r Chirurgie, Orthop�dische Chirurgie und Traumatologie FMH, habe sich nicht auf die vollst�ndigen medizinischen Akten st�tzen k�nnen, weil ihm gem�ss Bericht des Dr. med. W.________, Allgemeine Medizin FMH, vom 19. Juli 2011 die Becken-R�ntgenaufnahme vom 26. Januar 2010 und eine Magnetresonanztomographie (MRT) der LWS vom 7. September 2010 sowie ein Zwischenbericht von Dr. med. W.________ vom 4. April 2010 nicht vorgelegen h�tten, ableiten will, in Kenntnis dieser Akten m�sste die Beurteilung der Arbeitsf�higkeit anders ausfallen, kann ihm nicht gefolgt werden. Es ist notorisch, dass zur Beurteilung von r�ckenbedingten Einschr�nkungen das klinische Bild im Vordergrund steht und bildgebenden Abkl�rungen nur ein erg�nzender Stellenwert zukommt (vgl. Urteil 8C_153/2013 vom 10. Mai 2013 E. 3.2.1). Nicht alle Diagnosen, welche in der Computertomographie (CT) oder MRT erkennbar sind, verursachen Beschwerden. Dr. med. E.________ konnte den Versicherten eingehend untersuchen und es standen ihm aktuelle R�ntgenaufnahmen der HWS, BWS und LWS vom 22. Dezember 2010 zur Verf�gung. Er konnte sich aus der Sicht des orthop�dischen Chirurgen ein umfassendes Bild �ber die gesundheitsbedingten Einschr�nkungen der Arbeitsf�higkeit seitens der Wirbels�ule machen.
Des Weiteren wendet der Beschwerdef�hrer ein, Dr. med. E.________ habe die Beschwerden in der rechten Schulter mit der schweren transmuralen Ruptur der Supraspinatussehne objektivieren k�nnen, aber die anamnestisch diagnostizierten humerusseitigen Partialrupturen der Infraspinatus- sowie der Subscapularissehne bei der Beurteilung der Arbeitsf�higkeit vergessen. Davon kann allerdings nicht ausgegangen werden. Seine Einsch�tzung der verbliebenen Leistungsf�higkeit basiert auf einer eingehenden Untersuchung der rechten Schulter und er empfiehlt mit ausdr�cklichem Hinweis auf die rechtsseitigen Schulterbeschwerden (und die Wirbels�ulenbeschwerden), es solle von schweren Hebet�tigkeiten abgesehen werden.
4.2.2.�Es ist dem Versicherten beizupflichten, dass die Schwindelbeschwerden von den Gutachtern des Medizinischen Zentrums Y.________ objektiviert werden konnten und unter den Befunden mit Auswirkung auf die Arbeitsf�higkeit eingeordnet sind. Allerdings �bersieht er, dass sich dieses Leiden nach Ansicht der Fach�rzte nur (aber immerhin) insoweit auf die Arbeitsf�higkeit auswirkt, als es zu einer Unzumutbarkeit von Besch�ftigungen mit Sturz- oder Absturzgef�hrdung bzw. mit hohen Anforderungen an das Gleichgewichtssystem f�hrt. Die Auswirkungen der Akrophobie, einem psychischen Leiden, gehen in diesen Einschr�nkungen auf. Mit Blick auf diese Ausgangslage konnten Verwaltung und Vorinstanz offen lassen, ob allf�llige Beschwerden, welche sich nicht auf ein organisches Leiden zur�ckf�hren lassen, in einem ad�quaten Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 24. November 2006 stehen. Die vom Versicherten behaupteten Depressionen, Konzentrationsst�rungen und die Anpassungsst�rung bzw. posttraumatische Belastungsst�rung waren im Zeitpunkt der Untersuchung durch die Gutachterin des Medizinischen Zentrums Y.________ Dr. med. M.________, Fach�rztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 7. Januar 2011 nicht mehr feststellbar. Sie konnte - mit nachvollziehbarer Begr�ndung - keine eigenst�ndige affektive Erkrankung mehr erkennen. Einzig die Akrophobie wirkt sich aus ihrer Sicht im soeben beschriebenen qualitativen Ausmass auf die Arbeitsf�higkeit aus. Daran verm�gen die abweichenden Einsch�tzungen der behandelnden �rzte nichts zu �ndern, wie dies schon im angefochtenen Gerichtsentscheid zum Ausdruck kommt. Die bisherige T�tigkeit als Dachdeckerhilfsarbeiter ist zudem nicht allein wegen der Akrophobie, sondern bereits wegen der unfallbedingten Wirbels�ulen- und rechtsseitigen Schulterbeschwerden, welche k�rperliche Schwerarbeit ausschliessen, nicht mehr zumutbar, weshalb der Ad�quanz der nichtorganischen Beschwerden nicht nachgegangen werden muss.
4.2.3.�Der Beschwerdef�hrer bringt weiter vor, das Gutachten des Medizinischen Zentrums Y.________ enthalte keine Konsensbesprechung, weshalb diesem schon deshalb ein Beweiswert abzusprechen sei, und es sei nur von Dr. med. J.________ unterzeichnet. Es ist in der Tat aus der Expertise selber nicht ersichtlich, ob und allenfalls in welcher Form eine Konsensbesprechung zwischen den Fach�rzten stattfand. Eine Konsensbesprechung und die Wiedergabe des daraus resultierenden Ergebnisses in einer bi- oder polydisziplin�ren Expertise ist zwar mehr als w�nschenswert, aber nicht in jedem Fall unerl�sslich. Vorliegend integrierte Dr. med. J.________ die einzelnen Teilgutachten im Hauptgutachten und die Teilgutachten liegen zudem auch einzeln, jeweils unterschrieben von den Teilgutachtern, vor. Die Frage, ob die Unterschrift des Hauptgutachtens durch alle beteiligten Experten ein Formerfordernis darstellt, kann offen bleiben (vgl. Urteil 8C_305/2013 vom 2. September 2013 E. 3.3), da zu Recht nicht eingewendet wird, das Hauptgutachten und dessen Ergebnis stimme mit den Teilgutachten nicht �berein. Aus den Teilgutachten ergibt sich detailliert, in welcher Weise die gesundheitlichen St�rungen den Versicherten in der Arbeitsf�higkeit einschr�nken. Eine Gesamtsicht ist im vorliegenden Einzelfall ohne weiteres m�glich. In der Beschwerde wird denn auch nicht substanziiert geltend gemacht, inwiefern eine Konsensbesprechung zu einer anderen Einsch�tzung in Bezug auf die Auswirkungen auf die Arbeitsf�higkeit h�tte f�hren k�nnen. Auf die R�gen ist daher nicht weiter einzugehen.
4.2.4.�Entgegen der Ansicht des Versicherten anerkennt auch das kantonale Gericht, dass die Wirbels�ulenbeschwerden zum Teil auf den Unfall zur�ckzuf�hren sind. Darum ist in der daraus abgeleiteten Integrit�tseinbusse kein Widerspruch zu sehen. Die Narbenschmerzen im Gesicht fallen bei der Festlegung der Integrit�tsentsch�digung ebenfalls ins Gewicht (SUVA-Tabelle 18: Integrit�tsschaden bei Sch�digung der Haut; E. 4.2.6 hiernach). Der Einwand, es fehle in diesem Zusammenhang eine Auseinandersetzung mit den Auswirkungen auf die Arbeitsf�higkeit, ist nicht stichhaltig, da diese Schmerzen offenbar nicht mit einer zus�tzlichen Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit in einer leidensangepassten Besch�ftigung verbunden sind.
4.2.5.�In Anwendung von Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG werden nach der Festsetzung der Rente dem Bez�ger die Pflegeleistungen und Kostenverg�tungen gew�hrt, wenn er zur Erhaltung seiner verbleibenden Erwerbsf�higkeit dauernd der Behandlung und Pflege bedarf. Diese Voraussetzung ist gem�ss Expertise des Medizinischen Zentrums Y.________ nicht erf�llt, weshalb ein Anspruch auf �bernahme von Heilbehandlungskosten f�r die Zeit ab 1. Oktober 2011 (Entstehung des Rentenanspruchs) nicht bejaht werden kann.
4.2.6.�Schliesslich macht der Beschwerdef�hrer geltend, die Integrit�tseinbusse sei gesamthaft auf mindestens 70 % festzulegen. Die rektifizierte Berechnung des Medizinischen Zentrums Y.________ vom 15. Juli 2011, welche eine insgesamt 35%ige Integrit�tseinbusse ergibt, erweist sich jedoch als korrekt. F�r die eingeschr�nkte Schulterfunktion rechts wurde ein 10%iger (SUVA-Tabelle 1: Integrit�tsschaden bei Funktionsst�rungen an den oberen Extremit�ten), f�r die Folgen der BWK12-Kompressionsfraktur ebenfalls ein 10%iger (SUVA-Tabelle 7: Integrit�tsschaden bei Wirbels�ulenaffektionen) und f�r die Verbrennungsnarben im Gesicht ein 15%iger (SUVA-Tabelle 18: Integrit�tsschaden bei Sch�digung der Haut) Integrit�tsschaden ber�cksichtigt. Dies entspricht auch der Einsch�tzung des Dr. med. S.________ (Stellungnahme vom 25. Mai 2011 zum Gutachten des Medizinischen Zentrums Y.________). Die in der Expertise angegebene Integrit�tseinbusse von 50 % allein f�r die Sch�digung der Haut ist nicht nachvollziehbar, da keine schwere Entstellung vorliegt. Offenbar sieht dies der Versicherte subjektiv anders. Massgebend ist allerdings eine objektivierte Betrachtungsweise. Sodann w�rde selbst bei zus�tzlicher Ber�cksichtigung der lumbalen Beschwerden - deren Unfallkausalit�t offen bleiben kann (E. 4.2.1 hiervor) - gem�ss SUVA-Tabelle 7 keine 10 % �bersteigende Integrit�tseinbusse resultieren. Bez�glich der weiteren, vom Versicherten genannten Leiden, wie Kopfschmerzen, Schwindel und Verbrennungszeichen an Thorax, Armen und rechter Hand sind die Voraussetzungen der Dauerhaftigkeit und der Erheblichkeit jedenfalls nicht kumulativ erf�llt, so dass eine zus�tzliche Integrit�tsentsch�digung nicht in Frage kommt. Es kann damit offen bleiben, ob diese Beschwerden im Einzelnen in einem nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zum Unfall stehen.
4.3.�Die konkrete Berechnung von Rente und Integrit�tsentsch�digung wird nicht beanstandet, weshalb Weiterungen unterbleiben (vgl. E. 2.1 hiervor).