Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Bayern&Datum=23.11.2004&Aktenzeichen=25%20B%2000.366
Timestamp: 2019-11-12 18:10:17
Document Index: 269268252

Matched Legal Cases: ['§ 34', '§ 2', '§ 15', '§ 3', '§ 5', '§ 22', '§ 3']

VGH Bayern, 23.11.2004 - 25 B 00.366 - dejure.org
https://dejure.org/2004,16521
VGH Bayern, 23.11.2004 - 25 B 00.366 (https://dejure.org/2004,16521)
VGH Bayern, Entscheidung vom 23.11.2004 - 25 B 00.366 (https://dejure.org/2004,16521)
VGH Bayern, Entscheidung vom 23. November 2004 - 25 B 00.366 (https://dejure.org/2004,16521)
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Zulässigkeit der Errichtung eines Wohnhauses im Dorfgebiet im Abstand von 10 m zu einem bestehenden Rinderstall; Zulässigkeit des Bauvorhabens unter dem Gesichtspunkt des Rücksichtnahmegebots; Vorliegen unzumutbarer Immissionen bei einem landwirtschaftlichen Betrieb; ...
VG Würzburg, 30.11.1999 - W 4 K 98.852
NVwZ-RR 2005, 605
Nach dieser Vorschrift, die als besondere Ausprägung des Rücksichtnahmegebotes über § 34 BauGB auch im unbeplanten Innenbereich entsprechende Anwendung findet, sind die nach §§ 2 bis 14 BauNVO zulässigen baulichen Anlagen im Einzelfall unzulässig, wenn von ihnen Belästigungen oder Störungen ausgehen können, die nach der Eigenart des Baugebietes im Baugebiet selbst oder in dessen Umgebung unzumutbar sind, oder wenn sie solchen Belästigungen oder Störungen ausgesetzt werden (BayVGH vom 23.11.2004 25 B 00.366 Juris RdNr. 19).
Unzumutbare Belästigungen oder Störungen im Sinne von § 15 Abs. 1 Satz 2 BauNVO sind insbesondere schädliche Umwelteinwirkungen im Sinne von § 3 Abs. 1 und 2, § 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und § 22 Abs. 1 Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG), d. h., Immissionen, die nach Art, Ausmaß oder Dauer geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft herbeizuführen (BayVGH vom 23.11.2004 a.a.O. RdNr. 23 m.w.N.).
Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof legt in ständiger Rechtsprechung (…vgl. BayVGH vom 24.4.2012 a.a.O. RdNr. 11; vom 23.11.2004 a.a.O. RdNr. 24) im Zusammenhang mit Geruchsimmissionen aus Rinderställen als Orientierungshilfe für Abstände zur Wohnbebauung die Erhebungen der Bayerischen Landesanstalt für Landtechnik der Technischen Universität München-Weihenstephan (im Folgenden: Landesanstalt) "Geruchsimmissionen aus Rinderställen" vom März 1994 ("Gelbes Heft 52") und "Geruchsfahnenbegehungen an Rinderställen" vom Juni 1999 ("Gelbes Heft 63") als brauchbare Orientierungshilfe zu Grunde.
Dabei können aber nur bereits konkret geplante oder bei realistischer Betrachtung zumindest naheliegende Entwicklungsmöglichkeiten in den Blick genommen werden (vgl. BayVGH vom 23.11.2004 a.a.O. RdNr. 31).
Im Übrigen kann solchen Immissionsbelastungen auch im Wege der "architektonischen Selbsthilfe" begegnet werden (vgl. hierzu BayVGH vom 23.11.2004 a.a.O. RdNr. 32).
Das Rücksichtnahmegebot ermöglicht und gebietet damit eine "Feinabstimmung" der konkreten Nutzungsverhältnisse mit der Folge, dass die grundsätzlich nach Baugebieten zusammengefassten Zulässigkeitsmaßstäbe je nach Lage des Einzelfalls durch situationsbezogene Zumutbarkeitskriterien ergänzt werden (BVerwG vom 23.9.1999 BVerwGE 109, 314/318 f.; BayVGH vom 23.11.2004 Az. 25 B 00.366).
Dass allein die Wahrnehmbarkeit eines landwirtschaftlichen Geruchs aber noch nicht zwangsläufig zu schädlichen Umwelteinwirkungen im Sinne des § 3 Abs. 1 und 2 BImSchG und damit zu unzumutbaren Geruchsimmissionen führt, liegt auf der Hand (vgl. auch BayVGH vom 23.11.2004 Az. 25 B 00.366 m.w.N. zur Rinderhaltung).
Schon aus diesem Grund bestehen nach summarischer Prüfung keine durchgreifenden Bedenken gegen die Sachgerechtigkeit der Empfehlungen (zu den "Gelben Heften" als Beurteilungshilfe vgl. beispielsweise BayVGH vom 23.11.2004 - 25 B 00.366 - Juris mit weiteren Nachweisen).
Umgekehrt kann einen Bauherrn, der mit seinem Wohnbauvorhaben an eine Emissionsquelle heranrückt, seinerseits die Obliegenheit treffen, technisch mögliche und wirtschaftlich vertretbare bauliche Vorkehrungen vorzunehmen, die die Störung der Wohnnutzung spürbar mindern (vgl. BayVGH vom 23.11.2004 Az. 25 B 00.366 NVwZ-RR 2005, 605 = BayVBl 2006, 279).
Der Verwaltungsgerichtshof legt in ständiger Rechtsprechung (vgl. BayVGH vom 23.11.2004 a.a.O.; vom 21.4.2004 Az. 14 CS 03.2928 - juris; vom 2.8.2007 Az. 1 CS 07.801 BayVBl 2007, 758; vom 22.3.2010 Az 15 ZB 09.3047 - juris; vom 22.11.2010 Az. 15 ZB 09.1759 - juris) im Zusammenhang mit Geruchsemissionen aus Rinderställen als Orientierungshilfe für Abstände zur Wohnbebauung die Erhebungen der Bayerischen Landesanstalt für Landtechnik der technischen Universität München-Weihenstephan (im Folgenden: Landesanstalt) "Geruchsemissionen aus Rinderställen" vom März 1994 ("Gelbes Heft 52") und "Geruchsfahnenbegehungen an Rinderställen" vom Juni 1999 ("Gelbes Heft 63") als brauchbare Orientierungshilfe zugrunde.
vgl. dazu auch Bay. VGH, Urteile vom 23. November 2004 - 25 B 00.366 -, NVwZ-RR 2005, 605 = BRS 67 Nr. 75 = juris Rn. 25 f., und vom 12. Juli 2004.
Nach ständiger Rechtssprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (BayVGH vom 23.11.2004 NVwZ-RR 2005, 605 = BayVBl 2006, 279) bieten die Erkenntnisse von Schön/Zeisig/Langenegger, "Geruchsemissionen aus Rinderställen", März 1994, und "Geruchsfahnenbegehungen an Rinderställen", Juni 1999, Bayerische Landesanstalt für Landtechnik der TU München (Gelbes Heft 52 bzw. 63) für Konfliktlagen zwischen Rinderställen und Wohngebäuden in Dorfgebieten eine brauchbare Orientierungshilfe (vgl. BVerwG vom 27.1.1994 NVwZ-RR 1995, 6).
Bei einem solchen Abstand ist zu erwarten, dass rinderspezifische Gerüche - ab drei Geruchseinheiten/m³ Luft - während maximal 10% der Jahresstunden wahrnehmbar sind (siehe BayVGH vom 23.11.2004 a.a.O., wonach u.U. sogar ein Abstand von nur 10 m ausreichen kann).
So hat der Bauherr grundsätzlich auch eine Obliegenheit, durch ihm mögliche und zumutbare Maßnahmen, z. B. durch eine entsprechende Ausrichtung des Gebäudes auf dem Grundstück, durch den äußeren Zuschnitt des Hauses, durch eine immissionsabgewandte Anordnung der Wohnräume und der notwendigen Fenster, gegebenenfalls auch durch die immissionsmindernde Gestaltung der Außenwohnbereiche auf Geruchsimmissionen eines benachbarten Rinderstalls Rücksicht zu nehmen (vgl. BayVGH, U. v. 23.11.2004 - 25 B 00.366 - juris).
vgl. Bayerischer VGH, Urteile vom 10. Mai 2016 - 2 B 16.231 -, juris, Rn. 32 und vom 23. November 2004 - 25 B 00.366 -, juris, Rn. 21.
Bei der Beurteilung der Frage, ob die Haltung von Kühen und Rindern mit dem Schutzanspruch benachbarter Wohnnutzungen zu vereinbaren ist, orientiert sich der Senat in ständiger Rechtsprechung (vgl. z. B. OVG Lüneburg, B. v. 6.9.1999 - 1 M 2569/99 -, Volltext JURIS, sonstige Vnb; B. v. 13.8.2001 - 1 MA 2335/01 -, Vnb, und B. in derselben Sache vom 3.12.2001 - 1 MB 2768/01 -, Volltext JURIS, sonstige Vnb; Beschl. v. 30.8.2004 - 1 LA 277/03 - NVwZ-RR 2005, 455;… Beschl. v. 10.9.2004 - 1 ME 231/04 - vgl. dazu etwa auch BayVGH, Urt. v. 3.1.1995 - Az. 2 B 91.2878 -, BayVBl. 1995, 347 = NuR 1995, 364; ferner Urt. v. 23.11.2004 - 25 B 00.366 - NVwZ-RR 2005, 605 = AUR 2005, 407) an den Ergebnissen der Geruchsfahnenbegehungen an Rinderställen, welche die Bayerische Landesanstalt für Landtechnik der Technischen Universität München - Weihenstephan durch Zeisig und Langenegger in den Jahren 1993 und 1997 hat durchführen lassen und deren Ergebnisse im Juni 1999 als Gelbes Heft Nr. 63 der Landtechnischen Berichte aus Praxis und Forschung veröffentlicht worden sind.
VGH Baden-Württemberg, 05.01.2009 - 8 S 2673/08
Schutzanspruch benachbarter Wohnbebauung gegenüber den von einer Rinderhaltung im …
Zum anderen übersieht sie, dass diese Studie bereits mehrfach in der Rechtsprechung als taugliche Grundlage für die Beantwortung der Frage herangezogen worden ist, ob die Haltung von Rindern dem Schutzanspruch benachbarter Wohnnutzungen gerecht wird (NdsOVG, Beschluss vom 11.3.2006 - 1 ME 166/06 - NVwZ 2007, 478; Beschluss vom 30.8.2004 - 1 LA 277/03 - NVwZ-RR 2005, 455; BayVGH, Urteil vom 3.1.1995 - 2 B 91.2878 - BayVBl. 1995, 347; Urteil vom 23.11.2004 - 25 B 00.366 - NVwZ-RR 2005, 605; VG München, Urteil vom 13.12.2007 - M 11 K 06.4621 - juris, jeweils m. w. N.).
VGH Bayern, 03.02.2011 - 1 ZB 10.718
Vorbescheid für Rinderstall; Nachbarklage; Gebot der Rücksichtnahme gegenüber …
VGH Bayern, 28.06.2010 - 1 N 08.668
Normenkontrollantrag gegen Bebauungsplan; Ausweisung eines allgemeinen …
VG München, 18.09.2009 - M 11 S 09.2949
Biogasanlage; Siloplatte; Füllhöhenbegrenzung; Geruchsemissionen