Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/verjaehrungsbeginn-bei-anwaltlicher-falschberatung-376280
Timestamp: 2019-11-18 01:33:04
Document Index: 138573742

Matched Legal Cases: ['§ 194', '§ 195', '§ 199', '§ 199', '§ 199', '§ 72', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Ver­jäh­rungs­be­ginn bei anwalt­li­cher Falsch­be­ra­tung | Rechtslupe
Mit dem Beginn des Laufs der Ver­jäh­rung eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs wegen anwalt­li­cher Falsch­be­ra­tung hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:
Ansprü­che gegen Rechts­an­wäl­te ver­jäh­ren seit dem 15.12 2004 nach den all­ge­mei­nen Ver­jäh­rungs­vor­schrif­ten der §§ 194 ff BGB. Danach ist ein Regress­an­spruch nach drei Jah­ren (§ 195 BGB) ab dem Schluss des Jah­res, in dem der Anspruch ent­stan­den ist (§ 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB) und der Man­dant von der Per­son des Schuld­ners und von den den Anspruch begrün­den­den Umstän­den Kennt­nis erlangt oder ohne gro­be Fahr­läs­sig­keit erlan­gen müss­te (§ 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB), ver­jährt 1.
Eine Kennt­nis der den Anspruch begrün­den­den Umstän­den im Sin­ne des § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB liegt nicht schon dann vor, wenn dem Man­dan­ten Umstän­de bekannt wer­den, nach denen zu sei­nen Las­ten ein Rechts­ver­lust ein­ge­tre­ten ist. Er muss auch Kennt­nis von sol­chen Tat­sa­chen erlan­gen, aus denen sich für ihn – zumal wenn er juris­ti­scher Laie ist – ergibt, dass der Rechts­be­ra­ter von dem übli­chen recht­li­chen Vor­ge­hen abge­wi­chen oder er Maß­nah­men nicht ein­ge­lei­tet hat, die aus recht­li­cher Sicht zur Ver­mei­dung eines Scha­dens erfor­der­lich waren 2. Allein dies wird der Rechts­be­ra­ter­haf­tung gerecht; nicht die anwalt­li­che Bera­tung, son­dern erst der Pflicht­ver­stoß des Rechts­be­ra­ters begrün­det den gegen ihn gerich­te­ten Regress­an­spruch 3.
Die vom Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt 4 ver­tre­te­ne Ansicht, die blo­ße Kennt­nis der anwalt­li­chen Bera­tung und der ihr zugrun­de­lie­gen­den Umstän­de reich­ten zur Kennt­nis der den Anspruch begrün­den­den Umstän­de aus 5, greift dem­ge­gen­über zu kurz 6. Die Fach­kun­de des Rechts­an­walts und das Ver­trau­en sei­nes Auf­trag­ge­bers begrün­den im Rah­men eines Anwalts­ver­tra­ges typi­scher­wei­se eine Über­le­gen­heit des Anwalts gegen­über sei­nem regel­mä­ßig rechts­un­kun­di­gen Man­dan­ten 7. Der Man­dant hat sei­ne recht­li­chen Belan­ge dem dazu beru­fe­nen Fach­mann anver­traut und kann daher des­sen etwai­ge Fehl­leis­tun­gen – eben wegen sei­ner Rechts­un­kennt­nis – nicht erken­nen 8. Ohne Kennt­nis von Tat­sa­chen, die aus sei­ner Sicht auf eine anwalt­li­che Pflicht­ver­let­zung deu­ten, hat er kei­ne Ver­an­las­sung, die anwalt­li­che Leis­tung in Fra­ge zu stel­len.
Für den Beginn der kennt­nis­ab­hän­gi­gen Ver­jäh­rung genügt die blo­ße Kennt­nis des Inhalts der anwalt­li­chen Bera­tung und der ihr zugrun­de­lie­gen­den tat­säch­li­chen Umstän­de nicht aus, um den Lauf der Ver­jäh­rung zum Jah­res­en­de 2006 in Gang zu set­zen 9. Dass bereits die Tat­sa­chen­kennt­nis der Man­dan­tin einen Bera­tungs­feh­ler nahe leg­te oder gar eine Falsch­be­ra­tung erkenn­bar mach­te, war im vor­lie­gen­den Fall nicht fest­stell­bar.
Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Revi­si­on den gegen den Rechts­an­walt erho­be­nen Vor­wurf nicht auf­recht erhält, die­ser habe das Rechts­mit­tel ohne Zustim­mung der Man­dan­tin zurück­ge­nom­men. Die Revi­si­on nimmt die Fest­stel­lung des Beru­fungs­ge­richts hin, der Rechts­an­walt habe das Rechts­mit­tel mit Zustim­mung der Man­dan­tin zurück­ge­nom­men. Sie wen­det sich auch nicht gegen die Annah­me, die Man­dan­tin müs­se sich die ent­spre­chen­de Erklä­rung ihrer Toch­ter anläss­lich eines Tele­fo­nats vom 21.12 2006 nach den Grund­sät­zen der Anscheins- und Dul­dungs­voll­macht 10 zurech­nen las­sen. Hier­zu ist fest­ge­stellt, dass die Toch­ter nicht nur mit dem Rechts­an­walt tele­fo­niert, son­dern auch im Auf­trag der Man­dan­tin mit dem Rechts­an­walt Kor­re­spon­denz geführt und dies gegen­über dem Rechts­an­walt auch ange­kün­digt hat­te. Dass inso­weit Anknüp­fungs­punk­te für eine Anwen­dung der Grund­sät­ze der Anscheins- und Dul­dungs­voll­macht feh­len, behaup­tet die Revi­si­ons­er­wi­de­rung nicht.
Die Revi­si­on stützt die behaup­te­te anwalt­li­che Pflicht­ver­let­zung dar­auf, der Rechts­an­walt habe der Toch­ter der Man­dan­tin die unzu­tref­fen­de Aus­kunft erteilt, die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de habe kei­ne Aus­sicht auf Erfolg, weil der Feh­ler beim frü­he­ren Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Man­dan­tin und nicht bei dem Gericht lie­ge; der Rechts­an­walt habe bei die­ser Aus­kunft den abso­lu­ten Revi­si­ons­grund des § 72 Abs. 2 Nr. 3 ArbGG über­se­hen. Auch habe er der Man­dan­tin die unzu­tref­fen­de Aus­kunft erteilt, die Rück­nah­me des ein­ge­leg­ten Rechts­mit­tels sei schon aus Kos­ten­grün­den gebo­ten, es ste­he noch eine Beschwer­de­mög­lich­keit offen. Der Ein­wand der Revi­si­ons­er­wi­de­rung, eine Pflicht­ver­let­zung kön­ne hier­auf nicht gestützt wer­den, weil die­se Falsch­be­ra­tun­gen nach dem klä­ge­ri­schen Vor­trag allein im Rah­men eines zwi­schen dem Rechts­an­walt und der Toch­ter geführ­ten Tele­fon­ge­sprächs am 21.12 2006 erfolgt sein sol­le und die Man­dan­tin zugleich bestrit­ten habe, dass die Toch­ter als ihre Ver­tre­te­rin gehan­delt und über eine Voll­macht zur Abga­be einer Zustim­mung zur Rechts­mit­tel­rück­nah­me ver­fügt habe, greift nicht durch. Die Äuße­run­gen des Rechts­an­walt waren für die Man­dan­tin bestimmt. Falls die Toch­ter kei­ne Ver­tre­tungs­macht der Man­dan­tin hat­te, war sie jeden­falls deren Emp­fangs­bo­tin.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Febru­ar 2014 – IX ZR 217/​12
Haf­tung des Rechts­an­walts bei Frist­ver­säum­nis – und die… Die Ver­jäh­rung eines gegen einen recht­li­chen Bera­ter gerich­te­ten Ersatz­an­spruchs beginnt zu lau­fen, wenn der Man­dant den Scha­den und die Pflicht­wid­rig­keit des Bera­ters erkannt oder infol­ge…
vgl. BGH, Urteil vom 15.12 2011 – IX ZR 85/​10, WM 2012, 163 Rn. 14; Gehr­lein, Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­haf­tung, 2. Aufl., S. 150[↩]
BGH, Urteil vom 06.02.2014 – IX ZR 245/​12, zVb in BGHZ, Umdruck S. 6; vgl. auch Gehr­lein, aaO S. 153; Chab in Zugehör/​G. Fischer/​Vill/​D. Fischer/​Rinkler/​Chab, Hand­buch der Anwalts­haf­tung, 3. Aufl., Rn. 1472, 1481; Fah­ren­dorf in Fahrendorf/​Mennemeyer/​Terbille, Die Haf­tung des Rechts­an­walts, 8. Aufl., Rn. 1108; Gräfe/​Lenzen/​Schmeer, Steu­er­be­ra­ter­haf­tung, 5. Aufl., Rn. 874[↩]
BGH, Urteil vom 06.02.2014, aaO; Chab, BRAK 2010, 208, 209[↩]
Thür. OLG, Urteil vom 01.08.2012 – 8 U 948/​11[↩]
eben­so OLG Stutt­gart, WM 2010, 1330; OLG Hamm, GI aktu­ell 2012, 111, 116[↩]
vgl. auch BGH, Urteil vom 06.02.2014, aaO Umdruck S. 7[↩]
Zugehör/​Chab, aaO Rn. 1385[↩]
BGH, Urteil vom 06.02.2014, aaO Umdruck S. 6; vom 12.12 2002 – IX ZR 99/​02, WM 2003, 928, 930[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 06.02.2014 – IX ZR 245/​12, zVb in BGHZ[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 14.05.2002 – XI ZR 155/​01, WM 2002, 1273, 1274 f; vom 10.03.2004 – IV ZR 143/​03, WM 2004, 922, 924; vom 05.07.2012 – III ZR 116/​11, WM 2012, 1482 Rn. 14 jeweils mwN[↩]
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