Source: http://m.hensche.de/Urteile_EuGH_Besoldungsdienstalter_Altersdiskriminierung_BDA_Europarecht_C-506-11_Specht.html
Timestamp: 2016-12-06 14:04:41
Document Index: 102084530

Matched Legal Cases: ['Art.3', 'Art.2', 'Art.2', 'Art.17', 'Art. 2', 'Art. 267', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 9', 'Art. 16', 'Art. 17', '§ 27', '§ 28', '§ 29', 'Art. 2', '§ 27', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 27', '§ 29', '§ 2', '§ 3', '§ 27', '§ 27', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 153', 'Art. 153', 'Art. 153', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 27', '§ 27', '§ 28', '§ 27', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 6', '§ 2', '§ 27', 'Art. 2', 'Art.2', 'Art. 17', '§ 27', '§ 27', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 17', 'Art. 9', 'EuG']

HENSCHE Arbeitsrecht: C-501/12 C-502/12 C-503/12 C-504/12 C-505/12 C-506/12 C-540/12 C-541/12
C-501/12C-502/12C-503/12C-504/12C-505/12C-506/12C-540/12C-541/12
1. Art.3 Abs.1 Buchst.c der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf ist da­hin aus­zu­le­gen, dass die Be­sol­dungs­be­din­gun­gen der Be­am­ten in den An­wen­dungs­be­reich die­ser Richt­li­nie fal­len.
2. Die Art.2 und 6 Abs.1 der Richt­li­nie 2000/78 sind da­hin aus­zu­le­gen, dass sie ei­ner na­tio­na­len Maßnah­me ent­ge­gen­ste­hen, nach der sich wie bei der in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Maßnah­me die Grund­ge­halts­stu­fe ei­nes Be­am­ten in­ner­halb der je­wei­li­gen Be­sol­dungs­grup­pe bei sei­ner Ein­stel­lung nach sei­nem Le­bens­al­ter rich­tet.
3. Die Art.2 und 6 Abs.1 der Richt­li­nie 2000/78 sind da­hin aus­zu­le­gen, dass sie na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten nicht ent­ge­gen­ste­hen, die wie die in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Vor­schrif­ten die Mo­da­litäten der Über­lei­tung von Be­am­ten, die vor dem In­kraft­tre­ten die­ser Rechts­vor­schrif­ten ver­be­am­tet wor­den sind, in ein neu­es Be­sol­dungs­sys­tem fest­le­gen und vor­se­hen, dass zum ei­nen die Be­sol­dungs­stu­fe, der sie nun­mehr zu­ge­ord­net wer­den, al­lein auf der Grund­la­ge des un­ter dem al­ten Be­sol­dungs­sys­tem er­wor­be­nen Grund­ge­halts er­mit­telt wird, ob­gleich die­ses al­te Sys­tem auf ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters des Be­am­ten be­ruh­te, und dass sich zum an­de­ren der wei­te­re Auf­stieg in ei­ne höhe­re Be­sol­dungs­stu­fe nun­mehr al­lein nach der seit dem In­kraft­tre­ten die­ser Rechts­vor­schrif­ten er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung be­misst.
4. Das Uni­ons­recht, ins­be­son­de­re Art.17 der Richt­li­nie 2000/78, schreibt un­ter Umständen wie de­nen der Aus­gangs­ver­fah­ren nicht vor, den dis­kri­mi­nier­ten Be­am­ten rück­wir­kend ei­nen Be­trag in Höhe des Un­ter­schieds zwi­schen ih­rer tatsächli­chen Be­sol­dung und der Be­sol­dung nach der höchs­ten Stu­fe ih­rer Be­sol­dungs­grup­pe zu zah­len.
Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob al­le vom Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on in sei­ner Recht­spre­chung auf­ge­stell­ten Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne uni­ons­recht­li­che Haf­tung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land erfüllt sind.
5. Das Uni­ons­recht steht ei­ner na­tio­na­len Vor­schrift wie der in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den, nach der ein Be­am­ter Ansprüche auf Geld­leis­tun­gen, die sich nicht un­mit­tel­bar aus dem Ge­setz er­ge­ben, zeit­nah, nämlich vor dem En­de des lau­fen­den Haus­halts­jahrs, gel­tend ma­chen muss, nicht ent­ge­gen, wenn die­se Vor­schrift we­der ge­gen den Äqui­va­lenz­grund­satz noch ge­gen den Ef­fek­ti­vitäts­grund­satz verstößt. Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob die­se Vor­aus­set­zun­gen in den Aus­gangs­ver­fah­ren erfüllt sind.
Verwaltungsgericht Berlin, Vorlagebeschlüsse vom 23.10.2012
19. Ju­ni 2014(*)
„Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen - So­zi­al­po­li­tik - Richt­li­nie 2000/78/EG - Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf - Art. 2, 3 Abs. 1 Buchst. c und 6 Abs. 1 - Un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters - Er­mitt­lung des Grund­ge­halts von Be­am­ten an­hand des Le­bens­al­ters - Über­lei­tungs­re­ge­lung - Per­pe­tu­ie­rung des Ge­halts­un­ter­schieds - Recht­fer­ti­gungs­gründe - Entschädi­gungs­an­spruch - Haf­tung des Mit­glied­staats - Grundsätze der Äqui­va­lenz und der Ef­fek­ti­vität“
In den ver­bun­de­nen Rechts­sa­chen C-501/12 bis C-506/12, C-540/12 und C-541/12
be­tref­fend Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin (Deutsch­land) mit Ent­schei­dun­gen vom 23. Ok­to­ber 2012 (Rechts­sa­chen C-501/12 bis C-506/12) und vom 13. No­vem­ber 2012 (Rechts­sa­chen C-540/12 und C-541/12), beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 8. und am 28. No­vem­ber 2012, in den Ver­fah­ren
Tho­mas Specht (C-501/12),
Jens Schom­be­ra (C-502/12),
Alex­an­der Wie­land (C-503/12),
Uwe Schöne­feld (C-504/12),
Ant­je Wil­ke (C-505/12),
Gerd Schi­ni (C-506/12)
Re­na Schme­el (C-540/12),
Ralf Schus­ter (C-541/12)
un­ter Mit­wir­kung der Kam­mer­präsi­den­tin R. Sil­va de La­pu­er­ta so­wie der Rich­ter J. L. da Cruz Vi­laça, G. Ares­tis, J.-C. Bo­ni­chot und A. Ara­b­ad­jiev (Be­richt­er­stat­ter),
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 19. Sep­tem­ber 2013,
- von Herrn Wie­land, Herrn Schöne­feld, Herrn Schi­ni, Frau Schme­el und Herrn Schus­ter, ver­tre­ten durch die Rechts­anwälte E. Ri­bet Bu­se und R. Hil­de­brand,
- des Lan­des Ber­lin, ver­tre­ten durch M. Theis als Be­vollmäch­tig­ten,
- des Ra­tes der Eu­ropäischen Uni­on, ver­tre­ten durch M. Simm und J. Herr­mann als Be­vollmäch­tig­te,
- der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch D. Mar­tin und T. Ma­xi­an Ru­sche als Be­vollmäch­tig­te,
nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 28. No­vem­ber 2013
Die Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­tref­fen die Aus­le­gung von Art. 2, Art. 3 Abs. 1 Buchst. c und Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. L 303, S. 16).
Die­se Er­su­chen er­ge­hen im Rah­men von Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen Herrn Specht, Herrn Schom­be­ra, Herrn Wie­land, Herrn Schöne­feld, Frau Wil­ke und Herrn Schi­ni – Be­am­te des Lan­des Ber­lin – und dem Land Ber­lin (Rechts­sa­chen C‑501/12 bis C‑506/12) so­wie zwi­schen Frau Schme­el und Herrn Schus­ter – Be­am­te der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land – und der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (Rechts­sa­chen C‑540/12 und C‑541/12) we­gen der Mo­da­litäten der Zu­ord­nung die­ser Be­am­ten zu ei­ner Stu­fe oder ei­ner Über­lei­tungs­stu­fe des Grund­ge­halts in der für sie gel­ten­den Be­sol­dungs­ord­nung.
Gemäß Art. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist „Zweck die­ser Richt­li­nie … die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in Beschäfti­gung und Be­ruf im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten“.
Art. 2 der Richt­li­nie sieht vor:
Nach Abs. 1 Buchst. c ih­res Art. 3 („Gel­tungs­be­reich“) gilt die Richt­li­nie für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, u. a. in Be­zug auf „die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und des Ar­beits­ent­gelts“.
Art. 9 („Rechts­schutz“) der Richt­li­nie sieht in Abs. 1 vor:
Art. 16 („Ein­hal­tung“) der Richt­li­nie lau­tet:
b) die mit dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht zu ver­ein­ba­ren­den Be­stim­mun­gen in Ar­beits- und Ta­rif­verträgen, Be­triebs­ord­nun­gen und Sta­tu­ten der frei­en Be­ru­fe und der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen für nich­tig erklärt wer­den oder erklärt wer­den können oder geändert wer­den.“
In Art. 17 („Sank­tio­nen“) der Richt­li­nie heißt es:
Die Richt­li­nie 2000/78 wur­de durch das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) vom 14. Au­gust 2006 (BGBl. I S. 1897) in deut­sches Recht um­ge­setzt.
Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz
Das Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz in der am 6. Au­gust 2002 gel­ten­den Fas­sung (im Fol­gen­den: BBesG a. F.) galt für Bun­des­be­am­te bis zum 30. Ju­ni 2009 und für die Be­am­ten des Lan­des Ber­lin bis zum 31. Ju­li 2011. Es bil­de­te die Rechts­grund­la­ge für die Be­sol­dung die­ser Be­am­ten.
§ 27 („Be­mes­sung des Grund­ge­halts“) BBesG a. F. be­stimm­te:
„(1) Das Grund­ge­halt wird, so­weit die Be­sol­dungs­ord­nun­gen nichts an­de­res vor­se­hen, nach Stu­fen be­mes­sen. Das Auf­stei­gen in den Stu­fen be­stimmt sich nach dem Be­sol­dungs­dienst­al­ter und der Leis­tung. Es wird min­des­tens das An­fangs­grund­ge­halt der je­wei­li­gen Be­sol­dungs­grup­pe ge­zahlt.
(2) Das Grund­ge­halt steigt bis zur fünf­ten Stu­fe im Ab­stand von zwei Jah­ren, bis zur neun­ten Stu­fe im Ab­stand von drei Jah­ren und darüber hin­aus im Ab­stand von vier Jah­ren.
(3) Bei dau­er­haft her­aus­ra­gen­den Leis­tun­gen kann für Be­am­te und Sol­da­ten der Be­sol­dungs­ord­nung A die nächsthöhe­re Stu­fe als Grund­ge­halt vor­weg fest­ge­setzt wer­den (Leis­tungs­stu­fe). Die Zahl der in ei­nem Ka­len­der­jahr bei ei­nem Dienst­herrn ver­ge­be­nen Leis­tungs­stu­fen darf 15 vom Hun­dert der Zahl der bei dem Dienst­herrn vor­han­de­nen Be­am­ten und Sol­da­ten der Be­sol­dungs­ord­nung A, die das End­grund­ge­halt noch nicht er­reicht ha­ben, nicht über­stei­gen. Wird fest­ge­stellt, dass die Leis­tung des Be­am­ten oder Sol­da­ten nicht den mit dem Amt ver­bun­de­nen durch­schnitt­li­chen An­for­de­run­gen ent­spricht, ver­bleibt er in sei­ner bis­he­ri­gen Stu­fe, bis sei­ne Leis­tung ein Auf­stei­gen in die nächsthöhe­re Stu­fe recht­fer­tigt. …“
§ 28 („Be­sol­dungs­dienst­al­ter“) BBesG a. F. sah vor:
„(1) Das Be­sol­dungs­dienst­al­ter be­ginnt am Ers­ten des Mo­nats, in dem der Be­am­te oder Sol­dat das 21. Le­bens­jahr voll­endet hat.
(2) Der Be­ginn des Be­sol­dungs­dienst­al­ters nach Ab­satz 1 wird um Zei­ten nach Voll­endung des 31. Le­bens­jah­res, in de­nen kein An­spruch auf Be­sol­dung be­stand, hin­aus­ge­scho­ben, und zwar um ein Vier­tel der Zeit bis zum voll­ende­ten 35. Le­bens­jahr und um die Hälf­te der wei­te­ren Zeit. … Die Zei­ten wer­den auf vol­le Mo­na­te ab­ge­run­det. Der Be­sol­dung im Sin­ne des Sat­zes 1 ste­hen Bezüge aus ei­ner haupt­be­ruf­li­chen Tätig­keit im Dienst ei­nes öffent­lich-recht­li­chen Dienst­herrn (§ 29), im Dienst von öffent­lich-recht­li­chen Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten und ih­ren Verbänden so­wie im Dienst ei­nes sons­ti­gen Ar­beit­ge­bers, der die im öffent­li­chen Dienst gel­ten­den Ta­rif­verträge oder Ta­rif­verträge we­sent­lich glei­chen In­halts an­wen­det und an dem die öffent­li­che Hand durch Zah­lung von Beiträgen oder Zuschüssen oder in an­de­rer Wei­se we­sent­lich be­tei­ligt ist, gleich.
Neu­fas­sung des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes
Der An­wen­dungs­be­reich des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes in der ab dem 1. Ju­li 2009 gel­ten­den Fas­sung (im Fol­gen­den: BBesG n. F.), das als Art. 2 des Ge­set­zes zur Neu­ord­nung und Mo­der­ni­sie­rung des Bun­des­dienst­rechts (Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­setz - DNeuG) vom 5. Fe­bru­ar 2009 er­las­sen wur­de, ist auf Be­sol­dungs­empfänger des Bun­des be­schränkt.
§ 27 („Be­mes­sung des Grund­ge­hal­tes“) BBesG n. F. sieht vor:
„(1) Das Grund­ge­halt wird, so­weit nicht ge­setz­lich et­was An­de­res be­stimmt ist, nach Stu­fen be­mes­sen. Da­bei er­folgt der Auf­stieg in ei­ne nächsthöhe­re Stu­fe nach be­stimm­ten Dienst­zei­ten, in de­nen an­for­de­rungs­ge­rech­te Leis­tun­gen er­bracht wur­den (Er­fah­rungs­zei­ten).
(2) Mit der ers­ten Er­nen­nung mit An­spruch auf Dienst­bezüge im An­wen­dungs­be­reich die­ses Ge­set­zes wird ein Grund­ge­halt der Stu­fe 1 fest­ge­setzt, so­weit nicht bei Be­am­ten nach § 28 Ab­satz 1 Er­fah­rungs­zei­ten an­er­kannt wer­den oder bei Sol­da­ten ei­ne an­de­re Be­mes­sung des Grund­ge­hal­tes nach Ab­satz 4 Satz 4 er­folgt. …
(3) Das Grund­ge­halt steigt nach Er­fah­rungs­zei­ten von zwei Jah­ren in der Stu­fe 1, von je­weils drei Jah­ren in den Stu­fen 2 bis 4 und von je­weils vier Jah­ren in den Stu­fen 5 bis 7. … Zei­ten oh­ne An­spruch auf Dienst­bezüge verzögern den Auf­stieg um die­se Zei­ten, so­weit in § 28 Ab­satz 2 nicht et­was An­de­res be­stimmt ist. …
(7) Bei dau­er­haft her­aus­ra­gen­den Leis­tun­gen kann Be­am­ten und Sol­da­ten der Bun­des­be­sol­dungs­ord­nung A für den Zeit­raum bis zum Er­rei­chen der nächs­ten Stu­fe das Grund­ge­halt der nächsthöhe­ren Stu­fe ge­zahlt wer­den (Leis­tungs­stu­fe). …“
§ 28 („Berück­sich­ti­gungsfähi­ge Zei­ten“) BBesG n. F. be­stimmt:
„(1) Bei der ers­ten Stu­fen­fest­set­zung wer­den den Be­am­ten als Er­fah­rungs­zei­ten im Sin­ne des § 27 Ab­satz 3 an­er­kannt:
1. Zei­ten ei­ner gleich­wer­ti­gen haupt­be­ruf­li­chen Tätig­keit, die nicht Vor­aus­set­zung für die Zu­las­sung zur Lauf­bahn sind, im Dienst ei­nes öffent­lich[-]recht­li­chen Dienst­herrn (§ 29) oder im Dienst von öffent­lich-recht­li­chen Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten und ih­ren Verbänden …“
Be­sol­dungs­re­ge­lung für die Be­am­ten des Lan­des Ber­lin
Gemäß dem Ge­setz zur Be­sol­dungs­neu­re­ge­lung für das Land Ber­lin (Ber­li­ner Be­sol­dungs­neu­re­ge­lungs­ge­setz – Berl­BesNG) vom 29. Ju­ni 2011 gel­ten für die Be­am­ten des Lan­des Ber­lin, die am 1. Au­gust 2011 be­reits ver­be­am­tet wa­ren (im Fol­gen­den: Be­stands­be­am­te), und für die Be­am­ten, die nach die­sem Zeit­punkt ver­be­am­tet wur­den (im Fol­gen­den: Neu­be­am­te), un­ter­schied­li­che Re­ge­lun­gen.
- Be­sol­dungs­re­ge­lung für Neu­be­am­te auf Lan­des­ebe­ne
Das Land Ber­lin hat das BBesG n. F. in ab­geänder­ter Form über­nom­men. Die­ses Ge­setz mit der Be­zeich­nung Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz Ber­lin (im Fol­gen­den: BBesG Bln n. F.) fin­det auf Neu­be­am­te An­wen­dung. So­weit für die Aus­gangs­ver­fah­ren von Be­lang, stim­men die ein­schlägi­gen Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes im We­sent­li­chen mit den in den Rn. 15 und 16 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Be­stim­mun­gen des BBesG n. F. übe­rein.
- Be­sol­dungs­re­ge­lung für Be­stands­be­am­te
Das Ber­li­ner Be­sol­dungsüber­lei­tungs­ge­setz (Berl­BesÜG) vom 29. Ju­ni 2011 legt die Mo­da­litäten, nach de­nen die Be­stands­be­am­ten in das neue Sys­tem ein­ge­stuft wer­den, und die für die­se Be­am­ten gel­ten­den Über­lei­tungs­maßnah­men fest.
§ 2 („Zu­ord­nung zu den Stu­fen und Über­lei­tungs­stu­fen des Grund­ge­hal­tes in den Be­sol­dungs­grup­pen der Be­sol­dungs­ord­nun­gen A“) Berl­BesÜG be­stimmt:
„(1) Be­am­tin­nen und Be­am­te wer­den am 1. Au­gust 2011 auf der Grund­la­ge des am 31. Ju­li 2011 maßgeb­li­chen Am­tes mit dem Grund­ge­halt, das ih­nen gemäß dem Ge­setz zur Be­sol­dungs- und Ver­sor­gungs­an­pas­sung für Ber­lin 2010/2011 vom 8. Ju­li 2010 … am 1. Au­gust 2011 zu­ste­hen würde, nach Maßga­be der fol­gen­den Absätze den Stu­fen oder Über­lei­tungs­stu­fen des Grund­ge­hal­tes der An­la­ge 3 des [Berl­BesNG] … zu­ge­ord­net. …
(2) Die Zu­ord­nung er­folgt nach Maßga­be des Ab­sat­zes 1 zu der Stu­fe oder Über­lei­tungs­stu­fe, die dem auf den vol­len Eu­ro-Be­trag auf­ge­run­de­ten Grund­ge­halt ent­spricht. …“
In § 3 („Auf­stieg bei Zu­ord­nung zu ei­ner Stu­fe des Grund­ge­hal­tes oder zu ei­ner Über­lei­tungs­stu­fe des Grund­ge­hal­tes in den Be­sol­dungs­grup­pen der Be­sol­dungs­ord­nun­gen A“) Berl­BesÜG heißt es:
„(1) Mit der Zu­ord­nung zu ei­ner Stu­fe des Grund­ge­hal­tes der An­la­ge 3 des [Berl­BesNG] be­ginnt die für den Auf­stieg maßge­ben­de Er­fah­rungs­zeit nach § 27 Ab­satz 3 [BBesG Bln n. F.]. Der Auf­stieg in die nächsthöhe­re Stu­fe re­gelt sich nach § 27 Ab­satz 3 [BBesG Bln n. F.].
Die Sach­ver­hal­te, die den ver­schie­de­nen Aus­gangs­ver­fah­ren der vom Ge­richts­hof ver­bun­de­nen Rechts­sa­chen zu­grun­de lie­gen, glei­chen sich oder stim­men so­gar übe­rein. Sie las­sen sich wie folgt zu­sam­men­fas­sen:
Herr Specht, Herr Schom­be­ra, Herr Wie­land, Herr Schöne­feld, Frau Wil­ke und Herr Schi­ni wur­den in den Jah­ren 1992 bis 2003 zu Be­am­ten des Lan­des Ber­lin er­nannt. Frau Schme­el und Herr Schus­ter wur­den in den Jah­ren 1998 bzw. 1992 zu Be­am­ten auf Le­bens­zeit der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land er­nannt. Al­le wur­den un­ter der Gel­tung des BBesG a. F. ein­ge­stellt, zunächst nach die­sem be­sol­det und später in das für sie je­weils gel­ten­de neue Be­sol­dungs­sys­tem überführt.
Die Kläger der Aus­gangs­ver­fah­ren leg­ten ge­gen die Be­rech­nungs­wei­se ih­rer Be­sol­dung Wi­der­spruch ein, den sie da­mit be­gründe­ten, dass sie durch die­se Be­rech­nungs­wei­se, bei der ihr Al­ter Berück­sich­ti­gung fin­de, we­gen des Al­ters dis­kri­mi­niert würden oder wor­den sei­en. Da der Wi­der­spruch zurück­ge­wie­sen wur­de, er­ho­ben sie beim Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin Kla­ge.
Herr Specht, Herr Schom­be­ra, Herr Wie­land, Herr Schöne­feld, Frau Wil­ke, Herr Schi­ni, Frau Schme­el und Herr Schus­ter ma­chen gel­tend, das BBesG a. F. ha­be ge­gen das im AGG und in der Richt­li­nie 2000/78 ver­an­ker­te Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ver­s­toßen. In­so­weit be­an­tra­gen sie u. a., ih­nen die Beträge nach­zu­zah­len, die sich aus der Dif­fe­renz zwi­schen der tatsächlich gewähr­ten Be­sol­dungs­stu­fe und der höchs­ten Be­sol­dungs­stu­fe ih­rer Be­sol­dungs­grup­pe er­ge­ben.
Herr Specht, Herr Wie­land, Herr Schöne­feld und Frau Wil­ke be­an­stan­den die im Berl­BesÜG vor­ge­se­he­ne Über­lei­tungs­re­ge­lung, da die­se das bis­he­ri­ge Be­sol­dungs­prin­zip, das sich ge­ra­de nicht an der dienst­li­chen Er­fah­rung, son­dern am Dienst­al­ter ori­en­tiert ha­be, un­zulässig per­pe­tu­ie­re, weil die Über­lei­tung der Be­stands­be­am­ten al­lein an­hand des bis­he­ri­gen Grund­ge­halts vor­ge­nom­men wer­de.
Das vor­le­gen­de Ge­richt fragt sich da­her, ob die in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den na­tio­na­len Re­ge­lun­gen mit dem Uni­ons­recht, ins­be­son­de­re mit der Richt­li­nie 2000/78, ver­ein­bar sind, da sie zu ei­ner nach die­ser Richt­li­nie ver­bo­te­nen Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters führen könn­ten.
Un­ter die­sen Umständen hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin be­schlos­sen, die Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof in den Rechts­sa­chen C-501/12, C-503/12 und C-505/12 fol­gen­de Fra­gen, die auch al­le in den Rechts­sa­chen C-502/12, C-504/12, C-506/12, C-540/12 und C-541/12 vor­ge­leg­ten Fra­gen ein­sch­ließen, zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
1. Ist das Primär- und/oder Se­kundärrecht der Uni­on, hier ins­be­son­de­re die Richt­li­nie 2000/78, im Sin­ne ei­nes um­fas­sen­den Ver­bots un­ge­recht­fer­tig­ter Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters so aus­zu­le­gen, dass es auch na­tio­na­le Nor­men über die Be­sol­dung der Be­am­ten er­fasst?
2. Falls die Fra­ge 1 be­jaht wird: Er­gibt die Aus­le­gung die­ses Primär- und/oder Se­kundärrechts der Uni­on, dass ei­ne na­tio­na­le Vor­schrift, nach der die Höhe des Grund­ge­halts ei­nes Be­am­ten bei Be­gründung des Be­am­ten­verhält­nis­ses maßgeb­lich von sei­nem Le­bens­al­ter abhängt und an­sch­ließend vor al­lem in Abhängig­keit von der Dau­er des Be­am­ten­verhält­nis­ses an­steigt, ei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar­stellt?
3. Falls auch die Fra­ge 2 be­jaht wird: Steht die Aus­le­gung die­ses Primär- und/oder Se­kundärrechts der Uni­on der Recht­fer­ti­gung ei­ner sol­chen na­tio­na­len Vor­schrift mit dem ge­setz­ge­be­ri­schen Ziel ent­ge­gen, Be­rufs­er­fah­rung zu ho­no­rie­ren?
4. Falls auch die Fra­ge 3 be­jaht wird: Lässt die Aus­le­gung des Primär- und/oder Se­kundärrechts der Uni­on, so­lan­ge kei­ne Im­ple­men­tie­rung ei­nes dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Be­sol­dungs­rechts er­folgt ist, ei­ne an­de­re Rechts­fol­ge zu, als die Dis­kri­mi­nier­ten rück­wir­kend gemäß der höchs­ten Be­sol­dungs­stu­fe ih­rer Be­sol­dungs­grup­pe zu be­sol­den?
Er­gibt sich die Rechts­fol­ge des Ver­s­toßes ge­gen das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot da­bei aus dem Primär- und/oder Se­kundärrecht der Uni­on, hier ins­be­son­de­re aus der Richt­li­nie 2000/78, selbst oder folgt der An­spruch nur aus dem Ge­sichts­punkt man­gel­haf­ter Um­set­zung uni­ons­recht­li­cher Vor­ga­ben nach dem uni­ons­recht­li­chen Staats­haf­tungs­an­spruch?
5. Steht die Aus­le­gung des Primär- und/oder Se­kundärrechts der Uni­on ei­ner na­tio­na­len Maßnah­me ent­ge­gen, den (Nach-)Zah­lungs- oder Scha­dens­er­satz­an­spruch da­von abhängig zu ma­chen, dass die Be­am­ten ihn zeit­nah gel­tend ge­macht ha­ben?
6. Falls die Fra­gen 1 bis 3 be­jaht wer­den: Er­gibt die Aus­le­gung des Primär- und/oder Se­kundärrechts der Uni­on, dass ein Über­lei­tungs­ge­setz, mit dem die Be­stands­be­am­ten al­lein nach dem Be­trag ih­res gemäß dem al­ten (dis­kri­mi­nie­ren­den) Be­sol­dungs­recht zum Über­lei­tungs­stich­tag er­wor­be­nen Grund­ge­halts ei­ner Stu­fe des neu­en Sys­tems zu­ge­ord­net wer­den, und nach wel­chem sich der wei­te­re Auf­stieg in höhe­re Stu­fen so­dann un­abhängig von der ab­so­lu­ten Er­fah­rungs­zeit des Be­am­ten nur nach den seit In­kraft­tre­ten des Über­lei­tungs­ge­set­zes hin­zu­ge­won­ne­nen Er­fah­rungs­zei­ten be­misst, ei­ne - bis zum je­wei­li­gen Er­rei­chen der höchs­ten Be­sol­dungs­stu­fe fort­dau­ern­de - Per­pe­tu­ie­rung der be­ste­hen­den Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt?
7. Falls auch die Fra­ge 6 be­jaht wird: Steht die Aus­le­gung des Primär- und/oder Se­kundärrechts der Uni­on ei­ner Recht­fer­ti­gung die­ser un­be­grenzt fort­dau­ern­den Un­gleich­be­hand­lung mit dem ge­setz­ge­be­ri­schen Ziel ent­ge­gen, nach wel­chem mit dem Über­lei­tungs­ge­setz nicht (nur) der zum Über­lei­tungs­stich­tag be­ste­hen­de Be­sitz­stand, son­dern (auch) die Er­war­tung des nach dem al­ten Be­sol­dungs­recht pro­gnos­tisch zu­ge­wen­de­ten Le­bens­ein­kom­mens in der je­wei­li­gen Be­sol­dungs­grup­pe geschützt wer­den soll?
Lässt sich die fort­dau­ern­de Dis­kri­mi­nie­rung der Be­stands­be­am­ten da­durch recht­fer­ti­gen, dass die Re­ge­lungs­al­ter­na­ti­ve (in­di­vi­du­el­le Ein­stu­fung auch der Be­stands­be­am­ten nach Er­fah­rungs­zei­ten) mit ei­nem erhöhten Ver­wal­tungs­auf­wand ver­bun­den wäre?
8. Falls in Fra­ge 7 ei­ne Recht­fer­ti­gung ver­neint wird: Lässt die Aus­le­gung des Primär- und/oder Se­kundärrechts der Uni­on, so­lan­ge kei­ne Im­ple­men­tie­rung ei­nes dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Be­sol­dungs­rechts auch für die Be­stands­be­am­ten er­folgt ist, ei­ne an­de­re Rechts­fol­ge zu, als die Be­stands­be­am­ten rück­wir­kend und fort­lau­fend gemäß der höchs­ten Be­sol­dungs­stu­fe ih­rer Be­sol­dungs­grup­pe zu be­sol­den?
Mit Be­schluss des Präsi­den­ten des Ge­richts­hofs vom 3. De­zem­ber 2012 sind die Rechts­sa­chen C-501/12 bis C-506/12, C-540/12 und C-541/12 zu ge­mein­sa­mem schrift­li­chen und münd­li­chen Ver­fah­ren und zu ge­mein­sa­mer Ent­schei­dung ver­bun­den wor­den.
Mit sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass die Be­sol­dung der Be­am­ten in den An­wen­dungs­be­reich die­ser Richt­li­nie fällt.
Die­se Fra­ge be­zieht sich auf den sach­li­chen und persönli­chen An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78.
Was den sach­li­chen An­wen­dungs­be­reich die­ser Richt­li­nie be­trifft, fragt das vor­le­gen­de Ge­richt nach dem Zu­sam­men­hang zwi­schen Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie, wo­nach sie im Rah­men der auf die Uni­on über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, in Be­zug auf die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen gilt, wo­bei die­ser Aus­druck u. a. die Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und das Ar­beits­ent­gelt um­fasst, und Art. 153 Abs. 5 AEUV, der ei­ne Aus­nah­me von der Zuständig­keit der Uni­on im Be­reich der So­zi­al­po­li­tik vor­sieht, die dar­in be­steht, dass die Uni­on nicht ermäch­tigt ist, u. a. im Be­reich des Ar­beits­ent­gelts tätig zu wer­den.
Der Ge­richts­hof hat je­doch ent­schie­den, dass die­se Aus­nah­me so zu ver­ste­hen ist, dass sie sich auf Maßnah­men wie ei­ne Ver­ein­heit­li­chung ein­zel­ner oder al­ler Be­stand­tei­le und/oder der Höhe der Löhne und Gehälter oder die Einführung ei­nes Min­dest­lohns be­zieht, mit de­nen das Uni­ons­recht un­mit­tel­bar in die Fest­set­zung der Ar­beits­ent­gel­te in­ner­halb der Uni­on ein­grei­fen würde. Sie lässt sich je­doch nicht auf al­le mit dem Ar­beits­ent­gelt in ir­gend­ei­nem Zu­sam­men­hang ste­hen­den Fra­gen er­stre­cken, oh­ne dass ei­ni­ge in Art. 153 Abs. 1 AEUV auf­geführ­te Be­rei­che ei­nes großen Teils ih­rer Sub­stanz be­raubt würden (Ur­tei­le Im­pact, C-268/06, EU:C:2008:223, Rn. 124 und 125, und Bru­no u. a., C-395/08 und C-396/08, EU:C:2010:329, Rn. 37).
Folg­lich ist der Be­griff „Ar­beits­ent­gelt“ im Sin­ne von Art. 153 Abs. 5 AEUV an­ders zu ver­ste­hen als der Be­griff „Ar­beits­ent­gelt“ in Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78. Der letzt­ge­nann­te Be­griff gehört nämlich zu den Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen und be­trifft, wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 45 sei­ner Schluss­anträge aus­geführt hat, nicht un­mit­tel­bar die Fest­le­gung der Höhe des Ar­beits­ent­gelts.
Im vor­lie­gen­den Fall wird die Höhe des den ein­zel­nen Be­sol­dungs­grup­pen und Be­sol­dungs­stu­fen des deut­schen öffent­li­chen Diens­tes ent­spre­chen­den Ar­beits­ent­gelts von den zuständi­gen na­tio­na­len Stel­len fest­ge­legt; die Uni­on verfügt in­so­weit über kei­ne Zuständig­keit. Da­ge­gen dürfen die na­tio­na­len Re­geln für die Mo­da­litäten der Zu­ord­nung zu die­sen Be­sol­dungs­grup­pen und Be­sol­dungs­stu­fen nicht dem sach­li­chen An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 ent­zo­gen wer­den.
Was den persönli­chen An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 be­trifft, genügt der Hin­weis auf ih­ren Art. 3 Abs. 1 Buchst. c, der aus­drück­lich vor­sieht, dass sie u. a. für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen Be­rei­chen gilt.
Un­ter die­sen Umständen ist auf die ers­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass die Be­sol­dungs­be­din­gun­gen der Be­am­ten in den An­wen­dungs­be­reich die­ser Richt­li­nie fal­len.
Mit sei­ner zwei­ten und sei­ner drit­ten Fra­ge, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die Art. 2 und 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­ner na­tio­na­len Vor­schrift ent­ge­gen­ste­hen, nach der sich die Grund­ge­halts­stu­fe ei­nes Be­am­ten in­ner­halb der je­wei­li­gen Be­sol­dungs­grup­pe bei sei­ner Ein­stel­lung nach sei­nem Le­bens­al­ter rich­tet.
Zunächst ist zu prüfen, ob das BBesG a. F. ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 enthält. Nach des­sen Wort­laut be­deu­tet „Gleich­be­hand­lungs­grund­satz“, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Art. 1 die­ser Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe ge­ben darf. Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie stellt klar, dass ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des Abs. 1 vor­liegt, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung als ei­ne an­de­re Per­son erfährt.
Im vor­lie­gen­den Fall geht aus den dem Ge­richts­hof vor­lie­gen­den Ak­ten her­vor, dass nach den §§ 27 und 28 BBesG a. F. das in Abhängig­keit vom Le­bens­al­ter be­stimm­te „Be­sol­dungs­dienst­al­ter“ den An­knüpfungs­punkt für die erst­ma­li­ge Zu­ord­nung zu ei­ner Be­sol­dungs­stu­fe der Grund­ge­halts­ska­la der Be­am­ten bil­de­te. Die­ses Be­sol­dungs­dienst­al­ter be­ginnt am Ers­ten des Mo­nats, in dem der Be­am­te das 21. Le­bens­jahr voll­endet hat. Der Be­ginn des Be­sol­dungs­dienst­al­ters wird um Zei­ten nach Voll­endung des 31. Le­bens­jahrs, in de­nen kein An­spruch auf Be­sol­dung als Be­am­ter be­stand, hin­aus­ge­scho­ben, und zwar um ein Vier­tel der Zeit bis zum voll­ende­ten 35. Le­bens­jahr und um die Hälf­te der wei­te­ren Zeit. Es wird min­des­tens das An­fangs­grund­ge­halt der je­wei­li­gen Be­sol­dungs­grup­pe ge­zahlt. Da­nach rich­tet sich der Auf­stieg in höhe­re Ge­halts­stu­fen nach der Dienst­zeit im Be­am­ten­verhält­nis und der dort er­brach­ten Leis­tung. Da­bei steigt das Grund­ge­halt grundsätz­lich bis zur fünf­ten Stu­fe im Ab­stand von zwei Jah­ren, bis zur neun­ten Stu­fe im Ab­stand von drei Jah­ren und darüber hin­aus im Ab­stand von vier Jah­ren. Bei dau­er­haft her­aus­ra­gen­den Leis­tun­gen kann für Be­am­te die nächsthöhe­re Stu­fe als Grund­ge­halt vor­weg fest­ge­setzt wer­den.
Wie das vor­le­gen­de Ge­richt ausführt, hat die An­wen­dung des Sys­tems ei­nes stu­fen­wei­sen Auf­stiegs, wie ihn § 27 BBesG a. F. vor­sieht, in Ver­bin­dung mit der Be­rech­nungs­wei­se des Be­sol­dungs­dienst­al­ters nach § 28 BBesG a. F. bei­spiels­wei­se zur Fol­ge, dass ei­ne Per­son, die mit 21 Jah­ren zum Be­am­ten auf Le­bens­zeit des Bun­des oder des Lan­des Ber­lin er­nannt wird, in der Be­sol­dungs­stu­fe 1 der Be­sol­dungs­grup­pe A11 be­ginnt, während ei­ne Per­son, die erst mit 23 Jah­ren in den öffent­li­chen Dienst tritt, der Be­sol­dungs­stu­fe 2 die­ser Be­sol­dungs­grup­pe zu­ge­ord­net wird.
Wie der Ge­richts­hof in Rn. 58 des Ur­teils Hen­nigs und Mai (C-297/10 und C-298/10, EU:C:2011:560) fest­ge­stellt hat, un­ter­schei­det sich in die­sem Fall das Grund­ge­halt, das zwei am sel­ben Tag in der­sel­ben Be­sol­dungs­grup­pe ein­ge­stell­te Be­am­te mit der glei­chen oder ei­ner ver­gleich­ba­ren Be­rufs­er­fah­rung, aber un­ter­schied­li­chem Al­ter er­hal­ten, auf­grund ih­res Le­bens­al­ters zum Zeit­punkt ih­rer Ein­stel­lung. Dar­aus folgt, dass sich die­se bei­den Be­am­ten in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fin­den und dass ei­ner von ih­nen ein nied­ri­ge­res Grund­ge­halt be­zieht als der an­de­re.
Folg­lich führt das durch die §§ 27 und 28 BBesG a. F. ge­schaf­fe­ne Be­sol­dungs­sys­tem zu ei­ner un­mit­tel­bar auf dem Kri­te­ri­um des Al­ters be­ru­hen­den Un­gleich­be­hand­lung im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 und 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78.
Nach Un­terabs. 1 die­ser Be­stim­mung können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen ist und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt ist und die zur Er­rei­chung die­ses Ziels be­stimm­ten Mit­tel an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.
Der Ge­richts­hof hat wie­der­holt ent­schie­den, dass die Mit­glied­staa­ten im Ein­klang mit Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 Maßnah­men vor­se­hen können, die Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters ein­sch­ließen. Sie verfügen nicht nur bei der Ent­schei­dung darüber, wel­ches kon­kre­te Ziel von meh­re­ren sie im Be­reich der Ar­beits- und So­zi­al­po­li­tik ver­fol­gen wol­len, son­dern auch bei der Fest­le­gung der zu sei­ner Er­rei­chung ge­eig­ne­ten Maßnah­men über ein wei­tes Er­mes­sen (vgl. Ur­tei­le Pa­la­ci­os de la Vil­la, C-411/05, EU:C:2007:604, Rn. 68, und Ro­sen­bladt, C-45/09, EU:C:2010:601, Rn. 41).
Nach An­sicht der deut­schen Re­gie­rung ist die in Rn. 43 des vor­lie­gen­den Ur­teils fest­ge­stell­te Un­gleich­be­hand­lung durch das Ziel der pau­scha­len An­er­ken­nung be­ruf­li­cher Vor­er­fah­rung un­ter Si­cher­stel­lung ei­ner ein­heit­li­chen Ver­wal­tungs­pra­xis ge­recht­fer­tigt.
Hier­zu hat der Ge­richts­hof be­reits fest­ge­stellt, dass das Ziel der Ho­no­rie­rung der von ei­nem Ar­beit­neh­mer er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung, die es die­sem ermöglicht, sei­ne Ar­beit bes­ser zu ver­rich­ten, in der Re­gel ein le­gi­ti­mes Ziel der Ent­gelt­po­li­tik dar­stellt (Ur­teil Hen­nigs und Mai, EU:C:2011:560, Rn. 72 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Al­ler­dings muss, wie schon aus dem Wort­laut von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 her­vor­geht, ge­prüft wer­den, ob im Rah­men des den Mit­glied­staa­ten zu­er­kann­ten wei­ten Er­mes­sens, auf das in Rn. 46 des vor­lie­gen­den Ur­teils hin­ge­wie­sen wor­den ist, die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.
In­so­weit hat der Ge­richts­hof an­er­kannt, dass der Rück­griff auf das Kri­te­ri­um des Dienst­al­ters in der Re­gel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen ist, weil das Dienst­al­ter mit der Be­rufs­er­fah­rung ein­her­geht. Auch wenn die in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Maßnah­me dem Be­am­ten ei­nen stu­fen­wei­sen Auf­stieg in sei­ner Be­sol­dungs­grup­pe nach Maßga­be sei­nes fort­schrei­ten­den Le­bens­al­ters und da­mit sei­nes Dienst­al­ters ermöglicht, er­folgt aber die erst­ma­li­ge Ein­stu­fung in ei­ne be­stimm­te Stu­fe ei­ner be­stimm­ten Be­sol­dungs­grup­pe ei­nes Be­am­ten oh­ne je­de Be­rufs­er­fah­rung bei sei­ner Ein­stel­lung al­lein an­hand sei­nes Al­ters (Ur­teil Hen­nigs und Mai, EU:C:2011:560, Rn. 74 und 75).
Wie der Ge­richts­hof in Rn. 77 des Ur­teils Hen­nigs und Mai (EU:C:2011:560) fest­ge­stellt hat, folgt dar­aus in ei­nem sol­chen Fall, dass die bei der Ein­stel­lung des Be­am­ten statt­fin­den­de Ein­stu­fung in ei­ne Grund­ge­halts­stu­fe an­hand des Le­bens­al­ters über das hin­aus­geht, was zur Er­rei­chung des von der deut­schen Re­gie­rung an­geführ­ten le­gi­ti­men Ziels - der Berück­sich­ti­gung der Be­rufs­er­fah­rung, die der Be­am­te vor sei­ner Ein­stel­lung er­wor­ben hat - er­for­der­lich ist.
Nach al­le­dem ist auf die zwei­te und die drit­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass die Art. 2 und 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­ner na­tio­na­len Maßnah­me ent­ge­gen­ste­hen, nach der sich wie bei der in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Maßnah­me die Grund­ge­halts­stu­fe ei­nes Be­am­ten in­ner­halb der je­wei­li­gen Be­sol­dungs­grup­pe bei sei­ner Ein­stel­lung nach sei­nem Le­bens­al­ter rich­tet.
Zur sechs­ten und zur sieb­ten Fra­ge
Mit sei­ner sechs­ten und sei­ner sieb­ten Fra­ge, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die Art. 2 und 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten ent­ge­gen­ste­hen, die wie die in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Vor­schrif­ten die Mo­da­litäten der Über­lei­tung von Be­am­ten, die vor dem In­kraft­tre­ten die­ser Rechts­vor­schrif­ten ver­be­am­tet wor­den sind, in ein neu­es Be­sol­dungs­sys­tem fest­le­gen und vor­se­hen, dass zum ei­nen die Be­sol­dungs­stu­fe, der sie nun­mehr zu­ge­ord­net wer­den, al­lein auf der Grund­la­ge des un­ter dem al­ten Be­sol­dungs­sys­tem er­wor­be­nen Grund­ge­halts er­mit­telt wird, ob­gleich die­ses al­te Sys­tem auf ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters des Be­am­ten be­ruh­te, und dass sich zum an­de­ren der wei­te­re Auf­stieg in ei­ne höhe­re Be­sol­dungs­stu­fe nun­mehr al­lein nach der seit In­kraft­tre­ten die­ser Rechts­vor­schrif­ten er­wor­be­nen Er­fah­rung be­misst. Das vor­le­gen­de Ge­richt möch­te wis­sen, ob sich die­se Rechts­vor­schrif­ten in der Wei­se aus­wir­ken, dass ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters per­pe­tu­iert wird, und ob die­se Dis­kri­mi­nie­rung ge­ge­be­nen­falls durch das Ziel ge­recht­fer­tigt sein kann, den Be­sitz­stand und die be­rech­tig­ten Er­war­tun­gen in Be­zug auf die künf­ti­ge Ent­wick­lung der Be­sol­dung zu schützen.
Wie aus den Vor­la­ge­ent­schei­dun­gen her­vor­geht, wur­de das BBesG a. F. in Ber­lin durch das BBesG Bln n. F. und das Berl­BesÜG er­setzt.
Das mit dem BBesG Bln n. F. ge­schaf­fe­ne Be­sol­dungs­sys­tem sieht kei­ne Al­ters­stu­fen und kein Be­sol­dungs­dienst­al­ter mehr vor, son­dern ei­ne erst­ma­li­ge Ein­stu­fung von Neu­be­am­ten in ei­ne „Er­fah­rungs­stu­fe“ und ei­nen wei­te­ren stu­fen­wei­sen Auf­stieg in der maßgeb­li­chen Be­sol­dungs­ord­nung ent­spre­chend der an­for­de­rungs­ge­recht ab­sol­vier­ten Dienst­zeit.
Das Berl­BesÜG sieht vor, dass je­der Be­stands­be­am­te auf der Grund­la­ge des am 31. Ju­li 2011 maßgeb­li­chen Am­tes mit dem Grund­ge­halt, das ihm am 1. Au­gust 2011 zu­ste­hen würde, ei­ner Stu­fe oder ei­ner Über­lei­tungs­stu­fe zu­ge­ord­net wird. Die Zu­ord­nung er­folgt zu der Stu­fe oder Über­lei­tungs­stu­fe, die dem auf den vol­len Eu­ro-Be­trag auf­ge­run­de­ten Grund­ge­halt ent­spricht.
Zu der Fra­ge, ob das Berl­BesÜG zu ei­ner Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie 2000/78 führt, geht aus den Vor­la­ge­ent­schei­dun­gen her­vor, dass die Ein­stu­fung der Be­stands­be­am­ten in ei­ne Über­lei­tungs­stu­fe ih­nen ein Ver­gleichs­ge­halt in Höhe des im Rah­men des BBesG a. F. be­zo­ge­nen Ge­halts si­cher­te. Das nach dem letzt­ge­nann­ten Ge­setz be­zo­ge­ne Ge­halt be­stand aber hauptsächlich aus dem Grund­ge­halt, das bei der Ein­stel­lung aus­sch­ließlich an­hand des Al­ters des Be­am­ten be­rech­net wor­den war. Wie der Ge­richts­hof in Rn. 43 des vor­lie­gen­den Ur­teils aus­geführt hat, führ­te die Be­rech­nungs­wei­se des Grund­ge­halts zu ei­ner un­mit­tel­bar auf dem Kri­te­ri­um des Al­ters be­ru­hen­den Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne der Be­stim­mun­gen des Art. 2 Abs. 1 und 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78.
Da das Ver­gleichs­ge­halt auf der Grund­la­ge des von den Be­stands­be­am­ten zu­vor be­zo­ge­nen, auf dem Be­sol­dungs­dienst­al­ter be­ru­hen­den Ge­halts fest­ge­legt wur­de, wur­de mit dem durch das Berl­BesÜG ge­schaf­fe­nen Sys­tem ei­ne dis­kri­mi­nie­ren­de Si­tua­ti­on per­pe­tu­iert, in der Be­am­te al­lein we­gen ih­res Ein­stel­lungs­al­ters ein ge­rin­ge­res Ge­halt be­zie­hen als an­de­re Be­am­te, ob­wohl sie sich in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fin­den (vgl. ent­spre­chend Ur­teil Hen­nigs und Mai, EU:C:2011:560, Rn. 84).
Die­se Un­gleich­be­hand­lung kann sich im Rah­men des BBesG Bln n. F. per­pe­tu­ie­ren, da die endgülti­ge Neu­ein­stu­fung der Be­stands­be­am­ten aus­ge­hend von der Stu­fe oder der Über­lei­tungs­stu­fe voll­zo­gen wur­de, die dem je­wei­li­gen Be­am­ten zu­ge­wie­sen wor­den war (vgl. ent­spre­chend Ur­teil Hen­nigs und Mai, EU:C:2011:560, Rn. 85).
Dar­aus er­gibt sich, dass im Rah­men so­wohl des Berl­BesÜG als auch des BBesG Bln n. F. ei­ni­ge Be­stands­be­am­te al­lein we­gen ih­res Ein­stel­lungs­al­ters ein ge­rin­ge­res Ge­halt be­zie­hen als an­de­re Be­am­te, ob­wohl sie sich in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fin­den; dies stellt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters im Sin­ne von Art. 2 der Richt­li­nie 2000/78 dar.
So­mit ist zu prüfen, ob die­se Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters gemäß Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­recht­fer­tigt sein kann.
Zu die­sem Zweck muss im Hin­blick auf die in den Rn. 45 und 46 des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­leg­ten Grundsätze ge­prüft wer­den, ob die im Berl­BesÜG und da­mit auch im BBesG Bln n. F. ent­hal­te­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters ei­ne Maßnah­me ist, mit der ein le­gi­ti­mes Ziel ver­folgt wird und die zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich ist.
So­wohl aus den Vor­la­ge­ent­schei­dun­gen als auch aus den Erklärun­gen der deut­schen Re­gie­rung geht her­vor, dass das Berl­BesÜG das Ziel ver­folgt, den Be­sitz­stand und die be­rech­tig­ten Er­war­tun­gen in Be­zug auf die künf­ti­ge Ent­wick­lung der Be­sol­dung zu schützen. Die deut­sche Re­gie­rung trägt u. a. vor, die Ge­werk­schafts­verbände hätten im Rah­men des Be­tei­li­gungs­ver­fah­rens für das Berl­BesNG ei­nen weit­ge­hen­den Be­sitz­stands­schutz gel­tend ge­macht und ergänzen­de Vor­schrif­ten zur Si­che­rung die­ses Be­sitz­stands ge­for­dert. Oh­ne des­sen Si­che­rung hätte der Ge­setz­ent­wurf den Wi­der­spruch der Ge­werk­schaf­ten her­vor­ge­ru­fen, was das Zu­stan­de­kom­men der ge­setz­li­chen Re­ge­lung stark gefähr­det hätte.
Zunächst ist fest­zu­stel­len, dass die Wah­rung des Be­sitz­stands ei­ner Per­so­nen­grup­pe ein zwin­gen­der Grund des All­ge­mein­in­ter­es­ses ist (Ur­tei­le Kom­mis­si­on/Deutsch­land, C-456/05, EU:C:2007:755, Rn. 63, so­wie Hen­nigs und Mai, EU:C:2011:560, Rn. 90).
Was so­dann die Fra­ge nach der An­ge­mes­sen­heit des Berl­BesÜG be­trifft, ist zum ei­nen dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das BBesG a. F. nach den An­ga­ben der deut­schen Re­gie­rung für die meis­ten Be­stands­be­am­ten an­ge­sichts der da­ma­li­gen ty­pi­schen Be­rufs­bio­gra­fi­en vor­teil­haf­ter war als das neue BBesG Bln. Des­halb hätte die un­mit­tel­ba­re Ein­stu­fung der Be­stands­be­am­ten in das im letzt­ge­nann­ten Ge­setz vor­ge­se­he­ne Sys­tem für vie­le von ih­nen zu ei­nem geschätz­ten Ge­halts­ver­lust in Höhe der Dif­fe­renz von min­des­tens ei­ner Stu­fe geführt, al­so, je nach Be­sol­dungs­grup­pe, rund 80 Eu­ro bis 150 Eu­ro.
Zum an­de­ren wur­den die Be­stands­be­am­ten, wie sich aus § 2 Abs. 2 Berl­BesÜG er­gibt, ei­ner Be­sol­dungs­stu­fe zu­ge­ord­net, die ih­rem frühe­ren auf den vol­len Eu­ro-Be­trag auf­ge­run­de­ten Grund­ge­halt ent­spricht.
Un­ter die­sen Umständen ist fest­zu­stel­len, dass die Bei­be­hal­tung der bis­he­ri­gen Vergütun­gen und so­mit ei­ner Re­ge­lung, die zu ei­ner Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters führt, es ermöglicht hat, Ein­kom­mens­ver­lus­te zu ver­hin­dern und, wie sich ins­be­son­de­re aus Rn. 63 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, aus­schlag­ge­bend dafür war, dass der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber den Wech­sel vom Sys­tem des BBesG a. F. zu dem des BBesG Bln n. F. voll­zie­hen konn­te.
Ein Ge­setz wie das Berl­BesÜG er­scheint so­mit als zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels, das dar­in be­steht, die Bei­be­hal­tung des Be­sitz­stands zu gewähr­leis­ten, ge­eig­net.
Sch­ließlich ist zu prüfen, ob ein sol­ches Ge­setz nicht über das hin­aus­geht, was zur Er­rei­chung die­ses Ziels er­for­der­lich ist.
Das vor­le­gen­de Ge­richt weist in­so­weit dar­auf hin, dass es vor­zu­zie­hen ge­we­sen wäre, das neue Ein­stu­fungs­sys­tem rück­wir­kend auf al­le Be­stands­be­am­ten an­zu­wen­den oder auf sie ei­ne Über­g­angs­re­ge­lung an­zu­wen­den, die dem be­vor­zug­ten Be­stands­be­am­ten die Be­sol­dung in der vor­he­ri­gen Höhe so lan­ge ga­ran­tiert hätte, bis er die nach dem neu­en Be­sol­dungs­sys­tem für die Er­rei­chung ei­ner höhe­ren Be­sol­dungs­stu­fe er­for­der­li­che Er­fah­rung er­wor­ben hätte.
Zur Prüfung der Fra­ge, ob ein Ge­setz wie das Berl­BesÜG über das zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels Er­for­der­li­che hin­aus­geht, ist die­ses Ge­setz in dem Kon­text zu be­trach­ten, in den es sich einfügt, wo­bei die Nach­tei­le zu berück­sich­ti­gen sind, die mit ihm für die Be­trof­fe­nen ver­bun­den sein können (Ur­teil HK Dan­mark, C-335/11 und C-337/11, EU:C:2013:222, Rn. 89).
Was ers­tens den Kon­text be­trifft, in dem das Berl­BesÜG er­las­sen wur­de, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass aus den Vor­la­ge­ent­schei­dun­gen her­vor­geht, dass die zuständi­gen na­tio­na­len Ge­setz­ge­ber das BBesG a. F. be­reits vor Er­lass des Ur­teils Hen­nigs und Mai (EU:C:2011:560) auf­ge­ho­ben und, um die mit ihm ver­bun­de­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters zu be­sei­ti­gen, die Be­sol­dungs­re­ge­lung der Bun­des­be­am­ten und der Be­am­ten des Lan­des Ber­lin re­for­miert hat­ten.
In die­sem Kon­text wur­de das Berl­BesÜG er­las­sen, das, wie sein Ti­tel an­deu­tet, ei­ne ab­wei­chen­de Über­lei­tung für Be­stands­be­am­te vor­sieht. Die­se Be­am­ten wur­den un­mit­tel­bar Stu­fen oder Über­lei­tungs­stu­fen zu­ge­ord­net, und nach ih­rer endgülti­gen Neu­ein­stu­fung auf der Grund­la­ge des BBesG Bln n. F. ent­wi­ckelt sich ih­re Be­sol­dung al­lein an­hand der in die­sem Ge­setz vor­ge­se­he­nen Kri­te­ri­en der Be­rufs­er­fah­rung und der Leis­tung, al­so nicht mehr an­hand des Al­ters.
Die deut­sche Re­gie­rung hebt her­vor, dass durch die­se Re­form we­der das Ein­kom­mens­ni­veau noch die Ein­kom­mens­er­war­tung in Be­zug auf die Ge­samt­kar­rie­re der Be­stands­be­am­ten we­sent­lich ab­ge­senkt wer­den soll­te. Ei­ne sol­che Re­form müsse im Kon­text der von ei­nem ho­hen Schul­den­stand ge­kenn­zeich­ne­ten Haus­halts­la­ge im Land Ber­lin und der ge­samt­staat­li­chen Bemühun­gen um Haus­halts­kon­so­li­die­rung kos­ten­neu­tral er­fol­gen. Im Übri­gen ha­be die Um­stel­lung auf das neue Sys­tem an­ge­sichts der großen Zahl über­zu­lei­ten­der Be­am­ter oh­ne er­heb­li­chen Ver­wal­tungs­auf­wand, al­so möglichst oh­ne Ein­zel­fall­prüfung er­fol­gen sol­len.
Hier­zu führt die deut­sche Re­gie­rung aus, dass mehr als 65 000 Ein­z­elfälle hätten un­ter­sucht wer­den müssen, um die an­ge­mes­se­ne „Er­fah­rungs­stu­fe“ nach den §§ 27 und 28 BBesG Bln n. F. zu be­stim­men, und so­dann hätte er­rech­net wer­den müssen, ob die­se Neu­ein­stu­fung güns­ti­ger wäre als ei­ne Über­lei­tung nach den Vor­schrif­ten des Berl­BesÜG. Dies hätte ei­ne Prüfdau­er von un­gefähr 360 000 St­un­den be­deu­tet.
Sie fügt hin­zu, für ei­nen größeren Teil der über­zu­lei­ten­den Be­am­ten wäre ei­ne nachträgli­che in­di­vi­du­el­le Fest­stel­lung von Vor­dienst­zei­ten, die sie sach­ge­recht hätten gel­tend ma­chen können, nicht mehr möglich ge­we­sen. Ent­spre­chen­de Zei­ten hätten so­mit ge­ge­be­nen­falls ent­we­der aus­ge­schlos­sen oder oh­ne Nach­weis an­er­kannt wer­den müssen, was die be­tref­fen­den Be­am­ten je nach Fall pau­schal be­nach­tei­ligt oder be­vor­teilt hätte. Dies hätte so­mit zu willkürli­chen und da­mit un­ak­zep­ta­blen Er­geb­nis­sen geführt.
Es ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Recht­fer­ti­gun­gen, die sich aus der Erhöhung der fi­nan­zi­el­len Las­ten und even­tu­el­len ad­mi­nis­tra­ti­ven Schwie­rig­kei­ten her­lei­ten, die Nicht­be­ach­tung der Ver­pflich­tun­gen, die sich aus dem in Art. 2 der Richt­li­nie 2000/78 auf­ge­stell­ten Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters er­ge­ben, grundsätz­lich nicht recht­fer­ti­gen können (vgl. ent­spre­chend Ur­teil Er­ny, C-172/11, EU:C:2012:399, Rn. 48).
Je­doch kann nicht ver­langt wer­den, dass je­der Ein­zel­fall in­di­vi­du­ell ge­prüft wird, um frühe­re Er­fah­rungs­zei­ten im Nach­hin­ein und in­di­vi­du­ell fest­zu­stel­len, da die frag­li­che Re­ge­lung in tech­ni­scher und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht hand­hab­bar blei­ben muss (vgl. ent­spre­chend Ur­teil Dansk Ju­rist- og Øko­nom­for­bund, C-546/11, EU:C:2013:603, Rn. 70).
Die­se Erwägung drängt sich in An­be­tracht der außer­or­dent­lich ho­hen Zahl von Be­am­ten, der Länge des be­trof­fe­nen Zeit­raums, der Ver­schie­den­heit der je­wei­li­gen Lauf­bah­nen und der Schwie­rig­kei­ten auf, die sich bei der Be­stim­mung der Vor­dienst­zei­ten er­ge­ben könn­ten, die die­se Be­am­ten sach­ge­recht hätten gel­tend ma­chen können. So­mit ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Me­tho­de, den Ein­zel­fall je­des Be­stands­be­am­ten zu prüfen, übermäßig kom­pli­ziert und in erhöhtem Maß feh­ler­träch­tig ge­we­sen wäre.
Un­ter die­sen Umständen hat der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber die Gren­zen sei­nes Er­mes­sens nicht über­schrit­ten, als er es als we­der rea­lis­tisch noch wünschens­wert an­sah, das neue Ein­stu­fungs­sys­tem rück­wir­kend auf al­le Be­stands­be­am­ten an­zu­wen­den oder auf sie ei­ne Über­lei­tungs­re­ge­lung an­zu­wen­den, die dem be­vor­zug­ten Be­stands­be­am­ten die Be­sol­dung in der bis­he­ri­gen Höhe so lan­ge ga­ran­tiert, bis er die nach dem neu­en Be­sol­dungs­sys­tem für die Er­rei­chung ei­ner höhe­ren Be­sol­dungs­stu­fe er­for­der­li­che Er­fah­rung er­wor­ben hat.
Was zwei­tens die Nach­tei­le be­trifft, die mit ei­nem Ge­setz wie dem Berl­BesÜG für die Be­trof­fe­nen ver­bun­den sein können, ist fest­zu­stel­len, dass die Er­mitt­lung die­ser Nach­tei­le in An­be­tracht der Erwägun­gen in den Rn. 75 und 76 des vor­lie­gen­den Ur­teils und des Feh­lens ei­nes gülti­gen Be­zugs­sys­tems, das ei­nen Ver­gleich zwi­schen den be­vor­zug­ten und den be­nach­tei­lig­ten Be­am­ten ermöglicht hätte, be­son­ders kom­pli­ziert ist.
Vor dem Ge­richts­hof wur­de außer­dem vor­ge­tra­gen, dass die Be­sol­dungs­dif­fe­renz auf­grund der dem deut­schen Be­am­ten­recht ei­ge­nen Al­ters­gren­zen für ei­ne Ein­stel­lung ge­ring sei. So geht aus den Erklärun­gen der deut­schen Re­gie­rung her­vor, dass in Fällen wie de­nen der Aus­gangs­ver­fah­ren ei­ne Al­ters­gren­ze von 35 Jah­ren galt, so dass mögli­che Be­sol­dungs­un­ter­schie­de nicht die Dif­fe­renz zwi­schen der ers­ten und der letz­ten Stu­fe ei­ner Be­sol­dungs­grup­pe er­rei­chen konn­ten.
Im Übri­gen geht aus den Vor­la­ge­ent­schei­dun­gen her­vor, dass das Berl­BesÜG zur Fol­ge hat, dass die Be­sol­dungs­dif­fe­renz na­he­zu gleich bleibt, und zwar so­lan­ge, bis die Be­stands­be­am­ten die höchs­te Stu­fe ih­rer Be­sol­dungs­grup­pe er­reicht ha­ben; sie ent­hal­ten da­zu al­ler­dings kei­ne nähe­ren oder kon­kre­te­ren An­ga­ben. Die deut­sche Re­gie­rung hat aus­geführt, es ge­be zwei Me­cha­nis­men, die ge­eig­net sei­en, den Be­sol­dungs­un­ter­schied, der da­durch ent­ste­he, dass zwei Be­am­te auf­grund ih­res Al­ters in un­ter­schied­li­che Stu­fen ein­ge­stuft würden, zu ver­rin­gern oder so­gar zu be­sei­ti­gen. Die Ver­rin­ge­rung der Stu­fen­zahl und die Neu­ein­stu­fung der Be­am­ten in ei­ne Be­sol­dungs­stu­fe, die ih­rem frühe­ren auf den vol­len Eu­ro-Be­trag auf­ge­run­de­ten Grund­ge­halt ent­spre­che, führe da­zu, dass sich die Be­sol­dungs­dif­fe­renz ver­rin­ge­re und in be­stimm­ten Fällen nach ei­ni­gen Jah­ren ent­fal­le.
Ei­ne sol­che Möglich­keit kann in An­be­tracht der An­ga­ben in den Vor­la­ge­ent­schei­dun­gen und den dem Ge­richt vor­ge­leg­ten Ak­ten nicht aus­ge­schlos­sen wer­den.
Un­ter die­sen Umständen ist nicht er­sicht­lich, dass der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber durch den Er­lass ab­wei­chen­der Über­lei­tungs­maßnah­men im Berl­BesÜG über das zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels Er­for­der­li­che hin­aus­ge­gan­gen wäre.
So­mit ist auf die sechs­te und die sieb­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass die Art.2 und 6 Abs.1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten nicht ent­ge­gen­ste­hen, die wie die in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Vor­schrif­ten die Mo­da­litäten der Über­lei­tung von Be­am­ten, die vor dem In­kraft­tre­ten die­ser Rechts­vor­schrif­ten ver­be­am­tet wor­den sind, in ein neu­es Be­sol­dungs­sys­tem fest­le­gen und vor­se­hen, dass zum ei­nen die Be­sol­dungs­stu­fe, der sie nun­mehr zu­ge­ord­net wer­den, al­lein auf der Grund­la­ge des un­ter dem al­ten Be­sol­dungs­sys­tem er­wor­be­nen Grund­ge­halts er­mit­telt wird, ob­gleich die­ses al­te Sys­tem auf ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters des Be­am­ten be­ruh­te, und dass sich zum an­de­ren der wei­te­re Auf­stieg in ei­ne höhe­re Be­sol­dungs­stu­fe nun­mehr al­lein nach der seit dem In­kraft­tre­ten die­ser Rechts­vor­schrif­ten er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung be­misst.
Mit sei­ner vier­ten Fra­ge be­fragt das vor­le­gen­de Ge­richt den Ge­richts­hof nach den Rechts­fol­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters durch das BBesG a. F. Es möch­te wis­sen, ob sich die­se Fol­gen aus der Richt­li­nie 2000/78 oder aus der auf das Ur­teil Fran­co­vich u. a. (C-6/90 und C-9/90, EU:C:1991:428) zurück­ge­hen­den Recht­spre­chung er­ge­ben und ob im letzt­ge­nann­ten Fall die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Haf­tung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land erfüllt sind. Es fragt ins­be­son­de­re, ob un­ter Umständen wie de­nen der Aus­gangs­ver­fah­ren das Uni­ons­recht, ins­be­son­de­re Art. 17 der Richt­li­nie 2000/78, vor­schreibt, den dis­kri­mi­nier­ten Be­am­ten rück­wir­kend ei­nen Be­trag in Höhe des Un­ter­schieds zwi­schen ih­rer tatsächli­chen Be­sol­dung und der Be­sol­dung nach der höchs­ten Stu­fe ih­rer Be­sol­dungs­grup­pe zu zah­len.
Zunächst ist auf die Pflicht zur uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung des na­tio­na­len Rechts hin­zu­wei­sen, die ver­langt, dass die na­tio­na­len Ge­rich­te un­ter Berück­sich­ti­gung des ge­sam­ten in­ner­staat­li­chen Rechts und un­ter An­wen­dung der dort an­er­kann­ten Aus­le­gungs­me­tho­den al­les tun, was in ih­rer Zuständig­keit liegt, um die vol­le Wirk­sam­keit der Richt­li­nie 2000/78 zu gewähr­leis­ten und zu ei­nem Er­geb­nis zu ge­lan­gen, das mit dem mit ihr ver­folg­ten Ziel im Ein­klang steht (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Lopes Da Sil­va Jor­ge, C-42/11, EU:C:2012:517, Rn. 56).
Ist ei­ne mit den An­for­de­run­gen die­ser Richt­li­nie übe­rein­stim­men­de Aus­le­gung und An­wen­dung der na­tio­na­len Re­ge­lung nicht möglich, muss ei­ne uni­ons­rechts­wid­ri­ge na­tio­na­le Re­ge­lung, die in den An­wen­dungs­be­reich des Uni­ons­rechts fällt, nach dem Grund­satz des Vor­rangs des Uni­ons­rechts, der auch dem Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters zu­kommt, un­an­ge­wen­det ge­las­sen wer­den (vgl. Ur­teil Kücükde­ve­ci, C-555/07, EU:C:2010:21, Rn. 54 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
In sei­nen Vor­la­ge­ent­schei­dun­gen führt das vor­le­gen­de Ge­richt je­doch aus, dass ihm ei­ne uni­ons­rechts­kon­for­me Aus­le­gung der §§ 27 und 28 BBesG a. F. aus­ge­schlos­sen er­scheint.
Es stellt über­dies fest, dass es un­ter An­wen­dung der im deut­schen Recht an­er­kann­ten Aus­le­gungs­me­tho­den nicht in der La­ge sei, die Lücke zu füllen, die ent­ste­he, wenn die ge­gen das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot ver­s­toßen­den na­tio­na­len Vor­schrif­ten nicht an­ge­wen­det würden. An­ders als bei dem Sach­ver­halt, der dem Ur­teil Hen­nigs und Mai (EU:C:2011:560) zu­grun­de lie­ge, könne das im Rah­men der Aus­gangs­ver­fah­ren an­wend­ba­re deut­sche Recht kei­nen An­spruch der dis­kri­mi­nier­ten Be­am­ten auf Zah­lung des Un­ter­schieds zwi­schen ih­rer Be­sol­dung und der Be­sol­dung der Be­am­ten be­gründen, de­nen auf­grund ih­res Le­bens­al­ters die höchs­te Be­sol­dungs­stu­fe zu­ge­ord­net wor­den sei.
Im Übri­gen sei es ihm auf­grund von Erwägun­gen zum Schutz des be­rech­tig­ten Ver­trau­ens und des Be­sitz­stands auch nicht möglich, älte­re Be­am­te rück­wir­kend in ei­ne nied­ri­ge­re Stu­fe ein­zu­stu­fen.
Un­ter Be­zug­nah­me auf die Ur­tei­le Ter­hoeve (C-18/95, EU:C:1999:22, Rn. 57) und Land­tová (C-399/09, EU:C:2011:415, Rn. 51) wirft das vor­le­gen­de Ge­richt je­doch die Fra­ge auf, ob die Wah­rung des Gleich­heits­sat­zes, wenn ei­ne uni­ons­rechts­wid­ri­ge Dis­kri­mi­nie­rung fest­ge­stellt wur­de und so­lan­ge kei­ne Maßnah­men zur Wie­der­her­stel­lung der Gleich­be­hand­lung er­las­sen wur­den, nur da­durch gewähr­leis­tet wer­den kann, dass den An­gehöri­gen der be­nach­tei­lig­ten Grup­pe die­sel­ben Vor­tei­le gewährt wer­den wie die, in de­ren Ge­nuss die An­gehöri­gen der pri­vi­le­gier­ten Grup­pe kom­men.
Ers­tens ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts ist, die Rechts­fol­gen der Fest­stel­lung der Un­ver­ein­bar­keit von Rechts­vor­schrif­ten wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den mit der Richt­li­nie 2000/78 zu be­stim­men.
Was zwei­tens die Ur­tei­le Ter­hoeve (EU:C:1999:22) und Land­tová (EU:C:2011:415) be­trifft, hat der Ge­richts­hof im We­sent­li­chen ent­schie­den, dass die Wah­rung des Gleich­heits­sat­zes, wenn das na­tio­na­le Recht un­ter Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung meh­re­rer Per­so­nen­grup­pen vor­sieht und so­lan­ge kei­ne Maßnah­men zur Wie­der­her­stel­lung der Gleich­be­hand­lung er­las­sen wur­den, nur da­durch gewähr­leis­tet wer­den kann, dass den An­gehöri­gen der be­nach­tei­lig­ten Grup­pe die­sel­ben Vor­tei­le gewährt wer­den wie die, in de­ren Ge­nuss die An­gehöri­gen der pri­vi­le­gier­ten Grup­pe kom­men. Außer­dem hat der Ge­richts­hof im Rah­men die­ser Ur­tei­le klar­ge­stellt, dass die für die An­gehöri­gen der be­vor­zug­ten Grup­pe gel­ten­de Re­ge­lung, so­lan­ge das Uni­ons­recht nicht rich­tig durch­geführt ist, das ein­zig gülti­ge Be­zugs­sys­tem bleibt.
Die­se Lösung kommt je­doch nur dann zur An­wen­dung, wenn es ein sol­ches gülti­ges Be­zugs­sys­tem gibt. Bei na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten wie den in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den, in de­ren Rah­men es nicht möglich ist, ei­ne Ka­te­go­rie be­vor­zug­ter Be­am­ter zu be­nen­nen, exis­tiert aber kein sol­ches Be­zugs­sys­tem. Die §§ 27 und 28 BBesG a. F. gel­ten nämlich für je­den Be­am­ten bei sei­ner Ein­stel­lung, und die sich dar­aus er­ge­ben­den dis­kri­mi­nie­ren­den As­pek­te be­tref­fen, wie aus Rn. 42 des vor­lie­gen­den Ur­teils her­vor­geht, po­ten­zi­ell al­le Be­am­ten.
Folg­lich ist die in den Rn. 93 und 95 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­te Recht­spre­chung nicht auf die beim vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­sa­chen über­trag­bar.
Drit­tens ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Grund­satz der Haf­tung des Staa­tes für Schäden, die dem Ein­zel­nen durch dem Staat zu­zu­rech­nen­de Verstöße ge­gen das Uni­ons­recht ent­ste­hen, dem Sys­tem der Verträge in­ne­wohnt, auf de­nen die Uni­on be­ruht (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le Fran­co­vich u. a., EU:C:1991:428, Rn. 35, Bras­se­rie du pêcheur und Fac­tor­ta­me, C-46/93 und C-48/93, EU:C:1996:79, Rn. 31, so­wie Trans­por­tes Ur­ba­nos y Ser­vici­os Ge­ne­ra­les, C-118/08, EU:C:2010:39, Rn. 29).
Hier­zu hat der Ge­richts­hof ent­schie­den, dass die Geschädig­ten ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch ha­ben, wenn drei Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind: Die uni­ons­recht­li­che Norm, ge­gen die ver­s­toßen wor­den ist, be­zweckt die Ver­lei­hung von Rech­ten an die Geschädig­ten, der Ver­s­toß ge­gen die­se Norm ist hin­rei­chend qua­li­fi­ziert, und zwi­schen die­sem Ver­s­toß und dem den Geschädig­ten ent­stan­de­nen Scha­den be­steht ein un­mit­tel­ba­rer Kau­sal­zu­sam­men­hang (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Trans­por­tes Ur­ba­nos y Ser­vici­os Ge­ne­ra­les, EU:C:2010:39, Rn. 30).
Die kon­kre­te An­wen­dung der Vor­aus­set­zun­gen für die Haf­tung der Mit­glied­staa­ten für Schäden, die Ein­zel­nen durch Verstöße ge­gen das Uni­ons­recht ent­stan­den sind, ob­liegt ent­spre­chend den vom Ge­richts­hof hierfür ent­wi­ckel­ten Leit­li­ni­en grundsätz­lich den na­tio­na­len Ge­rich­ten (vgl. Ur­teil Test Clai­mants in the FII Group Li­ti­ga­ti­on, C-446/04, EU:C:2006:774, Rn. 210 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Zur ers­ten Vor­aus­set­zung genügt die Fest­stel­lung, dass Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 in Ver­bin­dung mit de­ren Art. 1 all­ge­mein und ein­deu­tig je­de sach­lich nicht ge­recht­fer­tig­te un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung in Beschäfti­gung und Be­ruf, u. a. we­gen des Al­ters des Ar­beit­neh­mers, ver­bie­tet. Die­se Vor­schrif­ten sol­len den Ein­zel­nen Rech­te ver­lei­hen, die sie ge­genüber den Mit­glied­staa­ten gel­tend ma­chen können.
Zur zwei­ten Vor­aus­set­zung hat der Ge­richts­hof be­reits ent­schie­den, dass ein hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ter Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht ge­ge­ben ist, wenn der Mit­glied­staat die Gren­zen, die sei­nem Er­mes­sen ge­setzt sind, of­fen­kun­dig und er­heb­lich über­schrit­ten hat, wo­bei zu den in­so­weit zu berück­sich­ti­gen­den Ge­sichts­punk­ten ins­be­son­de­re das Maß an Klar­heit und Ge­nau­ig­keit der ver­letz­ten Vor­schrift so­wie der Um­fang des Er­mes­sens­spiel­raums gehören, den die ver­letz­te Vor­schrift den na­tio­na­len Behörden belässt (Ur­teil Synt­hon, C-452/06, EU:C:2008:565, Rn. 37 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung). Der Er­mes­sens­spiel­raum des Mit­glied­staats stellt so­mit ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um für die Fest­stel­lung ei­nes hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ten Ver­s­toßes ge­gen das Uni­ons­recht dar (Ur­teil Ro­bins u. a., C-278/05, EU:C:2007:56, Rn. 72).
Im vor­lie­gen­den Fall muss das vor­le­gen­de Ge­richt bei der Be­ur­tei­lung, ob ein von dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat be­gan­ge­ner Ver­s­toß ge­gen Art. 2 der Richt­li­nie 2000/78 hin­rei­chend qua­li­fi­ziert ist, den Um­stand berück­sich­ti­gen, dass Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 die­ser Richt­li­nie es den Mit­glied­staa­ten frei­stellt, Maßnah­men vor­zu­se­hen, die un­mit­tel­bar auf dem Al­ter be­ru­hen­de Un­gleich­be­hand­lun­gen ein­sch­ließen und ih­nen bei der Ent­schei­dung darüber, wel­ches kon­kre­te Ziel von meh­re­ren im Be­reich der Ar­beits- und So­zi­al­po­li­tik sie ver­fol­gen wol­len, und bei der Fest­le­gung der Maßnah­men zu sei­ner Er­rei­chung ein wei­tes Er­mes­sen einräumt.
Es ist fest­zu­stel­len, dass die Art und der Um­fang der den Mit­glied­staa­ten nach Art. 2 Abs. 2 und Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 hin­sicht­lich ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie dem BBesG a. F. ob­lie­gen­den Ver­pflich­tung mit der Verkündung des Ur­teils Hen­nigs und Mai (EU:C:2011:560) erläutert und ver­deut­licht wor­den sind.
In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass zwar durch die Aus­le­gung ei­ner Vor­schrift des Uni­ons­rechts, die der Ge­richts­hof im Rah­men ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens vor­nimmt, er­for­der­li­chen­falls erläutert und ver­deut­licht wird, in wel­chem Sinn und mit wel­cher Trag­wei­te die­se Vor­schrift seit ih­rem In­kraft­tre­ten zu ver­ste­hen und an­zu­wen­den ist oder ge­we­sen wäre (vgl. in die­sem Sin­ne u. a. Ur­teil RWE Ver­trieb, C-92/11, EU:C:2013:180, Rn. 58), doch ist es Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts, zu be­ur­tei­len, ob nicht Art und Um­fang der Ver­pflich­tun­gen, die den Mit­glied­staa­ten nach Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 in Be­zug auf Rechts­vor­schrif­ten wie die in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den ob­lie­gen, gleich­wohl erst seit dem Ur­teil Hen­nigs und Mai (EU:C:2011:560), d. h. seit dem 8. Sep­tem­ber 2011, als klar und präzi­se an­ge­se­hen wer­den konn­ten (vgl. ent­spre­chend Ur­teil Ho­gan u. a., C-398/11, EU:C:2013:272, Rn. 51 und 52). Ge­ge­be­nen­falls wäre das Feh­len ei­nes hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ten Ver­s­toßes vor die­sem Zeit­punkt fest­zu­stel­len.
Was die drit­te Vor­aus­set­zung für ei­ne Haf­tung des Staa­tes we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen das Uni­ons­recht be­trifft, ob­liegt dem vor­le­gen­den Ge­richt die Prüfung, ob - wie sich aus den dem Ge­richts­hof vor­lie­gen­den Ak­ten zu er­ge­ben scheint - ein un­mit­tel­ba­rer Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen die­sem Ver­s­toß und dem den Klägern der Aus­gangs­ver­fah­ren mögli­cher­wei­se ent­stan­de­nen Scha­den be­steht.
Folg­lich ist es Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob al­le vom Ge­richts­hof in sei­ner Recht­spre­chung auf­ge­stell­ten Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne uni­ons­recht­li­che Haf­tung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land erfüllt sind.
Nach al­le­dem ist die vier­te Fra­ge wie folgt zu be­ant­wor­ten:
- Das Uni­ons­recht, ins­be­son­de­re Art. 17 der Richt­li­nie 2000/78, schreibt un­ter Umständen wie de­nen der Aus­gangs­ver­fah­ren nicht vor, den dis­kri­mi­nier­ten Be­am­ten rück­wir­kend ei­nen Be­trag in Höhe des Un­ter­schieds zwi­schen ih­rer tatsächli­chen Be­sol­dung und der Be­sol­dung nach der höchs­ten Stu­fe ih­rer Be­sol­dungs­grup­pe zu zah­len.
- Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob al­le vom Ge­richts­hof in sei­ner Recht­spre­chung auf­ge­stell­ten Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne uni­ons­recht­li­che Haf­tung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land erfüllt sind.
Zur ach­ten Fra­ge
In An­be­tracht der Ant­wort auf die sechs­te und die sieb­te Fra­ge ist die ach­te Fra­ge nicht zu be­ant­wor­ten.
Mit sei­ner fünf­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob das Uni­ons­recht ei­ner na­tio­na­len Vor­schrift wie der in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Vor­schrift ent­ge­gen­steht, nach der ein Be­am­ter Ansprüche auf Geld­leis­tun­gen, die sich nicht un­mit­tel­bar aus dem Ge­setz er­ge­ben, zeit­nah, nämlich vor dem En­de des lau­fen­den Haus­halts­jahrs, gel­tend ma­chen muss.
Wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 111 sei­ner Schluss­anträge aus­geführt hat, be­stimmt Art. 9 der Richt­li­nie 2000/78 zum ei­nen, dass die Mit­glied­staa­ten si­cher­stel­len, dass al­le Per­so­nen, die sich durch die Nicht­an­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes in ih­ren Rech­ten für ver­letzt hal­ten, ih­re Ansprüche aus der Richt­li­nie auf dem Ge­richts- und/oder Ver­wal­tungs­weg gel­tend ma­chen können, und zum an­de­ren, dass die­se Ver­pflich­tun­gen der Mit­glied­staa­ten ein­zel­staat­li­che Re­ge­lun­gen über Fris­ten für die Rechts­ver­fol­gung be­tref­fend die­sen Grund­satz un­berührt las­sen. Aus dem Wort­laut die­ser Vor­schrift er­gibt sich, dass die Fra­ge der Fris­ten für die Ein­lei­tung ei­nes Ver­fah­rens, mit dem den Ver­pflich­tun­gen, die sich aus der Richt­li­nie er­ge­ben, Gel­tung ver­schafft wer­den soll, vom Uni­ons­recht nicht ge­re­gelt wird.
Hier­zu ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs man­gels ei­ner ein­schlägi­gen Uni­ons­re­ge­lung die Ver­fah­rens­mo­da­litäten, die den Schutz der dem Bürger aus dem Uni­ons­recht er­wach­sen­den Rech­te gewähr­leis­ten sol­len, nach dem Grund­satz der Ver­fah­rens­au­to­no­mie der Mit­glied­staa­ten Sa­che der in­ner­staat­li­chen Rechts­ord­nung ei­nes je­den Mit­glied­staats sind; sie dürfen je­doch nicht ungüns­ti­ger sein als die­je­ni­gen, die gleich­ar­ti­ge Sach­ver­hal­te in­ner­staat­li­cher Art re­geln (Äqui­va­lenz­grund­satz), und die Ausübung der durch die Uni­ons­rechts­ord­nung ver­lie­he­nen Rech­te nicht prak­tisch unmöglich ma­chen oder übermäßig er­schwe­ren (Ef­fek­ti­vitäts­grund­satz) (vgl. u. a. Ur­tei­le Meili­cke u. a., C-262/09, EU:C:2011:438, Rn. 55, und Pelati, C-603/10, EU:C:2012:639, Rn. 23).
Zum Äqui­va­lenz­grund­satz ist fest­zu­stel­len, dass der Ge­richts­hof in Be­zug auf die Aus­gangs­ver­fah­ren kei­nen An­halts­punkt hat, der zu Zwei­feln an der Ver­ein­bar­keit ei­ner Vor­schrift wie der in die­sen Ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den mit dem ge­nann­ten Grund­satz An­lass gäbe.
Zum Ef­fek­ti­vitäts­grund­satz hat der Ge­richts­hof ent­schie­den, dass die Fest­set­zung an­ge­mes­se­ner Aus­schluss­fris­ten für die Rechts­ver­fol­gung im In­ter­es­se der Rechts­si­cher­heit, die zu­gleich den Ab­ga­be­pflich­ti­gen und die Behörde schützt, mit dem Uni­ons­recht ver­ein­bar ist. Sol­che Fris­ten sind nämlich nicht ge­eig­net, die Ausübung der durch die Uni­ons­rechts­ord­nung ver­lie­he­nen Rech­te prak­tisch unmöglich zu ma­chen oder übermäßig zu er­schwe­ren (Ur­teil Meili­cke u. a., EU:C:2011:438, Rn. 56 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Nach al­le­dem ist auf die fünf­te Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass das Uni­ons­recht ei­ner na­tio­na­len Vor­schrift wie der in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den, nach der ein Be­am­ter Ansprüche auf Geld­leis­tun­gen, die sich nicht un­mit­tel­bar aus dem Ge­setz er­ge­ben, zeit­nah, nämlich vor dem En­de des lau­fen­den Haus­halts­jahrs, gel­tend ma­chen muss, nicht ent­ge­gen­steht, wenn die­se Vor­schrift we­der ge­gen den Äqui­va­lenz­grund­satz noch ge­gen den Ef­fek­ti­vitäts­grund­satz verstößt. Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob die­se Vor­aus­set­zun­gen in den Aus­gangs­ver­fah­ren erfüllt sind.
Für die Par­tei­en der Aus­gangs­ver­fah­ren ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in den beim vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­strei­tig­kei­ten; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig
* Ver­fah­rens­spra­che: Deutsch. Quel­le: Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on (EuGH), http://cu­ria.eu­ro­pa.eu	m.hensche.de
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