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Timestamp: 2016-10-28 00:42:12
Document Index: 140353906

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'in fine', 'Art. 65', 'Art. 66', 'Art. 68']

8C_476/2010 (07.09.2010)
8C_476/2010
vertreten durch Rechtsanwalt Urs Christen,
Beschwerde gegen den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Z�rich vom 31. M�rz 2010.
B.________, geboren 1958, arbeitete bei der Firma P.________ und war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) f�r die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen sowie Berufskrankheiten versichert. Am 1. April 2004 meldete die Arbeitgeberin, dass es am 30. M�rz 2004 zu einer t�tlichen Auseinandersetzung gekommen sei. Dem Arztzeugnis der Frau Dr. med. Z.________ vom 29. April 2004 ist zu entnehmen, dass die Versicherte vom Ex-Freund zusammengeschlagen und vergewaltigt worden sei. Dabei habe sie sich eine Distorsion der Halswirbels�ule, eine Commotio cerebri, diverse H�matome und Schwellungen an Gesicht, Abdomen, R�cken und Oberschenkeln zugezogen. Zudem leide sie an Schmerzen im Unterleib und einem vaginalen Infekt. Gem�ss Unfallmeldung vom 26. Januar 2006 war B.________ am 19. Oktober 2005 erneut t�tlich angegriffen worden. Die SUVA anerkannte ihre Leistungspflicht dem Grundsatz nach. Mit Verf�gung vom 20. September 2007 und Einspracheentscheid vom 31. Juli 2008 stellte sie die Versicherungsleistungen per 30. September 2007 ein mit der Begr�ndung, dass die noch geklagten Beschwerden organisch objektiv nicht ausgewiesen seien; die vorbestehende und auch nach den Unf�llen im Vordergrund stehende psychische Problematik lasse sich nicht ad�quat-kausal darauf zur�ckf�hren.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich mit Entscheid vom 31. M�rz 2010 ab.
B.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren mit dem Antrag, unter Aufhebung des angefochtenen Entscheides sei der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen den Unfallereignissen und den anhaltenden Beschwerden zu bejahen und die Sache zur Pr�fung der weiteren Anspruchsvoraussetzungen an die SUVA zur�ckzuweisen.
2.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gem�ss UVG setzt zun�chst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod) ein nat�rlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des nat�rlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umst�nde, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist f�r die Bejahung des nat�rlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher St�rungen ist; es gen�gt, dass das sch�digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die k�rperliche oder geistige Integrit�t der versicherten Person beeintr�chtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche St�rung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181, 402 E. 4.3.1 S. 406, 119 V 335 E. 1 S. 337, 118 V 286 E. 1b S. 289, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem sch�digenden Ereignis und einer gesundheitlichen St�rung ein nat�rlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, wor�ber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweisw�rdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse M�glichkeit eines Zusammenhangs gen�gt f�r die Begr�ndung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181, 119 V 335 E. 1 S. 338, 118 V 286 E. 1b S. 289, je mit Hinweisen).
2.2 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein ad�quater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als ad�quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gew�hnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuf�hren, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als beg�nstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181, 402 E. 2.2 S. 405, 125 V 456 E. 5a S. 461 mit Hinweisen).
2.3 Im Sozialversicherungsrecht spielt die Ad�quanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem nat�rlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die ad�quate weitgehend mit der nat�rlichen Kausalit�t deckt (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103 mit Hinweisen). Anders verh�lt es sich bei nat�rlich unfallkausalen, aber organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden. Hier ist bei der Beurteilung der Ad�quanz vom augenf�lligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind je nachdem weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112, 115 V 133 E. 6 S. 138 ff.). Bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall werden diese Ad�quanzkriterien unter Ausschluss psychischer Aspekte gepr�ft (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140), w�hrend bei Schleudertraumen und �quivalenten Verletzungen der Halswirbels�ule (HWS; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2) sowie Sch�del-Hirntraumen auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet wird (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112).
2.4 F�r die Bejahung des ad�quaten Kausalzusammenhangs ist in diesen F�llen zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung f�r die Entstehung der Arbeits- bzw. Erwerbsunf�higkeit zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht f�llt. F�r die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzukn�pfen, wobei - ausgehend vom augenf�lligen Geschehensablauf - zwischen banalen bzw. leichten Unf�llen einerseits, schweren Unf�llen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden mittleren Bereich unterschieden wird. W�hrend der ad�quate Kausalzusammenhang in der Regel bei schweren Unf�llen ohne Weiteres bejaht und bei leichten Unf�llen verneint werden kann, l�sst sich die Frage der Ad�quanz bei Unf�llen aus dem mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schl�ssig beantworten. Es sind weitere, objektiv erfassbare Umst�nde, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtw�rdigung einzubeziehen. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abh�ngig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt sind, gen�gt zur Bejahung des ad�quaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder m�ssen mehrere herangezogen werden (BGE 115 V 133 E. 6 und 7 S. 138 ff.; 117 V 359 E. 6 S. 366 ff.; 117 V 369 E. 4b und c S. 382 ff.; 134 V 109 E. 10 S. 126 ff.).
Bei einem Unfall im eigentlich mittleren Bereich gen�gen drei Kriterien (Urteil 8C_897/2009 vom 29. Januar 2010 E. 4.5 zur Schleudertrauma-Praxis; zur Psychopraxis vgl. etwa Urteile 8C_9/2010 vom 11. Juni 2010 E. 3.3 u. 3.6; 8C_935/2009 vom 29. M�rz 2010 E. 4.1.3).
Verwaltung und Vorinstanz sind davon ausgegangen, dass keine organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen vorliegen, und haben die Ad�quanz der am 30. September 2007 noch geklagten Beschwerden nach der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen gepr�ft. Die Vorinstanz kam dabei zum Schluss, nur drei Kriterien seien erf�llt, wovon keines in ausgepr�gter Weise, weshalb die Ad�quanz zu verneinen sei. Demzufolge er�brige sich auch die Pr�fung der nat�rlichen Kausalit�t.
Zu Recht r�gt die Beschwerdef�hrerin, dass die Vorinstanz die ad�quate Kausalit�t h�tte bejahen m�ssen, nachdem sie die Unfallereignisse als mittelschwer qualifiziert und drei der einzubeziehenden Kriterien als gegeben erachtet hat (E. 2.4 in fine).
Damit kann entgegen der Auffassung der Vorinstanz die Frage des f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhanges nicht offen bleiben. Die Sache ist zur diesbez�glichen Pr�fung an das kantonale Gericht zur�ckzuweisen.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 BGG). Die Gerichtskosten werden dem Prozessausgang entsprechend der SUVA auferlegt (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG); des Weiteren hat sie der Beschwerdef�hrerin eine Parteientsch�digung zu bezahlen (Art. 68 Abs. 2 BGG).
Die Beschwerde wird in dem Sinne teilweise gutgeheissen, dass der Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Z�rich vom 31. M�rz 2010 aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zur�ckgewiesen wird, damit sie im Sinne der Erw�gungen �ber die Beschwerde neu entscheide. Im �brigen wird die Beschwerde abgewiesen.
Luzern, 7. September 2010