Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%202015,%20501
Timestamp: 2019-08-25 19:15:22
Document Index: 152168139

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 253', '§ 823', '§ 7', '§ 11', '§ 823', '§ 253', '§ 7', '§ 11', '§ 115', '§ 823', '§ 11', '§ 844', '§ 562', '§ 563', '§ 823', '§ 11', '§ 253', '§ 823', '§ 7', '§ 11', '§ 823', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', 'BGH', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', '§ 823', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 27.01.2015 - VI ZR 548/12 - dejure.org
https://dejure.org/2015,1990
BGH, 27.01.2015 - VI ZR 548/12 (https://dejure.org/2015,1990)
BGH, Entscheidung vom 27.01.2015 - VI ZR 548/12 (https://dejure.org/2015,1990)
BGH, Entscheidung vom 27. Januar 2015 - VI ZR 548/12 (https://dejure.org/2015,1990)
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BGB § 253 Abs. 2, § 823 Abs. 1; StVG § 7 Abs. 1, § 11
§ 823 Abs. 1, § 253 Abs. 2 BGB, § 7 Abs. 1, § 11 Satz 2 StVG, § 115 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 VVG, § 823 Abs. 1 BGB, § 11 Satz 1 StVG, §§ 844, 845 BGB, § 562 Abs. 1, § 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO
§§ 823 Abs. 1, 253 Abs. 2 BGB; §§ 11, 7 Abs. 1 StVG
§ 253 Abs 2 BGB, § 823 Abs 1 BGB, § 7 Abs 1 StVG, § 11 StVG
Schadensersatz nach Tod durch Verkehrsunfall: Voraussetzungen eines Schmerzensgeldanspruchs naher Angehöriger des Getöteten wegen psychischer Beeinträchtigung durch Schockschäden
Voraussetzungen eines Schmerzensgeldanspruchs naher Angehöriger des Getöteten wegen psychischer Beeinträchtigung durch Schockschäden
Einordnung von psychischen Beeinträchtigungen infolge des Unfalltodes naher Angehöriger als Gesundheitsverletzung im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB
Schmerzensgeld bei Schockschaden; § 823 Abs. 1 BGB
"Schockschaden" - eigene Lebensgefahr - Miterleben des Unfalltodes eines nahen Angehörigen kommt maßgebliche Bedeutung für die Anerkennung eines psychischen Gesundheitsschadens zu
Verkehrsrecht - Schmerzensgeldanspruch bei Unfalltod naher Angehöriger
Psychisch vermittelte Gesundheitsstörungen durch direkte Unfallbeteiligung können Anspruch auf Schmerzensgeld begründen
Möglicher Schmerzensgeldanspruch für so genannte Schockschäden
Beurteilung psychischer Beeinträchtigungen infolge des Unfalltodes naher Angehöriger
Zum Anspruch des einen Unfall überlebenden Ehegatten, der die Tötung seiner Frau miterlebt hat
Psychische Beeinträchtigungen infolge des Unfalltodes naher Angehöriger (sogenannte Schockschäden)
Schmerzensgeld wegen Miterleben des Unfalltodes der Ehefrau
Schmerzensgeld auch für Angehörige nach Unglücksfällen!
Miterleben des Unfalltods der Ehefrau kann Schmerzensgeldanspruch begründen - Voraussetzung ist Vorliegen eines Schockschadens
Psychische Beeinträchtigungen infolge des Unfalltodes naher Angehöriger können Gesundheitsverletzung darstellen
Schockschäden infolge des Unfalltodes der Ehefrau (unter Berücksichtigung von BGH, Urt. v. 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14)
Kurznachricht zu "Schockschaden durch Unfalltod naher Angehöriger - Anmerkung zum Urteil des BGH vom 27.01.2015" von RA Cornelius Maria Thora, original erschienen in: NJW 2015, 1451 - 1453.
Kurznachricht zu "Schockschaden und Angehörigenschmerzensgeld: Neues vom BGH und vom Gesetzgeber" von Dr. Martin Zwickel, original erschienen in: NZV 2015, 214 - 217.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGB vom 27.01.2015" von RAin Waltraud Watzlawik, original erschienen in: DAR 2015, 200 - 202.
Kurznachricht zu "Schmerzensgeldbemessung bei Todesangst" von Lothar Jaeger, original erschienen in: VersR 2015, 1345 - 1350.
LG Arnsberg, 15.12.2011 - 1 O 533/10
NJW 2015, 1451
NJ 2015, 249
FamRZ 2015, 651
VersR 2015, 501
Die zum "Schockschaden" entwickelten Grundsätze (…vgl. nur Senatsurteile vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, NJW 2015, 2246 Rn. 9; vom 27. Januar 2015 - VI ZR 548/12, NJW 2015, 1451 Rn. 6) sind auch in dem Fall anzuwenden, in dem das haftungsbegründende Ereignis kein Unfallereignis im eigentlichen Sinne, sondern eine fehlerhafte ärztliche Behandlung ist.
a) Nach ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung können psychische Störungen von Krankheitswert eine Gesundheitsverletzung im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB darstellen (vgl. Senatsurteile vom 27. Januar 2015 - VI ZR 548/12, NJW 2015, 1451 Rn. 6;… vom 20. Mai 2014 - VI ZR 381/13, BGHZ 201, 263 Rn. 8;… vom 22. Mai 2007 - VI ZR 17/06, BGHZ 172, 263 Rn. 12;… vom 16. Januar 2001 - VI ZR 381/99, NJW 2001, 1431, 1432, juris Rn. 13;… vom 30. April 1996 - VI ZR 55/95, BGHZ 132, 341, 344, juris Rn. 15;… vom 4. April 1989 - VI ZR 97/88, NJW 1989, 2317 f., juris Rn. 9;… vom 12. November 1985 - VI ZR 103/84, NJW 1986, 777, 778, juris Rn. 9).
Die Schadensersatzpflicht für psychische Auswirkungen einer Verletzungshandlung setzt nicht voraus, dass diese Auswirkungen eine organische Ursache haben; es genügt vielmehr grundsätzlich die hinreichende Gewissheit, dass die psychisch bedingte Gesundheitsbeschädigung ohne die Verletzungshandlung nicht aufgetreten wäre (Senatsurteile vom 27. Januar 2015 - VI ZR 548/12, aaO;… vom 30. April 1996 - VI ZR 55/95, aaO, 343 f., juris Rn. 14;… vom 9. April 1991 - VI ZR 106/90, NJW 1991, 2347, 2348, juris Rn. 9;… vom 2. Oktober 1990 - VI ZR 353/89, NJW 1991, 747, 748, juris Rn. 8;… vom 4. April 1989 - VI ZR 97/88, aaO; jeweils mwN).
Psychische Beeinträchtigungen können in diesen Fällen deshalb nur dann als Gesundheitsverletzung im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB angesehen werden, wenn sie pathologisch fassbar sind und über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen hinausgehen, denen Betroffene beim Tod oder einer schweren Verletzung eines nahen Angehörigen in der Regel ausgesetzt sind (…vgl. nur Senatsurteile vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, NJW 2015, 2246 Rn. 9; vom 27. Januar 2015 - VI ZR 548/12, aaO, Rn. 7;… ferner Senatsurteil vom 17. April 2018 - VI ZR 237/17, BGHZ 218, 220 Rn. 10).
Durch ein Geschehen ausgelöste psychische Störungen von Krankheitswert können eine Verletzung des geschützten Rechtsguts Gesundheit im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB darstellen (vgl. Senatsurteile vom 27. Januar 2015 - VI ZR 548/12, VersR 2015, 501 Rn. 6;… vom 20. Mai 2014 - VI ZR 381/13, BGHZ 201, 263 Rn. 8;… vom 22. Mai 2007 - VI ZR 17/06, BGHZ 172, 263 Rn. 12; vom 16. Januar 2001 - VI ZR 381/99, VersR 2001, 874, 875; vom 30. April 1996 - VI ZR 55/95, BGHZ 132, 341, 344).
Erhöhte Anforderungen an das Vorliegen einer Gesundheitsverletzung, wie sie in Fällen sogenannter Schockschäden infolge des Todes oder der schweren Verletzung Dritter, namentlich naher Angehöriger, gestellt werden (…vgl. nur Senatsurteile vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, VersR 2015, 590 Rn. 9, 19; vom 27. Januar 2015 - VI ZR 548/12, VersR 2015, 501 Rn. 7, jeweils mwN), sind vorliegend nicht zu erfüllen.
Diesem Umstand ist grundsätzlich Bedeutung beizumessen (vgl. BGH, Urteil vom 27. Januar 2015 - VI ZR 548/12, VersR 2015, 501).
Vielmehr genügt auch eine (rein) psychische Einwirkung auf den Betroffenen, soweit sie einen Krankheitswert hat (vgl. BGHZ 107, 359; 132, 341; BGH, Urteile vom 03.02.1976 - VI ZR 235/74, VersR 1976, 639 und vom 27.01.2015 - VI ZR 548/12, VersR 2015, 501;… Hager in: Staudinger, BGB, Neubearbeitung 2017, § 823 Rn. B 26 f.;… Knerr in: Geigel, Der Haftpflichtprozess, 27. Aufl., Kap. 1 Rn. 23 f.;… K. Schmidt in: jurisPK-StrVerkR, 1. Aufl., § 823 BGB Rn. 16;… Lange in: jurisPK-BGB, 8. Aufl., § 823 Rn. 7; Dörr, MDR 2015, 1209; für die Übermittlung einer Todesnachricht vgl. auch OLG Düsseldorf, VersR 1977, 1011).
Dass bei der Klägerin eine behandlungsbedürftige psychische Störung mit Krankheitswert vorlag, wie sie im ärztlichen Bericht des Direktors der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums des Saarlandes vom 29.09.2015 über die stationäre Behandlung der Klägerin (mittelgradige depressive Episode - ICD-10 F32.1; Suizidalität - ICD-10 R45.8) und im Bericht des Kinder- und Jugendlichentherapeuten ... vom 09.12.2015 über die anschließende ambulante Behandlung (mittelgradige depressive Episode - ICD-10 F32.1; weitere belastende Lebensumstände ICD-10 Z63.7 Verschwinden oder (vermuteter) Tod eines Familienangehörigen) attestiert ist, wird auch von dem Beklagten nicht in Abrede gestellt (zum pathologischen Krankheitswert bei einer in der ICD 10 codierten psychischen Störung vgl. nur BGH, Urteil vom 27.01.2015 - VI ZR 548/12, VersR 2015, 501; Dörr, MDR 2015, 1209, 1210).
aa) Für die Schadensersatzpflicht des Schädigers genügt grundsätzlich die hinreichende Gewissheit, dass die psychisch bedingte Gesundheitsschädigung ohne die Verletzungshandlung nicht aufgetreten wäre (vgl. BGH, Urteil vom 27.01.2015 - VI ZR 548/12, VersR 2015, 501;… Hacks/Wellner/Häcker, Schmerzensgeldbeträge, 37. Aufl., Allgemeiner Teil III. Bemessungsgrundlagen b.).
Dies betrifft zum einen die Fälle der sog. unmittelbaren Schockschäden infolge des Todes naher Angehöriger (vgl. dazu BGH, Urteil vom 27.01.2015 aaO m.w.N.).
Vielmehr genügt grundsätzlich die hinreichende Gewissheit, dass die psychisch bedingte Gesundheitsverletzung ohne die Verletzungshandlung nicht aufgetreten wäre (vgl. nur BGH, NJW 2015, 1451 m.w.N.).
In einer jüngeren Entscheidung hat der BGH ausgeführt, er habe stets dem Umstand maßgebliche Bedeutung beigemessen, ob die von dem "Schockgeschädigten" geltend gemachten psychischen Beeinträchtigungen auf seine direkte Beteiligung an einem Unfall oder das Miterleben eines Unfalls zurückzuführen oder ob sie durch den Erhalt einer Unfallnachricht ausgelöst worden seien (BGH, NJW 2015, 1451, 1452).
Für eine unmittelbare Unfallbeteiligung und eine haftungsrechtliche Zurechnung spricht zudem die bereits zitierte Entscheidung BGH NJW 2015, 1451.
LG Köln, 26.10.2016 - 25 O 326/15