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Timestamp: 2017-06-23 20:39:51
Document Index: 31587506

Matched Legal Cases: ['§ 293', '§ 308', '§ 106', '§ 315', '§ 73', '§ 551', '§ 557', '§ 1', '§ 4', '§ 559', '§ 314', '§ 551', '§ 559', '§ 1', '§ 4', '§ 310', '§ 77', '§ 77', '§ 77', '§ 77', '§ 58', '§ 310', '§ 307', '§ 310', '§ 305', '§ 293', '§ 1', '§ 4', '§ 308', '§ 308', '§ 308', '§ 307', '§ 308', '§ 307', '§ 310', '§ 308', '§ 611', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 308', '§ 308', '§ 308', '§ 611', '§ 307', '§ 310', '§ 106', '§ 307', '§ 611', '§ 307', '§ 306', '§ 305', '§ 307', '§ 611', '§ 307', '§ 611', '§ 307', '§ 611', '§ 307', '§ 306', '§ 308', '§ 275', '§ 280']

HENSCHE Arbeitsrecht: 9 AZR 113/09
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 20.05.2008, 54 Ca 2912/08
9 AZR 113/09 2 Sa 1462/08
- 2 - Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 24. No­vem­ber 2008 - 2 Sa 1462/08 - auf­ge­ho­ben.
- 3 - die­ser Über­las­sungs­ver­ein­ba­rung für den Geschäfts­fahr-zeug­be­rech­tig­ten bin­dend. ...
- 4 - Un­ter­neh­men zum Wi­der­ruf der Gfz-Über­las­sung. ...
- 5 - gemäß Ka­te­go­rie V der Kon­zern-Car-Po­li­cy zur Ver-
- 6 - Be­ru­fungs­ur­teil ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen und die vom Se­nat durch­geführ­ten Er­mitt­lun­gen zu den Norm­tat­sa­chen (§ 293 Satz 2 ZPO) er­lau­ben noch kei­ne si­che­re Be­ant­wor­tung die­ser Fra­ge. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist zum an­de­ren zu Un­recht da­von aus­ge­gan­gen, dass der in der Kon­zern-Car-Po­li­cy ent­hal­te­ne Wi­der­rufs­vor­be­halt ei­ner sog. AGB-Kon­trol­le standhält.
I. Der Se­nat ist re­vi­si­ons­recht­lich nicht dar­an ge­hin­dert, die Rechts­na­turder Kon­zern-Car-Po­li­cy zu un­ter­su­chen. Die Kläge­rin nimmt in der Re­vi­si­ons­be­gründung zwar nur an, der Wi­der­ruf der Be­klag­ten sei nach § 308 Nr. 4 BGB un­wirk­sam oder wah­re je­den­falls nicht die Gren­zen bil­li­gen Er­mes­sens iSv. § 106 Satz 1 Ge­wO, § 315 BGB. Die­se Sachrügen sind für die Zulässig­keit der Re­vi­si­on er­for­der­lich (§ 73 Abs. 1 Satz 1 ArbGG, § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a ZPO). Sie bin­den das Re­vi­si­ons­ge­richt nach § 557 Abs. 3 Satz 1 ZPO in­ner­halb der­sel­ben Streit­ge­genstände aber nicht an die gel­tend ge­mach­ten Re­vi­si­ons­gründe. Bei ei­ner feh­ler­haf­ten Rechts­an­wen­dung ist das an­ge­foch­te­ne Ur­teil auch dann auf­zu­he­ben, wenn ein ma­te­ri­el­ler Man­gel oder ein von Amts we­gen zu berück­sich­ti­gen­der Ver­fah­rens­feh­ler nicht gerügt ist (vgl. nur Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 159/07 - Rn. 34 mwN, AP TVG § 1 Al­ters­teil-zeit Nr. 38 = EzA TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 21).
II. Das Re­vi­si­ons­ge­richt hat das tatsächli­che Vor­brin­gen ei­ner Par­tei nach § 559 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1, § 314 ZPO in ers­ter Li­nie dem Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils zu ent­neh­men. Die Be­weis­kraft des Tat­be­stands und sei­ne Bin­dungs­wir­kung für das Re­vi­si­ons­ge­richt ent­fal­len da­ge­gen, wenn die Fest­stel­lun­gen un­klar, lücken­haft oder wi­dersprüchlich sind. Sol­che Mängel sind auch oh­ne Ver­fah­rensrüge iSv. § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b, § 559 Abs. 1 Satz 2 ZPO von Amts we­gen zu berück­sich­ti­gen. Be­ruht die recht­li­che Würdi­gung des Be­ru­fungs­ge­richts auf Fest­stel­lun­gen, die dem Re­vi­si­ons­ge­richt kei­ne hin­rei­chend si­che­re Be­ur­tei­lung des Par­tei­vor­brin­gens er­lau­ben, ist das Be­ru­fungs­ur­teil schon we­gen die­ses Man­gels auf­zu­he­ben (für die st. Rspr. Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 159/07 - Rn. 39 mwN, AP TVG § 1 Al­ters­teil­zeit Nr. 38 = EzA TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 21).
- 7 - III. Der Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ist im Hin­blick auf die tat
1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist nach dem in den Tat­sa­chen­in­stan­zen übe­rein­stim­mend ge­hal­te­nen Vor­trag der Par­tei­en da­von aus­ge­gan­gen, es hand­le sich bei der Kon­zern-Car-Po­li­cy um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen. Das Pro­blem des § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt fol­ge­rich­tig nicht un­ter­sucht.
2. Nach dem Vor­trag des Be­klag­ten­ver­tre­ters in der Re­vi­si­ons­ver­hand­lung be­ste­hen je­doch An­halts­punk­te dafür, dass die Kon­zern-Car-Po­li­cy ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung der Kon­zern­be­triebs­part­ner ist.
a) Soll­te die Ur­schrift die­ser Ver­ein­ba­rung dem Schrift­for­mer­for­der­nis des§ 77 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG genügen, wirk­te sie nach § 77 Abs. 4 Satz 1 Be­trVG un­mit­tel­bar und zwin­gend für die Ar­beits­verhält­nis­se der in den Kon­zern­un­ter­neh­men beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer (vgl. BAG 22. Ja­nu­ar 2002 - 3 AZR 554/00 - zu II 3 und III der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 77 Be­triebs­ver­ein­ba­rung Nr. 4 = EzA Be­trVG 1972 § 77 Ru­he­stand Nr. 2; Fit­ting 25. Aufl. § 58 Rn. 35). Der in Nr. 12 Abs. 6 der Kon­zern-Car-Po­li­cy ent­hal­te­ne Wi­der­rufs­vor­be­halt wäre nach § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB der In­halts­kon­trol­le nach §§ 307 ff. BGB ent­zo­gen. § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB be­stimmt, dass §§ 305 ff. BGB auf Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen nicht an­zu­wen­den sind (vgl. BAG 1. Fe­bru­ar 2006 - 5 AZR 187/05 - Rn. 26, BA­GE 117, 44).
b) Der Se­nat muss dem Vor­brin­gen des Be­klag­ten­ver­tre­ters zu den Norm­tat­sa­chen nach § 293 ZPO von Amts we­gen nach­ge­hen. Er hat sie als Be­stand­teil des auf den Sach­ver­halt an­zu­wen­den­den Rechts zu er­mit­teln und dar­auf zu über­prüfen, ob der er­mit­tel­te Sach­ver­halt die er­ho­be­nen Ansprüche be­trifft. Das er­mit­teln­de Ge­richt ist nicht an Be­weis­an­ge­bo­te ge­bun­den, son­dern darf auch an­de­re Er­kennt­nis­quel­len ein­sch­ließlich des Frei­be­wei­ses nut­zen. Hierfür be­steht auch im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren ei­ne Pflicht zur Amts­er­mitt­lung (vgl. Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 159/07 - Rn. 41 mwN, AP TVG § 1 Al­ters­teil­zeit Nr. 38 = EzA TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 21).
- 8 - c) In der Re­vi­si­ons­ver­hand­lung konn­ten die Norm­tat­sa­chen nicht auf-
- 9 - träge ein­zu­hal­ten sind (vgl. BAG 11. Ok­to­ber 2006 - 5 AZR 721/05 - Rn. 18, AP BGB § 308 Nr. 6 = EzA BGB 2002 § 308 Nr. 6).
2. Un­ter der Vor­aus­set­zung ei­ner un­ter­stell­ten All­ge­mei­nen Geschäfts-be­din­gung rich­tet sich die Wirk­sam­keit des in der Ne­ben­ab­re­de zum Ar­beits­ver­trag iVm. Nr. 12 Abs. 6 der Kon­zern-Car-Po­li­cy ver­ein­bar­ten Wi­der­rufs­rechts nach § 308 Nr. 4 BGB als der ge­genüber § 307 BGB spe­zi­el­le­ren Norm. Für die Aus­le­gung von § 308 Nr. 4 BGB sind ergänzend die all­ge­mei­nen Wer­tun­gen des § 307 BGB her­an­zu­zie­hen. Die im Ar­beits­recht gel­ten­den Be­son­der­hei­ten sind nach § 310 Abs. 4 Satz 2 Halbs. 1 BGB an­ge­mes­sen zu berück­sich­ti­gen. Das Recht, von der ver­spro­che­nen Leis­tung ab­zu­wei­chen, das sich der Ver­wen­der in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen vor­behält, ist nur wirk­sam ver­ein­bart, wenn der Vor­be­halt nach § 308 Nr. 4 BGB un­ter Berück­sich­ti­gung der In­ter­es­sen des Ver­wen­ders auch dem an­de­ren Ver­trags­teil zu­mut­bar ist (vgl. zB Se­nat 19. De­zem­ber 2006 - 9 AZR 294/06 - Rn. 22, AP BGB § 611 Sach­bezüge Nr. 21 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 17).
3. Das in Nr. 12 Abs. 6 der Kon­zern-Car-Po­li­cy ent­hal­te­ne Wi­der­rufs­rechtist nach dem Recht der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam. Sein
- 10 - b) Die Wi­der­rufs­re­ge­lung muss nicht nur klar und verständ­lich sein (§ 307 29 Abs. 1 Satz 2 BGB). Sie darf den Ver­trags­part­ner als sol­che nicht un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Die Be­stim­mung muss da­her selbst er­ken­nen las­sen, dass der Wi­der­ruf nicht oh­ne Grund er­fol­gen darf. Die Ände­rung muss an­ge­mes­sen und zu­mut­bar sein. Der Maßstab der § 307 Abs. 1 und 2, § 308 Nr. 4 BGB muss im Text der Klau­sel zum Aus­druck kom­men (vgl. nur BAG 11. Ok­to­ber 2006 - 5 AZR 721/05 - Rn. 27, AP BGB § 308 Nr. 6 = EzA BGB 2002 § 308 Nr. 6). Die Wi­der­rufs­klau­sel hat sich dem­nach auf die Fälle zu be­schränken, in de­nen ein an­zu­er­ken­nen­der Sach­grund be­steht, die Dienst-wa­genüber­las­sung zu wi­der­ru­fen und die Pri­vat­nut­zung da­mit ein­zu­stel­len (vgl. Se­nat 19. De­zem­ber 2006 - 9 AZR 294/06 - Rn. 26, AP BGB § 611 Sach­bezüge Nr. 21 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 17). Der Sach­grund muss in der Klau­sel in ei­ner Wei­se kon­kre­ti­siert wer­den, die für den Ar­beit­neh­mer deut­lich macht, was ge­ge­be­nen­falls auf ihn zu­kommt (vgl. BAG 11. Ok­to­ber 2006 - 5 AZR 721/05 - Rn. 28, aaO; 12. Ja­nu­ar 2005 - 5 AZR 364/04 - zu B I 5 a der Gründe, BA­GE 113, 140). Der Ar­beit­neh­mer muss er­ken­nen können, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen er mit ei­nem Wi­der­ruf rech­nen muss. Die Be­son­der­hei­ten des Ar­beits­rechts (§ 310 Abs. 4 Satz 2 BGB) recht­fer­ti­gen kei­ne Ab­wei­chung. Der nöti­gen Fle­xi­bi­li­sie­rung wird be­reits da­durch Rech­nung ge­tra­gen, dass die Ver­trags­par­tei­en auch in vor­for­mu­lier­ten Ver­ein­ba­run­gen die Möglich­keit ha­ben, die Über­las­sung ei­nes Dienst­fahr­zeugs zur pri­va­ten Nut­zung un­ter ei­nen Wi­der­rufs­vor­be­halt zu stel­len, wenn die ty­pi­sier­ten Sach­gründe für den Wi­der­ruf be­reits in der Ver­trags­klau­sel be­nannt wer­den. Ein ge­setz­li­ches Leis­tungs­be­stim­mungs­recht be­steht im Streit­fall, in dem die Höhe des Ar­beits­ent­gelts be­trof­fen ist, nicht (vgl. da­ge­gen zu § 106 Ge­wO Se­nat 11. April 2006 - 9 AZR 557/05 - Rn. 41 ff., BA­GE 118, 22).
c) Für die nach §§ 307 ff. BGB vor­zu­neh­men­de In­halts­kon­trol­le ist un-er­heb­lich, ob ob­jek­tiv be­trach­tet Wi­der­rufs­gründe in Be­tracht kom­men, die für den Ar­beit­neh­mer nicht un­zu­mut­bar sind. Ent­schei­dend ist al­lein, was der Ver­wen­der der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gung im Text der Vor­be­halts­be­stim­mung zum Aus­druck ge­bracht hat (vgl. Se­nat 19. De­zem­ber 2006 - 9 AZR 294/06 - Rn. 26, AP BGB § 611 Sach­bezüge Nr. 21 = EzA BGB 2002
- 11 - § 307 Nr. 17). Bei der An­ge­mes­sen­heits­kon­trol­le ist des­halb nicht auf die Gründe ab­zu­stel­len, aus de­nen der Wi­der­ruf im kon­kre­ten Fall er­folgt, son­dern auf die Möglich­kei­ten, die das vor­for­mu­lier­te Wi­der­rufs­recht dem Ar­beit­ge­ber einräumt.
- 12 - e) Der in der Ne­ben­ab­re­de vom 13. No­vem­ber 2005 iVm. Nr. 12 Abs. 6
- 13 - Markt- und wirt­schaft­li­chen Ge­sichts­punk­ten sinn­voll ist. Nr. 12 Abs. 6 der Kon­zern-Car-Po­li­cy ver­pflich­tet den Ent­schei­der da­zu, die Über­las­sung des „Geschäfts­fahr­zeugs“ be­reits dann zu wi­der­ru­fen, wenn die in Nr. 3b der Kon­zern-Car-Po­li­cy ge­nann­ten Er­for­der­nis­se für die Über­las­sung nicht mehr ge­wahrt sind. Ein Wi­der­ruf kann dem­nach auf je­den Grund gestützt wer­den, der Markt­as­pek­te oder wirt­schaft­li­che Ge­sichts­punk­te be­trifft und es aus Sicht der Be­klag­ten nicht mehr sinn­voll macht, den Dienst­wa­gen zu über­las­sen.
(1) Zu Gründen des Markts gehören ua. Gründe, die den Ar­beits­markt oderKon­kur­renz­un­ter­neh­men be­tref­fen.
(2) Wirt­schaft­li­che Gründe sind zB verstärk­tes Ge­winn­stre­ben, der Aus-gleich wirt­schaft­li­cher Ver­lus­te, Kos­ten­sen­kungs­maßnah­men oder der Weg­fall des In­ter­es­ses, be­stimm­te Ar­beit­neh­mer­grup­pen durch die Über­las­sung ei­nes Dienst­wa­gens an das Un­ter­neh­men zu bin­den.
- 14 - dd) Nicht je­der Grund, der wirt­schaft­li­che As­pek­te be­trifft, ist ein an­zu-
(1) Un­wirk­sa­me Klau­seln sind grundsätz­lich nicht auf ei­nen Re­ge­lungs-ge­halt zurück­zuführen, der im Ein­klang mit dem Recht der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen steht. § 306 BGB sieht ei­ne sol­che Rechts­fol­ge nicht vor. Ei­ne Auf­recht­er­hal­tung mit ein­ge­schränk­tem In­halt wi­derspräche dem Zweck der §§ 305 ff. BGB. Ziel des Ge­set­zes ist es, auf ei­nen an­ge­mes­se­nen In­halt der in der Pra­xis ver­wen­de­ten All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen hin­zu­wir­ken. Dem Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders soll die Möglich­keit sach­ge­rech­ter In­for­ma­ti­on über die Rech­te und Pflich­ten ver­schafft wer­den, die durch den vor­for­mu­lier­ten Ver­trag be­gründet wer­den. Die­ses Ziel ließe sich nicht er­rei­chen, wenn je­der Ver­wen­der All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen zunächst die Gren­ze des Zulässi­gen über­schrei­ten dürf­te. Könn­ten über­zo­ge­ne Klau­seln gel­tungs­er­hal­tend zurück­geführt wer­den, lie­fe das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB weit­ge­hend leer (vgl. Se­nat 19. De­zem­ber 2006 - 9 AZR 294/06 - Rn. 30, AP BGB § 611 Sach­bezüge Nr. 21 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 17; 11. April 2006 - 9 AZR 610/05 - Rn. 30 mwN, BA­GE 118, 36).
- 15 - be­din­gun­gen. Ei­ne nach ih­rem Wort­laut ein­deu­tig ein­heit­li­che Re­ge­lung darf nicht in meh­re­re selbständi­ge Re­ge­lun­gen zer­legt wer­den (vgl. Se­nat 19. De­zem­ber 2006 - 9 AZR 294/06 - Rn. 32, AP BGB § 611 Sach­bezüge Nr. 21 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 17).
(1) Sie setzt vor­aus, dass der Re­ge­lungs­plan der Par­tei­en ver­vollständigtwer­den muss, weil durch die Un­wirk­sam­keit ei­ner Ver­trags­klau­sel ei­ne Re­ge­lungslücke ent­steht. Das ist nur an­zu­neh­men, wenn die er­satz­lo­se Strei­chung der un­wirk­sa­men Klau­sel kei­ne an­ge­mes­se­ne Lösung bie­tet, die den ty­pi­schen In­ter­es­sen des Ver­wen­ders und sei­nes Ver­trags­part­ners Rech­nung trägt. Nicht je­de Ver­schie­bung der Ge­wich­te zu­las­ten des Ver­wen­ders recht­fer­tigt je­doch die An­nah­me ei­ner ergänzungs­bedürf­ti­gen Lücke. Grundsätz­lich sind die Ge­rich­te nicht be­fugt, die un­zulässi­ge Klau­sel mit­hil­fe ergänzen­der Ver­trags­aus­le­gung durch ei­ne zulässi­ge Klau­sel­fas­sung zu er­set­zen, die der Ver­wen­der der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen vor­aus­sicht­lich gewählt hätte, wäre ihm die Un­zulässig­keit der Klau­sel be­kannt ge­we­sen.
(2) Die Ne­ben­ab­re­de vom 13. No­vem­ber 2005 wur­de erst nach In­kraft- tre­ten des Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes vom 26. No­vem­ber 2001 ge­schlos­sen. Ei­ne ergänzen­de Aus­le­gung der un­wirk­sa­men Wi­der­rufs­klau­sel auf kon­kret be­nann­te an­er­ken­nens­wer­te Sach­gründe für den Wi­der­ruf der Dienst­wa­genüber­las­sung nähme der Be­klag­ten das Ri­si­ko der un­zulässig zu weit ge­fass­ten Klau­sel vollständig und wäre ei­ne Ver­trags­hil­fe al­lein zu ih­ren Guns­ten (vgl. Se­nat 19. De­zem­ber 2006 - 9 AZR 294/06 - Rn. 35 f., AP BGB § 611 Sach­bezüge Nr. 21 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 17; 11. April 2006 - 9 AZR 610/05 - Rn. 35, BA­GE 118, 36).
- 16 - (3) Auch ei­ne un­zu­mut­ba­re Härte für die Be­klag­te iSv. § 306 Abs. 3 BGB
a) Die Be­klag­te hat nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richtsnicht be­haup­tet, dass sie den Be­rech­tig­ten­kreis für die Dienst­wa­genüber-las­sung ein­ge­schränkt hat. Auch die­ses in der Ne­ben­ab­re­de vor­for­mu­lier­te Wi­der­rufs­recht ist im Übri­gen nach § 308 Nr. 4 BGB un­wirk­sam. Aus der Be­stim­mung lässt sich nicht ent­neh­men, dass ei­ne Ein­schränkung des Be-rech­tig­ten­krei­ses und der da­mit ver­bun­de­ne Dienst­wa­gen­ent­zug nur aus an­er­ken­nens­wer­ten Sach­gründen er­fol­gen können.
b) Die wei­te­ren in Nr. 12 der Kon­zern-Car-Po­li­cy ge­re­gel­ten Vor­aus- set­zun­gen für ei­nen Wi­der­ruf oder ei­ne Her­aus­ga­be­ver­pflich­tung sind nicht erfüllt. Die Kläge­rin wur­de we­der von der Ar­beit frei­ge­stellt, noch be­ruft sich die Be­klag­te auf Gründe im Ver­hal­ten der Kläge­rin oder ei­nen Wech­sel des Auf­ga­ben­ge­biets.
- 17 - Mo­nat No­vem­ber 2007 ist durch Zeit­ab­lauf unmöglich ge­wor­den. Die Be­klag­te ist des­halb nach § 275 Abs. 1 BGB von der Leis­tungs­pflicht be­freit. An­halts­punk­te für nicht schuld­haf­tes Ver­hal­ten der Be­klag­ten be­ste­hen nicht (§ 280 Abs. 1 Satz 2 BGB).
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