Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F15-05-2000-U_202-1998
Timestamp: 2016-10-23 16:11:18
Document Index: 6478829

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 202/98 (15.05.2000)
U 202/98 Gb
Urteil vom 15. Mai 2000
M.________, 1968, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. H.________,
A.- Der 1968 geborene M.________ war seit April 1988 bei der Firma X.________ als Gesch�ftsf�hrer t�tig und bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert. Am 21. Juni 1993 zog er sich bei einem Treppensturz Kontusionen am Nacken, an der Schulter sowie
am R�cken und am 20. Juli 1993 bei einem Selbstunfall mit einem Personenwagen solche des Schulterg�rtels, des Nackens, der Brust- und Lendenwirbels�ule sowie der Thoraxapertur zu. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen, stellte diese aber mit Verf�gung vom 12. November 1994 per 27. September 1994 ein. Die gegen den Einspracheentscheid vom 24. Oktober 1995 eingereichte Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz mit Entscheid vom 24. April 1996 gut und wies die Sache an die SUVA zur�ck, damit diese die von M.________ geforderten Leistungen unter Einbezug der als R�ckfall vorgebrachten Verschlechterung des Gesundheitszustandes pr�fe und alsdann neu entscheide. Am 5. M�rz 1997 hielt die SUVA verf�gungsweise am Fallabschluss fest, da keine organischen Unfallfolgen mehr vorliegen w�rden und die psychischen Probleme in keinem ad�quaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom 20. Juli 1993 st�nden. Diese Sichtweise best�tigte die SUVA mit Einspracheentscheid vom 24. Oktober 1997.
B.- Die hiegegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz mit Entscheid vom 10. Juni 1998 ab.
C.- M.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren und beantragen, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben und ihm seien die gesetzlichen Versicherungsleistungen (Taggeld, Heil- und Pflegekosten, Invalidenrente und Integrit�tsentsch�digung) zuzusprechen.
Das kantonale Gericht und die SUVA schliessen auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, w�hrend sich das Bundesamt f�r Sozialversicherung nicht vernehmen l�sst.
1.- Das kantonale Gericht hat die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen) und ad�quaten Kausalzusammenhang (BGE 123 III 112 Erw. 3a, 123 V 103 Erw. 3d, 139 Erw. 3c, 122 V 416 Erw. 2a, 121 V 49 Erw. 3a mit Hinweisen) zwischen dem Unfall und dem in der Folge eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod) zutreffend dargelegt. Richtig wiedergegeben ist insbesondere jene zur Ad�quanzbeurteilung bei Unf�llen und der in der Folge eingetretenen psychischen Fehlentwicklung mit Einschr�nkung der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit im Allgemeinen (BGE 115 V 133) und der dabei vorzunehmenden Differenzierung. Danach ist zun�chst abzukl�ren, ob der Versicherte beim Unfall ein Schleudertrauma der HWS, eine dem Schleudertrauma �quivalente Verletzung (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2) oder ein Sch�del-Hirntrauma erlitten hat. Ist dies der Fall, sind bei Unf�llen aus dem mittleren Bereich die in BGE 117 V 366 Erw. 6a und 382 Erw. 4b umschriebenen Kriterien anzuwenden. Andernfalls erfolgt die Ad�quanzbeurteilung in den dem mittleren Bereich zuzuordnenden F�llen nach den Kriterien gem�ss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa (siehe zur Begr�ndung der teilweise unterschiedlichen Kriterien: BGE 117 V 366 Erw. 6a, letzter Absatz). Ergeben die Abkl�rungen, dass der Versicherte ein Schleudertrauma der HWS, eine diesem �quivalente Verletzung oder ein Sch�del-Hirntrauma erlitten hat, ist zus�tzlich zu beurteilen, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung geh�renden Beeintr�chtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Ist dies der Fall, sind f�r die Ad�quanzbeurteilung bei F�llen aus dem mittleren Bereich die in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa f�r Unf�lle mit psychischen Folgesch�den festgelegten Kriterien (und nicht jene f�r F�lle mit Schleudertrauma der HWS, �quivalenter Verletzung oder Sch�del-Hirntrauma gem�ss BGE 117 V 366 Erw. 6a und 382 Erw. 4b) massgebend (BGE 123 V 99 Erw. 2a).
2.- Das kantonale Gericht hat zun�chst in einl�sslicher W�rdigung der medizinischen Unterlagen festgestellt, dass keine objektivierbaren somatischen Befunde vorliegen w�rden, welche mit dem erforderlichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit in einem nat�rlichen Kausalzusammenhang zu den Unfallereignissen st�nden. Was der Beschwerdef�hrer gegen die �berzeugende vorinstanzliche Begr�ndung, auf die verwiesen wird, einwendet, ist unbehelflich. Zwar trifft zu, dass Prof. Dr. phil. P.________, Neuropsychologisches Institut, im Bericht vom 27. Juli 1994 eine "h�chstens leichte Hirnfunktionsst�rung" diagnostizierte, "welche in ihrer Art denen gleicht, welche bei anderen Patienten nach einer traumatischen Affektion der Halswirbels�ule auch beobachtet werden kann". Abgesehen davon, dass - wie das kantonale Gericht richtig erkannt hat - zum nat�rlichen Kausalzusammenhang in diesem Bericht nicht Stellung genommen wird, ist zu bemerken, dass Prof. Dr. phil. P.________ seine Diagnose selbst als nicht gesichert betrachtete, f�hrte er doch weiter aus, es best�nden Hinweise auf eine ungeschickte hastige Verhaltensweise, und nicht auf eine umschriebene Hirnfunktionsst�rung. Auch aus dem Gutachten vom 16. September 1996 der Neurologischen Poliklinik Y.________ l�sst sich nichts zu Gunsten des Beschwerdef�hrers ableiten, wird doch die Unfallkausalit�t der leichten neuropsychologischen Defizite einzig damit begr�ndet, sie w�rden seit dem Unfall bestehen. Allein aus der Tatsache, dass sich die leichte Hirnfunktionsst�rung nach dem Unfallereignis manifestiert hat, kann indessen nicht einfach - in Anwendung der Formel "post hoc, ergo propter hoc", wonach ein Gesundheitsschaden schon dann als durch einen Unfall verursacht gilt, weil er nach diesem aufgetreten ist (vgl. BGE 119 V 341 f. Erw. 2b/bb) - auf einen �berwiegenden Zusammenhang geschlossen werden. Richtig erkannt hat die Vorinstanz weiter, dass sich f�r die unspezifischen neurologischen Befunde kein organisches Korrelat finden l�sst. Weder das genannte Gutachten vom 16. September 1996 noch die �brigen medizinischen Akten enthalten irgendwelche Anhaltspunkte auf eine organische Ursache dieser Beschwerden, woran auch die Diagnosestellung (chronisches cervico-cephales Syndrom, paravertebrales Schmerzsyndrom mit Maximum im HWS-Bereich, neurovegetative Defizite) nichts �ndert. Im �brigen wird in der Expertise ausdr�cklich darauf hingewiesen, im Vordergrund habe das auffallende Verhalten des Versicherten gestanden. Unter anderem habe er die neurologischen Befunde demonstrativ akzentuiert (Gehen bei Beobachtung nur an Wand oder auf M�bel gest�tzt m�glich, ohne Beobachtung frei m�glich; bei mangelnder Compliance ist die HWS-Rotation beidseits um 2/3 eingeschr�nkt, beim Ansprechen konnte er seinen Kopf bis etwa 60� zur Seite drehen). Unter diesen Umst�nden ist auch die gutachterliche Stellungnahme zur Arbeitsf�higkeit (aus neurologischer Sicht ist der Beschwerdef�hrer h�chstens 20 % arbeitsunf�hig) zu relativieren.
3.- Steht fest, dass die organischen Befunde das Ausmass der geklagten Beschwerden und eine Einschr�nkung in der Arbeitsf�higkeit nicht zu erkl�ren verm�gen, bleibt zu pr�fen, ob die psychische St�rung, die mit der Vorinstanz als nat�rliche Folge des Unfalles vom 20. Juli 1993 zu betrachten ist, auch ad�quat kausal zu jenem ist. Das kantonale Gericht hat diese Pr�fung nach der in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa umschriebenen Kriterien (und nicht jener f�r F�lle mit Schleudertrauma der HWS, �quivalenter Verletzung oder Sch�del-Hirntrauma; vgl. Erw. 1) vorgenommen, was nicht zu beanstanden ist. Ob der Beschwerdef�hrer beim Unfall �berhaupt ein Schleudertrauma der HWS oder eine dem Schleudertrauma �quivalente Verletzung erlitten hat, was die Vorinstanz mit an sich �berzeugender Begr�ndung verneint, und deswegen die allgemeinen Kriterien der Ad�quanzbeurteilung (vgl. Erw. 1) zur Anwendung kommen, kann letztlich offen bleiben. Wie die SUVA im Einspracheentscheid n�mlich richtig dargelegt hat, liegen die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung geh�renden Beeintr�chtigungen zwar teilweise vor, die psychische Problematik stand aber bereits fr�h ganz im Vordergrund und wies gem�ss Gutachten vom 16. September 1996 der Neurologischen Poliklinik Y.________ schliesslich eindeutige Dominanz auf.
4.- a) Der Unfall vom 21. Juni 1993 ist unbestrittenermassen als leicht einzustufen, weshalb der ad�quate Kausalzusammenhang ohne weiteres zu verneinen ist. Mit der Vorinstanz ist derjenige vom 20. Juli 1993 dem mittleren Bereich im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen zuzuordnen. Die Ad�quanz der Unfallfolgen ist daher zu bejahen, wenn eines der nach der Rechtsprechung f�r die Ad�quanzbeurteilung als massgebend bezeichneten Kriterien in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt ist oder die genannten Kriterien in geh�ufter oder auffallender Weise erf�llt sind (BGE 115 V 141 Erw. 6c/bb). Dies trifft hier nicht zu, wie das kantonale Gericht mit in allen Teilen �berzeugender Begr�ndung dargelegt hat. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird nichts vorgebracht, was zu einer anderen Betrachtungsweise f�hren k�nnte.
b) Soweit der Beschwerdef�hrer die Kriterien der langandauernden Arbeitsunf�higkeit, der Dauerschmerzen sowie der ungew�hnlich langen Dauer der �rztlichen Behandlung als erf�llt betrachtet, �bersieht er, dass dies durchwegs nicht k�rperlich, sondern vielmehr psychisch bedingt der Fall war, was indessen bei der Ad�quanzbeurteilung bei psychischer Fehlentwicklung anhand der Kriterien gem�ss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa ohne Belang ist.
c) In RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122 findet sich eine �bersicht �ber die F�lle, die seit BGE 115 V 135 zu den schwereren F�llen im mittleren Bereich gerechnet worden sind. Im Lichte dieser Rechtsprechung ist ausgeschlossen, dass der zur Diskussion stehende Unfall aufgrund des Herganges und der Verletzungen als schwererer Fall im mittleren Bereich zu bezeichnen ist. Selbst wenn im �brigen von einem mittelschweren Unfall (nicht im Grenzbereich zu den leichten) ausgegangen w�rde, k�nnte die Ad�quanzbeurteilung nicht anders ausfallen, da selbst das einzige gem�ss der Vorinstanz in Frage kommende Kriterium (k�rperliche Dauerschmerzen) nicht in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt ist. Es er�brigt sich daher, zu den Einwendungen des Beschwerdef�hrers im Zusammenhang mit der Einordnung des Unfallereignisses Stellung zu nehmen.
d) Nach dem Gesagten steht fest, dass den beiden Unf�llen f�r die psychisch bedingte Gesundheitsst�rung keine massgebende Bedeutung zukommt, weshalb die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen zu Recht mit Verf�gung vom 5. M�rz 1997 eingestellt hat.
gericht des Kantons Schwyz und dem Bundesamt f�r
Luzern, 15. Mai 2000