Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=21.08.1997&Aktenzeichen=V%20R%2047/96
Timestamp: 2020-04-03 20:03:08
Document Index: 173441016

Matched Legal Cases: ['§ 27', '§ 163', '§ 27', '§ 163', '§ 163', '§ 102', '§ 29', '§ 163', '§ 131', '§ 102', '§ 163', '§ 131', '§ 102', '§ 5', '§ 102', '§ 163', '§ 131', '§ 102']

BFH, 21.08.1997 - V R 47/96 - dejure.org
https://dejure.org/1997,1614
BFH, 21.08.1997 - V R 47/96 (https://dejure.org/1997,1614)
BFH, Entscheidung vom 21.08.1997 - V R 47/96 (https://dejure.org/1997,1614)
BFH, Entscheidung vom 21. August 1997 - V R 47/96 (https://dejure.org/1997,1614)
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UStG DDR § 27 Abs. 1; AO 1977 § 163
Umsatzsteuer - Bauleistungen
DDR: UStG § 27 Abs. 1; AO (1977) § 163
Umsatzsteuer; keine abweichende Steuerfestsetzung nach UStG DDR aus sachlichen Billigkeitsgründen bei Ausführung von Leistungen aus Altverträgen
AO 1977 § 163, FGO § 102, UStG § 29 Abs 1 S 1 J: 1980, UStG (DDR) J: 1990
Abweichende Steuerfestsetzung; Deutsche Demokratische Republik; Gesetzeslücke; Sachliche Billigkeit; Übergangsregelung
Die Entscheidung nach § 163 AO ist zwar grundsätzlich eine Ermessensentscheidung (Beschluss des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes vom 19. Oktober 1971 Gms-OGB 3/70, BFHE 105, 101, BStBl II 1972, 603 zu § 131 der Reichsabgabenordnung; BFH-Urteil vom 21. August 1997 V R 47/96, BFHE 183, 304, BStBl II 1997, 781), die im finanzgerichtlichen Verfahren nur eingeschränkt überprüfbar ist (§ 102 FGO).
dd) Jedenfalls könnte dem Verweis auf eine Billigkeitsentscheidung nicht entgegengehalten werden, dass es sich bei der Entscheidung nach § 163 AO grundsätzlich um eine Ermessensentscheidung handelt (vgl. dazu Beschluss des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes vom 19. Oktober 1971 GmS-OGB 3/70, BFHE 105, 101, BStBl II 1972, 603, zu § 131 der Reichsabgabenordnung; BFH-Urteil vom 21. August 1997 V R 47/96, BFHE 183, 304, BStBl II 1997, 781), die im finanzgerichtlichen Verfahren nur eingeschränkt überprüfbar ist (§ 102 FGO).
Die Entscheidung über ein Erlaßbegehren aus Billigkeitsgründen ist - wie sich bereits aus dem Wortlaut der Vorschrift ergibt - eine Ermessensentscheidung der Finanzverwaltung (§ 5 AO ), die seitens der Gerichte nur in den von § 102 FGO gezogenen Grenzen überprüft werden kann (Beschluß des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes vom 19. Oktober 1971, GmS-OGB 3/70, BStBl II 1972, 603 ff.; BFH…, Beschluß vom 20. Februar 1990 - IV B 94/89, Sammlung amtlich nicht veröffentlichter Entscheidungen des Bundesfinanzhofes -BFH/NV- 1991, 16;… Beschluß vom 15. Juli 1993 - III B 8/93, BFH/NV, 1994, 439; Urteil vom 26. Oktober 1994 - X R 104/92, BStBl II 1995, 297, 298; Urteil vom 21. August 1997 - V R 47/96, BStBl. II 1997, 781, 782).
Eine Billigkeitsmaßnahme wegen sachlicher Unbilligkeit kommt in Betracht, wenn die Besteuerung eines Sachverhalts, der unter einen gesetzlichen Besteuerungstatbestand fällt, im Einzelfall mit dem Sinn und Zweck des Steuergesetzes nicht vereinbar ist, wenn also der gesetzliche Tatbestand erfüllt ist, das Ergebnis aber den gesetzlichen Wertungen zuwiderläuft (vgl. BFH, Urteil vom 9. Februar 1972 - II R 99/70, BStBl II 1972, 503, 505; Urteil vom 21. Februar 1991 - V R 105/84, BStBl II 1991, 498, 499;… Urteil vom 26. Mai 1994 - IV R 51/53, BStBl II 1994, S. 833, 834 m.w.N.; Urteil vom 21. August 1997 - V R 47/96, BStBl II 1997, 781, 782), ohne daß dies durch teleologische Auslegung bei der Gesetzesanwendung beseitigt werden kann.
Es muß folglich ein Überhang des gesetzlichen Tatbestandes über die Wertungen des Gesetzgebers vorliegen (BFH, Urteil vom 21. Januar 1992 - VIII R 51/88, BStBl II 1993, 3, 4; Urteil vom 26. Oktober 1994 - X R 104/92, BStBl II 1995, 297, 298; Urteil vom 21. August 1997 - V R 47/96, BStBl II 1997, 781, 782 m.w.N).
Die Entscheidung nach § 163 AO ist zwar grundsätzlich eine Ermessensentscheidung (Beschluss des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes vom 19. Oktober 1971 Gms-OGB 3/70, BStBl II 1972, 603 zu § 131 der Reichsabgabenordnung; BFH-Urteil vom 21. August 1997 V R 47/96, BStBl II 1997, 781), die im finanzgerichtlichen Verfahren nur eingeschränkt überprüfbar ist (§ 102 FGO).
In diesem Sinne muss also ein Überhang des gesetzlichen Tatbestandes über die Wertungen des Gesetzgebers bestehen (Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 31. Mai 1995 I R 163/94, BFH/NV 1996, 310, sowie BFH-Beschluss vom 20. Oktober 2000 I B 47/00, BFH/NV 2001, 442 unter Verweis auf BFH-Urteile vom 21. August 1997 V R 47/96, BFHE 183, 304, BStBl II 1997, 781, und vom 23. März 1998 II R 41/96, BFHE 185, 270, BStBl II 1998, 396).
Eine abweichende Steuerfestsetzung aus sachlichen Gründen kommt insbesondere dann in Betracht, wenn die Besteuerung eines Sachverhalts, der unter einen gesetzlichen Besteuerungstatbestand fällt, im Einzelfall mit Sinn und Zweck des Steuergesetzes nicht vereinbar ist und dadurch ein Überhang des gesetzlichen Tatbestandes über die Wertungen des Gesetzgebers besteht (…vgl. dazu insgesamt etwa BFH-Urteile vom 6.9. 2011 VIII R 55/10, BFH/NV 2012, 269 und vom 21.8. 1997 V R 47/96, BStBl. II 1997, 781 m.w.N.).
BFH, 04.04.2003 - V B 212/02