Source: https://www.kinderschutz-zentrum.at/content/scheidungsberatung-paragraph-95.html?tmpl=component&print=1&page=
Timestamp: 2020-02-22 15:35:14
Document Index: 278188854

Matched Legal Cases: ['§95', '§ 107', '§ 95', '§ 95', '§ 95', '§ 95']

Scheidungsberatung Paragraph 95
Scheidungsberatung im Verein Hilfe für Kinder und Eltern
Ab 01. Februar 2013 wurde im österreichischen Familienrecht vieles anders: So wurde das Kindschaftsrecht grundlegend reformiert und damit ergeben sich auch wesentliche Änderungen bei Rechten und Pflichten von Vätern und Müttern. So ist für jede einvernehmliche Scheidung §95 Abs. 1a AußStrG eine Bescheinigung über ein Beratungsgespräch hinsichtlich „der spezifisch aus der Scheidung resultierenden Bedürfnisse der Kinder“ vorzulegen. Die Bescheinigung benötigen sämtliche ScheidungskandidatInnen. Diese Beratung bieten wir ab sofort im Verein Hilfe für Kinder und Eltern, Kinderschutz-Zentrum Graz an.
Die in der UN-Kinderrechtskonvention grundgelegten Prinzipien wurden damit in vielerlei Hinsicht berücksichtigt. Die Interessen und das Wohl des Kindes sollen durch das neue Gesetz in vor Gericht ausgetragenen Obsorge- und Kontaktrechtskonflikten deutlich in den Vordergrund gerückt werden. Dies bedeutet aber auch, dass alle Paare in Österreich, die eine einvernehmliche Scheidung anstreben, gesetzlich verpflichtet sind, Elternberatung in Anspruch zu nehmen. Bei strittiger Scheidung besteht eine solche allgemeine gesetzliche Verpflichtung zwar nicht, das Pflegschaftsgericht hat aber nach § 107 Abs. 3 AußStrG die Möglichkeit, den Eltern eine Beratung im Sinn des § 95 Abs. 1a AußStrG (oder auch eine umfassendere) aufzutragen.
Vereinbaren Sie einfach mit uns telefonisch einen Termin:
Griesplatz 32, 8020 Graz Tel: 0316/83 19 41
Die Beratung soll gemeinsam beansprucht werden und kostet pro Beratungseinheit € 70,00.
Verpflichtende Beratung – hat dies überhaupt Sinn?
Grundsätzlich könnte davon ausgegangen werden, dass Beratung unbedingte Freiwilligkeit braucht, um Verstehensprozesse in Gang zu bringen, Veränderungen im pädagogischen Handeln zu erreichen und Eltern dazu zu bringen, dass sie dem Folge leisten, was jemand anderer rät.
Gerade die generelle Praxis von Scheidungsberatungen weist aber auch auf anderes hin und bringt einige, gewissermaßen „beratungsfördernde“, Vorteile der Verpflichtung zur Beratung in den Blick: Grundgedanke der Norm ist natürlich, dass Eltern – wenn auch unfreiwillig – in die Lage versetzt werden zu erfahren, wie Kinder auf emotionaler Ebene die Scheidung erleben, wodurch ein Verstehensprozess in Gang kommen kann, der ohne diese Aufklärung vielleicht nicht entstanden wäre. Der „Zwangscharakter“ dieser Beratungsform kann bei manchen Eltern erreichen, dass diese „an den eigenen Bedenken vorbei“ Beratung konsumieren: Die Angst, der Besuch von Elternberatung könnte bei Gericht als „Beweis einer pädagogischen Schwäche“ interpretiert werden und in einem Verfahren nachteilig wirken, ist im Falle von Elternberatung § 95 Abs. 1a AußStrG unangebracht.
Die Beratungspraxis zeigt außerdem, dass der Besuch einer Beratung, zu der beide Elternteile verpflichtet sind, bei manchen Elternpaaren erste Kooperationen zu einer „Elternschaft neu“ entstehen lassen, die ohne dieses Beratungsangebot zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich gewesen wären.
* Das Erleben der Kinder, deren Bedürfnisse, Wünsche, Nöte, Ängste und Reaktionen im Zusammenhang mit der elterlichen Scheidung sollen im Mittelpunkt der Beratung stehen.
* Die Rechte der Kinder (auf Fürsorge, Geborgenheit und den Schutz der körperlichen und seelischen Integrität, auf Berücksichtigung ihrer Meinung sowie auf verlässliche Kontakte zu beiden Elternteilen) und die damit verbundenen Konsequenzen für die Gestaltung der aktuellen und zukünftigen Lebenssituation der Kinder sollen verdeutlicht werden.
* Die emotionalen Herausforderungen und Konflikte von Eltern sollen angesprochen und thematisiert werden.
* Eltern sollen auf die verschiedenen Möglichkeiten zur Unterstützung und Entlastung der Kinder aufmerksam gemacht werden.
* Es soll auf die Chancen hingewiesen werden, die aus einer Scheidung erwachsen können (etwa das Aufwachsen in weniger konfliktbehafteter Atmosphäre).
* Die Inanspruchnahme von Beratung soll enttabuisiert und auf weiterführende unterstützende und beratende Angebote soll verwiesen werden.
Inhalte, die auf der Kinderebene zu vermitteln sind
Nachfolgend sind jene inhaltlichen Richtlinien formuliert, die sich auf das Erleben der Kinder im Kontext von Scheidung beziehen. Hier ist zu zeigen, wie sich das Erleben der Kinder auf ihre mittel- und langfristige seelische und geistige Entwicklung auswirkt: Psychosomatik, Selbstwert, Schulkarriere, Über-Ich-Entwicklung, geschlechtliche Identität, Einstellung zum anderen Geschlecht, Vertrauen in Beziehungen und Liebesfähigkeit, die Wahrscheinlichkeit, psychisch gesund zu bleiben oder zu erkranken (Aggressivität, Depressionen).
Bedürfnisse, Gefühle und Konflikte der Kinder
Im Rahmen der Beratung nach § 95 Abs. 1a AußStrG sollen Eltern im Hinblick auf das emotionale Erleben der Kinder darüber informiert werden, dass die Scheidung der Eltern:
* Kinder mit Schuldgefühlen belastet, da sie davon ausgehen, dass „eigenes, kindliches Fehl-Verhalten“ der mögliche Grund für die Scheidung gewesen sein könnte,
* Ängste auslöst, den Elternteil – der eventuell weggeht oder nicht mehr so häufig da ist – (ganz) zu verlieren,
* Loyalitätskonflikte verursacht und Kinder versuchen, auf der einen und der anderen Seite jedes Elternteils zu stehen und den Vorstellungen des jeweiligen Elternteils zu entsprechen.
* keine Abwertungen und Beleidigungen über den anderen Elternteil hören und erfahren zu müssen,
* neue Partner der Eltern nicht sofort kennenlernen zu müssen,
* wichtige Rituale des Alltags möglichst beibehalten zu können.
* die meisten dieser Reaktionen vom Kind nicht „bewusst gesteuert und initiiert“ sind, sondern als Ausdruck innerpsychischer Verarbeitungsprozesse verstanden werden müssen, um die erlebten Verluste bewältigen zu können,
* Kinder, die keine Reaktionen zeigen, von den Eltern ermutigt werden sollten, ihre Gefühle auszudrücken, und das Auftauchen von Symptomen (wie beispielsweise Gereiztheit, Aggressionen, erhöhte Traurigkeit, aber auch Einnässen, Schulversagen oder körperliche Symptome) als Form des Ausdrucks von inneren Spannungen verstanden werden kann.
Inhalte, die auf der Elternebene zu vermitteln sind
In der Beratung nach § 95 Abs. 1a AußStrG soll Eltern vermittelt werden, dass aus pädagogischer und entwicklungspsychologischer Sicht die Möglichkeit besteht, die Trennung von Eltern konstruktiv und ohne traumatische Langzeitfolgen zu verarbeiten.
* viele sich trennende oder getrennte Eltern geradezu zwangsläufig in einen schwierigen Konflikt geraten: dass einiges, was die Eltern aufgrund ihrer eigenen Krise, ihrer Kränkungen und Verletzungen und ihrer Angst, die Kinder an den anderen zu verlieren, brauchen würden, um selbst wieder ins Gleichgewicht zu kommen, im Widerspruch steht zu dem, was die Kinder in dieser Zeit brauchen. Typische Beispiele solcher Verhaltensweisen der Eltern: die Loyalität der Kinder sichern, Reduzierung des Kontaktes zum anderen Elternteil, weil die Kinder nach den Besuchen außer sich sind, in den Besuchszwischenzeiten vom anderen nichts hören oder gar reden müssen, die Ersetzung von Mutter oder Vater durch neue Partner …,
* dieser Konflikt in der Regel bei allen Eltern in irgendeiner Weise besteht: Dass das, was mir (als Mutter/Vater) guttut, meinem Kind nicht guttut, ja es vielleicht sogar schädigt, gehört zu den schmerzlichsten Einsichten von
* Eltern, die sich trennen/getrennt haben. Und es ist zweifellos als heroische Leistung anzuerkennen, wenn Eltern es schaffen, diesen Konflikt erstens nicht zu verleugnen und zweitens über den eigenen Schatten zu springen,
Elterliche Handlungen, die für Kinder entlastend sind
* immer wieder dem Alter und der Befindlichkeit entsprechend die Möglichkeit gegeben wird, über die Scheidung, die damit verbundenen Ereignisse, aber auch diesbezügliche Ursachen zu sprechen,
* berücksichtigt wird, dass die Kontaktaufnahmen der Kinder mit dem andern Elternteil einen verlässlichen Rahmen brauchen, innerhalb dessen Flexibilität für Sonderregelungen möglich ist,
* Kinder nicht als „Spione und Botschafter“ des jeweils anderen Elternteils gesehen und verwendet werden, um Ängste und Konflikte der Kinder nicht zu verstärken,
* Eltern sich fachliche Beratung und Unterstützung holen und somit jemanden haben, der ihnen dabei hilft, den Blick auf die Bedürfnisse der Kinder zu bewahren.
* Kinder (egal welchen Alters) auch bei jedem Elternteil „Übergangsobjekte“ haben, also Dinge, die – weil sie für die Kinder von emotionaler Bedeutung sind oder den abwesenden Elternteil symbolisieren (hier z. B. Fotos) – als „Brückenbauer“ fungieren (zwischen den zwei verschiedenen Wohnorten) sowie
Die Beratung soll gemeinsam beansprucht werden und kostet pro Person € 30,00.