Source: http://www.servat.unibe.ch/dfr/bger/190326_8C_732-2018.html
Timestamp: 2020-02-22 11:21:09
Document Index: 83115331

Matched Legal Cases: ['BGer', 'BGer', 'BGE', 'Art. 95', 'Art. 106', 'Art. 42', 'BGE', 'Art. 118', 'BGE', 'Art. 18', 'Art. 16', 'BGE']

DFR - BGer 8C_732/2018 vom 26.03.2019
BGer 8C_732/2018 vom 26.03.2019
A. Der 1955 geborene A.________ war als Zimmermann bei der von ihm geführten B.________ AG tätig und damit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch unfallversichert. Am 20. Januar 2012 erlitt er bei einem Autounfall eine mehrfragmentäre Calcaneusfraktur links, die am 25. Januar und 21. März 2012 sowie am 9. Dezember 2013 operativ versorgt wurde. Die Suva kam für die Heilbehandlung und das Taggeld auf. Mit Verfügung vom 8. April 2016 sprach sie dem Versicherten ab 1. Oktober 2015 eine Invalidenrente bei einer Erwerbsunfähigkeit von 20 % und einem versicherten Jahresverdienst von Fr. 55'677.- sowie eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 15 % zu. In teilweiser Gutheissung seiner Einsprache gewährte sie ihm ab 1. Oktober 2015 eine Invalidenrente bei einer Erwerbsunfähigkeit von 21 % und einem versicherten Jahresverdienst von Fr. 75'000.-. Im Übrigen wies sie die Einsprache ab (Entscheid vom 10. Januar 2017).
B. In teilweiser Gutheissung der hiergegen geführten Beschwerde hob das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen den Einspracheentscheid auf. Es sprach dem Versicherten ab 1. Oktober 2015 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 26 % zu. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung wies es die Sache an die Suva zurück (Entscheid vom 11. September 2018).
C. C.a. Die Suva (Verfahren 8C_732/2018) und der Versicherte (Verfahren 8C_742/2018) führen Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten. Erstere beantragt die Aufhebung des kantonalen Entscheides. Letzterer stellt den Antrag, in dessen Aufhebung sei ihm ab 1. Oktober 2015 eine Invalidenrente bei einer Erwerbsunfähigkeit von 100 % zuzusprechen.
2. Da den beiden Beschwerden derselbe Sachverhalt zu Grunde liegt, sich die gleichen Rechtsfragen stellen und die Rechtsmittel den nämlichen vorinstanzlichen Entscheid betreffen, rechtfertigt es sich, die beiden Verfahren zu vereinigen und in einem einzigen Urteil zu erledigen (BGE 131 V 59 E. 1 S. 60 f., 128 V 124 E. 1 S. 126).
3. Mit der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann eine Rechtsverletzung nach Art. 95 f. BGG gerügt werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Dennoch prüft es - offensichtliche Fehler vorbehalten - nur die in seinem Verfahren gerügten Rechtsmängel (Art. 42 Abs. 1 f. BGG; BGE 135 II 384 E. 2.2.1 S. 389).
4. Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vom 25. September 2015 revidierten Bestimmungen des UVG in Kraft getreten (AS 2016 4375; BBl 2008 5395, 2014 7911). Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, werden nach bisherigem Recht gewährt (vgl. Übergangsbestimmung in Art. 118 Abs. 1 UVG; BGE 143 V 285 E. 2.1 S. 287). So verhält es sich - wie die Vorinstanz richtig erkannt hat - auch hier, weshalb nachfolgend auf das bisherige Recht und die dazu ergangene Rechtsprechung Bezug genommen wird. Das kantonale Gericht hat die rechtlichen Grundlagen über den Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG) und die Invaliditätsbemessung nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG) richtig dargelegt. Gleiches gilt bezüglich der Praxis zur Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit der versicherten Person bei vorgerücktem Alter (BGE 138 V 457). Darauf wird verwiesen.
6. Der Versicherte wendet im Wesentlichen ein, der Wechsel in eine andere berufliche Tätigkeit sei ihm schon altersbedingt nicht mehr ohne Weiteres zumutbar. Zudem sei er für eine Hilfstätigkeit offensichtlich überqualifiziert. Es widerspreche jeglicher Lebenserfahrung, dass ein ehemaliger Chef als Hilfsarbeiter angestellt werde. Nicht berücksichtigt habe die Vorinstanz auch, dass er stets im gleichen Holzbauunternehmen gearbeitet und somit keine Erfahrung mit beruflichen Umstellungen habe. Eine andere Tätigkeit würde somit einen Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand erfordern. Der Zeitraum, der ihm für eine berufliche Tätigkeit noch zur Verfügung stünde, wäre somit äussert knapp, weshalb seine Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt werde. Weiter wäre mit der Aufnahme einer leidensangepassten Hilfsarbeit ein beruflicher und sozialer Abstieg verbunden. Er habe immer in X.________ gearbeitet, wo jeder jeden kenne. Er sei als Betriebsinhaber und Geschäftsführer bekannt. Es wäre unerträglich, den gleichen Leuten als Hilfsarbeiter zu begegnen.
Erwägung 8 55
8. Erwägung 8.1 56
Erwägung 8.2 59
Erwägung 9 64
1. Die Verfahren 8C_732/2018 und 8C_742/2018 werden vereinigt.
2. Die Beschwerde des Versicherten (8C_742/2018) wird abgewiesen.
3. Die Beschwerde der Suva (8C_732/2018) wird gutgeheissen. Der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. September 2018 wird aufgehoben und der Einspracheentscheid der Suva vom 10. Januar 2017 wird bestätigt.
4. Die Gerichtskosten von total Fr. 1'600.- werden dem Versicherten auferlegt.