Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_aktuell_2008.html
Timestamp: 2017-10-23 09:36:23
Document Index: 226615394

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', '§ 613', '§ 14', 'EuG', '§ 14', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art.2', 'Art.8', 'EuG', 'EuG', 'Art.2', 'EuG', 'EuG', 'Art.10', 'EuG', 'Art.7', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

HENSCHE Arbeitsrecht: Aktuelles Arbeitsrecht 2008: Urteile, Gesetzgebung, Europarecht, Arbeit & Soziales
Ak­tu­el­les Ar­beits­recht 2008: Ur­tei­le, Ge­setz­ge­bung, Eu­ro­pa­recht, Ar­beit & So­zia­les
Auf die­ser Sei­te fin­den Sie ak­tu­el­le Kom­men­ta­re zum Ar­beits­recht 2008, ins­be­son­de­re zu Ur­tei­len und zur Ar­beits­markt- und So­zi­al­po­li­tik.
Bei­trä­ge aus an­de­ren Jah­ren fin­den Sie un­ter Ar­beits­recht 2016, Ar­beits­recht 2015, Ar­beits­recht 2014, Ar­beits­recht 2013, Ar­beits­recht 2012, Ar­beits­recht 2011, Ar­beits­recht 2010, Ar­beits­recht 2009, Ar­beits­recht 2007, Ar­beits­recht 2006, Ar­beits­recht 2005, Ar­beits­recht 2004, Ar­beits­recht 2003, Ar­beits­recht 2002 und un­ter Ar­beits­recht 2001.
08/135 Betriebsteilübergang auch ohne Wahrung der organisatorischen Selbständigkeit
17.12.2008: In ei­nem vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düssel­dorf zu ent­schei­den­den Fall, der dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof (EuGH) zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­liegt, hat der Ge­ne­ral­an­walt Pao­lo Men­goz­zi in sei­nen Schluss­anträgen vom 06.11.2008 die An­sicht ver­tre­ten, dass ein Be­triebs­teilüber­gang im Sin­ne der Richt­li­nie 2001/23/EG auch dann vor­lie­gen kann, wenn die über­nom­me­nen Be­triebs­mit­tel und Ar­beits­kräfte nach ih­rer Über­tra­gung ih­re bis­he­ri­ge or­ga­ni­sa­to­ri­sche Selbständig­keit ver­lie­ren. Soll­te der EuGH die­sem Ent­schei­dungs­vor­schlag sei­nes Ge­ne­ral­an­walts Men­goz­zi fol­gen, wären künf­tig mehr Fälle als bis­her Be­triebs­teilübergänge im Sin­ne von § 613a Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB): Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts Pao­lo Men­goz­zi, vom 06.11.2008, C‑466/07 (Diet­mar Kla­ren­berg ge­gen Fer­ro­tron Tech­no­lo­gies GmbH).
02.12.2008. Die EU-Kom­mis­si­on will die Mut­ter­schutz­richt­li­nie (Richt­li­nie 92/85/EWG des Ra­tes vom 19.10.1992) ändern. Der be­zahl­te Mut­ter­schafts­ur­laub soll von der­zeit 14 auf min­des­tens 18 Wo­chen verlängert wer­den. Soll­te die Richt­li­nie in die­ser Wei­se geändert wer­den, müss­te auch das Mut­ter­schutz­ge­setz (MUSchG) an­ge­passt wer­den: Vor­schlag für ei­ne Richt­li­nie des Eu­ropäischen Par­la­ments und Ra­tes zur Ände­rung der Richt­li­nie 92/85/EWG des Ra­tes vom 19. Ok­to­ber 1992 über die Durchführung von Maßnah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen am Ar­beits­platz vom 03.10.2008.
08/120 Altersgrenze für Flugbegleiter
24.11.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) vor kur­zem hat ent­schie­den, dass ei­ne ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für Flug­be­glei­ter sach­lich nicht ge­recht­fer­tigt im Sin­ne von § 14 Abs.1 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) und da­her un­wirk­sam ist. In die­sem Ver­fah­ren leg­te das BAG außer­dem dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof (EuGH) die Fra­ge vor, ob die bis zum 30.04.2007 gel­ten­de Re­ge­lung des § 14 Abs.3 Tz­B­fG mit dem Eu­ro­pa­recht ver­ein­bart ist. Nach die­ser Re­ge­lung war die Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen mit 58jähri­gen oder älte­ren Ar­beit­neh­mern ge­ne­rell oh­ne Sach­grund möglich: BAG, Be­schluss vom 16.10.2008, 7 AZR 253/07 (A).
08/108 EuGH distanziert sich erneut vom Mangold-Urteil.
23.10.2008. Mit ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil ist der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) auf Dis­tanz zu sei­nem po­li­tisch und ju­ris­tisch um­strit­te­nen Ur­teil in der Sa­che Man­gold ge­gan­gen (EuGH, Ur­teil von 22.11.2005, C-144/04 - Man­gold). Ge­genüber sei­ner Man­gold-Ent­schei­dung hat der EuGH jetzt klar­ge­stellt, dass die Mit­glied­staa­ten der EU vor Ab­lauf der Frist für die Um­set­zung der Gleich­be­hand­lungs­richt­li­nie (Richt­li­nie 2000/78/EG) nicht da­zu ver­pflich­tet sind, ei­nen recht­li­chen Schutz von Er­werbs­per­so­nen vor Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen ih­res Al­ters zu gewähr­leis­ten: EuGH, Ur­teil vom 23.09.2008, C‑427/06 (Bartsch gg. Bosch und Sie­mens Haus­geräte (BSH) Al­tersfürsor­ge GmbH).
23.09.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat­te mit Ur­teil vom 26.04.2006 (7 AZR 500/04) ent­schie­den, dass die we­sent­li­chen Aus­sa­gen des Man­gold-Ur­teils des Erupäischen Ge­richtshfs (EuGH) für deut­sche Ge­rich­te ver­bind­lich sei­en. Dem­zu­fol­ge hat das BAG die po­li­tisch und recht­lich um­strit­te­ne, im da­ma­li­gen Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz ent­hal­te­ne Möglich­keit ei­ner sach­grund­lo­sen Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen mit Ar­beit­neh­mern im Al­ter ab 52 Jah­ren als ungültig be­han­delt, d.h. das BAG hat ein deut­sches Ge­setz nicht an­ge­wandt. Ge­gen die­ses zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers er­gan­ge­ne Ur­teil des BAG leg­te die­ser Ver­fas­sungs­be­schwer­de ein, die nun­mehr in Karls­ru­he vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) zur Ent­schei­dung an­steht (2 BvR 2661/06).
08/095 Diskriminierung bei Benachteiligung eines Arbeitsnehmers wegen der Behinderung seines Kindes
27.08.2008. Die Richt­li­nie 78/2000/EG schützt Ar­beit­neh­mer ge­gen Dis­kri­mi­nie­run­gen im Er­werbs­le­ben "we­gen ei­ner Be­hin­de­rung". Nach ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs (EuGH) kann ei­ne ver­bo­te­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne die­ser Richt­li­nie auch dann vor­lie­gen, wenn der be­nach­tei­lig­te Ar­beit­neh­mer zwar selbst nicht be­hin­dert ist, aber ei­nen be­hin­der­ten An­gehöri­gen hat, um den er sich kümmern muss. Führt die­se pri­va­te Be­las­tung zu ei­ner Be­nach­tei­li­gung im Ar­beits­verhält­nis, kann ei­ne be­hin­de­rungs­be­ding­te Dis­kri­mi­nie­rung vor­lie­gen: EuGH, Ur­teil vom 17.07.2008, C-303/06 (Cole­man gg. At­triddge Law, Ste­ve Law).
30.07.2008. Äußert ein Ar­beit­ge­ber im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Ein­stel­lungs­kam­pa­gne öffent­lich, er wer­de Ein­wan­de­rer ab­leh­nen, ist das ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der eth­ni­schen Her­kunft gemäß Art.2 Abs.2 Buch­sta­be a) der Richt­li­nie 2000/43/EG. Sol­che Äußerun­gen genügen, um ei­ne Ver­mu­tung für ei­ne dis­kri­mi­nie­ren­de Ein­stel­lungs­po­li­tik im Sin­ne des Art.8 Abs.1 der Richt­li­nie 2000/43 zu be­gründen. Der Ar­beit­ge­ber muss dann be­wei­sen, dass er den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz bei sei­ner Ein­stel­lungs­pra­xis nicht ver­letzt: Eu­ropäischer Ge­richts­hof, Ur­teil vom 10.07.2008, C-54/07.
14.07.2008. In Hes­sen und in an­de­ren Bun­desländern gel­ten Höchst­al­ters­gren­zen für die Ein­stel­lung als Feu­er­wehr­be­am­ter, die älte­re In­ter­es­sen­ten bzw. Be­wer­ber als ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ih­res Al­ters emp­fin­den. Und in der Tat: Sol­che Al­ters­gren­zen, die in Hes­sen mit 30 Jah­ren recht nied­rig sind, sind ei­ne Be­nach­tei­lig­tung Älte­rer und müssen da­her sach­lich ge­recht­fer­tigt sein. Ob das der Fall ist, soll nun der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) ent­schei­den: Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main, Be­schluss vom 21.04.2008, 9 E 3856/07.
08/069 Einigung über EU-Richtlinien zur Arbeitszeit und zur Leiharbeit
04.07.2008. Am 10.06.2008 ei­nig­ten sich die Ar­beits­mi­nis­ter der EU-Staa­ten über ei­ne "Entschärfung" der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 04.11.2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung („Ar­beits­zeit­richt­li­nie“) und auf die Ver­a­ba­schie­dung ei­ner neu­en Richt­li­nie zur ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­merüber­las­sung ("Leih­ar­beit"): Pres­se­mit­te­lung der EU-Kom­mis­si­on vom 10.06.2008, IP/08/912.
08/060 Kein Familienzuschlag für Beamte in Lebenspartnerschaft
20.06.2008. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG) ist es kei­ne un­zulässi­ge Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Iden­tität und auch kein Ver­s­toß ge­gen das Grund­ge­setz (GG), schwu­le und les­bi­sche Be­am­te bzw. Be­am­tin­nen vom Ver­hei­ra­te­ten­zu­schlag aus­zu­neh­men, ob­wohl sie mit ih­rem Part­ner in ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft le­ben. In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung hat das BVerfG noch mal nach­ge­legt und klar­ge­stellt, dass die­se Schlech­ter­stel­lung auch nicht ge­gen die Richt­li­nie 2000/78/EG verstößt: BVerfG, Be­schluss vom 06.05.2008, 2 BvR 1830/06.
19.06.2008. Be­triebs­ren­ten­re­ge­lun­gen ent­hal­ten manch­mal Al­ters­ab­stands­klau­seln, mit de­nen Wit­wen bzw. Wit­wer ver­stor­be­ner Ar­beit­neh­mer vom Be­zug ei­ner Hin­ter­blie­be­nen­ren­te aus­ge­schlos­sen wer­den, falls sie er­heb­lich - et­wa mehr als 15 Jah­re - jünger als der Ver­stor­be­ne sind. Das ist mögli­cher­wei­se ei­ne mit­tel­ba­re Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung älte­rer Ar­beit­neh­mer, die häufi­ger als jünge­re von ei­ner sol­chen Klau­sel be­trof­fen sind, wenn sie im vor­gerück­ten Al­ter hei­ra­ten - denn mit 20 oder 25 kann man nie­man­den hei­ra­ten, der mehr als 15 Jah­re jünger ist. Ei­ne sol­che Schlech­ter­stel­lung älte­rer Ar­beit­neh­mer ist vor dem Hin­ter­grund der Richt­li­nie 2000/78/EG nicht al­lein da­mit zu recht­fer­ti­gen, dass der zah­lungs­pflich­ti­ge Ar­beit­ge­ber sei­ne fi­nan­zi­el­len Las­ten be­schränken will: Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin beim Eu­ropäischen Ge­richts­hof (EuGH) E. Sharps­ton, vom 22.05.2008, C-427/06 (Bosch und Sie­mens Haus­geräte (BSH) Al­tersfürsor­ge GmbH).
30.05.2008. Die eu­ropäische Kom­mis­si­on for­dert ei­ne bes­se­re Um­set­zung der Ent­sen­de-Richt­li­nie. Künf­tig soll ein Bin­nen­markt­in­for­ma­ti­ons­sys­tem (In­ter­nal Mar­ket In­for­ma­ti­on Sys­tem, IMI) den In­for­ma­ti­ons­aus­tausch zwi­schen den EU-Ländern er­leich­tern. Zu die­sem In­for­ma­ti­ons­sys­tem sol­len auch ent­sand­te Ar­beit­neh­mer Zu­gang ha­ben. Die Ar­beit­neh­mer sol­len da­mit leicht zugäng­li­che, verläss­li­che und ak­tu­el­le In­for­ma­tio­nen über die Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen des Ziel­lan­des er­hal­ten und da­durch ih­re Rech­te bes­ser durch­set­zen können: Ver­bes­se­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen für 1 Mil­li­on ent­sand­te Ar­beit­neh­mer: EU for­dert ra­sches Han­deln, Pres­se­mit­tei­lung der Eu­ropäsi­schen Kom­mis­si­on vom 03.04.2008.
08/054 Diskriminierung durch öffentliche Äußerungen - auch ohne konkretes Opfer?
26.05.2008. Äußert ein Ar­beit­ge­bers während ei­ner Ein­stel­lungs­kam­pa­gne öffent­lich, dass er Be­wer­bun­gen von Ein­wan­de­rern ab­leh­nen würde, stellt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der eth­ni­schen Her­kunft im Sin­ne von Art.2 Abs.2 Buch­sta­be a) der Richt­li­nie 2000/43/EG dar, auch wenn kein in­di­vi­du­el­ler Be­wer­ber da­von be­trof­fen ist: Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts M. Poia­res Ma­du­ro, vom 12.03.2008, Rs. C-54/07 (Fe­ryn).
08/046 Europarecht verbietet Benachteiligungen von Homosexuellen beim Bezug von Hinterbliebenenrenten
28.04.2008. Künf­tig können Schwu­le und Les­ben, die mit ih­rem ver­stor­be­nen Part­ner in ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner ge­lebt ha­ben, wie ehe­mals ver­hei­ra­te­te Wit­wer ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ren­te aus be­rufs­be­zo­ge­nen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen ver­lan­gen. Denn die tra­di­tio­nel­le Bes­ser­stel­lung von ehe­mals ver­hei­ra­te­ten Hin­ter­blie­be­nen verstößt ge­gen die Richt­li­nie 2000/78/EG. Denn die­se Richt­li­nie will al­le For­men der Dis­kri­mi­nie­run­gen beim Be­zug von „Ar­beits­ent­gelt“ we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung be­sei­ti­gen: Eu­ropäischer Ge­richts­hof, Ur­teil vom 01.04.2008, C-267/06 (Ta­dao Ma­ru­ko).
17.04.2008. Bei der Ver­ga­be öffent­li­cher Auf­träge kann die öffent­li­che Hand Be­din­gun­gen stel­len, d.h. dar­auf ach­ten, dass die be­auf­trag­ten Un­ter­neh­men be­stimm­te Min­destlöhne zah­len. Das darf aber nicht zu­las­ten ausländi­scher An­bie­ter ge­hen, denn das ver­bie­tet das eu­ropäische Recht und hier ins­be­son­de­re die Richt­li­nie 96/71/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 16.12.1996 über die Ent­sen­dung von Ar­beit­neh­mern im Rah­men der Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen (Ent­sen­de­richt­li­nie). Der Eu­ropäischen Ge­richts­hofs (EuGH) hat in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil ent­schie­den, dass die Ent­sen­de­richt­li­nie mit ver­ga­be­recht­li­chen Vor­schrif­ten in EU-Mit­glied­staa­ten un­ver­ein­bar ist, de­nen zu­fol­ge Bau­aufträge nur an Un­ter­neh­men ver­ge­ben wer­den können, die bei der Ausführung min­des­tens den am Ausführungs­ort gel­ten­den Ta­rif­lohn zah­len: EuGH, Ur­teil vom 03.04.2008, Rs. C-346/06 (Rüffert).
20.03.2008. Art.10 Nr.1 der Richt­li­nie 92/85/EWG schreibt vor, dass die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Maßnah­men zu tref­fen ha­ben, um die Kündi­gung schwan­ge­rer Ar­beit­neh­me­rin­nen vom Be­ginn der Schwan­ger­schaft bis zum En­de des Mut­ter­schafts­ur­laubs zu ver­bie­ten. Der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) hat jetzt ent­schie­den, dass ei­ne Frau, die sich Ei­zel­len ent­neh­men und die­se außer­halb ih­res Körpers („in vi­tro“) be­fruch­ten lässt, vor der Im­plan­tie­rung der be­fruch­te­ten Ei­zel­len in ih­ren Körper nicht als „schwan­ger“ im Sin­ne der Richt­li­nie an­zu­se­hen ist. Da­her kann sie sich auch nicht auf Vor­schrif­ten des be­son­de­ren Kündi­gungs­schut­zes zu­guns­ten schwan­ge­rer Ar­beit­neh­me­rin­nen be­ru­fen: Eu­ropäischer Ge­richts­hof, Ur­teil vom 26.02.2008, C-506/06 (Mayr).
08/029 Ist der Verfall von Urlaubsansprüchen europarechtswidrig?
25.02.2008. Wird der Min­des­t­ur­laubs­an­spruch von vier Wo­chen, der durch Art.7 der Richt­li­nie 2003/88/EG vor­ge­schrie­ben ist, wie im deut­schen Ur­laubs­recht so um­ge­setzt, dass der An­spruch bei ei­ner lan­ge dau­ern­den Krank­heit im­mer am 31. März des nächs­ten Jah­res verfällt, wer­den Ar­beit­neh­mer in­fol­ge ih­rer Er­kran­kung schlech­ter ge­stellt als ih­re ge­sun­den Kol­le­gen. Das verstößt ge­gen die Richt­li­nie 2003/88/EG, so je­den­falls die Ge­ner­anwältin beim Eu­ropäischen Ge­richts­hof (EuGH) Ve­ri­ca Trs­ten­jak: Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin Ve­ri­ca Trs­ten­jak vom 24.01.2008, C-350/06 (Schultz-Hoff).
08/020 Erste Stufe des Vertragsverletzungsverfahrens gegen Deutschland eingeleitet
05.02.2008. Die Eu­ropäische Kom­mis­si­on hat ge­gen Deutsch­land die ers­te Stu­fe des Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­rens we­gen man­gel­haf­ter Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78/EG (Rah­men­richt­li­nie) in deut­sches Recht ein­ge­lei­tet. Die Richt­li­nie 2000/78/EG dient dem Schutz ge­gen Dis­kri­mi­nie­run­gen im Ar­beits­le­ben und wur­de in Deutsch­land mit dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) um­ge­setzt. Nach An­sicht der Kom­mis­si­on war das un­zu­rei­chend: Eu­ropäische Kom­mis­si­on, Pres­se­mit­tei­lung vom 31.01.2008: Kom­mis­si­on schließt Lücken bei den Re­ge­lun­gen zur Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf.
04.02.2008. Die Eu­ropäische Kom­mis­si­on hat am 23.01.2008 ih­ren fünf­ten Jah­res­be­richt über die Gleich­stel­lung von Männern und Frau­en in der Eu­ropäischen Uni­on vor­ge­legt: Be­richt der Kom­mis­si­on an den Rat, das Eu­ropäische Par­la­ment, den Eu­ropäischen Wirt­schafts- und So­zi­al­aus­schuss und den Aus­schuss der Re­gio­nen zur Gleich­stel­lung von Frau­en und Männern - 2008, vom 23.01.2008
18.01.2008. Streiks können die Nie­der­las­sungs­frei­heit von Un­ter­neh­men in­ner­halb der Eu­ropäischen Uni­on (EU) be­gren­zen, wenn sie die Ver­la­ge­rung von Be­trie­ben in Länder mit nied­ri­ge­rem Lohn­ni­veau ver­hin­dern sol­len. In dem Streit zwi­schen ei­ner fin­ni­schen Ge­werk­schaft und ei­ner fin­ni­schen Ree­de­rei, die ei­nes ih­rer Schif­fe zum Zwe­cke der Lohn­kos­ten­sen­kung künf­tig mit est­ni­scher Be­sat­zung fah­ren las­sen woll­te, ent­schied der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH), dass die Ein­schränkung der Nie­der­las­sungs­frei­heit nur un­ter en­gen Vor­aus­set­zun­gen ge­recht­fer­tigt sein kann. Hier nennt der Ge­richts­hof die kon­kre­te ob­jek­ti­ve Gefähr­dung von Ar­beitsplätzen und die ob­jek­ti­ve "Er­for­der­lich­keit" von Streiks zur Er­rei­chung der ge­werk­schaft­li­chen Zie­le: EuGH, Ur­teil vom 11.12.2007, C-438/05 (Vi­king Li­ne).
08/002 Europarechtswidrige Benachteiligung von Teilzeit-Beamten bei Überstunden
03.01.2008. Wer­den Be­am­te, die in Teil­zeit beschäftigt wer­den, zur Mehr­ar­beit her­an­ge­zo­gen, wird die­se Mehr­ar­beit nach deut­schem Be­am­ten­recht ge­rin­ger vergütet als die ver­gleich­ba­re Ar­beits­zeit von Voll­zeit­be­am­ten. Das kann zu ei­ner mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en führen, falls sich un­ter den Teil­zeit­be­am­ten weit über­wie­gend Frau­en be­fin­den: Eu­ropäischer Ge­richts­hof, Ur­teil vom 06.12.2007, C-300/06 (Voß).