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Timestamp: 2019-12-14 21:16:35
Document Index: 265446631

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 39', '§ 20', '§ 18', '§ 16', '§ 18']

Aufenthaltsgenehmigung und Einreisesperre - frag-einen-anwalt.de
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12.08.2010 13:24 |
Es geht um einen Freund der Familie aus dem nahen Osten (20 Jahre alt), der lange Zeit in Deutschland lebte, der nun wieder in seinem Heimatland ist und dem wir gerne den Aufbau einer Existenz in Deutschland ermöglichen möchten. In diesem Zusammenhang besteht folgende Unklarheit:
- Einreisesperre: Wie finden wir heraus, ob gegen besagten Freund eine Einreisesperre besteht? Hintergrund: Er wurde damals mitsamt seiner Familie des Landes verwiesen, weil die Eltern eine Identitätstäuschung begangen hatten (Angabe eines falschen Namens).
- In unserem familiären Umfeld gibt es jemanden, der ein Unternehmen im medizinischen Bereich betreibt. Wir könnten uns vorstellen, besagtem Freund hier eine Ausbildung zukommen zu lassen (bsp. als Pfleger) und eine entsprechende Aufenthaltsgenehmigung zu bewirken. Wie ist vorzugehen und wie gut stehen unsere Chancen?
- Alternativ schwebt uns vor, ihn als Au Pair einreisen zu lassen, um nachfolgende Schritte direkt in Deutschland planen zu können. Eine befreundete Familie ist bereit, ihn als Au Pair aufzunehmen – und ihm den erforderlichen Freiraum zu geben, diese weiteren Schritte planen zu können. Frage hier: Wie werden die Arbeitseinsätze bzw. wie wird die Tätigkeit von Au Pairs behördlicherseits überprüft und durch wen?
Deutschland Deutschland Aufenthaltsgenehmigung Freund Beschäftigung
wenn Ihr Bekannter mit seiner gesamten Familie des Landes verwiesen wurde, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass die Ausländerbehörde, die damals seine Ausweisung verfügt hat (vermutlich die Ausländerbehörde an seinem letzten Wohnsitz in Deutschland) eine unbefristete Einreisesperre gegen ihnverhängt hat. Diese Rechtsfolge ergibt sich unmittelbar aus § 11 AufenthG.
Die Einreisesperre kann auf Antrag aufgehoben oder befristet werden. Den Antrag kann der Betroffene selbst stellen oder durch einen sonstigen Bevollmächtigten stellen lassen. Es empfielt sich die Einschaltung eines Rechtsanwalts, der Akteneinsicht bei der Ausländerbehörde nehmen kann und anschließend mit der richtigen Argumentation die Befristung erwirken kann.
Ist die Einreisesperre beseitigt, kann im zweiten Schritt ein Visum beantragt werden.
Ihnen schwebt ein Visum zur Aufnahme einer Beschäftigung in Deutschland vor.
Solche Visa sind schwer zu bekommen, es sei denn, dass die betreffende Person als Hochqualifizierter (Professor, wissensschaftlicher Mitarbeiter, besonders qualifizierter Mediziner) in Deutschland bereits ein Jobangebot hat.
Grund hierfür ist die nach § 39 Abs. 2 AufenthG im Rahmen der Erteilung von Aufenthaltstiteln (Visa) zum Zwecke der Aufnahme einer Beschäftigung von der Ausländerbehörde unter Beteiligung der Bundesagentur für Arbeit grundsätzlich durchzuührende "Vorrangprüfung". Die Ausländerbehörde, die im Visumsverfahren durch die deutsche Auslandsvertretung beteiligt wird und der Visumserteilung zustimmen muss, prüft also, ob für die angestrebte Beschäftigung andere bevorrechtigte Arbeitnehmer zur Verfügung stehen. Bevorrechtigt sind alle Deutschen, EU-Staatsangehörigen und Staatsanehörigen der neuen EU-Länder. Für eine Beschäftigung als Krankenpfleger dürfte eine Vorrangprüfung also negativ ausfallen.
Als Au-Pair kann Ihr Bekannter zunächst für 12 Monate nach Deutschland einreisen. Er darf allerdings nicht älter als 25 Jahre sein, § 20 BeschV.
Setzen Sie sich am besten mit einer Agentur in Verbindung, die AU-Pairs nach Deutschland vermittelt. Bedenken Sie jedoch, dass ein Au-Pais Aufenthalt nur innerhalb einer Familie möglich ist, in der deutsch als Muttersprache gesprochen wird. Mit dieser Familie muss ein Au-Pair Vertrag geschlossen werden, der bei der Beantragung des Visums vorliegen muss.
Wird das Au-Pair Visum/Aufenthaltstitel erteilt, ist eine Beschäftigung in Deutschland NUR in der Gastfamilie möglich, was auch auf dem Aufenthaltstitel vermerkt wird (Arbeitserlaubnis nur für die Gastfamilie).
Ihr Bekannter darf also nicht anderweitig, ohne Arbeitsgenehmigung einer Beschäftigung nachgehen. Anderenfalls riskiert er sogar, sich strafbar zu machen.
Nachfrage vom Fragesteller	12.08.2010 | 14:07
Danke für die prompte Antwort, Frau Wachter.
Sie sagen: "Ihnen schwebt ein Visum zur Aufnahme einer Beschäftigung in Deutschland vor." Möglicherweise ist die Lage anders einzuschätzen, wenn man unser Vorhaben betrachtet als "Aufnahme einer Ausbildung in Deutschland", nicht einer "Beschäftigung"? Macht das bei der Arbeitsmarktüberprüfung einen Unterschied?
Sie sagen: "Wird das Au-Pair Visum/Aufenthaltstitel erteilt, ist eine Beschäftigung in Deutschland NUR in der Gastfamilie möglich". Mit meiner Bemerkung, dass unsere Gastfamilie dem Betroffenen "Freiraum gewährt", ist gemeint: dass er neben der Tätigkeit in der Familie sich auch seiner Ausbildung widmet und Freunde besucht. Ist das delikat? Werden die Tätigkeiten der Au Pairs durch irgendjemanden irgendwie überprüft?
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 12.08.2010 | 18:19
eine gesonderte "Aufenthaltserlaubnis/Visum zu Ausbildungszwecken" gibt es leider nicht.
Die Erteilung eines Visums ist nur auf der Grundlage des § 18 AufenthG (Beschäftigung), oder aber nach § 16 AufenthG (Studium, Sprachkurs,Schulbesuch) möglich.
Der Au-Pair Aufenthalt richtet sich nach § 18 AufenthG. Wenn Sie ein Au-Pair Visum für Ihren Bekannten erhalten, wird niemand kontrollieren, ob und wie viele Stunden am Tag das Au-Pair bei seiner Gastfamilie tatsächlich arbeitet. Das Au-Pair kann die Arbeits-und Freizeitzeiten grundsätzlich mit seiner Gastfamilie abstimmen.
Eine staatliche Organisation/ Behörde, die die Arbeitszeiten/Aufgabengebiete von Au-Pairs kontrolliert, gibt es in Deutschland nicht. Diese Aufgabe übernimmt normalerweise die Au-Pair Agentur, von der das Au-Pair nach Deutschland vermittelt wurde.
Als Au-Pait kann sich Ihr Bekannter für maximal ein Jahr in Deutschland aufhalten. Anschließend kann der Aufenthalt noch einmal um ein halbes Jahr zum Zwecke der Teilnahme an einem Sprachkurs verlängert werden. Anschließend müsste Ihre Bekannter wieder ausreisen und anschließend gegebenenfalls vom Heimatland aus wieder ein Studienvisum beantragen.
Einen sicheren Aufenthaltstatus kann Ihr Bekannter in Deutschland jederzeit durch eine Eheschließung mit einer deutschen Staatsangehörigen während seines legalen Aufenthalts im Bundesgebiet erhalten.
Sie können auch in Erwägung ziehen, für Ihren Bekannten direkt ein Studentenvisum zu beantragen, wenn er einen ausreichend qualifizierten ausländischen Schulabschluss besitzt.
Die genauen Voraussetzungen/beizubringenden Unterlagen für die einzelnen Visaarten können Sie bei der deutschen Auslandsvertretung in Ihrem Heimatland erfragen.