Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=23.02.1999&Aktenzeichen=IX%20R%2019/98
Timestamp: 2019-06-20 08:11:24
Document Index: 222759418

Matched Legal Cases: ['Art. 19', '§ 76', 'Art. 19', '§ 76', '§ 21', '§ 76', 'Art. 19', '§ 76', '§ 96', '§ 96', '§ 96', 'Art. 19']

BFH, 23.02.1999 - IX R 19/98 - dejure.org
https://dejure.org/1999,424
BFH, 23.02.1999 - IX R 19/98 (https://dejure.org/1999,424)
BFH, Entscheidung vom 23.02.1999 - IX R 19/98 (https://dejure.org/1999,424)
BFH, Entscheidung vom 23. Februar 1999 - IX R 19/98 (https://dejure.org/1999,424)
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Herzkranke 81jährige Zeugin
Art. 19 Abs. 4 GG, § 76 FGO, Pflicht des Gerichts zur Verfahrensförderung, bei Verstoß keine Verwirkung des Steueranspruchs und keine Umkehrung der Feststellungslast, jedoch Berücksichtigung i.R. der Beweiswürdigung
GG Art. 19 Abs. 4; FGO §§ 76, 79; EStG §§ 21, 21a
Gebot wirksamen Rechtsschutzes - Verletzung durch das FG - Gesundheitszustand der Zeugin - Zwischenurteil - Nichtbetreiben des Verfahrens - Erschwerung der Sachaufklärung - Rechtsfolgen des Verstoßes - Versäumnis des Gerichts
Wirksamer Rechtsschutz bei überlanger Verfahrensdauer
§§ 76, 79 FGO; Art. 19 Abs. 4 GG
Finanzgerichtsordnung; Verstoß gegen das Gebot wirksamen Rechtsschutzes
FG Düsseldorf, 17.09.1997 - 17 K 320/89
BFHE 188, 264
NJW 1999, 2614
BB 1999, 2179
DB 1999, 1200
BStBl II 1999, 407
Außerdem muss auch bei verspäteter Rechtsschutzgewährung das Gericht in der Sache entsprechend der gegebenen materiellen Rechtslage entscheiden; eine überlange Verfahrensdauer kann keine Auswirkungen auf den Steueranspruch zeitigen, insbesondere nicht zu dessen Verwirkung führen (BFH-Urteile vom 23. Februar 1999 IX R 19/98, BFHE 188, 264, BStBl II 1999, 407, und vom 13. Dezember 1995 XI R 43-45/89, BFHE 179, 353, BStBl II 1996, 232;… BFH-Beschluss vom 20. Mai 1994 XI B 63/93, BFH/NV 1994, 605).
Jedenfalls führt eine überlange Verfahrensdauer grundsätzlich nicht dazu, dass der staatliche Steueranspruch verwirkt ist (vgl. Senatsurteil vom 23. Februar 1999 IX R 19/98, BFHE 188, 264, BStBl II 1999, 407, m.w.N.).
Eine --darüber hinausgehende-- Umkehr der Feststellungslast kann indes allenfalls in Betracht kommen, wenn sie auf ein vorwerfbares Verhalten des jeweils anderen Prozessbeteiligten zurückzuführen ist (grundlegend BFH-Urteil vom 23. Februar 1999 IX R 19/98, BFHE 188, 264, BStBl II 1999, 407, unter 4.).
Unabhängig davon, ob hier von einem solchen Fall gesprochen werden kann, würde ein derartiger Verfahrensfehler weder die Rechtswidrigkeit der hier in Frage stehenden Verwaltungsakte nach sich ziehen noch etwa materiell-rechtlich einen Anspruch auf Fristverlängerung begründen können (vgl. insoweit BFH-Entscheidungen vom 23. Februar 1999 IX R 19/98, BFHE 188, 264, BStBl II 1999, 407; vom 23. Juni 1999 IV B 97/98, nicht veröffentlicht;… Gräber, a.a.O., Rz. 7 Vor § 76, m.w.N.).
Vielmehr sind die Regeln einer strengen Überzeugungsbildung (§ 96 Abs. 1 Satz 1 FGO) angemessen abzumildern (vgl. BFH-Urteil vom 23. Februar 1999 IX R 19/98, BFHE 188, 264, BStBl II 1999, 407).
c) In der Rechtsprechung des BFH ist des Weiteren geklärt, dass die Regeln einer strengen Überzeugungsbildung (§ 96 Abs. 1 Satz 1 FGO) bei einer durch die langjährige Praxis des FA veranlassten Beweisnot des Steuerpflichtigen bei plötzlich geänderter tatsächlicher Würdigung durch das FA angemessen abzumildern sind, wenn die frühere Sachverhaltswürdigung tatsächlich möglich war und nicht --im Sinne der Ausführungen unter 1.a-- auf einem in der Folgezeit korrigierbaren Rechtsfehler beruht (vgl. BFH-Urteile vom 23. Februar 1999 IX R 19/98, BFHE 188, 264, BStBl II 1999, 407;… vom 12. April 2000 XI R 36/99, BFH/NV 2000, 1196).
Insoweit käme in Betracht, die Regeln einer strengen Überzeugungsbildung (§ 96 Abs. 1 Satz 1 FGO) angemessen abzumildern (vgl. BFH-Urteile vom 23. Februar 1999 IX R 19/98, BFHE 188, 264, BStBl II 1999, 407;… vom 12. April 2000 XI R 36/99, BFH/NV 2000, 1196).
Der BFH hat mit Urteil vom 23. Februar 1999 IX R 19/98 (BFHE 188, 264, BStBl II 1999, 407) entschieden, dass in Fällen, in denen die Beweislage schwierig ist und allein durch die Vernehmung von Zeugen geklärt werden kann, die Gerichte gehalten sind, diesen Umstand bei der zeitlichen Reihenfolge der Bearbeitung und Terminierung eines Verfahrens zu berücksichtigen, um nicht Beweisschwierigkeiten eines Verfahrensbeteiligten zu verursachen.
Dabei ist auch zu berücksichtigen, welche anderen Beweismittel verfügbar sind (vgl. BFH-Urteil in BFHE 188, 264, BStBl II 1999, 407).
Das FG wird auch zu berücksichtigen haben, in welchem Umfang sich die Beteiligten um eine umfassende Aufklärung bemüht haben (vgl. BFH-Urteil in BFHE 188, 264, BStBl II 1999, 407).
Die Kläger haben im Rahmen ihrer Rüge der mangelnden Sachaufklärung zwar die überlange Verfahrensdauer, die grundsätzlich einen Verfahrensmangel bewirken kann (BFH-Urteil vom 23. Februar 1999 IX R 19/98, BFHE 188, 264, BStBl II 1999, 407) hinreichend substantiiert vorgetragen (…vgl. zu den Anforderungen BFH-Beschlüsse vom 25. November 1998 IV B 10/98, BFH/NV 1999, 655, …und vom 4. Januar 2001 III B 21/00, BFH/NV 2001, 921).
Der durch Art. 19 Abs. 4 Satz 1 des Grundgesetzes (GG) gewährleistete Rechtsschutz bedeutet zugleich einen verfassungsrechtlichen Anspruch auf Rechtsschutz in angemessener Zeit (ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts --BVerfG--, vgl. die Entscheidung vom 6. Mai 1997 1 BvR 711/96, Neue Juristische Wochenschrift --NJW-- 1997, 2811; Senatsurteil in BFHE 188, 264, BStBl II 1999, 407, m.w.N.).
Es fehlen im Streitfall über den reinen Zeitablauf hinaus zu berücksichtigende Umstände, wie sie der Senat in seiner Entscheidung in BFHE 188, 264, BStBl II 1999, 407 hervorgehoben hat und die es angezeigt sein lassen, die Entscheidung über das Verfahren vorzuziehen.
BFH, 06.08.2002 - VIII B 56/02
BFH, 14.06.2000 - XI B 85/99
BFH, 14.12.1999 - IV B 77/99