Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=07.07.2004&Aktenzeichen=II%20R%203/02
Timestamp: 2019-06-24 22:48:52
Document Index: 68462259

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 4', '§ 6', '§ 1', 'Art. 3', 'Art. 14', '§ 163', '§ 227', '§ 1', 'Art. 3', '§ 102']

BFH, 07.07.2004 - II R 3/02 - dejure.org
https://dejure.org/2004,2231
BFH, 07.07.2004 - II R 3/02 (https://dejure.org/2004,2231)
BFH, Entscheidung vom 07.07.2004 - II R 3/02 (https://dejure.org/2004,2231)
BFH, Entscheidung vom 07. Juli 2004 - II R 3/02 (https://dejure.org/2004,2231)
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PGH-VO § 3, § 4, § 6 Abs. 1; GrEStG § 1 Abs. 1 Nr. 3; GG Art. 3 Abs. 1, Art. 14; AO 1977 § 163, § 227
Umwandlung einer PGH in eine e.G.
Grunderwerbsteuerpflicht bei Umwandlung einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks in eine e.G.; Auswirkungen von Rechtsträgerwechsel auf Grunderwerbsteuerpflicht; AUswirkungen der Grunderwerbsteuerpflicht auf Eigentumsgarantie; Voraussetzungen einer abweichenden Steuerfestsetzung aus Billigkeitsgründen; Berechnung des Wertes eines Grundstücks
BFHE 206, 374
BStBl II 2004, 1006
a) Die Grunderwerbsteuer ist eine Rechtsverkehrsteuer (vgl. BFH…, Beschluss vom 26. Januar 2000 - II B 108/98 -, BFH/NV 2000, S. 1136 ; BFHE 206, 374 ; BFH…, Urteil vom 9. April 2008 - II R 32/06 -, DStRE 2008, S. 1152 ;… Fischer, in: Boruttau, Grunderwerbsteuergesetz, 17. Aufl. 2011, Vorbemerkungen Rn. 131 und 135 f.;… Desens, in: Festschrift für Paul Kirchhof zum 70. Geburtstag, Bd. 2, 2013, S. 2069 ).
Gemessen an dem hier anzulegenden, großzügigen Maßstab liegt ein tragfähiger Sachgrund für die grunderwerbsteuerliche Ungleichbehandlung jedenfalls darin, dass der die Grunderwerbsteuer auslösende Wechsel in der Eigentumszuordnung (vgl. BFHE 206, 374 m.w.N.) bei der freiwilligen Umlegung auf einer privatautonomen Entscheidung des Grundstückseigentümers beruht, während er bei der amtlichen Umlegung auch gegen den Willen des Eigentümers durchgesetzt werden kann.
b) Als Rechtsverkehrsteuer erfasst die Grunderwerbsteuer Änderungen der Eigentumszuordnung von inländischen Grundstücken auch insoweit, als diese nicht Teil eines Leistungsaustausches "Grundstück gegen Entgelt" sind (Beschluss des Bundesverfassungsgerichts --BVerfG-- vom 13. Juni 1983 1 BvR 801/82, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung --HFR-- 1983, 532; BFH-Entscheidungen vom 1. März 2000 II R 53/98, BFHE 191, 416, BStBl II 2000, 357; in BFHE 206, 374, BStBl II 2004, 1006;… vom 29. August 2007 II B 108/06, BFH/NV 2007, 2350;… in BFH/NV 2007, 2351).
Diese zivilrechtlichen Unterschiede beider Umwandlungsarten rechtfertigen ihre grunderwerbsteuerlich unterschiedliche Behandlung (BFH-Urteil in BFHE 206, 374, BStBl II 2004, 1006;… BFH-Beschlüsse in BFH/NV 2000, 1136;… in BFH/NV 2001, 817;… in BFH/NV 2007, 2351).
Der BFH hat mit Urteil vom 29. September 2005 II R 23/04 (BFHE 210, 531, BStBl II 2006, 137) seine Rechtsprechung bestätigt, dass ein Erwerbsvorgang gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 3 GrEStG vorliegt, wenn bei Umwandlungen kraft Gesetzes ein Eigentumsübergang an Grundstücken eintritt (ebenso BFH-Urteil vom 7. Juli 2004 II R 3/02, BFH/NV 2004, 1439, und BFH-Beschluss vom 26. Januar 2000 II B 108/98, BFH/NV 2000, 1136, zur übertragenden Umwandlung einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks in eine eingetragene Genossenschaft; BFH-Urteil vom 16. Februar 1994 II R 125/90, BFHE 174, 185, BStBl II 1994, 866, zur Verschmelzung von Genossenschaften).
Die unterschiedliche grunderwerbsteuerrechtliche Behandlung von Umwandlungsvorgängen, die zu einem Rechtsträgerwechsel führen, einerseits und des bloßen Formwechsels andererseits ist mit dem allgemeinen Gleichheitssatz (Art. 3 Abs. 1 GG) vereinbar, wie der BFH bereits wiederholt entschieden hat (BFH-Urteil in BFH/NV 2004, 1439;… BFH-Beschlüsse in BFH/NV 2000, 1136, …und vom 20. Dezember 2000 II B 53/00, BFH/NV 2001, 817).
Es fehlt insbesondere jede Auseinandersetzung mit den Gründen, die nach der Rechtsprechung des BFH (Entscheidungen vom 7. Juli 2004 II R 3/02, BFHE 206, 374, BStBl II 2004, 1006;… vom 26. Januar 2000 II B 108/98, BFH/NV 2000, 1136; vom 4. Dezember 1996 II B 116/96, BFHE 181, 349, BStBl II 1997, 661) einen Verstoß der unterschiedlichen grunderwerbsteuerrechtlichen Behandlung eines Grundstücksübergangs aufgrund einer formwechselnden Umwandlung einerseits und der übertragenden Umwandlung andererseits gegen den Gleichheitssatz ausschließen.
Wegen der Notwendigkeit eines Billigkeitserlasses der gegen die Klägerin festgesetzten Grunderwerbsteuer wird auf das BFH-Urteil vom 7. Juli 2004 II R 3/02 (BFH/NV 2004, 1439) verwiesen.
Diese Erwägungen lassen nach Ansicht des Gerichts unter Zugrundelegung der von § 102 FGO gezogenen Grenze (s.o.) Ermessensfehler nicht erkennen, da der allgemeine Gleichheitssatz nur verletzt ist, wenn sich ein sachlich einleuchtender Grund für die gesetzliche Differenzierung nicht finden lässt oder eine Gruppe von Normadressaten oder Normbetroffenen im Vergleich zu einer anderen anders behandelt wird, obwohl zwischen beiden Gruppen keine Unterschiede von solcher Art und solchem Gewicht bestehen, dass sich die unterschiedliche Belastung rechtfertigen lässt (vgl. BFH-Urteil vom 07.07.2004 II R 3/02, BFH/NV 2004, 1439 m.w.N.) .
Auch nach der Rechtsprechung des BFH sei die Erhebung von Grunderwerbsteuer sachlich unbillig, wenn der Erwerber den Grundstückserwerb weder wirtschaftlich noch rechtlich gewollt habe (vgl. BFH-Urteil vom 07.07.2004 II R 3/02).