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Timestamp: 2016-10-22 03:40:26
Document Index: 174383478

Matched Legal Cases: ['Art. 9', 'Art. 66', 'Art. 277', 'BGE', 'BGE', 'Art. 49', 'BGE', 'Art. 156', 'Art. 159']

4P.244/2005 (06.02.2006)
4P.244/2005 /sza
alle drei vertreten durch Herrn Max Berger und Rolf P. Steinegger, F�rsprecher,
Beschwerdegegnerin, vertreten durch F�rsprecher Prof. Dr. Eugen Marbach,
Art. 9 und 29 BV (Spitalhaftung),
Staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern, Verwaltungsrechtliche Abteilung, vom 25. Juli 2005.
H.________, geboren am 6. Dezember 1924, wurde am 28. Oktober 1999 in das Spital A.________ in Bern, dessen Tr�gerschaft die Stiftung A.________ ist, aufgenommen, um sich am 1. November 1999 einem erfolgreich verlaufenen chirurgischen Eingriff am Herz zu unterziehen. Es wurden eine Aortaklappe ersetzt und drei Byp�sse eingef�hrt. Nach einem anschliessenden Aufenthalt auf der Intensivstation wurde H.________ am 2. November 1999 um 10 Uhr auf die Bettenstation verlegt. Was dort geschah, wird in der Krankengeschichte wie folgt festgehalten:
-. Um 14.45 Uhr wurde festgestellt, dass H.________ "noch nicht ganz ad�quat" war, zum Teil nicht wusste, wo er sich befand.
-. Um 17.00 Uhr wurde bemerkt, dass er den Schlauch zur Infusionsflasche entfernt hatte, so dass �berall Blutspuren sichtbar waren.
-. Um 19.00 Uhr hat er wiederum das Bett verlassen und den Infusionsschlauch entfernt.
-. Um 19.30 Uhr hat er den zentralen Venenkatheter vollst�ndig gezogen, wobei er zeitlich und �rtlich desorientiert war. Es wurden ihm 3 Tropfen Haldol verabreicht.
-. Um 22.00 Uhr schien H.________ etwas beruhigt, aber immer noch �rtlich und zeitlich desorientiert.
-. Um 23.30 Uhr sass H.________ am Bettrand, nachdem er die Venenverweilkan�le herausgezogen hatte, was bewirkte, dass alles "wohin das Auge reicht" blutverschmiert war. Dabei war er zeitlich und �rtlich desorientiert. Es wurden ihm acht Tropfen Haldol und das Schlafmittel Stilnox verabreicht, nachdem sich der Zustand am sp�ten Abend ausgepr�gt hatte.
-. Um 00.15 Uhr stellte ein Arzt fest, dass H.________ ruhig war, ad�quat antwortete und neurologisch unauff�llig war.
-. Um 00.35 Uhr sprang er vom Balkon des Nachbarzimmers in den Tod.
B. Einigkeit besteht darin, dass ein Verwirrtheitszustand von H.________ zum Todessturz gef�hrt hat. Dabei geht es um ein nach herzchirurgischen Eingriffen "nahezu allt�gliches Problem", das mit einer Wahrscheinlichkeit von 20-30 % auftritt, wobei �ltere Personen h�ufiger davon betroffen sind als j�ngere. Das Hauptmerkmal des mit den Begriffen "Verwirrtheitszustand", "Delir" oder "Durchgangssyndrom" bezeichneten Zustandes besteht stets in der St�rung der Aufmerksamkeit, die meist fluktuiert. Eine ausgewogene und geordnete Wahrnehmung und Reizverarbeitung im Gehirn der Patientin oder des Patienten ist im akuten Stadium des Delirs nicht mehr m�glich.
�ber die Pathogenese der Krankheit, das heisst �ber deren Entstehung und Entwicklung, besteht Unklarheit. Als Ursache wird vor allem eine metabolische St�rung des Zentralnervensystems angenommen.
Typisch ist der unvorhersehbare Verlauf der Krankheit. Ein stilles, in sich gekehrtes Verhalten kann abrupt in ein bettfl�chtiges oder agressives Verhalten gegen sich oder gegen andere umschlagen. Auch der Grad der Verwirrtheit kann sich rasch �ndern. Zudem ist bekannt, dass im Zusammenhang mit dem Delir immer wieder Todesf�lle auftreten.
Am 27. Oktober 2000 klagten die Ehefrau des Verstorbenen X.________ (Beschwerdef�hrerin 1) und dessen T�chter Y.________ (Beschwerdef�hrerin 2) sowie Z.________ (Beschwerdef�hrerin 3) beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern mit dem Antrag, die Stiftung A.________ sei zur Leistung von Schadenersatz und Genugtuung in der H�he von insgesamt Fr. 284'658.-- nebst Zins von 5 % seit 3. November 1999 zu verpflichten. Zur Begr�ndung f�hrten sie an, die Beklagte habe eine Reihe von Sorgfaltspflichten verletzt:
-. Sie habe es vers�umt, Richtlinien zur Behandlung von postoperativen Verwirrtheitszust�nden zu erlassen.
-. Sie habe keine ad�quate Diagnose gestellt.
-. Sie habe keinen Facharzt der Psychiatrie beigezogen.
-. Sie habe nicht f�r eine hinreichende medikament�se Therapie gesorgt.
-. Sie habe keine hinreichenden Massnahmen f�r die Sicherheit des Patienten angeordnet (Sitzwache, Fixierung etc.).
-. Sie habe die �rztliche Aufkl�rungspflicht verletzt.
Der Instruktionsrichter beschr�nkte das Verfahren auf die Frage der grunds�tzlichen Haftung der Beklagten und ordnete drei Begutachtungen an. Gutachter waren: Prof. B.________, damals Oberarzt der Klinik f�r Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum der Universit�t C.________; Prof. D.________, Chefarzt an der Klinik f�r Herz- und Thoraxchirurgie des Kantonsspitals E.________; Prof. F.________, Direktor der Klinik und Poliklinik f�r Psychiatrie und Psychotherapie der technischen Universit�t G.________.
Mit Urteil vom 15. M�rz 2004 wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern die Klage ab.
Die Kl�gerinnen erhoben staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts vom 15. M�rz 2004. Das Bundesgericht hiess mit Entscheid vom 19. Oktober 2004 die Beschwerde gut und hob das Urteil des Verwaltungsgerichts auf.
Am 14. Januar 2005 setzte das Verwaltungsgericht das Verfahren fort, indem es die Parteien zum Urteil des Bundesgerichts Stellung nehmen liess. Am 8. M�rz 2005 verf�gte der Instruktionsrichter, das Verfahren sei weiterhin auf die Frage der Haftung beschr�nkt, Er forderte die Beklagte zudem auf, zus�tzliche Fragen in Bezug auf die Sitzwachen zu beantworten und Unterlagen einzureichen. Dieser Aufforderung kam die Beklagte am 8. April 2005 nach. Die Kl�gerinnen nahmen mit Eingabe vom 13. Juni 2005 dazu Stellung.
Mit Urteil vom 25. Juli 2005 wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern die Klage zum zweiten Mal ab.
Die Kl�gerinnen haben gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts vom 25. Juli 2005 staatsrechtliche Beschwerde eingereicht mit dem Antrag, diesen Entscheid aufzuheben.
Die Beklagte und das Verwaltungsgericht schliessen in ihren Vernehmlassungen auf Abweisung der Beschwerde, soweit auf sie einzutreten sei.
Die Beschwerdef�hrerinnen erheben als Erstes die R�ge, das Verwaltungsgericht habe die vom Bundesgericht mit dem R�ckweisungsentscheid erteilten verbindlichen Weisungen missachtet, indem es die Haftung der Beschwerdegegnerin verneint habe. Das Verwaltungsgericht bezeichnet diese R�ge in seiner Vernehmlassung als unbegr�ndet. Es bringt vor, entgegen der Darstellung der Beschwerdef�hrerinnen habe das Bundesgericht die Haftung der Beschwerdegegnerin nicht bejaht; eine solche Aussage lasse sich den h�chstrichterlichen Erw�gungen auch implizit nicht entnehmen. Ebenso wenig finde sich eine abschliessende Beurteilung der finanziellen Zumutbarkeit von wirksamen, aufgrund der �rztlichen Sorgfaltspflicht gebotenen Massnahmen (Sitzwache, R�ckverlegung auf die Intensivstation). Das Verwaltungsgericht sei daher gehalten gewesen, in diesem Bereich zus�tzliche Abkl�rungen vorzunehmen. Es habe seinem Urteil mithin keinen Sachverhalt oder eine rechtliche W�rdigung zugrunde gelegt, die den bundesgerichtlichen Erw�gungen widersprechen. Ein willk�rliches Abweichen vom Bundesgerichtsurteil liege damit nicht vor.
1.2 Der in den Art. 66 Abs. 1 OG und Art. 277ter Abs. 2 BStP niedergelegte Grundsatz, wonach die kantonale Instanz im R�ckweisungsverfahren ihrer Entscheidung die rechtliche Begr�ndung des Bundesgerichts zugrunde zu legen hat, gilt auch f�r das staatsrechtliche Verfahren. Das heisst, dass die Erw�gungen des Urteils des Bundesgerichts den Gegenstand des Prozesses endg�ltig abgrenzen und insoweit sowohl das kantonale Gericht, an das zur�ckgewiesen wird, wie das Bundesgericht selbst binden (BGE 104 Ia 63 E. 1 mit Hinweis).
Zu beachten ist allerdings, dass die Natur der staatsrechtlichen Beschwerde die Bindung des kantonalen Gerichts an den Entscheid des Bundesgerichts in bestimmtem Ausmass einschr�nkt. Zum einen �berpr�ft das Bundesgericht in der Regel den kantonalen Entscheid lediglich auf der Grundlage der im Beschwerdeverfahren erhobenen R�gen. Sodann beschr�nkt es sich im Allgemeinen auf die Aufhebung dieses Entscheides, womit die ger�gte Verfassungsverletzung behoben ist. Das Urteil des Bundesgerichts tritt in diesen F�llen nicht an die Stelle des aufgehobenen kantonalen Entscheides. Zum andern greift das Bundesgericht in der Regel bloss ein, wenn der kantonale Entscheid nicht nur durch seine Begr�ndung, sondern auch im Ergebnis die Verfassung verletzt. Das gibt dem Bundesgericht die M�glichkeit, die verfassungswidrige Begr�ndung des angefochtenen Entscheides durch eine verfassungskonforme zu ersetzen. Hat es jedoch auf eine solche Substitution der Motive verzichtet, kann das kantonale Gericht nach der R�ckweisung selbst so vorgehen, soweit das Bundesgericht nicht bereits bestimmte Urteilsgr�nde im R�ckweisungsentscheid ausdr�cklich oder implizit verworfen hat (BGE 112 Ia 353 E. 3a/bb S. 354 f.).
2.1 In seinem ersten Urteil vom 15. M�rz 2004 hielt das Verwaltungsgericht zu den rechtlichen Voraussetzungen der eingeklagten Anspr�che fest, dass nach dem massgebenden kantonalen Recht (Art. 49 Abs. 1 PG; Personalgesetz; BSG 153.01) eine Kausalhaftung der Beklagten f�r den Schaden bestehe, den ihre Organe oder Angestellten Dritten in Erf�llung ihrer Aufgabe widerrechtlich zugef�gt haben. Damit m�ssten f�r einen Schadenersatz- bzw. Genugtuungsanspruch folgende Voraussetzungen kumulativ erf�llt sein: Erf�llung einer �ffentlichen Aufgabe, materieller bzw. immaterieller Schaden, Widerrechtlichkeit sowie Kausalzusammenhang zwischen widerrechtlicher Aufgabenerf�llung und Schaden (E. 3 S. 10). In einer weiteren Erw�gung (E. 4.1, S. 11) wies das Verwaltungsgericht darauf hin, dass auch bei einer Staatshaftung, die als Kausalhaftung ausgestaltet ist, im Rahmen der Widerrechtlichkeit zu pr�fen ist, ob eine Sorgfaltspflichtverletzung vorliegt. Eine Haftung der Beklagten komme mithin nur in Betracht, wenn den �rzten des Spital A.________ eine Verletzung der objektiv gebotenen Sorgfalt vorgeworfen werden m�sse.
Das Verwaltungsgericht verneinte in den folgenden Erw�gungen unter Bezugnahme auf die von den Kl�gerinnen im Einzelnen erhobenen Vorw�rfe eine Verletzung der objektiv gebotenen Sorgfalt. Die Kl�gerinnen hatten namentlich geltend gemacht, nach der Operation sei die Sicherheit des Patienten vernachl�ssigt worden. Als Massnahmen, die vom Spital h�tten ergriffen werden m�ssen, nannten sie die R�ckverlegung des Patienten auf die intermediate-care Abteilung, dessen Fixierung oder aber eine Sitzwache. Das Verwaltungsgericht verneinte eine Sorgfaltspflichtverletzung in dieser Hinsicht mit der Begr�ndung, eine Fixierung des Patienten sei unter den gegebenen Umst�nden nicht angezeigt gewesen (E. 7.4.2, S. 42) und der Entscheid, auf eine Sitzwache bzw. die R�ckverlegung zu verzichten, habe mit Blick auf den ungew�hnlichen Ablauf der Ereignisse im Ermessen der �rzte bzw. des Pflegepersonals gelegen (E. 7.4.7, S. 45 f.).
2.2 In seinem Entscheid vom 19. Oktober 2004 hielt das Bundesgericht zun�chst fest (E. 1.1 und 1.2), die Anwendbarkeit der vom Verwaltungsgericht er�rterten kantonalen Haftungsordnung auf den vorliegenden Fall werde zu Recht von keiner Prozesspartei bestritten. Infolge der Einschr�nkung des kantonalen Verfahrens auf die Frage der grunds�tzlichen Haftung seien allerdings die Haftungsvoraussetzungen des Kausalzusammenhangs und des Schadens vom Verwaltungsgericht bisher nicht gepr�ft worden. Vor Bundesgericht sei ausschliesslich die Frage der Widerrechtlichkeit streitig. Der Entscheid des Bundesgerichts beschr�nke sich dementsprechend auf die Beurteilung der grunds�tzlichen Haftung und insbesondere auf die Frage der Widerrechtlichkeit des Verhaltens der f�r die Beschwerdegegnerin handelnden Personen.
Im Folgenden �usserte sich das Bundesgericht zu den einzelnen, gegen den angefochtenen Entscheid gerichteten R�gen der Beschwerdef�hrerinnen, auf die es zum grossen Teil nicht eintrat bzw. die es f�r unbegr�ndet erkl�rte (E. 3 und 4). Anders verhielt es sich dagegen mit den R�gen bez�glich des Vorwurfs einer Sorgfaltspflichtverletzung wegen Unterlassens hinreichender Massnahmen f�r die Sicherheit des Patienten. In diesem Punkt erkl�rte das Bundesgericht die Beschwerde f�r begr�ndet. In der f�r das heutige Verfahren entscheidenden Erw�gung 5 (publiziert in BGE 130 I 337) zitierte das Bundesgericht einschl�gige Passagen aus den Gutachten der Professoren D.________ und F.________ und stellte fest, dass das Verwaltungsgericht dem Gutachten F.________ gefolgt sei, ohne das Gutachten D.________ konkret in Frage zu stellen (E. 5.1.2). Danach fasste es die Begr�ndung des Verwaltungsgerichts zusammen und hielt anschliessend fest (E. 5.1.3), dass unter den beiden Gutachtern Einigkeit dar�ber herrsche, dass bei diesem Patienten ein Verwirrungszustand vorgelegen habe, dessen Verlauf unberechenbar war, und dass auch Einigkeit �ber das Fortbestehen eines Todessturzrisikos bestehe, das sich mit den getroffenen Massnahmen allein nicht habe ausschliessen lassen. Hauptstreitpunkt unter den Experten sei daher nicht etwa die Zweckm�ssigkeit einer permanenten Sitzwache, sondern die Frage, ob eine solche Massnahme bei den vorhandenen personellen und finanziellen Ressourcen f�r jeden nach einer Herzoperation unter einem Verwirrungszustand leidenden Patienten zu verkraften w�re. Das Verwaltungsgericht halte dagegen f�r ausschlaggebend, dass die konkrete Risikolage die Anordnung einer permanenten Sitzwache darum nicht als angezeigt habe erscheinen lassen, weil der Geschehensablauf singul�r und nicht voraussehbar gewesen sei.
Diese Begr�ndung des Verwaltungsgerichts wurde vom Bundesgericht in der nachfolgenden Erw�gung (E. 5.3) als willk�rlich verworfen. Es hielt fest, das Unterlassen, eine Sitzwache oder eine R�ckverlegung auf die Intensivpflegestation anzuordnen und damit negative oder gar fatale Auswirkungen des durch den operativen Eingriff bedingten Zustandes des Patienten zu verhindern, sei unter den gegebenen Umst�nden objektiv vorwerfbar. Das werde vom Verwaltungsgericht an sich auch nicht in Zweifel gezogen. Dieses verlange aber als weitere Voraussetzung der Vorwerfbarkeit, dass das Personal der Beschwerdegegnerin auch die konkrete Form der Verwirklichung der Selbstgef�hrdung h�tte voraussehen m�ssen. Damit verkenne es die Tragweite der an sich offenkundigen Verwirrtheit im Hinblick auf eine m�gliche Selbstsch�digung, die krankheitsbedingt nicht voraussehbare Verhaltensweisen miteingeschlossen habe. Indem das Verwaltungsgericht die Symptome des Delirs als Krankheitszustand im Einklang mit den Gutachtern klar herausgearbeitet und dabei insbesondere auf das f�r solche Patienten typische unvorhersehbare Verhalten und die abrupten Verhaltens�nderungen hinweise, die Vorwerfbarkeit aber an die zus�tzliche Voraussetzung der Voraussehbarkeit des konkreten Verhaltens, das bei dem Patienten auf singul�re Weise zum Tod gef�hrt habe, kn�pfen wolle, stelle es auf ein unsachliches Argument ab und verstricke sich in einen unaufl�sbaren Widerspruch. Der Verzicht auf die Anordnung einer Sitzwache k�nne nicht damit gerechtfertigt werden, dass die konkret eingetretene �usserungsform des Verwirrtheitszustandes (Sturz vom Balkon des Nachbarzimmers) noch nie vorgekommen sei. Auch wenn dieser Geschehensablauf zum ersten Mal eingetreten sein m�ge, liege er doch im Spektrum der bei einem Delir typischen Verhaltensformen, die sich eben gerade durch ihre Unvorhersehbarkeit charakterisierten. Im �brigen h�tte die Anordnung einer st�ndigen �berwachung, wie sie angesichts des Krankheitszustandes des Patienten und der verbleibenden - zwangsl�ufig nur generell voraussehbaren - Risiken geboten gewesen w�re, das t�dliche Ereignis mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert.
In der folgenden Erw�gung (E. 5.4.1) hielt das Bundesgericht fest, ein Gericht d�rfe nicht auf eine Expertenaussage abstellen, wenn mit dieser eine Rechtsfrage beantwortet werde. Das habe das Verwaltungsgericht jedoch getan, indem es sich auf die Auffassung des Gutachters F.________ berufen habe, wonach die Beschwerdegegnerin mit den von ihr getroffenen Massnahmen ihre Sorgfaltspflichten erf�llt habe. Es w�re vielmehr Sache des Verwaltungsgerichts gewesen, die finanzielle Zumutbarkeit der als wirksam erkannten Massnahmen (Sitzwache, R�ckverlegung auf die Intensivstation) einzusch�tzen. Das Verwaltungsgericht lege aber nicht dar, aus welchen Gr�nden es der Beschwerdegegnerin nicht zuzumuten gewesen w�re, denselben Aufwand wie die vom Experten D.________ genannten anderen Spit�ler zu betreiben.
2.3 Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass das Bundesgericht in seinem Entscheid vom 19. Oktober 2004 die Haftungsvoraussetzung der Widerrechtlichkeit wegen Unterlassens der n�tigen Sicherheitsmassnahmen im Gegensatz zum Verwaltungsgericht grunds�tzlich bejahte und in diesem Zusammenhang namentlich das Argument des Verwaltungsgerichts verwarf, der ungew�hnliche Verlauf der Ereignisse schliesse die Widerrechtlichkeit aus. Das Bundesgericht behielt lediglich die finanzielle Zumutbarkeit der Sicherheitsmassnahmen (Sitzwache, R�ckverlegung auf die Intensivstation) vor, zu welcher Frage sich das Verwaltungsgericht damals noch nicht ge�ussert hatte.
3.1 In seinem neuen Urteil vom 25. Juli 2005 befasst sich das Verwaltungsgericht erneut mit der Frage, ob der Beschwerdegegnerin das Unterlassen einer Sitzwache als Sorgfaltspflichtverletzung vorgeworfen werden k�nne. Es kommt nach ausf�hrlichen Erw�gungen (E. 3 und 4 S. 8-18) zu folgendem Ergebnis: "Es kann somit beweism�ssig davon ausgegangen werden, dass wohl m�glicherweise in anderen Kliniken eine Sitzwache angeordnet worden w�re, in anderen Kliniken dies aber ebenfalls unterblieben w�re. Kommen somit nach Beurteilung verschiedener Gutachter unterschiedliche Praktiken vor, welche dem �rztlichen Standard entsprechen, so kann nicht gesagt werden, dass die eine davon eine Sorgfaltspflichtverletzung darstellt."
3.2 Damit hat das Verwaltungsgericht �ber eine Frage entschieden, welche das Bundesgericht in seinem Urteil vom 19. Oktober 2004 verbindlich beurteilt hat. Das Verwaltungsgericht scheint sein Vorgehen mit der Begr�ndung rechtfertigen zu wollen, dass das Bundesgericht die Frage aufgrund einer falschen tats�chlichen Grundlage beurteilt habe, weil es angenommen habe, dass das f�r die Beschwerdegegnerin handelnde Personal erkannt habe, "dass die im Patientenzimmer des H.________ vorgenommene Verriegelung als Sicherheitsmassnahme nicht gen�gte, weil er mangels permanenter Bewachung sein Zimmer verlassen und sich sein lebensbedrohendes Selbstgef�hrdungspotential - in welcher Form auch immer - ausserhalb des Zimmers verwirklichen konnte". Nach Auffassung des Verwaltungsgerichts ist dieser Satz zweideutig, weil unklar sei, ob das Bundesgericht damit festgestellt habe, dass das Personal der Beschwerdegegnerin in genereller Weise die M�glichkeit einer Selbstgef�hrdung erkannt oder aber konkret das Ereignis vorhergesehen habe; letzteres aber w�re nach dem angefochtenen Urteil (E. 3.4, S. 11 f.) als aktenwidrige Aussage zu betrachten.
Entgegen den �usserungen des Verwaltungsgerichts ist der Sinn des zitierten Satzes indes eindeutig, wenn der Zusammenhang des Textes ber�cksichtigt wird. Das Bundesgericht verwarf dort das Argument des Verwaltungsgerichts, dass die objektive Vorwerfbarkeit nicht gegeben sei, weil das Spitalpersonal die konkrete Form der Verwirklichung der Selbstgef�hrdung nicht habe voraussehen k�nnen. Das Bundesgericht hielt fest, dass es auf die Vorhersehbarkeit des konkreten Ereignisablaufs nicht ankomme, sondern dass die Vorhersehbarkeit in genereller Weise f�r die objektive Vorwerfbarkeit als Voraussetzung der Widerrechtlichkeit gen�ge. Es entschied damit �ber eine Rechtsfrage und nicht �ber eine Tatfrage, wie das Verwaltungsgericht anzunehmen scheint. Im �brigen geht aus dem Textganzen ebenfalls hervor, dass das Bundesgericht auf den Sachverhalt abstellte, so wie er vom Verwaltungsgericht in seinem Entscheid vom 15. M�rz 2004 festgestellt worden war. Damit blieb aber in Bezug auf diese Frage weder in tats�chlicher noch in rechtlicher Hinsicht Raum f�r eine Substitution von Motiven und eine gegenteilige Entscheidung durch das Verwaltungsgericht, wie es dies im angefochtenen Urteil getan hat. Es hat somit gegen den Grundsatz der Bindung an den R�ckweisungsentscheid des Bundesgerichts vom 19. Oktober 2004 verstossen.
3.3 Anzumerken bleibt, dass die Kognition des Bundesgerichts in Bezug auf die Frage der Verbindlichkeit eines R�ckweisungsentscheides keineswegs auf eine Willk�rpr�fung beschr�nkt ist, wie das Verwaltungsgericht in seiner Vernehmlassung anzunehmen scheint. Das Bundesgericht pr�ft vielmehr frei, ob eine kantonale Vorinstanz gegen die erw�hnten prozessualen Grunds�tze des Bundesrechtes verstossen hat.
Das Verwaltungsgericht hat im angefochtenen Entscheid auch die Frage der finanziellen Zumutbarkeit von Sitzwachen f�r am Herzen operierte Patientinnen und Patienten verneint (E. 5 S. 19-24). In tats�chlicher Hinsicht stellt es fest, dass nach den Angaben der Beschwerdegegnerin im Spital A.________ Sitzwachen mit Fr. 22.-- bis 30.-- pro Stunde entsch�digt werden, wobei f�r Nachteins�tze der oberste Ansatz von Fr. 30.-- gelte. W�rden pro Nacht acht Stunden angenommen, koste somit eine einw�chige Sitz(nacht)wache Fr. 1'680.--. Das Verwaltungsgericht h�lt sodann fest, dass nach der von der Beschwerdegegnerin eingereichten Statistik im Spital A.________ j�hrlich ca. 1'100 bis 1'300 Herzoperationen durchgef�hrt w�rden. Werde davon ausgegangen, dass bei 20-30 % der F�lle Verwirrtheitszust�nde auftr�ten, ergebe sich, dass j�hrlich mit 220-390 (Mittelwert ca. 305) Delirf�llen zu rechnen sei.
4.1 Aufgrund dieser Zahlen k�nnen f�r das Spital A.________ j�hrliche Gesamtkosten von Fr. 369'600.-- bis Fr. 655'200.-- (Mittelwert Fr. 512'400.--) f�r Sitznachtwachen in Delirf�llen errechnet werden. Das Verwaltungsgericht h�lt eine solche Rechnung indessen nicht f�r massgebend. Nach seiner Auffassung muss die Wahrscheinlichkeit des Eintritts des konkreten Ereignisses - im vorliegenden Fall also des Sturzes des Patienten aus dem Fenster des Nachbarzimmers - ber�cksichtigt werden. Diese Wahrscheinlichkeit wird vom Verwaltungsgericht f�r die Bev�lkerung der "industrialisierten L�nder der ersten und zweiten Welt" (Urteil E. 5.4.4 S. 22) auf h�chstens ein Ereignis pro 1 Million Delirf�lle gesch�tzt, was dazu f�hrt, dass es die Kosten f�r ein gerettetes Menschenleben auf mindestens 1,7 Milliarden Franken berechnet. Umgerechnet auf die durchschnittliche Lebenserwartung des im Zeitpunkt der Operation 75-j�hrigen Patienten ergebe dies Kosten von mindestens 150 Millionen Franken pro gerettetes Menschenlebensjahr (Urteil E. 5.4.6 S. 23).
4.2 Gegen diese volkswirtschaftliche Berechnung wird in der Beschwerdeschrift zu Recht die R�ge erhoben, sie verstosse gegen den Grundsatz der Bindung an den R�ckweisungsentscheid des Bundesgerichts. Gem�ss dem R�ckweisungsentscheid hatte das Verwaltungsgericht die Frage zu beurteilen, ob die Kosten von Sitzwachen f�r das Spital A.________ zumutbar seien und nicht f�r die Bev�lkerung der "industrialisierten L�nder der ersten und zweiten Welt". Sodann wurde vom Bundesgericht der konkrete Ereignisablauf (Sturz aus dem Fenster des Nachbarzimmers) als f�r die rechtliche Beurteilung unerheblich betrachtet, wie bereits festgehalten worden ist (vorne E. 3.2). Das gilt auch im Zusammenhang mit der Beurteilung der finanziellen Zumutbarkeit von Sitzwachen im Spital A.________, weshalb das Verwaltungsgericht nicht befugt war, diesem Umstand auf dem Umweg �ber eine Sch�tzung der statistischen H�ufigkeit des Ereignisses - in den industrialisierten L�ndern der ersten und zweiten Welt - dennoch rechtliche Bedeutung zu verleihen.
4.3 Der angefochtene Entscheid ist somit als Ganzes aufzuheben, was zur Folge hat, dass das Verwaltungsgericht ein drittes Mal �ber die Streitsache entscheiden muss. Dabei hat es davon auszugehen, dass das Bundesgericht mit dem vorliegenden Urteil die Frage der Widerrechtlichkeit als Haftungsvoraussetzung verbindlich bejaht hat. Aufgrund der tats�chlichen Feststellungen im angefochtenen Entscheid betreffend der Kosten von Sitznachtwachen im Spital A.________ kann das Bundesgericht diese Frage n�mlich selbst beurteilen und bejahen. Nach den bereits aufgef�hrten Zahlen (vorne E. 4.1) ergeben sich pro Delirfall Kosten von Fr. 1'680.-- und f�r alle Delirf�lle zusammen j�hrliche Kosten von Fr. 369'600.-- bis Fr. 655'200.--. Diese Kosten erscheinen als finanziell ohne weiteres zumutbar, insbesondere wenn sie mit den weit h�heren Kosten der Operationen selbst verglichen werden, die an solchen Patienten vorgenommen werden. Noch viel eindeutiger ist das Ergebnis im �brigen, wenn die vom Verwaltungsgericht bef�rwortete volkswirtschaftliche Betrachtungsweise �bernommen w�rde. Danach wird von Grenzkostenbetr�gen von maximal zwanzig Millionen Franken pro gerettetes Menschenleben und von zwischen Fr. 300'000.-- bis Fr. 500'000.-- pro gerettetes Menschenlebensjahr ausgegangen (Urteil E. 5.2 S. 20). F�r H.________ mit einer zur Zeit der Operation rund 11,5 Jahre betragenden durchschnittlichen Lebenserwartung (angef. Urteil E. 5.4.6) w�rden sich so Grenzkostenbetr�ge von Fr. 3'450'000.-- bis Fr. 5'750'000.-- ergeben. Verglichen mit diesen Betr�gen erscheint der erforderliche Aufwand von Fr. 1'680.-- f�r eine einw�chige Sitznachtwache verschwindend gering, weshalb auch unter diesem Aspekt die finanzielle Zumutbarkeit ohne weiteres bejaht werden kann.
Aus diesen Gr�nden ist der angefochtene Entscheid in Gutheissung der staatsrechtlichen Beschwerde aufzuheben.
Die Gerichtskosten sind entsprechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, welche die Beschwerdef�hrerinnen f�r das bundesgerichtliche Verfahren zu entsch�digen hat (Art. 156 Abs. 1 und Art. 159 Abs. 1 und 2 OG).
Die staatsrechtliche Beschwerde wird gutgeheissen und das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Juli 2005 aufgehoben.
Die Gerichtsgeb�hr von Fr. 6'000.-- wird der Beschwerdegegnerin auferlegt.
Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdef�hrerinnen f�r das bundesgerichtliche Verfahren mit insgesamt Fr. 7'000.-- zu entsch�digen.