Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VII%20R%20173/85
Timestamp: 2020-02-20 23:12:49
Document Index: 138468140

Matched Legal Cases: ['§ 119', '§ 119', '§ 125', '§ 41', '§ 41', '§ 125', '§ 119', '§ 125']

BFH, 22.11.1988 - VII R 173/85 - dejure.org
https://dejure.org/1988,493
BFH, 22.11.1988 - VII R 173/85 (https://dejure.org/1988,493)
BFH, Entscheidung vom 22.11.1988 - VII R 173/85 (https://dejure.org/1988,493)
BFH, Entscheidung vom 22. November 1988 - VII R 173/85 (https://dejure.org/1988,493)
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AO 1977 §§ 119 Abs. 1, 125 Abs. 1
Lohnsteuerhaftungsbescheid - Hinreichende Bestimmtheit - Aufgliederung des Haftungsbetrags - Lohnsteueranmeldungszeitraum
AO (1977) § 119 Abs. 1 § 125 Abs. 1
Abgabenordnung; Nichtigkeit eines Lohnsteuer-Haftungsbescheids
BFHE 155, 24
BB 1989, 617
BStBl II 1989, 220
Bei fehlender inhaltlicher Bestimmtheit tritt nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs die Nichtigkeitsfolge nämlich nur ausnahmsweise dann ein, wenn dem Bescheid nicht hinreichend sicher entnommen werden kann, was von wem verlangt wird; Haftungsbescheide sind daher nur bei Unbestimmtheit des Haftungsschuldners und des Haftungsbetrages nichtig, bei mangelnder Aufgliederung der Haftungssumme hingegen nur rechtswidrig und aufhebbar (Urteil vom 22. November 1988 - VII R 173/85 - BFHE 155, 24 [27] m.w.N.).
Nicht jeder Bestimmtheitsmangel führt zur Nichtigkeit (Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 22. November 1988 VII R 173/85, BFHE 155, 24, BStBl II 1989, 220).
Abgesehen davon ist die "Offenkundigkeit" des schwerwiegenden Mangels aus der maßgeblichen Sicht eines Durchschnittsbeobachters, dessen Kenntnis aller in Betracht kommenden Umstände zu unterstellen ist (BFH-Urteile vom 22. November 1988 VII R 173/85, BFHE 155, 24, BStBl II 1989, 220, und in BFH/NV 1996, 530), auch hinsichtlich der vom FA angenommenen unwirksamen Bekanntgabe des Bescheids vom 6. Juli 1992 nicht zu verneinen, weil die für eine solche Unwirksamkeit erforderliche hinreichende Dokumentation der Aufgabe des Bekanntgabewillens (vgl. BFH-Urteil in BFHE 180, 538, BStBl II 1996, 627) im Streitfall --wie ausgeführt-- ersichtlich nicht gegeben war.
Für die Klage auf Feststellung der Nichtigkeit oder Unwirksamkeit eines Verwaltungsakts nach § 41 FGO ist die Durchführung eines Vorverfahrens nicht erforderlich; die Feststellungsklage ist nicht fristgebunden (BFH-Urteile vom 9. Mai 1985 IV R 172/83, BFHE 143, 506, BStBl II 1985, 579, und vom 22. November 1988 VII R 173/85, BFHE 155, 24, BStBl II 1989, 220;… Gräber/von Groll, a.a.O., § 41 Anm. 35).
Ein inhaltlich nicht hinreichend bestimmter Verwaltungsakt kann in der Regel nicht wirksam werden, weil er keinen vollziehbaren Inhalt hat (vgl. hierzu Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 22. November 1988 VII R 173/85, BFHE 155, 24, BStBl II 1989, 220).
Welche Fehler im Einzelnen als so schwerwiegend anzusehen sind, dass sie die Nichtigkeit des Verwaltungsaktes zur Folge haben, lässt sich nur von Fall zu Fall entscheiden und muss anhand der jeweiligen für das Verhalten der Behörde maßgebenden Rechtsvorschrift beurteilt werden (vgl. BFH, Urteil vom 17.11.2005, III R 8/03, juris; Urteil vom 23.2.1995, VII R 51/94, juris; Urteil vom 22.11.1988, VII R 173/85, juris; Urteil vom 9.12.1998, II R 6/87, juris; Urteil vom 30.1.1980, II R 90/75, juris).
Maßgeblich ist somit die Sicht eines Durchschnittsbeobachters, nicht dagegen das Urteil des vom Verwaltungsakt Betroffenen (vgl. BFH, Urteil vom 22.11.1988, VII R 173/85, juris).
Kann aus einer inhaltlichen Unbestimmtheit eines Verwaltungsaktes im allgemeinen zwar dessen Nichtigkeit nach § 125 Abs. 1 AO folgen (vgl. dazu Tipke/Kruse § 119 AO Rz 6 m.w.N.), so hält der Senat im Streitfall die aufgezeigten Mängel jedoch nicht für solche, die als besonders schwerwiegende und offenkundige im Sinne der der Vorschrift des § 125 Abs. 1 AO zugrunde liegenden Evidenztheorie zu werten wären mit der Folge, dass der streitige Verwaltungsakt nicht nichtig, sondern lediglich anfechtbar ist (vgl. BFH-Urteil vom 22. November 1988, Az.: VII R 173/85, BStBl II 1989, 220 ).
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