Source: https://www.mj.niedersachsen.de/themen/strafrecht_soziale_dienste_und_opferhilfe/stalking/stalking-10507.html
Timestamp: 2017-11-21 09:49:41
Document Index: 342022101

Matched Legal Cases: ['§ 223', '§ 240', '§ 241', '§ 123', '§ 185', '§ 201', '§ 303', '§ 238']

Stalking | Nds. Justizministerium
„Stalking" oder „Nachstellung" wird wiederholtes, fortgesetztes oder dauerhaftes Verfolgen oder Belästigen einer Person genannt. Im allgemeinen Sprachgebrauch kann dies auch als „Psychoterror" bezeichnet werden. Dabei wird fortlaufend auf eine Person eingewirkt, was durch eine Vielzahl von Handlungen geschehen kann. Handlungen, die zu einer unzumutbaren Belästigung für das Opfer führen können, sind unter anderem:
ständiges Aufsuchen der persönlichen Nähe (in der Wohnung, am Arbeitsplatz, beim Einkaufen, bei Hobbys),
Sachbeschädigungen am Eigentum,
Das Ziel der Täterinnen oder Täter ist in vielen Fällen, die Opfer zur Aufnahme oder Fortsetzung einer Beziehung zu bewegen. Ein erheblicher Teil der Fälle von Stalking tritt in Zusammenhang mit häuslicher Gewalt auf, insbesondere in Trennungssituationen. Aber auch das Bedürfnis von Machtausübung oder Rachegefühle können Auslöser für ein solches Verhalten sein.
Stalking ist ein ernst zu nehmendes Verhalten mit teilweise erheblichen körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen für die Opfer. Gefühle von Angst, Hilflosigkeit, Verfolgung, Nervosität und Unwohlsein können die Folge sein. Die Opfer können unter abnehmender Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, Depressionen und körperlichen Verletzungen leiden. Um solchen Repressionen zu entgehen, ergreifen Opfer vielfach Strategien, die zu einer sozialen Isolation führen können. Sie ändern Handlungsgewohnheiten, meiden bestimmte Orte, oder ändern die Telefonnummer, die Wohnung oder den Arbeitsplatz. Nicht selten ist auch das soziale Umfeld des Opfers oder die Familie direkt oder indirekt mit betroffen.
Stalking ist keine Erscheinungsform bestimmter gesellschaftlicher Gruppen, es kommt in allen Schichten der Gesellschaft vor. Sowohl auf Täter- als auch auf Opferseite betrifft es Männer und Frauen. Empirischen Erhebungen zeigen, dass mehr Männer als Täter auftreten und Frauen häufiger als Opfer betroffen sind.
Ein Phänomen des Nachstellens ist, dass dieses meistens auf Dauer angelegt ist und sich oft in Häufigkeit und Intensität steigert (Eskalationsspirale). Jede Reaktion des Opfers wird zum Anlass für eine weitere Tathandlung. Daher ist es wichtig, den Täterinnen und Tätern frühzeitig und konsequent Einhalt zu gebieten.
Hierfür wurde unter anderem das Gewaltschutzgesetz geschaffen, das den Opfern die Möglichkeit gibt, eine gerichtliche Verfügung gegen die Täterin oder den Täter zu erwirken. Verstößt die Person gegen diese Verfügung, kann sie sich strafbar machen.
Daneben sind viele Tathandlungen des Nachstellens bereits als solche strafbar. Dies gilt etwa für vorsätzliche und fahrlässige Körperverletzungen (§§ 223, 229 Strafgesetzbuch (StGB)), Nötigung (§ 240 StGB), Bedrohung (§ 241 StGB), Hausfriedensbruch (§ 123 StGB), Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung (§§ 185 ff. StGB), Verletzung des persönlichen Lebensbereichs (§§ 201 ff. StGB), Sachbeschädigung (§ 303 StGB), etc.
Darüber hinaus gibt es seit dem Jahr 2007 den speziellen Straftatbestand der Nachstellung gemäß § 238 StGB. Allerdings unterfällt nicht jede Belästigung oder Nachstellung dieser Vorschrift. Nach der Rechtsprechung ist Voraussetzung, dass die Handlungen bei dem Opfer zu gravierenden, ernst zu nehmenden Folgen führen, die über durchschnittliche, regelmäßig hinzunehmende Beeinträchtigungen der Lebensgestaltung erheblich und objektivierbar hinausgehen.
Über die verschiedenen rechtlichen Schutz- und Hilfsmöglichkeiten sowie Beratungsstellen informiert eine vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (MS) herausgegebene Broschüre: „Wie sich Opfer von Belästigung und Bedrohung schützen können". Sie ist über den Internetauftritt des MS zu erhalten. Zudem enthält die Broschüre einige Verhaltenshinweise für Betroffene. Auch wenn es kein allgemeingültiges Mittel gegen Stalking gibt, kann die Befolgung dieser Hinweise den Täterinnen und Tätern das Stalking erschweren sowie die zivil- und strafrechtliche Verfolgung erleichtern.