Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=02.03.2004&Aktenzeichen=8%20S%20243/04
Timestamp: 2020-03-30 06:38:04
Document Index: 25456103

Matched Legal Cases: ['§ 2', 'Art 2', 'Art 20', 'Art 2', 'Art 2', 'Art 20', '§ 23', '§ 2', '§ 2', 'Art 2', 'Art 20', 'Art 2', 'Art. 20', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 20', 'BGH', 'Art. 2', '§ 2', '§ 3', '§ 22', '§ 3', 'BGH', 'BGH']

VGH Baden-Württemberg, 02.03.2004 - 8 S 243/04 - dejure.org
https://dejure.org/2004,2798
VGH Baden-Württemberg, 02.03.2004 - 8 S 243/04 (https://dejure.org/2004,2798)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 02.03.2004 - 8 S 243/04 (https://dejure.org/2004,2798)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 02. März 2004 - 8 S 243/04 (https://dejure.org/2004,2798)
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(1. Grenzwerte nach § 2 der 26. BImSchV verstoßen nicht gegen Art 2 Abs 2 S 1 GG. 2. Staatszielbestimmung des Art 20 a GG vermag die Schutzpflicht nach Art 2 Abs 2 S 1 GG nicht zu einer Vorsorgepflicht gegen hypothetische Gefahren elektromagnetischer Felder zu verdichten. 3. ...
Art 2 Abs 2 S 1 GG, Art 20a GG, § 23 Abs 1 S 1 BImSchG, § 2 BImSchV 26
1. Grenzwerte nach § 2 der 26. BImSchV verstoßen nicht gegen Art 2 Abs 2 S 1 GG. 2. Staatszielbestimmung des Art 20 a GG vermag die Schutzpflicht nach Art 2 Abs 2 S 1 GG nicht zu einer Vorsorgepflicht gegen hypothetische Gefahren elektromagnetischer Felder zu verdichten. 3. ...
Schutzpflicht, Vorsorgepflicht, Gesundheitsgefahren, natürliche Lebensgrundlagen, elektromagnetische Felder (Strahlung), athermische (biologische) Wirkungen
Bundesverfassungsrecht, Nachbarschutz Bauplanungsrecht (einschließlich Gebot der Rücksichtnahme), Immissionsschutz - Schutzpflicht, Vorsorgepflicht, Gesundheitsgefahren, natürliche Lebensgrundlagen, elektromagnetische Felder [Strahlung], athermische [biologische] ...
Verbot einer Mobilfunkanlage wegen Gesundheitsgefährdung
Einfluss der Staatszielbestimmung des Art. 20a Grundgesetz (GG) auf Art. 2 I GG; Grundgesetzliche Vereinbarkeit der Grenzwerte der Immissionsschutzverordnung; Anforderungen an die Darlegung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Gefährlichkeit elektromagnetischer Felder ...
Zusammenfassung von "Abwehransprüche gegen den Betrieb von Mobilfunkanlagen" von Prof. Dr. Klaus Kniep, original erschienen in: WuM 2004, 564 - 655.
VG Stuttgart, 28.11.2003 - 11 K 3634/03
VBlBW 2004, 262
ZfBR 2004, 808 (Ls.)
Diese Regelungen sind mit der staatlichen Pflicht zum Schutz der Gesundheit nach Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG vereinbar (BVerfG, Beschlüsse vom 24.01.2007 - 1 BvR 382/05 - NVwZ 2007, 805, vom 08.12.2004 - 1 BvR 1238/04 - NVwZ-RR 2005, 227 und vom 28.02.2002 - 1 BvR 1676/01 - NJW 2002, 1638; Senatsbeschluss vom 02.03.2004 - 8 S 243/04 - VBlBW 2004, 262).
Denn dieses Grundrecht verpflichtet den Staat nicht zur Vorsorge gegen rein hypothetische Gesundheitsgefahren; aus Art. 20a GG folgt nichts Anderes (Senatsbeschluss vom 02.03.2004, a.a.O.; VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 19.04.2002 - 3 S 590/02 - VBlBW 2003, 72 m.w.N.).
Maßgeblich ist insoweit die 26. BImSchV, die nach übereinstimmender höchst- und obergerichtlicher Rechtsprechung (vgl. Urteil des Senates vom 20. August 2001 - 1 A 10382/01.OVG - , Beschluss des 8. Senates des Gerichts vom 13. Januar 2004, - 8 B 11939/03.OVG - ; BVerfG Beschluss vom 28. Februar 2002, NJW 2002, 1638 ff.; VGH Kassel Beschluss vom 29. Juli 1999, NVwZ 2000, 516 ff.; VGH Mannheim Beschlüsse vom 19. April 2002, NVwZ-RR 2003, 72 ff. und vom 2 März 2004, VBlBW 2004 262 f.; OVG des Saarlandes Beschluss vom 17. Oktober 2006, in juris; OVG Münster Beschluss vom 9. Januar 2009, DVBl 2009, 327 f.; OVG Lümneburg Urteil vom 10. November 2009 in juris; BGH Urteil vom 13. Februar 2004 NJW 2004 ff. jeweils m.w.N.) in ausreichendem Maße die Anforderungen festlegt, die Mobilfunkanlagen erfüllen müssen, damit sie keine schädlichen Umwelteinwirkungen hervorrufen.
Da die Anlage nach der für sie erteilten Standortbescheinigung der Bundesnetzagentur vom 07.10.2008 die in der 26. Bundesimmissionsschutz-Verordnung festgelegten Grenzwerte einhält, liegt auch kein Verstoß gegen die aus Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG folgende Pflicht des Staates zum Schutz der menschlichen Gesundheit vor (vgl. Senat, Beschluss vom 02.03.2004 - 8 S 243/04 - VBlBW 2004, 262).
Soweit bislang erkennbar, wirken elektromagnetische Felder jedoch nicht über Beeinträchtigungen von Luft oder Boden, sondern unmittelbar auf den Menschen ein (VGH Bad.-Württ., Beschl. v. 2.3.2004 - 8 S 243/04 -, a.a.O.).
Aufgrund der durch die Standortbescheinigung nachgewiesenen Einhaltung der maßgeblichen Grenzwerte (vgl. § 2 der 26. BImSchV i. V. m. § 3 Satz 1 Nr. 1 BEMFG) werden keine schädlichen Umwelteinwirkungen (vgl. § 22 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Nr. 2 i. V. m. § 3 Abs. 1 BImSchG) hervorgerufen (vgl. VGH Baden-Württemberg, Beschl. v. 02.03.2004 - 8 S 234/04 -, VBlBW 2004, 262; Beschl. v. 19.04.2002 - 3 S 590/02 -, VBlBW 2003, 72; OVG Nordrhein-Westfalen, Beschl. v. 15.04.2010 - 13 B 162/10 -, juris;… Urt. v. 17.12.2008 - 10 A 2999/07 -, DVBl. 2009, 712; Hessischer VGH, Beschl. v. 19.02.2010 - 4 B 2266.09 -, RdL 2010, 179; Bayerischer VGH, Beschl. v. 10.06.2010 - 15 ZB 09.1240 -, juris; OVG Rheinland-Pfalz, Beschl. v. 05.02.2010 - 1 B 11356/09 -, DVBl. 2010, 659).
Dass derzeit kein wissenschaftlich begründeter Zweifel an der Richtigkeit der in der 26.BImSchV festgelegten Grenzwerte besteht, entspricht im Übrigen der herrschenden Rechtsprechung (vgl. schon SächsOVG, Beschl. v. 17.12.1997, SächsVBl. 1998, 162, 163, und aus jüngerer Zeit z.B. VGH Bad.-Württ., Beschl. v. 2.3.2004, VBlBW 2004, 262; BayVGH, Beschl. v. 30.3.2004, BayVBl. 2004, 660, 663; OVG NW, Beschl. v. 9.1.2004, NVwZ-RR 2004, 481, 482;… BGH, Urt. v. 13.2.2004, BayVBl. 2004, 668, 669).
Damit steht zugleich fest, dass die Anwohner keiner unzumutbaren elektromagnetischen Strahlung ausgesetzt werden; insbesondere ist insoweit keine Verletzung des Gebots der Rücksichtnahme gegeben (VGH Bad.-Württ, Beschluss vom 2. März 2004 -8 S 243/04, VBlBW 2004, 262).
Die Risikoeinschätzung des Verordnungsgebers ist nur dann gerichtlich zu überprüfen, wenn konkret dargelegt ist, dass sie auf Grund neuer, durch anerkannte Stellen gewonnener Erkenntnisse von erheblichem wissenschaftlichen Gewicht überholt sein könnte (VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 2. März 2004, a.a.O.; vgl. ferner OVG Bautzen, Beschluss vom 9. November 2004, NVwZ 2005, 352).
Solange keine gewichtigen Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die den Grenzwerten zugrundeliegende Risikoeinschätzung des Verordnungsgebers aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse überholt sein könnte, darf davon ausgegangen werden, dass mit diesen dem Schutz der Bevölkerung vor gesundheitlichen Gefährdungen ausreichend nachgekommen worden ist (vgl. hierzu im Einzelnen BVerfG, Beschl.v. 28.02.2002, DVBl 2002, S.614; VGH Bad.-Württ., Beschl.v. 02.03.2004 - 8 S 243/04 - …und Beschl.v. 19.04.2002, NVwZ-RR 2003, S. 27;… OVG Koblenz, Urt. v. 07.08.2003, VG Koblenz, Urt. v. 08.10.2002, OVG Münster, Urt. v. 08.10.2003, VG Freiburg, Urt. v. 15.10.2003, VG Sigmaringen, Urt. v. 26.03.2003, jeweils a.a.O.;… VG Karlsruhe, Urt. v. 16.04.2003 - 4 K 2477/01 - vgl. auch jüngst BGH, Urt. v. 13.02.2004 - V ZR 217/03 und V ZR 218/03 -).