Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=27.09.2004&Aktenzeichen=II%20ZR%20378/02
Timestamp: 2020-03-31 02:11:18
Document Index: 257437084

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', '§ 123', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 123', '§ 123', 'BGH', '§ 9', 'BGH', '§ 57']

BGH, 27.09.2004 - II ZR 378/02 - dejure.org
https://dejure.org/2004,6855
BGH, 27.09.2004 - II ZR 378/02 (https://dejure.org/2004,6855)
BGH, Entscheidung vom 27.09.2004 - II ZR 378/02 (https://dejure.org/2004,6855)
BGH, Entscheidung vom 27. September 2004 - II ZR 378/02 (https://dejure.org/2004,6855)
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Recht auf Widerruf bei Haustürgeschäften; Voraussetzungen des Widerrufs nach dem Haustürwiderrufsgesetz; Arglistige Täuschung bei Haustürgeschäften; Erlöschen des Widerrufsrechts bei Darlehensverträgen wegen mangelnder ordnungsgemäßer Belehrung; Rechtsfolge des Widerrufs ...
Zurechenbarkeit einer Haustürsituation bei Verhandlungsführung durch Dritte (IBR 2005, 1077)
b) Nach Auffassung des Senats ist bei verbundenen Geschäften im Sinne von § 9 VerbrKrG anders als bei fremdfinanzierten Eigentumswohnungen bei der Zurechnung nicht auf die Voraussetzungen von § 123 Abs. 2 BGB (so BGH NJW 2003, 424, 425; BGH NJW 2003, 1390, 1391; BGH ZIP 2003, 1741, 1743; BGH NJW 2004, 844, 846 f. jeweils bei der Finanzierung von Eigentumswohnungen; für geschlossene Immobilienfonds BGH WM 2004, 1521, 1523; BGH WM 2004, 1527, 1528; Urteil vom 13.09.2004, II ZR 393/01, S. 6; Urteil vom 27.9.2004, II ZR 378/02, S. 6) abzustellen.
Angesichts der Ortsangaben in den Darlehensunterlagen lag jedenfalls aus der Sicht der Bank eine Haustürsituation nicht fern (BGH Urteil vom 13.09.2004, II ZR 393/01, S. 6 und Urteil vom 27.9.2004, II ZR 378/02, S. 6).
Allerdings scheint der II. Zivilsenat in seinen Urteilen vom 14.06.2004 (II ZR 395/01, WM 2004, 1521 und II ZR 385/02, WM 2004, 1527) und 27.09.2004 (II ZR 378/02; II ZR 380/02; II ZR 390/02; II ZR 391/02; II ZR 320/03 und II ZR 321/03) für den Fall des kreditfinanzierten Beitritts zu einem geschlossenen Immobilienfonds mit einheitlicher Vertriebsorganisation die Auffassung zu vertreten, dass es sich um ein verbundenes Geschäft handelt und in diesem Rahmen die Einschaltung des Treuhänders als Vertreters des Anlageinteressenten nicht von diesem, sondern von den Initiatoren und Gründungsgesellschaftern des Fonds in Kenntnis und mit zumindest stillschweigender Billigung der Bank erfolgt.
(1) Folgt man der Ansicht des II. Zivilsenats des BGH (Urteile vom 14.06.2004 II ZR 385/02 S. 5f; II ZR 395/01 S. 9f; vom 13.09.2004 II ZR 393/01 S. 6 und vom 27.09.2004 II ZR 378/02 S. 6), dass § 123 Abs. 2 BGB Anwendung findet (der von ihm zitierte XI. Zivilsenat hält daneben aber auch § 123 Abs. 1 BGB für anwendbar, wenn dessen Tatbestandsvoraussetzungen vorliegen: Urteile vom 12.11.2002 NJW 2003, 424, 425; vom 15.07.2003 ZIP 2003, 1741, 1743 und vom 20.01.2004 MDR 2004, 582), und verlangt bei der Finanzierung geschlossener Immobilienfonds von der Bank, dass sie nachfragen müsse, wenn sich aus dem Darlehensvertragsantrag der Kunden (so Entscheidungsgründe des Urteils II ZR 385/02 S. 6) oder auch aus den sonstigen Kreditunterlagen (so Leitsatz b. dieser Entscheidung) Anhaltspunkte ergeben, dass sie ihre Erklärung in einer Haustürsituation abgegeben haben, so bereitet die Zurechnung im konkreten Fall keine Probleme:.
Das Kündigungsrecht kann auch dadurch ausgeübt werden, dass der Anleger dem Finanzierungsinstitut mitteilt, ihm stehe ein Kündigungsrecht in Bezug auf seine Beteiligung zu und jenem die Übernahme seines Geschäftsanteils anbietet (vgl. dazu nur: BGH, Urteil vom 21.07.2003, II ZR 378/02, Rn. 22 zitiert nach juris;… ebenso Nobbe, WM 2007, Sonderbeilage Nr. 1/2007, S. 33).
Dabei verkennt der Senat nicht, dass in Rechtsprechung und Literatur Uneinigkeit darüber besteht, ob ein Einwendungsdurchgriff gemäß § 9 Abs. 3 Satz 1 VerbrKrG, ebenso wie ein Rückforderungsdurchgriff, nur bei einer arglistigen Täuschung durch einen Vermittler über die Risiken eines Beitritts zu einer Fonds KG, d.h. nur bei einem vorsätzlichen Aufklärungsverschulden des Vermittlers, in Betracht kommt oder ob die Möglichkeit der Kündigung des Gesellschaftsvertrages und in deren Folge auch der entsprechende Einwendungsdurchgriff bei jeder, d.h. auch bei einer bloß fahrlässigen, Verletzung der Aufklärungspflichten eines Vermittlers besteht (auch bei Fahrlässigkeit: OLG Stuttgart…, Urteil vom 15.07.2008, 6 U 8/06, Rn. 84 ff; Strohn, WM 2005, 1441;… nur bei Vorsatz: Nobbe, a.a.O., S. 33; offen gelassen: OLG Hamm…, Urteil vom 11.03.2009, 8 U 21/08, Rn. 46; unklar: BGH (II. Zivilsenat) Urteil vom 21.07.2003, II ZR 378/02, Rn. 21 "unter Verletzung einer Aufklärungspflicht oder sogar unter arglistiger Täuschung";… K. Schmidt, Gesellschaftsrecht, 4. Aufl., § 57 IV 2, S. 1683).