Source: https://datenbank.nwb.de/Dokument/Anzeigen/260532/
Timestamp: 2019-12-09 10:08:20
Document Index: 182699221

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 34', '§ 34', '§ 126', '§ 11', '§ 38', '§ 11', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34']

BFH, Urteil v. 12.04.2007 - VI R 6/02 - NWB Urteile
BFH v. 12.04.2007 - VI R 6/02
BFH v. 12.04.2007 - VI R 6/02 BStBl 2007 II S. 581
Gesetze: EStG § 11 Abs. 1EStG i.d.F. des StRG 1990 § 34 Abs. 3
Instanzenzug: FG Rheinland-Pfalz vom 25. September 2001 2 K 2605/00 (EFG 2002, 275) BFH VI R 6/02 (Verfahrensverlauf), BFH - VI R 6/02, Verfahrensverlauf , BFH - VI R 6/02, Verfahrensverlauf
Die Kläger und Revisionsbeklagten (Kläger) wurden im Streitjahr (1995) zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Der Kläger war bis zum 31. August 1995 Gesellschafter und Geschäftsführer der A-GmbH. Die A-GmbH hatte dem Kläger im Jahre 1984 eine Pensionszusage erteilt.
Im Anschluss an eine Außenprüfung bei der A-GmbH änderte der Beklagte und Revisionskläger (das Finanzamt —FA—) den Einkommensteuerbescheid für das Streitjahr und rechnete mit Änderungsbescheid vom 1. März 2000 den Ablösungsbetrag dem steuerpflichtigen Arbeitslohn des Klägers hinzu. Im Änderungsbescheid wurden außerordentliche Einkünfte in Höhe von 30 Mio. DM dem ermäßigten Steuersatz des § 34 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) in der im Streitjahr geltenden Fassung unterworfen. Für den Ablösungsbetrag wurde keine Steuerermäßigung gewährt.
Die Revision ist begründet. Sie führt zur Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils und zur ganz überwiegenden Abweisung der Klage. Der Senat kann in der Sache selbst entscheiden (§ 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung —FGO—).
a) Arbeitslohn, der —wie im Streitfall— nicht als laufender Arbeitslohn gezahlt wird, wird in dem Kalenderjahr bezogen, in dem er dem Arbeitnehmer zufließt (§ 11 Abs. 1 Satz 3 i.V.m. § 38a Abs. 1 Satz 3 EStG). Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) sind Einnahmen dem Steuerpflichtigen zugeflossen, sobald er über sie wirtschaftlich verfügen kann und infolgedessen bei ihm eine Vermögensmehrung eingetreten ist ( BFH-Urteile vom 4. Mai 2006 VI R 19/03 , BFHE 213, 381, BStBl II 2006, 832; vom 14. Juni 2005 VIII R 47/03, BFH/NV 2005, 2181; vom 23. April 1996 VIII R 30/93, BFHE 181, 7, jeweils m.w.N.).
Die bloße Einräumung von Ansprüchen durch den Arbeitgeber an den Arbeitnehmer führt bei diesem regelmäßig noch nicht zum Zufluss von Einnahmen. Erst der Eintritt des Leistungserfolgs durch die Erfüllung der Ansprüche bewirkt den Zufluss beim Arbeitnehmer ( BFH-Urteile vom 23. Juni 2005 VI R 124/99 , BFHE 209, 549, BStBl II 2005, 766; VI R 10/03, BFHE 209, 559, BStBl II 2005, 770; vom 20. Juni 2001 VI R 105/99, BFHE 195, 395, BStBl II 2001, 689).
Dem Zufluss beim Kläger steht nicht entgegen, dass der Ablösungsbetrag nicht an den Kläger selbst, sondern an die S-GmbH als Gegenleistung für die mit dem Kläger und der A-GmbH vereinbarte Übernahme der Pensionsverpflichtung gezahlt worden ist. Nutzungsbeschränkungen aufgrund von Verwendungsabreden sind für den Zufluss von Einnahmen unschädlich, da sie lediglich die Vermögensverwendung betreffen (vgl. BFH-Urteil vom 1. Februar 2007 VI R 73/04 , BFH/NV 2007, 896; Schmidt/Heinicke, EStG, 25. Aufl., § 11 Rz 15). Im Streitfall hat daher die Verwendung des Ablösungsbetrags für die Übernahme der Pensionsverpflichtung durch die S-GmbH keinen Einfluss auf den Zufluss beim Kläger.
Für den Zufluss des Ablösungsbetrags im Streitjahr spricht auch ein Vergleich mit der ab dem Jahre 2002 geltenden Vorschrift des § 3 Nr. 66 EStG in der Fassung des Altersvermögensgesetzes vom 26. Juni 2001 (BGBl I 2001, 1310, BStBl I 2001, 420), wonach Leistungen des Arbeitgebers oder einer Unterstützungskasse an einen Pensionsfonds zur Übernahme bestehender Versorgungsverpflichtungen oder Versorgungsanwartschaften durch einen Pensionsfonds bei Vorliegen eines Antrags nach § 4d Abs. 3 EStG oder § 4e Abs. 3 EStG steuerfrei sind. Die Neuregelung geht davon aus, dass die genannten Leistungen beim Arbeitnehmer zu steuerbarem Arbeitslohn führen (vgl. BTDrucks 14/5150, S. 34; Schmidt/Heinicke, a.a.O., § 3 „Altersvorsorge” Anm. c).
Es kann dahinstehen, ob der Ablösungsbetrag zu den außerordentlichen Einkünften i.S. des § 34 Abs. 2 Nr. 2 EStG gehört, auf die der ermäßigte Steuersatz des § 34 Abs. 1 EStG anzuwenden ist (vgl. hierzu BFH-Urteil vom 10. April 2003 XI R 4/02 , BFHE 202, 290, BStBl II 2003, 748). Denn der ermäßigte Steuersatz wird gemäß § 34 Abs. 1 Satz 2 EStG nur für den Teil der außerordentlichen Einkünfte gewährt, der den Betrag von 30 Mio. DM nicht übersteigt. Dem angefochtenen Einkommensteuerbescheid liegen jedoch bereits außerordentliche Einkünfte in Höhe von 30 Mio. DM zugrunde, die dem ermäßigten Steuersatz des § 34 Abs. 1 EStG unterworfen wurden. Damit verbleibt für den Ablösungsbetrag gemäß § 34 Abs. 1 Satz 3 EStG nur die Möglichkeit der Tarifermäßigung nach § 34 Abs. 3 EStG.
Die Tarifermäßigung des § 34 Abs. 3 EStG setzt eine Vergütung für eine mehrjährige Tätigkeit voraus. Eine solche Vergütung liegt bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit vor, wenn sie auf einem Arbeitsverhältnis beruht, für mehrere Jahre erbracht wird und aus wirtschaftlich vernünftigen Gründen in zusammengeballter Form erfolgt (Schmidt/Glanegger/Seeger, a.a.O., § 34 Rz 41). Hierzu gehören auch Zahlungen, die —wie im Streitfall— zur Abfindung von Pensionsanwartschaften geleistet werden (vgl. BFH-Urteile vom 19. September 1975 VI R 61/73 , BFHE 117, 149, BStBl II 1976, 65; vom 20. November 1970 VI R 183/68, BFHE 101, 237, BStBl II 1971, 263; vom 2. Februar 1962 VI 267/61 U, BFHE 74, 340, BStBl III 1962, 130). Bei dem Ablösungsbetrag handelte es sich auch um Arbeitslohn für mehrere Jahre, da der Kläger nach den tatsächlichen Feststellungen des FG jedenfalls seit Erteilung der Pensionszusage im Jahre 1984 als Geschäftsführer der A-GmbH tätig war.
BMF 6.12.2017 - S 2333
BMF 4.7.2017 - S 2333
OFD Frankfurt/M. 16.9.2016 - S 2222 A
Bundesministerium der Finanzen 24.7.2013 - S 2015, S 2333
BMF 20.1.2009 - S 2496, S 2333
BMF 5.2.2008 - S 2222, S 2333
FG Köln 27.9.2018 - 6 K 814/16
BFH 15.5.2018 - X R 42/17
FG Düsseldorf 13.7.2017 - 9 K 1804/16 E
FG Köln 10.4.2013 - 9 K 2247/10
BFH 14.8.2012 - IX B 45/12
FG Berlin 17.9.2008 - 11 K 1839/05
FG München 21.8.2008 - 15 K 2291/05
FG Rheinland-Pfalz 25.9.2001 - 2 K 2605/00
BStBl 2007 II Seite 581
BB 2007 S. 1209 Nr. 22
BB 2007 S. 1374 Nr. 25
BFH/NV 2007 S. 1409 Nr. 7
BStBl II 2007 S. 581 Nr. 12
DB 2007 S. 1286 Nr. 23
DStR 2007 S. 894 Nr. 21
DStRE 2007 S. 732 Nr. 11
DStZ 2007 S. 368 Nr. 12
EStB 2007 S. 236 Nr. 7
GmbH-StB 2007 S. 167 Nr. 6
GmbHR 2007 S. 665 Nr. 12
HFR 2007 S. 650 Nr. 7
INF 2007 S. 406 Nr. 11
KÖSDI 2007 S. 15578 Nr. 6
NWB-Eilnachricht Nr. 21/2007 S. 1755
SJ 2007 S. 9 Nr. 13
StB 2007 S. 241 Nr. 7
StBW 2007 S. 3 Nr. 11
StuB-Bilanzreport Nr. 11/2007 S. 436
StuB-Bilanzreport Nr. 12/2007 S. 443
WAAAC-44915
Track 11 | Arbeitslohn: Kein Zufluss bei Übernahme einer Pensionszusage gegen eine Abfindung, Steuern mobil 2/2017
Feldgen, Steuerneutrale Entsorgung von Pensionszusagen bei geplantem Anteilsverkauf?, StuB 11/2015 S. 416
EStH Einkommensteuer-Hinweise (2005) H 34.4
EStH Einkommensteuer-Hinweise (2006) H 34.4
EStR 2005 R 34.4
BFH, Urteil v. 12.04.2007 - VI R 6/02 ablegen in?