Source: https://www.abfallratgeber.bayern.de/haushalte/abfallentsorgung/lebensmittelabfaelle/index.htm
Timestamp: 2020-02-27 20:14:40
Document Index: 148440073

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 6', '§ 6', '§ 11', '§ 1']

Plastikt vermeiden
Lebensmittelabfälle (und deren Vermeidung)
Der Rat der Europäischen Union hat das Ziel gesetzt, die 89 Millionen Tonnen Lebensmittelabfall pro Jahr in den EU-Staaten bis 2025 um 30 Prozent zu reduzieren. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette werden jährlich allein in Deutschland Lebensmittel im Wert von geschätzten 20 Milliarden Euro vernichtet. Das französische Parlament hat 2015 nahezu einstimmig Supermärkte verpflichtet, Abkommen mit karitativen Organisationen für Lebensmittelspenden zu schließen. An Schulen solle Unterricht gegen die Verschwendung von Lebensmitteln in den Lehrplan aufgenommen werden.
Trotz sich widersprechender Datenerhebungen und Schwerpunktsetzungen bei Vermeidungspotenzialen werden – unabhängig von ethischen und sozialen Bewertungen − natürliche und wirtschaftliche Ressourcen vergeudet, auch entsprechende Umweltauswirkungen umsonst erzeugt. Die deutsche Umweltministerkonferenz rief im Juni 2016 dazu auf, alle Akteure in die Pflicht zu nehmen, vom Produzenten über die Industrie, den Handel, die Gastronomie bis zum Endverbraucher. Diese seien verbindlich in die derzeit zu erarbeitende nationale Strategie des Bundes und der Länder einzubeziehen. Sie setzt vorrangig auf freiwillige Vereinbarungen, es seien aber auch verbindliche Zielsetzungen zu prüfen, den Anteil der Lebensmittelverluste deutlich zu reduzieren.
Wie das vorliegende infoBlatt zeigt, gibt es bei allen Akteuren vielfältig Ansätze, Lebensmittelabfälle im weiteren Sinne, also einschließlich der Lebensmittelverluste zu vermindern − allein, es fehlt noch das Bewusstsein. Das Blatt soll dazu beitragen, den Überblick sowie Einblicke in das Thema zu vermitteln und das Bewusstsein bei den Akteuren zu stärken.
Lebensmittelverluste, Lebensmittelreste, Nahrungsmittelverluste, Lebensmittelverschwendung
Lebensmittelabfälle (pflanzlich, tierisch) fallen in der Landwirtschaft im In- und Ausland, bei Transporten, bei der Verarbeitung (Landwirt, Nahrungsmittelindustrie), beim Handel (Groß- und Einzelhandel), beim Großverbraucher (Gastronomie, Großküchen, Catering) und in den privaten Haushalten an.
Die Definition zu "Lebensmittelabfall" findet sich auf der folgenden Seite.
Definition zu Lebensmitteln
Nach Verordnung (EG) Nr. 178/2002 sind „Lebensmittel alle Stoffe oder Erzeugnisse, die dazu bestimmt sind oder von denen nach vernünftigem Ermessen erwartet werden kann, dass sie in verarbeitetem, teilweise verarbeitetem oder unverarbeitetem Zustand von Menschen aufgenommen werden“, also rohe und verarbeitete Lebensmittel pflanzlicher und tierischer Herkunft, die genusstauglich wären; deutscher Herkunft oder importiert. Nicht zu den Lebensmitteln gehören auf dieser Grundlage „Futtermittel, lebende Tiere, soweit sie nicht für das Inverkehrbringen zum menschlichen Verzehr hergerichtet worden sind, Pflanzen vor dem Ernten sowie Rückstände und Kontaminanten…“. Weiteres in dieser Definition nach Verordnung (EG) Nr. 178/2002 genannte ist für das vorliegende infoBlatt nicht relevant.
Definition zu Lebensmittelverlust
Schwund an Nahrungsmitteln in der Versorgungskette, die zu essbaren Lebensmitteln für den menschlichen Verzehr führt. Nahrungsmittelverluste finden bei der landwirtschaftlichen Produktion, nach der Ernte und bei der Verarbeitung der Nahrungsmittel statt. (FAO 2011) Diese Definitionen reichen nach Auffassung der Teilnehmer am Workshop "Definitionen und Systemgrenzen von Lebensmittelverlusten" des BMEL Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft jedoch nicht aus, das ganze Ausmaß der Lebensmittelverluste zu erfassen : Es seien erweiterte Definitionen nötig, um die gesamten Verluste im Agrarsektor, schon vor der Ernte und auch bei der Tierhaltung, darstellen und einbeziehen zu können.
So werden etwa verzehrfähige pflanzliche Produkte aus verschiedenen Gründen vor der Ernte untergepflügt oder gar nicht geerntet und verzehrfähige Nutztiere aus ökonomischen Gründen nicht in die Aufzucht übernommen. Argumente wie „hierfür gibt es keinen Markt oder keine Nachfrage“ oder vorgegebene Vermarktungsnormen wären zu hinterfragen. Verzehrfähiges Obst, Ge-müse oder Speisekartoffeln beispielsweise, die die Mindestqualitäten erfüllen, sollten regional auch über den Handel verkauft werden können. Als Tierfutter verwendete Lebensmittel könnten als vermiedener Abfall gewertet werden.
Schadstoffe in Lebensmitteln − wie relativ oder nur vermeintlich hohe Nitratwerte im Lebensmittel Trinkwasser oder Pestizidrückstände auf Gemüse oder Obst wie etwa Erdbeeren − veranlassen weite Bevölkerungskreise zum Kauf großer Mengen an Mineralwässern und "Bio-Lebensmitteln" aus der ökologischen Landwirtschaft. Die Zurückhaltung beim Genuss von Trinkwasser (aus der Leitung, auch in gesprudelter Form ) führt dazu, dass dieses nicht mehr genügend geschätzt wird. Was jedoch nicht geschätzt wird, findet weniger Beachtung und kann zur Verschwendung führen. Werden Gemüse und Obst aus der konventionellen Landwirtschaft (nicht nur aus Deutschland) aus Gründen mangelnden Vertrauens in die handelsüblichen Angebote nicht mehr genügend geschätzt, kann das mit dazu führen, dass angebotene Lebensmittel liegen bleiben und entsorgt werden müssen.
Die Schadstoffdiskussion hat bei dem oben angesprochenen Workshop jetzt keine Rolle gespielt, sie ist hier sicher auch ein Randthema, sollte aber nicht ganz außen vor bleiben. Gehalte an schädlichen Stoffen in den Erzeugnissen und die Anforderung (im Sinne von § 3 Abs. 20 Kreislaufwirtschaftsgesetz − KrWG), den gesamten Lebenszyklus eines Erzeugnisses bis zur Entsorgung als Abfall zugrunde zu legen, sollte doch vorrangig für Lebensmittel von Belang sein.
Definition zu Lebensmittelabfall
(Bei Verlusten) am Ende der Nahrungsmittelkette (Einzelhandel und Endverbraucher) spricht man eher von Nahrungsmittelabfällen. (FAO 2011)3
Es geht um originale oder angebrochene, rohe oder zubereitete, verpackte oder nicht verpackte Lebensmittel, Zubereitungs- und Speisereste.
Rohes Fleisch, insbesondere Fleisch und Geflügel mit großer Oberfläche wie Hackfleisch, und Rohmilch etc. tragen ein Verbrauchsdatum (zu verbrauchen bis…). Dieses bezeichnet den Zeitpunkt, ab dem in mikrobiologischer Hinsicht sehr leicht verderbliche Lebensmittel eine unmittelbare Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen können. Derartige Lebensmittel sind sofort zu verbrauchen oder haben nur einige wenige Tage Haltbarkeit. Voraussetzung für eine längere Haltbarkeit ist eine Tiefkühl-Lagerdauer von -18° Celsius.
Alle anderen, verarbeiteten Lebensmittel tragen ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), bis zu dem das jeweilige Lebensmittel in ungeöffneter Packung und bei richtiger Lagerung mindestens seinen typischen Geruch und Geschmack beibehält . Das heißt nicht, dass das Lebensmittel jenseits des Datums nicht verzehrt werden kann. Je nach Lebensmittel kann es (gegebenenfalls noch lange) darüber hinaus ohne gesundheitliche Bedenken gegessen werden. Nach Ablauf des MHD sollte aber geprüft werden, ob es sich in der Konsistenz, in Geruch und Geschmack entgegen der Erwartung geändert, Joghurt zum Beispiel Schimmel angesetzt hat. Der Lebensmittelhandel trägt nach Ablauf des MHD eine erhöhte Verantwortung. Er sollte den Kunden auf eine mögliche Wertminderung hinweisen.
Vermeidbare Lebensmittelabfälle sind diejenigen, die zum Zeitpunkt der Entsorgung noch genießbar sind oder bei rechtzeitiger Verwendung noch genießbar gewesen wären. Als unvermeidbar gelten Reste, die bei der Speisenzubereitung anfallen, wie Schalen, Kerne, Knochen und Gräten. Nuss- oder Bananenschalen etc. sind aber keine Lebensmittel nach der oben gegebenen Defini-tion, sie sollten daher nicht in die Bewertungen einfließen. Ebenfalls keine Lebensmittel sind aus der Schlachtung stammende, nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Nebenprodukte.
Lebensmittelabfälle sind leicht abbaubar. Sie zählen zu den Bioabfällen. Rohschnitt von Gemüse und Obst kann eigenkompostiert , muss ansonsten über die Biotonne oder den Wertstoffhof einer Behandlung in einer Kompostier- oder Vergärungsanlage zugeführt werden. Gekochte Abfälle gehören in jedem Falle in eine Vergärungs-/Biogasanlage oder, sofern nicht vorhanden, in die Müllverbrennung.
Hierzu teilte das Umweltbundesamt (UBA) am 24.06.2014 Deutschland betreffend Folgendes mit: „Die meisten Lebensmittelabfälle fallen derzeit in der Landwirtschaft an, beim Anbau und der Ernte von Obst, Gemüse und Getreide. An zweiter Stelle steht der Lebensmittelverbrauch. Besonders hervorsticht die Abfallbilanz in Restaurants, Kantinen und bei Veranstaltungen mit Catering. Im so genannten "Außer-Haus-Konsum" wird fast die Hälfte der "bereitgestellten Lebensmittel" vorzeitig entsorgt. In Zahlen: Pro Person werden jährlich 53,3 Kilogramm Lebensmittel in Restaurants, Großküchen oder bei Veranstaltungen bereitgehalten. Davon landen 23,6 Kilogramm bzw. 44 Prozent vorzeitig im Abfall. Wichtige Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung sollten daher in diesem Bereich ansetzen. In privaten Haushalten (der so genannte "Inner-Haus-Konsum") werden pro Person jährlich rund 430 Kilogramm Lebensmittel eingekauft, 17 Prozent bzw. 82 Kilogramm dieser Menge werden zu früh entsorgt.“
Derselben Quelle ist ferner zu entnehmen: „Lebensmittel haben einen bedeutenden ökologischen Rucksack. Für alle Lebensmittel, die ein Mensch pro Jahr in Deutschland kauft, nimmt er die Fläche eines halben Fußballfeldes in Anspruch, verbraucht 84 Badewannenfüllungen an Wasser und emittiert drei Tonnen Treibhausgase, was den CO2-Emissionen eines Hin-und Rückflugs von Frankfurt nach New York entspricht. Hochgerechnet auf circa 80 Millionen und EU-weit 505 Millionen Menschen ergeben sich daraus immense Umweltwirkungen.“
Hinter dem Genuss beispielsweise einer Tasse Kaffee sollen sich nach Berechnung auf Grundlage einer neuen ISO-Norm zur Erhebung des "Wasser-Fußabdrucks" ungefähr 140 Liter Wasser verbergen. Auch Energie wird umsonst eingesetzt. Das Bayerische Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) schätzt die Energiekosten, die jährlich in Bayern mit dem Wegwerfen von Lebensmitteln verbunden sind, auf rund 100 Millionen Euro.
Nach Schätzungen aus dem EU-Projekt FUSIONS entfallen 30 Prozent der Lebensmittelabfälle auf den Erzeugungs- und Verarbeitungssektor und 70 Prozent auf den Handel, die Haushalte und die "Gastronomie" (gemeint sind hiermit wohl alle Großverbraucher).
Im Abfallvermeidungsprogramm des Bundes unter Beteiligung der Länder (AVP) werden, um Lebensmittelabfälle zu vermindern, konzertierte Aktionen und Vereinbarungen zwischen öffentlichen Einrichtungen sowie Industrie und Handel angeregt (Maßnahmen 17, 18 und 28), die entlang der Produktions- und Lieferkette entstehen. Ziel ist es danach, zur Reduzierung der Lebensmittelabfälle die gesamte Wertschöpfungskette, also nicht nur das Verhalten der Verbraucher, in den Blick zu nehmen, um Verschwendung zu reduzieren. Im "Leitfaden zur Erstellung kommunaler Abfallvermeidungskonzepte" (Maßnahme 1 AVP) ist eine intensivere Zusammenarbeit der Kommunen mit den "TAFELN" als Maßnahme zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen genannt.
Die Lebensmittelverluste verursachen Treibhausgasemissionen, die rund vier Prozent der Gesamtemissionen Deutschlands entsprechen (UBA 2014). Der Wasserverbrauch zur Erzeugung der in Deutschland konsumierten Lebensmittel entspreche rund einem Drittel des Wasserverbrauchs der Haushalte in Deutschland. Häufig würden Obst und Gemüse zudem in wasserarmen Ländern erzeugt. Weniger Lebensmittelabfälle bedeuteten auch weniger Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Besonders wirkungsvoll sei eine Vermeidung bei Lebensmittelabfällen tierischen Ursprungs, also Fleisch- und Milchprodukten. Diese benötigten pro Kilogramm 14-mal mehr Landfläche als pflanzliche Produkte.
Bei der Vermeidung ist generell auch der Gehalt an schädlichen Stoffen (im Sinne von § 3 Abs.20 KrWG) in (landwirtschaftlichen) Erzeugnissen, aber auch im Lebensmittel "Trinkwasser" anzusprechen, der durch Überdüngung, durch Medikamente oder Hormone aus Gülle und Klärschlamm herrühren und sich schädlich auf Mensch und Umwelt auswirken kann (bei Berücksichtigung des gesamten Lebenszykluses gemäß § 6 Abs. 2 KrWG). Belastete oder vermeintlich belastete Erzeug­nisse, die nicht mehr gekauft und durch alternative Erzeugnisse ersetzt werden, dürften im Einzel­handel überzählig sein und als Abfall anfallen. Die Größe der Nutztierställe sollte − abgesehen von der Forderung nach artgerechter Haltung der Tiere – den Möglichkeiten einer umweltgerechten und schadlosen Verwertung oder Beseitigung der Gülle entsprechen.
Nahrungsmittelspenden führen zur Wiederverwendung , sind daher kein Abfall.
Werden Lebensmittel wie Brot, Molke sowie Innereien, die heutzutage – auch wegen möglicher oder lediglich vermuteter Medikamentenrückstände − nur noch selten verzehrt werden, dem Tierfutter zugeführt, bleiben sie dem Zyklus der Lebensmittelherstellung erhalten. Sie werden gemäß Definition beispielsweise im Abfallwirtschaftsplan Bayern "weiterverwendet" und gelten damit als vermiedener Abfall. Sie sollten daher nicht als Lebensmittelverlust gewertet werden.
Auswahl an Maßnahmen zur Vermeidung von Schadstoffen in Lebensmitteln, Lebensmittelverlusten und -abfällen bei den verschiedenen Akteuren
Vermeidung von Schadstoffen in den Erzeugnissen
Setzen Sie möglichst keinen Klärschlamm mehr auf den Äckern ein, um Schadstoffe (vor allem persistente organische Stoffe, auch Arzneimittelrückstände, wie Antibiotika, und Hormone) in Böden und Wasser und damit in der Nahrungskette zu vermeiden.
Die Gülleausbringung dient dem Nährstoffbedarf der hiermit beaufschlagten Pflanzen vor allem im Frühjahr, sie darf keine Art der Entsorgung darstellen (problematisch besonders bei Mengen aus der Massentierhaltung, wegen der Verteilung von Arzneimittelrückständen und Hormonen sowie Überdüngungen mit der Folge von Nitrat in Gemüse und Trinkwasser).
Reduzieren Sie den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden.
Vermeiden Sie Einkäufe (mit Dioxinen etc.) kontaminierten Tierfutters durch verstärk­tes Nachfragen innerhalb der Lieferkette ("glauben ist nicht wissen") oder Eigenkontrollen ("Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser"). Alle in der Versorgungskette sind in Produkt­verantwortung veranlasst, selbst zu kontrollieren und sich nicht erst auf die Überwachung durch die zuständige Behörde zu verlassen.
Geben Sie nicht ganz der Handelsnorm entsprechendes Obst und Gemüse über den Hofladen, über Wochenmärkte oder zur Fruchtsaftgewinnung ab.
Vermeiden Sie Überproduktionen oder verarbeiten Sie sie diese unkonventionell, so dass Sie kein verzehrfähiges Gemüse (oder eines, das noch vor der Ernte steht und vermutlich erntefähig sein wird) unterpflügen müssen.
Nehmen Sie verzehrfähige Nutztiere wie z. B. männliche Küken mit in die Aufzucht.
Vermarkten Sie offensiv möglichst alle verzehrfähigen Teile eines Tieres und bieten Sie Rezepte dafür an.
Werben Sie beim Kunden mit Ihrem Engagement um Nachhaltigkeit .
Vermeiden Sie Überproduktionen.
Minimieren Sie Rückrufe durch erhöhte Qualitätssicherung (Verschärfung von Eigenkontrollen in Produktverantwortung).
Minimieren Sie technische Störungen (Verderb, Beschädigung von Produkten, Fehetikettierung). Lassen sich beschädigte Produkte nicht an DIE TAFELN abgeben?
Wenn Produkte selbst gesetzte Qualitätseigenschaften nicht erfüllen, also nach Auffassung des Produzenten nicht mehr verkaufsfähig oder marktgängig sind, bleiben sie in der Regel verzehrfähig und könnten ebenfalls sozialen Zwecken zugeführt werden, unter Umständen mit anderem Namen. Hier helfen ethische und soziale Standards, die Sie Ihrem Unternehmen geben könnten.
Vermarkten Sie möglichst alle Teile eines Tieres im eigenen Land (z. B. als gehaltvolle Hühnersuppe in der Konserve). Kühlketten sind nicht überall in Übersee zuverlässig vorhanden.
Transporte (per Schiff, Flugzeug oder Lkw) und Lagerhaltung:
Transportschäden bei "temperaturgeführter Ladung" infolge suboptimaler Temperaturen und Luftfeuchtigkeit (zur Nachreife unreif geernteter Früchte) sowie zu geringer Frischluftzufuhr und Ventilation
Transportschäden durch "Ramponage" infolge mangelhafter Stauung oder Ladungssicherung
Handel allgemein (Großmärkte, Discounter, Supermärkte, Wochenmärkte etc.):
Planen Sie verderbliche Waren knapp.
Geben Sie Obst, Gemüse und offene, angemachte Salate günstiger ab oder verschenken Sie sie, bevor Sie sie entsorgen müssen.
Geben Sie Waren, die das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) erreicht haben, günstiger ab.
Nutzen Sie Lagerverwaltungssysteme, die Ihnen melden, welche Waren kurz vor Ablauf des MHD dringend verkauft werden müssen.
Versuchen Sie, die Lebensmittelabfälle soweit zu minimieren, dass es bei Ihrem Geschäft keine Veranlassung mehr gibt, zu "containern", Lebensmittel aus dem Müll zu holen.
Unterstützen Sie die örtliche TAFEL und weitere soziale Organisationen (wie Suppen­küchen) (siehe auch foodsharing).
Helfen Sie mit, nicht der Handelsnorm entsprechendes, regionales Obst und Gemüse zu verkaufen (zu günstigeren Preisen) und werben Sie beim Kunden um Verständnis dafür.
Vermarkten Sie offensiv möglichst alle verzehrfähigen Teile eines Tieres – also nicht nur die "besten Stücke" − und bieten Sie Rezepte dafür an.
Werben Sie beim Kunden mit Ihrem Engagement um Nachhaltigkeit.
Versuchen Sie nach Ladenschluss übrigbleibende Waren so gering wie möglich zu halten. Bestimmte Produkte dürfen gegen Ladenschluss auch mal ausgehen (In England beispielsweise dürfen die Regale in der letzten halben Stunde vor Ladenschluss angeblich nicht mehr aufgefüllt werden.). Dafür hat der Kunde in aller Regel auch Verständnis. Er probiert dann eben mal etwas anderes aus.
Altbrot und Gebäck vom Vortag könnten Sie günstiger abgeben.
Mitarbeiter könnten Sie bestimmte Mengen an Resten mit nach Hause nehmen lassen.
Arbeiten Sie mit der örtlichen TAFEL oder weiteren sozialen Organisationen zusammen (siehe auch foodsharing).
Weißgebäck werden Sie sicher schon zu Knödelbrot und Semmelbröseln verarbeiten.
Ein Teil der übrig gebliebenen Brote und Semmeln könnte noch zu Tierfutter verarbeitet werden (Weiterverwendung nach Abfallwirtschaftsplan Bayern).
Werben Sie beim Kunden mit Ihrem Engagement um Nachhaltigkeit21.
Vermarkten Sie offensiv möglichst alle verzehrfähigen Teile eines Tieres – also nicht nur die besten Stücke − und bieten Sie Rezepte dafür an.
Geben Sie Fleisch, Wurst oder offene, angemachte Salate günstiger ab oder verschenken Sie sie, bevor Sie sie entsorgen müssen.
Arbeiten Sie mit der örtlichen TAFEL oder weiteren sozialen Organisationen zusammen.
Im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellt das Ökoinstitut gerade den Leitfaden zur "Vermeidung von Lebensmittelabfällen beim Catering". Es gibt Mittel und Wege, übrig gebliebene Speisen zum Beispiel der örtlichen TAFEL zu spenden .
Für Großküchen und Lieferanten gibt es einen Leitfaden der Fachhochschule Münster (iSuN 2014)
Für das Hotel- und Gaststättengewerbe hat der Bundesverband eine Checkliste zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen zur Verfügung gestellt (DEHOGA 2012)
Geben Sie in den Kantinen (auch den Kliniken etc.) bedarfsgerechte Portionen aus,
fragen Sie den Kunden/Patienten vorher nach der gewünschten Menge.
Bieten Sie den Gästen auch als Gastronom kleine Portionen an, werben Sie dafür. Fragen Sie, ob noch Brot gewünscht wird, als es einfach hinzustellen.
Fragen Sie Ihre Gäste, ob sie nicht bewältigte Speisen mit nach Hause nehmen wollen
– der Gast spart Geld, der Gastronom Lebensmittelabfall.
Gerichte dürfen auch mal ausgehen.
Tauschen Sie sich untereinander aus, so im Verein Gemeinsam gegen Verschwendung.
Optimieren Sie Ihr Lebensmittelmanagement, von Beginn an bis zu den Resten.
Die private Vorratshaltung ist laut Umweltbundesamt wesentlicher Grund für dort anfallende Lebensmittelabfälle. Nutzen Sie die gut gefüllten Vorratslager unserer Lebensmittelmärkte. Persönliche Vorräte sollten vor allem bei leichter verderblichen Lebensmitteln klein gehalten werden. Vorratslisten (für Kühltruhe und Speisekammer ) können helfen, Vorräte und Käufe aufeinander abzustimmen.
Kaufen Sie auch täglich / wöchentlich nur so viel Lebensmittel, wie sie verbrauchen können, bevor diese verderben. Nutzen Sie Einkaufslisten. Das gilt vor allem kurz vor dem Urlaub. Wenn vor Urlaubsantritt doch noch Gemüse und Obst übrig ist und Sie wollen es nicht mitnehmen, schenken Sie es den Nachbarn.
Eine besondere Herausforderung an Einkäufe stellen Feiertage dar. Hier gilt es mehr
als sonst üblich vorausschauend und planvoll einzukaufen.
Einige der Faltblätter zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen beim Catering (UBA 2016) sind auch für Privathaushalte interessant.
Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf verpackten Lebensmitteln ist kein Verfallsdatum (siehe Ausführungen unter "Eigenschaften"). Diese sind meist noch lange nach Ablauf des Datums verzehrfähig. Konsistenz, Geruch und Geschmack entscheiden hier, Schimmel und Mottenbefall setzen der Ware aber ein Ende.
Vermeiden Sie unnötige Ausgaben. Alles, was Sie wegwerfen, hat Sie Geld gekostet.
Kaufen Sie lieber weniger von allem, aber das mit Qualität.
Kaufen Sie häufiger kleine Mengen ein, dann ist alles frischer.
Regionale Lebensmittel sind in der Regel frischer und reifer (haben mehr Geschmack) als unreif geerntete, nachgereifte, von weit her importierte.
Obst aus dem eigenen Garten ist Lebensmittel: Wer es nicht (mehr) pflücken oder
verarbeiten möchte, kann sich helfen lassen.
Bewahren Sie Lebensmittel generell trocken und gekühlt auf. Kontrollieren Sie vor allem Obst, Säfte und Brot immer wieder auf Schimmelansatz (Apotheken Umschau: Wann gehört Essen in den Müll?) und schützen Sie es vor der Fruchtfliege.
Der utopia-Ratgeber hilft, die Temperatur des Kühlschranks richtig einzustellen
und die Vorräte darin richtig zu lagern.
Aus Essensresten können Sie leckere und schnelle Gerichte zaubern:
Das Restekochbuch aus Regensburg. Haben Sie nicht Lust auf einen Kochkurs?
Wie viel Geld und Energie beim Entsorgen von Lebensmitteln täglich in der Mülltonne
landen, rechnet Der Resterechner der Verbraucher Initiative Berlin vor.
Bei Lebensmittelabfällen gewährleisten Kompostier- und Vergärungsanlagen, auch miteinander kombiniert, ein hochwertiges Recycling des organischen Materials zu so genannten Premiumerden . Reine Kompostieranlagen dürfen aus den Küchen der Haushalte nur Bioabfälle aus Obst- und Gemüseschnitt zulassen. Die anaerob, also ohne Sauerstoffzufuhr arbeitenden Vergärungsanlagen produzieren nebenbei noch Biogas, das als sekundärer Energieträger (Methan) zwischengespeichert und als Treibstoff für Fahrzeuge eingesetzt oder zur Wärme- oder Stromgewinnung verbrannt werden kann (siehe hierzu LUBW 2015).
Eine weitere Art der Verwertung befindet sich noch in der Erprobung: Aus beliebigen organischen Abfällen, etwa aus der Biotonne, produzieren Fliegen und Larven der Schwarzen Soldatenfliege hochwertige Biomasse (Larven, die dann geerntet werden). Sie werden als Futtermittel genutzt oder zur Extraktion von Lipiden und Peptiden, die in der Kosmetikbranche gefragt sind. Abwärme aus dem Prozess könnte noch von Blockheizkraftwerken genutzt werden.
Nicht vermeidbare Lebensmittelabfälle können beispielsweise über die Biotonne nur dann einer Ver-wertung in Kompostier- und Vergärungsanlagen zugeführt werden, wenn sie verpackungsfrei sind. Noch verpackte Lebensmittel müssten als Abfall über die Restmülltonne entsorgt werden. Wenn das nicht mehr verzehrfähige Lebensmittel aber von seiner Verpackung getrennt werden könnte, wäre für beide Anteile eine Verwertung möglich. Ob ein Lebensmittel noch verzehrfähig ist, lässt sich in aller Regel auch nur feststellen, wenn es geöffnet ist.
Verarbeitete oder gekochte Lebensmittel dürfen ausschließlich Vergärungsanlagen zugeführt wer-den. Steht der Kommune eine solche nicht zur Verfügung, sind sie in die Restmülltonne zu geben.
Größere Mengen Lebensmittelabfälle fallen in den Großküchen und der Gastronomie an, aber auch im Handel (Discounter, Supermarktabfälle, Marktabfälle, Bäckereien, Metzgereien etc.). Hier sollten in (ethischer) Verantwortung für die Produkte alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, wie sie den verschiedenen, oben genannten Akteuren unter "Vermeidung" und "Auswahl an Maßnahmen" beispielgebend zugeschrieben wurden, um Abfälle zu vermeiden. Was sich beim besten Willen nicht vermeiden lässt, ist über Entsorgungsbetriebe Vergärungsanlagen zuzuführen.
Nach § 6 "Abfallhierarchie" Abs. 2 Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) soll bei der Auswahl der Maßnahmen zur Vermeidung und Bewirtschaftung von Abfällen diejenige Maßnahme Vorrang haben, die den Schutz von Mensch und Umwelt unter Berücksichtigung des Vorsorge- und Nachhaltig­keitsprinzips am besten gewährleistet. Hierbei sind insbesondere zu berücksichtigen:
die zu erwartenden Emissionen
die einzusetzende oder zu gewinnende Energie
die Anreicherung von Schadstoffen in den Erzeugnissen.
Bioabfälle sind seit 01.01.2015 getrennt von anderen Abfällen zu sammeln (§ 11 Abs. 1 KrWG) und zu entsorgen.
Bei der Entsorgung von Erzeugnissen tierischen Ursprungs nach Verordnung (EG) Nr. 1069/2009, die gerade nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt sind, handelt es sich nicht um Lebensmittelverlust gemäß der Definition unter "Eigenschaften".
Kapitel 02 - Abfälle aus Landwirtschaft, Gartenbau, Teichwirtschaft, Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei sowie der Herstellung und Verarbeitung von Nahrungsmitteln
Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen (Kreislaufwirtschaftsgesetz – KrWG) vom 24. Februar 2012 (BGBl. I S. 212), das zuletzt durch Artikel 4 des Gesetzes vom 4. April 2016 (BGBl. I S. 569) geändert worden ist
Verordnung über die Verwertung von Bioabfällen auf landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Böden (Bioabfallverordnung − BioAbfV) vom 4. April 2013 (BGBl I S. 658), die durch Artikel 5 der Verordnung vom 5. Dezember 2013 (BGBl. I S. 4043) geändert worden ist
Gesetz zur Vermeidung, Verwertung und sonstigen Entsorgung von Abfällen in Bayern (Bayerisches Abfallwirtschaftsgesetz – BayAbfG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 9. August 1996 (GVBl S. 449), zuletzt geändert durch § 1 Nr. 172 der Verordnung vom 22. Juli 2014 (GVBl S. 286)
Verordnung über den Abfallwirtschaftsplan Bayern (AbfPV) vom 17. Dezember 2014 (GVBl S. 578, BayRS 2129-2-10-U)
KErn Kompetenzzentrum für Ernährung sowie Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (2017): Restlos gut essen. – Wanderausstellung, online unter www.restlosgutessen.de/, Freistaat Bayern, KErn Freising und Kulmbach.
LAV Info-Portal für kleine und mittelständische Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft: www.lebensmittel-abfall-vermeiden.de/#eltd-creative-home-slider
BLE Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (2016) (Hrsg.): Jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, werfen wir weg. Du kannst das ändern. – Online unter www.zugutfuerdietonne.de/, Bonn.
LAV lebensmittel abfall vermeiden (Projektleitung iSuN Fachhochschule Münster, 2016): Gemeinschaftsverpflegung. – Online-Plattform, Münster.
UBA Umweltbundesamt (2016): Vermeidung von Lebensmittelabfällen beim Catering. – Leitfaden: 36 Online-Faltblätter, Dessau-Rößlau.
KErn (2014): Lebensmittelverluste und Wegwerfraten im Freistaat Bayern. –Zusammenfassung einer Studie: 18 S., Freising-Weihenstephan.
UBA Umweltbundesamt (2014): Entwicklung von Instrumenten zur Vermeidung von Lebensmittel­abfällen (Kurzfassung). – Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (Forschungskennzahl 371232311): 23 S., Dessau.
iSuN Institut für Nachhaltige Ernährung und Ernährungswirtschaft der Fachhochschule Münster (2014): Großküchen & Lieferanten – Lebensmittelverluste gemeinsam reduzieren. – Leitfaden:21 S., Münster.
iSuN (2014): Reduktion von Warenverlusten und Warenvernichtung in der AHV − ein Beitrag zur Steigerung der Ressourceneffizienz. – Bericht: 117 S., Münster.
LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (2013): Ideen für mögliche Maßnahmen zur Abfallvermeidung in Baden-Württemberg. – Broschüre: 88 S., Karlsruhe.
DEHOGA Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e.V. (2012) (Hrsg.): Checkliste – Wo können Sie in Ihrem Betrieb Lebensmittelabfälle vermeiden? – Online-Information: 4 S., Berlin.
BLE (2012) (Hrsg.): Ermittlung der weggeworfenen Lebensmittelmengen und Vorschläge zur Verminderung der Wegwerfrate bei Lebensmitteln in Deutschland (Kurzfassung). – Forschungsplan des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Förderkennzeichen 2810HS033): 42 S., Stuttgart.
Kranert, M. (2012): Lebensmittelabfälle – Bedeutung, Quellen, Ursachen und Vermeidungsansätze. – Vortrag: 44 S., Stuttgart.
Jäger, HJ. (2014): Lebensmittelverluste vom Feld bis in den Einkaufswagen. – Masterarbeit: 126 S., Bern (Berner Fachhochschule).
Leibetseder, M. (2012): Lebensmittelabfälle in der landwirtschaftlichen Produktion – Abschätzung des Verlusts von Obst und Gemüse in der Landwirtschaft und während des Transportes zum Händler. – Masterarbeit: 102 S., Wien (Universität für Bodenkultur, Institut für Abfallwirtschaft).
WWF World Wide Fund For Nature, Deutschland (2012): Tonnen für die Tonne. – Studie: 52 S., Berlin.
FAO Food and Agriculture Organization of the United Nations (2011): Global food losses and food waste − Extent, causes and prevention. – Study conducted for the International Congress at Interpack2011, Düsseldorf: 37 p., Rome.
LUBW (Kompetenzzentrum Bioabfall, Hrsg.) (2015): Hochwertige Verwertung von Bioabfällen. – Leitfaden: 148 S., Stuttgart.
StMUV Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit (o. A.): Leitfaden für den sicheren Umgang mit Lebensmitteln. – Hinweise: 2 S., München.
infoBlatt "Lebensmittelabfälle (und deren Vermeidung)"
Die vorliegende Internetseite stellt einen Auszug aus dem infoBlatt "Lebensmittelabfälle (und deren Vermeidung)" dar, das Sie hier als kostenloses PDF-Dokument heruntergeladen können. Die PDF-Fassung enthält auch sämtliche Quellenangaben.
infoBlatt "Lebensmittelabfälle (und deren Vermeidung)" - PDF