Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VG%20Stuttgart&Datum=30.06.2008&Aktenzeichen=A%2011%20K%20304/07
Timestamp: 2019-08-22 04:00:38
Document Index: 162657887

Matched Legal Cases: ['§ 73', '§ 60', '§ 121', '§ 153', '§ 51', '§ 51']

VG Stuttgart, 30.06.2008 - A 11 K 304/07 - dejure.org
https://dejure.org/2008,3481
VG Stuttgart, 30.06.2008 - A 11 K 304/07 (https://dejure.org/2008,3481)
VG Stuttgart, Entscheidung vom 30.06.2008 - A 11 K 304/07 (https://dejure.org/2008,3481)
VG Stuttgart, Entscheidung vom 30. Juni 2008 - A 11 K 304/07 (https://dejure.org/2008,3481)
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AsylVfG § 73 Abs. 1; AufenthG § 60 Abs. 1; VwGO § 121; VwGO § 153
Türkei, Widerruf, Flüchtlingsanerkennung, Kurden, Verdacht der Unterstützung, PKK, herabgestufter Wahrscheinlichkeitsmaßstab, Verfolgungssicherheit, politische Entwicklung, Menschenrechtslage, Reformen, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Folter, Anti-Terrorismus-Gesetz, Strafrecht, Situation bei Rückkehr, Grenzkontrollen, Rechtskraft, Verpflichtungsurteil, Rücknahme, Umdeutung, Wiederaufnahme des Verfahrens
Verfolgerstaat: Widerruf; Flüchtlingszuerkennun; Türkei; PKK; Nationalismus
Umsetzung der Reformen im Hinblick auf die rechtsstaatlichen Strukturen und die Einhaltung der Menschenrechte in der Türkei mittels der später erlassenen Ausführungsbestimmungen; Verurteilung durch türkische Gerichte in politischen Strafverfahren auf der Grundlage von erfolterten Geständnissen; Zunahme des Einflusses der meinungsbildenden Ultranationalisten in der Türkei seit dem Jahre 2005 mittels gezielten Anheizens der besonders starken nationalistischen Stimmung durch die Medien; Einschränkung der Reform des Strafrechtsparagrafen 301 auf die Einschränkung der Meinungsfreiheit in der Türkei
In der Rechtsprechung wird nahezu einhellig die Einschätzung vertreten, dass Folter in der Türkei noch so weit verbreitet ist, dass nicht lediglich von Exzesstaten einzelner Angehöriger der Sicherheitskräfte, sondern von einer systemati schen, dem türkischen Staat zurechenbaren Praxis auszugehen ist (vgl. VG Stuttgart, Urteil vom 30.06.2008 - A 11 K 304/07 -, juris, mit zahlreichen Nachweisen ).
Nach allem ist noch keine erhebliche und dauerhafte Veränderung der Lage in der Türkei eingetreten (vgl. dazu die jüngsten gerichtlichen Entscheidungen: OVG Münster, Urteil vom 27.03.2007 - 8 A 4728/05.A - VG Göttingen, Urteil vom 12.11.2008 - 1 A 392/06 - VG Stuttgart, Urteil vom 30.06.2008 - A 11 K 304/07 - VG Ansbach, Urteil vom 16.10.2008 - AN 1 K 08.30318 - VG Oldenburg, Urteil vom 04.10.2007 - 5 A 4386/06 - VG Minden, Urteil vom 10.03.2008 - 8 K 831/07.A - VG Hannover, Urteil vom 30.01.2008 - 1 A 7832/05 - alle zitiert nach juris), so dass die Voraussetzungen für die seinerzeit erfolgte Asylanerkennung und Feststellung der Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 AuslG nicht weggefallen sind.
Aus alledem zusammengenommen ergibt sich, dass die Gefahr einer politischen Verfolgung wegen Meinungsäußerungen zu in der Türkei als "brisant" erachteten Fragen wie beispielsweise die Stellung und Behandlung der türkischen Staatsbürger kurdischer Volkszugehörigkeit nicht mit der erforderlichen Sicherheit ausgeschlossen werden kann, so dass allein die politische Entwicklung in der Türkei in den zurückliegenden Jahren noch keinen Widerrufsgrund für die Asylanerkennung bzw. Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft eines türkischen Asylbewerbers kurdischer Volkszugehörigkeit darstellt (…so auch VG Freiburg, Urt. v. 26.06.2008 - A 1 K 2160/07, VG Karlsruhe, Urt. v. 18.06.2008 - A 5 K 2161/07, VG Wiesbaden, Urt. v. 20.08.2008 - 7 K 321/08.WI.A, VG Frankfurt, Urt. v. 11.04.2008 - 6 E 3570/06.A, VG Ansbach, Urt. v. 24.07.2007 - AN 1 K 07.30135 und Urt. v. 16.10.2008 - AN 1 K 08.30318, VG Gelsenkirchen, Urt. v. 15.08.2008 - 14a K 2476/08.A, VG Stuttgart, Urt. v. 30.06.2008 - A 11 K 304/07, VG München, Urt. v. 26.06.2008 - M 24 K 08.50189, VG Aachen, Urt. v. 26.03.2008 - 6 K 1094/07.A).
Nach allem ist noch keine erhebliche und dauerhafte Veränderung der Lage in der Türkei eingetreten, so dass die Voraussetzungen für die seinerzeit erfolgte die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht weggefallen sind (ebenso der überwiegende Teil der in den letzten Monaten bekannt gewordenen Gerichtsentscheidungen: siehe hierzu die Aufstellung in der Entscheidung des VG Stuttgart vom 30. Juni 2008, A 11 K 304/07, juris Rdnr. 35).
24 ff.; VG Stuttgart, im Urt. v. 30.06.2008; A 11 K 304/07, juris RdNrn.
Zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen wird insoweit exemplarisch Bezug genommen auf die Urteile des VG Stuttgart vom 30. Juni 2008 - A 11 K 304/07 - des VG Neustadt vom 02. Juni 2006 - 4 K 186/08.NW des VG Aachen vom 26. März 2008 - 6 K 1094/07.A - des VG München vom 07. Februar 2008 - M 24 K 07.50978 des VG Frankfurt vom 14. Dezember 2007 - 6 E 3344/06.A und des VG Hamburg vom 25. Oktober 2007 - 15 A 387/07 - (a.A. VG Ansbach, Urteil vom 03. April 2008 - AN 1 K 05.31304-).
Insgesamt hat sich deshalb die Lage in der Türkei nach Erlass des zur Asylanerkennung der Klägerin verpflichtenden Urteils (…zum maßgeblichen Zeitpunkt vgl. BVerwG, Urt. v. 08.05.2003, a.a.O.) nicht erheblich und nachhaltig so verändert, dass dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Annahme einer hinreichenden Verfolgungssicherheit auch für (potentielle) Rückkehrer rechtfertigt, die in asylrechtlich relevanter Weise in das Blickfeld der türkischen Sicherheitskräfte geraten waren und bei denen sich ein aus der Zeit vor ihrer Ausreise fortbestehender Separatismusverdacht ergibt (vgl. VG Karlsruhe, Urt. v. 08.12.2006 - A 7 K 99/06 - und v. 02.02.2007 - A 5 K 696/06 - VG Stuttgart, Urt. v. 30.06.2008 - A 11 K 304/07 - Juris m.w.N.;… VG Ansbach, Urt. v. 20.03.2007 - AN 1 K 06.30862 - VG München, Urt. v. 07.02.2008 - M 24 K 07.50987 - Juris;… VG Mainz, Urt. v. 03.07.2008 - 1 K 213/08.MZ).
VG Stade, 22.04.2009 - 4 A 543/07
Nach allem ist noch keine erhebliche und dauerhafte Veränderung der Lage in der Türkei eingetreten (vgl. dazu die jüngsten gerichtlichen Entscheidungen: OVG Münster, Urteil vom 27. März 2007 - 8 A 4728/05.A - VG Göttingen, Urteil vom 12. November 2008 - 1 A 392/06 - VG Stuttgart, Urteil vom 30. Juni 2008 - A 11 K 304/07 - VG Ansbach, Urteil vom 16. Oktober 2008 - AN 1 K 08.30318 - VG Oldenburg, Urteil vom 04 Oktober 2007 - 5 A 4386/06 - VG Minden, Urteil vom 10. März 2008 - 8 K 831/07.A - VG Hannover, Urteil vom 30. Januar 2008 - 1 A 7832/05 - alle zitiert nach juris), so dass die Voraussetzungen für die seinerzeit erfolgte Asylanerkennung und die Feststellung der Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 AuslG nicht weggefallen sind.
VG Frankfurt/Main, 22.04.2009 - 5 K 324/09
Türkei, Widerruf, Flüchtlingsanerkennung, Ermessen, Altfälle, herabgestufter …
Im Ergebnis führt das dazu, dass jedenfalls bei Personen, die der Unterstützung der PKK verdächtigt sind oder verdächtigt waren, nach wie vor Folter und menschenrechtswidrige Maßnahmen in Polizeihaft nicht ausgeschlossen werden können (vgl. Urt. VG Stuttgart, 11. Kammer - Az.: 11 K 4866/07 - v, 14. Januar 2008, zitiert nach juris, Urt. VG Stuttgart, 11. Kammer-Az 11 K 304/07-v. 30. Juni 2008, Rdnr. 28, zitiert nach juris, Urt. VG Frankfurt am Main - Az.: 6 E 3344/06 - v. 14. Dezember 2007, zitiert nach juris).
VG Stuttgart, 30.12.2010 - A 13 K 902/10
Widerruf, Widerrufsverfahren, Türkei, Kurden, PKK, Rechtskraft, …