Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?stammNr=44778
Timestamp: 2019-03-22 18:48:42
Document Index: 111831486

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', 'EuG', '§ 1', 'Art 17', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 12', '§ 12', '§ 1', 'EuG']

Auslandsleasing PKW - Findok Internet
Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSW vom 13.01.2010, RV/0334-W/05
Auslandsleasing PKW
RV/0052-W/06
Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufungen der A GmbH, vertreten durch PwC Price Waterhouse Coopers Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung GmbH, 1030 Wien, Erdbergstraße 200, vom 25. Februar 2005 und 9. Jänner 2006 gegen die Bescheide des Finanzamtes Wien 1/23 vom 28. Jänner 2005 und 14. Dezember 2005 betreffend Umsatzsteuer 2003 und 2004 entschieden:
Den Berufungen wird Folge gegeben. Der Umsatzsteuerbescheid 2003 vom 28. Jänner 2005 wird aufgehoben, der Umsatzsteuerbescheid 2004 vom 14. Dezember 2005 wird abgeändert:
€ 81.877.563,91
€ -209.562,83
Steuerpflichtiger Umsatz ohne Erwerbssteuer
€ 81.668.001,08
Steuerpflichtiger Umsatz laut UFS 10%
Steuerpflichtiger Umsatz laut UFS 20%
€ 81.667.762,97
€ 16.333.552,59
Vorsteuern ohne Erwerbssteuer
€ 13.410.760,20
€ 2.922.792,39
Die A GmbH least unstrittig seit Jahren, jedenfalls aber im Streitzeitraum, Personenkraftwagen (PKW) bei einer in Deutschland ansässigen Leasinggesellschaft.
Das Leasingentgelt betrug im Zeitraum Jänner bis Dezember 2003 insgesamt € 180.411,68 (davon entfielen € 36.093,22 auf den Zeitraum 1.Jänner 2003 bis 31.März 2003 und €144.318,46 auf den Zeitraum 1. April 2003 bis 31. Dezember 2003). Im Zeitraum Jänner bis Dezember 2004 betrugen die Leasingentgelte 209.562,83. Für beide Jahre stand der Bw. in Deutschland der Vorsteuerabzug für die strittigen Leasingentgelte zu.
Mit den angefochtenen Bescheiden unterwarf das Finanzamt (FA) die an den deutschen Leasinggeber entrichteten Beträge der Eigenverbrauchsbesteuerung gem § 1 Abs 1 Z. 2 lit d UStG 1994 (betreffend 2003) bzw. § 1 Abs 1 Z 2 lit.b UStG 1994 (betreffend 2004) und setzte aus diesem Titel eine Umsatzsteuer von € 28.863,69 (für 2003) und € 41.912,57 (für 2004) fest.
In der gegen diese Bescheide gerichteten Berufung wird eingewendet, dass vom FA zur Anwendung gebrachte Eigenverbrauchsbestimmung der 6. EG-Richtlinie widerspreche. Behörden und Organe seien verpflichtet das Gemeinschaftsrecht unter Berücksichtigung der Judikatur des EuGH unmittelbar anzuwenden, selbst wenn das nationale Recht dem Gemeinschaftsrecht entgegen stünde.
Der österreichische Gesetzgeber habe die EU-widrige Eigenverbrauchsbesteuerung mit BGBl. I 2003/10 mit Wirksamkeit vom 29. März 2003 bebehalten und lediglich eine zeitliche Befristung ausgesprochen.
Die für Zeiträume nach 20. März 2003 geltende Fassung des § 1 Abs 1 Z 2 lit d (lit. b) UStG könne auch nicht unter Hinweis auf Art 17 Abs 7 der 6.EG-Richtlinie als gemeinschaftsrechtskonform angesehen werden, da die gleichlautenden Bestimmung ohne Befristung bereits seit 6. Jänner 1995 in Geltung gestanden habe und überdies vom Bundesministerium für Finanzen keinerlei konkrete konjukturelle Gründe für die Einführung dieser Bestimmung geltend gemacht worden seien.
Strittig ist bei sachlich und betraglich unstrittigem Sachverhalt die Frage, ob die an den ausländischen Leasinggeber geleisteten Leasingentgelte in Österreich einer Eigenverbrauchsbesteuerung iSd § 1 Abs 1 Z2 lit d (lit.b) UStG 1994 zu unterwerfen sind.
Da die Steuerpflicht der Vermietung der streitgegenständlichen PKWs in Deutschland, die grundsätzliche Erfüllung des Tatbestandes des § 1 Abs 1 Zi 2 lit d (lit b) UStG 1994 und auch das Vorliegen einer Vermietung unstrittig ist, stellt sich in diesem Berufungsverfahren nur die Frage, ob § 1 Abs 1 Zi 2 lit d (lit b) UStG 1994 in der Fassung des BGBl I 2003/10 bzw. in der Fassung des BGBl I 134/2003 in der 6. MwSt-Richtlinie Deckung findet oder die Besteuerung des Eigenverbrauchs aufgrund der grundsätzlichen Steuerpflicht der Vermietung eines Beförderungsmittels am Sitz des Vermieters zu einer richtlinienwidrigen Doppelbesteuerung führt.
Wie der UFS bereits in mehreren gleichgelagerten Fällen entschieden hat (1. März 2005 RV/0957-L/04; 17. Dezember 2007, RV/0197-K/05 hat § 1 Abs 1 Zi 2 lit d UStG 1994 in der Fassung des BGBl I 2003/10 bzw. BGBl I 2003/134 mangels europarechtlicher Deckung unangewendet zu bleiben.
Weiters sieht § 1 Abs 1 Zi 2 UStG 1994 grundsätzlich vor, dass der Eigenverbrauch der Umsatzsteuer unterliegt. In lit d (in der ab 2004 geltenden Fassung des BGBl I 2003/134: lit b) dieser Bestimmung wird ausgeführt, dass auch ein Eigenverbrauch vorliegt, soweit ein Unternehmer Ausgaben tätigt, die Leistungen im Ausland betreffen, die, wären sie im Inland an den Unternehmer ausgeführt worden, den Unternehmer nach § 12 Abs 2 Zi 2 UStG1994 nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt hätten. Dies gilt nur insoweit, als der Unternehmer im Ausland einen Anspruch auf Vergütung der ausländischen Vorsteuer hat. Diese Bestimmung ist ab 6. Jänner 1995 im österreichischen Rechtsbestand und soll laut EB zu Art II Z 1 BGBl 1995/21 die Umgehung des Vorsteuerausschlusses in § 12 Abs 2 Zi 2 für bestimmte PKW bei der Anmietung im Ausland hintanhalten.
Ab 29. März 2003 (BGBl I 2003/10) wurde diese Bestimmung der lit d unverändert belassen und lediglich insofern ergänzt, als sie nur auf Umsätze anzuwenden ist, die vor dem 1. Jänner 2006 ausgeführt werden. (Ab 1. Jänner 2004 wurde dieser Eigenverbrauchstatbestand inhaltsgleich in § 1 Abs 1 Zi 2 lit b UStG übernommen).
EuGH, C-228/05
UFS, RV/0197-K/05
Findok-Nr: 44778.1, aufgenommen am: 11.02.2010 09:45:18, Dokument-ID: 05e7dabe-a68b-4f78-9797-6e6627f33a5f, Segment-ID: 9f0830d8-5a80-4633-bab2-e3f0dd157f29