Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=10.08.1995&Aktenzeichen=11%20RAr%2051/95
Timestamp: 2020-02-25 03:57:45
Document Index: 77401578

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 227', '§ 227', '§ 227', '§ 227', '§ 227', '§ 101', '§ 108', '§ 108', '§ 108', '§ 227', '§ 227', '§ 227', '§ 227', '§ 227', '§ 227', 'Art. 19', '§ 227', '§ 124', '§ 227', '§ 227', '§ 160', '§ 124', '§ 227', '§ 202', '§ 227', '§ 227', '§ 227', '§ 62', '§ 227', '§ 227', 'BGH', 'BGH', '§ 25', '§ 227', '§ 202', '§ 227', '§ 227', '§ 227', 'Art. 2', 'Art. 20', '§ 227', '§ 57', '§ 227', '§ 227', '§ 227']

BSG, 10.08.1995 - 11 RAr 51/95 - dejure.org
https://dejure.org/1995,465
BSG, 10.08.1995 - 11 RAr 51/95 (https://dejure.org/1995,465)
BSG, Entscheidung vom 10.08.1995 - 11 RAr 51/95 (https://dejure.org/1995,465)
BSG, Entscheidung vom 10. August 1995 - 11 RAr 51/95 (https://dejure.org/1995,465)
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Rechtliches Gehör - Prozessgrundrecht - Faires Verhalten - Verlegungsanträge - Terminkollision
NJW 1996, 677
MDR 1996, 633
Das Gericht ist aber jedenfalls dann verpflichtet, dem Antrag stattzugeben, wenn die Wahrung des rechtlichen Gehörs die Terminsverlegung gebietet (so BGH…, Beschluss vom 7. Juni 2010 - II ZR 233/09, NJW 2010, 2440 Rn. 9; BVerwG, NJW 1995, 1441; BSG, NJW 1992, 1190 f.; für generelle Verlegungspflicht bei Vorliegen eines erheblichen Grundes BGH…, Urteil vom 15. November 2007 - RiZ (R) 4/07, NJW 2008, 1448 Rn. 31;… Urteil vom 24. Januar 2019 - VII ZR 123/18, NJW-RR 2019, 695 Rn. 22; BSG, NJW 1996, 677, 678;… MüKoZPO/Stackmann, 5. Aufl., § 227 ZPO Rn. 5;… Zöller/Feskorn, ZPO, 33. Aufl., § 227 Rn. 8a;… PG/Kazele, ZPO, 11. Aufl., § 227 Rn. 4;… kritisch dazu Stein/Jonas/Roth, ZPO, 23. Aufl., § 227 Rn. 4 unter Hinweis auf die uneinheitliche Rechtsprechung).
In Ermangelung eines linearen Verlaufs läßt sich nachträglich gerade auch nicht mehr feststellen, wie etwa die mündliche Verhandlung bei Anwesenheit des Klägers und seines Bevollmächtigten verlaufen wäre und in welcher Weise genau sie ggf auf die richterliche Überzeugungsbildung eingewirkt hätte (BSGE 53, 83, 85 f; BSG in SozR 3-1750 § 227 Nr. 1; vom 15. Dezember 1994, 4 RA 34/94; BVerwG vom 26. Mai 1978, IV C 50.77, Buchholz 310 § 101 VwGO Nr. 8, vom 10. Dezember 1985, 9 C 84.84, Buchholz 310 § 108 Nr. 178, vom 25. November 1987, 6 B 50.87, Buchholz 310 § 108 Nr. 196, vom 3. Juli 1992, 8 C 58.90, Buchholz 310 § 108 Nr. 248, BVerwGE 96, 368).
Liegt ein erheblicher Grund für die beantragte Terminsänderung vor, eröffnet dies nicht nur die Möglichkeit, sondern begründet die Pflicht des Gerichts zur Terminsänderung (vgl. BSG, Urteil vom 10. August 1995 - 11 RAr 51/95 - NJW 1996, 677, 678).
Ein erheblicher Grund für eine Terminsänderung kann in einer Terminskollision bei dem Prozessbevollmächtigten einer Partei bestehen (BSG, Urteil vom 10. August 1995 - 11 RAr 51/95 - aaO), somit auch in der Verhinderung eines Rechtsanwalts wegen der Verpflichtung, zur Zeit des anberaumten Verhandlungstermins Unterricht für Rechtsreferendare im Rahmen der Juristenausbildung zu erteilen.
Insoweit erübrigen sich zur Kennzeichnung des Verfahrensmangels Ausführungen darüber, daß das Urteil auf der Verletzung des rechtlichen Gehörs beruhen kann (vgl hierzu BSG SozR 3-1750 § 227 Nr. 1 S 2 mwN).
Mit diesem Antrag hat die Klägerin einen erheblichen Grund iS des § 227 Abs. 1 ZPO geltend und glaubhaft gemacht (vgl BSG SozR 3-1750 § 227 Nr. 1 S 2).
Ein erheblicher Grund für die Terminsverlegung eröffnet nicht nur die Möglichkeit, sondern begründet die Pflicht des Gerichts zur Terminsverlegung (vgl hierzu BSG SozR 3-1750 § 227 Nr. 1 S 2 mwN;… Beschluß des Senats, aaO).
Die in der Entscheidung des 11. Senats des BSG vom 6. Dezember 1983 - 11 RA 30/83 - (…SozR 1750 § 227 Nr. 2) enthaltenen allgemeinen Erwägungen zur Verletzung rechtlichen Gehörs bei Ablehnung von Anträgen auf Terminsverlegung sind durch die zwischenzeitlich ergangene Entscheidung dieses Senats vom 10. August 1995 - 11 RAr 51/95 - (SozR 3-1750 § 227 Nr. 1) überholt.
Die Nichtverlegung des Termins mit mündlicher Verhandlung verletze nicht nur das rechtliche Gehör; auch die Effektivität des Rechtsschutzes (Art. 19 Abs. 4 GG) sei betroffen, wenn formale Strenge im Prozess ohne erkennbar schutzwürdigen Zweck praktiziert werde (Hinweis auf BSG, Urteil vom 10. August 1995 - 11 RAr 51/95).
Sie hat allerdings zutreffend darauf hingewiesen, dass nach der Rechtsprechung des BSG (BSG SozR 3-1750 § 227 Nr. 1;… BSGE 53, 83, 85 = SozR 1500 § 124 Nr. 7 mwN) im Allgemeinen davon auszugehen ist, dass eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, die darin besteht, dass ein Verfahrensbeteiligter gehindert wurde, an der mündlichen Verhandlung teilzunehmen, für die Entscheidung ursächlich geworden ist.
Ein erheblicher Grund für die Terminsverlegung eröffnet nicht nur die Möglichkeit, sondern begründet die Pflicht des Gerichts zur Terminsverlegung (grundlegend BSG SozR 3-1750 § 227 Nr. 1, S 2 mwN).
BSG, 28.11.2019 - B 8 SO 46/19 B
Ein ordnungsgemäß gestellter Verlegungsantrag mit einem hinreichend substantiiert geltend gemachten Terminverlegungsgrund begründet grundsätzlich eine Pflicht des Gerichts zur Terminverlegung (BSG vom 10.8.1995 - 11 RAr 51/95 - SozR 3-1750 § 227 Nr. 1; vom 28.4.1999 - B 6 KA 40/98 R - juris RdNr 16; vom 12.2.2003 - B 9 SB 5/02 R - juris RdNr 11; vom 6.10.2010 - B 12 KR 58/09 B - juris RdNr 7 und vom 24.10.2013 - B 13 R 230/13 B - juris RdNr 8 ff) .
Der Kläger macht zu Recht einen Verfahrensmangel geltend, auf dem das angefochtene Urteil beruhen kann (§ 160 Abs. 2 Nr. 3 SGG;… dazu näher BSG-Urteile vom 11. Februar 1982 - 11 RA 50/81 - BSGE 53, 83, 85 = SozR 1500 § 124 Nr. 7 mwN; vom 10. August 1995 - 11 RAr 51/95 - SozR 3-1750 § 227 Nr. 1).
Für die nach § 202 SGG gebotene entsprechende Anwendung des § 227 ZPO ist allerdings zu berücksichtigen, daß die Erscheinungen, die für beschleunigende Verfahrensregelungen im Zivilprozeß Anlaß gegeben haben, im sozialgerichtlichen Verfahren nicht in gleicher Weise und in gleichem Umfang bedeutsam sind (vgl BSG Urteil vom 10. August 1995 - 11 RAr 51/95 - SozR 3-1750 § 227 Nr. 1).
In Einklang mit diesen Verfassungsgeboten sieht die Rechtsprechung bei Vorliegen eines erheblichen Grundes das in § 227 Abs. 1 ZPO eingeräumte Ermessen auf Null reduziert und nimmt einen erheblichen Grund für die Aufhebung oder Verlegung eines Termins immer dann an, wenn sonst der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt wäre (stRspr BSG Urteile vom 26. Oktober 1955 - 3 RJ 34/54 - BSGE 1, 277, 279 f…, vom 27. April 1962 - 7 RAr 25/60 - BSGE 17, 44, 47 = SozR Nr. 16 zu § 62 SGG…, vom 25. Januar 1974 - 10 RV 375/73 - SozR 1750 § 227 Nr. 1 -, vom 19. Dezember 1991 - 4 RA 88/90 - NJW 1992, 1190 und vom 10. August 1995 - 11 RAr 51/95 - SozR 3-1750 § 227 Nr. 1; vgl auch BGH Urteil vom 28. April 1958 - III ZR 43/56 - BGHZ 27, 163, 167 und BVerwG Urteile vom 25. Januar 1974 - VI C 7/73 - BVerwGE 44, 307, 309 und vom 10. Dezember 1976 - VI C 40.76 - Buchholz 448.0 § 25 WPflG Nr. 102 sowie Beschluß vom 23. Januar 1995 - 9 B 1/95 - NJW 1995, 1231).
BSG, 26.06.2007 - B 2 U 55/07 B
Wird einem Beteiligten das rechtliche Gehör dadurch versagt, dass es ihm nicht ermöglicht wird, an der mündlichen Verhandlung teilzunehmen, so ist davon auszugehen, dass dies für eine aufgrund dieser Verhandlung ergangene Entscheidung ursächlich geworden ist; insoweit erübrigen sich zur Kennzeichnung des Verfahrensmangels Ausführungen darüber, dass das Urteil auf der Verletzung des rechtlichen Gehörs beruhen kann (vgl BSG SozR 3-1750 § 227 Nr. 1 mwN).
Insoweit bedarf es keiner weiteren Vertiefung, dass die fehlende Bescheidung des Vertagungsantrages (vgl § 202 SGG iVm § 227 Abs. 4 Satz 2 ZPO) einen zusätzlichen Verfahrensmangel darstellt (vgl BSG SozR 3-1750 § 227 Nr. 1 S 3;… Stöber in Zöller, ZPO, 28. Aufl 2010, § 227 RdNr 26).
Die Vorgehensweise des LSG verletzt mithin den Kläger in seinem aus Art. 2 Abs. 1 GG iVm Art. 20 Abs. 1 GG abgeleiteten Prozessgrundrecht auf ein faires Verfahren (vgl hierzu BSG SozR 3-1750 § 227 Nr. 1; BSG, Urteile vom 5. Dezember 2001, B 7 AL 2/01 R, AP Nr. 1 zu § 57 ArbGG 1979, und vom 25. März 2003, B 7 AL 76/02 R, juris).
Da der Kläger durch das Verhalten des LSG daran gehindert worden ist, sich in der mündlichen Verhandlung zu dem der Entscheidung zu Grunde liegenden Sachverhalt vor Erlass der Entscheidung durch seinen Prozessbevollmächtigten hinreichend zu äußern, ist unter Berücksichtigung der bereits erwähnten Rechtsprechung des BSG (ua BSG SozR 3-1750 § 227 Nr. 1) von einer Beeinflussung der ergangenen Entscheidung auszugehen.
Ein iS des § 227 Abs. 1 Satz 1 Zivilprozessordnung (ZPO) ordnungsgemäß gestellter Vertagungsantrag mit einem hinreichend substanziiert geltend gemachten Terminsverlegungsgrund begründet grundsätzlich eine entsprechende Pflicht des Gerichts zur Terminsverlegung (BSG vom 10.8.1995, SozR 3-1750 § 227 Nr. 1 S 2; BSG vom 28.4.1999 - B 6 KA 40/98 R - Juris RdNr 16 und vom 12.2.2003 - B 9 SB 5/02 R - Juris RdNr 11) .
LSG Thüringen, 25.01.2011 - L 6 KR 942/10
BSG, 28.04.1999 - B 6 KA 40/98 R
Verletzung des rechtlichen Gehörs - Ablehnung eines Vertagungsantrags - …
BSG, 06.10.2010 - B 12 KR 58/09 B
LSG Berlin-Brandenburg, 27.01.2014 - L 28 AS 2153/13
Nichtzulassungsbeschwerde - Verletzung rechtlichen Gehörs - Terminkollision - …
LSG Schleswig-Holstein, 14.12.2017 - L 5 KR 11/16
BSG, 24.02.1999 - B 5 RJ 32/98 R
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BSG, 26.04.2016 - B 12 KR 63/15 B
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BSG, 16.07.2019 - B 5 R 131/18 B
BSG, 18.04.2019 - B 5 R 342/18 B
Gewährung einer Rente wegen Erwerbsminderung
BSG, 29.09.2015 - B 4 AS 136/15 BH
BSG, 29.09.2015 - B 4 AS 130/15 BH
BSG, 29.09.2015 - B 4 AS 129/15 BH
BSG, 29.09.2015 - B 4 AS 134/15 BH
BSG, 17.03.2010 - B 8 SO 57/09 B
LSG Nordrhein-Westfalen, 27.01.1999 - L 17 U 198/98
Heranziehung einer juristischen Person des Privatrechts zur …
BSG, 01.10.2009 - B 13 R 215/09 B
OVG Sachsen-Anhalt, 13.06.1997 - A 4 S 104/97
Auslegung des Begriffs der für die Verlegung oder Vertagung eines Termins …
BSG, 10.09.2013 - B 14 AS 35/13 B