Source: https://traumannconsulting.com/de/share-deal/
Timestamp: 2019-02-18 01:01:29
Document Index: 118627295

Matched Legal Cases: ['§ 453', '§ 106', '§151', '§ 68', '§ 23', '§ 37', '§ 33', '§130', '§ 13', '§ 1', '§ 8']

Was ist ein Share Deal? - Traumann Consulting
Was ist ein Share Deal ?
Vor- und Nachteile des Share Deal
Nachteilig beim Share Deal kann sein:
Auswirkungen des Share Deals auf die Transaktion
Steuerliche Auswirkungen des Share Deal
Share Deal bedeutet Verkauf der Anteile eines Unternehmens i.S. des § 453 BGB, also einen Rechtskauf dinglicher Natur und eine Übertragung der Anteile im Wege der Abtretung.Für den Käufer bedeutet der Share Deal eine Gesamtrechtsnachfolge, d.h. ein vollständiger Übergang von bestehenden Rechten und Pflichten insbesondere auch steuerlicher Natur.
Eine verhältnismäßig einfache Bestimmung des Kaufgegenstandes
Alle Verträge bleiben unberührt
Der Veräußerer bleibt mit keinem Mantel zurück
Arbeitsrechtlich werden weder individual- noch kollektivrechtliche Regelungen berührt, es besteht jedoch Unterrichtungspflicht des Wirtschaftsausschusses nach § 106 Abs. 2 BetrVG, soweit dieser existiert
GmbH Anteile sind grundsätzlich frei veräußerlich (§151 GmbHG), außer es bestehen Einschränkungen durch den Gesellschaftsvertrag
AG: grundsätzlich freie Veräußerung von Anteilen (Ausnahme vinkulierte Na-mensaktien s.h § 68 Abs. 2 AktG). Zustimmung der Gesellschaft durch Satzung. In bestimmten Fällen HV Zustimmung erforderlich (Änderung Unternehmensgegenstand §§ 23 Abs. 3 Nr. 2, 179 Abs. 1 AktG sowie bei Veräußerung wesentlicher Unternehmensteile, s.h. Holzmüllerdoktrin.
Übernahme sämtlicher und damit auch unbekannter Verbindlichkeiten
Bindung an frühere Organbeschlüsse
Eventuelle Auswirkungen des § 37 GWB, sprich Zustimmungserfordernis der nationalen und europäischen Kartellbehörden
Formerfordernis: Notarielle Beurkundung der Abtretung der Geschäftsanteile bei der GmbH
Bei börsennotierten AG ist bei einem Anteilserwerb von min. 30% ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre zu unterbreiten (§§ 33ff WpÜG)
Werden bestimmte Pakete von Anteilen erworben, unterliegt der Erwerber Mitteilungspflichten und Obliegenheiten
Die Haftungsrisiken eines Share Deals bestimmen sich aus der Rechtsform der zu verkaufenden Gesellschaft:
GBR , OHG persönliche Haftung für alle Altverbindlichkeiten (§130 HGB).
KG, GmbH &Co. KG: die Komplementäre haften für alle Altverbindlichkeiten mit ihrem gesamten Vermögen, Kommanditisten haften nach Außen bis zur Höhe Ihrer im Handelsregister eingetragenen Haftungssumme
GmbH, Ausschluss der persönlichen Haftung gem. § 13 Abs.2 GmbHG
AG, es haftet nur das Gesellschaftsvermögen, vgl. § 1 Abs.1 AktG
Weiterhin sind bei Gesellschaften in der Krise die Auswirkungen der Insolvenzordnung zu beachten.
Die Gesamtrechtsnachfolge und die damit verbundenen Risiken führen zu einer sehr detaillierten und damit kostenintensiven Due Diligence sowie zu weitreichenden Haftungs- und Garantieanforderungen. Diese Haftungen und Garantien haben im Regelfall Verjährungsfristen von 6 Monaten bis teilweise über 2 Jahre und werden entweder über Treuhandkonten, vorläufige Kaufpreiseinbehalte, Bürgschaften oder durch sogenannte Warranty and Indemnity Versicherungen besichert. Diese Haftungs- und Garantieforderungen können durch De Minimis -, Basket – und CAP -Klauseln teilweise relativiert werden. Es verbleibt aber der Effekt, das z.T. wesentliche Kaufpreisanteile – dies kann bis zu 100% des Kaufpreises gehen – dem Verkäufer nur eingeschränkt oder zeit-versetzt zur Verfügung stehen. Aus der Erfahrung des Autors ergeben sich aus diesen eingeräumten Garantien und Haftungen in zahlreichen Fällen Nachforderungen des Käufers, die zu einer Kaufpreisminderung führen können.
Zwei wesentliche Nachteile des Share Deals sind, das gerade bei Gesellschaften mit Verlustvorträgen, diese entsprechend § 8c KStG ganz oder teilweise unter gehen können –. Des Weiteren hat der Erwerber zwar aus dem Anteilskaufvertrag Anschaffungskosten, diese sind jedoch zunächst nicht abschreibbar oder abzugsfähig – zumindest im deutschen Steuerrecht. Die einzige Möglichkeit bestünde darin die stillen Reserven des zu verkaufenden Unternehmens schon vor dem eigentlichen Kauf „zu heben“, sodass der Erwerber in der dann zu kaufenden Gesellschaft ein höheres Abschreibungspotential hätte. Dies „Heben“ von stillen Reserven ist allerdings nach deutschen Bilanz-und Steuerrecht ohne vorgeschalteten Verkaufs- und Umwandlungsvorgang so gut wie nicht möglich.
Auf der Verkäuferseite unterliegt der Veräußerungsgewinn unterschiedlicher Besteuerung nach Art des Verkäufers. Handelt es sich beim Verkäufer um eine Kapitalgesellschaft ist der Veräußerungsgewinn prinzipiell steuerfrei. Seit 2004 ist diese Steuerfreiheit wieder eingeschränkt worden, in dem 5% des steuerfreien Veräußerungsgewinns als nicht abzugsfähige Betriebsausgaben gelten. Bei ausländischen Anteilseignern wird die Besteuerung über die Doppelbesteuerungsabkommen mit dem jeweiligen Land geregelt.
Bei natürlichen Personen wird seit 2009 der Veräußerungsgewinn nach dem Teileinkünfteverfahren besteuert. D.h., bei Beteiligungen von mehr als 1% am Gesellschaftskapital innerhalb der letzten 5 Jahre, sind 60% des Veräußerungsgewinns mit dem persönlichen Steuersatz steuerpflichtig, 40% sind steuerbefreit. Analog werden die mit der Veräußerung im Zusammenhang stehenden Ausgaben zu 60% berücksichtigt. Der Solidaritätszuschlag kommt jeweils hinzu.
Aus unserer Sicht und Erfahrung, kann je nach Unternehmenssituation der in einem Share Deal zu erzielende Unternehmenswert aufgrund der steuerlichen Behandlung des Share Deals sowie der auszureichenden Haftungen und Garantien niedriger als in einem Asset Deal sein. Diese Aussage ist jedoch auf SME’s beschränkt. Hinzu kommt, dass ausländische mittelständische Erwerber sich scheuen in die möglichen Fallstricke des deutschen Steuer- und Gesellschaftsrecht zu fallen. Bei größeren Unternehmen ist jedoch teilweise schon aus Bestimmtheitsgründen nur ein Share Deal anzuraten.
Auch auf Ebene der Anteilseigner kann ein Share Deal zu einer höheren steuerlichen Belastung führen. Dies u.a. aufgrund des Wegfalls der Verlustvorträge und nicht mehr möglicher Hebung stiller Reserven.
Dieser Beitrag kann nur grundsätzliche Auswirkungen des Share Deals beschreiben. Je nach Konstellation ergeben sich über sinnvolle gestaltete Transaktionskonzepte, Möglichkeiten zur Optimierung und beispielsweise die Vorteile eine Share mit denen eines Asset Deals zu vereinen.