Source: http://ziel-im-visier.de/inhalt/Ehrenamtspauschale_und_Uebungsleiterfreibetrag_/
Timestamp: 2018-06-25 02:01:33
Document Index: 231809006

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 52', '§ 53', '§ 54', '§ 14']

Ehrenamtspauschale und Übungsleiterfreibetrag | Ziel im Visier
Ein Vereinsvorstand meldet sich die letzten Tage beim ZIV-Team und bat um eine Information zum Thema Ehrenamtspauschale und Übungsleiterfreibetrag.
Das ZIV-Team glaubt, dass dies auch über die konkrete Anfrage hinaus, für andere Vereine sehr interessant sein könnte:
Das Bundesfinanzministerium hatte in der Vergangenheit mehrfach eine Übergangsfrist für den Umstand eingeräumt, das Vereine eine Ehrenamtspauschale zahlen können, obwohl eine solche Zahlung nicht in der Satzung verankert ist. Diese Übergangsfristen sind nun ausgelaufen, so dass inzwischen der Verlust der Gemeinnützigkeit droht, wenn Ehrenamtspauschalen ohne entsprechende Klauseln in der Satzung, vorgenommen werden.
Sie sollten diesen Passus dann umgehend auf Ihrer nächsten Mitgliederversammlung beschließen lassen.
Um was handelt es sich eigentlich bei einer Ehrenamtspauschale?
Gem. § 3 Nr. 26 a EStG gibt es einen Steuerfreibetrag von 720 Euro als "Ehrenamtspauschale" im Jahr, wenn es sich um Einnahmen aus einer nebenberuflichen Tätigkeit handelt, die im gemeinnützigen, kirchlichen oder mildtätigen Bereich liegt. Es handelt sich hierbei um eine Pauschale für Aufwendungen, die mit dem Ehrenamt verbunden sind. Alle Betriebsausgaben und Werbungskosten sollen unter diesen Tatbestand fallen. Von dieser Regelung können etwa Vereinsvorsitzende, Kassenprüfer oder andere Personen, die in einem gemeinnützigen Verein in Funktion tätig sind, profitieren.
Da in vielen Satzungen bisher steht, dass die Vorstandsarbeit ehrenamtlich ausgeübt wird, könnte die Auszahlung einer solchen pauschalen Aufwandsentschädigung zum Verlust der Gemeinnützigkeit führen. Es ist daher zwingend erforderlich, die Satzung anzupassen. Eine entsprechende Formulierung könnte wie folgt lauten:
Die Ehrenamtspauschale darf nicht in Anspruch nehmen, wer bereits für dieselbe Tätigkeit eine Übungsleiterpauschale geltend macht – und umgekehrt. Sofern es sich um zwei unterschiedliche von einander abgrenzbare Tätigkeiten handelt, kann aber die gleiche Person sowohl die Ehrenamtspauschale als auch die Übungsleiterfreibetrag in Anspruch nehmen.
Und was ist dann die Übungsleiterpauschale?
Unter der Übungsleiterpauschale versteht man eine Vergünstigung nach § 3 Nr. 26 des deutschen Einkommensteuergsetzes. Nebenberufliche Einnahmen sind bis zu einer Höhe von jährlich 2400 Euro steuerfrei, wenn eine (nebenberufliche) Tätigkeit für eine gemeinnützige Organisation oder eine juristische Person des öffentlichen Rechts vorliegt. Dazu zählen gemeinnützige (§ 52 Abgabenordnung), mildtätige (§ 53 AO) oder kirchliche (§ 54 AO) Tätigkeiten. Von der Übungsleiterpauschale profitieren nebenberufliche Tätigkeiten als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder vergleichbare Tätigkeiten. Darunter fallen auch Übungsleiter in Sportvereinen oder nebenberufliche Dozenten an Volkshochschulen, Fachhochschulen und Universitäten. Ebenfalls begünstigt sind künstlerische Tätigkeiten und die Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen.
An das Vorliegen einer nebenberuflichen Tätigkeit sind zwei wesentliche Voraussetzungen geknüpft. Einerseits muss sich die nebenberufliche Tätigkeit von der hauptberuflichen Tätigkeit abgrenzen. Das heißt, die nebenberufliche Tätigkeit darf nicht zu den Aufgaben des Hauptberufs gehören. Weiterhin liegt eine nebenberufliche Tätigkeit nur dann vor, wenn sie – bezogen auf das Kalenderjahr – nicht mehr als ein Drittel der Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollzeiterwerbs in Anspruch nimmt.
Neben den steuerlichen Vorteilen sind die Einnahmen nach § 14 Abs. 1 Satz 3 SGB IV auch nicht sozialversicherungspflichtig.
Nebenberufliche Einnahmen, die die Grenze von 2400 Euro im Jahr übersteigen, müssen versteuert werden. Sofern die sonstigen Voraussetzungen dafür vorliegen, unterliegen diese dann wieder der Sozialversicherungspflicht.
Um eine Übungsleiterpauschale auszuzahlen, muss die Vereinssatzung im Gegensatz zur Ehrenamtspauschale keine Regelung in der Satzung enthalten. Es reicht je nach Satzung ein Beschluss des Vorstandes bzw. der Mitgliederversammlung, bzw. ein zwischen Vorstand und Übungsleiter geschlossener Vertrag.
Weitere Informationen zu den Themenkomplexen finden Sie unter anderem hier:
Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 21.11.2014
Wissenwertes über den Übungsleiterfreibetrag
Praxisfragen zu den Folgen des BMF-Schreibens