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Timestamp: 2019-10-16 09:22:42
Document Index: 359275202

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 17', '§ 10', '§ 17', 'Art. 28', '§ 17', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'Art. 5', 'Art. 6', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 6', '§ 6', '§ 17', '§ 17', '§ 6', '§ 118', 'Art. 6', 'EuG']

Inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­run­gen – und die Anfor­de­run­gen an den Buch- und Beleg­nach­weis | Rechtslupe
Soll der Unter­neh­mer bei der inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung den Nach­weis der Lie­fe­rung in das übri­ge Gemein­schafts­ge­biet gemäß § 17a Abs. 2 Nr. 2 USt­DV a.F. u.a. durch einen han­dels­üb­li­chen Beleg füh­ren, aus dem sich der Bestim­mungs­ort ergibt, so rei­chen hier­für all­ge­mei­ne Anga­ben, wie die Bestä­ti­gung, den Lie­fer­ge­gen­stand ord­nungs­ge­mäß aus Deutsch­land oder in ein im Ein­zel­nen bezeich­ne­tes Bestim­mungs­land aus­zu­füh­ren, nicht aus. Ein CMR-Fracht­brief ist Fracht­brief i.S. von § 17a Abs. 4 Satz 1 Nr. 2, § 10 Abs. 1 Nr. 1 USt­DV a.F. (§ 17a Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa USt­DV n.F.), wenn er die Ver­trags­par­tei­en des Beför­de­rungs­ver­tra­ges angibt, d.h. den Fracht­füh­rer sowie den­je­ni­gen, der den Ver­trag mit dem Fracht­füh­rer geschlos­sen hat.
Uni­ons­recht­lich beruht die Steu­er­frei­heit (hier: im Jahr 2006) auf Art. 28c Teil A Buchst. a Unter­abs. 1 der Sechs­ten Richt­li­nie 77/​388/​EWG des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern. Steu­er­frei sind danach "Lie­fe­run­gen …, die durch den Ver­käu­fer oder durch den Erwer­ber oder für ihre Rech­nung nach Orten außer­halb des in Arti­kel 3 bezeich­ne­ten Gebie­tes, aber inner­halb der Gemein­schaft ver­sandt oder beför­dert wer­den, wenn die­se Lie­fe­run­gen an einen ande­ren Steu­er­pflich­ti­gen oder an eine nicht­steu­er­pflich­ti­ge juris­ti­sche Per­son bewirkt wer­den, der/​die als solcher/​solche in einem ande­ren Mit­glied­staat als dem Beginn des Ver­san­des oder der Beför­de­rung der Gegen­stän­de han­delt".
Gemäß § 17a Abs. 4 USt­DV soll der Unter­neh­mer in den Fäl­len, in denen er oder der Abneh­mer den Gegen­stand der Lie­fe­rung in das übri­ge Gemein­schafts­ge­biet ver­sen­det, den Nach­weis hier­über u.a. durch einen Beleg ent­spre­chend § 10 Abs. 1 USt­DV füh­ren. § 10 Abs. 1 USt­DV umfasst Ver­sen­dungs­be­le­ge, ins­be­son­de­re Fracht­brie­fe u.a. (§ 10 Abs. 1 Nr. 1 USt­DV) sowie im Ein­zel­nen näher umschrie­be­ne sons­ti­ge han­dels­üb­li­che Bele­ge, ins­be­son­de­re Beschei­ni­gun­gen des beauf­trag­ten Spe­di­teurs und Ver­sand­be­stä­ti­gun­gen des Lie­fe­rers (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 USt­DV).
Auch ein nach dem Über­ein­kom­men vom 19.05.1956 über den Beför­de­rungs­ver­trag im inter­na­tio­na­len Stra­ßen­gü­ter­ver­kehr (Con­ven­ti­on on the Con­tract for the Inter­na­tio­nal Car­ria­ge of Goods by Road ‑CMR-Über­ein­kom­men-) 2 aus­ge­stell­ter Fracht­brief (CMR-Fracht­brief) ist als Fracht­brief i.S. von § 10 Abs. 1 Nr. 1 USt­DV anzu­se­hen 3.
Gemäß Art. 5 Abs. 1 des CMR-Über­ein­kom­mens wird der Fracht­brief vom Absen­der und Fracht­füh­rer unter­zeich­net. Dabei muss nach Art. 6 Abs. 1 Buchst. b und c des CMR-Über­ein­kom­mens der CMR-Fracht­brief den Namen und die Anschrift des Absen­ders sowie Namen und Anschrift des Fracht­füh­rers ent­hal­ten. Absen­der ist im Beför­de­rungs­ver­trag der CMR der­je­ni­ge, der den Ver­trag mit dem Fracht­füh­rer geschlos­sen hat 4. Die Anga­be der Ver­trags­par­tei­en des Beför­de­rungs­ver­tra­ges gehört ‑anders als z.B. die Emp­fän­ger­be­stä­ti­gung in Feld 24 5- zu den kon­sti­tu­ti­ven Fracht­brief­an­ga­ben. CMR-Fracht­brie­fe sind nur als Ver­sen­dungs­be­leg anzu­er­ken­nen, wenn sie die in § 10 Abs. 1 Nr. 2 USt­DV bezeich­ne­ten Anga­ben ent­hal­ten 6. Das umfasst den Namen und die Anschrift des Aus­stel­lers sowie den Tag der Aus­stel­lung (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a USt­DV) sowie den Namen und die Anschrift des Unter­neh­mers sowie des Auf­trag­ge­bers, wenn die­ser nicht der Unter­neh­mer ist (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b USt­DV).
Im hier ent­schie­de­nen Fall waren die CMR-Fracht­brie­fe unrich­tig, weil sie nicht den zutref­fen­den Absen­der aus­wei­sen. Erwei­sen sich ‑wie hier- die Nach­weis­an­ga­ben als unzu­tref­fend oder bestehen berech­tig­te Zwei­fel an der inhalt­li­chen Rich­tig­keit der Anga­ben, die der Unter­neh­mer nicht aus­räumt, ist die Lie­fe­rung steu­er­pflich­tig 7.
In sol­chen Fäl­len kommt auch eine Steu­er­be­frei­ung aus Grün­den des Gut­glau­bens­schut­zes nicht in Betracht. Gemäß § 6a Abs. 4 UStG ist eine vom Unter­neh­mer als steu­er­frei behan­del­te Lie­fe­rung, obwohl die Vor­aus­set­zun­gen nach § 6a Abs. 1 UStG nicht vor­lie­gen, gleich­wohl steu­er­frei, wenn die Inan­spruch­nah­me der Steu­er­be­frei­ung auf unrich­ti­gen Anga­ben des Abneh­mers beruht und der Unter­neh­mer die Unrich­tig­keit die­ser Anga­ben auch bei Beach­tung der Sorg­falt eines ordent­li­chen Kauf­manns nicht erken­nen konn­te 8. Die Klä­ge­rin wuss­te, dass sie nicht Absen­de­rin war. Der Ein­wand, der all­ge­mei­ne Sprach­ge­brauch umfas­se auch den­je­ni­gen als Absen­der, von dem aus ein Gegen­stand ver­sen­det wer­de, greift nicht durch. Denn die Klä­ge­rin war eine im Export von Fahr­zeu­gen erfah­re­ne Unter­neh­me­rin. Sie wuss­te oder hät­te zumin­dest wis­sen müs­sen, dass der im CMR-Fracht­brief ein­zu­tra­gen­de Absen­der der Auf­trag­ge­ber des Fracht­füh­rers ist und dass dies auf sie nicht zutraf.
Gemäß § 17a Abs. 2 Nr. 2 USt­DV soll der Unter­neh­mer den Nach­weis der Lie­fe­rung in das übri­ge Gemein­schafts­ge­biet u.a. durch einen han­dels­üb­li­chen Beleg, aus dem sich der Bestim­mungs­ort ergibt, füh­ren. Bei den vor­lie­gen­den wei­te­ren Lie­fe­run­gen haben die Abneh­mer bzw. Abho­ler aber ledig­lich bestä­tigt, die Fahr­zeu­ge "ord­nungs­ge­mäß aus Deutsch­land", "aus der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in den EU-Mit­glieds­staa­ten" oder "in og. Bestim­mungs­land" aus­zu­füh­ren. Das sind kei­ne Bele­ge, aus denen sich i.S. des § 17a Abs. 2 Nr. 2 USt­DV der Bestim­mungs­ort ergibt.
Eine Steu­er­be­frei­ung unter Gut­glau­bens­schutz­ge­sichts­punk­ten nach § 6a Abs. 4 UStG kommt auch für die Lie­fe­run­gen b, c, d, e und f nicht in Betracht. Dass sich aus den Bele­gen der Bestim­mungs­ort nicht ergibt, war offen­sicht­lich und des­halb bei Beach­tung der Sorg­falt eines ordent­li­chen Kauf­manns erkenn­bar 9.
Trotz der­ar­ti­ger Män­gel ist die Lie­fe­rung aber steu­er­frei, wenn objek­tiv zwei­fels­frei fest­steht, dass die Vor­aus­set­zun­gen der Steu­er­frei­heit erfüllt sind 10. Nach den den Bun­des­fi­nanz­hof bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt (§ 118 Abs. 2 FGO) steht aber nicht objek­tiv fest, dass die Fahr­zeu­ge auf­grund der Lie­fe­rung der Klä­ge­rin in das übri­ge Uni­ons­ge­biet gelangt sind. Das konn­te das Finanz­ge­richt ohne Rechts­ver­stoß dar­auf stüt­zen, dass die aus den unter II. 1. bis 5. dar­ge­leg­ten Grün­den bestehen­den Zwei­fel nicht durch ande­re objek­tiv fest­ste­hen­de Tat­sa­chen, z.B. den Nach­weis der zeit­na­hen stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­chen Anmel­dung der Fahr­zeu­ge im jeweils ande­ren Mit­glied­staat, aus­ge­räumt sind.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22. Juli 2015 – V R 38/​14
BGBl II 1961, 1120[↩]
BFH, Urtei­le vom 12.05.2009 – V R 65/​06, BFHE 225, 264, BSt­Bl II 2010, 511, Rz 48; vom 14.12 2011 – XI R 18/​10, BFH/​NV 2012, 1006; vom 17.02.2011 – V R 28/​10, BFH/​NV 2011, 1448[↩]
z.B. Teutsch, Kom­men­tar zum CMR, Schrif­ten­rei­he "Recht der inter­na­tio­na­len Wirt­schaft", Band 39, Hei­del­berg 1995, Art. 6 Rz 5[↩]
vgl. hier­zu BFH, Urteil in BFHE 225, 264, BSt­Bl II 2010, 511, Rz 48 ff.[↩]
BFH, Urtei­le vom 14.11.2012 – XI R 8/​11, BFH/​NV 2013, 596, Rz 49; in BFH/​NV 2012, 1006, Rz 24; vom 17.02.2011 – V R 28/​10, BFHE 233, 331, BFH/​NV 2011, 1448, Rz 23[↩]
BFH, Urteil in BFH/​NV 2012, 1006, Rz 22[↩]
BFH, Urtei­le vom 12.05.2011 – V R 46/​10, BFHE 234, 436, BSt­Bl II 2011, 957, Rz 28; vom 14.11.2012 – XI R 17/​12, BFHE 239, 516, BSt­Bl II 2013, 407, Rz 25[↩]
vgl. zu die­sem Erfor­der­nis BFH, Urtei­le in BFHE 234, 436, BSt­Bl II 2011, 957, Rz 28; in BFHE 239, 516, BSt­Bl II 2013, 407, Rz 25[↩]
EuGH, Urteil Col­lée vom 27.09.2007 – C‑146/​05, EU:C:2007:549, Rz 31, 33; BFH, Urtei­le in BFHE 225, 264, BSt­Bl II 2010, 511; in BFH/​NV 2012, 1006[↩]