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Timestamp: 2017-07-22 23:16:05
Document Index: 86327258

Matched Legal Cases: ['§ 416', '§ 440', '§ 441', '§ 441', '§ 441', '§ 444', '§ 442', '§ 441', '§ 442', '§ 441', '§ 286', '§ 265']

Home Foren Foren	recht.de • Thema anzeigen - Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - Identitätsklau
Aktuelle Zeit: 23.07.17, 00:16
Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - Identitätsklau
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 17.07.17, 15:12 FDR-Mitglied
Registriert: 12.07.06, 20:45Beiträge: 900
Nordland hat geschrieben:Wenn es nun so ist, dass im Einzelfall eine Aufnahme der Daten erfolgt, ohne dass die Identität geprüft wird (idR durch amtlichen Lichtbildausweis), dann kann man den Beleg mehr oder weniger in die Tonne tretenDas ist übel zu kurz gegriffen. Nach dieser Logik wäre jegliche Unterschrift völlig wertlos, wenn nicht auch noch der Personalausweis eingesehen worden wäre (von online abgeschlossenen Verträgen mal ganz zu schweigen). Genau das sieht der Gesetzgeber aber anders, weswegen er ja auch in der ZPO umfangreiche Regelungen zur Privaturkunden getroffen hat. Vorliegend hat das Beförderungsunternehmen wohl ein Formular, auf dem sich die Daten von SteffiBerlin1 befinden, sowie eine Unterschrift darunter, dass es sich um die Daten der Person handelt, die ohne Fahrkarte gefahren ist. Das ist eine ganz normale Privaturkunde nach § 416 ZPO. Wenn nun der Klagegner erklärt, er sei nicht Aussteller, dann folgt das in der ZPO vorgesehene Verfahren, nachzulesen in den §§ 440 und 441 ZPO, mit einem Schriftvergleich. Weigert sich der Klagegner, eine Schriftprobe abzugeben, wird in der Regel § 441 Abs. 3 ZPO angewandt und die Urkunde als echt angesehen, mit den entsprechenden Folgen.Entsprechend gilt: Die Echtheit der Urkunde muss bestritten und ein Beweis für die fehlende Echtheit angetreten werden. Wenn eines von beidem unterbleibt, wird für die Urkunde die Echtheit vermutet und auf der Basis weitergemacht. Das ist absolut übliche Rechtspraxis und findet sich von der EC-Kartenzahlung über den Mietvertrag bis hin zum Einkauf im Internet tausendfach jeden Tag. Nordland hat geschrieben:Laut Schilderung des Falles geht es darum, dass der ÖPNV-Betrieb den Nachweis der Ortsabwesenheit sowie eine Schriftprobe verlange. Das ist wohl richtig, deswegen ja auch mein letzter Satz.
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 17.07.17, 15:44 FDR-Mitglied
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 17.07.17, 15:45 FDR-Mitglied
Registriert: 20.08.05, 12:30Beiträge: 2404
Charon- hat geschrieben:Entsprechend gilt: Die Echtheit der Urkunde muss bestritten und ein Beweis für die fehlende Echtheit angetreten werden.Was heißt das, der Beweis für die fehlende Echtheit müsse angetreten werden? Was meinst du mit "antreten" in diesem Falle? Ich habe schon Zweifel, ob hier tatsächlich von einer Privaturkunde gesprochen werden kann. Aber selbst wenn, gilt: Dass die Unterschrift vom Namensträger stammt hat die Partei zu beweisen, die sich auf die Urkunde beruft.Die Idee einer graphologischen Begutachtung ist prima, jedoch äußerst fehlerbehaftet. Bei einem handgeschriebenen Testament wird manchmal nach Eintritt des Erbfalls keine andere Möglichkeit bestehen. Aber in diesem Fall, wenn die Person vehement bestreitet, gefahren zu sein, und nur eine potenziell von ihr im Bus geleistete Unterschrift vorliegt? Ich weiß nicht. Selbst Schwejk hat das nicht mit sich machen lassen:http://www.deutschlandfunk.de/svejk-neuuebersetzung-bissiger-und-wuerziger.700.de.html?dram:article_id=306841 hat geschrieben:Für Lukáš opfert Švejk sich auf. Als der Leutnant Schwierigkeiten wegen eines allzu forschen Liebesbriefes bekommt, behauptet Švejk gegenüber den Ermittlern, es sei gar kein Schreiben von Lukáš. Und zur Schriftprobe für einen Handschriftenvergleich aufgefordert, frisst Švejk kurzentschlossen den Brief auf und behauptet, das Schreiben über Nacht verlernt zu haben.
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 17.07.17, 16:20 FDR-Mitglied
Nordland hat geschrieben:Was meinst du mit "antreten" in diesem Falle? Das, was § 441 ZPO vorgibt: Schriftvergleich. Nordland hat geschrieben:Aber selbst wenn, giltimmer noch § 441 ZPO:"Der Beweis der Echtheit oder Unechtheit einer Urkunde kann auch durch Schriftvergleichung geführt werden". Wie das abläuft, geben die Abs. 2 und 3 wieder:"In diesem Fall hat der Beweisführer zur Vergleichung geeignete Schriften vorzulegen" "Befinden sich zur Vergleichung geeignete Schriften in den Händen des Gegners, so ist dieser auf Antrag des Beweisführers zur Vorlegung verpflichtet"Oder zusammenfassend: Wenn der Klagegegner sagt "das habe ich nicht unterschrieben", dann darf der Kläger sagen "Beweis durch Schriftvergleich" und die Urkunde hinlegen. Daraufhin ist der Klagegegner verpflichtet, eine eigene Unterschrift zu leisten (oder eine Unterschriftenprobe von einem Dokument vorzulegen) und dann wird vergleichen.Nordland hat geschrieben:Selbst Schwejk hat das nicht mit sich machen lassen:Auch für diese Konstellation sieht die ZPO eine Regelung vor, nämlich § 444 ZPO.
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 17.07.17, 18:17 FDR-Mitglied
Registriert: 31.05.15, 07:19Beiträge: 1811
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 17.07.17, 18:31 FDR-Mitglied
@Charon: Ich glaube, du ordnest da etwas nicht so ganz richtig ein. Du zitierst aus Regelungen, welche ein bestimmtes Beweismittel näher beschreiben. Jedoch blendest du die Frage aus, ob dieses Beweismittel im vorliegenden Fall überhaupt geeignet ist. Siehe auch das "kann" in der von dir zitierten Vorschrift. Wird ein Abgleich des Gekritzels im Bus mit anderen Schriftproben überhaupt hinreichender Sicherheit belegen können, dass Übereinstimmung besteht? Das darf bezweifelt werden.Hinzu kommt ein ganz simpler Umstand: Eine Personenübereinstimmung, die du ja per Schriftvergleich ermitteln möchtest, könnte die Zeugin, also den potenziellen Fahrgast, einer Straftat überführen. Hier gilt der alte nemo tenetur-Grundsatz. Selbstverständlich muss man auch im Zivilprozess nicht mitwirken, wenn man sich selbst damit einer Straftat bezichtigen könnte. Wenn also nicht sonst schon Schriftproben der fraglichen Person vorliegen, besteht keine Abgabepflicht.Wie schon mehrfach geschrieben: Kann die Schwarzfahrerin keinen Ausweis vorlegen, wird idR durch das Kontrollpersonal die Polizei hinzugezogen. Es kann ja sein, dass das unterblieben ist. Gerade in Berlin dürften die Kontrolleure oft sehr lange warten, da Schwarzfahren bei der Polizei nicht oberste Priorität hat. Dass das aber dazu führen würde, die Pflicht, das, worauf man sich beruft, auch zu beweisen, umzudrehen, ist nicht richtig. Unseriöse Inkassounternehmen würden sich freuen. Bis zum Mahnbescheid muss man eh nichts machen. Ob dieser überhaupt kommt, darf bezweifelt werden.
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 17.07.17, 19:05 FDR-Mitglied
Nordland hat geschrieben:jedoch blendest du die Frage aus, ob dieses Beweismittel im vorliegenden Fall überhaupt geeignet ist.Was meinst du mit "geeignet"? Wenn der Schriftvergleich ergibt, dass die Unterschrift von dem Klagegegner stammt, dann ist die Urkunde geeignet, als Nachweis für die Rechtmäßigkeit der geltend gemachten Forderung zu dienen. Ist das "geeignet" nach deiner Definition?Nordland hat geschrieben:ird ein Abgleich des Gekritzels im Bus mit anderen Schriftproben überhaupt hinreichender Sicherheit belegen können, dass Übereinstimmung besteht?Siehe § 442 ZPO:"Über das Ergebnis der Schriftvergleichung hat das Gericht nach freier Überzeugung, geeignetenfalls nach Anhörung von Sachverständigen, zu entscheiden."Nordland hat geschrieben: Selbstverständlich muss man auch im Zivilprozess nicht mitwirken, wenn man sich selbst damit einer Straftat bezichtigen könnte.Klar, wenn der Klagegner davon ausgeht, dass es sich doch um seine Unterschrift handelt und er sich strafbar gemacht hat, kann er sich darauf berufen und den Schriftvergleich verweigern. Dann gilt § 441 Abs. 4 ZPO und es wird die Unterschriftenprobe beim EMA eingeholt. Ob das sinnvoll ist, wenn der Klagegegner doch der festen Meinung ist, nicht gefahren zu sein, sei mal dahingestellt. Nordland hat geschrieben:Dass das aber dazu führen würde, die Pflicht, das, worauf man sich beruft, auch zu beweisen, umzudrehen, ist nicht richtig.Ich verweise auf die Beispiel weiter oben, exemplarisch den Mietvertrag. Ggf. ist der einzige Beweis, den der Vermieter anbringen kann, dass eine Person sein Mieter ist, die Unterschrift dieser Person unter dem Mietvertrag. Nach deiner Logik wäre damit das Mietrechtsverfahren recht schnell am Ende, denn der Mieter kann einfach erklären, dass die Unterschrift nicht seine sei und damit wäre das Ding durch. Passiert aber so nicht, eben auf Grund der genannten Vorschriften. Zitat:Ob dieser überhaupt kommt, darf bezweifelt werden.Bei 60 Euro? Bestimmt kommt der, wenn man nicht weiter auf die Schreiben der Beförderungsgesellschaft reagiert.
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 17.07.17, 19:58 FDR-Mitglied
Charon- hat geschrieben:Was meinst du mit "geeignet"? Wenn der Schriftvergleich ergibt, dass die Unterschrift von dem Klagegegner stammt, dann ist die Urkunde geeignet, als Nachweis für die Rechtmäßigkeit der geltend gemachten Forderung zu dienen. Ist das "geeignet" nach deiner Definition?Also Daumen hoch / Daumen runter? Bekommt man durch solch einen Schriftvergleich eine Wahrscheinlichkeit wie beim Vaterschaftstest?Charon- hat geschrieben:Siehe § 442 ZPO:"Über das Ergebnis der Schriftvergleichung hat das Gericht nach freier Überzeugung, geeignetenfalls nach Anhörung von Sachverständigen, zu entscheiden."Warum sollte das Gericht sich auf solch einen Unsinn einlassen? Wenn es die Kontrolleure bei den bloßen Angaben haben belassen lassen, ohne auf eine Identitätsfeststellung zu bestehen, dann wird ein Gericht jetzt nicht alles von einem vagen Schriftvergleich abhängig machen. Freie Beweiswürdigung klingt super. Richtig ist, im vorliegenden Fall muss das Verkehrsunternehmen den zweifelsfreien Beweis erbringen. Denn es beruft sich darauf, dass gerade diese Person gefahren sei. Wenn der Beweis nicht eindeutig gelingt, wird die Klage eben abgewiesen. Du tust so, als stünden sich zwei Klagegegner auf der gleichen Ebene gegenüber und das Pendel kann je nach Lust und Laune zum einen oder zum anderen schwenken. So ist es nicht, derjenige, der etwas einfordert, ist nun mal in der schlechteren Position. Wenn er sich vorher nicht abgesichert hat, soll jetzt das Gericht und die Beschuldigte alles mögliche einleiten, damit das Versäumnis ausgeglichen wird? Du überschätzt die Rolle eines Zivilgerichts. Charon- hat geschrieben:Nordland hat geschrieben: Selbstverständlich muss man auch im Zivilprozess nicht mitwirken, wenn man sich selbst damit einer Straftat bezichtigen könnte.Klar, wenn der Klagegegner davon ausgeht, dass es sich doch um seine Unterschrift handelt und er sich strafbar gemacht hat, kann er sich darauf berufen und den Schriftvergleich verweigern.Damit strapazierst du den nemo tenetur-Grundsatz. Auch ein Unschuldiger darf jegliche Mitarbeit an der Sache verweigern, wenn er sich damit auch nur einer Straftat bezichtigen könnte. So wie du es ausdrückst, wäre jedes Schweigen ein Anerkenntnis, schuldig zu sein. Im vorliegenden Fall behauptet das Verkehrsunternehmen, die betroffene Person sei schwarzgefahren. Die betroffene Person muss nicht selbst davon ausgehen, sich strafbar gemacht zu haben. Charon- hat geschrieben:Dann gilt § 441 Abs. 4 ZPO und es wird die Unterschriftenprobe beim EMA eingeholt. Ob das sinnvoll ist, wenn der Klagegegner doch der festen Meinung ist, nicht gefahren zu sein, sei mal dahingestellt. Eben dies wird man nicht machen. Diese Unterschriftenprobe hat deutlich weniger Beweiswert, als wenn die Identität gleich bei der Kontrolle festgestellt worden wäre. Charon- hat geschrieben:Ich verweise auf die Beispiel weiter oben, exemplarisch den Mietvertrag. Ggf. ist der einzige Beweis, den der Vermieter anbringen kann, dass eine Person sein Mieter ist, die Unterschrift dieser Person unter dem Mietvertrag. Nach deiner Logik wäre damit das Mietrechtsverfahren recht schnell am Ende, denn der Mieter kann einfach erklären, dass die Unterschrift nicht seine sei und damit wäre das Ding durch. Passiert aber so nicht, eben auf Grund der genannten Vorschriften. Du immer mit deinem Schriftvergleich. In deinem Fall gäbe es zumindest die Zeugenaussage, dass genau diese Person den Mietvertrag unterschrieben habe. Und es gäbe vielleicht sonstige Beweise. Charon- hat geschrieben:Bei 60 Euro? Bestimmt kommt der, wenn man nicht weiter auf die Schreiben der Beförderungsgesellschaft reagiert. Ach ja? Zumeist kommen nur ein paar Schreiben vom Inkasso und dann gar nichts mehr.
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 17.07.17, 22:46 Interessierter
Registriert: 14.03.16, 21:59Beiträge: 15Themenstarter
Also im Moment tendiere ich dazu, meine Ortsabwesenheit durch eine Hotelbuchung nachzuweisen. Eine Schriftprobe werde ich jedoch nicht abgeben. Zwar ärgert es mich extrem mich mit dem Verkehrsbetrieb überhaupt rumärgern zu müssen, und am liebsten würde ich mich auf den Standpunkt zurück ziehen "Ich mach hier gar nichts, beweist ihr mir erst mal euren Verdacht", aber zum Zwecke der schnellstmöglichen Klärung der ganzen Geschichte werde ich zumindest dieses Zugeständnis machen. Die Diskussion hier zeigt ja, dass die Frage, ob ich überhaupt irgendetwas beweisen muss, nicht eindeutig zu klären ist. Zumindest für uns Laien nicht. In der Hoffnung, die Sache schnellstmöglich aus der Welt zu schaffen, werde ich wohl doch ein wenig mithelfen. Auch wenn ich selber der Meinung bin, dazu nicht verpflichtet zu sein.
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 18.07.17, 06:14 FDR-Mitglied
Nordland hat geschrieben:Bekommt man durch solch einen Schriftvergleich eine Wahrscheinlichkeit wie beim Vaterschaftstest?Was für eine Wahrscheinlichkeit? Wahrscheinlichkeit wovon? Nordland hat geschrieben:Warum sollte das Gericht sich auf solch einen Unsinn einlassen?Weil der Gesetzgeber genau diesen "Unsinn" ausdrücklich vorgesehen und über mehrere Paragraphen beschrieben hat?Nordland hat geschrieben:Wenn der Beweis nicht eindeutig gelingt, wird die Klage eben abgewiesen1. Sagt dir der Begriff Indiz etwas?2. Wäre dem so, dann wären Normen wie §§ 286 und 442 ZPO vollkommen überflüssig. Entweder, der Beweis ist unwiderlegbar, oder die Klage muss abgewiesen werden. Für eine Beweiswürdigung ist kein Platz3. Folgt man deiner Argumentation, wäre selbst die Vorlage des Ausweises kein geeigneter Beweis, da ja nicht ausgeschlossen werden kann, dass es sich um eine Fälschung handelt. Nordland hat geschrieben:Du tust so, als stünden sich zwei Klagegegner auf der gleichen Ebene gegenüberDas ist die Idee des Zivilrechts. Nordland hat geschrieben:oll jetzt das Gericht und die Beschuldigte alles mögliche einleiten, damit das Versäumnis ausgeglichen wird?Nein, nicht alles mögliche, nur das, was im Gesetz vorgegeben ist. Nordland hat geschrieben:Auch ein Unschuldiger darf jegliche Mitarbeit an der Sache verweigern, wenn er sich damit auch nur einer Straftat bezichtigen könnteWo schreibe ich denn was anderes? Nemo tenetur setzt aber nunmal voraus, dass sich der Betroffene genau darauf beruft, nämlich darauf, dass die Möglichkeit besteht, sich selbst der Strafverfolgung auszusetzen. Einfach die Aussage zu verweigern, ohne weiter auszuführen, hilft da nicht weiter.Nordland hat geschrieben:Diese Unterschriftenprobe hat deutlich weniger Beweiswert, als wenn die Identität gleich bei der Kontrolle festgestellt worden wäre. Und diese Wertung findet sich wo im Gesetz?Nordland hat geschrieben:In deinem Fall gäbe es zumindest die Zeugenaussage Was denn für eine Zeugenaussage?Nordland hat geschrieben:Zumeist kommen nur ein paar Schreiben vom Inkasso und dann gar nichts mehr.Sagst du das aus deiner umfangreichen Erfahrung als Schuldner und Schwarzfahrer?
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 18.07.17, 06:30 FDR-Mitglied
Registriert: 10.12.14, 17:47Beiträge: 331
SteffiBerlin1 hat geschrieben:Also im Moment tendiere ich dazu, meine Ortsabwesenheit durch eine Hotelbuchung nachzuweisen. Eine Schriftprobe werde ich jedoch nicht abgeben. Wobei Sie sich noch ein Späßchen erlauben könnten :Schicken Sie eine Kopie der Hotelabrechnung und dazu ein handschriftliches Begleitschreiben , in dem Sie darlegen, dass Sie eine Schriftprobe und eine Unterschriftenprobe verweigern !
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 18.07.17, 06:43 FDR-Mitglied
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 18.07.17, 07:01 FDR-Mitglied
Registriert: 05.11.12, 13:35Beiträge: 8149
webelch hat geschrieben:Wie ändert sich die rechtliche Bewertung, wenn das Verkehrsunternehmen auf endlose Schreiben verzichtet und eine Anzeige nach § 265a StGB stellt?Dann wird das Verkehrsunternehmen voraussichtlich den Ausgang des Strafprozesses abwarten und falls Person A für die Leistungserschleichung gerichtlich verurteilt wird, anschließend die Forderung nach dem erhöhten Beförderungsentgelt + zivile Rechtverfolgungungskisten weiter betreiiben. Sollte Person A freigesprochen werden, hat sich die zivile Forderung erledigt.
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 18.07.17, 07:14 FDR-Mitglied
Registriert: 16.11.13, 14:23Beiträge: 4145
SteffiBerlin1 hat geschrieben:Zwar ärgert es mich extrem mich mit dem Verkehrsbetrieb überhaupt rumärgern zu müssen, und am liebsten würde ich mich auf den Standpunkt zurück ziehen "Ich mach hier gar nichts, beweist ihr mir erst mal euren Verdacht", aber zum Zwecke der schnellstmöglichen Klärung der ganzen Geschichte werde ich zumindest dieses Zugeständnis machen. was ist denn das Problem wieso fühlt man sich hier persönlich angegriffen?Statt sich zu fragen, wer solche konkreten Angaben über einen gemacht hat, dass der Verkehrsbetrieb einen anschreibt, wird dem Verkehrsbetrieb indirekt ein unlauteres Vorgehen unterstellt und überlegt sich mit ihm anzulegen, "weisen Sie mir erstmal nach, dass ich gefahren bin".Zitat:Die Diskussion hier zeigt ja, dass die Frage, ob ich überhaupt irgendetwas beweisen muss, nicht eindeutig zu klären ist. Die Diskussion weist auch darauf hin, dass man sich das Leben unnötig schwer machen kannZitat:Zumindest für uns Laien nicht. In der Hoffnung, die Sache schnellstmöglich aus der Welt zu schaffen, werde ich wohl doch ein wenig mithelfen. Vielleicht fällt die Mithilfe leichter, wenn man sich klar macht, dass es im eigenen Interesse ist und einem schlicht das Leben erleichtert. Vielleicht fällt es auch leichter, wenn man sich klar macht, dass niemand einen persönlich angegriffen hat, sondern der Verkehrsbetrieb nun einmal diese Daten erhalten hat.oder vielleicht nochmals der HinweisMan stelle sich doch nur den umgekehrten Fall vor, dass man gegen eine Person, die ein Zeuge gesehen haben will, einen Anspruch erhebt. Z.B. irgendein Schaden am Auto o.ä.Nun behauptet die Person, dass sie am Tag X gar nicht vor Ort war. Würde man nicht gern einen Nachweis haben wollen, dass das stimmt und der Zeuge sich eben geirrt hat?Zitat:Auch wenn ich selber der Meinung bin, dazu nicht verpflichtet zu sein.besser no comment
Betreff des Beitrags: Re: Unschuldsvermutung - Schwarzfahren - IdentitätsklauVerfasst: 18.07.17, 11:00 FDR-Moderator
Registriert: 14.09.04, 11:27Beiträge: 4533
Zitat:Also im Moment tendiere ich dazu, meine Ortsabwesenheit durch eine Hotelbuchung nachzuweisen. Eine Schriftprobe werde ich jedoch nicht abgeben.mal aus der Sicht der anderen Kunden gedacht:Richtig - mach es dem Unternehmen schwer, so schwer wie möglich. Warum Einfach, wenn es kompliziert geht. Nicht, dass man dem Unternehmen Geld sparen könnte, das es sich von den ehrlichen Kunden wiederholen kann....Zitat: "Ich mach hier gar nichts, beweist ihr mir erst mal euren Verdacht"Ein Verdacht ist ein Verdacht - und wenn der dem Unternehmen ausreicht, geht's halt vor Gericht.Zitat: In der Hoffnung, die Sache schnellstmöglich aus der Welt zu schaffen,das wäre die Schriftprobe- aber das willst du ja nicht. Zitat:Auch wenn ich selber der Meinung bin, dazu nicht verpflichtet zu sein.vollkommen richtig - du bist zu nichts verpflichtet - aber das Gericht wird das bei seiner Entscheidung über die Kosten sicher zu würdigen wissen