Source: http://docplayer.org/14918876-Arbeitsgemeinschaft-zivilrecht-loesungen-zum-thema-verantwortlichkeit-fuer-werkmaengel.html
Timestamp: 2018-03-22 00:42:55
Document Index: 385411360

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Arbeitsgemeinschaft Zivilrecht: Lösungen zum Thema Verantwortlichkeit für Werkmängel - PDF
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1 Dr. Klaus Bacher Fall 1 a Arbeitsgemeinschaft Zivilrecht: Lösungen zum Thema Verantwortlichkeit für Werkmängel Anspruch auf Erneuerung der Fassade gemäß 13 Abs. 5 Nr. 1 Satz 1 VOB/B 1. Zwischen den Parteien besteht ein Werkvertrag. 2. Die Rostflecken auf der Fassade stellen einen Mangel im Sinne von 13 Abs. 1 Satz 3 Buchstabe b VOB/B dar. 3. Fraglich ist, ob die Bauer GmbH nach 13 Abs. 3 VOB/B von der Gewährleistung für diesen Mangel frei ist. a) Der Mangel könnte zurückzuführen sein auf einen vom Auftraggeber vorgeschriebenen Stoff, nämlich die Betonsichtsteine. Hier hat Kunze nur einen bestimmten Typ von Betonsteinen vorgegeben. Dieser war für den vorgesehenen Einsatzzweck grundsätzlich geeignet. Der Fehler beruht nur auf der unzureichenden Beschaffenheit der konkret verwendeten Partie. Die Verwendung dieser konkreten Partie hat Kunze nicht vorgegeben. Das Risiko, dass eingesetztes Material fehlerhaft ist, liegt grundsätzlich beim Auftragnehmer. Er hat für daraus resultierende Mängel auch dann einzustehen, wenn ihn kein Verschulden trifft. 13 Abs. 3 VOB/B verlagert diese Gefahr in einer bestimmten Konstellation auf den Auftraggeber. Grund dafür ist, dass durch die Anordnung, bestimmtes Material zu verwenden, ein besonderes Risiko geschaffen wird. Wenn sich dieses verwirklicht, soll der Auftraggeber die Konsequenzen tragen. Hier hat Kunze durch seine Anweisung, Steine eines bestimmten Typs zu verwenden, nicht das ausschlaggebende Risiko geschaffen, denn die Steine waren ihrem Typ nach geeignet. Verwirklicht hat sich vielmehr das allgemeine Risiko, dass eine einzelne Lieferung nicht dem Standard entspricht. Dieses Risiko wurde durch Kunzes Anordnung aber nicht erhöht. Es verblieb damit bei der Bauer GmbH. b) Zwischenergebnis: Die Risikoverlagerung nach 13 Abs. 3 VOB/B greift nicht. Die Bauer GmbH muss für den Mangel einstehen. 4. Ergebnis: Der Anspruch auf Erneuerung der Fassade ist begründet. Fall 1 b Anspruch auf Erneuerung der Fassade gemäß 634 Nr. 1 und 635 Abs. 1 BGB 1. Die Flecken und Wasserspuren in der Fassade sind Mängel im Sinne von 633 Abs. 2 Nr. 2 BGB. 2. Fraglich ist auch hier, ob die Bauer GmbH von der Gewährleistung frei ist, weil Kunze einen bestimmten Baustoff vorgeschrieben hat. a) Auch bei BGB-Verträgen haftet der Unternehmer nach verbreiteter Auffassung nicht für Fehler, die ausschließlich im Verantwortungsbereich des Bestellers liegen (Palandt/Sprau, 73. Auflage, 633 BGB Rn. 4).
2 Dr. Klaus BacherAG Zivilrecht: Verantwortlichkeit für Werkmängel - Lösungen 2 Beachte allgemein: Haben beide Seiten den Mangel verursacht, ist der Unternehmer auch bei VOB- Verträgen zur Nachbesserung verpflichtet, der Besteller muss sich aber entsprechend seinem Mitverursachungsanteil an den Kosten der Nachbesserung beteiligen (BGH NJW 1984, 1676, 1677). b) Hier liegt der Fehler aber nicht im Verantwortungsbereich von Kunze (vgl. oben bei Fall 1a). 3. Ergebnis: Der Anspruch auf Nachbesserung ist begründet. Fall 2 Anspruch auf Zahlung von Euro analog 645 Abs. 1 Satz 1 BGB 1. Aus dem geschlossenen Werkvertrag hat die Eltmann GmbH einen Anspruch auf die geforderte Teilvergütung. 2. Nach 641 Abs. 1 BGB wäre der Anspruch erst mit Abnahme fällig. Diese ist noch nicht erfolgt. 3. Die Zerstörung des Werks führt grundsätzlich nicht zur Fälligkeit des Anspruchs. a) Grundsätzlich trägt der Unternehmer die Leistungsgefahr (d.h. er muss das Werk nach Zerstörung erneut erstellen) und die Vergütungsgefahr (d.h. er bekommt kein Geld für vergeblich geleistete Arbeit). b) Erst mit Abnahme gehen Leistungs- und die Vergütungsgefahr gemäß 644 Abs. 1 Satz 1 BGB auf den Besteller über. Dazu ist es hier nicht gekommen. 4. Ein Anspruch auf Abschlagszahlung gemäß 632a BGB setzt voraus, dass die Leistung vertragsgemäß erbracht ist. Dies ist hier nicht (mehr) der Fall, sofern die Eltmann GmbH die Leistungsgefahr trägt und deshalb nach Zerstörung des Werks die Leistung nochmals erbringen muss. 5. Fraglich ist, ob die Eltmann GmbH hier entsprechend 645 Abs. 1 Satz 1 BGB die Vergütung verlangen kann. a) Der Wortlaut der Vorschrift ist nicht erfüllt. Die Bauherrin hat hier keine Anweisung erteilt, den Hochwasserschutz zu entfernen. b) Nach der Rechtsprechung ist die Vorschrift entsprechend anwendbar, wenn das Werk aus Gründen untergeht, die in der Person des Bestellers liegen oder auf Handlungen des Bestellers zurückgehen, so dass der Besteller der Gefahr, die zum Untergang geführt hat, näher steht als der Unternehmer (BGHZ 78, 352, 354). Hier beruht der Untergang auf dem unzureichenden Hochwasserschutz. Die Aufgabe, für einen ausreichenden Hochwasserschutz zu sorgen, hatte hier die Bauherrin übernommen. Die Eltmann GmbH hatte keinen Einfluss darauf. Deshalb stand die Auftraggeberin der Gefahr, die zum Untergang geführt hat, hier näher. Dass die Entfernung des Schutzes ohne Zutun der Auftraggeberin geschah, ist demgegenüber unerheblich. Nach dem Gedanken des 645 BGB hat der Besteller auch für Umstände einzutreten, die er nicht zu vertreten hat sofern er ihnen näher steht als der Unternehmer. c) Zwischenergebnis: Die Voraussetzungen für eine entsprechende Anwendung des 645 Abs. 1 Satz 1 BGB sind erfüllt. 6. Ergebnis: Der Zahlungsanspruch ist begründet.
3 Dr. Klaus BacherAG Zivilrecht: Verantwortlichkeit für Werkmängel - Lösungen 3 Fall 3 I. Anspruch gegen die Bauer GmbH auf Zahlung von Euro aus 634 Nr. 2 und 637 BGB 1. Zwischen den Parteien besteht ein Werkvertrag. 2. Fraglich ist, ob die Leistung mangelhaft ist. Das hängt gemäß 633 Abs. 2 Satz 1 BGB davon ab, welche Beschaffenheit vereinbart war. a) Ursprünglich war vereinbart, das Gebäude um einen Meter tiefer zu gründen als es jetzt steht. b) Die Anweisung des Architekten, nach den neuen Plänen zu bauen, konnte nur dann zu einer Vertragsänderung führen, wenn der Architekt entsprechende Vertretungsmacht hatte. (1) Die im Bauvertrag enthaltene Vollmacht bezog sich auf Anordnungen zur Durchführung der Leistung. Dies berechtigt lediglich zu Anweisungen, die erforderlich sind, um die vereinbarte Leistung zu erbringen, nicht hingegen zu Vereinbarungen über eine grundlegende Änderung des Leistungsbildes. (2) Anhaltspunkte für eine Anscheins- oder Duldungsvollmacht sind aus dem Sachverhalt nicht ersichtlich. c) Dass die erbrachte Leistung nach der Behauptung des Unternehmers technisch vorteilhafter sein soll, ist unerheblich. Maßgeblich ist nach 633 Abs. 2 Satz 1 BGB die Vereinbarung der Parteien, nicht irgendein abstrakter Qualitätsmaßstab. d) Zwischenergebnis: Die erbrachte Leistung weicht von der vereinbarten Leistung ab. Sie ist mangelhaft. 3. Die nach 637 Abs. 1 BGB erforderliche Frist ist gesetzt worden. 4. Der Anspruch aus 637 Abs. 1 BGB ist ausgeschlossen, wenn die Bauer GmbH die Nachbesserung zu Recht verweigert hat. Ein Verweigerungsrecht könnte sich hier aus 275 Abs. 2 BGB ergeben. Hierzu müsste der Aufwand für die Nachbesserung in einem groben Missverhältnis zum Leistungsinteresse des Hoffmann stehen. Ob hier ein solches Missverhältnis vorliegt, lässt sich nur in Abwägung aller Umstände des Einzelfalles ermitteln (vgl. zur alten Rechtslage 633 Abs. 2 BGB a.f. BGH NJW 1996, 3269 f.). Ein Missverhältnis kann nur dann bejaht werden, wenn einem objektiv geringen Interesse des Bestellers ein ganz erheblicher Aufwand entgegensteht. Ob dies hier der Fall ist, lässt sich aufgrund des mitgeteilten Sachverhalts nicht abschließend beurteilen. Als gänzlich gering lässt sich das Interesse des Hoffmann an einer vertragsgerechten Ausführung nicht ohne weiteres abtun. 5. Entsprechend 254 BGB könnte Hoffmann nur teilweise Kostenerstattung verlangen, wenn er den Mangel mit zu vertreten hätte. a) Eigenes Verschulden des Hoffmann ist nicht ersichtlich. b) Gemäß 278 Abs. 1 BGB hat der Bauherr für ein Planungsverschulden des Architekten einzustehen. Der Bauherr ist gegenüber dem Bauunternehmer nämlich verpflichtet, geeignete Pläne zur Verfügung zu stellen. Ein mit der Planung betrauter Architekt ist insoweit Erfüllungsgehilfe (BGHZ 95, 128, 131).
4 Dr. Klaus BacherAG Zivilrecht: Verantwortlichkeit für Werkmängel - Lösungen 4 Beachte allgemein: Für ein Aufsichtsverschulden des Architekten hat der Bauherr nicht nach 278 BGB einzustehen; er ist gegenüber dem Bauunternehmer nicht verpflichtet, diesen zu überwachen (BGHZ 95, 128, 131). Hier bestand das Verschulden des Architekten freilich darin, dass er die bereits erstellte und gegenüber dem Bauunternehmer zur Vertragsgrundlage bestimmte Planung eigenmächtig geändert hat. Diese Änderung sollte entsprechend dem Rechtsgedanken des 179 BGB nicht zu Lasten des Bauherrn gehen. Diese Problematik wurde in der als Vorlage verwendeten Entscheidung BGH NJW 2002, 3543 allerdings nicht angesprochen. Der Bauherr muss sich nach der hier vertretenen Ansicht nur dann ein Mitverschulden zurechnen lassen, wenn die zur Vertragsgrundlage erhobene ursprüngliche Planung fehlerhaft war. Dafür gibt es hier keine Anhaltspunkte. 6. Ergebnis: Sofern sich aus dem Einzelfall nicht noch weitere Gesichtspunkte für ein grobes Missverhältnis ergeben, dürfte der Anspruch auf Nachbesserung und damit der Anspruch auf 637 Abs. 1 BGB in vollem Umfang bestehen. II. Anspruch gegen die Bauer GmbH auf Zahlung von Euro aus 634 Nr. 4 und 280 BGB 1. Aufgrund der mangelhaften Leistung (s.o. bei I) kann Hoffmann von der Bauer GmbH gemäß 634 Nr. 4 BGB auch Schadensersatz verlangen, wenn die Voraussetzungen der 280 ff. BGB vorliegen. 2. Die mangelhafte Leistung ist eine Pflichtverletzung im Sinne von 280 Abs. 1 BGB. 3. Ein Recht, die Nachbesserung gemäß 275 Abs. 2 BGB zu verweigern, besteht (wohl) nicht (vgl. oben bei I 4). 4. Die nach 281 Abs. 1 BGB erforderliche Fristsetzung ist erfolgt. 5. Ein Mitverschulden muss sich Hoffmann hier nicht anrechnen lassen (vgl. oben bei I 5) 6. Ergebnis: Ein Schadensersatzanspruch besteht ebenfalls mit dem unter I 6 formulierten Vorbehalt. III. Anspruch gegen Adrian auf Zahlung von Euro, 634 Nr. 2 und 637 BGB 1. Ein Vertrag, in dem sich ein Architekt zur Planung oder Bauaufsicht verpflichtet, ist ein Werkvertrag. 2. Eventuelle Ansprüche gegen den Architekten auf Nachbesserung können sich aber nur auf die fehlerhafte Planung beziehen. Beseitigung von Fehlern an dem aufgrund des fehlerhaften Plans errichteten Gebäude schuldet der Architekt nicht. 3. Ergebnis: Gegen den Architekten besteht aus 634 Nr. 2 und 637 BGB kein Anspruch auf Zahlung von Kosten für die Beseitigung von Mängeln am Gebäude. IV. Anspruch gegen Adrian auf Zahlung von Euro aus 280 BGB 1. Durch die eigenmächtige Änderung der Pläne und deren Weitergabe an die Bauer GmbH hat Adrian die ihm aufgrund des Architektenvertrages obliegenden Pflichten verletzt. 2. Einer Fristsetzung bedurfte es hinsichtlich der hier in Rede stehenden Schäden am Gebäude nicht. 281 BGB ist nicht einschlägig, weil es sich insoweit nicht um Schadensersatz statt der Planungsleistung handelt, sondern um Folgeschäden, die durch
5 Dr. Klaus BacherAG Zivilrecht: Verantwortlichkeit für Werkmängel - Lösungen 5 Nachbesserung des Architektenwerks (hier also durch Erstellung von vertragsgemäßen Plänen) nicht behoben werden können. 3. Ob ein Leistungsverweigerungsrecht gemäß 275 Abs. 2 BGB besteht, ist im Verhältnis zu Adrian ebenfalls unerheblich. Verweigern dürfte Adrian allenfalls die (erneute) Erbringung von Architektenleistungen. Der hier geltend gemachte Schaden am Gebäude ist kein Surrogat. Die Ersatzpflicht dafür ist deshalb unabhängig vom weiteren Schicksal der primären Leistungspflicht (vgl. zur alten Rechtslage BGH NJW 2002, 3543, 3545) 4. Ein Mitverschulden des Adrian im Verhältnis zu Hoffmann ist nicht ersichtlich. 5. Ergebnis: Der Schadensersatzanspruch besteht. V. Verhältnis der beiden Ansprüche zueinander Ein Architekt und ein Bauunternehmer, die für denselben Mangel an einem Bauwerk einzustehen haben, haften als Gesamtschuldner. Dies gilt auch dann, wenn der Bauunternehmer nicht zur Zahlung von Schadensersatz, sondern zur Zahlung von Mängelbeseitigungskosten oder zur Nachbesserung verpflichtet ist (vgl. nur BGH NJW 2002, 3543, 3545). Fall 4 a Anspruch der Unger KG auf Zahlung von Euro aus 631 Abs. 1 BGB 1. Zwischen den Parteien besteht ein Werkvertrag. 2. Der Anspruch ist gemäß 641 Abs. 1 BGB fällig, weil das Werk abgenommen wurde. 3. Fraglich ist, ob Huber nach 320 Abs. 1 Satz 1 BGB ein Zurückbehaltungsrecht hat. Dazu müsste er einen Anspruch auf Nachbesserung wegen eines Mangels gemäß 634 Nr. 1 und 635 BGB haben. a) Entscheidend hierfür ist zunächst, ob die gemäß 633 Abs. 2 BGB geschuldete Beschaffenheit des Werks hier ausschließlich durch die im Vertrag beschriebene Ausführungsart (12,5 mm Gipsfaserplatte) bestimmt wird oder auch durch die nach dem Vertrag vorausgesetzte Verwendung als Mietshaus und die dafür geltenden DIN- Vorschriften. (1) Nach 633 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 BGB muss das Werk für die nach dem Vertrag vorausgesetzte Verwendung geeignet sein, soweit die Beschaffenheit nicht (anderweit) vereinbart ist. Hier war der Unger KG bekannt, dass das Gebäude als Mietshaus genutzt wird. Damit war sie grundsätzlich verpflichtet, das Werk so zu erbringen, dass die für Mietshäuser geltenden DIN-Vorschriften eingehalten werden. (2) Fraglich ist, ob sich daran etwas ändert, weil die Parteien ausdrücklich eine bestimmte Ausführungsart vereinbart haben. (a) Nach der Rechtsprechung ändert die Vereinbarung einer bestimmten Ausführungsart grundsätzlich nichts daran, dass der Unternehmer für die Erreichung des angestrebten Zwecks einzustehen hat, also ein funktionsgerechtes Werk schuldet. Das Werk ist folglich auch dann mangelhaft, wenn sich der Unternehmer exakt an die vereinbarte Ausführungsart hält,
6 Dr. Klaus BacherAG Zivilrecht: Verantwortlichkeit für Werkmängel - Lösungen 6 diese aber zur Erreichung des angestrebten Zwecks ungeeignet ist (BGHZ 174, 110 = NJW 2008, 511 Rn. 16 ff.; BGH NJW 2011, 3780 Rn. 11). (b) Der Unternehmer ist allenfalls dann von der Verantwortung frei, wenn er ausdrücklich darauf hingewiesen hat, dass die vereinbarte Ausführung nicht geeignet ist (vgl. oben Fall 1). Ein solcher Hinweis wurde hier nicht erteilt. (3) Zwischenergebnis: Das Werk ist mangelhaft, weil das Haus nach den DIN- Vorschriften nicht für Mietzwecke genutzt werden darf. Huber kann folglich gemäß 634 Nr.1 und 635 BGB Nachbesserung verlangen. b) Der Nachbesserungsanspruch ist nach dem Gedanken des Vorteilsausgleichs beschränkt: Der Besteller kann eine höherwertige als die vereinbarte Ausführung nur dann verlangen, wenn er die Mehrkosten dafür trägt. Dies beruht auf der Überlegung, dass der Besteller diese Kosten sowieso hätte tragen müssen, wenn die Parteien von Beginn an die richtige Ausführungsart vereinbart hätten. Hier muss die Unger KG die DIN-gerechte Nachbesserung also nur dann erbringen, wenn Huber die Mehrkosten in Höhe von Euro zahlt. c) Wegen dieses Anspruchs auf Kostenbeteiligung hat der Unternehmer analog 273 Abs. 1 BGB ein Zurückbehaltungsrecht (BGHZ 90, 344, 350 ff.). Er muss die Nachbesserung also entsprechend 274 BGB Zug um Zug gegen Zahlung der Mehrkosten erbringen. d) Der Besteller muss umgekehrt die ursprüngliche Vergütung nur Zug um Zug gegen Leistung der Nachbesserung erbringen. 4. Im Ergebnis führt dies wenn sich beide Parteien auf ihre Zug-um-Zug-Einrede berufen zu einer doppelten Zug-um-Zug-Verurteilung (BGHZ 90, 354, 357 ff.): Huber muss Euro zahlen, Zug um Zug gegen DIN-gerechte Ausführung der Decken und Wände, dieses wiederum Zug um Zug gegen Zahlung weiterer Euro. Zur Vollstreckung eines solchen Urteils vgl. BGHZ 90, 354,360 ff. Fall 4 b I. Anspruch der Unger KG auf Stellung einer Sicherheit gemäß 648a BGB 1. In der seit dem geltenden Fassung gibt 648a BGB dem Unternehmer bei Vorliegen der dort genannten Voraussetzungen einen einklagbaren Anspruch auf Stellung einer Sicherheit. Nach der bis zum geltenden Fassung konnte der Unternehmer bei Nichterbringung der Sicherheit lediglich seine Leistung verweigern und gemäß 648a Abs. 5 und 643 BGB durch Fristsetzung und Kündigung den Vertrag beenden (vgl. BGHZ 146, 24, 28). 2. Die umfassende Sanierung eines Gebäudes ist ein Bauwerk (vgl. BGH NJW 2007, 3275 Rn. 18 ff). 3. Die Ausnahmetatbestände in 648a Abs. 6 BGB (öffentlicher Auftraggeber oder Einfamilienhaus) sind nicht erfüllt. 4. Huber hat die Vergütung noch nicht gezahlt. 5. Der Vergütungsanspruch besteht gemäß 648a Abs. 1 Satz 3 BGB unabhängig von der Abnahme. 6. Ergebnis: Der Anspruch ist begründet.
7 Dr. Klaus BacherAG Zivilrecht: Verantwortlichkeit für Werkmängel - Lösungen 7 II. Leistungsverweigerungsrecht der Unger KG gegenüber dem Anspruch des Huber auf Nachbesserung gemäß 648a Abs. 5 BGB 1. Der Unger KG steht ein Anspruch auf Sicherheitsleistung zu (s.o.). 2. Eine Fristsetzung ist erfolgt. 3. Ergebnis: Die Unger KG kann die Nachbesserung verweigern, solange Huber keine Sicherheit gestellt hat. III. Anspruch der Unger KG auf Zahlung von Euro aus 631 Abs. 1 BGB 1. Nach den Ausführungen zu Fall 4 a besteht der Anspruch nur Zug um Zug gegen DINgerechte Ausführung der Decken und Wände. 2. Einige Oberlandesgerichte hatten die Ansicht vertreten, dass der Besteller sein Zurückbehaltungsrecht verliert, wenn er die nach 648a Abs. 1 BGB zu stellende Sicherheit nicht erbringt. Diese Auffassung hat der BGH schon für die bis zum geltende Gesetzesfassung abgelehnt (BGHZ 157, 335, 343 = NJW 2004, 1525, 1527): Die Sanktionen im Falle der Nichterbringung der Sicherheit sind in 648a BGB abschließend geregelt. Für die neue Fassung des Gesetzes gilt dasselbe. Dem Unternehmer stehen nach 648a BGB jetzt weiter gehende Rechte zu als früher. Diese Regelung ist aber nach wie vor abschließend. 3. Ergebnis: Die Unger KG kann ihren Vergütungsanspruch weiterhin nur Zug um Zug gegen Nachbesserung geltend machen. IV. Vergütungsanspruch der Unger KG nach Kündigung gemäß 648a Abs. 5 BGB 1. Nach Kündigung kann die Unger KG gemäß 648a Abs. 5 Satz 2 BGB die vereinbarte Vergütung abzüglich ersparter Aufwendungen verlangen. Hinsichtlich der bereits erbrachten Teile der Leistung muss sich der Unternehmer aber gegebenenfalls einen mangelbedingten Minderwert anrechnen lassen (BGHZ 157, 335, 342 = NJW 2004, 1525, 1527; Staudinger/Peters/Jacoby, 2013, 648a Rn. 29). Dies entspricht, soweit es um bereits erbrachte Leistungen geht, der bis zum geltenden Rechtslage. Neu ist, dass der Unternehmer auch für die nicht erbrachten Teile der Leistung die vereinbarte Vergütung fordern kann, unter Anrechnung ersparter Aufwendungen. 2. Ergebnis: Die Unger KG kann nach Kündigung ihren Anspruch auf Vergütung abzüglich der ersparten Aufwendungen und gegebenenfalls abzüglich eines mangelbedingten Minderwerts geltend machen.
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