Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VII%20R%203/90
Timestamp: 2019-09-18 08:03:46
Document Index: 319863886

Matched Legal Cases: ['§ 191', '§ 102', '§ 71', '§ 71', '§ 191', '§ 102', '§ 71', '§ 71', '§ 71', '§ 71', '§ 370', '§ 71', '§ 71', '§ 71', '§ 71', '§ 71', '§ 71', '§ 71', '§ 71', '§ 191', '§ 102', '§ 71', '§ 69']

BFH, 26.02.1991 - VII R 3/90 - dejure.org
https://dejure.org/1991,439
BFH, 26.02.1991 - VII R 3/90 (https://dejure.org/1991,439)
BFH, Entscheidung vom 26.02.1991 - VII R 3/90 (https://dejure.org/1991,439)
BFH, Entscheidung vom 26. Februar 1991 - VII R 3/90 (https://dejure.org/1991,439)
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Vorprägung der Ermessensentscheidung der Behörde bei Vorliegen einer grob fahrlässigen oder gar vorsätzlichen Steuerverkürzung - Erlaß eines Haftungsbescheides mangels Umsatzsteuerzahlungen an die Finanzbehörde
a) Der BFH hat mit Urteil vom 26. Februar 1991 VII R 3/90 (BFH/NV 1991, 504) entschieden, dass bei einer vorsätzlichen Beihilfe zur Steuerhinterziehung eine Haftungsinanspruchnahme nach den §§ 191, 71 AO 1977 auch ohne nähere Darlegung der Ermessenserwägungen im Haftungsbescheid oder in der Einspruchsentscheidung als ermessensgerecht nach § 102 FGO anzusehen ist; die Vorprägung der Ermessensentscheidung im Falle einer vorsätzlichen Steuerverkürzung oder einer Beihilfe ist nicht nur für die Inanspruchnahme dem Grunde nach, sondern auch für die Inanspruchnahme der Höhe nach gegeben.
§ 71 AO 1977 soll eine Schadensersatzpflicht in Höhe der verkürzten Beträge begründen (so BFH-Urteil in BFH/NV 1991, 504, unter Hinweis auf das Urteil des Reichsfinanzhofs vom 7. Oktober 1936 IV A 86/36, RFHE 40, 118, 120 f.;… Klein/Rüsken, Kommentar zur Abgabenordnung, 8. Aufl., 2003, § 71, Rz. 2).
Bei einer vorsätzlichen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ist eine Haftungsinanspruchnahme nach den §§ 191, 71 AO auch ohne nähere Darlegung der Ermessenserwägungen im Haftungsbescheid oder in der Einspruchsentscheidung als ermessensgerecht nach § 102 FGO anzusehen (vgl. BFH-Urteil vom 26.02.1991 VII R 3/90, BFH/NV 1991, 504).
§ 71 AO soll eine Schadensersatzpflicht in Höhe der verkürzten Beträge begründen (vgl. BFH-Urteil vom 26.02.1991 VII R 3/90, BFH/NV 1991, 504).
So ist für die Inanspruchnahme durch Haftungsbescheid und die dabei zu treffende behördliche Ermessensentscheidung vom BFH entschieden, dass im Fall vorsätzlicher Steuerstraftaten diese Ermessensentscheidung in der Weise vorgeprägt ist, dass es einer besonderen Begründung der Ermessensbetätigung nicht bedarf (BFH-Urteil vom 13. April 1978 V R 109/75, BFHE 125, 126, BStBl II 1978, 508; Senatsurteile vom 12. April 1983 VII R 3/80, BFHE 138, 157;… in BFH/NV 1988, 692; vom 26. Juni 1990 VII R 5/88, BFHE 161, 225; vom 26. Februar 1991 VII R 3/90, BFH/NV 1991, 504).
Sofern sich die Antragstellerin, wie das FA in seinem Haftungsbescheid zunächst angenommen hat, als Mittäterin an der von H. begangenen Steuerhinterziehung beteiligt haben sollte, ist das Ermessen des FA allerdings nach der Rechtsprechung des Senats dahin vorgeprägt, daß die Antragstellerin angesichts der Uneinbringlichkeit der Steuerschuld der GmbH in Anspruch genommen werden muß (Urteile vom 12. April 1983 VII R 3/80, BFHE 138, 157, 161; vom 5. Juni 1985 VII R 57/82, BFHE 144, 290, BStBl II 1985, 688, 689, und vom 26. Februar 1991 VII R 3/90, BFH/NV 1991, 504).
Eine derartige Haftung stellt keine zusätzliche Strafsanktion für steuerunehrliches Verhalten dar, sondern soll allein den durch die Hinterziehungshandlung verursachten Vermögensschaden des Fiskus ausgleichen (vgl. BFH-Urteile vom 26. August 1992 VII R 50/91, BFHE 169, 13, BStBl II 1993, 8; vom 26. Februar 1991 VII R 3/90, BFH/NV 1991, 504;… Beschluss vom 11. Februar 2002 VII B 323/00, BFH/NV 2002, 891;… Boeker in Hübschmann/Hepp/Spitaler, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, 10. Aufl., § 71 AO Rz. 3, 30, m.w.N.;… Klein/Rüsken, Abgabenordnung, 8. Aufl., § 71 Rz. 2).
Schadenersatzcharakter hat aber nach der Rechtsprechung des Senats ihrer Rechtsnatur nach auch die Haftung des Steuerhinterziehers nach § 71 AO 1977 (Urteile vom 8. November 1988 VII R 78/85, BFHE 155, 17, 21, BStBl II 1989, 118, und vom 26. Februar 1991 VII R 3/90, BFH/NV 1991, 504).
Die Vorschrift soll nicht etwa neben der Verpflichtung zum Schadenersatz und zusätzlich zu den strafrechtlichen Bestimmungen (§§ 370 ff. AO 1977) eine weitere Sanktion begründen (BFH/NV 1991, 504, 505).
Nur soweit der Vorsatz reicht, haftet er (vgl. BFH-Urteil vom 26. Februar 1991 VII R 3/90, BFH/NV 1991, 504 m. w. N.;… Tipke/Kruse, a. a. O., § 71 AO 1977 Tz. 6 m. w. N.;… Halaczinsky in Koch, a. a. O., § 71 Rdnr. 6).
Im Falle einer Haftungsinanspruchnahme wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung (§ 71 AO) geht der Senat mit der ständigen Rechtsprechung des BFH von einer Vorprägung des Ermessens dahin gehend aus, dass es in jedem Fall - unabhängig von der Frage, ob noch weitere Personen als zusätzliche Haftungsschuldner in Betracht kommen - ermessensgerecht ist, den Täter oder den Gehilfen einer Steuerhinterziehung als Haftungsschuldner in Anspruch zu nehmen (vgl. BFH, Urteile vom 26. Februar 1991 - VII R 3/90, BFH/NV 1991, 504; vom 21. Januar 2004 - XI R 3/03, BStBl. II 2004, 919;… Beschluss vom 14. Februar 2006 - VII B 119/05, BFH/NV 2006, 1246; Urteil vom 12. Februar 2009 - VI R 40/07, BStBl. II 2009, 478 m. w. N.).
Nähere Darlegungen im Haftungsbescheid sind daher nicht unbedingt erforderlich (…vergl. BFH vom 5. März 1998, VII B 36/97, BFH/NV 1998, 1325; vom 26. Februar 1991, VII R 3/90, BFH/NV 1991, 504; vom 12.04.1983, VII R 3/80, DStR 1983, 454).
Dies folgt für die Inanspruchnahme eines Teilnehmers nach § 71 AO auch aus dem Schadensersatzcharakter dieser Norm, einen Strafcharakter hat die Inanspruchnahme nach § 71 AO nicht (Urteil des BFH vom 26. Februar 1991, VII R 3/90, a.a.O; Tipke/Kruse § 71 Tz. 1 m.w.N.).
Der BFH hat in seinem Urteil vom 26.02.1991 (VII R 3/90, a.a.O.) entschieden, dass eine Ermessensvorprägung auch der Höhe nach für die Inhaftungnahme eines Gehilfen nach § 71 AO gegeben sei.
In dem dem Urteil des BFH vom 26.02.1991 (VII R 3/90, a.a.O.) zu Grunde liegenden Sachverhalt bestand zwischen dem dortigen Kl. und dem Täter eine persönliche (verwandtschaftliche) Beziehung und eine relativ genaue Kenntnis des von dem Haupttäter bezweckten wirtschaftlichen Erfolgs.
FG Sachsen, 05.03.2014 - 1 K 677/13
Haftung wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung bei zur Verfügungstellung eines …
Sie wusste, dass die Einzahlung der Einnahmen auf ein auf ihren Namen lautendes Konto der Einnahme- und Umsatzverschleierung gegenüber den Behörden dienen sollte (vgl. BFH-Urteil vom 26. Febr. 1991 - VII R 3/90, BFH/NV 1991, 504).
Der Teilnehmer an einer Steuerstraftat haftet für den durch die Hinterziehung eingetretenen Schaden soweit, wie sich sein Vorsatz auf die Folgen der Hinterziehungshandlung bezogen hat (…BFH in BFH/NV 2002, 891 Rz. 22; BFH-Urteil vom 26. Febr. 1991 - VII R 3/90, BFH/NV 1991, 504;… BFH-Beschluss vom 27. März 2006 - VII B 117/05, juris Rz. 12;… BFH in BStBl II 1995, 198 Rz. 18;… Urteile des FG des Landes Brandenburg vom 6. April 2004 - 3 K 418/01, EFG 2005, 665 Rz. 76;… des FG Baden-Württemberg in EFG 2008, 1434 Rz. 58).
Dabei ist für die Haftung nach § 71 AO die Kenntnis von der Höhe der hinterzogenen Steuern unerheblich, die Kenntnis von der Höhe der verschleierten Einnahmen und damit von der Steuerbemessungsgrundlage reicht aus (BFH in BFH/NV 1991, 504).
Bei einer vorsätzlichen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ist eine Haftungsinanspruchnahme nach §§ 191, 71 AO auch ohne nähere Darlegung der Ermessenserwägungen im Haftungsbescheid oder in der Einspruchsentscheidung als ermessensgerecht nach § 102 FGO anzusehen (BFH in BFH/NV 1991, 504;… BFH-Beschluss vom 27. März 2006 - VII B 117/05, juris Rz. 10).
BFH, 06.10.2000 - V B 99/00
BFH, 11.02.2002 - VII B 323/00
AdV; USt-Hinterziehung; Beihilfe zur Steuerverkürzung durch Erstellen von …
BFH, 22.02.2005 - VII B 213/04
BFH, 14.02.2006 - VII B 119/05
Haftung des Geschäftsführers einer GmbH für Steuerschulden der GmbH wegen …
BFH, 29.08.2001 - VII B 54/01
Steuerhehlerei - Beschwerde - Nichtzulassungsbeschwerde - Haftungsinanspruchnahme …
FG München, 10.06.2008 - 7 K 2382/07
Haftung des Steuerhinterziehers aufgrund der Hinnahme einer zu niedrigen …
BFH, 27.03.2006 - VII B 117/05
FG Düsseldorf, 03.03.1998 - 8 K 8367/91
Heranziehung eines Steuerpflichtigen zur Haftung durch Haftungsbescheid wegen …
FG Hessen, 29.03.2007 - 6 K 3669/99
Auswahlermessen bei Haftungsinanspruchnahme wegen Steuerhinterziehung - …
BFH, 08.10.1991 - VII S 39/91
Antrag auf Aussetzung der Vollziehung eines Haftungsbescheids - Haftung eines …
FG München, 10.07.2008 - 14 V 1356/08
Haftung eines GmbH-Gesellschafters gem. § 71 AO und § 69 AO: Steuerhinterziehung …
FG Baden-Württemberg, 27.01.2005 - 3 K 40/02
Auswahlermessen bei Inanspruchnahme nur einzelner Teilnehmer einer …
FG Münster, 03.09.2002 - 7 K 1547/02
FG München, 01.04.2004 - 14 K 1710/01
Nichtausübung des Auswahlermessens bei Haftungsinanspruchnahme des …
FG Hamburg, 06.09.2000 - IV 129/00
Haftung des Geschäftsführers bei Pflichtverletzung
FG Hamburg, 06.09.2000 - IV 126/00
FG Berlin, 26.03.2001 - 9 K 9579/00
Unrechtmäßiger Haftungsbescheid für einen Geschäftsführer einer Gesellschaft mit …
FG Saarland, 01.06.1995 - 2 K 33/92
FG Hamburg, 06.09.2000 - IV 131/00
FG Hamburg, 29.09.1999 - IV 177/99
Überführung frischen Fleisches anstelle von in Bezug auf die Einfuhrabgaben …