Source: http://www.hensche.de/Insolvenz_Lohnanspruch_Insolvenzanfechtung_LAG_Nuernberg_3Sa379-09.html
Timestamp: 2017-11-19 05:10:44
Document Index: 83915223

Matched Legal Cases: ['§ 130', '§ 140', '§ 17', 'BGH', '§ 130', '§ 133', '§ 133', '§ 97', '§ 72']

LAG Nürnberg, Urteil vom 31.03.2010, 3 Sa 379/09 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Nürn­berg, Ur­teil vom 31.03.2010, 3 Sa 379/09
Schlagworte: Insolvenzanfechtung, Lohn und Gehalt, Insolvenz
Aktenzeichen: 3 Sa 379/09
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Bayreuth
Urteil vom 14.07.2009, 1 Ca 488/08
1 Ca 488/08
(Ar­beits­ge­richt Bay­reuth - Kam­mer Hof -)
K… V…
Rechts­anwälte T… & W…
E… I… als In­sol­venz­ver­wal­ter über das Vermögen
der Fa. N… B… und H… e.K., In­ha­ber B… N…
Rechts­an­walt E… I…
Die Schuld­ne­rin hat­te die Löhne/Gehälter für ih­re Mit­ar­bei­ter be­reits im Jahr 2006 je­weils zeit­ver­setzt be­zahlt; we­gen der Ein­zel­hei­ten der zeit­li­chen Verzöge­rung wird auf die Dar­stel­lung des Be­klag­ten im Schrift­satz vom 02.06.2009 (Bl. 178 d.A.) ver­wie­sen. Als im April 2007, zu­min­dest bei ei­nem Großteil der Mit­ar­bei­ter, Vergütungs­zah­lun­gen ab Ja­nu­ar 2007 aus­stan­den, kam es we­gen die­ses The­mas zu ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung. Ob
Nach­dem das Bun­des­ar­beits­ge­richt mit Be­schluss vom 31.07.2009 die Rechts­be­schwer­de des Be­klag­ten ge­gen den den Rechts­weg be­ja­hen­den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nürn­berg vom 08.12.2008 zurück­ge­wie­sen hat, hat das Ar­beits­ge­richt mit En­dur­teil vom 14.07.2009 fest­ge­stellt, dass der Be­klag­te kei­nen An­spruch auf Rück­zah­lung von Ar­beits­ent­gelt der Mo­na­te Ja­nu­ar, Fe­bru­ar und März 2007 in Höhe von 5.863,20 EUR ge­genüber dem Kläger hat.
Das Erst­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung im Kern wie folgt be­gründet:
Hilfs­wei­se wird für den Fall des Un­ter­lie­gens be­an­tragt,
1. a) Aus Gründen des Ver­kehrs­schut­zes wird der Gläubi­ger der De­ckungs­an­fech­tung nach § 130 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 In­sO erst aus­ge­setzt, wenn er die Zah­lungs­unfähig­keit des Schuld­ners (oder den In­sol­venz­an­trag) im maßgeb­li­chen Zeit­punkt (§ 140 In­sO) kennt. Dies hat das Erst­ge­richt zu Recht ver­neint. Kennt der Gläubi­ger die Zah­lungs­ein­stel­lung, ist gemäß § 17 Abs. 2 Satz 2 In­sO auch sei­ne Kennt­nis der Zah­lungs­unfähig­keit an­zu­neh­men. Denn die dort for­mu­lier­te Ver­mu­tung gilt auch im Rah­men des In­sol­venz­an­fech­tungs­rechts (BGH vom 12.10.2006 – IX ZR 228/03 – ZIP 2006, 2222). Kennt­nis be­deu­tet im All­ge­mei­nen ein für si­cher ge­hal­te­nes Wis­sen. Der Gläubi­ger kennt die Zah­lungs­unfähig­keit oder die Zah­lungs­ein­stel­lung als kom­ple­xe Rechts­be­grif­fe nur, wenn er die Li­qui­dität oder das Zah­lungs­ver­hal­ten des
c) Aus­ge­hend von die­sen Grundsätzen ist der Um­stand, dass der Kläger im Mai 2007 Kennt­nis über die Höhe sei­ner ei­ge­nen For­de­run­gen von meh­re­ren Mo­natslöhnen (Ja­nu­ar bis März 2007) hat­te und wuss­te, dass die Schuld­ne­rin ge­genüber ei­nem Großteil der übri­gen Beschäftig­ten eben­falls mit der Erfüllung von Lohn- und Ge­halts­zah­lun­gen – in un­ter­schied­li­chem Um­fang – in Rück­stand ge­ra­ten war, vor­lie­gend nicht ge­eig­net von ei­ner Er­kennt­nis im Sin­ne des § 130 In­sO aus­zu­ge­hen. Denn an­ders als bei in­sti­tu­tio­nel­len Gläubi­gern oder Gläubi­gern mit „In­si­der­kennt­nis­sen“, wird der Über­blick ei­nes Ar­beit­neh­mers ins­be­son­de­re wenn er we­der in der Fi­nanz­buch­hal­tung des Un­ter­neh­mens ein­ge­setzt ist noch Lei­tungs­auf­ga­ben im kaufmänni­schen
2. Ei­ne An­fech­tung nach § 133 Abs. 1 In­sO schei­det eben­falls aus. In­so­weit fehlt es je­den­falls an der hierfür er­for­der­li­chen Kennt­nis des Klägers von ei­nem Be­nach­tei­li­gungs­vor­satz der Schuld­ne­rin. Gemäß § 133 Abs. 1 Satz 2 In­sO wird die­se Kennt­nis ver­mu­tet, wenn der An­fech­tungs­geg­ner bei Vor­nah­me der Hand­lung wuss­te, dass die Zah­lungs­unfähig­keit des Schuld­ners droh­te und die Hand­lung die Gläubi­ger be­nach­tei­lig­te. Da­von kann un­ter Berück­sich­ti­gung der un­ter II. 1. dar­ge­leg­ten Gründe nicht aus­ge­gan­gen wer­den.
Nach al­le­dem war die Be­ru­fung mit der Kos­ten­fol­ge des § 97 ZPO zurück­zu­wei­sen.
Die Re­vi­si­on wird gemäß § 72 a Abs. 1 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen.
Zur Möglich­keit der Re­vi­si­ons­ein­le­gung mit­tels elek­tro­ni­schen Do­ku­ments wird auf die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 09.03.2006 (BGBl. I, 519 ff.) hin­ge­wie­sen. Ein­zel­hei­ten hier­zu un­ter
http://www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de
Dr. Feicht­in­ger, Vi­ze­präsi­dent des Lan­des­ar­beits­ge­richts
We­ber, eh­ren­amt­li­cher Rich­ter
Rieg­ler, eh­ren­amt­li­cher Rich­ter
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