Source: https://www.tki.at/19/geld/steuerliche-aenderungen-2018/
Timestamp: 2018-09-23 15:54:10
Document Index: 208576081

Matched Legal Cases: ['§ 42', '§ 102', '§ 189', '§ 22', '§ 5', '§ 4']

TKI - Tiroler Kulturinitiativen: Steuerliche Änderungen 2018
Neuerungen und Änderungen 2018
Im Folgenden ein Auszug aus den beschlossenen Neuerungen und Änderungen, die für das Jahr 2018 gelten.
Neuer Grenzbetrag für die Geringfügigkeit ab dem 1. Jänner 2018
Ein Beschäftigungsverhältnis gilt als geringfügig, wenn es für mindestens einen Kalendermonat oder auf unbestimmte Zeit vereinbart ist und im Kalendermonat kein höheres Entgelt als 438,05 Euro gebührt.
Fallweise beschäftigte Personen gelten als geringfügig beschäftigt, wenn ihnen in einem Kalendermonat höchstens 438,05 Euro gebühren.
Die tägliche Geringfügigkeitsgrenze wurde mit 1.1.2017 abgeschafft.
Einkommensteuer-/Lohnsteuertarif bzw. Steuererklärungspflicht für die Veranlagung für die Jahre ab 2016 (§ 42 EStG) Die Grenze für die Abführung von Einkommensteuer beträgt für unbeschränkt Steuerpflichtige ohne Lohneinkünfte 11.000 Euro und für unbeschränkt Steuerpflichtige mit Lohneinkünften insgesamt 12.000 Euro.
Eine Einkommensteuererklärung muss demnach dann abgegeben werden,
wenn man vom Finanzamt dazu aufgefordert wird;
wenn der Gewinn aus einer betrieblichen Tätigkeit (dazu gehört auch die Tätigkeit als „Neue/r Selbständige/r“) aufgrund eines Betriebsvermögensvergleiches ermittelt wird bzw. zu ermitteln ist (Erläuterungen dazu siehe unter *1);
wenn im Einkommen keine lohnsteuerpflichtigen Einkünfte enthalten sind und das Einkommen (= Gewinn) mehr als 11.000 Euro beträgt;
wenn im Einkommen neben lohnsteuerpflichtigen Einkünften auch andere Einkünfte von insgesamt mehr als 730 Euro enthalten sind und das gesamte Jahreseinkommen, in dem auch lohnsteuerpflichtige Einkünfte erzielt wurden, mehr als 12.000 Euro beträgt;
wenn man beschränkt steuerpflichtig ist (keinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat) und die inländischen Einkünfte, die gem. § 102 EStG zu veranlagen sind, mehr als 2.000 betragen oder wenn man vom Finanzamt dazu aufgefordert worden ist.
Einkommensteuertarif neu für Einkünfte ab 2016 und - bis auf Weiteres - für die Folgejahre
Für ein Einkommen bis 11.000 Euro pro sind sind keine Steuern zu bezahlen. Für jährliche Einkommen über 11.000 Euro gibt es drei verschiedene Tarifstufen:
< 11.000 Euro pro Jahr: steuerfrei
> 11.000 bis 25.000 Euro pro Jahr: 36,5 %
> 25.000 bis 60.000 Euro pro Jahr: 43,21 %
> 60.000 Euro pro Jahr: 50 %
Für Einkommen bis 11.000 Euro pro Jahr sind keine Steuern zu bezahlen. Für jährliche Einkommen über 11.000 Euro pro Jahr gibt es ab der Veranlagung für das Jahr 2016 sechs verschiedene Tarifstufen:
> 11.000 bis 18.000 Euro pro Jahr: 25 %
> 18.000 bis 31.000 Euro pro Jahr: 35 %
> 31.000 bis 60.000 Euro pro Jahr: 42 %
> 60.000 bis 90.000 Euro pro Jahr: 48 %
> 90.000 bis 1 Million Euro pro Jahr: 50 %
> 1 Million Euro pro Jahr: 55 % (befristet für die Jahre 2016 bis 2020)
Umsatzsteuererklärungspflicht
Grundsätzlich hat jede/r UnternehmerIn für das abelaufende Kalenderjahr eine Stuererklärung abzugeben.
KleinunternehmerInnen sind von der Abgabe einer Umsatzsteuererklärung prinzipiell befreit, wenn ihr Umsatz nicht über 30.000 Euro liegt und sie vom Finanzamt auch nicht zur Abgabe einer Erklärung durch Zusendung eines Vordruckes aufgefordert worden sind.
Achtung für KünstlerInnen, die Umsatzsteuer in Rechnung stellen: Der Steuersatz hat sich mit 1.1.2016 von 10 % auf 13 % erhöht.
Von der Umsatzsteuererhöhung von 10 % auf 13 % sind auch weitere Leistungen betroffen:
Lieferungen und Einfuhren von bestimmten Gegenständen (Holz, Gemälde, Zeichnungen, Drucke, Briefmarken, Sammlungsstücke, Antiquitäten u.a.)
Umsätze aus der Tätigkeit als KünstlerIn
Kulturelle Dienstleistungen wie Theater, Musik- und Gesangsaufführungen, Museen, Tiergärten, Filmvorführungen, Zirkusvorführungen, Schaustellertätigkeiten (siehe dazu auch den Artikel Steuerreform 2015)
Leistungen der Jugendbetreuung an Personen bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres. Die Leistung muss aus Betreuung, Beherbergung, Verköstigung undden üblichen Nebenleistungen bestehen
Beherbergung in eingerichteten Wohn- und Schlafräumen und die damit verbundenen Nebenleistungen (einschließlich Beheizung)
Steuererklärungsfristen bzw. Arbeitnehmerveranlagungsfristen
Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Körperschaftsteuer
Allgemein: 30. April
FinanzOnline: 30. Juni
Veranlagung aufgrund mehrerer Dienstverhältnisse: 30. September
Arbeitnehmerveranlagung (freiwillig): 5 Jahre
Pauschalierungen für KünstlerInnen und SchriftstellerInnen
Selbstständige KünstlerInnen und SchriftstellerInnen, die nicht buchführungspflichtig* sind und auch freiwillig keine Bücher führen, können ihre Betriebsausgaben pauschaliert absetzen. Das Pauschale beträgt 12 % des Umsatzes, maximal 8.725 Euro jährlich und umfasst folgende Betriebsausgaben:
Ausgaben für übliche technische Hilfsmittel
Aufwendungen für Telefon und Büromaterial
Aufwendungen für Fachliteratur und Eintrittsgelder
betrieblich veranlasste Aufwendungen für Kleidung, Kosmetika und sonstige Aufwendungen für das äußere Erscheinungsbild
Mehraufwendungen für die Verpflegung (Tagesgelder)
Bewirtungsspesen sowie üblicherweise nicht belegbare Betriebsausgaben
Die übrigen Betriebsausgaben sind in tatsächlicher Höhe absetzbar. Ermittlung der Vorsteuern: 12 % des Betriebsausgabenpauschales bzw. maximal 1.047 Euro jährlich. Damit ist nur der Vorsteuerabzug aus den pauschalierungsfähigen Betriebsausgaben abgegolten. Vorsteuern für andere Ausgaben können zusätzlich in tatsächlicher Höhe geltend gemacht werden.
* Buchführungspflicht gemäß § 189 Abs. 1 Z 2 UGB (Verpflichtung zur Führung einer doppelten Buchführung) entsteht grundsätzlich, wenn der Umsatz in zwei aufeinander folgenden Jahren 700.000 Euro überschreitet oder 1 Million Euro in einem Jahr (Grenze ab 2010). Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) sind unabhängig von der Höhe des Umsatzes buchführungspflichtig.
Für freie Berufe im Sinne des UGB (z.B. KünstlerInnen, SchriftstellerInnen) ist keine Buchführungspflicht vorgesehen (Die Pflicht zur Führung einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung besteht aber sehr wohl). Selbstverständlich können FreiberuflerInnen – wie alle anderen UnternehmerInnen, die nicht buchführungspflichtig sind – freiwillig Bücher führen.
Für UnternehmerInnen, die zwar Einkünfte aus selbstständiger Arbeit nach § 22 EStG erzielen, aber keine freien Berufe im Sinne des UGB ausüben (z.B. HausverwalterInnen), sind die Umsatz-Schwellenwerte des UGB hingegen anzuwenden. Ihr Überschreiten führt aber nicht zur Gewinnermittlung nach § 5 EStG, sondern nach § 4 Abs. 1 EStG.
Seit 2005 gilt bei der Kinderzuschlagstaffel zum Alleinverdiener- /Alleinerzieherabsetzbetrag bzw. bei der Zuverdienstgrenze beim Alleinverdienerabsetzbetrag Folgendes:
Alleinverdiener-/Alleinerzieherabsetzbetrag (jährlich)
ohne Kind: seit 2011 gestrichen
1 Kind: 494 Euro
2 Kinder: 669 Euro
3 Kinder: 889 Euro
für jedes weitere Kind: 220 Euro
jährliche Zuverdienstgrenze: 6.000 Euro
Unterhaltsabsetzbetrag (monatlich)
1. Kind: 29,20 Euro
2. Kind: 43,80 Euro
jedes weitere Kind: 58,40 Euro
Kinderabsetzbetrag (monatlich)
Pro Kind: 58,40 Euro. Jede Person, die für Kinder Familienbeihilfe bezieht, erhält zusätzlich den Kinderabsetzbetrag ausbezahlt. Die Auszahlung erfolgt automatisch gemeinsam mit der Familienbeihilfe. In der Steuererklärung ist der Kinderabsetzbetrag daher nicht geltend zu machen.
Mehrkindzuschlag (monatlich)
Für das dritte und jedes weitere Kind 20 Euro (abhängig vom Familienbeihilfenbezug). Das Vorjahreseinkommen des/r Anspruchsberechtigten und seines/ihres (Ehe)Partners darf maximal 55.000 Euro betragen. Die Absetzbeträge mindern die Steuer direkt. Wird keine Steuer gezahlt, wirken die Absetzbeträge als „Negativsteuer“, die bei der Veranlagung ausbezahlt wird. Voraussetzung dafür ist, dass mindestens ein Kind vorhanden ist, für das man den Kinderabsetzbetrag erhält.
Für Kinder, für die mehr als sechs Monate pro Kalenderjahr ein Kinderabsetzbetrag oder ein Unterhaltsabsetzbetrag zusteht, besteht seit der Veranlagung 2009 Anspruch auf Kinderfreibetrag. Er vermindert das steuerpflichtige Einkommen und wirkt sich daher nur in Höhe des jeweiligen Steuersatzes aus.
Der Kinderfreibetrag beträgt bis zur Veranlagung 2015
220 Euro jährlich, wenn er nur von einer Steuerpflichtigen/einem Steuerpflichtigen geltend gemacht wird.
132 Euro jährlich und pro Person, wenn er von zwei Steuerpflichtigen für dasselbe Kind geltend gemacht wird.
Der Kinderfreibetrag beträgt ab der Veranlagung 2016
440 Euro jährlich, wenn er nur von einer Steuerpflichtigen/einem Steuerpflichtigen geltend gemacht wird.
300 Euro pro Person, wenn er von zwei Steuerpflichtigen für dasselbe Kind geltend gemacht wird.
Freiberuflich tätige KünstlerInnen sind seit 2001 grundsätzlich als so genannte Neue Selbstständige bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) kranken- und pensionsversichert sowie bei der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) unfallversichert.
Bei Gewinnen ab 2016 besteht für KünstlerInnen bzw. Neue Selbstständige nur mehr eine Versicherungsgrenze, ab der eine Pflichtversicherung eintritt (zuvor gab es zwei Grenzen). Diese orientiert sich an der Geringfügigkeitsgrenze für unselbstständig Beschäftigte und beträgt 5.256,60 Euro jährlich (seit 1. Jänner 2018).
Anmerkung der Autorin: Angaben ohne Gewähr
Mag.a Monika Manzl
CTE (Certified Turnaround Expert)
CBT (Certified Business Trainer)
Manzl Consulting
monika.manzl(at)manzl-consulting.com
Detailliertere Infos zur Sozialversicherung für KünstlerInnen gibt es auf der Seite der IG Bildende Kunst.