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Timestamp: 2019-08-22 13:13:36
Document Index: 26868770

Matched Legal Cases: ['§ 91', '§ 91', '§ 48', '§ 98', '§ 36', '§ 91', '§ 433', '§ 435', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Kos­ten­fest­set­zung – und das Pri­vat­gut­ach­ten der Haft­pflicht­ver­si­che­rung | Rechtslupe
Kos­ten­fest­set­zung – und das Pri­vat­gut­ach­ten der Haft­pflicht­ver­si­che­rung
Der Gel­tend­ma­chung der für die Inan­spruch­nah­me eines Pri­vat­gut­ach­ters ange­fal­le­nen Kos­ten im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren steht nicht ent­ge­gen, dass die ent­spre­chen­den Auf­wen­dun­gen nicht von der Par­tei selbst, son­dern von einem hin­ter der Par­tei ste­hen­den (im Streit­fall: Haft­pflicht) Ver­si­che­rer getra­gen wur­den1.
Für Kos­ten, die mit der Beauf­tra­gung eines Rechts­an­walts ver­bun­den sind, ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs aner­kannt, dass ihrer Berück­sich­ti­gung im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht ent­ge­gen­steht, dass sie nicht bei der Par­tei selbst, son­dern bei ihrem Haft­pflicht­ver­si­che­rer ange­fal­len sind2. Vor­aus­set­zung für die Erstat­tungs­fä­hig­keit die­ser Kos­ten ist allein, dass sie zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung not­wen­dig waren. Davon ist aus­zu­ge­hen, wenn die Kos­ten dem Ver­si­che­rungs­neh­mer bei zweck­ent­spre­chen­der Rechts­ver­fol­gung bzw. ver­tei­di­gung – die Auf­wen­dun­gen des Ver­si­che­rers hin­weg­ge­dacht – in glei­chem Umfang ent­stan­den wären3. Ihre Recht­fer­ti­gung fin­det die­se Recht­spre­chung in der Erwä­gung, dass die Über­nah­me der Pro­zess­kos­ten, die Teil des ver­si­cher­ten Risi­kos sind, durch den Ver­si­che­rer allein dem Ver­si­che­rungs­neh­mer dient, nicht aber den Pro­zess­geg­ner des Ver­si­che­rungs­neh­mers von Kos­ten­ri­si­ken ent­las­ten soll4.
In Bezug auf die im hier ent­schie­de­nen Streit­fall in Rede ste­hen­den Kos­ten eines Pri­vat­gut­ach­ters gilt nichts ande­res. Auch deren Über­nah­me durch den Haft­pflicht­ver­si­che­rer dient nicht dem Zweck, den Pro­zess­geg­ner des Ver­si­che­rungs­neh­mers von Kos­ten­ri­si­ken zu ent­las­ten. Wären die ent­spre­chen­den Kos­ten nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen5 also im Rah­men des Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­rens erstat­tungs­fä­hig, wenn sie der Ver­si­che­rungs­neh­mer als Par­tei des Rechts­streits selbst auf­ge­wen­det hät­te, so spricht nichts dafür, sie anders als vom Ver­si­che­rer über­nom­me­ne Rechts­an­walts­kos­ten zu behan­deln und sie nur des­halb im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht für erstat­tungs­fä­hig zu hal­ten, weil sie nicht der Ver­si­che­rungs­neh­mer, son­dern sein Ver­si­che­rer getra­gen hat.
Dage­gen las­sen sich der abwei­chen­den Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Köln6)) kei­ne über­zeu­gen­den Grün­de ent­neh­men.
Dass „Gläu­bi­ger und Schuld­ner der Kos­ten­grund­ent­schei­dung„7 bzw. „Gläu­bi­ger und Schuld­ner des Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs„8 nach der Rege­lung der §§ 91 ff. ZPO nur die Par­tei­en des Rechts­streits, nicht aber Drit­te sein kön­nen, steht der Annah­me, dass grund­sätz­lich auch die vom Haft­pflicht­ver­si­che­rer für den Ver­si­che­rungs­neh­mer als Par­tei des Rechts­streits getra­ge­nen Pro­zess­kos­ten im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren erstat­tungs­fä­hig sein kön­nen, schon im Ansatz nicht ent­ge­gen. Denn letz­te­res bedeu­tet nicht, dass der am Pro­zess for­mell nicht betei­lig­te Ver­si­che­rer hin­sicht­lich des pro­zes­sua­len Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs aktiv­le­gi­ti­miert wäre oder gar die Fest­set­zung der ent­spre­chen­den Kos­ten in eige­nem Namen betrei­ben könn­te. Inha­ber des pro­zes­sua­len Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs und Betei­lig­te des Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren blei­ben viel­mehr auch inso­weit allein die Par­tei­en des Rechts­streits selbst. Betrof­fen ist ledig­lich der Inhalt des der einen Par­tei im Ver­hält­nis zur ande­ren zuste­hen­den Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs: Die­ser kann als grund­sätz­lich erstat­tungs­fä­hi­ge „Kos­ten des Rechts­streits” im Sin­ne des § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO eben nicht nur sol­che Kos­ten erfas­sen, die die Par­tei wirt­schaft­lich selbst zu tra­gen hat, son­dern auch sol­che, die wirt­schaft­lich nicht von ihr, son­dern auf­grund der zwi­schen ihr und dem Ver­si­che­rer bestehen­den geson­der­ten Rechts­be­zie­hung in die­sem Ver­hält­nis vom Ver­si­che­rer zu tra­gen sind.
Auch dass es sich bei der Kos­ten­fest­set­zung um ein Mas­sen­ver­fah­ren han­delt9, das einer zügi­gen und mög­lichst unkom­pli­zier­ten Abwick­lung bedarf, spricht – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Köln – nicht gegen die Annah­me, die Par­tei kön­ne von ihrem Ver­si­che­rer über­nom­me­ne Kos­ten als (eige­ne) Kos­ten des Rechts­streits im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren gel­tend machen. Dies folgt bereits dar­aus, dass die­ser Ansatz das Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht be, son­dern ent­las­tet: Der Rechts­pfle­ger muss gera­de nicht mehr prü­fen, ob die in Rede ste­hen­den Kos­ten wirt­schaft­lich von der Par­tei selbst oder von ihrem Ver­si­che­rer getra­gen wur­den bzw. wer­den.
Zuletzt lässt sich auch aus den vom Ober­lan­des­ge­richt Köln10 in Bezug genom­me­nen Ent­schei­dun­gen ins­be­son­de­re des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts11 und des Bun­des­ge­richts­hofs12 nichts für die von ihm ver­tre­te­ne Rechts­auf­fas­sung her­lei­ten. Ihnen kann nur ent­nom­men wer­den, dass im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht mehr als die tat­säch­lich ent­stan­de­nen Kos­ten erstat­tungs­fä­hig sind. Zur im Streit­fall ent­schei­den­den Fra­ge, ob eine Par­tei im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren auch die­je­ni­gen Kos­ten fest­set­zen las­sen kann, die zwar ent­stan­den sind, aber nicht von ihr selbst, son­dern von ihrem Haft­pflicht­ver­si­che­rer getra­gen wer­den, fin­det sich dort hin­ge­gen kei­ne Aus­sa­ge.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Okto­ber 2016 – VI ZB 8/​16
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Fort­füh­rung von BGH, Beschluss vom 13.09.2011 – VI ZB 42/​10, VersR 2011, 1584 Rn. 13↩
BGH, Beschluss vom 13.09.2011 – VI ZB 42/​10, VersR 2011, 1584 Rn. 13↩
vgl. OLGR Karls­ru­he 2002, 230, 231; OLG Mün­chen, MDR 1987, 148↩
vgl. hier­zu nur BGH, Beschlüs­se vom 26.02.2013 – VI ZB 59/​12, VersR 2013, 1194 Rn. 4 ff., mwN; vom 20.12 2011 – VI ZB 17/​11, VersR 2012, 920 Rn. 10 ff.↩
OLG Köln, Beschluss vom 11.01.2016 – 17 W 255/​16, zfs 2016, 288; OLG Köln, Jur­Bü­ro 2015, 32↩
so OLG Köln, zfs 2016, 288↩
so OLG Köln, Jur­Bü­ro 2015, 32, 33↩
vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 15.05.2014 – I ZB 71/​13, NJW 2015, 70 Rn. 13; vom 13.10.2011 – V ZB 290/​10, NJW 2012, 319 Rn. 7↩
vgl. OLG Köln, Jur­Bü­ro 2015, 32, 33↩
BVerfGE 62, 189, 192 ff.↩
BGH, Beschluss vom 17.07.2003 – I ZB 13/​03, NJW-RR 2003, 1507↩
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