Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20ZR%20241/85
Timestamp: 2019-08-24 05:48:12
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Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'BGH', '§ 1', 'BGH', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 32', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 276', '§ 164', '§ 164', 'BGH', 'Art. 32', 'Art. 32', 'Art. 32', 'Art. 40']

BGH, 09.10.1986 - II ZR 241/85 - dejure.org
https://dejure.org/1986,623
BGH, 09.10.1986 - II ZR 241/85 (https://dejure.org/1986,623)
BGH, Entscheidung vom 09.10.1986 - II ZR 241/85 (https://dejure.org/1986,623)
BGH, Entscheidung vom 09. Januar 1986 - II ZR 241/85 (https://dejure.org/1986,623)
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Voraussetzungen des Verschuldens bei Vertragsschluss - Internationale Zuständigkeit bei der Rückabwicklung eines Aktienkaufs - Geltung der deutschen Rechtsordnung, wenn der Schwerpunkt des Geschäfts in Deutschland liegt
Erhebliche Bedeutung des Verkäufersitzes für Schwerpunkt eines Kaufvertrages über Aktien eines belgischen Unternehmens
NJW 1987, 1141
ZIP 1987, 175
MDR 1987, 386
WM 1987, 77
JR 1987, 198
Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes ist das insbesondere dann der Fall, wenn er entweder ein wirtschaftliches Eigeninteresse an der Durchführung des Rechtsgeschäftes hat - das wird in Anlehnung an die Rechtsprechung des Reichsgerichts (RGZ 1210, 249, 252 f.) gelegentlich auch damit umschrieben, er müsse dem Vertragsgegenstand besonders nahestehen und bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise gleichsam in eigener Sache handeln - oder wenn er gegenüber dem Verhandlungspartner in besonderem Maße persönliches Vertrauen in Anspruch genommen und dadurch die Vertragsverhandlungen beeinflußt hat (vgl. u.a. BGHZ 56, 81, 83 ff.;… BGH, Urt. v. 23. Oktober 1985 - VIII ZR 210/84, ZIP 1986, 26; Urt. v. 9. Oktober 1986 - II ZR 241/85, ZIP 1987, 175, 176 f. = BGHR BGB vor § 1 - Verschulden bei Vertragsschluß, Sachwalterhaftung;… Urt. v. 9. Oktober 1987 - IX ZR 143/86, WM 1987, 1431, 1432;… Urt. v. 16. Oktober 1987 - V ZR 153/86, WM 1987, 1466;… Urt. v. 11. Oktober 1988 - X ZR 57/87, ZIP 1988, 1576 = BGHR BGB vor § 1, Verschulden bei Vertragsschluß - Vertreterhaftung 4;… Urt. v. 3. April 1990 - XI ZR 206/88, ZIP 1990, 659, 661 = BGHR BGB vor § 1, Verschulden bei Vertragsschluß - Vertreterhaftung 6).
Bei dieser Sachlage ist dann auch lediglich das Verhandlungsvertrauen enttäuscht worden, das im Verhältnis zwischen Vertragspartner und Gesellschaft besteht oder bestehen sollte (BGH, Urt. v. 9. Oktober 1986 - II ZR 241/85, aaO;… Urt. v. 3. Oktober 1987 - IX ZR 143/86, WM 1987, 1431, 1432;… Urt. v. 11. Oktober 1988 - X ZR 57/87, aaO;… Medicus, FS Steindorff, 1990, S. 725, 740;… Brandner, FS Werner, 1984, S. 53, 65).
Persönliches Vertrauen nimmt der Geschäftsführer nur dann in Anspruch, wenn er dem Verhandlungsgegner eine zusätzliche, von ihm persönlich ausgehende Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit seiner Erklärungen geboten hat, die für den Willensentschluß des anderen Teils bedeutsam gewesen ist (BGH, Urt. v. 9. Oktober 1986 - II ZR 241/85, aaO;… Urt. v. 8. Oktober 1987 - IX ZR 143/86, aaO;… Urt. v. 11. Oktober 1988 -X ZR 57/87, aaO;… Medicus, FS Steindorff, aaO; Steininger, Die Haftung des Geschäftsführers und/oder des Gesellschafter-Geschäftsführers aus culpa in contrahendo bei wirtschaftlicher Bedrängnis der Gesellschaft mbH, 1986, 87 ff.).
Auch in den Fällen der Täuschung durch aktives Handeln nimmt der Geschäftsführer persönliches Vertrauen nur dann in Anspruch, wenn er dem Verhandlungspartner eine zusätzliche, von ihm persönlich ausgehende Gewähr für die Richtigkeit seiner Erklärungen bietet, die für dessen Entscheidung bedeutsam geworden ist (vgl. Sen. Urt. v. 9. Oktober 1986 - II ZR 241/85, aaO;… BGH, Urt. v. 8. Oktober 1987 - IX ZR 143/86, aaO;… Medicus, FS Steindorff aaO;… Brandner, FS Werner aaO).
Dem ist jedoch entgegenzuhalten, daß auch der Sachwalter nur dann persönlich haftet, wenn er dem Verhandlungsgegner eine zusätzliche, von ihm persönlich ausgehende Gewähr für die Richtigkeit seiner Erklärungen geboten hat, die für den Willensentschluß des anderen Teils maßgebend gewesen ist (Sen. Urt. v. 9. Oktober 1986 - II ZR 241/85, aaO).
Diese Vorschriften sind sowohl maßgebend für den von der Klägerin in erster Linie verlangten Schadensersatz wegen Nichterfüllung einer vertraglichen Verpflichtung (Art. 32 Abs. 1 Nr. 3 EGBGB) als auch für die hilfsweise geltend gemachte Haftung aus culpa in contrahendo (BGH, Urteil vom 9. Oktober 1986 - II ZR 241/85, NJW 1987, 1141; differenzierend Dörner, JR 1987, 201, 202).
Denn auch dann unterliegt es revisionsrechtlicher Nachprüfung, ob das Gericht alle Umstände berücksichtigt hat, welche für die Bestimmung der engsten Verbindung von Bedeutung sein können (vgl. zu dem vor Inkrafttreten des Gesetzes zur Neuregelung des Internationalen Privatrechts vom 25. Juli 1986 (BGBl. I 1986, 1142) geltenden Recht BGH, Urteil vom 9. Oktober 1986 - II ZR 241/85, NJW 1987, 1141 unter I; BGHZ 44, 183, 186).
Die Verhandlungsführung ist zwar ein für die Eigenhaftung eines Gesellschafters/Geschäftsführers einer GmbH maßgeblicher Gesichtspunkt (…Senatsurteil vom 25. Januar 1984 aaO; BGH Urteil vom 9. Oktober 1986 - II ZR 241/85 = WM 1987, 77 unter II 1 b).
Voraussetzung ist, daß der Vertreter dem anderen Teil eine zusätzliche, gerade von ihm persönlich ausgehende Gewähr für die Seriosität und die Erfüllung des Geschäfts (BGHZ 56, 81, 84 f [BGH 05.04.1971 - VII ZR 163/69]; 87, 27, 33 [BGH 23.02.1983 - VIII ZR 325/81]; 88, 67, 69 f [BGH 04.07.1983 - II ZR 220/82];… Urteile vom 17. Juni 1991 a.a.O. unter 2 c undvom 8. Oktober 1987 - IX ZR 143/86, WM 1987, 1431 unter II 1) oder für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Erklärungen, die für den Willensentschluß des anderen Teils bedeutsam gewesen sind (BGH, Urteil vom 9. Oktober 1986 - II ZR 241/85, BGHR BGB vor § 1/Verschulden bei Vertragsschluß, Sachwalterhaftung 1;…Urteil vom 11. Oktober 1988 - X ZR 57/87, BGHR a.a.O. Vertreterhaftung 4;Urteil vom 1. Juli 1991 - II ZR 180/90, ZIP 1991, 1140 unter III 3 a), geboten oder wenn der Vertreter dem anderen Teil in zurechenbarer Weise den Eindruck vermittelt hat, er werde persönlich mit seiner Sachkunde die ordnungsgemäße Abwicklung des Geschäfts selbst dann gewährleisten, wenn der andere Teil dem Geschäftsherrn nicht oder nur wenig vertraut oder sein Verhandlungsvertrauen sich als nicht gerechtfertigt erweist (BGH, Urteile vom 3. Oktober 1989 - XI ZR 157/88, ZIP 1989, 1455 unter 2, undvom 3. April 1990 - XI ZR 206/88, ZIP 1990, 659 unter III 2 a).
Die Ausnahmefälle, in denen die Eigenhaftung des Vertreters eintreten kann, werden üblicherweise dahin umschrieben, daß der Vertreter ein besonderes wirtschaftliches Interesse am Abschluß des Vertrages oder daß er in besonderem Maße persönliches Vertrauen in Anspruch genommen hat (z.B. BGHZ 88, 67, 69 [BGH 04.07.1983 - II ZR 220/82] m. Anm. Brandes in LM § 276 Fa BG Nr. 78;… Urt. v. 17. Dezember 1984 - II ZR 314/82, WM 1985, 384; Urt. v. 9. Oktober 1986 - II ZR 241/85, WM 1987, 77 f.).
Im übrigen ist die höchstrichterliche Rechtsprechung im allgemeinen zurückhaltend, was dem Ausnahmecharakter Rechnung trägt (…Urt. v. 17. Dezember 1984 - II ZR 314/83, WM 1985, 384; Urt. v. 9. Oktober 1986 - II ZR 241/85, WM 1987, 77 f.;… Urt. v. 16. Oktober 1987 - V ZR 153/86, WM 1987, 1466;… Urt. v. 8. Oktober 1987 - IX ZR 143/86, WM 1987, 1431;… Urt. v. 11. Oktober 1988 - X ZR 75/87, LM § 164 BGB Nr. 61;… Urt. v. 3. April 1990 - XI ZR 206/88, LM § 164 Nr. 65;… Urt. v. 18. September 1990 - XI ZR 77/89, WM 1990, 2039).
Die Vereinbarung zur Rechtswahl (in den Anlageverträgen) gilt zwar auch für am Vertrag nicht beteiligte Dritte ( so für eine entsprechende Sachlage [Eigen- bzw. Sachwalterhaftung des Vertreters] BGH mit Urteil vom 9. Oktober 1986 - II ZR 241/85 - NJW 1987, 1141 f.;… vgl. auch Spellenberg in: Münchener Kommentar, BGB, 4. Aufl., Art. 32 EGBGB Rn. 60;… a.A Heldrich in: Palandt, BGB, 59. Aufl., Art. 32 EGBGB Rn. 8;… Hohloch in: Erman, BGB, 12. Aufl., Art. 32 EGBGB Rn. 21 (3);… v. Hoffmann in: Staudinger, BGB (2002), Vor Art. 40 EGBGB Rn. 14 ), jedoch nicht für einen selbstständig zwischen dem Dritten und dem Anleger im Inland geschlossenen Beratungsvertrag.