Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Probezeit_7AZR789-78.html
Timestamp: 2018-01-24 05:34:08
Document Index: 228266346

Matched Legal Cases: ['§ 620', '§ 620', '§ 620', '§ 620', '§ 620', '§ 620', '§ 620', '§ 620', '§ 620', '§ 620', '§ 620', '§ 620', '§ 620', '§ 620', '§ 620', '§ 91', '§ 97']

BAG, Urteil vom 30.09.1981, 7 AZR 789/78 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 30.09.1981, 7 AZR 789/78
Schlagworte: Probezeit, Befristung: Erprobung, Zeitvertrag, Befristung: Sachgrund
Aktenzeichen: 7 AZR 789/78
1. Die Befristung eines Arbeitsvertrages zum Zwecke der Erprobung des Arbeitnehmers ist nur dann ein sachlicher Grund, wenn dieser Zweck Vertragsinhalt geworden ist. Es genügt nicht, daß die Erprobung nur Motiv des Arbeitgebers ist, selbst wenn dies für den Arbeitnehmer erkennbar war.
2. Stehen der staatlichen Schulverwaltung vorübergehend freie Haushaltsmittel zur Vergütung von Lehrkräften zur Verfügung, so stellt dies keinen sachlichen Grund für die Befristung von Arbeitsverträgen dar, es sei denn, es steht bereits im Zeitpunkt des Vertragsschlusses fest, daß nach dem Ende der Befristung keine weiteren Mittel zur Verfügung stehen werden. Die Unsicherheit zukünftiger Finanzierung stellt keinen sachlichen Grund für eine Befristung dar (Fortführung von BAG AP Nr. 50 und 54 zu § 620 BGB Befristeter Arbeitsvertrag).
Vorinstanzen: Landesarbeitsgericht Bremen
4 Sa 153/77 Bre­men
30. Sep­tem­ber 1981
hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 30. Sep­tem­ber 1981 durch den Vor-sit­zen­den Rich­ter Bich­ler, die Rich­ter Dr. Jobs und Dr. Be­cker so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Holl­mann und Klee­schul­te für Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Bre­men vom 9. Mai 1978 - 4 Sa 153/77 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Be­klag­te trägt die Kos­ten der Re­vi­si­on und die durch die Er­le­di­gung des Kla­ge­an­tra­ges zu 2) ent­stan­de­nen Kos­ten.
Die am 14. März 1947 ge­bo­re­ne Kläge­rin hat am 14. Ok­to­ber 1972 die ers­te Staats­prüfung für das Lehr­amt an Volks­schu­len be­stan­den. In der Zeit vom 1. Fe­bru­ar 1975 bis zum 31. Ju­li 1976 war sie Re­fe­ren­da­rin im bre­mi­schen Schul­dienst und un­ter­rich­te­te zwölf Wo­chen­stun­den. Ihr zwei­tes Staats­ex­amen hat sie am 25. Ju­ni 1976 ab­ge­legt.
Am 31. Au­gust 1976 schlos­sen die Par­tei­en rück­wir­kend zum 16. Au­gust 1976 ei­nen Ar­beits­ver­trag, nach dem die Kläge­rin als Leh­re­rin im An­ge­stell­ten­verhält­nis beschäftigt wur­de. Er war be­fris­tet "für die Dau­er der Be­ur­lau­bung von Frau An­na N längs­tens bis zum 30. Ju­ni 1977".
In dem Ver­trag wa­ren für die Zeit bis zum 31. Ja­nu­ar 1977 20 Pflicht­wo­chen­stun­den und für die Zeit da­nach 14 Pflicht­wo­chen­stun­den vor­ge­se­hen. Die Be­klag­te bat die Kläge­rin mit Schrei­ben vom 25. Au­gust 1976, sich we­gen des be­ste­hen­den wei­te­ren Be­dar­fes mit ei­ner Erhöhung der Pflicht­stun­den ein­ver­stan­den zu erklären. Dem­ent­spre­chend wur­de die Pflicht­stun­den­zahl für die Zeit vom 23. Au­gust 1976 bis zum 30. Ju­ni 1977 auf 27 pro Wo­che erhöht.
Die Kläge­rin hat be­an­tragt fest­zu­stel­len, daß das Dienst­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en über den 30. Ju­ni 1977 hin­aus Be­stand hat und durch das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 29. April 1977 nicht zu dem ge­nann­ten Zeit­punkt be­en­det wird. Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Die Be­klag­te hält die Be­fris­tung sach­lich für ge­recht­fer­tigt. Sie sei zum ei­nen er­folgt, um der Kläge­rin die Chan­ce der Bewährung zu ge­ben, nach­dem sie während der Re­fe­ren­dar­zeit ge­gen ih­re be­am­ten­recht­li­chen Pflich­ten ver­s­toßen ha­be. Da­ne­ben hätten haus­halts­recht­li­che Ge­sichts­punk­te ei­ne Rol­le ge­spielt. Durch die Be­ur­lau­bung der Frau N sei­en Haus­halts­mit­tel frei ge­wor­den, die für ei­ne
be­fris­te­te Ein­stel­lung an­de­rer Lehr­kräfte hätten ge­nutzt wer­den können.
Ar­beits­ge­richt und Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­ben der Kla­ge statt­ge­ge­ben. We­gen des in den Vor­in­stan­zen mit ent­schie­de­nen Kla­ge­an­trags auf Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluß des Rechts­streits ha­ben in der Re­vi­sons­in­stanz bei­de Par­tei­en die Haupt­sa­che für er­le­digt erklärt. Im übri­gen ver­folgt die Be­klag­te ih­ren Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag mit der Re­vi­si­on wei­ter; die Kläge­rin bit­tet um Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on.
Die Re­vi­si­on ist nicht be­gründet.
1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat fest­ge­stellt, daß das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en über den 30. Ju­ni 1977 hin­aus fort­be­steht, weil es an ei­nem sach­li­chen Grund für die­se Be­fris­tung feh­le. Sie recht­fer­ti­ge sich we­der durch ei­nen vorüber­ge­hen­den Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften noch durch haus­halts­recht­li­che Erwägun­gen oder den Zweck der Er­pro­bung der Kläge­rin. Bei Ab­schluß des Ver­tra­ges vom 31. Au­gust 1976 ha­be nämlich fest­ge­stan­den, daß an der Schu­le ein Leh­rer­stun­den­be­darf be­stan­den ha­be, der un­abhängig ge­we­sen sei von der nicht an die­ser Schu­le täti­gen Leh­re­rin N . Da­mit ha­be die Be­fris­tung des Ver­tra­ges der Kläge­rin nur haus­halts­recht­li­che Gründe. Sch­ließlich könne die Be­fris­tung nicht mit dem Zweck der Er­pro­bung be­gründet wer­den. Denn die Be­klag­te hat­te die Ab­sicht, den Ver­trag (auch) zur Er­pro­bung ab­sch­ließen zu wol­len, in ir­gend­ei­ner Form deut­lich ma­chen müssen. Sch­ließlich könne da­hin­ge­stellt blei­ben, ob das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 29. April 1977 als Kündi­gung auf­zu­fas­sen sei. Die Kündi­gung sei je­den­falls we­gen feh­len­der Be­tei­li­gung des Per­so­nal­rats un­wirk­sam.
2. Da­mit ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend von der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. BAG [GS] 10, 65 [70 ff.] = AP Nr. 16 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag [zu C der Gründe]; BAG AP Nr. 40, 46, 50, 52, 54 und 56 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag, die Ent­schei­dun­gen AP Nr. 46, Nr. 50 und Nr. 56 sind auch zum Ab­druck in der Amt­li­chen Samm­lung des Ge­richts be­stimmt; vgl. zu­letzt Ur­tei­le des Se­nats vom 19. Au­gust 1981 - 7 AZR 252/79 und 7 AZR 280/79 bei­de zum Ab­druck in der Amt­li­chen Samm­lung des Ge­richts be­stimmt)
aus­ge­gan­gen, daß aus dem Grund­satz der Ver­trags­frei­heit und gemäß § 620 Abs. 1 BGB die Ver­ein­ba­rung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge zulässig ist. Ein schutz­wer­tes In­ter­es­se für ei­ne sol­che Ver­trags­ge­stal­tung entfällt nur dann, wenn die Be­fris­tung nicht durch sach­li­che Gründe ge­recht­fer­tigt ist. Die Be­fris­tung ist un­zulässig, wenn sie als recht­li­che Ge­stal­tungsmöglich­keit ob­jek­tiv funk­ti­ons­wid­rig ver­wen­det wird. Dies ist dann an­zu­neh­men, wenn der durch die Kündi­gungs­schutz­be­stim­mun­gen gewähr­leis­te­te Be­stands­schutz des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­ei­telt wird und dafür kein sach­li­cher Grund vor­liegt. Die be­fris­te­ten Verträge müssen al­so ih­re sach­li­che Recht­fer­ti­gung so in sich tra­gen, daß sie die Kündi­gungs­schutz­vor­schrif­ten nicht be­ein­träch­ti­gen.
Die sach­li­che Be­rech­ti­gung der Be­fris­tung muß darüber hin­aus auch hin­sicht­lich der Dau­er ge­ge­ben sein (BAG AP Nr. 40, 50 [Blatt 4], 52 [zu 2 der Gründe], 54 [zu I 4 der Gründe] und 56 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag). Die von den Par­tei­en ver­ein­bar­te Dau­er ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ist da­bei an den Sach­gründen für die Be­fris­tung zu ori­en­tie­ren. Es muß al­so im Ein­zel­fall be­reits bei Ab­schluß des je­wei­li­gen Ver­tra­ges er­sicht­lich sein, daß auch die gewähl­te Zeit­dau­er des Ver­tra­ges sach­lich ge­recht­fer­tigt ist. Da­bei ha­ben ge­ne­rel­le Merk­ma­le den Aus­gangs­punkt zu bil­den und zwar in der Wei­se, daß auf die Üblich­keit im Ar­beits­le­ben ab­zu­stel­len ist. Die Umstände des Ein­zel­fal­les ge­win­nen an Be­deu­tung, wenn die da­mit ver­bun­de­nen In­ter­es­sen ein sol­ches Ge­wicht ha­ben, daß es ge­bo­ten ist, sie vor den ge­ne­rel­len Umständen zu berück­sich­ti­gen. Lie­gen die ent­schei­den­den Umstände in der Zu­kunft, so ist die Fra­ge, wel­che Zeit­dau­er bei ei­nem der­ar­ti­gen Ar­beits­ver­trag zu wählen ist, von der Pro­gno­se des Ar­beit­ge­bers abhängig. Die­se gründet sich je­weils auf ei­ne von Fall zu Fall wech­seln­de Viel­zahl von Ele­men­ten und Be­wer­tun­gen, wo­bei es sich aber stets um ein pro­gnos­ti­sches Ur­teil über die Dau­er han­delt. Die Un­ge­wißheit je­der pro­gnos­ti­schen Be­wer­tung kann als sol­che nicht aus­rei­chen, ei­nen ei­ner ge­richt­li­chen Kon­trol­le nicht zugäng­li­chen Spiel­raum zu eröff­nen. Pro­gno­sen ent­hal­ten stets ein Wahr­schein­lich­keits­ur­teil, des­sen Grund­la­gen aus­ge­wie­sen wer­den müssen. Der Tat­sa­chen­rich­ter muß sich da­her an ei­ner sach­ge­rech­ten, ver­tret­ba­ren Be­ur­tei­lung des von den Par­tei­en vor­ge­tra­ge­nen Ma­te­ri­als
ori­en­tie­ren. Er muß die ihm vor­ge­tra­ge­nen Er­kennt­nis­quel­len ausschöpfen und die vor­aus­sicht­li­chen Aus­wir­kun­gen so zu­verlässig wie möglich abschätzen (vgl. BAG AP Nr. 50 [Blatt 4 R], 54 [zu I 4 der Gründe], 55 und 56 [zu IV 2 d der Gründe] zu § 620 BGB Bi7efristeter Ar­beits­ver­trag).
Da­mit wird klar­ge­stellt, daß die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nur dann zulässig ist, wenn nach den ob­wal­ten­den Umständen aus der Sicht verständi­ger Ver­trags­part­ner ein ar­beits­recht­lich be­acht­li­cher Sach­ver­halt als sach­li­cher Grund für ei­ne der­ar­ti­ge Ver­ein­ba­rung be­steht. Als sach­li­cher Grund kom­men nur sol­che ar­beits­recht­lich re­le­van­ten Gründe in Be­tracht, die im Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges vor­lie­gen (BAG AP Nr. 39 [zu I 2 a der Gründe], 50 [Blatt 3 R], 52 [zu 2 der Gründe], 54 [zu I 4 der Gründe] und 56 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag). Meh­re­re hin­ter­ein­an­der ge­schal­te­te Zeit­verträge dürfen auch hin­sicht­lich der Dau­er nicht als Ein­heit an­ge­se­hen wer­den. Viel­mehr muß der sach­li­che Grund für die Be­fris­tung und die Dau­er für je­den Ver­trag ge­ge­ben sein (BAG AP Nr. 54 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag; BAG Ur­teil vom 19. Au­gust 1981 - 7 AZR 252/79 - zum Ab­druck in der Amt­li­chen Samm­lung des Ge­richts be­stimmt; Jobs/Ba­der, Bei­la­ge Nr. 21 zu DB 1981 S. 3).
3. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die­se Rechts­grundsätze rechts­feh­ler­frei an­ge­wandt, wenn es zunächst da­von aus­geht, daß die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Kläge­rin nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt der Ver­tre­tung sach­lich ge­recht­fer­tigt ist. Ein Fall der Ver­tre­tung liegt vor, wenn ein Mit­ar­bei­ter zeit­wei­se ausfällt, sei es we­gen Krank­heit, Be­ur­lau­bung o.ä., und für die (vor­aus­sicht­li­che) Zeit­dau­er die­ses Aus­falls zur Wahr­neh­mung der ständig an­fal­len­den Auf­ga­ben die­ses Mit­ar­bei­ters vorüber­ge­hend ein Drit­ter ein­ge­stellt wird (vgl. da­zu auch Böhm/Spiertz, BAT, 2. Aufl., Anm. 8 zu SR 2 y). Denk­bar ist es auch, daß bei ei­nem der­ar­ti­gen Aus­fall ein an­de­rer Mit­ar­bei­ter die Auf­ga­ben des zeit­wei­lig Ver­hin­der­ten wahr­nimmt und für die Auf­ga­ben die­ses an­de­ren Mit­ar­bei­ters ein Ver­tre­ter ein­ge­setzt wird (Jobs/Ba­der, Bei­la­ge Nr. 21 zu DB 1981 S. 4).
Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind im vor­lie­gen­den Fall nicht er-füllt. Die Tätig­keit der Kläge­rin stand nach dem übe­rein­stim-
men­den Vor­trag der Par­tei­en in kei­ner Be­zie­hung zu den von der be­ur­laub­ten Frau N vor ih­rer Be­ur­lau­bung wahr­ge­nom­me­nen Auf­ga­ben. Da­von geht auch die Re­vi­si­on aus.
4. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Kläge­rin zu­tref­fend auch nicht aus haus­halts­recht­li­chen Erwägun­gen als sach­lich ge­recht­fer­tigt an­ge­se­hen.
Haus­halts­recht­li­che Erwägun­gen sind kein sach­li­cher Grund für die Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen, wenn sie auf die Be­gren­zung des Haus­hal­tes durch das Haus­halts­jahr ab­he­ben, wenn ei­ne all­ge­mei­ne Mit­telkürzung zu er­war­ten ist oder wenn all­ge­mei­ne Ein­spa­run­gen haus­halts­recht­lich an­ge­ord­net wer­den. Nur wenn Haus­halts­mit­tel von vorn­her­ein für ei­ne ge­nau be­stimm­te Zeit be­wil­ligt wer­den und an­sch­ließend in Fort­fall kom­men, liegt ein sach­li­cher Grund für ei­ne Be­fris­tung vor (BAG AP Nr. 50 u. Nr. 52 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag). Dies gilt auch im Schul­be­reich. Wenn die Be­klag­te in­fol­ge von Be­ur­lau­bun­gen vorüber­ge­hend freie Haus­halts­mit­tel da­zu ver­wen­det, be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se ab­zu­sch­ließen, so ist dies nur dann sach­lich ge­recht­fer­tigt, wenn im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses ab­seh­bar ist, daß nach ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt kei­ne an­de­ren frei­en Mit­tel zur wei­te­ren Fi­nan­zie­rung des Ein­sat­zes des zusätz­lich ein­ge­stell­ten Mit­ar­bei­ters zur Verfügung ste­hen wer­den. Al­lein die bloße Un­si­cher­heit, ob ent­spre­chen­de Mit­tel für die Be­zah­lung ei­ner Ar­beits­kraft in Zu­kunft zur Verfügung ste­hen wer­den, ver­mag im öffent­li­chen Dienst wie in der Pri­vat­wirt­schaft ei­ne Be­fris­tung nicht zu be­gründen.
Im vor­lie­gen­den Fall kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, daß es bei Ver­trags­schluß im Au­gust 1976 ab­seh­bar ge­we­sen Wäre, die wei­te­re Fi­nan­zie­rung der Ar­beits­leis­tung der Kläge­rin über den 30. Ju­ni 1977 hin­aus wer­de nicht möglich sein. Hierfür er­gibt der Vor­trag bei­der Par­tei­en nichts. Im Ge­gen­teil spricht der Vor­trag der Be­klag­ten, die ge­genüber dem Ver­trag vom 30. Au­gust 1976 zusätz­li­chen 13 Wo­chen­stun­den würden aus an­de­ren
Mit­teln auf­ge­stockt, dafür, daß zusätz­li­che freie ein­setz­ba­re Mit­tel zur Verfügung stan­den und auch über den 30. Ju­ni 1977 hin­aus zur Verfügung ste­hen würden.
5. Sch­ließlich läßt sich die Be­fris­tung nicht mit dem Zweck der Er­pro­bung der Kläge­rin recht­fer­ti­gen.
Es er­scheint nicht als grundsätz­lich aus­ge­schlos­sen, an die Re­fe­ren­dar­zeit ein be­fris­te­tes Pro­be­ar­beits­verhält­nis an­zu­sch­ließen, wie auch Be­am­te nach der Re­fe­ren­dar­zeit zunächst noch ei­ne Zeit der Er­pro­bung durch­lau­fen müssen. Doch fehlt es hier an der Ver­ein­ba­rung, daß das be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis auch zur Pro­be ab­ge­schlos­sen wor­den ist. Es genügt nicht, daß die Er­pro­bung, wenn auch für den Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar, nur Mo­tiv des Ar­beit­ge­bers für die Be­fris­tung ist; die­ser Be­fris­tungs­zweck muß auch In­halt des Ver­tra­ges wer­den (vgl. da­zu BAG AP Nr. 56 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag [zu IV 3 b der Gründe]; BAG Ur­teil vom 30. Sep­tem­ber 1981 - 7 AZR 443/79 -, [zu II 2 der Gründe]).
Die Be­klag­te hat nicht aus­rei­chend dar­ge­legt, daß die Be­fris­tung (auch) zum Zwe­cke der Er­pro­bung der Kläge­rin er­folgt ist. Sie hat le­dig­lich vor­ge­tra­gen, daß der Kläge­rin im Rah­men ei­nes Gespräches vom 11. Au­gust 1976 mit den Zeu­gen M und P un­mißverständ­lich ver­deut­licht wor­den sei, die be­fris­te­te Ein­stel­lung er­fol­ge in ers­ter Li­nie, um ihr die Chan­ce der Bewährung zu ge­ben. Die­ser Vor­trag ist aber nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert. Aus ihm wird nicht deut­lich, daß der Zweck der Er­pro­bung, der im schrift­li­chen Ver­trag nicht erwähnt ist, auf­grund münd­li­cher Ver­ein­ba­rung tatsächlich Ver­trags­in­halt ge­wor­den wäre.
6. Das man­gels wirk­sa­mer Be­fris­tung über den 30. Ju­ni 1977 hin­aus fort­be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis ist auch nicht durch das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 29. April 1977 be­en­det wor­den, wie vom Lan­des­ar­beits­ge­richt durch Be­zug­nah­me auf das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts im Er­geb­nis zu­tref­fend gewürdigt.
Ein sol­ches Schrei­ben, mit dem sich die Be­klag­te, oh­ne daß zu­vor Streit zwi­schen den Par­tei­en über die Wirk­sam­keit
der Kündi­gung be­stan­den hätte, le­dig­lich auf die von ihr für wirk­sam ge­hal­te­ne Be­fris­tung be­rief, kann nicht als Kündi­gung ge­wer­tet wer­den (BAG AP Nr. 43 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag [zu IV der Gründe]; BAG AP Nr. 45 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag [zu II 1 der Gründe]; BAG AP Nr. 47 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag [zu 4 b der Gründe]; BAG AP Nr. 49 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag [zu II 2 a der Gründe]; 13AG AP Nr. 54 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag [zu I 1 der Gründe]).
7. Nach al­lem be­steht das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin un­be­fris­tet über den 30. Ju­ni 1977 hin­aus fort. So­weit die Par­tei­en übe­rein­stim­mend die Kla­ge hin­sicht­lich des Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruchs für er­le­digt erklärt ha­ben, folgt die Kos­ten­ent­schei­dung aus § 91 a, im übri­gen aus § 97 ZPO.
Holl­mann
Klee­schul­te
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