Source: http://www.hensche.de/Arbeitslosengeld_Elternzeit_Fiktive_erechung_Arbeitslosendgeld_nach_Elternzeit_verfassungsgemaess_BSG_B11aAL23-07R_u.html
Timestamp: 2019-01-16 10:05:08
Document Index: 328449360

Matched Legal Cases: ['Art 3', '§ 117', '§ 163', '§ 118', '§ 118', '§ 118', '§ 123', '§ 434', '§ 123', '§ 124', '§ 124', '§ 147', '§ 434', '§ 124', '§ 124', '§ 25', '§ 123', '§ 339', '§ 107', '§ 123', '§ 427', '§ 24', '§ 26', '§ 26', '§ 147', '§ 123', '§ 129', '§ 32', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 132', '§ 434', '§ 130', '§ 25', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 112', '§ 131', '§ 131', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 132', '§ 131', '§ 130', '§ 26', '§ 131', 'Art 1', '§ 133', '§ 133', '§ 130', '§ 112', '§ 112', '§ 11', '§ 130', '§ 133', '§ 416', '§ 133', '§ 130', '§ 416', '§ 131', '§ 133', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 132', '§ 416', '§ 133', '§ 133', '§ 133', '§ 130', '§ 130', '§ 133', '§ 132', '§ 132', '§ 18', '§ 17', '§ 2', '§ 132', '§ 133', '§ 129', '§ 129', 'Art 6', 'Art 6', 'Art 6', 'Art 6', 'Art 6', '§ 147', '§ 147', 'Art 3', 'Art 3', 'Art 3', 'Art 6', '§ 111', '§ 124', '§ 130', '§ 111', '§ 111', '§ 112', '§ 112', '§ 112', '§ 111', '§ 112', '§ 133', '§ 112', '§ 132', '§ 26', 'Art 6', '§ 124', '§ 147', 'Art 6', '§ 124', '§ 26', 'Art 4', 'EuG', 'Art 4', 'Art 4', 'Art 4', 'Art 4', '§ 132', '§ 132', '§ 133', '§ 132', 'Art 3', '§ 132', '§ 4', '§ 3', '§ 256', '§ 132', '§ 132', 'Art 3', '§ 132']

BSG, Urteil vom 29.05.2008, B 11a AL 23/07 R - HENSCHE Arbeitsrecht
BSG, Ur­teil vom 29.05.2008, B 11a AL 23/07 R
Schlagworte: Arbeitslosengeld, Elternzeit
Aktenzeichen: B 11a AL 23/07 R
Entscheidungsdatum: 29.05.2008
Vorinstanzen: Sozialgericht Dortmund, Urteil vom 27.06.2006, S 31 AL 236/05
Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 21.03.2007, L 12 AL 113/06
Nachgehend Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 11.03.2010, 1 BvR 2909/08, Nichtannahmebeschluss
Az: B 11a AL 23/07 R
L 12 AL 113/06 (LSG Nord­rhein-West­fa­len)
S 31 AL 236/05 (SG Dort­mund)
Kläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,
Der 11a. Se­nat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 29. Mai 2008 durch den Rich­ter Dr. V o e l z k e als Vor­sit­zen­den, den Rich­ter Dr. L e i t h e r e r und die Rich­te­rin Dr. R o o s so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter W i n n e f e l d und R a d e m a c h e r für Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len vom 21. März 2007 wird zurück­ge­wie­sen.
Außer­ge­richt­li­che Kos­ten sind auch im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren nicht zu er­stat­ten.
Strei­tig ist die Höhe von Ar­beits­lo­sen­geld (Alg).
Die Kläge­rin ist Kauf­frau im Groß- und Außen­han­del und war bis zum 23. Ja­nu­ar 2002 zu­letzt als Dis­po­nen­tin im Kun­den­dienst beschäftigt. Vom 24. Ja­nu­ar 2002 bis zum 24. Ja­nu­ar 2005 war sie we­gen der Ge­burt ih­res Kin­des am 25. Ja­nu­ar 2002 zunächst in Mut­ter­schutz und an­sch­ließend in Er­zie­hungs­ur­laub. Am 25. Ja­nu­ar 2005 wur­de ihr aus be­triebs­be­ding­ten Gründen un­ter Frei­stel­lung von der Ar­beits­leis­tung so­wie un­ter Fort­zah­lung ei­nes mo­nat­li­chen Ar­beits­ent­gelts von 2.324 € mit Wir­kung zum 31. März 2005 gekündigt. Dar­auf­hin mel­de­te sich die Kläge­rin am 27. Ja­nu­ar 2005 zum 1. April 2005 ar­beits­los.
Die Be­klag­te be­wil­lig­te ab 1. April 2005 für 360 Ka­len­der­ta­ge Alg in Höhe von 21,69 € täglich (Be­scheid vom 19. April 2005). Hier­bei ging sie von ei­nem nach der be­ruf­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on der Kläge­rin fest­ge­leg­ten fik­ti­ven Ar­beits­ent­gelt von 64,40 € aus, weil in­ner­halb von zwei Jah­ren vor An­spruchs­be­ginn nicht min­des­tens 150 Ta­ge mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt fest­stell­bar sei­en. Den Wi­der­spruch, mit dem die Kläge­rin die Berück­sich­ti­gung des in den letz­ten zwölf Mo­na­ten ih­rer Be­rufstätig­keit er­ziel­ten Ge­halts als Be­mes­sungs­ent­gelt ver­lang­te, wies die Be­klag­te mit Wi­der­spruchs­be­scheid vom 19. Mai 2005 zurück.
Kla­ge und Be­ru­fung blie­ben oh­ne Er­folg (Ur­teil des So­zi­al­ge­richts Dort­mund vom 27. Ju­ni 2006; Ur­teil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len <LSG> vom 21. März 2007). Das LSG hat zur Be­gründung im We­sent­li­chen aus­geführt: Der Kläge­rin ste­he kein höhe­res Alg zu. Die Ent­schei­dung der Be­klag­ten stim­me mit dem seit 1. Ja­nu­ar 2005 gel­ten­den Be­mes­sungs­recht des So­zi­al­ge­setz­buchs Drit­tes Buch (SGB III) übe­rein. Ins­be­son­de­re sei die Be­klag­te zu Recht von ei­nem fik­ti­ven Ar­beits­ent­gelt aus­ge­gan­gen, weil bei der Kläge­rin auch in ei­nem auf zwei Jah­re er­wei­ter­ten Be­mes­sungs­rah­men kein Be­mes­sungs­zeit­raum von min­des­tens 150 Ta­gen mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt fest­stell­bar sei. Ei­ne Verlänge­rung, Ver­schie­bung oder Tei­lung des Be­mes­sungs­rah­mens we­gen der Mut­ter­schutz- bzw Er­zie­hungs­zei­ten kom­me we­der nach dem Wort­laut des Ge­set­zes noch nach Sinn und Zweck des Be­mes­sungs­rechts, dem Lohn­er­satz­cha­rak­ter des Alg Rech­nung zu tra­gen, in Be­tracht. Die­ses Er­geb­nis be­geg­ne auch kei­nen durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken, weil der Ge­setz­ge­ber nicht ge­hal­ten sei, je­de mit der Mut­ter­schaft zu­sam­menhängen­de wirt­schaft­li­che Be­las­tung aus­zu­glei­chen. Fer­ner sei die Be­klag­te zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass die Kläge­rin für ei­ne Beschäfti­gung in Fra­ge kom­me, für die ei­ne ab­ge­schlos­se­ne Aus­bil­dung in ei­nem Aus­bil­dungs­be­ruf er­for­der­lich sei, und ha­be ein die­ser Qua­li­fi­ka­ti­on ent­spre­chen­des fik­ti­ves Ar­beits­ent­gelt zu Grun­de ge­legt. Der Se­nat könne sich schließlich nicht da­von über­zeu­gen, dass die den Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pen zu­ge­ord­ne­ten fik­ti­ven Ent­gel­te ver­fas­sungs­wid­rig sei­en. Viel­mehr könne da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass der
Ge­setz­ge­ber in aus­rei­chen­dem Maße Er­fah­rungs­wer­te zu Grun­de ge­legt und den ihm zu­zu­bil­li­gen­den Einschätzungs­spiel­raum da­her nicht über­schrit­ten ha­be.
Mit der vom LSG zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ihr Be­geh­ren wei­ter, höhe­res Alg un­ter Berück­sich­ti­gung ih­res Ar­beits­ent­gelts vor der Mut­ter­schafts- und Er­zie­hungs­zeit zu er-hal­ten. Zur Be­gründung macht sie ins­be­son­de­re gel­tend, dass der während ih­res Er­zie­hungs­ur­laubs auf zwei Jah­re verkürz­te Be­mes­sungs­rah­men be­son­ders Mütter nach der Zurück­le­gung von Mut­ter­schutz­fris­ten und der In­an­spruch­nah­me von El­tern­zeit be­nach­tei­li­ge, weil sie die Vor­aus­set­zung von 150 Ta­gen mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt nicht erfüllen könn­ten und weil bei der fik­ti­ven Be­mes­sung nur die ein­mal er­wor­be­ne Qua­li­fi­ka­ti­on berück­sich­tigt wer­de, nicht aber ein be­ruf­li­cher Auf­stieg vor der Mut­ter­schaft. Un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen bie­te die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung kei­nen äqui­va­len­ten Schutz mehr, weil das fik­ti­ve Ar­beits­ent­gelt in den sel­tens­ten Fällen die Höhe des vor der Ar­beits­lo­sig­keit er­ziel­ten Ent­gelts er­rei­che. Im Hin­blick auf Art 3, 6 und 14 des Grund­ge­set­zes (GG) zu be­an­stan­den sei auch die nicht plau­si­ble und im Re­gel­fall zu ei­ner deut­li­chen Re­du­zie­rung der Leis­tungs­ansprüche führen­de Fest­set­zung der den ein­zel­nen Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pen pau­schal zu­ge­ord­ne­ten fik­ti­ven Ent­gel­te, die deut­lich un­ter den tatsächli­chen Durch­schnitts­gehältern der je­wei­li­gen Grup­pe lägen. Das seit 1. Ja­nu­ar 2005 gel­ten­de Be­mes­sungs­recht führe schließlich zu ei­ner nach dem Ge­mein­schafts­recht un­zulässi­gen mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en, weil nach wie vor we­sent­lich mehr Frau­en als Männer El­tern­zeit für die Kin­der­er­zie­hung in An­spruch nähmen und im Fal­le an­sch­ließen­der Ar­beits­lo­sig­keit bei der Be­rech­nung des Alg oh­ne sach­li­chen Grund be­nach­tei­ligt würden.
Die Kläge­rin be­an­tragt ,
die Ur­tei­le der Vor­in­stan­zen auf­zu­he­ben und die Be­klag­te un­ter Abände­rung des Be­scheids vom 19. April 2005 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 19. Mai 2005 zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin höhe­res Ar­beits­lo­sen­geld un­ter Berück­sich­ti­gung des Ar­beits­ent­gelts vor ih­ren Mut­ter­schafts- und Er­zie­hungs­zei­ten zu gewähren.
die Re­vi­si­on der Kläge­rin zurück­zu­wei­sen.
Die Be­klag­te ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil.
Die Re­vi­si­on ist statt­haft und auch im Übri­gen zulässig, bleibt aber in der Sa­che oh­ne Er­folg.
Denn die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch auf höhe­res Alg ab 1. April 2005.
Der an­ge­foch­te­ne Be­wil­li­gungs­be­scheid vom 19. April 2005 in der Fas­sung durch den Wi­der­spruchs­be­scheid vom 19. Mai 2005 ver­letzt die Kläge­rin nicht in ih­ren Rech­ten. Die ihm zu Grun­de lie­gen­de Rechts­an­wen­dung der Be­klag­ten ist im Hin­blick auf die bekämpf­te Höhe der Leis­tung we­der ein­fach­recht­lich noch ver­fas­sungs- oder ge­mein­schafts­recht­lich zu be­an­stan­den.
1.a) Zu den Vor­aus­set­zun­gen ei­nes An­spruchs auf Alg dem Grun­de nach (§§ 117 Abs 1 Nr 1, 118 SGB III), oh­ne de­ren Vor­lie­gen auch ei­ne Kla­ge auf höhe­re Leis­tun­gen kei­nen Er­folg ha­ben kann, hat das LSG bin­dend fest­ge­stellt (§ 163 So­zi­al­ge­richts­ge­setz <SGG>), dass sich die Kläge­rin am 27. Ja­nu­ar 2005 mit Wir­kung zum 1. April 2005 bei der Agen­tur für Ar­beit ar­beits­los ge­mel­det hat, so­dass in­so­weit die­se An­spruchs­vor­aus­set­zung erfüllt ist (§§ 118 Abs 1 Nr 2 und Abs 2, 122 Abs 1 SGB III). Fer­ner er­gibt sich aus den Fest­stel­lun­gen, dass sie ab 1. April 2005 auch ar­beits­los im Sin­ne der §§ 118 Abs 1 Nr 1, 119 bis 121 SGB III war.
Sch­ließlich be­ste­hen auch kei­ne Be­den­ken ge­gen die An­nah­me, dass die Kläge­rin die An­wart­schafts­zeit erfüllt hat­te (§ 118 Abs 1 Nr 3 SGB III). Die Ein­zel­hei­ten hier­zu sind den §§ 123, 124 SGB III in der bis zum 31. De­zem­ber 2003 gel­ten­den Fas­sung (aF) zu ent­neh­men, die nach der durch das Drit­te Ge­setz für mo­der­ne Dienst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt vom 23. De­zem­ber 2003 (BGBl I 2848) ein­gefügten Über­g­angs­re­ge­lung in § 434j Abs 3 SGB III wei­ter an­zu­wen­den ist, wenn der An­spruch auf Alg bis zum 31. Ja­nu­ar 2006 ent­stan­den ist.
Die An­wart­schafts­zeit hat - so­weit hier von Be­deu­tung - erfüllt, wer in der Rah­men­frist min­des­tens zwölf Mo­na­te in ei­nem Ver­si­che­rungs­pflicht­verhält­nis ge­stan­den hat (§ 123 Satz 1 Nr 1 SGB III aF). Nach § 124 Abs 1 SGB III aF beträgt die Rah­men­frist drei Jah­re und be­ginnt mit dem Tag vor der Erfüllung al­ler sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen für den An­spruch auf Alg. Da sich die Kläge­rin zum 1. April 2005 ar­beits­los ge­mel­det hat und sie seit die­sem Tag ar­beits­los im Sin­ne der ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen war, be­gann die (re­guläre) Rah­men­frist von drei Jah­ren am 31. März 2005 und reich­te bis zum 1. April 2002 zurück. Nach den Umständen des Fal­les ist al­ler­dings von ei­ner verlänger­ten Rah­men­frist aus­zu­ge­hen, weil die Kläge­rin ei­ne Kin­der­er­zie­hungs­zeit vor dem 1. Ja­nu­ar 2003 vor­zu­wei­sen hat. § 124 Abs 3 Satz 1 Nr 2 SGB III in der bis zum 31. De­zem­ber 2002 gel­ten­den Fas­sung (aF) be­stimmt in­so­weit, dass Zei­ten der Be­treu­ung und Er­zie­hung ei­nes Kin­des des Ar­beits­lo­sen, in de­nen das Kind das drit­te Le­bens­jahr noch nicht voll­endet hat, nicht in die Rah­men­frist ein­ge­rech­net wer­den. Das be­wirk­te ei­ne Verlänge­rung der Rah­men­frist um die berück­sich­ti­gungsfähi­gen Zei­ten der Be­treu­ung und Er­zie­hung ei­nes Kin­des (vgl Se­nats­ur­teil vom 19. Ja­nu­ar 2005, B 11a/11 AL 35/04 R = SozR 4-4300 § 147 Nr 3 Rd­Nr 19). Nach der mit dem Job-AQTIV-Ge­setz vom 10. De­zem­ber 2001 (BGBl I 3443) ein­gefügten Über­g­angs­re­ge­lung in § 434d Abs 2 SGB III ist § 124 Abs 3 Satz 1 Nr 2 SGB III aF für Zei­ten der Be­treu­ung und Er­zie­hung ei­nes Kin­des vor dem 1. Ja­nu­ar 2003 wei­ter­hin an­zu­wen­den.
Da die re­guläre Rah­men­frist im vor­lie­gen­den Fall bis zum 1. April 2002 zurück­reicht, um­fasst sie 275 Ka­len­der­ta­ge (1. April bis 31. De­zem­ber 2002) in der Zeit vor dem 1. Ja­nu­ar 2003. Der­sel­be Zeit­raum ist durch­ge­hend mit ei­ner Er­zie­hungs­zeit iS des § 124 Abs 3 Satz 1 Nr 2 SGB III aF be­legt. Denn nach den Fest­stel­lun­gen wur­de das Kind der Kläge­rin am 25. Ja­nu­ar 2002 ge­bo­ren, so­dass im Sin­ne der ge­nann­ten Vor­schrift (ins­ge­samt) ei­ne Er­zie­hungs­zeit vom 25. Ja­nu­ar 2002 bis zum 24. Ja­nu­ar 2005 (dem Tag vor der Voll­endung des drit­ten Le­bens­jahrs) vor­liegt, die ua die 275 Ka­len­der­ta­ge des vor dem 1. Ja­nu­ar 2003 lie­gen­den Teils der re­gelmäßigen Rah­men­frist um­fasst. Die Rah­men­frist verlängert sich da­her in der Wei­se, dass sie 275 Ta­ge vor dem Be­ginn des nicht ein­zu­rech­nen­den Teils der Er­zie­hungs­zeit (25. Ja­nu­ar 2002 bis 31. De­zem­ber 2002) en­det, mit­hin am 25. April 2001.
Auf Grund der vor der Er­zie­hungs­zeit aus­geübten ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäfti­gung hat die Kläge­rin in der verlänger­ten Rah­men­frist 269 Ka­len­der­ta­ge (25. April 2001 bis 23. Ja­nu­ar 2002) ei­nes Ver­si­che­rungs­pflicht­verhält­nis­ses als Beschäftig­te (§ 25 SGB III) auf­zu­wei­sen. Außer­dem war die Kläge­rin auch in der Zeit vom 25. Ja­nu­ar 2005 bis 31. März 2005, in der sie nach "be­triebs­be­ding­ter" Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses von der Ar­beit frei­ge­stellt war, noch ein­mal für 66 Ka­len­der­ta­ge ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäftigt. Denn es ist trotz der Frei­stel­lung der Kläge­rin von der Ar­beits­leis­tung nicht zwei­fel­haft, dass auf Grund der Zah­lung von Ar­beits­ent­gelt für die­sen Zeit­raum und des recht­li­chen Be­stands des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum 31. März 2005 - un­abhängig da­von, ob es sich um ei­ne wi­der­ruf­li­che oder un­wi­der­ruf­li­che Frei­stel­lung han­del­te - auch das ver­si­che­rungs­recht­li­che Beschäfti­gungs­verhält­nis für den ge­nann­ten Zeit­raum fort­be­stand (zur un­ter­schied­li­chen Be­hand­lung von Frei­stel­lungs­pha­sen beim leis­tungs- und ver­si­che­rungs­recht­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis vgl Schle­gel, NZA 2005, 972 ff; Voelz­ke in Per­so­nal­recht im Wan­del, FS für Kütt­ner, 2006, 345 ff, je­weils mwN). Die von § 123 Satz 1 Nr 1 SGB III aF ge­for­der­te Ver­si­che­rungs­pflicht von min­des­tens zwölf Mo­na­ten in­ner­halb der Rah­men­frist ist da­mit aber noch nicht er­reicht, denn dafür ist ein we­nigs­tens 360 Ka­len­der­ta­ge um­fas­sen­der Zeit­raum er­for­der­lich (§ 339 Satz 2 SGB III).
Ob die Kläge­rin im An­schluss an die bis zum 23. Ja­nu­ar 2002 aus­geübte Beschäfti­gung ei­ne Ver­si­che­rungs­zeit we­gen des Be­zugs von Mut­ter­schafts­geld in ent­spre­chen­der An­wen­dung des § 107 Satz 1 Nr 5 Buchst b Ar­beitsförde­rungs­ge­setz (AFG) in der bis zum 31. De­zem­ber 1997 gel­ten­den Fas­sung vor­zu­wei­sen hat (vgl da­zu BVerfGE 115, 259 = SozR 4-4300 § 123 Nr 3 und den in Re­ak­ti­on auf die­se Ent­schei­dung durch das Ge­setz zur Ver­bes­se­rung der Beschäfti­gungs­chan­cen älte­rer Men­schen vom 19. April 2007 <VBäMG, BGBl I 538> mit Wir­kung ab 1. Mai 2007 ein­gefügten § 427a SGB III), hat das LSG nicht fest­ge­stellt. Das kann aber da­hin­ste­hen, weil die Kläge­rin während der Er­zie­hung ih­res Kin­des ab 1. Ja­nu­ar 2003 bis zum 24. Ja­nu­ar 2005 in ei­nem Ver­si­che­rungs­pflicht­verhält­nis aus sons­ti­gen Gründen ge­stan­den hat (§ 24 Abs 1 iVm § 26 SGB III). Nach § 26 Abs 2a SGB III, der mit Wir­kung ab 1. Ja­nu­ar 2003 durch das Job-AQTIV-Ge­setz vom 10. De­zem­ber 2001 (BGBl I 3443) ein­gefügt wor­den ist, sind ver­si­che­rungs­pflich­tig Per­so­nen in der Zeit der Er­zie­hung ei­nes ei­ge­nen Kin­des, das das drit­te Le­bens­jahr noch nicht voll­endet hat, wenn sie un­mit­tel­bar vor der Kin­der­er­zie­hung ver-
si­che­rungs­pflich­tig wa­ren. Die­se Merk­ma­le tref­fen nach den vom LSG ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen auf die Kläge­rin zu. Dar­aus folgt, dass die Kläge­rin während des ab 1. Ja­nu­ar 2003 noch zurück­ge­leg­ten Teils der Er­zie­hungs­zeit (vgl BSG SozR 4-4300 § 147 Nr 3) ver-si­che­rungs­pflich­tig war. Da die (rest­li­che) Er­zie­hungs­zeit vom 1. Ja­nu­ar 2003 bis zum 24. Ja­nu­ar 2005 der Ver­si­che­rungs­pflicht un­ter­lag, kann die An­wart­schafts­zeit gemäß § 123 Satz 1 Nr 1 SGB III aF als erfüllt an­ge­se­hen wer­den.
b) Be­steht da­nach ein An­spruch auf Alg dem Grun­de nach für die Zeit ab 1. April 2005, so gilt für die Höhe der Leis­tung Fol­gen­des:
Nach § 129 Nr 1 SGB III (hier an­wend­bar in der seit 1. Au­gust 2001 gel­ten­den Fas­sung durch das Ge­setz über die Ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft vom 16. Fe­bru­ar 2001, BGBl I 266) beträgt das Alg für Ar­beits­lo­se, die - wie die Kläge­rin - min­des­tens ein Kind im Sin­ne des § 32 Abs 1, 3 bis 5 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes ha­ben, 67 % (erhöhter Leis­tungs­satz) des pau­scha­lier­ten Net­to­ent­gelts (Leis­tungs­ent­gelt), das sich aus dem Brut­to­ent­gelt er­gibt, das der Ar­beits­lo­se im Be­mes­sungs­zeit­raum er­zielt hat (Be­mes­sungs­ent­gelt). Nach § 130 Abs 1 Satz 1 SGB III in der seit dem 1. Ja­nu­ar 2005 gel­ten­den Fas­sung durch das Drit­te Ge­setz für mo­der­ne Dienst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt vom 23. De­zem­ber 2003 (BGBl I 2848) um­fasst der Be­mes­sungs­zeit­raum die beim Aus­schei­den des Ar­beits­lo­sen aus dem je­wei­li­gen Beschäfti­gungs­verhält­nis ab­ge­rech­ne­ten Ent­gel­tab­rech­nungs­zeiträume der ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäfti­gun­gen im Be­mes­sungs­rah­men. Nach nähe­rer Maßga­be von § 130 Abs 2 SGB III blei­ben bei der Er­mitt­lung des Be­mes­sungs­zeit­raums be­stimm­te Zei­ten außer Be­tracht.
Der Be­mes­sungs­rah­men um­fasst ein Jahr; er en­det mit dem letz­ten Tag des letz­ten Ver­si­che­rungs­pflicht­verhält­nis­ses vor der Ent­ste­hung des An­spruchs (§ 130 Abs 1 Satz 2 SGB III). Der Be­mes­sungs­rah­men wird auf zwei Jah­re er­wei­tert, wenn (ua) der Be­mes­sungs­zeit­raum we­ni­ger als 150 Ta­ge mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt enthält (§ 130 Abs 3 Nr 1 SGB III). Kann ein Be­mes­sungs­zeit­raum von min­des­tens 150 Ta­gen mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt in­ner­halb des auf zwei Jah­re er­wei­ter­ten Be­mes­sungs­rah­mens (eben­falls) nicht fest­ge­stellt wer­den, ist als Be­mes­sungs­ent­gelt ein fik­ti­ves Ar­beits­ent­gelt zu Grun­de zu le­gen (§ 132 Abs 1 SGB III in der seit 1. Ja­nu­ar 2005 gel­ten­den Fas­sung).
Ei­ne Über­g­angs­re­ge­lung im Hin­blick auf die Leis­tungs­be­mes­sung hat der Ge­setz­ge­ber mit dem Drit­ten Ge­setz für mo­der­ne Dienst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt nur ge­trof­fen, so­weit es um die Neu­fest­set­zung des Be­mes­sungs­ent­gelts bei vor dem 1. Ja­nu­ar 2005 ent­stan­de­nen Ansprüchen auf Alg geht (§ 434j Abs 5 SGB III). Für den nicht vor dem 1. April 2005 ent­stan­de­nen An­spruch der Kläge­rin auf Alg spielt die­se Über­g­angs­re­ge­lung kei­ne Rol­le.
An­ge­sichts der ge­nann­ten Be­stim­mun­gen ist das LSG zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass die­se kei­ne Grund­la­ge für das Be­geh­ren bie­ten, das bis zum 23. Ja­nu­ar 2002 er­ziel­te Ar­beits­ent­gelt der Kläge­rin als Be­mes­sungs­ent­gelt zu Grun­de zu le­gen. Denn die ent­spre­chen­den
Ent­gel­tab­rech­nungs­zeiträume lie­gen außer­halb des Be­mes­sungs­rah­mens. Der Be­mes­sungs­zeit­raum kann aber nur ge­bil­det wer­den aus "im Be­mes­sungs­rah­men" lie­gen­den Ent­gel­tab­rech­nungs­zeiträum­en.
Das En­de des Be­mes­sungs­rah­mens bil­det der letz­te Tag des letz­ten Ver­si­che­rungs­pflicht­verhält­nis­ses vor der Ent­ste­hung des An­spruchs (§ 130 Abs 1 Satz 2, Halb­satz 2 SGB III). Maßge­bend ist des­halb der 31. März 2005, da die Kläge­rin vom 25. Ja­nu­ar bis 31. März 2005 in ei­ner ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäfti­gung (§ 25 Abs 1 Satz 1 SGB III) ge­stan­den hat. Hier­aus er­gibt sich ein re­gulärer Be­mes­sungs­rah­men vom 1. April 2004 bis 31. März 2005 bzw ein gemäß § 130 Abs 3 Satz 1 Nr 1 SGB III er­wei­ter­ter Be­mes­sungs­rah­men vom 1. April 2003 bis 31. März 2005. Auch un­ter Zu­grun­de­le­gung des er­wei­ter­ten Be­mes­sungs­rah­mens lie­gen die Ent­gel­tab­rech­nungs­zeiträume der von der Kläge­rin bis zum 23. Ja­nu­ar 2002 aus­geübten ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäfti­gung außer­halb des Be­mes­sungs­rah­mens. Wie sich aus §§ 130 Abs 3, 132 Abs 1 SGB III er­gibt, sieht das Ge­setz ei­ne Er­wei­te­rung des Be­mes­sungs­rah­mens über zwei Jah­re hin­aus nicht vor.
Dar­an ändert es nichts, dass nach § 130 Abs 2 Satz 1 Nr 3 SGB III bei der Er­mitt­lung "des Be­mes­sungs­zeit­raums" Zei­ten der Be­treu­ung und Er­zie­hung ei­nes Kin­des außer Be­tracht blei­ben, wenn we­gen der Be­treu­ung und Er­zie­hung des Kin­des das Ar­beits­ent­gelt oder die durch­schnitt-li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit ge­min­dert war. Die­se Re­ge­lung, die im Kern schon in dem bis zum 31. De­zem­ber 1997 gel­ten­den Recht ent­hal­ten war (§ 112 Abs 2 Satz 2 AFG) und ab 1. Ja­nu­ar 1998 in § 131 Abs 2 Nr 1 SGB III aF über­nom­men wur­de, soll nur da­vor schützen, dass in die Er­mitt­lung des Be­mes­sungs­ent­gelts Ent­gel­tab­rech­nungs­zeiträume ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Beschäfti­gun­gen ein­fließen, die nach § 131 Abs 1 iVm § 130 Abs 1 SGB III ei­gent­lich zu berück­sich­ti­gen wären, in de­nen aber das er­ziel­te Ar­beits­ent­gelt we­gen der Kin­der­er­zie­hung aty­pisch nied­rig und da­her nicht re­präsen­ta­tiv war (vgl Beh­rend in Ei­cher/Schle­gel, SGB III, § 130 Rd­Nr 60 f und 67 ff). Da­ge­gen trifft § 130 Abs 2 Nr 3 SGB III kei­ne Son­der­re­ge­lung zu den Vor­aus­set­zun­gen, von de­nen es nach § 130 Abs 1 und Abs 3 iVm § 132 Abs 1 SGB III abhängt, in­wie­weit das vor dem Be­ginn der Kin­der­er­zie­hung er­ziel­te Ar­beits­ent­gelt als Be­mes­sungs­ent­gelt her­an­ge­zo­gen wer­den kann.
Ab­wei­chen­des er­gibt sich auch nicht aus der von der Re­vi­si­on an­geführ­ten Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Fas­sung, die der bis zum 31. De­zem­ber 2004 gel­ten­de § 131 Abs 2 Nr 1 SGB III aF (Vorgänger­vor­schrift des § 130 Abs 2 Satz 1 Nr 3 SGB III) mit Wir­kung ab 1. Ja­nu­ar 2003 durch das Job-AQTIV-Ge­setz er­hal­ten hat­te. Mit der durch die­ses Ge­setz ein­geführ­ten Ver­si­che­rungs­pflicht während Er­zie­hungs­zei­ten (§ 26 Abs 2a SGB III) woll­te der Ge­setz­ge­ber die Un­terstützung der Be­rufsrück­kehr von Frau­en aus Zei­ten der Kin­der­er­zie­hung ver­bes­sern und zu die­sem Zweck si­cher­stel­len, dass die Förde­rung der be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rung durch ei­nen An­spruch auf Lohn­er­satz­leis­tun­gen nicht mehr von Zufällig­kei­ten abhängt (BT-Drucks 14/6944 S 26 <zu Nr 7>). Zu der an die Einführung der Ver­si­che­rungs­pflicht für Er­zie­hen­de an¬knüpfen­den Fol­geände­rung des da­ma­li­gen § 131 Abs 2 Nr 1 SGB III wur­de zwar die Vor-
stel­lung geäußert, da­durch sei si­cher ge­stellt, dass Per­so­nen, die zu­letzt we­gen der Er­zie­hung ei­nes Kin­des ver­si­che­rungs­pflich­tig wa­ren, Alg auf der Grund­la­ge des Ent­gelts er­hal­ten, das sie vor der Er­zie­hungs­zeit er­zielt ha­ben (BT-Drucks 14/7347 S 73 <zu Art 1 Nr 43>). Gleich­zei­tig wur­de aber aus­drück­lich klar­ge­stellt, dass dies nicht aus­nahms­los gel­ten sol­le, son­dern die Re­ge­lung zur "fik­ti­ven" Be­mes­sung in § 133 Abs 4 SGB III un­berührt blei­be. § 133 Abs 4 SGB III be­stimm­te in sei­ner bis 31. De­zem­ber 2004 gel­ten­den Fas­sung (aF), dass Be­mes­sungs­ent­gelt das ta­rif­li­che Ar­beits­ent­gelt der­je­ni­gen Beschäfti­gung ist, auf die das Ar­beits­amt die Ver­mitt­lungs­bemühun­gen für den Ar­beits­lo­sen in ers­ter Li­nie zu er­stre­cken hat, wenn ein Be­mes­sungs­zeit­raum von min­des­tens 39 Wo­chen mit An­spruch auf Ent­gelt in­ner­halb der letz­ten drei Jah­re vor der Ent­ste­hung des An­spruchs nicht fest­ge­stellt wer­den kann.
Da­nach war schon da­mals ein ge­ne­rel­ler und von der Dau­er der Un­ter­bre­chung des Be­rufs­le­bens un­abhängi­ger Rück­griff auf das vor der Er­zie­hung er­ziel­te Ent­gelt als Be­mes­sungs­ent­gelt nicht be­ab­sich­tigt und ei­ne Ände­rung der Kon­zep­ti­on ist auch § 130 Abs 2 Satz 1 Nr 3 SGB III be­reits dem Wort­laut nach nicht zu ent­neh­men. Die Vor­schrift hat viel­mehr al­lein Be­deu­tung für die Be­stim­mung des Be­mes­sungs­zeit­raums und be­sagt nichts über den Be­mes­sungs­rah­men, der da­von zu un­ter­schei­den ist.
Be­reits das frühe­re Recht kann­te der Sa­che nach ei­nen Be­mes­sungs­rah­men, oh­ne aber die­sen in der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Be­griff aus­drück­lich zu ver­wen­den (vgl zB zur Rechts­ent­wick­lung BS­GE 77, 244 = SozR 3-4100 § 112 Nr 24; BSG SozR 3-4100 § 112 Nr 26; Paw­lak in Spell­brink/Ei­cher, Kas­se­ler Hand­buch des Ar­beitsförde­rungs­rechts, 2003, § 11 Rd­Nr 41 ff). Nach § 130 Abs 1 SGB III in der bis zum 31. De­zem­ber 2004 gel­ten­den Fas­sung (aF) han­del­te es sich da­bei um die letz­ten 52 Wo­chen vor der Ent­ste­hung des An­spruchs, in de­nen Ver­si­che­rungs­pflicht be­stand (vgl BSG SozR 4-4300 § 133 Nr 3; BSG SozR 4-4300 § 416a Nr 1). Nach der­sel­ben Vor­schrift konn­te schon da­mals der Be­mes­sungs­zeit­raum grundsätz­lich nur von Ent­gel­tab­rech­nungs­zeiträum­en ge­bil­det wer­den, die in dem vor­ge­ge­be­nen zeit­li­chen Rah­men la­gen (BSG SozR 4-4300 § 133 Nr 3).
Al­ler­dings ließ § 130 Abs 2 Satz 1 SGB III aF ei­ne Er­wei­te­rung des Be­mes­sungs­zeit­raums zu. Denn wenn der (Re­gel-) Be­mes­sungs­zeit­raum we­ni­ger als 39 Wo­chen mit An­spruch auf Ent­gelt ent­hielt, verlänger­te sich der Be­mes­sungs­zeit­raum um wei­te­re Ent­gel­tab­rech­nungs­zeiträume, bis 39 Wo­chen mit An­spruch auf Ent­gelt er­reicht wa­ren. Das konn­te da­zu führen, dass zur Auffüllung des Be­mes­sungs­zeit­raums auf außer­halb des Be­mes­sungs­rah­mens lie­gen­de Lohn­zeiträume zurück­zu­grei­fen war (BSG SozR 4-4300 § 416a Nr 1). Auch konn­ten Zei­ten, die in An­wen­dung ei­ner Son­der­re­ge­lung bei der Er­mitt­lung des Be­mes­sungs­zeit­raums außer Be­tracht zu blei­ben hat­ten, im Sin­ne ei­nes Auf­schub­tat­be­stands bei der Be­stim­mung so­wohl des Be­mes­sungs­rah­mens als auch des "ei­gent­li­chen" Be­mes­sungs­zeit­raums un­berück­sich­tigt blei­ben (BSG SozR 4-4300 § 131 Nr 1). Je­doch ist da­bei auch in Rech­nung zu stel­len, dass schon § 133 Abs 4 SGB III aF der Sa­che nach ei­ne ab­so­lu­te Höchst­dau­er des Be­mes­sungs­rah­mens fest­leg­te, weil da­nach ei­ne fik­ti­ve Be­mes­sung zu er­fol­gen hat­te, falls sich
auch in­ner­halb der letz­ten drei Jah­re vor Ent­ste­hung des An­spruchs kein aus­rei­chend lan­ger Be­mes­sungs­zeit­raum mit min­des­tens 39 Wo­chen mit An­spruch auf Ent­gelt fest­stel­len ließ.
Das seit dem 1. Ja­nu­ar 2005 gel­ten­de Recht sieht in § 130 Abs 3 Nr 1 SGB III an Stel­le ei­ner Verlänge­rung des Be­mes­sungs­zeit­raums (nur) ei­ne Er­wei­te­rung des Be­mes­sungs­rah­mens auf zwei Jah­re vor, wenn der (im Re­gel­be­mes­sungs­rah­men gemäß Abs 1 Satz 2 lie­gen­de) Be­mes­sungs­zeit­raum we­ni­ger als 150 Ta­ge mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt enthält. Mit die­ser Er­wei­te­rung des Be­mes­sungs­rah­mens woll­te der Ge­setz­ge­ber be­wusst die bis­he­ri­ge suk­zes­si­ve Er­wei­te­rung des Be­mes­sungs­zeit­raums um ein­zel­ne Ab­rech­nungs­zeiträume ablösen (BT-Drucks 15/1515 S 85 <zu § 130 Abs 3>). Dar­aus folgt in Ver­bin­dung mit dem in § 130 Abs 1 Satz 1 SGB III ge­re­gel­ten Grund­satz, wo­nach der Be­mes­sungs­zeit­raum nur von Ent­gel­tab­rech­nungs­zeiträum­en "im Be­mes­sungs­rah­men" ge­bil­det wer­den kann, dass der Be­mes­sung je­den­falls kei­ne Zei­ten mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt zu Grun­de ge­legt wer­den können, die nicht we­nigs­tens in dem er­wei­ter­ten Be­mes­sungs­rah­men gemäß Abs 3 lie­gen (vgl Val­go­lio in Hauck/Noftz, SGB III, § 130 Rd­Nr 62). Das un­ter­streicht § 132 Abs 1 SGB III, der un­miss­verständ­lich an­ord­net, dass als Be­mes­sungs­ent­gelt ein fik­ti­ves Ar­beits­ent­gelt zu Grun­de zu le­gen ist, wenn in­ner­halb des auf zwei Jah­re er­wei­ter­ten Be­mes­sungs­rah­mens ein Be­mes­sungs­zeit­raum von min­des­tens 150 Ta­gen mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt eben­falls nicht fest­ge­stellt wer­den kann.
Da so­mit Be­mes­sungs­rah­men und Be­mes­sungs­zeit­raum nun strikt von­ein­an­der zu tren­nen sind, können auch Zei­ten, die auf Grund von Son­der­re­ge­lun­gen bei der Be­stim­mung des Be­mes­sungs­zeit­raums außer Be­tracht blei­ben, zu kei­ner Aus­wei­tung des rein ka­len­dermäßig ab­lau­fen­den Be­mes­sungs­rah­mens führen (BSG SozR 4-4300 § 416a Nr 1). Dar­aus folgt, dass die Kläge­rin kei­nen Be­mes­sungs­zeit­raum von we­nigs­tens 150 Ta­gen mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt vor­zu­wei­sen hat. Die in­ner­halb des Be­mes­sungs­rah­mens lie­gen­de Zeit mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt vom 25. Ja­nu­ar bis 31. März 2005 um­fasst nur 66 Ka­len­der­ta­ge. Wei­te­re Zei­ten mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt hat die Kläge­rin auch in dem auf zwei Jah­re er­wei­ter­ten Be­mes­sungs­rah­men nicht zurück­ge­legt.
Un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen kann die von der Re­vi­si­on auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge of­fen blei­ben, ob der Ge­setz­ge­ber Zei­ten ei­nes Beschäfti­gungs­ver­bots nach dem Ge­setz zum Schutz der er­werbstäti­gen Mut­ter (MuSchG) wie Zei­ten mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt hätte be­han­deln müssen. Denn da­von hätte je­den­falls die Kläge­rin kei­nen Vor­teil ge­habt, weil es nach den Um-ständen des Fal­les aus­ge­schlos­sen ist, dass der (er­wei­ter­te) Be­mes­sungs­rah­men Zei­ten ei­nes Beschäfti­gungs­ver­bots um­fasst. Da die­se mit Rück­sicht auf die Ge­burt des Kin­des am 25. Ja­nu­ar 2002 je­den­falls außer­halb des er­wei­ter­ten Be­mes­sungs­rah­mens ge­le­gen ha­ben, könn­te hier auch ei­ne Gleich­stel­lung von Schutz­fris­ten nach dem MuSchG mit Ent­gel­tab­rech­nungs­zeiträum­en nicht zur Fest­stel­lung ei­nes we­nigs­tens 150 Ta­ge um­fas­sen­den Be­mes­sungs­zeit­raums führen.
So­weit die Re­vi­si­on sich ge­gen die Verkürzung des Be­mes­sungs­rah­mens auf ma­xi­mal zwei Jah­re mit Wir­kung ab 1. Ja­nu­ar 2005 wen­det, ist eben­falls kei­ne Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin er­sicht­lich. Denn nach dem bis zum 31. De­zem­ber 2004 gel­ten­den § 133 Abs 4 SGB III aF hätte sich nach den Umständen des Fal­les ei­ne fik­ti­ve Be­mes­sung eben­falls nicht ver­mei­den las­sen. In­ner­halb der letz­ten drei Jah­re vor Ent­ste­hung des An­spruchs, die nach § 133 Abs 4 SGB III aF den zeit­li­chen Höchst­rah­men für die Berück­sich­ti­gung früher er­ziel­ten Ent­gelts mar­kier­ten, dh hier in der Zeit vom 1. April 2002 bis 31. März 2005, hätte die Kläge­rin nämlich eben­falls kei­ne aus­rei­chen­den Zei­ten mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt vor­zu­wei­sen ge­habt. Das gilt un­abhängig da­von, ob man da­bei auf das bis zum 31. De­zem­ber 2004 gel­ten­de Recht (min­des­tens 39 Wo­chen mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt) ab­stellt oder auf das seit dem 1. Ja­nu­ar 2005 gel­ten­de Recht (min­des­tens 150 Ta­ge mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt). Ins­be­son­de­re hätte das vor der Ge­burt des Kin­des bis zum 23. Ja­nu­ar 2002 (dh mehr als drei Jah­re vor der Ent­ste­hung des An­spruchs) er­ziel­te Ent­gelt be­reits nach § 133 Abs 4 SGB III aF (ins­ge­samt) nicht mehr als Be­mes­sungs­ent­gelt her­an­ge­zo­gen wer­den können.
In­so­weit ist da­her die Auf­fas­sung der Kläge­rin, während ih­rer El­tern­zeit sei das Recht zu ih­rem Nach­teil geändert wor­den, nicht zu­tref­fend. Es kommt des­halb hier nicht mehr dar­auf an, dass die Fol­gen der Be­gren­zung des Be­mes­sungs­rah­mens auf zwei Jah­re ab 1. Ja­nu­ar 2005 da­durch ge­mil­dert wor­den sind, dass gleich­zei­tig die Berück­sich­ti­gung von in der Ver­gan­gen­heit er­ziel­tem Lohn als Be­mes­sungs­ent­gelt er­heb­lich er­leich­tert wur­de. Denn der dafür er­for­der­li­che Min­dest­um­fang des Be­mes­sungs­zeit­raums wur­de von 39 Wo­chen (§§ 130 Abs 2 Satz 1, 133 Abs 4 SGB III aF) bei­na­he hal­biert auf nur noch 150 Ta­ge, dh rund 21 Wo­chen (§§ 130 Abs 3 Nr 1, 132 Abs 1 SGB III nF). Das war grundsätz­lich ge­eig­net, die Zahl der Fälle, in de­nen früher er­ziel­ter Lohn nicht als Be­mes­sungs­ent­gelt her­an­ge­zo­gen wer­den kann, zu sen­ken, und wiegt da­her in­so­weit die Be­gren­zung des Be­mes­sungs­rah­mens von ursprüng­lich ma­xi­mal drei Jah­ren (§ 133 Abs 4 SGB III aF) auf zwei Jah­re auf.
Nach § 132 Abs 2 Satz 1 SGB III ist der Ar­beits­lo­se für die Fest­set­zung des fik­ti­ven Ar­beits­ent­gelts der Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pe zu­zu­ord­nen, die der be­ruf­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on ent­spricht, die für die Beschäfti­gung er­for­der­lich ist, auf die die Agen­tur für Ar­beit die Ver­mitt­lungs­bemühun­gen für den Ar­beits­lo­sen in ers­ter Li­nie zu er­stre­cken hat. § 132 Abs 2 Satz 2 SGB III legt zu die­sem Zweck vier näher be­zeich­ne­te Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pen fest, de­nen je­weils in Abhängig­keit von der für ei­ne Beschäfti­gung er­for­der­li­chen Aus­bil­dung ein Ar­beits­ent­gelt in Höhe ei­nes be­stimm­ten Bruch­teils der Be­zugs­größe zu­ge­ord­net ist. Die Be­zugs­größe ist das Durch­schnitts­ent­gelt der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung im vor­ver­gan­ge­nen Ka­len­der­jahr, auf­ge­run­det auf den nächsthöhe­ren, durch 420 teil­ba­ren Be­trag (§ 18 Abs 1 So­zi­al­ge­setz­buch Vier­tes Buch <SGB IV>). Sie wur­de nach § 17 Abs 2 Satz 1 SGB IV in der bis zum 7. No­vem­ber 2006 gel­ten­den Fas­sung vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ge­sund­heit und So­zia­le Si­che­rung (seit­her: Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les) im Vor­aus für je­des Ka­len­der­jahr durch Rechts­ver­ord­nung mit Zu­stim­mung des Bun­des­ra­tes be­stimmt. Die Be­zugs­größe im hier maßgeb­li­chen Jahr 2005 be­trug 28.980 € jähr­lich (§ 2 Abs 1 der Ver­ord­nung über maß-
ge­ben­de Re­chen­größen der So­zi­al­ver­si­che­rung für 2005 vom 29. No­vem­ber 2004, BGBl I 3098).
Die Kläge­rin war - wie auch sie nicht be­zwei­felt - auf Grund ih­rer be­ruf­li­chen Aus­bil­dung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pe 3 zu­zu­ord­nen. Hier­aus folg­te nach § 132 Abs 2 Satz 2 Nr 3 SGB III ein fik­ti­ves Ar­beits­ent­gelt von 64,40 € täglich (Be­zugs­größe 2005: 28.980 € jähr­lich, ge­teilt durch 450). Die wei­te­re Be­rech­nung der Be­klag­ten ent­spricht den Be­stim­mun­gen in § 133 SGB III (in der seit 1. Ja­nu­ar 2005 gel­ten­den Fas­sung), wo­nach zur Er­mitt­lung des Leis­tungs­ent­gelts iS des § 129 SGB III ei­ne So­zi­al­ver­si­che­rungs­pau­scha­le in Höhe von 21 vH des Be­mes­sungs­ent­gelts, die Lohn­steu­er nach der Lohn­steu­er­klas­se, die zu Be­ginn des Jah­res, in dem der An­spruch ent­stan­den ist, auf der Lohn­steu­er­kar­te des Ar­beits­lo­sen ein­ge­tra­gen war und der So­li­da­ritäts­zu­schlag vom Be­mes­sungs­ent­gelt ab­zu­zie­hen sind. Da­ge­gen er­hebt auch die Re­vi­si­on kei­ne Einwände. Das zu­tref­fend er­mit­tel­te Leis­tungs­ent­gelt von 32,37 € täglich führt nach § 129 Nr 1 SGB III (erhöhter Leis­tungs­satz von 67 vH) letzt­lich zu dem von der Be­klag­ten zu­tref­fend be­wil­lig­ten Alg von 21,69 € täglich.
2. Es verstößt auch nicht ge­gen Ver­fas­sungs­recht, dass das Ar­beits­ent­gelt, das die Kläge­rin bis zum 23. Ja­nu­ar 2002 und da­mit länger als drei Jah­re vor dem Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls er­zielt hat, nicht als Be­mes­sungs­ent­gelt zu Grun­de ge­legt wird.
a) Ei­ne Ver­pflich­tung des Ge­setz­ge­bers, bei El­tern bzw Müttern, die sich nach länge­ren frei­wil­li­gen Un­ter­bre­chun­gen ih­res Be­rufs­le­bens dem Ar­beits­markt wie­der zur Verfügung stel­len, den Lohn­er­satz durch das Alg nicht - wie sonst beim Feh­len ei­nes aus­rei­chend zeit­na­hen Be­mes­sungs­zeit­raums - nach dem ak­tu­ell vor­aus­sicht­lich er­ziel­ba­ren Lohn zu be­mes­sen, son­dern an­hand des vor der Kin­der­er­zie­hung er­ziel­ten Ar­beits­ent­gelts, lässt sich zunächst nicht aus Art 6 Abs 1 GG her­lei­ten. Die­se Norm un­ter­stellt zwar Ehe und Fa­mi­lie dem be­son­de­ren Schutz der staat­li­chen Ord­nung, ver­pflich­tet den Staat je­doch nicht, jeg­li­che die Fa­mi­lie tref­fen­de Be­las­tung aus­zu­glei­chen oder die Fa­mi­lie oh­ne Rück­sicht auf sons­ti­ge öffent­li­che Be­lan­ge zu fördern. Der Ge­setz­ge­ber hat viel­mehr im In­ter­es­se des Ge­mein­wohls ne­ben der Fa­mi­li­enförde­rung auch an­de­re Ge­mein­schafts­be­lan­ge zu berück­sich­ti­gen und da­bei vor al­lem auf die Funk­ti­onsfähig­keit und das Gleich­ge­wicht des Gan­zen zu ach­ten. Da­her las­sen sich aus der Wer­tent­schei­dung des Art 6 Abs 1 GG auch in Ver­bin­dung mit dem So­zi­al­staats­prin­zip kei­ne kon­kre­ten Fol­ge­run­gen dafür ab­lei­ten, wie in den ein­zel­nen Rechts­ge­bie­ten und Teil­sys­te­men ein Fa­mi­li­en­las­ten­aus­gleich zu ver­wirk­li­chen ist. In­so­weit be­steht viel­mehr grundsätz­lich Ge­stal­tungs­frei­heit des Ge­setz­ge­bers (vgl BVerfGE 87, 1, 36 mwN), oh­ne dass aus dem Förde­rungs­ge­bot des Art 6 Abs 1 GG kon­kre­te Ansprüche auf be­stimm­te staat­li­che Leis­tun­gen her­ge­lei­tet wer­den könn­ten (BVerfGE 107, 205, 213 mwN).
b) Selbst wenn sich die strei­ti­ge Re­ge­lung über­wie­gend zu Las­ten von Müttern aus­wir­ken soll­te, die we­gen der Über­nah­me der Kin­der­er­zie­hung ih­re Be­rufstätig­keit länge­re Zeit un­ter­bro­chen ha­ben, schei­det auch Art 6 Abs 4 GG als Grund­la­ge für das Be­geh­ren der
Kläge­rin aus. Un­abhängig da­von, ob die­se Norm Müttern über die Zeit der Schwan­ger­schaft und über die ers­ten Mo­na­te nach der Ge­burt hin­aus über­haupt Schutz gewährt, können aus ihr je­den­falls kei­ne be­son­de­ren Rech­te für Sach­ver­hal­te her­ge­lei­tet wer­den, die nicht al­lein Mütter be­tref­fen. Da­von ab­ge­se­hen folgt auch aus dem Schutz­auf­trag des Art 6 Abs 4 GG nicht, dass der Ge­setz­ge­ber ge­hal­ten wäre, je­de mit der Mut­ter­schaft zu­sam­menhängen­de wirt­schaft­li­che Be­las­tung aus­zu­glei­chen und dem Förde­rungs­ge­bot oh­ne Rück­sicht auf sons­ti­ge Be­lan­ge nach­zu­kom­men. Der Ge­setz­ge­ber ist zwar zum Aus­gleich un­mit­tel­ba­rer Nach­tei­le in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­pflich­tet, so­weit er Mütter im Un­ter­schied zu an­de­ren Ar­beit­neh­mern hin­dert, sich durch ei­ne ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäfti­gung den Zu­gang zu Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen selbst zu schaf­fen oder zu er­hal­ten (BVerfGE 115, 259, 271). Ei­ne da­mit ver­gleich­ba­re Si­tua­ti­on ist aber nicht ge­ge­ben, wenn ei­ne Mut­ter von der Ausübung ei­ner ihr recht­lich er­laub­ten ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäfti­gung auf Grund der ei­ge­nen Le­bens­pla­nung für die Zeit der Kin­der­er­zie­hung ab­sieht, so­dass der Ge­setz­ge­ber nicht ein­mal ge­hal­ten ist, Vor­keh­run­gen ge­gen das Erlöschen ei­nes be­reits er­wor­be­nen An­spruchs auf Alg während ei­ner El­tern­zeit zu tref­fen (BSG SozR 4-4300 § 147 Nr 3; zur Ab­gren­zung vgl auch BS­GE 91, 226, 228 = SozR 4-4300 § 147 Nr 2). Der Ge­setz­ge­ber ist da­her auch nicht ver­pflich­tet, Mütter von der sach­ge­rech­ten und für al­le Ver­si­cher­ten gel­ten­den Re­ge­lung aus­zu­neh­men, dass un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen die Höhe der Leis­tung an­hand ei­nes ak­tua­li­sier­ten (fik­ti­ven) Ar­beits­ent­gelts zu be­mes­sen ist.
c) Die Auf­fas­sung der Kläge­rin lässt sich fer­ner nicht auf Art 3 Abs 1 GG stützen. Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz des Art 3 Abs 1 GG ge­bie­tet dem Ge­setz­ge­ber, we­sent­lich Glei­ches gleich und we­sent­lich Un­glei­ches un­gleich zu be­han­deln. Er gilt für un­glei­che Be­las­tun­gen wie auch für un­glei­che Begüns­ti­gun­gen (stRspr, vgl zB BVerfGE 110, 412, 431 mwN).
Da­mit ist dem Ge­setz­ge­ber aber we­der je­de Dif­fe­ren­zie­rung ver­wehrt, noch ist es ihm un­ter­sagt, von Dif­fe­ren­zie­run­gen ab­zu­se­hen, die er vor­neh­men dürf­te. Art 3 Abs 1 GG ist al­ler­dings ver­letzt, wenn sich ein vernünf­ti­ger Grund für ei­ne ge­setz­li­che Dif­fe­ren­zie­rung oder Gleich­be­hand­lung nicht fin­den lässt bzw wenn ei­ne Grup­pe von Nor­madres­sa­ten im Ver­gleich zu ei­ner an­de­ren an­ders be­han­delt wird, ob­wohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Un­ter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Ge­wicht be­ste­hen, dass sie die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung recht­fer­ti­gen können. Da die zu re­geln­den Le­bens­sach­ver­hal­te ein­an­der nie in al­len, son­dern stets nur in ein­zel­nen Merk­ma­len glei­chen, ist es aber grundsätz­lich Sa­che des Ge­setz­ge­bers zu ent­schei­den, wel­che von die­sen Merk­ma­len er als maßge­bend für ei­ne Gleich- oder Un­gleich­be­hand­lung an­sieht, so­lan­ge er die­se Aus­wahl sach­ge­recht und nicht willkürlich trifft. In­ner­halb die­ser Gren­zen ist er in sei­ner Ent­schei­dung grundsätz­lich frei, so­weit sei­ne Ge­stal­tungs­frei­heit nicht durch an­de­re Ver­fas­sungs­nor­men wie zB den sich aus Art 6 Abs 1 GG er­ge­ben­den Schutz­auf­trag zusätz­lich ein­ge­schränkt ist (s un­ter 2d). Was in An­wen­dung des Gleich­heits­sat­zes sach­lich ver­tret­bar oder sach­fremd und des­halb willkürlich ist, lässt sich nicht abs­trakt und all­ge­mein fest­stel­len, son­dern stets nur in Be­zug auf die Ei­gen­art des kon­kret ge-
re­gel­ten Sach­be­reichs (stRspr, vgl ua BVerfGE 87, 1; BVerfGE 90, 226 = SozR 3-4100 § 111 Nr 6; BVerfGE 107, 205; BVerfGE 110, 412; BSG SozR 4-4300 § 124 Nr 1, je­weils mwN).
Auf die­ser Grund­la­ge be­ste­hen kei­ne durch­grei­fen­den Be­den­ken da­ge­gen, dass der Ge­setz­ge­ber bei al­len Ver­si­cher­ten, die kei­nen aus­rei­chend zeit­na­hen Be­mes­sungs­zeit­raum von we­nigs­tens 150 Ta­gen mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt vor­zu­wei­sen ha­ben, die In­dizwir­kung des zu­letzt er­ziel­ten Lohns für den auf Grund des Ver­si­che­rungs­falls der­zeit ein­tre­ten­den Lohn­aus­fall als nicht mehr gewähr­leis­tet an­sieht und des­halb statt­des­sen den vor­aus­sicht­lich ak­tu­ell er­ziel­ba­ren Lohn zur Be­mes­sungs­grund­la­ge er­hebt. Aus den schon ge­nann­ten Gründen liegt dar­in we­der ei­ne willkürli­che Gleich­be­hand­lung von er­zie­hen­den El­tern mit an­de­ren Ver­si­cher­ten noch ist die Ak­tua­li­sie­rung der Be­mes­sungs­grund­la­ge als sol­che sach­wid­rig, weil sie dem Lohn­er­satz­cha­rak­ter des Alg und da­mit ei­nem zen­tra­len Grund­ge­dan­ken der zu re­geln­den Ma­te­rie Rech­nung trägt. Die­se Rechts­fol­ge und das zu Grun­de lie­gen­de An­lie­gen, das Ar­beits­ent­gelt aus weit zurück­lie­gen­den Beschäfti­gungs­zei­ten in der Re­gel als Be­mes­sungs­grund­la­ge aus­zu­sch­ließen (vgl Val­go­lio in Hauck/Noftz, SGB III, § 130 Rd­Nr 26), ent­spre­chen viel­mehr der Funk­ti­on des Alg als Lohn­er­satz­leis­tung.
Das Alg soll dem Ar­beits­lo­sen an­ge­mes­se­nen Er­satz für den Aus­fall leis­ten, den er da­durch er­lei­det, dass er ge­genwärtig kei­nen be­zahl­ten Ar­beits­platz fin­det. Da­bei er­for­dert die exis­tenz-si­chern­de Na­tur des Alg, dass die Fest­stel­lung der Leis­tungshöhe und die Aus­zah­lung be­schleu­nigt er­folgt, was schon aus Gründen der Ver­wal­tungs­prak­ti­ka­bi­lität zu ein­fa­chen Maßstäben bei der Leis­tungs­be­rech­nung zwingt (vgl zB BVerfGE 63, 255, 262 = SozR 4100 § 111 Nr 6). Da sich der durch die Ar­beits­lo­sig­keit in­di­vi­du­ell ein­tre­ten­de Lohn­aus­fall nicht kon­kret er­mit­teln lässt (BSG, Be­schluss vom 2. Fe­bru­ar 1995, 11 RAr 21/94 <veröffent­licht in ju­ris, dort Rd­Nr 23 aE>), ist es un­ter den ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen prak­tisch un­ver­meid­lich, die Höhe des Alg nach ty­pi­sie­ren­den und pau­scha­lie­ren­den Merk­ma­len zu be­stim­men. Da­bei kann dem im Be­mes­sungs­zeit­raum er­ziel­ten Ar­beits­ent­gelt grundsätz­lich In­dizwir­kung in dem Sin­ne bei-ge­mes­sen wer­den, dass es ty­pi­sie­rend das Ar­beits­ent­gelt an­zeigt, das der Ar­beits­lo­se, hätte er Ar­beit, auch ak­tu­ell er­zie­len könn­te (vgl ua BSG, aaO; BSG SozR 3-4100 § 111 Nr 3). Das wird in der Re­gel der Kon­zep­ti­on ge­recht, das Alg als Lohn­er­satz­leis­tung an ei­nem möglichst zeit­na­hen Lohn­ni­veau aus­zu­rich­ten, das den auf Ar­beits­ein­kom­men ge­gründe­ten durch­schnitt­li­chen Le­bens­stan­dard des Ar­beits­lo­sen re­präsen­tiert (vgl ua BS­GE 74, 96, 100 = SozR 3-4100 § 112 Nr 17; BS­GE 77, 244, 250 = BSG SozR 3-4100 § 112 Nr 24; BSG SozR 3-4100 § 112 Nr 26).
Ob­wohl es des­we­gen prin­zi­pi­ell sach­ge­recht ist, wenn die Be­mes­sung des Alg an den Net­to­lohn an­knüpft, den der Ar­beits­lo­se zu­letzt vor Ein­tritt der Ar­beits­lo­sig­keit be­zo­gen hat (BVerfGE 63, 255, 262 = SozR 4100 § 111 Nr 6), eig­net sich die­se Me­tho­de aber nicht im­mer da­zu, den Ge­gen­wert der dem Ar­beits­lo­sen ak­tu­ell mögli­chen Ver­wer­tung sei­ner Ar­beits­leis­tung zu be­stim­men. Das Ge­setz sah da­her schon in der Ver­gan­gen­heit ei­ne Rei­he von Aus­nah­me­re­ge­lun­gen vor, de­nen die ge­mein­sa­me Vor­stel­lung zu Grun­de lag, dass die In­dizwir­kung, die
dem im Be­mes­sungs­zeit­raum er­ziel­ten Ar­beits­ent­gelt grundsätz­lich zu­kommt, un­ter be­stimm­ten Umständen ver­sagt, so­dass der Lohn­aus­fall in­fol­ge der Ar­beits­lo­sig­keit und der des­we­gen zu er­brin­gen­de Lohn­er­satz mit ei­ner an­de­ren Me­tho­de be­mes­sen wer­den müssen (zum AFG: BSG, Be­schluss vom 2. Fe­bru­ar 1995, 11 RAr 21/94 <veröffent­licht in ju­ris, dort Rd­Nr 23>). So be­stimm­te § 112 Abs 7 Alt 2 AFG in der bis zum 31. De­zem­ber 1997 gel­ten­den Fas­sung, des­sen Grund­ge­dan­ke ab 1. Ja­nu­ar 1998 durch § 133 Abs 4 SGB III aF (s. oben un­ter 1.b) auf­ge­grif­fen wur­de, dass für die Be­mes­sung von dem am Wohn­sitz oder gewöhn­li­chen Auf­ent­halts­ort des Ar­beits­lo­sen maßgeb­li­chen ta­rif­li­chen oder (...) ortsübli­chen Ar­beits­ent­gelt der­je­ni­gen Beschäfti­gung aus­zu­ge­hen ist, für die der Ar­beits­lo­se nach sei­nem Le­bens­al­ter und sei­ner Leis­tungsfähig­keit un­ter bil­li­ger Berück­sich­ti­gung sei­nes Be­rufs und sei­ner Aus­bil­dung nach La­ge und Ent­wick­lung des Ar­beits­markts in Be­tracht kommt, falls der letz­te Tag des Be­mes­sungs­zeit­raums bei Ent­ste­hung des An­spruchs länger als drei Jah­re zurück­liegt.
Dafür war die Über­le­gung maßge­bend, dass ein lang zurück­lie­gen­der Be­mes­sungs­zeit­raum nicht mehr die Ver­mu­tung recht­fer­tigt, dass der Ar­beits­lo­se das­sel­be Ar­beits­ent­gelt auch in Zu­kunft ver­die­nen könne (BSG SozR 3-4100 § 112 Nr 7). Die­se Über­le­gung und die dar­aus ge­zo­ge­ne Kon­se­quenz, un­ter sol­chen be­son­de­ren Umständen das Be­mes­sungs­ent­gelt den ak­tu­el­len Verhält­nis­sen an­zu­pas­sen, sind nicht zu be­an­stan­den. Sie ent­spre­chen viel­mehr dem Grund­satz, dass sich das Alg zur Si­cher­stel­lung der Ver­mit­tel­bar­keit des Ar­beits­lo­sen an dem Ar­beits­ent­gelt ori­en­tie­ren soll, das (oh­ne die Ar­beits­lo­sig­keit) durch Er­werbstätig­keit im Leis­tungs­zeit­raum er­ziel­bar wäre. Die Ak­tua­li­sie­rung der Be­mes­sungs­grund­la­ge zielt al­so ge­ra­de dar­auf ab, dass das Alg sei­ner Lohn­er­satz­funk­ti­on auch in Son­derfällen ge­recht wird. Die Ak­tua­li­sie­rung muss im Übri­gen kei­nes­wegs zwangsläufig zu ei­nem nied­ri­ge­ren Alg führen als es sich nach dem in der Ver­gan­gen­heit zu­letzt er­ziel­ten Lohn ergäbe. In den durch­aus in Be­tracht kom­men­den Fällen, dass vor der Un­ter­bre­chung der Er­werbstätig­keit (zB we­gen da­mals be­ste­hen­der Ein­schränkun­gen der Leis­tungsfähig­keit bzw -be­reit­schaft oder aus Ar­beits­markt­gründen) nur ei­ne un­ter­qua­li­fi­zier­te und da­her schlech­ter be­zahl­te Beschäfti­gung aus­geübt wur­de, oder dass zwi­schen­zeit­lich zusätz­li­che Qua­li­fi­ka­tio­nen er­wor­ben wur­den, kann das Ab­stel­len auf das ak­tu­ell er­ziel­ba­re Ar­beits­ent­gelt auch vor­teil­haft sein.
Aber selbst in Fällen, in de­nen die An­pas­sung der Be­mes­sungs­grund­la­ge an die ak­tu­el­len Verhält­nis­se im Ein­zel­fall zu ei­nem nied­ri­gen Alg führt, ist sie un­abhängig da­von sach­ge­recht, wor­auf die länge­re Un­ter­bre­chung der Er­werbstätig­keit je­weils be­ruht. Aus­rei­chen­de Gründe dafür, Be­rufs­pau­sen we­gen Kin­der­er­zie­hung im Un­ter­schied zu an­de­ren Sach­ver­hal­ten von ei­ner Ak­tua­li­sie­rung der Be­mes­sungs­grund­la­ge aus­zu­neh­men, sind nicht er­sicht­lich. Ge­wis­se auch am Ar­beits­markt ver­wert­ba­re Grund­fer­tig­kei­ten wie zB Or­ga­ni­sa­ti­ons­ta­lent wer­den zwar im Rah­men der Kin­der­er­zie­hung trai­niert (Val­go­lio in Hauck/Noftz, SGB III, § 132 Rd­Nr 10). Gleich­wohl muss in Rech­nung ge­stellt wer­den, dass die Ar­beits­welt und da­mit die An­for­de­run­gen, de­nen Beschäftig­te an ei­nem Ar­beits­platz kon­kret genügen müssen, ei­nem im­mer schnel­le­ren Wan­del un­ter­lie­gen. Es ist des­halb ein­leuch­tend, dass der Ge­setz­ge­ber bei der Einführung der Ver­si­che­rungs­pflicht nach § 26 Abs 2a SGB III da­von aus­ge­gan­gen ist, dass
(ge­ra­de auch) die Be­rufsrück­kehr aus Zei­ten der Kin­der­er­zie­hung ei­ne "be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung" er­for­dert, die mit dem Zu­gang zum Alg dem Grun­de nach gefördert wer­den soll (vgl BT-Drucks 14/6944 S 26 <zu Nr 7>). Ei­ne mehrjähri­ge Un­ter­bre­chung des Er­werbs­le­bens legt bei le­bens­na­her Be­trach­tung stets die Möglich­keit na­he, dass der "An­schluss" an ak­tu­el­le be­ruf­li­che Ge­ge­ben­hei­ten zu­min­dest in ge­wis­sem Maße ver­lo­ren ge­gan­gen ist, so­dass ein naht­lo­ser Wie­der­ein­stieg in die bis­he­ri­ge Be­rufs­bio­gra­fie, ins­be­son­de­re mit ei­nem völlig un­veränder­ten Markt­wert der an­ge­bo­te­nen Ar­beits­leis­tung, nicht als ge­si­chert gel­ten kann.
d) Ei­ne Ver­let­zung des Gleich­heits­sat­zes lässt sich hier auch un­ter Berück­sich­ti­gung des die Ge­stal­tungs­frei­heit des Ge­setz­ge­bers ein­engen­den Schutz­auf­trags aus Art 6 Abs 1 GG nicht fest­stel­len. Die Förde­rung der Be­treu­ung und Er­zie­hung von Kin­dern liegt im fa­mi­li­en- und so­zi­al­po­li­ti­schen Er­mes­sen des Ge­setz­ge­bers. Nicht ein­mal, wo es um den Zu­gang zum Alg durch Erfüllung der An­wart­schafts­zeit geht, ist der Ge­setz­ge­ber, der sich im Rah­men sei­nes Er­mes­sens bei der Aus­ge­stal­tung von staat­li­chen Leis­tun­gen für ei­ne fa­mi­li­en­po­li­ti­sche Förde­rung durch Gewährung von Er­zie­hungs­geld (bzw El­tern­geld) und Er­zie­hungs­ur­laub (bzw El­tern­zeit) ent­schie­den hat, da­zu ver­pflich­tet, die­se Förde­rung auch im Zu­sam­men­hang mit an­de­ren so­zi­al­recht­li­chen Re­ge­lun­gen in glei­cher Wei­se zur Gel­tung zu brin­gen (BVerfG NZA-RR 2005, 154 <ju­ris-Rd­Nr 22, 23>, Nicht­an­nah­me­be­schluss zu BSG SozR 4-4300 § 124 Nr 1; BSG SozR 4-4300 § 147 Nr 3).
Im Übri­gen ist selbst ei­ne punk­tu­el­le ge­setz­li­che Be­nach­tei­li­gung ei­nes Per­so­nen­krei­ses, für den der Schutz­auf­trag des Art 6 Abs 1 GG gilt, nicht zu be­an­stan­den, wenn die ge­setz­li­che Re­ge­lung im Gan­zen be­trach­tet kei­ne Schlech­ter­stel­lung die­ses Per­so­nen­krei­ses be­wirkt, son­dern ihn teil­wei­se begüns­tigt und teil­wei­se be­nach­tei­ligt (BVerfGE 107, 205, 216). In­so­weit ist zu be­den­ken, dass er­zie­hen­de El­tern aus förde­rungs­po­li­ti­schen Mo­ti­ven, die mit der klas­si­schen Auf­ga­be der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung nichts zu tun ha­ben, da­durch begüns­tigt wer­den, dass auch bei länge­rer Un­ter­bre­chung der Er­werbstätig­keit der Zu­gang zum Alg in­fol­ge der von ei­ner Beschäfti­gung los­gelösten ver­si­che­rungs­recht­li­chen Berück­sich­ti­gung von Er­zie­hungs- bzw El­tern­zei­ten er­hal­ten bleibt (bis zum 31. De­zem­ber 2002 durch ei­ne Verlänge­rung der Rah­men­frist gemäß § 124 Abs 2 Nr 3 SGB III aF, seit 1. Ja­nu­ar 2003 durch die Ver­si­che­rungs­pflicht nach § 26 Abs 2a SGB III). Selbst wenn ei­ne Be­nach­tei­li­gung dar­in zu se­hen wäre, dass das Ge­setz für er­zie­hen­de El­tern un­ter den­sel­ben Vor­aus­set­zun­gen wie für die übri­gen Ver­si­cher­ten ei­ne fik­ti­ve Be­mes­sung vor­sieht, führt die­ser Nach­teil bei ei­ner Ge­samt­be­trach­tung nicht zu ei­ner Schlech­ter­stel­lung der Er­zie­hen­den. Die gewähr­ten ver­si­che­rungs­recht­li­chen Vergüns­ti­gun­gen für die­sen Per­so­nen­kreis zwin­gen den Ge­setz­ge­ber nicht da­zu, El­tern bei der Be­rufsrück­kehr nach Er­zie­hungs­zei­ten ei­ne ge­genüber an­de­ren Ver­si­cher­ten wei­te­re zusätz­li­che Vergüns­ti­gung ein­zuräum­en.
3. Auf der Grund­la­ge der vor­ste­hen­den Erwägun­gen kann auch nicht an­ge­nom­men wer­den, dass die strit­ti­ge Re­ge­lung ge­gen Ge­mein­schafts­recht verstößt, ins­be­son­de­re ge­gen die Richt-li­nie 79/7/EWG des Ra­tes vom 19. De­zem­ber 1978 zur schritt­wei­sen Ver­wirk­li­chung des
Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en im Be­reich der so­zia­len Si­cher­heit (ABl L 6 S 24), de­ren Art 4 Abs 1 den Fort­fall jeg­li­cher un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung auf Grund des Ge­schlechts (ua) bei der Be­rech­nung von So­zi­al­leis­tun­gen pos­tu­liert. Da­bei kann un­ter­stellt wer­den, dass die Re­ge­lun­gen zur fik­ti­ven Be­mes­sung des Alg, die we­gen ih­rer Gel­tung für al­le Ver­si­cher­ten je­den­falls kei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung auf Grund des Ge­schlechts be­inhal­ten, in der Pra­xis vor­wie­gend bei Frau­en zur An­wen­dung kom­men, die sich nach der Kin­der­er­zie­hung wie­der dem Ar­beits­markt zur Verfügung stel­len. Gleich­wohl ist der An­schein der Dis­kri­mi­nie­rung wi­der­legt, wenn die in Re­de ste­hen­de Re­ge­lung durch Fak­to­ren sach­lich ge­recht­fer­tigt ist, die nichts mit ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung auf Grund des Ge­schlechts zu tun ha­ben (EuGH NJW 2008, 499, 501 mwN <Rd­Nr 42>). Letz­te­res ist der Fall, wenn die gewähl­ten Mit­tel ei­nem le­gi­ti­men Ziel der So­zi­al­po­li­tik des be­tref­fen­den Mit­glied­staats die­nen und zur Er­rei­chung die­ses Ziels ge­eig­net und er­for­der­lich sind (Eu­GHE I 1995, 4741 = SozR 3-6083 Art 4 Nr 12 mwN; vgl auch Eu­GHE I 1991, 2205 = SozR 3-6083 Art 4 Nr 3; Eu­GHE I 1995, 4625 = SozR 3-6083 Art 4 Nr 11; Eu­GHE I 1996, 179 = SozR 3-6083 Art 4 Nr 13).
Da­nach ist hier im Er­geb­nis kei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung auf Grund des Ge­schlechts er­sicht­lich, weil es aus den be­reits ge­nann­ten Gründen sach­lich ge­recht­fer­tigt ist, bei al­len Ver­si­cher­ten, die bei Ein­tritt der Ar­beits­lo­sig­keit kei­nen aus­rei­chend zeit­na­hen Be­mes­sungs­zeit­raum mit An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt vor­zu­wei­sen ha­ben, ei­ne Ak­tua­li­sie­rung des Be­mes­sungs­ent­gelts vor­zu­neh­men. Die gewähl­te Me­tho­de, in die­sen Son­derfällen das ak­tu­ell er­ziel­ba­re Ar­beits­ent­gelt fik­tiv zu be­mes­sen, ent­spricht dem Grund­prin­zip der deut­schen Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung, ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich (nur) für den auf Grund der Ar­beits­lo­sig­keit aus­fal­len­den Lohn zu leis­ten, und sie ist ge­eig­net und er­for­der­lich, die Lohn­er­satz­funk­ti­on des Alg auch dann zu wah­ren, wenn das in der Ver­gan­gen­heit zu­letzt er­ziel­te Ar­beits­ent­gelt nicht mehr genügend Auf­schluss über die Höhe des durch den der­zei­ti­gen Ver­si­che­rungs­fall ver­ur­sach­ten "Scha­dens" (Lohn­aus­fall) zu ge­ben ver­mag.
4. Sch­ließlich konn­te sich der Se­nat auch nicht da­von über­zeu­gen, dass die nähe­re Aus­ge­stal­tung der fik­ti­ven Be­mes­sung durch § 132 Abs 2 SGB III ge­gen höher­ran­gi­ges Recht verstößt.
a) Die in der neu­en Be­mes­sungs­me­tho­de des § 132 Abs 2 SGB III lie­gen­de Ab­kehr von der in­di­vi­du­el­len Er­mitt­lung des er­ziel­ba­ren ta­rif­li­chen Ar­beits­ent­gelts (§ 133 Abs 4 SGB III aF), die zu ei­ner deut­li­chen Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung führt (vgl Rolfs in Ga­gel, SGB III, § 132 Rd­Nr 4), be­geg­net als sol­che zunächst kei­nen durch­grei­fen­den Be­den­ken. Ins­be­son­de­re liegt dar­in nicht - wie von der Re­vi­si­on an­ge­nom­men - ein Ver­s­toß ge­gen das Willkürver­bot des Art 3 GG. Denn der Ge­setz­ge­ber ist bei der Ord­nung von Mas­sen­er­schei­nun­gen grundsätz­lich be­rech­tigt, in we­sent­li­chen Ele­men­ten gleich ge­ar­te­te Le­bens­sach­ver­hal­te durch ty­pi­sie­ren­de Re­ge­lun­gen nor­ma­tiv zu­sam­men­zu­fas­sen, im Tatsächli­chen be­ste­hen­de Be­son­der­hei­ten ge­ne­ra­li­sie­rend zu ver­nachlässi­gen so­wie Begüns­ti­gun­gen oder Be­las­tun­gen in ei­ner ge­wis­sen Band­brei­te nach
oben und un­ten pau­scha­lie­rend zu be­stim­men, je­den­falls wenn die da­mit ver­bun­de­nen Härten nicht be­son­ders schwer wie­gen und nur un­ter Schwie­rig­kei­ten ver­meid­bar wären. Da­bei darf der Ge­setz­ge­ber auch die Prak­ti­ka­bi­lität und Ein­fach­heit des Rechts als hoch­ran­gi­ge Zie­le berück­sich­ti­gen, um den Er­for­der­nis­sen ei­ner Mas­sen­ver­wal­tung Rech­nung zu tra­gen (vgl zB BVerfGE 84, 348, 359; BVerfGE 111, 115, 137, je­weils mwN).
Mit dem Drit­ten Ge­setz für mo­der­ne Dienst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt soll­ten die be­reits ein­ge­lei­te­ten Re­for­men fort­ge­setzt wer­den, um mit dem kurz- und mit­tel­fris­ti­gen Ziel ei­nes Ab­baus der Ar­beits­lo­sig­keit die Lösung der Pro­ble­me auf dem Ar­beits­markt vor­an­zu­trei­ben (Be­gründung des Ge­setz­ent­wurfs der da­ma­li­gen Re­gie­rungs­frak­tio­nen, BT-Drucks 15/1515 S 71). Dafür wur­de ua ei­ne durch­grei­fen­de Ver­ein­fa­chung des Leis­tungs­rechts der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung für er­for­der­lich ge­hal­ten, weil ihr zen­tra­le Be­deu­tung vor al­lem für ei­ne bes­se­re, schnel­le­re Ver­mitt­lung zu­kom­me. Denn man ging da­von aus, dass das im Lau­fe der Jah­re übe­r­aus kom­plex ge­wor­de­ne und nur noch schwer durch­schau­ba­re Leis­tungs­recht in er­heb­li­chem Um­fang die Bin­dung von Ka­pa­zitäten im Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren ver­ur­sa­che, die bei den Bemühun­gen um mo­der­ne Dienst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt für die Be­ra­tung und Be­treu­ung der Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber und die be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung Ar­beits­lo­ser drin­gend benötigt würden (aaO S 73 und 85 <zu Nr 71>). Dar­um soll­ten Viel­falt und Kom­ple­xität der Re­ge­lun­gen zurück­geführt und das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren deut­lich und nach­hal­tig ver­ein­facht wer­den. Um dies und im End­ef­fekt ein güns­ti­ge­res Verhält­nis von Ver­mitt­lern zu Ar­beit­su­chen­den zu er­rei­chen, hielt man es für not­wen­dig, um den Preis von we­ni­ger Ein­zel­fall­ge­rech­tig­keit und von so­wohl güns­ti­gen wie auch ungüns­ti­gen Aus­wir­kun­gen für Be­trof­fe­ne de­tail­lier­te Ein­zel­fall­re­ge­lun­gen durch ein größeres Maß an Pau­scha­lie­rung zu er­set­zen und Aus­nah­me­re­ge­lun­gen zu be­schränken, oh­ne das Si­che­rungs­ni­veau der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ins­ge­samt zu be­ein­träch­ti­gen (aaO S 73 und 85 <zu Nr 71>). Zu der an­ge­streb­ten Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung soll­te auch der Über­gang zu ei­ner Pau­scha­lie­rung bei der fik­ti­ven Leis­tungs­be­mes­sung bei­tra­gen (aaO S 85 f <zu § 132>). Von den Re­for­men im Recht der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­sprach man sich nach ei­ner Über­g­angs­zeit die Frei­set­zung von Per­so­nal­ka­pa­zitäten von et­wa 3.000 Jah­res­ar­beits­kräften, die dann zur Verstärkung der Ver­mitt­lung und Ein­glie­de­rung von Ar­beits­lo­sen zur Verfügung stünden (aaO S 2 <zu D.2.>).
Da­nach greift die Kri­tik zu kurz, dass die gewähl­te Be­mes­sungs­me­tho­de nur der Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung die­ne. Die­se ist viel­mehr (iS ei­nes Mit­tels zum Zweck) ei­nem wei­ter ge­hen­den Ziel un­ter­ge­ord­net, weil mit der er­streb­ten Frei­set­zung bis­her durch die Leis­tungs­be­mes­sung ge­bun­de­ner per­so­nel­ler Res­sour­cen letzt­lich dem in §§ 4 und 5 SGB III ver­an­ker­ten Vor­rang der Ver­mitt­lung und der ak­ti­ven Ar­beitsförde­rung (§ 3 Abs 4 SGB III) vor Leis­tun­gen zum Er­satz des Ar­beits­ent­gelts bei Ar­beits­lo­sig­keit mehr prak­ti­sche Gel­tung ver­schafft wer­den soll. Die Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung ist mit an­de­ren Wor­ten ein vom Ge­setz­ge­ber für not­wen­dig ge­hal­te­nes Ele­ment des Ge­samt­kon­zepts, durch so­zi­al­po­li­ti­sche Re­for­men für ei­nen Ab­bau der an­hal­tend ho­hen Ar­beits­lo­sig­keit zu sor­gen. Dass die­sem End­ziel we­gen sei­ner großen Be-
deu­tung für das Ge­mein­wohl ein ho­hes Ge­wicht bei­ge­mes­sen wer­den durf­te, liegt auf der Hand.
Der Ge­setz­ge­ber muss­te auch nicht da­von aus­ge­hen, dass die­se Pau­scha­lie­rung in zahl­rei­chen Fällen zu be­son­ders schwer wie­gen­den Härten führt. Denn die aus der Ren­ten­ver­si­che­rung be­reits länger be­kann­te Er­mitt­lung fik­ti­ver Ent­gel­te an­hand der Ein­stu­fung in Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pen (§§ 256b Abs 1, 256c Abs 3 So­zi­al­ge­setz­buch Sechs­tes Buch <SGB VI> iVm An­la­ge 13 zu die­sem Ge­setz, hier idF der Be­kannt­ma­chung vom 19. Fe­bru­ar 2002, BGBl I 754) kann we­gen der er­fah­rungs­gemäß in der Re­gel be­ste­hen­den Abhängig­keit zwi­schen be­ruf­li­cher Qua­li­fi­ka­ti­on und Ver­dienstmöglich­kei­ten als ge­eig­ne­te Me­tho­de an­ge­se­hen wer­den, um je­den­falls in der über­wie­gen­den Mehr­zahl der Fälle zu ei­nem an­ge­mes­se­nen Er­geb­nis zu kom­men.
b) Sch­ließlich lässt sich nicht die Über­zeu­gung ge­win­nen, dass die Höhe der in § 132 Abs 2 Satz 2 SGB III den ein­zel­nen Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pen je­weils zu­ge­ord­ne­ten Ar­beits­ent­gel­te als un­an­ge­mes­sen zu be­an­stan­den ist (kri­tisch, aber of­fen las­send: Beh­rend in Ei­cher/Schle­gel, SGB III, § 132 Rd­Nr 49 f). Für ei­nen von der Re­vi­si­on in­so­weit be­haup­te­ten Ver­s­toß des Leis­tungs­ni­veaus ge­gen die Art 3, 6 oder 14 GG ist nichts er­sicht­lich.
Die Hin­ter­gründe der Fest­set­zung der fik­ti­ven Ar­beits­ent­gel­te können ei­nem erläutern­den Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ar­beit und So­zia­les vom 14. De­zem­ber 2005 (ab­ge­druckt bei Beh­rend in Ei­cher/Schle­gel, SGB III, An­hang zu § 132) ent­nom­men wer­den. Da­nach wur­de zunächst als Ba­sis für die pau­scha­lie­ren­de Neu­re­ge­lung die Grup­pe der Ar­beit­neh­mer mit ab­ge­schlos­se­ner Be­rufs­aus­bil­dung aus­gewählt, weil sie nach dem aus­ge­wer­te­ten Da­ten­ma­te­ri­al des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes zum ei­nen mit ei­nem An­teil von et­wa 70 vH die mit Ab­stand größte Grup­pe un­ter den Ar­beit­neh­mern bil­det und weil zum an­de­ren das Ar­beits­ent­gelt die­ser Grup­pe in et­wa dem durch­schnitt­li­chen Ar­beits­ent­gelt al­ler Ar­beit­neh­mer ent­spricht. Das von die­ser Grup­pe er­ziel­te durch­schnitt­li­che Ar­beits­ent­gelt wur­de al­ler­dings nicht un­verändert als Eck­wert zu Grun­de ge­legt, son­dern die­ser Grup­pe wur­de ein Ar­beits­ent­gelt zu­ge­ord­net, das dem durch­schnitt­li­chen Ar­beits­ent­gelt al­ler Be­zie­her von Alg (ca 80 vH der Be­zugs­größe) ent­spricht. Hier­bei ging man zum ei­nen da­von aus, dass die Höhe des Ent­gelts so fest­zu­set­zen sei, dass ei­ne Ar­beits­auf­nah­me für den Ar­beits­lo­sen grundsätz­lich ei­ne wirt­schaft­lich sinn­vol­le Ent­schei­dung blei­be. Zum an­de­ren wur­de er­wo­gen, dass bei Ar­beits­lo­sen, die zu­letzt kein oder kein ty­pi­sches Ar­beits­ent­gelt er­zielt oder ein sol­ches Ent­gelt nur für we­ni­ger als 150 Ta­ge in­ner­halb der letz­ten zwei Jah­re be­zo­gen ha­ben, als An­knüpfungs­punkt für das ak­tu­ell er­ziel­ba­re Ent­gelt das durch­schnitt­lich von al­len Ar­beit­neh­mern er­ziel­te Ar­beits­ent­gelt we­ni­ger gut ge­eig­net sei als das durch­schnitt­li­che Ar­beits­ent­gelt al­ler Be­zie­her von Alg. Das des­we­gen der Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pe der Ar­beit­neh­mer mit ab­ge­schlos­se­ner Be­rufs­aus­bil­dung (Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pe 3) zu­ge­ord­ne­te tägli­che Ar­beits­ent­gelt von 1/450 der jähr­li­chen Be­zugs­größe wur­de un­ter Ori­en­tie­rung an den durch die Ge­halts- und Lohn­struk­tur­er­he­bung aus­ge­wie­se­nen Spann­wei­ten der Ent­geltabstände für die übri­gen Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pen
pau­scha­lie­rend in Ab­stu­fun­gen von je 20 Pro­zent­punk­ten höher bzw nied­ri­ger fest­ge­setzt (Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pe 2: 100 vH der Be­zugs­größe <1/360>; Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pe 1: 120 vH der Be­zugs­größe <1/300>; Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pe 4: 60 vH der Be­zugs­größe <1/600>).
Die ge­nann­ten Über­le­gun­gen er­schei­nen grundsätz­lich ver­tret­bar und an­ge­mes­sen. Das Be­stre­ben, ein Leis­tungs­ni­veau zu ver­hin­dern, das über ei­nen Aus­gleich für das ak­tu­ell er­ziel­ba­re Ent­gelt hin­aus­geht, recht­fer­tigt sich oh­ne wei­te­res aus der Lohn­er­satz­funk­ti­on des Alg. Es ist auch nicht ver­fehlt, in die­sem Zu­sam­men­hang die Ge­fahr zu se­hen, dass an­de­ren­falls der Be­zug von Alg at­trak­ti­ver sein könn­te als die Auf­nah­me ei­ner Beschäfti­gung. Aus den be­reits ge­nann­ten Gründen ist fer­ner grundsätz­lich nicht zu be­an­stan­den, bei Per­so­nen, de­ren Be­rufs­bio­gra­fie Lücken auf­weist und die in den letz­ten zwei Jah­ren nur für we­ni­ger als 150 Ta­ge Ar­beits­ent­gelt er­zielt ha­ben, ty­pi­sie­rend da­von aus­zu­ge­hen, dass der ak­tu­el­le Markt­wert der Ar­beits­leis­tung in der Re­gel durch die durch­schnitt­li­chen Ent­gel­te al­ler in ei­ner Beschäfti­gung ste­hen­den Ar­beit­neh­mer nicht mehr zu­tref­fend re­präsen­tiert wird. Die auf die­sen Grund­la­gen er­folg­te pau­scha­lie­ren­de Fest­set­zung der den ein­zel­nen Qua­li­fi­ka­ti­ons­stu­fen zu­ge­ord­ne­ten Bruch­tei­le der Be­zugs­größe scheint auch noch genügend sta­tis­tisch ab­ge­si­chert, da sich der durch den in­di­vi­du­el­len Ver­si­che­rungs­fall ak­tu­ell ein­tre­ten­de Lohn­aus­fall oh­ne­hin nicht ex­akt be­stim­men, son­dern nur schätzen lässt. Als willkürlich wäre le­dig­lich ei­ne Schätzungs­me­tho­de an­zu­se­hen, die man­gels ge­eig­ne­ter An­knüpfungs­punk­te so­zu­sa­gen "in der Luft hängt"; da­von kann aber hier an­ge­sichts der Ori­en­tie­rung am durch­schnitt­li­chen Ar­beits­ent­gelt al­ler Be­zie­her von Alg kei­ne Re­de sein.
Die kon­kre­ten Aus­wir­kun­gen der Re­ge­lung im vor­lie­gen­den Fall ver­deut­li­chen dies. Die Kläge­rin hat nach ih­rer El­tern­zeit von ih­rem Ar­beit­ge­ber zu­letzt ein Ar­beits­ent­gelt von 2.324 € er­hal­ten, dh 77,47 € täglich (2.324 € : 30). Das von der Be­klag­ten bei der Be­wil­li­gung zu Grun­de ge­leg­te tägli­che Be­mes­sungs­ent­gelt von 64,40 € ist dem­ge­genüber um knapp 17 vH nied­ri­ger. Es drängt sich auch nach den kon­kre­ten Verhält­nis­sen des zu ent­schei­den­den Falls nicht auf, dass die Dif­fe­renz von knapp 17 vH zwi­schen dem (fik­ti­ven) Be­mes­sungs­ent­gelt und dem zu­letzt - kurz­fris­tig und oh­ne Ar­beits­leis­tung - er­ziel­ten Ent­gelt an­ge­sichts der re­gelmäßig zu ver­mu­ten­den Min­de­rung des Markt­werts der Ar­beits­leis­tung über­zo­gen und sach­lich un­an­ge­mes­sen ist.
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