Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=15.09.2005&Aktenzeichen=I%20ZR%2058%2F03
Timestamp: 2019-06-17 01:56:25
Document Index: 364328115

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', '§ 9', '§ 24', '§ 67', '§ 475', '§ 278', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 398', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 309', '§ 307', '§ 309', '§ 307', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 309', 'BGH']

BGH, 15.09.2005 - I ZR 58/03 - dejure.org
https://dejure.org/2005,1888
BGH, 15.09.2005 - I ZR 58/03 (https://dejure.org/2005,1888)
BGH, Entscheidung vom 15.09.2005 - I ZR 58/03 (https://dejure.org/2005,1888)
BGH, Entscheidung vom 15. September 2005 - I ZR 58/03 (https://dejure.org/2005,1888)
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AGBG a. F. § 9 Abs. 2 Nr. 2; ADSp Ziffer 24 (Fassung 1998)
Schadensersatzanspruch wegen des Verlustes von Frachtgut; Annahme eines kombinierten Frachtvertrages und Lagervertrages im Wege der Vertragsauslegung; Revisionsrechtliche Angreifbarkeit der tatrichterlichen Auslegungen; Formularmäßige Haftungsbeschränkung des Lagerverwalters für seine Erfüllungsgehilfen; Zulässigkeit einer beschränkten Haftung bei grob fahrlässiger oder vorsätzlicher Schadensverursachung
Formularmäßige Vereinbarung der Begrenzung der Haftung auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit von Erfüllungsgehilfen
Keine Haftungsbeschränkung bei Schaden durch Erfüllungsgehilfen
Wirksamkeit der Haftungsbegrenzung für Handlungen des Erfüllungsgehilfen
AGBG § 9; ADSp § 24; VVG § 67; HGB § 475; BGB § 278
Unangemessene Benachteiligung durch formularmäßige Begrenzung der Haftung des Fracht-Einlagerers bei grob fahrlässiger und vorsätzlicher Verletzung wesentlicher Pflichten durch Erfüllungsgehilfen
LG Köln, 17.10.2001 - 91 O 114/00
OLG Köln, 28.01.2003 - 3 U 229/01
Das Berufungsgericht muss aber einen Zeugen nochmals vernehmen, wenn es dessen Glaubwürdigkeit anders beurteilen oder den Beurkundungen des Zeugen eine andere Tragweite oder ein anderes Gewicht geben will, sie also anders verstehen oder würdigen will als die Vorinstanz (BGH, Urteil vom 15. September 2005 - I ZR 58/03, juris Rn. 23).
Das Revisionsgericht kann die Vertragsauslegung nur darauf überprüfen, ob sie gegen gesetzliche Auslegungsregeln oder Denkgesetze verstößt, erfahrungswidrig ist oder wesentlichen Tatsachenstoff außer Acht lässt (BGHZ 150, 32, 37 - Unikatrahmen; BGH, Urt. v. 15.9.2005 - I ZR 58/03, TranspR 2006, 38 Tz. 27).
Anerkannt ist jedoch, dass das Berufungsgericht einen Zeugen nochmals vernehmen muss, wenn es dessen Glaubwürdigkeit anders beurteilen oder den Beurkundungen des Zeugen eine andere Tragweite oder ein anderes Gewicht geben, sie also anders verstehen oder würdigen will als die Vorinstanz (vgl. BGH, Urteile vom 20. November 1984 - IV ME 74/83 [richtig: VI ZR 73/83 - d. Red.] , NJW 1985, 3078, unter II 2; vom 12. November 1991 - VI ZR 369/90, NJW 1992, 741, unter II 2 b bb; Urteil vom 19. Februar 1998 - I ZR 20/96, NJW-RR 1998, 1601, unter II 2 a; Urteil vom 15. September 2005 - I ZR 58/03, NJW-RR 2006, 267, Tz. 23; Senatsurteil vom 8. Dezember 1999 - VIII ZR 340/98, NJW 2000, 1199, unter II 2 a).
Dieser Grundsatz ist Ausprägung der pflichtgebundenen Ausübung des dem Berufungsgericht nach § 398 Abs. 1 ZPO eingeräumten Ermessens (BGH, Urteil vom 15. September 2005, aaO;… Senatsurteil vom 8. Dezember 1999, aaO).
Es ist aber verpflichtet, einen in erster Instanz vernommenen Zeugen erneut zu vernehmen, wenn es seine Glaubwürdigkeit anders als der Erstrichter beurteilen oder die protokollierte Aussage anders als die Vorinstanz verstehen oder würdigen will (…Senatsbeschluss vom 21. April 2010 - IV ZR 172/09, juris Rn. 5;… BGH, Beschlüsse vom 14. Juli 2009 - VIII ZR 3/09, NJW-RR 2009, 1291 Rn. 5; vom 15. September 2005 - I ZR 58/03, NJW-RR 2006, 267 unter II 1 a aa; vom 12. März 2004 - V ZR 257/03, BGHZ 158, 269, 272 ff.; vom 8. Dezember 1999 - VIII ZR 340/98, NJW 2000, 1199 unter II 2 a; vom 10. März 1998 - VI ZR 30/97, NJW 1998, 2222 unter II A 1 b; vom 30. September 1992 - VIII ZR 196/91, NJW 1993, 64 unter II 2 a; jeweils m.w.N.).
Nicht zu beanstanden ist ferner, dass die streitgegenständliche Klausel in ihrem letzten Halbsatz auch hinsichtlich so genannter Kardinalpflichten eine Haftungsbegrenzung bei einfacher Fahrlässigkeit vorsieht (vgl. BGH, Urteil vom 11. November 1992 - VIII ZR 238/91, NJW 1993, 335. BGH, Urteil vom 15. September 2005 - I ZR 58/03, NJW-RR 2006, 276. Ulmer/Brandtner/Hensen-Christensen, a. a. O., § 309 Nr. 7 Rdn. 39 und 40. Palandt/Grüneberg, a. a. O., § 307 Rdn. 50 und § 309 Rdn. 48).
Diese Formulierung, mit welcher die Beklagte die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs berücksichtigt, wonach ein Verstoß gegen § 307 BGB vorliegt, wenn eine Haftungsbeschränkung auch die Verletzung von Kardinalspflichten umfasst und der Haftungshöchstbetrag die vertragstypischen, vorhersehbaren Schäden nicht abdeckt (vgl. BGH, NJW-RR 2006, S. 267 ff), lässt für den Vertragspartner der Beklagten nicht ansatzweise erkennen, ob ihm aufgrund der Haftungsbeschränkung überhaupt bzw. in welchem Umfang ihm Ansprüche zustehen.
Auch Haftungsbegrenzungen (nicht nur Haftungsausschlüsse) in AGB können nicht beliebig ohne Rücksicht auf das Ausmaß des Verschuldens vereinbart werden (vgl. zu ADSp BGH NJW-RR 2006, 267, Tz. 36 und 40, zitiert nach juris, auch wenn es dort um die Verletzung von Kardinalpflichten ging).
Nach der Rechtsprechung des BGH darf eine Haftungsbeschränkung nicht dazu führen, dass der Klauselverwender von Verpflichtungen befreit wird, deren Erfüllung die ordnungsgemäße Durchführung des Vertrags überhaupt erst ermöglicht und auf deren Einhaltung der Vertragspartner regelmäßig vertraut und vertrauen darf (BGHZ 164, 11 [36] = NJW-RR 2006, 1496 = NJW 2006, 46 L; BGH, NJW-RR 2006, 267 Rdnr. 38).
Damit liegt eine unter § 309 Nr. 7 b BGB einzuordnende, unzulässige Beschränkung der Haftung vor (BGH…, Urteil vom 15.11.2006, VIII ZR 3/06 Rn. 20; Urteil vom 29.05.2008, III ZR 59/07 RN. 35; vgl. auch Urteil vom 15.09.2005, I ZR 58/03 Rn. 36, 40 zur betragsmäßigen Begrenzung).