Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=10.09.2002&Aktenzeichen=XI%20ZR%20305%2F01
Timestamp: 2019-02-24 02:07:39
Document Index: 368385585

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 3', '§ 305', '§ 307', '§ 3', '§ 3', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 305', 'BGH', '§ 765']

BGH, 10.09.2002 - XI ZR 305/01 - dejure.org
AGBG §§ 3, 9 Bm
Garantie auf erstes Anfordern und Einbeziehungs- und Inhaltskontrolle nach AGB-Recht: Nichteinbeziehung überraschender Klauseln (§ 305 c I BGB), Inhaltskontrolle nach der Generalklausel (§ 307 I, II BGB)
Selbständiger Garantievertrag - Garantie auf erstes Anfordern - Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) - Factoringnehmer - Kaufpreisforderung - Überraschende Klausel - Inhaltskontrolle
Unwirksamkeit einer Factoringvertragsklausel, die den Geschäftsführer der Factoringgeberin bei bestrittenen Kaufpreisforderungen zur Zahlung auf erstes Anfordern verpflichtet
Formularmäßige Verpflichtung des Factorgebers zur Zahlung auf erstes Anfordern unwirksam
Factoring, Zahlung auf erstes Anfordern bei -
Zur Frage der Wirksamkeit einer AGB-Klausel des Factoringnehmers, die den Geschäftsführer des Factoringgebers im Rahmen eines Garantievertrags zur Zahlung auf erstes Anfordern verpflichtet
AGBG §§ 3 9
AGBG §§ 3, 9
Zivilrecht; Garantieversprechen auf erstes Anfordern in AGB
Unwirksamkeit einer Factoringvertragsklausel über Verpflichtung des Geschäftsführers der Factoringgeberin zur Zahlung auf erstes Anfordern bei bestrittenen Kaufpreisforderungen
Wirksamkeit einer AGB-Klausel des Factoringnehmers, die den Geschäftsführer des Factoringgebers im Rahmen eines Garantievertrages zur Zahlung auf erstes Anfordern verpflichtet
NJW 2002, 3627
ZIP 2002, 2034
MDR 2003, 16
WM 2002, 2192
BB 2003, 70
DB 2002, 2372
Generell kommt es dabei nicht auf den Kenntnisstand des einzelnen Vertragspartners, sondern auf die Erkenntnismöglichkeiten des für derartige Verträge in Betracht kommenden Personenkreises an (BGH, Urteile vom 30. Oktober 1987 - V ZR 174/86, BGHZ 102, 152, 159; vom 24. Oktober 2000 - XI ZR 273/99, NJW-RR 2001, 1420 unter II 2 a aa; vom 10. September 2002 - XI ZR 305/01, NJW 2002, 3627 unter II).
Es kommt nicht auf den Kenntnisstand des einzelnen Vertragspartners an, maßgeblich sind vielmehr die Erkenntnismöglichkeiten des für derartige Verträge in Betracht kommenden Personenkreises (BGH 10. September 2002 - XI ZR 305/01 - NJW 2002, 3627).
aa) Zuzustimmen ist dem Berufungsgericht allerdings darin, dass eine inhaltlich übliche Klausel ihren überraschenden Charakter nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs auch aufgrund eines ungewöhnlichen äußeren Erscheinungsbilds des Vertrags (vgl. BGHZ 101, 29, 33; Senatsurteile vom 16. Januar 2001 - XI ZR 84/00, WM 2001, 455, 456 und vom 10. September 2002 - XI ZR 305/01, WM 2002, 2192, 2193 sowie BGH, Urteil vom 11. Dezember 2003 - III ZR 118/03, WM 2004, 278, 280) oder ihrer Unterbringung an unerwarteter Stelle im Vertrag, die einem Verstecken gleichkommt, erhalten kann (vgl. BGHZ 84, 109, 113 und BGH, Urteil vom 1. Juni 1989 - X ZR 78/88, WM 1989, 1469 f.).
Die von dem Beklagten in der Urkunde übernommene Verpflichtung, den Bürgschaftsbetrag "auf erste schriftliche Anforderung ... ohne weitere Prüfung der Berechtigung der durch diese Bürgschaft gesicherten Ansprüche" zu bezahlen, ist nach § 305 c Abs. 1 BGB n.F. jedenfalls gegenüber einer Privatperson wie dem Beklagten unwirksam, weil sie für ihn überraschend ist und er mit einer solch einschneidenden Verpflichtung nicht zu rechnen brauchte (BGH NJW 2002, 3627; OLG Hamm BauR 1998, 135;… Habersack aaO, § 765 Rdnr. 100 m.w.N.).