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Timestamp: 2018-10-15 19:22:40
Document Index: 114391159

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 5', '§ 10', '§ 25', '§ 26', '§ 17', '§ 2']

ergo-online® - Vorsorgeuntersuchung Augen
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Bildschirmarbeitskräfte haben Anspruch auf regelmäßige Augenuntersuchungen, die der Arbeitgeber anzubieten hat.
Das ist gesetzlich in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge geregelt.
Damit soll verhindert werden, dass schlechtes Sehen Beschwerden verursacht.
Die Untersuchungen haben stattzufinden vor der Arbeitsaufnahme, danach in bestimmten Abständen und wenn Probleme mit den Augen auftreten.
Sie sind nach Möglichkeit durch den Betriebsarzt vorzunehmen.
Bei Bildschirmarbeit erbringen die Augen Höchstleistungen. Deshalb sind regelmäßige Augenuntersuchungen wichtig und die Verordnung zu arbeitsmedizinischen Vorsorge schreibt sie vor.
Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet die Arbeitgeber dazu, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine regelmäßige arbeitsmedizinische Untersuchung zu ermöglichen. Nach Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ArbMedVV und der Bildschirmarbeitsverordnung haben Beschäftigte an Bildschirmarbeitsplätzen Anspruch auf eine angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens. Sie sollte schriftlich angeboten werden und während der Arbeitszeit stattfinden. Die Kosten trägt der Arbeitgeber.
Dies gilt für jene Beschäftigte, die "gewöhnlich bei einem nicht unwesentlichen Teil ihrer normalen Arbeit ein Bildschirmgerät benutzen." Der berufsgenossenschaftliche Grundsatz für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen an Bildschirmarbeitsplätzen G 37 definiert dies als Arbeiten, die ohne Bildschirmunterstützung nicht zu erledigen sind.
Die Auswahlkriterien für die G 37 verweisen darauf, dass bei Beschäftigte an folgenden Arbeitsplätzen mit Augenbelastungen und Gesundheitsbeschwerden zu rechnen ist: ständige Datenerfassung und -abfrage, Sachbearbeitung und Dialogverkehr, Textverarbeitung, CAD-Anwendungen und Bildverarbeitung.
Die Untersuchung der Augen und des Sehvermögens
muss vor Aufnahme der Tätigkeit an Bildschirmgeräten erfolgen (Erstuntersuchung),
anschließend in regelmäßigen Abständen (Nachuntersuchung),
und wenn Sehbeschwerden auftreten, die auf die Bildschirmarbeit zurückgeführt werden können (vorzeitige Nachuntersuchung).
Teil der arbeitsmedizinischen Vorsorge
Die Augenuntersuchung fällt unter die Angebotsvorsorge. Das heißt: Der Arbeitgeber muss sie anbieten, der Beschäftigte muss sie aber nicht wahrnehmen. Das folgt aus der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV). Nehmen Beschäftigte das Angebot der Vorsorge nicht an, so darf das keine negativen Konsequenzen haben, etwa nicht mehr am Bildschirm arbeiten zu dürfen. Die Vorsorge ist auch nicht zu verwechseln mit einer Eignungsuntersuchung. Sie zielt nicht darauf ab, nur Beschäftigte mit besonders gutem Sehvermögen an Bildschirmarbeitsplätzen einzusetzen, vielmehr hat sie die Prävention zum Ziel.
Obwohl es sich hier um ein Angebot handelt, ist es dennoch sehr zu empfehlen, die Untersuchung wahrzunehmen. Ziel ist, Augenbeschwerden, die auf Bildschirmarbeit zurückzuführen sind, beispielsweise durch eine Sehhilfe, zu beheben, und einer Überbeanspruchung der Augen, etwa aufgrund falscher Beleuchtung am Arbeitsplatz, vorzubeugen.
Der Grundsatz G 37
Der G 37 konkretisiert die Bestimmungen der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge. Die große Mehrheit der Bildschirmarbeiter/-innen hat nach diesem Grundsatz die Möglichkeit sich regelmäßig arbeitsmedizinisch untersuchen zu lassen.
Vielmehr sollen ggf. durch Sehhilfen bspw. eine Bildschirmbrille oder andere ergonomische Maßnahmen korrekte Sehbedingungen am Bildschirmgerät hergestellt werden. Damit wird deiner Überbeanspruchung und vorzeitigen Ermüdung der Augen vorgebeugt.
Dazu taugt ein normaler Besuch beim Augenarzt in der Regel nicht. Wer die Untersuchungen nach G 37 nicht wahrnimmt, riskiert mit einer falschen Brille zu arbeiten oder ohne eine Sehhilfe, obwohl er die eigentlich dringend nötig hätte.
Die Vorsorgeuntersuchung nach G 37 umfaßt nicht nur allein eine Untersuchung der Augen und Sehfähigkeit, also nicht nur einen Sehtest. Eine ganzheitliche medizinische Untersuchung ist durchzuführen, auch Nackenschmerzen können eine Folge sein beim Sehen am Bildschirm. Es muss bei dieser Angebotsvorsorge auch nach allgemeinen Beschwerden und den Bedingungen am Arbeitsplatz gefragt werden und eine Beratung erfolgen. Für die Erstuntersuchung vor Aufnahme der Bildschirmarbeit und den Nachuntersuchungen wird folgendes Untersuchungsprogramm vorgesehen:
Die Untersuchung gliedert sich nach dem G 37 in zwei Teile.
Der untersuchende Arzt hat die Vorgeschichte zu erheben, also eine Anamnese vorzunehmen. Dabei fragt er nach gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wie:
Augenbeschwerden und Augenerkrankungen
Dauerbehandlung mit Medikamenten
Außerdem muss eine Arbeitsanamnese erfolgen, d.h. hier geht es um die Arbeitsbedingungen bspw.:
Welche Arbeitsaufgaben sind zu erfüllen?
Durch die Arbeitsanamnese lässt sich z. B. die optimale Sehhilfe feststellen, die den jeweiligen Arbeitsaufgaben zu entsprechen hat. So erfordert ein Arbeitsplatz mit Publikumsverkehr auch Sehschärfe in der Ferne.
Eine geschulte Person (z.B. der Arzthelfer oder die Arzthelferin) überprüft mit einem Siebtest das Sehvermögen. Das umfasst
Stellung der Augenachsen
Die Ausstattung mit Geräten ist die Voraussetzung für die Durchführung der G37. Es müssen Sehtestgeräte eingesetzt werden, die von der Geräte-Kommission der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft, d.h. der Gesellschaft für Augenheilkunde zugelassen wurden. Der Sehschärfentest hat nach der DIN 58 220 Teil 5 zu erfolgen, d.h. nicht Zahlen oder Buchstaben sind zu erkennen, sondern Ringe mit Öffnungen.
Untersuchungsergebnisse wie „keine gesundheitliche Bedenken“, „befristete oder dauernde gesundheitliche Bedenken“ sind nach der Neufassung der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge nicht mehr erlaubt. Der Arbeitgeber erhält wie auch der Beschäftigte eine Bescheinigung über die Vorsorge, auf der lediglich Datum und Anlass und Termin für eine weitere Vorsorge vermerkt sind. Diagnosen haben darauf nichts zu suchen. Ein Rückschluss über den Gesundheitszustand des Beschäftigten wird somit vermieden.
Für die Untersuchung nach dem Grundsatz G 37 kommen Fachärzte für Arbeitsmedizin oder Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Betriebsmedizin“ in Frage. Die Untersuchung sollte nach Möglichkeit durch den Betriebsarzt vorgenommen werden, der den Betrieb regelmäßig arbeitsmedizinisch betreut.
Die Untersuchung setzt notwendigerweise Kenntnissse der Arbeitsplätze voraus, sie sollte also von einem vorgenommen werden, hier ist es sinnvoll, dass die Betroffenen Informationen über die Verhältnisse am Arbeitsplatz parat haben.
Der Betriebsarzt ist auch derjenige, der die Situation am Arbeitsplatz beurteilen kann. Dafür müssen das Untersuchungsergebnis, die Gefährdungsbeurteilung und Informationen über die vorhandenen Schutzmaßnahmen vorliegen. Auf dieser Grundlage können sich die Beschäftigten wie auch der Arbeitgeber über erforderliche Präventivmaßnahmen kompetent beraten kann. Ergeben sich für den Betriebsarzt Hinweise auf ergonomische Mängel an einem oder mehreren Arbeitsplätzen, ist er verpflichtet dies dem Arbeitgeber mitzuteilen.
Der Beschäftigte hat das Recht der freien Arztwahl. In diesem Fall muss der Arbeitgeber die Kosten der Untersuchung tragen, nicht aber für Reisekosten oder erhöhte Abwesenheit aufkommen.
In der Praxis führt es immer wieder zu Auseinandersetzungen, wenn ein Augenarzt ohne vorherigen Kontakt mit dem Betriebsarzt eine Bildschirmbrille verschreibt. Deshalb sollte der Verordnungsweg für arbeitsplatzbezogene Sehhilfen in einer Betriebsvereinbarung festgelegt werden.
Im Anschluss an die Erstuntersuchung sollten Beschäftigte unter 40 Jahren spätestens nach fünf Jahren erneut untersucht werden. Für die über 40-jährigen liegt die Frist bei drei Jahren.
Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über Beschwerden klagen, die auf die Bildschirmarbeit zurückgeführt werden können, dann sieht die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge in Verbindung mit dem Arbeitsschutzgesetz eine vorzeitige Nachuntersuchung (Wunschvorsorge) vor. So wird es auch im Grundsatz G37 ausgeführt.
Sie wird erforderlich, wenn die Mindestanforderungen an die Sehschärfe nicht erfüllt werden, wenn weiterhin Beschwerden bestehen oder Auswirkungen auf die Tätigkeit am Bildschirm bestehen könnten. Dann wird dem betroffenen Mitarbeiter/Mitarbeiterin empfohlen, einen Augenarzt aufzusuchen. Dieser führt eine weitergehende Ergänzungs-Untersuchungen durch.
Bietet der Arbeitgeber entgegen seiner Pflicht nach Arbeitsschutzgesetz § 11 und der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ArbMedVV § 5 "Angebotsuntersuchungen" keine Untersuchungen nach G 37 an, ist dies entsprechend § 10 ArbMedVV eine Ordnungswidrigkeit, die nach § 25 Abs. 2 ArbSchG mit bis zu 5000 Euro Geldbuße geahndet werden kann. Wer vorsätzlich die Gesundheit von Beschäftigten gefährdet, macht sich nach § 26.2 Arbeitsschutzgesetz strafbar.
Beschäftigte haben nach Arbeitsschutzgesetz § 17 das Recht die staatlichen Arbeitsschutzämter zu kontaktieren, wenn der Arbeitgeber nach wiederholter Aufforderung keine Vorsorgeuntersuchung der Augen anbieten. Zu empfehlen ist hier, die betriebliche Interessenvertretung vorher einzubeziehen.
Beschäftigte sind zur Wahrnehmung der Vorsorgeuntersuchung Augen nicht verpflichtet. Es ist allerdings dringend zu empfehlen. Sie haben die alleinige Verantwortung, dem Arbeitgeber etwaige Einschränkungen ihrer Sehfähigkeit mitzuteilen und ggflls. eine Bildschirmbrille nach Verordnung eines Facharztes zu verlangen, wenn dies das Untersuchungsergebnis der Vorsorge ergibt.
§ 2, Abs. 3 Begriffsbestimmung
Arbeitsmedizinische Regel AMR 14.1: Angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens
Berufsgenossenschaftlicher Grundsatz für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen "Bildschirmarbeitsplätze" (G 37) mit Auswahlkriterien und Kommentar, Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (BGI 504-37 und 904-37)
Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung, Verwaltungs-Berufsgenossenschaft
Berufsgenossenschaftliche Information BGI 786: Sehhilfen am Bildschirmarbeitsplatz - Hilfen für die Verordnungvon speziellen Sehhilfen an Bildschirmarbeitsplätzen, Verwaltungs-Berufsgenossenschaft
Themenseite Büro, Untersuchung der Augen und des Sehvermögens
Balsam für die Augen. Strengere Regeln für Vorsorge bei Bildschirmarbeit
in: Computer und Arbeit 5/14 (AIB Verlag Frankfurt/Main )
Augenbelastung – arbeitsmedizinische Vorsorge nach Grundsatz G 37.
in: Computer und Arbeit 6/2008 (AIB-Verlag www.aib-verlag.de)
als download ( 56 kB) verfügbar
Sehhilfen: Medizinische Vorsorge bei der Bildschirmarbeit - Wer trägt die Kosten?
Verordnung zur arbeitsmedizinische Vorsorge
Augenbelastung - arbeitsmedizinische Vorsorge G 37
Themenseite Büro der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft www.vbg.de