Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20R%2054/10
Timestamp: 2020-01-20 07:25:06
Document Index: 285087745

Matched Legal Cases: ['§ 33', '§ 34', '§ 35', '§ 35', '§ 36', '§ 35', '§ 55', '§ 55', '§ 35', '§ 80', '§ 33', '§ 1', '§ 35', '§ 55', '§ 35']

BFH, 08.09.2011 - II R 54/10 - dejure.org
https://dejure.org/2011,4571
BFH, 08.09.2011 - II R 54/10 (https://dejure.org/2011,4571)
BFH, Entscheidung vom 08.09.2011 - II R 54/10 (https://dejure.org/2011,4571)
BFH, Entscheidung vom 08. September 2011 - II R 54/10 (https://dejure.org/2011,4571)
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Kraftfahrzeugsteuer als Masseverbindlichkeit bei Freigabe der selbstständigen Tätigkeit; Verwaltungsbefugnis und Verfügungsbefugnis des Insolvenzverwalters
§ 33 Abs 1 AO, § 34 Abs 3 AO, § 35 Abs 1 InsO, § 35 Abs 2 InsO, § 36 InsO
Kfz-Steuer als Masseverbindlichkeit nur bei Bezug des Fahrzeugs zur Insolvenzmasse
InsO § 35 Abs. 2; InsO § 55 Abs. 1 Nr. 1
Kfz-Steuer als Masseverbindlichkeit bei Freigabe
InsO § 55 Abs. 1, § 35 Abs. 2, § 80
Die Kraftfahrzeugsteuer in der Insolvenz des Unternehmens
BFHE 235, 1
ZIP 2012, 42
BStBl II 2012, 149
Der steuerrechtliche Tatbestand des Haltens eines Kraftfahrzeugs ist mit der Zulassung des Kraftfahrzeugs erfüllt, unabhängig davon, ob überhaupt oder in welchem Umfang von dem durch die Zulassung eingeräumten Recht, das Kraftfahrzeug auf öffentlichen Straßen in Betrieb zu setzen, im Einzelfall tatsächlich Gebrauch gemacht wird (BFH-Beschluss vom 20. April 2006 VII B 332/05, BFH/NV 2006, 1519, und BFH-Urteil in BFHE 235, 1, BStBl II 2012, 149).
Als Vermögensverwalter ist der Insolvenzverwalter Steuerpflichtiger (§ 33 Abs. 1 AO) und richtiger Bekanntgabe- und Inhaltsadressat von Steuerbescheiden, mit denen eine Finanzbehörde bestehende Masseverbindlichkeiten geltend macht (BFH-Urteil vom 8. September 2011 II R 54/10, BFHE 235, 1, BStBl II 2012, 149).
Diese ist Masseverbindlichkeit, solange das Kraftfahrzeug zur Insolvenzmasse gehört und nicht an den Schuldner freigegeben wurde (BFH-Urteil in BFHE 235, 1, BStBl II 2012, 149).
Denn Steuergegenstand der Kraftfahrzeugsteuer ist nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 des Kraftfahrzeugsteuergesetzes (KraftStG) das Halten von inländischen Fahrzeugen zum Verkehr auf öffentlichen Straßen (Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 8. September 2011 II R 54/10, BFHE 235, 1, BStBl II 2012, 149, Rz 13).
Aus § 35 Abs. 2 InsO ergibt sich, dass das Vermögen aus der freigegebenen Tätigkeit, d.h. der gesamte Neuerwerb aus der Tätigkeit, nicht zur Insolvenzmasse gehört (vgl. BFH-Urteil vom 8. September 2011 II R 54/10, BFHE 235, 1, BStBl II 2012, 149, Rz 18).
Es ist indes nicht entscheidungserheblich, ob die Klägerin eine "echte" insolvenzrechtliche Freigabe der Praxis der Insolvenzschuldnerin erklärt hat und ob eine solche "echte" Freigabe einer gesamten freiberuflichen Praxis insolvenzrechtlich überhaupt zulässig wäre (ablehnend BFH-Urteil vom 8. September 2011 II R 54/10, BFHE 235, 1, BStBl II 2012, 149; Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 10. April 2008 6 AZR 368/07, BAGE 126, 229; Obermair, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung 2010, 1075; Maus, Zeitschrift für Wirtschaftsrecht und Insolvenzpraxis 2004, 389; a.A. Schildt, Die Insolvenz des Freiberuflers, S. 163).
Denn nach dem Wortlaut des § 55 Abs. 1 Nr. 1 Alternative 2 InsO ("durch die Verwaltung ... der Insolvenzmasse") liegen Masseverbindlichkeiten nur vor, wenn ein Massegegenstand verwaltet wird und daraus eine (Steuer-)Verbindlichkeit resultiert (BFH-Urteil vom 8. September 2011 II R 54/10, BStBl II 2012, 149).
Ebenso entfällt der Bezug der KraftSt zur Insolvenzmasse, wenn der Insolvenzverwalter eine echte Freigabe des Fahrzeugs erklärt (BFH-Urteil vom 8. September 2011 II R 54/10, BStBl II 2012, 149).
Der Beklagte habe nach der Rechtsprechung des BFH (Urteil vom 08.09.2011, II R 54/10) zu prüfen, ob das Fahrzeug überhaupt zur Insolvenzmasse gehört habe und ob hinsichtlich des Fahrzeugs eine echte Freigabe erfolgt sei.
Die bisherige Rechtsprechung, wonach die Rechtsposition des Haltens zur Insolvenzmasse gehört, hat der BFH aufgegeben (vgl. BFH-Urteile vom 13.04.2011, II R 49/09, BStBl II 2011, 944; vom 08.09.2011, II R 54/10 BStBl II 2012, 149).
Anders als in dem der Entscheidung des BFH vom 08.09.2011 (II R 54/10, a. a. O.) zugrunde liegenden Sachverhalt war nicht zu entscheiden, ob eine Freigabe nach § 35 Abs. 2 InsO im Zusammenhang mit einer selbstständigen Tätigkeit erfolgt.