Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=22.01.2015&Aktenzeichen=VII%20ZR%20120%2F14
Timestamp: 2019-03-23 11:24:13
Document Index: 333151046

Matched Legal Cases: ['BGH', 'Art. 229', '§ 5', '§ 821', '§ 770', '§ 768', '§ 821', '§ 768', '§ 563', '§ 91', '§ 97', '§ 9', 'Art 229', '§ 5', '§ 765', '§ 768', '§ 821', '§ 768', '§ 821', '§ 8', '§ 307', '§ 8', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 13', '§ 13', '§ 17', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 16', 'BGH', '§ 812', 'BGH', 'BGH']

BGH, 22.01.2015 - VII ZR 120/14 - dejure.org
Art. 229 § 5 Satz 1 EGBGB, § ... 765 Abs. 1 BGB, §§ 821, 812, 768 Abs. 1 BGB, §§ 770, 771 BGB, § 768 Abs. 1 Satz 1, § 821 BGB, § 768 Abs. 1 Satz 1 BGB, § 563 Abs. 3 ZPO, § 91 Abs. 1 Satz 1, § 97 Abs. 1 ZPO
§ 9 Abs 1 AGBG, Art 229 § 5 S 1 BGBEG, § 765 BGB, § 768 Abs 1 S 1 BGB, § 821 BGB
Formularmäßiger Bauvertrag: Inhaltskontrolle für eine Vertragserfüllungs- und Gewährleistungsbürgschaft im Altfall
Unangemessene Benachteiligung eines Bauherrn durch Vertragserfüllungsbürgschaft bei Übersicherung
Unwirksame Bürgschaftsklausel im Bauvertrag
Unwirksamkeit von Klauseln eines Bauvertrags, wonach Gewährleistungsansprüche bis zur vorbehaltlosen Annahme der Schlusszahlung des Auftraggebers in Höhe von 8 % der Auftrags- bzw. Abrechnungssumme durch Bürgschaften gesichert sind
BGB § 768 Abs. 1 S. 1; BGB § 821
Bürgschaften für Mängelansprüche in Höhe von 8% der Auftragssumme: Klausel unwirksam!
Allgemeine Geschäftsbedingungen - und die Gewährleistungsbürgschaft
Unwirksamkeit einer Sicherungsabrede in einem Bauvertrag
Kumulationsverbot bei Sicherheiten im Bauvertrag
Keine Bürgschaften für Mängelansprüche in Höhe von 8% der Auftragssumme!
Sicherungsabrede unwirksam
Vertragserfüllungs- und Mängelbürgschaft = Totalverlust des Bauherrn! (IBR 2015, 133)
Kurznachricht zu "Kombi-Bürgschaften - Vorteile und Risiken bei der vertraglichen Gestaltung und Abwicklung" von RA Dr. Bernhard von Kiedrowski, original erschienen in: BauR 2016, 320 - 332.
LG Wiesbaden, 18.10.2013 - 3 O 64/13
NJW 2015, 856
MDR 2015, 270
NZBau 2015, 223
WM 2015, 1076
BauR 2015, 832
ZfBR 2015, 260
b) Dahinstehen kann ferner, ob die Vereinbarung anderer in § 8 Abs. 2 Nr. 1 VOB/B (2009) genannter Kündigungsgründe nach § 307 BGB unwirksam ist, da § 8 Abs. 2 Nr. 1 Fall 2 VOB/B inhaltlich von den weiteren Regelungen der Klausel trennbar und aus sich heraus verständlich ist (vgl. zur Trennbarkeit BGH, Urteil vom 22. Januar 2015 - VII ZR 120/14, BauR 2015, 832 Rn. 19 = NZBau 2015, 223;… Urteil vom 1. Oktober 2014 - VII ZR 164/12, NZBau 2014, 759 Rn. 28;… Urteil vom 12. Februar 2009 - VII ZR 39/08, BGHZ 179, 374 Rn. 15;… Urteil vom 10. Oktober 1996 - VII ZR 224/95, BauR 1997, 302, 303, juris Rn. 16).
Das folgt aus dem Sinn und Zweck des Akzessorietätsgedankens, der sicherstellen soll, dass der Bürge grundsätzlich nicht mehr zu leisten hat als der Hauptschuldner (…BGH, Urteile vom 23. Januar 2003 - VII ZR 210/01, BGHZ 153, 311, 316 f., vom 12. Februar 2009 - VII ZR 39/08, BGHZ 179, 374 Rn. 9…, vom 1. Oktober 2014 - VII ZR 164/12, WM 2015, 844 Rn. 15 und vom 22. Januar 2015 - VII ZR 120/14, WM 2015, 1076 Rn. 14).
Eine unangemessene Benachteiligung des Auftragnehmers liegt nicht vor, wenn die vom Auftraggeber gestellten Allgemeinen Geschäftsbedingungen dazu führen, dass der Auftragnehmer durch ein zeitliches Nebeneinander von Vertragserfüllungs- und Mängelsicherheit für einen jedenfalls erheblichen Zeitraum über die Abnahme hinaus für mögliche Mängelrechte des Auftraggebers eine Sicherheit in Höhe von 5 % der Auftragssumme zu leisten hat (vgl. BGH, Urteil vom 22. Januar 2015 - VII ZR 120/14, BauR 2015, 832 Rn. 18 = NZBau 2015, 223;… Urteil vom 1. Oktober 2014 - VII ZR 164/12, BauR 2015, 114 Rn. 23 = NZBau 2014, 759;… Urteil vom 5. Mai 2011 - VII ZR 179/10, BauR 2011, 1324 Rn. 28 = NZBau 2011, 410).
Nur wenn der als wirksam anzusehende Teil im Gesamtgefüge des Vertrags nicht mehr sinnvoll, insbesondere der als unwirksam beanstandete Klauselteil von so einschneidender Bedeutung ist, dass von einer gänzlich neuen, von der bisherigen völlig abweichenden Vertragsgestaltung gesprochen werden muss, ergreift die Unwirksamkeit der Teilklausel die Gesamtklausel (BGH, Urteil vom 22. Januar 2015 - VII ZR 120/14, BauR 2015, 832 Rn. 19 = NZBau 2015, 223;… Urteil vom 1. Oktober 2014 - VII ZR 164/12, BauR 2015, 114 Rn. 27 = NZBau 2014, 759;… Urteil vom 12. Februar 2009 - VII ZR 39/08, BGHZ 179, 374 Rn. 15 ff.).
Hat der Bürge eine Sicherung gewährt, obwohl die Sicherungsabrede zwischen Hauptschuldner und Gläubiger unwirksam ist, so kann er sich nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gegenüber dem Leistungsverlangen des Gläubigers dauerhaft auf die Unwirksamkeit der Sicherungsabrede und auf die Einrede des Hauptschuldners berufen, dass der Gläubiger die Inanspruchnahme des Bürgen zu unterlassen hat (BGH, Urteile vom 23. Januar 2003 - VII ZR 210/01, BGHZ 153, 311, 316 f. mwN…, vom 12. Februar 2009 - VII ZR 39/08, BGHZ 179, 374 Rn. 9…, vom 1. Oktober 2014 - VII ZR 164/12, WM 2015, 844 Rn. 15 und vom 22. Januar 2015 - VII ZR 120/14, WM 2015, 1076 Rn. 14).
Überplanung einer sog. Außenbereichsinsel im beschleunigten Verfahren?
Ob § 13a BauGB die Überplanung eines sog. "Außenbereichs im Innenbereich" - wie hier - erlaubt, hat das Bundesverwaltungsgericht im Urteil vom 4. November 2015 - 4 CN 9.14 - (ZfBR 2015, 260) offengelassen und lediglich festgestellt, dass § 13a BauGB eine "Innenentwicklung nach außen" nicht ermöglicht (…Rn. 25; ebenfalls offengelassen: OVG RP…, Urteil vom 7. Juni 2018 - 1 C 11757/17.OVG -, juris, Rn. 23).
Anders als in dem vom Bundesgerichtshof durch Urteil vom 22. Januar 2015 - VII ZR 120/14 entschiedenen Fall bestehe hier allein schon deswegen keine unangemessene Benachteiligung der Beklagten unter dem Gesichtspunkt der Kumulation von Vertragserfüllungs- und Gewährleistungssicherheit, weil der Auftragnehmer - die ### GmbH - gemäß § 17 Nr. 8 Abs. 1 Satz 1 VOB/B die Möglichkeit gehabt habe, die nicht verwertete Sicherheit für die Vertragserfüllung nach Abnahme und Stellung der Sicherheit für die Mängelansprüche zurückzuverlangen.
die Vertragserfüllungssicherheit noch längere Zeit nach der Abnahme zu behalten (BGH, Urteil vom 23. Januar 2015 - VII ZR 120/14 m.w.N.).
Genau diesen Aspekt lässt der Bundesgerichtshof jedoch in seiner Entscheidung vom 22. Januar 2015 (VII ZR 120/14) bereits für eine unwirksamkeitsbegründende Übersicherung schon bei isolierter Betrachtung der dort mit den hiesigen Bestimmungen in Nr. 4.1 Sätze 1, 2 und 7 der Besonderen Vertragsbedingungen inhaltsgleichen Regelung ausreichen.
Ob die hier vorliegenden Vertragsbedingungen aus AGB-rechtlichen Gründen wegen der Gefahr der Übersicherung des Auftraggebers unwirksam sind, ist keine klärungsbedürftige Rechtsfrage, weil bereits eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs (Urteil v. 22. Januar 2015 - VII ZR 120/14) zu einer inhaltsgleichen Sicherungsklausel vorliegt.
Denn der Bürge muss grundsätzlich keine weitergehenden Leistungen als der Hauptschuldner erbringen (BGH NJW 2009, 1664, 1665, Tz. 9; 2011, 2125, 2126, Tz. 11; 2015, 856, 857, Tz. 14; vgl. hierzu auch Nossek, NJW 2015, 1985, 1988 ff.).
Das folgt aus dem Sinn und Zweck des Akzessorietätsgedankens, der sicherstellen soll, dass der Bürge grundsätzlich nicht mehr zu leisten hat als der Hauptschuldner (…BGH, BauR 2015, 114, 116 Rn. 15; BGH, BauR 2015, 832, 834 Rn. 14).
Denn es steht im Belieben des Auftraggebers, wann er die Schlusszahlung leistet (BGH, BauR 2015, 832, 836 Rn. 22), mag er dabei auch gegen § 16 Nr. 3 und Nr. 5 VOB/B verstoßen.
Damit hat es der Auftraggeber in der Hand, durch das Erheben von Ansprüchen, ohne dass deren Berechtigung feststünde, das Entstehen des Anspruchs des Auftragnehmers auf Umwandlung der Vertragserfüllungsbürgschaft in eine Gewährleistungsbürgschaft für einen erheblichen Zeitraum hinauszuschieben (BGH, BauR 2015, 832, 836 Rn. 22).
Das Landgericht hat zutreffend und von der Berufung zu Recht unbeanstandet festgestellt, dass der Anspruch einredebehaftet ist gemäß §§ 812 Abs. 1 Satz 1 1. Alt., 821, 768 BGB, wenn die Sicherungsabrede im Verhältnis zwischen Hauptschuldner, der insolventen H GmbH, und Gläubiger, hier der Klägerin, unwirksam ist und der Bürge sich darauf beruft (vgl. nur BGH, Urteil vom 22. Januar 2015 - VII ZR 120/14 -, Rn. 13 f, juris, m.w.N.).
Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hierzu ist - auch unter Berücksichtigung der in den Entscheidungen zuletzt vom 16.06.2009 - XI ZR 145/08 -, Tz. 30 ff, und vom 28.07.2011 - VII ZR 207/09 -, Tz. 14, 20 ff, entwickelten Rechtsgrundsätze zur Wirksamkeit einer Sicherungsabrede bei Unwirksamkeit einer formularmäßigen Gewährleistungsbürgschaft - als offen anzusehen, nachdem der Bundesgerichtshof bislang, soweit ersichtlich, die hier relevante Frage in den Urteilen vom 01.10.2014 - VII ZR 164/12 -, Tz. 16 und vom 22.01.2015 - VII ZR 120/14 -, Tz. 15 ausdrücklich offengelassen hat.
Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn der Auftragnehmer dem Auftraggeber auch über den Zeitraum der Abnahme hinaus wegen Mängelansprüchen eine überhöhte Sicherheit zu leisten hat, weil durch die Vertragserfüllungssicherheit auch Gewährleistungsansprüche abgesichert werden und es dem Auftraggeber deshalb möglich ist, die Vertragserfüllungssicherheit noch längere Zeit nach der Abnahme zu behalten (BGH, Urteil vom 23. Januar 2015 - VII ZR 120/14 m.w.N.).