Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/rechtsgespraeche-ausserhalb-hauptverhandlung-399220
Timestamp: 2019-10-17 19:44:23
Document Index: 131888509

Matched Legal Cases: ['§ 243', '§ 243', '§ 202', '§ 257', '§ 243', '§ 273', '§ 243', '§ 243', '§ 243', '§ 243', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 243', '§ 243', '§ 243', 'BGH', 'BGH']

Rechts­ge­sprä­che außer­halb Haupt­ver­hand­lung | Rechtslupe
Die Pflicht zur Mit­tei­lung von Erör­te­run­gen nach § 243 Abs. 4 Satz 1 StPO gilt unbe­scha­det der Tat­sa­che, dass der Ver­tei­di­ger des Beschwer­de­füh­rers kei­ne Ver­stän­di­gung wünsch­te.
Gemäß § 243 Abs. 4 Satz 1 StPO teilt der Vor­sit­zen­de nach Ver­le­sung des Ankla­ge­sat­zes mit, ob Erör­te­run­gen nach den §§ 202a, 212 StPO statt­ge­fun­den haben, wenn deren Gegen­stand die Mög­lich­keit einer Ver­stän­di­gung (§ 257c StPO) gewe­sen ist, und wenn ja, deren wesent­li­chen Inhalt. Die­se umfas­sen­de Mit­tei­lungs­pflicht ist gemäß § 243 Abs. 4 Satz 2 StPO wei­ter zu beach­ten, wenn Erör­te­run­gen nach Beginn der Haupt­ver­hand­lung in einer Unter­bre­chungs­pha­se statt­ge­fun­den haben. Das Gesetz will damit errei­chen, dass der­ar­ti­ge Erör­te­run­gen stets in der öffent­li­chen Haupt­ver­hand­lung zur Spra­che kom­men. Gesprä­che außer­halb der Haupt­ver­hand­lung dür­fen kein infor­mel­les und unkon­trol­lier­ba­res Ver­hal­ten eröff­nen 1. Alle Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten und die Öffent­lich­keit sol­len nicht nur dar­über infor­miert wer­den, dass Erör­te­run­gen statt­ge­fun­den haben, son­dern auch dar­über, wer an den Gesprä­chen teil­ge­nom­men hat, wel­che Stand­punk­te von den Teil­neh­mern ver­tre­ten wur­den, von wel­cher Sei­te die Fra­ge einer Ver­stän­di­gung auf­ge­wor­fen wur­de und ob sie bei ande­ren Gesprächs­teil­neh­mern auf Zustim­mung oder Ableh­nung gesto­ßen ist. Zur Gewähr­leis­tung einer effek­ti­ven Kon­trol­le ist die Mit­tei­lung des Vor­sit­zen­den hier­über gemäß § 273 Abs. 1a Satz 2 StPO in das Pro­to­koll der Haupt­ver­hand­lung auf­zu­neh­men 2.
Nach die­sem Maß­stab wäre eine Mit­tei­lung des Vor­sit­zen­den gemäß § 243 Abs. 4 Satz 1 StPO im Anschluss an die Ver­le­sung des Ankla­ge­sat­zes dar­über erfor­der­lich gewe­sen, ob und gege­be­nen­falls mit wel­chem Erklä­rungs­in­halt er vor Beginn der Haupt­ver­hand­lung mit den Ver­tei­di­gern der Mit­an­ge­klag­ten Gesprä­che geführt hat und wel­che Äuße­run­gen im Gespräch mit dem Ver­tei­di­ger des Beschwer­de­füh­rers gemacht wur­den.
Die Pflicht zur Mit­tei­lung von Erör­te­run­gen nach § 243 Abs. 4 Satz 1 StPO gilt unbe­scha­det der Tat­sa­che, dass der Ver­tei­di­ger des Beschwer­de­füh­rers kei­ne Ver­stän­di­gung wünsch­te. Viel­mehr ist der Vor­sit­zen­de gege­be­nen­falls gehal­ten, die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten von sämt­li­chen, gege­be­nen­falls auch erfolg­lo­sen Bemü­hun­gen des Gerichts um deren Zustan­de­kom­men in Kennt­nis zu set­zen. Selbst die sofor­ti­ge Ableh­nung einer Ver­stän­di­gung ist daher zur Her­stel­lung umfas­sen­der Trans­pa­renz mit­tei­lungs­pflich­tig 3. Das gilt ins­be­son­de­re, wenn – wie hier – die Schöf­fen und die Ange­klag­ten an den Erör­te­run­gen außer­halb der Haupt­ver­hand­lung nicht teil­ge­nom­men haben. Das Schutz­kon­zept der §§ 243 Abs. 4, 273 Abs. 1a StPO ist gera­de dann von erheb­li­cher Bedeu­tung, wenn die Mög­lich­keit einer Ver­stän­di­gung von Gericht und Staats­an­walt­schaft mit Mit­an­ge­klag­ten gese­hen wird, wäh­rend ein ande­rer Ange­klag­ter kei­ne Ver­stän­di­gungs­be­reit­schaft zeigt 4.
Zu dem gemäß § 243 Abs. 4 Satz 2 StPO mit­zu­tei­len­den Inhalt der Erör­te­run­gen gehört dann auch, wel­che Stand­punk­te von den Gesprächs­teil­neh­mern ver­tre­ten wur­den, von wel­cher Sei­te die Fra­ge einer Ver­stän­di­gung auf­ge­wor­fen wur­de, und ob sie bei ande­ren Gesprächs­teil­neh­mern auf Zustim­mung oder Ableh­nung gesto­ßen ist 5. Es soll nicht nur das Ergeb­nis der Erör­te­run­gen, son­dern auch der dahin füh­ren­de Ent­schei­dungs­pro­zess mit­ge­teilt wer­den. Auch die Grün­de für das Schei­tern einer Ver­stän­di­gung mit einem der Ange­klag­ten, die sich aus den Vor­ge­sprä­chen erga­ben, sin­bd mit­tei­lungs­pflich­tig.
vgl. BGH, Beschluss vom 24.09.2013 – 2 StR 267/​13, BGHSt 59, 21, 26[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 10.07.2013 – 2 StR 195/​12, BGHSt 58, 310, 313; Urteil vom 05.06.2014 – 2 StR 381/​13, BGHSt 59, 252, 255 f.[↩]
vgl. SK/​Frister, StPO 5. Aufl.2015 § 243 Rn. 44e; KK/​Schneider, StPO 7. Aufl.2014 § 243 Rn. 37[↩]
vgl. KK/​Schneider aaO § 243 Rn. 38[↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 19.03.2013 – 2 BvR 2628, 2883/​10, 2155/​11, BVerfGE 133, 168, 217; BGH, Urteil vom 10.07.2013 – 2 StR 195/​12, BGHSt 58, 310, 313[↩]
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