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Timestamp: 2018-12-18 22:08:49
Document Index: 351596844

Matched Legal Cases: ['BGer', 'Art. 110', 'Art. 30', 'Art. 30', 'Art. 30', 'Art. 329', 'Art. 362', 'Art. 329', 'Art. 329', 'Art. 30', 'Art. 30', 'Art. 30', 'Art. 31', 'Art. 30', 'Art. 31', 'Art. 2', 'BGE', 'Art. 323', 'Art. 329', 'Art. 362', 'BGE', 'Art. 329', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGer', 'Art. 319362', 'Art. 329', 'Art. 110', 'BGE', 'Art. 20', 'Art. 30', 'Art. 30', 'Art. 30', 'Art. 30', 'Art. 2']

Feiertagsentschädigung für Angestellte im Stundenlohn? - Lexology
Switzerland October 5 2018
Urteil: 4A_72/2018 vom 6. August 2018 Sachgebiet: Vertragsrecht Gericht: Bundesgericht Spruchkrper: I. zivilrechtliche Abteilung dRSK-Rechtsgebiet: Arbeitsrecht
Feiertagsentschdigung fr Angestellte im Stundenlohn?
Die bertragbarkeit der bundesgerichtlichen (formellen) Voraussetzungen der Ferienlohnabgeltung auf die Feiertagsentschdigung
Im Urteil BGer 4A_72/2018 vom 6. August 2018 hielt das Bundesgericht fest, dass die bundesgerichtlich entwickelten formellen Voraussetzungen fr die Ferienlohnabgeltung mit dem laufenden Lohn auch im Falle von Feiertagsentschdigungen von Angestellten im Stundenlohn angewendet werden knnen, wenn dies von einem Gesamtarbeitsvertrag, in dessen Geltungsbereich der in Frage stehende Sachverhalt fllt, so festgehalten wird.
[1] Ein Arbeitnehmer (nachfolgend C. oder Klger) war vom 1. Januar 2008 bis 31. Oktober 2014 bei der A. AG (nachfolgend A., Beklagte 1 oder Beschwerdefhrerin 1) bzw. ihrer Rechtsvorgngerin angestellt. Fr den Monat November 2014 war der Klger fr die B. AG (nachfolgend B., Beklagte 2 oder Beschwerdefhrerin 2) arbeitsttig. Vergtet wurde die Arbeitsleistung von C. einerseits im Stundenlohn (vom 1. Januar 2008 bis zum 31. August 2014), andererseits erhielt der Klger ab 1. September 2014 einen Monatslohn von CHF 6'100 brutto.
[2] Per 30. November 2014 kndigte der Klger das Arbeitsverhltnis. Nach erfolglos durchgefhrter Schlichtungsverhandlung machte C. am Bezirksgericht March (Kt. SZ) den vorliegenden Forderungsprozess gegen die Beklagten anhngig. Die Forderung belief sich unter anderem aufgrund von nichtbezahlten Feiertagsentschdigungen auf insgesamt CHF 29'975.95. Mit Urteil vom 21. Dezember 2016 verpflichtete der Einzelrichter des Bezirksgerichts die Beklagten unter solidarischer Haftbarkeit, dem Klger CHF 9'722.65 brutto fr nicht ausbezahlte Feiertagsentschdigungen, abzglich der gesetzlich und gesamtarbeitsvertraglich vorgesehenen Sozialabzge fr Arbeitnehmer zu bezahlen. Im brigen wies er die Klage ab.
[3] Gegen dieses Urteil erhoben A. sowie B. Berufung und C. Anschlussberufung an das Kantonsgericht Schwyz. Unter anderem war vor Kantonsgericht noch eine Teilforderung von CHF 9'882.15 als Vergtung von neun Feiertagen pro Jahr umstritten. Das Kantonsgericht hielt fest, der Klger obsiege mit seiner Anschlussberufung
bezglich der Forderung betreffend die Feiertagsentschdigung.
[4] A. und B. erhoben dagegen Beschwerde in Zivilsachen an das Bundesgericht. Sie beanstanden die Zusprechung der Feiertagsentschdigung. Beantragt wurden die vollumfngliche Abweisung der Anschlussberufung von C. sowie die vollumfngliche Gutheissung der Berufung.
[5] Das Bundesgericht erlutert eingangs, dass zugunsten Angestellter im Stundenlohn keine gesetzliche Verpflichtung des Arbeitgebers bestehe, Feiertage zu entschdigen, vorbehltlich des 1. Augusts (Art. 110 Abs. 3 BV), sofern dieser auf einen Tag falle, an dem gearbeitet worden wre. Eine Pflicht zur Entrichtung einer Feiertagsentschdigung bestehe lediglich bei vertraglicher Abrede oder wenn dies blich sei (E. 3.1). Vorliegend liege ein Landesgesamtarbeitsvertrag (LGAV) fr das Schweizerische Schlosser-, Metallbau-, Landmaschinen-, Schmiede- und Stahlbaugewerbe vor, der eine Vereinbarung zur Entschdigung fr Feiertage enthalte und der auch fr den im Stundenlohn beschftigten Beschwerdegegner C. gelte. Gemss Art. 30.1 LGAV habe der Arbeitnehmer fr nach kantonalem Recht festgelegte Feiertage (gemss Art. 30.2 LGAV sind es acht) sowie fr den Bundesfeiertag einen Anspruch auf Lohnausfall, solange er am Tage vor oder nach den Feiertagen nicht unentschuldigt von der Arbeit ferngeblieben sei (E. 3.2).
[6] Das Bundesgericht beschftigt sich sodann mit der Abgeltung der Feiertagsentschdigung und der Frage, ob die bundesgerichtlich entwickelten formellen Voraussetzungen fr die Abgeltung des Ferienlohns mit dem laufenden Lohn auch auf die Abgeltung der Entschdigung fr Feiertage Anwendung finden, wie dies von der Vorinstanz bejaht worden ist (E. 4.1, 4.2). Die Vorinstanz fhrt in ihrem Urteil aus, dass sich die Abgeltung von Ferientagen und diejenige von Ferien zwar erheblich unterscheiden, jedoch sei dies aufgrund von Art. 30.2 LGAV, der einen Anspruch auf Feiertagsentschdigung statuiere, irrelevant. Diesbezglich sei entscheidend, dass eine berprfung, ob die Feiertage ausreichend entschdigt wurden, mglich ist. Vorliegend sei dies jedoch nicht der Fall, weil betragsmssige oder prozentuale Angaben zur Feiertagsentschdigung in den Lohnrechnungen nicht ausgewiesen worden seien (E. 4.2). Dem entgegnen die Beschwerdefhrerinnen, solche Angaben seien aufgrund der von Jahr zu Jahr unterschiedlich zu entschdigenden Feiertage nicht mglich. Zudem behaupten sie, es bestnde kein Abgeltungsverbot fr Feiertage und diese wrden deshalb in der Regel mit dem Stundenlohn ausbezahlt. Eine Parallele zur Ferienabgeltung bestehe nicht. Die Beschwerdefhrerinnen vertreten daher die Ansicht, die Vorinstanz habe Bundesrecht unrichtig angewendet, weil sie, indem sie einen Spezifikationsnachweis wie bei der Ferienlohnabgeltung verlangt habe, sich auf das gesetzliche Abgeltungsverbot gesttzt habe, das jedoch nicht auf Feiertagsentschdigungen anzuwenden sei (E. 4.3).
[7] Bevor das Bundesgericht sich mit der Beantwortung der Frage bezglich der Anwendbarkeit der fr die Abgeltung des Ferienlohns entwickelten formellen Voraussetzungen auf die Abgeltung der Feiertagsentschdigung selber auseinandersetzt, fhrt es die Notwendigkeit, solche Voraussetzungen zu entwickeln, nher aus. Dafr bedient sich das Bundesgericht vorerst der Bestimmung von Art. 329d Abs.1 OR, wonach der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer den gesamten auf die Ferien anfallenden Lohn zu entrichten habe. Aufgrund der relativ zwingenden Rechtsnatur dieser Bestimmung (Art. 362 Abs. 1 i.V.m. Art. 329d Abs. 1 OR) sei eine Vereinbarung, die den Arbeitnehmer schlechter stelle, nichtig. Art. 329d Abs. 2 OR sehe zudem ein Ferienabgeltungsverbot vor, wonach Ferien whrend der Dauer des Arbeitsverhltnisses nicht durch Geldleistungen oder sonstige Vergnstigungen kompensiert werden drfen. Bei unregelmssiger Beschftigung knne es jedoch Schwierigkeiten bereiten, das Ferienabgeltungsverbot mit dem laufenden Lohn durchzusetzen, weshalb es abweichend vom Gesetzestext fr solche Flle ausnahmsweise eine Abgeltung zulasse, sofern drei Voraussetzungen erfllt seien. Erstens msse es sich um eine unregelmssige Beschftigung handeln (une activit irrgulire). Zweitens msse bei Vorliegen eines schriftlichen Arbeitsvertrags der fr die Ferien bestimmte Lohnanteil klar und ausdrcklich (clairement et expressment) als solcher ausgewiesen werden. Drittens gelte dasselbe auch fr die einzelnen schriftlichen Lohnabrechnungen. Ungengend sei dabei ein blosser Hinweis wie Ferienlohn inbegriffen. Vielmehr sei sowohl im Arbeitsvertrag als auch auf den einzelnen Lohnabrechnungen ein bestimmter Betrag oder Prozentsatz entsprechend anzugeben (E. 4.1.1).
[8] Dem Vorbringen der Beschwerdefhrerinnen, es bestehe fr Feiertage kein Abgeltungsverbot wie bei den Ferien, weshalb eine Feiertagsentschdigung bereits im Stundenlohn ausbezahlt werde, stimmt das
Bundesgericht zwar zu (E. 4.3, E. 4.4.2), jedoch fhrt es aus, dass im vorliegenden Fall ein Gesamtarbeitsvertrag vorliege, den es zu beachten gelte (vgl. die obigen Ausfhrungen zu Art. 30.1 und 30.2 LGAV). Art. 30.1 LGAV halte fest, dass im Monatslohn die Feiertagsentschdigung inbegriffen sei, whrend Art. 30.2 LGAV vorsehe, dass sich die Feiertagsentschdigung nach den ausfallenden Normalarbeitsstunden zum normalen Stundenlohn richte. Sinn und Zweck des Gesamtarbeitsvertrages sei es, eine Schlechterstellung der Angestellten im Stundenlohn gegenber den Angestellten im Monatslohn zu vermeiden. In diesem Sinne seien die Angestellten im Stundenlohn gegenber den Angestellten im Monatslohn nicht zu benachteiligen, d.h., ein Lohnabzug bei einem Feiertag solle es auch nicht bei den im Stundenlohn Angestellten geben, sondern auch sie seien so zu entlhnen, wie wenn sie normal gearbeitet htten. Einschlgig sei somit Art. 31.2 LGAV (E. 4.4.3). Im Falle, dass aufgrund des Gesamtarbeitsvertrages ein solcher ausdrcklicher Entschdigungsanspruch des Arbeitnehmers bei Feiertagen bestehe und diese mit dem Stundenlohn abgegolten werde, msse klar und nachprfbar sein, dass die Entschdigung im Stundenlohn inbegriffen sei. Dies sei dann erfllt, wenn einerseits der Einzelarbeitsvertrag das Inbegriffensein ausdrcklich so festhalte unter Angabe eines Prozentsatzes oder eines bestimmten Betrages und andererseits, wenn jeweils ersichtlich sei, welcher Teil vom Lohn die Vergtung fr den Feiertag darstelle (E. 4.4.4). Ebenso fhrt das Bundesgericht aus, die differenzierte Regelung der Feiertagsentschdigung im Gesamtarbeitsvertrag (vgl. Art. 30 LGAV) erfordere zustzlich vom Arbeitgeber, in den einzelnen Lohnabrechnungen die konkret ausbezahlte Feiertagsentschdigung betrags- oder prozentmssig anzugeben (E. 4.4.5). Der Argumentation der Beschwerdefhrerinnen, die Anzahl der nach Gesamtarbeitsvertrag entschdigungspflichtigen Feiertage schwanke von Jahr zu Jahr, da eine solche Entschdigung gemss Art. 31.3 LGAV an Feiertagen, die auf einen arbeitsfreien Samstag oder Sonntag fallen, nicht geschuldet sei, kann laut Bundesgericht nicht gefolgt werden; die Beschwerdefhrerinnen htten dem durch eine entsprechende Vertragsgestaltung, namentlich durch Angabe des Feiertagszuschlags (prozentual oder betragsmssig) pro Feiertag, Rechnung tragen knnen. (E. 4.4.6).
[9] Bei der Prfung der oben genannten formellen Voraussetzungen auf den vorliegenden Fall kommt das Bundesgericht zum Schluss, dass diese weder fr den Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2013 noch fr den Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis 31. August 2014 eingehalten wurden. Beide Male fehle es an einer ausdrcklichen Regelung, dass die Feiertage im Stundenlohn enthalten seien. Sodann berufen sich die Beschwerdefhrerinnen auf das Rechtsmissbrauchsverbot gemss Art. 2 Abs. 2 ZGB. C. habe whrend des Arbeitsverhltnisses verschiedene Vorteile in Anspruch genommen wie die unentgeltliche Verwendung des privaten Grillplatzes einer der Beschwerdefhrerinnen oder deren Auto. Ebenso habe er durch die Unterzeichnung der per-Saldo-Erklrung in den Aufhebungsvereinbarungen auf die Spezifikationsanforderungen verzichtet (E. 6.1, 6.2). Das Bundesgericht sieht in keinem der Vorbringen ein rechtsmissbruchliches Verhalten des Klgers (E. 6.1, 6.2). Auch fehlten im vorinstanzlichen Urteil weitere Umstnde, aus welchen ein solches Verhalten abgeleitet werden knne (E. 6.3). Nach dem Ausgefhrten kommt das Bundesgericht zum Schluss, dass es den vorinstanzlichen Entscheid sttze und die Beschwerdefhrerinnen somit fr die Zeit vom 1. Januar 2010 bis 31. August 2014 dem C. eine Entschdigung fr die Feiertage nachzuzahlen htten (E. 6.4). Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab und erklrt die Beschwerdefhrerinnen unter solidarischer Haftbarkeit kosten- und entschdigungspflichtig (E. 8).
[10] Der Begriff Ferienlohn bezeichnet den gesamten Lohn, welcher in den Ferien des Arbeitnehmers anfllt, und enthlt auch variierende Lohnbestandteile sowie berstundenentschdigungen, wenn diese regelmssig und ber lngere Zeit geleistet werden. Der Arbeitnehmer ist folglich so zu stellen, wie wenn er whrend der Ferienzeit gearbeitet htte (vgl. auch BGE 134 III 399). Sodann ist der Ferienlohn gleich wie sonstiger Lohn zum Zeitpunkt der Flligkeit zu entrichten, d.h. whrend der Ferien (Art. 323 OR). Eine Abgeltung des Ferienlohns mittels Lohnpauschalen oder Lohnzuschlgen (sog. Ferienprozente) whrend der Dauer des Arbeitsverhltnisses ist unzulssig (Art. 329d Abs. 2 i.V.m. Art. 362 Abs.1 OR; sog. Ferienabgeltungsverbot). Eine Ausnahme besteht gemss geltender Gerichtspraxis fr den Stunden- und Akkordlohn, da bei derartigen unregelmssigen Beschftigungen Schwierigkeiten hinsichtlich der Ferienorganisation bestehen knnen. Eine Ferienlohnabgeltung mit dem laufenden Lohn ist daher immer dann zulssig, wenn der Arbeitsvertrag sofern schriftlich erstellt die Pauschalen oder Zuschlge konkret festhlt und diese in den Lohnabrechnungen betragsmssig gesondert ausgewiesen werden. In diesen Fllen kann eine Ferienentschdigung (entgegen dem Ferienabgeltungsverbot) in
den entsprechenden Lohn integriert werden. Dieses Spezifikationserfordernis ist sozialpolitisch motiviert und soll verhindern, dass der Arbeitgeber seinen Ferienlohn vorzeitig ausgibt (vgl. BGE 116 II 515 E. 4b). Ein Verstoss gegen das Ferienabgeltungsverbot (zum Beispiel durch eine ungenaue Formulierung wie Ferienlohn inbegriffen) hat zur Folge, dass der Arbeitgeber die Ferienlhne nach Beendigung des Arbeitsverhltnisses nachzuzahlen hat, wenn dies vom Arbeitnehmer eingefordert wird, und zwar unabhngig davon, ob bereits Leistungen anderweitig erbracht wurden (BSK OR I-PORTMANN/RUDOLPH, Art. 329d N 3; vgl. auch BGE 116 II 515 E. 4a).
[11] Ob diese Ausnahme vom Ferienabgeltungsverbot zulssig ist oder nicht, ist in der Lehre umstritten. Selbst das Bundesgericht schien mit BGE 129 III 493 unter E. 3.3 eine Praxisnderung in Erwgung zu ziehen, liess letztlich die gestellte Grundsatzfrage, ob eine Abgeltung des Ferienlohnes im laufenden Lohn weiterhin mglich sein solle, offen, und bejahte in einem wenig Tage spter ergangenen Urteil die Zulssigkeit der Abgeltung, ohne berhaupt auf die in BGE 129 III 493 offengelassene Frage und geusserten Bedenken einzugehen (Urteil des Bundesgerichts 4C.90/2003 vom 07. Juli 2003, E. 2.4). Sodann stellte das Bundesgericht in E. 4 des Urteils BGer 4A_478/2009 vom 16. Dezember 2009 klar, dass eine solche Abgeltung nicht rein deshalb zulssig sei, weil der Lohn aufgrund von Akkord- oder Stundelohnarbeit variabel ist; vielmehr mssten die Parteien zustzlich auf Schwierigkeiten gestossen sein, die eine solche abweichende Abrede rechtfertigen wrden. Zu betonen ist zudem, dass ein in diesem Sinne zulssiges Ferienabgeltungsverbot lediglich bedeutet, dass der Ferienlohn laufend mit der Lohnzahlung vergtet wird; der Anspruch auf tatschlichen Ferienbezug wird davon nicht berhrt (ULLIN STREIFF/ADRIAN VON KAENEL/ROGER RUDOLPH, Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319362 OR, 7. Aufl., Zrich 2012, Art. 329d N 9).
[12] Von der Ferienentschdigung zu unterscheiden ist die Feiertagsentschdigung. Unter Feiertagsentschdigung ist der Lohn zu verstehen, den die Arbeitnehmer fr den ausfallenden Lohn wegen Feiertagen erhalten. Dies gilt beispielsweise gemss Art. 110 Abs. 3 BV auf nationaler Ebene fr den 1. August ausdrcklich fr alle Arbeitnehmer und somit unabhngig davon, ob sie im Jahres-, Monats- oder beispielsweise im Stundenlohn bezahlt werden (vgl. auch BGE 136 I 290). Die Kantone knnen bis zu acht weitere Feiertage im Jahr vorsehen, die einem Sonntag gleichzustellen sind (Art. 20a Abs. 1 ArG). Fr Beschftigte im Jahres-, Monats- oder Wochenlohn, die dem Arbeitsgesetz unterstehen, hat dies einen Lohnanspruch zur Folge, da ihnen ein solcher ungeachtet der Tatsache, ob es sich dabei um einen arbeitsfreien Tag handelt oder nicht, stets zu entrichten ist. Eine Abweichung besteht fr Beschftigte im Stunden-, Tag- oder Akkordlohn. Ihnen gewhrt das schweizerische Recht per se keinen Lohnanspruch fr solche Feiertage. Eine dem Ferienabgeltungsverbot parallele Regelung kennt das Gesetz nicht. Eine Anspruchsberechtigung dieser Beschftigten kann sich jedoch allenfalls aus Einzel-, Gesamt- oder Normalarbeitsvertrge ergeben, wie dies auch im zu besprechenden Bundesgerichtsentscheid der Fall war (bezugnehmend auf den LGAV).
[13] Art. 30.2 LGAV gewhrt den Beschftigten im Stundenlohn einen ausdrcklichen Entschdigungsanspruch fr kantonal festgelegte Feiertage (nach Art. 30.2 LGAV sind es acht) sowie fr den Bundesfeiertag sofern der Arbeitnehmer am Tage vor oder nach den Feiertagen nicht unentschuldigt von der Arbeit ferngeblieben ist. Dabei richtet sich die Feiertagsentschdigung nach den ausfallenden Normalarbeitsstunden zum normalen Stundenlohn (Art. 30.2 LGAV). Die ratio legis der LGAV-Norm besteht offensichtlich darin, die im Stundenlohn Beschftigten nicht schlechter zu stellen als die Angestellten im Monatslohn, bei denen die Feiertagsentschdigung bereits im Monatslohn inbegriffen ist (vgl. Art. 30.1 LGAV).
[14] Das Bundesgericht hat in Bezug auf diese Feiertagsentschdigung nun die Kriterien fr die Abweichung vom Ferienentschdigungsverbot auf die Feiertagsentschdigung analog bertragen. Demnach kann zum Zwecke der Klarheit und Nachprfbarkeit eine Feiertagsentschdigung nur dann als bereits durch den Stundenlohn abgegolten erachtet werden, wenn diese ausdrcklich im Einzelarbeitsvertrag ausgewiesen wird, der Arbeitsvertrag sich zum konkreten Betrag oder im Rahmen eines Prozentsatzes ussert und jeweils ersichtlich ist, welchen Teil vom Lohn die Feiertagsentschdigung ausmacht. Der Arbeitgeber ist zudem dazu verpflichtet, in den einzelnen Lohnabrechnungen den entsprechenden Betrag oder Prozentsatz gesondert darzustellen. Dabei ist der Einzelarbeitsvertrag so zu gestalten, dass trotz jhrlich schwankender Anzahl entschdigungspflichtiger Feiertage der Teil vom Lohn, der die Feiertagsentschdigung darstellt, erkennbar ist und somit nachvollzogen werden kann.
[15] Im vorliegend zu beurteilenden Sachverhalt waren diese vom Bundesgericht aufgestellten Anforderungen nicht
erfllt. Der Arbeitnehmer konnte somit selbst nach Beendigung des Arbeitsverhltnisses die Nachzahlung der Entschdigung verlangen. Eine solche nachtrgliche Geltendmachung des Entschdigungsanspruchs gilt nach Meinung des Bundesgerichts dabei analog zur Rechtsprechung bezglich Ferienentschdigungen nicht als rechtsmissbruchlich i.S.v. Art. 2 Abs. 2 ZGB. Dennoch stellt sich die Frage, ob durch diese formellen Voraussetzungen nicht zu weit in die Vertragsautonomie der Parteien eingegriffen wird; die Beschwerdefhrerin hatte vorliegend nmlich im Arbeitsvertrag zumindest klar festgehalten, Feiertage seien im Lohn inbegriffen. Hingegen ist ebenfalls nachvollziehbar, dass der auf die Feiertagsentschdigung entfallende Lohnanteil sowohl im Vertrag als auch auf den einzelnen Lohnabrechnungen ersichtlich sein sollte, insbesondere, weil die Spezifikationserfordernisse den Arbeitnehmerschutz gewhrleisten sollen. Seltsam erscheint hier zudem die Einwendung der Beschwerdefhrerinnen, dem Arbeitnehmer seien sonstige Vorteile wie die Bentzung des Grillplatzes gewhrt worden; dies wrde nmlich implizieren, dass die Regelung im Arbeitsvertrag unvollstndig ist, da die Feiertagsentschdigung nicht nur mit Lohn, sondern auch mit anderweitigen Vorteilen abgegolten wrde.
[16] Zusammenfassend gilt: Die in der Gerichtspraxis entwickelten formellen Voraussetzungen, welche erfllt sein mssen, damit eine Ferienlohnabgeltung bei Angestellten im Stundenlohn zulssig ist, sind ausnahmsweise dann analog auch fr Feiertagsentschdigungen von Angestellten im Stundenlohn anwendbar, wenn ein Einzel-, Gesamt- oder Normalarbeitsvertrag einen solchen Entschdigungsanspruch explizit vorsieht. Die Spezifikationskriterien sind im Lichte des Arbeitnehmerschutzes positiv zu werten und erscheinen im Hinblick auf die Erfordernisse Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Arbeitsentschdigung als sinnvoll. Letztlich soll damit verhindert werden, dass der Arbeitnehmer fr anerkannte Feiertage, an denen er ebenfalls Lohn htte erzielen knnen, ihm dies jedoch aufgrund nationaler oder kantonaler Regelungen (zwingend) verwehrt war, keine Entschdigung erhlt.
DANIEL DONAUER, MLaw, RA, ist Rechtsanwalt bei Walder Wyss am Standort Zrich. BEATRICE BORIO, ist wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl fr Privatrecht, internationales Privat- und Handelsrecht sowie Rechtsvergleichung an der Universitt St. Gallen.
Zitiervorschlag: Beatrice Borio / Daniel Donauer, Feiertagsentschdigung fr Angestellte im Stundenlohn?, in: dRSK, publiziert am 28. September 2018
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