Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=17.04.2013&Aktenzeichen=B%209%20V%2036/12%20B
Timestamp: 2019-05-21 03:51:42
Document Index: 195506551

Matched Legal Cases: ['§ 160', '§ 160', '§ 118', '§ 407', '§ 407', 'Art. 2', '§ 161', '§ 565', '§ 112', '§ 118', '§ 407', '§ 118', '§ 21', '§ 21', '§ 118', '§ 402', '§ 118', '§ 407', '§ 118', '§ 407', '§ 118', 'Art. 2', 'Art. 6', 'EGMR', '§ 118', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 372', '§ 118', '§ 103', 'Art. 2', '§ 118', '§ 407', '§ 21', '§ 407', '§ 118']

BSG, 17.04.2013 - B 9 V 36/12 B - dejure.org
https://dejure.org/2013,22932
BSG, 17.04.2013 - B 9 V 36/12 B (https://dejure.org/2013,22932)
BSG, Entscheidung vom 17.04.2013 - B 9 V 36/12 B (https://dejure.org/2013,22932)
BSG, Entscheidung vom 17. April 2013 - B 9 V 36/12 B (https://dejure.org/2013,22932)
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§ 160 Abs 2 Nr 3 SGG, § 160a SGG, § 118 Abs 1 S 1 SGG, § 407a Abs 2 S 1 ZPO, § 407a Abs 2 S 2 ZPO
Sozialgerichtliches Verfahren - Nichtzulassungsbeschwerde - Verfahrensmangel - Verwertung eines im Verwaltungsverfahren eingeholten psychiatrischen Sachverständigengutachtens - Urkundsbeweis - Pflichten des Sachverständigen - persönliche Untersuchung - Zentralaufgabe - Rügeverlust - Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs
SG Reutlingen, 13.06.2007 - S 3 VU 3293/03
LSG Baden-Württemberg, 24.05.2012 - L 6 VU 6/10
Der aus Art. 2 Abs. 1 GG iVm dem Rechtsstaatsprinzip abgeleitete Anspruch auf ein faires Verfahren ist nur verletzt, wenn grundlegende Rechtsschutzstandards, wie das Gebot der Waffengleichheit zwischen den Beteiligten, das Verbot widersprüchlichen Verhaltens oder einer Überraschungsentscheidung nicht gewahrt werden (vgl BVerfGE 78, 123, 126 [BVerfG 26.04.1988 - 1 BvR 669/87];… BVerfG SozR 3-1500 § 161 Nr. 5;… BSG SozR 3-1750 § 565 Nr. 1;… SozR 3-1500 § 112 Nr. 2; BSG Beschluss vom 25.6.2002 - B 11 AL 21/02 B; vgl insbesondere auch BSG vom 17.4.2013 - B 9 V 36/12 B - SozR 4-1500 § 118 Nr. 3 RdNr 16).
Zwar ist der Mangel der Unverwertbarkeit eines Gutachtens durch Rügeverzicht heilbar (BSG, Urteil vom 17.04.2013, B 9 V 36/12 B, juris, Rn. 9).
Auch die inhaltlichen Anforderungen an ein ordnungsgemäßes Sachverständigengutachten, wie sie § 407a Abs. 2 ZPO normiert, muss ein im Verwaltungsverfahren eingeholtes Gutachten grundsätzlich erfüllen (vgl Senatsbeschluss vom 17.4.2013 - B 9 V 36/12 B - SozR 4-1500 § 118 Nr. 3 RdNr 5;… Ramsauer, aaO, RdNr 30) .
Dies folgt schon daraus, dass im Verwaltungsverfahren eingeholten Sachverständigengutachten in der Regel kein geringerer Beweiswert beizumessen ist als gerichtlich eingeholten Gutachten (…Keller, aaO, mwN; vgl insgesamt Senatsbeschluss vom 17.4.2013 - B 9 V 36/12 B -, aaO, RdNr 5 ff) .
Ein Gericht, welches unter Verzicht auf Einholung eines gerichtlichen Sachverständigengutachtens zulässigerweise ein bereits im Verwaltungsverfahren eingeholtes Gutachten (§ 21 Abs. 1 S 2 Nr. 2, Abs. 3 SGB X) im Wege des Urkundenbeweises verwerten will, hat lediglich sicherzustellen, dass die für die Einholung eines Gutachtens durch die Verwaltung geltenden Grundsätze gemäß § 21 SGB X, die den nach § 118 Abs. 1 SGG i.V.m. §§ 402 ff ZPO einzuhaltenden Grundsätzen entsprechen, beachtet wurden (vgl. BSG, Beschluss vom 17.04.2013 - 9 V 36/12 B -, SozR 4-1500 § 118 Nr. 3).
Diese Verpflichtung darf der ernannte Verwaltungsgutachter auch nicht auf einen anderen übertragen, denn § 407 a Abs. 2 ZPO ist entsprechend anwendbar (BSG, Beschluss vom 17.04.2013, a.a.O.).
Das LSG habe durch die Heranziehung und Verwertung des bereits im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachtens des Prof. Dr. F. vom 24.7.2001 § 118 Abs. 1 SGG iVm § 407a Abs. 2 ZPO verletzt, weil Zweifel bestünden, ob der Sachverständige die Klägerin tatsächlich persönlich untersucht habe (Beschluss vom 17.4.2013 - B 9 V 36/12 B).
Mit Beschluss vom 17.04.2013 hat das BSG das Urteil des Senats vom 24.05.2012 insoweit aufgehoben und zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das LSG zurückverwiesen, als es die Ansprüche der Klägerin auf Feststellung weiterer Schädigungsfolgen sowie auf Gewährung einer höheren Grundrente, eines höheren BSA und einer höheren Ausgleichsrente betrifft, und im Übrigen die Nichtzulassungsbeschwerde als unzulässig verworfen (- B 9 V 36/12 - SozR 4-1500 § 118 Nr. 3).
Bei psychologischen und psychiatrischen Gutachten muss der Sachverständige die persönliche Begegnung mit dem Probanden und das explorierende Gespräch im wesentlichen Umfang selbst durchführen (BSG, Beschluss vom 17. April 2013 - B 9 V 36/12 B, Rz. 7, juris).
Keiner Entscheidung bedurfte es schließlich, ob über den Verstoß gegen den Anspruch auf Gewährung rechtlichen Gehörs hinaus eine Verletzung des aus Art. 2 Abs. 1 GG iVm dem Rechtsstaatsprinzip bzw Art. 6 EMRK folgenden Anspruchs auf ein faires Verfahren (vgl EGMR vom 27.10.1993 - 37/1992/382/460 - NJW 1995, 1413 - Dombo Beheer; BSG Beschlüsse vom 12.12.2014 - B 10 ÜG 15/14 B - Juris RdNr 8 und vom 17.4.2013 - B 9 V 36/12 B - SozR 4-1500 § 118 Nr. 3 RdNr 16) vorliegt, sowie, ob die den Schutzbereich des allgemeinen Persönlichkeitsrechts (Art. 2 Abs. 1 iVm Art. 1 Abs. 1 GG) tangierende Erhebung von Eindrücken des äußeren Erscheinungsbildes ohne Wissen des Betroffenen einer über § 372 ZPO iVm § 118 SGG hinausgehenden besonderen gesetzlichen Grundlage bedurft hätte (vgl LSG Nordrhein-Westfalen vom 8.6.2011 - L 12 AS 201/11 B ER - Juris; Bayerisches LSG vom 25.1.2008 - L 7 AS 72/07 - Juris RdNr 43; vgl auch Mushoff in Schlegel/Voelzke, jurisPK-SGG, 2017, § 103 RdNr 60; Bieresborn, SGb 2010, 501, 503, 507; Hammel, ZfSH/SGB 2011, 577, 582) .
Der aus Art. 2 Abs. 1 GG iVm dem Rechtsstaatsprinzip abgeleitete Anspruch auf ein faires Verfahren ist nur verletzt, wenn grundlegende Rechtsschutzstandards, wie das Gebot der Waffengleichheit zwischen den Beteiligten, das Verbot von widersprüchlichem Verhalten oder von Überraschungsentscheidungen nicht gewahrt werden (BSG Beschluss vom 17.4.2013 - B 9 V 36/12 B - SozR 4-1500 § 118 Nr. 3 mwN).
So hat das BSG zwar bereits zu § 407a Abs. 2 ZPO entschieden, dass ein Gericht, welches unter Verzicht auf Einholung eines gerichtlichen Sachverständigengutachtens ein im Verwaltungsverfahren eingeholtes Sachverständigengutachten (§ 21 Abs. 1 S 2 Nr. 2, Abs. 3 SGB X) im Wege des Urkundsbeweises verwerten will, sicherzustellen hat, dass der das Gutachten Unterzeichnende die Vorschriften des § 407a Abs. 2 ZPO über die eigenverantwortliche Erstellung des Gutachtens beachtet (vgl BSG Beschluss vom 17.4.2013 - B 9 V 36/12 B - SozR 4-1500 § 118 Nr. 3 RdNr 6).
SG Duisburg, 21.08.2014 - S 10 R 282/13
Anspruch auf Rente wegen voller Erwerbsminderung auf Zeit bei erwiesener …