Source: https://www.aussenwirtschaftslupe.de/drittstaatenwirkung-bei-gesetzlicher-qualifizierter-mindestbeteiligungsquote-dividenden-aus-den-usa-2108
Timestamp: 2019-09-15 18:56:47
Document Index: 70206603

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 54', '§ 8', '§ 7', '§ 3', '§ 8', '§ 3', '§ 8', '§ 8', '§ 3', '§ 3', 'Art. 43', 'Art. 48', 'Art. 49', 'Art. 54', '§ 8', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Drittstaatenwirkung bei gesetzlicher qualifizierter Mindestbeteiligungsquote — Dividenden aus den USA | Außenwirtschaftslupe
Nach § 8b Abs. 7 KStG 1999 n.F., der im Streit­jahr anzu­wen­den ist (vgl. § 54 Abs. 6d KStG 1999 n.F.), gel­ten 5% von den Divi­den­den aus Antei­len an einer aus­län­di­schen Gesell­schaft, die (u.a.) nach einem Abkom­men zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung oder nach § 8b Abs. 5 KStG 1999 n.F. von der Kör­per­schaft­steu­er (bzw. –i.V.m. § 7 Satz 1 GewStG 1999– von der Gewer­be­steu­er) befreit sind, als Betriebs­aus­ga­ben, die mit den Divi­den­den in unmit­tel­ba­rem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang ste­hen. Dar­aus folgt nach Auf­fas­sung der Ver­wal­tungs­pra­xis3, dass der hier­aus zu errech­nen­de Betrag gemäß § 3c EStG 1997 (i.V.m. § 8 Abs. 1 KStG 1999 n.F.) nicht abge­zo­gen wer­den darf; die Fik­ti­on ist danach nicht davon abhän­gig, ob und in wel­cher Höhe der Ober­ge­sell­schaft tat­säch­lich Betriebs­aus­ga­ben ent­stan­den sind4. Die Gegen­mei­nung ver­misst, um die­se Rechts­wir­kung eines Abzugs­ver­bots aus­lö­sen zu kön­nen, die aus­drück­li­che tat­be­stand­li­che Bezug­nah­me auf § 3c EStG 1997 und den dar­in ange­ord­ne­ten Abzugs­aus­schluss für die betref­fen­den Betriebs­aus­ga­ben, wie sie noch in der vor­he­ri­gen Fas­sung des § 8b Abs. 7 KStG 1999 a.F. ent­hal­ten war; mit­tels des blo­ßen Hin­wei­ses auf den „unmit­tel­ba­ren wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang” mit den betref­fen­den steu­er­frei­en Ein­nah­men las­se sich die­ses Man­ko nicht sub­sti­tu­ie­ren5. Bei ver­stän­di­ger Aus­le­gung lässt sich auch die Betriebs­aus­ga­ben­fik­ti­on in § 8b Abs. 7 KStG 1999 n.F. aber leicht­hin in den not­wen­di­gen Kon­text zu § 3c EStG 1997 stel­len und sind bei­de Vor­schrif­ten im wech­sel­sei­ti­gen Zusam­men­hang zu lesen. Es genügt die gesetz­li­che Fest­le­gung, dass die mit 5% quan­ti­fi­zier­ten fik­ti­ven Betriebs­aus­ga­ben sol­che sind, die „in unmit­tel­ba­rem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang” mit den steu­er­frei­en Ein­nah­men ste­hen; sowohl Rechts­vor­aus­set­zung als auch Rechts­fol­ge von § 3c EStG 1997 wer­den damit tat­be­stand­lich mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit auf­ge­grif­fen. Auch über die­se Fra­ge, die im BFH, Urteil in BFHE 215, 82, BSt­Bl II 2008, 821 noch unbe­ant­wor­tet geblie­ben ist, strei­ten die Betei­lig­ten im Ergeb­nis denn auch nicht.
Der BFH hat aller­dings in sei­nem Urteil in BFHE 215, 82, BSt­Bl II 2008, 8216 erkannt, dass bei­des im Zusam­men­wir­ken gegen die gemein­schafts­recht­lich ver­bürg­te Nie­der­las­sungs­frei­heit nach Art. 43 i.V.m. Art. 48 EG, jetzt Art. 49 i.V.m. Art. 54 AEUV, und damit gegen pri­mä­res Gemein­schafts­recht ver­stößt und des­halb wegen des Vor­rangs des Uni­ons­rechts vor natio­na­lem Recht unan­wend­bar bleibt. Dem hat sich die Finanz­ver­wal­tung prin­zi­pi­ell ange­schlos­sen7. Auch in die­sem Punkt besteht unter den Betei­lig­ten kein Streit.
Bestä­ti­gung von BFH, Urteil vom 13.06.2006 — I R 78⁄04, BFHE 215, 82, BSt­Bl II 2008, 821; und von BMF, Schrei­ben vom 30.09.2008, BSt­Bl I 2008, 940 [↩]
Abgren­zung zu den BFH, Urtei­le vom 09.08.2006 — I R 95⁄05, BFHE 214, 504, BSt­Bl II 2007, 279; sowie vom 26.11.2008 — I R 7⁄08, BFHE 224, 50 [↩]
vgl. BMF-Schrei­ben vom 10.01.2000, BSt­Bl I 2000, 71 [↩]
vgl. auch BFH, Urtei­le in BFHE 215, 93, BSt­Bl II 2008, 823; sowie in BFHE 214, 504, BSt­Bl II 2007, 279; und in BFHE 224, 50, jeweils zu § 8b Abs. 5 KStG 1999 [i.d.F. bis zur Ände­rung durch das Gesetz zur Fort­ent­wick­lung des Unter­neh­mens­steu­er­rechts –Unter­neh­mens­steu­er­fort­ent­wick­lungs­ge­setz– vom 20.12.2001, BGBl I 2001, 3858, BSt­Bl I 2002, 35 –KStG 1999⁄2002 a.F. – ] im Anschluss an die ein­schlä­gi­ge Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten, jetzt Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, ((vgl. EuGH, Urtei­le vom 18.09.2003 — C‑168/​01 [Bosal], Slg. 2003, I‑9409, IStR 2003, 666; und vom 23.02.2006 — C‑471/​04 [Kel­ler Hol­ding], Slg. 2006, I‑2107 [↩]
vgl. BMF, Schrei­ben vom 30.09.2008, BSt­Bl I 2008, 940 [↩]
in BFH, Urtei­le in BFHE 214, 504, BSt­Bl II 2007, 279; und in BFHE 224, 50, jeweils m.w.N. zur EuGH-Recht­spre­chung; s. dazu nach­fol­gend und fort­füh­rend auch z.B. EuGH, Urtei­le vom 17.09.2009 — C‑182/​08 [Gla­xo Well­co­me], Slg. 2009, I‑8591, IStR 2009, 691 Rn. 36 ff.; sowie vom 19.07.2012 — C‑31/​11 [Scheu­ne­mann], DStR 2012, 1508 Rn. 17 ff. [↩]
BMF, Schrei­ben in BSt­Bl I 2007, 302 [↩]
vom 22.12.1983, BGBl I 1983, 1583, BSt­Bl I 1984, 14, vgl. BTDrucks. 10⁄336, dort S. 28 [↩]
vgl. BFH, Urteil vom 30.03.2011 — I R 63⁄10, BFHE 233, 198, BSt­Bl II 2011, 747 [↩]
vgl. im Ein­zel­nen z.B. Heurung/​Engel/​Seidel, DB 2010, 1551, 1553 f.; Gosch in Kessler/​Förster/​Watrin [Hrsg.], Unter­neh­mens­be­steue­rung, Fest­schrift Her­zig, 2010, S. 63, 85 ff.; Frot­scher, DStR 2001, 2045, 2051; s.a. BFH, Urteil vom 10.01.2007 — I R 53⁄06, BFHE 217, 98, BSt­Bl II 2007, 585; anders z.B. –z.T. unter Beru­fung auf einen Grund­satz der „völ­ker­rechts­freund­li­chen” Aus­le­gung– Hage­bö­ke, IStR 2009, 473; Stangl/​Hageböke, Unter­neh­mens­be­steue­rung 2010, 651; Lorenz, IStR 2009, 437; Schön­feld, IStR 2010, 658; U. Prinz, FR 1999, 356, 358; Kraft/​Gebhardt/​Quilitzsch, FR 2011, 593, jeweils m.w.N. [↩]
BFH, Urteil vom 23.06.2010 — I R 71⁄09, BFHE 230, 177, BSt­Bl II 2011, 129 [↩]