Source: https://www.bgbau-medien.de/dguv/208_004/titel.htm?gesamt=1
Timestamp: 2018-05-24 06:07:23
Document Index: 194853504

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 7', '§ 70', '§ 29', 'BGH', 'BGH']

DGUV-Information 208-004: Gabelstapler, Titel
DGUV-Information 208-004
DGUV-Information 208-004: Gabelstapler, Inhaltsverzeichnis
1. Ausbildung von Gabelstaplerfahrern
1.1 Auswahl von Gabelstaplerfahrern
1.2 Ausbilder von Gabelstaplerfahrern
2. Beschaffenheitsanforderungen
2.1 Schilder und Bilder
2.2 Weitere Beschaffenheitsanforderungen
2.3 Ausrüstung für den Einsatz im Freien
2.4 Fahrerrückhalteeinrichtungen zur Verringerung der Verletzungsgefahr beim Umstürzen eines Gabelstaplers
3. Gesundheitliche Belastungen für den Gabelstaplerfahrer
4. Betriebsanweisung
5. Prüfungen von Gabelstaplern
6. Sicherer Betrieb von Gabelstaplern
7. Verlassen des Gabelstaplers
8. Sondereinsätze mit dem Gabelstapler
8.1 Mitnahme von Personen
8.2 Einsatz von Arbeitsbühnen
8.3 Ziehen von Anhängern
8.4 Be- und Entladen von Fahrzeugen
8.5 Einsatz von Gabelstaplern auf öffentlichen Straßen
8.6 Gabelstapler mit Anbaugeräten
9. Quellen- und Literaturverzeichnis (Vorschriften und Regeln)
9.1 Unfallverhütungsvorschriften
9.2 Berufsgenossenschaftliche Regeln und Grundsätze
9.3 DIN-Normen
9.4 VDI-Richtlinien
9.5 Gesetze, Verordnungen, Technische Regeln
Anhang Beispiele für Betriebsanweisungen für den Umgang mit Gabelstaplern
DGUV-Information 208-004: Gabelstapler, Vorwort
unbefugtes Mitfahren von Personen
DGUV-Information 208-004: Gabelstapler, 1 Ausbildung von Gabelstaplerfahrern
1 Ausbildung von Gabelstaplerfahrern
Oft wird die Ansicht vertreten, dass der Kraftfahrzeug-Führerschein genügt, um einen Gabelstapler sicher zu fahren. Diese Ansicht ist jedoch irrig. Die Kenntnisse und Fähigkeiten eines Kraftfahrzeugfahrers können zwar die Bedienung eines Gabelstaplers erleichtern. Jedoch werden an einen Gabelstaplerfahrer nicht nur zusätzliche, sondern auch andersartige Anforderungen gestellt als an den Fahrer eines Kraftfahrzeuges.
Deshalb darf sich nicht jeder, auch wenn er schon lange einen Kraftfahrzeug-Führerschein besitzt, an das Steuer eines Gabelstaplers setzen. Er würde sich und andere in Gefahr bringen.
Der Nachweis der körperlichen Eignung kann über die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung in Anlehnung an den Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 25 „Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten“ erbracht werden. Das kann beispielsweise über eine Betriebsvereinbarung geregelt werden.
Zur Durchführung der Ausbildung ist der Berufsgenossenschaftliche Grundsatz "Ausbildung und Beauftragung der Fahrer von Flurförderzeugen mit Fahrersitz und Fahrerstand" (BGG 925) zu berücksichtigen. Nach bestandener Ausbildung ist den Teilnehmern ein Ausbildungsnachweis auszuhändigen (Bild 1-1).
Die Beauftragung der Fahrer muss schriftlich erfolgen. Zur Beauftragung kann der innerbetriebliche Fahrerausweis verwendet werden.
Bild 1-1: Beispiel für eine innerbetriebliche Beauftragung
Die an einen Ausbilder zu stellenden Anforderungen sind in den Durchführungsanweisungen zum § 7 Abs. 1 der Unfallverhütungsvorschrift "Flurförderzeuge" (BGV D27) und in dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz "Ausbildung und Beauftragung der Fahrer von Flurförderzeugen mit Fahrersitz und Fahrerstand" (BGG 925) geregelt.
Als Ausbilder für Flurförderzeugfahrer kann tätig werden, wer aufgrund seiner fachlichen Ausbildung und Erfahrung ausreichende Kenntnisse auf dem Gebiet der Flurförderzeuge hat und mit den einschlägigen staatlichen Arbeitsschutzvorschriften (z. B. Produktsicherheitsgesetz , Betriebssicherheitsverordnung ), Berufsgenossenschaftlichen Vorschriften, Regeln, Informationen und Grundsätzen sowie den allgemein anerkannten Regeln der Technik (z. B. Normen) vertraut ist und mindestens folgende Anforderungen erfüllt:
2 Jahre Erfahrung im Umgang oder Einsatz von Flurförderzeugen,
erfolgreiche Ausbildung zum Fahrer von Flurförderzeugen,
Meister oder mindestens 4-jährige Tätigkeit in gleichwertiger Funktion
erfolgreiche Teilnahme an einem Lehrgang für Ausbilder von Flurförderzeugfahrern.
Seminare für Ausbilder von Flurförderzeugfahrern werden z. B. von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall angeboten.
DGUV-Information 208-004: Gabelstapler, 2 Beschaffenheitsanforderungen
2 Beschaffenheitsanforderungen
Die Unfallverhütungsvorschrift "Flurförderzeuge" (BGV D27) beinhaltet nur Regelungen für den Betrieb und die Prüfung von Flurförderzeugen.
Beschaffenheitsanforderungen regelt § 7 der Betriebssicherheitsverordnung. Das heißt, es müssen die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen nach Anhang 1 , Punkt 3 der Betriebssicherheitsverordnung eingehalten werden. Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen für Flurförderzeuge, die ab dem 01.01.1996 beschafft wurden, werden durch europäische Normen konkretisiert.
eine mitgelieferte EG-Konformitätserklärung
Jeder Gabelstapler hat ein Fabrikschild (Bild 2-1) mit folgenden Angaben:
zulässiges Mindest- und Höchstgewicht der Antriebsbatterie
Bild 2-1: Fabrikschild mit CE-Zeichen für ein Flurförderzeug
Das Gesamtgewicht setzt sich aus dem Eigengewicht und Lastgewicht zusammen. Die Fahrbereiche im Betrieb müssen für das Gesamtgewicht ausgelegt sein. Bereiche mit eingeschränkter Belastung (z. B. Kanalabdeckungen, Decken, Rampen, Aufzüge usw.) sind besonders zu kennzeichnen.
Bei einem Eigengewicht von 6 000 kg und einem Lastgewicht von 3 000 kg beträgt das Gesamtgewicht 9 000 kg. Bei einem beladenen Gabelstapler wird die Vorderachse mit ca. 90 % des Gesamtgewichtes belastet. In unserem Beispiel kann dann ein Rad den Boden mit 4 000 kg belasten.
Jeder Gabelstapler mit einem Hubgerüst vor der Vorderachse ist mit einem Tragfähigkeitsschild in Form eines Lastschwerpunkt-Diagramms ausgerüstet (Bild 2-2). Die Zahlen des Diagramms geben an, wie weit der Schwerpunkt einer Last vom senkrechten Teil der Gabeln, dem Gabelrücken, höchstens entfernt sein darf.
Die Nenn-Tragfähigkeit des Gabelstaplers, die auf dem Fabrikschild angegeben ist, bezieht sich bei den meisten Geräten auf den Lastschwerpunktabstand von 500 mm, und zwar bis zu einer Hubhöhe von 3 300 mm.
Bild 2-2: Lastschwerpunkt-Diagramm
An einem Gabelstapler mit mehr als 2 000 mm Hubhöhe ist ein dauerhafter und leicht erkennbarer Hinweis angebracht (Bild 2-3):
Bild 2-3: Anschlag "Aufenthalt unter der Last verboten"
Gabelstapler mit einem Hub von mehr als 1,80 m müssen mit einem Fahrerschutzdach gegen herabfallende Lasten ausgerüstet sein (Bild 2-4).
Bild 2-4: Gabelstapler mit Fahrerschutzdach
- bei Elektro-Antrieb Schaltschlüssel
- bei verbrennungsmotorischem Antrieb Anlassschalter mit abziehbarem Sicherheitsschlüssel,
ein Hubgerüst, das ausreichende Sicht auf die Fahrbahn, die Last und das Lastaufnahmemittel gestattet
Stellteile, die vom Fahrersitz leicht zu erreichen und eindeutig gekennzeichnet sind (Bild 2-5).
Bild 2-5: Optimal angeordnete Stellteile und bessere Sicht durch ein Freisichthubgerüst gewährleisten ein ermüdungsfreies Arbeiten
Nach einer berufsgenossenschaftlichen Erhebung ereignen sich jährlich 10 bis 15 tödliche Unfälle durch umkippende Gabelstapler. Ursache hierfür sind im Wesentlichen zu schnelle Kurvenfahrten und das Fahren mit angehobenen Lastaufnahmemitteln. Bei diesen Unfällen werden in der Regel die Fahrer dadurch verletzt oder getötet, weil sie beim Umkippen des Gabelstaplers aus dem Sitz geschleudert oder beim Versuch abzuspringen vom Fahrerschutzdach erschlagen werden.
Tür- oder Sitzbügel
Bild 2-6: Schalensitz mit Beckengurt
Bei der Auswahl der Rückhalteeinrichtungen ist neben der Sicherheit auch die Akzeptanz durch den Fahrer zu berücksichtigen. Beckengurte (Bild 2-6) lassen sich zwar mit relativ geringem Aufwand nachrüsten, werden aber von Fahrern, die häufig auf- und absteigen müssen, oft nicht benutzt, weil es ihnen zu lästig ist, ständig nach dem Gurtschloss zu suchen.
Die wohl sinnvollere Lösung ist die Verwendung von Tür- oder Sitzbügeln. Diese werden z. B. am Rahmen des Fahrerschutzdaches oder hinter dem Fahrersitz montiert und können wie eine Tür geöffnet und geschlossen werden. Sie verhindern, dass der Fahrer beim Kippen seitlich herausgeschleudert wird oder das Fahrzeug in Panik verlässt (Bild 2-7).
Bild 2-7: Bügeltüren als Rückhalteeinrichtung
DGUV-Information 208-004: Gabelstapler, 4 Betriebsanweisung
4 Betriebsanweisung
Für den Betrieb von Gabelstaplern ist vom Unternehmer eine schriftliche Betriebsanweisung zu erstellen und an geeigneter Stelle in der Arbeitsstätte bekannt zu machen.
In der Betriebsanweisung sind die genannten technischen Hinweise der Betriebsanleitung des Herstellers oder Lieferanten des Gabelstaplers sowie die örtlichen und betrieblichen Gegebenheiten zu berücksichtigen.
Die Betriebsanweisung sollte insbesondere enthalten:
Benennung der bestimmungsgemäßen Verwendung, Hinweise auf unzulässige Verwendung,
Hinweise auf die Benutzung der Fahrerrückhalteeinrichtung,
innerbetriebliche Verkehrsregelungen (z. B. Einfahrverbot in bestimmte Bereiche),
Informationen zur Lager- und Stapelordnung,
Voraussetzungen für die Mitfahrt von Personen, ggf. auch das Verbot,
Regeln beim Einsatz der Arbeitsbühne,
Besonderheiten spezieller Anbaugeräte,
Angaben zur Benutzung von Anhängern,
Hinweise zum Befahren von Regalanlagen mit Schmalgängen,
bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor organisatorische Maßnahmen zur Immissionsminderung, z. B. Motorwartung, Abstellbereiche und
Hinweise auf Maßnahmen gegen gesundheitsschädliche Vibrationen, z. B. Sitzeinstellung, angepasste Fahrweise.
Beispiel einer Betriebsanweisung
DGUV-Information 208-004: Gabelstapler, 5 Prüfungen von Gabelstaplern
5 Prüfungen von Gabelstaplern
Täglich vor Arbeitsbeginn muss der Fahrer den Gabelstapler durch Sicht- und Funktionsprüfung überprüfen. Erst wenn keine Mängel erkannt werden, darf er den Stapler in Bewegung setzen.
Sichtprüfungen sind bestanden, wenn beispielsweise
die Gabelzinken und Gabelträger keine erkennbaren Schäden haben, wenn sie nicht verbogen oder stark abgeschliffen sind, keine Risse aufweisen (Bild 5-1),
die Reifen nicht schadhaft sind und den erforderlichen Luftdruck haben,
die Pedale griffig sind,
das Fahrerschutzdach sicher befestigt und ohne erkennbare Schäden ist,
das Lastschutzgitter (wo erforderlich) vorhanden und sicher befestigt ist
die Hydraulik keine Leckverluste aufweist.
Funktionsprüfungen sind bestanden, wenn beispielsweise
die Betriebs- und die Feststellbremse funktionieren (das im Stand betätigte Pedal muss nach ca. 1/3 Weglänge einen spürbaren Widerstand aufweisen),
die Sicherung gegen unbefugtes Benutzen in Ordnung ist,
die Sicherung der Gabelzinken gegen Herausheben und Verschieben keine Mängel hat,
die Ketten ausreichend und gleichmäßig gespannt sind,
die Warneinrichtung funktioniert,
die Beleuchtung und das Bremslicht in Ordnung sind,
das Lenkungsspiel höchstens zwei Finger breit ist,
die Fahrerrückhalteeinrichtungen in Ordnung und funktionsfähig sind,
die Sicherungseinrichtung der Anhängerkupplung wirksam ist und
die Hydraulik für Ausfahren des Hubgerüstes, Senken, Neigen sowie für Anbaugeräte in Ordnung ist.
Trotz des erheblich erscheinenden Umfanges können die täglichen Sicht- und Funktionsprüfungen in wenigen Minuten durchgeführt werden.
Bild 5-1: Verbogener Gabelträger
Bei Mängeln nicht weiterfahren.
Mängel sofort melden.
Nie versuchen, die festgestellten Mängel selbst zu beheben.
Wartungs-, Instandsetzungs- und Änderungsarbeiten dürfen nur durch Fachpersonal erfolgen.
Unabhängig davon ist der Stapler mindestens einmal jährlich, bei mehrschichtigem Einsatz auch häufiger, durch eine befähigte Person (Sachkundiger) zu prüfen. Diese Prüfung ist zu dokumentieren. Darüber hinaus hat sich bewährt, am Gabelstapler eine Prüfplakette anzubringen (Bild 5-2).
Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass die Beseitigung der bei der Prüfung festgestellten Mängel im Prüfnachweis vermerkt wird.
Prüfplaketten, die das Datum der nächsten Prüfung angeben, sollten – zur Vermeidung von Missverständnissen – erst am Gabelstapler angebracht werden, wenn die bei der letzten Prüfung festgestellten Mängel behoben sind.
Bild 5-2: Die Prüfplakette erleichtert es dem Fahrer, die Prüffristen zu überwachen
DGUV-Information 208-004: Gabelstapler, 8 Sondereinsätze mit dem Gabelstapler
8 Sondereinsätze mit dem Gabelstapler
Sondereinsätze darf der Gabelstaplerfahrer nur auf besondere Anweisung des verantwortlichen Vorgesetzten durchführen. Die Anweisungen müssen vorher durchgesprochen und in einer Betriebsanweisung festgelegt werden. Der Fahrer muss seine gesamte Erfahrung einsetzen, damit der Sondereinsatz zuverlässig und sachgerecht durchgeführt wird.
Der Fahrer darf Personen nur dann mitnehmen, wenn:
der Gabelstapler mit einem Beifahrersitz, einer Rückhaltevorrichtung für den Beifahrer und einem Haltebügel, der sich deutlich innerhalb der Konturen des Gabelstaplers befinden muss, ausgerüstet ist (Bild 8-1),
die Person durch die Ladung nicht gefährdet wird und
der Unternehmer das Mitfahren von Personen zugelassen hat.
Bild 8-1: Gabelstapler mit Beifahrersitz, Rückhalteeinrichtung und Haltegriff für Beifahrer
Die Mitnahme von Personen, beispielsweise als Fahrlehrer bei der Ausbildung oder als Helfer für Be- und Entladearbeiten, ist durch den Unternehmer in einer Betriebsanweisung zu regeln.
Da der Gabelstapler kein Taxi ist, ist die Mitnahme von Personen auf das notwendige Maß zu beschränken.
Während der Fahrt sind verboten:
Das Auf- und Absteigen
Das Übersteigen von einem Gerät auf das andere
Das Herabhängenlassen der Beine über den Rand der Geräte
Bedingt durch die Hubeinrichtung bietet sich der Gabelstapler als Hilfsmittel für Tätigkeiten an hoch gelegenen Stellen an. Personen dürfen mit der Hubeinrichtung aber nur auf- oder abwärts gefahren werden, wenn der Gabelstapler über eine ausreichende Tragfähigkeit verfügt, sich die Personen in einer geeigneten Arbeitsbühne befinden und dort gegen Absturz sowie Quetsch- und Schergefahren durch die Hubeinrichtung geschützt sind.
Die Tragfähigkeit des Staplers gilt als ausreichend, wenn der Hersteller in der Betriebsanleitung die Verwendung einer Arbeitsbühne als bestimmungsgemäße Verwendung vorgesehen hat oder die Bodenfläche der Arbeitsbühne die Abmessungen einer Europalette (1200 mm x 800 mm) nicht überschreitet, sich der Standplatz der mitfahrenden Person in Höhe der Gabelzinken befindet und die Tragfähigkeit des Gabelstaplers mindestens das 5-fache des Lastgewichts beträgt. Das Lastgewicht setzt sich in diesem Falle aus dem Eigengewicht der Arbeitsbühne, dem Gewicht der mitfahrenden Person(en) und der Zuladung zusammen.
Bild 8-2: Gabelstapler mit Arbeitsbühne
Die Arbeitsbühne ist zum Schutz gegen Absturz formschlüssig am Lastaufnahmemittel zu sichern (Bild 8-3) und mit einem mindestens 1 m hohen Geländer, bestehend aus Handlauf, Knie- und Fußleiste, zu versehen.
Zum Schutz gegen Quetsch- und Schergefahren durch das Hubgerüst muss auf der dem Hubgerüst zugewandten Seite der Arbeitsbühne ein mindestens 1,80 m hohes, engmaschiges Schutzgitter angebracht sein. Auf Quetsch- und Schergefahren zwischen Arbeitsbühne und festen Teilen der Umgebung ist in der Betriebsanweisung und den Unterweisungen einzugehen.
Das Verfahren des Gabelstaplers mit angehobener oder besetzter Arbeitsbühne ist nicht zulässig.
Bild 8-3: Formschlüssige Sicherung der Arbeitsbühne gegen Abkippen und Abrutschen
das Verfahren mit nicht höher als bodenfrei angehobener Arbeitsbühne, sofern ein Haltegriff innerhalb der Kontur der Arbeitsbühne vorhanden ist und die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit des Flurförderzeuges 16 km/h nicht überschreitet,
Regal- und Kommissionierstapler, die in Regalgängen bestimmungsgemäß mit angehobener Last verfahren werden dürfen.
Bei angehobener Arbeitsbühne darf der Fahrer den Gabelstapler nicht verlassen. Er muss jederzeit in der Lage sein, die Arbeitsbühne herabzulassen.
Gabelstapler mit Anhänger müssen bei allen Fahrbewegungen des Zuges sicher abgebremst werden können. Deshalb darf die Anhängelast die Zugkraft des Gabelstaplers nicht überschreiten.
Die Anhängelast besteht aus dem Gewicht des Anhängers und der Ladung. Soweit die Zugkraft des Staplers nicht im Bereich der Kupplung angegeben ist, hat sie der Betreiber aus der Betriebsanleitung zu entnehmen oder beim Hersteller zu erfragen.
Es darf nur gezogen werden, was auch mit der Gabel gehoben werden kann (Bild 8-4).
Bild 8-4: Gabelstapler mit Anhängern
Das Entladen von Lkws, Anhängern, Wechselbrücken oder Kleintransportern mit Gabelstaplern erfolgt in den meisten Fällen seitlich (Bild 8-5). Bevor der Staplerfahrer mit der Be- oder Entladung beginnt, hat er sich davon zu überzeugen, dass diese Fahrzeuge bzw. Geräte gegen Wegrollen und Umkippen gesichert sind.
Bild 8-5: Beim Be- und Entladen von Fahrzeugen sind diese immer gegen Wegrollen zu sichern. Das heißt, der Gang ist einzulegen, die Feststellbremse anzuziehen und der Unterlegkeil unterzulegen
die Feststellbremse muss betätigt sein
Unterlegkeile sind vor die nicht gelenkten Räder zu legen
Deichseln von Lkw-Anhängern mit Drehschemellenkung sind in Richtung der Fahrzeuglänge zu stellen
Um auch die an der gegenüberliegenden Bordwand stehende Ladung sicher aufnehmen zu können, werden als Sonderzubehör hydraulisch betätigte, von der Hubgabel geführte und nach vorn bewegliche Schub- oder Teleskopgabeln angeboten. Diese erleichtern die Be- oder Entladung wesentlich (Bild 8-6).
Bild 8-6: Gabelstapler mit Schubgabel
Wird beim Be- oder Entladen die Ladefläche befahren, sind geeignete Ladebrücken zu verwenden. Diese müssen ausreichend breit, tragfähig, rutschhemmend und gegen Verschieben gesichert sein. Außerdem ist darauf zu achten, dass die Ladefläche ausreichend tragfähig ist, um das Gewicht der Ladung und des Staplers sicher aufzunehmen.
Da Gabelstapler in der Regel nicht den Bauvorschriften der Straßenverkehrszulassungsordnung entsprechen, wird eine Ausnahmegenehmigung gemäß § 70 StVZO von der Bezirksregierung mit anschließender Erlaubnis gemäß § 29 Absatz 3 StVO vom zuständigen Straßenverkehrsamt benötigt.
Wenn ein Gabelstapler auf öffentlichen Straßen benutzt werden soll, muss er mit einer Sonderausstattung für den Verkehr auf öffentlichen Straßen ausgerüstet sein (Bild 8-8).
Bild 8-8: Gabelstapler mit Sonderausstattung für den Einsatz auf öffentlichen Straßen
Zusätzlich ist seit 01.01.1999 bei der Teilnahme am Straßenverkehr die Fahrerlaubnis-Verordnung zu beachten, die die 2. EU-Führerscheinrichtlinie in deutsches Recht umsetzt.
Danach ist wie bisher für das Fahren mit Flurförderzeugen mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 6 km/h keine Fahrerlaubnis erforderlich.
Für alle anderen Flurförderzeuge die öffentliche Straßen befahren, müssen die Fahrer eine entsprechende Fahrerlaubnis besitzen.
Welcher Führerschein im Einzelfall notwendig ist, hängt vom Gesamtgewicht, der zulässigen Höchstgeschwindigkeit und der Anhängerlast des Staplers ab (siehe Bild 8-7).
Führerscheinklasse Zulässiges Gesamtgewicht des Staplers (kg) Zulässige Höchst-geschwindigkeit Zulässige Anhängerlast
Frei Frei Keine Begrenzung 6 km/h Keine Begrenzung
5*) L Keine Begrenzung 25 km/h Keine Begrenzung
3 B 3500 kg Keine Begrenzung 750 kg
3 BE 3500 kg Keine Begrenzung Über 750 kg
3 C 1 7500 kg Keine Begrenzung 750 kg
2 C Über 7500 kg Keine Begrenzung 750 kg
- D Über 7500 kg Keine Begrenzung 750 kg
- T Keine Begrenzung 40 km/h Keine Begrenzung
*) Sofern die Fahrerlaubnis vor dem 01.01.1989 erteilt wurde.
Bild 8-7: Führerscheinklassen
Anbaugerät (z. B. Schubgabel, Fassgreifer usw.) und Gabelstapler müssen aufeinander abgestimmt sein. Das betrifft besonders die Befestigung an den Gabeln oder Gabelträgern sowie den Anschluss an das Hydrauliksystem. Außerdem muss die Standsicherheit erhalten bleiben.
Weiterhin ist zu beachten, dass durch das Gewicht und die Abmessungen des Anbaugerätes die verbleibende Nutzlast des Gabelstaplers herabgesetzt wird. Aus diesem Grund besitzen die Anbaugeräte ein eigenes Lastschwerpunktdiagramm. Es ist beim Umgang mit diesen zu verwenden.
Vor der Verwendung eines Anbaugerätes hat sich der Fahrer zu vergewissern, ob das Anbaugerät bestimmungsgemäß befestigt und angeschlossen ist.
DGUV-Information 208-004: Gabelstapler, 9. Quellen- und Literaturverzeichnis
(Vorschriften und Regeln)
"Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung am Arbeitsplatz" (BGV A 8)
"Flurförderzeuge" (BGV D 27)
"Fahrzeuge" (BGV D 29)
"Verwendung von Flüssiggas" (BGV D 34)
9.2 Berufsgenossenschaftliche Regeln, Informationen und Grundsätze
"Ladebrücken und fahrbare Rampen" (BGR 233)
"Lagereinrichtungen und -geräte" (BGR 234)
"Betreiben von Arbeitsmitteln" (BGR 500)
"Ausbildung und Beauftragung der Fahrer von Flurförderzeugen mit Fahrersitz und Fahrerstand" (BGG 925)
DIN 15172 "Kraftbetriebene Flurförderzeuge; Schlepper und schleppende Flurförderzeuge; Zugkraft, Anhängelast"
DIN 18225 "lndustriebau; Verkehrswege in Industriebauten"
VDI 2196 "Bereifung für Flurförderzeuge" (Anmerkung der Redaktion: zurückgezogen 02/2012)
VDI 2198 "Typenblätter für Flurförderzeuge"
VDI 2398 "Zulassung von Gabelstaplern zum öffentlichen Straßenverkehr"
VDI 3313 "Fahrausweis für motorkraftbetriebene Flurförderzeuge im innerbetrieblichen Werkverkehr mit Sicherheitshinweisen für Fahrer/-innen von Sitz-, Stand- und Mitgänger-Flurförderzeugen“
VDI 3318 "Befahren von Lastenaufzügen mit Flurförderzeugen"
VDI 3568 "Maßnahmen und Werkstatteinrichtungen zur Instandhaltung von Flurförderzeugen"
Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) mit TRGS 554 "Dieselmotoremissionen (DME)"
DGUV-Information 208-004: Gabelstapler, Bildnachweis
Aufnahmen in Mitgliedsbetrieben der Berufsgenossenschaft Holz und Metall:
Titelbild , Bild 6-17 :
Fa. Jungheinrich
Bild 2-7 :
Bild 6-18 :
Fa. Linde
Bilder 8-1 , 8-8 :
Bilder 1-1 , 6-3 , 6-10 , 6-11 , 6-12 , 6-13 , Bilder 2-2 , 2-3 , 6-24 ,6-25 , 6-26 , 8-3 (Gebrauchsgrafiken/Sachaufnahmen)
Herwig Kochan/BGHM
Bilder 2-1 , 2-4 , 2-5 , 3-1 , 5-1 , 6-1 , 6-4 , 6-5 , 6-6 , 6-7 , 6-8 , 6-9 , 6-14 , 6-15 , 6-16 , 6-19 , 6-21 , 6-22 , 6-23 , 7-1 , 7-2 , 7-3 , 8-2 , 8-4 , 8-5 , 8-7
Rüdiger Neumann/BGHM
Bilder 2-6 , 3-2 , 8-6
DGUV-Information 208-004: Gabelstapler, Anhang
Beispiele für Betriebsanweisungen für den Umgang mit Gabelstaplern
Beispiel einer Betriebsanweisung: Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr
Beispiel einer Betriebsanweisung: Mitnahme von Personen
Beispiel einer Betriebsanweisung: Einsatz der Arbeitsbühne
Beispiel einer Betriebsanweisung: Transport feuerflüssiger Massen
Beispiel einer Betriebsanweisung: Batterie laden
Beispiel einer Betriebsanweisung: Batterie wechseln
Beispiel einer Betriebsanweisung: Austausch von Treibgasflaschen
Beispiel einer Betriebsanweisung: Einsatz als Zugmaschine
Beispiel einer Betriebsanweisung: Be- und Entladen von Fahrzeugen
Beispiel einer Betriebsanweisung: Befahren von Aufzügen
Beispiel einer Betriebsanweisung: Transportieren von hängenden Lasten
Webcode: M1486-1