Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/irrtuemliche-ruecknahme-einer-beschwerde-und-die-anfechtung-der-ruecknahmeerklaerung-396869
Timestamp: 2020-04-07 23:30:47
Document Index: 336005079

Matched Legal Cases: ['§ 72', '§ 72', '§ 579', '§ 579', '§ 72', '§ 72', '§ 215']

Irr­tüm­li­che Rück­nah­me einer Beschwer­de – und die Anfech­tung der Rück­nah­me­er­klä­rung | Rechtslupe
Irrtümliche Rücknahme einer Beschwerde - und die Anfechtung der Rücknahmeerklärung
Irr­tüm­li­che Rück­nah­me einer Beschwer­de – und die Anfech­tung der Rück­nah­me­er­klä­rung
Wird nach Erge­hen eines Ein­stel­lungs­be­schlus­ses in der Frist des § 72 Abs. 2 Satz 3 FGO die Unwirk­sam­keit der Rück­nah­me des Antrags gel­tend gemacht, hat das Gericht das Ver­fah­ren fort­zu­set­zen und über die Wirk­sam­keit der Rück­nah­me sowie gege­be­nen­falls über die Sache selbst zu ent­schei­den 1.
Die Rück­nah­me einer Beschwer­de ist als Pro­zess­hand­lung grund­sätz­lich unwi­der­ruf­lich und kann auch nicht ‑etwa in ent­spre­chen­der Anwen­dung der bür­ger­lich-recht­li­chen Vor­schrif­ten über die Anfech­tung von Wil­lens­er­klä­run­gen- ange­foch­ten wer­den 2.
Wird ‑wie hier- ein rechts­kun­di­ger Pro­zess­ver­tre­ter tätig, kommt ‑anknüp­fend an die Rege­lung des § 72 Abs. 2 Satz 3 FGO- ein Wider­ruf der Rück­nah­me der Beschwer­de aus­nahms­wei­se dann in Betracht, wenn ein Wie­der­auf­nah­me­grund i.S. der §§ 579, 580 der Zivil­pro­zess­ord­nung (ZPO) gege­ben ist oder die Rück­nah­me auf einem offen­kun­di­gen Ver­se­hen beruht 3.
Ein der­ar­ti­ger Aus­nah­me­fall liegt im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall indes nicht vor. Ein Wie­der­auf­nah­me­grund i.S. der §§ 579 und 580 ZPO ist nicht gege­ben. Auch liegt kein offen­kun­di­ges Ver­se­hen vor. Zwar hat der Antrag­stel­ler in sei­nem Schrei­ben auch auf ein ande­res Akten­zei­chen des Finanz­ge­richts Bezug genom­men. Nach­dem betref­fend die­ses wei­te­ren Akten­zei­chens kein Ver­fah­ren beim Bun­des­fi­nanz­hof anhän­gig war und der Antrag­stel­ler in die­sem und wei­te­ren Ver­fah­ren auch inhalt­li­che Ver­knüp­fun­gen zu ande­ren Ver­fah­ren her­ge­stellt hat, war weder ersicht­lich, wel­che genau­en Moti­ve der Beschwer­de­rück­nah­me zugrun­de lagen, noch erkenn­bar, dass die Rück­nah­me­er­klä­rung auf einem Ver­se­hen beru­hen könn­te. Es bestand daher kein Anlass von dem Grund­satz abzu­wei­chen, dass Ange­hö­ri­ge der steu­er­be­ra­ten­den Beru­fe mit ihren Pro­zess­erklä­run­gen beim Wort zu neh­men sind 4.
Anfech­tung einer Wider­spruchs­rück­nah­me­er­klä­rung Die (wirk­sam erfolg­te) Erklä­rung, ein Wider­spruch wer­de zurück­ge­nom­men, kann nicht ent­spre­chend den Rege­lun­gen des BGB über die Anfech­tung von Wil­lens­er­klä­run­gen ange­foch­ten wer­den. Die Mög­lich­keit, sich…
Gräber/​Koch, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 72 Rz 40[↩]
vgl. zur Kla­ge­rück­nah­me z.B. BFH, Urteil vom 26.10.2006 – V R 40/​05, BFHE 215, 53, BSt­Bl II 2007, 271, m.w.N.[↩]
BFH, Beschluss vom 12.08.2009 – X S 47/​08 (PKH), BFH/​NV 2009, 1997; Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 72 FGO Rz 30 f.[↩]
z.B. BFH, Beschluss vom 14.06.2011 – V B 24/​10, BFH/​NV 2011, 1532, m.w.N.[↩]
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