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Timestamp: 2016-10-24 16:05:16
Document Index: 114274088

Matched Legal Cases: ['Art. 28', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 44', 'BGE']

8C_827/2013 (31.01.2014)
8C_827/2013 � � Urteil vom 31. Januar 2014
Rechtsanwalt Damian Keel,
Unfallversicherung (Hinterlassenenleistungen),
Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom 16. Oktober 2013.
Der 1947 geborene, mit B.________ verheiratete E.________ war als Maschinist �ber den Arbeitgeber bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen Unfallfolgen versichert. Am 2. Dezember 1988 wurde er bei der Arbeit von einem Zug erfasst und weggeschleudert. Er erlitt ein Polytrauma mit Knochenbr�chen und inneren Blutungen. Die Verletzungen wurden gleichentags medizinisch versorgt (u.a. Entfernung der Milz). Mit Einspracheentscheid vom 25. August 1992 sprach die SUVA dem Versicherten f�r die verbleibenden Unfallfolgen eine ab 1. August 1991 laufende Invalidenrente entsprechend einer Erwerbsunf�higkeit von 40 % und eine Integrit�tsentsch�digung auf der Grundlage einer Integrit�tseinbusse von 17.5 % zu. Mit Verf�gung vom 18. Oktober 2000 setzte der Unfallversicherer die rentenbestimmende Erwerbsunf�higkeit ab 1. Februar 1997 auf 100 % herauf. Am 1. Februar 2012 wurde E.________ wegen eines Magenkarzinoms im Spital M.________ hospitalisiert. Am Tag darauf wurde eine totale Gastrektomie (Entfernung des Magens) vorgenommen. In der Folge trat ein septisches Zustandsbild mit Multiorganversagen auf. Am 17. Februar 2012 verstarb E.________. Mit Verf�gung vom 16. Juli 2012 verneinte die SUVA einen Anspruch seiner Witwe B.________ auf Hinterlassenenleistungen, da der Tod des Versicherten nicht mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 2. Dezember 1988 zur�ckgef�hrt werden k�nne. Daran hielt der Unfallversicherer mit Einspracheentscheid vom 28. Dezember 2012 fest.
Die von B.________ hiegegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau mit Entscheid vom 16. Oktober 2013 ab.
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten l�sst B.________ beantragen, in Aufhebung von Verf�gung (recte: Einspracheentscheid) und vorinstanzlichem Entscheid seien ihr Hinterlassenenleistungen zuzusprechen; eventuell sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen �ber den streitigen Anspruch des �berlebenden Ehegatten auf eine Hinterlassenenrente oder -abfindung der obligatorischen Unfallversicherung (Art. 28 und Art. 29 Abs. 1 UVG) zutreffend dargelegt. Gleiches gilt f�r Grunds�tze zum hief�r nebst anderem erforderlichen �berwiegend wahrscheinlichen nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem Tod der versicherten Person sowie zu den Anforderungen an beweiswertige �rztliche Berichte und Gutachten. Darauf wird verwiesen.
Wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren steht fest und ist unbestritten, dass der Versicherte aufgrund eines Multiorganversagens infolge einer Sepsis gestorben ist, welche im Anschluss an eine totale Gastrektomie wegen eines Magenkarzinoms aufgetreten ist. Streitig und zu pr�fen ist, ob der Unfall vom 2. Dezember 1988 resp. Folgen davon, n�mlich das unfallbedingte Fehlen der Milz nach der Splenektomie, mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit zumindest teilweise nat�rlich kausal f�r die Sepsis und damit f�r das Versterben des Versicherten waren.
Das kantonale Gericht ist gest�tzt auf die �rztlichen Beurteilungen der Frau Dr. med. G.________, Fach�rztin f�r Allgemeine Innere Medizin FMH, Abteilung Versicherungsmedizin der SUVA, vom 25. Juni 2012 und 9. April 2013 zum Ergebnis gelangt, ein solcher Kausalzusammenhang sei nicht �berwiegend wahrscheinlich. Weitere medizinische Abkl�rungen seien nicht erforderlich.
Die Beschwerdef�hrerin macht geltend, die Ablehnung ihrer Beweisantr�ge, die W�rdigung der Berichte der versicherungsinternen �rztin und die Anwendung der antizipierten Beweisw�rdigung durch die Vorinstanz verletzten die Grunds�tze der rechtsgleichen Behandlung nach Art. 29 Abs. 1 BV, des Anspruchs auf rechtliches Geh�r nach Art. 29 Abs. 2 BV und des Willk�rverbots nach Art. 9 BV. Mit einer funktionierenden Milz w�re der Tod, wenn �berhaupt, erst sp�ter eingetreten. Daher seien der nat�rliche und der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen der unfallbedingten Entfernung der Milz und der Sepsis, die zum Tod gef�hrt habe, allenfalls nach erg�nzender fach�rztlicher Abkl�rung, zu bejahen.
5.1.�Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gem�ss UVG setzt nebst anderem voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod) ein nat�rlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des nat�rlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umst�nde, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist f�r die Bejahung des nat�rlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher St�rungen ist; es gen�gt, dass das sch�digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die k�rperliche oder geistige Integrit�t der versicherten Person beeintr�chtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche St�rung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen).
Ob zwischen einem sch�digenden Ereignis und einer gesundheitlichen St�rung ein nat�rlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, wor�ber der Versicherungstr�ger bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweisw�rdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse M�glichkeit eines Zusammenhangs gen�gt f�r die Begr�ndung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen).
5.2.�Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistungsanspr�che bedarf es verl�sslicher medizinischer Entscheidsgrundlagen (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser f�r die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden ber�cksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenh�nge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begr�ndet sind. Ausschlaggebend f�r den Beweiswert ist grunds�tzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 mit Hinweis). Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner �rzte kommt Beweiswert zu, sofern sie als schl�ssig erscheinen, nachvollziehbar begr�ndet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverl�ssigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/dd S. 353 f. mit Hinweis). Den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen kommt aber praxisgem�ss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungstr�ger in Auftrag gegebenen Gutachten zu. Zwar l�sst ein Anstellungsverh�ltnis dieser Person zum Versicherungstr�ger alleine nicht schon auf mangelnde Objektivit�t und Befangenheit schliessen l�sst. Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweisw�rdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverl�ssigkeit und Schl�ssigkeit der versicherungsinternen �rztlichen Feststellungen, so sind erg�nzende Abkl�rungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.).
5.3.�Das kantonale Gericht hat erkannt, die �rztlichen Beurteilungen der Frau Dr. med. G.________ seien voll beweiskr�ftig, weshalb darauf abzustellen sei. Demnach bestehe zwischen dem Unfall vom 2. Dezember 1988 mit Milzentfernung und der postoperativ erlittenen Sepsis im Februar 2012 bzw. dem Tod am 17. Februar kein �berwiegend wahrscheinlicher Zusammenhang. Das ergebe sich aus der zeitlichen Latenz mit erheblich abnehmendem Infektrisiko, der Art des Erregers, der die Sepsis verursacht habe, und dem seit 2004 bestandenen Krebsleiden, zu dessen Behandlung offenbar immunschw�chende Medikamente verabreicht worden seien. Der Versicherte sei denn auch aufgrund eines gef�rchteten Krankenhauskeimes gestorben, welcher besonders bei beatmeten, d.h. intubierten Patienten auftrete. Genau dieses Risiko habe sich vorliegend verwirklicht. Aufgrund der gesamten Umst�nde, der Akten und der versicherungsmedizinischen Beurteilungen sei plausibel, dass der Versicherte auch mit einer Milz bzw. mit einer funktionierenden Milz im Februar 2012 nach der schweren Operation (vollst�ndige Gastrektomie) mit entsprechender Katheterisierung und Intubierung eine Sepsis erlitten und in der Folge an einem Multiorganversagen gestorben w�re. Gem�ss Frau Dr. med. G.________ h�tte die Sepsis sich mit intakter bzw. vorhandener Milz in gleicher Weise ausgebildet und zum gleichen Zeitpunkt zum t�dlichen Ausgang der Krankheit gef�hrt. Den Akten und den aufliegenden �rztlichen Beurteilungen k�nne nicht der geringste Anhaltspunkt gegen diese Auffassung entnommen werden. Von weiteren medizinischen Abkl�rungen sei in antizipierter Beweisw�rdigung abzusehen, da sie kein anderes Ergebnis erwarten liessen.
5.4.�Die vorinstanzliche Beurteilung beruht auf einer umfassenden W�rdigung der medizinischen Akten. Das kantonale Gericht hat einl�sslich und �berzeugend dargelegt, weshalb es die �rztlichen Beurteilungen der Frau Dr. med. G.________ f�r verl�sslich erachtet und daraus die genannten Schl�sse zieht.
Was in der Beschwerde vorgetragen wird, rechtfertigt keine andere Betrachtungsweise. Die �rztlichen Beurteilungen der Frau Dr. med. G.________ beleuchten den massgeblichen medizinischen Sachverhalt umfassend, sind nachvollziehbar begr�ndet und �berzeugen hinsichtlich der getroffenen Folgerungen. Sie erf�llen damit alle Voraussetzungen an beweiswertige Arztberichte. Das gilt entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung auch hinsichtlich der Fragestellung, von der die Internistin ausgegangen ist, sowie bez�glich der Ber�cksichtigung medizinischer Literatur. Es bestehen keine auch nur geringen Zweifel an der Verl�sslichkeit und Schl�ssigkeit der fach�rztlichen Einsch�tzung. Das kantonale Gericht hat daher, obschon es sich um versicherungsinterne �rztliche Beurteilungen handelt, zu Recht darauf abgestellt. Soweit die Beschwerdef�hrerin eine andere Auffassung zur Kausalit�tsfrage vertritt, beruht dies letztlich auf spekulativen Annahmen, welche die qualifizierte fach�rztliche Einsch�tzung der Frau Dr. med. G.________ und die darauf gest�tzte vorinstanzliche Beurteilung nicht in Frage stellen k�nnen. Auch ein Bedarf an erg�nzender Abkl�rung l�sst sich damit nicht begr�nden. Mit dem kantonalen Gericht ist davon auszugehen, dass sich aus einer solchen Beweiserg�nzung kein entscheidrelevanter neuer Aufschluss zur Kausalit�t von Sepsis und deren Folgen gewinnen liesse. Wenn die Beschwerdef�hrerin aufgrund des Abstellens auf Frau Dr. med. G.________ und des Verzichts auf zus�tzliche medizinische Abkl�rungen eine Verletzung des Geh�rsanspruchs, des Gebots rechtsgleicher Behandlung und des Willk�rverbots r�gt, kann ihr daher nicht gefolgt werden.
5.5.�Der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall von 1988 und dem Versterben des Versicherten wurde demnach zu Recht verneint. Damit besteht kein Anspruch auf Hinterlassenenleistungen. Die Beschwerde ist abzuweisen.