Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/rezeptpraemie-368446
Timestamp: 2019-11-17 23:00:22
Document Index: 179514052

Matched Legal Cases: ['§ 78', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 3', '§ 3', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 69', 'BGH', 'BGH', '§ 31', 'BGH', 'BGH']

Rezept­prä­mie | Rechtslupe
Rezept­prä­mie
Ein Ver­stoß gegen die Bestim­mun­gen des § 78 Abs. 2 Satz 2 und 3, Abs. 3 Satz 1 AMG, § 1 Abs. 1 und 4, § 3 AMPreisV ist auch dann nicht geeig­net, die Inter­es­sen von Mit­be­wer­bern und sons­ti­gen Markt­teil­neh­mern spür­bar zu beein­träch­ti­gen, wenn bei einem Rezept, auf dem zwei oder mehr ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel ver­schrie­ben wor­den sind, die für die Annah­me eines Baga­tell­ver­sto­ßes maß­geb­li­che Wert­gren­ze von einem Euro für jedes abge­ge­be­ne preis­ge­bun­de­ne Arz­nei­mit­tel aus­ge­schöpft wird 1.
Die Bewer­bung und Gewäh­rung von Ein­kaufs­gut­schei­nen im Wert von bis zu drei Euro für den Bezug ver­schrei­bungs­pflich­ti­ger und damit preis­ge­bun­de­ner Arz­nei­mit­tel über­schrei­tet dann nicht die Baga­tell­gren­ze des § 3 Abs. 1 UWG, wenn der Wert des dem Kun­den für jedes bezo­ge­ne Mit­tel gewähr­ten Vor­teils einen Euro nicht über­steigt.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat die von ihm bis­lang noch nicht ent­schie­de­ne Fra­ge, wo die Wert­gren­ze für eine gering­wer­ti­ge Klei­nig­keit im Sin­ne des für die vor­zu­neh­men­de Abgren­zung maß­geb­li­chen § 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Fall 2 HWG ver­läuft 2, dahin­ge­hend beant­wor­tet, dass die­se Gren­ze bereits bei einem Euro liegt 3.
Die sich in der Sache "Rezept­Bo­nus" nicht stel­len­de, vor­lie­gend dage­gen streit­ent­schei­den­de Fra­ge, ob bei Rezep­ten, mit denen meh­re­re ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Mit­tel ver­schrie­ben wor­den sind, die Wert­gren­ze damit eben­falls bei einem Euro liegt 4 oder aber mit der Zahl der auf dem Rezept ver­schrie­be­nen und bezo­ge­nen Mit­tel ansteigt 5, ist mit dem Beru­fungs­ge­richt in dem Sinn zu beant­wor­ten, dass die Wert­gren­ze von einem Euro für jedes ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel gilt.
In der Ent­schei­dung "Bonus­punk­te" 6 hat der Bun­des­ge­richts­hof aus­ge­spro­chen, dass unter den Begriff der gering­wer­ti­gen Klei­nig­keit im Sin­ne von § 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Fall 2 HWG allein Gegen­stän­de von so gerin­gem Wert fal­len, dass eine rele­van­te unsach­li­che Beein­flus­sung der Wer­be­adres­sa­ten als aus­ge­schlos­sen erscheint; des­halb sei­en nur klei­ne­re Zuga­ben, die sich als Aus­druck all­ge­mei­ner Kun­den­freund­lich­keit dar­stell­ten, als gering­wer­ti­ge Klei­nig­kei­ten im Sin­ne die­ser Vor­schrift anzu­se­hen. Aus den dort gemach­ten Aus­füh­run­gen lässt sich zwar wie die Revi­si­on inso­weit mit Recht gel­tend macht – ent­neh­men, dass es für die Beur­tei­lung der Fra­ge, ob die Gren­ze der Gering­wer­tig­keit über­schrit­ten ist, maß­geb­lich dar­auf ankommt, wie die Wer­be­adres­sa­ten die Wer­be­ga­be ein­schät­zen 7. Das Beru­fungs­ge­richt hat aber mit Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Beklag­te mit der abs­trak­ten Fas­sung ihres Unter­las­sungs­an­trags dar­auf ver­zich­tet hat, spe­zi­ell die nach dem Vor­trag der Revi­si­on durch die blick­fang­mä­ßig her­aus­ge­stell­te Aus­sa­ge "Rezept­Prä­mie bis zu 3,00 € geschenkt!" bewirk­te beson­de­re Wer­be­wirk­sam­keit der bean­stan­de­ten Wer­bung zum Gegen­stand des vor­lie­gen­den Rechts­streits zu machen.
Bei Rezep­ten, mit denen zwei oder mehr ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel ver­schrie­ben wor­den sind, kann die für die Annah­me einer gering­wer­ti­gen Klei­nig­keit im Sin­ne von § 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Fall 2 HWG und damit eines Baga­tell­ver­sto­ßes im Sin­ne von § 3 Abs. 1 UWG maß­geb­li­che Wert­gren­ze von einem Euro mehr­fach (zwei­fach bzw. drei­fach) aus­schöpft wer­den. Das von der Wer­bung ange­spro­che­ne Publi­kum erkennt, dass die­ses Gut­schein­sys­tem dem Kun­den kei­nen beson­de­ren Vor­teil ver­schafft, son­dern ledig­lich ver­hin­dert, dass die­sem aus dem für ihn mehr oder weni­ger zufäl­li­gen Umstand, dass ihm auf einem ein­zi­gen Rezept mehr als ein ver­schrei­bungs­pflich­ti­ges Arz­nei­mit­tel ver­schrie­ben wor­den ist, beim zwei­ten und beim drit­ten ver­schrie­be­nen Mit­tel ein sach­lich nicht gerecht­fer­tig­ter Nach­teil ent­steht 8. Dass der Ver­brau­cher in die­sem Zusam­men­hang nicht rezept‑, son­dern pro­dukt­be­zo­gen denkt, liegt zumal des­halb nahe, weil er umge­kehrt dar­an gewöhnt ist, Zuzah­lun­gen zu Arz­nei­mit­teln nicht rezept­be­zo­gen, son­dern pro­dukt­be­zo­gen leis­ten zu müs­sen 9.
Nichts Abwei­chen­des ergibt sich auch aus den von der Revi­si­on für ihren Stand­punkt des Wei­te­ren her­an­ge­zo­ge­nen Bun­des­ge­richts­hofs­ent­schei­dun­gen "UNSER DANKESCHÖN FÜR SIE" 10 und "Unser Extra zur Begrü­ßung" 11. In den bei­den Ent­schei­dun­gen ging es jeweils um eine rezept­be­zo­ge­ne Wer­bung mit einem Ein­kaufs­gut­schein im Wert von fünf Euro. Die Zuwen­dung des Ein­kaufs­gut­scheins wur­de im Fall "Unser Extra zur Begrü­ßung" aber ledig­lich davon abhän­gig gemacht, dass mit dem ein­ge­lös­ten Rezept (min­des­tens) zwei ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Medi­ka­men­te ver­schrie­ben wor­den waren, und im Fall "UNSER DANKESCHÖN FÜR SIE" sogar über­haupt nicht dar­an gekop­pelt, dass mit dem ein­ge­lös­ten Rezept mehr als ein ver­schrei­bungs­pflich­ti­ges Mit­tel ver­schrie­ben wor­den war. Damit wur­de in bei­den Fäl­len die nach den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen für die Annah­me eines Baga­tell­ver­sto­ßes im Sin­ne von § 3 Abs. 1 UWG maß­geb­li­che Wert­gren­ze von einem Euro über­schrit­ten.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Mai 2013 – I ZR 90/​12
Ergän­zung zu BGH, Urtei­le vom 09.09.2010 – I ZR 193/​07, GRUR 2010, 1136 = WRP 2010, 1482 – UNSER DANKESCHÖN FÜR SIE; und I ZR 98/​08, GRUR 2010, 1133 = WRP 2010, 1471 – Bonus­punk­te[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 08.05.2013 – I ZR 98/​12 Rn.19 Rezept­Bo­nus, mwN[↩]
BGH aaO Rn.20 Rezept­Bo­nus[↩]
so Mand, NJW 2010, 3681, 3685 re. Sp. oben; vgl. aber auch nun­mehr ders., MedR 2012, 207, 208 bei Fn. 8; auf der Grund­la­ge des im Ver­wal­tungs­recht gel­ten­den § 69 Abs. 1 Satz 1 AMG noch stren­ger OVG Lüne­burg, PharmR 2012, 464 ff.; eben­so aus berufs­recht­li­cher Sicht Lan­des­be­rufs­ge­richt für Heil­be­ru­fe beim OVG Koblenz, GewArch 2013, 118, 119 ff.[↩]
so OVG Müns­ter, GewArch 2012, 125; vgl. auch Maur, PharmR 2011, 33, 37 bei Fn. 24; Mee­ser, PharmR 2011, 113, 117 li. Sp.[↩]
BGH, Urteil vom 09.09.2010 I ZR 98/​08, GRUR 2010, 1133 = WRP 2010, 1471[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 17.08.2011 I ZR 13/​10, GRUR 2011, 1163 Rn. 15 = WRP 2011, 1590 Arz­nei­mit­tel­da­ten­bank im Inter­net; Urteil vom 25.04.2012 – I ZR 105/​10, GRUR 2012, 1279 Rn. 24 = WRP 2012, 1517 – DAS GROSSE RÄTSELHEFT, mwN[↩]
vgl. auch OVG Müns­ter, GewArch 2012, 125[↩]
vgl. §§ 31, 61 SGB V[↩]
BGH, Urteil vom 09.09.2010 – I ZR 193/​07, GRUR 2010, 1136 = WRP 2010, 1482[↩]
BGH, Urteil vom 09.09.2010 – I ZR 37/​08, MPR 2010, 201[↩]
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