Source: https://schweizer-strafrecht.ch/de/was-sie-wissen-sollten
Timestamp: 2019-12-12 08:46:17
Document Index: 81841265

Matched Legal Cases: ['Art. 104', 'Art. 105', 'Art. 158', 'Art. 3', 'Art. 29', 'Art. 118', 'Art. 122', 'Art. 12', 'Art. 15', 'Art. 16', 'Art. 324', 'Art. 352', 'Art. 352', 'Art. 122', 'Art. 178', 'Art. 180', 'Art. 162', 'Art. 168', 'Art. 115', 'Art. 116', 'Art. 117']

Schweizer Strafrecht: Was Sie wissen sollten!
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Schweizer Strafverfahren: Hier erhalten Sie erste Informationen über Rechte und Pflichten von Personen, die am Strafverfahren beteiligt sind.
Am Strafverfahren beteiligte Parteien
Parteien im Strafprozess sind (1.) die beschuldigte Person, (2.) die Privatklägerschaft und (3.) die Staatsanwaltschaft, Art. 104 StPO. Ausserdem gibt es noch eine Reihe von anderen Verfahrensbeteiligten, Art. 105 StPO.
Beschuldigte Person: Rechte und Pflichten
Die beschuldigte Person (= Angeklagter, Täter) muss bei der ersten Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft oder Polizei auf ihr Aussageverweigerungsrecht hingewiesen werden, Art. 158 Abs. 1 lit. b StPO. Sie darf lügen und hat das aus dem rechtlichen Gehör (Art. 3 StPO, Art. 29 BV) abgeleitete Recht an Einvernahmen teilzunehmen.
Privatklägerschaft: Rechte und Pflichten
Die Privatklägerschaft muss ausdrücklich erklärt werden, Art. 118 StPO. Ein Privatkläger hat Parteirechte kann also z.B. an Einvernahmen teilnehmen sowie Fragen und Anträge stellen. Ein grosser Vorteil: Der Privatkläger kann im Strafprozess Forderungen aus Schadensersatz und Genugtuung (adhäsionsweise) geltend machen, Art. 122 StPO.
Staatsanwaltschaft: Rechte und Pflichten
Die Staatsanwaltschaft ist die Strafverfolgungsbehörde, Art. 12 StPO. Sie beaufsichtigt die Polizei und kann ihr Weisungen erteilen, Art. 15 StPO. Die Staatsanwaltschaft leitet das Vorverfahren (Art. 16 StPO) bis zur Anklageerhebung (Art. 324 StPO), sie erlässt Strafbefehle, Art. 352 StPO.
Das Strafbefehlsverfahren (Art. 352 ff. StPO) ist das mit Abstand wichtigste Verfahren im Schweizer Strafrecht. Es kommt bei mehr als 90% der Verfahren zur Anwendung, die nicht eingestellt werden. Beim Strafbefehlsverfahren wird der Täter ohne Anklageerhebung und ohne Gerichtverfahren mit dem sog. Strafbefehl bestraft.
Beim sog. Adhäsionsverfahren können innerhalb des Strafverfahrens zivilrechtliche Ansprüche - z.B. aus Schadensersatz oder Genugtuung - geltend gemacht werden, Art. 122 StPO. Die geschädigte Person muss sich als Privatkläger am Strafverfahren beteiligen.
Als Auskunftsperson (Art. 178 ff. StPO) wird einvernommen, wer ohne selbst beschuldigt zu sein als Täter oder Teilnehmer nicht ausgeschlossen werden kann. Auskunftspersonen (nicht aber Privatkläger) sind nicht zur Aussage verpflichtet, Art. 180 StPO.
Zeuge (Art. 162 ff. StPO) ist eine an der Begehung einer Straftat nicht beteiligte Person, die der Aufklärung dienende Aussagen machen kann und nicht Auskunftsperson ist. Zeugen müssen wahrheitsgemäss Aussagen, wenn sie kein Zeugnisverweigerungsrecht gemäss Art. 168 ff. StPO haben.
Die geschädigte Person
Als geschädigte Person (Art. 115 StPO) gilt die Person, die durch die Straftat in ihren Rechten unmittelbar verletzt worden ist. Die zur Stellung eines Strafantrags berechtigte Person gilt in jedem Fall als geschädigte Person.
Als Opfer (Art. 116 StPO) gilt die geschädigte Person, die durch die Straftat in ihrer körperlichen, sexuellen oder psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist. Dem Opfer stehen besondere Rechte zu, Art. 117 StPO.
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