Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%FCrttemberg&Datum=12.02.1990&Aktenzeichen=1%20S%201646%2F89
Timestamp: 2019-07-19 00:48:30
Document Index: 299681624

Matched Legal Cases: ['§ 113', '§ 3', '§ 1', '§ 2', '§ 6', '§ 15', '§ 15', 'Art. 19', '§ 20', '§ 113', '§ 113']

VGH Baden-Württemberg, 12.02.1990 - 1 S 1646/89 - dejure.org
https://dejure.org/1990,1651
VGH Baden-Württemberg, 12.02.1990 - 1 S 1646/89 (https://dejure.org/1990,1651)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 12.02.1990 - 1 S 1646/89 (https://dejure.org/1990,1651)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 12. Februar 1990 - 1 S 1646/89 (https://dejure.org/1990,1651)
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Berechtigtes Interesse - Fortsetzungsfeststellungsklage; polizeiliches Einschreiten gegen externe Störungen einer Versammlung
§ 113 Abs 1 S 4 VwGO, § 3 PolG BW, § 1 Abs 1 VersammlG, § 2 Abs 2 VersammlG
VG Freiburg, 02.05.1989 - 4 K 151/88
NVwZ-RR 1990, 602
DÖV 1990, 572
Die herrschende Meinung versteht unter einem Anscheinsstörer eine Person, die entweder durch ihr Verhalten eine Anscheinsgefahr oder hinsichtlich einer real bestehenden Gefahr durch ihr Verhalten einen Verursacherschein gesetzt hat (vgl. Senatsurteil vom 12.02.1990 - 1 S 1646/89 - NVwZ-RR 1990, 602 = DÖV 1990, 572 m.w.N.;… Belz/Mußmann, a.a.O., § 6 Rn. 10).
Das Feststellungsinteresse ergibt sich aus der Wiederholungsgefahr (s. zu diesem Gesichtspunkt näher Urt. d. Senats v. 12.2.1990, DÖV 1990, 572).
Unter Beachtung dieser verfassungsrechtlichen Vorgaben begegnet es keinen Bedenken, wenn einzelne polizeiliche Maßnahmen im Vorfeld einer Versammlung mangels spezieller Ermächtigungsgrundlagen im Versammlungsgesetz auf die Vorschriften des Landespolizeigesetzes gestützt werden (…vgl. OVG NRW, Urt. v. 10.6.1981 - 4 A 2607/79 -, NVwZ 1982, 46; VGH Baden-Württemberg, Urt. v. 12.2.1990 - 1 S 1646/89 -, DÖV 1990, 572; Kniesel, Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit, NJW 2000, 2857, 2862).
Da bei einer solchen Vorgehensweise auch die Tatbestandsvoraussetzungen des § 15 Abs. 2 VersG erfüllt sind und damit auch § 15 Abs. 2 VersG (als Befugnisnorm) i.V.m. den Vorschriften des Landespolizeigesetzes (hinsichtlich der Konkretisierung der Rechtsfolgen) als Ermächtigungsgrundlage herangezogen werden kann (…vgl. Kniesel in Handbuch des Polizeirechts, 3. Aufl. 2001, Teil H Rdnr. 561), ist auch dem Zitiergebot des Art. 19 Abs. 1 Satz 2 GG (durch § 20 VersG) Genüge getan, sofern derartige Vorfeldmaßnahmen überhaupt als die Versammlungsfreiheit zielgerichtet einschränkende und der Spezialität des Versammlungsgesetzes unterliegende Maßnahmen angesehen werden können (…vgl. hierzu BVerwG, Urt. v. 6.9.1988 - 1 C 71.86 -, BVerwGE 80, 158, 159;… OVG NRW, Urt. v. 10.6.1981, a.a.O.; VGH Baden-Württemberg, Urt. v. 12.2.1990, a.a.O.).
Wenn die Maßnahme gegen einen gewaltbereiten Störer gerichtet ist, der sich ohnehin nicht auf den Schutz der Versammlungsfreiheit berufen kann, ist dessen Hinderung an der Teilnahme an einer Versammlung jedenfalls unmittelbar auf der Grundlage polizeirechtlicher Vorschriften gerechtfertigt (…vgl. BVerfG, Beschl. v. 11.6.1991, a.a.O.; VGH Baden-Württemberg, Urt. v. 12.2.1990, a.a.O.).
Denn dies ändert nichts an der zum Zeitpunkt des Einschreitens fehlerfreien Gefahreneinschätzung der Polizei (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urt. v. 12.2.1990, a.a.O. m.w.N.).
Ob davon auszugehen ist, dass die betroffene Person an einer Versammlung teilnehmen will, ist dabei aus Sicht der Polizei im maßgeblichen Zeitpunkt ihres Einschreitens ("ex ante") zu beurteilen (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 12.02.1990 - 1 S 1646/89 -, juris Rn. 27).
Diese liegt nur vor, wenn eine konkrete Wiederholungsgefahr besteht, also die Annahme gerechtfertigt ist, in absehbarer Zeit müsse der Betroffene aufgrund der im wesentlichen gleichen tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse wiederum mit einer entsprechenden Maßnahme gegen ihn rechnen (BVerwG, Beschl. v. 9.5.1989 - 1 B 166.88-, Buchholz 310, § 113 VwGO Nr. 202; VGH Bad.-Württ., Urt. v. 12.2.1990 - 1 S 1646/89-, DÖV 1990, 572).
vgl. BVerwG, Beschluss vom 16. Oktober 1989 - 7 B 108/89 -, NVwZ 1990, 360 f., juris; VGH Mannheim, Urteil vom 12. Februar 1990 - 1 S 1646/89 -, NVwZ-RR 1990, 602, juris.
vgl. Sodan/Ziekow, VwGO Kommentar, 4. Aufl. 2014, § 113 Rdnr. 267, 271; BVerwG, Urteil vom 15. November 1990 - 3 C 49.87 -, NVwZ 1991, 570, juris, Beschluss vom 4. März 1976 - 1 WB 54.74 - VGH Mannheim, Urteil vom 12. Februar 1990 - 1 S 1646/89 -, NVwZ-RR 1990, 602, juris.
VG Arnsberg, 22.03.2013 - 3 K 733/12
Ausschluss einer Person an einer öffentlichen Veranstaltung in geschlossenen …
-1 S 1646/89-, zitiert nach juris.
Denn der Vollzug eines Verwaltungsaktes führt nach ständiger Rechtsprechung des erkennenden Gerichtshofs schon deshalb nicht zu dessen Erledigung und damit zum Wegfall des Rechtsschutzbedürfnisses für eine dagegen erhobene Anfechtungsklage, weil die angegriffene Verfügung die Rechtsgrundlage für die Geltendmachung der Kosten der Ersatzvornahme ist (…vgl. VGH Bad.-Württ., Urt. v. 20.1.1989 -- 5 S 3157/88 --, VBlBW 1989, 219 = DVBl. 1989, 893; v. 12.2.1990 -- 1 S 1646/89 -- und v. 8.5.1991 -- 8 S 210/91 --, insoweit nicht abgedruckt in BWGZ 1992, 62).
Grundsätzlich gilt, daß das Versammlungsgesetz die Befugnisse zur Beschränkung der Versammlungsfreiheit abschließend regelt und polizeiliche Maßnahmen gegen Teilnehmer einer öffentlichen Versammlung nur auf der Grundlage des Versammlungsgesetzes getroffen werden können (Senatsurteile vom 12.2.1990 - 1 S 1646/89 -, NVwZ-RR 1990, 602ff.; vom 26.1.1998 - 1 S 3280/96 -, NVwZ 1998, 761).
VG Sigmaringen, 27.06.2007 - 5 K 2300/05
Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse; Verkaufsstand; Werbeanlage; …
OVG Nordrhein-Westfalen, 01.10.2014 - 13 A 287/14
Annahme einer Widerholungsgefahr von Geruchsbelästigungen in einem …
VGH Baden-Württemberg, 17.05.1993 - 1 S 824/93
Fehlendes Feststellungsinteresse für Fortsetzungsfeststellungsklage - eine …