Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Private-Unfallversicherung-Wortlaut-Hand-im-Handgelenk--f16125.html
Timestamp: 2020-01-25 23:40:54
Document Index: 24110382

Matched Legal Cases: ['§7', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 5']

Private Unfallversicherung Wortlaut 'Hand im Handgelenk'
17.08.2006 08:58 |
Zunächst hier ein Auszug aus den AUB 2000 meiner privaten Unfallversicherung bei der DEVK:
"§7 Die Leistungsarten
(2) Die Höhe der Leistung richtet sich nach dem Grad der Invalidität .
a) Als feste Invaliditätsgrade gelten - [...] - bei Verlust oder Funktionsunfähigkeit:
- Arm im Schultergelenk 70%
- Arm bis oberhalb des Ellbogengelenkes 65%
- Arm bis unterhalb des Ellbogengelenkes 60%
- Hand im Handgelenk 55%
- Daumen 20%
- Zeigefinger 10%
- anderer Finger 5%
b) Bei Teilverlust oder Funktionsbeeinträchtigung eines dieser Körperteile wird der entsprechende Teil des Prozentsatzes nach a) angenommen."
Darf mir dann dafür, dass sämtliche Finger noch einwandfrei funktionieren etwas vom "Handgelenkswert 55%" abgezogen werden oder kommt es hier nur auf die Bewegung IM Handgelenk an? (Wortlaut "Hand IM Handgelenk; Siehe auch BGH IV ZR 74/02)
Der Gutachter hat keinen einzigen Winkel gemessen sondern alles nur geschätzt. Wenn ich aufgrund dessen ein Gegengutachten/Gutachtenkritik machen lasse, muss ich dann die Kosten übernehmen, wenn für mich dabei "bessere" Werte rauskommen? Wie hoch sind die Kosten ungefähr?
Ich bitte bei Frage 1 um eine verlässliche Auskunft mit Quellenangabe, da der Fall abängig davon vor Gericht gehen wird.
17.08.2006 | 09:45
Ok, dann kürze ich meine Gesamtanfrage:
Wenn in der Gliedertaxe meiner privaten Unfallversicherung (AUB 2000) noch die alte - nach BGH IV ZR 74/02 unklare - Formulierung "Hand im Handgelenk" steht, spielt die uneingeschränkte Beweglichkeit meiner Finger dann bei der Bemessung meiner Invalidität eine Rolle?
Ich dachte eigentlich, dass ich durch die Angabe des BGHurteils die Beantwortung noch einfacher mache.
Ferner wollte ich die Quellenangabe als "Verlässlichkeitsnachweis", weil ich hier schon Rechtsauskünfte erhalten habe, die sich bei einem späteren Besuch bei einem Anwalt vor Ort ohne Änderung der Sachverhaltsangaben als falsch erwiesen haben.
die Gliedertaxte ist so gut wie nie starr anzuwenden. Nur wenn eines dieser Körperteile an exakt der beschriebenen Stelle abgetrennt wird ist diese unstreitiger Maßstab der Entschädigung.
Meist dürfte es sich um Einschränkungen der Gebrauchsfähigkeit habndeln, dann wird die Versicherung fast nie den Taxe-Wert akzeptiern. Nach neuerer Rspr. ist die Gliedertaxe "Vn-freundlich" auszulegen, als Orientierung folgenden Entscheidung:
"Neues Urteil zur Gliedertaxe
Tatsächlich könnte die Gliedertaxe in den Versicherungsbedingungen so zu verstehen sein, räumten die Richter am Bundesgerichtshof ein. Genau so gut sei allerdings eine andere Auslegung der Gliedertaxe möglich, nach der es für den Invaliditätsgrad von 70 Prozent allein darauf ankommt, ob eine Funktionsunfähigkeit des Arms im Schultergelenk vorliegt und die Benutzbarkeit von Unterarm und Hand keine Rolle mehr spielen. Zwischenergebnis der Bundesrichter: Die Versicherungsbedingungen sind insoweit unklar. Unklarheiten bei den Geschäftsbedingungen gehen nach den Regelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch jedoch stets zu Lasten des Verwenders. Endergebnis der Bundesrichter: Es zählt die kundenfreundliche Auslegung der Versicherungsbedingungen. Jetzt muss erneut das Oberlandesgericht Hamm entscheiden. Die Richter dort waren zunächst auf einen Invaliditätsgrad von nur 42 Prozent gekommen. Sie müssen jetzt die kundenfreundliche Auslegung der Versicherungsbedingungen berücksichtigen und neu urteilen. Viel Spielraum sehen die Bundesrichter allerdings nicht. „Die bisherige Beurteilung der Sachverständigen deutet darauf hin, dass der Arm des Klägers im Schultergelenk völlig funktionsunfähig ist“, heißt es in der Urteilsbegründung. Im Klartext: Nach Ansicht der Bundesrichter hat der Kläger insgesamt gut 70 000 Euro Kapitalabfindung, gut 100 000 Euro Nachzahlung von Unfallrente und in Zukunft gut 1 000 Euro monatlich zu bekommen."
Unter Berücksichtigung der von Ihnen zitierten (etwas ältern) Entscheidung des BGH, der ausführt:
"1. Zu Recht und mit zutreffender Begründung hat das Berufungsgericht die Ausstrahlungen der Funktionsbeeinträchtigung der Hand im Handgelenk auf den ganzen Arm für unbeachtlich erklärt und deshalb nicht den Armwert angewandt (vgl. Senatsurteile vom 30. Mai 1990 - IV ZR 143/89 - VersR 1990, 964 unter 2 a; vom 17. Oktober 1990 - IV ZR 178/89 - VersR 1991, 57 unter 3 b; vom 23. Januar 1991 - IV ZR 60/91 - VersR 1991, 413; vom 17. Januar 2001 - IV ZR 32/00 - VersR 2001, 360 unter 2 a).
2. Im Ergebnis ebenfalls zu Recht hat das Berufungsgericht entschieden, daß "Funktionsunfähigkeit einer Hand im Handgelenk" vorliegt, wenn nur das Handgelenk funktionsunfähig ist. Dies ergibt sich aus der Unklarheitenregel der §§ 5 AGBG, 305c Abs. 2 BGB, wonach Zweifel bei der Auslegung Allgemeiner Geschäftsbedingungen zu Lasten des Verwenders gehen."
dürften bei einem Nachweis der Funktionsfähigkeit der Hand im Handgelenk, die Funktion der einzelnen Finger nicht relevant sein, da diese nichts mit dem Handgelenk zutun haben. Dies muss insbesonderen vor der neuen Sichtweise zur Auslegung der Gliedertaxte gelten. Das Prozessrisiko sehe ich demzufolge bei Nachweisbarkeit der Schädigung als gering an.
Ohne Gutachten wird allerdings in diesen Fällen so gut wie nie eine Entscheidung fallen. Die Gutachten der Versicherer erwecken meist den Anschein der Parteilichkeit. Deshalb müssen Sie als Anspruchssteller als Beweisangebot im Verfahren Sachverständigenbeweis anbieten. Die Einholung eines Parteigutachtens, also eines außerhalb eines gerichtlichen Verfahrens macht meist wenig Sinn, weil Sie es zum einen selbst bezahlen müssen (ca. 800 € - 2200 €) und dieses im Prozess nicht als Beweis im Sinne eines SV-Gutachtens dient.
Ich hoffe mit meiner Antwort gedient zu haben und