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Timestamp: 2016-10-23 20:32:17
Document Index: 378121321

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'Art. 18', 'Art. 24', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 132', 'Art. 24', 'BGE']

U 232/02 (05.08.2003)
Pr�sident Borella, Bundesrichter Lustenberger und Kernen; Gerichtsschreiberin Weber Peter
D.________, 1962, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Urs Rudolf, Ober-Emmenweid 46, 6021 Emmenbr�cke 1,
Der 1962 geborene portugiesische Staatsangeh�rige D.________ war seit einigen Jahren als Bauarbeiter bei der Firma S.________ AG t�tig und damit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert. Am 4. Juli 1995 liess er, als infolge einer Blockierung eine Operation notwendig wurde, durch die Arbeitgeberin einen im Jahre 1994 (genaues Datum unbekannt) erlittenen Unfall melden, bei dem ein Ger�stbrett auf seinen Arm gefallen war. Ab November 1995 bestand wieder eine volle Arbeitsf�higkeit und der Fall wurde am 4. Dezember 1995 abgeschlossen. Am 11. Februar 1998 fiel der Versicherte auf einer Baustelle in einen Lichtschacht und erlitt dabei eine Kontusion der rechten H�fte und eine Distorsion des rechten Knies. Schliesslich zog sich D.________ am 15. Februar 1999 bei einem Sturz auf einer schneeglatten Unterlage eine L�sion der Supraspinatussehne an der linken Schulter zu. Nach mehreren Operationen und einem Aufenthalt in der Klinik X.________ vom 6. September bis 11. Oktober 2000 sprach die SUVA dem Versicherten mit Verf�gung vom 14. Mai 2001 eine Invalidenrente ab 1. April 2001 aufgrund einer Erwerbsunf�higkeit von 33,33% und eine Integrit�tsentsch�digung von 30% zu. Daran hielt sie auf Einsprache hin fest (Einspracheentscheid vom 27. September 2001).
Die hiegegen erhobene Beschwerde hiess das Versicherungsgericht des Kantons Aargau in dem Sinne teilweise gut, als es den Invalidit�tsgrad des Versicherten auf 34,11% festsetzte und die weitergehenden Antr�ge abwies (Entscheid vom 29. Mai 2002).
D.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren und beantragen, in Aufhebung des kantonalen Entscheides und des Einspracheentscheides sei ihm eine ganze Invalidenrente und eine Integrit�tsentsch�digung von 60% auszurichten.
1.1 Am 1. Januar 2003 ist das Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Kraft getreten. Mit ihm sind zahlreiche Bestimmungen im Unfallversicherungsbereich ge�ndert worden. Weil in zeitlicher Hinsicht grunds�tzlich diejenigen Rechtss�tze massgebend sind, die bei der Erf�llung des zu Rechtsfolgen f�hrenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 467 Erw. 1), und weil ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grunds�tzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheids (hier: 27. September 2001) eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 121 V 366 Erw. 1b), sind im vorliegenden Fall die bis zum 31. Dezember 2002 geltenden Bestimmungen anwendbar.
1.2 Das kantonale Gericht hat im ausf�hrlich und sorgf�ltig abgefassten Entscheid die Rechtsgrundlagen und die massgebende Rechtsprechung betreffend den Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 UVG) und eine Integrit�tsentsch�digung (Art. 24 UVG) richtig wiedergegeben. Zutreffend dargelegt hat es insbesondere auch die von der Rechtsprechung entwickelten Grunds�tze bez�glich des f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers zun�chst vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod; BGE 119 V 337 Erw. 1 mit Hinweis; vgl. auch BGE 123 V 45 Erw. 2a) sowie der namentlich auch bei psychischen Unfallfolgen im Weiteren erforderlichen Ad�quanz des Kausalzusammenhanges (BGE 115 V 133). Gleiches gilt f�r die Rechtsprechung zum Beweiswert medizinischer Berichte und Gutachten sowie zur Beweisw�rdigung im Sozialversicherungsprozess (BGE 125 V 352 ff. Erw. 3 mit Hinweisen). Es wird darauf verwiesen.
Strittig ist die H�he des Invalidit�tsgrades und des Integrit�tsschadens. In erster Linie ist daher festzustellen, welche gesundheitlichen Beeintr�chtigungen in einem nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zu den versicherten Unf�llen stehen.
2.1 Der Beschwerdef�hrer f�hrt an, nebst seinen k�rperlichen Unfallresiduen leide er auch an psychischen Beschwerden. Auch diese seien auf die Unf�lle zur�ckzuf�hren, wof�r die vorhandenen Arztberichte Beweis genug seien. Andernfalls h�tte ein zus�tzliches psychiatrisches Gutachten angeordnet werden m�ssen. Das Vorgehen des kantonalen Gerichts, welches von einer psychiatrischen Abkl�rung Abstand genommen hat, nachdem es die Ad�quanz der Beschwerden zu einem der Unf�lle verneint hat, ist indessen nicht zu beanstanden. Es entspricht der bundesgerichtlichen Praxis (vgl. beispielsweise SVR 1995 UV 23 S. 68 Erw. 3c).
2.2 Die Vorinstanz hat die Ad�quanzbeurteilung zu Recht nach der f�r psychische Unfallfolgen in BGE 115 V 133 entwickelten und seither st�ndig angewandten Rechtsprechung des Eidgen�ssischen Versicherungsgerichts vorgenommen (best�tigt u.a. in BGE 124 V 44 Erw. 5c/bb und 213 f. Erw. 4b). Tritt im Anschluss an zwei oder mehrere Unf�lle eine psychische Fehlentwicklung ein, ist die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs - entgegen der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vertretenen Auffassung - grunds�tzlich f�r jeden Unfall gesondert zu beurteilen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Unf�lle - wie hier - verschiedene K�rperteile betreffen und zu unterschiedlichen Verletzungen gef�hrt haben (Urteil D. vom 22. Februar 2002, U 300/00, publiziert in HAVE 2002 S. 219; RKUV 1996 Nr. U 248 S. 177 Erw. 4b mit Hinweis).
2.2.1 �ber den Hergang des ersten Unfalls, welcher initial keinen Arztbesuch notwendig machte und erst ungef�hr ein Jahr nach dem Ereignis gemeldet wurde, ist nichts bekannt. Es ist zum Vornherein nicht �berzeugend, von diesem ersten Unfall von 1994 einen Link zum sich in einem erheblich sp�teren Zeitraum zugetragenen schwereren Unfall von 1998 zu machen und daraus einen besonders empfindlichen R�ckschlag im psychischen Erleben abzuleiten. Diesem ersten Unfall kommt im gesamten Beschwerdebild ohnehin eine ganz untergeordnete Rolle zu. Die Vorinstanz hat einen ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen diesem bagatell�ren Ereignis und der sp�teren psychischen �berlagerung zu Recht ohne weiteres verneint.
2.2.2 Was den zweiten und dritten Unfall (vom 11. Februar 1998 und vom 15. Februar 1999) anbelangt, die jeder f�r sich in der mittleren Kategorie im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen einzureihen sind, ist ebenfalls nach dem Prinzip der gesonderten Beurteilung der Ad�quanz zu verfahren und nicht die Gesamtwirkung beider Unfallereignisse in die Waagschale zu legen (vgl. Erw. 2.2 hievor). Der erst im Rahmen der Behandlung des dritten Unfalls sp�t entdeckte Riss des Labrums in der H�fte, der vom zweiten Unfall herr�hrt, hat zwar die psychische Situation mitbeeinflusst. Wie jedoch die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, kann nicht von einer eigentlichen �rztlichen Fehlbehandlung gesprochen werden. Die Umst�nde des konkreten Falles, welche das kantonale Gericht korrekt gew�rdigt hat, sind nicht derart, dass sie die Annahme einer Gesamtwirkung des zweiten und dritten Unfalles und damit eine Gesamtbetrachtung rechtfertigten (vgl. hiezu auch Urteil V. vom 14. Februar 2002, U 223/00). Soweit einer der ersten Vorf�lle den Beschwerdef�hrer nachhaltig gepr�gt haben sollte und ihn f�r psychische St�rungen anf�lliger werden liess, wie geltend gemacht wird, ist diese Pr�disposition bereits erfasst, indem bei der Ad�quanzbeurteilung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abgestellt wird (Urteil W. vom 4. April 2002, U 12/01 mit Hinweisen).
Was die unbestritten gebliebene Zuordnung der einzelnen Ereignisse zum Pr�fungsraster betreffend leichter, mittlerer und schwerer Unf�lle, sowie die W�rdigung der unfallbezogenen Kriterien f�r jedes Ereignis betrifft, wird auf die korrekten Erw�gungen des kantonalen Gerichts verwiesen. Die Einw�nde in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde verm�gen daran nichts zu �ndern. So ist zu betonen, dass bei einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen die weitern zu ber�cksichtigenden Kriterien in geh�ufter und auffallender Weise erf�llt sein m�ssen, damit die Ad�quanz bejaht werden kann.
Nach dem Gesagten haben die psychischen Beschwerden ausser Acht zu bleiben und mit der Vorinstanz ist der Invalidit�tsgrad einzig aufgrund der somatischen Unfallfolgen zu bestimmen. Dabei ist von einer vollen Arbeitsf�higkeit des Versicherten in einer leidensangepassten T�tigkeit auszugehen. Der Einwand des Beschwerdef�hrers, die Arbeitsunf�higkeit betrage allein auf Grund der somatischen Beschwerden mindestens 50%, widerspricht der klaren Aktenlage.
3.1 Die SUVA hat die Berechnung des Invalideneinkommens auf ihre Dokumentation �ber Arbeitspl�tze (DAP) gest�tzt und dieses auf Fr. 40'000.- im Jahr festgesetzt. Nachdem die hierbei ber�cksichtigten Referenzstellen im M�rz 1997 erfasst worden sind, hat die Vorinstanz die Richtigkeit dieser Sch�tzung mittels den in der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes f�r Statistik erschienen Tabellen �ber standardisierte Bruttol�hne (LSE) verifiziert. Dabei ist sie vom monatlichen Bruttolohn (Zentralwert) f�r die im privaten Sektor mit einfachen und repetitiven Aufgaben (Anforderungsniveau 4) besch�ftigten M�nner gem�ss Tabelle A1 der LSE f�r das Jahr 1998 von Fr. 4'268.- ausgegangen. Umgerechnet auf die betriebs�bliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41,8 Stunden im Jahre 2000 und unter Ber�cksichtigung der Nominallohnerh�hung von 0,3 % und 1,3 % in den Jahren 1999 und 2000 hat sich ein massgebliches Jahreseinkommen von Fr. 54'379.- ergeben. Angesichts der medizinisch begr�ndeten zus�tzlichen Pausen von 5 Minuten pro Stunde ist sie von einer zumutbaren Arbeitszeit von 37 Stunden pro Woche ausgegangen, was sachgerecht ist. Vom daraus resultierenden Referenzwert von Fr. 48'135.-, hat das kantonale Gericht einen leidensbedingten Abzug von 17 % gew�hrt.
3.2 Der Beschwerdef�hrer macht geltend, aufgrund seiner gesundheitlichen Beeintr�chtigungen bestehe auch im Rahmen einer angepassten leichten T�tigkeit eine massive Einschr�nkung. Dabei seien die notwendigen wiederholten Pausen w�hrend der Arbeitszeit zu ber�cksichtigen, weshalb vom Tabellenlohn der maximale Abzug von 25% gerechtfertigt sei.
Weil der Beschwerdef�hrer wegen seines Gesundheitsschadens in seiner Leistungsf�higkeit auch bei einer passenden Hilfsarbeit in verschiedener Hinsicht eingeschr�nkt ist, ist ein Abzug vom Tabellenlohn unbestritten angebracht (BGE 126 V 75). Das kantonale Gericht hat diesen auf 17% beziffert. Dieser Abzug vom statistischen Lohn h�lt sich im Rahmen der Angemessenheitskontrolle (Art. 132 lit. a OG), nachdem die vermehrten Pausen und der dadurch verursachte Einkommensausfall schon ber�cksichtigt sind. Da keine von der Rechtsprechung anerkannten weiteren Abzugsgr�nde bestehen, kommt die Gew�hrung des maximalen Abzuges von 25% nicht in Frage. Das kantonale Gericht hat damit den Invalidenlohn mit Fr. 39'952.- richtig berechnet. Verglichen mit dem unbestrittenen Valideneinkommen von Fr. 60'630.- ergibt sich ein Invalidit�tsgrad von 34,11%.
Auch hinsichtlich der Integrit�tsentsch�digung ist der vorinstanzliche Entscheid nicht zu bem�ngeln. Mit der Verneinung der Ad�quanz f�r die psychische Fehlentwicklung nach den Unf�llen er�brigt sich eine Pr�fung der sonst nicht weiter in Frage gestellten materiellen Anspruchsvoraussetzungen f�r eine Integrit�tsentsch�digung nach Art. 24 Abs. 1 UVG und der dazu ergangenen Rechtsprechung (BGE 124 V 29).