Source: https://www.wirtschaftslupe.de/die-kgaa-organgesellschaft-4119018/
Timestamp: 2019-09-19 02:02:51
Document Index: 167032458

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 14', '§ 8', '§ 8', '§ 9', '§ 9', '§ 8', '§ 7', '§ 15', '§ 8', '§ 9', '§ 8', '§ 9', '§ 9', '§ 8']

Die KGaA als Organgesellschaft | Wirtschaftslupe
Nach § 2 Abs. 2 Satz 2 Gew­StG gilt eine Kap­i­talge­sellschaft, die ‑wie im hier vom Bun­des­fi­nanzh­hof entsch­iede­nen Stre­it­fall die KGaA- Organge­sellschaft i.S. des § 14 Abs. 1 Satz 1 KStG ist, als Betrieb­sstätte des Organträgers (sog. gewerbesteuer­rechtliche Organ­schaft).
Trotz dieser Fik­tion bilden die Organge­sellschaft und der Organträger kein ein­heitlich­es Unternehmen. Sie bleiben vielmehr selb­ständi­ge Gewer­be­be­triebe, die einzeln für sich bilanzieren und deren Gewer­beerträge getren­nt zu ermit­teln sind. Der Gewer­beer­trag der Organge­sellschaft ist so zu ermit­teln, als wäre diese Gesellschaft selb­ständi­ges Steuer­sub­jekt. Bei der Ermit­tlung des Gewer­beer­trags jedes der Unternehmen sind auf dieser ersten Stufe die Hinzurech­nungs- und Kürzungsvorschriften (§§ 8, 9 Gew­StG) zu beacht­en (sog. gebroch­ene oder eingeschränk­te Ein­heit­s­the­o­rie)1. Erst der selb­ständig ermit­telte Gewer­beer­trag der Organge­sellschaft ist sodann ‑auf ein­er zweit­en Stufe- mit dem für den Organträger selb­st ermit­tel­ten Gewer­beer­trag zusam­men­zurech­nen.
Dabei ist auf Ebene der KGaA als Organge­sellschaft die Regelung des § 8 Nr. 4 Gew­StG zu beacht­en, demzu­folge dem Gewinn aus Gewer­be­be­trieb die Gewin­nan­teile wieder hinzugerech­net wer­den, die an per­sön­lich haf­tende Gesellschafter ein­er KGaA auf ihre nicht auf das Grund­kap­i­tal gemacht­en Ein­la­gen oder als Vergü­tung (Tantieme) für die Geschäfts­führung verteilt wor­den sind und die als abzugs­fähige Aufwen­dun­gen i.S. des § 9 Abs. 1 Nr. 1 KStG den Gewinn aus Gewer­be­be­trieb zunächst gemindert haben. Gle­ichzeit­ig ist auf Ebene der Organträgerin (per­sön­lich haf­ten­den Gesellschaf­terin) nach § 9 Nr. 2b Gew­StG die Summe des Gewinns und der Hinzurech­nun­gen um die nach § 8 Nr. 4 Gew­StG dem Gewer­beer­trag der KGaA hinzugerech­neten Gewin­nan­teile als per­sön­lich haf­tende Gesellschaf­terin der KGaA zu kürzen, wenn diese bei der Ermit­tlung des Gewinns i.S. des § 7 Gew­StG über § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 des Einkom­men­steuerge­set­zes (EStG) ‑bei der Organträgerin i.V.m. § 8 Abs. 1 Satz 1 KStG- als gewerbliche Einkün­fte ange­set­zt wor­den sind.
Damit wird ein­er­seits der auf den per­sön­lich haf­ten­den Gesellschafter ent­fal­l­ende Teil des Gewinns i.S. des § 9 Abs. 1 Nr. 1 KStG grund­sät­zlich bei der KGaA der Gewerbesteuer unter­wor­fen2. Ander­er­seits wird im Rah­men der Organ­schaft der ungeschmälerte, d.h. ohne Abzug des auf die per­sön­lich haf­tende Gesellschaf­terin ent­fal­l­en­den Anteils berech­nete Gewinn aus dem Gewer­be­be­trieb der KGaA mit dem um eben diesen Anteil gekürzten Gewer­beer­trag der Organträgerin als Organträgerin zusam­men­gerech­net.
Vor diesem Hin­ter­grund kann für die Bemes­sung des Gewer­beer­trags der Organträgerin dahin­ste­hen, ob ‑wie die Organträgerin meint- die gel­tend gemacht­en AfA im Rah­men ein­er Ergänzungs­bi­lanz zum Kap­italkon­to der Organträgerin bei der Gewer­beer­tragser­mit­tlung der KGaA aufwandswirk­sam anzuset­zen wären3 oder ob sie außer­halb des Anwen­dungs­bere­ichs des § 8 Nr. 4 Gew­StG sowie ‑dazu kor­re­spondierend4- der Kürzung gemäß § 9 Nr. 2b Gew­StG ste­hen und damit nur bei der Ermit­tlung des Gewer­beer­trags der Organträgerin als per­sön­lich haf­tende Gesellschaf­terin gewin­n­min­dernd anzuset­zen wären5.
Bun­des­fi­nanzhof, Urteil vom 7. Sep­tem­ber 2016 — I R 57/14
ständi­ge Recht­sprechung des BFH, vgl. z.B. BFH, Urteile vom 29.05.1968 — I 198/65, BFHE 93, 289, BSt­Bl II 1968, 807; vom 17.12 2014 — I R 39/14, BFHE 248, 179, BSt­Bl II 2015, 1052; jew­eils m.w.N. [↩]
BFH, Urteile vom 08.02.1984 — I R 11/80, BFHE 140, 465, BSt­Bl II 1984, 381; vom 31.10.1990 — I R 32/86, BFHE 162, 445, BSt­Bl II 1991, 253; vgl. BFH, Urteil vom 28.11.2007 — X R 6/05, BFHE 219, 329, BSt­Bl II 2008, 363 [↩]
so auch Hage­böke in Rödder/Herlinghaus/Neumann, KStG, § 9 Rz 167, 172 [↩]
BFH, Beschluss vom 04.12 2012 — I R 42/11, BFH/NV 2013, 589 [↩]
Ros­er in Lenski/Steinberg, Gewerbesteuerge­setz, § 8 Nr. 4 Rz 9; s.a. Brus­ki, FR 2002, 181, 188; vgl. für Son­der­be­trieb­saus­gaben: BFH, Urteile in BFHE 162, 445, BSt­Bl II 1991, 253; vom 06.10.2009 — I R 102/06, BFH/NV 2010, 462 [↩]