Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/die-kuendigungsschutzklage-eines-gmbh-geschaeftsfuehrers-348206
Timestamp: 2020-02-17 21:11:55
Document Index: 65332194

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 2', '§ 2', '§ 5', '§ 5', '§ 2', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 2', '§ 5', '§ 2', '§ 5', '§ 5', '§ 2', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2']

Die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge eines GmbH-Geschäfts­füh­rers | Rechtslupe
Für die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge des (Fremd-)Geschäftsführers einer GmbH kann der Rechts­weg zu den Arbeits­ge­rich­ten eröff­net sein.
Nach § 5 Abs. 1 Satz 1 ArbGG sind Arbeit­neh­mer Arbei­ter und Ange­stell­te sowie die zu ihrer Berufs­aus­bil­dung Beschäf­tig­ten. Nach § 5 Abs. 1 Satz 3 ArbGG gel­ten jedoch in Betrie­ben einer juris­ti­schen Per­son oder einer Per­so­nen­ge­samt­heit Per­so­nen nicht als Arbeit­neh­mer, die kraft Geset­zes, Sat­zung oder Gesell­schafts­ver­trags allein oder als Mit­glie­der des Ver­tre­tungs­or­gans zur Ver­tre­tung der juris­ti­schen Per­son oder der Per­so­nen­ge­samt­heit beru­fen sind. Für einen Rechts­streit zwi­schen dem Ver­tre­tungs­or­gan und der juris­ti­schen Per­son sind nach die­ser gesetz­li­chen Fik­ti­on die Gerich­te für Arbeits­sa­chen nicht beru­fen. Die Fik­ti­on der Norm gilt auch für das der Organ­stel­lung zugrun­de lie­gen­de Rechts­ver­hält­nis. Sie greift unab­hän­gig davon ein, ob das der Organ­stel­lung zugrun­de lie­gen­de Rechts­ver­hält­nis mate­ri­ell-recht­lich als frei­es Dienst­ver­hält­nis oder als Arbeits­ver­hält­nis aus­ge­stal­tet ist. Auch wenn ein Anstel­lungs­ver­hält­nis zwi­schen der juris­ti­schen Per­son und dem Mit­glied des Ver­tre­tungs­or­gans wegen des­sen star­ker inter­ner Wei­sungs­ab­hän­gig­keit als Arbeits­ver­hält­nis zu qua­li­fi­zie­ren ist und des­halb mate­ri­el­les Arbeits­recht zur Anwen­dung kommt, sind zur Ent­schei­dung eines Rechts­streits aus die­ser Rechts­be­zie­hung die ordent­li­chen Gerich­te beru­fen 1.
An der Unzu­stän­dig­keit der Arbeits­ge­rich­te ändert es nichts, wenn zwi­schen den Pro­zess­par­tei­en strei­tig ist, wie das Anstel­lungs­ver­hält­nis zu qua­li­fi­zie­ren ist 2 und der Geschäfts­füh­rer gel­tend macht, er sei wegen sei­ner ein­ge­schränk­ten Kom­pe­tenz in Wirk­lich­keit Arbeit­neh­mer gewe­sen 3. Die Fik­ti­on des § 5 Abs. 1 Satz 3 ArbGG soll sicher­stel­len, dass die Mit­glie­der der Ver­tre­tungs­or­ga­ne mit der juris­ti­schen Per­son selbst dann kei­nen Rechts­streit im „Arbeit­ge­ber­la­ger“ vor dem Arbeits­ge­richt füh­ren, wenn die der Organ­stel­lung zugrun­de lie­gen­de Bezie­hung als Arbeits­ver­hält­nis zu qua­li­fi­zie­ren ist 4. Für Ansprü­che der Kla­ge­par­tei aus dem der Geschäfts­füh­rer­tä­tig­keit zugrun­de lie­gen­den Ver­trag sind des­halb die ordent­li­chen Gerich­te ohne Wei­te­res zustän­dig 5.
Dabei ändert sich der recht­li­che Cha­rak­ter des Anstel­lungs­ver­hält­nis­ses eines Organ­ver­tre­ters nicht allein dadurch, dass der Organ­ver­tre­ter abbe­ru­fen wird. Durch den Abbe­ru­fungs­akt wird das Anstel­lungs­ver­hält­nis nicht zum Arbeits­ver­hält­nis 6.
Anders kann es jedoch dann lie­gen, wenn und soweit der Rechts­streit nicht das der Organ­stel­lung zugrun­de lie­gen­de Rechts­ver­hält­nis betrifft, son­dern eine wei­te­re Rechts­be­zie­hung besteht. Inso­weit greift die Fik­ti­on des § 5 Abs. 1 Satz 3 ArbGG nicht ein 7. Dies ist bei­spiels­wei­se der Fall, wenn der Organ­ver­tre­ter Rech­te auch mit der Begrün­dung gel­tend macht, nach der Abbe­ru­fung als Geschäfts­füh­rer habe sich das nicht gekün­dig­te Anstel­lungs­ver­hält­nis – wie­der – in ein Arbeits­ver­hält­nis umge­wan­delt 8.
Gemes­sen an die­sen Grund­sät­zen ist der Rechts­weg zu den Arbeits­ge­rich­ten eröff­net, wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt rich­tig erkannt hat. Der Klä­ger macht mit sei­nen Fest­stel­lungs­an­trä­gen den Fort­be­stand des sei­ner Auf­fas­sung nach begrün­de­ten und wei­ter bestehen­den Arbeits­ver­hält­nis­ses gel­tend.
Es han­delt sich um Anträ­ge, die nur dann begrün­det sein kön­nen, wenn das Rechts­ver­hält­nis als Arbeits­ver­hält­nis ein­zu­ord­nen ist und nach wirk­sa­mer Been­di­gung der Organ­stel­lung als sol­ches fort­be­stand oder wie­der auf­leb­te. In die­sen Fäl­len (sic-non-Fäl­le) eröff­net bei strei­ti­ger Tat­sa­chen­grund­la­ge die blo­ße Rechts­an­sicht der Kla­ge­par­tei, es han­de­le sich um ein Arbeits­ver­hält­nis, den Rechts­weg zu den Arbeits­ge­rich­ten 12. Nach der Been­di­gung der Organ­stel­lung und damit nach dem Weg­fall der Fik­ti­on des § 5 Abs. 1 Satz 3 ArbGG sind die Gerich­te für Arbeits­sa­chen beru­fen, über die Fra­ge, ob das zwi­schen den Par­tei­en bestehen­de Rechts­ver­hält­nis als Arbeits­ver­hält­nis zu qua­li­fi­zie­ren ist und durch eine aus­ge­spro­che­ne ordent­li­che Kün­di­gung been­det wur­de, zu ent­schei­den.
Dabei kann im hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall dahin­ste­hen, ob der Klä­ger mit der beklag­ten GmbH nur durch einen ein­zi­gen Ver­trag, näm­lich den als "Arbeits­ver­trag“ bezeich­ne­ten Ver­trag vom 17./27.02.2009 ver­bun­den war. Hier­für spricht, dass die­ser Ver­trag aus­drück­lich auch die bereits vor­her aus­ge­üb­te Geschäfts­füh­rer­tä­tig­keit für die Beklag­te zum Inhalt hat­te (§ 2 Ziff. 1 des Arbeits­ver­trags). Auch wenn man aber davon aus­geht, dass neben dem "Arbeits­ver­trag" vom 17./27.02.2009 ein wei­te­res Ver­trags­ver­hält­nis besteht oder bestan­den hät­te, das der Geschäfts­füh­rer­be­stel­lung zugrun­de lag, ist eine Zustän­dig­keit der Arbeits­ge­richts­bar­keit für die vom Klä­ger begehr­ten Fest­stel­lun­gen gege­ben.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 26. Okto­ber 2012 – 10 AZB 60/​12
Der Arbeit­neh­mer als Geschäfts­füh­rer – und sei­ne… Schlie­ßen die Par­tei­en eines Arbeits­ver­hält­nis­ses einen GmbH-Geschäfts­füh­rer-Dienst­ver­trag nur münd­lich, so ist wegen man­geln­der Schrift­form von einer Auf­he­bung des Arbeits­ver­hält­nis­ses nicht aus­zu­ge­hen. Die­ses ruht viel­mehr und…
Zustän­dig­keit der Arbeits­ge­rich­te für GmbH-Geschäfts­­­füh­­rer in… Nach § 2 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. a und b ArbGG sind die Gerich­te für Arbeits­sa­chen aus­schließ­lich zustän­dig für bür­ger­li­che Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen Arbeit­neh­mern und…
BAG 29.05.2012 – 10 AZB 3/​12, Rn. 11 mwN; 23.08.2011 – 10 AZB 51/​10, Rn. 12 mwN, AP ArbGG 1979 § 5 Nr. 69 = EzA ArbGG 1979 § 5 Nr. 46; 15.03.2011 – 10 AZB 32/​10, Rn. 11 mwN, AP ArbGG 1979 § 2 Nr. 95 = EzA ArbGG 1979 § 5 Nr. 44[↩]
BAG 6.05.1999 – 5 AZB 22/​98 – zu II 3 b der Grün­de, AP ArbGG 1979 § 5 Nr. 46 = EzA ArbGG 1979 § 5 Nr. 33[↩]
BAG 20.08.2003 – 5 AZB 79/​02 – zu B I 3 der Grün­de, BAGE 107, 165[↩]
vgl. BAG 20.05.1998 – 5 AZB 3/​98 – zu II 1 der Grün­de, NZA 1998, 1247[↩]
BAG 25.06.1997 – 5 AZB 41/​96 – zu II 1 b aa der Grün­de, AP ArbGG 1979 § 5 Nr. 36 = EzA ArbGG 1979 § 2 Nr. 37; 21.02.1994 – 2 AZB 28/​93 – zu II 3 b bb der Grün­de, AP ArbGG 1979 § 5 Nr. 17 = EzA ArbGG 1979 § 2 Nr. 28[↩]
BAG 23.08.2011 – 10 AZB 51/​10, Rn. 13 mwN, AP ArbGG 1979 § 5 Nr. 69 = EzA ArbGG 1979 § 5 Nr. 46; 15.03.2011 – 10 AZB 32/​10, Rn. 11 mwN, AP ArbGG 1979 § 2 Nr. 95 = EzA ArbGG 1979 § 5 Nr. 44[↩]
BAG 6.05.1999 – 5 AZB 22/​98 – zu II 3 c der Grün­de, AP ArbGG 1979 § 5 Nr. 46 = EzA ArbGG 1979 § 5 Nr. 33[↩]
BAG 29.05.2012 – 10 AZB 3/​12, Rn. 13; 23.08.2011 – 10 AZB 51/​10, Rn. 14, AP ArbGG 1979 § 5 Nr. 69 = EzA ArbGG 1979 § 5 Nr. 46[↩]
BVerfG 31.08.1999 – 1 BvR 1389/​97 – zu II 1 b der Grün­de, AP ArbGG 1979 § 2 Zustän­dig­keits­prü­fung Nr. 6 = EzA ArbGG 1979 § 2 Nr. 47; BAG 29.05.2012 – 10 AZB 3/​12, Rn. 16; 19.12.2000 – 5 AZB 16/​00, AP ArbGG 1979 § 2 Zustän­dig­keits­prü­fung Nr. 9 = EzA ArbGG 1979 § 2 Nr. 52[↩]
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