Source: https://www.paychex.de/news-liste/07-12-Lohnsteuer-Richtlinien-2008.html
Timestamp: 2017-08-21 21:28:54
Document Index: 63150757

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 40', '§ 4']

Die Lohnsteuer-Richtlinien 2008 | Paychex
Die Lohnsteuer-Richtlinien als Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Steuerabzug vom Arbeitslohn erläutern die aktuelle Rechtslage und geben Hinweise, damit die Finanzbehörden in Zweifels- und Auslegungsfragen zum geltenden Lohnsteuerrecht nach einheitlichen Regelungen entscheiden können. Gleichzeitig enthalten diese Richtlinien auch wichtige Informationen, die bereits bei der laufenden Lohn- und Gehaltsabrechnung zu beachten sind.
Die neuen Lohnsteuer-Richtlinien LStR 2008 sind beim Steuerabzug vom Arbeitslohn für Lohnzahlungszeiträume anzuwenden, die nach dem 31.12.2007 enden, und für sonstige Bezüge, die nach dem 31.12.2007 zufließen.
Mit den LStR 2008 ist die Richtlinie insgesamt neu gegliedert worden. Die neue Struktur orientiert sich nunmehr an der Paragrafenfolge des Einkommensteuergesetzes. Dadurch bleiben die Lohnsteuer-Richtlinien auch bei künftigen Änderungen des Einkommensteuergesetzes übersichtlicher als bisher.
Zu § 3 LStR 2005 LStR 2008
Unterbringung und Betreuung von nichtschulpflichtigen Kindern (§ 3 Nr. 33 EStG) R 21a R 3.33
Betriebliche Personalcomputer und Telekommunikationsgeräte ( § 3 Nr. 45 EStG) R 21e R 3.45
Durchlaufende Gelder, Auslagenersatz (§ 3 Nr. 50 EStG) R 22 R 3.50
Ein erster Entwurf der LStR 2008 wurde im Mai 2007 bekannt. Nach Beteiligung der Spitzenverbände der Wirtschaft, der steuerberatenden Berufe und der Gewerkschaften sowie der Kommunen und der Kirchen wurden Verbesserungen des ursprünglichen Entwurfs vorgenommen. Im November 2007 haben Bundestag und Bundesregierung die Lohnsteuer-Richtlinien beschlossen.
Im Folgenden werden die wichtigsten inhaltlichen Änderungen – zum Reisekostenrecht und zum Arbeitgeberdarlehen – kurz dargestellt.
Die bisherige Unterscheidung zwischen Dienstreise, Fahrtätigkeit und Einsatzwechseltätigkeit wird nicht mehr vorgenommen. Es gibt nur noch eine beruflich veranlasste Auswärtstätigkeit. Diese liegt vor, wenn der Arbeitnehmer vorübergehend außerhalb seiner Wohnung und an keiner seiner regelmäßigen Arbeitsstätten beruflich tätig wird (R 9.4 Abs. 2 LStR 2008). Eine Auswärtstätigkeit liegt auch vor, wenn der Arbeitnehmer bei seiner beruflichen Tätigkeit nur an ständig wechselnden Tätigkeitsstätten oder auf einem Fahrzeug tätig wird.
Ein Projektierungsingenieur fährt für einen oder für mehrere Tage zu einer Fachberatung (bisher: "Dienstreise"). Ein Berufskraftfahrer (und sein Beifahrer) sind für eine Spedition tätig (bisher: "Fahrtätigkeit"). Ein Montagearbeiter wird auf ständig wechselnden Baustellen tätig (bisher: "Einsatzwechseltätigkeit").
Der Begriff "regelmäßige Arbeitsstätte" wird näher definiert. Die regelmäßige Arbeitsstätte kann der Betriebssitz des Arbeitgebers sein, aber auch eine sonstige ortsfeste dauerhafte betriebliche Einrichtung, der der Arbeitnehmer zugeordnet wird (R 9.4 Abs. 3 LStR 2008).
Der Firmensitz (= Betriebssitz) eines Unternehmens ist Hamburg. Daneben bestehen in Berlin, Düsseldorf und München weitere Geschäftsstellen, die in diesem Fall als ortsfeste dauerhafte betriebliche Einrichtung gelten.
Wird eine solche betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers vom Arbeitnehmer im Kalenderjahr durchschnittlich an einem Arbeitstag je Arbeitswoche aufgesucht, ist von einer regelmäßigen Arbeitsstätte auszugehen. Dabei ist nicht entscheidend, wie lange sich der Arbeitnehmer an dieser regelmäßigen Arbeitsstätte aufhält oder welche Tätigkeit er dort ausführt.
Ein Glas- und Gebäudereiniger fährt immer wieder in den Betrieb und von dort zur Einsatzstelle. Regelmäßige Arbeitsstätte ist der Betrieb. Ein Außendienstmitarbeiter nimmt jeden Donnerstag an einer Besprechung im Büro teil. Auch hier ist das Büro regelmäßige Arbeitsstätte.
Die bisher in R 37 Abs. 2 LStR 2005 enthaltene Regelung, wonach der Arbeitnehmer regelmäßig in der Woche mindestens 20% seiner vertraglichen Arbeitszeit oder durchschnittlich im Kalenderjahr an einem Arbeitstag je Arbeitswoche im Betrieb tätig wird, wurde nicht übernommen. Nach der neuen Richtlinie wird bereits nach einem kurzen Aufenthalt pro Woche von einer regelmäßigen Arbeitsstätte des Arbeitnehmers ausgegangen. Das hat jedoch auch Auswirkung auf die Bewertung der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte.
Auch hier wird nur auf die beruflich veranlasste Auswärtstätigkeit Bezug genommen (R 9.5 LStR 2008). Die nachgewiesenen tatsächlichen Fahrtkosten oder die für Auswärtstätigkeiten geltenden Kilometersätze (Kfz: 0,30 € je gefahrenen km) können zeitlich unbefristet steuerfrei erstattet werden, da hinsichtlich der Fahrtkosten bei einer Auswärtstätigkeit die bisherige Drei-Monats-Grenze (Dienstreise bis 3 Monate, ab 4. Monat Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte) entfällt. Die Besonderheiten der bisherigen Fahrtätigkeit oder Einsatzwechseltätigkeit einschließlich der bisherigen 30-km-Grenze fallen ebenfalls fort.
Fahrten im 30-km-Bereich sind nicht mehr Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, sondern sind als Auswärtstätigkeit einzuordnen, wenn
- der Arbeitnehmer täglich zu seiner Wohnung zurückkehrt und
- täglich mehrfache Ortswechsel stattfinden.
Diese Fahrten unterliegen dann nicht mehr:
- der Pauschalversteuerung (15%) nach § 40 Abs. 2 EStG für zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistete Zuschüsse zu Fahrten oder unentgeltliche oder verbilligte Beförderung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte
- der Erfassung eines geldwerten Vorteils bei Nutzung eines Firmenfahrzeugs für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte
Wichtiger Praxishinweis!
Eine wesentliche Voraussetzung ist jedoch: Die Betriebsstätte oder die betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers, der der Arbeitnehmer zugeordnet ist, wird im Kalenderjahr durchschnittlich an weniger als einem Arbeitstag je Arbeitswoche aufgesucht.
Verpflegungsmehraufwendungen/ Dreimonatsfrist
Der Abzug der Verpflegungsmehraufwendungen ist auf die ersten drei Monate der Tätigkeit an derselben auswärtigen Tätigkeitsstätte beschränkt (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 5 Satz 5 EStG). Die Dreimonatsfrist gilt damit nur noch für die Zahlung der Pauschalen für Verpflegungsmehraufwendungen (R 9.6 Abs. 4 LStR 2008). Es gibt aber keine zeitliche Begrenzung für die Zahlung der Pauschalen, wenn die auswärtige Tätigkeitsstätte an nicht mehr als an ein bis zwei Tagen wöchentlich aufgesucht wird. Urlaub oder Krankheit haben keinen Einfluss auf den Ablauf der Dreimonatsfrist. Andere Unterbrechungen, die mindestens vier Wochen gedauert haben, ziehen eine neue Dreimonatsfrist nach sich.
Bei den Übernachtungskosten ist die Unterscheidung In- und Ausland weggefallen (R 9.7 LStR 2008).
Beruflich veranlasste Aufwendungen bei einer Auswärtstätigkeit sind grundsätzlich unabhängig davon, ob sie notwendig, angemessen, üblich oder zweckmäßig sind, vom Arbeitgeber steuerfrei ersetzbar.
Werden Übernachtungskosten nur als Gesamtpreis für Unterkunft und Verpflegung nachgewiesen und lässt sich der Preis für die Verpflegung nicht feststellen, ist der Gesamtpreis um folgende Anteile des für den Unterkunftsort maßgebenden vollen Pauschbetrages für Verpflegungsmehraufwendungen zu kürzen:
1. für Frühstück 20 % (für Inlandsreisen 2008: 4,80 €)
2. für Mittag- und Abendessen jeweils 40 % (für Inlandsreisen 2008: 9,60 €)
Der Arbeitgeber darf die Übernachtungskosten ohne Nachweis der tatsächlichen Aufwendungen mit Pauschbeträgen steuerfrei erstatten, beispielsweise für jede Übernachtung im Inland 20 €. Die im ersten Entwurf der Lohnsteuer-Richtlinien vorgesehene Streichung des pauschalen Arbeitgeberersatzes für Übernachtungen wurden nachträglich wieder aufgenommen und gelten damit wie bisher.
Für die Abrechnung der Übernachtungskosten im Ausland hätte die Streichung der Pauschbeträge zu einem erheblichen Mehraufwand insbesondere bei Monteuren im ständigen Auslandseinsatz geführt. Auch bei Inlandsübernachtungen wäre abzusehen gewesen, dass günstige Übernachtungsmöglichkeiten bei Freunden und Verwandten zunehmend durch Hotelübernachtungen ersetzt worden wären, um die infolge der Übernachtung entstandenen Kosten nicht selbst tragen zu müssen.
Entfallen ist allerdings die Möglichkeit des Werbungskostenabzugs mit Pauschbeträgen für Übernachtungskosten im Ausland. Auch hier können nur die tatsächlichen Aufwendungen geltend gemacht werden.
Die bisherige Richtlinie R 31 Abs. 11 LStR 2005 wurde nicht in die neue Verwaltungsvorschrift überführt. Damit entfällt bei zinslosen oder zinsverbilligten Arbeitgeberdarlehen die bisherige Steuerfreiheit für den geldwerten Vorteil, sofern die Summe der (Rest-) Darlehen den Betrag von 2.600 € nicht übersteigt. Außerdem wurde darauf verzichtet, den Maßstabszinssatz mit 5 % festzuschreiben. Dieser Maßstabszinssatz (5 %) war bereits in der Vergangenheit nicht mehr anzuwenden (vergleiche BMF-Schreiben vom 13.6.2007, BStBl. 2007 I S. 502). Ob ein Zinsvorteil als Arbeitslohn zu erfassen ist, muss für das jeweilige Darlehen in Abhängigkeit vom geltenden Marktzins zum Zeitpunkt des Darlehensabschlusses bestimmt werden.
Hier finden Sie dieses Lohn-Update "Lohnsteuer-Richtlinien 2008" zum Download als pdf-Datei.