Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/erbst/kosten-einer-erbauseinandersetzung-318178
Timestamp: 2020-01-21 01:57:38
Document Index: 201187300

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 2042', '§ 2032', '§ 10', '§ 2044', '§ 2043', '§ 10', '§ 2048', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 2042', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'BGH', 'BGH']

Kos­ten einer Erbaus­ein­an­der­set­zung | Rechtslupe
Die Kos­ten einer Erbaus­ein­an­der­set­zung sind gemäß § 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten abzugs­fä­hig. Dazu gehö­ren auch die Auf­wen­dun­gen für die Bewer­tung der im Nach­lass befind­li­chen Grund­stü­cke durch Sach­ver­stän­di­ge.
Soweit sich nicht aus § 10 Abs. 6 bis 9 ErbStG etwas ande­res ergibt, sind nach § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten abzugs­fä­hig u.a. die Kos­ten, die dem Erwer­ber unmit­tel­bar im Zusam­men­hang mit der Abwick­lung, Rege­lung oder Ver­tei­lung des Nach­las­ses ent­ste­hen. Zu den Kos­ten für die "Ver­tei­lung des Nach­las­ses" gehö­ren ins­be­son­de­re die Auf­wen­dun­gen für die Aus­ein­an­der­set­zung einer Erben­ge­mein­schaft gemäß § 2042 BGB. Unter Aus­ein­an­der­set­zung einer Erben­ge­mein­schaft ist die Ver­tei­lung der Nach­lass­ge­gen­stän­de unter den Mit­er­ben nach Til­gung der Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten zu ver­ste­hen. Durch die­se Ver­tei­lung wird das Allein­ei­gen­tum eines jeden Mit­er­ben an den ihm bei der Ver­tei­lung zuge­wie­se­nen Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den begrün­det und die nach dem Erb­fall ent­stan­de­ne Gemein­schaft zur gesam­ten Hand (§ 2032 Abs. 1 BGB) auf­ge­ho­ben. Der Begriff der Aus­ein­an­der­set­zung der Erben­ge­mein­schaft umfasst sowohl die mit ihr ver­bun­de­nen schuld­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen als auch deren ding­li­chen Voll­zug 1.
Als Kos­ten der Ver­tei­lung des Nach­las­ses gehö­ren die unmit­tel­bar im Zusam­men­hang mit der Aus­ein­an­der­set­zung der Erben­ge­mein­schaft ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen zu den nach § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG abzieh­ba­ren Kos­ten 2. Soweit nicht letzt­wil­li­ge Ver­fü­gun­gen des Erb­las­sers nach § 2044 BGB oder die in §§ 2043 und 2045 BGB gere­gel­ten Grün­de der Erbaus­ein­an­der­set­zung vor­über­ge­hend ent­ge­gen­ste­hen, ent­spricht die­se einer ord­nungs­ge­mä­ßen Abwick­lung und Rege­lung des Nach­las­ses. Die Erben­ge­mein­schaft ist nicht auf Dau­er ange­legt, son­dern auf Aus­ein­an­der­set­zung gerich­tet 3.
Zu den danach zu berück­sich­ti­gen­den Kos­ten der Erbaus­ein­an­der­set­zung zäh­len ins­be­son­de­re die Auf­wen­dun­gen für die durch einen Sach­ver­stän­di­gen vor­ge­nom­me­ne Bewer­tung der Nach­lass­ge­gen­stän­de, wenn die­se auf der Grund­la­ge der Bewer­tung in das Allein­ei­gen­tum ein­zel­ner Mit­er­ben über­tra­gen wer­den sol­len, fer­ner die für die Über­tra­gung der Nach­lass­ge­gen­stän­de, ins­be­son­de­re von Grund­be­sitz, auf die Mit­er­ben ent­stan­de­nen Nota­ri­ats- und Gerichts­kos­ten, die Auf­wen­dun­gen für die anwalt­li­che Bera­tung und außer­ge­richt­li­che und gericht­li­che Ver­tre­tung der Mit­er­ben bei der Erbaus­ein­an­der­set­zung sowie die bei einem etwai­gen Rechts­streit der Mit­er­ben über die Aus­ein­an­der­set­zung ange­fal­le­nen Gerichts­kos­ten.
Für die Abzieh­bar­keit der unmit­tel­bar mit der Aus­ein­an­der­set­zung der Erben­ge­mein­schaft im Zusam­men­hang ste­hen­den Kos­ten nach § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG spielt es kei­ne Rol­le, ob die Erben­ge­mein­schaft auf­grund gesetz­li­cher Erb­fol­ge oder der Ein­set­zung meh­re­rer Erben durch den Erb­las­ser ent­stan­den ist und ob der Erb­las­ser nach § 2048 BGB Tei­lungs­an­ord­nun­gen ver­fügt hat oder ob die Erbaus­ein­an­der­set­zung auf einer Ver­ein­ba­rung oder dem Ergeb­nis eines Rechts­streits der Mit­er­ben beruht. Für eine Unter­schei­dung die­ser Fall­grup­pen bie­tet § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG kei­ne Grund­la­ge. Die­se Vor­schrift macht die Abzieh­bar­keit der Kos­ten nur davon abhän­gig, dass sie dem Erwer­ber unmit­tel­bar im Zusam­men­hang mit der Abwick­lung, Rege­lung oder Ver­tei­lung des Nach­las­ses ent­ste­hen.
Die­ser Beur­tei­lung steht die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht ent­ge­gen. Nach dem BFH-Urteil in BFHE 217, 187 4 sind die vom Erben auf­ge­wen­de­ten Kos­ten für einen Rechts­streit, der die von ihm zu tra­gen­de eige­ne Erb­schaft­steu­er betrifft, nicht gemäß § 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG abzugs­fä­hig. Dies ergibt sich aus § 10 Abs. 8 ErbStG, wonach die vom Erwer­ber zu ent­rich­ten­de eige­ne Erb­schaft­steu­er nicht als Nach­lass­ver­bind­lich­keit i.S. des § 10 Abs. 5 ErbStG abzugs­fä­hig ist. Nach der dem § 10 Abs. 8 ErbStG zugrun­de lie­gen­den Wer­tung erstreckt sich das Abzugs­ver­bot auch auf die einem Erwer­ber ent­ste­hen­den Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten, die er zur Abwehr der von ihm zu ent­rich­ten­den eige­nen Erb­schaft­steu­er auf­wen­det 5. Bei den Kos­ten einer Erbaus­ein­an­der­set­zung geht es dem­ge­gen­über nicht um Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten zur Abwehr der von den Erben zu ent­rich­ten­den eige­nen Erb­schaft­steu­er.
Dass nur die unmit­tel­bar mit der Erfül­lung des Erb­las­ser­wil­lens zusam­men­hän­gen­den und daher nicht auf einem eige­nen Wil­lens­ent­schluss des oder der Erben beru­hen­den Kos­ten nach § 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG abzieh­bar sei­en, wie in der Vor­in­stanz das Finanz­ge­richt Mün­chen annimmt 6, lässt sich der Vor­schrift nicht ent­neh­men. Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits ent­schie­den hat 7, sind die dem Allein­er­ben ent­stan­de­nen Gut­ach­ter­kos­ten für die Ermitt­lung des Ver­kehrs­werts eines zum Nach­lass gehö­ren­den Grund­stücks nach § 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG abzugs­fä­hig, wenn die­se in einem zivil­recht­li­chen Kla­ge­ver­fah­ren eines Pflicht­teils­be­rech­tig­ten gegen den Erben ange­fal­len sind. Dass der Zivil­pro­zess nicht auf dem Wil­len des Erb­las­sers beruh­te, hat der Bun­des­fi­nanz­hof nicht als ent­schei­dend ange­se­hen.
Aus dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 28. Juni 1995 8 ergibt sich eben­falls nichts ande­res. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in die­ser Ent­schei­dung den Abzug der Auf­wen­dun­gen für eine Erbaus­ein­an­der­set­zung nicht abge­lehnt, son­dern aus­ge­führt, dem Erben bei der ord­nungs­ge­mä­ßen Abwick­lung, Rege­lung oder Ver­tei­lung des auf ihn über­ge­gan­ge­nen Nach­las­ses ent­ste­hen­de Auf­wen­dun­gen sei­en nach § 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG abzieh­bar.
Die vom Klä­ger gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen sind daher dem Grun­de nach gemäß § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG abzieh­bar, soweit sie, wie von ihm vor­ge­tra­gen, in unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang mit der Erbaus­ein­an­der­set­zung und somit der Ver­tei­lung des Nach­las­ses im Sin­ne die­ser Vor­schrift ste­hen. Der vol­len Abzieh­bar­keit des vom Klä­ger getra­ge­nen Anteils an den Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten für die Ermitt­lung der Grund­stücks­wer­te steht nicht ent­ge­gen, dass die Bewer­tung der Grund­stü­cke nach den Anga­ben des Klä­gers nicht nur der Vor­be­rei­tung der Erbaus­ein­an­der­set­zung, son­dern auch der Abga­be der Erb­schaft­steu­er­erklä­rung gedient hat. Zum einen ändert die­se wei­te­re Zweck­set­zung nichts am unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang der Kos­ten mit der Ver­tei­lung des Nach­las­ses. Zum ande­ren zäh­len die Kos­ten der Erstel­lung der Erb­schaft­steu­er­erklä­rung zu den nach § 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG abzieh­ba­ren Kos­ten 9.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. Dezem­ber 2009 – II R 37/​08
Palandt/​Edenhofer, Bür­ger­li­ches Gesetz­buch, Kom­men­tar, 69. Aufl., § 2042 Rz 1[↩]
FG Mün­chen, Beschluss vom 27.02.1996 – 4 V 2089/​95, Umsatz­steu­er- und Ver­kehr­steu­er-Recht 1996, 248; Gebel in Troll/​Gebel/​Jülicher, ErbStG, § 10 Rz 213, 215; Kapp/​Ebeling, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, Kom­men­tar, § 10 ErbStG Rz 118; Herr­mann in Wilms/​Jochum, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, § 10 Rz 137 f.; Meincke, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 15. Aufl., § 10 Rz 44; Tetens in Rödl/​Preißer u.a., Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er, Kom­pakt-Kom­men­tar, 2009, § 10 Kap. 6.4.4; Szc­zes­ny in Tiedt­ke, ErbStG, 2009, § 10 Rz 64; Jüpt­ner in Fischer/​Jüptner/​Pahlke, ErbStG, 2009, § 10 Rz 211;¸Schuck in Viskorf/​Knobel/​Schuck, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, Bewer­tungs­ge­setz, 3. Aufl., § 10 ErbStG Rz 100; Moench/​Weinmann, Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er, § 10 Rz 79; Högl in Gürsching/​Stenger, Bewer­tungs­recht, § 10 ErbStG Rz 124[↩]
BGH, Urteil vom 11.09.2002 – XII ZR 187/​00, NJW 2002, 3389; BGH, Beschluss vom 17.10.2006 – VIII ZB 94/​05, NJW 2006, 3715[↩]
BFHE 217, 187, BSt­Bl II 2007, 722[↩]
eben­so BFH, Urteil vom 01.07.2008 – II R 71/​06, BFHE 222, 63, BSt­Bl II 2008, 874[↩]
FG Mün­chen, Urteil vom 17.10.2007 – 4 K 811/​05, EFG 2008, 1905[↩]
BFH, Urteil in BFHE 222, 63, BSt­Bl II 2008, 874[↩]
BFH, Urteil vom 28.06.1995 – II R 89/​92, BFHE 178, 214, BSt­Bl II 1995, 786[↩]
eben­so H 29 der Erb­schaft­steu­er-Richt­li­ni­en 1999/​2003[↩]
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