Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/der-tag-der-aufgabe-zur-post-ist-das-datum-der-einspruchsentscheidung-321642
Timestamp: 2020-02-20 07:15:31
Document Index: 142252745

Matched Legal Cases: ['§ 55', '§ 47', '§ 55', '§ 122', '§ 122', '§ 55', '§ 47', '§ 55', '§ 55']

"Der Tag der Auf­ga­be zur Post ist das Datum der Ein­spruchs­ent­schei­dung" | Rechtslupe
"Der Tag der Aufgabe zur Post ist das Datum der Einspruchsentscheidung"
"Der Tag der Auf­ga­be zur Post ist das Datum der Ein­spruchs­ent­schei­dung"
Nach § 55 Abs. 2 Satz 1 FGO ist die Ein­le­gung der Anfech­tungs­kla­ge –abwei­chend von § 47 Abs. 1 Satz 1 FGO– inner­halb eines Jah­res (seit Bekannt­ga­be) zuläs­sig, wenn die Rechts­be­helfs­be­leh­rung unter­blie­ben oder unrich­tig erteilt ist. Unrich­tig ist eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung, wenn sie die ihr nach dem Gesetz zuge­dach­te Funk­ti­on ver­fehlt, über die Form­erfor­der­nis­se des Rechts­mit­tels hin­rei­chend genau und sach­lich zutref­fend auf­zu­klä­ren 1.
Die Unrich­tig­keit kann sich zum einen dar­aus erge­ben, dass die Beleh­rung zu weni­ge Infor­ma­tio­nen ent­hält. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist es inso­fern aller­dings nicht erfor­der­lich, dass die Beleh­rung alle zur Berech­nung der Kla­ge­frist im Ein­zel­fall erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen ent­hält. Sie muss ins­be­son­de­re kei­nen Hin­weis dar­auf ent­hal­ten, wann der Bescheid zur Post gege­ben wor­den ist 2. Aus­rei­chend ist viel­mehr, wenn die Rechts­be­helfs­be­leh­rung den Geset­zes­wort­laut der ein­schlä­gi­gen Bestim­mung wie­der­gibt und ver­ständ­lich über die all­ge­mei­nen Merk­ma­le des Frist­be­ginns unter­rich­tet 3.
Die Unrich­tig­keit kann sich aber zum andern auch dar­aus erge­ben, dass die Beleh­rung Infor­ma­tio­nen ent­hält, die über den gesetz­lich erfor­der­li­chen Min­dest­in­halt hin­aus­ge­hen, sofern die­se Infor­ma­tio­nen bei objek­ti­ver Betrach­tung dazu geeig­net sind, die Mög­lich­keit der Frist­wah­rung zu gefähr­den 4.
Nach die­sen Maß­stä­ben war die Rechts­be­helfs­be­leh­rung im Sin­ne von § 55 Abs. 2 Satz 1 FGO unrich­tig.
Die Aus­sa­ge "Der Tag der Auf­ga­be zur Post ist das Datum der Ein­spruchs­ent­schei­dung" ist sach­lich unzu­tref­fend und bei objek­ti­vem Ver­ständ­nis geeig­net, die Frist­wah­rung zu gefähr­den. Auf­ga­be zur Post bedeu­tet Ein­wer­fen in einen Post­brief­kas­ten oder Ein­lie­fe­rung (Über­ga­be) bei der Post 5. Das für die Anwen­dung von § 122 Abs. 2 Nr. 1 AO maß­geb­li­che Datum ist der Tag, an dem die­se Hand­lun­gen vor­ge­nom­men wor­den sind. Dem­ge­gen­über erhält die Ein­spruchs­ent­schei­dung das Datum der abschlie­ßen­den Zeich­nung durch den dafür zustän­di­gen Beam­ten. Das Datum der Ein­spruchs­ent­schei­dung und der Tag der Auf­ga­be zur Post kön­nen des­halb aus­ein­an­der fal­len 6. Die kate­go­ri­sche Behaup­tung, der Tag der Auf­ga­be zur Post sei mit dem Datum der Ein­spruchs­ent­schei­dung iden­tisch, trifft des­halb nicht zu.
Die dar­in lie­gen­de Unrich­tig­keit ist bei objek­ti­ver Betrach­tung auch geeig­net, die Frist­wah­rung zu gefähr­den. Steu­er­pflich­ti­ge, die mit den inter­nen Abläu­fen der Finanz­ver­wal­tung nicht ver­traut sind, müs­sen auf­grund der Aus­sa­ge, auf deren Rich­tig­keit sie sich ver­las­sen dür­fen, davon aus­ge­hen, dass ent­we­der Abwei­chun­gen zwi­schen bei­den Daten auf­grund orga­ni­sa­to­ri­scher Vor­keh­run­gen der Finanz­äm­ter tat­säch­lich nicht vor­kom­men kön­nen oder recht­lich irrele­vant sind. Bei­des ist indes nicht der Fall.
Dem steht nicht ent­ge­gen, dass eine ein­heit­li­che Bedeu­tung des Post­stem­pels bei allen Unter­neh­men, die Brie­fe beför­dern, nicht mehr besteht. Es unter­liegt kei­nem Zwei­fel, dass die in der Recht­spre­chung auf­ge­stell­ten Grund­sät­ze, wonach der Post­stem­pel im Regel­fall Aus­kunft dar­über gibt, an wel­chem Tag ein Brief zur Post gege­ben wor­den ist 7, zumin­dest für die Beför­de­rung durch die Deut­sche Post AG fort gel­ten. Zumin­dest bei der Beför­de­rung durch die Deut­sche Post AG kann der Steu­er­pflich­ti­ge, wenn der Tag der Auf­ga­be zur Post nicht dem Datum der Ein­spruchs­ent­schei­dung ent­spricht, unter Vor­la­ge des Post­stem­pels die zutref­fen­de Berech­nung der Frist auch pro­zes­su­al durch­set­zen 8. Dabei wird nicht ver­kannt, dass der Steu­er­pflich­ti­ge das vom Finanz­amt ange­ge­be­ne Datum der Auf­ga­be zur Post sub­stan­ti­iert bestrei­ten muss, um die Bekannt­ga­be­fik­ti­on des § 122 Abs. 2 AO zu ent­kräf­ten und die Beweis­pflicht der Behör­de aus­zu­lö­sen 9. Eine Glaub­haft­ma­chung durch Vor­la­ge des Post­stem­pels ist dafür jedoch nicht vor­ge­schrie­ben; Zwei­fel kann der Steu­er­pflich­ti­ge grund­sätz­lich auf jede erdenk­li­che Art wecken. Aber selbst wenn man davon aus­gin­ge, dass es dem Steu­er­pflich­ti­gen im Regel­fall zumin­dest dann nicht gelin­gen wird, das vom Finanz­amt mit­ge­teil­te Datum der Auf­ga­be zur Post in Zwei­fel zu zie­hen, wenn der Stem­pel des Post­dienst­leis­ters –wie im Streit­fall– nicht den Tag der Ein­lie­fe­rung bei der "Post" doku­men­tiert, son­dern einen ande­ren Tag, recht­fer­tigt dies nicht, die Anfor­de­run­gen an die Rich­tig­keit der Rechts­be­helfs­be­leh­rung zu ver­min­dern. Die dann bestehen­de bloß fak­ti­sche Unmög­lich­keit, die dem Gesetz ent­spre­chen­de Frist­be­rech­nung in der Pra­xis auch durch­zu­set­zen, ist kein Grund, bei der Beleh­rung über die Berech­nung der Frist unrich­ti­ge Anga­ben zu machen.
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 26. Mai 2010 – VIII B 228/​09
"Der Tag der Auf­ga­be zur Post ist das Datum der… Nach § 55 Abs. 2 Satz 1 FGO ist die Ein­le­gung der Anfech­tungs­kla­ge –abwei­chend von § 47 Abs. 1 Satz 1 FGO– inner­halb eines Jah­res…
aus­führ­lich zu den dabei zu berück­sich­ti­gen­den Gesichts­punk­ten BFH, Urteil vom 07.03.2006 – X R 18/​05, BFHE 212, 407, BSt­Bl II 2006, 455[↩]
BFH, Urtei­le vom 29.10.1974 – I R 37/​73, BFHE 114, 5, BSt­Bl II 1975, 155; in BFHE 212, 407, BSt­Bl II 2006, 455[↩]
BFH, Urtei­le vom 18.07.1986 – III R 216/​81, BFH/​NV 1987, 12; vom 29.03.1990 – V R 19/​85, BFH/​NV 1992, 783; BFH, Beschluss vom 30.08.1995 – V B 72/​95, BFH/​NV 1996, 106, jeweils mit wei­te­ren Nach­wei­sen der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung; Gräber/​Stapperfend, a.a.O., § 55 Rz 18[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 29.06.1998 – X R 3/​96, BFHE 186, 324, BSt­Bl II 1998, 742; vgl. auch BVerwG, Beschluss vom 27.02.1981 – 6 B 16/​81, HFR 1982, 181, DöV 1981, 635; Gräber/​Stapperfend, a.a.O., § 55 Rz 25, m.w.N.[↩]
vgl. BFH, Beschluss vom 22.08.1996 – V B 30/​96, BFH/​NV 1997, 162[↩]
vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 114, 5, BSt­Bl II 1975, 155; vom 03.05.2001 – III R 56/​98, BFH/​NV 2001, 1365; BFH, Beschlüs­se vom 28.05.2002 – XI B 176/​01, BFH/​NV 2002, 1280; in BFH/​NV 2006, 1860[↩]
vgl. BFH, Beschluss vom 08.10.1985 – VIII R 224/​84, BFH/​NV 1986, 226[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 27.11.2002 – X R 17/​01, BFH/​NV 2003, 586[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2003, 586[↩]
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