Source: https://www.finanztip.de/reiseversicherungen/reiseruecktritt/
Timestamp: 2018-12-18 18:02:54
Document Index: 59297199

Matched Legal Cases: ['§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651']

Reiserücktritt: Ohne Versicherung den Urlaub stornieren (Reiserücktrittskosten bei Krankheit, Vergleich) - Finanztip
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Wegen höherer Gewalt können Urlauber ihre gebuchte Pauschalreise kündigen (Naturkatastrophen, Terroranschläge oder politische Unruhen). Sie erhalten den vollen Preis zurück.
Kostenfrei zurücktreten können Reisende nur, falls der Veranstalter die Reise nachträglich ganz wesentlich verändert oder die Reise mehr als 5 Prozent teurer werden soll.
Wollen Urlauber aus anderen Gründen die Reise nicht antreten, muss der Anbieter nur einen Teil des Reisepreises zurückzahlen.
Eine einheitliche Regelung, wie viel Entschädigung der Anbieter bei Rücktritt vor Antritt der Reise einbehalten darf, gibt es nicht.
Haben Sie Sorge um Ihre Sicherheit und liegt eine Warnung des Auswärtigen Amtes vor, sollten Sie den Reisevertrag schriftlich kündigen.
Sind Sie mit Änderungen des Veranstalters bei Flugzeiten oder wesentlichen Programmpunkten der Reise nicht einverstanden, sollten Sie umgehend schriftlich den Rücktritt erklären und den Reisepreis zurückverlangen.
Wollen oder können Sie aus anderen Gründen die Reise nicht antreten, sollten Sie Ihre Pauschalreise so früh wie möglich schriftlich stornieren.
Erkundigen Sie sich, ob der Reiseveranstalter Ihren Platz im Nachhinein weiterverkaufen konnte. Falls ja, kann dies die Stornokosten für Sie senken.
Überlegen Sie, ob Sie jemanden kennen, der die Reise an Ihrer Stelle antreten könnte. Dadurch lassen sich eventuell Stornokosten sparen.
Schließen Sie auf Buchungsportalen keine Reiserücktrittsversicherung ab. Die Preise sind zu hoch und im Kleingedruckten oft Fallen versteckt.
Auf die große Traumreise freuen sich Urlauber bereits Monate im Voraus. Spätestens in der letzten Woche vor Abflug sitzen viele im Geiste nicht mehr auf dem Bürostuhl, sondern schon am Strand oder mit Skiern im Sessellift. Müssen Reisebegeisterte den Urlaub dann doch absagen, ist nicht nur die gute Laune dahin. Auch das Geld für Flug und Hotel bekommen Kunden nur zum Teil zurück. Es gibt aber auch Umstände, bei denen es möglich ist, den Reisevertrag zu kündigen oder von der Reise zurückzutreten – dann gibt es das Geld zurück.
In diesen Fällen können Sie Ihre Reise vor Reiseantritt kündigen
Sie können Ihre Pauschalreise vor Reiseantritt kündigen, wenn höhere Gewalt den Urlaub erheblich gefährdet und das zum Zeitpunkt der Buchung noch nicht vorhersehbar war (§ 651j Abs. 1 BGB). Als Indiz für höhere Gewalt gelten die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Solche Warnungen spricht das Ministerium zum Beispiel bei Naturkatastrophen, Terroranschlägen oder politischen Unruhen aus. Dann müssen Sie keine Entschädigung zahlen und bekommen Ihr Geld zurück. Mehr dazu können Sie in unserem Ratgeber Reisestornierung lesen.
In diesen Fällen können Sie von der Reise zurücktreten
Sie können jederzeit von dem Reisevertrag bis zum Beginn der Reise zurücktreten (§ 651i BGB). Allerdings hat der Rücktritt erhebliche finanzielle Konsequenzen, denn der Veranstalter darf eine angemessene Entschädigung von Ihnen verlangen (§ 651i Abs. 2 BGB).
Etwas anderes gilt, wenn der Veranstalter die Reise nach Vertragsschluss wesentlich verändert (§ 651a Abs. 5 BGB). Das kann zum Beispiel eine erhebliche Änderung der Flugzeiten, der Flugrouten, des Hotels oder des Besuchsprogramms sein. Dann können Sie von der Reise zurücktreten, ohne dass Sie eine Entschädigung zahlen müssen.
Der Bundesgerichtshof urteilte, dass ein Reisender von seiner China-Reise zurücktreten durfte, weil der Veranstalter den ursprünglich geplanten Besuch von Verbotener Stadt und Platz des Himmlischen Friedens wegen einer Militärparade gestrichen hatte und stattdessen eine Tempelbesichtigung in den Reiseplan aufnahm (Urteil vom 16. Januar 2018, Az. X ZR 44/17). Der Kläger bekam den Reisepreis zurück.
Meist haben sich die Reiseveranstalter in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zwar vorbehalten, die Reiseplanung noch ändern zu dürfen. Aber nicht jede dieser Regelungen ist wirksam.
Auch wenn Sie für eine gesamte Reise mehr als 5 Prozent mehr zahlen sollen als ursprünglich vereinbart, können Sie kostenfrei zurücktreten (§ 651a Abs. 5 BGB). Der Veranstalter muss etwaige Anzahlungen dann erstatten.
Liegen keine Gründe für eine Kündigung wegen höherer Gewalt oder für einen Rücktritt wegen wesentlicher Änderung des Reiseplans vor, kann der Reiseveranstalter von Ihnen eine Entschädigung fordern (§ 651i Abs. 2 BGB).
Für die Entschädigung – auch Stornokosten genannt – gibt es aber keine gesetzlichen oder brancheneinheitlichen Vorgaben. Das liegt auch daran, dass der Veranstalter dem Kunden nur die Kosten berechnen darf, die nach der Absage tatsächlich noch entstehen. Bei typischen Pauschalreisen darf der Reiseveranstalter daher nicht den kompletten Reisepreis einbehalten.
Meistens hat der Veranstalter für den Fall des Reiserücktritts in seinen Allgemeinen Reisebedingungen (ARB) gestaffelte Sätze aufgeführt, die der Kunde durch seine Unterschrift unter dem Reisevertrag anerkennt. Findet der Reisveranstalter einen anderen Käufer für das stornierte Angebot, können die Stornokosten aber auch geringer ausfallen, als in den ARB angegeben.
Sie dürfen einen Ersatzreisenden benennen
Können Sie Ihre Pauschalreise nicht antreten, haben Sie das Recht, eine Ersatzperson zu benennen, die an Ihrer Stelle reist. Sie zahlen dann lediglich die Kosten für die Vertragsübertragung.
Die Erstattung richtet sich oft danach, wie lange vor dem Reiseantritt Sie absagen. Bei Kreuzfahrten oder Ferienwohnungen sind die Stornokosten in der Regel etwas höher als bei Pauschalreisen mit Flug und Hotel.
Wie viel Sie für den Reiserücktritt genau bezahlen müssen, hängt vom Einzelfall ab. Jeder Reiseanbieter kann selbst entscheiden, ob er die Stornokosten für jeden einzelnen Fall separat berechnet oder ob er in seinen Verträgen für jede Art der Reise gestaffelte Pauschalsätze festlegt. Wie eine gestaffelte Regelung aussehen kann, zeigt folgendes Beispiel:
Eine Reiserücktrittsversicherung übernimmt die Stornokosten, allerdings nur, falls der Urlaub wegen eines wichtigen und unerwarteten Grundes ausfallen muss. Die Anbieter zahlen zum Beispiel in folgenden Fällen:
Falls Sie einen Flug stornieren, bekommen Sie im besten Fall den vollen Ticketpreis zurück. Mindestens aber muss die Fluggesellschaft sämtliche Steuern und Gebühren erstatten. Wenn die Airline Ihren Platz an einen anderen Fluggast weiterverkaufen kann und sonst kein weiterer Schaden entstanden ist, müssen Sie gar keine Stornierungskosten zahlen. Dabei ist die Fluggesellschaft in der Pflicht, nachzuweisen, dass ihr Sitzplatz leer geblieben ist.
Stornieren Sie den Flug möglichst frühzeitig, erhöht das die Chance, dass die Fluggesellschaft den Platz noch anderweitig verkaufen kann. Sie können dazu unser Musterschreiben verwenden.
Stornieren Kunden ein Ticket der Deutschen Bahn, bekommen sie entweder den vollen Preis zurück oder bezahlen in den meisten Fällen eine pauschale Stornierungsgebühr von 19 Euro. Allerdings sind besondere Tickets wie das Quer-durchs-Land-Ticket vom Umtausch ausgeschlossen. Ob Bahnfahrer ihr gesamtes Geld zurückbekommen, liegt sowohl an der Art des Fahrscheins als auch am Zeitpunkt, zu dem sie ihn zurückgeben:
Tickets umzubuchen ist bei der Deutschen Bahn nicht möglich. Kunden können eine Fahrt nur stornieren und anschließend eine neue Fahrt buchen. Außerdem gelten Hin- und Rückfahrten, die Verbraucher zusammen kaufen, als ein Ticket. Bahnfahrer müssen es komplett stornieren, auch wenn sie nur eine Strecke nicht fahren möchten. Es kann sich also lohnen, Hin- und Rückfahrt-Tickets mit Zugbindung getrennt zu buchen.