Source: https://anwaltauskunft.de/magazin/wirtschaft/dienstleistung/bankkarte-verloren-extrakosten-fuer-neue-karte-nicht-immer-rechtens
Timestamp: 2018-06-20 03:35:51
Document Index: 81299826

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Bankkarte verloren: Extrakosten für neue Karte nicht immer rechtens - Deutsche Anwaltauskunft
Bankkarte verloren: Extra­kosten für neue Karte nicht immer rechtens
Quelle: Ingold/gettyimages.com
Wer seine Bankkarte verliert, oder wem sie geklaut wird, braucht eine neue - und das kostet. Kosten zu erheben ist aber nicht immer erlaubt, wie der Bundesgerichtshof nun entschieden hat. © Quelle: Ingold/gettyimages.com
Die EC-Karte ist verschwunden oder wurde geklaut? Der Bundes­ge­richtshof musste entscheiden, ob eine Bank für eine neue Karte Kosten erheben darf. In dem verhan­delten Fall sei das nicht rechtens, so die Richter. Inwiefern diese Entscheidung grundsätzlicher Natur ist, bleibt aber unklar.
Die Bankkarte geht verloren oder ist kaputt. Sie wird gestohlen oder der Name des Inhabers ist nicht mehr auf dem neuesten Stand: Alles Gründe für eine Ersatz-Bankkarte. Ob Kreditinstitute dafür kassieren dürfen, hat nun der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe geklärt (20. Oktober 2015; AZ: XI ZR 166/14).
Konkret ging es um eine Klausel im Preis-und Leistungs­ver­zeichnis der Postbank. Danach werden 15 Euro fällig, wenn das Kredit­in­stitut auf „Wunsch des Kunden“ eine Ersatz-Bankkarte ausstellt. Wörtlich heißt es: „Das Entgelt ist nur zu entrichten, wenn die Notwen­digkeit der Ausstellung der Ersatz­karte ihre Ursache nicht im Verant­wor­tungs­be­reich der Bank hat.“ Der Bundes­verband der Verbrau­cher­zen­tralen hat deswegen die Postbank verklagt.
BGH: Wann eine neue Bankkarte nichts kosten darf
Die Karls­ruher Richter entschieden, dass eine Bankkarte dann nichts kosten darf, wenn sie Ersatz für eine zuvor gesperrte (Original-)Karte ist.
Der BGH nennt dabei ausdrücklich den Verlust oder Diebstahl einer Karte. Das betreffende „Zahlungsauthentifizierungsinstrument“ (die Karte) müsse dann gesperrt werden, um Missbrauch zu vermeiden. Taucht die Karte nicht wieder auf, muss eine neue her. Doch die Ersatzkarte sei dann vertragliche Nebenpflicht der Banken und dürfe nicht bepreist werden, sagt der BGH.
Nicht geklärt ist aller­dings, ob eine Ersatz­karte dann kosten darf, wenn der Name des Karten­in­habers nicht mehr stimmt (etwa bei Heirat oder Scheidung) oder wenn die Karte kaputt gegangen ist. Da der BGH zu dieser Frage nichts gesagt hat, muss auf das schrift­liche Urteil gewartet werden – womöglich gibt es Aufschluss auch über diese Frage.
BGH-Entscheidung wohl kein Grundsatzurteil – Folgen kann es dennoch haben
Ein Grundsatzurteil ist diese Entscheidung gleichwohl nicht. Denn erst einmal betrifft sie und die Rechtsfolgen nur die Postbank. Nur deren Vertragsklausel ist unwirksam, die Regeln anderer Banken sind nicht automatisch betroffen. Die Entscheidung lasse sich also nicht verallgemeinern, erklärt die Deutsche Kreditwirtschaft in einer Stellungnahme.
Hinzu kommt: Jedes Kredit­in­stitut entscheide selber darüber, wann und auf welche Weise es seinen Kunden Bankkarte und Ersatz in Rechnung stelle, erklärt Alexander von Schmettow vom Deutschen Sparkassen-und Giroverband (DSGV). Daher gebe es sehr viele unter­schied­liche Vertrags­ge­stal­tungen.
Nichts­de­sto­trotz werden sich Banken­ju­risten das Urteil der Richter sowie das Preis- und Leistungs­ver­zeichnis ihres Hauses genau anschauen. Denn auch wenn die Rechts­folgen des Urteils nicht allge­meingültig sind – die juris­ti­schen Vorgaben sind es durchaus.
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