Source: https://www.grin.com/document/300119
Timestamp: 2019-11-15 21:19:28
Document Index: 283270200

Matched Legal Cases: ['§ 20', '§ 1', '§ 20', '§ 20', '§ 1', '§ 20', '§ 20', '§ 20']

„Mindfulness-Based Stress Reduction“ nach § 20 des ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
Tobias Munko, B.Sc. Health Communication (Autor)
2. Problemhintergrund Public Health Relevanz ... 2
3. Stand der Forschung ... 5
3.1. Was ist mindfulness-based stress reduction (MBSR)? ... 5
3.2. Evidenz der mindfulness-based stress reduction.. 6
4. Theoretische Annahme Thesenentwicklung ... 7
5. Fragestellung Zielsetzung des Projektes ... 8
6. Erwartete Ergebnisse Ausgestaltung des Projektes ... 9
Literatur ... 12
Dieser Projektentwurf dient dem Studierfähigkeitstest für die Bewerbung für den Studiengang Master of Public Health (MPH) an der Fakultät Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld. Dabei umreist der Entwurf ein wissenschaftliches Projekt zur Weitererforschung und -entwicklung der Primärpräventionsstrategie und versucht evidenzbasierte primäre Präventionsmaßnahmen auf den Weg zu bringen.
Laut Robert-Koch-Institut (2006), Böhm et al. (2009) und dem Bundesrat (2013), nehmen der demografische Wandel, chronisch degenerative Erkrankungen, die Anforderungen im Arbeitsleben und psychische Erkrankungen seit einigen Jahren stetig zu. Damit verbunden ist ein Einnahmenproblem bei geleichzeitig zu erwartenden steigenden Kosten der Sozialversicherungen (Bundesministerium für Gesundheit, 2013).
Um den hier aufgeführten Anforderungen und Prozessen entgegen zu wirken, wurde im März 2013 der Gesetzesentwurf zur Förderung der Prävention in das Kabinett gegeben (Bundesministerium für Gesundheit, 2013). In § 1 sind klare Forderungen nach mehr Förderung im Bereich der Eigenverantwortung und der eigenen Kompetenzen zu finden. § 20 soll dem Entwurf nach in Zukunft die primäre Prävention regeln und konkretisieren, dabei soll der allgemeine Gesundheitszustand verbessert und die soziale Ungleichheit von Gesundheit verringert werden (Bundesrat, 2013).
Vor allem die in § 20 erklärten Ziele des Gesetzesentwurfs finden sich in Studien zur Sekundär- und Tertiärprävention mittels des Programms „mindfulness-based stress reduction“ wieder, welches 1979 von Kabat-Zinn entwickelt wurde.
Die Evidenz des Programms mindfulness-based stress reduction, laut MBSR-Verband (2009) am ehesten mit „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ übersetzbar, in Bezug auf ein breites Krankheitsspektrum, legt den Schluss nahe, dass das Programm einen möglichen primärpräventiven Effekt aufweisen könnte. Die Erforschung genau dieses möglichen primärpräventiven Effektes ist Ziel dieses Projektentwurfs.
Dazu wird im folgenden Kapitel der Problemhintergrund und die Public Health Relevanz dargestellt. Im dritten Kapitel wird der aktuelle Stand der Forschung zu der Methode der mindfulness-based stress reduction dargelegt und anschließend daraus im vierten Kapitel die theoretische Annahme und die These hinter dem Projekt erläutert. Das 5. Kapitel befasst sich mit der Entwicklung der Fragestellung und der Zielsetzung des Projektes. Das letzte Kapitel beschreibt den möglichen Projektaufbau und –ablauf und umreißt die zu erwartenden Ergebnisse.
2. Problemhintergrund Public Health Relevanz
Der demografische Wandel, die erhöhten Anforderungen des Arbeitslebens und die damit verbundenen Entwicklungen hin zu mehr chronisch-degenerativen sowie psychischen Erkrankungen nehmen stetig zu (Bundesrat, 2013; Böhm et al., 2009; Robert-Koch-Institut, 2006).
„Das Durchschnittsalter der Bevölkerung der Bundesrepublik ist seit der Wiedervereinigung um 4,1 Jahre auf 43,6 Jahre angestiegen. Gegenwärtig ist ein Fünftel der Bevölkerung 65 Jahre alt oder älter, während es 1991 noch knapp ein Sechstel (15 %) war“ (Robert-Koch-Institut, 2012a, S. 1). Weiterhin ergibt sich aus der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes, dass die Bevölkerung von 65 Jahren und älter von 21 % in 2009 auf 23 % im Jahre 2020 steigen wird, im Jahr 2030 soll der Anteil bei 29 % der gesamten Bevölkerung liegen (Statistisches Bundesamt 2009).
Das Zunehmen chronisch degenerativer Erkrankungen ist zum einen auf die Tatsache der demografischen Alterung bezüglich der Häufigkeit des Auftretens zurückzuführen und zum anderen, auf das individuelle älter werden, eines jeden Einzelnen, was das Krankheitsspektrum hin zu chronisch degenerativen Erkrankungen verschiebt (Nowossadeck, 2012). Damit steigt laut Robert-Koch-Institut (2012a) mit zunehmendem Alter auch das Risiko an chronisch degenerativen Erkrankungen sowie Multimorbidität.
Weiterhin ist ein zunehmendes Anforderungsprofil an das Arbeitsleben zu beobachten. Dörre (2012) äußert sich dazu folgendermaßen: „Unter den Bedingungen finanzmarktgetriebener Akkumulation gelten Löhne, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen als Restgröße, die flexibel an Markterfordernisse angepasst werden muss“ (S. 12). Eine Folge dessen sind prekäre Arbeitssituationen, die sich laut Brinkmann et al. (2006) in nicht standardisierten Beschäftigungen wie Leiharbeit, Zeitarbeit, Befristungen, Ein-Euro-Jobs, Niedriglohnbereich etc. zeigen. „Die meisten atypischen Beschäftigungsformen beinhalten ein prekäres Potenzial, da sie nicht Existenz sichernd und nicht mit dem vollen Genuss sozialer Rechte und Mitbestimmungsmöglichkeiten verbunden sind. Das gilt auch für sozialversicherungspflichtige Teilzeitarbeit“ (Brinkmann et al., 2006, S. 41). Keller et al. (2012) berichten zudem, dass atypische Beschäftigungen seit Anfang der 1990er Jahre von ungefähr 20 % auf 38 % im Jahre 2010 gestiegen seien.
Aus den erhöhten Anforderungen des Arbeitslebens resultiert nicht nur ein Einnahmenproblem für die Sozialversicherungen. Prekäre Arbeitsverhältnisse leisten darüber hinaus einen großen Beitrag an steigenden psychischen Erkrankungsraten. Die Krankheitslast von psychischen Erkrankungen lässt sich mittels des Indikators der Disability Adjusted Life Years (DALYs) messen, welcher die Anzahl der Jahre beschreibt, in denen ein Individuum durch eine Krankheit stark behindert wird oder frühzeitig verstirbt (Robert-Koch-Institut, 2006). 2006 lagen psychische Erkrankungen bei Männern auf Platz sieben und bei Frauen auf Platz vier unter den Erkrankungen, die die meisten DALYs auf der Welt verursachen. Betrachtet man die 15 – 44 Jährigen liegen psychische Erkrankungen bei Männern sogar auf Platz drei und bei Frauen auf Platz zwei. Weiter berichtet das Robert-Koch-Institut (2006) aufgrund von Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation, dass 2020 vor den psychischen Erkrankungen nur noch durch ischämische Herzkrankheiten mehr Lebensjahre abhandenkommen.
In Bezug auf die Arbeitssituation berichtet das Robert-Koch-Institut (2012b), dass vor allem bei Männern unter 65 Jahren eine prekäre Arbeitssituation einen wesentlichen Einflussfaktor auf die psychische Gesundheit darstellt. Laut dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2011) variiert die Verbreitung psychischer Erkrankungen stark nach Berufs- und Wirtschaftsgruppen, zusätzlich wird das erhöhte Risiko, zu erkranken, bei Arbeitslosen erwähnt. Außerdem seien psychische Erkrankungen die am meisten auftretende Krankheitsart bei Arbeitslosen.
Das aus dem demografischen Wandel, den vermehrt auftretenden chronisch degenerativen Erkrankungen, den erhöhten Anforderungen des Arbeitslebens und den zunehmenden psychischen Erkrankungen resultierende Einnahmenproblem bei gleichzeitig zu erwartenden steigenden Kosten der Sozialversicherungen hat sozialpolitische Fragen zur Folge. Um einen Teil der Kosten abfangen zu können, wurden von der Koalition im Dezember 2012 Eckpunkte für eine Präventionsstrategie vereinbart und vom Bundesministerium für Gesundheit ausgearbeitet (Bundesministerium für Gesundheit, 2013). „Am 20.3.2013 wurde das Gesetz zur Förderung der Prävention ins Kabinett eingebracht“ (Bundesministerium für Gesundheit, 2013).
Dieser Gesetzesentwurf erweitert unter anderem den § 1 SGB V um die Förderung der gesundheitlichen Eigenkompetenz und Eigenverantwortung durch die Kostenträger und reformuliert maßgeblich den § 20 SGB V, der laut Gesetzesentwurf zukünftig die primäre Prävention konkretisiert regeln soll. Folgende gesundheitliche Ziele im Bereich der Prävention und Förderung sollen dabei umgesetzt werden:
„1. Diabetes mellitus Typ 2: Erkrankungsrisiko senken, Erkrankte früh erkennen und behandeln,
4. gesund aufwachsen: Lebenskompetenz, Bewegung, Ernährung fördern,
7. gesund älter werden“ (Bundesrat, 2013, S. 1).
Die oben dargestellten Prozesse des demografischen Wandels, der steigenden Anforderungen an das Arbeitsleben und die steigenden Erkrankungsraten psychischer- und chronisch degenerativer Erkrankungen haben somit einen direkten Einfluss auf das Gesundheitswesen und die Sozialversicherungsstruktur. Der Wandel in diesen Prozessen macht eine Umstrukturierung des Gesundheitswesens und der Sozialversicherungsstruktur nötig, was nicht zuletzt die Tatsache zeigt, dass auf Gesetzesebene Entscheidungs- und Lösungsfindungsprozesse im vollen Gange sind, was auf die Public Health Relevanz hindeutet.
Gibt man die Begriffe „Achtsamkeit und Meditation“ bei google ein, so erzielt man in etwa 472.000 Treffer. Die Begriffe einzeln eingegeben, erzielen weit höhere Trefferquoten. Dasselbe ist bei medizinischen Suchportalen wie z. B. MEDPILOT zu beobachten, hier ergeben sich Trefferquoten von über 30.000 für den Begriff der Achtsamkeit und über 65.000 für den Begriff der Meditation. Im weiteren Rechercheverlauf zeigte sich, dass die Methode der mindfulness-based stress reduction ein weit erforschtes Krankheitsspektrum abdeckt, und seit mehr als 25 Jahren evidenzbasiert in vielen Bereichen der Medizin eingesetzt wird. Die Methode der mindfulness-based stress reduction wurde bereits im Jahre 1979 von Kabat-Zinn entwickelt (Center for Mindfulness in Medicine, Health Care, and Societ, o. J. a).
3.1. Was ist mindfulness-based stress reduction (MBSR)?
Mindfulness-based stress reduction ist ein auf acht Wochen ausgelegtes Programm, welches sich grundlegend mit dem Thema der Achtsamkeit und der Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks widmet (MBSR-Verband, 2009). Eine deutsche Übersetzung des Begriffs gestaltet sich schwierig, kann jedoch laut dem MBSR-Verband (2009) am ehesten mit „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ definiert werden. Dieses Programm beinhaltet eine wöchentliche Sitzung von zweieinhalb Stunden in der Gruppe, ein Wochenendtagesseminar zwischen der sechsten und siebten Sitzung und das tägliche selbstständige Üben und Praktizieren des im Programm Erlernten für 45-60 Minuten (Center for Mindfulness in Medicine, Health Care, and Societ, o. J. b).
Dabei wird zunächst eine einführende Instruktion in achtsamkeitsbasierte Meditation gegeben, welche individuell angepasst und mit täglichen Übungsanweisungen kombiniert wird. Das täglich selbstständige Praktizieren von z. B. Sitzmeditation, Bewegungsübungen und achtsamkeitsbasiertem Yoga, wird dabei durch Hilfsmaterial wie CDs und Arbeitsbücher unterstützt. Weiterhin beinhaltet das Programm Gruppendialoge und achtsamkeitsbasierte Kommunikationsübungen, um den täglichen Umgang mit Achtsamkeit zu trainieren. Achtsame und sanfte Bewegungsübungen, sowie die achtsame Körperwahrnehmung runden das Programm auf physischer Ebene ab (Center for Mindfulness in Medicine, Health Care, and Societ, o. J. b). Ein Vorteil des Programms besteht z. B. in der Barrierefreiheit, der MBSR-Verband (2009) äußert sich dazu folgendermaßen: „Eine achtsame Lebensweise ist jedem Menschen möglich, völlig unabhängig von Religion oder Kultur sowie geistigen, emotionalen oder körperlichen Voraussetzungen.“ Ein weiterer Vorteil besteht in der Evidenz des Programms, die sich über viele Krankheitsbilder hin erstreckt, aber vor allem die in § 20 des weiter oben beschriebenen Gesetzesentwurfs zur Förderung der Prävention festgelegten Ziele umfasst.
V300119
9783656965350
9783656965367
MBSR, mindfulness based stress reduction, achtsamkeitsbasierte Stressreduktion, Achtsamkeit, Stress, Stressreduktion, Kabat-Zinn, Präventionsgesetz, Gesetz für Prävention, Prävention
Tobias Munko, B.Sc. Health Communication (Autor), 2013, „Mindfulness-Based Stress Reduction“ nach § 20 des Gesetzesentwurfs zur Förderung der Prävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300119
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