Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VIII%20R%2045/90
Timestamp: 2020-04-09 04:38:10
Document Index: 260919729

Matched Legal Cases: ['§ 173', '§ 29', '§ 189', '§ 185', '§ 173', '§ 173']

BFH, 12.05.1992 - VIII R 45/90 - dejure.org
https://dejure.org/1992,1621
BFH, 12.05.1992 - VIII R 45/90 (https://dejure.org/1992,1621)
BFH, Entscheidung vom 12.05.1992 - VIII R 45/90 (https://dejure.org/1992,1621)
BFH, Entscheidung vom 12. Mai 1992 - VIII R 45/90 (https://dejure.org/1992,1621)
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Beiladung einer Gemeinde im Zerlegungsverfahren - Zerlegung eines Steuermeßbetrags in die auf die einzelnen Gemeinden entfallenden Anteile
Gewerbesteuer; von der Organgesellschaft nicht miterwirtschafteter Gewerbeertrag
Ebenfalls ist bei Zerlegungsbescheiden für die Gewerbesteuer auf den Zerlegungsanteil und nicht auf die --insgesamt-- eintretende steuerliche Wirkung bei dem Steuerpflichtigen bzw. dem Zerlegungsberechtigten abzustellen (BFH-Urteile vom 24. März 1992 VIII R 33/90, BFHE 168, 350, BStBl II 1992, 869, unter 2.c dd der Gründe; vom 12. Mai 1992 VIII R 45/90, BFH/NV 1993, 191, unter II.2.d bb der Gründe).
Diesem kommt nicht die Funktion eines kommunalen Finanzausgleichs zu (Urteile des Bundesfinanzhofs vom 9. Oktober 1975 IV R 114/73, BFHE 117, 384, BStBl II 1976, 123; vom 12. Mai 1992 VIII R 45/90, BFH/NV 1993, 191).
Maßgebend für den Umfang der Sperre nach § 173 Abs. 2 AO 1977 ist aber der Inhalt der Prüfungsanordnung (vgl. BFH-Urteile vom 12. Mai 1992 VIII R 45/90, BFH/NV 1993, 191, und vom 12. Oktober 1994 XI R 75/93, BFHE 176, 208, BStBl II 1995, 289).
d) Auch in Fällen wie dem Streitfall, in denen eine Organschaft während eines im folgenden Erhebungszeitraum endenden Wirtschaftsjahrs des Organträgers begründet wird und in denen der für den Erhebungszeitraum der Begründung der Organschaft für den Betrieb des Organträgers festgesetzte einheitliche Gewerbesteuermeßbetrag somit ausschließlich auf vororganschaftlichen Besteuerungsgrundlagen beruht, müssen daher bei der Zerlegung dieses Meßbetrags die Betriebsstätten und Lohnzahlungen der Organgesellschaft(en) berücksichtigt werden, obwohl sie ohne Einfluß auf den zu zerlegenden Meßbetrag waren (so bereits Urteil des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 12. Mai 1992 VIII R 45/90, BFH/NV 1993, 191).
Vielmehr muß die Unbilligkeit erhebliches Gewicht haben und eindeutig und augenfällig sein (s. BFH-Entscheidungen vom 12. Juli 1960 I B 47/59 S, BFHE 71, 363, BStBl III 1960, 386; vom 1. März 1967 I B 240, 241/62, BFHE 88, 214, BStBl III 1967, 324; vom 24. Januar 1968 I B 87/64, BFHE 91, 52, BStBl II 1968, 185; vom 9. Oktober 1975 IV R 114/73, BFHE 117, 384, BStBl II 1976, 123; in BFH/NV 1993, 191, 194).
Weil sich jedoch die tatsächliche Höhe dieser Lasten (wenn überhaupt) nur mit großem Aufwand und auch dann in der Regel nur ungenau ermitteln lässt, hat sich der Gesetzgeber mit der Regelung des § 29 Abs. 1 GewStG bewusst für einen indirekten und groben Zerlegungsmaßstab entschieden (vgl. auch BFH-Urteil vom 12. Mai 1992 VIII R 45/90, BFH/NV 1993, 191).
Es ist für die Entscheidung ohne Bedeutung, daß das FA den Änderungsbescheid zunächst auf § 189 AO 1977 gestützt hat (zur Zulässigkeit des Austausches der Rechtsgrundlage bei Zerlegungsbescheiden BFH-Urteil vom 12. Mai 1992 VIII R 45/90, BFH/NV 1993, 191, unter 2. d aa der Gründe).
Vielmehr muss die Unbilligkeit erhebliches Gewicht haben und eindeutig und augenfällig sein (vgl. BFH-Urteil vom 12. Mai 1992 VIII R 45/90, BFH/NV 1993, 191 m.w.N.).
Die Zerlegung soll nicht einen Finanzausgleich ersetzen (vgl. BFH-Urteil vom 12. Mai 1992 VIII R 45/90, BFH/NV 1993, 191).
Vielmehr muss die Unbilligkeit erhebliches Gewicht haben und offensichtlich sein (ständige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteil vom 12. Mai 1992 VIII R 45/90, BFH/NV 1993, 191 m. w. N.).
Diesem komme nicht die Funktion eines kommunalen Finanzausgleichs zu (BFH-Urteile vom 9. Oktober 1975 IV R 114/73, BStBl II 1976, 123; vom 12. Mai 1992 VIII R 45/90, BFH/NV 1993, 191).
Eine Gemeinde ist zum Verfahren notwendig beizuladen, wenn ihr in dem angefochtenen Zerlegungsbescheid ein Anteil am Steuermessbetrag zugeteilt worden ist oder wenn sie eine solche Zuteilung beansprucht (Urteil des Bundesfinanzhofes [BFH] vom 12. Mai 1992 - VIII R 45/90, BFH/NV 1993, 191, unter II.1.b) der Gründe).
Die Gewerbesteuer soll den Gemeinden einen gewissen Ausgleich für die Lasten bieten, die ihnen durch die Unternehmen verursacht werden (BFH in BFH/NV 1993, 191, unter II.2.e) der Gründe).
Das Organschaftsverhältnis kann nicht durch eine abweichende Zerlegung wieder rückgängig gemacht werden, zumal über dessen Bestehen verbindlich im Messbetragsverfahren entschieden worden ist (BFH-Urteil in BFH/NV 1993, 191, unter II.2.e) der Gründe).
Sie war auch nicht unmittelbar anzuwenden, denn nach den §§ 185, 184 Abs. 1 Satz 3 AO 1977 kommt § 173 AO 1977 bei der Änderung von Zerlegungsbescheiden nur sinngemäß zur Anwendung (vgl. BFH-Urteile vom 24. März 1992 VIII R 33/90, BFHE 168, 350, BStBl II 1992, 869, und vom 12. Mai 1992 VIII R 45/90, BFH/NV 1993, 191).
Gegen eine stillschweigende Abweichung spricht, daß das FG zur Begründung der Anwendung des § 173 AO 1977 ausschließlich auf das Senatsurteil in BFH/NV 1993, 191 verweist und darin enthaltene Formulierungen wörtlich übernimmt.
FG Hessen, 06.04.2005 - 8 K 5273/00
Zerlegung bei unbilligem Ergebnis
FG Münster, 23.09.1997 - 7 K 3613/92