Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=19.04.2007&Aktenzeichen=IV%20R%204%2F06
Timestamp: 2019-05-19 19:34:28
Document Index: 91394816

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 36', '§ 10', '§ 36', '§ 10', '§ 36', '§ 8', '§ 8', 'Art. 2', '§ 8', '§ 35', '§ 10']

BFH, 19.04.2007 - IV R 4/06 - dejure.org
https://dejure.org/2007,223
BFH, 19.04.2007 - IV R 4/06 (https://dejure.org/2007,223)
BFH, Entscheidung vom 19.04.2007 - IV R 4/06 (https://dejure.org/2007,223)
BFH, Entscheidung vom 19. April 2007 - IV R 4/06 (https://dejure.org/2007,223)
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GewStG i. d. F. des JStG 2007 § 10a, § 36 Abs. 9
GewStG (i.d.F. des JStG 2007) § 10a § 36 Abs. 9
Kürzung des Verlustvortrages bei Ausscheiden eines Mitunternehmers: Berechnung unter Einbeziehung der Sonderbetriebseinnahmen und Sonderbetriebsausgaben
Kürzung des für den letzten Stichtag vor dem Ausscheiden eines Mitunternehmers einer Personengesellschaft festgestellten vortragsfähigen Gewerbeverlusts der Gesellschaft um den anteilig auf ihn entfallenden Verlustanteil; Berechnung des Anteils anhand des Gewinnverteilungsschlüssels und unter Einbeziehung der in den Jahren des Bestehens der Mitunternehmerschaft angefallenen Sonderbetriebseinnahmen und Sonderbetriebsausgaben; Vereinbarkeit der zu § 10a S. 4 Gewerbesteuergesetz (GewStG) i.d.F. des Jahressteuergesetz 2007 (JStG 2007) ergangenen Anwendungsregelung des § 36 Abs. 9 GewStG i.d.F. des JStG 2007 mit dem GG; Kürzung des gewerbesteuerrechtlichen Verlustabzugs im Falle des Ausscheidens eines Mitunternehmers in größerem Umfang als vom Gesetz im Zeitpunkt des Ausscheidens vorgesehen; Rechtsentwicklung der im Streitfall maßgeblichen Vorschriften über den gewerbesteuerrechtlichen Verlustabzug bis zum Erhebungszeitraum 2000; Anpassung des gewerbesteuerrechtlichen Verlustabzugs an die einkommensteuerrechtliche Regelung in Bezug auf die zu berücksichtigenden gewerblichen Verluste durch das Steuerbereinigungsgesetz (StBereinG) 1986; Mitunternehmer als Unternehmer in gewerbesteuerrechtlicher Sicht
Ist die rückwirkende Einschränkung des gewerbesteuerrechtlichen Verlustabzugs verfassungswidrig?
Kürzung des Verlustvortrags beim Ausscheiden eines Mitunternehmers
Regelung über den rückwirkenden Wegfall des anteiligen vortragsfähigen Gewerbeverlusts beim Ausscheiden eines Gesellschafters aus einer Personengesellschaft auf dem Prüfstand
Rückwirkende Einschränkung des Gewerbesteuer - Verlustabzugs verfassungswidrig
Rückwirkende Einschränkung des gewerbesteuerrechtlichen Verlustabzugs verfassungswidrig? - Bundesfinanzhof ruft Bundesverfassungsgericht an
Verlustabzug - Kürzung des Verlustvortrags beim Ausscheiden eines Mitunternehmers: Vorlage an das BVerfG
Vorlage zur Kürzung des Verlustvortrags bei Ausscheiden eines Mitunternehmers
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des BFH vom 19.04.2007, Az.: IV R 4/06 (Berechnung des anteiligen Wegfalls eines vortragsfähigen Gewerbeverlusts-Berücksichtigung nur des Gewinnverteilungsschlüssels)" von F.W., original erschienen in: DB 2007, 1676 - 1677.
Zusammenfassung von "Verfassungswidrige Rückwirkung beim Gewerbeverlust?" von RA Dr. Daniel Fehling, LL.M., original erschienen in: NWB 2007, 3005 - 3007.
Kurznachricht zu "Drohender rückwirkender Wegfall von Teilen des Gewerbeverlusts bei Gesellschafterwechsel in einer Personengesellschaft - Neue Vorlage an das Bundesverfassungsgericht!" von Ulrich Prinz, original erschienen in: DB Beilage 2007, 306.
Der mögliche Wortsinn von § 8c KStG - als Grenze der Auslegung (vgl. BVerfG Beschluss vom 11. Juni 1980, 1 PBvU 1/79, BVerfGE 54, 277; BFH Vorlagebeschluss vom 19. April 2007, IV R 4/06, BFH/NV 2007, 1780) - ist unmissverständlich.
Der mögliche Wortsinn von § 8c KStG - als Grenze der Auslegung (vgl. BVerfG Beschluss vom 11.06.1980 - 1 PBvU 1/79, BVerfGE 54, 277; BFH Vorlagebeschluss vom 19.04.2007 IV R 4/06, BFH/NV 2007, 1780) - ist unmissverständlich.
Diese Auffassung teilt auch der erkennende Senat (Beschluss vom 19. April 2007 IV R 4/06, BFHE 217, 117, BStBl II 2008, 140, unter B.III.1.d der Gründe).
Soweit der erkennende Senat in seinem Vorlagebeschluss in BFHE 217, 117, BStBl II 2008, 140, unter B.III.1.e bb der Gründe ausgeführt hat, dass maßgeblicher Anknüpfungspunkt für die Differenzierung zwischen echter und unechter Rückwirkung bei Rechtsänderungen, die einen Dispositionsbezug aufweisen, der Zeitpunkt sei, in dem der Steuerpflichtige durch eine unter Inanspruchnahme des Grundrechts auf wirtschaftliche Betätigungsfreiheit aus Art. 2 Abs. 1 GG getroffene Disposition sein Vertrauen auf die zu diesem Zeitpunkt bestehende Rechtslage betätigt habe, bezogen sich diese Ausführungen lediglich auf die Kritik an der sog. Veranlagungszeitraum-Rechtsprechung des BVerfG.
Der Senat hat im Übrigen an der Unterscheidung zwischen echter und unechter Rückwirkung festgehalten (BFH-Beschluss in BFHE 217, 117, BStBl II 2008, 140, unter B.III.1.d der Gründe).
Ferner ist im Streitfall ohne Bedeutung, ob nach der sog. Veranlagungszeitraum-Rechtsprechung zur Unterscheidung zwischen echter und unechter Rückwirkung auf das Ende des Veranlagungszeitraums abzustellen ist (zur Kritik hieran: Senatsbeschluss in BFHE 217, 117, BStBl II 2008, 140, unter B.III.1.e der Gründe, m.w.N.).
der Gründe --im Rahmen einer echten Rückwirkung-- die Auffassung, das Vertrauen sei bis zur Verkündung eines Gesetzes schutzwürdig (offen gelassen im Senatsbeschluss in BFHE 217, 117, BStBl II 2008, 140, unter B.III.2.d der Gründe).
Diese Beurteilung teilt der erkennende Senat (Beschluss vom 19. April 2007 IV R 4/06, BFHE 217, 117, BStBl II 2008, 140, unter B.III.1.d der Gründe).
a) Nach neuerer Auffassung hat der Vertrauensschutz an die Dispositionen (Handlungen) des Steuerpflichtigen anzuknüpfen, die dieser im Vertrauen auf die im Zeitpunkt der Dispositionen bestehende Rechtslage vorgenommen hat (so der IX. Senat des BFH im BFH-Beschluss vom 16. Dezember 2003 IX R 46/02, BFHE 204, 228 , BStBl II 2004, 284 , juris Rz 67 ff. m.w.N. sowie die im BFH-Urteil vom 1. März 2005 VIII R 92/03, BFHE 209, 285 , BStBl II 2005, 398 , juris Rz 39 genannten Autoren in der Literatur; zustimmend der III. Senat im BFH-Urteil vom 14. Dezember 2006 III R 27/03, BFHE 215, 442 , BStBl II 2007, 332 , juris Rz 50 f., und wohl auch der IV. Senat im BFH-Beschluss vom 19. April 2007 IV R 4/06 BFHE 217, 117 , BStBl II 2008, 140 , juris Rz 85, 82; a.A. wohl der VIII. Senat im BFH-Urteil in BFHE 209, 285 , BStBl II 2005, 398 , juris Rz 39;… offen gelassen vom I. Senat z.B. im BFH-Urteil vom 27. August 2008 I R 78/01, BFHE 222, 528, BFH/NV 2009, 497, juris Rz 35 m.w.N.).
Die Anordnung, eine Rechtsfolge solle schon für einen vor der Verkündung des Gesetzes liegenden Zeitraum eintreten, ist regelmäßig unzulässig (BFH-Urteile in BFHE 209, 285 , BStBl II 2005, 398 , juris Rz 34; in BFHE 217, 117 , BStBl II 2008, 140 , juris Rz 76 ff.; beide mit Nachweisen der BVerfG-Rechtsprechung).
Sie nimmt lediglich eine Neubestimmung einer bislang noch nicht eingetretenen Rechtsfolge vor (vgl. BFH-Urteile in BFHE 209, 285 , BStBl II 2005, 398 , juris Rz 35; in BFHE 217, 117 , BStBl II 2008, 140 , juris Rz 79; beide mit Nachweisen der BVerfG-Rechtsprechung).
Das gelte für den rückwirkenden Wegfall einer Steuervergünstigung in gleicher Weise wie für die rückwirkende Belastung mit einem neu begründeten Steueranspruch und ebenso für die Aufhebung von steuerlichen "Freiräumen" (BFH-Beschluss vom 16. Dezember 2003 IX R 46/02, BFHE 204, 228, BStBl II 2004, 284, m.w.N.; tendenziell auch BFH-Beschluss vom 19. April 2007 IV R 4/06, BFHE 217, 117, BStBl II 2008, 140, 148).
Es besteht kein Anlass für eine vom Wortlaut abweichende Auslegung, da der mögliche Wortsinn von § 8b Abs. 3 und Abs. 5 KStG - als Grenze der Auslegung (vgl. BVerfG Beschluss vom 11.6.1980 1 PBvU 1/79, BVerfGE 54, 277; BFH Vorlagebeschlussvom 19.04.2007 IV R 4/06, BFH/NV 2007, 1780) - unmissverständlich ist.
Diese Problematik habe den beschließenden Senat veranlasst, die Regelung in § 35 Abs. 2 EStG als nicht sachgerecht zu beurteilen (Beschluss vom 19. April 2007 IV R 4/06, BFHE 217, 117, BStBl II 2008, 140).
Der Gesetzgeber hat die Rechtsprechung zur mitunternehmerbezogenen Verlustverrechnung in den durch das Jahressteuergesetz 2007 vom 13. Dezember 2006 (BGBl I 2006, 2878) in § 10a GewStG eingefügten Sätzen 4 und 5 im Grundsatz bestätigt, wobei er den anteiligen Fehlbetrag im Verlustentstehungsjahr und den Gewerbeertrag im Anrechnungsjahr lediglich nach dem sich aus dem Gesellschaftsvertrag ergebenden allgemeinen Gewinnverteilungsschlüssel berücksichtigt und damit zur Vereinfachung der Gesetzesanwendung insbesondere Sonderbetriebseinnahmen und -ausgaben außer Acht lässt (vgl. BRDrucks 622/06 (Beschluss), S. 31 f.; BFH-Beschluss vom 19. April 2007 IV R 4/06, BFHE 217, 117, BStBl II 2008, 140).