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Timestamp: 2019-11-19 10:07:22
Document Index: 295181273

Matched Legal Cases: ['Art. 55', 'Art. 91', 'Art. 91', 'Art. 16', 'Art. 91', 'Art. 16', 'Art. 15', 'Art. 30', 'Art. 65']

Geschrieben von Simon Grabher 25.08.2019
Der «FiaZ» (Polizeijargon für «Fahren in angetrunkenem Zustand») ist abgesehen von Überschreitungen des Tempolimits der häufigste Grund für einen Konflikt mit dem Strassenverkehrsgesetz. Im Jahr 2018 entzogen die Schweizer Strassenverkehrsämter wegen Alkohl am Steuer insgesamt 13'090 Mal den Führerauweis.
So manch ein Weinfest oder Chilbi-Abend endet mit einer bösen Überraschung – wenn die Polizei am Strassenrand steht, Sie mit einer Kelle herauswinkt und einer Atemalkoholprobe unterzieht (Art. 55 Abs. 1 SVG). Ein konkreter Anfangsverdacht ist nicht nötig und verweigern Sie die Mitwirkung, machen Sie sich strafbar (Art. 91a SVG).
In der Regel reicht die Atemalkoholprobe, um Ihre Fahrunfähigkeit festzustellen. In manchen Fällen ist für die strafrechtliche Beweissicherheit zusätzlich eine Blutalkoholprobe notwendig.
Atem- bzw. Blutalkoholwert
Bei Atemalkoholproben wird der Atemalkoholgehalt in Milligramm pro Liter (mg/l) Atemluft festgestellt, bei Blutalkoholproben hingegen der Blutalkoholgehalt in Gewichtspromille (‰). Juristisch ist der mg/l- Wert dem doppelten ‰-Wert gleichgestellt. Gemäss einschlägiger Verordnung der Bundesversammlung entsprechen also beispielsweise 0,25 mg/l Atemalkohol rechtlich 0,5 ‰ Blutalkohol.
Fahren in angetrunkenem Zustand wird längst nicht mehr als Kavaliersdelikt behandelt und kann eine ganze Bandbreite unangenehmer Folgen nach sich ziehen.
Straf- und administrativ-rechtliche Folgen
Ähnlich wie Geschwindigkeitsüberschreitung ist auch Alkohol am Steuer mit relativ einfachen Mitteln messbar. Daher ahndet der Rechtsstaat Widerhandlungen weitgehend schematisch: Ihr Verschulden entspricht Ihrem festgestellten Alkoholwert – auch wenn Sie das Gefühl haben, dass drei Stangen Ihre Fahrtüchtigkeit in keiner Weise einschränken. Zusätzlich zur Strafe müssen Sie mit sogenannten «Administrativmassnahmen» rechnen. Diese trifft das Strassenverkehrsamt – und sie werden meist als einschneidender empfunden als die Strafe selbst.
Mit diesen Konsequenzen müssen Sie rechnen
Bei 0,5 bis 0,79 Promille:
Bei 0,5 bis 0,79 Promille Alkohol kommt in der Regel eine Busse im höheren dreistelligen Bereich auf Sie zu (Art. 91 Abs. 1 SVG). Zudem eine Verwarnung vom Strassenverkehrsamt, sofern neben der Trunkenheit nicht andere Verkehrsregeln verletzt wurden oder Sie in den letzten zwei Jahren bereits einmal vom Strassenverkehrsamt belangt wurden. Ansonsten gibt es einen Führerausweisentzug von mindestens einem Monat (Art. 16a und 16b SVG).
Hinzu kommen Gebühren für die Behördenarbeit und Kosten für eine allfällige Blutalkoholauswertung, welche die eigentliche Busse sogar übersteigen können.
Bei 0,8 – 1,59 Promille
Bei 0,8 bis 1,59 Promille Alkohol müssen Sie mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe (Art. 91 Abs. 2 SVG) rechnen. Faktisch bleibt es bei Ersttätern in aller Regel bei einer bedingten Geldstrafe, verbunden mit einer unbedingten Busse. Die Busse liegt auch bei relativ niedrigen Promillewerten und Einkommensverhältnissen meist im vierstelligen Bereich. Es erfolgt in jedem Fall ein Strafregistereintrag.
Zudem beträgt der Führerausweisentzug im Minimum drei Monate. Sind Sie schon öfter wegen Verkehrsdelikten mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, kann sich die Mindestentzugsdauer gemäss Strassenverkehrsgesetz massiv erhöhen (Art. 16c SVG).
Im Übrigen fallen auch hier Gebühren und Kosten für eine allfällige Blutalkoholauswertung an.
Grundsätzlich gilt bei Alkohol am Steuer: Je höher der Promillewert, desto länger ist das Billett weg.
Ab diesem Alkoholwert wird es richtig unangenehm. Zusätzlich zu den Konsequenzen bei 0,8 – 1,59 Promille werden Sie gemäss Gesetz zwingend einer Fahreignungsuntersuchung unterzogen (Art. 15d Abs. 1 lit. a SVG), und Ihr Führerausweis wird vorsorglich entzogen (Art. 30 VZV).
Bei der Fahreignungsuntersuchung prüft ein Verkehrsmediziner, ob eine Alkoholmissbrauchsproblematik oder gar eine Suchterkrankung vorliegt. Sie müssen über mehrere Monate die komplette Abstinenz von Alkohol, meist mittels Haarproben, nachweisen. Erst, wenn der Verkehrsmediziner ein positives Fahreignungsgutachten ausstellt, gibt das Strassenverkehrsamt den Führerausweis wieder zurück.
Zu den teils jahrelangen Alkoholkontrollen kommen Untersuchungskosten in der Höhe von mehreren tausend Franken hinzu, die vollumfänglich durch Sie als Verursacherin oder Verursacher zu tragen sind.
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Wer als Autofahrer einmal betrunken am Steuer erwischt wurde, sitzt eine ganze Weile in der «Fahreignungsmühle». Zu den teils jahrelangen Alkoholkontrollen kommen Untersuchungskosten in der Höhe von mehreren tausend Franken.
Haftungsrechtliche Folgen
Verursachen Sie angetrunken einen Unfall mit Drittschaden, kommen zusätzlich haftungsrechtliche Folgen auf Sie zu. Ihre Motorhaftpflichtversicherung bleibt gegenüber dem oder den Geschädigten zwar leistungspflichtig, muss aber zumindest anteilsmässig auch Sie als Versicherungsnehmerin oder Versicherungsnehmer in Haftung nehmen (Art. 65 Abs. 3 SVG).
Fazit «Alkohol am Steuer»
Das Risiko eines «FiaZ» lohnt sich nicht. Wer mal über den Durst trinkt, macht sich am besten zu Fuss auf den Heimweg – oder nimmt ein Taxi oder den öffentlichen Verkehr. Ansonsten kostet es rasch tausende von Franken – ganz abgesehen vom Ärger mit dem Führerausweis.
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Simon Grabher ist Jurist bei der AXA-ARAG und befasst sich vorwiegend mit verkehrs- und strafrechtlichen Themen.