Source: https://www.haufe.de/steuern/steuer-office-gold/krankenbefoerderung-voraussetzung-der-steuerverguenstigung-nach-3-nr-5-kraftstg_idesk_PI16039_HI13700771.html
Timestamp: 2020-08-07 19:38:50
Document Index: 19509923

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 49', '§ 11', '§ 3', '§ 7', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 2', '§ 3', '§ 3']

Krankenbeförderung - Voraussetzung der Steuervergünstigung nach § 3 Nr. 5 KraftStG | Steuer Office Gold | Steuern | Haufe
Das FG beschäftigt sich mit dem Anwendungsbereich der Begünstigungsvorschrift des § 3 Nr. 5 KraftStG und definiert hierbei den Begriff der Krankenbeförderung gestützt auf sozialversicherungsrechtliche Vorschriften.
Die Klägerin ist Inhaberin einer Erlaubnis nach § 49 PBefG - Verkehr mit Mietomnibussen und Mietwagen. Im Rahmen dieser Tätigkeit befördert sie mit einem von ihr gehaltenen Kraftfahrzeug, das ausweislich der Zulassungsbescheinigung (§§ 11, 12 FZV) als "So. Kfz f. Behinderte m. Rollstuhl-Hebevorr." zugelassen ist, schwerbehinderte und erkrankte Menschen zu Arztpraxen und Dialysezentren sowie behinderte Menschen zu Tagesheimen und Behindertenwerkstätten. Über die entsprechenden Fahrten mit dem Fahrzeug führt die Klägerin eine Dokumentation.
Das Hauptzollamt hat für das in Rede stehende Fahrzeug einen Kraftfahrzeugsteuerbescheid erlassen, in dem die Steuer nach den fahrzeugbezogenen und unstreitigen Besteuerungsmerkmalen auf 185 EUR pro Jahr festgesetzt wird. Die Klägerin hat daraufhin für das Halten dieses Fahrzeugs die Anwendung der Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 5 KraftStG im Verfahren nach § 7 KraftStDV beantragt. Ihren Antrag begründete sie mit der ausschließlichen Verwendung des Fahrzeugs für Krankenbeförderung i. S. v. § 3 Nr. 5 KraftStG. Das Hauptzollamt hat die Anwendung dieser Begünstigungsvorschrift auf das Halten des in Rede stehenden Fahrzeugs zuletzt im Einspruchsverfahren mit der Begründung zurückgewiesen, dass die Vorschrift des § 3 Nr. 5 KraftStG bezüglich einer Krankenbeförderung nur "qualifizierte Krankentransporte" erfasse. Ein Merkmal dieser sei, dass eine fachgerechte medizinische Versorgung der beförderten Menschen gewährleistet sei; entsprechende Fahrten dürften in Brandenburg nach dem dort geltenden Rettungseinsatzgesetz nur die Träger des Rettungsdienstes - Landkreise, kreisfreie Gemeinden - durchführen. Aus Sicht des Hauptzollamts setzt die Anwendung der Vorschrift des § 3 Nr. 5 KraftStG bezüglich Krankenbeförderung eine ausschließliche Verwendung des Autos zu dringenden Soforteinsätzen voraus, durch die akuten Notständen begegnet würde. Bei den von der Klägerin durchgeführten Fahrten mangele es an der Mitfahrt von geschultem Personal und der entsprechenden Ausstattung des Fahrzeugs, es handele sich mithin um Fahrten, bei denen das Fahrzeug im funktionalen Sinne eines Taxis verwendet werde, die nicht unter die Begünstigung des § 3 Nr. 5 KraftStG fallen. Eine ausschließliche Nutzung des Autos für die Beförderung behinderter Menschen sei ebenfalls nicht gegeben.
Aus materiellrechtlicher Sicht mach das FG deutlich, dass allein strittig sei, ob es sich bei der Verwendung des Fahrzeugs durch die Halterin um Krankenfahrten i. S. v. § 3 Nr. 5 KraftStG handelt. Voraussetzung hierfür sei, dass kranke Menschen befördert werden; vgl. BFH, Urteil v. 13.9.2018, III R 10/18, BFH/NV 2019 S. 232. Abzugrenzen sei auch der Begriff der Behinderung, dessen Definition in § 2 Abs. 1 Satz 1 SGB IX maßgeblich sei. In Anlehnung an die anderen Begünstigungstatbestände - Unfall- Feuerwehr-, Katastrophen-, Luftschutz- oder Rettungsdiensteinsatz usw. - stellt das Gericht weiter klar, dass die Beförderung mit der Krankheit zwar in Zusammenhang stehen muss, gleichwohl ein dringender Soforteinsatz bei Krankenfahrten nicht Tatbestandsmerkmal sei. Auch die von der Halterin erklärten Fahrten zur Beförderung von behinderten Menschen führt nicht zum Versagen der Vergünstigung des § 3 Nr. 5 KraftStG. Ausweislich der vorliegen Unterlagen wurden ausschließlich Fahrten behandlungsbedürftiger Menschen durchgeführt; die beförderten Menschen seien mithin behindert und zugleich krank. Die Angaben der Klägerin seien hier möglicherweise wegen der formularmäßigen Darstellung auszulegen. Weiter führt das FG aus,...
FG Kommentierung: Voraussetzung der Steuervergünstigung für Krankenbeförderung
Leitsatz Das Halten eines Kraftfahrzeugs als Fahrzeug zur Krankenbeförderung ist nach § 3 Nr. 5 KraftStG von der Kraftfahrzeugsteuer befreit, wenn es ausschließlich zur Beförderung von kranken oder behinderten Menschen in einem Patientenfahrdienst eingesetzt ...