Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=III%20ZR%20175/54
Timestamp: 2020-06-03 07:02:27
Document Index: 62423221

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 31', 'BGH', '§ 74', 'BGH', 'BGH', '§ 847', 'BGH', 'BGH', '§ 253', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 2', '§ 253', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 5', '§ 6', '§ 6', '§ 7', '§ 6', '§ 56', '§ 34', '§ 138', '§ 138', '§ 138', '§ 138', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 2', 'BGH', 'Art. 2', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 13.02.1956 - III ZR 175/54 - dejure.org
https://dejure.org/1956,247
BGH, 13.02.1956 - III ZR 175/54 (https://dejure.org/1956,247)
BGH, Entscheidung vom 13.02.1956 - III ZR 175/54 (https://dejure.org/1956,247)
BGH, Entscheidung vom 13. Februar 1956 - III ZR 175/54 (https://dejure.org/1956,247)
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BGHZ 20, 61
NJW 1956, 629
Der allgemeine Aufopferungsanspruch wegen eines hoheitlichen Eingriffs in die körperliche Unversehrtheit ist nicht auf den Ersatz materieller Schäden begrenzt, sondern umfasst auch nichtvermögensrechtliche Nachteile des Betroffenen (Aufgabe der früheren Senatsrechtsprechung, Urteil vom 13. Februar 1956, III ZR 175/54, BGHZ 20, 61, 68 ff).
Der Senat hat in seinem Urteil vom 13. Februar 1956 (III ZR 175/54, BGHZ 20, 61, 68 ff) seine frühere Auffassung im Wesentlichen wie folgt begründet:.
Dem entspricht es, dass Rechtsprechung und Schrifttum überwiegend die Grundrente für die Kriegsversehrten von ihrem ideellen Gehalt mitgeprägt sehen (vgl. BGHZ 30, 162 ; BSGE 30, 21 ; 50, 243 ; 73, 41 ;… Wilke, Soziales Entschädigungsrecht, Kommentar, 7. Auflage 1992, BVG, § 31, Rn. 4;… Gelhausen, Soziales Entschädigungsrecht, 2. Auflage 1998, Rn. 320;… Schulin, a.a.O., S. 1345, Rn. 95; a.A.: BGHZ 20, 61 ).
Allerdings sollen die Bestimmungen der §§ 74, 75 EinlALR von dem Grundsatz ausgehen, dass nur für vermögensrechtliche Nachteile Entschädigung zu gewähren sei (BGH, Urteil vom 13. Februar 1956 - III ZR 175/54 -, BGHZ 20, 61-71, juris Rn. 14).
In der vorgenannten Grundsatzentscheidung hat der Bundesgerichtshof ausgeführt, dass dementsprechend auch in allen Fällen, in denen Aufopferungstatbestände eine besondere gesetzliche Regelung erfahren hätten, von einer Entschädigung für nichtvermögensrechtliche Schäden abgesehen worden sei, dass aus den Regelungen in ihrer Gesamtheit auf den Willen des Gesetzgebers geschlossen werden müsse, eine Entschädigung für immaterielle Schäden nur in den ausdrücklich normierten Sonderfällen der §§ 847, 1300 BGB zu gewähren (BGH, Urteil vom 13. Februar 1956 - III ZR 175/54 -, BGHZ 20, 61-71, juris Rn. 14, 15), und dass das Schadensersatz- und Entschädigungsrecht beherrscht sei von dem in § 253 BGB festgelegten Grundsatz, dass ein Ausgleich in Geld nur für vermögensrechtliche (materielle) Einbußen verlangt werden könne (BGH, Urteil vom 13. Februar 1956 - III ZR 175/54 -, BGHZ 20, 61-71, juris Rn. 13).
dd) Soweit in der Literatur darauf hingewiesen wird, dass die "mehr als fünfzig Jahre alten Argumente" des Bundesgerichtshofs überholt seien, und soweit gefordert wird, dass die Rechtsprechung dem Rechnung tragen und eine Entschädigung für Nichtvermögensschäden zubilligen sollte (…vgl. Ossenbühl/Cornils, a.a.O., S. 148), ist dem entgegenzuhalten, dass der Bundesgerichtshof bereits in seiner Entscheidung vom 13. Februar 1956 darauf hingewiesen hat, dass es dem Gesetzgeber überlassen bleiben muss, aus der in der Verfassung zum Ausdruck gekommenen Ordnung der Werte der einzelnen Lebensgüter gegebenenfalls Folgerungen für eine andersartige Regelung des Entschädigungsrechts zu ziehen (BGH, Urteil vom 13. Februar 1956 - III ZR 175/54 -, BGHZ 20, 61-71, juris Rn. 15).
Sie überschritt auch die allgemeine Opfergrenze, weil sie über das hinausging, was der einzelne nach dem Willen des Gesetzgebers hinzunehmen hat (zu den Voraussetzungen, unter denen bei rechtmäßigen Eingriffen auf gesetzlicher Grundlage ein entschädigungspflichtiges Sonderopfer anzunehmen ist, vgl. Bundesgerichtshof, Urteil vom 13. Februar 1956, BGHZ 20, S. 61 ff. = NJW 1956, S. 629;… Staudinger/Wurm, BGB 2012, § 839 Rn. 503):.
In seiner grundlegenden Entscheidung vom 13. Februar 1956 (BGHZ 20, S. 61 ff. = NJW 1956, S. 629 ff.;… Urteil vom 3. November 1958, BGHZ 28, S. 297 ff. = NJW 1959, S. 334, 335;… siehe auch Urteil vom 31. Januar 1966, BGHZ 45, S. 58 ff. = NJW 1966, S. 1021, 1026;… Urteil vom 6. Juni 1966, BGHZ 45, S. 290 ff. = NJW 1966, S. 1859, 1861;… Urteil vom 8. Juli 1971, NJW 1971, S. 1881, 1883) hat der Bundesgerichtshof diese - seines Erachtens wegen der Wertung des Art. 2 Abs. 2 GG unbefriedigende - Beschränkung mit der damals entgegenstehenden Gesetzeslage erklärt: Das Schadensersatz- und Entschädigungsrecht sei beherrscht von dem in § 253 BGB festgelegten Grundsatz, dass ein Ausgleich in Geld nur für vermögensrechtliche (materielle) Einbußen verlangt werden könne.
Nach der Rechtsprechung des Senats kann aber neben einem Aufopferungsanspruch Schmerzensgeld für immaterielle Schäden nicht verlangt werden (BGHZ 20, 61).
Das Gericht kann zwar dem Verletzten auch bei dem Aufopferungsanspruch eine Entschädigung für Aufwendungen zubilligen, die zur Beseitigung von Schmerzen oder psychischen Veränderungen nötig sind, doch ist darüber hinaus eine Geldentschädigung für bloße immaterielle Einbußen nicht zulässig (BGHZ 20, 61 [68]).
Denn Aufopferung (und Enteignung) gewähren regelmäßig keinen Ersatz für Schaden, sondern nur einen Anspruch auf angemessene, gerechte Entschädigung (BGHZ 7, 331 [BGH 21.10.1952 - V ZB 15/52]/334; 13/91/93; 20, 61/68; 28, 297/301).
Die lange Verjährung gilt nämlich nicht für alle Aufopferungsansprüche; vielmehr hat der Gesetzgeber dort, wo er den allgemeinen Aufopferungsanspruch durch Gesetze, wie es ihm zusteht (BGH WM 1958, 1397; BGHZ 20, 61, 69) [BGH 13.02.1956 - III ZR 175/54] näher ausgestaltet hat, die Gewährung von Ansprüchen mehrfach von sehr viel kürzeren Fristen abhängig gemacht und auch kurzen Verjährungsfristen unterworfen (so z.B. § 5 Abs. 1 des Gesetzes betreffend die Entschädigung der im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochenen Personen vom 20. Mai 1898 - RGBl S. 345; § 6 Abs. 1 des Gesetzes betreffend die Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft vom 14. Juli 1904 - RGBl I S. 321; § 6 Abs. 2 des Gesetzes über die durch innere Unruhen verursachten Schäden vom 12. Mai 1920 - RGBl S. 941; § 7 ImpfschädenGes NRW vom 10. Februar 1953 - GVBl NRW S. 166; §§ 6, 7 Hessisches ImpfschädenGes vom 6. Oktober 1958 - GVBl S. 147; § 56 Abs. 2 Bundesseuchengesetz vom 18. Juli 1961 - BGBl I 1012; § 34 des Bundesleistungsgesetzes vom 27. September 1961 - BGBl I S. 1769).
Der Umstand, daß die KLV den Beklagten am 10. Januar 1980 aus seinen vertraglichen Verpflichtungen entlassen und ihm ausdrücklich eine sofortige Tätigkeit für ein anderes Versicherungsunternehmen gestattet hatte, durfte bei der Prüfung des Verhaltens der Parteien im Dezember 1979 nicht berücksichtigt werden; ob ein Vertrag sittenwidrig ist, ist aufgrund der Sachlage zu beurteilen, die beim Abschluß des Vertrages bestanden hat (…vgl. Jauernig BGB 4. Aufl. § 138 Anm. 1 c aa;… Krüger/Nieland/Zöller BGB-RGRK 12. Aufl. § 138 Rdn 24;… Dilcher bei Staudinger 12. Aufl. § 138 Rdn 18;… Heinrichs bei Palandt BGB 47. Aufl. § 138 Anm. 1 d; vgl. auch BGHZ 7, 111; 20, 71) [BGH 13.02.1956 - III ZR 175/54].
Wären die Grundrenten, wie das vorlegende Gericht meint, dazu bestimmt, vor allen Dingen einen annähernden "Ausgleich" für den immateriellen Schaden herbeizuführen (ebenso der VII. Senat des Bundesgerichtshofs, BGHZ 30, 162 [171] und MDR 1962, 472 Nr. 41, jedoch in Abweichung von der Ansicht des III. Senats, BGHZ 20, 61 [69]), dann wäre in der Tat schon deshalb eine Differenzierung dieser Renten nicht zu rechtfertigen; denn im Bereich des Immateriellen besteht kein rechtlich zu erfassender Unterschied in Opfer und Situation der Hinterbliebenen, ob nun Mann oder Frau, ob Vater oder Mutter, und ob eine verheiratete, verwitwete oder unverheiratete Mutter getötet worden ist.
Es ist jedoch nicht zu übersehen, daß Gesetzgebung und Rechtsprechung in anderen Rechtsgebieten Ansprüche gegen den Staat auf den Ersatz materieller Schäden beschränken, auch wenn eine sittliche Verpflichtung der staatlichen Gemeinschaft zu erfüllen ist (vgl. das Urteil des Bundesgerichtshofs über die staatliche Ersatzpflicht für Schäden aus einer nach öffentlichem Recht zu duldenden ärztlichen Behandlung -- BGHZ 20, 61 [69] mit umfassendem Gesetzesnachweis).
Schadensersatzklage wegen Amtspflichtverletzung im Rahmen eines Polizeiensatzes
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, der sich das erkennende Gericht anschließt, können bei der Bemessung der Aufopferungsentschädigung nichtvermögensrechtliche Nachteile des Betroffenen keine Berücksichtigung finden (BGH, Urteil vom 13.02.1956 - III ZR 175/54 -, Urteil vom 03.11.1958 - III ZR 139/57 -, Urteil vom 31.01.1966 - III ZR 118/69 - und Urteil vom 08.07.1971 - III ZR 67/68 - jeweils zit. n. Juris, a.A. OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 20.08.2013 - 1 U 69/13 - zit. n. Juris).
Ein solcher Eingriff kann einen Aufopferungsanspruch begründen, wenn dem Betroffenen damit ein Sonderopfer auferlegt wird, wenn er nämlich den Eingriff im Interesse der Allgemeinheit und im Gegensatz zu anderen, die sich in gleicher Lage befinden, hinnehmen muß, ohne sich ihm entziehen zu können (vgl. BGHZ 45, 58, 76, 77; 36, 379, 388; 25, 237, 240; 20, 61, 64; 13, 88, 92; 9, 83, 88, 90; BGH NJW 1970, 1230 u.a. VersR 1960, 807, 810).
Nichts anderes kann, schon wegen des in Art. 2 Abs. 2 Satz 1 des Grundgesetzes garantierten Rechts auf körperliche Unversehrtheit (vgl. BGHZ 20, 61, 70;… Hamann/Lenz, GG, 3. Aufl., Art. 2 Anm. B 9) für Strafgefangene gelten; in der Dienst- und Vollzugsordnung vom 1. Dezember 1961 (DVollzO) kommt daher auch verschiedentlich zum Ausdruck (vgl. etwa die Nr. 68 Abs. 2, 106 ff, insbesondere 112), daß der Strafgefangene möglichst vor Körperschaden zu bewahren ist.
Für die Bestimmung der Opfergrenze, bei deren Überschreiten der Staat nach Aufopferungsrecht eine angemessene Entschädigung zu leisten hat, ist vielmehr darauf abzustellen, wie sich die Vermögenslage des Betroffenen infolge der Verletzung, hier also des Klägers nach dem Verlust des Auges, darstellt (vgl. BGHZ 45, 290, 295; 28, 297, 301; 22, 43, 48; 20, 61, 69;… vgl. auch Bender, Staatshaftungsrecht, 1971, Rdnr. 44 und 350).
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