Source: http://www.anwalt24.de/rund-ums-recht/BGH_13_04_2010_XI_ZR_197_09_Wirksamkeit_einer_Formularklause-d3962183.html
Timestamp: 2016-12-03 07:15:09
Document Index: 105589989

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 45', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 133', '§ 157', '§ 307', '§ 308', '§ 315', '§ 316', 'BGH', '§ 133', '§ 157', '§ 307', '§ 308', '§ 315', '§ 316', '§ 307', '§ 308', '§ 133', '§ 316', '§ 315', 'BGH', 'BGH']

BGH, 13.04.2010 - XI ZR 197/09 - Wirksamkeit einer Formularklausel "die Sparkasse zahlt neben dem jeweils gültigen Zinssatz für S-Versicherungseinlagen ..." bei Beinhalten eines variablen Zinses in der entsprechenden Vereinbarung ; Entstehen eines einseitigen Leistungsbestimmungsrechts des Bankkunden bzw. der Bank bei einer Lücke im Vertrag aufgrund (teilweiser) Unwirksamkeit einer Zinsänderungsklausel; Bestimmung der maßgeblichen Änderungsparameter durch das Gericht selbst zum Schließen einer Vertragslücke infolge einer unwirksamen Zinsänderungsklausel unter Beachtung eines aussagekräftigen Referenzzinses und einer präzisen Zinsperiode; Selbstständige und uneingeschränkte Nachprüfung durch ein Revisionsgericht bei einer vom Berufungsgericht vorgenommenen ergänzenden Vertragsauslegung infolge einer unwirksamen Zinsänderungsklausel | Urteile auf anwalt24.de
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BGH, 13.04.2010 - XI ZR 197/09 - Wirksamkeit einer Formularklausel "die Sparkasse zahlt neben dem jeweils gültigen Zinssatz für S-Versicherungseinlagen ..." bei Beinhalten eines variablen Zinses in der entsprechenden Vereinbarung ; Entstehen eines einseitigen Leistungsbestimmungsrechts des Bankkunden bzw. der Bank bei einer Lücke im Vertrag aufgrund (teilweiser) Unwirksamkeit einer Zinsänderungsklausel; Bestimmung der maßgeblichen Änderungsparameter durch das Gericht selbst zum Schließen einer Vertragslücke infolge einer unwirksamen Zinsänderungsklausel unter Beachtung eines aussagekräftigen Referenzzinses und einer präzisen Zinsperiode; Selbstständige und uneingeschränkte Nachprüfung durch ein Revisionsgericht bei einer vom Berufungsgericht vorgenommenen ergänzenden Vertragsauslegung infolge einer unwirksamen Zinsänderungsklausel
BundesgerichtshofUrt. v. 13.04.2010, Az.: XI ZR 197/09Gericht: BGHEntscheidungsform: UrteilDatum: 13.04.2010Referenz: JurionRS 2010, 15208Aktenzeichen: XI ZR 197/09 Verfahrensgang:vorgehend:LG Zweibrücken - 10.10.2008 - AZ: 1 O 298/06OLG Zweibrücken - 08.06.2009 - AZ: 7 U 178/08Rechtsgrundlagen:§ 133 BGB§ 157 BGB§ 307 Abs. 3 S. 1 BGB§ 308 Nr. 4 BGB§ 315 Abs. 1 BGB§ 316 BGBFundstellen:BGHZ 185, 166 - 178BB 2010, 1289BB 2010, 1354BB 2010, 970 (Pressemitteilung)BKR 2010, 300-303DB 2010, 14DB 2010, 17EWiR 2010, 559JZ 2010, 376MDR 2010, 759-761MDR 2010, 9NJW 2010, 1742-1744 "Erhalt des relativen Abstands von Vertrags- und Referenzzins"NJW 2010, 8NWB 2010, 1198NWB direkt 2010, 374VersR 2010, 1187-1190VuR 2010, 267-268WM 2010, 933-936WuB 2010, 629-630ZBB 2010, 257ZGS 2010, 316-320ZIP 2010, 1023-1026ZIP 2010, 5Amtlicher Leitsatz:BGB § 133 B, Fb, § 157 D, F, H, § 307 Abs. 3 Satz 1 Bl, Cb, § 308 Nr. 4, § 315 Abs. 1, § 316a)Die Formularklausel, "die Sparkasse zahlt neben dem jeweils gültigen Zinssatz für S-Versicherungseinlagen ...", ist wirksam, soweit sie die Vereinbarung eines variablen Zinses enthält, weil es sich dabei um eine gemäß § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB der Klauselkontrolle nicht unterliegende Preisregelung der Parteien handelt. Sie ist aber in Bezug auf die Ausgestaltung der Variabilität nach § 308 Nr. 4 BGB unwirksam, weil sie nicht das erforderliche Mindestmaß an Kalkulierbarkeit möglicher Zinsänderungen aufweist.b)Die durch die (teilweise) Unwirksamkeit der Zinsänderungsklausel entstandene Lücke im Vertrag ist durch ergänzende Vertragsauslegung (§§ 133, 157 BGB) zu schließen; ein einseitiges Leistungsbestimmungsrecht des Bankkunden nach § 316 BGB kommt ebenso wenig in Betracht wie ein einseitiges Leistungsbestimmungsrecht der Bank nach § 315 Abs. 1 BGB.c)Das Gericht hat die maßgeblichen Änderungsparameter selbst zu bestimmen, wobei in sachlicher Hinsicht (insbesondere Bindung an einen aussagekräftigen Referenzzins) und in zeitlicher Hinsicht (Dauer der Zinsperiode) präzise Parameter zu wählen sind, die dem Erfordernis der Vorhersehbarkeit und Kontrollierbarkeit von Zinsänderungen genügen.d)Die vom Berufungsgericht vorgenommene ergänzende Vertragsauslegung unterliegt der selbständigen und uneingeschränkten Nachprüfung durch das Revisionsgericht, weil formularmäßige Zinsänderungsklauseln typische Vereinbarungen sind, bei deren Unwirksamkeit im Interesse der Rechtssicherheit eine allgemeinverbindliche ergänzende Vertragsauslegung unabhängig von den Besonderheiten des konkreten Einzelfalls sachlich geboten ist.Der XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat auf die mündliche Verhandlung vom 16. März 2010 durch den Vorsitzenden Richter Wiechers und die Richter Dr. Müller, Dr. Ellenberger, Maihold und Dr. Matthias für Recht erkannt:Tenor:Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des 7. Zivilsenats des Pfälzischen Oberlandesgerichts Zweibrücken vom 8. Juni 2009 im Kostenpunkt und insoweit aufgehoben, als die Berufung der Klägerin gegen das Teilanerkenntnis- und Schlussurteil der 1. Zivilkammer des Landgerichts Zweibrücken vom 10. Oktober 2008 wegen der Abweisung der Klage in Höhe von 3.081,24 EUR nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 2. Juli 2006 sowie 186,82 EUR vorgerichtlicher Kosten zurückgewiesen worden ist.Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.
BGH, 13.04.2010BGH, 13.04.2010