Source: https://studylibde.com/doc/1813264/das-wirtschaftlichste-angebot---bayerisches-staatsministe.
Timestamp: 2020-01-24 04:47:49
Document Index: 195510005

Matched Legal Cases: ['§ 25', '§ 25', '§ 97', 'EuG', '§ 97', 'BGH', 'BGH', '§ 126', 'BGH']

Wirtschaft, Verkehr undTechnologie
Hinweise zur richtigen Wertung
Das Herzstück einer öffentlichen Vergabe ist die Wertung der eingegangenen Angebote. Die Statistik der VOB-Verstöße in Bayern zeigt,
dass gerade bei der Leistungsbeschreibung und bei der Wertung der
Angebote besonders viele Fehler unterlaufen.
Quelle: Statistik der Obersten Baubehörde über Tätigkeit der VOB-Stellen in Bayern
Häufig erteilen die öffentlichen Auftraggeber dem billigsten und nicht
dem wirtschaftlichsten Angebot den Zuschlag.
Die Ursache dieses Wertungsfehlers liegt darin, dass die Vergabestellen
sich zum einen nicht vorwerfen lassen wollen, großzügig mit öffentlichen Mitteln umzugehen. Zum anderen darin, dass die Erteilung des
Zuschlages nach dem Preis einfacher und jedermann verständlich ist.
Eine Zuschlagsentscheidung anhand anderer Kriterien als des niedrigsten Preises ist nicht nur schwer vermittelbar, sondern auch für den
Auftraggeber in der Praxis häufig schwer bewertbar. Trotzdem hat der
Auftraggeber, sofern dies bei der konkreten Auftragsvergabe möglich
ist, die Aufgabe, qualitative Unterschiede der Angebote herauszuarbeiten und bei der Wertung der Angebote zu berücksichtigen, was sich aus
den Verdingungsordnungen ergibt.
Die qualitativen Unterschiede eines Angebots hat der Auftraggeber anhand von Kriterien zu ermitteln, die er schon in den Verdingungsunterlagen angegeben hat1). Die Kriterien, deren Verwendung der
Auftraggeber im konkreten Fall vorsieht, müssen zudem sachlich gerechtfertigt sein.
Dieses Faltblatt soll dem Auftraggeber einen Überblick über die Ermittlung des wirtschaftlichsten Angebots, den Wertungsablauf und
die bei der Wertung bestehenden Spielräume geben.
1) Vgl. BayObLG, Beschluß vom 12.9.2000, Verg 4/00.
2. Ermittlung des wirtschaftlichsten Angebots
Nach dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen, der Vergabeverordnung und den Verdingungsordnungen ist der Zuschlag nicht auf
das billigste Angebot zu erteilen, sondern auf das wirtschaftlichste Angebot. Der Auftraggeber ermittelt das wirtschaftlichste Angebot in vier
Verfahrensschritten, die grundsätzlich streng von einander zu trennen
Im vierten Wertungsschritt wird anhand der bereits vorab in den Vergabeunterlagen bekanntgegebenen Kriterien das wirtschaftlichste Angebot ermittelt. Die Prüfung der Angebote am Maßstab der Zuschlagskriterien setzt nach der Systematik des Gesetzes voraus, daß die in
Punkt 3 dargestellten Prüfungsschritte (1. Ermittlung und Ausschluß
von Angeboten mit inhaltlichen und formellen Mängeln; 2. Prüfung
der Eignung der Bieter; 3. Überprüfung der inhaltlichen Angemessenheit der Angebote) zu einem positiven Ergebnis geführt haben. Der
Auftraggeber wählt nämlich das wirtschaftlichste Angebot unter den
verbliebenen Angeboten aus.
Vorarbeiten zur
Vor der Bekanntmachung der Ausschreibung und der Versendung der
Verdingungsunterlagen hat der Auftraggeber die Kriterien für die Vergabe des Auftrags zu bestimmen. Hierbei muß der Auftraggeber festlegen, was er sich von dem Auftrag erwartet. Anhand der Festlegung sind
die Wertungskriterien aufzustellen. Die Wertungskriterien bedürfen
der Bekanntmachung und sind Richtschnur für die Beurteilung des
Wertungsmaßstab
Bei der Aufstellung der Wertungskriterien besteht ein Beurteilungs- und
Entscheidungsspielraum, dessen Umfang je nach Art der Ausschreibung
unterschiedlich sein kann2). Dieser Spielraum ist allerdings insofern begrenzt, als der Auftraggeber nur auftragsbezogene Kriterien heranziehen darf. Kriterien, die die Qualifikation des Bieters betreffen, z.B. der
Umstand, dass ein Bieter bereits mehr Erfahrung bei der Erbringung einer Leistung hat, dürfen grundsätzlich in diesem Schritt der Wertung
nicht mehr berücksichtigt werden3). Wertungskriterien können insbesondere bei funktionaler Ausschreibung, bei der Bewertung von Nebenangeboten oder Sondervorschlägen verwendet werden und dann,
wenn bestimmte Erzeugnisse oder Verfahren nicht ausdrücklich vorgeschrieben sind.
2) Zur Frage der Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialaspekten vgl. die interpretierenden Mitteilungen der Kommission KOM (2001) 274 endg. v. 4.7.2001 und KOM (2001) 566 endg. v.
3) Eine Ausnahme gilt nach der Rechtsprechung des OLG Rostock (Beschluß vom 16.5.2001) bei Verfahren nach der VOF. Bei freiberuflichen Dienstleistungen sei eine vollständige Trennung der Wertungsstufen (Ermittlung der Eignung und des wirtschaftlichsten Angebots) nicht möglich, sofern die Auftragsvergabe auf einer Prognoseentscheidung des Auftraggebers beruht. Daher könnten Qualifikationskriterien auch bei der Bewertung der bestmöglichen Leistung herangezogen werden.
Der Auftraggeber hat alle Wertungskriterien, die er für die konkrete
Vergabeentscheidung heranzuziehen beabsichtigt, im einzelnen in der
Vergabebekanntmachung oder in den Verdingungsunterlagen aufzuführen. Eine bloße Wiederholung des Gesetzestextes, wonach wirtschaftliche, technische und gestalterische Gesichtspunkte sowie der
Preis bei der Wertung berücksichtigt werden sollen, genügt nicht. Im
Falle einer solchen Gesetzeswiederholung ist der Preis das einzig bestimmte Wertungskriterium und darf daher ausschließlich für die Vergabeentscheidung herangezogen werden4).
Wertungskriterien sind für den Auftraggeber zum einen alle monetären Faktoren. Das sind die Faktoren, die für die Kalkulation eines Angebots maßgeblich sind und letztlich Einfluss auf die Gesamtaufwendungen für eine Leistung haben, z.B.
die Qualität, die regelmäßig den Preis beeinflußt,
Höhe etwaiger Reparaturkosten
Sonstige Folgekosten
Zum anderen sind Wertungskriterien auch nichtmonetäre Faktoren.
Darunter sind alle Faktoren zu verstehen, die für die Gesamtbewertung
eines Angebots maßgebend sind.
Welche Faktoren berücksichtigt werden können, ist in jedem Einzelfall
eingehend zu prüfen und nachvollziehbar zu dokumentieren. Zu denken ist an
Risiken, wie z.B. Spekulationspreise, Lohngleitklauseln5).
4) Vgl. BayObLG, Beschluß vom 12.9.2000, Verg 4/00.
5) vgl. dazu im einzelnen Hinweise zur Prüfung und Wertung von Angeboten vom 25.2.1998,
AllMBl. 1998 S. 175.
Ablauf des Wertungsverfahrens im Einzelnen
Die Faktoren können sehr bereichspezifisch sein. Bei Betreiberausschreibungen nach der Verdingungsordnung für Leistungen kommen
beispielsweise in Betracht:
Kundenservice, Benutzerfreundlichkeit
Marketingkonzepte, z.B. bei der Ausschreibung eines Betreibers für
ein kommunales Bad ist es notwendig zu wissen, welche Marketingmaßnahmen der Bieter durchführt, um die Besucherzahlen zu steigern.
Werbung; hiermit kann der Auftraggeber erfragen, welche Werbemaßnahmen ein Bieter für die zu erbringende Dienstleistung (Messe, Open-Air-Veranstaltung, öffentliche Einrichtung etc.) durchführt.
Nutzung von Synergieeffekten (z.B. Kooperationen mit Reiseunternehmen, mit Schulen, mit Hotels, Einbindung der lokalen Gegebenheiten bei der Durchführung des Auftrags).
Verwendet der Auftraggeber bei einer Ausschreibung mehrere Zuschlagskriterien, so haben sie in der Regel für ihn eine unterschiedlicher Wichtigkeit, so können beispielsweise Folgekosten wichtiger sein
als die Lieferfristen. Damit die Bieter bei ihrer Angebotserstellung die
speziellen Bedürfnisse des Bieters berücksichtigen können, soll der Auftraggeber die Gewichtung der Zuschlagskriterien in den Verdingungsunterlagen bekanntgeben.
Bei der Auswahl der Wertungskriterien ist der Auftraggeber nicht völlig frei. Die verwendeten Kriterien müssen rechtlich zulässig sein, d. h.
diskriminierungsfrei, willkürfrei und sachgemäß. Das Merkmal der
Ortsansässigkeit ist daher in der Regel kein sachliches Kriterium, ebenso wenig die Berücksichtigung von subjektiven Kriterien und ungesicherten Erkenntnissen.
3. Ablauf des Wertungsverfahrens
Die Verdingungsordnungen räumen dem Auftraggeber innerhalb der
einzelnen Verfahrensstufen – je nach den Umständen – einen Beurteilungsspielraum ein. Dieser ermöglicht es dem Auftraggeber, für den jeweiligen Auftrag die Anforderungen, die er an die Qualifikation des
Auftragnehmers und an die Art und Weise der Auftragserfüllung stellt,
vorzugeben. Die objektiven Kriterien, anhand derer der Auftraggeber
die Wertung vornimmt, hat er bereits in der Bekanntmachung der Ausschreibung bzw. in den Vergabeunterlagen den Bewerbern zu benen–5–
Erster Wertungsschritt
nen. Andere als die angegebenen Kriterien darf der Auftraggeber bei der
Wertung der Angebote nicht mehr berücksichtigen.6)
Die folgenden Hinweise zur Wertung eines Angebots konzentrieren
sich auf die Regelungen, die bei Vergaben ab den Schwellenwerten gelten, und dabei auf das Offene Verfahren. Auf Abweichungen für Vergaben unterhalb des Schwellenwerts wird gesondert eingegangen.
Vier Wertungsschritte
Das Wertungsverfahren gliedert sich nach den Verdingungsordnungen
in vier Wertungsschritte:
Ermittlung und Ausschluss von Angeboten
mit inhaltlichen und formellen Mängeln
Prüfung der Eignung der Bieter in persönlicher und sachlicher Hinsicht:
Beurteilungsspielraum in den Grenzen von vorab festgelegten Kriterien
Überprüfung der inhaltlichen Angemessenheit:
Ausschluss bei unangemessen hohem oder niedrigem Preis
anhand der vorab festgelegten Kriterien
Im ersten Schritt hat der Auftraggeber die Angebote auszuscheiden, die
nach § 25 Nr. 1 Abs. 1 VOL/A, § 25 Nr. 1 Abs. 1 VOB/A von der Wertung auszuschließen sind. Dies ist beispielsweise der Fall bei
Hauptangeboten, für deren Wertung die wesentlichen Preisangaben
Angeboten, die nicht ordnungsgemäß unterschrieben sind,
Hauptangeboten, bei denen Änderungen oder Ergänzungen an den
Verdingungsunterlagen vorgenommen worden sind,
Angeboten, die verspätet eingegangen sind.
6) VÜA Bayern, Beschluss vom 25.3.99, Az. VÜA 6/96-2.
Zweiter Wertungsschritt
Der Auftraggeber hat bei ordnungsgemäßen Angeboten in einem zweiten Schritt die Eignung der Bieter sowie der von ihnen eingesetzten
Nachunternehmer7) zu prüfen. Die Eignungsprüfung erfolgt anhand
der Eignungskriterien. Dies sind Fachkunde, Leistungsfähigkeit und
Zuverlässigkeit. Hierbei handelt es sich um unbestimmte Rechtsbegriffe, die der Auftraggeber zu konkretisieren hat.
Bei der Konkretisierung kommt dem Auftraggeber ein Spielraum8) zu.
Er kann bestimmen, welche qualitativen Anforderungen in wirtschaftlicher, finanzieller und technischer Hinsicht er bei der konkreten Auftragsvergabe an die Auftragnehmer stellt. Die gestellten Anforderungen
müssen objektiv und diskriminierungsfrei sein.
Ein Bieter ist als fachkundig anzusehen, wenn er über umfassende, dem
Stand der Technik entsprechende Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten verfügt, die erforderlich sind, um den jeweiligen Auftrag fachgerecht auszuführen.9) Die notwendige Fachkunde muss entweder in der
Person des Bieters vorliegen oder in der Person der von ihm eingesetzten Mitarbeiter.
Die Nachweise müssen für die jeweils geforderte Leistung erforderlich
und sachdienlich sein. Bei einfachen Leistungen wird in der Regel der
Nachweis über den erfolgreichen Abschluss des üblichen Ausbildungswegs genügen, z.B. Diplom, Nachweis des Eintrags in die Handwerksrolle, Gesellenprüfung etc. Bei schwierigen Leistungen kann darüber
hinaus ein Nachweis notwendig sein, dass der Bieter schon vergleichbare Arbeiten ausgeführt hat. Der Auftraggeber kann hier auch Auskünfte über das eingesetzte Personal10), Berufserfahrung, die Durchführung von Schulungs- und Fortbildungsmaßnahmen etc. von den
Unternehmen verlangen, sofern dies zur Durchführung des Auftrags
notwendig ist (z.B. bei der Restaurierung denkmalgeschützter Gebäude, bei Kanalbauarbeiten, Betonerhaltungsarbeiten. Hier ist es besonders wichtig, dass das eingesetzte Personal mit dem neuesten Stand der
Technik vertraut ist und der Auftragnehmer keine ungelernten Hilfskräfte einsetzt).
Leistungsfähig ist, wer als Unternehmer über die wirtschaftlichen,
technischen und finanziellen Mittel verfügt, um den Auftrag fachlich
einwandfrei und fristgerecht durchzuführen. Dieses Kriterium stellt
7) VÜA Bund, Beschluss vom 21.12.1998, 1 VÜ 3/98 („Eisenbahnbundesamt – Bahnhof
Friedrichstraße“).
8) VÜA Bund, Beschluss vom 14.6.1996, Nr. 1 VÜ 7/96, VÜA Bund, Beschluss vom 17.12.1997,
Nr. 1 VÜ 23/97 („Schweißnachweis“).
9) Vgl. Boesen, Kommentar zum 4. Teil des GWB, § 97 Rz. 75.
10) VÜA Bund, Beschluss vom 17.12.1997, Nr. 1 VÜ 23/97 („Schweißnachweis“).
u.a. auf den Betrieb des Bewerbers ab, ob dessen Umfang und seine
Ausstattung sowie seine Kapazität geeignet ist, den konkret zu vergebenden Auftrag ohne Schwierigkeiten auszuführen.
In technischer Hinsicht erfordert das Kriterium der Leistungsfähigkeit,
dass der Bieter über die notwendige maschinelle und geräte- und materialtechnische Ausstattung verfügt, um den Auftrag auszuführen.11)
Dieses Kriterium ist vor allem bei der Vergabe von Bauaufträgen besonders wichtig. Zu den Gesichtspunkten der Beurteilung der technischen
Leistungsfähigkeit gehört auch die für die Ausführung der Arbeiten
notwendige spezifische Erfahrung.12)
Die wirtschaftliche und finanzielle Leistungsfähigkeit ist dann anzunehmen, wenn ein Bieter über die Mittel verfügt, die es ihm ermöglichen, seine laufenden Verbindlichkeiten gegenüber dem Personal, dem
Staat und den Lieferanten zu erfüllen und der unternehmerische Gesamtumsatz den Schluss zulässt, dass der Bieter den konkreten Auftrag
Zuverlässig ist, wer die Gewähr für eine ordnungsgemäße Vertragserfüllung bietet.13) Gründe, die die Zuverlässigkeit ausschließen können,
unsachgemäße Ausführung von Leistungen, die zu Gewährleistungsansprüchen geführt hat; z.B. bei grundlosem Verweigern von
Gewährleistungsarbeiten bei offenkundigen Mängeln
die Nichtabführung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen
schwere Verfehlungen (Bestechungsversuche, Urkundendelikte,
Vermögensdelikte)
Verstoß gegen anerkannte Berufspflichten (im Baugewerbe die anerkannten Regeln der Technik und der Baukunst)
Verstoß gegen das Arbeitnehmerentsendegesetz14)
berechtigte Zweifel an der ordnungsgemäßen Aufgabenerfüllung,
z. B. wegen fehlender Angaben über eingesetzte Nachunternehmer
und deren Koordination15)
Bei der Wahl der Anforderungen an die Eignung ist der Auftraggeber
nicht völlig frei. Grenzen werden ihm insbesondere durch den Gleich-
11) VÜA Bayern, Beschluss v. 12.5.1999, VÜA 15/98 („Natursteinarbeiten“).
12) EuGH, Urt. v. 20.9.1988, Rs. 31/87, Bentjees, Slg. I 4635, 4656.
13) Vgl. Boesen, Kommentar zum 4. Teil des GWB, § 97 Rz. 83.
14) VÜA Bund, Beschluss vom 17.12.1997, Nr. 1 VÜ 23/97 („Schweißnachweis“).
15) VÜA Bund, Beschluss vom 21.12.1998, 1 VÜ 3/98 („Eisenbahnbundesamt – Bahnhof
Dritter Wertungsschritt
behandlungsgrundsatz gesetzt. Er darf sich bei seiner Entscheidung
nicht von willkürlichen und sachwidrigen Erwägungen leiten lassen.
an die Bieter
Der Auftraggeber hat die Eignungskriterien, deren Verwendung er bei
der konkreten Auftragsvergabe vorsieht, den Bietern vorher, entweder
in der Bekanntmachung oder in den Vergabeunterlagen, bekannt zu geben.16)
In einem dritten Schritt überprüft der Auftraggeber, ob die Angebote
einen angemessenen Preis enthalten. Stellt er fest, dass das Angebot im
Verhältnis zu der zu erbringenden Leistung ungewöhnlich niedrig ist,
so hat er die Einzelangaben des Angebots zu prüfen.17) Bei Bedarf kann
der Auftraggeber hierbei zusätzlichen externen Sachverstand einschalten.
Vierter Wertungsschritt
Als letzten Schritt hat der Auftraggeber unter den noch verbliebenen
Angeboten das wirtschaftlichste zu ermitteln. Dabei hat der Auftraggeber insbesondere folgende Wertungsgrundsätze zu beachten:
Der Zuschlag ist auf das wirtschaftlichste Angebot zu erteilen, nicht
auf das billigste18)
Die Wirtschaftlichkeit ist anhand der Wertungskriterien zu bestimmen
Die Wertungskriterien müssen auftragsbezogen sein, d.h. es muss
sich um Kriterien handeln, die sich auf das „Produkt“ beziehen und
nicht auf den „Produzenten“ (kein „Mehr an Eignung“)19)
Der Auftraggeber hat die Wertungskriterien, deren Verwendung er
zulässigerweise vorsieht, in der Vergabebekanntmachung oder in
den Vergabeunterlagen den Bietern bekannt zu geben, und zwar
möglichst in der Rangfolge der ihnen zukommenden Bedeutung.
Andere als die bekannt gegebenen Wertungskriterien darf der Auftraggeber bei der Wertung nicht berücksichtigen.
16) Schlussanträge des Generalanwalts Marco Darmon vom 4.5.1988, Rs. 31/87, Bentjees, Slg. I 4635,
17) Vgl. Hinweise zur Prüfung und zur Wertung von Angeboten vom 25.2.1998,
AllMBl 1998 S. 175.
18) Der Preis ist nur dann entscheidend, wenn es sich um gleichwertige Angebote handelt, vgl. BGH, Urt.
v. 26.10.1999, Az.: X ZR 30/98. In diesem Fall hat der Auftraggeber den Zuschlag auf das billigste
Angebot zu erteilen.
19) BGH, NJW 1998, S. 3644; Schlussanträge des Generalanwalts Darmon vgl. Fußnote 16.
Der Auftraggeber hat das wirtschaftlichste Angebot anhand der Wertungskriterien zu ermitteln, wie unter Punkt 2 im Einzelnen dargelegt
Auswertungsentscheidung
Der Auftraggeber trifft anhand der von ihm benannten Wertungskriterien die Auswahlentscheidung. Die Auswahl des wirtschaftlichsten Angebots erfordert einen wertenden Vergleich zwischen den eingereichten
Angeboten unter Berücksichtigung der aufgestellten und bekannt gegebenen Wertungskriterien. Den Zuschlag hat dann das Angebot zu erhalten, das unter Berücksichtigung der Wertungskriterien das beste
Preis-Leistungs-Verhältnis aufweist.
In Fällen komplexer Leistungen (z.B. Bau von Kläranlagen) kann der
Auftraggeber das beste Preis-Leistungs-Verhältnis beispielsweise mit
Hilfe eines Punktebewertungssystems ermitteln. Dazu werden die einzelnen Zuschlagskriterien mit Faktoren versehen.20) Diese Faktoren geben an, welche Bedeutung den einzelnen Wertungskriterien bei der
Vergabeentscheidung zukommt. Zusätzlich werden für jedes Zuschlagskriterium Punkte vergeben. Diese Punktezahl gibt an, wie viele
Punkte maximal pro Kriterium erreicht werden können. Der Auftraggeber kann je nach der Bedeutung der einzelnen Kriterien für die konkrete Auftragsvergabe die Punktezahl variieren.
Wertungsbeispiel21)
20) Zu den Problemen dieser Methode vgl. Eekhoff, Workshop: Einzelfragen des neuen Vergaberechts,
in: Forum Vergabe Badenweiler Gespräche 1998, S. 123 ff.
21) entnommen den Vergabe News 11/97, S. 96.
Folgen der fehlerhaften Wertung
Das stark schematisierte Beispiel stellt zwei Angebote einander gegenüber. Das Angebot B erreicht, obwohl es teuerer ist, eine höhere Punktezahl als das Angebot A. Der Zuschlag ist daher auf das Angebot B zu
erteilen. Das Beispiel macht also deutlich, dass der Preis zwar ein wichtiges Zuschlagskriterium ist, aber nicht das allein ausschlaggebende.22)
4. Folgen der fehlerhaften Wertung
Ist dem Auftraggeber bei der Wertung der Angebote ein Fehler unterlaufen, weil er bei der Zuschlagsentscheidung nicht bekanntgegebene
Wertungskriterien berücksichtigt oder fehlerhaft oder gar nicht gewertet hat, so kann der Bieter bei einem Auftrag, dessen Volumen die europäischen Schwellenwerte erreicht oder übersteigt, vor der
Zuschlagserteilung die Vergabekammer anrufen23) und unter Umständen sogar Schadensersatz verlangen, gestützt auf § 126 GWB und auf
Verschulden bei Vertragsschluss. Dies gilt auch bei einer Entscheidung
für das billigste Angebot, das nicht das wirtschaftlichste ist.
Liegt die Auftragssumme hingegen unterhalb der Schwellenwerte, so
entfällt für den Bieter die Möglichkeit, die Wertungsentscheidung
durch die Vergabekammer überprüfen zu lassen. Er kann nur die Aufsichtsbehörde um Überprüfung des Vergabeverfahrens bitten. Einen
Anspruch auf aufsichtliches Einschreiten hat er jedoch nicht.
Auch unterhalb des Schwellenwerts kann der Bieter, der bei ordnungsgemäßer Entscheidung den Zuschlag erhalten hätte, Schadensersatz
aus Verschulden bei Vertragsschluss verlangen. Dieser Schadensersatzanspruch ist, sofern der Zuschlag erteilt wurde, gerichtet auf Ersatz des
entgangenen Gewinns.24)
22) vgl. dazu auch die in Fußnote 17) erwähnten Hinweise.
23) Nach der künftigen Vergabeverordnung sind die erfolglosen Bieter voraussichtlich einige Tage von der
Zuschlagserteilung über die Zuschlagsentscheidung und die Gründe zu informieren.
24) BGH, Urteil v. 8.9.1998, Az.: X ZR 48/97.
Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium
0 89/21 62-2303
0 89/21 62-01
0 89/21 62-3599
0 89/21 62-2760
Gestaltung: WVT team
Merkblatt zur Form und Durchführung von Vergabeverfahren
Leitfaden Prüfung und Wertung der Angebote nach der VOB/A 2009
Chancen der Vergaberechtsreform für die Qualität sozialer
Die Wahl des besten Wertes