Source: http://weisszucht.de/studien.htm
Timestamp: 2020-02-18 00:26:50
Document Index: 377227516

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 5', '§ 7', '§11', '§11', '§ 11']

Eine Studie zum Thema Qualzucht
Scottish Fold - Ergebnis einer Qualzucht?
Studie der INTERNATIONAL SCOTTISH FOLD ASSOCIATION (ISFA) EUROPE
„Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“ und im § 2: „Wer ein Tier betreut oder zu betreuen hat, muß das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen, darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, daß ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.“
Laut § 5 darf „an einem Wirbeltier ohne Betäubung ein mit Schmerzen verbundener Eingriff nicht vorgenommen werden“, aber im Gegensatz hierzu ist eine Betäubung nicht erforderlich „für das Kastrieren von unter vier Wochen alten männlichen Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen, für das Enthornen oder das Verhindern des Hornwachstums bei unter sechs Wochen alten Rindern, für das Kürzen des Schwanzes von unter vier Tage alten Ferkeln sowie von acht Tage alten Lämmern, für das Abschleifen der Eckzähne von Ferkeln, für das Absetzen des krallentragenden letzten Zehengliedes bei Masthahnküken während des ersten Lebenstages, für die Kennzeichnung von Schweinen, Schafen, Ziegen und Kaninchen durch Ohrtätowierung, für die Kennzeichnung anderer Säugetiere innerhalb der ersten zwei Lebenswochen durch Ohr- und Schenkeltätowierung sowie die Kennzeichnung landwirtschaftlicher Nutztiere einschließlich Pferde durch Ohrmarke, Flügelmarke, injektierten Mikrochip, ausgenommen bei Geflügel, durch Schlagstempel beim Schwein und durch Schenkelbrand beim Pferd.“
Gemäß § 7 dürfen Versuche an Wirbeltieren nur durchgeführt werden, „wenn die zu erwartenden Schmerzen, Leiden oder Schäden der Versuchstiere im Hinblick auf den Versuchszweck ethisch vertretbar sind. Versuche an Wirbeltieren, die zu länger anhaltenden oder sich wiederholenden erheblichen Schmerzen oder Leiden führen, dürfen nur durchgeführt werden, wenn die angestrebten Ergebnisse vermuten lassen, daß sie für wesentliche Bedürfnisse von Mensch oder Tier einschließlich der Lösung wissenschaftlicher Probleme von hervorragender Bedeutung sein werden.“
Ein besonderes Problem stellt der Anstieg der Versuchstierzahlen dar: 1999 wurden 1,6 Millionen Hunde, Katzen, Affen, Ratten als Versuchstiere „verbraucht“, das sind fast 60 000 mehr als 1998 (BETHGE 2001). So wurden z.B. für die Erprobung eines audiometrischen Hörtests an der Tierärztlichen Hochschule Hannover im Rahmen einer Dissertation 40 Katzen künstlich ertaubt, da aus der tierärztlichen Klientel nur 16 Tiere zur Verfügung standen (KELLER 1997).
Nach §11b des Tierschutzgesetzes ist es verboten, „Wirbeltiere zu züchten oder durch gentechnische Maßnahmen zu verändern, wenn damit gerechnet werden muß, daß bei der Nachzucht, den bio- oder gentechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Dies gilt „nicht für durch Züchtung oder bio- oder gentechnische Maßnahmen veränderte Wirbeltiere, die für wissenschaftliche Zwecke notwendig sind.“
Durch die Einführung des Begriffes „Qualzucht“ soll die Heimtierzucht tierschutzgerecht reglementiert werden. Qualzucht wird wie folgt definiert: „Der Tatbestand des §11b des Tierschutzgesetzes ist erfüllt, wenn bei Wirbeltieren die durch Zucht geförderten oder die geduldeten Merkmalsausprägungen (Form-, Farb-, Leistungs- und Verhaltensmerkmale) zu Minderleistungen bezüglich Selbstaufbau, Selbsterhaltung und Fortpflanzung führen und sich in züchtungsbedingten morphologischen und/oder physiologischen Veränderungen oder Verhaltensstörungen äußern, die mit Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind“.
Die Existenz bestimmter Krankheiten/Defekte bei Katzen ist pragmatisch und klinisch relevant. CLARK hat 1992 eine Zusammenstellung von medizinischen, genetischen und Verhaltensaspekten bei 45 Katzenrassen veröffentlicht. Vergleicht man seine Liste mit der „Orientierungshilfe“ des Gutachtens und seiner Begründung, so müßten nach Meinung der Verfasser wohl alle Katzenrassen inklusive Hauskatzen verboten werden und nicht nur die Rassen, die offenbar den Gutachtern als äußerst suspekt erschienen sind (s. Gutachten S. 53). Neuere Untersuchungen zur Genetik bei einzelnen Katzenrassen wurden auf der 1. und 2. International Genetic Conference on Feline Inherited Disease 1998 und 2000 in den USA vorgestellt.
Die Zuchtgeschichte der ersten Jahre ist wiederholt beschrieben worden: BECKER (1991), WOLFF (1984), THIES (1997), MORRIS (1999), KLEVER (1985). Zahlreiche Rasseporträts bietet das Literaturverzeichnis, besonders sind zu nennen: KELSEY-WOOD (1997), ANGELL (1986 - 1999), MAGGITTI (1993), WAGNER (1984 - 2001).
Die aufgetretene Taubheit sowie der Vorwurf von besonderer Empfänglichkeit für Ohrmilbenbefall lastete die British Cat Fancy dem Hängeohrgen an und schloß 1971 das Zuchtbuch für Scottish Fold in Großbritannien. Der Vorwurf von besonderer Empfänglichkeit für Ohrmilbenbefall entbehrt jeglicher Grundlage. Ohrmilben treten als Folge unzureichender Haltungsbedingungen bzw. Pflege auf.
Taubheit kann bei blauäugigen weißen Katzen vererbt werden (Kopplung an das Farbgen W?). Der Zeitpunkt der Ertaubung konnte ermittelt werden, das Gen jedoch nicht (KELLER 1997, BRINICOMBE 1995, STRAIN 1999). Dazu wäre die Entwicklung einer DNA-Analyse notwendig. Da die Katze immer öfter als Modell-Tier für den Menschen dient, was auf der Existenz von homologen Chromosomen, belegt durch Genkarten (Trends in Genetics 1997, No 10), beruht. würde hier vielleicht die Entdeckung des menschlichen Gens für Taubheit weiterhelfen (ESTIVILL 1998, PFISTER 1998). Ein Gentest wäre für die betroffenen Katzen wesentlich besser verträglich als ein audiometrischer Hörtest mit Narkose (wie bei KELLER 1997 beschrieben) - und damit auch im Sinne des § 11 b.
Bis heute wird behauptet, daß Skelettanomalien bei Faltohrkatzen an das Faltohrgen gekoppelt seien. Diese Hypothese ist noch niemals auf ihren Gehalt hin untersucht worden (MAGGITTI 1993). Auch die Dissertation von JACKSON (1975), veröffentlicht unter dem irreführenden Titel „Congenital Bone Lesions in Cats with Fold-Ears“, brachte keinen Erkenntnisgewinn. JACKSON’s Zuchtprogramm umfaßte 3 Zuchtgruppen: a) Verpaarung von Fold x Fold, b) Verpaarung von Fold x Fold mit Skelettanomalien, c) Verpaarung von Fold mit Skelettanomalien mit normalohrigen Katzen. Die Zuchtgruppen a) und b) erzeugten einen Teil Kitten mit Skelettanomalien, in der Zuchtgruppe c) gab es keine Defekte. JACKSON bezeichnet das Faltohrgen als „simple dominant with complete penetrance“. Bei den Skelettdefekten sieht er Parallelen zur Epiphysendysplasie des Menschen. Er empfiehlt eine kontrollierte Zucht von Faltohrkatzen mit der Verpaarung von Faltohr x Geradohr (und keinesfalls eine Ächtung der Zucht, was aus seinen Ergebnissen fälschlicherweise oft geschlossen wird, MAGGITTI 1984). Hinzu kommt, dass die einzelnen Zuchtgruppen von der Anzahl ihrer Versuchstiere nicht repräsentativ sind und Inzucht nicht auszuschließen ist (MAGGITTI 1984). Seine Arbeit kann lediglich als Pilotstudie, nicht aber als umfassende Studie gelten (MAGGITTI 1989). Es muß hier ausdrücklich betont werden, daß alle von JACKSON vorgenommenen Verpaarungen in heute gültigen Zuchtordnungen verboten sind.
Nach Meinung von SHAW (1999) haben Katzen selten angeborene Skelettprobleme - mit Ausnahme der Epiphysendysplasie. Arthritisähnliche Effekte entwickeln sich bei Verletzungen, Bakterieninfektionen und bei Adipositas.
Somit ergibt sich heute, nach 40 Jahren weltweiter Faltohrzucht, folgender Erkenntnisstand: Das Faltohrgen wird dominant vererbt. Eine Kopplung an ein Gen, das Skelettdefekte vererben soll, ist bisher nicht nachgewiesen. Die Verpaarung von Faltohren mit geradohrigen nichtverwandten Katzen verhindert Inzucht und ergibt in der Regel gesunden Nachwuchs („selective breeding“, ROBINSON 1999). Die aus dieser Verpaarung entstehenden geradohrigen Katzen („Straights“) vererben das Faltohrgen nicht. In Einzelfällen aufgetretene Epiphysendysplasie scheint Ähnlichkeiten zum Marfan-Syndrom des Menschen aufzuweisen. Dieses beruht auf einer dominanten Mutation im Fibrillin-Gen, das Chromosom ist bekannt (GEROK 2000, JOHNSON 1999). Hier wäre vielleicht ein Ansatz zur Entwicklung einer DNA-Analyse für Skelettdefekte der Katze zu finden.
Die Rasse Scottish Fold ist kein Produkt einer Qualzucht, sondern das Ergebnis einer dominant vererbten Mutation. In Schottland und England wurden in die Rasse Scottish Fold British Shorthair und Hauskatzen eingekreuzt, in Europa Europäisch Kurzhaar und in den USA American und British Shorthair, aber auch Perser. Damit sind die Fehler der frühen Jahre eliminiert worden. Die Gesundheit der heutigen Scottish Fold ist nicht anzuzweifeln. Dies wird durch die bisher umfangreichste statistische Erhebung zum Gesundheitszustand der Scottish Fold (WAGNER 2001) in Teil 2 belegt.
Literaturliste (130 Quellen) auf Anfrage: International Scottish Fold Association Europe
Tel. 06252 - 6119 oder 030 - 65 97 318