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Timestamp: 2018-02-18 18:24:53
Document Index: 324169819

Matched Legal Cases: ['§ 1626', '§ 832', '§ 828', '§ 1626', '§ 832', '§ 171', '§ 1631', '§ 1626']

Aufsichtspflicht altersgrenzen - Alles über Versicherungen
Aufsichtspflicht altersgrenzen
Allein daheim – wann kann man Kinder unbeaufsichtigt lassen?
In den Paragraphen В§В§ 1626 ff. des BGB wird die Aufsichtspflicht als Teil der elterlichen Sorge geregelt. Die Haftung fГјr Kinder findet sich in В§ 832 BGB.
Als Eltern sind Sie verpflichtet, darauf zu achten, dass Ihre Kinder keinem anderen, aber auch nicht sich selbst, einen Schaden zufГјgen. Zu diesem Zweck mГјssen vor allem kleine Kinder sehr umfassend beaufsichtigt werden.
Die Aufsichtspflicht kГ¶nnen Sie zeitweilig an jemand anderen Гјbertragen. Wichtig ist jedoch, dass dieser in der Lage ist, verantwortungsbewusst mit dem Kind umzugehen.
Kinder immer im Griff zu haben, ist ein Ding der UnmГ¶glichkeit. In jungen Jahren ist der Entdeckungsdrang der Kleinen besonders groГџ. Da kommt es schnell einmal vor, dass eine Fensterscheibe zu Bruch geht oder die Blumen des Nachbarn nicht allzu lange Гјberleben.
Leider geschieht es fast jedem Elternteil einmal, dass sich ein Kind beim Spielen verletzt. Solange ein Armbruch problemlos verheilt, ist dies eigentlich keine groГџe Sache. Doch wie schaut es mit der Aufsichtspflicht aus?
In unserem Ratgeber bekommen Sie einen Гњberblick Гјber die wichtigsten Fragen rund um das Thema. Wir klГ¤ren darГјber auf, ab welchem Alter Sie Ihre Kinder alleine lassen dГјrfen und wie die Aufsichtspflicht rechtlich geregelt ist.
Sie erfahren, wann es erlaubt ist, ein Kind Гјber Nacht alleine zu Hause zu lassen und ob Sie die Aufsichtspflicht Гјbertragen kГ¶nnen. Ferner erhalten Sie einen Гњberblick, wie FГјrsorge und Aufsichtspflicht zusammenhГ¤ngen und wer in der Kita die Aufsichtspflicht wahrnimmt. FГјr den Fall der FГ¤lle informieren wir Sie Гјber die Haftungsfragen sowie den Sinn einer Haftpflichtversicherung.
1. Der Grundsatz „Eltern haften fГјr ihre Kinder“ gilt nicht immer
Um MinderjГ¤hrige zu schГјtzen, hat der Gesetzgeber beschlossen, die Verantwortung fГјr die Aufsicht an die Eltern zu Гјbertragen. Als Elternteil haben Sie zum einen die Aufgabe, Ihr Kind mГ¶glichst freie Entscheidungen treffen zu lassen. Auf der anderen Seite ist es jedoch erforderlich, dass das Kind vor Gefahren geschГјtzt wird. Dies bedeutet selbstverstГ¤ndlich auch, dass die Erziehungsberechtigten dafГјr zu sorgen haben, dass Ihr SprГ¶ssling keinem anderen Schaden zufГјgt.
In der Praxis lГ¤sst sich dies allerdings kaum bewerkstelligen. Sie kГ¶nnen nicht jederzeit an der Seite Ihres Kindes stehen, nur um darauf aufzupassen, dass nichts passiert. Dies wГјrde die eigenstГ¤ndige Entwicklung Ihres Kindes gefГ¤hrden.
GrundsГ¤tzlich gilt, dass Sie Ihre Aufsichtspflicht zwar wahrnehmen mГјssen, aber nicht zwingend fГјr die Handlung Ihrer Kinder haften.
2. Eltern kГ¶nnen sich bei der Aufsichtspflicht an gГ¤ngigen Gerichtsentscheidungen orientieren
Die Rechtsprechung hat einige Fallgruppen entwickelt, die Eltern Anhaltspunkte liefert, wie und in welchem Umfang ein Kind bereits selbst fГјr sein Handeln verantwortlich ist:
Bis zu einem Alter von sieben Jahren werden Kinder gem. В§ 828 Abs. 1 BGB als nicht deliktsfГ¤hig angesehen. Das bedeutet konkret, dass den Kleinen ihr jeweiliges Verhalten nicht zugerechnet werden kann. Wirft beispielsweise ein SechsjГ¤hriger einen Stein auf den PKW des Nachbarn, ist das Kind nicht fГјr den Schaden verantwortlich. Wenn Sie nicht wegen einer Verletzung der Aufsichtspflicht haften, geht der GeschГ¤digte leer aus. Je nachdem, welche Versicherung er selbst besitzt, kommt diese fГјr seinen Schaden auf.
Im StraГџenverkehr gelten Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebenjahr als deliktsunfГ¤hig.
Bei kleineren Kindern ist eine nahezu lГјckenlose Aufsicht erforderlich. Spielen Kinder im Alter von vier oder fГјnf Jahren im Garten, reicht es, alle 15 bis 20 Minuten nach dem Rechten zu schauen, um der elterlichen Aufsichtspflicht nachzukommen. Je Г¤lter das Kind ist, desto eher kГ¶nnen Sie es alleine lassen. Sobald ein Kind zur Schule geht, kГ¶nnen Sie Гјberlegen, es alleine Fahrrad fahren zu lassen oder den Heimweg zurГјckzulegen. Sie sollten allerdings sicher sein, dass Ihr SprГ¶ssling sicher fahren kann. Der Schulweg sollte auch nicht allzu weit sein.
Tipp:SchlieГџen Sie eine private Haftpflichtversicherung ab, um sich und Ihre Kinder zu schГјtzen. Achten Sie darauf, dass Ihre Kinder, egal in welchem Alter sie sich befinden, mitversichert sind. So beugen Sie fГјr den Fall vor, dass Sie fГјr einen Schaden Ihres Kindes verantwortlich gemacht werden oder aber Ihr Kind selbst haften soll.
3. Eine VernachlГ¤ssigung der Aufsichtspflicht kann zivil- und strafrechtliche Konsequenzen haben
Im Prinzip leitet sich die Definition der Aufsichtspflicht aus den GrundsГ¤tzen der elterlichen Sorge ab. Diese ist in den В§В§ 1626 ff. des BGB nГ¤her geregelt.
Als Eltern mГјssen Sie dafГјr sorgen, dass Ihr Kind sich zum einen frei entwickeln kann, auf der anderen Seite jedoch keinen Schaden anrichtet. Dies ist nicht immer leicht zu bewerkstelligen. Manche Eltern werden Гјbervorsichtig und andere wiederum erlauben Ihren Liebsten zu viele Freiheiten. Die Aufsichtspflicht ist nicht an starre Altersgrenzen gebunden.
Es kann daher nicht beantwortet werden, bis zu welchem Alter die Aufsichtspflicht der Eltern reicht. Dies hГ¤ngt vor allem von der individuellen Reife des Kindes ab.
Kommt es dennoch einmal vor, dass ein Schaden entsteht, greift В§ 832 BGB. Die gesetzliche Aufsichtspflicht sieht vor, dass Sie jemandem, der durch das Verhalten Ihres Kindes einen Schaden erlitten hat, diesen ersetzen mГјssen.
Um Ihrer Aufsichtspflicht zu genГјgen, kГ¶nnen Sie Ihr Kind, besonders dann, wenn es schon Г¤lter ist, auch aus den Augen lassen.
Nicht selten kommt es vor, dass Kinder illegale Downloads starten. Kommt es zu einer Abmahnung, ist der Г„rger vorprogammiert. Belehren Eltern Ihre Kinder Гјber strafrechtliche Konsequenzen und eine legale Nutzung des Internets, sind Sie nicht fГјr die permanente Гњberwachung zustГ¤ndig. Erst wenn Sie konkrete Anhaltspunkte fГјr illegale AktivitГ¤ten haben, mГјssen Sie die Nutzung begrenzen und kontrollieren. Leider ist die ordentliche Belehrung des eigenen Nachwuchses oft schwer nachzuweisen.
Im Strafgesetzbuch, dem StGB, findet sich keine direkte Verletzung der Aufsichtspflicht. Erfolgt jedoch eine Anzeige wegen der Verletzung der Aufsichtspflicht, wird geprГјft, ob der Straftatbestand des В§ 171 StGB verwirklicht wurde.
Dieser Paragraph beschreibt allerdings primГ¤r eine Verletzung der FГјrsorge- und sonstigen Erziehungspflichten. Wird einmalig die Aufsichtspflicht verletzt, fГ¤llt dies nur in extrem seltenen FГ¤llen unter den Straftatbestand.
Es sollen vielmehr FГ¤lle erfasst werden, in denen ein Erziehungsberechtigter oder ein anderer Sorgeberechtigter seine Pflichten gegenГјber dem Kind dauerhaft grob verletzt.
In der Regel kommt es bei einer einmaligen Verletzung der Aufsichtspflicht der Eltern nur zu zivilrechtlichen Konsequenzen. Da es im Rahmen der Aufsichtspflicht keine starren Altersgrenzen gibt, kГ¶nnen auch Kinder mit sieben oder acht Jahren alleine zu Hause bleiben. Probieren Sie dies allerdings vorsichtig aus, um Ihr Kind nicht zu Гјberfordern.
4. Die MГ¶glichkeit der Гњbertragung der Aufsichtspflicht auf einen Erzieher
Die Aufsichtspflicht fГјr Kinder liegt zwar im Grundsatz bei den Eltern, jedoch kГ¶nnen Sie diese auch anderen Personen Гјbertragen. Sie trifft den Erzieher, wenn sich das Kind in der Kita befindet. Die Aufsichtspflicht in der Kita U3 ist dabei strenger als bei Vier- oder FГјnfjГ¤hrigen.
Die Гњbertragung der Aufsichtspflicht auf einen Erzieher
Kommt es im Kindergarten zu einer Aufsichtspflichtverletzung, stellt sich die Frage nach der Verantwortlichkeit. Im Grundsatz liegt die Aufsichtspflicht im Hort, Kindergarten oder der Kita bei dem Leiter der Einrichtung. Die Eltern Гјbertragen diese meist per Vertrag an die jeweilige Einrichtung.
Wichtig ist, dass die Leitung sicherstellt, dass die Erzieher oder Erzieherinnen der Aufsichtspflicht gewachsen sind. Neue Kollegen mГјssen unterstГјtzt und fachgerecht eingearbeitet werden. Die GruppengrГ¶Гџe darf nicht zu hoch sein, um sie bewГ¤ltigen zu kГ¶nnen. Im Kindergarten-AuГџengelГ¤nde muss die Aufsicht ebenfalls gewahrt sein. Dies bestГ¤tigt der Bundesgerichtshof in seiner Entscheidung vom 13.12.2012.
Eine gesteigerte Aufsichtspflicht gilt bei einem Kindergarten-Ausflug. Es mГјssen stets genГјgend Betreuer zur VerfГјgung stehen, um mit der Situation umgehen zu kГ¶nnen. Als Eltern sind Sie, wenn Sie Ihre Kinder abgegeben haben, von der Aufsichtspflicht befreit. Bleiben Sie jedoch telefonisch erreichbar, um bei Problemen als Ansprechpartner da zu sein.
Die Aufsichtspflicht fГјr den Schlafraum der Kita ist ebenfalls zu beachten. Wenn die Kinder in der Krippe schlafen, ist die Aufsichtspflicht allerdings nicht einheitlich geregelt. Es mГјssen daher keine exakten Zeitintervalle eingehalten werden.
Achtung:Die Aufsichtspflicht im Schwimmbad obliegt allerdings nicht – wie viele glauben – dem Bademeister, sondern Ihnen. Haben Sie beispielsweise die Aufsichtspflicht fГјr eine 13-JГ¤hrige und trauen Sie ihr zu, alleine ins Schwimmbad zu gehen, verletzten Sie damit nicht Ihre Pflichten.
5. Die wichtigsten Aspekte der FГјrsorge – und Aufsichtspflicht im Blick behalten
Hier finden Sie einen kurzen Гњberblick Гјber die relevanten Bereiche, die unter die Aufsichts- oder aber die FГјrsorgepflicht fallen:
6. Meist zahlt die private Haftpflichtversicherung fГјr die SchГ¤den Ihrer JГјngsten
Sobald Sie als Eltern Ihre Aufsichtspflicht verletzen, mГјssen Sie fГјr die entstehenden SchГ¤den eintreten. Da dies schnell teuer werden kann, empfiehlt sich der Abschluss einer Haftpflichtversicherung.
Haben Sie jedoch nichts falsch gemacht und Ihr sechsjГ¤hriges Kind hat dennoch einen Schaden verursacht, zahlen weder Sie noch Ihre Versicherung.
Der GeschГ¤digte muss seine Kosten selbst tragen. DeliktsunfГ¤hige, also unter sieben Jahre alte Kinder, kГ¶nnen mitversichert werden, um dieses Ergebnis zu vermeiden.
Kommt es dazu, dass Ihr Kind vorsГ¤tzlich einen Schaden verursacht, weigert sich die Versicherung unter UmstГ¤nden zu zahlen. In diesem Fall haftet Ihr Spross selbst. Die Voraussetzung ist allerdings, dass das Kind die Tragweite seines Handeln einsehen konnte.
„Eltern haften für ihre Kinder“. Wirklich? Wie ist das mit der Aufsichtspflicht geregelt? Wann haften wir tatsächlich für unsere Kinder? Wie müssen wir uns verhalten, um der Aufsichtspflicht zu genügen?
Fürsorgepflicht der Eltern gegen Entdeckungsdrang der Kinder
Kinder sind neugierig und spontan. Sie wollen die Welt entdecken und alles ausprobieren. Sie hecken Streiche aus und vergessen beim Spielen manchmal alles um sich herum. Das kann ins Auge gehen: Etwa wenn ein Kind nach einem kumpelhaften Schubser unsanft auf dem Boden landet und sich den Arm bricht, wenn der Ball nicht ins Tor, sondern in Nachbars Fensterscheibe fliegt oder wenn beim Spielen Autos zerkratzt werden. Solche Malheurs sind schnell passiert – und ebenso schnell wird oft der Vorwurf erhoben, die Eltern hätten ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt. Was genau hat es damit auf sich? Müssen Eltern ihre Kinder permanent im Blick haben? Wann können sie für Missgeschicke und Streiche ihrer Sprösslinge haftbar gemacht werden? Und welche Konsequenzen kann es haben, wenn sie im entscheidenden Moment nicht vor Ort sind?
All dies regelt die elterliche Aufsichtspflicht. Sie ist ein Teil der in § 1631 BGB geregelten Personensorge und der elterlichen Fürsorgepflicht, die ganz allgemein das Recht und die Pflicht von Eltern umfasst, ihre Kinder zu pflegen, zu erziehen und zu beaufsichtigen. Die Aufsichtspflicht verfolgt grundsätzlich zwei Ziele: Minderjährige sollen vor Schäden bewahrt werden, die sie sich selbst oder die ihnen Dritte zufügen können. Andersherum sollen aber auch Dritte vor Schäden, die ihnen durch die „Gefahrenquelle Kind“ drohen können, geschützt werden.
Eine Verletzung der Aufsichtspflicht kann sowohl strafrechtlich wie zivilrechtlich weit reichende Konsequenzen nach sich ziehen. Verursacht ein Kind einen Schaden oder verletzt es sich, müssen die Eltern beweisen, dass sie ihre Aufsichtspflicht korrekt erfüllt haben. Bei Unfällen tritt zwar zunächst die Krankenversicherung ein, doch die erhebt Regressansprüche, wenn Eltern ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind. Hüten die Großeltern, Freunde oder eine Tagesmutter das Kind, übernehmen sie damit automatisch auch die Aufsichtspflicht. Das gilt auch beim Kindergeburtstag: Die Eltern des Geburtstagskindes haften nicht nur für den eigenen Sprössling, sondern auch für die kleinen Gäste.
Auch Kinder können für Schäden haftbar gemacht werden
Doch nicht immer haften automatisch die Eltern für ihre Kinder. Ab dem vollendeten siebten bzw. im Straßenverkehr ab dem zehnten Lebensjahr können auch die Kinder selbst haftbar gemacht werden, wenn sie die entsprechende Reife besitzen. In diesem Sinne entschied ein Gericht zum Beispiel nach einem Unfall, der durch einen elfjährigen Fahrradfahrer verursacht wurde. Der Junge fuhr entgegen der Fahrtrichtung auf einem Fahrradweg, überquerte offenbar ohne sich umzuschauen eine Querstraße und kollidierte mit einer Frau, die nicht rechtzeitig bremsen konnte. Die Frau verletzte sich und forderte Schmerzensgeld. Wurde die Aufsichtspflicht durch die Eltern verletzt? Nein, denn ein Elfjähriger müsse beim Fahrradfahren nicht permanent unter Aufsicht stehen, entschied das Gericht. Deshalb haften die Eltern in diesem Fall nicht. Ist er selbst für den Unfall verantwortlich? Ja, denn er war mit 11 Jahren nicht mehr berechtigt, auf dem Gehweg zu fahren, und hätte die Vorfahrt beachten müssen. Laut Gericht besitze er in seinem Alter die nötige Reife, um sein Fehlverhalten einschätzen zu können. Der Junge haftet deshalb allein für den Unfall.
Eine Haftpflichtversicherung ist unabdingbar
Eltern sollten unbedingt eine Privathaftpflichtversicherung für die ganze Familie abschließen. Der Versicherungsschutz sollte „deliktunfähige Kinder“ einschließen. Deliktunfähig sind grundsätzlich Kinder bis zum siebten Lebensjahr. Bis zu diesem Alter gehen der Gesetzgeber und die Versicherer davon aus, dass Kinder nicht in der Lage sind, die Konsequenzen ihres Handelns so weit zu überblicken, dass sie dafür verantwortlich gemacht werden können. Im Straßenverkehr gilt das bis zehn Jahre. Kinder über sieben Jahre haften nur, soweit sie die notwendige Reife und Einsichtsfähigkeit besitzen. Schießt also ein Fünfjähriger einen Fußball in eine Scheibe, geht der Geschädigte leer aus – es sei denn die Eltern oder eine andere Aufsichtsperson haben ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt. Dann tritt bei Fahrlässigkeit die Haftpflichtversicherung für den Schaden ein.
Aufsicht: Eltern im Dilemma
Eltern haben grundsätzlich Sorge dafür zu tragen, dass ihre Kinder weder Schäden anrichten noch selbst zu Schaden kommen. Doch wie soll ein Kind selbständig werden und Verantwortung für das eigene Verhalten übernehmen können, wenn Vater und Mutter es auf Schritt und Tritt verfolgen? Das Aufsichtsrecht stellt Eltern vor ein Dilemma: Einerseits müssen sie ihren Sprösslingen Freiräume gewähren, damit diese lernen, mit Risiken und Gefahren umzugehen. Andererseits müssen sie ihre Kinder und Außenstehende vor möglichen Schäden schützen. Und selbst die fürsorglichsten Eltern können ihre Augen nicht überall haben. Wie viel Kontrolle ist also nötig, wie viel ist angemessen? Wie sehen die gesetzlichen Richtlinien aus?
Das Dilemma der Eltern ist dem Gesetzgeber durchaus bewusst. So heißt es in § 1626 BGB, Absatz 2: „Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit des Kindes zu selbständigem und verantwortungsbewusstem Handeln.“ Doch konkrete Regeln für den Inhalt und den Umfang der elterlichen Aufsichtspflicht gibt es nicht. Was sie ihren Kindern erlauben und verbieten, hängt von ihrem Augenmaß ab. Maßgeblich dafür sind das Alter, der Entwicklungsstand und die Charaktereigenschaften des Kindes. Ist es in der Lage, Gefahren zu erkennen und einzuschätzen? Befolgt es Anweisungen oder setzt es sich gerne mal darüber hinweg und spielt trotz Verbot am nahe gelegenen Baggersee oder auf der Straße? Ein Dreijähriger muss anders beaufsichtigt werden als ein Neunjähriger, eine wilde Hummel, die immer zu Streichen aufgelegt ist, anders als ein kleiner Musterknabe. Im Straßenverkehr oder beim Spielen in der Nähe einer Baustelle gelten andere „Spielregeln“ als auf dem Spielplatz.
Die Herausforderung für Eltern liegt also darin, abzuwägen, welche Gefahren ihrem Kind konkret drohen bzw. von ihm ausgehen können. Denn nur sie kennen seinen Entwicklungsstand und wissen, was es schon kann und womit es möglicherweise noch überfordert ist. Um ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen, sollten sie ihr Kind auf jeden Fall über mögliche Risiken beim Spiel, beim Sport oder im Straßenverkehr aufklären und klare Regeln vereinbaren. Je nach Alter, Einsichtsfähigkeit und besonderen Umständen müssen diese Informationen wiederholt, Ermahnungen ausgesprochen oder Situationen – zum Beispiel das Verhalten auf dem Schulweg – eingeübt werden. Selbstverständlich sollten Eltern auch sicher sein, dass ihr Kind die Anweisungen verstanden hat und sie befolgt. Ist es noch zu klein oder setzt es sich häufig über Verbote hinweg, müssen die Eltern jederzeit in der Lage sein, einzugreifen.
Gerichtsurteile als Orientierungshilfe
Das bedeutet aber nicht, dass das Kind permanent beaufsichtigt werden muss. Je nach Alter und Situation genügt es, gelegentlich oder auch nur stichprobenartig zu kontrollieren, wo das Kind gerade spielt und was es treibt. Ein Beispiel aus der Rechtssprechung verdeutlicht, was damit gemeint ist: Zwei Jungen, einer sieben, einer fünf Jahre alt, zerkratzten auf einem Parkplatz mehrere Autos. Der Parkplatz befand sich direkt neben einem Spielplatz. Die Eltern hatten die Kinder dort alleine spielen lassen und sie aufgefordert, den Platz nicht zu verlassen. Zwei Geschädigte verklagten die Eltern wegen Verletzung ihrer Aufsichtspflicht auf Schadensersatz. Das Gericht wies die Klagen gegen die Eltern des Siebenjährigen ab. Der Junge sei zuvor nicht durch Streiche und aggressives Verhalten aufgefallen, deshalb sei es in Ordnung, wenn seine Eltern ihn bis zu zwei Stunden unbeaufsichtigt spielen lassen. Anders das Urteil im Fall des Fünfjährigen: In diesem Alter sei ein Kontrollabstand von 15 bis 30 Minuten geboten, entschied das Gericht.
Ab wann dürfen Kinder alleine zu Hause bleiben?
Diese und andere Fälle aus der Rechtspraxis geben zumindest eine ungefähre Richtlinie: Kleinkinder dürfen niemals unbeaufsichtigt bleiben. Bei Vierjährigen sollten die Eltern etwa alle 15 Minuten nach dem Rechten sehen – vorausgesetzt sie spielen auf einem sicheren Gelände und nicht etwa in unmittelbarer Nähe einer stark befahrenen Straße oder eines Sees; bei Sechsjährigen verlängert sich das Überwachungsintervall auf rund 30 Minuten. Auch dürfen sie nach vorheriger Unterweisung kleinere, ungefährliche Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen. Ab diesem Alter können Eltern auch damit beginnen, ihr Kind allein zu Hause zu lassen, anfangs natürlich nur für wenige Minuten. Wenn das klappt, können die Zeiträume Schritt für Schritt ausgedehnt werden. Sicherheitshalber sollten Eltern immer telefonisch für das Kind erreichbar sein. Was gar nicht geht: Kinder während der Abwesenheit im Haus einschließen.
Bei Sieben- bis Achtjährigen, die von ihren Eltern ausreichend über Tun und Lassen belehrt wurden und ihre Anweisungen in der Regel befolgen, ist eine regelmäßige Kontrolle nicht mehr erforderlich. In diesem Alter müssen Kinder ihre Umgebung auch ohne elterliche Aufsicht spielerisch erkunden können, befand der Bundesgerichtshof in einem Urteil vom 24.03.2009 (Az. VI ZR 199/09). Denn andernfalls würde der Lernprozess im Umgang mit Gefahren gehemmt.
Doch wie gesagt: Es kommt immer auf den Einzelfall an.
Источники: http://www.t-online.de/leben/familie/schulkind-und-jugendliche/id_43632270/aufsichtspflicht-wann-koennen-kinder-allein-zuhause-bleiben-.html, http://www.kita.de/wissen/aufsichtspflicht/, http://m.urbia.de/magazin/recht-und-finanzen/was-eltern-ueber-die-aufsichtspflicht-wissen-muessen