Source: https://www.mittelstands-anwaelte.de/OLG-Koeln-verbietet-Offenlegung-von-Vorstandsgehaeltern-bei-nordrheinwestfaelischer-Sparkasse-06-2009/
Timestamp: 2019-11-13 01:54:35
Document Index: 290249512

Matched Legal Cases: ['§ 19', 'Art. 72', 'Art. 74', '§ 285', '§ 19', 'Art. 100']

OLG Köln verbietet Offenlegung von Vorstandsgehältern bei nordrhein-westfälischer Sparkasse ( 06 / 2009 ) | DASV - Die Deutsche Anwalts- und Steuerberatervereinigung für die mittelständische Wirtschaft e.V.
OLG Köln ver­bie­tet Offen­le­gung von Vor­stands­ge­häl­tern bei nord­rhein-west­fä­li­scher Spar­kas­se ( 06 / 2009 )
(Kiel) Das Ober­lan­des­ge­richts Köln (OLG) hat einer nie­der­rhei­ni­schen Spar­kas­se durch einst­wei­li­ge Ver­fü­gung ver­bo­ten, die Bezü­ge sei­nes Vor­stands­vor­sit­zen­den in der Jah­res­bi­lanz, dem Anhang oder dem Geschäfts­be­richt unter Namens­nen­nung offen zu legen oder offen legen zu las­sen.
Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des OLG Köln vom 09.06.2009, Az.: 15 U 79/09.
In der münd­li­chen Urteils­be­grün­dung hat der Senat erken­nen las­sen, dass er die ent­spre­chen­de Geset­zes­vor­schrift des nord­rhein-west­fä­li­schen Spar­kas­sen­ge­set­zes, nach dem die Spar­kas­sen erst­mals in die­sem Jahr zu einer ent­spre­chen­den Ver­öf­fent­li­chung ver­pflich­tet sind, für ver­fas­sungs­wid­rig hält. Das anders­lau­ten­de Urteil des Land­ge­richts Köln vom 15.05.2009 wur­de ent­spre­chend abge­än­dert.
Der Zivil­se­nat hat sich im dem am 09.06.2009 ver­kün­de­ten Urteil dem Stand­punkt der Spar­kas­se nicht ange­schlos­sen, so betont Gie­se­ler.
Im Rah­men des einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­rens, in dem es um vor­läu­fi­gen Rechts­schutz geht, habe er die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des § 19 Abs. 5 SparkG NW selbst zu prü­fen und danach sei­ne Ent­schei­dung über das Unter­las­sungs­be­geh­ren aus­zu­rich­ten. Die Ver­öf­fent­li­chung der Bezü­ge grei­fe in das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht des Vor­stands­vor­sit­zen­den ein. Die­ser Ein­griff sei aller­dings nicht durch die Geset­zes­vor­schrift des Spar­kas­sen­ge­set­zes gerecht­fer­tigt, weil das Land Nord­rhein-West­fa­len kei­ne Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz zum Erlass der Norm gehabt habe. Das Recht des Bank- und Bör­sen­we­sens gehört zur kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bung im Sin­ne der Art. 72 und 74 des Grund­ge­set­zes. Hier steht den Län­dern die Befug­nis zur Gesetz­ge­bung nur solan­ge zu, soweit der Bund nicht von sei­ner Kom­pe­tenz Gebrauch gemacht hat.
Nach Auf­fas­sung des Senats hat der Bund aber von sei­ner Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz gem. Art. 74 Abs. 1, Nr. 11 des Grund­ge­set­zes Gebrauch gemacht, indem er in § 285 Nr. 9 a des Han­dels­ge­setz­bu­ches Rege­lun­gen für die Ver­öf­fent­li­chung von Vor­stands­be­zü­gen getrof­fen hat, aller­dings nur für bör­sen­no­tier­te Pri­vat­un­ter­neh­men. Danach habe das Land für öffent­lich-recht­li­che Spar­kas­sen kei­ne eige­ne Gesetz­ge­bungs­be­fug­nis mehr gehabt. Die Ver­öf­fent­li­chung von Vor­stand­ge­häl­tern betref­fe auch nicht nur das for­mel­le Spar­kas­sen­recht, d. h. die inne­re Ver­fas­sung und Orga­ni­sa­ti­on, die das Land noch selbst regeln dürf­te, son­dern hän­ge mit dem sog. mate­ri­el­len Spar­kas­sen­recht zusam­men, für das nur der Bund gesetz­ge­bungs­be­fugt sei. Die Ver­öf­fent­li­chung der Bezü­ge sei näm­lich der wirt­schaft­li­chen Betä­ti­gung der Spar­kas­sen zuzu­ord­nen. Die Trans­pa­renz der Vor­stands­be­zü­ge betref­fe nicht nur die inne­re Struk­tur der Insti­tu­te, son­dern auch das Auf­tre­ten Drit­ten gegen­über und damit die Unter­neh­mens­po­li­tik. Gera­de auch von den Anle­gern wer­de der Fra­ge, wie­viel von sei­nem Geld in die Ver­gü­tung des Füh­rungs­per­so­nals flie­ße, erheb­li­che Bedeu­tung bei­gemes­sen.
Ein wei­te­res Rechts­mit­tel gegen das Urteil, das im einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren ergan­gen ist, ist nicht gege­ben. Die Fra­ge der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des § 19 Abs. 5 SparkG NW wird aber erst im Haupt­sa­che­ver­fah­ren oder nach des­sen Abschluss ver­bind­lich durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt geklärt wer­den kön­nen. Wenn das Zivil­ge­richt im Haupt­sa­che­ver­fah­ren gleich­falls von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Vor­schrift aus­geht, hat es das Ver­fah­ren gem. Art. 100 des Grund­ge­set­zes aus­zu­set­zen und eine Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein­zu­ho­len.
Gie­se­ler mahn­te, den Aus­gang zu beach­ten und ver­wies bei Fra­gen u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de