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Timestamp: 2017-04-29 21:17:54
Document Index: 252977204

Matched Legal Cases: ['Art.\n13', 'Art. 13', 'Art. 175', 'Art. 56', 'Art. 178', 'Art. 175', 'Art. 56', 'Art. 153', 'Art. 53', 'Art. 54']

Versicherungswert, Auktionspreis Oder Liebhaberwert – Was Gilt Nun Für Die Steuern? - Tax - Switzerland
Home > Europe > Tax	Switzerland: Versicherungswert, Auktionspreis Oder Liebhaberwert – Was Gilt Nun Für Die Steuern? Last Updated: 19 December 2016
Most Read Contributor in Switzerland, March 2017Der viel diskutierte «Giacometti-Entscheid » des
Zürcher Verwaltungsgerichts vom 9. Mai 2012 (publiziert in
SR.2011.00019) hat Kunst-Sammlern, -Liebhabern und -Experten in der
Schweiz deutlich gemacht, dass auch einzelne im Haushalt
präsentierte Kunstwerke unter Umständen von den
Steuerbehörden nicht als steuerfreier Hausrat im Sinn von Art.
13 Abs. 4 StHG (SR 642.14) behandelt werden: Selbst wenn keine
Sammlung vorliegt, können einzelne Werke als steuerpflichtiges
Vermögen im Sinn von Art. 13 Abs. 1 StHG bzw. der anwendbaren
kantonalen Gesetzgebung qualifiziert werden. In den meisten
Kantonen werden bei der Beurteilung des Einzelfalls v.a. die
konkrete Nutzung des Kunstwerks, die Tatsache, dass ein Werk
separat versichert ist, der wertmässige Anteil des Kunstwerks
verglichen mit dem Gesamtvermögen sowie der absolute Wert des
Werks (im Kanton Zürich konkret das Überschreiten von
150'000 Franken) in die Betrachtung mit einbezogen. Im Fall
einer Unterbesteuerung bezüglich eines Kunstwerks drohen
Nachsteuern (Vermögenssteuer), Verzugszinsen sowie allenfalls
eine Busse wegen Steuerhinterziehung (Art. 175 DBG [SR 642.11];
Art. 56 StHG) oder Verheimlichung von Nachlasswerten im Inventar
(Art. 178 DBG; kantonale Gesetzgebung). Eine periodische
Standortanalyse und gegebenenfalls die Korrektur einer bisherigen
Unterbesteuerung im Rahmen einer straflosen Selbstanzeige bzw.
einer vereinfachten Nachbesteuerung in Erbfällen sind deshalb
im Rahmen einer adäquaten und risikobewussten Steuerplanung
Verkehrswert als Ausgangslage Sofern ein
Vermögenswert nicht mehr als steuerfreier Hausrat zu
qualifizieren ist und der Vermögenssteuer unterliegt, ist er
vom – in der Schweiz un - beschränkt steuerpflichtigen
– Eigen - tümer zum Vermögenssteuerwert in der
jährlichen Steuer erklärung zu erfassen. Vorbehalten
bleiben spezifische Deklarationspflichten bei pauschalbesteuerten
Personen sowie das sog. «Art Leasing», bei welchem die
Deklarations- und Versteuerungspflichten beim Leasing-Geber
verbleiben. Auch bei Kunstwerken gilt der Verkehrswert per Ende der
Steuerpe riode als Vermögenssteuerwert. Dieser (auch sog.
Marktwert) wird als das «Entgelt, das ein Käufer
für einen Gegenstand zu bezahlen bereit wäre, wenn er ihn
erwerben wollte» definiert (vgl. auf der Homepage des
Kantonalen Steueramts Zürich publizierte FAQ).
Während die Bestimmung des Verkehrswerts z.B. bei kotierten
Wertpapieren (Kurswert) oder Fahrzeugen (Abschreibung vom
Erwerbspreis) in der Regel unkompliziert ist, stellt sich in der
Praxis bei Kunstwerken mangels Vorliegens eines zu
Vergleichszwecken dienlichen Marktes häufig die Frage, welcher
Wert einem Kunstwerk für die Zwecke der
Vermögensbesteuerung zuzumessen ist. In der Regel muss davon
ausgegangen werden, dass der ursprüngliche Erwerbspreis nicht
mehr dem heutigen Verkehrswert entspricht. Im Hinblick auf die
Rechtsprechung des Zürcher Verwaltungsgerichts erscheint
jedenfalls bei Werken, welche zu einem Preis ab ca. 120'000
Franken erworben wurden, eine vertiefte Ana - lyse angezeigt.
Besonders bei Auktionspreisen ist, nach Abzug der Kommissionen, zu
berücksichtigen, dass sich aus dem auktionstypischen Steigern
häufig eher Liebhaberpreise als ein objektiver Verkehrswert
ergeben. Aufgrund des individuellen Charakters eines Kunstwerks
lassen sich sodann auch durch Vergleiche mit ähnlichen Werken,
welche in einem Referenzzeitraum am Markt die Hand gewechselt
haben, selten direkt quantifizierbare Rückschlüsse auf
den Wert eines bestimmten Kunstwerks im eigenen Besitz ziehen.
Bewertungsgutachten als Grundlage in der Praxis
In der Praxis wird von den Steuerbehörden vielfach auf
Versicherungs- oder Schätzwerte (Gutachten) abgestellt.
Für die Beurteilung, ob spezifische Werke steuerfreier Hausrat
oder steuerbare Vermögenswerte darstellen und für die
Bestimmung des Verkehrswerts, welcher den als steuerbaren
Vermögenswerten identifizierten Kunstwerken für
Besteuerungszwecke zuzumessen ist, bewährt sich in der Praxis
auch aus Sicht des Eigentümers das Abstellen auf
Versicherungswerte bzw. auf Schätzwerte.
Wo bislang keine separate Versicherung besteht, aber eine
Schätzung die Behandlung eines Kunstwerks als steuerbaren
Vermögenswert nahelegt, ist der Schätzwert vom
Eigentümer in ge eigneter Weise für die Besteuerung zu
berücksichtigen und es wird im Einzelfall der Abschluss einer
Kunstversicherung zu evaluieren sein.
Bei Vorliegen einer Versicherung ist aus Sicht des
Steuerpflichtigen nicht nur dem spezifischen Zweck der Ver -
sicherungswerte und pauschalen Abschlägen oder Zuschlägen
Rechnung zu tragen, sondern die den Versicherungswerten
zugrundeliegende Schätzung ist kritisch zu würdigen:
Handelt es sich um eine konservative oder grosszügige, eine
pauschale oder individuelle, eine von einer anerkannten Fachperson
vorgenommene Schätzung und unter welchen Umständen
erfolgte diese?
Erfahrungsgemäss empfiehlt es sich, einmal erarbeitete
Werte periodisch zu überprüfen, um Zukäufen und
Abgängen Rechnung zu tragen und deren Finanzierung geeignet
abzubilden sowie Wertsteigerungen über die Jahre
nachvollziehbar und realitätsnah zu reflektieren. Sollte die
sorgfältige Standortanalyse eines Kunstbestandes eine
Unterbesteuerung zufolge Nichterfassung oder nur pauschaler
Erfassung einzelner Werke oder aufgrund einer (erheblich) zu tiefen
Bewertung für Steuerzwecke wahrscheinlich erscheinen lassen,
ist durch den Steuerpflichtigen die Korrektur mittels einer
Selbstanzeige zu prüfen (Art. 175 Abs. 3 DBG bzw. Art. 56 Abs.
1bis StHG).
Vorbereitung durch den Erblasser
Auch Erben und der Willensvollstrecker sind mit der Frage nach
dem massgebenden Verkehrswert von Kunstwerken konfrontiert, wenn
sich Kunst in einem Nachlass befindet. Im Hinblick auf die
Inventarpflicht (Grundlage für die Erbschaftssteuer) und die
letzte Steuererklärung des Erblassers (Einkommensund
Vermögensbesteuerung laufende Steuerperiode bis Todestag) ist,
oft unter Zeitdruck und idealerweise unter Mitwirkung aller Erben
und dem Willensvollstrecker, zu beurteilen, ob und zu welchen
Werten Kunstwerke des Erblassers zu erfassen sind und ob ggf.
Ergänzungen vorzunehmen sind.
Die vom Erblasser bereits verwendete Bewertung wird, soweit sie
grundsätzlich plausibel erscheint, typischerweise von den
Erben als Ausgangspunkt der Analyse übernommen. Gerade deshalb
ist eine adäquate lebzeitige Auf - bereitung des Kunstbestands
durch den Erblasser zu empfehlen. Diese umfasst nicht nur die
Katalogisierung und Dokumentation der Kunstwerke für
Vermögenssteuer- und Versicherungszwecke und auch im Hinblick
auf die Eigentumsverhältnisse und Provenienz der Werke,
sondern sollte auch eine allfällig nötige
Nachversteuerung (Selbstanzeige durch den Erblasser) und die
realistische Neu- oder Wiederbewertung der Kunstwerke für
Steuer-, Versicherungs- und Erbteilungszwecke beinhalten.
Steuerliche Behandlung durch die Erben
Sollte im Rahmen der Sichtung eines Nachlasses im Hinblick auf
dessen Erfassung in Inventar und/oder letzter Steuererklärung
des Erblassers eine Unterbesteuerung als wahrscheinlich erscheinen,
ist eine Nachbesteuerung durch die Erben im Rahmen einer
vereinfachten Nachbesteuerung in Erbfällen (Art. 153a DBG;
Art. 53a StHG) zu prüfen. Aufgrund des Zeitdrucks ist in der
Praxis in aller Regel als erster Schritt eine Erstreckung der
Einreichungsfristen für Inventar bzw. Steuererklärung des
Erblassers per Todestag zu beantragen, um den involvierten Personen
mehr Zeit für die Beschaffung der erforderlichen Unterlagen
sowie eine Analyse der Ausgangslage und der einzuleitenden Schritte
zu verschaffen. Eine vereinfachte Nachbesteuerung von Erben kann
von jedem Erben einzeln eingeleitet werden. Zu beachten ist, dass
der Willensvollstrecker im Rahmen seiner Sorgfaltspflichten ein
Nachsteuerverfahren einleiten kann und muss, falls die Erben dies
Nach Abwicklung des Erbgangs bzw. nach Empfang eines
Vermächtnisses ist schliesslich von den Erben und
Vermächtnisnehmern im Hinblick auf ihre spezifische Situation
zu prüfen, wie einzelne geerbte Kunstwerke bei ihnen
steuerlich zu behandeln sind. Dabei ist der Praxis des jeweiligen
Wohnsitzkantons bzw. -staats im Hinblick auf eine konsistente
steuerliche Behandlung direkt ab dem Zeitpunkt des
Vermögensanfalls Rechnung zu tragen, um eine Unterbesteuerung
beim Erben bzw. Vermächtnisnehmer zu vermeiden.
Kunst beim Grenzübertritt
Auch beim Grenzübertritt ist der Wertbestimmung des in
Frage stehenden Kunstwerks Beachtung zu schenken. Namentlich beim
definitiven Import in die Schweiz und bei Freipassverfahren
bemessen sich Einfuhrabgaben und Sicherstellungsbeträge bei
Veräusserungs- und Kommissionsgeschäften am Erwerbspreis
zuzüglich Transportkosten des Werks und ansonsten am Marktwert
(Art. 54 Abs. 1 MWSTG [SR 641.20]).
Es ist somit zu empfehlen, den Erwerbspreis in geeigneter Form
zu dokumentieren (schriftlicher Kaufvertrag) bzw. im Hinblick auf
einen geplanten Erwerb mit anschliessender Einfuhr eine
Schätzung des in Frage stehenden Kunstwerks zu veranlassen.
Namentlich die Einfuhr basierend auf zu tief ausgestellten
Rechnungen (sog. Proforma- Rechnungen) wird, als
steuerverkürzende Handlung, durch die zuständigen
Behörden unter Berücksichtigung sämtlicher
Beweismittel geahndet. Zur Feststellung eines realistischen
Erwerbspreises bzw. Marktwerts eines Kunstwerks können die
Behörden dabei nicht nur eine vollständige Kauf -
dokumentation (inkl. Zahlungsbelegen) anfordern, sondern z.B. auch
eine Verkehrswertschätzung (Sachverständigengutachten) in
Eine professionelle Bewirtschaftung von Kunstwerken umfasst
nicht nur kuratorische, sondern auch wirtschaftliche Aspekte. Neben
einer adäquaten und vollständigen Katalogisierung eines
Bestandes empfiehlt sich insbesondere eine periodische Bewertung
der Kunstwerke durch Schätzungen, verbunden mit einer
regelmässigen Standortanalyse bezüglich der steuerlichen
Behandlung der Werke. Nur so kann eine sinnvolle und pragmatische
Besteuerung sichergestellt und aufrechterhalten werden, und nur so
kann ein Kunstbestand adäquat versichert, weiterentwickelt und
im Hinblick auf eine spätere Erbteilung aufbereitet warden
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