Source: https://www.juraforum.de/lexikon/kind
Timestamp: 2018-08-14 17:30:47
Document Index: 225140635

Matched Legal Cases: ['§ 828', '§ 828', '§ 1631', '§ 19', '§ 26', '§ 13', '§ 642', '§ 26']

ᐅ Kind: Definition, Begriff und Erklärung im JuraForum.de
Erklärung zum Begriff Kind
Haftung von Kindern
Besondere Rechte der Kinder
Juristisch definiert wird als „Kind“ eine Person vor Vollendung des 14. Lebensjahres.
Die Haftung von Kindern wird differenziert betrachtet: Bis zur Vollendung des 7. Lebensjahres sind Kinder nach dem § 828 BGB regelmäßig nicht haftbar. Minderjährige, die das 10. Lebensjahr jedoch noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet haben, sind nach dem § 828 BGB des Bürgerlichen Gesetzbuches nicht verantwortlich für den entstandenen Schaden, für den Fall, dass sie offensichtlich nicht die notwendige Einsicht für diese Erkenntnis besaßen.
Statistisch sind „Kinder“ alle die Personen, die selbst noch keine eigenen Kinder haben und ferner in einem gemeinsamen Haushalt mit mindestens einem Elternteil leben. Dazu gehören ebenso Stief- und Adoptiv- oder Pflegekinder. Dabei existiert bei diesen Statistiken keine Altersbegrenzung. So ist der Begriff „Kind“ in der Statistik vollkommen anders beschrieben als er es in juristischem Sinne ist.
Kinder haben spezielle Rechte, welche jedoch nicht explizit im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert sind:
Recht auf persönliche Ehre
Recht auf Schutz vor Ausbeutung und Gewalt
Wann die Menschheit begann, Kinder als bloßes Besitztum der Eltern zu betrachten, wird wohl nie geklärt werden. Klar ist, dass dies bis in das 20. Jahrhundert hinein so war und teilweise auch noch heute so ist. Der 'pater familias' der alten Römer entschied über Leben und Tod eines Säuglings. Die Aufklärung, die französische Revolution brachte zumindest auf dem Papier die Bürgerrechte. Die Kindheit wurde, wenn auch zögerlich, als ein eigenständiger Lebensabschnitt betrachtet. Der berühmt gewordene Satz aus der Erklärung der Bürgerrechte, der 'Déclaration des droits de l'homme et du citoyen aus dem Jahre 1789:
'Die Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren und bleiben es.'
hatte jedoch in Bezug auf die Rechte der Kinder keine einschneidende Bedeutung. Erste Bemühungen schienen zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf, nachdem Kinder jahrzehntelang im Rahmen der industriellen Revolution ausgebeutet wurden. In England wurde 1833 die Fabrikarbeit für Kinder, die das neunte Lebensjahr noch nicht erreicht hatten, verboten. Ein Gesetz in Deutschland von 1896 verbot 'grobe Misshandlung und unangemessene Züchtigung' durch Eltern und Bezugspersonen. Im Laufe der Zeit stellte sich auch das Strafrecht auf eine unterschiedliche Beurteilung von Heranwachsenden und Erwachsenen ein, die Trennung in Jugend- und Erwachsenenstrafrecht war die Folge.
Mit Beginn der Einführung der Schulpflicht zu Anfang des 20. Jahrhunderts kam die Kinderrechtsbewegung auf. Das Elend von Flüchtlingskindern nach dem 1. Weltkrieg tat das seine, das öffentliche Bewusstsein aufzurütteln. So verfasste der polnische Pädagoge und Kinderarzt Janusz Koczak die 'Magna Charta Libertatis'. Hierin pochte er auf das Recht der Kinder auf eine 'uneingeschränkte Achtung ihrer Persönlichkeit' als eine absolute Grundlage für sämtliche Kinderrechte. In 1946 gründete sich, der Zweck die Hilfe für vom zweiten Weltkrieg betroffene Kinder, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, die UNICEF. Die UNESCO tritt seit 1945 für das Grundrecht auf Bildung ein. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte beinhaltet in Artikel 25 das Recht einer Familie auf Unterstützung, in Artikel 26 das Recht auf Bildung.
Die Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 28.11.1989 durch die meisten der Staaten auf dieser Erde lässt darauf schließen, dass diese auch als verbindlich angesehen werden. Auch das Haager Minderjährigenschutzabkommen ist von großer Bedeutung. In der Bundesrepublik Deutschland finden sich die Kinder- und Jugendrechte zum Beispiel im Familienrechtsabschnitt des BGB in den Landesschulgesetzen, dem SGB VIII, im JGG und ebenfalls bezeichnend deutlich im Gesetz über religiöse Kindererziehung. Die Familie und insbesondere die Kinder haben in der Deutschen Verfassung, der allgemeinen Rechtsprechung, also konkret der Urteilsfindung der Justiz, egal ob in Scheidungsrecht oder anderen Rechtsbereichen, immer höchste Priorität.
Die UN-Kinderrechtskonvention der Generalversammlung der Vereinten Nationen
Die zwei wesentlichen Basispunkte der Konvention sind die Definition von allen Menschen unter dem Alter von 18 Jahren als 'Kind' sowie die Feststellung, dass allen Kindern auch Menschenrechte zustehen. In der Konvention sind 54 Artikel zum Kinderrecht niedergeschrieben. In drei zusätzlichen Protokollen geht es um die Mitwirkung von Kindern in kriegerischen Auseinandersetzungen, den Verkauf von Kindern und deren sexuelle Ausbeutung. Die Kinderrechtsartikel weisen durchaus Ähnlichkeit mit den Grundrechtskatalogen auf. Auch ihr Thema ist unter anderem Informationsfreiheit, Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit. Die Allgemeinen Prinzipien, die 'general principles' formulierte der 'UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes in Genf.
Es gibt Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte:
Die Schutzrechte sind beispielsweise der Schutz vor der Trennung von den Eltern, der Schutz von Kinderflüchtlingen und Minderheiten, der Schutz vor Schädigung durch die Medien.
Die Förderrechte sind zum Beispiel das Recht auf Förderung der Familienzusammenführung, das Recht auf Leben und Entwicklung, das Recht auf kulturelle Entfaltung, das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard.
Die Beteiligungsrechte sind unter anderem das Recht auf Informationsbeschaffung- und Weitergabe, das Recht auf freie Meinungsäußerung-, das Recht auf die Nutzung von Medien, die kindgerecht sind.
Zu nennen sind das Recht auf beide Eltern, das Recht auf Familienzusammenführung genauso wie das Recht auf Leben und Entwicklung. Weiter das Recht auf Versammlungsfreiheit. Das Recht auf Förderung bei Behinderung, auf Gesundheitsvorsorge ebenso auf Integration geschädigter Kinder, weiter auf angemessenen Lebensstandard. Das Recht auf Bildung und das Recht auf Zugang zu Medien sind formuliert, das Recht auf Freizeit, Spiel und Entfaltung. Kinder haben ebenso das Recht auf kulturelle Entfaltung, das Recht auf Ruhe.
Alle Rechte gelten ausnahmslos für alle Kinder. Der Staat hat die Verpflichtung, Kinder und Jugendliche vor allen Formen der Diskriminierung zu bewahren. Schon in der Präambel der Kinderrechtskonvention wird explizit auf die Gleichbehandlung aller Menschen von Geburt an eingegangen.
Vorrang des Kindeswohls
Werden irgendwelche Maßnahmen in der Gesetzgebung, Maßnahmen der Verwaltung oder solche öffentlicher Art, in öffentlichen oder privaten Einrichtungen beschlossen, so ist nach dem Generalprinzip der Orientierung am Kindeswohl zu handeln.
Berücksichtigung der Kindermeinung
Hier wird das Recht der Kinder beschrieben, bei allen Angelegenheiten, die sie angehen, durch einen Vertreter gehört zu werden. Entsprechend der Reife des Kindes, auch seines Alters, soll das Kind angemessen mit seiner Meinung am Entscheidungsprozess beteiligt sein.
JuraforumWiki-Redaktion, Sebastian
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