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Timestamp: 2020-03-31 13:34:44
Document Index: 136455129

Matched Legal Cases: ['§ 20', '§ 20', '§ 9', '§ 11', '§ 20', '§ 22', '§ 9', '§ 9', '§ 19', '§ 7', '§ 9', '§ 20', '§ 21', '§ 11', '§ 1', '§ 7', '§ 170', '§ 44', '§ 9', '§ 9', '§ 19', '§ 39', '§ 94', '§ 11', '§ 28', '§ 91', '§ 9', '§ 9', '§ 33', '§ 9']

BSG Urteil vom 17.07.2014 - B 14 AS 54/13 R | Haufe Personal Office Platin | Personal | Haufe
BSG Urteil vom 17.07.2014 - B 14 AS 54/13 R
Grundsicherung für Arbeitsuchende. Zusammensetzung der Bedarfsgemeinschaft bei einem Drei-Generationen-Haushalt. Höhe der Regelleistung. Einkommensberücksichtigung. Weiterleitung des Kindergeldes durch den Großelternteil an den Elternteil. keine Berücksichtigung als Einkommen des Elternteils
1. Alleinstehend iS des § 20 Abs 2 S 1 SGB 2 ist nur der Hilfebedürftige, der keiner Bedarfsgemeinschaft mit anderen Hilfebedürftigen angehört bzw allein für seine Person eine Bedarfsgemeinschaft bildet (vgl BSG vom 7.11.2006 - B 7b AS 6/06 R = BSGE 97, 211 = SozR 4-4200 § 20 Nr 2).
2. § 9 Abs 3 SGB 2 schließt nach seinem Sinn und Zweck auch die normative Zurechnung des Kindergeldes als Einkommen des Kindes nach § 11 Abs 1 S 3 SGB 2 aF aus, wenn dieses Kind schwanger ist oder ein eigenes Kind unter sechs Jahren betreut.
3. Kindergeld für volljährige, nicht zur Bedarfsgemeinschaft gehörende, aber im Haushalt lebende Kinder ist normativ dem Kindergeldberechtigten zugeordnet und bei diesem als Einkommen zu berücksichtigen (vgl BSG vom 23.11.2006 - B 11b AS 1/06 R = BSGE 97, 265 = SozR 4-4200 § 20 Nr 3, vom 31.10.2007 - B 14/11b AS 7/07 R = FamRZ 2008, 688, vom 6.12.2007 - B 14/7b AS 54/06 R = FamRZ 2008, 886, vom 19.3.2008 - B 11b AS 13/06 R = SozR 4-4200 § 22 Nr 6, vom 25.6.2008 - B 11b AS 45/06 R, vom 13.11.2008 - B 14/7b AS 4/07 R, vom 27.1.2009 - B 14/7b AS 14/07 R und vom 1.7.2009 - B 4 AS 9/09 R = SGb 2010, 367).
4. Auch einer Berücksichtigung des Kindergeldes im Rahmen der Unterhaltsvermutung nach § 9 Abs 5 SGB 2 steht § 9 Abs 3 SGB 2 bei Vorliegen seiner Voraussetzungen entgegen.
SGB 2 § 19 S. 1 Fassung: 2006-07-20, § 7 Abs. 1 S. 1 Fassung: 2003-12-24, Abs. 3 Nr. 1 Fassung: 2003-12-24, Nr. 2 Fassung: 2006-03-24, Nr. 4 Fassung: 2006-03-24, § 9 Abs. 2 S. 2 Fassung: 2006-03-24, Abs. 3 Fassung: 2003-12-24, Abs. 5 Fassung: 2003-12-24, § 20 Abs. 2 S. 1 Fassung: 2006-03-24, S. 2 Fassung: 2006-03-24, § 21 Abs. 3 Fassung: 2003-12-24, § 11 Abs. 1 S. 1 Fassung: 2003-12-24, S. 3 Fassung: 2006-03-24; AlgIIV § 1 Abs. 1 Nr. 8 Fassung: 2005-08-22
Hessisches LSG (Urteil vom 24.04.2013; Aktenzeichen L 6 AS 376/11)
SG Marburg (Gerichtsbescheid vom 24.06.2011; Aktenzeichen S 5 AS 313/10)
Die hiergegen erhobene Klage ist in beiden Instanzen erfolglos geblieben (Gerichtsbescheid des Sozialgerichts Marburg vom 24.6.2011, Urteil des Hessischen Landessozialgerichts ≪LSG≫ vom 24.4.2013). Das LSG hat im Wesentlichen ausgeführt: Die Klägerin habe keinen Anspruch auf höhere Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem SGB II ohne Anrechnung des Kindergeldes. Sie habe mit ihrer Tochter eine Bedarfsgemeinschaft gebildet, nicht aber mit ihrer Mutter bzw Großmutter ihrer Tochter. Der Gesetzgeber habe nach dem Wortlaut des § 7 Abs 3 SGB II mögliche überlappende Bedarfsgemeinschaften oder Drei-Generationen-Bedarfsgemeinschaften ersichtlich nicht gewollt. Im Sinne einer einschränkenden Auslegung sei der Bedarfsgemeinschaft der jüngsten Generation mit ihren Elternteilen der Vorrang einzuräumen. Kindergeld, das von einem nicht zur Bedarfsgemeinschaft gehörenden Elternteil dem volljährigen Kind zufließe, sei diesem zuzurechnen. Stünden bei diesem Kind die faktisch zugeflossenen Mittel zur Bedarfsdeckung zur Verfügung, seien diese grundsätzlich im Zuflussmonat als Einkommen - unabhängig vom Behaltendürfen - zu berücksichtigen.
Die zulässige Revision der Klägerin ist im Sinne der Aufhebung des Berufungsurteils und der Zurückverweisung an das LSG begründet (§ 170 Abs 2 Satz 2 Sozialgerichtsgesetz ≪SGG≫). Zwar sind die im Überprüfungsverfahren nach § 44 SGB X ergangenen Bescheide des Beklagten rechtswidrig, soweit durch sie ein Anspruch der Klägerin auf höhere Leistungen abgelehnt worden ist. Die Feststellungen des LSG reichen jedoch nicht aus, um abschließend entscheiden zu können, in welcher Höhe die Klägerin für die Zeit von Dezember 2007 bis Juni 2008 Alg II beanspruchen kann.
§ 9 Abs 3 SGB II schließt die Anwendung von § 9 Abs 2 Satz 2 SGB II (in der Fassung des Gesetzes zur Fortentwicklung der Grundsicherung für Arbeitsuchende vom 20.7.2006, BGBl I 1706) aus, wonach das Einkommen und Vermögen der Eltern oder des Elternteils und dessen in Bedarfsgemeinschaft lebenden Partners bei unverheirateten Kindern, die mit ihren Eltern oder einem Elternteil in Bedarfsgemeinschaft leben, zu berücksichtigen sind. Dieser - aus dem Sozialhilferecht (§ 19 Abs 4 Zwölftes Buch Sozialgesetzbuch ≪SGB XII≫, vgl auch § 39 Satz 3 Nr 1 und § 94 Abs 1 Satz 4 SGB XII; zuvor bereits § 11 Abs 1 Satz 3 und § 28 Abs 1 Satz 2 Bundessozialhilfegesetz ≪BSHG≫ in der Fassung des Gesetzes zur Reform des Sozialhilferechts vom 23.7.1996, BGBl I 1088, sowie § 91 Abs 1 Satz 1 Halbsatz 2 BSHG in der Fassung des Schwangeren- und Familienhilfegesetzes vom 27.7.1992, BGBl I 1398) in das SGB II übernommene (vgl BT-Drucks 15/1516 S 53; BT-Drucks 15/1514 S 57, 61) - Ausschluss dient dem Schutz des ungeborenen Lebens und soll verhindern, dass Minderjährige oder junge Erwachsene aufgrund der sonst eingreifenden Einstandspflicht der Eltern, Elternteile oder deren Partner zu einem Schwangerschaftsabbruch veranlasst werden (BT-Drucks 15/1516 S 53; vgl Mecke in Eicher, SGB II, 3. Aufl 2013, § 9 RdNr 70; Thie in LPK-SGB II, 5. Aufl 2013, § 9 RdNr 44; vgl auch § 33 Abs 2 Satz 1 Nr 3 SGB II; vgl aus der Entstehungsgeschichte der Vorläufervorschriften des BSHG BR-Drucks 452/1/95 S 8 f und BT-Drucks 12/551 S 16). Hinzu kommt der Schutz der Gemeinschaft von Mutter oder Vater und Kind, zB gegenüber einer Zustimmung zur Adoption aufgrund wirtschaftlich motivierten Drucks der übrigen Bedarfsgemeinschaft (vgl Mecke in Eicher, SGB II, 3. Aufl 2013, § 9 RdNr 72).
BSGE 2015, 200
FamRZ 2014, 2000
FuR 2015, 123
FEVS 2015, 300
NDV-RD 2015, 51
SGb 2014, 501
ZfF 2014, 279