Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F16-09-2013-8C_435-2013
Timestamp: 2016-10-24 21:56:08
Document Index: 174531098

Matched Legal Cases: ['Art. 42', 'Art. 42', 'Art. 106', 'BGE', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 109', 'Art. 97', 'Art. 105', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 4', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

{T�0/2} 8C_435/2013 � � Urteil vom 16. September 2013
Z�rich Versicherungs-Gesellschaft AG, Litigation Hauptbranchen, 8085 Z�rich Versicherung,
Der 1947 geborene Z.________ war seit 1984, zuletzt als Chefarzt, f�r das Spital X.________ t�tig und in dieser Eigenschaft bei der Z�rich Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Z�rich) gegen die Folgen von Unf�llen und Berufskrankheiten versichert. Am 3. Februar 2001 brachte ihn beim Skifahren ein �ber die Piste gespanntes Kabel, welches f�r ein Skirennen auf Kopfh�he montiert worden war, zu Fall. Dabei zog er sich eine Hyperextension der Halswirbels�ule (HWS) zu. Eine Arbeitsunf�higkeit wurde nicht attestiert. Die Z�rich �bernahm die Heilungskosten. Mit Verf�gung vom 27. Oktober 2010 stellte sie ihre Leistungen r�ckwirkend per 31. August 2004 ein, wobei sie auf die R�ckforderung der dar�ber hinaus erbrachten Leistungen verzichtete. Daran hielt sie auf Einsprache hin fest (Einspracheentscheid vom 16. August 2011).
Das Verwaltungsgericht des Kantons Graub�nden wies die dagegen erhobene Beschwerde ab (Entscheid vom 28. August 2012).
Z.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren mit dem Antrag, es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen.
Gem�ss Art. 42 Abs. 1 BGG ist die Beschwerde zu begr�nden. Die Begr�ndung hat in gedr�ngter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt (Art. 42 Abs. 2 Satz 1 BGG). Eine qualifizierte R�gepflicht gilt hinsichtlich der Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem Recht. Das Bundesgericht pr�ft eine solche R�ge nur insofern, als sie in der Beschwerde pr�zise vorgebracht und begr�ndet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG, BGE 133 II 249 E. 1.4.3 S. 254 f. mit Hinweis).
2.1.�Der Beschwerdef�hrer bestreitet nicht, dass er auf Anfrage des kantonalen Gerichts an der urspr�nglich beantragten Durchf�hrung einer �ffentlichen Verhandlung nicht mehr festgehalten hatte (Best�tigung der Vorinstanz vom 16. Juli 2012), macht jedoch zuerst geltend, dass der Verzicht ausdr�cklich unter dem Vorbehalt seiner pers�nlichen Befragung gestanden sei. Gem�ss Schreiben vom 17. Juli 2012 an das kantonale Gericht best�tigte er seinen Verzicht und f�hrte zur "Beweisofferte der pers�nlichen Befragung der versicherten Person" lediglich noch aus, es diene der Urteilsfindung, wenn sich das Gericht von seiner Person einen pers�nlichen Eindruck machen k�nne, was notwendig oder zumindest zur Beantwortung der Frage n�tzlich sei, ob er seine Arbeitsf�higkeit im Rahmen des medizinisch Zumutbaren verwerte. Damit stellte er klar, dass es ihm nur um eine Befragung im Sinne einer Beweismassnahme gegangen ist. Durch den vorinstanzlichen Verzicht auf eine m�ndliche Befragung des Versicherten (antizipierte Beweisw�rdigung; BGE 137 V 64 E. 5.2 S. 69; 136 I 229 E. 5.3 S. 236; 134 I 140 E. 5.3 S. 148; 124 V 90 E. 4b S. 94) wurden unter diesen Umst�nden keine konventionsrechtlich gew�hrleisteten Verfahrensgarantien (Art. 6 Ziff. 1 EMRK) verletzt.
2.2.�Soweit der Versicherte r�gt, die Vorinstanz verletze Grundrechte, weil sie weder Verfahrensprotokoll noch Aktenverzeichnis gef�hrt und das Gesuch um Zustellung der vollst�ndigen Gerichtsakten "samt Protokoll- und Aktenverzeichnis" stillschweigend abgelehnt habe, kann ihm nicht gefolgt werden. Die kantonalen Gerichte sind weder zur F�hrung eines Aktenverzeichnisses noch eines Verfahrensprotokolls verpflichtet (der Rechtsvertreter des Beschwerdef�hrers hat �hnliche R�gen schon in fr�heren Verfahren erhoben, ohne damit durchzudringen; z.B. Urteil 9C_788/2010 vom 3. Februar 2011 E. 3.3 [Invalidenversicherung] und dortige Hinweise). Inwieweit die - unterteilt in "Rechtsschriften", "Beilagen Beschwerdef�hrer", "Beilagen Beschwerdegegner" und "Korrespondenz" und innerhalb dieser Dossiers chronologisch geordneten - vorinstanzlichen Gerichtsakten die F�hrung eines gesetzm�ssigen Prozesses verhinderten, begr�ndet der Versicherte nicht konkret. Er begn�gt sich vielmehr mit generellen Hinweisen, ohne im Einzelnen darzulegen, inwiefern ihn die behaupteten M�ngel an einer wirksamen Rechtsverfolgung gehindert h�tten. Es ist aber weder ersichtlich noch wird in der Beschwerde dargetan, dass ihm die Einsichtnahme in Akten verunm�glicht worden w�re, welche f�r die Verfechtung seines Standpunktes wichtig waren, oder dass sich der angefochtene Entscheid auf Unterlagen st�tzt, die ihm nicht bekannt gewesen sind (vgl. Urteil U 170/99 vom 4. Juli 2000 E. 6).
2.3.�Mit Blick auf den gen�gend abgekl�rten Sachverhalt (vgl. E. 3.2 nachfolgend) ist der Einwand, die Vorinstanz habe ein reines Aktenverfahren gef�hrt und die notwendige Beweiserhebung, insbesondere in medizinischer Hinsicht, nicht vorgenommen, weshalb sie die verfassungs- und konventionsrechtliche Justizgarantie verletze, nicht begr�ndet.
2.4.�Der Vorwurf der Befangenheit der Vorinstanz "durch grobe Unwissenschaftlichkeit" ist nicht stichhaltig. Der Versicherte verkennt mit seiner Behauptung, das kantonale Gericht habe seinen Entscheid "weg vom nat�rlichen Kausalzusammenhang hin zum ad�quaten Kausalzusammenhang" organisiert und sei bereit gewesen, "auf dem Weg zum gew�nschten Resultat alles zurechtzubiegen", dass die Frage der nat�rlichen Kausalit�t in der vorliegenden Konstellation offen bleiben konnte (E. 3.2.2 nachfolgend).
2.5.�Im angefochtenen Entscheid wird ausf�hrlich dargelegt, aus welchen Gr�nden der Auffassung des Versicherten, wonach im Verwaltungsverfahren verschiedene relevante M�ngel aufgetreten seien, nicht gefolgt werden kann. Darauf wird verwiesen (Art. 109 Abs. 3 BGG). Die wiederholte und teilweise erweiterte Argumentation in der dem Bundesgericht eingereichten Beschwerde vermag keinen Anlass f�r eine andere Beurteilung zu bieten.
2.6.�Der Beschwerdef�hrer moniert zwar den Umstand, dass der vorinstanzliche Entscheid am 28. August 2012 gef�llt, erst anschliessend begr�ndet und am 6. Mai 2013 verschickt wurde. Er verlangt (auch) aus diesem Grund die Aufhebung des Urteils und die R�ckweisung zur grundrechtskonformen Entscheidf�llung, l�sst aber unbeantwortet, welches Grundrecht verletzt und welcher Nachteil ihm erwachsen sein soll, nachdem die - zweifellos eingehaltene - Rechtsmittelfrist erst mit der Zustellung des begr�ndeten Entscheides am 7. Mai 2013 zu laufen begonnen hatte. Daher er�brigen sich Weiterungen.
In materieller Hinsicht ist die Leistungspflicht der Z�rich im Zusammenhang mit den �ber den 31. August 2004 hinaus anhaltend geklagten Beschwerden des Versicherten streitig.
3.1.�Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Milit�r- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG). Wie sich nachfolgend zeigt, besteht allerdings im vorliegenden Fall kein Grund, von der Sachverhaltsfeststellung des kantonalen Gerichts abzuweichen.
3.1.1.�Der Beschwerdef�hrer macht zwar geltend, dass er unter einem organischen Gesundheitsschaden leide, unterl�sst es aber, die konkreten somatischen Beschwerden zu benennen, welche �ber den 31. August 2004 andauerten. Es kann dahingestellt bleiben, ob er sich beim Skiunfall durch das Kabel und den Sturz die behaupteten Sch�rfungen und Schwellungen, bzw. "innere und �ussere Verletzungen" zugezogen hatte. Denn der Leistungsanspruch ist f�r die Zeit ab Unfalldatum bis Ende August 2004 gar nicht umstritten. Hingegen liegt ein organisch objektiver Nachweis f�r eine �ber den 31. August 2004 hinaus andauernde unfallbedingte Verletzung nicht vor. Der Versicherte verkennt, dass lediglich diejenigen Untersuchungsergebnisse objektivierbar sind, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabh�ngig sind. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann somit erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abkl�rungen best�tigt wurden und die dabei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (BGE 138 V 248 E. 5.1 S. 251 mit Hinweis). Davon kann mit Blick auf die von der Vorinstanz umfassend gew�rdigten medizinischen Unterlagen nicht ausgegangen werden. Der Einwand des Beschwerdef�hrers, die Z�rich sei beweisrechtlich an die Ergebnisse der von ihr und dem Haftpflichtversicherer eingeholten Expertise des Prof. Dr. med. S.________, Facharzt f�r Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 9. November 2004 (sowie des Verlaufsgutachtens vom 28. November 2005) gebunden, geht fehl (vgl. zum Beweiswert und zur W�rdigung �rztlicher Berichte und Gutachten: BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
3.1.2.�Ob der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 3. Februar 2001 und den anhaltend geklagten, organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden des Versicherten gegeben ist, wurde von der Vorinstanz offen gelassen. Dieses Vorgehen l�sst sich nicht beanstanden, denn es kann tats�chlich darauf verzichtet werden, Bestand und nat�rliche Kausalit�t der nicht objektiv erkl�rbaren Einschr�nkungen und Beschwerden n�her abzukl�ren, wenn es sich erweist, dass ein allf�lliger nat�rlicher Kausalzusammenhang nicht ad�quat und damit nicht rechtsgen�glich w�re (BGE 135 V 465 E. 5.1 S. 472). Der Versicherte verkennt, dass vorliegend f�r eine einwandfreie Ad�quanzpr�fung keine zus�tzlichen medizinischen Abkl�rungen mehr notwendig sind.
3.2.�Zu beurteilen ist unter dem Blickwinkel der in Art. 6 UVG (in Verbindung mit Art. 4 ATSG) angelegten Anspruchsvoraussetzungen der Kausalit�t demnach, ob die �ber den 31. August 2004 hinaus andauernden (allenfalls zu Arbeits-, Erwerbsunf�higkeit, Integrit�tseinbusse etc. f�hrenden) Beschwerden in einem ad�quaten Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 3. Februar 2001 stehen.
3.2.1.�Der Beschwerdef�hrer ist der Ansicht, er habe kein Schleudertrauma im Rechtssinn erlitten, weshalb die dazu ergangene Rechtsprechung keine Anwendung finde. Vielmehr sei von somatischen Unfallfolgen auszugehen. Sinngem�ss leitet er daraus ab, der nat�rliche Kausalzusammenhang sei ohne separate Ad�quanzpr�fung zu bejahen. Diesem Ansinnen kann mit Blick auf die - zumindest f�r die Zeit nach 31. August 2004 - fehlenden organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen keine Folge geleistet werden, wie sich bereits aus Erw�gung 3.1.1 hiervor ergibt. Letztlich kann auch offen gelassen werden, ob die Ad�quanz nach Massgabe der in BGE 115 V 133 (E. 6 S. 138 ff.) f�r psychische Unfallfolgen definierten Kriterien zu pr�fen oder auf der Basis der in BGE 134 V 109 (E. 10 S. 126 ff.) festgehaltenen, im Anschluss an Unf�lle mit Schleudertrauma, einer �quivalenten Verletzung der HWS oder einem Sch�del-Hirntrauma ohne organisch objektivierbare Funktionsausf�lle (sog. Schleudertrauma-Praxis; vgl. auch BGE 117 V 369 E. 4b S. 382 f. mit Hinweisen) zur Anwendung gelangenden Faktoren zu beurteilen ist. Denn selbst die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis, welche auf eine Differenzierung zwischen k�rperlichen und psychischen Komponenten verzichtet (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367), f�hrt nicht zu einem f�r den Beschwerdef�hrer vorteilhafteren Ergebnis (vgl. Urteil 8C_363/2012 vom 27. Juni 2012 E. 4.2 mit Hinweis), wie der angefochtene Gerichtsentscheid in nicht zu beanstandender Weise zeigt. Das kantonale Gericht hat den ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 3. Februar 2001 und den �ber den 31. August 2004 hinaus geltend gemachten gesundheitlichen Beeintr�chtigungen nach den Regeln der Schleudertrauma-Praxis gepr�ft und verneint, weil keines der Ad�quanzkriterien erf�llt ist.
3.3.�Bei diesem Ergebnis er�brigen sich Weiterungen zu den Einw�nden des Versicherten betreffend der �berwindbarkeit seiner Beschwerden (vgl. BGE 136 V 279 E. 3.2.3 S. 283 und Urteil 8C_730/2011 vom 9. Dezember 2011 E. 5).