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Timestamp: 2018-06-22 15:11:54
Document Index: 36306953

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 195', '§ 199', 'BGH', '§ 812', 'BGH', '§ 307', 'BGH', 'BGH']

﻿ Verjährungsfrist für Erstattung von Kreditbearbeitungsgebühren beträgt 10 Jahre
Verjährungsfrist für Erstattung von Kreditbearbeitungsgebühren beträgt 10 Jahre
Wer Ratenkreditverträge mit Kreditbearbeitungsgebühren im Jahr 2011 oder früher abgeschlossen hat, muss bis zum 31.12.2014 die sonst ablaufende Verjährungsfrist durch einen gerichtlichen Mahnbescheid bzw. eine Klage unterbrechen, sonst ist es auch nach den gestern getroffenen BGH-Urteilen zu spät.
Der u.a. für das Bankrecht zuständige XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs befand am 28.10.2014 in zwei Entscheidungen erstmals über die Frage des Verjährungsbeginns für Rückforderungsansprüche von Kreditnehmern bei unwirksam formularmäßig vereinbarten Darlehensbearbeitungsentgelten in Verbraucherkreditverträgen, die auch als Ratenkredite oder Konsumentenkredite bezeichnet werden. Immobiliendarlehen sind damit nicht gemeint.
Danach begann die kenntnisabhängige dreijährige Verjährungsfrist nach § 195 BGB i.V.m. § 199 Abs. 1 BGB für früher entstandene Rückforderungsansprüche erst mit dem Schluss des Jahres 2011 zu laufen, weil Darlehensnehmern die Erhebung einer entsprechenden Rückforderungsklage nicht vor dem Jahre 2011 zumutbar war.
Der Kläger verlangt von der Beklagten die Erstattung dieser Bearbeitungsentgelte. Mit seiner im Dezember 2012 bei Gericht eingereichten Klage hat er ursprünglich die Verurteilung der Beklagten zur Zahlung von insgesamt 2.079,30 € erstrebt. Die Beklagte hat die Klageforderung in Höhe eines Teilbetrags von 1.015,96 € – darin enthalten das Bearbeitungsentgelt für das im Jahre 2011 gewährte Darlehen sowie ein Teil des Bearbeitungsentgelts für das im Jahr 2008 aufgenommene Darlehen anerkannt; im Übrigen erhebt sie die Einrede der Verjährung.
Wegen des von der Beklagten nicht anerkannten Restbetrags der Klageforderung ist die Klage in den Vorinstanzen, die vom Verjährungseintritt ausgegangen sind, erfolglos geblieben.
BGH, Urteil vom 28.10.2014, Az. XI ZR 348/13
LG Mönchengladbach, Urteil vom 4.9.2013, Az. 2 S 48/13
AG Mönchengladbach, Urteil vom 21.3.2013, Az. 3 C 600/12
Im Verfahren XI ZR 17/14 schloss der dortige Kläger mit der dortigen Beklagten im Februar 2008 einen Verbraucherdarlehensvertrag über einen Nettokreditbetrag von 18.500 € ab. Die Beklagte berechnete ein Bearbeitungsentgelt in Höhe von 555 €, das der Kläger mit seiner im Jahre 2013 erhobenen Klage zurückfordert; die Beklagte erhebt ebenfalls die Verjährungseinrede.
Die Rückforderungsklage war hier in beiden Vorinstanzen erfolgreich. Der XI. Zivilsenat hat im Verfahren XI ZR 348/13 auf die Revision des klagenden Kreditnehmers das Berufungsurteil aufgehoben und die beklagte Bank zur Zahlung auch des von ihr nicht anerkannten Restbetrags der Klageforderung verurteilt.
Im Verfahren XI ZR 17/14 ist die Revision der dort beklagten Bank erfolglos geblieben. In beiden Rechtsstreiten sind die Berufungsgerichte im Ergebnis zutreffend davon ausgegangen, dass die jeweilige Beklagte die streitigen Bearbeitungsentgelte durch Leistung der Klagepartei ohne rechtlichen Grund erlangt hat, § 812 Abs. 1 Satz 1 Fall 1 BGB.
BGH, Urteil vom 28.10.2014, Az. XI ZR 17/14
LG Stuttgart, Urteil vom 18.12.2013, Az. 13 S 127/13
AG Stuttgart, Urteil vom 24.7.2013, Az. 13 C 2949/13
10jährige Verjährungsfrist
Die Vereinbarung von Bearbeitungsentgelten in Allgemeinen Geschäftsbedingungen für Verbraucherkreditverträge ist, wie der XI. Zivilsenat mit seinen beiden Urteilen vom 13.5.2014 entschieden hat, gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB unwirksam.
Diese Rechtsprechung gilt auch für die hier streitgegenständlichen Entgeltregelungen. Die Rückzahlungsansprüche beider Kläger sind zudem nicht verjährt; die gegenteilige Annahme der Vorinstanzen in der Sache XI ZR 348/13 ist unzutreffend.
Angesichts des Umstands, dass Bearbeitungsentgelte in "banküblicher Höhe" von zuletzt bis zu 2 % von der älteren Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gebilligt worden waren, war Darlehensnehmern vorliegend die Erhebung einer Rückforderungsklage erst zumutbar, nachdem sich im Laufe des Jahres 2011 eine gefestigte oberlandesgerichtliche Rechtsprechung herausgebildet hatte, die Bearbeitungsentgelte in Allgemeinen Geschäftsbedingungen beim Abschluss von Verbraucherdarlehensverträgen missbilligte.
Seither musste ein rechtskundiger Dritter billigerweise damit rechnen, dass Banken die erfolgreiche Berufung auf die ältere Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs künftig versagt werden würde.
Haben Sie in der Vergangenheit einen Ratenkredit aufgenommen? Dann schauen Sie im Vertrag nach, ob Ihnen Bearbeitungsgebühren in Rechnung gestellt wurden! Ist das der Fall, können Sie dieses Geld von der Bank zurückverlangen. Berufen Sie sich dabei auf die aktuelle Rechtsprechung des BGH! Angehalten werden kann die dreijährige Verjährung lediglich durch eine gerichtliche Klage.
Weitere Geldtipps-Informationen zu diesen beiden BGH-Urteilen: Geisterdebatte um Erstattung von Bearbeitungsgebühren bei Hypothekendarlehen
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