Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%202013,%201157
Timestamp: 2019-06-19 12:02:10
Document Index: 184715414

Matched Legal Cases: ['§ 123', '§ 22', '§ 213', '§ 213', '§ 213', '§ 213', '§ 213', '§ 1', '§ 213', 'BGH', 'BGH', '§ 213', 'BGH', '§ 126', '§ 19']

OLG Saarbrücken, 10.10.2012 - 5 U 408/11, 5 U 408/11 - 57 - dejure.org
OLG Saarbrücken, 10.10.2012 - 5 U 408/11, 5 U 408/11 - 57
https://dejure.org/2012,49703
OLG Saarbrücken, 10.10.2012 - 5 U 408/11, 5 U 408/11 - 57 (https://dejure.org/2012,49703)
OLG Saarbrücken, Entscheidung vom 10.10.2012 - 5 U 408/11, 5 U 408/11 - 57 (https://dejure.org/2012,49703)
OLG Saarbrücken, Entscheidung vom 10. Januar 2012 - 5 U 408/11, 5 U 408/11 - 57 (https://dejure.org/2012,49703)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2012,49703) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Private Rentenversicherung: Textform der Gesundheitsfragen; Anzeigepflichtverletzung bei Schweigepflichtentbindung für den Todesfall; Mitteilung eingeholter Auskünfte an Erben oder Angehörige
BGB § 123 Abs. 1; VVG § 22
Anfechtung eines Rentenversicherungsvertrages wegen arglistiger Täuschung bei Beantwortung der Gesundheitsfragen
Postmortale Gesundheitsdatenerhebung zum Zwecke der überprüfung der vorvertraglichen Anzeigepflicht des Versicherungsnehmers
LG Saarbrücken, 30.09.2011 - 12 O 148/10
VersR 2013, 1157
Die überwiegende Meinung hält demgegenüber an den Grundsätzen der bisherigen Senatsrechtsprechung auch nach Inkrafttreten des § 213 VVG fest (OLG Brandenburg NJW-RR 2014, 1501, 1502; OLG Jena VersR 2011, 380, 382; OLG Saarbrücken VersR 2013, 1157, 1162;… D. Wendt in FAKomm-VersR, § 213 VVG Rn. 34;… Rixecker in Langheid/Rixecker, VVG 5. Aufl. § 213 Rn. 25 f.;… MünchKomm-VVG/Eberhardt, 2. Aufl. § 213 Rn. 139 ff.;… Klär/Heyers in PK-VVG, 3. Aufl. § 213 Rn. 49;… Schneider in Beckmann/Matusche-Beckmann, Versicherungsrechts-Handbuch 3. Aufl. § 1a Rn. 41a;… Spuhl in Marlow/Spuhl, Das Neue VVG kompakt 4. Aufl. Rn. 1477; Britz, Die Erhebung personenbezogener Gesundheitsdaten durch Versicherungsunternehmen bei Dritten gemäß § 213 VVG unter Berücksichtigung des Gendiagnostikgesetzes, 2011 S. 252-257; Washausen, Der Gesundheitsdatenschutz im Privatversicherungsrecht, 2016 S. 242-249; Looschelders, JR 2010, 530, 531).
Einen allgemeinen Satz der Lebenserfahrung des Inhalts, dass eine bewusst unrichtige Beantwortung von Gesundheitsfragen immer oder nur in der Absicht geschieht, den Willen des Versicherers entsprechend zu beeinflussen, gibt es nicht (BGH, Versäumnisurteil vom 24. November 2010 - IV ZR 252/08, VersR 2011, 338; Senat, Urteil vom 9. September 2009 - 5 U 510/08-93, VersR 2009, 1479; Urteil vom 10. Oktober 2012 - 5 U 408/11-57, VersR 2013, 1157).
Für ein arglistiges Verhalten des Versicherungsnehmers spricht es, wenn dieser Erkrankungen verschweigt, die ihm offensichtlich erheblich für das versicherte Risiko erscheinen mussten, wie namentlich schwere, chronische oder schadengeneigte oder immer wieder auftretende zahlreiche oder dauerhafte Erkrankungen oder gesundheitliche Beeinträchtigungen (Senat, Urteil vom 9. November 2005 - 5 U 50/05-6, VersR 2006, 681; Urteil vom 10. Oktober 2012, a.a.O.).
Liegen - wie hier - objektive Falschangaben vor, so ist es überdies Sache des Versicherungsnehmers, substantiiert plausibel zu machen, warum und wie es zu diesen objektiv falschen Angaben gekommen ist (vgl. BGH, Beschluss vom 7. November 2007 - IV ZR 103/06, VersR 2008, 242; Senat, Urteil vom 8. März 2006 - 5 U 269/05, VersR 2007, 96; Urteil vom 10. Oktober 2012 - 5 U 408/11-57, VersR 2013, 1157).
Davon abgesehen, dass ein Verstoß gegen die Vorgaben des § 213 VVG auf der Grundlage des im Berufungsrechtszug zugrunde zu legenden Sach- und Streitstandes nicht erkennbar ist, insbesondere die vorgelegten Schweigepflichtenbindungen dem Gesetz entsprechen (vgl. BGH, Urteil vom 5. Juli 2017 - IV ZR 121/15, VersR 2017, 1129; Senat, Urteil vom 10. Oktober 2012 - 5 U 408/11, VersR 2013 1157), hätte ein solcher Verstoß auf die beweisrechtliche Situation des Klägers keinen Einfluss.
Allerdings besteht eine Anzeigepflicht nur bei solchen Gefahrumständen, nach denen der Versicherer in Textform (§ 126b BGB) gefragt hat, wobei die Wahrung des Textformerfordernisses voraussetzt, dass die Fragen in einer Urkunde oder in einer anderen zur dauerhaften Wiedergabe in Schriftzeichen geeigneten Weise gestellt wurden (OLG Saarbrücken, Urt. v. 10.10.2012, 5 U 408/11, zfs 2013, 223;… Langheid, in: Römer/Langheid, VVG, 4. Aufl. 2014, § 19 Rn. 56).