Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-betrieb/sanierungsgewinne-steuererlass-billigkeitsgruenden-3119550
Timestamp: 2019-08-20 08:15:53
Document Index: 225652772

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 163', '§ 227', '§ 4', '§ 163', '§ 163', 'Art.20', '§ 85', '§ 246']

Sanie­rungs­ge­win­ne – und der Steu­er­erlass aus Bil­lig­keits­grün­den | Rechtslupe
Mit dem unter den Vor­aus­set­zun­gen des BMF, Schrei­bens vom 27.03.20031, dem sog. Sanie­rungs­er­lass, vor­ge­se­he­nen Bil­lig­keits­er­lass der auf einen Sanie­rungs­ge­winn ent­fal­len­den Steu­er ver­stößt das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen nach einer Ent­schei­dung des Gro­ßen Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs gegen den Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung.
Die­se Ent­schei­dung des Gro­ßen Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs ist von grund­le­gen­der Bedeu­tung für die Besteue­rung insol­venz­ge­fähr­de­ter Unter­neh­men.
Die Ent­schei­dung des Gro­ßen Senats
Bedeu­tung die­ser Ent­schei­dung
Rechts­la­ge[↑]
Ein Sanie­rungs­ge­winn, der dadurch ent­steht, dass Schul­den zum Zwe­cke der Sanie­rung ganz oder teil­wei­se vom Gläu­bi­ger erlas­sen wer­den, erhöht das Betriebs­ver­mö­gen und ist grund­sätz­lich steu­er­bar. Bis zum Ver­an­la­gungs­zeit­raum 1997 waren Sanie­rungs­ge­win­ne nach § 3 Nr. 66 des Ein­kom­men-steu­er­ge­set­zes (EStG) a.F. in vol­ler Höhe steu­er­frei. Vor­aus­set­zung war die Sanie­rungs­be­dürf­tig­keit des Unter­neh­mens, der vol­le oder teil­wei­se Erlass sei­ner Schul­den, die inso­weit bestehen­de Sanie­rungs­ab­sicht der Gläu­bi­ger sowie die Sanie­rungs­eig­nung des Schul­den­er­las­ses. Seit Auf­he­bung die­ser Vor­schrift durch das Gesetz zur Fort­set­zung der Unter­neh­mens­steu­er­re­form vom 29.10.19972 ist ein Sanie­rungs­ge­winn dem­ge­gen­über grund­sätz­lich steu­er­pflich­tig. Eine Steu­er­be­frei­ung sol­cher Sanie­rungs­ge­win­ne kann nur durch Bil­lig­keits­maß­nah­men im Ein­zel­fall erreicht wer­den.
In dem Sanie­rungs­er­lass, der sich auf die Bil­lig­keits­re­ge­lun­gen der § 163 und § 227 AO stützt, hat das BMF in einer all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ver­wal­tungs­an­wei­sung gere­gelt, dass Ertrag­steu­ern auf einen Sanie­rungs­ge­winn unter ähn­li­chen Vor­aus­set­zun­gen wie unter der frü­he­ren Rechts­la­ge erlas­sen wer­den kön­nen3. Liegt ein Sanie­rungs­plan vor, wird davon aus­ge­gan­gen, dass die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind. Eine Prü­fung im Ein­zel­fall, ob per­sön­li­che oder sach­li­che Bil­lig­keits­grün­de vor­lie­gen, fin­det nicht mehr statt.
Die Ent­schei­dung des Gro­ßen Senats erging im Streit­fall eines Klä­gers, der als Ein­zel­un­ter­neh­mer sei­nen Gewinn nach § 4 Abs. 1 EStG ermit­tel­te. Er war mit sei­nem Betrieb über meh­re­re Jah­re mit Ver­lust tätig. Im Dezem­ber 2007 ver­zich­te­ten eine Spar­kas­se und eine Ban­ken­grup­pe auf „nicht bedien­ba­re For­de­run­gen”. Das für den Klä­ger zustän­di­ge Finanz­amt (Finanz­amt) berück­sich­tig­te bei den Ein­künf­ten des Klä­gers aus Gewer­be­be­trieb auch die For­de­rungs­ver­zich­te der Ban­ken in Höhe von ca. 620.000 € und setz­te mit Steu­er­be­scheid vom 17.02.2009 Ein­kom­men­steu­er ent­spre­chend fest. Der hier­ge­gen ein­ge­leg­te Ein­spruch hat­te kei­nen Erfolg.
Der Klä­ger bean­trag­te zudem den „Erlass der Steu­ern für 2007 aus dem Sanie­rungs­ge­winn”. Auch die­sen Antrag lehn­te das Finanz­amt ab. Mit Ein­spruchs­ent­schei­dung vom 18.04.2012 ent­schied das Finanz­amt, dass dem Klä­ger kein Bil­lig­keits­er­lass nach dem Sanie­rungs­er­lass zuste­he. Es feh­le ins­be­son­de­re an einer Sanie­rungs­eig­nung, da der Klä­ger auch im Fol­ge­jahr einen Ver­lust erlit­ten habe. Die Kla­ge zum Finanz­ge­richt hat­te kei­nen Erfolg.
Im Revi­si­ons­ver­fah­ren, dem das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen bei­getre­ten ist, leg­te der X. Senat des BFH dem Gro­ßen Senat die Fra­ge vor, ob der Sanie­rungs­er­lass gegen den Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung ver­stößt.
Der Finanz­ver­wal­tung ist es ver­wehrt, die­se Gewin­ne auf­grund eige­ner Ent­schei­dung gleich­wohl von der Besteue­rung zu befrei­en. Sie ver­stößt gegen den Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung, indem sie mit dem Sanie­rungs­er­lass die Besteue­rung eines trotz Aus­schöp­fung der Ver­lust­ver­rech­nungs-mög­lich­kei­ten ver­blei­ben­den Sanie­rungs­ge­winns unter Bedin­gun­gen, die der dama­li­gen gesetz­li­chen Steu­er­be­frei­ung ähn­lich sind, all­ge­mein als sach­lich unbil­lig erklärt und von der Besteue­rung aus­nimmt. Die im Sanie­rungs­er­lass auf­ge­stell­ten Vor­aus­set­zun­gen für einen Steu­er­erlass aus Bil­lig­keits­grün­den beschrei­ben kei­nen Fall sach­li­cher Unbil­lig­keit i.S. der §§ 163, 227 AO. Mit der Schaf­fung typi­sie­ren­der Rege­lun­gen für einen Steu­er­erlass außer­halb der nach §§ 163 und 227 AO im Ein­zel­fall mög­li­chen Bil­lig­keits­maß­nah­men nimmt das BMF eine struk­tu­rel­le Geset­zes­kor­rek­tur vor und ver­letzt damit das sowohl ver­fas­sungs­recht­lich (Art.20 Abs. 3 des Grund­ge­set­zes) als auch ein­fach­recht­lich (§ 85 Satz 1 AO) nor­mier­te Lega­li­täts­prin­zip.
Bedeu­tung die­ser Ent­schei­dung[↑]
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 28. Novem­ber 2016 – GrS 1/​15
Sanie­rungs­ge­win­ne – und der Steu­er­erlass aus… Mit dem unter den Vor­aus­set­zun­gen des BMF, Schrei­bens vom 27.03.2003 ((BMF, Schrei­ben vom 27.03.2003 – IV A 6‑S 2140−8÷03, BSt­Bl I 2003, 240; ergänzt durch BMF, Schrei­ben vom 22.12 2009…
Aus­set­zung des Ver­fah­rens – und der gestor­be­ne… Die Aus­set­zung des Ver­fah­rens gemäß § 246 Abs. 1 Halb­satz 2 ZPO setzt den wäh­rend des Ver­fah­rens ein­ge­tre­te­nen und fort­be­stehen­den Ver­lust der Pro­zess­fä­hig­keit oder Weg­fall des gesetz­li­chen Ver­tre­ters vor­aus. Hier­an…
Der Sanie­rungs­er­lass und die Steu­er­be­ra­ter­haf­tung Unter­lässt der Steu­er­be­ra­ter es pflicht­wid­rig, sei­nen Man­dan­ten dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die­ser Anspruch auf eine steu­er­li­che Son­der­be­hand­lung nach dem soge­nann­ten Sanie­rungs­er­lass hat, kann er die­sem für die dar­aus erwach­sen­den Nach­tei­le haf­ten,…
Die Erb­schaft als Betriebs­ein­nah­me Die für den Betrieb einer Pfle­ge­heim-GmbH bestimm­te Erb­schaft unter­liegt unge­ach­tet ihrer erb­schaft­steu­er­recht­li­chen Belas­tung der Kör­per­schaft­steu­er ((Anschluss an BFH, Urteil vom 14.03.2006 – VIII R 60/​03, BFHE 212, 535, BSt­Bl II…
BMF, Schrei­ben vom 27.03.2003 – IV A 6‑S 2140−8÷03, BSt­Bl I 2003, 240; ergänzt durch BMF, Schrei­ben vom 22.12 2009 – IV C 6‑S 2140÷07÷10001−01, BSt­Bl I 2010, 18↩
BMF, Schrei­ben vom 27.03.2003 – IV A 6 S 2140 8/​03, BSt­Bl I 2003, 240; ergänzt durch das BMF, Schrei­ben vom 22.12 2009 – IV C 6 S 2140÷07÷10001−01, BSt­Bl I 2010, 18↩
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