Source: https://www.grin.com/document/116247
Timestamp: 2018-01-18 10:05:37
Document Index: 120182881

Matched Legal Cases: ['§488', '§488', '§398', '§488', '§985', '§1007', '§ 869', '§687', '§ 678', '§249', '§816', '§816', '§812', '§823', '§826', '§280', '§280', '§823', '§ 687', '§812', '§280', '§812', '§823', '§280', '§280', '§280', '§488', '§ 3', '§ 868', '§ 4', '§ 5', '§ 6', '§ 6', '§ 7', '§488', '§488', '§398', '§399', '§488', '§488', '§5', '§398', '§398', '§7', '§7', '§305', '§305', '§305', '§310', '§305', '§14', '§305', '§275', '§771', '§805', '§805', '§65', '§65', '§275', '§41', '§46', '§771', '§771']

Kreditsicherungsrecht: Sicherungsübereignung - Zwangsvollstreckung ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
48 Seiten, Note: 10,00
A. Ansprüche der F
I. Darlehensrückzahlungsanspruch gegen A gem. §§488 Abs.1 S.1 BGB
II. Darlehensrückzahlungsanspruch gegen A gem. §§488 Abs.1 S.1, 398 Abs.1 BGB
a) Anspruch entstanden
aa) Darlehensvertrag zwischen A und L
bb) Abtretung der L an F gem. §398 Abs.1 BGB
b) Anspruch untergegangen
c) Anspruch durchsetzbar
III. Darlehensrückzahlungsanspruch gegen L gem. §§488ff. BGB
IV. Vertraglicher Herausgabeanspruch gegen A
aa) Vertragsübernahme
bb) Abtretung
b) Wirksamkeit des Vertrages
aa) Gläubigergefährdung
bb) Knebelung
cc) Übersicherung
(1) Anfängliche Übersicherung
(2) Nachträgliche Übersicherung
c) Sicherungszweck
2. Anspruch untergegangen
V. Ansprüche aus Drittwiderspruchsklage der F
b) Rechtsschutzbedürfnis
VI. Herausgabeanspruch gegen K aus §985
a) Eigentum der F
aa) Eigentumsübergang an L
bb) Eigentumsübergang an F
(2) Abtretung
cc) Verlust des Eigentums der F
VII. Herausgabeanspruch gegen K aus §1007 Abs.1, Abs.2 BGB
VIII. Herausgabeanspruch gegen K gem. §§ 869, 861 BGB
IX. Herausgabeanspruch gegen K aus §§687, Abs.2 S.1, 681 S.2, 667 BGB
b) Fremdheit des Geschäfts
c) Ohne Auftrag oder Berechtigung
d) Subjektive Voraussetzungen
aa) Kognitives Merkmal
bb) Finales Merkmal
X. Schadensersatzanspruch gegen K aus §§ 678, 687 Abs.2 S.1 i.V.m. §249 Abs.1 BGB
XI. Herausgabeanspruch gegen K aus §816 Abs.1 S.1 BGB
XII. Herausgabeanspruch gegen K aus §816 Abs.2 BGB
XIII. Herausgabeanspruch gegen K aus §812 Abs.1 S.1 2.Alt BGB
c) Auf Kosten eines anderen
d) Rechtsgrundlos
XIV. Schadensersatzanspruch gegen K aus §§823 Abs.1, 249 Abs.1 BGB
a) Rechtsgutverletzung
b) Kausalität zwischen Handlung und Rechtsgutsverletzung
f) Kausalität zwischen Rechtsgutsverletzung und Schaden
XV. Schadensersatzanspruch gegen K gem. §826 BGB
XVI. Schadensersatzanspruch gegen A aus §§280 Abs.3, 283 BGB
XVII. Schadensersatzanspruch gegen A aus §280 Abs.1, 242 BGB
(a) Pflichtverletzung
(b) Vertretenmüssen
(c) Schaden
(d) Kausalität
XVIII. Schadensersatzanspruch gegen A gem. §823 Abs.1 BGB
B. Ansprüche der L
C. Ansprüche des K
I. Anspruch aus vollstreckungsfähigem Urteil
II. Anspruch gegen F aus §§ 687 Abs.2 S.2, 684 S.1 i.V.m. §§812 ff. BGB
D. Ansprüche des A
I. Anspruch auf Sicherheitenfreigabe gegen L
II. Schadensersatzanspruch gegen L aus §§280 Abs.3, 283 BGB
a) Vertretenmüssen
III. Herausgabeanspruch gegen F gem. §812 Abs.1 BGB
IV. Schadensersatzanspruch gegen F gem. §§823 Abs.1, 826 BGB
F. Baccalaureus-Teil
I. Schadensersatzanspruch der F gegen A aus §280 Abs.1, 242 BGB
II. Schadensersatzanspruch der F gegen L aus §280 Abs.1, 242 BGB
III. Schadensersatzanspruch des A gegen L aus §§280 Abs.3, 283 BGB
IV. Darlehensrückzahlungsanspruch der F gegen L gem. §§488 Abs.1 S.1 BGB
Fuhrunternehmer A benötigt Geld für die Anschaffung einer Maschine. Er nimmt deshalb
bei der L-Bank ein Darlehen in Höhe von 100.000 € auf, das in zwei Jahren rückzahlbar
ist. Als Sicherheit übereignet A der L-Bank eine Lkw-Zugmaschine, deren gegenwärtiger
Wert 110.000 € beträgt. Der Sicherungsübereignungsvertrag enthält u.a. folgende
§ 3 Übergabeersatz
Der Sicherungsgeber verwahrt das Sicherungsgut für die Bank sorgfältig und
unentgeltlich, anstatt es der Bank zu übergeben, so dass die Bank mittelbaren Besitz
an dem Sicherungsgut im Sinne des § 868 BGB hat.
§ 4 Sicherungszweck
Die Übereignung und Übertragung der sonstigen mit diesem Vertrag bestellten
Rechte erfolgt zur Sicherung aller bestehenden, künftigen und bedingten Ansprüche,
die der Bank mit ihren sämtlichen in- und ausländischen Geschäftsstellen aus der
bankmäßigen Geschäftsverbindung gegen den Sicherungsgeber.
§ 5 Herausgabe des Sicherungsgutes an die Bank
Die Bank darf die Herausgabe von Sicherungsgut ferner verlangen, wenn sie gemäß
§ 6 wegen des Zahlungsverzuges eines Kreditnehmers zur Verwertung des
Sicherungsgutes befugt ist.
§ 6 Verwertungsrecht der Bank
(1) Bei Verzug des Kreditnehmers mit fälligen Zahlungen auf die durch diesen
Vertrag gesicherten Forderungen ist die Bank zur Verwertung des Sicherungsguts
berechtigt. Die Bank wird das Sicherungsgut nur in dem Umfang verwerten, als dies
zur Erfüllung der rückständigen Forderungen erforderlich ist.
(2) Die Bank wird dem Sicherungsgeber die Verwertung unter Fristsetzung schriftlich
androhen. Ist der Abschluss dieses Vertrages für die Sicherungsgeber ein
Handelsgeschäft, beträgt die Frist mindestens eine Woche. In allen übrigen Fällen
beträgt sie einen Monat. Einer Androhung und Fristsetzung bedarf es jedoch nicht,
wenn der Sicherungsgeber oder ein Schuldner seine Zahlungen eingestellt hat oder
die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über sein Vermögen vom Sicherungsgeber
beantragt oder eröffnet worden ist.
§ 7 Rückübertragung, Sicherheitenfreigabe
(1) Die Bank hat nach vollständiger Befriedung ihrer durch diesen Vertrag
gesicherten Ansprüche die mit dieser Vereinbarung übertragenen Sicherheiten an
den Sicherungsgeber zurück zu übertragen und einen etwaigen Übererlös aus der
Verwertung herauszugeben.
(2) Die Bank ist schon vor vollständiger Befriedung ihrer durch die
Sicherungsübereignung gesicherten Ansprüche verpflichtet, auf Verlangen das ihr
übertragene Sicherungsgut sowie auch etwaige andere ihr bestellte Sicherheiten (zB
abgetretene Forderungen, Grundschulden) nach ihrer Wahl an den jeweiligen
Sicherungsgeber ganz oder teilweise freizugeben, sofern der realisierbare Wert
sämtlicher Sicherheiten 110 Prozent der gesicherten Ansprüche der Bank nicht nur
vorübergehend überschreitet.
(3) Die Bank wird bei der Auswahl der freizugebenden Sicherheiten die berechtigten
Belange des Sicherungsgebers und der Besteller zusätzlicher Sicherheiten
Ein Jahr später benötigt die von einer internationalen Finanzkrise gebeutelte L-Bank selbst
Geld. Sie nimmt ein Darlehen über 20 Mio. € bei der F-Bank auf und übereignet der F-Bank
unter anderem die Zugmaschine und tritt ihr den Darlehensrückzahlungsanspruch gegen A und alle Rechte und Pflichten aus dem Sicherungsvertrag zur Sicherheit ab. 2
Monate später gerät die L-Bank tiefer in den Strudel der Finanzkrise und kann ihre
Darlehensverbindlichkeit gegenüber der F-Bank nicht mehr bedienen. Daraufhin kündigt
die F-Bank den Darlehensvertrag mit der L-Bank und verlangt unter Vorlage der
Abtretungserklärung von A nunmehr Zahlung der monatlichen Darlehensraten an sich. A
ist selbst finanziell am Ende. Der ständig steigende Ölpreis macht ihm zu schaffen. Er ist
nicht mehr in der Lage, die Darlehensraten zu bedienen. Darauf hin kündigt die F-Bank
den Darlehensvertrag per Einschreibebrief und verlangt Herausgabe der Zugmaschine.
Noch bevor A der Brief zugeht, betreibt der Treibstoffhändler K die Zwangsvollstreckung
gegen A aus einem Vollstreckungsbescheid über 50.000 € und lässt die Zugmaschine bei A
pfänden. A weist den Gerichtsvollzieher G bei der Pfändung zwar darauf hin, dass ihm die
Zugmaschine nicht gehört. Da A hierüber keinerlei Nachweise vorlegen kann, pfändet der
G dennoch. A informiert weder die L-Bank noch die F-Bank über die Pfändung, sondern
beschränkt sich darauf, dem K mitzuteilen, dass die Zugmaschine sich nicht in seinem
Eigentum befindet. K ist das egal. Er hofft, die Zugmaschine, deren objektiver Wert
60.000 € beträgt, günstig zu ersteigern. Drei Wochen später kommt es zur Versteigerung
der Zugmaschine. K bietet für die Maschine 50.000 € und erhält den Zuschlag. Abzüglich
der durch die Zwangsvollstreckung verursachten Kosten werden 45.000 € an K
ausgekehrt. Wie ist die Rechtslage?
Zusatzfrage Bacc-Teil
Wie ist die Rechtslage, wenn
1) A nur die L-Bank über die Pfändung informiert,
2) die L-Bank diese Informationen nicht an die F-Bank weitergibt,
3) die L-Bank schließlich so tief in den Strudel der Finanzkrise gezogen wird, dass sie
Insolvenzantrag stellt, ein Insolvenzverfahren über ihr Vermögen eröffnet und I zum
Insolvenzverwalter bestellt wird?
Die F könnte einen vertraglichen Rückzahlungsanspruch in Höhe des restlichen Betrages, also i.H.v. €100.000,00 abzüglich der bisherigen Tilgung gegen A gem. §488 Abs.1 S.1 BGB haben. Dazu müsste zwischen F und A ein vertragliches Verhältnis bestehen. Ein Vertragschluss zwischen A und F direkt ist vorliegend nicht ersichtlich.
F könnte einen Anspruch auf Rückzahlung des Darlehens in Höhe des restlichen Betrages, also i.H.v. €100.000,00 abzüglich der bisherigen Tilgung gegen A gem. §§488 Abs.1 S.1, 398 Abs.1 BGB haben.
Zunächst müsste der Anspruch entstanden sein.
A und L haben einen Darlehensvertrag i.H.v. € 100.000,00 abgeschlossen.
L könnte den Darlehensrückzahlungsanspruch an F gem. §398 Abs.1 BGB abgetreten haben. Dazu müsste sich L und F geeinigt haben, und der Anspruch müsste hinreichend bestimmt und abtretbar sein. Eine vertragliche Einigung zwischen L und F liegt vor, hinreichend bestimmt ist der Anspruch auf den Rest der zu tilgenden Raten. Abtretbar ist die Forderung, wenn die Abtretung nicht gem. §399 BGB ausgeschlossen ist. Ein Abtretungsverbot aufgrund von Inhaltsänderung der Leistung kommt ebenso wenig in Betracht, wie ein vertraglich vereinbartes Abtretungsverbot bezüglich der Darlehensforderung. Somit ist die Forderung der L wirksam auf F abgetreten worden.
Es bestehen keine Anhaltspunkte für einen Untergang des Anspruchs.
Einwendungen des A sind nicht ersichtlich, somit ist der Anspruch auch durchsetzbar.
F hat einen Anspruch auf Darlehensrückzahlung in Höhe der noch ausstehenden Tilgungsraten gegen A gem. §§488 Abs.1 S.1, 398 Abs.1 BGB.
F hat darüber hinaus gegen L einen vertraglichen Darlehensrückzahlungsanspruch gem. §§488ff. BGB i.H.v. € 20.000.000,00.
F könnte einen vertraglichen Anspruch auf Herausgabe der Zugmaschine aus §§5, 6 Sicherungsvertrag gegen A haben.
Der Anspruch könnte durch einen gegenseitigen Vertrag entstanden sein.
Ein Vertrag zwischen A und F besteht nicht direkt, da sie sich nicht geeinigt haben.
F könnte den Vertrag von L übernommen haben. Eine Vertragsübernahme durch Rechtsgeschäft ist allgemein zulässig.[1] Bei einer gesetzlich nicht geregelten Vertragsübernahme werden die Interessen des verbleibenden Vertragspartners nicht durch das Gesetz geschützt, somit müssen an einer rechtsgeschäftlichen Vertragsübernahme alle drei Beteiligten mitwirken.[2] F übernimmt den Vertrag von L durch Rechtsgeschäft und A wirkt dabei in keiner Weise mit. Somit handelt es sich vorliegend um keine wirksame Vertragsübernahme durch F.
Bei dem Geschäft zwischen L und K könnte es sich aber um eine Abtretung i.S.v. §398 Abs.1 BGB handeln. Nach dem Gesetzeswortlaut können nur Forderungen abgetreten werden. Vorliegend werden alle Rechte und Pflichten des Sicherungsvertrages an F abgetreten. Bei der Übernahme der Pflichten handelt es sich mithin um eine Schuldübernahme der F. Zur Schuldübernahme bedarf es einer Mitwirkung des Gläubigers. A hat jedoch nicht an der Schuldübernahme mitgewirkt. Somit kann F die Pflichten der L nicht durch dieses Rechtsgeschäft übernommen haben. Durch Auslegung der Willenserklärungen der F und der L muss man jedoch davon ausgehen, dass zumindest der Herausgabeanspruch bezüglich der Zugmaschine wirksam an F abgetreten werden sollte. Bezüglich der Ansprüche des A bleibt L der Schuldner. Folglich ist der Herausgabeanspruch wirksam gem. §398 Abs.1 BGB an F abgetreten worden.
Der Vertrag müsste zunächst wirksam sein. Einzig fraglich ist, ob der Vertrag gegen Treu und Glauben und die guten Sitten verstößt. Näher in Betracht kommt eine Gefährdung anderer Gläubiger, eine Knebelung des Sicherungsgebers oder eine Übersicherung des Sicherungsgutes.
Fraglich ist, ob durch den Sicherungsvertrag mangels Publizität andere Gläubiger des A gefährdet werden. Eröffnet eine Sicherungsübereignung die Möglichkeit, dass neue Gläubiger über die Kreditwürdigkeit des Schuldners getäuscht werden und dadurch Schaden erleiden, so kann sie gegen die guten Sitten verstoßen.[3] Führt der falsche Anschein dazu, dass andere Gläubiger des Kreditschuldners diesen für kreditwürdig halten und sind sie deshalb bereit ihm Kredit zu geben, ist Gläubigergefährdung eingetreten, sofern die Tilgung dieses Kredits zweifelhaft ist. Vorliegend deutet jedoch nichts darauf hin, dass A oder L bzw. F eine Gläubigergefährdung hervorgerufen haben. Eine Sittenwidrigkeit wegen Gläubigergefährdung liegt mithin nicht vor.
Die Sicherungsübereignung kann weiter sittenwidrig sein, wenn der Sicherungsgeber durch sie geknebelt wird.[4] Dies ist der Fall, wenn der Sicherungsgeber nicht mehr wirtschaftlich selbständig handeln kann.[5] Auch für die Annahme einer Knebelung bietet der Sachverhalt keinerlei Anhaltspunkte. Somit ist der Sicherungsvertrag auch nicht aus Gründen einer Knebelung des Sicherungsgebers sittenwidrig.
Möglicherweise ist die Forderung der F jedoch übersichert, Übersicherung heißt, dass der Wert der übertragenen Gegenstände den Wert der gesicherten Forderung in einem erheblichen Maß übersteigt.[6]
Zunächst gilt es zwischen anfänglicher und nachträglicher Übersicherung zu unterscheiden.
Es ist bereits bei Abschluss des Vertrages möglich, dass die Forderung des Sicherungsnehmers übersichert ist, so genannte anfängliche Übersicherung. In dem Fall darf der Wert der Sicherheiten die Deckungsgrenze von 110% bei Meidung anfänglicher Übersicherung nicht übersteigen.[7] Vorliegend ist die Zugmaschine € 110.000,00 Wert und die Forderung der F beträgt € 100.000,00. Somit hat der Wert der Sicherheit die Deckungsgrenze von 110% erreicht, aber nicht überstiegen. Folglich liegt keine anfängliche Übersicherung vor.
Darüber hinaus ist es jedoch möglich, dass beispielsweise durch Tilgung, der Wert der Sicherheit den Wert der restlichen Forderung übersteigt, so genannte nachträgliche Übersicherung. Für den Fall der Übersicherung wird ein, wenn nicht ausdrücklich genannter, immanenter Freigabeanspruch angenommen, der jedoch nicht in das Ermessen des Sicherungsnehmers gestellt werden darf.[8] Die Deckungsgrenze beträgt den Sicherungswert zuzüglich einem Risikozuschlag von 10%, sodass die Deckungsgrenze 110% des Sicherheitenbestands ausmacht.[9] Im Sicherungsvertrag ist mit §7 Abs.2 Sicherungsvertrag eine Freigabeklausel ausdrücklich genannt, die auch nicht in das Ermessen der F gestellt ist. Der Wert der Zugmaschine beträgt im fraglichen Zeitpunkt durch Wertverlust nur noch € 60.000,00. A hat 14 Monate getilgt. Bei gleichmäßigen Tilgungsraten entspricht dies einem Teil der Forderung der F i.H.v. € 58.333,33. Somit bleibt eine restliche Forderung der F i.H.v. € 41.666,67. Mithin beträgt der Wert der Sicherung ca. 144% der zu sichernden Forderung. Damit ist die Deckungsgrenze von 110% überschritten und nachträgliche Übersicherung eingetreten. Durch die wirksame Freigabeklausel §7 Abs.2 Sicherungsvertrag betrifft dies jedoch nicht die Wirksamkeit des Sicherungsvertrages.
Darüber hinaus müsste der Sicherungszweck hinreichend bestimmt sein. Der Sicherungszweck ist es eine oder mehrere Forderungen zu sichern. Liegt der Sicherungszweck darin, dass alle Forderungen aus einer laufenden Geschäftsverbindung gesichert werden sollen spricht man von weiter Zweckerklärung.[10] Diese können gem. §305c Abs.1 BGB mangels wirksamer Einbeziehung in den Vertrag scheitern, indem sie nicht Vertragsbestandteil werden, wenn Forderungen mit einbezogen sein sollen, die über den Anlass der Sicherheitenbestellung hinausgehen.[11] Vorliegend haben die Parteien vereinbart, dass alle bestehenden, künftigen und bedingten Ansprüche, der Bank durch den Vertrag gesichert werden. Somit handelt es sich um eine weite Zweckerklärung. Es ist darüber hinaus davon auszugehen, dass es sich bei den Regelungen im Vertrag um AGB handelt. Die Ausdehnung des Sicherungszwecks auf künftige und bedingte Ansprüche der F macht diese zu einer überraschenden Klausel i.S.v. §305c Abs.1 BGB, wonach diese gem. §305 Abs.2 BGB nicht Bestandteil des Vertrages wird.
Ausnahmsweise könnte die Regelung Bestandteil des Vertrages geworden sein, wenn es sich vorliegend gem. §310 Abs.1 S.1 BGB um AGB handelt, die gegenüber einem Unternehmer verwendet wurden und §305 Abs.2 BGB damit unwirksam ist. Gem. §14 Abs.1 BGB ist A als Unternehmer einzustufen. Folglich findet §305 Abs.2 BGB keine Anwendung und die weite Zweckerklärung ist Bestandteil des Vertrages geworden.
Somit ist der Sicherungsvertrag wirksam und der Anspruch der F auf Herausgabe des Sicherungsgutes entstanden.
Der Anspruch der F könnte jedoch gem. §275 Abs.1 1.Alt. BGB untergegangen sein. Es müsste dem Schuldner subjektiv unmöglich sein die Leistung zu erbringen. Subjektive Unmöglichkeit ist gegeben, wenn der Schuldner zur Leistung außerstande ist, sie aber von einem anderen oder unter Mitwirkung eines anderen erbracht werden könnte.[12] Vorliegend wurde die Zugmaschine verpfändet und versteigert. Folglich ist A nicht mehr in Besitz dieser und kann sie daher auch nicht herausgeben. Somit liegt subjektive Unmöglichkeit vor.
Der Anspruch der F auf Herausgabe der Zugmaschine ist durch subjektive Unmöglichkeit erloschen.
Die F-Bank könnte im Rahmen einer Drittwiderspruchsklage gem. §771 Abs.1 ZPO einen Widerspruch gegen die Zwangsvollstreckung der Zugmaschine geltend machen. Dazu müsste die Klage zulässig und begründet sein.
Die Drittwiderspruchsklage ist der statthafte Rechtsbehelf der F gegen die Pfändung der Zugmaschine, wenn sie als Dritter behauptet ihr stehe an dem Gegenstand der Vollstreckung ein die Veräußerung hinderndes Recht zu.
Fraglich ist, ob das Sicherungseigentum der F an der Zugmaschine ein solches Recht darstellt. Der Begriff ist ungenau, da selbst das Eigentum als das stärkste und vollkommenste Recht die Veräußerung nicht hindern kann.[13] Hier ist umstritten, ob dem Treuhänder die Widerspruchsklage gegeben ist, wenn ein Gläubiger des Treugebers in den zur Sicherheit übereigneten Gegenstand vollstreckt, oder ob er nur ein Recht auf Vorzugsweise Befriedigung nach §805 ZPO hat.[14]
Nach einer Ansicht ist das Sicherungseigentum im Gegensatz zum sonstigen mittelbaren Besitz im Grunde ein Scheingeschäft, ein Besitzlosenpfandrecht, das eine wirtschaftliche Lücke des BGB ausfüllt.[15] Die Sicherungsübereignung erstrebt ein Vorzugsrecht zum Nachteil des anderen Gläubigers.[16] Vorliegend wäre somit die Klage auf Vorzugsweise Befriedigung gem. §805 ZPO die statthafte Klageart.
[1] Medicus, §65 Rn.755.
[2] Medicus, §65 Rn.755.
[3] Reinicke/Tiedke, Rn.756.
[4] Reinicke/Tiedke, Rn.755.
[5] Reinicke/Tiedke, Rn.755; Bülow, Rn.1130.
[6] Bülow, Rn.1106.
[7] Bülow, Rn.1112.
[8] Bülow, Rn.1122.
[9] Bülow, Rn.1122.
[10] Bülow, Rn.1148.
[11] Bülow, Rn.1150.
[12] Palandt, -Heinrichs- §275 Rn.23.
[13] Rosenberg / Gaul Schilken, §41 S.665.
[14] Baur/Stürner, §46 Rn.46.8.
[15] Baumbach, - Hartmann - §771 Rn.26.
[16] Baumbach, - Hartmann - §771 Rn.26.
Ferdinand Puch (Autor)
V116247
9783640189458
Vollbefriedigende Arbeit mit Bacc-Teil Schwerpunkte: 1. Zwangsvollstreckung in schuldnerfremdes Eigentum 2.Zulässigkeit Drittwiderspruchsklage (ZPO) 3. Auswirkung einer Insolvenz auf die Zwangsvollstreckung 4.Pflichten des Sicherungsgebers ggü. dem SicherungsnehmerVollbefriedigende Arbeit mit Bacc-Teil
Kreditsicherungsrecht Sicherungsübereignung Zwangsvollstreckung Eigentum Sachenrecht Insolvenz
Ferdinand Puch (Autor), 2008, Kreditsicherungsrecht: Sicherungsübereignung - Zwangsvollstreckung in schuldnerfremdes Eigentum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116247
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