Source: https://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Kuendiung_betriebsbedingt_Fluggesellschaft_LAG_Hamburg_1Sa2-11_u.html
Timestamp: 2019-07-24 08:59:34
Document Index: 271723000

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 46', '§ 126', '§ 623', '§ 256', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 253', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1']

LAG Hamburg, Urteil vom 22.03.2011, 1 Sa 2/11 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Ham­burg, Ur­teil vom 22.03.2011, 1 Sa 2/11
Schlagworte: Kündigung: Betriebsbedingt, Kündigungsschutz
Aktenzeichen: 1 Sa 2/11
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 06.12.2010, 22 Ca 196/10
22 Ca 196/10 ArbG Ham­burg
-Kläge­rin - Be­ru­fungs­be­klag­te
- Be­klag­te - Be­ru­fungskläge­rin
er­kennt das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, 1. Kam­mer,
auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. März 2011
die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin ...
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter ...
April 2010 aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung zum 31. Mai 2010 aus­ge­schie­den. Nie­der­las­sun­gen der Be­klag­ten in Frank­reich und Ita­li­en verfügten über je vier und in der Schweiz über zwei Beschäftig­te bei glei­chem Pas­sa­gier­auf­kom­men wie in Deutsch­land.
Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Kündi­gung so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt sei. Die deut­schen Büros der Be­klag­ten bil­de­ten kei­nen Be­trieb, son­dern sei­en un­selbständi­ge Be­triebs­ab­tei­lun­gen der Haupt­ver­wal­tung in Bu­da­pest. Ei­ne un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung, den deut­schen Be­trieb zu schließen, gäbe es nicht. Der Be­schluss, die ausländi­schen Re­präsen­ta­ti­onsbüros nicht fort­zuführen, sei nicht um­ge­setzt wor­den. Die Ab­tei­lun­gen in Is­ra­el, Bel­gi­en, den Nie­der­lan­den, der Türkei, der Ukrai­ne, Russ­land, Rumänien und of­fen­sicht­lich auch Spa­ni­en bestünden fort. Die Kläge­rin sei aus­sch­ließlich in Un­garn beschäftig­ten Vor­ge­setz­ten un­ter­stellt ge­we­sen. Die Air­port Hand­ling Com­pa­ny in Ham­burg stel­le nur das Per­so­nal, während Kon­trol­le und Di­rek­ti­ons­recht in Bu­da­pest ver­blie­ben sei­en. Bis auf die 10 % ad­mi­nis­tra­ti­ve Tätig­kei­ten, die die Kläge­rin zu ver­rich­ten ge­habt hätte, würden sämt­li­che Ar­bei­ten von den dem Di­rek­ti­ons­recht der Be­klag­ten un­ter­lie­gen­den Beschäftig­ten der Air­port Hand­ling Com­pa­ny ver­rich­tet. Die ad­mi­nis­tra­ti­ven Tätig­kei­ten der Kläge­rin hätten im We­sent­li­chen aus Rech­nungs­kon­trol­len be­stan­den, die weg­ge­fal­len zu sein schei­nen. Die Kläge­rin könne in Un­garn, Is­ra­el, Bel­gi­en, den Nie­der­lan­den oder Spa­ni­en wei­ter­beschäftigt wer­den. Außer­dem hätte die Be­klag­te ei­ne so­zia­le Aus­wahl un­ter al­len Air­port Ma­na­gern tref­fen müssen.
Die Air­port Ma­na­ger hätten die Flüge und die für die Ab­fer­ti­gung der Flüge zuständi­gen Air­port Hand­ling Com­pa­nies be­auf­sich­tigt und kon­trol­liert. Die­se Auf­ga­be sei auch vom Air­port Area Ma­nage­ment am Haupt­sitz in Bu­da­pest aus­geführt wor­den. Die Kon­trol­le und Über­wa­chung der Air­port Hand­ling Com­pa­nies, nicht aber von de­ren Beschäftig­ten, und der Flüge wer­de zukünf­tig al­lein von der Zen­tra­le durch­geführt. In Bu­da­pest ansässi­ge Mit­ar­bei­ter be­such­ten die deut­schen Flughäfen vier­teljähr­lich und über­prüften die Durchführung der Auf­ga­ben durch die Air­port Hand­ling Com­pa­ny. Fer­ner sei ein Be­richts­we­sen durch die Crews der Flüge eta­bliert, die Check­lis­ten ausfülle, die zu­sam­men mit den Flug­do­ku­men­ten in Bu­da­pest über­prüft würden. Die Zen­tra­le in Bu­da­pest ver­sor­ge die Air­port Hand­ling Com­pa­ny mit den not­wen­di­gen Be­stim­mun­gen, Do­ku­men­ta­tio­nen und An­lei­tun­gen. Die Air­port Hand­ling Com­pa­ny or­ga­ni­sie­re die für die Ab­fer­ti­gung des Flug­be­triebs not­wen­di­gen Hand­lun­gen nach ei­ge­nen be­trieb­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und ha­be das Di­rek­ti­ons­recht ge­genüber ih­ren Beschäftig­ten. Ein­ge­hen­de Rech­nun­gen würden nicht mehr von der Kläge­rin kon­trol­liert und frei­ge­ge­ben, son­dern von dem Fi­nan­ci­al De­part­ment der Be­klag­ten in Bu­da­pest. Das Head Of­fice be­treue die Ver­trags­be­zie­hun­gen. Neue Auf­ga­be der Air­port Hand­ling Com­pa­ny sei nur, dass die­se an­ge­for­der­te Be­rich­te an die Zen­tra­le lie­fe­re. Das ha­be bis­lang die Kläge­rin ge­macht. Der Haupt­an­teil der von den deut­schen Beschäftig­ten aus­geübten Ver­kaufstätig­kei­ten wer­de zukünf­tig vom Geschäfts­sitz in Bu­da­pest aus­geübt, und zwar der Be­trieb der Re­ser­vie­rungs- und In­for­ma­ti­ons-Hot­line, der Emp­fang und die Be­ar­bei­tung von Kun­den­be­schwer­den, die Be­treu­ung der Großkun­den, der Emp­fang und die Be­ar­bei­tung von Grup­pen­an­fra­gen und die Ver­hand­lun­gen mit Rei­se­agen­tu­ren und Großkun­den. Der Fi­nanz­plan, den die Kläge­rin bis­lang für das Flug­ha­fenbüro in Ham­burg er­stellt ha­be, sei nach der Sch­ließung des Büros nicht mehr not­wen­dig. Die der­zeit noch be­ste­hen­den Re­präsen­tan­zen der Be­klag­ten in an­de­ren Staa­ten soll­ten noch ge­schlos­sen wer­den. Das sei bis­lang nur des­halb noch nicht ge­sche­hen, weil die per­so­nel­len Ka­pa­zitäten der Be­klag­ten in der zen­tra­len Per­so­nal­ab­tei­lung nicht ei­ne gleich­zei­ti­ge Sch­ließung in al­len Ländern er­laubt. Die Büros der Be­klag­ten in Deutsch­land bil­de­ten ei­nen Be­trieb. Die Be­klag­te hätte hier bis Mai 2010 ei­ne Coun­try Com­mer­ci­al Ma­na­ge­rin beschäftigt. Die­se ha­be vom deut­schen Haupt­sitz der Be­klag­ten im Ber­li­ner Stadtbüro ei­nen Großteil der Ge­schi­cke der Be­klag­ten in Deutsch­land ge­lenkt. Sie ha­be ei­ne um­fang­rei­che Voll­macht für die
Be­klag­te be­ses­sen und hätte ins­be­son­de­re die Be­fug­nis ge­habt, Mit­ar­bei­ter ein­zu­stel­len und zu ent­las­sen. Nach Be­en­di­gung von Ab­schluss­ar­bei­ten sei die Kläge­rin un­wi­der­ruf­lich frei­ge­stellt wor­den, eben­so wei­te­re Beschäftig­te. Das Münche­ner Büro sei be­reits gekündigt und so gut wie ge­schlos­sen, die Büros in der Ber­li­ner In­nen­stadt, am Ber­li­ner Flug­ha­fen und am Ham­bur­ger Flug­ha­fen sei­en En­de April/An­fang Mai gekündigt wor­den. Die Be­klag­te ha­be mit ei­nem deut­schen Dienst­leis­ter ei­nen Ver­trag für die Er­brin­gung ei­nes mi­ni­ma­len Ser­vice vom 10. Mai 2010 an ab­ge­schlos­sen. Da­bei ge­he es um te­le­fo­ni­sche Kon­takt­auf­nah­men der Kun­den so­wie ei­ne lo­ka­le An­lauf­stel­le ein­sch­ließlich des Ver­kaufs von Ti­ckets. Ei­ne So­zi­al­aus­wahl fal­le aus, weil sämt­li­chen Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mern in Deutsch­land gekündigt wor­den sei.
Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ist ge­ge­ben. Für Ar­beits­verhält­nis­se, die dem Kündi­gungs­schutz nach dem 1. Ab­schnitt des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes un­ter­lie­gen, er­gibt es sich be­reits aus §§ 4, 7 KSchG, nach de­nen ei­ne schrift­lich erklärte Kündi­gung als von An­fang an wirk­sam gilt, wenn da­ge­gen nicht frist­ge­recht ei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge er­ho­ben wird. Auch un­abhängig da­von ist ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se für ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge re­gelmäßig ge­ge­ben, weil nur durch ei­ne sol­che Kla­ge mit Rechts­kraft für al­le Rech­te und Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis des­sen Fort­be­stand geklärt wer­den kann (Ger­mel­mann-Mat­thes-Prütting, ArbGG, § 46, Rd­nr. 86). Da­nach ist vor­lie­gend ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se an­zu­neh­men. Die Kündi­gung ist gemäß § 126 BGB schrift­lich ver­fasst und un­ter­schrie­ben in der nach § 623 BGB er­for­der­li­chen verkörper­ten Form der Kläge­rin zu­ge­gan­gen und da­mit schrift­lich er­folgt. Außer­dem ist nicht er­sicht­lich, aus wel­chen Gründen aus­nahms­wei­se das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se für ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge nicht ge­ge­ben sein soll­te. Fer­ner ist die Kla­ge auch dann zulässig, wenn es sich da­bei um ei­nen Fest­stel­lungs­an­trag nach § 256 Abs. 1 ZPO han­deln soll­te. Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts soll es ei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge ei­ge­ner Art nach § 4 KSchG ge­ben (BAG, Ur­teil vom 12. Mai 2005, 2 AZR 426/04, Ju­ris). Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob die­se Auf­fas­sung zu­tref­fend ist. Selbst wenn die­ses der Fall sein soll­te, wäre die Kla­ge vor­lie­gend zulässig, weil, wie be­reits aus­geführt, die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Kla­ge nach § 4 KSchG ge­ge­ben sind.
21. Ju­ni 2010 ge­rich­te­te Kla­ge ging in­ner­halb der Frist des § 4 KSchG, nämlich am 24. Ju­ni 2010, beim Ar­beits­ge­richt ein und wur­de auch noch in­ner­halb der Frist, nämlich am 30. Ju­ni 2010, der Be­klag­ten zu­ge­stellt, so dass die Kla­ge­er­he­bung nach § 253 Abs. 1 ZPO recht­zei­tig er­folg­te.
Es gel­ten fol­gen­de Grundsätze: Drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se sind ge­ge­ben, wenn durch außer­be­trieb­li­che oder in­ner­be­trieb­li­che Fak­to­ren das Bedürf­nis nach der Beschäfti­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers ent­fal­len ist. Außer­be­trieb­li­che Fak­to­ren sind sol­che Umstände, die bei der Ar­beit­ge­be­rin un­mit­tel­bar zu ei­nem Über­hang an Ar­beitsplätzen führen, oh­ne dass der Über­hang selbst durch ei­ne zwi­schen­ge­schal­te­te un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung der Ar­beit­ge­be­rin her­bei­geführt wur­de. Die bei den außer­be­trieb­li­chen Fak­to­ren zu tref­fen­de un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung be­trifft nur die An­pas­sung des Per­so­nal­be­stan­des an den Ar­beits­be­darf (Ge­mein­schafts­kom­men­tar zum Kündi­gungs­schutz­ge­setz [im Fol­gen­den: KR]-Grie­be­ling, § 1 KSchG, Rd­nr. 518). Bei in­ner­be­trieb­li­chen Fak­to­ren fällt der Ar­beits­platz durch ei­ne un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung weg, die ih­rer­seits ver­schie­de­ne in­ter­ne oder ex­ter­ne Gründe ha­ben kann. Durch die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung muss ein Über­hang von Ar­beitsplätzen ent­ste­hen und da­mit das Bedürf­nis für die Beschäfti­gung min­des­tens ei­nes Ar­beit­neh­mers weg­fal­len (KR-Grie­be­ling, § 1 KSchG, Rd­nr. 519). Be­steht die Möglich­keit zur Wei­ter­beschäfti­gung der Ar­beit­neh­me­rin auf ei­nem frei­en Ar­beits­platz im Be­trieb oder Un­ter­neh­men, ggf. nach Um­schu­lungs- oder Fort­bil­dungs­maßnah­men oder zu geänder­ten Be­din­gun­gen, fehlt es an ei­ner Be­triebs­be­dingt­heit der Kündi­gung. Die Möglich­keit zur Wei­ter­beschäfti­gung be­zieht sich nur auf ver­gleich­ba­re Ar­beitsplätze. Durch ei­ne freie Beförde­rungs­stel­le erwächst kein An­spruch auf Beförde­rung zur Ver­mei­dung ei­ner Kündi­gung (ErfK-Ascheid, § 1 KSchG, Rd­nr. 444). Die Dar­le­gungs­last dafür, dass ei­ne sol­che an­der­wei­ti­ge Beschäfti­gung nicht möglich ist, trägt die Ar­beit­ge­be­rin. Der Um­fang die­ser Dar­le­gungs­last hängt da­von ab, wie sich die Ar­beit­neh­me­rin einlässt. Be­strei­tet sie nur den Weg­fall ih­res bis­he­ri­gen Ar­beits­plat­zes, genügt der all­ge­mei­ne Vor­trag der Ar­beit­ge­be­rin, dass ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung auf ei­nem an­de­ren Ar­beits­platz nicht möglich sei. Es ist dann Sa­che der Ar­beit­neh­me­rin, kon­kret dar­zu­stel­len, wie sie sich ei­ne an­der­wei­ti­ge Beschäfti­gung vor­stellt. Da­zu ist in der Re­gel nicht die Be­zeich­nung ei­nes be­stimm­ten Ar­beits­plat­zes er­for­der­lich, son­dern nur die Art der Beschäfti­gung. Auch kann die Ar­beit­neh­me­rin erläutern, zu wel­chen geänder­ten Ver­trags­be­din­gun­gen aus ih­rer Sicht ei­ne
Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses möglich ist. Nach ei­nem sol­chen Sach­vor­trag hat die Ar­beit­ge­be­rin ein­ge­hend dar­zu­le­gen, aus wel­chen wirt­schaft­li­chen, or­ga­ni­sa­to­ri­schen oder tech­ni­schen Gründen die von der Ar­beit­neh­me­rin auf­ge­zeig­te Beschäfti­gung nicht möglich oder zu­mut­bar ist (KR-Grie­be­ling, § 1 KSchG, Rd­nr. 555). Wenn drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se für ei­ne Kündi­gung vor­lie­gen, ist die­se nach § 1 Abs. 3 KSchG trotz­dem so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt, wenn die Ar­beit­ge­be­rin so­zia­le Ge­sichts­punk­te nicht oder nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt hat. Die so­zia­le Aus­wahl er­streckt sich je­doch nur auf sol­che Beschäftig­ten, die aus­tausch­bar sind, d.h., de­ren Funk­ti­on auch von den Beschäftig­ten wahr­ge­nom­men wer­den kann, de­ren Ar­beitsplätze weg­fal­len (KR-Grie­be­ling, § 1 KSchG, Rd­nr. 614) und be­schränkt sich re­gelmäßig auf den Be­trieb, in dem die Gekündig­te tätig ist (KR-Grie­be­ling, § 1 KSchG, Rd­nr. 608). Sch­ließlich ist vor ei­ner ab­sch­ließen­den Be­wer­tung der Kündi­gung ei­ne In­ter­es­sen­abwägung vor­zu­neh­men. Wenn ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung we­gen ei­ner bin­den­den Un­ter­neh­mer­ent­schei­dung an sich be­triebs­be­dingt ist, kann sich die In­ter­es­sen­abwägung nur in sel­te­nen Aus­nah­mefällen zu­guns­ten der Ar­beit­neh­me­rin aus­wir­ken (BAG, Ur­teil vom 30 April 1987, 2 AZR 184/86, EzA § 1 KSchG Be­triebs­be­ding­te Kündi­gung Nr. 47 = AP Nr. 42 zu § 1 KSchG 1969 Be­triebs­be­ding­te Kündi­gung).
Deutsch­land vor­zu­se­hen. Viel­mehr hätte auch dort al­lein die An­wend­bar­keit des ers­ten Ab­schnitts des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes nach den Re­geln des In­ter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts ent­schei­dend sein können. Die kon­kre­te An­wen­dung des Be­triebs­be­grif­fes er­for­dert kei­ne Be­schränkung auf das Ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Ei­nen Be­trieb als die or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit, in­ner­halb de­rer ein Ar­beit­ge­ber mit ei­ner Ge­samt­heit von Per­so­nen und/oder Sa­chen ar­beits­tech­ni­sche Zwe­cke ver­folgt, kann und wird es übe­r­all auf der Welt ge­ben. Die Kom­po­nen­ten der De­fi­ni­ti­on schließen ei­nen Aus­lands­be­zug nicht aus. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts er­for­dert die Aus­ge­stal­tung des Kündi­gungs­schut­zes kei­ne An­wen­dung auf al­le be­trof­fe­nen Beschäftig­ten. Die so­zia­le Aus­wahl er­for­dert Ver­gleich­bar­keit und Aus­tausch­bar­keit, die mögli­cher­wei­se, aber nicht zwin­gend nicht ge­ge­ben sind, wenn an­de­re Beschäftig­te nach ei­nem an­de­ren na­tio­na­len Rechts­sys­tem tätig sind. Da­bei han­delt es sich um ei­ne Fra­ge, die nach § 1 Abs. 3 KSchG im Ein­zel­fall zu klären ist. War­um sie gleich­wohl zu ei­nem voll­kom­me­nen Aus­schluss der An­wend­bar­keit von § 1 KSchG führen soll, ist nicht zu er­ken­nen. Das gilt in glei­cher Wei­se für die Wei­ter­beschäfti­gung auf frei­en Ar­beitsplätzen. Ob ei­ne sol­che Beschäfti­gung in Un­garn, Frank­reich oder an­de­ren Tei­len der Welt außer­halb Deutsch­land möglich und zu­mut­bar ist und ob sie den Aus­spruch ei­ner Ände­rungskündi­gung, ggf. auf ein ausländi­sches Ar­beits­rechts­sta­tut er­for­der­te, kann und muss im Ein­zel­fall geklärt wer­den, oh­ne dass es ei­nes ge­ne­rel­len Aus­schlus­ses des Kündi­gungs­schut­zes bedürf­te. Nach al­le­dem ist nicht er­sicht­lich, war­um der Be­triebs­be­griff für die An­wen­dung des deut­schen Kündi­gungs­schut­zes nach dem ers­ten Ab­schnitt des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes auf deut­sche Ein­hei­ten ein­ge­grenzt wer­den soll.
Ar­beits­platz im Aus­land der so­zia­len Recht­fer­ti­gung der Kündi­gung nach § 1 Abs. 2 KSchG ent­ge­gen­ste­hen, noch nicht geklärt, aber klärungsfähig und klärungs­bedürf­tig ist, und das Ge­richt mit dem von ihm an­ge­nom­me­nen Be­triebs­be­griff von den zi­tier­ten Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts ab­weicht.
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