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Timestamp: 2020-08-15 05:33:53
Document Index: 11280278

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 5', '§ 24', '§ 329', '§ 65', '§ 64', '§ 64', '§ 64', '§ 66']

Verordnungstext zum Naturschutzgebiet "Wildvogelreservat Nordkehdingen" | Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Verordnungstext zum Naturschutzgebiet "Wildvogelreservat Nordkehdingen"
Amtsblatt der Bezirksregierung Lüneburg Nr. 10 vom 15.05.1985, Seite 143
1. Änderung: Amtsblatt Lüneburg Nr. 2 vom 15.01.1987, Seite 10
Ein kleiner Teilbereich im Westen ist seit 21.12.2018 durch das neue Naturschutzgebiet LÜ 345 "Elbe und Inseln" geschützt.
V e r o r d n u n g der Bezirksregierung Lüneburg über das Naturschutzgebiet "Wildvogelreservat Nordkehdingen" in der Gemeinde Balje, Landkreis Stade vom 3. Mai 1985
Das in § 2 näher bezeichnete Gebiet in der Gemarkung Balje, Gemeinde Balje, Samtgemeinde Nordkehdingen, Landkreis Stade, wird zum Naturschutzgebiet erklärt.
Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Wildvogelreservat Nordkehdingen".
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 540 ha.
(2) Die Grenze des Naturschutzgebietes ergibt sich aus der auf S. 14/15 mitveröffentlichten Karte. Sie verläuft auf der dem Gebiet abgewandten Seite der schwarzen Punktreihe. Die Karte ist Bestandteil dieser Verordnung.
Schutzzweck ist die Erhaltung des Gebietes als Bestandteil des Feuchtgebietes internationaler Bedeutung Nr. 4 "Niederelbe zwischen Barnkrug und Otterndorf", insbesondere als großräumiges, möglichst störungsfreies Rast- und Nahrungsgebiet für Wat- und Wasservögel wie Enten, Säger, Gänse und Schwäne sowie als Brutgebiet für Grünlandvögel, vor allem für Austernfischer, Kiebitz, Bekassine, Uferschnepfe, Rotschenkel und Kampfläufer. Die Voraussetzungen dafür, hohe biologische Produktivität der Gräben und Priele, das typische Land-/Wasserflächen-Mosaik, ausreichend hohe Wasserstände vor allem im Winter und Frühjahr, die Beetstruktur der Grünländereien, die Offenheit des Gebietes (Freiheit von höher aufwachsender Vegetation, bauliche Anlagen etc.) sowie die Weide- bzw. Mähweidewirtschaft im Sinne des § 5 dieser Verordnung sollen erhalten bzw. wiederhergestellt werden.
(2) Zur Vermeidung von Gefährdungen und Störungen werden im Naturschutzgebiet aufgrund von § 24 Abs. 3 NNatG außerdem folgende Handlungen untersagt:
a) außerhalb der öffentlichen Straßen, Wege und Plätze Fahrzeuge aller Art zu fahren, zu parken oder abzustellen,
b) zu baden, zu lagern, zu zelten oder Wohnwagen und andere für die Unterkunft geeignete Fahrzeuge oder Einrichtungen aufzustellen,
e) die Ruhe der Natur durch Lärm oder auf andere Weise zu stören (insbesondere durch Tonwiedergabegeräte, Modellflugzeuge u. ä.),
h) Wasserflächen und Wasserläufe mit Booten oder anderen Geräten zu befahren,
j) in der Zeit vom 25.10. bis 01.04. des jeweils darauffolgenden Jahres die Wege zu betreten.
a) die ordnungsgemäße Bewirtschaftung der Nutzflächen als Weide oder Mähweide wie folgt:
- Beweidung nur mit Rindvieh,
- ohne über den Bestand hinausgehende Errichtung von Zäunen,
- Walzen, Rüschen, Abschleppen nur vom 25.06. bis 01.04. des darauffolgenden Jahres,
- ohne Einsatz von Pestiziden,
- Mahd erst nach dem 15.06.,
- Weideabtrieb bis 15.10.,
- Beweidung der Kernzonen bis 25.06. mit max. 2,5 GVE, danach mit max. 3,5 GVE/ha (Großvieheinheiten/ha), Überschreitungen nur bei hochwasserbedingtem Viehabtrieb außendeichs,
- die Nutzung der Flurstücke 7 Flur 66 und 17 Flur 72 als Pferche für die Deichschäferei,
- Aufbringen von Handelsdünger in den Kernzonen in der Zeit vom 01.04. - 25.06. nur bei Verwendung von Breitdüngerstreuern mit einer Wurfbreite über 8 m,
- Aufbringen von Stalldung nur vom 25.06. - 25.10.,
b) die ordnungsgemäße Grünlandnutzung auf dem Deich,
c) die ordnungsgemäße Erhaltung des Deiches unter besonderer Berücksichtigung des Schutzzweckes,
d) die mechanische Unterhaltung der Gewässer und der Nebengräben nur in der Zeit vom 25.06. bis 01.04.; der Nebengräben jedoch nur auf einer Seite im selben Jahr; der Einsatz von Räumbooten,
e) die Unterhaltung der Wirtschaftswege ohne Verwendung von Bauschutt,
f) die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd; Störungen der Vogelwelt sollen nach Möglichkeit vermieden werden,
g) die Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben des Bundes zur Unterhaltung der Bundeswasserstraßen und zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit auf den Bundeswasserstraßen einschließlich der hierfür erforderlichen Forschungs- und Vermessungsarbeiten unter besonderer Berücksichtigung des Schutzzweckes,
i) das Betreten des Gebietes,
- durch andere Behörden und öffentliche Stellen bzw. deren Beauftragte in Wahrnehmung ihrer Aufgaben,
- nach Herstellung von Vogel-Beobachtungseinrichtungen auf den betreffenden Zuwegungen,
- auf dem Deich in der Zeit vom 01.04. - 30.09.
j) Untersuchungen bzw. Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege oder zur Entwicklung des Naturschutzgebietes, die im Einvernehmen mit der Bezirksregierung Lüneburg als obere Naturschutzbehörde durchgeführt werden.
Sofern die Handlung nicht nach § 329 Abs. 3 des 18. Strafrechtsänderungsgesetzes - Gesetz zur Bekämpfung der Umweltkriminalität - vom 28.03.1980 (BGBl. 1980 Nr. 15 S. 373) bestraft wird, kann sie mit einer Geldbuße nach § 65 NNatG geahndet werden, die im Falle des § 64 Nr. 1 NNatG bis zu 10 000,-- DM, im Falle des § 64 Nr. 4 bis zu 50 000,-- DM betragen kann.
(2) Ist eine Ordnungswidrigkeit nach § 64 Abs. 1 oder Abs. 4 NNatG begangen worden, so können gem. § 66 NNatG Gegenstände, auf die sich die Ordnungswidrigkeit bezieht oder die zu ihrer Begehung oder Vorbereitung gebraucht worden oder bestimmt gewesen sind, eingezogen werden.
Lüneburg, den 03.05.1985