Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/beschwerdeberechtigung-im-versorgungsausgleichsverfahren-3101335
Timestamp: 2019-12-14 12:53:14
Document Index: 108948805

Matched Legal Cases: ['§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 224', '§ 20', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Beschwer­de­be­rech­ti­gung im Ver­sor­gungs­aus­gleichs­ver­fah­ren | Rechtslupe
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist ein Ver­sor­gungs­trä­ger in sei­nen Rech­ten unmit­tel­bar betrof­fen, wenn ein bei ihm bestehen­des Anrecht ver­se­hent­lich nicht in den Ver­sor­gungs­aus­gleich ein­be­zo­gen wor­den ist, zumal sich wegen der Unge­wiss­heit zukünf­ti­ger Ver­si­che­rungs­ver­läu­fe regel­mä­ßig nicht fest­stel­len lässt, ob sich die Nicht­ein­be­zie­hung des Anrechts im kon­kre­ten Fall wirt­schaft­lich zum Nach­teil des Ver­sor­gungs­trä­gers aus­wir­ken kann 1.
Die­se Grund­sät­ze kom­men auch dann zur Anwen­dung, wenn für das in der Aus­gangs­ent­schei­dung über­gan­ge­ne Anrecht die Anwen­dung der Baga­tell­klau­sel des § 18 VersAus­glG in Rede steht 2. Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass eine unmit­tel­ba­re Betrof­fen­heit des Ver­sor­gungs­trä­gers in eige­nen Rech­ten jeden­falls dann gege­ben ist, wenn er mit sei­ner Beschwer­de in Bezug auf ein Anrecht die unzu­tref­fen­de Beur­tei­lung der gesetz­li­chen Anwen­dungs­vor­aus­set­zun­gen von § 18 Abs. 1 und 2 VersAus­glG rügt 3. Glei­ches muss auch dann gel­ten, wenn das Gericht der Aus­gangs­ent­schei­dung ein Anrecht über­sieht und sich daher von vorn­her­ein der Fra­ge ver­schließt, ob die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Anwen­dung von § 18 VersAus­glG in Bezug auf das über­gan­ge­ne Anrecht vor­lie­gen.
Der aus­gleichs­pflich­ti­ge Ehe­gat­te hat einen Rechts­an­spruch dar­auf, dass sein gerecht­fer­tig­tes Begeh­ren, den Ver­sor­gungs­aus­gleich wegen eines von ihm erwor­be­nen Baga­tel­l­an­rechts nach § 18 VersAus­glG aus­zu­schlie­ßen, durch eine Beschluss­fas­sung nach § 224 Abs. 3 FamFG for­mell beschie­den wird 4. Denn mit die­sem Aus­spruch steht aus­drück­lich und bin­dend fest, dass dem aus­gleichs­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten nicht etwa die Mög­lich­keit offen bleibt, in einem spä­te­ren Ver­fah­ren wegen die­ses gering­wer­ti­gen Anrechts schuld­recht­li­che Aus­gleichs­an­sprü­che nach der Schei­dung gel­tend zu machen 5.
Zwar kön­nen auch die vom Gericht in der Aus­gangs­ent­schei­dung ver­se­hent­lich über­gan­ge­nen Anrech­te, die als aus­gleichs­rei­fe Anrech­te an sich dem Wert­aus­gleich bei der Schei­dung unter­fal­len wären, nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht Gegen­stand von spä­te­ren Aus­gleichs­an­sprü­chen nach der Schei­dung gemäß §§ 20 ff. VersAus­glG sein 6. Inso­weit liegt die Beschwer des aus­gleichs­pflich­ti­gen Ehe­gat­ten aller­dings schon in der Gefahr einer abwei­chen­den Beur­tei­lung die­ser Rechts­la­ge durch ein spä­ter mit schuld­recht­li­chen Aus­gleichs­an­sprü­chen befass­tes Gericht 7.
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 18.02.2009 – XII ZB 221/​06 Fam­RZ 2009, 853 Rn. 12; und vom 19.01.2000 – XII ZB 16/​96 Fam­RZ 2000, 746[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 09.01.2013 – XII ZB 550/​11 , Fam­RZ 2013, 612 Rn.20 f.[↩]
BGH, Beschluss BGHZ 198, 91 = Fam­RZ 2013, 1548 Rn. 24 ff.[↩]
vgl. auch BGH, Beschluss vom 26.10.1994 – XII ZB 114/​93 Fam­RZ 1995, 293[↩]