Source: http://www.falken-nuernberg.de/?page_id=906
Timestamp: 2017-08-19 07:31:37
Document Index: 106293934

Matched Legal Cases: ['§50', '§54', '§51', '§55', '§55', '§51', '§43', '§43', '§50', '§54', '§52', '§57', '§ 44', '§ 53', '§ 58', '§42', '§42', '§ 48', '§52', '§ 62', '§69', '§63', '§84']

Kenn deine (Schüler)Rechte! | Sozialistische Jugend – Die Falken
Klar, die Rahmenbedingungen für Schüler*innen sind weitestgehend gesteckt und zwar nicht von uns…um dir den Schulalltag im Hier und Jetzt dennoch halbwegs erträglich zu machen, kannst du dich hier über deine Rechte als Schüler*in informieren:
Die schriftlichen Prüfungen machen einen wesentlichen Teil deiner Note in einem Fach aus. Es gibt folgende Arten:
Eine Schulaufgabe muss mindesten eine Woche vorher angekündigt werden, bei Versäumnis musst du sie nachholen. Pro Tag darf nur eine und in der Woche sollten nicht mehr als zwei Schulaufgaben geschrieben werden. Der Stoff kann sich prinzipiell auf Alles beziehen, was du in deiner Schullaufbahn in diesem Fach schonmal behandelt hast (RSO §50, GSO §54).
Kurzarbeiten in der Realschule beziehen sich auf den Stoff der letzten unmittelbaren 6 Stunden und Grundkenntnisse, im Gymnasium gilt der Stoff der letzten 10 unmittelbaren Stunden. Sie müssen wesentlich kürzer als Schulaufgaben sein (ca. 30 Minuten Bearbeitungszeit) und spätestens eine Woche vorher angekündigt werden. Auch Kurzarbeiten musst du nachschreiben, wenn du sie versäumst (RSO §51, GSO §55).
Stegreifaufgaben (Auch Extemporale oder kurz Ex genannt) beziehen sich nur auf den Stoff der unmittelbar letzten Stunde (Realschule) bzw. der letzten beiden Stunden (Gymnasium). Die Bearbeitungszeit soll höchstens 20 Minuten betragen, was jedoch oft nicht eingehalten wird. Wenn man zu viele Stegreifaufgaben versäumt, kann der jeweilige Fachlehrer über den gesamten bisherigen Jahresstoff schriftlich oder mündlich prüfen (GSO §55, RSO §51,54).
In der Hauptschule/Mittelschule gibt es nur sogenannte Probearbeiten: Sie können je nach Art und Umfang des Stoffes angekündigt werden. Wenn es besonders viel Stoff ist, müssen sie mindestens eine Woche vorher angekündigt werden (VSO §43).
Pro Tag darf nur ein und in der Woche sollten nicht mehr als zwei Schulaufgaben und Proben geschrieben werden. An der Realschule darf keine Stegreifaufgabe am gleichen Tag einer Schulaufgabe geschrieben werden, im Gymnasium entscheidet die Lehrerkonferenz zum Schuljahresanfang, ob das so ist (VSO §43, RSO §50, GSO §54).
Eine Schulaufgabe sollte innerhalb von zwei Wochen (für die Hauptschule heißt es sehr schwammig „in einer angemessenen Zeit“) korrigiert werden. Bis die Schulaufgabe zurückgegeben ist darf der Lehrer keine neue Schulaufgabe schreiben lassen (RSO §52, GSO §57).
Du darfst keine Hilfsmittel wie Spickzettel oder Handys verwenden oder bereit halten. Es kann sogar als Bereithalten gewertet werden, wenn sich der Spickzettel oder das Handy in der geschlossenen Schultasche oder bei deinem Banknachbarn befindet. Das ist aber nur eine Kann- Bestimmung, der Lehrer muss dir beim Verdacht keine Sechs geben. Wenn er dich beim Spicken direkt erwischt, muss er es laut Schulordnung (VSO § 44, RSO § 53, GSO § 58).
Zu den Hausaufgaben steht leider nur in der Schulverordnung für die Hauptschule etwas Handfestes: Die Bearbeitungszeit darf nicht länger als 1-2 Stunden sein. An Tagen mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht gibt es keine schriftlichen Hausaufgaben. Allerdings kann durch ein Ja des Schulforums (siehe unten) diese „Hausaufgabenfreiheit“ gekippt werden (GSO §42).
Für die anderen Schultypen steht leider nur fest, dass Hausaufgaben in einer angemessenen Zeit bearbeitbar sein müssen. Für das Gymnasium gilt zusätzlich, dass Hausaufgaben, mit Ausnahmen der der Seminare in der Oberstufe, nicht benotet werden dürfen.
In Hauptschule, Realschule und Gymnasium gilt, dass Sonntage, Feiertage und Ferien von Hausaufgaben freizuhalten sind (GSO §42, RSO § 48, GSO §52).
Demokratie und Mitspracherecht
Demokratie wird ja an der Schule nicht großgeschrieben, aber ein paar Möglichkeiten eure Interessen zu vertreten gibt es. Man muss sie nur nutzen! Erst mal die bekannte Schülermitverantwortung (SMV). Meist kennst du sie nur als Organisatoren von Partys und Sommerfesten, aber eigentlich ist sie viel mächtiger. Teil der SMV sind alle Klassensprecher_Innen, die dann die Schülersprecherin oder Schülersprecher wählen und den sogenannten Schülerausschuss bilden. Es kann aber auch durch das Schulforum entschieden werden, dass alle Schüler_Innen wählen dürfen. Was machen und dürfen nun Schülersprecher_Innen? Sie müssen von der Schule in allen sie betreffenden Angelegenheiten informiert werden, dürfen Vorschläge und Anregungen an Lehrer, Schulleitung und Schulforum einbringen. Und sie haben das sogenannte Vermittlungsrecht:
Sie dürfen sich für Schüler_Innen einsetzen, die glauben, dass man sie unrichtig behandelt hat. Solche Fälle können im Schulforum behandelt werden. (BayEUG § 62)
Was ist das Schulforum? Eigentlich ist es so etwas wie das „mächtigste“ Gremium in der Schule. Es besteht aus SchulleiterIn, zwei Lehrern, der/dem ElternbeiratsvorsitzendeN, zwei Elternbeiratsmitgliedern und dem Schülerausschuss. Das Forum ist die letzte und große Plattform bei Konfliktfällen denn man hat meistens das Recht, dies ins Schulforum einzubringen. Aber da die Schulleitung in vielen Fällen trotzdem das letzte Wort hat und nirgends geregelt ist, was passiert, wenn sich jemand nicht an einen Beschluss des Schulforum hält, ist es nicht so weit her mit Demokratie und Mitbestimmung. Aber trotzdem sollte man nicht aufgeben, und die paar Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, auch nutzen. (BayEUG §69)
Eine Möglichkeit, Demokratie und eure Interessen zu vertreten ist die Schülerzeitung. Jedoch ist die Herausgabe einer Schülerzeitung etwas kompliziert gestaltet. Grundsätzlich kann jede_r Schüler_in an der Zeitung mitarbeiten. Ein Lehrer soll als Berater von der Redaktion gewählt werden. Außerdem entscheidet die Redaktion über die sogenannte Rechtsform, also wie die Zeitung herausgegeben werden soll. Sie kann entscheiden, ob sie wie jede normale Tageszeitung, als sogenanntes Druckwerk im Sinne des Bayrischen Presserechtes erscheinen soll, oder als Einrichtung der Schule im Rahmen der SMV. Beim ersten habt ihr die gleichen Pflichten und Rechte wie eine normale Zeitung. Das kann auch heißen, dass ihr bzw. eure Eltern für etwaige Fehler haftet: z.B. wenn ihr es mit dem Urheber-Gesetz nicht so genau genommen habt. Ihr seid aber etwas unabhängiger, z.B. wenn die Schulleitung ein Problem mit der Zeitung hat. Ist die Zeitung nämlich im Rahmen der SMV herausgegeben, kann die Schulleitung die Herausgabe der Zeitung auch verbieten, muss aber das Verbot schriftlich innerhalb einer Woche begründen. Bei beiden Rechtsformen müsst ihr auf eine faire und ausgewogene Berichterstattung achten, das heißt, dass ihr niemanden beschimpft und keine Lügen oder Unwahrheiten über z.B. Schüler oder Lehrer verbreitet.
Leider ist dann aber schon Schluss mit der Meinungsfreiheit an der Schule: Falls ihr die Zeitung auf dem Schulgelände verbreiten wollt, müsst ihr sie, noch bevor sie in den Druck geht, der Schulleitung vorlegen. Diese kann dann sagen, was ihr nicht passt. Falls ihr die Einwände nicht beseitigen wollt, geht die Zeitung ins Schulforum. Falls man sich nicht einigt, kann vom Schulforum verboten werden, dass die Zeitung am Schulgelände verkauft wird. Außerhalb des Schulgeländes, das ist meist schon der Gehsteig vor der Schule, dürft ihr die Zeitung aber trotzdem verteilen, man sollte nur abwägen, wie viel Ärger man sich damit einhandelt. (BayEUG §63)
Kleidung, Anstecker, Aufkleber…
Oft kommt es vor dass Anstecker, Aufkleber oder bestimmte Sprüche auf Klamotten von Schüler_Innen zum Stein des Anstoßes werden und einem verboten wird, so etwas in der Schule zu tragen. Aber geht das so einfach?
Auch hier ist der Gesetzestext etwas schwammig. Grundsätzlich ist es nicht verboten!
Jedoch wenn dadurch der Schulfrieden, der geordnete Schulbetrieb oder die sogenannte Erziehung zur Toleranz gefährdet wird – was auch immer das genau heißen soll – oder jemand damit beleidigt wird, kann ein Verbot ausgesprochen werden. Das alles ist aber so vage gehalten, dass man viel hinein interpretieren kann. Ist der Schulbetrieb schon gestört, wenn sich der Geschichtslehrer darüber aufregt, weil jemand ein Che-Guevara-T-shirt anhat, und der Lehrer das nicht leiden kann? In Zweifelsfällen hat die Schulleitung das letzte Wort. Ein letzter Ausweg ist, sich an das Schulforum zu wenden. Man kann aber auch klagen: Dass politische Buttons in der Schule getragen werden dürfen, geht auf ein Urteil des Bayrischen Verfassungsgerichtes zum Fall Christine Schanderl aus Regensburg zurück. (BayEUG §84)
Beschweren und sich wehren
Wenn man sich ungerecht behandelt fühlt, sollte man nicht unbedingt gleich klagen wie in dem speziellen Fall von Christine Schanderl. Aber was soll man machen? Gleich zum Kultusministerium? Den Lehrer vor lauter Frust anbrüllen? Gar nichts machen und völlig abschalten? Nein! Der offizielle Beschwerdeweg sieht vor, dass man erst mit dem_der betroffenen Lehrer_In selber spricht, anschließend mit dem Klassenleiter, danach mit dem Schulleiter usw. Es kann allerdings ratsam sein, zuerst mit dem Vertrauenslehrer zu sprechen, denn der ist meist objektiv und muss dir keine Noten geben. Oder noch besser, das über Klassensprecher und die Schülersprecher versuchen zu klären, denn die sind ja auch dafür da, in Konflikten zu vermitteln.
VSO = Volksschulordnung (Hauptschule)
GSO = Schulordnung für Gymnasien
RSO = Realschulordnung
BayEUG = Bayrisches Erziehungs- und Unterrichtsgesetz