Source: https://www.kreis-steinfurt.de/kv_steinfurt/Kreisverwaltung/%C3%84mter/Ordnungsamt/Aufgaben%20&%20Dienstleistungen/%C3%96ffentliche%20Sicherheit%20und%20Ordnung/Jagdwesen/%C3%96kologisches%20Jagdgesetz%20NRW/
Timestamp: 2019-04-22 22:55:13
Document Index: 158337072

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 9', '§ 17', '§ 34', '§ 19', '§ 22', '§ 25', '§ 27', '§ 30', '§ 31', '§ 19', '§ 19', '§ 31', '§ 45']

Ökologisches Jagdgesetz NRW | Kreis Steinfurt
| Jagdwesen
Am 28.05.2015 ist das neue Landesjagdgesetz NRW - LJG-NRW – (Ökologisches Jagdgesetz) in Kraft getreten. Gleichzeitig wurden die Durchführungsverordnung zum Landesjagdgesetz (DVO LJG-NRW), die Landesjagdzeitenverordnung (LJZeitVO) und weitere Vorschriften geändert.
Reduzierung der jagdbaren Arten (§ 2 LJG-NRW)
geänderte Jagd- und Schonzeiten u. a. beim Rehwild, Damwild u. Feldhasen (LJZeitVO)
Jagdpacht mindestens nur noch fünf Jahre (§ 9 Abs. 2 LJG-NRW)
Schießnachweis für die Teilnahme an Bewegungsjagten auf Schalenwild (§ 17 a Abs. 3 LJG-NRW und § 34 DVO LJG-NRW)
Weitere sachliche Verbote (§ 19 LJG-NRW), u. a.
Verbot bleihaltiger Büchsenmunition ab dem 01.04.2016, Kleinkalibermunition ab dem 01.04.2018
Verbot der Lockjagd auf Rabenkrähen außerhalb der Einzeljagd
Verbot der Verwendung von elektrischem Strom zum Anlocken von Wild
Wegfall des behördlichen Rehwildabschussplanes (§ 22 Abs. 1 LJG-NRW)
Änderungen bei den Regelungen zur Fütterung und Kirrung von Wild (§ 25 Abs. 1 und 2 LJG-NRW und §§ 27 und 28 DVO-LJG)
Änderungen bei den Regelungen zur Fangjagd
Änderungen bei den Regelungen zur Ausbildung der Jagdgebrauchshunde (§ 30 Abs. 3 und 4 LJG-NRW)
Aussetzen von heimischen Feder- oder Haarwildes nur zum Zwecke der Bestandsstützung oder Wiederansiedlung und nur mit schriftlicher Genehmigung der Unteren Jagdbehörde (§ 31 Abs. 4 und 5 LJG-NRW).
Die Baujagd auf Fuchs und Dachs ist ab sofort verboten! Dies gilt sowohl für Naturbauten als auch für Kunstbauten.
In Einzelfällen kann die Untere Jagdbehörde auf Antrag das Verbot der Baujagd aufheben (§ 19 Absatz 2 LJG-NRW). Der Antragsteller hat hierbei eine Sondersituation darzulegen, insbesondere bei einem Antrag zum Schutz der Tierwelt. Eine intensive Bejagung der Prädatorenbestände in der jeweiligen Jagdzeit ist zu begrüßen, hieraus ergibt sich aber noch keine Sondersituation, die eine Aufhebung des Verbotes zum Schutz der Tierwelt rechtfertigen würde.
Es stellt sich bei Anträgen auf Ausnahme vom Verbot der Baujagd insbesondere die Frage, ob die reguläre Jagdzeit effektiv unter Ausschöpfung der zulässigen Jagdmethoden genutzt wird und warum trotzdem eine Ausnahme erforderlich ist. Jungfüchse haben in NRW ganzjährig Jagdzeit. Eine intensive Bejagung von Jung- und Altfüchsen beispielsweise an gemähten Wiesen und von Jungfüchsen am Bau (mit der Jungfuchsfalle) sind weiterhin zulässig, ebenso wie die Fuchsbejagung am Luderplatz.
Zudem ist zu prüfen, ob die Baujagd ein geeignetes Mittel zum Schutz der Tierwelt ist oder ob vielmehr biotopverbessernde Maßnahmen in dem konkreten Revier erforderlich sind. Bei Anträgen zum Schutz der Tierwelt bzgl. solcher Arten, die nicht dem Jagdrecht unterliegen, ist zudem eine Ausnahmegenehmigung nur im Einvernehmen mit der Unteren Naturschutzbehörde möglich.
Weiterhin kann die Untere Jagdbehörde zum Schutz der Tierwelt im Einzelfall zeitweise die Baujagd am Kunstbau erlauben (§ 19 Absatz 3 LJG-NRW). Grundlage ist eine von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung erarbeitete und regelmäßig fortzuschreibende Gebietskulisse.
Die Forschungsstelle hatte im Jahr 2015 erstmals befristet bis zum 31.03.2017 eine Gebietskulisse erstellt. Der Schutz der Tierwelt war das Schlüsselkriterium für die Gebietskulisse und die darauf basierenden bisherigen Ausnahmegenehmigungen. Die Gebietskulisse ist regelmäßig fortzuschreiben. In der Neubewertung der Situation kommt die Forschungsstelle heute zu dem Ergebnis, die Gebietskulisse zum Schutz der Tierwelt auf das gesamte Landesgebiet Nordrhein-Westfalen (mit Ausnahme befriedeter Bezirke) auszuweiten.
Der Kreis Steinfurt hat auf dem gesamten Kreisgebiet mit einer Allgemeinverfügung die Baujagd auf Füchse im Kunstbau für die Jagdjahre 2017/2018 bis 2021/2022 erlaubt. Bitte beachten Sie folgende Auflagen:
Die Baujagd auf Füchse im Kunstbau darf nur in der Zeit vom 16. Juli bis 28. Februar (Jagdzeit der Altfüchse) ausgeübt werden.
Die Anzahl der Füchse, die durch die Baujagd im Kunstbau erlegt werden, sind der Unteren Jagdbehörde spätestens zum 15. April eines jeden Jahres im Rahmen der jährlichen Streckenmeldung mitzuteilen.
Totschlagfallen sind ab sofort verboten! Ausnahmen gelten nur für den Fang von Bisam und Nutria.
Die Jagd mit Fanggeräten darf nur noch von Personen ausgeübt werden, die an einem anerkannten Ausbildungslehrgang für die Fangjagd teilgenommen haben. Bisherige Prüfungszeugnisse des Landesjagd-verbandes über die Teilnahme an einem Fangjagdlehrgang gelten weiter.
Fallen für den Lebendfang sind nun dauerhaft und jederzeit sichtbar so zu kennzeichnen, dass ihr Besitzer feststellbar ist, und müssen mit einem elektronischen Fangmeldesystem ausgestattet sein.
Kirrstellen (höchstens eine je angefangene 100 Hektar bejagbare Fläche) sind der Unteren Jagdbehörde unter Beifügung eines Lageplans im Maßstab 1:5000 oder 1:10000 und im WGS 84-Koordinatensystems nach Längen- und Breitengrad jeweils in Grad und Bogenminuten mit drei Dezimalstellen vorher formlos anzuzeigen.
Das Aussetzen von heimischen Feder- und Haarwildes ist zulässig zur Bestandsstützung oder Wiederansiedlung und bedarf der vorherigen schriftlichen Genehmigung der Unteren Jagdbehörde (§ 31 Absätze 4 und 5 LJG-NRW). Ein Antrag ist formlos zu stellen.
Die Genehmigung darf nur erteilt werden, wenn biotopverbessernde Hegemaßnahmen für die auszusetzende Wildart nachgewiesen wurden und die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung ihr Einvernehmen erteilt hat.
Nach einer Auswilderung von Fasanen und Stockenten ist es verboten, diese früher als vor dem nächsten Kalenderjahr nach Auswilderung zu bejagen.
Diese Vorschriften gelten nicht für Fasanen, die aus verlassenen (oder ausgemähten) Gelegen des jeweiligen Jagdbezirkes stammen und aufgezogen worden sind. Zwischen der Auswilderung und der Jagdausübung auf Fasanen müssen in diesem Fall aber mindestens acht Wochen liegen.
Verletzte wildlebende Tiere im Jagdbezirk
Für verletzte Tiere, die nicht mehr dem Jagdrecht unterliegen, besteht grundsätzlich keine Hegeverpflichtung mehr. Auch aus dem Tierschutzgesetz ergibt sich keine Pflicht, verletzten wildlebenden Tieren zu helfen.
Dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) zufolge ist es generell verboten, Tiere der besonders geschützten Arten der Natur zu entnehmen. Es ist allerdings zulässig, verletzte, hilflose Tiere vorübergehend aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen (§ 45 Absatz 5 BNatSchG). Die Tiere sind unverzüglich wieder in die Freiheit zu entlassen, sobald sie sich dort selbständig erhalten können. Handelt es sich um Tiere der streng geschützten Arten, ist die Aufnahme des Tieres unverzüglich der Unteren Naturschutzbehörde zu melden. Diese kann die Herausgabe des Tieres verlangen.
Damit könnten Arten, die nicht mehr dem Jagdrecht unterliegen, weiterhin von Jägern und Falknern gesund gepflegt und wieder ausgewildert werden. Eine Pflicht hierzu gibt es nicht.
Informationen zum Schutzstatus der Arten sowie eine Liste der bekannten Auffangstationen in Nordrhein-Westfalen finden sich auf der Internetseite des LANUV:
Naturschutzinformationen NRW / Artenschutz