Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/betreuung-trotz-vorsorgevollmacht-2-3106967
Timestamp: 2020-07-05 17:44:24
Document Index: 170089980

Matched Legal Cases: ['§ 1896', '§ 1896', '§ 1896', '§ 26', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 274', '§ 303']

Betreuung trotz Vorsorgevollmacht | Rechtslupe
Wann kann die Ein­rich­tung einer Betreu­ung trotz bestehen­der Vor­sor­ge­voll­macht erfor­der­lich sein? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:
Ein Betreu­er darf nur bestellt wer­den, soweit die Betreu­er­be­stel­lung erfor­der­lich ist (§ 1896 Abs. 2 Satz 1 BGB). An der Erfor­der­lich­keit fehlt es, soweit die Ange­le­gen­hei­ten des Betrof­fe­nen durch einen Bevoll­mäch­tig­ten eben­so gut wie durch einen Betreu­er besorgt wer­den kön­nen (§ 1896 Abs. 2 Satz 2 BGB). Eine Vor­sor­ge­voll­macht steht daher der Bestel­lung eines Betreu­ers grund­sätz­lich ent­ge­gen. Anders kann es zum einen lie­gen, wenn Zwei­fel an der Wirk­sam­keit der Voll­mach­ter­tei­lung oder am Fort­be­stand der Voll­macht bestehen, die geeig­net sind, die Akzep­tanz der Voll­macht im Rechts­ver­kehr und damit die Wahr­neh­mung von Rech­ten des Betrof­fe­nen durch den Bevoll­mäch­tig­ten zu beein­träch­ti­gen [1]. Eine Betreu­ung kann trotz Vor­sor­ge­voll­macht zum ande­ren dann erfor­der­lich sein, wenn der Bevoll­mäch­tig­te unge­eig­net ist, die Ange­le­gen­hei­ten des Betrof­fe­nen zu besor­gen, ins­be­son­de­re weil zu befürch­ten ist, dass die Wahr­neh­mung der Inter­es­sen des Betrof­fe­nen durch jenen eine kon­kre­te Gefahr für das Wohl des Betrof­fe­nen begrün­det. Letz­te­res ist der Fall, wenn der Bevoll­mäch­tig­te wegen erheb­li­cher Beden­ken an sei­ner Geeig­net­heit oder Red­lich­keit als unge­eig­net erscheint [2].
Dabei ent­schei­det der Tatrich­ter über Art und Umfang sei­ner Ermitt­lun­gen nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen. Dem Rechts­be­schwer­de­ge­richt obliegt ledig­lich die Kon­trol­le auf Rechts­feh­ler, ins­be­son­de­re die Prü­fung, ob die Tat­sa­chen­ge­rich­te alle maß­geb­li­chen Gesichts­punk­te in Betracht gezo­gen haben und die Wür­di­gung auf einer aus­rei­chen­den Sach­auf­klä­rung beruht [3].
Das Gericht hat im Rah­men des Betreu­ungs­ver­fah­rens die erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen dazu zu tref­fen, ob eine Betreu­ung trotz der Vor­sor­ge­voll­macht erfor­der­lich ist. Dabei wird es zu ermit­teln haben, ob die Voll­mach­ter­tei­lung wirk­sam oder der Betrof­fe­ne zum dama­li­gen Zeit­punkt bereits geschäfts­un­fä­hig war. Soll­ten trotz Aus­schöp­fung aller Erkennt­nis­mög­lich­kei­ten Zwei­fel an der Wirk­sam­keit der Voll­macht ver­blei­ben, ist zu klä­ren, ob die­se Zwei­fel die Rechts­wahr­neh­mung der Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten für den Betrof­fe­nen in einer die Erfor­der­lich­keit einer Betreu­ung begrün­den­den Wei­se behin­dern kön­nen.
Kommt das Gericht zu dem Ergeb­nis, dass die Voll­macht im Grund­satz geeig­net ist, der Ein­rich­tung einer Betreu­ung nach § 1896 Abs. 2 Satz 2 BGB ent­ge­gen­zu­ste­hen, wird es sich mit der Fra­ge der Eig­nung der Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten zu befas­sen haben. Dabei dürf­te nahe lie­gen, die Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten zu Zwei­feln ihre Geeig­net­heit oder auch Red­lich­keit betref­fend per­sön­lich anzu­hö­ren, um der aus § 26 FamFG fol­gen­den Amts­er­mitt­lungs­pflicht zu genü­gen [4].
vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 03.02.2016 – XII ZB 425/​14, mwN[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 26.02.2014 – XII ZB 301/​13, FamRZ 2014, 738 Rn. 17 mwN; und vom 13.04.2011 – XII ZB 584/​10, FamRZ 2011, 964 Rn. 15 mwN[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 26.02.2014 – XII ZB 301/​13, FamRZ 2014, 738 Rn. 18 mwN; und vom 13.04.2011 – XII ZB 584/​10, FamRZ 2011, 964 Rn. 16 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 15.12 2010 – XII ZB 165/​10, FamRZ 2011, 285 Rn. 17 f., zur Geeig­net­heit und Red­lich­keit eines vom Betrof­fe­nen als Betreu­er Vor­ge­schla­ge­nen[↩]
Betreu­ungs­ver­fah­ren – und die vom Amts­ge­richt unter­las­se­ne… Hat das Amts­ge­richt es in ver­fah­rens­wid­ri­ger Wei­se unter­las­sen, in einem Betreu­ungs­ver­fah­ren für den Betrof­fe­nen einen Ver­fah­rens­pfle­ger zu bestel­len, und hat es dem­ge­mäß den Betrof­fe­nen ohne…
Betreu­ungs­ver­fah­ren – und das nach Anhö­rung ein­ge­hol­te… Stützt das Beschwer­de­ge­richt sei­ne Ent­schei­dung in einer Betreu­ungs­sa­che auf ein nach erfolg­ter Anhö­rung des Betrof­fe­nen ein­ge­hol­tes ergän­zen­des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten, ist der Betrof­fe­ne grund­sätz­lich erneut per­sön­lich anzu­hö­ren…
Die Beschwer­de­be­fug­nis eines Betei­lig­ten im… Wer nach § 274 Abs. 4 Nr. 1 FamFG tat­säch­lich am Ver­fah­ren im ers­ten Rechts­zug betei­ligt wur­de, bleibt auch dann gemäß § 303 Abs. 2…
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