Source: http://www.webshoprecht.de/IRUrteile/Rspr1499.php
Timestamp: 2017-08-19 09:16:39
Document Index: 357006998

Matched Legal Cases: ['§ 53', '§ 72', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 8', '§ 7', '§ 44', '§ 53', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 97', '§ 97', '§ 101', '§ 101']

OLG Hamburg Urteil vom 10.12.2008 - 5 U 224/06 - Zum "Sich-zu-eigen-Machen" von rechtswidrigen Inhalten durch den Betreiber eines Fotoportals - Pixum
OLG Hamburg v. 10.12.2008: Zum "Sich-zu-eigen-Machen" von rechtswidrigen Inhalten durch den Betreiber eines Fotoportals - Pixum
Das OLG Hamburg (Urteil vom 10.12.2008 - 5 U 224/06) hat entschieden:
Der Betreiber eines Internetangebotes kann sich auch Inhalte zu Eigen machen, die erkennbar von Dritte hochgeladen wurden. Dies hängt von den Umständen des Einzelfalles ab und kann etwa dann der Fall sein, wenn solche Inhalte derart in das Angebot des Betreibers eingebunden werden, dass sie als Teil seines eigenen Angebotes erscheinen.
Dementsprechend liegt ein Zueigenmachen dann vor, wenn der Anbieter eines Internetdienstes es Nutzern ermöglicht, Bilddateien derart in sein Internetangebot hochzuladen, dass die Nutzer einen beliebig verwendbaren Deep Link zur Verfügung gestellt bekommen, und wenn jeder Dritte, der auf diesem Wege zu den eingestellten Bilddateien gelangt, in unmittelbarem Zusammenhang mit den Bilddateien beim Anbieter kostenpflichtige Ausdrucke bestellen kann, und die hochladenden Nutzer an dem hiermit erzielten Erlös nicht beteiligt werden.
Ein schützenswertes Interesse des Betreibers eines derartigen Internetangebotes, dass sich seine Nutzer unter einem Pseudonym anmelden und Lichtbilder hochladen können, ist in rechtlicher Hinsicht nicht anzuerkennen.
Bei einer solchen Art des letztlich anonymen Kontakts ohne konkrete Rück- und Nachfragen zu der Herkunft hochzuladender Lichtbilder reicht eine in Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufgenommene Rechtezusicherung nicht aus, um den Vorwurf einer fahrlässigen Urheberrechtsverletzung zu beseitigen. Die Verantwortlichkeit des Diensteanbieters beschränkt sich deshalb nicht auf eine reine Störereigenschaft, er ist vielmehr Täter einer Urheberrechtsverletzung.
Dementsprechend kommt es für die Beurteilung der Verantwortlichkeit des Anbieters eines solchen Dienstes nicht entscheidend darauf an, ob er (allgemeine) Prüfungspflichten verletzt hat bzw. in welchem Umfang ihm solche in zumutbarer Weise auferlegt werden dürfen. Denn vor einer Übernahme von Lichtbildern in sein eigenes Angebot hat sich der Anbieter selbst unmittelbar der erforderlichen Rechte zu vergewissern.
Die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass die von dem Anbieter eines solchen Dienstes gefertigten Ausdrucke von Lichtbildern lediglich zum privaten oder sonstigen privilegierten Gebrauch der Besteller im Sinne von § 53 I bis III UrhG bestimmt waren, trifft den Anbieter.
Die Beklagte bietet unter der Domian „pixum.de“ in großem Umfang Waren und Dienstleistungen vornehmlich im Zusammenhang mit digitaler Fotografie an. Unter anderem stellt die Beklagte ihren Nutzern in ihrem Internetangebot eine Plattform für das Einstellen von elektronischen Bilddateien zur Verfügung. Nutzer können sich dort als Mitglieder registrieren lassen, wobei sie ihre Identität nicht belegen müssen. Sodann können sie auf den Servern der Beklagten Bilddateien durch Hochladen hinterlegen und in sog. „Alben“ – also Unterverzeichnisse - einordnen. Diese „Alben“ können vom hochladenden Mitglied als „öffentlich“ oder „privat“ markiert werden (unklar ist geblieben, ob mit letzterem dieselbe Zugänglichkeit gemeint ist, die in den AGB der Beklagten als „halböffentlich“ bezeichnet wird). Die registrierten Mitglieder erhalten über ein Passwort Zugang zu dem ihnen zur Verfügung gestellten Bereich und können Abzüge der von ihnen hochgeladenen Fotos kostenpflichtig bei der Beklagten bestellen.
Pixum ermöglicht dem Kunden im Rahmen seines Albenservices, unter Nutzung der von Pixum betriebenen Websites Bilddateien mit einem von Pixum vorbestimmten Dateiformat hochzuladen, in sog. Alben zu speichern und zu bearbeiten. Dem Kunden steht dabei die Möglichkeit offen, dritten Personen den Zugriff auf die seinerseits in den jeweiligen Alben gespeicherten Bilddateien zu eröffnen (sharing). Der Kunde kann dabei den Kreis der zugriffsberechtigten Personen derart bestimmen, dass er diesen Zugriff auf bestimmte Personen begrenzt ("halböffentliches Album") oder einer persönlich und zahlenmäßig beliebigen Zahl von dritten Personen diesen Zugriff gestattet ("öffentliches Album").
die Beklagte zu verurteilen, es bei Meidung eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Ordnungsgeldes bis zu € 250.000,-, ersatzweise Ordnungshaft bis zu sechs Monaten, zu unterlassen, die Fotografien der Band „Depeche Mode“ „Gitarrist im Nebel“ (Anl K 2), „Sänger vor Schlagzeug“ (Anl K 3) und „Sänger verschwommen“ (Anl K 4) auf ihrer Internetseite unter www.pixum.de öffentlich zugänglich zu machen und / oder öffentlich machen zu lassen und / oder als Drucke zu vervielfältigen und / oder vervielfältigen zu lassen,
die Beklagte im Wege der Stufenklage dazu zu verurteilen, Auskunft darüber zu erteilen, auf welche Art und Weise die Beklagte die in Ziffer 1 bezeichneten Fotografien genutzt und vervielfältigt und / oder an Dritte zur Nutzung oder Vervielfältigung weitergegeben hat unter genauer Bezeichnung der Vervielfältigungsart, Nutzungsart, Auflage und Dauer,
die Beklagte zu verurteilen, an ihn – den Kläger – einen nach erteilter Auskunft zu beziffernden angemessenen Schadensersatz zu zahlen,
die Beklagte zu verurteilen, als Nebenforderung an ihn – den Kläger – die Kosten der vorgerichtlichen anwaltlichen Inanspruchnahme in Höhe des nicht anrechenbaren Gebührenanteils zum vorliegenden Streitwert zu ersetzen und zwar in Höhe von € 369,64.
das Teilurteil des Landgerichts Hamburg zur Geschäftsnummer 308 O 492/06 vom 1.11.2006 aufzuheben,
(1) Dem Kläger stehen für die streitgegenständlichen Fotografien jedenfalls gemäß § 72 UrhG die Schutzrechte entsprechend zu, die für Lichtbildwerke gelten. Das Landgericht hat als unstreitig festgestellt, dass der Kläger die streitgegenständlichen Lichtbilder erstellt hat. Dies wird von der Berufung nicht angegriffen. Dahinstehen kann daher, ob die streitgegenständlichen Fotografien – wie vom Landgericht bejaht - als Lichtbildwerke anzusehen sind.
(3) Die Beklagte hat die streitgegenständlichen Lichtbilder des Klägers vervielfältigt im Sinne des § 16 UrhG. Vervielfältigen ist gemäß § 16 I UrhG das Herstellen von Vervielfältigungsstücken. Vervielfältigung ist jede Festlegung des Werkes, die geeignet ist, das Werk den menschlichen Sinnen auf irgendeine Weise unmittelbar oder mittelbar wahrnehmbar zu machen; dies muss durch körperliche Fixierung erfolgen (Loewenheim in Schricker, Urheberrecht 3. Aufl., § 16 Rz.5; Dreier / Schulze UrhG, 2.Aufl., § 16 Rz.6). Das ist bei der Anfertigung von Ausdrucken von Fotos der Fall. Da der Kläger lediglich eine Vervielfältigung seiner Lichtbilder durch die Anfertigung von Ausdrucken angegriffen hat, ist hier nicht zu entscheiden, ob die Beklagte auch auf andere Weise – etwa durch digitale Festlegung auf Datenspeichern - Vervielfältigungen vorgenommen hat.
Zum einen werden die in die "öffentlichen Alben" eingestellten Fotos – jedenfalls nach der Aufmachung der Internetseiten der Beklagten auf den vom Kläger vorgelegten Ausdrucken (Anl K 2 – K 4) – in einer Weise präsentiert, dass der verständige Internetnutzer dies wenigstens als einen weiteren Hinweis darauf versteht, dass die Beklagte selbst die hochgeladenen Fotos als Teil ihres eigenen Angebotes ansieht. Denn jedes einzelne hochgeladene Foto erscheint unter der Überschrift „pixum“ zusammen mit dem Signet der Beklagten (vgl. zu diesem Kriterium Senat GRUR-RR 2008, 230, 231 – Chefkoch; s. auch HansOLG Hamburg [7 U 94/02], Urt. v. 28.1.2003, zur Markierung eines fremdproduzierten Beitrags mit dem Signet des Senders). Hierdurch wird dem Internetnutzer unübersehbar verdeutlicht, dass er sich auf den Seiten der Beklagten bewegt. Damit verstärkt die Beklagte für den interessierten Nutzer den Eindruck, dass dieses Foto (wenigstens auch) als Teil ihres eigenen Angebotes anzusehen sei. In diesem Zusammenhang ist es ohne rechtliche Bedeutung, dass bei den Abbildungen auch auf den Einsender hingewiesen wird; dies hindert die Beklagte nicht, sich die entsprechende Aufnahme durch andere – insbesondere die oben genannten - Umstände zu Eigen zu machen. Im Übrigen ist die Angabe des eigentlichen Verfassers, der zudem unter einem nicht identifizierbaren Pseudonym erscheint, gegenüber dem Namen und dem Signet der Beklagten in den Hintergrund gerückt; Name und Signet der Beklagten sind deutlich größer und optisch auffälliger gestaltet als der Hinweis auf das Mitglied, das das jeweilige Foto eingestellt hat.
Zum anderen spricht auch die Gestaltung der Rechteeinräumung an den hochgeladenen Fotos, wie sie die Beklagte in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) festgelegt hat, dafür, dass sich die Beklagte diese – neben dem hochladenden Mitglied - zu Eigen gemacht hat. Nach Ziffer 5 der oben zitierten AGB der Beklagten verbleiben zwar sämtliche Rechte an den eingestellten Bildern beim Urheber, die Beklagte lässt sich aber das Einverständnis des Hochladenden erklären, dass Dritte über den jeweiligen Webserver der Beklagten auf seine Alben zugreifen und die dort hinterlegten Bilddateien einsehen, diese in den Arbeitsspeicher ihrer Datenverarbeitungsgeräte übermitteln bzw. laden und bearbeiten und/oder unter Zuhilfenahme der Dienstleistungen der Beklagten digital entwickeln lassen; der Kunde räumt nach dieser Ziffer der AGB insoweit der Beklagten unentgeltlich und nicht ausschließlich das Recht ein, die von ihm in „halböffentliche“ bzw. „öffentliche Alben“ eingestellten Bilddateien im Rahmen des digitalen Entwicklungsdienstes zu vervielfältigen und zu verbreiten. Damit hat sich die Beklagte einen wichtigen Teil der Nutzungs- und Verwertungsrechte an den zur Verfügung gestellten Fotos gesichert. Diese Rechteeinräumung dient ersichtlich nicht (alleine) dem Zweck, die Möglichkeit der Veröffentlichung auf der Homepage rechtlich abzusichern, sondern soll es der Beklagten ausdrücklich ermöglichen, ihren Entwicklungsservice auch für solche Besteller anzubieten, die die zu entwickelnden Bilder nicht erstellt und auch nicht hochgeladen haben. Die Beklagte erschließt sich hiermit eine Einnahmequelle aus Dateien ihrer Mitglieder, an der ausschließlich sie verdient. Dies ist ein im Rahmen einer Gesamtwürdigung mit allen weiteren genannten Indizien deutlicher Hinweis darauf, dass sich die Beklagte letztlich die ihr zur Verfügung gestellten Inhalte insoweit zu Eigen macht und hierüber im eingeräumten Umfang wie ein Rechteinhaber bzw. Lizenznehmer verfügen will. Damit liegt auch nach Auffassung des Senats hinsichtlich der in "öffentlichen Alben" eingestellten Bilddateien eine Verantwortlichkeit der Beklagten für eigene Informationen vor, die zur Nutzung bereitgehalten werden, i.S. von § 8 I TDG a.F. (§ 7 I TMG). In diesem Fall kommt es nicht darauf an, ob der Anbieter eine konkrete Kenntnis von den Inhalten besitzt, wenn er sich diese insgesamt zu Eigen gemacht hat. Gegenteiliges gilt nur bei fremden Inhalten, um die es hier gerade nicht geht.
(c) Damit kann sich die Beklagte insoweit nicht mit Erfolg darauf berufen, eine Kontrolle der hochgeladenen Lichtbilder sei ihr weder möglich noch zumutbar. Indem die Beklagte auf der Grundlage ihres Geschäftsmodells Dritten uneingeschränkt die Möglichkeit im eigenen kommerziellen Interesse zur Verfügung stellt, Abzüge von Lichtbildern anderer Personen zu erwerben, hat sie auch die erforderlichen Schutzmaßnahmen zu treffen. Der Senat hat dementsprechend im Rahmen dieses Rechtsstreits nicht zu entscheiden, welche Maßnahmen die Beklagte zu ergreifen hätte, um zumindest in Zukunft gleichartige Verletzungen abzustellen. Denkbar wäre aber zum Beispiel, dass vor der Einstellung/Übernahme eines Lichtbildes das Mitglied der Beklagten jeweils konkret mitteilen muss, wann dieses Lichtbild von welcher Person (ggf. mit Anschrift und Kameratyp) hergestellt worden ist. Das Einstellen von Lichtbildern, die danach nicht von dem Einsender selbst erstellt worden sind, könnte – auch automatisiert - abgelehnt werden, weil insoweit eine wirksame Rechteinhaberschaft/-übertragung letztlich noch nicht einmal in Ansätzen verlässlich nachvollziehbar ist. Eine derartige Pflichtangabe könnte zum Beispiel ein hinreichender Kontrollmechanismus bzw. eine Hemmschwelle sein, um das rechtsverletzende Hochladen von Lichtbildern zu unterbinden, selbst wenn auch insoweit der Schutz aus der Natur der Sache kaum lückenlos sein kann. Der Senat vermag deshalb auch nicht nachzuvollziehen, aus welchen Gründen ein derartiger Schutzmechanismus für die Beklagte unzumutbar sein sollte. Insbesondere würde hierdurch auch nicht ihr gesamtes Geschäftsmodell in Frage gestellt.
Ein schützenswertes Interesse der Beklagten, dass ihre Nutzer unter einem Pseudonym Lichtbilder einstellen können, ist zudem in rechtlicher Hinsicht nicht anzuerkennen. Hierfür besteht - anders als etwa bei dem Internet-Marktplatz e-bay, dessen Geschäftsmodell die Möglichkeit einer direkten Kontaktaufnahme der Bieter mit dem Anbieter vor dem Zuschlag im Regelfall gerade nicht vorsehen darf - keinerlei Notwendigkeit. Vielmehr birgt diese Möglichkeit die Gefahr, die sich im vorliegenden Fall realisiert hat, dass sich die Mitglieder durch die weitegehende Anonymität der Registrierung sicher genug fühlen, auch solche Lichtbilder hochzuladen, an denen ihnen keine Rechte zustehen. Dem Rechtsinhaber ist es dadurch verwehrt oder jedenfalls in erheblichem Maße erschwert, seine Ansprüche (auch) gegen das hochladende Mitglied der Beklagten geltend zu machen. Die Beklagte wusste auch, dass bereits in der Vergangenheit zumindest gerügt worden war, dass vom Kläger erstellte Lichtbilder in rechtsverletzender Weise bei ihr eingestellt worden seien. Vor diesem Hintergrund obliegt es ihr, in Zukunft Rechtsverletzungen dieser Art, für die eine nicht unerhebliche Wahrscheinlichkeit besteht, wirksam zu unterbinden; die Beklagte selbst hat indes nicht behauptet, irgendeine Prüfung der hochgeladenen Lichtbilder vorzunehmen. (d) Die Vervielfältigung der streitgegenständlichen Lichtbilder der Beklagten durch Anfertigung von Ausdrucken war hier nicht nach den Schrankenregelungen der §§ 44a ff UrhG zulässig, insbesondere handelt es sich nicht lediglich um eine Teilnahme der Beklagten an der Erstellung von Vervielfältigungsstücken zum privaten oder sonstigen eigenen Gebrauch im Sinne von § 53 UrhG; lediglich diese Schranke des urheberechtlichen Schutzes kommt im vorlegenden Fall überhaupt in Betracht.
(e) Indem die Beklagte es nicht nur zugelassen hat, dass Lichtbilder unter Verwendung eines Pseudonyms auf ihrer Seite eingestellt worden sind, sondern sich diese Lichtbilder auch als Bestandteil ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit zu Eigen gemacht hat, hat sie Urheberechtsverletzungen zumindest fahrlässig verwirklicht, nämlich in Kauf genommen, und damit eine - von dritter Seite ebenfalls begangene - Rechtsverletzung selbst täterschaftlich in der Verschuldensform der Fahrlässigkeit begangen. Bei einer solchen Art des letztlich anonymen Kontakts ohne konkrete Rück- und Nachfragen zu der Herkunft des Bildes kann auch die in Ziffer 6 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufgenommene Rechtezusicherung nicht ausreichen, um den Vorwurf einer fahrlässigen Urheberrechtsverletzung zu beseitigen. Die Verantwortlichkeit der Beklagten beschränkt sich deshalb nicht auf eine reine Störereigenschaft, die Beklagte ist vielmehr Täterin einer Urheberrechtsverletzung. An die Sorgfaltspflicht eines Werknutzers ist grundsätzlich ein strenger Maßstab anzulegen; leichte Fahrlässigkeit reicht aus (BGH GRUR 1993, 34, 36f - Bedienungsanweisung). Wer ein fremdes Werk nutzen will, muss sich sorgfältig Gewissheit über seine Befugnis dazu verschaffen (BGH GRUR 1998, 376, 397 - Coverversion). Dementsprechend kommt es für die Beurteilung der Verantwortlichkeit der Beklagten noch nicht einmal entscheidend darauf an, ob sie (allgemeine) Prüfungspflichten verletzt hat bzw. in welchem Umfang ihr solche in zumutbarer Weise auferlegt werden dürfen. Denn vor einer Übernahme von Lichtbildern in ihr eigenes Angebot hat sich die Beklagte selbst unmittelbar der erforderlichen Rechte zu vergewissern. Dies ist - wie vorstehend bereits näher ausgeführt worden ist - jedenfalls nicht in dem rechtlich erforderlichen Umfang geschehen. Die von dem BGH in der Entscheidung „Internet-Versteigerung II“ (GRUR 2007, 708) aufgestellten Grundsätze eingeschränkter Überprüfungspflichten von Störern finden deshalb auf den vorliegenden Fall keine Anwendung.
bb. Die Beklagte ist gemäß §§ 97 I, 19a UrhG auch verpflichtet, es zu unterlassen, die streitgegenständlichen Fotografien öffentlich zugänglich zu machen bzw. öffentlich zugänglich machen zu lassen. Dies gilt jedenfalls dann, wenn – wie hier geschehen und vom Kläger angegriffen - dies mit der Möglichkeit verbunden ist, Ausdrucke dieser Fotografien zu bestellen.
(a) Zwar hat die Beklagte insoweit eine Verwertungshandlung – anders als im Hinblick auf das Vervielfältigen durch Anfertigung von Ausdrucken - selbst nicht vorgenommen. Unstreitig hat die Beklagte weder die Bilddateien der streitgegenständlichen Lichtbilder auf ihre Internetseiten eingestellt noch einen Deep-Link auf diese gesetzt, sondern lediglich dem hochladenden Mitglied einen Link zur Verfügung gestellt, der von diesem erst anderweitig plaziert werden musste, damit es dazu kam, dass die Bilddateien öffentlich zugänglich gemacht wurden. Bereits dieses Verhalten der Beklagten stellte aber einen ganz wesentlichen Tatbeitrag zur Verwirklichung der Verletzung der urheberrechtlich geschützten Position des Klägers durch öffentliche Zugänglichmachung dar, denn diese wurde erst durch den zur Verfügung gestellten Link ermöglicht. Auch das Hochladen der in Rede stehenden Bilddateien hat die Beklagte durch Bereitstellen von Speicherplatz überhaupt erst möglich gemacht. Damit hat die Beklagte eine adäquat kausalen Tatbeitrag dafür gesetzt, dass die Lichtbilder des Klägers nicht nur hochgeladen, sondern auch in einer Weise verlinkt wurden, dass sie von allgemein zugänglichen Internetseiten erreichbar waren und auch tatsächlich erreicht wurden.
Es ist schon deshalb adäquat, der Beklagten diesen Erfolg objektiv zuzurechnen, als dies genau dem Zweck entspricht, den die Beklagte ihren Mitgliedern vorgibt, wenn diese Bilddateien in als „öffentlich“ markierte „Alben“ einstellen. Die Beklagte stellt ihren Mitgliedern nämlich nicht nur die technischen Rahmenbedingungen dafür zur Verfügung, dass diese die von ihnen hochgeladenen Bilddateien öffentlich zugänglich machen, sondern ermuntert ihre Mitglieder hierzu. Die Beklagte weist ihre Mitglieder ausdrücklich darauf hin, wie sie den zur Verfügung gestellten Link einsetzen können, nämlich kopieren und per e-Mail versenden, aber auch auf ihren eigenen Seiten oder in einem Forum einstellen, um so direkt zum jeweiligen "öffentlichen Album" zu verlinken (vgl. Anl BB 4). Demnach ist der Zweck des zur Verfügung gestellten Links eben der, dass das Mitglied damit Dritten den Zugriff auf die hochgeladenen Fotos ermöglicht. Damit stellt das Handeln der Beklagten sogar einen gezielten Beitrag zu dieser Verwertungshandlung dar; die Beklagte strebt ja an, dass die hochgeladenen Bilder von den Nutzern durch Verwendung des Links Dritten zugänglich gemacht werden, da sie sich damit – über deren Bestellungen - eine zusätzliche Einnahmequelle eröffnet.
Dem steht hinsichtlich der Verwertungshandlung der öffentlichen Zugänglichmachung auch nicht die Tatsache entgegen, dass der verständige Internetnutzer beim Betrachten der in Rede stehenden Seiten mit den Lichtbildern des Klägers darauf hingewiesen wird, dass es sich um Dateien eines Mitglieds – „von M.“ – handelt. Denn der entscheidende Faktor für die Bewertung, dass sich die Beklagte die von ihren Mitgliedern in „öffentliche Alben“ eingestellten Dateien von Lichtbildern zu Eigen gemacht hat, ist – wie oben ausgeführt – das im unmittelbaren Zusammenhang mit den Dateien an jeden beliebigen Besucher gerichtete Angebot, die jeweiligen Bilddateien als Ausdrucke zu bestellen. Hierdurch wird jedem Besucher vermittelt, dass die Beklagte an der wirtschaftlichen Verwertung der gezeigten Bilddatei zu partizipieren gedenkt. Dieses Angebot besteht auch bereits im Moment der öffentlichen Zugänglichmachung, namentlich wenn der Besucher die Bilddatei lediglich betrachtet, und nicht erst dann, wenn es tatsächlich zu einer Vervielfältigung im Rahmen der Abwicklung einer konkreten Bestellung kommt. Dem Besucher wird daher unmissverständlich bedeutet, dass ihm zwei Anbieter die jeweilige Bilddatei präsentieren, nämlich zum einen das hochladende Mitglied, das „seine“ Lichtbilder zeigen möchte, und zum anderen der Betreiber des gesamten Internetauftritts „pixum.de“, der seinerseits Ausdrucke dieser Lichtbilder anbietet. Für den Internetnutzer stellt sich daher bereits jede zu betrachtende Bilddatei in einem „öffentlichen Album“ als ein – jedenfalls auch - eigener Inhalt der Beklagten dar. Demnach hat sich die Beklagte die von ihren Mitgliedern hochgeladenen Bilddateien auch bereits in Bezug auf die Verwertungshandlung der öffentlichen Zugänglichmachung zu Eigen gemacht.
aa. Die Beklagte ist nach den vorstehenden Ausführungen zwar gemäß § 97 I UrhG dem Grunde nach zur Schadensersatzleistung für die rechtswidrige Verwertung der drei streitgegenständlichen Lichtbilder verpflichtet, da sie das Schutzrecht des Klägers schuldhaft verletzt hat. Der Vorbereitung dieses Anspruchs mögen die verlangten Auskünfte zumindest zum Teil dienen. Allerdings ist nicht ersichtlich, weshalb zur Vorbereitung eines bezifferten Anspruchs auf Schadensersatz gegen die Beklagte, der nach der Klage lediglich auf zwei bestimmte Nutzungsarten (Vervielfältigen durch Ausdrucken und öffentliche Zugänglichmachung) gestützt wird, Auskunft über jede denkbare Nutzungsart zu erteilen sein sollte. Auch ist nicht recht ersichtlich, weshalb sich ein derartiger Anspruch aus § 101a UrhG a.F, ergeben haben können sollte; nach dieser Vorschrift konnten Auskünfte zur Vorbereitung des Vorgehens gegen Dritte – also etwa über Hersteller, Lieferanten und Abnehmer - verlangt werden (vgl. Dreier / Schulze UrhG, 2.Aufl., § 101a Rz.1), nicht jedoch solche zur Vorbereitung eines Schadensersatzanspruchs gegen den Verletzer.