Source: https://cannabispatienteninfo.de/verschreibung-aber-wie/
Timestamp: 2020-07-11 04:59:36
Document Index: 373371847

Matched Legal Cases: ['§ 31', '§31', '§33', '§21', '§33', '§34', '§27', '§ 27', '§ 27', '§23', '§23', '§ 31', '§31', '§2', '§2', '§ 31', '§2', '§2', '§2', '§ 137', '§ 137']

Verschreibung – aber wie? – cannabispatienteninfo.de
In welcher Situation kann der Arzt Cannabis verschreiben?
Cannabis ist verschreibungsfähig:
Auf Privatrezept jederzeit, jedoch müssen die Patienten in diesem Falle alle Kosten – wie Arztbesuch und hohe Apothekenpreise – selbst tragen. Informiere dich dafür vorher bei deinem Arzt und deiner Apotheke guut!
Vorteil: es bietet die Möglichkeit, die Wirksamkeit von Cannabis auf deinen Körper unbürokratisch zu testen!
Nachteil: es gibt hohe Preisunterschiede, wobei du das Medizinalcannabis ab 12€ bis zu über 25€/Gramm kaufen kannst!
Auf Kassenrezept unter folgenden Bedingungen: wenn es keine bekannte nebenwirkungsfreie Leistung für deine schwerwiegende Erkrankung oder deine schwerwiegenden Symptome gibt UND Cannabis voraussichtlich gegen deine Symptome helfen könnte, darf Cannabis verordnet werden.
Vorteil: dauerhafte Therapie mit minimalen Kosten möglich, einzige Kosten ist der Zuzahlungsbeitrag pro Rezept i.H.v. 10€ bei Medizinalcannabis
Nachteil: keine bekannt
HINWEIS: die QR-Codes können gescannt werden und leiten dich zur jeweiligen Verlinkung weiter.
§ 31 Abs. 6 Satz 1 Nr. 1b SGB V:
https://dejure.org/gesetze/SGB_V/31.html#Abs6:S1
Arzneitmittelermächtigung
§31 Abs. 6 Satz 1 Nr 1b SGB V
Wann ist die Krankheit schwerwiegend?
„Eine Krankheit ist schwerwiegend, wenn sie lebensbedrohlich ist oder aufgrund der Schwere der durch sie verursachten Gesundheitsstörung die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigt“§33 Arzneimittel-Richtlinie
Lese hierzu die Definition der schwerwiegenden Erkrankung in der Arzneimittel-Richtlinie 2020 nach: siehe Seite 23 unten.
Arzneitmittel-Richtlinie 2020
– §21 Medizinisch notwendige Fälle auf Seite 18
– §33 Schwerwiegende Erkrankung auf Seite 23
– §34 Therapierelevante Verbesserung gegenüber bestehenden Behandlungsmöglichkeiten auf Seite 23-24
Versicherte haben Anspruch auf Versorgung mit Arzneimitteln!
„Versicherte haben Anspruch auf Krankenbehandlung, wenn sie notwendig ist, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern“, §27 Abs. 1 Satz 1 SGB V
Lese Hier: Krankenbehandlung
§ 27 Abs. 1 SGB V:
https://dejure.org/gesetze/SGB_V/27.html#Abs1:S2
§ 27 Abs. 1 Satz 2 SGB V
Dein umfangreiches Recht auf ärztliche Versorgung zur Verhütung oder Vermeidung vor Verschlimmerung deiner chronischen Krankheit kannst du auch hier weiterlesen:
§23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 SGB V:
https://dejure.org/gesetze/SGB_V/23.html#Abs1
Medizinische Vorsorgeleistung §23 Abs. 1 SGB V
Indikationen können sein: Schmerzen, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Posttraumatische Belastungsstörungen, … kurzum: Symptome, welche deine Lebensqualität vermindern, dürfen mit Cannabis als Arzneimittel therapiert werden.
Dies könnte Patienten und Ärzten vielversprechende und nebenwirkungsarme Behandlungserfolge ermöglichen.
Schwierig könnte es trotzdem noch sehr oft für den Arzt sein, dir Cannabis auf Kosten der Krankenkasse zu verordnen, denn für viele Indikationen gibt es nur wenige Studien, auf welche sich der Arzt stützen kann. Somit ist also oft noch kein Beweis zur Heilung oder Verbesserung der meisten Krankheiten und Symptome gegeben!
Doch im Gesetz ist geschrieben, dass jeder Versicherte mit schwerwiegender Erkrankung pauschal den Anspruch auf Cannabis als Medizin hat! Siehe § 31 Abs. 6 Satz 1 SGB V.
Ebenfalls erlaubt §31 Abs. 1 Satz 4 SGB V Vertragsärzten, in medizinisch begründeten Einzelfällen trotz Abweichung zur Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA),Arzneimittel wie Cannabis zu verordnen.
In gravierenderen Fällen kann jedoch noch folgendes Gesetz herangezogen werden:
§2 Abs. 1a Satz 1 SGB V „Leistungen”:
https://dejure.org/gesetze/SGB_V/2.html#Abs1a:S1
§2 Abs. 1a Satz 1 SGB V
Beispiel: Ein Patient wird auf Schmerzen schon seit Jahren mit Opiaten und chemischen Medikamenten therapiert. Diese Medikamente helfen dem Patienten jedoch nicht aus dem „Loch seines Lebens“, weil die Toleranz enorm steigt und somit zusätzlich die starken Nebenwirkungen die Lebensqualität enorm beeinflussen.
Ergo: Eine erfolgreiche Therapie ohne derartig starke Nebenwirkungen ist also nicht gegeben. Der Patient konnte jedoch bereits gute Erfahrungen mit Cannabis sammeln. Gegebenenfalls ahnt der Patient sogar schon, welche Art Cannabis ihm bei seinen Symptomen am besten hilft.
Wenn der Arzt Kenntnis von positiven Erfahrungen des Patienten mit Cannabis hat, bietet das eine Chance, die vermutlich nebenwirkungsärmere Behandlung mit Cannabis zu versuchen. Denn wenn „…eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht“, darf Cannabis verschrieben werden, siehe § 31 Abs. 6 Satz 1 Nr. 2 SGB V.
Welcher Arzt darf Cannabis als Medizin verschreiben und wieviel davon?
Jeder niedergelassene Arzt ist dazu berechtigt für ausreichend notdürftige Indikationen Cannabis zu verschreiben.
– Zahn- und Tierärzte dürfen Cannabis nicht verschreiben.
Lese hier Punkt 2a, 2b und 5
§2 Abs. 1 BtMVV:
http://www.buzer.de/gesetz/3710/a52137.htm
§2 Abs. 1 BtMVV
Die Höchstmenge von 100 Gramm Cannabisblüten darf nach §2 Abs. 2 BtMVV (lesbar unter der Tabelle) sogar überschritten werden.
Die Vielfalt von Cannabis als Medizin – gut zu wissen
Die Vielfalt der Wirkungen von Cannabis erklärt sich durch dessen Einfluss auf das körpereigene Signalsystem „Endocannabinoidsystem“. Dieses reguliert körperliche Grundfunktionen, die Wahrnehmung, das Empfinden und mehr.
Durch Phyto-Cannabinoide (pflanzliche Cannabinoide) hast du also die Möglichkeit, dein Endocannabinoidsystem positiv zu beeinflussen und sogar mögliche Endocannabinoid-„Mangelerscheinungen“ auszugleichen.
Durch das Zusammenspiel von verschiedenen Cannabinoiden mit anderen – in Cannabisblüten enthaltenen – Wirkstoffen, wie zum Beispiel Terpenen (ätherische Öle), können beachtliche „Synergie-Effekte“ erzeugt werden (Entourage-Effekt).
Beispielsweise kann CBD die THC-Bioverfügbarkeit verbessern und außerdem mögliche unerwünschte THC-Begleiterscheinungen mindern oder gar beseitigen. Des weiteren kann die Wirkung von THC oder CBD durch die Zusatzstoffe, wie Terpene, positiv beeinflusst werden.*
Die Vielfalt der Wirkung von Cannabis ist immens groß und kann bei falscher Auswahl zu negativen Ergebnissen führen. Es ist es also wichtig, dass du dich genauer mit der Substanz Cannabis auseinandersetzt, um dem Arzt zu vermitteln, dass du die medizinischen Möglichkeiten ernsthaft ausprobieren möchtest. Die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Arzt ist unabdingbar, um das Risiko von Nebenwirkungen auf ein Minimum zu reduzieren und das volle Potenzial und die Vielseitigkeit deiner Cannabismedikation auszuschöpfen.
Um dich weiter einzulesen, für welche Symptome und Krankheiten Cannabis als Medizin verschrieben werden, nutze folgende Literatur*:
*Cannabis – Verordnungshilfe für Ärzte von Grotenhermen/Häußermann:
http://www.wissenschaftliche-verlagsgesellschaft.de/titel/61118.html
*Cannabis und Cannabinoide: in der Medizin
http://www.blickinsbuch.de/item/c5f209e80ff6736f19b1a8935ff6b33c
*ACM Magazin 2020:
Potenzial zur Behandlungsalternative
Der Arzt ist befugt, dich mit Cannabis zu therapieren oder es zumindest zu versuchen, wenn es „insbesondere medizinisch indiziert und notwendig“ ist – selbst wenn im Gemeinsamen Bundesausschuss noch keine Entscheidung über den Einsatz von Cannabis als Medizin in einem bestimmen Krankheitsfall getroffen worden ist!
Siehe § 137c Abs. 3 Satz 1 SGB V
„Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, zu denen der Gemeinsame Bundesausschuss bisher keine Entscheidung (…) getroffen hat, dürfen im Rahmen einer Krankenhausbehandlung angewandt und von den Versicherten beansprucht werden, wenn sie das Potential einer erforderlichen Behandlungsalternative bieten und ihre Anwendung nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgt, sie also insbesondere medizinisch indiziert und notwendig ist“
§ 137c Abs. 3 Satz 1 SGB V
Zum Weiterlesen sind die Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses sind hier hinterlegt.