Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=V%20R%2054/06
Timestamp: 2019-07-23 03:54:39
Document Index: 267291466

Matched Legal Cases: ['§ 4', 'Art. 13', 'Art. 13', '§ 4', '§ 4', 'Art. 13', 'EuG', '§ 4', '§ 4', 'Art. 132']

BFH, 24.01.2008 - V R 54/06 - dejure.org
https://dejure.org/2008,1956
BFH, 24.01.2008 - V R 54/06 (https://dejure.org/2008,1956)
BFH, Entscheidung vom 24.01.2008 - V R 54/06 (https://dejure.org/2008,1956)
BFH, Entscheidung vom 24. Januar 2008 - V R 54/06 (https://dejure.org/2008,1956)
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UStG 1999 § 4 Nr. 16 Buchst. e; Richtlinie 77/388/EWG Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g, Art. 13 Teil A Abs. 2 Buchst. a
Steuerfreiheit von Umsätzen eines ambulanten Pflegedienstes; Rechtliche Zweifel an der 40%-Grenze zur Anerkennung eines Unternehmens als eine Einrichtung mit sozialem Charakter; Übernahme der Pflegekosten in mindestens 40% der Fälle von den gesetzlichen Trägern der Sozialversicherung oder Sozialhilfe
Umsatzsteuerfreiheit von Pflegeleistungen eines privaten ambulanten Pflegedienstes
Kurznachricht zu "Anmerkung zur Entscheidung des BFH v. 24.01.2008, Az.: V R 54/06 (Abstellen auf 40 %-Grenze des Vorjahres ist nicht zu beanstanden)" von RA/StB/Dipl.-Fw. Stefan Heinrichshofen, FA SteuerR, original erschienen in: UStB 2008, 133.
Daher ist auf die im gesamten Jahr des Beginns des Pflegedienstes erbrachten Leistungen abzustellen (vgl. BFH-Urteil vom 24. Januar 2008 V R 54/06, BFHE 221, 391, BStBl II 2008, 643, unter II.1.b).
Für dieses Jahr ist auf die Verhältnisse des Vorjahres 1993 abzustellen (vgl. BFH-Urteil in BFHE 221, 391, BStBl II 2008, 643).
b) Die von der Klägerin erbrachten Pflegeleistungen sind insgesamt eng mit der Sozialfürsorge und der sozialen Sicherheit verbunden (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 24. Januar 2008 V R 54/06, BFHE 221, 391, BStBl II 2008, 643, unter II.2.a aa), wie das FG zutreffend unter Berücksichtigung der von ihm herangezogenen Grundsätze zu Haupt- und Nebenleistung entschieden hat, und wie zwischen den Beteiligten unter Berücksichtigung der in der mündlichen Verhandlung vor dem Senat abgegebenen Erklärungen im Revisionsverfahren nunmehr auch unstreitig ist.
Entgegen der Auffassung des FG und des Bundesfinanzhofs (BFH) in seinem Urteil vom 24. Januar 2008 V R 54/06 (BFHE 221, 391, BStBl II 2008, 643) verstoße die in § 4 Nr. 16 Buchst. e UStG aufgenommene Bedingung, wonach die Pflegekosten zu einem bestimmten Anteil der Fälle von den gesetzlichen Trägern der Sozialversicherung oder Sozialhilfe ganz oder zum überwiegenden Teil getragen worden sein müssten, gegen den unionsrechtlichen Grundsatz der steuerlichen Neutralität.
Der Senat sieht insoweit eine Divergenz zur Rechtsprechung des V. Senats des BFH in BFHE 221, 391, BStBl II 2008, 643.
Daher ist auf die im gesamten Jahr des Beginns des Pflegedienstes erbrachten Leistungen abzustellen (vgl. BFH-Urteil in BFHE 221, 391, BStBl II 2008, 643, unter II.1.b).
Der V. Senat hat in dem Urteil in BFHE 221, 391, BStBl II 2008, 643 entschieden, dass § 4 Nr. 16 Buchst. e UStG 1999 weder verfassungsrechtlich noch gemeinschaftsrechtlich zu beanstanden sei, soweit diese Vorschrift für die Steuerfreiheit der dort genannten Umsätze voraussetzt, dass im vorangegangenen Kalenderjahr die Pflegekosten in mindestens 40 % der Fälle von den gesetzlichen Trägern der Sozialversicherung oder Sozialhilfe ganz oder zum überwiegenden Teil getragen worden sind.
Damit war sie zugleich als Einrichtung mit sozialem Charakter i.S. des Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richtlinie 77/388/EWG anzuerkennen (vgl. z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 24. Januar 2008 V R 54/06, BFH/NV 2008, 912, unter II.2., m.w.N.; EuGH-Urteil vom 6. November 2003 Rs. C-45/01 --Dornier--, Slg. 2003, I-12911).
Der Senat hat mit Urteil vom 24. Januar 2008 V R 54/06 (BFHE 221, 391, BStBl II 2008, 643 --Leitsatz--) entschieden, dass § 4 Nr. 16 Buchst. e des Umsatzsteuergesetzes 1999 (UStG) weder verfassungsrechtlich noch gemeinschaftsrechtlich zu beanstanden sei, soweit diese Vorschrift für die Steuerfreiheit der dort genannten Umsätze voraussetzt, dass im vorangegangenen Kalenderjahr die Pflegekosten in mindestens 40 % der Fälle von den gesetzlichen Trägern der Sozialversicherung oder Sozialhilfe ganz oder zum überwiegenden Teil getragen worden sind.
Der Senat hält aber an seinem Urteil in BFHE 221, 391, BStBl II 2008, 643 insoweit fest, als die 40 %-Grenze-Klausel des § 4 Nr. 16 Buchst. e UStG entgegen dem Anfragebeschluss des XI. Senats den Neutralitätsgrundsatz nicht verletzt.
25 - An dieser Stelle wird auf das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 24. Januar 2008, V R 54/06, BStBl II 2008, 643, Ziff. II.1.c, verwiesen, das seinerseits auf den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 31. Mai 2007, 1 BvR 1316/04, NJW 2007, S. 3628, Bezug nimmt.
Anders hingegen das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 24. Januar 2008 in der Rechtssache Czukas (V R 54/06).
Es reicht aus, wenn die Pflegekraft geeignet ist, die erforderliche Leistung zu erbringen (BFH-Urteil vom 22.04.2004 V R 1/98, BStBl. II 2004, 849 unter II. 3. a der Gründe, BFH-Urteil vom 24.01.2008 V R 54/06 UR 2008, 385 unter II.2. a) aa) der Gründe).
(2) Jedoch hat der BFH für den Bereich der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung entschieden, dass es ausreichend ist, wenn die Pflegekraft geeignet ist, die erforderliche Leistung zu erbringen (vgl. BFH-Urteil vom 22.04.2004 V R 1/98, BStBl. II 2004, 849 unter II. 3. a der Gründe, BFH-Urteil vom 24.01.2008 V R 54/06 UR 2008, 385 unter II. 2. a) aa) der Gründe).
Maßgebend ist insoweit lediglich, dass es sich ihrer Art. nach um Leistungen handelt, für die die Kosten von den Sozialversicherungsträgern übernehmbar gewesen sind (vgl. BFH-Urteil vom 24.01.2008 V R 54 (06, UR 2008, 385 unter II. 2. bb) der Gründe).
Soweit der 5. Senat des Bundesfinanzhof zu der vergleichbaren Vorschrift des Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwStSysRL entschieden hat, dass sich die Anerkennung einer Einrichtung durch einen Mitgliedstaat dabei nur aus einer unmittelbaren Rechtsbeziehung zwischen der Einrichtung und einer staatlichen Stelle und nicht für weitere von der anerkannten Einrichtung eingesetzte Subunternehmer ableiten lasse (vgl. BFH-Urteil vom 8. November 2007 V R 2/06, BStBl. II 2008, 643; zweifelnd BFH-Beschluss vom 12. Dezember 2013 XI B 88/13), bedeutet das im Umkehrschluss nicht, dass Subunternehmer per se keine anerkannten Einrichtungen sein können.