Source: https://freifam.de/2020/02/17/die-kindeswohl-werte/
Timestamp: 2020-04-01 17:46:36
Document Index: 29676678

Matched Legal Cases: ['Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 14', 'Art. 8', 'Art. 3', 'Art. 6']

Die Kindeswohl-Werte - Freifam
Dem Grundgesetz und der EMRK immanent ist, dass Kinder qua Geburt Grundrechtsträger sind und auch das Recht haben, nach dem Menschenbilde des Grundgesetz und der EMRK erzogen zu werden. Entsprechend der Ausführungen des Bundesverfassungsgericht zum Kindeswohl haben das Grundgesetz (und analog die EMRK) nicht lediglich theoretische, sondern praktische Relevanz. Es geht nicht nur darum, dass Kinder über ihre Grundrechte aufgeklärt werden, sondern dass sie diese Grundrechte erleben und leben dürfen. Ansonsten wären Grundrechte für Kinder nur theoretisch existent, würden in ihrer Lebenswirklichkeit jedoch missachtet.
Zwar sind die Bürger nicht an das Grundgesetz und die EMRK gebunden, die staatlichen Organe jedoch sehr wohl und sie haben das Verhalten der Bürger anhand der Grundrechte und speziell das von Eltern anhand der Kindeswohl-Werte, um dem staatlichen Wächteramt gerecht zu werden.
Zum Menschenbilde des Grundgesetz gehört die Gleichberechtigung der Eltern (Art. 3 Abs. 2 GG i. V. m. Art. 6 Abs. 2 GG), wie auch in der EMRK (Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK). Entsprechend sind Kinder im Sinne der Gleichberechtigung und damit im Sinne des Menschenbildes des Grundgesetz bzw. der EMRK zu erziehen, da nur dies dem grundrechtskonformen Kindeswohl entspricht. Das Wechselmodell bzw. die Doppelresidenz sind folglich ein vom Gericht den Eltern und den Kindern zu garantierendes Grundrecht im Sinne der Gleichberechtigung der Eltern (d.h. Art. 3 Abs. 2 GG i. V. m. Art. 6 Abs. 2 GG) und somit ein integraler Teil des durch die Grundrechte des Bürgers statuierten Wertordung bzw. Wertsystems (vgl. 1 BvR 400/51). Nicht umsonst fordert die Resolution 2079 explizit die Gleichberechtigung der Eltern („Within families, equality between parents must be guaranteed and promoted […]”).
Familiengerichtliche Beschlüsse müssen auf den Mittelpunkt dieses Wertsystems ausgerichtet sein (vgl. 1 BvR 578/63), weshalb in Deutschland in allen familiengerichtlichen „Umgangs“-Verfahren eigentlich schon längst das Wechselmodell bzw. die Doppelresidenz als Standard-Betreuungsmodell nach der Trennung der Eltern angeordnet werden müsste. Alles andere widerspricht den grundrechtlichen Kindeswohl-Werten.