Source: http://www.hensche.de/EuGH_Betriebsuebergang_im_Konzern_beherrschende_Stellung_des_Veraeusserers_EuGH_C-458-12_Amatori_gg_Telecom%20Italia%20_u.html
Timestamp: 2018-10-23 20:45:23
Document Index: 40179689

Matched Legal Cases: ['Art. 267', 'Art. 1', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 8', 'Art. 2112', 'Art. 32', 'Art. 2112', 'Art. 2112', 'Art. 1406', 'Art. 2112', 'Art. 2112', 'Art. 1', 'Art. 3', 'Art. 2112', 'Art. 1', 'Art. 3', 'Art. 2112', 'Art. 1', 'Art. 2112', 'Art. 2112', 'Art. 267', 'Art. 1', 'Art. 6', 'Art. 1', 'Art. 6', 'Art. 8', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 267', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1']

UR­TEIL DES GERICH­TSHOFS (Neun­te Kam­mer)
„Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen - So­zi­al­po­li­tik - Über­gang von Un­ter­neh­men - Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer - Richt­li­nie 2001/23/EG - Über­gang der Ar­beits­verhält­nis­se im Fall der ver­trag­li­chen Über­tra­gung ei­nes Be­triebs­teils, der nicht als be­reits zu­vor be­ste­hen­de selbständi­ge wirt­schaft­li­che Ein­heit iden­ti­fi­ziert wer­den kann“
In der Rechts­sa­che C-458/12
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Tri­bu­na­le di Tren­to (Ita­li­en) mit Ent­schei­dung vom 20. Sep­tem­ber 2012, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 11. Ok­to­ber 2012, in dem Ver­fah­ren
Lo­ren­zo Ama­to­ri u. a.
Tele­com Ita­lia SpA,
Tele­com Ita­lia In­for­ma­ti­on Tech­no­lo­gy Srl, vor­mals Sha­red Ser­vice Cen­ter Srl,
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten M. Saf­jan so­wie des Rich­ters J. Ma­le­n­ovský (Be­richt­er­stat­ter) und der Rich­te­rin A. Prechal,
- von Herrn Ama­to­ri u. a., ver­tre­ten durch R. Bo­lo­gne­si, av­vo­ca­to,
- der Tele­com Ita­lia SpA und der Tele­com Ita­lia In­for­ma­ti­on Tech­no­lo­gy Srl, vor­mals Sha­red Ser­vice Cen­ter Srl, ver­tre­ten durch A. Ma­re­sca, R. Rom­ei und F. R. Boc­cia, av­vo­ca­ti,
- der ita­lie­ni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch G. Pal­mie­ri als Be­vollmäch­tig­te im Bei­stand von L. D’Ascia, av­vo­ca­to del­lo Sta­to,
- der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch C. Cat­t­ab­ri­ga und J. En­e­gren als Be­vollmäch­tig­te,
2 Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Herrn Ama­to­ri und 74 an­de­ren Klägern auf der ei­nen Sei­te so­wie der Tele­com Ita­lia SpA (im Fol­gen­den: Tele­com Ita­lia) und der Tele­com Ita­lia In­for­ma­ti­on Tech­no­lo­gy Srl, vor­mals Sha­red Ser­vice Cen­ter Srl (im Fol­gen­den: TIIT), auf der an­de­ren Sei­te we­gen der Qua­li­fi­zie­rung der Ein­brin­gung ei­ner als „IT Ope­ra­ti­ons“ be­zeich­ne­ten IT-Spar­te (im Fol­gen­den: Spar­te IT Ope­ra­ti­ons) durch Tele­com Ita­lia in TIIT als „Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens­teils“.
3 Die Richt­li­nie 2001/23 hat die Richt­li­nie 77/187/EWG des Ra­tes vom 14. Fe­bru­ar 1977 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len (ABl. L 61, S. 26) in der durch die Richt­li­nie 98/50/EG des Ra­tes vom 29. Ju­ni 1998 (ABl. L 201, S. 88) geänder­ten Fas­sung auf­ge­ho­ben und er­setzt.
Der drit­te Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2001/23 lau­tet wie folgt:
„Es sind Be­stim­mun­gen not­wen­dig, die die Ar­beit­neh­mer bei ei­nem In­ha­ber­wech­sel schützen und ins­be­son­de­re die Wah­rung ih­rer Ansprüche gewähr­leis­ten.“
5 Art. 1 Abs. 1 Buchst. a und b die­ser Richt­li­nie be­stimmt:
6 Art. 3 Abs. 1 Un­terabs. 1 die­ser Richt­li­nie sieht vor:
7 Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 und 4 die­ser Richt­li­nie lau­tet wie folgt:
8 Art. 8 der Richt­li­nie 2001/23 hat fol­gen­den Wort­laut:
9 Art. 2112 Abs. 1 und 5 des Co­di­ce ci­vi­le in der Fas­sung von Art. 32 des De­cre­to le­gis­la­tivo Nr. 276 - At­tua­zio­ne del­le de­leg­he in ma­te­ria di oc­cup­a­zio­ne e mer­ca­to del la­voro, di cui al­la leg­ge 14 feb­braio 2003, Nr. 30 (Ge­set­zes­ver­tre­ten­des De­kret zur Durchführung der Über­tra­gun­gen im Be­reich Beschäfti­gung und Ar­beits­markt gemäß Ge­setz Nr. 30 vom 14. Fe­bru­ar 2003) vom 10. Sep­tem­ber 2003 (Supple­men­to or­di­na­rio zur GURI Nr. 235 vom 9. Ok­to­ber 2003, im Fol­gen­den: Co­di­ce ci­vi­le), der zur Zeit der Er­eig­nis­se im Aus­gangs­ver­fah­ren in Kraft war, be­stimmt:
„1. Bei ei­nem Un­ter­neh­mensüber­gang wird das Ar­beits­verhält­nis mit dem Er­wer­ber fort­ge­setzt …
5. Für die in die­sem Ar­ti­kel vor­ge­se­he­nen Zwe­cke und Wir­kun­gen ist un­ter Über­gang ei­nes Be­triebs je­der Vor­gang zu ver­ste­hen, der auf­grund ei­ner ver­trag­li­chen Ab­tre­tung oder ei­ner Ver­schmel­zung zu ei­ner Ände­rung in der In­ha­ber­schaft ei­ner schon vor dem Über­gang be­ste­hen­den mit oder oh­ne Ge­winn­zweck or­ga­ni­sier­ten wirt­schaft­li­chen Tätig­keit führt, die bei dem Über­gang ih­re Iden­tität be­wahrt, und zwar un­abhängig von der Art des Rechts­geschäfts oder von der Verfügung, auf­grund de­ren der Über­gang, auch durch Einräum­ung ei­nes Nießbrauchs am Be­trieb oder durch Ver­pach­tung, er­folgt. Die Be­stim­mun­gen die­ses Ar­ti­kels fin­den auch auf den Über­gang ei­nes Teils ei­nes Be­triebs An­wen­dung, wor­un­ter ein funk­tio­nell selbständi­ger Zweig ei­ner or­ga­ni­sier­ten wirt­schaft­li­chen Tätig­keit zu ver­ste­hen ist, der durch den Veräußerer und den Er­wer­ber zum Zeit­punkt sei­nes Über­gangs als sol­cher iden­ti­fi­ziert wor­den ist.“
10 Aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung geht außer­dem her­vor, dass der letz­te Satz die­ses Art. 2112 Abs. 5 in sei­ner Fas­sung vor dem ge­nann­ten ge­set­zes­ver­tre­ten­den De­kret vor­sah:
„Die Be­stim­mun­gen die­ses Ar­ti­kels fin­den auch auf den Über­gang ei­nes Teils ei­nes Be­triebs An­wen­dung, wor­un­ter ein funk­tio­nell selbständi­ger Zweig ei­ner or­ga­ni­sier­ten wirt­schaft­li­chen Tätig­keit im Sin­ne des vor­lie­gen­den Ab­sat­zes zu ver­ste­hen ist, der als sol­cher vor dem Über­gang be­stand und sei­ne ei­ge­ne Iden­tität bei dem Über­gang behält.“
11 Außer­dem weist die Vor­la­ge­ent­schei­dung dar­auf hin, dass bei Feh­len ei­nes „Über­gangs von Un­ter­neh­men oder Un­ter­neh­mens­tei­len“ im Sin­ne von Art. 2112 Abs. 5 des Co­di­ce ci­vi­le die Über­tra­gung von Ar­beits­verträgen durch den Ar­beit­ge­ber un­ter Art. 1406 des Co­di­ce ci­vi­le fällt. Die­ser Ar­ti­kel sieht vor, dass die­se Über­tra­gung die Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers er­for­dert.
12 Im Fe­bru­ar 2010 führ­te Tele­com Ita­lia ei­ne in­ter­ne Um­struk­tu­rie­rung durch.
13 Vor die­ser Um­struk­tu­rie­rung um­fass­te die Struk­tur von Tele­com Ita­lia ei­nen „Tech­no­lo­gy and Ope­ra­ti­ons“ ge­nann­ten Auf­ga­ben­be­reich, der aus ei­ner Rei­he von Ab­tei­lun­gen ge­bil­det wur­de und u. a. die Spar­te „In­for­ma­ti­on Tech­no­lo­gy“ mit ein­schloss. Die­se stell­te ei­ne ein­heit­li­che Struk­tur dar, zu der die ope­ra­tio­nel­len Tätig­kei­ten der Neu­ent­wick­lung, der Pla­nung, der Durchführung, des An­wen­dungs­be­triebs und des in­fra­struk­tu­rel­len Be­triebs von IT-Lösun­gen gehörten. Bei die­ser in­ter­nen Um­struk­tu­rie­rung teil­te Tele­com Ita­lia die­se Spar­te in un­gefähr zehn Spar­ten auf, dar­un­ter die als „IT Ope­ra­ti­ons“, „IT Go­ver­nan­ce“ und „Pro­jekt­pla­nung“ be­zeich­ne­ten Spar­ten. Die Spar­te „Pro­jekt­pla­nung“ fass­te die Auf­ga­ben der Neu­ent­wick­lung und Pla­nung zu­sam­men.
14 Drei Un­ter­ab­tei­lun­gen, dar­un­ter der den Ausführungs­auf­ga­ben zu­ge­teil­te Dienst „Soft­ware and test fac­to­ry“, wur­den der Spar­te IT Ope­ra­ti­ons an­ge­glie­dert.
15 Nach der Schaf­fung der Spar­te IT Ope­ra­ti­ons ha­ben die für die Spar­te „Pro­jekt­pla­nung“ und den Dienst „Soft­ware and test fac­to­ry“ ein­ge­teil­ten Ar­beit­neh­mer nie auf­gehört zu­sam­men­zu­ar­bei­ten.
16 Außer­dem er­hielt der Dienst „Soft­ware and test fac­to­ry“ nach der Schaf­fung und dem Über­gang der Spar­te IT Ope­ra­ti­ons spe­zi­fi­sche An­wei­sun­gen von Tele­com Ita­lia.
17 Am 28. April 2010 über­trug Tele­com Ita­lia die­se Spar­te an ihr Toch­ter­un­ter­neh­men TIIT in Form ei­ner Sach­ein­la­ge in das Ka­pi­tal von TIIT. Die Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens, die die­ser Spar­te zu­ge­teilt wa­ren, setz­ten, oh­ne dem zu­ge­stimmt zu ha­ben, ihr Ar­beits­verhält­nis mit dem Er­wer­ber gemäß Art. 2112 Abs. 1 des Co­di­ce ci­vi­le fort.
18 Da sie der An­sicht wa­ren, dass die­se Ein­la­ge nicht als Über­gang ei­nes Be­triebs­teils im Sin­ne von Art. 2112 Abs. 5 des Co­di­ce ci­vi­le qua­li­fi­ziert wer­den könne, rie­fen die Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens das Tri­bu­na­le di Tren­to als Ar­beits­ge­richt an, um fest­stel­len zu las­sen, dass ih­nen die­se Ein­la­ge nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den könne und ihr Ar­beits­verhält­nis mit Tele­com Ita­lia folg­lich wei­ter be­stan­den ha­be.
19 Die Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens mach­ten zur Stützung ih­rer Kla­ge gel­tend, dass vor der Ein­la­ge der Spar­te IT Ope­ra­ti­ons in das Ka­pi­tal von TIIT die­se Spar­te kei­ne funk­tio­nell selbständi­ge Un­ter­ab­tei­lung in der Struk­tur von Tele­com Ita­lia dar­ge­stellt ha­be. Außer­dem ha­be die­se Spar­te vor der Über­tra­gung nicht be­stan­den. Zu­dem sei die vom Veräußerer über den Er­wer­ber aus­geübte maßgeb­li­che Macht eben­falls da­zu ge­eig­net, dass die­se Ein­la­ge nicht als Über­gang von Un­ter­neh­men qua­li­fi­ziert wer­den könne.
20 Außer­dem sei TIIT nach der Ein­la­ge der Spar­te IT Ope­ra­ti­ons wei­ter­hin ein­deu­tig vor­wie­gend für Tele­com Ita­lia tätig ge­wor­den.
Un­ter die­sen Umständen hat der Tri­bu­na­le di Tren­to das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:
1. Steht die Re­ge­lung der Eu­ropäischen Uni­on über den „Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens­teils“ (ins­be­son­de­re Art. 1 Abs. 1 Buchst. a und b in Ver­bin­dung mit Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23) ei­ner in­ner­staat­li­chen Rechts­norm wie der­je­ni­gen des Art. 2112 Abs. 5 des Co­di­ce ci­vi­le ent­ge­gen, die den Ein­tritt des Er­wer­bers in die Ar­beits­verhält­nis­se des Veräußerers, oh­ne dass es der Zu­stim­mung der durch die Veräußerung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer be­darf, auch dann zulässt, wenn der Un­ter­neh­mens­teil, der Ge­gen­stand des Über­gangs ist, kei­ne be­reits vor dem Über­gang be­ste­hen­de funk­tio­nell selbständi­ge wirt­schaft­li­che Ein­heit der­art dar­stellt, dass sie als sol­che vom Veräußerer und vom Er­wer­ber im Zeit­punkt ih­res Über­gangs iden­ti­fi­ziert wer­den kann?
2. Steht die Re­ge­lung der Eu­ropäischen Uni­on über den „Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens­teils“ (ins­be­son­de­re Art. 1 Abs. 1 Buchst. a und b in Ver­bin­dung mit Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23) ei­ner in­ner­staat­li­chen Rechts­norm wie der­je­ni­gen des Art. 2112 Abs. 5 des Co­di­ce ci­vi­le ent­ge­gen, die den Ein­tritt des Er­wer­bers in die Ar­beits­verhält­nis­se des Veräußerers, oh­ne dass es der Zu­stim­mung der durch die Veräußerung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer be­darf, auch dann zulässt, wenn das veräußern­de Un­ter­neh­men nach dem Über­gang ei­ne star­ke be­herr­schen­de Stel­lung ge­genüber dem Er­wer­ber ein­nimmt, die sich durch ei­ne en­ge Ver­bin­dung in Form ei­nes Auf­trags­verhält­nis­ses und ei­ne Ver­men­gung des Un­ter­neh­mens­ri­si­kos äußert?
Mit sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 1 Abs. 1 Buchst. a und b der Richt­li­nie 2001/23 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht, die bei ei­nem Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens­teils den Ein­tritt des Er­wer­bers in die Ar­beits­verhält­nis­se des Veräußerers in ei­nem Fall ge­stat­tet, in dem die­ser Un­ter­neh­mens­teil kei­ne funk­tio­nell selbständi­ge wirt­schaft­li­che Ein­heit dar­stellt, die vor sei­nem Über­gang be­stand.
23 Tele­com Ita­lia und TIIT sind der Auf­fas­sung, die ers­te Fra­ge sei un­zulässig, da sie von dem un­be­gründe­ten Pos­tu­lat aus­ge­he, wo­nach die Spar­te, die Ge­gen­stand der Über­tra­gung sei, ei­ne vor der Ab­tre­tung be­ste­hen­de Ein­heit dar­stel­len müsse. Der Be­griff „vor­he­ri­ges Be­ste­hen“ sei dem neu­en Wort­laut von Art. 2112 des Co­di­ce ci­vi­le und der Richt­li­nie 2001/23 so­wie der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs fremd.
24 Hier­zu ist fest­zu­stel­len, dass die­ser Ein­wand, so­weit er sich auf Art. 2112 des Co­di­ce ci­vi­le be­zieht, kei­ne Fra­ge der Zulässig­keit der ers­ten Fra­ge auf­wirft, son­dern der Zuständig­keit des Ge­richts­hofs.
25 Nach Art. 267 Abs. 1 AEUV ent­schei­det der Ge­richts­hof im We­ge der Vor­ab­ent­schei­dung zwar über die Aus­le­gung der Verträge und über die Gültig­keit und die Aus­le­gung der Hand­lun­gen der Or­ga­ne, Ein­rich­tun­gen oder sons­ti­gen Stel­len der Uni­on, die Aus­le­gung des na­tio­na­len Rechts gehört je­doch nicht zu sei­nem Auf­ga­ben­be­reich.
26 Ent­ge­gen dem Vor­brin­gen von Tele­com Ita­lia und TIIT bit­tet das vor­le­gen­de Ge­richt den Ge­richts­hof al­ler­dings nicht um die Aus­le­gung sei­nes na­tio­na­len Rechts, die es selbst vor­ge­nom­men hat.
27 Zu­dem über­schrei­tet die Fra­ge, ob der Be­griff „vor­he­ri­ges Be­ste­hen“ der Richt­li­nie 2001/23 fremd ist, nicht die Zuständig­keit des Ge­richts­hofs, da sie nicht die Zulässig­keit der ers­ten Fra­ge, son­dern die Be­ant­wor­tung die­ser Fra­ge be­trifft (vgl. ent­spre­chend Ur­teil vom 27. Ju­ni 2013, VG Wort u. a., C-457/11 bis C-460/11, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rn. 46).
28 Dem­nach er­gibt sich aus den vor­ste­hen­den Ausführun­gen, dass die ers­te vom Tri­bu­na­le di Tren­to ge­stell­te Fra­ge zulässig ist.
Zur Be­ant­wor­tung der Vor­la­ge­fra­ge
29 Vor­ab ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Richt­li­nie 2001/23 in al­len Fällen an­wend­bar ist, in de­nen die für den Be­trieb des Un­ter­neh­mens ver­ant­wort­li­che natürli­che oder ju­ris­ti­sche Per­son, die die Ar­beit­ge­ber­ver­pflich­tun­gen ge­genüber den Beschäftig­ten des Un­ter­neh­mens ein­geht, im Rah­men ver­trag­li­cher Be­zie­hun­gen wech­selt (vgl. Ur­teil vom 20. Ja­nu­ar 2011, CLE­CE, C-463/09, Slg. 2011, I-95, Rn. 30 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
30 Nach ständi­ger Recht­spre­chung rich­tet sich die Ent­schei­dung, ob ein „Über­gang“ des Un­ter­neh­mens im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23 vor­liegt, maßgeb­lich da­nach, ob die in Re­de ste­hen­de Ein­heit nach der Über­nah­me durch den neu­en Ar­beit­ge­ber ih­re Iden­tität be­wahrt (vgl. in die­sem Sin­ne ins­be­son­de­re Ur­teil vom 6. Sep­tem­ber 2011, Scat­to­lon, C-108/10, Slg. 2011, I-7491, Rn. 60 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
31 Bei die­sem Über­gang muss es um ei­ne auf Dau­er an­ge­leg­te wirt­schaft­li­che Ein­heit ge­hen, de­ren Tätig­keit nicht auf die Ausführung ei­nes be­stimm­ten Vor­ha­bens be­schränkt ist. Um ei­ne sol­che Ein­heit han­delt es sich bei je­der hin­rei­chend struk­tu­rier­ten und selbständi­gen Ge­samt­heit von Per­so­nen und Sa­chen zur Ausübung ei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit mit ei­ge­nem Zweck (vgl. Ur­tei­le vom 10. De­zem­ber 1998, Hernández Vi­dal u. a., C-127/96, C-229/96 und C-74/97, Slg. 1998, I-8179, Rn. 26 und 27, vom 13. Sep­tem­ber 2007, Joui­ni u. a., C-458/05, Slg. 2007, I-7301, Rn. 31, so­wie Scat­to­lon, Rn. 42).
32 Dar­aus folgt, dass für die An­wen­dung der ge­nann­ten Richt­li­nie die wirt­schaft­li­che Ein­heit vor dem Über­gang ins­be­son­de­re über ei­ne aus­rei­chen­de funk­tio­nel­le Au­to­no­mie verfügen muss, wo­bei sich der Be­griff Au­to­no­mie auf die Be­fug­nis­se be­zieht, die der Lei­tung der be­tref­fen­den Grup­pe von Ar­beit­neh­mern ein­geräumt sind, um die Ar­beit die­ser Grup­pe re­la­tiv frei und un­abhängig zu or­ga­ni­sie­ren und ins­be­son­de­re Wei­sun­gen zu er­tei­len und Auf­ga­ben auf die zu die­ser Grup­pe gehören­den un­ter­ge­ord­ne­ten Ar­beit­neh­mer zu ver­tei­len, oh­ne dass an­de­re Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren des Ar­beit­ge­bers da­bei da­zwi­schen­ge­schal­tet sind (Ur­teil Scat­to­lon, Rn. 51 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
33 Die­se Schluss­fol­ge­rung wird durch Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 und 4 der Richt­li­nie 2001/23, der sich auf die Ver­tre­tung der Ar­beit­neh­mer be­zieht, bestätigt, wo­nach die­se Richt­li­nie auf je­den Über­gang an­wend­bar sein soll, der den Vor­aus­set­zun­gen von Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie ent­spricht, un­abhängig da­von, ob die über­ge­gan­ge­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit ih­re Selbständig­keit in­ner­halb der Struk­tur des Er­wer­bers be­wahrt oder nicht (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 12. Fe­bru­ar 2009, Kla­ren­berg, C-466/07, Slg. 2009, I-803, Rn. 50).
34 Die Ver­wen­dung des Wor­tes „behält“ in die­sem Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 und 4 im­pli­ziert nämlich, dass die Au­to­no­mie der über­tra­ge­nen Ein­heit in je­dem Fall vor dem Über­gang be­stan­den ha­ben muss.
35 Wenn sich al­so im Aus­gangs­ver­fah­ren her­aus­stel­len soll­te, dass die in Re­de ste­hen­de über­tra­ge­ne Ein­heit vor dem Über­gang über kei­ne aus­rei­chen­de funk­tio­nel­le Au­to­no­mie verfügte, was zu über­prüfen Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts ist, fie­le die­ser Über­gang nicht un­ter die Richt­li­nie 2001/23. Un­ter sol­chen Umständen bestünde kei­ne Ver­pflich­tung aus die­ser Richt­li­nie, die Rech­te der über­tra­ge­nen Ar­beit­neh­mer zu wah­ren.
36 Gleich­wohl darf die­se Richt­li­nie nicht so ver­stan­den wer­den, dass sie ei­nem Mit­glied­staat verböte, ei­ne sol­che Wah­rung der Rech­te der Ar­beit­neh­mer in ei­ner in der vor­he­ri­gen Rand­num­mer des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­nann­ten Si­tua­ti­on vor­zu­se­hen.
37 Der drit­te Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2001/23 bringt nämlich zum Aus­druck, dass Be­stim­mun­gen not­wen­dig sind, die die Ar­beit­neh­mer bei ei­nem In­ha­ber­wech­sel schützen und ins­be­son­de­re die Wah­rung ih­rer Ansprüche gewähr­leis­ten.
38 Die­ser Erwägungs­grund be­tont so be­son­ders das Ri­si­ko, das die Si­tua­ti­on ei­nes In­ha­ber­wech­sels für die Wah­rung der Rech­te der Ar­beit­neh­mer dar­stellt und die Not­wen­dig­keit, die Ar­beit­neh­mer vor die­sem Ri­si­ko durch den Er­lass von an­ge­mes­se­nen Be­stim­mun­gen zu schützen.
39 Da­her kann das bloße Feh­len funk­tio­nel­ler Au­to­no­mie der über­tra­ge­nen Ein­heit nicht per se ei­nen Mit­glied­staat dar­an hin­dern, in sei­nem in­ner­staat­li­chen Recht die Wah­rung der Rech­te der Ar­beit­neh­mer nach ei­nem In­ha­ber­wech­sel zu ga­ran­tie­ren.
40 Die­se Schluss­fol­ge­rung wird durch Art. 8 der Richt­li­nie 2001/23 bestätigt, der be­stimmt, dass die­se nicht die Möglich­keit der Mit­glied­staa­ten ein­schränkt, für die Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re Rechts- oder Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten an­zu­wen­den oder zu er­las­sen.
41 Die ge­nann­te Richt­li­nie nimmt nämlich nur ei­ne teil­wei­se Har­mo­ni­sie­rung auf dem be­tref­fen­den Ge­biet vor und will kein für die ge­sam­te Uni­on auf­grund ge­mein­sa­mer Kri­te­ri­en ein­heit­li­ches Schutz­ni­veau schaf­fen, son­dern si­cher­stel­len, dass der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer in sei­nen Rechts­be­zie­hun­gen zum Er­wer­ber in glei­cher Wei­se geschützt ist, wie er es nach den Rechts­vor­schrif­ten des be­tref­fen­den Mit­glied­staats in sei­nen Be­zie­hun­gen zum Veräußerer war (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 12. No­vem­ber 1992, Wat­son Rask und Chris­ten­sen, C-209/91, Slg. 1992, I-5755, Rn. 27, und vom 6. No­vem­ber 2003, Mar­tin u. a., C-4/01, Slg. 2003, I-12859, Rn. 41).
42 Nach al­le­dem ist auf die ers­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 1 Abs. 1 Buchst. a und b der Richt­li­nie 2001/23 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen nicht ent­ge­gen­steht, die bei ei­nem Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens­teils den Ein­tritt des Er­wer­bers in die Ar­beits­verhält­nis­se des Veräußerers in ei­nem Fall ge­stat­tet, in dem die­ser Un­ter­neh­mens­teil kei­ne funk­tio­nell selbständi­ge wirt­schaft­li­che Ein­heit dar­stellt, die vor sei­nem Über­gang be­stand.
43 Mit sei­ner zwei­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 1 Abs. 1 Buchst. a und b der Richt­li­nie 2001/23 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht, die den Ein­tritt des Er­wer­bers in die Ar­beits­verhält­nis­se des Veräußerers in ei­nem Fall ge­stat­tet, in dem nach dem Über­gang des be­tref­fen­den Un­ter­neh­mens­teils der Veräußerer ei­ne star­ke be­herr­schen­de Stel­lung ge­genüber dem Er­wer­ber ein­nimmt.
44 Tele­com Ita­lia und TIIT sind der Auf­fas­sung, die zwei­te Fra­ge sei un­zulässig, da sie ei­ne Würdi­gung der Tat­sa­chen mit ein­sch­ließe.
45 Hier­zu ist fest­zu­stel­len, dass die Fra­ge, mit der das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen will, ob die Richt­li­nie 2001/23 auch dann an­wend­bar ist, wenn nach dem Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens­teils der Veräußerer über den Er­wer­ber ei­ne star­ke be­herr­schen­de Stel­lung ausübt, die Aus­le­gung die­ser Richt­li­nie und da­mit des Uni­ons­rechts be­trifft.
46 Da der Ge­richts­hof nach Art. 267 Abs. 1 AEUV im We­ge der Vor­ab­ent­schei­dung über die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts ent­schei­det, ist die zwei­te vom Tri­bu­na­le di Tren­to ge­stell­te Fra­ge zulässig.
Zur Be­ant­wor­tung der Fra­ge
47 Zunächst geht aus kei­ner Be­stim­mung der Richt­li­nie 2001/23 her­vor, dass der Uni­ons­ge­setz­ge­ber be­ab­sich­tigt hätte, dass die Un­abhängig­keit des Er­wer­bers ge­genüber dem Veräußerer Be­din­gung für die An­wen­dung die­ser Richt­li­nie ist.
48 So­dann ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Ge­richts­hof be­reits ent­schie­den hat, dass die Richt­li­nie 77/187 in der Fas­sung der Richt­li­nie 98/50 und auf­ge­ho­ben und im We­sent­li­chen er­setzt durch die Richt­li­nie 2001/23 ei­ne recht­li­che Ände­rung der Per­son des Ar­beit­ge­bers re­geln soll, wenn die sons­ti­gen in ihr auf­ge­stell­ten Vor­aus­set­zun­gen im Übri­gen erfüllt sind, und dass sie da­her auf ei­nen Über­gang zwi­schen zwei Toch­ter­ge­sell­schaf­ten des­sel­ben Kon­zerns, die ge­son­der­te ju­ris­ti­sche Per­so­nen dar­stel­len und je­weils spe­zi­fi­sche Ar­beits­verhält­nis­se mit ih­ren Ar­beit­neh­mern ein­ge­gan­gen sind, an­wend­bar sein kann. Der Um­stand, dass die be­tref­fen­den Ge­sell­schaf­ten nicht nur den­sel­ben Ei­gentümer, son­dern auch das­sel­be Ma­nage­ment und die­sel­ben Räum­lich­kei­ten be­sit­zen und dass sie an dem­sel­ben Vor­ha­ben ar­bei­ten, ist in die­sem Zu­sam­men­hang un­er­heb­lich (Ur­teil vom 2. De­zem­ber 1999, Al­len u. a., C-234/98, Slg. 1999, I-8643, Rn. 17).
49 Nichts recht­fer­tigt es, dass für die An­wen­dung die­ser Richt­li­nie das ein­heit­li­che Ver­hal­ten der Mut­ter­ge­sell­schaft und ih­rer Toch­ter­ge­sell­schaf­ten auf dem Markt Vor­rang erhält vor der förm­li­chen Tren­nung die­ser Ge­sell­schaf­ten, die von­ein­an­der ge­trenn­te Rechts­persönlich­kei­ten dar­stel­len. Ei­ne sol­che Lösung, die da­zu führen würde, Übergänge zwi­schen Ge­sell­schaf­ten des­sel­ben Kon­zerns vom An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie aus­zu­sch­ließen, würde de­ren Ziel nämlich ge­ra­de ent­ge­gen­lau­fen; die­se soll die Auf­recht­er­hal­tung der Rech­te der Ar­beit­neh­mer bei ei­nem Wech­sel des Un­ter­neh­mens­in­ha­bers so­weit wie möglich gewähr­leis­ten, in­dem sie den Ar­beit­neh­mern die Möglich­keit einräumt, ihr Beschäfti­gungs­verhält­nis mit dem neu­en In­ha­ber zu den­sel­ben Be­din­gun­gen fort­zu­set­zen, wie sie mit dem Veräußerer ver­ein­bart wa­ren (vgl. Ur­teil Al­len u. a., Rn. 20).
50 Folg­lich kann ein Fall wie der des vor­lie­gen­den Aus­gangs­ver­fah­rens, in dem das veräußern­de Un­ter­neh­men ge­genüber dem Er­wer­ber ei­ne star­ke be­herr­schen­de Stel­lung ein­nimmt, die sich durch ein en­ge Ver­bin­dung in Form ei­nes Über-/Un­ter­ord­nungs­verhält­nis­ses und ei­ne Ver­men­gung des Un­ter­neh­mens­ri­si­kos äußert, nicht per se der An­wen­dung der Richt­li­nie 2001/23 im We­ge ste­hen.
51 Sch­ließlich könn­te durch ei­ne an­de­re Aus­le­gung leicht das von die­ser Richt­li­nie ver­folg­te Ziel um­gan­gen wer­den, das nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs dar­auf ab­zielt, die Kon­ti­nuität der im Rah­men ei­ner wirt­schaft­li­chen Ein­heit be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­se un­abhängig von ei­nem In­ha­ber­wech­sel zu gewähr­leis­ten (vgl. Ur­teil Kla­ren­berg, Rn. 40 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
52 Nach al­le­dem ist auf die zwei­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 1 Abs. 1 Buchst. a und b der Richt­li­nie 2001/23 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen nicht ent­ge­gen­steht, die den Ein­tritt des Er­wer­bers in die Ar­beits­verhält­nis­se des Veräußerers in ei­nem Fall ge­stat­tet, in dem nach dem Über­gang des be­tref­fen­den Un­ter­neh­mens­teils der Veräußerer ei­ne star­ke be­herr­schen­de Stel­lung ge­genüber dem Er­wer­ber ein­nimmt.
Aus die­sen Gründen hat der Ge­richts­hof (Neun­te Kam­mer) für Recht er­kannt:
1. Art. 1 Abs. 1 Buchst. a und b der Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen nicht ent­ge­gen­steht, die bei ei­nem Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens­teils den Ein­tritt des Er­wer­bers in die Ar­beits­verhält­nis­se des Veräußerers in ei­nem Fall ge­stat­tet, in dem die­ser Un­ter­neh­mens­teil kei­ne funk­tio­nell selbständi­ge wirt­schaft­li­che Ein­heit dar­stellt, die vor sei­nem Über­gang be­stand.
2. Art. 1 Abs. 1 Buchst. a und b der Richt­li­nie 2001/23 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen nicht ent­ge­gen­steht, die den Ein­tritt des Er­wer­bers in die Ar­beits­verhält­nis­se des Veräußerers in ei­nem Fall ge­stat­tet, in dem nach dem Über­gang des be­tref­fen­den Un­ter­neh­mens­teils der Veräußerer ei­ne star­ke be­herr­schen­de Stel­lung ge­genüber dem Er­wer­ber ein­nimmt.
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