Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VII%20ZR%20424/%2097
Timestamp: 2017-12-16 10:57:57
Document Index: 245717440

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 1', '§ 305', '§ 311', '§ 1', '§ 312', '§ 312', 'BGH', '§ 312', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 312', '§ 312', 'BGH', 'BGH', '§ 312', 'BGH', '§ 312', '§ 312', '§ 312', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 19.11.1998 - VII ZR 424/97 - dejure.org
§ 1 Abs. 1 Nr. 1 HWiG, Änderungsvereinbarung, Vertragsersetzung, § 305 BGB <Fassung bis 31.12.01> (nunmehr § 311 Abs. 1 BGB <Fassung seit 1.1.02>)
Anwendbarkeit des HWiG bei Vertragsänderung, Begriff der "vorhergehenden Bestellung" (Vertreterbesuch)
Anwendungsbereich des Haustürwiderrufsgesetzes - Bestimmung zum Vertragsabschluß - Privatwohnung
Widerrufbares Haustürgeschäft auch bei neuem Vertragsschluss wegen Änderungswünschen ("Wintergarten")
Haustürwiderruf; - unabhängig vom Zweck des Besuchs; Widerruf, - ener Willenserklärung bei Haustürgeschäaft
§ 1 I Nr. 1 HWiG
Vertragsänderung und Besuchsanlaß unter Haustürgeschäftewiderufsgesetz
Anwendung des HWiG bei Besuch eines Gewerbetreibenden aus anderem Anlaß als zu Vertragsverhandlungen
Bundesgerichtshof stärkt Widerrufsrecht des Bauherrn bei Haustürgeschäften
Widerrufbares Haustürgeschäft auch bei einem Vertragsschluss wegen Änderungswünschen ("Wintergarten")
Anwendbarkeit des HWiG auch bei späterer Aufhebung des ursprünglichen und Abschluß eines neuen Vertrags auf Initiative des Kunden
Vertragsabschluß in der Bauherrnwohnung: darf Bauherr widerrufen ?
Anwendbarkeit des Haustürwiderrufsgesetzes bei Auftragsänderungen? (IBR 1999, 89)
NJW 1999, 575
ZIP 1999, 70
MDR 1999, 147
VersR 1999, 321
WM 1999, 31
BB 1999, 231
DB 1999, 140
BauR 1999, 257
ZfBR 1999, 152
Wie sich im Umkehrschluss aus § 312 Abs. 3 Nr. 1 BGB ergibt, kommt es für die Voraussetzungen des § 312 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BGB - die vom Verbraucher darzulegen und erforderlichenfalls zu beweisen sind (BGH…, Beschluss vom 22. September 2008 - II ZR 257/07 - NJW 2009, 431, 432 Rn. 5 m.w.N.;…MünchKommBGB/Masuch, 5. Aufl., § 312 Rn. 36 f, 112) - nicht darauf an, welcher Vertragspartner die Initiative zur Verabredung der Vertragsverhandlungen in der Privatwohnung des Verbrauchers ergriffen hat und welches der Anlass für dieses Zusammentreffen gewesen ist (vgl. BGH, Urteil vom 19. November 1998 - VII ZR 424/97 - NJW 1999, 575, 576).
Für die "Bestimmung" zum Vertragsabschluss genügt es, dass die besonderen Umstände der mündlichen Verhandlungen in einer Privatwohnung für den Vertragsabschluss mitursächlich geworden sind, also etwa nur einen von mehreren Beweggründen darstellen, sofern nur ohne sie der Vertrag nicht oder nicht mit demselben Inhalt zu Stande gekommen wäre (BGHZ 131, 385, 392; BGH, Urteile vom 8. Juni 2004 - XI ZR 167/02 - NJW 2004, 2744, 2745 und vom 19. November 1998 aaO) .
Auf den Anlass des Besuchs des Vermittlers in der Privatwohnung des Verbrauchers kommt es grundsätzlich nicht an, wenn es dabei aufgrund von Verhandlungen zum Abschluss eines (neuen) Vertrags kommt (vgl. BGH, Urteil vom 19. November 1998 - VII ZR 424/97, ZIP 1999, 70, 71; s. auch Urteil vom 26. November 1991 - XI ZR 115/90, ZIP 1992, 536, 537;… Urteil vom 15. April 2010 - III ZR 218/09, BGHZ 185, 192 Rn. 15).
Sollte dem Kläger die Beteiligung am 15. Dezember 2005 erstmals angeboten worden sein, wäre ein Widerruf der Beitrittserklärung nur dann ausgeschlossen, wenn der Kläger die Zeugin H. zu konkreten Vertragsverhandlungen in die Wohnung bestellt hätte (vgl. BGH, Urteil vom 19. November 1998 - VII ZR 424/97, ZIP 1999, 70, 71 f.;… siehe auch Urteil vom 15. April 2010 - III ZR 218/09, BGHZ 185, 192 Rn. 13 ff.).
Bei dieser Sachlage musste die Beklagte nicht damit rechnen, mit dem Angebot konfrontiert zu werden, einen Existenzgründungsbericht zu erstellen (…vgl. Staudinger/Thüsing, BGB [2005] § 312 Rn. 159;… Münch-KommBGB/Masuch, 5. Aufl., § 312 Rn. 98; siehe auch BGHZ 110, 308, 310; 109, 127, 135 f; BGH, Urteil vom 19. November 1998 - VII ZR 424/97 = NJW 1999, 575, 576).
aa) Allerdings unterfällt der zwischen den Parteien geschlossene Bauvertrag entgegen der Auffassung der Revisionserwiderung grundsätzlich dem Anwendungsbereich des § 312 BGB (vgl. BGH, Urteil vom 19. November 1998 - VII ZR 424/97, BauR 1999, 257 ff. = ZfBR 1999, 152;… Staudinger/Thüsing (2005) § 312 Rdn. 26;… MünchKomm-Ulmer, BGB, 4. Aufl., § 312 Rdn. 25;… Palandt/Grüneberg, BGB, 66. Aufl., § 312 Rdn. 7).
Neben dem Wortlaut der Urkunde sind aber auch die wirtschaftliche Bedeutung der Abänderung und die Verkehrsauffassung zu berücksichtigen (vgl. BGH, Urt. v. 19.11.1998 - VII ZR 424/97, NJW 1999, 575, 576;… Urt. v. 7.7.1992 - KZR 28/91, NJW-RR 1993, 118, 119;… Urt. v. 16.2.1992 - XII ZR 129/90, NJW 1992, 2283, 2284 f.).
Denn die Klägerin wollte von sich aus zunächst nur eine Eigentumswohnung erwerben; damit steht der später geschlossene Bauvertrag in keinem Zusammenhang (vgl. BGH, Urteil vom 19. November 1998 - VII ZR 424/97, BauR 1999, 257 = ZfBR 1999, 152).
Diesen Tatbeständen ist gemein, daß der Kunde sich in einer Lage befindet, in der es ihm schwer fällt, die meist psychologisch geschulten Verhandlungspartner abzuweisen (…BTDrucksache 10/2876, S. 6 abgedruckt in ZIP 1985, 376 ff; vgl. auch BGH, Urteil vom 19. November 1998 VII ZR 424/97 = BauR 1999, 257 = NJW 1999, 575 = ZfBR 1999, 152; Urteil vom 1. März 1990 VII ZR 159/89 = BGHZ 110, 308, 309).
Dabei ist Folgendes zu berücksichtigen: § 1 HaustürWG dient dem Schutz des Kunden und soll ihn vor einem übereilten und unüberlegten Abschluss eines Geschäftes schützen, wenn ihm bei einem nicht bestellten Hausbesuch des Anbieters, der bei Geschäften dieser Art meist psychologisch besonders geschult ist, die für Ladengeschäfte typische Umkehrmöglichkeit und Überlegungszeit fehlt (BGHZ 110, 308, 309; BGH, NJW 1999, 575, 576).
Eine die Widerrufsmöglichkeit des Kunden einschränkende Interpretation wird diesem Gesetzeszweck nicht gerecht (BGHZ 109, 127, 133; BGH, NJW 1999, 575, 576).
Deshalb muss das gesamte zum Vertragsschluss führende Verhalten in den Blick genommen werden (BGH, NJW 1999, 575, 576 f.).
Die Aufnahme von Daten oder eines Aufmaßes während des Hausbesuches besagt nichts darüber, ob der Besuch bereits mit dem Ziel, Vertragsverhandlungen zu führen, von dem Kunden veranlasst wurde (vgl. auch BGH, NJW 1999, 575, 576).
Es wird dabei in den Blick zu nehmen haben, dass die insoweit darlegungs- und beweisbelastete Klägerin (siehe nur BGH…, Urteil vom 15. April 2010 - III ZR 218/09, BGHZ 185, 192 Rn. 14 m.w.N.) mit Hilfe des Gesprächsprotokolls nachweisen müsste, dass der Beklagte den Vermittler zu konkreten Vertragsverhandlungen in seine Wohnung bestellt hat (vgl. BGH, Urteil vom 19. November 1998 - VII ZR 424/97, ZIP 1999, 70, 71 f.;… siehe auch Urteil vom 15. April 2010 - II ZR 218/09, BGHZ 185, 192 Rn. 13 ff. sowie OLG Bremen…, Urteil vom 29. Februar 2012 - 1 U 66/11, juris Rn. 34 f.).
Ein wirksamer Widerruf setzt danach voraus, dass die Kläger durch ein - nicht durch vorherige Bestellung i. S. d. § 1 Abs. 2 Nr. 1 zustande gekommenes - Gespräch in der Wohnung oder am Arbeitsplatz zum Abschluss der Darlehensverträge bestimmt worden sind, wobei es ausreicht, dass dieses Gespräch für den Vertragschluss zumindest mitursächlich geworden ist (BGH NJW 1999, 575, 576; 2006, 497 m. w. N.).
Unerheblich ist, ob dieses Gespräch seitens des Unternehmens oder der Person, deren Handeln ihm zuzurechnen ist, von vorneherein als werbendes Gespräch angelegt war oder aber der Kunde anlässlich eines Besuchs aus anderem Grund von sich aus auf das später zustande kommende Darlehensgeschäft zu sprechen gekommen ist (BGH NJW 1996, 926, 928; 1999, 575, 576).
Ob eine Haustürsituation vorliegt, ist gleichwohl unter Berücksichtigung des Gesetzeszwecks, die Entscheidungsfreiheit des Kunden umfassend zu schützen, ihn vor Überrumpelung in einer Situation zu bewahren, indem ihm die bei einem Ladengeschäft typische Umkehrmöglichkeit und gebotene Überlegungszeit fehlt, das gesamte zum Vertragsschluss führende Verhalten in den Blick zu nehmen (so auch BGH NJW 1999, 575, 576 f).
OLG Koblenz, 15.05.2001 - 3 U 1032/00