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Timestamp: 2016-10-22 19:46:39
Document Index: 97629372

Matched Legal Cases: ['Art. 9', 'Art. 6', 'Art. 9', 'BGE', 'Art. 4', 'Art. 4', 'BGE', 'BGE', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE']

U 379/05 (23.03.2006)
U 379/05
Urteil vom 23. M�rz 2006
Pr�sident Ursprung, Bundesrichterin Widmer und Bundesrichter Fr�sard; Gerichtsschreiberin Keel Baumann
P.________, 1967, Beschwerdef�hrerin, vertreten
durch F�rsprecher Erich Giesser, Effingerstrasse 16, 3001 Bern,
Die 1967 geborene P.________ ist bei den Winterthur Versicherungen (nachfolgend: Winterthur) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert. Am 11. September 2001 erlitt sie einen Auffahrunfall.
Die Winterthur erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen. Mit Verf�gung vom 11. M�rz 2003 stellte sie die Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung mangels Kausalzusammenhanges r�ckwirkend per 31. August 2002 ein. Am 12. M�rz 2003 erhob der Krankenversicherer von P.________ und am 18. M�rz 2003 die Versicherte selber Einsprache. Mit Einspracheentscheid vom 14. April 2004 wies die Winterthur die Einsprachen ab.
Die Versicherte liess hiegegen Beschwerde erheben mit dem Antrag, in Aufhebung der Verf�gung bzw. des Einspracheentscheides sei die Winterthur zu verpflichten, ihr auch nach dem 31. August 2002 Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung zu erbringen. Mit Entscheid vom 24. August 2005 wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern das Rechtsmittel ab.
P.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren und das im kantonalen Verfahren gestellte Rechtsbegehren erneuern.
Die Winterthur beantragt die Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Streitig und zu pr�fen ist die Leistungspflicht der Winterthur aus dem Unfall vom 11. September 2001 �ber den 31. August 2002 hinaus. Dabei steht fest und ist unbestritten, dass die Versicherte ab September 2002 nur noch an Schulterbeschwerden litt.
1.1 Im angefochtenen Entscheid werden der bis 31. Dezember 2002 in aArt. 9 Abs. 1 UVV umschriebene Unfallbegriff, der Begriff der unfall�hnlichen K�rpersch�digung (Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV in der bis 31. Dezember 2002 geltenden Fassung; vgl. auch die ab 1. Januar 2003 geltende Fassung) sowie die Grunds�tze �ber den f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (Krankheit; Invalidit�t; Tod) und die sich dabei stellenden Beweisfragen (BGE 129 V 181 Erw. 3.1) zutreffend dargelegt. Richtig ist auch die Feststellung, dass sich am Unfallbegriff mit In-Kraft-Treten des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 �ber den Allgemeinen Teil der Sozialversicherung (ATSG) am 1. Januar 2003, welches den Unfallbegriff in Art. 4 regelt, inhaltlich nichts ge�ndert hat, sodass auch die bisherige Rechtsprechung anwendbar bleibt (RKUV 2004 Nr. U 530 S. 576 [Urteil F. vom 5. Juli 2004, U 123/04]). Darauf wird verwiesen.
1.2 Zu erg�nzen ist, dass das ATSG auch am unfallversicherungsrechtlichen Begriff des nat�rlichen Kausalzusammenhangs und dessen Bedeutung als eine Voraussetzung f�r die Leistungspflicht nach UVG nichts ge�ndert hat (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, S. 18 Rz 36 f. der Vorbemerkungen und S. 64 f. Rz 20 zu Art. 4; Urteil C. vom 5. November 2004, U 106/04, Erw. 2 mit Hinweisen). F�r die Frage des intertemporal anwendbaren Rechts ist somit nicht von Belang, dass der Einspracheentscheid am 14. April 2004 und damit nach In-Kraft-Treten des ATSG erlassen wurde (vgl. BGE 130 V 318, 329 und 445).
2.1 Nach W�rdigung der medizinischen Akten gelangte die Vorinstanz zum Ergebnis, dass die Schulterbeschwerden erst mehr als ein Jahr nach dem Unfallereignis aufgetreten seien und damit nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 11. September 2001 zur�ckgef�hrt werden k�nnten. Sie st�tzte sich dabei im Wesentlichen auf den Bericht des Vertrauensarztes der SUVA, Dr. med. G.________, Spezialarzt FMH f�r Chirurgie und Sportmedizin SGSM, vom 27. M�rz 2003 und den Bericht des die Winterthur beratenden Dr. med. H.________ vom 24. M�rz 2004. Dr. med. G.________ wies darauf hin, dass - davon abgesehen, dass bei einer gerade in Fahrrichtung erfolgenden Heckauffahrkollision nicht HWS-Beschleunigungsverletzung und Schulterverletzung als Verletzungsentit�t resultierten - es ungew�hnlich sei, dass die Beschwerdef�hrerin und der behandelnde Arzt w�hrend mehr als 12 Monaten nicht von einer Schulterverletzung gesprochen h�tten, dann aber pl�tzlich r�ckwirkend Beschwerden geltend machten, die ihrer Auffassung nach eindeutig auf die Auffahrkollision vom 11. September 2001 zur�ckzuf�hren seien; ein Kausalzusammenhang zwischen den linksseitigen Schulterbeschwerden und dem Unfallereignis sei damit nicht �berwiegend wahrscheinlich (Bericht vom 27. M�rz 2003). Dr. med. H.________ f�hrte aus, dass eine subtotale Ruptur der Supraspinatussehne nur erkl�rbar w�re bei einem aussergew�hnlich heftigen Heckaufprall, bei dem es die Beschwerdef�hrerin aus dem Sitz gehoben h�tte, sodass der Arm beispielsweise nach hinten gerissen worden w�re, w�hrend bei einem durchschnittlichen Auffahrereignis das Schultergelenk zumindest nicht in dem Sinne belastet werde, dass daraus eine Sehnenruptur resultieren k�nne. Dass gem�ss MR-Bericht vom 11. Dezember 2002 eine ausgesprochene Tendinose der Supraspinatussehne bestehe, spreche f�r ein krankhaft-degeneratives Geschehen und viel weniger f�r ein posttraumatisches. Im �brigen h�tte eine frische, subtotale Supraspinatussehnenl�sion sofort zu massivsten linksseitigen Schulterbeschwerden gef�hrt und w�ren initial massive Bewegungseinschr�nkungen zu erwarten gewesen; dass diese beiden Faktoren fehlten, spreche ebenfalls gegen die Unfallkausalit�t (Bericht vom 24. M�rz 2004). Mangels eines kausalen �usseren Ereignisses verneinte die Vorinstanz sodann auch das Vorliegen einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung.
2.2 Was in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde hiegegen vorgebracht wird, vermag zu keinem anderen Ergebnis zu f�hren. Namentlich trifft es nicht zu, dass der vorinstanzliche Entscheid und insbesondere die ihm zugrunde liegenden Berichte der Dres. med. G.________ und H.________ insofern auf unzutreffenden tats�chlichen Grundlagen beruhten, als darin zu Unrecht nicht von unmittelbar nach dem Unfall auftretenden Schulterbeschwerden ausgegangen worden sei. Denn - entgegen der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vertretenen Auffassung - belegen die von der Beschwerdef�hrerin f�r entscheidend gehaltenen Akten keineswegs, dass sie bereits unmittelbar nach dem Unfallereignis an massiven Schulterbeschwerden litt, handelt es sich doch dabei durchwegs nicht um aussagekr�ftige echtzeitliche Berichte. So erw�hnte Dr. med. M.________, Innere Medizin FMH, w�hrend der ersten f�nfzehn Monate nach dem Unfall keine Schulterbeschwerden, sondern berichtete erstmals am 21. Juni 2004, wenn auch unter Bezugnahme auf die Patientenakten, dass die Beschwerdef�hrerin bereits am 12. September 2001 �ber Schulterschmerzen beidseits und Armschmerzen bis zum Ellbogen (links jeweils deutlich mehr als rechts) geklagt habe. Ebenso hielt die Physiotherapeutin R.________ erst in ihrem Kurzbericht vom 21. Januar 2003 fest, dass der Beschwerdef�hrerin anl�sslich der Erstkonsultation vom 27. September 2001 "Bewegungen der linken Schulter (ABD/AR bei 90�, Retroflexion mit und ohne Flexion des Ellbogens und Elevation �ber 100�) Schmerzen" bereitet h�tten. Die Zuweisung an Dr. med. S.________, Orthop�discher Chirurg FMH, erfolgte sodann erst im November 2002; der Eintrag unter dem Datum des 29. November 2002, wonach die Versicherte seit dem Unfall Beschwerden im Bereich der linken Schulter habe, st�tzt sich denn auch - wie die Beschwerdef�hrerin anerkennt - auf ihre eigenen Angaben und die Informationen des zuweisenden Arztes Dr. med. M.________. Bei dieser Sachlage, namentlich mit Blick darauf, dass eine frische Supraspinatussehnenruptur massivste - und damit auf jeden Fall zeitnah erw�hnenswerte - Schulterbeschwerden und Bewegungseinschr�nkungen verursacht h�tte, ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz nicht auf diese Angaben abgestellt hat, sondern erst von gut ein Jahr nach dem Unfall aufgetretenen Schulterbeschwerden ausgegangen ist. Gest�tzt hierauf und auf die Tatsache, dass nach Einsch�tzung der Dres. med. G.________ und H.________ bei einem durchschnittlichen Auffahrunfall (d.h. ohne aussergew�hnlich heftigen Heckaufprall) die geltend gemachten Schulterbeschwerden nicht als Verletzungsentit�t resultieren und nach Dr. med. H.________ die ausgesprochene Tendinose der Supraspinatussehne eher auf ein krankhaft-degeneratives Geschehen hinweist, gelangte die Vorinstanz zu Recht zum Ergebnis, dass die Schulterbeschwerden nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 11. September 2001 zur�ckgef�hrt werden k�nnen. Dass es ein Gel�ndewagen war, welcher der Beschwerdef�hrerin v�llig �berraschend aufs Heck auffuhr, wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend gemacht wird, reicht nicht aus, um von einem aussergew�hnlich heftigen Heckaufprall (mit entsprechender Verletzungsentit�t) auszugehen. Wie es sich mit dem im angefochtenen Entscheid als zus�tzliches Argument angef�hrten und in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde bestrittenen Umstand verh�lt, dass die Beschwerdef�hrerin in der Lage war, im Oktober 2001 ohne Medikamente schmerzfrei Tauchferien zu verbringen und im Sommer 2002 als Kugelst�sserin an einem Turnfest teilzunehmen, kann bei dieser Sachlage offen gelassen werden.
Da die medizinischen Akten somit eine hinreichend schl�ssige Beurteilung der Unfallkausalit�t der Schulterbeschwerden erlauben und von zus�tzlichen Abkl�rungen keine neuen Erkenntnisse erwartet werden k�nnen, die zu einem abweichenden Ergebnis zu f�hren verm�chten, ist dem entsprechenden Eventualantrag der Beschwerdef�hrerin nicht stattzugeben (antizipierte Beweisw�rdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d).
Dass schliesslich eine Supraspinatussehnen- bzw. eine Rotatorenmanschettenruptur als Sehnenriss im Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. f UVV grunds�tzlich geeignet ist, eine Leistungspflicht des Unfallversicherers unter dem Titel der unfall�hnlichen K�rpersch�digung zu begr�nden (vgl. auch BGE 123 V 43), wie die Beschwerdef�hrerin geltend machen l�sst, vermag nichts daran zu �ndern, dass die Vorinstanz das Vorliegen einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung mangels eines kausalen �usseren Ereignisses (vgl. dazu auch BGE 129 V 466 und RKUV 2001 Nr. U 435 S. 332 [Urteil E. vom 5. Juni 2001, U 398/00]) zu Recht verneint hat.
Luzern, 23. M�rz 2006