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Timestamp: 2020-07-10 07:28:39
Document Index: 380533275

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Ausgangspost in der Anwaltskanzlei - und die Fristenkontrolle | Rechtslupe
Ausgangspost in der Anwaltskanzlei - und die Fristenkontrolle
Ein Rechts­an­walt darf regel­mä­ßig anfal­len­de Büro­ar­bei­ten auf zuver­läs­si­ge Mit­ar­bei­ter dele­gie­ren. Hier­zu gehört grund­sätz­lich auch die Erle­di­gung der aus­ge­hen­den Post. Der Rechts­an­walt hat aber in die­sen Fäl­len durch all­ge­mei­ne, unmiss­ver­ständ­li­che Anord­nun­gen dafür zu sor­gen, dass Feh­ler nach Mög­lich­keit ver­mie­den wer­den.
Des­we­gen muss der Rechts­an­walt eine all­ge­mei­ne Wei­sung ertei­len, dass die Erle­di­gung frist­ge­bun­de­ner Sachen am Abend eines jeden Arbeits­ta­ges von einer dazu beauf­trag­ten Büro­kraft aus­ge­hend von den Ein­tra­gun­gen im Fris­ten­ka­len­der noch­mals selbst­stän­dig über­prüft wird [1].
Die all­abend­li­che Aus­gangs­kon­trol­le frist­ge­bun­de­ner Schrift­sät­ze dient nicht nur der Über­prü­fung, ob sich schon aus den Ein­tra­gun­gen im Fris­ten­ka­len­der noch uner­le­digt geblie­be­ne Frist­sa­chen erge­ben, son­dern soll dar­über hin­aus klä­ren, ob in einer im Fris­ten­ka­len­der als erle­digt ver­merk­ten Frist­sa­che die fris­t­wah­ren­de Hand­lung tat­säch­lich noch aus­steht [2].
Das erfor­dert die Anwei­sung an das Büro­per­so­nal, anhand der Aus­gangs­post und gege­be­nen­falls der Akten zu über­prü­fen, ob die im Fris­ten­ka­len­der als erle­digt gekenn­zeich­ne­ten Schrift­sät­ze tat­säch­lich abge­sandt wor­den sind [3].
Soweit ver­tre­ten wird, nach Recht­spre­chung des XII. Zivil­se­nats kön­ne sich der Rechts­an­walt, anstatt eine abend­li­che Fris­ten­kon­trol­le anzu­ord­nen, damit begnü­gen, sei­ne Ange­stell­ten nach der Absen­dung frist­ge­bun­de­ner Schrift­sät­ze zu fra­gen, und müs­se Unstim­mig­kei­ten nur dann nach­ge­hen, wenn er mit den Anga­ben der Ange­stell­ten nicht zufrie­den sei, lässt sich dies den dafür in Anspruch genom­me­nen Ent­schei­dun­gen [4] nicht ent­neh­men. Soweit die­se Ent­schei­dun­gen die abend­li­che Aus­gangs­kon­trol­le betref­fen, wird viel­mehr betont, dass all­ge­mei­ne Nach­fra­gen des Rechts­an­walts an zuver­läs­si­ge Ange­stell­te zur Erle­di­gung frist­ge­bun­de­ner Schrift­sät­ze nicht davon ent­las­ten, die gebo­te­ne abend­li­che Aus­gangs­kon­trol­le ent­we­der durch die all­ge­mei­ne Kanz­lei­or­ga­ni­sa­ti­on [5] oder durch eine aus­drück­li­che Ein­zel­an­wei­sung sicher­zu­stel­len [6].
Die­se von der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung gestell­ten Anfor­de­run­gen hat der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall schuld­haft nicht erfüllt:
Aus dem Vor­trag des Klä­gers ergibt sich nicht, dass zur Durch­füh­rung der abend­li­chen Aus­gangs­kon­trol­le den Kanz­lei­an­ge­stell­ten eine ord­nungs­ge­mä­ße Wei­sung erteilt wor­den ist, wonach die damit kon­kret betrau­ten Büro­an­ge­stell­ten die tat­säch­li­che Absen­dung des fris­t­wah­ren­den Schrift­sat­zes in allen Fäl­len anhand der Aus­gangs­post, hier dem Sen­de­be­richt des Tele­fax, und gege­be­nen­falls anhand der Akten noch­mals über­prü­fen muss­ten.
Die kon­kre­te Nach­fra­ge des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers bei der Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­ten W. war nicht geeig­net, die­sen Orga­ni­sa­ti­ons­man­gel aus­zu­glei­chen, da sie sich nicht auf die gebo­te­ne erneu­te abend­li­che Kon­trol­le der Erle­di­gung frist­ge­bun­de­ner Schrift­sät­ze, son­dern auf die Erin­ne­rung der Ange­stell­ten an die ursprüng­li­che Bear­bei­tung des Post­aus­gangs im Lau­fe des Tages bezog.
Die­ser Orga­ni­sa­ti­ons­man­gel des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers war für die Frist­ver­säum­nis ursäch­lich. Hät­te in der Kanz­lei des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers die gebo­te­ne Anord­nung zur Durch­füh­rung der beschrie­be­nen all­abend­li­chen Aus­gangs­kon­trol­le bestan­den, wäre nach dem gewöhn­li­chen Lauf der Din­ge bei ansons­ten pflicht­ge­mä­ßem Ver­hal­ten der zustän­di­gen Mit­ar­bei­ter [7] die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist nicht ver­säumt wor­den. Bei einer ggf. anhand der Akten durch­ge­führ­ten Prü­fung, ob die im Fris­ten­ka­len­der als erle­digt gekenn­zeich­ne­te Beru­fungs­be­grün­dungs­schrift tat­säch­lich abge­sandt wor­den war, wäre vor Ablauf der nach dem Vor­trag des Klä­gers im Fris­ten­ka­len­der ord­nungs­ge­mäß ein­ge­tra­ge­nen Beru­fungs­be­grün­dungs­frist auf­ge­fal­len, dass ein Sen­de­pro­to­koll des Tele­fax­ge­räts zur Absen­dung des Schrift­sat­zes nicht vor­liegt und folg­lich die­ser auch nicht per Tele­fax an das zustän­di­ge Gericht abge­sandt wor­den war.
Die Ursäch­lich­keit des Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­dens des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten für die Frist­ver­säum­nis des Klä­gers wird nicht dadurch auf­ge­ho­ben, dass zusätz­lich eine sei­ner Mit­ar­bei­te­rin­nen auf Nach­fra­ge irr­tüm­lich die Absen­dung des frist­ge­bun­de­nen Schrift­sat­zes wäh­rend des Tages bestä­tigt hat. Denn die Ver­ant­wor­tung eines Rechts­an­walts für den ver­spä­te­ten Ein­gang eines Schrift­sat­zes wird nicht dadurch besei­tigt, dass auch sei­ne Mit­ar­bei­ter gegen ihre Pflich­ten ver­sto­ßen und so zur Unzu­läs­sig­keit eines Rechts­mit­tels mit bei­tra­gen. Für die Kau­sa­li­tät zwi­schen schuld­haf­ter Pflicht­ver­let­zung und Frist­ver­säu­mung, die eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand aus­schließt, genügt Mit­ur­säch­lich­keit [8].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Juni 2019 – XI ZB 28/​18
BGH, Beschlüs­se vom 04.11.2014 – VIII ZB 38/​14, WM 2014, 2388 Rn. 8 f.; vom 09.12 2014 – VI ZB 42/​13, NJW-RR 2015, 442 Rn. 8; vom 26.02.2015 – III ZB 55/​14, WM 2015, 782 Rn. 8; vom 25.04.2017 – XI ZB 18/​16 10; und vom 20.11.2018 – XI ZB 31/​17 13[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 02.03.2000 – V ZB 1/​00, NJW 2000, 1957; vom 04.11.2014, aaO Rn. 10; vom 25.04.2017, aaO; und vom 20.11.2018, aaO[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 04.11.2014, aaO Rn. 13; vom 15.12 2015 – VI ZB 15/​15, WM 2016, 1558 Rn. 8; vom 25.02.2016 – III ZB 42/​15, WM 2016, 563 Rn. 10; vom 10.08.2016 – VII ZB 17/​16, NJW-RR 2016, 1403 Rn. 17; vom 25.04.2017 – XI ZB 18/​16, Rn. 10; vom 25.04.2017, aaO; und vom 20.11.2018, aaO[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 08.12 1993 XII ZB 155/​93, Rn. 10; vom 12.04.1995 XII ZB 38/​95, Rn. 18; und vom 18.10.1995 XII ZB 123/​95, Rn. 11[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 08.12 1993, aaO Rn. 11[↩]
BGH, Beschluss vom 18.10.1995, aaO Rn. 10 f.[↩]
vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 15.12 2015 – VI ZB 15/​15, WM 2016, 1558 Rn. 11 mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 19.12 2017 – XI ZB 16/​17, FamRZ 2018, 610 Rn. 10 mwN[↩]
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