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Timestamp: 2016-10-22 07:05:21
Document Index: 129245725

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'Art. 28', 'Art. 8', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 28', 'Art. 29', 'Art. 29', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 134', 'Art. 159', 'Art. 135', 'BGE']

I 91/01 (15.11.2001)
I 91/01 Vr
M.________, 1968, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch den Verband X.________,
A.- Die 1968 geborene M.________ war vom 15. bis
26. September 1997 (im Stundenlohn) und sp�ter erneut ab
3. Dezember 1997 (im Monatslohn) als Hilfsarbeiterin bei der F.________ AG angestellt. Nachdem sie ab 1. Dezember 1998 aus gesundheitlichen Gr�nden nicht mehr gearbeitet hatte, wurde das Arbeitsverh�ltnis durch die Arbeitgeberin gek�ndigt und endete per 30. Juni 1999. Am 23. November 1999 meldete sich M.________ unter Hinweis auf seit dem
8. September 1993 bestehende Beschwerden (funktionelle Beinparese, Schwindelanf�lle, Kopfschmerzen, psychische Beschwerden, Depression) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle des Kantons Thurgau holte Ausk�nfte der Arbeitgeberin vom 30. November 1999 sowie einen Bericht der Psychiatrischen Dienste X.________ vom 31. M�rz 2000 ein. Anschliessend lehnte sie das Leistungsbegehren - nach Durchf�hrung des Vorbescheidverfahrens - mit Verf�gung vom 29. August 2000 ab.
B.- M.________ erhob gegen diese Verf�gung Beschwerde.
Im Verlauf des Verfahrens liess sie eine Arbeitsunf�higkeitsbescheinigung des Hausarztes Dr. med. W.________ mit Eintragungen vom 21. Januar bis 23. Mai 2000 sowie Berichte des Dr. med. B.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 26. Juli 2000 und der Neurologischen Poliklinik des Spitals Y.________ vom 4. Oktober 2000 (mit Erg�nzung vom 16. November 2000) ins Recht legen, w�hrend die Verwaltung eine Stellungnahme des IV-Arztes Dr. med.
S.________ vom 21. November 2000 einreichte. Die AHV/IV-Rekurskommission des Kantons Thurgau wies die Beschwerde ab (Entscheid vom 3. Januar 2001).
C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst M.________ das Rechtsbegehren stellen, in Aufhebung des angefochtenen Entscheides sei ihr sp�testens ab 1. November 1999 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen; eventuell sei die Sache zu weiteren Abkl�rungen an die IV-Stelle zur�ckzuweisen.
Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde liess die Versicherte eine Unfallmeldung vom 10. September 1993, ein Arztzeugnis UVG des Dr. med. C.________ vom 13. September 1993, eine Arbeitsunf�higkeitsbescheinigung mit Eintragungen des Dr.
med. R.________, Innere Medizin FMH, vom 30. November 1998 bis 10. Januar 2000 sowie einen Bericht der Psychiatrischen Klinik Z.________ vom 2. Mai 2000 einreichen.
W�hrend die Vorinstanz und die IV-Stelle auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliessen, verzichtet das Bundesamt f�r Sozialversicherung auf eine Vernehmlassung.
Nach Abschluss des Schriftenwechsels l�sst die Beschwerdef�hrerin eine Stellungnahme der Klinik D.________ vom 2. M�rz 2001 auflegen.
1.- a) Die Vorinstanz hat die gesetzlichen Bestimmungen �ber den Begriff der Invalidit�t (Art. 4 Abs. 1 IVG), die Voraussetzungen und den Umfang des Rentenanspruchs (Art. 28 Abs. 1 und 1bis IVG) und des Anspruchs auf berufliche Massnahmen (Art. 8 Abs. 1 IVG) sowie die nach der Rechtsprechung bei der Pr�fung geistiger Gesundheitssch�den auf ihren allf�lligen invalidisierenden Charakter hin zu beachtenden Grunds�tze (BGE 102 V 165; AHI 2000 S. 151 Erw. 2a mit Hinweisen) zutreffend dargelegt. Richtig sind auch die Ausf�hrungen zur Schadenminderungspflicht der versicherten Person (BGE 113 V 28 Erw. 4a mit Hinweisen), zur Aufgabe des Arztes oder der �rztin bei der Invalidit�tsbemessung (BGE 125 V 261 Erw. 4, 115 V 134 Erw. 2, 114 V 314 Erw. 3c, 105 V 158 Erw. 1) sowie zum Beweiswert und zur gerichtlichen Beweisw�rdigung �rztlicher Berichte (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis). Darauf wird verwiesen.
b) Der Rentenanspruch nach Art. 28 IVG entsteht gem�ss Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG fr�hestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person w�hrend eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunf�hig gewesen ist. Die einj�hrige Wartezeit gilt in dem Zeitpunkt als er�ffnet, ab welchem eine Arbeitsunf�higkeit von mindestens 20 % vorliegt (AHI 1998 S. 124 Erw. 3c). Die Arbeitsunf�higkeit im Sinne von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG bezieht sich auf den bisherigen Beruf und ist nicht mit der f�r den Rentenanspruch erforderlichen Erwerbsunf�higkeit gleichzusetzen, zu deren Beurteilung auf den gesamten in Betracht fallenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt abzustellen ist. Damit eine Rente zugesprochen werden kann, m�ssen sowohl die durchschnittliche Arbeitsunf�higkeit w�hrend eines Jahres als auch die nach Ablauf der Wartezeit bestehende Erwerbsunf�higkeit die f�r die betreffende Rentenabstufung erforderliche Mindesth�he erreichen (BGE 121 V 274 Erw. 6b/cc).
3.- Zur Entwicklung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsf�higkeit der Versicherten w�hrend der Zeit bis zum Erlass der Verwaltungsverf�gung vom 29. August 2000, der praxisgem�ss die zeitliche Grenze der gerichtlichen Pr�fung festlegt (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen), enthalten die Akten insbesondere die folgenden �rztlichen Stellungnahmen:
a) Im Bericht der Psychiatrischen Dienste X.________ vom 31. M�rz 2000 werden eine schwere depressive Episode, remittiert, bei rezidivierend depressiver St�rung (ICD 10 F 33.2), eine vor allem psychogene Gangst�rung (ICD 10 F 44.4; Differenzialdiagnose: simulierte Gangst�rung, ICD 10 Z 76.5) sowie histrionische Pers�nlichkeitsz�ge diagnostiziert.
Weiter wird ausgef�hrt, retrospektiv k�nnten keine sicheren Angaben �ber die zeitlichen R�ume der jeweiligen Arbeitsunf�higkeit gemacht werden. Nach sukzessiver Remission des depressiven Zustandsbildes k�nne ab Januar 2000 von einer Teilarbeitsf�higkeit zwischen 25 % und 50 % ausgegangen werden, welche sich bis M�rz 2000 auf 100 % gesteigert habe. Die Arbeitsf�higkeit k�nne durch regelm�ssige psychiatrische/psychotherapeutische Begleitung verbessert werden. Verschiedene neurologische Abkl�rungen (zuletzt im Februar 2000) h�tten keine relevanten, sicher pathologischen Befunde ergeben. Nachdem mit der Patientin zuvor vereinbart worden sei, nach den somatischen Abkl�rungen eine station�re psychiatrische Behandlung durchzuf�hren, lehne sie eine solche nunmehr vehement ab und �ussere, dass sie auch eine ambulante Behandlung nicht mehr ben�tige, da sie ihre Krankheit nun akzeptiert habe und damit leben k�nne.
b) Der mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereichte Bericht der Psychiatrischen Klinik Z.________ vom 2. Mai 2000 enth�lt unter anderem die Diagnosen einer seit November 1998 bestehenden dissoziativen Bewegungsst�rung (ICD-10: F 44.4) sowie eines Status nach Commotio cerebri nach Arbeitsunfall 1993 und nach rezidivierenden Synkopen 1993/94, wobei kein Anhalt f�r eine neurologische Grunderkrankung bestehe. Die �rzte empfehlen "dringend" die ambulante Begleitung der Versicherten durch regelm�ssige therapeutische Gespr�che und erachten zudem einen erneuten medikament�sen antidepressiven Behandlungsversuch f�r angezeigt.
Eine ausdr�ckliche Aussage zur Arbeitsf�higkeit l�sst sich dem Bericht nicht entnehmen.
c) Dr. med. B.________ f�hrt in seiner Stellungnahme vom 26. Juli 2000 aus, er teile die klinische Einsch�tzung der Psychiatrischen Dienste X.________ gem�ss Bericht vom 31. M�rz 2000 hinsichtlich Art und Ausmass der St�rung.
Nach seiner Beurteilung bestehe aktuell "eine Arbeits- und Erwerbsunf�higkeit von 25 % bis 30 % aus versicherungspsychiatrischer formal-juristischer Sicht". Die Prognose sei schlecht.
d) Gem�ss Bericht der Neurologischen Poliklinik des Spitals Y.________ vom 4. Oktober 2000 besteht auf Grund der neurologischen Abkl�rungen der Verdacht, dass die schweren Gangst�rungen im Rahmen eines ausgepr�gten Konversionssyndroms zu interpretieren sind. Vorgesehene Abkl�rungen (MEP und SEP) w�rden diese Verdachtsdiagnose m�glicherweise unterst�tzen. Eine psychiatrische Hospitalisation erscheine als indiziert. Die Versicherte sei momentan als zu 100 % arbeitsunf�hig zu betrachten. Im erg�nzenden Schreiben vom 16. November 2000 wird ausgef�hrt, die mittlerweile durchgef�hrten Abkl�rungen (MEP, SEP) h�tten keine Pathologie im Bereich der motorischen und sensiblen Bahnen im Nervensystem nachweisen k�nnen. Dadurch werde die Verdachtsdiagnose eines ausgepr�gten Konversionssyndroms erh�rtet.
e) Der IV-Arzt Dr. med. S.________ f�hrt in seiner Stellungnahme vom 21. November 2000 Bezug nehmend auf den Bericht der Neurologischen Poliklinik des Spitals Y.________ vom 4. Oktober 2000 aus, die Konversionssymptomatik habe bereits im Jahr 1993 bestanden, was aus dem Bericht der Psychiatrischen Dienste X.________ hervorgehe.
Auch die Gangst�rung habe bereits im Zeitpunkt der Untersuchung durch die Psychiatrischen Dienste X.________ vorgelegen. Der Bericht der Neurologie best�tige, dass gerade kein neurologisches Leiden vorhanden sei, sondern ein psychisches. Deshalb sei am Bericht und der Beurteilung durch die Psychiatrischen Dienste X.________ festzuhalten.
f) Laut Arbeitsunf�higkeitsbescheinigung des Dr. med.
R.________ mit Eintragungen vom 29. September 1999 und
10. Januar 2000 war die Versicherte ab 30. November 1998 zu 100 % arbeitsunf�hig. Dr. med. W.________ attestiert ihr in einer Arbeitsunf�higkeitsbescheinigung mit Eintragungen vom 21. Januar bis 23. Mai 2000 ebenfalls eine Arbeitsunf�higkeit von 100 %.
4.- Entgegen der Auffassung der Vorinstanz lassen die vorstehend wiedergegebenen �rztlichen Aussagen im Rahmen einer rechtskonformen Beweisw�rdigung (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis) keine abschliessende Beurteilung der Arbeitsf�higkeit w�hrend des relevanten Zeitraums zu. Insbesondere kann der rechtserhebliche Sachverhalt auf Grund des Berichts der Psychiatrischen Dienste X.________ vom 31. M�rz 2000 nicht als hinreichend gekl�rt angesehen werden. So geht aus dem Bericht nicht hervor, ob, in welchem Ausmass und in Bezug auf welche T�tigkeiten die Versicherte vor Januar 2000 arbeitsunf�hig war. Wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde zu Recht geltend gemacht wird, k�nnte ein Rentenanspruch grunds�tzlich bereits im November oder Dezember 1999 entstanden sein, falls ab Ende November oder Anfang Dezember 1998, als die Beschwerdef�hrerin nicht mehr arbeitete, die erforderliche erhebliche Arbeitsunf�higkeit vorlag, diese im Durchschnitt eines Jahres das erforderliche Ausmass erreichte und anschliessend eine Erwerbsunf�higkeit von mindestens 40 % gegeben war (vgl. Erw. 1b hievor). Zu dieser Frage ist dem Bericht der Psychiatrischen Dienste X.________ jedoch keine Aussage zu entnehmen, w�hrend die Beschwerdef�hrerin laut den eingereichten Arbeitsunf�higkeitsbescheinigungen ab 30. November 1998 vollst�ndig arbeitsunf�hig war. Zudem ist nicht ersichtlich, warum die �rzte der Psychiatrischen Dienste X.________ trotz der durch sie ab Januar 2000 festgestellten massiven Verbesserung des depressiven Zustandsbildes (mit 100 %iger Arbeitsf�higkeit ab M�rz 2000) eine im Februar oder M�rz 2000 anzutretende station�re psychiatrische Behandlung bef�rwortet hatten. Unter diesen Umst�nden kann den abweichenden �rztlichen Stellungnahmen nicht jede Relevanz abgesprochen werden, auch wenn die darin enthaltenen Aussagen zum Teil nicht begr�ndet sind oder nicht von Fach�rzten des betroffenen Spezialgebietes stammen. Allerdings ist keine dieser Stellungnahmen geeignet, ihrerseits den notwendigen Beweis f�r den medizinischen Sachverhalt zu erbringen. Die Sache ist deshalb zur Vornahme erg�nzender Abkl�rungen an die IV-Stelle zur�ckzuweisen.
5.- Das Verfahren ist kostenlos (Art. 134 OG). Dem Prozessausgang entsprechend steht der Beschwerdef�hrerin eine Parteientsch�digung zu (Art. 159 in Verbindung mit Art. 135 OG; BGE 122 V 280 Erw. 3e/aa).
des Kantons Thurgau vom 3. Januar 2001 und die
Verf�gung vom 29. August 2000 aufgehoben werden und
die Sache an die IV-Stelle des Kantons Thurgau zur�ckgewiesen
Sinne der Erw�gungen, �ber den Anspruch auf eine Rente
der Invalidenversicherung neu verf�ge.
III. Die IV-Stelle des Kantons Thurgau hat der Beschwerdef�hrerin f�r das Verfahren vor dem Eidgen�ssischen Versicherungsgericht eine Parteientsch�digung von
IV.Die AHV/IV-Rekurskommission des Kantons Thurgau wird �ber eine Parteientsch�digung f�r das kantonale Verfahren entsprechend dem Ausgang des letztinstanzlichen
des Kantons Thurgau, der Ostschweizerischen
AHV-Ausgleichskasse f�r Handel und Industrie und dem