Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=04.04.2000&Aktenzeichen=XI%20ZR%20200/99
Timestamp: 2020-02-20 15:31:15
Document Index: 236123918

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 4', '§ 6', '§ 492', '§ 494', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 6', '§ 812', 'BGH', '§ 812', 'BGH', 'BGH', '§ 488']

BGH, 04.04.2000 - XI ZR 200/99 - dejure.org
https://dejure.org/2000,431
BGH, 04.04.2000 - XI ZR 200/99 (https://dejure.org/2000,431)
BGH, Entscheidung vom 04.04.2000 - XI ZR 200/99 (https://dejure.org/2000,431)
BGH, Entscheidung vom 04. April 2000 - XI ZR 200/99 (https://dejure.org/2000,431)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2000,431) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
VerbrKrG § 6 Abs. 2 Satz 2
Disagio - Ermäßigung des Zinssatzes - Erstattung von Zinszahlungen
Erstattungspflicht auch hinsichtlich des Disagios nach Ermäßigung des Zinssatzes eines trotz Formmangels wirksamen Verbraucherkredits
Einbeziehung des Disagios in die Erstattung der über den 1 Maßstab des § 6 Abs. 2 Satz 2 VerbrKrG hinausgehenden Zinszahlungen
VerbrKrG § 6 Abs. 2 S. 2
VerbrKrG § 6 Abs. 2, § 4 Abs. 1 Satz 4 Nr. 1 Buchst. e
Einbeziehung des Disagios bei einer Zinsermäßigung gem. § 6 Abs. 2 Satz 2 VerbrKrG; Nutzungszinsen bei Disagio-Erstattung
NJW 2000, 2816
ZIP 2000, 1101
MDR 2000, 895
WM 2000, 1243
BB 2000, 1421
DB 2000, 1556
Von einer Zurverfügungstellung der Darlehensvaluta ist aber auch dann auszugehen, wenn das Darlehen teilweise zum Zwecke der Tilgung einer Verbindlichkeit des Darlehensnehmers gegenüber dem Darlehensgeber aufgenommen wurde, die Darlehensvaluta vom Darlehensgeber hierfür bereitgestellt und sogleich einbehalten wird (vgl. Senatsurteil vom 4. April 2000 - XI ZR 200/99, WM 2000, 1243 f.;… Staudinger/Kessal-Wulf, BGB, Neubearbeitung 2012, § 492 Rn. 32, § 494 Rn. 20).
Es ist daher anerkannt, dass der Darlehensgeber neben dem Zins ein Disagio als zinsähnliches (Teil-)Entgelt für die zeitweilige Kapitalnutzung in Gestalt eines Einmalentgelts erheben kann, das in der Regel integraler Bestandteil der laufzeitabhängigen Zinskalkulation ist (st. Rspr., Senatsurteile vom 29. Mai 1990 - XI ZR 231/89, BGHZ 111, 287, 289 f. und vom 4. April 2000 - XI ZR 200/99, WM 2000, 1243, 1244).
Ein Disagio stellt nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs einen Ausgleich für einen niedrigeren Nominalzins und damit ein zinsähnliches (Teil-)Entgelt in Form einer Einmalzahlung dar, welches bei einer vorzeitigen Vertragsbeendigung anteilig zu erstatten ist (vgl. Senatsurteile vom 29. Mai 1990 - XI ZR 231/89, BGHZ 111, 287, 289 f., vom 8. Oktober 1996 - XI ZR 283/95, BGHZ 133, 355, 358 und vom 4. April 2000 - XI ZR 200/99, WM 2000, 1243, 1244).
§ 6 Abs. 2 Satz 1 und 2 VerbrKrG schützt einerseits den Darlehensnehmer davor, das Darlehenskapital gemäß § 812 BGB sofort zurückzahlen zu müssen, andererseits trägt die Vorschrift auch dem Interesse des Kreditgebers Rechnung, Zinsen für die vereinbarte Kreditlaufzeit zu erhalten (BGHZ 134, 94, 98 f.; Senatsurteil vom 4. April 2000 - XI ZR 200/99, WM 2000, 1243, 1245).
Dabei wird übersehen, daß die Neuberechnung der einzelnen Raten mit Wirkung auch für die Vergangenheit zu erfolgen hat und bereits im Zeitpunkt jeder ungerechtfertigten Zinszahlung nach § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB ein Rückerstattungsanspruch entsteht (Senatsurteil vom 4. April 2000 - XI ZR 200/99, WM 2000, 1243, 1245).
Dies hat der erkennende Senat bereits ausdrücklich für den Fall eines vereinbarten Disagios entschieden (Senatsurteil vom 4. April 2000 - XI ZR 200/99, WM 2000, 1243, 1244 f.).
Maßgeblich ist vielmehr die Abgrenzung zwischen laufzeitabhängigen Zinsen auf der einen und allen weiteren laufzeitunabhängigen Kreditkosten auf der anderen Seite (Senatsurteil vom 4. April 2000 - XI ZR 200/99, WM 2000, 1243, 1244 f.; vgl. auch Senatsurteil BGHZ 111, 287, 291).
Auch das Verrechnen der neuen Darlehenssumme mit dem Rückzahlungsanspruch aus dem Altdarlehen stellt ein Zur-Verfügung-Stellen des Darlehensbetrages dar, das lediglich vereinbarungsgemäß dadurch erfolgt, dass der Betrag zur Ablösung des Vorgängerdarlehens verwendet wird (vgl. dazu BGH NJW 1978, 883, 884; NJW 2000, 2816;… Prütting/Wegen/Weinreich/Nobbe, BGB, 11. Auflage, § 488 Rdnr. 28).