Source: http://kindertransporthilfe-des-bundes.de/
Timestamp: 2016-09-28 13:37:08
Document Index: 284307459

Matched Legal Cases: ['§ 23', '§ 24', '§ 12', '§ 23', '§ 33', '§ 40']

“Ein klein wenig Kind sein dürfen”
Nach Angaben von UNICEF sind 5,5 Millionen syrische Kinder akut hilfsbedürftig. Im Rahmen des Bundeshilfsprogramms können vorübergehend 55.000 Kinder im Alter von bis zu 17 Jahren in die Bundesrepublik Deutschland einreisen, sofern ein finanzieller Förderer oder eine Pflegefamilie für sie gefunden wurde. Wir können nicht allen helfen. Aber gemeinsam helfen wir einem von einhundert Kindern.
Die Bundesregierung hat mit dem am 8. Mai 2014 im Bundestag eingebrachten Gesetzesentwurf 18/1333 die gesetzlichen Grundlagen für die Aufnahme besonders gefährdeter Kinder aus Syrien für die Dauer des Konfliktes geschaffen. Als gefährdet gelten Kinder, deren Eltern schon einmal inhaftiert waren oder sind, Kinder aus Waisenhäusern und Knaben älteren Jahrgangs, die von Verhaftung bedroht sind, sowie bei erwiesener Armut oder Obdachlosigkeit der Familie.
Im Rahmen des Hilfsprogramms des Bundes können vorübergehend 55.000 Kinder im Alter von bis zu 17 Jahren in die Bundesrepublik Deutschland einreisen, sofern für sie ein finanzieller Förderer oder eine Pflegefamilie gefunden wurde. Die Aufnahme erfolgt gem. § 23 Abs. 2 u. 3 in Verbindung mit § 24 Aufenthaltsgesetz (AufenthG). Die Trennung von Kindern und ihren Familien soll vorübergehenden Charakter tragen.
Die Vergabe von Pflegeplätzen erfolgt nach dem sog. Poolprinzip: das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) übernimmt zunächst die fürsorgerische und juristische Verantwortung für die Kinder. Das BMFSFJ kann als Treuhänderin der Generalbürgschaft für maximal 500 Kinder zeitgleich bürgen. Neue Bürgschaften werden ausgestellt, sobald ein durch das BMFSFJ garantiertes Kind von einem privaten Bürgen (oder Träger) übernommen wurde.
Da die private Unterbringung eines Kindes in einer Pflegefamilie lediglich ein Drittel der Unterbringung in Heimerziehung kostet, bevorzugt die Bundesregierung eine möglichst familienähnliche Unterbringung und hat das BMFSFJ mit der Lancierung der Kampagne “1 aus 100″ zur gezielten Werbung deutscher Pflegefamilien beauftragt.
Die Kampagne richtet sich vorrangig an belastbare Paare oder erziehungserfahrene Erwachsene, die über einen gemischten kulturellen Hintergrund verfügen. Pflegefamilien bzw. familienähnliche Pflegestellen, die im Umgang mit Fremdheitserfahrungen vertraut sind, werden gezielt geworben.
Den Pflegeeltern kommt die Aufgabe zu, ihren Gastkindern für einen begrenzten Zeitraum ein geschütztes Umfeld zu bieten, die psychologischen Belastungen auf ein Minimum zu beschränken und ein Maximum an Zuwendung zu geben, damit die Kinder bei Beendigung des Konfliktes gesund und wohlbehalten in ihre Heimatregion zurückkehren können. Es ist das Bestreben der Bundesregierung, Kleinkinder nur in dringenden Fällen von ihren Angehörigen zu trennen, d.h. nur dort, wo die Familie nicht als ganze emigrieren kann.
Bei dem von der Bundesregierung vorgegebenen Ziel, bis zu 55.000 Kinder in die befristete Vollzeitpflege zu geben, handelt es sich um eines der ambitioniertesten Projekte der jüngeren bundesdeutschen Geschichte. Die Bundesregierung erhofft sich, eine gewisse Signalfunktion auf andere Regierungen auszuüben, die Flüchtlingskrise nicht länger zu ignorieren. Ziel der Bundesregierung ist eine gesamteuropäische Aufnahmeaktion syrischer Flüchtlinge durch möglichst alle EU-Mitgliedstaaten, um zur Entspannung der Flüchtlingssituation insbesondere in den Anrainerstaaten beizutragen. Laut UNICEF sind in der Region mehr als 5,5 Millionen Kinder auf Hilfe angewiesen. Der Schutz und die Aufnahme syrischer Kinder ist ein zentrales Anliegen der deutschen Politik.
Die Kampagne “1 aus 100″ des BMFSFJ wird potenzielle Pflegeeltern ansprechen und umfassend über Chancen, Möglichkeiten und Anreize aufklären. Ein nationaler Appell von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig erschien in ausgewählten überregionalen Tageszeitungen.
Um das Hilfsprogramm zeitnah umzusetzen, unterstützt das BMFSFJ die Länder und Kommunen zusätzlich dabei, ein bedarfsgerechtes und flächendeckendes Angebot für Jugendliche zu realisieren, die nicht in Pflegefamilien untergebracht werden können. Insgesamt gibt der Bund bis Ende 2015 deshalb fast 40 Millionen Euro aus, um zusätzliche Plätze in Kinder- und Jugendwohnheimen zu schaffen und deren Betrieb zu finanzieren.
Es gelten dieselben gesetzlichen Bestimmungen wie bei allen ausländischen Minderjährigen mit geduldetem Aufenthaltsrecht (gem. § 12 Abs. 2 u. 4 AufenthG). Der Aufenthaltsbereich des Pflegekindes ist auf den Wohnort der Pflegeeltern beschränkt. Das vorübergehende Verlassen des geduldeten Aufenthaltsbereichs zur Teilnahme an Städtereisen, Sportveranstaltungen oder Ausflügen muss beim jeweiligen Innenminister der Länder beantragt werden. Die Möglichkeit eines Antrages auf Asyl hat der Gesetzgeber im Gesetzesentwurf 18/1333 ausdrücklich ausgeschlossen.
Wenn Sie eines der Kinder aus dem Hilfsprogramm der Bundesregierung aufnehmen möchten, müssen Sie nicht verheiratet sein. Auch Alleinstehende und unverheiratete oder gleichgeschlechtliche Paare sind berechtigt, für ein Pflegekind zu sorgen. Ausschlaggebend ist Ihre Eignung, ein stabiles und geordnetes Umfeld zu schaffen, in dem das Kind sich frei entfalten kann. Pass
Weder eine deutsche Staatsbürgerschaft, noch die Beherrschung der arabischen Sprache sind Grundvoraussetzungen für die Aufnahme eines syrischen Pflegekindes. Adoption
Das erklärte Ziel ist die Rückführung des Kindes in die Herkunftsfamilie. Es handelt sich nicht um ein Adoptivkind. Das Pflegekind ist und bleibt leibliches Kind seiner Eltern. Sie müssen sich im Klaren darüber sein, dass Eltern wie Verwandte das Kind vorzeitig zurückfordern können und Sie sollten bereit sein, die Beziehung zwischen Ihrem Pflegekind und seiner Herkunftsfamilie aufrechtzuerhalten. Die Richtlinien des Hilfsprogramms raten je nach Situation zu einem Telefongespräch wöchentlich. Die Telefontermine werden professionell begleitet.
Da Kinder zum Spielen und Lernen Platz brauchen, benötigen Sie genügend Wohnraum. Das bedeutet aber nicht, dass von Anfang an ein Zimmer zur Verfügung stehen muss, da die Kinder deutsche “Wohlstandsstandards” zunächst nicht gewöhnt sind. Jüngere Kinder können sich ein Zimmer teilen. Alter
Sie sollten bei Volljährigkeit des Kindes das 69. Lebensjahr nicht überschritten haben. Rechtliches
Ein gesicherter Aufenthalt der Pflegepersonen in Deutschland ist zwingend erforderlich. Eine befristete Aufenthaltserlaubnis ist nicht ausreichend. Sie sollten zudem in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen leben und mit Ihrem Einkommen unabhängig von den Leistungen sein, die Sie für das Pflegekind erhalten. Hilfe
Sie müssen Ihre Probleme nicht alleine lösen. Nach der Aufnahme eines Kindes können Sie jederzeit fachliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die Beraterinnen und Berater der Stiftung Zuflucht stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Für einen Sprachkurs des Kindes in Ihrer unmittelbaren Nähe wird gesorgt. §
Hier können Sie verbindlich ein befristetes Pflegeverhältnis beantragen. Das Bewerberformular finden Sie unten zum Download. Sie haben die Möglichkeit, den Zeitraum der Vollzeitpflege auf zwei Jahre zu befristen oder die Unterkunft des Kindes bis zum Konfliktende zu garantieren.
Während des Überprüfungsprozesses finden mehrere Gespräche, darunter auch eines bei Ihnen zu Hause statt. In den Gesprächen müssen Sie Aufgaben erledigen und sich Gedanken zu einzelnen Themen und Fragestellungen machen. Dabei können auch Fragen zu Ihrer Auffassung von Kindererziehung und zu Ihren Ansichten über die arabische Welt eine Rolle spielen.
Aus dem Ausfüllen der Bewerbungsunterlagen ergeben sich keine Ansprüche auf ein Pflegekind. Die Entscheidung über das Zustandekommen eines Pflegevertrages obliegt dem BMFSFJ. Das BMFSFJ prüft die Eignung von Bewerbern und behält sich die Ablehnung von Anträgen ohne Angabe von Gründen vor.
Bitte beachten Sie: bei Zustandekommen des Pflegevertrages werden Sie zum Vormund des Pflegekindes bestellt. Es können nur Einzelvormundschaften übertragen werden.
Bewerberbogen als Download
Flyer Pflegeeltern gesucht! (Deutsch, 370 Kb, pdf-Format)
Informationsblatt Anforderungen zur Teilnahme für Pflegefamilien (Deutsch, 57 Kb, pdf-Format)
Antragsformular für ein befristetes Pflegeverhältnis (Deutsch, 102 Kb, pdf-Format)
Die Beschlussfassung der 199. Sitzung der Innenministerkonferenz der Länder (IMK)
Aufnahmeanordnung des Bundesministerium des Inneren (BMI)
§ 23 u. 24 - Aufenthalt aus völkerrechtlichen, humanitären oder politischen Gründen
Pauschale Vergütung für den Lebensunterhalt des Kindes von 1.000 Euro im Monat (§ 33 SGB VIII)*
Anspruch auf Kindergeld (wird u.U. nicht anteilig auf das Pflegegeld angerechnet**)
Anspruch auf Lohnkostenzuschüsse
Steuerliche Abgeltung des Pflegeverhältnisses***
Viele weitere Vergünstigungen und besondere Konditionen****
* Die Pauschale für den Lebensunterhalt des Kindes erhalten Sie für Aufwendungen, die Ihr Pflegekind direkt betreffen, also für Nahrung, Kleidung, Miete, Strom, Heizung, Schulmaterialien, Taschengeld, Spielzeug. Nach dem vorliegenden Gesetzesentwurf 18/786 richtet sie sich nicht nach dem Alter des Kindes.
**Ist das Pflegekind das älteste Kind in der Pflegefamilie (unabhängig davon, ob leibliche Kinder, andere Pflege- oder Adoptivkinder in der Familie leben), so wird ein Betrag in Höhe der Hälfte des Kindergeldes, das für ein erstes Kind gezahlt wird, vom Pflegegeld abgezogen. Ist das Pflegekind nicht das älteste Kind in der Pflegefamilie, so wird ein Betrag in Höhe eines Viertels des Kindergeldes, das für ein erstes Kind gezahlt wird, vom Pflegegeld abgezogen.
*** Wenn das Pflegekind bei Ihnen lebt, können Sie es auf der Steuerkarte berücksichtigen. Dies muss jährlich bis zum 30.11. des laufenden Jahres beim Finanzamt eingetragen werden.
****Auf Antrag werden Ihnen die Beiträge zu einer Unfallversicherung und die Hälfte der nachgewiesenen Aufwendungen zu einer angemessenen Alterssicherung erstattet. Als Pflegeeltern haben Sie zudem Anspruch auf Elternzeit. Diese kann ab dem Zeitpunkt der Aufnahme des Pflegekindes bis zu einer Dauer von drei Jahren in Anspruch genommen werden, längstens bis zur Vollendung des achten Lebensjahres des Pflegekindes. Erziehungsgeld bzw. Elterngeld (Leistungen nach dem Bundeserziehungsgeldgesetz bzw. dem Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit) ist von der Regelung ausgenommen. Bei befristeter Vollzeitpflege mit erweitertem Förderbedarf erhöht sich die Abgeltung der Erziehungsleistung. Zusätzlich erhalten Pflegeeltern auf Antrag weitere Leistungen für sonstige persönliche Ausstattungen und Schulfahrten, sowie den Reisekostenzuschuss und die Weihnachtsbeihilfe erstattet. Darüber hinaus können Pflegeeltern einen Antrag auf weitere Beihilfen, etwa für Erstausstattung, Bekleidung, Mobiliar, Einschulung, Taufe und Konfirmation stellen.
Das erklärte Ziel der Bundesregierung ist die Rückführung der Kinder in ihr Heimatland. Die Trennung von Kindern und ihren Familien soll vorübergehenden Charakter tragen. Nach Beschlusslage der Innenministerkonferenz der Länder verbleiben die Kinder, die im Programm zugelassen wurden, in Deutschland, bis die Gefährdungslage im Herkunftsland beseitigt ist bzw. die Volljährigkeit erreicht oder eine Ausbildung abgeschlossen wurde. Letztere (aufschiebende) Bedingung erstreckt sich nicht auf reguläre Arbeitsverhältnisse. Von “Einwanderern” kann aufgrund der Beschlusslage keine Rede sein.
Die Innenminister der Länder entscheiden letztinstanzlich über Dauer der Unterbringung, sowie über Besuchs- und Hilfsregelungen für die Herkunftsfamilien. Bei den im Hilfsprogramm aufgenommenen Kindern handelt es sich nicht um Adoptivkinder. Die Kinder sind und bleiben leibliche Kinder ihrer Eltern. Die sorgeberechtigten Eltern können die Herausgabe des Pflegekindes jederzeit verlangen. Dem Auswärtigen Amt obliegt die Prüfung, ob das Herausgabeverlangen mit dem Wohl des Kindes zu vereinbaren ist.
Die Pflegeeltern sollen nach Möglichkeit eine Bürgschaft für die Remigration von 1.000 Euro übernehmen. Wo dies nicht möglich ist, übernimmt der Bund die finanziellen Kosten, die mit der Wiederausreise der Kinder entstehen.
Nationaler Appell von Bundesfamilienministerin Schwesig
Kinder genießen in allen Kulturen der Welt einen besonderen Status. Sie sichern die Zukunft. Sie sind ihre schwächsten Mitglieder und verdienen besonderen Schutz. Es gibt einen Ort in dieser Welt, an dem wird Kindern tagtäglich ihre Kindheit gestohlen.
In den belagerten Gebieten Syriens stehen Hunderttausende Menschen unvorstellbare Todesängste aus. Gesundheitssystem und Wirtschaft sind kollabiert. Die Menschen benötigen dringend sauberes Wasser, Nahrungsmittel und psychologische Betreuung. An Schulunterricht ist in vielen Teilen des Landes nicht zu denken. Die Menschen werden systematisch ausgehungert und aus der Luft mit Bomben attackiert. Alle zwei Stunden wird ein Kind mutwillig getötet. Mehr als 12.000 Kinder wurden bereits auf bestialische Art ermordet. Sollen wir als Gesellschaft diesen Verbrechen tatenlos zusehen?
Angesichts der Krise kann und muss die syrische Zivilbevölkerung davon ausgehen können, dass die Weltgemeinschaft mit allen verfügbaren Mitteln zu Hilfe eilt. Für mich persönlich war der 11. März 2014 der Tag, an dem mich der Weckruf ereilte. An diesem Tag erschien der UNICEF-Bericht “Unter Belagerung: Die verheerenden Auswirkungen von drei Jahren Konflikt in Syrien auf die Kinder”. Die darin geschilderten Verbrechen waren es, die mich in meiner Rolle als neues Mitglied der Bundesregierung besonders betroffen machten. Dem unermüdlichen Einsatz meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es zu verdanken, dass die Bundesregierung sich mit dem syrischen Drama nicht länger abfinden wird, sondern den Schutz von Kinderrechten international durchsetzt.
Bereits eine Woche nach Veröffentlichung des Berichts verständigte sich die 199. Sitzung der Innenministerkonferenz der Länder (IMK) am 24. März 2014 in Bonn darauf, ein Kontingent für die Aufnahme syrischer Kinder zu beschliessen. Das verdienstvolle Engagement von Michael Neumann, Boris Pistorius und Ralf Jäger machte den Weg für die unbürokratische Einreise schutzbedürftiger Kinder frei. Keine zwei Wochen später passierte der entsprechende Gesetzesentwurf den Bundestag. Im Außenministerium wurde ein Krisenstab eingerichtet, der mit Vertretern der Assad-Regierung verhandelte. Manchmal muss man dem Teufel die Hand reichen, um das Leben anderer zu retten. Am Ende stand die pauschale Duldung von Transporten schutzbedürftiger Kinder unter strengen Auflagen. Unter besonders gefährdeten Kindern versteht die Bundesregierung Minderjährige, deren Eltern als Oppositionelle, politisch Verfolgte bzw. Dissidenten inhaftiert sind oder waren, sowie Waisenkinder ohne Eltern und insbesondere auch Knaben älteren Jahrgangs, denen mit der Volljährigkeit Verhaftung drohen könnte.
Mit der Teilhabe an der Gesellschaft geht die Verpflichtung einher, denjenigen zu helfen, die nicht so viel Glück haben. Im Namen der Bundesregierung – als Ministerin, Mutter und Mensch – bitte ich Sie um Ihre Mithilfe. Schenken Sie Zuversicht und vorübergehend ein neues Zuhause. Die schutzbedürftigen Kinder Syriens gehen uns alle an. Unsere Untätigkeit hat erst den Weg zu der Gewaltspirale geebnet, unter der die Bevölkerung heute leidet. Wir gehören alle zu derselben Familie namens Menschheit. Machen wir sie zu einer großen Pflegefamilie.
55.000 Kinder – 1 Kinderschicksal aus 100, die unter dem Konflikt in Syrien leiden – reisen unbegleitet in ein ihnen völlig unbekanntes Land. Sie sind durch dreieinhalb Tausend Kilometer und durch einen schrecklichen Krieg von ihren Familien getrennt. Manche von ihnen wurden bedroht, versteckt, verfolgt, verletzt oder gefoltert. Diese Erfahrungen werden bleiben, genau wie die Sorge, ob Eltern und Geschwister überleben.
Als Pflegefamilien kommt Ihnen die Rolle zu, den Kindern die Brücke in eine glücklichere Zukunft zu bauen. Eine Familie bietet einen überschaubaren Alltagsrahmen: vertraute Personen, strukturierte Tagesabläufe, gemeinsame Mahlzeiten, Trost bei Kummer, kindgerechte Freizeitgestaltung und beruhigendes Zubettbringen. Teilen Sie ein Stück Lebensfreude. Eine Kissenschlacht am Sonntagmorgen kann glücklich machen. Geben Sie den Kindern das Gefühl, dass sie es wert sind, gepflegt zu werden. Das Wichtigste für die Gastkinder aber ist das Vertrauen in die Sicherheit ihrer Umgebung, insbesondere das Bewusstsein, dass sie jederzeit Schutz und Zuflucht suchen können.
Junge Menschen benötigen besondere Rahmenbedingungen, um gesund und glücklich aufzuwachsen. Dazu gehört auch der Schutz vor Gefährdungen für ihr geistiges, seelisches und körperliches Wohl. Der Bundesgerichtshof hat für die Kindswohlgefährdung drei Kriterien formuliert: Die Gefährdung für das Kind muss gegenwärtig gegeben sein. Die (künftige) Schädigung des Kindes muss erheblich sein. Die Schädigung muss sich mit ziemlicher Sicherheit vorhersehen lassen.
Alle drei Kriterien sind im Syrienkonflikt erfüllt. Die Mütter und Väter Syriens verdienen unsere Bewunderung dafür, wie mutig sie sind, sich von ihren Kindern zu trennen. Es sind nicht die Frauen die besseren Mütter, die ihre Kinder nicht von sich lassen, weil sie glauben, allein nicht weiterleben zu können, sondern die Frauen, die ihren Schmerz unterdrücken zum Wohle und Nutzen ihres Kindes. Wir sollten ihnen garantieren, dass sie ihre Kinder nicht ins Ungewisse schicken, sondern in den sicheren Hafen der europäischen Union. Wir sind uns bewusst, dass wir ihre Eltern nicht ersetzen können, aber wir tun unser Bestes, dass sie sich wohlfühlen, um gesund und munter in die Arme ihrer Eltern zurückzukehren.
Wir können nicht allen Kindern helfen. Aber wir können eines aus einhundert vorübergehend bei uns aufnehmen. Denken Sie daran: mit dieser Initiative erreichen wir Kinder, die sich über jeden Funken Hoffnung, Menschlichkeit und Perspektive freuen.
Vor einigen Wochen lernte ich Kurt Gutmann kennen. Kurt Gutmanns Leben wurde durch einen Kindertransport im Juni 1939 gerettet. Nach mehreren Stationen kam er zu einem schottischen Bäcker, der ihn freudig aufnahm und von dem er all die Freundlichkeit erhielt, der er als kleiner Junge so dringend bedurfte. Wir haben die menschliche Pflicht, den Platz dieses Bäckers auszufüllen. Jedes Kind braucht einen Menschen, der es sehr liebt, der ihm Kuchen kaufen und Freude bereiten kann. Die Kinder werden es uns tausendfach zurückgeben.
Chronik einer Rettungsaktion
written by BMFSFJ
Das Zentrum für Politische Schönheit holt eine der größten humanitären Katastrophe zurück ins öffentliche Bewusstsein. Das ZPS entwickelte stellvertretend für die Bundesregierung ein plakatives, aber sinnvolles Hilfsprogramm für die Menschen in Syrien. Angelehnt an die Kindertransporte des Jahre 1938/39, die 10.000 deutschen Kindern die sichere Ausreise ermöglichte, sollen 55.000 syrische Kinder in die sichere Bundesrepublik einreisen und temporär in deutsche Pflegefamilien untergebracht werden.
Die Webseite geht ans Netz. Am Folgetage ist die Kindertransporthilfe des Bundes auf der Titelseite der taz: „Danke, Deutschland!". Deutschlandweit überschlagen sich die Medien. Auf der Seite sucht das Bundesfamilienministerium interessierte Pflegefamilien für 55.000 syrische Kinder. Antragsformulare, Aufwandsentschädigungen und gesetzliche Grundlagen – an alles wird gedacht. Telefonisch können sich Interessierte rund um die Uhr beraten lassen.
Nur das Bekenntnis von Familienministerin Manuela Schwesig steht aus. Das Familienministerium lässt sich bis Mitte der Woche Zeit, um mitzuteilen, dass man mit einer Rettungsaktion für syrische Kinder nichts zu tun habe und auch in Zukunft nicht plane, Kinder außer Lebensgefahr zu bringen. Bundesweit sind engagierte Bürger in Aufruhr: rund 800 Familien erklären sich innerhalb von nur sieben Tage bereit, syrische Kinder bei sich aufzunehmen.
Die besten Artikel zum Start: Die Zeit, Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung
„Es ist eine kleine Sensation: Nur 4 Tage, nachdem die Webseite der Kindertransporthilfe des Bundes gelauncht wurde, wird das Zentrum für Politische Schönheit im Bundeskanzleramt empfangen. Bekannt war der Termin schon die ganze Woche über. Das ZPS hatte ihn im Rahmen ihrer Aktion einfach festgelegt. Am Donnerstag aber bestätigte Regierungssprecher Steffen Seibert den offiziellen Termin.“
"Wen kümmert noch, was in Syrien geschieht? [...] Das Zentrum für Politische Schönheit ist ein Medium der neuen Art: Sie schaffen sich die Nachrichten, die sie gern hätten, gleich selbst.“
FAS Schöner Protest
Dankbare Bürger versammeln sich vor dem Familienministerium, um Blumen, Kuscheltiere und Dankeskarten niederzulegen. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig wird für ihren heroischen Rettungsakt – 55.000 Flüchtlingskinder aus Syrien zu retten – von der gesamten deutschen Bevölkerung gefeiert. Einziger Schönheitsfleck: die Ministerin weiß davon genauso wenig wie von der apokalyptischen Situation für die syrische Bevölkerung.
Am Bahnhof Friedrichstraße steht seit Jahren ein Denkmal der Kindertransporte von 1938. Da tagtäglich Hunderttausende Menschen achtlos an dem Werk vorbeigehen, schlagen wir als Bundesfamilien-ministerium mit einem Infocenter vor dem Denkmal auf und informieren die Bevölkerung über die Chancen der aktuellen Kindertransporte.
Tausende Menschen nehmen unsere Flyer mit, die in nicht allzu ferner Zukunft im Museum ausgestellt werden dürften.
Für die Hauptstadtpresse ist es die Sensation des Jahres: uns gelingt es, innerhalb von 48 Stunden ins Kanzleramt vorzudringen. Gemeinsam mit Inge Lammel und Kurt Gutmann, zwei Überlebenden des Holocaust, die kurz vor Kriegsausbruch mit zwei Kindertransporten nach Großbritannien gerettet wurden, werden wir empfangen.
In dem Gespräch geht es um die Frage, weshalb nicht Eltern mit ihren Kindern einreisen dürfen. Das Kanzleramt, die Hochburg der deutschen Flüchtlingsabwehr, zeigt sich trotz des enormen medialen Drucks uneinsichtig. Stattdessen wird darauf verwiesen, dass Deutschland im Vergleich zur Untätigkeit der europäischen Nachbarländer noch gut dasteht. Den Glauben an die Humanität halten aber derzeit Staaten wie die Türkei, Jordanien und Libanon aufrecht, die Millionen syrischer Flüchtlinge retten. Das reiche Europa hat bislang gerade einmal 0,5 Prozent aller syrischen Flüchtlinge aufgenommen (Deutschland: 0,1 Prozent).
Lektüre Das Kanzleramtsgespräch im Wortlaut
ARD Im "Zentrum für politische Schönheit"
Am Bahnhof Friedrichstraße errichten wir in Sichtweite zum Kindertransportdenkmal ein Mahnmal gegen die Lebensgefahren und Todesängste der syrischen Kinder. Zehntausende Menschen werden zum ersten Mal mit dem Zivilisationsbruch konfrontiert, der in Syrien gerade stattfindet: dichtbesiedelte Städte werden willkürlich aus der Luft bombardiert.
Das Mahnmal ist rund um die Uhr in Betrieb: Menschen können sich auch nachts informieren. Nebenan verarzten Syrerinnen und Syrer die geschockte deutsche Bevölkerung in einem Erste-Hilfe-Zelt.
Zeitungen Berliner Zeitung, Monopol-Magazin, Deutschlandfunk
Presse 2. Woche
ARD Mit Kunst die Welt verbessern taz Mein syrisches Lieblingskind
“Erneut setzt Deutschland ein wichtiges und starkes Signal der Hoffnung für Zehntausende syrische Flüchtlinge."
Hans ten Feld, UNHCR Deutschland
„Was in Syrien passiert, ist eine Abscheulichkeit – und die Welt schaut kaltblütig aus der Ferne zu. Der Krieg in Syrien bedeutet nicht das Ende der Menschheit. Aber jede Ungerechtigkeit, die begangen wird, bricht ein Stück aus der Fassade, die uns alle zusammenhält. Wir müssen uns dem als Nation entgegenstellen."
“Als Talkshow-Moderator werde ich ständig mit dem Elend dieser Welt konfrontiert. Die Gefahr ist groß, das Schicksal einzelner Menschen nicht mehr wahrzunehmen. Deshalb engagiere ich mich für diese beispiellose Rettungsaktion der Bundesregierung.”
“Wenn wir nicht für Kinder einstehen, stehen wir nicht für viel.”
"Es ist etwas Besonderes, wenn man überlebt, weil andere helfen."
Tim Mälzer, Fernsehkoch
"400.000 syrische Flüchtlingskinder benötigen im Libanon akut Schulbildung. Damit übertreffen die Kinder Syriens bereits jetzt alle 300.000 libanesischen Schulkinder zusammen."
„Es ist untragbar, dass sich vor unser aller Augen eine Katastrophe diesen Ausmaßes abspielt und es keinen Fortschritt gibt, das Blutvergießen zu stoppen."
António Guterres, Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen
"Wir Deutschen haben eine humanitäre Pflicht, Menschen weltweit zu helfen, die unverschuldet unter den Folgen von Naturkatastrophen oder Konflikten leiden. Diese Hilfe gelingt am besten gemeinsam.“
„Ich war selbst in einem Mutter-Kind-Heim und weiß, wie wichtig es ist, dass Kindern geholfen wird.“
„Millionen Menschen sind wegen des Krieges in Syrien auf der Flucht. Wir dürfen nicht einfach wegsehen."
"Wer hätte gedacht, dass im Jahre 2014 Millionen Zivilisten ohne Schutz einem Krieg ausgesetzt werden, der jeden Tag mehr Leben kostet als Afghanistan und Darfur jedes Jahr. Wer hätte gedacht, dass wir Menschen in belagerten Städten hungern sehen, ohne dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden?"
"Hoffen wir, dass Historiker einst urteilen werden: 2014 war ein düsteres Jahr. Von der internationalen Gemeinschaft gab es nichts Gutes. Mit einer Ausnahme: die Geschichte der syrischen Kindertransporte.“
Justus von Dohnányi, Regisseur
"Heute schaut die zivilisierte Welt dem Blutbad in Syrien zu und erfindet immer neue Ausreden, warum sie nichts dagegen tun kann. Derweil Scharen von Historikern immer noch eine Antwort auf die Frage suchen, wie es zu Auschwitz kommen konnte."
"Im vergangenen Jahr ist die Bevölkerung des Libanon auf einen Schlag um 25 % gewachsen. Diese Krise bedroht die Existenz des libanesischen Staates. Warum berichten Sie nicht?"
"Dass syrische Familien aus den killing fields ihrer Heimat fliehen, liegt schwerlich an lockenden deutschen Sozialhilfesätzen oder besonders attraktiven bayerischen Flüchtlingsheimen. Hier geht es um Leben und Tod, und je weniger Flüchtlinge in der EU akzeptiert werden, desto größer werden der Druck und das Elend der illegalen Einwanderung sein, vom Stacheldraht in Ceuta bis zu den gefährlichen Gewässern vor Lampedusa."
Daniel Hartwich, Moderator
"Leute im Luxusboot des Stefan Georgeschen Geistes werden niemals begreifen, wie es einem Offizier auf brechenden Schiffsplanken zumute ist, der mit angstvollem Blick prüft, wie viele Boote er noch hat und die Verzweifelten zurückschicken muss, die hineindrängen."
Nur wenn sich die Verhältnisse im Herkunftsland für das Kind nach Einschätzung des Sonderbeauftragten der Bundesregierung für Syrien deutlich verbessern, kann es dorthin zurückkehren. Bei Verbesserung der Lage werden Sie frühzeitig informiert, um das Kind darauf vorbereiten zu können.
Kann mein Kind krank oder schwer traumatisiert sein?
Nach dem verabschiedeten Gesetz können nur gesunde Kinder ins Hilfsprogramm aufgenommen werden. Durch ausführliche Gesundheitszeugnisse muss die Herkunftsfamilie nachweisen, dass das Kind keine ansteckenden Krankheiten aufweist, geistig normal und kein Bettnässer ist. Anträge von Kindern mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen (wie Asthma oder Diabetes) oder Kriegsverletzungen sind vom Aufnahmeverfahren ausgeschlossen. Die Zähne werden vor Ort von deutschen Zahnärzten geprüft und eine entsprechende Bescheinigung ausgestellt. Sollten befugte Stellen die Aufnahme von kriegsbehinderten Kindern anstreben, ist eine gesonderte Bürgschaft für die Wiederausreise aus Deutschland zu hinterlegen.
Wo und wie kommt das Pflegekind nach Deutschland?
Mit Hilfe der Flugbereitschaft der deutschen Bundeswehr benutzen die Kinder grundsätzlich eine von drei Reiserouten. Die "Route Nord" führt die Teilnehmer des Hilfsprogramms mittels Sonderbussen in die Türkei und von den türkischen Übernahmestellen in Istanbul mit den Maschinen der Bundeswehr nach Deutschland. Die "Route Süd" führt mit dem Bus nach Jordanien und von den jordanischen Übernahmestellen mit den Maschinen der Bundeswehr von Amman nach Deutschland. Am diffizilsten ist die "Route West", die mit dem Bus über Beirut, mit dem Schiff weiter nach Zypern und von den zypriotischen Übernahmestellen aus mit den Maschinen der deutschen Bundeswehr in die Bundesrepublik. In Deutschland angekommen, werden die Kinder durch die Zentralstelle für Kinderauswanderung den einzelnen Bundesländer zugewiesen. Jungen und Mädchen, für die keine Pflegefamilie gefunden wird, kommen in provisorischen Übergangspflegestellen der Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern unter.
Müssen Pflegefamilien Fremdsprachen können?
Kenntnisse in Arabisch sind von Vorteil. In der Regel erlernen die Jugendlichen aber schnell die deutsche Sprache. Dies wird bereits in den ersten Tagen vor der Reise eingeleitet. Geschulte Lehrkräfte vermitteln vor und während des Transfers grundlegende Kenntnisse der deutschen Kultur und Sprache. Nach Schätzungen ist der Großteil der Kinder bereits bei Ankunft in Deutschland in der Lage, sich in einfachen Sätzen verständlich zu machen.
Lesen Sie zu Deutschangeboten für Kinder und Jugendliche auch die Seite des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): http://www.bamf.de/DE/Willkommen/DeutschLernen/DeutschangeboteKinder/deutschangebotekinder-node.html
Sind die Kinder kranken- und haftpflichtversichert?
Die Pflegekinder müssen im Rahmen einer Familienversicherung der gesetzlichen Krankenversicherung ihrer Pflegeeltern mitversichert werden. Wenn Sie nicht Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung sind, müssen Sie mit der Zentralstelle für Kinderauswanderung im Bundesfamilienministerium klären, wie die Krankenversicherung des Pflegekindes geregelt wird. Das Bundesfamilienministerium kann in bestimmten Fällen die Beiträge für eine freiwillige Krankenversicherung übernehmen, soweit diese angemessen sind (§ 40 SGB VIII). Sollte die gesetzlichen Krankenversicherungen in außergewöhnlichen Fällen Behandlungskosten nicht übernehmen, deckt das Bundesfamilienministerium alle Leistungen.
Pflegekinder sind in allen gängigen Familienhaftpflichtversicherungen eingeschlossen. Gedeckt sind darin die Ansprüche Dritter, nicht jedoch die Ansprüche von Pflegekindern gegenüber ihren Pflegeeltern und umgekehrt. Besonders wichtig ist, dass Sie eine Versicherung abschließen, die dann eintritt, wenn das Pflegekind gegenüber Ihnen Schadenersatzansprüche geltend machen kann (z.B. das Pflegekind wird durch unachtsames Hantieren beim Kochen schwer verbrüht). Der Arbeitskreis zur Förderung von Pflegekindern e.V. bietet seinen Mitgliedern eine Sammelhaftpflichtversicherung an, in der auch die gegenseitigen Ansprüche von Pflegekind und Pflegeeltern sowie weiterer Haushaltsangehöriger versichert sind.
Kann ich ein Kind auf "eigene Faust" nach Deutschland bringen?
Die Bundesregierung rät dringend davon ab, außerordentliche Einreisegenehmigungen außerhalb des Kindertransportprogramms zu beantragen. Der Königsweg der Einreise führt über das von den Innenministern der Länder in ihrer 199. Sitzung beschlossene Sonderkontingent. Falls Sie Kinder aufnehmen wollen, die die Voraussetzungen des Bundeshilfsprogramms nicht erfüllen, steht es Ihnen frei, beim Auswärtigen Amt online ein Visum zu beantragen. Die Anmeldeseite finden Sie unter: https://videx.diplo.de/videx/?0
Welche finanziellen Vergütungen gibt es für die Unterbringung?
Pflegeeltern erhalten unabhängig von der Höhe ihres Einkommens monatlich eine Pauschale für den Lebensunterhalt des Kindes in Höhe von 1.000 Euro. Zudem stehen Ihnen eine Abgeltung der Erziehungsleistung und ein pauschaler Festbetrag für weitere Leistungen zu.
Die zukünftigen Pflegeeltern werden im Überprüfungsprozess (siehe: Bewerbung) ermutigt, Wünsche zu äußern, was für ein Kind sie aufnehmen möchten: Alter, Geschlecht, Vorbelastungen. Die Vermittlung der Kinder richtet sich nach diesen Kriterien.
Kinder, bei denen sich eine besonders schwierige Entwicklung und viele Auffälligkeiten wie gravierende psychosomatische Symptome abzeichnen, werden nicht an Pflegeeltern vermittelt, sondern erhalten professionelle Hilfe von qualifizierten Erziehern. Die größte Sorge der Kinder wird daher eher sein, von Ihnen wieder weggeschickt zu werden.
Wie steht es um das seelische Wohl des Pflegekindes?
Stellen Sie sich auf unvorhergesehene Situationen ein: das Kind hat außergewöhnlich bedrohliche Dinge erlebt, die es sehr belasten. Es hat über einen längeren Zeitraum keinerlei Schutz von Seiten der internationalen Gemeinschaft erhalten. Es wird nicht über seine Vergangenheit reden. Dunkelheit dürfte ihm Angst machen. Es glaubt, dass die eigenen Eltern es nicht mehr lieben und weggeschickt haben. Es schläft wegen mitangesehener oder -erlebter Misshandlungen kaum ein oder verletzt sich in Stresssituationen selbst. In Folge biographischer Belastungen ist es äußerst schreckhaft, misstrauisch und fordernd.
Was haben die Jugendlichen auf der Flucht erlebt?
Verglichen mit den Erlebnissen im Krisengebiet sollte die Einreise nach Deutschland einigermaßen glimpflich verlaufen: Über die gesamte Reiseroute werden die Kinder von qualifizierten erwachsenen Syrern in kleiner Zahl begleitet, die nach der sicheren Ankunft der Kinder zurückkehren.
Sind die Kinder Asylbewerber?
Der Rechtsauslegung nach handelt es sich bei dem Hilfsprogramm des Bundes weder um "Einwanderung", noch Bewerbungen um Asyl. Nach Beschlussfassung der Innenministerkonferenz der Länder verbleiben Kinder, die im Programm zugelassen wurden, in Deutschland, bis die Gefährdungslage im Herkunftsland beseitigt ist bzw. die Kinder die Volljährigkeit erreicht oder eine Ausbildung abgeschlossen haben (der Ausbildungsplatz darf keine reguläre Arbeitsstelle darstellen). Das erklärte Ziel der Bundesregierung ist die Rückführung des Kindes in die Herkunftsfamilie.
Die Teilnehmer des Programms sind in der Bundesrepublik nur befristet geduldet. Damit den Pflegekindern eine psychische Belastung durch einen unsicheren Rechtsstatus erspart bleibt, wurde im Gesetzestext 18/786 die Antragstellung auf Asyl ausgeschlossen. Nach geltender Rechtsauslegung des Bundesgrenzschutzes handelt es sich bei den Kindern daher um Transmigranten.
Sollte sich der Konflikt in Syrien hinziehen – bin ich nach dem 18. Lebensjahr für das Kind unterhaltspflichtig?
Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, die Aufgenommenen bei Erreichen der Volljährigkeit ins Herkunftsland zurückzusenden. Ein Rechtsanspruch auf Unterhaltszahlungen entfällt daher. Bei Betroffenen, die eine Lehre o.ä. absolvieren, bildet der Abschluss der Ausbildung den Stichtag zur Ausreise, sofern die Ausbildungsstelle keinen regulären Arbeitsplatz darstellt.
Kann ich den Namen meines Pflegekindes ändern?
Die öffentlich-rechtliche Namensänderung hat Ausnahmecharakter. Nach geltendem Recht darf ein Vor- oder Familienname geändert werden, wenn ein wichtiger Grund die Änderung rechtfertigt. Der Gesetzgeber hat hohe Hürden an eine Namensänderung gelegt. So muss zwingend ein wichtiger Grund vorliegen, um seinen Namen ändern zu können. Vor- und Nachnamen können an eine in Deutschland übliche Form angeglichen werden. Einen gewichtigen Grund stellt zum Beispiel ein anstößig oder lächerlich klingender, sowie schwer schreibbare oder unverständliche Namen dar. Dazu kann die deutschsprachige Form des Vor- oder Familiennamens angenommen werden. Gibt es eine solche Form des Vornamens nicht, können auch neue Vornamen angenommen werden. Ob die für Sie relevanten Gründe auch “wichtige Gründe” im Sinne des Namensänderungsgesetzes darstellen, sollten Sie vor einer förmlichen Antragstellung bei der für Ihren Wohnort zuständigen Namensänderungsbehörde klären. Antragsberechtigt sind nach deutschem Gesetz ausdrücklich auch Asylberechtigte oder Staatenlose mit deutschem Wohnsitz.
Wie ist die Zusammenarbeit mit den Ämtern?
Ein spezialisierter freier Träger bzw. Fachdienst im Jugendamt kümmert sich um alle Belange der Pflegeeltern. Mit den Fachkräften beraten Sie sich vor, während und nach der Aufnahme eines Pflegekindes und kooperieren regelmäßig z.B. bei der Erarbeitung der Hilfeplanung. Zudem haben Sie die Möglichkeit, in interkulturellen Fortbildungen Ihr Fachwissen zu erweitern.
"Ein klein wenig Kind sein dürfen"
Lassen Sie uns ein klein wenig Freundlichkeit in die Seelen schutzbedürftiger Kinder bringen. Für Kinder ist dies wichtiger als alle Medizin, die wir ihnen schicken können. Kinder müssen erfahren, dass sie es wert sind, beschützt und gepflegt zu werden. Geben wir ihnen das Gefühl, in unserem Land erwünscht zu sein. Der Anstand der Welt ruht auf den Schultern der deutschen Zivilgesellschaft.
Bei uns dürfen die Kinder aus Syrien wieder ein klein wenig Kind sein – zum ersten Mal, seit langer, langer Zeit. Wir müssen dankbar sein für die Chance, die jüngste Generation eines großen Volkes, das sich gegen seinen Diktator wehrt, in Obhut zu nehmen. Diese Kinder sind nicht das Opfer irgendeiner Flut, eines Erdbebens oder einer Hungerkatastrophe. Sie sind das Opfer eines Ausbruchs von beispielloser Unmenschlichkeit.
Dr. Ralf Kleindiek, Staatssekretär Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
Die Geschichte syrischer Kinder
Khalid, 15, wurde in seiner Schule gefoltert
Manal, 10, möchte noch nicht heiraten
Ahmed, 10, arbeitet im irakischen Exil als Tellerwäscher
Fatima, 10, Flüchtlingskind Hassan, 14, vermisst sein altes Leben
Ahmed, 8, hat einen Finger am Abzug
Alladin, 6, sammelt "Altmetall" in Aleppo
Jumana, 6, hat einen Berufswunsch
Mohamad, 15, passt auf seine Geschwister auf
Nur, 9, spielt nicht mehr
Omar, 7, lebte einmal in einem großen Haus
Mohammad, 9, wurde mit seiner Familie angeschossen
Amani, 10, kann nicht aufhören zu weinen
Farah, 8, schreit nachts nach seiner Mutter
Ala'a, 10, schlafwandelt
Moussa, 11, hat seinen Bruder verloren
Mohammad, 9, hat Menschen im Gefängnis sterben sehen
Fatima, 10, Flüchtlingskind Khalid, 15, wurde in seiner Schule gefoltert
Eines Tages kamen Männer in unser Dorf und haben alle Kinder verhaftet. Sie führten mich in meine alte Schule - ein Folterzenter. Nach zwei Tagen wurde ich gefoltert und verhört. Sie wollten eine Art Geständnis von mir haben. Aber ich hatte nichts getan! Zehn Tage wurde ich festgehalten. Ich bin sehr froh, dass in eine sichere deutsche Familie kommen kann. Gesegnet sei Frau Schwesig!
Mein Name ist Manal. Seit meine Familie in das Flüchtlingslager Za’atari in Jordanien geflüchtet ist, haben wir fast alles verloren. Früher hatten wir zwar auch nicht viel, konnten uns aber ernähren. Jetzt möchte mein Vater, dass ich so schnell wie möglich heirate, damit wir alle eine gesicherte Zukunft haben. Aber ich würde viel lieber weiterhin in die Schule gehen und lernen, denn später möchte ich Lehrerin werden. Ich habe gehört, dass die Schulen in Deutschland sehr gut sind. Ich will meinem Vater täglich Briefe schreiben, wenn ich von ihm fort bin.
Salem aleikum! Das ist Arabisch und bedeutet: "Friede sei mit Euch!" Und wirklich, der Frieden soll mit dem großen deutschen Volk sein, denn es hilft mir, die schweren Zeiten unseres Landes zu überstehen. Bis der Bürgerkrieg meine Heimatstadt erreichte, bin ich jeden Tag zur Schule gegangen. Dann starb meine Mutter bei einem Bombenangriff und ich floh mit meinem Vater in den Irak. Hier leben wir als ärmliche Flüchtlinge. Früher habe ich nie gearbeitet. Jetzt wasche ich in einem Restaurant Teller, damit wir überleben können. Mein Vater sagt, er schämt sich, seinen vierzehnjährigen Sohn arbeiten zu schicken. Umso glücklicher war er, als wir erfuhren, dass ich von der deutschen Regierung aufgenommen werde, bis Assad vertrieben ist. Ich freue mich auf meine Pflegefamilie und verspreche, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen und in eine Schule zu gehen, falls das möglich ist.
Fatima, 10, Flüchtlingskind Ich bin Fatima. Gemeinsam mit meinen Eltern musste ich fliehen und lebe jetzt mit ihnen zusammen in einem Zimmer in Marfraq. Das ist in Jordanien. Früher ging ich zur Schule und habe gerne Bücher gelesen. Jetzt kann ich leider keine Schule besuchen. Aber meine Eltern sagen, dass es in Deutschland viele freie Plätze in den Klassenzimmern gibt. Sie sind der deutschen Präsidentin sehr froh, dass ich die nächsten Monate in Sicherheit sein werde und wieder lernen darf. Der Abschied wird mir nicht leicht fallen. Ich habe gehört, dass ich meine Retterin, Frau Schwesig, vielleicht persönlich treffen kann. Das wäre toll. Sie ist hier eine Heldin.
Hassan, 14, vermisst sein altes Leben
Als ich auf einer Beerdigung für die Opfer der Revolution war, wurden wir mit Raketen beschossen. Überall lagen Leichen. Mein Onkel und mein Cousin sind an dem Tag gestorben. Das Haus meiner Familie ist abgebrannt. Ich vermisse mein Haus. Ich vermisse mein Viertel. Ich vermisse es, Fußball zu spielen. Aber vielleicht kann ich in Deutschland Fußball spielen? Ich wünsche mir eine Familie, die mich gut versorgen kann, da das meine Eltern nicht mehr können. Hier in Za’atari [Flüchtlingslager in Jordanien] gibt es keine Perspektive.
Noch vor wenigen Jahren war ich ein Kind ohne Sorgen. Jetzt bin ich Soldat an der Front. Meine Eltern wurden bei einem Mörserangriff in Salaheddin, einem Stadtteil von Aleppo, getötet. Mein Vater war damals in der Freien Syrischen Armee. Jetzt habe ich seinen Posten übernommen und kämpfe an der Seite meines Onkels. Aber eigentlich möchte ich lieber spielen und Fahrrad fahren. Ich freue mich sehr auf Deutschland. Aber bitte hängen Sie nicht zu sehr an mir, da ich nach der Revolution zu meinen Onkel zurückkehren will.
Ich heiße Alladin. Meine Heimatstadt Aleppo hat sich in den letzten Jahren leider sehr verändert. Wo ich früher gespielt habe, ist jetzt alles voller Schutt und Trümmer. Viele Straßen, einige davon führen zur Moschee, kann ich wegen der Scharfschützen und Fassbomben nicht mehr betreten. Um Geld zu verdienen und meine Eltern zu unterstützen, sammele ich Patronenhülsen und verkaufe sie als Altmetall. Der Alltag ist hart. Meine Eltern haben mir gesagt, dass ich vielleicht mit den Kindertransporten nach Deutschland kann. Ich weiß zwar nicht, wo Deutschland liegt, aber wenn es dort mehr als nur ein Stück Brot zu essen gibt und ich meinen Eltern Briefe schreiben kann, bin ich sofort bereit, zu Ihnen zu fahren.
Schon früh war mir klar, dass ich einmal als Medizinerin arbeiten möchte. Die Ärzte sind die wahren Helden bei der Revolution in unserem Land. Leider konnte ich seit drei Jahren keine Schule besuchen. Weil ich nicht weiß, wo meine Familie ist, muss ich für mich selbst sorgen und sammele täglich Müll. Dafür bekomme ich vier Dollar am Tag. Ich träume davon, eines Tages wirklich Medizin zu studieren. Vielleicht in Deutschland? Bis ich meine Familie wiederfinde, wäre ich gerne in der deutschen Sicherheit. Zwar weiß ich nur sehr wenig über Ihr Land. Aber ich war schon immer neugierig und werde mich bei meinen Pflegeeltern bestimmt gut benehmen.
In meinem Dorf gab es eine Demonstration, bei der Kinder dabei waren. Deshalb sind sie eines Tages in die Schule gekommen und haben willkürlich 50 Kinder mitgenommen und gefoltert. Sie haben die Fingernägel von einem sechsjährigen Kind rausgerissen! Ein andermal haben sie ein Versteck mit vielen Kindern gefunden und sie alle umgebracht! Die Welt muss wissen, was hier geschieht. Deswegen möchte ich so schnell wie möglich Deutsch lernen und meine Geschichte erzählen. Ich danke Frau Schwesig für diese Chance!
Foto: Hosam Katan (Aleppo)
Ich spiele nicht mehr. Ich bin erwachsen. Früher habe ich viel gespielt. Fußball und so. Ich war glücklich. Dann fing die Gewalt an. Zuerst waren es Panzer, dann Flugangriffe und Raketen. Das Dorf, aus dem ich komme, existiert nicht mehr. Wenn wir bombardiert wurden, haben wir uns versteckt. Verstecken ist besser als sterben. Hier im Flüchtlingscamp ist es besser: wir werden nicht beschossen oder bombardiert. Aber ich möchte, dass der Krieg aufhört und ich wieder mit Wasser spielen kann. Kann ich in Deutschland spielen? Gibt es da viel Wasser?
Unser Haus war sehr groß. Dann begann die Bombardierung. Wir mussten im Freien übernachten. Irgendwann mussten wir fliehen. Das Haus meiner Cousine wurde bombardiert. Jetzt ist sie tot. Ich möchte nicht mehr im Bürgerkrieg leben. Ich möchte mein normales Leben zurück. Ich möchte nicht mehr auf der Flucht sein. Bitte.
Am Anfang war die Gewalt nicht schlimm. Als sie anfingen, unser Dorf zu bombardieren, versteckten wir uns zehn Tage lang im Keller. Eines Tages brachen sie in das Haus meines Onkels ein und prügelten auf meinen Bruder ein. Sie sprangen ihn abwechselnd auf den Rücken. Er kann immer noch nicht wieder laufen. Seitdem kann ich nicht aufhören zu weinen. Kein Krankenhaus will ihn aufnehmen. Aber in Deutschland sind die Krankenhäuser gut, habe ich gehört. Es wird alles wieder gut.
Ich habe gedacht, ich müsse sterben. Im Folterkeller. Sie haben mich mit allem möglichen geschlagen: Pferdepeitsche, Gewehrkolben und was weiß ich noch. Zwei Tage lang hing ich an Händen gefesselt in der Folterkammer. Ich habe wirklich gedacht, ich müsse sterben. Aber als meine Großmutter und Mutter kamen und sie anflehten, mich freizulassen, ließen sie mich gehen. Sie dachten wohl, ich begehe Selbstmord - wie so viele andere. Aber ich lebe. Dennoch kann meine Mutter meine Verletzungen nicht behandeln und Krankenhäuser nehmen mich nicht auf. Aus diesem Grund möchte ich nach Deutschland. Die deutschen Ärzte kriegen mich bestimmt fit. Dann möchte ich eine Ausbildung machen und meine Familie finanziell unterstützen.
Wir mussten lange hungern. Unser Dorf wurde belagert und bombardiert. Es war unmöglich, Essen zu kaufen. Märkte und Läden wurden alle zerstört. Einmal kamen Männer in unser Haus und haben alle unsere Essensreserven auf den Boden geschmissen und zertrampelt. Da hatten wir gar nichts mehr zu essen und mussten fliehen. Mein Vater sagt, ich sei traumatisiert, weil ich oft weine und angefangen habe, schlafzuwandeln. In Deutschland möchte ich mit einem Doktor über meine Albträume reden.
Ich wurde verhaftet und 22 Tage lang eingesperrt. In meiner Gruppenzelle waren Kinder und bereits tot geprügelte Leichen. Sie benutzten Elektroschocks als Foltermethode. Hier im Lager bin ich mit meinen Zwillingsbruder. Er wurde schwer verbrannt bei einem Angriff auf unser Haus. Unser älterer Bruder wurde erschossen. Mein Vater ist tot. Nur meine Mutter ist noch da. Aber sie leidet an einer Herzkrankheit und kann sich nicht um uns kümmern. Mein Bruder und ich möchten wieder in die Schule gehen und in Frieden lernen. Wir wollen unsere Mutter unterstützen. Wer nimmt uns auf?
Früher ging ich in die Schule und habe gelernt. Eines Tages wurden alle Männer über 15 in meinem Dorf verhaftet. Auf meine Schule sind 12 Bomben gefallen. Wenn ich in Deutschland in die Schule gehen darf, werde ich so schnell wie möglich Ingenieur. Dann kann ich meine Heimat wieder aufbauen. Bitte halten Sie mich auch nicht in Deutschland fest. Ich werde auf jeden Fall in meine Heimat zurückkehren. Das habe ich meinen Verwandten versprochen.
Auf eine der größten Flüchtlingskrisen im “Jahrhundert der Flüchtlinge” – nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 – reagierten die alliierten Länder, indem sie die Einwanderungsvorschriften und -kontrollen drastisch verschärften. Großbritannien setzte sich in keiner Weise diplomatisch für die Verfolgten ein und führte im Mai die seit 1927 abgeschaffte Visumspflicht wieder ein. Bis Herbst 1938 hatten sich gerade einmal 11.000 deutsche Juden in Großbritannien niedergelassen. Zum Vergleich: bis zum Kriegsausbruch versuchten 500.000 Menschen, nach Großbritannien einzureisen. Chaim Waizman meinte bereits 1936: „The world seemed to be divided into two parts – those places where the Jews could not live, and those where they could not enter.“
Die Möglichkeiten, als jüdischer Flüchtling von einem anderen Land aufgenommen zu werden, waren begrenzt. Tiefpunkt der amerikanischen Flüchtlingsabwehr beispielsweise war das Zurücksenden des Linienschiffes St. Louis mit 906 Flüchtlingen an Bord nach Europa. In zunehmender Not erklärten sich immer weniger Länder bereit, mittellose jüdische Flüchtlinge aufzunehmen. Die Historikerin Claudia Curio folgert daraus, dass die Aufnahmewilligkeit des Auslands parallel zum Anwachsen des Auswanderungsdrucks in Deutschland abnahm.
Als einzigen – bis heute frenetisch gefeierten – Lichtblick lockert die britische Regierung für zehn Monate ab Dezember 1938 die Einwanderungsbestimmungen und bewilligte in Form von Sammelvisa die Einreise von 9.354 deutschen Kindern und Jugendlichen. Die Besonderheit des Kindertransportes bestehe – so die Historikerin Rebekka Göpfert – darin, “daß seine Visa zu einer Zeit erteilt wurden, zu der in der ganzen Welt, mit wenigen Ausnahmen, die Grenzen für Juden aus Deutschland geschlossen waren.“
In den USA scheiterten die Bemühungen, Kindern die Einreise zu gestatten. Die Stimmen der Kritiker reichen von pseudohumanitärer Besorgtheit – man könne nicht Kinder von ihren Müttern trennen – bis zu unverhohlen inhumanen Äußerungen.
In geradezu atemberaubenden Tempo wurde die Einwanderung der Kinder beschlossen: Zwischen der politischen Entscheidung der britischen Regierung, gefährdete Kinder einreisen zu lassen und der Ankunft des ersten Kindertransports vergehen gerade einmal zwei Wochen. Bertha Bracey hatte zwölf Tage nach der sog. “Reichskristallnacht” (21.11.1938) den britischen Innenminister Sir Samuel Hoare beim Frühstück über die Verzweiflung der jüdischen Eltern in Deutschland unterrichtet. Ohne Braceys Bericht hätte die britische Regierung es nicht für möglich gehalten, dass Eltern überhaupt bereit sein könnten, ihre Kinder unbegleitet in die Arme von Fremden zu schicken. In seiner Rede vor dem Parlament noch am selben Abend Hoare: “Here is a chance oftaking the young generation of a great people, here is a chance of mitigating tosome extent the terrible suffering of their parents and their friends.” Die Kinder gelangten in Sonderzügen und Schiffen nach Großbritannien. Kinder aus Prag wurden mit Flugzeugen evakuiert.
Die Sammeltransporte zeichneten sich durch eine beispiellose Hilfsbereitschaft englischer Privatleute aus. In seinem flammenden Radio-Appell sagte der ehemalige Premierminister Stanley Baldwin: “I ask you to come to the aid of victims not of any catastrophe in the natural world, not of earthquake nor of flood nor of famine, but of the explosion of man’s inhumanity to man.” Einen Monat nach dem ersten Transport lagen bereits 2.500 Verpflichtungserklärungen für die Unterbringung von Kindern vor. 1939 belief sich die Summe aller Spenden, einschließlich privater Bürgschaften und Unterkünfte, bereits auf 2,5 Millionen Pfund. Dennoch kannte der Altruismus der zur Aufnahme bereiten Familien enge Grenzen. Die Pflegeeltern erwarteten, dass das Kind entweder gar keine Familie hatte oder dass seine Eltern bereit wären, ihre elterlichen Rechte aufzugeben, auf jeglichen Kontakt zu verzichten und sich für immer von ihren Kind zu verabschieden. Mit der Vernichtung der Juden im Holocaust wurden die Kindertransporte retrospektiv zu einer Entscheidung über Leben und Tod. Es bleibt die Einsicht: Ein großer Teil der europäischen Juden hätte gerettet werden können, hätten sich nur die möglichen Aufnahmeländer bereit erklärt, Zuflucht zu gewähren.
Die ersten 196 Kinder laufen bereits zwei Wochen nach der politischen Entscheidung in Großbritannien ein.
Die St. Louis wird mit über 900 Flüchtlingen vor Amerika nach Europa zurückgeschickt.
Die größte Flüchtlingskrise vor dem Zweiten Weltkrieg: Menschen versuchen in Massen an Einreisepapiere im Ausland zu gelangen.
“Kindertransporte haben schon einmal 10.000 Kindern das Leben gerettet. Ministerin Schwesig verdient unser aller Respekt für ihren Mut!”
Madeleine Albright, ehem. US-Außenministerin
Männer, Frauen und Kinder – die Hälfte der Gesamtbevölkerung - sind auf der Flucht. Die UNO bezeichnet die Flüchtlingskrise als die schlimmste seit dem Völkermord von Ruanda.
Prozent aller Getöteten sind Zivilisten und nahmen an keinen Kampfhandlungen teil.
Tote (davon 13.000 Kinder). 600.000 Verletzte. Die Vereinten Nationen gaben das Zählen der Todesopfer im Januar 2014 auf.
sind von jeder humanitären Hilfe und medizinischen Versorgung abgeschnitten. Es sind die Ärmsten der Armen, die sich eine Flucht nicht leisten konnten. Ausreise und Flucht sind ihnen unmöglich. Systematische Verelendung, Folter und Hungertote sind die Folgen.
Menschen sitzen in den 40 belagerten Gegenden fest und sind andauernden Bombardierungen durch Panzer, Flugzeuge und Helikopter ausgesetzt. Nachdem die Weltgemeinschaft den Einsatz von Chemiewaffen geächtet hat, setzt die syrische Regierung auf 'Fassbomben', d.h. mit Sprengstoff, Nägeln, Schrott und Brennsprit gefüllte Fässer, die auf Wohngebiete abgeworfen werden.
Prozent der Gesamtsumme von 20 Millionen Dollar hat UNICEF für dringend notwendige Impfungen von der Weltgemeinschaft erhalten. Insgesamt benötigt UNICEF für seine Hilfsprogramme 222 Millionen Dollar und hat bislang 1 % von den Geberländern erhalten.
Kinder werden vom Welternährungsprogramm mit Spezialnahrung unterstützt, um Entwicklungsstörungen infolge von Mangel- und Unterernährung zu vermeiden. 40 Millionen Dollar benötigt das WFP pro Woche, um die Bedürftigen zu ernähren. 3000 Lastwagen sind in Syrien im Einsatz, um Lebensmittel zu den Menschen zu bringen.
Wir sind für Sie da! Innerhalb des Soforthilfeprogrammes des Bundes sind unterschiedliche Pressesprecher für Werbung der Pflegefamilien, Reiseregelungen und Einreisegenehmigungen verantwortlich. Erreichbarkeit nach Dienst und am Wochenende.
Simone Kantala
Simone Kantala ist Leiterin der Presse- und Informationsarbeit, angesiedelt im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).
Telefon: 030 67 925-773
Telefax: 030 20 655-1111
pressestelle[at]kindertransporthilfe-des-bundes.de
Leiterin des Presse- und Informationsstabes
Verantwortlich für die Kampagnenarbeit zur Werbung deutscher Pflegefamilien
Zaina Lindner
Zaina Lindner ist Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit für den arabischen Raum, angesiedelt im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).
Leiterin Öffentlichkeitsarbeit für den arabischen Raum
Dr. Volkmar Gruber
Volkmar Gruber ist Leiter der Abteilung 2 (Familie) im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und zuständig für die Koordination von Pflegefamilien und Pflegekindern.
Telefon: 030 67 928-633
Telefax: 030 67 928-633
Leiter der Abteilung ‘Familie’ des BMFSFJ
Verantwortlich für die Koordination zwischen Pflegefamilien und -kindern
Isabella von Ohoven
Isabella von Ohoven ist Sprecherin der Bundesinitiative und angesiedelt bei der deutschen Wollheim-Stiftung.
Telefon: 030 648 31 712
info[at]deutsche-wollheim.de