Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Rueckzahlungsvorbehalt_bei_Zahlung_von_Sonderleistungen_in_Teilbetraegen_BAG_10AZR390-02-u.html
Timestamp: 2017-01-24 00:56:21
Document Index: 374918417

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 5', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 97']

HENSCHE Arbeitsrecht: 10 AZR 390/02
Die zulässi­ge Bin­dungs­dau­er, die durch die Pflicht zur Rück­zah­lung ei­ner Gra­ti­fi­ka­ti­on für den Fall des Aus­schei­dens aus dem Be­trieb er­reicht wer­den kann, rich­tet sich nach der Höhe und dem Zeit­punkt der ver­ein­bar­ten Fällig­keit der Leis­tung. Dies gilt auch dann, wenn ei­ne als ein­heit­lich be­zeich­ne­te Leis­tung in zwei Teil­beträgen zu un­ter­schied­li­chen Zeit­punk­ten fällig wird.
Arbeitsgericht Iserlohn, Urteil vom 8.11.2001, 4 Ca 2076/01Landesarbeitsgericht
Hamm, Urteil vom 25.4.2002, 8 Sa 1842/01
10 AZR 390/02 8 Sa 1842/01Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm Im Na­men des Vol­kes!
- 2 - 1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 25. April 2002 - 8 Sa 1842/01 - wird zurück­ge­wie­sen.
„- § 5 -Gra­ti­fi­ka­ti­on
- 3 - V. Der Ar­beit­ge­ber ist be­rech­tigt, mit sei­ner Rück­zah­lungs­for­de­rung ge­gen die rückständi­gen oder nach der Kündi­gung fällig wer­den­den Vergütungs­ansprüche un­ter Be­ach­tung der Pfändungs­be­stim­mun­gen auf­zu­rech­nen.“
2. Der Kläger ist nicht ver­pflich­tet, die Gra­ti­fi­ka­ti­on gem. § 5 Abs. IV des Ar­beits­ver­tra­ges zurück­zu­zah­len, ob­wohl er zum 31. März 2001 aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schie­den ist. Da­her war die Be­klag­te nicht be­rech­tigt, den ge­zahl­ten Be­trag ein­zu­be­hal­ten. Dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ist dar­in zu fol­gen, daß die Rück­zah­lungs­klau- - 5 - sel un­wirk­sam ist, weil sie im Hin­blick auf die Höhe der Leis­tun­gen in den bei­den Aus­zah­lungs­ter­mi­nen ei­ne zu lan­ge Bin­dung an das Ar­beits­verhält­nis be­wirkt.
aa) Zum ei­nen ist für die Fra­ge, ob die Gra­ti­fi­ka­ti­on ein Mo­nats­ge­halt er­reicht oder über­schrei­tet, auf das ver­trag­lich ge­schul­de­te Mo­nats­ge­halt zum Zeit­punkt der Aus- - 6 - zah­lung ab­zu­stel­len. Wird zum Bei­spiel ei­ne Gra­ti­fi­ka­ti­on, die ein Mo­nats­ge­halt, be­mes­sen an der Sep­tem­ber­vergütung des Jah­res, beträgt, erst zu ei­nem Zeit­punkt fällig, zu dem das Mo­nats­ge­halt be­reits ge­stie­gen ist, un­ter­schrei­tet sie ein Mo­nats­ge­halt und kann dem­zu­fol­ge zulässi­ger­wei­se kei­ne länge­re Bin­dung als drei Mo­na­te be­wir­ken (BAG 28. Ja­nu­ar 1981 - 5 AZR 846/78 - AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 106 = EzA BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 69; in­so­weit die Recht­spre­chung auf­ge­bend, wo-nach ei­ne nur ge­ringfügi­ge Un­ter­schrei­tung des Mo­nats­ge­halts unschädlich sei, vgl. BAG 22. Fe­bru­ar 1968 - 5 AZR 221/67 - AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 64). Die­ser Ge­sichts­punkt ist im vor­lie­gen­den Fall un­be­acht­lich, da die Mo­nats­bezüge des Klägers un­verändert 4.700,00 DM brut­to be­tru­gen.
- 8 - darüber hin­aus­ge­hen­de Bin­dung bis zum 31. März 2001 ging je­doch in je­dem Fall über die zulässi­gen Gren­zen hin­aus.
- 9 - III. Die Be­klag­te hat die Kos­ten der er­folg­lo­sen Re­vi­si­on zu tra­gen (§ 97 Abs. 1 ZPO).
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