Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=2%20AZR%20234/01
Timestamp: 2020-02-26 14:41:22
Document Index: 302215434

Matched Legal Cases: ['Art. 5', '§ 1', '§ 1', 'Art. 5', '§ 123', 'BGH', 'BGH', '§ 1']

BAG, 13.06.2002 - 2 AZR 234/01 - dejure.org
https://dejure.org/2002,1200
BAG, 13.06.2002 - 2 AZR 234/01 (https://dejure.org/2002,1200)
BAG, Entscheidung vom 13.06.2002 - 2 AZR 234/01 (https://dejure.org/2002,1200)
BAG, Entscheidung vom 13. Juni 2002 - 2 AZR 234/01 (https://dejure.org/2002,1200)
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Verhaltensbedingte Kündigung - Redakteurin "Stasi-Kontakte"
Verhaltensbedingte Kündigung; Frage des Arbeitgebers nach früheren "Stasi-Kontakten"
Kündigung: Verhaltensbedingt, Stasi-Kontakte, Fragerecht
GG Art. 5; KSchG §§ 1 9 Abs. 1 S. 2
Verhaltensbedingte Kündigung; Redakteurin an Tageszeitung; Vorwurf, nicht näher spezifizierte "Stasi-Kontakte" verschwiegen zu haben; Fragerecht; Tendenzverstoß durch Artikel; Abmahnung; Auflösungsantrag; Polemische Äußerung der Arbeitnehmerin; Meinungsfreiheit
Kündigung der Redakteurin einer Tageszeitung wegen verweigerter Erklärung zu "Stasi-Kontakten"
Arbeitsrecht - Kündigung der Redakteurin einer Tageszeitung wegen verweigerter Erklärung zu Stasi-Kontakten
nomos.de , S. 63 (Entscheidungsbesprechung)
§§ 1, 9 Abs. 1 Satz 2 KSchG; GG Art. 5 Abs. 1
Kündigung - MfS-Kontakte - Fragerecht des Arbeitgebers
Kün­di­gung we­gen Aus­kunfts­ver­wei­ge­rung zur Sta­si
ArbG Frankfurt/Oder, 12.04.2000 - 3 Ca 4726/99
BAGE 101, 341
NZA 2003, 265
NJ 2003, 221
BB 2003, 316
DB 2003, 396
a) Auszugehen ist dabei von dem Grundsatz, dass die falsche Beantwortung einer zulässigerweise gestellten Frage die Anfechtung des Arbeitsvertrags wegen arglistiger Täuschung nach § 123 BGB begründen kann (zur Frage nach früherer MfS-Tätigkeit BVerfG 8. Juli 1997 - 1 BvR 2111/94 ua. - BVerfGE 96, 171; BAG 13. Juni 2002 - 2 AZR 234/01 - zu B I 2 b der Gründe, BAGE 101, 341) .
Er muss die Zulässigkeit der Frage beurteilen können (BAG 13. Juni 2002 - 2 AZR 234/01 - zu B I 2 b der Gründe, BAGE 101, 341) .
e) Ohne Erfolg rügt die Revision, das Landesarbeitsgericht habe keine Gesamtschau der erhobenen Vorwürfe vorgenommen und eine entsprechende Prüfung des wichtigen Grundes zur außerordentlichen fristlosen Kündigung durchgeführt (vgl. dazu Senat 13. Juni 2002 - 2 AZR 234/01 - BAGE 101, 341).
Maßgeblich ist deshalb, ob Wiederholungsgefahr besteht oder ob die Pflichtverletzung künftige Folgewirkungen aufweist, die die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses als ausgeschlossen erscheinen lassen (BAG v. 24.03.2011 - 2 AZR 282/10; BAG v. 10.06.2010 - 2 AZR 541/09, NZA 2010, 1227; BAG v. 12.02.2009 - 2 AZR 603/07, NZA 2009, 894; BAG v. 13.12.2007 - 2 AZR 818/06, NZA 2008, 589; BAG v. 12.01.2006 - 2 AZR 179/05, NZA 2006, 980; BAG v. 13.6.2002 - 2 AZR 234/01, NZA 2003, 265).
ArbG Erfurt, 23.09.2004 - 7 Ca 1752/04
Vielmehr kommt es auch bei bewusst wahrheitswidriger Beantwortung noch auf eine einzelfallbezogene Würdigung an ( BAG 13.06.2002 - 2 AZR 234/01 - BAGE 00, 00 = NZA 2003, 265-26, mwN auch zur Rechtsprechung des BVerwG und des BVerfG; 7; 16.09.1999 - 2 AZR 902/98 - nv ).
So muss zwischen einer ausweichenden und einer eindeutig wahrheitswidrigen Antwort unterschieden werden ( BAG 13.06.2002 - 2 AZR 234/01 - aaO; BVerfG 08.07.1997 - 1 BvR 2111/94 - BVerfGE 96, 171 ) und ein Verschweigen ist dann nicht pflichtwidrig, wenn die verschwiegene Tätigkeit als solche eine Kündigung nicht rechtfertigen würde ( BAG 13.06.2002 - 2 AZR 234/01 - aaO; 10.12.1998 - 8 AZR 594/97 - nv .).
Entscheidend ist, ob der andere Teil nach Treu und Glauben unter Berücksichtigung der Verkehrsanschauung redlicherweise Aufklärung verlangen durfte ( BAG 13.06.2002 - 2 AZR 234/01 - aaO; BGH 13.07.1988 - VIII ZR 224/87 - NJW 1989, 763 ).
Daher besteht keine allgemeine Pflicht, alle Umstände zu offenbaren, die für die Entschließung des anderen Teiles von Bedeutung sein können (BAG 13.06.2002 - 2 AZR 234/01 - aaO; BGH 28.04.1971 - VIII ZR 258/69 - NJW 1995, 1795 ).
Darüber hinaus müssen die vom Arbeitgeber formulierten Fragen so formuliert sein, dass der Arbeitnehmer erkennen kann, wonach gefragt ist ( BAG 13.06.2002 - 2 AZR 234/01 - BAGE 00, 00 = NZA 2003, 265-26, mwN auch zur Rechtsprechung des BVerwG und des BVerfG; 7; 16.09.1999 - 2 AZR 902/98 - nv ).
Maßgeblich ist deshalb, ob Wiederholungsgefahr besteht oder ob die Pflichtverletzung künftige Folgewirkungen aufweist, die die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses als ausgeschlossen erscheinen lassen (BAG v. 24.03.2011 - 2 AZR 282/10; BAG v. 10.06.2010 - 2 AZR 541/09, NZA 2010, 1227; BAG v. 12.02.2009 - 2 AZR 603/07, NZA 2009, 894; BAG v. 13.12.2007 - 2 AZR 818/06, NZA 2008, 589; BAG v. 12.01.2006 - 2 AZR 179/05, NZA 2006, 980; BAG v. 13.06.2002 - 2 AZR 234/01, NZA 2003, 265).
Dabei dürfen Meinungsäußerungen des Arbeitnehmers, auf die sich der Arbeitgeber als Auflösungsgrund beruft, nicht isoliert bewertet werden; es kommt vielmehr auf die näheren Umstände an, unter denen die Äußerung gefallen ist (vgl. BAG, Urteil vom 13.06.2002 - 2 AZR 234/2001 = AP Nr. 69 zu § 1 KSchG 1969).
(3) Von Bedeutung ist schließlich, dass die Erklärung in einem arbeitsgerichtlichen Eilverfahren abgegeben wurde, bei denen auch überspitzte Formulierungen im Rahmen der Wahrnehmung berechtigter Interessen liegen können (BAG, Urteil vom 13. Juni 2002 - 2 AZR 234/01 -, BAGE 101, 341-351, Rn. 38; Landesarbeitsgericht Düsseldorf…, Urteil vom 12. April 2016 - 3 Sa 2/15 -, Rn. 115, juris; Landesarbeitsgericht Hamburg…, Urteil vom 20. Juni 2005 - 7 Sa 88/04 -, Rn. 45, juris).
ArbG Cottbus, 05.11.2008 - 7 Ca 455/08