Source: https://www.jusmeum.de/urteil/lg_wuppertal/eb7c679da90e81137568843cff80b0d813f48e3a6ae448149d45da52e9425833
Timestamp: 2019-11-22 22:54:44
Document Index: 396319706

Matched Legal Cases: ['§ 131', '§ 143', '§ 133', '§ 129', '§ 133', '§ 18', '§ 267', 'BGH', 'BGH', '§ 131', '§ 139', '§ 139', '§ 131', '§ 143', '§ 291', '§ 33', '§ 91', '§ 709']

LG Wuppertal, 2 O 254/05: LG Wuppertal: künftige forderung, abtretung, widerklage, gläubigerbenachteiligung, verrechnung, wechsel, deckung, kaufpreis, datum, auftragsvergabe
Urteil des LG Wuppertal vom 24.03.2006, 2 O 254/05
LG Wuppertal: künftige forderung, abtretung, widerklage, gläubigerbenachteiligung, verrechnung, wechsel, deckung, kaufpreis, datum, auftragsvergabe
Landgericht Wuppertal, 2 O 254/05
Tenor: 1. Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 43.856,03 EUR nebst Zinsen in
Höhe von 5 Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz seit dem
7. September 2005 zu zahlen.
2Der Kläger ist der Insolvenzverwalter über das Vermögen der Firma F GmbH (nachfolgend: Insolvenzschuldnerin), welche sich mit Straßen- und Tiefbau befasste und durch die Geschäftsführerin Frau G geleitet wurde. Der Kläger macht gegen die Beklagte Ansprüche wegen Insolvenzanfechtung geltend.
3Die Beklagte hatte gegen die Insolvenzschuldnerin im September 2003 fällige Forderungen in Höhe von mindestens 44.536,39 EUR. Zuvor bestanden Forderungen in wechselnder Höhe, seit Ende des Jahres 2001 jedoch immer in Höhe von mindestens 30.000,00 EUR. Die Insolvenzschuldnerin begab der Beklagten in der Vergangenheit mehrfach Wechsel, die indes bei Fälligkeit nicht eingelöst werden konnten, so dass jeweils neue Wechsel begeben wurden. Auf die vom Kläger vorgelegte offene Postenliste (Bl. 7 f. GA) wird Bezug genommen.
Am 18. September 2003 beauftragte der Geschäftsführer der Beklagten, handelnd in 4
Vertretung für seine Ehefrau K, die Insolvenzschuldnerin mit Erd-, Kanal-, Planier- und Pflasterarbeiten in einem Umfange von 24.000,00 EUR zzgl. Mehrwertsteuer. Auf das Auftragsschreiben (Bl. 50 GA) wird Bezug genommen. Unter dem 16. September 2003 datiert folgende Vertragsurkunde (vgl. Ablichtung Bl. 37 GA):
"Abtretung der Forderung an K 5
Hiermit trete ich die Forderung von der F GmbH bis zur Höhe von ca. EUR 45.000,00 an Frau K ab. 6
Für diese Forderung werden wir den Auftrag zur Errichtung einer Waschhalle erhalten." 7
8Es folgen die Unterschriften des Ehemannes der Geschäftsführerin der Insolvenzschuldnerin sowie des Geschäftsführers der Beklagten, welche auf den 18. September 2003 datiert wurde. Der von Frau K an die Insolvenzschuldnerin erteilte Auftrag erweiterte sich im Zuge der Durchführung der Baumaßnahme von Oktober bis Dezember 2003. Am 20. Oktober 2003 trat die Geschäftsführerin der Insolvenzschuldnerin deren künftige Forderung gegen Frau K gemäß Angebot vom 19. April 2003 in Höhe von 16.817,53 EUR nebst Zinsen an das Land Nordrhein Westfalen, vertreten durch das Finanzamt I, ab, welches die Abtretung annahm und gegenüber Frau K offen legte. Hierauf reagierte Frau K mit Schreiben vom 18. November 2003, auf dessen Inhalt Bezug genommen wird (Bl. 53 GA).
9Für bereits vertragsgemäß erbrachte Leistungen stellte die Insolvenzschuldnerin gegenüber Frau K mit Abschlagsrechnung vom 4. Dezember 2003, zugegangen an einem der beiden Folgetage, Werklohnforderungen in Höhe von 42.678,70 EUR und mit Rechnung vom 15. Dezember 2003 in einer 1.177,33 EUR erheblich übersteigenden Höhe fällig. Frau K zahlte per Banküberweisung unter Belastung ihres Kontos am 16. Dezember 2003 einen Betrag in Höhe von 42.678,70 EUR an die Beklagte, auf deren Konto der Betrag erst nach diesem Tage einging. Im Januar oder Februar 2004 zahlte Frau K weitere 1.177,33 EUR an die Beklagte. Des weiteren zahlte sie an das Finanzamt I am 21. Januar 2004 16.817,53 EUR.
10Der Kläger, dessen Klage der Beklagten am 7. September 2005 zugestellt worden ist (vgl. ZU, Bl. 22 GA), behauptet: Das Finanzamt I habe eingehend am 16. Januar 2004 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Insolvenzantrag gegen die spätere Insolvenzschuldnerin gestellt, der sodann an das Amtsgerichts Wuppertal weitergeleitet worden sei. Daraufhin habe das Amtsgericht Wuppertal das Insolvenzverfahren am 1. April 2004 eröffnet. Durch die Zahlungen der Frau K an die Beklagte sei eine Gläubigerbenachteilung eingetreten, denn Frau K habe an sich an die Insolvenzschuldnerin leisten müssen. Frau K habe eine Abtretung der Forderungen der Beklagten gegen die Insolvenzschuldnerin nicht angenommen. Die vorliegende Abtretungserklärung sei auch wesentlich später gefertigt und sodann rückdatiert worden. Die beklagtenseits behaupteten Absprachen unterstellt hätte die Insolvenzschuldnerin mit Gläubigerbenachteiligungsvorsatz gehandelt, welcher der Beklagten auch bekannt gewesen sei. Die Beklagte habe aufgrund der langjährigen Geschäftsbeziehungen die desolate finanzielle Lage der Insolvenzschuldnerin gekannt. Der Ehemann der Geschäftsführerin der Insolvenzschuldnerin habe der Beklagten offengelegt, dass die Insolvenzschuldnerin "um jeden Auftrag verlegen" sei und erhebliche fällige Forderungen anderer Gläubiger bestanden haben.
11Der Kläger meint, die Abtretungsvereinbarung sei auch mangels Bestimmtheit und wegen fehlender Vertretungsberechtigung des Ehemannes der Geschäftsführerin der Insolvenzschuldnerin unwirksam. Die Zahlungen von Frau K an die Beklagte seien nach §§ 131, 133 InsO anfechtbar und zurückzugewähren.
die Beklagte zu verurteilen, an den Kläger 43.856,03 EUR nebst 5 Prozentpunkte über dem Basiszins seit Klagezustellung zu zahlen. 13
Widerklagend beantragt die Beklagte, 16
17den Kläger zu verurteilen, an die Beklagte 633,10 EUR nebst Zinsen in Höhe von 8 Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszins ab Zustellung der Widerklage zu zahlen.
Die Beklagte behauptet: Nach dem klägerischen Vortrag habe es sich allein um eine freigiebige Leistung der Frau K an die Beklagte gehandelt. Anlässlich einer Besprechung am 17. September 2003 sei zwischen der Beklagten, Frau K und der Insolvenzschuldnerin vereinbart worden, dass die Beklagte ihre offenstehenden Forderungen gegen die Insolvenzschuldnerin an Frau K übertrage und zwischen dieser und der Insolvenzschuldnerin ein Werkvertrag über die in Rede stehenden Bauleistungen geschlossen werde, wobei die daraus resultierenden Werklohnforderungen sogleich mit den an Frau K abgetretenen Forderungen verrechnet würden. Zwischen Frau K und der Beklagten sei hierbei ein Kaufvertrag geschlossen worden, nach welchem Frau K für die durch Abtretung vorzunehmende Übertragung der gegen die Insolvenzschuldnerin begründeten Forderungen bis zum Betrage von 45.000,00 EUR einen Kaufpreis in Höhe der sodann von ihr tatsächlich erbrachten Zahlungen leiste. In Vollziehung dieser Vereinbarungen sei sodann zu den angegebenen Daten die schriftliche Abtretungsvereinbarung unterzeichnet worden.
21Ihr, der Beklagten, sei nur bekannt gewesen, dass die Insolvenzschuldnerin immer schleppend, aber immer bezahlt habe. Allein hieraus habe sie Kenntnis darüber gehabt, dass die Firma nicht ständig in Geld schwamm. Die Insolvenzschuldnerin habe sich gegenüber der Beklagten als an der Erteilung von Aufträgen interessiert gezeigt, jedoch keine Mitteilung gemacht, dass etwa die Auftragslage unbefriedigend sei oder ähnliches. Erst erhebliche Zeit nach dem 18. September 2003 habe Herr G ihrem Geschäftsführer mitgeteilt, er sei stolz darauf, dass die Insolvenzschuldnerin allein gegenüber dem Finanzamt Verbindlichkeiten habe.
Zu ihrer Widerklageforderung trägt die Beklagte vor, dass sie zur vorgerichtlichen Abwehr der nunmehr streitgegenständlichen Ansprüche auf die Verfahrenskosten nicht anzurechnende anwaltliche Gebühren in der geltend gemachten Höhe zu tragen hatte. 20
Dies ist als solches unstreitig.
23Die Akte 145 IN 71/04 – Amtsgericht Wuppertal – ist beigezogen worden und Gegenstand der mündlichen Verhandlung gewesen. Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die zwischen den Parteien gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.
Die zulässige Klage hat in vollem Umfange Erfolg. Sie ist begründet, denn der Kläger hat gegen die Beklagte Rückgewähransprüche in Höhe von 43.856,03 EUR aus §§ 143 Abs. 1 S. 1, 129, 133 Abs. 1 S. 1, 131 Abs. 1 Nr. 1, 3 InsO. Die Klage muss schon nach dem Sachvortrag der Beklagten, den sich der Kläger hilfsweise zu eigen gemacht hat, Erfolg haben. Im Einzelnen:
27Der Kläger kann sein Anfechtungsrecht auf § 133 Abs. 1 S. 1 InsO stützen. Bei den von der Beklagten vorgetragenen Absprachen (nebst den zugehörigen Erfüllungshandlungen) handelt es sich um eine Rechtshandlung des Schuldners. Denn hierfür genügt, dass der Schuldner daran zumindest mitgewirkt hat. Dies ist hier der Fall, denn der Ehemann der Geschäftsführerin der Insolvenzschuldnerin hat nicht nur die angeblich Mitte September 2003 geschlossene – hinreichend bestimmte, auf sämtliche damals offenen Forderungen der Beklagten bezogene – Abtretungsvereinbarung mitunterzeichnet. Des weiteren soll es zuvor mündliche Absprachen über die Auftragsvergabe und -abwicklung mit der Insolvenzschuldnerin gegeben haben. Deren hierin liegende Mitwirkung ist wesentlich, da die Auftragsvergabe durch Frau K ("Für diese Forderung werden wir den Auftrag zur Errichtung einer Waschhalle erhalten.") wie auch eine – automatische – Verrechnungswirkung mit den Werklohnforderungen aus dem Bauvertrag vom Einverständnis der Insolvenzschuldnerin abhingen.
28Die gewählte Abtretungskonstruktion ist gläubigerbenachteiligend im Sinne des § 129 Abs. 1 InsO. Sie hatte einen zumindest wesentlich geringeren Liquiditätszufluss an die Insolvenzschuldnerin zur Folge, der ansonsten Zahlungen der Frau K zur Begleichung der Werklohnforderungen hätten zufließen müssen. Die Rechtshandlung ist in den letzten 10 Jahren vor dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorgenommen worden, wobei schon hier ausgeführt sei, dass die Angaben des Klägers zum Hergang des Insolvenzverfahrens ausweislich der Beiakte zutreffend sind.
Die Rechtshandlung, an der die Insolvenzschuldnerin maßgeblich mitgewirkt hat, ist auch mit ihrem Vorsatz, ihre Gläubiger zu benachteiligen, vorgenommen worden. Objektiv hätten sich die Befriedigungsmöglichkeiten der späteren Insolvenzgläubiger ohne jene Rechtshandlung günstiger gestaltet. Denn Zahlungen der Frau K auf Werklohnforderungen an die Insolvenzschuldnerin hätten dort dem Zugriff der weiteren Gläubiger unterlegen. Die Insolvenzschuldnerin wusste auch um diese benachteiligende Folge und wollte sie. Es genügt ein bedingter Benachteiligungsvorsatz, d. h. wenn der Nachteil für die weiteren Gläubiger als mutmaßliche Folge des Handelns erkannt und gebilligt wird. Für ein vorsätzliches Handeln der Insolvenzschuldnerin spricht ein starkes, nicht widerlegtes Beweiszeichen dadurch, dass es sich um einen Fall inkongruenter Deckung handelt. Die Beklagte hatte vor dem angeblichen Rechtskauf durch Frau K keinerlei Anspruch darauf, von dieser die 26
streitgegenständlichen Zahlungen zu erhalten. Zudem sollte durch die unter allen Beteiligten abgestimmte Vorgehensweise bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise sichergestellt werden, dass die Beklagte letztlich in Höhe ihrer offenen Forderungen gegen die Insolvenzschuldnerin befriedigt wird. Einen anderen Grund, wie beklagtenseits behauptet zu verfahren, gibt es nicht. Wegen der ihr selbst bekannten Zahlungsschwierigkeiten auch nur gegenüber der Beklagten hat demnach die Insolvenzschuldnerin eine Gläubigerbenachteiligung zumindest billigend in Kauf genommen.
30Hiervon hatte die Beklagte Kenntnis. Ihre Kenntnis wird im vorliegenden Fall gemäß § 133 Abs. 1 S. 2 InsO vermutet. Denn die Beklagte wusste, dass die Zahlungsunfähigkeit der Insolvenzschuldnerin drohte und dass die Handlung die Gläubiger benachteiligte. Nach § 18 Abs. 2 InsO droht der Schuldner zahlungsunfähig zu werden, wenn er voraussichtlich nicht in der Lage sein wird, die bestehenden Zahlungspflichten im Zeitpunkt der Fälligkeit zu erfüllen. Hierüber war die Beklagte ausreichend informiert, denn ihre eigenen Forderungen wurden immer nur schleppend und unter Hingabe "geplatzter" Wechsel mit weiterhin verbleibenden erheblichen Außenständen getilgt. So standen zum Zeitpunkt des angeblichen Rechtskaufs durch Frau K noch fällige Forderungen in Höhe von fast 45.000,00 EUR offen.
31Angesichts dessen kannte die Beklagte auch die mit dem Rechtskauf – nebst Abtretung, Verrechnung sowie (Kaufpreis-)Zahlung an sie selbst nach dem Fälligwerden von Werklohnforderungen der Insolvenzschuldnerin – verbundene Gläubigerbenachteiligung. Es genügt, wenn entsprechende zwingende Umstände hierfür bekannt sind. Aufgrund des mit dem o.a. Gesamtvorgang verbundenen verminderten Liquiditätszuflusses an die Insolvenzschuldnerin musste der Beklagten klar sein, dass die Befriedigungsmöglichkeiten anderer Gläubiger hierdurch beeinträchtigt würden. Sie durfte angesichts der bekannten, fortdauernden Zahlungsschwierigkeiten der Insolvenzschuldnerin auch nicht davon ausgehen, dass deren Vermögen zur Befriedigung aller Gläubiger jetzt oder in absehbarer Zeit ausreichen würde. Ergänzend gilt, dass eine inkongruente Deckung ein starkes, hier nicht widerlegtes Beweisanzeichen für die Kenntnis des Anfechtungsgegners vom Gläubigerbenachteiligungsvorsatz des Schuldners ist. Hier ist nochmals zu wiederholen, dass für das Zusammenwirken der Insolvenzschuldnerin mit der Beklagten kein anderer Grund ersichtlich ist, als dass auf diesem Wege letztlich die Befriedigung der Beklagten – wenn auch durch die offensichtlich solvente Frau K – sichergestellt werden sollte. Bei einem derartigen Vorgehen ist die Kenntnis des Anfechtungsgegners evident.
32Die Beklagte ist schließlich die richtige Anfechtungsgegnerin, denn zu ihren Gunsten ist der Rechtserfolg der anfechtbaren Rechtshandlung eingetreten. Es handelt sich um eine mittelbare Zuwendung. Die Dinge liegen bei der gebotenen wirtschaftlichen Betrachtung nicht anders, als wenn Frau K – wovon der Kläger hauptsächlich ausgeht – unter gleichzeitiger Anrechnung auf die fällig gewordenen Werklohnforderungen der Insolvenzschuldnerin die Beklagte als deren Gläubigerin nach Maßgabe von § 267 Abs. 1 S. 1 BGB befriedigt hätte. Denn mit den getroffenen Absprachen war das Ziel verbunden, der Beklagten einen wirtschaftlichen Wert nach Maßgabe ihrer offenen Forderungen gegen die Insolvenzschuldnerin zuzuführen. Demgegenüber hatte Frau K als die eingeschaltete "Mittelsperson" nicht weniger aufzuwenden, als wenn sie direkt an die Insolventschuldnerin gezahlt hätte. In derartigen Konstellationen entspricht es Sinn und Zweck der Anfechtungsvorschriften, den Anfechtungsgegner allein in
demjenigen zu sehen, der im Ergebnis wirtschaftlich begünstigt worden ist (vgl. BGH ZIP 1999, 1764/1766). Dies ist die Beklagte. Dem steht nicht ihr Argument entgegen, dass sie, wäre sie Vertragspartei des Bauvertrages geworden, auch selbst hätte aufrechnen können. Denn eine entsprechende Aufrechnungslage wäre wiederum in inkongruenter Weise hergestellt worden und eine Aufrechnung durch die Beklagte damit ebenfalls anfechtbar gewesen (vgl. BGH ZIP 2001, 885 ff.).
Darüber hinaus liegen auch die Voraussetzungen des § 131 Abs. 1 Nr. 1 InsO vor. Der Insolvenzantrag des Finanzamtes ist am 16. Januar 2004 beim Amtsgericht Düsseldorf eingegangen (Bl. 2 d. BA), von wo aus er an das Amtsgericht Wuppertal weitergeleitet worden ist. Dieser Antrag hat sodann zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. April 2004 (Bl. 79 d. BA) geführt. Maßgebliches Datum für die Rückberechnung der Monatsfrist ist damit der 16. Januar 2004. Denn die nach § 139 Abs. 1 InsO zu berechnende Frist beginnt mit Eingang des Antrags auch beim unzuständigen Gericht (vgl. Dauernheim, in: Frankfurter Kommentar zur Insolvenzordnung, 3. Auflage, § 139 Rn. 3). Schon die erste Zahlung der Frau K mit der Kontobelastung am 16. Dezember 2003 ist damit binnen der Monatsfrist erfolgt. Hierdurch hat die Beklagte eine Befriedigung erlangt, die sie auf diese Weise nicht zu beanspruchen hatte (inkongruente Deckung). Es wird auf die obigen Ausführungen verwiesen. Anfechtungsrechtlich maßgeblich ist hier die gewählte "Abtretungskonstruktion" in Gänze. Erst mit der Zahlung an sie hat die Beklagte die letztlich begehrte Befriedigung wirtschaftlich erlangt, keineswegs bereits mit den angeblichen Vereinbarungen im September 2003 und auch noch nicht durch eine angebliche Verrechnung der abgetretenen Forderungen zu früheren Zeitpunkten im Dezember 2003. Wollte man gleichwohl auf eine derartige Verrechnung abstellen, griffe aber zumindest § 131 Abs. 1 Nr. 3 InsO ein, da die Beklagte Kenntnis zwingender Umstände für eine Gläubigerbenachteiligung hatte (s. o.).
34Da nach alledem der Kläger die gläubigerbenachteiligende Wirkung der eingangs dargestellten Rechtshandlung zu Recht angefochten hat, ist die Beklagte gehalten, den streitgegenständlichen Betrag gemäß § 143 Abs. 1 S. 1 InsO zur Insolvenzmasse zurückzugewähren. Dieser Betrag entspricht dem wirtschaftlichen Vorteil, den sie im Ergebnis zu Lasten der Gläubigergesamtheit erlangt hat.
Seine berechtigte Hauptforderung kann der Kläger ab Rechtshängigkeit, dem 7. September 2005, in gesetzlicher Höhe verzinst verlangen (§§ 291, 288 Abs. 1 BGB). 33
Die zulässige (§ 33 Abs. 1 ZPO) Widerklage ist unbegründet. Eine unberechtigte Inanspruchnahme der Beklagten durch den Kläger lag nicht vor. 37
39Die Nebenentscheidung über die Kosten des Rechtsstreits beruht auf § 91 Abs. 1 ZPO. Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit des Urteils hat ihre Rechtsgrundlage in § 709 S. 1, 2 ZPO.
Streitwert: bis 45.000,00 EUR. 40
Künftige forderung, Abtretung, Widerklage, Gläubigerbenachteiligung, Verrechnung, Wechsel, Deckung, Kaufpreis, Datum, Auftragsvergabe