Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=30.10.2009&Aktenzeichen=V%20ZR%20253%2F08
Timestamp: 2018-12-17 06:23:43
Document Index: 298512384

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 256', '§ 862', 'BGH', '§ 862', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 858', 'BGH', 'BGH', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 3', 'BGH', '§ 256', 'BGH', 'Art. 3', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 153', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 152', 'BGH', 'BGH', '§ 858', 'BGH', 'BGH', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 3', 'BGH']

BGH, 30.10.2009 - V ZR 253/08 - dejure.org
ZPO § 256 Abs. 1; BGB §§ 862 Abs. 1, 1004 Abs. 1
Sportrecht - Stadionverbot
Zulässigkeit des Übergangs von der Leistungsklage zu der auf die Feststellung der Rechtswidrigkeit eines Stadionverbots gerichteten Klage unter dem Gesichtspunkt des effektiven Rechtsschutzes; Deckung des Ausspruchs eines bundesweiten Stadionverbots von dem Hausrecht des Veranstalters bei Vorliegen eines sachlichen Grundes
Stadionverbot (bundesweites) - Anspruch auf Aufhebung?
Klage auf Aufhebung von Stadionverbot; Hausrecht des Veranstalters für Stadionverbot
Verhängung eines bundesweiten Stadionverbots
Klageänderung/Bundesweites Stadionverbot
Das Fußballstadion ist kein grundrechtsfreier Raum
Bestätigung des bundesweiten Stadionverbots
Bundesweites Stadionverbot für Fußballfan war auch ohne den Nachweis konkreter Straftaten zulässig
Bestätigung des bundesweiten Fussballstadion-Verbots
Das Stadionverbot // Stadionverbote und Hausrecht
archive.org (Pressebericht zum Verfahren - vor Ergehen der Entscheidung, 29.10.2009)
Wenn Vereine Richter spielen - Grundsatz-Urteil des BGH zu Stadionverboten
§§ 862, 1004 BGB
Fans im Fokus - Zivilrechtliche Reaktionen auf ein soziologisches Phänomen (Regierungsrat Dr. Thomas Marzahn; ZJS 3/2010, S. 428-437)
Die Rechtslage beim bundesweiten Stadionverbot (Jan F. Orth, Björn Schiffbauer; RW 2011, 177)
Ein Stadionverbot bedarf eines sachlichen Grundes
Bundesweites Stadionverbot zulässig
waechtler-kollegen.de (Entscheidungsanmerkung)
Urteil des BGH zu Stadionverboten
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 30.10.2009, Az.: V ZR 253/08 (Verhängung eines bundesweiten Stadionverbots)" von Prof. Dr. Diethelm Klesczewski, original erschienen in: JZ 2010, 251 - 254.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH v. 30.10.2009 - V ZR 253/08 (Voraussetzungen eines rechtmäßigen bundesweiten Stadionverbots)" von Prof. Dr. Peter Heermann, LL.M., original erschienen in: NJW 2010, 537.
AG Duisburg, 13.03.2008 - 73 C 1565/07
LG Duisburg, 20.11.2008 - 12 S 42/08
NJW 2010, 534
VersR 2010, 825
Das Hausrecht beruht auf dem Grundstückseigentum oder -besitz (§§ 858 ff., 903, 1004 BGB) und ermöglicht es seinem Inhaber, in der Regel frei darüber zu entscheiden, wem er den Zutritt gestattet und wem er ihn verwehrt (Senat…, Urteil vom 20. Januar 2006 - V ZR 134/05, NJW 2006, 1054 Rn. 7; Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 253/08, NJW 2010, 534, 535 Rn. 11; BGH, Urteil vom 8. November 2005 - KZR 37/03, BGHZ 165, 62, 70 mwN).
Geschieht dies jedoch nicht oder sind die Bedingungen erfüllt, bedarf ein gegenüber einer bestimmten Person ausgesprochenes Verbot, die Örtlichkeit (künftig) zu betreten, zumindest grundsätzlich eines sachlichen Grundes, weil auch in solchen Konstellationen die Grundrechte des Betroffenen, namentlich dessen allgemeines Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) und das Gebot der Gleichbehandlung (Art. 3 GG), bei der gebotenen Abwägung einem willkürlichen Ausschluss entgegen stehen (Senat, Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 253/08, NJW 2010, 534, 535 Rn. 13).
Das Hausrecht könnte zwar auch auf den Besitz an dem Grundstück gestützt werden, gibt dem Besitzer aber nur das Recht, in der Regel frei darüber zu entscheiden, wem er den Zutritt gestattet und wem er ihn verwehrt (…Senat, Urteile vom 20. Januar 2006 - V ZR 134/05, NJW 2006, 1054 Rn. 7, vom 30. Oktober 2009 - V ZR 253/08, NJW 2010, 534, 535 Rn. 11 …und vom 9. März 2012 - V ZR 115/11, WM 2012, 2168 f. Rn. 8).
bb) Das Zivilprozessrecht kennt dagegen keine Fortsetzungsfeststellungsklage, sondern nur die allgemeine Feststellungsklage (vgl. BGH, Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 253/08, NJW 2010, 534 Rn. 8).
(2) Ohne Erfolg beruft sich die Revision auf die Entscheidung des V. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs vom 30. Oktober 2009, nach der die Schädigung anderer Rechtsgüter als des Vermögens wie etwa die Verletzung der Ehre ein rechtliches Interesse im Sinne des § 256 Abs. 1 ZPO begründen kann (BGH, NJW 2010, 534 Rn. 9).
Dass die Beklagte im Sinne eines selbständigen (mittelbaren) Geltungsgrundes des Art. 3 Abs. 1 GG über § 242 BGB das Angebot, Girokonten zu führen, unterschiedslos und ohne Ansehen der Person ihres Vertragspartners gleichsam "an die Öffentlichkeit" gerichtet und dadurch ihre Bereitschaft verlautbart habe, generell und unter Verzicht auf eine Prüfung im Einzelfall jedem den Zugang zu ihren Leistungen dauerhaft zu eröffnen, der sich im Rahmen des üblichen Verhaltens bewege, so dass sie sich - vergleichbar den zur Einschränkung des Hausrechts entwickelten Grundsätzen (vgl. BGH, Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 253/08, NJW 2010, 534 Rn. 13;… Urteil vom 9. März 2012 - V ZR 115/11, WM 2012, 2168 Rn. 22 f. mwN) - eine Beschränkung ihres Kündigungsrechts gefallen lassen müsse, ist weder dargetan noch sonst ersichtlich (aA offenbar Reifner, ZBB 1995, 243, 257).
Damit hat der Kläger auch ein berechtigtes Rehabilitationsinteresse an der Feststellung der Rechtswidrigkeit des streitgegenständlichen Aufenthaltsverbots (…ebenfalls ein Rehabilitationsinteresse bei erledigten Aufenthaltsverboten bejahend: VG Stuttgart, Urt. v. 14.9.2009 - 5 K 2929/08 -, juris, Rn. 17; VG Düsseldorf, Urt. v. 5.7.2016 - 18 K 3843/15 -, juris, Rn. 9, vgl. auch BGH, Urt. v. 30.10.2009 - V ZR 253/08 -, NJW 2010, 534, juris, Rn. 8 ff.: Rehabilitationsinteresse bei einem erledigten Stadionverbot).
Da die vorzunehmende Prognose das Vorliegen von "Tatsachen" erfordert, reichen reine Vermutungen oder subjektive Einschätzungen nicht aus (…Senatsbeschl. v. 7.5.2015 - 11 LA 188/14 -, a.a.O., juris, Rn. 9;… VGH Baden-Württemberg, Urt. v. 18.5.2017 - 1 S 160/17 -, a.a.O., juris, Rn. 37; vgl. auch BGH, Urt. v. 30.10.2009 - V ZR 253/08 -, a.a.O., juris, Rn. 17).
Nach einer überwiegend zu Hooligans vertretenen Ansicht sei die belegbare Zugehörigkeit zur Hooligan-Szene ausreichend, um den Erlass eines Aufenthaltsverbots zu rechtfertigen (…Bayerischer VGH, Beschl. v. 9.6.2006 - 24 CS 06.1521 - juris, Rn. 15;… VG München, Urt. v. 25.2.2010 - M 22 K 08.203 - juris, Rn. 82;… VG Arnsberg, Beschl. v. 1.7.2009 - 3 L 345/09 -, juris, Rn. 15;… VG Minden, Beschl. v. 2.10.2014 - 11 L 763/14 -, juris, Rn. 22;… VG Meiningen, Urt. v. 8.2.2011 - 2 K 453/09 Me -, juris, Rn. 21;… ähnlich VG Hannover, Urt. v. 4.7.2012 - 10 A 1994/11 -, juris, Rn. 44 f., bzgl. der Ingewahrsamnahme eines hannoverschen Ultras;… VG Köln, Beschl. v. 21.8.2015 - 20 L 2023/15 -, juris, Rn. 13, bzgl. eines Aufenthaltsverbots für einen leverkusener Ultra; BVerfG, Beschl. v. 25.3.2008 - 1 BvR 1548/02 -, juris, Rn. 31, bzgl. eines Platzverweises bei "Chaostagen" und BGH, Urt. v. 30.10.2009 - V ZR 253/08 -, a.a.O., juris, Rn. 23, bzgl. eines Stadionverbots für einen Ultra).
Gleiches gilt für Ermittlungsverfahren, die zum Zeitpunkt des Erlasses des Aufenthaltsverbots noch anhängig waren (Senatsbeschl. v. 26.6.2009 - 11 ME 337/09 -, n.v.; vgl. zu einem Stadionverbot BGH, Urt. v. 30.10.2009 - V ZR 253/08 -, a.a.O., juris, Rn. 23, dazu auch BVerfG, Beschl. v. 11.4.2018 - 1 BvR 3080/09 -, juris, Rn. 55 f.), sowie für solche Vorkommnisse, die nicht zur Einleitung eines Strafverfahrens geführt haben, aber gleichwohl in einem inneren Zusammenhang mit denjenigen Straftaten stehen, deren zukünftige Begehung durch das Aufenthaltsverbot verhindert werden soll, und die somit Rückschlüsse auf ein zukünftiges strafrechtlich relevantes Verhalten zulassen (…vgl. Senatsbeschl. v. 14.6.2006 - 11 ME 172/06 -, a.a.O., juris, Rn. 11;… VGH Baden-Württemberg, Urt. v. 18.5.2017 - 1 S 160/17 -, a.a.O., juris, Rn. 38;… VG Aachen, Beschl. v. 26.4.2013 - 6 L 162/13 -, juris, Rn. 33;… VG Augsburg, Urt. v. 19.9.2017 - Au 1 K 17.1260 -, juris, Rn. 36;… VG Meiningen, Urt. v. 8.2.2011 - 2 K 453/09 Me -, juris, Rn. 21;… VG Braunschweig, Beschl. v. 8.6.2006 - 5 B 173/06 -, juris, Rn. 31).
Dementsprechend können auch Hinweise auf die Begehung einer zukünftigen Straftat oder die unmittelbar bevorstehende Teilnahme an einer gewalttätigen Auseinandersetzung als Mitglied einer Gruppe für die Gefahrenprognose berücksichtigt werden (…vgl. BVerfG, Beschl. v. 25.3.2008 - 1 BvR 1548/02 -, juris, Rn. 31; BGH, Urt. v. 30.10.2009 - V ZR 253/08 -, a.a.O., juris, Rn. 23).
Dies entspricht dem schützenswerten Interesse des Veranstalters, wie hier dem Beklagten, da diesen wiederum Schutzpflichten gegenüber allen Besuchern treffen, deliktische Übergriffe von anderen Fans zu verhindern (vgl. BGH, Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 253/08 -, Rn. 11, 16, juris; LG Dortmund…, Urteil vom 23. September 2014 - 1 S 299/13 -, Rn. 5, juris).
Angesichts der Vielzahl der Besucher und der häufig emotional aufgeheizten Stimmung zwischen rivalisierenden Gruppen ist daher die Bemühung der Vereine sachgerecht, neben Sicherungsmaßnahmen während des Spiels etwa durch Ordnungskräfte und bauliche sowie organisatorische Vorkehrungen auch im Vorfeld tätig zu werden und potentiellen Störern bereits den Zutritt zu dem Stadion zu versagen (BGH, Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 253/08 -, Rn. 17, juris).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes ist ein Stadionverbot selbst dann gerechtfertigt, wenn ein strafbares Verhalten nicht vorliegt, sondern das Verhalten einer Person lediglich Anlass für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegeben hat, selbst wenn das Ermittlungsverfahren später etwa gemäß § 153 StPO eingestellt wird und nicht davon ausgegangen werden kann, dass ein Straftatbestand verwirklicht wurde (BGH, Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 253/08 -, Rn. 22 f., juris).
Entscheidend sind nicht die Richtlinien, sondern die konkreten Umstände (BGH, Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 253/08 -, Rn. 27, juris).
Es war vielmehr Sache des Klägers, den bei Fehlen eines sachlichen Grundes bestehenden Anspruch auf Aufhebung des Verbots gegenüber der Beklagten geltend zu machen (BGH, Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 253/08 -, Rn. 26, juris).
In diesem Sinne sind auch die von dem Berufungsgericht zitierten Entscheidungen des Senats (Urteile vom 30. Oktober 2009 - V ZR 253/08, NJW 2010, 534 Rn. 8 …und vom 9. März 2012 - V ZR 115/11, NJW 2012, 1725 Rn. 28) zu verstehen.
So liegt es beispielsweise bei einem mehr als zweijährigen Stadionverbot (vgl. näher Senat, Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 253/08, NJW 2010, 534 Rn. 8).
OLG Frankfurt, 07.09.2017 - 1 U 175/16
Dabei reicht die Einleitung eines auf einem Anfangsverdacht einer einschlägigen Straftat (§ 152 Abs. 2 StPO) beruhenden Ermittlungsverfahrens aus, wenn das Verfahren nicht offensichtlich willkürlich oder aufgrund falscher Tatsachenannahmen eingeleitet wurde (vgl. BGH, Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 253/08 -, Rn. 15 ff., juris).
Jedenfalls dann, wenn zwischen den Parteien ein Rechtsverhältnis besteht, das durch ein Hausverbot gestört werden kann, ist es möglich, mit einem Feststellungsantrag die Wirksamkeit des Hausverbots überprüfen zu lassen (vgl. etwa BGH, Urteil vom 30.10.2009 - V ZR 253/08, OLG Brandenburg, Urteil vom 16.10.2007 - 11 U 24/07).
Das Hausrecht beruht auf dem Grundstückseigentum oder -besitz (§§ 858 ff., 903, 1004 BGB) und ermöglicht seinem Inhaber, grundsätzlich frei darüber zu entscheiden, wem er den Zutritt zu der Örtlichkeit gestattet und wem er ihn verwehrt (BGH, Urteil vom 30.10.2009 - V ZR 253/08 m.w.N.).
Das Hausrecht unterliegt, so wird es in der Rechtsprechung vertreten, jedenfalls bei öffentlich zugänglichen Räumen Einschränkungen, die sich aus der Rechtsordnung selbst ergeben: Der Ausspruch eines Hausverbots darf nicht übermäßig in Grundrechte eingreifen und muss unter Beachtung des Gleichbehandlungsgrundsatzes erfolgen; regelmäßig ist zum Ausspruch des Hausverbots ein besonderer Sachgrund erforderlich (so für den Fall eines Stadionverbotes BGH, Urteil vom 30.10.2009 - V ZR 253/08).
Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 GG i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG) und das aus Art. 3 Abs. 1 GG folgende Gebot der Gleichbehandlung verbieten dem Hotelbetreiber daher, einen einzelnen Besucher willkürlich auszuschließen (vgl. BGH, Urteil vom 30. Oktober 2009, Az. V ZR 253/08, zitiert nach juris, Rdnr. 11, für den Besuch eines Fußballstadions).
AG Frankfurt/Main, 09.08.2018 - 30 C 3466/17
Rechtswidriges Stadionverbot
OLG Dresden, 11.03.2016 - 2 OLG 21 Ss 506/15
Zur Strafbarkeit eines Verstoßes gegen ein stadionbezogenes Hausverbot …
LG Dortmund, 23.09.2014 - 1 S 299/13
Rechtmäßigkeit des Ausspruchs eines Stadionverbots um potentielle Störer …
ArbG Stuttgart, 09.07.2014 - 11 Ca 1767/14
Hausverbot nach beendetem Arbeitsverhältnis; Einschränkung bei …
AG Offenbach, 15.03.2013 - 380 C 502/12
Streitwert bei Streit über Stadtionverbot
LG Mannheim, 14.04.2015 - 1 S 163/14
VG Neustadt, 14.06.2011 - 4 L 543/11
Hausverbot im Gerichtsgebäude
AG Dortmund, 01.08.2013 - 435 C 1010/13
Erteilung eines bundesweiten Stadionverbotes gegenüber einem Fußballfan wegen …