Source: https://www.rechtslupe.de/brennpunkt/das-thueringer-paritaetsgesetz-oder-keine-zwangsweise-frauenquote-bei-der-landtagswahl-3214959
Timestamp: 2020-08-09 04:47:57
Document Index: 278277118

Matched Legal Cases: ['Art. 46', 'Art. 9', 'Art. 21', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 46', 'Art. 21', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 46', 'Art. 21', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 83', '§ 29', '§ 30', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', 'Art. 3', 'Art. 38', 'Art. 21', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 2', '§ 29', 'Art. 2', 'Art. 80', '§ 11', 'Art. 80', '§ 18', '§ 44', 'Art. 21', 'Art. 21', 'Art. 9', 'Art. 100', 'Art. 21', 'Art. 46', 'Art. 28', 'Art. 46', 'Art. 21', 'Art. 46', '§ 29', 'Art. 46', '§ 30', '§ 29', '§ 30', 'Art. 46', 'Art. 46', 'Art. 46', 'Art. 46', '§ 29', 'Art. 46', 'Art. 21', 'Art. 9', 'Art. 21', 'Art. 21', 'Art. 21', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art.20', 'Art. 28', 'Art. 38', 'Art. 21', 'Art. 46', 'Art. 21', 'Art. 45', 'Art.20', 'Art.20', 'Art. 38', 'Art. 28', 'Art. 45', 'Art. 53', 'Art. 45', 'Art. 53', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art.20', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 142', 'Art. 31', 'Art. 28', 'Art. 2', 'Art. 142', 'Art. 2', 'Art. 142', 'Art. 28', 'Art. 31', 'Art. 2', 'Art. 31', 'Art. 3', 'Art. 28', 'Art. 28', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 46', 'Art. 21', 'Art. 38', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 83', 'Art. 2', 'Art. 11', 'Art. 7', 'Art. 4', 'Art. 2', '§ 29', 'Art. 38', 'Art. 46', 'Art. 21', 'Art. 3', 'Art. 21', 'Art. 2', 'Art. 21', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art 3', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 29', 'Art. 49', 'Art. 2', 'Art. 46', 'Art. 21', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 3', '§ 1', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 83', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 46', 'Art. 21', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 28', 'Art. 31', '§ 5', '§ 5', '§ 13', '§ 16', '§ 14', '§ 17', '§ 22', '§ 29', '§ 13', '§ 5', '§ 5', 'Art. 49', '§ 13', 'Art. 46', 'Art. 46', 'Art. 38', 'Art. 46', 'Art. 38', 'Art. 38', 'Art. 2', 'Art. 43', 'EuG', 'Art. 3']

Das Thüringer Paritätsgesetz - oder: keine zwangsweise Frauenquote bei der Landtagswahl | Rechtslupe
Das Thüringer Paritätsgesetz - oder: keine zwangsweise Frauenquote bei der Landtagswahl
Das Thü­rin­ger Pari­täts­ge­setz, das den Par­tei­en star­re pari­tä­ti­sche Quo­ten für die Auf­stel­lung der Lan­des­lis­ten vor­gibt, ver­stößt gegen die Thü­rin­ger Ver­fas­sung ist des­halb nich­tig. Die gesetz­li­che Ver­pflich­tung poli­ti­scher Par­tei­en, ihre Lan­des­lis­ten abwech­selnd mit Frau­en und Män­nern zu beset­zen, beein­träch­tigt die Bür­ger in ihrem Recht auf freie und glei­che Wah­len (Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf) und poli­ti­sche Par­tei­en in ihrer Betä­ti­gungs- und Pro­gramm­frei­heit sowie in ihrem Recht auf Chan­cen­gleich­heit (Art. 9 Satz 2 Thür­Verf i.V.m. Art. 21 Abs. 1 GG).
Eine ver­fas­sungs­recht­li­che Recht­fer­ti­gung für die­se Beein­träch­ti­gun­gen besteht nicht. Auch das Gleich­stel­lungs­ge­bot des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf kann die gesetz­li­che Ver­pflich­tung zur pari­tä­ti­schen Beset­zung von Wahl­lis­ten für Land­tags­wah­len nicht recht­fer­ti­gen. Zwar reicht das Gleich­stel­lungs­ge­bot des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf inhalt­lich sogar wei­ter als das der ver­wand­ten bun­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Bestim­mung des Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG. Aber Wort­laut und Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf ste­hen einer Aus­le­gung als Recht­fer­ti­gung für gesetz­lich vor­ge­ge­be­ne pari­tä­ti­sche Quo­ten­re­ge­lun­gen ent­ge­gen.
Mit die­ser Begrün­dung hat der Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­richts­hof in Wei­mar das Sieb­te Gesetz zur Ände­rung des Thü­rin­ger Lan­des­wahl­ge­set­zes – Ein­füh­rung der pari­tä­ti­schen Quo­tie­rung – (Pari­täts­ge­setz) vom 30.07.2019 [1] auf Antrag einer Frak­ti­on im Thü­rin­ger Land­tag für nich­tig erklärt. Nach dem Pari­täts­ge­setz wären Lan­des­lis­ten für die Wahl zum Thü­rin­ger Land­tag abwech­selnd mit Frau­en und Män­ner zu beset­zen gewe­sen. Lan­des­lis­ten wären zurück­zu­wei­sen gewe­sen, soweit sie die­ser pari­tä­ti­schen Beset­zung nicht ent­spro­chen hät­ten. Per­so­nen, die im Per­so­nen­stands­re­gis­ter als ‚divers‘ regis­triert sind, hät­ten auf jedem Platz kan­di­die­ren kön­nen.
Nach dem Urteil des Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs beein­träch­tigt die gesetz­li­che Ver­pflich­tung der poli­ti­schen Par­tei­en, Lan­des­lis­ten zur Wahl des Thü­rin­ger Land­tags pari­tä­tisch zu beset­zen, das Recht auf Frei­heit und Gleich­heit der Wahl nach Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf sowie das Recht der poli­ti­schen Par­tei­en auf Betä­ti­gungs­frei­heit, Pro­gramm­frei­heit und die Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en nach Art. 21 Abs. 1 GG als in das Lan­des­ver­fas­sungs­recht hin­ein­wir­ken­des Bun­des­ver­fas­sungs­recht. Die­se Rech­te erstre­cken sich auch auf wahl­vor­be­rei­ten­de Akte wie die Auf­stel­lung von Lis­ten­kan­di­da­ten.
Auf Grund des heu­te für nich­tig erklär­ten Geset­zes wären die Wäh­ler, so die Ver­fas­sungs­rich­ter, nicht mehr frei gewe­sen, durch Wahl einer anders besetz­ten Lis­te die Zusam­men­set­zung des Land­tags zu beein­flus­sen. Die Mit­glie­der der Par­tei­en hät­ten nicht mehr die Frei­heit, Kan­di­da­ten für Lan­des­lis­ten unab­hän­gig von deren Geschlecht zu wäh­len und sich selbst für jeden Lis­ten­platz zu bewer­ben. Erhiel­te eine Par­tei, deren Lis­te teil­wei­se zurück­ge­wie­sen wur­de, auf Grund des­sen weni­ger Man­da­te als ihr bei Berück­sich­ti­gung der für sie ins­ge­samt abge­ge­be­nen Stim­men zustün­den, wäre zudem der Erfolgs­wert die­ser Stim­men gemin­dert. Die Par­tei­en wären fer­ner in der Frei­heit ein­ge­schränkt, das eige­ne Per­so­nal zu bestim­men und ihr Pro­gramm mit einer spe­zi­fisch geschlech­ter­be­zo­ge­nen Beset­zung der Lis­ten zu unter­mau­ern. Mit­tel­bar könn­ten den Par­tei­en Nach­tei­le dadurch ent­ste­hen, dass sie bei der Beset­zung der Lis­ten nicht das ihnen am bes­ten geeig­net erschei­nen­de Per­so­nal ein­set­zen könn­ten.
Die­se Ein­grif­fe hät­ten noch nicht zur Nich­tig­keit des Geset­zes geführt, wenn sie durch die Ver­fas­sung selbst gerecht­fer­tigt gewe­sen wären. Dafür aber hät­te es zwin­gen­der Grün­de bedurft, also sol­cher Grün­de, die nicht nur durch die Ver­fas­sung legi­ti­miert, son­dern auch von einem Gewicht sind, das den beein­träch­tig­ten Rech­ten die Waa­ge hal­ten kann. Weder das Demo­kra­tie­prin­zip noch die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als erfor­der­lich betrach­te­te Siche­rung der Wahl als Inte­gra­ti­ons­vor­gang bei der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung wei­sen ein sol­ches Gewicht auf. Die Abge­ord­ne­ten des Thü­rin­ger Land­tags reprä­sen­tie­ren das Wahl­volk grund­sätz­lich in des­sen Gesamt­heit, nicht als Ein­zel­ne. Hin­ge­gen zielt die Siche­rung der Wahl als Inte­gra­ti­ons­vor­gang auf die Inte­gra­ti­on poli­ti­scher Kräf­te, jedoch nicht auf eine Inte­gra­ti­on von Frau­en und Män­nern als Geschlech­ter­grup­pen.
Die über Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG inhalt­lich hin­aus­rei­chen­de Ver­pflich­tung zur Gleich­stel­lung von Frau­en und Män­nern nach Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf ver­mag zwar grund­sätz­lich auch Beein­träch­ti­gun­gen der Frei­heit und Gleich­heit der Wahl sowie der Chan­cen­gleich­heit poli­ti­scher Par­tei­en zu recht­fer­ti­gen und steht auf der­sel­ben Rang­stu­fe wie Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf und Art. 21 Abs. 1 GG als Teil des Lan­des­ver­fas­sungs­rechts. Gleich­wohl kann Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf die Ein­füh­rung einer Pflicht zur pari­tä­ti­schen Beset­zung der Lan­des­lis­ten nicht recht­fer­ti­gen. Der Ent­ste­hungs­ge­schich­te, nament­lich den Bera­tun­gen im Ver­fas­sungs- und Geschäfts­ord­nungs­aus­schuss ein­schließ­lich der Abstim­mung über dort gestell­te Anträ­ge lässt sich ent­neh­men, dass der Ver­fas­sungs­ge­ber Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf nicht als Recht­fer­ti­gung einer sol­chen Pflicht ver­stan­den wis­sen woll­te. Der Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­richts­hof darf (im Hin­blick auf den Gewal­ten­tei­lungs­grund­satz) der Bestim­mung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf kei­nen Bedeu­tungs­ge­halt bei­le­gen, der nur im Wege einer förm­li­chen Ver­fas­sungs­än­de­rung nach Art. 83 Thür­Verf in die Ver­fas­sung des Frei­staats Thü­rin­gen ein­ge­führt wer­den könn­te.
Die Ent­schei­dung des Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs erging mit 6:3 Stim­men.
Das Thü­rin­ger Pari­täts­ge­setz
Das Thü­rin­ger Pari­täts­ge­setz im juris­ti­schen Schrift­tum
Zuläs­sig­keit des Nor­men­kon­troll­an­trags
Prüf­kom­pe­tenz und Prüf­maß­stab des Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs
Frei­heit und Gleich­heit der Wahl
Frei­heit der Wahl
Pas­si­ve Wahl­frei­heit
Gleich­heit der Wahl
Pas­si­ve Wahl­rechts­gleich­heit
Betä­ti­gungs­frei­heit, Pro­gramm­frei­heit und Chan­cen­gleich­heit pol­ti­scher Par­tei­en
Grün­dungs- und Betä­ti­gungs­frei­heit poli­ti­scher Par­tei­en
Pro­gramm­frei­heit poli­ti­scher Par­tei­en
Chan­cen­gleich­heit poli­ti­scher Par­tei­en
Kei­ne Recht­fer­ti­gung der Ein­grif­fe
Demo­kra­tie­prin­zip
Wah­len als Inte­gra­ti­ons­vor­gang
Gleich­stel­lungs­ge­bot
Nich­tig­keit des Thü­rin­ger Pari­täts­ge­set­zes
Dis­sen­ting Votes
Son­der­vo­tum des Rich­ters Heß­el­mann
Son­der­vo­tum der Rich­ter Licht und Peter­mann
Die Frak­tio­nen der Par­tei­en Die Lin­ke, SPD und Bünd­nis 90/​Die Grü­nen brach­ten am 20.03.2019 den Ent­wurf für ein Gesetz zur Ände­rung des Thü­rin­ger Lan­des­wahl­ge­set­zes ein [2]. Die­ser Gesetz­ent­wurf hat­te fol­gen­den Inhalt:
Das Thü­rin­ger Lan­des­wahl­ge­setz in der Fas­sung vom 28.03.2012 [3], zuletzt geän­dert durch Arti­kel 1 des Geset­zes vom 24.04.2017 [4], wird wie folgt geän­dert:
§ 29 wird wie folgt geän­dert:
Nach Absatz 4 wird fol­gen­der neu­er Absatz 5 ein­ge­fügt:
“(5) Die Lan­des­lis­te ist abwech­selnd mit Frau­en und Män­nern zu beset­zen, wobei der ers­te Platz mit einer Frau oder einem Mann besetzt wer­den kann. In Aus­nah­me­fäl­len kön­nen auch die den Frau­en vor­be­hal­te­nen Lis­ten­plät­ze mit Män­nern besetzt wer­den, falls sich nicht genü­gend Kan­di­da­tin­nen zur Wahl stel­len. Die den Män­nern vor­be­hal­te­nen Lis­ten­plät­ze kön­nen in Aus­nah­me­fäl­len mit Frau­en besetzt wer­den, falls sich nicht genü­gend Kan­di­da­ten zur Wahl stel­len. Das Geschlecht, das unter den Mit­glie­dern einer Par­tei in der Min­der­heit ist, muss min­des­tens ent­spre­chend sei­nem zah­len­mä­ßi­gen Ver­hält­nis auf der Lis­te ver­tre­ten sein. Per­so­nen, die im Per­so­nen­stands­re­gis­ter als ‚divers’ regis­triert sind, kön­nen unab­hän­gig von der Rei­hen­fol­ge der Lis­ten­plät­ze kan­di­die­ren. Nach einer diver­sen Per­son kann sowohl ein Mann, als auch eine Frau kan­di­die­ren. Die Kan­di­da­tur einer Par­tei, wel­che aus pro­gram­ma­ti­schen Grün­den aus­schließ­lich einem Geschlecht zuzu­ord­nen ist, bleibt unbe­rührt.“
Der bis­he­ri­ge Absatz 5 wird Absatz 6.
In § 30 Abs. 1 wer­den nach Satz 3 fol­gen­de Sät­ze ein­ge­fügt:
„Wahl­vor­schlä­ge, die nicht den Anfor­de­run­gen des § 29 Abs. 5 ent­spre­chen, wer­den zurück­ge­wie­sen; Wahl­vor­schlä­ge, die zum Teil den Anfor­de­run­gen des § 29 Abs. 5 nicht ent­spre­chen, wer­den nur bis zu dem Lis­ten­platz zuge­las­sen, mit des­sen Beset­zung die Vor­ga­ben des § 29 Abs. 5 noch erfüllt sind (Teil­zu­rück­wei­sung). Dies gilt auch für die Strei­chung ein­zel­ner Bewer­bun­gen, die gegen § 29 Abs. 5 ver­sto­ßen.“
Die Prä­si­den­tin bezie­hungs­wei­se der Prä­si­dent des Land­tags erhält die Ermäch­ti­gung, eine Neu­fas­sung des ent­spre­chend Arti­kel 1 die­ses Geset­zes geän­der­ten Thü­rin­ger Lan­des­wahl­ge­set­zes in geschlech­ter­ge­rech­ter Spra­che zu ver­fas­sen und im Gesetz- und Ver­ord­nungs­blatt zu ver­kün­den.
Die­ses Gesetz tritt am 1.01.2020 in Kraft.
Nach der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs soll­te die Ände­rung als „kom­pen­sa­to­ri­sche För­der­maß­nah­me“ sowohl der Durch­set­zung des indi­vi­du­el­len Rechts weib­li­cher Kan­di­da­ten auf fai­re, chan­cen­glei­che, demo­kra­ti­sche Teil­ha­be nach Art. 3 Abs. 2, Art. 38 Abs. 1, Art. 21 Abs. 1 Satz 3 des Grund­ge­set­zes für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land als auch der tat­säch­li­chen Gleich­be­rech­ti­gung von Frau­en in der gesell­schaft­li­chen Wirk­lich­keit und damit der Erfül­lung des staat­li­chen Auf­trags aus Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG und Art. 2 Abs. 2 der Ver­fas­sung des Frei­staats Thü­rin­gen (Thür­Verf) die­nen. Trotz der Vor­ga­ben in Art. 3 Abs. 2 GG und Art. 2 Abs. 2 Thür­Verf sei die tat­säch­lich gleich­be­rech­tig­te und damit pari­tä­ti­sche Ver­tre­tung von Frau­en in den Par­la­men­ten immer noch nicht erreicht, was sich auf den Inhalt poli­ti­scher Ent­schei­dun­gen und ins­be­son­de­re die Rechts­set­zung aus­wir­ke. Die Rege­lun­gen des gel­ten­den Lan­des­wahl­rechts ermög­lich­ten kei­ne gleich­be­rech­tig­te demo­kra­ti­sche Teil­ha­be von Frau­en, da sie als Kan­di­da­ten sel­te­ner auf­ge­stellt wür­den und so die gerin­ge­re Chan­ce erhiel­ten, ein Man­dat zu erlan­gen.
Nach meh­re­ren Bera­tun­gen im Ple­num und in den Aus­schüs­sen stell­ten die Frak­tio­nen der Par­tien Die Lin­ke, SPD und Bünd­nis 90/​Die Grü­nen am 26.06.2019 einen Ände­rungs­an­trag [5]. Der Gesetz­ent­wurf soll­te danach wie folgt geän­dert wer­den:
Arti­kel 1 wird wie folgt geän­dert: § 29 wird wie folgt neu gefasst:
„Die Lan­des­lis­te ist abwech­selnd mit Frau­en und Män­nern zu beset­zen, wobei der ers­te Platz mit einer Frau oder einem Mann besetzt wer­den kann. Per­so­nen, die im Per­so­nen­stands­re­gis­ter als „divers“ regis­triert sind, kön­nen unab­hän­gig von der Rei­hen­fol­ge der Lis­ten­plät­ze kan­di­die­ren. Nach der diver­sen Per­son soll eine Frau kan­di­die­ren, wenn auf dem Lis­ten­platz vor der diver­sen Per­son ein Mann steht; es soll ein Mann kan­di­die­ren, wenn auf dem Lis­ten­platz vor der diver­sen Per­son eine Frau steht.“
Arti­kel 2 wird gestri­chen.
Arti­kel 3 wird Arti­kel 2.
Zur Begrün­dung wur­de ange­führt, dass in der Anhö­rung im Innen- und Kom­mu­nal­aus­schuss am 6.06.2019 die im Gesetz­ent­wurf vor­ge­se­he­nen Aus­nah­me­re­ge­lun­gen und Öff­nungs­klau­seln mehr­heit­lich auf Kri­tik der Sach­ver­stän­di­gen gesto­ßen sei­en. Der Aus­nah­me­fall, dass nicht genü­gend Frau­en zur Ver­fü­gung stün­den, sei als unrea­lis­tisch bewer­tet wor­den. Die Öff­nungs­klau­sel für die Kan­di­da­tur von Par­tei­en, die aus pro­gram­ma­ti­schen Grün­den aus­schließ­lich einem Geschlecht zuzu­ord­nen sei­en, sei mit der Begrün­dung kri­ti­siert wor­den, dass die Auf­stel­lung ein­ge­schlecht­li­cher Wahl­lis­ten aus Pro­gramm­grün­den ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­sig sei. Zudem müs­se die Bestim­mung zur Kan­di­da­tur diver­ser Per­so­nen geän­dert wer­den, um das Reiß­ver­schluss­prin­zip nicht zu durch­bre­chen. Die Ermäch­ti­gung zur Ände­rung des Thü­rin­ger Wahl­ge­set­zes müs­se man­gels Bestimmt­heit gestri­chen wer­den.
Auf der Grund­la­ge des Ände­rungs­an­trags beschloss der Thü­rin­ger Land­tag das Gesetz als Sieb­tes Gesetz zur Ände­rung des Thü­rin­ger Lan­des­wahl­ge­set­zes – Ein­füh­rung der pari­tä­ti­schen Quo­tie­rung am 5.07.2019. Das Pari­täts­ge­setz wur­de am 30.07.2019 von der Land­tags­prä­si­den­tin aus­ge­fer­tigt und am 19.08.2019 im Geset­zund Ver­ord­nungs­blatt für den Frei­staat Thü­rin­gen ver­öf­fent­licht [1]. Nach Art. 2 trat es am 1.01.2020 in Kraft.
“(5) Die Lan­des­lis­te ist abwech­selnd mit Frau­en und Män­nern zu beset­zen, wobei der ers­te Platz mit einer Frau oder einem Mann besetzt wer­den kann. Per­so­nen, die im Per­so­nen­stands­re­gis­ter als ‚divers’ regis­triert sind, kön­nen unab­hän­gig von der Rei­hen­fol­ge der Lis­ten­plät­ze kan­di­die­ren. Nach der diver­sen Per­son soll eine Frau kan­di­die­ren, wenn auf dem Lis­ten­platz vor der diver­sen Per­son ein Mann steht; es soll ein Mann kan­di­die­ren, wenn auf dem Lis­ten­platz vor der diver­sen Per­son eine Frau steht.“
Die Fra­ge, ob gesetz­li­che Rege­lun­gen, die Par­tei­en zur pari­tä­ti­schen Beset­zung von Lis­ten ver­pflich­ten, mit dem Ver­fas­sungs­recht des Bun­des und der Län­der ver­ein­bar sind, war bis­lang nicht nur Gegen­stand gut­ach­ter­li­cher Stel­lung­nah­men wis­sen­schaft­li­cher Diens­te der Lan­des­par­la­men­te [6]. Die­se Fra­ge wird eben­falls im aktu­el­le­ren rechts­wis­sen­schaft­li­chen Schrift­tum ein­ge­hend erör­tert [7].
Unter den Ver­fas­sungs­ge­rich­ten von Bund und Län­dern hat bis­lang der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof das Bestehen einer ver­fas­sungs­recht­li­chen Pflicht zum Erlass geschlech­ter­pa­ri­tä­ti­scher Wahl­vor­schlags­re­ge­lun­gen in einer jün­ge­ren Ent­schei­dung ver­neint [8].
Die Antrag­stel­le­rin ist als Land­tags­frak­ti­on antrags­be­rech­tigt (Art. 80 Abs. 1 Nr. 4 Thür­Verf i. V. m. § 11 Nr. 4 Thür­VerfGHG) und das Pari­täts­ge­setz ist als Lan­des­recht im Sin­ne von Art. 80 Abs. 1 Nr. 4 Thür­Verf zuläs­si­ger Gegen­stand einer abs­trak­ten Nor­men­kon­trol­le. Der Antrag wur­de in der gebo­te­nen Form begrün­det (vgl. § 18 Abs. 1 Satz 2 Thür­VerfGHG). Die Antrag­stel­le­rin hat zudem dar­ge­legt, dass sie in ihrer Sit­zung am 23.10.2019 durch wirk­sa­men Beschluss ihren Bevoll­mäch­tig­ten mit der Durch­füh­rung eines Nor­men­kon­troll­ver­fah­rens beauf­tragt hat [9].
Im Ver­fah­ren der abs­trak­ten Nor­men­kon­trol­le ist die Prüf­kom­pe­tenz des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs umfas­send. Der Gerichts­hof über­prüft die den Antrags­ge­gen­stand bil­den­den Nor­men auf ihre Ver­ein­bar­keit mit der Thü­rin­ger Ver­fas­sung, ohne dabei auf die im Antrag erho­be­nen Rügen beschränkt zu sein (§ 44 Satz 2 Thür­VerfGHG). Die Prü­fungs­kom­pe­tenz des Gerichts­hofs reicht damit wei­ter als etwa im Rah­men einer Wahl­prü­fungs­be­schwer­de [10].
Die Prü­fungs­maß­stä­be für die Kon­trol­le des Pari­täts­ge­set­zes sind der Thü­rin­ger Ver­fas­sung zu ent­neh­men, zudem aber auch der Bestim­mung des Art. 21 GG, die als bun­des­ver­fas­sungs­recht­li­che Norm in die Thü­rin­ger Ver­fas­sung hin­ein­wirkt und zu deren unge­schrie­be­nen Bestand­tei­len gehört.
In der Recht­spre­chung der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te wie auch des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist aner­kannt, dass die Rege­lung in Art. 21 GG über die Mit­wir­kung von Par­tei­en an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung zu dem in das Lan­des­ver­fas­sungs­recht hin­ein­wir­ken­den Bun­des­ver­fas­sungs­recht und damit zum mate­ri­el­len Lan­des­ver­fas­sungs­recht gehört [11]. Der Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­ber hat dies zudem durch Art. 9 Satz 2 Thür­Verf zum Aus­druck gebracht [12]; danach wird das jedem zuste­hen­de Recht auf Mit­ge­stal­tung des poli­ti­schen Lebens im Frei­staat Thü­rin­gen ins­be­son­de­re durch die Mit­wir­kung in Par­tei­en wahr­ge­nom­men.
Gemäß Art. 100 Abs. 3 GG ist der Gerichts­hof bei der Aus­le­gung der in die Lan­des­ver­fas­sung hin­ein­wir­ken­den Norm des Art. 21 GG gehal­ten, die zu die­ser Norm ergan­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu berück­sich­ti­gen [13].
Das Pari­täts­ge­setz wider­spricht der Thü­rin­ger Ver­fas­sung und dem hin­ein­wir­ken­den Bun­des­ver­fas­sungs­recht. Durch die­ses Gesetz wird in ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­te sub­jek­ti­ve Rech­te ein­ge­grif­fen, ohne dass die­se Beein­träch­ti­gun­gen auf eine ver­fas­sungs­recht­li­che Recht­fer­ti­gung gestützt wer­den kön­nen.
Das Recht auf Gleich­heit und Frei­heit der Wahl des Thü­rin­ger Land­ta­ges beruht auf der Bestim­mung des Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf, durch den der Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­ber die Ver­pflich­tung aus Art. 28 Abs. 1 GG erfüll­te, wonach das Volk in den Län­dern eine Ver­tre­tung haben muss, die aus frei­en und glei­chen Wah­len her­vor­ge­gan­gen ist.
Die­se Rech­te bezie­hen sich nicht nur auf die Wahl selbst, son­dern auch auf wahl­vor­be­rei­ten­de Akte wie die von den Par­tei­en vor­ge­nom­me­ne Auf­stel­lung von Lis­ten­kan­di­da­ten und ‑kan­di­da­tin­nen. Durch die­se Auf­stel­lung wird eine not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für die Wahl selbst geschaf­fen und das akti­ve und pas­si­ve Wahl­recht unmit­tel­bar berührt. Zum Bür­ger­recht auf Teil­nah­me an der Wahl gehört daher auch die Mög­lich­keit, Wahl­vor­schlä­ge zu unter­brei­ten. Mit­hin bezie­hen sich die Gleich­heit und Frei­heit der Wahl auch auf die­ses Wahl­vor­schlags­recht [14].
Das Pari­täts­ge­setz beein­träch­tigt die durch Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf ver­bürg­te Frei­heit der Wahl.
Die Frei­heit der Wahl ver­langt, dass Wah­len nicht durch Zwang und Druck von staat­li­cher Sei­te beein­flusst wer­den und dass der Pro­zess der Wil­lens­bil­dung des Vol­kes „staats­frei“ ver­läuft [15]. Das Pari­täts­ge­setz schränkt hin­ge­gen die Frei­heit der Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler ein, auf die Ver­tei­lung der Geschlech­ter im Par­la­ment durch die Wahl einer Lis­te Ein­fluss zu neh­men, auf der jeweils nur oder über­wie­gend Män­ner oder Frau­en auf­ge­führt sind. Die Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler sind nicht mehr frei, durch die Wahl einer aus­schließ­lich oder über­wie­gend männ­lich oder weib­lich domi­nier­ten Lis­te mit zu bewir­ken, dass im Land­tag mehr Frau­en als Män­ner oder umge­kehrt mehr Män­ner als Frau­en ver­tre­ten sind. Auf die­se Wei­se wird eine bestimm­te geschlechts­be­zo­ge­ne Zusam­men­set­zung des Par­la­ments deter­mi­niert.
Hin­sicht­lich der Lis­ten­auf­stel­lung wird zudem die Frei­heit der Par­tei­mit­glie­der ein­ge­schränkt, auf den jewei­li­gen Lis­ten­platz, der auf­grund des Pari­täts­ge­set­zes für das eine Geschlecht vor­ge­se­hen ist, einen Ver­tre­ter des ande­ren Geschlechts zu wäh­len. Den Par­tei­mit­glie­dern ist es nicht mög­lich, einen Bewer­ber oder eine Bewer­be­rin ganz unbe­se­hen des jewei­li­gen Geschlechts zu wäh­len. Dabei ist der Hin­weis der Lan­des­re­gie­rung, pari­tä­ti­sche Quo­ten­re­ge­lun­gen in Par­tei­sat­zun­gen wür­den wei­test­ge­hend für ver­fas­sungs­ge­mäß gehal­ten, für sich genom­men gewiss zutref­fend. Doch sol­che Quo­ten­re­ge­lun­gen fin­den ihre Recht­fer­ti­gung in der durch Art. 21 Abs. 1 GG garan­tier­ten Frei­heit der Par­tei­en, ihre inne­re Ord­nung ihren pro­gram­ma­ti­schen Zie­len anzu­pas­sen. Aus die­ser Frei­heit folgt nichts für die Fra­ge, ob durch ein staat­li­ches Gesetz – wie hier im Fal­le einer staat­lich ange­ord­ne­ten pari­tä­ti­schen Quo­tie­rung – die akti­ve Wahl­frei­heit beein­träch­tigt wird. Viel­mehr sind infol­ge die­ser gesetz­li­chen Rege­lung die Par­tei­en nicht mehr frei, Quo­ten ein­zu­füh­ren; durch die gesetz­li­che Rege­lung wer­den sie zur Ein­füh­rung einer pari­tä­ti­schen Quo­te gezwun­gen.
Das Pari­täts­ge­setz beein­träch­tigt zudem das durch Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf garan­tier­te Recht der pas­si­ven Wahl­frei­heit.
Die Frei­heit der Wahl begrün­det nicht nur das Recht, ohne staat­li­che Beein­träch­ti­gung zu wäh­len, son­dern auch, als des­sen Kehr­sei­te, das Recht, sich ohne staat­li­che Beschrän­kun­gen zur Wahl zu stel­len (pas­si­ve Wahl­frei­heit). Auf­grund der Rege­lung, nach der die Lis­te – in einer Art „Reiß­ver­schluss­prin­zip“ – abwech­selnd mit Frau­en und Män­ner zu beset­zen ist (§ 29 Abs. 5 Satz 1 des Thü­rin­ger Wahl­ge­set­zes für den Land­tag (Thü­rin­ger Lan­des­wahl­ge­setz – ThürLWG), wird die Frei­heit ein­ge­schränkt, sich auf einen kon­kre­ten Lis­ten­platz zu bewer­ben, sofern die­ser Platz auf­grund jener gesetz­li­chen Rege­lung mit einem Ver­tre­ter des jeweils ande­ren Geschlechts zu beset­zen ist.
Das Pari­täts­ge­setz beein­träch­tigt auch die durch die Ver­fas­sung geschütz­te Gleich­heit der Wahl.
Das Recht der Wahl­gleich­heit gemäß Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf, das sich eben­so wie das der Wahl­frei­heit auch auf die Wahl einer Lan­des­lis­te erstreckt, gebie­tet es, dass jede Stim­me den glei­chen Zähl­wert und im Rah­men des Wahl­sys­tems auch den glei­chen Erfolgs­wert hat [16]. Das Pari­täts­ge­setz sieht hin­ge­gen vor, dass Lis­ten, die nicht oder nicht durch­gän­gig abwech­selnd mit Frau­en und Män­nern besetzt wur­den, zurück­zu­wei­sen sind (§ 30 Abs. 1 Satz 5 ThürLWG). Bei der Auf­stel­lung einer Lis­te ver­lie­ren folg­lich Stim­men ihren Ein­fluss auf das Wahl­er­geb­nis und damit ihren Erfolgs­wert, wenn die­se für eine Frau oder einen Mann abge­ge­ben wer­den, obwohl deren Kan­di­da­tur auf dem kon­kre­ten Lis­ten­platz auf­grund des „Reiß­ver­schluss­prin­zips“ (vgl. § 29 Abs. 5 Satz 1 ThürLWG) nicht zuläs­sig war.
Glei­ches gilt mit Blick auf die Wahl der Lis­te bei der Land­tags­wahl. Wür­de eine Lis­te gebil­det, die nicht in vol­lem Umfang den Anfor­de­run­gen des Pari­täts­ge­set­zes ent­sprä­che, etwa weil eine Par­tei nicht genü­gend bzw. nicht genü­gend geeig­ne­te weib­li­che oder männ­li­che Bewer­ber hat­te, um die Lis­te pari­tä­tisch zu beset­zen, wären die geset­zes­wid­ri­gen Plat­zie­run­gen zu strei­chen (§ 30 Satz 4, 2. Halb­satz ThürLWG). Erhiel­te eine Par­tei aus die­sem Grund weni­ger Man­da­te als sie erhal­ten hät­te, wenn sie auch die nicht zurück­ge­wie­se­nen Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten hät­te zur Wahl stel­len dür­fen, so führ­te auch dies zu einem ande­ren Erfolgs­wert. Der Erfolgs­wert der Stim­men, die für die­se Par­tei mit den zurück­ge­wie­se­nen Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten abge­ge­ben wor­den wären, wäre gerin­ger als der Erfolgs­wert der Stim­men, die eine Par­tei mit einer in vol­lem Umfang dem Pari­täts­ge­setz ent­spre­chen­den Lis­te erhal­ten wür­de.
Das Pari­täts­ge­setz beein­träch­tigt schließ­lich die pas­si­ve Wahl­rechts­gleich­heit, die durch Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf in Ver­bin­dung mit Art. 46 Abs. 2 Thür­Verf geschützt wird.
Indem Art. 46 Abs. 2 Thür­Verf jeden Bür­ger, der das acht­zehn­te Lebens­jahr voll­endet und im Frei­staat Thü­rin­gen sei­nen Lebens­wohn­sitz hat, als „wähl­bar“ erklärt, garan­tiert er jedem ein­zel­nen Bür­ger und jeder ein­zel­nen Bür­ge­rin das Recht, sich zur Wahl zu stel­len (pas­si­ves Wahl­recht). Als Wahl­be­wer­be­rin­nen und Wahl­be­wer­bern garan­tiert ihnen Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf zudem ein Recht auf Chan­cen­gleich­heit [17]. Die­se pas­si­ve Wahl­rechts­gleich­heit sichert eine chan­cen­glei­che Mög­lich­keit zur Kan­di­da­tur im inner­par­tei­li­chen Auf­stel­lungs­ver­fah­ren; jeder Wahl­be­wer­be­rin und jedem Wahl­be­wer­ber sind grund­sätz­lich die glei­chen Mög­lich­kei­ten im Wahl­kampf und im Wahl­ver­fah­ren offen­zu­hal­ten [18]. Infol­ge des Pari­täts­ge­set­zes haben jedoch die jewei­li­gen Bewer­ber und Bewer­be­rin­nen mit Blick auf die kon­kre­ten Lis­ten­plät­ze nicht mehr die glei­chen Chan­cen, einen Lis­ten­platz zu errin­gen. Für die Kan­di­da­ten, gleich ob Mann oder Frau, fällt jeweils die Hälf­te der Lis­ten­plät­ze weg, auf die sie sich bewer­ben könn­ten, wenn es das Pari­täts­ge­setz nicht gäbe.
Ver­fas­sungs­recht­lich ist dabei nicht von Belang, dass das Pari­täts­ge­setz – sieht man dabei von dem zah­len­mä­ßig sehr gerin­gen Anteil von Per­so­nen ab, die als „divers“ regis­triert sind (§ 29 Abs. 5 Satz 2 ThürLWG) – Män­nern und Frau­en jeweils die Hälf­te der Lis­ten­plät­ze zuweist, so dass die Chan­ce für die Ver­tre­ter der bei­den Geschlech­ter, auf einen Lis­ten­platz gewählt zu wer­den, im Ergeb­nis gleich wäre. Denn bei einer sol­chen Betrach­tung wür­de ver­kannt, dass das Recht der pas­si­ven Wahl­rechts­gleich­heit das Recht einer jeden ein­zel­nen Bür­ge­rin und eines jeden ein­zel­nen Bür­gers ist. Dies lässt sich der Bestim­mung des Art. 46 Abs. 2 Thür­Verf ent­neh­men. Bei der pas­si­ven Wahl­rechts­gleich­heit han­delt es sich um eine auf das jewei­li­ge Indi­vi­du­um bezo­ge­ne Gleich­heit in Bezug auf des­sen Wahl­chan­cen. Dem gel­ten­den Ver­fas­sungs­recht las­sen sich kei­ne Anhalts­punk­te ent­neh­men, dass die­se ver­fas­sungs­ge­setz­lich garan­tier­te Gleich­heit der ein­zel­nen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger durch Vor­stel­lun­gen einer auf die Geschlech­ter­grup­pen bezo­ge­nen Gleich­heit zu erset­zen wären.
Neben den genann­ten Rech­ten auf Frei­heit und Gleich­heit der Wahl beein­träch­tigt das Pari­täts­ge­setz das durch Art. 21 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit Art. 9 Satz 2 Thür­Verf ver­bürg­te Recht der Par­tei­en auf Betä­ti­gungs­frei­heit, Pro­gramm­frei­heit und Chan­cen­gleich­heit.
Art. 21 Abs. 1 Satz 2 GG garan­tiert für poli­ti­sche Par­tei­en die Grün­dungs- und Betä­ti­gungs­frei­heit, die sich auch auf die Orga­ni­sa­ti­ons- und Pro­gramm­frei­heit erstreckt. Eine poli­ti­sche Par­tei ist damit frei in der Wahl ihrer iden­ti­täts­be­stim­men­den Merk­ma­le, in der Gestal­tung ihrer poli­ti­schen Zie­le, in der Aus­rich­tung ihrer Pro­gram­ma­tik und in der Wahl ihrer The­men [19].
Die Betä­ti­gungs­frei­heit von Par­tei­en umfasst auch die Frei­heit von Par­tei­en, das Per­so­nal zu bestim­men, mit dem sie in den Wett­be­werb um Wäh­ler­stim­men ein­tre­ten wol­len. Die­se Frei­heit wird durch das Pari­täts­ge­setz beein­träch­tigt. Die Par­tei­en wer­den durch das Pari­täts­ge­setz gezwun­gen, das Per­so­nal, das über die Lis­te den Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern vor­ge­schla­gen wer­den soll, geschlechts­be­zo­gen zu bestim­men. Ihnen wird die Frei­heit genom­men, selbst zu ent­schei­den, wie vie­le weib­li­che und wie vie­le männ­li­che Kan­di­da­ten auf ihrer Wahl­vor­schlags­lis­te ver­tre­ten sein sol­len.
Neben der Betä­ti­gungs­frei­heit wird auch die Pro­gramm­frei­heit der Par­tei­en beein­träch­tigt. Das Pari­täts­ge­setz ver­pflich­tet Par­tei­en zwar nicht dazu, bestimm­te Inhal­te in ihre jewei­li­gen Par­tei­pro­gram­me auf­zu­neh­men. Aber es hin­dert Par­tei­en dar­an, Inhal­te und Aus­sa­gen ihres Pro­gramms mit einer spe­zi­fi­schen geschlech­ter­be­zo­ge­nen Beset­zung ihrer Lis­ten zu unter­mau­ern. So wäre eine Par­tei, die in nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se davon aus­geht, ihre poli­ti­sche Pro­gram­ma­tik am bes­ten mit einem beson­ders hohen Frau­en- oder umge­kehrt mit einem beson­ders hohen Män­ner­an­teil der Wäh­ler­schaft nahe zu brin­gen, gezwun­gen, auf die­sen Weg zur Ver­mitt­lung ihrer Pro­gram­ma­tik zu ver­zich­ten. Die freie Wahl der Mit­tel, das Par­tei­pro­gramm der Wäh­ler­schaft zu prä­sen­tie­ren, ist Teil der Pro­gramm­frei­heit selbst.
Die­se Beein­träch­ti­gung der Pro­gramm­frei­heit kann ent­ge­gen der Auf­fas­sung der anhö­rungs­be­rech­tig­ten Lan­des­re­gie­rung nicht mit dem Argu­ment ver­neint wer­den, es sei ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­sig, eine rei­ne Män­ner­par­tei oder eine rei­ne Frau­en­par­tei zu grün­den, da eine sol­che Par­tei mit Geschlech­ter­ex­klu­si­vi­tät gegen Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG ver­sto­ße, wonach die inne­re Ord­nung von Par­tei­en „demo­kra­ti­schen Grund­sät­zen“ ent­spre­chen müs­se. Bei die­ser Argu­men­ta­ti­on wird über­se­hen, dass sich die „demo­kra­ti­schen Grund­sät­ze“ im Sin­ne des Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG auf das Ver­fah­ren der poli­ti­schen Mei­nungs- und Wil­lens­bil­dung bezie­hen, also auf die Rück­führ­bar­keit ver­bind­li­cher Nor­men auf den Wil­len eines kol­lek­ti­ven Sub­jekts. Die Fra­ge der ver­fas­sungs­ge­setz­lich spe­zi­ell durch Grund­rechts­be­stim­mun­gen gere­gel­ten Gleich­be­rech­ti­gung der Geschlech­ter (vgl. Art. 2 Abs. 2 Satz 1 Thür­Verf, Art. 3 Abs. 2 Satz 1 GG) ist aber kei­ne der „demo­kra­ti­schen Grund­sät­ze“ (vgl. dazu Art.20 Abs. 2, Art. 28 Abs. 2, Art. 38 Abs. 1 GG). Sie wird von die­sen nicht mit­um­fasst.
Schließ­lich geht mit dem Pari­täts­ge­setz eine Beein­träch­ti­gung des Rechts der Par­tei­en auf Chan­cen­gleich­heit ein­her.
Das in Art. 21 Abs. 1 GG eben­falls garan­tier­te Recht der Chan­cen­gleich­heit [20] ist for­mal zu ver­ste­hen. Der öffent­li­chen Gewalt ist mit­hin jede unter­schied­li­che Behand­lung der Par­tei­en, durch die deren Chan­cen­gleich­heit bei Wah­len ver­än­dert wer­den kann, ver­fas­sungs­kräf­tig ver­sagt, sofern sie sich nicht durch einen beson­ders zwin­gen­den Grund recht­fer­ti­gen lässt [21]. Zu berück­sich­ti­gen ist dabei zudem, dass ein Gesetz, das in sei­nem Wort­laut eine unglei­che Behand­lung ver­mei­det und sei­nen Gel­tungs­be­reich abs­trakt und all­ge­mein umschreibt, dem Gleich­be­hand­lungs­an­spruch dann wider­spricht, wenn sich aus sei­ner prak­ti­schen Aus­wir­kung eine offen­ba­re Ungleich­heit ergibt und die­se unglei­che Aus­wir­kung gera­de auf die recht­li­che Gestal­tung zurück­zu­füh­ren ist [22]. Der aus dem Recht auf Chan­cen­gleich­heit flie­ßen­de Anspruch auf glei­che Wett­be­werbs­be­din­gun­gen aller Par­tei­en bei Wah­len kann mit­hin auch durch die mit­tel­ba­ren Wir­kun­gen eines Geset­zes beein­träch­tigt wer­den.
Die­ser Anspruch wird infol­ge des Pari­täts­ge­set­zes zunächst bei sol­chen Par­tei­en beein­träch­tigt, die einen wesent­lich höhe­ren Anteil eines Geschlechts unter ihren Mit­glie­dern haben. In einem sol­chen Fall müs­sen sie unter Umstän­den ent­we­der mit erheb­lich weni­ger Kan­di­da­tin­nen oder Kan­di­da­ten antre­ten als sie mög­li­cher­wei­se in das Par­la­ment brin­gen könn­ten oder aber aus dem klei­ne­ren Anteil des ande­ren Geschlechts mit nicht zu ver­nach­läs­si­gen­der Wahr­schein­lich­keit aus Sicht der jewei­li­gen Par­tei weni­ger gut geeig­ne­te Kan­di­da­tin­nen oder Kan­di­da­ten zur Wahl vor­schla­gen.
Dar­über hin­aus wirkt sich das Gesetz auch für Par­tei­en mit einer gerin­gen Mit­glie­der­an­zahl benach­tei­li­gend aus. Für sie besteht die Gefahr, dass sie nicht alle Lis­ten­plät­ze beset­zen und damit weni­ger Kan­di­da­tin­nen oder Kan­di­da­ten in ein Par­la­ment brin­gen kön­nen, als sie dies ohne das Pari­täts­ge­setz tun könn­ten.
Nicht zuletzt liegt eine Beein­träch­ti­gung des Anspruchs auf Chan­cen­gleich­heit und – davon umfasst – auf glei­che Wett­be­werbs­be­din­gun­gen dar­in, dass das Pari­täts­ge­setz sich auch in pro­gram­ma­tisch-per­so­nel­ler Hin­sicht in unglei­cher Wei­se aus­wirkt. Es trifft sol­che Par­tei­en stär­ker, die sich die beson­de­re För­de­rung eines Geschlechts auf ihre Fah­nen geschrie­ben haben und dies durch eine durch­gän­gi­ge Beset­zung vor­de­rer Lis­ten­plät­ze durch Ver­tre­ter die­ses Geschlechts zum Aus­druck brin­gen wol­len.
Die durch das Pari­täts­ge­setz bewirk­ten Beein­träch­ti­gun­gen des Rechts auf Frei­heit und Gleich­heit der Wahl (Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf) sowie der Rech­te der Par­tei­en auf Betä­ti­gungs­frei­heit, Pro­gramm­frei­heit und Chan­cen­gleich­heit (Art. 21 Abs. 1 GG) sind nicht gerecht­fer­tigt.
Zunächst ist zu berück­sich­ti­gen, dass Beein­träch­ti­gun­gen der Wahl­rechts­gleich­heit sowie des Rechts der Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en beson­de­ren Recht­fer­ti­gungs­an­for­de­run­gen unter­lie­gen.
So sind Beein­träch­ti­gun­gen der Wahl­rechts­gleich­heit infol­ge von Dif­fe­ren­zie­run­gen des Erfolgs­werts nur unter Vor­aus­set­zun­gen gerecht­fer­tigt, die in der For­mel des „zwin­gen­den Grun­des“ zusam­men­ge­fasst sind. Dies sind sol­che Grün­de, die durch die Ver­fas­sung legi­ti­miert und von einem Gewicht sind, das der Wahl­rechts­gleich­heit die Waa­ge hal­ten kann. Dar­über hin­aus müs­sen sie zur Ver­fol­gung ihrer Zwe­cke geeig­net und erfor­der­lich sein; zudem rich­tet sich ihr erlaub­tes Aus­maß auch nach der Inten­si­tät, mit der in das Recht auf Gleich­heit der Wahl ein­ge­grif­fen wird [16].
Für Beein­träch­ti­gun­gen des Rechts der Par­tei­en auf Chan­cen­gleich­heit gilt sogar, dass jede unter­schied­li­che Behand­lung von Par­tei­en, durch die deren Chan­cen­gleich­heit bei Wah­len ver­än­dert wer­den kann, ver­fas­sungs­kräf­tig unter­sagt ist, wenn sie sich nicht durch einen „beson­ders zwin­gen­den Grund“ recht­fer­ti­gen lässt [23].
Das Demo­kra­tie­prin­zip, wie es in Art. 45 Satz 1 Thür­Verf und Art.20 Abs. 2 Satz 1 GG zum Aus­druck kommt, ver­mag das Pari­täts­ge­setz nicht zu recht­fer­ti­gen.
Nach Auf­fas­sung der Anhö­rungs­be­rech­tig­ten zu 2., der Lan­des­re­gie­rung, for­dert aller­dings der im Demo­kra­tie­prin­zip ver­an­ker­te Anspruch auf gleich­be­rech­tig­te demo­kra­ti­sche Teil­nah­me und effek­ti­ve Ein­fluss­nah­me, dass die gesell­schafts­po­li­ti­schen Per­spek­ti­ven der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger im Par­la­ment gleich­mä­ßig ‚gespie­gelt‘ wer­den kön­nen. Das so begrün­de­te Gebot der tat­säch­li­chen Wider­spie­ge­lung der in der Wäh­ler­schaft vor­han­de­nen Mei­nun­gen ver­lan­ge eine gleich­mä­ßi­ge pari­tä­ti­sche Auf­stel­lung von Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten in den Wahl­vor­schlä­gen der Par­tei­en, da eine effek­ti­ve Ein­fluss­nah­me auf die Staats­ge­walt real bis­lang über­wie­gend nur Män­nern auf­grund ihres demo­kra­ti­schen Vor­sprungs in allen poli­ti­schen Berei­chen mög­lich sei.
Eine sol­che „Spie­ge­lungs­theo­rie“ ist dem deut­schen Ver­fas­sungs­recht jedoch fremd. Dem Bun­des­ver­fas­sungs­recht zufol­ge ist dem in Art.20 Abs. 2 GG und Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG ent­hal­te­nen Prin­zip der Reprä­sen­ta­ti­on ein Orga­ni­sa­ti­ons­mo­dell zu ent­neh­men, wel­ches dem Volk die maß­geb­li­che Bestim­mungs­macht über die staat­li­che Gewalt ver­schaf­fen soll. Nach die­sem Prin­zip ver­tritt jede und jeder Abge­ord­ne­te das gesam­te Volk und ist die­sem gegen­über ver­ant­wort­lich. Die Abge­ord­ne­ten sind nicht einem Land, einem Wahl­kreis, einer Par­tei oder einer Bevöl­ke­rungs­grup­pe, son­dern dem gan­zen Volk gegen­über ver­ant­wort­lich; sie reprä­sen­tie­ren das Volk grund­sätz­lich in ihrer Gesamt­heit, nicht als Ein­zel­ne [24]. Im Par­la­ment schla­gen sich die par­tei­po­li­ti­schen Prä­fe­ren­zen des Vol­kes nie­der, nicht des­sen geschlech­ter­mä­ßi­ge, sozio­lo­gi­sche oder sons­ti­ge Zusam­men­set­zung.
Die­ses vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit Blick auf das Grund­ge­setz erkann­te Ver­ständ­nis demo­kra­ti­scher Reprä­sen­ta­ti­on liegt auch dem thü­rin­gi­schen Ver­fas­sungs­recht zugrun­de, da die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung in den Län­dern auf­grund des grund­ge­setz­li­chen Homo­ge­ni­täts­ge­bo­tes (Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG) den demo­kra­ti­schen Grund­sät­zen des Grund­ge­set­zes ent­spre­chen muss und der thü­rin­gi­sche Ver­fas­sungs­ge­ber die­sem Gebot mit Art. 45 Thür­Verf sowie Art. 53 Abs.1 Satz 1 Thür­Verf auch ent­spro­chen hat. Nach Art. 45 Thür­Verf geht alle Staats­ge­walt vom Vol­ke aus, das sei­nen Wil­len durch Wah­len, Volks­be­geh­ren und Volks­ent­scheid ver­wirk­licht und mit­tel­bar durch die ver­fas­sungs­ge­mäß bestell­ten Orga­ne der Gesetz­ge­bung, voll­zie­hen­den Gewalt und Recht­spre­chung han­delt. Zudem sind nach Art. 53 Abs. 1 Satz 1 Thür­Verf die Abge­ord­ne­ten des Land­tags Ver­tre­ter aller Bür­ger des Lan­des.
Das Pari­täts­ge­setz kann auch nicht mit der Argu­men­ta­ti­on der Lan­des­re­gie­rung gerecht­fer­tigt wer­den, wonach Wah­len von Volks­ver­tre­tun­gen dar­auf ziel­ten, den Cha­rak­ter von Wah­len als Inte­gra­ti­ons­vor­gang bei der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung zu sichern, und die­ses Ziel erst dann erreicht wer­de, wenn tat­säch­lich die Mög­lich­keit gleich­be­rech­tig­ter Teil­nah­me aller Bür­ge­rin­nen und Bür­ger am Pro­zess der Wil­lens­bil­dung bestehe.
Es trifft zwar zu, dass in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts die Siche­rung der Wahl als Inte­gra­ti­ons­vor­gang bei der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung als zwin­gen­der Grund aner­kannt ist, der Beein­träch­ti­gun­gen der Wahl­rechts­gleich­heit und der Chan­cen­gleich­heit von Par­tei­en recht­fer­ti­gen kann [25].
Die­se Recht­fer­ti­gung zielt jedoch auf die Inte­gra­ti­on poli­ti­scher Kräf­te [26], nicht dage­gen auf eine Inte­gra­ti­on des männ­li­chen und weib­li­chen Geschlechts. Es wäre lebens­fremd, die Bevöl­ke­rungs­grup­pe der Frau­en und die der Män­ner als zu inte­grie­ren­de poli­ti­sche Kräf­te im Sin­ne des von der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ange­nom­men Recht­fer­ti­gungs­grun­des anzu­se­hen.
Über­dies ist das Argu­ment der Lan­des­re­gie­rung kaum nach­voll­zieh­bar, wonach eine wie immer vor­stell­ba­re Inte­gra­ti­on des weib­li­chen und männ­li­chen Geschlechts erst erreicht wer­de, wenn die Mög­lich­keit gleich­be­rech­tig­ter Teil­nah­me der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger am poli­ti­schen Pro­zess tat­säch­lich bestehe. Denn tat­säch­lich sind Män­ner und Frau­en sowohl in akti­ver wie pas­si­ver Hin­sicht glei­cher­ma­ßen wahl- und damit in Hin­sicht auf den Vor­gang der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung auch glei­cher­ma­ßen teil­nah­me­be­rech­tigt. Män­ner haben inso­weit (tat­säch­lich) nicht mehr Rech­te als Frau­en und Frau­en nicht mehr Rech­te als Män­ner.
Davon ist die Fra­ge zu tren­nen, ob Frau­en auf­grund tat­säch­li­cher Gege­ben­hei­ten die­se Rech­te weni­ger wahr­neh­men wol­len oder kön­nen und der Gesetz­ge­ber Maß­nah­men ergrei­fen darf oder sogar muss, die­se Gege­ben­hei­ten zu ver­än­dern, eben etwa durch eine pari­tä­ti­sche Quo­tie­rung. Für die­se Fra­ge ist die Siche­rung des Cha­rak­ters als Vor­gang der Inte­gra­ti­on poli­ti­scher Kräf­te jedoch ohne ver­fas­sungs­recht­li­che Rele­vanz.
Auch das in Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf ver­an­ker­te Gleich­stel­lungs­ge­bot kann die mit dem Pari­täts­ge­setz ein­her­ge­hen­den Beein­träch­ti­gun­gen der genann­ten Rech­te nicht recht­fer­ti­gen.
Nach Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf sind das Land, sei­ne Gebiets­kör­per­schaf­ten und ande­re Trä­ger der öffent­li­chen Ver­wal­tung ver­pflich­tet, die tat­säch­li­che Gleich­stel­lung von Frau­en und Män­nern in allen Berei­chen des öffent­li­chen Lebens durch geeig­ne­te Maß­nah­men zu för­dern und zu sichern. Dem Wort­laut die­ser Ver­fas­sungs­norm zufol­ge han­delt es sich um eine Staats­ziel­be­stim­mung, die kein sub­jek­ti­ves Recht begrün­det [27]. Dem Ziel, die tat­säch­li­che Gleich­stel­lung zu för­dern, ent­spricht ein Hin­wir­kungs­ge­bot, dem Ziel, sie zu sichern, ein Rück­schritts­ver­bot.
Der Umfang der durch Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf begrün­de­ten Ver­pflich­tung reicht inhalt­lich über den Gehalt der ver­wand­ten bun­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Bestim­mung des Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG hin­aus.
Nach Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG „för­dert“ der Staat „die tat­säch­li­che Durch­set­zung der Gleich­be­rech­ti­gung von Frau­en und Män­nern und wirkt auf die Besei­ti­gung bestehen­der Nach­tei­le hin“. Dem­ge­gen­über ver­langt die Thü­rin­ger Ver­fas­sung „die tat­säch­li­che Gleich­stel­lung von Frau­en und Män­nern“ und sie ver­pflich­tet nicht nur dazu, die­se „zu för­dern“, son­dern auch „zu sichern“.
Das Grund­ge­setz gebie­tet aber nicht, die Bestim­mung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf mit Blick auf Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG ein­engend aus­zu­le­gen.
Als der Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­ber im Jah­re 1993 Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf in Kraft setz­te, war er nicht etwa durch Art.20 Abs. 3 GG an ein mög­li­cher­wei­se in Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG ent­hal­te­nes Gebot gebun­den, Gleich­stel­lungs- bzw. Gleich­be­rech­ti­gungs­ver­pflich­tun­gen nur in der von der Bun­des­ver­fas­sung gere­gel­ten Wei­se zu erlas­sen. Denn Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG ist erst 1994, also zeit­lich nach Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf, in das Grund­ge­setz auf­ge­nom­men wor­den.
Dar­über hin­aus ist nicht zu erken­nen, dass die Bestim­mung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf die Gren­zen ver­letzt, die das Grund­ge­setz dem Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­ber ins­be­son­de­re durch die Bestim­mun­gen der Art. 142, Art. 31 und Art. 28 Abs. 1 GG zieht.
Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf ver­stößt nicht gegen Art. 142 GG, wonach auch vom Grund­ge­setz abwei­chen­de Bestim­mun­gen der Lan­des­ver­fas­sun­gen inso­weit in Kraft blei­ben, als sie in Über­ein­stim­mung mit dem Grund­ge­setz Grund­rech­te gewähr­leis­ten. Bei der Gleich­stel­lungs­ver­pflich­tung der Thü­rin­ger Ver­fas­sung han­delt es sich nicht um eine Vor­schrift, die Grund­rech­te gewähr­leis­tet. Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf sta­tu­iert kein Grund­recht, son­dern – wie bereits aus­ge­führt – eine Staats­ziel­be­stim­mung. Eine sol­che wird von Art. 142 GG nicht erfasst.
Grund­sätz­lich besit­zen Staats­ziel­be­stim­mun­gen zwar die Kraft, Beein­träch­ti­gun­gen sub­jek­ti­ver Rech­te zu recht­fer­ti­gen, so dass von ihnen eine auch grund­rechts­be­schrän­ken­de und ‑ver­kür­zen­de Wir­kung aus­ge­hen kann. In dem hier zu ent­schei­den­den Fall ste­hen jedoch kei­ne Grund­rech­te, son­dern mit der Frei­heit und Gleich­heit der Wahl sowie den Rech­ten der poli­ti­schen Par­tei­en allein grund­rechts­glei­che Rech­te des Lan­des­ver­fas­sungs­rechts in Rede, die sich auf den Pro­zess demo­kra­ti­scher Wil­lens­bil­dung bezie­hen. Die Ver­ein­bar­keit von Beschrän­kun­gen und Ver­kür­zun­gen sol­cher Rech­te mit Bun­des­ver­fas­sungs­recht bemisst sich nach Art. 28 Abs. 1 GG.
Auch Art. 31 GG, wonach Bun­des­recht Lan­des­recht bricht, gebie­tet nicht, den Sinn­ge­halt und den Anwen­dungs­um­fang des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf auf den des Arti­kel 3 Abs. 2 Satz 2 GG zu beschrän­ken. Art. 31 GG regelt die Lösung von Wider­sprü­chen zwi­schen Bun­des- und Lan­des­recht [28]. Ein sol­cher Wider­spruch ist indes­sen nicht schon dann anzu­neh­men, wenn eine Norm der Lan­des­ver­fas­sung inhalt­lich von einer Norm der Bun­des­ver­fas­sung dadurch abweicht, dass sie einen wei­ter­ge­hen­den Anwen­dungs­um­fang hat. Ein Wider­spruch ist bei der Unver­ein­bar­keit von lan­des- mit bun­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Nor­men gege­ben und erst dann anzu­neh­men, wenn bezüg­lich der lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Norm eine inhalt­li­che Abwei­chung durch wei­ter­ge­hen­den Anwen­dungs­um­fang zu beja­hen und der bun­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Bestim­mung der Norm­be­fehl zu ent­neh­men ist, gera­de eine sol­che Erwei­te­rung zu unter­las­sen [29]. Für einen sol­chen in Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG ent­hal­te­nen Norm­be­fehl, auf Ebe­ne der Lan­des­ver­fas­sung wei­ter­ge­hen­de Gleich­stel­lungs­ver­pflich­tun­gen zu unter­las­sen, fehlt jedoch jeg­li­cher Anhalt.
Schließ­lich erfasst die für die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung in den Län­dern ver­bind­li­che Klau­sel des Art. 28 Abs. 1 GG nicht die Fra­ge der Gleich­stel­lung bzw. Gleich­be­rech­ti­gung von Män­nern und Frau­en. Über­dies ver­langt sie nur ein „gewis­ses Maß an Homo­ge­ni­tät“ [30]. Jen­seits des Orga­ni­sa­ti­ons­mo­dells der demo­kra­ti­schen Reprä­sen­ta­ti­on sind die kon­kre­ten Aus­ge­stal­tun­gen, die die in Art. 28 Abs. 1 GG genann­ten Grund­sät­ze im Grund­ge­setz gefun­den haben, für die Lan­des­ver­fas­sun­gen nicht ver­bind­lich [31]. Sie erlau­ben umfang­rei­che Varia­ti­ons­mög­lich­kei­ten [32].
Bei der inhalt­lich über Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG hin­aus­rei­chen­den Gleich­stel­lungs­ver­pflich­tung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf han­delt es sich um eine Ver­fas­sungs­norm, die Beein­träch­ti­gun­gen ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­ter Rech­te grund­sätz­lich recht­fer­ti­gen kann. Dies gilt auch im Hin­blick auf sol­che Rech­te, wel­che im Pro­zess der demo­kra­ti­schen Wil­lens­bil­dung die Gleich­heit der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wie auch die Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en gewähr­leis­ten.
Die Norm des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf steht auf der­sel­ben Rang­stu­fe wie die des Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf und die des Art. 21 Abs. 1 GG als „hin­ein­wir­ken­des“ Bun­des­ver­fas­sungs­recht und damit mate­ri­el­les Lan­des­ver­fas­sungs­recht. Folg­lich kann von der Gleich­stel­lungs­norm im Fall ihrer sys­te­ma­ti­schen Zuord­nung zu den Bestim­mun­gen über die Wahl­rechts­gleich­heit und Chan­cen­gleich­heit prin­zi­pi­ell auch eine begren­zen­de Wir­kung aus­ge­hen.
Auch der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts einer­seits zum Ver­hält­nis der Wahl­rechts­grund­sät­ze des Art. 38 Abs. 1 GG zum all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG sowie ande­rer­seits zum Ver­hält­nis der spe­zi­el­len Gleich­heits­sät­ze unter­ein­an­der kann nichts Gegen­tei­li­ges ent­nom­men wer­den. Dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zufol­ge kann zwar im Anwen­dungs­be­reich der spe­zi­el­len wahl­recht­li­chen Gleich­heits­sät­ze nicht auf den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz zurück­ge­grif­fen wer­den [33]. Zudem ste­hen nach sei­ner Recht­spre­chung beson­de­re Gleich­heits­sät­ze grund­sätz­lich im Ver­hält­nis der Ide­al­kon­kur­renz zuein­an­der, so dass dann, wenn eine dif­fe­ren­zie­ren­de Behand­lung meh­re­re in ihrem Anwen­dungs­be­reich unter­schied­li­che spe­zi­el­le Gleich­heits­ge­bo­te berüh­re, sie an jedem die­ser Gebo­te gemes­sen wer­den müs­se [34].
Doch die­se Recht­spre­chung trägt zur Beant­wor­tung der Fra­ge nichts bei, ob die Gleich­stel­lungs­ver­pflich­tung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf Beein­träch­ti­gun­gen der Gleich­heit der Wahl sowie der Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en recht­fer­ti­gen kann. Bei der Ver­pflich­tung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf han­delt es sich nicht um einen Gleich­heits­satz im Sin­ne einer grund­recht­li­chen Ver­bür­gung, wie sie die genann­te Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Gegen­stand hat, son­dern um eine Staats­ziel­be­stim­mung, die gera­de anders als Gleich­heits­grund­rech­te kein sub­jek­ti­ves Recht begrün­det. Dass eine Staats­ziel­be­stim­mung grund­sätz­lich als Recht­fer­ti­gung von Beein­träch­ti­gun­gen sub­jek­ti­ver Rech­te in Betracht zu zie­hen ist, bedarf kei­ner wei­te­ren Begrün­dung.
Bei dem von Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf inten­dier­ten Ziel der Gleich­stel­lung von Män­nern und Frau­en han­delt es sich um ein ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­tes Gut, das als Recht­fer­ti­gungs­grund für Beein­träch­ti­gun­gen auch der Frei­heit und Gleich­heit der Wahl grund­sätz­lich in Fra­ge kommt.
Beein­träch­ti­gun­gen der Wahl­frei­heit und ‑gleich­heit bedür­fen zu ihrer Recht­fer­ti­gung zwar stets beson­de­rer Grün­de, die durch die Ver­fas­sung legi­ti­miert und von min­des­tens glei­chem Gewicht wie die Frei­heit und Gleich­heit der Wahl sind, so dass sie als „zwin­gend“ qua­li­fi­ziert wer­den kön­nen [35]. Dabei exis­tiert jedoch ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Antrag­stel­le­rin kein nume­rus clau­sus von Recht­fer­ti­gungs­grün­den in dem Sin­ne, dass nur sol­che Grün­de als „zwin­gend“ ange­se­hen wer­den, die der Ver­wirk­li­chung des Demo­kra­tie­prin­zips die­nen bzw. den Staat als demo­kra­ti­schen Staat kon­sti­tu­ie­ren und sich etwa allein auf die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Par­la­ments oder auf den Schutz von Wah­len und ihrer Zwe­cke bezie­hen [36].
Dem­entspre­chend schei­det die Gleich­stel­lung von Män­nern und Frau­en nicht von vorn­her­ein aus dem Kreis mög­li­cher Recht­fer­ti­gungs­grün­de aus, zumal der Wort­laut der Bestim­mung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf („in allen Berei­chen des öffent­li­chen Lebens“) sowie die Ent­ste­hungs­ge­schich­te [37] kei­nes­falls den Schluss nahe­le­gen, dass der Bereich staat­li­cher Wah­len gegen­über den Wir­kun­gen die­ser Ver­fas­sungs­be­stim­mung gänz­lich abge­schirmt wer­den soll­te.
Doch auch wenn die Gleich­stel­lungs­ver­pflich­tung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf grund­sätz­lich zur Recht­fer­ti­gung von Beein­träch­ti­gun­gen der Gleich­heit und Frei­heit der Wahl her­an­ge­zo­gen wer­den kann, ver­mag sie die Ein­füh­rung einer pari­tä­ti­schen Quo­tie­rung bei der Auf­stel­lung von Lan­des­lis­ten nicht zu legi­ti­mie­ren.
Dem Wort­laut der Norm lässt sich nicht ent­neh­men, dass die Gleich­stel­lungs­ver­pflich­tung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf auch auf eine Ermäch­ti­gung des Gesetz­ge­bers zielt, pari­tä­ti­sche Quo­ten­re­ge­lun­gen für die Auf­stel­lung von Lan­des­lis­ten vor­zu­ge­ben.
Die For­mu­lie­rung, wonach das Land ver­pflich­tet ist, „die tat­säch­li­che Gleich­stel­lung von Frau­en und Män­nern in allen Berei­chen des öffent­li­chen Lebens durch geeig­ne­te Maß­nah­men zu för­dern und zu sichern“, lässt nicht nur offen, ob dies auch das Mit­tel der Ein­füh­rung einer star­ren pari­tä­ti­schen Quo­tie­rung bei der Auf­stel­lung von Lan­des­lis­ten umfas­sen soll. Ange­sichts der Anzahl der durch eine der­ar­ti­ge Quo­ten­re­ge­lung beein­träch­tig­ten Rech­te (Frei­heit der Wahl, pas­si­ve Wahl­frei­heit, Gleich­heit der Wahl, pas­si­ve Wahl­rechts­gleich­heit, Betä­ti­gungs- und Pro­gramm­frei­heit der Par­tei­en, Gleich­be­hand­lung von Par­tei­en), ihrer her­aus­ra­gen­den Bedeu­tung für den demo­kra­ti­schen Pro­zess wie auch der Inten­si­tät der erfolg­ten Beein­träch­ti­gun­gen ist die Aus­sa­ge­kraft die­ses Wort­lauts zu gering, um allein dar­auf die Recht­fer­ti­gung einer sol­chen Quo­ten­re­ge­lung zu stüt­zen. Zudem ist zu berück­sich­ti­gen, dass ins­be­son­de­re Beein­träch­ti­gun­gen der Wahl­rechts­gleich­heit sowie der Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en zur Recht­fer­ti­gung eines „zwin­gen­den Grun­des“ bedür­fen. Auch dies gebie­tet, erhöh­te Anfor­de­run­gen an die Klar­heit und Aus­sa­ge­kraft des Wort­lau­tes zu stel­len.
Dar­über hin­aus lässt sich auch aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te fol­gern, dass der Ver­fas­sungs­ge­ber die Gleich­stel­lungs­ver­pflich­tung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf nicht als Recht­fer­ti­gung für pari­tä­ti­sche Quo­ten­re­ge­lun­gen ver­stan­den wis­sen woll­te.
Zu Beginn der neun­zi­ger Jah­re des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts spiel­te die Fra­ge von Quo­ten­re­ge­lun­gen sowohl in den Ver­fas­sungs­be­ra­tun­gen der im Zuge der Wie­der­ver­ei­ni­gung neu gegrün­de­ten Län­der wie auch in der 1992 ein­ge­setz­ten Gemein­sa­men Ver­fas­sungs­kom­mis­si­on von Bun­des­tag und Bun­des­rat eine wich­ti­ge Rol­le [38]. Eben­falls war in der Recht­spre­chung der dama­li­gen Zeit die Fra­ge der Ver­ein­bar­keit von Quo­ten­re­ge­lun­gen mit natio­na­lem und euro­päi­schem Recht Gegen­stand von Ent­schei­dun­gen mit weit­rei­chen­der Bedeu­tung [39].
In die­sem Kon­text stan­den auch die Ver­su­che, wäh­rend der Bera­tung und Aus­ar­bei­tung der Ver­fas­sung des Frei­staa­tes Thü­rin­gen eine aus­drück­li­che Rege­lung über die Pflicht zu einer hälf­ti­gen bzw. pari­tä­ti­schen Reprä­sen­tanz der Geschlech­ter auf­zu­neh­men. So sah wäh­rend der Ver­fas­sungs­be­ra­tun­gen zunächst ein Ände­rungs­an­trag der Frak­ti­on Lin­ke Liste/​Partei des Demo­kra­ti­schen Sozia­lis­mus vom 12.03.1993 [40] vor, in Arti­kel 2 den Satz ein­zu­fü­gen „Es ist dar­auf hin­zu­wir­ken, dass Frau­en und Män­ner in kol­le­gia­len öffent­lich-recht­li­chen Beschluss- und Bera­tungs­or­ga­nen zu glei­chen Antei­len ver­tre­ten sind“. Die­ser Ände­rungs­an­trag wur­de jedoch abge­lehnt [41]. Das glei­che Schick­sal wider­fuhr sodann einem wei­te­ren Ände­rungs­an­trag [42], den die Frak­ti­on Lin­ke Liste/​Partei des Demo­kra­ti­schen Sozia­lis­mus ein hal­bes Jahr spä­ter, am 14.09.1993, mit dem­sel­ben Wort­laut ein­brach­te [43]. Und schließ­lich fand ein Ände­rungs­an­trag der Frak­ti­on Bünd­nis 90/​Die Grü­nen vom 15.09.1993 kei­ne Mehr­heit, der dar­auf ziel­te, in Art. 2 Abs. 2 die For­mu­lie­rung „Es ist dar­auf hin­zu­wir­ken, dass Frau­en und Män­ner in Ent­schei­dungs­gre­mi­en pari­tä­tisch ver­tre­ten sind“ auf­zu­neh­men [43]. Dabei ging der Ableh­nung der bei­den zuletzt genann­ten Anträ­ge jeweils eine Erör­te­rung des „Reiß­ver­schluss­sys­tems“, eines „starre(n) Sys­tems“, der Pro­ble­ma­tik, dass nicht genü­gend Frau­en oder Män­ner zur Ver­fü­gung ste­hen könn­ten sowie der mit der Ein­füh­rung einer Quo­ten­re­ge­lung ver­bun­de­nen Ein­schrän­kung einer „frei­en Wahl­ent­schei­dung“ vor­aus [44].
Ange­sichts des­sen kann – anders als die Lan­des­re­gie­rung wäh­rend der münd­li­chen Ver­hand­lung vor­ge­tra­gen hat – nicht ange­nom­men wer­den, dass die Betei­lig­ten bei den Bera­tun­gen der Ver­fas­sung einig gewe­sen sind, dass die Mög­lich­keit, eine star­re pari­tä­ti­sche Quo­ten­re­ge­lung ein­zu­füh­ren; vom Gehalt von Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf erfasst ist. Es hät­te sonst bereits nicht der Bemü­hun­gen bedurft, eine aus­drück­li­che Rege­lung über eine hälf­ti­ge bzw. pari­tä­ti­sche Ver­tre­tung von Frau­en in Ent­schei­dungs­gre­mi­en in den Text der Thü­rin­ger Ver­fas­sung auf­zu­neh­men. Und der Ableh­nung der Auf­nah­me einer sol­chen aus­drück­li­chen Rege­lung wären kei­ne strei­ti­gen inhalt­li­chen Erör­te­run­gen vor­aus­ge­gan­gen.
Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te zwingt mit­hin zu der Fol­ge­rung, dass der Ver­fas­sungs­ge­ber mit der von ihm beschlos­se­nen Rege­lung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf dem Gesetz­ge­ber nicht die Mög­lich­keit eröff­nen woll­te, für die Orga­ne und Ein­rich­tun­gen des Frei­staa­tes pari­tä­ti­sche Quo­tie­run­gen ein­zu­füh­ren. Wür­de der Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­richts­hof sich bei sei­ner Deu­tung und Anwen­dung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf dar­über hin­weg­set­zen, über­schrit­te er die ihm durch die Ver­fas­sung über­tra­ge­nen Kom­pe­ten­zen und leg­te die­ser Ver­fas­sungs­norm einen Gehalt bei, um den sie nur im Wege einer Ver­fas­sungs­än­de­rung gemäß Art. 83 Thür­Verf erwei­tert wer­den könn­te.
Die von der Lan­des­re­gie­rung ver­tre­te­ne For­de­rung, Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf völ­ker­rechts­kon­form aus­zu­le­gen, führt nicht zu einem ande­ren Aus­le­gungs­er­geb­nis. Dabei kann dahin­ste­hen, inner­halb wel­cher Gren­zen bei der Aus­le­gung lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­cher Nor­men auch Bestim­mun­gen völ­ker­recht­li­cher Ver­trä­ge ein­zu­be­zie­hen sind, die der Bund abge­schlos­sen hat. Schon der Wort­laut der von der Lan­des­re­gie­rung ange­führ­ten Art. 11, Art. 7 und Art. 4 Abs. 1 CEDAW lässt erken­nen, dass die­se Bestim­mun­gen nicht ver­lan­gen, Art. 2 Abs. 2 Satz 2 der Thür­Verf die Ver­pflich­tung zur Ein­füh­rung einer pari­tä­ti­schen Quo­tie­rung bei­zu­le­gen.
Da die Vor­schrif­ten des Sieb­ten Geset­zes zur Ände­rung des Thü­rin­ger Lan­des­wahl­ge­set­zes – Ein­füh­rung der pari­tä­ti­schen Quo­tie­rung – vom 30.07.2019 der Thü­rin­ger Ver­fas­sung wider­spre­chen, sind sie für nich­tig zu erklä­ren. Grün­de, sie nur mit der Thü­rin­ger Ver­fas­sung für unver­ein­bar zu erklä­ren, lie­gen nicht vor.
Die Nich­tig­erklä­rung erfasst auch die Vor­schrif­ten, die Per­so­nen betref­fen, die im Per­so­nen­stands­re­gis­ter als ‚divers‘ regis­triert sind (vgl. § 29 Abs. 5 Satz 2 und 3 ThürLWG). Die­se Vor­schrif­ten knüp­fen unmit­tel­bar an die Rege­lun­gen an, die eine pari­tä­ti­sche Quo­tie­rung von Män­nern und Frau­en auf der Lan­des­lis­te vor­schrei­ben.
Die Nich­tig­keit die­ser Rege­lun­gen erfasst damit auch jene Vor­schrif­ten, die mit ihnen in einem sach­lich unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang ste­hen.
Auf­grund der Nich­tig­erklä­rung gilt das Lan­des­wahl­ge­setz in der Fas­sung, die bis zur Inkraft­set­zung des Pari­täts­ge­set­zes gegol­ten hat.
Das Mit­glied Heß­el­mann des Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs hält das Pari­täts­ge­setz nicht für ver­fas­sungs­wid­rig, hilfs­wei­se könn­ten Män­gel mit der Auf­nah­me von Aus­nah­me­vor­schrif­ten oder abwei­chen­den Rege­lun­gen zum Inkraft­tre­ten geheilt wer­den:
Zunächst bewirkt das Pari­täts­ge­setz eine Ein­schrän­kung der pas­si­ven Wahl­frei­heit nach Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG, Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf sowie der Betä­ti­gungs­frei­heit der Par­tei­en gem. Art. 21 Abs. 1 GG in Form der Per­so­nal­aus­wahl­frei­heit, inso­weit wird auf die Aus­füh­run­gen des Urteils Bezug genom­men. Eine Beein­träch­ti­gung der Pro­gramm­frei­heit liegt vor, wenn eine Par­tei ihre poli­ti­sche Pro­gram­ma­tik tat­säch­lich dezi­diert mit einer gerin­gen Betei­li­gung von Frau­en ver­bin­det.
Wei­ter ent­hält das Pari­täts­ge­setz Ein­grif­fe in die Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en, die über einen gerin­ge­ren Frau­en­an­teil ver­fü­gen.
Ein Ein­griff in die pas­si­ve Wahl­rechts­gleich­heit ist dem­ge­gen­über nur in Rand­be­rei­chen gege­ben [45]. So ist u.a. eine Ungleich­be­hand­lung zu Las­ten von Män­nern und Frau­en durch die Mög­lich­keit divers ein­ge­tra­ge­ner Per­so­nen, sowohl auf einem für Män­ner als auch auf einem für Frau­en bestimm­ten Lis­ten­platz kan­di­die­ren zu kön­nen, ange­sichts des gerin­gen Bevöl­ke­rungs­an­teils (0,00019 % [46]) im Wege der Typi­sie­rung [47] als unbe­acht­lich anzu­se­hen und könn­te dar­über hin­aus durch den Gesetz­ge­ber in ver­fas­sungs­kon­for­mer Wei­se neu gere­gelt wer­den. Glei­ches gilt für even­tu­el­le Ein­grif­fe in die Betä­ti­gungs­frei­heit rei­ner Män­ner- oder Frau­en­par­tei­en, soweit der gene­rel­le Aus­schluss einer in Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG genann­ten Grup­pie­rung über­haupt vom Schutz des Art. 21 Abs. 1 GG umfasst sein soll­te.
Auf eine ver­tief­te Aus­ein­an­der­set­zung ver­zich­tet Heß­el­mann jedoch. Denn ent­schei­dend ist, dass Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf einen Recht­fer­ti­gungs­grund für sämt­li­che Ein­grif­fe bil­det.
Die Wahl­rechts­grund­sät­ze, auch der­je­ni­ge der Gleich­heit der Wahl und die nach Art. 21 Abs. 1 GG geschütz­te Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en unter­lie­gen kei­nem abso­lu­ten Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­bot. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bedür­fen Dif­fe­ren­zie­run­gen stets beson­de­rer Grün­de, die durch die Ver­fas­sung legi­ti­miert und von min­des­tens glei­chem Gewicht wie der Wahl­rechts­grund­satz sind, so dass sie als „zwin­gend“ qua­li­fi­ziert wer­den kön­nen [48].
Die mit Hil­fe des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf geför­der­te Betei­li­gung von Frau­en im Par­la­ment ist näm­lich sowohl ver­fas­sungs­recht­lich legi­ti­miert als auch von glei­chem Gewicht wie die Wahl­rechts­grund­sät­ze, in die ein­ge­grif­fen wird. Anders als die Mehr­heit des Gerichts­ho­fes gehe ich davon aus, dass der Wort­laut von Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit eine Grund­la­ge für die ange­grif­fe­ne Rege­lung bie­tet. Es heißt dort: „Das Land, sei­ne Gebiets­kör­per­schaf­ten und ande­re Trä­ger der öffent­li­chen Ver­wal­tung sind ver­pflich­tet, die tat­säch­li­che Gleich­stel­lung von Frau­en und Män­nern in allen Berei­chen des öffent­li­chen Lebens durch geeig­ne­te Maß­nah­men zu för­dern und zu sichern“.
Dass eine gleich­mä­ßi­ge Ver­tei­lung der Par­la­ments­sit­ze zwi­schen Frau­en und Män­nern offen­sicht­lich deren Gleich­stel­lung dient, liegt auf der Hand. Die Ver­pflich­tung, pari­tä­ti­sche Lis­ten auf­zu­stel­len, „för­dert“ die Gleich­stel­lung. Der Wort­laut des Ver­fas­sungs­auf­trags stützt dem­nach den Erlass des Pari­täts­ge­set­zes ohne wei­te­res. Es bedarf auch kei­ner aus­drück­li­chen Erwäh­nung von Maß­nah­men der Wahl­rechts­ge­setz­ge­bung, denn auch ande­re Maß­nah­men sind nicht aus­drück­lich genannt, also erlaubt das Feh­len der Benen­nung kei­nen der­ar­ti­gen Schluss.
Die von der Mehr­heit ins Feld geführ­te „Inten­si­tät der Ein­grif­fe in die Wahl­rechts­frei­heit und ‑gleich­heit“ kann weder Teil der Wort­laut­aus­le­gung sein, noch ist die Inten­si­tät kon­kret belegt.
Wei­ter spricht auch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te nicht gegen die Zuläs­sig­keit der ange­grif­fe­nen Rege­lung. Zwar trifft es zu, dass Ände­rungs­an­trä­ge zwei­er Frak­tio­nen abge­lehnt wor­den sind.
Der Inhalt der abge­lehn­ten Anträ­ge ist jedoch in einem ent­schei­den­den Punkt nicht mit der vor­lie­gen­den Rege­lung iden­tisch. In die­sen Anträ­gen wird die pari­tä­ti­sche Beset­zung aller staat­li­chen Gre­mi­en gefor­dert. Abge­se­hen davon, dass von dem Pari­täts­ge­setz nur das Par­la­ment betrof­fen ist, erzielt es vor­lie­gend kei­ne Pari­tät der Geschlech­ter im Par­la­ment. Denn das Pari­täts­ge­setz betrifft nur die Lis­ten­auf­stel­lung, nicht die min­des­tens eben­so wich­ti­ge Ver­tei­lung der Direkt­man­da­te.
Die Debat­te der Exper­ten im Aus­schuss, in der Begrif­fe wie Reiß­ver­schluss­sys­tem zwar erwähnt wer­den, aber eben auch Quo­ten­re­ge­lung im Beam­ten­recht, ist zu wenig sys­te­ma­tisch, um gegen den ein­deu­ti­gen Wort­laut des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf eine Lis­ten­pa­ri­tät inner­halb eines per­so­na­li­sier­ten Ver­hält­nis­wahl­rechts als nicht gewünscht anzu­se­hen. Des Wei­te­ren fehlt eine Begrün­dung der Abstim­mung [43].
Fer­ner ist der objek­ti­ve Sinn des ver­fas­sungs­recht­li­chen För­der­auf­trags für Frau­en zu berück­sich­ti­gen. Huber sieht hier­in eine Ver­pflich­tung aller staat­li­chen Stel­len, die tat­säch­li­che Gleich­stel­lung, also nicht nur die recht­li­che zu för­dern und zu sichern, so dass „Die Ver­fas­sung eine ver­fas­sungs­recht­li­che Wert­ent­schei­dung für eine Ver­wirk­li­chung der tat­säch­li­chen Gleich­stel­lung sta­tu­iert. Dies schließt auch Ansprü­che auf bevor­zu­gen­de Ungleich­be­hand­lung nicht aus“ [49].
Die­ses Ergeb­nis wird im Rah­men einer sys­te­ma­ti­schen Aus­le­gung auch durch Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG und die hier­zu im Jah­re 1993 geführ­te Debat­te bestä­tigt. Der Wort­laut des Ver­fas­sungs­auf­tra­ges des Grund­ge­set­zes und sei­ne Ent­ste­hungs­ge­schich­te [50] spre­chen nicht für die Annah­me, die Vor­schrift sol­le blo­ßer Sym­bol­po­li­tik die­nen. Viel­mehr beinhal­tet die Rege­lung des Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG einen For­mel­kom­pro­miss, der erst durch die Ent­wick­lung durch die Gesetz­ge­bung und deren im Wahl­recht nicht unbe­trächt­li­chen Gestal­tungs­spiel­raum kon­kre­te For­men annimmt [51].
Für die Imple­men­tie­rung einer wir­kungs­vol­len Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge spricht, dass nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Nacht­ar­beits­ver­bot aus dem Jahr 1992 [52] bereits Art 3 Abs. 2 GG in der alten Fas­sung nicht nur Rechts­nach­tei­le besei­ti­gen woll­te, son­dern auf eine Anglei­chung der Lebens­ver­hält­nis­se zielt und För­der­maß­nah­men zum Aus­gleich fak­ti­scher Nach­tei­le erlaubt. Dar­aus kann nur der Schluss gezo­gen wer­den, dass die bestehen­de För­der­mög­lich­keit durch die Hin­zu­fü­gung des För­der­auf­trags in Satz 2 noch ver­stärkt wer­den soll­te und sich nicht in Maß­nah­men all­ge­mei­ner Art, z.B. der Ein­rich­tung von Kin­der­be­treu­ungs­plät­zen etc., für die es im Übri­gen gar kei­ner Rechts­grund­la­ge bedarf, erschöp­fen soll­te.
Der von der Mehr­heit aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG abge­lei­te­te Gedan­ke, der För­der­auf­trag las­se kei­ne star­ren Quo­ten zu [53] und der die­sem ent­spre­chen­de Grund­satz, Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG räu­me nur Chan­cen­gleich­heit, aber kei­ne Ergeb­nis­gleich­heit ein [54], kann dem­ge­gen­über nicht gegen die vor­lie­gen­de Pari­täts­ge­setz­ge­bung frucht­bar gemacht wer­den.
Das Pari­täts­ge­setz bewirkt näm­lich im Ergeb­nis weder eine star­re Quo­te, noch räumt es Ergeb­nis­gleich­heit ein. Unge­ach­tet der schwie­ri­gen Abgren­zung von Ergeb­nis­gleich­heit und Chan­cen­gleich­heit [55], ist vor­lie­gend die Zusam­men­set­zung des Par­la­ments als Gan­zes in den Blick zu neh­men. Ergeb­nis­gleich­heit wird zwar bezüg­lich der Lis­ten­auf­stel­lung gem. § 29 Abs. 5 Thü­rin­ger Lan­des­wahl­ge­setz erzielt (und damit ent­hält die Norm auch eine „star­re Quo­te“). Dies trifft jedoch nicht zu, soweit es um die Wahl der Direkt­kan­di­da­tin­nen und ‑kan­di­da­ten geht. Hier­durch wird das Gesamt­ergeb­nis der Wahl modi­fi­ziert.
Vor­lie­gend ist der Vor­gang der Wahl als ein­heit­li­cher Lebens­sach­ver­halt zu betrach­ten, inner­halb des­sen durch meh­re­re unter­schied­li­che Wahl­ver­fah­ren die Beset­zung des Par­la­ments erfolgt. Die Kom­bi­na­ti­on eines per­so­na­li­sier­ten Ver­hält­nis­wahl­rechts ist näm­lich in Art. 49 Abs. 1 Thür­Verf fest­ge­legt. Damit för­dert das Pari­täts­ge­setz im Ergeb­nis ledig­lich Chan­cen­gleich­heit, führt aber nicht zu glei­chen Ergeb­nis­sen der Geschlech­ter wie z.B. das Wahl­er­geb­nis in der Land­tags­wahl 2019 ein­drucks­voll doku­men­tiert, nach dem z. T. sämt­li­che Sit­ze einer Frak­ti­on durch Direkt­man­da­te belegt wur­den.
Wei­ter ist zu beach­ten, dass in Thü­rin­gen ein Wahl­sys­tem fest­ge­leg­ter Vor­schlä­ge gilt, die ein Kumu­lie­ren oder Pana­schie­ren nicht vor­se­hen und auf die Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler kei­nen Ein­fluss haben (star­re Lis­te). „Wählt der Gesetz­ge­ber ein Sys­tem star­rer Quo­ten mit der Fol­ge, dass die Wählerin/​der Wäh­ler im Wahl­vor­gang kei­ne Wahl hat, ob Män­ner oder Frau­en gewählt wer­den, so bleibt als ein­zi­ge För­der­maß­nah­me hin­sicht­lich einer tat­säch­li­chen Gleich­stel­lung bei der Errin­gung von Man­da­ten nur das Reiß­ver­schluss­sys­tem. Sieht der Gesetz­ge­ber die­ses Sys­tem vor, kann es kei­ne För­der­maß­nah­me für Frau­en oder Män­ner bei der Lis­ten­auf­stel­lung geben und die Her­stel­lung von Ergeb­nis­gleich­heit ist zugleich die ein­zig in Betracht kom­men­de Maß­nah­me zur För­de­rung von Chan­cen­gleich­heit“ [56].
Es ist Ange­le­gen­heit des Gesetz­ge­bers, die Rechts­gü­ter der Wahl­rechts­frei­heit und ‑gleich­heit mit dem aus Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf fol­gen­den För­der­auf­trag zuguns­ten der Frau­en sowie mit Gebo­ten inte­gra­ti­ver Reprä­sen­tanz zum Aus­gleich zu brin­gen. Das Ver­fas­sungs­ge­richt kann einen Ver­stoß gegen die Wahl­gleich­heit nur fest­stel­len, wenn die dif­fe­ren­zie­ren­de Rege­lung nicht an einem Ziel ori­en­tiert ist, das der Gesetz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung des Wahl­rechts ver­fol­gen darf, wenn sie zur Errei­chung die­ses Zie­les nicht geeig­net ist oder das Maß des zur Errei­chung die­ses Zie­les Erfor­der­li­chen über­schrei­tet [57].
Gemes­sen dar­an ist die Pari­täts­ge­setz­ge­bung nicht zu bean­stan­den.
Das hier­durch geschütz­te Rechts­gut ist von glei­chem Rang wie die Wahl­rechts­ga­ran­tien.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist u.a. der Cha­rak­ter der Wahl als Inte­gra­ti­ons­vor­gang ver­schie­de­ner poli­ti­scher Strö­mun­gen als beson­de­rer Grund für die Begren­zung der Wahl­rechts­grund­sät­ze aner­kannt [58]. Ein beson­de­rer Grund liegt auch im Pari­täts­ge­dan­ken, denn der fak­ti­schen Ermög­li­chung der Betei­li­gung wei­ter Bevöl­ke­rungs­tei­le am pas­si­ven Wahl­recht, die auch nach mehr als 20 Jah­ren in Thü­rin­gen nicht erreicht ist (28 weib­li­che Abge­ord­ne­te bei 90 Sit­zen), kommt in ihrem Gewicht im demo­kra­ti­schen Wil­lens­bil­dungs­pro­zess dem Inte­gra­ti­ons­ge­dan­ken in jedem Fall gleich und bil­det damit einen aner­kann­ten Grund für die Begren­zung.
Ange­sichts des Gewichts des Rechts­gu­tes der effek­ti­ven Betei­li­gung von Frau­en am pas­si­ven Wahl­recht und einer ent­spre­chen­den Ver­tre­tung im Par­la­ment sind Ver­stö­ße gegen den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit nicht zu beja­hen. Ins­be­son­de­re war der Gesetz­ge­ber nicht gezwun­gen, weni­ger effek­ti­ve Maß­nah­men zu ergrei­fen und die Fol­gen einer nicht pari­tä­ti­schen Lis­ten­auf­stel­lung abzu­mil­dern, indem die Auf­fül­lung einer nicht kom­plet­ten Lis­te durch Ange­hö­ri­ge des ande­ren Geschlechts mög­lich wird oder die Fol­gen über­haupt weni­ger gra­vie­rend wären, z.B. durch finan­zi­el­le Sank­tio­nen ver­wirk­licht wer­den.
Der Sinn des Geset­zes ist aller­dings nicht auf eine dau­er­haf­te Benach­tei­li­gung der Par­tei­en mit gerin­gem Frau­en­an­teil gerich­tet, son­dern beab­sich­tigt im Gegen­teil die Her­stel­lung der Chan­cen­gleich­heit durch Erhö­hung ihres Anteils. Für eini­ge Par­tei­en wäre daher die Ein­räu­mung einer Karenz­zeit erfor­der­lich, um ihnen die Mög­lich­keit zu geben, Frau­en aus der Par­tei oder dem nahe­ste­hen­den Spek­trum zu gewin­nen. Jeden­falls im Fal­le vor­ge­zo­ge­ner Neu­wah­len ist eine nicht aus­rei­chen­de Frist für die Par­tei­en zu ver­zeich­nen. Inso­weit müss­te der Gesetz­ge­ber eine Ände­rung des Geset­zes her­bei­füh­ren, mit der den Par­tei­en min­des­tens die Dau­er einer regu­lä­ren Legis­la­tur­pe­ri­ode zur Ver­fü­gung bleibt.
Ent­ge­gen der Ansicht der Mehr­heit sind nach Ansicht von Licht und Peter­mann die durch das Pari­täts­ge­setz bewirk­ten Beein­träch­ti­gun­gen des Rechts auf Frei­heit und Gleich­heit der Wahl (Art. 46 Abs. 1 Thü­rin­ger Ver­fas­sung) sowie der Rech­te der Par­tei­en auf Betä­ti­gungs­frei­heit, Pro­gramm­frei­heit und Chan­cen­gleich­heit (Art. 21 Abs. 1 Grund­ge­setz) durch Arti­kel 2 Abs.2 Satz 2 der Thü­rin­ger Ver­fas­sung gerecht­fer­tigt:
Der Mehr­heit ist in der Auf­fas­sung zuzu­stim­men, dass Beein­träch­ti­gun­gen der Wahl­rechts­gleich­heit und des Rechts der Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en beson­de­ren Recht­fer­ti­gungs­an­for­de­run­gen unter­lie­gen, die in der For­mel des „zwin­gen­den Grun­des“ zusam­men­ge­fasst sind.
Unter Bezug­nah­me auf das von der Mehr­heit zitier­te Urteil des Thür­VerfGH vom 11.04.2008 – VerfGH 22/​05- kom­men wir im Gegen­satz zur Mehr­heit zu dem Ergeb­nis, dass ein durch die Ver­fas­sung legi­ti­mier­ter Grund vor­liegt, der gewich­tig ist, wel­cher der Wahl­rechts­gleich­heit die Waa­ge hal­ten kann, zur Ver­fol­gung des mit dem Pari­täts­ge­setz ver­folg­ten Zwe­ckes geeig­net und erfor­der­lich ist und in sei­ner Inten­si­tät des Ein­griffs auf das Recht auf Gleich­heit der Wahl hin­ter exis­tie­ren­den Ein­grif­fen zurück­bleibt.
Die For­de­rung der Thü­rin­ger Ver­fas­sung in Arti­kel 2 Abs. 2 Satz 2 ist ein­deu­tig: „Das Land, sei­ne Gebiets­kör­per­schaf­ten und ande­re Trä­ger der öffent­li­chen Ver­wal­tung sind ver­pflich­tet, die tat­säch­li­che Gleich­stel­lung von Frau­en und Män­nern in allen Berei­chen des öffent­li­chen Lebens durch geeig­ne­te Maß­nah­men zur för­dern und zu sichern.“
Die Mehr­heit ver­kennt zunächst die tat­säch­lich exis­tie­ren­de struk­tu­rel­le Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en in der Poli­tik, wenn sie davon aus­geht, dass „Män­ner und Frau­en sowohl in akti­ver wie pas­si­ver Hin­sicht glei­cher­ma­ßen wahl- und damit in Hin­sicht auf den Vor­gang der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung auch glei­cher­ma­ßen teil­nah­me­be­rech­tigt (sind). Män­ner haben inso­weit nicht mehr Rech­te als Frau­en und Frau­en nicht mehr Rech­te als Män­ner.“ Die Mehr­heit geht inso­weit von einem for­ma­len Gleich­heits­ver­ständ­nis aus, wel­ches aller­dings durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zuguns­ten eines mate­ri­el­len Gleich­heits­ver­ständ­nis­ses abge­löst wur­de.
Bereits vor der grund­le­gen­den Grund­ge­setz­än­de­rung des Art. 3 Abs. 2 GG ver­trat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein mate­ri­el­les Gleich­heits­ver­ständ­nis in Form eines Gleich­be­rech­ti­gungs­ge­bo­tes.
Im Jahr 1992 ent­schied es: „Fak­ti­sche Nach­tei­le, die typi­scher­wei­se Frau­en tref­fen, dür­fen wegen des Gleich­be­rech­ti­gungs­ge­bots des Art. 3 Abs. 2 GG durch begüns­ti­gen­de Rege­lun­gen aus­ge­gli­chen wer­den.“ [59]. Nach der Ände­rung des Grund­ge­set­zes ent­schied das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt: „Inso­weit kommt vor allem das erwähn­te Gleich­be­rech­ti­gungs­ge­bot des Art. 3 II GG in Betracht, das den Gesetz­ge­ber berech­tigt, fak­ti­sche Nach­tei­le, die typi­scher­wei­se Frau­en tref­fen, durch begüns­ti­gen­de Rege­lun­gen aus­zu­glei­chen.“ [60]. Die Annah­me des mate­ri­el­len Gleich­heits­ver­ständ­nis­ses wird durch eine wei­te­re Ent­schei­dung des BVerfG aus dem Jahr 2005 unter­stri­chen: „Die Ver­fas­sungs­norm zielt auf die Anglei­chung der Lebens­ver­hält­nis­se von Frau­en und Män­nern. Durch die Anfü­gung von Satz 2 in Art. 3 Abs. 2 GG ist aus­drück­lich klar­ge­stellt wor­den, dass sich das Gleich­be­rech­ti­gungs­ge­bot auf die gesell­schaft­li­che Wirk­lich­keit erstreckt (…). Dem­nach ist es nicht ent­schei­dend, dass eine Ungleich­be­hand­lung unmit­tel­bar und aus­drück­lich an das Geschlecht anknüpft. Über eine sol­che unmit­tel­ba­re Ungleich­be­hand­lung hin­aus erlan­gen für Art. 3 Abs. 2 GG die unter­schied­li­chen Aus­wir­kun­gen einer Rege­lung für Frau­en und Män­ner eben­falls Bedeu­tung.“ [61]
Legt man nun ein mate­ri­el­les Gleich­heits­ver­ständ­nis als Maß­stab zugrun­de, zeigt sich, dass Män­ner und Frau­en gera­de nicht glei­cher­ma­ßen teil­nah­me­be­rech­tigt an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung sind, son­dern Frau­en viel­mehr einer mit­tel­ba­ren und struk­tu­rel­len Dis­kri­mi­nie­rung aus­ge­setzt sind.
§ 3 All­ge­mei­nes Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) spricht von mit­tel­ba­rer Benach­tei­li­gung, wenn dem Anschein nach neu­tra­le Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren Per­so­nen wegen eines in des­sen § 1 genann­ten Grun­des, zu denen auch das Geschlecht gehört, gegen­über ande­ren Per­so­nen in beson­de­rer Wei­se benach­tei­li­gen kön­nen. Der sozio­lo­gi­sche Begriff der struk­tu­rel­len Dis­kri­mi­nie­rung sieht die Benach­tei­li­gung ein­zel­ner Grup­pen, wenn die­se in der Orga­ni­sa­ti­on der Gesell­schaft begrün­det ist [62].
Der Anteil weib­li­cher Mit­glie­der der im Land­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en in Thü­rin­gen beträgt der­zeit 31% bei einem Anteil der Ein­woh­ne­rin­nen Thü­rin­gens von 51,5%. Bei den Land­tags­wah­len in Thü­rin­gen betrug der Anteil der Bewer­be­rin­nen 47,2 %.
Allein dies ist ein evi­den­ter Beleg für die struk­tu­rel­le Benach­tei­li­gung von Frau­en, die in den Erwä­gun­gen der Mehr­heit aller­dings nicht gewich­tig ist.
Die­se struk­tu­rel­le Benach­tei­li­gung beruht auf sozio-öko­no­mi­schen, insti­tu­tio­nel­len und poli­tisch-kul­tu­rel­len Fak­to­ren, wobei auch die Sozia­li­sa­ti­on maß­geb­lich ist [63]. Sie legt nahe, dass die­ser Benach­tei­li­gung durch in den Ver­fas­sun­gen vor­ge­ge­be­nen Mit­teln und Instru­men­ten nicht nur ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den darf, son­dern auch muss.
Bereits im Jahr 1956 wies Brem­me dar­auf hin, dass die Tat­sa­che, dass im Ver­gleich zu den Wahl­be­rech­tig­ten weni­ger Frau­en Par­tei­mit­glie­der sind, und im Ver­gleich zu den Par­tei­mit­glie­dern weni­ger Frau­en Kan­di­die­ren­de, und im Ver­gleich zu den Kan­di­die­ren­den weni­ger Frau­en Abge­ord­ne­te sind, etwas mit dem Umstand zu tun hat, dass die Mög­lich­keit für Frau­en, sich in Par­tei­en zu enga­gie­ren, 50 Jah­re spä­ter ein­setz­te und des­halb die Frau­en auf männ­lich vor­ge­präg­te Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren stie­ßen [64]. Sozio­lo­gisch wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Frau­en zu dem Zeit­punkt, in dem ihnen eine poli­ti­sche Betä­ti­gung erlaubt war, auf gewach­se­ne und bis heu­te exis­tie­ren­de Spiel­re­geln stie­ßen, die „eine gro­ße Nähe zu Wer­ten und Ver­hal­tens­wei­sen auf­wie­sen, die in unse­rer Kul­tur mit Männ­lich­keit ver­bun­den sind“. [65]. Poli­tik in ihrer insti­tu­tio­nel­len Form bie­tet Frau­en kaum geeig­ne­te Vor­aus­set­zun­gen für poli­ti­sches Enga­ge­ment [66].
In die­sem Zusam­men­hang sei erwähnt, dass der arbeits­recht­li­che Teil des Erzie­hungs­ur­laubs­ge­set­zes und das Mut­ter­schutz­ge­setz auf Abge­ord­ne­te nicht anwend­bar sind [67]. Mit den Aus­wir­kun­gen die­ser Rege­lun­gen im Frei­staat hat sich der Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­richts­hof jüngst in der Cau­sa „Land­tags­ba­by“ befasst.
Soweit Frau­en ihre fami­liä­ren Auf­ga­ben genau­so wich­tig neh­men wie ihre Par­tei­ak­ti­vi­tä­ten, wird die Ernst­haf­tig­keit ihres poli­ti­schen Enga­ge­ments in Zwei­fel gestellt; wenn sie ihre Par­tei­ak­ti­vi­tät höher gewich­ten, set­zen sie sich dem Vor­wurf aus, die Fami­lie zu ver­nach­läs­si­gen [68]. Zur struk­tu­rel­len Dis­kri­mi­nie­rung zäh­len dar­über hin­aus die Rekru­tie­rungs­mus­ter für poli­ti­sche Kar­rie­ren, zu denen die Arbeit in loka­len Füh­rungs­gre­mi­en über einen län­ge­ren Zeit­raum gehört, was die Mög­lich­keit und Not­wen­dig­keit „abwe­send“ zu sein, nach sich zieht [69]. Dies ver­deut­licht, dass der­ar­ti­ge Rekru­tie­rungs­mus­ter eher auf männ­li­che Bio­gra­fien abzie­len.
Die Ent­schei­dung der Mehr­heit, Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf als aus­rei­chen­den Recht­fer­ti­gungs­grund für die Ein­grif­fe in die Wahl­rechts­grund­sät­ze und die Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en abzu­leh­nen, beruht auf einer ver­kürz­ten Aus­le­gung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf, die sowohl die teleo­lo­gi­sche Betrach­tung unter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu einem mate­ri­el­len Gleich­heits­ver­ständ­nis unbe­rück­sich­tigt lässt, als auch die Wort­laut­aus­le­gung ver­kürzt und sich statt­des­sen im Wesent­li­chen auf eine sta­tisch-his­to­ri­sche Aus­le­gung beschränkt.
Das Ziel einer Aus­le­gung ist die Ermitt­lung des auch zur Anwen­dung neu­er Fra­ge­stel­lun­gen geeig­ne­ten objek­ti­ven Sinn­ge­hal­tes der Norm, nicht der sub­jek­ti­ve Wil­le des (his­to­ri­schen) Norm­set­zers, der aber gleich­wohl als Aus­le­gungs­mit­tel berück­sich­tigt wer­den kann [70].
Zu den Aus­le­gungs­ge­sichts­punk­ten gehört vor allem der anhand der Umgangs- wie der Fach­spra­che zu bewer­ten­de Wort­laut ‑gram­ma­ti­sche Aus­le­gung, die Ent­ste­hungs­ge­schich­te, bei der neben den Mate­ria­li­en auch die geschicht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen der Ent­ste­hungs­zeit und fort­wir­ken­de Ein­flüs­se frü­he­rer Epo­chen zu berück­sich­ti­gen sind ‑his­to­ri­sche Aus­le­gung, die sys­te­ma­ti­sche Aus­le­gung und die Aus­le­gung nach Sinn und Zweck ‑teleo­lo­gi­sche Aus­le­gung- [71].
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ermit­telt in der Regel den objek­ti­vier­ten Wil­len des Gesetz­ge­bers: „Maß­ge­bend für die Aus­le­gung einer Geset­zes­vor­schrift ist der in die­ser zum Aus­druck kom­men­de objek­ti­vier­te Wil­le des Gesetz­ge­bers, so wie er sich aus dem Wort­laut der Geset­zes­be­stim­mung und dem Sinn­zu­sam­men­hang ergibt, in den die­se hin­ein­ge­stellt ist. Nicht ent­schei­dend ist dage­gen die sub­jek­ti­ve Vor­stel­lung der am Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren betei­lig­ten Orga­ne oder ein­zel­ner ihrer Mit­glie­der über die Bedeu­tung der Bestim­mung. Der Ent­ste­hungs­ge­schich­te einer Vor­schrift kommt für deren Aus­le­gung nur inso­fern Bedeu­tung zu, als sie die Rich­tig­keit einer nach den ange­ge­be­nen Grund­sät­zen ermit­tel­ten Aus­le­gung bestä­tigt oder Zwei­fel behebt, die auf dem ange­ge­be­nen Weg allein nicht aus­ge­räumt wer­den kön­nen.“[72].
Der Mehr­heit ist inso­fern zuzu­stim­men, als sie dar­auf ver­weist, dass „der Wort­laut der Bestim­mung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf (‚in allen Berei­chen des öffent­li­chen Lebens’) sowie die Ent­ste­hungs­ge­schich­te [37] kei­nes­falls den Schluss nahe­le­gen, dass der Bereich staat­li­cher Wah­len gegen­über den Wir­kun­gen die­ser Ver­fas­sungs­be­stim­mung gänz­lich abge­schirmt wer­den soll­te“
Soweit die Mehr­heit der Auf­fas­sung ist, dass nach dem Wort­laut aus der Ver­pflich­tung die tat­säch­li­che Gleich­stel­lung „in allen Berei­chen des öffent­li­chen Lebens durch geeig­ne­te Maß­nah­men zu för­dern und zu sichern“, zu gering sei um eine Recht­fer­ti­gung der Rege­lun­gen des ParitG dar­auf zu stüt­zen, steht dies im Wider­spruch zu den Aus­füh­run­gen, nach denen grund­sätz­lich die Mög­lich­keit der Ein­schrän­kung der Wahl­rechts­grund­sät­ze und der Chan­cen­gleich­heit durch Art. 2 Abs. 2 S. 2 Thür­Verf gege­ben ist.
Die Argu­men­ta­ti­on ist dar­um nicht über­zeu­gend. Die Mehr­heit setzt sich nicht in gebo­te­ner Wei­se mit dem Wort­laut, nach­dem expli­zit das Land, die Gebiets­kör­per­schaf­ten und ande­re Trä­ger der öffent­li­chen Ver­wal­tung ver­pflich­tet wer­den, sowie der Wort­grup­pe „in allen Berei­chen des öffent­li­chen Lebens“, aus­ein­an­der.
Eine gram­ma­ti­ka­li­sche, am Wort­laut ori­en­tier­te Aus­le­gung muss jedoch berück­sich­ti­gen, dass durch die Auf­zäh­lung expli­zit das Land ver­pflich­tet wird, in allen Berei­chen des öffent­li­chen Lebens die tat­säch­li­che Gleich­stel­lung zu för­dern und zu sichern.
Die Mehr­heit stützt viel­mehr die man­geln­de Recht­fer­ti­gung der Ein­grif­fe in die Wahl­rechts­grund­sät­ze und die Chan­cen­gleich­heit zen­tral auf die Ent­ste­hungs­ge­schich­te, aus der sich ergä­be, dass „der Ver­fas­sungs­ge­ber die Gleich­stel­lungs­ver­pflich­tung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf nicht als Recht­fer­ti­gung für pari­tä­ti­sche Quo­ten­re­ge­lun­gen ver­stan­den wis­sen woll­te“. Unter Bezug­nah­me auf die Anfang der 90er Jah­re lau­fen­de Debat­te zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes und juris­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen um Quo­ten im Erwerbs­ar­beits­le­ben, ver­weist die Mehr­heit zur Unter­set­zung ihrer Posi­ti­on auf die in die­sem Kon­text unter­nom­me­nen Ver­su­che, aus­drück­li­che Rege­lun­gen über die Pflicht zu einer hälf­ti­gen bzw. pari­tä­ti­schen Reprä­sen­tanz der Geschlech­ter in die Ver­fas­sung auf­zu­neh­men, die aller­dings kei­ne Mehr­heit fan­den. Die Mehr­heit schließt aus die­ser Ableh­nung, dass „der Ver­fas­sungs­ge­ber mit der von ihm beschlos­se­nen Rege­lung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf dem Gesetz­ge­ber nicht die Mög­lich­keit eröff­nen woll­te, für die Funk­ti­ons­ein­hei­ten des Frei­staa­tes pari­tä­ti­sche Quo­tie­run­gen ein­zu­füh­ren. Wür­de der Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­richts­hof sich bei sei­ner Deu­tung und Anwen­dung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf dar­über hin­weg­set­zen, über­schrit­te er die ihm durch die Ver­fas­sung über­tra­ge­nen Kom­pe­ten­zen und leg­te die­ser Ver­fas­sungs­norm einen Gehalt bei, um den sie nur im Wege einer förm­li­chen Ver­fas­sungs­än­de­rung gemäß Art. 83 Thür­Verf erwei­tert wer­den könn­te“.
Dies ist nicht über­zeu­gend, zeugt von einem sta­ti­schen Ver­fas­sungs­ver­ständ­nis und lässt unbe­rück­sich­tigt, dass bei der his­to­ri­schen Aus­le­gung der objek­ti­ve Sinn­ge­halt der Norm, nicht der sub­jek­ti­ve Wil­le des (his­to­ri­schen) Norm­set­zers ent­schei­dend ist, auch wenn die­ser berück­sich­tigt wer­den kann.
Die Mehr­heit führt weder Grün­de für die sei­ner­zei­ti­ge Ableh­nung der Anträ­ge im his­to­ri­schen Ver­fas­sungs­pro­zess an, noch berück­sich­tigt die Mehr­heit, dass zum Zeit­punkt der Ent­ste­hung der Ver­fas­sung die Grund­ge­setz­än­de­rung und die mit ihr ver­bun­de­ne Debat­te noch nicht abge­schlos­sen war. Zwar weist die Mehr­heit aus­drück­lich auf die­sen Pro­zess hin, unter­lässt es aber, die­sen inhalt­lich zu berück­sich­ti­gen und zu gewich­ten. So wies die Gemein­sa­me Ver­fas­sungs­kom­mis­si­on dar­auf hin, dass es mit der Ände­rung des Art. 3 Grund­ge­setz dar­um gehe, „einen ver­bind­li­chen Auf­trag“ zu for­mu­lie­ren [73] und Einig­keit dar­über herrsch­te, dass mit der For­mu­lie­rung „die Chancengleichheit—die Gleich­heit der Aus­gangs­chan­cen“ ein­ge­räumt wer­den soll­te [74].
Ins­be­son­de­re lässt die Mehr­heit jedoch außer Betracht, dass selbst wäh­rend des Pro­zes­ses der Ände­rung des Grund­ge­set­zes Anträ­ge abge­lehnt wur­den, ohne dass heu­te die Umset­zung die­ser abge­lehn­ten Anträ­ge in Fra­ge gestellt wird. So hat­te die SPD bean­tragt, in das Grund­ge­setz die For­mu­lie­rung auf­zu­neh­men: „Zum Aus­gleich bestehen­der Ungleich­hei­ten sind Maß­nah­men zur För­de­rung von Frau­en zuläs­sig“ [75]. Nach den Maß­stä­ben der his­to­ri­schen Aus­le­gung der Mehr­heit wären För­der­maß­nah­men damit unmög­lich. Tat­säch­lich hat das BVerfG aber sol­che För­der­maß­nah­men als zuläs­sig ange­se­hen. Im Rah­men des Gesetz­ge­bungs­pro­zes­ses bean­trag­ten sowohl die Grup­pe PDS/​LL als auch die Grup­pe Bünd­nis 90/​Die Grü­nen die Auf­nah­me einer For­mu­lie­rung zur Zuläs­sig­keit von Quo­ten [76], die abge­lehnt wur­den. Die Kri­te­ri­en der Mehr­heit zu Grun­de gelegt, wären somit Quo­ten über Art. 3 Abs. 2 S. 2 GG nicht zu recht­fer­ti­gen, tat­säch­lich exis­tiert aber z.B. zwi­schen­zeit­lich seit 2015 eine Frau­en­quo­te für Auf­sichts­rä­te.
Dass es auf den Wil­len des his­to­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­setz­ge­bers nicht ent­schei­dend ankommt, zeigt auch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes zur Sperr­klau­sel. In stän­di­ger Recht­spre­chung akzep­tiert es eine Sperr­klau­sel, obwohl der his­to­ri­sche Grund­ge­setz­ge­ber auf die­se ver­zich­tet hat. Die Opti­on auf eine Sperr­klau­sel war zeit­wei­lig in Arti­kel 45 Abs. 3 GG vor­ge­se­hen [77]. Der Wahl­rechts­aus­schuss votier­te in einer Stel­lung­nah­me für die Strei­chung die­ser Opti­on, was zu einer Debat­te im Haut­paus­schuss führ­te. Die bean­trag­te Wie­der­auf­nah­me der Opti­on einer Sperr­klau­sel wur­de schließ­lich mit 11 gegen 10 Stim­men vom Haupt­aus­schuss abge­lehnt [78]. Der vom Ple­num des Par­la­men­ta­ri­schen Rates beschlos­se­ne Wahl­ge­setz­ent­wurf ent­hielt kei­ne Sperr­klau­sel [79]. Das dann aber im Wahl­ge­setz zur ers­ten Bun­des­tags­wahl eine Sperr­klau­sel ent­hal­ten war, beruh­te auf einem Beschluss der Minis­ter­prä­si­den­ten [80], die sich damit expli­zit über den Wil­len des Ver­fas­sungs­ge­setz­ge­bers hin­weg­setz­ten.
Es ist nicht nach­zu­voll­zie­hen, war­um es die Mehr­heit unter­lässt, die Norm des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf hin­sicht­lich Sinn und Zweck (teleo­lo­gisch) aus­zu­le­gen. Eine sol­che teleo­lo­gi­sche Aus­le­gung ist gleich­wohl gebo­ten und führt zu dem Ergeb­nis, dass es nach Sinn und Zweck der Norm nicht nach­voll­zieh­bar wäre, wenn das Land, die Gebiets­kör­per­schaf­ten und ande­re Trä­ger öffent­li­cher Gewalt ver­pflich­tet wer­den, die tat­säch­li­che Gleich­stel­lung von Frau­en und Män­nern durch geeig­ne­te Maß­nah­men zu för­dern und zu sichern, aber aus­ge­rech­net der Gesetz­ge­ber davon aus­ge­nom­men ist.
Die Mehr­heit stellt zutref­fend fest, dass die „inhalt­lich über Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG hin­aus­rei­chen­de Gleich­stel­lungs­ver­pflich­tung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf“ eine Ver­fas­sungs­norm dar­stellt, wel­che „die Beein­träch­ti­gun­gen ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­ter Rech­te grund­sätz­lich recht­fer­ti­gen kann. Dies gilt auch im Hin­blick auf sol­che Rech­te, wel­che im Pro­zess der demo­kra­ti­schen Wil­lens­bil­dung die Gleich­heit der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wie auch die Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en gewähr­leis­ten“. Die Mehr­heit stellt zudem zutref­fend fest, dass das „Gleich­stel­lungs­ge­bot grund­sätz­lich auch Beein­träch­ti­gun­gen der Wahl­rechts­gleich­heit sowie der Chan­cen­gleich­heit zu recht­fer­ti­gen“ ver­mag. Eben­so ist der Mehr­heit zuzu­stim­men, dass „die Norm des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf (…) auf ein und der­sel­ben Rang­stu­fe wie Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf und Art. 21 Abs. 1 GG als >hin­ein­wir­ken­des< Bun­des­ver­fas­sungs­recht und damit mate­ri­el­les Lan­des­ver­fas­sungs­recht“ ste­hen und dem­zu­fol­ge „von der Gleich­stel­lungs­norm im Fall ihrer sys­te­ma­ti­schen Zuord­nung zu den Bestim­mun­gen über die Wahl­rechts­gleich­heit und Chan­cen­gleich­heit prin­zi­pi­ell auch eine begren­zen­de Wir­kung aus­ge­hen kann“.
In die­sen von uns mit­ge­tra­ge­nen Aus­füh­run­gen der Mehr­heit, sehen wir einen in der Ver­fas­sung ver­an­ker­ten zwin­gen­den Grund, wel­cher der Wahl­rechts­gleich­heit die Waa­ge hal­ten kann. Dar­in besteht auch kein Dis­sens mit der Mehr­heit, die for­mu­liert: „Bei dem von Art. 2 Abs. 2 Satz 2 Thür­Verf inten­dier­ten Ziel der Gleich­stel­lung von Män­nern und Frau­en han­delt es sich zudem um ein ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­tes Gut, das als Recht­fer­ti­gungs­grund für Beein­träch­ti­gun­gen der Frei­heit und Gleich­heit der Wahl grund­sätz­lich in Fra­ge kommt.“
Dies gilt umso mehr, wenn berück­sich­tigt wird, dass zwar der Arti­kel 2 Abs. 2 Thür­Verf über den Art. 3 Abs. 2 S. 2 GG hin­aus­geht, die­ser aber ‑wür­de der Mehr­heit gefolgt, nach der Art. 2 Abs. 2 Thür­Verf die Ein­grif­fe nicht recht­fer­ti­gen kann- als „Auf­fang­grund­recht“ einer Betrach­tung zur Recht­fer­ti­gung unter­zo­gen wer­den müss­te.
Bereits in Art. 1 Abs. 2 GG ist ver­an­kert, dass die nach­fol­gen­den Grund­rech­te Gesetz­ge­bung, voll­zie­hen­de Gewalt und Recht­spre­chung bin­den und die Prä­am­bel des Grund­ge­set­zes auf die Gel­tung des­sel­ben für das „gesam­te Deut­sche Volk“ ver­weist. Dafür spricht auch das Homo­ge­ni­täts­ge­bot des Art. 28 Abs. 3 GG. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat bereits im Jahr 1998 ent­schie­den: „Art. 31 GG löst die Kol­li­si­on von Nor­men und setzt daher zunächst vor­aus, dass die Rege­lun­gen des Bun­des- und Lan­des­rechts auf den­sel­ben Sach­ver­halt anwend­bar sind. Kön­nen die sich in ihrem Rege­lungs­be­reich über­schnei­den­den Nor­men bei ihrer Anwen­dung zu ver­schie­de­nen Ergeb­nis­sen füh­ren, so bricht Bun­des­recht jeder Rang­ord­nung eine lan­des­recht­li­che Rege­lung auch dann, wenn sie Bestand­teil des Lan­des­ver­fas­sungs­rechts ist.“ [81]. Die Mehr­heit hät­te inso­fern min­des­tens prü­fen müs­sen, ob sich aus der Ver­fas­sungs­än­de­rung des Arti­kel 3 Abs. 2 GG mit der Anfüh­rung des Sat­zes 2 in die­sem Grund­ge­setz­ar­ti­kel eine Recht­fer­ti­gung für die Wahl­rechts­ein­grif­fe ergibt, wenn sie denn eine Recht­fer­ti­gung in der Thü­rin­ger Ver­fas­sung nicht zu erken­nen ver­mag.
Es bedarf kei­ner wei­te­ren Erör­te­rung, dass die im ParitG ver­an­ker­ten Nor­men geeig­net und erfor­der­lich sind, die tat­säch­li­che Gleich­stel­lung von Frau­en und Män­nern in allen Berei­chen des öffent­li­chen Lebens durch geeig­ne­te Maß­nah­men zu för­dern und zu sichern.
Die Mehr­heit ver­weist zu Recht dar­auf, dass im Hin­blick auf die Ein­grif­fe in die Wahl­rechts­grund­sät­ze und die Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en „kein nume­rus clau­sus von Recht­fer­ti­gungs­grün­den in dem Sin­ne, dass nur sol­che Grün­de als „zwin­gend“ ange­se­hen wer­den, die der Ver­wirk­li­chung des Demo­kra­tie­prin­zips die­nen bzw. den Staat als demo­kra­ti­schen Staat kon­sti­tu­ie­ren und sich etwa allein auf die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Par­la­ments oder auf den Schutz von Wah­len und ihrer Zwe­cke bezie­hen“ exis­tiert.
Die Mehr­heit unter­lässt es nun aber vor die­sem Hin­ter­grund, die Ein­griffs­in­ten­si­tät der im gel­ten­den Wahl­recht des Lan­des exis­tie­ren­den ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tig­ten Ein­schrän­kun­gen in ein Ver­hält­nis zu den mit dem ParitG ver­bun­de­nen Ein­schrän­kun­gen zu set­zen.
Bei einem sol­chen Ver­gleich wäre fest­stell­bar, dass die Ein­grif­fe durch
die Sperr­klau­sel (§ 5 Abs. 1 ThürLWG),
die Über­hang­man­da­te (§ 5 Abs. 6 ThürLWG),
die Fest­le­gung eines Min­dest­wahl­al­ters und damit eines Wahl­rechts­aus­schlus­ses bei Nicht­er­rei­chung des Min­dest­wahl­al­ters (§ 13 Nr. 1, § 16 Nr. 1 ThürLWG),
den Wahl­rechts­aus­schluss auf Grund Rich­ter­spruchs (§ 14, § 17 Nr. 2 ThürLWG) und
die Not­wen­dig­keit eines Unter­schrif­ten­quo­rums für eine Kan­di­da­tur (§ 22 Abs. 2 und 3, § 29 Abs. 1 ThürLWG)
ein­griffs­in­ten­si­ver sind, als die durch die Rege­lun­gen im ParitG bewirk­ten Ein­grif­fe.
Die §§ 13, 14, 16 Nr. 1, 14, 17 Nr. 2, 22 Abs. 2 und 3 sowie 29 ThürLWG bewir­ken für den betrof­fe­nen Per­so­nen­kreis einen kom­plet­ten Aus­schluss von der Wahl. Die Rege­lun­gen im ParitG berüh­ren indes die akti­ve Wahl­gleich­heit nicht, die pas­si­ve Wahl­gleich­heit wird ledig­lich tan­giert, führt aber nicht zu einem Wahl­rechts­aus­schluss. Viel­mehr ist nur die Mög­lich­keit der Kan­di­da­tur ein­ge­schränkt.
Die Rege­lung in § 5 ThürLWG wie­der­um führt zu einem erheb­li­chen Ein­griff in die Erfolgs­wert­gleich­heit der Stim­men.
Es ist nicht Auf­ga­be des Son­der­vo­tums, die zitier­ten Rege­lun­gen ver­fas­sungs­recht­lich zu bewer­ten. Es soll an die­ser Stel­le genü­gen, dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ledig­lich die Rege­lun­gen in § 5 Abs. 1 ThürLWG über Art. 49 Abs. 2 Thür­Verf und §§ 13 Nr. 1 und 16 Nr. 1 ThürLWG über Art. 46 Abs. 2 Thür­Verf eine expli­zi­te ver­fas­sungs­recht­li­che Recht­fer­ti­gung besit­zen.
Aus unse­rer Sicht wäre es im Hin­blick auf die Recht­fer­ti­gung der Ein­grif­fe in die Wahl­rechts­grund­sät­ze und die Chan­cen­gleich­heit durch die Rege­lun­gen im ParitG zwin­gend gebo­ten gewe­sen, die Grund­sät­ze der Ent­schei­dung aus dem Urteil des Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs vom 11.04.2008 [82] zu berück­sich­ti­gen, inso­weit die Ein­griffs­tie­fe der Rege­lun­gen zu unter­su­chen und die­se in ein Ver­hält­nis zu exis­tie­ren­den Ein­grif­fen zu set­zen.
Ein sol­ches Vor­ge­hen wür­de die Schwe­re des Ein­griffs durch die Rege­lun­gen des ParitG „rela­ti­vie­ren“ und im Zusam­men­spiel mit den genann­ten Grün­den zur Zuläs­sig­keit des ParitG und damit zur Abwei­sung des Antra­ges füh­ren.
Die bei­den Mit­glie­der des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs kom­men somit zu dem Ergeb­nis, dass der Antrag unbe­grün­det ist.
Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Juli 2020 – VerfGH 2/​20
GVBl 2019, S. 322[↩][↩]
LTDrucks 6/​6964[↩]
GVBI. S. 309[↩][↩]
GVBI. S. 89[↩][↩]
Vor­la­ge 6/​5766 vom 26.06.2019[↩]
Stel­lung­nah­me des Wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes des Thü­rin­ger Land­tags vom 24.06.2019, LTDrucks 6/​7525; Stel­lung­nah­me des Wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Land­ta­ges vom 13.11.2018, Umdruck 19/​1996; Stel­lung­nah­me des par­la­men­ta­ri­schen Bera­tungs­diens­tes des Land­tags Bran­den­burg vom 18.10.2018; Gut­ach­ten des wis­sen­schaft­li­chen Par­la­ments­diens­tes des Abge­ord­ne­ten­hau­ses von Ber­lin vom 27.06.2018; Bericht der Lan­des­re­gie­rung des Lan­des Bran­den­burg vom 10.10.2018, LTDrucks 6/​9699[↩]
vgl. etwa Fon­ta­na, DVBl.2019, S. 1153 ff.; Mey­er, NVwZ 2019, S. 1245 ff.; DÖV 2019, S. 14 ff., But­zer, NdsVwBl.2019, S. 10 ff.; NVwZ 2019, S. 1734 ff.; von Morlok/​Hobusch, Ungern-Stern­berg, JZ 2019, S. 525 ff.[↩]
Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 26.03.2018 – Vf. 15-VII-16[↩]
vgl. zum Erfor­der­nis eines wirk­sa­men Frak­ti­ons­be­schlus­ses: Thür­VerfGH, Urteil vom 09.06.2017 – VerfGH 61/​16, LVerfGE 28, 499 [521] 109[↩]
vgl. zur Prü­fungs­kom­pe­tenz in einem sol­chen Ver­fah­ren Thür­VerfGH, Beschluss vom 09.07.2015 – VerfGH 9/​15, LVerfGE 26, 363 [369] 35[↩]
vgl. Thür­VerfGH, Urteil vom 02.11.2011 – VerfGH 13/​10, LVerfGE 22, 547 [571] 136; Thür­VerfGH, Urteil vom 18.07.2006 – VerfGH 8/​05, LVerfGE 17, 511 [515] 23; BVerfG, Urteil vom 24.01.1984 – 2 BvH 3/​83, BVerfGE 66, 107 [114] 23; BVerfG, Beschluss vom 09.02.1982 – 2 BvK 1/​81, BVerfGE 60, 53 [61] 38; VerfGH RP, Urteil vom 27.11.2007 – VGH O 27/​07 9[↩]
vgl. Thür­VerfGH, Beschluss vom 28.11.1996 – VerfGH 1/​95, LVerfGE 5, 356 [382] 134[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 07.05.2001 – 2 BvK 1/​00, BVerfGE 103, 332 [355] 75[↩]
vgl. zu dem mit Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf inhalts­glei­chen Art. 38 Abs. 1 GG: BVerfG, Beschluss vom 20.10.1993 – 2 BvC 2/​91, BVerfGE 89, 243 [251] 39[↩]
vgl. zu dem mit Art. 46 Abs. 1 Thür­Verf inhalts­glei­chen Art. 38 Abs. 1 GG: BVerfG, Urteil vom 02.03.1977 – 2 BvE 1/​76, BVerfGE 44, 125 [139] 46; BVerfG, Urteil vom 08.02.2001 – 2 BvF 1/​00, BVerfGE 103, 111 [130] 78[↩]
Thür­VerfGH, Urteil vom 11.04.2008 – VerfGH 22/​05, LVerfGE 19, 495 [504] 50[↩][↩]
vgl. zum wort­laut­i­den­ti­schen Art. 38 Abs. 1 GG: BVerfG, Beschluss vom 09.03.1976 – 2 BvR 89/​74, BVerfGE 41, 399 [413] 36[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 22.10.1985 – 1 BvL 44/​83, BVerfGE 71, 81 [94] 37[↩]
BVerfG, Urteil vom 26.10.2004 – 2 BvE 1, 2/​02, BVerfGE 111, 382 [409] 103; ähn­lich: Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 26.03.2018 – Vf. 15-VII-16 135 a. E., Rn. 143[↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 26.10.2004 – 2 BvE 1, 2/​02, BVerfGE 111, 382 [398] 62[↩]
Thür­VerfGH, Urteil vom 08.07.2016 – VerfGH 38/​15 30[↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 24.06.1958 – 2 BvF 1/​57, BVerfGE 8, 51 [64] 64[↩]
vgl. Thür­VerfGH, Urteil vom 08.07.2016 – VerfGH 38/​15 30[↩]
BVerfG, Urteil vom 25.07.2012 – 2 BvF 3/​11, 2 BvR 2670/​11, 2 BvE 9/​11, BVerfGE 131, 316 [342] 72 m. w. N.; für das Demo­kra­tie­prin­zip der baye­ri­schen Ver­fas­sung inhalts­gleich: Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 26.03.2018 – Vf. 15-VII-16 112[↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 23.01.1957 – 2 BvE 2/​56, BVerfGE 6, 84 [92] 28; BVerfG, Beschluss vom 22.10.1985 – 1 BvL 44/​83, BVerfGE 71, 81 [97] 42; BVerfG, Urteil vom 10.04.1997 – 2 BvC 3/​96, BVerfGE 95, 408 [418] 44; BVerfG, Urteil vom 13.02.2008 – 2 BvK 1/​07, BVerfGE 120, 82 [107] 109; BVerfG, Urteil vom 03.07.2008 – 2 BvC 1, 7/​07, BVerfGE 121, 266 [298] 98; BVerfG, Beschluss vom 04.07.2012 – 2 BvC 1, 2/​11, BVerfGE 132, 39 [50] 32; BVerfG, Urteil vom 26.02.2014 – 2 BvE, 5–10, 12/​13, 2 BvR 2220, 2221, 2238/​13, BVerfGE 135, 259 [286] 54[↩]
BVerfG, Urteil vom 10.04.1997 – 2 BvC 3/​96, BVerfGE 95, 408 [419] 46[↩]
vgl. Huber, ThürVBl 1993, S. B 7; Jut­zi, ThürVBl 1995, S. 29; Lind­ner, in: Linck/​Baldus/​Lindner/​Poppenhänger/​Ruffert, Thür­Verf, 2013, Art. 2, Rn. 16; Haed­rich, in: Linck/​Baldus/​Lindner/​Poppenhänger/​Ruffert, Thür­Verf, 2013, Art. 43, Rn. 8[↩]
BVerfG, Beschluss vom 15.10.1997 – 2 BvN 1/​95, BVerfGE 96, 345 [364] 62[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 15.10.1997 – 2 BvN 1/​95, BVerfGE 96, 345 [365] 66 zum ent­spre­chen­den Ver­hält­nis lan­des- und bun­des­ver­fas­sungs­recht­li­cher Grund­rechts­nor­men[↩]
BVerfG, Beschluss vom 07.05.2001 – 2 BvK 1/​00, BVerfGE 103, 332 [350] 63[↩]
BVerfG, Urteil vom 22.02.1994 – 1 BvL 30/​88, BVerfGE 90, 60 [85] 133[↩]
Thür­VerfGH, Urteil vom 16.12.1998 – VerfGH 20/​95, LVerfGE 9, 413 [429] 88[↩]
BVerfG, Beschluss vom 16.07.1998 – 2 BvR 1953/​95, BVerfGE 99, 1 [8 und 10] 32 ff. und 41 ff.[↩]
BVerfG, Beschluss vom 29.01.2019 – 2 BvC 62/​14, BVerfGE 151, 1 [22] 51 f.[↩]
vgl. zur Wahl­rechts­gleich­heit Thür­VerfGH, Urteil vom 11.04.2008 – VerfGH 22/​05, LVerfGE 19, 495 [504] 50; BVerfG, Beschluss vom 29.01.2019 – 2 BvC 62/​14, BVerfGE 151, 1 [19] Rn. 43[↩]
vgl. etwa BVerfG, Urteil vom 10.04.1997 – 2 BvF 1/​95, BVerfGE 95, 335 [350] 54; BVerfG, Urteil vom 03.07.2008 – 2 BvC 1, 7/​07, BVerfGE 121, 266 [303] 113, in der der glied­staat­li­che Auf­bau bzw. föde­ra­le Belan­ge als Recht­fer­ti­gungs­grün­de ange­se­hen wur­den[↩]
Ver­fas­sungs- und Geschäfts­ord­nungs­aus­schuss, Sit­zung am 17.09.1993, Ori­gi­nal­pro­to­koll S. 16 ff.[↩][↩]
vgl. etwa Hans-Joa­chim Vogel, Ver­fas­sungs­re­form und Geschlech­ter­ver­hält­nis, in: Eck­art Klein (Hrsg.), Grund­rech­te, sozia­le Ord­nung und Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit, Fest­schrift für Ernst Ben­da zum 70. Geburts­tag, Hei­del­berg 1995, S. 402 f.; Deut­scher Bun­des­tag, 12. Wahl­pe­ri­ode, Bericht der Gemein­sa­men Ver­fas­sungs­kom­mis­si­on, BT-Drs. 12/​6000, 5.11.1993, S. 49 ff.[↩]
vgl. etwa die Anru­fung des EuGH durch das BAG: BAG, Vor­la­ge­be­schluss vom 22.06.1993 – 1 AZR 590/​92 – BAGE 73, 269[↩]
Vor­la­ge 1/​1211[↩]
Ver­fas­sungs- und Geschäfts­ord­nungs­aus­schuss, Sit­zung am 15.03.1993, Ori­gi­nal­pro­to­koll S. 28 f., S. 34[↩]
Vor­la­ge 1/​1629[↩]
Ver­fas­sungs- und Geschäfts­ord­nungs­aus­schuss, 26. Sit­zung am 17.09.1993, Ori­gi­nal­pro­to­koll S.19[↩][↩][↩]
Ver­fas­sungs- und Geschäfts­ord­nungs­aus­schuss, 26. Sit­zung am 17.09.1993, Ori­gi­nal­pro­to­koll S. 14 ff.[↩]
vgl. Mey­er, Ver­bie­tet das Grund­ge­setz eine pari­tä­ti­sche Frau­en­quo­te bei Lis­ten­wah­len zu Par­la­men­ten?, NVwZ 2019, 1245[↩]
Deut­sches Ärz­te­blatt 09.05.2019[↩]
BVerfG, Beschluss vom 04.07.2012 – 2 BvC 1/​11, BVerfGE 132, 39 [49] 29[↩]
BVerfG, Urteil vom 03.07.2008 – 2 BvC 1/​07, BVerfGE 121, 266 [297] 98[↩]
Die­se Erwä­gun­gen fin­den sich in der zeit­nah erstell­ten Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Wil­len des Ver­fas­sungs­ge­bers: Huber, Gedan­ken zur Ver­fas­sung des Frei­staa­tes Thü­rin­gen, ThürVBl.1993, Son­der­heft S. B7[↩]
Mate­ria­li­en: BT-Drs. 12/​6000 S. 50[↩]
so Fisahn/​Maruschke, Gut­ach­ten zur Ver­fas­sungs­kon­for­mi­tät einer Geschlech­ter­quo­tie­rung bei der Auf­stel­lung von Wahl­lis­ten, S. 27[↩]
BVerfG, Urteil vom 28.01.1992 – 1 BvR 1025/​82, BVerfGE 85, 191 [206] 53[↩]
Mate­ria­li­en: Bericht der Gemein­sa­men Ver­fas­sungs­kom­mis­si­on vom 05.11.1993, BT-Drs. 12/​6000 S. 50[↩]
BT-Drs. eben­da[↩]
kri­tisch gegen­über die­ser Unter­schei­dung: Baer/​Markard, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, 7. Aufl.2018, Band 1, Art. 3 Rn. 367[↩]
so Bro­si­us-Gers­dorf, Ergeb­nis­pa­ri­tät oder Chan­cen­gleich­heit? Quo­ten­mo­del­le zur Stei­ge­rung des Frau­en­an­teils im Par­la­ment, Ver­fas­sungs­blog 25.02.2019[↩]
BVerfG, Urteil vom 10.04.1997 – 2 BvC 3/​96, BVerfGE 95, 408 [420] 49[↩]
BVerfG, Urteil vom 10.04.1997 a. a. O. [419] 46[↩]
BVerfG, Urteil vom 28.01.1992, 1 BvR 1025/​82, 1 BvL 16/​83 und 10/​91; BVerfGE 85, 191 (206f.), Rdn. 54[↩]
BVerfG, Beschluss vom 24.01.1995, 1BvL 18/​93; BVerfGE 92, 91, Rdn. 65[↩]
BVerfG, Beschluss vom 05.04.2005, 1 BvR 774/​02; BVerfGE 113,1, Rdn. 52.[↩]
vgl. https://www.humanrights.ch/de/menschenrechte-themen/diskriminierungsverbot/konzept/formen/[↩]
vgl. Fuchs, Poli­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on von Frau­en in Deutsch­land, S. 240[↩]
vgl. Brem­me, Die poli­ti­sche Rol­le der Frau in Deutsch­land, S. 219[↩]
Schöler-Macher, Éli­te ohne Frau­en, S. 413[↩]
vgl. Hoecker, APuZ 2008, S. 10 ff[↩]
vgl. Welti, AuR 1998, S. 348[↩]
vgl. Hoecker, ZParl1986, S. 74[↩]
vgl. Hoecker, APuZ 2008, S. 50 ff.[↩]
vgl. Sachs, Grund­ge­setz, Ein­füh­rung, E. I., Rdn. 37[↩]
vgl. Sachs, a. a. O., Rdn. 4043[↩]
BVerfGE 1, 299 312, st. Rspr, vgl. noch BVerfGE 62, 1 45 m.w.N[↩]
vgl. BTDrs. 12/​6000, S. 50[↩]
vgl. Lim­bach/E­ckertz-Höfer, Frau­en­rech­te im Grund­ge­setz des geein­ten Deutsch­lands, S. 14[↩]
vgl. BTDrs. 12/​6570, S. 7 und BTDrs. 12/​6686, S. 4[↩]
vgl. Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat 1948–1949, Band 6, Nr. 23, S. 651 ff.[↩]
vgl. Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat 1948–1949, Band 14/​2, Nr. 48, S. 1531[↩]
vgl. Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat 1948–1949, Band 6, Nr. 26, S. 752 ff.[↩]
vgl. Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat 1948–1949, Band 6, Nr. 29, S. 812, Fn. 14[↩]
BVerfG, Beschluss vom 15. 10.1997 – 2 BvN 1–95[↩]
Thür­VerfGH, Urteil vom 11.04.2008 – VerfGH 22/​05[↩]
Das Thü­rin­ger Pari­täts­ge­setz – oder: kei­ne zwangs­wei­se… Das Thü­rin­ger Pari­täts­ge­setz, das den Par­tei­en star­re pari­tä­ti­sche Quo­ten für die Auf­stel­lung der Lan­des­lis­ten vor­gibt, ver­stößt gegen die Thü­rin­ger Ver­fas­sung ist des­halb nich­tig. Die gesetz­li­che…
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