Source: http://akf-europe.org/kriegfuehrung-mit-urangeschossen-uranstaub-schleichender-massenmord-von-brigitte-runge-und-fritz-vilmar/
Timestamp: 2020-01-27 21:11:57
Document Index: 330975809

Matched Legal Cases: ['Art. 22', 'Art. 35', 'Art. 23', 'Art. 35', 'Art. 51', 'Art. 23']

Die eigentliche Katastrophe der Erfindung und des Einsatzes dieser »kleinen«, unscheinbaren Nuklearwaffen der »depleted uranium«(DU)-Waffen-Gattung ist der weitgehende Mangel ihrer angemessenen öffentlichen und offiziellen Wahrnehmung. Weder die Soldaten noch die Zivilbevölkerung in den betroffenen Waffengattungen bzw. Bereichen erhielten eine auch nur einigermaßen realistische Information über die hohe, tödliche Gefährlichkeit des radioaktiven Staubes, der durch die Explosion dieser Geschosse freigesetzt wird – ein später mit der Folgenabschätzung beauftragter amerikanischer Offizier berichtet, dass er als »Souvenir« ein Erste-Hilfe-Päckchen aus einem irakischen Panzerwagen jahrelang bei sich getragen habe …
Die radioaktiven Eigenschaften von DU, das hauptsächlich aus Uran 238 besteht, unterscheiden sich von denen des Uran 235. Anders als Uran 238 ist Uran 235 spaltbar. Das heißt, es ist so instabil, dass man durch Beschuss von Uran 235 mit Neutronen eine Serie von atomaren Reaktionen erzeugen kann, die enorme Mengen an Energie freisetzt. Das ist die Grundlage der Nutzung der Atomkraft in Atombomben. Vor seiner Verwendung muss U 235 aber angereichert werden, da es nur einen kleinen Anteil des natürlich vorkommenden Urans – um die 0,7% – ausmacht. U 238 macht mehr als 99% des natürlichen Urans aus und ist weniger radioaktiv. Nachdem dem natürlichen Uran der größte Teil des U 235 entzogen wurde, nennt man es »abgereichertes Uran«, das heißt Uran, welchem das Isotop U 235 entzogen ist. Jedes Kilogramm angereicherten Urans, das in einem Atomreaktor eingesetzt werden kann, hinterlässt 11 Kilogramm DU.
Nicht ganz so groß – nämlich 7:1 statt 11:1 – erscheint die Masse des Atommülls im Verhältnis zum gewonnenen »angereicherten« Uran nach den Recherchen Sirko Salkas3: „Ein 1.300 Megawatt Atomreaktor zum Beispiel verbraucht pro Jahr 30 Tonnen angereicherten Urans, die aus insgesamt 240 Tonnen natürlichem Uran herauszentrifugiert werden. Übrig bleibt ein Abfall von 210 Tonnen abgereicherten Urans, das zu 99,8 Prozent aus Uran 238 und noch zu 0,2 Prozent aus Uran 235 besteht. Ralf Cüppers von der Deutschen Friedensgesellschaft hat in seiner Broschüre »Uran-Geschosse« vorgerechnet, dass abgereichertes Uran nur unwesentlich weniger radioaktiv ist als natürliches Uran und nur unwesentlich mehr radioaktiv als reines Uran 238. Anstatt nun aber den radioaktiven Sondermüll entsprechend zu entsorgen, wird er in Amerika der US-amerikanischen Rüstungsindustrie kostenlos zur Verfügung gestellt, wodurch doppelt profitiert wird.“ 4
Zwei US-Unternehmen stellen großkalibrige Panzergeschosse aus abgereichertem Uran her: Alliant Techsystems (120 mm-Granaten) und die früheren Primex Technologies, jetzt General Dynamics Ordnance and Tactical Systems (105 mm- und 120 mm-Granaten). Drei weitere Unternehmen – in Frankreich, der ehemaligen Sowjetunion und Pakistan – stellen ebenfalls großkalibrige Panzergeschosse her. Alliant Techsystems, der größte Hersteller von Munition in den USA, produziert auch kleinkalibrige Geschosse (25 mm, 30 mm) für Geschütze in amerikanischen Flugzeugen und Kampffahrzeugen. Die Firma BAE Systems mit Sitz in Großbritannien fertigte bis 2003 120 mm-Panzergranaten für die britischen Streitkräfte an. Sie stellten die Produktion aus »Umweltgründen« ein.6 Es besteht der Verdacht, dass die israelische Militärindustrie Uran-Panzergranaten für die israelische Armee produziert haben könnte.
Uranoxydstaub – schleichender Massenmord durch neue Uranwaffen
Der Staub wird dann gleichermaßen von Zivilpersonen und Militär eingeatmet oder über die Nahrung aufgenommen. Man geht davon aus, dass die Uranmunition die Ursache für einen massiven Anstieg der Anzahl an Neuerkrankungen mit Karzinomen – wie Brustkrebs oder Lymphomen – in Gebieten des Irak nach 1991 und 2003 ist. Die Uranbelastung steht auch in Verbindung mit einem Anstieg an Geburtsfehlern in Gegenden, die an die Schlachtfelder des Golf-Kriegs angrenzen.
Bei Aufschlägen auf weichem Untergrund – typisch für Luftangriffe, bei denen die meisten Geschosse ihre Ziele verfehlen – bleiben die Geschosse teilweise intakt. Auf dem Balkan wurden mehr als 31.000 30 mm-Geschosse abgefeuert; die UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) berichtete, dass diese rostenden Geschosse voraussichtlich das Grundwasser und die Trinkwasservorräte kontaminieren werden und beseitigt werden müssen.8
Während wir eine ungefähre9 Vorstellung davon haben, wie viel Uranmunition auf dem Balkan (14 Tonnen) und im Golf-Krieg 1991 (etwa 320 Tonnen) eingesetzt wurde, verfügen wir über wenige Daten, was das Ausmaß ihres Einsatzes in der Folge der Invasion des Iraks in 2003 betrifft. Klar ist, dass – als Resultat einer vermehrt asymmetrischen Kriegsführung und einer zunehmend ungehemmten Einstellung in Bezug auf den Einsatz von Uranwaffen – mehr in städtischen Gebieten eingesetzt wurde. Die USA haben die Herausgabe von Daten über die Einsatzorte ihrer Uranwaffen an die UNEP durchweg verweigert, und die instabile Lage nach dem offiziellen Kriegsende hat eine Beurteilung des wahren Ausmaßes der Kontamination nahezu unmöglich gemacht.
Zu (II): Uranoxidstaub kann vom menschlichen und tierischen Organismus sowohl über die Nahrung aufgenommen werden als auch über die Atmungsorgane. Auch hier entscheidet die Menge, Dauer und Häufigkeit der aufgenommenen Uranpartikel über die Schwere der Gesundheitsschäden. Während verzehrte Uranpartikel zu 99,5 Prozent über den Darm als Exkremente wieder ausgeschieden werden, gelangen eingeatmete Staubkörner von der Lunge in die Blutbahn. Dort kann sich ein kleinerer Teil der Uranpartikel auflösen und kurzfristig verschiedene Organe vergiften, vergleichbar mit einer Schwermetallvergiftung – allerdings ist es in weitaus geringeren Dosen hochgefährlich. Die Toxizität der Oxide von schwerem metallischem Uran ist vergleichbar mit der Giftigkeit von Arsenverbindungen.13Vergiftet und zerstört werden vor allem die Zellen von Nieren und Leber, was Funktionsstörungen verursachen kann. Eine sehr hohe Anfangsdosis führt binnen weniger Tage durch den Ausfall lebensnotwendiger Organe zum Tod.14 „Die geschädigte Leber ist nicht mehr in der Lage, die Eiweißsynthese und den notwendigen kolloidosmotischen Druck aufrechtzuerhalten, so tritt Wasser in den Bauchraum aus. Die geschädigten Nieren sind nicht in der Lage, das Wasser auszuscheiden.“ 15
Der deutsche Professor Siegwart-Horst Günther – dessen Name die Krankheit trägt, die aus den beschriebenen Funktionsstörungen von Nieren und Leber hervorgeht, der Morbus Günther - ist bei seinen Untersuchungsergebnissen im Irak auf dieselben Symptome gestoßen, die bei amerikanischen und britischen Veteranen des Golfskriegs nebst deren Familien später als das »Golfskriegssyndrom«17viel publiziert und diskutiert worden sind. Bereits bei Kleinkindern hat Günther den „Zusammenbruch des Immunsystems mit stark ansteigenden Infektionen“ diagnostiziert, ferner ausgedehnte Herpes- oder Zosterbildungen, diverse Krebs- sowie genetisch bedingte Missbildungen. Bei schwangeren Frauen wurde eine Vielzahl von Aborten oder Frühgeburten registriert.18
Im Golfkrieg 1991 waren 750.000 amerikanische und britische Soldaten eingesetzt. Mittlerweile (im Jahre 2002, vgl. Fn. 4 ) sind zirka 250.000 Veteranen am Golfkriegssyndrom erkrankt, etwa 10.000 von ihnen sind verstorben. Zwischen Uran-Exposition und dem Ausbruch einer Krebserkrankung lagen im Schnitt fünf Jahre.19 „Im Irak werden 250.000 Männer, Frauen und Kinder mit derartigen Symptomen angegeben, deren Mortalität hoch ist … Eine Studie aus dem Jahre 1993 von drei amerikanischen Wissenschaftlern soll ergeben haben, dass etwa 50.000 irakische Kinder bereits in den ersten 8 Monaten nach dem Golfkrieg den Nebenwirkungen der D.U.-Geschosse erlegen sind.“ 20
Neue Erkenntnisse über Wirkungen von internen Strahlungsquellen verdeutlichen die Gesundheitsrisiken, wenn ein Organismus innerer Alpha-Strahlung ausgesetzt wird.24 Dazu gehört der »Bystander«-Effekt, das heißt, dass auch Zellen, die an diejenigen angrenzen, die von den Alpha-Partikeln getroffen wurden, Zeichen von Strahlenschäden aufweisen. Auch wird eine erhöhte Instabilität des Erbguts sichtbar, insofern die Zellnachkommen von strahlengeschädigten Zellen – nicht nur bei hohen Strahlendosen, sondern bei jedem Dosisniveau – ihrerseits größere Mutationsraten aufweisen: ein Vorbote für späteres Krebswachstum. Ionisierende Strahlung ist beim Menschen ein krebsauslösender Faktor unabhängig von der Höhe der Dosis. Es gibt keine Schwellenwertdosis, und jedes einzelne Alpha-Teilchen kann einen irreparablen genetischen Schaden hervorrufen.
Im Jahre 1940 begann die Erforschung der chemischen Toxizität von Uran. Seither hat sich herausgestellt, dass – ebenso wie bei vielen anderen Schwermetallen, z. B. Blei, Chrom, Nickel und Quecksilber – gerade auch durch den Kontakt mit Uran Gesundheitsschäden hervorgerufen werden können. Während viele Studien zunächst nur die Möglichkeit von Nierenschäden untersucht haben, haben seit 1991 – ausgelöst durch die Sorgen wegen der Uranmunition – Dutzende von Beiträgen andere weit beunruhigendere Gesundheitsschäden aufgezeigt, die durch die Toxizität der Uranmunition verursacht werden können. Wiederholte Studien an Zellen und Tieren haben den Nachweis erbracht, dass Uran ein Nierengift, ein Nervengift und ein Immungift ist sowie Mutationen, Krebs und Missbildungen beim werdenden Kind hervorrufen kann. Wenn man den Uranstaub, der aus der explosionsartigen Verbrennung der Munition entsteht, mit dem Uran vergleicht, wie es in der Natur vorkommt, dann ist der Uranstaub eine konzentrierte Form von Uran, die sehr viel leichter vom Organismus aufgenommen wird als natürlich vorkommendes Uran. Bei jüngsten Studien mit Hamstern konnte gezeigt werden, dass sich Uran an die DNA-Stränge bindet, wo es durch die Erzeugung freier Radikale oxidative Schäden verursacht25, und bei Studien mit Ratten konnte gezeigt werden, dass es die weißen Blutkörperchen irreparabel schädigt und die Genexpression (Proteinsynthese) verändert.26
Solche und weitere Befunde legen nahe, dass das nach dem Einsatz von Uranwaffen zurückbleibende Uran nicht nur hochgiftig ist, sondern dass darüber hinaus seine Giftigkeit und seine Radioaktivität zusammenwirken und synergetische Effekte27 erzeugen können, das heißt, dass sich die Wirkungen gegenseitig verstärken und auf diese Weise die Schäden in den Zellstrukturen und bei den Zellmechanismen vergrößern – was schließlich in Tumoren oder einer ganzen Reihe anderer, den ganzen Körper betreffenden Krankheitssymptome zum Ausdruck kommt.
Details über Gesundheitsschäden – die Schadensregionen
Als Kronzeuge sei hier Dan Fahey29 zitiert, ein hochrangiger US-Militärexperte, der die – nicht zuletzt von politischen Sprechern – genannten, z.T. enormen Größenordnungen der Opfer in sämtlichen Kriegsschauplätzen als „nicht belegt“ diffamiert, und die tatsächlichen Wirkungen des DU-Staub-Ausstoßes als gering bis minimal darzustellen versucht.30 Große UNEP-Felduntersuchungen31 im Jahre 2000 mit 11 lokalen Fallstudien im Kosovo (wo bereits vorher teilweise Munition entsorgt worden war (!) und nur noch minimale Kontaminationen des Bodens und des Wassers gefunden wurden) schienen diese Pseudo-Beweisführung zu bestätigen.
Aber selbst Fahey (a.a.O. S.23ff. „4.3. There have been no cancers among US Gulf War veterans exposed to DU“.) muss hier – wie auch an anderen Stellen! – erbost die platten „Lügen“ des DoD (Department of Defense) im Interesse der Beschönigung eingestehen: „This lie was created by the U.S. Department of Defense in January 2001 to calm European concerns about DU ammunition used in the Balkans … Despite these explicit and public denials, at least one of 50 (!) veterans examined in 1999 … had a lymphatic cancer … In addition to the veteran with cancer, a second veteran examined by the DU Program in 1999 had a bone tumour in his arm … In fact, the DU program is beset by several problems in addition to having its findings manipulated (!) by Pentagon officials, or intentionally omitted by the program administrator“ (vgl. Kap. 4, Abschnitt 1: »Nato manipuliert Presse«).
1. Zu Unrecht wurde behauptet, wir referierten zum Golfkriegssyndrom nicht die „wissenschaftliche Diskussion“. Wir behaupten dagegen, dass es über die Existenz eines »Golfkriegssyndroms« bei zigtausenden US-amerikanischer und britischer Soldaten keine wissenschaftliche Diskussion gibt, sondern – wie wir in Kap. 4, Abschnitt: »Studien unter Verschluss« zeigen – zunächst Vertuschungsversuche der USA und Großbritanniens, dann, nach massivem Druck, 1993/95 Untersuchungen mit sehr kritischen Ergebnissen, dann 1996 gleichwohl ein total verharmlosendes Regierungsstatement. Diese Verharmlosungsstrategie hat allerdings der Physiologe Albrecht Schott durch seinen empirischen Nachweis eines schweren uranmunitions-bedingten Chromosomen-Schadens eines britischen Veteranen 2004 ein für alle Mal ad absurdum geführt: „Chromosomentests waren maßgeblich für die Entscheidung des Gerichts (Pension Appeal Tribunal), in Edinburgh, Schottland (2.2.2004) der mit DU Vergiftung begründeten Anklage des Golfkriegsveteranen Kenneth Duncan (Golfkrieg 1991) stattzugeben. Aus der Urteilsbegründung: 6.6: Zweifelsfrei wird von Prof. Schott in Tabelle 2 festgestellt, dass Folgen der DU-Vergiftung in Form von Chromosomenbrüchen im Blut des Klägers vorhanden sind.“ 32 Diese Entscheidung ist ein Meilenstein im Kampf der weltweit etwa 66.000 DU-vergifteten Golfkriegsveteranen (Frauen und Männer!) des Krieges von 1991 (und der noch unbekannten Zahl des Golfkriegs von 2003): Kenny ist der erste dieser 66.000 schwerstgeschädigten Menschen, der 13 Jahre nach diesem Krieg Recht bekommen hat. Tausende sind bereits gestorben. Viele haben sich in ihrer Verzweiflung das Leben genommen.
2. Zu Unrecht wurde behauptet, „Schadensmechanismen, etwa zur chemischen Giftigkeit, würden zwar von uns in allgemeiner Form beschrieben, zur Beurteilung im konkreten Fall müsste jedoch die Belastung/Dosis angegeben werden und diese mit der zu erwartenden bzw. in den Opfern gemessenen Belastung/Dosis verglichen werden“. Die Forderung solcher „konkreten“ Uran- bzw. Uranoxid-Belastungsnachweise (prinzipiell und empirisch) zur Identifikation von Opfern ist abwegig, da der – unter anderem in Kliniken aller betroffenen Länder – massenhaft nachgewiesene Kausalnexus von Uran-Kontaminationen und schweren Gesundheitsschäden als solcher zur Beweisführung absolut ausreicht. Das o.g. UNEP-Dossier33 liefert dazu keine Gegenargumente.
Genauere Übersicht: Wie der Uranstaub den Körper schädigt – und wie er verharmlost wird
Rosalie Bertell34 beschreibt, wie die winzigen, gasartigen Nanopartikel aus Uran im Stoffwechselgeschehen der Körperzellen und auf die Erbinformation der DNA in den Zellen Einfluss nehmen. Sie macht deutlich, dass auf der Ebene des biologischen Zellgeschehens immer eine Vielfalt von Faktoren in Wechselwirkung zueinander stehen. Nur die Berücksichtigung dieser Komplexität bringt die volle schädigende Wirkung des Uranstaubs als radioaktives Schwermetall zusammen mit anderen Faktoren zum Vorschein. Die eindimensionalen mathematischen Schadensberechnungen der Strahlungskommissionen im Dienste des militärisch-industriellen Komplexes können – und wollen – die Schädigungen durch den Uranstaub nicht zur Kenntnis nehmen.
Zusammenfassend stellt sie fest: Die Probleme sind viel zu komplex, als dass sie mittels einer reduktionistischen Methode, die den toxischen Effekt einer einzelnen Komponente herausfiltert – selbst wenn es sich um DU handelt – beurteilt werden könnten. Eine Erhöhung der freien Radikale, Schwermetallvergiftungen, die Komplexität und Sensitivität gestörter Zellreaktionen, geschädigte Organzellen, dysfunktionale Enzyme und Hormone und das Eindringen von Mykoplasmen – alles Vorgänge, die gleichzeitig innerhalb lebenswichtiger Organe stattfinden – verursachen enorme Probleme für das Leben und Überleben. Die von Physikern verwendete mathematische Methodik eignet sich nicht für unlösliche Nanopartikel wie das keramische DU, das zusammen mit dieser toxischen Suppe innerlich eingelagert ist.
Meine Untersuchungsergebnisse weisen Ähnlichkeit mit Symptomen auf, wie sie in letzter Zeit in dem sogenannten »Golfkriegssyndrom« bei alliierten Soldaten und deren Kindern beschrieben werden. Die genetischen Missbildungen amerikanischer, britischer und irakischer Kinder gleichen sich … Schätzungen der britischen Atomenergiebehörde zufolge sollen etwa 40 Tonnen dieser Munition im Grenzgebiet zu Kuweit herumliegen; andere Experten gehen allerdings von 300 Tonnen aus. Wegen zu großer Gesundheitsgefährdung für ihre Mitarbeiter wurde von einer britischen Firma der Auftrag zur Entfernung dieser Uranmunition abgelehnt. Da in diesen Wüstengebieten auch Regenzeiten auftreten, gelangt die Toxizität ins Grundwasser und schließlich auch in die Nahrungskette. Es ist eine langfristige Gefahrenquelle für die dort lebenden 500.000 Menschen, die sich nach neueren Untersuchungen wohl auch schon auswirkt.
Auf die Gefahren der DU-Geschosse deutscher Technologie wurden die alliierten Truppen erst neun Tage nach Kriegsende aufmerksam gemacht. Von Golfkriegsveteranen aus den USA und GB wird über Krankheitserscheinungen berichtet, die anscheinend auf den Kontakt mit DU-Munition zurückzuführen sind. Es wird u.a. über Schädigungen verschiedener Organe, Zahn- und Haarausfall oder Krebsbildungen berichtet. Schwangeren Militärangehörigen seien missgebildete Kinder geboren worden …. Nach Angaben des Präsidenten der US-Golfkriegsveteranen sind vom sogenannten »Golfkriegssyndrom« 50.000 bis 80.000 US-Armeeangehörige betroffen, bisher mussten 39.000 von ihnen aus dem aktiven Militärdienst entlassen werden, 2.400 bis 5.000 seien bisher verstorben. In GB litten etwa 4.000 Golfkriegsveteranen am »Golfkriegssyndrom«. (Die Zahlen sind heute wahrscheinlich höher, Anm.: B.R.).
Missgebildet geborene Kinder wurden im britischen Unterhaus vorgestellt. Dabei gaben diese Golfkriegsveteranen auch ihre Kriegsauszeichnungen zurück. Aber auch Australier, Franzosen und Kanadier seien vom »Golfkriegssyndrom« betroffen. Auch in Kuweit stiegen diese Krankheitsmerkmale immer weiter an. Im Irak werden 250.000 Männer, Frauen und Kinder mit derartigen Symptomen angegeben, die Mortalität sei hoch … Inzwischen hat sich auch der Präsident der US-Golfkriegsveteranen meinen Vermutungen angeschlossen, dass diese Erkrankungen Parallelen zu den Vorgängen nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahre 1986 aufweisen. … Im November 1996 wurde darüber berichtet, dass in Ex-Jugoslawien etwa 1.000 Kinder an einem Syndrom unbekannter Ursache litten: Kopf-, Unterbauch- und Muskelschmerzen, Atemnot und Schwindel. Über 600 Kinder wurden in Krankenhäuser eingewiesen. Im Dezember 1997 und Januar 1998 wurde in bosnischen Medien darüber berichtet, dass es in einigen Gebieten des früheren Jugoslawien zu einem dramatischen Ansteigen von Leukämie, Krebsbildungen und missgebildeten Neugeborenen gekommen sei (siehe Abb. 2 und 3).
Zu den Gefahren niedriger Radioaktivität hier auch die Ansichten einiger international bekannter Wissenschaftler: Der kanadische Wissenschaftler Abram Petkau publizierte schon 1972 über den nach ihm benannten Effekt, wonach kleinste chronische Strahlendosen 100- bis 1000-mal gefährlicher sein können, als es die internationalen Strahlenschutzkommissionen bis auf den heutigen Tag annehmen. Der US-Amerikaner W. Gofman, der an der Entwicklung der Atombombe beteiligt war, sagte u.a.: „Es gibt keine Entschuldigung dafür, dass ich, Gofman, nicht früher Alarm über die Aktivitäten niedriger, ionisierender Strahlung schlug … Ich denke, dass mindestens einige 100 Wissenschaftler, die sich mit den biomedizinischen Aspekten der Atomenergie beschäftigten, ich, Gofman, eingeschlossen, Kandidaten für ein Nürnberg-ähnliches Gericht sind, da sie mit ihrer großen Nachlässigkeit und Unverantwortlichkeit Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben … Jetzt, da wir die Gefahren niedriger Strahlung kennen, ist das Verbrechen nicht mehr ein Experiment, das wir machten, sondern Mord.“
Nach den Untersuchungen des US-Amerikaners Ernest J. Sternglas aus dem Jahre 1974 erzeugt niedrige Radioaktivität nicht nur Erbschäden, Krebs und Leukämie, sie vergrößert auch die große Zahl gesundheitlicher Risiken überhaupt. … Sie scheint selbst gewisse Umweltschäden wie das Waldsterben extrem nachteilig zu beeinflussen. Epidemiologische Studien weisen sogar mit hoher statistischer Sicherheit auf negative Wirkungen hin: Auf abnehmende Intelligenz, zunehmende Kriminalität und die Immunschwäche AIDS. … Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete auch die sowjetische Industrie an der Herstellung von Urangeschossen. Anfang der sechziger Jahre versuchte die deutsche Militärspionage mit allen Mitteln, eine neuartige Panzergranate zu erhalten, die von den Sowjets an die syrische Armee geliefert worden war.
Bosnien 1995: Nach Aussagen von Professor Nedeljkovic von der Universität Nis sind die Folgen des Nato-Bombardements während des Bosnien-Krieges verheerend und besonders am Beispiel der Ortschaft Hadzici zu sehen. Er hält fest: „Praktisch hat dieser Ort seine ganze Bevölkerung auf Grund der explosionsartigen Entwicklung von Krebserkrankungen in den Jahren nach den Bombardierungen verloren.“ 37 Die Serben ahnten, dass die Bevölkerung von Hadzici nach der Bombardierung einer gefährlichen Kontamination ausgesetzt sein könnte, und siedelten 3.500 Bürger in das serbische Gebiet Bosniens nach Bratunac um – aber es war zu spät, denn viele Menschen waren bereits verseucht.
Eine Bürgerin von Hadzici erzählt: „Wir wohnten im Zentrum von Hadzici. In der Nähe gab es eine Reparaturwerkstatt der serbischen Armee. Die Gegend wurde am häufigsten bombardiert. Und auch das Zentrum wurde bombardiert. Was wussten wir einfachen Leute denn, worum es ging? Dass hier aber etwas nicht stimmte, hat uns ein Fall bewiesen: Ein kleines Mädchen hat in einem Bombenkrater gespielt und anschließend fielen ihr alle Fingernägel ab. Sie wurde ins Militärkrankenhaus nach Belgrad gebracht zu weiteren Untersuchungen. Offensichtlich war etwas in der Kratererde, was das verursacht hat. Das ist alles so schrecklich.“ Von den 3.500 Umgesiedelten aus Hadzici starben in den nächsten 5 Jahren 1.112 an Krebserkrankungen – fast ein Drittel dieser Menschen.
Der frühere finnische Umweltminister Pekka Haavisto, der Vorsitzende des UNEP-Untersuchungsteams, war verärgert, weil die Nato beinahe eineinhalb Jahre die Herausgabe von geographischen Angaben hinauszögerte. Haavisto: „Wir stellten mitten in Dörfern, wo Kinder spielten, Strahlung fest. Wir waren überrascht, dass dies noch eineinhalb Jahre später [nach dem Krieg] der Fall war. Die Menschen bewahrten Munitionssplitter als Souvenirs auf, und in den verseuchten Gebieten grasten Kühe. Das bedeutet, dass der verseuchte Staub in die Milch gelangen kann.“ 39 (…) „Im November 2002 bestätigte das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) das Vorhandensein von abgereichertem Uran an Orten, die von der Nato bombardiert worden waren. Dort ließ sich ein 100-facher Anstieg der Urankonzentration im Grundwasser feststellen. Die Sterblichkeitsrate in diesen Gebieten hat sich verdoppelt, zumeist auf Grund von Krebs sowie Leukämieerkrankungen bei Kindern.“ 40
Prof. Velimir Nedeljkovic, Universität Nis, Serbien, berichtete im Januar 200742, dass in Südserbien eine Wasserscheide von zwei Flussbereichen mit DU-Muniton bombardiert wurde, so dass über mehrere Flüsse die Meere, in die sie münden, kontaminiert wurden: das Schwarze Meer und die Ägäis (Anm. B.R.). „Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass schon im ersten Jahr des Krieges DU in die Erde und in das Grundwasser eingedrungen ist, und dass durch die klimatischen Bedingungen,Wind, Regen und andere atmosphärische Vorgänge, das DU in einem größeren Gebiet verbreitet ist. … Es stellt sich die Frage warum gerade Südserbien mit diesen Projektilen bombardiert wurde. Südserbien gilt als unterentwickelte Gegend, es gibt keine Befestigungsanlagen, und es ist nicht dicht besiedelt. … Es ist allgemein bekannt, dass DU Projektile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Bunker usw. verwendet werden, um sie mit hoher Temperatur zerstören zu können. Während des Krieges waren solche Objekte in diesem Landesteil nicht vorhanden. Da stellt sich die Frage, was das eigentliche Ziel der Bombardierung war.“
Die Nato bombardierte zielgenau – Infrastruktur, Fernsehstationen, Fabriken, Elektrizitätswerke, Brücken, die Eisenbahn und die Flüchtlingskolonne (exakte Daten der Bombardierung und ihre Ziele vgl. Yugoslav Daily Survey vom 8. Juni 1999). Zudem habe ein eigentlicher Ökozid stattgefunden (vgl. Vojin Joksimovich, Nato Commits Ecocide in Serbia, Vortrag am Serbian Unity Congress, Sept. 1999, Cleveland/Ohio). Das nukleare Forschungszentrum Vinca hat einige Örtlichkeiten – rund um einige Bombenkrater – dekontaminiert, an denen die Verseuchung durch abgereichertes Uran sehr stark war. Die Erde wurde abgetragen und in Fässern nach Vinca gebracht, wo sie nun auf weitere Entsorgung wartet.
Bis 2001 weidete das Vieh auf dem Gelände. Erst 2001 wurde ein Zaun gebaut. Aber die landwirtschaftlich genutzten Flächen von Serbien, die Wiesen für die Ziegen, Schafe und Kühe – deren Verseuchung ist nicht zu beseitigen. Das Umweltministerium scheint nicht gerne darüber zu informieren. Es gebe keine genauen Daten, jedenfalls keine offiziellen. Verständlich, wenn man bedenkt, dass das arme Serbien Einkünfte von der Ausfuhr seiner landwirtschaftlichen Produkte hat.43
Die Entfernung zwischen Bagdad und Reading mit den Windmodellen unter den damals vorherrschenden Luftdrucksystemen beträgt etwa 4.000 km. Auch wenn diese Entfernung anfangs schwer zu glauben sein mag, sollten uns die regelmäßigen Wüstensand-Niederschläge in Großbritannien daran erinnern, dass der Planet nicht so groß ist und dass hinsichtlich gewisser langlebiger Luftschadstoffe »kein Mensch eine Insel« ist. Diese alarmierende Erkenntnis wurde erstmals nach den überirdischen Atomversuchen der 60er Jahre und den daraus resultierenden Strontium-90-Befunden in der Milch dokumentiert und später wieder nach dem Unfall in Tschernobyl. Aber die Verwendung von uranhaltigen Kampfwaffen, besonders der neuen bunkerbrechenden Bomben, die angeblich über eine Tonne Uran im Sprengkopf haben, ist – wie die überirdischen Atomversuche – etwas, das von Menschen gesteuert wird; es handelt sich nicht um Unfälle.
Mit großer Verspätung kommt das Drama des Todes von italienischen Soldaten ans Licht, die an durch Uranmunition verursachten Tumoren gestorben sind. Es handelt sich um einen Skandal von erschreckendem Ausmaß, der von den kriegführenden Mächten sorgfältig verborgen gehalten wird. … Im Verlauf der Anhörungen vor der parlamentarischen Untersuchungskommission des Senats über DU (abgereichertes Uran) hat der italienische Verteidigungsminister Arturo Parisi erklärt: „Insgesamt sind 255 Soldaten, die zwischen 1996 und 2006 an Missionen im Balkan, in Afghanistan, im Irak und in Libanon teilgenommen haben, von Tumorerkrankungen betroffen. Von diesen sind 37 bereits gestorben.“ … Ganz anders die Einschätzung des Osservatorio militare. Domenico Leggiero, Vertreter der Organisation, die sich um die Armeeangehörigen und deren Familien kümmert, sagt, dass die Angaben des Ministers falsch sind. Leggiero erklärt, „andere offizielle Zahlen der Armee mit der fast zehnfachen Anzahl an Erkrankten und einer dreifachen Zahl von Todesopfern“ vorweisen zu können.46
Nach Aussagen eines Unteroffiziers war es ein kompletter Zug von Soldaten der deutschen Bundeswehr (Zugstärke normalerweise zwischen 50 und 70 Mann), der im März 2003 loszog – und im Irak-Krieg an der Seite von US-Truppen dort eingesetzt wurde, wo Strahlenschäden zu erwarten waren. … Im Anschluss an den Dienst im Irak verstarb die Hälfte (!) seiner deutschen Kameraden dieser deutsch-amerikanischen Sondertruppe an Krebs, offenbar verursacht durch Strahlung.47 (Die Soldaten wurden im Frühjahr 2003 für diesen Einsatz angeworben, indem man ihnen bessere Beförderungschancen in Aussicht stellte. Sie schieden offiziell aus der Bundeswehr aus, meldeten sich freiwillig bei den US-Truppen und zogen mit ihnen in den Irak-Krieg. Später sollten sie wieder zur Bundeswehr zurückkehren. Anm. B.R.)
Bedrohte Forscher – Nato manipuliert Presse
Die Bevölkerung wurde von der US-geführten Nato seit spätestens Mitte der 90er Jahre in den USA und seit spätestens Frühjahr 2001 in Europa abgelenkt und in die Irre geführt. … Mira Beham und Jörg Becker beschreiben in ihrer Studie48 wie solche politischen Manipulationsaufträge aussehen. Der Januar 2001, genauer der 10. Januar 2001, an dem die Nato unter Moderation des damaligen Generalsekretärs Lord Robertson eine Pressekonferenz und ein Briefing für ausgewählte Journalisten mit Wissenschaftern im Dienste des Militärs veranstaltete, ist ein wichtiges Datum, das den Scheidepunkt markiert. Bis zu diesem Datum wurden täglich alarmierende Berichte über das Problem der Uranwaffen in den »Leitmedien« vieler europäischen Länder veröffentlicht, und Politiker und Parteien – interessanterweise immer aus den jeweiligen Oppositionslagern – meldeten sich zu Wort. Ihre Überlegungen wurden über die Leitmedien zu Beiträgen einer öffentlichen Debatte. Nach dem 10. Januar 2001 verstummte die Diskussion. Der Spiegel beendete erst am 22. Januar 2001 – noch mit einem sehr lesenswerten Artikel – die Behandlung des Themas. Andere hatten schon vorher »abgestellt«, ab Februar wurden in diesen Medien – wie auf Kommando – keine weiteren Berichte mehr zu dem Thema veröffentlicht. Statt dessen wurden … einige speziell vorbereitete, das Thema »abschließende« Veranstaltungen durchgeführt, an denen Wissenschafter, im Sold abhängiger Institutionen stehend, zur Entwarnung bliesen und anwesende Militärs und Politiker den Beschluss »Ende der Debatte« umsetzten. Seitdem herrschte in der politischen öffentlichen Debatte und in den Massenmedien Grabesstille.49 In die gleiche Richtung geht eine Passage in einem Text von Dai Williams: »Untersuchung der im Libanon-Krieg 2006 eingesetzten Waffen, ein Zwischenbericht“, abgedruckt in Zeit-Fragen Nr. 7 vom 21. Februar 2007, S.8 (Anm. B.R.).
1. Die Internationale Kommission für Strahlenschutz (ICRP): Die ICRP ist ein Gremium, das an Regierungen und supranationale Institutionen Empfehlungen zum Strahlenschutz herausgibt. Sie entscheidet politisch zwischen der für den Körper verträglichen Strahlung und der Strahlendosis. die sie für politisch vertretbar hält. … Während die Mitglieder dieser Organisation zwar auf dem Gebiet der Strahlenphysik kompetent erscheinen, wurde jedoch Kritik laut, dass sie auf dem Gebiet der Strahlenbiologie bedeutend weniger gut sind. Die ICRP verwendet Daten der Atomexplosionen von Hiroshima und Nagasaki, um [die Wirkung von] Strahlendosen und Strahlenexpositionen abzuschätzen. Die japanischen Bombenopfer waren einer plötzlichen Explosion mit von außen einwirkender Gamma- und Beta-Strahlung ausgesetzt. Wie aufgezeigt wurde, führt eine langanhaltende Kontamination der Umwelt durch DU respektive Uranwaffen [dagegen] zu einer chronischen körperinneren Strahlenbelastung durch Alpha-Strahlen, und dieser Sachverhalt macht die Strahlendosisraten der ICRP irrelevant. (Quelle: ICBUW, a. a. O., Fn. 2).
Dies wird erst dann verständlich, wenn man weiß, dass … die IAEA die WHO schon 1959 mit einem Vertrag zum Schweigen zwang. Im Artikel 1 des Abkommens zwischen IAEA und WHO vom 28. Mai 1959 heißt es, dass „die IAEA die primäre Verantwortung trägt sowohl für die Förderung, die Unterstützung und die Koordination der Forschung als auch für die Entwicklung und die praktische Anwendung der Atomenergie für den friedlichen Gebrauch in der ganzen Welt unbeschadet des Rechts der WHO, sich selber mit der Förderung, der Entwicklung, der Unterstützung und der Koordination der internationalen Gesundheitsarbeit einschließlich der Forschung, in all ihren Aspekten zu befassen.“Dieses Recht der WHO zu selbständiger Gesundheitsarbeit ist aber praktisch im Bereich der Atomenergie nicht existent, durch den Anspruch des Artikel I, (3), der besagt, dass „wenn immer die eine der beiden Organisationen beantragt, ein Programm oder eine Aktivität zu einem bestimmten Thema zu initiieren, das die substantiellen Interessen der anderen Organisation berührt oder berühren könnte, die erste Partei die andere konsultieren soll im Hinblick auf eine einvernehmliche Regelung der Angelegenheit.“ Im Klartext heisst dies, dass die WHO sich jedes Forschungsprojekt zu gesundheitlichen Auswirkungen von ionisierender Strahlung von der IAEA genehmigen lassen muss.
Die Nato versuche, so unsere serbischen Gesprächspartner, ein gezieltes weiches Lobbying unter den Nichtregierungsorganisationen in Serbien zu betreiben, damit sich keine Umwelt-NGO mit der Problematik des abgereicherten Urans befasse. Die Einflussnahme geschieht über verschiedene Kanäle. Einer davon ist das Geld. Nur für »richtige« Projekte erhalten die NGOs Geld, meist aus dem Ausland, von Frankreich, Schweden, Deutschland oder England. … Westliche Regierungen zahlen an die serbischen NGOs. Eine andere Kanalisierung im politischen Sinn ist die Vereinnahmung kleiner NGOs durch größere, zum Beispiel durch das Regional Environmental Center for Central and Eastern Europe, mit Sitz in Szentendre, Ungarn. Woher fließt das Geld für diesen Dachverband, der die kleinen NGOs an sich zu binden versucht? Eine kleine NGO in Serbien hat kaum eine Möglichkeit, ohne Beitritt zu diesem »Dach« Unterstützung zu erhalten.53
Seit 1998 waren Berichte von Medizinern aus dem Irak bekannt geworden, die auf eine Erhöhung der Kinderleukämien und der Missbildungen bei Neugeborenen hinwiesen, vor allem in der Region um Basra. Der Irak wandte sich daher an die UN mit der Bitte um Durchführung einer Studie, durch die diese Phänomene aufgeklärt werden sollten. Allerdings verhinderte eine starke US-Lobby, dass die Generalversammlung der UN diese Bitte zu ihrem Beschluss machte. Es gibt eine Reihe von Widersprüchen und offenen Fragen, mit denen wir uns künftig wissenschaftlich auseinander zu setzen haben. Leider tun die Amerikaner alles, um eine systematische Bearbeitung dieses Bereichs zu behindern – durch Ignoranz, Nicht-zur-Verfügung stellen von bereits vorliegenden Daten und Forschungsergebnissen, Verweigerung finanzieller Unterstützung von unabhängigen Wissenschaftlern für solche Arbeiten, gezielte Desinformation in der Öffentlichkeit usw.
Als Ärztin und Teilnehmerin einer Friedensdelegation war ich gerade aus Basra von unserem Besuch des Mutter-Kind-Hospitals zurückgekehrt. Der ZDF-Reporter, der mich interviewte, meinte vorab: „Kommen Sie bloß nicht damit, dass die Ursache für die vielen, an Leukämie erkrankten Kinder etwas mit DU, abgereichertem Uran, zu tun haben könnte. Das wird unser Sender auf keinen Fall bringen!“ Ich fühlte einen leichten Schock in mir. Eine ursprünglich wissenschaftliche Debatte ist so politisiert und polarisiert, der »eingebettete Journalismus« funktioniert reibungslos. … Der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Scharping hatte Berichte über Gesundheitsgefahren infolge der während des Kosovo-Krieges verwendeten Uranmunition zum „Blödsinn“ erklärt und kategorisch behauptet „ein Strahlenrisiko gibt es nicht“.
Eine Untersuchung deutscher, im Balkan stationierten Soldaten und in der Bevölkerung Kosovos hinsichtlich deren Vergiftung und Verstrahlung durch DU-Munition56 ist in die Kritik geraten. Die offizielle Untersuchung hatte behauptet, „dass sowohl die Friedenstruppen wie auch die Einwohner keinen bedeutsamen Belastungen von DU ausgesetzt waren“. … Die Untersuchung ist im wesentlichen von 8 Wissenschaftern des GSF – Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit – Neuherberg/München getragen, das sich als nationales Forschungszentrum GSF – National Research Center for Environment and Health, Institute for Radiation Protection – darstellt. Es bestand die Aufgabe, die Krebsrisiken infolge des Einsatzes von Uran für deutsches Personal und auf die Bevölkerung Kosovos zu untersuchen. Der Auftraggeber und die Formulierung des Auftrages werden verschwiegen. Als besonders schwerwiegend werden zwei Punkte erachtet:
Selbst erste Hinweise auf Anomalitäten sind verschleiert worden: … die Auflistung [der Rückstände, B.R.] von Uran 234 im Urin [wird ] bewusst unterlassen. … In [einer anderen] Tabelle (Wasser, weit entfernt von den Betroffenen) besteht dagegen der Mut, U 234 zu nennen.
Die Defizite sollten im Interesse seriöser wissenschaftlicher Berichterstattung beseitigt werden. … man sollte dabei bedenken, dass die Krankheitsrate der im Golfkrieg erkrankten US-Soldaten in die Hunderttausende geht.
Die PR-Firmen, die während der Balkan-Kriege tätig waren, sind ganz überwiegend mächtige, gesellschaftlich (zumindest in der US-Gesellschaft) anerkannte und vertrauenswürdige Kommunikationsspezialisten. Sie gelten als glaubwürdige Quellen und Akteure, insbesondere wenn man ihr personelles Profil berücksichtigt. Sie erfüllen alle Voraussetzungen eines »unabhängigen Botschafters« (»independent messenger«), wie er für die Public diplomacy gefordert wird (Peterson 2002). Somit haben wir in den Balkan-Kriegen die Konstellation, dass Kriegsregierungen ihre Propaganda durch den Filter von PR-Agenturen und deren zahlreiche Kommunikationskanäle in glaubwürdige Botschaften verwandeln konnten. Daraus resultiert eine starke Homogenisierung der öffentlichen Meinung in den USA (und in den westlichen Gesellschaften überhaupt): die US-Regierung, amnesty international, Human Rights Watch, Freedom House, das United States Institute of Peace, die Soros Foundation, liberale Intellektuelle und weite Kreise der Konservativen, die Vereinten Nationen, Journalisten, aber auch die Regierung in Zagreb, die Regierung in Sarajevo, die Führung der Kosovo-Albaner, die UÇK – sie alle haben, mit geringfügigen Nuancen, eine praktisch identische Lesart der Balkan-Kriege publiziert. Und sie ist deckungsgleich mit der Propaganda der exjugoslawischen, nichtserbischen Kriegsparteien.57
Unter diesem Titel hat Dr. med. Ralf Cüppers mehrere Äußerungen der Welt, des ehemaligen Verteidigungsministers Scharping (14. Januar 2001 in der ZDF-Sendung »Eser und Gäste«) und einen Artikel des Redakteurs Gero von Randow in der Zeit auf 40 Seiten einer gründlichen kritischen Analyse unterzogen. Da die Bloßstellungen von Cüppers keine über die hier dargestellten Befunde konkret hinausgehende Analysen enthalten, beschränken wir uns aus Platzmangel hier auf diesen allgemeinen Verweis. Wir betonen aber, dass Cüppers” Text ein besonders detaillierter Ausweis der Fahrlässigkeit ist, mit der in der Bundesrepublik weithin die Problematik dieser lebensgefährlichen Waffen behandelt wird.59
Informationen? – nur scheibchenweise
Die Informationen, die innerhalb von zwei Wochen (Anfang des Jahres 2001, B.R.) zumindest ansatzweise an die Öffentlichkeit gelangten, haben es in sich (Von Kristian Zitzlaff60): Entgegen allen bisherigen Behauptungen haben die US-Streitkräfte Uranmunition in Deutschland nicht nur gelagert, sondern auch verschossen, und in mindestens sechs Fällen sind mit dieser Munition bestückte Panzer ausgebrannt. Und vorbei am Parlament hat auch die Bundeswehr seit Anfang der 70er Jahre kontinuierlich Forschungen und Versuche mit Uranmunition durchführen lassen und im Geheimen Pläne zur Produktion dieser heimtückischen Munition entwickelt. Es waren die Medien, die immer neue »Skandale« offenlegten, während das BMVg sich „widerwillig die Informationen (…) aus der Nase ziehen“ließ.61 Im folgenden werden die bisherigen Enthüllungen zusammengetragen, die nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Denn weiterhin gibt es mehr offene Fragen und Widersprüche als eindeutige Antworten.
„Die Bundesregierung bestätigt, dass die Bundeswehr keine DU-Munition entwickelt, besitzt oder zu Übungszwecken einsetzt und dass die Entwicklung, Beschaffung oder Verwendung solcher Munition auch für die Zukunft auszuschließen ist.“ So erklärte das Bundesministerium für Verteidigung (BMVg) am 12. Juni 1995, damals noch unter Minister Volker Rühe, bezugnehmend auf schriftliche Fragen des SPD-Abgeordneten Georg Pfannenstein. Weiter heißt es dort, dass „zu keiner Zeit die Absicht bestand oder besteht, DU-Munition in der Bundeswehr zu verwenden“ … „Nach Erkenntnissen der Bundesregierung haben die in Deutschland stationierten US-Streitkräfte DU-Munition im Bestand. Ein Verschuss zu Übungszwecken ist in Deutschland mangels geeigneter Übungseinrichtungen nicht möglich und daher untersagt.“ 62 Am 9. Oktober 1997 erklärte das Auswärtige Amt erneut in Antwort auf schriftliche Fragen des obigen SPD-Abgeordneten: „Die Bundeswehr verfügt nicht über DU-Munition. Die Verbündeten verwenden keine DU-Munition für Schießübungen in Deutschland. Demnach ist ein Risiko durch einen versehentlichen Verschuss von DU-Munition auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nicht gegeben.“ 63 Soweit die Theorie.
Nach Angaben des Spiegel lag eine Liste dieser Vorfälle dem BMVg bereits seit August 1996 vor!70Dass das BMVg auch schon in den 80er Jahren über die Ereignisse informiert war, legt eine Äußerung des damaligen Leiters des Planungsstabes des Ministeriums, Hans Rühle, nahe, der Anfang Februar 2001 gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung erklärte, damals „alles getan“ zu haben, um Informationen über Uranmunition der US-Streitkräfte in Deutschland „zu unterdrücken“. Die Informierung der Öffentlichkeit „über tausend strahlende US-Panzer auf deutschen Straßen“ hätte eine „politisch-psychologisch hoch gefährliche Situation“ heraufbeschworen.71
Die Enthüllungen von Januar 2001 waren nicht die einzigen – nunmehr bestätigten – Hinweise darauf, dass die strahlenden und hochgiftigen Geschosse auch in Deutschland verwendet wurden. Bereits Jahre zuvor gab ein ehemaliger US-Soldat in einem Fernsehinterview an, dass auch auf den Militärbasen in Miesau (zwischen Kaiserslautern und Neunkirchen) und Baumholder bei Idar-Oberstein (beide Rheinland- Pfalz) Uranmunition getestet wurde.76 … Auch bei dem Absturz einer A-10 in Remscheid (NRW) am 8. Dezember 1988 wird vermutet, dass dabei freigesetztes DU die Absturzstelle verseuchte. Damals starben sieben Menschen, 50 wurden verletzt. In den Jahren danach erkrankten mehr als hundert Menschen aus der Nachbarschaft des Absturzortes wie auch Helfer des Technischen Hilfswerks an Hautentzündungen (Dermatitis), Nervenentzündungen und verschiedenen Arten von Krebs, ein Kind verstarb. Vermutungen, dass die A-10 Uranmunition an Bord hatte, dementiert das US-Militär jedoch beharrlich.77 Im Auftrag des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums soll nun der Fall von einem unabhängigen Institut untersucht werden.78
Dass nicht nur über Westdeutschland das toxische Schwert der Uranmunition hängt, sondern auch in der ehemaligen DDR die Gefahr durch DU virulent gewesen sein könnte, wird seit längerem vermutet. Wie die Zeitung Die Welt am 15. Januar 2001 berichtete, will sie „aus Bundeswehrkreisen“ erfahren haben, dass auf dem Truppenübungsplatz Altmark (Colbitz-Letzlinger Heide, Sachsen-Anhalt) größere Reste von DU-Munition vermutet werden, die die damalige Sowjetarmee dort verschossen und nicht entsorgt haben soll.80 Das BMVg dementierte diese Meldung noch am selben Tag: „Nach Aussagen ehem. NVA-Stabsoffiziere verfügte die NVA nicht über DU-Munition. Ebenso ist ein Verschuss von DU-Munition durch sowjetische Streitkräfte mit größter Wahrscheinlichkeit auszuschließen, da trotz intensiver Munitionsräumung auf dem TrÜbPl Altmark seit 1996 keine DU-Munition oder Teile davon gefunden wurden.“ 81 … Mittlerweile ist bekannt, dass sowohl die Rote Armee als auch die NVA sehr wohl Uranmunition in ihren Beständen hatten, wie Verteidigungsminister Scharping am 24. Januar bestätigte (siehe unten).
Nach Angaben des Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, habe die Bundeswehr Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre auch selbst erwogen, „solche panzerbrechende DU-Munition zu beschaffen. … Es hat damals eine Auseinandersetzung gegeben zwischen dem Führungsstab des Heeres, zwischen den Rüstern und den Strahlenschutzverantwortlichen im BMVg. Im Ergebnis ist dieser Streit vor dem Hintergrund des Umweltrisikos zu Gunsten der Strahlenschützer ausgegangen und deswegen hat die Bundeswehr die Munition nicht beschafft.“ 82 Eine interessante Aussage, bestätigt sie doch implizit, dass man schon damals von den Gefahren wusste und sich möglicherweise auch deswegen gegen diese Munition entschied.
Scheibchenweise und sehr lückenhaft kamen dann Einzelheiten über die langjährigen DU-Ambitionen der Bundeswehr ans Tageslicht, die über die von Gertz angedeuteten Gedankenspiele auf der Hardthöhe hinausgingen. Den Anfang machte die eidesstattliche Aussage eines ehemaligen Bundeswehr-Soldaten am 15. Januar 2001 gegenüber dem NDR, dass er 1980 auf dem Truppenübungsplatz Sennelager bei Paderborn (Nordrhein-Westfalen) während einer Schießübung etwa zehn Patronen uranhaltiger Munition mit der Bordmaschinenkanone (BMK) zu verschießen hatte, ohne jedoch über die Risiken informiert worden zu sein.83 Die Bundeswehr wies die Information als falsch zurück: „In der Bundeswehr wurde und wird keine Munition aus abgereichertem Uran verwendet. Ein Verschuss solcher Munition auf dem Truppenübungsplatz Sennelager wird nach Recherchen im Führungsstab der Streitkräfte ausgeschlossen. … Wahrscheinlich ist aber, dass es sich dabei um eine 20 mm Treibspiegel-Munition mit einem Penetrator aus Wolfram-Schwermetall handelte.“ 84
Kurz darauf, am 19. Januar 2001, berichtete dann die Süddeutsche Zeitung, dass von den Firmen Rheinmetall und Messerschmidt-Bölkow-Blohm (MBB) in den 70er Jahren Versuche mit uranhaltiger Munition durchgeführt worden seien. Demnach habe Rheinmetall von Anfang der 70er Jahre bis 1978 im Auftrag des BMVg auf dem firmeneigenen Schießplatz in Unterlüß (Kreis Celle, Niedersachsen) verschiedene Versuche mit DU-Munition durchgeführt. Es habe „einige Beschüsse im zweistelligen Bereich“ gegeben, so bestätigte Rheinmetall den Bericht der Süddeutschen bereits am 18. Januar. Die Tests, die „unter freiem Himmel“ stattfanden, seien „in Abstimmung mit den Behörden“ und den „zuständigen Stellen des Bundes“, wie dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, erfolgt.85Allein 1977 wurden dem Gewerbeaufsichtsamt 42 Abschüsse angezeigt; da die Menge des verwendeten Urans jedoch unter drei Kilogramm lag, bedurfte es keiner behördlichen Genehmigung.86 Im Anschluss sei die Anlage „saniert“ worden.87 Auch MBB sei an den Versuchen in den frühen siebziger Jahren beteiligt gewesen, so die Süddeutsche weiter.88
Das Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen EADS (in der MBB 1990 aufging) erklärte am 19. Januar, dass auch auf dem Spreng- und Schießplatz von MBB in Schrobenhausen (Oberbayern) 17 Jahre lang, von 1979 bis 1996, DU-Munition getestet wurde.89 Vor Jahren schon machte eine örtliche Bürgerinitiative in Schrobenhausen darauf aufmerksam, dass in der Gegend in den 80er Jahren besonders viele Erkrankungen aufgetreten seien.90 Die Genehmigungen für die Uranmunition-Tests erteilte das bayrische Landesamt für Umweltschutz für den Zeitraum von März 1979 bis April 1996; danach durften „auf dem Firmengelände in geschlossenen Behältern Schieß- und Sprengversuche mit natürlichem oder abgereichertem Uran gemacht werden, in einem Gesamtumfang von maximal 20 Kilogramm“.91Auftraggeber für die Experimente war das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung in Koblenz.92
Aus den Mitteilungen von EADS lässt sich schließen, dass auch bereits vor März 1979 Versuche in Schrobenhausen stattgefunden haben. So erklärte der EADS-Sprecher Rainer Uhler, dass in den 70er Jahren „eine auf wenige Tage beschränkte Versuchsreihe von Rheinmetall durchgeführt“ wurde.93 Auch nach Aussagen von MBB-Mitarbeitern, die damals an den Tests beteiligt waren, seien in Schrobenhausen in den 70er Jahren von der Firma Rheinmetall Tests mit uranhaltiger Schiffsabwehrmunition unter freiem Himmel durchgeführt worden; die Materialien seien anschließend ordnungsgemäß entsorgt worden.94 Unklar bleibt dabei, ob die Versuche vor März 1979 eine Genehmigung hatten und ob neben Rheinmetall auch andere Firmen Versuche durchführten. … Am 24. Januar 2001 berichtete erneut die Süddeutsche Zeitung, dass das BMVg am 29. Oktober 1986 (unter dem damaligen Minister Manfred Wörner/CDU) eine Machbarkeitsstudie bei dem Rüstungsunternehmen Dynamit Nobel in Auftrag gegeben hatte, in der das Unternehmen die Modalitäten (Kosten, Umweltauflagen, Zeitrahmen etc.) und mögliche Probleme für den Bau einer Fertigungsanlage für Uranmunition untersuchen sollte. Dynamit Nobel hätte auf Dekontaminierungsprobleme und auf rechtliche Hürden (wie die damalige Atomgesetzgebung) aufmerksam gemacht, so ein Firmensprecher.95 … Im April 1987 hätte sich das BMVg gegen den Bau einer solchen Anlage entschieden, da man fürchtete, dass die Produktion von Uranmunition „angesichts des politischen Umfelds nicht durchzusetzen“ sei.96 Auch in diesem Falle gab sich das BMVg unwissend; die Aktenlage werde geprüft. Klar ist zumindest, dass das Parlament nie informiert wurde. Am 29. Januar 2001 berichtete nunmehr Der Spiegel, dass die Bundeswehr noch in den 90er Jahren Forschungen zu Uranmunition durchführen ließ, 1991 unter Minister Gerhard Stoltenberg etwa, als ein deutsch-französisches Forschungsinstitut in Saint-Louis gemeinsam mit den US-Streitkräften Studien über das „Durchschlagverhalten“ von DU-Geschossen erstellte oder 1993 unter Minister Volker Rühe, als das Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik Untersuchungen zur „Penetrator-Optimierung“, u.a. auch mittels Uran-Legierungen, durchführte.97
Im Strudel der Enthüllungen erklärte Verteidigungsminister Scharping am 24. Januar – entgegen aller bisherigen Aussagen -, dass die Bundeswehr rund 1.500 uranhaltige Lenkflugkörper der sowjetischen Kampfflugzeuge vom Typ MIG 29 aus den Beständen der NVA und der Westgruppe der Roten Armee übernommen hatte und dass davon „möglicherweise“ acht bis zehn dieser DU-Geschosse in den neunziger Jahren verschossen wurden; 1.000 der Geschosse seien „entsorgt“, die restlichen 500 durch Entfernung des Urankerns umgerüstet worden.98 Auch darüber wurde das Parlament nicht informiert. Noch heute sind die genauen Umstände unklar, so bspw. was genau unter »Entsorgung« zu verstehen ist. Meint dies eine kontrollierte Vernichtung, eine ordnungsgemäße Endlagerung der Uranteile oder lediglich, dass der Rüstungsschrott irgendwo verbuddelt wurde?
Das Ausmaß der bisherigen Enthüllungen macht deutlich, wie wenig das Treiben des Militärs auch in sogenannten Demokratien einer parlamentarischen Kontrolle unterliegt. Dreißig Jahre lang konnte die Bundeswehr an radioaktiver und chemotoxischer Munition experimentieren und damit Mensch und Umwelt nachhaltig gefährden, ohne dass der Verteidigungsausschuss des Parlaments oder gar die Bürger, die die Kriegsspiele der Waffennarren schließlich finanzieren müssen, informiert, geschweige denn gefragt wurden. Die Arroganz, mit der das Militär Informationen … zurückhält, veranschaulicht einen grundlegenden Fehler in der Definition der Rolle des Militärs in Staat und Gesellschaft. Es widerspricht jedweder demokratischen und rechtsstaatlichen Logik, dass das Militär die Fakten schafft, um deren Offenlegung Politik und Öffentlichkeit dann betteln müssen.
Wie viel auch weiterhin verheimlicht wird, ist völlig unklar. Falls die Aussagen von Angelika Beer (Grüne) im Verteidigungsausschuss am 17. Januar 2001 stimmen, dass sich das BMVg noch 1995 für einen Verzicht auf Uranmunition entschieden hat99, so hieße das, dass auch noch vor kurzem für das deutsche Militär die DU-Option bestand – und vielleicht auch weiter besteht – und dass es wahrscheinlich ist, dass dann auch zumindest bis 1995 Versuche mit DU-Munition stattgefunden haben könnten. Nicht nur eine restlose Aufklärung der Vorfälle ist vonnöten, sondern eine wirkliche, d.h. unabhängige zivilgesellschaftliche Kontrolle des Militärs.
(…) „die Besatzungsmächte im Irak verleugneten und verschleierten vorsätzlich die Arten, Einsatzorte und Mengen von Waffen, die verwendet wurden (…)
Die Besatzungsmächte verboten dem Umweltprogramm für die Vereinten Nationen (UNEP), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und anderen internationalen Agenturen, irgendwelche Untersuchungsprogramme durchzuführen, um die Gesundheitsrisiken bezüglich dieser radioaktiven Schadstoffe gegenüber der irakischen Bevölkerung aufzudecken. (…)
Die Bandbreite der insgesamt notwendigen Maßnahmen verdeutlicht eine im Jahr 2000 vom Antidiskriminierungsnetzwerk MSD e.V. (Berlin) formulierte und von vielen Friedensgruppen102getragene Resolution. Diese verweist noch einmal auf die immense Halbwertzeit von Uran (4,5 Milliarden Jahre), die langfristige Bildung radiologisch gefährlicher Zerfallsprodukte des Urans und die damit verbundene chemische und radiologische Toxizität von abgereichertem Uran wie auch seiner Verbindungen, die vorhersehbar nachhaltige Schäden für Mensch, Tier, Pflanze und die ökologischen Kreisläufe erzeuge.
Mit Blick auf die militärische Verwendung von DU wird betont, dass diese vielfältig gegen gültiges humanitäres Völkerrecht verstößt, u.a. den Grundsatz der nicht unbeschränkten Wahl von Kriegsmitteln und -methoden (Art. 22 Haager Landkriegsordnung HLKO), gegen Art. 35 Zusatzprotokoll I zu den Genfer Abkommen (ZP I), das Verbot der Verursachung unnötiger Leiden und überflüssiger Verletzungen (Art. 23 Abs. 1 e HLKO; Art. 35 Abs. 2 ZP I), gegen den Grundsatz der unterschiedslosen Kriegsführung (Art. 51 Abs. 4 c und 5 b ZP I) sowie der Anwendung von Giftwaffen (Art. 23 Abs. 1 a HLKO). Die Erklärung erinnert zudem daran, dass Einsatz und Gebrauch von DU gültigen Grundsätzen des internationalen Umwelt- und Menschenrechtsschutzes zuwiderläuft und sich – wie in Resolution 1996/16 der UN-Menschenrechts-Unter-Kommission festgestellt wird – gegen das Recht auf Leben richten. Auf dieser Grundlage werden gefordert:
In eine sehr ähnliche Richtung geht die International Petition der ICBUW (Internationale Koalition für ein Verbot von Atomwaffen), die zudem explizit einen sofortigen Stopp des Einsatzes von Uranwaffen, Gesundheitserhebungen bei den Opfern von Uranwaffen und Umweltuntersuchungen in den betroffenen Gebieten sowie – neben der medizinischen Behandlung – die Entschädigung der Opfer von Uranwaffen fordert und den Vertragsentwurf für eine entsprechende Konvention vorbereitet hat (www.bandepleteduranium.org).103
Angesichts der – von der Subkommission der UN-Menschenrechtskommission mehrfach festgestellten – Unvereinbarkeit der Verwendung von Uranmunition mit dem bestehenden Völkerrecht und den Menschenrechten104 wächst weltweit die Unterstützung für ein Abkommen zur Ächtung von Uranwaffen. Im Jahr 2006 hat das Europäische Parlament seine drei früheren Aufrufe für ein Moratorium dadurch bekräftigt, dass es zur Einführung eines totalen Verbots aufrief, in dem Uranwaffen zusammen mit weißem Phosphor als inhuman eingestuft wurden.105 In den Vereinigten Staaten hat die zunehmende Sorge um die gesundheitlichen Folgen von Uranmunition einzelne Bundesstaaten dazu veranlasst, Testverfahren für heimkehrende Soldaten einzuführen.106 Ein wichtiges politisches Signal stellt zudem die einstimmig getroffene Entscheidung der nationalen Verteidigungskommission des belgischen Parlaments dar, die am 7. März 2007 übereinkam, den Einsatz von Munition und Panzerplatten aus abgereichertem Uran auf belgischem Territorium zu verbieten. Dieses Verbot umfasst die Herstellung, den Einsatz, die Lagerung, den Verkauf, die Anschaffung, die Lieferung und den Transit dieser Waffensysteme.107
Alex Kirby, Depleted uranium study ‚shows clear damage”, in: BBC Online, http://www.news.bbc.co.uk/1/hi/sci/tech/431817.htm (August 27, 1999), June 30, 2003. Compare the UNEP reports, 2002/2003, Borst, 2003. and Farley, 2003.
2003 Recommendations of the European Committee on Radiation Risk (ECRC): Health Effects of Ionising Radiation Exposure at Low Doses for Radiation Protection Purposes, Regulator”s Edition, Brussels 2003;
2) Die folgenden beiden Teile nach: ICBUW – Internationale Koalition für ein Verbot von Uranwaffen; Informationen zu Uranwaffen, in: Zeit-Fragen Nr. 11 vom 19. März 2007, S.9f.; www.icbuw.org, Übersetzung: Zeit-Fragen. (Quelle: ICBUW, Internationale Koalition für ein Verbot von Atomwaffen).
4) Vgl. Piotr Bein/Karen Parker, Vertuschung von Uranwaffen – ein Verbrechen gegen die Menschheit, in: Politics and Environmental Policy in the 21th Century, Belgrad 2003, S.3.
9) Salka verweist sogar auf die Schätzung einer weitaus größeren Menge – 900 Tonnen Uranmunition – die damals in der Golfregon verblieben sind: Arbuthnot, Felicity: Vergiftetes Erbe. Über die Zunahme von Krebs und Mißbildungen seit dem Golfkrieg, in: Göbel, Rüdiger/Guilliard, Joachim/Schiffmann, Michael: Der Irak. Ein belagertes Land, Köln 2002, Seite 138.
28) So müssen wir es hinnehmen, dass in den von uns zitierten Berichten u.a. von sehr verschiedenen, in jedem Fall aber katastrophalen Opfer-Zahlen berichtet wird. R. Cüppers nennt (Fn. 4), 2002 250 000 am „Golfkriegssyndrom“ erkrankte US-Veteranen und 10 000 verstorbene, S.-H. Günther nennt 2003 in einem Vortrag, unter Berufung auf den Präsidenten der US-Golfkrieg-Veteranen, weniger als die Hälfte dieser Zahlen: 50-80 00 Erkrankte, 2.400 – 5.000 (!) Verstorbene (Fn. 19).
30) In dieselbe Richtung, die Verharmlosung auf die Spitze treibend, geht die Argumentation von Ronald Bailey (in der amerikanischen Zeitschrift REASON vom 26. 3. 2003). Danach werden 98 – 99,4% des DU mit der Verdauung ausgeschieden, und die große Mehrheit des verbleibenden DU und des Uranstaubes wird umgehend („rapidly“) durch den Blutkreislauf und die Nieren gereinigt, sodaß die Berührung mit DU keinerlei erkennbare („detectable“) Gesundheitseffekte hervorbringt … bei einer realistischen (!) Analyse der eingenommenen Dosen.
43) Barbara Hug, Serbien – 8 Jahre nach dem Krieg der Nato, in Zeit-Fragen Nr. 17 vom 30. April 2007, S.7.
54) Diese und die folgenden Passagen nach einem Vortrag von Dr. med. Angelika Claußen, gehalten auf dem IPPNW-Kongress 2004 „Atomwaffen & Atomenergie in einer instabilen Welt“ (7.-9. Mai 2004 in Berlin). Thema: Die Auswirkungen von abgereichertem Uran (Depleted Uranium – DU) auf die Gesundheit der Menschen.
59) Dr. med. Ralf Cüppers, (Deutsche Friedensgesellschaft, Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen), Halbe Wahrheiten und ganze Lügen – wie die Gesundheitsgefährdung durch Uranmunition kleingeredet wird. www.uranmunition.de.