Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=XII%20ZR%2012/89
Timestamp: 2019-11-13 07:17:03
Document Index: 224064247

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1594', '§ 1594', '§ 1594', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1600', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1600', '§ 1600', '§ 1594', '§ 1600', 'BGH', 'BGH']

BGH, 14.02.1990 - XII ZR 12/89 - dejure.org
https://dejure.org/1990,968
BGH, 14.02.1990 - XII ZR 12/89 (https://dejure.org/1990,968)
BGH, Entscheidung vom 14.02.1990 - XII ZR 12/89 (https://dejure.org/1990,968)
BGH, Entscheidung vom 14. Februar 1990 - XII ZR 12/89 (https://dejure.org/1990,968)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1990,968) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Ehelichkeit eines Kindes - Anfechtender Mann - Nichtehelichkeit - Berücksichtigung von Tatsachen - Widerspruch des Anfechtenden
NJW 1990, 2813
FamRZ 1990, 507
Dieser Sachverhalt soll als erster Anstoß genügen, den Mann zu etwaigen Nachforschungen zu veranlassen und sich über die Erhebung der Anfechtungsklage schlüssig zu werden (st. Rspr., vgl. BGHZ 9, 336, 337; 61, 195, 197 f; BGH, Urt. v. 14. Februar 1990 - XII ZR 12/89, NJW 1990, 2813, 2814).
Das Gericht darf für das Anfechtungsbegehren günstige Tatsachen schon dann nicht berücksichtigen, wenn sie mit dem Tatsachenvortrag des Klägers nicht vereinbar sind (Senatsurteil vom 14. Februar 1990 - XII ZR 12/89 - FamRZ 1990, 507, 508 m.N.).
Zwar trägt die objektive Beweislast dafür, daß die Anfechtungsfrist des § 1594 BGB versäumt ist, grundsätzlich das beklagte Kind (Senatsurteil vom 14. Februar 1990 aaO S. 509 m.N.).
Es genügt, wenn sie bei objektiver Betrachtung geeignet sind, Zweifel an der Ehelichkeit zu wecken und die Möglichkeit der nichtehelichen Abstammung als nicht ganz fernliegend erscheinen zu lassen (Senatsurteil vom 14. Februar 1990 aaO S. 509 m.N.;… vgl. auch Soergel/Gaul BGB 12. Aufl. § 1594 Rdn. 8 f.;… MünchKomm BGB/Mutschler aaO § 1594 Rdn. 4 f.).
Soweit Zweifel verbleiben über die Kenntniserlangung des Anfechtungsberechtigten über außerehelichen Geschlechtsverkehr der Mutter in der Empfängniszeit, geht dies zu Lasten des Anfechtungsgegners (BGH, FamRZ 1978, 494:" Die bisherige Rechtsprechung des Senats darf nicht dahin verstanden werden, dass durch die Kenntnis eines Ehebruchs in der gesetzlichen Empfängniszeit stets für den Ehemann die Anfechtungsfrist in Lauf gesetzt würde"; vgl. auch BGH, FamRZ 1990, 507; OLG Rostock, FamRZ 2004, 479).
Soweit Zweifel bestehen bleiben über die Kenntniserlangung über außerehelichen Geschlechtsverkehr der Mutter in der Empfängniszeit, geht dies zu Lasten des Anfechtungsgegners (BGH, FamRZ 1990, 507).
Vielmehr ist insoweit von dem Erkenntnisstand auszugehen, der bei einem verständigen Laien in der Regel erwartet werden kann (vgl. Senatsurteile vom 29. März 2006 - XII ZR 207/03 - FamRZ 2006, 771, 773; vom 14. Februar 1990 - XII ZR 12/89 - FamRZ 1990, 507, 509 und vom 5. Oktober 1988 - IVb ZR 99/87 - FamRZ 1989, 169, 170).
Da auf die objektive und verständige Beurteilung abzustellen ist, kommt es auf den individuellen Bildungsstand des Anfechtungsberechtigten nicht entscheidend an (vgl. Senatsurteile vom 29. März 2006 - XII ZR 207/03 - FamRZ 2006, 771, 773; vom 14. Februar 1990 - XII ZR 12/89 - FamRZ 1990, 507, 509 und vom 5. Oktober 1988 - IVb ZR 99/87 - FamRZ 1989, 169, 170;… Staudinger/Rauscher BGB [2011] § 1600 b Rn. 18a).
Beginn der Frist zur Anfechtung der Vaterschaft
Vielmehr ist insoweit von dem Erkenntnisstand auszugehen, der bei einem verständigen Laien in der Regel erwartet werden kann (vgl. Senatsurteile vom 14. Februar 1990 - XII ZR 12/89 - FamRZ 1990, 507, 509 und vom 5. Oktober 1988 - IVb ZR 99/87 - FamRZ 1989, 169, 170).
Auch dies hindert den Senat an einer ersetzenden Entscheidung, weil diese nur auf einer verfahrensrechtlich beachtlichen Grundlage möglich ist (vgl. BGH, Urt. v. 14. Februar 1990, XII ZR 12/89, NJW 1990, 2813, 2814).
Die für den Fristbeginn maßgebliche Kenntnis von den Umständen, die gegen die Vaterschaft sprechen, hat, wem Tatsachen bekannt werden, die bei sachlicher Beurteilung geeignet sind, Zweifel an der Vaterschaft zu erwecken und die nicht ganz fernliegende Möglichkeit der Nichtvaterschaft zu begründen (BGH, Urteil vom 14.02.1990 = FamRZ 1990, 507-510 = NJW 1990, 2813-2814; Urteil vom 19.05.1978 = FamRZ 1978, 494-496 = NJW 1978, 1629-1631; Urteil vom 07.05.1953 = BGHZ 9, 336-339).
Auf die Einhaltung der Frist kommt es auch ungeachtet des Umstands an, daß die vormals mit der Sache belaßte Richterin ein Blutgruppengutachten eingeholt hat, nach dessen Inhalt die Vaterschaft des Klägers zur Beklagten ausgeschlossen ist (vgl. BGH, FamRZ 1990, 507).
Das Erfahren von Umständen, die gegen die Vaterschaft sprechen, gem. § 1600 b Abs. 1 Satz 2 BGB ist der Sache nach gleichzusetzen mit dem Bekanntwerden von Umständen, die gegen die Vaterschaft sprechen, § 1600 h Abs. 2 Satz 1 BGB a. F., und mit der Kenntniserlangung von Umständen, die für die Nichtehelichkeit des Kindes sprechen, § 1594 Abs. 2 Satz 1 BGB a. F. Die zu den beiden letztgenannten Vorschriften ergangene Rechtsprechung kann daher nach wie vor herangezogen werden (…vgl. auch FamRefK/Wax, § 1600 b, Rz. 1) Der Anfechtende hat Umstände, die gegen seine Vaterschaft sprechen, dann erfahren, wenn er Kenntnis von einem Sachverhalt erhalten hat, der sachlich seine Vaterschaft ernstlich in Zweifel stellt, also die nicht ganz fernliegende Möglichkeit der Abstammung durch einen anderen Mann begründet (vgl. BGH, FamRZ 1973, 592; FamRZ 1990, 507, 509 - jeweils bezogen auf die Ehelichkeitsanfechtung nach altem Recht -).
Bei der Beurteilung, wann der anfechtende Mann Kenntnis von den Umständen erlangt, die gegen seine Vaterschaft sprechen, kommt es nicht auf seinen Bildungsstand, sondern auf die objektive Sicht eines verständigen Betrachters an (BGH, FamRZ 1997, 592 f.; FamRZ 1990, 507, 509; OLG München, FamRZ 1987, 3O7, 309).
Entgegen der mit der Revisionserwiderung vertretenen Auffassung ist die Klage nämlich nicht deshalb unschlüssig, weil der Kläger keine hinreichenden Angaben zu den die Vaterschaft in Frage stellenden Umständen gemacht habe (vgl. hierzu allgemein Senatsurteile vom 22. April 1998 - XII ZR 229/96 - FamRZ 1998, 955, 956 ff. und vom 14. Februar 1990 - XII ZR 12/89 - FamRZ 1990, 507, 509).
OLG Dresden, 22.08.1996 - 10 U 941/96
Anforderungen an die Kenntnis der die Nichtvaterschaft begründenden Umstände
AG Siegburg, 21.02.2011 - 328 F 28/09
Beginn der Frist für die Anfechtung einer Vaterschaft
OLG Brandenburg, 07.01.2002 - 9 WF 150/01
OLG Karlsruhe, 03.08.2000 - 2 WF 98/00
Ehelichkeitsanfechtung - Anfechtungsfrist - Fristbeginn - Zweifel
OLG Bremen, 11.07.2016 - 4 UF 51/16
Vaterschaftsanfechtung: Keine Berücksichtigung von für das Anfechtungsbegehren …
OLG München, 03.12.1996 - 26 W 3038/96