Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%20164,%20286
Timestamp: 2019-04-20 07:25:14
Document Index: 289982002

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 133', '§ 807', '§ 133', '§ 157', '§ 807', '§ 807', 'BGH', '§ 807', 'BGH', '§ 313', 'BGH', 'BGH', '§ 157', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 133', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', '§ 807', 'BGH', 'BGH', '§ 148', '§ 148', '§ 148', '§ 148', '§ 148', '§ 148', 'BGH', '§ 807', 'BGH', '§ 242', '§ 313', 'BGH', 'BGH']

BGH, 11.10.2005 - XI ZR 395/04 - dejure.org
BGB §§ 133, 157, 807
Inhaberpapiere: Umtauschfristen für alte DM- und Pfennigbriefmarken; Briefmarke als "kleines Inhaberpapier"; Regelungslücke hinsichtlich des Verlusts der Gültigkeit einer Briefmarke durch einen staatlichen Hoheitsakt; Befristung der Umtauschmöglichkeit von ungültig gewordenen Pfennig-Briefmarken; Privatrechtliche Bewertung des Erwerbs von Postwertzeichen
Briefmarke als "kleines Inhaberpapier"
Briefmarken als "kleine Inhaberpapiere"; zum Recht auf Umtausch durch die Währungsumstellung ungültig gewordener Briefmarken
Rechtsnatur der Briefmarke: "Kleines Inhaberpapier" i.S.v. § 807 BGB; ergänzende Vertragsauslegung bei Gültigkeitsverlust durch Hoheitsakt; Voraussetzungen und Maßstab der ergänzenden Auslegung (hypothetischer Parteiwille); Verbot widersprüchlichen Verhaltens (venire contra factum proprium)
Rechtscharakter und Gültigkeit von Briefmarken
BGB § 133 § 157 § 807
Pflicht der Deutschen Post AG zum Umtausch ungültig gewordener Briefmarken
Rechtsnatur von Briefmarken / Umtauschrecht nach Euro-Einführung
BGB § 807
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 11.10.2005, Az.: XI ZR 395/04 (Briefmarken der Deutschen Post AG als "kleine Inhaberpapiere" i.S.d. § 807 BGB)" von Prof. Dr. Markus Gehrlein, original erschienen in: JZ 2006, 371 - 372.
BGHZ 164, 286
NJW 2006, 54
ZIP 2005, 2197
WM 2005, 2402
WM 2005, 2403
DB 2006, 45 (Ls.)
Vorliegend kommt zwar eine Vertragsanpassung nach den vom Berufungsgericht herangezogenen Grundsätzen der Störung der Geschäftsgrundlage (§ 313 Abs. 1, 2 BGB) nicht in Betracht, wohl aber eine Anwendung der - gegenüber diesem Rechtsinstitut vorrangigen (vgl. BGH, Urteile vom 11. Oktober 2005 - XI ZR 395/04, BGHZ 164, 286, 292;… vom 3. Februar 2012 - V ZR 23/11, juris Rn. 14) - Regeln zur ergänzenden Vertragsauslegung (§ 157 BGB).
Deshalb ist im Interesse der Rechtssicherheit und der Verkehrsfähigkeit eine allgemein verbindliche ergänzende Vertragsauslegung unabhängig von den Besonderheiten des konkreten Einzelfalls sachlich geboten (vgl. BGHZ 164, 286, 292 m.w.N. zum Verlust der Gültigkeit von Briefmarken durch einen staatlichen Hoheitsakt).
Sie haben Vorrang gegenüber der Bestimmung der Leistungspflicht nach Treu und Glauben gemäß § 242 BGB und gegenüber der Lehre von der fehlerhaften Geschäftsgrundlage (BGHZ 164, 286, 292 m.w.N.).
bb) Bei der demnach erforderlichen Ergänzung des Vertragsinhalts ist darauf abzustellen, was redliche und verständige Parteien in Kenntnis der Regelungslücke nach dem Vertragszweck und bei sachgemäßer Abwägung ihrer beiderseitigen Interessen nach Treu und Glauben vereinbart hätten (vgl. Senat BGHZ 158, 201, 207; BGHZ 84, 1, 7; 127, 138, 142; 164, 286, 292; jeweils m.w.N.).
Solche Verträge unterliegen im Interesse einer einheitlichen Handhabung einer vollen inhaltlichen Überprüfung durch das Revisionsgericht (vgl. BGH…, Urteil vom 7. November 2012 - XII ZR 41/11, NZM 2013, 148 Rn. 16;… Urteil vom 24. Januar 2008 - III ZR 79/07, NJW-RR 2008, 562 Rn. 11; Urteil vom 11. Oktober 2005 - XI ZR 395/04, BGHZ 164, 286, 292, juris Rn. 25;… vgl. auch MünchKommBGB/Busche, 7. Aufl., § 133 Rn. 70).
Diese hat Vorrang vor einer Anwendung der Regelungen über den Wegfall der Geschäftsgrundlage (vgl. BGH, Urteil vom 11. Oktober 2005 - XI ZR 395/04, BGHZ 164, 286, 292).
Entscheidend ist danach, welche Regelung von den Parteien in Kenntnis der Unwirksamkeit der vereinbarten Zinsänderungsklausel nach dem Vertragszweck und angemessener Abwägung ihrer beiderseitigen Interessen nach Treu und Glauben (§ 242 BGB) als redliche Vertragspartner gewählt worden wäre (BGHZ 143, 104, 121; 164, 286, 292).
Sie verkörpern als Inhaberpapiere im Sinne des § 807 BGB einen Anspruch auf Beförderung der Postsendung im Umfang des aufgedruckten Werts und perpetuieren insoweit zu Beweiszwecken eine entsprechende Gedankenerklärung des Ausstellers (die entsprechende Beförderungsleistung gegenüber jedem schuldbefreiend erbringen zu wollen, der gültige Briefmarken in Höhe des vorgesehenen Leistungsentgelts auf die Postsendung klebt) (vgl. BGH, Urteil vom 11. Oktober 2005 - XI ZR 395/04, BGHZ 158, 201 ff.; KG Berlin…, Beschluss vom 10. Januar 2002 - 5 Ws 2/02, Rn. 5; Schmidt, ZStW 111 (1999), 389, 418 ff.;… KNP-StGB/Puppe, 5. Aufl., § 148 Rn. 3 und 8;… Fischer, StGB, 65. Aufl., § 148 Rn. 2a;… Sternberg-Lieben in Schönke/Schröder, StGB, 29. Aufl., § 148 Rn. 2;… Erb in MünchKomm-StGB, 3. Aufl., § 148 Rn. 5;… BeckOK-StGB/Weidemann, 40. Edition, § 148 Rn. 3;… Lackner/Kühl, StGB, 29. Aufl., § 148 Rn. 2).
Ein Inhaberpapier nach dieser Vorschrift liegt vor, wenn der Aussteller des Papiers sich durch Leistung an den Inhaber befreien kann, der Inhaber die versprochene Leistung zu fordern berechtigt ist und der Besitz der Urkunde zur Geltendmachung des Rechts oder der Forderung erforderlich ist (BGHZ 164, 286, 290 = NJW 2006, 54;… Habersack in: Münchener Kommentar, BGB, 5. Auflage, § 807 Rn. 6).
Deshalb gelten die dargelegten Grundsätze für den Anspruch aus der Karte selbst in gleicher Weise, so dass die Beklagte bei einer Sperrung der Karte verpflichtet ist, diese in eine Karte mit gleichem Guthabenwert umzutauschen (vgl. BGHZ 164, 286, 292 = NJW 2006, 54 für den insoweit gleich gelagerten Fall ungültiger Briefmarken).
Sie haben Vorrang gegenüber der Bestimmung der Leistungspflicht nach Treu und Glauben gemäß § 242 BGB und gegenüber der Lehre von der fehlerhaften Geschäftsgrundlage im Sinne des § 313 BGB n. F. (vgl. BGH NJW 2006, 54).
Die ergänzende Vertragsauslegung richtet sich danach, was redliche und verständige Parteien bei Kenntnis der planwidrigen Regelungslücke nach dem Vertragszweck und sachgemäßer Abwägung ihrer beiderseitigen Interessen nach Treu und Glauben vereinbart hätten (ständige Rechtsprechung, vgl. BGH NJW 2006, 54).
OLG Köln, 08.03.2007 - 14 U 20/06
Umtausch von Pfennig-Briefmarken in Briefmarken mit Euro/Cent-Wertzeichen durch …
LG Bonn, 21.02.2007 - 5 S 155/06
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