Source: https://polizei.nrw/artikel/lagebild-cybercrime
Timestamp: 2019-05-21 12:55:49
Document Index: 6065550

Matched Legal Cases: ['§ 202', '§ 269', '§ 263', '§ 202', '§ 269', '§ 263']

Lagebild Cybercrime | Polizei NRW
Ransomware, Phishing, DDoS-Attacken & Co. - Die globale Vernetzung schafft immer mehr Möglichkeiten für illegale Aktivitäten. Täter stellen Ermittler wiederholt vor neue Herausforderungen. Die Zahlen aus dem aktuellen Lagebild Cybercrime zeigen einen leichten Anstieg. Kooperationen mit Verbänden sollen helfen, aufzuklären und die Öffentlichkeit sensibilisieren.
2017 ist mit 0,9 Prozent ein leichter Anstieg der Fälle im Bereich Cybercrime im Vergleich zum Jahr 2016 zu verzeichnen. Die Aufklärungsquote erhöhte sich um 3,7 Prozentpunkte auf 36 Prozent, die höchste Aufklärungsquote der letzten zehn Jahre. 34 Prozent der 5 565 ermittelten Tatverdächtigen sind Frauen. Den größten Anteil nehmen mit 23 Prozent die männlichen Tatverdächtigen im Alter von 21 bis 29 Jahre ein.
Entwicklung im Deliktsbereich Cybercrime
2017 klärte die Polizei NRW 8 210 Fälle der 22 913 erfassten Straftaten auf. Die am häufigsten vertretenen Delikte sind das Ausspähen von Daten gemäß § 202a StGB, die Fälschung beweiserheblicher Daten gemäß § 269 StGB und die unterschiedlichen Arten des Computerbetrugs gemäß § 263a StGB.
Ausspähen von Daten gemäß § 202a StGB: Die Fallzahlen sind im Jahr 2017 (2 893) im Vergleich zum Vorjahr (3 215) um 10 Prozent gesunken, die Aufklärungsquote gestiegen. Die dominierenden Erscheinungsformen sind hier das Ausspähen von Benutzerkonten wie zum Beispiel digitale Identitäten, Benutzerkennungen und Kredit- oder Kontodaten.
Fälschung beweiserheblicher Daten gemäß § 269 StGB: Im Jahr 2017 registrierte die Polizei NRW 2 153 Fälle. Dies entspricht einer Steigerung von 14,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr (1 879). Sehr häufig verschickten Betrüger E-Mails, die täuschend echt real existierender Banken, Zahlungsdienstleistern oder Online-Shops nachempfunden sind. Die ahnungslosen Opfer klickten gutgläubig auf den Link und gelangten so auf nachempfundene Webseiten. Dort gaben sie ihre Zugangsdaten ein, die auf diese Weise in den Besitz der Täter gelangten.
Computerbetrug gemäß § 263a StGB: Die Fälle des Computerbetrugs sind im Jahr 2017 (16 321) im Vergleich zum Vorjahr (15 799) um 3,3 Prozent angestiegen. Die Aufklärungsquote beträgt 41 Prozent. Hieraus ergab sich im Vergleich zu 2016 (38 Prozent) eine Steigerung um 3,38 Prozentpunkte. Bei einem fünfjährigen Vergleichszeitraum sind die Fälle um 141 Prozent und die Aufklärungsquote somit im gleichen Zeitraum um 20 Prozentpunkte gestiegen.
Ransomware ist eine spezielle Malware, die Daten oder ganze Systeme verschlüsselt und den Zugriff darauf verhindert. Zur Freigabe wird die Zahlung eines Lösegeldes (engl.: ransom) gefordert. Ransomware wird über Schadsoftware verbreitet, die in Links/Anhängen von E-Mails verborgen ist. Allerdings ist auch die Verbreitung durch den schlichten Aufruf entsprechend programmierter Internetseiten möglich, dem sogenannten Drive-by-Exploit.
Phishing-Wellen überrollen regelmäßig den digitalen Raum und lassen Betroffene zum Opfer eines Identitätsdiebstahls werden. Die Masche der Betrüger ähnelt sich in vielen Fällen: Mal werden Betroffene vom vermeintlichen Kundenservice ihrer Bank zum Ausfüllen eines neuen Formulars aufgefordert oder seitens eines Online-Shops um Aktualisierung der Kundendaten aufgrund eines neuen EU-Beschlusses gebeten. In den E-Mails üben die Betrüger psychischen Druck auf die Empfängerinnen und Empfänger aus, indem sie den Opfern unter Angabe einer Frist mit Sperrung des Benutzerkontos oder mit einer erhöhten Bearbeitungsgebühr drohen.
Bei DDoS-Angriffen (Distributed Denial of Service) handelt es sich um ein Phänomen, bei dem durch eine Vielzahl von Computern zielgerichtet Anfragen und Datenpakete auf Zielrechner bzw. -server gesendet werden. Dies führt zu einer Ressourcenerschöpfung des betroffenen Systems, welches daraufhin nicht mehr erreichbar ist. Die Angriffe stellen Unternehmen vor große Herausforderungen, weil sie bei einem erfolgreichen Angriff durch Einnahmenausfälle Verlustgeschäfte verbuchen müssen und ihre Reputation als sicherer Handelspartner leidet.
Workshops, Vorträge, Projekte, Besuche von Großveranstaltungen und Kooperationen - Seit Gründung des Cybercrime-Kompetenzzentrums im Jahr 2011 hat das Landeskriminalamt NRW viele Maßnahmen gemeinsam mit Kooperationspartnern getroffen. Den IT-Sicherheitstag des Voice-Bundesverbandes der IT-Anwender e.V. nutzt das LKA NRW, um fortlaufend und aktuell über die Gefahren aus dem Bereich Cybercrime zu informieren. Die Kooperation zwischen dem Bitkom und dem LKA NRW sowie weiteren Landeskriminalämtern besteht bereits seit 2011. Mit regelmäßigem Informationsaustausch und Wissenstransfer, aber auch gegenseitigen Hospitationen, verfolgt diese Sicherheitskooperation intensiv das gemeinsame Ziel, Cybercrime entgegen zu treten. 2017 unterzeichnete das LKA NRW ebenfalls Kooperationsvereinbarungen mit dem eco-Verband der Internetwirtschaft e.V. und dem networker NRW e.V. und führte erste Veranstaltungen durch.
Gemeinsame Präventionsmaßnahmen ermöglichen es der Polizei, mit ihren Botschaften eine breite Öffentlichkeit zu erreichen und so Bürger und Wirtschaftsunternehmen für die Phänomene der Cyberkriminalität zu sensibilisieren.