Source: http://www.it-rechtsanwalt.com/entscheidungen/olg-muenchen-v-12-01-2012-az-29-u-392611-datenschutzverstoss-als-keine-wettbewerbsverletzung-3641.php
Timestamp: 2018-10-22 07:43:27
Document Index: 173096102

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 28', '§ 35', '§ 4', 'BGH', 'BGH', '§ 4', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 28', '§ 4', '§ 28', 'BGH', '§ 4', '§ 28', '§ 35', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 28', 'BGH', '§ 4', '§ 28', '§ 35', '§ 4', 'Art. 3', 'Art. 3', 'BGH', 'BGH', 'EuG']

OLG München v. 12.01.2012, Az. 29 U 3926/11 - Datenschutzverstoß als keine Wettbewerbsverletzung - kanzlei für it-recht & datenschutz
1. Der Antragsgegnerin wird aufgegeben, es ab sofort zu unterlassen, geschäftlich handelnd a) ehemalige eigene Kunden zum Zwecke der Werbung anzuschreiben, wenn die Antragsgegnerin hierbei die Information nutzt, dass diese Kunden zur Antragstellerin gewechselt sind und eine Einwilligung der angeschriebenen Verbraucher in die Nutzung dieser Information nicht vorliegt, insbesondere wenn dies wie aus Anlage A ersichtlich geschieht;
b) gegenüber Bestandskunden der Antragstellerin, die zum Zeitpunkt der Werbung seit weniger als 12 Monaten Gas im Tarif „M. GasFix direkt“ erhalten, zu behaupten, der ab dem 01.08.2011 in diesem Tarif gültige Arbeitspreis sei 6,34 ct/kWh, wenn dies wie in Anlage A geschieht;
1. Das Urteil des Landgerichts Augsburg vom 19.08.2011 – 3 HKO 2827/11 – wird teilweise abgeändert.
1. Der Antragstellerin steht der nach § 8 Abs. 1, Abs. 3 Nr. 1 i.V.m. § 3, § 4 Nr. 11 UWG i.V.m. § 4, § 28 Abs. 1, Abs. 3, § 35 Abs. 2, Abs, 3 BDSG geltend gemachte Verfügungsanspruch nicht zu.
aa) Nach § 4 Nr. 11 UWG handelt unlauter, wer einer gesetzlichen Vorschrift zuwiderhandelt, die auch dazu bestimmt ist, im Interesse der Marktteilnehmer das Marktverhalten zu regeln. Die betreffende Vorschrift muss jedenfalls auch die Funktion haben, das Marktverhalten im Interesse der Marktteilnehmer zu regeln (vgl. BGH GRUR 2010, 654, Rn. 18 – Zweckbetrieb; BGH GRUR 2006, 872, Rn. 15 – Kraftfahrzeuganhänger mit Werbeschildern). Eine Marktbezogenheit im Sinne von § 4 Nr. 11 UWG liegt nur dann vor, wenn die Vorschrift, gegen die der Wettbewerber bei seinem geschäftlichen Handeln verstößt, eine auf die Lauterkeit des Wettbewerbs bezogene Schutzfunktion aufweist (vgl. BGH GRUR 2010, 654, Rn. 23 – Zweckbetrieb). Ob eine Vorschrift einen derartigen Marktbezug hat, ist unter Heranziehung des Gesetzeszwecks zu beurteilen (vgl. BGH GRUR 2007, 162, Rn. 12 – Mengenausgleich in Selbstentsorgergemeinschaft).
Das Datenschutzrecht ist Ausfluss des Persönlichkeitsrechts und schützt ganz allgemein diese Individualrechtsposition (von Walter, Rechtsbruch als unlauteres Marktverhalten, S. 235). Es geht dabei nicht konkret um den Schutz in der Rolle als Marktteilnehmer (von Walter aaO S. 235). Die Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes stellen ungeachtet dessen, dass sich ihre Verletzung im Geschäftsleben durchaus auswirken kann, grundsätzlich keine Marktverhaltensregelungen dar (MünchKomm.UWG/Schaffert, § 4 Nr. 11, Rn. 69 [mit Ausnahme des hier nicht einschlägigen § 28 Abs. 4 Satz 2 BDSG]; Piper/Ohly/Sosnitza, UWG, 5. Aufl., § 4 Nr. 11, Rn. 79; Gärtner/Heil, WRP 2005, 20, 22; Hoeren, VersR 2005, 1014, 1022; Elskamp, Gesetzesverstoß und Wettbewerbsrecht, S. 182 [mit Ausnahme des § 28 Abs. 4 BDSG]; Büttner, Festschrift für Erdmann, 2002, S. 545, 559 unter Bezugnahme auf OLG Frankfurt, Urt. v. 13.12.2000 – 13 U 204/98 sowie auf BGH, Nichtannahmebeschl. v. 15.11.2001 – I ZR 47/01). Weder Verbraucher noch Unternehmer werden von § 4 Abs. 1, § 28 Abs. 1, Abs. 3, § 35 Abs. 2, Abs. 3 BDSG im Hinblick auf wettbewerbliche Interessen als Marktteilnehmer geschützt, die für einen Verstoß gegen § 3, § 4 Nr. 11 UWG allein relevant sind (vgl. KG, Beschluss vom 05.10.2007 – 2 W 1/07 Kart = Anlage K 2, UA S. 5 f.; a.M. OLG Köln, Urt. v. 19.11.2010 – 6 U 73/10, juris, Rn. 13 sowie tendenziell Köhler/Bornkamm, UWG, 29. Aufl., § 4, Rn. 11.42). An dieser Beurteilung ändert angesichts des vorstehend erörterten Gesetzeszwecks nichts, dass § 28 Abs. 3 BDSG ausdrücklich die Zulässigkeit der Nutzung personenbezogener Daten für Zwecke der Werbung regelt (vgl. auch BGH GRUR 2006, 872, Rn. 16 ff. – Kraftfahrzeuganhänger mit Werbeschildern).
Bei dieser Sach- und Rechtslage kann hier dahinstehen, ob der Anwendung von § 4 Abs. 1, § 28 Abs. 1, Abs. 3, § 35 Abs. 2, Abs. 3 BDSG als gesetzliche Marktverhaltensregelungen im Sinne von § 4 Nr. 11 UWG im Übrigen entgegenstünde, dass die Richtlinie 2005/29/EG über unlautere Geschäftspraktiken eine vollständige Angleichung des Rechts der Mitgliedstaaten über unlautere Geschäftspraktiken bezweckt und in ihrem Anwendungsbereich (Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie) daher – von in der Richtlinie eröffneten Ausnahmen (vgl. insbesondere Art. 3 Abs. 4, Abs. 5) abgesehen – weder mildere noch strengere nationale Regelungen zulässt (vgl. BGH, Urt. v. 09.06.2011 – I ZR 17/10, Rn. 46, juris – Computer-Bild; BGH GRUR 2011, 843, Rn. 14 – Vorrichtung zur Schädlingsbekämpfung; EuGH GRUR 2011, 76, Rn. 27, Rn. 37 – Mediaprint).
Ausschluss der Abtretung von Mängelansprüchen in…