Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kapitalanlagerecht/der-unterbeteiligungsvertrag-zu-anlagezwecken-und-die-vermittlungsprovision-334984
Timestamp: 2020-02-17 06:51:15
Document Index: 246454307

Matched Legal Cases: ['§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Der Unter­be­tei­li­gungs­ver­trag zu Anla­ge­zwe­cken und die Ver­mitt­lungs­pro­vi­si­on | Rechtslupe
Der Unter­be­tei­li­gungs­ver­trag zu Anla­ge­zwe­cken und die Ver­mitt­lungs­pro­vi­si­on
Vor dem Abschluss eines Unter­be­tei­li­gungs­ver­tra­ges zu Anla­ge­zwe­cken ist der Ver­trags­part­ner des Kapi­tal­an­le­gers nur unter beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen ver­pflich­tet, die­sen über die Zah­lung von Ver­triebs­pro­vi­sio­nen auf­zu­klä­ren, die er an einen zu-gleich für den Anle­ger bera­tend täti­gen Anla­ge­ver­mitt­ler leis­tet.
Zwi­schen den Par­tei­en ist mit dem Abschluss des Unter­be­tei­li­gungs­ver­trags eine Innen­ge­sell­schaft des Bür­ger­li­chen Rechts zustan­de gekom­men, an der sich die Klä­ge­rin zu Anla­ge­zwe­cken betei­ligt hat. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann der Ver­trags­part­ner des Anle­gers die­sem wegen Ver­schul­dens beim Abschluss des mit ihm geschlos­se­nen Gesell­schafts­ver­trags zum Scha­den­er­satz ver­pflich­tet sein, wenn er den Anle­ger bei der Ver­trags­an­bah­nung nicht über alle für sei­ne Anla­ge­ent­schei­dung wesent­li­chen Umstän­de zutref­fend, ver­ständ­lich und voll­stän­dig auf­klärt 1. Die­se Auf­klä­rungs­pflicht trifft den Ver­trags­part­ner des Anle­gers unab­hän­gig davon, ob der Gesell­schafts­ver­trag unter Ver­wen­dung eines Pro­spekts ange­bahnt wird 2. Die Klä­ge­rin macht aller­dings, soweit sie bean­stan­det, dass die Beklag­te die an den Ver­mitt­ler gezahl­te Pro­vi­si­on ver­schwie­gen habe, kei­nen Auf­klä­rungs­man­gel gel­tend, der die Umstän­de der Haupt­be­tei­li­gung betrifft. Daher muss­te sich das Beru­fungs­ge­richt auch nicht näher damit befas­sen, dass der Klä­ge­rin nach § 1 Nr. 3 des Unter­be­tei­li­gungs­ver­tra­ges der Zeich­nungs­pro­spekt der Haupt­ge­sell­schaft mit wei­te­ren Unter­la­gen über­ge­ben und erläu­tert wor­den sein soll.
Der Ver­trags­part­ner des Anle­gers ist jedoch grund­sätz­lich nicht ver­pflich­tet, die­sen vor Ver­trags­ab­schluss über die Zah­lung von Ver­triebs­pro­vi­sio­nen auf­zu­klä­ren, die er an einen (zugleich für den Anle­ger bera­tend täti­gen) Anla­ge­ver­mitt­ler leis­tet 3. Zwar besteht selbst bei Ver­trags­ver­hand­lun­gen, in denen die Par­tei­en ent­ge­gen­ge­setz­te Inter­es­sen ver­fol­gen, die Pflicht, den ande­ren Teil über sol­che Umstän­de auf­zu­klä­ren, die den von ihm ver­folg­ten Ver­trags­zweck ver­ei­teln kön­nen und daher für sei­nen Ent­schluss von wesent­li­cher Bedeu­tung sind, sofern er die Mit­tei­lung nach der Ver­kehrs­auf­fas­sung erwar­ten durf­te 4. Die­se all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen einer vor­ver­trag­li­chen Auf­klä­rungs­pflicht sind aber nicht schon dann erfüllt, wenn der eine Ver­hand­lungs­part­ner dem (auch für den ande­ren Teil täti­gen) Ver­mitt­ler des Geschäfts eine Pro­vi­si­on zahlt.
Nur unter beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen hat der Ver­trags­part­ner des Anle­gers die­sem gegen­über die an einen Ver­mitt­ler gezahl­te Ver­triebs­pro­vi­si­on offen­zu­le­gen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat eine sol­che Offen­ba­rungs­pflicht für den Fall bejaht, dass eine Bank den Ver­mö­gens­ver­wal­ter eines Kun­den an ihren Pro­vi­sio­nen und Depot­ge­büh­ren betei­ligt 5. Durch die Ver­ein­ba­rung, dem Ver­mö­gens­ver­wal­ter einen Teil der Pro­vi­sio­nen und Depot­ge­büh­ren zu ver­gü­ten, die sie künf­tig von Kun­den erhal­te, die er ihr zufüh­re, schaf­fe die Bank näm­lich für ihn einen Anreiz, sowohl bei der Aus­wahl der Bank­ver­bin­dung als auch hin­sicht­lich der Anzahl und des Umfangs der Geschäf­te nicht allein das Inter­es­se des Kun­den, son­dern auch das eige­ne Inter­es­se an mög­lichst umfang­rei­chen Ver­gü­tun­gen der Bank zu berück­sich­ti­gen 6. An einer ver­gleich­ba­ren Inter­es­sen­ge­fähr­dung und damit an der Grund­la­ge für die Annah­me einer Auf­klä­rungs­pflicht fehlt es jedoch, wenn zwi­schen dem Anle­ger und dem Pro­vi­si­ons­emp­fän­ger kein Ver­trags­ver­hält­nis besteht, auf­grund des­sen der Pro­vi­si­ons­emp­fän­ger ähn­lich einem Ver­mö­gens­ver­wal­ter die Wahr­neh­mung der Inter­es­sen des Anle­gers – ins­be­son­de­re als Haupt­leis­tungs­pflicht – schul­det 7.
Danach kommt eine Pflicht des Ver­trags­part­ners des Anle­gers, die Bezah­lung einer Ver­triebs­pro­vi­si­on zu offen­ba­ren, ledig­lich dann in Betracht, wenn der Pro­vi­si­ons­emp­fän­ger ähn­lich einem Ver­mö­gens­ver­wal­ter ver­pflich­tet ist, die Inter­es­sen des Anle­gers wahr­zu­neh­men und wenn infol­ge­des­sen durch die Pro­vi­si­ons­ver­ein­ba­rung das Inter­es­se des Anle­gers an einer sach­ge­rech­ten, durch eige­ne Erwerbs­in­ter­es­sen sei­nes Ver­mö­gens­ver­wal­ters oder Bera­ters unbe­ein­fluss­ten Anla­ge­emp­feh­lung erheb­lich gefähr­det wird. Eine sol­che Auf­klä­rungs­pflicht setzt wei­ter vor­aus, dass der Anle­ger die durch die Pro­vi­si­ons­ver­ein­ba­rung beding­te Gefähr­dung sei­ner Inter­es­sen ohne zutref­fen­de Auf­klä­rung nicht erken­nen wür­de. Erfor­der­lich ist außer­dem, dass die Auf­klä­rungs­be­dürf­tig­keit des Anle­gers ein­schließ­lich der sie begrün­den­den Ver­trags­be­zie­hung zu dem Pro­vi­si­ons­emp­fän­ger für den Ver­trags­part­ner des Anle­gers ersicht­lich ist.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Sep­tem­ber 2011 – II ZR 277/​09
vgl. BGH, Urteil vom 19.07.2004 – II ZR 354/​02, ZIP 2004, 1706, 1707 f.; Urteil vom 29.11.2004 – II ZR 6/​03, ZIP 2005, 254, 256; Urteil vom 21.03.2005 – II ZR 140/​03, ZIP 2005, 753, 757; Urteil vom 21.03.2005 – II ZR 310/​03, ZIP 2005, 759, 760 f.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 02.06.2008 – II ZR 210/​06, BGHZ 177, 25 Rn. 11[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 14.03.2003 – V ZR 308/​02, ZIP 2003, 1355, 1356; Urteil vom 21.09.2010 – XI ZR 232/​09, ZIP 2010, 2140 Rn.19 f.; s.a. Urteil vom 15.04.2010 – III ZR 196/​09, BGHZ 185, 185 Rn. 11 ff.[↩]
BGH, Urteil vom 04.04.2001 – VIII ZR 32/​00, ZIP 2001, 918, 920; Urteil vom 14.03.2003 – V ZR 308/​02, ZIP 2003, 1355, 1357[↩]
BGH, Urteil vom 19.12.2000 – XI ZR 349/​99, BGHZ 146, 235, 239[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 14.03.2003 – V ZR 308/​02, ZIP 2003, 1355, 1356; Urteil vom 21.09.2010 – XI ZR 232/​09, ZIP 2010, 2140 Rn.20[↩]
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