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Timestamp: 2016-10-23 18:05:58
Document Index: 392508198

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 15', 'Art. 97', 'Art. 105', 'Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 65', 'Art. 66', 'Art. 68']

8C_10/2007 (28.08.2007)
8C_10/2007
L.________, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Bruno H�fliger, Schwanenplatz 7, 6004 Luzern,
Allianz Suisse Leben, Rechtsdienst, Laupenstrasse 27, 3001 Bern, Beschwerdegegnerin.
Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, vom 22. Januar 2007.
Die 1965 geborene L.________ war ab 1. Mai 1991 mit einem Pensum von 50% bei der Firma L.________ angestellt und damit bei der Berner Allgemeine Versicherungsgesellschaft (nachfolgend: Berner) obligatorisch unfallversichert. Am Morgen des 22. Mai 1992 wurde sie laut Unfallmeldung vom 26. Mai 1992 als Passagierin im Personaltransportbus wegen einer abrupten Bremsung nach vorne geschleudert und schlug unter anderem den Kopf an einer Schachtel an. Bei diesem Vorfall zog sich die Versicherte gem�ss Arztzeugnis UVG des am Folgetag erstmals aufgesuchten Dr. med. X.________, Allgemeine Medizin FMH, eine Kontusion des rechten Oberschenkels und ein (fragliches) Schleudertrauma der Halswirbels�ule (HWS) zu. Nachdem die Arbeit ab dem 9. Juni 1992 mit dem bisherigen Pensum wieder aufgenommen worden war (wobei eine Handverletzung vom 31. August 1992 zu erneuter Arbeitsunf�higkeit bis 11. Oktober 1992 f�hrte), meldete Dr. med. X.________ der Berner am 6. November 1992, der Zustand der Patientin habe sich verschlimmert und sie k�nne das gewohnte Arbeitstempo nicht mehr erbringen. Im September 1993 meldete sich die Versicherte bei der Eidgen�ssischen Invalidenversicherung an, welche ihr schliesslich eine ganze Rente (Invalidit�tsgrad 100%) f�r die Zeit ab 1. Mai 1993 zusprach (Verf�gung vom 26. November 1996). Die Berner und ihre Rechtsnachfolgerin, die Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft, richteten Taggelder aus und kamen f�r die Kosten der Heilbehandlung auf. Zudem nahm der Versicherer medizinische und erwerbliche Abkl�rungen vor. Insbesondere wurden Gutachten des Universit�tsspitals A.________, Neurologische Poliklinik, vom 18. September 2000 (mit Erg�nzung vom 14. August 2003), des Dr. med. S.________, Chirurgie FMH, vom 23. Januar 2002 sowie des Dr. med. T.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 24. Juni 2004 eingeholt. Anschliessend stellte die Allianz mit Verf�gung vom 18. Oktober 2004 ihre Leistungen per 30. September 2004 ein. Daran wurde mit Einspracheentscheid vom 23. Mai 2005 festgehalten.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern ab (Entscheid vom 22. Januar 2007).
L.________ l�sst Beschwerde f�hren mit dem Rechtsbegehren, es sei die Allianz zu verpflichten, f�r das Unfallereignis vom 22. Mai 1992 �ber den 30. September 2004 hinaus Leistungen zu erbringen. Insbesondere habe der Versicherer Taggelder ab 1. April 1996 bei einer Arbeitsunf�higkeit von 100% nachzuzahlen und die Beschwerdef�hrerin ab 1. September 2000 bei einem Invalidit�tsgrad von 100% zu berenten sowie eine Integrit�tsentsch�digung bei einem Integrit�tsschaden von 30% zu entrichten.
Vorinstanz und Allianz schliessen auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Mit der Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann insbesondere die Verletzung von Bundesrecht ger�gt werden (Art. 95 lit. a BGG). Da sich das Rechtsmittel gegen einen Entscheid �ber die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen (Art. 15 ATSG) der obligatorischen Unfallversicherung richtet, kann �berdies auch jede unrichtige oder unvollst�ndige Feststellung des Sachverhalts ger�gt werden (Art. 97 Abs. 2 BGG). Dementsprechend ist das Bundesgericht nicht an die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz gebunden (Art. 105 Abs. 3 BGG).
Das kantonale Gericht hat - unter Verweis auf den Einspracheentscheid vom 23. Mai 2005 - die Grunds�tze �ber den f�r die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers (Art. 6 Abs. 1 UVG) vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen Unfall und eingetretenem Schaden (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181, 402 E. 4.3.1 S. 406, 119 V 335 E. 1S. 337, 118 V 286 E. 1b S. 289, je mit Hinweisen) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen. Richtig sind auch die vorinstanzlichen Erw�gungen zur �berdies erforderlichen Ad�quanz des Kausalzusammenhangs im Allgemeinen (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181, 402 E. 2.2 S. 405, 125 V 456 E. 5a S. 461) sowie bei Unf�llen mit Schleudertrauma der Halswirbels�ule (HWS) oder gleichgestellter Verletzung im Besonderen (BGE 117 V 359, 369).
Streitig und zu pr�fen ist, ob die Allianz f�r die Folgen des Unfalls vom 22. Mai 1992 �ber den 30. September 2004 hinaus leistungspflichtig bleibt.
3.1 Das kantonale Gericht gelangte zum Ergebnis, die Beschwerdef�hrerin habe am 22. Mai 1992 neben der folgenlos abgeheilten Oberschenkelkontusion ein Schleudertrauma bzw. eine diesem �quivalente Verletzung erlitten. F�r die fortbestehenden Beschwerden (insbesondere Kopfschmerzen und Konzentrationsst�rungen) liege kein eindeutig objektivierbarer somatischer Befund vor. Der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und diesen Symptomen sei mindestens im Sinne einer Teilkausalit�t zu bejahen. Im Rahmen der Ad�quanzbeurteilung habe das Ereignis vom 22. Mai 1992 als leichter Unfall zu gelten, weshalb die Ad�quanz zu verneinen sei; auch bei einer Qualifikation als mittelschwerer, im Grenzbereich zu den leichten liegender Unfall �ndere sich diese Beurteilung nicht.
3.2 Die Beschwerdef�hrerin l�sst demgegen�ber geltend machen, auf Grund der massiven Verletzungsfolgen sei zumindest auf ein mittelschweres, wenn nicht gar ein schweres Unfallereignis zu erkennen. Da mehrere der von der Rechtsprechung entwickelten unfallbezogenen Kriterien erf�llt seien, m�sse die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs bejaht werden.
3.3 Nach Lage der Akten ist mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Versicherte am 22. Mai 1992 ein Schleudertrauma der HWS oder eine �quivalente Verletzung erlitten hat, wobei innerhalb relativ kurzer Zeit Nackenschmerzen auftraten, welche am n�chsten Tag zur Konsultation des Hausarztes f�hrten. F�r die Folgezeit sind verschiedene Symptome des f�r eine spezifische HWS-Verletzung typischen Beschwerdebildes dokumentiert. Die Ad�quanzbeurteilung hat daher nach der mit BGE 117 V 359 respektive BGE 117 V 369 begr�ndeten Praxis zu erfolgen. Dies ist denn auch unbestritten.
3.4 Zum Hergang des Unfalls vom 22. Mai 1992 ist den Akten zu entnehmen, dass die Versicherte als Mitfahrerin im Personaltransportbus der Arbeitgeberin unterwegs war. Weil der Fahrer unverhofft abrupt bremsen musste, wurde sie innerhalb des Wagens nach vorne geschleudert, wobei sie gem�ss ihren im Neurologischen Gutachten vom 18. September 2000 festgehaltenen Angaben mit dem rechten Arm und dem rechten Bein gegen eine Kiste prallte, ohne den Kopf anzuschlagen. Mit Blick auf den augenf�lligen Geschehensablauf ist dieses Ereignis im Rahmen der f�r die Ad�quanzbeurteilung vorzunehmenden Einteilung (BGE 117 V 359 E. 6a S. 366) h�chstens als mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten zu qualifizieren. Diese Beurteilung bliebe unver�ndert, wenn man entsprechend den Angaben in der Unfallmeldung und der letztinstanzlichen Beschwerdeschrift annehmen wollte, es habe sich nicht um eine Kiste, sondern einen Stapel von Schachteln gehandelt und die Versicherte habe den Kopf angeschlagen. Die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs ist demzufolge zu bejahen, wenn entweder ein einzelnes der von der Rechtsprechung entwickelten Kriterien (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367) besonders ausgepr�gt vorliegt oder die Kriterien insgesamt in geh�ufter oder auffallender Weise erf�llt sind (BGE 117 V 359 E. 6b S. 368 oben).
3.5 Das Unfallereignis vom 22. Mai 1992 war weder von besonderer Eindr�cklichkeit noch ereignete es sich unter dramatischen Begleitumst�nden. Die Beschwerdef�hrerin erlitt keine Verletzungen von besonderer Art oder Schwere. Die letztinstanzlich erneut vorgebrachte Behauptung, sie habe am Unfalltag den Notfallarzt Dr. med. K.________ aufgesucht, wird durch den als Beweismittel angerufenen Bericht des Dr. med. X.________ vom 26. Juni 1996 nicht gest�tzt, denn dieser bezieht sich auf ein anderes, hier nicht zur Diskussion stehendes Ereignis vom 3. Mai 1996, welches keine l�ngerfristigen Folgen zeitigte. Zu bejahen sind dagegen, wie die Vorinstanz mit Recht erkannt hat, die Kriterien der k�rperlichen Dauerschmerzen und einer nach Grad und Dauer erheblichen Arbeitsunf�higkeit (vgl. zur diesbez�glichen Praxis RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 f., U 56/00), wobei jedoch beide Merkmale nicht in einem Ausmass vorliegen, welches f�r sich allein genommen die Ad�quanz zu begr�nden verm�chte. Zu einer �rztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert h�tte, kam es nicht. Gleiches gilt, wie die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat, bez�glich der Dauer der �rztlichen Behandlung: Nach dem Aufenthalt in der Rehaklinik M.________, welcher bis Mitte September 1993 dauerte, fand nach Lage der Akten keine kontinuierliche, mit einer gewissen Planm�ssigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete �rztliche Behandlung (vgl. Urteil U 479/05 vom 6. Februar 2007, E. 8.3) mehr statt. Die Kontrolluntersuchungen bei Dr. med. X.________, die Verabreichung von Schmerzmitteln sowie gelegentliche Physio- und Ergotherapie gen�gen f�r die Bejahung des Kriteriums nicht (vgl. RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.4 S. 238 f., U 380/04, mit Hinweisen). Ebenso wenig kann unter den gegebenen Umst�nden von einem schwierigen Heilungsverlauf oder erheblichen Komplikationen gesprochen werden, da die hierf�r �ber das Fortbestehen der Beschwerden hinaus verlangten besonderen Gr�nde (Urteil U 479/05 vom 6. Februar 2007, E. 8.5) nicht gegeben sind.
3.6 Bei nur zwei erf�llten Kriterien und einem Unfall, welcher h�chstens als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen zu qualifizieren ist, haben Allianz und Vorinstanz die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs mit Recht verneint. Die Beschwerde ist abzuweisen.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 BGG). Die Gerichtskosten sind der Beschwerdef�hrerin als unterliegender Partei aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Die Beschwerdegegnerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientsch�digung (Art. 68 Abs. 3 BGG).