Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4238.htm
Timestamp: 2018-12-10 02:53:43
Document Index: 108809767

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 64', '§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 4']

4.238 Hirrensee
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Hirrensee« vom 20. Februar 1994 (GBl. v. 31.03.1994, S. 205).
Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBl. S. 701) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Tettnang, Gemarkung Langnau, Landkreis Bodenseekreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Hirrensee«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 16,28 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Langnau die Flurstücke 858 teilweise (tw.), 951 tw., 956, 957 tw., 958, 959, 960, 1400 tw., 1401 tw., 1404, 1405, 1407.
(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 27. Juli 1993 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Bodenseekreis in Friedrichshafen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung und Verbesserung eines reich strukturierten Ökosystems bestehend aus:
· einem nährstoffarmen Flachmoor mit der besonders gefährdeten Flora aus Kalkkleinseggenriedern; besonders hervorzuheben ist die Mehlprimel‑Kopfbinsen‑Gesellschaft. Diese Bereiche sind zudem Refugien von Glazialrelikten und vielen seltenen Helophyten der mitteleuropäischen Flora. Für Vogellebensgemeinschaften gehören sie zu den wichtigsten Biotoptypen und stellen ein Rückzugsgebiet dar für viele Insekten, darunter zahlreiche Tag‑ und Nachtfalterarten;
· Pfeifengrasstreuwiesen, deren floristischer Artenreichtum Lebensraum für zahlreiche Insektenarten ist, insbesondere für nur dort beheimatete Tagfalterarten und Widderchen;
· Feucht‑ und Naßwiesen als Nahrungs‑ und Lebensraum für gefährdete Wiesenbrüter;
· Streuobstwiesen als wichtiges Element unserer traditionellen Kulturlandschaft und als Lebensraum für zahlreiche Tiere, insbesondere Vögel und Kleinsäugetiere. Die benachbarten Schilfröhrichtbestände bilden für einige von ihnen ein ergänzendes Nahrungsbiotop;
· Pufferflächen zur Vermeidung weiterer Intensivierung landwirtschaftlich genutzter Flächen im Umgebungsbereich des Feuchtgebietes.
21. Flachmoorbereiche, Streu‑ und Feuchtwiesen sowie Schilfröhricht zu beseitigen oder zu zerstören.
1.1 die Jagd unter größtmöglicher ‑ Rücksichtnahme auf die Tier‑ und Pflanzenwelt erfolgt;
2. für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang außerhalb des als ökologische Vorrangfläche ausgewiesenen Bereiches, ausgenommen § 4 Abs. 2 Nr. 3, 5, 7 und 20 und der Maßgabe, daß
2.1 entlang des kartierten Feuchtgebietes in einem 10 m breiten Pufferstreifen nicht gedüngt und keine Chemikalien verwendet werden dürfen;
2.2 Streuobstbestände nicht in Intensivobstanlagen umgewandelt oder anderweitig zerstört werden;
2.3 in Streuobstbeständen abgängige Obstbäume durch das Pflanzen geeigneter Hochstammarten ersetzt werden müssen;
§ 4 der Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel (Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung) vom 27. Juli 1988 (BGBl. 1 S. 1196) in der jeweils gültigen Fassung bleibt unberührt;
3. für die bestimmungsgemäße Nutzung, Unterhaltung und Instandsetzung der öffentlichen Straßen und Wege, sonstiger Ver‑ und Entsorgungsanlagen sowie Fernmeldeanlagen, ausgenommen § 4 Abs. 2 Nr. 17;
4. für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen ‑insbesondere Entwässerungsanlagen ‑ in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;
TÜBINGEN, den 20. Februar 1994