Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2014-10-10/v-zr-315_13
Timestamp: 2017-09-22 17:45:47
Document Index: 308734726

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 23', 'BGH', '§ 21', '§ 53', '§ 179', '§ 180', '§ 35', '§ 10', '§ 23', '§ 10', '§ 562', '§ 563', 'BGH', '§ 23']

BGH, 10.10.2014 - V ZR 315/13 - Umfang des Belastungsverbots bei Wohnungseigentümern | anwalt24.de
Urt. v. 10.10.2014, Az.: V ZR 315/13
Umfang des Belastungsverbots bei Wohnungseigentümern
Referenz: JurionRS 2014, 26926
AG Hamburg-Bergedorf - 12.02.2013 - AZ: 407a C 17/12
LG Hamburg - 27.11.2013 - AZ: 318 S 32/13
§ 23 Abs. 1 WEG
DNotI-Report 2014, 183-184
DNotZ 2015, 98-103
EBE/BGH 2015, 5-7
MDR 2015, 79-80
NJW 2015, 549-551
NZG 2015, 388-390
NZM 2015, 88-90
RdW 2015, 317-319
WuM 2015, 47-49
ZfIR 2015, 67-70
ZMR 2015, 239-241
ZNotP 2015, 101-103
ZWE 2015, 131-133
Die durch eine Öffnungsklausel legitimierte Mehrheitsmacht wird materiellrechtlich u.a. durch unentziehbare, aber verzichtbare Mitgliedschaftsrechte begrenzt; ein in solche Rechte ohne Zustimmung der nachteilig betroffenen Wohnungseigentümer eingreifender Beschluss ist schwebend unwirksam.
Der V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 10. Oktober 2014 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Stresemann, den Richter Dr. Roth, die Richterinnen Dr. Brückner und Weinland und den Richter Dr. Kazele
a) Gemessen daran wird hinreichend deutlich, dass es sich bei den übertragenen Instandhaltungsmaßnahmen um solche handelt, die sich im üblichen Rahmen der Gartenpflege halten, also um Maßnahmen, die der Pflege, Erhaltung oder Bewahrung der Gartenfläche dienen. Hierzu zählen nach gefestigter Rechtsprechung neben der für den Erhalt der Pflanzen notwendigen Bewässerung insbesondere der übliche Baumschnitt, das Auslichten von Bäumen, die Erneuerung abgestorbener Pflanzen sowie das Rasenmähen und Heckenschneiden (vgl. OLGR Düsseldorf 2004, 95, 97; OLGR Schleswig 2007, 881, 882; OLG Köln, NJW-RR 2005, 1541, 1542 [OLG Köln 27.06.2005 - 16 Wx 58/05]; OLG Frankfurt, Beschluss vom 30. Juni 2003 - 20 W 254/01, [...] Rn. 9; LG Hamburg, NZM 2011, 589, 593 [LG Hamburg 10.09.2010 - 318 S 24/09]; Merle in Bärmann, WEG, 12. Aufl., § 21 Rn. 113).
Zu den in diesem Sinne mehrheitsfesten Rechten gehört das dem Verbandsrecht immanente Belastungsverbot (§ 53 Abs. 3 GmbHG, § 179 Abs. 3 u. § 180 Abs. 1 AktG; vgl. auch § 35 Abs. 1 BGB), das jeden Wohnungseigentümer vor der Aufbürdung neuer (originärer) - sich weder aus dem Gesetz noch aus der bisherigen Gemeinschaftsordnung ergebender - Leistungspflichten schützt (vgl. Klein in Bärmann, aaO, § 10 Rn. 38; Merle in Bärmann, aaO, § 23 Rn. 20, 132; Timme/Dötsch, WEG, 2010, § 10 Rn. 196 aE; Becker, ZWE 2002, 341, 344; Buck, aaO, S. 79; Becker/Strecker, ZWE 2001, 569, 575 f.; Bub, ZWE 2007, 339, 342 f.; Becker/Kümmel/Ott, Wohnungseigentum, 2003, Rn. 93).
Danach kann das Berufungsurteil keinen Bestand haben (§ 562 Abs. 1 ZPO). Der Senat hat in der Sache selbst zu entscheiden, weil die Aufhebung des Urteils nur wegen einer Rechtsverletzung bei der Anwendung des Gesetzes erfolgt und die Sache zur Endentscheidung reif ist (§ 563 Abs. 3 ZPO). Das führt im Umfang der Aufhebung zur Abänderung des erstinstanzlichen Urteils und zur Feststellung der Unwirksamkeit des Beschlusses. Dass die Klägerin beantragt hat, den Beschluss für ungültig zu erklären, steht dem nicht entgegen. Der Senat hat bereits entschieden, dass ein solcher Antrag nicht die Feststellung der Nichtigkeit hindert (grundlegend Senat, Urteil vom 2. Oktober 2009 - V ZR 235/08, BGHZ 182, 307, 314 ff.; vgl. auch Senat, Urteil vom 1. April 2011 - V ZR 162/10, NJW 2011, 2202 Rn. 13; Urteil vom 10. Dezember 2010 - V ZR 60/10, NJW 2011, 679 Rn. 5). Da ein endgültig unwirksamer Beschluss dem nichtigen Beschluss hinsichtlich der Rechtsfolgen gleichsteht (vgl. nur Merle in Bärmann, aaO, § 23 Rn. 129), kann nichts anderes gelten.
Verkündet am: 10. Oktober 2014