Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/gewinnfeststellungsbescheid-streitwert-nichtigkeitsklage-3110289
Timestamp: 2019-10-23 13:20:51
Document Index: 332869634

Matched Legal Cases: ['§ 52', '§ 52', '§ 52', '§ 52', '§ 52', '§ 52']

Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und der Streit­wert für die Nich­tig­keits­kla­ge | Rechtslupe
Gewinnfeststellungsbescheid - und der Streitwert für die Nichtigkeitsklage
Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und der Streit­wert für die Nich­tig­keits­kla­ge
Nach § 52 Abs. 1 GKG ist in Ver­fah­ren vor den Finanz­ge­rich­ten der Streit­wert nach der sich aus dem Antrag des Klä­gers für ihn erge­ben­den Bedeu­tung der Sache nach Ermes­sen zu bestim­men.
Bie­tet der Sach- und Streit­stand für die Bestim­mung des Streit­werts kei­ne genü­gen­den Anhalts­punk­te, ist ein Streit­wert von 5.000 EUR anzu­neh­men (§ 52 Abs. 2 GKG). Betrifft der Antrag des Klä­gers eine bezif­fer­te Geld­leis­tung oder einen hier­auf gerich­te­ten Ver­wal­tungs­akt, ist deren Höhe maß­ge­bend (§ 52 Abs. 3 GKG).
Rich­tet sich die Kla­ge auf die Fest­stel­lung der Nich­tig­keit eines Steu­er­ver­wal­tungs­akts, ist der Streit­wert in der­sel­ben Höhe fest­zu­set­zen wie der Streit­wert einer Anfech­tungs­kla­ge auf ersatz­lo­se Auf­he­bung eines ent­spre­chen­den Ver­wal­tungs­akts 1. Der Streit­wert ist des­halb nach § 52 Abs. 1 bzw. Abs. 3 GKG zu bestim­men. Der Ansatz des Auf­fangst­reit­werts von 5.000 EUR gemäß § 52 Abs. 2 GKG kommt nicht in Betracht.
Bei Anfech­tungs­kla­gen wegen einer geson­der­ten und ein­heit­li­chen Gewinn­fest­stel­lung bemisst der BFH in stän­di­ger Recht­spre­chung den Streit­wert gemäß § 52 Abs. 1 GKG nach der typi­sier­ten ein­kom­men­steu­er­li­chen Bedeu­tung für die Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten. Die­se ist grund­sätz­lich ‑i.S. einer Ver­ein­fa­chungs­re­ge­lung- mit 25 % des strei­ti­gen Gewinns oder Ver­lusts zu bemes­sen. Die tat­säch­li­chen steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen bei den ein­zel­nen Gesell­schaf­tern wer­den nicht ermit­telt.
Der vor­ge­nann­te Pro­zent­satz ist bei Streit um die Höhe des Gewinns aller­dings kei­ne fes­te Grö­ße. Aus­nahms­wei­se kommt der Ansatz eines höhe­ren Pro­zent­sat­zes in Betracht, wenn ohne beson­de­re Ermitt­lun­gen im Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren erkenn­bar ist, dass der Pau­schal­satz der tat­säch­li­chen ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kung nicht gerecht wird. Daher ist der Satz von 25 % bei höhe­ren Gewinn- bzw. Ver­lust­an­tei­len wegen der infol­ge des pro­gres­si­ven Ein­kom­men­steu­er­ta­rifs zu erwar­ten­den höhe­ren ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kung ange­mes­sen zu erhö­hen 2. Betrifft der Streit die Höhe eines fest­zu­stel­len­den Ver­äu­ße­rungs­ge­winns, ermä­ßigt sich der Pro­zent­satz im Regel­fall auf 15 % des strei­ti­gen Betrags, wird aller­dings bei sehr hohen Ver­äu­ße­rungs­ge­win­nen in ange­mes­se­nem Umfang wie­der ange­ho­ben 3. Von Ermä­ßi­gun­gen oder Erhö­hun­gen des pau­scha­len Sat­zes von 25 % hat der BFH nur für den Fall abge­se­hen, dass mit der Kla­ge die Auf­he­bung des Fest­stel­lungs­be­scheids wegen Feh­lens der Vor­aus­set­zun­gen für eine geson­der­te Fest­stel­lung und damit wegen eines Ver­sto­ßes gegen die steu­er­li­che Grund­ord­nung des Ver­fah­rens begehrt wird 4. Selbst in einem sol­chen Fall soll aber eine Anpas­sung statt­fin­den, wenn mit dem Auf­he­bungs­be­geh­ren zugleich der Ablauf der Fest­stel­lungs- oder Fest­set­zungs­frist gel­tend gemacht wird 5.
Bei Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze war der Streit­wert in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall mit einem Satz von 25 % für den lau­fen­den Gewinn und 15 % für den Ver­äu­ße­rungs­ge­winn zu bemes­sen. Die Höhe der lau­fen­den Ein­künf­te gibt kei­nen Anlass dafür, von einer 25 % klar über­schrei­ten­den Tarif­be­las­tung bei den Gesell­schaf­tern aus­zu­ge­hen, so dass eine Erhö­hung des Pausch­sat­zes nicht in Betracht kommt. Für den in den Streit­jah­ren dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz in Höhe des hal­ben tarif­li­chen Steu­er­sat­zes unter­lie­gen­den Ver­äu­ße­rungs­ge­winn ist der Regel­satz von 15 % anzu­wen­den, denn die Klä­ger machen nicht gel­tend, dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine geson­der­te Fest­stel­lung schon dem Grun­de nach nicht vor­lie­gen.
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 6. April 2016 – IV E 9/​15
BFH, Beschluss vom 23.11.1999 – IX E 7/​99, BFH/​NV 2000, 727[↩]
z.B. BFH, Beschluss vom 17.11.2011 – IV S 15/​10, BFHE 235, 122, BSt­Bl II 2012, 246[↩]
vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 11.09.1975 – IV B 22/​71, BFHE 116, 530, BSt­Bl II 1976, 22; in BFH/​NV 2000, 727; vom 26.09.2011 – VIII E 2/​11, BFH/​NV 2012, 444[↩]