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Timestamp: 2020-01-22 16:42:37
Document Index: 69122997

Matched Legal Cases: ['§ 223', '§ 249', '§ 250', '§ 52', '§ 56', '§ 56', '§ 56']

» Prof. Wolf: LG MR 1
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Ratschläge und Arbeitshilfen Lehrmaterialien zum Strafrecht Übersicht Strafurteile Methodische Fehler LG MR 1
Urteil des LG Marburg 1 Kls 6 Js 2128/89
hat die 1. Große Strafkammer des Landgerichts in Marburg an der Lahn in ihrer Sitzung vom 13. Juni 1989, an der teilgenommen haben
Die Angeklagten werden wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes in Tateinheit mit gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu Freiheitsstrafen von jeweils
Die Vollstreckung der Freiheitsstrafen wird zur Bewährung ausgesetzt.
Die Angeklagten haben die Kosten des Verfahrens sowie die ihnen darin entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.
- Angewendete Vorschriften:
§§ 223, 223a, 249, 250 Abs. 1 Nr. 2 a, Abs. 2, 25 Abs. 2, 56 StGB
Die beiden bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getretenen Angeklagten sind Brüder. Sie wuchsen gemeinsam in ihrem Elternhaus in O. auf.
1.) Der zur Zeit 27jährige Angeklagte X besuchte zunächst die Gesamtschule und schloß dort in dem Realschulzweig mit der 10. Klasse ab. Er begann im Jahre 1978 bei der Firma L. eine Lehre zum Gas- und Wasserinstallateur, die er mit der Gesellenprüfung 1981 beendete. Nach einer zweimonatigen Arbeitslosigkeit leistete er zunächst seinen Wehrdienst ab. Von 1983 bis 1985 fand er als Druckhelfer bei der F. eine Anstellung. Zuletzt arbeitete er seit 1985 bei den S. als Busfahrer im Stadtbereich. Dort verdiente er etwa 1800 DM netto. Wegen des vorliegenden Strafverfahrens wurde ihn durch die S. gekündigt. Der Angeklagte hat jedoch eine neue Arbeitsstelle bei einer Spedition in gefunden. Dort hat er zusammen mit seinem mitangeklagten Bruder, der ebenfalls dort beschäftigt ist, unter anderen Sondermüll in die DDR zu fahren. Sein derzeitiges Einkommen beläuft sich auf rund 2.500,-- DM netto.
Der Angeklagte X ist seit Ende Mai 1989 verheiratet. Mit seiner Jetzigen, ebenfalls berufstätigen Ehefrau, war er schon seit sieben Jahren befreundet; er unterhielt mit ihr bereits seit vier Jahren eine gemeinsame Wohnung. Er hat - wie sein mitangeklagter Bruder- zu seinen ebenfalls in O. lebenden Eltern nach wie vor, auch nach Bekanntwerden der vorliegenden Straftat, ein gutes Verhältnis.
Bei diesem Angeklagten war während seines Spanien-Urlaubs 1997 der Wunsch geweckt worden, sich ein Motorrad zuzulegen, um innerhalb seines damals neu gewonnenen Bekanntenkreises "mithalten" zu können. Er gab dem nach und erwarb in März 1988 für ca. 15.000,-- DM ein japanisches Kraftrad. Auf diesen Kaufpreis leistete er monatliche Ratenzahlungen von 360,- DM, desweiten monatliche Raten von 400,- DM für einen zusätzlich erworbenen gebrauchten PKW. Insbesondere wegen dieser Anschaffungen wuchs die Schuldenlast dieses Angeklagten auf mehr als 20.000,- DM an.
2. ) Der Angeklagte Y ist zur Zeit 22 Jahre alt. Er wuchs ebenfalls in O. auf, .machte 1992 seinen Hauptschulabschluß und begann anschließend eine Lehre als Kfz-Mechaniker bei der E., die dort einen Autohandel nebst Reparaturwerkstatt betreibt. Nach seiner Gesellenprüfung im Jahre 1985 beschäftige ihn die Firma Z. als Lagerist weiter, bis er im Oktober 1986 zur Bundeswehr einberufen wurde. Nach abgeleistetem Wehrdienst konnte er seine Tätigkeit bei der Firma Z. fortsetzen. Er verdiente dort rund 1.400,-- DM monatlich. An 13. Janu/ar 1989 zog der Angeklagte zu Hause aus und gründete mit seiner damaligen Freundin, von de er sich in zwischen getrennt hat, einen eigenen Hausstand. Wegen seines Aufwandes für die dafür angeschafften Möbel überzog der Angeklagte sein Girokonto um etwa 1.000,-- DM. Die vorliegende Straftat führte zu seiner Kündigung durch die Firma Z.
Der Angeklagte arbeitet seitdem - wie sein Bruder bei einer Spedition und verdient dort rund 2.500,- DM netto monatlich.
Der Angeklagte X sah sich 1983 aufgrund seiner Kraftfahrzeuganschaffungen in erheblichen Geldschwierigkeiten; sein Girokonto war mit ca. 8.000,-- DM weit überogen, die Bank forderte den Abbau der Überziehung, den dieser Angeklagte mit seinen beruflichen Einkünften allein nicht schaffen konnte. Dies war auch seinem Bruder, dem Angeklagten Y, nicht, verborgen geblieben . Sie hatten deshalb gemeinsam überlegt, wie man schnell zu einer größeren Summe Bargeldes kommen könne. Erstmalig im Dezember 1988 hatte der Angeklagte X mit seinem Bruder dann über die Möglichkeit gesprochen, einen Angestellten der Firma Z, den Zeugen M, zu überfallen. Dem Y war als Mitarbeiter der Firma Z bekannt, daß sein dortiger Arbeitskollege M als Hauptkassierer der Firma jeden Abend die täglichen Einnahmen mit nach Hause nahm, um sie morgens wider mit in den Betrieb und dann im Laufe des Arbeitstages zur Bank zu bringen. Die Angeklagten stimmten darin überein, man könne sich diesen Umstand zunutze machen und den Zeugen auf seinem W zur oder von der Arbeit die mitgeführte Tasche .mit den Einnahmen entreißen. Sie gaben diesem Gedanken zunächst nicht weiter nach, griffen ihn jedoch Ende Januar 1989 wieder auf. Ihn als nunmehrigen Tatplan verfolgend begaben sie sich am späten Nachmittag des 26.01.1989, ausgerüstet mit einer Strumpfmaske und einer Pudelmütze als Maskierung, sowie einem ca. 40 cm langen gedrechseltem Schlagstock aus Hartholz mit einemDurchmesser ca. 4 cm, in die Nähe der Wohnung des Zeugen M.. Der Angeklagte Y hatte an diesem Tage gegen Ende der Arbeitszeit, in Erfahrung gebracht, daß die von M mitgeführten Tageseinnahmen etwa bei 5.000 DM lagen. Beide Angeklagten versteckten sich in einem hinter dem Wohnhaus gelegenen Gebüsch, um auf den von der Arbeit mit seinem Fahrzeug nach Hause kommenden Zeugen M zu warten. Nachdem die Angeklagten jedoch den Eindruck gewonnen hatten, Anwohner seien auf sie aufmerksam geworden, ließen sie zunächst von ihren Vorhaben ab. Zu einem weiteren Anlauf kam es am nächsten Morgen, dem 27. Januar 1989, zwischen 6.30 Uhr und 7.00 Uhr. Wieder fuhren beide Angeklagte nach R., um dem M vor seiner Wohnung auflauern. Auch diesmal kam es nicht, zur Ausführung, da am Fahrzeug des Zeugen M bereits ein mit ihm bekannter Mann wartete, um mit nach O. genommen zu werden. Die Angeklagten entschlossen sich deshalb, direkt zum Betriebsgelände der Firma Z zu eilen und M dort noch am selben Morgen zu über
fallen. Im Fahrzeug des Angeklagten X, einem Opel-Commodore, amtliches Kennzeichen XX-YY 11, fuhren sie deshalb eilends von R. nach. O. Das Fahrzeug stellten sie auf dem neben einem Squash-Center an der U. gelegenen Parkplatz mit der Front zur Straße in unverschlossenem Zustand so, daß eine spätere Flucht mit diesem Fahrzeug leicht möglich gewesen wäre. Die beiden Angeklagten gelangten anschließend von dem beschriebenen Parkplatz über Fußwege auf den nahegelegenen, rückwärtigen Teil des Betriebsgeländes der Fa. Z Dort warteten sie in dem Türeingangsbereich eines der Firmengebäude auf die Ankunft des Zeugen M., der gegen 7.30 Uhr mit seinem Fahrzeug eintraf, es auf einem am Ende des Firmengeländes gelegenen Parkplatz abstellte, den Kofferraum öffnete und ihm die Tasche, in der sich die Einnahmen vom Vortage befanden, entnahm. Mit dieser Tasche in der Hand ging er in Richtung zum Hauptgebäude der Firma Sein Weg führte dicht an der Stelle vorbei, welche die Angeklagten als ihren Standort gewählt hatten. Diese hatten inzwischen die mitgeführte Maskierung über den Kopf gezogen, X den mitgeführten dunklen, mit Sehschlitzen versehenen Nylonstrumpf, Y die dunkle, grobgewirkte und durch die Maschen Sicht lassende Pudelmütze, um unerkannt zu bleiben. X hatte den mitgeführten hölzernen Schlagstock griffbereit, der im Eigentum seines Bruders stand und von diesem früher einmal ohne Bezug zu der gegenwärtigen Tat erworben worden war. M bemerkte die Angeklagten beim Vorbeigehen nicht. Unmittelbar nachdem er sie passiert hatte, ging der Angeklagte X der vorherigen Absprache mit seinem Bruder gemäß mit dem Schlagstock bewaffnet von hinten gegen den Zeugen M vor, während der Angeklagte Y, um nicht von seinem Arbeitskollegen erkannt zu werden, etwas zurückblieb. Der Angeklagte X schlug den Zeugen M., der im letzten Moment schnelle Schritte hinter sich gehört hatte und Anstalten machte, sich umzudrehen, mit dem Holzstock mindestens einmal auf den Kopf sowie ein weiteres mal auf den Arm, wodurch dieser schließlich zu Fall kam. Danach entriß der Angeklagte X dem Zeugen M die mitgeführte Tasche und flüchtete gemeinsam mit seinem Bruder weg vom Gelände der Firma Z. Ein weiterer, zwischenzeitlich eingetroffener Mitarbeiter der Firma verfolgte die beiden Angeklagten zunächst, ohne sie einholen zu können. Wegen dieser Verfolgung sahen sie davon ab, mit dem bereitgestellten Fahrzeug zu entfliehen. Sie flüchteten zu Fuß zunächst quer über den Parkplatz, über die I. in Richtung W. weiter über die L. bis hinter die Q und von dort aus zur R, die sie bis zu den zu den Lahnwiesen . führenden Treppen an der A entlang liefen. Während dieser Flucht hatten die Angeklagten der Arbeitstasche des Zeugen M zwei weitere Mappen entnommen, in denen sich jeweils getrennt einmal das Hartgeld, zum anderen das Papiergeld sowie Schecks, alles zusammen im Wert von 5.545,-- DM befanden; das Hartgeld hatte der Angeklagte X, die Schecks und das Papiergeld sein Bruder Y eingesteckt. Die Taschen sowie die Pudelmütze, die Strumpfmaske und den Schlagstock hatten sie während der Flucht weggeworfen. Auf dem Weg entlang der Lahn in Richtung V. wurden die Angeklagten schließlich gegen 8.00 Uhr durch eine Streife der mittlerweile alarmierten Polizei gestellt. Die von den Angeklagten während ihrer Flucht weggeworfenen Sachen wurden bei den polizeilichen Ermittlungen sofort vollständig aufgefunden. Die Tatbeute wurde den Angeklagten nach ihrer Festnahme weggenommen und der Firma w zurückgegeben. Bei ihrer polizeilichen Vernehmung noch am Vormittag des 27.01.1989 gestanden beide Angeklagte die Tat ein, auch ihre Vorbereitungshandlungen.
Der Zeuge M erlitt durch den Schlag auf den Kopf an der rechten Schädelseite eine Platzwunde, dazu eine Schädelprellung, Daneben trug er Hautabschürfungen und Prellungen am Unterarm und Hand davon, die teilweise von dem Schlag auf den Arm, im übrigen durch den Sturz hervorgerufen worden waren. M wurde umgehend im Klinikum der Marburger Universität ambulant behandelt; die Platzwunde wurde genäht. Die Verletzungen heilten folgenlos.
Noch am Abend des 27.01.1989 suchten die Angeklagten den Zeugen M bei ihm zu Hause auf, um sich zu entschuldigen; der Zeuge nahm ihre Erklärungen an.
Sie zahlten ihm in der Folgezeit auch das von seinem anwaltlichen Vertreter geforderte Schmerzensgeld, ohne wegen der Höhe zu handeln.
Diese Feststellungen beruhen auf den Einlassungen der beiden Angeklagten und dem Ergebnis der ausweislich der Sitzungsniederschrift vom 13.06.1989 durchgeführten weiteren Beweisaufnahme.
Die Angeklagten, die zu ihren allgemeinen Lebensverhältnissen glaubhafte Angaben gemacht haben, räumen den äußeren Hergang der Tat vom Morgen des 27.01.1989 in samt ihren jeweiligen Beiträgen ohne Einschränkungen ein, desgleichen ihre beiden vorausgegangenen Anstalten zwecks Überfall auf den Zeugen M , schließlich auch das die Planung auslösende, aus finanziellen Schwierigkeiten des Angeklagten X herrührende Motiv und ihre Vorstellungen vom Umfang der erstrebten Beute, die sie in einer Größenordnung von etwa 5.000,-- DM ansiedelten und als für die Zwecke ausreichend ansahen. Sie räumen auch ein, daß der bei der Tat eingesetzte Schlagstock vom Planungsbeginn an als ein Mittel vorgesehen war, das man bei der Tat mit sich führen wollte. Sie machen insoweit allerdings geltend, ihre Vorstellung sei in erster Linie gewesen, dem Zeugen M die Tasche in überraschender Weise ohne Gewaltanwendung wegzureißen und den Schlagstock nur für den Fall einzusetzen, daß Msich bei der Wegnähme der Tasche ernstlich wehren sollte.
Daß dieser Teil ihrer Einlassungen nicht richtig ist, vielmehr der Einsatz des Stockes von vorneherein zum Zuschlagen gedacht war, weil man das als für den Erfolg des beabsichtigten Handelns notwendig erachtete, ergibt sich aus folgendem: Der Angeklagte X hat, wie von ihm in der Hauptverhandlung ohne Einschränkung eingeräumt, am Morgen des 27.01.1989 auf dem Betriebsgelände der Firma Z sofort mit dem Stock zugeschlagen, nach dem der Zeuge M das Versteck der Angeklagten passiert hat und er diesem nachgefolgt war; er hat nicht den geringsten Versuch unternommen, zuvor ohne Einsatz des Stocks allein durch Wegreißen der Tasche zum Ziel zu kommen, obwohl der Zeuge keine Anstalten zur Gegenwehr zu erkennen gab. Daß diese Art der Tatausführung nicht ein spontaner "Alleingang" des Angeklagten X war, sondern auf einer mit seinem Bruder getroffenen Absprache beruhte, hat Y bei der polizeilichen Vernehmung vom 27.01. 1989 nach eigenem, in der Hauptverhandlung nach Vorhalt des polizeilichen Protokolls gemachten Eingeständnis damals auch wahrheitsgemäß aus freien Stücken bekannt. Nach seinen damaligen, inhaltlich auch jetzt nicht angezweifelten Angaben spielte der Einsatz des Schlagstockes für die verabredete Tatplanung eine entscheidende Rolle; danach war ein sofortiger Schlag auf den Kopf des Opfers ohne "wenn und aber" verabredet, wobei X die Rolle des Schlagenden zugedacht war, weil sein Bruder möglichst im Hintergrund bleiben sollte, um nicht von M trotz Vermummung doch erkannt zu werden; die vorbereitende Besprechung zwischen den Angeklagten befaßte sich dabei auch mit dem Ausmaß der durch den Schlagstockeinsatz unumgänglichen Folgen für das Opfer, das - so der Angeklagte X nach seiner früheren, von ihm nach Vorhalt in der Hauptverhandlung als inhaltlich richtig bestätigten Einlassung - auf keinen Fall "schwere" Verletzungen davontragen sollte, so daß ein "zögerliches" Zuschlagen vorgesehen war.
Daß X eire derartige Verabredung vor der Polizei wahrheitswidrig nur vorgegeben haben könnte, ist auszuschließen. Es gab hierfür keinen Anlaß; und er hat mit seinem Anteil an der Tatausführung auch exakt so gehandelt, wie es auch seiner früheren Darstellung abgesprochen war, diese also hiermit letztlich "bestätigt". Und dies widerlegt auch die Einlassung seines mitangeklagten Bruders, er habe das sofortige Einschlagen auf das Opfer nicht mitverabredet, den konkreten Ablauf des Überfalls deshalb auch nicht als ihm voll zurechenbaren Tatbeitrag "mitgetragen". Es gibt nämlich keinen Anhalt für die Annahme, habe mit seiner früheren Aussage seinen Bruder wahrheitswidrig über Gebühr belasten wollen. Die angeklagten Brüder leben, wie sich aufgrund der Hauptverhandlung ergeben hat, nach wie vor einträchtig miteinander; sich auf die Tatauswirkung, beziehende Interessengegensätze sind nicht einmal im Ansatz erkennbar geworden. Eine nicht der Realität entsprechende Belastung des Bruders hätte übrigens auch deshalb nicht in den Gesamtzusammenhang gepaßt, weil X mit seinem Eingeständnis vor der Polizei nicht den geringsten Versuch verband, seinen vollen Anteil auch für die tatvorbereitende Planung zu Lasten seines Bruders zu verkleinern.
Nach dem festgestellten Sachverhalt sind die beiden Angeklagten schuldig, gemeinschaftlich handelnd einen schweren Raub und zugleich eine gefährliche Körperverletzung begangen zu haben (§§ 249, 250 Abs. 1 Nr. 2, 223, 223 a, 25 Abs. 2 StGB).
Die zu verhängende Strafe ist für beide Angeklagte dem Rahmen des § 250 Abs. 2 StGB zu entnehmen (§ 52 Abs. 2 StGB). Denn die Gesamtwürdigung aller tat- und täterbezogener Umstände ergibt ein beträchtliches Überwiegen der mildernden Faktoren und rechtfertigt die Einstufung als minderschwerer Fall des schweren Raubes.
Beide Angeklagte haben allerdings die Tat aus ihrer Sicht sorgfältig geplant und vorbereitet sowie ihre Zielstrebigkeit nachhaltig damit unterstrichen, daß sie ihren Plan ungeachtet der Erfolgslosigkeit ihrer beiden ersten Anläufe in unbeirrt umsetzten. Zu ihren Lasten geht weiter, daß der Einsatz des Schlagholzes als Mittel vorgesehen war, einen erwarteten Widerstand des Opfers durch Überraschendes Zuschlagen nicht nur schon im Keim zu ersticken, sondern der fest eingeplante Schlag auf den Kopf als ein besonders sensibler Teils des Körpers des Opfers zu Verletzungen führen mußte, die deutlich oberhalb der Grenze der Geringfügigkeit liegen würden. Belastet werden die Angeklagten auch mit dem Umstand, daß ihr plangemäßes Handeln einen Mitarbeitskollegen des Angeklagten X. als Opfer des Angriffs und dessen Arbeitgeberin als zu Schädigenden erfaßte, weil X - und der mitangeklagte Bruder dem folgend- nichts dabei fand, seine, ihm als mehrjährigen Mitarbeiter der Firma Z. zugänglich gewordenen Detailkenntnisse über Betriebsabläufe und Gewohnheiten zu mißbrauchen und erst damit eine den Erfolg versprechende Planung aufzubauen war. Schließlich liegt der erwartete, in die Planung fest einbezogen gewesene und auch - kurzfristig - realisierte Wert der Beute mit rund 5.000,-- DM erheblich über der Grenze einer Bagatelle, so daß von einem krassen Mißverhältnis zwischen Tat und Beute keine Rede sein kann.
Gegenüber diesen, auf den ersten Blick hervortretenden gegen die Angeklagten sprechende Umstände fällt indes zu ihren Gunsten maßgeblich ins Gewicht:
Die beiden Angeklagten sind nicht nur völlig unbestraft gewesen, als sie die Tat begingen, sondern auch seit ihrer Jugend in ein sozial intaktes Umfeld integriert gewesen, das sie nur kurzzeitig einmal verlassen haben. Ihre überschaubare Vergangenheit ist geprägt von ausreichender schulischer Vorbildung und darauf fußender redlicher Erwerbstätigkeit. Die dem zugrunde liegende allgemeine Haltung der Angeklagten hat sich nach ihrer jetzigen Tat, die in diesem Zusammenhang ein Ausnahmeereignis bildet, fortgesetzt. Denn beide Angeklagte haben unmittelbar nach ihren tatbezogenen Kündigungen ihrer bisherigen Arbeitsplätze mit Erfolg alles daran gesetzt, wieder , eine bürgerliche Erwerbstätigkeit zu erlangen, und auf diese Weise nicht nur mit eigener Kraft den Lebensbedarf zu erarbeiten, sondern auch - dies gilt in Sonderheit für X - für eine Ordnung der finanziellen Verhältnisse zu sorgen, also einen Zustand zu beseitigen, der den Anlaß zur Tat bildete. In diesen Zusammenhang fällt auch die mit der Veräußerung des teuren Kraftrades bekannte Einsicht des Angeklagten X, daß es sinnlos und verderblich erscheint, über die eigenen Verhältnisse lebend mit einem besser situierten Bekanntenkreis "mithalten" zu wollen. Der Angeklagte Y. war zur Tatzeit erst 22 Jahre alt und nach dem Dafürhalten des Gerichts noch zu wenig gefestigt, um der Überlegung, die von ihm erkannte finanzielle Lage seines Bruders forderte ihn wegen der nahen verwandtschaftlichen Verbindung zur Abhilfe auch um den Preis einer schweren Straftat, moralisch begründetennachhaltigen Widerstand entgegenzusetzen. Diese Festigung ist indes, wie noch auszuführen sein wird, inzwischen eingetreten. X als der ältere, zur Tatzeit schon 27 Jahre alte Partner indes befand sich vor der Tat - und diese auslösend - in einer finanziellen Lage, die jedenfalls von ihm als besonders bedrängend empfunden wurde und bei ihm die Vorstellung prägte, er sei in einer Not, die er mit eigenen Mitteln nicht mehr bewältigen könne; dies hat er mit seiner Einlassung in der Hauptverhandlung glaubhaft vermittelt. Und hierzu paßt auch die Darstellung der Angeklagten, man habe mit dem Überfall in Erwartung einer Beute von etwa 5.000.- DM einen Wert zu erlangen getrachtet, der Z. lediglich einen Schuldenabbau in Gestalt einer Teilrückführung der Girokontoüberziehung ermöglichen sollte, also einem Ziel diente, das- von vornherein au' den Abbau eines akuten finanziellen Drucks begrenzt war und nicht der Absicht entsprang, sich auf vermeintlich leichte Weise Geld zur Ausweitung des allgemeinen Lebenszuschnitts zu verschaffen.
Glaubhaft ist auch die von X. bereits im Ermittlungsverfahren gebrachte Darstellung, die Angeklagten hätten bei ihrer Vorbesprechung in Bezug auf die Folgen des - von ihnen für erforderlich erachteten - Schlagstockeinsatzes überlegt" in welchem Umfang der Zeuge M. dabei verletzt werden könnte, und seien von vornherein, auf eine diesen "schonende", möglichst nicht erheblich treffende Beeinträchtigung bedacht gewesen; deshalb habe er - X - "zögerlich" zuschlagen wollen. Die darin liegenden Skrupel als Ausdruck ihrer Überlegung, eine ihnen im Grunde unliebe Auswirkung der Tat in ihren .Folgen für das Opfer des Angriffs begrenzen zu wollen, haben offensichtlich bei X während der Tat fortgewirkt. Denn die Verletzungen des Zeugen M gerade am Kopf sind - gemessen an den Möglichkeiten für X als kräftigen jungen Mann, mit wuchtigem Schlag eines Hartholzstockes gegen den Kopf eines Menschen Wirkung zu erzielen letztlich so maßvoll geblieben, daß sie ein "zögerliches" Schlagen erklären können.
Besonders gewichtig als beiden Angeklagten zu ihren Gunsten zuzurechnende Umstände sind aber auch ihre sofort abgelegten Geständnisse, die über ihre nach schneller Festnahme ohnehin ermittelbaren äußeren Tatbeiträge hinaus ihre freiwillig preisgegebene Tatplanung -und die beiden vorausgegangenen Anläufe aufgedeckt haben. Denn dies stützt die von beiden Angeklagten in der Hauptverhandlung eindringlich bekundete Beteuerung, ihr Verhalten als verfehlt und für sie aus nachträglicher Sicht völlig unverständlich bitter bereut zu haben. Diese Reue hat auch in der schnellen Entschuldigungserklärung gegenüber dem Zeugen M und der zügigen Schmerzensgeldanbietung ihren Ausdruck gefunden. Sie ist nach dem von beiden Angeklagten gewonnenen Eindruck nicht vorgeschoben, sondern das offene Bekenntnis, sich in Abweichung von den bisherigen Lebenslinien beschämend vergangen zu haben, die Folgen auf sich nehmen zu wollen und künftig durch Wohlverhalten zu beweisen, daß die Tat vom 27.01.1989 eine einmalige Entgleisung war.
Schließlich ist zu berücksichtigen, daß die Tatbeute der geschädigten Firma Z. unverzüglich vollständig zurückgewährt werden konnte, die Angeklagten also die Früchte ihrer Tat nicht einmal kurzfristig für sich zu verwenden imstande gewesen sind. Dieser Umstand ist nicht zuletzt die Folge des eher "dilettantischen" Verhaltens der Angeklagten gewesen, die trotz vermeintlich gründlicher Planung und ungeachtet des "Erfolgs" der Beraubung des Zeugen M kopflos wegrannten und hierbei der Polizei umgehend in die Arme liefen.
In Anbetracht aller dieser Momente ist der Tat der Angeklagten ein Ausnahmecharakter beizumessen; sie fügt sich in den Ablauf ihres bisherigen Lebens, das nach der aufgedeckten Tat seinen früheren, untadeligen Weg weitergenommen hat, nicht ein. Und auch wesentliche Teile des eigentlichen Tathergangs zeugen für Skrupel der Angeklagten, die einerseits meinten, eine finanzielle Notlage von X nur so beheben zu können, dabei aber andererseits mit ihrer Unerfahrenheit auch preisgaben, zu "Räubern" letztlich untauglich zu sein.
Bei der Strafzumessung hat das Gericht die vorstehend mitgeteilten Erwägungen erneut berücksichtigt. Die zu verhängende Freiheitsstrafe ist für beide Angeklagte gleichhoch bemessen worden. Der ältere Angeklagte X hat zwar den äußerlich aktiveren Beitrag zur Tat geleistet, die mit ihrer erstrebten Beute vor allem ihm einen Nutzen bringen sollte. Sein jüngerer, weniger gefestigter Bruder Y hat indes mit seinem Hinweis auf die im Bereich der Firma gegebenen Möglichkeiten die Planung so entscheidend mitgestaltet, daß die Tat Oberhaupt erst gewagt werden konnte, damit seinen letztlich gleichwertigen Beitrag geleistet.
Planung und konkreter Ablauf mit der Ausnutzung der Detailkenntnisse aus dem Bereich der Firma Z und dem schnellen Schlag mit der zuvor ausfindig gemachten und eigens hierfür bereitgehaltenen Waffe zur Erstickung jeglichen Widerstands schon im Keim - mit der Folge einer Körperverletzung - gebieten allerdings die Überschreitung der Mindeststrafe von 1 Jahr. In Anbetracht der für die Angeklagten sprechenden Umstände, insbesondere ihrer bisherigen Unbestraftheit, ihrer Geständnisse und der auch in ihrer Wiedergutmachungsbereitschaft zum Ausdruck gekommenen echten Reue ist indes für jeden der beiden Angeklagten eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren schuldangemessen hoch genug und auch mit Rücksicht auf ihr sonstiges Verhalten nach der Tat, nämlich ihre erfolgreichen Versuche zur Wiedereingliederung in eine solide Arbeitswelt, ausreichend.
Die Vollstreckung der Freiheitsstrafen, ist für beide Angeklagte zur Bewährung auszusetzen (§ 56 Abs. 1 u. 2 StGB). Die Sozialprognose ist bei beiden günstig, da sie infolge des mit der Entdeckung ihrer Tat eingetretenen "Schocks" den Weg in geordnete Verhältnisse zurückgefunden haben, und ihre Reue die Annahme trägt, daß bereits die Verurteilung zu Freiheitsstrafe eine dauernde Warnung bedeutet die sie künftig vor Straftaten zurückhalten wird, ohne daß noch die Vollstreckung notwendig wäre.
Die nach § 56 Abs. 2 StGB geforderten besonderen Umstände liegen ebenfalls vor. Sie werden in allen wesentlichen Momenten mit den Erwägungen gebildet, die vom Gericht bereits zur Begründung der Anwendung des Ausnahnestrafrahmens gemäß § .250 Abs. 2 StGB dargestellt und herangezogen worden sind, da sie die Tat und die Täterpersönlichkeiten gesamtwürdigen und mit ihrem Ergebnis den einer Bewährung nicht entgegenstehenden Ausnahmecharakter der Tat belegen.
Die Verteidigung der Rechtsordnung gebietet unter diesen Umständen nicht die Strafvollstreckung (§ 56 Abs. 3 StGB). Angesichts der Fülle der täterbezogenen, den Angeklagten zugute kommenden Momente und dem Fehlen schwerwiegender Besonderheiten tatbezogener Art wird bei diesen Tätern das allgemeine Vertrauen der Bevölkerung in die Unverbrüchlichkeit des Rechts und den Schutz der Rechtsordnung vor kriminellen Angriffen nicht erschüttert. Aus ihrer Sicht reicht die Aburteilung mit der damit zum Ausdruck kommenden Qualifizierung der Tat als schwerer Raub samt der Verhängung einer beträchtlichen Freiheitsstrafe aus, um das verletzte Recht sichtbar wiederherzustellen.