Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=11.08.1999&Aktenzeichen=XI%20R%2077/97
Timestamp: 2020-08-04 20:43:14
Document Index: 50337515

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 14', 'Art. 100', '§ 31', '§ 32', '§ 11', '§ 363', '§ 31', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 14', '§ 31', '§ 74', '§ 31']

BFH, 11.08.1999 - XI R 77/97 - dejure.org
https://dejure.org/1999,141
BFH, 11.08.1999 - XI R 77/97 (https://dejure.org/1999,141)
BFH, Entscheidung vom 11.08.1999 - XI R 77/97 (https://dejure.org/1999,141)
BFH, Entscheidung vom 11. August 1999 - XI R 77/97 (https://dejure.org/1999,141)
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GG Art. 2 Abs. 1, Art. 14 Abs. 1, Abs. 2, Art. 100 Abs. 1 Satz 1; BVerfGG § 31 Abs. 1, Abs. 2; EStG § 32a; GewStG § 11
Einkommen- und Gewerbeertragssteuer - Verfassungsmäßigkeit der Belastung - Bindung an Vermögensteuerbeschluß - Halbteilungsgrundsatz
Zur Bindungswirkung des "Halbteilungsgrundsatzes"
Sogennannter Halbteilungsgrundsatz gilt nicht für die Einkommensteuer
Halbteilungsgrundsatz gilt nicht für Einkommensteuer
spiegel.de (Pressebericht, 22.11.1999)
Steuern - Grenzen für den Fiskus
BFHE 189, 413
NJW 1999, 3798
NJW 2017, 3112
BB 1999, 2385
DB 1999, 2291
BStBl II 1999, 771
NZG 2000, 52
gegen das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 11. August 1999 - XI R 77/97 -.
Der Bundesfinanzhof wies die zugelassene Revision mit Urteil vom 11. August 1999 - XI R 77/97 - (BStBl II 1999 S. 771 = BFHE 189, 413) als unbegründet zurück.
Bezogen auf die Einkommensteuer lässt sich aus dem GG kein Rechtssatz ableiten, dass die Steuerbelastung die Hälfte der erzielten Einkünfte nicht überschreiten darf (BFH-Urteile vom 11. August 1999 XI R 77/97, BFHE 189, 413, BStBl II 1999, 771, und vom 18. September 2003 X R 2/00, BFHE 203, 263, BStBl II 2004, 17).
Zugleich beantragte sie, die Einspruchsverfahren gemäß § 363 Abs. 2 Abgabenordnung (AO) ruhen zu lassen, bis die als anhängig vor dem Bundesfinanzhof (BFH) und dem BVerfG bezeichneten Verfahren entschieden worden seien - u. a. XI R 77/97 (BFH).
Dieser Auffassung sei auch der BFH in seinem mittlerweile ergangenen Urteil vom 11.08.1999 XI R 77/97 (BStBl. II 1999, 771).
Sie weist darauf hin, dass gegen das Urteil des BFH vom 11.08.1999 XI R 77/97 (…a. a. O.) Verfassungsbeschwerde erhoben worden sei, Az. 2 BvL 2194/99.
Denn es bezieht sich auf das Urteil des BFH vom 11.08.1999 XI R 77/97 (…a. a. O.).
Das von der Klin. in diesem Zusammenhang angeführte Verfahren beim BFH XI R 77/97 hatte die Belastung mit ESt betroffen.
Denn dieser Beschluss ist allein zur VSt ergangen (vgl. BFH-Urteile vom 11.08.1999 XI R 77/97, a. a. O., …und vom 18.09.2003 X R 2/00, a. a. O., sowie Urteil des FG Münster vom 20.09.1999 11 K 7976/97 E, EFG 2000, 130).
Zur Vermeidung von Wiederholungen verweist der Senat auf die ausführlichen Darlegungen im BFH-Urteil vom 11. August 1999 XI R 77/97 (BFHE 189, 413, BStBl II 1999, 771).
Schon deshalb sieht der Senat keinen Anlass, den Ausgang des gegen das BFH-Urteil in BFHE 189, 413, BStBl II 1999, 771 anhängigen Verfassungsbeschwerdeverfahrens (2 BvR 2194/99) abzuwarten.
So habe der BFH mit Urteil vom 11. August 1999 XI R 77/97 (BFHE 189, 413, BStBl II 1999, 771) bereits entschieden, dass eine Gesamtsteuerbelastung von insgesamt rd.
Nach dem BFH-Urteil in BFHE 189, 413, BStBl II 1999, 771 ist dem GG kein Gebot zu entnehmen, dass Steuern auf das Einkommen und den Gewerbeertrag auf höchstens 50 % des Gesamtbetrags der Einkünfte oder des zu versteuernden Einkommens zu begrenzen sind.
a) Das Verfahren 2 BvR 2194/99 betrifft eine Verfassungsbeschwerde gegen das Urteil des BFH vom 11. August 1999 XI R 77/97 (BFHE 189, 413, BStBl II 1999, 771), mit dem eine Bindung gemäß § 31 Abs. 1 des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht (BVerfGG) an den in Leitsatz 3 des Vermögensteuerbeschlusses des BVerfG in BVerfGE 93, 121, BStBl II 1995, 655 erwähnten sog. Halbteilungsgrundsatz verneint und eine Belastung mit Einkommen- und Gewerbeertragsteuer von insgesamt rd.
Selbst wenn der sog. Halbteilungsgrundsatz entgegen dem angefochtenen BFH-Urteil in BFHE 189, 413, BStBl II 1999, 771 unmittelbare Wirkung auf die Festsetzung von Ertragsteuern haben und das BVerfG der Verfassungsbeschwerde mit dieser Begründung stattgeben sollte, könnte das auf die im vorliegenden Verfahren angefochtenen Gewerbesteuermessbescheide keine Auswirkung haben.
Gegenüber dem Hinweis des FA auf das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 11. August 1999 XI R 77/97 (Sammlung der Entscheidungen des BFH -BFHE- 189, 413, BStBl II 1999, 771), in dem der BFH ausführlich darlege, unter welchen Voraussetzungen bzw. inwieweit eine Bindung an die Grundsätze des BVerfG-Beschlusses 2 BvL 37/91 gegeben sei, ließ es der Kläger dahingestellt, ob die von ihm herangezogenen Passagen des Beschlusses des BVerfG als tragende Gründe zu qualifizieren seien.
Im Urteil vom 11. August 1999 XI R 77/97 (BFHE 189, 413, BStBl II 1999, 771) habe der BFH keine Veranlassung gesehen, den dortigen Streitfall zur Überprüfung der Steuerbelastung durch ESt und weitere Ertragsteuern im Hinblick auf Art. 14 Abs. 1 und Abs. 2 GG dem BVerfG vorzulegen.
Wegen der entsprechenden Begründung, wonach analog auch im vorliegenden Streitfall kein Verstoß gegen Art. 14 Abs. 1 und Abs. 2 GG gegeben sei, verwies das FA auf die Ausführungen des BFH unter Abschn. II Abs. 2 a) und b) im Urteil XI R 77/97.
Im Urteil vom 11. August 1999 XI R 77/97 führe der BFH unter Abschn. II Abs. 2 c) u.a. aus:.
Deshalb wird die verfassungsrechtliche Würdigung nicht davon beeinflusst, dass die Ausführungen des BVerfG zur Belastung des Sollertrags, zur Belastung selbstgenutzten Gebrauchsvermögens ebenso wie zum sog. Halbteilungs-Grundsatz in der sog. VSt-Entscheidung nicht entscheidungserheblich waren (vgl. BFH-Beschluss vom 11. August 1999 XI R 77/97, BFHE 189, 413, BStBl II 1999, 771, dazu Verfassungsbeschwerde 2 BvR 2194/99 anhängig;… zur Anwendung der BVerfG-Rechtsprechung bezüglich des Existenzminimums auf die USt vgl. BVerfG-Entscheidung vom 11. Dezember 2001 1 BvR 1821/01, Steuer-Eildienst -StE- 2002, 50, Umsatz- und Verkehrsteuer-Rundschau -UVR- 2002, 98, zum BFH-Beschluss vom 31. Mai 2001 V B 41/01, BFH/NV 2001, 1615).
14 Abs. 1 GG schützt das Eigentum, jedoch nicht vor der Auferlegung von Geldleistungspflichten (BVerfG, Kammerbeschluss vom 22.07.1991 1 BvR 313/88 mit weiteren Nachweisen; BFH, Urteil vom 11.08.1999 XI R 77/97, Sammlung der Entscheidungen des BFH (BFHE) 189, 413, BStBl. II 1999, 771 mit weiteren Nachweisen;… Papier in Maunz/Dürig, GG, Kommentar, Art. 14 Rdnr. 165 ff.).
XI R 77/97, BFHE 189, 413, BStBl. II 1999, 771 mit weiteren Nachweisen).
Die Bindungswirkung des § 31 Abs. 1 BVerfGG erstreckt sich zwar über die Entscheidungsformel hinaus auch auf die tragenden Entscheidungsgründe; dies gilt aber nur, soweit sie das überprüfte Gesetz --also hier das VStG-- betreffen (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 11. August 1999 XI R 77/97, BFHE 189, 413, BStBl II 1999, 771, m.w.N.).
Im Rahmen der Verfassungsbeschwerde gegen das BFH-Urteil vom 01. August 1999 (XI R 77/97, BStBl II 1999, 771 ) sei eine weitere Klärung und Konkretisierung der Fragen zum sog. Halbteilungsgrundsatz zu erwarten.
- das Verfahren gemäß § 74 FGO auszusetzen bis zur Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde (Aktenzeichen: 2 BvR 2194/99) gegen das BFH-Urteil vom 11.08.1999 (XI R 77/97, BStBl II 1999, 771 ),.
Eine Bindungswirkung nach § 31 Bundesverfassungsgerichtsgesetz für andere Steuerarten als die Vermögensteuer besteht nach inzwischen wohl einhelliger Auffassung der Rechtsprechung und Literatur nicht (vgl. i.d.S. zuletzt als Gegner des Halbteilungsgrundsatzes u. a. BFH-Urteil vom 11. August 1999, XI R 77/97, BFHE 189, 413 , BStBl II 1999, 771 und FG Münster, Urteil vom 20. September 1999, 11 K 7976/97 E, EFG 2000, 130 sowie als Befürworter des Halbteilungsgrundsatzes u. a. Lang, "Wider Halbteilungsgrundsatz und Bundesverfassungsgericht", NJW 2000, 457 jeweils mit weiteren Nachweisen).
Im Rahmen des geltenden Einkommensteuerrechts wird den o.g. Überlegungen am ehesten der Gesamtbetrag der Einkünfte gerecht, weil auf dieser Stufe die erwerbssichernden Aufwendungen bereits berücksichtigt sind (im Ergebnis wohl ebenso BFH-Urteil vom 11. August 1999, BFHE 189, 413 , BStBl II 1999, 771 ).
Der Senat folgt jedenfalls im Ergebnis dem BFH-Urteil vom 11. August 1999 (BFHE 189, 413 , BStBl II 1999, 771 ).
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