Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kapitalanlagerecht/informationszugang-bei-der-bafin-346865
Timestamp: 2020-02-29 13:16:12
Document Index: 360490979

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 48', '§ 40', '§ 1', '§ 40', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 1', '§ 46', '§ 48', '§ 48', '§ 1', '§ 1', '§ 29', '§ 48', '§ 1', '§ 1', '§ 17', '§ 261', '§ 17', '§ 9', '§ 48', '§ 48', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 6', '§ 121', '§ 121', '§ 16', '§ 41', '§ 17']

Infor­ma­ti­ons­zu­gang bei der BAFin | Rechtslupe
Infor­ma­ti­ons­zu­gang bei der BAFin
Für einen An­spruch gegen die Bun­des­an­stalt für Fi­nanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht auf In­for­ma­ti­ons­zu­gang nach § 1 Abs. 1 IFG ist der Rechts­weg zu den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten er­öff­net. Die Son­der­zu­wei­sung nach § 48 Abs. 1 und 4 WpÜG er­fasst die­sen An­spruch nicht.
Bei dem Rechts­streit um die­sen Anspruch han­delt es sich um eine öffent­lich-recht­li­che Strei­tig­keit nicht­ver­fas­sungs­recht­li­cher Art im Sin­ne von § 40 Abs. 1 Satz 1 VwGO. Denn die streit­ent­schei­den­de Norm des § 1 Abs. 1 Satz 1 IFG ver­pflich­tet nur Behör­den des Bun­des als Trä­ger hoheit­li­cher Gewalt; sie ist folg­lich dem öffent­li­chen Recht zuzu­ord­nen 1. Für die Ent­schei­dung über die­sen Anspruch sind dem­nach gemäß der genann­ten Vor­schrift die Ver­wal­tungs­ge­rich­te zustän­dig; denn es fehlt an einer aus­drück­li­chen Zuwei­sung an ein ande­res Gericht nach § 40 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 2 VwGO. Der strei­ti­ge Anspruch wird von der abdrän­gen­den Son­der­zu­wei­sung in § 48 Abs. 1 und Abs. 4 WpÜG nicht erfasst.
Nach § 48 Abs. 1 WpÜG ist gegen Ver­fü­gun­gen der Beklag­ten die Beschwer­de statt­haft; nach § 48 Abs. 4 WpÜG ent­schei­det über die Beschwer­de aus­schließ­lich das für den Sitz der Beklag­ten in Frank­furt am Main zustän­di­ge Ober­lan­des­ge­richt. Ent­ge­gen dem wei­ten Wort­laut des § 48 Abs. 1 und 4 WpÜG erstreckt sich die Son­der­zu­wei­sung nicht umfas­send auf alle Ver­fü­gun­gen der Beklag­ten. Viel­mehr bezieht sich § 48 Abs. 1 und 4 WpÜG nur auf sol­che Ver­fü­gun­gen der Beklag­ten, die in dem von § 1 WpÜG umschrie­be­nen Anwen­dungs­be­reich des Geset­zes, d.h. in Bezug auf Ange­bo­te zum Erwerb von Wert­pa­pie­ren, erlas­sen wor­den sind. In ers­ter Linie sind das – wie in § 46 Satz 1 WpÜG aus­drück­lich ver­deut­li­chend for­mu­liert – Ver­fü­gun­gen, die „nach die­sem Gesetz“ ergan­gen sind 2. Dazu kom­men hier­an anknüp­fen­de – akzes­so­ri­sche – Ver­fü­gun­gen, etwa in der Ver­wal­tungs­voll­stre­ckung, sowie gege­be­nen­falls sons­ti­ge Hilfs- und Neben­an­sprü­che 3. Hier­nach wer­den Ansprü­che nach dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz von § 48 Abs. 1 und 4 WpÜG nicht erfasst. Denn sie sind ins­be­son­de­re nicht als blo­ße Neben­an­sprü­che zu sons­ti­gen Ansprü­chen zu ver­ste­hen, die sich aus dem WpÜG erge­ben. Viel­mehr gewährt das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz einen eigen­stän­di­gen mate­ri­ell­recht­li­chen Anspruch auf Infor­ma­ti­ons­zu­gang, der sich ins­be­son­de­re vom Akten­ein­sichts­recht im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren grund­le­gend unter­schei­det 4. Der Gedan­ke der pro­zes­sua­len Zweck­mä­ßig­keit und des Sach­zu­sam­men­hangs, der der vor­ge­nann­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu Grun­de liegt, kann des­we­gen das Feh­len einer aus­drück­li­chen bun­des­ge­setz­li­chen Son­der­zu­wei­sung nicht erset­zen 5.
Eine Erstre­ckung der Rechts­weg­zu­wei­sung nach § 48 Abs. 1 und 4 WpÜG auf Ansprü­che nach § 1 IFG kommt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Beklag­ten auch nicht des­we­gen in Betracht, weil der Klä­ger zugleich (sie­he § 1 Abs. 3 IFG) ein Akten­ein­sichts­be­geh­ren nach § 29 VwVfG gel­tend macht.
Es spricht zwar viel dafür, dass über die­ses dem Ver­fah­ren nach dem WpÜG akzes­so­ri­sche Begeh­ren nach § 48 Abs. 1 und 4 WpÜG vom Ober­lan­des­ge­richt zu ent­schei­den ist. Hier­aus folgt aber nichts für den Rechts­weg hin­sicht­lich des Infor­ma­ti­ons­an­spruchs nach § 1 IFG. Das gilt auch dann, wenn – wie die Beklag­te im Gegen­satz zum Ver­wal­tungs­ge­richts­hof meint – bei­de Ansprü­che dem­sel­ben Streit­ge­gen­stand zuzu­ord­nen sind. Nach dem sog. zwei­glied­ri­gen Streit­ge­gen­stands­be­griff wird der Streit­ge­gen­stand im All­ge­mei­nen als der pro­zes­sua­le Anspruch durch die erstreb­te, im Kla­ge­an­trag umschrie­be­ne Rechts­fol­ge und den Kla­ge­grund, d.h. den Sach­ver­halt, aus dem sich die Rechts­fol­ge erge­ben soll, gekenn­zeich­net 6. Hier­von aus­ge­hend dürf­te eine Iden­ti­tät des Streit­ge­gen­stan­des jeden­falls dann anzu­neh­men sein, wenn der Infor­ma­ti­ons­zu­gangs­an­spruch nach § 1 Abs. 2 Satz 1 Alt. 2 IFG auf die Gewäh­rung von Akten­ein­sicht gerich­tet ist. Aller­dings ist zu erwä­gen, ob bei einem Ver­pflich­tungs­be­geh­ren der Streit­ge­gen­stand nicht allein durch die begehr­te Rechts­fol­ge und den Kla­ge­grund bestimmt, son­dern durch die gesetz­li­che Anspruchs­grund­la­ge prä­zi­siert und umgrenzt wird 7. Dies bedarf hier jedoch kei­ner Ver­tie­fung. Denn auch die Iden­ti­tät des Streit­ge­gen­stan­des ver­än­dert nicht die Rechts­weg­zu­wei­sung als sol­che. Eine ein­heit­li­che Ent­schei­dung über den gesam­ten Streit­ge­gen­stand wird viel­mehr dadurch gewähr­leis­tet, dass das Gericht, bei dem ein Ver­fah­ren zuerst rechts­hän­gig gewor­den ist (§ 17 Abs. 1 Satz 2 GVG, § 261 Abs. 3 ZPO) nach § 17 Abs. 2 Satz 1 GVG rechts­weg­über­schrei­tend über sämt­li­che Anspruchs­grund­la­gen ent­schei­den kann 8.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20.September 2012 – 7 B 5.12
vgl. nur Schoch, IFG, 2009, § 9 Rn. 68, 71[↩]
vgl. Wackerbarth/​Kresse, in: Münch­Komm-AktG, 3. Aufl.2011, § 48 WpÜG Rn. 4 f.; Noack/​Holzborn, in: Schwark/​Zimmer, Kapi­tal­markt­rechts-Kom­men­tar, 4. Aufl.2010, § 48 WpÜG Rn. 3[↩]
vgl. etwa zum Rechts­weg für Aus­kunfts­ver­lan­gen beim Amts­haf­tungs­an­spruch BGH, Beschluss vom 22.03.1976 – GSZ 2/​75, BGHZ 67, 81, 91; und Urteil vom 25.09.1980 – III ZR 74/​78, BGHZ 78, 274, 276 ff.[↩]
BVerwG, Urteil vom 03.11.2011 – 7 C 3.11, BVerw­GE 141, 122 Rn. 17; vgl. auch BSG, Beschluss vom 04.04.2012 – B 12 SF 1/​10 R[↩]
sie­he auch OVG NRW, Beschluss vom 08.05.2002 – 21 E 349/​02, NWVBl 2003, 23 [↩]
stRspr, sie­he etwa BVerwG, Urtei­le vom 31.08.2011 – 8 C 15.10, BVerw­GE 140, 290 Rn.20 = Buch­holz 428 § 6 VermG Nr. 75; und vom 10.05.1994 – 9 C 501.93, BVerw­GE 96, 24, 25 = Buch­holz 310 § 121 VwGO Nr. 68 S. 2, 3[↩]
sie­he hier­zu Ren­nert, in: Eyer­mann, VwGO, 13. Aufl.2010, § 121 Rn. 28 m.N.; vgl. auch BVerwG, Urteil vom 03.03.2011 – 7 C 4.10, BVerw­GE 139, 184 Rn. 41 = Buch­holz 406.27 § 16 BBergG Nr. 1[↩]
vgl. Ren­nert, in: Eyer­mann a.a.O. § 41/​§§ 17 – 17b GVG Rn. 18 f. m.w.N.[↩]
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