Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Kettenbefristung_Missbrauch_Kettenbefristung_kann_Missbrauch_sein_Kettenbefristung_BAG_7AZR443-09_Kuecuek.html
Timestamp: 2018-12-15 00:06:30
Document Index: 177212124

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 242', 'EuG', '§ 14', '§ 5', '§ 5', '§ 14', '§ 14', '§ 620', '§ 17', '§ 253', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 620', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', 'EuG', '§ 5', 'EuG', '§ 14', 'EuG', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 5', 'EuG', '§ 21', 'EuG', '§ 5', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 14', '§ 14', 'EuG', 'EuG', '§ 242', '§ 14', '§ 21', '§ 1', '§ 551', 'EuG', '§ 14', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 14', '§ 14', '§ 14', 'EuG', '§ 14', '§ 14', 'EuG', 'EuG', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14']

BAG, Urteil vom 18.07.2012, 7 AZR 443/09 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 18.07.2012, 7 AZR 443/09
Schlagworte: Europarecht, Befristung: Sachgrund, Befristung: Vertretung, Vertretung, Befristungskontrollklage
Aktenzeichen: 7 AZR 443/09
Leitsätze: Die Gerichte dürfen sich bei der Befristungskontrolle nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 TzBfG nicht auf die Prüfung des geltend gemachten Sachgrunds der Vertretung beschränken. Sie sind vielmehr aus unionsrechtlichen Gründen verpflichtet, alle Umstände des Einzelfalls und dabei namentlich die Gesamtdauer und die Zahl der mit derselben Person zur Verrichtung der gleichen Arbeit geschlossenen aufeinanderfolgenden befristeten Verträge zu berücksichtigen, um auszuschließen, dass Arbeitgeber missbräuchlich auf befristete Arbeitsverträge zurückgreifen. Diese zusätzliche Prüfung ist im deutschen Recht nach den Grundsätzen des institutionellen Rechtsmissbrauchs (§ 242 BGB) vorzunehmen.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 28.5.2008 - 12 Ca 571/08
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 15.5.2009 - 4 Sa 877/08
hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 18. Ju­li 2012 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Lin­sen­mai­er, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Zwan­zi­ger
und Prof. Dr. Kiel so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Will­ms und Busch für Recht er­kannt:
Die Kläge­rin war beim be­klag­ten Land als Jus­tiz­an­ge­stell­te in der Zeit vom 2. Ju­li 1996 bis zum 31. De­zem­ber 2007 auf­grund von ins­ge­samt 13 be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen beschäftigt. Zu­vor hat­te sie am Amts­ge­richts Köln vom 1. Sep­tem­ber 1994 bis zum 2. Ju­li 1996 ei­ne Aus­bil­dung ab­sol­viert. Dort wur­de sie an­sch­ließend durch­ge­hend als Jus­tiz­an­ge­stell­te im Geschäfts­stel­len­be­reich der Zi­vil­pro­zess­ab­tei­lung ein­ge­setzt. Die Be­fris­tun­gen dien­ten mit ei­ner Aus­nah­me der Ver­tre­tung vorüber­ge­hend be­ur­laub­ter Jus­tiz­an­ge­stell­ter.
trag be­stimmt sich ihr Ar­beits­verhält­nis nach dem BAT und den die­sen er­set­zen­den Ta­rif­verträgen. Der Präsi­dent des Amts­ge­richts Köln un­ter­rich­te­te den Per­so­nal­rat un­ter dem 29. No­vem­ber 2006 über die mit der Kläge­rin bis zum 31. De­zem­ber 2007 be­ab­sich­tig­te be­fris­te­te Ver­trags­verlänge­rung und gab als Grund die Ver­tre­tung der Mit­ar­bei­te­rin K an. Der Per­so­nal­rat ver­lang­te kei­ne wei­te­ren In­for­ma­tio­nen und stimm­te am 30. No­vem­ber 2006 der be­ab­sich­tig­ten Maßnah­me zu. Nach ih­rem Son­der­ur­laub wur­de Frau K ab dem 1. Ja­nu­ar 2008 mit 75 vH ei­ner Voll­zeit­stel­le in der Haft­ab­tei­lung des Amts­ge­richts ein­ge­setzt.
fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der Be­fris­tung im Ver­trag vom 12. De­zem­ber 2006 am 31. De­zem­ber 2007 be­en­det wor­den ist.
Dienst­stel­len kei­ne ständi­ge Per­so­nal­re­ser­ve bil­den. So­weit der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on (im Fol­gen­den: Ge­richts­hof oder EuGH) in der Vor­ab­ent­schei­dung vom 26. Ja­nu­ar 2012 (- C-586/10 - [Kücük] Rn. 27, AP Richt­li­nie 99/70/EG Nr. 9 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80) die na­tio­na­len Ge­rich­te nach § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung zu der Miss­brauchs­kon­trol­le auch ei­ner Sach­grund­be­fris­tung an­hal­te, ha­be die Kläge­rin kei­ne be­son­de­ren Umstände für die An­nah­me ei­nes dem be­klag­ten Land an­zu­las­ten­den Rechts­miss­brauchs vor­ge­tra­gen. Al­lein die An­zahl und Dau­er der Be­fris­tun­gen rei­che dafür so we­nig aus wie die persönli­che und fa­mi­liäre Si­tua­ti­on der Kläge­rin.
1. Verstößt es ge­gen § 5 Nr. 1 der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999, ei­ne na­tio­na­le Be­stim­mung, die wie § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) vor­sieht, dass ein sach­li­cher Grund zur wie­der­hol­ten Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags vor-liegt, wenn der Ar­beit­neh­mer zur Ver­tre­tung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers beschäftigt wird, da­hin aus­zu­le­gen und an­zu­wen­den, dass der sach­li­che Grund auch im Fal­le ei­nes ständi­gen Ver­tre­tungs­be­darfs ge­ge­ben ist, ob­wohl der Ver­tre­tungs­be­darf auch ge­deckt wer­den könn­te, wenn der be­tref­fen­de Ar­beit­neh­mer un­be­fris­tet ein­ge­stellt und ihm die je­wei­li­ge Ver­tre­tung ei­nes der re­gelmäßig aus­fal­len-den Ar­beit­neh­mer über­tra­gen würde, der Ar­beit­ge­ber sich aber vor­behält, je­weils neu zu ent­schei­den, wie er auf den kon­kre­ten Aus­fall von Ar­beit­neh­mern re­agiert?
Der Ge­richts­hof hat mit Ur­teil vom 26. Ja­nu­ar 2012 (- C-586/10 - [Kücük] AP Richt­li­nie 99/70/EG Nr. 9 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80) er­kannt:
„Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der am 18. März 1999 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge ist da­hin aus­zu­le­gen, dass die An­knüpfung an ei­nen vorüber­ge­hen­den Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften in na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den grundsätz­lich ei­nen sach­li­chen Grund im Sin­ne die­ser Be­stim­mung dar­stel­len kann. Aus dem bloßen Um­stand, dass ein Ar­beit­ge­ber ge­zwun­gen sein mag, wie­der­holt oder so­gar dau­er­haft auf be­fris­te­te Ver­tre­tun­gen zurück­zu­grei­fen, und dass die­se Ver­tre­tun­gen auch durch die Ein­stel­lung von Ar­beit­neh­mern mit un­be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen ge­deckt wer­den könn­ten, folgt we­der, dass kein sach­li­cher Grund im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der ge­nann­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­ge­ben ist, noch das Vor­lie­gen ei­nes Miss­brauchs im Sin­ne die­ser Be­stim­mung. Bei der Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob die Verlänge­rung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se durch ei­nen sol­chen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt ist, müssen die Behörden der Mit­glied­staa­ten je­doch im Rah­men ih­rer je­wei­li­gen Zuständig­kei­ten al­le Umstände des Fal­les ein­sch­ließlich der Zahl und der Ge­samt­dau­er der in der Ver­gan­gen­heit mit dem­sel­ben
Ar­beit­ge­ber ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se berück­sich­ti­gen.“
vor­zu­tra­gen, die der An­nah­me des an sich in­di­zier­ten Rechts­miss­brauchs ent­ge­gen­ste­hen.
I. Al­ler­dings ist ein Ar­beit­neh­mer, wie der Se­nat zu­letzt mit Ur­teil vom 24. Au­gust 2011 (- 7 AZR 228/10 - Rn. 51, EzA BGB 2002 § 620 Hoch­schu­len Nr. 9) klar­ge­stellt hat, grundsätz­lich nicht ge­hin­dert, auch frühe­re Be­fris­tungs­ab­re­den - frei­lich un­ter Be­ach­tung der Drei-Wo­chen-Frist des § 17 Satz 1 Tz­B­fG - im Kla­ge­weg an­zu­grei­fen. Ins­be­son­de­re darf die For­mu­lie­rung in frühe­ren Ent­schei­dun­gen, prin­zi­pi­ell un­ter­lie­ge nur die in dem letz­ten Ver­trag ver­ein­bar­te Be­fris­tung der Be­fris­tungs­kon­trol­le (vgl. zB BAG 22. April 2009 - 7 AZR 743/07 - Rn. 15, BA­GE 130, 313), nicht da­hin (miss-)ver­stan­den wer­den, der Ar­beit­neh­mer könne ei­ne frühe­re Be­fris­tung nicht zum Ge­gen­stand ei­ner Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge ma­chen. Den Streit­ge­gen­stand (§ 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO) be­stimmt auch im Be­fris­tungs­kon­troll­pro­zess der Kläger. Mit der zu­vor ver­wen­de­ten For­mu­lie­rung und der sich an­sch­ließen­den Be­gründung hat der Se­nat le­dig­lich zum Aus­druck ge­bracht, dass ein Ar­beit­neh­mer re­gelmäßig (ty­pi­scher­wei­se) die Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags ge­richt­lich nicht mehr er­folg­reich gel­tend ma­chen kann, wenn er mit dem Ar­beit­ge­ber „vor­be­halt­los“ ei­nen Fol­ge­ver­trag schließt und da­durch den vor­he­ri­gen Ver­trag auf­hebt (vgl. BAG 24. Au­gust 2011 - 7 AZR 228/10 - Rn. 51, aaO). Auch ha­ben die frühe­ren Ausführun­gen des Se­nats zu den Vor­aus­set­zun­gen und Be­din­gun­gen ei­nes be­acht­li­chen „Vor­be­halts“ ty­pi­sie­ren­den Cha­rak­ter und sind nicht als zwin­gen­de, die Tat­sa­chen­ge­rich­te bin­den­de Aus­le­gungs­re­geln zu ver­ste­hen. Ob die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en mit dem Ab­schluss ei­nes Fol­ge­ver­trags ei­nen vor­he­ri­gen Ver­trag auf­he­ben, be­stimmt sich nach dem In­halt der auf den Ver­trags­schluss ge­rich­te­ten Wil­lens­erklärun­gen. Die­ser ist vom Ge­richt der Tat­sa­chen­in­stanz durch Aus­le­gung der bei Ab­schluss des Fol­ge­ver­trags ab­ge­ge­be­nen
aus­drück­li­chen und kon­klu­den­ten Erklärun­gen der Par­tei­en zu er­mit­teln (BAG 24. Au­gust 2011 - 7 AZR 228/10 - Rn. 51, aaO).
I. Die streit­be­fan­ge­ne Be­fris­tung war an sich durch den Sach­grund der Ver­tre­tung ge­recht­fer­tigt. Der Se­nat hält in­so­weit auch nach der Vor­ab­ent­schei­dung des Ge­richts­hofs vom 26. Ja­nu­ar 2012 (- C-586/10 - [Kücük] AP Richt­li­nie 99/70/EG Nr. 9 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80) un­ein­ge­schränkt an den von ihm zum Sach­grund der Ver­tre­tung ent­wi­ckel­ten Grundsätzen fest. Ent­schei­dend ist da­nach aus­sch­ließlich, ob zum Zeit­punkt der streit­be­fan­ge­nen Be­fris­tungs­ab­re­de ein Ver­tre­tungs­fall vor­lag. Dar­auf, ob ein ständi­ger Ver­tre­tungs­be­darf be­stand, den der Ar­beit­ge­ber eben­so durch ei­ne Per­so­nal­re­ser­ve von un­be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mern ab­de­cken könn­te, kommt es für die Be­ur­tei­lung des Vor­lie­gens des Sach­grunds der Ver­tre­tung nicht an. Auch sind we­der an den sach­li­chen Grund mit zu­neh­men­der An­zahl der auf­ein­an­der­fol­gen­den be­fris­te­ten Verträge „ge­stei­ger­te An­for­de­run­gen“ zu stel­len noch ändert sich der Prüfungs­maßstab bei der vom Ar­beit­ge­ber in Fällen der Ver­tre­tungs­be­fris­tung an­zu­stel­len­den Pro­gno­se.
a) Der die Be­fris­tung recht­fer­ti­gen­de sach­li­che Grund liegt in Fällen der Ver­tre­tung dar­in, dass für die Wahr­neh­mung der Ar­beits­auf­ga­ben durch ei­ne Ver­tre­tungs­kraft von vorn­her­ein nur ein zeit­lich be­grenz­tes Bedürf­nis be­steht, weil der Ar­beit­ge­ber an den vorüber­ge­hend aus­fal­len­den Mit­ar­bei­ter, dem die Auf­ga­ben an sich ob­lie­gen, recht­lich ge­bun­den ist und er mit des­sen Rück­kehr rech­net (BAG 17. No­vem­ber 2010 - 7 AZR 443/09 (A) - Rn. 17, BA­GE 136, 168). Der Sach­grund liegt zum ei­nen vor, wenn der be­fris­tet zur Ver­tre­tung ein­ge­stell­te Mit­ar­bei­ter die vorüber­ge­hend aus­fal­len­de Stamm­kraft un­mit­tel­bar ver­tritt und die von ihr bis­lang aus­geübten Tätig­kei­ten er­le­digt. Not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für ei­ne Ver­tre­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Tz­B­fG ist das aber nicht. Der Ver­tre­ter kann viel­mehr auch mit an­de­ren Auf­ga­ben be­traut wer­den. Da­bei muss al­ler­dings si­cher­ge­stellt sein, dass die Beschäfti­gung des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers we­gen des Ar­beits­kräfte­be­darfs er­folgt, der durch die vorüber­ge­hen­de Ab­we­sen­heit des zu ver­tre­ten­den Mit­ar­bei­ters ent­steht. Fehlt die­ser Kau­sal­zu­sam­men­hang, ist die Be­fris­tung nicht durch den Sach­grund der Ver­tre­tung ge­recht­fer­tigt (BAG 25. März 2009 - 7 AZR 34/08 -
Rn. 14 mwN, EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 57). Wer­den dem be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer Auf­ga­ben über­tra­gen, die der ver­tre­te­ne Mit­ar­bei­ter nie aus­geübt hat, be­steht der er­for­der­li­che Kau­sal­zu­sam­men­hang nach der Recht­spre­chung des Se­nats gleich­wohl, wenn der Ar­beit­ge­ber recht­lich und tatsächlich in der La­ge wäre, dem vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Ar­beit­neh­mer im Fal­le sei­ner An­we­sen­heit die dem Ver­tre­ter zu­ge­wie­se­nen Auf­ga­ben zu über­tra­gen. In die­sem Fall ist al­ler­dings zur Gewähr­leis­tung des Kau­sal­zu­sam­men­hangs zwi­schen der zeit­wei­li­gen Ar­beits­ver­hin­de­rung der Stamm­kraft und der Ein­stel­lung der Ver­tre­tungs­kraft er­for­der­lich, dass der Ar­beit­ge­ber bei Ver­trags­schluss mit dem Ver­tre­ter des­sen Auf­ga­ben ei­nem oder meh­re­ren vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Beschäftig­ten nach außen er­kenn­bar ge­dank­lich zu­ord­net. Dies kann ins­be­son­de­re durch ei­ne ent­spre­chen­de An­ga­be im Ar­beits­ver­trag ge­sche­hen (BAG 14. April 2010 - 7 AZR 121/09 - Rn. 16 mwN, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 72 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 65).
scho­ben und da­her un­be­acht­lich (vgl. BAG 25. März 2009 - 7 AZR 34/08 - Rn. 22 mwN, EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 57; 17. No­vem­ber 2010 - 7 AZR 443/09 (A) - Rn. 20, BA­GE 136, 168).
cc) Die geänder­te Recht­spre­chung stieß ver­schie­dent­lich auf Kri­tik. Es wur­de ver­langt, die An­for­de­run­gen an die Pro­gno­se mit zu­neh­men­der Wie­der­ho­lung zu verschärfen, wenn sich die­se im­mer wie­der als falsch er­wie­sen ha­be. Der Ar­beit­ge­ber müsse des­halb je­weils de­tail­lier­ter dar­le­gen, aus wel­chem tatsächli­chen, ob­jek­ti­ven Grund er bei Ab­schluss des letz­ten Ar­beits­ver­trags da­von aus­ge­gan­gen sei, dass ei­ne hin­rei­chend ho­he Wahr­schein­lich­keit für den Weg­fall des Beschäfti­gungs­bedürf­nis­ses mit Ab­lauf der Be­fris­tung be­stan­den ha­be und die Über­nah­me in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis nicht möglich ge­we­sen sei (vgl. ua. Ba­der/Bram/Ba­der Stand Ju­ni 2012 § 620 BGB Rn. 144 ff.; APS/Back­haus 4. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 58 ff.; Ha­Ko-Tz­B­fG/Boecken 3. Aufl. § 14 Rn. 15; Kitt­ner/Däubler/Zwan­zi­ger/Däubler KSchR 8. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 35; KR/Lip­ke 9. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 145; ders. FS Et­zel S. 255, 261; ErfK/Müller-Glöge 12. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 9; Persch Kern­fra­gen des Be­fris­tungs­rechts S. 434; ders. ZTR 2012, 268, 271 f.; Preis/Grei­ner RdA 2010, 148, 149; Masch­mann in An­nuß/Thüsing Tz­B­fG 3. Aufl. § 14 Rn. 34; Mei­nel/Heyn/Herms Tz­B­fG 4. Aufl. § 14 Rn. 25; Preis/Loth Anm. zu EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80; HWK/Schma­len­berg 5. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 27; Schlach­ter in Laux/Schlach­ter Tz­B­fG 2. Aufl. § 14 Rn. 13; eben­so LAG Köln Vor­ab­ent­sch­ei-
dungs­er­su­chen vom 13. April 2010 - 7 Sa 1224/09 - Rn. 25, LA­GE Tz­B­fG § 14 Nr. 57, vom EuGH nach Er­le­di­gung der Haupt­sa­che nicht ent­schie­den, vgl. aber die Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts Jääski­nen vom 15. Sep­tem­ber 2011 - C-313/10 - [Jan­sen] Rn. 38).
aa) Der Ge­richts­hof ver­langt für ei­nen sach­li­chen Grund iSd. § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­nau be­zeich­ne­te, kon­kre­te Umstände, die ei­ne be­stimm­te Tätig­keit kenn­zeich­nen und da­her in die­sem spe­zi­el­len Zu­sam­men­hang den Ein­satz auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge recht­fer­ti­gen können. Die­se Umstände können sich et­wa aus der be­son­de­ren Art der Auf­ga­ben, zu de­ren Erfüllung die Verträge ge­schlos­sen wor­den sind, und de­ren We­sens­merk­ma­len oder ge­ge­be­nen­falls aus der Ver­fol­gung ei­nes
le­gi­ti­men so­zi­al­po­li­ti­schen Ziels durch ei­nen Mit­glied­staat er­ge­ben (EuGH 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 27, AP Richt­li­nie 99/70/EG Nr. 9 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80; 23. April 2009 - C-378/07 ua. - [An­gel­i­da­ki ua.] Rn. 96 mwN, Slg. 2009, I-3071). Die na­tio­na­len Nor­men, wel­che die Umstände der Ver­tre­tung be­zeich­nen, müssen sich da­zu ob­jek­ti­ver und trans­pa­ren­ter Prüfungs­kri­te­ri­en be­die­nen, um zu gewähr­leis­ten, dass die Verlänge­rung be­fris­te­ter Verträge tatsächlich ei­nem ech­ten Be­darf ent­spricht so­wie zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Zwecks ge­eig­net und er­for­der­lich ist (vgl. EuGH 26. Ja­nu­ar 2012 - C¬586/10 - [Kücük] Rn. 29, 34, aaO; 23. April 2009 - C-378/07 ua. - [An­gel­i­da­ki ua.] Rn. 98, 100 mwN, aaO).
bb) Die für Ver­tre­tungs­be­fris­tun­gen ent­wi­ckel­te Rechts­fi­gur der ge­dank­li­chen Zu­ord­nung hält den An­for­de­run­gen stand, die nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs an ob­jek­ti­ve und trans­pa­ren­te Kri­te­ri­en zu stel­len sind (vgl. schon BAG 14. April 2010 - 7 AZR 121/09 - Rn. 19 mwN, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 72 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 65). Durch das Er­for­der­nis der ge­dank­li­chen Ausübung des Di­rek­ti­ons­rechts wird si­cher­ge­stellt, dass der Ar­beit­ge­ber den vorüber­ge­hen­den Aus­fall ei­ner Stamm­kraft nicht zur Recht­fer­ti­gung der be­fris­te­ten Ein­stel­lung ei­nes Ar­beit­neh­mers anführen kann, die mit dem Aus­fall der Stamm­kraft in kei­nem Zu­sam­men­hang steht. Durch die darüber hin­aus vom Se­nat ge­for­der­te Do­ku­men­ta­ti­on der ge­dank­li­chen Zu­ord­nung wird ver­hin­dert, dass der Ar­beit­ge­ber den Aus­fall ei­ner Stamm­kraft miss­braucht, um ei­nen oder meh­re­re Ar­beit­neh­mer be­fris­tet in ei­nem zeit­li­chen Um­fang ein­zu­stel­len, der über den Um­fang der Tätig­keit der vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Stamm­kraft hin­aus­geht (BAG 20. Ja­nu­ar 2010 - 7 AZR 542/08 - Rn. 15, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 68 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 64; 14. April 2010 - 7 AZR 121/09 - Rn. 19, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 72 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 65; vgl. be­reits 15. Fe­bru­ar 2006 - 7 AZR 232/05 - Rn. 15, 16, BA­GE 117, 104). Die­se Do­ku­men­ta­ti­on schließt es außer­dem aus, dass der Ar­beit­ge­ber die Auf­ga­ben des Ver­tre­ters im Nach­hin­ein ei­ner an­de­ren Stamm­kraft zu­ord­net, wenn sich et­wa her­aus­stel­len soll­te, dass der be­zeich­ne­te Ar­beit­neh­mer die Auf­ga­ben des Ver­tre­ters nicht hätte wahr­neh­men können.
ei­nen sach­li­chen Grund im Sin­ne von § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung bil­den, der so­wohl die Be­fris­tung der mit den Ver­tre­tungs­kräften ge­schlos­se­nen Verträge als auch, bei Be­darf, de­ren Verlänge­rung recht­fer­ti­ge, so­fern die in­so­weit in der Rah­men­ver­ein­ba­rung auf­ge­stell­ten An­for­de­run­gen be­ach­tet würden (vgl. EuGH 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 31, aaO). Dies gel­te um­so mehr, wenn mit der na­tio­na­len Re­ge­lung zur Ver­tre­tungs­be­fris­tung - wie § 21 Abs. 1 BEEG - Zie­le ver­folgt würden, die als le­gi­ti­me so­zi­al­po­li­ti­sche Zie­le an­er­kannt sei­en (vgl. EuGH 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 32, aaO). Aus dem bloßen Um­stand, dass ein Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften durch den Ab­schluss un­be­fris­te­ter Verträge ge­deckt wer­den könne, fol­ge des­halb nicht, dass ein Ar­beit­ge­ber miss­bräuch­lich han­de­le und da­mit so­wohl ge­gen § 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung als auch ge­gen die na­tio­na­le Re­ge­lung zu ih­rer Um­set­zung ver­s­toße, wenn er be­sch­ließe, auf be­fris­te­te Verträge zurück­zu­grei­fen, um auf ei­nen vorüber­ge­hen­den Man­gel an Ar­beits­kräften zu re­agie­ren, selbst wenn die­ser wie­der­holt oder so­gar dau­er­haft auf­tre­te (vgl. EuGH 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 50, aaO). Der Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften blei­be ein vorüber­ge­hen­der, weil der ver­tre­te­ne Ar­beit­neh­mer nach Be­en­di­gung sei­nes Ur­laubs, der den Grund für die zeit­wei­li­ge Ver­hin­de­rung an der Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben dar­stel­le, sei­ne Tätig­keit wie­der auf­neh­men wer­de (vgl. EuGH 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 38, aaO).
c) Die Vor­ab­ent­schei­dung des EuGH vom 26. Ja­nu­ar 2012 (- C-586/10 - [Kücük] AP Richt­li­nie 99/70/EG Nr. 9 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80) zwingt auch nicht da­zu, die Sach­grund­prüfung bei Ver­tre­tungs­be­fris­tun­gen mit zu­neh­men­der An­zahl und Dau­er der be­fris­te­ten Verträge zu in­ten­si­vie­ren oder an die Rück­kehr­pro­gno­se erhöhte An­for­de­run­gen zu stel­len (vgl. auch Bau­er/von Me­dem SAE 2012, 25, 27; Goo­ren ZESAR 2012, 225, 229; aA Preis/Loth Anm. zu EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80 un­ter VII; Tem­ming ELR 2012, 43, 47; Wen­de­ling-Schröder AuR 2012, 92, 96). Ob bei Ab­schluss des re­gelmäßig der ge­richt­li­chen Prüfung un­ter­fal­len­den letz­ten be­fris­te­ten Ver­trags ein Ver­tre­tungs­fall vor­lag, ist grundsätz­lich nicht von der An­zahl und Dau­er der vor­an­ge­gan­ge­nen be­fris­te­ten Verträge abhängig. Al­ler­dings führt der Ge­richts­hof - auch in Ab­gren­zung zu der im Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren von der deut­schen Bun­des-
re­gie­rung ver­tre­te­nen Auf­fas­sung (vgl. EuGH 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 42, aaO) - im Ur­teil ua. aus, „der Um­stand, dass die Zahl oder die Dau­er der be­fris­te­ten Verträge Ge­gen­stand der in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. b und c der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge vor­ge­se­he­nen Präven­tiv­maßnah­men ist“, be­deu­te nicht, „dass die­se Kri­te­ri­en kei­ne Aus­wir­kung auf die Be­ur­tei­lung der in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a an­ge­spro­che­nen sach­li­chen Gründe ha­ben können“ (26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 41, aaO). Dar­aus folgt aber nicht et­wa, dass auf­grund ei­ner großen An­zahl und/oder Dau­er der be­fris­te­ten Verträge be­reits das Vor­lie­gen des Sach­grunds der Ver­tre­tung frag­lich würde. Das in der Vor­ab­ent­schei­dung an­ge­leg­te Prüfpro­gramm ist viel­mehr ein an­de­res. Auch der EuGH sieht es für die Sach­grund­prüfung als ent­schei­dend an, dass bei ei­ner Mehr­zahl auf­ein­an­der­fol­gen­der Verträge je­der der be­fris­te­ten Verträge für sich ge­nom­men ge­schlos­sen wird, um ei­ne vorüber­ge­hen­de Ver­tre­tung si­cher­zu­stel­len (26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 38, aaO). Al­ler­dings ist nach der Kon­zep­ti­on des Ge­richts­hofs die Be­fris­tungs­kon­trol­le mit der Fest­stel­lung des Vor­lie­gens des Sach­grunds nicht in je­dem Fall ab­ge­schlos­sen. Viel­mehr ist es sei­ner Auf­fas­sung nach „not­wen­dig, dass die zuständi­gen Stel­len auch bei Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des, der grundsätz­lich den Rück­griff auf auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se recht­fer­tigt, er­for­der­li­chen­falls al­le mit der Verlänge­rung die­ser Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se ver­bun­de­nen Umstände berück­sich­ti­gen, da sie Hin­wei­se auf ei­nen Miss­brauch ge­ben können, den die­se Be­stim­mung ver­hin­dern soll“ (26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 43, vgl. auch Rn. 51, aaO). Die­se je nach den Umständen trotz des Vor­lie­gens ei­nes Sach­grunds ge­bo­te­ne um­fas­sen­de Miss­brauchs­kon­trol­le ist er­for­der­li­chen­falls nach deut­schem Recht in ei­nem zwei­ten Schritt ent­spre­chend den Maßstäben ei­nes in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs (§ 242 BGB) durch­zuführen (da­zu un­ten B II).
3. Da­nach liegt für die streit­be­fan­ge­ne Be­fris­tung ein Sach­grund nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Tz­B­fG, § 21 Abs. 1 BEEG vor. Die im Ar­beits­ver­trag vom 12. De­zem­ber 2006 ver­ein­bar­te be­fris­te­te Beschäfti­gung der Kläge­rin er­folg­te zur Ver­tre­tung der Jus­tiz­an­ge­stell­ten K.
a) Das be­klag­te Land hat die Auf­ga­ben der als Ver­tre­tungs­kraft ein­ge­stell­ten Kläge­rin der ab­we­sen­den Mit­ar­bei­te­rin K er­kenn­bar ge­dank­lich zu­ge­ord­net. Dies er­gibt sich aus § 1 des Ar­beits­ver­trags vom 12. De­zem­ber 2006 so­wie aus der Un­ter­rich­tung des Per­so­nal­rats vom 29. No­vem­ber 2006. Da­nach wur­de die Kläge­rin „zur Ver­tre­tung der Mit­ar­bei­te­rin K, die in der Zeit vom 01.01.2007 bis zum 31.12.2007 Son­der­ur­laub er­hal­ten hat“, be­fris­tet wei­ter­beschäftigt.
bb) Nach den Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stan­zen hätte das be­klag­te Land Frau K die Auf­ga­ben der Kläge­rin auch tatsächlich zu­wei­sen können. Nach den erst­in­stanz­li­chen, vom Lan­des­ar­beits­ge­richt in Be­zug ge­nom­me­nen und nicht mit Re­vi­si­onsrügen nach § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b ZPO an­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen be­stand zwi­schen bei­den Ar­beit­neh­me­rin­nen ei­ne „fach­li­che Aus­tausch­bar­keit“. Frau K hätte da­nach die der Kläge­rin über­tra­ge­nen Auf­ga­ben auf­grund ih­rer Aus­bil­dung und bis­he­ri­gen Tätig­keit ausüben können. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass sie vor ih­rer El­tern­zeit als Schreib­kraft in der Haft­ab-
tei­lung ge­ar­bei­tet hat und erst nach ei­ner - auch länge­ren - Ein­ar­bei­tungs­pha­se, die al­le ehe­ma­li­gen Schreib­kräfte ab­sol­vie­ren muss­ten, als Ser­vice­kraft mit der Wahr­neh­mung höher­wer­ti­ger Geschäfts­stel­len­auf­ga­ben ein­ge­setzt wer­den könn­te. Recht­lich un­er­heb­lich ist in­so­weit, dass das be­klag­te Land der Jus­tiz­an­ge­stell­ten K nach de­ren Rück­kehr nicht den Ar­beits­platz der Kläge­rin über­tra­gen, son­dern sie auf ih­ren Wunsch hin wie­der in der Haft­ab­tei­lung ein­ge­setzt hat. Maßgeb­lich sind die Vor­aus­set­zun­gen bei Ab­schluss des streit­ge­genständ­li­chen Ver­trags. Es steht der Kau­sa­lität der Ver­tre­tungs­be­fris­tung folg­lich auch nicht ent­ge­gen, dass Frau K ih­re Ar­beits­zeit an­sch­ließend auf 75 vH ei­ner Voll­zeit­kraft re­du­ziert hat.
1. Wie sich aus dem Ur­teil des EuGH vom 26. Ja­nu­ar 2012 (- C-586/10 - [Kücük] AP Richt­li­nie 99/70/EG Nr. 9 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80) zwei­fels­frei er­gibt, dürfen sich die na­tio­na­len Ge­rich­te bei der Be­fris­tungs­kon­trol­le nicht nur auf die Prüfung des gel­tend ge­mach­ten Sach­grunds der Ver­tre­tung be­schränken. Viel­mehr ob­liegt es den Ge­rich­ten, „stets al­le Umstände des Ein­zel­falls zu prüfen und da­bei na­ment­lich die Zahl der mit der­sel­ben Per­son oder zur Ver-
rich­tung der glei­chen Ar­beit ge­schlos­se­nen auf­ein­an­der­fol­gen­den be­fris­te­ten Verträge zu berück­sich­ti­gen, um aus­zu­sch­ließen, dass Ar­beit­ge­ber miss­bräuch­lich auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zurück­grei­fen, mögen die­se auch au­gen­schein­lich zur De­ckung ei­nes Ver­tre­tungs­be­darfs ge­schlos­sen wor­den sein“ (EuGH 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 40, aaO, un­ter Ver­weis auf EuGH 12. Ju­ni 2008 - C-364/07 - [Vas­silak­is ua.] Rn. 116 und auf EuGH 23. April 2009 - C-378/07 ua. - [An­gel­i­da­ki ua.] Rn. 157, Slg. 2009, I¬3071). Zwar „schließt das Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge ei­nen Miss­brauch“ nach Auf­fas­sung des Ge­richts­hofs „grundsätz­lich aus“ (26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 51, aaO). Den­noch ist es nach dem Ur­teil des EuGH „in An­be­tracht des Ziels, das mit al­len nach Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge er­grif­fe­nen Maßnah­men ver­folgt wird, not­wen­dig, dass die zuständi­gen Stel­len auch bei Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des, der grundsätz­lich den Rück­griff auf auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se recht­fer­tigt, er­for­der­li­chen­falls al­le mit der Verlänge­rung die­ser Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se ver­bun­de­nen Umstände berück­sich­ti­gen, da sie Hin­wei­se auf ei­nen Miss­brauch ge­ben können, den die­se Be­stim­mung ver­hin­dern soll“ (26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 43, aaO). Der Ge­richts­hof hat da­mit aus­drück­lich (vgl. 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 21, aaO) an die im Rah­men des Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens vom Se­nat ge­stell­te Fra­ge an­ge­knüpft, ob und in wel­cher Wei­se die na­tio­na­len Ge­rich­te bei der ih­nen ob­lie­gen­den Miss­brauchs­kon­trol­le in Fällen der mit dem Sach­grund der Ver­tre­tung ge­recht­fer­tig­ten Be­fris­tung die An­zahl und Dau­er der be­reits in der Ver­gan­gen­heit mit dem­sel­ben Ar­beit­neh­mer ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ar­beits­verträge zu berück­sich­ti­gen ha­ben (BAG 17. No­vem­ber 2010 - 7 AZR 443/09 (A) - Rn. 36, BA­GE 136, 168).
2. Für die hier­nach uni­ons­recht­lich ge­bo­te­ne Miss­brauchs­kon­trol­le eig­net sich nach bun­des­deut­schem Recht der all­ge­mei­ne Prüfungs­maßstab des in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs (vgl. Goo­ren ZESAR 2012, 225, 230). Der Grund­satz von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) als Ge­bot der Red­lich­keit und all­ge­mei­ne Schran­ke der Rechts­ausübung be­schränkt so­wohl sub­jek­ti­ve
Rech­te als auch Rechts­in­sti­tu­te und Nor­men (Pa­landt/Grüne­berg 71. Aufl. § 242 Rn. 40). Rechts­miss­brauch setzt vor­aus, dass ein Ver­trags­part­ner ei­ne an sich recht­lich mögli­che Ge­stal­tung in ei­ner mit Treu und Glau­ben un­ver­ein­ba­ren Wei­se nur da­zu ver­wen­det, sich zum Nach­teil des an­de­ren Ver­trags­part­ners Vor­tei­le zu ver­schaf­fen, die nach dem Zweck der Norm und des Rechts­in­sti­tuts nicht vor­ge­se­hen sind. Beim in­sti­tu­tio­nel­len Miss­brauch er­gibt sich der Vor­wurf be­reits aus Sinn und Zweck des Rechts­in­sti­tuts, beim in­di­vi­du­el­len Rechts­miss­brauch da­ge­gen folgt er erst aus dem Ver­hal­ten (vgl. allg. Stau­din­ger/Loo­schel­ders/Ol­zen [2009] § 242 Rn. 218). Die in­sti­tu­tio­nel­le Rechts­miss­brauchs­kon­trol­le ver­langt da­her we­der ein sub­jek­ti­ves Ele­ment noch ei­ne Um­ge­hungs­ab­sicht.
Ei­ner An­wen­dung der Grundsätze des Rechts­miss­brauchs steht nicht ent­ge­gen, dass die Be­fris­tungs­vor­schrif­ten im Tz­B­fG ab­sch­ließen­de Spe­zi­al­re­ge­lun­gen dar­stel­len und die auf „ob­jek­ti­ve Ge­set­zes­um­ge­hung“ gestütz­te frühe­re Dog­ma­tik ab­gelöst ha­ben (da­zu ErfK/Müller-Glöge 12. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 2). Die­ser durch den Ge­setz­ge­ber vor­ge­nom­me­ne Pa­ra­dig­men­wech­sel schließt ei­nen Schutz vor ei­ner rechts­miss­bräuch­li­chen Nut­zung der durch das Tz­B­fG eröff­ne­ten Be­fris­tungsmöglich­keit nicht aus. Dem­ent­spre­chend hat der Se­nat bei Vor­lie­gen ent­spre­chen­der An­halts­punk­te schon bis­her im Rah­men der Be­fris­tungs­kon­trol­le ge­prüft, ob Rechts­fol­gen, die sich an sich aus ei­nem Rechts­in­sti­tut er­ge­ben, aus­nahms­wei­se zurück­tre­ten müssen, weil sie zu ei­nem un­trag­ba­ren Er­geb­nis führen. Auch die Aus­nut­zung der durch das Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz vor­ge­se­he­nen Ge­stal­tungsmöglich­kei­ten kann un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen rechts­miss­bräuch­lich sein, et­wa wenn meh­re­re recht­lich und tatsächlich ver­bun­de­ne Ver­trags­ar­beit­ge­ber in be­wuss­tem und ge­woll­tem Zu­sam­men­wir­ken mit ei­nem Ar­beit­neh­mer auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge nur ab­sch­ließen, um auf die­se Wei­se über die nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG vor­ge­se­he­nen Be­fris­tungsmöglich­kei­ten hin­aus sach­grund­lo­se Be­fris­tun­gen an­ein­an­der­rei­hen zu können (vgl. zum Beschäfti­gungsförde­rungs­ge­setz: BAG 25. April 2001 - 7 AZR 376/00 - zu IV 1 a der Gründe, BA­GE 97, 317; zur sach­grund­lo­sen Be­fris­tung be­reits 18. Ok­to­ber 2006 - 7 AZR
me des un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses dar­stellt (all­ge­mei­ner Erwägungs­grund 6 der Rah­men­ver­ein­ba­rung; vgl. auch BT-Drucks. 14/4374 S. 12).
99/70/EG = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80). Das ent­spricht dem Ziel der Rah­men­ver­ein­ba­rung. Die­se er­fasst nicht be­reits die erst­ma­li­ge Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses, son­dern dient der Ver­hin­de­rung des Miss­brauchs von auf­ein­an­der­fol­gen­den be­fris­te­ten Verträgen (vgl. EuGH 22. No­vem­ber 2005 - C-144/04 - [Man­gold] Rn. 41 f., Slg. 2005, I-9981; 4. Ju­li 2006 - C-212/04 - [Aden­eler ua.] Rn. 101, Slg. 2006, I-6057; 23. April 2009 - C-378/07 ua. - [An­gel­i­da­ki ua.] Rn. 90, Slg. 2009, I-3071; BAG 6. April 2011 - 7 AZR 716/09 - Rn. 24, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 82 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 77). Der wie­der­hol­te Rück­griff auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge, der als ei­ne Quel­le po­ten­zi­el­len Miss­brauchs zu Las­ten der Ar­beit­neh­mer ge­se­hen wird, soll ein­ge­grenzt wer­den, um die „Pre­ka­ri­sie­rung der La­ge der Beschäftig­ten“ zu ver­hin­dern (vgl. EuGH 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 25, aaO). Die Fra­ge, ob ei­ne hier­nach grundsätz­lich zu ver­hin­dern­de „Be­fris­tungs­ket­te“ vor­liegt, wird maßgeb­lich be­stimmt durch die An­zahl der be­fris­te­ten Ver­trags­verlänge­run­gen so­wie de­ren Ge­samt­dau­er. Das be­deu­tet zu­gleich, dass länge­re zeit­li­che Un­ter­bre­chun­gen ge­gen die An­nah­me von „auf­ein­an­der­fol­gen­den Ar­beits­verhält­nis­sen“ oder „Be­fris­tungs­ket­ten“ spre­chen können (vgl. da­zu auch BAG 6. April 2011 - 7 AZR 716/09 - Rn. 25, aaO).
Von Be­deu­tung kann bei der Be­ur­tei­lung fer­ner sein, ob der Ar­beit­neh­mer stets auf dem­sel­ben Ar­beits­platz mit den­sel­ben Auf­ga­ben beschäftigt wird oder ob es sich um wech­seln­de, ganz un­ter­schied­li­che Auf­ga­ben han­delt (vgl. EuGH 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 40, AP Richt­li­nie 99/70/EG Nr. 9 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80). Auch wenn ein ständi­ger Ver­tre­tungs­be­darf der An­nah­me des Sach­grunds der Ver­tre­tung nicht ent­ge­gen­steht und da­her ge­eig­net ist, die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Ver­tre­ter zu recht­fer­ti­gen, ist er den­noch ein Um­stand, der im Rah­men ei­ner um­fas­sen­den Miss­brauchs­kon­trol­le in die Ge­samtwürdi­gung ein­be­zo­gen wer­den kann. Bei zu­neh­men­der An­zahl und Dau­er der je­weils be­fris­te­ten Beschäfti­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers kann es ei­ne miss­bräuch­li­che Aus­nut­zung der dem Ar­beit­ge­ber an sich recht­lich eröff­ne­ten Be­fris­tungsmöglich­keit dar­stel­len, wenn er ge­gen¬über ei­nem be­reits langjährig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer trotz der tatsächlich
vor­han­de­nen Möglich­keit ei­ner dau­er­haf­ten Ein­stel­lung im­mer wie­der auf be­fris­te­te Verträge zurück­greift.
drei­ma­li­ger Verlänge­rungsmöglich­keit. Sie kenn­zeich­net den nach Auf­fas­sung des Ge­setz­ge­bers un­ter al­len Umständen un­pro­ble­ma­ti­schen Be­reich. Ist ein Sach­grund nach § 14 Abs. 1 Tz­B­fG ge­ge­ben, lässt erst das er­heb­li­che Über­schrei­ten die­ser Grenz­wer­te den Schluss auf ei­ne miss­bräuch­li­che Ge­stal­tung zu (zu­tr. Goo­ren ZESAR 2012, 225, 228). Zu­min­dest re­gelmäßig be­steht hier­nach bei Vor­lie­gen ei­nes die Be­fris­tung an sich recht­fer­ti­gen­den Sach­grunds kein ge­stei­ger­ter An­lass zur Miss­brauchs­kon­trol­le, wenn die in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG für die sach­grund­lo­se Be­fris­tung be­zeich­ne­ten Gren­zen nicht um ein Mehr­fa­ches über­schrit­ten sind. Wer­den die­se Gren­zen je­doch - sei es al­ter­na­tiv, sei es ku­mu­la­tiv - mehr­fach über­schrit­ten, ist ei­ne um­fas­sen­de Miss­brauchs­kon­trol­le ge­bo­ten, in de­ren Rah­men es Sa­che des Ar­beit­neh­mers ist, noch wei­te­re für ei­nen Miss­brauch spre­chen­de Umstände vor­zu­tra­gen. Wer­den die in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ge­nann­ten Gren­zen al­ter­na­tiv oder ins­be­son­de­re ku­mu­la­tiv in be­son­ders gra­vie­ren­dem Aus­maß über­schrit­ten, kann ei­ne miss­bräuch­li­che Aus­nut­zung der an sich eröff­ne­ten Möglich­keit zur Sach­grund­be­fris­tung in­di­ziert sein. In ei­nem sol­chen Fall hat al­ler­dings der Ar­beit­ge­ber re­gelmäßig die Möglich­keit, die An­nah­me des in­di­zier­ten Ge­stal­tungs­miss­brauchs durch den Vor­trag be­son­de­rer Umstände zu ent­kräften.
tung an sich recht­fer­ti­gen­den Sach­grunds in tatsäch­li­cher Hin­sicht zur Fra­ge ei­nes mögli­chen Rechts­miss­brauchs vor­zu­tra­gen. Ihm muss da­her Ge­le­gen­heit ge­ge­ben wer­den, nach ei­ner Zurück­ver­wei­sung der Sa­che an das Lan­des­ar­beits­ge­richts in tatsäch­li­cher Hin­sicht noch zur Fra­ge des Rechts­miss­brauchs Stel­lung zu neh­men und ggf. be­son­de­re Umstände vor­zu­tra­gen, die den nach den bis­he­ri­gen tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen an sich in­di­zier­ten Miss­brauch aus­zuräum­en ge­eig­net sind.
chend deut­lich wird. Der Schutz­zweck des Mit­be­stim­mungs­rechts er­for­dert kei­ne wei­ter­ge­hen­de un­auf­ge­for­der­te Be­gründung des Sach­grunds durch den Ar­beit­ge­ber. Er ist durch die ty­po­lo­gi­sie­ren­de Be­zeich­nung des Be­fris­tungs­grunds auf die­sen fest­ge­legt. Da­mit ist gewähr­leis­tet, dass der Ar­beit­ge­ber den Sach­grund in ei­ner et­wai­gen Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Ar­beit­neh­mer nicht ge­gen ei­nen Sach­grund aus­tau­schen kann, zu dem der Per­so­nal­rat sei­ne Zu­stim­mung nicht er­teilt hat (BAG 10. März 2004 - 7 AZR 397/03 - zu IV 2 der Gründe mwN, aaO).
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