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Timestamp: 2016-10-21 20:11:09
Document Index: 321002252

Matched Legal Cases: ['Art. 10', 'Art. 16', 'Art. 18', 'Art. 24', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 159', 'Art. 135']

U 302/99 (16.05.2000)
La Suisse Versicherungen, Avenue de Rumine 13, Lausanne, Beschwerdef�hrerin,
A.- Die 1972 geborene M.________ war bei der La Suisse Versicherungen (nachfolgend: La Suisse) obligatorisch gegen Unf�lle versichert, als sie am 16. Juli 1991 auf einer Rundreise durch Kalifornien als Beifahrerin einen Autounfall erlitt, bei dem das Fahrzeug von der Strasse abkam, einen Hang hinunter st�rzte und sich mehrmals �berschlug. Sie zog sich dabei u.a. eine Distorsion der HWS sowie eine Kontusion der rechten Schulter zu. Es folgten zahlreiche medizinische Abkl�rungen und Behandlungen, zuletzt in der Rheuma- und Rehabilitationsklinik X.________ (Gutachten vom 12. September 1997). Zudem wurde ein Gutachten beim Psychiater Dr. med. H.________ (vom 24. M�rz 1997) eingeholt.
Mit Verf�gung vom 6. Mai 1998 stellte die La Suisse die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen r�ckwirkend per 1. Februar 1994 ein, da weder der nat�rliche noch der ad�quate Kausalzusammenhang gegeben seien. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 26. Oktober 1998 fest.
B.- Das Versicherungsgericht des Kantons Aargau hob in teilweiser Gutheissung der hiegegen erhobenen Beschwerde den Einspracheentscheid vom 26. Oktober 1998 auf, verpflichtete die La Suisse, der Versicherten die gesetzlichen Leistungen f�r den Unfall vom 16. Juli 1991 auch nach dem 1. Februar 1994 auszurichten, und wies die Sache zur Festlegung der Leistungen und zur neuen Verf�gung an die La Suisse zur�ck (Entscheid vom 2. Juni 1999).
C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt die La Suisse die Aufhebung des angefochtenen Entscheides und Best�tigung des Einspracheentscheides.
W�hrend M.________ auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliessen l�sst, hat sich das Bundesamt f�r Sozialversicherung nicht vernehmen lassen.
1.- Das kantonale Gericht hat die massgebenden Gesetzesbestimmungen �ber den Anspruch auf Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 Abs. 1 UVG), auf Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG), auf Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG) und auf Integrit�tsentsch�digung (Art. 24 UVG) zutreffend dargelegt. Richtig ist auch die Wiedergabe der Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers zun�chst vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod) (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen). Gleiches gilt f�r die vom Eidgen�ssischen Versicherungsgericht entwickelten Grunds�tze zum erforderlichen ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen einem Unfall und der in der Folge eintretenden psychischen Fehlentwicklung mit Einschr�nkung der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit (BGE 115 V 133). Ferner hat das kantonale Gericht zutreffend festgestellt, dass in F�llen, in welchen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS geh�renden Beeintr�chtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur vorliegenden ausgepr�gten psychischen Symptomatik aber ganz in den Hintergrund treten, die Beurteilung der ad�quaten Kausalit�t unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall vorzunehmen ist (BGE 123 V 99 Erw. 2a mit Hinweisen). Auf diese Erw�gungen kann verwiesen werden. Richtig sind schliesslich auch die Ausf�hrungen zum Beweiswert eines �rztlichen Gutachtens (BGE 122 V 160 Erw. 1c; RKUV 1991 Nr. U 133 S. 312) sowie zur Beweisw�rdigung medizinischer Berichte.
Zu betonen bleibt, dass, falls die Unfallkausalit�t einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist, die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst entf�llt, wenn der Unfall nicht mehr die nat�rliche und ad�quate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht (Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 474). Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsm�ssigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall fr�her oder sp�ter eingestellt h�tte (status quo sine) erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b mit Hinweisen).
2.- Streitig und zu pr�fen ist vorliegend einzig der ad�quate Kausalzusammenhang.
a) Wie die Vorinstanz im sorgf�ltig und �berzeugend begr�ndeten Entscheid zutreffend erkannt hat, hat die Beurteilung des ad�quaten Kausalzusammenhangs nicht nach der Praxis bei Vorliegen eines Schleudertraumas der HWS zu erfolgen. Vielmehr ist es im vorliegenden Fall - entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin - sachgerechter, die Beurteilung nach der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen vorzunehmen. Denn auf Grund der medizinischen Aktenlage ist es offensichtlich, dass das in den ersten Monaten nach dem Unfallgeschehen gepr�gte Beschwerdebild in der Folge in eine psychische �berlagerung umgeschlagen hat, welche schliesslich eindeutig Dominanz aufwies. So ist gem�ss dem Psychiater Dr. med. H.________ (Gutachten vom 24. M�rz 1997) von einer vorwiegend psychodynamischen Genese der anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung auszugehen. F�r die Ad�quanzbeurteilung sind damit die in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa festgelegten Kriterien massgebend (BGE 123 V 99 Erw. 2a), wie die Vorinstanz richtig festgehalten hat.
b) Das kantonale Gericht hat den Verkehrsunfall vom 16. Juli 1991 zu Recht nicht den schweren, sondern den mittleren F�llen zugeordnet. Auf Grund des augenf�lligen Geschehensablaufes und der Verletzungen, die sich die Beschwerdegegenerin zuzog, kann der Unfall - entgegen ihrer Auffassung - nicht als schwer qualifiziert werden. Insbesondere liegt im Sinne der Praxis (dargestellt in RKUV 1995 Nr. U 215 S. 91) kein ausserordentlich schweres lebensbedrohendes Geschehen vor. Ebensowenig ist der Unfall den schweren F�llen im mittleren Bereich zuzuordnen.
c) Das kantonale Gericht hat mehrere der in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa festgelegten Kriterien als erf�llt angesehen, sodass die Gesamtbeurteilung zu einer Bejahung des ad�quaten Kausalzusammenhang f�hrte. Diese Auffassung ist zutreffend.
In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird nichts vorgebracht, was zu einer andern Betrachtungsweise f�hren k�nnte. Insbesondere kann entgegen der Beschwerdef�hrerin dem Unfallgeschehen, bei welchem das Fahrzeug seitlich einen Abhang hinunter st�rzte, dreimal �berschlug, entsprechend der Bilddokumentation erheblich zerst�rt mit zerschlagenen Scheiben liegen blieb und alle Insassen verletzt wurden, eine besondere Eindr�cklichkeit nicht abgesprochen werden. Mit der Vorinstanz ist zudem festzustellen, dass das Distorsionstrauma der Halswirbels�ule mit der H�ufung der seit dem Unfall geklagten Beschwerden (Gutachten der Rheuma- und Rehabilitationsklinik X.________ vom 12. September 1997 und Schreiben vom 9. Januar 1998) und den schwerwiegenden Auswirkungen auf Befinden und Leistungsf�higkeit im vorliegenden Fall das Kriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzung erf�llt. Was die weiteren Kriterien (ungew�hnlich lange Dauer der �rztlichen Behandlung, Dauerbeschwerden, schwieriger Heilungsverlauf und Komplikationen sowie Grad und Dauer der Arbeitsunf�higkeit) betrifft, bestreitet die Beschwerdef�hrerin deren Vorhandensein jeweils mit der Begr�ndung, dass erst anfangs Februar 1994 eine unaufhaltsame Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Versicherten eingetreten sei. Auf Grund der verschiedenen Gutachten stehe eine dysfunktionale Traumaverarbeitung mit teilweise sekund�rer Somatisierung der Beschwerden im Vordergrund, was auf die Pers�nlichkeit und die Lebenssituation der Versicherten zur�ckzuf�hren und mithin nicht unfallkausal sei. Ein solcher Chronifizierungsprozess erfolge unabh�ngig vom Unfallereignis und sei durch unfallfremde Faktoren beg�nstigt. Diese Auffassung verf�ngt nicht. So darf die Frage, ob ein Unfall nach dem gew�hnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Gesundheitssch�digung herbeizuf�hren, in der sozialen Unfallversicherung nicht auf den psychisch gesunden Versicherten beschr�nkt werden. Vielmehr ist auf eine weite Bandbreite der Versicherten abzustellen. Hiezu geh�ren auch jene Versicherte, die auf Grund ihrer Veranlagung f�r psychische St�rungen anf�lliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde. Die Gr�nde daf�r, dass einzelne Gruppen von Versicherten einen Unfall langsamer oder schlechter verarbeiten als andere, k�nnen z.B. in einer ung�nstigen konstitutionellen Pr�disposition oder allgemein in einem angeschlagenen Gesundheitszustand, in einer psychisch belastenden sozialen, famili�ren oder beruflichen Situation oder in der einfach strukturierten Pers�nlichkeit des Verunfallten liegen. Somit bilden im Rahmen der erw�hnten, weit gefassten Bandbreite auch solche Versicherte Bezugspersonen f�r die Ad�quanzbeurteilung, welche im Hinblick auf die erlebnism�ssige Verarbeitung eines Unfalles zu einer Gruppe mit erh�htem Risiko geh�ren, weil sie aus versicherungsm�ssiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 135 Erw. 4b f. mit Hinweisen). Dr. med. H.________ spricht bei der Versicherten von psychodynamisch begr�ndeten Pers�nlichkeitsstrukturen, welche Einfluss auf die Verarbeitung des Unfalles haben. Nach dem Gesagten geht es vorliegend insbesondere angesichts der Schwere des Unfalls nicht an, in erster Linie die Pers�nlichkeitsstruktur im Sinne eines unfallfremden Faktors f�r die psychische Fehlverarbeitung verantwortlich machen zu wollen. Vielmehr ist die durch die psychische Pr�disposition beg�nstigte Chronifizierung als unfallkausal zu beurteilen.
Entgegen der Beschwerdef�hrerin sind auch die weitern Kriterien erf�llt. So steht die Versicherte seit dem Unfall fast ununterbrochen in �rztlicher Betreuung nicht zuletzt auch zur Behandlung von somatischen Beschwerden, wie die medizinischen Gutachten belegen. Der Heilungsverlauf ist als schwierig im Sinne der Rechtsprechung zu betrachten, da die Beschwerden seit dem Unfall andauern, ohne dass die �rztliche Behandlung zu einer wesentlichen Linderung der Symptomatik gef�hrt h�tte, vielmehr hat sie sich im Verlaufe der Zeit eher verst�rkt. Grad und Dauer der Arbeitsunf�higkeit sind ebenfalls beachtlich. Nach dem Unfall war die Beschwerdegegnerin w�hrend ca. drei Monaten zu 50 % arbeitsunf�hig, danach arbeitete sie wieder voll bis sie ab Mitte 1993 die T�tigkeit als Musiklehrerin schmerzbedingt reduzieren musste. Von Februar 1994 bis 1997 war sie mit Ausnahme von k�rzeren Unterbr�chen stets teilweise oder ganz arbeitsunf�hig und seit Februar 1997 schliesslich betr�gt ihre Arbeitsunf�higkeit dauernd 100 %.
d) Nach dem Gesagten steht fest, dass die Vorinstanz den ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der anhaltenden vorwiegend psychisch bedingten Arbeits- und Erwerbsunf�higkeit und mithin die Leistungspflicht der La Suisse auch nach dem 1. Februar 1994 zu Recht bejaht hat, weshalb der kantonale R�ckweisungsentscheid nicht zu beanstanden ist.
3.- Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend steht der anwaltlich vertretenen Beschwerdegegnerin eine durch die La Suisse zu tragende Parteientsch�digung zu (Art. 159 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 135 OG).
gegnerin f�r das Verfahren vor dem Eidgen�ssischen