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Timestamp: 2017-08-23 04:01:44
Document Index: 129454673

Matched Legal Cases: ['§ 312', '§ 495', '§ 313', '§ 312', '§ 312', '§ 355', '§ 312', '§ 91', '§ 708']

Dr. Bücker - AG Schopfheim: Der Wille des Widerrufs muss erkennbar sein!
Verbraucherschutz | 21. Juli 2008 | Keine Kommentare >>
1. Besonders beim Kauf in einem Online-Shop bleibt bei der Wahrnehmung der Gewährleistungsrechte durch den Kunden meist ein klares Gespräch zwischen Verbraucher und Händler aus. Oftmals sendet der Verbraucher die defekte Ware nur zurück. Für den Händler stellt sich dann die Frage, was der Verbraucher mit der Rücksendung bezweckt. Möchte er sein Geld zurück nach Widerruf? Strebt er eine Reparatur an? Einen Austausch im Rahmen der Gewährleistung? Schon früher wurde festgestellt, dass das Wort "Widerruf" nicht unbedingt in der Erklärung des Verbrauchers enthalten sein muss, wenn er eine solche anstrebt. Lediglich der Wille des Verbrauchers zur Beendigung des Vertragsverhältnisses muss erkennbar sein, sonst kann die Widerrufsfrist verstreichen. Schickt der Verbraucher die Sache mit der einfachen Erklärung "Ware defekt" zurück, muss der Händler durch die konkludente Erklärung von der vorteilhaftesten Variante für den Kunden ausgehen.
2. Ähnlich gelagert war dies im Fall vom AG Schopfheim 19.03.2008 - Az. 2 C 14/08. Hier hatte der Kunde dem Händler eine e-mail mit dem Inhalt "eine Rücksendung" zu haben, geschickt. Nach AG Schofheim ist dies für einen Widerruf nicht ausreichend. Es sei durch die e-mail nicht erkennbar, dass das Vertragsverhältnis beendet werden soll. Die e-mail stellt nicht ausreichend klar, aus welchem Grund die Rücksendung erfolgt. Der Wille der Vertragsauflösung könne lediglich bei vollständiger Rücksendung der Ware angenommen werden. Hier wurde die Ware selbst aber erst nach Ablauf der Widerrufsfrist an den Händler zurückgesandt, so dass die Klägerin keinen Anspruch gemäß §§ 312d, 346 Abs. 1 BGB auf Rückzahlung des Kaufpreises hat.
3. Urteil AG Schopfheim:
Az.: 2 C 14/08
hat das Amtsgericht Schopfheim ohne mündliche Verhandlung im Verfahren gemäß § 495a ZPO, in dem Schriftsätze eingereicht werden konnten bis 10.03.2008, durch ...
(gemäß § 313a ZPO ohne Tatbestand)
1. Die Klage ist zulässig, im Ergebnis jedoch nicht begründet.
2. Die Klägerin hat keinen Anspruch auf Rückzahlung des Kaufpreises für die per Online-Bestellung gelieferten Brautbekleidungs-Teile gemäß Rechnung der Beklagten vom 11.09.2007:
Zwar handelt es sich um einen Fernabsatzvertrag im Sinne von § 312b BGB, bei dem dem Verbraucher nach § 312d Abs. 1 in Verbindung mit § 355 Abs. 1 BGB ein Widerrufsrecht zusteht, das binnen 2 Wochen auszuüben ist.
Diese Frist ist vorliegend nicht gewahrt: Unstreitig erhielt die Klägerin die Ware am 12.09.2007. Soweit die Klägerin der Ansicht ist, die mit E-Mail vom 16. September 2007 übersandte Mitteilung enthalte eine entsprechende Widerrufserklärung, so kann dem nicht gefolgt werden: Zwar ist hinsichtlich der Ausübung eines Widerrufsrechts nicht erforderlich, dass das Wort „Widerruf“ verwendet wird, jedoch ist erforderlich, dass für den Erklärungsgegner erkennbar ist, dass ein bestimmtes Vertragsverhältnis beendet werden soll. Dies ist bei der E-Mail-Erklärung der Klägerin vom 16. September 2007 jedoch nicht der Fall. Die Erklärung, „eine Rücksendung“ zu haben, stellt nicht ausreichend klar, aus welchem Grunde eine Rücksendung beabsichtigt ist, aus Gründen der Nachbesserung wegen behaupteter Mängel der Ware oder wegen der Absicht, das gesamte Vertragsverhältnis aufzulösen. Ein entsprechender Erklärungsinhalt kann von dem Beklagten allenfalls bei vollständiger Rücksendung der Ware ohne beispielsweise eine Nachbesserungs-Aufforderung oder ähnliches gesehen werden. Eine derartige Übersendung erfolgte vorliegend unstreitig jedoch erst mit Eingang beim Beklagten nach Ablauf der am 12.09.2007 beginnenden Widerrufsfrist.
Nachdem diese Frist verstrichen war, hat die Klägerin keinen Anspruch auf Rückzahlung des Kaufpreises nach §§ 312d, 346 Abs. 1 BGB mehr.
Die hierauf gerichtete Klage musste daher der vollständigen Abweisung anheim fallen.
Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO, die Entscheidung zur vorläufigen Vollstreckbarkeit ergibt sich aus §§ 708 Nr. 11, 713 ZPO.
Quelle: Kanzlei.BIZ, Anwaltskanzlei Hild und Kollegen