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Timestamp: 2017-05-25 05:15:00
Document Index: 250911867

Matched Legal Cases: ['Art. 116', 'Art. 13', 'Art. 20', 'Art. 23', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 13', 'Art. 13', 'BGH', 'BGH', 'Art. 17', 'BGH', 'BGH']

Verwaltungsvollstreckungsrecht. Das Zwangsverfahren zur Durchsetzung von Verwaltungsakten - PDF
Verwaltungsvollstreckungsrecht. Das Zwangsverfahren zur Durchsetzung von Verwaltungsakten
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Ewald Berndt Steinmann
1 Richard U. Haakh Richter am Verwaltungsgericht Verwaltungsvollstreckungsrecht Das Zwangsverfahren zur Durchsetzung von Verwaltungsakten im Rahmen der Seminarreihe "Update Verwaltungsrecht" - Baustein IV der Württembergischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie e.v.2 2 Inhaltsübersicht Vorbemerkung 1. Begriff und Grundlagen der Verwaltungsvollstreckung 1.1 Begriff 1.2 Wesen der Verwaltungsvollstreckung 1.3 Abgrenzungen 1.4 Rechtsgrundlagen 2. Die Vollstreckung von Verwaltungsakten 2.1 Überblick über die allgemeinen Vollstrekkungsvoraussetzungen 2.2 Vollstreckungstitel Grundverfügung Vollstreckungsfähiger Inhalt Inhaltliche Bestimmtheit der Grundverfügung 2.3 Wirksamkeit der Grundverfügung Begriff Bedeutung für Rechtsschutz gegen über Vollstreckungsmaßnahmen Maßgeblicher Zeitpunkt für die Wirksamkeit 2.4 Vollziehbarkeit der Grundverfügung Sofortige Vollziehbarkeit 2.5 Das Fehlen von Vollstreckungshindernissen Rechtliche Vollstreckungshindernisse Vollzugshindernisse in Bezug auf den Vollstreckungszweck Andere Vollstreckungshindernisse 3. Die formellen Vollstreckungsvoraussetzungen 3.1 Überblick 3.2 Zuständigkeit 3.3 Wichtige Verfahrensvorschriften Allgemeine Verfahrensvorschriften Besondere Verfahrensvorschriften 4. Die Maßnahmen des Verwaltungszwangs 4.1 Überblick über die Zwangsmittel 4.2 Die Zwangsmittel Die Ersatzvornahme Zwangsgeld Unmittelbarer Zwang Abgrenzungen 4.3 Das Verhältnis der Zwangsmittel zu einander Vollstreckungsrechtliche Regelungen Grundsatz der Verhältnismäßigkeit im übrigen 5. Das Verwaltungszwangsverfahren 5.1 Die drei Verfahrensstufen beinhalten Erste Stufe: Die Androhung Zweite Stufe: Die Festsetzung des Zwangsmittels Dritte Stufe: Die Anwendung des Zwangsmittels 5.2 Verkürztes Vollstreckungsverfahren bei Gefahr im Verzuge 6. Die Einstellung des Verwaltungszwangsverfahrens 7. Die Kosten des Vollstreckungsverfahrens 8. Rechtsschutz gegenüber Maßnahmen der Verwaltungsvollstreckung 8.1 Rechtsbehelfe gegen den Grundverwaltungsakt Hauptsacheverfahren vorläufiger Rechtsschutz 8.2 Rechtsschutz gegen Vollstreckungsmaßnahmen Rechtsschutz gegenüber Verwaltungsakten Präklusion Klagebefugnis 8.3 Vorläufiger Rechtsschutz gegen Maßnahmen der Verwaltungsvollstreckung 8.4 Streitwert Zusammenfassender Überblick (Schema) Textfassungen: LVwVG/LVwVGKO3 3 Vorbemerkung Das vorliegende ist in der Vorbereitung der mir übertragenen Seminarveranstaltung der Württembergischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie e.v. entstanden und wird die Grundlage meines Vortrages sein. Es befasst sich ausschließlich mit dem Verwaltungszwangsverfahren, also mit der zwangsweisen Durchsetzung von belastenden Verwaltungsakten, die keine Geldforderung zum Inhalt haben. Und es beschränkt sich auf die Darstellung der Rechtslage nach dem in Baden- Württemberg geltenden Landesrecht (Landesverwaltungsvollstreckungsgesetz - LVwVG). Grundlage ist eine Vielzahl von Entscheidungen, vornehmlich Entscheidungen des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg, aber auch anderer Gerichte, die von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen jeweils nach Entscheidungsart (Urteil/Beschluss), Entscheidungsdatum und Aktenzeichen zitiert werden und in der Rechtsdatenbank Juris ausgewiesen sind, die für die meisten Adressaten dieses Seminars wohl zur Verfügung stehen dürfte. Viele der genannten Entscheidungen, insbesondere der Bundesgerichte, sind auch auf den Internetseiten der Gerichte greifbar. Hilfreiche Orientierung für die Erarbeitung des s war für mich neben eigenen Ausarbeitungen ein Skriptum für die Referendarsausbildung im öffentlichen Recht mit dem Titel "Rechtsschutz gegen Maßnahmen der Verwaltungsvollstreckung" von dem Richterkollegen Roland Kintz vom November 2008 zum rheinland-pfälzischen Landesvollstreckungsrecht, das im Internet veröffentlicht ist. Ich habe mich bemüht, die Anforderungen an die Durchführung von Verwaltungszwangsmaßnahmen strukturiert und praxisorientiert darzulegen und durch zahlreiche Beispiele aus der Rechtsprechung zu illustrieren. Am Ende des s findet sich ein zusammenfassender Überblick, eine Art schematische Zusammenstellung der zu beachtenden Kriterien bei der Durchführung von Vollstreckungsmaßnahmen. Ganz am Ende habe ich die aktuellen Fassungen des LVwVG sowie der Vollstreckungskostenordnung angefügt - für alle Fälle. Sollten Sie beim Gebrauch des es auf inhaltliche oder formale Fehler stoßen, bitte ich im Interesse der Qualitätssicherung um entsprechende Nachricht an meine - Adresse. Allen Teilnehmern an der Seminarveranstaltung und allen Benutzern dieses es wünsche ich viel Erfolg! Stuttgart, den 30. Oktober 2009 Richard U. Haakh4 4 I. Vorstellung II. Ziel des Seminars Ziel ist es, die Teilnehmer (wieder) vertraut zu machen mit Voraussetzungen und Ablauf des Verwaltungszwangsverfahrens mit speziellen Problemen anhand der Rechtsprechung aber auch Praxisprobleme zu erörtern Deshalb sollten Fragen aus der Praxis zum Thema Verwaltungszwang zunächst gesammelt werden. III. IV. Überblick über die Stoffgliederung Hinweise 1. zur Stoffvermittlung dialogorientierter Vortrag mit Hilfe von Präsentationsmitteln Skript zur Vertiefung und Wiederholung stets Fragen stellen 2. Gesetzestext LVwVG ist im Anhang des Skripts enthalten. Bitte angesprochene immer durchlesen! 3. Am Ende je nach verfügbarer Zeit: bis zu 3 Fallübungen 4. Literatur Es gibt praktisch keine Literatur zum Thema Verwaltungsvollstreckung/Verwaltungszwang in Baden-Württemberg. Ausnahme: ein einigermaßen aktueller Kommentar von Karola Singer und Michael Thiele in der Reihe Praxis der Kommunalverwaltung - Landesausgabe Baden-Württemberg -, Kommunal- und Schulverlag Wiesbaden (den ich selbst nicht kenne). Deshalb soll mein Ihnen auch im Alltag weiterhelfen. Insbesondere können auch die zahlreichen zitierten gerichtlichen Entscheidungen weiter helfen. 5. Fragen zu Problemen aus der Praxis sammeln5 1. Begriff und Grundlagen der Verwaltungsvollstreckung Begriff Die Verwaltungsvollstreckung umfasst die zwangsweise Durchsetzung eines grundsätzlich durch Verwaltungsakt festgesetzten öffentlich-rechtlichen Anspruchs des Staates gegenüber einem Bürger, der diesen Anspruch nicht freiwillig erfüllt. Demgemäß verfolgt die Verwaltungsvollstreckung den Zweck, den Willen des Bürgers zu brechen. Vollstreckt werden kann aus Verwaltungsakten sowie aus öffentlich-rechtlichen Verträgen (vgl. 54 und 61 LVwVfG). Hier soll es nur um die Vollstreckung von Verwaltungsakten gehen. Unterschieden werden die Vollstreckung zur Beitreibung einer Geldforderung (sog. Beitreibungsverfahren). Dies soll nicht Gegenstand der vorliegenden Veranstaltung sein. zur Erzwingung sonstiger Handlungspflichten (aktives Tun oder passives Dulden oder Unterlassen von Handlungen; sog. Verwaltungszwang im engeren Sinne). Im folgenden wird unter dem Begriff der Verwaltungsvollstreckung nur der sog. Verwaltungszwang verstanden und behandelt. Schaubild: aus Verwaltungsakten Handlungspflichten Verwaltungsvollstreckung aus öffentlichrechtlichen Verträgen Geldforderungen 1.2 Wesen der Verwaltungsvollstreckung Die Verwaltungsvollstreckung erfolgt in einem besonderen Verwaltungsverfahren (vgl. 9 LVwVfG). Die Vorschriften der Verwaltungsverfahrensgesetze über das Verwaltungsverfahren finden daher ergänzend, d.h. soweit verfahrensrechtliche Regelungen in den Verwaltungsvollstreckungsgesetzen nicht enthalten sind, Anwendung. Die Verwaltungsvollstreckung wird von der Verwaltungsbehörde nach pflichtgemäßem Ermessen durchgeführt (BVerwG, Urteil vom , - 4 C 45/87 -, <Juris>). Vollstreckt6 6 werden können (nur) Verwaltungsakte, die den Bürger zu einem aktiven Tun, einem Dulden oder einem Unterlassen verpflichten. Die Eigenart des Verwaltungsvollstreckungsverfahrens besteht vor allem darin, dass sich die Verwaltungsbehörde den Titel (Grund-Verwaltungsakt) selbst schaffen (Grundsatz der Selbsttitulierung) und vollstrecken (Grundsatz der Selbstvollstreckung) kann. Eine gerichtliche Kontrolle findet grundsätzlich erst nachträglich - im Rahmen eines entsprechenden Rechtsbehelfs - statt. 1.3 Abgrenzungen Von der Verwaltungsvollstreckung zu unterscheiden sind insbesondere folgende Vollstrekkungsgegenstände: Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche gem. 704 ff., 794 ZPO (Urteil + Klausel + Vollstreckung) Durchsetzung von Verfügungen und Titeln in Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (besondere Verfahrensordnung in Familien- und anderen Angelegenheiten, insbesondere Registersachen (z.b. Handels-, Schiffsregister), Betreuungs-, Verschollenheits-, Nachlasssachen), vgl. insbesondere 53 ff, 86 ff. FGG-Reformgesetz vom , BGBl. I 2586 ff), jeweils in Verbindung mit den Fachgesetzen Durchsetzung von Strafurteilen gem. 449 ff. StPO i.v.m. dem StrVollzG Durchsetzung von verwaltungsgerichtlichen Urteilen (in der Regel nur hinsichtlich der Verfahrenskosten!) gem. 167 ff. VwGO. Die Vollstreckung von Bußgeldbescheiden richtet sich gem. 90 Abs. 1 OWiG nach dem VwVG, wenn der Bußgeldbescheid von einer Bundesbehörde erlassen worden ist, im übrigen nach LVwVG. 1.4 Rechtsgrundlagen Gesetzliche Grundlagen für die Verwaltungsvollstreckung sind entweder das VwVG des Bundes oder das LVwVG. Für den jeweiligen Anwendungsbereich muss zwischen der Vollstreckung durch Bundesbehörden und durch Landesbehörden bzw. der Landesaufsicht unterstehenden Behörden unterschieden werden, nicht aber nach dem Vollzug von Bundesrecht oder Landesrecht. Das VwVG Bund gilt für die Vollstreckung von öffentlich-rechtlichen Geldforderungen des Bundes ( 1 Abs. 1 VwVG) und von Handlungs-, Duldungs- oder Unterlassungspflichten durch Bundesbehörden (vgl. 6 Abs. 1 VwVG).7 7 LVwVG gilt im Übrigen, wenn keine spezielleren Vollstreckungsregelungen gelten (vgl. 1 Abs. 3 LVwVG) oder die Anwendung des VwVG auch für den Landesbereich besonders angeordnet ist (vgl. 1 Abs. 3 LVwVG) Speziellere Vollstreckungsregelungen enthält insbesondere das PolG zur Anwendung des unmittelbaren Zwangs ("Polizeizwang") nach 49 ff. PolG, die aber auch auf die Vorschriften des LVwVG Bezug nehmen Spezielle Regelungen zur Vollstreckung, die den allgemeinen vorgehen, enthalten z.b. 59 AufenthG oder 34 AsylVfG (zur Abschiebung als Vollstreckungsmaßnahme zur Durchsetzung einer Ausreisepflicht) Bundesgesetze regeln den Verwaltungszwang nicht abschließend, sondern lassen Raum für die ergänzende Anwendung von des LVwVG Gewerbeuntersagung nach 35 Abs. 1 GewO (vgl. Verwaltungsgericht Stuttgart, Urteil vom , VBlBW 2001, 496) Manche landesgesetzlichen Fachgesetze enthalten (abschließende) Sonderregelungen über den Verwaltungszwang Versiegelung einer Baustelle und Sicherstellung der Gerätschaften nach 64 Abs. 2 LBO als Maßnahme des unmittelbaren Zwangs (vgl. OVG MP, Urteil vom , - 3 M 12/94 -, <Juris>) 2. Die Vollstreckung von Verwaltungsakten 2.1 Überblick über die allgemeinen Vollstreckungsvoraussetzungen Vollstreckungstitel (Verwaltungsakt oder öffentlich-rechtlicher Vertrag) - mit vollstreckungsfähigem Inhalt (Handlungspflichten = Tun, Dulden oder Unterlassen) - der wirksam ist (insbesondere nicht nichtig) Vollziehbarer Verwaltungsakt Fehlen von Vollstreckungshindernissen8 8 2.2 Vollstreckungstitel Grundverfügung Voraussetzung für die Erzwingung von Handlungspflichten (im Sinne von Tun, Dulden oder Unterlassen) ist grundsätzlich ein vollstreckungsfähiger Verwaltungsakt als Vollstreckungstitel (sog. Grundverfügung). Damit ist der Verwaltungsakt gemeint, dessen befehlender oder verpflichtender Inhalt zwangsweise durchgesetzt werden muss Vollstreckungsfähiger Inhalt Die Grundverfügung muss einen vollstreckungsfähigen Inhalt haben. Vollstreckungsfähig sind nur solche (belastende) Verwaltungsakte, die dem Adressaten eine bestimmte Handlungspflicht (Tun, Dulden oder Unterlassen) abverlangen (sog. gebietende oder verbietende Verwaltungsakte). Beispiele (Handlungspflicht) Pflanzgebot, vgl. Saarl. Verwaltungsgericht, Urteil vom , - 5 K 149/04 -, <Juris> ; Verpflichtung zur Vorlage des Passes ( 3 Abs. 1, 48 Abs. 3, 82 Abs. 4 AufenthG, vgl. Verwaltungsgericht Augsburg, Beschluss vom , - AU 1 S , <Juris> ; Anordnung zur Bodensanierung nach 9 BodSchG, Verwaltungsgericht Minden, Urteil vom , - 11 K 7572/03 -, <Juris>; Durchsetzung der Schulpflicht gegenüber den Eltern, Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, Beschluss vom , - 4 K 1676/06 -, <Juris>; Herstellung eines Hausanschlusses an die Abwasserbeseitigung, Verwaltungsgericht Cottbus, Beschluss vom , - 6 L 325/07 -, juris Ge- oder Verbote durch Verkehrszeichen, vgl. OVG NRW, Beschluss vom , - 5 A 850/03 -, <Juris>; Haltverbot: VGH Bad.-Württ., Urteil vom , - 1 S 2025/01 -, <Juris> (Duldungspflicht) Verpflichtung zur Duldung der Abmarkung eines Grundstücks, Verwaltungsgericht Augsburg, Urteil vom , - AU 4 K , <Juris> (Unterlassungspflicht) Verbot des Verkaufs von Waren an Tankstellen, Verwaltungsgericht Neustadt, Urteil vom , - 4 K 802/08 -, <Juris>; Untersagung der Vermittlung von Sportwetten, Verwaltungsgericht Braunschweig, Beschluss vom , - 5 V 1570/08 -, juris Vollstreckungsfähig sind auch (selbständige) Auflagen zu begünstigenden Verwaltungsakten. Beispiele: Durchsetzung von nachbarschützenden Auflagen zur Baugenehmigung, vgl. Verwaltungsgericht Würzburg, Beschluss vom , - W 4 E nachträgliche Brandschutzauflagen, Verwaltungsgericht Düsseldorf, Urteil vom , - 11 K 6477/06 -, <Juris>9 9 Nicht vollstreckungsfähig sind gestaltende oder feststellende Verwaltungsakte. Gestaltende Verwaltungsakte gestalten die Rechtslage um durch Ge- oder Verbote, Erlaubnisse, Genehmigungen, Rücknahme von Begünstigungen usw Baugenehmigung, Rücknahme eines Bewilligungsbescheids, Einbürgerung, Beamtenernennung, Widmung einer Straße Feststellende Verwaltungsakte konkretisieren die gesetzlich geregelte Eigenschaft einer Person oder Sache Eigenschaft als Deutscher isd Art. 116 GG, als Kriegsdienstverweigerer, als Asylberechtigter, als Schwerbehinderter Nicht vollstreckungsfähig sind ferner unselbständige (sog. modifizierende) Auflagen und sonstige unselbständige Nebenbestimmungen zu begünstigenden Verwaltungsakten Verwaltungsgericht Saarlouis, Urteil vom , - W 5 K 1/00 -, <Juris>, zu einer baurechtlichen Bedingung Verwaltungsgericht Würzburg, Urteil vom , - W 5 K , <Juris> zu einer modifizierenden baurechtlichen Auflage Nicht vollstreckungsfähig sind auch (den Erlass eines Verwaltungsaktes) vorbereitende Maßnahmen, wie die gesetzlichen Mitwirkungs- und Obliegenheitspflichten im Verwaltungsverfahren (vgl. 26 Abs. 2 LVwVfG) Bsp.: die Anordnung nach 3 Abs. 2 StVZO, sich einer medizinisch-psychologischen Untersuchung zur Überprüfung der Fahreignung zu unterziehen (BVerwG, Urteil vom , - VII C , <Juris>); a.a. aber wohl Verwaltungsgericht Kassel, Beschluss vom , - 2 G 1854/03 -, <Juris> Schließlich hat auch keinen vollstreckungsfähigen Inhalt eine Amtsblattverfügung (Allgemeinverfügung oder allgemeine Verwaltungsvorschrift?) mit technischen Vorschriften und Begriffsdefinitionen so entschieden vom Verwaltungsgericht Köln mit Urteil vom , - 25 K 1057/98 -, <Juris> Inhaltliche Bestimmtheit der Grundverfügung Die Grundverfügung muss inhaltlich hinreichend bestimmt sein (vgl. 37 Abs. 1 LVwVfG). Es muss eindeutig sein, welche Handlungspflicht erfüllt werden muss. Das Erfordernis hinreichender inhaltlicher Bestimmtheit eines Verwaltungsaktes bedeutet, dass aus der getroffenen Regelung für den Adressaten die Regelung, die den Zweck, Sinn und Inhalt des Ver-10 10 waltungsakts ausmacht, so vollständig, klar und unzweideutig erkennbar sein muss, dass dieser sein Verhalten danach richten kann (OVG NRW, Beschlüsse vom 16. Oktober B 1939/00 juris, und vom 11. Juni A 2485/89 -, NVwZ 1993, 1000). Es reicht (bei aktiven Handlungs- sowie bei Unterlassungspflichten) nicht aus, das Ziel der Verpflichtung zu bezeichnen, vielmehr muss auch die konkret zu treffende Maßnahme hinreichend deutlich werden. Eine Grundverfügung ist unbestimmt, wenn der Adressat nicht sicher erkennen kann, was er zur Vermeidung ihrer zwangsweisen Durchsetzung machen muss. 2.3 Wirksamkeit der Grundverfügung Begriff Ein Verwaltungsakt wird nach 43 Abs. 1 LVwVfG durch seine Bekanntgabe (vgl. 41 LVwVfG) wirksam. Nach 43 Abs. 2 LVwVfG bleibt er auch wirksam, solange und soweit er nicht aufgehoben wird oder sich erledigt hat. Nach 43 Abs. 3 LVwVfG ist nur der nichtige Verwaltungsakt unwirksam. vgl. BVerwG, Urteil vom , - 11 C 15/95 -, <Juris>: Die Wirksamkeit eines ordnungsgemäß aufgestellten oder angebrachten Verkehrszeichens hängt nicht von der subjektiven Kenntnisnahme des betroffenen Verkehrsteilnehmers ab. Das bedeutet, dass die Frage der Rechtmäßigkeit/Rechtswidrigkeit der Grundverfügung grundsätzlich keinen Einfluss auf die Wirksamkeit des Verwaltungsaktes hat. Daher ist auch der schlicht-rechtswidrige Verwaltungsakt wirksam und kann die Grundlage von Maßnahmen der Verwaltungsvollstreckung sein Bedeutung für Rechtsschutz gegenüber Vollstreckungsmaßnahmen Die Folge ist, dass nach hm jedenfalls im Rahmen des Rechtsschutzes gegenüber Verwaltungsvollstreckungsmaßnahmen die Rechtmäßigkeit des Grundverwaltungsaktes nicht zu prüfen ist, wenn die Grundverfügung bestandskräftig oder sofort vollziehbar ist (vgl. Verwaltungsgericht Bremen, Beschluss vom , - 5 V 1570/08 -, <Juris>, Rz. 46 mit weiteren Nachweisen). Gegenstand der Überprüfung ist dann nur der Vollstreckungsakt selbst, dem u.a. ein vollstreckbarer und wirksamer, aber nicht rechtmäßiger Grundverwaltungsakt zugrunde liegen muss.11 Maßgeblicher Zeitpunkt für die Wirksamkeit Die Wirksamkeit des Verwaltungsaktes muss im Zeitpunkt der Anwendung von Verwaltungszwang und bis zu dessen Abschluss andauern. Das gilt auch für die Anforderung von Kosten einer vorgenommenen Ersatzvornahme, die auch noch Teil der Zwangsmaßnahme ist (vgl. 24, 31 LVwVG und 8 LVwVGKO). beachte aber VGH Bad.-Württ., Beschluss vom , - 5 S 334/96 -, <Juris>, wonach die Anforderung der Kosten der Ersatzvornahme nicht mehr Teil des Verwaltungsvollstreckungsverfahrens ist und gegen sie gerichtete Rechtsmittel deshalb entgegen 12 LVwVG aufschiebende Wirkung haben, s. dazu auch Ziff.8.3. Deshalb führt auch die Anwendung der Zwangsmaßnahme (z.b. Anwendung der Ersatzvornahme) nicht zur Erledigung der Grundverfügung (vgl. 43 Abs. 2 LVwVfG: anderweitige Erledigung). Sondern sie bleibt Rechtsgrund für die durchgeführten Zwangsmaßnahmen Der Umstand, dass vom Vollstreckungsschuldner noch die Kosten einer Verwaltungsvollstrekkung gefordert werden können, steht der Annahme der Erledigung des vollstreckten Verwaltungsaktes entgegen, auch wenn die Vollstreckung nicht mehr rückgängig gemacht werden kann (VGH Bad.-Württ., Urteil vom , - 10 S 2350/07 -, <Juris>); kein Wegfall des Rechtsschutzinteresses. 2.4 Vollziehbarkeit der Grundverfügung Die Grundverfügung muss unanfechtbar geworden sein oder die aufschiebende Wirkung des Rechtsbehelfs (Widerspruch oder aber Anfechtungsklage) muss entfallen ( 2 LVwVfG) Die Unanfechtbarkeit der (belastenden) Grundverfügung tritt ein, wenn diese formell bestandskräftig wird. Dies ist regelmäßig der Fall, wenn sie mit Rechtsbehelfen nicht mehr angefochten werden kann, also wenn die Frist, gegen die Grundverfügung ein Rechtsmittel einzulegen (Widerspruch oder Klage), ungenutzt abgelaufen ist, vgl. 70, 74 in Verbindung mit 58 VwGO Rechtsmittel gegen die Grundverfügung endgültig erfolglos geblieben sind der Adressat der Grundverfügung auf Rechtsmittel verzichtet hat Sofortige Vollziehbarkeit Gem. 80 Abs. 1 VwGO haben Anfechtungswiderspruch und -klage grundsätzlich aufschiebende Wirkung. Die wichtigste Funktion dieser aufschiebenden Wirkung ist, dass sie die12 12 Vollstreckung des Verwaltungsaktes hindert, solange nicht über Widerspruch bzw. Klage entschieden worden ist. Hierdurch wird auch die Schaffung vollendeter Tatsachen verhindert. Der Gesetzgeber hat aber auch Ausnahmen von diesem Grundsatz zugelassen für typische Fälle, in denen die Vollziehbarkeit bzw. die Vollstreckbarkeit eines Verwaltungsakt von vornherein sehr starkes Gewicht hat (vgl. dazu 80 Abs. 2 Nr. 1 bis 3 VwGO). In diesen Fällen bleibt der Verwaltungsakt trotz Widerspruchs und Klage sofort vollziehbar und kann insoweit vollstreckt werden. 1) 80 Abs. 2 Nr. 1 VwGO: öffentliche Abgaben und Kosten Da es sich dabei um die Beitreibung von Geldforderungen und nicht um Verwaltungszwang handelt, wird diese Vorschrift nur kursorisch vorgestellt: öffentliche Abgaben Die Vorschrift will die umgehende Deckung des öffentlichen Finanzbedarfs sichern. Maßgeblich ist der Gegenstand der Anforderung. Darunter fallen Steuern, Gebühren und Beiträge mit Finanzierungsfunktion. Dazu zählen Mahngebühren, Stundungszinsen (vgl. 234 AO), Aussetzungszinsen ( 237 AO), Säumniszuschläge ( 240 AO, str.). vgl. OVG RP, Beschluss vom , NVwZ 1978, 64 zu Mahngebühren (+) und Säumniszuschlägen (-); BayVGH, Beschluss vom , NVwZ 1987, 63 zu Säumniszuschlägen (+) und Stundungszinsen (-); VGH Bad.-Württ., Beschluss vom S 2990/90 -, <Juris> zu Aussetzungszinsen (+) und Säumniszuschlägen (-); OVG NRW, Beschluss vom , - 11 B 2567/84 -, <Juris> zur Ablösung einer Stellplatzpflicht (-) öffentliche Kosten umfassen alle in einem Verwaltungsverfahren entstandenen Kosten und Abgaben nach im Voraus festgesetzten Tarifen. Darunter fallen aber nicht Kosten der unmittelbaren Ausführung einer Maßnahme (vgl. 8 PolG), Kosten der Ersatzvornahme ( 25, 31 LVwVG) oder Zwangsgelder ( 23 LVwVG). vgl. VGH Bad.-Württ., Beschluss vom , - 5 S 334/96 -, <Juris> zu den Kosten der Ersatzvornahme (-) bzw. Beschluss vom S 1925/06 -, <Juris> zu den Kosten für die Unterbringung von Tieren (-). 2) 80 Abs. 2 Nr. 2 VwGO: unaufschiebbare Maßnahmen und Anordnungen von Vollzugsbeamten Unter Polizeivollzugsbeamten sind solche im institutionellen Sinne gemeint, also die uniformierte Polizei des Landes (vgl. 59 Nr. 2 und 70 ff. PolG) sowie die gemeindlichen Voll-13 13 zugsbeamten ( 80 PolG). Es handelt sich um Maßnahmen, die ein sofortiges Tätigwerden gebieten (vgl. 60 Abs. 2 bis 4 PolG), insbesondere bei Gefahr im Verzuge. In diesen Fällen wäre die aufschiebende Wirkung widersinnig, weil sie den Zweck der Maßnahme vereiteln würde. Unter die Regelung fallen auch Verkehrszeichen, sofern sie unaufschiebbaren Inhalt haben Bsp.: Halteverbot, Überholverbot, Umleitungen (vgl. zu Verkehrszeichen auch BVerwG, Urteil vom , - 11 C 15/95 -, <Juris>) beachte aber: der Aufstellung von Verkehrszeichen muss eine verkehrsrechtliche Anordnung der zuständigen Straßenverkehrsbehörde zugrunde liegen. Bauunternehmer sind nicht befugt, ein Verkehrsverbot für Fahrzeuge aller Art durch Aufstellen von Verkehrszeichen zu erlassen, vgl. BVerwG, Urteil vom , - VII C , <Juris> 3) 80 Abs. 2 Nr. 3 VwGO: kraft gesetzlicher Regelung im Bundes- oder Landesrecht Voraussetzung ist, dass eine gesetzliche Regelung ausdrücklich bestimmt, dass Widerspruch und Klage keine aufschiebende Wirkung zukommt. Das Gesetz bewertet in diesen Fällen das öffentliche Interesse an der sofortigen Vollziehbarkeit des Verwaltungsaktes von vornherein höher als das private Interesse an der aufschiebenden Wirkung. Bundesrecht Landesrecht: 84 Abs. 1 AufenthG (Ausreisepflicht nach 450 AufenthG) nach Ablehnung der Erteilung/Verlängerung einer Aufenthaltserlaubnis 75 AsylVfG (Abschiebungsandrohung bei Ablehnung des Asylantrages) 212a BauGB (bei Rechtsbehelf des Nachbarn gegen die erteilte Baugenehmigung) Sämtliche Rechtsbehelfe im Wehrdienst-, Zivil oder auch Beamtenrecht 1, 12 LVwVG bei Maßnahmen der Verwaltungsvollstreckung 4) 80 Abs. 2 Nr. 4 in Verbindung mit Abs. 3 VwGO: Anordnung der sofortigen Vollziehung durch die Behörde In diesen Fällen gilt zwar der Grundsatz nach 80 Abs. 1 VwGO, die Behörde kann jedoch im Einzelfall durch besondere Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit der Grundverfügung den Eintritt der aufschieb. Wirkung verhindern. Dies kann geboten sein, wenn sonst der Zweck der Grundverfügung zumindest für die Dauer eines Rechtsbehelfsverfahrens vereitelt würde14 14 Entziehung der Fahrerlaubnis, Ausweisung eines Ausländers, Anordnung des Abbruchs eines einsturzgefährdeten Bauwerks, Stilllegung eines Betriebes mit gefährlichen Emissionen 5) Rechtsschutz gegenüber dem Sofortvollzug eines Verwaltungsaktes bieten 80 Abs. 5 bis 8 und 80a VwGO (s. dazu Ziff. 8.3). 2.5 Das Fehlen von Vollstreckungshindernissen (= Vollzugshindernissen) Da die Verwaltungsvollstreckung den Zweck hat, den (Nichtbefolgungs-) Willen des Pflichtigen zu brechen, stehen dem Verwaltungszwang Umstände entgegen, die nicht vom Willen des Pflichtigen abhängen. Dabei kann es sich um rechtliche oder tatsächliche Hindernisse handeln Rechtliche Vollstreckungshindernisse nachträglicher Wegfall von Vollstreckungsvoraussetzungen Die Vollstreckung ist nicht zulässig, wenn die Voraussetzungen für die Verwaltungsvollstrekkung (nachträglich) entfallen, insbesondere die Vollziehbarkeit/Unanfechtbarkeit des Grundverwaltungsaktes; dazu zählt auch die Aufhebung des Grundverwaltungsaktes im Rahmen des Rechtsschutzes (durch Wiedereinsetzung in eine versäumte Widerspruchs- oder Klagefrist; durch Aussetzung der sofortigen Vollziehung oder Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung nach 80 Abs. 4 und 5 VwGO). entgegenstehende Rechte Dritter Darunter fallen solche Rechte Dritter, die der Erfüllung der Grundverfügung durch den Pflichtigen entgegen stehen können. Dabei kann es z.b. um (Mit-) Eigentums- oder Besitzrechte Dritter gehen. Zwar stehen Rechte Dritter dem Erlass einer Grundverfügung idr nicht entgegen z.b. eine baurechtliche Beseitigungsanordnung, vgl. dazu BVerwG, Urteil vom , - IV C ("die der Beseitigung [des Bauwerks] entgegenstehenden Rechte [von Miterben in ungeteilter Erbengemeinschaft] berühren nicht die Rechtmäßigkeit der Abbruchverfügung, sondern allein ihre Durchsetzbarkeit"). Die Grundverfügung regelt nur das öffentlich-rechtliche Rechtsverhältnis zwischen der Behörde und dem Adressaten des Verwaltungsaktes und legt allein diesem eine öffentlichrechtlich Verpflichtung auf. Die Verpflichtung ergeht "unbeschadet der Rechte Dritter". Die Rechte Dritter können aber die Möglichkeit des Pflichtigen einschränken, die Grundverfügung freiwillig zu erfüllen. Sie stellen ein Vollstreckungshindernis dar und müssen von der Vollstreckungsbehörde vor Einleitung der Vollstreckung ausgeräumt werden.15 15 Dies geschieht regelmäßig durch den Erlass einer (vollziehbaren) Duldungsanordnung gegenüber dem Dritten (vgl. VG Halle, Beschluss vom , - 4 B 357/06 -, <Juris>; OVG Lüneburg, Urteil vom , - 6 A 95/85 -, <Juris> und dem nachfolgend BVerwG, Urteil vom , - 4 C 16/85 -, <Juris> am Ende). Beispiele: Zwangsweise Durchsetzung einer Anordnung zum Abbruch eines - verpachteten - illegalen Pferdestalles (Dritter ist also der Pächter); OVG NRW, Beschluss vom , - 7 B 1795/08 -, <Juris> Abbruchsanordnung, vgl. Saarl. OVG, Urteil vom , - 2 R 9/01 - mit weiteren Nachweisen, <Juris> Durch die Duldungsanordnung wird der Dritte verpflichtet, die zwangsweise Durchsetzung des Gebotes hinzunehmen. Kein Vollstreckungshindernis besteht dagegen dann, wenn der Pflichtige dem Dritten die (Mit-) Berechtigung (z.b. den Besitz) erst nach Erlass der Grundverfügung eingeräumt hat vgl. BayVGH, Beschluss vom , 1 14 AS , <Juris>: Einräumung des Besitzrechts an den Ehegatten erst nach Ergehen der Beseitigungsanordnung entgegenstehende eigene Rechte Vollzugshindernisse können auch darin liegen, dass der Pflichtige der Vollstreckung eigene Rechte oder Ansprüche entgegen setzen kann. Die Verpflichtung zur Vorlage von Geschäftsbüchern entfällt, wenn über das Vermögen des Betriebs das Insolvenzverfahren eröffnet wurde Duldungen (Aussetzung von Abschiebungen von vollziehbar ausreisepflichtigen Ausländern), vgl. Verwaltungsgericht Hamburg, Urteil vom , 11 VG 5161/02 -, <Juris> sonstige Zusagen, die Grundverfügung für einen bestimmten Zeitraum nicht zwangsweise durchzusetzen (vgl. dazu Verwaltungsgericht Köln, Beschluss vom , - 13 K 483/08 -, <Juris>, hier: keine wirksame Aussetzung; vgl. aber weiter VGH Bad.-Württ., Urteil vom , - 5 S 2180/99 -, <Juris>) ein Anspruch auf Befreiung vom Anschlusszwang an eine öffentliche Abwasseranlage steht deren zwangsweiser Durchzusetzung rechtlich entgegen. Denn der Inhaber eines Befreiungsanspruches kann dann nicht nur die Freistellung vom Zwang, sondern auch die Freistellung vom Vollzug des Zwanges verlangen und dies auch schon vor der Entscheidung über die Befreiung (vgl. VG Cottbus, Beschluss vom , - 6 L 325/07 -, <Juris>) Vollzugshindernisse in Bezug auf den Vollstreckungszweck Der Vollstreckungszweck kann nachträglich entfallen oder es kann sich herausstellen, dass er überhaupt nicht mehr erreicht werden kann. In diesen Fällen ist die Fortsetzung der Vollstreckung ebenfalls ausgeschlossen und das Verfahren ist nach 11 LVwVG einzustellen.16 16 Wegfall des Vollstreckungszwecks Herausnahme eines Grundstücks aus einer Landschaftsschutzgebiets-VO; eine auf der VO beruhende Verpflichtung kann nicht mehr durchgesetzt werden Pflicht zur Beseitigung von Schnee auf Dächern (Gefahr von Dachlawinen); nach Schmelzen des Schnees lässt sich die Anordnung nicht mehr durchsetzen Erfüllung der Handlungspflicht Ein (rechtliches und) tatsächliches Vollzugshindernis stellt natürlich der Umstand dar, dass der Pflichtige der Handlungspflicht bereits nachgekommen ist, der Zweck der Vollstreckung also auch ohne (weitere) Vollstreckungsmaßnahmen bereits erreicht worden ist. Hier gebietet 11 LVwVG in jeder Phase des Vollstreckungsverfahrens die Einstellung. vgl. HessVGH, Beschluss vom , - 3 TH 2470/94 -, <Juris> mit der Maßgabe, dass bei der Durchsetzung einer Unterlassenspflicht der Vollzugszweck erst dann erreicht ist, wenn keine Widerholungsgefahr mehr besteht. Ungeeignetheit des Verwaltungszwanges Gleiches gilt, wenn sich herausstellt, das der Zweck der Vollstreckung überhaupt nicht mehr erreicht werden kann, weil der Wille des Pflichtigen nicht mehr beeinflussbar ist der Pflichtige zeigt sich von jeglicher Vollstreckungsmaßnahme völlig unbeeindruckt; hier wäre die Fortsetzung der Verwaltungsvollstreckung durch Anwendung von Zwangsgeld ab einem bestimmten Punkt auch unverhältnismäßig (Geeignetheit), bei vertretbaren Handlungen könnte aber eine Ersatzvornahme in Betracht kommen andere Vollstreckungshindernisse Tatsächliche Hindernisse Soweit der Pflichtige aus tatsächlichen Gründen der Verpflichtung nicht nachkommen kann (ohne dass ein Fall der Nichtigkeit nach 44 Abs. 2 Nr. 4 LVwVfG vorliegt), ist die Behörde an der Fortführung des Verwaltungszwangs gehindert. Ggfs. muss sie das Hindernis ausräumen. Abschiebung eines abgelehnten und vollziehbar ausreisepflichtigen ehemaligen Asylbewerbers, der über keine Einreisedokumente für den Abschiebezielstaat verfügt (vgl. BVerwG, Urteil vom , - 1 C 3/97 -, <Juris>) Erledigung des Grundverwaltungsaktes In diesen Fällen ist der Gegenstand des Grundverwaltungsaktes aufgrund nachträglich eingetretener Umstände erledigt. Ein festgesetztes Zwangsgeld darf nicht mehr beigetrieben werden, wenn die hierdurch zu erzwingende Handlung oder Unterlassung auf einem befristeten Gebot oder Verbot beruht und17 17 die Frist inzwischen verstrichen ist (VGH Bad.-Württ., Beschluss vom , - 1 S 2856/95, <Juris> Rz 16). 3. Die formellen Vollstreckungsvoraussetzungen 3.1 Überblick Die formellen Voraussetzungen umfassen die Zuständigkeit der Behörde, die zu beachtenden Verfahrensvorschriften sowie die Form der Vollstreckungsmaßnahme, soweit sie in der Form eines Verwaltungsaktes vorgenommen wird (vgl. dazu Ziff ) 3.2 Zuständigkeit Vollstreckungsbehörde Nach 4 LVwVG vollstreckt jede Behörde die eigenen Verwaltungsakte selbst und wird dann als sog. Vollstreckungsbehörde tätig. Aufgrund von 4 Abs. 2 LVwVG hat das Innenministerium Baden-Württemberg für den Bereich der Landesverwaltung eine "Verordnung über die Bestimmung der für die Vollstreckung nach dem Landesverwaltungsvollstreckungsgesetz zuständigen Vollstreckungsbehörden" vom , zuletzt geändert mit Verordnung vom (GBl. S. 252) erlassen, mit der die die Zuständigkeit der Landesbehörden in Beitreibungssachen (Geldforderungen) auf die zuständigen Kassen bzw. auf das LBV übertragen werden. Vollstreckungsbeauftragter Der Bedienstete, der mit der Wahrnehmung einzelner Vollstreckungshandlungen nach außen hin betraut wird, ist der Vollstreckungsbeauftragte (vgl. 5 LVwVG). Die Ermächtigung hat schriftlich zu erfolgen und ist auf Verlangen des Pflichtigen oder des Dritten auch vorzuweisen. Besondere Zuständigkeiten des Verwaltungsgerichts Bestimmte Maßnahmen im Rahmen der Verwaltungsvollstreckung darf der Vollstreckungsbeamte nur bzw. oder erst aufgrund einer Anordnung durch das Verwaltungsgericht treffen. Dies betrifft die Durchsuchung von Wohnungen u. ä gegen den Willen des Pflichtigen (vgl. 6 Abs. 2 LVwVG) sowie die Anordnung der Zwangshaft und die Ausstellung des Haftbefehls bei Uneinbringlichkeit des Zwangsgeldes (vgl. 24 LVwVG). Vollstreckt wird die Zwangshaft wiederum von der Justizverwaltung ( 24 Abs. 3 LVwVG).18 18 Vollstreckungshilfe 4 Abs. 3 LVwVfG enthält eine Verpflichtung aller Behörden, sich gegenseitig im Falle von Vollstreckungsverfahren Amtshilfe (sog. Vollstreckungshilfe) nach den 4-8 LVwVfG zu leisten. Hinzuziehung des Polizeivollzugsdienstes Leistet der Pflichtige gegen Maßnahmen des Vollstreckungsbeamten Widerstand, so kann der Vollstreckungsbeamte diesen mit Gewalt brechen. Hierbei kann er die Unterstützung des Polizeivollzugsdienstes anfordern ( 7 LVwVG). 3.3 Wichtige Verfahrensvorschriften Das Vollstreckungsverfahren ist in jeder Stufe grundsätzlich auf den Erlass eines Verwaltungsaktes gerichtet, weil die verschiedenen Vollstreckungsmaßnahmen in ihrer Auswirkung auf den Pflichtigen bzw. den Dritten als Verwaltungsakt wirkt und auch so behandelt wird (zu Ausnahmen s. Ziff ). Danach ist das Vollstreckungsverfahren auch ein Verwaltungsverfahren im Sinne des 9 LVwVfG. Das LVwVG regelt selbst in vielfacher Hinsicht das Verfahren, insbesondere die Gewährung von rechtlichem Gehör bzw. den Verzicht darauf oder besondere Anforderungen an die (Schrift-) Form. Soweit Verfahrensvorschriften fehlen, muss auf die allgemeinen Regelungen des LVwVfG zurück gegriffen werden Allgemeine Verfahrensvorschriften 1) Form Schriftform Verschiedene Maßnahmen bedürfen der Schriftform, so die Erteilung des Vollstreckungsauftrages ( 5 Abs. 2 LVwVG), die Erlaubnis zur Vollstreckung nach 9 Abs. 1 LVwVG, die Androhung von Zwangsmitteln ( 20 LVwVG), bei der Festsetzung des Zwangsgeldes ( 23 LVwVG). Niederschrift Nach 10 LVwVG soll über jede Vollstreckungshandlung, die nicht schriftlich erfolgt, eine Niederschrift aufgenommen werden. Dieser Niederschrift kommt die Beweiskraft einer öffentlichen Urkunde zu, d.h. sie trägt den Beweis der Echtheit in sich ( 437 ZPO). Hinzuziehung von Zeugen Nach 8 LVwVG muss unter den dort geregelten Voraussetzungen (Widerstand gegen Vollstreckungshandlungen oder Vollstreckung in geschützten Räumen in Abwesenheit des Pflichtigen) ein Erwachsener als Zeuge hinzugezogen werden.19 19 2) Rechtliches Gehör Eine vorherige Anhörung des Pflichtigen ist nach 28 Abs. 2 Nr. 5 LVwVfG zwar grundsätzlich nicht geboten, allerdings verlangt das LVwVG etwa vor der Festsetzung von Zwangsgeld ( 24 Abs. 1 LVwVG) ausdrücklich die vorherige Anhörung des Betroffenen. 3) Fristen Die Anwendung von Verwaltungszwang soll den Pflichtigen veranlassen, die ihm auferlegte Verpflichtung freiwillig zu erbringen, sie soll also seinen entgegen stehenden Willen brechen. Dazu muss ihm in allen Stufen des Verwaltungszwangsverfahrens grundsätzlich jeweils eine angemessene Abwendungfrist eingeräumt werden. Allgemein ist dies für die Androhung von Zwangsmitteln nach 20 Abs. 1 S. 2 LVwVG vorgeschrieben (vgl. des weiteren auch 27 Abs. 3 LVwVG) Besondere Verfahrensvorschriften 1) Vollstreckungsschuldner (Pflichtiger) Vollstreckungsschuldner ist diejenige natürliche oder juristische Person, gegen die sich die Anwendung von Verwaltungszwang richten darf. Das LVwVG enthält keine Regelung über den Vollstreckungsschuldner, sondern setzt voraus, dass es sich dabei um den Adressaten der belastenden und vollstreckungsfähigen Grundverfügung handelt. Daher richtet sich die Frage, wer Vollstreckungsschuldner ist, primär nach dem materiellen Recht, welches der Grundverfügung zugrunde liegt (z.b. ist Adressat der Störer nach 6, 7 PolG). Gegen Behörden oder juristische Personen des ö.r. darf nur aufgrund einer ausdrücklichen gesetzlichen Ermächtigung vollstreckt werden. Praktisch dürfte dies aber nur im Rahmen der Beitreibung von Geldforderungen werden. Bei der Durchsetzung von Handlungspflichten fehlt es meist schon an der Ermächtigung, den Grundverwaltungsakt zu erlassen. Beispiel für eine Ermächtigung im Bundesrecht: 17 Finanzdienstleistungsaufsichtsgesetz - FinDAG, das die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht auch ermächtigt, Zwangsmittel nach dem VwVG gegen juristische Personen des ö.r. (etwa öffentlich-rechtliche Banken) anzuwenden Dagegen sind z.b. die allgemeinen Eringriffsermächtigungen nach 17 und 24 BImschG keine Bestimmung zur Ermächtigung von Verwaltungszwang gegenüber Hoheitsträgern, vgl HessVGH, Beschluss vom , - 14 TG 3967/95 -, <Juris> Bestehen materielle Ermächtigungen, so ist zu berücksichtigen, dass juristische Personen des ö.r. selbst keine Grundrechtsträger sind, so dass etwa eine richterliche Durchsuchungsanordnung nach Art. 13 GG nicht erforderlich ist.20 20 vgl. Verwaltungsgericht Frankfurt, Beschluss vom , 7 M 2082/97 -, juris Wie schon ausgeführt, kann ein Vollstreckungsschuldner aber auch ein (mitberechtigter) Dritter sein, der die Vollstreckungsmaßnahme zu dulden hat. 2) Vollstreckung gegen den Rechtsnachfolger Das LVwVG enthält in 3 LVwVG aber eine Regelung über die Vollstreckung gegen den Rechtsnachfolger des Vollstreckungsschuldners. Als Rechtsnachfolge bezeichnet man den Übergang von bestehenden Rechten und Pflichten einer Person auf eine andere ( Rechtsnachfolger ). Dabei kann es sich nicht um höchstpersönliche Rechte handeln, also um solche, die nur der Rechtsvorgänger innehaben konnte. Beispiele für höchstpersönliche Rechte: Ehe, Arbeitserlaubnis, Fahrerlaubnis, Asylberechtigung, Anerkennung als Kriegsdienstverweigerung etc. Die Rechtsnachfolge kann auf vertraglicher Vereinbarung beruhen oder gesetzlich vorgeschrieben sein. Man unterscheidet: Einzelrechtsnachfolge: die Rechtsnachfolge hinsichtlich eines bestimmten einzelnen Gegenstandes oder Rechtes. Bei der Übertragung von Vermögenswerten müssen daher für jede Sache, jedes Recht und jede Verpflichtung jeweils die Voraussetzungen erfüllt sein. Beispiel: Der Käufer eines vermieteten Hauses tritt von Gesetzes wegen in den Mietvertrag ein. Er ist der neue Vermieter. Die Regelungen des alten Mietvertrages gelten jetzt für ihn. Der Käufer ist nur Nachfolger in Bezug auf das eine Rechtsverhältnis aus dem Mietvertrag Gesamtrechtsnachfolge: Der Rechtsnachfolger tritt in alle Rechte und Pflichten seines Vorgängers ein. Der Erbe ist der Nachfolger des Erblassers. Sämtliche Rechtsverhältnisse (bis auf die höchstpersönlichen wie z. B. Arbeitsverhältnis oder Ehe) gehen auf den Erben über. Bei der Transformation von Unternehmen kommt es nach dem Umwandlungsgesetz zu einer Gesamtrechtsnachfolge des übernehmenden Rechtsträgers nach dem übertragenden Rechtsträger. 3 LVwVG lässt Einleitung oder Fortsetzung der Vollstreckung gegen den Rechtsnachfolger zu, wenn die Voraussetzungen auch ihm gegenüber vorliegen: die Grundverfügung muss ihn in Bezug auf das übernommene Recht erfassen die Abbruchsverfügung gegen den früheren Eigentümer eines Grundstücks wirkt auch gegen den Rechtsnachfolger (hier: den neuen Eigentümer kraft Zuschlags in der Zwangsversteigerung), vgl. VGH Bad.-Württ., Urteil vom , - III 3228/78 -, <Juris> Mehr anzeigen
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