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Timestamp: 2016-10-25 13:50:56
Document Index: 76743086

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 106', 'BGE', 'Art. 42', 'BGE', 'Art. 99', 'Art. 8', 'Art. 18', 'Art. 16', 'BGE', 'Art. 65', 'Art. 66']

8C_907/2011 (30.07.2012)
8C_907/2011
Recht, 8081 Z�rich
N.________, vertreten durch Procap f�r Menschen mit Handicap,
Unfallversicherung (Rente; Invalideneinkommen),
Die 1952 geborene N.________ war seit 1996 als ausgebildete Krankenschwester in der Klinik R.________ t�tig und dadurch bei der Helsana Versicherungen AG (Helsana) u.a. gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Am 2. Juli 2005 versp�rte sie beim Anheben eines Patienten einen einschiessenden Schmerz im Oberarm/Schultergelenk. Mittels Arthroskopie wurde eine inkomplette Ruptur der langen Bicepssehne sowie eine Verletzung der Rotatorenmanschette festgestellt und rekonstruiert. Die Helsana anerkannte ihre Leistungspflicht und �bernahm neben der Heilbehandlung und Taggeldleistungen die Kosten f�r einen sechs Monate dauernden Kurs am Lehrinstitut Y.________. Die Versicherte schloss diesen mit einem Diplom ab. Mit Verf�gung vom 9. Februar 2010 sprach die Unfallversicherung N.________ mit Wirkung ab 1. September 2008 eine Invalidenrente von 32 % zu. Auf Einsprache hin korrigierte die Helsana die H�he des Rentenanspruchs auf 33 % (Einspracheentscheid vom 12. Juli 2010).
Die hiegegen angehobene Beschwerde hiess das Versicherungsgericht des Kantons Aargau in Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids teilweise gut und sprach der Versicherten eine Rente basierend auf einem Invalidit�tsgrad von 48 % zu (Entscheid vom 29. September 2011).
Die Helsana f�hrt Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten und beantragt die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
W�hrend N.________ auf Abweisung der Beschwerde schliessen l�sst und anf�gt, das Gesuch um aufschiebende Wirkung der Beschwerde sei nicht begr�ndet, verzichtet das Bundesamt f�r Gesundheit auf eine Vernehmlassung.
1.1 Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann wegen Rechtsverletzung gem�ss Art. 95 f. BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist folglich weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erw�gungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann eine Beschwerde mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begr�ndung abweisen (vgl. BGE 132 II 257 E. 2.5 S. 262; 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Immerhin pr�ft es, unter Ber�cksichtigung der allgemeinen Begr�ndungspflicht der Beschwerde (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG), grunds�tzlich nur die geltend gemachten R�gen, sofern die rechtlichen M�ngel nicht geradezu offensichtlich sind. Es ist jedenfalls nicht gehalten, wie eine erstinstanzliche Beh�rde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu untersuchen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen wurden (BGE 133 II 249 E. 1.4.1 S. 254).
Die letztinstanzlich erstmals aufgelegten Inserate �ber offene Stellen im Gesundheitswesen stellen unzul�ssige Nova im Sinne von Art. 99 Abs. 1 BGG dar. Die Beschwerdef�hrerin legt nicht dar, weshalb diese nicht bereits im kantonalen Verfahren eingereicht wurden, weshalb sie letztinstanzlich unbeachtlich bleiben.
Streitgegenstand bildet die H�he der Invalidenrente, wobei einzig zu pr�fen ist, von welchem Invalideneinkommen bei der Ermittlung des Invalidit�tsgrades auszugehen ist. Unbestritten - und f�r das Bundesgericht daher verbindlich (vgl. E. 1.1 hievor) - sind demgegen�ber letztinstanzlich die medizinische Beurteilung der Arbeitsf�higkeit und die Bestimmung des Einkommens, welches die Beschwerdegegnerin ohne Gesundheitssch�digung erzielen w�rde (Valideneinkommen).
Das kantonale Gericht hat die massgebenden Bestimmungen und Grunds�tze zum Begriff der Invalidit�t (Art. 8 Abs. 1 ATSG), zum Anspruch auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung (Art. 18 Abs. 1 UVG) und zur Bemessung der Invalidit�t bei Erwerbst�tigen nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG), namentlich bei Verwendung der Tabellenl�hne gem�ss den vom Bundesamt f�r Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 S. 475), zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
5.1 Zur Bemessung des Invalideneinkommens stellte die Vorinstanz auf die Zahlen der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes f�r Statistik 2008 ab. Dabei ging sie vom monatlichen Bruttolohn (inkl. 13. Monatslohn, basierend auf einer w�chentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden) f�r weibliche Arbeitskr�fte an Arbeitspl�tzen im Gesundheits- und Sozialwesen auf dem niedrigsten Anforderungsniveau 4 (Verrichtung einfacher und repetitiver Arbeiten) von Fr. 4'547.- aus (Tabelle TA1 der LSE 2008). Aufgerechnet auf die durchschnittliche betriebs�bliche Arbeitszeit von 41,6 Stunden pro Woche im Jahre 2008 (Die Volkswirtschaft 12/2010 S. 90 Tabelle B 9.2) ergab dies unter Ber�cksichtigung der unbestrittenen zumutbaren Arbeitsf�higkeit von 30 Wochenstunden und einem Abzug von 5 % ein Invalideneinkommen von Fr. 38'877.-; verglichen mit dem Valideneinkommen von Fr. 75'002.- somit einen Invalidit�tsgrad von 48 %.
5.2 Die Beschwerde f�hrende Unfallversicherung erachtet die statistischen Durchschnittswerte gem�ss Anforderungsniveau 3 im Gesundheits- und Sozialwesen - unter Ber�cksichtigung eines Pensums von 75 % und eines Abzuges vom statistischen Tabellenlohn von 5 % - als massgebend. Umstritten ist daher vorliegend einzig, ob bei der Ermittlung des hypothetischen Invalideneinkommens das Anforderungsniveau 3 oder 4 heranzuziehen ist.
6.1 Als diplomierte Krankenschwester war die Versicherte seit 1996 in der Klinik R.________ t�tig. Gem�ss unbestrittenem Resultat der orthop�dischen Begutachtung durch Dr. med. M.________ des Instituts A.________ vom 30. November 2009 ist ihr allein wegen der unfallbedingten Beschwerdesymptomatik im Bereiche der rechten oberen Extremit�t eine T�tigkeit als Pflegefachfrau zu 100 % nicht mehr zumutbar. M�glich sind noch Arbeiten unter der Horizontalen mit einer Gewichtslimite unter 5 kg und bei Ber�cksichtigung von notwendigen Ruhepausen, insgesamt w�hrend sechs Stunden t�glich. Damit steht ein breites Spektrum von Besch�ftigungsm�glichkeiten offen. Die Versicherte kann sich �ber eine grosse berufliche Erfahrung ausweisen. Sie hatte nach dem Abitur die Ausbildung zur Krankenschwester gemacht und in diesem Beruf auch verschiedene Weiterbildungskurse absolviert. Nach dem Unfall erlangte sie ausserdem ein Handelsdiplom. Auch wenn dieses mit der Vorinstanz nicht mit einer eigentlichen kaufm�nnischen Lehre gleichzusetzen ist, bietet diese Ausbildung doch die M�glichkeit, die fundierten Kenntnisse im Gesundheitswesen vermehrt auch im administrativen Bereich anzuwenden.
6.2 Die gesamten Umst�nde sprechen daf�r, dass der Versicherten auch unter Ber�cksichtigung der gesundheitlichen Beeintr�chtigungen grunds�tzlich ein gen�gend breites Feld von erwerblichen T�tigkeiten auf dem Anforderungsniveau 3 offensteht. Dieses steht definitionsgem�ss f�r T�tigkeiten, in denen Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt werden. Eine auf Niveau 3 t�tige Person muss sich �ber qualifiziertere Fachkenntnisse ausweisen k�nnen (8C_990/2010 vom 16. M�rz 2011 E. 4.2.5). Solche sind bei der Versicherten unbestreitbar vorhanden. Sie kann sich im Gesundheitswesen �ber Fachwissen ausweisen und verf�gt dar�ber hinaus auch noch �ber jahrelange Berufserfahrung. In der Beschwerde werden verschiedene letztinstanzliche Urteile angef�hrt, in welchen das Bundesgericht die Bestimmung des Invalideneinkommens einer Krankenschwester in Anwendung des Anforderungsniveaus 3 gesch�tzt hat. Davon ist auch vorliegend nicht abzuweichen. Es gibt keinen Grund, warum die Versicherte ihre beruflichen Kenntnisse und ihre Erfahrung trotz des Gesundheitsschadens an der Schulter nicht weiterhin anwenden k�nnte. Soweit das kantonale Gericht anf�hrt, die Versicherte verf�ge �ber keinen F�higkeitsausweis als medizinische Praxisassistentin (MPA) bleibt anzuf�gen, dass ihr nicht nur spezifische Stellen als MPA offen stehen. Auf dem allgemeinen offenen Arbeitsmarkt gibt es Stellen, in denen die Berufs- und Fachkenntnisse einer gelernten Krankenschwester mit einer spezifischen kaufm�nnischen Weiterbildung auch ohne Einsatz der rechten oberen Extremit�t �ber der Horizontalen gefragt sind. Die Unfallversicherung ist daher zu Recht von den Verdienstm�glichkeiten auf dem entsprechenden Niveau ausgegangen. Die Beschwerde ist begr�ndet.
Mit dem heutigen Urteil wird das Gesuch um aufschiebende Wirkung der Beschwerde gegenstandslos.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 BGG). Die Gerichtskosten werden dem Prozessausgang entsprechend der Beschwerdegegnerin auferlegt (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG).
Die Beschwerde wird gutgeheissen und der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 29. September 2011 aufgehoben.