Source: https://www.jura.fu-berlin.de/studium/lehrplan/projekte/hauptstadtfaelle/faelle/grundrechte/Schwimmunterricht/index.html
Timestamp: 2020-07-05 06:57:04
Document Index: 348743298

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 41', '§ 45', '§ 46', '§ 5', 'Art. 135']

Schwimmunterricht • Projekt: Hauptstadtfälle • Fachbereich Rechtswissenschaft
Melek Mözil (M), die kleine Schwester von Mesut Mözil, ist 14 Jahre alt und Muslima. Sie besucht das Jochen-Löwe-Gymnasium in Berlin-Mitte (Wedding), von wo sie regelmäßig Bestnoten mit nach Hause bringt. Der Schwimmunterricht, der dort in der 8. Klasse stattfindet, ist koedukativ ausgestaltet: Mädchen und Jungen nehmen gemeinsam am Unterricht teil. Zwar sieht sich M durch ihren Glauben nicht daran gehindert, Sport zu treiben. Im Gegenteil sei dies erwünscht. Den Sportunterricht besucht sie in langer Hose und langärmeligem Hemd. An einem gemeinsamen Schwimmunterricht hingegen könne sie nicht teilnehmen, ohne gegen die islamischen Bekleidungsvorschriften zu verstoßen, die sie für verbindlich ansieht. Es sei ihr auch nicht zumutbar, mit dem Anblick von Angehörigen des anderen Geschlechts konfrontiert zu werden, die nicht den Vorgaben ihres Glaubens entsprechend bekleidet seien und mit denen sich Berührungen nicht vermeiden ließen. Im Übrigen sei Schwimmunterricht ohnehin nicht so wichtig.
M beantragt daher, aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen zu müssen. Die Schule lehnt den Antrag jedoch ab. Zwar sei schon fraglich, ob sie das Kopftuch überhaupt freiwillig trage, so der Schulleiter, jedenfalls aber könne M in einer ihren Glaubensvorstellungen entsprechenden Bekleidung am Unterricht teilnehmen.
M lehnt es jedoch ab, einen weit geschnittenen Burkini zu tragen. Solch ein Schwimmanzug, der aus schwimmtauglichen Stoff gefertigt ist, bedeckt den gesamten Körper bis auf Hände und Gesicht. Doch auch hierin, gibt M an, seien bei bestimmten Bewegungen noch Körperkonturen sichtbar und sie wäre besonders stark intolerantem Verhalten der Mitschüler ausgeliefert.
Nach einem erfolglosem Widerspruchsverfahren gaben das Verwaltungsgericht Berlin und das OVG Berlin-Brandenburg der Klage der M zunächst statt, doch in letzter Instanz vor dem Bundesverwaltungsgericht wurde dem Land Berlin Recht gegeben. Es liege auch unter Berücksichtigung der Religionsfreiheit der M kein besonderer Grund vor, um sie vom Unterricht zu befreien.
M erhebt Verfassungsbeschwerde gegen alle in der Sache ergangenen Urteile. Wird diese Erfolg haben?
§ 3 Schulgesetz Berlin (SchulG Bln) – Bildungs- und Erziehungsziele
9. ihr zukünftiges privates, berufliches und öffentliches Leben in Verantwortung für die eigene Gesundheit und die ihrer Mitmenschen auszugestalten, Freude am Leben und am Lernen zu entwickeln sowie die Freizeit sinnvoll zu nutzen.
§ 41 SchulG Bln – Grundsätze
§ 45 SchulG Bln
(1) Nimmt eine schulpflichtige Schülerin oder ein schulpflichtiger Schüler ohne berechtigten Grund nicht am Unterricht teil oder ..., entscheidet die zuständige Schulbehörde im Benehmen mit der Schulleiterin oder dem Schulleiter oder die mit der Untersuchung beauftragte Stelle über die Zuführung durch unmittelbaren Zwang.
§ 46 SchulG Bln
(5) Schülerinnen und Schüler können aus wichtigem Grund auf Antrag vom Unterricht beurlaubt oder von der Teilnahme an einzelnen Unterrichts- oder Schulveranstaltungen befreit werden. [...]
§ 5 Gesetz über die religiöse Kindererziehung (RelKErzG)
Art. 135 Weimarer Reichsverfassung (WRV)
Schwimmunterricht Lösungsvorschlag (pdf)
Schwimmunterricht Sachverhalt (pdf)
Schwimmunterricht Kurzlösung
Schwimmunterricht Lösungsvorschlag