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Timestamp: 2020-01-18 15:04:06
Document Index: 204324134

Matched Legal Cases: ['§ 5', 'Art 1', 'Art 20', '§ 1361', '§ 27', '§ 16', '§ 1', '§ 43', '§ 12', '§ 21', '§ 21', '§ 11', '§ 68', '§ 5', '§ 11', '§ 11']

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Aufforderung zur Stellung eines Rentenantrags nach § 5 Abs. 3 S. 1 SGB II – Nichtvorliegen von Unbilligkeit – UnbilligkeitsV ist abschließend – Ermessensausübung (hier: fehlerfreie Ermessensentscheidung bejaht)
1. 2 BSG, Urteil vom 19.08.2015 – B 14 AS 43/14 R
Grundsicherung für Arbeitsuchende – Einkommensberücksichtigung – Zinsgutschrift auf Bausparkonto – fehlende Kündigung des Bausparvertrags – keine bereiten Mittel
1. Die Verweigerung existenzsichernder Leistungen aufgrund der Annahme, dass die Hilfebedürftigkeit bei bestimmtem wirtschaftlichen Verhalten – hier der vorzeitigen Kündigung des Bausparvertrags – (teilweise) abzuwenden gewesen wäre, ist mit Art 1 GG iVm Art 20 GG nicht vereinbar.
1. 3 BSG, Urteile vom 19.08.2015 – B 14 AS 13/14 R u. B 14 AS 14/14 R
Steht ein mietähnlicher Charakter der Nutzungsentschädigung fest, ist sie in vollem Umfang den Unterkunftskosten zuzurechnen ist (vgl. SG Dresden, Urteil vom 30.05.2011 – S 3 AS 2611/09 – sowie sogar zur Sondersituation des Getrenntlebens im Hinblick auf § 1361 b Abs. 3 BGB: SG Potsdam, Beschluss vom 08.09.2009 – S 19 AS 2765/09 ER).
2. 1 BSG, Urteil vom 24.03.2015 – B 8 SO 22/13 R
Sozialhilfe – Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung – Übernahme der Kosten für einen Kabelanschluss – abweichende Festlegung des individuellen Bedarfs nach § 27a Abs 4 S 1 SGB 12 – unabweisbarer Bedarf
3. 1 Landessozialgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 17.08.2015 – L 3 AS 370/15 B ER
1. Die Berücksichtigung fiktiven Einkommens – hierzu gehört auch der Verweis auf eine mögliche Rentenantragstellung – verstößt – nicht – gegen den Bedarfsdeckungsgrundsatz ( a. A. LSG NRW, Beschl. v. 11.4.2012 – L 19 AS 544/12 B ER und des SG Karlsruhe, Urt. v. 21.1.2015 – S 4 AS 2983/12 ).
3. 2 LSG Thüringen, Urteil vom 08.07.2015 – L 4 AS 718/14
3. 3 Thüringer Landessozialgericht, Beschluss vom 17.07.2015 – L 9 AS 784/15 B ER – rechtskräftig
Grundsicherung für Arbeitsuchende – Aufforderung zur Beantragung einer vorzeitigen Altersrente – Ermessensfehlgebrauch – Unbilligkeitsverordnung ist nicht abschließend
1. Bei einer Ermessensentscheidung ist sehr wohl in Erwägung zu ziehen, ob eine vorzeitige Rentenantragstellung zu einer dauerhaften Hilfebedürftigkeit nach dem SGB XII führen würde, die im Falle einer späteren Rentenantragstellung vermieden werden könnte (vgl. bereits Senatsbeschluss vom 16. Februar 2015 – L 9 AS 20/15 B ER ).
2. Die Ermessensausübung bei der Aufforderung zur Rentenantragstellung erschöpft sich nicht in der Prüfung, ob einer der in der Unbilligkeitsverordnung geregelten Fälle vorliegt. Zum einen ist die Aufzählung möglicher Unbilligkeitsgründe in der Unbilligkeitsverordnung nicht abschließend, zum anderen können auch weitere Umstände bei der Ermessensausübung Berücksichtigung finden (vgl. bereits Senatsbeschluss vom 16. Februar 2015 – L 9 AS 20/15 B ER ).
Anmerkung: a. A. LSG BB, Beschluss vom 06.07.2015 – L 25 AS 543/15 B ER; LSG Bay, Beschluss vom 23.06.2015, L 11 AS 273/15 B ER; LSG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 04.12.2014 – L 7 AS 1775/14; Urteil vom 23.10.2014 – L 7 AS 886/14 ; Beschluss vom 26.01.2015 – L 19 AS 1969/14 B ER ; LSG Niedersachsen-Bremen, Beschluss vom 28.05.2015 – L 15 AS 85/15 B ER; aktuell BSG, Urt. v. 19.08.2015 – B 14 AS 1/15 R
3. 4 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 27.07.2015 – L 31 AS 1471/15 B ER
Glaubhaftmachung eines Anordnungsgrundes für die Notwendigkeit einer Eilentscheidung zur Behebung einer existentiellen Notlage im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes – Kosten der Unterkunft – selbständig – Einstiegsgeld
2. Da für seine Höhe gem. § 16 b Abs. 2 , Satz 3 SGB II in Verbindung mit der Einstiegsgeldverordnung (vgl. § 1 ESGV in der Fassung vom 24. März 2011 BGBl. I S. 453) aber auch der maßgebliche Regelbedarf Orientierungsgröße ist, kann hieraus gefolgert werden, dass das Einstiegsgeld nicht allein bezweckt, die Kosten abzudecken, die für den Aufbau einer selbstständigen Tätigkeit anfallen, sondern auch bedarfsbezogene Aspekte im Hinblick auf die Hilfe zum Lebensunterhalt berücksichtigt (so auch Schleswig-Holsteinisches LSG, Beschluss vom 6. Oktober 2011 – L 11 AS 146/11 B ER, L 11 AS 146/11 PKH).
3. 5 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 29.07.2015 – L 32 AS 1688/15 B ER rechtskräftig
Kein Anordnungsgrund für die Vergangenheit – Begrenzung der monatlichen Aufrechnung zur Tilgung mehrerer Darlehen
Anmerkung: ebenso SG Karlsruhe, Beschl. v. 25.02.2014 – S 4 AS 1/14 ER; Burkiczak in: jurisPK-SGB II, 3. Aufl. 2012, § 43 Rn. 34 ff. m. w. N.; SG Dortmund, Beschl. v. 16.05.2014 – S 32 AS 484/14 ER
3. 6 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 17.08.2015 – L 25 AS 1931/15 B ER rechtskräftig
Kein Anordnungsgrund im Eilverfahren, weil Vermögen vorhanden – Beleihung Sparbrief – Härtefall – Anwendbarkeit des § 12 Abs. 3 Satz 1 Nr. 6 SGB II
1. Bei einer Verwertung des Vermögens aus dem Sparbrief ( dieser kann beliehen, abgetreten oder verpfändet werde )drohen dem Antragsteller keine schwerwiegenden durch das Hauptsacheverfahren nicht zu korrigierenden Nachteile. Denn sollte sich in der Hauptsache ergeben, dass ihm ein Anspruch auf Gewährung von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem SGB II zusteht, wären ihm diese Beträge rückwirkend zu gewähren (vgl. Beschluss des Senats vom 16. Juli 2009 – L 25 AS 769/09 B ER).
3. Ob die Verwertung des Sparbriefes für den Antragsteller eine besondere Härte darstellt, ist jedenfalls zweifelhaft. Voraussetzung dafür wäre eine atypische Erwerbsbiografie, die es verhinderte, dass sich der Antragsteller eine angemessene Grundsicherung als Rentenversicherungspflichtiger aufbauen konnte, und eine anderweitige Absicherung für das Rentenalter durch den bestehenden Sparbrief rechtfertigte (vgl. für das Recht der Arbeitslosenhilfe Bundessozialgericht (BSG), Urteil vom 20. Oktober 2005 – B 7a/7 AL 76/04 R -; zum Recht des SGB II BSG, Urteil vom 11. Dezember 2012 – B 4 AS 29/12 R ).
3.7 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 19.03.2015 – L 6 AS 1926/14 – Die Revision wird zugelassen.
Fahrtkosten zur Substitutionsbehandlung als Mehrbedarf nach § 21 Abs. 6 SGB II – Methadonbehandlung – Anteil für Fahrkosten im Regelbedarf – Monatsticket
1. Es handelt sich um einen laufenden Bedarf im Sinne des § 21 Abs. 6 SGB II, denn die Fahrkosten innerhalb des Bewilligungszeitraum fielen – auch prognostisch aus damaliger Sicht (vgl zu den Anforderungen BSG Urteile vom 04.06.2014 – B 14 AS 30/13 R; vom 18.11.2014 – B 4 AS 4/14 R) – wiederkehrend, langfristig und dauerhaft an.
2. Die Fahrkosten stellen ungeachtet des Umstandes, dass im Regelbedarf ein Anteil für Fahrkosten enthalten ist, auch einen besonderen Bedarf dar (vgl BSG Urteil vom 18.11.2014 – B 4 AS 4/14 R ). Sie entspringen einer atypischen Bedarfslage, da die Fahrkosten für Arztbesuche in dieser Häufigkeit wesentlich über das hinausgehen, was für „normale“ Empfänger von Grundsicherungsleistungen gilt (vgl BSG Urteile vom 04.06.2014 – B 14 AS 30/13 R; vom 18.11.2014 – B 4 AS 4/14 R ). Dies betrifft im Ausgangspunkt sowohl die Anzahl der Fahrten als auch die dadurch verursachten Kosten.
4. Bei fehlenden allgemein gültigen materiellen Bagatellgrenzen (vgl. BSG Urteil vom 04.06.2014 – B 14 AS 30/13 R juris Rn. 28; dazu auch Anmerkung zu diesem Urteil von Berlit, jurisPR-SozR 9/2015 Anm. 2) kommt die Ablehnung auch nur geringfügiger Fahrkosten nicht in Betracht.
Anmerkung: ebenso Sozialgericht Detmold, Urteil vom 11.09.2014 – S 23 AS 1971/12 – anhängig beim LSG NRW Az. L 7 AS 2024/14
3. 8 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 19.03.2015 – L 6 AS 974/14
(Nur) Aufwendungen zur Erfüllung gesetzlicher Unterhaltspflichten sind bis zu dem in einem Unterhaltstitel oder in einer notariell beurkundeten Unterhaltsvereinbarung festgelegten Betrag vom Einkommen abzusetzen – § 11 Abs. 2 S. 1 Nr. 7 SGB II – Unterhaltszahlungen an seine Mutter – Verpflichtungserklärung nach § 68 AufenthG kein Unterhaltstitel
4. 1 Sozialgericht Dessau-Roßlau, Urteil vom 13.03.2015 – S 3 AS 168/14 – Berufung anhängig beim Landessozialgericht Sachsen-Anhalt L 4 AS 293/15
Arbeitslosengeld II – Unterkunft und Heizung – Angemessenheitsprüfung – Fünfpersonenhaushalt in Sachsen-Anhalt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld – schlüssiges Konzept des Grundsicherungsträgers – räumlicher Vergleichsbereich – Zulässigkeit der Bildung von Wohnungsmarkttypen
4. 2 Sozialgericht Dessau-Roßlau, Urteil vom 13.03.2015 – S 11 AS 1337/13 – Berufung anhängig beim Landessozialgericht Sachsen-Anhalt L 4 AS 276/15
Arbeitslosengeld II – Unterkunft und Heizung – Angemessenheitsprüfung – schlüssiges Konzept – Festlegung des räumlichen Vergleichsbereichs – Bildung von Wohnungsmarkttypen – Zusammenfassung vergleichbarer Kommunen
4. 4 Sozialgericht Berlin – Beschluss vom 23.06.2015 – S 196 AS 7421/15 ER – Berufung anhängig LSG BB Az. L 32 AS 1245/15 B ER
Verpflichtung des Jobcenters im Wege einstweiliger Anordnung zur Gewährung von Unterkunfts- und Heizkosten bei vollständiger Minderung desArbeitslosengeldes II des Antragstellers – Wohnheim
5. 1 SG Karlsruhe, Urteil vom 14.08.2015 – S 1 SO 215/15
5. 2 SG Karlsruhe, Urteil vom 14.08.2015 – S 1 SO 4269/14
2. Diesem Ziel kann die vollständige Anrechnung des Einkommens der Kinder bei dem Gesamteinkommen zweier Haushalte zuwiderlaufen, weil sie – wie der vorliegende Fall zeigt – dazu führen kann, dass die Bewilligung von Wohngeld für den zusätzlichen Wohnraum zur Betreuung der Kinder ausgeschlossen ist, obwohl das Einkommen der Kinder zur Deckung der Kosten des zusätzlichen Wohnraums für beide Haushalte nur einmal zur Verfügung steht.
3. Daher erscheint eine an dem erkennbaren Willen des Gesetzgebers orientierte einengende Auslegung (teleologische Reduktion – vgl. dazu BVerfG, Beschluss vom 26.09.2011 – 2 BvR 2216/06 und 2 BvR 469/07) der Regelungen zur Anrechnung des Einkommens von Haushaltsangehörigen dergestalt geboten, dass das Einkommen von Kindern getrennt lebender, aber gemeinsam sorgeberechtigter Eltern in den Fällen des § 5 Abs. 6 Satz 1 WoGG nur jeweils zur Hälfte dem Gesamteinkommen des jeweiligen Haushaltes zuzurechnen ist.
8. Neuregelungen des AsylbLG: Was hat sich geändert? – von RAin Eva Steffen, Köln in ANA-ZAR Heft 3/2015
Anmerkung: Inzwischen hat das SG München, Urteil v. 28.07.2015 – S 42 AS 1231/15 – ein 1. Urteil gefällt: Die Motivationszuwendung ist kein Erwerbseinkommen iS von § 11 b Abs. 2 S. 1 SGBII. Bis zu einem mtl. Betrag von 100,- EUR bleibt das Einkommen als Zuwendung der freien Wohlfahrtspflege gemäß § 11 a Abs. 4 SGB II bei der Bemessung der Leistung unberücksichtigt, weil es die Lage des Hilfebedürftigen nicht so günstig beeinflusst, dass daneben Arbeitslosengeld II ungerechtfertigt wäre.