Source: http://www.hensche.de/arbeitsrecht-urteile-bag-6azr683-16-23.11.2017-fortgeltung-avr-nach-betriebsuebergang-u.html
Timestamp: 2019-07-17 22:56:36
Document Index: 177180537

Matched Legal Cases: ['§ 611', '§ 2', '§ 613', '§ 2', '§ 158', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 158', '§ 3', '§ 2', '§ 4', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 5', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', 'EuG', 'Art. 3', 'Art. 16', '§ 2', '§ 313', '§ 1', '§ 313', '§ 2', '§ 613', 'BGH', '§ 2', '§ 3', 'Art. 4', '§ 319', '§ 288', '§ 286', '§ 187', '§ 21', '§ 97']

hat der Sechs­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 23. No­vem­ber 2017 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Fi­scher­mei­er, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Spel­ge, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Krum­bie­gel so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Lauth und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Klar für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 17. März 2016 - 6 Sa 631/15 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten noch darüber, ob ein­zel­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­ne Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en nach dem Be­triebsüber­gang auf ei­nen nicht­kirch­li­chen Er­wer­ber sta­tisch oder dy­na­misch fort­gel­ten.
Der Kläger ist bei der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vorgänger, dem Jo­han­ni­ter-Un­fall-Hil­fe e.V., seit 1991 im Ret­tungs­dienst beschäftigt. Im Ar­beits­ver­trag vom 14. Au­gust 1991 heißt es aus­zugs­wei­se:
„Dia­ko­nie ist We­sens- und Le­bensäußerung der Evan­ge­li­schen Kir­che. Die Evan­ge­li­sche Kir­che nimmt ih­re dia­ko­ni­schen Auf­ga­ben durch das Dia­ko­ni­sche Werk wahr. Die oben ge­nann­te Ein­rich­tung ist dem Dia­ko­ni­schen Werk an­ge­schlos­sen. Sie dient der Ver­wirk­li­chung des ge­mein­sa­men Wer­kes christ­li­cher Nächs­ten­lie­be. Al­le Mit­ar­bei­ter die­ser Ein­rich­tung ... bil­den oh­ne Rück­sicht auf ih­re Tätig­keit und Stel­lung ei­ne Dienst­ge­mein­schaft.
Auf die­ser Grund­la­ge wird der nach­ste­hen­de Ver­trag ge­schlos­sen:
Für das Dienst­verhält­nis gel­ten die Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (AVR) in der je­weils gülti­gen Fas­sung. ...“
Das Ar­beits­verhält­nis ging zum 1. Ja­nu­ar 2014 auf die Be­klag­te über.
Die­se ist ei­ne als ge­meinnützi­ge GmbH geführ­te Glie­de­rung des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes, die in ei­nem säch­si­schen Land­kreis den bo­den­ge­bun­de­nen Ret­tungs­dienst be­treibt. Am 10. Ju­li 2014 so­wie am 8. De­zem­ber 2014 be-
schloss die Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on der Dia­ko­nie Deutsch­land die Erhöhung der Grun­dent­gel­te gemäß An­la­ge 2, der Son­der­stu­fen­ent­gel­te gemäß An­la­ge 5 und der St­un­den­ent­gel­te gemäß An­la­ge 9 zu den AVR rück­wir­kend zum 1. Ju­li 2014 für al­le Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter aus­ge­nom­men Ärz­tin­nen und Ärz­te so­wie Zahnärz­tin­nen und Zahnärz­te um 1,9 % bzw. ab dem 1. März 2015 die Erhöhung der Ta­bel­len­wer­te der An­la­gen 2, 5, 9 und 10a zu den AVR um 2,7 %. Die dar­aus fol­gen­den Ent­gel­terhöhun­gen gab die Be­klag­te nicht an den Kläger wei­ter.
Der Kläger be­gehrt zu­letzt noch die Zah­lung der Dif­fe­renz zwi­schen der ihm ge­zahl­ten Vergütung und der ihm un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­schlüsse der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on vom 10. Ju­li 2014 bzw. 8. De­zem­ber 2014 zu­ste­hen­den Vergütung in rech­ne­risch un­strei­ti­ger Höhe für die Zeit von Ju­li 2014 bis Mai 2015. Er be­gehrt fer­ner die Fest­stel­lung, dass die am 10. Ju­li 2014 und 8. De­zem­ber 2014 be­schlos­se­nen Ent­gel­terhöhun­gen auch künf­tig an ihn wei­ter­zu­ge­ben sind.
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 757,91 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz in im Ein­zel­nen ge­nann­ter, ge­staf­fel­ter Höhe zu zah­len;
2. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, die von der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on der Dia­ko­nie Deutsch­land mit Be­schluss vom 10. Ju­li 2014 be­schlos­se­ne Erhöhung der Ent­gel­te ab 1. Ju­li 2014 in Höhe von 1,9 % so­wie mit Be­schluss vom 8. De­zem­ber 2014 be­schlos­se­ne Erhöhung der Ent­gel­te ab 1. März 2015 in Höhe von 2,7 % dem Kläger auch in Zu­kunft zu zah­len.
Die Be­klag­te hat zur Be­gründung ih­res Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trags vor­ge­tra­gen, die AVR gölten seit dem Be­triebsüber­gang auf sie nur noch sta­tisch. Sie sei nicht Mit­glied des Dia­ko­ni­schen Wer­kes und könne das auch nicht wer­den. Auf die Ver­hand­lungs­er­geb­nis­se der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on ha­be sie kei­nen Ein­fluss, so dass sie an die von die­ser nach dem Be­triebsüber­gang ge-
fass­ten Be­schlüsse nicht ge­bun­den sein könne. Die AVR würden durch die Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on als Drit­te ver­ein­bart und sei­en des­halb mit kol­lek­tiv­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen wie Ta­rif­verträgen ver­gleich­bar. Dar­um müss­ten die Grundsätze der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Gleich­stel­lungs­ab­re­de und die da­nach gel­ten­de sta­ti­sche Wei­ter­gel­tung der Be­zug­nah­me in vor dem Jahr 2002 ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträgen An­wen­dung fin­den. Das An­ge­bot, die An­wen­dung des für sie gel­ten­den Ta­rif­ver­trags zu ver­ein­ba­ren, ha­be der Kläger - un­strei­tig - ab­ge­lehnt. Sie sei nicht ver­pflich­tet, die Unwägbar­kei­ten, die mit ei­ner Ände­rungskündi­gung ver­bun­den sei­en, auf sich zu neh­men. Es müsse ihr frei­ste­hen, den recht­lich si­che­ren Weg zu wählen und die AVR sta­tisch an­zu­wen­den. An­de­ren­falls wer­de ih­re un­ter­neh­me­ri­sche Frei­heit be­ein­träch­tigt.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge, so­weit der Rechts­streit in die Re­vi­si­ons­in­stanz ge­langt ist, statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die in­so­weit ge­gen die­ses Ur­teil ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit ih­rer vom Se­nat durch Be­schluss vom 22. Sep­tem­ber 2016 (- 6 AZN 370/16 -) zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ihr Be­geh­ren der Kla­ge­ab­wei­sung un­ter Ver­tie­fung ih­rer recht­li­chen Ar­gu­men­ta­ti­on wei­ter.
Die Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten zu Recht zurück­ge­wie­sen.
I. Die Kla­ge ist be­gründet. Der Kläger kann die gel­tend ge­mach­te Vergütung in zu­letzt un­strei­ti­ger Höhe gemäß § 611 Abs. 1 BGB be­an­spru­chen. Sei­ne Vergütung rich­tet sich gemäß § 2 des Ar­beits­ver­trags vom 14. Au­gust 1991 in dy­na­mi­sier­ter Wei­se nach den Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land, die am 23. Ja­nu­ar 2014 in die Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en der Dia­ko­nie Deutsch­land (AVR-DD, im Fol­gen­den nur AVR) um­be­nannt wor­den sind. Die­ser Ver­trags­in­halt blieb durch den Be-
triebsüber­gang auf die Be­klag­te gemäß § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB un­verändert. Die von der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on am 10. Ju­li 2014 bzw. 8. De­zem­ber 2014 wirk­sam be­schlos­se­nen Ent­gel­terhöhun­gen ste­hen dem Kläger dar­um auch über den von der Leis­tungs­kla­ge ab­ge­deck­ten Zeit­raum hin­aus wei­ter zu. Ei­ne An­pas­sung we­gen Störung der Geschäfts­grund­la­ge ist nicht vor­zu­neh­men.
1. Der Ar­beits­ver­trag vom 14. Au­gust 1991 sieht die dy­na­mi­sche Gel­tung der AVR vor. Die Zu­gehörig­keit der Ar­beit­ge­be­rin zum Dia­ko­ni­schen Werk ist hierfür kei­ne Vor­aus­set­zung.
a) Bei den Re­ge­lun­gen des Ar­beits­ver­trags vom 14. Au­gust 1991 han­delt es sich um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen. Dar­auf lässt schon das äußere Er­schei­nungs­bild der for­mu­larmäßigen Ver­trags­ge­stal­tung schließen (vgl. BAG 25. Ju­ni 2015 - 6 AZR 383/14 - Rn. 23, BA­GE 152, 82).
b) Der In­halt All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist nach ei­nem ob­jek­tiv-ge­ne­ra­li­sie­ren­den Maßstab zu er­mit­teln. Sie sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den. Da­bei sind die Verständ­nismöglich­kei­ten des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen (BAG 23. März 2017 - 6 AZR 705/15 - Rn. 14). An­satz­punkt für die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist in ers­ter Li­nie der Ver­trags­wort­laut. Die­se Grundsätze fin­den auch auf die Aus­le­gung von Be­zug­nah­me­klau­seln auf kirch­li­che Re­ge­lungs­wer­ke wie die AVR An­wen­dung (vgl. BAG 22. Ju­li 2010 - 6 AZR 847/07 - Rn. 12, BA­GE 135, 163; 10. De­zem­ber 2008 - 4 AZR 801/07 - Rn. 17, BA­GE 129, 1). Bei der Aus­le­gung ei­ner sol­chen Be­zug­nah­me­klau­sel ist von der all­ge­mei­nen Funk­ti­on von Ver­wei­sungs­klau­seln im kirch­li­chen Ar­beits­verhält­nis aus­zu­ge­hen. Man­gels nor­ma­ti­ver Gel­tung der AVR in pri­vat­recht­li­chen Ar­beits­verhält­nis­sen kann ih­nen nur über Be­zug­nah­me­klau­seln Wir­kung ver­schafft wer­den (vgl. BAG 20. No­vem­ber 2012 - 1 AZR 179/11 - Rn. 107, BA­GE 143, 354; 22. Fe­bru­ar 2012 - 4 AZR 24/10 - Rn. 18). Die­se sind grundsätz­lich da­hin aus­zu­le­gen, dass sie dem kirch­li­chen Ar­beits-
recht im pri­vat­recht­li­chen Ar­beits­verhält­nis um­fas­send Gel­tung ver­schaf­fen (vgl. BAG 16. Fe­bru­ar 2012 - 6 AZR 573/10 - Rn. 29 mwN, BA­GE 141, 16). Ty­pi­scher­wei­se liegt es im In­ter­es­se bei­der Ver­trags­par­tei­en, dass das kirch­li­che Ar­beits­recht durch ei­ne dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me­klau­sel in sei­ner je­wei­li­gen Fas­sung zur An­wen­dung ge­bracht wird (vgl. BAG 28. Ju­ni 2012 - 6 AZR 217/11 - Rn. 44 ff., BA­GE 142, 247).
c) Ei­ne sol­che Be­zug­nah­me ist hier er­folgt. Nach § 2 des Ar­beits­ver­trags vom 14. Au­gust 1991 sind die AVR in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung Be­stand­teil des Ar­beits­verhält­nis­ses. Die­se dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me­klau­sel wur­de zu ei­nem wirk­sa­men Ver­trags­be­stand­teil (vgl. BAG 28. Ju­ni 2012 - 6 AZR 217/11 - Rn. 38 ff., BA­GE 142, 247).
d) Die dy­na­mi­sche Gel­tung der AVR setzt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten nicht vor­aus, dass die Ar­beit­ge­be­rin dem Dia­ko­ni­schen Werk an­gehört.
aa) Dies lässt sich den ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen nicht ent­neh­men.
(1) Die Be­zug­nah­me steht nicht un­ter der auflösen­den Be­din­gung der Kir­chen­zu­gehörig­keit der Ar­beit­ge­ber­sei­te. Wird ein Rechts­geschäft un­ter ei­ner auflösen­den Be­din­gung vor­ge­nom­men, so en­digt nach § 158 Abs. 2 BGB mit dem Ein­tritt der Be­din­gung die Wir­kung des Rechts­geschäfts; mit die­sem Zeit­punkt tritt der frühe­re Rechts­zu­stand wie­der ein. Aus § 2 des Ar­beits­ver­trags vom 14. Au­gust 1991 kann auch in Ver­bin­dung mit der Präam­bel nicht ge­schlos­sen wer­den, dass die AVR bei Ent­fall des An­schlus­ses der Ar­beit­ge­be­rin an das Dia­ko­ni­sche Werk nicht mehr oder nur noch sta­tisch zur An­wen­dung kom­men sol­len.
(a) Die Präam­bel des Ar­beits­ver­trags vom 14. Au­gust 1991 stellt klar, dass der Jo­han­ni­ter-Un­fall-Hil­fe e.V. als da­ma­li­ger Ver­trags­part­ner dem Dia­ko­ni­schen Werk an­ge­schlos­sen war und des­sen Ein­rich­tung der Ver­wirk­li­chung des ge­mein­sa­men Wer­kes christ­li­cher Nächs­ten­lie­be dient. Der Ar­beits­ver­trag wur­de auf der Grund­la­ge die­ser Ziel­set­zung ge­schlos­sen. Der Be­klag­ten ist zu­zu-
ge­ste­hen, dass die­se spe­zi­fisch kirch­li­che Grund­la­ge des Ar­beits­verhält­nis­ses von ei­ner Zu­gehörig­keit der Ar­beit­ge­be­rin zum Dia­ko­ni­schen Werk aus­geht. Die fol­gen­de In­be­zug­nah­me der AVR in § 2 des Ar­beits­ver­trags ent­sprach der Ver­pflich­tung des Rechts­vorgängers der Be­klag­ten aus dem Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ge­setz der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (ARRG-EKD) vom 10. No­vem­ber 1988 (ABl. EKD S. 366; vgl. BAG 16. Fe­bru­ar 2012 - 6 AZR 573/10 - Rn. 29, BA­GE 141, 16).
(b) Ei­ne Be­en­di­gung der dy­na­mi­schen In­be­zug­nah­me der AVR für den Fall, dass die Ar­beit­ge­be­rin nicht mehr dem Dia­ko­ni­schen Werk an­gehört, ist je­doch we­der der Präam­bel noch § 2 des Ar­beits­ver­trags vom 14. Au­gust 1991 zu ent­neh­men. Bei­de Ver­trags­be­stand­tei­le ge­hen viel­mehr von un­veränder­ten Verhält­nis­sen aus und be­fas­sen sich nicht mit dem Ent­fall der ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Kir­chen­zu­gehörig­keit, zum Be­spiel in der Kon­stel­la­ti­on ei­nes Be­triebsüber­gangs auf ei­nen nicht­kirch­li­chen Ar­beit­ge­ber. Ge­gen die Ver­ein­ba­rung ei­ner auflösen­den Be­din­gung iSd. § 158 Abs. 2 BGB spricht auch, dass es kei­nen ver­trag­lich ver­ein­bar­ten frühe­ren Rechts­zu­stand gäbe, wel­cher ex nunc wie­der ein­tre­ten könn­te (vgl. dem­ge­genüber zur nach § 3 Abs. 3 TVG ge­setz­lich an­ge­ord­ne­ten Nach­bin­dung an ei­nen Ta­rif­ver­trag BAG 5. Ju­li 2017 - 4 AZR 867/16 - Rn. 31). Ei­ne nur sta­ti­sche Gel­tung der AVR ist ver­trag­lich eben­so we­nig vor­ge­se­hen wie die Be­zug­nah­me ei­nes an­de­ren Re­ge­lungs­sys­tems bei Ent­fall der Kir­chen­zu­gehörig­keit der Ar­beit­ge­ber­sei­te. Folg­lich gilt die ver­ein­bar­te In­be­zug­nah­me der AVR als grund­le­gen­de Re­ge­lung des Ver­trags­in­halts auch bei ei­ner Verände­rung der Verhält­nis­se auf Ar­beit­ge­ber­sei­te (vgl. zur Wei­ter­gel­tung ei­ner In­be­zug­nah­me der AVR bei Ge­sell­schaf­ter­wech­sel BAG 22. Fe­bru­ar 2012 - 4 AZR 24/10 - Rn. 20 ff.). Die in der Li­te­ra­tur (Seel FA 2017, 66, 68) ver­tre­te­ne Auf­fas­sung, wo­nach ein Weg­fall der kirch­li­chen Träger­schaft ein En­de der dy­na­mi­schen Gel­tung der AVR nach sich zie­hen müsse, weil der Gel­tungs­grund für die Dy­na­mik die Qua­lität des Ar­beit­ge­bers als kirch­li­cher Ar­beit­ge­ber sei, dem der sog. „Drit­te Weg“ als In­stru­ment für die Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen eröff­net sei, ist mit dem Wort­laut der hier zu be­ur­tei­len­den Ver­trags­re­ge­lun­gen da­her nicht ver­ein­bar.
(2) § 2 des Ar­beits­ver­trags vom 14. Au­gust 1991 ist auch kei­ne zur Be­en­di­gung der Dy­na­mik führen­de Gleich­stel­lungs­ab­re­de. Dies hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend er­kannt.
(a) Nach der frühe­ren Recht­spre­chung galt die - wi­der­leg­ba­re - Ver­mu­tung, es ge­he ei­nem an ar­beits­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­verträge ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber nur dar­um, durch die Be­zug­nah­me die nicht or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer mit den or­ga­ni­sier­ten Beschäftig­ten hin­sicht­lich der Gel­tung des in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­werks gleich­zu­stel­len. Die Recht­spre­chung ging da­von aus, mit ei­ner sol­chen von ei­nem ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber ge­stell­ten Ver­trags­klau­sel soll­te le­dig­lich die mögli­cher­wei­se feh­len­de Ge­bun­den­heit des Ar­beit­neh­mers an die im Ar­beits­ver­trag ge­nann­ten Ta­rif­verträge er­setzt wer­den, um je­den­falls zu ei­ner ver­trag­li­chen An­wen­dung des ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­trags für al­le Beschäftig­ten zu kom­men. Dar­aus wur­de die Kon­se­quenz ge­zo­gen, oh­ne wei­te­re An­halts­punk­te im Ver­trags­text oder aus den Be­gleit­umständen bei Ver­trags­schluss sei­en im Fall der nor­ma­ti­ven Ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers an die in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge Be­zug­nah­me­klau­seln in al­ler Re­gel als sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­den aus­zu­le­gen. Die Ver­wei­sung auf ei­nen Ta­rif­ver­trag oder ein Ta­rif­werk in der je­weils gel­ten­den Fas­sung wur­de des­halb ein­schränkend da­hin aus­ge­legt, die auf die­se Wei­se zum Aus­druck ge­brach­te Dy­na­mik ge­he nur so weit, wie sie bei ei­nem ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer rei­che, sie en­de al­so dann, wenn der Ar­beit­ge­ber we­gen Weg­falls der ei­ge­nen Ta­rif­ge­bun­den­heit nicht mehr nor­ma­tiv an künf­ti­ge Ta­ri­fent­wick­lun­gen ge­bun­den sei (vgl. BAG 24. Fe­bru­ar 2016 - 4 AZR 990/13 - Rn. 29; 23. Fe­bru­ar 2011 - 4 AZR 536/09 - Rn. 17 f. mwN).
(b) Die­se Recht­spre­chung wur­de für ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­seln, die nach dem In­kraft­tre­ten der Schuld­rechts­re­form am 1. Ja­nu­ar 2002 ver­ein­bart wor­den sind, auf­ge­ge­ben. Ei­ne in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Klau­sel, die ih­rem Wort­laut nach oh­ne Ein­schränkung auf ei­nen be­stimm­ten Ta­rif­ver­trag in sei­ner je­wei­li­gen Fas­sung ver­weist, ist im Re­gel­fall nun­mehr da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass die­ser Ta­rif­ver­trag in sei­ner je­wei­li­gen Fas­sung gel­ten soll und dass die­se Gel­tung nicht von Fak­to­ren abhängt, die nicht im Ver­trag ge­nannt oder sonst für
bei­de Par­tei­en er­sicht­lich zur Vor­aus­set­zung ge­macht wor­den sind (vgl. BAG 5. Ju­li 2017 - 4 AZR 867/16 - Rn. 22 f.; 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 29, BA­GE 122, 74). Die Aus­le­gungs­re­gel wird le­dig­lich aus Gründen des Ver­trau­ens­schut­zes wei­ter­hin auf Be­zug­nah­me­klau­seln an­ge­wen­det, die vor dem In­kraft­tre­ten der Schuld­rechts­re­form ver­ein­bart wor­den sind (vgl. BAG 7. De­zem­ber 2016 - 4 AZR 414/14 - Rn. 31 mwN).
(c) Die hier aus­zu­le­gen­de Be­zug­nah­me­klau­sel wur­de zwar am 14. Au­gust 1991 und so­mit weit vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 ver­ein­bart. Die ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me kirch­li­cher Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen wie der AVR kann je­doch ge­ne­rell nicht als Gleich­stel­lungs­ab­re­de im Sin­ne der frühe­ren Recht­spre­chung ver­stan­den wer­den. Da die AVR im­mer nur an­wend­bar sind, wenn dies in dem be­tref­fen­den Ar­beits­verhält­nis ver­ein­bart ist, kann de­ren ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me nie den ei­ne der­ar­ti­ge Aus­le­gung erklären­den Grund ei­ner Gleich­be­hand­lung von or­ga­ni­sier­ten und nicht or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern ha­ben (so Be­p­ler ZAT 2016, 145, 148; im Er­geb­nis eben­so LAG Ber­lin-Bran­den­burg 24. Fe­bru­ar 2012 - 6 Sa 1943/11 - zu 2.1.2 der Gründe; Klein ju­ris­PR-ArbR 45/2016 Anm. 1; Klumpp ZMV 2017, 239, 242; von Ti­ling ZTR 2017, 11, 13). Es gibt kei­ne Ge­werk­schafts­mit­glied­schaft, die zu ei­ner nor­ma­ti­ven Wir­kung der AVR gemäß § 4 Abs. 1 TVG führen könn­te und so­mit auch kein Gleich­stel­lungs­bedürf­nis im dar­ge­stell­ten Sin­ne. Die von der Re­vi­si­on an­geführ­te „kol­lek­tiv­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen ver­gleich­ba­re Si­tua­ti­on“ des vor­ma­li­gen kirch­li­chen Ar­beit­ge­bers, der durch sei­ne Mit­glied­schaft im Dia­ko­ni­schen Werk an die AVR ge­bun­den ge­we­sen sei, ist da­her oh­ne Be­lang.
bb) Auf den von den AVR für sich selbst de­fi­nier­ten Gel­tungs­be­reich kommt es folg­lich nicht an. Die Gel­tung der AVR gründet sich al­lein auf die dar­ge­stell­te ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me (vgl. Be­p­ler ZAT 2016, 145, 149; Klein ju­ris­PR-ArbR 45/2016 Anm. 1; Klumpp ZMV 2017, 239, 241).
2. Die dy­na­mi­sche In­be­zug­nah­me der AVR blieb durch den Be­triebsüber­gang auf die Be­klag­te zum 1. Ja­nu­ar 2014 un­berührt. We­der das na­tio­na­le Recht noch die Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von
Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer bei Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len pri­vi­le­gie­ren den Er­werb ei­nes Be­triebs-bzw. Be­triebs­teils von ei­nem kirch­li­chen Träger.
a) Geht ein Be­trieb oder Be­triebs­teil durch Rechts­geschäft auf ei­nen an de­ren In­ha­ber über, so tritt die­ser gemäß § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB in die Rech­te und Pflich­ten aus den im Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­sen ein. Die aus in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträgen herrühren­den in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Rech­te und Pflich­ten gehören zum In­halt des nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB über­ge­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses (vgl. BAG 20. Ju­ni 2012 - 4 AZR 656/10 - Rn. 22). Im Fall ei­nes Be­triebsüber­gangs wird der Er­wer­ber so ge­stellt, als hätte er die dem Ar­beits­verhält­nis zu­grun­de lie­gen­den pri­vat­au­to­no­men Wil­lens­erklärun­gen des Veräußerers ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer selbst ab­ge­ge­ben und die Ver­ein­ba­run­gen in ei­ge­ner Per­son, dh. mit der Ver­wei­sung auf ein be­stimm­tes Ta­rif­werk oder Tei­le da­von in der je­wei­li­gen Fas­sung ab­ge­schlos­sen und zum In­halt des Ar­beits­ver­trags ge­macht. Da­bei bleibt der in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Cha­rak­ter der in Be­zug ge­nom­me­nen Kol­lek­tiv­re­ge­lun­gen er­hal­ten (BAG 17. Ju­ni 2015 - 4 AZR 61/14 (A) - Rn. 15, BA­GE 152, 12).
b) Da­von zu un­ter­schei­den ist die sta­ti­sche Auf­recht­er­hal­tung kol­lek­tiv­recht­lich ge­re­gel­ter Ar­beits­be­din­gun­gen durch die sog. Trans­for­ma­ti­on nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB (zur sta­ti­schen Fort­gel­tung vgl. AR/Bay­reu­ther 8. Aufl. § 613a BGB Rn. 63; ErfK/Preis 17. Aufl. § 613a BGB Rn. 117; HWK/ Wil­lem­sen/Müller-Bo­nan­ni 7. Aufl. § 613a BGB Rn. 265). Die­se be­zieht sich nur auf vor dem Be­triebsüber­gang nor­ma­tiv gel­ten­de Re­ge­lun­gen (vgl. BAG 12. Sep­tem­ber 2013 - 6 AZR 512/12 - Rn. 24; 16. Mai 2012 - 4 AZR 320/10 - Rn. 21 mwN). Ver­trag­li­che Rechts­po­si­tio­nen, auch wenn sie in ei­ner pri­vat­au­to­no­men Ein­be­zie­hung von Ta­rif­recht ih­ren Grund ha­ben, ge­hen oh­ne Wei­te­res und un­ein­ge­schränkt nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB über. Sie wer­den auch nicht nach § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB durch ei­nen beim Be­triebs­er­wer­ber gel­ten­den Ta­rif­ver­trag ab­gelöst, weil sich die­se Vor­schrift nur auf § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB be­zieht (vgl. BAG 17. No­vem­ber 2010 - 4 AZR 391/09 -
Rn. 23, BA­GE 136, 184). Dies gilt auch für § 613a Abs. 1 Satz 4 BGB (vgl. BAG 22. April 2009 - 4 AZR 100/08 - Rn. 70 ff., BA­GE 130, 237).
c) Die mit ei­nem kirch­li­chen Ar­beit­ge­ber ver­ein­bar­te In­be­zug­nah­me kirch­li­cher Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen behält im Fall ei­nes Be­triebsüber­gangs als ver­trag­li­che Re­ge­lung gemäß § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB ge­genüber dem Be­triebs­er­wer­ber ih­re Wir­kung (vgl. be­reits BAG 20. März 2002 - 4 AZR 101/01 - zu III 3 b der Gründe, BA­GE 101, 9). Dies gilt auch dann, wenn ein kirch­li­cher Be­triebs­er­wer­ber nicht mehr ein An­stel­lungs­träger im Sin­ne der in Be­zug ge­nom­me­nen Dienst­ver­trags­ord­nung ist (BAG 16. Fe­bru­ar 2012 - 6 AZR 573/10 - Rn. 31, BA­GE 141, 16) oder der Be­triebs­er­wer­ber nicht mehr der Kir­che zu­zu­ord­nen ist (vgl. Be­p­ler ju­ris­PR-ArbR 34/2016 Anm. 2; Ri­char­di Ar­beits­recht in der Kir­che 7. Aufl. § 5 Rn. 31; Krings Der Be­triebsüber­gang gem. § 613a BGB im kirch­li­chen Ar­beits­recht S. 118). Das Re­ge­lungs­sys­tem des § 613a Abs. 1 Satz 2 bis Satz 4 BGB ist we­der di­rekt noch ana­log auf ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­ne kirch­li­che Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen an­wend­bar, da die­se vor dem Be­triebsüber­gang kei­ne nor­ma­ti­ve Wir­kung hat­ten (vgl. BAG 20. März 2002 - 4 AZR 101/01 - aaO). Es be­steht auch kein An­lass, Be­triebs­er­wer­ber, die an die Dy­na­mik ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bar­ter AVR gemäß § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB ge­bun­den sind, durch das „Ein­frie­ren“ die­ser Re­ge­lun­gen auf den zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs vor­lie­gen­den Stand im Er­geb­nis so zu stel­len, als sei ei­ne Trans­for­ma­ti­on nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB er­folgt. Dies lässt sich auch nicht aus der Funk­ti­on kirch­li­cher Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen, wel­che ein­heit­li­che Ar­beits­be­din­gun­gen be­zwe­cken (BAG 22. Ju­li 2010 - 6 AZR 847/07 - Rn. 27, BA­GE 135, 163), ab­lei­ten. Der Be­triebsüber­gang kann hier nicht da­zu führen, dass zu­vor ein­heit­lich be­han­del­te Ar­beit­neh­mer nun­mehr un­ter­schied­li­chen Re­ge­lun­gen un­ter­fal­len, je nach­dem, ob ei­ne dy­na­mi­sche In­be­zug­nah­me als Ver­trags­recht wei­ter gilt oder ei­ne sta­ti­sche Trans­for­ma­ti­on nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB ein­greift. Ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen ta­rif­ge­bun­de­nen und nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mern, wie sie ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de ver­hin­dern will, er­folgt aus den ge­nann­ten Gründen nicht. Auch nach ei­nem Be­triebsüber­gang auf ei­nen sog. welt­li­chen Be­triebser-
wer­ber be­ste­hen die ursprüng­lich mit dem kirch­li­chen Ar­beit­ge­ber ver­ein­bar­ten ein­heit­li­chen Ar­beits­be­din­gun­gen.
d) Der Be­triebs­er­wer­ber ist des­halb je­den­falls be­zo­gen auf die Ent­gelt­ansprüche der über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mer auch an ei­ne ver­ein­bar­te Dy­na­mik der In­be­zug­nah­me ge­bun­den. Der nicht­kirch­li­che Be­triebs­er­wer­ber wird durch die Bin­dung an die dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me­klau­sel nicht un­ter Ver­s­toß ge­gen uni­ons­recht­li­che Vor­ga­ben in sei­ner un­ter­neh­me­ri­schen Frei­heit be­ein­träch­tigt (vgl. hier­zu EuGH 11. Sep­tem­ber 2014 - C-328/13 - [Öster­rei­chi­scher Ge­werk­schafts­bund] Rn. 29; 18. Ju­li 2013 - C-426/11 - [Alemo-Her­ron ua.] Rn. 33 ff.). Mit Ur­teil vom 27. April 2017 (- C-680/15 und C-681/15 - [As­kle­pios Kli­ni­ken Lan­gen-Se­li­gen­stadt] Rn. 22 f.) hat der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on ent­schie­den, dass Art. 3 der Richt­li­nie 2001/23/EG in Ver­bin­dung mit Art. 16 GRC der dy­na­mi­schen Fort­gel­tung ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel im Verhält­nis zwi­schen dem Ar­beit­neh­mer und dem Be­triebs­er­wer­ber nicht ent­ge­gen­steht, so­fern das na­tio­na­le Recht so­wohl ein­ver­nehm­li­che als auch ein­sei­ti­ge An­pas­sungsmöglich­kei­ten für den Er­wer­ber vor­sieht. Sol­che Möglich­kei­ten bie­tet die deut­sche Rechts­ord­nung in Form der ein­ver­nehm­li­chen Ver­tragsände­rung und der Ände­rungskündi­gung nach § 2 KSchG (vgl. BAG 30. Au­gust 2017 - 4 AZR 95/14 - Pres­se­mit­tei­lung Nr. 35/17).
3. Ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten ent­bin­det sie der Um­stand, dass der Kläger ihr An­ge­bot ab­ge­lehnt hat, künf­tig den für sie gel­ten­den Ta­rif­ver­trag auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en an­zu­wen­den, nicht da­von, ei­ne Ände­rungskündi­gung zu erklären, wenn sie ih­re dy­na­mi­sche Bin­dung an die ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­nen AVR be­en­den will. Die Störung der Geschäfts­grund­la­ge nach § 313 Abs. 1 BGB, auf die die Be­klag­te sich im Er­geb­nis be­ruft, kann sie nur im We­ge der Ände­rungskündi­gung gel­tend ma­chen.
a) §§ 1, 2 KSchG sind ge­genüber ei­ner An­pas­sung nach § 313 BGB lex spe­cia­lis. Sach­ver­hal­te, die zu ei­ner Störung oder dem Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge geführt ha­ben, sind da­bei al­ler­dings im Rah­men der §§ 2, 1 Abs. 2 KSchG zu würdi­gen (BAG 5. Ju­ni 2014 - 2 AZR 615/13 - Rn. 23, BA­GE 148, 227).
b) Un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ne Ände­rungskündi­gung zum Zwe­cke der „Ent­dy­na­mi­sie­rung“ ei­ner Be­zug­nah­me­klau­sel so­zi­al ge­recht­fer­tigt ist, be­darf im vor­lie­gen­den Fall schon man­gels Erklärung ei­ner Ände­rungskündi­gung kei­ner Ent­schei­dung (vgl. zu die­ser Pro­ble­ma­tik: Bay­reu­ther NJW 2017, 2158, 2159; Busch/Ger­lach BB 2017, 2356, 2360; Ey­lert/Schinz RdA 2017, 140, 145; Hart­mann Eu­ZA 2017, 521, 532; Wißmann/Ni­k­las NZA 2017, 697, 701). Dar­um be­steht auch kein An­lass, sich näher mit der Fra­ge zu be­fas­sen, ob und un­ter wel­chen Umständen die Fort­gel­tung der dy­na­mi­schen In­be­zug­nah­me der AVR nach ei­nem Be­triebsüber­gang auf ei­nen welt­li­chen Er­wer­ber zu ei­nem Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge führen würde und wie ein sol­cher Um­stand bei der Prüfung der Wirk­sam­keit ei­ner Ände­rungskündi­gung zu würdi­gen wäre. Je­den­falls ma­chen die Kos­ten­stei­ge­run­gen, die durch die dy­na­mi­sche Wei­ter­gel­tung der AVR ein­tre­ten und die die Be­klag­te nach ih­rem Vor­trag bei den Kos­tenträgern nicht re­fi­nan­zie­ren kann, der Be­klag­ten das un­veränder­te Fest­hal­ten an dem Ar­beits­ver­trag, in des­sen In­halt sie nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB ein­ge­tre­ten ist, vor­lie­gend nicht un­zu­mut­bar. Das folgt be­reits dar­aus, dass sie nicht gel­tend macht, sie ha­be ver­geb­lich ver­sucht, un­ter Hin­weis auf die Rechts­la­ge bei dem Kos­tenträger ei­ne Ände­rung zu er­wir­ken. Es kann da­her da­hin­ste­hen, ob und un­ter wel­chen Umständen Kos­ten­stei­ge­run­gen, die der Er­wer­ber bei sei­ner Ent­schei­dung, ei­nen Be­trieb zu über­neh­men, nicht ein­kal­ku­liert hat, zu ei­ner Störung der Geschäfts­grund­la­ge führen können oder Teil des von ihm zu tra­gen­den un­ter­neh­me­ri­schen Ri­si­kos blei­ben. Ins­be­son­de­re kann da­hin­ste­hen, ob es für ei­ne Störung der Geschäfts­grund­la­ge aus­reicht, wenn in ei­nem auf un­be­grenz­te Zeit ein­ge­gan­ge­nen Dau­er­schuld­verhält­nis wie dem Ar­beits­verhält­nis das ge­schul­de­te Ar­beits­ent­gelt zu ei­ner dau­er­haf­ten Ver­lust­si­tua­ti­on führt (zum Vor­lie­gen ei­ner zur Ver­trags­an­pas­sung führen­den Äqui­va­lenzstörung im Dau­er­schuld­verhält­nis nur bei ei­ner dau­er­haf­ten, auf bil­li­ger­wei­se nicht vor­aus­zu­se­hen­den Umständen be­ru­hen­den Ver­lust­si­tua­ti­on BGH 19. April 1978 - VIII ZR 182/76 - zu II 2 b der Gründe).
4. Der Fall bie­tet auch kei­ne Ver­an­las­sung zu klären, wel­chen In­halt das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en in Be­zug auf die in § 2 und § 3 AVR ent­hal­te­nen all­ge­mei­nen und be­son­de­ren Dienst­pflich­ten hat. Ins­be­son­de­re kann of­fen­blei-
ben, wel­chen In­halt die Loya­litäts­pflich­ten nach dem Be­triebsüber­gang auf­wei­sen (vgl. zu den kirch­li­chen Loya­litätsan­for­de­run­gen: BAG 28. Ju­li 2016 - 2 AZR 746/14 (A) - Rn. 14 ff., BA­GE 156, 23; KR/Fi­scher­mei­er 11. Aufl. Kirchl. ArbN Rn. 2 ff.) und ob die ne­ga­ti­ve Re­li­gi­ons­frei­heit ei­nes Be­triebs­er­wer­bers (Art. 4 GG) durch spe­zi­fisch kirch­li­che Re­ge­lun­gen ver­letzt sein kann (vgl. Klumpp ZMV 2017, 239, 240). Ge­gen­stand des Rechts­streits sind nur Vergütungs­ansprüche.
5. Die Re­vi­si­on rügt oh­ne Er­folg, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt rechts­feh­ler­haft die Un­bil­lig­keit der von der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on vor­ge­nom­me­nen Leis­tungs­be­stim­mung nach § 319 Abs. 1 BGB ver­neint ha­be. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat al­ler­dings in­so­weit den Prüfungs­maßstab ver­kannt. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Se­nats (seit BAG 22. Ju­li 2010 - 6 AZR 847/07 - Rn. 30 ff., BA­GE 135, 163) un­ter­lie­gen Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en, die auf dem Drit­ten Weg gemäß den ein­schlägi­gen Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Ver­fah­rens­vor­schrif­ten ent­stan­den sind, wie Ta­rif­verträge nur ei­ner Rechts­kon­trol­le am Maßstab höher­ran­gi­gen Rechts so­wie der Kon­trol­le auf ei­nen Ver­s­toß ge­gen die gu­ten Sit­ten, wenn sie von ei­ner pa­ritätisch mit wei­sungs­un­abhängi­gen Mit­glie­dern be­setz­ten Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on be­schlos­sen wor­den sind und des­halb nicht der Dienst­ge­ber­sei­te zu­ge­ord­net wer­den können. Die­ser Rechts­feh­ler führt je­doch nicht zum Er­folg der Re­vi­si­on. Die Be­klag­te zeigt nicht auf, in­wie­weit die Be­schlüsse der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on vom 10. Ju­li 2014 und vom 8. De­zem­ber 2014 höher­ran­gi­ges Recht ver­let­zen oder ge­gen die gu­ten Sit­ten ver­s­toßen könn­ten. Dafür ist auch kei­ner­lei An­halts­punkt er­sicht­lich. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat dar­um im Er­geb­nis zu­tref­fend er­kannt, dass die­se Be­schlüsse wirk­sam sind.
6. Dem Kläger steht das ein­ge­klag­te Dif­fe­ren­zent­gelt auf das ihm ge­zahl­te Grun­dent­gelt und die Zu­schläge nach der An­la­ge 9 zu den AVR (Zeit­zu­schlag für Über­stun­den, Über­stun­den­ent­gelt, Zeit­zu­schlag für Sonn­tags­ar­beit und Ar­bei­ten an Wo­chen­fei­er­ta­gen, die auf ei­nen Sonn­tag fal­len, so­wie für Nacht­ar­beit) zu. Die Be­klag­te hat kei­ne Ein­wen­dun­gen ge­gen die Rich­tig­keit der der
Be­rech­nung des Klägers zu­grun­de lie­gen­den zu­schlags­pflich­ti­gen St­un­den er­ho­ben.
7. Der Kläger kann nach § 288 Abs. 1, § 286 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB Ver­zugs­zin­sen für die ein­zel­nen mo­nat­li­chen Dif­fe­renz­vergütungs­beträge je­weils ab dem 16. ei­nes je­den Mo­nats ver­lan­gen. Ver­zugs­zin­sen sind nach § 187 Abs. 1 BGB ab dem Tag nach dem in den AVR be­stimm­ten Zahl­tag zu ent­rich­ten (vgl. zu ta­rif­li­chen Ansprüchen BAG 27. April 2017 - 6 AZR 459/16 - Rn. 37). Die Bezüge sind gemäß § 21a AVR am 15. ei­nes je­den Mo­nats (Zahl­tag) fällig.
II. Die Be­klag­te hat gemäß § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.
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