Source: https://www.finanztip.de/krank-arbeitslosigkeit/
Timestamp: 2018-12-15 15:09:38
Document Index: 132417178

Matched Legal Cases: ['§ 311', '§ 311', '§ 311', '§ 146', '§ 47', '§ 156', '§ 146', '§ 44', '§ 192']

Arbeitslos und krank – Krankengeld bei Arbeitslosigkeit sichern: Verlängertes Arbeitslosengeld vom Arbeitsamt / Agentur für Arbeit - Finanztip
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Wer arbeitslos ist und krank wird, muss sich sofort bei der Agentur für Arbeit melden.
Sind Sie länger krank, müssen Sie spätestens nach drei Tagen eine Krankschreibung bei der Agentur für Arbeit einreichen.
Während Sie krank sind, bekommen Sie bis zu sechs Wochen weiter Arbeitslosengeld.
Nach dieser sogenannten Leistungsfortzahlung haben Sie in der Regel Anspruch auf Krankengeld. Für maximal 78 Wochen kommt dafür die gesetzliche Krankenkasse auf, solange Sie weiter arbeitsunfähig erkrankt sind.
Sie bekommen als Krankengeld den gleichen Betrag, den vorher die Agentur für Arbeit als Arbeitslosengeld gezahlt hat.
Kurzfristig Arbeitsunfähige – so nennt die Agentur für Arbeit in schönstem Behördendeutsch Menschen, die Arbeitslosengeld I (ALG I) bekommen und krank werden. Sie gelten nicht mehr als arbeitslos, weil sie während der Krankschreibung dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. Wer krank ist, bekommt eine Leistungsfortzahlung, ähnlich einem erkrankten Arbeitnehmer, der eine sogenannte Entgeltfortzahlung erhält. Das Arbeitslosengeld wird für höchstens sechs Wochen weiter gezahlt. Danach gibt es Krankengeld.
Unbedingt bei der Arbeitsagentur melden
Werden Sie während der Arbeitslosigkeit krank, müssen Sie sich sofort bei der Agentur für Arbeit melden und mitteilen, wie lange Sie wohl krank sein werden (§ 311 SGB III). Falls Sie länger ausfallen, müssen Sie spätestens am dritten Tag nach Ihrer Erkrankung eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, in der der behandelnde Arzt auch die voraussichtliche Dauer der Krankheit vermerkt hat. Schicken Sie das Attest an Ihren Sachbearbeiter. Die Agentur für Arbeit kann eine ärztliche Krankschreibung auch vor Ablauf der Drei-Tage-Frist verlangen (§ 311 Satz 2 SGB III).
Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als in der ersten Krankschreibung angegeben, müssen Sie erneut zum Arzt, sich ein neues Attest geben lassen und es wieder bei der Agentur für Arbeit vorlegen (§ 311 Satz 3 SGB III). Das Arbeitslosengeld erhalten Sie für bis zu sechs Wochen in voller Höhe weiter gezahlt (§ 146 Abs. 1 SGB III).
Voraussetzung ist, dass die Arbeitsunfähigkeit während des rechtmäßigen Leistungsbezuges eingetreten ist. Eine Leistungsfortzahlung erfolgt demnach nicht, wenn
Sie schon vor Beginn der Arbeitslosigkeit krank waren oder
Sie in einer Zeit krank werden, in der Ihr Anspruch auf Leistung ruht, wie etwa bei einer Sperrzeit.
Der Anspruch auf Arbeitslosengeld verlängert sich nicht um den Zeitraum, in dem Sie krankgeschrieben waren. Weitere Informationen zur Dauer des Bezugs von Arbeitslosengeld finden Sie in unserem Artikel „Wie lange kann ich Arbeitslosengeld beziehen?“.
Wenn Sie länger als sechs Wochen krank sind
Sind Sie während der Arbeitslosigkeit länger als sechs Wochen krank oder auf Kos­ten der Kran­ken­kas­se sta­ti­onär in ei­nem Kran­ken­haus, ei­ner Vor­sor­ge- oder einer Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tung, dann erhalten Sie nach den sechs Wochen in der Regel Krankengeld. Es wird für maximal 78 Wochen von Ihrer Krankenkasse gezahlt. Dazu müssen Sie aber in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sein.
Sie erhalten als Krankengeld aber nur den Betrag, den Sie zuletzt als Arbeitslosengeld bekommen haben (§ 47b SGB V). Das Arbeitsamt informiert die Krankenkasse. In dieser Zeit ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld (§ 156 Abs. 1 Nr. 2 SGB III, damit ist der Leistungsbezug beim Arbeitsamt zunächst einmal beendet. Nach Ab­lauf des Kran­ken­geld­be­zugs können Sie wieder Arbeitslosengeld für die Rest­dau­er beziehen. Die Tage mit Krankengeld verlängern also genau genommen nicht die Zeit, in der Sie Arbeitslosengeld beziehen können, sie mindern den Anspruch aber auch nicht - anders als bei der Leistungsfortzahlung.
Nach dem Ende des Bezugs von Krankengeld müssen Sie sich für die Weiterzahlung von Arbeitslosengeld erneut persönlich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden. Den erneuten Antrag auf Arbeitslosengeld sollten Sie spätestens am ersten Tag nach dem Krankengeldbezug stellen, also direkt nach Ende der Arbeitsunfähigkeit.
Leistungsfortzahlung, wenn ein Kind krank ist
Müssen Sie sich um Ihr krankes Kind kümmern, können Sie ebenfalls eine Leistungsfortzahlung bekommen, obwohl Sie dem Arbeitsmarkt in dieser Zeit nicht zur Verfügung stehen (§ 146 Abs. 2 SGB III). Sie werden dadurch so geschützt wie Arbeitnehmer, die einen Anspruch auf Kinderkrankengeld haben. Der Staat zahlt das Arbeitslosengeld in jedem Kalenderjahr weiter, und zwar bis zu zehn Tage für jedes Kind, sofern keine andere Person im Haushalt die Betreuung übernehmen kann und das Kind nicht älter als zwölf Jahre alt ist oder behindert und auf Hilfe angewiesen. Es gibt aber eine Grenze: Mehr als 25 Tage im Jahr können Sie keine Leistungsfortzahlung bekommen.
Alleinerziehende dürfen bei jedem erkrankten Kind, das sie betreuen müssen, bis zu 20 Tage der Agentur für Arbeit nicht zur Verfügung stehen, bei mehreren Kindern insgesamt aber nicht mehr als 50 Tage im Jahr.
Vom Krankenstand in die Arbeitslosigkeit
Wenn Sie während des laufenden Beschäftigungsverhältnisses krank werden, muss Ihr Arbeitgeber zunächst das Gehalt oder den Lohn weiterzahlen. Endet das Beschäftigungsverhältnis während der Entgeltfortzahlung und Sie sind immer noch krank, dann sollten Sie bei Ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Krankengeld stellen. Denn gesetzlich Krankenversicherte haben statt eines Anspruchs auf Arbeitslosengeld in der Regel einen Anspruch auf Krankengeld. Der Grund: Der Anspruch auf Krankengeld entsteht schon mit dem Beginn der Krankheit (§§ 44 Abs. 1 Satz 1, 46 SGB V). Er ruht nur, während der Arbeitgeber Lohn oder Gehalt weiterzahlt.
Gleiches gilt, falls Sie schon Krankengeld bezogen haben, dann arbeitslos werden und weiterhin arbeitsunfähig erkrankt sind. Sie bekommen über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus Krankengeld, da Sie weiterhin Mitglied in der Krankenkasse bleiben (§ 192 Abs. 1 Nr. 2 SGB V).
Arbeitslos melden sollten Sie sich trotzdem, auch wenn Sie kein Arbeitslosengeld bekommen, sondern Krankengeld. Weisen Sie jedoch darauf hin, dass Sie Arbeitslosengeld erst dann beantragen werden, wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen, Sie also wieder gesund sind und eine neue Tätigkeit aufnehmen können.