Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=EuGH&Datum=27.04.2006&Aktenzeichen=C-423/04
Timestamp: 2020-04-01 09:42:11
Document Index: 297981762

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 157', 'Art. 141', 'Art. 157', 'Art. 141', 'Art. 7', 'Art. 13']

EuGH, 27.04.2006 - C-423/04 - dejure.org
https://dejure.org/2006,2261
EuGH, 27.04.2006 - C-423/04 (https://dejure.org/2006,2261)
EuGH, Entscheidung vom 27.04.2006 - C-423/04 (https://dejure.org/2006,2261)
EuGH, Entscheidung vom 27. April 2006 - C-423/04 (https://dejure.org/2006,2261)
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Gleichbehandlung von Männern und Frauen im Bereich der sozialen Sicherheit - Richtlinie 79/7/EWG - Weigerung, einer Transsexuellen, die sich einer operativen Geschlechtsumwandlung vom Mann zur Frau unterzogen hat, mit dem 60. Lebensjahr eine Ruhestandsrente zu gewähren
Gleichbehandlung von Männern und Frauen im Bereich der sozialen Sicherheit; Gewährung einer Ruhestandsrente für eine Mann-zu-Frau-Transsexuelle; Schutz vor Diskriminierung wegen Geschlechtsumwandlung; Festlegung der Voraussetzungen für die rechtliche Anerkennung der ...
Sozialpolitik - DIE WEIGERUNG, EINER TRANSSEXUELLEN, DIE SICH EINER GESCHLECHTSUMWANDLUNG VOM MANN ZUR FRAU UNTERZOGEN HAT, IM GLEICHEN ALTER WIE EINER FRAU EINE RENTE ZU GEWÄHREN, VERSTÖSST GEGEN DAS GEMEINSCHAFTSRECHT
Ruhestandsrente für eine Transsexuelle - Richards
Ersuchen um Vorabentscheidung, vorgelegt aufgrund der Anordnung eines Social Security Commissioner, Lodon vom 14. September 2004 in dem Rechtsstreit Sarah Margaret Richards gegen Secretary of State for Work and Pensions
Vorabentscheidungsersuchen der Social Security Commissioners (Vereinigtes Königreich) - Auslegung der Artikel 4 und 7 der Richtlinie 79/7/EWG des Rates vom 19. Dezember 1978 zur schrittweisen Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern und Frauen im ...
NJW 2006, 2316 (Ls.)
EuZW 2006, 342
DVBl 2006, 963
3 Urteil vom 27. April 2006 (C-423/04, EU:C:2006:256).
13 Urteile vom 30. April 1996, P./S. (…C-13/94, EU:C:1996:170, Rn. 20), und vom 27. April 2006, Richards (C-423/04, EU:C:2006:256, Rn. 24).
15 Urteile vom 30. April 1996, P./S. (…C-13/94, EU:C:1996:170, Rn. 20), und vom 27. April 2006, Richards (C-423/04, EU:C:2006:256, Rn. 24).
17 Urteile vom 7. Januar 2004, K. B. (…C-117/01, EU:C:2004:7, Rn. 36), in Bezug auf Art. 157 AEUV (ex-Art. 141 EG), und vom 27. April 2006, Richards (C-423/04, EU:C:2006:256, Rn. 38), in Bezug auf die Richtlinie 79/7.
23 Um diesen Fall ging es im Urteil vom 27. April 2006, Richards (C-423/04, EU:C:2006:256).
24 Urteil vom 27. April 2006, Richards (C-423/04, EU:C:2006:256, Rn. 29).
27 Urteil vom 27. April 2006, Richards (C-423/04, EU:C:2006:256, Rn. 35 bis 37).
34 Urteil vom 27. April 2006, Richards (C-423/04, EU:C:2006:256, Rn. 34 bis 37).
37 Urteile vom 7. Januar 2004, K. B. (…C-117/01, EU:C:2004:7, Rn. 33 bis 35), im Hinblick auf Art. 157 AEUV (ex-Art. 141 EG), und vom 27. April 2006, Richards (C-423/04, EU:C:2006:256, Rn. 28 bis 30).
39 Urteile vom 7. Januar 2004, K. B. (…C-117/01, EU:C:2004:7, Rn. 35), und vom 27. April 2006, Richards (C-423/04, EU:C:2006:256, Rn. 21).
42 Urteil vom 27. April 2006, Richards (C-423/04, EU:C:2006:256, Rn. 31).
Der Gerichtshof hat auf diese Lösung nur unter ganz bestimmten Umständen zurückgegriffen, wenn die Gefahr schwerwiegender wirtschaftlicher Auswirkungen bestand, die insbesondere mit der großen Zahl von Rechtsverhältnissen zusammenhingen, die gutgläubig auf der Grundlage der als gültig betrachteten Regelung eingegangen worden waren, und wenn sich herausstellte, dass die Einzelnen und die nationalen Behörden zu einem mit der Unionsregelung unvereinbaren Verhalten veranlasst worden waren, weil eine objektive, bedeutende Unsicherheit hinsichtlich der Tragweite der Gemeinschaftsbestimmungen bestand, zu der eventuell auch das Verhalten anderer Mitgliedstaaten oder der Kommission beigetragen hatte (vgl. insbesondere Urteile vom 27. April 2006, Richards, C-423/04, Slg. 2006, I-3585, Randnr. 42, und Brzezinski, Randnr. 57).
Der Minister für Arbeit und Renten machte vor dem vorlegenden Gericht geltend, dass es nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs, die sich aus den Urteilen vom 7. Januar 2004, K. B. (…C-117/01, EU:C:2004:7, Rn. 35), und vom 27. April 2006, Richards (C-423/04, EU:C:2006:256, Rn. 21), ergebe, Sache der Mitgliedstaaten sei, die Voraussetzungen festzulegen, nach denen die Geschlechtsumwandlung einer Person rechtlich anerkannt werde.
Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass das Unionsrecht zwar die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten im Bereich des Personenstands und der rechtlichen Anerkennung der Geschlechtsumwandlung einer Person unberührt lässt, die Mitgliedstaaten jedoch bei der Ausübung dieser Zuständigkeit das Unionsrecht zu beachten haben, insbesondere die Bestimmungen in Bezug auf den Grundsatz der Nichtdiskriminierung (vgl. in diesem Sinne u. a. Urteile vom 27. April 2006, Richards, C-423/04, EU:C:2006:256, Rn. 21 bis 24…, vom 1. April 2008, Maruko, C-267/06, EU:C:2008:179, Rn. 59, …sowie vom 5. Juni 2018, Coman u. a., C-673/16, EU:C:2018:385, Rn. 37 und 38 sowie die dort angeführte Rechtsprechung).
Nach ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofs hat die Richtlinie 79/7 in Anbetracht ihres Gegenstands und der Natur der Rechte, die sie schützen soll, auch für Diskriminierungen zu gelten, die ihre Ursache in der Geschlechtsumwandlung des Betroffenen haben (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 27. April 2006, Richards, C-423/04, EU:C:2006:256, Rn. 23 und 24 sowie die dort angeführte Rechtsprechung).
Was insbesondere die in Art. 7 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 79/7 vorgesehene Ausnahme betrifft, hat der Gerichtshof bereits entschieden, dass sie den Mitgliedstaaten nicht gestattet, eine Person, die sich nach ihrer Eheschließung einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hat, in Bezug auf das für den Zugang zu einer staatlichen Ruhestandsrente geltende Alter anders zu behandeln als eine Person, die ihr bei der Geburt eingetragenes Geschlecht beibehalten hat und verheiratet ist (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 27. April 2006, Richards, C-423/04, EU:C:2006:256, Rn. 37 und 38).
79 - Für die soziale Sicherheit Urteile vom 12. Juli 2001, Smits und Peerbooms (C-157/99, Slg. 2001, I-5473, Randnrn. 44 bis 46), vom 4. Dezember 2003, Kristiansen (C-92/02, Slg. 2003, I-14597, Randnr. 31), vom 18. März 2004, Leichtle (C-8/02, Slg. 2004, I-2641, Randnr. 29), vom 27. April 2006, Richards (C-423/04, Slg. 2006, I-3585, Randnr. 33), vom 16. Mai 2006, Watts (C-372/04, Slg. 2006, I-4325, Randnr. 92), und vom 19. April 2007, Stamatelaki (C-444/05, Slg. 2007, I-0000, Randnr. 23).
95 - Auf derselben Linie stehend sah das Urteil Richards Rechtsvorschriften als für mit dem Gemeinschaftsrecht unvereinbar an, die einer Transsexuellen in ihrem derzeitigen Geschlecht als Frau mit Vollendung des 60. Lebensjahrs keine Rente gewährt und sie zwingt, die Vollendung des 65. Lebensjahrs, das für Männer festgelegte Alter, abzuwarten.
101 - Urteile vom 15. März 2005, Bidar (C-209/03, Slg. 2005, I-2119, Randnr. 67), vom 6. März 2007, Meilicke u. a. (C-292/04, Slg. 2007, I-0000, Randnr. 35), und Richards, Randnr. 40.
102 - Urteile Bidar, Randnr. 69, und Richards, Randnr. 42.
Der Gerichtshof hat aber wiederholt entschieden, dass die in dieser Bestimmung enthaltene Ausnahme vom Verbot der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts angesichts der grundlegenden Bedeutung des Grundsatzes der Gleichbehandlung in dem Sinne eng auszulegen ist, dass sie nur für die Festsetzung des Rentenalters für die Gewährung der Alters- oder Ruhestandsrente und etwaige Auswirkungen daraus auf andere Leistungen der sozialen Sicherheit gelten kann (vgl. in diesem Sinne Urteile Marshall, Randnr. 36, vom 21. Juli 2005, Vergani, C-207/04, Slg. 2005, I-7453, Randnr. 33, und vom 27. April 2006, Richards, C-423/04, Slg. 2006, I-3585, Randnr. 36).
17 bis 20, und vom 27. April 2006, Richards, C-423/04, Slg. 2006, I-3585, Randnr. 24. Im Urteil Grant, angeführt in Fn. 21, Randnr. 42 (das allerdings vor Inkrafttreten des Vertrags von Amsterdam und damit vor der Einfügung von Art. 13 in den EG-Vertrag ergangen ist), vertrat der Gerichtshof die Auffassung, dass es sich nicht auf die unterschiedliche Behandlung aufgrund der sexuellen Orientierung einer Person erstrecke.
115 - Vgl. Urteile Richards, angeführt in Fn. 94, Randnr. 42, und vom 18. Januar 2007, Brzezinski, C-313/05, Slg. 2007, I-513, Randnr. 57.
57 Der Gerichtshof hat auf diese Lösung nur unter ganz bestimmten Umständen zurückgegriffen, wenn die Gefahr schwerwiegender wirtschaftlicher Auswirkungen bestand, die insbesondere mit der großen Zahl von Rechtsverhältnissen zusammenhingen, die gutgläubig auf der Grundlage der als gültig betrachteten Regelung eingegangen worden waren, und wenn sich herausstellte, dass die Einzelnen und die nationalen Behörden zu einem mit der Gemeinschaftsregelung unvereinbaren Verhalten veranlasst worden waren, weil eine objektive, bedeutende Unsicherheit hinsichtlich der Tragweite der Gemeinschaftsbestimmungen bestand, zu der eventuell auch das Verhalten anderer Mitgliedstaaten oder der Kommission der Europäischen Gemeinschaften beigetragen hatte (vgl. insbesondere Urteil vom 27. April 2006, Richards, C-423/04, Slg. 2006, I-3585, Randnr. 42).
Der Gerichtshof hat auf diese Lösung nur unter ganz bestimmten Umständen zurückgegriffen, namentlich, wenn eine Gefahr schwerwiegender wirtschaftlicher Auswirkungen bestand, die insbesondere mit der großen Zahl von Rechtsverhältnissen zusammenhingen, die gutgläubig auf der Grundlage der als gültig betrachteten Regelung eingegangen worden waren, und wenn sich herausstellte, dass die Einzelnen und die nationalen Behörden zu einem mit dem Unionsrecht unvereinbaren Verhalten veranlasst worden waren, weil eine objektive, bedeutende Unsicherheit hinsichtlich der Tragweite der Unionsbestimmungen bestand, zu der eventuell auch das Verhalten anderer Mitgliedstaaten oder der Kommission beigetragen hatte (vgl. insbesondere Urteile vom 27. April 2006, Richards, C-423/04, Slg. 2006, I-3585, Rn. 42, Kalinchev, Rn. 51, und Santander Asset Management SGIIC u. a., Rn. 60).
Der Gerichtshof hat auf diese Lösung nur unter ganz bestimmten Umständen zurückgegriffen, wenn die Gefahr schwerwiegender wirtschaftlicher Auswirkungen bestand, die insbesondere mit der großen Zahl von Rechtsverhältnissen zusammenhingen, die gutgläubig auf der Grundlage der als gültig betrachteten Regelung eingegangen worden waren, und wenn sich herausstellte, dass die Einzelnen und die nationalen Behörden zu einem mit der Unionsregelung unvereinbaren Verhalten veranlasst worden waren, weil eine objektive, bedeutende Unsicherheit hinsichtlich der Tragweite der unionsrechtlichen Bestimmungen oder Grundsätze bestand, zu der eventuell auch das Verhalten anderer Mitgliedstaaten oder der Europäischen Kommission beigetragen hatte (vgl. u. a. Urteil vom 27. April 2006, Richards, C-423/04, Slg. 2006, I-3585, Randnr. 42, und Urteile Brzezinski, Randnr. 57, und Kalinchev, Randnr. 51).