Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OVG%20Rheinland-Pfalz&Datum=15.11.2010&Aktenzeichen=1%20C%2010320/09
Timestamp: 2019-06-17 05:57:29
Document Index: 270408638

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 9', '§ 214', '§ 47', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 12', '§ 34', '§ 34', '§ 214', '§ 214', '§ 214', '§ 214', '§ 214', '§ 214', '§ 214', '§ 233', '§ 233', '§ 1', '§ 1', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 16', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', 'Art 20', 'Art 20', '§ 8', '§ 8', '§ 3', '§ 3', '§ 6', '§ 6', '§ 47', '§ 47', '§ 108', '§ 108', '§ 43', '§ 44', '§ 44', '§ 44', '§ 2', '§ 108', '§ 2', '§ 86', '§ 11', '§ 11', '§ 12', '§ 16', '§ 11', '§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 11', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 34']

OVG Rheinland-Pfalz, 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG und 1 C... - dejure.org
https://dejure.org/2010,917
OVG Rheinland-Pfalz, 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG und 1 C 10403/09.OVG (https://dejure.org/2010,917)
OVG Rheinland-Pfalz, Entscheidung vom 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG und 1 C 10403/09.OVG (https://dejure.org/2010,917)
OVG Rheinland-Pfalz, Entscheidung vom 15. November 2010 - 1 C 10320/09.OVG und 1 C 10403/09.OVG (https://dejure.org/2010,917)
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§ 2 Abs 2 BauGB, § 9 Abs 1 BauGB, § 214 Abs 1 BauGB, § 47 VwGO
Bebauungsplan zur Errichtung eines Factory-Outlet-Centers im Bereich des ICE-Bahnhofs Montabaur
BauGB § 1,BauGB § ... 1 Abs 3,BauGB § 1 Abs 4,BauGB § 1 Abs 7,BauGB § 2,BauGB § 2 Abs 2,BauGB § 2 Abs 2 S 1,BauGB § 2 Abs 2 S 2,BauGB § 2 Abs 3,BauGB § 9,BauGB § 9 Abs 1,BauGB § 9 Abs 1 Nr 1,BauGB § 12,BauGB § 34,BauGB § 34 Abs 3,BauGB § 214,BauGB § 214 Abs 1,BauGB § 214 Abs 1 Nr 1,BauGB § 214 Abs 3,BauGB § 214 Abs 3 S 2,BauGB § 214 Abs 3 S 3,BauGB § 214 Abs 4,BauGB § 233,BauGB § 233 Abs 1,BauNVO § 1,BauNVO § 1 Abs 9,BauNVO § 11,BauNVO § 11 Abs 2,BauNVO § 11 Abs 3,BauNVO § 11 Abs 3 S 1,BauNVO § 16,BauNVO § 17,BauNVO § 17 Abs 1,BauNVO § 17 Abs 2,BauNVO § 17 Abs 2 Nr 1,BauNVO § 17 Abs 2 Nr 2,GG Art 20,GG Art 20 Abs 3,LPlG § 8,LPlG § 8 Abs 3,ROG § 3,ROG § 3 Nr 2,ROG § 6,ROG § 6 Abs 2,VwGO § 47,VwGO § 47 Abs 2,VwGO § 108,VwGO § 108 Abs 1,VwVfG § 43,VwVfG § 44,VwVfG § 44 Abs 1,VwVfG § 44 Abs 2
10 %-Kriterium, 30-Minuten-Radius, Abstimmung, Abstimmungspflicht, Abweichung, Abweichungsentscheidung, Abwägung, Abwägungsgebot, Anpassungspflicht, Bauplanungsrecht, Baurecht, Bebauungsplan, Beeinträchtigung, Beeinträchtigungsverbot, Berechnungsmethode, Bestandserhebung, Bestandskraft, Beweisaufnahme, Bindungswirkung, bipolare Entwicklung, bipolares Konzept, DIN-Norm, Einkaufszentrum, Einwohnerzahl, Einzelhandel, Einzelhandelsumsatz, Einzelhandelszentralität, Einzugsgebiet, Entwicklung, Erforderlichkeit, Fabrik-Verkaufszentrum, Factory-Outlet-Center, Flächenproduktivität, FOC, FOC-typisches Sortiment, Gerichtsgutachter, Gliederungssystem, Grundflächenzahl, Grundnetz, GRZ, ICE, ICE-Bahnhof, ICE-Haltepunkt, innenstadtrelevantes Sortiment, Integrationsgebot, interkommunale Abstimmung, interkommunales Abstimmungsgebot, Investition, Inzidentprüfung, Kerneinzugsgebiet, Kongruenzgebot, Konkurrenz, Konkurrenzsituation, Konzept, Landesentwicklungsprogramm, Landesplanung, LEP, LEP III, LEP IV, Markenartikel, Markenartikelsortiment, Marktgutachten, Ministerkonferenz, Ministerkonferenz für Raumordnung, Mittelzentrum, MKRO, Montabaur, Nachbargemeinde, Nichtbeeinträchtigungsgebot, Nichtigkeit, Normenkontrollrecht, Normenkontrollverfahren, Offensichtlichkeit, Ort, Planerhaltung, Planerhaltungsvorschrift, Planungsermessen, Plausibilität, Prognose, Raumordnung, Raumordnungsplan, Raumordnungsverfahren, RROP MW, Sachbeistand, Sachverhaltsermittlung, Sachverständigengutachten, Sondergebiet, Sorgfaltspflichtverletzung, Sortiment, Sortimentsbeschränkung, Sortimentsliste, städtebauliche Selbsthilfe, Selbsthilfe, Städtebaupolitik, Tatbestandswirkung, Transparenz, Umsatzkennziffer, Umsatzprognose, Umsatzumverteilung, Unanfechtbarkeit, Verkaufsfläche, Verkaufsflächenbeschränkung, Verschulden, Versorgungsbereich, Verträglichkeitsgutachten, Verträglichkeitsstudie, Wesentlichkeit, Wettbewerb, Wettbewerbsinteresse, Zentrale-Orte-Prinzip, zentraler Ort, zentraler Versorgungsbereich, zentralörtliches Gliederungssystem, Zielabweichungsbescheid, Zielabweichungsverfahren, Einzelhandelsstandort, großflächiger Einzelhandel, Bestimmtheit, Maß der baulichen Nutzung, Maß, schädliche Auswirkung, Kaufkraftabfluss, Wettbewerbssituation, Gesamtvorhaben, zulässige Verkaufsfläche, vorhabenbezogene Typisierung, Ziel, Anpassung, Anpassungspflicht, Kongruenz, Zentralitätsgebot, Zielabweichung, Nichtbeeinträchtigung, Gutachten, Verkaufsflächenausprägung, Kaufkraftstrom, Modellierung, Vergleich, Einwohnerstruktur, Umsatzherkunft, Ermittlung
Interkommunale Abstimmungspflicht einer planenden Kommune gegenüber Nachbargemeinden hinsichtlich eines an einer Bundesautobahn geplanten Fabrikverkaufszentrums (FOC Montabaur); Verträglichkeitsgutachten als geeignete Instrumente zur Beurteilung von Umsatzumverteilungen sowie daraus resultierender städtebaulicher Auswirkungen für die Ermittlung der Auswirkungen eines Einzelhandelsvorhabens; Sog. "Zehn-Prozent-Kriterium" als sachlicher Anhaltspunkt für eine Beurteilung schädlicher Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbereiche einer Nachbargemeinde; Berücksichtigung des Verbleibs genügender eigener Entwicklungsmöglichkeiten einer Nachbargemeinde i.R.d. Beurteilung erheblicher Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbereiche der Gemeinde; Anforderungen an eine Planerhaltung bei unzureichender Ermittlung im Aufstellungsverfahren
Factory Outlet Center: Besonderheiten?
Städtebaulicher Anlass für ein Factory-Outlet-Center
Keine schädlichen Auswirkungen auf Einzelhandel durch benachbartes Einkaufscenter - Klagen gegen Factory-Outlet-Center in Montabaur bleiben ohne Erfolg
Ein Gutachten vermag m.a.W. die Prognose der planenden Gemeinde dann nicht am Maßstab von § 2 Abs. 3 BauGB zu tragen, wenn es etwa unvollständig, widersprüchlich oder aus anderen Gründen nicht schlüssig ist, von unzutreffenden tatsächlichen Voraussetzungen ausgeht oder das Prognoseergebnis durch substantiierten Vortrag eines der Beteiligten oder durch eigene Überlegungen des Gerichts ernsthaft erschüttert wird (vgl. OVG Rh-Pf., U.v. 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG - ZfBR 2011, 260 = Juris Rn. 83 m.w.N.).
Ob das der Fall ist, unterliegt der tatrichterlichen Würdigung (…vgl. BVerwG, B.v. 3.8.2011 - 4 BN 15.11 - ZfBR 2011, 777 = juris Rn. 9), also der Entscheidung des Senats gemäß § 108 Abs. 1 VwGO nach seiner freien, aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens gewonnenen Überzeugung (OVG Rh-Pf., U.v. 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG - ZfBR 2011, 260 = Juris Rn. 88).
Beurteilungsmodell auf Basis von Huff (hierzu vgl. z.B. Christoph Koller, Standortanalysen für Klein und Groß - Vom Einzugsgebiet über die Einkaufswahrscheinlichkeit zum Umsatz, Masterarbeit 2013 [Universität Salzburg], im Internet abrufbar unter https://unigis.at/clubunigis/abschlussarbeiten/;… Heinritz/Klein/Popp, Geographische Handelsforschung, 2003, S. 93 ff.) aufbaut und dabei nach bestimmten Kriterien Kaufkraftströme zwischen den relevanten Standorten vor und nach dem Markteintritt eines neuen Vorhabens ermittelt und darstellt, ist hiergegen grundsätzlich methodisch nichts einzuwenden (OVG Rh-Pf., U.v. 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG -ZfBR 2011, 260 = Juris Rn. 85;… zur grundsätzlichen Akzeptanz eines Gravitationsmodells in Anlehnung an Huff als methodengerechtes Verfahren, um die Auswirkungen eines Vorhabens auf die Einzelhandelsumsätze im Einzugsgebiet zu prognostizieren, vgl. auch OVG NRW, U.v. 1.12.2015 - 10 D 92/13.NE - juris Rn. 125).
Aufgrund der nachstehenden Erwägungen, die zur Unwirksamkeit des Bebauungsplans aus anderen Gründen führen, kann die Frage dahinstehen, ob der Senat als Ergebnis der mündlichen Verhandlung der Antragsgegnerin sowie der Beigeladenen, die sich auf die Fehlerfreiheit der Ermittlungen und Bewertungen gem. § 2 Abs. 3 BauGB bzw. auf die Aussagekraft und Transparenz des Marktgutachtens berufen, das Risiko der Nichterweislichkeit der Plausibilität der Umsatzumverteilungsangaben im Marktgutachten aufzubürden hätte (vgl. insofern auch OVG Rh-Pf., U.v. 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG - ZfBR 2011, 260 = juris Rn. 95) oder ob - vor einer solchen Entscheidung nach der Verteilung der materiellen Beweislast - ggf. gem. § 86 VwGO weitere Ermittlungen angezeigt wären.
Nach der Erstellung eines Marktgutachtens bis zum Satzungsbeschluss eingetretene Änderungen und Entwicklungen in Bezug auf Faktoren, die sich auf das Ergebnis einer vorher erfolgten Marktbegutachtung auswirken könnten - wie z.B. Änderungen der Verkaufsflächenzahlen zentraler Versorgungsbereiche in der Umgebung oder das anstehende Hinzutreten neuer Konkurrenten aufgrund einer parallelen Bauleitplanung - können der planenden Kommune mithin Anlass geben, eine bei der Anwendung des Gravitationsmodell dann mit veralteten Zahlen operierende gutachterliche Prognose aktualisieren zu lassen (OVG Rh-Pf., U.v. 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG - ZfBR 2011, 260 = juris Rn. 97).
Insoweit vertritt die Antragsgegnerin zu Unrecht die Auffassung, dass diese Kompatibilitätsfeststellung wie etwa ein raumordnungsrechtlicher Zielabweichungsbescheid(vgl. dazu OVG Koblenz, Urteil vom 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG -, BRS 76 Nr. 31 (FOC/ICE-Bahnhof Montabaur), wonach die Frage der Rechtmäßigkeit einer Zielabweichungsentscheidung angesichts der von ihr ausgehenden Bindungswirkung beziehungsweise Tatbestandswirkung nicht mehr im Rahmen einer Inzidentprüfung zum Gegenstand eines Normenkontrollverfahren gemacht werden kann, insoweit unter Verweis auf BVerwG, Beschluss vom 25.6.2007 - 4 BN 17.07 -, BauR 2007, 1712).) gegenüber den am Verfahren beteiligten zentralen Orten, also auch gegenüber der Antragstellerin, Bindungswirkung entfalte und daher keinen Raum für das vorliegende Normenkontrollverfahren mehr lasse.
Die Gemeinden haben bei der Festsetzung eines Sondergebiets für ein großflächiges Einzelhandelsprojekt für die Inhaltsbestimmung einen weiten Gestaltungsspielraum, der sich sowohl auf die Bestimmung von Wirtschaftszweigen (Branchen) als auch auf die Festsetzung bestimmter Sortimente erstreckt.(…vgl. hierzu etwa Fickert/Fieseler, BauNVO, 13. Auflage 2019, § 11 Rn 10.3, unter anderem mit Verweis auf BVerwG, Beschluss vom 21.12.2012 - 4 BN 32.12 -, BauR 2013, 561 ("Hofladen mit Rand- und Ergänzungssortimenten")) Der § 11 Abs. 2 BauNVO, wonach in den sonstigen Sondergebieten die Zweckbestimmung und die Art der Nutzung festzusetzen sind, eröffnet den Gemeinden unter bestimmten Voraussetzungen insbesondere auch eine Möglichkeit, die höchstzulässige Verkaufsfläche im Verhältnis zur Grundstücksgrenze durch eine Verhältniszahl festzulegen, sofern dadurch die Ansiedlung bestimmter Einzelhandelstypen und damit die Art der baulichen Nutzung im Sondergebiet geregelt werden soll.(OVG für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 30.9.2009 - 10 D 8/08.NE - juris) Das System der insoweit grundsätzlich zulässigen vorhabenbezogenen Typisierung wird jedenfalls in den Fällen nicht verlassen, in denen das Vorhaben praktisch einem Projekt nach § 12 BauGB entsprechen könnte und ein besonderer Anlagentyp definiert wird.(OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG -, BRS 76 Nr. 31, dort insbesondere auch zur Unzulässigkeit allein baugebietsbezogener, das heißt vorhabenunabhängiger Kontingentierungen in Bebauungsplänen; vgl. auch Bischopink, Städtebauliches Instrumentarium zur Steuerung des Einzelhandels auf kommunaler Ebene, in Praxisrelevante Themenfelder der BauNVO in der städtebaulichen Planung (Hrsg. Spannowsky/Hofmeister), S. 97 ff.) Dies ist bei dem hier geplanten Sondergebiet der Fall, da es auf das konkrete Vorhaben eines Einkaufszentrums, nicht hingegen rein auf das Baugebiet als solches zugeschnitten ist.(vgl. hierzu etwa BVerwG, Urteil vom 3.4.2008 - 4 CN 3.07 -, BauR 2008, 1273, wonach die Festsetzung einer baugebietsbezogenen, vorhabenunabhängigen Verkaufsflächenobergrenze zur Steuerung des Einzelhandels in einem Sondergebiet mangels Rechtsgrundlage in der BauNVO nicht zulässig ist, weil sie weder als Bestimmung des Maßes der baulichen Nutzung zulässig ist, weil sie nicht mit Hilfe eines der von § 16 Abs. 2 BauNVO zugelassenen Parameter (Grundfläche, Geschossfläche) vorgenommen worden ist, noch eine nach § 11 Abs. 2 Satz 1 BauNVO in sonstigen Sondergebieten zulässige Festsetzung der Art der baulichen Nutzung darstellt (städtebaulich unerwünschtes Windhundrennen")) Für letzteres fehlt eine Ermächtigungsgrundlage, weil eine vorhabenunabhängige Kontingentierung von Nutzungsoptionen der Baunutzungsverordnung grundsätzlich fremd ist.
Die Grenze der Unzumutbarkeit von Auswirkungen ist dabei nicht von der Schranke des § 1 Abs. 3 BauGB, sondern aus dem interkommunalen Abstimmungsgebot (§ 2 Abs. 2 BauGB) sowie aus dem raumordnungsrechtlichen Nichtbeeinträchtigungsgebot herzuleiten,(vgl. OVG Koblenz, Urteil vom 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG -, BRS 76 Nr. 31) und damit letztlich eine Frage ordnungsgemäßer Abwägung (§ 1 Abs. 7 BauGB).
Großflächige Einzelhandelsbetriebe im Sinne des § 11 Abs. 3 BauNVO lösen mit Rücksicht auf ihre potenziell erheblichen städtebaulichen Auswirkungen grundsätzlich einen "qualifizierten Abstimmungsbedarf" aus.(vgl. BVerwG, Urteil vom 1.8.2002 - 4 C 5.01 - BRS 65 Nr. 10; OVG Koblenz, Urteil vom 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG -, juris) Das interkommunale Abstimmungsgebot schützt nicht den in der Nachbargemeinde vorhandenen Einzelhandel vor Konkurrenz, sondern nur die Nachbargemeinde als Selbstverwaltungskörperschaft und Trägerin eigener Planungshoheit.
Erfolgt dies nicht, liegt neben einer Verletzung des Abstimmungsgebots nach § 2 Abs. 2 BauGB zugleich ein Verstoß gegen das Gebot der Ermittlung und der zutreffenden Bewertung der abwägungsbeachtlichen Belange nach Maßgabe des § 2 Abs. 3 BauGB nahe.(vgl. OVG Koblenz, Urteil vom 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG -, BauR 2011, 963) Dieses steht seit der Neufassung des Baugesetzbuchs im Jahre 2004, wonach Ermittlungs- und Gewichtungsfehler nicht mehr als Mängel der Abwägung gelten,(vgl. dazu etwa OVG des Saarlandes, Urteil vom 25.6.2009 - 2 C 487/07 -, n.v.) als verfahrensrechtlich begriffener Teilaspekt selbständig neben den inhaltlichen Anforderungen an die verhältnismäßige Gewichtung und den gerechten Ausgleich der konkurrierenden Belange gemäß § 1 Abs. 7 BauGB und das Gebot nach § 2 Abs. 2 BauGB.(vgl. BVerwG, Urteil vom 29.4.2010 - 4 CN 3.08 -, BRS 76 Nr. 7) Die Antragstellerin wurde sowohl während des Bebauungsplanverfahrens(vgl. die Aufstellung der von der Antragstellerin geltend gemachten Belange in der Abwägungsdokumentation) als auch schon zuvor bei der raumordnerischen Beurteilung im vereinfachten Raumordnungsverfahren der Landesplanungsbehörde umfassend beteiligt.
In Rechtsprechung und Literatur ist in der Folge überwiegend angenommen worden, eine Verkaufsflächenobergrenze sei dann nicht zu beanstanden, wenn der Bebauungsplan überhaupt nur ein Vorhaben zulässt (…vgl. OVG Schleswig, Urt. v. 22.4.2010 - 1 KN 19/09 -, juris; OVG Koblenz, Urteile v. 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG , 1 C 10403/09.OVG - Bischopink, ZfBR 2010, 223 ; Schmidt-Eichstaedt, BauR 2009, 755 ; Uechtritz, BauR 2008, 1821 ; a.A. Mampel, BauR 2009, 435, 441).
Vertritt ein Gutachter - hier die von der Antragstellerin beauftragte GMA - die Auffassung, zu bestimmten Fragen sei eine (unterbliebene) worst case-Analyse erforderlich, ist dem allenfalls nachzugehen, wenn er nachvollziehbar darlegt, nur eine solche Betrachtung sei im konkreten Einzelfall methodisch einwandfrei (vgl. OVG Koblenz, Urt. v. 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG -, juris Rdnrn. 81 ff. zur Bewertung von Gutachten).
Das 10 %-Kriterium ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein sachlicher Anhaltspunkt für die Beurteilung von schädlichen bzw. erheblichen Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbereiche einer Nachbargemeinde (vgl. zuletzt OVG Koblenz, Urt. v. 15.11.2010 - 1 C 10320/09 - und VGH Mannheim, Beschl. v. 9.12.2010 - 3 S 2190/10 -, jeweils mit Nachweisen).
Die 10 %-Marke kann als ein sachlicher Anhaltspunkt für die Beurteilung von schädlichen bzw. erheblichen Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbereiche einer Nachbargemeinde herangezogen werden (vgl. zuletzt OVG Koblenz, Urt. v. 15.11.2010 - 1 C 10320/09 -, BauR 2011, 963 - dazu BVerwG, Beschl. v. 3.8.2011 - 4 BN 15.11 -, BauR 2012, 204 - und VGH Mannheim, Beschl. v. 9.12.2010 - 3 S 2190/10 -, VBlBW 2011, 233, jeweils mit Nachweisen).
"Vertritt ein Gutachter - hier die von der Antragstellerin beauftragte GMA - die Auffassung, zu bestimmten Fragen sei eine (unterbliebene) worst case-Analyse erforderlich, ist dem allenfalls nachzugehen, wenn er nachvollziehbar darlegt, nur eine solche Betrachtung sei im konkreten Einzelfall methodisch einwandfrei (vgl. OVG Koblenz, Urt. v. 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG -, juris Rdnrn. 81 ff. zur Bewertung von Gutachten).
Umsatzverluste ab einer Größenordnung von etwa 10% werden als entsprechend gewichtig angesehen (vgl. OVG NRW vom 6.6.2005 Az. 10 D 155/04.NE - juris; OVG RhPf vom 15.11.2010 ZfBR 2011, 260/264).
Denn eine "10 %-Grenze" für Umsatzverluste (vgl. zu § 2 Abs. 2 BauGBUrteile des Senats vom 15.11.2010, 1 C 10320/09.OVG [FOC Montabaur] - und vom 06.05.2009, DVBl 2009, 981 jeweils m.w.N.;… vgl. auch Brügelmann, BauGB, § 2 Rn. 82) - könnte allenfalls dann angenommen werden, wenn es sich bei der Neuplanung um einen nicht integrierten Standort handeln würde, der zulasten der Innenstadt Einzelhandelsumsatz absorbiert.
Diese ist grundsätzlich als legitime Nebenwirkung hinzunehmen, wenn die eigentliche und gleichsam positive Zielsetzung einer Ausweisung von städtebaulichen Gründen getragen ist ( OVG RP, Urt. v. vom 15.11.2010 - 1 C 10320/09, DVBl 2011, 428 ).
Der Regelungszweck des § 1 Abs. 4 BauGB besteht in der "Gewährleistung materieller Konkordanz" zwischen der übergeordneten Landesplanung und der gemeindlichen Bauleitplanung (OVG RP, Urt. v. vom 15.11.2010 - 1 C 10320/09.OVG, DVBl 2011, 428).
Die genannten Mängel waren auch offensichtlich und für die Planung von Einfluss, denn bei ordnungsgemäßer weiterer Ermittlung hätte das Abwägungsergebnis ein anderes sein können (vgl. zu den Voraussetzungen im Einzelnen: Urteile des Senats vom 15.11.2010, DVBl 2011, 428).
Allgemein genügt dabei nicht die abstrakte Möglichkeit oder Vermutung, die Entscheidung wäre bei Vermeidung des Fehlers anders gefallen; vielmehr muss nach den Umständen des Einzelfalles die konkrete Möglichkeit eines solchen Einflusses bestehen (BVerwG, Urteil vom 21.08.1981, BVerwGE 64, 33 ; Beschluss vom 09.10.2003, BauR 2004, 1130; Urteil des Senats vom 15.11.2010, 1 C 10320/09, ESOVG-RP).
Soweit der Bayerische Verwaltungsgerichtshof ausgeführt hat, erst Umsatzverluste ab etwa 10 % würden als hinreichend gewichtig angesehen, um schädliche Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbereich erwarten zu lassen, vgl. BayVGH, Urteil vom 13. Dezember 2011 - 2 B 07.377 -, juris Rn. 42, führt er dafür Rechtsprechung an, die nicht zu § 34 Abs. 3 BauGB ergangen ist, sondern die im Rahmen des kommunalen Abstimmungsgebots zu berücksichtigende Unzumutbarkeit von Auswirkungen eines Vorhabens auf die Nachbarkommunen betrifft, nämlich: OVG NRW, Urteil vom 6. Juni 2005 - 10 D 155/04.NE -, juris Rn. 191 ff., und OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 15. November 2010 - 1 C 10320/09.OVG -, juris Rn. 74 ff.