Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW-RR%202009,%201318
Timestamp: 2020-02-23 11:17:30
Document Index: 51351679

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 249', 'BGH', 'BGH', '§ 249', 'BGH', 'BGH']

OLG Koblenz, 08.01.2009 - 5 U 1597/07 - dejure.org
https://dejure.org/2009,19638
OLG Koblenz, 08.01.2009 - 5 U 1597/07 (https://dejure.org/2009,19638)
OLG Koblenz, Entscheidung vom 08.01.2009 - 5 U 1597/07 (https://dejure.org/2009,19638)
OLG Koblenz, Entscheidung vom 08. Januar 2009 - 5 U 1597/07 (https://dejure.org/2009,19638)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2009,19638) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Umfang des Schadensersatzes wegen mangelhafter Durchführung von Estricharbeiten
Abzug "Neu für Alt": Wer trägt die Beweislast? Und wann scheidet ein Abzug aus? (IBR 2009, 1177)
AG Neuwied - 19 H 45/03
LG Koblenz, 28.11.2007 - 8 O 103/05
NJW-RR 2009, 1318
MDR 2010, 365
NZBau 2009, 654
VersR 2009, 1282
Denn die Klägerin hat durch die von ihr durchgeführte mangelhafte Leistung und das Ablehnen weiterer Nachbesserung selbst dazu beigetragen, dass sich die Schadensbeseitigung so lange herausgezögert hat (vgl. OLG Düsseldorf, Urteil vom 30. September 2002 - 21 U 29/02 - zitiert nach juris) und sich die Beklagte jahrelang mit einem fehlerhaften Werk begnügen musste (vgl. OLG Koblenz, Urteil vom 08. Januar 2009 - 5 U 1597/07 - zitiert nach juris).
Die Klägerin darf dadurch, dass der Vertragszweck nicht sogleich, sondern erst später erreicht wird, keine Besserstellung erfahren, da ein solches Ergebnis dem Gesetzeszweck widerspräche (vgl. OLG Koblenz, Urteil vom 08. Januar 2009 - 5 U 1597/07 - zitiert nach juris; Thüringer Oberlandesgericht, Urteil vom 19. Juli 2007 - 1 U 669/05 - zitiert nach juris).
Ebenso wie in Fällen, in denen Vorteile des Anspruchstellers auf einer Verzögerung der Mängelbeseitigung durch den Anspruchsgegner beruhen (vgl. zum Werkvertragsrecht BGH, NJW 1984, 2457, 2459 unter 3.; OLG Koblenz, NJW-RR 2009, 1318, 1319 unter 4.a)), kommt eine so weitgehende Anrechnung als den Geschädigten unzumutbar belastend und den Schädiger unbillig entlastend hier nicht in Betracht.
Das Oberlandesgericht Koblenz setzt sich mit der oben genannten Rechtsprechung zur Verzögerung der Mängelbeseitigung im Werkvertragsrecht (BGH, NJW 1984, 2457, 2459; OLG Koblenz, NJW-RR 2009, 1318, 1319 unter 4.a)) nicht auseinander, wobei die zweitgenannte Entscheidung nicht nur von demselben Gericht, sondern ausweislich des Aktenzeichens auch von demselben Senat stammt.
Die Darlegungs- und Beweislast für das Vorliegen der vorgenannten Voraussetzungen trägt der Schädiger (…OLG Hamm, a.a.O.; BGH - V ZR 84/02, NJW-RR 2004, 79, 81; BeckOK BGB/Flume, 43. Ed. Stand: 15.06.2017, § 249 Rn 342; a.A. OLG Koblenz - 5 U 1597/07, NJW-RR 2009, 1318, 1319: Der Geschädigte müsse dass Fehlen der Voraussetzungen eines Abzugs neu für alt darzutun und beweisen;… s.a. Geigel/Pardey, Haftpflichtprozess, 27. Auflage 2015, Teil 1 Kap. 9 Rn 71, der die Entscheidung des OLG Koblenz als auf einem "Missverständnis" beruhend einstuft, ihr aber unter dem Gesichtspunkt der sekundären Darlegungslast im Ergebnis insoweit zustimmt).
Ebenso wie in Fällen, in denen Vorteile des Anspruchstellers auf einer Verzögerung der Mängelbeseitigung durch den Anspruchsgegner beruhen (vgl. zum Werkvertragsrecht BGH, NJW 1984, 2457, 2459; OLG Koblenz, NJW-RR 2009, 1318, abrufbar bei juris, dort Rn. 44), kommt eine Anrechnung als den Geschädigten unzumutbar belastend und den Schädiger unbillig entlastend hier nicht in Betracht.
Dabei handelt es sich um eine unvermeidliche Nutzung, die gerade nicht den vertraglich geschuldeten unbeeinträchtigten Gebrauch ermöglicht und deshalb keinen Abzug rechtfertigt (vgl. OLG Dresden, Urteil vom 16.07.2014, Az.: 1 U 600/12; OLG Koblenz, Urteil vom 08.01.2009, Az.: 5 U 1597/07).
Solange die verlängerte Nutzungsdauer darauf beruht, dass sich der Auftragnehmer dauerhaft und trotz ständiger Leistungsaufforderungen seiner Einstandspflicht entzieht, muss der Auftraggeber sich ohnehin nicht darauf verweisen lassen, dass er das - fehlerhafte - Werk längere Zeit genutzt habe (vgl. BGH…, Urteil vom 15. Juni 1989 - VII ZR 14/88 -, juris Rn. 33;… OLG Oldenburg a.a.O. sowie Urteil vom 05. Februar 2013 - 2 U 46/12 -, juris Rn.48; OLG Koblenz, Urteil vom 08. Januar 2009 - 5 U 1597/07 -, juris Rn.44;… Palandt - Grüneberg, 76. Auflage, BGB, Vor § 249 Rn.100;… Werner/Pastor, Der Bauprozess, 15. Auflage, Rn.2949).
Ein solches Ergebnis widerspräche dem Gesetzeszweck der Gewährleistung im Werkvertragsrecht (OLG-R Koblenz 2009, 634;… Werner/ Pastor, a.a.O., Rdnr. 2949 ff. m.w.N. aus der Rechtsprechung).
Es handelt sich dabei nämlich um eine unvermeidliche Nutzung, die gerade nicht den vertraglich geschuldeten, unbeeinträchtigten Gebrauch ermöglicht und deshalb keinen Abzug rechtfertigt (BGH, Urteil vom 17.05.1984 - VII ZR 169/82, NJW 1984, 2457, 2459; OLG Koblenz, Urteil vom 08. Januar 2009 - 5 U 1597/07 -, juris).
Denn der Unternehmer, der verspätet nachbessert, kann sich hierauf nicht berufen (vgl. BGH NJW 1984, 2457, Tz. 34; OLG Koblenz NJW-RR 2009, 1318, Tz. 44).