Source: https://www.hwk-hamburg.de/ausbildung/haeufig-gestellte-fragen-faqs.html
Timestamp: 2019-04-18 20:25:46
Document Index: 198415683

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 3', '§ 19', '§ 123', '§ 17', '§ 16', '§ 9', '§ 11', '§ 4']

Häufig gestellte Fragen (FAQs) | HWK-Hamburg
Auf häufig gestellte Fragen zur Berufsausbildung finden Sie hier die Antworten. Für eine weitergehende Beratung steht Ihnen die Ausbildungsberatung gern zur Verfügung.
An wen richten sich abH?
Die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) sind für Lehrlinge gedacht, bei denen das Erreichen des Ausbildungszieles in Frage steht. Hierbei kann es sich um schulische oder sprachliche Defizite oder Probleme im sozialen Umfeld handeln.
Der Lehrling erhält Förderunterricht oder sozialpädagogische Begleitung in Kleingruppen. Der Zeitaufwand beträgt je nach Bedarf 3-8 Stunden pro Woche anhand eines abgestimmten Förderplans.
Lehrlinge, die in der Berufsschule Unterstützung benötigen (Theorie)
Lernbeeinträchtigte Lehrlinge
Sozial benachteiligte Lehrlinge
Lehrlinge mit Sprachschwierigkeiten
AbH kann ab dem ersten Ausbildungstag beantragt werden
Welche Vorteile bieten abH?
Vertiefen von Fertigkeiten und Kenntnissen
Verringern von Sprachdefiziten
Verbessern des Sozialverhaltens
Gezielte Vorbereitung auf die Gesellenprüfung
AbH ist ein Programm der Arbeitsagenturen und der Jobcenter, die die Kosten tragen.
Der Antrag wird direkt dort gestellt. Die Dauer beträgt in der Regel ein Jahr.
Eine Abmahnung ist vor einer Kündigung wegen vertragswidrigen Verhaltens (verhaltensbedingte Kündigung) erforderlich, um dem Lehrling (oder im umgekehrten Fall auch dem Ausbildenden) zunächst die Möglichkeit der Verhaltensänderung zu geben. Folgendes Fehlverhalten kann z.B. zu einer Abmahnung führen:
mangelnde Bereitschaft, die betriebliche Ordnung und Regeln zu befolgen,
Nichtvorlegen des Ausbildungsnachweises nach Aufforderung durch den Ausbilder.
Es sollten in der Regel 2-3 Abmahnungen aus dem gleichen Grund vorliegen, bevor eine Kündigung ausgesprochen wird.
Bei sehr schweren Vertrauensverstößen, wie z. B. bei Diebstahl oder Körperverletzung, kann eine Kündigung direkt ohne vorherige Abmahnung ausgesprochen werden.
Eine Abmahnung kann zwar mündlich erfolgen und ist dann auch wirksam. Aus Nachweisgründen sollte sie jedoch immer in schriftlicher Form erteilt werden.
Datum, Zeit, Ort und Art des vertragswidrigen Verhaltens müssen genau und unmissverständlich beschrieben sein.
Der Lehrling (oder im umgekehrten Fall der Ausbildende) muss aufgefordert werden, sein Fehlverhalten zu ändern und seinen Pflichten nachzukommen.
Für den Wiederholungsfall wird als nächste Konsequenz die Kündigung angedroht.
Im Ausbildungsvertrag wird grundsätzlich die tägliche/wöchentliche Ausbildungszeit vereinbart.
Die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit ist im Tarifvertrag geregelt. Der Tarifvertag kann bei der zuständigen Innung/Gewerkschaft angefragt werden.
Jugendliche (unter 18 Jahre): max. 8 Stunden täglich, max. 40 Stunden wöchentlich; bis zu 8,5 Stunden täglich, wenn diese Mehrarbeit innerhalb der gleichen Woche ausgeglichen wird (§ 8 Abs. 1 JArbSchG*).
*JArbSchG = Jugendarbeitsschutzgesetz
Erwachsene: max. 8 Stunden täglich, max. 48 Stunden wöchentlich; bis zu 10 Stunden täglich, wenn diese Mehrarbeit innerhalb von 6 Monaten ausgeglichen wird (§ 3 Abs. 1 ArbZG*).
*ArbZG = Arbeitszeitgesetz
Die Ausbildungs- bzw. Arbeitszeit wird gerechnet von Beginn bis zum Ende der täglichen Beschäftigung. Die Ausbildungszeit beginnt, sofern nichts anderes tariflich vereinbart ist, in dem Zeitpunkt, in dem der Betrieb in der Lage ist, den Lehrling einzusetzen. Zur Arbeitszeit gehören auch:
Herrichten des Arbeitsplatzes sowie sonstige Vor- und Abschlussarbeiten, z. B Material- oder Werkzeugausgabe,
Ausbildungszeiten in der überbetrieblichen Ausbildung (ÜLU),
Berufsschulzeit,
der Weg vom Ausbildungsbetrieb zu einem anderen Arbeitsplatz, wenn der Lehrling vorweg das Erscheinen auf dem Betriebsgelände verlangt, z. B. um das Fahrzeug zu beladen.
Fahrten zwischen Wohnung und Ausbildungsbetrieb und zurück,
Fahrten zwischen Wohnung und Berufsschule und zurück,
Fahrten zwischen Wohnung und überbetrieblicher Ausbildung (ÜLU) und zurück,
Ruhepausen von mindestens 15 Minuten Dauer,
Waschen und Umkleiden.
Minusstunden: Lehrlinge können keine "Minusstunden" erwirtschaften. Wenn der Ausbildungsbetrieb sie innerhalb der vereinbarten Ausbildungszeit nicht einsetzen kann oder möchte, geht dies zu Lasten des Betriebes. Lehrlinge haben für diesen Zeitraum Anspruch auf Vergütung (§ 19 Abs.1 Nr.2a BBiG*).
*BBiG = Berufsbildungsgesetz
Ein Berufsausbildungsverhältnis kann – sofern es beide Vertragsparteien wünschen - jederzeit in beiderseitigem Einvernehmen durch einen Aufhebungsvertrag beendet werden.
Die Konsequenzen des Aufhebungsvertrages müssen dem Lehrling ausführlich erläutert werden; ihm ist eine Bedenkzeit einzuräumen.
Der Aufhebungsvertrag muss schriftlich niedergelegt werden.
Eine Kopie des Aufhebungsvertrages muss an die Lehrlingsrolle der Handwerkskammer Hamburg übermittelt werden.
Wichtig: Vertrag ist Vertrag (!), d. h. es gibt keinen Anspruch auf „Nachverhandeln“;
Anfechtung ist nur bei Nachweis einer „widerrechtlichen Drohung“ möglich (§ 123 BGB*).
* BGB = Bürgerliches Gesetzbuch
Ein Muster für einen Aufhebungsvertrag finden Sie hier.
Wer darf ausbilden und was muss der Ausbildungsbetrieb beachten?
Grundsätzlich darf jeder ausbilden, der persönlich und fachlich geeignet ist oder einen geeigneten Ausbilder beschäftigt. Die Ausbildungsstätte muss nach Art und Einrichtung für die Vermittlung von Ausbildungsinhalten geeignet sein. Hinweise zur fachlichen Eignung zum Ausbilden finden Sie in unserem Merkblatt.
Was muss beachtet werden, wenn der Betrieb das erste Mal ausbilden möchte?
Die Handwerkskammer Hamburg prüft im Rahmen eines Betriebsbesuchs, ob die personellen und betrieblichen Voraussetzungen (Arbeitsplatz, Maschinen, Werkzeuge, Auftragslage) vorhanden sind.
Hierfür sollte möglichst früh ein Termin mit der Ausbildungsberatung vereinbart werden.
Welche Kosten fallen an und wer trägt sie?
Folgende Kosten trägt grundsätzlich der Ausbildungsbetrieb:
Ausbildungsmittel wie z. B. Werkzeuge, Ausbildungsnachweis, Werkstoffe.
Prüfungskosten, wie z. B. die Prüfungsgebühren und Materialkosten. Diese Kosten trägt der Betrieb auch dann, wenn die Prüfung nach Ende der vertraglich vereinbarten Ausbildungszeit stattfindet.
Kosten für Lehrgänge der überbetrieblichen Ausbildung (ÜLU).
Fahrtkosten zur überbetrieblichen Ausbildung (ÜLU) sowie Internats- und Verpflegungskosten, falls erforderlich.
Welche Kosten trägt der Lehrling?
Die Fahrtkosten zwischen der Wohnung des Lehrlings und der Ausbildungsstätte oder Berufsschule trägt der Lehrling. Ebenso die Fahrtkosten zur Gesellenprüfung (nicht aber zur Zwischenprüfung!), wie auch die Kosten der Lernmittel für die Berufsschule.
Dienstkleidung, die aus betrieblichen Gründen getragen wird (z. B. mit Firmenlogo).
Schutzbekleidung, deren Tragen vorgeschrieben ist (Arbeitsschuhe, Maske).
Berufskleidung, wenn der Arbeitgeber diese verbindlich vorschreibt.
Arbeitskleidung, die zum Schutz der eigenen Kleidung dient (z. B. Kittel).
Berufskleidung, die in bestimmten Berufen üblich ist und aus eigenem Antrieb getragen wird.
Der Ausbildungsbetrieb ist verpflichtet, dem Lehrling eine angemessene Vergütung zahlen, die mindestens jährlich ansteigen muss und spätestens am letzten Arbeitstag des laufenden Kalendermonats zu zahlen ist (§ 17 BBiG*). Der Lehrling hat einen Anspruch auf eine schriftliche Lohnabrechnung.
* BBiG = Berufsbildungsgesetz
Eine Ausbildungsvergütung gilt in der Regel dann als angemessen, wenn sie einer tarifvertraglichen Vereinbarung entspricht. Wenn tarifliche Regelungen fehlen, hat sich die Vergütung an den branchenüblichen Empfehlungen zu orientieren; in der Regel sind das Empfehlungen der zuständigen Innungen.
Eine tarifliche Ausbildungsvergütung ist dann zu zahlen, wenn sowohl der Arbeitgeber als auch der Lehrling tarifgebunden sind (Arbeitgeber: Innungsmitglied und Lehrling: Gewerkschaftsmitglied). Eine tarifliche Ausbildungsvergütung muss auch gezahlt werden, wenn der Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt worden ist oder der Ausbildungsbetrieb und der Lehrling im Ausbildungsvertrag vereinbart haben, dass die tarifliche Vergütung gelten soll.
Liegt keine Tarifgebundenheit vor, kann die Ausbildungsvergütung auch dann noch angemessen sein, wenn die tariflichen Vergütungssätze um bis zu maximal 20% unterschritten werden. Allerdings darf die Ausbildungsvergütung folgende Sätze nicht unterschreiten:
1. Lj. = 423,00 Euro
2. Lj. = 444,00 Euro
3. Lj. = 465,00 Euro
4. Lj. = 489,00 Euro
Informationen zur Höhe der Ausbildungsvergütung für die einzelnen Ausbildungsberufe finden Sie auf der Seite Ausbildungsberufe von A - Z.
Wird die Ausbildungsvergütung auch während der Berufsschulzeit gezahlt?
Die Ausbildungsvergütung ist auch für Zeiten zu zahlen, in denen sich der Lehrling in der Berufsschule, in überbetrieblichen Ausbildungsmaßnahmen oder Prüfungen befindet.
Wird das Ausbildungsverhältnis aufgrund einer nichtbestandenen Gesellenprüfung verlängert, wird die Vergütung des letzten Ausbildungsjahres fortgezahlt.
Wann hat der Lehrling Anspruch auf ein Ausbildungszeugnis?
Jeder Lehrling hat einen gesetzlichen Anspruch auf Ausstellung eines Ausbildungszeugnisses, wenn das Ausbildungsverhältnis endet (§ 16 BBiG*).
*BBiG=Berufsbildungsgesetz
Dieser Anspruch besteht immer, egal aus welchem Grund das Ausbildungsverhältnis endet. Auch im Falle eines vorzeitigen Abbruchs bzw. einer Kündigung besteht ein Zeugnisanspruch; ebenso bei einer Übernahme des Lehrlings nach Beendigung der Ausbildung.
Wann muss das Ausbildungszeugnis erstellt werden?
Die Zeugniserstellung muss so rechtzeitig erfolgen, dass es dem Lehrling am Tage der Beendigung der Ausbildung ausgehändigt werden kann, der Lehrling benötigt das Zeugnis als Bewerbungsgrundlage bei der Arbeitsplatzsuche.
Das Zeugnis ist schriftlich auf Firmenbriefbogen zu erteilen. Es muss vom Arbeitgeber oder von einem von ihm Bevollmächtigten eigenhändig unterschrieben sein.
Der Lehrling hat die Wahl zwischen einem einfachen oder einem qualifizierten Zeugnis.
Es muss lediglich die Angaben enthalten über Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung sowie über die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse des Lehrlings.
Es ist eine reine Tätigkeitsbeschreibung ohne jegliche wertende Beurteilung.
Es enthält zunächst dieselben Angaben wie ein einfaches Zeugnis.
Darüber hinaus muss es eine Beurteilung des Verhalten und der Leistung des Lehrlings enthalten.
Was ist Berufsbildungsbeihilfe (BAB)?
Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) ist ein staatlicher Zuschuss, den die Agentur für Arbeit unter bestimmten Voraussetzungen zahlt, um eine Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf zu ermöglichen.
BAB kann bei der Agentur für Arbeit beantragt werden. Ob und in welcher Höhe ein Lehrling Anspruch auf BAB hat, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Grundsätzlich können Lehrlinge bezuschusst werden, die
2) über 18 Jahre sind, einen eigenen Haushalt führen, verheiratet sind oder waren, mindestens ein Kind haben, oder aus schwerwiegenden Gründen nicht bei ihren Eltern leben können.
Nach Abschluss des Ausbildungsvertrages wird der Lehrling vom Ausbildungsbetrieb bei der Berufsschule angemeldet. Die zuständige Berufsschule ist auf unserer Seite Ausbildungsberufe von A – Z bei dem entsprechenden Ausbildungsberuf zu finden.
Muss der Lehrling zum Besuch der Berufsschule freigestellt werden?
Der Berufsschulunterricht ist die zweite Säule der dualen Berufsausbildung im Handwerk und der Besuch ist verpflichtend. Der Ausbildungsbetrieb muss den Lehrling für den Besuch der Berufsschule freistellen. Eine Beschäftigung während dieser Zeit ist nicht erlaubt. Beginnt der Schulunterricht vor 9 Uhr, darf der Lehrling (auch nicht über 18 Jahren) vorher nicht im Betrieb beschäftigt werden.
Bei Jugendlichen (§ 9 Abs. 2 JArbSchG*):
* JArbSchG = Jugendarbeitsschutzgesetz
Ein Berufsschultag pro Woche mit mehr als 5 Unterrichtsstunden à 45 Minuten wird mit 8 Zeitstunden angerechnet – an diesem Tag darf der Jugendliche im Betrieb nicht mehr beschäftigt werden. Kommt ein zweiter Berufsschultag dazu, wird nur die tatsächliche Unterrichtszeit plus Pausenzeit auf die betriebliche Ausbildungszeit angerechnet; in der verbleibenden Zeit darf der Lehrling noch im Betrieb beschäftigt werden. Die erforderliche Wegezeit von der Berufsschule zum Betrieb wird nicht auf die Arbeitszeit angerechnet.
Berufsschulwochen mit einem planmäßigen Blockunterricht von mindestens 25 Unterrichtsstunden an mindestens 5 Tagen werden mit 40 Stunden auf die Ausbildungszeit angerechnet; in dieser Woche ist keine Beschäftigung im Betrieb mehr zulässig. Möglich in dieser Woche sind jedoch zusätzliche betriebliche Ausbildungsveranstaltungen bis zu 2 Stunden.
Soweit der Berufsschulunterricht inklusive Pausen- und Wegezeiten innerhalb der betrieblichen Ausbildungszeit liegt, wird die insoweit deckungsgleiche Ausbildungszeit durch den Berufsschulunterricht ersetzt. Minusstunden gibt es nicht, es darf kein Nacharbeiten erfolgen!
Soweit der Berufsschulunterricht außerhalb der betrieblichen Ausbildungszeit liegt, findet dieser keine Berücksichtigung bei der betrieblichen Ausbildungszeit. Dies kann dazu führen, dass die Ausbildungszeit insgesamt (Berufsschule + betriebliche Ausbildung) größer ist als die im Ausbildungsvertrag vereinbarte Ausbildungszeit. Die gesetzliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden wöchentlich darf aber in keinem Fall überschritten werden.
Die Fahrtkosten zum Kunden oder zur Baustelle. Fährt der Lehrlinge direkt vom eigenen Wohnort zur Baustelle oder von der Baustelle nach Hause, dann trägt der Betrieb nur die zusätzlichen Kosten, die die Fahrtkosten zwischen Wohnung und Betrieb übersteigen.
Die Fahrtkosten zur Zwischenprüfung, da es sich hierbei um eine betriebliche Ausbildungsveranstaltung (verpflichtende Lernstandskontrolle) handelt.
Der Betrieb muss nur die tatsächlich entstandenen Kosten erstatten: Fährt der Lehrling mit öffentlichen Verkehrsmitteln, muss der Betrieb diese (ggf. auch ermäßigten) Kosten erstatten.
Die Fahrtkosten zwischen der Wohnung des Lehrlings und der Ausbildungsstätte oder der Berufsschule.
Fahrtkosten zur Gesellenprüfung (auch Teil 1).
Kann der Betrieb verlangen, dass der Lehrling mit dem Privatfahrzeug fährt?
Der Ausbildungsbetrieb kann vom Lehrling nur dann den Einsatz von dessen Privatfahrzeug für dienstliche Zwecke verlangen, wenn eine entsprechende Vereinbarung im Ausbildungsvertrag besteht.
HVV-Berechtigungsnachweis für ermäßigte Fahrkarten
Was ist ein HVV-Berechtigungsnachweis für Lehrlinge?
Mit diesem HVV-Berechtigungsnachweis können Lehrlinge ermäßigte Fahrkarten (Monats-, Jahreskarten) im Hamburger Verkehrsverbund erwerben.
Wer erhält einen HVV-Berechtigungsnachweis?
Lehrlinge des Hamburger Handwerks, deren Ausbildungsvertrag in die Lehrlingsrolle der Handwerkskammer Hamburg eingetragen ist, erhalten einen HVV-Berechtigungsnachweis.
Wann wird der HVV-Berechtigungsnachweis ausgestellt und wie lange ist er gültig?
Nach Registrierung des Ausbildungsvertrages in der Lehrlingsrolle wird der HVV-Berechtigungsnachweis von der Handwerkskammer Hamburg etwa fünf Wochen vor Ausbildungsbeginn automatisch an die Privatanschrift des Lehrlings gesandt.
Die Bescheinigung ist in der Regel ein Jahr lang gültig. Die Bescheinigungsdauer richtet sich nach der Ausbildungszeit und nicht nach bereits vorhandenen HVV-Karten (z. B. Schülerkarten). Folgebescheinigungen werden immer automatisch ca. 6-8 Wochen vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres an den Ausbildungsbetrieb gesandt.
Was ist, wenn der Ausbildungsvertrag noch nicht in der Lehrlingsrolle eingetragen ist?
In diesem Fall besorgen sich die Lehrlinge zunächst einen Blanko-Berechtigungsnachweis bei einer HVV-Servicestelle. Diesen lassen Sie sich vom Ausbildungsbetrieb ausfüllen (unbedingt die Ausbildungszeit eintragen) und unterschreiben. Den ausgefüllten und unterschriebenen HVV-Berechtigungsnachweis lassen Sie sich dann am Empfang der Handwerkskammer Hamburg bestätigen (Stempel).
Was ist, wenn der HVV-Berechtigungsausweis verloren gegangen ist?
Bei Verlust des HVV-Berechtigungsausweis genügt ein Anruf bei der Handwerkskammer Hamburg (040 35905-398); dann kann eine Ersatzausfertigung ausgestellt werden.
Erhalten Umschüler auch einen HVV-Berechtigungsnachweis?
Leider nein, da geförderte Umschulungsmaßnahmen und ähnliche Maßnahmen bereits immer einen Fahrtkostenzuschuss beinhalten.
Was muss der Lehrling tun, wenn er krank ist?
Wenn der Lehrling erkrankt ist und nicht an der betrieblichen Ausbildung, dem Berufsschulunterricht oder sonstigen Ausbildungsveranstaltungen teilnehmen kann, ist er verpflichtet dem Ausbildenden (Betrieb) die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Die Mitteilung muss spätestens vor Beginn der Arbeitszeit und in der Regel telefonisch erfolgen. Über die Art der bestehenden Krankheit muss der Lehrling keine Angaben machen.
Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als 3 Kalendertage, hat der Lehrling dem Ausbildenden eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens am vierten Arbeitstag der Arbeitsunfähigkeit vorzulegen. Der Ausbildende ist berechtigt, eine ärztliche Bescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag zu verlangen.
Wie lange ist die Ausbildungsvergütung bei Krankheit des Lehrlings zu zahlen?
Für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit bis zur Dauer von sechs Wochen muss der Ausbildende dem Lehrling die Ausbildungsvergütung fortzahlen. Für die über sechs Wochen hinausgehende Zeit erhält der Lehrling Krankengeld von seiner Krankenkasse.
Die Kündigung kann von beiden Vertragsparteien ohne Einhalten einer Kündigungsfrist und ohne Angaben von Gründen ausgesprochen werden. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen.
Achtung: Bei einer Schwangerschaft gilt dies nicht, da der Kündigungsschutz hier eine höhere Priorität besitzt. Ein Kündigungsverbot gegenüber Schwangeren gilt sogar schon in der Zeit zwischen Vertragsabschluss und Ausbildungsbeginn.
Wie kann nach der Probezeit gekündigt werden?
Nach der Probezeit kann das Ausbildungsverhältnis vom Lehrling oder vom Ausbildenden (Betrieb) aus einem wichtigen Grund ohne Einhalten einer Kündigungsfrist (fristlos) gekündigt werden.
Ein wichtiger Grund ist gegeben, wenn nach Abwägung aller Umstände und Interessen die Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses dem Kündigenden nicht länger zuzumuten ist. Zu unterscheiden sind die verhaltensbedingte oder betriebsbedingte Kündigung.
Gründe für eine verhaltensbedingte Kündigung aus Sicht des Ausbildenden können sein:
Wiederholtes vertragswidriges Verhalten des Lehrlings, wie z.B. Zuspätkommen, unentschuldigtes Fehlen, Verstöße gegen die Betriebsordnung,
Gewaltandrohung oder –anwendung,
Straftaten im Betrieb.
Gründe für eine verhaltensbedingte Kündigung aus Sicht des Lehrlings können sein:
Mangelhafte Ausbildung, ausbildungsfremde Tätigkeiten,
Beleidigung, Mobbing, Gewalt,
Fehlen eines Ausbilders.
Gründe für eine betriebsbedingte Kündigung aus Sicht des Ausbildenden können sein
Stilllegung des Ausbildungsbetriebes.
Achtung bei Insolvenz: In diesem Fall kann nur der Insolvenzverwalter kündigen. Ein Insolvenzantrag reicht für eine Kündigung noch nicht aus.
Gründe für eine betriebsbedingte Kündigung aus Sicht des Lehrlings können sein:
Verlegung des Ausbildungsbetriebes an einen anderen, weit entfernten Ort.
Grundsätzlich gilt: Je länger ein Ausbildungsverhältnis besteht, desto strengere Anforderungen werden an eine Kündigung gestellt. Der Kündigungsgrund oder das Bekanntwerden des Kündigungsgrunds darf nicht länger als 14 Tage zurückliegen.
Ist eine Kündigung ohne vorausgegangene Abmahnung möglich?
Vor einer Kündigung wegen vertragswidrigen Verhaltens müssen der Ausbildende bzw. der Lehrling in der Regel wiederholt abgemahnt haben. Nur bei sehr schweren Vertrauensverstößen (z.B. Diebstahl) oder anderen schwerwiegenden Vorkommnissen (z.B. Tätlichkeit, sexuelle Belästigung) ist eine verhaltensbedingte Kündigung ohne vorherige Abmahnung möglich.
Die Kündigung muss schriftlich und unter Angaben des wichtigen Kündigungsgrundes erfolgen. Der Empfänger muss eindeutig erkennen können, um welche konkreten Vorfälle es sich handelt. Erforderlich sind also Angaben über Ort, Zeit (Datum, Uhrzeit) und Art des Vertragsverstoßes. Schlagwortartige Hinweise wie „Störung des Betriebsfriedens“ oder „Häufiges Zuspätkommen“ genügen nicht. Die Kündigung gegenüber einem minderjährigen Lehrling wird nur wirksam, wenn sie dem gesetzlichen Vertreter zugeht. Will der minderjährige Lehrling kündigen, muss der gesetzliche Vertreter die Kündigung erklären.
Bei einer Kündigung durch den Ausbildungsbetrieb: Sofern es einen Betriebsrat gibt, muss dieser vor Ausspruch der Kündigung angehört werden. Die Gründe für die Kündigung sind dem Betriebsrat mitzuteilen.
Kann der Lehrling kündigen, wenn er den Beruf aufgeben will?
Nach der Probezeit hat der Lehrling die Möglichkeit, mit einer Kündigungsfrist von 4 Wochen zu kündigen, wenn er die Ausbildung in dem jetzigen Beruf insgesamt aufgeben oder eine Ausbildung in einem anderen Beruf aufnehmen will. Auch diese Kündigung muss schriftlich unter Angabe des Kündigungsgrundes erfolgen.
Wie sollte eine Kündigung zugestellt werden?
Die Zustellung kann durch persönliche Übergabe (Empfang bestätigen lassen!) oder durch Postversand per Einschreiben mit Rückschein erfolgen. Möglich ist auch der Einwurf der Kündigung durch Boten in den Briefkasten (Datum, Uhrzeit protokollieren; am besten durch Zeugen).
Wann ist der Zugang bewirkt?
Entweder direkt bei der persönlichen Übergabe oder bei Einwurf in den Briefkasten, zu dem Zeitpunkt, zu dem der Empfänger gewöhnlich mit Posteingang rechnen muss.
Wer ist über die Kündigung zu informieren?
Die Handwerkskammer Hamburg, die zuständige Innung und die Berufsschule sind in allen Fällen vom Ausbildenden über die Kündigung zu unterrichten.
Gibt es auch andere Möglichkeiten, um ein Ausbildungsverhältnis vorzeitig zu beenden?
Ein Ausbildungsverhältnis kann jederzeit in beiderseitigem Einvernehmen durch einen Aufhebungsvertrag beendet werden. Vor Abschluss eines Aufhebungsvertrages sollte jedoch stets erwogen werden, ob das Ausbildungsverhältnis nicht durch die Einschaltung Dritter (z.B. Ausbildungsberatung der Handwerkskammer Hamburg) gerettet werden kann. Erst wenn alle Vermittlungsmöglichkeiten erfolglos ausgeschöpft sind, sollte ein Vertrag zur Aufhebung des Ausbildungsverhältnisses geschlossen werden.
Welche Besonderheiten gelten bei Abschluss eines Ausbildungsvertrages?
Der Ausbildungsvertrag kann mit einem Jugendlichen nur wirksam geschlossen werden, wenn seine gesetzlichen Vertreter dem Ausbildungsvertrag durch Unterschrift auf dem Vertrag zustimmen. Gesetzliche Vertreter sind in der Regel nur beide Eltern gemeinsam, es sei denn, dass einem von ihnen das Sorgerecht allein übertragen worden ist. In diesem Fall muss eine Sorgerechtsbescheinigung oder das Urteil des Familiengerichtes, aus dem das alleinige Sorgerecht hervorgeht, vorgelegt werden.
Was ist bei Kündigung und Abmahnung von minderjährigen Lehrlingen zu beachten?
Kündigung und Abmahnung eines Jugendlichen werden nur wirksam, wenn sie dem gesetzlichen Vertreter zugehen. Will der Jugendliche seinerseits kündigen, muss der gesetzliche Vertreter die Kündigung erklären.
Welches Gesetz ist bei minderjährigen Lehrlingen besonders zu beachten?
Minderjährige Lehrlinge gelten als Jugendliche im Sinne des Jugendarbeitsschutzgesetzes. Zu beachten sind vor allem die Bestimmungen dieses Gesetzes zur Dauer der Arbeitszeit und Schichtzeit, zu den Ruhepausen, zur Fünf-Tage-Woche, zum Urlaub und zu gefährlichen Arbeiten. Jugendliche müssen vom Ausbildungsbetrieb ganz besonders über Unfall- und Gesundheitsgefahren belehrt werden. Das Jugendarbeitsschutzgesetz sowie die Anschrift der zuständigen Aufsichtsbehörde müssen an geeigneter Stelle aushängen. Bei mehr als drei Jugendlichen müssen die Arbeitszeiten und Ruhepausen aushängen. Der Arbeitgeber hat ein Verzeichnis der Jugendlichen zu führen.
Darf ein jugendlicher Lehrling ohne vorherige ärztliche Untersuchung ausgebildet werden?
Ein Jugendlicher darf nur ausgebildet werden, wenn er innerhalb der letzten 14 Monate vor Beginn der Ausbildung ärztlich untersucht worden ist (Erstuntersuchung) und dem Arbeitgeber hierüber eine Bescheinigung vorlegt.
Die Untersuchung kann von jedem Arzt vorgenommen werden, der Jugendliche hat freie Arztwahl.
Die Untersuchung ist für den Ausbildungsbetrieb und den Jugendlichen kostenlos, da die Kosten vom Land getragen werden. Für den Nachweis dieser Untersuchungen ist die Nutzung eines Formulars vorgeschrieben, das in Hamburg bei den Bezirksämtern und in den umliegenden Bundesländern bei den Wirtschafts- und Ordnungsämtern erhältlich ist.
Die Bescheinigung über die Erstuntersuchung ist der Lehrlingsrolle mit dem Ausbildungsvertrag zuzusenden, ansonsten kann der Vertrag nicht eingetragen werden.
Wann muss die ärztliche Nachuntersuchung dem Betrieb spätestens vorliegen?
Die Nachuntersuchung muss ein Jahr nach Aufnahme der Beschäftigung vom Lehrling vorgelegt werden, wenn der Lehrling dann noch nicht volljährig ist. Neun Monate nach Ausbildungsbeginn muss er ausdrücklich zur Nachuntersuchung aufgefordert werden. Wenn der Jugendliche nach Ablauf eines Jahres nach Aufnahme der Ausbildung keine Nachuntersuchung vorlegt, ist er schriftlich aufzufordern, diese innerhalb eines Monats vorzulegen. Nach Ablauf von 14 Monaten nach Aufnahme der Ausbildung darf der Jugendliche dann nicht weiterbeschäftigt werden.
Die Dauer der Probezeit beträgt mindestens einen Monat und höchstens vier Monate, sie wird im Berufsausbildungsvertrag festgelegt. Während der Probezeit kann das Ausbildungsverhältnis von beiden Vertragsparteien fristlos ohne Angabe von Gründen schriftlich gekündigt werden.
Neue Lehrlinge einführen:
Der Ausbildungsstart bedeutet für viele Lehrlinge eine starke Veränderung. Daher ist es wichtig, dass die Neuen anfangs viel Rückmeldungen erhalten. Sie benötigen Bestätigung und Anerkennung, um sich in der neuen Umgebung zu orientieren.
Testen und beurteilen:
Während der Probezeit überprüfen Ausbilder im Arbeitsalltag durch vielfaltige Aufgaben, ob die neuen Lehrlinge fachlich für den Beruf geeignet sind und menschlich in den Betrieb passen.
Entscheidung fällen:
Spätestens am Ende der Probezeit muss der Ausbilder entscheiden, ob der Lehrling für den Beruf geeignet ist und sich in den Betrieb einfügen kann. Der Lehrling nutzt die Probezeit um zu entscheiden, ob seine Berufswahl richtig war.
Wenn die Probezeit um mehr als ein Drittel unterbrochen wird, z. B. auf Grund einer Erkrankung, so verlängert sie sich gemäß Berufsausbildungsvertrag um den Zeitraum der Unterbrechung.
Als Ruhepause gilt nur eine Arbeitsunterbrechung von mind. 15 Minuten.
Wie lang ist die Ruhepause bei Jugendlichen?
Ruhepausen für Jugendliche (§ 11 JArbSchG*):
*(JArbSchG = Jugendarbeitsschutzgesetz)
Arbeitszeit von 4,5 – 6 Stunden: mind. 30 Minuten Pause
Arbeitszeit mehr als 6 Stunden: mind. 60 Minuten Pause
Jugendliche dürfen nie länger als 4,5 Stunden ohne Pause beschäftigt werden. Die Ruhepausen müssen im Voraus feststehen. Sie dürfen frühestens eine Stunde nach Beginn und müssen spätestens eine Stunde vor Ende der Arbeitszeit gewährt und genommen werden.
Wie lang ist die Ruhepause bei Erwachsenen?
Ruhepausen für Erwachsene (§ 4 ArbZG*):
*(ArbZG = Arbeitszeitgesetz)
Arbeitszeit von 6 – 9 Stunden: mind. 30 Minuten Pause (erste Pause spätestens nach 6 Stunden)
Arbeitszeit mehr als 9 Stunden: mind. 45 Minuten Pause
Die Ruhepausen müssen im Voraus feststehen.
Was ist die Ruhezeit?
Die Ruhezeit ist die ununterbrochene Freizeit zwischen Beendigung der Arbeitszeit und dem Beginn der neuen Arbeitszeit. Sie beträgt bei Jugendlichen mindestens 12, bei Erwachsenen mindestens 11 Stunden.
Eine Teilzeitberufsausbildung richtet sich an junge Frauen und Männer, die Ausbildung und Familie unter einen Hut bringen und so ihre Chancen im späteren Berufsleben steigern möchten. Für den Ausbildungsbetrieb bietet sich die Gelegenheit motivierte Fachkräfte auszubilden. Bei der Teilzeitberufsausbildung wird die tägliche bzw. wöchentliche Ausbildungszeit reduziert. Eine Mindestausbildungszeit von 25 Stunden wöchentlich sollte dabei nicht unterschritten werden. Die Berufsschulzeiten und die Zeiten in der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) bleiben von der Teilzeitvereinbarung unberührt und müssen über die volle Zeit wahrgenommen werden.
1. Eine Ausbildung in Teilzeit setzt ein „berechtigtes Interesse“ voraus.
Ein berechtigtes Interesse liegt beispielsweise vor, wenn der Lehrling ein eigenes Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen betreut oder selbst schwerbehindert ist und daher die regelmäßige wöchentliche Ausbildungszeit von rd. 40 Stunden nicht bewältigen kann.
2. Eine weitere Voraussetzung ist, dass beim Lehrling Gründe zur Verkürzung der Ausbildungszeit vorliegen, wie z.B. ein mittlerer oder höherer Schulabschluss oder Lebensalter zu Beginn der Berufsausbildung über 21 Jahre.
3. Liegen keine Verkürzungsgründe gemäß Punkt 2 vor, kann im Einzelfall eine Verkürzung der täglichen bzw. wöchentlichen Ausbildungszeit bei gleichzeitiger Verlängerung der kalendarischen Ausbildungszeit erfolgen.
Weitere Informationen finden Sie in den Verkürzungsrichtlinien der Handwerkskammer Hamburg.
Dürfen Lehrlinge Überstunden (Mehrarbeit) machen?
Eine Pflicht zum Ableisten von Überstunden besteht grundsätzlich nur dann, wenn dies einzelvertraglich, in einem Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung geregelt ist. Das Weisungsrecht des Arbeitgebers allein reicht zur Anordnung von Überstunden nicht aus.
Bei jugendlichen Lehrlingen (unter 18 Jahren) ist Mehrarbeit über die wöchentliche Ausbildungszeit von 40 Stunden nicht gestattet. Zudem gibt es weitere Einschränkungen wie z.B. Nachtruhe, Schichtzeit und die Fünf-Tage-Woche, die eine Mehrarbeit ausschließen.
Bei Mehrarbeit gilt der Grundsatz, dass eine über die vereinbarte regelmäßige Ausbildungszeit hinausgehende Beschäftigung besonders zu vergüten oder durch Freizeit auszugleichen ist. Die Entscheidung hierüber trifft der Arbeitgeber; sie sollte die Belange des Lehrlings berücksichtigen.
Welche Aufgaben hat die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU)?
Die in der Ausbildungsordnung vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte erfordern zum Teil eine systematische Vermittlung in einer produktionsunabhängigen Lehrwerkstatt, über die Handwerksbetriebe in der Regel aus Kosten- und Kapazitätsgründen nicht verfügen. In den meisten Ausbildungsberufen im Handwerk wird die betriebliche Ausbildung daher durch die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) ergänzt.
die Ergänzung und Sicherung eines einheitlich hohen Ausbildungsniveaus durch den Ausgleich von innerbetrieblichen Spezialisierungen und
die Anpassung der Berufsqualifikation an die aktuelle technologische Entwicklung sicher.
Auf unserer Homepage finden Sie unter Ausbildungsberufe A – Z bei den einzelnen Ausbildungsberufen die jeweils vorgesehenen ÜLUs.
Ist die ÜLU verpflichtend und wer trägt die Kosten?
Die Teilnahme an der ÜLU ist für den Lehrling verpflichtend. Der Ausbildungsbetrieb hat den Lehrling zur Teilnahme freizustellen und die Kosten zu übernehmen (Lehrgangskosten und bei auswärtiger ÜLU auch die Fahrt- und Internatskosten).
Was ist die Rechtsgrundlage für die ÜLU?
Die Rechtsgrundlage bildet die Anordnung der Handwerkskammer Hamburg zur Regelung der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung.
Wie viel Urlaubsanspruch hat ein Lehrling im Kalenderjahr?
Urlaub wird grundsätzlich immer kalenderjährlich berechnet. Sofern nicht günstigere tarifvertragliche Regelungen bestehen, ergibt sich der Mindesturlaubsanspruch
für Jugendliche aus dem Jugendarbeitsschutzgesetz und
Erwachsene Lehrlinge haben einen gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch von 24 Werktagen. Werktage sind alle Kalendertage, die nicht Sonntage oder gesetzliche Feiertage sind. Der Samstag ist also ein Werktag und zählt als Urlaubstag auch dann, wenn er kein Arbeitstag ist. 24 Werktage entsprechen somit 4 Wochen Urlaub. Etwas Anderes gilt nur dann, wenn der Urlaub nach Arbeitstagen (= Tage, an denen im Betrieb tatsächlich gearbeitet wird) vereinbart ist.
Der volle Urlaubsanspruch wird erstmalig nach sechsmonatigem Bestehen des Ausbildungsverhältnisses erworben.
Wieviel Urlaubsanspruch hat der Lehrling, wenn er nicht das ganze Kalenderjahr im Ausbildungsbetrieb ist?
Besteht das Ausbildungsverhältnis im Kalenderjahr weniger als 12 Monate, haben Lehrlinge nur Anspruch auf Teilurlaub; und zwar für jeden vollen Ausbildungsmonat 1/12 des Jahresurlaubsanspruchs, hierbei sind Bruchteile von mindestens einem halben Tag aufzurunden.
Ausnahme: Bei Ausbildungsbeginn vor dem 01.07. oder Ausbildungsende nach dem 30.06. eines Jahres hat der Lehrling den vollen gesetzlichen Urlaubsanspruch.
Wann muss der Lehrling seinen Urlaub nehmen?
Den Zeitpunkt des Urlaubs bestimmt der Ausbildungsbetrieb, wobei die Wünsche des Lehrlings zu berücksichtigen sind. Bei Jugendlichen soll der Urlaub während der Berufsschulferien gewährt werden.
Was passiert, wenn der Lehrling im Urlaub erkrankt?
Krankheitstage, für die der Lehrling ein ärztliches Attest vorlegen kann, dürfen nicht auf den Jahresurlaub angerechnet werden. Der Lehrling sollte im Krankheitsfall auch im Urlaub unverzüglich Kontakt mit dem Ausbildungsbetrieb aufnehmen und seine Krankheit anzeigen.
Darf der Lehrling während des Urlaubs für einen anderen Arbeitgeber arbeiten?
Während des Urlaubs darf der Lehrling keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten.
Verkürzung bzw. Verlängerung der Ausbildung
Die in der Ausbildungsordnung vorgegebene Ausbildungszeit kann verkürzt werden, sofern Verkürzungsgründe vorliegen. Verkürzungsgründe sind beispielsweise:
Lebensalter zu Beginn der Ausbildung über 21 Jahre
Fortsetzung der Berufsausbildung in demselben oder in einem anderen Beruf
Weiterführende Informationen finden Sie in den Verkürzungsrichtlinien der Handwerkskammer Hamburg.
Wann kann eine Verkürzung beantragt werden?
Bereits bei Vertragsabschluss können der Lehrling und der Ausbildungsbetrieb im Berufsausbildungsvertrag eine verkürzte Ausbildungszeit vereinbaren. Während der laufenden Berufsausbildung können der Lehrling und der Ausbildungsbetrieb gemeinsam einen Verkürzungsantrag stellen.
Zu beachten ist, dass die Restausbildungszeit nach der Verkürzung noch mindestens 12 Monate betragen soll.
Nur in Ausnahmefällen kann die Handwerkskammer Hamburg die Ausbildungszeit auf Antrag des Lehrlings verlängern, wenn die Verlängerung erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Längere Ausfallzeiten (z.B. durch Krankheit) einhergehend mit nicht ausreichenden Leistungen können beispielsweise ein Verlängerungsgrund sein. Der Antrag auf Verlängerung der Ausbildungszeit muss im noch laufenden Berufsausbildungsverhältnis gestellt werden.
Bei einer nicht bestandenen Gesellenprüfung verlängert sich die Ausbildungszeit auf Verlangen des Lehrlings bis zur nächstmöglichen Gesellenprüfung. Diese Verlängerung muss der Handwerkskammer Hamburg mit einem Nachlernvertrag angezeigt werden.