Source: http://m.hensche.de/Berlin_Diskriminierung_Alter_LAG_Berlin_keine_Diskriminierung_wegen_Alters_durch_Stellenausshreibung_Junior-Personalreferent_LAG_Berlin-Brdbg_5Sa847-11_u.html
Timestamp: 2017-03-27 20:20:28
Document Index: 165994318

Matched Legal Cases: ['§ 22', 'EuG', '§ 15', '§ 8', '§ 66', '§ 519', '§ 7', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 7', '§ 3', '§ 1', '§ 8', '§ 611', '§ 15', '§ 15', '§ 1', '§ 22', '§ 1', '§ 22', '§ 3', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 17', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'Art. 6', 'Art. 2', '§ 1004', '§ 15']

HENSCHE Arbeitsrecht: 5 Sa 847/11
Die Aus­schrei­bung ei­ner Stel­le mit der Be­zeich­nung "Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent Re­cruit­ing" be­inhal­tet kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung älte­rer Be­wer­ber we­gen des Al­ters.
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 24.02.2011, 33 Ca 14979/10
Verkündet am 21.07.2011 Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben) 5 Sa 847/11
33 Ca 14979/10Ar­beits­ge­richt Ber­lin F.Ge­richts­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­ter/in der Geschäfts­stel­le Im Na­men des Vol­kes
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 5. Kam­mer, auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 21. Ju­li 2011durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt M. als Vor­sit­zen­deso­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter H. und K.
I. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 24.02.2011 - 33 Ca 14979/10 - wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
T a t b e s t a n d Die Par­tei­en strei­ten um Entschädi­gungs- und Scha­dens­er­satz­ansprüche so­wie um ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch we­gen Be­nach­tei­li­gung bei der Stel­len­be­wer­bung.
Die Be­klag­te, ein Un­ter­neh­men der Wer­be­bran­che mit ei­ner Viel­zahl von Ar­beit­neh­mern, schrieb am 21.04.2010 auf ei­ner In­ter­net-Platt­form ei­ne Stel­le als „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent Re­cruit­ing (m/w)“ un­ter Hin­weis dar­auf aus, dass zu den Auf­ga­ben die­ser Stel­le ins­be­son­de­re die in­ter­na­tio­na­le Re­kru­tie­rung von Fach- und Führungs­kräften gehöre. Im An­for­de­rungs­pro­fil wur­den der er­folg­rei­che Ab­schluss ei­nes wirt­schafts- oder rechts­wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­ums mit Schwer­punkt Per­so­nal, das Sam­meln ers­ter ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­run­gen im Per­so­nal­we­sen, ins­be­son­de­re im Be­reich Re­cruit­ing, sehr gu­te MS-Of­fice-Kennt­nis­se so­wie ver­hand­lungs­si­che­re Eng­lisch­kennt­nis­se in Wort und Schrift ver­langt (Ko­pie der Stel­len­aus­schrei­bung Bl. 9 d. A.). Der Kläger be­warb sich auf­grund die­ser Stel­len­aus­schrei­bung mit Schrei­ben vom 26.04.2010 (Bl. 58 d. A.) bei der Be­klag­ten, in dem er auf sein Al­ter von 41 Jah­ren, sei­nen Ab­schluss als Di­plom­be­triebs­wirt mit Stu­di­en­schwer­punkt Per­so­nal­ma­nage­ment, sei­ne Be­rufs­er­fah­rung und sei­ne Ge­halts­vor­stel­lung von 3.300,00 € brut­to hin­wies. Aus dem bei­gefügten Le­bens­lauf (Bl. 59/ 60 d. A.) er­ga­ben sich sein Fach­hoch­schul­ab­schluss, ein nach­fol­gend von 1998 bis 2002 durch­geführ­tes Wirt­schaftspädago­gik­stu­di­um, ab­ge­schlos­sen mit dem Vor­di­plom für Di­plom-Han­dels­leh­rer, sehr gu­te EDV-Kennt­nis­se und gu­te Eng­lisch­kennt­nis­se in Wort und Schrift.
Der Kläger weist dar­auf hin, dass das eng­li­sche Wort „ju­ni­or“ mit „jung“ über­setzt wer­de, und meint, es sei nicht nach­voll­zieh­bar, dass mit den Be­grif­fen „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent“ und „Se­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent“ aus­sch­ließlich ei­ne Un­ter­schei­dung der Hier­ar­chie­ebe­nen ge­meint sei. Es sei auch die Ein­stel­lung ei­nes Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­ren­ten denk­bar, wenn es in ei­nem Un­ter­neh­men kei­nen Se­ni­or Per­so­nal­re­fe­ren­ten ge­be. Wo kein Se­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent exis­tie­re, ge­be es kei­ne Hier­ar­chie, der sich ein Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent un­ter­zu­ord­nen ha­be. So­fern aber auch ei­ne an­de­re Aus­le­gung des Be­grif­fes Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent denk­bar sei, ob­lie­ge der Be­klag­ten die Dar­le­gungs- und Be­weis­last, dass das Al­ter bei der Stel­len­be­set­zung kei­ne Rol­le ge­spielt ha­be. Die For­mu­lie­rung „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent“ las­se eben­so die Ver­mu­tung zu, dass ge­zielt nach jünge­ren Be­wer­bern ge­sucht wer­de, zu­mal es bei der Be­klag­ten da­mals kei­nen Se­ni­or Per­so­nal­re­fe­ren­ten ge­ge­ben ha­be und in der Wer­be- und Me­di­en­bran­che ein nied­ri­ge­res Le­bens­al­ter ge­genüber ei­nem höhe­ren ein Ein­stel­lungs­plus dar­stel­le. Auch sei tatsächlich ein mehr als 10 Jah­re jünge­rer Be­wer­ber ein­ge­stellt wor­den. Wenn mit dem Be­griff „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent“ ei­ne be­stimm­te Hier­ar­chie­ebe­ne ge­meint sei, auf der re­gelmäßig und sta­tis­tisch jünge­re Be­wer­ber an­zu­tref­fen sei­en als in höhe­ren Hier­ar­chie­ebe­nen, lie­ge je­den­falls ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor. Die Be­klag­te ha­be zu­dem ih­re Be­wer­be­r­aus­wahl auch am Um­fang der Be­rufs­er­fah­rung ori­en­tiert, wie aus der Stel­len­aus­schrei­bung und ih­rem schriftsätz­li­chen Vor­trag her­vor­ge­he. Da­mit ha­be sie die Ver­mu­tung der mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung nach § 22 AGG ge­schaf­fen. Die Be­klag­te ha­be nicht be­wie­sen, dass das Dis­kri­mi­nie­rungs­merk­mal „Al­ter“ in ei­nem Mo­tivbündel kei­ne Rol­le ge­spielt ha­be. Des­halb könne er ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung in Geld be­an­spru­chen, die an­ge­sichts sei­ner Ar­beits­lo­sig­keit im Be­wer­bungs­zeit­punkt und der Leis­tungsfähig­keit der Be­klag­ten nicht un­ter drei Brut­to­gehältern lie­gen sol­le. Die Be­klag­te ha­be nicht be­wie­sen, dass er auch bei be­nach­tei­li­gungs­frei­er Aus­wahl nicht ein­ge­stellt wor­den wäre, wes­halb die Höchst­gren­ze für die Entschädi­gung nicht zum Tra­gen kom­me. Ihm ste­he auch ein Un­ter­las­sungs­an­spruch zu, weil ins­be­son­de­re für die Zu­kunft nicht zu er­war­ten sei, dass sich die Be­klag­te bei der Stel­len­be­set­zung dis­kri­mi­nie­rungs­frei ver­hal­te. Der Kläger regt die Zu­las­sung der Re­vi­si­on und vor­sorg­lich ei­ne Vor­la­ge beim EuGH an. Der Kläger und Be­ru­fungskläger be­an­tragt,
1. das an­ge­foch­te­ne Ur­teil ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, es bei Mei­dung ei­nes für je­den Tag der Zu­wi­der­hand­lung fälli­gen Ord­nungs­gel­des bis zu 250.000,- €, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft von bis zu sechs Mo­na­ten ge­gen den Vor­stands­vor­sit­zen­den, zu un­ter­las­sen, den Kläger bei der Stel­len­be­set­zung we­gen sei­nes Al­ters zu be­nach­tei­li­gen,
2. das an­ge­foch­te­ne Ur­teil ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung zu zah­len, de­ren Höhe in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt wird, die je­doch den Be­trag von 9.900,- € nicht un­ter­schrei­ten soll­te nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz hier­aus seit 19.07.2010,
3. das an­ge­foch­te­ne Ur­teil ab­zuändern und fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, dem Kläger sämt­li­che aus der bei der Be­nach­tei­li­gung für ei­ne Stel­le als Per­so­nal­re­fe­rent Re­cruit­ing künf­tig ent­ste­hen­den Schäden zu er­set­zen.
1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 24.02.2011 – 33 Ca 14979/10 wird zurück­ge­wie­sen.
un­ter­stellt sei. Bei der Ein­stel­lung des Be­wer­bers sei des­sen ge­genüber dem Kläger bes­se­re Qua­li­fi­zie­rung ent­schei­dend ge­we­sen, sei Al­ter ha­be kei­ne Rol­le ge­spielt. Mit der Be­zeich­nung ei­ner Hier­ar­chie­ebe­ne als „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent“ lie­ge kei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor. Es hand­le sich bei ei­ner Hier­ar­chie­ebe­ne nicht um ein Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­um im Sin­ne des AGG. Dass Mit­ar­bei­ter un­te­rer Hier­ar­chie­ebe­nen häufig jünger sei­en als die höhe­rer Hier­ar­chie­be­nen, lie­ge dar­an, dass höhe­re Hier­ar­chie­ebe­nen als Qua­li­fi­ka­ti­on die Kennt­nis un­ter­neh­mens­in­ter­ner Abläufe er­for­der­ten. Die­se könne nur er­langt wer­den, wenn der Mit­ar­bei­ter die un­te­ren Hier­ar­chie­ebe­nen durch­lau­fe. Auch die Tat­sa­che, dass ein „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent“ we­ni­ger Be­rufs­er­fah­rung ha­be, als ein „Se­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent“ be­gründe kei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung. Die Ebe­ne des „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­ren­ten“ er­fas­se als Ein­stiegs­ebe­ne vor­ran­gig Mit­ar­bei­ter mit we­ni­ger Be­rufs­er­fah­rung im Ver­gleich zu höhe­ren Hier­ar­chie­ebe­nen. Al­lein die Aus­schrei­bung ei­ner Stel­le auf ei­ner be­stimm­ten Hier­ar­chie­ebe­ne stel­le kei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung dar. Mit der Stel­len­aus­schrei­bung ha­be kei­ne Un­ter­schei­dung der Be­wer­ber nach ih­rer Be­rufs­er­fah­rung vor­ge­le­gen. Der Kläger ha­be In­di­zi­en für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung nicht vor­ge­tra­gen, wes­halb auch kein Scha­dens­er­satz­an­spruch nach § 15 Abs. 1 AGG vor­lie­ge. Ihn tref­fe auch die Dar­le­gungs- und Be­weis­last dafür, dass er bei dis­kri­mi­nie­rungs­frei­er Aus­wahl die Stel­le er­hal­ten hätte. Da die Ab­leh­nung der Be­wer­bung des Klägers kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Al­ters dar­ge­stellt ha­be, be­ste­he auch kein Un­ter­las­sungs­an­spruch für die Zu­kunft. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­trags der Par­tei­en in der Be­ru­fungs­in­stanz wird auf die Schriftsätze des Klägers und Be­ru­fungsklägers vom 16.05.2011 (Bl. 99 bis 107 d. A.) und der Be­klag­ten und Be­ru­fungs­be­klag­ten vom 20.06.2011 (Bl. 124 bis 129 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e Die gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 2 b) ArbGG statt­haf­te so­wie gemäß §§ 66 Abs. 1 Satz 1 und 2, 64 Abs. 6 ArbGG i. V. m. §§ 519, 520 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te und be­gründe­te und so­mit zulässi­ge Be­ru­fung des Klägers blieb in der Sa­che er­folg­los.
I. Der An­trag auf Entschädi­gungs­zah­lung ist zwar zulässig, je­doch nicht be­gründet. 1. Hin­sicht­lich der Zulässig­keit die­ses An­trags wird auf die zu­tref­fen­den Ausführun­gen un­ter I. 1. der Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils Be­zug ge­nom­men, in de­nen die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung be­reits zu­tref­fend berück­sich­tigt wur­de und die die Be­klag­te zweit­in­stanz­lich nicht in Fra­ge ge­stellt hat. 2.
Der An­trag ist je­doch un­be­gründet. 2.1
Nach § 7 Abs. 1 AGG dürfen Beschäftig­te nicht we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des be­nach­tei­ligt wer­den. In § 1 AGG ist u. a. ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters ge­nannt. § 3 AGG un­ter­schei­det zwi­schen un­mit­tel­ba­ren und mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gun­gen. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht fest­ge­stellt, dass der Kläger, der als Be­wer­ber um die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le als Beschäftig­ter im Sin­ne von § 7 Abs. 1 AGG gilt, von der Be­klag­ten, ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son, als Ar­beit­ge­be­rin durch die Ab­leh­nung sei­ner Be­wer­bung we­der mit­tel­bar noch un­mit­tel­bar im Sin­ne die­ser Vor­schrif­ten we­gen sei­nes Al­ters be­nach­tei­ligt wur­de.
Gemäß § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG liegt ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung vor, wenn ein Beschäftig­ter we­gen ei­nes in § 1 ge­nann­ten Grun­des, so­mit auch des Al­ters, ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde. Ei­ne Be­nach­tei­li­gung kann auch in der Nicht­einräum­ung ei­ner Chan­ce lie­gen (vgl. Ur­teil des BAG vom 28.05.2009 - 8 AZR 536/08 –, EzA § 8 AGG Nr. 1 so­wie Be­schluss des BVerfG vom 16.11.1993 – 1 BvR 258/86 -, EzA § 611 a BGB Nr. 9). Ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung we­gen des Al­ters ist be­reits dann ge­ge­ben, wenn die Be­nach­tei­li­gung an das Al­ter an­knüpft oder da­durch mo­ti­viert ist. Es reicht aus, dass das Al­ter Teil ei­nes Mo­tivbündels ist, das die Ent­schei­dung be­ein­flusst hat, oh­ne dass es auf ein schuld­haf­tes Ver­hal­ten oder ei­ne Be­nach­tei­li­gungs­ab­sicht an­kommt (vgl. Ur­tei­le des BAG vom 19.08.2010 – 8 AZR 530/09 -, EzA § 15 AGG Nr. 10, und vom 22.01.2009 – 8 AZR 906/07 -, EzA § 15 AGG Nr. 1). Hin­sicht­lich der Kau­sa­lität zwi­schen dem Nach­teil und dem nach § 1 AGG verpönten Merk­mal ist in § 22 AGG ei­ne Be­weis­last­re­ge­lung ge­trof­fen, die sich auch auf die Dar­le­gungs­last aus­wirkt. Der Beschäftig­te genügt da­nach sei­ner Dar­le­gungs­last, wenn er In­di­zi­en vorträgt, die sei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Merk­mals ver­mu­ten las­sen. Die von ihm vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen müssen aus ob­jek­ti­ver Sicht mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit dar­auf schließen las­sen, dass die Be­nach­tei­li­gung we­gen die­ses Merk­mals er­folgt ist (vgl. Ur­tei­le des BAG vom 19.08.2010 – 8 AZR 530/09 -, aaO und vom 20.05.2010 - 8 AZR 287/08 (A), EzA § 22 AGG Nr. 1).
Die Be­nach­tei­li­gung sei­tens der Be­klag­ten er­folg­te je­doch nicht we­gen sei­nes Al­ters. Der Kläger hat kei­ne aus­rei­chen­den In­di­zi­en vor­ge­tra­gen, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen sei­nes Al­ters bei sei­ner Be­wer­bung ver­mu­ten las­sen. So­weit er auch zweit­in­stanz­lich be­haup­tet hat, die Be­klag­te ha­be mit der Aus­schrei­bung der Stel­le als „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent Re­cruit­ing“ ge­zielt nach jünge­ren Be­wer­bern ge­sucht, war dies aus ob­jek­ti­ver Sicht der Stel­len­aus­schrei­bung nicht zu ent­neh­men. Mit der Vor­an­stel­lung des Wor­tes „Ju­ni­or“ vor der Stel­len­be­zeich­nung im Übri­gen wur­de nicht auf das Al­ter des gewünsch­ten Stel­len­in­ha­bers, son­dern al­lein auf des­sen Stel­lung in der be­trieb­li­chen Hier­ar­chie der Be­klag­ten hin­ge­wie­sen, wie be­reits vom Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­geführt. Das Wort „ju­ni­or“ be­deu­tet im Eng­li­schen zwar auch „jung“. Wird es in­des in Zu­sam­men­hang mit ei­ner be­trieb­li­chen Stel­lung ver­wen­det, be­deu­tet es „von ge­rin­ge­rem Dienst­al­ter“ bzw. „von nied­ri­ge­rem Rang“ (vgl. Ponds Stan­dardwörter­buch Eng­lisch-Deutsch), oh­ne Be­zug zum Al­ter des be­tref­fen­den Mit­ar­bei­ters. Al­lein in die­ser Be­deu­tung wird es in­zwi­schen all­ge­mein auch im Deut­schen ver­wen­det, wenn es um die Be­zeich­nung ei­ner be­trieb­li­chen Rang­stel­lung geht. Das Al­ter der Mit­ar­bei­ter spielt hierfür kei­ne Rol­le. In­ha­ber von „Ju­ni­or“-Po­si­tio­nen sind viel­mehr in der be­trieb­li­chen Hier­ar­chie re­gelmäßig Mit­ar­bei­ter, die in ei­nem Team höher­ran­gi­gen Mit­ar­bei­tern un­ter­stellt sind und ei­nen ge­rin­ge­ren Ver­ant­wor­tungs­be­reich als die­se ha­ben. Häufig ist ih­nen ein „Se­ni­or“ als Vor­ge­setz­ter über­ge­ord­net, oh­ne dass auch die­ser zwangsläufig ein höhe­res Le­bens­al­ter ha­ben müss­te. Aber auch wo dem „Ju­ni­or“ kein „Se­ni­or“ vor­ge­setzt ist, be­inhal­tet ei­ne Ju­ni­or-Po­si­ti­on al­lein, dass der be­tref­fen­de Mit­ar­bei­ter ei­ne nied­ri­ge­re Rang­stel­lung und ei­ne ge­rin­ge­re
- 13 - 2.1.2
2.1.2.1 Nach § 3 Abs. 2 AGG liegt ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung vor, wenn dem An­schein nach neu­tra­le Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren Per­so­nen we­gen ei­nes in § 1 ge­nann­ten Grun­des ge­genüber an­de­ren Per­so­nen in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen können, es sei denn, die be­tref­fen­den Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel sind zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich. Für die An­nah­me ei­ner mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters ist kein sta­tis­ti­scher Nach­weis er­for­der­lich, dass ei­ne be­stimm­te Al­ters­grup­pe durch die in Fra­ge ste­hen­den Kri­te­ri­en tatsächlich be­nach­tei­ligt wird. Ei­ne mit­tel­ba­re Un­gleich­be­hand­lung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Merk­mals kann aber nach § 3 Abs. 2, 2. Halbs. AGG durch ein rechtmäßiges Ziel und die Wahl von verhält­nismäßigen Mit­teln zu sei­ner Durch­set­zung ge­recht­fer­tigt sein. In ei­nem sol­chen Fall fehlt es be­reits an den tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ner mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung (vgl. Ur­teil des BAG vom 20.04.2010 – 3 AZR 509/08 -, EzA § 1 Be­trAVG Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung Nr. 14 und Be­schluss des BAG vom 18.08.2009 – 1 ABR 47/08 -, EzA § 17 AGG Nr. 1). Rechtmäßige Zie­le können al­le nicht ih­rer­seits dis­kri­mi­nie­ren­den und auch sonst le­ga­len Zie­le sein. Da­zu gehören auch pri­vat­au­to­nom be­stimm­te Zie­le des Ar­beit­ge­bers, z.B. be­trieb­li­che Not­wen­dig­kei­ten und An­for­de­run­gen an persönli­che Fähig­kei­ten des Ar­beit­neh­mers (vgl. Ur­teil des BAG vom 28.01.2010 – 2 AZR 764/08 -, EzA § 1 KSchG Per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung Nr. 24; Schleu­se­ner in Schleu­se­ner/Suckow/Voigt, AGG, 2. Aufl. § 3 Rn. 74 f.; ErfK/Schlach­ter 11. Aufl. § 3 AGG Rn. 9, 10). In die­ser Aus­le­gung verstößt § 3 Abs. 2 AGG auch nicht ge­gen Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78/EG. Die­se Vor­schrift be­schränkt die bei ei­ner mit­tel­ba­ren Un­gleich­be­hand­lung als rechtmäßig an­zu­se­hen­den Zie­le im Hin­blick auf die De­fi­ni­ti­on der mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung in Art. 2 Abs. 2 b) der Richt­li­nie 2000/78/EG nicht auf die dar­in ins­be­son­de­re ge­nann­ten Be­rei­che der Beschäfti­gungs­po­li­tik, des Ar­beits­markts und der be­ruf­li­chen Bil­dung (vgl. Ur­tei­le des BAG vom 20.04.2010 – 3 AZR 509/08 -, aaO und vom 28.01.2010 – 2 AZR 764/08 -, aaO).
- 14 - 2.1.2.2
Auch wenn man die Dar­le­gung des Klägers, auf der Hier­ar­chie­ebe­ne der „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­ren­ten“ sei­en re­gelmäßig und sta­tis­tisch jünge­re Be­wer­ber an­zu­tref­fen als in höhe­ren Hier­ar­chie­ebe­nen, aus­rei­chen ließ, um die An­nah­me ei­ner mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters zu be­gründen, war die­se mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung of­fen­sicht­lich durch ein rechtmäßiges und in verhält­nismäßiger Wei­se von der Be­klag­ten durch­ge­setz­tes Ziel ge­recht­fer­tigt. Es lag er­kenn­bar im be­trieb­li­chen In­ter­es­se der Be­klag­ten, in ih­rer be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on im Be­reich des Per­so­nal­we­sens zwi­schen er­fah­re­ne­ren und we­ni­ger er­fah­re­nen Mit­ar­bei­tern zu dif­fe­ren­zie­ren. Mit den Po­si­tio­nen von „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­ren­ten“ wird re­gelmäßig zum ei­nen ei­ne un­te­re Ein­stiegs­ebe­ne in der be­trieb­li­chen Per­so­nal­we­sen-Hier­ar­chie ge­schaf­fen und vor­ge­hal­ten, die der zu­meist ge­rin­ge­ren be­ruf­li­chen und stets feh­len­den be­trieb­li­chen Er­fah­rung neu ein­ge­stell­ter Mit­ar­bei­ter Rech­nung trägt. Zum an­de­ren können dort re­gelmäßig in be­triebs­wirt­schaft­lich vernünf­ti­ger Wei­se Mit­ar­bei­ter wei­ter­hin sinn­voll tätig wer­den, de­nen ein Auf­stieg in der be­trieb­li­chen Hier­ar­chie man­gels her­aus­ra­gen­der ei­ge­ner Leis­tun­gen oder auch nur in aus­rei­chen­dem Um­fang verfügba­rer Auf­stiegs­po­si­tio­nen bis­her nicht ge­lun­gen ist. Ei­ne sol­che Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen ver­schie­de­nen Hier­ar­chie­ebe­nen ist ge­ra­de im Per­so­nal­we­sen re­gelmäßig er­for­der­lich, um der wei­ter­ge­hen­den Ver­ant­wor­tung und den wei­ter rei­chen­den Ent­schei­dungs­kom­pe­ten­zen Rech­nung zu tra­gen, die mit den über­ge­ord­ne­ten Po­si­tio­nen ver­bun­den sind, für die zu­dem re­gelmäßig ei­ne erst durch länge­re Tätig­keit im Be­trieb er­wor­be­ne ge­naue Kennt­nis der be­trieb­li­chen Abläufe vor­aus­ge­setzt wer­den muss. Sie ist auch nicht un­an­ge­mes­sen, da den Mit­ar­bei­tern länger­fris­tig je­den­falls die Chan­ce eröff­net wird, in der be­trieb­li­chen Hier­ar­chie auf­zu­stei­gen. Die Fest­stel­lung ei­ner mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters durch das Be­ste­hen un­ter­schied­li­cher Hier­ar­chie­ebe­nen schei­tert schließlich auch dar­an, dass die je­wei­li­gen Beschäftig­ten­grup­pen auf den un­te­ren und den höhe­ren Hier­ar­chie­ebe­nen kei­ne ver­gleich­ba­re, gleich­wer­ti­ge Tätig­keit für den Ar­beit­ge­ber er­brin­gen.
Darüber hin­aus ist der Un­ter­las­sungs­an­trag aber auch un­be­gründet. Der Kläger kann das Un­ter­las­sen von Be­nach­tei­li­gungs­hand­lun­gen sei­tens der Be­klag­ten nach §§ 1004, 823 Abs. 2 BGB i. V. m. §§ 15, 7 Abs. 1 AGG nicht ver­lan­gen, weil ihn die Be­klag­te in der Ver­gan­gen­heit we­der un­mit­tel­bar noch mit­tel­bar be­nach­tei­ligt hat, wie un­ter I. be­reits aus­geführt. IV.
Ar­beits­welt und Wirt­schafts­le­ben als Hin­weis auf ei­ne un­ter­neh­mens­in­ter­ne Hier­ar­chie­ebe­ne, nicht aber auf das gewünsch­te Al­ter des Ein­zu­stel­len­den nicht von grundsätz­li­cher Be­deu­tung. Glei­ches gilt für die Fra­ge, ob die An­knüpfung an ei­ne un­ter­schied­li­che Hier­ar­chie­ebe­ne ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar­stel­len kann. Rechts­mit­tel­be­leh­rung
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