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Timestamp: 2019-11-20 19:02:34
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Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 28', '§ 8', '§ 9', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 19', '§ 16', '§ 17', '§ 2', '§ 16', '§ 19', '§ 19', '§ 21', '§ 22', '§ 24', '§ 26', '§ 27', '§ 28', '§ 26', '§ 50', '§ 19', '§ 50', '§ 33', '§ 17', '§ 18', '§ 50', '§ 96', '§ 61', '§ 50', '§ 61', '§ 16', '§ 16', '§ 30', '§ 40', '§ 31', '§ 22', '§ 30', '§ 31', '§ 32', '§ 31', '§ 18', '§ 19', '§ 16', '§ 19', '§ 50', '§ 50', '§ 50', '§ 50', '§ 50', '§ 50', '§ 50', '§ 50']

Secur-Data: Jahrgang 2010
DSG-Info-Service Jahrgang 2010
Ausgabe Nr. 61/62 Jänner 2010
Ausgabe Nr. 63 Juni 2010
DSG-Info-Service Nr. 61/62
Der in der Ausgabe Nr. 58/59/60 unseres DSG-Info-Service vorgestellte Ministerialentwurf einer DSG-Novelle 2010 wurde im Zeitraum vom 20. Mai bis zum 17. Juni 2009 begutachtet. Tatsächlich langten – und zwar bis zum 14. Juli 2009 – 57 Stellungnahmen ein.
Es dauerte bis zum 17. November 2009, bis die Stellungnahmen gesichtet wurden. Den einzelnen Stellungnahmen wurde nur in geringem Ausmaß Rechnung getragen. Am 17. November 2009 wurde der Gesetzesentwurf als Regierungsvorlage dem Parlament vorgelegt. Der Beschluss im Nationalrat kam am 10. Dezember 2009 zustande, der Beschluss im Bundesrat am 18. Dezember 2009.
Aufgrund der bekannten parlamentarischen Querelen, die den Beschluss von Verfassungsgesetzen unmöglich machen, kamen letztlich nur die einfachgesetzlichen Regelungen zur Abstimmung.
Die DSG-Novelle 2010 wurde in BGBl. I Nr. 133 vom 30. Dezember 2009 publiziert und tritt am 1. Jänner 2010 in Kraft. Secur-Data hat den neuen Gesetzesstand bereits abrufbar, unter http://secur-data.at/?id=49 sind bereits alle Änderungen berücksichtigt.
Die wesentlichen Kernaussagen des Gesetzesentwurfs sind zum Teil schon dem Pressematerial zum Ministerialentwurf zu entnehmen (siehe DSG-Info Nr. 58/59/60):
In den folgenden Ausführungen wird primär auf Punkte eingegangen, die sich wesentlich vom Ministerialentwurf (siehe DSG-Info Nr. 58/59/60) unterscheiden.
Abs. 2 wurde durch eine Neuformulierung wesentlich verbessert, indem die Zweckbindung der Daten auch bei einer allfälligen Veröffentlichung gewahrt bleibt:
§ 8 Abs. 2: Schutzwürdige Geheimhaltungsinteressen gelten als nicht verletzt, wenn indirekt personenbezogene Daten verwendet werden oder zulässigerweise veröffentlichte Daten in einer mit dem ursprünglichen eindeutig erkennbaren Veröffentlichungszweck vereinbaren Weise verwendet wurden. Das Recht, gegen die Verwendung zulässigerweise veröffentlichter Daten gemäß § 28 Abs. 2 Widerspruch zu erheben, bleibt unberührt.
Zu den bisher geltenden Regelungen tritt (§ 8 Abs. 4 Z 4) ein neuer Umstand hinzu, der die Datenweitergabe erlaubt:
Die Datenweitergabe zum Zweck der Erstattung einer Anzeige an eine zur Verfolgung der strafbaren Handlungen (Unterlassungen) zuständige Behörde
Zu unserem Bedauern fehlt eine gleich lautende Ergänzung des § 9 (Verwendung sensibler Daten).
§ 13 Genehmigungspflichtiger Datenexport
§ 13 Abs 2 Z 2 erhält folgenden neuen Wortlaut:
§ 13 Abs. 2 Z 2: der Auftraggeber glaubhaft macht, daß die schutzwürdigen Geheimhaltungsinteressen der vom geplanten Datenverkehr Betroffenen auch im Ausland ausreichend gewahrt werden. Hiefür können insbesondere auch vertragliche Zusicherungen des Empfängers sowie einseitige Zusagen des Antragstellers (§ 19 Abs. 2) im Genehmigungsantrag über die näheren Umstände der Datenverwendung im Ausland von Bedeutung sein. Einseitige Zusagen des Antragstellers werden für diesen mit der Registrierung durch die Datenschutzkommission verbindlich.
Interessant ist also der letzte Satz. Bisher wurden allfällige Zusagen des Antragstellers als Bedingungen in den Genehmigungsbescheid übernommen, mit der neuen Bestimmung könnte die DSK sich diese Arbeit ersparen.
§§ 16 bis 22 Bestimmungen rund um das DVR
§ 17 Abs. 1a: Die Meldung ist in elektronischer Form im Wege der vom Bundeskanzler bereit zu stellenden Internetanwendung einzubringen. Die Identifizierung und Authentifizierung kann insbesondere durch die Bürgerkarte (§ 2 Z 10 des E‑Government-Gesetzes, BGBl. I Nr. 10/2004) erfolgen. Nähere Bestimmungen über die Identifizierung und Authentifizierung sind in die gemäß § 16 Abs. 3 zu erlassende Verordnung aufzunehmen. Eine Meldung in Form von E-Mail oder in nicht-elektronischer Form ist für manuelle Dateien sowie bei einem längeren technischen Ausfall der Internetanwendung zulässig.
Ob für Auftraggeber der Zwang, über einen Internetzugang verfügen zu müssen, verfassungsrechtlich hält, bleibt fraglich. Grundsätzlich ist der Weg in Richtung einer E-Go­vern­ment-Lösung zu begrüßen, wobei zu hoffen ist, dass die Internetanwendung einfach zu bedienen sein wird und jedenfalls das Einkopieren von vorhandenen tabellarischen Daten ermöglicht.
Eine im Ministerialentwurf noch enthaltene völlig neue Befreiung von der Meldepflicht (Wortlaut: Weiters sind Datenanwendungen von der Meldepflicht ausgenommen, für die der Zweck, die betroffenen Personengruppen, Datenarten, Übermittlungen und Übermittlungsempfänger in einem Gesetz oder in einer Verordnung abschließend geregelt sind.) wurde wieder fallen gelassen. Dies ist zu begrüßen, weil sonst jeder Rechtsträger, der zur Erlassung einer Verordnung ermächtigt ist, seine Anwendungen per Verordnung registrierungsfrei stellen könnte.
In § 19 wurde – bei Umnummerierung der bisherigen Abs. 2 und 3 – ein neuer Abs 2 eingefügt, der auch sehr interessant ist:
§ 19 Abs. 2: Der Auftraggeber kann bei Einbringung der Meldung oder danach bis zum Abschluss des Registrierungsverfahrens zusagen, dass er sich beim Betrieb der Datenanwendung bestimmten Auflagen oder Bedingungen unterwerfen oder die Datenanwendung nur befristet betreiben wird. Eine derartige Zusage wird für den Auftraggeber mit der Registrierung durch die Datenschutzkommission rechtsverbindlich. Eine Registrierung darf nur erfolgen, wenn die zugesagte Auflage, Bedingung oder Befristung derart bestimmt ist, dass sie auch von der Datenschutzkommission nach § 21 Abs. 2 ausgesprochen werden könnte.
Auch hier wird also eine Bestimmung festgelegt, die der DSK eine Bescheiderlassung erspart, wenn der Bescheid ohnehin die vom Antragsteller beschriebenen Maßnahmen wiederholen würde.
§ 22 Abs. 4: Der Rechtsnachfolger eines registrierten Auftraggebers kann einzelne oder alle registrierten Meldungen des Rechtsvorgängers übernehmen, wenn er innerhalb von sechs Monaten nach Wirksamkeit der Rechtsnachfolge eine entsprechend glaubhaft gemachte Erklärung gegenüber der Datenschutzkommission abgibt. Dem Rechtsnachfolger kann auf Antrag auch die Registernummer des Rechtsvorgängers übertragen werden, wenn der Rechtsvorgänger jegliche Verarbeitung personenbezogener Daten in Auftraggebereigenschaft eingestellt hat.
Im Ministerialentwurf betrug die o.a. Frist noch 2 Monate. In Anbetracht des Zeitbedarfs für die Abwicklung einer Rechtsnachfolge ist diese Verlängerung ausdrücklich zu begrüßen.
§ 24 Abs. 2a: Wird dem Auftraggeber bekannt, dass Daten aus einer seiner Datenanwendungen systematisch und schwerwiegend unrechtmäßig verwendet wurden und den Betroffenen Schaden droht, hat er darüber unverzüglich die Betroffenen in geeigneter Form zu informieren. Diese Verpflichtung besteht nicht, wenn die Information angesichts der Drohung eines nur geringfügigen Schadens der Betroffenen einerseits oder der Kosten der Information aller Betroffenen andererseits einen unverhältnismäßigen Aufwand erfordert.
Im Vergleich zum Ministerialentwurf ist das eine vernünftige Reglung, da der Aufwand auf den möglichen Schaden abgestimmt wird.
Das Auskunftsrecht wurde auch auf beliebige Personengemeinschaften erweitert, bisher hatte nur „der Betroffene“ ein Auskunftsrecht, was zu zahlreichen Negativauskünften führte.
Geradezu überfällig ist die Ergänzung von § 26 Abs. 7 in Bezug auf das Löschungsverbot:
... Diese Frist gilt nicht, wenn einem Löschungsantrag des Auskunftswerbers nach § 27 Abs. 1 Z 2 oder § 28 zu entsprechen ist.
In § 26 Abs. 10 wird das Verfahren für den Fall präzisiert, dass Auskunftsbegehren statt beim richtigen Auftraggeber bei einem Dienstleister oder einem „Auftraggeber mit Dienstleistereigenschaft“ eingebracht wird.
§ 50 Abs. 2a: Wird ein Informationsverbundsystem auf Grund einer Meldung von zumindest zwei Auftraggebern registriert, so können Auftraggeber, die in der Folge die Teilnahme an dem Informationsverbundsystem anstreben, die Meldung im Umfang des § 19 Abs. 1 Z 3 bis 7 auf einen Verweis auf den Inhalt der Meldung eines bereits registrierten Auftraggebers beschränken, wenn sie eine Teilnahme im genau gleichen Umfang anstreben.
§ 50a regelt also in Abs. 2 die Zulässigkeit von Videoüberwachungen im Hinblick auf den berechtigten Zweck und in Abs. 3 bis 6 die Zulässigkeit in Abwägung der schutzwürdigen Geheimhaltungsinteressen.
Abs. 7 enthält das Verbot eines automationsunterstützten Bildabgleichs. Damit werden folgende Anwendungen unzulässig:
Zutrittskontrollsysteme mit Gesichts­erkennung;
Gegenlaufskontrolle in Bereichen, die nur in einer Richtung begangen werden dürfen (Zu- und Abgänge sicherheitskritischer Objekte).
Die Datenübermittlung an Sicher­heits­behörden zur Ausübung derer eigenen Befugnisse ist zulässig (Abs. 6 Z 2).
Auffällig ist die kurze Aufbewahrungsdauer von 72 Stunden (die Regierungsvorlage sah überhaupt nur 48 Stunden vor).
Gemildert wird diese relativ kurze Frist allerdings durch die Bezugnahme auf § 33 Abs. 3 AVG, der wie folgt lautet: „Fällt das Ende einer Frist auf einen Samstag, Sonntag, gesetzlichen Feiertag oder den Karfreitag, so ist der nächste Werktag letzter Tag der Frist“.
(1) Videoüberwachungen unterliegen der Meldepflicht gemäß den §§ 17 ff. Sofern der Auftraggeber nicht in der Meldung zusagt, die Videoüberwachungsdaten zu verschlüsseln und unter Hinterlegung des einzigen Schlüssels bei der Datenschutzkommission sicherzustellen, dass eine Auswertung der Videoaufzeichnungen nur im begründeten Anlassfall durch eine bestimmte Stelle stattfindet, unterliegen sie der Vorabkontrolle (§ 18 Abs. 2). Bestimmte Tatsachen im Sinn von § 50a Abs. 4 Z 1 müssen bei Erstattung der Meldung glaubhaft gemacht werden. Soweit gemäß § 96a des Arbeitsverfassungsgesetzes 1974 – ArbVG, BGBl. Nr. 22, Betriebsvereinbarungen abzuschließen sind, sind diese im Registrierungsverfahren vorzulegen.
Auffällig ist vor allem die für den Regelfall vorgesehene Deponierung des Schlüssels bei der DSK. Es ist schwer vorstellbar, dass man bei Vorliegen eines Anlassfalls – das kann jederzeit rund um die Uhr sein – in kürzester Zeit den Schlüssel von der DSK beschaffen kann. Eine verzögerte Auslieferung des Schlüssels wäre ein geradezu klassischer Amtshaftungsfall, etwa wenn dadurch die Aufklärung eines Einbruchs verhindert wird.
Die generelle Kennzeichnungspflicht von videoüberwachten Objekten ist grundsätzlich zu begrüßen, ebenso die Bekanntgabe des Auftraggebers.
Wir halten die Bestimmungen über das Auskunftsrecht für völlig undurchführbar, und zwar aus folgenden Gründen:
maximal zulässige Aufbewahrungsdauer von 72 Stunden;
Nachweis der Identität des unbekannten Auskunftswerbers;
Lokalisierung des Betroffenen auf den Aufzeichnungen.
Vollends absurd wird das Auskunftsrecht dann, wenn nur die DSK den Schlüssel zu den Videoüberwachungsdaten besitzt.
Die Novelle tritt am 1. Jänner 2010 in Kraft. Für Videoüberwachungen ist eine Übergangsbestimmung vorgesehen:
§ 61 Abs. 6: Videoüberwachungen, die vor dem Inkrafttreten der §§ 50a bis 50e registriert wurden, bleiben in ihrer registrierten Form rechtmäßig, wenn sie den am 31. Dezember 2009 geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen genügen und die Datenschutzkommission keine Befristung verfügt hat. Hat die Datenschutzkommission hingegen eine Befristung einer solchen Videoüberwachung verfügt, bleibt diese bis zum Ablauf der Befristung, längstens aber bis zum 31. Dezember 2012 rechtmäßig.
Unklar ist, ob auch die große Zahl der zwar eingereichten, aber nicht fristgerecht registrierten Anwendungen im Hinblick auf diese Bestimmung Rechtssicherheit genießt. Für die Neuorganisation des Datenverarbeitungsregisters (insbesondere in Bezug auf die Online-Meldung) gibt es ebenfalls eine Übergangsbestimmung:
§ 61 Abs. 8: Die Verordnung nach § 16 Abs. 3 ist vom Bundeskanzler nach Maßgabe der technischen Möglichkeiten des Datenverarbeitungsregisters bis spätestens 1. Jänner 2012 neu zu erlassen. Bis zum Inkrafttreten dieser Verordnung sind die §§ 16 bis 22, § 30 Abs. 3 und 6 sowie § 40 Abs. 1 (letzterer mit Ausnahme des Verweises auf § 31a Abs. 3) in der Fassung vor dem Bundesgesetz BGBl. I Nr. 133/2009 anzuwenden; § 22a, § 30 Abs. 2a und 6a, § 31a Abs. 1 und 2 sowie § 32 Abs. 7 sind bis dahin nicht anzuwenden. § 31 Abs. 3 in der Fassung vor dem Bundesgesetz BGBl. I Nr. 133/2009 ist bis dahin zusätzlich weiter anzuwenden. Die Erklärung, ob eine Datenanwendung einen oder mehrere der in § 18 Abs. 2 Z 1 bis 4 genannten Tatbestände erfüllt (§ 19 Abs. 1 Z 3a), ist der Datenschutzkommission bei im Zeitpunkt des Inkrafttretens der neuen Verordnung nach § 16 Abs. 3 registrierten Datenanwendungen anlässlich der ersten über eine Streichung hinausgehenden Änderungsmeldung zu melden, die nach diesem Zeitpunkt erstattet wird. Eine Meldung allein im Hinblick auf § 19 Abs. 1 Z 3a ist nicht erforderlich.
Verständlich ist dieser Text natürlich nicht. Es geht hier darum, dass im Registrierungsverfahren die derzeitigen Verfahren weiter verwendet werden, bist das Online-Register funktionsfähig ist und mittels Verordnung eingesetzt werden kann.
Bedauerlicherweise konnte die verfassungsrechtliche Kompetenzbereinigung im Datenschutzbereich nicht erzielt werden.
Ebenso bedauerlich ist die lange Übergangsfrist für die Erlassung einer neuen DVRV, es ist zu hoffen, dass die zulässigen 2 Jahre nicht ausgeschöpft werden.
DSG-Info-Service Nr. 63
Die Standard- und Musterverordnung 2004, vorgestellt in DSG-Info-Service Nr. 43 (September 2004), wurde zum zweiten Mal novelliert.
Die erste Novelle vom 3. August 2009, BGBl. II Nr. 255, enthielt Änderungen der Standardanwendungen SA010 (Melderegister), SA013 (Personalverwaltung des Bundes und der bundesnahen Rechtsträger), SA014 (Inventarverwaltung der öffentlichen Auftraggeber), SA024 (Patientenverwaltung und Honorarabrechnung) sowie SA025 (Evidenzen der Schüler und Studierenden sowie Evidenz über den Aufwand für Bildungseinrichtungen). Im Prinzip diente diese Novellierung der Aktualisierung der Rechtsgrundlagen und der damit zusammenhängenden Übermittlungsempfänger.
Die jetzige Novelle vom 27. Mai 2010, BGBl. II Nr. 152, enthält als tatsächliche neue Standardanwendung die Videoüberwachung, allerdings nur auf spezielle Einsatzbereiche reduziert.
Für unsere Datenschutzkunden sind die Standard- und Musteranwendungen derart in eine Beilage zum Datenschutzhandbuch integriert, dass der zu jedem Zeitpunkt aktuelle Stand ersichtlich ist. Für alle Besucher unserer Internetseite gibt es einen Gesamtauszug dieser Handbuchbeilage als PDF.
Novelle 2010 zur StMV 2004:
Videoüberwachung ist erst seit der DSG-Novelle 2010 gesetzlich geregelt. Die entsprechenden Passagen finden sich im Abschnitt 9a, das sind die §§ 50a bis 50e. Bis zu diesem Zeitpunkt war es freie Interpretation der DSK, unter welchen Umständen Videoüberwachung überhaupt eine Datenanwendung und meldepflichtig ist. Insbesondere gab es keine Standard- oder Musteranwendung für Videoüberwachungen.
In der neuen Standardanwendung SA032 sind fünf Einsatzbereiche von Videoüberwachungen enthalten, die wir zunächst genauer skizzieren; gemeinsame Feststellungen werden im Anschluss daran dargelegt.
Der Zweck der Datenanwendung ist wie folgt definiert: Verschlüsselte Videoüberwachung der öffentlich zugänglichen Bankräumlichkeiten (insbesondere der Kassenräume, Saferäume, Foyers, Gänge, Stiegen, Aufzugsbereiche, Eingangsbereiche innen/außen, Fassaden, Garage) sowie der vom Auftraggeber betriebenen Geldausgabeautomaten (auch im Außenbereich der Bankgebäude) zum Zweck des Eigenschutzes (Schutz des Eigentums und Schutz der Mitarbeiter des Auftraggebers) und des Verantwortungsschutzes (Wahrnehmung von Verkehrssicherungspflichten, Vertragshaftung gegenüber Kunden etc.) sowie zum Zweck der Verhinderung, Eindämmung und Aufklärung strafrechtlich relevanten Verhaltens, soweit hievon der Aufgabenbereich des Auftraggebers betroffen ist, mit ausschließlicher Auswertung in dem durch den Zweck definierten Anlassfall, wobei sich die Zulässigkeit der Videoüberwachung nach § 50a DSG 2000 richtet.
Anmerkung: Diese Standardanwendung könnte sich als erhebliche Erleichterung für die Meldung von Bankfilialen und insbesondere die Aufstellung von Bankomaten erweisen. Allerdings sehen wir zwei Problempunkte:
Die zwingend verschlüsselte Videoüberwachung wird in einem späteren Kapitel noch angesprochen.
Aufgrund der kurzen Aufbewahrungsdauer von 72 Stunden kann ein disloziert aufgestellter Bankomat nicht sinnvoll überwacht werden.
B Juwelier, Handel mit Antiquitäten und Kunstgegenständen, Gold- und Silberschmied
Der Zweck der Datenanwendung ist wie folgt definiert: Verschlüsselte Videoüberwachung des Geschäftslokales des Auftraggebers zum Zweck des Eigenschutzes (Schutz des Eigentums und Schutz der Mitarbeiter des Auftraggebers) und des Verantwortungsschutzes (Wahrnehmung von Verkehrssicherungspflichten, Vertragshaftung gegenüber Kunden etc.) sowie zum Zweck der Verhinderung, Eindämmung und Aufklärung strafrechtlich relevanten Verhaltens, soweit hievon der Aufgabenbereich des Auftraggebers betroffen ist, mit ausschließlicher Auswertung in dem durch den Zweck definierten Anlassfall, wobei sich die Zulässigkeit der Videoüberwachung nach § 50a DSG 2000 richtet.
Anmerkung: Diese Standardanwendung könnte von allen Geschäftslokalen mit hochpreisigen Gütern verwendet werden, da mit Ausnahme der Überschrift keine Beschränkung auf Juwelier etc. enthalten ist. Man beachte, dass die Überschrift allein keine Rechtsgrundlage darstellt, wie etwa die SA003 (Mitgliederverwaltung) ausdrücklich auch für Personengemeinschaften und ausdrücklich auch für Förderer verwendet werden kann – also für Personen ohne Mitgliedsstatus.
Auch hier sehen wir zwei Problempunkte:
Aufgrund der kurzen Aufbewahrungsdauer von 72 Stunden kann während einer Urlaubssperre nicht sinnvoll überwacht werden.
C Trafik
Der Zweck der Datenanwendung ist wie folgt definiert: Verschlüsselte Videoüberwachung der Trafik zum Zweck des Eigenschutzes (Schutz des Eigentums und Schutz der Mitarbeiter des Auftraggebers) und des Verantwortungsschutzes (Wahrnehmung von Verkehrssicherungspflichten, Vertragshaftung gegenüber Kunden etc.) sowie zum Zweck der Verhinderung, Eindämmung und Aufklärung strafrechtlich relevanten Verhaltens, soweit hievon der Aufgabenbereich des Auftraggebers betroffen ist, mit ausschließlicher Auswertung in dem durch den Zweck definierten Anlassfall, wobei sich die Zulässigkeit der Videoüberwachung nach § 50a DSG 2000 richtet.
Anmerkung: Diese Anwendung ist ausdrücklich für Trafiken vorgesehen und kann daher von anderen Tabakverkäufern (zB Gastronomie) nicht herangezogen werden. Wir sehen die beiden bekannten Problempunkte:
D Tankstelle
Der Zweck der Datenanwendung ist wie folgt festgelegt: Verschlüsselte Videoüberwachung der Tankstelle (insbesondere der Zapfsäulen, des Shops, des Kassenbereichs, der Lagerräumlichkeiten und der Waschstraße) zum Zweck des Eigenschutzes (Schutz des Eigentums und Schutz der Mitarbeiter des Auftraggebers) und des Verantwortungsschutzes (Wahrnehmung von Verkehrssicherungspflichten, Vertragshaftung gegenüber Kunden etc.) sowie zum Zweck der Verhinderung, Eindämmung und Aufklärung strafrechtlich relevanten Verhaltens, soweit hievon der Aufgabenbereich des Auftraggebers betroffen ist, mit ausschließlicher Auswertung in dem durch den Zweck definierten Anlassfall, wobei sich die Zulässigkeit der Videoüberwachung nach § 50a DSG 2000 richtet.
Anmerkung: Als Problempunkt sehen wir die zwingend verschlüsselte Videoüberwachung an.
E Bebautes Privatgrundstück (samt Hauseingang und Garage)
Der Zweck der Datenanwendung ist wie folgt festgelegt: Mit Zustimmung aller mit dem Auftraggeber gemeinsam im Haus lebenden Personen im Wege einer Zutrittskontrolle zum Gebäude vorgenommene Videoüberwachung eines bebauten, in der Verfügungsbefugnis des Auftraggebers stehenden Privatgrundstücks (samt Hauseingang und Garage), welches der privaten Nutzung des Auftraggebers und der mit dem Auftraggeber gemeinsam im Haus lebenden Personen dient und zu dessen Betreten außer dem Auftraggeber und der mit dem Auftraggeber gemeinsam im Haus lebenden Personen grundsätzlich niemand berechtigt ist, zum Zweck des Eigenschutzes sowie zum Zweck der Verhinderung, Eindämmung und Aufklärung strafrechtlich relevanten Verhaltens, mit ausschließlicher Auswertung in dem durch den Zweck definierten Anlassfall, wobei sich die Zulässigkeit der Videoüberwachung nach § 50a DSG 2000 richtet.
Anmerkung: Der Begriff „Privatgrundstück“ wird für Diskussionen sorgen. Sieht man den Begriff als Gegensatz zum „Öffentlichen Gut“, so fällt darunter nicht nur ein Einfamilienhaus, sondern zB auch ein Wohnblock. Ob das so gemeint war, bleibt unklar, aber die Anwendung wäre zB hilfreich für die Überwachung der Mülltrennung im Müllraum – vorausgesetzt, es gibt einen geeigneten Auftraggeber, der in diesem Fall nicht die Hausverwaltung sein darf.
Wir sehen folgende Problempunkte:
Die Beschränkung auf strafrechtlich relevantes Verhalten schließt die Verfolgung von Besitzstörungen aus.
Aufgrund der kurzen Aufbewahrungsdauer von 72 Stunden kann während eines Urlaubs nicht sinnvoll überwacht werden.
Zur Frage der Verschlüsselung
In den Anwendungsfällen A bis D wird eine „verschlüsselte Videoüberwachung“ gefordert. Gemeint ist eine Verschlüsselung im Sinne von § 50c Abs. 1, 2. Satz – der Schlüssel darf ausschließlich der DSK zugänglich sein. Damit ist die Idee der Standardanwendung – keine Meldepflicht – von vornherein obsolet.
Im Gegensatz zu den Anwendungsfällen A bis D ist beim Anwendungsfall E keine Verschlüsselung notwendig. Diese Ungleichbehandlung ist im Hinblick auf das besondere Gefährdungspotential der Bereiche A bis D nicht nachvollziehbar.
Überdies hat nach unserem Wissensstand die DSK weder Personal noch Infrastruktur, um die Schlüsselverwaltung zu managen. Unabdingbares Kriterium muss nämlich sein, im Alarmfall den Schlüssel innerhalb weniger Minuten den Polizeidienststellen zur Verfügung zu stellen.
Zur Frage der Aufbewahrungsdauer
Die kurze Aufbewahrung von 72 Stunden wird in § 50b Abs. 2 dahingehend relativiert, dass sich die Frist bei einem Wochenende bis zum nächsten Werktag erstreckt. Wir gehen davon aus, dass dies – ohne ausdrückliche Bezugnahme – auch für die Standardanwendung Geltung haben soll.
Sinnvoll kann die kurze Aufbewahrungsdauer nur in Fällen sein, wo jemand regelmäßig anwesend ist und sofort auf Vorfälle reagieren kann.
Zum Dateninhalt
Inhalt und Übermittlungsempfänger der Standardanwendungen entsprechen den bisherigen Mustern des DVR.
Interessant ist allerdings, dass bei den Banken die Übermittlung der Daten auch an den Konteninhaber und die kontoführende Bank vorgesehen ist. Vermutlich ist gedacht, auf diesem Weg die Aufklärung von betrügerischen Bankomatabhebungen zu erleichtern.