Source: https://steuerrecht-anwalt.berlin/veraeusserungsgewinn-bei-grundvermoegen-versteuern/
Timestamp: 2020-07-06 11:46:18
Document Index: 37401930

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 22', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 23']

Veräußerungsgewinn bei Grundvermögen versteuern? - Anwaltskanzlei Wudtke Berlin
Veräußerungsgewinn bei Grundvermögen versteuern?
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Der Einkommensteuer unterliegen gemäß § 2 I 1 Nr. 7 EStG auch sonstige Einkünfte im Sinne des § 22 EStG, die der Steuerpflichtige während seiner unbeschränkten Einkommensteuerpflicht oder als inländische Einkünfte während seiner beschränkten Einkommensteuerpflicht erzielt. Dazu gehören grundsätzlich auch Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften im Sinne des § 23 EStG. Diese sind nach Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 der letztgenannten Vorschrift z.B. Veräußerungsgeschäfte bei Grundstücken und Rechten, die den Vorschriften des bürgerlichen Rechts über Grundstücke unterliegen, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als zehn Jahre beträgt. Darüber hinaus sind Veräußerungsgewinne steuerfrei.
Was gilt bei Selbstnutzung?
Vom obigen Grundsatz der 10 Jahresfrist kann aber auch unter bestimmten Voraussetzungen nach unten abgewichen werden. Ausgenommen von der Versteuerung ist nämlich gemäß § 23 I 1 Nr.1 Satz 3 EStG Grundbesitz, welcher entweder im Zeitraum zwischen Anschaffung/Fertigstellung und Veräußerung ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken oder im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde. Dabei muss es sich um volle Kalenderjahre handeln, vgl. Weber-Grellet in Kommentar zum Einkommensteuergesetz Ludwig Schmidt, 32. Auflage, 2013, Seite 1797. War eine Eigentumswohnung z.B. zunächst vermietet und man nutzt sie danach nur einen Monat im Dezember 2014, dann das komplette Jahr 2015 und verkaufte sie im Februar 2016, dann ist der Veräußerungsgewinn steuerpflichtig, wenn die Immobilie bis dahin noch nicht 10 Jahre im Besitz gewesen ist. Eine Nutzung zu eigenen Wohnzwecken liegt ferner nur vor, wenn der Eigentümer die Immobilie höchstpersönlich gebraucht, d.h. bereits eine Vermietung an die eigenen Kinder wäre schädlich bzgl. der Nichtbesteuerung. Voraussetzung ist jedoch, dass überhaupt ein Veräußerungsgewinn entstanden ist. Dieser muss also zunächst ermittelt werden.
Wie der steuerpflichtige Veräußerungsgewinn ermittelt wird, ergibt sich ebenfalls aus § 23 EStG. Nach Absatz 3 der Vorschrift ist der Gewinn oder Verlust aus Veräußerungsgeschäften nach § 23 Absatz 1 EStG der Unterschied zwischen dem Veräußerungspreis auf der einen Seite und den Anschaffungs-/Herstellungs-/WK auf der anderen Seite. Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten mindern sich um normale AfA-Beträge, erhöhte AfA-Beträge und Sonder-AfA-Beträge. Dies soll folgendes Beispiel verdeutlichen: Ein Dreifamilienhaus wird 2013 für 900.000 Euro angeschafft. Die Wohnungen sind gleich groß, eine eigengenutzt und zwei vermietet. Die AfA beträgt insgesamt 30.000 Euro. Im Jahre 2016 wird das Haus für 1.200.000 Euro (ohne WK) verkauft. Hier ist der steuerpflichtige Veräußerungsgewinn nicht 300.000 Euro, sondern „nur“ 230.000 Euro.