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Timestamp: 2016-10-27 18:52:38
Document Index: 45850896

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 106', 'Art. 42', 'BGE', 'Art. 4', 'Art. 6', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 9', 'Art. 43', 'Art. 61', 'Art. 29', 'Art. 6', 'BGE', 'Art. 9', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 68']

8C_682/2011 (12.10.2011)
8C_682/2011
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Thomas Ineichen,
Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug vom 14. Juli 2011.
Der 1962 geborene B.________ war Gesch�ftsf�hrer der Firma T.________ AG, und bei den Winterthur-Versicherungen, heute AXA Versicherungen AG (nachfolgend AXA), obligatorisch unfallversichert. Nach einem Skiunfall vom 15. M�rz 2003 litt er an lumbalen R�ckenschmerzen. Am 28. Juni 2003 zog er sich beim Fallschirmspringen infolge einer Fallschirm-Knall�ffnung Deckplattenimpressionsfrakturen der Brustwirbelk�rper (BWK) 7, 11 und 12 ohne Hinterkantenbeteiligung zu. Vom 28. Juni bis 5. Juli 2003 war er im Spital X.________ hospitalisiert, wo er konservativ behandelt wurde. Die AXA erbrachte f�r die R�ckenproblematik Heilbehandlung und Taggeld. Gest�tzt auf eine Vereinbarung mit dem Versicherten erliess sie am 25. April 2006 eine Verf�gung betreffend die Unf�lle vom 15. M�rz und 28. Juni 2003, worin die Ausrichtung von Pflegeleistungen und Kostenverg�tungen, einer Integrit�tsentsch�digung und eines �berbr�ckungskapitals geregelt wurde; vom R�ckfallsrecht ausgeschlossen wurden s�mtliche Beschwerden im Zusammenhang mit dem Halswirbels�ulentrauma und den Kopfbeschwerden. Am 7. Januar 2009 erstattete die Arbeitgeberin eine R�ckfallmeldung; der Versicherte leide als Folge des Ereignisses vom 28. Juni 2003 an in die rechte Hand ausstrahlenden Schulterschmerzen rechts. Im Bericht vom 24. August 2009 diagnostizierte Dr. med. S.________, Chefarzt Orthop�die, Klinik Y.________, eine SLAP (superior labrum anterior to posterior)-L�sion/Intervalll�sion Schulter rechts. Mit Verf�gung vom 7. Oktober 2009 er�ffnete die AXA dem Versicherten, seine Beschwerden an der rechten Schulter seien weder auf einen Unfall noch auf eine unfall�hnliche K�rpersch�digung zur�ckzuf�hren, weshalb sie nicht leistungspflichtig sei. Am 28. Oktober 2009 wurde der Versicherte von Dr. med. S.________ an der rechten Schulter operiert, wobei er die Diagnose einer SLAP-L�sion IV stellte. Die gegen die Verf�gung vom 7. Oktober 2009 erhobene Einsprache wies die AXA mit Entscheid vom 15. M�rz 2010 ab, da ein Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 28. Juni 2003 und den Schulterbeschwerden rechts nicht �berwiegend wahrscheinlich sei.
Die hiegegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Zug mit Entscheid vom 14. Juli 2011 ab.
Mit Beschwerde beantragt der Versicherte, in Aufhebung des kantonalen Entscheides sei die AXA zu verpflichten, die ihm zustehenden gesetzlichen Leistungen f�r den Unfall vom 28. Juni 2003 zuzusprechen; die Sache sei zu Bemessung der Anspr�che und zu neuer Entscheidung zur�ckzuweisen. Ein Schriftenwechsel wurde nicht durchgef�hrt.
Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung nach Art. 95 f. BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Immerhin pr�ft es grunds�tzlich nur die geltend gemachten R�gen, sofern die rechtlichen M�ngel nicht geradezu offensichtlich sind (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.4.1 S. 254).
Die Vorinstanz hat die Grundlagen �ber die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers bei Unf�llen (Art. 4 ATSG; Art. 6 Abs. 1 UVG; BGE 134 V 72, 130 V 117) und unfall�hnlichen K�rpersch�digungen (Art. 6 Abs. 2 UVG; Art. 9 Abs. 2 UVV; BGE 129 V 466) zutreffend dargelegt. Gleiches gilt betreffend den f�r die Leistungspflicht - sowohl im Grundfall als auch bei R�ckf�llen und Sp�tfolgen - vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall bzw. dem unfall�hnlichen Ereignis und dem Gesundheitsschaden, wobei es bei einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung gen�gt, wenn das Ereignis lediglich Ausl�sungsfaktor des Gesundheitsschadens war (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f. und E. 9.5 S. 125 f.; SVR 2010 UV Nr. 31 S. 125 E. 5.1 [8C_816/2009]; Urteil 8C_32/2011 vom 25. Mai 2011 E. 3 und 5). Richtig wiedergeben hat die Vorinstanz auch die Grunds�tze �ber den im Sozialversicherungsrecht �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125) und den Beweiswert von Arztberichten (BGE 134 V 231 E. 2.1 S. 232). Darauf wird verwiesen.
3.1 Streitig und zu pr�fen ist, ob die Schulterbeschwerden rechts (SLAP-L�sion IV) des Versicherten auf die Fallschirm-Knall�ffnung vom 28. Juni 2003 zur�ckzuf�hren sind.
Die Vorinstanz erwog in W�rdigung der medizinischen Aktenlage mit einl�sslicher Begr�ndung, auf die verwiesen wird, im Wesentlichen, der Versicherte habe erstmals anl�sslich einer Konsultation bei Dr. med. P.________, Rheumatologie und Innere Medizin FMH, am 5. September 2003 Schulterbeschwerden beim Schwimmen (Crawlen) erw�hnt. F�r die Zeit nach Februar 2004 bis September 2005 f�nden sich in den Akten keine Hinweise auf Schulterbeschwerden. Erst im Gutachten des Dr. med. C.________, Orthop�dische Chirurgie FMH, vom 20. Oktober 2005 seien wieder Schulterbeschwerden rechts beschrieben worden, ohne dass sie aber in der Diagnose aufgef�hrt worden seien. Danach sei bis Herbst 2008 wiederum keine Rede von einer Schulterproblematik gewesen. Dr. med. K.________, FMH f�r Allgemeinmedizin, habe am 3. Dezember 2008 die Diagnose einer Periarthritis humeroscapularis (PHS) rechts gestellt. Die nachtr�gliche Zuordnung der erst im August 2009 von Dr. med. S.________ definitiv diagnostizierten SLAP-L�sion IV auf die harte Fallschirm�ffnung vom 28. Juni 2003 sei unter diesen Umst�nden problematisch. Ein Kausalzusammenhang sei zwar durchaus m�glich, allerdings ebenso gut eine degenerative Entstehung der Schulterverletzung. Wenn die AXA eine Verursachung der SLAP-L�sion IV durch das Ereignis vom 28. Juni 2003 gem�ss den Beurteilungen ihrer beratenden �rzte Dres. med. D.________ (Stellungnahmen vom 7. April und 22. September 2009) sowie H.________, Spezialarzt FMH Chirurgie (Stellungnahme vom 9. M�rz 2010), zwar als m�glich, aber nicht als �berwiegend wahrscheinlich qualifiziert habe, sei dies nicht zu beanstanden. Hieran verm�chte auch die Einholung eines fach�rztlichen Gutachten nichts zu �ndern. Demnach habe die AXA f�r die Schulterbeschwerden rechts nicht aufzukommen. Dies gelte unabh�ngig davon, ob die Fallschirm-Knall�ffnung vom 28. Juni 2003 als Unfall (verneinend SVR 2004 UV Nr. 13 S. 47 E. 3 [U 165/03]) zu qualifizieren oder die SLAP-L�sion IV als unfall�hnliche Sch�digung nach Art. 9 Abs. 2 UVV anzuerkennen sei.
3.2 Diesem vorinstanzlichen Ergebnis ist beizupflichten. Was dagegen in der Beschwerde vorgebracht wird, vermag zu keinem anderen Ergebnis zu f�hren. Festzuhalten ist insbesondere Folgendes:
3.2.1 Der Versicherte macht geltend, er habe nach der Spitaleinlieferung am 28. Juni 2003 aufgrund der BWK-Frakturen erhebliche Schmerzen gehabt. Die Verletzungen seien von ihm als einziges Schmerzbild wahrgenommen worden, das �ber den ganzen Oberk�rper bis zum Kopf und den Extremit�ten ausgestrahlt habe. Durch die Ruhigstellung und Bewegungsarmut habe die Schulterverletzung nicht als separates Ereignis imponieren k�nnen. Somit k�nne aus der Tatsache, dass er sie nicht bereits im Spital angef�hrt habe, nichts zu seinem Nachteil abgeleitet werden. Aktenwidrig sei zudem die vorinstanzliche Auffassung, auch vom Februar 2004 bis September 2005 und seit dem Gutachten des Dr. med. C.________ vom 20. Oktober 2005 bis Herbst 2008 fehlten Hinweise auf Schulterbeschwerden. Der Versicherte beruft sich auf die Berichte der Dres. med. K.________ vom 3. Dezember 2008 und P.________ vom 19. August 2010, wonach seit dem Ereignis vom 28. Juni 2003 Schulterbeschwerden rechts bestanden h�tten.
Diese Einw�nde sind nicht stichhaltig. Festzuhalten ist, dass der Versicherte bereits im Spital unter physiotherapeutischer Anleitung im Spinomedkorsett mobilisiert wurde. Nach der Spitalentlassung am 5. Juli 2003 absolvierte er weiterhin Physiotherapie zur Kr�ftigung der Rumpfmuskulatur. Von einer Ruhigstellung und Bewegungsarmut der Schulter rechts kann somit zumindest ab diesem Zeitpunkt nicht gesprochen werden. Dr. med. P.________ gab im Bericht vom 28. Oktober 2009 an, gem�ss seinen Unterlagen habe der Versicherte erstmals am 5. September 2003 Schulterbeschwerden erw�hnt, die vor allem beim Schwimmen (Crawlen) auftr�ten; auch gem�ss seinem Bericht vom 19. Oktober 2010 beklagte der Versicherte erstmals bei der Konsultation vom 5. September 2003 seit dem Unfall bestehende Schulterbeschwerden rechts beim Schwimmen (Crawl). Aussagekr�ftige echtzeitliche Berichte, welche Schulterbeschwerden rechts unmittelbar seit dem Ereignis vom 28. Juni 2003 oder zumindest nach der Spitalentlassung am 5. Juli 2003 bis 5. September 2003 dokumentieren w�rden, werden indessen vom Versicherten nicht angef�hrt und liegen auch nicht bei den Akten; Gleiches gilt f�r die Zeit vom Februar 2004 bis September 2005 und seit 20. Oktober 2005 bis Herbst 2008 (vgl. auch Urteil U 379/05 vom 23. M�rz 2006 E. 2.2).
3.2.2 Der Versicherte f�hrt weiter den Operationsbericht des Dr. med. S.________ vom 28. Oktober 2009 ins Feld, worin dieser festh�lt, der Befund entspr�che einer klar traumatisch ausgel�sten SLAP-L�sion �lteren Datums; nach seiner Beurteilung bestehe aufgrund des Befundes und der Beschwerden des Versicherten ein �berwiegend wahrscheinlicher Zusammenhang mit dem Fallschirmereignis vom 28. Juni 2003. Zudem verweist der Versicherte auf den Bericht des Dr. med. S.________ vom 13. September 2011 (recte 2010), worin dieser unter Hinweis auf seine 15-j�hrige Erfahrung als Schulter- und Ellbogenspezialist darlegte, SLAP-L�sionen IV k�men insgesamt selten, SLAP-L�sionen I-III wesentlich h�ufiger vor. SLAP-L�sionen IV habe er bis anhin vielleicht zwanzigmal und ausschliesslich im Zusammenhang mit einem Unfall gesehen. Sie h�tten nie im Zusammenhang mit einer �berlastung (insbesondere auch �berkopft�tigkeit), degenerativen Abn�tzungserscheinungen oder �berkopfwurfsportarten gestanden. Es best�nden klare Indizien daf�r, dass die Schulterverletzung rechts des Versicherten �berwiegend wahrscheinlich auf das Ereignis vom 28. Juni 2003 zur�ckgehe.
Diese Berichte des Dr. med. S.________ �berzeugen insofern nicht, als er von den echtzeitlich nicht belegten Pr�missen ausging, der Versicherte habe am 28. Juni 2003 ein Dezelerationstrauma der Schulter bzw. ein rasches Zur�ckschlagen des Arms erlitten und seither bis zur Operation vom 28. Oktober 2009 anhaltend an Schulterbeschwerden bzw. Br�ckensymptomen gelitten. Der Umstand, dass Dr. med. S.________ beim Versicherten eine klar traumatisch ausgel�ste SLAP-L�sion IV �lteren Datums feststellte und solche L�sionen bisher nur zwanzigmal sowie einzig in Verbindung mit einem Unfall sah, l�sst nicht den Schluss zu, beim Versicherten resultiere sie �berwiegend wahrscheinlich aus dem Ereignis vom 28. Juni 2003.
3.2.3 Unbehelflich ist die Berufung des Versicherten auf diverse Aussagen des Dr. med. E.________, Physikalische Medizin und Rehabilitation spez. Rheumaerkrankungen FMH, beratender Arzt der AXA, im Bericht vom 11. November 2010. Denn auch dieser erachtete das Ereignis vom 28. Juni 2003 nach eingehender und schl�ssiger W�rdigung der Aktenlage nur als m�gliche, aber nicht �berwiegend wahrscheinliche Ursache der Schulterpathologie rechts.
Der Versicherte bringt weiter vor, Dr. med. D.________ habe den Bericht vom 7. April 2009 in Unkenntnis der Feststellungen des Dr. med. S.________ vom 28. Oktober 2009 verfasst. Hierzu ist festzuhalten, dass Dr. med. D.________ am 22. September 2009 eine zweite Stellungnahme abgab, worin er nunmehr in Kenntnis der von Dr. med. S.________ am 24. August 2009 diagnostizierten SLAP-L�sion/Intervalll�sion Schulter rechts weiterhin nur einen m�glichen Kausalzusammenhang mit dem Ereignis vom 28. Juni 2003 postulierte. Aber selbst wenn auf diese Stellungnahme des Dr. med. D.________ nicht abgestellt wird, hilft dies dem Versicherten nicht. Denn die Einsch�tzung des Dr. med. S.________ (E. 3.2.2 hievor) vermag die Beurteilungen der Dres. med. H.________ vom 9. M�rz 2010 und E.________ vom 11. November 2010 - welche die praxisgem�ssen Anforderungen an medizinische Aktenberichte (vgl. SVR 2010 UV Nr. 17 S. 63 E. 7.2 [8C_239/2008]) erf�llen - nicht zu entkr�ften. Demnach ist das Bestehen der nat�rlichen Kausalit�t zwischen dem Ereignis vom 28. Juni 2003 und den Schulterbeschwerden rechts des Versicherten nicht �berwiegend wahrscheinlich.
3.2.4 Die Vorinstanz hat zu Recht von weiteren medizinischen Abkl�rungen abgesehen, da hievon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind; dies verst�sst weder gegen den Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG) noch gegen den Anspruch auf rechtliches Geh�r (Art. 29 Abs. 2 BV) noch gegen das Gebot eines fairen Verfahrens (Art. 6 EMRK; antizipierte Beweisw�rdigung; BGE 134 I 140 E. 5.3 S. 148). Von willk�rlicher Beweisw�rdigung (Art. 9 BV) kann ebenfalls nicht gesprochen werden.
Selbst wenn im Umstand, dass die Vorinstanz den von der AXA aufgelegten - im Ergebnis zu Ungunsten des Versicherten lautenden - Bericht des Dr. med. E.________ vom 11. November 2010 (E. 3.2.3 hievor) im angefochtenen Entscheid nicht erw�hnte, eine Verletzung der Begr�ndungspflicht zu erblicken w�re, w�re von einer R�ckweisung der Sache im Sinne einer Heilung des Mangels abzusehen, da dem Bundesgericht die volle Kognition zusteht (E. 1 hievor) und die R�ckweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unn�tigen Verz�gerungen f�hren w�rde, die mit dem (der Anh�rung gleichgestellten) Interesse des Versicherten an einer bef�rderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren ist (BGE 132 V 387 E. 5.1 S. 390; Urteil 8C_788/2010 vom 8. Februar 2011 E. 6).
Der unterliegende Beschwerdef�hrer tr�gt die Verfahrenskosten (Art. 66 Abs. 1, Art. 68 Abs. 2 BGG).