Source: https://www.admody.com/urteilsdatenbank/4c11a02915c7/BGH_Urteil_vom_18-Maerz-2010_Az_I-ZR-172-08
Timestamp: 2019-06-17 07:51:40
Document Index: 309804912

Matched Legal Cases: ['§ 8', 'BGH', '§ 4', 'Art. 3', 'BGH', '§ 2', '§ 3', '§ 4', 'BGH', '§ 33', 'Art. 5', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 35', '§ 8', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Bundesgerichtshof, Urteil vom 18. März 2010, Az.: I ZR 172/08
Sie haben beantragt, der Beklagten zu untersagen, im geschäftlichen Verkehr gegenüber Dritten die Kennzeichnung "Master of Science Kieferorthopädie" zu verwenden.
Das Landgericht hat dem Unterlassungsbegehren stattgegeben und die Beklagte zur Zahlung eines Teils der Abmahnkosten verurteilt (LG Kleve, Urt. v. 10.8.2007 - 8 O 3/07, juris). Auf die dagegen gerichtete Berufung hat das Berufungsgericht die Klage abgewiesen (OLG Düsseldorf, Urt. v. 23.9.2008 - 20 U 144/07, juris = GRUR-RR 2009, 186 (Ls.)).
a) Die Kläger haben ihren Unterlassungsanspruch auf Wiederholungsgefahr gestützt (§ 8 Abs. 1 Satz 1 UWG) und dazu ihrer Auffassung nach von der Beklagten im Jahr 2006 begangene Zuwiderhandlungen vorgetragen. Da der Unterlassungsanspruch auf die Abwehr künftiger Rechtsverstöße gerichtet ist, ist er nur begründet, wenn auf der Grundlage des zum Zeitpunkt der Entscheidung geltenden Rechts Unterlassung verlangt werden kann. Zudem muss die Handlung zum Zeitpunkt ihrer Begehung wettbewerbswidrig gewesen sein, weil es andernfalls an der Wiederholungsgefahr fehlt (st. Rspr.; vgl. BGH, Urt. v. 29.7.2009 - I ZR 166/06, GRUR 2009, 1077 Tz. 18 = WRP 2009, 1380 - Finanz-Sanierung).
Die Vorschrift des § 4 Nr. 11 UWG hat durch die Umsetzung der Richtlinie 2005/29/EG über unlautere Geschäftspraktiken keine Änderung erfahren und wird im Streitfall durch die Regelungen der Richtlinie 2005/29/EG auch nicht berührt (vgl. Art. 3 Abs. 1 und 8 der Richtlinie; vgl. hierzu auch: BGH, Urt. v. 14.5.2009 - I ZR 179/07, GRUR 2009, 886 Tz. 18 = WRP 2009, 1513 - Die clevere Alternative; GRUR 2009, 1077 Tz. 21 - Finanz-Sanierung). Die Änderungen in § 2 Abs. 1 Nr. 1 und in §§ 3, 5 UWG sind vorliegend ohne Bedeutung.
aa) Die vorstehenden Bestimmungen des Heilberufsgesetzes NRW und der Berufsordnung der Zahnärztekammer sind allerdings Marktverhaltensregeln i.S. von § 4 Nr. 11 UWG. Die Bestimmungen regeln die Bezeichnungen, die der kammerangehörige Zahnarzt führen darf. Sie betreffen die Selbstdarstellung des Zahnarztes und wirken sich daher unmittelbar auf seine Werbemöglichkeiten aus. Ihnen kommt eine auf die Lauterkeit des Wettbewerbs bezogene Schutzfunktion zu (vgl. BGH, Urt. v. 27.1.2005 - I ZR 202/02, GRUR 2005, 520, 521 = WRP 2005, 738 - Optimale Interessenvertretung; Urt. v. 29.7.2009 - I ZR 77/07, GRUR 2010, 349 Tz. 19 = WRP 2010, 518 - EKW-Steuerberater).
(2) Die Führung des Mastergrades in der beanstandeten Form verstößt auch nicht gegen §§ 33, 35 Abs. 1 Satz 1 HeilBerG NRW, die als berufsrechtliche Regelungen zur Führung geschützter Berufsbezeichnungen nach Art. 5 Abs. 4 des deutschösterreichischen Abkommens unberührt bleiben. Nach §§ 33, 35 Abs. 1 Satz 1 HeilBerG NRW können Kammerangehörige neben der Berufsbezeichnung weitere Bezeichnungen führen, die auf besondere Kenntnisse in einem bestimmten beruflichen Gebiet (Gebietsbezeichnung) oder Teilgebiet (Teilgebietsbezeichnung) oder auf Bereiche (Zusatzbezeichnung) hinweisen (§ 33 Satz 1 HeilBerG NRW) oder die die Kammer bestimmt hat (§ 33 Satz 2 HeilBerG NRW), wenn sie eine entsprechende Anerkennung erhalten haben (§ 35 Abs. 1 Satz 1 HeilBerG NRW). Wer die Anerkennung auf dem Gebiet der Kieferorthopädie erhalten hat, führt nach § 8 Abs. 1 der Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Nordrhein vom 17. Mai 2003 die Bezeichnung "Fachzahnarzt/Fachzahnärztin für Kieferorthopädie" oder "Kieferorthopäde/Kieferorthopädin". Gegen diese Bestimmungen verstößt die Beklagte nicht, weil sie die nach der Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Fachzahnärzten vorbehaltenen Bezeichnungen nicht führt. Sie verwendet auch keine zum Verwechseln ähnliche Angaben.
LG Kleve, Entscheidung vom 10.08.2007 - 8 O 3/07 -
OLG Düsseldorf, Entscheidung vom 23.09.2008 - I-20 U 144/07 -
Az: I ZR 172/08
https://www.admody.com/urteilsdatenbank/4c11a02915c7/BGH_Urteil_vom_18-Maerz-2010_Az_I-ZR-172-08
<a href="https://www.admody.com/urteilsdatenbank/4c11a02915c7/BGH_Urteil_vom_18-Maerz-2010_Az_I-ZR-172-08" title="Bundesgerichtshof, Urteil vom 18. März 2010, Az.: I ZR 172/08">Bundesgerichtshof, Urteil vom 18. März 2010, Az.: I ZR 172/08</a>
[URL=https://www.admody.com/urteilsdatenbank/4c11a02915c7/BGH_Urteil_vom_18-Maerz-2010_Az_I-ZR-172-08]Bundesgerichtshof, Urteil vom 18. März 2010, Az.: I ZR 172/08[/URL]
<ref name=Y4Ul0QQz>{{cite web|title=Bundesgerichtshof, Urteil vom 18. März 2010, Az.: I ZR 172/08|url=https://www.admody.com/urteilsdatenbank/4c11a02915c7/BGH_Urteil_vom_18-Maerz-2010_Az_I-ZR-172-08|publisher=Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft|accessdate=17. Juni 2019}}</ref>
LG Dortmund, Urteil vom 15. Januar 2016, Az.: 3 O 610/15 - BPatG, Beschluss vom 5. März 2009, Az.: 30 W (pat) 81/06 - OLG Hamm, Beschluss vom 16. Mai 2011, Az.: I-8 AktG 1/11 - BPatG, Urteil vom 18. Januar 2007, Az.: 2 Ni 14/05 - VG Berlin, Beschluss vom 4. Januar 2012, Az.: 35 KE 41.11, (23 A 109.08) - BPatG, Beschluss vom 30. Oktober 2002, Az.: 32 W (pat) 91/02 - BPatG, Beschluss vom 2. Januar 2007, Az.: 5 W (pat) 25/06 - BPatG, Beschluss vom 4. November 2004, Az.: 25 W (pat) 87/03 - BGH, Beschluss vom 28. Juni 2004, Az.: AnwZ (B) 14/03 - BPatG, Beschluss vom 3. Juni 2008, Az.: 27 W (pat) 65/08