Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerwGE%2089,%2014
Timestamp: 2020-04-08 00:40:56
Document Index: 38523612

Matched Legal Cases: ['§ 83', '§ 45', '§ 17', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 3', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 19', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 19', '§ 19', '§ 24', '§ 19', '§ 86']

BVerwG, 03.09.1991 - 1 C 48.88 - dejure.org
https://dejure.org/1991,313
BVerwG, 03.09.1991 - 1 C 48.88 (https://dejure.org/1991,313)
BVerwG, Entscheidung vom 03.09.1991 - 1 C 48.88 (https://dejure.org/1991,313)
BVerwG, Entscheidung vom 03. September 1991 - 1 C 48.88 (https://dejure.org/1991,313)
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Datenschutzgesetz Auskunftsanspruch - Ermessen der Behörde - Geheimhaltungsinteresse - Auskunftsinteresse - Bundesgrenzschutz - Gefährdung der Sicherheit
Zum Anspruch auf Auskunftserteilung
VG Koblenz, 23.02.1987 - 1 K 290/85
BVerwG, 27.08.1990 - 1 C 48.88
BVerwG, 24.01.1992 - 1 C 48.88
BVerwGE 89, 14
NJW 1992, 451
MDR 1992, 723
NVwZ 1992, 266 (Ls.)
DVBl 1992, 298
DÖV 1992, 116
Die "Herkunft" von Daten, über die nach § 83 Abs. 1 SGB X auf Antrag Auskunft zu geben ist, erstreckt sich zwar auch auf die Personen, die über personenbezogene Daten informiert haben (s. m.w.N. BVerwGE 89, 14 ).
Im Rahmen der Geltendmachung eines Auskunftsanspruchs, der sich grundsätzlich auf die zur Person des Betroffenen gespeicherten Daten unabhängig von der Rechtmäßigkeit oder Rechtswidrigkeit der Speicherung erstreckt, könnte es auf diese Frage nur ankommen, wenn und soweit die Rechtsverletzung des Betroffenen unter dem Aspekt der Folgenbeseitigung in eine Interessenabwägung einzustellen sein sollte (vgl. § 45 des Polizeigesetzes für Baden-Württemberg, PolG i.d.F. vom 13. Januar 1992, GBl S. 1, ber. S. 596, zuletzt geändert durch Gesetz vom 22. Juli 1996, GBl S. 501, § 17 Abs. 5 des Gesetzes zum Schutz personenbezogener Daten, Landesdatenschutzgesetz - LDSG vom 27. Mai 1991, GBl S. 277; vgl. auch BVerwGE 89, 14, 18 ff. zu § 19 Abs. 4 BDSG ).
Wenn die Beklagte die begehrte Auskunft erteilt, gefährdet die gewünschte Information als solche nicht die ordnungsgemäße Aufgabenerfüllung der Beklagten (vgl zu diesem wortlautgetreuen Ansatz auch BVerwGE 89, 14, 18; BFHE 203, 227, 233; BFHE 202, 425, 428;… s auch Mallmann in Simitis, BDSG, 7. Aufl 2011, § 19 RdNr 84;… Wedde in Däubler/Klebe/Wedde/Weichert, BDSG, 3. Aufl 2010, § 19 RdNr 23).
Die Behörden können die für eine effektive Korruptionsbekämpfung unentbehrlichen Informationen von Seiten Dritter nur erwarten, wenn der Informant nicht befürchten muss, jede ihm anzulastende Nachlässigkeit oder leichte Fahrlässigkeit bei der Wahrnehmung oder Mitteilung der möglichen Pflichtwidrigkeit werde den Bruch der zugesagten Vertraulichkeit zur Folge haben (vgl. auch Urteil vom 3. September 1991 - BVerwG 1 C 48.88 - BVerwGE 89, 14 ).
Leichtfertigkeit verlangt einen, gemessen an den individuellen Fähigkeiten des Handelnden, erhöhten Grad an Fahrlässigkeit (Urteil vom 3. September 1991 - BVerwG 1 C 48.88 - a.a.O.).
Wie sich aus § 19 Abs. 1 Satz 3 i.V.m. § 3 Abs. 2 Satz 2 BDSG ergibt, gilt § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BDSG auch für in Akten geführte personenbezogene Daten (vgl. Bundesverwaltungsgericht --BVerwG--, Urteil vom 3. September 1991 1 C 48.88, BVerwGE 89, 14, 16;… Gola/Schomerus, Bundesdatenschutzgesetz, 7. Aufl., § 19 Rz. 4;… Mallmann in Simitis, Bundesdatenschutzgesetz, 5. Aufl., § 19 Rz. 40).
Die Voraussetzungen und Grenzen eines Auskunftsanspruchs sind vielmehr in vollem Umfang einer gerichtlichen Nachprüfung zugänglich (vgl. BVerwG, Urteil in BVerwGE 89, 14, 17).
b) § 19 Abs. 4 Nr. 1 BDSG setzt voraus, dass die ordnungsgemäße Aufgabenerfüllung der speichernden Stelle gerade durch die Auskunftserteilung gefährdet ist (vgl. BVerwG, Urteil in BVerwGE 89, 14, 18).
§ 19 Abs. 4 Nr. 1 BDSG erfordert insoweit eine dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit Rechnung tragende Güterabwägung zwischen dem Geheimhaltungsinteresse der speichernden Stelle und dem Auskunftsinteresse des Betroffenen (vgl. BVerwG, Urteil in BVerwGE 89, 14, 20).
Ein Auskunftsanspruch des Klägers kann sich nicht unmittelbar aus Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 GG oder aus Art. 19 Abs. 4 GG ergeben, weil die in § 19 BDSG getroffene Regelung zur Auskunftserteilung über personenbezogene Daten nicht hinter den verfassungsrechtlichen Anforderungen zurückbleibt (vgl. BVerwG, Urteil in BVerwGE 89, 14, 21 f.; BVerfG, Beschluss vom 10. Oktober 2000 1 BvR 586/90 und 1 BvR 673/90, Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht 2001, 185).
Bei auf verfassungsgemäßer gesetzlicher Grundlage erfolgender Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten ist die für die Wahrnehmung polizeilicher Aufgaben grundsätzlich erforderliche Geheimhaltung gespeicherter Informationen ohne weiteres mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung vereinbar (vgl. BVerwGE 89, 14, 19; BayVerfGH NVwZ 1996, 166, 170).
Die Berechtigung des Interesses der Informantin an einer Geheimhaltung ihrer Sozialdaten, insbesondere ihres Namens, könnte im Übrigen aufgrund einer Abwägung mit den Interessen des Klägers dann entfallen, wenn ausreichende Anhaltspunkte für die Annahme vorlägen, sie habe wider besseres Wissen und in der vorgefassten Absicht, den Ruf des Klägers zu schädigen, gehandelt oder leichtfertig falsche Informationen gegeben (…Stelkens/Bonk/Sachs a. a. O., § 24 Rdnr. 34; vgl. auch BVerwG, Urt. v. 3.9.1991 - BVerwG 1 C 48.88 -, BVerwGE 89, 14).
Dabei meint "Herkunft" der Daten auch die Personen, die über personenbezogene Daten informiert haben (BVerwG, Urt. v. 3.9.1991, a. a. O. zu dem insoweit gleichen Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BDSG;… vgl. auch OVG Rh.-Pfalz, Urt. v. 16.09.1997 - 7 A 10004/97 -, JURIS).
Auch eine schlüssige Darlegung eines schützenswerten Auskunftsinteresses ist - anders als für einen Auskunftsanspruch nach Ermessen - nicht erforderlich (BVerwG, Urt. v. 3.9.1991, a.a.O.).
Einen Ermessensspielraum eröffnet die Vorschrift der Behörde nicht, wie sich aus der Formulierung "unterbleibt" ergibt (BVerwG, Urt. v. 3.9.1991, a. a. O.).
Das Auskunftsinteresse des Betroffenen kann aber auch hier ausnahmsweise dann Vorrang gegenüber dem Geheimhaltungsinteresse genießen, wenn etwa ausreichende Anhaltspunkte für die Annahme vorlägen, ein Informant habe wider besseres Wissen und in der vorgefassten Absicht, den Ruf des Betroffenen zu schädigen, gehandelt oder leichtfertig falsche Informationen gegeben (BVerwG, Urt. v. 3.9.1991, a. a. O.).
Dies gilt auch unter Berücksichtigung der Änderungen durch das Gesetz vom 29. Oktober 1997 (BGBl I S. 2584), die im Revisionsverfahren anzuwenden sind, weil auch das Berufungsgericht sie hätte anwenden müssen, wenn sie im hier maßgeblichen Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht bereits gegolten hätten (Urteil vom 3. September 1991 - BVerwG 1 C 48.88 - BVerwGE 89, 14 <160 = Buchholz 403.11 § 19 BDSG Nr. 1; Urteil vom 31. Mai 1994 - BVerwG 1 C 5.93 - BVerwGE 96, 86 = Buchholz 402.240 § 86 AuslG 1990 Nr. 1).
BVerwG, 26.02.1998 - 1 B 242.97
Anspruch auf Benennung eines behördlichen Informanten - Güterabwägung zwischen …
BVerwG, 24.02.1998 - 1 B 243.97