Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerfGE%20128,%20138
Timestamp: 2020-02-17 22:03:35
Document Index: 116277660

Matched Legal Cases: ['§ 77', '§ 77', '§ 77', '§ 77', '§ 237', '§ 77', 'Art. 3', '§ 77', 'EGMR']

Die Beschwerdebegründung zitiert wörtlich Passagen aus dem Beschluss des BVerfG vom 11.1.2011 ( 1 BvR 3588/08 ua - BVerfGE 128, 138 = SozR 4-2600 § 77 Nr. 9) und trägt vor, die Regelung des § 77 Abs. 2 SGB VI sei nachträglich verfassungswidrig geworden, weil spätestens zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des RV-Leistungsverbesserungsgesetzes (BGBl I 787) am 1.7.2014 die finanzielle Notlage der gesetzlichen Rentenversicherung nicht mehr bestanden habe, die die Einführung des Abschlags nach der Rechtsprechung des BVerfG gerechtfertigt habe.
Nach dem Beschluss des BVerfG vom 11.1.2011 (aaO) ist die Kürzung des Zugangsfaktors bei Renten wegen Erwerbsminderung mit dem GG vereinbar, auch wenn der Rentenbezug vor der Vollendung des 60. Lebensjahres beginnt.
Den Vorteil der verlängerten Rentenbezugszeit durch eine Absenkung des monatlichen Zahlbetrags zumindest teilweise zu kompensieren, sei eine auch unter versicherungsmathematischen Gesichtspunkten nachvollziehbare und damit sachlich gerechtfertigte Maßnahme (vgl BVerfG Beschluss vom 11.1.2011 - BVerfGE 128, 138, 150 ff = SozR 4-2600 § 77 Nr. 9 RdNr 39 ff).
Die Einführung eines gekürzten Zugangsfaktors bei Beginn einer Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit vor Vollendung des 63. Lebensjahres hat das BVerfG im Lichte dieser Zielsetzung auch als verhältnismäßig angesehen (BVerfG Beschluss vom 11.1.2011 - BVerfGE 128, 138, 151 f = SozR 4-2600 § 77 Nr. 9 RdNr 42 f).
In diesem Zusammenhang ist auch auf die in der Beschwerdebegründung nicht berücksichtigte ständige Rechtsprechung des BVerfG zu verweisen, wonach dem Gesetzgeber nicht vorgegeben werden kann, in welchen Bereichen des Systems der gesetzlichen Rentenversicherung Einsparungen erzielt werden sollen (vgl zB BVerfGE 116, 96, 127; 117, 272, 298;… BVerfG Beschluss vom 11.11.2008 - BVerfGE 122, 151, 184 = SozR 4-2600 § 237 Nr. 16 RdNr 84; BVerfGE 128, 138, 152 = SozR 4-2600 § 77 Nr. 9 RdNr 44).
Das BVerfG hat im Beschluss vom 11.1.2011 ausgeführt, dass Art. 3 Abs. 1 GG nicht verletzt ist (BVerfGE 128, 138, 156 = SozR 4-2600 § 77 Nr. 9 RdNr 53).
EGMR, 04.02.2014 - 35913/11