Source: https://www.kvlegal.de/ip-copyright/amazon-haftet-nicht-fuer-die-lagerung-markenverletzender-produkte/
Timestamp: 2020-06-01 08:26:07
Document Index: 161884540

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'BGH', 'EuG', 'Art. 9', 'Art. 9', 'BGH', 'EuG']

Amazon haftet nicht für die Lagerung markenverletzender Produkte (EuGH, Urt. v. 02.04.2020, Rs. C‑567/18) | KVLEGAL /**/
Amazon haftet nicht für die Lagerung markenverletzender Produkte (EuGH, Urt. v. 02.04.2020, Rs. C‑567/18)
von RAin Rebekka Kramm, 6. April 2020
Der EuGH hat mit Urteil vom 02.04.2020 (Rechtsache C‑567/18) über ein Vorabentscheidungsersuchen des BGH in einem Verfahren zwischen dem namhaften Parfümvertieb Coty Germany GmbH und diversen Amazon Tochtergesellschaften entschieden, dass Amazon nicht für Markenverletzungen haftbar gemacht werden kann in Bezug auf Produkte die Dritthändler anbieten und für den Verkauf den Service von Amazon "Versand durch Amazon" nutzen, bei dem die Produkte von Amazon gelagert werden können. Der Versand erfolgt in diesem Fall über externe Dienstleister. Solange Amazon selbst diese Waren nicht anbietet, haftet es nicht für die Lagerung der markenverletztenden Produkte seiner Händler.
Bei der Entscheidung ging es konkret um den Verkauf von Parfümflakons, für die die Rechte aus der Marke nicht erschöpft waren und die auf einem Marktplatz der Website www.amazon.de durch einen Drittanbieter ohne Zustimmung von Coty anboten worden waren.
Die Vorlagefrage hat der EuGH wie folgt beantwortet: "Nach alledem ist auf die Vorlagefrage zu antworten, dass Art. 9 Abs. 2 Buchst. b der Verordnung Nr. 207/2009 und Art. 9 Abs. 3 Buchst. b der Verordnung 2017/1001 dahin auszulegen sind, dass eine Person, die für einen Dritten markenrechtsverletzende Waren lagert, ohne Kenntnis von der Markenrechtsverletzung zu haben, so anzusehen ist, dass sie diese Waren nicht zum Zweck des Anbietens oder Inverkehrbringens im Sinne dieser Bestimmungen besitzt, wenn sie selbst nicht diese Zwecke verfolgt."
Das vollständige Urteil ist abrufbar unter: http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=224883&pageIndex=0&doclang=de&mode=req&dir=&occ=first&part=1&cid=3157112.
Der Rechtsstreit wird nun weiter beim BGH geführt. Der EuGH wies in seiner Entscheidung bereits darauf hin, dass es im Unionsrecht noch weitere Vorschriften gebe, um gegen Vermittler vorzugehen, die es erlauben, eine Marke rechtswidrig zu benutzen, so z.B. im elektronischen Geschäftsverkehr und im Urheberrecht. Er hatte diese Fragen aber nicht konkret zu beantworten, da sie nicht Teil der Vorlagefrage waren.
Tags: ip & copyright, Marken & Kennzeichen, Wettbewerb & eCommerce