Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Besetzung_der_Einigungsstelle_bei_Streit_um_Vorsitzenden_LAG_Hamm_10TaBV39-10.html
Timestamp: 2018-08-21 18:09:17
Document Index: 20946894

Matched Legal Cases: ['§ 87', '§ 87', '§ 33', '§ 80', '§ 5', '§ 87', '§ 87', '§ 98', '§ 98', '§ 50', '§ 98', '§ 76', '§ 98', '§ 98', '§ 98', '§ 98', '§ 98']

LAG Hamm, Beschluss vom 19.07.2010, 10 TaBV 39/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Hamm, Be­schluss vom 19.07.2010, 10 TaBV 39/10
Schlagworte: Einigungsstelle
Entscheidungsdatum: 19.07.2010
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Münster, Beschluss vom 08.04.2010, 2 BV 12/10
auf­grund der münd­li­chen Anhörung vom 19.07.2010
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Schier­baum
be­schlos­sen :
Die Ar­beit­ge­be­rin beschäftigt ca. 900 Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer in drei Be­trie­ben in B6, M1 und H2, in de­nen je­weils ein ei­genständi­ger Be­triebs­rat gewählt ist.
Fer­ner ist im Un­ter­neh­men der Ar­beit­ge­be­rin ein Ge­samt­be­triebs­rat er­rich­tet, des­sen Vor­sit­zen­der zu­gleich der Vor­sit­zen­de des an­trag­stel­len­den Be­triebs­rats in M1 ist. Die Be­trie­be der Ar­beit­ge­be­rin in B6, M1 und H2 be­fas­sen sich mit der Ver­sor­gung von Blut­präpa­ra­ten in Nord­rhein-West­fa­len.
Nach Ab­schluss der Haus­ta­rif­verträge mit der DHV ei­ner­seits und der Ge­werk­schaft ver.di an­de­rer­seits wur­de den Mit­ar­bei­tern ein Wahl­recht ein­geräumt; sie konn­ten sich zwi­schen Ar­beits­verträgen mit Be­zug­nah­me auf das DHV-Ta­rif­werk oder auf das mit ver.di ver­ein­bar­te Ta­rif­werk ent­schei­den.
Nach Einräum­ung die­ses Wahl­rechts ge­genüber der Be­leg­schaft mach­te der an­trag­stel­len­de Be­triebs­rat in M1 ein Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG gel­tend und for­der­te die Ar­beit­ge­be­rin auf, ei­ne Ei­ni­gungs­stel­le zur Fra­ge der
be­trieb­li­chen Lohn­ge­stal­tung ein­zu­rich­ten. Nach­dem die Ar­beit­ge­be­rin die­sem An­sin­nen nicht nach­kam, lei­te­te der Be­triebs­rat beim Ar­beits­ge­richt Müns­ter – 4 BV 12/07 – ein Be­schluss­ver­fah­ren zur Ein­rich­tung ei­ner ent­spre­chen­den Ei­ni­gungs­stel­le ein. Durch Be­schluss vom 22.08.2007 – 4 BV 12/07 Ar­beits­ge­richt Müns­ter - wur­de auf An­trag des Be­triebs­rats we­gen der Auf­stel­lung ei­nes Ein­grup­pie­rungs­sys­tems gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG die Ei­ni­gungs­stel­le ein­ge­rich­tet und der Vor­sit­zen­de Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt, der heu­ti­ge Vi­ze­präsi­dent, Dr. H3 S4, zum Vor­sit­zen­den be­stellt; die Zahl der Bei­sit­zer wur­de auf je drei fest­ge­setzt. Der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Müns­ter vom 22.08.2007 wur­de rechts­kräftig.
eben­falls den Vi­ze­präsi­den­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts Dr. H3 S4 als Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den vor­ge­schla­gen hat­te, wur­de durch Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 02.11.2009 – 6 BV 102/09 – die be­an­trag­te Ei­ni­gungs­stel­le ein­ge­rich­tet, je­doch auf An­trag der Ar­beit­ge­be­rin un­ter dem Vor­sitz des Di­rek­tors des Ar­beits­ge­richts Wup­per­tal T4.
vor­ge­schla­ge­ne Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt K1 mit dem Vor­sitz der be­reits ein­ge­rich­te­ten Ei­ni­gungs­stel­le zu be­trau­en.
Die­ses Schrei­ben der Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten des Be­triebs­rats vom 25.01.2010 blieb sei­tens der Ar­beit­ge­be­rin un­be­ant­wor­tet.
Herrn Dr. A3 S6, H5 62 a in 43 D6 als Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le zu be­stel­len.
Die Ar­beit­ge­be­rin hat die nicht ord­nungs­gemäße Be­schluss­fas­sung des Be­triebs­rats zur Ein­lei­tung des vor­lie­gen­den Be­schluss­ver­fah­rens gerügt.
Im Übri­gen hat sie die Auf­fas­sung ver­tre­ten, es feh­le dem Be­triebs­rat am er­for­der­li­chen Rechts­schutz­in­ter­es­se, da fak­tisch zwi­schen dem an­trag­stel­len­den Be­triebs­rat und dem Ge­samt­be­triebs­rat Per­so­nen­iden­tität be­ste­he. Die im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ein­zu­rich­ten­de Ei­ni­gungs­stel­le sei un­zuständig. Al­len­falls be­ste­he ei­ne Zuständig­keit des Ge­samt­be­triebs­rats, weil ei­ne Klärung auf Un­ter­neh­mens­ebe­ne sinn­voll er­schei­ne. Das sei auch die Auf­fas­sung des Ge­samt­be­triebs­rats. In­so­weit sei aber die Ei­ni­gungs­stel­le nach An­trag des Ge­samt­be­triebs­rats durch Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 02.11.2009 bzw. des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 09.02.2010 be­reits ein­ge­rich­tet. Im Übri­gen stel­le sich der nun­mehr ge­stell­te An­trag des Be­triebs­rats als grob rechts­miss­bräuch­lich dar, da der Be­triebs­rat ver­su­che, sich der Hil­fe der Ge­rich­te zu be­die­nen, nicht um ei­ne Klärung der Sa­che zu er­zie­len, son­dern um Macht­in­ter­es­sen bei der Be­stel­lung von Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den durch­zu­set­zen.
Sch­ließlich ist die Ar­beit­ge­be­rin der Auf­fas­sung, die Ein­set­zung ei­nes neu­tra­len, mit der Sa­che bis­lang nicht be­fass­ten Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den könne maßgeb­lich zu ei­ner Ei­ni­gung zwi­schen den Be­tei­lig­ten bei­tra­gen. Aus die­sem Grun­de müsse min­des­tens der Di­rek­tor des Ar­beits­ge­richts Wup­per­tal, Herr U1 T4, zum Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den be­stellt wer­den. Herr T4 sei durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf als neu­tra­ler und un­abhängi­ger Vor­sit­zen­der be­stellt wor­den. Im Übri­gen sei es ungüns­tig, wenn an der Ei­ni­gungs­stel­len­ent­schei­dung ein Mit­glied der höchs­ten deut­schen Ar­beits­ge­richts­in­stanz be­tei­ligt sei, da dies Ein­fluss auf ei­ne et­wa nach­fol­gen­de ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung der An­ge­le­gen­heit ha­ben könn­te.
Ge­gen­stand des ursprüng­li­chen Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­rens. Dies ge­he mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit aus dem Schrei­ben des Be­triebs­rats vom 25.01.2010 her­vor.
Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren, in dem es um den Re­ge­lungs­ge­gen­stand Auf­stel­lung ei­nes Ein­grup­pie­rungs­sys­tems ge­he, sei le­dig­lich noch zu ent­schei­den, wer den Vor­sitz der be­reits durch Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Müns­ter vom 22.08.2007 – 4 BV 12/07 – be­reits ein­ge­rich­te­ten Ei­ni­gungs­stel­le über­neh­me. Die Ei­ni­gungs­stel­le sei in­so­weit be­reits ein­ge­rich­tet. Er­heb­li­che Einwände ge­gen die Per­son des vom Ar­beits­ge­richt be­stell­ten Vor­sit­zen­den tra­ge die Ar­beit­ge­be­rin nicht vor.
3. Die Un­zulässig­keit des An­trags des Be­triebs­rats er­gibt sich auch nicht dar­aus, dass das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren nicht auf­grund ei­nes ord­nungs­gemäßen Be­triebs­rats­be­schlus­ses ein­ge­lei­tet wor­den wäre.
Zu Recht ist das Ar­beits­ge­richt der Rüge der Ar­beit­ge­be­rin nicht nach­ge­gan­gen, da sie oh­ne jeg­li­che Sub­stan­ti­ie­rung an­ge­bracht wor­den ist. Die Ar­beit­ge­be­rin hat erst­in­stanz­lich wie auch im Be­schwer­de­ver­fah­ren le­dig­lich die nicht ord­nungs­gemäße Be­schluss­fas­sung des Be­triebs­rats zur Ein­lei­tung des Ver­fah­rens gerügt. Dies ist un­zu­rei­chend. Die Ar­beit­ge­be­rin hätte al­len­falls das Vor­brin­gen des Be­triebs­rats mit Nicht­wis­sen be­strei­ten können. Dies ist nicht ge­sche­hen. Darüber hin­aus ist nicht vor­ge­tra­gen wor­den, in wel­chen Punk­ten und wes­halb die Be­haup­tun­gen des Be­triebs­rats nicht als wahr zu er­ach­ten sei­en (BAG 09.12.2003 – 1 ABR 44/02 – AP Be­trVG 1972 § 33 Nr. 1; BAG 30.09.2008 – 1 ABR 54/07 – AP Be­trVG 1972 § 80 Nr. 71). Auch im Anhörungs­ter­min vor der Be­schwer­de­kam­mer vom 19.07.2010 ist die Wirk­sam­keit der Be­schluss­fas­sung des Be­triebs­rats zur Ein­lei­tung des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens nicht kon­kret in Fra­ge ge­stellt wor­den.
Wirk­sam­keits­be­den­ken ent­ge­gen­ste­hen, ist be­reits im Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Müns­ter vom 22.08.2007 – 4 BV 12/07 – aus­geführt wor­den. Nach­dem die Ei­ni­gungs­stel­le durch Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Müns­ter vom 22.08.2007 dem Grun­de nach auf­grund ei­nes wirk­sa­men Be­triebs­rats­be­schlus­ses ein­ge­rich­tet wor­den ist und der Vor­sit­zen­de der ein­ge­rich­te­ten Ei­ni­gungs­stel­le sein Amt nie­der­ge­legt hat, ob­lag es dem be­reits be­auf­trag­ten Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten zu ent­schei­den, wel­che außer­ge­richt­li­chen oder ge­richt­li­chen Ver­fah­ren zur Her­beiführung des ursprüng­li­chen Zie­les der Ein­rich­tung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le ge­eig­net sind.
Ein rechts­miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten bei der Ein­lei­tung des vor­lie­gen­den Be­schluss­ver­fah­rens kann dem Be­triebs­rat je­doch nicht vor­ge­wor­fen wer­den. Auch dies hat das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend er­kannt. So­weit die Ar­beit­ge­be­rin meint, dem Be­triebs­rat ge­he es of­fen­bar nur dar­um, das Er­geb­nis des Be­schluss­ver­fah­rens 6 BV 102/09 Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf zu re­vi­die­ren, über­sieht sie, dass es in je­nem Ver­fah­ren und im vor­lie­gen­den Be­schluss­ver­fah­ren um un­ter­schied­li­che Re­ge­lungs­ge­genstände geht. Die beim Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf ein­ge­rich­te­te Ei­ni­gungs­stel­le hat nach dem Te­nor des Be­schlus­ses vom 02.11.2009 fol­gen­den Re­ge­lungs­ge­gen­stand:
„Auf­stel­lung von Ver­tei­lungs­grundsätzen über die Ver­tei­lung der im Fe­bru­ar 2008 für 2007 und im Fe­bru­ar 2009 für 2008 zur Aus­zah­lung ge­kom­me­ne Er­folgs­prämie
gemäß § 5 des zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und der Ge­werk­schaft DHV ab­ge­schlos­se­nen Ent­gelt­ta­rif­ver­trags vom 31.10.2006 in der Fas­sung der Pro­to­koll­no­tiz vom 09.02.2007". Dem­ge­genüber geht es im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren – wie be­reits im Ver­fah­ren 4 BV 12/07 Ar­beits­ge­richt Müns­ter – um den Re­ge­lungs­ge­gen­stand „Auf­stel­lung ei­nes Ein­grup­pie­rungs­sys­tems gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG" im Zu­sam­men­hang mit dem der Be­leg­schaft ein­geräum­ten Wahl­recht zwi­schen zwei ta­rif­li­chen Ein­grup­pie­rungs­sys­te­men. Dies sind un­ter­schied­li­che Re­ge­lungs­ge­genstände.
ABR 2/89 – AP Be­trVG 1972 § 87 Lohn­ge­stal­tung Nr. 41). Das vor­lie­gen­de Ei­ni­gungs­stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren bin­det die zu bil­den­de Ei­ni­gungs­stel­le in­so­weit nicht.
b) Ei­ne of­fen­sicht­li­che Un­zuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le kann auch nicht des­halb an­ge­nom­men wer­den, weil für den strei­ti­gen Re­ge­lungs­ge­gen­stand al­lein der Ge­samt­be­triebs­rat zuständig wäre.
Im Ei­ni­gungs­stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren nach § 98 ArbGG gilt der Of­fen­sicht­lich­keits­maßstab für al­le im Be­stel­lungs­ver­fah­ren zu ent­schei­den­den Fra­gen, auch für die Fra­ge der Zuständig­keit des Ge­samt­be­triebs­rats oder des Ein­zel­be­triebs­rats (LAG Hamm 22.03.2010 - 10 TaBV 13/10 -; LAG Ber­lin-Bran­den­burg 22.01.2010 - 10 TaBV 2829/09 - BB 2010, 500). Die endgülti­ge Klärung der Zuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le ist ei­nem ge­son­der­ten Be­schluss­ver­fah­ren vor der voll be­setz­ten Kam­mer vor­be­hal­ten. Der Of­fen­sicht­lich­keits­maßstab des § 98 ArbGG gilt auch für die Prüfung der Fra­ge, ob das in An­spruch ge­nom­me­ne Mit­be­stim­mungs­recht dem Ge­samt­be­triebs­rat oder den ein­zel­nen ört­li­chen Be­triebsräten zu­steht.
ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Ar­beit­ge­be­rin nicht an­ge­nom­men wer­den. Eben­so we­nig ist of­fen­bar, dass der Ge­samt­be­triebs­rat für den hier vor­lie­gen­den Re­ge­lungs­kom­plex nach § 50 Abs. 1 Be­trVG of­fen­sicht­lich ori­ginär zuständig wäre.
Wahlmöglich­keit zwi­schen ver­schie­de­nen Ein­grup­pie­rungs­sys­te­men. Hier­auf ist be­reits oben hin­ge­wie­sen wor­den. Da­mit kommt ei­ne of­fen­sicht­li­che Un­zuständig­keit des an­trag­stel­len­den Be­triebs­rats nicht in Be­tracht.
3. Zum Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le hat das Ar­beits­ge­richt zu Recht den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt K1 be­stellt. Der Um­stand, dass die Ar­beit­ge­be­rin die­sen Vor­schlag des Be­triebs­rats ab­ge­lehnt und in der Be­schwer­de­instanz hilfs­wei­se be­an­tragt hat, den Di­rek­tor des Ar­beits­ge­richts Wup­per­tal T4 zum Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le zu be­stel­len, nötig­te die Be­schwer­de­kam­mer nicht da­zu, ei­nen an­de­ren Vor­sit­zen­den zu be­stel­len.
Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz nor­miert kei­ne be­son­de­ren Vor­aus­set­zun­gen für das Amt des Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den. Bei dem Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den muss es sich le­dig­lich um ei­ne Per­son han­deln, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 98 Abs. 1 Satz 4 ArbGG (In­kom­pa­ti­bi­lität) und des § 76 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG (Un­par­tei­lich­keit) erfüllt. In­so­weit wird die bloße Ab­leh­nung ei­nes von ei­ner Be­triebs­par­tei vor­ge­schla­ge­nen Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den durch die an­de­re Be­triebs­par­tei oh­ne Mit­tei­lung nach­voll­zieh­ba­rer Gründe zu Recht für un­zu­rei­chend ge­hal­ten (LAG Frank­furt 23.06.1988 – 12 TaBV 66/88 – LA­GE ArbGG 1979 § 98 Nr. 12; LAG Schles­wig-Hol­stein 22.06.1989 – 6 TaBV 23/89 – LA­GE ArbGG 1979 § 98 Nr. 17; LAG Nürn­berg 02.07.2004 – 7 TaBV 19/04 – NZA-RR 2005, 100; LAG Ber­lin-Bran­den­burg 22.01.2010 – LA­GE ArbGG 1979 § 98 Nr. 56; Ger­mel­mann/Mat­thes/Prütting/Müller-Glöge/Schlewing, ArbGG, 7. Aufl., § 98 Rn. 23; ErfK/Koch, 10. Aufl., § 98 ArbGG Rn. 5 m.w.N.).
Die Vor­aus­set­zun­gen der In­kom­pa­ti­bi­lität und der Un­par­tei­lich­keit so­wie der not­wen­di­gen Sach- und Rechts­kun­de kann von der Ar­beit­ge­be­rin bei dem Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt K1 nicht in Fra­ge ge­stellt wer­den. Bei dem be­stell­ten Vor­sit­zen­den han­delt es sich um ei­nen äußerst fach­kun­di­gen und fähi­gen Rich­ter der Ar­beits­ge­richts­bar­keit, der auch über zahl­rei­che Er­fah­run­gen als Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­der verfügt. Die von der Ar­beit­ge­be­rin vor­ge­brach­ten Be­den­ken ge­gen den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt K1 als Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den ver­mag die Be­schwer­de­kam­mer nicht zu tei­len. Aus wel­chen Gründen die Be­tei­li­gung ei­nes Rich­ters am Bun­des­ar­beits­ge­richt an der Ei­ni­gungs­stel­len­ent­schei­dung Ein­fluss auf ei­ne et­wa nach­fol­gen­de ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung der An­ge­le­gen­heit ha­ben könn­te, ist nicht er­sicht­lich. Al­lein der Um­stand,
dass der Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt K1 vom Be­triebs­rat vor­ge­schla­gen wor­den ist, ver­mag die zum Aus­druck ge­kom­me­ne Skep­sis der Ar­beit­ge­be­rin nicht zu be­gründen. Bei dem Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt K1 han­delt es sich um ei­nen neu­tra­len und mit der Sa­che bis­lang nicht be­fass­ten Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den, der in der La­ge ist, zu ei­ner Ei­ni­gung zwi­schen den Be­triebs­par­tei­en bei­zu­tra­gen. Ge­ra­de dies for­dert die Ar­beit­ge­be­rin mit ih­rer Be­schwer­de selbst.
Schier­baum /N
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10/241 LAG Hamm folgt Wind­hund­prin­zip bei Streit um Vor­sit­zen­den ei­ner Ei­ni­gu...
09.12.2010. Bei Strei­tig­kei­ten zwi­schen Be­triebs­rat und Ar­beit­ge­ber sie das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz die Bil­dung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le vor, die mit de­ren Ver­tre­tern und ei­nen neu­tra­len ...