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Timestamp: 2020-01-29 19:03:40
Document Index: 30665101

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 5', '§ 6', '§ 17', '§ 22', '§ 22', '§ 17', 'BGH', '§ 6', '§ 5', '§ 22', '§ 561', '§ 17', '§ 17', '§ 22', '§ 133', '§ 5', '§ 305', '§ 17', '§ 5', '§ 17']

BGH: Der gegen einen Treugeber gerichtete Anspruch auf Leistung der Einlage kann unmittelbar der Gesellschaft zustehen - Ebner Stolz
BGH: Der gegen einen Treugeber gerichtete Anspruch auf Leistung der Einlage kann unmittelbar der Gesellschaft zustehen
Urteil des BGH vom 18.9.2012 - II ZR 201/10
Der Beklagte trat im Juli 1999 über die Treu­hand­kom­man­di­tis­tin P-GmbH der Klä­ge­rin bei, einem Immo­bi­li­en­fonds in der Rechts­form einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft. Er über­nahm eine Gesamt­ein­lage von 20.000 DM zzgl. 5 Pro­zent Agio; dar­auf waren ab dem 1.9.1999 190 Monats­ra­ten zu 105 DM (53,69 €) zu leis­ten. Der Beklagte zahlte ledig­lich die Raten bis ein­sch­ließ­lich August 2006.
Der Gesell­schafts­ver­trag (Anlage BK 2 künf­tig: GV) der Klä­ge­rin, der in den Treu­hand­ver­trag zwi­schen der Beklag­ten und der P-GmbH als des­sen Bestand­teil ein­be­zo­gen wurde, ent­hält u.a. fol­gende Rege­lun­gen:
§ 5 Haft-/Fest­ka­pi­tal, varia­b­les Kapi­tal
2. Die Treu­ge­ber der Treu­hand­kom­man­di­tis­tin sind zur Bar­leis­tung ihrer Gesamt­ein­lage verpf­lich­tet. Die Bar­leis­tung hat inn­er­halb von zehn Tagen ab Annahme des Treu­hand­ver­trag­s­an­ge­bo­tes auf das Gesell­schafts­konto zu erfol­gen, soweit nicht die Erbrin­gung der Gesamt­ein­lage nach einem Ein­zah­lungs­plan ver­ein­bart wurde.
§ 6 Rechts­stel­lung der treu­hän­de­risch betei­lig­ten Gesell­schaf­ter
2. Im Innen­ver­hält­nis der Gesell­schaf­ter unte­r­ein­an­der wer­den die Treu­ge­ber, für die die Treu­hand­kom­man­di­tis­tin die Gesell­schafts­be­tei­li­gun­gen treu­hän­de­risch hält, wie unmit­tel­bar betei­ligte Gesell­schaf­ter behan­delt.
§ 17 Betei­li­gung am Ver­mö­gen und am Ergeb­nis, Aus­schüt­tun­gen
3. Für Gesell­schaf­ter oder Treu­ge­ber, die ihre Ein­lage nach einem mit der Gesell­schaft ver­ein­bar­ten Ein­zah­lungs­plan (min­des­tens 60 Monats­ra­ten) leis­ten, gilt statt Abs. 2 fol­gende Rege­lung: Mit wirk­sa­mem Bei­tritt ist der Gesell­schaf­ter oder Treu­ge­ber ent­sp­re­chend den Ein­zah­lun­gen auf die bedun­gene Gesamt­ein­lage mit je vol­len DM 1.000 gem. Abs. 1 am Ver­mö­gen der Gesell­schaft betei­ligt.Wird der Ein­zah­lungs­plan nicht nach den ver­ein­bar­ten Bedin­gun­gen bedi­ent (§ 22 Abs. 1 e), ohne dass der Gesell­schaf­ter oder Treu­ge­ber aus der Gesell­schaft aus­schei­det, so wird seine Gesamt­ein­lage her­ab­ge­setzt.§ 22 Aus­schei­den von Gesell­schaf­tern 1. Ein Kom­man­di­tist oder Treu­ge­ber schei­det aus der Gesell­schaft aus, wenne) der ver­ein­barte Ein­zah­lungs­plan nicht ver­trags­ge­recht erfüllt wird und die Summe der Ein­zah­lun­gen auf die Gesamt­ein­lage gerin­ger ist als die Summe der auf dem Kapi­tal­konto III belas­te­ten Auf­wen­dun­gen und Kos­ten zzgl. DM 2.500.
Die Klä­ge­rin bean­sprucht die von Sep­tem­ber 2006 bis Dezem­ber 2008 ange­fal­le­nen Raten i.H.v. ins­ge­s­amt rd. 1.500 € zzgl. Zin­sen und Rück­last­schrift­kos­ten. Der Beklagte beruft sich ins­bes. dar­auf, dass die Ein­stel­lung der Raten­zah­lung nach § 17 Nr. 3 GV zur Her­ab­set­zung der Gesamt­ein­lage auf die bis­her geleis­te­ten Ein­zah­lun­gen geführt habe, so dass keine wei­tere Zah­lungspf­licht bestehe.
Das LG gab der Klage statt; das OLG wies sie ab und stellte fest, dass die Betei­li­gung des Beklag­ten an der Klä­ge­rin auf 2.250 € her­ab­ge­setzt sei und keine Zah­lungspf­lich­ten des Beklag­ten mehr bestün­den. Die hier­ge­gen gerich­tete Revi­sion der Klä­ge­rin hatte vor dem BGH kei­nen Erfolg.
Die Klä­ge­rin kann ent­ge­gen der Auf­fas­sung des OLG aus­ste­hende Ein­la­ge­zah­lun­gen aus eige­nem Recht ein­for­dern.
Nach dem Gesell­schafts­ver­trag wer­den die Treu­ge­ber im Innen­ver­hält­nis wie unmit­tel­bar betei­ligte Gesell­schaf­ter behan­delt (§ 6 Nr. 2 GV). Dem­zu­folge haben sie im Innen­ver­hält­nis zur Klä­ge­rin die Stel­lung eines unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ters (Quasi-Gesell­schaf­ter) erlangt. Dar­aus erge­ben sich einer­seits unmit­tel­bar gegen die Gesell­schaft beste­hende Rechte der Treu­ge­ber; ande­rer­seits kön­nen gesell­schafts­recht­li­che Verpf­lich­tun­gen im Innen­ver­hält­nis die Treu­ge­ber unmit­tel­bar tref­fen. Vor die­sem Hin­ter­grund ist den ein­schlä­g­i­gen Bestim­mun­gen des Gesell­schafts­ver­tra­ges (§ 5 Nr. 2, § 22a GV) zu ent­neh­men, dass der gegen einen Treu­ge­ber gerich­tete Anspruch auf Leis­tung der Gesamt­ein­lage der Gesell­schaft aus eige­nem Recht zusteht.
Die Abwei­sung der Klage und die Fest­stel­lung des OLG, es bestün­den keine wei­te­ren Zah­lungspf­lich­ten des Beklag­ten, stellt sich aber aus ande­ren Grün­den als rich­tig dar (§ 561 ZPO). Der Klä­ge­rin steht gegen den Beklag­ten kein Anspruch auf wei­tere Ein­la­ge­zah­lun­gen ab dem 1.9.2006 zu. Wie das OLG in ande­rem Zusam­men­hang rechts­feh­ler­f­rei ange­nom­men hat, ist die Gesamt­ein­lage des Beklag­ten gem. § 17 Nr. 3 GV auf einen Betrag her­ab­ge­setzt, der der Summe der auf die Ein­lage geleis­te­ten Ein­zah­lun­gen, ver­min­dert um die in § 17 Nr. 3 GV auf­ge­führ­ten Abzugs­po­si­tio­nen, ent­spricht. Die dort genann­ten Vor­aus­set­zun­gen für die Her­ab­set­zung der Gesamt­ein­lage sind erfüllt. Erfor­der­lich ist nach die­ser Ver­trags­be­stim­mung, dass der Ein­zah­lungs­plan nicht nach den ver­ein­bar­ten Bedin­gun­gen bedi­ent wurde (§ 22 Abs. 1 Buchst. e GV), ohne dass der Treu­ge­ber (des­halb) aus der Gesell­schaft aus­ge­schie­den ist. Bei­des ist vor­lie­gend der Fall.
Die Her­ab­set­zung der Gesamt­ein­lage ist auch nicht von einer Ent­schei­dung der Klä­ge­rin abhän­gig, wie die Revi­sion meint. Denn schon nach §§ 133, 157 BGB ist dem Gesell­schafts­ver­trag unab­hän­gig von der Anwend­bar­keit des § 5 AGBG (§ 305c Abs. 2 BGB nF) aus der Sicht eines durch­schnitt­li­chen Anle­gers zu ent­neh­men, dass die Her­ab­set­zung der Gesamt­ein­lage nicht der Zustim­mung der Klä­ge­rin bedarf. Das OLG hat rechts­feh­ler­f­rei ange­nom­men, dass die Her­ab­set­zung der Ein­lage bei Erfül­lung der Vor­aus­set­zun­gen ohne wei­te­res ein­tritt.
Die Her­ab­set­zung der Gesamt­ein­lage nach § 17 Nr. 3 GV hat zur Folge, dass der Gesell­schaf­ter oder Treu­ge­ber keine wei­te­ren Raten zu leis­ten hat, da der Betrag der Gesamt­ein­lage für die in § 5 Nr. 2 GV begrün­dete Zah­lungspf­licht maß­ge­bend ist. Der Gesell­schaf­ter ist auch nicht (mehr) verpf­lich­tet, die bis zum Abbruch des Ein­zah­lungs­plans fäl­lig gewor­de­nen Raten nach­zu­en­trich­ten. Denn die ver­trag­li­che Rege­lung legt unmiss­ver­ständ­lich fest, dass die her­ab­ge­setzte Gesamt­ein­lage im Aus­gangs­be­trag, von dem sodann noch die in § 17 Nr. 3 GV im Ein­zel­nen gere­gel­ten Abzüge vor­zu­neh­men sind, der Summe der auf die Ein­lage geleis­te­ten Ein­zah­lun­gen ent­spricht.
03.12.2012 nach oben