Source: http://www.anwalt24.de/rund-ums-recht/BGH_20_08_2013_3_StR_237_13_Zurechnung_eines_Faustschlags_ei-d5832656.html
Timestamp: 2017-01-20 10:40:14
Document Index: 71908743

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 349', '§ 349', '§ 349', 'BGH']

BGH, 20.08.2013 - 3 StR 237/13 - Zurechnung eines Faustschlags eines Mittäters an den Kopf des Opfers nach den Grundsätzen der sukzessiven Mittäterschaft; Zurechnung eines bereits beim Tatentschluss beendetes Geschehen eines anderen bei der Strafzumessung als unmittelbar und schuldhaft herbeigeführt; Besonders schwerer Raub in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung | Urteile auf anwalt24.de
BGH, 29.08.2013 - III ZB 37/13 - Vortragen von Ablehnungsgründen im Ablehnungsge...…BGH, 20.08.2013 - 3 StR 237/13 - Zurechnung eines Faustschlags eines Mittäters a...BGH, 20.08.2013 - 3 StR 192/13 - Drohung mit Gewalt gegen ein Haustier als Nötig...BGH, 20.08.2013 - 3 StR 228/13 - Anordnung des Wertersatzverfalls bei Verurteilu...BGH, 20.08.2013 - 3 StR 233/13 - Berücksichtigung eines vertypten Milderungsgrun...BGH, 20.08.2013 - 3 StR 222/13 - Feststellung der fehlenden Fähigkeit zur sexuel...BGH, 19.08.2013 - IX ZA 15/13 - Statthaftigkeit der Rechtsbeschwerde gegen einen...BGH, 16.08.2013 - AnwZ (Brfg) 38/13 - Einstellung des Zulassungsverfahrens nach ...BGH, 15.08.2013 - I ZR 91/12 - Entbehrlichkeit der Begründung letztinstanzlicher...BGH, 15.08.2013 - I ZR 174/12 - Entbehrlichkeit der Begründung letztinstanzliche...BGH, 15.08.2013 - 4 StR 196/13 - Statthaftigkeit der Gegenvorstellung als Rechts...BGH, 15.08.2013 - I ZA 6/13 - Bewilligung von Prozesskostenhilfe für eine Rechts...BGH, 15.08.2013 - I ZA 2/13 - Erfolgsaussichten einer Anhörungsrüge bzgl. der Be...BGH, 15.08.2013 - I ZR 85/12 - Urheberrechtliche Unterlassungsansprüche gegen de...BGH, 15.08.2013 - I ZR 79/12 - Urheberrechtliche Unterlassungsansprüche gegenübe...BGH, 15.08.2013 - I ZR 80/12 - File-Hosting-Dienst - Zumuten einer umfassenden r...BGH, 15.08.2013 - II ZR 83/12 - Berichtigung eines Urteils wegen offenbarer Unri...BGH, 15.08.2013 - I ZR 172/12 - Erfolgsaussichten einer Anhörungsrüge bei Nichte...BGH, 15.08.2013 - 4 StR 179/13 - Überprüfung der gerichtlichen Gefährlichkeitspr...BGH, 15.08.2013 - 2 ARs 299/13 - Abgrenzung zwischen einer als Erfolgsdelikt ver...BGH, 15.08.2013 - I ZB 68/12 - Anfallen einer Verfahrensgebühr i.R.e. Kostenwide...BGH, 15.08.2013 - 2 StR 225/13 - Mitursächlichkeit des Hangs zum Alkoholkonsum i...…BGH, 01.08.2013 - V ZB 7/12 - Einhaltung des Anspruchs auf rechtliches Gehör dur...
BGH, 20.08.2013 - 3 StR 237/13 - Zurechnung eines Faustschlags eines Mittäters an den Kopf des Opfers nach den Grundsätzen der sukzessiven Mittäterschaft; Zurechnung eines bereits beim Tatentschluss beendetes Geschehen eines anderen bei der Strafzumessung als unmittelbar und schuldhaft herbeigeführt; Besonders schwerer Raub in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung
BundesgerichtshofBeschl. v. 20.08.2013, Az.: 3 StR 237/13Gericht: BGHEntscheidungsform: BeschlussDatum: 20.08.2013Referenz: JurionRS 2013, 44720Aktenzeichen: 3 StR 237/13 Verfahrensgang:vorgehend:LG Hannover - 15.03.2013Rechtsgrundlage:§ 349 Abs. 2 StPOVerfahrensgegenstand:Besonders schwerer Raub u.a. Redaktioneller Leitsatz:1.Hat der Angeklagte eine Körperverletzung und deren Folgen nachträglich gebilligt, so ist sie ihm nach den Grundsätzen der sukzessiven Mittäterschaft als Mittel der Nötigung bei der anschließend (gemeinsam versuchten) Wegnahme zuzurechnen. 2.Dies ändert aber nichts daran, dass ihm das zum Zeitpunkt seines Entschlusses zu den weiteren Tathandlungen bereits beendete Geschehen bei der Strafzumessung nicht mehr als von ihm unmittelbar und schuldhaft herbeigeführt zur Last gelegt werden kann.Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Beschwerdeführers und des Generalbundesanwalts - zu 2. auf dessen Antrag - am 20. August 2013 gemäß § 349 Abs. 2 und 4 StPO einstimmig beschlossen: Tenor:1.Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Hannover vom 15. März 2013, soweit es ihn betrifft, im Ausspruch über die Jugendstrafe mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen. 2.Die weitergehende Revision wird verworfen. Gründe1 Das Landgericht hat den Angeklagten des besonders schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und mit Sichverschaffen von Betäubungsmitteln schuldig gesprochen und ihn deswegen unter Einbeziehung eines Urteils des Amtsgerichts Springe vom 10. November 2011 zu der Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt. Die auf die Rüge der Verletzung materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten hat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO. 2 Der Ausspruch über die Jugendstrafe hat keinen Bestand. 3 1. Nach den insoweit rechtsfehlerfreien Feststellungen drangen der Angeklagte, die Mitangeklagten A. und S. sowie eine weitere Mitangeklagte zusammen in die Wohnung des Geschädigten D. ein, um ihm in erster Linie Marihuana, aber auch vorgefundenes Bargeld oder andere Wertgegenstände zu entwenden. Gemeinsam fühlten sie sich dem dort wie erwartet allein angetroffenen D. überlegen und gingen deshalb davon aus, dieser werde keinen nennenswerten Widerstand leisten. Ohne dass dies verabredet gewesen wäre, hielt es der Angeklagte aber für möglich, er oder ein anderer Beteiligter werde, falls erforderlich, auch körperliche Gewalt gegen D. einsetzen. 4 Der Angeklagte forderte D. auf, sein gesamtes Marihuana herbeizuholen. Da dieser das Auftreten der Besucher als bedrohlich empfand, legte er vorhandene 4-5 Gramm auf den Wohnzimmertisch. Der Angeklagte nahm das Marihuana sowie ein daneben liegendes Mobiltelefon an sich und erklärte, beides gehöre jetzt ihm. Auf D. s Frage, was dies solle, wies der Angeklagte ihn an, er solle keine falsche Bewegung machen und keine Gegenwehr leisten. 5 Der Mitangeklagte A. , der, wie auch der Angeklagte wusste, Unterricht im Thai-Boxen nahm, "befürchtete nun eine körperliche Gegenwehr" des Geschädigten. Um eine solche zu unterbinden, versetzte er ihm unter Verwendung eines "verstärkenden Tatmittels" - Näheres hierzu kann das Landgericht ebenso wenig feststellen wie die Kenntnis der Begleiter von dessen Mitführung - einen Faustschlag gegen die vordere linke Kopfseite. D. erlitt eine Rißwunde mit spritzender Blutung und eine ohne intensivmedizinische Versorgung lebensbedrohliche Schädelimpressionsfraktur mit epiduralem Bruchspalthämatom; ein Teil des Schädelknochens musste später entfernt und durch eine Plastik ersetzt werden. 6 Der Angeklagte erkannte die Schwere der Verletzung und "nahm diese billigend in Kauf". "An dieser Stelle" kam er mit dem Mitangeklagten A. stillschweigend überein, gegen das Opfer "weiter gemeinschaftlich Gewalt zur Wegnahme noch anderer Gegenstände" auszuüben. Er ergriff einen auf dem Wohnzimmertisch befindlichen Laptop, den D. ihm aber wieder entreißen konnte. Vom Angeklagten auf ein Sofa geschubst verbarg er das Gerät unter sich. Um es dennoch an sich zu bringen, schlugen der Angeklagte und der Mitangeklagte nun mit Fäusten und einem von der Wand genommenen Bilderrahmen aus Plexiglas auf den Geschädigten ein. Erst als der Mitangeklagte S. , der das Geschehen beenden wollte, vorgab, es nähere sich eine Nachbarin, ließen sie von ihm ab. 7 2. Das Landgericht ist davon ausgegangen, der Angeklagte sei sich möglicher Wirkungen von Schlägen des Mitangeklagten A. bewusst gewesen. Deswegen habe er auch die Schwere und die Folgen der durch dessen ersten Faustschlag hervorgerufenen Verletzungen billigend in Kauf genommen. Schon wegen der Schwere der Schuld sei daher - ungeachtet ebenfalls bestehender schädlicher Neigungen - die Verhängung einer Jugendstrafe erforderlich. Auch bei deren Bemessung müssten sich die Intensität der Gewalteinwirkung und die erheblichen Folgen der Tat für den Geschädigten erschwerend auswirken. 8 Dies begegnet durchgreifenden rechtlichen Bedenken. 9 Zwar schloss es der Angeklagte beim Betreten der Wohnung des Geschädigten nicht aus, er oder einer seiner Begleiter werde, wenn der Geschädigte doch Widerstand leiste, bei der geplanten Wegnahme von Gegenständen körperliche Gewalt anwenden. Jedoch ergibt sich nichts dafür, dass der Angeklagte zu dem Zeitpunkt, als der Mitangeklagte A. den ersten Faustschlag führte, davon ausging, eine solche Situation sei eingetreten. Marihuana und Mobiltelefon hatte er bereits an sich gebracht; der Geschädigte hatte es bei verbalem Widerspruch belassen. Zu weiteren, nunmehr gewaltsamen Wegnahmehandlungen im Zusammenwirken mit dem Mitangeklagten A. entschloss er sich erst nach dessen Angriff auf den Geschädigten. Zudem geht das Landgericht bei der Würdigung der Beweise rechtsfehlerfrei auch davon aus, dass Verletzungen dieser Schwere ohne die Verwendung eines die Faust verstärkenden Gegenstandes allenfalls dann zu erwarten gewesen wären, wenn der Schlag mit einer Frakturen der Schlaghand bewirkenden Kraftentfaltung geführt worden wäre. Umstände, die auf die mögliche Benutzung eines solchen Gegenstandes durch den Mitangeklagten A. hindeuten konnten, waren dem Angeklagten indes nicht bekannt. 10 Danach stellt sich der für die Schädelverletzungen des Geschädigten ursächliche Faustschlag als Exzess des Mitangeklagten A. dar. Zwar hat der Angeklagte den Schlag und seine Folgen nachträglich gebilligt, so dass er ihm nach den Grundsätzen der sukzessiven Mittäterschaft als Mittel der Nötigung bei der anschließend gemeinsam versuchten Wegnahme des Laptop zuzurechnen ist. Dies ändert aber nichts daran, dass ihm das zum Zeitpunkt seines Entschlusses zu den weiteren Tathandlungen bereits beendete Geschehen bei der Strafzumessung nicht mehr als von ihm unmittelbar und schuldhaft herbeigeführt zur Last gelegt werden kann. 11 Über die den Angeklagten treffende Rechtsfolge ist deshalb neu zu verhandeln und zu entscheiden. Schäfer Pfister Mayer GerickeSchäfer Ri'inBGH Dr. Spaniol ist urlaubsbedingt ortsabwesend und deshalb an der Unterschrift gehindert. SchäferHinweis: Das Dokument wurde redaktionell aufgearbeitet und unterliegt in dieser Form einem besonderen urheberrechtlichen Schutz. Eine Nutzung über die Vertragsbedingungen der Nutzungsvereinbarung hinaus - insbesondere eine gewerbliche Weiterverarbeitung außerhalb der Grenzen der Vertragsbedingungen - ist nicht gestattet.