Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/der-angeblich-widerspruechliche-beweisantrag-3117554
Timestamp: 2019-12-05 14:51:37
Document Index: 134187317

Matched Legal Cases: ['Art. 103', 'Art. 103', 'Art. 103', '§ 4', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Der angeb­lich wider­sprüch­li­che Beweis­an­trag | Rechtslupe
Der angeb­lich wider­sprüch­li­che Beweis­an­trag
Nach stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung ver­pflich­tet Art. 103 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit den Grund­sät­zen der Zivil­pro­zess­ord­nung die Gerich­te, erheb­li­chen Beweis­an­trä­gen nach­zu­ge­hen. Die Nicht­be­rück­sich­ti­gung eines erheb­li­chen Beweis­an­ge­bots, die im Pro­zess­recht kei­ne Stüt­ze fin­det, ver­stößt gegen Art. 103 Abs. 1 GG 1.
Aller­dings kann es an einem ord­nungs­ge­mä­ßen Beweis­an­tritt feh­len, wenn der Vor­trag der beweis­be­las­te­ten Par­tei in Bezug auf die unter Beweis gestell­te Behaup­tung wider­sprüch­lich ist 2.
Ein Sach­vor­trag zur Begrün­dung eines Kla­ge­an­spruchs ist dann schlüs­sig und damit erheb­lich, wenn der Klä­ger Tat­sa­chen vor­trägt, die in Ver­bin­dung mit einem Rechts­satz geeig­net und erfor­der­lich sind, das gel­tend gemach­te Recht als in der Per­son des Klä­gers ent­stan­den anzu­se­hen 3.
Eine Par­tei ist nicht gehin­dert, ihr Vor­brin­gen im Lau­fe des Rechts­streits zu ändern, ins­be­son­de­re zu prä­zi­sie­ren, zu ergän­zen oder zu berich­ti­gen. Dabei ent­ste­hen­de Wider­sprüch­lich­kei­ten im Par­tei­vor­trag kön­nen allen­falls im Rah­men der Beweis­wür­di­gung Beach­tung fin­den 4.
Die Nicht­be­rück­sich­ti­gung eines erheb­li­chen Beweis­an­ge­bots wegen ver­meint­li­cher Wider­sprü­che im Vor­trag der beweis­be­las­te­ten Par­tei läuft auf eine pro­zes­su­al unzu­läs­si­ge vor­weg­ge­nom­me­ne tatrich­ter­li­che Beweis­wür­di­gung hin­aus und ver­stößt damit zugleich gegen Art. 103 Abs. 1 GG 5.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Novem­ber 2016 – I ZR 235/​15
Boden­schutz – und die rück­wir­ken­de Sanie­rungs­pflicht Die in § 4 BBo­dSchG nor­mier­ten Pflich­ten zur Gefah­ren­ab­wehr und Stö­rungs­be­sei­ti­gung erfas­sen nach dem in den §§ 1 und 2 Abs. 5 BBo­dSchG zum Aus­druck…
BVerfGE 69, 141, 143 f.; BVerfG, NJW 1993, 254; WM 2012, 492, 493; BGH, Beschluss vom 16.09.2014 – VI ZR 118/​13, VersR 2015, 338 Rn. 4; Beschluss vom 23.04.2015 – V ZR 200/​14 7; Beschluss vom 14.06.2016 – VI ZR 346/​15[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 14.07.1987 – VI ZR 199/​86, VersR 1988, 158; Beschluss vom 14.06.2016 – VI ZR 346/​15 13[↩]
BGH, Urteil vom 12.07.1984 – VII ZR 123/​83, NJW 1984, 2888, 2889[↩]
BGH, Urteil vom 01.07.1999 – VII ZR 202/​98, NJW-RR 2000, 208[↩]
vgl. BVerfG, NJW 2009, 1585 Rn. 21 f.; BGH, Beschluss vom 19.11.2008 – IV ZR 341/​07, RuS 2010, 64 Rn. 3; Beschluss vom 19.01.2012 – V ZR 141/​11, WuM 2012, 164 Rn. 8; Beschluss vom 06.02.2013 – I ZR 22/​12, TranspR 2013, 430 Rn. 11[↩]