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Timestamp: 2019-12-12 08:54:07
Document Index: 327632723

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 6', '§ 5', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 5']

Min­de­rung einer Rück­stel­lung wegen künf­ti­ger Vor­tei­le | Rechtslupe
Min­de­rung einer Rück­stel­lung wegen künf­ti­ger Vor­tei­le
Eine Rück­stel­lung ist um künf­tig zu erwar­ten­de Vor­tei­le zu min­dern 1. Der Abschluss schuld­recht­li­cher Ver­trä­ge ist für eine Kom­pen­sa­ti­on mit künf­ti­gen Vor­tei­len nicht erfor­der­lich 2.
Bei der Bewer­tung von Rück­stel­lun­gen sind gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 3a Buchst. c EStG 2002 künf­ti­ge Vor­tei­le, die mit der Erfül­lung der Ver­pflich­tung vor­aus­sicht­lich ver­bun­den sein wer­den, wert­min­dernd zu berück­sich­ti­gen, soweit sie nicht als For­de­run­gen zu akti­vie­ren sind. Eine vor­aus­sicht­li­che Ver­bun­den­heit besteht bereits dann, wenn mehr Grün­de für als gegen den Vor­teils­ein­tritt spre­chen, mit ande­ren Wor­ten der Vor­teils­ein­tritt über­wie­gend wahr­schein­lich ist 3. Ledig­lich die blo­ße Mög­lich­keit eines Erfolgs­ein­tritts ist nicht aus­rei­chend 4. Denn dem Adjek­tiv "vor­aus­sicht­lich" kommt nach dem all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch die Bedeu­tung von "mit ziem­li­cher Gewiss­heit zu erwar­ten" 5 bzw. "ver­mut­lich", "wahr­schein­lich" oder "aller Vor­aus­sicht nach" zu 6.
Soweit in den Geset­zes­ma­te­ria­li­en und Tei­len der Lite­ra­tur dem­ge­gen­über die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, für die Berück­sich­ti­gung sog. Kip­pent­gel­te bedür­fe es bereits abge­schlos­se­ner Ver­trä­ge 7, folgt der beschlie­ßen­de BFH dem nicht. Die­se Auf­fas­sung hat, wovon das Finanz­ge­richt inso­weit zu Recht aus­geht, im Geset­zes­wort­laut kei­nen Nie­der­schlag gefun­den 8 und lässt sich mit dem Adjek­tiv "vor­aus­sicht­lich" in § 6 Abs. 1 Nr. 3a Buchst. c EStG 2002 nicht ver­ein­ba­ren.
Für die­ses Ver­ständ­nis spricht auch, dass damit die Vor­aus­set­zun­gen für die Bil­dung einer Rück­stel­lung und ihrer Min­de­rung auf­grund vor­aus­sicht­lich mit der Erfül­lung der Ver­pflich­tung ver­bun­de­ner Vor­tei­le par­al­lel lau­fen. Auch eine Rück­stel­lung für unge­wis­se Ver­bind­lich­kei­ten darf –neben ande­ren Vor­aus­set­zun­gen– nur gebil­det wer­den, wenn die Gel­tend­ma­chung der Ver­pflich­tung nach den Ver­hält­nis­sen am Bilanz­stich­tag wahr­schein­lich ist 9, weil mehr Grün­de für als gegen die Inan­spruch­nah­me bestehen 10. Ein Gleich­lauf der Vor­aus­set­zun­gen für die Pas­si­vie­rung der Rück­stel­lung und ihre Min­de­rung wegen zu erwar­ten­der Vor­tei­le ist gebo­ten, um die tat­säch­lich ein­tre­ten­de Min­de­rung der steu­er­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit exakt bemes­sen zu kön­nen 11.
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. August 2013 – I B 60/​12
vgl. BFH, Beschlüs­se vom 20.06.2011 – I B 108/​10, BFH/​NV 2011, 1924; vom 12.12.2012 – I B 27/​12, BFH/​NV 2013, 545; vom 25.03.2013 – I B 26/​12, BFH/​NV 2013, 1061; BFH-Beschlüs­se vom 25.03.2013 – VII B 232/​12, BFH/​NV 2013, 1131; vom 13.06.2013 – X B 232/​12, BFH/​NV 2013, 1416[↩]
so auch FG Köln, Urteil vom 14.12.2005 – 4 K 2927/​03, EFG 2006, 877; Säch­si­sches FG, Urteil vom 31.08.2010 – 6 K 905/​08; Frot­scher in Frot­scher, EStG, § 5 Rz 425; Meu­rer in Lade­mann, EStG, § 6 EStG Rz 862[↩]
so bereits FG Köln, EFG 2006, 877; ähn­lich Schmidt/​Kulosa, EStG, 32. Aufl., § 6 Rz 476, und Urteil des Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf vom 13.12.2010 3 K 3356/​08 F, EFG 2011, 884: begrün­de­te Aus­sicht auf den Erfolgs­ein­tritt; vgl. auch Kie­sel in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 6 EStG Rz 1178[↩]
inso­weit zutref­fend BT-Drs. 14/​443, 23; s. auch Blümich/​Ehmcke, § 6 EStG Rz 977b; Schmidt/​Kulosa, a.a.O., § 6 Rz 476; Werndl in Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 6 Rz Da 24[↩]
Duden, Das Bedeu­tungs­wör­ter­buch, 2. Aufl., S. 729 "vor­aus­sicht­lich"[↩]
Duden, Die sinn- und art­ver­wand­ten Wör­ter, 2. Aufl., S. 741 "vor­aus­sicht­lich" i.V.m. S. 48 "anschei­nend"[↩]
BT-Drs. 14/​443, 23; Fischer in Kirch­hof, EStG, 12. Aufl., § 6 Rz 156; Hoff­mann in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 6 Rz 667; Werndl in Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, eben­da; noch wei­ter gehend ein­schrän­kend May­er-Wege­lin in Bordewin/​Brandt, § 6 EStG Rz 504g[↩]
so auch FG Köln, Urteil in EFG 2006, 877[↩]
BFH, Urteil vom 19.09.2012 – IV R 45/​09, BFHE 239, 66, BSt­Bl II 2013, 123[↩]
BFH, Urtei­le vom 01.08.1984 – I R 88/​80, BFHE 142, 226, BSt­Bl II 1985, 44; vom 06.12.1995 – I R 14/​95, BFHE 180, 258, BSt­Bl II 1996, 406; BFH, Urtei­le vom 27.11.1997 – IV R 95/​96, BFHE 185, 160, BSt­Bl II 1998, 375; vom 18.01.2007 – IV R 42/​04, BFHE 216, 340, BSt­Bl II 2008, 956; Creze­li­us in Kirch­hof, a.a.O., § 5 Rz 121[↩]
auf die effek­ti­ve Min­de­rung der steu­er­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit abstel­lend auch BT-Drs. 14/​23, 172, und BT-Drs. 14/​265, 173[↩]
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