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Timestamp: 2020-01-20 08:34:04
Document Index: 3436641

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 4', '§ 76', '§ 120', '§ 120', '§ 4']

Die Aus­lands­rei­sen eines Lehr­buch­au­tors – steu­er­lich gese­hen | Rechtslupe
Die Aus­lands­rei­sen eines Lehr­buch­au­tors – steu­er­lich gese­hen
Reist ein Steu­er­pflich­ti­ger zur Erho­lung und zur Aktua­li­sie­rung von Lehr­bü­chern an aus­län­di­sche Feri­en­or­te, so ist regel­mä­ßig von einer nicht unwe­sent­li­chen pri­va­ten Mit­ver­an­las­sung aus­zu­ge­hen, die bei feh­len­der Trenn­bar­keit der Rei­se in einen beruf­li­chen und einen pri­va­ten Teil den Abzug der Auf­wen­dun­gen als Betriebs­aus­ga­ben aus­schließt 1.
Bei der Ermitt­lung der Ein­künf­te sind Auf­wen­dun­gen als Wer­bungs­kos­ten (§ 9 Abs. 1 Satz 1 EStG) oder Betriebs­aus­ga­ben (§ 4 Abs. 4 EStG) abzu­zie­hen, wenn sie durch die Ein­künf­te­er­zie­lung ver­an­lasst sind. Eine sol­che Ver­an­las­sung ist dann gege­ben, wenn die Auf­wen­dun­gen mit der Ein­künf­te­er­zie­lung objek­tiv zusam­men­hän­gen und ihr sub­jek­tiv zu die­nen bestimmt sind, d.h. wenn sie in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang mit einer der Ein­kunfts­ar­ten des EStG ste­hen 2.
Maß­geb­lich dafür, ob ein sol­cher Zusam­men­hang besteht, ist zum einen die –wer­ten­de– Beur­tei­lung des die betref­fen­den Auf­wen­dun­gen "aus­lö­sen­den Moments", zum ande­ren des­sen Zuwei­sung zur ein­kom­men­steu­er­recht­lich rele­van­ten Erwerbs­sphä­re. Ergibt die­se Prü­fung, dass die Auf­wen­dun­gen nicht oder in nur unbe­deu­ten­dem Maße auf pri­va­ten, der Lebens­füh­rung des Steu­er­pflich­ti­gen zuzu­rech­nen­den Umstän­den beru­hen, so sind sie als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten grund­sätz­lich abzu­zie­hen 3. Beru­hen die Auf­wen­dun­gen hin­ge­gen nicht oder in nur unbe­deu­ten­dem Maße auf beruf­li­chen Umstän­den, so sind sie nicht abzieh­bar.
Ob und inwie­weit Auf­wen­dun­gen für eine Rei­se in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang mit einer Ein­kunfts­art ste­hen, hängt von den Grün­den ab, aus denen der Steu­er­pflich­ti­ge die Rei­se oder ver­schie­de­ne Tei­le einer Rei­se unter­nimmt. Die Grün­de bil­den das "aus­lö­sen­de Moment", das den Steu­er­pflich­ti­gen bewo­gen hat, die Rei­se­kos­ten zu tra­gen.
Ent­hält eine Rei­se abgrenz­ba­re beruf­li­che und pri­va­te Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge, die jeweils nicht von völ­lig unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung sind (wie z.B. bei einem Urlaub im Anschluss an eine beruf­lich ver­an­lass­te Rei­se), so erfor­dert es das Net­to­prin­zip, den beruf­lich ver­an­lass­ten –ggf. durch Schät­zung ermit­tel­ten– Teil der Rei­se­kos­ten zum Abzug zuzu­las­sen 4.
Auf die­ser Grund­la­ge geht der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs 5 durch aus­drück­li­che Bezug­nah­me auf sei­nen Beschluss vom 27. Novem­ber 1978 6 zur begrenz­ten Abzieh­bar­keit von Rei­se­auf­wen­dun­gen davon aus, dass sol­che Auf­wen­dun­gen nicht als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar sind, wenn
ein Betriebs­aus­ga­ben- oder Wer­bungs­kos­ten­ab­zug ins­ge­samt aus­ge­schlos­sen ist, weil ent­we­der eine nur unbe­deu­ten­de beruf­li­che Mit­ver­an­las­sung gege­ben ist oder die (für sich gese­hen jeweils nicht unbe­deu­ten­den) beruf­li­chen und pri­va­ten Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge (z.B. bei einer beruflich/​privaten Dop­pel­mo­ti­va­ti­on für eine Rei­se) so inein­an­der­grei­fen, dass man­gels objek­ti­vier­ba­rer Kri­te­ri­en eine Tren­nung nicht mög­lich ist 7.
Dabei ist –auch wenn die Ange­mes­sen­heit von Betriebs­aus­ga­ben im Übri­gen im Wesent­li­chen vom Steu­er­pflich­ti­gen selbst zu bestim­men ist 8– bei Aus­lands­rei­sen nach der Recht­spre­chung des Gro­ßen Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs beson­ders sorg­fäl­tig abzu­wä­gen, ob für die Grö­ße des Betriebs und für die Art sei­ner Betä­ti­gung eine Aus­lands­rei­se über­haupt betrieb­lich ver­an­lasst sein kann.
Dies ist –so der Gro­ße Senat des BFH– ins­be­son­de­re dann frag­lich, wenn die Auf­wen­dun­gen für die Rei­se im Ver­hält­nis zur Grö­ße und Bedeu­tung des Betriebs und auch im Hin­blick auf die Rei­se­dau­er unan­ge­mes­sen erschei­nen 9. Dem­entspre­chend sind auch Auf­wen­dun­gen für Inlands­rei­sen unge­ach­tet einer even­tu­el­len betrieb­li­chen Ver­an­las­sung nicht abzieh­bar, wenn ein Zusam­men­hang mit pri­va­ten Moti­ven nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann 10.
Dem­ge­mäß kann eine Revi­si­on –soweit sie sich gegen die tat­säch­li­chen finanz­ge­richt­li­chen Fest­stel­lun­gen oder gegen die tat­säch­li­che Wür­di­gung des Sach­ver­halts durch die Vor­in­stanz wen­det– nur auf das Vor­lie­gen eines Ver­fah­rens­man­gels 11 oder in mate­ri­ell-recht­li­cher Hin­sicht 12 grund­sätz­lich nur dar­auf gestützt wer­den, dass die tat­säch­li­che Wür­di­gung mit den Denk­ge­set­zen oder mit all­ge­mei­nen Erfah­rungs­sät­zen nicht ver­ein­bar oder dass sie wider­sprüch­lich oder aus den Grün­den des ange­foch­te­nen Urteils nicht nach­voll­zieh­bar sei 13.
Zunächst ist der Vor­in­stanz im Aus­gangs­punkt zu fol­gen, dass eine objek­ti­ve Trenn­bar­keit der Rei­se­auf­wen­dun­gen in einen nur beruf­li­chen und einen nur pri­va­ten Rei­se­an­teil im Streit­fall nicht ange­nom­men wer­den kann und des­halb eine Auf­tei­lung der Rei­se­auf­wen­dun­gen in einen beruf­lich sowie in einen pri­vat ver­an­lass­ten Teil aus­schei­det 14. Denn der Klä­ger hat sich nach eige­nem Vor­trag wäh­rend der gesam­ten Auf­ent­hal­te an den bei­den Feri­en­or­ten aus­schließ­lich in den Feri­en­häu­sern auf­ge­hal­ten, da ihm der Aus­blick zur Erho­lung und Abschal­tung in den Ruhe­pau­sen genü­ge. Er habe des­halb Besich­ti­gun­gen sowie Auto­tou­ren nicht unter­nom­men 15.
Die­se –für die Annah­me feh­len­der Auf­teil­bar­keit der Rei­se­kos­ten ursäch­li­che– pri­va­te Mit­ver­an­las­sung durch gesund­heit­li­che Grün­de wird nicht dadurch berührt, dass der Klä­ger nach sei­nem Vor­trag in der münd­li­chen Ver­hand­lung täg­lich wäh­rend der strei­ti­gen Rei­se­auf­ent­hal­te etwa 10 Stun­den an der Aktua­li­sie­rung sei­ner Lehr­bü­cher gear­bei­tet hat und die Ange­mes­sen­heit von Betriebs­aus­ga­ben begriff­lich für deren Aner­ken­nung grund­sätz­lich kei­ne Rol­le spielt 16.
Grei­fen näm­lich wie im Streit­fall die –für sich gese­hen jeweils nicht unbe­deu­ten­den– beruf­li­chen und pri­va­ten Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge 17 so inein­an­der, dass eine Tren­nung nicht mög­lich ist, fehlt es also an objek­ti­vier­ba­ren Kri­te­ri­en für eine Auf­tei­lung, so kommt ein Abzug der Auf­wen­dun­gen auch nach der geän­der­ten Recht­spre­chung des Gro­ßen Senats des BFH ins­ge­samt nicht in Betracht 18.
Die Rüge der Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht (§ 76 Abs. 1 FGO) durch das Finanz­ge­richt als Ver­fah­rens­man­gel in Gestalt einer unzu­läs­si­gen Vor­weg­nah­me der Beweis­wür­di­gung und des Über­ge­hens von –in der münd­li­chen Ver­hand­lung gestell­ten– Beweis­an­trä­gen greift nicht durch. Ein ord­nungs­ge­mäß gestell­ter Beweis­an­trag darf näm­lich unbe­rück­sich­tigt blei­ben, wenn das ange­bo­te­ne Beweis­mit­tel für die zu tref­fen­de Ent­schei­dung uner­reich­bar oder untaug­lich ist, wenn es auf die Bewei­s­tat­sa­che unter Berück­sich­ti­gung der Rechts­auf­fas­sung des Finanz­ge­richt nicht ankommt oder wenn –wie im Streit­fall– die Bewei­s­tat­sa­che als wahr unter­stellt wird 19.
Ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund der wei­te­ren Erläu­te­run­gen des Klä­gers in der münd­li­chen Ver­hand­lung, ein sol­cher Auf­ent­halt sei "gene­rell", mit­hin unab­hän­gig von sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit, ange­sichts sei­ner Krank­heit zweck­mä­ßig, konn­te sich hin­sicht­lich der Not­wen­dig­keit eines ärzt­li­chen Gut­ach­tens kein wei­te­rer Sach­auf­klä­rungs­be­darf erge­ben. Dies gilt umso mehr, als der Klä­ger nach sei­nem eige­nen Vor­trag durch sei­ne Krank­heit nicht gehin­dert war, einen Teil sei­ner Lehr­buch­ak­tua­li­sie­run­gen im häus­li­chen Umfeld sowie auch sei­ne all­ge­mei­ne Leh­rer­tä­tig­keit aus­zu­üben.
Die auf die­ser Grund­la­ge vom Gericht zuguns­ten des Klä­gers unter­stell­te all­ge­mei­ne "För­der­lich­keit" des Auf­ent­halts an den bei­den Feri­en­or­ten kann im Übri­gen ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klä­gers denk­ge­setz­lich nicht zu dem Schluss füh­ren, dass das mit dem Auf­ent­halt an die­sen Orten ver­bun­de­ne "Ent­span­nungs- und Erho­lungs­in­ter­es­se" gegen­über dem Inter­es­se des Klä­gers an der Aus­übung sei­ner frei­be­ruf­li­chen Autoren­tä­tig­keit als von nur unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung ange­se­hen wer­den kann.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 7. Mai 2013 VIII R 51/​10
Anschluss an BFH (GrS), Beschluss vom 21.09.2009 – GrS 1/​06, BFHE 227, 1, BSt­Bl II 2010, 672[↩]
vgl. BFH, Beschluss vom 04.07.1990 – GrS 2 – 3/​88, BFHE 161, 290, BSt­Bl II 1990, 817, unter C.II.2., m.w.N.[↩]
BFH, Beschluss in BFHE 161, 290, BSt­Bl II 1990, 817, unter C.II.2.b aa und bb[↩]
in BFHE 227, 1, BSt­Bl II 2010, 672, Rz 130[↩]
so BFH (GrS), Beschluss in BFHE 227, 1, BSt­Bl II 2010, 672, Rz 125[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 21.08.2012 – VIII R 32/​09, BFHE 239, 31, BSt­Bl II 2013, 16, m.w.N.[↩]
BFH, Urteil vom 02.08.2012 – IV R 25/​09, BFHE 238, 132, BSt­Bl II 2012, 824, m.w.N.[↩]
§ 120 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. b FGO[↩]
§ 120 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a FGO[↩]
vgl. BFH-Beschlüs­se vom 11.04.2002 – VII R 1/​02, BFH/​NV 2002, 950; vom 05.06.2012 – I R 51/​11, BFH/​NV 2012, 1800[↩]
vgl. BFH, Beschluss vom 24.08.2012 – III B 21/​12, BFH/​NV 2012, 1973[↩]
zum Zweck der Erho­lung und ande­ren pri­va­ten Zwe­cken einer Rei­se als Hin­der­nis für den Abzug von Rei­se­kos­ten als Betriebs­aus­ga­ben vgl. BFH, Urteil vom 16.10.1986 – IV R 138/​83, BFHE 148, 262, BSt­Bl II 1987, 208[↩]
vgl. Stap­per­fend in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 4 EStG Rz 845[↩]
z.B. bei einer beruf­li­chen und pri­va­ten Dop­pel­mo­ti­va­ti­on für eine Rei­se[↩]
vgl. BFH, Beschluss vom 05.02.2010 – IV B 57/​09, BFH/​NV 2010, 880[↩]
vgl. BFH, Beschlüs­se vom 30.04.2008 – VI B 131/​07, BFH/​NV 2008, 1475; vom 29.06.2011 – X B 242/​10, BFH/​NV 2011, 1715; vom 07.09.2012 – IX B 125/​11, BFH/​NV 2012, 2001[↩]
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