Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Krankenversicherung_BSG_B12KR10-07R.html
Timestamp: 2017-01-21 02:04:51
Document Index: 160153454

Matched Legal Cases: ['§ 265', '§ 155', '§ 4', '§ 265', '§ 155', '§ 1', '§ 2', '§ 265', '§ 2', '§ 2', '§ 3', '§ 7', '§ 4', '§ 5', '§ 3', '§ 7', '§ 155', '§ 12', '§ 14', '§ 13', '§ 4', '§ 14', '§ 12', '§ 7', '§ 155', '§ 12', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 155', '§ 265', '§ 155', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 220', '§ 265', '§ 265', '§ 155', '§ 265', '§ 217', '§ 155', '§ 265', '§ 4', '§ 7', '§ 202', '§ 560', '§ 265', '§ 155', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 155', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 155', '§ 265', '§ 155', '§ 266', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 155', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 267', '§ 267', '§ 267', '§ 265', '§ 267', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 269', '§ 269', '§ 266', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 155', '§ 202', '§ 560', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 155', '§ 155', '§ 265', '§ 153', '§ 4', '§ 155', '§ 265', '§ 155', '§ 220', '§ 265', '§ 266', '§ 266', '§ 266', '§ 266', '§ 266', '§ 265', '§ 1', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 414', '§ 509', '§ 414', '§ 414', '§ 265', '§ 265', '§ 414', '§ 414', '§ 414', '§ 414', '§ 414', '§ 414', '§ 414', '§ 265', '§ 265', '§ 414', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 265', '§ 385', '§ 265', '§ 414', '§ 265', '§ 265', 'Art 20', '§ 265', '§ 4', '§ 1', '§ 265', '§ 7', '§ 155', '§ 14', '§ 265', '§ 265', '§ 62', 'Art 103', '§ 7', '§ 7', '§ 11', '§ 12', '§ 14', '§ 163', '§ 197', '§ 154', '§ 197', '§ 63', '§ 47', '§ 52']

B 12 KR 10/07 R
Sozialgericht Köln - S 19 KR 67/03 Landessozialgericht für das Land Nordrhein-Westfalen - L 16 KR 162/06
24. Sep­tem­ber 2008
Az: B 12 KR 10/07 RL 16 KR 162/06 (LSG Nord­rhein-West­fa­len) S 19 KR 67/03 (SG Köln)
BKK Pfei­fer & Lan­gen,Düre­ner Straße 40, 50189 Els­dorf,
Lan­des­ver­band der Be­triebs­kran­ken­kas­sen Nord­rhein-West­fa­len, Kron­prin­zen­s­traße 6, 45128 Es­sen,
Be­klag­ter und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,
Der 12. Se­nat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 24. Sep­tem­ber 2008 durch den Rich­ter Dr. B e r c h t o l d als Vor­sit­zen­den, den Rich­ter Dr. B e r n s d o r f f und die Rich­te­rin H ü t t m a n n - S t o l l so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Z ä h r i n g e r und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin G a b k e für Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len vom 25. Ja­nu­ar 2007 wird zurück­ge­wie­sen.
Die Kläge­rin trägt die Kos­ten auch des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens.
Der Streit­wert wird auf 3.159,85 Eu­ro fest­ge­setzt.
Die Be­tei­lig­ten strei­ten um die Rechtmäßig­keit ei­ner Ver­bands­um­la­ge, die von der Kläge­rin im Rah­men ei­nes Fi­nanz­aus­gleichs für an­de­re auf­wen­di­ge Be­las­tun­gen ge­zahlt wor­den ist.
Nach­dem der Be­triebs­kran­ken­kas­se (BKK) R. , ei­ner Mit­glieds­kas­se des be­klag­ten Lan­des­ver­ban­des, En­de der neun­zi­ger Jah­re die Leis­tungs­unfähig­keit droh­te und ei­ne Sa­nie­rung über Bei­trags­erhöhun­gen und die Sen­kung der Kos­ten im sta­ti­onären Kran­ken­haus­be­reich und der Ver­wal­tungs­kos­ten nicht er­reicht wer­den konn­te, bemühte sich der Be­klag­te um die Ge­win­nung ei­nes ge­eig­ne­ten Fu­si­ons­part­ners. Die BKK D. (im Fol­gen­den: BKK D. alt) erklärte sich in der Fol­ge­zeit zwar zur Ver­ei­ni­gung, nicht aber zur Schul­denüber­nah­me be­reit.
Zur Vor­be­rei­tung der Ver­ei­ni­gung schlos­sen BKK R. , BKK D. alt so­wie der Be­klag­te mit Un­ter­schrif­ten vom 13. und 14.9. so­wie 30.10.2000 ei­nen "Öffent­lich-recht­li­chen Ver­trag", in dem es ua heißt:
"...5. Der Aus­schuss 1 des BKK LV NW (Lan­des­ver­band der Be­triebs­kran­ken­kas­sen Nord­rhein-West­fa­len) hat sei­nem Ver­wal­tungs­rat im Rah­men sei­ner Sit­zung am 21.08.2000 ... emp­foh­len, ei­ner ver­trag­li­chen Re­ge­lung zu­zu­stim­men, die die Fu­si­on der BKK R. mit ei­ner ge­eig­ne­ten Mit­glieds­kas­se vor­sieht und - so­weit er­for­der­lich - dem Fu­si­ons­part­ner ei­ne Fu­si­ons­bei­hil­fe zur Verfügung zu stel­len, die das Pas­siv­vermögen der BKK R. zum Fu­si­ons­zeit­punkt nicht über­schrei­ten darf. Hierüber wird der Ver­wal­tungs­rat des BKK LV NW im Rah­men sei­ner Sit­zung am 28.09.2000 be­fin­den.
Der BKK LV NW hat das Recht, die­se Ver­ein­ba­rung frist­los zu kündi­gen, wenn sich das Pas­siv­vermögen der BKK R. nach dem 31.12.2000 um mehr als 10 % erhöht. Aus­ge­nom­men sind die Kos­ten, die im Zu­sam­men­hang mit der Be­en­di­gung von Ar­beits- bzw Vor­stands­verhält­nis­sen ste­hen.
6. Die Ver­pflich­tung des BKK LV NW zur Über­nah­me des er­mit­tel­ten Pas­siv­vermögens min­dert sich im Fal­le ei­ner Ver­ei­ni­gung der BKK D. mit ei­ner wei­te­ren Be­triebs­kran­ken­kas­se um das Vermögen die­ser Be­triebs­kran­ken­kas­se. Die­se Re­ge­lung gilt bis zum 31.12.2001 und ist ge­gen­stands­los im Fal­le ei­ner Ver­ei­ni­gung der BKK D. mit der BKK R. vor dem 01.01.2002 und ei­ner ent­spre­chen­den Ver­ei­ni­gung mit ei­ner an­de­ren BKK." - 3 -
In der der Ver­trags­un­ter­zeich­nung vor­aus­ge­gan­ge­nen Sit­zung des Ver­wal­tungs­rats des Be­klag­ten am 28.9.2000 hat­te die­ser be­schlos­sen, ei­ner ver­trag­li­chen Re­ge­lung zu­zu­stim­men, die die Fu­si­on der BKK R. mit ei­ner ge­eig­ne­ten Mit­glieds­kas­se vor­sieht, dem Fu­si­ons­part­ner, so­weit er­for­der­lich, ei­ne Fu­si­ons­bei­hil­fe zur Verfügung zu stel­len, die das Pas­siv­vermögen zum Fu­si­ons­zeit­punkt nicht über­schrei­ten darf, und die Fu­si­ons­bei­hil­fe ent­spre­chend den Re­ge­lun­gen der auf der Grund­la­ge des § 265 SGB V er­las­se­nen Aus­gleichs­ord­nung (Aus­glO) des Be­klag­ten durch ei­ne Um­la­ge der Mit­glieds­kas­sen zu fi­nan­zie­ren.
Vor sei­ner Ver­trags­un­ter­zeich­nung hat­te der Be­klag­te darüber hin­aus in ei­nem Schrei­ben an die BKK D. alt ua dar­auf hin­ge­wie­sen, man sei te­le­fo­nisch übe­rein ge­kom­men, dass sich ei­ne mögli­che Ver­ei­ni­gung der BKK D. /BKK R. mit der BKK W. auf die­se Ver­ei­ni­gung da­hin­ge­hend aus­wir­ke, dass ein mögli­ches Vermögen der BKK W. das Pas­siv­vermögen der BKK R. ver­min­de­re und so­mit das Haf­tungs­vo­lu­men des BKK LV NW. In­so­weit gel­te Nr 6 des öffent­lich-recht­li­chen Ver­tra­ges für ei­ne Ver­ei­ni­gung mit der BKK W. nicht. Mit der Be­mer­kung "Ein­ver­stan­den" und ei­nem Da­tums­ver­merk vom 27.10.2000 hat­te die BKK D. alt die­ses Schrei­ben zurück­ge­sandt.
Un­ter Be­zug­nah­me auf den "Öffent­lich-recht­li­chen Ver­trag" und den Be­schluss sei­nes Ver­wal­tungs­ra­tes gewähr­te der Be­klag­te der BKK R. im No­vem­ber 2000 ei­ne Li­qui­ditätshil­fe in Höhe von 1 Mio DM (511.291,88 Eu­ro) und im März 2001 ei­ne sol­che in Höhe von 1,8 Mio DM (920.325,39 Eu­ro).
Im März/April 2001 be­schlos­sen die Ver­wal­tungsräte der BKK D. alt (28.3.2001), der BKK R. (5.4.2001) und der BKK W. (12.3.2001) dieVer­ei­ni­gung zur neu­en BKK D. . Das Bun­des­ver­si­che­rungs­amt ge­neh­mig­te die Ver­ei­ni­gung mit Wir­kung zum 1.7.2001. Das Ak­tiv­vermögen der BKK W. be­trug zum Fu­si­ons­zeit­punkt 29.172,09 Eu­ro.
Nach der Ver­ei­ni­gung zahl­te der Be­klag­te an die BKK D. ei­nen Be­trag in Höhe von 86,83 Eu­ro für Rechts­an­walts­kos­ten, ei­nen Be­trag in Höhe von 1.640.270,83 Eu­ro, der dem er­rech­ne­ten Pas­siv­vermögen der BKK R. zum Fu­si­ons­zeit­punkt in Höhe von 3.208.090,90 DM ent­sprach, und ei­nen Be­trag in Höhe von 16.886 Eu­ro für Pen­si­onsrück­stel­lun­gen. Ins­ge­samt be­tru­gen die Zah­lun­gen des Be­klag­ten in­klu­si­ve der zu­vor an die BKKR. er­brach­ten bei­den Li­qui­ditätshil­fen (1.431.617,27 Eu­ro) 3.088.860,93 Eu­ro. Das Ak­tiv­vermögen der BKK W. brach­te der Be­klag­te nicht zur An­rech­nung, son­dern leg­te den erwähn­ten Ge­samt­be­trag auf sei­ne Mit­glieds­kas­sen um.
Mit zwei Be­schei­den vom 14.3.2003 for­der­te der Be­klag­te von der Kläge­rin, die sei­ne Mit­glieds­kas­se ist, ei­nen Be­trag in Höhe von 2.848,89 Eu­ro (Be­reich West) und 310,96 Eu­ro (Be­reich - 4 -
Ost), ins­ge­samt 3.159,85 Eu­ro. Zur Be­gründung führ­te er aus, dass der Be­trag in Höhe von 3.088.860,93 Eu­ro zur Ver­mei­dung sei­ner Haf­tung nach § 155 Abs 4 SGB V zur Verfügung ge-stellt wor­den und ent­spre­chend den Re­ge­lun­gen der Aus­glO durch ei­ne Um­la­ge der Mit­glieds­kas­sen zu fi­nan­zie­ren sei.
§ 4 (Fi­nanz­aus­gleich) der Sat­zung des Be­klag­ten idF des 2. Nach­trags (gültig ab 31.10.1997) lau­tet wie folgt:
"Der BKK LV NW führt für sei­ne Mit­glie­der ei­nen Fi­nanz­aus­gleich nach § 265 SGB V durch. Die Aus­gleichs­ord­nung, die als An­la­ge 1 Be­stand­teil der Sat­zung ist, re­gelt den Fi­nanz­aus­gleich für auf­wen­di­ge Leis­tungsfälle und den Fi­nanz­aus­gleich für an­de­re auf­wen­di­ge Be­las­tun­gen, ein-schließlich der Haf­tung des BKK LV NW für Ver­pflich­tun­gen gemäß § 155 Abs 4 SGB V".
Die Vor­schrif­ten der Aus­glO idF des 2. bzw 4. Nach­trags (gültig vom 1.1.1998 bis zum 31.12.2001) zur Sat­zung hat­ten fol­gen­den Wort­laut:
"§ 1 (Ziel des Fi­nanz­aus­gleichs)
Der BKK LV NW führt für sei­ne Mit­glie­der i.S.d. § 2 Abs 1 der Sat­zung ... auf der Grund­la­ge des § 265 SGB V ein Aus­gleichs­ver­fah­ren durch, um die fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen im Sin­ne des § 2 ganz oder teil­wei­se zu de­cken.
§ 2 (Ge­gen­stand des Fi­nanz­aus­gleichs)Der Fi­nanz­aus­gleich er­streckt sich auf- fi­nan­zi­el­le Hil­fen im Ein­zel­fall (§ 3)- Maßnah­men bei an­de­ren auf­wen­di­gen Be­las­tun­gen (§ 7).
§ 4 (Ver­fah­ren)...(2) Das Aus­gleichs­ver­fah­ren wird vom BKK LV NW je­weils für ein Geschäfts­jahr durch­geführt und im Fol­ge­jahr ab­ge­rech­net ...
§ 5 (Auf­brin­gung der Mit­tel)(1) Die Mit­tel zum Aus­gleich der fi­nan­zi­el­len Hil­fen nach § 3 wer­den durch ei­ne jähr­li­che Um­la­ge auf­ge­bracht ...(2) Über die Höhe der Um­la­ge erhält je­des Mit­glied ei­nen schrift­li­chen Be­scheid. In dem Be­scheid wird der Zeit­punkt fest­ge­legt, bis zu dem die Um­la­ge spätes­tens zu ent­rich­ten ist. - 5 -
§ 7 (Ge­gen­stand des Fi­nanz­aus­gleichs für an­de­re auf­wen­di­ge Be­las­tun­gen) (Fas­sung 2. Nach­trag)(1) Der BKK LV NW haf­tet nach § 155 Abs 4 SGB V für Ver­pflich­tun­gen ei­nes auf­gelösten ... oder ge­schlos­se­nen ... Mit­glieds. Hier­zu hat er ei­ne In­ter­ven­ti­ons­stra­te­gie ent­wi­ckelt, die aus...- In­ter­ven­ti­ons­in­stru­men­te (§ 12) - In­ter­ven­ti­ons­al­ter­na­ti­ve (§ 14)be­steht. ...
§ 13 (Auf­brin­gung der Mit­tel und Ver­fah­ren)Für den Fi­nanz­aus­gleich für an­de­re auf­wen­di­ge Be­las­tun­gen gel­ten die §§ 4 und 5 ent­spre­chend.
§ 14 (In­ter­ven­ti­ons­al­ter­na­ti­ve) (Fas­sung 2. Nach­trag)Der Vor­stand des BKK LV NW kann mit Zu­stim­mung des Ver­wal­tungs­ra­tes des BKK LV NW al­ter­na­tiv zu den In­ter­ven­ti­ons­in­stru­men­ten nach § 12 mit ei­nem Mit­glied i.S.d. § 7 Abs 2 ei­ne ver­trag­li­che Re­ge­lung (öffent­lich-recht­li­cher Ver­trag) tref­fen, um den Ein­tritt der Haf­tung nach § 155 Abs 4 SGB V ab­zu­wen­den. Da­bei können or­ga­ni­sa­ti­ons­recht­li­che Op­tio­nen wahr­ge­nom­men wer­den."
Mit Wir­kung vom 1.1.2002 (10. Nach­trag zur Sat­zung) wur­de die Aus­glO durch die In­ter­ven­ti­ons­ord­nung (In­ter­vO) er­setzt (§ 12 Abs 2 In­ter­vO).
Die Kläge­rin hat Kla­ge er­ho­ben. Mit Ur­teil vom 3.7.2006 hat das So­zi­al­ge­richt (SG) der Kla­ge statt­ge­ge­ben, die bei­den Be­schei­de auf­ge­ho­ben und den Be­klag­ten zur Er­stat­tung des Um­la­ge­be­tra­ges ver­ur­teilt. Die zulässi­ge Kla­ge sei be­gründet. Die strei­ti­ge Um­la­ge könne auf die Aus­glO des Be­klag­ten und die Be­stim­mung des § 265 SGB V nicht gestützt wer­den, weil § 265 SGB V zur Re­ge­lung der Gewährung von Fu­si­ons­hil­fen nicht ermäch­ti­ge. Auf die Be­ru­fung des Be­klag­ten hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG) das vor­in­stanz­li­che Ur­teil mit Ur­teil vom 25.1.2007 geändert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt: Die Kla­ge sei zulässig, aber un­be­gründet. Rechts­grund­la­ge der an­ge­foch­te­nen Be­schei­de sei die Aus­glO. De­ren Be­stim­mun­gen hätten auf § 265 SGB V gestützt wer­den dürfen. Fi­nan­zi­el­le Hil­fen zur Ver­mei­dung des Ein­tritts ei­nes Haf­tungs­falls nach § 155 Abs 4 SGB V sei­en Kos­ten für "an­de­re auf­wen­di­ge Be­las­tun­gen". Das er­ge­be ei­ne Aus­le­gung die­ses Be­griffs nach Wort­laut, Ent­ste­hungs­ge­schich­te und Ge­set­zes­sys­te­ma­tik. Für die An­nah­me ei­ner "an­de­ren auf­wen­di­gen Be­las­tung" kom­me es nicht dar­auf an, wie sich die Ver­bind­lich­kei­ten im Ein­zel­nen zu­sam­men­setz­ten. Bei den Ver­bind­lich­kei­ten der BKK - 6 -
R. ha­be es sich letzt­lich um außer­gewöhn­li­che Ver­bind­lich­kei­ten der BKK D. ge­han­delt. Das Um­la­ge­ver­fah­ren der Aus­glO ha­be auf die hier ge­zahl­te Fu­si­ons­bei­hil­fe an­ge­wandt wer­den dürfen und sei feh­ler­frei durch­geführt wor­den. Was den "Öffent­lich-recht­li­chen Ver­trag" be­tref­fe, so ha­be die­ser un­ter Ein­be­zie­hung der BKK D. alt als Ver­trags­part­ner ge­schlos­sen wer­den dürfen. Er sei auch be­stimmt ge­nug, weil er aus­rei­chend ge­nau fest­le­ge, wer in wel­cher Höhe ver­pflich­tet wer­de. Die den Um­la­ge­be­schei­den zu­grun­de ge­leg­te Höhe der Fu­si­ons­hil­fe sei zu­tref­fend be­rech­net wor­den. Die Li­qui­ditätshil­fen, die an die BKK R. als Vor­leis­tung hätten er­bracht wer­den dürfen und de­ren Zah­lung mit be­frei­en­der Wir­kung ge­genüber dem Fu­si­ons­part­ner er­folgt sei, sei­en von dem ver­blie­be­nen Pas­siv­vermögen nicht ab­zu­zie­hen ge­we­sen. Das Ak­tiv­vermögen der BKK W. ha­be schließlich im Hin­blick auf Nr 6 des Ver­tra­ges nicht an­ge­rech­net wer­den müssen.
Die Kläge­rin hat die vom LSG zu­ge­las­se­ne Re­vi­si­on ein­ge­legt. Das Be­ru­fungs­ur­teil ver­let­ze § 265 SGB V und das Bun­des­recht ergänzen­de all­ge­mei­ne Aus­le­gungs­re­geln. Die Um­la­ge von Kos­ten ei­ner Fu­si­ons­bei­hil­fe zur Ver­mei­dung des Ein­tritts ei­nes Haf­tungs­falls nach § 155 Abs 4 SGB V stel­le kei­ne Um­la­ge zur De­ckung der Kos­ten für "an­de­re auf­wen­di­ge Be­las­tun­gen" iS des § 265 SGB V dar. Das LSG le­ge die­sen Be­griff zu weit aus und ver­ken­ne da­bei Wort­laut, sys­te­ma­ti­schen Kon­text und Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 265 SGB V. Nach ih­rem Wort­laut würden all­ge­mei­ne Las­ten und Kos­ten, die we­der ei­nen spe­zi­fi­schen Be­zug zum Ein­zel­fall noch ei­ne Ur­sa­che in ex­ter­nen Vorgängen hätten, von die­ser Be­stim­mung nicht er­fasst. Der Zu­sam­men­hang mit an­de­ren Fi­nan­zie­rungs- und Aus­gleichs­vor­schrif­ten des SGB V er­ge­be, dass § 265 SGB V als Aus­nah­me vom Grund­satz ei­gen­ver­ant­wort­li­cher Fi­nan­zie­rung in § 220 SGB V eng aus­zu­le­gen und ge­genüber der Aus­gleichsmöglich­keit nach § 265a SGB V sub­si­diär sei so­wie ei­ne all­ge­mei­ne fi­nan­zi­el­le Schief­la­ge ei­ner Kran­ken­kas­se nur mit­tels des Ri­si­ko­struk­tur­aus­gleichs so­wie fi­nan­zi­el­ler Hil­fen der Spit­zen-/Bun­des­verbände aus­ge­gli­chen wer­den könn­ten. Fi­nanz­aus­gleich nach § 265 SGB V und Haf­tung nach § 155 Abs 4 SGB V stünden nicht in ei­nem Al­ter­na­tiv­verhält­nis. Das nach Wort­laut­aus­le­gung und sys­te­ma­ti­scher Aus­le­gung ge­fun­de­ne Er­geb­nis wer­de durch die Ge­set­zes­ge­ne­se bestätigt. Dau­ern­de fi­nan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten stell­ten selbst nach dem Nor­men­verständ­nis des LSG kei­ne "an­de­ren auf­wen­di­gen Be­las­tun­gen" dar. In­dem es die fi­nan­zi­el­len Las­ten der BKK R. als außer­gewöhn­li­che Ver­bind­lich­kei­ten des Fu­si­ons­part­ners wer­te, wähle es ei­nen fal­schen Be­zugs­punkt, "wa­sche" die­se "rein" und ver­s­toße da­mit ge­gen Ge­set­ze der Lo­gik. Darüber hin­aus ver­s­toße die Sat­zung des Be­klag­ten ge­gen bun­des­recht­li­che Be­stimmt­heits­er­for­der­nis­se, weil sie nicht hin­rei­chend er­ken­nen las­se, in wel­chen Fällen ei­ne Um­la­ge­pflicht der Ver­bands­mit­glie­der be­ste­he. Fer­ner ha­be das Be­ru­fungs­ge­richt die öffent­lich-recht­li­che Ver­ein­ba­rung in meh­rer­lei Hin­sicht wi­dersprüchlich und da­mit of­fen­bar willkürlich und un­ter Ver­s­toß ge­gen all­ge­mein an­er­kann­te Aus­le­gungs­grundsätze aus­ge­legt. Die Kläge­rin macht schließlich Verstöße des LSG ge­gen ih­ren An­spruch auf recht­li­ches Gehör gel­tend. - 7 -
Die Kläge­rin be­an­tragt,das Ur­teil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len vom 25.1.2007 auf­zu­he­ben und die Be­ru­fung des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des So­zi­al­ge­richts Köln vom 3.7.2006 zurück­zu­wei­sen.
Der Be­klag­te be­an­tragt,die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len vom 25.1.2007 zurück­zu­wei­sen.
Er hält das an­ge­foch­te­ne Ur­teil im Er­geb­nis für zu­tref­fend. Die Kla­ge sei al­ler­dings be­reits un­zulässig. Je­den­falls sei­en die Um­la­ge­be­schei­de nicht zu be­an­stan­den. Die Vor­schrif­ten der Aus­glO stell­ten ei­ne wirk­sa­me Rechts­grund­la­ge dar. Sie hätten auf den weit aus­zu­le­gen­den § 265 SGB V, aber auch auf an­de­re Be­stim­mun­gen des SGB V gestützt wer­den können. Die Re­ge­lun­gen der Aus­glO selbst sei­en in­halt­lich be­stimmt. Die an­ge­foch­te­nen Be­schei­de entsprächen auch sonst dem ma­te­ri­el­len Recht.
Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist un­be­gründet. Zu Recht hat das LSG auf die Be­ru­fung des Be­klag­ten das klag­s­tatt­ge­ben­de Ur­teil des SG auf­ge­ho­ben und die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Be­schei­de des Be­klag­ten vom 14.3.2003 sind rechtmäßig. Zu­tref­fend hat der Be­klag­te dar­in ei­nen Teil der zur Ver­mei­dung sei­ner Haf­tung ge­zahl­ten Fu­si­ons­hil­fen von der Kläge­rin im We­ge des Fi­nanz­aus­gleichs als Ver­bands­um­la­ge ge­for­dert.
1. Die Kla­ge ist zulässig. Sie ist ins­be­son­de­re nicht, wie der Be­klag­te meint, als An­fech­tungs­kla­ge un­statt­haft, weil ein Lan­des­ver­band zur Be­ach­tung der ihm recht­lich vor­ge­ge­be­nen Auf­ga­ben­be­schränkun­gen auf dem (Um)Weg über ei­ne An­fech­tung von Um­la­ge­be­schei­den nicht an­ge­hal­ten wer­den könn­te und an­geb­li­che Auf­ga­benüber­schrei­tun­gen ei­nes Ver­ban­des nur mit­tels Un­ter­las­sungs­kla­ge zu über­prüfen wären. So­weit sich der Be­klag­te hierfür auf ein Ur­teil des 1. Se­nats vom 25.6.2002 (B 1 KR 10/01 R, BS­GE 89, 277, 279 ff = SozR 3-2500 § 217 Nr 1 S 3 ff) be­ruft, ver­kennt er, dass der 1. Se­nat in die­ser Ent­schei­dung die An­fech­tungs­kla­ge ei­ner BKK ge­gen ei­nen Ver­bands­um­la­ge­be­scheid oh­ne Wei­te­res für zulässig ge­hal­ten und die Über­prüfbar­keit von Ver­bandstätig­keit (le­dig­lich) als Pro­blem des Um­fangs der ge­richt­li­chen Nach­prüfung und da­mit der Be­gründet­heit der An­fech­tungs­kla­ge an­ge­se­hen hat.
2. Die An­fech­tungs­kla­ge hat je­doch in der Sa­che kei­nen Er­folg. Die Um­la­ge­be­schei­de vom 14.3.2003 be­ru­hen auf ei­ner wirk­sa­men Rechts­grund­la­ge (da­zu a). So­weit Sat­zung und Aus­glO des Be­klag­ten als Ge­gen­stand des Fi­nanz­aus­gleichs für an­de­re auf­wen­di­ge Be­las­tun­gen auch - 8 -
den Kos­ten­auf­wand für die Ab­wen­dung ei­ner Haf­tung nach § 155 Abs 4 SGB V in sei­ner hier maßgeb­li­chen, bis zum 30.6.2008 gel­ten­den Fas­sung be­nen­nen, hal­ten sie sich im Rah­men der bun­des­recht­li­chen Sat­zungs­ermäch­ti­gung in § 265 Satz 1 SGB V (da­zu aa). In der Aus­le­gung des LSG ver­s­toßen die ein­schlägi­gen Sat­zungs­be­stim­mun­gen auch nicht ge­gen ver­fas­sungs- oder ein­fach­recht­li­che Be­stimmt­heits­er­for­der­nis­se (da­zu bb). An­de­re Gründe, die zur Rechts­wid­rig­keit der Um­la­ge führen könn­ten, sind nicht ge­ge­ben (da­zu b).
a) § 4 der Sat­zung des Be­klag­ten und §§ 7 ff Aus­glO, je­weils idF des 2. Nach­trags, die nach Auf­fas­sung des LSG, an die der Se­nat ge­bun­den ist (§ 202 SGG iVm § 560 ZPO), über den 31.12.2001 hin­aus an­wend­bar wa­ren, sind als Rechts­grund­la­ge der Ver­bands­um­la­ge­be­schei­de wirk­sam.
aa) Der Be­klag­te war nach § 265 Satz 1 SGB V ermäch­tigt, die Um­la­ge von Kos­ten­auf­wand, der aus An­lass der Ab­wen­dung ei­nes Haf­tungs­ein­tritts nach § 155 Abs 4 SGB V ent­stan­den ist, auf sei­ne Ver­bands­mit­glie­der durch Sat­zung zu re­geln. Ent­ge­gen der von der Re­vi­si­on ver­tre­te­nen Auf­fas­sung han­delt es sich bei sol­chen Aus­ga­ben zur Ab­wen­dung ei­nes Haf­tungs­ein­tritts um Kos­ten für an­de­re auf­wen­di­ge Be­las­tun­gen iS des § 265 Satz 1 2. Alt SGB V. Dies er­gibt ei­ne Aus­le­gung der Norm nach ih­rem Wort­laut, dem Ge­set­zes­zu­sam­men­hang, in den sie ge­stellt ist, und dem ihr bei­ge­leg­ten Zweck so­wie ih­rer Ent­ste­hungs­ge­schich­te.
(1) Wie das Be­ru­fungs­ge­richt zu­tref­fend aus­geführt hat, er­gibt sich aus dem Wort­laut des § 265 Satz 1 2. Alt SGB V kei­ne Not­wen­dig­keit ei­ner en­gen Aus­le­gung der Norm. Ent­ge­gen der Re­vi­si­on gibt der zu­sam­men­ge­setz­te Aus­druck "an­de­re auf­wen­di­ge Be­las­tun­gen" we­der auf der Grund­la­ge ei­ner Ana­ly­se sei­ner Be­stand­tei­le noch in der ganz­heit­li­chen Zu­sam­men­schau An­lass zu ei­nem ein­schränken­den Verständ­nis in der Wei­se, dass hier­von nur Las­ten oder For­de­run­gen er­fasst würden, die ei­nen "spe­zi­fi­schen Be­zug zum Ein­zel­fall" und "ih­re Ur­sa­che in ex­ter­nen Vorgängen oder Er­eig­nis­sen" ha­ben. So­weit als Ge­gen­stand des Fi­nanz­aus­gleichs Kos­ten für "Be­las­tun­gen" ge­nannt wer­den, sind hier­un­ter im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch le­dig­lich (sämt­li­che) Kos­ten oh­ne Rück­sicht auf ih­ren An­lass und ih­re Ur­sa­che zu ver­ste­hen. Die Ver­wen­dung des At­tri­buts "auf­wen­dig" stellt darüber hin­aus nur si­cher, dass auf der Ebe­ne des Lan­des­ver­ban­des fi­nan­zi­el­le Las­ten von be­son­de­rem Ge­wicht und nicht (auch) je­de (un­be­deu­ten­de) Be­las­tung aus­ge­gli­chen wird. Eben­so we­nig legt die in­ter­ne Be­zie­hung des "auf-wen­di­gen Leis­tungs­falls" (§ 265 Satz 1 1. Alt SGB V) als ein­zig kon­kret be­nann­tem Fall der auf-wen­di­gen Be­las­tung zu den (al­len) "an­de­ren auf­wen­di­gen Be­las­tun­gen" (§ 265 Satz 1 2. Alt SGB V) ein en­ges Verständ­nis der letzt ge­nann­ten Grup­pe na­he. Schon lo­gisch er­gibt sich das Ge­gen­teil, so­dass der Wort­laut oh­ne Wei­te­res für ein Verständ­nis of­fen ist, das hier­von auch Auf­wand für fi­nan­zi­el­le Hil­fen zur Ver­mei­dung ei­ner Haf­tung nach § 155 Abs 4 SGB V als aus­gleichsfähig er­fasst an­sieht. Ein an­de­rer Be­deu­tungs­ge­halt ist dem Wort­laut des § 265 Satz 1 SGB V schließlich auch nicht im Blick dar­auf zu ent­neh­men, dass die im Tat­be­stand le­dig­lich
als be­son­de­rer Un­ter­fall der "auf­wen­di­gen Be­las­tung" auf­geführ­ten "auf­wen­di­gen Leis­tungsfälle" in der Über­schrift des § 265 SGB V an pro­mi­nen­ter Stel­le pars pro to­to als al­lei­ni­ger Re­ge­lungs­ge­gen­stand auf­geführt sind.
(2) Steht hier­nach der Wort­laut des § 265 Satz 1 2. Alt SGB V ei­nem wei­ten Verständ­nis der Norm zu­min­dest nicht ent­ge­gen, ge­bie­tet ih­re Ein­ord­nung in die Re­ge­lun­gen über die Fi­nanz-und Ri­si­ko(struk­tur)aus­glei­che und de­ren Zu­sam­men­hang mit der Haf­tungs­be­stim­mung des § 155 Abs 4 SGB V ei­ne po­si­ti­ve Be­stim­mung des An­wen­dungs­be­reichs je­den­falls in dem Sin­ne, dass Kos­ten­auf­wand für die Ab­wen­dung ei­nes Haf­tungs­ein­tritts dann aus­gleichsfähig ist, wenn er wie hier auf Fu­si­ons­hil­fen be­ruht.
Die Re­vi­si­on be­gründet ih­re sys­te­ma­ti­schen Be­den­ken ge­gen die­ses Er­geb­nis zunächst da­mit, dass die ein­zel­nen Aus­gleichs­in­stru­men­te nach Vor­aus­set­zung und Ziel­rich­tung kon­tu­ren­scharf von­ein­an­der ab­zu­gren­zen sei­en und § 265 Abs 1 2. Alt SGB V da­nach nur den Aus­gleich ei­nes Auf­wan­des für außer­gewöhn­li­che For­de­run­gen auf­grund un­er­war­te­ter ex­ter­ner Vorgänge oder Er­eig­nis­se er­lau­be. Hier­un­ter fal­le der Aus­gleich von Fu­si­ons­hil­fen zur Ver­mei­dung ei­ner Haf­tung nicht, weil die dro­hen­de Haf­tung nach § 155 Abs 4 SGB V nichts über die Ur­sa­chen der fi­nan­zi­el­len Schief­la­ge ei­ner "not­lei­den­den" BKK und der Wil­le zur Ent­schul­dung im Zu­ge ei­ner Fu­si­on nichts über die Ur­sa­chen ih­rer Ver­bind­lich­kei­ten aus­sa­ge. Sei­en aber struk­tu­rel­le De­fi­zi­te und all­ge­mei­ne Schief­la­gen zu be­sei­ti­gen, kom­me hauptsächlich der ob­li­ga­to­ri­sche Ri­si­ko(struk­tur)aus­gleich nach §§ 266 ff SGB V als Aus­gleichs­in­stru­ment in Be­tracht. Darüber hin­aus könne ei­ner der­ar­ti­gen La­ge mit der fa­kul­ta­ti­ven Aus­gleichsmöglich­keit des § 265a SGB V durch fi­nan­zi­el­le Hil­fen in be­son­de­ren Not­la­gen sei­tens der Spit­zen­verbände Rech­nung ge­tra­gen wer­den. Kei­nes­falls er­wei­se sich die Zuständig­keit der Spit­zen­verbände zum Fi­nanz­aus­gleich als in der Wei­se "sub­si­diär", dass ei­ne Pro­blemlösung auf Lan­des­ver­bands­ebe­ne zunächst fehl­ge­schla­gen sein müsse. §§ 265 und 265a SGB V hätten viel­mehr in­halt­lich ver­schie­de­ne, von­ein­an­der zu tren­nen­de Re­ge­lungs­ge­hal­te.
Der von der Re­vi­si­on ver­tre­te­nen Auf­fas­sung zur Ein­ord­nung des § 265 SGB V in die Be­stim­mun­gen der Fi­nanz- und Ri­si­ko(struk­tur)aus­glei­che folgt der Se­nat nicht. Ins­be­son­de­re re­gelt § 265a SGB V Aus­gleichs­si­tua­tio­nen wie die hier zu be­ur­tei­len­de nicht et­wa selbstständig und ab­sch­ließend mit der Fol­ge, dass die An­wen­dung von § 265 SGB V auf den Aus­gleich von Auf­wand für Fu­si­ons­hil­fen zur Ab­wen­dung ei­ner Haf­tung nach § 155 Abs 4 SGB V von vorn­her­ein aus­schei­den müss­te. Zwar ha­ben § 265a SGB V und § 265 SGB V in der Tat un­ter­schied­li­che Re­ge­lungs­ge­hal­te. Rich­tig ist auch, dass ein Fi­nanz­aus­gleich auf Spit­zen­ver­bands­ebe­ne nicht erst in Be­tracht kommt, wenn ei­ne "Pro­blemlösung auf Lan­des­ver­bands­ebe­ne nicht zu er­war­ten" ist. Dem § 265 SGB V kommt - wohl ent­ge­gen der An­nah­me des LSG - ge­genüber § 265a SGB V ei­ne ver­drängen­de Wir­kung als lex spe­cia­lis nicht zu. In­des stellt § 265 Satz 1 2. Alt SGB V mit sei­ner Ge­stat­tung, an­de­re auf­wen­di­ge Be­las­tun­gen aus­zu­glei­chen, im Kon­text der hier maßgeb­li­chen im Jah­re 2003 gel­ten­den - 10 -
Vor­schrif­ten über die Fi­nanz- und Ri­si­ko(struk­tur)aus­glei­che (§§ 265a und 266 ff SGB V) ei­ne ge­ne­ral­klau­sel­ar­ti­ge Auf­fang­vor­schrift dar, die über die Kos­ten für auf­wen­di­ge Leis­tungsfälle (§ 265 Satz 1 1. Alt SGB V) und fi­nan­zi­el­le Hil­fen in be­son­de­ren Not­la­gen und zur Er­hal­tung der Wett­be­werbsfähig­keit (§ 265a SGB V) hin­aus wei­te­re Aus­ga­ben als aus­gleichsfähig er­fasst. Der Se­nat braucht nicht zu ent­schei­den, ob da­nach je­der Auf­wand ei­nes Lan­des­ver­ban­des für "not­lei­den­de" Kran­ken­kas­sen un­abhängig von An­lass und Ur­sa­che ih­rer Ver­pflich­tun­gen im We­ge der Ver­bands­um­la­ge ge­deckt wer­den darf. Je­den­falls können die hier ge­leis­te­ten fi­nan­zi­el­len (Fu­si­ons)Hil­fen des Be­klag­ten Ge­gen­stand ei­nes Fi­nanz­aus­gleichs nach § 265 Satz 1 SGB V in sei­ner zwei­ten Al­ter­na­ti­ve sein.
Dass Hil­fen zur Ermögli­chung ei­ner Kas­sen­fu­si­on al­len­falls über § 265a SGB V, nicht je­doch über § 265 SGB V aus­gleichsfähig sei­en, lässt sich nicht mit der "Ziel­set­zung" des § 265a SGB V be­gründen. Die mit dem Ge­sund­heits­struk­tur­ge­setz (GSG) vom 21.12.1992 (BGBl ! 2266) ein­gefügte Vor­schrift über­nahm Re­ge­lun­gen des bis zu sei­ner Er­set­zung durch § 265a SGB V gel­ten­den § 267 SGB V (§ 267 SGB V aF; "Fi­nan­zi­el­le Hil­fen in be­son­de­ren Not­la­gen"). Die­se Be­stim­mung be­zweck­te nicht in ers­ter Li­nie die Ab­wick­lung ei­ner Kran­ken­kas­se, et­wa durch Fu­si­on, son­dern ih­re Er­hal­tung. Das wird ins­be­son­de­re dar­an deut­lich, dass nach § 267 Abs 2 SGB V aF im Zu­sam­men­hang mit Hil­fen Maßnah­men fest­ge­legt wer­den soll­ten, die ge­eig­net wa­ren, die Fi­nanz­la­ge der Kran­ken­kas­se zu ver­bes­sern, mit­hin sie zu er­hal­ten. Hier­an knüpfte § 265a SGB V an (vgl BT-Drucks 12/3608 S 117). Auch die­ser Vor­schrift lag der Ge­dan­ke ei­ner Hil­fe­gewährung für or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men wie ei­ne Fu­si­on nicht zu­grun­de. Wie zu­vor schon § 267 SGB V aF re­gel­te auch § 265a SGB V, dass Hil­fen mit Auf­la­gen ver­bun­den wer­den konn­ten, die der Ver­bes­se­rung der Wirt­schaft­lich­keit und Leis­tungsfähig­keit, al­so der Er­hal­tung ei­ner Kran­ken­kas­se dien­ten. An die­ser vor­ran­gi­gen Ziel­set­zung änder­te sich später - ent­ge­gen der von der Re­vi­si­on ver­tre­te­nen Auf­fas­sung - mit dem GKV-Fi­nanzstärkungs­ge­setz (GKVFG) vom 24.3.1998 (BGBl ! 526) nichts. So­weit da­nach über § 265a SGB V Hil­fen auch zur Er­hal­tung der Wett­be­werbsfähig­keit ei­ner Kran­ken­kas­se zulässig wa­ren, wur­de dies da­mit be­gründet, dass Un­terstützun­gen struk­tu­rel­ler An­pas­sungs- und Sa­nie­rungs­pro­zes­se und da­mit Maßnah­men schon im Vor­feld ei­ner be­son­de­ren Not­la­ge ermöglicht wer­den soll­ten (vgl BT-Drucks 13/9377 S 11). Noch deut­li­cher als zu­vor stand mit­hin die Er­hal­tung der "not­lei­den­den" Kran­ken­kas­se im Vor­der­grund.
Für ei­ne all­ge­mei­ne Auf­fang­funk­ti­on des § 265 Satz 1 2. Alt SGB V spricht dem­ge­genüber die Einführung des § 269 SGB V mit dem Ge­setz zur Re­form des Ri­si­ko­struk­tur­aus­gleichs in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung vom 10.12.2001 (BGBl ! 3465). Mit § 269 SGB V wur­de ergänzend zum Ri­si­ko(struk­tur)aus­gleich (§ 266 SGB V) ein Sys­tem des so­li­da­ri­schen Aus­gleichs fi­nan­zi­el­ler Be­las­tun­gen für auf­wen­di­ge Leis­tungsfälle zwi­schen den Kran­ken­kas­sen ge­schaf­fen. Da­mit wur­de der ein­zi­ge, in § 265 Satz 1 SGB V kon­kret ge­nann­te Fall ei­ner "auf­wen­di­gen Be­las­tung" ei­ner Berück­sich­ti­gung im Rah­men des Ri­si­ko(struk­tur)aus­gleichs zu­geführt. Ei­nen Auf­fang­cha­rak­ter des § 265 Satz 1 2. Alt SGB V in­di­ziert, dass für ei­nen Fi­nanz-
aus­gleich auf Lan­des­ver­bands­ebe­ne fort­an recht­lich wie fak­tisch nur noch Auf­wand für an­de­re auf­wen­di­ge Be­las­tun­gen in Be­tracht kam, auch wenn der Text des § 265 Satz 1 SGB V un­verändert ge­blie­ben war und die Norm ih­rem Wort­laut nach die Kos­ten für auf­wen­di­ge Leis­tungs-fälle wei­ter­hin er­fass­te.
So­weit die Sat­zungs­re­ge­lun­gen des Be­klag­ten ei­nen Fi­nanz­aus­gleich im Zu­sam­men­hang mit an­de­ren auf­wen­di­gen Be­las­tun­gen auch für Kos­ten ermögli­chen, die aus An­lass der Ab­wen­dung ei­nes Haf­tungs­ein­tritts nach § 155 Abs 4 SGB V ent­stan­den sind, und hier­bei - in der Aus­le­gung des LSG, an die der Se­nat ge­bun­den ist (§ 202 SGG iVm § 560 ZPO) - ins­be­son­de­re die Um­la­ge von Fu­si­ons­hil­fen ge­stat­ten, grei­fen die auf die Be­stim­mun­gen über "Schuld­ein­tritt und Haf­tung" gestütz­ten sys­te­ma­ti­schen Einwände der Re­vi­si­on eben­falls nicht durch. Die Re­vi­si­on wen­det ein, § 265 Satz 1 2. Alt SGB V de­cke den Aus­gleich von Ver­ei­ni­gungs­las­ten zur Ab­wen­dung ei­ner Haf­tung des­halb nicht, weil "Schuld­ein­tritt und Haf­tung" nichts darüber be­sag­ten, auf wel­chen Ur­sa­chen die Ver­bind­lich­kei­ten der "not­lei­den­den" Kran­ken­kas­se be­ru­hen, und ei­ne sol­che An­knüpfung ei­nes Fi­nanz­aus­gleichs "zur De­fi­ni­ti­on an­de­rer auf­wen­di­ger Be­las­tun­gen im Sin­ne des § 265 Satz 1 2. Alt SGB V un­ge­eig­net" sei. Der Sa­che nach wie­der­holt sie da­mit le­dig­lich das von ihr durch sys­te­ma­ti­sche und am Wort­laut ori­en­tier­te Aus­le­gung ge­fun­de­ne Er­geb­nis, wo­nach nur Kos­ten für be­son­ders auf­wen­di­ge, in ex­ter­nen Vorgängen be­gründe­te Ein­z­elfälle auf Lan­des­ver­bands­ebe­ne aus­gleichsfähig sei­en. Wie be­reits dar­ge­legt, ist die­se Prämis­se im Hin­blick auf den Auf­fang­cha­rak­ter des § 265 Satz 1 2. Alt SGB V aber un­zu­tref­fend. Mit die­ser Vor­schrift stand ei­ne Ermäch­ti­gung zur Re­ge­lung ei­ner Um­la­ge von Fu­si­ons­hil­fen zwecks Ver­mei­dung ei­ner Haf­tung nach § 155 Abs 4 SGB V je­den­falls so lan­ge zur Verfügung, als die Be­stim­mun­gen des § 155 Abs 4 SGB V über die Haf­tung von Lan­des­verbänden Be­stand hat­ten (bis zum 30.6.2008).
Ein Verständ­nis des § 265 Satz 1 2. Alt SGB V, das den Lan­des­ver­band ge­hin­dert hätte, im In­ter­es­se sei­ner Mit­glieds­kas­sen (und ih­rer Ver­si­cher­ten) zur Ab­wen­dung des Haf­tungs­falls be­reits im Vor­feld ei­ner dro­hen­den Kas­sen­sch­ließung tätig zu wer­den, ob­wohl er nach er­folg­ter Sch­ließung (§ 153 SGB V) oh­ne­hin für die Ver­bind­lich­kei­ten der ge­schlos­se­nen Kas­se ein­zu­ste­hen hat­te, wäre mit dem Zweck der Ermäch­ti­gung un­ver­ein­bar. Die­ser Zweck er­sch­ließt sich aus dem vom Ge­setz vor­ge­ge­be­nen Or­ga­ni­sa­ti­ons­rah­men des viel­glied­ri­gen Kas­sen­sys­tems. In­ner­halb die­ses struk­tu­rel­len Rah­mens hat der Lan­des­ver­band als Sat­zungs­ge­ber ei­nen wei­ten Be­ur­tei­lungs- und Ge­stal­tungs­spiel­raum, ob und in­wie­weit er die Ver­tei­lung be­son­de­rer Las­ten auf sei­ne Mit­glieds­kas­sen zu­las­sen will. Ent­schei­det sich der Lan­des­ver­band un­ter Aus­nut­zung die­ses Spiel­raums für die endgülti­ge Be­en­di­gung der Schief­la­ge ei­ner Kran­ken­kas­se durch fi­nan­zi­el­le Hil­fen zur Durchführung ei­ner Fu­si­on, wer­den hier­durch ent­ge­gen der Re­vi­si­on ge­setz­li­che Struk­tur­ent­schei­dun­gen zu­guns­ten ei­nes (ein­ge­schränk­ten) "Kas­sen­wett­be­werbs" (da­zu un­ten) nicht außer Acht ge­las­sen. Im Ge­gen­teil be­ach­tet ei­ne der­ar­ti­ge Vor­ge­hens­wei­se ge­ra­de die Sys­tem fördern­de und er­hal­ten­de Funk­ti­on die­ses "Wett­be­werbs", wie sie un­ter an­de­rem in dem an al­le Kas­sen und ih­re Verbände ge­rich­te­ten - 12 -
ge­setz­li­chen Ge­bot zum Aus­druck kommt, im In­ter­es­se der Leis­tungsfähig­keit und Wirt­schaft­lich­keit der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung mit­ein­an­der eng zu­sam­men­zu­ar­bei­ten (§ 4 Abs 3 SGB V). In ei­nem sol­chen Fall er­folgt der Ein­griff in die Kas­sen­struk­tur letzt­lich im In­ter­es­se al­ler Mit­glieds­kas­sen. Ein er­folg­rei­ches In­ter­ven­ti­ons­ma­nage­ment des Lan­des­ver­ban­des kann zu­dem da­zu führen, dass die über Ver­bands­um­la­gen zu fi­nan­zie­ren­den Mit­tel ge­rin­ger sind als die­je­ni­gen, die sonst bei ei­ner Haf­tung des Lan­des­ver­ban­des nach § 155 Abs 4 SGB V hätten auf­ge­bracht wer­den müssen. Darüber hin­aus kann so ein An­se­hens­ver­lust für die BKK'en und da­mit ein An­se­hens­ver­lust für das Sys­tem der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen ins­ge­samt ver­mie­den wer­den. Mag es auch sein, dass, wie die Re­vi­si­on meint, Fi­nanz­aus­gleich nach § 265 SGB V und Haf­tung des Lan­des­ver­bands nach § 155 Abs 4 SGB V nicht in ei­nem "Al­ter­na­tiv­verhält­nis" ste­hen, so können sie doch auf­ein­an­der be­zo­gen sein und dürfen vom Lan­des­ver­band als Sat­zungs­ge­ber im Rah­men sei­nes Ge­stal­tungs­spiel­raums im oben ge­nann­ten Sin­ne mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den.
So­weit die Re­vi­si­on ei­nen Grund­satz ei­gen­ver­ant­wort­li­cher Fi­nan­zie­rung der Kran­ken­kas­sen her­vor­hebt und hier­zu auf § 220 SGB V ver­weist so­wie auf § 265 SGB V gestütz­te Um­la­gen ei­nes Lan­des­ver­ban­des als recht­fer­ti­gungs­bedürf­ti­ge "Aus­nah­men" von die­sem Grund­satz an-sieht, spricht sie den Ge­sichts­punkt des "Wett­be­werbs" zwi­schen Kran­ken­kas­sen und mögli­cher "Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen" an. Der Sa­che nach sieht sie durch den Aus­gleich der hier er­brach­ten fi­nan­zi­el­len (Fu­si­ons)Hil­fen das In­ter­es­se der Kläge­rin als gleich­sam pri­va­ter "Wett­be­wer­be­rin" gefähr­det. Die­ser Be­trach­tung folgt der Se­nat nicht. Wie das Bun­des­so­zi­al­ge­richt (<BSG> vgl Ur­teil vom 24.1.2003, B 12 KR 19/01 R, BS­GE 90, 231, 265 = SozR 4-2500 § 266 Nr 1 Rd­Nr 101, mwN) und auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (<BVerfG> vgl Be­schluss der 3. Kam­mer des Zwei­ten Se­nats vom 9.6.2004, 2 BvR 1248/03 ua, SozR 4-2500 § 266 Nr 7 Rd­Nr 19 ff; Se­nats­be­schluss vom 18.7.2005, 2 BvF 2/01, BVerfGE 113, 167, 199, 232 ff = SozR 4-2500 § 266 Nr 8 Rd­Nr 48, 124 ff) zu Fra­gen des Ri­si­ko(struk­tur)aus­gleichs nach §§ 266 ff SGB V wie­der­holt be­tont ha­ben, be­fin­den sich ge­setz­li­che Kran­ken­kas­sen nicht in ei­ner et­wa als "pri­vat" zu qua­li­fi­zie­ren­den Stel­lung als "Wett­be­wer­ber". Zwar trifft es zu, dass der Ge­setz­ge­ber mit der Or­ga­ni­sa­ti­ons­re­form im GSG das Ziel ver­folgt hat, in­ner­halb des über­kom­me­nen ge­glie­der­ten Sys­tems Wirt­schaft­lich­keits­ver­bes­se­run­gen durch "Kas­sen­wett­be­werb" zu er­rei­chen. Je­doch wird der mit der Einführung des Rechts der frei­en Kas­sen­wahl eta­blier­te "Wett­be­werb" zwi­schen den Kran­ken­kas­sen durch sei­ne Sys­tem­be­zo­gen­heit und durch die Aus­gleichs­in­stru­men­te des SGB V so­zi­al flan­kiert. Eben­so wie der Ri­si­ko(struk­tur)aus­gleich nach §§ 266 ff SGB V (vgl BSG, aaO, Rd­Nr 101; BVerfG, Be­schluss vom 9.6.2004, aaO, Rd­Nr 18) stellt auch der Fi­nanz­aus­gleich nach § 265 SGB V ei­ne Aus­prägung des in § 1 Satz 1 SGB V nie­der­ge­leg­ten So­li­dar­ge­dan­kens dar. Er zielt auf ei­ne so­li­da­ri­sche Ver­tei­lung von Be­las­tun­gen zwi­schen Kas­sen ei­ner Kas­sen­art in­ner­halb ei­nes Lan­des­ver­ban­des. Auf die­se Wei­se trägt er wie der bun­des­wei­te Ri­si­ko(struk­tur)aus­gleich da­zu bei, die Kern­auf­ga­be der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen zu si­chern, als Teil der mit­tel­ba­ren Staats­ver­wal­tung öffent­lich-recht­lich ge­re­gel­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz für die - 13 -
Ver­si­cher­ten zu gewähr­leis­ten. Al­lein der Erfüllung die­ser so­zi­al­staat­li­chen Auf­ga­be dient der "Kas­sen­wett­be­werb" und nur in die­ser Auf­ga­ben­stel­lung ist die Kläge­rin von der Re­ge­lung des § 265 SGB V be­trof­fen. Über pri­vat­recht­lich ge­ord­ne­te Hand­lungs­spielräume, wie sie et­wa pri­va­ten Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men eröff­net sind, verfügt sie da­mit nicht.
(3) Mit im Er­geb­nis zu­tref­fen­den Ausführun­gen hat das LSG auch der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 265 SGB V An­halts­punk­te für ei­ne en­ge Aus­le­gung des Be­griffs "an­de­re auf­wen­di­ge Be­las­tun­gen", wie sie die Re­vi­si­on ver­tritt, nicht ent­nom­men. Die Norm­vor­stel­lun­gen des his­to­ri­schen Ge­setz­ge­bers ste­hen ei­ner aus dem Ge­set­zes­zu­sam­men­hang und dem Zweck des § 265 Satz 1 2. Alt SGB V ge­won­ne­nen Aus­le­gung, wo­nach die­ser Be­stim­mung ei­ne all­ge­mei­ne Auf­fang­funk­ti­on zu­kommt, nicht ent­ge­gen. Der mit der Einführung des SGB V durch das Ge­sund­heits-Re­form­ge­setz (GRG) vom20.12.1988 (BGBl I 2477) ge­schaf­fe­ne § 265 SGB V über­nahm § 414b Abs 2 Satz 2 und § 509a der Reichs­ver­si­che­rungs­ord­nung (RVO). We­der der hier ein­schlägi­gen (Vorgänger)Vor­schrift des § 414b Abs 2 Satz 2 RVO oder den wei­te­ren Ände­run­gen des § 414b RVO noch der dem Ent­wurf von § 265 SGB V bei sei­ner Einführung bei­ge­ge­be­nen Be­gründung sind Hin­wei­se dar­auf zu ent­neh­men, dass über § 265 Satz 1 2. Alt SGB V, wie die Re­vi­si­on meint, nur "kurz­fris­ti­ge Auf­wands­spit­zen ... vorüber­ge­hend aus­ge­gli­chen" wer­den soll­ten. Mit dem Kran­ken­ver­si­che­rungs-Wei­ter­ent­wick­lungs­ge­setz (KVWG) vom 28.12.1976 (BGBl I 3871) war dem § 414b Abs 2 RVO ein Satz 2 an­gefügt wor­den, wo­nach die Sat­zun­gen der Lan­des­verbände ei­ne Um­la­ge der Mit­glieds­kas­sen vor­se­hen konn­ten, um die Kos­ten ins-be­son­de­re für auf­wen­di­ge Leis­tungsfälle ganz oder teil­wei­se zu de­cken. Die Lan­des­verbände soll­ten ermäch­tigt wer­den, Mit­glieds­kas­sen zu un­terstützen, wenn die­se außer­gewöhn­li­che und un­vor­her­ge­se­he­ne Auf­wen­dun­gen aus ih­ren lau­fen­den Ein­nah­men nicht de­cken konn­ten; sie soll­ten durch Er­he­bung von Ver­bands­um­la­gen dafür sor­gen können, dass Mit­glieds­kas­sen ins-be­son­de­re durch die Kos­ten für auf­wen­di­ge Leis­tungsfälle nicht in fi­nan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten ge­rie­ten (vgl BT-Drucks 7/3336 S 27). We­der die For­mu­lie­rung, die § 414b Abs 2 RVO mit dem KVWG er­hal­ten hat­te, noch die Be­gründung der Vor­schrift im Rah­men des Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens le­gen es na­he, dass der Ge­setz­ge­ber von ei­nem en­gen Verständ­nis die­ser Be­stim­mung aus­ge­gan­gen ist. Den Quel­len ist in­so­weit (nur) zu ent­neh­men, dass sich die Be­deu­tung der Vor­schrift ge­ra­de nicht in ei­ner Re­ge­lung für auf­wen­di­ge Leis­tungsfälle erschöpfen soll­te. Die un­be­stimm­ten For­mu­lie­run­gen der Ent­wurfs­ver­fas­ser spre­chen so­gar - im Ge­gen­teil - für ein Verständ­nis auch die­ser Vor­schrift als Ge­ne­ral­klau­sel. Für ei­ne in die­sem Sin­ne wei­te Aus­le­gung des § 414b Abs 2 Satz 2 RVO kann darüber hin­aus die Be­gründung des kur­ze Zeit später - mit dem Kran­ken­ver­si­che­rungs-Kos­tendämp­fungs­ge­setz (KVKG) vom 27.6.1977 (BGBl I 1069) - an­gefügten Ab­sat­zes 2a des § 414b RVO her­an­ge­zo­gen wer­den. § 414b Abs 2a RVO sah auf Lan­des­ver­bands­ebe­ne ei­nen ab­ge­stuf­ten Fi­nanz­aus­gleich zur Wah­rung möglichst ein­heit­li­cher Bei­tragssätze in ei­ner Re­gi­on vor. In der Be­gründung des Ent­wurfs ist aus­geführt, dass es zu Fi­nanz­aus­glei­chen nach § 414b Abs 2a - 14 -
RVO vor­aus­sicht­lich nicht kom­me, wenn von den mit § 414b Abs 2 RVO ein­geräum­ten Möglich­kei­ten zum Aus­gleich Ge­brauch ge­macht wer­de (vgl BT-Drucks 8/166 S 32).
Eben­so we­nig spricht die § 265 SGB V mit dem Ent­wurf des GRG bei­ge­ge­be­ne Be­gründung dafür, dass in­so­weit nur "außer­gewöhn­li­che und un­vor­her­ge­se­he­ne Auf­wen­dun­gen auf­grund ei­nes Ein­zel­er­eig­nis­ses aus­gleichsfähig" sein soll­ten. So wird in der Be­gründung zum ei­nen dar­auf hin­ge­wie­sen, dass § 265 SGB V in­halt­lich dem - eben­falls weit zu ver­ste­hen­den - § 414b Abs 2 Satz 2 RVO ent­spre­che, zum an­de­ren wird be­merkt, dass auf­wen­di­ge Leis­tungsfälle dort nur als wich­tigs­ter Grund für Fi­nanz­aus­glei­che ge­nannt sei­en, je­doch auch an Um­la­gen für aus an­de­ren Gründen not­lei­dend ge­wor­de­ne Kran­ken­kas­sen ge­dacht wer­den könne (vgl BT-Drucks 11/2237 S 228). Hier­aus wird im Schrift­tum teil­wei­se so­gar ab­ge­lei­tet, mit § 265 SGB V könne ein all­ge­mei­ner Fi­nanz­aus­gleich zu­ge­las­sen sein (vgl Pe­ters in Kass­Komm, Stand Ju­li 2008, § 265 Rd­Nr 7).
So­weit bis zum hier maßgeb­li­chen Zeit­punkt des Jah­res 2003 im Um­feld des § 265 SGB V Ge­set­zesände­run­gen er­folg­ten (durch das GSG) und die­ser Vor­schrift ein Satz 2 an­gefügt wur­de (durch das GKVFG), wo­nach Hil­fen auch als Dar­le­hen gewährt wer­den können, er­gibt sich dar­aus für ei­nen Wan­del in den Norm­vor­stel­lun­gen zu der - un­verändert ge­blie­be­nen - Be­stim­mung des § 265 Satz 1 2. Alt SGB V nichts. Die Re­vi­si­on bringt in­so­weit auch le­dig­lich vor, dass das Be­ru­fungs­ge­richt "die Ge­set­zes­ma­te­ria­li­en aus der Zeit nach 1988" vollständig außer Acht ge­las­sen und die aus dem sys­te­ma­ti­schen Zu­sam­men­hang mit den zeit­gleich ge­schaf­fe­nen Be­fug­nis­sen auf Bun­des­ebe­ne fol­gen­den Be­schränkun­gen ver­kannt ha­be. Hier­auf ist an an­de­rer Stel­le (da­zu oben 2. a aa (2)) be­reits ein­ge­gan­gen wor­den.
(4) So­weit die Re­vi­si­on schließlich aus älte­ren Ur­tei­len des Se­nats zur Ver­fas­sungsmäßig­keit un­ter­schied­li­cher Bei­tragssätze (Ur­tei­le vom 22.5.1985, 12 RK 15/83, BS­GE 58, 134 = SozR 2200 § 385 Nr 14, und 12 RK 16/83, NZA 1986, 171 = ErsK 1986, 175) Schluss­fol­ge­run­gen für die Aus­le­gung des § 265 Satz 1 2. Alt SGB V zieht und das von ihr zu­grun­de ge­leg­te en­ge Verständ­nis die­ser Vor­schrift da­durch bestätigt sieht, grei­fen ih­re Be­den­ken eben­falls nicht durch. Der Se­nat hat­te sich in die­sen Ent­schei­dun­gen im Rah­men von Ver­si­cher­ten um die Höhe ih­rer Kran­ken­ver­si­che­rungs­beiträge geführ­ter Rechts­strei­tig­kei­ten aus der Sicht des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes zu den Rechts­grund­la­gen der Bei­trags­fest­set­zung und - in die­sem Zu­sam­men­hang - zur Aus­gleichs­bedürf­tig­keit un­ter­schied­li­cher Bei­tragssätze geäußert. Er hat­te be­stimm­te Ur­sa­chen da­bei als ge­ra­de­zu "aus­gleichs­feind­lich" be­zeich­net und hier­zu ua ho­he Ver­wal­tungs­kos­ten ge­rech­net. Die­se Über­le­gun­gen des Se­nats las­sen sich je­doch auf den vor-lie­gen­den Fall nicht über­tra­gen. So lag den ge­nann­ten Ent­schei­dun­gen mit der in­di­vi­du­el­len Grund­rechts- bzw Gleich­heits­prüfung ein an­de­rer (ver­fas­sungs)recht­li­cher Prüfungs­an­satz zu­grun­de. Darüber hin­aus konn­ten sie nur die Rechts­la­ge un­ter Gel­tung des § 414b RVO berück­sich­ti­gen. Ver­all­ge­mei­ne­rungsfähi­ge Aus­sa­gen für die Zeit nach In­kraft­tre­ten des GRG und ins-be­son­de­re des GSG las­sen sich ih­nen des­halb nicht ent­neh­men. Sch­ließlich ist für die Aus-
gleichs­be­stim­mung des § 265 Satz 1 2. Alt SGB V be­reits dar­ge­legt wor­den (da­zu oben 2. a aa (2)), dass die­se die Funk­ti­on ei­ner all­ge­mei­nen Auf­fang­vor­schrift hat, die je­den­falls im Zu­sam­men­hang mit der hier vor­lie­gen­den Not­la­ge ei­ne Um­la­ge von (Fu­si­ons)Hil­fen ge­stat­tet.
bb) Die für die Be­ur­tei­lung des vor­lie­gen­den Fal­les maßgeb­li­chen Sat­zungs­be­stim­mun­gen ver­s­toßen auch nicht ge­gen Be­stimmt­heits­ge­bo­te. Die Re­vi­si­on führt hier­zu aus, dass die Sat­zung des Be­klag­ten in der Aus­le­gung des Be­ru­fungs­ge­richts nicht hin­rei­chend er­ken­nen las­se, in wel­chen Fällen ei­ne Um­la­ge­pflicht der Ver­bands­mit­glie­der be­ste­he, weil sie - zum ei­nen - den Be­griff der "an­de­ren auf­wen­di­gen Be­las­tung" iS des § 265 Satz 1 2. Alt SGB V nicht de­fi­nie­re und - zum an­de­ren - kei­ne An­halts­punk­te für die An­nah­me des LSG ent­hal­te, hier­von wer­de je­den­falls ein Fall wie der vor­lie­gen­de er­fasst, "wenn ei­ne Be­triebs­kran­ken­kas­se nach Ver­ei­ni­gung von zwei oder meh­re­ren Be­triebs­kran­ken­kas­sen in die­sel­ben Ver­bind­lich­kei­ten ein­tre­te". Ei­ne Ver­let­zung ver­fas­sungs­recht­li­cher (Art 20 Abs 3 GG) oder, wie die Re­vi­si­on meint, aus § 265 SGB V selbst fol­gen­der Be­stimmt­heits­er­for­der­nis­se liegt je­doch nicht vor. Das Aus­maß der ge­bo­te­nen Be­stimmt­heit ist va­ria­bel und hängt von der Ei­gen­art der Re­ge­lungs­ma­te­rie, dem Re­ge­lungs­zweck und der Re­ge­lungsfähig­keit des Ge­gen­stan­des ab. Vor die­sem Hin­ter­grund kann das Be­stimmt­heits­ge­bot gra­du­ell ab­ge­stuft und auch et­wa mit Ge­ne­ral­klau­seln erfüllt wer­den, wenn die­se mit herkömmli­chen ju­ris­ti­schen Me­tho­den aus­leg­bar sind (vgl schon BVerfG, Be­schluss vom 12.11.1958, 2 BvL 4/56 ua, BVerfGE 8, 274, 326; fer­ner Be­schluss vom 11.1.1994, 1 BvR 434/87, BVerfGE 90, 1, 16 f, mwN). In die­sem Sin­ne ist der zur Aus­gleichs­ver­pflich­tung von Kran­ken­kas­sen führen­de, hier re­le­van­te Tat­be­stand der Sat­zung des Be­klag­ten nor­ma­tiv hin­rei­chend be­stimmt. Zwar sind die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewährung von Hil­fen aus An­lass "an­de­rer auf­wen­di­ger Be­las­tun­gen" in der Sat­zung weit ge­fasst. Ins­be­son­de­re wird in § 4 der Sat­zung und § 1 Aus­glO le­dig­lich auf den Wort­laut des § 265 Satz 1 SGB V ver­wie­sen. Auch in den §§ 7 und 14 Aus­glO wer­den die Vor­aus­set­zun­gen der Hil­fe­gewährung nicht wei­ter kon­kre­ti­siert. Aus die­sen Sat­zungs­be­stim­mun­gen wird aber deut­lich, dass das Ziel al­ler In­ter­ven­ti­ons­stra­te­gi­en die Ab­wen­dung ei­ner Haf­tung nach § 155 Abs 4 SGB V ist. Mit der Nen­nung die­ses Ziels und ins­be­son­de­re der De­fi­ni­ti­on von Ana­ly­se­kri­te­ri­en, die als In­di­ka­to­ren für ei­ne dro­hen­de Haf­tung fun­gie­ren, ist der An­lass für ei­ne Hil­fe­gewährung und in­fol­ge­des­sen ei­ne Um­la­ge­ver­pflich­tung nach der Aus­glO hin­rei­chend ein­ge­grenzt. Ein Man­gel an in­halt­li­cher Be­stimmt­heit liegt auch nicht dar­in, dass die nach § 14 Aus­glO mögli­chen In­ter­ven­ti­ons­maßnah­men nicht wei­ter präzi­siert sind. Wel­che Maßnah­men im Ein­zel­fall er­grif­fen wer­den, hat sich nach Zweckmäßig­keits­ge­sichts­punk­ten an des­sen Umständen zu ori­en­tie­ren und braucht da­mit ge­ra­de mit Rück­sicht auf die­sen Norm­zweck nicht näher de­fi­niert zu wer­den.
b) Be­ru­hen die Be­schei­de vom 14.3.2003, mit de­nen der Be­klag­te von der Kläge­rin ei­nen Teil der zur Ver­mei­dung sei­ner Haf­tung ge­zahl­ten Fu­si­ons­hil­fen im Um­la­ge­we­ge ge­for­dert hat, mit­hin auf ei­ner wirk­sa­men Rechts­grund­la­ge, so sind auch an­de­re, zu sei­ner Rechts­wid­rig­keit - 16 -
führen­de Gründe nicht er­kenn­bar. Die An­wen­dung der Sat­zung des Be­klag­ten im kon­kre­ten Fall ist nicht zu be­an­stan­den.
aa) Die Re­vi­si­on hat in­so­weit meh­re­re Einwände er­ho­ben:
Sie weist zunächst dar­auf hin, dass das LSG nach den von ihm selbst zu § 265 Satz 1 2. Alt SGB V auf­ge­stell­ten recht­li­chen An­for­de­run­gen die auch hin­sicht­lich ih­rer Ursächlich­keit tatsächlich fest­ge­stell­ten Ver­bind­lich­kei­ten der BKK R. nicht als "an­de­re auf­wen­di­ge Be­las­tun­gen" ha­be be­wer­ten dürfen, die­se Würdi­gung we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen § 265 SGB V und Ge­set­ze der Lo­gik mit­hin rechts­feh­ler­haft und, weil sie sich als über­ra­schend und un­er­war­tet dar­stel­le, als Ver­s­toß ge­gen den An­spruch auf recht­li­ches Gehör (§ 62 SGG, Art 103 Abs 1 GG) ver­fah­rens­feh­ler­haft sei (da­zu un­ten bb). So­weit die Re­vi­si­on in die­sem Zu­sam­men­hang meint, das Be­ru­fungs­ge­richt ha­be durch ei­nen Aus­tausch der BKK R. ge­gen den Fu­si­ons­part­ner BKK D. alt die Ver­bind­lich­kei­ten der BKK R. "rein­ge­wa­schen", wen­det sie der Sa­che nach ein, der Be­klag­te ha­be im Rah­men sei­nes In­ter­ven­ti­ons­ma­nage­ments von der in der Sat­zung eröff­ne­ten In­ter­ven­ti­ons­al­ter­na­ti­ve "öffent­lich-recht­li­cher Ver­trag" (über­haupt) kei­nen Ge­brauch ma­chen dürfen. Sie hält da­mit den Ver­trags­ab­schluss als sol­chen für rechts­wid­rig.
Nicht ge­gen den Ab­schluss des Ver­tra­ges, son­dern ge­gen sei­ne Aus­le­gung rich­tet sich das Vor­brin­gen der Re­vi­si­on, das LSG sei of­fen­bar willkürlich ver­fah­ren, als es ei­ner­seits - in den Ent­schei­dungs­gründen sei­nes Ur­teils - die Höhe der ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung des Be­klag­ten als hin­rei­chend be­stimmt, an­de­rer­seits - im Tat­be­stand - ei­ne höhe­re Ge­samt­hil­fe als "zulässig" an­ge­se­hen ha­be. Das Be­ru­fungs­ge­richt ha­be den Ver­trag in die­sem Punkt ent­we­der (doch) für un­be­stimmt ge­hal­ten oder aber als be­stimmt an­ge­se­hen und (gleich­wohl) ei­ne Ver­trags­ver­let­zung ver­neint.
Als Aus­le­gungs­feh­ler hat es die Re­vi­si­on auch be­zeich­net, dass das LSG zunächst das Pas­siv­vermögen der BKK R. im Fu­si­ons­zeit­punkt als nach dem Ver­trag be­stimm­te Ober­gren­ze ei­ner Fu­si­ons­hil­fe be­trach­tet, dann aber un­ter Ver­s­toß ge­gen all­ge­mei­ne Aus­le­gungs­grundsätze die vor­ab ge­zahl­ten Li­qui­ditätshil­fen in das Pas­siv­vermögen mit der Be­gründung ein­ge­rech­net ha­be, zum Fu­si­ons­zeit­punkt wäre das Pas­siv­vermögen oh­ne die Hil­fen höher ge­we­sen.
Als aus­le­gungs­feh­ler­haft und - we­gen Nicht­berück­sich­ti­gung ent­spre­chen­den Tat­sa­chen­vor­trags - als Ver­s­toß ge­gen den An­spruch auf recht­li­ches Gehör ver­fah­rens­feh­ler­haft (da­zu un­ten bb) sieht die Re­vi­si­on schließlich die Würdi­gung des Be­ru­fungs­ge­richts an, dass dasAk­tiv­vermögen der BKK W. im Hin­blick auf Nr 6 des öffent­lich-recht­li­chen Ver­tra­ges nicht ha­be an­ge­rech­net wer­den müssen. - 17 -
bb) Die im Zu­sam­men­hang mit dem öffent­lich-recht­li­chen Ver­trag er­ho­be­nen Einwände der Re­vi­si­on grei­fen nicht durch. Mögli­che Feh­ler des Be­klag­ten beim Ab­schluss des Ver­tra­ges und sei­ner Durchführung, die ge­richt­li­cher­seits auf der Grund­la­ge ei­ner be­stimm­ten Aus­le­gung des Ver­tra­ges nicht be­an­stan­det wer­den, wären als Feh­ler der kon­kre­ten In­ter­ven­ti­ons­maßnah­me un­be­acht­lich.
Der Se­nat kann da­bei of­fen las­sen, ob sich die­se Fol­ge be­reits dar­aus er­gibt, dass ei­ne Über­prüfung von Ent­schei­dun­gen des Be­klag­ten, die all­ge­mein sei­ne Ver­bandstätig­keit be­tref­fen und die das Ge­setz des­halb der Erörte­rung und Wil­lens­bil­dung in­ner­halb sei­ner Ver­bands­or­ga­ne un­ter­wirft, ge­ne­rell bzw schlecht­hin aus­ge­schlos­sen oder im Hin­blick auf die be­reits ge­nann­te Recht­spre­chung des 1. Se­nats (Ur­teil vom 25.6.2002, aaO) un­ter dem Ge­sichts­punkt des "Son­der­bei­trags" ei­ne Aus­nah­me hier­von zu­zu­las­sen ist. Denn je­den­falls ist ei­ne ge­richt­li­che Über­prüfung der kon­kre­ten, von der Re­vi­si­on an­ge­grif­fe­nen In­ter­ven­ti­ons­maßnah­me nicht eröff­net. Dass Ver­bands­ent­schei­dun­gen ei­ner ein­ge­schränk­ten ge­richt­li­chen Kon­trol­le un­ter­lie­gen können, ist im Lau­fe des Ver­fah­rens mehr­fach zur Spra­che ge­kom­men.
Nach der Aus­glO stan­den dem Be­klag­ten im Rah­men sei­ner In­ter­ven­ti­ons­stra­te­gie (vgl § 7 Abs 1 Satz 2) meh­re­re (po­li­ti­sche) Hand­lungs­op­tio­nen zur Verfügung. Er konn­te, nach­dem er im We­ge des Ana­ly­se­ver­fah­rens (vgl §§ 7 Abs 2, 8 Abs 1, 4) "not­lei­den­de" Mit­glieds­kas­sen, für die sei­ne Haf­tung in Be­tracht kam, er­mit­telt und die­se über das Er­geb­nis sei­ner Re­cher­chen un­ter­rich­tet hat­te, der "not­lei­den­den" Kas­se ge­genüber Hand­lungs­emp­feh­lun­gen aus­spre­chen (vgl §§ 11, 12) und die­se be­glei­ten oder sons­ti­ge ge­eig­ne­te Maßnah­men er­grei­fen (vgl § 12 Abs 3). Al­ter­na­tiv hier­zu (vgl § 14) konn­te er in der Hand­lungs­form des öffent­lich-recht­li­chen Ver­tra­ges tätig wer­den und ua mit der "not­lei­den­den" Kran­ken­kas­se ei­ne Ver­ein­ba­rung zur Ab­wen­dung des Haf­tungs­ein­tritts tref­fen.
Die Art und Wei­se der Wahr­neh­mung der­ar­ti­ger (po­li­ti­scher) Hand­lungs­op­tio­nen ist von der kla­gen­den Kran­ken­kas­se, die nicht selbst zu den Ver­trags­part­nern gehört, als Tat­be­stand hin­zu­neh­men. Sol­che Maßnah­men sind als Zwi­schen­schritt auf dem Weg zur Fest­stel­lung bzw Sta­bi­li­sie­rung oder, so­weit noch möglich, Ver­min­de­rung des später um­zu­le­gen­den Pas­siv­vermögens zu ver­ste­hen. Ih­nen lie­gen re­gelmäßig ei­ner­seits be­triebs­wirt­schaft­li­che, an­de­rer­seits stra­te­gi­sche oder sons­ti­ge Zweckmäßig­keits­erwägun­gen zu­grun­de. Ob der Be­klag­te auf an­de­rem We­ge zu bes­se­ren oder sach­gemäßeren Lösun­gen im In­ter­es­se der Mit­glieds­kas­sen hätte ge­lan­gen können, ist der Be­ur­tei­lung des Se­nats ent­zo­gen. Dass der Be­klag­te zur Ab­wen­dung sei­nes Haf­tungs­ein­tritts über­haupt und darüber hin­aus im Verhält­nis zum BKK R. und der BKK D. alt Ver­pflich­tun­gen ein­ge­gan­gen ist und dass die­se in be­stimm­ter Wei­se aus­ge­stal­tet sind, ist des­halb ei­ne im vor­lie­gen­den Kon­text rechts­un­er­heb­li­che Tat­sa­che, die auf die Ent­schei­dung im Rechts­streit zwi­schen der kla­gen­den Um­la­ge­kas­se und dem be­klag­ten Lan­des­ver­band kei­nen Ein­fluss ha­ben kann. - 18 -
An die in­so­weit ge­trof­fe­nen Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen des LSG ist der Se­nat ge­bun­den (vgl § 163 SGG). Die­se sind von der Re­vi­si­on mit zulässi­gen und be­gründe­ten Ver­fah­rensrügen nicht an­ge­grif­fen wor­den. So­weit sie ei­ne Ver­let­zung des An­spruchs der Kläge­rin auf recht­li­ches Gehör gel­tend macht (da­zu oben aa), be­zie­hen sich die­se Rügen auf Tat­sa­chen, die im Sin­ne der obi­gen Dar­le­gun­gen al­le­samt rechts­un­er­heb­lich sind, und können schon aus die­sem Grun­de kei­nen Er­folg ha­ben. Der von der Re­vi­si­on an­ge­nom­me­ne Gehörver­s­toß liegt al­ler­dings auch des­halb nicht vor, weil die Fra­ge der aus­gleichsfähi­gen Kos­ten während des Ver­fah­rens wie­der­holt the­ma­ti­siert wor­den ist.
Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 197a Abs 1 SGG iVm § 154 Abs 1 Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung.
Die Streit­wert­fest­set­zung be­ruht auf § 197a Abs 1 Satz 1 Halb­satz 1 SGG iVm § 63 Abs 2 Satz 1, § 47 Abs 1, § 52 Abs 3 Ge­richts­kos­ten­ge­setz.	m.hensche.de
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