Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/gezahlte-gerichtskostenvorschuesse-im-kostenfestsetzungsverfahren-364142
Timestamp: 2020-07-03 13:45:19
Document Index: 229934663

Matched Legal Cases: ['§ 246', '§ 6', '§ 91', '§ 91', '§ 66', '§ 66', '§ 66', '§ 66', '§ 22', '§ 66', '§ 36', '§ 148', 'BGH', 'BGH', '§ 104', '§ 104', '§ 104', '§ 104', '§ 104', '§ 104', '§ 104', '§ 91', '§ 2', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Gezahlte Gerichtskostenvorschüsse im Kostenfestsetzungsverfahren | Rechtslupe
Sol­len im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren gegen­über dem Erstat­tungs­schuld­ner vom Erstat­tungs­gläu­bi­ger gezahl­te Gerichts­kos­ten­vor­schüs­se gel­tend gemacht wer­den, kann der Erstat­tungs­schuld­ner regel­mä­ßig ein­wen­den, dass die Gerichts­kos­ten nicht not­wen­dig waren, weil der sie betref­fen­de Kos­ten­an­satz über­höht ist, es sei denn, dass nur der Erstat­tungs­schuld­ner als allei­ni­ger Kos­ten­schuld­ner des Aus­gangs­rechts­streits den Kos­ten­an­satz über­prü­fen las­sen kann [1].
Meh­re­re Anfech­tungs- und Nich­tig­keits­kla­gen sind vor einer Ver­bin­dung der Pro­zes­se nach § 246 Abs. 3 Satz 6 AktG gebüh­ren­recht­lich selbst­stän­dig, mit der Fol­ge, dass die für das Ver­fah­ren im All­ge­mei­nen nach Nr. 1210 KV GKG zu erhe­ben­den Gerichts­kos­ten nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 GKG mit der Ein­rei­chung der jewei­li­gen Kla­ge anfal­len und die vor der Ver­bin­dung ent­stan­de­nen Gerichts­kos­ten auch nach der Pro­zess­ver­bin­dung bestehen blei­ben [2].
Sol­len im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren gegen­über dem Erstat­tungs­schuld­ner vom Erstat­tungs­gläu­bi­ger gezahl­te Gerichts­kos­ten­vor­schüs­se gel­tend gemacht wer­den, kann der Erstat­tungs­schuld­ner regel­mä­ßig ein­wen­den, dass die Gerichts­kos­ten nicht not­wen­dig (§ 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO) waren, weil der sie betref­fen­de Kos­ten­an­satz über­höht ist [3].
Das Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren ver­folgt das Ziel, die Kos­ten­grund­ent­schei­dung der Höhe nach zu bezif­fern [4]. Die Kos­ten­tra­gungs­pflicht des Unter­lie­gen­den erstreckt sich, wie sich aus § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO ergibt, nur auf die not­wen­di­gen Kos­ten der Rechts­ver­fol­gung. Jede Pro­zess­par­tei ist aus dem Pro­zess­rechts­ver­hält­nis her­aus ver­pflich­tet, die Kos­ten ihrer Pro­zess­füh­rung, die sie im Fal­le ihres Sie­ges vom Geg­ner erstat­tet ver­lan­gen will, so nied­rig zu hal­ten, wie sich dies mit der Wah­rung ihrer berech­tig­ten Belan­ge ver­ein­ba­ren lässt [5]. Von der obsie­gen­den Par­tei ver­aus­lag­te Gerichts­kos­ten sind danach vom Geg­ner nur in Höhe der im Gesetz vor­ge­se­he­nen Gebüh­ren erstat­tungs­fä­hig. Der obsie­gen­den Par­tei ist es zuzu­mu­ten, einen mit den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten nicht im Ein­klang ste­hen­den über­höh­ten Gerichts­kos­ten­an­satz im Wege der Erin­ne­rung nach § 66 Abs. 1 Satz 1 GKG kor­ri­gie­ren zu las­sen.
Die der Beklag­ten offen ste­hen­de Mög­lich­keit, ihrer­seits eine gericht­li­che Über­prü­fung des Kos­ten­an­sat­zes im Ver­fah­ren nach § 66 GKG her­bei­zu­füh­ren, führt nicht dazu, dass sie mit Ein­wen­dun­gen gegen den Kos­ten­an­satz im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen ist. Dass die Beklag­te die­se gericht­li­che Über­prü­fung tat­säch­lich in die Wege gelei­tet hat, führt zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung.
Der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 7. Sep­tem­ber 2011 [6] zu Unrecht, dass dem Erstat­tungs­schuld­ner Ein­wän­de gegen den Kos­ten­an­satz stets dann ver­wehrt sind, wenn er des­sen Über­prü­fung selbst im Ver­fah­ren nach § 66 GKG her­bei­füh­ren kann. Viel­mehr ist in die­ser Ent­schei­dung ein Vor­rang der Über­prü­fung im Ver­fah­ren nach § 66 GKG für den Fall ange­nom­men wor­den, dass nur der Erstat­tungs­schuld­ner als allei­ni­ger Kos­ten­schuld­ner des Aus­gangs­rechts­streits den Kos­ten­an­satz über­prü­fen las­sen kann [7]. Ein sol­cher Fall liegt hier nicht vor, weil die Klä­ger als Antrags­schuld­ner (§ 22 Abs. 1 Satz 1 GKG) eben­falls erin­ne­rungs­be­fugt sind.
Der nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen statt­haf­te Ein­wand kann der Beklag­ten ent­ge­gen der Sicht des Beschwer­de­ge­richts nicht unter Hin­weis auf die Gefahr wider­sprüch­li­cher Ent­schei­dun­gen im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren und im Kos­ten­an­satz­ver­fah­ren ver­wehrt wer­den.
Rich­tig ist im Aus­gangs­punkt, dass eine Ent­schei­dung in einem die­ser Ver­fah­ren Aus­wir­kun­gen auf das jeweils ande­re Ver­fah­ren hat [8]. Die Über­prü­fung des Kos­ten­an­sat­zes im Ver­fah­ren nach § 66 Abs. 1 Satz 1 GKG bie­tet der Beklag­ten aller­dings kei­ne gleich­wer­ti­ge Mög­lich­keit, eine Belas­tung mit den über­höh­ten Kos­ten abzu­wen­den, weil die Rück­zah­lung an den­je­ni­gen zu erfol­gen hät­te, der die Gerichts­kos­ten ein­ge­zahlt hat (vgl. § 36 Abs. 3 Satz 1 KostVfg) [9]. Das von der Beklag­ten ein­ge­lei­te­te Erin­ne­rungs­ver­fah­ren kann nur dazu füh­ren, dass die Beklag­te eine Rück­zah­lung in Höhe der ihr gegen­über ange­setz­ten Gerichts­kos­ten von 14.244 € erhält bzw. die ihr gegen­über erfolg­te Soll­stel­lung gelöscht wird. Nach Auf­fas­sung der Beklag­ten sind für das Ver­fah­ren ins­ge­samt nur Gerichts­kos­ten i.H.v. 6.618 € ange­fal­len. Allein die hier betrof­fe­nen Kos­ten­fest­set­zun­gen belas­ten die Beklag­te dem­ge­gen­über mit Gerichts­kos­ten in Höhe von 30.894 €. Eine wei­ter­ge­hen­de Kor­rek­tur des Kos­ten­an­sat­zes wür­de damit zu Rück­zah­lun­gen an die Klä­ger füh­ren, die die Gerichts­kos­ten ein­ge­zahlt haben. Blie­ben die Ein­wän­de der Beklag­ten unbe­rück­sich­tigt, wür­de dies mög­li­cher­wei­se dazu füh­ren, dass sie den Klä­gern über­höh­te Gerichts­kos­ten erstat­ten müss­te und nach erfolg­rei­cher Anfech­tung des Kos­ten­an­sat­zes gegen­über den Klä­gern mit ihrem Anspruch auf Teil­rück­er­stat­tung der Kos­ten aus­fie­le.
Die Gefahr wider­sprüch­li­cher Ent­schei­dun­gen kann zumin­dest dann, wenn wie hier der Erstat­tungs­schuld­ner die Über­prü­fung des Kos­ten­an­sat­zes in die Wege gelei­tet hat, auch dadurch ver­rin­gert wer­den, dass das Ver­fah­ren gem. § 148 ZPO bis zur Klä­rung der den Kos­ten­an­satz betref­fen­den Ein­wän­de aus­ge­setzt wird.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Mai 2013 – II ZB 12/​12
im Anschluss an BGH, Beschluss vom 07.09.2011 – VIII ZB 22/​10, NJW-RR 2012, 311[↩]
Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 08.02.2011 – II ZR 206/​08, ZIP 2011, 637[↩]
OLG Düs­sel­dorf, Rpfle­ger 1985, 255; OLG Koblenz, Rpfle­ger 1985, 333; OLG Dres­den, NJW-RR 2001, 861, 862; OLG Naum­burg, Jur­Bü­ro 2001, 374; OLG Cel­le, AGS 2010, 359; Bork in Stein/​Jonas, ZPO, 22. Aufl., § 104 Rn. 10; Zöller/​Herget, ZPO, 29. Aufl., § 104 Rn. 21 Stich­wort Erfül­lung; Hüß­te­ge in Thomas/​Putzo, ZPO, 34. Aufl., § 104 Rn. 8; Jas­per­sen in Beck­OK, ZPO, Stand 15.01.2013, § 104 Rn.19 f.; Lack­mann in Musielak, ZPO, 10. Aufl., § 104 Rn. 7; K. Schmidt in Prütting/​Gehrlein, ZPO, 4. Aufl., § 104 Rn. 12; Münch­Komm-ZPO/­Schulz, 4. Aufl., § 104 Rn. 32, § 91 Rn. 54; Dorn­dör­fer in von Eicken/​Hellstab/​Lappe/​Madert/​Dorndörfer, Die Kos­ten­fest­set­zung, 21. Aufl., Rn. B 88; aA OLG Mün­chen, AnwBl 1990, 396, 397; OLG Schles­wig, SchlHA 1995, 301, 302; für den Ein­wand der Kos­ten­be­frei­ung nach § 2 Abs. 5 GKG: BGH, Beschluss vom 18.12.2003 – VIII ZB 97/​02, NJW 2003, 1322, 1324[↩]
BGH, Beschluss vom 09.12.2009 – XII ZB 79/​06, NJW-RR 2010, 718, 719; Beschluss vom 07.09.2011 – VIII ZB 22/​10, NJW-RR 2012, 311 Rn. 8[↩]
BGH, Beschluss vom 02.05.2007 – XII ZB 156/​06, NJW 2007, 2257 Rn. 12[↩]
BGH, Beschluss vom 07.09.2011 – VIII ZB 22/​10, NJW-RR 2012, 311[↩]
BGH, Beschluss vom 07.09.2011 – VIII ZB 22/​10, NJW-RR 2012, 311 Rn. 8[↩]
vgl. OLG Karls­ru­he Jur­Bü­ro 2001, 315; OLG Naum­burg, Jur­Bü­ro 2001, 374[↩]
BGH, Urteil vom 25.10.1983 VI ZR 249/​81, NJW 1984, 870, 871; OLG Mün­chen, AnwBl 1990, 396, 397; OLG Dres­den, NJW-RR 2001, 861, 862; Han­sens, RVGRe­port 2011, 471, 472[↩]
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