Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=WM%201988,%201454
Timestamp: 2019-10-23 22:48:01
Document Index: 211223216

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 249', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 17', '§ 17', '§ 19', 'BGH', 'BGH', '§ 287', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 16.06.1988 - IX ZR 69/87 - dejure.org
https://dejure.org/1988,393
BGH, 16.06.1988 - IX ZR 69/87 (https://dejure.org/1988,393)
BGH, Entscheidung vom 16.06.1988 - IX ZR 69/87 (https://dejure.org/1988,393)
BGH, Entscheidung vom 16. Juni 1988 - IX ZR 69/87 (https://dejure.org/1988,393)
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Amtspflichtverletzung eines Notars - Schadensersatz weben Amtspflichtverletzung - Unwirksamkeit wegen unzureichender Beurkundung - Hypothetisches rechtmäßiges Alternativverhalten - Formpflicht des Kaufvertrages
NJW-RR 1988, 1367
MDR 1988, 959
DNotZ 1989, 48
WM 1988, 1454
AnwBl 1988, 585
Entgegen der in der mündlichen Verhandlung vor dem Senat geäußerten Ansicht des Klägers und Revisionsbeklagten geht es insoweit jedoch nicht um die Fragen des rechtmäßigen Alternativverhaltens und der hypothetischen Kausalität, sondern allein um die Anspruchsvoraussetzung der Kausalität der unterlassenen Nachfrage für den entstandenen Schaden (…vgl. G. Fischer, aaO Rn. 1098; BGH, Urteil vom 16. Juni 1988 - IX ZR 69/87, WM 1988, 1454, 1156 f zur Notarhaftung; vom 2. Juli 1992 - IX ZR 256/91, WM 1992, 2020, 2022 zur Anwaltshaftung).
a) aa) Was die haftungsausfüllende Kausalität zwischen der Amtspflichtverletzung und den geltend gemachten Schäden angeht, soweit sie nicht schon nach dem Vorstehenden als nicht ersatzfähig auszuscheiden sind, gilt folgendes: Das Berufungsgericht verweist auf den an sich anerkannten Grundsatz, daß es darauf ankommt, welchen Verlauf die Dinge bei pflichtgemäßem Verhalten des Amtsträgers genommen hätten und wie dann die Vermögenslage des Betroffenen wäre (…Kreft aaO. Rn. 302 m.w.N.; vgl. etwa BGH, Urteile vom 16. Juni 1988 - IX ZR 69/87 - NJW-RR 1988, 1367 und vom 11. Juli 1996 - IX ZR 116/95 - NJW 1996, 3343, 3344).
Hiervon ausgehend könnte die vom Berufungsgericht angesprochene, jedoch offengelassene Frage, welche (anderen) Maßnahmen die Genehmigungsbehörde (außer, daß die rechtswidrige l. TG [alt] vom 9. Januar 1974 nicht erteilt worden wäre) bei pflichtgemäßem Verhalten getroffen hätte und wie sich dann die Vermögenslage der Klägerin im Blick auf die Investitionen für das Kernkraftwerk darstellte, nur unter dem Gesichtspunkt des Einwandes hypothetischer Schadensursachen, etwa eines sog. rechtmäßigen Alternativverhaltens (vgl. BGH, Urteil vom 16. Juni 1988 aaO. - in Abgrenzung zur eigentlichen Kausalität;… weitere Übersicht bei Palandt/Heinrichs aaO. Vorbem. vor § 249 Rn. 96 ff, 105 ff), von Bedeutung sein (dazu auch unten cc).
Dies könnte unter dem rechtlichen Gesichtspunkt eines rechtmäßigen Alternativverhaltens von Bedeutung sein (vgl. dazu BGH, Urteil vom 16. Juni 1988 - IX ZR 69/87 - NJW-RR 1988, 1367).
Er ist nur eine allgemeine Richtlinie für die rechtliche Beurteilung des im Einzelfall gegebenen Sachverhalts und deshalb unanwendbar, wenn ein Kollegialgericht in entscheidenden Punkten von einem unrichtigen Sachverhalt ausgegangen ist oder diesen nicht erschöpfend gewürdigt hat (…BGH, Urt. v. 29. Oktober 1987 aaO S. 340; Urt. v. 16. Juni 1988 aaO S. 1641).
Zur Beantwortung der Frage, welcher Schaden durch eine Amtspflichtverletzung herbeigeführt wurde, ist zu prüfen, welchen Verlauf die Dinge bei pflichtgemäßem Verhalten genommen hätten und wie die Vermögenslage des Betroffenen sein würde, wenn der Notar die Pflichtverletzung nicht begangen, sondern pflichtgemäß gehandelt hätte (BGH, Urt. v. 16. Juni 1988 - IX ZR 69/87, WM 1988, 1454, 1457;… Urt. v. 21. März 1989 - IX ZR 155/88, WM 1989, 822;… Urt. v. 8. Februar 1990 - IX ZR 63/89, WM 1990, 940).
Da es vorliegend im Kern um den Vorwurf eines unzureichenden Hinwirkens des Beklagten auf eine Einhaltung der Frist des § 17 Abs. 2a S. 2 Nr. 2 BeurkG geht, kommt es für die Feststellung der (natürlichen) Kausalität darauf an, wie sich die Kläger bei pflichtgemäßem Verhalten des Beklagten und damit dann verhalten hätten, wenn der Beklagte sie nicht nur eindringlich über die Risiken eines sofortigen Vertragsschlusses und dessen wirtschaftliche Tragweite, sondern zudem auch über Sinn und Zweck der Frist des § 17 Abs. 2a S. 2 Nr. 2 BeurkG belehrt und zu ihren Beweggründen für einen sofortigen Vertragsschluss befragt hätte (…vgl. insoweit Sandkühler, aa0. § 19 Rz. 137 ff, 139; Wöstmann in: Ganter/Hertel/Wöstmann, Handbuch der Notarhaftung, 2. Aufl. Rz. 2147 a.E. unter Hinweis auf BGH DNotZ 1989, 48 ff, 51 f; DNotZ 2004, 849 ), Den Ursachen- und Zurechnungszusammenhang zwischen Amtspflichtverletzung des Notars und eingetretenem Schaden hat dabei grundsätzlich der Geschädigte darzulegen und zu beweisen (… Wöstmann, aaO. Rn. 2146; BGH Urteil vom 10.07.2008 -III ZR 292/07- ZNotP 2008, 419 = NJW-RR 2009, 199 f; Tz. 14 bei juris; Senat Beschluss vom 14.08.2006 -11 W 5/06- ), dem allerdings mit Rücksicht darauf, dass die erforderliche Feststellung dieses Ursachenzusammenhangs zur haftungsausfüllenden Kausalität gehört, die Beweiserleichterung des § 287 Abs. 1 ZPO zugutekommt ( BGH NJW 2004, 444 unter Hinweis auf BGH NJW 2000, 2814 = WM 2000, 1351 f, 1352; BGH NJW 1986, 1329 ff, 1331; BGH NJW-RR 1992, 1178; NJW 1996, 312; BGH NJW-RR 1996, 781 = WM 1996, 1333 f ).
Hat der Notar eine gebotene Belehrung unterlassen, so ist zu fragen, wie die Dinge bei pflichtgemäßem positiven Handeln des Notars gelaufen wären (BGH, Urt. v. 16. Juni 1988 - IX ZR 69/87, WM 1988, 1454, 1457; v. 2. November 1989 - IX ZR 15/89, WM 1990, 157, 160).
b) Zur Beantwortung der Frage, welchen Schaden eine Amtspflichtverletzung zur Folge hat, ist zu prüfen, welchen Verlauf die Dinge bei pflichtgemäßem Verhalten genommen hätten und wie die Vermögenslage des Betroffenen sein würde, wenn der Notar die Pflichtverletzung nicht begangen, sondern pflichtgemäß gehandelt hätte (BGHZ 96, 157, 171; BGH, Urt. v. 16. Juni 1988 - IX ZR 69/87, WM 1988, 1454, 1457; v. 8. Februar 1990 - IX ZR 63/89, WM 1990, 940, 942; v. 4. Juni 1992 - IX ZR 58/91IX ZR 58/91, WM 1992, 1497, 1500; st. Rspr.).
Damit sind Fälle umschrieben, in denen der durch die Pflichtverletzung verursachte Schaden auch dann eingetreten wäre, wenn der Schädiger eine andere, selbständige, von der verletzten verschiedene Pflicht erfüllt, sich also sonst rechtmäßig verhalten hätte (…BGH, Urt. v. 19. September 1985 - IX ZR 138/84, NJW 1986, 246, 247; v. 16. Juni 1988 - IX ZR 69/87, WM 1988, 1454, 1456).