Source: https://www.haufe.de/steuern/steuer-office-gold/littmannbitzpust-das-einkommensteuerrecht-estg-32-a-allgemeines_idesk_PI16039_HI7943176.html
Timestamp: 2020-06-05 22:52:40
Document Index: 189511674

Matched Legal Cases: ['§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32']

Littmann/Bitz/Pust, Das Einkommensteuerrecht, EStG § 32 ... / A. Allgemeines | Steuer Office Gold | Steuern | Haufe
Rn. 1000
Stand: EL 137 – ET: 08/2019
Bis einschließlich des VZ 2011 bestimmte § 32 Abs 4 S 2 EStG aF, dass ein Kind nach § 32 Abs 4 S 1 Nr 1 u 2 EStG nur dann berücksichtigt wird, wenn es Einkünfte u Bezüge, die zur Bestreitung des Unterhalts o der Berufsausbildung bestimmt u geeignet sind, von nicht mehr als 8 004 EUR (bis zum VZ 2009: 7 680 EUR) im Kj hat.
Rn. 1001
Beim Jahresgrenzbetrag handelt es sich um eine Freigrenze, BFH v 21.07.2000, VI R 153/99, BStBl II 2000, 566. Die Ausgestaltung als Freigrenze ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, BFH v 10.08.2007, III B 96/06, BFH/NV 2007, 2274; die vom FG Nds EFG v 23.02.2006, 1 K 76/04, 2006, 1592 dagegen erhobenen Bedenken greifen nicht durch. Dies hat zur Folge, dass bei einem, wenn auch nur geringfügigen, Überschreiten des Grenzbetrages das Kindergeld sowie die Freibeträge nach § 32 Abs 6 S 1 EStG (Kinderfreibetrag u Freibetrag für den Betreuungs- u Erziehungs- o Ausbildungsbedarf) u die daran anknüpfenden weiteren Ermäßigungen entfallen; vgl BVerfG v 27.10.2010, 2 BvR 2122/09, BFH/NV 2010; 1994; Selder in Blümich, § 32 EStG Rz 90 (Juli 2016).
Rn. 1002
Hinsichtlich der Höhe des Jahresgrenzbetrages, vgl BFH v 17.06.2010, III R 34/09, BStBl II 2010, 982, hat sich der Gesetzgeber am steuerfreien Existenzminimum eines Erwachsenen orientiert; der Jahresgrenzbetrag sollte jeweils entsprechend dem Grundfreibetrag angehoben werden, BT-Drucks 13/1558, 139, 155; Nolde, FR 2000, 187. Gegen die Höhe des Jahresgrenzbetrages bestehen nach BFH v 21.07.2000, VI R 153/99, BStBl II 2000, 566 keine verfassungsrechtlichen Bedenken. Das BVerfG (Beschluss des BVerfG v 11.01.2005, 2 BvR 167/02, BFH/NV 2005 Beil 3, 260) hat die Frage, ob die Höhe der Freigrenze von Verfassungs wegen am Existenzminimum eines Alleinstehenden zu orientieren o in Anlehnung an das niedrigere Kinderexistenzminimum zu bestimmen ist, offen gelassen. Mangels Entscheidungserheblichkeit hatte das BVerfG auch nicht die Frage zu entscheiden, ob die Ausgestaltung des § 32 Abs 4 S 2 EStG aF als Freigrenze ohne Übergangs- o Härtefallregelung verfassungswidrig ist, BVerfG v 11.01.2005, 2 BvR 167/02, BFH/NV 2005 Beil 3, 260, 266.
Rn. 1003
Einkünfte u Bezüge sind deshalb zu unterscheiden, weil das Erfordernis der Eignung u Bestimmung zum Unterhalt sich grds nur auf die Bezüge bezieht; Selder in Blümich, § 32 EStG Rz 94 (Juli 2016); zu Ausnahmen s Rn 1009.
Rn. 1004
Unterhaltsleistungen des verheirateten Kindes an seinen Ehepartner sind iRd Ermittlung der Einkünfte u Bezüge des Kindes iSd § 32 Abs 4 S 2 EStG nicht Einkünfte mindernd zu berücksichtigen, BFH v 07.04.2011, III R 72/07, BStBl II 2011, 974. Von den Einkünften u Bezügen iSd § 32 Abs 4 S 2 EStG eines Kindes, das selbst ein eigenes Kind hat, ist dessen Unterhaltsverpflichtung für das eigene Kind nicht Einkünfte mindernd abzuziehen, BFH v 09.02.2012, III R 73/09, BStBl II 2012, 463; BFH v 24.01.2013, V R 42/11, BFH/NV 2013, 918; BFH v 24.07.2013, XI R 16/12, BFH/NV 2014, 25.
IRd Berechnung des Jahresgrenzbetrags nach § 32 Abs 4 S 2 EStG war der Unterhaltsbedarf des Enkels des StPfl typisierend im VZ 2004 mit einem Betrag von 3 960 EUR anzusetzen. Dieser Betrag ergibt sich aus der Differenz des in § 32 Abs 6 EStG geregelten Betrags von 5 808 EUR für das Kinderexistenzminimum (Kinderfreibetrag von 3 648 EUR; Freibetrag für den Betreuungs- u Erziehungs- o Ausbildungsbedarf von 2 160 EUR) und dem für den Enkel des StPfl gezahlten Kindergeld von 1 848 EUR (vgl dazu FG D'dorf v 14.06.2007, 14 K 2833/06 Kg, EFG 2007, 1887). Dieser Betrag ist typisierend hälftig den Eltern zuzuordnen, BFH v 04.08.2011, III R 48/08, BStBl II 2011, 975; vgl Kanzler FR 2011, 48.
Rn. 1005–1008