Source: https://www.rechtsbote.de/der-verkehrsunfall-und-die-anwaltskosten-61666?pk_campaign=feed&pk_kwd=der-verkehrsunfall-und-die-anwaltskosten
Timestamp: 2020-08-15 14:18:19
Document Index: 67313

Matched Legal Cases: ['§ 287', '§ 287', '§ 249', 'BGH', 'BGH', '§ 249', '§ 249']

Mit dem Anspruch auf Ersatz vor­ge­richt­li­cher Rechts­an­walts­kos­ten bei einem Ver­kehrs­un­fall hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:
Mit der Kla­ge wur­den u.a. außer­ge­richt­li­che Rechts­an­walts­kos­ten in Höhe von 281, 30 € aus einem Gesamt­scha­den von 2.066, 26 € gel­tend gemacht, in dem neben den Repa­ra­tur­kos­ten in Höhe von 1.443, 78 € auch Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten, eine Aus­la­gen­pau­scha­le und Scha­dens­er­satz wegen Wert­min­de­rung ent­hal­ten sind. Deren Ersatz hat die Beklag­te mit der Begrün­dung ver­wei­gert, es hand­le sich um einen ein­fach gela­ger­ten Scha­dens­fall und die Klä­ge­rin, eine inn­ter­na­tio­na­le Auto­ver­mie­tung, sei hin­rei­chend geschäft­lich gewandt, die Ansprü­che selbst gel­tend zu machen. Allen­falls schul­de die Beklag­te außer­ge­richt­li­che Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten aus dem nicht regu­lier­ten Dif­fe­renz­be­trag.
Die Bemes­sung der Höhe des Scha­dens­er­satz­an­spruchs ist in ers­ter Linie Sache des dabei nach § 287 ZPO beson­ders frei­ge­stell­ten Tatrich­ters und revi­si­ons­recht­lich ledig­lich dar­auf­hin über­prüf­bar, ob der Tatrich­ter Rechts­grund­sät­ze der Scha­dens­be­mes­sung ver­kannt, wesent­li­che Bemes­sungs­fak­to­ren außer Acht gelas­sen oder sei­ner Schät­zung unrich­ti­ge Maß­stä­be zugrun­de gelegt hat 4. Die Beur­tei­lung des Beru­fungs­ge­richts, dass die Klä­ge­rin einen Anspruch auf Ersatz vor­ge­richt­li­cher Rechts­an­walts­kos­ten hat, hält der im Rah­men des § 287 ZPO ein­ge­schränk­ten revi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung stand.
Der dem Geschä­dig­ten zuste­hen­de Scha­dens­er­satz­an­spruch umfasst grund­sätz­lich auch den Ersatz der durch das Scha­dens­er­eig­nis erfor­der­lich gewor­de­nen Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten, § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 5 hat der Schä­di­ger aller­dings nicht schlecht­hin alle durch das Scha­dens­er­eig­nis adäquat ver­ur­sach­ten Rechts­an­walts­kos­ten zu erset­zen, son­dern nur sol­che, die aus Sicht des Geschä­dig­ten zur Wahr­neh­mung sei­ner Rech­te erfor­der­lich und zweck­mä­ßig waren. Auch dabei ist gemäß dem Grund­satz der sub­jekt­be­zo­ge­nen Scha­dens­be­trach­tung Rück­sicht auf die spe­zi­el­le Situa­ti­on des Geschä­dig­ten zu neh­men 6.
Im hier ent­schie­de­nen Fall hat die Klä­ge­rin Rechts­an­walts­kos­ten aus einem Gesamt­scha­dens­be­trag gel­tend gemacht, der neben den fik­ti­ven Repa­ra­tur­kos­ten eine Wert­min­de­rung, Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten und eine Aus­la­gen­pau­scha­le erfass­te. Es ist schon mit Blick auf die von der Beklag­ten dann tat­säch­lich ange­grif­fe­ne Abrech­nung der fik­ti­ven Repa­ra­tur­kos­ten, aber zum Bei­spiel auch auf die Posi­ti­on der Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten, deren Ersatz­fä­hig­keit dem Umfang nach gerichts­be­kannt häu­fig höchst umstrit­ten ist, revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass das Beru­fungs­ge­richt von einem nicht ein­fach gela­ger­ten Fall aus­ge­gan­gen ist. Dann aber durf­te nach den oben dar­ge­leg­ten Grund­sät­zen auch die Klä­ge­rin als gro­ßes Miet­wa­gen­un­ter­neh­men unge­ach­tet ihrer Geschäfts­ge­wandt­heit die Ein­schal­tung eines Rechts­an­walts bereits für die erst­ma­li­ge Gel­tend­ma­chung ihres Scha­dens­er­satz­an­spruchs für erfor­der­lich hal­ten. Sie muss­te ins­be­son­de­re mit der Beauf­tra­gung nicht erst ein­mal abwar­ten, wie der Haft­pflicht­ver­si­che­rer auf die Gel­tend­ma­chung des Anspruchs reagiert 18.
Dem Anspruch des Geschä­dig­ten auf Ersatz vor­ge­richt­li­cher Rechts­an­walts­kos­ten ist im Ver­hält­nis zum Schä­di­ger grund­sätz­lich der Gegen­stands­wert zugrun­de zu legen, der der berech­tig­ten Scha­dens­er­satz­for­de­rung ent­spricht. Abzu­stel­len ist dabei auf die letzt­lich fest­ge­stell­te oder unstrei­tig gewor­de­ne Scha­dens­hö­he 19. Nach die­sen Grund­sät­zen wird das Beru­fungs­ge­richt mit der erneu­ten Ent­schei­dung über den Umfang der zu erset­zen­den fik­ti­ven Repa­ra­tur­kos­ten die Höhe der zu erset­zen­den Rechts­an­walts­kos­ten fest­zu­stel­len haben.
vgl. BGH, Urteil vom 01.06.1959 – III ZR 49/​58, BGHZ 30, 154, 157 f.; Hune­cke, NJW 2015, 3745, 3746[↩]
z.B. Zoll in Wus­sow, Unfall­haft­pflicht­recht, 16. Aufl., Kap. 41 Rn. 132; Kuh­nert in Haus/​Krumm/​Quarch, Gesam­tes Ver­kehrs­recht, 2. Aufl., § 249 BGB Rn.207 für Rechts­un­kun­di­ge; Hune­cke, NJW 2015, 3745, 3747; Wag­ner, NJW 2006, 3244, 3245 f., 3248; Freymann/​Rüßmann in Freymann/​Wellner, juris­PK-Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 1. Aufl., § 249 Rn. 234; Schnei­der in Berz/​Burmann, Hand­buch des Stra­ßen­ver­kehrs­rechts, 39. EL, 5. C. Rn. 82; a.A. z.B. Böhm/​Lennartz, MDR 2013, 313[↩]
ent­ge­gen Nugel, juris­PR­Ver­kR 24/​2008 Anm. 5 sub D. 2[↩]