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Timestamp: 2020-08-05 11:37:25
Document Index: 199612582

Matched Legal Cases: ['§ 286', '§ 286', '§ 115', '§ 286', '§ 286', '§ 286', '§ 286']

OLG Frankfurt am Main, 06.02.2018 – 22 W 2/18 › Krau Rechtsanwälte
OLG Frankfurt am Main, 06.02.2018 – 22 W 2/18
Die Frage, wann sich die Versicherung mit der Zahlung in Verzug befindet, richtet sich nach § 286 BGB. § 286 I 1 BGB regelt: “Leistet der Schuldner auf eine Mahnung des Gläubigers nicht, die nach dem Eintritt der Fälligkeit erfolgt, so kommt er durch die Mahnung in Verzug.” Schuldner ist aufgrund des Direktanspruches nach § 115 VVG neben dem Schädiger auch die Versicherung.
Durch eine Schadensaufstellung mit der Aufforderung, den bezifferten Schaden bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu zahlen, gerät die Versicherung nach Ablauf der gesetzten Frist allerdings – unabhängig von deren Länge – nicht automatisch in Verzug. Die bloße Aufforderung, die Ansprüche bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu regulieren, stellt keine Mahnung im Sinne des § 286 Abs. 1 BGB dar, sondern begründet zunächst nur die Fälligkeit der Forderung. Es wird durch eine Fristsetzung im Anspruchsschreiben keine Leistungszeit im Sinn des § 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB bestimmt. Eine Leistung, für die eine “Zeit nach dem Kalender bestimmt ist”, kann nur durch eine entsprechende Vereinbarung und nicht durch eine einseitige Bestimmung durch den Gläubiger, also auch nicht durch eine Fristsetzung im Anspruchsschreiben, erfolgen.
Ein “automatischer” Verzugseintritt gem. § 286 Abs. 3 BGB greift gegenüber der Haftpflichtversicherung nicht, da keine Entgeltforderung vorliegt und Schadensersatzansprüche durch § 286 Abs. 3 BGB gerade nicht erfasst werden.
3 Wochen: OLG Düsseldorf 27.6.07 – 1 W 23/07 – NZV 08, 151; OLG Saarbrücken MDR 2007, 1190 [OLG Saarbrücken 27.02.2007 – 4 U 470/06]; OLG Düsseldorf NJW-RR 2008, 114 [OLG Düsseldorf 27.06.2007 – I-1 W 23/07]; LG München I zfs 1984, 367: mindestens 12-15 Arbeitstage)
4 Wochen: KG 30.6.08 – 22 U 13/08 – NJW 08, 2656; OLG München 29.7.10 – 10 W 1789/10 -; LG München I VersR 1973, 871; LG Düsseldorf VersR 1981, 582 [583]; LG Bielefeld zfs 1988, 282; i. Erg. auch OLG München [24. ZS] VersR 1979, 479 [OLG München 27.11.1978 – 24 W 191/78], etwa 1 Monat OLG Frankfurt a.M. OLGR 1996, 77;
4-6 Wochen: OLG Stuttgart 26.4.10 – 3 W 15/10 -; 21.4.10 – 3 U 218/09 -; 18.9.13 – 3 W 46/13 -; OLG Koblenz 20.4.11 – 12 W 195/11 -; LG Köln 23.9.11 – 2 O 203/11 -; OLG Köln 31.1.12 – 24 W 69/11 -; OLG Frankfurt 2.12.2014 – 7 W 64/14 -; LG Koblenz 25.4.2016 – 5 O 72/16 -; OLG Rostock OLG-NL 2001, 92; KG VersR 2009, 1262 [KG Berlin 30.03.2009 – 22 W 12/09]; OLG Dresden, 29.06.2009 – 7 U 499/09; OLG Saarbrücken, 09.02.2010 – 4 W 26/10;
Nach Ansicht des Senats ist davon auszugehen, dass die Dauer der Prüffrist von der Lage des Einzelfalls abhängig ist, in der Regel aber maximal 4 Wochen beträgt (vgl. in dieser Richtung OLG München [24. ZS] VersR 1979, 479 [OLG München 27.11.1978 – 24 W 191/78]; 21.06.2010 – 10 U 5028/09). Dabei ist auch der technische Fortschritt in der Schadensbearbeitung zu berücksichtigen, weshalb auch deutlich kürzere Fristen zu erwägen sind (vgl. OLG Saarbrücken MDR 2007, 1190 [OLG Saarbrücken 27.02.2007 – 4 U 470/06]; OLG Düsseldorf NJW-RR 2008, 114 [OLG Düsseldorf 27.06.2007 – I-1 W 23/07]). Der Fall, der der Entscheidung des OLG Frankfurt vom 2.12.2014 – 7 W 64/14 – zugrunde lag, ist mit dem vorliegenden nicht vergleichbar.
OLG Frankfurt am Main, 07.02.2018 – 11 U 153/17 OLG Frankfurt am Main, 05.02.2018 – 3 U 68/17