Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%2056/82
Timestamp: 2019-10-22 10:10:07
Document Index: 373568161

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', 'BGH', '§ 823', 'BGH', 'BGH', '§ 823', '§ 249', '§ 249', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 31.01.1984 - VI ZR 56/82 - dejure.org
https://dejure.org/1984,1260
BGH, 31.01.1984 - VI ZR 56/82 (https://dejure.org/1984,1260)
BGH, Entscheidung vom 31.01.1984 - VI ZR 56/82 (https://dejure.org/1984,1260)
BGH, Entscheidung vom 31. Januar 1984 - VI ZR 56/82 (https://dejure.org/1984,1260)
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Zur Verschlimmerung der Alkoholabhängigkeit als Gesundheitsbeschädigung
Unfallverursacher - Alkoholismus - Unfalltod - Wiederherstellung
NJW 1984, 1405
VersR 1984, 139
VersR 1984, 439
Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats können psychische Beeinträchtigungen wie Trauer und Schmerz beim Tod oder bei schweren Verletzungen naher Angehöriger, mögen sie auch für die körperliche Befindlichkeit medizinisch relevant sein, nur dann als Gesundheitsbeschädigung im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB angesehen werden, wenn sie pathologisch fassbar sind und über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen hinausgehen, denen Hinterbliebene bei der Benachrichtigung von dem Unfall eines nahen Angehörigen oder dem Miterleben eines solchen Unfalls erfahrungsgemäß ausgesetzt sind (vgl. Senatsurteile vom 13. Januar 1976 - VI ZR 58/74, VersR 1976, 539, 540; vom 31. Januar 1984 - VI ZR 56/82, VersR 1984, 439; vom 4. April 1989 - VI ZR 97/88, VersR 1989, 853, 854; vom 6. Februar 2007 - VI ZR 55/06, VersR 2007, 803 Rn. 6, 10; vom 20. März 2012 - VI ZR 114/11, VersR 2012, 634 Rn. 8 und vom 27. Januar 2015 - VI ZR 548/12, zVb; ablehnend: Staudinger/Schiemann, BGB, Neubearb.
Aus diesem Grund hat der erkennende Senat seit seiner Entscheidung in BGHZ 56, 163 in derartigen Fällen eine Ersatzpflicht für solche psychisch vermittelten Beeinträchtigungen nur dort bejaht, wo es zu gewichtigen psychopathologischen Ausfällen von einiger Dauer kommt, die diese auch sonst nicht leichten Nachteile eines schmerzlich empfundenen Trauerfalls für das gesundheitliche Allgemeinbefinden erheblich übersteigen und die deshalb "auch nach der allgemeinen Verkehrsauffassung als Verletzung des Körpers oder der Gesundheit betrachtet werden" (vgl. auch Senatsurteil vom 31. Januar 1984 aaO; Dunz VersR 1986, 448).
An dieser Rechtsprechung, nach der nur solche psychischen Beeinträchtigungen eine Gesundheitsbeschädigung i.S. des § 823 Abs. 1 ausmachen, die pathologisch faßbar und deshalb nach der allgemeinen Verkehrsauffassung als Verletzung des Körpers oder der Gesundheit angesehen werden (vgl. auch Senatsurteile vom 31. Januar 1984 a.a.O. …und vom 12. November 1985 aaO), hält der Senat fest.
Schließlich beschränkt sich die Ersatzpflicht immer auf die nächsten Angehörigen, namentlich also die Eltern der Unfallopfer (…BGHZ 56, S. 163 = NJW 1971, S. 1883 ; BGH, LM Nr. 66 zu § 823 (A a) BGB = NJW 1984, S. 1405 ;… Deutsch, JuS 1969, S. 197, 199 ff;… Deubner, JuS 1971, S. 622 ;… Geigel/Kolb, Der Haftpflichtprozeß, 21. Aufl. 1993, S. 145 ff;… Odersky, Schmerzensgeld bei Tötung naher Angehöriger, 1989, S. 16 ff;… Palandt/Heinrich, BGB , 54. Aufl. 1995, Vorbem. 71 vor § 249 ;… Slizyk, Beck'sche Schmerzensgeldtabelle, 2. Aufl. 1994, S. 28 ff;… Staudinger/Medicus, BGB , 12. Aufl. 1983, § 249 Rdnrn. 58 ff.).
In der Rechtsprechung ist seit langem anerkannt (vgl. z Bsp. BGHZ 56, 163 ff = NJW 1971, 1883= VersR 1971, 905(906.; BGH NJW 1984, 1405 = VersR 1984, 439; BGH NJW 1986, 777; BGH NJW 1989, 2317), dass eine Gesundheitsbeschädigung i. S. des § 823 Abs. 1 BGB nicht nur bei physischer Einwirkung auf den Körper vorliegt, sondern auch psychisch vermittelt werden kann.
Insoweit hat die höchstrichterliche Rechtsprechung (vgl. dazu: BGHZ 56, 163 ff = NJW 1971, 1883 = VersR 1971, 905(906); BGH NJW 1984, 1405; BGH NJW 1989, 2317(2318) in derartigen Fällen eine Ersatzpflicht für solche psychisch vermittelten Beeinträchtigungen nur dort bejaht, wo es zu gewichtigen psychopathologischen Ausfällen von einiger Dauer kommt, die diese auch sonst nicht leichten Nachteile eines schmerzlich empfundenen Trauerfalls oder eines schweren Schicksalsschlages für das gesundheitliche Allgemeinbefinden erheblich übersteigen und die deshalb "auch nach der allgemeinen Verkehrsauffassung als Verletzung des Körpers oder der Gesundheit betrachtet werden".
Erforderlich ist vielmehr, daß auch aus medizinischer Sicht eine nachhaltige traumatische Schädigung verursacht ist, die zudem aus juristischer Sicht dasjenige übersteigt, worin sich das normale Lebensrisiko der menschlichen Teilnahme an den Ereignissen der Umwelt verwirklicht (vgl. BGH NJW 89, 2317; 84, 1405; 71, 1883; Senat r + s 97, 246, 247 = VersR 98, 730; KG VM 99, 11 = VersR 99, 504; OLG Nürnberg NJW 98, 2293; r + s 95, 384; OLG Düsseldorf NJW-RR 95, 159; OLG Köln VersR 89, 519; OLG Stuttgar NJW-RR 89, 477; OLG Koblenz OLG R 2001, 9, 10; 2001, 50, 52).