Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NStZ%202003,%20604
Timestamp: 2019-10-19 20:55:57
Document Index: 222828692

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 239', '§ 249', '§ 255', '§ 15', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 239', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 239', 'BGH']

BGH, 05.03.2003 - 2 StR 494/02 - dejure.org
https://dejure.org/2003,3973
BGH, 05.03.2003 - 2 StR 494/02 (https://dejure.org/2003,3973)
BGH, Entscheidung vom 05.03.2003 - 2 StR 494/02 (https://dejure.org/2003,3973)
BGH, Entscheidung vom 05. März 2003 - 2 StR 494/02 (https://dejure.org/2003,3973)
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§ 239 a StGB; § 249 StGB; § 255 StGB
Erpresserischer Menschenraub; Sichbemächtigen; Bemächtigungslage; Stabilisierung; funktionaler Zusammenhang; räuberische Erpressung; Raub
Schwere räuberische Erpressung und erpresserischer Menschenraub; Eingeschränkte Schutzmöglichkeiten und Verteidigungsmöglichkeiten bei Vorhalten eines Messers; Erlangung der physischen Herrschaft über einen anderen; Verhältnis von "Entführen" und "sich bemächtigen"; ...
Das Merkmal ist auch dann erfüllt, wenn dem Täter der Tod des Opfers an sich höchst unerwünscht ist, er aber gleichwohl handelt, um das von ihm angestrebte und höher bewertete Ziel - hier: das Leben der eigenen Patienten - zu erreichen (…Fischer, StGB 60. Aufl. Rdnr. 9b zu § 15 mit zahlreichen w. Nachw.), er sich also um des erstrebten eigenen Zieles willen mit der eigentlich unerwünschten Folge abfindet (BGH, NStZ 2003, 604).
Bei diesem Ablauf liegt es nahe, dass die Angeklagten bereits eine stabile Bemächtigungslage geschaffen hatten, der die vom Tatbestand geforderte eigenständige Bedeutung zukommt, und sie dies auch erreichen wollten, die Tat also in der Absicht begingen, die Sorge des Nebenklägers um sein Wohl zu einer Erpressung (oder zu einem Raub, vgl. BGH NStZ 2003, 604) auszunutzen.
Raub ist dabei ein speziellerer Tatbestand als (räuberische) Erpressung, der auch die Möglichkeit eines hierauf bezogenen erpresserischen Menschenraubs eröffnet (vgl. Senat, Urteil vom 5. März 2003 - 2 StR 494/02, NStZ 2003, 604 f.).
Dabei ist ein funktionaler Zusammenhang zwischen dem ersten Teilakt des Entführens oder Sichbemächtigens und dem zweiten Teilakt der angestrebten Erpressung erforderlich (vgl. BGHSt 40, 350, 355; BGH NStZ 2002, 31; BGH, Urt. vom 5. März 2003 - 2 StR 494/02).
a) Der Generalbundesanwalt hat zu Recht ausgeführt, dass das Vorliegen eines vollendeten erpresserischen Menschenraubs nach § 239 a Abs. 1 StGB zu prüfen sein wird (vgl. BGH NStZ 2003, 604).
Indem dieser das Fahrzeug nicht verlassen konnte, hatten sie die physische Herrschaft über ihn erlangt, die ihn an einer freien Bestimmung über sich selbst hinderte (vgl. BGH, Urteil vom 5. März 2003 - 2 StR 494/02, NStZ 2003, 604 mwN).
Somit stehen alle Straftaten, die der Schaffung und Aufrechterhaltung der Bemächtigungslage dienten und in deren Ausnutzung zunächst zu einem Nötigungsversuch und schließlich zu einer Erpressung bzw. Wegnahme (vgl. BGH, Urteil vom 5. März 2003 - 2 StR 494/02, NStZ 2003, 604 f.) begangen wurden, in Tateinheit zueinander, auch wenn sie zu verschiedenen Zeitpunkten ausgeführt wurden und auf unterschiedliche Tatentschlüsse zurückgehen.
Den Feststellungen ist folglich auch nicht zu entnehmen, ob der Tatplan von vornherein vorsah, die Entführung auch zur Wegnahme der mitgeführten Wertgegenstände des Geschädigten vorzunehmen oder ob jedenfalls nachträglich die Absicht bestanden hat, die durch die Entführung geschaffene Zwangslage zu dieser Wegnahme auszunutzen (vgl. zur Anwendbarkeit des § 239a StGB bei Raub BGH NStZ 2003, 604).