Source: https://www.duv-verband.de/Besteuerungsrecht-von-Abfindungszahlungen-an-einen-in-Belgien-wohnenden-aber-im-Inland-taetigen-und-dort-nach-1-Abs-3-EStG-2002-unbeschraenkt-steuerpflichtigen-Arbeitnehmer-Bindungswirkung-von-Verstae/
Timestamp: 2017-12-12 19:46:26
Document Index: 309042300

Matched Legal Cases: ['§ 1', 'Art. 15', 'Art. 25', '§ 34', '§ 24', '§ 1', '§ 3', '§ 34', '§ 24', 'Art. 25', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 3', '§ 32', '§ 34', '§ 24']

Besteue­rungs­recht von Abfin­dungs­zah­lun­gen an einen in Bel­gi­en woh­nen­den, aber im Inland täti­gen und dort nach § 1 Abs. 3 EStG 2002 unbe­schränkt steu­er­pflich­ti­gen Arbeit­neh­mer — Bin­dungs­wir­kung von Ver­stän­di­gungs­ver­ein­ba­run­gen — Aus­le­gung zwi­schen­staat­lich | DUV Deutscher Unternehmenssteuer Verband e.V.
1. Art. 15 Abs. 1 DBA-Bel­gi­en ermög­licht kein deut­sches Besteue­rungs­recht für eine Abfin­dungs­zah­lung, die eine in Bel­gi­en ansäs­si­ge Per­son von ihrem bis­he­ri­gen inlän­di­schen Arbeit­ge­ber aus Anlass der Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses erhält (Bestä­ti­gung der stän­di­gen Recht­spre­chung).
2. Eine …
(duv) …Über­ein­kunft zwi­schen den deut­schen und bel­gi­schen Steu­er­be­hör­den (hier: Ver­stän­di­gungs­ver­ein­ba­rung mit dem bel­gi­schen Finanz­mi­nis­te­ri­um vom 15. Dezem­ber 2006 über die Zuord­nung des Besteue­rungs­rechts bei Abfin­dun­gen an Arbeit­neh­mer, bekannt gege­ben durch BMF-Schrei­ben vom 10. Janu­ar 2007, BSt­Bl I 2007, 261) nach Maß­ga­be von Art. 25 Abs. 3 DBA-Bel­gi­en bin­det die Gerich­te nicht (eben­falls Bestä­ti­gung der stän­di­gen Recht­spre­chung).
Aus Anlass die­ser Kün­di­gung erhielt der Klä­ger im Streit­jahr neben einem Brut­to­ar­beits­lohn in Höhe von 53.023,14 € eine Abfin­dung in Höhe von 19.110 € und eine Jubi­lä­ums­zu­wen­dung in Höhe von 1.074 €. Die Abfin­dung zahl­te der Arbeit­ge­ber in Höhe von 7.200 € steu­er­frei aus. Die Jubi­lä­ums­zu­wen­dung und den nicht steu­er­frei belas­se­nen Teil der Abfin­dung besteu­er­te der Arbeit­ge­ber nach § 34 Abs. 1 und 2 Nr. 2 i.V.m. § 24 Nr. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG 2002) ermä­ßigt.
Der Beklag­te und Revi­si­ons­klä­ger (das Finanz­amt –FA – ) setz­te die Ein­kom­men­steu­er gemäß § 1 Abs. 3 EStG 2002 nach den Grund­sät­zen der unbe­schränk­ten Steu­er­pflicht fest. Die Abfin­dung in Höhe von 19.110 € bezog er dabei nach Abzug des Frei­be­trags von 7.200 € nach § 3 Nr. 9 EStG 2002 in die Steu­er­fest­set­zung mit ein (ange­setz­ter Brut­to­ar­beits­lohn 66.008 €); die Abfin­dung und die Jubi­lä­ums­zu­wen­dung wur­den der sog. Fünf­tel-Rege­lung nach § 34 Abs. 1 und 2 Nr. 2 i.V.m. § 24 Nr. 1 EStG 2002 unter­wor­fen. Das FA bezog sich im Hin­blick auf die Besteue­rung der Abfin­dung auf die zwi­schen dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen (BMF) der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und dem Finanz­mi­nis­te­ri­um des König­reichs Bel­gi­en am 15. Dezem­ber 2006 getrof­fe­ne Ver­stän­di­gungs­ver­ein­ba­rung gemäß Art. 25 Abs. 3 des Abkom­mens zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und dem König­reich Bel­gi­en zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung und zur Regu­lie­rung ver­schie­de­ner ande­rer Fra­gen auf dem Gebie­te der Steu­ern vom Ein­kom­men und vom Ver­mö­gen ein­schließ­lich der Gewer­be­steu­er und der Grund­steu­ern vom 11. April 1967 (BGBl II 1969, 18, BSt­Bl I 1969, 39) i.d.F. des Zusatz­ab­kom­mens vom 5. Novem­ber 2002 (BGBl II 2003, 1616) –DBA-Bel­gi­en – ; das BMF hat die­se Ver­stän­di­gungs­ver­ein­ba­rung in sei­nem Schrei­ben vom 10. Janu­ar 2007 (BSt­Bl I 2007, 261) bekannt gege­ben.
b) Eine Ver­an­la­gung des Klä­gers und sei­ner Ehe­frau gemäß § 1 Abs. 3 EStG 2002 setzt vor­aus, dass deren Ein­künf­te im Streit­jahr min­des­tens zu 90 v.H. der deut­schen Ein­kom­men­steu­er unter­la­gen oder die nicht der deut­schen Ein­kom­men­steu­er unter­lie­gen­den Ein­künf­te nicht mehr als 12.272 € im Kalen­der­jahr betru­gen (§ 1 Abs. 3 Satz 2, § 1a Abs. 1 Nr. 2 EStG 2002). Jeden­falls die alter­na­ti­ve Höchst­be­trags­gren­ze von 12.272 € wur­de im Streit­fall nicht über­schrit­ten. Zwar belief sich die gezahl­te Abfin­dung auf 19.110 €. Da die­se in Höhe von 7.200 € nach § 3 Nr. 9 EStG 2002 steu­er­frei war, lagen die nicht der deut­schen Ein­kom­men­steu­er unter­lie­gen­den Ein­künf­te (s. dazu nach­fol­gend unter 2.) in Höhe der ver­blei­ben­den 11.910 € unter dem schäd­li­chen Betrag von 12.272 € (s. dazu BMF-Schrei­ben vom 6. Dezem­ber 1995, BSt­Bl I 1995, 803; Gosch in Kirch­hof, EStG, 8. Aufl., § 1 Rz 34, m.w.N.).
4. Obwohl die Abfin­dung aus der Bemes­sungs­grund­la­ge der deut­schen Ein­kom­men­steu­er her­aus­zu­neh­men ist, unter­liegt sie, soweit sie den Frei­be­trag von 7.200 € über­steigt (§ 3 Nr. 9 EStG 2002), dem Pro­gres­si­ons­vor­be­halt (§ 32b Abs. 1 Nr. 3 EStG 2002). Dabei sind die dar­in ent­hal­te­nen außer­or­dent­li­chen Ein­künf­te mit einem Fünf­tel zu berück­sich­ti­gen (§ 34 Abs. 1 und 2 Nr. 2 i.V.m. § 24 Nr. 1 EStG 2002). Dar­über besteht unter den Betei­lig­ten kein Streit, so dass sich auch dazu wei­te­re Aus­füh­run­gen erüb­ri­gen.