Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHSt%2056,%2039
Timestamp: 2019-05-24 22:26:06
Document Index: 60807043

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 111', '§ 73', '§ 73', '§ 73', '§ 357', '§ 111', '§ 111', '§ 73', '§ 73', '§ 73', '§ 111', '§ 111', '§ 73', '§ 73', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 426', '§ 426', '§ 111', '§ 73', 'BGH', 'BGH', '§ 111', 'BGH', 'BGH', '§ 73', '§ 111', 'BGH', 'BGH', '§ 111', '§ 73', '§ 73', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 111', 'BGH', 'BGH', '§ 111', 'BGH', '§ 73', '§ 73', '§ 111', '§ 357', '§ 111', '§ 73', '§ 111', 'BGH', 'BGH', '§ 111', 'BGH', 'BGH', '§ 111', 'BGH', 'BGH', '§ 73', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 73', 'BGH', '§ 73', 'BGH', '§ 73', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 28.10.2010 - 4 StR 215/10 - dejure.org
https://dejure.org/2010,1322
BGH, 28.10.2010 - 4 StR 215/10 (https://dejure.org/2010,1322)
BGH, Entscheidung vom 28.10.2010 - 4 StR 215/10 (https://dejure.org/2010,1322)
BGH, Entscheidung vom 28. Januar 2010 - 4 StR 215/10 (https://dejure.org/2010,1322)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2010,1322) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
§ 111i Abs. 2 StPO; § 73 Abs. 1 StGB; § 73a StGB; § 73c Abs. 1 StGB; § 357 StPO
Tenorierung beim Auffangrechtserwerb (unmittelbar erworbener Vermögensgegenstand; erlangter Geldbetrag; gesamtschuldnerische Haftung: Mitverfügungsmacht; gebotene Anwendung der Härtevorschrift: unterschiedliche hohe Feststellungen); Erstreckung des Erfolgs der Revision
§ 111i Abs 2 StPO, § 111i Abs 5 StPO, § 73 Abs 1 StGB, § 73a StGB, § 73c Abs 1 StGB
Beschlagnahme und Verfall: Urteilsfeststellungen bei Aufrechterhaltung der Beschlagnahme wegen Ansprüchen des Verletzten bei mehreren gesamtschuldnerisch haftenden Tatbeteiligten unter Anwendung der verfallsrechtlichen Härtevorschrift
Gesamtschuldnerische Haftung mehrerer Tatbeteiligter beim staatlichen Anspruch gemäß § 111i Abs. 5 Strafprozessordnung (StPO); Treffen gegen mehrere Täter unterschiedlich hohe Feststellungen nach § 111i Abs. 2 Strafprozessordnung (StPO) bei Anwendung der Härtevorschrift des § 73c Abs. 1 Strafgesetzbuch (StGB); Möglichkeit eines Härtefallausgleich nach § 73c StGB bei Haftung mehrerer Tatbeteiligter als Gesamtschuldner; Erkennbarkeit der dem Verfall unterliegenden Gegenstände oder Vermögenswerte im Urteilstenor als Voraussetzung für den Auffangrechtserwerb des Staates
LG Hagen, 02.11.2009 - 46 KLs 9/09
BGHSt 56, 39
NStZ 2011, 295
StV 2011, 133
JR 2011, 269
Diese Vorschrift ist im Verhältnis zwischen Rechtsträgern des Privatrechts auch dann anwendbar, wenn die Verpflichtung im Außenverhältnis auf öffentlich-rechtlichen oder strafrechtlichen Grundlagen beruht (BGH, Urteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10, BGHSt 56, 39 Rn. 26;… Urteil vom 23. Mai 2007 - XII ZR 250/04, NJW 2007, 2554 Rn. 14; Urteil vom 6. Dezember 1978 - IV ZR 82/77, BGHZ 73, 29, 37;… Urteil vom 10. Juli 2014 - III ZR 441/13, NJW 2014, 2730 Rn. 20;… Urteil vom 29. Januar 2013 - II ZR 91/11, ZIP 2013, 409 Rn. 10; Urteil vom 1. Dezember 2003 - II ZR 202/01, WM 2004, 228, 229 mwN; Urteil vom 22. Oktober 1992 - IX ZR 244/91, BGHZ 120, 50, 55 f.; BFHE 226, 391, 398; BVerwG, NJW 1993, 1667, 1668;… Palandt/Grüneberg, BGB, 73. Auflage, § 426 Rn. 3;… Staudinger/Looschelders, BGB, Neubearbeitung 2012, § 426 Rn. 275 f.).
Die vom Landgericht getroffene Feststellung nach § 111i Abs. 2 StPO könnte keinen Bestand haben, weil das Landgericht die Härtevorschrift des § 73c Abs. 1 StGB nicht erörtert (vgl. BGH, Urteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10, BGHSt 56, 39, 42; Beschlüsse vom 11. April 2013 - 4 StR 39/13, StV 2013, 610, und vom 17. Juli 2013 - 4 StR 208/13, wistra 2013, 386) und nach den Urteilsausführungen naheliegende Teiltilgungen des Schadens (UA S. 14, 16) unberücksichtigt gelassen hat.
Diese ist auch im Rahmen einer Entscheidung nach § 111i Abs. 2 StPO zu berücksichtigen (BGH, Urteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10, BGHSt 56, 39, 44).
Denn der Rechtsfehler liegt hier schon darin, dass die Strafkammer der Vorschrift des § 73c StGB im Rahmen der nach § 111i Abs. 2 StPO zu treffenden Entscheidung ersichtlich keine Bedeutung beigemessen hat (vgl. dazu BGH, Urteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10, BGHSt 56, 39, 51).
Der Begriff des "Erlangten' im Sinne des § 111i Abs. 2 StPO ist in demselben Sinne zu verstehen wie in § 73 Abs. 1 Satz 1 bzw. § 73a Satz 1 StGB (BGH, Urteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10, BGHSt 56, 39, 43).
Bei mehreren Tatbeteiligten genügt insofern, dass sie zumindest eine faktische bzw. wirtschaftliche Mitverfügungsmacht über den Vermögensgegenstand erlangt haben (BGH, Urteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10, BGHSt 56, 39, 45 f. mwN).
Falls die neue Hauptverhandlung erneut zu Entscheidungen über das Absehen von Verfallsanordnungen gemäß § 111i Abs. 2 StPO führt, wird in den Urteilsgründen deutlicher als bisher zum Ausdruck zu bringen sein, ob und inwieweit die Angeklagten Y., L. und U. in Bezug auf das jeweils Erlangte als Gesamtschuldner haften (vgl. dazu BGH, Urteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10, BGHSt 56, 39, 52).
a) Im Grundsatz rechtsfehlerfrei hat das Landgericht im Urteilstenor zunächst (allein) den Vermögensgegenstand bzw. Geldbetrag bezeichnet, den der Staat bei Vorliegen der Voraussetzungen des § 111i Abs. 5 StPO unmittelbar oder als Zahlungsanspruch erwirbt (vgl. dazu eingehend Senatsurteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10, z. Veröff. in BGHSt best.).
Das Landgericht hat, insoweit ebenfalls rechtsfehlerfrei, nach den getroffenen Feststellungen eine gesamtschuldnerische Haftung des Angeklagten R. angenommen (vgl. dazu ebenfalls Senatsurteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10) und ist dabei zutreffend von einem Betrag in Höhe von insgesamt 23.934,69 EUR ausgegangen, den dieser aus den seiner Verurteilung zu Grunde liegenden Taten erlangt hat.
Die in den Urteilsgründen in Anwendung der Härtevorschrift des § 73c Abs. 1 StGB vorgenommene Minderung des Erlangten bzw. des Geldbetrages, der dem Wert des Erlangten entspricht, ist aus Rechtsgründen ebenfalls nicht zu beanstanden; es entspricht vielmehr der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, dass § 73c Abs. 1 StGB auch im Rahmen der nach § 111i Abs. 2 StPO zu treffenden Entscheidung zu beachten ist (Senatsurteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10 m.w.N.).
c) Eine Erstreckung auf den Nichtrevidenten S. kommt hier nicht in Betracht (vgl. zur Anwendbarkeit des § 357 StPO im Rahmen des § 111i Abs. 2 StPO ebenfalls Senatsurteil vom 28. Dezember 2010 - 4 StR 215/10).
b) Das Urteil lässt jedoch eine hier nahe liegende Prüfung der Voraussetzungen der Vorschrift des § 73c Abs. 1 StGB vermissen, die auch im Rahmen der nach § 111i Abs. 2 StPO zu treffenden Entscheidung zu beachten ist (vgl. BGH, Urteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10, BGHSt 56, 39, 44, 50 mwN).
Weiter wird zu berücksichtigen sein, dass der einem Auffangrechtserwerb des Staates gemäß § 111i Abs. 5 StPO unterliegende Zahlungsanspruch die Angeklagten als Gesamtschuldner treffen könnte (vgl. BGH, Urteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10, BGHSt 56, 39, 46 ff., auch zur Formulierung einer Feststellung nach § 111i Abs. 2 StPO im Urteilstenor; Beschluss vom 13. Juli 2011 - 1 StR 42/11, NStZ-RR 2011, 343).
Im Übrigen ist zu bemerken, dass die Angeklagten lediglich gesamtschuldnerisch mit den weiteren Verfallsbeteiligten haften würden, was auch im Fall des Auffangrechtserwerbs des Staates zu berücksichtigen ist (vgl. BGH, Urteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10, BGHSt 56, 39, 45 ff.).".
a) Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist ein Vermögenswert im Rechtssinne aus der Tat erlangt, wenn er dem Täter oder Teilnehmer unmittelbar aus der Verwirklichung des Tatbestands in irgendeiner Phase des Tatablaufs so zugeflossen ist, dass er hierüber tatsächliche Verfügungsgewalt ausüben kann (vgl. zu § 73 Abs. 1 Satz 1 StGB aF BGH, Urteile vom 30. Mai 2008 - 1 StR 166/07, BGHSt 52, 227, 246, und vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10, BGHSt 56, 39, 45 f. mwN; siehe zur insoweit unveränderten Rechtslage nach § 73 StGB nF Köhler, NStZ 2017, 497, 498 f. mit Fn. 27).
Unerheblich ist bei der gebotenen gegenständlichen (tatsächlichen) Betrachtungsweise dagegen, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang der Täter oder Teilnehmer eine unmittelbar aus der Tat gewonnene (Mit-)Verfügungsmacht später aufgegeben hat und der zunächst erzielte Vermögenszuwachs durch Mittelabflüsse bei Beuteteilung gemindert wurde (vgl. BGH, Urteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10, aaO S. 46 mwN; Beschlüsse vom 7. Januar 2003 - 3 StR 421/02, und vom 10. Januar 2008 - 5 StR 365/07, NStZ 2008, 565).
Damit wird ermöglicht, dass den Beteiligten das aus der Tat Erlangte entzogen wird, aber zugleich verhindert, dass dies mehrfach erfolgt (vgl. zur früheren Verfallsregelung der §§ 73, 73a StGB BGH, Urteil vom 28. Oktober 2010 - 4 StR 215/10, aaO S. 46 ff. mwN; Beschlüsse vom 10. September 2002 - 1 StR 281/02, NStZ 2003, 198, 199, und vom 5. Juli 2011 - 3 StR 129/11, StraFo 2011, 413, 414;… siehe zur insoweit unveränderten Rechtslage nach §§ 73, 73c StGB nF Köhler, aaO).
Revisionsrechtliche Überprüfung einer Verurteilung wegen Beihilfe zur …
Verfall (Vorliegen einer unbilligen Härte; nicht mehr im Vermögen des Täters …
BGH, 23.11.2011 - 4 StR 516/11
Rechtsfehlerhafte Anordnung des Wertersatzverfalls (übersehene …
OLG Hamm, 28.10.2014 - 5 Ws 322/14
BGH, 22.06.2011 - 5 StR 109/11
Aufrechterhaltung der Beschlagnahme (Erfüllung von Ansprüchen des Verletzten; …
BGH, 27.02.2014 - 4 StR 498/13
BGH, 08.12.2010 - 2 StR 372/10
Voraussetzungen des Auffangrechtserwerbs (mangelnde Darlegung im Urteil; …
BGH, 18.07.2018 - 2 StR 553/17
Einziehung von Taterträgen bei Tätern und Teilnehmern (Erlangung eines …
BGH, 16.11.2017 - 2 StR 58/17
Vermögensarrest im Insolvenzverfahren (Einziehung des Wertes von Taterträgen; …
BGH, 10.11.2011 - 2 StR 349/11