Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZB%209/13
Timestamp: 2020-07-04 13:14:03
Document Index: 328713096

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 91', '§ 242', '§ 91', '§ 103', '§ 242', '§ 91', '§ 91', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EGMR', 'EuG', 'BGH', 'BGer', 'BGE', 'BGE', 'Art. 2', '§ 91', 'BGH', '§ 91', '§ 91', 'BGH', '§ 91', '§ 91', '§ 91', 'BGH', '§ 91', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', '§ 91', 'BGH', '§ 103']

BGH, 20.05.2014 - VI ZB 9/13 - dejure.org
https://dejure.org/2014,12121
BGH, 20.05.2014 - VI ZB 9/13 (https://dejure.org/2014,12121)
BGH, Entscheidung vom 20.05.2014 - VI ZB 9/13 (https://dejure.org/2014,12121)
BGH, Entscheidung vom 20. Mai 2014 - VI ZB 9/13 (https://dejure.org/2014,12121)
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ZPO § 91 Abs. 2 Satz 1, 103; BGB § 242
§ 91 Abs 2 S 1 Halbs 1 ZPO, § 103 ZPO, § 242 BGB
Kostenfestsetzungsverfahren: Rechtsmissbräuchlichkeit eines Kostenfestsetzungsverlangens bei Verfolgung einheitlicher Ansprüche in getrennten Prozessen; Rechtsanwaltskosten als zweckentsprechend verursachte Kosten
Kostenfestsetzungsverlangen als rechtsmissbräuchlich bei Beantragung der Festsetzung von Mehrkosten i.R.d. Vertretung von mehreren Antragstellern bei identischem Lebenssachverhalt in getrennten Prozessen; Geltung der gesetzlichen Gebühren und Auslagen des Rechtsanwalts ...
Rechtsmissbräuchlichkeit eines Kostenfestsetzungsverlangens
Rechtsmissbräuchliches Kostenfestsetzungsverlangen
Eingabe in der Suchmaske auf der nächsten Seite: BRAK-Mitt. 2014, 223
ZPO § 91 Abs. 1 S. 1; ZPO § 91 Abs. 2 S. 1 Hs. 1
Kein rechtsmissbräuchliches Kostenfestsetzungsverlangen bei Prozesskostenrisiko reduzierendem Vorgehen
Zum rechtsmissbräuchlichen Kostenfestsetzungsverlangen
Missbrauchsverbot gilt grundsätzlich auch im Kostenfestsetzungsverfahren
LG Hamburg, 08.08.2012 - 324 O 373/12
OLG Hamburg, 31.01.2013 - 4 W 129/12
NJW 2014, 2285
MDR 2014, 864
GRUR 2014, 709
VersR 2014, 1272
Rpfleger 2014, 551
afp 2014, 331
ZfBR 2014, 565
(1) Der Grundsatz von Treu und Glauben findet auch im Prozessrecht Anwendung (st. Rspr.; vgl. nur Senatsurteile vom 23. Oktober 1990 - VI ZR 105/90, BGHZ 112, 345, 349 mwN; vom 3. Februar 1987 - VI ZR 56/86, BGHZ 99, 391, 398; vom 17. Mai 1977 - VI ZR 174/74, BGHZ 69, 37, 43; Beschlüsse vom 20. Mai 2014 - VI ZB 9/13, VersR 2014, 1272 Rn. 6;… vom 20. November 2012 - VI ZB 3/12, VersR 2013, 1283 Rn. 9 mwN;… vom 11. September 2012 - VI ZB 59/11, VersR 2013, 207 Rn. 9 mwN;… BGH, Beschlüsse vom 28. Februar 2013 - V ZB 18/12, BGHZ 196, 243 Rn. 23 mwN;… vom 24. März 2011 - I ZR 108/09, BGHZ 189, 56 Rn. 13 mwN) .
Der das materielle Recht beherrschende Grundsatz von Treu und Glauben gilt auch im Verfahrensrecht (st. Rspr.; vgl. BGH…, Urteil vom 10. Mai 2007 - V ZB 83/06, BGHZ 172, 218 Rn. 12;… Urteil vom 16. Juni 2011 - III ZR 342/09, BGHZ 190, 99 Rn. 15; Beschluss vom 20. Mai 2014 - VI ZB 9/13, GRUR 2014, 709 Rn. 6;… Zöller/Vollkommer, ZPO, 32. Aufl., Einl. 56 mwN).
Der von der Beklagten erhobene Einwand, die Klägerinnen hätten sich missbräuchlich verhalten, um das Kostenrisiko zu erhöhen, ist gegebenenfalls im Kostenfestsetzungsverfahren von Bedeutung (vgl. dazu BGH, Beschluss vom 20. Mai 2014 - VI ZB 9/13, GRUR 2014, 709 Rn. 6;… Beschluss vom 18. Oktober 2012 - V ZB 58/12, NJW-RR 2013, 337 Rn. 8 ff.;… Beschluss vom 11. September 2012 - VI ZB 59/11, NJW 2013, 66 Rn. 8 ff.).
Ein Verstoß gegen diese Verpflichtung kann dazu führen, dass das Festsetzungsverlangen als rechtsmissbräuchlich zu qualifizieren ist und die unter Verstoß gegen Treu und Glauben zur Festsetzung angemeldeten Mehrkosten vom Rechtspfleger im Kostenfestsetzungsverfahren abzusetzen sind (vgl. BGH 20. Mai 2014 - VI ZB 9/13 - Rn. 6) .
vgl. EGMR, Urteil vom 15.09.2009 - 798/05 -, NVwZ 2010, 1541 (1543); EuGH, Urteile vom 23.03.2000 - C-373/97 -, juris, Rz. 13, 33, vom 21.07.2011 - C-186/10 -, juris, Rz. 25 und vom 30.04.2014 - C-26/13 -, juris, Rz. 40; BVerfG, Beschlüsse vom 02.02.2015 - 2 BvR 2437/14 -, juris, Rz. 21, 42 ff. und vom 14.09.2017 - 2 BvQ 56/17 -, juris, Rz. 17; BVerwG, Urteile vom 18.12.1973 - C 34.72 -, juris, Rz. 125 ff. und vom 11.10.2012 - 5 C 22.11 -, juris, Rz. 25 ff.; BGH, Urteil vom 14.11.2014 - V ZR 118/13 -, juris, Rz. 21 und Beschluss vom 20.05.2014 - VI ZB 9/13 -, juris, Rz. 6 ff.; BGer, Urteile vom 10.09.1919, BGE 45 II 386 (398) und vom 28.10.1960, BGE 86 II 417 (421); den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Treu und Glauben und dem Missbrauchsverbot verdeutlicht Art. 2 des schweiz.
Nach § 91 Abs. 2 Satz 1 ZPO sind dabei die Gebühren des Rechtsanwalts der obsiegenden Partei grundsätzlich zu erstatten; diese Kosten sind damit einer Überprüfung auf Notwendigkeit entzogen und gelten unabhängig von den konkreten Umständen stets als zweckentsprechend verursacht (vgl. BGH, Beschl. v. 20.05.2014 - VI ZB 9/13 Tz 9;… Musielak-Flockenhaus, ZPO, 13. Aufl., § 91 Rn. 11 ff.; Hansens, RVGreport 16, 186, 188 li. Sp. unter V. 1.).
Nach § 91 Abs. 2 Satz 1 ZPO sind die Gebühren des Rechtsanwalts der obliegenden Partei grundsätzlich zu erstatten, so dass diese Kosten einer Überprüfung auf Notwendigkeit entzogen sind und unabhängig von den konkreten Umständen stets als zweckentsprechend verursacht gelten (vgl. BGH, Beschluss vom 20. Mai 2014 - VI ZB 9/13 - OLG München, AGS 2016, 547 (548);… Musielak-Flockenhaus, ZPO, 13. Aufl. 2016, § 91 Rn. 11 ff.).
Die Erstattungsfähigkeit von Rechtsanwaltsgebühren richtet sich allerdings nicht nach § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO , sondern nach § 91 Abs. 2 Satz 1 Halbsatz 1 ZPO , wonach die gesetzlichen Gebühren und Auslagen des Rechtsanwalts der obsiegenden Partei in allen Prozessen zu erstatten sind (vgl. BGH, NJW 2014, 2285 ff. und NJW 2013, 66 f.).
Die Norm bildet insoweit eine Ausnahme von dem in § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO geregelten Grundsatz, als sie für ihren Anwendungsbereich von der grundsätzlich gebotenen Prüfung der Notwendigkeit entstandener Kosten zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung entbindet (vgl. BGH, NJW 2014, 2285 ff. und NJW 2013, 66 f., jeweils m.w.N.).
Nach der gefestigten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs und des Bundesverfassungsgerichts unterliegt allerdings jede Rechtsausübung - auch im Zivilverfahren - dem aus dem Grundsatz von Treu und Glauben abgeleiteten Missbrauchsverbot (vgl. BGH, NJW 2014, 2285 ff.; 2013, 66 f.; 2007, 3279 und 2257; BVerfG, NJW 2002, 2456 ff., jeweils m.w.N.).
Denn auch das Prozessrecht steht unter dem Einfluss des Gebots von Treu und Glauben (§ 242 BGB), und danach ist jede Partei verpflichtet, die Kosten ihrer Prozessführung so niedrig zu halten, wie sich dies mit der Wahrung ihrer berechtigten Belange vereinbaren lässt (…BGH, Beschlüsse vom 7. Februar 2018 - XII ZB 112/17, BGHZ 217, 287 Rn. 19; vom 20. Mai 2014 - VI ZB 9/13, NJW 2014, 2285 Rn. 6;… vom 2. Mai 2007 - XII ZB 156/06, NJW 2007, 2257 Rn. 12;… BeckOK ZPO/Jaspersen [Stand: 1. März 2019], § 91 Rn. 165).
Insbesondere kann es als rechtsmissbräuchlich anzusehen sein, wenn der Kläger die Festsetzung von Mehrkosten beantragt, die darauf beruhen, dass mehrere von demselben Prozessbevollmächtigten vertretene Kläger in engem zeitlichen Zusammenhang mit weitgehend gleichlautenden Klagebegründungen aus einem weitgehend identischen Lebenssachverhalt ohne sachlichen Grund in getrennten Prozessen gegen denselben Beklagten vorgegangen sind (vgl. BGH…, Beschluss vom 11. September 2012 - VI ZB 59/11 -, juris Rn. 9 f.;… Beschluss vom 18. Oktober 2012 - V ZB 58/12 -, juris Rn. 5 und 7;… Beschluss vom 20. November 2012 - VI ZB 1/12 -, juris Rn. 9 f.; Beschluss vom 20. Mai 2014 - VI ZB 9/13 -, juris Rn. 6 f.;… Herget, in: Zöller, ZPO, 32. Auflage 2018, § 103 Rn. 21 "Rechtsmissbrauch").
LSG Niedersachsen-Bremen, 03.05.2019 - L 7 AS 12/17
LSG Niedersachsen-Bremen, 15.11.2018 - L 7 AS 73/17
RVG - Angelegenheiten nach dem SGB II
FG Schleswig-Holstein, 27.11.2019 - 3 K 149/16
Dieselbe Angelegenheit; einheitlicher Lebenssachverhalt; einheitlicher Rahmen; …
LSG Niedersachsen-Bremen, 09.08.2017 - L 7 AS 73/17
Rechtsanwaltsvergütung in einem Prozesskostenhilfeverfahren