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Timestamp: 2019-10-21 11:00:51
Document Index: 316563202

Matched Legal Cases: ['§ 289', '§ 315', '§ 289', '§ 315', '§ 289', '§ 267', '§ 289', '§ 289', '§ 289', '§ 289', '§ 315', '§ 289', '§ 289', '§ 315', '§ 289', '§ 289', '§ 289', '§ 289', '§ 315', '§ 289', '§ 315', '§ 171']

Die verpflichtende nichtfinanzielle Firmenberichterstattung und ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
Eine kritische Analyse des Corporate Social Responsibility Reporting
E M Euy Hyun Moon (Autor)
II. Kritische Würdigung der Auswirkung verpflichtender nichtfinanzieller Firmenberichterstattung auf die Vergleichbarkeit des Reportings von Umweltbelangen
1. Rechtliche Rahmenbedingungen der verpflichtenden nichtfinanziellen Firmenberichterstattung
a) Implementierung der Richtlinie in 2014/95/EU in nationales Recht
b) Inhaltliche Anforderungen an die Umweltberichterstattung
2. Theoretische Grundlagen der Umweltberichterstattung
a) Prinzipal-Agent-Theorie als Grundlage der Umweltberichterstattung
aa) Einordnung der Umweltberichterstattung in Bezug auf unterschiedliche Motivationen der CSR
bb) Probleme in der Prinzipal-Agent-Beziehung
b) Berichterstattung als Signaling im Wettbewerb
c) Auswirkungen der Gesetzesänderung auf die Vergleichbarkeit der
3. Aktueller Forschungsstand der Auswirkungen der verpflichtenden nichtfinanziellen Firmenberichterstattung
III. Empirische Analyse der Auswirkung nichtfinanzieller Firmenberichterstattung auf die Vergleichbarkeit des Reportings von Umweltbelangen für ausgewählte Branchen
a) Auswahl und Beschreibung der Stichprobe
b) Beschreibung der Datenerhebung
2. Darstellung und Analyse der Vergleichbarkeit durch die verpflichtende nichtfinanzielle Berichterstattung
a) Ausgangslage vor dem Inkrafttreten des Gesetzes
b) Veränderungen nach dem Inkrafttreten des Gesetzes
3. Würdigung der Veränderung der Vergleichbarkeit durch die verpflichtende nichtfinanzielle Berichterstattung
IV. Thesenf"Onnige Zusammenfassung
Abbildung 1 – Übersicht der ausgewählten Maße:
Abbildung 2 – Prozentuale Anteile der berichteten Aspekte in 2016 (Gesamt):
Abbildung 3 – Prozentuale Anteile der berichteten Aspekte in 2017 (Gesamt):
Abbildung 4 – Durchschnittliche Berichterstattung über die Aspekte nach Branchen in
Abbildung 5 – Prozentuale Anteile der berichteten Aspekte nach Branchen in 2016:
Abbildung 6 – Prozentuale Anteile der berichteten Aspekte nach Branchen in 2017:
Abbildung 7- Korrelationskoeffizienten der Seiten- und Wortanzahl in 2016 & 2017:
Einer Studie der UN zufolge entstanden bereits im Jahr 2008 Umweltschäden in Höhe von 2,15 Billionen US-Dollar.1 Dabei wurde ein Drittel der globalen Umweltkosten durch eine Mehrzahl der weltweit größten Unternehmen verursacht. Beeinflusst durch den da- mit einhergehenden öffentlichen Druck zum nachhaltigen Handeln, berichtet eine stei- gende Anzahl an Unternehmen über ihre Umweltaktivitäten.2 Die zunehmende Relevanz der Umweltberichterstattung spiegelt sich auch in den Einflussmöglichkeiten auf die Ak- tienkurse der Unternehmen wider.3 Demnach greifen Investoren vermehrt neben den fi- nanziellen auch auf nichtfinanzielle Informationen für ihre Unternehmensbewertung zu- rück.4 Die Bemühungen der Unternehmen, die Bedürfnisse verschiedener Interessens- gruppen im Sinne der Gesellschaft in Einklang zu bringen, wird durch das Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) beschrieben.5
Die steigende Bedeutung von Umweltinformationen für Investoren bietet den Unterneh- men einen Anreiz zur Veröffentlichung ihrer Umweltaktivitäten.6 Sofern die Unterneh- men ein hohes Umweltengagement besitzen, möchten sie dieses den Investoren aufzei- gen.7 Durch die Veröffentlichung ihrer Umweltinformationen besteht für sie die Mög- lichkeit auf sich aufmerksam zu machen und sich von Konkurrenten, die ein geringeres Umweltengagement aufweisen, abzugrenzen.8 Folglich kommt es durch die Signalisie- rung von einigen Unternehmen zu unterschiedlichen Umweltberichterstattungen.
Demgegenüber führt die wachsende Bedeutung von CSR in der Gesellschaft dazu, dass mehr Länder ihre Unternehmen dazu verpflichten, über Themenbereiche wie Umwelt, Soziales und Unternehmensführung zu berichten.9 Auch in der EU wird durch die Richt- linie 2014/95/EU die nichtfinanzielle Berichterstattung für bestimmte Unternehmen zur Pflicht.10 Dadurch soll eine Steigerung der Relevanz, Konsistenz und Vergleichbarkeit der Berichte erzielt werden.11
Mit der Implementierung der Richtlinie in das HGB wurden bestimmte Unternehmen (§ 289b Abs. 1, § 315b Abs. 1 HGB) dazu verpflichtet den Lagebericht ab dem Geschäfts- jahr 2017 um eine nichtfinanzielle Erklärung zu ergänzen.12 Inhaltlich bilden dabei Um- weltbelange einen Bestandteil der fünf berichtspflichtigen Mindestaspekte (§ 289c Abs. 2, § 315c Abs. 1 HGB). Bei der Ausgestaltung der Berichte über die nichtfinanziel- len Aspekte ergeben sich unternehmensindividuelle Gestaltungsmöglichkeiten.13 Daraus können sich Unterschiede in der Berichterstattung der Unternehmen ergeben.
Infolgedessen stellt sich die Frage, inwieweit die Einführung einer verpflichtenden nicht- finanziellen Berichterstattung zu einer Veränderung der Vergleichbarkeit der Berichter- stattungen der Umweltbelange führt. Im Rahmen dieser Fragestellung werden in dieser Arbeit die Auswirkungen der verpflichtenden nichtfinanziellen Berichterstattung auf die Vergleichbarkeit des Reportings von Umweltbelangen in Deutschland betrachtet.
Der erste Hauptteil stellt zunächst die rechtlichen Rahmenbedingungen der verpflichten- den nichtfinanziellen Berichterstattung dar und würdigt im Anschluss die theoretischen Grundlagen. Im zweiten Hauptteil erfolgt eine empirische Analyse der Auswirkungen nichtfinanzieller Firmenberichterstattung auf die Vergleichbarkeit des Reportings von Umweltbelangen für ausgewählte Branchen. Hierzu werden Daten anhand der Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte der Jahre 2016 und 2017 für ausgewählte DAX-Unterneh- men erhoben. Daraufhin werden die mit der Verpflichtung einhergehenden Veränderun- gen der Vergleichbarkeit dargestellt und anschließend gewürdigt. Abschließend erfolgt eine thesenförmige Zusammenfassung der Ergebnisse.
II. Kritische Würdigung der Auswirkung verpflichtender nichtfinanzieller Fir- menberichterstattung auf die Vergleichbarkeit des Reportings von Umweltbe- langen
1. Rechtliche Rahmenbedingungen der verpflichtenden nichtfinanziellen Fir- menberichterstattung
a) Implementierung der Richtlinie 2014/95/EU in nationales Recht
Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise führten zu einem grundlegenden Verlust des Ver- trauens der Gesellschaft in die Wirtschaft.14 Infolgedessen kommt es zu einem erhöhten öffentlichen Bewusstsein für nachhaltiges unternehmerisches Handeln. Durch die Offen- legung nichtfinanzieller Informationen, wie der Umweltbelange, besteht für die Unter- nehmen die Möglichkeit das Vertrauen der Investoren und der Gesellschaft zu stärken.15
Somit können Unternehmen durch die zunehmende Bedeutung eines strategischen CSR- Ansatzes ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig verbessern und zu einer nachhaltigen und wettbewerbsfähigen sozialen Marktwirtschaft beitragen.16
Auch die EU sieht eine Notwendigkeit in der Entwicklung einer nachhaltigen globalen Wirtschaft. Durch die Ankündigung der CSR-Richtlinie 2014/95/EU im Jahr 2014 kommt es zur Verpflichtung der Mitgliedstaaten, die eine Umsetzung dieser Richtlinie in das nationale Recht fordert.17 Hierbei sollen die Mitgliedsstaaten ihre Unternehmen dazu verpflichten, neben finanziellen, auch über nichtfinanzielle Informationen zu berichten. Die Veröffentlichung nichtfinanzieller Informationen hilft dabei das Geschäftsergebnis von Unternehmen und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft zu messen und zu über- wachen.18 Ziel der Richtlinie ist es eine Steigerung der Relevanz, Konsistenz und Ver- gleichbarkeit zu erreichen.19
Durch das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz kommt es in Deutschland 2017 zur Imple- mentierung dieser Richtlinie in das HGB.20 Dabei wurden die Vorgaben der EU nahezu unverändert in die §§ 289b-289e, 315b-315d HGB umgesetzt, wodurch die CSR-Bericht- erstattung zu einem festen Bestandteil der Rechnungslegung wird.21 Infolgedessen wird eine standardisierte Berichterstattung über die jeweiligen CSR-Aspekte erwartet. Somit müssen ab dem Geschäftsjahr 2017 die Lageberichte um eine nichtfinanzielle Erklärung ergänzt werden.22
Anzuwenden ist die Berichtserstattungspflicht für bestimmte kapitalmarktorientierte Un- ternehmen, Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen, die nach § 267 Abs. 3 HGB als große Gesellschaften einzustufen sind und im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Mitar- beiter beschäftigen (§ 289b Abs. 1 HGB). Dabei sind die Gesellschaften als groß einzu- stufen, sofern sie mindestens zwei der drei Merkmale (20 Mio. € Bilanzsumme, 40 Mio. € Umsatzerlöse und jahresdurchschnittlich 250 Mitarbeiter) überschreiten. Es besteht eine Befreiung der Berichtspflicht für Tochterunternehmen, sofern die Kapitalgesellschaft in den Konzernlagebericht eines Mutterunternehmens einbezogen ist (§ 289b Abs. 2 HGB).
Im Rahmen einer nichtfinanziellen Berichterstattung ist zunächst das zugrunde liegende Geschäftsmodell kurz zu beschreiben (§ 289c Abs. 1 HGB). Darüber hinaus ist über die fünf berichtspflichtigen Mindestaspekte der Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, sowie Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung von Korruption und Bestechung (§ 289c Abs. 2, § 315c Abs. 1 HGB) zu berichten. Ergänzt wird der Aspekt der Umwelt- belange um beispielhafte Angaben wie Treibhausgasemissionen oder Wasserverbrauch (§ 289c Abs. 2 Satz 1 HGB). Des Weiteren besteht die Möglichkeit über diese Mindestas- pekte hinaus zu berichten und den Berichtsumfang zu erweitern.23
Durch den Grundsatz der Wesentlichkeit ergeben sich individuelle Ausgestaltungsmög- lichkeiten der Berichte. Danach sind jeweils diejenigen Angaben zu machen, die sowohl für das Verständnis des Geschäftsverlaufs, der Lage und der Auswirkungen der Tätigkei- ten auf die nichtfinanziellen Aspekte erforderlich sind (§ 289c Abs. 3, § 315c Abs. 2 HGB). Darüber hinaus können die Unternehmen gemäß § 289c Abs. 4 HGB von der Comply-or-Explain-Regelung Gebrauch machen. Sofern sie in Bezug auf einen oder mehreren Aspekten kein Konzept verfolgen, haben sie diese Entscheidung in der nichtfi- nanziellen Erklärung zu begründen. Bei der Bestimmung wesentlicher Berichtsinhalte besteht für die Unternehmen die Möglichkeit, auf verschiedene Rahmenwerke zurückzu- greifen.24 Gemäß § 289d HGB besteht keine einheitliche Vorgabe hinsichtlich der Ver- wendung von Rahmenwerken. Somit können für die inhaltliche Darstellung der nichtfi- nanziellen Aspekte nationale, europäische und internationale Rahmenwerke herangezo- gen werden (§ 289d HGB). Bei der Verwendung eines Rahmenwerks ist dessen Nennung im nichtfinanziellen Bericht erforderlich. Ferner muss der Verzicht der Nutzung eines Rahmenwerks begründet werden.
Weitere Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich bezüglich des konkreten Berichtsfor- mats. Es besteht für die berichtspflichtigen Unternehmen die Möglichkeit eigenständig festzulegen, ob sie die nichtfinanziellen Angaben in den Lagebericht, gemäß § 289b Abs.1, § 315b HGB, intergieren oder ein einem separaten Abschnitt veröffentlichen. An- dererseits besteht die Möglichkeit einen gesonderten nichtfinanziellen Bericht zu veröf- fentlichen (§ 289b Abs. 3, § 315b Abs. 1,3 HGB). Der gesonderte Bericht kann zusam- men mit dem Lagebericht oder auf der Internetseite des Unternehmens veröffentlicht wer- den. Daraus können sich Unterschiede in den Berichtsveröffentlichungen ergeben.
Durch die Umsetzung der CSR-Richtlinie in das nationale Recht, kommt es zur Erweite- rung des Pflichtenumfangs des Aufsichtsrats zur Prüfung des Lageberichts. Somit obliegt dem Aufsichtsrat zusätzlich die inhaltliche Prüfung der nichtfinanziellen Erklärung ge- mäß § 171 Abs. 1 Satz 4 AktG. Der Abschlussprüfer hingegen hat ausschließlich die Vor- lage der nichtfinanziellen Erklärung bzw. des gesonderten nichtfinanziellen Berichts zu prüfen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit den nichtfinanziellen Bericht freiwillig einer externen inhaltlichen Prüfung unterziehen zu lassen. Dabei ergeben sich weitere Wahlmöglichkeiten bezüglich der Auswahl des Prüfers und der Prüfungsintensität.
aa) Einordnung der Umweltberichterstattung in Bezug auf unterschiedliche Motivatio- nen der CSR
Vor dem Hintergrund der erhöhten gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen können die Motive entweder strategischer oder präferenzbasierter Natur sein.25 Aus der Perspektive der präferenzbasierten CSR werden aufgrund der Beachtung von Sozial- und Umweltbelangen Profitabilitätsverluste in Kauf genommen. Im Gegensatz dazu nimmt das Unternehmen bei der strategischen CSR eine gesellschaftliche Verantwortung an, um ihre Marktposition zu stärken und den Profit langfristig zu steigern.26 Dadurch können alle Beteiligten einen Nutzen daraus ziehen.
Übertragbar ist die Ausprägung der strategischen CSR auch auf die Umweltstrategie der Unternehmen. Durch ein erhöhtes Umweltengagement kann neben der Umwelt auch das Unternehmen durch höhere Gewinne profitieren.27 Der Umweltaspekt stellt dabei eine Teildimension der CSR dar.28 Aus diesem Grund lässt sich nicht zwingend vom CSR- Begriff auf die Umwelt schließen, da hierzu noch weitere Aspekte berücksichtig werden müssen.29 Allerdings lässt sich der Umweltaspekt mit der CSR, aufgrund ihrer hohen De- ckungsdichte, häufig auf eine Stufe stellen, wobei in Ausnahmefällen unterschiedliche Ergebnisse zu beachten sind. Demnach investieren verantwortungsvolle Shareholder in Unternehmen, die eine langfristige Umweltstrategie verfolgen.30 Dafür ist es notwendig die Unternehmensleitung und ihre Umweltaktivitäten zu überwachen.
Die Beziehung zwischen Unternehmensleitung und Shareholder spiegelt eine Prinzipal- Agent-Beziehung wider.31 Die Shareholder stellen dabei dem Unternehmen Finanzmittel zur Verfügung und erwerben einen Anspruch auf Beteiligung an den zukünftigen Erträ- gen des Unternehmens. Der Shareholder als Prinzipal überlässt der Unternehmensleitung als Agent, aufgrund von Spezialisierungsvorteilen, die Verfügungsgewalt über ihr Ver- mögen.32 Die Unternehmensleitung hingegen verspricht diese Mittel sinnvoll zu nutzen.
Mit der Trennung von Eigentum und Kontrolle eines Unternehmens entstehen sogenannte Agency-Probleme.33 Hierbei besteht das Problem, dass die Ziele von Shareholder und Management nicht immer übereinstimmen.34 Wenn beide Parteien ihren Nutzen maxi- mieren wollen, gibt es Grund zur Annahme, dass der Agent nicht im Interesse des Prin- zipals handelt.35 Somit müssen die Shareholder damit rechnen, dass das Management die Finanzmittel für Ausgaben verwendet, die vor allem den Nutzen des Managements erhö- hen und zu Lasten der Unternehmenserträge gehen. Ein solcher Interessenskonflikt ist charakteristisch für eine Prinzipal-Agent-Beziehung.36 Der Prinzipal kann durch eine ge- eignete Anreizsetzung oder durch die Überwachung der Aktivitäten der Unternehmens- leitung eine abweichende Handlung des Agenten begrenzen.37 Bei der Überwachung der Unternehmensleitung besteht jedoch das grundlegende Problem der Informationsasym- metrie zwischen den beiden Parteien.38 Das Management als Agent besitzt mehr Infor- mationen über seine Umweltaktivitäten als der Shareholder als Prinzipal.
Für den Shareholder besteht die Schwierigkeit die Eigenschaften des Managements zu verifizieren.39 Daraus ergibt sich für einige Agenten ein Anreiz ihre schlechten Umwelt- eigenschaften besser darzustellen. Die unvollständigen Überprüfungsmöglichkeiten die- ser Eigenschaften führen für den Shareholder zum Problem der adversen Selektion.40 Bei diesem Problem sind sie dem Risiko ausgesetzt, in ein Unternehmen mit geringem Um- weltengagement zu investieren. Ebenfalls können Informationsasymmetrien entstehen, sofern der Prinzipal nach seiner Investition das Verhalten des Agenten nicht beobachten oder aufgrund mangelnder Fachkenntnisse nicht beurteilen kann. Aus dieser Informati- onsasymmetrie resultiert die Gefahr des Moral Hazards.41 Beim Moral Hazard kann die Unkenntnis bzw. die fehlenden Kontrollen des Prinzipals opportunistisch vom Agenten ausgenutzt werden.42
Zur Reduktion der vorhandenen Informationsasymmetrien kann ein Informationssystem genutzt werden.43 Dabei kann die Berichterstattung von Umweltbelangen als ein Infor- mationssystem dienen, um das Problem der adversen Selektion zu reduzieren.44 Hierbei signalisiert der Agent sein Umweltengagement durch die Berichterstattung und möchte sich dadurch von schlechteren Konkurrenten abgrenzen. Allerdings ist der Abbau von Informationsasymmetrien mit Kosten verbunden.45
Im Rahmen der Signaling-Theorie wird die wesentliche Problematik der Prinzipal-Agent- Theorie aufgegriffen.46 Hierbei dient Signaling als ein Instrument zur Reduktion asym- metrisch verteilter Informationen.47 Mittels einer nichtfinanziellen Berichterstattung kön- nen die Unternehmen über ihr Umweltengagement berichten. Das Aussenden solcher Sig- nale ermöglicht den Unternehmen mit einem hohen Umweltengagement, sich von schlechteren Konkurrenten abzugrenzen.48 Hierbei gelten die Kapitalmarktteilnehmer und andere Interessentengruppen der Umwelt als mögliche Adressaten. Der Shareholder ist jedoch als Hauptadressat anzusehen, da die Aufnahme von Umweltinformationen, auf eine Erklärung des finanziellen Erfolgs abzielt.49
1 Vgl. UNEP FI/PRI/Trucost: Universal Ownership - Why environmental externalities matter to institu- tional investors, 2010, abrufbar unter http://www.unepfi.org/fileadmin/documents/universal_owner- ship.pdf (abgerufen am 23.1.19), hier S.3.
2 Vgl. Cormier, Denis/Magnan, Michel/Van Velthoven, Barbara: Environmental disclosure quality in large German companies: Economic incentives, public pressures or institutional conditions?, in: EAR, 14. Jg. (2005), S. 3-39, hier S. 4.
3 Vgl. De Klerk, Marna/ De Villiers, Charl/ Van Staden, Chris: The influence of corporate social respon-sibility disclosure on share prices: Evidence from the United Kingdom, in Pacific Accounting Review, 27. Jg. (2015), S. 208-228, hier S. 224.
5 Commission of The European Communities: Green Paper - Promoting a European framework for Cor- porate Social Responsibility, Brüssel, 2001, abrufbar unter http://ec.europa.eu/transpar- ency/regdoc/rep/1/2001/EN/1-2001-366-EN-1-0.Pdf (abgerufen am 23.1.19), hier S.7
6 Vgl. Solomon, Aris/Lewis, Linda: Incentives and Disincentives for Corporate Environmental Disclo-sure, in: Business Strategy and the Environment, 11. Jg. (2002), S. 154-169, hier S. 156 f.
7 Vgl. Spence, Michael: Job Market Signaling, in: QJE, 87. Jg. (1973), S. 355-374, hier S. 358 ff.
9 Vgl. Ioannis, Ioannou/George, Serafeim: The Consequences of Mandatory Corporate Sustainability Reporting, Working Paper, No. 11-100, Havard Business School, 2011, abrufbar unter https://ideas.repec.org/p/hbs/wpaper/11-100.html (abgerufen am 13.11.2018), hier S. 7.
10 Vgl. Richtlinie 2014/95/EU des EU Parlamentes und des Rates vom 22.10.2014 zur Änderung der Richtlinie 2013/34/EU im Hinblick auf die Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen durch bestimmte große Unternehmen und Gruppen, ABlEU v. 15.11.2014, L130, S. 1.
11 Vgl. Ebenda, hier S. 4.
12 Vgl. BGBl. Jahrgang 2017 Teil I Nr. 20, vom 18.04.2017: Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernberichten (CSR-Richtlinie-Umsetzungs- gesetz) vom 11.04.2017, hier S. 810f.
13 Vgl. Hennrichs, Joachim: Die Grundkonzeption der CSR-Berichterstattung und ausgewählte Problem-felder, in: ZGR, 47. Jg. (2018), 206-229.
14 Vgl. Roth, Felix: The effect of the financial crisis on systemic trust, in: Intereconomics, 44. Jg. (2009), S. 203-208, hier S. 207 f.
15 Vgl. Richtlinie 2014/95/EU des EU Parlamentes und des Rates vom 22.10.2014 zur Änderung der Richtlinie 2013/34/EU im Hinblick auf die Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen durch bestimmte große Unternehmen und Gruppen, ABlEU v. 15.11.2014, L130, S. 1.
16 Vgl. KOM: Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen, Brüssel, 2011, abrufbar unter https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2011:0681:FIN:DE:PDF (abgerufen am 23.1.19), hier S. 4 f.
17 Vgl. Richtlinie 2014/95/EU des EU Parlamentes und des Rates vom 22.10.2014 zur Änderung der Richtlinie 2013/34/EU im Hinblick auf die Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen durch bestimmte große Unternehmen und Gruppen, ABlEU v. 15.11.2014, L130, S. 1.
18 Vgl. Ebenda, hier S. 1.
19 Vgl. Ebenda, hier S. 4.
20 Vgl. BGBl. Jahrgang 2017 Teil I Nr. 20, vom 18.04.2017: Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernberichten (CSR-Richtlinie-Umsetzungs- gesetz) vom 11.04.2017, S. 802-814.
21 Vgl. Böcking, Hans-Joachim/Althoff, Carolin: Paradigmenwechsel in der (Konzern-)Lageberichterstat- tung über nicht-monetäre Erfolgsfaktoren, in: Der Konzern, 15. Jg. (2017), S. 246 – 255, hier S. 248.
22 Vgl. BGBl. Jahrgang 2017 Teil I Nr. 20, vom 18.04.2017: Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernberichten (CSR-Richtlinie-Umsetzungs-gesetz) vom 11.04.2017, hier S. 810 f.
23 Vgl. Niehues, Nils/Dutzi, Andreas/Schwoy, Sophia: Aussagekraft der CO2-Berichterstattung als Element der nichtfinanziellen Erklärung, in: Der Konzern, 16. Jg. (2018), S. 296 – 304, hier. S. 297
24 IDW: Pflichten und Zweifelsfragen zur nichtfinanziellen Erklärung als Bestandteil der Unternehmens- führung, Düsseldorf, 2017, abrufbar unter https://www.idw.de/blob/101498/30d545b52d2fcc5d71a 71035b8336a70/down-positionspapier-csr-data.pdf (abgerufen am 24.1.19), hier S. 14.
25 Vgl. Bénabou, Roland/Tirole, Jean: Individual and Corporate Social Responsibility, in: Economica, 77. Jg. (2010), S. 1-19, hier S. 9 ff.
26 Vgl. Kitzmueller, Markus/Shimshak, Jay: Economic Perspectives on Corporate Social Responsibility, in JEL, 50. Jg. (2012), S. 51-85, hier S. 58 ff.
27 Vgl. Bénabou, Roland/Tirole, Jean: Individual and Corporate Social Responsibility, in: Economica, 77. Jg. (2010), S. 1-19, hier S. 9 f.
28 Vgl. Van Marrewijk, Marcel: Concepts and Definitions of CSR and Corporate Sustainability: Between Agency and Communion, in JBE, 44. Jg. (2003), S. 95-105, hier S. 101 f.
29 Vgl. Uddin, Mohammed/Hasan, Riad/Tarique, Kazi: Three Dimensional Aspects of Corporate Social Responsibility, in: Daffodil International University Journal of Business and Economics, 3. Jg. (2008), S. 199-212, hier S. 207.
30 Vgl. Ebenda, hier S. 10.
31 Vgl. Watts, Ross: Corporate financial statements, a product of the market and political process, in: AJM, 4. Jg. (1977), S. 1-42, hier S. 4.
32 Vgl. Jensen, Michael/Meckling, William: Theory of the Firm: Managerial Behavior, Agency Costs and Ownership Structure, in JFE, 3. Jg. (1976), S. 305-360, hier. S. 308.
33 Vgl. Eugene, Fama/Michael, Jensen: Separation of Ownership and Control, in: JLE, 26. Jg. (1983), S. 301-325, hier S. 302.
34 Vgl. Eugene, Fama/Michael, Jensen: Agency Problems and Residual Claims, in: JLE, 26. Jg. (1983), S. 327-349, hier S. 331.
35 Vgl. Watts, Ross: Corporate financial statements, a product of the market and political process, in: AJM, 4. Jg. (1977), S. 1-42, hier S. 4.
37 Vgl. Tosi, Henry/Katz, Jeffrey/Gomey-Mejia, Luis: Disaggregating the Agency Contract: The Effects of Monitoring, Incentive Alignment, and Term in Office on Agent Decision Making, in: AMJ, 40. Jg. (1997), S. 584-602, hier S. 584 ff.
38 Vgl. Akerlof, George: The Market for "Lemons": Quality Uncertainty and the Market Mechanism, in QJE, 84. Jg. (1970), S. 488-500, hier S. 490 ff.
39 Vgl. Eisenhardt, Kathleen: Agency Theory: An Assessment and Review, in: AMR, 14. Jg. (1989), S. 57-74, hier S. 61.
40 Vgl. Prescott, Edward/Townsend, Robert: Pareto Optima and Competitive Equilibria with Adverse Se- lection and Moral Hazard, in: Econometrica, 52. Jg. (1984), S. 21-46, hier S. 23.
41 Vgl. Hölmstrom, Bengt: Moral Hazard and Observability, in BJE, 10. Jg. (1979), S. 74-91, hier S. 74.
42 Vgl. Eisenhardt, Kathleen: Agency Theory: An Assessment and Review, in: AMR, 14. Jg. (1989), S. 57-74, hier S. 61.
43 Vgl. Lang, Mark/Lundholm, Russel: Voluntary Disclosure and Equity Offerings: Reducing Information Asymmetry or Hyping the Stock?, in CAR, 17. Jg. (2000), S. 623-662, hier S. 628.
44 Vgl. Morris, Richard: Signalling, Agency Theory and Accounting Policy Choice, in: ABR, 18. Jg. (1987), S. 47-56, hier S. 48.
45 Vgl. Jensen, Michael/Meckling, William: Theory of the Firm: Managerial Behavior, Agency Costs and Ownership Structure, in JFE, 3. Jg. (1976), S. 305-360, hier. S. 308.
46 Vgl. Worsham, Jeff/Gatrell, Jay: Multiple Principals, Multiple Signals: A Signaling Approach to Prin- cipal-Agent Relations, in: PSJ, 33. Jg. (2005), S. 363-376, hier S. 365 ff.
47 Vgl. Spence, Michael: Job Market Signaling, in QJE, 87. Jg. (1973), S. 355-374, hier S. 355 ff.
49 Vgl. Al-Tuwaijri, Sulaiman/Christensen, Theodore/Hughes II, K.E.: The relations among environmen- tal disclosure, environmental performance, and economic performance: a simultaneous equations ap- proach, in: Accounting Organizations and Society, 29. Jg. (2004), S. 447-471, hier S. 466 ff.
Euy Hyun Moon (Autor)
V492468
9783668984059
CSR, Corporate Social Responsibility, Reporting, Corporate Governance, Umwelt, Umweltberichterstattung, Moral Hazard, Adverse Selection, Adverse Selektion, DAX30, EU, Richtlinie 2014/95 EU, Prinzipal-Agent Theorie, Principal Agency, Agency Theory, Signaling, Vergleichbarkeit
Euy Hyun Moon (Autor), 2019, Die verpflichtende nichtfinanzielle Firmenberichterstattung und ihre Auswirkung auf das Reporting von Umweltbelangen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492468
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