Source: https://www.jusmeum.de/urteil/bgh/78a386b45284c29fa96a9284135fed93e3a0696647b60ef9816d07a26de03bdc
Timestamp: 2019-08-18 00:43:28
Document Index: 99639630

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 331', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 331', '§ 331', '§ 333', '§ 331', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 331', '§ 331', '§ 331', '§ 333', 'BGH', 'BGH', '§ 331', '§ 333', 'BGH', 'BGH', '§ 331', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 331', 'BGH', '§ 331', '§ 331', '§ 331', '§ 334', '§ 331', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 331', '§ 11', '§ 42', '§ 79', '§ 42', '§ 79', '§ 55', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 4 StR 69/07: BGH (nebentätigkeit, stgb, vergabe von aufträgen, vorteil, vereinbarung, erstellung, vorteilsannahme, stadt, vergütung, verfügung)
Urteil des BGH vom 21.06.2007, 4 StR 69/07
4 StR 69/07
BGH (nebentätigkeit, stgb, vergabe von aufträgen, vorteil, vereinbarung, erstellung, vorteilsannahme, stadt, vergütung, verfügung)
Nebentätigkeit, Stgb, Vergabe von aufträgen, Vorteil, Vereinbarung, Erstellung, Vorteilsannahme, Stadt, Vergütung, Verfügung
zu 1.: wegen Vorteilsannahme u.a. zu 2.: wegen Vorteilsgewährung
Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat in der Sitzung vom 21. Juni 2007,
Rechtsanwalt für den Angeklagten M.
sowie die Angeklagten K. und M. in Person,
des Landgerichts Saarbrücken vom 13. Oktober 2006,
soweit die Angeklagten K. und M. freigesprochen
worden sind, mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben.
Rechtsmittel, an eine andere (allgemeine) Strafkammer
1Das Landgericht hat den Angeklagten K. wegen Untreue in
25 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten
verurteilt und deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt. Jedoch hat es
den Angeklagten K. vom Vorwurf der Vorteilsannahme in fünf Fällen und den
Angeklagten M. vom Vorwurf der Vorteilsgewährung in fünf Fällen freigesprochen. Gegen diese Freisprüche wendet sich die Staatsanwaltschaft mit ihren auf die Sachrüge gestützten Revisionen. Die vom Generalbundesanwalt
vertretenen Rechtsmittel haben Erfolg.
21. Zu den gegen die Angeklagten K. und M. erhobenen Vorwürfen der Vorteilsannahme bzw. -gewährung hat das Landgericht im Wesentlichen Folgendes festgestellt:
3Der Angeklagte K. war seit 1978 als Angestellter beim Tiefbauamt
der Stadt Saarbrücken beschäftigt. Er war in der Abteilung Straßenbau für die
Brückenunterhaltung zuständig und zur freihändigen Vergabe von Aufträgen an
Fremdfirmen bis zu einer Auftragshöhe von 5.000 DM bzw. 2.500 Euro befugt.
Im Bereich darüber wurde von seinen Vorschlägen grundsätzlich nicht abgewichen. Für die Abwicklung der Aufträge, insbesondere die Bestätigung der sachlichen und rechnerischen Richtigkeit der Rechnungen, war er in seinem Arbeitsbereich allein zuständig.
4Das vom Angeklagten M. in Saarbrücken betriebene Ingenieurbüro befasste sich schwerpunktmäßig mit dem Brückenbau und hatte bereits seit langem für die Stadt Saarbrücken die Erhaltungs- und Sanierungsarbeiten an verschiedenen Brückenbauwerken betreut. Im Zuge der seit 1994 geplanten Sanierungsarbeiten an der "Flürchenbrücke" und der Bismarckbrücke war der Angeklagte M. mit den der Ausschreibung dieser Arbeiten vorausgehenden Vorarbeiten und Berechnungen (Erstellung der Positionstexte, Mengenermittlungen, Leistungsbeschreibungen und Festlegung der Ausführungsphasen) beauftragt worden. Für die Arbeiten an der Bismarckbrücke wurde am 12. Januar
2000 der Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Ausschreibung auf den
19. Februar „2006“ (richtig wohl: 2000) festgelegt.
5Am 25. Januar 2000 brach die EDV-Anlage des Angeklagten M. zusammen. Dabei gingen die vorbereitenden Berechnungen und sonstigen Datensätze, die die Sanierung der Bismarckbrücke betrafen, unwiederbringlich
verloren. Bei einer Besprechung mit dem Leiter des Straßenbauamtes, an der
auch der Angeklagte K. teilnahm, teilte der Angeklagte M. mit, er könne die Ausschreibungsunterlagen wegen des Ausfalls seiner EDV-Anlage nicht
fristgerecht fertig stellen. Die Frist wurde bis zum 28. Februar „2006“ (richtig
wohl: 2000) verlängert.
6Der Angeklagte K. bot dem Angeklagten M. seine Hilfe bei der
Erstellung der Ausschreibungsunterlagen an. Der Angeklagte M. nahm das
Angebot an. Aus seiner Sicht war der Angeklagte K. , der auf die bereits im
Vorfeld dem Tiefbauamt übermittelten Berechnungen des Ingenieurbüros für die
Erstellung der Ausschreibungsunterlagen zurückgreifen konnte, "der einzige in
Betracht kommende Ingenieur, durch dessen Mitarbeit eine annähernd fristgerechte Auftragserledigung" möglich war. Eine ausdrückliche Vereinbarung über
die Vergütung der Arbeiten des Angeklagten K. wurde nicht getroffen.
7In der Folgezeit erbrachte der Angeklagte K. für den Angeklagten
M. Ingenieurleistungen vor allem in Form statischer Berechnungen zur Erstellung der Ausschreibungsunterlagen. In den Monaten Juni 2000 bis Oktober
2002 stellte der Angeklagte K. dem Angeklagten M. in Abstimmung mit
diesem seine Leistungen "auf Zuruf" in fünf Teilbeträgen in Rechnung, wobei in
den Rechnungen jeweils vom Angeklagten K. tatsächlich nicht erbrachte
Leistungen für ein von dem Ingenieurbüro des Angeklagten M. betreutes Projekt für die Technischen Werke Kaiserslautern angeführt wurden. In dem Zeitraum vom 19. Juli 2000 bis zum 21. Februar 2002 zahlte der Angeklagte M.
in drei Teilbeträgen insgesamt 50.246,79 DM sowie in zwei weiteren Teilbeträ-
gen insgesamt 23.116,12 Euro an den Angeklagten K. . Dieser hatte eine
Genehmigung der Nebentätigkeit nicht beantragt, weil er eine solche - wie er
wusste - nicht erhalten hätte.
82. Das Landgericht hat die Freisprüche maßgeblich darauf gestützt, dass
nicht nachzuweisen sei, dass der Vertrag, der zu den Zahlungen geführt habe,
die den in Heimarbeit erbrachten Arbeitsleistungen des Angeklagten K. jedenfalls nicht unangemessen gewesen seien, gerade wegen dessen Amtsträgerstellung abgeschlossen worden sei. Die Einlassung des Angeklagten M. ,
den Anklagten K. nicht aus Gründen der "Klimapflege", sondern ausschließlich deshalb beauftragt zu haben, weil dieser als Einziger in der Lage
gewesen sei, ihm zur einigermaßen fristgerechten Fertigstellung der Arbeiten
zu verhelfen, werde vor dem Hintergrund der für den Angeklagten M. bestehenden Zwangslage plausibel. Dass damit auch andere Zwecke hätten verfolgt
werden sollen, habe sich mit den zur Verfügung stehenden oder sonst ersichtlichen Beweismitteln „zumindest nicht sicher" nachweisen lassen. Dass der Angeklagte M. von dem Angeklagten K. bei der Vergabe von Ingenieurarbeiten im Bereich der Brückeninstandhaltung „auch anderweitig“ beauftragt
worden sei, reiche hierfür nicht aus, zumal nichts dafür spreche, dass der Angeklagte M. bei der Auftragsvergabe „in irgendeiner Weise bevorzugt behandelt worden wäre.“
9Die Freisprüche begegnen schon auf der Grundlage der bisherigen Feststellungen durchgreifenden rechtlichen Bedenken. Zudem hält die den Feststellungen zu der Nebentätigkeit des Angeklagten K. zu Grunde liegende Beweiswürdigung rechtlicher Nachprüfung nicht stand.
1. Auch dann, wenn die vom Angeklagten M. an den Angeklagten 10
K. geleisteten Zahlungen, wie von den Angeklagten behauptet, ein angemessenes Entgelt für die von dem Angeklagten K. übernommene Nebentätigkeit darstellten, liegt ein Vorteil im Sinne der §§ 331 Abs. 1, 333 Abs. 1
StGB vor. Darunter ist jede Leistung zu verstehen, auf die der Amtsträger keinen Rechtsanspruch hat und die seine wirtschaftliche, rechtliche oder auch nur
persönliche Lage objektiv verbessert (st. Rspr., vgl. BGHSt 31, 264, 279; BGH
NJW 2003, 763, 764). Ein solcher Vorteil kann bereits im Abschluss eines Vertrages liegen, auf den der Amtsträger keinen Rechtsanspruch hat (vgl. BGHSt
31, 264, 279 f.; BGH wistra 2003, 303, 304; MünchKomm StGB-Korte § 331
Rdn. 72 ff.). So liegt es hier. Der Angeklagte K. hatte keinen Rechtsanspruch
darauf, dass ihm durch die Übertragung der Nebentätigkeit ermöglicht wurde,
durch den Einsatz seiner Arbeitskraft Einkünfte zu erzielen.
112. Bei der Prüfung, ob der in der Übertragung der Nebentätigkeit liegende Vorteil, wie gemäß § 331 Abs. 1 bzw. § 333 Abs. 1 StGB erforderlich, "für die
Dienstausübung" angenommen bzw. gewährt wurde, hat das Landgericht die
Nebentätigkeit des Angeklagten K. zutreffend als Privathandlung (vgl. dazu
MünchKomm StGB-Korte § 331 Rdn. 87, 89 m.N.) angesehen. Nebentätigkeiten sind auch dann keine Dienstausübung, sondern Privathandlungen, wenn
der Amtsträger - wie hier - bei seiner Nebentätigkeit dienstlich erworbene
Kenntnisse nutzt oder einsetzt (vgl. BGHSt 11, 125, 128; BGHSt 18, 263, 267;
BGH wistra 2001, 388, 389). Sie sind Dienstausübung nur, soweit der Amtsträger bei der Ausführung der Nebentätigkeit - jedenfalls auch - im Rahmen seiner
dienstlichen Obliegenheiten für den Vorteilsgeber tätig werden soll (vgl. BGHSt
31, 264, 280 f. zu § 331 StGB a.F.). Das ist nach den bisherigen Feststellungen
nicht der Fall, jedoch für die Tatbestandserfüllung auch nicht erforderlich.
12Für die Frage, ob die Übertragung einer privaten entgeltlichen Nebentätigkeit auf einer Unrechtsvereinbarung im Sinne der §§ 331 Abs. 1, 333 Abs. 1
StGB beruht, kommt es vielmehr entscheidend darauf an, ob die Angeklagten
den in der Vereinbarung der entgeltlichen Nebentätigkeit liegenden Vorteil im
Sinne eines Gegenseitigkeitsverhältnisses mit der Dienstausübung des Angeklagten K. im Rahmen seiner dienstlichen Tätigkeit für das Tiefbauamt der
Stadt Saarbrücken verknüpfen wollten. Dies setzt nach der Neufassung von
§ 331 Abs. 1 und § 333 Abs. 1 StGB durch das am 20. August 1997 in Kraft
getretene Korruptionsbekämpfungsgesetz vom 13. August 1997 (BGBl I
S. 2038) nicht mehr voraus, dass der Vorteil als Gegenleistung für eine bestimmte oder zumindest bestimmbare Diensthandlung des Amtsträgers gedacht
ist. Ein Vorteil wird "für die Dienstausübung" vielmehr schon dann gewährt,
wenn er von Vorteilsgeber und Vorteilsnehmer allgemein im Sinne eines Gegenseitigkeitsverhältnisses mit der Dienstausübung des Amtsträgers verknüpft
wird (BGHSt 49, 275, 281; BGH NStZ 2005, 334). Mit dieser Erweiterung von
§ 331 Abs. 1 und § 333 Abs. 1 StGB sollten die Schwierigkeiten überwunden
werden, die sich bei der Anwendung dieser Vorschriften daraus ergaben, dass
vielfach die Bestimmung des Vorteils für eine bestimmbare Diensthandlung
nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisbar war. Um dem Hervorrufen
eines bösen Anscheins möglicher Käuflichkeit eines Amtsträgers zu begegnen
(vgl. BGH NStZ 2005, 334; BGHR StGB § 331 Anwendungsbereich 2), sollte
ferner die Strafbarkeit wegen Vorteilsannahme bzw. Vorteilsgewährung auf die
von den Vorschriften in der bisherigen Fassung nicht erfassten Fälle (vgl. BGH
NJW 2003, 763, 765 m.N., insoweit in BGHSt 48, 44 nicht abgedruckt) erstreckt
werden, in denen durch die Vorteile nur das generelle Wohlwollen des Amtsträgers erkauft bzw. "allgemeine Klimapflege" betrieben wird (vgl. BGHSt 49, 275,
Ausgehend von diesen Grundsätzen lässt allerdings, insoweit ist der 13
Ausgangspunkt des Landgerichts zutreffend, nicht schon die private entgeltliche
Nebentätigkeit eines Amtsträgers als solche den Schluss auf eine Unrechtsvereinbarung im Sinne der §§ 331 Abs. 1, 333 Abs. 1 StGB zu. Maßgeblich ist
vielmehr, welcher Art die Beziehungen des Vorteilsgebers zu der Dienststelle
des Amtsträgers sind und ob die Interessen des Vorteilsgebers sich dem Aufgabenbereich des Amtsträgers zuordnen lassen (vgl. BGHSt 39, 45, 47 m.N.).
Demgemäß kann das Vorliegen einer Unrechtsvereinbarung nur für solche privaten entgeltlichen Nebentätigkeiten ohne Weiteres verneint werden, die für
einen Auftraggeber ausgeübt werden, mit dem der Amtsträger solche dienstlichen Berührungspunkte nicht hat und auch nicht haben kann (vgl. MünchKomm
StGB-Korte § 331 Rdn. 106). Unter diesen Umständen ist eine private Nebentätigkeit regelmäßig nicht geeignet, den bösen Anschein möglicher Käuflichkeit
des Amtsträgers zu erwecken.
Anders verhält es sich jedoch, wenn - wie hier - zwischen Vorteilsgeber 14
und Amtsträger dienstliche Berührungspunkte bestehen, die es nahe legen
können, dass der mit der Ausübung einer entgeltlichen Nebentätigkeit verbundene Vorteil von Vorteilsgeber und Vorteilsnehmer - jedenfalls auch - allgemein
im Sinne eines Gegenseitigkeitsverhältnisses mit der Dienstausübung des
Amtsträgers verknüpft wird. In solchen Fällen bedarf es deshalb besonders
sorgfältiger Prüfung, ob die Erteilung eines Auftrags für eine entgeltliche Nebentätigkeit ausschließlich wegen der besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten des
Amtsträgers erfolgt oder ob sie auch erfolgt, um seine Dienstausübung zu beeinflussen (vgl. MünchKomm StGB-Korte aaO).
153. Diesen Anforderungen werden die knappen Erwägungen des Landgerichts, mit denen es in Anwendung des Zweifelsgrundsatzes Unrechtsvereinbarungen im Sinne der §§ 331 Abs. 1, 333 Abs. 1 StGB verneint hat, nicht gerecht.
a) Die Beweiswürdigung des Landgerichts begegnet schon deshalb 16
durchgreifenden rechtlichen Bedenken, weil die Urteilsausführungen besorgen
lassen, dass das Landgericht, obwohl es an anderer Stelle auf die Gesetzesänderung hingewiesen hat, von einem an der früheren Rechtslage orientierten zu
engen Verständnis des Tatbestandsmerkmals "für die Dienstausübung" ausgegangen ist. Dies gilt insbesondere für die Erwägung, soweit der Angeklagte
M. auch anderweitig vom Angeklagten K. bei der Vergabe von Ingenieurarbeiten im Bereich der Brückeninstandhaltung beauftragt worden sei, spreche nichts dafür, dass der Angeklagte M. insoweit "in irgendeiner Weise"
bevorzugt behandelt worden wäre. Zwar ist die bevorzugte Behandlung eines
Vorteilsgebers bei der Vornahme einer Diensthandlung ein gewichtiges Indiz für
eine Unrechtsvereinbarung im Sinne der §§ 331 Abs. 1, 333 Abs. 1 StGB oder -
bei pflichtwidrigem Handeln - der Bestechung (§ 334 Abs. 1 StGB). Ist die Vornahme einer solchen Diensthandlung nicht nachzuweisen, kann aber daraus
nicht ohne Weiteres der Umkehrschluss gezogen werden; denn eine Unrechtsvereinbarung im Sinne der §§ 331 Abs. 1, 333 Abs. 1 StGB liegt schon dann
vor, wenn der Vorteil allgemein im Sinne eines Gegenseitigkeitsverhältnisses
mit der Dienstausübung des Amtsträgers verknüpft wird (BGHSt 49, 275, 281;
BGH NStZ 2005, 334).
b) Das Landgericht hätte in einer Gesamtschau aller Indizien (vgl. BGH 17
wistra 2004, 432 f.) prüfen müssen, ob die vielfältigen dienstlichen Berührungspunkte der Ingenieurstätigkeit des Angeklagten M. mit dem dienstlichen
Aufgabenbereich des Angeklagten K. nicht zumindest den Schluss zulassen,
dass die Vereinbarung der nach den Feststellungen für den Angeklagten
K. lukrativen Nebentätigkeit nach den Vorstellungen der Angeklagten - jedenfalls auch - in dem oben genannten Sinne der "Klimapflege" dienen sollte. In
diese Gesamtschau hätte das Landgericht insbesondere folgende Umstände,
die für eine solche Unrechtsvereinbarung sprechen können, einbeziehen müssen:
aa) Aufgrund der langjährigen umfangreichen Geschäftsbeziehungen 18
des Angeklagten M. zum Tiefbauamt der Stadt Saarbrücken ergab sich eine
Vielzahl dienstlicher Berührungspunkte zwischen den Angeklagten. Dieses
sachliche Näheverhältnis wurde, worauf der Generalbundesanwalt in seiner
Antragsschrift zutreffend hingewiesen hat, mit die Vereinbarung der entgeltlichen Nebentätigkeit vertieft. Je enger das Näheverhältnis zwischen Vorteilsgeber und Vorteilsnehmer ist, desto mehr drängt sich aber die Annahme einer
Verknüpfung des Vorteils mit einer vom Vorteilsgeber erwünschten und vom
Vorteilsnehmer gebilligten "Klimapflege" auf.
19bb) Den Straftatbeständen der Vorteilsannahme und der Vorteilsgewährung ist ein gewisses Maß an Heimlichkeit und Verdeckung der Vorteilsvereinbarung und des Vorteils gegenüber der Anstellungskörperschaft eigen (vgl.
BGHSt 48, 44, 51; BGH wistra 2003, 303, 305; MünchKomm StGB-Korte § 331
Rdn. 106). Ein gewichtiges - wenn auch nicht allein maßgebliches - Indiz, das
auf eine Unrechtsvereinbarung schließen lässt, ist deshalb die Verschleierung
der nicht genehmigten Nebentätigkeit gegenüber dem Tiefbauamt.
Die beamtenrechtlichen Vorschriften über die Genehmigungspflicht von 20
Nebentätigkeiten, die auf den Angeklagten K. als Angestellten im öffentlichen Dienst sinngemäß Anwendung finden (§ 11 BAT), sollen es dem Dienstherrn nicht nur ermöglichen, durch Versagung einer Genehmigung eine über-
mäßige, der Erledigung der Dienstgeschäfte abträgliche Beanspruchung des
Amtsträgers zu verhindern (vgl. § 42 Abs. 2 Nr. 1 BRRG; § 79 Abs. 2 Nr. 1
Saarländisches Beamtengesetz - SBG). Sie sollen vielmehr auch verhindern,
dass durch die Übernahme der Nebentätigkeit die Integrität des Amtsträgers in
Frage gestellt wird. Deshalb ist eine Nebentätigkeitsgenehmigung unter anderem dann zu versagen, wenn die Nebentätigkeit geeignet ist, die Unparteilichkeit oder Unbefangenheit des Beamten zu beeinflussen oder wenn sie dem Ansehen der öffentlichen Verwaltung abträglich sein kann (§ 42 Abs. 2 Nr. 4, 6
BRRG, § 79 Abs. 2 Nr. 4, 6 SBG). Die Nichteinholung einer Nebentätigkeitsgenehmigung bedurfte hier insbesondere auch deshalb näherer Erörterung, weil
sich der Angeklagte K. bewusst war, dass ihm für die übernommene Nebentätigkeit aus den vorgenannten Gründen keine Genehmigung erteilt worden wäre und es nach den gesamten Umständen nahe liegt, dass auch der Angeklagte
M. hiervon ausging.
4. Die Freisprüche können aber auch deshalb nicht bestehen bleiben, 21
weil die in Anwendung des Zweifelsgrundsatzes getroffenen Feststellungen zu
den Umständen der Vereinbarung der Nebentätigkeit, deren Umfang und zu der
Angemessenheit der hierfür gezahlten Vergütung widersprüchlich, unklar und
lückenhaft sind.
22Zwar dürfte es sich bei den jeweils auf das Jahr 2006 bezogenen Datumsangaben in den Urteilsgründen zu den für die Fertigstellung der Ausschreibungsunterlagen gesetzten Fristen (UA 13) um ein bloßes Schreibversehen
handeln. Dafür spricht insbesondere, dass im Rahmen der Beweiswürdigung
ein in der Hauptverhandlung verlesenes Schreiben des Tiefbauamts vom 25.
Februar 2000 genannt wird (UA 15), aus dem sich die Abläufe in Bezug auf die
Abgabetermine ergeben sollen. Danach liegt es zumindest nahe, dass der Abgabetermin für die Ausschreibungsunterlagen ursprünglich auf den 19. Februar
2000 festgesetzt worden war und in der Besprechung am 11. Februar 2000 auf
den 28. Februar 2000 verlängert wurde. Auch dann ist aber auf der Grundlage
der bisherigen Feststellungen nicht nachvollziehbar, dass dem Angeklagten
M. , wie von diesem behauptet, "eine annähernd fristgerechte Auftragserledigung" nur mit Hilfe des Angeklagten K. möglich war, weil anderenfalls ein
anderer Ingenieur sich die erforderlichen Kenntnisse "erst mühsam und zeitaufwendig" hätte aneignen müssen. Nach den Feststellungen standen die vom
Ingenieurbüro des Angeklagten M. dem Tiefbauamt bereits übermittelten
Berechnungen weiterhin zur Verfügung. Dass die noch erforderlichen Arbeiten
mit Hilfe dieser beim Tiefbauamt vorliegenden Daten nicht auch vom Ingenieurbüro des Angeklagten M. hätten durchgeführt werden können, lässt sich den
Urteilsgründen nicht entnehmen.
23Soweit das Landgericht auf Grund der unwiderlegten Einlassungen der
Angeklagten von der Angemessenheit der Vergütung der Nebentätigkeit ausgegangen ist, hätte es näherer Feststellungen zu Art und Umfang der vom Angeklagten erbrachten Leistungen und dazu bedurft, wann die Nebentätigkeit
abgeschlossen war. Dies gilt insbesondere deshalb, weil bei Einhaltung der gesetzten Frist nach den bisherigen Feststellungen nur wenige Tage für die Erstellung der Ausschreibungsunterlagen zur Verfügung standen. Dann aber sind
weder die Höhe der insgesamt für diese Nebentätigkeit gezahlten Vergütung
noch der Zeitraum von mehr als zwei Jahren, in dem der Angeklagte K. die
jeweiligen Teilbeträge in Rechnung stellte, nachvollziehbar.
24Soweit die Angeklagten freigesprochen worden sind, ist das Urteil daher
mit den zugehörigen Feststellungen aufzuheben.
Die gegen den Angeklagten K. verhängte Gesamtfreiheitsstrafe, die 25
von der Revision nicht angefochten wird, bleibt dagegen bestehen. Der neue
Tatrichter wird gegebenenfalls nach den Grundsätzen von § 55 StGB zu verfahren haben (vgl. BGH NJW 1983, 1130, 1131; NStZ-RR 2003, 118; BGH, Urteil
vom 3. Dezember 2003 - 5 StR 361/03).
Zur Beurteilung der Konkurrenzen wird vorsorglich auf BGH wistra 2004, 26
29 und NStZ 1995, 92 hingewiesen.