Source: http://de.slideshare.net/presseportalCH/economiesuisse-konstruktiver-marschhalt-der-aktienrechtsreform-dokument
Timestamp: 2017-02-20 08:51:30
Document Index: 133175458

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 95', 'Art. 95', 'Art. 95', 'Art. 626', 'Art. 95', 'Art. 95', 'Art. 95', 'Art. 18', 'Art. 626', 'Art. 735', 'Art. 735', 'Art. 95', 'Art. 735', 'Art. 735', 'Art. 19', 'Art. 735', 'Art. 19', 'Art. 735', 'Art. 735', 'Art. 735', 'Art. 735', 'Art. 735', 'Art. 735', 'Art. 154', 'Art. 154', 'Art. 24', 'Art. 154', 'Art. 154', 'Art. 154', 'Art.\n24', 'Art. 71', 'Art. 22', 'Art. 734', 'Art 697', 'Art. 107', 'Art. 678', 'Art.\n756', 'Art. 697', 'Art. 697', 'Art. 697', 'Art. 703', 'Art. 703', 'Art. 697', 'Art. 703', 'Art. 734', 'Art. 734', 'Art. 632', 'Art.632', 'Art. 626', 'Art. 4', 'Art. 652', 'Art. 704', 'Art. 652', 'Art. 652', 'Art. 704', 'Art. 661', 'Art. 95', 'Art. 685', 'Art. 685', 'de lege lata', 'Art. 685', 'Art. 671', 'Art. 671', 'BGer', 'Art. 671', 'Art. 678', 'Art. 678', 'Art. 678', 'Art. 678', 'Art. 678', 'Art. 678', 'Art. 689', 'Art.689', 'Art 697', 'Art. 697', 'Art.\n701', 'Art. 710', 'Art 710', 'Art. 716', 'Art. 716', 'Art. 699', 'Art. 699', 'Art. 700', 'Art. 700', 'Art. 700', 'Art. 701', 'Art. 95', 'de lege lata', 'Art. 703', 'Art. 703', 'Art. 703', 'Art. 716', 'Art. 716', 'Art. 716', 'Art. 717', 'Art. 717', 'Art. 717', 'Art. 725', 'Art. 725', 'Art. 725', 'Art. 725', 'Art. 725', 'Art. 725', 'Art. 725', 'Art. 734', 'Art. 697', 'Art. 734', 'Art. 697', 'Art. 754', 'Art. 754', 'Art. 95', 'Art. 754', 'Art. 754', 'Art. 963', 'Art. 963', 'Art. 963', 'Art. 963', 'Art. 673', 'Art. 964', 'Art. 41', 'Art. 964', 'Art. 42', 'Art. 964', 'Art. 964', 'Art. 964', 'Art. 621', 'Art. 622', 'Art. 653', 'Art. 653', 'Art. 653', 'Art. 656']

economiesuisse - «Konstruktiver Marschhalt» der Aktienrechtsreform (D…
Affordable Homes for Sale in Poway, CA
by AilsaJon
by Bethsaydo6
Zürich (ots) - - Hinweis: Hintergrundinformationen können kostenlos im pdf-Format unter http://presseportal.ch/de/pm/100002808 heruntergeladen werden - economiesuisse fordert einen konstruktiven Marschhalt bei der Revision ... / http://ots.ch/601a0cb
Per E-Mail an: ehra@bj.admin.ch
Revision des Aktienrechts – Stellungnahme von economiesuisse
Mit Schreiben vom 28. November 2014 haben Sie uns in oben stehender Angelegenheit zur Stellung-
nahme eingeladen. Für die gebotene Gelegenheit zur Meinungsäusserung danken wir Ihnen bestens.
economiesuisse, der Dachverband der Wirtschaft, hat bei seinen Mitgliedern – bestehend aus 100
Branchenverbänden, 20 kantonalen Handelskammern sowie grösseren Einzelunternehmen – eine um-
fassende interne Konsultation durchgeführt. Gestützt auf deren Stellungnahmen und Empfehlungen,
den eingehenden Diskussionen unter Einbezug von Spezialisten aus der Lehre und der Praxis in den
diversen zuständigen Arbeitsgruppen in Zusammenarbeit mit SwissHoldings, den Diskussionen im
Geschäftsführerausschuss, dem Vorstandsausschuss und dem Vorstand von economiesuisse nehmen
wir aus einer gesamtwirtschaftlichen Sicht wie folgt Stellung:
Die Ausgestaltung des Gesellschafts- und insbesondere des Aktienrechts ist in hohem Masse
standortrelevant. Nur ein Aktienrecht, das die Interessen und Bedürfnisse aller Unternehmen in
der Schweiz optimal berücksichtigt – vom Kleinbetrieb bis zum internationalen Konzern, er-
laubt es, dass die Unternehmen in der Schweiz ihre volkswirtschaftlich wichtige Rolle weiterhin
Ein Marschhalt bei der Aktienrechtsrevision ist erforderlich: Mit der Aufhebung der Euro-
Franken-Untergrenze durch die Schweizerische Nationalbank und der Tatsache, dass sich da-
mit die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen auf den internationalen Märkten
massiv verschlechtert hat, ist die Beurteilung der Revisionsvorlage unter dem Aspekt der Aus-
wirkungen auf den Wirtschaftsstandort Schweiz noch wichtiger geworden. Der Wirtschafts-
standort Schweiz steht vor ernsthaften Herausforderungen. In dieser Situation gilt es alles zu
unterlassen, was zu zusätzlichen Verunsicherungen und vermeidbaren hohen Kosten bei den
Unternehmen führen würde.
Gestützt auf diese Ausgangslage machen wir die folgenden Anträge zur Revisionsvorlage:
1. Die Hauptantrag
 Keine Weiterverfolgung des Revisionsvorhabens im gegenwärtigen Zeitpunkt
 Revisionsvorhaben so weiterführen, dass die Wirtschaft nicht zusätzlich belastet wird
3. Die Hauptanliegen im Falle der Weiterführung der Revision
1) Rechtssicherheit gewährleisten, VegüV-Regelungen nicht verändern
2) Kein Sonderprozessrecht
3) Geschlechterquote: Der Selbstregulierung eine Chance geben
Wir werden in der Folge zuerst die Gründe für unseren Hauptantrag (derzeitiger Verzicht auf die Wei-
terführung der Aktienrechtsrevision) darlegen. Für den Fall, dass der Bundesrat entgegen dieser Ar-
gumente beschliessen sollte, dem Parlament eine Botschaft zu unterbreiten, nehmen wir zum Vorent-
wurf bereits detailliert Stellung. Wir gliedern unsere diesbezüglichen Ausführungen dabei wie folgt:
 Unter Ziff. 1 erläutern wir die Gründe für unseren Hauptantrag.
 Unter Ziff. 2 und 3 legen wir unsere Hauptanliegen dar, soweit es zu einer Überarbeitung des
Vorentwurfs kommt.
 Unter Ziff. 4 führen wir weitere wichtige Anliegen auf.
 Unter Ziff. 5 gehen wir auf im Vorentwurf vorgeschlagene Regelungen ein, die in einer allfälli-
gen Botschaft übernommen werden sollten.
 Ziff. 6 enthält schliesslich die Schlussbemerkungen.
1 Hauptantrag: Auf Revisionsvorhaben im gegenwärtigen Zeitpunkt verzichten
Die vorgesehene Aktienrechtsrevision im jetzigen Zeitpunkt ist unnötig. Es besteht kein dringendes
Regulierungsbedürfnis. Es muss derzeit höchstes Ziel sein, bei den Unternehmen keine zusätzliche
Verunsicherung zu schaffen und die Wirtschaft nicht mit neuen vermeidbaren Regulierungskosten zu
belasten. Zu beidem käme es aber, wenn die vorgeschlagene Revision vorangetrieben würde. Die teil-
weise äusserst weit gehenden Vorschläge des Revisionsvorhabens (im Zusammenhang mit der Über-
führung der VegüV in ordentliches Recht, aber auch etwa in Bezug auf Geschlechterquoten und neue
Klageinstrumente) haben bereits durch ihre Veröffentlichung national wie auch international hohe Wel-
len geworfen und Verunsicherung verursacht. International sind einzelne Vorschläge einzigartig. Insge-
samt werden die vorgeschlagenen neuen Regeln sowohl für kotierte wie auch für nichtkotierte Aktien-
gesellschaften aller Grössen und in allen Branchen einen grossen zusätzlichen Administrativaufwand
Der Wiederherstellung der Rechtssicherheit und Stabilität des Schweizer Rechtsrahmens muss derzeit
überragende Bedeutung zukommen. Dies ganz besonders dort, wo keinerlei Druck aus dem Ausland
besteht. Nach den jahrelangen Wirren um die Minder Initiative war es in der VegüV gelungen, im Rah-
men des Verfassungstextes Lösungen zu finden, die gerade noch wirtschaftsverträglich waren. Gleich-
zeitig muss jedoch klar festgehalten werden, dass die VegüV das strengste „Say on Pay“ Regime der
Welt verankert hat. Die von der VegüV adressierten, börsenkotierten Firmen mussten die neuen Rah-
menbedingungen und die damit verbundenen Statutenänderungen ihren Investoren in zahlreichen
Roadshows und bilateralen Treffen eingehend erklären. Es wäre für den Ruf des Standorts Schweiz
verheerend, wenn die entsprechende Regelung nun sogleich wieder geändert würde und den Investo-
ren schon wieder Anpassungen und insbesondere Statutenänderungen angekündigt werden müssten.
Auch wenn in der Vorlage einige wenige Vorschläge enthalten sind, an welchen die Wirtschaft Interes-
se hätte, sind wir der klaren Ansicht, dass die Schweizer Wirtschaft dieses Aktienrecht derzeit nicht
braucht. Deshalb sollte auf eine weitere Revision des Aktienrechts im gegenwärtigen Zeitpunkt verzich-
Dass es sich bei der VegüV lediglich um einen Übergangserlass handelt und deren Bestimmungen zu
gegebener Zeit ins ordentliche Recht zu überführen sein werden, ändert an dieser Beurteilung nichts.
Die VegüV ist erst seit 1. Januar 2014 in Kraft. Einzelne Teile müssen von den adressierten Unterneh-
men erst per 31. Dezember 2015 umgesetzt werden. Die VegüV hat den Verfassungstext wortgetreu
umgesetzt und geht an einigen Stellen sogar darüber hinaus. Zurzeit bestehen noch kaum Erfahrungen
bei der Anwendung der neuen Bestimmungen. Diese gilt es nun zu sammeln. Wenn über eine gewisse
Zeit hinweg solche erst gewonnen werden, bevor die definitive Gesetzgebung erlassen wird, dient dies
nicht zuletzt den Aktionären und der Werterhaltung ihrer Investitionen und damit der Zielsetzung des
neuen Art. 95 Abs. 3 BV. Auch unter diesem Aspekt ist ein Aufschub der Revision angezeigt. Es muss
mehr praktische Erfahrung mit der VegüV-Regelung gesammelt werden können, bevor bereits wieder
neue Bestimmungen und Regelungsansätze zur Diskussion gestellt werden.
Es kommt ein weiterer Punkt dazu, warum es angezeigt wäre, die Revision im gegenwärtigen Zeitpunkt
zu sistieren. Die Annahme der Minder-Initiative und die Umsetzung der neuen Verfassungsbestimmung
haben zu grundlegenden Veränderungen im Zusammenhang mit Generalversammlungen von kotierten
Unternehmen geführt. Die unabhängige Stimmrechtsvertretung etwa hat ein Gewicht erhalten, wie sie
frühere institutionelle Stimmrechtsvertreter (Organ- oder Depotvertretung) nie in gleichem Umfang hat-
ten. Das Gefühl von an der Generalversammlung teilnehmenden Aktionären, einem übermächtigen
anonymen Block von Stimmen gegenüber zu stehen, hat sich dadurch verstärkt. Nach der Umsetzung
von Art. 95 Abs. 3 BV wäre es daher erforderlich, die Rolle und Funktion der Generalversammlung aus
einer umfassenden, ganzheitlichen Perspektive zu beleuchten. Letztlich geht um die Thematik, wie –
unter Einbezug der Vor-gaben von Art. 95 Abs. 3 BV – eine moderne Generalversammlung optimal
funktionsfähig ist. Eingehend geprüft werden sollte in diesem Zusammenhang daher etwa, ob es der
Anpassungen bei der Konzeption der Generalversammlung bedarf, über welche Kompetenzen diese
künftig verfügen soll, wie sie abgehalten werden soll und wie das bisherige Recht optimal mit den neu-
en Vorgaben unter Art. 95 Abs. 3 BV in Einklang gebracht werden kann? Punktuell nimmt der Vorent-
wurf einige Aspekte auf, etwa durch den Vorschlag eines Aktionärsforums (Elektronisches Forum) oder
auch durch den Versuch, der Dispoaktienproblematik mittels eines Dividendenzuschlags, resp. –
abschlags beizukommen. Die entsprechenden Vorschläge sind jedoch unausgegoren, nicht ins Ge-
samtsystem eingebettet und daher auch grösstenteils unpraktikabel. Unseres Erachtens fehlt bisher
eine umfassende Analyse der Thematik mit entsprechenden Lösungsvorschlägen.
Schliesslich ist absehbar, dass der Revisionsvorschlag im parlamentarischen Prozess noch stark ver-
ändert werden könnte. Somit wird ein bereits jetzt wenig integrales Aktienrecht durch punktuelle Ver-
änderungen weiter fragmentiert. Es ist bereits heute schwierig, für Nutzer des Aktienrechts den Über-
blick zu wahren und die einschlägigen Fundstellen im Aktienrecht zu finden. Geschweige denn, dass
die Nutzer sich in Sicherheit wiegen können, alle einschlägigen Bestimmungen gefunden zu haben.
Die Revision schafft diesbezüglich keine Abhilfe. Das Gegenteil ist der Fall.
Ein konstruktiver Marschhalt bei der Aktienrechtsrevision kann genutzt werden, um eine Expertengrup-
pe / Groupe de Réfléxion einzusetzen, die sich der Thematik aus einer gesamtheitlichen, längerfristi-
gen Sicht annimmt. Ein solches Gremium müsste aus Expertinnen und Experten aller in diesem Zu-
sammenhang relevanter Kreise bestehen. Auch die Expertise der Wirtschaft wäre einzubinden, nicht
zuletzt, um die Praktikabilität der Lösungen sicherzustellen. Dieses Vorgehen sehen wir als einzigen
Weg, dass das Aktienrecht wieder eine Einheit darstellen und den modernen Anforderungen angepasst
2 Eventualantrag: Revisionsvorhaben so weiterführen, dass die Wirtschaft nicht zusätz-
lich belastet wird
Wenn die Aktienrechtsrevision trotz dieser gravierenden Bedenken der Wirtschaft weitergeführt werden
sollte, wäre es umso wichtiger, dass den vorstehenden grundsätzlichen Überlegungen zur Vermeidung
von zusätzlicher Verunsicherung und Kosten auch im weiteren Verlauf der Behandlung der Vorlage
grösstmögliche Beachtung geschenkt wird. Zur Wahrung der Rechtssicherheit ist entscheidend, dass
insbesondere bei der Überführung der VegüV in das Aktienrecht keine grundlegenden Änderungen an
der geltenden Regelung (wie sie im Vorentwurf zum Teil enthalten sind) vorgenommen werden.
3 Hauptanliegen im Falle einer Weiterführung der Revision
3.1 Rechtssicherheit gewährleisten, VegüV-Regelungen nicht verändern
Mit der Annahme der Minder-Initiative hat die Schweiz einen Weg zur Ausgestaltung ihres Gesell-
schaftsrechts gewählt, der sich erheblich von den Regelungen in der EU, in den USA und in anderen
Ländern unterscheidet. Eine bindende Abstimmung über die Beträge der Entschädigung von Verwal-
tungsrat und Geschäftsleitung gibt es in keinem anderen Land der Welt. Dies hat zu grossen Verunsi-
cherungen bei den Unternehmen und Investoren geführt. Mit grossem Aufwand und in vielen Road-
shows haben die betroffenen Unternehmen den (internationalen) Investoren die neuen Regelungen
erklärt und versucht, das verloren gegangene Vertrauen wiederherzustellen. Insbesondere weil mit der
Umsetzung der Minder-Initiative etliche Zusatzkosten für die Unternehmen einhergingen und weil eini-
ge Bestimmungen inkompatibel mit Regelungen in anderen Ländern sind, haben sich dennoch einige
Unternehmen von den Schweizer Börsen dekotieren lassen (u.a. Berner Oberland Bahnen AG, BLS,
Swisstech Invest, Weatherford). Andere Unternehmen haben der Schweiz gar den Rücken gekehrt
(u.a. Noble, Pentair, Tyco Holding). Neukotierungen durch Unternehmen aus dem Ausland in der
Schweiz sind seither gänzlich ausgeblieben. Dies zeigt, dass die Standortattraktivität bereits beein-
Vor diesem Hintergrund ist es zentral, dass nun nicht mit wieder geänderten Regelungen die Verunsi-
cherung neu geschürt wird. Es bedarf hier nun der Kontinuität. Vorerst haben Erfahrungen mit den
VegüV-Regeln gesammelt zu werden; es braucht eine objektive Auseinandersetzung mit diesen Erfah-
rungen, damit ein abgeklärter Entscheid möglich ist, ob die Unternehmen tatsächlich wieder mit neuen
Anforderungen und Auflagen konfrontiert werden müssen. Den Unternehmen und ihren Aktionären
nach derart kurzer Zeit schon wieder zuzumuten, wesentliche Statutenänderungen vorzunehmen, wür-
de das Vertrauen in die Stabilität und Vorhersehbarkeit der Rahmenbedingungen in der Schweiz gra-
vierend beeinträchtigen.
In dieser Hinsicht erachten wir die Änderung der folgenden Bestimmungen des Vorentwurfs als unbe-
E-Art. 626 Abs. 2 Ziffer 3 – gesetzlich vorgegebener Statuteninhalt / max. zulässiges Verhältnis
zwischen fixer und gesamter Vergütung
Der Vorentwurf sieht vor, dass das maximal zulässige Verhältnis zwischen der fixen und der gesamten
Vergütung je für den Verwaltungsrat, die Geschäftsleitung und den Beirat zwingend in den Statuten
anzugeben ist. Der Erläuternde Bericht macht keine Angaben darüber, welcher Zweck mit diesem Vor-
schlag einer neuen zwingenden Norm verfolgt werden soll. Vermutungsweise soll es darum gehen,
Unternehmen mittels einer erhöhten Transparenz dazu zu bringen, den Anteil der variablen Vergütun-
gen gegenüber den fixen Vergütungen stärker zu begrenzen.
Wir lehnen den Vorschlag sowohl aus grundsätzlichen Überlegungen wie auch aus Praktikabilitäts-
gründen ab. Mit der Annahme von Art. 95 Abs. 3 BV (Minder-Initiative) wurde der Weg gewählt, den
Generalversammlungen eine stärkere Mitsprache bei der Entlohnung der Unternehmensführung zu
geben. Dies, gegen den der Initiative entgegengestellten indirekten Gegenvorschlag, der den Unter-
nehmen, statt der (zwingenden) Mitsprache der Generalversammlung, detailliertere Vorgaben im Ver-
gütungsreglement auferlegen wollte. Der von den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern mit der Schaf-
fung von Art. 95 Abs. 3 BV gewählte Ansatz lässt es den Unternehmen offen, in welchem Verhältnis sie
fixe und variable Vergütungen vorsehen wollen. Entscheidend ist, dass die Generalversammlung über
die Gesamtvergütung zwingend abstimmen kann. Der gemachte Vorschlag widerspricht unter diesem
Aspekt dem mit Art. 95 Abs. 3 BV geschaffenen systemischen Ansatz.
Erfahrungen im Finanzbereich legen nahe, dass durch eine Regelung, wie sie vorgeschlagen wird, die
fixen Vergütungen und damit auch die Fixkosten der Unternehmen tendenziell deutlich erhöht würden.
In der Industrie sind die Gefahren einer übertriebenen Risikobereitschaft der Unternehmensleitung
wesentlich kleiner als im Finanzbereich. Daher hat sich auch eine entsprechende europäische Rege-
lung auf den Finanzbereich beschränkt.
Unter Praktikabilitätsüberlegungen stellt sich insbesondere die Frage, wie unter einem gesetzlichen
Erfordernis der prozentmässigen Zuteilung von variablen und fixen Vergütungen mit „Longterm Incenti-
ve Plans (LTI)“ umgegangen werden soll. Entsprechende Zuteilungen (Grant) erfolgen häufig gar nicht
erfolgsabhängig, sondern werden fix in Prozenten des Basissalärs ausgedrückt (Müller/Oser, Praxis-
kommentar VegüV, Art. 18 N 181). Das bedeutet, dass in der Praxis die zwischen einer langfristigen
variablen Komponente und der fixen Vergütung bestehenden Unterschiede sehr gering sind. Entspre-
chend ergeben sich unter der vorgeschlagenen Bestimmung erhebliche Zuteilungsprobleme.
Wir beantragen daher, auf den neuen Art. 626 Abs. 2 Ziff. 3 zu verzichten.
E-Art. 735 – GV-Abstimmung über Vergütungen
Wie erwähnt hat sich die Schweiz im Rahmen der VegüV bereits heute das schärfste „Say on Pay“-
Recht der Welt auferlegt. Gemäss E-Art. 735 Abs. 3 Ziff. 4 soll nun aber zusätzlich der rein prospektive
Abstimmungsmodus über die variable Vergütung als unzulässig erklärt werden. Dieser Vorschlag des
Bundesrates überrascht. Er ist auch einer der Hauptgründe für die erneute, erhebliche Verunsicherung
von Unternehmen und Investoren. Dies insbesondere auch, weil der Bundesrat damit innert kürzester
Zeit in dieser Sache bereits seinen dritten Regelungsansatz präsentiert.
 Mitte 2013, im Vorentwurf zur Umsetzungsverordnung zu Art. 95 Abs. 3 BV (VgdA) schlug der
Bundesrat vor, dass Generalversammlungen grundsätzlich prospektiv über die fixen und retro-
spektiv über die variablen Vergütungen abzustimmen hätten, die Statuten aber eine prospekti-
ve GV-Abstimmung sowohl für fixe wie auch für variable Vergütungen vorsehen könnten.
 Ende 2013, nach Abwägung aller Vor- und Nachteile beider Ansätze, entschied sich der Bun-
desrat im Rahmen der in Kraft gesetzten Umsetzungsverordnung (VegüV), keine Präferenz ei-
nes Abstimmungsmodus mehr zu stipulieren, sondern den Entscheid über den Abstimmungs-
modus den Unternehmensstatuten zu überlassen.
 Ende 2014, ohne über wirkliche Erfahrung mit den von den Unternehmen gewählten Abstim-
mungsverfahren zu verfügen, stösst der Bundesrat seinen früheren Entscheid bereits wieder
um und will nun im Rahmen des Vorentwurfs zur Aktienrechtsrevision den einen Abstim-
mungsmodus – prospektive Abstimmung sowohl für fixe wie auch für variable Vergütungen –
Nach eingehender sachlicher Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen der verschiedenen
Abstimmungsverfahren, welche die VegüV ermöglicht, hat sich der grösste Teil der kotierten Gesell-
schaften (gemäss einer Studie von ethos drei Viertel der grössten 150 Gesellschaften; zum gleichen
Resultat kommt auch eine von Prof. Rolf Watter präsentierte Studie1) für einen rein prospektiven Ab-
stimmungsmodus entschieden. Die Gesellschaften haben ihre Statuten entsprechend angepasst (in
den meisten Fällen mit einer Zustimmung von rund 90% der Generalversammlung).
Viele Unternehmen haben die ausschliesslich prospektive zwingende Abstimmung mit einer Konsulta-
tivabstimmung über den Vergütungsbericht verbunden, was zu einer Behandlung der Vergütungsthe-
matik durch die Generalversammlung geführt hat, die auch von den internationalen Investoren verstan-
den und mitgetragen wird.
Das Verbot der von der grossen Mehrheit der Unternehmen (bzw. ihren Aktionären) gewählten Ab-
stimmungsvariante würde die von der VegüV mit neuen Rechten ausgestatteten Aktionäre in diesem
Bereich gleich wieder entmündigen. Gerade grosse internationale Investoren haben nur dank dieser
Umsetzungsvariante ihre Bedenken aufgegeben, dass die Schweizer Unternehmen nicht mehr kompe-
titiv seien und nicht mehr die Führungskräfte finden könnten, derer sie auf dem globalen Markt bedür-
Ein Verbot einer generell prospektiven Abstimmung ist auch aus arbeitsrechtlichen und arbeitsvertrag-
lichen Überlegungen heikel. So ist denkbar, dass bei einem Verbot von prospektiven Abstimmungen
über variable Vergütungen das Unternehmen in eine Situation kommen kann, wo es seine arbeitsver-
traglichen Abmachungen mit Geschäftsleitungsmitgliedern nicht honorieren kann. Dies bspw. dann,
wenn bei Eintritt deren Voraussetzungen variable Vergütungsbestandteile an sich geschuldet wären,
das Unternehmen diese wegen einem negativen Beschluss der Generalversammlung (z.B. wegen mitt-
lerweile verschlechterter Ertragslage des Unternehmens) aber nicht auszahlen darf. Könnten Ge-
schäftsleitungsmitgliedern in Zukunft keine variablen Lohnbestandteile bei Erreichen der entsprechen-
den Vorgaben mehr zugesichert werden (da die Generalversammlung über diese erst im Nachhinein
befinden kann), so wäre dies unter Standortaspekten sowie im Rekrutierungsprozess höchst nachteilig.
Kaum ein Manager dürfte bereit sein, bei einer Erstanstellung (insbesondere bei einer Relokation aus
dem Ausland) den gesamten variablen Vergütungsanteil unter das letztlich willkürliche „Vielleicht“ eines
am Arbeitsvertrag nicht Beteiligten (der Generalversammlung) zu stellen. Nur eine rein prospektive
Abstimmungsvariante ermöglicht es den Gesellschaften zudem, im Falle eines Negativentscheides
noch rechtzeitig eine ausserordentliche Generalversammlung durchzuführen, bevor die Geschäftslei-
tung kündigen kann, weil mit dem nicht genehmigten Lohnbestandteil ein wesentlicher Vertragsbe-
standteil entfallen ist. Der rein prospektive Abstimmungsmodus schafft deshalb auch Rechtssicherheit
1 CFOs Abendversantstalutng: VegüV – Erste Erfahrungen in der Umsetzung,
http://blog.hslu.ch/cfos/2014/06/28/cfos-abendveranstaltung-veguev-erste-erfahrungen-
in-der-umsetzung/.
Ferner gilt es zu bedenken, dass sich bei retrospektiven Abstimmungen über einzelne Vergütungsele-
mente an der Generalversammlung Widersprüche ergeben können zwischen der Genehmigung des
Jahresberichts und des Vergütungsberichtes (unter Vorbehalt der anschliessenden Genehmigung der
retrospektiven Vergütungsteile) und den unter einem späteren Traktandum (Abstimmungen über die
Gesamtvergütungen) erfolgenden retrospektiven Abstimmung über diese Vergütungsteile.
Im Anhang zum Swiss Code of Best Practice for Corporate Governance (Ziff. 38) wird die Möglichkeit
aufgeführt, bei einer rein prospektiven Abstimmung den Vergütungsbericht einer Konsultativabstim-
mung vorzulegen. Diese ergänzende Massnahme haben, wie erwähnt, viele Unternehmen eingeführt.
Sie gibt den Generalversammlungen die Möglichkeit, sich auch retrospektiv über die erfolgten Vergü-
tungen zu äussern, ohne aber die operative Handlungsfähigkeit der Unternehmen zu gefährden. Eine
solche retrospektive Konsultativabstimmung über den Vergütungsbericht oder das Vergütungssystem
entspricht der globalen Best Practice.
Das Aktienrecht sollte in diesem Bereich die möglichst grosse Flexibilität wahren, um den Aktionären
zu ermöglichen, die für sie richtige Abstimmungsvariante zu finden.
Unter Berücksichtigung der vorstehenden Ausführungen und in der vorgeschlagenen Form beantragen
wir, Art. 735 Abs. 3 Ziff. 4 zu streichen.
E-Art. 735a – Zusatzbetrag
Der Vorentwurf präzisiert gegenüber der entsprechenden Regelung der VegüV (Art. 19), dass der Zu-
satzbetrag nicht auch für beförderte bisherige Mitglieder der Geschäftsleitung verwendet werden kann.
Wir erachten diese Einschränkung nicht für nötig und in dieser Form auch nicht für angebracht. Es ist
durchaus denkbar, dass ein bestehendes Mitglied der Geschäftsleitung neue Funktionen übernehmen
muss, die zusätzlich abzugelten sind. In der Praxis zeigt sich gar, dass, zumindest für eine Übergangs-
zeit, sehr oft interne Personen die vakante Funktion besetzen. Es ist nicht einsichtig, warum nur dann
der Zusatzbetrag verwendet werden könnte, wenn für diese Funktionen ein neues Mitglied gewählt
wird, nicht aber dann, wenn ein bestehendes Mitglied diese Funktion übernimmt. Die vorgeschlagene
Regelung schafft eine Ungleichbehandlung zwischen internen und externen Bewerbern für die neue
Funktion. Selbstverständlich sollen reine Lohnerhöhungen nicht durch den Zusatzbetrag abgedeckt
Um dies klar zu stellen, beantragen wir das Folgende vor:
 Belassen des Wortlauts von E-Art. 735a Abs. 1 gemäss Art. 19 Abs. 1 VegüV.
 Präzisierung von E-Art. 735a Abs. 2 wie folgt: …. für die Vergütung der neuen Mitglieder oder
der neuen Funktionen bestehender Mitglieder ausreicht.
E-Art. 735c – Unzulässige Vergütungen
Insbesondere in Branchen, in welchen das Geistige Eigentum einen wesentlichen Erfolgsfaktor dar-
stellt, ist es zur Absicherung des Unternehmens regelmässig erforderlich, Konkurrenzverbote, welche
12 Monate übersteigen, zu vereinbaren. Im Sinne einer Präzisierung der Regelung zum Konkurrenz-
verbot schlagen wir vor, es den Arbeitsvertragsparteien zwar offen zu lassen, für wie lange sie ein
Konkurrenzverbot vereinbaren wollen, aber klar festzuhalten, dass die Bemessungsgrundlage für eine
marktübliche Entschädigung für das Konkurrenzverbot (unabhängig von dessen Dauer) maximal 12
Monate betragen darf (E-Art. 735c Abs. 3). Mit der rein monetären Begrenzung der Karenzentschädi-
gung wird vermieden, unnötig in die Vertragsfreiheit zwischen dem Unternehmen und seinen Angestell-
ten einzugreifen. Gleichzeitig wird der Zweck der im Vorentwurf vorgeschlagenen Regelung gewahrt.
Wegen des gemäss unserem Vorschlag möglichen Auseinanderfallens der Dauer des Konkurrenzver-
bots zur maximalen Bemessungsgrundlage für die Karrenzentschädigung (12 Monate), müsste zumin-
dest in den Materialien klar festgehalten werden, dass es sich hier um eine lex specialis zum Arbeits-
recht handelt (wo die Karrenzentschädigung die Dauer des Konkurrenzverbots reflektieren muss).
E-Art. 735c Abs. 1 Ziff. 5 verlangt, dass Antrittsprämien nur dann zulässig sein sollen, wenn sie einen
klar nachweisbaren finanziellen Nachteil kompensieren. Was der Unterschied zwischen einem „klar
nachweisbaren“ und einem „nachweisbaren“ finanziellen Nachteil sein soll, ist nicht verständlich und
wird im Erläuternden Bericht auch nicht erklärt. Die Beweisanforderung „klar nachweisbar“ findet sich
auch sonst nirgends. Auch diesbezüglich verweisen wir auf die Regelung im Swiss Code of Best Prac-
Zusammenfassend beantragen wir:
 E-Art. 735c Abs. 3 zu streichen und gleichzeitig in E-Art. 735c Abs. 1 Ziff. 3 den Zusatz beizu-
fügen „; eine solche darf maximal für einen Zeitraum von 12 Monaten bemessen werden“.
 Antrittsprämien als unzulässig zu bezeichnen, wenn sie keinen […] nachweisbaren finanziellen
Nachteil kompensieren.
E-Art. 154 StGB - Strafbestimmung
E-Art. 154 Abs. 3 StGB schlägt neu vor, das Erfordernis des direkten Vorsatzes in Bezug auf die Bege-
hung der Tathandlungen von Absatz 1 und 2 des gleichen Artikels durch den Wortlaut „Nimmt der Täter
die Möglichkeit der Verwirklichung einer Tat nach Absatz 1 und 2 lediglich in Kauf, so macht er sich
nach diesen Bestimmungen nicht strafbar“ zu regeln. Art. 24 VegüV verwendete dazu bisher die Ter-
minologie „wider besseres Wissen“.
Auch hier wird die VegüV ohne Not und ohne Begründung abgeändert. Es gibt aus unserer Sicht kei-
nen Grund, vom bisher verwendeten Wortlaut abzuweichen. „Wider besseres Wissen“ stipuliert das
Erfordernis des direkten Vorsatzes im Prinzip in gleicher Weise wie der neu vorgeschlagene Wortlaut in
E-Art. 154 Abs. 3 StGB. Der entscheidende Unterschied liegt allerdings darin, dass für die primären
Bestimmungsadressaten, die in der Regel keine Strafrechtler, sondern die Mitglieder von Unterneh-
mensführungen sind, „wider besseres Wissen“ bedeutend verständlicher ist als E-Art. 154 Abs. 3 StGB.
Der neue Wortlaut in E-Art. 154 Abs. 3 StGB führt zu einer unnötigen Abweichung von der VegüV, die
lediglich die Auswirkung hat, die Regelungsadressaten zusätzlich zu verunsichern.
Wir beantragen daher, zur Regelung des Erfordernisses des direkten Vorsatzes, wie bis anhin in Art.
24 VegüV, den Terminus „wider besseres Wissen“ zu verwenden.
E-Art. 71a & 71b AHVG – Stimmpflicht der Vorsorgeeinrichtungen
Wir lehnen eine zwingende Verpflichtung zur Abstimmung über alle Traktanden ab. Was verfassungs-
mässig erforderlich ist, hat der Bundesrat in der VegüV festgelegt. Hierbei geht es um Aktionärsrechte,
keine Pflichten. Es gibt keinen Grund, den Aktionären – auch nicht Vorsorgeeinrichtungen – einen
Stimmzwang aufzuerlegen. Ein umfassender gesetzlicher Stimmzwang für Vorsorgeeinrichtungen wür-
de zu einer Mitwirkungspflicht einzelner Aktionäre und somit zu einem grundsätzlichen Paradigmen-
wechsel führen, der so weder verfassungsrechtlich vorgesehen, noch sachlich begründet ist. Eine Vor-
sorgeeinrichtung wird auch ohne neuen gesetzlichen Zwang ihre Stimme zu anderen als den vorge-
schriebenen Traktanden abgeben, wenn sie dies mit Blick auf die Interessen ihrer Destinatäre als er-
forderlich erachtet. Dazu ist sie im Übrigen unter den allgemeinen Rechtsgrundsätzen des Schweizer
Vorsorgerechts bereits verpflichtet. Auch die Richtlinien für Institutionelle Investoren halten Vorsorge-
einrichtungen an, wenn dies im Interesse der Destinatäre geboten ist, die Stimmrechte an der General-
versammlung auszuüben (Ziff. 1 der Richtlinien). Die Aktienrechtsrevision soll daher auch in dieser
Hinsicht nicht kostentreibend überregulieren.
Wir beantragen daher, die bisherige Aufzählung der Traktanden, unter der eine Stimmabgabe durch
die Vorsorgeeinrichtungen zwingend zu erfolgen hat (bisheriger Art. 22 Abs. 1 Ziff. 1-3 VegüV), beizu-
E-Art. 734a Abs. 3 Ziff. 2+3 – individuelle Offenlegung des Vergütungsbetrags für Mitglieder der
Eine weitere unbegründete Änderung der Vergütungsregelung stellt der Vorschlag der individuellen
Offenlegung dar. Wir gehen darauf nachstehend unter „Weitere Anliegen“ ein.
3.2 Kein Sonderprozessrecht
Den prozessrechtlichen Rahmenbedingungen, mit denen die Unternehmen an einem Standort konfron-
tiert sind, wird bei der Beurteilung eines Unternehmensstandortes grösste Bedeutung bei-gemessen.
Exemplarisch zeigt sich dies in den USA, wo eine grosse Anzahl der Firmen in Delaware inkorporiert
ist, weil dort das prozessrechtliche Umfeld vergleichsweise moderat ist. Die Thematik hat in letzter Zeit
deswegen zusätzliche Beachtung erhalten, weil in verschiedenen Staaten – im Grunde sicher gut ge-
meinte – Prozessrechtserleichterungen für Kläger gegenüber Unternehmen zu missbräuchlichen Kla-
geverfahren geführt haben. So sind deutsche Fälle bekannt, wo Klagen erhoben wurden, nicht weil die
„Klägerkonsortien“ berechtigte Aussicht auf Prozesserfolg hatten, sondern, weil sie darauf spekulierten,
den Unternehmen ein Vergleich abzuringen weil diese die negative Publizität eines Prozesses unbe-
dingt würden vermeiden wollen.. Bisher war man sich in der Schweiz zu Recht dahingehend einig, dass
keine übertrieben klägerfreundliche Prozesskultur geschaffen werden sollte.
Wir haben aus diversen Gesichtspunkten grosse Vorbehalte gegenüber den neuen, erweiterten Klage-
rechten, die der Vorentwurf vorschlägt:
 Vorab scheint der Vorentwurf pauschal davon auszugehen, dass Unternehmen und deren
Exponenten stärker kontrolliert und Personen, welche gegen sie Prozesse führen, durch das
Gesetz unterstützt werden müssten; diesem Stereotyp ist entschieden zu widersprechen.
 Unterschiedliche prozessrechtliche Bestimmungen in verschiedenen Gesetzen führen zu einer
unnötigen und schädlichen Zersplitterung des Prozessrechtes.
 Schliesslich schlagen die Vorschläge auch inhaltlich den falschen Weg ein. Dadurch, dass
eine von der Mehrheit der Aktionäre an der Generalversammlung abgelehnte Klage von einer
kleinen Minderheit auf Kosten der Gesellschaft trotzdem erhoben werden könnten, würde
missbräuchlichen Klageerhebungen bspw. von aktivistischen Hedge Funds und Prozessanwäl-
ten geradezu Vorschub geleistet. Unternehmen könnten dadurch ungerechtfertigterweise unter
Druck und destabilisiert werden.
Die Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO) ist erst seit etwas über drei Jahren in Kraft. Sie ersetz-
te am 1. Januar 2011 die 26 kantonalen Zivilprozessordnungen sowie diverse Verfahrens-
bestimmungen des Schweizerischen Zivilgesetzesbuches (ZGB) und des Schweizerischen Obligatio-
nenrechts (OR). Eigentlicher Sinn und Zweck der Schaffung einer bundesrechtlichen Zivilprozessord-
nung war es, die grosse Rechtszersplitterung im Bereich des Zivilprozessrechts durch eine gesamt-
schweizerische Ordnung zu ersetzen. Dadurch, dass der Vernehmlassungsvorschlag nur für das Ak-
tienrecht geltende Bestimmungen mit Prozessrechtscharakter vorschlägt, würde im Effekt wieder ein
sektorielles Sonderprozessrecht geschaffen. Dies ist mit der Harmonisierungs-Zielsetzung der ZPO ist
E-Art 697j f. - Klage auf Kosten der Gesellschaft
Gefährliche Verzerrung der Prozessrisiken
Der Vorentwurf schlägt mit E-Art. 107 Abs. 1bis ZPO vor, dass das Gericht die Prozesskosten bei Ab-
weisung gesellschaftsrechtlicher Klagen, die auf Leistung an die Gesellschaft lauten (Art. 678 und Art.
756 OR), nach Ermessen auf die Gesellschaft und die klagende Partei verteilen kann. Damit kann dem
allfälligen Bedürfnis eines Aktionärs nach Kostenerleichterung bereits genügend Rechnung getragen
werden. Mit den darüber hinausgehenden Vorschlägen im Rahmen von E-Art. 697j f. würde einem
potenziell sehr breiten Personenkreis ein Prozessieren ohne eigenes finanzielles Risiko erlaubt. Es
besteht damit das Risiko, dass – wie in anderen Ländern – eine neue Kultur des Prozessierens, mit
dem bereits erwähnten Missbrauchspotenzial auch im Schweizer Recht Einzug hielte. Dies gilt es un-
bedingt zu vermeiden. Die Kosten, welche einzelne Aktionärsgruppen verursachten, würden zu Lasten
der Gesellschaft entstehen, mit unabdingbaren negativen Folgen für das Gesamtaktionariat.
Fragwürdiges, kompliziertes und teures Verfahren
Im Rahmen der Anwendung von E-Art. 697k müsste der Richter eine Prognose über den Aus-gang
eines Verantwortlichkeits- oder Rückerstattungsprozesses abgeben. Bei solchen Klagen haben in der
Regel komplexe Rechts- und Sachverhaltsfragen geklärt zu werden. Eine entsprechende Prognose
wäre entweder sehr aufwändig oder aber nur willkürlich zu erbringen. Schliesslich ist der vorgeschla-
gene Kaskadenmechanismus von E-Art. 697k grundsätzlich in Frage zu stellen. Es ist nicht ersichtlich,
weswegen der Richter besser als die Aktionärsmehrheit befähigt sein sollte, zu entscheiden, was im
Interesse der Gesellschaft ist und was nicht. Es ist auch fragwürdig, dass der Richter einen Entscheid
des Aktionariates lediglich auf Antrag eines unterliegenden Minderheitsaktionärs hin umkehren darf.
Das vorgeschlagene Verfahren ist zudem ausserordentlich kompliziert: es haben faktisch zwei Prozes-
se stattzufinden: in einer ersten Phase geht es um die Frage, ob die Gesellschaft die Kosten trägt und
dann in einer zweiten Phase um die Haftung der Organe.
Unberechenbare Auswirkungen des Spontanantrages
Völlig verfehlt ist schliesslich E-Art. 703 Abs. 1, welcher die Möglichkeit eines Spontanantrages für eine
Klage auf Kosten der Gesellschaft an der GV vorsieht. Wie wir nachstehend, unter „Weitere Anliegen“
zu E-Art. 703 erläutern, besteht unter der vom Vorentwurf vorgeschlagenen Regelung eine erhebliche
Gefahr von Zufallsmehrheiten bei Spontananträgen an einer Generalversammlung. Würde nun auch für
die Erhebung einer Klage auf Kosten der Gesellschaft lediglich ein Spontanantrags verlangt, würden
missbräuchliche Klageerhebungen bspw. von aktivistischen Aktionären noch zusätzlich begünstigt.
Wir beantragen daher, die Art. 697j, 697k zu streichen und Art. 703 Abs. 1 in der gegenwärtigen Form
3.3 E-Art. 734e – Geschlechterquoten auf Stufe VR und GL: Der Selbstregulierung eine
Der Vorentwurf schlägt im Sinne einer Best Practice „Comply Or Explain“-Regelung für grössere Un-
ternehmen in der Schweiz starre Geschlechterquoten auf Stufe Verwaltungsrat und Geschäftsleitung
vor. Wir lehnen diesen Vorschlag ab, weil er weder sach- noch stufengerecht ist. In Bezug auf die Quo-
te auf Stufe der Geschäftsleitung stellt er einen Schweizer Alleingang dar.
Vorab möchten wir aber festhalten, dass die Ablehnung des Vorschlags des Vorentwurfs keineswegs
bedeutet, dass die Wirtschaft das Anliegen der Frauenförderung nicht ernst nimmt und unterstützt. In
Schweizer Unternehmen laufen denn auch umfassende Initiativen mit dem Ziel, den Frauenanteil auf
Führungsebene zu erhöhen. Interne Förderprogramme und externe Firmennetzwerke haben stetigen
Zuwachs. In Konkretisierung von unternehmensinternen Zielsetzungen werden mit einem Bündel von
Massnahmen höhere Frauenanteile angestrebt, darunter frauenspezifische Leadership-Programme,
firmenübergreifendes Mentoring sowie zahlreiche Netzwerk-Anlässe. Es kann heute kein Zweifel be-
stehen, dass die Frauenförderung auch als Notwendigkeit anerkannt ist, welche für den wirtschaftlichen
Erfolg des Unternehmens massgeblich ist. Auf das Potenzial der Frauen in vielen Führungspositionen
können die Unternehmen heute gar nicht mehr verzichten.
Der Selbstregulierung eine echte Chance geben
Weltweit haben sich Länder für verschiedene Wege entschieden um eine höhere Vertretung der Frau-
en in den Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen zu erzielen. Viele Länder erachten ihren Corporate
Governance Code als geeignetes Mittel. So hat auch die Schweiz dem Aspekt der Frauenförderung bei
der kürzlich erfolgten Revision des Swiss Code of Best Practice Rechnung getragen und sich für diese
Lösung - unseres Erachtens die richtige – entschieden.
Der Swiss Code hält die Erwartung fest, dass beide Geschlechter im Verwaltungsrat vertreten sein
sollen. Zusätzlich soll der Verwaltungsrat unter dem Swiss Code eine angemessene Diversität seiner
Mitglieder sicherstellen2. Die gewählten Formulierungen wurden nach intensiven Abklärungen und Ab-
wägungen beschlossen3
; hierbei konnte auf umfangreiche Empirie und auch auf Erfahrungen im Aus-
land zurückgegriffen werden. Das Beispiel Finnland hat bewiesen, dass mit einer vergleichbaren Rege-
lung in den Verwaltungsräten ein Frauenanteil von rund 30% erreicht werden kann4.
Diesen sichtlich intensivierten Bestrebungen in den Unternehmen selber und auf Ebene der Selbstre-
gulierung muss unbedingt eine Chance gegeben werden. Eine gesetzgeberische Intervention mit einer
Quotenvorgabe „von oben“ wäre jetzt verfehlt.
Quoten sind für die Frauenförderung grundsätzlich problematisch
Starre Quoten sind für eine nachhaltige Frauenförderung der falsche Weg. Diese nehmen ein Ergebnis
vorweg, das langfristig nur aufgrund eines gesellschaftlichen und politischen Wandels und Umdenkens
erzielt werden kann. Frauenförderung ist ein Thema, das von der Gesellschaft als Ganzes in Angriff
genommen werden muss. Ein kultureller und gesellschaftspolitischer Wandel lässt sich nicht einfach
per Gesetz einführen. Zudem kann man nicht einzelne Adressaten (wie z.B. grosse, börsenkotierte
Unternehmen) herausgreifen und diesen Regeln auferlegen, die für andere Teile der Gesellschaft nicht
gelten (z.B. gibt es bei politischen Wahlen, in Schulen und Universitäten, bei öffentlich-rechtlichen Insti-
tutionen, etc. keine Quoten5
). In Norwegen hat die Quote von 40 Prozent in Verwaltungsräten unter
anderem durch ein Engagement von Spezialistinnen aus dem Ausland zwar annähernd erzielt werden
können, unterhalb der Führungsgremien hat sich jedoch nichts geändert6
. Die radikale Einführung von
starren Quoten hat darüber hinaus eine empirisch nachweisbare Verschlechterung der Performance
2 Unter Ziffer 12 (Zusammensetzung von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung) wird festgehalten, dass «dem Verwaltungsrat weibliche
und männliche Mitglieder angehören sollen. Diese sollen über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen, damit eine eigenständige Willens-
bildung im kritischen Gedankenaustausch mit der Geschäftsleitung gewährleistet ist» Der Verwaltungsrat soll überdies eine angemesse-
ne Diversität seiner Mitglieder sicherstellen.
Vgl. den im Zusammenhang mit der Revision des Swiss Code of Best Practice erstellten Grundlagenbericht von Prof. Karl Hofstetter.
4 Der finnische «Corporate Governance Code», welcher von der «Finnish Securities Market Association» herausgegeben wurde, sieht
vor, dass Verwaltungsräte börsenkotierter Gesellschaften aus Mitgliedern beider Geschlechter zusammengesetzt sind. Wo dies nicht der
Fall ist, muss das Unternehmen im Jahresbericht eine Erklärung abgeben. Der finnische Code empfiehlt zudem explizit, dass das Ge-
schlecht bei Neubesetzungen als ein Selektionskriterium gilt.
5 Siehe hierzu auch die Entscheidung der Rechtskommission des Nationalrates zu Richterwah-
len gemäss Medienmitteilung vom 20. Februar 2015: „Die Mehrheit der Kommission er-
achtet eine Mindestquote für die Geschlechter jedoch als zu starr. Für die Wahl soll pri-
mär die Qualität der Kandidatur ausschlaggebend sein“.
6 Bertrand/Black/Jensen/Lleras-Muney, Breaking the Glass Ceiling? The Effect of Board Quo-
tas on Female Labor Market Outcomes in Norway, 2014, abrufbar unter:
http://ftp.iza.org/dp8266.pdf.
der betroffenen Unternehmen bewirkt7
: Eine Quote ist ein Eingriff in die Organisationsfreiheit des Un-
ternehmens. Unternehmen sind für ihren Geschäftsverlauf verantwortlich und sollen somit auch selber
bestimmen können, wen sie in ihre Gremien wählen lassen oder ernennen. Für den Erfolg eines Unter-
nehmens und das effektive Arbeiten der Gremien steht bei der Nachfolgeplanung im Vordergrund, dass
ein neues Mitglied über die Qualifikationen verfügt, welche ins Gremium und ins Unternehmen passen,
dies unabhängig vom Geschlecht dieses neuen Mitglieds.
Es ist falsch, beim Thema Diversität nur auf Geschlechter zu fokussieren
Das strategische Gremium eines Unternehmens steht und fällt mit den Kenntnissen, Kompetenzen und
Persönlichkeiten seiner Mitglieder. Eine grosse Bandbreite von Kompetenzen und Fähigkeiten inner-
halb eines Entscheidungsgremiums ist zentral. Diversität ist daher im Bereich der fachlichen Kompe-
tenzen relevant; damit verbunden ist aber auch eine gute Durchmischung bezüglich Alter und Ge-
schlecht wichtig. Aus Corporate Governance-Sicht sind alle Diversitätsdimensionen, Alter, Ausbildung,
Fachkenntnisse – aber auch ausgewogene Geschlechtervertretung in einem strategischen Gremium
von Relevanz; die Fixierung lediglich auf das Geschlecht greift als „best practice“-Empfehlung zu kurz.
Für die Stufe Geschäftsleitung eine Quote zu empfehlen, würde einen Schweizer Alleingang bedeuten
und den Standort gefährden
Die Führung von Unternehmen kompetent zu besetzen ist grundsätzlich schwierig. Im Unternehmens-
interesse braucht es die richtige Zusammensetzung der Geschäftsleitung. Zahlreiche Auswahlkriterien
müssen berücksichtigt werden: persönliche Kompetenzen (Fachkompetenz, Branchen- und Unterneh-
mens-Know-how), Erfahrung, zeitliche Verfügbarkeit und Identifikation mit dem langfristigen Aktionärs-
und Unternehmensinteresse. Was schon auf Stufe Verwaltungsrat nicht leicht ist, gestaltet sich noch
weit schwieriger auf der Ebne der Geschäftsführung. Auf dieser operativen Stufe wäre es daher noch
verfehlter als auf der Ebene des Verwaltungsrats mit Quoten zu arbeiten. Ausschlaggebend muss in
jedem Fall die Kenntnis des Geschäfts und die entsprechende Fachkompetenz sein, ansonsten Unter-
nehmen wirtschaftlich gefährdet würden. Aus diesem Grund gibt es keine mit der Schweiz vergleichba-
re Jurisdiktion, die auch auf operativer Ebene eine Geschlechterquote vorsehen würde. Ein standortge-
fährdender Schweizer Alleingang muss unbedingt vermieden werden. Vielmehr muss der Talentpool
der Frauen langfristig aufgebaut und die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Eine
Anordnung „von oben“ durch den Gesetzgeber ist offensichtlich nicht möglich und wäre, wie erwähnt,
ein Schweizerischer Sonderweg.
Bedeutende formale Defizite des Vorschlages
Aus rechtsdogmatischen Überlegungen gilt es aus unserer Sicht klar zu unterscheiden zwischen einem
Regelungsbedarf auf gesetzlicher Ebene und „Best practice“-Empfehlungen. Letztere gehören nicht ins
Gesetz, sondern sind bis anhin nach schweizerischem Verständnis Gegenstand von im Rahmen der
Selbstregulierung erlassenen Kodizes. Eine Empfehlung auf Stufe des Gesetzes wird zwangsläufig
auch den reinen „Empfehlungscharakter“ verlieren und zum fixen Standard. Damit bedeutet der Vor-
schlag, egal wie abgefedert er sich präsentiert, nichts anderes als eine starre Quote auf Stufe VR und
Geschäftsleitung. Wie erwähnt ist die Thematik im Swiss Code kürzlich aufgenommen werden und
dessen Empfehlungen werden mit Sicherheit auch die gewünschte Wirkung zeigen. Bereits früher hat
sich gezeigt, dass einem gewünschten Verhalten mit einer Swiss Code Empfehlung sehr rasch zum
Durchbruch verholfen werden kann. Im Übrigen ist beim Vorschlag gemäss Entwurf nicht verständlich,
warum die Thematik Frauenförderung und diesbezüglich ergriffene Massnahmen im Vergütungsbericht
einer Gesellschaft geregelt werden sollen. Der Vergütungsbericht enthält Informationen über die Vergü-
tungspolitik. Er ist nicht der richtige Ort für die Kommunikation von Personalentscheiden und organisa-
torischen Förderungsmassnahmen. Schliesslich steht es im eigenen Interesse der Unternehmen, ihre
7 Ahern/Dittmar, the Changing of the Boards: the Impact on Firm Valuation of Female Board
Representation, Quarterly Journal of Economics, 2012, Vol. 127, S. 137–197.
Bemühungen zur verbesserten Attraktivität als Arbeitgeber für Frauen und Männer in geeigneter Form
Die Wirtschaft erachtet somit starre Quoten, insbesondere aber den Vorschlag des Bundesrates als
ungeeignetes Mittel der Frauenförderung, für die sie sich selber klar einsetzt. Seit der Abstimmung vom
Februar 2014 zur Masseneinwanderungsinitiative steht die Wirtschaft noch stärker unter Druck, qualifi-
zierte Frauen in den Arbeitsprozess zu integrieren. Frauenförderung ist allerdings vielschichtig und
erfordert einen konzertierten Einbezug von Politik, Unternehmen und Gesellschaft. Der Swiss Code of
Best Practice anerkennt die Bedeutung der Thematik. Zahlreiche weitere, teils sehr dynamische Ent-
wicklungen sind im Gang. Diesen muss nun die nötige Zeit zur Entfaltung ihrer Wirkung gegeben wer-
den. Ein übereilter und standortgefährdender Schweizer Alleingang auf gesetzgeberischer Ebene muss
Wir beantragen, E-Art. 734e ersatzlos zu streichen und stattdessen den Empfehlungen des Swiss
Code und der damit eingeleiteten Entwicklung eine echte Chance zu geben.
Wir behandeln unsere Anliegen unter dieser Ziffer grundsätzlich in der Reihenfolge der Artikelnumme-
rierung. Weil die Thematik auch im Zusammenhang mit der bereits behandelten Vergütungsfrage steht
und auch im vorliegenden Zusammenhang ohne Not und gar entgegen bereits gefassten parlamentari-
schen Beschlüssen wieder Änderungen vorgeschlagen werden, gehen wir aber als Erstes auf den Vor-
entwurfsvorschlag der individuellen Offenlegung von Vergütungen der Geschäftsleitungsmitglieder ein.
Bereits die 2007-Vorlage enthielt einen entsprechenden Vorschlag, der danach in der parlamentari-
schen Beratung vom Ständerat allerdings zu Recht abgelehnt wurde (der Nationalrat befasste sich
bekanntlich nicht mehr mit der Vorlage, da diese dann wegen der Behandlung der Minder-Initiative
sistiert wurde). Die Beratung im Ständerat zeigte, dass wesentliche Anliegen waren, erstens die Wah-
rung der Privatsphäre von Betroffenen möglichst zu gewährleisten und zweitens, mit der Ablehnung
einer ausgedehnteren Offenlegungsverpflichtung, die Spirale von Vergütungserhöhungen nicht noch
weiter anzuheizen. Dies vor dem Hintergrund, dass die Erfahrungen der letzten Jahre klar gezeigt ha-
ben, dass die individuelle Offenlegung der Vergütung des Verwaltungsratspräsidenten und des höchst-
bezahlten Mitgliedes der Geschäftsleitung zu einer starken Ankurbelung dieser Vergütungen nach
oben geführt haben. Die vom Ständerat als entscheidend erachteten Gründe, gelten heute unverän-
dert. Es kann daher nicht im Interesse des Gesetzgebers sein, diese Entwicklung auf die anderen Mit-
glieder der Geschäftsleitung auszudehnen. Die heutige Regelung, gemäss der in Bezug auf die Vergü-
tung der Geschäftsleitung keine Einzeloffenlegung für die Vergütungen der einzelnen Geschäftslei-
tungsmitglieder vorgesehen ist, sondern der Gesamtbetrag für die Geschäftsleitung und der höchste
auf ein Mitglied entfallende Betrag anzugeben sind, ist ausreichend und hat sich auch unter der neuen
Ordnung der VegüV bewährt.
Wir beantragen daher, in Bezug auf die Offenlegung von Vergütungen für Mitglieder der Geschäftslei-
tung bei der bisherigen Regelung zu verbleiben.
E-Art. 632 ff. - Teilliberierungsoption
Der Revisionsentwurf sieht den Wegfall der Teilliberierungsoption (Art.632 ff. OR) vor. Eine schlüssige
Begründung für diese Änderung liegt trotz der zu erwartenden massiven Auswirkungen auf den Markt
nicht vor. Art. 626 Abs. 2 VE-OR i.V.m Art. 4 der Übergangsbestimmungen des Entwurfs, wo der Ver-
waltungsrat bestehender Aktiengesellschaften mit teilliberierten Aktienkapital verpflichtet wird, von den
Aktionären die Nachliberierung einzufordern, sofern irgendwelche Änderungen (z.B. Erhöhung, Herab-
setzung, Aktiensplit) am Aktienkapital vorgenommen werden, ist ebenfalls abzulehnen. Der Entwurf
räumt dem Verwaltungsrat nicht einmal die Flexibilität ein, die Nachliberierung gestaffelt vorzunehmen,
um z.B. der Liquiditätsplanung der Aktionäre entgegenzukommen. Die Bestimmung ist geeignet, bei
bestehenden Gesellschaften mit teilliberiertem Aktienkapital vorhersehbar Probleme auf Aktionärsseite
auszulösen. Beispielsweise könnte sich ein sprunghafter Kapitalbedarf ergeben, oder die Aktionäre
könnten motiviert sein, systematisch künftig gegen jegliche Veränderungen am Aktienkapital zu stim-
men. Dies erscheint uns im Gegensatz zur erklärten Zielsetzung der Revision gerade nicht im Interesse
der Aktionäre zu liegen. Entsprechend schlagen wir vor, auf den Zwang zur Nachliberierung bei jegli-
chen Änderungen am Aktienkapital bestehender Gesellschaften zu verzichten.
Wir beantragen daher, von der Streichung der Teilliberierungsoption Abstand zu nehmen und diese im
Gesetz zu belassen.
Sollte dennoch entgegen unserem Vorschlag an einem reinen Vollliberierungsmodell festgehalten
werden, so müsste diese Pflicht auf neu zu errichtende Gesellschaften beschränkt sein. Für beste-
hende Gesellschaften muss in diesem Fall das bisherige Recht gelten (Grandfathering), was auch
dem seinerzeitigen Vorschlag der Vorlage "Modernisierung des Handelsregisters und damit verbun-
dene KMU-Erleichterung" (Vernehmlassung: 19. Dezember 2012) entspricht.
E-Art. 652b Abs. 4 – Bezugsrecht
Die Bestimmung ist unter verschiedenen Aspekten problematisch. Unklar ist etwa, was „wesentlich
tiefer“ oder was „handelbar“ bedeutet. In kotierten Gesellschaften ist es zudem zu Sanierungszwecken
oftmals nötig, das Bezugsrecht auszuschliessen und einen Ausgabebetrag mit beträchtlichem Ab-
schlag gegenüber dem wirklichen Wert festzusetzen. Das Einstimmigkeitserfordernis kann in diesem
Fall eine Sanierungstransaktion verhindern. Es ist deshalb angezeigt, bei kotierten Gesellschaften vom
Einstimmigkeitserfordernis abzuweichen. In Anlehnung an die Verhältnisse beim Bezugsrechtsaus-
schluss als solchem drängt sich hier ein Zustimmungserfordernis für wichtige Beschlüsse im Sinne von
Art. 704 Abs. 1 OR auf.
Wir beantragen daher, Art. 652 Abs. 4 zu streichen und eventualiter den Wortlaut von E-Art. 652 Abs. 4
„Der Ausgabebetrag darf nur dann wesentlich tiefer als der wirkliche Wert der Aktien festgesetzt wer-
den, wenn das Bezugsrecht handelbar ist oder die Generalversammlung dem Ausgabebetrag mit quali-
fiziertem Mehr gemäss Art. 704 OR zustimmt.“
E-Art. 661 Abs. 2 – Dividendenbegünstigung, -abschlag / Dispoaktien
Die Dispoaktienthematik ist für die Unternehmen weiterhin von einiger Bedeutung. So verfügen grosse
Publikumsgesellschaften zum Teil immer noch über rund 40% Dispoaktionäre. Allerdings ist hierzu
festzustellen, dass eine gewisse Fluktuation um den GV-Termin herum besteht. So tragen sich insbe-
sondere viele ausländische Institutionelle Investoren vor der Generalversammlung ein und danach
wieder aus. Diese Fluktuation ist bei einzelnen Gesellschaften erheblich, bei anderen fällt sie weniger
ins Gewicht. Die Dispoaktienthematik ist insgesamt weiterhin relevant, wenn auch nicht als Thematik,
die bei der Aktienrechtsrevision die grössten Sorgen bereitet.
Vorab begrüssen wir sehr, dass sich der Vorentwurf bemüht, einen Lösungsweg für Dispoaktien aufzu-
zeigen. Wir begrüssen ebenfalls, dass ein Ansatz vorgeschlagen wird, der den Unternehmen Gestal-
tungsfreiheit gewähren soll. Wir haben aber grosse Vorbehalte zum Vorschlag. Diese betreffen den
untauglichen Anknüpfungspunkt „Ausübung des Stimmrechts an der Generalversammlung“, die Tatsa-
che, dass die Dispoaktienproblematik viel zu punktuell angegangen wird und schliesslich praktische
Probleme, die sich mit einer solchen Regelung ergeben würden.
Die Anknüpfung an die Ausübung des Stimmrechts ist problematisch, weil sie zu Ungleichbehandlun-
gen beim Aktionariat führen und unter Umständen auch Haftungsfolgen für Unternehmen nach sich
ziehen könnten – was geschieht bei statutarischen Stimmrechtsbegrenzungen? Was bei zu Unrecht
nicht mit Stimmrecht eigetragenen Aktien? Was, wenn jemand, obschon er will, nicht an der General-
versammlung teilnehmen kann? Solche Fragen ergäben sich zuhauf. Tatsache wäre wohl auch, dass
sich Aktionäre vor der Generalversammlung ein- und danach gleich wieder austragen lassen würden.
Phänomenen und Praktiken wie Dividend Stripping oder Securities Lending würde geradezu Vorschub
geleistet. Eine bessere Transparenz in Bezug auf das Aktionariat einer Gesellschaft, wie sie mit einem
Lösungsansatz zur Dispoaktienproblematik angestrebt werden sollte, liesse sich so jedenfalls kaum
erreichen. Es kommen eine namhafte Anzahl praktischer Umsetzungsprobleme hinzu. Es gäbe wohl
unterschiedliche Verfahren der Unternehmen. Die einen würden eine zweite Handelslinie einrichten,
andere die Auszahlung der Basisdividende vom Dividendenzuschlag trennen und letzteren nicht über
das Bankensystem, sondern direkt den stimmrechtsausübenden Aktionären auszahlen. Das Abwick-
lungssystem des Namenaktienhandels wäre damit mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Prak-
tisch kaum bewältigbar wäre ein Dividendenabschlag.
Im Rahmen der parlamentarischen Behandlung der 2007-Vorlage hat die Wirtschaft zur Lösung des
Dipoaktienproblems ein Nomineemodell vorgeschlagen. Wir sind grundsätzlich der Ansicht, dass die-
ses auch heute noch funktionieren würde und auch mit dem neuen Art. 95 Abs. 3 BV vereinbar ist. Der
neue Bundesverfassungsartikel verbietet zwar, wie der Erläuternde Bericht richtig festhält, jede andere
Institutionelle Stimmrechtsvertretung als der Unabhängige Stimmrechtsvertreter. Nur liegt in Bezug auf
die Verwahrungsstelle unter dem Nomineemodell eben kein Stimmrechtsvertretungsverhältnis vor,
sondern diese agiert, wie im entsprechenden Gutachten Böckli ausführlich dargelegt worden ist, als ein
dem treuhänderischen Aktionär nahe stehender „gesetzlich definierter Platzhalter“ für den wirtschaftlich
berechtigten Aktionär. Nichtsdestotrotz wird die Wirtschaft am Vorschlag des Nomineemodells nicht
weiter festhalten. Einige der im Erläuternden Bericht aufgezählten Nachteile des Nomineemodells sind
aus heutiger Sicht auch für die Wirtschaft nicht unerheblich (letztlich keine Kenntnisse der Dispoaktio-
närinnen und Dispoaktionäre; Gefahr, dass sich noch weniger Personen direkt ins Aktienbuch eintra-
gen lassen).
Aufgrund dieser Überlegungen sind wir überzeugt, dass es nochmals einen gemeinsamen Effort der
Lehre, von Unternehmensvertreterinnen und –vertretern sowie einer Vertretung der mit der Rechtsset-
zung betrauten Verwaltung braucht, um die Thematik analytisch wirklich zu durchdringen und prakti-
kable Lösungsansätze vorzuschlagen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass ein weiteres Problem in
diesem Zusammenhang pendent ist und vom Vorentwurf auch nicht angesprochen wird: Wegen In-
kompatibilität mit dem Bucheffektengesetz sollte bei dessen Erlass die Unterscheidung zwischen börs-
lichem und ausserbörslichem Erwerb von kotierten Namenaktien unter Art. 685f Abs. 1 aufgegeben
werden (vgl. Botschaft zum Bucheffektengesetz zu Art. 685f Abs. 1 OR). Die Wirtschaft wehrte sich
damals gegen die Aufhebung dieser Unterscheidung, weil damit die Dispoaktienproblematik potenziert
worden wäre – de lege lata besteht zumindest im Bereich der nicht-börsenmässigen Übertragung bör-
senkotierter Namenaktien rechtlich kein Dispoaktienproblem. In diesen Fällen ist der Aktienregisterein-
trag konstitutiv zur Erlangung der Aktionärsstellung und es entstehen somit in diesem Zusammenhang
keine nicht-eingetragenen Aktionäre, d.h. Dispoaktionäre. Dies hätte sich mit der Gleichstellung des
börslichen und ausserbörslichen Erwerbs geändert. Art. 685f Abs. 1 wurde in der Folge – auch in der
Hoffnung auf eine baldige Lösung der Dispoaktienproblematik – unverändert belassen. Dessen Inkom-
patibilität mit dem Bucheffektengesetz besteht somit jedoch weiter.
All dies scheint uns Grund genug, dass sich ein Expertengremium nochmals umfassend der Thematik
rund um die Dispoaktien annimmt. Da es letztlich auch hier um Fragen der Partizipation von Aktionä-
rinnen und Aktionäre geht, wäre die Thematik ev. auch im Rahmen des bereits angeregten Gremiums
zu Fragen rund um die Generalversammlung aufzunehmen. Bei der von uns beantragten Sistierung der
Behandlung der Vorlage besteht Zeit genug dafür.
Wir begrüssen sehr, dass der Vorentwurf die Thematik „Dispoaktien“ aufnimmt und versucht, unter
Wahrung der Gestaltungsfreiheit der Unternehmen, einen Lösungsweg aufzuzeigen. Es bedarf aller-
dings einer noch detaillierteren Auseinandersetzung mit der Thematik. Wir hielten es daher für ange-
bracht, ein Expertengremium einzusetzen, welches auch mit dem bereits zur Diskussion gebrachten
Gremium im Zusammenhang mit den Fragen zur Zukunft der Generalversammlung zusammengelegt
E-Art. 671 Abs. 2 Ziff. 4 & Abs. 3 – gesetzliche Kapitalreserve
Wir begrüssen die Regelung in E-Art. 671 Abs. 2 Ziff. 4. Damit wird die Kohärenz mit der Unterneh-
menssteuerreform II in Bezug auf das Kapitaleinlageprinzip hergestellt. Die Regelung entspricht auch
heutiger Bundesgerichtspraxis (BGer 4A_138/2014). Zusätzlich gemäss Abs. 3 in jedem Fall eine Prü-
fungsbestätigung zu fordern, erachten wir dagegen als überschiessend und unnötig.
Wir beantragen daher, das Erfordernis der Prüfungsbestätigung in Bezug auf E-Art. 671 Abs. 2 Ziff. 4
E-Art. 678 + 678a – Rückerstattung von Leistungen
Wir erachten die vorgeschlagenen Neuerungen unter Art. 678 und 678a in verschiedener Hinsicht nicht
als opportun.
 Vorab gilt es festzuhalten, dass es sich auch bei dieser Thematik um eine Angelegenheit von
höchster Standortrelevanz handelt. Die Ausgestaltung der Rückerstattungsregelung hat direk-
te Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen als Arbeitgeber
von international nachgesuchten, hochqualifizierten leitenden Angestellten. Bekämen letztere
den Eindruck, dass sie unter einer neuen Schweizer Regelung ungerechtfertigten Rückerstat-
tungsrisiken ausgesetzt wären, würden Schweizer Unternehmen als Arbeitgeber unweigerlich
an Attraktivität einbüssen. Negative Auswirkungen auf die Unternehmen selber und den Wirt-
schaftsstandort Schweiz wären damit vorprogrammiert.
 In diesem Zusammenhang lehnen wir insbesondere den Vorschlag des Vorentwurfs, auf das
Kriterium des bösen Glaubens zu verzichten, ab. Ein Verzicht auf das Erfordernis der Bös-
gläubigkeit ist ganz grundsätzlich äusserst problematisch (vgl. unten). Im Falle von Aktionären
ist er gar absolut falsch. Mitglieder des Verwaltungsrates oder der Geschäftsleitung wissen oft,
ob die Zuteilung von Gewinnanteilen gerechtfertigt ist bzw. ein solches Wissen kann von die-
sen Personen zumindest in der Regel verlangt werden. Die Lage ist aber eine ganz andere bei
Aktionären. Sie sind nur sehr selten ausreichend informiert, um zu beurteilen, ob die Zuteilung
von Dividenden gerechtfertigt ist. Zudem sind viele Aktionäre rein passive Anleger und inte-
ressieren sich nicht weiter für den Geschäftsverlauf "ihrer" Gesellschaften. Darum wäre es ver-
fehlt, alle – und eben nicht nur die bösgläubigen Aktionäre – zur Rückerstattung ungerechtfer-
tigter Leistungen zu verpflichten. Zudem wäre eine solche Erweiterung des Anwendungsbe-
reichs der aktienrechtlichen Rückerstattungspflicht gefährlich für die Rechtssicherheit und für
die Glaubwürdigkeit des Schweizer Kapitalmarkts. Diese Änderung würde Anleger der Gefahr
aussetzen, Jahre nach dem Empfang von Dividenden zur Rückerstattung verpflichtet zu wer-
den, selbst wenn sie ihrerseits von der Geschäftsleitung, z.B. durch eine falsche Rechnungs-
legung oder optimistische Aussagen, getäuscht wurden. Ohne das Erfordernis der Bösgläu-
bigkeit würden die Kosten der Kapitalbeschaffung wegen des Risikos einer Rückerstattungs-
klage stark erhöht.
 Der Verzicht auf die Voraussetzung der Bösgläubigkeit ist aber auch bei den übrigen Passiv-
legitimierten unangemessen. Ist der Vergütungsanspruch rechtsgültig entstanden, bleibt kein
Raum für eine nachträgliche Rückforderung, wenn die betreffende Person gutgläubig war. Ei-
ne andere Regelung würde gegen wesentliche rechtliche Grundsätze verstossen und bspw.
hochrangige leitende Angestellte schweizerischer Publikumsgesellschaften einem international
einzigartigen Rückerstattungsrisiko aussetzen.
 Des Weiteren ist unzutreffend, dass der böse Glaube wie im Erläuternden Bericht (S. 104)
vermerkt, kaum nachzuweisen ist. Klar ist dagegen, dass das Kriterium des bösen Glaubens
Grenzfälle von der Pflicht zur Rückerstattung ausnimmt. Dies ist im Interesse der Rechtssi-
cherheit und des Verkehrsschutzes entscheidend, da ansonsten auch unter diesem Aspekt die
Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen als Arbeitgeber im Vergleich zu ausländi-
schen Unternehmen abnehmen würde. Unter diesem Aspekt ist auch der Vorschlag der Um-
kehrung der Beweislast (von der Rückerstattungspflicht wird nur ausgenommen, wer als Emp-
fänger der Leistungen beweist, dass er diese in gutem Glaube empfangen hat) klar abzu-
lehnen. Es ist kaum verständlich, warum der Beweis des guten Glaubens einfacher sein soll
als der Nachweis des bösen Glaubens.
 Es wird dagegen begrüsst, dass in Art. 678 Abs. 2 VE-OR das Erfordernis des offensichtlichen
Missverhältnisses zwischen Leistung und Gegenleistung beibehalten wird.
 Der Erläuternde Bericht (S. 47) führt zu Unrecht an, dass sich die bisherige Regelung der
Rückerstattung von Leistungen im geltenden Recht als nicht praktikabel erwiesen habe. In der
Praxis spielt Art. 678 OR jedoch eine wesentliche Rolle, namentlich bei jeder grösseren Finan-
zierungstransaktion. So werden regelmässig allfällige Garantie- und Sicherheitsleistungen
bspw. von Tochtergesellschaften zu Gunsten von Darlehen an die Muttergesellschaft aufgrund
des geltenden Art. 678 OR eingeschränkt, um das Haftungsrisiko dort zu belassen, wo es ef-
fektiv anfällt. Art. 678 OR hat daher einen grossen praktischen Einfluss, obschon dies mög-
licherweise in der Öffentlichkeit so nicht wahrgenommen wird.
 Die Verlängerung der absoluten Verjährungsfrist auf zehn Jahre (ab Entstehung des An-
spruchs) würde zu einer untragbar grossen Rechtsunsicherheit führen. Sie wäre im Zusam-
menhang mit der Thematik „ungerechtfertigte Bereicherung“ auch absolut singulär. Die absolu-
te Verjährungsfrist – die ja unterbrochen werden kann – ist daher bei fünf Jahren zu belassen.
Die Ausgestaltung der Regelung zu Rückerstattung von Leistungen hat für die Unternehmen deswegen
eine so hohe Sensibilität, weil insbesondere ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit als Arbeitgeber
von leitenden Angestellten sehr direkt tangiert ist. Es muss mit anderen Worten verhindert werden,
dass die Schweiz Bestimmungen einführt, die über das hinausgehen, was in vergleichbaren Jurisdikti-
onen gilt. Der Vorentwurf ist vor diesem Hintergrund insbesondere betreffend der Aufgabe des Kriteri-
ums der Bösgläubigkeit, resp. der Umkehr der Beweislast in dieser Hinsicht und der Verlängerung der
Verjährungsfrist auf 10 Jahre abzulehnen.
Wir beantragen daher, das Kriterium der Bösgläubigkeit (ohne Umkehr der Beweislast) beizubehalten
und die absolute Verjährungsfrist auf 5 Jahren zu belassen.
E-Art. 689c Abs. 6 Ziff. 2 – Weisungen an die Unabhängige Stimmrechtsvertretung
Das neu im Vorentwurf enthaltene Erfordernis des Verwaltungsrats sicherzustellen, dass den Aktionä-
ren auch zu Spontananträgen von anderen Aktionären Weisungsalternativen zur Verfügung stehen
müssen, ist widersinnig. Es ist unsinnig, wenn die Aktionäre, die nicht an der Versammlung teilnehmen,
im Voraus Weisungen zu Anträgen geben sollen, die in diesem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt sind.
Sodann können sich Spontananträge von Aktionären auch widersprechen. Eine allg. Weisung die für
alle Spontananträge von Aktionären gültig ist, lässt sich damit kaum formulieren und ergäbe damit auch
Wir beantragen daher, in E-Art.689c Abs. 6 Ziff. 2 „oder anderer Aktionäre“ zu streichen.
E-Art 697 Abs. 4 u.a. – Unnötige Corporate Governance Verschärfungen für nicht-kotierte Ge-
Wir sind grundsätzlich der Ansicht, dass Corporate Governance Verschärfungen in Bezug auf nicht-
kontierte Gesellschaften auf das absolut Nötige beschränkt werden müssen, um diese nicht mit unnöti-
gen, zusätzlichen Kosten zu belasten. Es kommt dazu, dass erhöhte Anforderungen an die Corporate
Governance nicht-kotierter Gesellschaften auch einen erhöhten Formalismus innerhalb einer Konzern-
struktur, d.h. auf Stufe der einzelnen nicht-kotierten Tochtergesellschaften, nach sich zieht. Dies ohne
die Corporate Governance des Konzerns insgesamt zu verbessern. Beispiele für zusätzliche (formale)
Anforderungen für nicht-kotierte Aktiengesellschaften, die in Konzernverhältnissen die Corporate
Governance des Gesamtkonzerns letztlich nicht verbessern, finden sich u.a. in E-Art. 697 Abs. 4
(Zwingende Information der Generalversammlung über Vergütungen, Darlehen und Kredite), E-Art.
701b Abs. 2 und 702 Abs. 2 Ziff. 7 (Erfordernis, dass bei einem ausländischen Tagungsort ausdrücklich
auf die Bezeichnung eines unabhängigen Stimmrechtsvertreters verzichtet werden muss), E-Art. 710
Abs. 1 (Verkürzung der maximalen Amtsdauer der Mitglieder des Verwaltungsrates von sechs auf vier
Jahre), E-Art 710 Abs. 3 (Zwingende Einzelwahl der Mitglieder des Verwaltungsrates), E-Art. 716a Ziff.
3 (Zwingende Erstellung einer Finanzplanung, wobei der bisherige Zusatz, dass diese zur Führung der
Gesellschaft erforderlich sein müsse, entfallen ist) und E-Art. 716b (Anforderungen an den Mindestin-
halt des Organisationsreglements). Es zeigt sich hier ganz grundsätzlich wie problematisch es ist, die
Regeln für kotierte Gesellschaften immer mehr auch auf nicht kotierte Gesellschaften auszudehnen.
Es ist sicherzustellen, dass nicht-kotierte Gesellschaften – darunter auch Konzerngesellschaften - kei-
nen unnötigen Corporate Governance Anforderungen unterliegen und mit vernünftigem Aufwand ver-
E-Art. 699a Abs. 1 Ziff. 1 & Abs. 2 – Schwellenwert Traktandierungs- und Antragsrecht
Der vorgesehene Schwellenwert für das Traktandierungs- und Antragsrecht in börsenkotierten Gesell-
schaften ist auch im internationalen Vergleich zu tief. So sieht bspw. die EU-Shareholder Rights‘ Direc-
tive einen einheitlichen Satz für kotierte und nichtkotierte Unternehmen von 5% vor. Mit ein Grund,
warum die EU nicht tiefere Schwellenwerte für das Traktandierungs- und Antragsrecht vorsieht, sind
einschlägige Erfahrungen in verschiedenen EU-Mitgliedländern mit „Shareholder Activists“, die die (zu)
tiefen Schwellenwerte der Mitgliedstaaten für ihre Zwecke missbrauchten.
Wir beantragen daher den Schwellenwert in E-Art. 699a Abs. 1 Ziff. 1 von 0.25% auf 1% zu heben.
E-Art. 700 – Form, Inhalt und Mitteilung der GV
Gemäss neuem Abs. 2 Ziff. 4 sollen die kotierten Gesellschaften verpflichtet werden, in der Einberu-
fung zur Generalversammlung ihren Dispobestand zu diesem Zeitpunkt offen zu legen. Wir fragen uns,
welchen Wert diese Bestimmung hat. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Dispobestände bei den Unter-
nehmen zwischen Einberufung der Generalversammlung und der Generalversammlung selber zum Teil
substanziell verändern, weil es vor der Generalversammlung zu nicht unerheblichen Eintragungen
kommt. In diesem Sinne ist die gemäss Vorentwurf zu veröffentlichende Zahl nicht sehr aussagekräftig.
Allenfalls kann man dem Vorschlag abgewinnen, dass er für nicht-eingetragene Aktionäre immerhin ein
„Reminder“ sein kann, sich einzutragen. Was sicher vorteilhaft ist, wenn umstrittene Traktanden zur
Klar abgelehnt wird die explizite Auflage, bei Verhandlungsgegenständen in der Generalversammlung
die „Einheit der Materie“ zu wahren. Gerade auf politischer Ebene zeigt sich, wie schwierig im Einzelfall
eine solche Verpflichtung zu handhaben ist. Ein Beispiel dafür ist die kürzlich zur Abstimmung gekom-
mene Ecopop-Initiative, bei der es letztlich auch um verschiedene Anliegen unter einem „Verhand-
lungsgegenstand“ ging (Beschränkung der Zuwanderung, Geburtenregelung im Ausland). Wir lehnen
die neue Bestimmung ab, weil sie zu ungerechtfertigten zusätzlichen Haftungsrisiken und zu Unklarhei-
ten nach Abstimmungen für die Unternehmen führt.
Ein absolutes Verbot von „Paketabstimmungen“ bei Generalversammlungsabstimmungen über Statu-
tenrevisionen wäre zudem mit der erheblichen Gefahr von in sich unstimmigen Statuten oder gar Statu-
ten mit sich widersprechenden Bestimmungen verbunden. Etwa bei Totalrevisionen von Statuten ist es
sinnvoll, wenn den Aktionären ein ausbalanciertes Paket präsentiert werden kann. Eine „Drafting Ses-
sion“ an der Generalversammlung muss vermieden werden. Durch die vorgesehene Regelung würden
Totalrevisionen von Statuten geradezu verunmöglicht. Gesellschaften würden dadurch geschwächt. E-
Art. 700 Abs. 3 (2. Teilsatz) schreibt neu vor, dass der Verwaltungsrat der Generalversammlung alle
Informationen vorzulegen hat, die für die Beschlussfassung von Bedeutung sind. Die Bestimmung er-
scheint von ihrer Stossrichtung her als Selbstverständlichkeit. Sie ist allerdings äusserst breit formu-
liert, was insbesondere bei Standardtraktanden die Rechtssicherheit beeinträchtigen könnte. So könnte
man sich bspw. fragen, welche Informationen neben dem Geschäfts- und dem Revisionsbericht für den
Dividendenbeschluss allenfalls von Bedeutung sein könnten.
Wir beantragen daher, E-Art. 700 Abs. 3 gesamthaft zu streichen.
E-Art. 701g – Elektronisches Forum
Wie bereits unter A) im Rahmen der Begründung des Hauptantrags ausgeführt, ist die Thematik „Elekt-
ronisches Forum“ in einem breiteren Zusammenhang zu sehen. Es geht um die künftige Konzeption
der Generalversammlung, und dabei u.a. um die Art und Weise, wie das Aktionariat seine Meinung
bilden kann und soll, und wie dessen Meinung schliesslich an der Generalversammlung zum Ausdruck
gebracht wird. Wir sind klar der Ansicht, dass Fragen von solcher Tragweite konzeptionell, umfassend
und nicht nur mit punktuellen Massnahmen anzugehen sind. Zu diesem gesamten Fragenkomplex ist
weder im Zusammenhang mit der Vorlage der 2007-Revision noch im Zusammenhang mit dem Inkraft-
treten von Art. 95 Abs. 3 BV je eine Expertenkommission eingesetzt, noch eine Studie in Auftrag gege-
ben worden. Wie eingangs erläutert, hielten wir es für angebracht, eine Expertengruppe / Groupe de
Réfléxion bestehend aus Expertinnen und Experten aller in diesem Zusammenhang relevanter Kreise
einzuberufen, die sich der Thematik annehmen soll.
Den im Vorentwurf gemachten Vorschlag für ein Elektronisches Forum erachten wir darüber hinaus
aus den folgenden Gründen als problematisch:
 Die Führung der Plattform führt unausweichlich zu Interessenskonflikten: Die Verpflichtung zur
Führung der Plattform würde bedingen, dass das Unternehmen auch eine – zumindest gewis-
se – Verantwortung für den Inhalt zu übernehmen hätte. Die Unternehmen müssten etwa ein-
greifen bei ehrverletzenden oder falschen Informationen. Es ergäben sich Interessenskonflikte
für die Unternehmen, die diese kaum lösen könnten.
 Im Erläuterungsbericht werden dem Verwaltungsrat entsprechende Pflichten auferlegt. Umge-
kehrt träfe die Aktionäre selber aber keinerlei Pflichten. Dadurch würde ein gefährliches Un-
gleichgewicht geschaffen, welche aktivistische Aktionären ausnützen könnten, um die Gesell-
schaft und die schweigende Mehrheit der Aktionäre unfair unter Druck zu setzen.
 Eine notwendige Folge wäre eine detaillierte Regelung des Betriebs und der Benutzung der
Plattform, wie sie etwa im Zusammenhang mit dem US-amerikanischen Proxy Soliciting be-
steht. Dies allerdings steht wiederum im Gegensatz zur Tradition schweizerischer Rechtsset-
zung und/oder Praxis.
 Völlig ungelöst ist sodann das Verhältnis zum Börsenrecht. Geklärt werden müsste beispiels-
weise, wie mit der Thematik der Offenlegung von Gruppen von Aktionären, mit den Ad Hoc-
Publizitätspflichten oder der intransparenten Koordination der Stimmen auf solchen Plattfor-
men umzugehen wäre. Schliesslich müsste eine solche Regelung auf jeden Fall dispositiver
Wegen der dargelegten Schwierigkeiten, die ein elektronisches Forum mit sich bringt, erstaunt nicht,
dass bisher kein kotiertes Unternehmen ein solches anbietet, obschon dies an sich bereits de lege lata
Wir hielten es daher für angebracht, vor einer Entscheidung über den Erlass von Bestimmungen zu
einem Elektronischen Forum eine Expertengruppe / Groupe de Réflexion einzusetzen, die die Thema-
tik in einer konzeptionell umfassenden Weise behandelt und entsprechende ausgewogene Empfehlun-
gen macht. Bis zum Vorliegen einer entsprechenden Studie lehnen wir den Vorschlag einer Elektroni-
schen Forums ab.
E-Art. 703 – Beschlussfassung
Der Vorentwurf sieht einen Paradigmenwechsel für die Beschlussfassung und Wahlen durch die GV
vor. Soweit Gesetz oder die Statuten nichts anders bestimmen, soll die GV ihre Beschlüsse mit der
Mehrheit der abgegebenen Stimmen fassen. Unter geltendem Recht ist die Mehrheit der vertretenen
Stimmrechte notwendig. Enthaltungen sollen zudem nicht als abgegebene Aktienstimmen gelten (E-
Art. 703 Abs. 3).
Erfahrungsgemäss enthält sich ein grosser Teil der institutionellen Investoren der Stimme in einer Ge-
neralversammlung. Es gibt Schätzungen, die von bis zu 70% Enthaltungen bei institutionellen Investo-
ren ausgehen. Deren Enthaltung kann letztlich nur so gedeutet werden, dass sie mit der Strategie und
den operativen Entscheidungen der Unternehmensführung einverstanden sind. Wären sie das nicht,
würden sie das mittels Mitwirkung an der Generalversammlung zum Ausdruck bringen. Die neu vorge-
schlagene Regelung führt nun aber dazu, dass ihre Haltung (stillschweigende Unterstützung des VR)
bei der Meinungsbildung der Gesellschaft in keiner Weise mehr Berücksichtigung findet. Stattdessen
soll eine meist bedeutend kleinere, aktive Aktionärsgruppe einen überproportionalen Einfluss bei der
Beschlussfassung der Generalversammlung erhalten.
Zu beachten ist ferner, dass Aktionäre an der GV im Rahmen der traktandierten Verhandlungsgegen-
stände jederzeit spontan Anträge zur Abstimmung bringen können (was bspw. betreffend Dividenden-
ausschüttung in der Praxis relativ oft vorkommt). Eine institutionelle Stimmrechtsvertretung ist bekannt-
lich nur noch über den unabhängigen Stimmrechtsvertreter möglich. Dieser darf auch bei Spontanan-
trägen nur abstimmen, wenn er Weisungen erhalten hat. Es ist bereits heute der Fall, dass der unab-
hängige Stimmrechtsvertreter gerade im Zusammenhang mit Spontanträgen meist keine Weisungen
erhält und dass sich deswegen die Enthaltungen auch in solchen Situationen zu Lasten einer schwei-
genden, nicht vertretenen Mehrheit der Aktionäre auswirkt. Der Vorschlag birgt entsprechend ein gros-
ses Risiko von Zufallsentscheiden zu Gunsten einer Minderheit besonders aktivistischer Aktionäre.
Wir beantragen daher Beibehaltung des Wortlauts von Art. 703, d.h. Beschlussfassung mit der absolu-
ten Mehrheit der vertretenen (statt abgegebenen) Stimmen.
E-Art. 716b Abs. 2 – Übertragung der Geschäftsführung
Zwar muss der Verwaltungsrat bereits unter dem geltenden Art. 716b die Aktionäre und Gesellschafts-
gläubiger über die Organisation der Geschäftsführung orientieren. Der vorgeschlagene Abs. 2 zählt
aber gegenüber dem geltenden Recht detaillierter auf, was das Organisationsreglement zu enthalten
habe. Im Gegensatz zu heute müssten künftig auch rein interne Angelegenheiten wie die Kommunika-
tions- und Berichterstattungswege innerhalb des Verwaltungsrats oder zwischen Verwaltungsrat und
Geschäftsleitung offen gelegt werden. Dies geht zu weit.
Wir beantragen daher, E-Art. 716b Abs. 2 Ziff. 3 zu streichen.
E-Art. 717 Abs. 1bis – Sorgfalts- und Treuepflicht des VR
Aus grundsätzlichen Überlegungen lehnen wir die Neuregelung in Abs. 1bis ab. Dies aus den folgen-
den Gründen:
 Es ist selbstverständlich, dass der VR auch in Vergütungsfragen eine Sorgfalts- und Treue-
pflicht hat.
 Wird diese jedoch speziell aufgeführt, ergibt sich eine Verzerrung und ein Ungleichgewicht im
Verhältnis zu den übrigen – für den Erfolg und das Wohlergehen des Unternehmens meist
noch viel wichtigeren – Sorgfalts- und Treuepflichten, die nicht explizit aufgeführt sind. Im Inte-
resse eines wirksamen und ausgewogenen Aktienrechts gilt es dies unbedingt zu vermeiden.
 Würde hier die Tür zu einer Einzelerwähnung einer speziellen Sorgfalts- und Treuepflicht ge-
öffnet, könnte dies in Zukunft fast willkürlich immer wieder geschehen. Dies würde der grossen
Bedeutung und Tragweite von Art. 717 nicht gerecht.
Ohne die Bedeutung der Sorgfalts- und Treuepflicht des Verwaltungsrats in Vergütungsfragen in ir-
gendeiner Weise schmälern zu wollen, beantragen wir aus den vorstehenden, grundsätzlichen Überle-
gungen die Streichung von E-Art. 717 Abs. 1bis.
E-Art. 725ff. - Sanierungsrecht
Wir begrüssen grundsätzlich die Neuerungen im Sanierungsrecht. Im Einzelnen haben wir dazu die
Es ist die Frage aufgeworfen worden, ob es sinnvoll sei, unter E-Art. 725 Abs. 4 den Verwaltungsrat zu
verpflichten, bei drohender Zahlungsunfähigkeit oder Ablehnung der Plausibilität des Liquiditätsplans
durch den Revisor eine Generalversammlung einzuberufen. Wenn sich die Notwendigkeit einer Gene-
ralversammlung wegen der Art der Sanierungsmassnahmen nicht sowieso ergäbe, sei sie nicht zielfüh-
rend oder gar kontraproduktiv, da dann publik würde, dass das Unternehmen über Zahlungsprobleme
verfügt. Dem ist entgegen zu halten, dass dem Verwaltungsrat für diese Fälle nach vorgeschlagenem
neuen Recht alternativ zwei Wege zur Verfügung stehen, entweder die Einberufung einer Generalver-
sammlung oder der Gang zum Nachlass- oder Konkursrichter. Wird eine Sanierung für möglich erach-
tet, wird die Generalversammlung vom Verwaltungsrat wegen der zu beschliessenden Massnahmen in
den meisten Fällen sowieso einzuberufen sein, ansonsten wird der Verwaltungsrat ein Gesuch um
Nachlassstundung stellen oder die Bilanz deponieren.
Gemäss E-Art. 725a Abs. 1 Ziff. 3 sollen die Bestimmungen über die drohende Zahlungsunfähigkeit (E-
Art. 725) neu auch dann zur Anwendung kommen, wenn die Erfolgsrechnungen der letzten drei Jahre
einen Jahresverlust ausweisen. Wir würden eine solche Neuregelung gerade für Konzernverhältnisse
als zu restriktiv erachten. Innerhalb eines Konzerns kann es bspw. aus steuerlichen Gründen angezeigt
sein, bei einzelnen Gesellschaften auch über mehrere Jahre hinweg Verluste auflaufen zu lassen, ohne
dass sich dadurch ein Überschuldungsproblem für den Konzern insgesamt ergäbe. Die vorgeschlagene
Neuregelung nimmt auch keinerlei Rücksicht darauf, wie hoch der jeweils ausgewiesene Verlust ist.
Unabhängig von dessen Grösse kommen bei einem Verlust nach drei Jahren die Folgen von E-Art. 725
zum Tragen. Wir erachten eine solche Regelung als unnötig und insgesamt als zu einschränkend.
Wir beantragen, E-Art. Art. 725a Abs. 1 Ziff. 3 zu streichen und E-Art. 725b Abs. 1 in dem Sinn zu än-
dern, dass auf die Zwischenbilanz zu Veräusserungswerten verzichtet werden kann, wenn die Annah-
me der Fortführung gegeben und die Zwischenbilanz zu Fortführungswerten nicht überschuldet ist.
E-Art. 734b und Art. 697 Abs. 4 - Angabe der Darlehen und Kredite an Verwaltungsrat, Ge-
schäftsleitung und Beirat
Art. 734b VE-OR geht über die Regeln der VegüV hinaus; er ist unverhältnismässig und deshalb er-
satzlos zu streichen. Die Rechte der Aktionäre sind mit der VegüV bereits genügend abgedeckt, und es
braucht keine verschärften Transparenzregeln. Auch Art. 697 Abs. 4 VE-OR, der die Bekanntgabe von
entsprechenden Vergütungen, Darlehen und Krediten auf nicht-kotierte Gesellschaften ausdehnt, ist
als unverhältnismässig zu streichen. Er geht über die Vorgabe der Bundesverfassung hinaus.
E-Art. 754 Abs. 1 – Unterstellung der unabhängigen Stimmrechtsvertretung unter die Organhaf-
Der Haftungstatbestand gemäss Art. 754 Abs. 1 soll neu um die unabhängige Stimmrechtsvertretung
ergänzt werden. Wir halten das weder für rechtsdogmatisch richtig noch aus der Stellung der unabhän-
gigen Stimmrechtsvertretung heraus für gerechtfertigt. Auch wenn die Stellung der unabhängigen
Stimmrechtsvertretung mit der Umsetzung von Art. 95 Abs. 3 BV gestärkt worden ist, so kann sie doch
nach wie vor nicht als Organ der Gesellschaft bezeichnet werden. Im Gegenteil, die Notwendigkeit
deren Unabhängigkeit wird ja heute, mehr denn je, betont. Eine Quasi-Organstellung stünde damit im
Widerspruch. Schon von daher ist die Unterstellung der Unabhängigen Stimmrechtsvertretung unter
Art. 754 nicht angebracht. Rechtsdogmatisch scheint es uns zudem falsch, die unabhängige Stimm-
rechtsvertretung potenziell Klagen von Aktionären auszusetzen, die auf die Wiedergutmachung von
Schäden, die bei der Gesellschaft eingetreten sind, zielen. Die Gesellschaft selber kann unter allge-
meinem Haftungsrecht den ihr durch Fehlverhalten der unabhängigen Stimmrechtsvertretung entstan-
denen Schaden dieser gegenüber einklagen. Ebenso können Aktionäre unter allgemeinem Haftungs-
recht gegen die unabhängige Stimmrechtsvertretung vorgehen, wenn sie selber Schaden erlitten ha-
ben. Darüber hinaus eine Klagemöglichkeit der Aktionäre für Schäden des Unternehmens zu schaffen,
Wir beantragen daher, Art. 754 Abs. 1 unverändert zu belassen.
Rechnungslegungsrecht: E-Art. 963a und E-Art. 963b – Abschaffung der Buchwertkonsolidie-
Gemäss Vorentwurf soll die sog. Buchwertkonsolidierung abgeschafft werden und alle juristischen Per-
sonen, die die Schwellenwerte von E-Art. 963a Abs. 1 erreichen oder überschreiten, verpflichtet wer-
den, eine Konzernrechnung nach anerkanntem Standard zu erstellen. Für unsere nicht-börsenkotierten
Mitgliedunternehmen wäre die Neuerung – insbesondere die Änderung von Art. 963b OR – mit einem
unnötigen, sinnlosen Mehraufwand verbunden, der weder durch ein öffentliches noch ein privates Inte-
resse gerechtfertigt wäre. Zum einen ist die Buchwertkonsolidierung im Rahmen der Revision des
Rechnungslegungsrechts ausgiebig diskutiert worden und die dann getroffene Regelung soll nicht be-
reits wieder umgestossen werden. Zum zweiten würde die mühsam erreichte Harmonisierung der
Schwellenwerte unter verschiedenen aktienrechtlichen Bestimmungen wieder aufgebrochen. Dafür gibt
es keinen zwingenden Grund.
Ebenfalls abzulehnen sind die neuen Einschränkungen bei der Bildung von freiwilligen Gewinnreserven
(E-Art. 673 Abs. 2). Diese Einschränkungen stellen einen Einbruch in das liberale Konzept der Aktien-
gesellschaft dar und sind daher zu streichen. Ein Bedürfnis für Minderheitenschutz besteht in Bezug
auf Dividendenpolitik nicht. Diesbezüglich soll alleine der Grundsatz der Gleichbehandlung gelten.
Wir beantragen daher, die Buchwertkonsolidierung weiterhin zuzulassen und dementsprechend keine
neuen Schwellenwerte einzuführen sowie die Bildung der freiwilligen Gewinnreserven wie bisher zuzu-
E-Art. 964a ff. – Transparenz bei Rohstoffunternehmen
Gemäss Erläuterndem Bericht stützt sich der Vorschlag im Wesentlichen auf den Grundlagebericht
Rohstoffe. Es sollte eine Regelung vorgeschlagen werden, die den entsprechenden Bestimmungen der
EU (am 26. Juni 2013 geänderte Richtlinie 2013/34/EU, Art. 41 ff.) nachgebildet ist. Leider geht der
Vorentwurf jedoch in entscheidenden Bereichen über die EU-Regelung hinaus:
 Gemäss E-Art. 964a Abs. 1 sollen vom persönlichen Geltungsbereich alle Unternehmen er-
fasst werden, die direkt oder indirekt im Bereich der Mineralgewinnung oder beim Holzein-
schlag von Primärwäldern tätig sind. Der Erläuternde Bericht (S. 173) hält fest, dass mit „indi-
rekt“ auch Aktivitäten von Konzernuntergesellschaften und gar von (wohl ausserhalb des Kon-
zerns stehenden) Subunternehmen erfasst werden sollen. Diese Konzeption von „direkter o-
der indirekter“ Tätigkeit geht potentiell sehr weit und findet sich in der erwähnten EU-Richtlinie
nirgends. Der persönliche Geltungsbereich wird auf Mutter- und Tochtergesellschaften be-
schränkt und gar dahingehend präzisiert, dass auch Tochtergesellschaften nur erfasst werden,
wenn deren Mutter nicht in der EU ansässig ist und die Zahlungen bei der Mutter nicht konso-
lidiert wurden (Art. 42 Richtlinie 2013/34/EU). Die EU geht damit von einem rein organisatori-
schen Ansatz aus und beschränkt den persönlichen Geltungsbereich auf Konzerngesellschaf-
ten. Wenn an der neuen Transparenzregelung festgehalten wird, ist daher die Erwähnung der
„indirekten“ Tätigkeit unbedingt zu streichen.
 Die EU-Regelung enthält keine Bestimmungen zum Rohstoffhandel. Wenn dereinst der inter-
nationale Standard tatsächlich diesbezüglich ausgeweitet würde, wäre zu überlegen, ob die-
sem mit einer Gesetzesrevision nachgekommen werden müsste. Die vorgeschlagene Delega-
tionsnorm in E-Art. 964f ist daher weder nötig noch gerechtfertigt. Wir lehnen sie ab.
 Auch hier wird das Aktienrecht für sachfremde Zwecke missbraucht. Richtigerweise wäre eine
solche Regelung, wenn sie denn nötig wäre, in einem sektorspezifischen Erlass enthalten.
Wird an der Transparenzregelung für Rohstoffunternehmen festgehalten, darf die Regelung in keiner
Weise über die entsprechenden EU-Bestimmungen hinausgehen. Insbesondere ist der Verweis auf die
„indirekte Tätigkeit“ in E-Art. 964a Abs. 1 und die Delegationsnorm in E-Art. 964f zu streichen.
5 Ausdrückliche Unterstützung von vorgeschlagenen Regelungen
Unter dieser Ziffer schliesslich möchten wir auf einige Regelungen und Bestimmungen verweisen, die
grundsätzlich in der vorgeschlagenen Form beibehalten werden sollten, falls die Revision entgegen
unserem Hauptantrag dereinst weiterverfolgt werden würde. Die Wirtschaft erachtet aber keine dieser
Regelungen als zeitlich dringend.
Art. 621 – Aktienkapital
Wir begrüssen die grundsätzliche Möglichkeit, Aktienkapital in der für die Geschäftstätigkeit wesentli-
chen Fremdwährung zu halten.
Art. 622 – Nennwert
Die Thematik der nennwertlosen Aktie wurde lang diskutiert. Wir erachten den nun vorgeschlagenen
Weg „Nennwert grösser als null“ als einen guten Kompromiss.
Art. 653j – 652o – Kapitalherabsetzung
Wir unterstützen die Vorschläge zur Neuregelung der Kapitalherabsetzung.
Art. 653j – Harmonika
Die neue systematische Regelung des Kapitalschnitts wird begrüsst.
Art. 653s – Kapitalband
Wir haben die Einführung des Kapitalbands bereits anlässlich der Revisionsvorlage von 2007 unter-
stützt. Die danach vom Ständerat vorgenommenen und in den neuen Revisionsentwurf übernommenen
Verbesserungen begrüssen wir ebenfalls.
Art. 656a ff. – Partizipationsschein
Die liberalere Regelung in Bezug auf Partizipationsscheine unterstützen wir grundsätzlich. Diese Libe-
ralisierung sollte aber auch für nicht kotierte Unternehmen zur Anwendung gelangen.
Ein funktionierendes Aktienrecht ist für die Unternehmen in der Schweiz von grundsätzlicher Bedeu-
tung. Das bestehende Recht hat sich bewährt, eine dichte Rechtsprechung schafft Sicherheit. Es be-
steht kein dringender Handlungsbedarf, Anpassungen vorzunehmen.
Angesichts der zahlreichen Herausforderungen der Schweiz bedarf es hier in diesem bedeutenden
Bereich unbedingt einer Denkpause. Ein konstruktiver Marschhalt wird helfen, zusätzliche Verunsiche-
rung und Schaden für den Unternehmensstandort Schweiz zu vermeiden. Er gibt auch die Möglichkeit,
mehr Erfahrungen mit bestehenden Regelungen (darunter die VegüV und dem neuen Swiss Code) zu
erhalten und zwingend erforderliche Grundlagenarbeit nachzuholen.
In diesem Sinne danken wir Ihnen für die wohlwollende Prüfung unserer Anliegen.
AilsaJon
Murtelica 2015 look2015