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Timestamp: 2017-07-24 00:32:26
Document Index: 18044364

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 278', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651']

Pauschalreise / Airline lässt Passagiere am Flughafen stehen - Reiserecht - JuraForum.de
Pauschalreise / Airline lässt Passagiere am Flughafen stehen
Dieses Thema "Pauschalreise / Airline lässt Passagiere am Flughafen stehen - Reiserecht" im Forum "Reiserecht" wurde erstellt von PatrickBS, 27. Dezember 2013.
Da eine Person einen türkischen Reisepass (mit unbegrentztem Aufenthaltstitel in Deutschland) hat, jedoch vorab kein Visum beantragt hat, darf diese Person nicht nach Ägypten befördert werden. Die Airline beruht sich bei dieser Entscheidung auf ein digitales Informationssystem (online). Sollte die Airline den Passagier trotzdem befördern, werde dieser direkt nach Ankunft in Ägypten wieder per Flugzeug zurückgeschickt werden und dies würde der Airline mehrere tausend Euro Strafe kosten.
Hinweis der Reisenden:
Diese haben den Mitarbeitern der Airline erklärt das diese Information falsch ist und sich auf eine frühzeitige (ca. 5 Wochen vorher) telefonische Nachfrage bei der Ägyptischen Botschaft in Berlin berufen.
Weitere Beweis ist der Auszug bezüglich Touristenvisum von der Webseite der Ägyptischen Botschaft:
Nach fast vier Stunden Gesprächen mit Mitarbeitern der Airline am Flughafen (der Flieger war schon seit 3 Stunden weg) kam auf einmal die Information das die Reisenden doch mitgenommen werden können. Jedoch zwei Tage später. Die Reisenden haben dann auf eigene Kosten ein Hotel in der Nähe des Flughafen buchen müssen.
Zwei Tage später konnten die Reisenden dann doch Ihre Flugreise nach Ägypten antreten.
Am Reiseziel / Hotel angekommen wurden gleich am ersten Abend die Handys der beiden aus dem Hotelzimmer gestohlen. Die Handy lagen nicht im Safe sondern auf dem Tisch im Hotelzimmer. Der Dieb muss durch die Balkontür des im 1.ten Stockwerk gelegenen Hotelzimmers gekommen sein, Einbruchspuren fehlten. Nun meine Frage zu diesem fiktiven Fall:
Da nun ganz klar ein Informationsfehler bei der Airline vorgelegen hat .... welche Schadensersatzansprüche können die Reisenden bei der Airline / bzw. beim Reiseveranstalter geltend machen. ( 2 Tage Hotel am Abflughafen, zwei Entgangene Urlaubstage, der gesamte Stress, die gestohlenen Handys)
Und wie sollten die Reisenden jetzt nun vorgehen?
AW: Pauschalreise / Airline lässt Passagiere am Flughafen stehen
Zunächst zum Diebstahl des Handys aus dem Hotelzimmer im ersten Stock
Ein Diebstahl von Wertgegenständen aus einem Hotel ist kein Reisemangel. Dies geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf hervor. Im verhandelten Fall war ein Reisender nachts in seinem Hotelzimmer bestohlen worden und verklagte den Veranstalter auf Schadensersatz. ... Ein Diebstahl beeinträchtige zwar den Erholungserfolg der Reise, gehöre aber zum allgemeinen Lebensrisiko. Quelle: Oberlandesgericht Düsseldorf Diesbezüglich kann der Reisende weder Schadenersatz noch Minderungsansprüche gegen Hotelier oder Reiseveranstalter geltend machen.
Falls vorhanden, wende man sich hier an seine Reisegepäckversicherung oder an seine Hausratversicherung. Letztere übernimmt bei vorübergehender Abwesenheit im Rahmen der Außenversicherung auch Schäden aus schweren Diebstahlshandlungen (liegt hier vor, da der Täter offenbar ein Fassadenkletterer ist) in vorübergehend bewohnten Räumen, wozu ohne Zweifel ein Hotelzimmer zählt. Hierbei ist noch anzumerken, daß ein Handy ein Gebrauchsgegenstand und kein Wertgegenstand ist. Daher ist der Reisende auch nicht verpflichtet gewesen, sein Handy bei Abwesenheit aus dem Hotelzimmer im Hotelsafe einzuschliessen – im Gegensatz zu Zahlungsmitteln und Schmuck. Bezüglich der Verweigerung der Mitnahme auf dem Flug von Deutschland nach Ägypten
Dies stellt eine Nichtbeförderung im Sinne der VO (EG) 261/2004, der sogen. 'EU-Fluggastrechte-Verordnung' dar. Der Reisende wurde erst zwei Tage später nach Ägypten befördert. Somit hat er einen entfernungsabhängigen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung über EUR 250,-, 400,- oder 600,-. Näheres siehe hier: http://fluggastrecht.blogspot.de/2013/08/nichtbeforderung.html
Zur Berechnung der Flugstrecke: Diese richtet sich nach dem sogen. 'Großkreis', also der Luftlinie. Hier gibt es einen Entfernungsrechner: http://www.luftlinie.org/
Die Fluggesellschaft darf generell Personen die Mitnahme verweigern, die die Einreisevorschriften des Ziellandes nicht erfüllen. - Dies ist aber im Eingangssachverhalt nicht der Fall, denn das veraltete Informationssystem der Airline hat diese selbst zu verantworten und kann dies nicht dem Passagier zur Last legen. Der Anspruch nach der 'EU-Fluggastrechte-Verordnung' ist direkt an das Luftfahrtunternehmen zu richten. Hierzu auch: BGH v. 11.03.2008, Az.: X ZR 49/07, veröffentlicht in RRa 2008, 175, besagt: VO (EG) Nr. 261/2004 gewährt Ansprüche ausschließlich gegen das ausführende Luftfahrtunternehmen, nicht gegen den Reiseveranstalter
Zwei Tage verspäteter Urlaubsantritt
Bezüglich der zwei entgangenen Urlaubstage hat der Reisende einen Anspruch auf Schadenersatz bzw. einen Minderungsanspruch über den anteiligen Reisepreis der zwei Tage, die er verspätet befördert wurde. Dieser anteilige Reisepreis muß ihm erstattet werden, und zwar vom Reiseveranstalter! Rechtsgrundlage: §§ 651d und 651f Abs. 1 BGB. § 651f Abs. 1 BGB -Schadenersatz- Der Reisende kann unbeschadet der Minderung oder der Kündigung Schadensersatz wegen Nichterfüllung verlangen, es sei denn, der Mangel der Reise beruht auf einem Umstand, den der Reiseveranstalter nicht zu vertreten hat.
Und Zusätzlich: Bezüglich der entgangenen Urlaubsfreuden ist auf § 651f Abs. 2 BGB hinzuweisen, der da lautet: Wird die Reise vereitelt oder erheblich beeinträchtigt, so kann der Reisende auch wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit eine angemessene Entschädigung in Geld verlangen.
Diese Ansprüche sind an den Reiseveranstalter der Pauschlalreise zu richten. Dieser kann sich auch nicht herausreden, die Airline hätte dies zu verantworten, denn diese ist sein sogen. 'Erfüllungsgehilfe' für dessen Fehler er genauso einzustehen hat wie für eigene. Hierzu: § 278 Satz 1 BGB: Der Schuldner hat ein Verschulden seines gesetzlichen Vertreters und der Personen, deren er sich zur Erfüllung seiner Verbindlichkeit bedient, in gleichem Umfang zu vertreten wie eigenes Verschulden.
Bei den geltend gemachten Ansprüchen gegen den Reiseveranstalter ist zu beachten: § 651g BGB - Ausschlussfrist, Verjährung
§ 651g Abs. 1 Satz 1 BGB -Ausschlussfrist, Verjährung-
Ansprüche nach den §§ 651c bis 651f hat der Reisende innerhalb eines Monats nach der vertraglich vorgesehenen Beendigung der Reise gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen.
Vom Reisenden für zwei Tage gebuchtes Hotelzimmer am Abflughafen
Ob der Reisende gegenüber dem Reiseveranstalter auch die Hotelunterbringung am Abflughafen als Schaden nach § 651f Abs. 1 Satz 1 geltend machen kann, die er ja selbst verauslagt hat, richtet sich danach, ob eine vorübergehende Heimreise an den Wohnort nicht günstiger gekommen wäre ('Schadenminderungspflicht!'). Ggf. hat der Reisende hier keinen Anspruch auf volle Übernahme der Hotelkosten am Flughafen, könnte dann jedoch die fiktiven Fahrtkosten vom Flughafen nach Hause und wieder zum Flughafen gegenrechnen.
Hallo Klausschlesinge,
vielen Dank für die ausführliche Antwort. Damit kann ich
ich was anfangen Vielen Dank und guten Rutsch ins Neue Jahr Grüsse aus Braunschweig nach Braunschweig
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