Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Tarifvertrag_Ausschlussfrist_Geltendmachung_BAG_4AZR42115u.html
Timestamp: 2018-04-21 22:50:59
Document Index: 155437069

Matched Legal Cases: ['§ 167', '§ 37', '§ 167', '§ 167', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 24', '§ 187', '§ 188', '§ 37', '§ 130', '§ 130', '§ 167', '§ 167', '§ 167', 'BGH', '§ 167', '§ 167', '§ 270', '§ 75', '§ 15', 'BGH', '§ 545', '§ 167', '§ 167', '§ 167', '§ 132', '§ 167', 'BGH', '§ 15', '§ 15', '§ 167', '§ 16', '§ 167', '§ 167', '§ 130', '§ 130', '§ 167', '§ 270', '§ 261', '§ 496', '§ 261', '§ 261', 'BGH', 'BGH', '§ 167', '§ 167', '§ 167', 'BGH', '§ 167', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 167', 'BGH', '§ 167', '§ 167', '§ 167', '§ 167', '§ 166', '§ 72', '§ 123', '§ 167', 'BGH', 'BGH', '§ 126', '§ 626', '§ 626', '§ 132', '§ 191', '§ 130', '§ 132', '§ 191', '§ 167', 'BGH', 'BGH', '§ 167', '§ 1', '§ 4', '§ 209', '§ 7', '§ 191', '§ 929', '§ 167', '§ 130', '§ 191', '§ 1', '§ 626', '§ 9', '§ 4', '§ 130', 'BGH', 'BGH', '§ 2', '§ 167', '§ 310', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 167', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 14', '§ 167', 'BGH', '§ 167', '§ 14', '§ 167', '§ 167', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 691', '§ 37', '§ 37', '§ 19', '§ 2', '§ 11', '§ 45', '§ 2', '§ 167', '§ 167', 'BGH', 'BGH', '§ 45', '§ 15', '§ 16', '§ 167', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 167', '§ 91', '§ 91', '§ 92', '§ 97']

HENSCHE Arbeitsrecht: 4 AZR 421/15
Schlag­worte: Tarifvertrag, Ausschlussfrist, Tarifvertrag: Ausschlussfrist
Akten­zeichen: 4 AZR 421/15
Ent­scheid­ungs­datum: 16.03.2016
Leit­sätze: § 167 ZPO fin­det auf die Wah­rung ei­ner in ei­nem Ta­rif­ver­trag ge­re­gel­ten und durch ein ein­fa­ches Schrei­ben ein­zu­hal­ten­den Aus­schluss­frist kei­ne An­wen­dung.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 17.12.2014, 56 Ca 18628/13
Landesarbeitsgericht Berlin, Urteil vom 29.04.2015, 23 Sa 232/15
Verkündet am 16. März 2016
hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16. März 2016 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ey­lert, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Creutz­feldt, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Rinck so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Pust und Rat­a­ycz­ak für Recht er­kannt:
1. Auf die Re­vi­si­on des be­klag­ten Lan­des wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 29. April 2015 - 23 Sa 232/15 - auf­ge­ho­ben.
2. Auf die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 17. De­zem­ber 2014 - 56 Ca 18628/13 - ab­geändert.
3. Der Kläger hat die Kos­ten der Be­ru­fung so­wie der Re­vi­si­on zu tra­gen. Die Kos­ten ers­ter In­stanz trägt das be­klag­te Land.
Die Par­tei­en strei­ten in der Re­vi­si­on noch über ei­nen Dif­fe­renz­lohn­an­spruch des Klägers für den Mo­nat Ju­ni 2013.
Der Kläger ist auf der Grund­la­ge des Ar­beits­ver­trags vom 1. Ju­li 1991 bei dem be­klag­ten Land beschäftigt und seit Ja­nu­ar 2008 als An­ge­stell­ter im Außen­dienst mit Auf­ga­ben im All­ge­mei­nen Ord­nungs­dienst tätig. Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­det - zu­min­dest kraft ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me - der Ta­rif­ver­trag zur An­glei­chung des Ta­rif­rechts des Lan­des Ber­lin an das Ta­rif­recht der Ta­rif­ge­mein­schaft deut­scher Länder vom 14. Ok­to­ber 2010 (An­glei­chungs-TV Land Ber­lin) und da­nach grundsätz­lich der Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Länder (TV-L) An­wen­dung.
Der Kläger wur­de zunächst nach Ent­gelt­grup­pe 6 TV-L vergütet. Mit außer­ge­richt­li­chen Schrei­ben vom 15. Sep­tem­ber 2011 und 6. Au­gust 2012 mach­te er sei­ne Ein­grup­pie­rung in der Ent­gelt­grup­pe 8 TV-L ge­genüber dem be­klag­ten Land gel­tend.
Mit der beim Ar­beits­ge­richt Ber­lin am 18. De­zem­ber 2013 ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat er ua. die Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung des be­klag­ten Lan­des zur Zah­lung von Ent­gelt nach Ent­gelt­grup­pe 9 TV-L ab 1. No­vem­ber 2010 nebst
Zin­sen ver­langt. Die Kla­ge ist dem be­klag­ten Land am 7. Ja­nu­ar 2014 zu­ge­stellt wor­den. Während des lau­fen­den Rechts­streits hat sich das be­klag­te Land be­reit erklärt, ihn auf­grund der Erfüllung der Tätig­keits­merk­ma­le der Ent­gelt­grup­pe 9 Fall­grup­pe 3 Teil I der An­la­ge A zum TV-L ent­spre­chend zu vergüten. Un­ter Be­ru­fung auf die ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten hat es für die Ver­gan­gen­heit bis ein­sch­ließlich Ju­ni 2013 je­doch le­dig­lich die Dif­fe­renz zwi­schen der ge­zahl­ten Vergütung und dem nach Ent­gelt­grup­pe 8 Stu­fe 6+ ge­schul­de­ten Ent­gelt nach­ge­zahlt. Die vom Kläger mit der Kla­ge be­gehr­te Vergütung nach Ent­gelt­grup­pe 9 Stu­fe 4+ TV-L hat sie erst ab dem 1. Ju­li 2013 ge­leis­tet. In­so­weit ha­ben die Par­tei­en den Rechts­streit übe­rein­stim­mend für er­le­digt erklärt.
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ihm ste­he Ent­gelt nach Ent­gelt­grup­pe 9 Stu­fe 4+ TV-L auch für den Mo­nat Ju­ni 2013 zu. Die Aus­schluss­frist aus § 37 Abs. 1 Satz 1 TV-L sei durch den recht­zei­ti­gen Kla­ge­ein­gang und die „demnächst“ iSv. § 167 ZPO er­folg­te Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift ge­wahrt.
Der Kläger hat zu­letzt be­an­tragt, das be­klag­te Land zu ver­ur­tei­len, ihm 253,50 Eu­ro brut­to nebst 5 % Zin­sen über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 15. Ja­nu­ar 2014 zu zah­len.
Das be­klag­te Land hat sei­nen Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag mit der Auf­fas­sung be­gründet, § 167 ZPO fin­de auf die Aus­schluss­frist aus § 37 Abs. 1 Satz 1 TV-L kei­ne An­wen­dung.
Die Vor­in­stan­zen ha­ben der Kla­ge - so­weit für die Re­vi­si­on von Be­deu­tung - statt­ge­ge­ben. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt das be­klag­te Land sei­nen Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist be­gründet. Die Kla­ge ist un­be­gründet. Der Dif­fe­ren­zent­gelt­an­spruch des Klägers für den Mo­nat Ju­ni 2013 ist nach § 37 Abs. 1 Satz 1 TV-L ver­fal­len.
A. Dem Kläger stand für den Mo­nat Ju­ni 2013 ein Dif­fe­ren­zent­gelt­an­spruch in Höhe von 253,50 Eu­ro brut­to zu. Hierüber sind sich die Par­tei­en ei­nig.
B. Die­ser An­spruch ist nach § 37 Abs. 1 Satz 1 TV-L, der für das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en auf­grund der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel an­wend­bar ist, ver­fal­len.
I. Nach § 37 Abs. 1 TV-L ist ein An­spruch in­ner­halb von sechs Mo­na­ten nach Fällig­keit schrift­lich gel­tend zu ma­chen; an­dern­falls ist er ver­fal­len. Die Fällig­keit von Mo­nats­ent­gelt­ansprüchen be­stimmt sich nach § 24 Abs. 1 Satz 2 TV-L. Da­nach er­folgt die Zah­lung am letz­ten Tag des Mo­nats für den lau­fen­den Ka­len­der­mo­nat. So­weit - wie hier - ein Ent­gelt­an­spruch für den Mo­nat Ju­ni 2013 in Re­de steht, ist die­ser da­nach am 30. Ju­ni 2013 fällig. Der für die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung vor­ge­se­he­ne Sechs-Mo­nats-Zeit­raum en­det da­mit mit Ab­lauf des 30. De­zem­ber 2013 (§ 187 Abs. 1 iVm. § 188 Abs. 2 BGB).
II. Der Kläger hat die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist nicht ein­ge­hal­ten. Er hat den An­spruch nicht bis zum 30. De­zem­ber 2013 schrift­lich gel­tend ge­macht.
1. Ei­ne an­zu­wen­den­de oder gel­ten­de ta­rif­li­che Ver­fall­frist ist von Amts we­gen zu be­ach­ten. Der Schuld­ner muss sich nicht auf ih­re Wir­kung be­ru­fen, da es sich um ei­ne rechts­ver­nich­ten­de Ein­wen­dung han­delt (st. Rspr., vgl. schon BAG 15. März 1960 - 1 AZR 464/57 - zu III der Gründe).
2. Ein ein­mal ent­stan­de­ner An­spruch, der von ei­ner ta­rif­li­chen Ver­fall­klau­sel er­fasst wird, geht mit dem un­ge­nutz­ten Ver­strei­chen­las­sen der Frist un­ter, oh­ne dass es ei­ner wei­te­ren rechts­geschäft­li­chen Hand­lung des Schuld­ners be­darf (st. Rspr., vgl. nur BAG 11. Ju­li 1990 - 5 AZR 609/89 - zu III 2 a der Gründe, BA­GE 65, 264).
3. Maßge­ben­der Zeit­punkt für die Wah­rung der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist gem. § 37 Abs. 1 TV-L ist der Zu­gang der schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung beim Ar­beits­ver­trags­part­ner.
a) Die Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs im Sin­ne der ta­rif­li­chen Aus­schluss­klau­seln ist kei­ne Wil­lens­erklärung iSv. § 130 BGB, die auf die Her­beiführung ei­ner Rechts­fol­ge kraft rechts­geschäft­li­chen Wil­lens ge­rich­tet ist. Sie ist aber ei­ne rechts­geschäftsähn­li­che Hand­lung, die die durch den Ta­rif­ver­trag an­ge­ord­ne­te Rechts­fol­ge her­beiführen will. Auf sol­che sind die Vor­schrif­ten über die Wil­lens­erklärung ent­spre­chend ih­rer Ei­gen­art an­zu­wen­den (vgl. nur BAG 11. Ok­to­ber 2000 - 5 AZR 313/99 - zu II 2 b bb der Gründe mwN, BA­GE 96, 28; 11. De­zem­ber 2003 - 6 AZR 539/02 - zu I 1 a der Gründe, BA­GE 109, 100).
b) Da­nach kommt es für die Fest­stel­lung des Zeit­punkts der Gel­tend­ma­chung ent­spre­chend § 130 BGB auf den Zu­gang beim Schuld­ner an.
4. Der Kläger hat die strei­ti­ge Ent­gelt­dif­fe­renz für den Mo­nat Ju­ni 2013 nicht bis zum 30. De­zem­ber 2013 gel­tend ge­macht. Ei­ne ent­spre­chen­de schrift­li­che For­de­rung ist dem be­klag­ten Land bis da­hin nicht zu­ge­gan­gen. Die ers­te im ta­rif­li­chen Sin­ne ord­nungs­gemäße Gel­tend­ma­chung der noch strei­ti­gen For­de­rung ist in der Kla­ge­schrift ent­hal­ten, mit der der Kläger den vor­lie­gen­den Rechts­streit ein­ge­lei­tet hat. Die­se ist dem be­klag­ten Land je­doch erst am 7. Ja­nu­ar 2014 mit der Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift zu­ge­gan­gen.
5. Der Kläger kann sich nicht dar­auf be­ru­fen, dass er die Kla­ge­schrift be­reits am 18. De­zem­ber 2013 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­reicht hat. § 167 ZPO, nach dem die frist­wah­ren­de Wir­kung ei­ner Zu­stel­lung be­reits mit Ein­gang des An­trags bei Ge­richt ein­tritt, wenn die Zu­stel­lung demnächst er­folgt, ist auf die außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs zur Wah­rung ei­ner ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist nicht an­zu­wen­den.
a) Die An­wend­bar­keit des § 167 ZPO auf ei­ne außer­ge­richt­li­che schrift­li­che Gel­tend­ma­chung ist um­strit­ten.
aa) In der älte­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs und in der Li­te­ra­tur wur­de die An­sicht ver­tre­ten, § 167 ZPO kom­me grundsätz­lich nur in den Fällen zur An­wen­dung, in de­nen ei­ne Frist le­dig­lich durch In­an­spruch­nah­me der Ge­rich­te ge­wahrt wer­den könne. Dem­ge­genüber wur­de die Vor­schrift in Fällen
nicht für an­wend­bar ge­hal­ten, in de­nen durch die Zu­stel­lung die auch durch außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung zu wah­ren­den Fris­ten ein­ge­hal­ten wer­den soll­ten. Nur in Aus­nah­mefällen - wenn die ge­setz­li­che oder ver­trag­li­che Re­ge­lung, aus der sich die zu wah­ren­de Frist er­gab, ei­ner ein­ge­schränk­ten An­wen­dung der Rück­wir­kungs­re­ge­lung ent­ge­gen­stand - soll­te an­de­res gel­ten (vgl. nur BGH 21. Ok­to­ber 1981 - VIII ZR 212/80 - zu II 2 und 3 der Gründe; 11. Ok­to­ber 1974 - V ZR 25/73 - zu II 2 der Gründe; aus der Li­te­ra­tur Tho­mas/Putzo/ Hüßte­ge ZPO 29. Aufl. § 167 Rn. 3; Mu­sielak/Wolst ZPO 5. Aufl. § 167 Rn. 2; Münch­Komm-ZPO-Lüke 1. Aufl. § 270 Rn. 21 und 26; Ro­sen­berg/Schwab/ Gott­wald Zi­vil­pro­zess­recht 16. Aufl. § 75 Rn. 8).
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat die­se Auf­fas­sung im Grund­satz ge­teilt. Es hat ins­be­son­de­re bei ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­schluss­fris­ten stets ent­schie­den, dass es dann, wenn der Gläubi­ger die Möglich­keit hat, die Aus­schluss­frist auch in an­de­rer Form - zB durch ein­fa­ches Schrei­ben - ein­zu­hal­ten, aber den­noch die Form der Kla­ge wählt, zu sei­nen Las­ten geht, wenn die Kla­ge­schrift nicht in­ner­halb der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist dem Schuld­ner zu­ge­stellt wird (BAG 19. Ju­ni 2007 - 1 AZR 541/06 - Rn. 31; 25. Sep­tem­ber 1996 - 10 AZR 678/95 - zu II 3 und 4 der Gründe; 8. März 1976 - 5 AZR 361/75 - zu 3 a der Gründe; 18. Ja­nu­ar 1974 - 3 AZR 3/73 - zu II 3 der Gründe, BA­GE 25, 475; 4. No­vem­ber 1969 - 1 AZR 141/69 - zu 1 der Gründe; eben­so noch 21. Ju­ni 2012 - 8 AZR 188/11 - Rn. 27, BA­GE 142, 143, für die Frist nach § 15 Abs. 4 Satz 1 AGG, un­ter Be­ru­fung auf 8. März 1976 - 5 AZR 361/75 - zu 3 a der Gründe). In die­sen Fällen bedürfe der An­spruch­stel­ler nicht der Mit­wir­kung des Ge­richts und des­halb auch nicht des Schut­zes da­vor, dass ei­ne Verzöge­rung in­ner­halb des von ihm nicht zu be­ein­flus­sen­den Ge­richts­be­triebs ein­tre­te (vgl. nur BAG 8. März 1976 - 5 AZR 361/75 - aaO; 4. No­vem­ber 1969 - 1 AZR 141/69 - zu 1 der Gründe).
bb) Der Bun­des­ge­richts­hof hat mit Ur­teil vom 17. Ju­li 2008 (- I ZR 109/05 - Rn. 21 ff. mwN, BGHZ 177, 319; fort­geführt im Hin­blick auf die Wah­rung der in § 545 BGB be­stimm­ten Frist mit Ur­teil vom 25. Ju­ni 2014 - VIII ZR 10/14 - Rn. 28) sei­ne Recht­spre­chung zur An­wen­dung von § 167 ZPO auf ei­ne außer-
ge­richt­li­che frist­ge­bun­de­ne Gel­tend­ma­chung auf­ge­ge­ben und an­ge­nom­men, § 167 ZPO sei grundsätz­lich auch in den Fällen an­wend­bar, in de­nen durch die Zu­stel­lung ei­ne Frist ge­wahrt wer­den sol­le, die auch durch außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ge­wahrt wer­den könne. Zur Be­gründung hat er da­bei vor al­lem auf Ge­sichts­punk­te der Rechts­si­cher­heit und des Ver­trau­ens­schut­zes ab­ge­stellt. Der Wort­laut des § 167 ZPO bie­te kei­ne An­halts­punk­te dafür, dass die Zu­stel­lung da­von abhänge, ob mit ihr ei­ne nur ge­richt­lich oder auch ei­ne außer­ge­richt­lich gel­tend zu ma­chen­de Frist ge­wahrt wer­den sol­le und ob die Zu­stel­lung durch Ver­mitt­lung des Ge­richts oder ei­nes Ge­richts­voll­zie­hers (§ 132 BGB) er­fol­ge. Wer mit der Kla­ge „die stärks­te Form der Gel­tend­ma­chung“ von Ansprüchen wähle, müsse sich dar­auf ver­las­sen können, dass die Ein­rei­chung der Kla­ge­schrift die Frist wah­re. Zu­gleich hat der Bun­des­ge­richts­hof be­tont, Sinn und Zweck der Re­ge­lung könn­ten bei ein­zel­nen Fris­ten ei­ner Rück­wir­kung der Zu­stel­lung aus­nahms­wei­se ent­ge­gen­ste­hen, so dass von dem Grund­satz der An­wen­dung des § 167 ZPO auch auf Fris­ten, die durch außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ge­wahrt wer­den könn­ten, Aus­nah­men zu­zu­las­sen sei­en (vgl. BGH 17. Ju­li 2008 - I ZR 109/05 - Rn. 25, aaO).
cc) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat die­se Fra­ge nach der Recht­spre­chungsände­rung des Bun­des­ge­richts­ho­fes im Er­geb­nis un­ein­heit­lich ent­schie­den. Der Ach­te Se­nat hat sich mit Ur­teil vom 22. Mai 2014 (- 8 AZR 662/13 - Rn. 14, BA­GE 148, 158) für die in § 15 Abs. 4 AGG ge­re­gel­te Frist zur schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen aus § 15 Abs. 1 und Abs. 2 AGG der geänder­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs aus­drück­lich an­ge­schlos­sen. Der Drit­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts hat da­ge­gen mit Ur­teil vom 21. Ok­to­ber 2014 (- 3 AZR 937/12 - Rn. 16 ff., BA­GE 149, 326) ent­schie­den, § 167 ZPO sei auf die Rüge­frist nach § 16 Be­trAVG nach Sinn und Zweck die­ser Frist­be­stim­mung nicht an­wend­bar.
b) Der Vier­te Se­nat schließt sich der Recht­spre­chungsände­rung des Bun­des­ge­richts­ho­fes für den Fall der Wah­rung ta­rif­li­cher Aus­schluss­fris­ten nicht an, son­dern hält an der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts fest.
aa) Der Se­nat hat be­reits grundsätz­li­che Be­den­ken ge­gen die Auf­fas­sung, § 167 ZPO sei in der Re­gel auch in den Fällen an­zu­wen­den, in de­nen durch die Zu­stel­lung ei­ne Frist ge­wahrt wer­den soll, die auch durch ei­ne außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ein­ge­hal­ten wer­den kann. Die vom Bun­des­ge­richts­hof vor­ge­nom­me­ne all­ge­mei­ne Ände­rung des Re­gel-Aus­nah­me-Verhält­nis­ses bei der An­wen­dung von § 167 ZPO auf ma­te­ri­ell-recht­li­che Fris­ten be­geg­net nach die­ser Auf­fas­sung grund­le­gen­den Be­den­ken.
(1) Wenn ei­ne Wil­lens­erklärung zu ih­rer Wirk­sam­keit des Zu­gangs beim Empfänger be­darf, ist für den Zeit­punkt ih­res Wirk­sam­wer­dens der Zu­gang beim Empfänger selbst maßge­bend (§ 130 Abs. 1 Satz 1 BGB). Dies gilt auch für rechts­geschäftsähn­li­che Erklärun­gen, wie et­wa die Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen zur Wah­rung von ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten (vgl. BAG 22. Mai 2014 - 8 AZR 662/13 - Rn. 17, 21, BA­GE 148, 158; 26. Fe­bru­ar 2003 - 5 AZR 223/02 - zu II 3 a der Gründe, BA­GE 105, 181). Soll durch die Erklärung ei­ne Frist ge­wahrt wer­den, trägt grundsätz­lich der Erklären­de und nicht der Erklärungs­empfänger das Ri­si­ko ei­ner nicht frist­ge­rech­ten Über­mitt­lung der Erklärung. Be­dient sich der Erklären­de zur Über­mitt­lung ei­nes Drit­ten, so fällt ihm auch in die­sem Fall das Ri­si­ko ei­ner ver­späte­ten Über­mitt­lung zu (so schon BAG 8. März 1976 - 5 AZR 361/75 - zu 3 b der Gründe). Die Ent­schei­dung des Ge­setz­ge­bers für die Emp­fangs­theo­rie ba­siert auf ei­ner sach­ge­rech­ten Ver­tei­lung der mit der Über­mitt­lung ei­ner Erklärung zwi­schen Ab­we­sen­den zwangsläufig ver­bun­de­nen Ri­si­ken des Ver­lusts, der Ent­stel­lung und der Verzöge­rung. Je­der Be­tei­lig­te soll das über­wie­gend von ihm zu be­herr­schen­de Ri­si­ko tra­gen. Mit dem Be­griff des Zu­gangs ist dafür ein Zeit­punkt be­zeich­net, der ei­ne Zäsur bei der Ri­si­ko­ver­tei­lung mar­kiert. Ab die­sem Mo­ment en­det das Über­mitt­lungs­ri­si­ko des Erklären­den, während die Ver­ant­wor­tung für die tatsächli­che Kennt-nis­nah­me durch den Empfänger bei die­sem liegt (so zu­tref­fend Stau­din­ger/ Rein­hard Sin­ger/Jörg Be­ne­dict BGB 2012 § 130 Rn. 8).
(2) Die­ser Grund­satz galt ursprüng­lich auch für die Wah­rung ei­ner ge­richt­li­chen Kla­ge­frist; Aus­nah­men gal­ten nur für die durch das Ge­richt vor­zu­neh­men­den Aus­lands- und öffent­li­chen Zu­stel­lun­gen (vgl. da­zu det. BAG
23. Au­gust 2012 - 8 AZR 394/11 - Rn. 34, BA­GE 143, 50). Die ge­setz­li­che Einführung der Zu­stel­lung von Amts we­gen im amts­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren im Jah­re 1909 ent­zog die­ser Ri­si­ko­ver­tei­lung die Grund­la­ge, da nun­mehr der Kläger mit der Ein­rei­chung der Kla­ge­schrift die Herr­schaft über die Zu­stel­lung an den Be­klag­ten ver­lo­ren hat­te. Dem­ent­spre­chend konn­te ihm das Ri­si­ko ei­ner ver­späte­ten Zu­stel­lung nicht mehr auf­er­legt wer­den. Dem trug die Einführung der Re­ge­lung von § 167 ZPO (früher: § 270 Abs. 3 aF bzw. § 261b Abs. 3 aF bzw. § 496 Abs. 3 ZPO aF) da­durch Rech­nung, dass es für die Frist­wah­rung aus­rei­chen soll­te, wenn die Kla­ge in­ner­halb der Frist bei dem von Ge­set­zes we­gen mit der Zu­stel­lung al­lein be­trau­ten Ge­richt ein­ging. In der amt­li­chen Be­gründung des Ge­setz­ent­wurfs war aus­geführt, da die Zu­stel­lun­gen mit der Einführung des Amts­be­trie­bes „der Ein­wir­kung und ins­be­son­de­re der Be­schleu­ni­gung sei­tens der Par­tei­en ent­zo­gen [wer­den], so muss Sor­ge dafür ge­tra­gen wer­den, dass in den Fällen, in wel­chen die Zu­stel­lung zur Wah­rung ei­ner Frist oder zur Un­ter­bre­chung der Verjährung er­for­der­lich ist, der Zeit­raum, den die Ausführung der Zu­stel­lung nach der Ein­rei­chung oder An­brin­gung des An­trags oder der Erklärung durch die Par­tei noch in An­spruch nimmt, die­ser nicht zum Nach­tei­le ge­rei­che“ (Ver­hand­lun­gen des Reichs­ta­ges 1908 Bd. 246 Ak­tenstück Nr. 735 S. 4568).
Nach­dem der Amts­be­trieb mit der Vier­ten Ver­ein­fa­chungs­ver­ord­nung vom 12. Ja­nu­ar 1943 auch für das land­ge­richt­li­che Ver­fah­ren ein­geführt wor­den war, wur­de im Jah­re 1950 die bis­her nur für die Amts­ge­rich­te ge­trof­fe­ne Re­ge­lung in § 261b Abs. 3 ZPO auch für das land­ge­richt­li­che Ver­fah­ren über­nom­men (vgl. Amt­li­che Be­gründung der Ver­ein­heit­li­chungs­no­vel­le von 1950, An­la­ge 1a der BT-Drs. 1/530 S. 17, wo­nach der neu ein­gefügte § 261b ZPO „ei­ne Fol­ge des Amts­be­trie­bes“ ist). Die­se Re­ge­lung hat­te den Zweck, den Par­tei­en, die bis da­hin die Zu­stel­lun­gen im Pro­zess selbst be­sorg­ten und des­halb de­ren Zeit­punkt zu­verlässig selbst be­stim­men konn­ten, das von ih­nen nicht mehr kal­ku­lier­ba­re Ri­si­ko ei­ner Ver­spätung der amt­li­chen Zu­stel­lung ab­zu­neh­men, in­dem be­stimmt wur­de, dass die Zu­stel­lung auf den Zeit­punkt der Ein­rei­chung des An­trags bei Ge­richt zurück­wir­ken soll­te (zu die­ser Ent­ste­hungs­ge­schich­te BGH 8. No­vem­ber 1979 - VII ZR 86/79 - zu II 2 a der Gründe, BGHZ 75, 307).
(3) Dass die in § 167 ZPO ge­re­gel­te Aus­nah­me von der grundsätz­li­chen Ri­si­ko­ver­tei­lung zwi­schen dem Erklären­den und dem Empfänger der Erklärung al­lein auf dem Grund­ge­dan­ken der Nicht-Zu­re­chen­bar­keit von Verzöge­run­gen bei der ge­richt­li­chen Zu­stel­lung be­ruht, zeigt sich auch in der Recht­spre­chung zu dem an sich zeit­be­zo­ge­nen Merk­mal „demnächst“. Tatsächlich wird die­ses Tat­be­stands­merk­mal nicht, wie der Wort­laut na­he­legt, an­hand des re­al ver­stri­che­nen Zeit­raums zwi­schen Ein­rei­chung der Kla­ge und ih­rer Zu­stel­lung über­prüft. So­weit der Erklären­de nicht zu ei­ner ihm und nicht dem Ge­richt zu­zu­rech­nen­den Verzöge­rung bei­ge­tra­gen hat, wird selbst für Zeiträume von mehr als zwei Jah­ren an­ge­nom­men, die Zu­stel­lung sei „demnächst“ iSv. § 167 ZPO er­folgt. Das Tat­be­stands­merk­mal hat sei­ne Be­deu­tung nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes da­ge­gen na­he­zu aus­sch­ließlich für den Fall ei­ner zusätz­li­chen, vom Erklären­den ver­schul­de­ten Verzöge­rung der Zu­stel­lung. Denn ei­ne Zu­stel­lung ist da­nach dann „demnächst“ iSv. § 167 ZPO er­folgt, „wenn sich die der Par­tei zu­zu­rech­nen­den Verzöge­run­gen in ei­nem hin-nehm­ba­ren Rah­men hal­ten“ (so aus jüngs­ter Zeit bei­spiel­haft BGH 25. Sep­tem­ber 2015 - V ZR 203/14 -; eben­so 10. Ju­li 2015 - V ZR 154/14 - Rn. 5; 20. Mai 2015 - IV ZR 127/14 - Rn. 25; 5. No­vem­ber 2014 - III ZR 559/13 -; 15. No­vem­ber 2012 - I ZR 86/11 -; eben­so BAG 20. Fe­bru­ar 2014 - 2 AZR 248/13 - Rn. 35, BA­GE 147, 227 für ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge). Sinn und Zweck von § 167 ZPO er­for­dern, ei­ne Zu­stel­lung als „demnächst“ an­zu­se­hen, „wenn die Par­tei ... un­ter Berück­sich­ti­gung der Ge­samt­si­tua­ti­on al­les Zu­mut­ba­re für die als­bal­di­ge Zu­stel­lung ge­tan hat“ (BGH 3. Sep­tem­ber 2015 - III ZR 66/14 - Rn. 15 mwN). Hat der Ver­an­las­ser die Zu­stel­lung nicht vor­werf­bar oder nur ge­ringfügig, dh. nicht mehr als 14 Ta­ge oder we­nig darüber (vgl. nur BGH 30. März 2012 - V ZR 148/11 - Rn. 7 mwN) verzögert, über­wie­gen re­gelmäßig sei­ne In­ter­es­sen ge­genüber den Be­lan­gen des Zu­stel­lungs­adres­sa­ten (BGH 12. Ja­nu­ar 2016 - II ZR 280/14 - Rn. 10 mwN). So wird ein Mit­ver­schul­den des Erklären­den an ei­ner - bei der ge­richt­li­chen Zu­stel­lung ver­ur­sach­ten - Verzöge­rung (zB feh­ler­haf­te An­schrif­ten­an­ga­be, kei­ne Ein­zah­lung des Ge­richts­kos­ten­vor­schus­ses) un­ter dem Tat­be­stands­merk­mal „demnächst“ ge­prüft, ob­wohl sich dies al­lein auf den ver­stri­che­nen Zeit­raum und nicht auf des-
sen Ver­ur­sa­chung durch den Erklären­den be­zieht. Die dem Ge­richt oder den ob­jek­ti­ven Verhält­nis­sen an­zu­las­ten­den Verzöge­run­gen, wel­cher Dau­er auch im­mer, blei­ben da­ge­gen im Re­gel­fall oh­ne Aus­wir­kun­gen auf die An­wen­dung des § 167 ZPO und wer­den bei der Be­rech­nung der dem An­spruch­stel­ler selbst an­zu­las­ten­den Verzöge­rung - ggf. ta­ge­wei­se - her­aus­ge­rech­net, und da­mit für die Erfüllung des Tat­be­stands­merk­mals „demnächst“ ge­ra­de nicht her­an­ge­zo­gen (bei­spiel­haft BGH 10. Ju­li 2015 - V ZR 154/14 - Rn. 6 und 8 f.; vgl. wei­ter in­struk­tiv zB die Ka­su­is­tik bei Zöller/Gre­ger ZPO 31. Aufl. § 167 Rn. 15 und bei MüKoZ­PO/Häub­lein 4. Aufl. § 167 Rn. 9 bis 16). Die­se Aus­le­gung bestätigt den Cha­rak­ter der Norm als ty­pi­sier­te Ri­si­ko­ver­tei­lung nach den je­wei­li­gen Sphären, wenn ei­ne ge­richt­li­che Zu­stel­lung not­wen­dig ist.
(4) Der Wort­laut des § 167 ZPO be­grenzt den An­wen­dungs­be­reich wei­ter­hin da­durch, dass die zu wah­ren­de Frist ge­ra­de „durch die Zu­stel­lung“ ge­wahrt wer­den soll (so grundsätz­lich auch Wiec­zo­rek/Schütze/Ro­he ZPO 4. Aufl. § 167 Rn. 6). Zu­stel­lung ist nach der Le­gal­de­fi­ni­ti­on in § 166 Abs. 1 ZPO die förm­li­che Be­kannt­ga­be ei­nes Do­ku­ments an ei­ne Per­son im Sin­ne der Zu­stell­vor­schrif­ten der ZPO. Die pro­zes­sua­le Zu­stel­lung als Staats­ho­heits­akt (so Ro­sen­berg/ Schwab/Gott­wald Zi­vil­pro­zess­recht 17. Aufl. § 72 Rn. 3) ist grundsätz­lich zu tren­nen vom ma­te­ri­ell-recht­li­chen Zu­gang ei­ner Wil­lens- bzw. rechts­geschäftsähn­li­chen Erklärung. Die Zu­stel­lung ver­langt we­der ei­ne Überg­a­be noch die Möglich­keit zur Kennt­nis­nah­me. Die in der zu­zu­stel­len­den Ur­kun­de ent­hal­te­nen ma­te­ri­ell-recht­li­chen Erklärun­gen sind als sol­che re­gelmäßig nicht Ge­gen­stand der Zu­stel­lung. Geht es um die Gel­tend­ma­chung ei­ner Aus­schluss­frist als rechts­geschäftsähn­li­che Hand­lung (vgl. BAG 22. Mai 2014 - 8 AZR 662/13 - Rn. 21, BA­GE 148, 158), kann der frist­wah­ren­de Zu­gang zwar „anläss­lich“ oder „bei Ge­le­gen­heit“ der pro­zes­sua­len Zu­stel­lung ei­ner Kla­ge­schrift er­fol­gen, aber grundsätz­lich nicht „durch“ die Zu­stel­lung. Grund der Frist­wah­rung ist der ma­te­ri­ell-recht­lich in­ner­halb der Frist er­folg­te Zu­gang der (form­ge­rech­ten) rechts­geschäftsähn­li­chen Hand­lung und nicht die pro­zess­recht­lich wirk­sa­me Zu­stel­lung des Do­ku­ments. Dies wird be­son­ders deut­lich am Bei­spiel sol­cher Erklärun­gen, de­ren In­halt nicht in ei­nem Kla­ge­an­trag ent­hal­ten ist, son­dern an an­de­rer Stel­le des Schrift­sat­zes, wie et­wa sog. Schrift­satzkündi­gun­gen in Kündi­gungs­rechts-
strei­tig­kei­ten (vgl. da­zu Schaub/Linck ArbR-HdB 16. Aufl. § 123 Rn. 18). Le­dig-lich dann, wenn ei­ne ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung zwin­gend vor­ge­schrie­ben ist, wie dies Ta­rif­verträge mit ei­ner sog. zwei­ten Stu­fe nach er­folg­lo­ser außer­ge­richt­li­cher Gel­tend­ma­chung häufig vor­se­hen, ist der Grund der Frist­wah­rung nach dem ta­rif­ver­trag­li­chen Norm­be­fehl die Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift selbst. In die­sem Fall wird die Frist „durch die Zu­stel­lung“ ge­wahrt. Dass das Ver­trau­en ei­nes Erklären­den in den Wort­laut des § 167 ZPO auch bei ma­te­ri­ell-recht­li­chen Erklärun­gen schützens­wert ist, wie der Bun­des­ge­richts­hof an­nimmt, be­deu­tet hin­ge­gen nicht, dass der ju­ris­ti­sche Kon­text des Be­griffs der „Zu­stel­lung“ außer Acht ge­las­sen und ein all­ge­mein-um­gangs­sprach­li­ches Verständ­nis un­ter Ein­schluss jed­we­der Form des Zu­gangs ei­ner Erklärung zur - na­he­zu al­lei­ni­gen - ar­gu­men­ta­ti­ven Grund­la­ge für ei­ne Ände­rung der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ge­macht wer­den kann.
(5) Mit der kla­ge­wei­se Gel­tend­ma­chung ei­ner For­de­rung liegt nach Auf­fas­sung des Se­nats im Übri­gen kei­nes­wegs die „stärks­te Form der Gel­tend­ma­chung“ (so aber BGH 17. Ju­li 2008 - I ZR 109/05 - Rn. 25, BGHZ 177, 319; BAG 22. Mai 2014 - 8 AZR 662/13 - Rn. 20, BA­GE 148, 158) vor, wo­bei die Kla­ge­er­he­bung oh­ne­hin kei­ne „Form“ iSv. §§ 126 ff. BGB dar­stellt (zur Wah­rung ta­rif­li­cher Aus­schluss­fris­ten durch Te­le­fax BAG 11. Ok­to­ber 2000 - 5 AZR 313/99 - BA­GE 96, 28 und durch E-Mail BAG 7. Ju­li 2010 - 4 AZR 549/08 - BA­GE 135, 80). Für die An­nah­me ei­nes Stu­fen­verhält­nis­ses in qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht be­steht bei der Wah­rung ma­te­ri­ell-recht­li­cher Aus­schluss­fris­ten kein An­lass. Dies gilt ins­be­son­de­re für Wil­lens­erklärun­gen oder rechts­geschäftsähn­li­che Erklärun­gen, die zu ih­rer ge­stal­ten­den Wir­kung in­ner­halb ei­ner be­stimm­ten Frist aus­ge­spro­chen wer­den müssen. So ist die Erklärung ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung gem. § 626 BGB in ei­nem dem Ar­beit­neh­mer an­sch­ließend zu­ge­stell­ten Schrift­satz an das Ar­beits­ge­richt kei­nes­wegs ei­ne „stärke­re Form“ des Aus­drucks des Wil­lens, das Ar­beits­verhält­nis oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist zu be­en­den, so dass auch in­so­weit die Zwei-Wo­chen-Frist des § 626 Abs. 2 BGB nicht al­lein durch die - „frist­ge­rech­te“ - Ein­rei­chung ei­nes ent­spre­chen­den Schrift­sat­zes ge­wahrt sein dürf­te.
(6) Auch § 132 Abs. 1 BGB iVm. §§ 191, 192, 167 ZPO zwin­gen nicht zu ei­ner hier­von ab­wei­chen­den Aus­le­gung. Die vom Ers­ten Se­nat des Bun­des­ge­richts­ho­fes in der Ent­schei­dung vom 17. Ju­li 2008 ver­tre­te­ne Auf­fas­sung, be­reits die Überg­a­be ei­nes ei­ne Wil­lens­erklärung ent­hal­te­nen Schriftstücks an den Ge­richts­voll­zie­her wah­re - bei demnächs­ti­ger Zu­stel­lung - die Frist (arg. § 130 iVm. § 132 Abs. 1 BGB iVm. §§ 191, 192 iVm. § 167 ZPO, BGH 17. Ju­li 2008 - I ZR 109/05 - Rn. 24, BGHZ 177, 319), ist dort nicht näher be­gründet wor­den und wird im Schrift­tum nicht all­ge­mein ge­teilt (zB St­ein/Jo­nas/Roth ZPO 22. Aufl. § 167 Rn. 3; Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 1 Rn. 1819; Bo­em­ke ju­ris­PR-ArbR 40/2014 Anm. 2; Gehl­haar NZA-RR 2011, 169, 172; ausf. Schu­mann FS Stürner 2013 Bd. I S. 541, 573 ff.; iE auch Däubler/Zwan­zi­ger TVG 3. Aufl. 2012 § 4 Rn. 1159; Schaub/Tre­ber ArbR-HdB 16. Aufl. 2015 § 209 Rn. 39; JKOS/Ja­cobs Ta­rif­ver­trags­recht 2. Aufl. 2013 § 7 Rn. 178; eben­so für die Wah­rung kündi­gungs­recht­li­cher Fris­ten Mu­es in Mu­es/Ei­sen­beis/La­ber Hand­buch Kündi­gungs­recht 2. Aufl. Teil 1 Rn. 201). Schon § 191 ZPO un­ter­schei­det zwi­schen der zu­ge­las­se­nen und der vor­ge­schrie­be­nen Par­tei­zu­stel­lung. Bei der vor­ge­schrie­be­nen Par­tei­zu­stel­lung, et­wa zur Wah­rung der Voll­zie­hungs­frist bei ei­ner Un­ter­las­sungs­verfügung gem. § 929 Abs. 2 ZPO, ist der Kläger ge­setz­lich ge­zwun­gen, die Hil­fe ei­nes Ge­richts­voll­zie­hers in An­spruch zu neh­men. Da­ge­gen kann § 167 ZPO nicht un­be­se­hen auf Fälle an­ge­wen­det wer­den, in de­nen das Tätig­wer­den des Erklären­den im ei­ge­nen Wir­kungs­kreis nicht auf die­se Wei­se be­grenzt ist. Wenn der bloße Zu­gang ei­ner ma­te­ri­ell-recht­li­chen Wil­lens­erklärung nach § 130 BGB „zur Frist­wah­rung“ genügt und es ei­ner Zu­stel­lung nicht be­darf, kommt nach Auf­fas­sung des Se­nats ei­ne „ent­spre­chen­de An­wen­dung“ (§ 191 ZPO) je­den­falls nicht als Re­gel­fall in Be­tracht (St­ein/Jo­nas/Roth aaO; ähn­lich Bo­em­ke aaO).
Dies gilt be­son­ders im Ar­beits­recht. Dort muss der Ab­lauf von ma­te­ri­ell-recht­li­chen Fris­ten von den da­durch Begüns­tig­ten zu­meist in si­che­rer Wei­se selbst fest­ge­stellt wer­den können. Ein Ar­beit­neh­mer, der länger als sechs Mo­na­te in ei­nem Be­trieb beschäftigt ist, muss nicht da­mit rech­nen, dass ihm nach Ab­lauf der War­te­frist des § 1 Abs. 1 KSchG ei­ne Kündi­gung zu­geht und er sich al­lein auf­grund der Re­ge­lun­gen über pro­zes­sua­le Fris­ten so be­han­deln las­sen
muss, als sei sie ihm be­reits vor Ab­lauf der Frist zu­ge­gan­gen, mit der Fol­ge, dass für ihn kein ma­te­ri­el­ler Kündi­gungs­schutz nach dem Kündi­gungs­schutz­ge­setz be­steht. Glei­ches gilt für den Zu­gang ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung im Zeit­raum von zwei Wo­chen nach Kennt­nis­nah­me des Kündi­gen­den gem. § 626 Abs. 2 BGB oder für den Zu­gang ei­ner nachträgli­chen Mit­tei­lung der Schwan­ger­schaft gem. § 9 Abs. 1 Satz 1 MuSchG, bei der im Übri­gen die zweiwöchi­ge Erklärungs­frist ih­rer­seits ge­ra­de mit dem Zu­gang der Kündi­gung be­ginnt. Außer­or­dent­lich pro­ble­ma­tisch er­scheint in die­sem Zu­sam­men­hang auch, dass ein Ar­beit­neh­mer ge­gen ei­ne Kündi­gung nach § 4 Satz 1 KSchG in­ner­halb ei­ner Frist von drei Wo­chen „nach Zu­gang der schrift­li­chen Kündi­gung“ Kla­ge er­he­ben muss, wenn man nicht zwei ver­schie­de­ne Zu­gangs­zeit­punk­te iSv. §§ 130, 132 BGB fin­gie­ren will. Der mit der Frist­be­stim­mung ver­bun­de­ne Zweck be­steht in die­sen Fällen ge­ra­de dar­in, dem Empfänger ei­ner sol­chen außer­ge­richt­li­chen Erklärung Rechts­si­cher­heit über den ge­setz­lich oder ta­rif­lich vor­ge­se­he­nen Ein­tritt der mit dem Ver­strei­chen der Frist ver­bun­de­nen Rechts­fol­ge zu ge­ben. Des­halb ist aus Sicht des Se­nats die Be­gründung des Bun­des­ge­richts­ho­fes für sei­ne Recht­spre­chungsände­rung mit „Ge­sichts­punk­te der Rechts­si­cher­heit und des Ver­trau­ens­schut­zes“ (BGH 17. Ju­li 2008 - I ZR 109/05 - Rn. 25, BGHZ 177, 319; ihm fol­gend BAG 22. Mai 2014 - 8 AZR 662/13 - Rn. 20, BA­GE 148, 158) nicht über­zeu­gend. Ge­ra­de die Rechts­si­cher­heit ist vom Bun­des­ar­beits­ge­richt stets aus­drück­lich und zu­tref­fend für die ge­gen­tei­li­ge An­sicht her­an­ge­zo­gen wor­den (vgl. nur BAG 17. Ju­ni 1998 - 2 AZR 336/97 - zu II 1 der Gründe, BA­GE 89, 149; 19. Ju­ni 1986 - 2 AZR 565/85 - zu B III 2 der Gründe, zur Vor­be­halts­an­nah­me ei­ner Ände­rungskündi­gung nach § 2 KSchG; 8. März 1976 - 5 AZR 361/75 - zu 4 c der Gründe).
bb) Es be­darf im Streit­fall je­doch kei­ner ab­sch­ließen­den Klärung die­ser all­ge­mei­nen Streit­fra­ge. Denn der Se­nat stellt im Er­geb­nis strei­tent­schei­dend dar­auf ab, dass es je­den­falls für die Wah­rung ei­ner ta­rif­li­chen Ver­fall- oder Aus­schluss­frist grundsätz­lich er­for­der­lich ist, dass das Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben dem Empfänger zu­ge­gan­gen ist; § 167 ZPO fin­det in die­sen Fällen re­gelmäßig kei­ne An­wen­dung. Das er­gibt sich - un­ter ergänzen­der Her­an­zie­hung der be­reits dar­ge­leg­ten all­ge­mei­nen Ge­sichts­punk­te - ent­schei­dend aus den Be­son-
der­hei­ten des Ar­beits­rechts iVm. der Aus­le­gung ta­rif­li­cher Ver­fall­fris­ten­re­ge­lun-gen.
(1) Ta­rif­li­che Aus­schluss­fris­ten sind seit je­her als dem Ar­beits­verhält­nis in­ne­woh­nen­de Be­son­der­hei­ten an­er­kannt. Sie die­nen der Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit (st. Rspr., vgl. nur BAG 18. Fe­bru­ar 2016 - 6 AZR 628/14 - Rn. 16 mwN) und sol­len zu der im Ar­beits­le­ben be­son­ders ge­bo­te­nen ra­schen Klärung von Ansprüchen und Be­rei­ni­gung of­fe­ner Streit­punk­te führen (BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - zu IV 5 der Gründe, BA­GE 115, 19, als ei­ne der „im Ar­beits­recht gel­ten­den Be­son­der­hei­ten“ iSv. § 310 Abs. 4 Satz 2 BGB). Sie ha­ben ei­nen Mahn-, Warn- und Verständi­gungs­ef­fekt (BAG 22. Ja­nu­ar 2008 - 9 AZR 416/07 - Rn. 34 mwN). Mit ih­rer Wir­kung schaf­fen sie Rechts­si­cher­heit und Rechts­frie­den (BAG 7. Ju­li 2010 - 4 AZR 549/08 - Rn. 94 mwN, BA­GE 135, 80). So soll ins­be­son­de­re im Fall noch aus­ste­hen­der nicht er­kenn­ba­rer Ent­gelt­ansprüche der Ar­beit­ge­ber in der ta­rif­lich be­stimm­ten Frist er­fah­ren, ob und in wel­chem Um­fang der Ar­beit­neh­mer noch For­de­run­gen er­hebt (BAG 8. Ju­ni 1983 - 5 AZR 632/80 - zu 2 b der Gründe, BA­GE 43, 71). Der Schuld­ner soll sich dar­auf ver­las­sen können, nach Ab­lauf der ta­rif­li­chen Ver­fall­fris­ten nicht mehr in An­spruch ge­nom­men zu wer­den (BAG 28. Ju­li 2010 - 5 AZR 521/09 - Rn. 18, BA­GE 135, 197; 18. Au­gust 2011 - 8 AZR 187/10 - Rn. 26; 14. März 2012 - 10 AZR 172/11 - Rn. 40). Es ist der Zweck ei­ner je­den ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist zu er­rei­chen, dass der Schuld­ner über das Be­ste­hen oder Nicht­be­ste­hen ei­ner For­de­rung nicht länger als not­wen­dig im Un­kla­ren ge­las­sen wird (BAG 4. No­vem­ber 1969 - 1 AZR 141/69 - zu 1 der Gründe). Um­ge­kehrt soll der Gläubi­ger an­ge­hal­ten wer­den, in­ner­halb kur­zer Fris­ten die Be­gründet­heit sei­ner Ansprüche zu prüfen (BAG 10. De­zem­ber 2013 - 9 AZR 494/12 - Rn. 14). Die Par­tei­en wer­den nach Frist­ab­lauf da­von be­freit, Rück­stel­lun­gen zu bil­den und Be­weis­mit­tel vor­zu­hal­ten (BAG 14. Ja­nu­ar 2009 - 5 AZR 154/08 - Rn. 15; 16. Ja­nu­ar 2013 - 10 AZR 863/11 - Rn. 30 mwN, BA­GE 144, 210; 18. Fe­bru­ar 2016 - 6 AZR 628/14 - aaO). Ist - wie vor­lie­gend - ein öffent­li­cher Ar­beit­ge­ber be­trof­fen, soll er in der La­ge sein, not­wen­di­ge Haus­halts­mit­tel so zu ver­an­schla­gen, dass Nach­for­de­run­gen in en­gen Gren­zen ge­hal­ten wer­den können (BAG 18. No­vem­ber 2004 - 6 AZR 512/03 - zu 4 der Gründe). Nach
dem Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en hat nach die­sem Zweck re­gelmäßig das In­ter­es­se des Schuld­ners an recht­zei­ti­ger Klar­heit Vor­rang (Weyand Aus­schluss­fris­ten im Ta­rif­recht Ka­pi­tel 6 Rn. 99 mwN).
(2) Die­ser den ta­rif­li­chen Ver­fall­fris­ten von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en im Rah­men ih­rer grund­recht­lich geschütz­ten Ta­rif­au­to­no­mie zu­ge­wie­se­ne all­ge­mei­ne Zweck liegt auch der im Streit­fall an­zu­wen­den­den Re­ge­lung in § 37 Abs. 1 Satz 1 TV-L zu­grun­de (vgl. Be­ckOK TV-L/Be­p­ler Stand 1. März 2016 § 37 Rn. 2; Bur­ger TVöD/TV-L 3. Aufl. § 37 TV-L Rn. 3; Bre­de­mei­er/Neff­ke/ Ger­retz TVöD/TV-L 4. Aufl. § 37 TV-L Rn. 2).
(3) Der so von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en be­stimm­te Sinn und Zweck von Aus­schluss­fris­ten würde ver­ei­telt, wenn der Schuld­ner des An­spruchs auch nach Ab­lauf der Frist ei­ne - mögli­cher­wei­se als „demnächst“ er­fol­gen­de - ge­richt­li­che Zu­stel­lung des Gel­tend­ma­chungs­schrei­bens zu gewärti­gen hätte.
(a) Das er­gibt sich schon dar­aus, dass die durch die - nicht er­for­der­li­che - In­an­spruch­nah­me des Ge­richts ein­ge­tre­te­ne Verzöge­rung zeit­lich nicht ein­zu­gren­zen ist. Der Be­griff „demnächst“ in § 167 ZPO kennt in zeit­li­cher Hin­sicht kei­ne ab­so­lu­te Gren­ze (BAG 13. No­vem­ber 2014 - 6 AZR 869/13 - Rn. 46, BA­GE 150, 22; 20. Fe­bru­ar 2014 - 2 AZR 248/13 - Rn. 35, BA­GE 147, 227, je­weils mwN). Auch ei­ne mehr­mo­na­ti­ge Verzöge­rung ist in­so­weit fol­gen­los (BAG 23. Au­gust 2012 - 8 AZR 394/11 - Rn. 31 mwN, BA­GE 143, 50), da die­ses Merk­mal be­reits grundsätz­lich nicht der Be­stim­mung ei­ner zeit­li­chen Be­gren­zung bei der Be­ur­tei­lung ei­ner Verzöge­rung durch das Ge­richt dient, son­dern dem ganz an­de­ren Ele­ment des Ver­schul­dens des Erklären­den an ei­ner wei­te­ren, darüber hin­aus­ge­hen­den Verzöge­rung. Die­se Auf­fas­sung führ­te in der Ver­gan­gen­heit zu der An­nah­me ei­ner frist­wah­ren­den Zu­stel­lung nach teil­wei­se er­heb­li­chen Zeiträum­en zwi­schen Kla­ge­ein­gang und Zu­stel­lung, zB drei­ein­halb Mo­na­te (BGH 22. Ju­ni 1993 - VI ZR 190/92 - zu II 2 der Gründe), fast vier Mo­na­te (BGH 31. Ok­to­ber 2000 - VI ZR 198/99 - zu II 3 a der Gründe, BGHZ 145, 358), fünf Mo­na­te (BAG 10. April 2014 - 2 AZR 741/13 - Rn. 53; BGH 12. Ju­li 2006 - IV ZR 23/05 - Rn. 17, BGHZ 168, 306), fast acht Mo­na­te (BGH 11. Fe­bru­ar 2011 - V ZR 136/10 - Rn. 6), neun Mo­na­te (BGH 7. April 1983
- III ZR 193/81 - zu II 1 der Gründe), zehn Mo­na­te (BAG 15. Fe­bru­ar 2012 - 10 AZR 711/10 - Rn. 46; BGH 26. Sep­tem­ber 1957 - II ZR 267/56 - zu II 1 a der Gründe, BGHZ 25, 250), neun­zehn Mo­na­te (BAG 23. Au­gust 2012 - 8 AZR 394/11 - BA­GE 143, 50) und bis zu mehr als 28 Mo­na­te (OLG Frank­furt 18. Au­gust 1987 - 3 UF 255/86 -).
Dem steht für die Wir­kungs­wei­se von außer­ge­richt­li­chen ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten die in der jahr­zehn­te­lan­gen Recht­spre­chung des Bun­de­sar-beits­ge­richts ge­si­cher­te Auf­fas­sung ent­ge­gen, dass ei­ne ta­rif­li­che Aus­schluss­frist, die häufig nur zwei Mo­na­te beträgt (vgl. zB in der Bau­wirt­schaft § 14 Abs. 1 BRTV Bau), für ei­ne kla­re und schnel­le Klärung der wech­sel­sei­ti­gen Ansprüche sor­gen soll. Die­ses Ziel ist dann evi­dent nicht mehr ge­wahrt, wenn ein Schuld­ner - oh­ne je­de Kennt­nis ei­ner Gel­tend­ma­chung - gewärti­gen muss, auch nach Ab­lauf ei­nes Viel­fa­chen der Aus­schluss­frist von der Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs über­rascht zu wer­den. Dies ent­spricht nicht dem den ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en bei­ge­mes­se­nen Sinn und Zweck. Die An­nah­me der An­wend­bar­keit von § 167 ZPO auf die Wah­rung ta­rif­li­cher Ver­fall­fris­ten durch ein außer­ge­richt­li­ches Schrei­ben ver­nachlässigt die Per­spek­ti­ve des Schuld­ners grund­le­gend (zur Be­wer­tung der In­ter­es­sen von Gläubi­ger und Schuld­ner in der neu­en Rspr. des BGH ausf. Schu­mann FS Stürner S. 541, ins­bes. 566 ff.). Da­bei sind die Ver­fall­fris­ten vor­wie­gend zur Rechts­si­cher­heit in sei­nem - je­wei­li­gen - Be­reich ge­schaf­fen wor­den. Die hier­in zum Aus­druck kom­men­de Ab­sicht der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en würde kon­ter­ka­riert, wenn ge­ra­de durch die Möglich­keit der in § 167 ZPO für fris­ten­wah­ren­de Zu­stel­lun­gen an­ge­leg­ten Rück­wir­kung auch bei der ta­rif­li­chen Ver­fall­frist ei­ne zusätz­li­che Rechts­un­si­cher­heit ge­schaf­fen wer­den würde, die nach ih­rem Wil­len für den Schuld­ner nur für ei­nen ganz be­stimm­ten, von ih­nen selbst fest­ge­leg­ten Zeit­raum be­steht, dann aber endgültig be­sei­tigt sein soll­te.
Im Übri­gen dif­fe­ren­zie­ren die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­ra­de bei Aus­schluss­fris­ten häufig zwi­schen der außer­ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung als ers­ter Stu­fe und der an­sch­ließen­den ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung als zwei­ter Stu­fe (vgl. zB im Be­reich der Bau­wirt­schaft § 14 BRTV Bau). Da­bei dient die ers­te Frist der schnel­len In­for­ma­ti­on über In­halt und Um­fang des er­ho­be­nen
An­spruchs. In­ner­halb der fol­gen­den Kla­ge­frist ist dann, dh. nach ver­geb­li­cher außer­ge­richt­li­cher Gel­tend­ma­chung klar­zu­stel­len, dass sich der Gläubi­ger da­mit nicht be­gnügen will (BAG 22. Ja­nu­ar 2008 - 9 AZR 416/07 - Rn. 34; 23. Fe­bru­ar 1977 - 3 AZR 764/75 - zu 4 der Gründe). Die­se un­ter­schied­li­che Funk­ti­on der bei­den Fris­ten lässt ei­ne An­wen­dung des für die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung vor­ge­se­he­nen § 167 ZPO be­reits auf der ers­ten Stu­fe der außer­ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung nicht zu.
(b) Es kommt hin­zu, dass die frist­wah­ren­de Wir­kung gem. § 167 ZPO auch dann noch an­ge­nom­men wird, wenn es - über ei­ne ggf. mit der Zu­stel­lung ver­bun­de­nen Verzöge­rung hin­aus - auf­grund schuld­haf­ten Ver­hal­tens des Erklären­den zu ei­ner wei­te­ren Ver­spätung bei der Zu­stel­lung kommt (vgl. da­zu oben un­ter B II 5 b bb (3)). Die­se müssen sich „in ei­nem hin­nehm­ba­ren Rah­men“ hal­ten (so die For­mu­lie­rung bei BGH 3. Fe­bru­ar 2011 - V ZR 44/11 -; BAG 20. Fe­bru­ar 2014 - 2 AZR 248/13 - Rn. 35, BA­GE 147, 227). In der kon­kre­ten An­wen­dung führt die­se Recht­spre­chung da­zu, dass ver­schul­de­te - wei­te­re - Verzöge­rung in ei­nem Um­fang von 14 Ta­gen (so bei BGH 10. Fe­bru­ar 2011 - VII ZR 185/07 - Rn. 8 mwN; 16. Ja­nu­ar 2009 - V ZR 74/08 - Rn. 16, BGHZ 179, 230 un­ter Be­zug­nah­me auf 20. April 2000 - VII ZR 116/99 - und 25. No­vem­ber 1985 - II ZR 236/84 -) als nicht hin­dernd an­ge­se­hen wird, von ei­ner „demnächs­ti­gen“ Zu­stel­lung aus­zu­ge­hen (für die Gren­ze von ei­nem Mo­nat - wei­te­rer - Verzöge­rung vgl. BAG 13. No­vem­ber 2014 - 6 AZR 869/13 - Rn. 46, BA­GE 150, 22; BGH 27. April 2006 - I ZR 237/03 - Rn. 17 mwN). Schal­tet der An­spruch­stel­ler ein Mahn­be­scheids­ver­fah­ren vor, hat er selbst nach von ihm ver­schul­de­ter Zurück­wei­sung des An­trags ei­nen wei­te­ren Mo­nat Zeit für die Kla­ge­er­he­bung, um die frist­wah­ren­de Wir­kung des An­trags auf Er­lass ei­nes Mahn­be­scheids - und nicht die an­sch­ließen­de Kla­ge­ein­rei­chung - her­bei­zuführen (§ 691 Abs. 2 ZPO).
Dies ver­deut­licht den Un­ter­schied zu der Ein­hal­tung der ta­rif­li­chen Ver­fall­fris­ten. Hier be­ste­hen - wie dar­ge­legt aus gu­tem Grund - stren­ge Re­ge­lun­gen zu de­ren Wahr­neh­mung, die stets in­ner­halb der Frist er­fol­gen muss (BAG 8. März 1976 - 5 AZR 361/75 - zu 3 c der Gründe: „der Na­tur der Sa­che nach
star­re Re­ge­lung ei­ner Aus­schluss­frist“). Selbst ei­ne schuld­lo­se Versäum­ung der Frist, so­weit sie nicht durch wi­dersprüchli­ches Ver­hal­ten des Schuld­ners her­vor­ge­ru­fen wur­de (vgl. da­zu zB BAG 18. Au­gust 2011 - 8 AZR 187/10 - Rn. 46 mwN), führt zum Ver­fall des An­spruchs (für § 37 TV-L: Be­ckOK TV-L/Be­p­ler § 37 Rn. 1), es sei denn, die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben aus­drück­lich vor­ge­se­hen, dass ei­ne nicht zu ver­tre­ten­de Verzöge­rung sich nicht aus­wir­ken soll (zB im Ein­heit­li­chen Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie in Nord­rhein-West­fa­len vom 18. De­zem­ber 2003 § 19 Abs. 4). Ei­ne Wie­der­ein­set­zung in den vo­ri­gen Stand kommt grundsätz­lich nicht in Be­tracht (BAG 18. No­vem­ber 2004 - 6 AZR 651/03 - zu 4 der Gründe, BA­GE 112, 351). Um­so mehr muss dies für ei­nen vom An­spruch­stel­ler ver­schul­de­ten - auch nur kurz­fris­tig - ver­späte­ten Zu­gang des Schrei­bens beim Schuld­ner gel­ten. Da­mit lässt sich die Fol­gen­lo­sig­keit des­sel­ben Ver­hal­tens bei der - nicht er­for­der­li­chen - Wahl der Zu­stel­lung durch ein Ge­richt nicht ver­ein­ba­ren.
cc) Der Se­nat ist auch nicht ge­hal­ten, die Sa­che dem Ge­mein­sa­men Se­nat der obers­ten Ge­richtshöfe des Bun­des nach § 2 Abs. 1 iVm. § 11 RsprEinhG oder dem Großen Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts nach § 45 ArbGG vor­zu­le­gen.
(1) Ei­ne Vor­la­ge an den Ge­mein­sa­men Se­nat der obers­ten Ge­richtshöfe des Bun­des kommt nicht in Be­tracht. Die­ser ent­schei­det nur, wenn ein obers­ter Ge­richts­hof in ei­ner Rechts­fra­ge von der Ent­schei­dung ei­nes an­de­ren obers­ten Ge­richts­hofs oder des Ge­mein­sa­men Se­nats ab­wei­chen will (§ 2 Abs. 1 RsprEinhG). Dies ist vor­lie­gend nicht der Fall. Der Se­nat be­zieht sei­ne Auf­fas­sung der Nicht­an­wend­bar­keit von § 167 ZPO strei­tent­schei­dend letzt­lich auf ta­rif­ver­trag­li­che Ver­fall­fris­ten und die auf sie zu­tref­fen­den Be­son­der­hei­ten des Ar­beits­rechts. Im Übri­gen hat auch der Ers­te Se­nat des Bun­des­ge­richts­ho­fes in sei­ner Ent­schei­dung vom 17. Ju­li 2008 selbst dar­auf hin­ge­wie­sen, dass er die Möglich­keit von Aus­nah­men ei­ner Rück­wir­kung gem. § 167 ZPO sieht, die sich aus dem Sinn und Zweck der je­wei­li­gen Fris­ten­re­ge­lung be­gründen können (BGH 17. Ju­li 2008 - I ZR 109/05 - Rn. 25 mwN, BGHZ 177, 319).
(2) Es be­darf auch nicht der Ein­lei­tung ei­nes Vor­la­ge­ver­fah­rens an den Großen Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts gem. § 45 ArbGG. Des­sen Vor­aus­set­zun­gen lie­gen gleich­falls nicht vor.
(a) Der Se­nat setzt die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung al­ler Se­na­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts - mit Aus­nah­me des Ach­ten Se­nats für die Aus­schluss­frist des § 15 Abs. 4 AGG - fort. Auch der Drit­te Se­nat hat in der - nach der Recht­spre­chungsände­rung des Bun­des­ge­richts­ho­fes er­gan­ge­nen - Ent­schei­dung vom 21. Ok­to­ber 2014 für die von ihm zu be­ur­tei­len­de Rüge­frist nach § 16 Be­trAVG an der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung fest­ge­hal­ten (- 3 AZR 937/12 - Rn. 37 ff., BA­GE 149, 326).
(b) So­weit der Ach­te Se­nat § 167 ZPO bei ei­ner außer­ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung gem. § 15 Abs. 4 AGG für an­wend­bar er­ach­tet hat (BAG 22. Mai 2014 - 8 AZR 662/13 - Rn. 23 ff., BA­GE 148, 158), ist ei­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­che Di­ver­genz zum ent­schei­den­den Se­nat nicht ge­ge­ben. Der Ach­te Se­nat hat sei­ne Ent­schei­dung zu der in § 15 Abs. 4 AGG ge­re­gel­ten zwei­mo­na­ti­gen Gel­tend­ma­chungs­frist ge­trof­fen. Er hat sich der im Wi­der­spruch zur bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ste­hen­den geänder­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes je­doch aus­drück­lich nur für den Fall ei­nes An­spruchs nach § 15 Abs. 1 und Abs. 2 AGG an­ge­schlos­sen, na­ment­lich auf­grund des be­son­de­ren Frist­be­ginns in § 15 Abs. 4 Satz 2 AGG so­wie we­gen § 15 Abs. 5 AGG, wo­nach Ansprüche aus an­de­ren Rechts­vor­schrif­ten un­berührt blei­ben. Des­halb tre­te zwei Mo­na­te nach Ab­leh­nung ei­ner Be­wer­bung kein um­fas­sen­des En­de von Gel­tend­ma­chungsmöglich­kei­ten ein und der Ar­beit­ge­ber müsse aus die­sem Grund Be­weis­mit­tel oh­ne­hin länger zur Do­ku­men­ta­ti­on auf­be­wah­ren (BAG 22. Mai 2014 - 8 AZR 662/13 - Rn. 26 ff., aaO; an­ders zur Reich­wei­te der Aus­schluss­frist da­ge­gen noch 21. Ju­ni 2012 - 8 AZR 188/11 - Rn. 51, BA­GE 142, 143). Da­bei hat der Ach­te Se­nat aus­drück­lich da¬rauf hin­ge­wie­sen, dass er über die An­wen­dung von § 167 ZPO in an­de­ren Be­rei­chen des Ar­beits­rechts nicht zu ent­schei­den hat­te (BAG 22. Mai 2014 - 8 AZR 662/13 - Rn. 24, aaO). Auf­grund die­ser Be­son­der­hei­ten be­steht mit der hie­si­gen Se­nats­ent­schei­dung über die Ein­hal­tung ei­ner ta­rif­li­chen Ver­fall­frist
durch ein außer­ge­richt­li­ches Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben kei­ne Di­ver­genz zum Ach­ten Se­nat.
III. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 Abs. 1, § 91a Abs. 1, § 92 50 Abs. 2 Nr. 1, § 97 Abs. 1 ZPO.
Ey­lert Rinck Creutz­feldt
Pust Rat­a­ycz­ak
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