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Timestamp: 2016-10-28 18:08:08
Document Index: 111638124

Matched Legal Cases: ['Art. 83', 'Art. 82', 'Art. 86', 'BGE', 'Art. 93', 'Art. 93', 'Art. 93', 'Art. 93', 'Art. 93', 'BGE', 'Art. 89', 'Art. 95', 'Art. 106', 'Art. 105', 'Art. 95', 'Art. 105', 'Art. 97', 'Art. 99', 'Art. 132', 'Art. 1', 'Art. 20', 'Art. 10', 'Art. 14', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 11', 'Art. 8', 'Art. 1', 'Art. 20', 'Art. 196', 'Art. 65', 'Art. 68', 'Art. 8']

vertreten durch F�rsprecher Andreas Keller.
Auf ihrer Gratiskapitalerh�hung �ber Fr. 300'000.-- vom 14. Dezember 2006 �berwies die Y.________ AG am 17. Juli 2009 der Eidgen�ssischen Steuerverwaltung (ESTV) eine Verrechnungssteuer von 35 %, ausmachend Fr. 105'000.--. Mit Schreiben vom 22. Juli 2009 ersuchte X.________, Alleinaktion�r der Y.________ AG, die ESTV gest�tzt auf das DBA-Thailand vom 12. Februar 1996 um vollst�ndige R�ckerstattung der Verrechnungssteuer. Auf die Aufforderung der ESTV, das R�ckerstattungsbegehren auf amtlichem Formular mit einer Best�tigung der thail�ndischen Steuerbeh�rde zu stellen, reichte X.________ am 5. September 2009 das Formular Nr. 60 nach und verlangte eine R�ckerstattung von Fr. 60'000.-- (R�ckerstattung von 20% statt 35%, d.h. 15% bilden eine definitive Belastung). Auf die Abweisung des R�ckerstattungsbegehrens durch die ESTV verlangte X.________ einen einsprachef�higen Entscheid.
Am 27. Juli 2010 wies die ESTV den Antrag auf R�ckerstattung der Verrechnungssteuer durch anfechtbaren Entscheid ab, weil X.________ den Nachweis seiner Ans�ssigkeit in Thailand f�r den Zeitpunkt der F�lligkeit der betroffenen Ertr�ge nicht rechtsgen�gend erbracht habe. Mit Einspracheentscheid vom 22. Februar 2011 wies die ESTV die dagegen erhobene Einsprache ab. Dabei f�hrte sie zus�tzlich an, X.________ k�nne aus dem Rundschreiben der ESTV vom 1. September 2005, wo f�r die R�ckforderung von Quellensteuern auf Kapitalleistungen aus privatrechtlicher beruflicher Vorsorge insbesondere f�r Personen mit Wohnsitz in Thailand erleichterte Wohnsitzbescheinigungen zugelassen werden, nichts zu seinen Gunsten ableiten, weil es sich hier nicht um solche Quellensteuern handle. Das Bundesverwaltungsgericht hiess am 29. August 2011 die Beschwerde dagegen gut, hob den Einspracheentscheid vom 22. Februar 2011 auf und wies die Sache zum Neuentscheid im Sinne der Erw�gungen an die ESTV zur�ck. Es befand, das erw�hnte Rundschreiben m�sse ebenso auf Wohnsitzbescheinigungen betreffend die Verrechnungssteuer angewendet werden. Allerdings sei es Sache der ESTV, noch n�her abzukl�ren, ob X.________ �ber eine Wohnsitzbescheinigung gem�ss Ziffer 4 des Rundschreibens vom 1. September 2005 verf�ge. Falls dessen Ans�ssigkeit in Thailand zum massgebenden Zeitpunkt (14. Dezember 2006) zu bejahen sei, habe die ESTV X.________ Verrechnungssteuern im Umfang von Fr. 60'000.-- zur�ckzuerstatten.
Die ESTV beantragt vor Bundesgericht, das angefochtene Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 29. August 2011 aufzuheben und den von X.________ am 5. September 2009 gestellten Antrag auf R�ckerstattung der Verrechnungssteuer in Best�tigung des Einsprachenentscheids vom 22. Februar 2011 vollumf�nglich abzuweisen.
Mit Eingabe vom 24. November 2011 nimmt die ESTV auf die Beschwerdeantwort von X.________ Bezug und macht geltend, bei der beigebrachten Seite 2 des Formulars 60 in deutscher �bersetzung handle es sich um ein unzul�ssiges Novum.
1.1.1 Beim angefochtenen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts handelt es sich um einen Entscheid in einer Angelegenheit des �ffentlichen Rechts, die unter keinen Ausschlussgrund gem�ss Art. 83 BGG f�llt und daher mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht weitergezogen werden kann (Art. 82 Abs. 1 lit. a und Art. 86 Abs. 1 lit. a BGG). Der angefochtene Entscheid beendet das Verfahren zwar nicht, sondern die Sache geht zu neuem Entscheid an die ESTV zur�ck (R�ckweisungsentscheid). Solche Entscheide werden ausnahmsweise dann wie Endentscheide behandelt, wenn der unteren Instanz, an welche die Sache zur�ckgewiesen wird, kein Entscheidungsspielraum mehr verbleibt und die R�ckweisung nur noch der rechnerischen Umsetzung des oberinstanzlich Angeordneten dient (BGE 134 II 124 E. 1.3 S. 127). Hier hat aber die ESTV erg�nzende Sachverhaltsabkl�rungen vorzunehmen und ein "relativ umfangreiches Beweisverfahren" durchzuf�hren (E. 7.3 des angefochtenen Entscheids). Damit stellt der R�ckweisungsentscheid entgegen den Vorbringen der ESTV keinen (Quasi)-Endentscheid, sondern einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 BGG dar.
1.1.2 Ein Zwischenentscheid ist einerseits anfechtbar, wenn er einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken k�nnte (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder andererseits, wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeif�hren und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten f�r ein weitl�ufiges Beweisverfahren ersparen w�rde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG).
Einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG nimmt das Bundesgericht an, wenn eine beschwerdebefugte Beh�rde durch einen R�ckweisungsentscheid gezwungen wird, eine ihrer Ansicht nach rechtswidrige Verf�gung zu erlassen. Da sie ihren eigenen Entscheid nicht anfechten kann, k�nnte dieser rechtskr�ftig werden, ohne dass er einmal dem Bundesgericht unterbreitet werden konnte. Um dies zu vermeiden, darf eine beschwerdebefugte Beh�rde unter Berufung auf Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bereits gegen den R�ckweisungsentscheid an das Bundesgericht gelangen (BGE 134 II 124 E. 1.3 S. 128). Eine solche Konstellation ist hier gegeben. Die Beschwerde ist insofern zul�ssig.
1.1.3 Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde der gem�ss Art. 89 Abs. 2 lit. a BGG legitimierten Beschwerdef�hrerin ist daher einzutreten.
1.2 Mit der Beschwerde kann eine Rechtsverletzung nach Art. 95 und 96 BGG geltend gemacht werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es legt seinem Urteil den von der Vorinstanz festgestellten Sachverhalt zugrunde (Art. 105 Abs. 1 BGG). Deren Sachverhaltsfeststellungen k�nnen nur berichtigt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig sind oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruhen (Art. 105 Abs. 2 bzw. Art. 97 Abs. 1 BGG).
Neue Tatsachen und Beweismittel d�rfen nur soweit vorgebracht werden, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt (Art. 99 Abs. 1 BGG). Nach der Beschwerdef�hrerin ist die vom Beschwerdegegner erstmals vor Bundesgericht eingereichte �bersetzung der Wohnsitzbest�tigung auf dem Antragsformular ein solches Novum, das nicht ber�cksichtigt werden d�rfe. Diese Frage kann hier offen gelassen werden, weil sich das Bundesgericht vorliegend ohnehin nicht mit Fragen des Wohnsitzes im konkreten Fall befasst.
2.1 Der Bund erhebt gest�tzt auf Art. 132 Abs. 2 BV eine Verrechnungssteuer u.a. auf dem Ertrag beweglichen Kapitalverm�gens (Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 13. Oktober 1965 �ber die Verrechnungssteuer [VStG, SR 642.21]). Steuerbarer Ertrag von Aktien, Stammanteilen an Gesellschaften mit beschr�nkter Haftung und Genossenschaften ist nach Art. 20 Abs. 1 der Verrechnungssteuerverordnung vom 19. Dezember 1966 (VStV, SR 642.211) jede geldwerte Leistung der Gesellschaft oder Genossenschaft an die Inhaber gesellschaftlicher Beteiligungsrechte oder an ihnen nahestehende Dritte, die sich nicht als R�ckzahlung der im Zeitpunkt der Leistung bestehenden Anteile am einbezahlten Grund- oder Stammkapital darstellt (u.a. Gratisakten). Steuerpflichtig ist der Schuldner der steuerbaren Leistung (Art. 10 Abs. 1 VStG). Diese ist bei der Auszahlung, �berweisung, Gutschrift oder Verrechnung ohne R�cksicht auf die Person des Gl�ubigers um den Steuerbetrag zu k�rzen (Art. 14 Abs. 1 VStG). Weil der Inhaber der Beteiligungsrechte bei einer Gratiskapitalerh�hung keine eigentliche Zahlung erh�lt, die um die Verrechnungssteuer gek�rzt werden k�nnte, leistete die Schuldnerin der steuerbaren Leistung hier auf der Ausgabe von Gratisaktien eine Verrechnungssteuer von Fr. 105'000.--, was unbestritten ist.
2.2 Die Verrechnungssteuer bildet f�r einen im Ausland steuerpflichtigen Leistungsempf�nger eine endg�ltige Belastung, soweit nicht ein Doppelbesteuerungsabkommen eine Entlastung vorsieht (MAJA BAUER-BALMELLI/MARKUS REICH, in: Zweifel/Athanas/Bauer-Balmelli, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht [II/2], Bundesgesetz �ber die Verrechnungssteuer, 2005, N 71 der Vorbemerkungen). Gem�ss Art. 10 Abs. 1 des Abkommens vom 12. Februar 1996 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem K�nigreich Thailand zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen (DBA-Thailand, SR 0.672.974.51) k�nnen Dividenden, die eine in einem Vertragsstaat ans�ssige Gesellschaft an eine im anderen Vertragsstaat ans�ssige Person zahlt, im anderen Staat besteuert werden. Aufgrund von Art. 10 Abs. 2 DBA-Thailand k�nnen diese Dividenden jedoch auch in dem Vertragsstaat, in dem die Gesellschaft, welche die Dividende zahlt, ans�ssig ist, nach dem Recht dieses Staates besteuert werden; die Steuer darf aber, wenn der Empf�nger der Dividenden der Nutzungsberechtigte ist, 15 vom Hundert des Bruttobetrags der Dividende nicht �bersteigen (lit. b). Dabei regeln die zust�ndigen Beh�rden der Vertragsstaaten in gegenseitigem Einvernehmen, wie diese Begrenzungsbestimmungen durchzuf�hren sind (Art. 10 Abs. 2 Unterabsatz 2 DBA-Thailand). Hier erkl�rten die zust�ndigen Beh�rden der Vertragsstaaten f�r die Umsetzung der Begrenzungsbestimmungen das Formular 60 als anwendbar (f�r L�nder ohne eigenes Formular) mit dem Titel "Claim for refund of Swiss anticipatory tax withheld on dividends and interest derived from sources within Switzerland". Danach hat das "competent tax office" die notwendige Wohnsitzbest�tigung zu datieren, offiziell abzustempeln und zu unterzeichnen. F�r Thailand wird im �brigen verlangt, dass das "Regional Revenue Bureau" die Ans�ssigkeit mittels eines "Certificate of Residence" best�tigt (vgl. Einspracheentscheid Ziff. 3a). Allerdings gehen diese formellen Anforderungen aus keiner �ffentlich zug�nglichen Verlautbarung der ESTV hervor, und zwar auch nicht aus der von ihr herausgegebenen Dokumentation "Steuerentlastungen auf Grund von Doppelbesteuerungsabkommen", die sich nur auf in der Schweiz steuerpflichtige Personen bezieht.
2.3 Das an die kantonalen Verwaltungen f�r die direkte Bundessteuer gerichtete Rundschreiben der ESTV vom 1. September 2005 behandelt unter Ziffer 4 die "R�ckforderung der Quellensteuern auf Kapitalleistungen aus privatrechtlicher beruflicher Vorsorge (2. S�ule und S�ule 3a)" und h�lt fest:
"In letzter Zeit h�ufen sich die Anfragen im Zusammenhang mit der R�ckforderung der Quellensteuern auf Kapitalleistungen aus privatrechtlicher Vorsorge bei Personen mit Wohnsitz im Ausland, namentlich in Thailand. Vermehrt verweigern die thail�ndischen Beh�rden, den Vorsorgenehmern den "Antrag auf R�ckerstattung der Quellensteuern auf Kapitalleistungen von Vorsorgeeinrichtungen mit Sitz in der Schweiz' auszuf�llen.
Da aufgrund der meisten Doppelbesteuerungsabkommen das Besteuerungsrecht f�r Leistungen aus privatrechtlicher Vorsorge dem Wohnsitzstaat zukommt (vgl. DBA-�bersicht), wurde im Zusammenhang mit der Abteilung f�r internationales Steuerrecht der ESTV folgendes Vorgehen beschlossen:
1. Die steuerpflichtige Person hat wie bis anhin das obgenannte Formular den Steuerbeh�rden ihres Wohnsitzstaates einzureichen. Best�tigt diese von der Leistung Kenntnis zu haben, ist das Formular der zust�ndigen kantonalen Steuerbeh�rde weiterzuleiten.
2. Verweigert die zust�ndige ausl�ndische Beh�rde die Best�tigung auf dem Formular, ist von der steuerpflichtigen Person eine geeignete Alternative beizubringen. Dies kann z.B. mittels einer Wohnsitzbest�tigung der Steuerbeh�rde (certificate of Residence) oder - falls dies ebenfalls nicht m�glich ist - anhand einer Wohnsitzbest�tigung einer anderen beh�rdlichen Stelle geschehen (Einwohnerkontrollamt resp. registration office o.�.). Dieses Dokument ist zusammen mit dem ausgef�llten und unterzeichneten Antrag der zust�ndigen kantonalen Steuerbeh�rde einzureichen.
Liegt eines dieser Dokumente vor, kann die kantonale Steuerverwaltung die R�ckerstattung der Quellensteuern vornehmen" (Hervorhebung im Original).
3.1 Die Vorinstanz beurteilte die Auffassung der ESTV, die Wohnsitzbest�tigung habe im Falle des Beschwerdegegners zwingend mittels Best�tigung der zust�ndigen regionalen thail�ndischen Steuerverwaltung auf dem Formular 60 zu erfolgen, als zu streng. Nachdem es bei der Anwendung des DBA-Thailand zu verfahrensrechtlichen Schwierigkeiten gekommen war, habe sie durch das Rundschreiben vom 1. September 2005 die Anforderungen an die Wohnsitzbest�tigung reduziert. Darin liege eine zul�ssige Praxis�nderung. Indem aber die ESTV diese gelockerte Verwaltungspraxis nur sehr punktuell vollziehe und im Falle des Beschwerdegegners nicht anzuwenden bereit sei, liege ein Verstoss gegen das Gleichbehandlungsgebot vor. Da aber noch zu wenig gekl�rt war, ob die gelockerten Voraussetzungen f�r eine Wohnsitzbescheinigung bei Anwendung des Rundschreibens vom 1. September 2005 im vorliegenden Fall erf�llt waren, hiess die Vorinstanz die Beschwerde gut und wies die Sache f�r zus�tzliche Sachverhaltsabkl�rungen und zum Neuentscheid an die ESTV zur�ck.
3.2 Die Beschwerdef�hrerin r�gt nun die analoge Anwendung dieses Rundschreibens vom 1. September 2005 im vorliegenden Fall: Sie unterstreicht zun�chst den wesentlichen Unterschied zwischen der Verrechnungssteuer auf Kapitalertr�gen und der Einkommenssteuer auf Kapitalleistungen aus Vorsorge; jene habe der Bund dort, wo die R�ckerstattungsvoraussetzungen erf�llt sind, (regelm�ssig) teilweise r�ckzuerstatten, wohingegen diese - bei Vorliegen der R�ckerstattungsvoraussetzungen - der Kanton voll zu erstatten habe; denn diesbez�glich liege ein ausschliessliches Besteuerungsrecht des Ans�ssigkeitsstaates vor, w�hrend dieses bei Kapitalertr�gen nicht ausschliesslich sei (d.h. beide Vertragsstaaten d�rfen in einem bestimmten Ausmass besteuern). Ferner erfolge die R�ckerstattung der Verrechnungssteuer in einem Massenverfahren, w�hrend die R�ckerstattung der Einkommenssteuer auf der Kapitalleistung aus Vorsorge Einzelf�lle seien. Im Massenverfahren sei es unabdingbar, Besteuerungs- bzw. Entlastungsvoraussetzungen "anhand von eing�ngigen und klaren Kriterien" zu �berpr�fen. W�rden die gelockerten Voraussetzungen auch auf die R�ckerstattung der Verrechnungssteuer �bertragen, seien Missbr�uchen T�r und Tor ge�ffnet und werde "die Umsetzung von Artikel 20 Absatz 3 DBA-Thailand verunm�glicht", weshalb sich hier ein "strengerer Formalismus" aufdr�nge. Daraus ergebe sich, dass es "qualifizierte sachliche Gr�nde" gebe f�r unterschiedliche Anforderungen betreffend Ans�ssigkeitsnachweis mit Bezug auf die R�ckforderungsanspr�che bei der Verrechnungssteuer bzw. der Einkommenssteuer.
3.3 Zun�chst ist festzustellen, dass es sich bei den gelockerten Voraussetzungen f�r die Best�tigung nach dem Rundschreiben vom 1. September 2005 nicht nur um eine reine "Praxis�nderung" handelt, sondern um ein Missachten von Art. 11 Abs. 2 lit. b der Verordnung des EFD vom 19. Oktober 1993 �ber die Quellensteuer bei der direkten Bundessteuer (QStV, SR 642.118.2). Dort wird ausdr�cklich eine Best�tigung der zust�ndigen Steuerbeh�rde des anspruchsberechtigten Vertragsstaates, wonach diese von der Kapitalleistung Kenntnis hat, verlangt. Nach dem Formular 01.2011 (Antrag auf R�ckerstattung der Quellensteuer auf Kapitalleistungen von Vorsorgeeinrichtungen mit Sitz in der Schweiz) wird eine "Best�tigung der Steuerbeh�rde des ausl�ndischen Wohnortes" verlangt mit folgendem Wortlaut: "Die Steuerbeh�rde des Wohnortes best�tigt, von obiger Kapitalleistung Kenntnis zu haben." Damit haben diese ausl�ndischen Steuerbeh�rden an sich zwei Tatsachen zu bescheinigen, n�mlich einerseits den (ausl�ndischen) Wohnsitz des Empf�ngers sowie das Wissen um den Zufluss der Kapitalleistung. Demgegen�ber sind die formellen Voraussetzungen f�r eine R�ckerstattung der Verrechnungssteuer auf Kapitalertr�gen in keinem generell-abstrakten Erlass geregelt, sondern gehen bloss aus dem amtlichen Formular Nr. 60 der ESTV hervor (vgl. E. 2.2).
3.4 Wohl bestehen zwischen der Verrechnungssteuer auf Kapitalertr�gen und der Einkommenssteuer auf Kapitalleistungen aus Vorsorge an der Quelle formale Unterschiede. Entscheidend ist aber nicht der �ussere Unterschied der Vergleichsf�lle; der Gleichheitssatz von Art. 8 BV verlangt, dass wertungsm�ssig gleich gelagerte F�lle gleich behandelt werden (HEINZ HAUSHEER/MANUEL JAUN, Die Einleitungsartikel des ZGB, 2003, N 204 zu Art. 1 ZGB).
3.4.1 Unter dem DBA-Thailand ergaben sich offensichtlich bez�glich der erforderlichen Best�tigungen Schwierigkeiten, indem sich die thail�ndischen Beh�rden weigerten, den Vorsorgenehmern den R�ckerstattungsantrag zu unterzeichnen und damit Wohnsitz und Kenntnis vom Zufluss der Kapitalleistung zu bescheinigen (Einleitende Bemerkung auf dem Rundschreiben vom 1. September 2005). Bez�glich der - mit der Best�tigung der Kenntnis von der Kapitalleistung - verbundenen Wohnsitzbest�tigung spielt es aber keine wesentliche Rolle, ob sie f�r die R�ckerstattung der Quellensteuer auf Kapitalleistungen oder -ertr�gen verwendet wird. Dies selbst dann nicht, wenn f�r beide R�ckerstattungstatbest�nde unterschiedliche Formulare bestehen. In beiden F�llen sollten an sich die zust�ndigen Steuerbeh�rden die notwendigen Best�tigungen ausstellen. Da diese aber hierzu offenbar nicht bereit waren, lockerte die ESTV die formellen Voraussetzungen und l�sst es mit einer Wohnsitzbest�tigung der Steuerbeh�rde oder einer Wohnsitzbest�tigung einer andern beh�rdlichen Stelle bewenden. Wie der Fall des Beschwerdegegners zeigt, ergeben sich dieselben Schwierigkeiten, wenn es darum geht, eine Wohnsitzbest�tigung f�r die R�ckerstattung der Verrechnungssteuer auf Kapitalertr�gen zu erlangen. Von da her vermag nicht einzuleuchten, im Falle des Beschwerdegegners - trotz analoger Schwierigkeiten und damit insoweit gleicher Sachlage - an einem "strengeren Formalismus" festzuhalten.
3.4.2 Die Beschwerdef�hrerin glaubt freilich, eine unterschiedliche Behandlung dr�nge sich aufgrund der ungleichen Verfahrensnatur auf. Die R�ckerstattung der Verrechnungssteuer erfolge in einem Massenverfahren, wogegen es sich bei der R�ckerstattung der Einkommenssteuer auf Kapitalleistungen um Einzelf�lle handle. Allerdings ist das Rundschreiben vom 1. September 2005 entstanden, weil es bez�glich der R�ckforderung von Quellensteuern auf Kapitalleistungen "h�ufig" zu Anfragen kam (Einleitungssatz von Ziffer 4.). Bez�glich der R�ckerstattung der Verrechnungssteuer im Verh�ltnis zu Thailand schreibt der Bundesrat in seiner Botschaft vom 1. Mai 1996 zum DBA-Thailand (BBl 1996 II 1082): "Da die thail�ndischen Investitionen in der Schweiz nicht von sehr grosser Bedeutung sind, d�rften sich die Einbussen, die sich aus der teilweisen R�ckerstattung der Verrechnungssteuer an in Thailand ans�ssige Personen ergeben, kaum stark auswirken". Damit kann davon ausgegangen werden, dass sich die Frage einer R�ckerstattung der Verrechnungssteuer im Verh�ltnis zu Thailand kaum "massenhaft" stellt und sich vermutlich nicht in einer v�llig anderen Gr�ssenordnung bewegt als die R�ckerstattung der Einkommensteuer auf Kapitalleistungen. Im �brigen erschiene es als problematisch, die formellen Voraussetzungen f�r eine R�ckerstattung im Massenverfahren m�glichst hoch anzusetzen und sie dort, wo man sich f�r die Pr�fung von Einzelf�llen mehr Zeit nehmen kann, tief zu halten. So oder so �berzeugt dieser Einwand der Beschwerdef�hrerin nicht.
3.4.3 Unbehelflich ist ebenso der Einwand der Beschwerdef�hrerin, gelockerte Voraussetzungen bei der R�ckerstattung der Verrechnungssteuer w�rde die Umsetzung von Art. 20 Abs. 3 DBA-Thailand verunm�glichen. Denn dieser Methodenartikel des DBA kommt hier weder bei der Quellensteuer auf der Kapitalleistung aus Vorsorge zur Anwendung, weil es sich dabei um eine ausschliessliche Zuteilung an den Ans�ssigkeitsstaat handelt (PETER LOCHER, Einf�hrung in das internationale Steuerrecht der Schweiz, 3. Aufl. 2005, S. 451), noch bei der Verrechnungssteuer auf Kapitalertr�gen, weil dieser "Zufluss aus Gratisaktien" in Thailand nicht besteuert wird und damit auch keine Anrechnung erfolgen muss.
3.4.4 Nachdem sich die Beschwerdef�hrerin dort, wo ihr eine Verordnung des vorgesetzten Finanzdepartements Vorgaben macht, aus praktischen Gr�nden dar�ber hinwegsetzt und die Voraussetzungen f�r eine R�ckerstattung der Einkommenssteuer auf Kapitalleistungen aus Vorsorge gelockert hat, vermag nicht einzuleuchten, dass bei der R�ckerstattung der Verrechnungssteuer auf Kapitalertr�gen, deren Voraussetzungen nur aus einem von ihr herausgegebenen Formular hervorgehen, trotz vergleichbarer Schwierigkeiten strenger sein sollen. Auch hier muss der Nachweis der Ans�ssigkeit im anderen Vertragsstaat auch auf andere geeignete Art m�glich sein als nur durch eine - kaum erh�ltliche - Best�tigung der zust�ndigen Steuerbeh�rde. Jedes andere Vorgehen w�re als �berspitzt formalistisch zu bezeichnen und w�rde den v�lkerrechtlich bestehenden Anspruch auf R�ckerstattung eines Teils der an der Quelle erhobenen Verrechnungssteuer �ber Geb�hr erschweren. Die von der Beschwerdef�hrerin erhobenen Einw�nde gegen dieses Vorgehen �berzeugen nicht. Die Tatsache allein, dass bei einer allenfalls ungerechtfertigten R�ckerstattung der Verrechnungssteuer voll der Bund, bei einer allenfalls ungerechtfertigten R�ckerstattung der Einkommenssteuer vor allem die Kantone und der Bund nur im Ausmass seines Anteils nach Art. 196 DBG partizipierten, vermag ebenso wenig ein unterschiedliches Vorgehen zu rechtfertigen.
Die Beschwerde erweist sich demnach als unbegr�ndet und ist abzuweisen. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens der Beschwerdef�hrerin, die Verm�gensinteressen wahrnimmt, aufzuerlegen (Art. 65 f. BGG). Diese hat dem Beschwerdegegner zudem eine dessen Eingabe entsprechende Parteientsch�digung auszurichten (Art. 68 BGG; Art. 8 Abs. 2 des Reglements �ber die Parteientsch�digung und die Entsch�digung f�r die amtliche Vertretung im Verfahren vor dem Bundesgericht vom 31. M�rz 2006 [SR 173.110.210.3]).