Source: https://www.bankenbote.de/das-kuendigungsrecht-der-bausparkasse-und-die-feststellungsklage-des-bausparers-698237
Timestamp: 2020-08-15 17:55:56
Document Index: 53469741

Matched Legal Cases: ['§ 247', '§ 609', '§ 609', '§ 489', '§ 609', '§ 489', '§ 609', '§ 489', '§ 489', '§ 500', '§ 489']

Das Kündigungsrecht der Bausparkasse - und die Feststellungsklage des Bausparers | BankenBote
Mit dem Gesetz zur Ände­rung, wirt­schafts, ver­brau­cher, arbeits- und sozi­al­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 25.07.1986 2 hob der Gesetz­ge­ber den bis dahin gel­ten­den § 247 BGB auf und füg­te § 609a BGB neu ins BGB ein. § 609a Abs. 1 Nr. 3 BGB bestimm­te, wort­gleich mit dem nun gel­ten­den § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB, dass der Schuld­ner ein Dar­le­hen „in jedem Fall nach Ablauf von 10 Jah­ren nach dem voll­stän­di­gen Emp­fang unter Ein­hal­tung einer Kün­di­gungs­frist von 6 Mona­ten” kün­di­gen kann.
Bereits aus die­sem Pas­sus der Begrün­dung des Geset­zes­ent­wur­fes ergibt sich, dass die Ände­rung im Inter­es­se der „pro­fes­sio­nel­len Kre­dit­ge­ber” zur Ver­mei­dung gesamt­wirt­schaft­lich nach­tei­li­ger Aus­wir­kun­gen beab­sich­tigt war.
Die Geset­zes­än­de­rung soll­te die „pro­fes­sio­nel­len Kre­dit­ge­ber” stär­ken und kei­nes­falls den pri­va­ten Dar­le­hens­ge­ber im Bereich der Bau­spar­ver­trä­ge.
Wei­ter ergibt sich aus der Begrün­dung 4, dass mit der künf­ti­gen Rege­lung ein „maß­voll aus­ge­stal­te­tes all­ge­mei­nes Kün­di­gungs­recht des Schuld­ners als ein wesent­li­ches und wirk­sa­mes Gegen­ge­wicht gegen das Zins­be­stim­mungs­recht des Gläu­bi­gers” geschaf­fen wer­den soll. Auch aus die­sem Begrün­dungs­teil ist zu erken­nen, dass das Kün­di­gungs­recht des § 609a BGB a.F. jetzt § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB, nicht auf die Kon­struk­ti­on des Bau­spar­ver­tra­ges Anwen­dung fin­den kann.
Zwar ist der Bau­spa­rer Dar­le­hens­ge­ber wäh­rend der Anspar­pha­se, im steht aber kei­ner­lei „Zins­be­stim­mungs­recht” zu. Dies liegt allein bei der Bau­spar­kas­se.
Dar­aus lässt sich nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Lud­wigs­burg zwang­los erken­nen, dass der Gesetz­ge­ber bei der Schaf­fung der Norm, den „nor­ma­len” Dar­le­hens­fall im Auge hat­te, bei dem der Dar­le­hens­ge­ber der wirt­schaft­lich stär­ke­re, „zins­be­stim­men­de” Ver­trags­teil und der Dar­le­hens­neh­mer der wirt­schaft­lich schwä­che­re ist. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind beim Bau­spar­ver­trag gera­de nicht gege­ben.
Wei­ter wird in der Begrün­dung aus­ge­führt, dass nach dem Ent­wurf der Markt für län­ger­fris­ti­ge fest­ver­zins­li­che Kre­di­te auch sol­chen Geld­ge­bern eröff­net wer­den sol­le, denen er bis­her auf­grund der durch das Kün­di­gungs­recht erschwer­ten „Refi­nan­zie­rung” ver­schlos­sen war. Des­halb müss­ten Zins­än­de­rungs­ri­si­ken nach der vor­ge­schla­ge­nen Rege­lung nicht mehr in die Kon­di­tio­nen län­ger­fris­ti­ger, fest­ver­zins­li­cher Kre­di­te ein­kal­ku­liert zu wer­den. Für Kre­dit­neh­mer sei daher mit einem ver­bes­ser­ten und brei­ter gefä­cher­ten Ange­bot ins­be­son­de­re im Bereich der fest­ver­zins­li­chen Kre­di­te zu rech­nen.
Beim Bau­spar­ver­trag ist es nicht der Bau­spa­rer, der „Kon­di­tio­nen län­ger­fris­ti­ger, fest­ver­zins­li­cher Kre­di­te” zu schaf­fen ver­mag, son­dern es ist die Bau­spar­kas­se. Das „brei­ter gefä­cher­te Ange­bot, ins­be­son­de­re im Bereich der fest­ver­zins­li­chen Kre­di­te” stellt nicht der Bau­spa­rer, son­dern die Bau­spar­kas­se. Damit kann nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts kein Zwei­fel dar­an bestehen, dass der Gesetz­ge­ber bei Schaf­fung der Kün­di­gungs­vor­schrift des § 609a BGB a.F. nicht das Bau­spar­ver­trags­ver­hält­nis im Blick hat­te.
Dies ergibt sich aus einer wei­te­ren Bemer­kung im Rah­men der Begrün­dung die­ses Geset­zes­ent­wur­fes 5, in dem aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass es „den Geschäfts­be­din­gun­gen des Kre­dit­in­sti­tu­tes vor­be­hal­ten blei­be, unter Wah­rung des Grund­ge­dan­kens der vor­ge­schla­ge­nen Rege­lung zu tref­fen, die eine zeit­li­che Ein­gren­zung der Kün­di­gungs­be­fug­nis des Dar­le­hens­neh­mers ermög­li­chen”. Hier wird sogar aus der Wort­wahl des Gesetz­ge­bers deut­lich, auf wel­cher Sei­te er das „Kre­dit­in­sti­tut” und auf wel­cher Sei­te den Dar­le­hens­neh­mer sieht. Nach dem Grund­ge­dan­ken des Geset­zes ist der „zins­be­stim­men­de Teil” das Kre­dit­in­sti­tut, wel­ches mit den Geschäfts­be­din­gun­gen das neu geschaf­fe­ne Kün­di­gungs­recht des Dar­le­hens­neh­mers sol­le ein­gren­zen kön­nen.
Die bei­den Sät­ze, die die Auf­fas­sung des genann­ten Amts­ge­rich­tes stär­ken, lau­ten wie folgt: „Der Schuld­ner kann die Kün­di­gung frü­hes­tens nach Ablauf von 10 Jah­ren nach der Aus­zah­lung des Dar­le­hens und danach in jedem Zeit­punkt erklä­ren. Um die tech­ni­sche Abwick­lung des Ver­tra­ges und die Vor­be­rei­tung eines neu­en Geschäfts zu erleich­tern, hat der Schuld­ner eine Kün­di­gungs­frist von 6 Mona­ten ein­zu­hal­ten”.
Wird wie vor­lie­gend dem Bau­spa­rer von der Bau­spar­kas­se die Kün­di­gung erklärt, gibt es für den Bau­spa­rer kei­ne „tech­ni­sche Abwick­lung des Ver­tra­ges” und er ver­mag gegen­über dem bis­he­ri­gen Dar­le­hens­neh­mer auch kei­nes­falls die „Vor­be­rei­tung eines neu­en Geschäf­tes” vor­zu­neh­men.
In § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB ist dies so for­mu­liert, dass dem Dar­le­hens­neh­mer nach „dem voll­stän­di­gen Emp­fang” das Kün­di­gungs­recht zuste­hen soll.
So haben das Land­ge­richt Mainz 7, das Land­ge­richt Han­no­ver 8 und das Land­ge­richt Aachen 9 jeweils aus­ge­führt, dass „in einem Bau­spar­fall der voll­stän­di­ge Emp­fang der Dar­le­hensva­lu­ta im Sinn des § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB der ein­tre­ten­den Zutei­lungs­rei­fe” gleich­zu­set­zen sei.
Das Land­ge­richt Mainz bemüht die „struk­tu­rel­len Eigen­hei­ten des Bau­spar­ver­tra­ges”, um den Ein­tritt der erst­ma­li­gen Zutei­lungs­rei­fe mit dem voll­stän­di­gen Emp­fang im Sinn der Vor­schrift gleich­zu­set­zen.
Soweit das Land­ge­richt Mainz in die­sem Zusam­men­hang noch aus­führt, dass sich der Bau­spa­rer nicht auf den Grund­satz beru­fen kön­ne, Ver­trä­ge sei­en grund­sätz­lich ein­zu­hal­ten, da er selbst durch die Nicht­an­nah­me der Zutei­lung dem Ver­trags­zweck zuwi­der gehan­delt habe, ist dies unver­ständ­lich und mit Sicher­heit nicht mit den „struk­tu­rel­len Eigen­hei­ten des Bau­spar­ver­tra­ges” in Ein­klang zu brin­gen.
Soweit das Land­ge­richt Han­no­ver die Gleich­set­zung des voll­stän­di­gen Emp­fangs der Dar­le­hensva­lu­ta mit der Zutei­lungs­rei­fe annimmt, begrün­det es dies eben­falls mit der „beson­de­ren Kon­struk­ti­on des Bau­spar­ver­tra­ges”.
Hier­bei han­delt es sich um die Begrün­dung der Bun­des­re­gie­rung zudem Ent­wurf eines Geset­zes zur Umset­zung der Ver­brau­cher­kre­dit­li­nie, des zivil­recht­li­chen Teils der Zah­lungs­diens­te­richt­li­nie sowie zur Neu­ord­nung der Vor­schrif­ten über das Wider­rufs- und Rück­ga­be­recht vom 21.01.2009.
Fer­ner wird in der Begrün­dung aus­ge­führt, dass für „Ver­brau­cher­dar­le­hen” die Kün­di­gungs­mög­lich­kei­ten des Dar­le­hens­neh­mers in § 500 BGB gere­gelt wür­den.
Gleich­zei­tig wer­de das Wort „Aus­zah­lung” durch das Wort „Emp­fang” ersetzt.
Damit ist, wenn man so weit gehen woll­te und § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB für Bau­spar­ver­trä­ge für anwend­bar hält, fest­zu­stel­len, was unter „voll­stän­di­gem Emp­fang” im Sinn die­ser Norm gemeint ist.
Nach­dem der Gesetz­ge­ber bei Schaf­fung die­ser Norm vom „nor­ma­len” Dar­le­hens­ver­trag aus­ging, ergibt es sich von selbst, dass die Dar­le­hens­sum­me, die der Kre­dit­ge­ber gewäh­ren soll, ver­trag­lich fest­ge­legt ist. Die­ser „Nor­mal­fall” des Dar­le­hens ist beim Bau­spar­ver­trag gera­de nicht gege­ben. Zwar ist der Bau­spa­rer in der Anspar­pha­se Dar­le­hens­ge­ber und die Bau­spar­kas­se Dar­le­hens­neh­me­rin, jedoch ist im Bau­spar­ver­trag die vom Dar­le­hens­ge­ber „geschul­de­te” Dar­le­hens­sum­me mit kei­nem Wort fest­ge­legt. Im Bau­spar­ver­trag gere­gelt ist ledig­lich die Bau­spar­sum­me und ermit­tel­bar ist fest­ge­legt die Zutei­lungs­rei­fe. Die Zutei­lungs­rei­fe ist der Zeit­punkt, zu dem der bis­he­ri­ge Dar­le­hens­ge­ber den „Rol­len­tausch” vor­neh­men kann, um sich in die Dar­le­hens­neh­mer­rol­le zu bege­ben.
Aus die­ser Norm ergibt sich, dass es im Inter­es­se der Bau­spar­kas­se lag, nach Zutei­lungs­rei­fe den Bau­spar­ver­trag fort­zu­set­zen und der Bau­spa­rer die­sen regel­mä­ßig bespart. Dass die nun ein­ge­tre­te­ne wirt­schaft­li­che Ver­än­de­rung, wonach der Kapi­tal­zins ins „Boden­lo­se” fiel, zu einer ande­ren Aus­le­gung des Ver­tra­ges oder der Norm füh­ren könn­te, ist nicht ersicht­lich.