Source: https://www.aufrecht.de/urteile/markenrecht/urteile-2010/storch-heinar-vs-thor-steinar-lg-nuernberg-fuerth-urteil-vom-1182010-az-3-o-561709.html
Timestamp: 2020-08-05 01:16:32
Document Index: 66526004

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 14', 'BGH', 'BGH', 'EuG', '§ 8', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 93']

Storch Heinar vs. THOR STEINAR - LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 11.8.2010, Az.: 3 O 5617/09 : aufrecht.de Storch Heinar vs. THOR STEINAR - LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 11.8.2010, Az.: 3 O 5617/09
2. Die Verwendung des Storchenwappens ist als ironische und humoristische Persiflage des Logos von Thor Steinar vom Grundrecht der Meinungs- und Kunstfreiheit gedeckt.
Entscheidungsdatum: 11. August 2010
hat das Landgericht Nürnberg-Fürth
IV. Von den Kosten des Rechtsstreits trägt die Klägerin 94 %, der Beklagte 6 %.
V. Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung i.H.v. 110 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages vorläufig vollstreckbar.
Der Streitwert wird auf 180.000,-- EUR festgesetzt. Dabei entfallen auf
- Ziffer 1. der Klage: 100.000,-- EUR,
- Ziffer 2. der Klage: 50.000,-- EUR,
- Ziffern 3. und 4. der Klage: jeweils 15.000,-- EUR.
Die Klägerin fertigt und handelt mit Bekleidung. Unter der Domain "thorsteinar.de" betreibt sie einen Webshop und verkauft ihre Mode.
Sie ist Inhaberin der folgenden Bildmarke (Registernummer 30467844), die am 30.11.2004 angemeldet und am 16.06.2005 u.a. für die Waren- und Dienstleistungsklasse 25 (insbesondere Bekleidungsstücke) eingetragen wurde (Anlage K 4):
Sie ist darüber hinaus Inhaberin der folgenden Bildmarke (Registernummer 30649936), die am 11.08.2006 angemeldet und am 03.04.2007 u.a. für die Waren- und Dienstleistungsklasse 18 (insbesondere Regenschirme), 21 (insbesondere Glaswaren, Porzellan und Steingut) sowie 25 (insbesondere Bekleidungsstücke) eingetragen wurde (Anlage K 5):
Sie ist auch Inhaberin der Wortmarke "THOR STEINAR" (Registernummer. 30467843), die am 30.11.2004 angemeldet und am 02.06.2005 u.a. für die Waren- und Dienstleistungsklasse 25 (insbesondere Bekleidungsstücke) eingetragen wurde (Anlage K 6).
Schließlich ist die Klägerin Inhaberin der Wortmarke "Wüstenfuchs" (Registernummer. 30744372), die am 06.07.2007 angemeldet und am 25.10.2007 u.a. für die Waren- und Dienstleistungsklassen 18 und 25 eingetragen wurde (Anlage K 7).
Auf der Domain "storchheinar.de" wird im Internet ein Webshop betrieben, in dem u.a. Bekleidungsstücke, Tassen, Anstecker sowie Regenschirme zum Verkauf angeboten werden (Anlagen K 10 bis K 12). Die so vertriebenen Produkte enthalten überwiegend den Aufdruck "Storch Heinar" sowie das folgende Wappen:
Der Beklagte war bei DENIC als Inhaber dieser Domain registriert (Anlage K 2). Mittlerweile wurde die Domain auf die SPD - Landesverband Mecklenburg-Vorpommern - übertragen (Anlage B 4). Im Impressum dieser Homepage ist der Beklagte als inhaltlich Verantwortlicher im Sinne des Presserechts benannt, außerdem wird er als Urheber ("geschrieben von") benannt (Anlage K 3 b).
Mit Schreiben von Rechtsanwalt P. wurde der Beklagte am 08.04.2009 wegen der Verletzung der Wortmarke "THOR STEINAR" sowie der Bildmarken der Klägerin abgemahnt (Anlagen K 15 und B 1).
Über die klägerischen Marken wird in der Öffentlichkeit diskutiert (Anlagen B 5 bis B 7). Im Brandenburgischen Verfassungsbericht fand die Marke "Thor Steinar" als "identitätsstiftendes Erkennungszeichen unter Rechtsextremisten" Erwähnung. Die Klägerin geht verwaltungsrechtlich dagegen vor.
In der Klageerwiderung vom 05.11.2009 hat der Beklagte den unter Ziffer 2. der Klage geltend gemachten Unterlassungsanspruch auf Verwendung der Bezeichnung "Wüstenfuchs" anerkannt. Die Kammer erließ daraufhin am 05.01.2010 ein entsprechendes Teil-Anerkenntnisurteil.
oder das Zeichen "Storch Heinar"
c) oder das Zeichen "Storch Heinar" zur Kennzeichnung von Ansteckern, Taschen oder Regenschirmen zu benutzen und/oder benutzen zu lassen, insbesondere wenn dies geschieht, wie nachfolgend wiedergegeben:
Im Termin vom 21.07.2010 hat der Beklagte die zum Teilanerkenntnisurteil vom 05.01.2010 gehörigen Folgeansprüche auf Auskunft (ursprünglich Ziffer 3, jetzt Ziffer 2 der Klage) sowie auf Schadensersatzfeststellung (ursprünglich Ziffer 4, jetzt Ziffer 3 der Klage) hinsichtlich der Taschen, die mit der Bezeichnung "Wüstenfuchs" bis zum 17.03.2010 beworben wurden, anerkannt.
Die zulässige Klage ist, soweit sie nicht anerkannt wurde, unbegründet. Es fehlt hinsichtlich der Wortmarke "Thor Steinar" und der Bildmarken mit dem Andreaskreuz an einer markenrechtlichen oder wettbewerbsrechtlichen Verletzungshandlung (unter A.). Die in diesem Urteil tenorierten Auskunfts- und Schadensersatzfeststellungsansprüche hinsichtlich einer Verletzung der Marke "Wüstenfuchs" beruhen auf einem Anerkenntnis des Beklagten (unter B.).
Der Klägerin steht der in Ziffer 1. der Klage geltend gemachte Unterlassungsanspruch hinsichtlich der Wortmarke "Thor Steinar" und der Bildmarke mit dem Andreaskreuz nicht zu.
Zwar ist der Beklagte als Störer passivlegitimiert, da er bei DENIC als Inhaber der Domain "www.storchheinar.de" registriert war (Anlage K 2) und im Impressum der Homepage als inhaltlich Verantwortlicher im Sinne des Presserechts und als Urheber ("geschrieben von") benannt (Anlage K 3 b) ist (BGH, MMR 2009, 752; BGH, GRUR1986, 248 -"Sporthosen"). Dass die Domain mittlerweile auf die SPD - Landesverband Mecklenburg-Vorpommern - übertragen wurde (Anlage B 4), spielt keine Rolle, weil einmal eine vom Verletzten gesetzte Wiederholungsgefahr fortwirkt.
1. Zwar werden durch den Beklagten das streitgegenständliche Zeichen "Storch Heinar" sowie das Wappen mit dem Storch kennzeichenmäßig benutzt.
Im vorliegenden Fall ist von Warenidentität im Sinne von § 14 Abs. 2 MarkenG auszugehen, da die auf der streitgegenständlichen Homepage "storchheinar.de" angebotenen und vertriebenen Waren der durch die klägerischen Marken erfassten Waren entsprechen. Die Marken der Klägerin sind für die Waren- und Dienstleistungsklassen 18, 21 und 25 eingetragen. Der Beklagte vertreibt Waren genau dieser Produktsegmente, auf denen er die streitgegenständlichen Zeichen anbringt.
Der markenrechtliche Anspruch scheitert jedoch an der fehlenden Ähnlichkeit der klägerischen Marken einerseits und der auf der Homepage "storchheinar.de" benutzen Zeichen andererseits.
a) Die Klagebildmarken bestehen aus einem dunkel gehaltenen Wappenfeld mit einem weißen "X" als Kreuz, welches im oberen und unteren Teil jeweils einen weißen Punkt enthält. Sie sind in schwarz-weiß eingetragen und erfassen damit die Abbildung in jeder anderen Farbe, da eine Marke, die keine bestimmte Farbe beansprucht, grundsätzlich in jeder beliebigen Farbkombination wiedergegeben werden kann (BGH, GRUR 2006, 859 - Malteserkreuz).
Die Klagewortmarke lautet "THOR STEINAR".
Das angegriffene Wortzeichen lautet "Storch Heinar".
c) Eine Zeichenähnlichkeit dieser Klagemarken mit den angegriffenen Zeichen "Storch Heinar" und dem Bildzeichen mit dem Storch im Wappen besteht nicht.
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass das angegriffene Zeichen sowohl in seinem Wort- als auch seinem Bildgehalt einen Storch darstellt. Eine Verwechslungsgefahr scheidet nämlich dann aus, wenn einem der beiden Zeichen eine eindeutige und bestimmte Bedeutung zukommt, sodass die maßgeblichen Verkehrskreise sie ohne weiteres erfassen können (EUGH, GRUR 2006, 237 - Picasso; EUGH, GRUR 2006, 413 - ZIRH/SIR). Dabei ist ausreichend, wenn nur eine der Marken über einen entsprechenden Begriffsinhalt verfügt, während die andere einen Fantasiebegriff darstellt. Maßgeblich ist, ob der Begriff wegen seines jedermann geläufigen Sinngehalts rasch erfasst wird und als allgemein verständliches Wort mit einem anderen, der Umgangssprache nicht entlehnten Kennzeichen nicht verwechselt werden kann (BGH, NJW-RR 1992, 175 - Bally/Ball).
Zum einen unterscheiden sich die Wappen der Zeichen. Die Wappen der Klägermarke sind von ihrer Form her "bauchiger", während das Wappen des angegriffenen Zeichens spitzer zugeschnitten ist. Zudem ist die obere Begrenzung des Wappens der Klägermarken leicht abgerundet, während das Wappen des angegriffenen Zeichens geradlinig ist.
Auch die Bilder in dem Wappen unterscheiden sich grundlegend. Während die Klägerbildmarken ein weißes Andreaskreuz mit 2 weißen Punkten beinhalten, also von einem in weiß gehaltenen Großbuchstaben "X" dominiert sind, ist in dem angegriffenen Bildzeichen ein Storch mit gespreizten Flügeln als Wappeninhalt prägend. Dieser Storch ist auch eindeutig an dessen schwarz-weißen und detaillierten Flügelstrukturen, den gekrümmten, dünnen Beinen, dem roten Schnabel sowie dem langgezogenen Hals erkennbar. Der durchschnittlich informierte Verbraucher assoziiert deshalb mit diesem Zeichen einen Storch und nicht die klägerischen Bildmarken.
Außerdem unterscheiden sich die Konturen des Storches in wesentlichen Punkten von dem des Andreaskreuzes. So sind die nach oben gereckten Flügel breiter als die obere Hälfte des Andreaskreuzes, wogegen die dünnen Beine des Storches schmaler als der untere Teil des Andreaskreuzes ausgeprägt sind.
bb) Auch zwischen der klägerischen Wortmarke "THOR STEINAR" und dem angegriffenen Wortzeichen "Storch Heinar" besteht keine Ähnlichkeit.
Die Bezeichnung "Storch Heinar" ähnelt auch phonetisch nicht der Marke "THOR STEINAR". Die klägerische Wortmarke wird bei Ihrer Aussprache am Anfang durch ein hartes "T" dominiert, während das Klangbild der angegriffenen Zeichnung durch ein weicheres "Scht" eingeleitet wird. Auch das jeweils zweite Wort unterscheidet sich im Klangbild durch das weiche und auszusprechende "H" im Wort "Heinar" und dem verhältnismäßig harten "St" von "Steinar".
Entscheidend ist jedoch, dass es keine begriffliche Zeichenähnlichkeit zwischen den sich gegenüber stehenden Zeichen gibt. Bei der Bezeichnung "Storch Heinar" handelt es sich um die Beschreibung des Namens eines Vogels, nämlich eines Storches namens Heinar. Bei der Bezeichnung "THOR STEINAR" handelt es sich dagegen um einen Namen, wobei der erste Wortbestandteil möglicherweise dem Donnergott "Thor" entlehnt ist.
Die Produkte mit den angegriffenen Zeichen werden ausschließlich im Rahmen des Internetshops "www.storchheinar.de" angeboten. Die Ausgestaltung dieser Homepage sowie die Weiterleitung auf die der SPD gehörenden Internetseite "www.endstation-rechts.de" zeigt, dass die auf dieser Seite angebotenen Produkte sich nicht an den normalen Verbraucher, der seine Kleidung allein nach dem Aussehen und Design kauft, sondern vor allem ein politisch interessierten Kundenkreis, der mit dem Tragen dieser Produkte eine politische Aussage treffen möchte, wendet. Es erscheint ausgeschlossen, dass die so angesprochenen Verkehrskreise der Gefahr unterliegen, das angegriffene Zeichen mit den klägerischen Marken zu verwechseln. Diese Verkehrskreise fühlen sich gerade durch die satirische Auseinandersetzung mit den klägerischen Marken angesprochen und entscheiden sich daher bewusst dafür.
Umgekehrt scheint es ebenfalls ausgeschlossen, dass ein durchschnittlicher Verbraucher, der ein Bekleidungsstück aus dem Haus der Klägerin erwerben will, versehentlich ein T-shirt vom Internetshop "storchheinar.de" erwirbt (so auch OLG Köln, Beschluss vom 02.12.2009, Anlage B 3 - "Thorten Schneidar").
Im Rahmen dieses Tatbestandsmerkmales ist erforderlich, dass für das Publikum die Gefahr von Verwechslungen im Sinne einer Fehlvorstellung über die betriebliche Herkunft der Waren besteht. Die Herstellung einer rein assoziativen gedanklichen Verbindung zwischen den Marken reicht hingegen nicht aus (EuGH, GRUR 1998, 387, Tz. 26 - "Springende Raubkatze").
II. Die Klägerin kann ihre Ansprüche auch nicht auf § 8 UWG stützen.
Unerlässliches Erfordernis eines jeden Werbevergleichs ist daher, dass der Werbende einen für den Verkehr erkennbaren Bezug zwischen mindestens zwei Wettbewerbern, zwischen deren Waren oder Dienstleistungen bzw. ihren Tätigkeiten oder sonstigen Verhältnissen herstellt. Dabei reicht zwar die nur mittelbar erkennbare Bezugnahme aus. Damit ist jedoch nicht gemeint, dass jede noch so fernliegende, "nur um 10 Ecken gedachte" Bezugnahme genügt. Andernfalls würde der Begriff des Werbevergleichs uferlos ausgeweitet (BGH, GRUR 2002, 982 - die "Steinzeit" ist vorbei!). Nicht ausreichend ist, wenn die angesprochenen Verkehrskreise allein aufgrund von außerhalb der angegriffenen Werbung liegenden Umständen eine Verbindung zwischen dem beworbenen Produkt und demjenigen des Mitbewerbers herstellen (BGH, GRUR 2008, 628 - Imitationswerbung).
Im vorliegenden Fall machen die beanstandeten Zeichen die Marken der Klägerin weder unmittelbar noch mittelbar erkennbar. Auch wenn es sich bei dem angegriffenen Zeichen um eine parodistische Anlehnung an die klägerischen Marken handelt, enthalten diese Zeichen von sich aus keinerlei Bezug zur Klägerin. Soweit diese Bezugnahme durch Umstände außerhalb der angegriffenen Werbung erfolgt (wie z.B. durch Interviews), ist dies für die Beurteilung des Vorliegens von vergleichender Werbung unbeachtlich.
Eine solche Verwechslungsgefahr ist im vorliegenden Fall nicht gegeben (vgl. die Ausführungen zu A. I. 2.)
Für die Beurteilung der Frage, ob eine wettbewerbswidrige pauschale Herabsetzung vorliegt, kommt es darauf an, ob die angegriffene Werbeaussage sich noch in den Grenzen einer sachliche gebotenen Erörterung hält oder bereits eine pauschale Abwertung der fremden Erzeugnisse darstellt. Dies kann nur dann angenommen werden, wenn zu den mit jedem Werbevergleich verbundenen (negativen) Wirkungen für die Konkurrenz besondere Umstände hinzutreten, die den Vergleich in unangemessener Weise abfällig, abwertend oder unsachlich erscheinen lassen. Solange der durchschnittlich informierte und verständige Verbraucher den in der Werbung enthaltenen Sprachwitz erkennt und merkt, dass es sich um eine humorvolles Wortspiel handelt, mit dem die Aufmerksamkeit der Werbeadressaten geweckt werden soll, ist eine Herabsetzung nicht gegeben (BGH, GRUR 2002, 982 - die "Steinzeit" ist vorbei!). Solange der Werbende mit ironischen Anklängen nur Aufmerksamkeit und Schmunzeln erzielt, mit der Werbung aber, weil der Verkehr die Aussage nicht wörtlich und damit ernst nimmt, keine Abwertung des konkurrierenden Angebots verbunden ist, liegt darin noch keine unzulässige Herabsetzung oder Verunglimpfung (BGH, GRUR 2002, 828 - Lottoschein).
Die angegriffenen Zeichen stellen zwar eine satirische Anlehnung an die klägerischen Marken dar. Diese Parodie stellt jedoch keine Herabsetzung oder Verunglimpfung der klägerischen Marken dar, da sie die Klägerin nicht der Lächerlichkeit oder dem Spott preisgibt. Zwar ist nicht auszuschließen, dass die Zeichen - sowohl das Bild des eierlegenden Storches als auch sein Name "Storch Heinar" - in einer ironisch und humoristisch eingekleideten Weise auf die bei Teilen der Verbraucher bestehende Meinung, dass die klägerischen Marken sich insbesondere bei bestimmten Kreisen der Bevölkerung besonderer Beliebtheit erfreuen, anspielen. Die angegriffenen Zeichen sind jedoch gerade nicht so angelegt, dass sie ernst und damit wörtlich genommen werden wollen.
Die angegriffenen Zeichen weisen in ihrer Gesamtheit weder eine direkte Aussage zur Qualität der Produkte der Klägerin noch zu ihrem Auftreten im Wirtschaftsleben auf. Auch eine Verwechslungsgefahr mit den klägerischen Marken besteht nicht. Der einzige Bezug erschöpft sich erkennbar darin, dass das klägerische Zeichen satirisch verfremdet wurde und deshalb als Scherz empfunden werden soll, was der Verkehr ebenso sieht (so auch BGH, GRUR 1986, 759 - "BMW"). Der in der "Verballhornung" der Marke der Klägerin liegende Scherz, der als allgemeine Aussage eine gesellschaftliche Diskussion aufgreift, ohne direkt auf die Klägerin einzugehen, führt nicht zu einer unmittelbaren Beeinträchtigung der Klägerin, da diese "Verballhornung" nach Inhalt und Form nicht geeignet ist, die Klägerin in ihrem Ansehen als Wirtschaftsunternehmen vor der Öffentlichkeit herabzuwürdigen (so auch OLG Frankfurt, NJW 1982, 648 - "Lusthansa"). Damit scheidet auch ein wettbewerbsrechtlicher Anspruch aus.
So sei Werbeplakat "Mordoro" vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt, da die öffentliche Auseinandersetzung mit den Gesundheitsgefahren des Rauchens im Allgemeininteresse liege. Die Meinungsfreiheit erlaube es dem Kritiker, seinen Standpunkt in dieser Frage überpointiert zur Geltung zu bringen. Er sei nicht auf eine ausgewogene oder gar schonende Darstellung beschränkt. Auch für den unkritischen Betrachter ziele der Aussagegehalt des Kalenderblatts nicht auf die Zigarettenmarke "Marlboro", sondern richte sich gegen den Konsum von Zigaretten schlechthin. Dadurch werde eine Diffamierung nicht bewirkt (BGH, NJW 1984, 1956 - Mordoro).
Auch ein Beitrag zur öffentlichen Auseinandersetzung über die Preispolitik eines bekannten Unternehmens halte sich im Bereich der Meinungsfreiheit. Ein Unternehmen wie die Telekom müsse es daher hinnehmen, dass seine Preispolitik in der Öffentlichkeit kritisch begleitet wird. Es habe keinen Anspruch darauf, dass eine satirische Befassung mit einer Veränderung ihrer Tarifstruktur unterbleibt. Das Unternehmen müsse sich dieser Auseinandersetzung stellen und sei nicht berechtigt, den Meinungskampf unter Heranziehung des Wettbewerbsrechts mit Verbotsverfügungen zu unterlaufen (KG, GRUR 1997, 295 - "Alles wird teuer").
Unabhängig von der Frage, wofür die Marken der Klägerin stehen, sind sie Gegenstand politischer Diskussionen und der Beobachtung durch den brandenburgischen Verfassungsschutz. Mit der Verwendung des angegriffenen Zeichens nimmt der Beklagte an der geistigen Auseinandersetzung über die Marken der Klägerin teil. Die Zeichen dienen dabei als Mittel des geistigen Meinungskampfes in einer die Öffentlichkeit wesentlich berührenden Frage, nämlich des Rechtsradikalismus. Die gesamte Gestaltung des Internetauftrittes, über welchem ausschließlich die Produkte mit den angegriffenen Zeichen vertrieben werden, zeigt, dass sich diese Produkte an einen politisch interessierten Kundenkreis, der dem Tragen dieser Produkte eine politische Meinung äußern will, richten. Auf der Internetseite "endstation-rechts.de", auf welche die Seite "storchheinar.de" weiterleitet, wird kritisch über die NPD und die rechtsextreme Szene berichtet. Unter der Überschrift "Satire" erfolgt dann der Link auf den Internetauftritt von Storch Heinar. Weitere Angebote dieser Seite zeigen, dass es bei den im Rahmen des Internetshops angebotenen Textilien nicht vorrangig um den kommerziell orientierten Verkauf der Produkte geht, sondern die politische Aussage im Vordergrund steht. Solche Beiträge zum geistigen Meinungskampf in einer die Öffentlichkeit berührenden Frage fallen in den Kernbereich des Schutzes der Meinungsfreiheit (so auch OLG Köln, Beschluss vom 02.12.2004, Anlage B 3 - "Thorten Schneidar").
Die angegriffenen Zeichen greifen in humorvoll-satirischer Weise die klägerischen Marken sowie deren Resonanz in der Gesellschaft auf. Den Verbrauchern - insbesondere den mit der Homepage "storchheinar.de" gezielt angesprochenen Verkehrskreisen - ist die in der scherzhaften Gestaltung der Zeichen auf den angebotenen Produkten ebenfalls liegende kritische Auseinandersetzung mit den Marken der Klägerin und deren Kundenkreis ersichtlich.
Die in diesem Urteil enthaltene Verurteilung des Beklagten zur Auskunftserteilung und Schadensersatzfeststellung beruht auf einem Anerkenntnis des Beklagten im Termin und bezieht sich auf die im Teil-Anerkenntnisurteil vom 05.01.2010 bezeichneten Handlungen hinsichtlich der Benutzung des Zeichens "Wüstenfuchs".
Darüber hinaus legt die Kammer die Prozesserklärung des Beklagten dahingehend aus, dass es als vollständiges Anerkenntnis hinsichtlich der die Verletzungshandlungen aus dem Teil-Anerkenntnisurteil vom 05.01.2010 betreffenden Klageanträge 2. und 3. (3. und 4. der ursprünglichen Klage) gemeint war, dass aber im Rahmen der Auskunft nur Verletzungshandlungen betreffend Taschen, die mit der Marke "Wüstenfuchs" bis 17.03.2010 beworben wurden, eingeräumt werden.
Ein Anspruch auf Erstattung vorgerichtlicher Rechtsanwaltskosten besteht - trotz Anerkenntnisses hinsichtlich der Unterlassung - nicht, da die Abmahnung vom 08.04.2009 (Anlagen K 15 und B 1) sich nicht auf eine Verletzung der klägerischen Marke "Wüstenfuchs" bezog.
Hinsichtlich Ziffer 2. der Klage (bezüglich der Marke "Wüstenfuchs") liegt ein sofortiges Anerkenntnis im Sinne von § 93 ZPO vor. Die Abmahnung vom 01.04.2009 bezog sich nicht auf die Verletzung dieser Marke. Innerhalb der Klageerwiderungsfrist erkannte der Beklagten diesen Anspruch in der Klageerwiderungsschrift vom 05.11.2009 an.
Der Streitwert wurde auf 180.000,-- EUR festgesetzt. Dabei entfallen auf
- Ziffer 1. der Klage: 100.000,-- EUR (wegen der behaupteten Verletzung der klägerischen Bildmarke und der Wortmarke "Thor Steinar"),
- Ziffer 2. der (ursprünglichen) Klage: 50.000,-- EUR (wegen der behaupteten -Verletzung der klägerischen Wortmarke "Wüstenfuchs"),
- Ziffern 3. und 4. der (ursprünglichen) Klage: jeweils 15.000,-- EUR (dabei beziehen sich jeweils 10.000,-- EUR auf die in Ziffer 1. beschriebenen und jeweils 5.000,-- EUR auf die in Ziffer 2. beschriebenen Verletzungshandlungen).