Source: https://www.jusmeum.de/urteil/bverwg/bverwg_1-B-13-04
Timestamp: 2019-05-27 11:12:19
Document Index: 368092711

Matched Legal Cases: ['§ 132', '§ 133', '§ 53', '§ 53', '§ 53', '§ 53']

BVerwG, 1 B 13.04: Angola
Urteil des BVerwG vom 04.02.2004, 1 B 13.04
1 B 13.04
BVerwG 1 B 13.04 VGH3 UE 594/01.A
hat der 1. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 4. Februar 2004 durch die Vizepräsidentin des Bundesverwaltungsgerichts E c k e r t z - H ö f e r und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. M a l l m a n n und Prof. Dr. D ö r i g
Die Beschwerde des Klägers zu 1 gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Beschluss des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 30. Oktober 2003 wird verworfen.
Der Kläger zu 1 trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.
Die Beschwerde ist unzulässig, weil die allein geltend gemachte grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache (§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) nicht in einer Weise dargelegt
ist, die den Anforderungen des § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO entspricht.
setzt voraus, dass eine bestimmte klärungsfähige und klärungsbedürftige
R e c h t s frage aufgezeigt wird. Eine solche lässt sich der Beschwerde nicht entnehmen. Die Beschwerde wirft die Frage auf, ob Abschiebungsschutz nach § 53
Abs. 6 Satz 1 AuslG bei einer allgemeinen Gefahrenlage für angolanische Staatsangehörige auch dann zu verneinen sei, wenn sie - insbesondere aufgrund längeren
Aufenthalts in Deutschland - im Falle der Rückkehr nach Angola "mangels Überlebensstrategien und Kenntnissen der dortigen schwierigen Verhältnisse keine Chance
haben zu überleben" (Beschwerdebegründung S. 2). Hiermit und mit dem weiteren
Vorbringen wird eine der rechtsgrundsätzlichen Klärung zugängliche Rechtsfrage
nicht aufgezeigt. Die Beschwerde zielt vielmehr auf eine den Tatsacheninstanzen
vorbehaltene Feststellung und Würdigung der tatsächlichen Verhältnisse in Angola
für Rückkehrer, die sich zuvor längere Zeit in der Bundesrepublik Deutschland aufgehalten haben. Im Übrigen setzt sich die Beschwerde nicht damit auseinander, dass
in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts die Voraussetzungen, unter
denen Abschiebungsschutz nach § 53 Abs. 6 Satz 1 AuslG zu gewähren ist, weitgehend geklärt sind (vgl. beispielsweise Urteile vom 17. Oktober 1995 - BVerwG 9 C
9.95 - BVerwGE 99, 324, vom 19. November 1996 - BVerwG 1 C 6.95 - BVerwGE
102, 249 und vom 12. Juli 2001 - BVerwG 1 C 5.01 - BVerwGE 115, 1 jew. mit
Nachw.). Auf diese Rechtsprechung hat sich der Verwaltungsgerichtshof in der angefochtenen Entscheidung zutreffend bezogen, eine extreme Gefahrenlage für die Kläger zu 1 - 3 aber nicht festgestellt, und zwar weder hinsichtlich der allgemeinen Lebensbedingungen noch in Bezug auf die Infektionsgefahren (BA S. 3 ff.). Einen über
diese Rechtsprechung hinausgehenden rechtlichen Klärungsbedarf zeigt die Beschwerde nicht auf. Soweit sie auf das Fehlen eines familiären Netzwerks des Klägers zu 1 in Angola, seine mangelnde Vertrautheit mit den dortigen Lebensverhältnissen, seinen unzureichenden Immunschutz gegen drohende Infektionskrankheiten
und andere Faktoren abstellt, betrifft dies in erster Linie Tatsachenfragen, deren
Feststellung und Würdigung den Instanzgerichten vorbehalten ist. Die tatrichterliche
Prognose einer extremen Gefahrenlage ist im Übrigen unter keinem der genannten
Gesichtspunkte aus Rechtsgründen vorgegeben. Wie das Bundesverwaltungsgericht
bereits mehrfach betont hat, erfordert die Prognose einer extremen Allgemeingefahr
im Einzelfall - wie hier für den Kläger zu 1 bei einer Rückkehr nach Angola - eine den
Tatsachengerichten vorbehaltene wertende Gesamtschau aller Gefährdungsmerkmale im Einzelfall und entzieht sich im Übrigen einer rechtsgrundsätzlichen Klärung
(vgl. Beschluss vom 23. März 1999 - BVerwG 9 B 866.98 - Buchholz 402.240 § 53
AuslG Nr. 17; Beschluss vom 25. Februar 2000 - BVerwG 9 B 77.00 - Buchholz
402.240 § 53 AuslG Nr. 31). Damit setzt sich die Beschwerde nicht auseinander.