Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Arbeiten-in-der-Schweiz-Optionen,-Schweizer-EK-Steuersatz-sofortnutzenzukoennen--f293735.html
Timestamp: 2018-01-21 00:47:57
Document Index: 132306707

Matched Legal Cases: ['§15', '§ 15', '§15', '§ 15', '§1', '§ 8', '§ 15', '§ 16']

www.frag-einen-anwalt.de Steuerrecht Arbeiten Arbeiten in der Schweiz- Optionen, Sc...
16.12.2016 08:07 |
Ab dem 01.04.2017 werde ich ein neues Arbeitsverhältnis (Bruttoverdienst > 120.000CHF; Personalverantwortung) in der Schweiz beginnen (Hauptsitz des Unternehmens). Als Alleinverdiener würde ich mit meiner Familie (Ehefrau nicht berufstätig, Kinder, 7 und 3 Jahre alt; alle deutsche Staatsbürgerschaft) am liebsten in Deutschland wohnen (vor allem wg. des Schulbesuchs für die Kinder) und täglich zur Arbeit in die Schweiz pendeln.
Dies würde wohl bedeuten, dass von meinem Lohn als Grenzgänger in der Schweiz 4,5% Quellensteuer einbehalten wird (für mich wäre derzeit eine G- oder B-Bewilligung möglich (erst nach 5 Jahren könnte ich eine Niederlassungsbewilligung C beantragen, was Verzicht auf Quellensteuer und stattdessen ordentliche Besteuerung in der Schweiz hieße)), die dann mit dem relativ hohen deutschen Steuersatz verrechnet wird- ich also letztlich der deutschen EK-Steuer unterliege.
Allerdings möchte ich gern auch von Anfang an in den Genuss des günstigen Schweizer Einkommenssteuersatzes kommen. Meine Recherche ergab, dass dies lediglich unter bestimmten Bedingungen möglich zu sein scheint. Stichworte sind hier: 60-Tage-Regelung (u.U. Erfüllung von Kriterien wie Entfernung Wohnung-Arbeitsstätte in km oder Std. nötig); GRE-1/ GRE-3-Formular; 120.000 CHF-Regelung (Bedingung steuerrechtlicher Wohnsitz auch ohne Familie möglich?); „internationaler Wochenaufhalter"; …).
Ich würde mir eine rechtsverbindliche Antwort zu den möglichen Optionen wünschen, die für mich vom ersten Arbeitstag an eine Besteuerung durch den niedrigeren Schweizer EK-Steuersatz ermöglichen. Also beispielsweise wo müsste ich oder meine Familie wohnen (ggf. wie weit entfernt), wie oft muss man (offiziell) an diesem oder jenem Wohnort übernachten (ggf. Bedingungen), kann man mit mehreren Wohnungen (Schweiz Fragesteller, D Familie, D Fragesteller) jonglieren, oder welche weiteren Möglichkeiten gibt es, dies realisieren zu können?
p.s.: der Schweizer Arbeitgeber zahlt keine Wohnung; auch fallen kaum Dienstreisen an (die ggf. mit zu Abwesenheitstagen zählen könnten);
p.p.s.: evtl. noch von Bedeutung:
„Steuerrechtlicher Wohnsitz bei Wochenaufenthalt":
http://steuerverwaltung.steuerpraxis.tg.ch/html/5ACCA935-A814-0AA7-240BDBD8AEC051A0.html
und „Steuerrechtlicher Wohnsitz von Ehegatten":
http://steuerverwaltung.steuerpraxis.tg.ch/html/5ACCA828-9123-0ED2-51ED2B90DE316051.html
Arbeiten Arbeiten Schweizer
Zunächst richtet sich die Steuerpflicht nach dem Land in dem Sie Arbeiten (§15 DBA), grundsätzlich wird ihr Einkommen also in der Schweiz zu versteuern sein.
Hiervon gibt es aber Ausnahmen, nämlich die Grenzgängereigenschaft( § 15 a DBA).
Um ihr Anliegen näher zu beleuchten müssen wir und also damit beschäftigen, wann sie als Grenzgänger gelten und wann nicht, solange sie nicht die Niederlassungsbewilligung C haben.
Als Grenzgänger gelten sie zunächst , wenn sich ihr Wohnort in einem Land befindet und ihre Arbeitsstelle in einem anderen, wie es in ihrer Konstellation der Fall wäre. Somit wären sie grundsätzlich Grenzgänger und haben die Ansässigkeitsbescheinigung GR1 bei den Finanzämtern vorzulegen.
Anderes würde nach §15 Abs.2 DBA nur vorliegen, wenn sie sich mehr als 183 Tage in der Schweiz aufhalten. Dies halte ich mit Familie und schulpflichtigen Deutschen Kindern für nicht machbar. Zudem liegt auch keine Grenzgängereigenschaft vor, wenn das Unternehmen für dass sie Arbeiten nicht in der Schweiz ansässig ist und hier keine feste Betriebsstätte unterhält. Auch dies haben wir nicht. Auch bei Arbeiten auf einem Schiff oder an Board eines Flugzeuges würde Schweizer Steuerrecht anzuwenden sein. Auch dies scheidet wohl aus.
Auch über eine Nebenwohnung in der Schweiz wären sie nicht an die Schweizer Steuer gebunden, denn es kommt bei der Wohnungseigenschaft maßgeblich auf ihren Lebensmittelpunkt, nämlich die Unterhaltung von Familie, Freizeitgestaltungen und sozialen Verknüpfungen an. Hier einen Bindungsbruch vorzugeben dürfte schwierig werden und ist daher ebenfalls nicht empfehlenswert.
Die 120.000 CHf besagt lediglich, dass wenn sie sich in der Schweiz steuerrechtlich anmelden, sprich eine Wohnung nehmen (und ihren Lebensmittelpunkt hierher verlegen) und nicht über die Niederlassungsbewilligung (C) verfügen, sie zunächst trotzdem mit dem Bruttolohn nur der Schweizer Quellensteuer unterliegen, aber ab einem Gehalt von 120000 CHf brutto pro Jahr ebenfalls ordentlich veranlagt werden, also eine Steuerklärung abgeben müssen und wie ein Schweizer besteuert werden. Für die Anwendung der 120.000 CHf Regelung ist also grundsätzlich eine Verlagerung des Lebensmittelpunktes in die Schweiz notwendig, was bei einer Familie kaum darstellbar sein dürfte.
Folglich wären sie zunächst als Grenzgänger einzustufen, mit der Folge dass sie in der Schweiz über den Arbeitgeber 4.5 % Quellensteuer zahlen würden und ihr Einkommen unter Anrechnung dieser Abgabe dann in Deutschland zu versteuern wäre (§ 15a DBA). Bei der Berechnung in der Schweiz wird ihr Brutto-Einkommen um 1/5 herabgesetzt um die Bemessungsgrundlage zu ermitteln. Sie bleiben in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig (§1 EstG i.V.m. § 8 und 9 AO)
Nun zu den Ausnahmen vom Grenzgängerstatus trotz Wohnsitz in Deutschland und Arbeitsstätte in der Schweiz.
Da gibt es natürlich zunächst die Ausnahme für leitende Angestellte aus § 15 Abs. 4 DBA sowie für Aufsichts- und Verwaltungsratsvergütungen ( § 16 DBA). Mitglied eines Aufsichts- und Verwaltungsrates sind sie offensichtlich nicht. Bleibt also nur die Möglichkeit des leitenden Angestellten. Hierbei müssten sie als Vorstandsmitglied,Direktor, Geschäftsführer oder Prokurist einer in dem anderen Vertragsstaat ansässigen Kapitalgesellschaft tätig und in das SHAB eingetragen sein. Dies ist ebenfalls nicht ersichtlich.
Somit bleibt ihnen nur die 60-Tage-Regel um in der Schweiz besteuert zu werden.
Zunächst wird vermutet, dass ein Grenzgänger regelmäßig nach Hause pendelt. Somit entfällt die Grenzgängereigenschaft, wenn der Arbeitnehmer an mehr als 60 Arbeitstagen auf Grund seiner Arbeitsausübung nicht an seinen Wohnsitz zurückkehren kann (Nichtrückkehrtage) oder aufgrund tatsächlicher Gegebenheiten ( Wegstrecke, Streckenzeit) an einem regelmäßigen Pendeln gehindert ist.
Grundvermutung ist aber, dass der Arbeitnehmer regelmäßig nach Arbeitsende nach Hause fährt.
Diese Vermutung wird aufgeweicht, wenn der deutsche Wohnsitz weiter als 110 km Fahrtstrecke oder 1,5 h Streckenzeit vom Arbeitsort entfernt ist. Je weiter sie also von der Schweiz weg wohnen, desto mehr spricht dieses gegen eine Grenzgängereigenschaft, weil vermutet wird, dass sie berufsbedingt gerade nicht pendeln können.
Die Vermutung wird auch dort erschüttert, wo der Arbeitgeber eine Unterkunft bezahlt. Dies liegt bei ihnen nicht vor, dennoch stellt beides (weite Entfernung und Unterkunftszahlung) ein Indiz dar, dass die Grenzgängereigenschaft mangels möglichen Pendelns nicht besteht.
So dann gibt es noch die Möglichkeit die Grenzgängereigenschaft zu verlieren, weil man mehr als 60-Tage berufsbedingt nicht nach Deutschland zurückkehrt. Es geht also hier um das Ansammeln von 60 Nächten in der Schweiz, die durch die Arbeit verursacht werden. Die Bestätigung, dass mehr als 60-Tage arbeitsbedingt in der Schweiz verbracht wurden, ist das vom Arbeitgeber auszufüllende Formular GR 3.
Dabei zählen jedoch nur berufsbedingte Übernachtungen und gerade keine Krankheitstage oder Freizeittage. Auch eine Rufbereitschaft genügt nicht für einen Nichtrückkehrtag, da dann gerichtlich davon ausgegangen wird, dass der Arbeitstag in einander überging, also nicht endete ( der Dienst durchgehend von einem Tag auf den anderen geleistet wurde). Auch Geschäftsreisen gelten nicht als Nichtrückkehrtage, sondern lediglich der letzte Tag kann hierzu gehören ( Ausnahmen nur für ins SHAB eingetragende Geschäftsführer, Vorsitzende und Prokuristen).
Ihnen wird also nichts weiter übrig bleiben, als sich auf ein Nichtpendeln einzuschießen, weil die Wegstrecke zu lang ist und ansonsten Nichtrückkehrtage zu sammeln. Nochmals: Als Nichtrückkehrtage gelten nur Arbeitstage, die im persönlichen Arbeitsvertrag des Arbeitnehmers vereinbart sind.
Ich würde ihnen hier auch empfehlen, beides parallel vorzubereiten und Belege hierfür zu sammeln. Die Kilometer-/ Wegstrecke ist zu leicht änderbar und ja auch nur ein Indiz, die Nichtrückkehrtage zusammen zu bekommen, gestaltet sich erfahrungsgemäß als schwierig.
Ohne den Wohnsitz (mit Familie) in die Schweiz zu verlegen wird es also sehr schwierig, aus dem Grenzgängerstatus herauszukommen.
Denn grundsätzlich ist der steuerrechtliche Wohnsitz der Lebensmittelpunkt an dem die sozialen Beziehungen gehalten werden, dies wird also dort vermutet, wo ihre Familie ( also Deutschland) lebt.
In ihrer Situation sehe ich nur die Möglichkeit für eine Distanz von Wohn- und Arbeitsort von 110 km zu sorgen. Auch eine benötigte Zeit von mehr als 1,5 Stunden zwischen beidem, kann ein Indiz sein. Sollten sie die Möglichkeit haben, hier noch relativ frei zu sein, so sollten sie darauf achten, dass beide Merkmale kumulativ vorliegen, also mehr als 1,5 Stunden Fahrzeit und 110 km zwischen beiden Orten liegen.
Daneben sollten sie berufsbedingte Übernachtungen in der Schweiz sammeln und sich von ihrem Arbeitgeber im Formular GR3 bestätigen lassen.
Sie sollten also 3-gleisig Fahren: Wegstrecke, Streckenzeit und 60-Tageregelung.
Andere Möglichkeiten sehe ich leider ohne Trennung von der Familie und ohne Komplettumzug in die Schweiz nicht.
arbeiten in der schweiz - Wo liegen dort die vor und nachteile.?
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