Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NStZ%202005,%20634
Timestamp: 2020-08-11 19:36:12
Document Index: 380603867

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 56', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 52', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 15.06.2005 - 2 StR 30/05 - dejure.org
https://dejure.org/2005,661
BGH, 15.06.2005 - 2 StR 30/05 (https://dejure.org/2005,661)
BGH, Entscheidung vom 15.06.2005 - 2 StR 30/05 (https://dejure.org/2005,661)
BGH, Entscheidung vom 15. Juni 2005 - 2 StR 30/05 (https://dejure.org/2005,661)
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Betrug im Lastschriftverfahren (konkludente Täuschung über Kreditbeschaffungsabsicht; schadensgleiche Vermögensgefährdung durch Zulassung zum Lastschriftverfahren); Beweiswürdigung (Einlassungen des Angeklagten)
Grundzüge des Lastschriftverfahrens im Fall der Beurteilung von Betrugsfällen; Schadensrisiko bei Lastschrifteinzugsermächtigungsverfahren; Betrug zum Nachteil der ersten Inkassostelle; Täuschung über den Nichtwiderruf einer Lastschrifteinzugsermächtigung; Widerruf von ...
Betrug gegenüber erster Inkassostelle bei "Lastschriftreiterei"
Betrug zum Nachteil einer Bank durch "Lastschriftreiterei" mit dem Ziel der Kreditbeschaffung
"Lastschriftreiterei" als Betrug
Betrug gegenüber erster Inkassostelle durch "Lastschriftreiterei"
Betrug durch Lastschriftreiterei (Jürgen Heinze; HRRS 10/2005, S. 349 ff.)
BGHSt 50, 147
NJW 2005, 3008
ZIP 2005, 1496
NStZ 2005, 634
StV 2005, 607
WM 2005, 2130
Über die funktional atypische Verwendung des Lastschriftverfahrens hinaus muss der einziehende Gläubiger mindestens damit rechnen, dass sein Schuldner dem Einzug widersprechen wird (vgl. auch BGH, Urteil vom 15.06.2005 - 2 StR 30/05).
Allgemein stellt das Lastschriftverfahren ein Instrument des bargeldlosen Zahlungsverkehrs dar, das im Gegensatz zur Giroüberweisung nicht vom Zahlenden, sondern vom Zahlungsempfänger in Gang gesetzt wird (vgl. BGH, Urteil vom 15. Juni 2005 - 2 StR 30/05, BGHSt 50, 147, 151 ff. mwN).
Indessen darf die Ausgestaltung des Lastschriftverfahrens nicht dazu ausgenutzt werden, das Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Gläubigers auf dessen Bank zu verlagern (vgl. BGHZ 74, 300, 308 ; BGHZ 74, 309, 313 f. ; BGH, Urteil vom 25. Juni 1979 - II ZR 253/78 - NJW 1979, 2146, 2147; BGH…, Urteil vom 27. November 1984 - II ZR 294/83 - aaO, S. 847 f.;BGHSt 50, 147, 155).
Es erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Widerspruchs erheblich, was für die beteiligten Kreditinstitute mit besonderen, deutlich über das mit dem Lastschriftverfahren zwangsläufig verbundene Risiko hinausgehenden Gefahren verbunden ist (vgl. BGHZ 74, 300, 308 ; BGH…, Urteil vom 25. Juni 1979 - II ZR 253/78 - aaO; BGHSt 50, 147, 155, 157;… van Gelder, aaO, § 56 Rn. 38;… Staub/Canaris, HGB, 4. Aufl., Fünfter Band, Rn. 604).
Lastschriftenreiterei mit dem Ziel einer Kreditbeschaffung durch Lastschriften, denen keine Forderungen zu Grunde liegen, ist mit dem Wesen des Lastschriftverfahrens generell nicht zu vereinbaren (vgl. Senat, Urteil vom 15. Juni 2005 - 2 StR 30/05, BGHSt 50, 147, 154 mwN).
Aber auch in Fällen, in denen auf Grund der Rückbuchung mit einem Debetsaldo zu rechnen ist, fehlt es an einer schadensgleichen Vermögensgefährdung, soweit ein aus dem Wegfall der Vorbehaltsgutschrift resultierender Ausgleichsanspruch der Bank anderweitig, etwa durch das Pfandrecht der Bank aus Nr. 14 AGB-Banken, gesichert ist oder seitens der Bank ohne Schwierigkeiten realisiert werden kann, weil der Kontoinhaber zum Ausgleich des Kontos willens und in der Lage ist (vgl. zum Lastschriftbetrug BGH, Urteil vom 15. Juni 2005 - 2 StR 30/05, BGHSt 50, 147, 154; Beschluss vom 24. August 2005 - 5 StR 221/05, wistra 2006, 20; vom 14. September 2010 - 4 StR 422/10, wistra 2010, 476; a.A. OLG Hamm NJW 1977, 1834, 1836).
Die Lastschriftvereinbarung und die einzelnen Online-Buchungen sind als eine Tat im Sinne des § 52 Abs. 1 StGB zu werten (vgl. dazu BGHSt 50, 147, 159 f.).
Danach war der Angeschuldigte als Kreditgeber und Vermittler über einen Zeitraum von etwas mehr als einem Jahr in ein sogenanntes "Lastschriftkarussell" als Mittäter eingebunden, bei dem die Banken der jeweiligen Kreditnehmer (erste Inkassostelle) konkludent darüber getäuscht wurden, dass der Lastschrifteinreichung durch die Kreditnehmer nicht ein übliches Umsatzgeschäft, sondern ein kurzfristiges Darlehen mit einem deutlich erhöhten Risiko des Widerrufs zu Grunde lag und dass der Zahlungsempfänger (= Kreditnehmer) im Zeitpunkt der Rücklastschriften, zahlungsunfähig war (vgl. BGH NJW 2005, 3008, 3010).
Die Bank des Zahlungsempfängers (Lastschriftgläubigers), die von diesem den Auftrag zum Lastschrifteinzug erhält und dem Lastschriftgläubiger eine Gutschrift über den Lastschriftbetrag erteilt, trägt grundsätzlich das Risiko, dass die Lastschrift von der Bank des Lastschriftschuldners - z.B. mangels Deckung auf dessen Konto - nicht eingelöst wird (BGH, NStZ 2005, 634).
In derartigen Fällen ist verfahrensrechtlich von einer einheitlichen Tat auszugehen (BGH NJW 2005, 3008, 3011; OLG Frankfurt NJW 2004, 2028, 2031; BGH NJW 2002, 905, 907).
BGH, 24.08.2005 - 5 StR 221/05
Betrug durch Unterlassen (Lastschriftreitereien und zu erwartender Widerruf; …
OLG München, 29.05.2007 - 19 U 2796/07
Lastschriften bei offensichtlichem Missbrauch nicht rückholbar