Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Altersdiskriminierung_BAG_8AZR906-07.html
Timestamp: 2020-07-02 08:26:47
Document Index: 219519675

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 6', '§ 6', '§ 5', '§ 1', '§ 7', '§ 10', '§ 15', '§ 10', '§ 10', '§ 5', '§ 15', '§ 8', '§ 10', '§ 10', '§ 5', '§ 15', '§ 15', '§ 81', '§ 81', '§ 6', '§ 6', '§ 15', '§ 7', '§ 1', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 15', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 10', '§ 8', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'Art. 6', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 3', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'Art. 6', '§ 10', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 15', '§ 1', '§ 3', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', 'Art. 3', '§ 15', '§ 253', '§ 253', '§ 611', '§ 611', '§ 611', 'BGH', '§ 15', '§ 15', '§ 254', '§ 611', '§ 6', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 15']

BAG, Urteil vom 22.01.2009, 8 AZR 906/07 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 22.01.2009, 8 AZR 906/07
Schlagworte: Diskriminierung: Alter, Diskriminierung: Rechte Betroffener
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Berlin, 25. April 2007, Az: 86 Ca 23363/06, Urteil Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg 15. Kammer, 19. September 2007, Az: 15 Sa 1144/07, Urteil
am 22. Ja­nu­ar 2009
Die Re­vi­si­on des be­klag­ten Lan­des und die An­schluss­re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 19. Sep­tem­ber 2007 - 15 Sa 1144/07 - wer­den zurück­ge­wie­sen.
Die am 31. Ja­nu­ar 1956 ge­bo­re­ne Kläge­rin war in der ehe­ma­li­gen DDR in ei­ner Kin­der­ta­gesstätte in Ber­lin/H tätig. In dem Ar­beits­ver­trag vom 21. März 2000 ver­ein­bar­ten die Kläge­rin und das be­klag­te Land ei­ne Über­nah­me der Kläge­rin vom Be­zirks­amt H von Ber­lin in den Be­reich des Be­zirks­am­tes T von Ber­lin mit Wir­kung vom 6. Fe­bru­ar 2000 für ei­ne Beschäfti­gung als Er­zie­he­rin. Das be­klag­te Land geht von ei­ner Beschäfti­gungs­zeit seit dem 14. Mai 1988 aus. In § 5 des Ar­beits­ver­tra­ges ist an­ge­ge­ben, dass die Kläge­rin in der VergGr. Vc der An­la­ge 1a zum BAT ein­grup­piert ist.
Das be­klag­te Land er­rich­te­te meh­re­re Ei­gen­be­trie­be, de­nen Kin­der­ta­gesstätten zu­ge­ord­net wur­den, ua. den Ei­gen­be­trieb „Kin­dergärten Ci­ty - Ei­gen­be­trieb von Ber­lin -“, der für die Kin­der­ta­gesstätten der Be­zir­ke M und F zuständig ist. Zu die­sen Kin­der­ta­gesstätten gehört die Kin­der­ta­gesstätte (Ki­ta) R Straße, in der die Kläge­rin als Er­zie­he­rin ar­bei­te­te.
Gemäß § 6 VV Aus­wahl er­folgt die Aus­wahl der Beschäftig­ten stich­tags­be­zo­gen nach den Kri­te­ri­en Le­bens­al­ter, Beschäfti­gungs­zei­ten, Un­ter­halts-
pflich­ten und Schwer­be­hin­de­rung, wo­bei je­dem die­ser Kri­te­ri­en be­stimm­te Punk­te zu­ge­ord­net wer­den.
Die VV Aus­wahl war Grund­la­ge für die Er­mitt­lung des Per­so­nalüber­hangs in den Kin­dergärten des Ei­gen­be­triebs Kin­dergärten Ci­ty. Die Geschäfts­lei­tung des Ei­gen­be­triebs Kin­dergärten Ci­ty fer­tig­te un­ter dem 26. Ok­to­ber 2006 ei­nen Ver­merk zur „Be­nen­nung von Er­zie­he­rin­nen und Mit­ar­bei­te­rin­nen in der Tätig­keit als Er­zie­he­rin­nen für den Per­so­nalüber­hang im Ei­gen­be­trieb Kin­dergärten Ci­ty zum 01.01.2007“. Dar­in leg­te die Geschäfts­lei­tung ua. Fol­gen­des fest:
8.2 Al­le Er­zie­he­rin­nen ab dem voll­ende­ten 40. Le­bens­jahr, die in die Vergütungs­grup­pe VIb/Vc ein­ge­reiht sind und die zwi­schen 100 v.H. und min­des­tens 76 v.H. der vol­len re­gel-mäßigen Ar­beits­zeit er­brin­gen. Für die­sen Per­so­nen­kreis wer­den die Kri­te­ri­en gem. § 6 VV Aus­wahl an­ge­wen­det. ...
8.3 Zur Si­cher­stel­lung ei­ner aus­ge­wo­ge­nen Per­so­nal­struk­tur wird die Aus­wahl­grup­pe gem. § 5 (2) VV-Aus­wahl auf den Per­so­nen­kreis der Er­zie­he­rin­nen ab dem voll­ende­ten 40. Le­bens-
jahr be­grenzt.“
Mit Schrei­ben vom 17. No­vem­ber 2006 in­for­mier­te das be­klag­te Land die Kläge­rin, dass sie ab dem 1. Ja­nu­ar 2007 dem Per­so­nalüber­hang zu-ge­ord­net wer­de. In ei­nem Schrei­ben des Zen­tra­len Per­so­nalüber­hang­ma­nage­ments vom 27. De­zem­ber 2006 wur­de der Kläge­rin die Ver­set­zung als Per­so­nalüber­hang­kraft in das Zen­tra­le Per­so­nalüber­hang­ma­nage­ment mit Wir­kung zum 1. Ja­nu­ar 2007 mit­ge­teilt. Seit die­sem Zeit­punkt wur­de sie zunächst kurz­fris­tig als Er­zie­he­rin in ver­schie­de­nen Kin­der­ta­gesstätten, teil­wei­se auch in pri­va­ten Kin­dergärten, ein­ge­setzt.
Mit ih­rer am 21. De­zem­ber 2006 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat die Kläge­rin zunächst die ge­richt­li­che Fest­stel­lung be­gehrt, sie sei nicht dem Per­so­nalüber­hang zu­ge­ord­net und dann am 4. Ja­nu­ar 2007 ih­re Kla­ge auf die ge­richt­li­che Fest­stel­lung er­wei­tert, dass die Ver­set­zung vom 27. De­zem­ber 2006 zum Zen­tra­len Per­so­nalüber­hang­ma­nage­ment un­wirk­sam sei. Mit Kla­ge­er­wei­te­rung vom 22. März 2007, beim Ar­beits­ge­richt am 23. März 2007 ein­ge­gan­gen und dem be­klag­ten Land am 3. April 2007 zu­ge­stellt, hat die Kläge­rin die Zah­lung ei­nes in das Er­mes­sen des Ge­rich­tes ge­stell­ten Schmer­zens­gel­des, wel­ches den Be­trag von 4.000,00 Eu­ro nicht un­ter­schrei­ten soll­te, ver­langt.
Die Kläge­rin hat die An­sicht ver­tre­ten, Ge­gen­stand ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge könne auch die Zu­ord­nung zum Per­so­nalüber­hang sein. Sie meint des Wei­te­ren, ihr ste­he ein Schmer­zens­geld in Höhe von min­des­tens 4.000,00 Eu­ro zu, da sie von dem be­klag­ten Land we­gen ih­res Al­ters dis­kri­mi­niert wor­den sei. Die Bil­dung der Aus­wahl­grup­pe für Er­zie­he­rin­nen ab dem voll­ende­ten 40. Le­bens­jahr sei rechts­wid­rig ge­we­sen und stel­le ei­ne Be­nach­tei­li­gung gemäß § 1 AGG in Ver­bin­dung mit § 7 AGG dar. Das be­klag­te Land ha­be
we­der dar­ge­legt, dass ei­ne ord­nungs­gemäße Aus­wahl zu ei­ner Übe­r­al­te­rung geführt hätte noch wel­che Per­so­nal­struk­tur nun­mehr durch die tatsächli­che Aus­wahl her­bei­geführt wor­den sei und war­um die­se zum Be­trieb der Kin­dergärten un­be­dingt er­for­der­lich sei. Al­lein die Verjüngung der Be­leg­schaft sei kein le­gi­ti­mes Ziel iSd. § 10 AGG. Da­mit ge­he auch kei­ne Ver­bes­se­rung der Per­so­nal­struk­tur ein­her. Für die Ent­ste­hung des gel­tend ge­mach­ten An­spruchs nach § 15 Abs. 2 AGG sei die Schwe­re der Ver­let­zung un­er­heb­lich. Die Vor­schrift ver­lan­ge kei­nen be­son­ders fest­zu­stel­len­den Scha­den. Es han­de­le sich um ei­ne ver­schul­dens­un­abhängi­ge Haf­tung. Bei der Höhe der Entschädi­gung sei zu berück­sich­ti­gen, dass sie ei­ner er­heb­li­chen Be­las­tung aus­ge­setzt wor­den sei. Sie ha­be sich von den zu be­treu­en­den Kin­dern und El­tern ver­ab­schie­den müssen. Auch schaue sie auf ei­ne un­ge­wis­se Zu­kunft und sei den Be­las­tun­gen des ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens aus­ge­setzt. Sie müsse sich von dem be­klag­ten Land vor­hal­ten las­sen, sie sei auf­grund ih­res Al­ters nicht mehr leis­tungsfähig und grundsätz­lich zu alt für ih­ren Be­ruf. Die Entschädi­gung müsse auch ge­eig­net sein, den Ar­beit­ge­ber ge­ne­rell von Dis­kri­mi­nie­run­gen die­ser Art ab­zu­hal­ten.
2. das be­klag­te Land zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ein in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stell­tes Schmer­zens­geld, wel­ches je­doch ei­nen Be­trag von 4.000,00 Eu­ro nicht un­ter­schrei­ten soll­te, nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 4. April 2007 zu zah­len.
Es be­haup­tet, im Ei­gen­be­trieb sei­en bis zu 80 Stel­len zu viel vor­han­den ge­we­sen. Da­her hätten 43 Er­zie­he­rin­nen mit der VergGr. VIb/Vc BAT ver­setzt wer­den müssen. Ein Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot lie­ge nicht vor. Die Aus­wahl der ver­setz­ten Beschäftig­ten sei nach § 10 AGG ge­recht­fer­tigt
ge­we­sen. Ein le­gi­ti­mes Ziel iSd. § 10 Satz 1 AGG sei die Si­cher­stel­lung ei­ner aus­ge­wo­ge­nen Per­so­nal­struk­tur, wo­zu auch de­ren Wie­der­her­stel­lung gehöre. Da je­de Kin­der­ta­gesstätte ei­ne ge­schlos­se­ne Ein­heit dar­stel­le, ha­be die So­zi­al­aus­wahl auf die­se Ein­heit be­schränkt wer­den müssen. Hier­durch ha­be auch er­reicht wer­den sol­len, dass für Kin­der und El­tern möglichst we­nig Be­zugs­per­so­nen wech­seln muss­ten. Zur Si­cher­stel­lung ei­ner aus­ge­wo­ge­nen Per­so­nal­struk­tur sei die Aus­wahl­grup­pe gemäß § 5 Abs. 2 VV Aus­wahl auf den Per­so­nen­kreis der Er­zie­her/in­nen ab dem voll­ende­ten 40. Le­bens­jahr be­grenzt wor­den. Ein be­son­de­res be­trieb­li­ches In­ter­es­se ha­be vor­ge­le­gen, da im Ei­gen­be­trieb Kin­dergärten Ci­ty das Durch­schnitts­al­ter der Er­zie­her/in­nen der VergGr. VIb/Vc bei 45 Jah­re ge­le­gen ha­be. Für ein aus­ge­wo­ge­nes Er­zie­hungs­an­ge­bot sei ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Al­ters­struk­tur der Be­treu­ungs­per­so­nen wich­tig. Ei­ne ein­sei­ti­ge Al­ters­struk­tur be­inhal­te für den Ei­gen­be­trieb er­heb­li­che Ri­si­ken, ins­be­son­de­re das zeit­na­he Aus­schei­den vie­ler Mit­ar­bei­te­rin­nen in im­mer kürze­ren Zeiträum­en und die da­mit erhöhte Wahr­schein­lich­keit von Be­zugs­per­so­nen­wech­seln in er­heb­li­cher Größen­ord­nung. Mit ei­ner Al­ters­struk­tur der Er­zie­he­rin­nen von über 45 Jah­ren sei die Auf­recht­er­hal­tung ei­nes ge­si­cher­ten Ki­ta-Be­trie­bes nicht möglich. Selbst dann, wenn von ei­ner Ver­let­zung des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­tes aus­ge­gan­gen würde, wäre ein Scha­dens­er­satz­an­spruch nicht ge­ge­ben. Nicht je­de Be­nach­tei­li­gung zie­he ei­nen im­ma­te­ri­el­len Scha­den nach sich. Ein sol­cher tre­te nur ein, wenn ei­ne ge­wis­se „Er­heb­lich­keits­schwel­le“ über­schrit­ten wor­den sei, zB durch Her­abwürdi­gung des Beschäftig­ten. Ei­ne Be­wer­tung der Per­so­nen­grup­pe sei mit der Aus­wah­l­ent­schei­dung je­doch nicht ver­bun­den ge­we­sen. Ein Entschädi­gungs­an­spruch würde fer­ner Ver­schul­den vor­aus­set­zen.
Das Ar­beits­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass die „Ver­set­zung der Kläge­rin vom 27.12.2006 zum 01.01.2007 zum Zen­tra­len Per­so­nal­ma­nage­ment (ZeP)“ un­wirk­sam ist und im Übri­gen die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt das be­klag­te Land ver­ur­teilt, an die Kläge­rin ei­ne Entschädi­gung in Höhe von 1.000,00 Eu­ro zu zah­len und die wei­ter­ge­hen­de Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on be­gehrt das be­klag­te Land die Wie­der-
her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils, so­weit die Kla­ge ab­ge­wie­sen wor­den ist. Mit der An­schluss­re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ih­re Fest­stel­lungs­kla­ge und die Kla­ge auf Schmer­zens­geld in Höhe von min­des­tens 4.000,00 Eu­ro wei­ter.
A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet: Der An­spruch auf Zah­lung ei­ner Entschädi­gung in Höhe von 1.000,00 Eu­ro er­ge­be sich aus § 15 Abs. 2 AGG. Das be­klag­te Land ha­be die über 40jähri­ge Kläge­rin un­mit­tel­bar be­nach­tei­ligt, in­dem es bei der Zu­ord­nung zum Per­so­nalüber­hang hin­sicht­lich der So­zi­al­aus­wahl nur Ar­beit­neh­mer/in­nen berück­sich­tigt ha­be, die das 40. Le­bens­jahr voll­endet hat­ten. Ei­ne Zulässig­keit der un­ter­schied­li­chen Be­hand­lung er­ge­be sich we­der aus § 8 AGG noch aus § 10 Satz 1 AGG. Es feh­le be­reits an ei­nem rechtmäßigen Ziel iSd. § 10 Satz 1 AGG. Die Ver­wal­tung ha­be sich in der Ausübung ih­res Er­mes­sens selbst durch Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten ge­bun­den. Der Ei­gen­be­trieb ha­be über § 5 Abs. 2 VV Aus­wahl hin­aus­ge­hend nicht ei­ne Si­che­rung, son­dern ei­ne Verände­rung in der Per­so­nal­struk­tur vor­neh­men wol­len. Selbst wenn aber die Her­beiführung ei­ner aus­ge­wo­ge­nen Per­so­nal­struk­tur grundsätz­lich ein le­gi­ti­mes Ziel wäre, wäre der Ar­beit­ge­ber dar­le­gungs- und be­weis­pflich­tig, wie die an­ge­streb­te Per­so­nal­struk­tur im Ein­zel­fal­le ha­be aus­se­hen sol­len, war­um ei­ne sol­che Per­so­nal­struk­tur ein le­gi­ti­mes Ziel dar­stel­le und wes­we­gen die er­grif­fe­nen Mit­tel an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sei­en. Die­se Dar­le­gung sei dem be­klag­ten Land nicht ge­lun­gen. Da das be­klag­te Land die So­zi­al­aus­wahl nicht auf den ge­sam­ten Ei­gen­be­trieb, son­dern le­dig­lich auf die je­wei­li­ge Kin­der­ta­gesstätte er­streckt ha­be, müsse auch die Per­so­nal­struk­tur in der je­wei­li­gen Kin­der­ta­ges-
stätte dar­ge­legt wer­den. In der Kin­der­ta­gesstätte, in der die Kläge­rin tätig ge­we­sen sei, sei die Per­so­nal­struk­tur fast aus­ge­gli­chen ge­we­sen. Fer­ner sei die be­haup­te­te Ge­fahr ei­ner nicht mehr kon­ti­nu­ier­li­chen Be­treu­ung der Kin­der nicht nach­voll­zieh­bar. Es könne da­hin­ste­hen, ob ein Entschädi­gungs­an­spruch nur be­ste­he, wenn ei­ne er­heb­li­che Dis­kri­mi­nie­rung vor­lie­ge, weil die Er­heb­lich­keits­gren­ze vor­lie­gend über­schrit­ten sei. Es könne auch of­fen blei­ben, ob die Entschädi­gungs­pflicht für Nicht­vermögensschäden ver­schul­dens­un­abhängig sei, da das be­klag­te Land die Kläge­rin fahrlässig dis­kri­mi­niert ha­be. Die Kläge­rin ha­be ih­ren Entschädi­gungs­an­spruch auch in­ner­halb der Fris­ten der §§ 15 Abs. 4 AGG, 61b Abs. 1 ArbGG gel­tend ge­macht. Die ge­gen die Zu­ord­nung zum Per­so­nalüber­hang ge­rich­te­te Fest­stel­lungs­kla­ge sei un­zulässig.
Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Kläge­rin die Höhe der von ihr be­gehr­ten Entschädi­gung, die sie als Schmer­zens­geld be­zeich­net, in das Er-mes­sen des Ge­richts ge­stellt hat. Nach § 15 Abs. 2 AGG kann ei­ne an-ge­mes­se­ne Entschädi­gung in Geld ver­langt wer­den. Dem Ge­richt wird da­mit hin­sicht­lich der Höhe der Entschädi­gung ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum ein­geräumt (vgl. BT-Drucks. 16/1780 S. 38). Steht dem Ge­richt ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum hin­sicht­lich der Entschädi­gungshöhe zu bzw. hängt die Be­stim­mung ei­nes Be­tra­ges vom bil­li­gen Er­mes­sen des Ge­rich­tes ab, ist ein un­be­zif­fer­ter Zah­lungs­an­trag zulässig. Die Kläge­rin muss al­ler­dings Tat­sa­chen, die das Ge­richt bei der Be­stim­mung des Be­tra­ges her­an­zie­hen soll, be­nen­nen und die Größen­ord­nung der gel­tend ge­mach­ten For­de­rung an­ge­ben (BAG 16. Sep­tem­ber 2008 - 9 AZR 791/07 - AP SGB IX § 81 Nr. 15 = EzA SGB IX § 81 Nr. 17). Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind erfüllt. Die Kläge­rin hat ei­nen Sach­ver­halt dar­ge­legt, der dem Ge­richt die Fest­set­zung der Höhe ei­ner Entschädi­gung ermöglicht und An­ga­ben zur Größen­ord­nung die­ser Entschädi­gung ge­macht.
b) Die Par­tei­en un­ter­fal­len dem persönli­chen An­wen­dungs­be­reich des AGG. Die Kläge­rin ist Beschäftig­te im Sin­ne des AGG, weil sie Ar­beit­neh­me­rin ist (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 AGG), und das be­klag­te Land ist Ar­beit­ge­ber im Sin­ne des
AGG, weil es die Kläge­rin als sei­ne Ar­beit­neh­me­rin beschäftigt (§ 6 Abs. 2 Satz 1 AGG).
a) Tat­be­stands­vor­aus­set­zung für ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 Satz 1 AGG ist ein Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot gemäß § 7 Abs. 1 iVm. § 1 AGG. Dies stellt zwar § 15 Abs. 2 AGG nicht aus­drück­lich klar, es er­gibt sich aber aus dem Ge­samt­zu­sam­men­hang der Be­stim­mun­gen in § 15 AGG (vgl. Voigt in Schleu­se­ner/Suckow/Voigt AGG 2. Aufl.
§ 15 Rn. 29; Bau­er/Göpfert/Krie­ger AGG 2. Aufl. § 15 Rn. 31; ErfK/Schlach­ter 9. Aufl. § 15 AGG Rn. 5; Däubler/Bertz­bach-Dei­nert 2. Aufl. § 15 Rn. 50; Mei­nel/Heyn/Herms AGG § 15 Rn. 36).
bb) Das be­klag­te Land, ver­tre­ten durch den Ei­gen­be­trieb Kin­dergärten Ci­ty, - Ei­gen­be­trieb von Ber­lin -, hat nach Durchführung ei­ner Aus­wahl zwi­schen meh­re­ren Er­zie­hern/Er­zie­he­rin­nen die Ent­schei­dung ge­trof­fen, die Kläge­rin dem Per­so­nalüber­hang zu­zu­ord­nen. Nach­fol­gend hat es die Kläge­rin mit Schrei­ben vom 27. De­zem­ber 2006 ab 1. Ja­nu­ar 2007 zum Zen­tra­len Per­so­nalüber­hang­ma­nage­ment (Stel­len­pool) ver­setzt.
Die­se Ver­set­zung nach § 1 Abs. 2 Satz 3 St­PG stellt ei­ne Maßnah­me bei der Durchführung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses iSd. § 2 Abs. 1 Nr. 2 AGG dar. Als „Maßnah­men“ sind sämt­li­che An­ord­nun­gen des Ar­beit­ge­bers, al­so bei­spiels­wei­se Wei­sun­gen, ein­sei­ti­ge Leis­tungs­be­stim­mun­gen, Ver­set­zun­gen und Um­set­zun­gen zu be­trach­ten (BT-Drucks. 16/1780 S. 31; vgl. auch Mei­nel/Heyn/Herms AGG § 2 Rn. 30). Durch die „Ver­set­zung“ iSd. § 1 Abs. 2 Satz 3 St­PG wird die für den Ar­beit­neh­mer zuständi­ge Dienst­stel­le geändert. Dienst­kräfte, die zum Zen­tra­len Per­so­nalüber­hang­ma­nage­ment (Stel­len­pool) ver­setzt wer­den, müssen auf­grund der die­ser Behörde gemäß § 2 St­PG ob­lie­gen­den Auf­ga­ben da­mit rech­nen, dass sie nicht mehr auf ih­rem bis­he­ri­gen Ar­beits­platz tatsächlich ein­ge­setzt wer­den, sie zu Über­g­angseinsätzen her­an­ge­zo­gen oder auf ei­ne freie Stel­le bei ei­ner an­de­ren Dienst­stel­le ver­mit­telt wer­den. Die Ver­set­zung iSd. § 1 Abs. 2 Satz 3 St­PG, die auf der Zu­ord­nung zum Per­so­nalüber­hang be­ruht, stellt dem­nach ei­ne An­ord­nung dar, die sich auf das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin aus­wirkt.
Die Kläge­rin hat zu an­de­ren Er­zie­he­rin­nen in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on we­gen ih­res Al­ters ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung er­fah­ren. Ih­re Ver­set­zung er­folg­te auf­grund der von dem Ei­gen­be­trieb vor­ge­nom­me­nen Zu­ord­nung zum Per­so­nalüber­hang, wel­che wie­der­um auf der von dem Ei­gen-be­trieb durch­geführ­ten Aus­wah­l­ent­schei­dung be­ruh­te. Für die Aus­wahl der Kläge­rin war de­ren Le­bens­al­ter maßgeb­li­cher An­knüpfungs­punkt. Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts wur­de die Kläge­rin, die das vier­zigs­te Le­bens­jahr voll­endet hat­te, mit 48 So­zi­al­punk­ten nach der VV Aus­wahl aus­gewählt, ob­wohl min­des­tens sie­ben Ar­beit­neh­me­rin­nen mit 31 bis 42 So­zi­al­punk­ten al­lein des­we­gen nicht berück­sich­tigt wur­den, weil sie jünger als vier­zig Jah­re wa­ren.
Da für ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG die we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des er­folgt sein muss, ist ein Kau­sal­zu­sam­men­hang er­for­der­lich. Die­ser ist dann ge­ge­ben, wenn die Be­nach­tei­li­gung an ei­nen in § 1 AGG ge­nann­ten oder meh­re­re der in § 1 AGG ge­nann­ten Gründe an­knüpft oder da­durch mo­ti­viert ist (BT-Drucks. 16/1780 S. 32). Aus­rei­chend ist fer­ner, dass ein in § 1 AGG ge­nann­ter Grund Be­stand­teil ei­nes Mo­tivbündels ist, das die Ent­schei­dung be­ein­flusst hat (Schleu­se­ner in Schleu­se­ner/Suckow/Voigt AGG 2. Aufl. § 3 Rn. 11;
Mei­nel/Heyn/Herms AGG § 3 Rn. 7; Däubler/Bertz­bach-Schra­der/Schu­bert 2. Aufl. § 3 Rn. 37).
§ 10 Satz 1 AGG lässt un­ge­ach­tet des § 8 AGG ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen Al­ters zu, wenn sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist. Nach § 10 Satz 2 AGG müssen die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein. Die Recht-fer­ti­gungs­gründe wer­den in § 10 Satz 1 und 2 AGG zunächst in Form ei­ner Ge­ne­ral­klau­sel um­schrie­ben. § 10 Satz 3 AGG zählt dann sechs An­wen­dungsfälle auf. Da­bei macht das Wort „ins­be­son­de­re“ deut­lich, dass es sich nicht um ei­nen ab­sch­ließen­den Ka­ta­log, son­dern um Bei­spielfälle han­delt (Voigt in Schleu­se­ner/Suckow/Voigt AGG 2. Aufl. § 10 Rn. 11; Mei­nel/Heyn/Herms AGG § 10 Rn. 13; Ka­man­ab­rou RdA 2006, 321, 330).
Auch die Vor­aus­set­zun­gen der Ge­ne­ral­klau­sel in § 10 Satz 1 und 2 AGG für ei­ne Recht­fer­ti­gung der un­ter­schied­li­chen Be­hand­lung we­gen des Al­ters lie­gen nicht vor. § 10 Satz 1 AGG er­laubt ei­ne un­ter­schied­li­che Be-
hand­lung we­gen des Al­ters, wenn sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen so­wie durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist. Da­bei müssen die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein, § 10 Satz 2 AGG.
Zum Teil wird ver­tre­ten, dass un­ter ei­nem „le­gi­ti­men Ziel“ nur Ge­mein-wohl­in­ter­es­sen zu ver­ste­hen sind (zB Wie­de­mann/Thüsing NZA 2002, 1234, 1237 be­zo­gen auf die Aus­le­gung von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG; v. Ro­et­te­ken AGG Stand Ja­nu­ar 2009 § 10 Rn. 16 ff. mwN). Zum Teil wird an-ge­nom­men, ei­ne Recht­fer­ti­gung der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung sei nur dann zu-lässig, wenn es sich um ein Ziel han­de­le, das der Ge­setz­ge­ber ei­ner Norm zu­grun­de ge­legt ha­be (Däubler/Bertz­bach-Brors 2. Aufl. § 10 Rn. 21 mwN). Die Vor­schrift sei nicht da­hin aus­zu­le­gen, dass mit dem le­gi­ti­men Ziel al­le nicht ge­setz­lich ver­bo­te­nen Zie­le ge­meint sei­en. Grei­fe der Ge­setz­ge­ber ein sol­ches Ziel nor­ma­tiv auf, ge­be er aber zu er­ken­nen, dass es sich zu­min­dest auch um ein Ge­mein­wohl­in­ter­es­se han­de­le (Däubler/Bertz­bach-Brors 2. Aufl. § 10 Rn. 21; Wal­ter­mann NZA 2005, 1265, 1267).
Von an­de­ren wird ver­tre­ten, dass „le­gi­ti­me Zie­le“ auch die in­di­vi­du­el­len - pri­va­ten - In­ter­es­sen des Un­ter­neh­mens sein können (zB König ZESAR 2005, 218, 220; Mei­nel/Heyn/Herms AGG § 10 Rn. 18; Ka­man­ab­rou RdA 2006, 321, 329; HWK/An­nuß/Rupp 3. Aufl. § 10 AGG Rn. 2; ErfK/Schlach­ter 9. Aufl. § 10 AGG Rn. 2; Wen­de­ling-Schröder in Wen­de­ling-Schröder/St­ein AGG § 10 Rn. 6
ff.) oder dass grundsätz­lich auch un­ter­neh­mens­be­zo­ge­ne In­ter­es­sen ein le­gi­ti­mes Ziel dar­stel­len können, wo­bei al­ler­dings zwin­gend not­wen­dig sei, dass ei­ne hin­rei­chen­de Be­zie­hung zum Merk­mal Al­ter be­ste­he und die Ziel­set­zung sich im Rah­men des na­tio­na­len Rechts be­we­ge (so Voigt in Schleu­se­ner/Suckow/Voigt AGG 2. Aufl. § 10 Rn. 16). Ver­tre­ten wird auch, dass ein „le­gi­ti­mes Ziel“ je­des Ziel sei, das sich an der Förde­rung von Ar­beit­neh­mern in „kri­ti­schen Al­ters­si­tua­tio­nen“ ori­en­tie­re (so Bau­er/Göpfert/Krie­ger AGG 2. Aufl. § 10 Rn. 21).
Die Be­deu­tung der in § 10 Satz 1 AGG ge­nann­ten Be­grif­fe „ob­jek­tiv“ und „an­ge­mes­sen“ und de­ren Verhält­nis zu dem „le­gi­ti­men Ziel“ wird in der Li­te­ra­tur un­ter­schied­lich dar­ge­stellt. So wer­den die Be­grif­fe „ob­jek­tiv“ und „an­ge­mes­sen“ auf die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung be­zo­gen und aus­geführt, es sei un­klar, was ge­nau un­ter ei­ner ob­jek­ti­ven und an­ge­mes­se­nen Dif­fe­ren­zie­rung zu ver­ste­hen sei, durch die Ein­gren­zung wer­de aber deut­lich, dass nicht ge­ne­rell je­de Dif­fe­ren­zie­rung, auch wenn hier­zu ein le­gi­ti­mes Ziel vor­lie­gen mag, ge­recht­fer­tigt sein könne, sub­jek­ti­ve, willkürli­che Dif­fe­ren­zie­run­gen würden zu­min­dest aus­ge­schlos­sen (so Mei­nel/Heyn/Herms AGG § 10 Rn. 17). Als „ob­jek­tiv“ wird ein Ziel be­zeich­net, wenn es nicht nur auf sub­jek­ti­ven Vor­stel­lun­gen des Rechts­an­wen­ders be­ru­he, son­dern sich zu­min­dest an­hand von In­di­zi­en be­leg­bar auch in der Wirk­lich­keit fin­de, dem Be­griff „an­ge­mes­sen“ kom­me da­ne­ben kein ei­ge­ner aus­le­gungs­bedürf­ti­ger Wert zu (so Bau­er/Göpfert/Krie­ger AGG 2. Aufl. § 10 AGG Rn. 21). Teil­wei­se wer­den die in § 10 Satz 1 AGG ver­wen­de­ten Be­grif­fe „ob­jek­tiv“ und „an-ge­mes­sen“ nicht ge­son­dert auf­ge­grif­fen, wo­bei al­ler­dings ver­tre­ten wird, dass die Vor­aus­set­zun­gen der Aus­nah­me gemäß § 10 AGG den­je­ni­gen, die zur Recht­fer­ti­gung ei­ner mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung gemäß § 3 Abs. 2 AGG ver­langt wer­den, ent­spre­chen (ErfK/Schlach­ter 9. Aufl. § 10 AGG Rn. 1). Fer­ner wird ver­tre­ten, die For­mu­lie­rung „ob­jek­tiv“ in § 10 Satz 1 AGG deu­te dar­auf hin, dass nur be­leg­ba­re, nach­voll­zieh­ba­re Erwägun­gen ei­ne Un­gleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen könn­ten, nicht aber bloße Ver­mu­tun­gen oder sub­jek­ti­ve Einschätzun­gen. Man müsse ver­lan­gen, dass sol­che In­di­vi­dual­in­ter­es­sen des Un­ter­neh­mens in der Wer­tig­keit den in der Richt­li­nie ge­nann­ten Bei­spie­len
Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung gleich­kom­men. § 10 Satz 1 und Satz 2 AGG ver­lan­ge ei­ne dop­pel­te An­ge­mes­sen­heits­prüfung, nämlich schon bei der Ziel­set­zung und so­dann bei der Um­set­zung. Selbst wenn das Ziel als sol­ches le­gi­tim sei, sei das Maß der Un­gleich­be­hand­lung, dh. der Dif­fe­ren­zie­rung mit dem ge­setz­li­chen Ziel des Dis­kri­mi­nie­rungs­schut­zes ab­zuwägen (Voigt in Schleu­se­ner/Suckow/Voigt AGG 2. Aufl. § 10 Rn. 17 f.). Un­ter Be­zug­nah­me auf die Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 22. No­vem­ber 2005 (- C-144/04 - [Man­gold] Slg. 2005, I-9981) wird teil­wei­se an­ge­nom­men, die Be­grif­fe ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen bezögen sich di­rekt auf die Le­gi­ti­mität des Zie­les. Nicht al­le denk­ba­ren le­gi­ti­men Zie­le könn­ten „au­to­ma­tisch“ als ob­jek­ti­ve und an­ge­mes­se­ne Recht­fer­ti­gung an­er­kannt wer­den (Wen­de­ling-Schröder in Wen­de­ling-Schröder/St­ein AGG § 10 Rn. 9; Wen­de­ling-Schröder NZA 2007, 1399, 1401). In ähn­li­cher Wei­se wird ver­tre­ten, die auf dem un­ter­neh­me­ri­schen Kon­zept be­ru­hen­de Be­nach­tei­li­gung müsse nicht nur verhält­nismäßig, son­dern auch ob­jek­tiv ge­recht­fer­tigt sein, wo­bei es na­he­lie­gend sei, dass ein bloß auf sub­jek­ti­ven Vor­stel­lun­gen des Un­ter­neh­mers be­ru­hen­des Kon­zept nicht aus­rei­che; es dürfe zu­min­dest nicht willkürlich oder of­fen­sicht­lich miss­bräuch­lich sein (HWK/An­nuß/Rupp 3. Aufl. § 10 AGG Rn. 2). Un­ter der Prämis­se, dass nur ge­setz­lich nor­mier­te Gründe le­gi­ti­me Zie­le sein könn­ten, wird ver­tre­ten, es müsse ein sach­li­cher, dh. ob­jek­ti­vier­ba­rer Dif­fe­ren­zie­rungs­grund vor­lie­gen, der eben nicht nur im „Al­ter“ be­ste­he. Das Ziel sei an­ge­mes­sen, wenn es zu­min­dest eben­so ge­wich­tig wie der Dis­kri­mi­nie­rungs­schutz sei (Däubler/Bertz­bach-Brors 2. Aufl. § 10 Rn. 30 ff.).
Be­griff „le­gi­tim“ hat so­wohl die Be­deu­tung „rechtmäßig“, „ge­setz­lich an­er­kannt“ als auch „ge­recht­fer­tigt“, „ver­tret­bar“ (so Wah­rig Deut­sches Wörter­buch 8. Aufl.) bzw. „im Rah­men be­ste­hen­der Vor­schrif­ten er­fol­gend“, „ge­setz­lich“, „recht-mäßig“, aber auch „verständ­lich“, „ver­tret­bar“ (so Du­den Das Be­deu­tungswörter­buch 3. Aufl. ) oder „ge­setz­lich an­er­kannt“, „rechtmäßig“, aber auch „be­rech­tigt“, „be­gründet“, „all­ge­mein an­er­kannt ver­tret­bar“ (so Du­den Fremdwörter­buch 9. Aufl.). Der Wort­laut lässt da­mit auch die Aus­le­gung zu, dass grundsätz­lich al­le an­er­ken­nens­wer­ten In­ter­es­sen für ei­ne Recht­fer­ti­gung der un­ter­schied­li­chen Be­hand­lung we­gen des Al­ters her­an­ge­zo­gen wer­den können. Aus dem Ge­samt­zu­sam­men­hang des § 10 AGG er­gibt sich, dass mit le­gi­ti­men Zie­len nicht nur Zie­le im All­ge­mein­in­ter­es­se ge­meint sind. Dies folgt ua. dar­aus, dass es sich bei den in § 10 Satz 3 Nr. 1 bis 6 AGG ge­nann­ten Zie­len nicht aus­sch­ließlich um im All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­de han­delt. Dies gilt zB für die Fest­le­gung von Min­dest­an­for­de­run­gen an das Al­ter, die Be­rufs­er­fah­rung und das Dienst­al­ter für be­stimm­te mit der Beschäfti­gung ver­bun­de­ne Vor­tei­le (Nr. 2) bzw. für die Fest­set­zung ei­nes Höchst­al­ters für die Ein­stel­lung auf Grund der spe­zi­fi­schen Aus­bil­dungs­an­for­de­run­gen ei­nes be­stimm­ten Ar­beits­plat­zes oder auf Grund der Not­wen­dig­keit ei­ner an­ge­mes­se­nen Beschäfti­gungs­zeit vor dem Ein­tritt in den Ru­he­stand (Nr. 3). Dass der Ge­setz­ge­ber im Zu­sam­men­hang mit der Be­stim­mung le­gi­ti­mer Zie­le nicht nur von der Ver­wirk­li­chung staat­lich de­fi­nier­ter Ge­mein­wohl­be­lan­ge aus­ging, son­dern so­gar vor­ran­gig die Si­tua­ti­on des ein­zel­nen Un­ter­neh­mens und der Bran­che im Blick hat­te, er­gibt sich auch aus der Be­gründung des AGG. Dort heißt es: „Die Le­gi­ti­mität ei­nes Zie­les ist un­ter Berück­sich­ti­gung der fach­lich-be­ruf­li­chen Zu­sam­menhänge aus Sicht des Ar­beit­ge­bers oder der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu be­ur­tei­len. Dies können auch Zie­le sein, die über die Si­tua­ti­on ei­nes ein­zel­nen Un­ter­neh­mens oder ei­ner Bran­che hin­aus­ge­hen und von all­ge­mei­nem In­ter­es­se sind, wie et­wa Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt oder be­ruf­li­che Bil­dung.“ (BT-Drucks. 16/1780 S. 36).
Den Be­grif­fen „ob­jek­tiv“ und „an­ge­mes­sen“ kommt fol­gen­de Be­deu­tung zu: Es ist zu prüfen, ob das ver­folg­te In­ter­es­se auf tatsächli­chen und nach-voll­zieh­ba­ren Erwägun­gen be­ruht und ob die Un­gleich­be­hand­lung nicht nur auf­grund von bloßen Ver­mu­tun­gen oder sub­jek­ti­ven Einschätzun­gen vor-ge­nom­men wird (Be­griff „ob­jek­tiv“). Fer­ner ist ei­ne Verhält­nismäßig­keitsprüfung vor­zu­neh­men. Da­nach muss das ver­folg­te Ziel in ei­nem an­ge­mes­se­nen Verhält­nis zu der Un­gleich­be­hand­lung ste­hen (Be­griff „an­ge­mes­sen“). Dafür ist ei­ne Abwägung zwi­schen dem Schutz vor Un­gleich­be­hand­lung und dem ver­folg­ten Ziel vor­zu­neh­men. Die Un­gleich­be­hand­lung muss letzt­lich durch das ver­folg­te Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt sein (vgl. auch BAG 11. April 2006 - 9 AZR 528/05 - zu Art. 6 RL 2000/78/EG, NZA 2006, 1217). Da­ne­ben ist gemäß § 10 Satz 2 AGG zu prüfen, ob auch die ein­ge­setz­ten Mit­tel zur Er­rei­chung des Ziels verhält­nismäßig sind (vgl. EuGH 22. No­vem­ber 2005 - C-144/04 - [Man­gold] Slg. 2005, I-9981 und 16. Ok­to­ber 2007 - C-411/05 - [Pa­la­ci­os de la Vil­la] Slg. 2007, I-8531; BAG 11. April 2006 - 9 AZR 528/05 - aaO).
Der EuGH ist be­reits in sei­ner Ent­schei­dung vom 8. No­vem­ber 1990 (- C-177/88 - [Dek­ker] Slg. 1990, I-3941) zu der Richt­li­nie 76/207/EWG da­von aus­ge­gan­gen, dass die­se die Haf­tung des Ur­he­bers ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung kei­nes­wegs vom Nach­weis ei­nes Ver­schul­dens oder vom Feh­len ei­nes Recht­fer­ti­gungs­grun­des abhängig macht. In der Ent­schei­dung vom 22. April 1997 (- C-180/95 - [Draehm­pa­ehl] Slg. 1997, I-2195) führt der EuGH aus, dass dann wenn sich ein Mit­glied­staat dafür ent­schei­det, den Ver­s­toß ge­gen das Ver­bot der Un­gleich­be­hand­lung mit der Sank­ti­on ei­ner Entschädi­gung zu be­le­gen, der Ver­s­toß ge­gen das Ver­bot der Un­gleich­be­hand­lung für sich ge­nom­men aus­rei­chen muss, um die vol­le Haf­tung sei­nes Ur­he­bers aus­zulösen, oh­ne dass die im na­tio­na­len Recht vor­ge­se­he­nen Recht­fer­ti­gungs­gründe berück­sich­tigt
spruch tre­ten. Die­se Aus­le­gungs­gren­ze steht in Übe­rein­stim­mung mit der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs. Die­ser hat mehr­fach aus-geführt, das in­ner­staat­li­che Ge­richt ha­be das na­tio­na­le Ge­setz un­ter vol­ler Ausschöpfung des Be­ur­tei­lungs­spiel­raums, den ihm das na­tio­na­le Recht einräume, und „so­weit wie möglich“ richt­li­ni­en­kon­form aus­zu­le­gen (vgl. BAG 30. März 2004 - 1 AZR 7/03 - BA­GE 110, 122 mwN mit Ver­weis auf EuGH 10. April 1984 - Rs. 14/83 - [v. Col­son und Ka­mann] Slg. 1984, I-1891; 26. Sep­tem­ber 1996 - C-168/95 - [Ar­ca­ro] Slg. 1996, I-4705; 27. Ju­ni 2000 - C-240/98 bis C-244/98 - [Ocea­no Gru­po Edi­to­ri­al und Sal­vat Edi­to­res] Slg. 2000, I-4941).
des Persönlich­keits­rechts vor­aus (vgl. Mei­nel/Heyn/Herms AGG § 15 Rn. 37 mwN), je­den­falls nicht in der Wei­se, dass es zu ei­ner Her­abwürdi­gung der Per­son ge­kom­men sein muss. Ei­ne sol­che In­ter­pre­ta­ti­on wi­derspräche fer­ner dem Sinn und Zweck des Ge­set­zes. Gemäß § 1 AGG ist Ziel des Ge­set­zes, die Be­nach­tei­li­gung aus den dort ge­nann­ten Gründen zu ver­hin­dern oder zu be-sei­ti­gen. In § 3 Abs. 1 und Abs. 2 AGG wer­den die Be­grif­fe „un­mit­tel­ba­re“ und „mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung“ de­fi­niert. Die dor­ti­gen Be­griffs­be­stim­mun­gen zei­gen, dass ei­ne Be­nach­tei­li­gung nicht erst dann vor­liegt, wenn es zu ei­ner Her­abwürdi­gung des Beschäftig­ten oder zu ei­ner schwer­wie­gen­den Ver­let­zung des­sen Persönlich­keits­rechts kommt (vgl. Mei­nel/Heyn/Herms AGG § 15 Rn. 37; Voigt in Schleu­se­ner/Suckow/Voigt AGG 2. Aufl. § 15 Rn. 29; Däubler/Bertz­bach-Dei­nert 2. Aufl. § 15 Rn. 50).
dd) Der Ein­wand des be­klag­ten Lan­des, die Not­wen­dig­keit ei­ner Er­heb­lich­keits­schwel­le für ei­nen An­spruch aus § 15 Abs. 2 AGG sei je­den­falls dann zu be­ja­hen, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­ne öffent­lich-recht­li­che Körper­schaft sei, ist nicht durch­schla­gend. Er ist we­der mit Art. 3 Abs. 1 GG noch mit den eu­ro­pa-recht­li­chen Vor­ga­ben ver­ein­bar. Es ist im Übri­gen auch nicht nach­voll­zieh­bar, wes­halb bei ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Körper­schaft, die sich nicht ge­set­zes-treu ver­hal­ten und ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot ver­s­toßen hat, das Er­for­der­nis ei­ner Sank­ti­on ge­rin­ger sein soll als bei ei­ner Per­son des Pri­vat-rechts.
aa) § 15 Abs. 2 AGG ent­spricht § 253 BGB. Dies be­deu­tet, dass dem Ge­richt ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum bzgl. der Höhe der Entschädi­gung ein­geräumt wird, um bei der Prüfung der An­ge­mes­sen­heit der Entschädi­gung die Be­son­der­hei­ten je­des ein­zel­nen Fal­les berück­sich­ti­gen zu können. Hängt die Höhe des Entschädi­gungs­an­spruchs von ei­nem Be­ur­tei­lungs­spiel­raum ab, ist die Be­mes­sung des Entschädi­gungs­an­spruch grundsätz­lich Auf­ga­be des Tatrich­ters (Se­nat 25. Ok­to­ber 2007 - 8 AZR 593/06 - zu ei­nem Schmer­zens­geld­an­spruch nach § 253 Abs. 2 BGB, AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 6 = EzA BGB 2002 Persönlich­keits­recht Nr. 7; 16. Mai 2007 - 8 AZR 709/06 - BA­GE 122, 304 = AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 5 = EzA BGB 2002 § 611
Persönlich­keits­recht Nr. 6). Die Fest­set­zung der an­ge­mes­se­nen Entschädi­gung ob­liegt dem­nach nur ei­ner ein­ge­schränk­ten Über­prüfung durch das Re­vi­si­ons­ge­richt. Da­bei ist re­vi­si­ons­recht­lich zu über­prüfen, ob das Ur­teil das Bemühen um ei­ne an­ge­mes­se­ne Berück­sich­ti­gung al­ler maßgeb­li­chen Umstände er­ken­nen lässt und ob es ge­gen Rechtssätze, Denk­ge­set­ze und Er­fah­rungssätze ver­s­toßen hat (BGH 12. Mai 1998 - VI ZR 182/97 - NJW 1998, 2741).
Voigt AGG 2. Aufl. § 15 Rn. 51; St­ein in Wen­de­ling-Schröder/St­ein AGG § 15 Rn. 39).
Zu Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt auf die Aus­wir­kun­gen der von dem be­klag­ten Land aus­ge­spro­che­nen Ver­set­zung für die Kläge­rin ab­ge­stellt. Nicht zu be­an­stan­den ist, wenn das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Aus­wir­kun­gen der Ver­set­zung zum Zen­tra­len Per­so­nalüber­hang­ma­nage­ment (Stel­len­pool) als er­heb­lich für die Kläge­rin an­ge­se­hen hat. In die­sem Zu­sam­men­hang ist oh­ne Be­deu­tung, dass die Ver­set­zungs­an­ord­nung we­gen Ver­s­toßes ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot un­wirk­sam war, weil das be­klag­te Land die Kläge­rin über ei­nen nicht un­er­heb­li­chen Zeit­raum so be­han­delt hat, als sei sie wirk­sam zum Stel­len­pool ver­setzt wor­den. Die Un­wirk­sam­keit der Maßnah­me führt we­der zu ei­nem Ent­fal­len des Entschädi­gungs­an­spruchs noch zu ei­ner Min­de­rung. Zu­tref­fend hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt auch den Ver­schul­dens-grad in die Abwägung ein­be­zo­gen. Sei­ne An­nah­me, das be­klag­te Land ha­be fahrlässig ge­han­delt, hält eben­falls ei­ner re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung stand. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den recht­li­chen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum, ob ein Ver­schul­den und wel­cher Grad des Ver­schul­dens vor­liegt, nicht über-schrit­ten (vgl. zum Über­prüfungs­maßstab hin­sicht­lich des Ver­schul­dens und der ein­zel­nen Ar­ten des Ver­schul­dens Se­nat 18. Ja­nu­ar 2007 - 8 AZR 250/06 - AP BGB § 254 Nr. 15 = EzA BGB 2002 § 611 Ar­beit­neh­mer­haf­tung Nr. 2). Das be­klag­te Land hätte oh­ne Wei­te­res er­ken­nen können und müssen, dass durch die Ent­schei­dung, pau­schal al­le Ar­beit­neh­mer mit der Vergütungs­grup­pe VIb/Vc, die das vier­zigs­te Le­bens­jahr noch nicht voll­endet hat­ten, aus dem Aus­wahl­kreis her­aus­zu­neh­men und bei den an­de­ren Ar­beit­neh­mern die Kri­te­ri­en nach § 6 VV Aus­wahl an­zu­wen­den, nicht ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Per­so­nal­struk­tur (we­der be­zo­gen auf die ein­zel­nen Kin­dergärten noch be­zo­gen auf den ge­sam­ten Ei­gen­be­trieb) er­reicht wer­den kann, son­dern dies le­dig­lich zu ei­ner Stärkung der Grup­pe der un­ter Vier­zigjähri­gen führt. Schwie­ri­ge Rechts-
3. Die Kläge­rin hat die Frist zur Gel­tend­ma­chung des An­spruchs nach § 15 Abs. 2 AGG ge­wahrt. Nach § 15 Abs. 4 Satz 1 AGG muss der An­spruch in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den, wenn Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht et­was an­de­res ver­ein­bart ha­ben. Die Frist be­ginnt im Fal­le ei­ner Be­wer­bung oder ei­nes be­ruf­li­chen Auf­stiegs mit dem Zu­gang der Ab­leh­nung und in den sons­ti­gen Fällen ei­ner Be­nach­tei­li­gung zu dem Zeit­punkt, in dem der Beschäftig­te von der Be­nach­tei­li­gung Kennt­nis er­langt (§ 15 Abs. 4 Satz 2 AGG). Die Kläge­rin hat mit Schrei­ben vom 18. Ja­nu­ar 2007 ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG gel­tend ge­macht, in­dem sie ein Schmer­zens­geld ver­langt hat. Die Gel­tend­ma­chung ei­ner be­stimm­ten Entschädi­gungshöhe ist da­bei nicht er­for­der­lich (vgl. BAG 12. Sep­tem­ber 2006 - 9 AZR 807/05 - zu § 81 Abs. 2 SGB IX aF, BA­GE 119, 262 = AP SGB IX § 81 Nr. 13 = EzA SGB IX § 81 Nr. 14). Kennt­nis von der Be­nach­tei­li­gung be­deu­tet, Kennt­nis von den an­spruchs­be­gründen­den Tat­sa­chen (Bau­er/Göpfert/Krie­ger AGG 2. Aufl. § 15 Rn. 51; Mei­nel/Heyn/Herms
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