Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Personenbedingte-Kuendigung_LAG-Duesseldorf_11Sa535-06.html
Timestamp: 2017-08-22 18:41:39
Document Index: 136022162

Matched Legal Cases: ['§ 3', 'Art 4', '§ 4', '§ 35', '§ 626', '§ 1', '§ 6', '§ 7', '§ 6', '§ 6', '§ 3', '§ 4', '§ 626', '§ 1', '§ 1', '§ 80', '§ 297', '§ 3', '§ 4', '§ 13', '§ 626', '§ 20', '§ 626', '§ 626', '§ 123', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 1', '§ 626', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 1', '§ 6', '§ 1', '§ 3', 'Art. 4', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 3', 'Art. 12', '§ 1', 'Art. 12', '§ 3', '§ 35', '§ 13', '§ 13', '§ 13', 'BGH', '§ 91', '§ 35', '§ 3', '§ 4', '§ 57', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 35', '§ 41', '§ 43', '§ 242', '§ 1', '§ 1', '§ 20', '§ 611', '§ 615', '§ 615', '§ 611', '§ 611', '§ 615', '§ 626', '§ 611', '§ 615', '§ 293', '§ 294', '§ 295', '§ 296', '§ 296', '§ 615', '§ 1', '§ 615', '§ 297', '§ 296', '§ 288', '§ 284', '§ 614', '§ 362', '§ 91', '§ 64', '§ 72', '§ 72', '§ 72']

Schlag­worte: Kündigung: Personenbedingt
Akten­zeichen: 11 Sa 535/06
Ent­scheid­ungs­datum: 24.08.2006
1. §§ 3 und 4 der Ver­ord­nung über den Be­trieb von Kraft­fahr­un­ter­neh­men im Per­so­nen­ver­kehr (BO­Kraft) vom 21.06.1975 (BGBl. S. 1573), zu­letzt geändert durch Art 4 der VO vom 22.01.2004 (BGBl. I 2004, S. 117), ent­hal­ten kei­ne Rechts­grund­la­gen dafür, dass der von ei­nem Un­ter­neh­men des öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehrs nach § 4 Abs 1 BO­Kraft be­stell­te Be­triebs­lei­ter ei­nem Om­ni­bus­fah­rer die be­trieb­li­che Fahr­er­laub­nis ent­zie­hen kann.
2. Ein den­noch durch den Be­triebs­lei­ter er­folg­ter Ent­zug der in­ner­be­trieb­li­chen Fahr­er­laub­nis ist kein Ver­wal­tungs­akt i. S. von § 35 S 1 VwVfG und bin­det des­halb nicht das Un­ter­neh­men des öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehrs in sei­ner Ent­schei­dung, dem von ei­nem sol­chen Er­laub­nis­ent­zug be­trof­fe­nen Om­ni­bus­fah­rer außer­or­dent­lich nach § 626 Abs 1 BGB bzw. or­dent­lich gemäß § 1 Abs 2 S 1 KSchG per­so­nen­be­dingt zu kündi­gen.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Essen, Urteil vom 08.03.2006, 4 Ca 4492/05
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 05.06.2008, 2 AZR 984/06
4 Ca 4492/05
am 24. Au­gust 2006
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte U. u. a.,
L. Straße 20, F.,
die Es­se­ner Ver­kehrs AG, ver­tre­ten durch die Vor­stands­mit­glie­der Dr. I. A. und T. W., Zwei­gert­s­traße 34, 45130 Es­sen,
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Geschäftsführer L.-V. M. u. a., Kom­mu­na­ler
Ar­beit­ge­ber­ver­band Nord­rhein-West­fa­len, X. 79, X.,
hat die 11. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 24.08.2006
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Vos­sen als Vor­sit­zen­den so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Smoch und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Has­sen­pflug
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 08.03.2006 - 4 Ca 4492/05 - wird zurück­ge­wie­sen.
2. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 08.03.2006 – 4 Ca 4492/05 – teil­wei­se ab­geändert, so­weit es die Kla­ge ab­ge­wie­sen hat und im
Ab­wei­sungs­aus­spruch ins­ge­samt zur Klar­stel­lung wie folgt neu ge­fasst:
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 1.971,52 € brut­to abzüglich 1.045 € (Ar­beits­lo­sen­geld) nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 16.12.2005 zu zah­len. Im Übri­gen wird die Zah­lungs­kla­ge ab­ge­wie­sen.
3. Die Kos­ten des Rechts­streits tra­gen die Be­klag­te zu 24/25 und der Kläger zu 1/25.
4. Die Re­vi­si­on wird für die Be­klag­te zu­ge­las­sen.
Der Kläger stand bei der Be­klag­ten, die ein Nah­ver­kehrs­un­ter­neh­men in Es­sen be­treibt, zunächst auf­grund des „Aus­bil­dungs-Ar­beits­ver­trag“ vom 01.09.1995 in ei­nem Aus­bil­dungs­verhält­nis zum Om­ni­bus­fah­rer. Nach § 6 die­ses Ver­tra­ges war der Kläger ver­pflich­tet, „bei Ausführung der ihm über­tra­ge­nen Ar­bei­ten die je­weils in Fra­ge kom­men­den ge­setz­li­chen und behörd­li­chen Vor­schrif­ten - z. B. Un­fall­verhütungs­vor­schrif­ten, die Dienst­an­wei­sun­gen des Ar­beit­ge­bers, Be­triebs­vor­schrif­ten, das Ar­beits­zeit­ge­setz und die An­ord­nun­gen sei­ner Vor­ge­setz­ten - zu be­ach­ten“.
Eben­falls am 01.09.1995 un­ter­schrieb der Kläger ei­ne „Erklärung“, in der er un­ter Zif­fer 4 im ers­ten Satz bestätigt, „nach­ste­hen­de Vor­schrif­ten, Druck­sa­chen usw. er­hal­ten zu ha­ben ...“. Als „aus­gehändig­te Vor­schrif­ten“ ist am En­de die­ser Zif­fer 4 u. a. die „Dienst­an­wei­sung für den Fahr­dienst“ (DFS­trab, DFKraft bzw. DFSchiff) auf­geführt. Sch­ließlich un­ter­schrieb der Kläger noch am 01.09.1995 ei­ne Erklärung des „Ver­band öffent­li­cher Ver­kehrs­be­trie­be“ in der es u. a. heißt:
„Die Tätig­keit im äußeren Be­triebs­dienst als Kraf­tom­ni­bus­fah­rer ist nur ge­stat­tet, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für die Er­tei­lung der Fahr­er­laub­nis zur Fahr­gast­beförde­rung gemäß „Straßen­ver­kehrs-Zu­las­sungs­ord­nung“ (St­V­ZO) und die Be­stim­mun­gen der „Ver­ord­nung über den Be­trieb von Kraft­fahr­un­ter­neh­men im Per­so­nen­ver­kehr“ (BO-Kraft) erfüllt sind, d. h., wenn
1. ge­gen die persönli­che Zu­verlässig­keit kei­ne Be­den­ken be­ste­hen. Sie ist u. a. nur dann ge­ge­ben, wenn das „Führungs­zeug­nis zur Vor­la­ge bei ei­ner Behörde“ und das Ver­kehrs­zen­tral­re­gis­ter kei­ne we­sent­li­chen Ein­tra­gun­gen ent­hal­ten.
2. die geis­ti­ge und körper­li­che Eig­nung durch ein amts- oder be­triebsärzt­li­ches Zeug­nis - auf Ver­lan­gen der Behörde ein fachärzt­li­ches Zeug­nis oder das Gut­ach­ten ei­nes amtl. an­er­kann­ten med.psych. In­sti­tu­tes (MPI) - nach­ge­wie­sen ist.
3. durch ein Zeug­nis die er­folg­rei­che Teil­nah­me an ei­nem Lehr­gang in „Ers­ter Hil­fe“ nach­ge­wie­sen ist.
Nach er­folg­reich ab­ge­leg­ter Prüfung wur­de dem Kläger mit Aus­bil­dungs- und Prüfungs­nach­weis vom 29.12.1995 die Er­laub­nis durch den Be­triebs­lei­ter bzw. Be­auf­trag­ten des Be­triebs­lei­ters er­teilt, die Tätig­keit als KOM-Fah­rer mit Per­so­nen­beförde­rung in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung aus­zuüben. Ab dem 21.01.1996 wur­de der Kläger auf­grund des am glei­chen Tag ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­tra­ges, der in § 7 ei­ne mit § 6 des „Aus­bil­dungs-Ar­beits­ver­trag“ wört­lich übe­rein­stim­men­de Re­ge­lung enthält, als KOM-Fah­rer ein­ge­setzt. Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fin­det der Ta­rif­ver­trag Nah­ver­kehrs­be­trie­be (TV-N NW) in sei­ner je­wei­li­gen Fas­sung An­wen­dung.
Am 22.11.2005 ver­rich­te­te der Kläger sei­nen planmäßigen Dienst als KOM-Fah­rer auf der Li­nie 166, Kurs 13, Wa­gen­num­mer: 3734. In der Zeit von 08.54 Uhr bis 09.56 Uhr führ­te der Fahr­meis­ter der Be­klag­ten, Herr G. L., ei­ne Son­der­be­ob­ach­tung des Klägers durch. Der­ar­ti­ge Son­der­be­ob­ach­tun­gen fin­den in un­re­gelmäßigen Abständen bei al­len KOM-Fah­rern und Strab-Fah­rern der
Be­klag­ten statt. Sinn und Zweck die­ser Son­der­be­ob­ach­tun­gen ist es, die Fah­rer, die an­sons­ten während ih­res ge­sam­ten Diens­tes oh­ne ir­gend­ei­ne Kon­trol­le ih­re Ar­beit ver­rich­ten, auf die Ein­hal­tung der von ih­nen zu be­ach­ten­den ge­setz­li­chen und durch Dienst­an­wei­sung ge­re­gel­ten Vor­schrif­ten hin zu über­prüfen.
Über die Son­der­be­ob­ach­tung des Klägers vom 22.11.2005 fer­tig­te Herr L. ei­nen Be­richt, auf des­sen nähe­ren In­halt aus­drück­lich Be­zug ge­nom­men wird. We­gen der in die­sem Be­richt auf­geführ­ten straßen­ver­kehrs­recht­li­chen Verstöße zog der zuständi­ge Be­triebs­lei­ter der Be­klag­ten, Herr U. von E., den Kläger zunächst vom Fahr­dienst zurück. In ei­nem zwei Ta­ge später durch­geführ­ten „Sach­ver­halts­er­mitt­lungs­gespräch“ mit der Fach­ebe­ne Ar­beits- und Ta­rif­recht, zu dem der Kläger mit sei­nem Pro­zess­ver­tre­ter er­schien, nahm ers­te­rer zu den Er­geb­nis­sen der Son­der­be­ob­ach­tung vom 22.11.2005 schrift­lich Stel­lung. We­gen ih­res nähe­ren In­halts wird aus­drück­lich auf die­se schrift­li­che Stel­lung­nah­me Be­zug ge­nom­men.
Am 02.12.2005 über­reich­te der Be­triebs­lei­ter der Be­klag­ten, Herr von E., de­ren Mit­ar­bei­te­rin für die Fach­ebe­ne Ar­beits- und Ta­rif­recht, Un­ter­neh­mens­be­reich Per­so­nal und Or­ga­ni­sa­ti­on, Frau L. C., ein Schrei­ben. In die­sem teil­te er u. a. mit:
Die si­cher­heits­re­le­van­ten straßen­ver­kehrs­recht­li­chen Verstöße des Herrn Q. - hier sind im be­son­de­ren das Ver­las­sen des vor­ge­schrie­be­nen Fahr­we­ges nach der Hal­te­stel­le Por­sche­platz (Fahrt über drei Spu­ren), die bei­den Rot­licht­verstöße so­wie die er­heb­li­che Ge­schwin­dig­keitsüber­schrei­tung von mehr als 20 km/h zu nen­nen - wa­ren so gra­vie­rend, dass ich Herrn Q. auf Dau­er für un­ge­eig­net hal­te, ei­nen KOM zu len­ken.
Die von Herrn Q. vor­ge­leg­te Stel­lung­nah­me zu den Er­geb­nis­sen der Son­der­be­ob­ach­tung kann die ihm ge­mach­ten Vorwürfe nicht ent­kräften, da ich sie als Schutz­be­haup­tung an­se­he. Viel­mehr muss ich mich hier auf die Aus­sa­gen des Fahr­meis­ters ver­las­sen.
Herr Q. wird da­her auf Dau­er nicht mehr im Fahr­dienst bei der Es­se­ner Ver­kehrs-AG ein­ge­setzt.“
Mit Schrei­ben vom 02.12.2005, der die An­la­ge 1 mit den Kündi­gungs­gründen bei­gefügt war, hörte die Be­klag­te ih­ren Be­triebs­rat zu ei­ner von ihr be­ab­sich­tig­ten frist­lo­sen, hilfs­wei­se frist­gemäßen per­so­nen­be­ding­ten Kündi­gung des Klägers zum 30.06.2006 an. Mit Schrei­ben vom 06.12.2005 wi­der­sprach der Be­triebs­rat so­wohl der be­ab­sich­tig­ten frist­lo­sen wie hilfs­wei­se frist­gemäßen Kündi­gung des Klägers. We­gen des nähe­ren In­halts bei­der Schrei­ben wird aus­drück­lich auf sie ver­wie­sen.
Mit Schrei­ben vom 06.12.2005, dem Kläger am glei­chen Tag zu­ge­gan­gen, kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en frist­los (außer­or­dent­lich) aus wich­ti­gem Grund. Am 12.12.2005 kündig­te die Be­klag­te darüber hin­aus das Ar­beits­verhält­nis hilfs­wei­se frist­gemäß zum 30.06.2006.
Mit sei­ner der Be­klag­ten am 14.12.2005 zu­ge­stell­ten Kla­ge macht der Kläger die Un­wirk­sam­keit der frist­lo­sen Kündi­gung vom 06.12.2005 gel­tend. In ei­nem der Be­klag­ten am 19.12.2005 zu­ge­stell­ten Schrift­satz hält der Kläger auch die ihm ge­genüber hilfs­wei­se aus­ge­spro­che­ne frist­ge­rech­te Kündi­gung für un­wirk­sam. Sch­ließlich ver­langt der Kläger noch mit ei­nem der Be­klag­ten am 05.01.2006 zu­ge­stell­ten Schrift­satz für den Fall, dass die außer­or­dent­li­che Kündi­gung un­wirk­sam sei, das Ar­beits­ent­gelt für De­zem­ber 2005 in Höhe von 2.445,80 € brut­to nebst Zin­sen.
1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en we­der durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 06.12.2005, zu­ge­gan­gen am glei­chen Ta­ge, noch durch die hilfs­wei­se aus­ge­spro­che­ne or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 12.12.2005, zu­ge­gan­gen am glei­chen Ta­ge, auf­gelöst wird;
2. die Be­klag­te für den Fall des Ob­sie­gens mit dem An­trag zu 1 zu ver­ur­tei­len, an ihn 2.445,80 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 16.12.2005 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat im We­sent­li­chen die Auf­fas­sung ver­tre­ten:
Durch den Ent­zug der be­trieb­li­chen Fahr­er­laub­nis durch ih­ren Be­triebs­lei­ter sei der Kläger auf Dau­er nicht mehr in der La­ge, sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen, dem KOM-Fah­ren, nach­zu­kom­men. Die­se be­trieb­li­che Fahr­er­laub­nis sei aber für die Tätig­keit als KOM-Fah­rer gemäß § 6 Nr. 9 der Dienst­an­wei­sung für den Fahr­dienst mit Bus­sen (DFBus) zwin­gend vor­ge­schrie­ben. Sie ha­be kei­ne Möglich­keit, sich der be­gründe­ten Ent­schei­dung des Be­triebs­lei­ters, die auf § 3 Abs. 1 Satz 3 i. V. m. § 4 Abs. 1 Satz 1 BO­Kraft be­ru­he, zu wi­der­set­zen. Denn die­se Ent­schei­dung lie­ge nicht in ih­rem ei­ge­nen, son­dern im Er­mes­sen ih­res Be­triebs­lei­ters. Ei­ne an­der­wei­ti­ge Ein­satzmöglich­keit ha­be sie auch nicht in ab­seh­ba­rer Zeit. Selbst wenn ih­re außer­or­dent­li­che Kündi­gung un­wirk­sam sei, könne der Kläger nicht das De­zem­ber­ge­halt be­an­spru­chen. Er ha­be nämlich sei­ne Ar­beits­kraft nicht mehr ord­nungs­gemäß an­bie­ten können, da er sei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung, dem KOM-Fah­ren, durch den Ent­zug der in­ner­be­trieb­li­chen Fahr­er­laub­nis auf Dau­er nicht mehr nach­kom­men könne.
Durch sein am 08.03.2006 verkünde­tes Ur­teil hat das Ar­beits­ge­richt der Kla­ge hin­sicht­lich des Fest­stel­lungs­be­geh­rens des Klägers statt­ge­ge­ben und sie im Übri­gen ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat das Ge­richt im We­sent­li­chen aus­geführt:
Die Ent­zie­hung der be­trieb­li­chen Fahr­er­laub­nis auf Dau­er er­schei­ne un­verhält­nismäßig. So hätte die Be­klag­te z. B. ei­ne Nach­schu­lung des Klägers durchführen können. Nach ei­ner Wer­tung der dem Kläger anläss­lich der Son­der­be­ob­ach­tung ge­mach­ten Vorwürfe könne sich die­ser be­rech­tig­te Hoff­nung ma­chen, sei­ne be­trieb­li­che Fahr­er­laub­nis in ei­nem zeit­lich über­schau­ba­ren Zeit­raum wie­der­zu­er­lan­gen. Ob­wohl der Kläger mit sei­nem Fest­stel­lungs­be­geh­ren er­folg­reich sei, be­sit­ze er man­gels An­nah­me­ver­zugs kei­nen An­spruch auf Zah­lung der vollständi­gen Vergütung für De­zem­ber 2005. Er sei oh­ne die not­wen­di­ge be­trieb­li­che Fahr­er­laub­nis nicht in der La­ge, die ver­trag­lich ge­schul­de­te Leis­tung an­zu­bie­ten.
Ge­gen das ihr am 11.04.2006 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Be­klag­te mit ei­nem am 08.05.2006 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se - nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 11.07.2006 - mit ei­nem bei Ge­richt am 10.07.2006 ein­ge­reich­ten Schrift­satz be­gründet.
Der Kläger hat ge­gen das ihm am 12.04.2006 zu­ge­stell­te Ur­teil mit ei­nem bei Ge­richt am 10.05.2006 ein­ge­reich­ten Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem bei Ge­richt am 01.06.2006 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.
Die Be­klag­te macht un­ter teil­wei­ser Wie­der­ho­lung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens im We­sent­li­chen gel­tend:
Die Ent­zie­hung der be­trieb­li­chen Fahr­er­laub­nis durch ih­ren Be­triebs­lei­ter stel­le ei­nen „an sich“ ge­eig­ne­ten wich­ti­gen Grund i. S. von § 626 Abs. 1 BGB dar. Der Ent­zug der in­ner­be­trieb­li­chen Fahr­er­laub­nis durch ih­ren Be­triebs­lei­ter sei von öffent­lich-recht­li­cher Na­tur, über die sie sich nicht hin­weg­set­zen könne. Die von dem Kläger am 22.11.2005 be­gan­ge­nen Ver­kehrs­rechts­verstöße sei­en so schwer­wie­gend, dass sie den Ent­zug der Fahr­er­laub­nis recht­fer­ti­gen würden. Auch un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­triebs­zu­gehörig­keit des Klägers und des so­zia­len Um­fel­des blei­be die er­heb­li­che An­zahl sei­ner Pflicht­verstöße in ei­nem doch re­la­tiv kur­zen Zeit­raum fest­zu­hal­ten, wes­we­gen es ihr nicht zu­mut­bar
ge­we­sen sei, den Kläger bis zum Ab­lauf der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist wei­ter­zu­beschäfti­gen. Der Ent­zug der be­trieb­li­chen Fahr­er­laub­nis auf Dau­er sei ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Vor­in­stanz auch nicht un­verhält­nismäßig. Ins­be­son­de­re ha­be der Kläger nicht be­haup­tet, er wer­de die Fahr­er­laub­nis wie­der­er­lan­gen oder dies sei we­nigs­tens wahr­schein­lich. In je­dem Fall aber sei die hilfs­wei­se aus­ge­spro­che­ne or­dent­li­che, frist­ge­rech­te Kündi­gung vom 12.12.2005 gemäß § 1 Abs. 1 KSchG i. V. m. § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG wirk­sam.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 08.03.2006 - 4 Ca 4492/05 - ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
1. die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 08.03.2006 - 4 Ca 4492/05 - zurück-zu­wei­sen;
2. das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 08.03.2006 - 4 Ca 4492/05 - ab­zuändern und die Be­klag­te für den Fall des Ob­sie­gens mit dem An­trag zu 1 zu ver­ur­tei­len, an ihn 2.445,80 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 16.12.2005 zu zah­len, abzüglich an die Bun­des­agen­tur für Ar­beit zu er­stat­ten­des Ar­beits­lo­sen­geld in Höhe von täglich 43,56 € im Zeit­raum 08.12.2005 bis 31.12.2005.
Der Kläger macht un­ter teil­wei­ser Wie­der­ho­lung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens im We­sent­li­chen gel­tend:
Zu Recht ha­be die Vor­in­stanz er­kannt, dass we­der ein Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che noch ein per­so­nen­be­ding­ter Grund für ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses vor­lie­ge. Da er ge­gen die Ent­schei­dung des Be­triebs­lei­ters, so­bald sie ihm be­kannt ge­wor­den sei, un­ter dem
16.02.2006 - un­strei­tig - Wi­der­spruch ein­ge­legt ha­be, ha­be es für die Be­klag­te kei­ne bin­den­de Ent­schei­dung im Hin­blick auf den Ent­zug der be­trieb­li­chen Fahr­er­laub­nis auf­grund der auf­schie­ben­den Wir­kung des Wi­der­spruchs (§ 80 Abs. 1 Satz 1 Vw­GO) ge­ge­ben. Weil der Be­triebs­lei­ter sei­nen Wi­der­spruch auch noch treu­wid­rig nicht an die zuständi­ge Wi­der­spruchs­behörde ab­ge­ge­ben ha­be, daue­re des­sen auf­schie­ben­de Wir­kung nach wie vor an. Zu Un­recht ha­be da­ge­gen das Ar­beits­ge­richt ei­nen An­nah­me­ver­zug der Be­klag­ten ver­neint. In dem „Sach­ver­halts­er­mitt­lungs­gespräch“ vom 25.11.2005 ha­be die Be­klag­te ei­nen Vor­schlag sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten, die­sem doch zu­min­dest ei­ne an­de­re Tätig­keit, wie z. B. Hofar­bei­ten, zu­zu­wei­sen, ab­ge­lehnt.
Die Be­klag­te be­an­tragt noch,
die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 08.03.2006 - 4 Ca 4492/05 - vom 31.05.2006 zurück­zu­wei­sen.
Die Be­klag­te macht un­ter teil­wei­ser Wie­der­ho­lung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens in­so­weit im We­sent­li­chen gel­tend:
Der Kläger ha­be sie we­gen Leis­tungs­unfähig­keit nicht in An­nah­me­ver­zug set­zen können (§ 297 BGB). Bei dem Ent­zug der in­ner­be­trieb­li­chen Fahr­er­laub­nis han­de­le es sich um ei­ne nicht an­fecht­ba­re An­ord­nung des Be­triebs­lei­ters, der sei­ne Rechts­stel­lung auf­grund öffent­lich-recht­li­cher Vor­schrif­ten er­langt ha­be (vgl. § 3 und 4 der BO­Kraft). Aber selbst wenn man ge­gen­tei­li­ger Auf­fas­sung sei, ste­he dem Kläger für De­zem­ber 2005 le­dig­lich ein Ar­beits­ent­gelt in Höhe von 1.971,52 € brut­to abzüglich des vom Kläger be­reits berück­sich­tig­ten Be­zu­ges des Ar­beits­lo­sen­gel­des zu. Zwar ha­be dem Kläger grundsätz­lich für De­zem­ber 2005, wäre das Ar­beits­verhält­nis nicht frist­los gekündigt wor­den, ein An­spruch auf Zah­lung von 2.452,45 € zu­ge­stan­den. Da er aber für den Zeit­raum 01.12.2005 bis 06.12.2005 be­reits 480,93 € brut­to mit der De­zem­be­r­ab­rech­nung 2005 - un­strei­tig - er­hal­ten ha­be, ste­he ihm im Fall
des Ob­sie­gens mit sei­nem Fest­stel­lungs­be­geh­ren nur noch der ge­rin­ge­re Ent­gelt­an­spruch zu.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des zu­grun­de lie­gen­den Sach­ver­halts wird ergänzend Be­zug ge­nom­men auf die in bei­den In­stan­zen zu den Ak­ten ge­reich­ten Schriftsätze der Par­tei­en nebst An­la­gen so­wie Pro­to­kol­le der münd­li­chen Ver­hand­lung.
Die Be­ru­fung der Be­klag­ten, ge­gen de­ren Zulässig­keit kei­ner­lei Be­den­ken be­ste­hen, ist un­be­gründet.
I. Zunächst ist das nach § 4 Satz 1 KSchG i. V. m. § 13 Abs. 1 Satz 2 KSchG zulässi­ge Fest­stel­lungs­be­geh­ren des Klägers be­gründet. Je­den­falls im Er­geb­nis ist mit der Vor­in­stanz da­von aus­zu­ge­hen, dass am 06.12.2005, dem Zeit­punkt des Zu­gangs der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung der Be­klag­ten vom glei­chen Tag, kein wich­ti­ger Grund i. S. von § 626 Abs. 1 BGB i. V. m. § 20 Abs. 5 TV-NW vor­lag, der das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en mit so­for­ti­ger Wir­kung zu die­sem Zeit­punkt hätte be­en­den können.
1. Die Prüfung, ob im kon­kre­ten Streit­fall ein wich­ti­ger Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung i. S. von § 626 Abs. 1 BGB vor­liegt, hat nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BAG (z. B. BAG 24.03.1958 - 2 AZR 587/55 - AP Nr. 5 zu § 626 BGB Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung; BAG 21.02.1991 - 2 AZR 449/90 - EzA § 123 BGB Nr. 35; BAG 11.03.1999 - 2 AZR 507/98 - EzA § 626
BGB n. F. Nr. 176; BAG 27.04.2006 - 2 AZR 386/05 - EzA § 626 BGB 2002 Unkünd­bar­keit Nr. 11), der das Schrift­tum im We­sent­li­chen ge­folgt ist (vgl. nur KR-Fi­scher­mei­er, 7. Aufl. 2004, § 626 BGB Rz. 84) in zwei sys­te­ma­tisch zu tren­nen­den Ab­schnit­ten zu er­fol­gen. Zunächst ist fest­zu­stel­len, ob ein be­stimm­ter Sach­ver­halt oh­ne die be­son­de­ren Umstände des Ein­zel­falls „an sich“ ge­eig­net ist, ei­nen wich­ti­gen Kündi­gungs­grund ab­zu­ge­ben. Da­bei genügt
al­ler­dings noch nicht die „abs­trak­te Er­heb­lich­keit“ ei­nes Kündi­gungs­sach­ver­hal­tes zur Be­gründung der Un­zu­mut­bar­keit. Viel­mehr muss be­reits auf der ers­ten Stu­fe fest­ge­stellt wer­den, ob der an sich zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ge­eig­ne­te Sach­ver­halt im Streit­fall zu ei­ner kon­kre­ten Be­ein­träch­ti­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses geführt hat (BAG 15.11.1984 - 2 AZR 613/83 - EzA § 626 BGB n. F. Nr. 95; BAG 17.03.1988 - 2 AZR 576/87 - EzA § 626 BGB n. F. Nr. 116). Erst dann ist auf ei­ner zwei­ten Stu­fe zu un­ter­su­chen, ob nach Abwägung al­ler in Be­tracht kom­men­der In­ter­es­sen der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en die kon­kre­te Kündi­gung ge­recht­fer­tigt ist (BAG 17.03.1988 - 2 AZR 576/87 - a. a. O.; BAG 02.03.1989 - 2 AZR 280/88 - AP Nr. 101 zu § 626 BGB).
2. Die vor­ge­nann­te Zwei-Stu­fen-Prüfung er­gibt im Streit­fall, dass es bei Zu­gang der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung der Be­klag­ten beim Kläger be­reits an ei­nem „an sich“ ge­eig­ne­ten wich­ti­gen Grund i. S. die­ser Vor­schrift fehl­te.
a) Die Be­klag­te hat ih­re außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 06.12.2005 aus­sch­ließlich mit per­so­nen­be­ding­ten Gründen zu recht­fer­ti­gen ver­sucht.
aa) Ein per­so­nen­be­ding­ter Kündi­gungs­grund i. S. des § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG - für § 626 Abs. 1 BGB kann nichts an­de­res gel­ten - kommt in Be­tracht, wenn der Ar­beit­neh­mer die Fähig­keit oder Eig­nung zur Erfüllung der ge­schul­de­ten Ar­beits­leis­tung ver­lo­ren hat. Die Er­rei­chung des Ver­trags­zwecks muss durch die­sen Um­stand im Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung (vgl. nur BAG 17.06.1999 - 2 AZR 639/98 - EzA § 1 KSchG Wie­der­ein­stel­lungs­an­spruch Nr. 4) nicht nur vorüber­ge­hend zu­min­dest teil­wei­se unmöglich sein (BAG
28.02.1990 - 2 AZR 401/89 - EzA § 1 KSchG Per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung Nr. 5; BAG 10.10.2002 - 2 AZR 472/01 - EzA § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 58).
bb) Zwar hat der Kläger nach Be­haup­tung der Be­klag­ten am 22.11.2005 bei sei­nem Ein­satz als Om­ni­bus­fah­rer mehr­fach ge­gen die Straßen­ver­kehrs­ord­nung ver­s­toßen und da­mit ei­ne vor­werf­ba­re Ver­let­zung ar­beits­ver­trag­li­cher Pflich­ten be­gan­gen. Dies würde für ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung des Klägers spre­chen (vgl. nur BAG 10.10.2002 - 2 AZR 472/01 - a. a. O.). Grund für die außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 06.12.2005 war je­doch nicht ein steu­er­ba­res Ver­hal­ten des Klägers, das mit ei­ner vor­werf­ba­ren Ver­let­zung ar­beits­ver­trag­li­cher Pflich­ten ver­bun­den war, son­dern der Um­stand, dass ihn ihr Be­triebs­lei­ter, Herr von E., auf Dau­er für un­ge­eig­net hielt, ei­nen KOM (sc. Om­ni­bus) zu führen und sie sich an die An­ord­nung von Herrn E. am Schluss sei­nes Schrei­bens vom 02.12.2005, der Kläger wer­de auf Dau­er nicht mehr im Fahr­dienst bei ihr ein­ge­setzt, ge­bun­den fühl­te.
b) Grundsätz­lich ist ein per­so­nen­be­ding­ter Kündi­gungs­grund aber nur
aus­nahms­wei­se an sich ge­eig­net, ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung aus wich­ti­gem Grund nach § 626 Abs. 1 BGB zu recht­fer­ti­gen. Denn stets ist zu prüfen, ob nicht u. a. mit der Wie­der­her­stel­lung der Eig­nung ge­rech­net wer­den kann oder ob nicht an­de­re mil­de­re Mit­tel möglich sind (BAG 06.03.2003 - 2 AZR 232/02 - EzA § 626 BGB 2002 Nr. 2; Stahl­ha­cke/Preis, Kündi­gung und Kündi­gungs­schutz im Ar­beits­verhält­nis, 9. Aufl. 2005, Rdn. 746; vgl. auch schon BAG 13.04.1989 - 2 AZR 444/88 - EzAÜG § 626 BGB Nr. 3).
c) Im Streit­fall können kei­ne aus­nahms­wei­se für die Be­rech­ti­gung ei­ner auf
sol­che Gründe gestütz­ten außer­or­dent­li­chen Kündi­gung spre­chen­den Umstände fest­ge­stellt wer­den.
aa) Zwar ist an­er­kannt, dass bei ei­nem Kraft­fah­rer der Ver­lust der Fahr­er­laub­nis ei­nen außer­or­dent­li­chen per­so­nen­be­ding­ten Kündi­gungs­grund dar­stel­len kann (vgl. BAG 30.05.1978 - 2 AZR 630/76 - EzA § 626 BGB n. F. Nr. 66). Der Ver­lust des Führer­scheins führt zu ei­nem ge­setz­li­chen Beschäfti­gungs­ver­bot. Oh­ne die­se Er­laub­nis darf der Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­neh­mer nicht wei­ter ein­set­zen, und dem Ar­beit­neh­mer ist das Er­brin­gen der ge­schul­de­ten Ar­beits­leis­tung durch den Ver­lust der Fahr­er­laub­nis recht­lich unmöglich ge­wor­den (vgl. auch BAG 24.02.2005 - 2 AZR 211/04 - EzA § 1 KSchG Per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung Nr. 18).
bb) Bei der dem Kläger durch den Be­triebs­lei­ter der Be­klag­ten, Herrn von E., ent­zo­ge­nen Be­triebs­fahr­be­rech­ti­gung, de­ren Not­wen­dig­keit sie aus § 6 Nr. 9 Abs. 1 Satz 1 DFBus her­lei­tet - die­se Vor­schrift ver­langt für den Ein­satz ei­nes Om­ni­bus­fah­rers bei ihr ne­ben der vor­ge­schrie­be­nen behörd­li­chen Er­laub­nis „die be­trieb­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on“ - han­delt es sich dem­ge­genüber aber um ei­ne be­trieb­li­che Fahr­er­laub­nis, die von der Be­klag­ten bzw. ih­rem Be­triebs­lei­ter zusätz­lich zu dem er­for­der­li­chen Führer­schein er­teilt wird und - so­fern
hierfür ei­ne Rechts­grund­la­ge be­steht - wie­der ent­zo­gen wer­den kann. Der Ver­lust ei­ner sol­chen Be­triebs­fahr­be­rech­ti­gung kann in sei­nen kündi­gungs­recht­li­chen Fol­gen grundsätz­lich nicht dem Ver­lust ei­ner behörd­lich vor­ge­schrie­be­nen Fahr­er­laub­nis gleich­ge­stellt wer­den. Würde man dies tun, hätte es der Ar­beit­ge­ber weit­ge­hend in der Hand, selbst Kündi­gungs­gründe zu schaf­fen, was der Un­ab­ding­bar­keit des ge­setz­li­chen Kündi­gungs­schut­zes zu­wi­der­lie­fe (BAG 25.04.1996 - 2 AZR 74/95 - EzA § 1 KSchG Per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung Nr. 14).
cc) Im vor­lie­gen­den Fall gilt et­wa nicht des­halb et­was an­de­res, weil es sich
bei der Be­klag­ten um ein Un­ter­neh­men des öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehrs han­delt. Nach § 3 Abs. 2 Satz 3 der Ver­ord­nung über den Be­trieb von Kraft­fahrt­un­ter­neh­men im Per­so­nen­ver­kehr (BO­Kraft) vom 21.06.1975 (BGBl. I, S. 1573), zu­letzt geändert durch Art. 4 der Ver­ord­nung vom 22.01.2004 (BGBl. I 2004, S. 117), hat ein Per­so­nen­beförde­rungs­un­ter­neh­men, das, wie die
Be­klag­te, ei­nen Be­triebs­lei­ter gemäß § 4 Abs. 1 Satz 1 BO­Kraft be­stellt hat, durch ei­ne all­ge­mei­ne Dienst­an­wei­sung si­cher­zu­stel­len, dass die Mit­glie­der des Fahr­per­so­nals befähigt und ge­eig­net sind, ei­ne si­che­re und ord­nungs­gemäße Beförde­rung zu gewähr­leis­ten (§ 3 Abs. 1 Satz 2, Abs. 3 Nr. 1 BO­Kraft). Der nach nähe­rer Maßga­be des § 4 Abs. 1 BO­Kraft be­stell­te Be­triebs­lei­ter ist der Ge­neh­mi­gungs­behörde ge­genüber - un­be­scha­det der ei­ge­nen Ver­ant­wor­tung der Be­klag­ten (vgl. § 4 Abs. 1 Satz 1 BO­Kraft) - für die Ein­hal­tung der Dienst­an­wei­sung ver­ant­wort­lich. Mit dem Er­lass der Dienst­an­wei­sung für den Fahr­dienst mit Bus­sen (DFBus) - Aus­ga­be: Ok­to­ber 2000 - ist die Be­klag­te des­halb ih­rer öffent­lich-recht­li­chen Ver­pflich­tung nach­ge­kom­men, für die Si­cher­heit der Per­so­nen­beförde­rung in ih­rem Be­trieb zu sor­gen.
dd) Je­doch ent­hal­ten we­der §§ 3 und 4 BO­Kraft noch die Vor­schrif­ten der DFBus ei­ne Rechts­grund­la­ge dafür, dass der Be­triebs­lei­ter der Be­klag­ten un­ter ganz kon­kret ge­re­gel­ten Vor­aus­set­zun­gen ei­nem Om­ni­bus­fah­rer, da­zu noch mit für sie bin­den­der Wir­kung, die be­trieb­li­che Fahr­er­laub­nis über­haupt, ge­schwei­ge denn auf Dau­er, d. h. oh­ne ihm zu­vor ei­ne Bewährungs­chan­ce, z. B. durch ei­ne Nach­schu­lung (vgl. in die­sem Zu­sam­men­hang auch BAG 25.04.1996 - 2 AZR 74/95 - a. a. O.), ge­ge­ben zu ha­ben, ent­zie­hen darf. Dies wäre aber im Hin­blick dar­auf, dass die­ser Ent­zug ei­nen Ein­griff in die Be­rufs­ausübungs­frei­heit des Klägers gemäß Art. 12 Abs. 1 Satz 1 GG dar­stel­len würde, an den die Be­klag­te im Hin­blick auf den Grund­satz, dass auch im Pri­vat­rechts­ver­kehr die zen­tra­len Nor­men des Wer­te­sys­tems der Grund­rech­te zur An­wen­dung ge­lan­gen (grund­le­gend BVerfG 14.02.1973 - 1 BvR 112/65 - NJW 1973, 1221 ff.; vgl. auch BVerfG 30.07.2003 - 1 BvR 792/03 - EzA § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 58 a) not­wen­dig ge­we­sen (vgl. auch Art. 12 Abs. 1 Satz 2 GG).
d) Aber selbst dann, wenn man zu Guns­ten der Be­klag­ten an­neh­men würde, die §§ 3 und 4 BO­Kraft bzw. die Vor­schrif­ten der DFBus würden ei­ne aus­rei­chen­de Rechts­grund­la­ge für den Ent­zug der be­trieb­li­chen Fahr­er­laub­nis ei­nes Om­ni­bus­fah­rers her­ge­ben, könn­te der Be­triebs­lei­ter dies nicht mit
bin­den­der Wir­kung für sie selbst bzw. den be­trof­fe­nen Om­ni­bus­fah­rer an­ord­nen. Die Be­klag­te hätte viel­mehr vor Aus­spruch der streit­be­fan­ge­nen außer­or­dent­li­chen Kündi­gung in je­dem Fall ei­gen­ver­ant­wort­lich prüfen müssen, ob der Kläger auf Dau­er nicht mehr in der La­ge ist, in ih­rem Fahr­dienst tätig zu sein. Sie durf­te sich nicht für die Be­gründung ih­rer außer­or­dent­li­chen Kündi­gung aus­sch­ließlich auf ei­ne für sie bin­den­de Wir­kung der Ent­schei­dung ih­res Be­triebs­lei­ters be­ru­fen.
aa) Ei­ne Bin­dung an die Fest­stel­lung ih­res Be­triebs­lei­ters, der Kläger sei auf Dau­er für den Ein­satz als Om­ni­bus­fah­rer bei ihr un­ge­eig­net, könn­te sich al­len­falls aus der Tat­be­stands­wir­kung ei­nes Ver­wal­tungs­ak­tes i. S. von § 35 Satz 1 VwVfG er­ge­ben. Die­se be­sagt, dass außer der Behörde so­wie den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten i. S. von § 13 VwVfG - im Streit­fall wäre § 13 Abs. 1 Nr. 2 VwVfG bzw. § 13 Abs. 2 Satz 1 VwVfG im Verhält­nis des an­geb­lich ho­heit­lich han­deln­den Be­triebs­lei­ters zur Be­klag­ten ein­schlägig - auch al­le an­de­ren Behörden so­wie grundsätz­lich al­le Ge­rich­te die Tat­sa­che, dass der Ver­wal­tungs­akt er­las­sen wur­de, als maßge­bend ak­zep­tie­ren müssen. Sie ha­ben die durch den Ver­wal­tungs­akt ge­trof­fe­ne Re­ge­lung oder Fest­stel­lung un­be­se­hen, d. h. oh­ne dass sie die Rechtmäßig­keit des Ver­wal­tungs­ak­tes nach­prüfen müss­ten oder dürf­ten, zu­grun­de zu le­gen (BGH 04.02.2004 - II ZR 301-01 - JZ 2005, 251; BAG 02.03.2006 - 2 AZR 46/05 - EzA § 91 SGB IX Nr. 3).
bb) Der Er­lass ei­nes Ver­wal­tungs­ak­tes setzt aber, wie aus § 35 Satz 1 VwVfG zu ent­neh­men ist, ho­heit­li­ches Han­deln des­je­ni­gen vor­aus, der ihn erlässt. Hier­an fehlt es auf Sei­ten des Be­triebs­lei­ters der Be­klag­ten. Zwar be­steht ein öffent­lich-recht­li­ches In­ter­es­se dar­an, durch die Be­stel­lung ei­nes Be­triebs­lei­ters in ei­nem Un­ter­neh­men des öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehrs si­cher­zu­stel­len, dass nur befähig­tes und ge­eig­ne­tes Fahr­per­so­nal für den Om­ni­bus­ver­kehr zu­ge­las­sen wird (vgl. § 3 Abs. 1 Satz 2 BO­Kraft i. V. m. § 4 Abs. 1 Satz 1 BO­Kraft). Die­ses öffent­lich-recht­li­che In­ter­es­se an ei­ner be­stimm­ten Betäti­gung pri­va­ter Per­so­nen oder Un­ter­neh­men macht die­se
Betäti­gung aber noch nicht zu ei­ner öffent­lich-recht­li­chen (BVerwG 11.12.1980 - 3 C 130.79 - BVerw­GE 61, 222, 225). Hierfür wäre es viel­mehr not­wen­dig, dass die Be­klag­te bzw. ihr Be­triebs­lei­ter durch Ge­setz oder auf­grund ei­nes Ge­set­zes mit öffent­lich-recht­li­chen Hand­lungs- und Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen aus­ge­stat­tet wäre (vgl. BVerwG 06.03.1990 - 7 B 120.89D-VBl 1990, 712, 713 m. w. N.).
cc) Ein der­ar­ti­ger Be­lei­hungs­tat­be­stand liegt im Streit­fall nicht vor. We­der aus § 57 Abs. 1 Per­so­nen­beförde­rungs­ge­setz (PBefG), auf dem die BO­Kraft be­ruht, noch die­se selbst ent­hal­ten An­halts­punk­te, aus de­nen sich er­ge­ben könn­te, dass der Be­triebs­lei­ter der Be­klag­ten hin­sicht­lich der in­ner­be­trieb­li­chen Fahr­er­laub­nis zu öffent­lich-recht­li­chem Han­deln be­fugt wäre. Im Zu­sam­men­hang mit der Funk­ti­on des Be­triebs­lei­ters be­stimmt al­lein § 4 Abs. 4 Satz 1 BO­Kraft, dass sei­ne Be­stel­lung und die sei­nes Stell­ver­tre­ters der Bestäti­gung durch die Ge­neh­mi­gungs­behörde be­darf. Dies be­trifft aber al­lein den Akt der Be­stel­lung des Be­triebs­lei­ters, räumt ihm aber nicht die Be­fug­nis zu ho­heit­li­chem Han­deln bei der Erfüllung der ihm ge­genüber der Be­klag­ten ob­lie­gen­den, nicht aber des­sen ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten ein.
dd) Die­sem Er­geb­nis, wo­nach die von ih­rem Be­triebs­lei­ter ge­trof­fe­ne Fest­stel­lung der Fahr­un­taug­lich­keit des Klägers auf Dau­er im Om­ni­bus­ver­kehr ge­genüber der Be­klag­ten un­ver­bind­lich ist, ent­spricht im Übri­gen der Re­ge­lung in § 4 Abs. 1 Satz 1 BO­Kraft. Da­nach bleibt die Be­klag­te auch nach Be­stel­lung ei­nes Be­triebs­lei­ters selbst für die ihr gemäß § 3 Abs. 1 Satz 3 BO­Kraft ob­lie­gen­de Gewähr­leis­tung ei­ner si­che­ren und ord­nungs­gemäßen Beförde­rung ih­rer Fahrgäste mit Om­ni­bus­sen ver­ant­wort­lich.
e) Im Übri­gen kann im Streit­fall nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass über­haupt ein Ver­wal­tungs­akt durch den Be­triebs­lei­ter er­las­sen wor­den ist, in dem er kraft ho­heit­li­chen Tätig­wer­dens dem Kläger ge­genüber­ge­tre­ten ist. Ver­wal­tungs­akt ist je­de Verfügung, Ent­schei­dung und an­de­re ho­heit­li­che Maßnah­me, die ei­ne Behörde zur Re­ge­lung ei­nes Ein­zel­fal­les auf dem Ge­biet
des öffent­li­chen Rechts trifft und die auf un­mit­tel­ba­re Rechts­wir­kung nach außen ge­rich­tet ist ( § 35 Satz 1 VwVfG). Der Ver­wal­tungs­akt ist dem­je­ni­gen be­kannt zu ge­ben, für den er be­stimmt ist ( § 41 Abs.1 Satz 1 VwVfG) und wird erst zu die­sem Zeit­punkt wirk­sam (§ 43 Abs. 1 Satz 1 VwVfG). An al­len Vor­aus­set­zun­gen fehlt es, weil der Be­triebs­lei­ter le­dig­lich ein in­ter­nes Schrei­ben ge­fer­tigt hat, das er der Per­so­nal­ab­tei­lung der Be­klag­ten hat zu­kom­men las­sen. Adres­sat ist we­der der Kläger noch ist ihm die­ses als Ver­merk zu wer­ten­de Schrei­ben zu­ge­stellt wor­den. Sch­ließlich fehlt es auch an ei­ner ord­nungs­gemäßen Rechts­mit­tel­be­leh­rung. Ein ho­heit­li­ches Han­deln des Be­triebs­lei­ters – ganz ab­ge­se­hen von der feh­len­den Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge - ist beim Ent­zug der in­ner­be­trieb­li­chen Fahr­er­laub­nis ge­genüber dem Kläger nicht er­folgt und ist für die­sen auch nicht er­kenn­bar ge­wor­den.
II. Aus den vor­ste­hen­den Ausführung folgt oh­ne wei­te­res, dass auch die zulässi­ger­wei­se hilfs­wei­se (vgl. näher BAG 27.03.1987 - 7 AZR 527/85 - EzA § 242 BGB Be­trieb­li­che Übung Nr. 22) aus­ge­spro­che­ne or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 12.12.2005 gemäß § 1 Abs. 1 KSchG i. V. m. § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG we­gen So­zi­al­wid­rig­keit (Feh­len ei­nes per­so­nen­be­ding­ten Grun­des) un­wirk­sam ist und des­halb das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht zum be­ab­sich­tig­ten Ter­min am 30.06.2006 (vgl. § 20 Abs. 4 TV-N NW) auf­gelöst hat.
Die Be­ru­fung des Klägers, ge­gen de­ren Zulässig­keit kei­ner­lei Be­den­ken be­ste­hen, ist über­wie­gend be­gründet.
I. Der Kläger kann für den Zeit­raum vom 07.12. bis zum 31.12.2005 von der Be­klag­ten ein Ar­beits­ent­gelt in Höhe von 1.971,52 € brut­to abzüglich 1.045,-- € (Ar­beits­lo­sen­geld) nebst Zin­sen ver­lan­gen.
1. Der Zah­lungs­an­spruch des Klägers in die­ser Höhe und für den ge­nann­ten Zeit­raum er­gibt sich aus § 611 Abs. 1 BGB i. V. m. § 615 Satz 1 BGB.
a) Da § 615 Satz 1 BGB dem Ar­beit­neh­mer trotz feh­len­der Ar­beits­leis­tung
„die ver­ein­bar­te Vergütung“ si­chern, ihm al­so le­dig­lich den ori­ginären Vergütungs­an­spruch aus § 611 Abs. 1 BGB auf­recht er­hal­ten will (BAG 28.04.1993 - 4 AZR 329/92 - EzA § 611 BGB Crou­pier Nr. 2; BAG 05.09.2002 - 8 AZR 702/01 - EzA § 615 BGB Nr. 109), ist ers­te Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen auf die­se Norm gestütz­ten Zah­lungs­an­spruch ein be­ste­hen­des Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Kläger und der Be­klag­ten (vgl. auch BVerfG 20.01.1990 - 1 BvR 42/82 - DB 1990, 1042). Hier­von ist un­zwei­fel­haft für die Zeit vom 01.12. bis 06.12.2005, aber auch für die Zeit vom 06.12. bis 31.12.2005 aus­zu­ge­hen, da die außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 06.12.2005 das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en, wie un­ter A. fest­ge­stellt, nicht gemäß § 626 Abs. 1 BGB be­en­den konn­te.
b) Auch ist die zwei­te Vor­aus­set­zung für den auf § 611 Abs. 1 BGB i. V. m. § 615 Satz 1 BGB gestütz­ten Vergütungs­an­spruch des Klägers für den vor­ge­nann­ten Zeit­raum, nämlich der An­nah­me­ver­zug der Be­klag­ten, erfüllt.
aa) Die Vor­aus­set­zun­gen des An­nah­me­ver­zugs rich­ten sich auch für das Ar­beits­verhält­nis nach den §§ 293 ff. BGB. Da­nach muss der Schuld­ner in der Re­gel die ge­schul­de­te Leis­tung tatsächlich (§ 294 BGB) oder wört­lich (§ 295 Satz 1 BGB) an­bie­ten. Ist al­ler­dings für die vom Gläubi­ger vor­zu­neh­men­de Hand­lung ei­ne Zeit nach dem Ka­len­der be­stimmt, be­darf es aus­nahms­wei­se über­haupt kei­nes An­ge­bots, wenn der Gläubi­ger die Hand­lung nicht recht­zei­tig vor­nimmt (§ 296 Satz 1 BGB).
bb) Im Streit­fall be­durf­te es auf­grund der Re­ge­lung in § 296 Satz 1 BGB we­der ei­nes tatsächli­chen noch ei­nes wört­li­chen An­ge­bots sei­tens des Klägers, die von ihm ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung für die Zeit vom 07.12. bis 31.12.2005 zu er­brin­gen. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der
sich die Kam­mer an­sch­ließt, ist die nach dem Ka­len­der be­stimm­te Mit­wir­kungs­hand­lung des Ar­beit­ge­bers dar­in zu se­hen, dem Ar­beit­neh­mer ei­nen funk­ti­onsfähi­gen Ar­beits­platz zur Verfügung zu stel­len und ihm ei­ne Betäti­gung zu­zu­wei­sen( BAG 24.11.1994 - 2 AZR 179/94 - EzA § 615 BGB Nr. 83; BAG 06.12.2001 – 2 AZR 422/00 – EzA § 1 KSchG In­ter­es­sen­aus­gleich Nr. 9; BAG 11.01.2006 - 5 AZR 98/05 - EzA § 615 BGB 2002 Nr. 11). Dem ist die Be­klag­te nach dem Zu­gang ih­rer außer­or­dent­li­chen Kündi­gung vom 06.12.2005 bei dem Kläger nicht nach­ge­kom­men.
cc) Al­ler­dings kommt der Ar­beit­ge­ber nach § 297 BGB nicht in An­nah­me­ver­zug, wenn der Ar­beit­neh­mer zur Zeit des An­ge­bots oder im Fal­le des § 296 BGB zu der für die Hand­lung des Gläubi­gers be­stimm­ten Zeit außer Stan­de ist, die Leis­tung zu be­wir­ken. Unmöglich­keit der Ar­beits­leis­tung und An­nah­me­ver­zug schließen sich ge­gen­sei­tig aus (BAG 06.12.2001 – 2 AZR 422/00 – a.a.O.). Vor­lie­gend war dem Kläger die Er­brin­gung sei­ner Ar­beits­leis­tung für die Zeit vom 08.12. bis zum 31.12.2005 ent­ge­gen der Vor­in­stanz nicht unmöglich. Denn die Be­klag­te hat­te ihm, wie un­ter A. dar­ge­stellt, rechts­wid­rig und da­mit un­ver­bind­lich die be­trieb­li­che Fahr­er­laub­nis ent­zo­gen mit der Fol­ge, dass er sehr wohl ab dem 07.12.2005 in der La­ge war, sei­ne ver­trag­lich ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung, nämlich ei­nen Om­ni­bus im Fahr­be­trieb der Be­klag­ten zu führen, nach­kom­men konn­te.
c) Was die Höhe des An­nah­me­ver­zugs­lohns des Klägers für die Zeit vom 07.12. bis 31.12.2005 be­trifft, folgt die Kam­mer der Be­rech­nung der Be­klag­ten in ih­rem Be­ru­fungs­er­wi­de­rungs­schrift­satz vom 20.07.2006, der der Kläger nicht wi­der­spro­chen hat.
2. Der Zins­an­spruch er­gibt sich aus § 288 Abs. 1 Satz 1 BGB i. V. mit § 284 Abs. 2 Nr. 1 BGB, § 614 Satz 1 BGB.
II. Da­ge­gen kann der Kläger für die Zeit vom 01.12. bis zum 06.12.2005 nicht die Dif­fe­renz zwi­schen dem von ihm ver­lang­ten Ar­beits­ent­gelt für den
ge­sam­ten De­zem­ber 2005 in Höhe von 2.445,80 € brut­to und den ihm für die Zeit vom 07.12. bis 31.12.2005 zu­ge­spro­che­nen 1.971,52 € brut­to - das be­zo­ge­ne Ar­beits­lo­sen­geld ein­mal außer acht ge­las­sen - ver­lan­gen. Die­se Dif­fe­renz hat er un­wi­der­spro­chen be­reits er­hal­ten, so dass in­so­weit gemäß § 362 Abs. 1 BGB sein Ent­gelt­an­spruch für die Zeit vom 01.12. bis 06.12.2005 er­lo­schen ist.
Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 91 Abs. 1, 92 Abs. 2 Satz 1 ZPO i. V. m. § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG.
Die Kam­mer hat der Rechts­sa­che, so­weit die Be­klag­te in die­sem Rechts­streit un­ter­le­gen ist, grundsätz­li­che Be­deu­tung bei­ge­mes­sen und so­mit die Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt gemäß § 72 Abs. 1 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen.
Da­ge­gen be­stand für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­guns­ten des Klägers, so­weit die­ser mit sei­ner Kla­ge un­ter­le­gen ist, kein ge­setz­li­cher Grund (vgl. § 72 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 2 ArbGG).
Ge­gen die­ses Ur­teil kann nur von der Be­klag­ten
Der Kläger wird we­gen der Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de auf § 72 a ArbGG hin­ge­wie­sen.
Die Re­vi­si­on muss von der Be­klag­ten
gez.: Dr. Vos­sen
gez.: Smoch
gez.: Has­sen­pflug
zur Übersicht 11 Sa 535/06