Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/akteneinsicht-beim-finanzgericht-324476
Timestamp: 2020-07-03 21:10:07
Document Index: 243369663

Matched Legal Cases: ['§ 78', '§ 100', '§ 78', '§ 100', '§ 100', '§ 78', '§ 100', '§ 79']

Akteneinsicht beim Finanzgericht | Rechtslupe
Akteneinsicht beim Finanzgericht
Akten­ein­sicht ist in der Wei­se zu gewäh­ren, dass der Antrag­stel­ler die Akten bei der Geschäfts­stel­le des Finanz­ge­richts oder eines Gerichts oder einer Behör­de sei­ner Wahl unter Auf­sicht eines im öffent­li­chen Dienst ste­hen­den Bediens­te­ten ein­se­hen kann. Ein Anspruch auf Über­sen­dung der Akten in die Büro­räu­me des Antrag­stel­lers besteht dage­gen nicht.
Gemäß § 78 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 FGO kön­nen die Betei­lig­ten die Gerichts­ak­te und die dem Gericht vor­ge­leg­ten Akten ein­se­hen und sich auf ihre Kos­ten durch die Geschäfts­stel­le Aus­fer­ti­gun­gen, Aus­zü­ge und Abschrif­ten ertei­len las­sen.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ergibt sich aus dem Begriff "ein­se­hen" und der Rege­lung über die Ertei­lung von Abschrif­ten usw. durch die Geschäfts­stel­le, dass die Ein­sicht­nah­me der Akten bei Gericht die Regel sein soll und eine vor­über­ge­hen­de Über­las­sung von Akten an den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten nur aus­nahms­wei­se in Betracht kommt [1].
Grün­de, die es aus­nahms­wei­se recht­fer­ti­gen könn­ten, die Akten in die Kanz­lei­räu­me zu über­sen­den, grei­fen nicht durch. Die Aus­hän­di­gung der Akten steht im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen des Gerichts. Bei der Ermes­sens­aus­übung sind die gegen die Akten­aus­hän­di­gung spre­chen­den Inter­es­sen, ins­be­son­de­re die Ver­mei­dung von Akten­ver­lus­ten, und die für die Akten­ver­sen­dung spre­chen­den Inter­es­sen des Antrag­stel­lers, ins­be­son­de­re die Kos­ten- und die Zeit­er­spar­nis, gegen­ein­an­der abzu­wä­gen. Dabei ist zu beach­ten, dass die Ein­sicht­nah­me in die Akten bei Gericht nach der gesetz­li­chen Grund­ent­schei­dung die Regel und die Über­sen­dung der Akten die auf Son­der­fäl­le beschränk­te Aus­nah­me ist. Durch die Mög­lich­keit, die Akten bei der Geschäfts­stel­le des Finanz­ge­richts oder eines Gerichts oder einer Behör­de sei­ner Wahl ein­zu­se­hen, z.B. an sei­nem Kanz­lei­ort, hat der Antrag­stel­ler die Gele­gen­heit, die Akten­ein­sicht bei dem am nächs­ten gele­ge­nen Gericht aus­führ­lich und umfas­send wahr­zu­neh­men.
Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­letzt die­se Recht­spre­chung kei­ne Grund­rech­te oder grund­rechts­glei­chen Rech­te. Es hat des­halb [2] die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen einen ent­spre­chen­den Beschluss des Bun­des­fi­nanz­hofs [3] nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men.
Dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts [4], der die Gewäh­rung von Akten­ein­sicht im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren betraf (§ 100 Abs. 2 Satz 3 VwGO [5], kön­nen kei­ne Aus­sa­gen für das finanz­ge­richt­li­che Ver­fah­ren ent­nom­men wer­den [6]. Denn § 78 FGO ent­hält anders als die VwGO kei­ne Rege­lung, dass die Akten nach dem Ermes­sen des Vor­sit­zen­den dem bevoll­mäch­tig­ten Rechts­an­walt (§ 100 Abs. 2 Satz 3 VwGO a.F.) bzw. der bevoll­mäch­tig­ten Per­son (§ 100 Abs. 2 Satz 2 VwGO [7]) zur Mit­nah­me in sei­ne bzw. ihre Geschäfts­räu­me über­ge­ben wer­den kön­nen. Wie das BVerfG [8] aus­ge­führt hat, kann die Art und Wei­se, wie Akten­ein­sicht zu gewäh­ren ist, in den ein­zel­nen Ver­fah­rens­ord­nun­gen unter­schied­lich gere­gelt wer­den.
Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 21. Okto­ber 2010 – 10 V 3325/​10
z.B. BFH, Beschlüs­se vom 11.07.2002 – V B 5/​02, BFH/​NV, 2002, 1464; vom 23.07.2003 – VII B 188/​03, BFH/​NV 2003, 1595; vom 31.10.2008 – V B 29/​08, BFH/​NV 2009, 194; und vom 26.01.2006 – III B 166/​05, BFH/​NV 2006, 963[↩]
BVerfG, Beschluss vom 08.10.2002 – 1 BvR 1503/​02, DStZ 2003, 46[↩]
BFH, Beschluss in BFH/​NV 2002, 1464[↩]
BVerfG, Beschluss in NVwZ 1998, 836[↩]
in der bis 31.07.2001 gel­ten­den Fas­sung – VwGO a.F. -[↩]
BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2003, 1595; und in BFH/​NV 2006, 963[↩]
in der Fas­sung ab April 2005[↩]
BVerfG, Beschluss vom 26.08.1981 – 2 BvR 637/​81, HFR 1982, 77; bestä­tigt durch BVerfG, Beschluss vom 11.07.1984 – 1 BvR 1523/​83, Die Infor­ma­ti­on über Steu­er und Wirt­schaft 1984, 478[↩]
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