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Timestamp: 2019-09-18 05:08:22
Document Index: 386346583

Matched Legal Cases: ['§ 24', '§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 5', '§ 64', '§ 329', '§ 330', '§ 65', '§ 3']

Verordnungstext zum Naturschutzgebiet "Evenser Moor" | Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Verordnungstext zum Naturschutzgebiet "Evenser Moor"
(NSG HA 184)
Verordnung der Bezirksregierung Hannover über das Naturschutzgebiet "Evenser Moor" in der Stadt Neustadt/Rbge., Landkreis Hannover, vom 11.11.1997
Aufgrund der §§ 24, 29 und 30 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes in der Fassung vom 11.04.1994, zuletzt geändert durch das Gesetz zur Verbesserung der kommunalen Handlungsfähigkeit vom 28.05.1996 (Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt Seite 242 ff.) wird verordnet:
(1) Das in den Absätzen 2 und 3 näher bezeichnete Gebiet wird zum Naturschutzgebiet "Evenser Moor" erklärt.
(2) Das Naturschutzgebiet, etwa 20 km nordwestlich der Landeshauptstadt Hannover gelegen, grenzt mit seiner südöstlichen Grenze direkt an die Ortslage Evensen. Es befindet sich in den Fluren 2 und 3 der Gemarkung Evensen im Stadtteil Evensen und der Flur 3 der Gemarkung Wulfelade im Stadtteil Wulfelade der Stadt Neustadt/Rbge., Landkreis Hannover.
(3) Die genaue Abgrenzung des Naturschutzgebietes ergibt sich aus der Karte, die Bestandteil dieser Verordnung ist. Die Grenze ist dort durch eine Punktreihe dargestellt. Die Grenze verläuft auf der Linie, die die Punkte von innen berührt.
(4) Das Naturschutzgebiet ist ca. 47 ha groß.
(1) Schutzgegenstand:
Bei dem "Evenser Moor" handelt es sich um eine alte Flußschlinge der Leine, die oberflächennah vermoort ist. Nach pollenanalytischen Untersuchungen ist diese Flußschlinge vermutlich im Spätglazial (Alleröd, ca. 13.000 v. Chr.) ausgebildet worden und hat sich mit ihrem Prallhang sehr weit in die sich dort bis zu 20 m über die Leineaue erhebende Geest eingeschnitten. Die entstandenen Steilufer treten morphologisch deutlich in Erscheinung.
Kennzeichnend ist die außergewöhnliche Vielfalt unterschiedlicher Lebensräume mit ihrer Abfolge und Vernetzung:
-Niedermoor mit Übergangsbereichen in Richtung Hochmoorentwicklung;
-aufgelassene bäuerliche Handtorfstiche, die teilweise nährstoffarme, teilweise nährstoffreiche Stillgewässer bilden;
-Moorbirken-Kiefernwald, Erlen-Eschenwald der Auen und Quellbereiche, Birken- und Erlenbruchwald;
-Moorrandzone mit kleinräumigem Wechsel von Grünland unterschiedlicher Feuchtestadien, zum Zeitpunkt der Verordnungsgebung überwiegend stillgelegten Ackerflächen, Ruderalflächen und Gebüschen;
-landschaftsbildprägende Gehölzsäume und Heckenstrukturen.
(2) Schutzzweck:
Das Gebiet soll als Lebensstätte für schutzbedürftige und zum Teil stark gefährdete Arten und Lebensgemeinschaften wildwachsender Pflanzen und wildlebender Tiere erhalten werden und sich möglichst ungestört entwickeln können.
Die charakteristische Abfolge von Lebensstätten des Moores und seiner Randbereiche soll erhalten und die Moorentwicklung vorrangig unterstützt werden.
Die im Gebiet vorherrschenden Wasserverhältnisse sollen hierzu im Sinne des Naturschutzes optimiert werden.
Die bestehende Grünlandnutzung im Randbereich soll erhalten und als Pufferzone zum Moor möglichst umweltschonend betrieben werden.
Die Umwandlung der auf dem Prallhang stockenden Kiefernforste in die potentiell natürliche Waldgesellschaft des Traubeneichen-Buchenwaldes wird angestrebt.
Die Einheit der morphologisch erkennbaren Entstehung der Landschaftsform soll wegen ihrer besonderen Eigenart und geowissenschaftlichen Bedeutung erhalten werden.
(2) Das Naturschutzgebiet darf nur auf den Wegen betreten werden, soweit sie nicht gesperrt sind.
(4) Die ordnungsgemäße Jagdausübung bleibt von den Regelungen dieser Verordnung unberührt, soweit sie sich auf das Recht zum Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen, Fangen und Aneignen von Wild, auf die Hege und den Jagdschutz bezieht. Dem allgemeinen Verbot gemäß § 3 Abs.1 unterfällt jedoch weiterhin die Anlage von:
3. fest mit dem Boden verbundenen jagdwirtschaftlichen Einrichtungen, Jagdhütten und anderen baulichen Anlagen.
1. das Betreten des Gebietes auch außerhalb der Wege für die Eigentümer und sonstigen Nutzungsberechtigten;
2. die Nutzung des alten Uferhanges zum Rodeln im Winter;
3. die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung mit folgenden Maßgaben:
b) die ordnungsgemäße ackerbauliche Nutzung auf den in der mitveröffentlichten Karte als Acker dargestellten Flächen, auch wenn diese zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Verordnung dem Flächenstillegungsprogramm unterlagen, bis zur Umwandlung in Grünland;
c) die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Grünlandnutzung ohne Umbruch der Grasnarbe und ohne Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf den in der mitveröffentlichten Karte als "Dauergrünland" gekennzeichneten Flächen;
5. die ordnungsgemäße Forstwirtschaft auf den in der mitveröffentlichten Karte als "Wald" dargestellten Flächen mit folgenden Maßgaben:
a) ohne zusätzliche Entwässerungsmaßnahmen und ohne zusätzlichen Wegebau,
b) ohne Düngung, Kalkung und Einsatz von Pflanzenbehandlungsmitteln,
c) ohne Kahlschlag, sondern mit einzelstammweiser Nutzung und kleinflächiger Verjüngung,
d) Verjüngung mit Baumarten der potentiell natürlichen Vegetation (Traubeneichen-Buchenwald und Schwarzerlenwald);
6. die Entnahme einzelner Gehölze auf den in der mitveröffentlichten Karte als "Moor/Moorwald" dargestellten Flächen;
7. die Errichtung von Ansitzleitern, Jagdschirmen und einfachen Hochsitzen aus unbehandeltem Holz;
8. der fachgerechte Rückschnitt von Gehölzen im Rahmen der Wegeunterhaltung und im Rahmen angrenzender landwirtschaftlicher Nutzungen;
9. die ordnungsgemäße mechanische Unterhaltung von Gewässern III. Ordnung, soweit diese nach entsprechend fachspezifischen und naturschutzfachlich abgestimmten Vorgaben der unteren Wasserbehörde durchgeführt wird.
1. Maßnahmen zum Schutz, zur Erhaltung, zur Pflege und zur Entwicklung des Naturschutzgebietes und seiner landschaftlichen Eigenart und Schönheit;
3. das Betreten des Gebietes für die wissenschaftliche Forschung und Lehre einschließlich der hierfür erforderlichen Maßnahmen;
4. Abweichungen von den Einschränkungen des § 4 Nr. 3 Buchstabe c) und Nr. 5 zur Bewirtschaftung von Grünlandflächen und Waldflächen;
5. die Errichtung von ortsüblichen Weideunterständen.
Zur Pflege und Entwicklung des Gebietes ist von den Eigentümern und Nutzungsberechtigten das Entnehmen von Bäumen und Sträuchern in den in der Karte als Moor/Moorwald dargestellten Bereichen insbesondere zur Freistellung der bäuerlichen Handtorfstiche zu dulden.
(1) Wer den in § 3 aufgeführten Verboten zuwiderhandelt bzw. wer ohne die erforderliche Freistellung des § 4 oder Erlaubnis des § 5 handelt, begeht gemäß § 64 Nr. 1 oder Nr. 4 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes eine Ordnungswidrigkeit oder gemäß § 329 Abs. 3 oder § 330 Strafgesetzbuch eine strafbare Handlung.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann gemäß § 65 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes mit einer Geldbuße bis zu 50.000,00 DM, bei Verstößen gegen § 3 Absatz 1 und 2 mit einer Geldbuße bis zu 100.000,00 DM geahndet werden.
Hannover, den 11.11.1997
503 - 22221 - HA 184
Naturschutzgebiet "Evenser Moor"