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Timestamp: 2017-05-29 06:13:18
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Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Orientierungshilfe Cloud Computing - PDF
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Petra Bretz
1 Orientierungshilfe Cloud Computing der Arbeitskreise Technik und Medien der Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder und des Düsseldorfer Kreises Version 1.0 Stand In der Arbeitsgruppe haben mitgewirkt: Jens Budszus (Die Landesbeauftragte für Datenschutz und das Recht auf Akteneinsicht Brandenburg) Hanns-Wilhelm Heibey (Berliner Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit) Renate Hillenbrand-Beck (Der Hessische Datenschutzbeauftragte) Dr. Sven Polenz ( Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein) Marco Seifert (Die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Bremen) Maren Thiermann (Der Hessische Datenschutzbeauftragte) Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 12 Inhaltsübersicht Vorbemerkung Einführung Nutzen Datenschutzrechtliche Schwerpunkte Begriffe Cloud-Anwender Cloud-Anbieter Public Cloud Private Cloud Community Cloud Hybrid Cloud Software as a Service Platform as a Service Infrastructure as a Service Datenschutzrechtliche Aspekte Verantwortlichkeit des Cloud-Anwenders Kontrolle der Cloud-Anbieter Betroffenenrechte Grenzüberschreitender Datenverkehr Innereuropäischer Raum Außereuropäischer Raum Technische und organisatorische Aspekte Ziele und Risiken Schutzziele Cloudspezifische Risiken Klassische Risiken Infrastructure as a Service Platform as a Service Software as a Service Fazit Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 23 Vorbemerkung Die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder beschäftigen sich bereits seit längerer Zeit mit der Thematik des Cloud Computing. Da das Thema weiter an Aktualität gewonnen hat, wurde von den Arbeitskreisen Technik und Medien der Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder und des Düsseldorfer Kreises die vorliegende Orientierungshilfe erarbeitet. Um nicht nur technische, sondern auch rechtliche Aspekte beleuchten zu können, wurden dabei die Arbeitsgruppen Telemedien und Internationaler Datenverkehr des Düsseldorfer Kreises eingebunden. Die Orientierungshilfe richtet sich an Entscheidungsträger, betriebliche und behördliche Datenschutzbeauftragte sowie an IT-Verantwortliche und soll den datenschutzgerechten Einsatz dieser Technologie fördern. Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 34 1. Einführung 1.1 Nutzen Cloud Computing steht für Datenverarbeitung in der Wolke und beschreibt eine über Netze angeschlossene Rechnerlandschaft, in welche die eigene Datenverarbeitung ausgelagert wird. 1 Teilweise wird von Cloud Computing auch dann gesprochen, wenn eine oder mehrere IT-Dienstleistungen (Infrastruktur, Plattformen, Anwendungssoftware) aufeinander abgestimmt, schnell und dem tatsächlichen Bedarf angepasst sowie nach tatsächlicher Anwendung abrechenbar über ein Netz bereitgestellt werden. 2 Cloud Computing kann auch als eine Form der bedarfsgerechten und flexiblen Anwendung von IT-Dienstleistungen verstanden werden, indem diese in Echtzeit als Service über das Internet bereitgestellt werden und danach eine Abrechnung erfolgt. Damit ermöglicht Cloud Computing eine Umverteilung von Investitionsund Betriebsaufwand. Die IT-Dienstleistungen können sich wiederum auf Anwendungen, Plattformen für Anwendungsentwicklungen und -betrieb sowie auf die Basisinfrastruktur beziehen. Dabei hat sich eine Einteilung in die drei Cloud-Services bzw. Organisationsformen Software as a Service, Platform as a Service und Infrastructure as a Service weitgehend durchgesetzt. Weiterhin wird zwischen Public-, Private-, Hybrid- und Communitiy-Clouds differenziert. 3 Die Entstehung jener Form der Datenverarbeitung ist eng verbunden mit der enormen Steigerung der Rechenleistung, der flächendeckenden Verfügbarkeit höherer Bandbreiten für die Datenübertragung und der einfachen Einsetzbarkeit von Virtualisierungstechnologien. Als Synthese von IT- und Telekommunikations-Leistungen führt Cloud Computing dazu, dass einfach dargestellt jegliche Leistung als Service erhältlich wird. Cloud Computing repräsentiert somit den Gedanken von Services aus dem Netz, vergleichbar mit Strom aus der Steckdose. Cloud Computing lässt sich damit auch als eine dynamisch allokierbare Infrastruktur verstehen, in der Kapazitäten und Services nach Bedarf bezogen werden können und die Grundlage dieser Struktur in der Virtualisierung von Hardware, des Speichers, des Netzwerks und der Software besteht. 4 Für die Anwendung von Cloud-Services sprechen vor allem wirtschaftliche Aspekte: Flexibilität bei der Buchung, Nutzung und Stilllegung von Rechenkapazitäten je nach aktuellem und ggf. auch kurzfristigem Bedarf (Skalierbarkeit) Einfacher Erwerb, verbrauchsabhängige Bezahlung Einsparpotenzial in den Bereichen Anschaffung, Betrieb und Wartung der IT- Systeme Ubiquitäre Verfügbarkeit von Geschäftsanwendungen unabhängig von geographischen Standorten. 1.2 Datenschutzrechtliche Schwerpunkte Bei der Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten im Rahmen von Cloud-Services sind alle datenschutzrechtlichen Bestimmungen einzuhalten. Personenbezogen sind nur Daten, die sich auf eine bestimmte oder bestimmbare natürliche Person beziehen. Für die Bestimmbarkeit kommt es auf die Kenntnisse, Mittel und Möglichkeiten der verantwortlichen Stelle an. Sie muss den Bezug mit den Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 45 ihr normalerweise zustehenden Hilfsmitteln und ohne unverhältnismäßigen Aufwand herstellen können. 5 Ein verfassungsrechtlicher Schutz personenbezogener Daten besteht zudem durch das aus Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG abgeleitete Recht auf informationelle Selbstbestimmung und dem Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme. 6 Die folgenden Erörterungen beziehen sich nur auf das für die nichtöffentlichen Stellen und die Bundesverwaltung geltende BDSG. Soweit die Anwendung von Cloud-Services auch für öffentliche Stellen an Bedeutung gewinnt, müssen diese die entsprechenden Regelungen in den Landesdatenschutzgesetzen einhalten. 7 Ebenso müssen spezielle Vorschriften beachtet werden, wie beispielsweise 80 SGB X, der für die Auftragsdatenverarbeitung im Sozialbereich gilt. Für das Cloud Computing ergeben sich dabei sowohl aus Sicht des Datenschutzes als auch der Datensicherheit folgende Besonderheiten: Als anonymisiert angesehene Daten (vgl. 3 Abs. 6 BDSG) können durch ihre Verarbeitung in der Cloud reidentifizierbar werden, weil verschiedene Beteiligte über Zusatzwissen verfügen, mit dem eine Reidentifizierung möglich ist. 8 Für die verantwortliche Stelle ( 3 Abs. 7 BDSG) muss daher deutlich werden, in welchem Rahmen Datenschutzbestimmungen einzuhalten sind. Bei der Anwendung von Cloud-Services und der Bereitstellung von IT- Dienstleistungen werden regelmäßig mehrere Beteiligte tätig. Hier ist von Bedeutung, wie deren Beziehungen zueinander datenschutzrechtlich zu bewerten sind und wie vor allem die verantwortliche Stelle ihren Verpflichtungen nachkommt. Die verantwortliche Stelle hat die Rechtmäßigkeit der gesamten Datenverarbeitung zu gewährleisten, insbesondere muss sie ihren Löschpflichten nachkommen ( 35 Abs. 2 BDSG), unrichtige Daten berichtigen ( 35 Abs. 1 BDSG), für eine Sperrung von Daten sorgen ( 35 Abs. 3 BDSG) und dem Betroffenen ( 3 Abs. 1 BDSG) u. a. Auskünfte über die zu seiner Person gespeicherten Daten, auch soweit sie sich auf die Herkunft dieser Daten beziehen, erteilen ( 34 Abs. 1 BDSG). Zur Erfüllung der entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen muss die verantwortliche Stelle besondere Vorkehrungen treffen. Zu untersuchen ist die Zulässigkeit grenzüberschreitender Datenverarbeitungen. Aus technisch-organisatorischer Sicht müssen vor allem besondere Vorkehrungen für die ordnungsgemäße Löschung und Trennung von Daten sowie für die Sicherstellung von Transparenz, Integrität und Revisionsfähigkeit der Datenverarbeitung getroffen werden. Bei Nichteinhaltung der Datenschutzbestimmungen drohen der verantwortlichen Stelle haftungsrechtliche Konsequenzen, indem diese gegenüber den Betroffenen zum Schadensersatz verpflichtet ist, Bußgelder verhängt oder Anordnungen ( 38 Abs. 5 BDSG) verfügt werden können. Weiterhin entstehen bei unrechtmäßiger Kenntniserlangung von Daten gegenüber der zuständigen Aufsichtsbehörde und den Betroffenen Informationspflichten ( 42a BDSG). Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 56 2. Begriffe In der Praxis besteht keine einheitliche Terminologie der Begriffe. Die Definitionen haben sich an den Ausführungen des BSI und des Fraunhoferinstitutes für Offene Kommunikationssysteme orientiert und werden der Bewertung zugrunde gelegt. 2.1 Cloud-Anwender Cloud-Anwender ist jede natürliche oder juristische Person, die von Betroffenen personenbezogene Daten erhebt, verarbeitet oder nutzt und hierfür von anderen Stellen IT-Dienstleistungen für Cloud-Services in Anspruch nimmt. 2.2 Cloud-Anbieter Cloud-Anbieter ist jede natürliche oder juristische Person, die einem Cloud-Anwender IT-Dienstleistungen für Cloud-Services bereitstellt. Fehlen dem Cloud-Anbieter hierfür die Ressourcen, so kann dieser zur Erfüllung seiner Verpflichtungen gegenüber dem Cloud-Anwender u. U. weitere Unter-Anbieter einbeziehen. 2.3 Public Cloud IT-Dienstleistungen für Public Clouds werden am freien Markt und nicht innerhalb einer Institution oder im internen Unternehmensbereich einer verantwortlichen Stelle angeboten. Sie können folglich von einer beliebigen Zahl von Cloud-Anwendern in Anspruch genommen werden Private Cloud IT-Dienstleistungen werden hierbei innerhalb einer Institution oder im internen Unternehmensbereich einer verantwortlichen Stelle angeboten, 10 sodass der Cloud- Anwender und der Cloud-Anbieter (oder mehrere Cloud-Anbieter) dem Bereich dieser verantwortlichen Stelle zuzuordnen sind. 2.5 Community Cloud In einer Community Cloud schließen sich zwei oder mehrere Cloud-Anbieter aus Private Clouds zusammen, um für einen definierten Kundenkreis IT-Dienstleistungen für Cloud-Services zu erbringen Hybrid Cloud Bei Hybrid Clouds werden Public-, Private- und/oder Community Clouds miteinander kombiniert. Dieses Modell kann im Rahmen der Erhöhung der Verfügbarkeit oder zur effizienten Lastverteilung zum Einsatz kommen. Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 67 2.7 Software as a Service (SaaS) Der Zugriff des Cloud-Anwenders auf die vom Cloud-Anbieter bereit gestellten Anwendungen erfolgt üblicherweise über einen Web-Browser, kann aber auch mit speziellen Programmen erfolgen, die hauptsächlich über Anzeigefunktionen verfügen ( Thin-Clients ). Software as a Service wird aufbauend auf Plattform- oder Infrastruktur-orientierten Cloud-Angeboten betrieben. Die bereitgestellten Anwendungen können allenfalls in geringem Umfang auf spezielle Anforderungen der Cloud-Anwender angepasst werden. Auf die für das Bereitstellen der Anwendung genutzten Dienste und Systeme haben die Cloud-Anwender regelmäßig keinen direkten administrativen, operativen oder kontrollierenden Zugriff. 2.8 Platform as a Service (PaaS) Platform as a Service ermöglicht dem Cloud-Anwender, auf der vom Cloud-Anbieter angebotenen Infrastruktur eigene Programme zu entwickeln und auszuführen. Der Cloud-Anbieter macht hierbei Vorgaben zu den zu verwendenden Programmiersprachen und Schnittstellen zu Datenspeichern, Netzwerken und Datenverarbeitungssystemen. Wie bei der Dienstleistung Software as a Service auch, hat der Cloud- Anwender keine Möglichkeit, auf die zur Bereitstellung des Dienstes genutzte Infrastruktur administrativ oder kontrollierend zuzugreifen. Die Kontrollmöglichkeiten beschränken sich auf die selbst aufgebrachten Programme und Daten. 2.9 Infrastructure as a Service (IaaS) Cloud-Anwender erhalten Zugriff auf üblicherweise virtualisierte Komponenten zur Datenverarbeitung, zum Datentransport und zur Datenspeicherung. Sie können nahezu beliebige Anwendungsprogramme und Betriebssysteme einsetzen. Ein direkter Zugriff auf die zum Anbieten des Dienstes genutzten Systemkomponenten ist nicht möglich. Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 78 3. Datenschutzrechtliche Aspekte 3.1 Verantwortlichkeit des Cloud-Anwenders Das europäische und deutsche Datenschutzrecht knüpft die rechtliche Verantwortlichkeit für die Datenverarbeitung personenbezogener Daten an die inhaltliche Verantwortlichkeit über die Entscheidung des Umgangs mit den Daten. Danach ist verantwortliche Stelle jede Person oder Stelle, die personenbezogene Daten für sich selbst erhebt, verarbeitet oder nutzt oder dies durch andere im Auftrag vornehmen lässt und allein oder gemeinsam mit anderen über die Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten entscheidet, 3 Abs. 7 BDSG, Art. 2 Buchst. d) 4 Richtlinie 95/46/EG. Der Cloud-Anwender ist verantwortliche Stelle in diesem Sinne. Ein Cloud-Anbieter kann jedoch dann ausnahmsweise verantwortliche Stelle sein, wenn seine Dienstleistung beispielsweise einen Online-Terminplan einschließt, in dem Privatpersonen private Termine eintragen können, und dort zusätzlich Termin- und Kontaktsynchronisierung angeboten werden. 12 Nimmt der Cloud-Anwender von einem Cloud-Anbieter IT-Dienstleistungen für Cloud- Services in Anspruch, so wird Letzterer als Auftragnehmer nach 11 Abs. 2 BDSG tätig. Der Cloud-Anwender bleibt hingegen nach 11 Abs. 1 BDSG für die Einhaltung sämtlicher datenschutzrechtlicher Bestimmungen verantwortlich. Weiterhin muss der Cloud-Anwender einen schriftlichen Auftrag an den Cloud-Anbieter erteilen und dabei die inhaltlichen Anforderungen nach 11 Abs. 2 BDSG erfüllen. Hilfreich kann hierfür die Mustervereinbarung zur Auftragsdatenverarbeitung des Hessischen Datenschutzbeauftragten in der Fassung des vom Regierungspräsidiums Darmstadt entwickelten Musters sein. 13 Vertraglich festzulegen sind etwa die Berichtigung, Löschung und Sperrung von Daten. Die praktische Umsetzung dieser Verpflichtung kann durch technische Maßnahmen erfolgen (Kapitel 4.). Weiterhin ist z. B. nach 11 Abs. 2 Nr. 6 BDSG zu regeln, ob eine Berechtigung zur Begründung von Unterauftragsverhältnissen besteht. Cloud-Anbieter werden zur Erbringung der IT-Dienstleistungen oft Unter-Anbieter einbeziehen, wobei auch für dieses Verhältnis die Regeln der Auftragsdatenverarbeitung zu erfüllen sind. Die Einbeziehung von Unter-Anbietern kann für den Cloud- Anwender intransparent sein, da deren Inanspruchnahme auch nur für einen kurzzeitig gestiegenen Bedarf an Rechenleistung in Betracht kommt und nicht deutlich wird, wessen Kapazitäten genutzt wurden. Der Cloud-Anbieter muss daher vertraglich verpflichtet werden, sämtliche Unter-Anbieter abschließend gegenüber dem Cloud- Anwender zu benennen und die vertraglichen Unterbeauftragungen offen zu legen. Der Unter-Anbieter ist zu verpflichten, die Weisungen des Auftragnehmers zu beachten. Weiterhin besteht das Risiko eines auftragswidrigen Umgangs mit personenbezogenen Daten durch den Cloud-Anbieter, indem dieser z. B. Weisungen des Cloud- Anwenders missachtet und eine Verarbeitung und Nutzung für eigene Geschäftszwecke vornimmt. Dem kann durch die Aufnahme einer Vertragsstrafenregelung entgegengewirkt werden. Weitere organisatorische sowie technische Gegenmaßnahmen werden unter 4. beschrieben. Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 89 3.2 Kontrolle der Cloud-Anbieter Der Cloud-Anwender hat sich als Auftraggeber nach 11 Abs. 2 Satz 4 BDSG vor Beginn der Datenverarbeitung und sodann regelmäßig von der Einhaltung der beim Cloud-Anbieter als Auftragnehmer getroffenen technischen und organisatorischen Maßnahmen zu überzeugen. Dem Cloud-Anwender wird es dabei nicht immer möglich sein, eine Vor-Ort-Prüfung durchzuführen. Allerdings darf er sich nicht auf bloße Zusicherungen des Cloud-Anbieters verlassen, sondern er muss eigene Recherchen betreiben, um sich Gewissheit darüber zu verschaffen, dass gesetzlich normierte oder vertraglich vereinbarte Sicherheitsstandards eingehalten werden. 14 Die Lösung kann darin bestehen, dass der Cloud-Anbieter sich einem Zertifizierungs- bzw. Gütesiegelverfahren zu Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit bei einer unabhängigen und kompetenten Prüfstelle unterwirft. 15 Besteht eine Erlaubnis zur Beauftragung von Unter-Anbietern, so müssen im Rahmen der Unterbeauftragung die Vorgaben des Vertrags zwischen Cloud-Anwender und Cloud-Anbieter berücksichtigt werden. Der Cloud-Anbieter muss in diesem Fall vor Beginn der Datenverarbeitung im Rahmen der Unterbeauftragung eine Kontrolle nach 11 Abs. 2 Satz 4 BDSG vornehmen. Hierfür muss dann derselbe Kontrollmaßstab gelten wie im Verhältnis zwischen Cloud-Anwender und Cloud-Anbieter. Dabei ist zu fordern, dass der Cloud-Anwender die Begründung von Unteraufträgen davon abhängig macht, dass der Cloud-Anbieter entsprechende Vereinbarungen mit dem Unter-Anbieter trifft. Weiterhin sollte der Cloud-Anbieter gegenüber dem Cloud- Anwender vertraglich verpflichtet sein, auf Verlangen vorhandene Nachweise zu Zertifizierungen bzw. Datenschutz-Gütesiegeln der Unter-Anbieter vorzulegen. 3.3 Betroffenenrechte Der Cloud-Anwender bleibt als Auftraggeber nach 11 Abs. 1 BDSG zur Einhaltung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen verpflichtet, wobei ihm auch die Verpflichtung obliegt, personenbezogene Daten nach den 34, 35 BDSG zu berichtigen, zu löschen, zu sperren und auf Verlangen des Betroffenen Auskünfte vor allem zu den zu seiner Person gespeicherten Daten und zur Herkunft der Daten zu erteilen. Da der Cloud-Anwender nur einen sehr eingeschränkten administrativen, operativen und kontrollierenden Zugriff auf die Infrastruktur des Cloud Computing hat, sollte er gegenüber dem Cloud-Anbieter vertragsstrafenbewehrte Weisungsrechte festlegen, die eine Erfüllung der Betroffenenrechte gewährleisten und diesem zusätzlich die Verpflichtung auferlegen, gegenüber Unter-Anbietern dieselben Rechte einzuräumen. Weiterhin können zur Durchsetzung der Betroffenenrechte technische Maßnahmen ergriffen werden (Kapitel 4). 3.4 Grenzüberschreitender Datenverkehr Da die Cloud nicht an geographische Grenzen gebunden und darin stattfindende Datenverarbeitung gerade nicht ortsgebunden ist, muss für eine datenschutzrechtliche Betrachtung insbesondere deutlich werden, wo die Cloud-Anbieter und Unter- Anbieter tätig werden. Der Cloud-Anwender wird aber oft nicht wissen, an welchem Ort im jeweiligen Augenblick die Verarbeitung erfolgt. Deshalb ist es wichtig, dass Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 910 er sämtliche Verarbeitungsorte kennt und über jeden Wechsel des Verarbeitungsorts vorab informiert wird. EU-Recht ist in diesem Zusammenhang bereits dann anwendbar, wenn der Cloud-Anwender als im Regelfall für die Verarbeitung verantwortliche Stelle im Rahmen der Tätigkeiten einer in der EU gelegenen Niederlassung personenbezogene Daten verarbeitet und wenn die für die Verarbeitung verwendeten Mittel im Hoheitsgebiet der EU gelegen sind Innereuropäischer Raum Für Clouds im innereuropäischen Raum, bei denen die Datenverarbeitung ausschließlich innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) stattfindet, ergeben sich dabei keine Besonderheiten. Aufgrund des weitgehend innerhalb des EWR harmonisierten Datenschutzniveaus gelten für alle Cloud-Anwender, -Anbieter und Unter-Anbieter dieselben datenschutzrechtlichen Anforderungen nach der Richtlinie 95/46/EG. Durch vertragliche Vereinbarungen zwischen dem Cloud-Anwender und dem Cloud-Anbieter kann der Ort der technischen Verarbeitung personenbezogener Daten vereinbart werden. Cloud-Anbieter sowie Unter-Anbieter können so verpflichtet werden, nur technische Infrastrukturen zu verwenden, die sich physikalisch auf dem Gebiet des EWR befinden. Es ist daher nicht hinnehmbar, dass der Cloud- Anbieter eine Auskunft zu den Standorten der Datenverarbeitung verweigert, keinesfalls dürfte bei einer Verweigerung pauschal von einer Cloud im innereuropäischen Raum ausgegangen werden Außereuropäischer Raum Erfolgen die Datenverarbeitungen allerdings außerhalb der EU und des EWR, indem die Cloud-Anbieter und/oder Unter-Anbieter eine Datenverarbeitung in Drittstaaten vornehmen, so gelten die besonderen Anforderungen der 4b, 4c BDSG für den Drittstaatentransfer. Falls in dem Drittstaat kein angemessenes Datenschutzniveau besteht 17, müssen daher durch den Cloud-Anwender als verantwortliche Stelle ausreichende Garantien zum Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts und der Ausübung der damit verbundenen Rechte vorgewiesen werden. Die Garantien können sich aus Standardvertragsklauseln oder u. U. aus Binding Corporate Rules ergeben. In jedem Fall ist ein besonderes Augenmerk auf die Festlegung eines technischen und organisatorischen Datenschutzes zu legen (Kapitel 4). Im Rahmen des Datentransfers mit Drittstaaten erlangen die Standardvertragsklauseln für die Übermittlung personenbezogener Daten an Auftragsverarbeiter in Drittländern nach der Richtlinie 95/46/EG vom an Bedeutung. Demnach agiert der Cloud-Anwender als verantwortliche Stelle und Datenexporteur, der Cloud- Anbieter hingegen als Datenimporteur, sofern er in einem Drittstaat ansässig ist. 19 Gibt der im Drittstaat ansässige Cloud-Anbieter Daten an einen Unter-Anbieter, der ebenfalls seinen Sitz im außereuropäischen Raum hat, so wird Ersterer als Übermittler mitverantwortlich für die Rechtmäßigkeit der Datenübermittlung und -verarbeitung. Gleichwohl verbleibt eine Verantwortlichkeit des Cloud-Anwenders. Der Cloud- Anwender bleibt in jedem Fall haftungsrechtlich für sämtliche Schäden verantwortlich, die der Cloud-Anbieter oder Unter-Anbieter den Betroffenen zufügen. Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 1011 Im Rahmen der durch eine Entscheidung der EU-Kommission erlassenen Standardvertragsklauseln, die vom Cloud-Anwender und Cloud-Anbieter unverändert übernommen werden müssen 20, wurden allerdings die spezifischen Regelungen der Auftragsdatenverarbeitung nicht vollständig abgebildet, obwohl die vertraglichen und faktischen Beziehungen zwischen Datenexporteur und Datenimporteur einer solchen Verarbeitung ähnlich sind. Aus diesem Grunde muss der Cloud-Anwender über die Vereinbarung von Standardvertragsklauseln hinaus die Anforderungen nach 11 Abs. 2 BDSG erfüllen und entsprechend vertraglich abbilden. Dies kann durch Regelungen in den Anlagen zum Standardvertrag und/oder ergänzende geschäftsbezogene Klauseln oder durch separate vertragliche Regelungen erfolgen. 21 Solche Regelungen dienen der Wahrung der schutzwürdigen Belange der Betroffenen und können dazu führen, dass die Übermittlung durch den Erlaubnistatbestand des 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG gedeckt ist. Da aufgrund der Begriffsbestimmung in 3 Abs. 4 Nr. 3 in Verbindung mit 3 Abs. 8 BDSG die privilegierende Wirkung der Auftragsdatenverarbeitung nicht greift, wenn der Datenverarbeitungsdienstleister seinen Sitz außerhalb der EU und des EWR hat, und die Datenweitergabe an einen Datenverarbeiter in einem Drittstaat also eine Übermittlung darstellt 22, bedarf sie als solche einer Rechtsgrundlage. 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG kann als Rechtsgrundlage in Betracht kommen. Im Rahmen der danach vorzunehmenden Interessenabwegung ist zu berücksichtigen, welche Rolle dem Datenempfänger im Drittstaat zukommt und welche Regelung der Datenexporteur mit diesem geschlossen hat. Wenn der Datenexporteur mit dem Datenimporteur einen Vertrag mit Festlegungen entsprechend 11 Abs. 2 BDSG geschlossen hat, kann dies dazu führen, dass die Datenübermittlung aufgrund der Interessenabwägung gerechtfertigt ist. Dies gilt freilich nur, soweit der Erlaubnistatbestand des 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG überhaupt einschlägig sein kann. 23 Soweit besondere Arten personenbezogener Daten betroffen sind, scheidet das Cloud-Computing daher regelmäßig aus, denn 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG ist grundsätzlich nicht anwendbar und die Voraussetzungen der speziellen Erlaubnistatbestände nach 28 Abs. 6 bis 9 BDSG dürften grundsätzlich nicht erfüllt sein. 24 Erfolgt eine Verarbeitung personenbezogener Daten durch einen Cloud-Anbieter oder Unter-Anbieter mit Sitz in den USA, so können die EU-Standardvertragsklauseln ebenso wie Binding Corporate Rules entbehrlich sein, wenn sich der Cloud-Anbieter zur Einhaltung der Safe-Habor-Grundsätze verpflichtet hat. Cloud-Anbieter oder Unter-Anbieter mit Sitz in den USA können sich dabei auf freiwilliger Basis gegenüber dem US-Handelsministerium selbst zertifizieren, indem sie eine Beitrittserklärung unterzeichnet haben. Das System der Selbstzertifizierung ist allerdings in die Kritik geraten, was die Ergebnisse einer aktuellen Studie belegen. Danach behaupten 2170 US-Unternehmen, gemäß Safe Harbor privilegiert zu sein, wovon aber 388 beim Handelsministerium überhaupt nicht registriert waren. Von den dort aufgeführten Unternehmen waren 181 Zertifikate schon wegen Zeitablaufs nicht mehr gültig. 25 Daher ist zu fordern, dass sich der Cloud-Anwender mindestens davon überzeugt, ob das Zertifikat des Cloud-Anbieters noch gültig ist und sich auf die betreffenden Daten bezieht. 26 Soweit EU-Personaldaten verarbeitet werden sollen, muss der Cloud- Anwender ferner prüfen, ob der Cloud-Anbieter sich gemäß FAQ 9 Frage 4 des Safe- Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 1112 Harbor-Abkommens zur Zusammenarbeit mit den EU-Datenschutzaufsichtsbehörden verpflichtet hat. 27 Ferner muss der Cloud-Anwender prüfen und mit dem Cloud-Anbieter im Innenverhältnis sicherstellen, dass er (der Cloud-Anwender) bei einer Anfrage durch einen Betroffenen auch die nötigen Informationen erhält, um die Anfrage beantworten zu können. Bestehen für den Cloud-Anwender Zweifel an der Einhaltung der Safe-Harbor- Grundsätze durch den Cloud-Anbieter, so sollte auf Standardvertragsklauseln oder Binding Corporate Rules zurückgegriffen werden. 28 Zu beachten ist, dass auch eine gültige Safe-Harbor-Zertifizierung des Cloud- Anbieters (und ggf. des Unter-Anbieters) den Cloud-Anwender nicht von dem Erfordernis befreit, schriftliche Vereinbarungen entsprechend 11 Abs. 2 BDSG zu treffen. Auch in der Antwort zu FAQ 10 zu den Safe-Harbor-Grundsätzen wird klargestellt, dass vertragliche Regelungen entsprechend dem nationalen Datenschutzrecht des Datenexporteurs durch die Safe-Harbor-Zertifizierung nicht entbehrlich werden. Die weiteren obigen Ausführungen zum Erfordernis einer Rechtsgrundlage für die Übermittlung (insbesondere die Problematik, falls 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG nicht einschlägig sein kann) sind ebenfalls zu beachten. Ebenso wenig entbindet die bloße Safe-Harbor-Zertifizierung den Cloud-Anwender von seiner Kontrollpflicht analog 11 Abs. 2 Satz 3 BDSG. Die bloße Prüfung der Safe Harbor Zertifizierung genügt regelmäßig nicht den oben (3.2) dargestellten Anforderungen. Beim Drittstaatentransfer können die erforderlichen ausreichenden Garantien zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wie bereits oben erwähnt durch Binding Corporate Rules geschaffen werden. Allerdings hat sich die Artikel 29-Gruppe bislang aufgrund anderer Prioritäten noch nicht mit solchen Regelungen, die von Datenverarbeitungsdienstleistern in Bezug auf die zu verarbeitenden Daten der Auftraggeber geschaffen wurden, befasst. Derzeit gibt es daher noch keine reinen Processor- Binding Corporate Rules, jedenfalls noch keine, die von den europäischen Aufsichtsbehörden anerkannt worden wären. Es fehlen bislang konkrete Maßstäbe, denn die bisherigen Arbeitspapiere der Artikel 29-Gruppe zu Binding Corporate Rules 29 sind auf reine Processor-Binding Corporate Rules nicht zugeschnitten und müssten daher überdacht werden. Wenn Cloud-Anwender und Cloud-Anbieter derselben Unternehmensgruppe angehören, sind Binding Corporate Rules selbstverständlich ohne weiteres möglich. Auch hier wäre zu beachten, dass Binding Corporate Rules den Cloud-Anwender nicht von dem Erfordernis befreien, schriftliche Vereinbarungen entsprechend 11 Abs. 2 BDSG zu treffen. 30 Es besteht ebenfalls das Erfordernis einer Rechtsgrundlage für die Übermittlung. Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 1213 4. Technische und organisatorische Aspekte Cloud-Computing-Systeme der Cloud-Anbieter unterliegen bestimmten infrastrukturellen Rahmenbedingungen, deren Schutz bezüglich der Grundwerte Verfügbarkeit, Vertraulichkeit, Integrität, Revisionssicherheit und Transparenz (nähere Definitionen siehe Kapitel 4.1.1) gewährleistet werden muss. Dieser Schutz orientiert sich an dem Schutzbedarf der zu verarbeitenden personenbezogenen Daten. Die Umsetzung der Schutzziele ist durch technische und organisatorische Maßnahmen abzusichern. Kapitel beschreibt die grundsätzlichen cloudspezifischen Risiken und in Kapitel werden die klassischen Risiken, die ein Erreichen der Schutzziele erschweren, näher erläutert. In den nachfolgenden Kapiteln werden anhand der beschriebenen Schutzziele für die verschiedenen Betriebsmodelle IaaS, PaaS, SaaS die Risiken spezifiziert und die möglichen technischen und organisatorischen Maßnahmen benannt. 4.1 Ziele und Risiken Schutzziele Die Grundwerte sind wie folgt definiert: Verfügbarkeit: Personenbezogene Daten stehen zeitgerecht zur Verfügung und können ordnungsgemäß von autorisierten Benutzern verarbeitet werden. Vertraulichkeit: Nur Befugte können personenbezogene Daten zur Kenntnis nehmen. Integrität: Personenbezogene Daten bleiben während der Verarbeitung unversehrt, vollständig und aktuell. Die Funktionsweise der Systeme ist vollständig gegeben. Revisionssicherheit: Es kann festgestellt werden, wer wann welche personenbezogene Daten in welcher Weise verarbeitet hat. Transparenz: Die Verfahrensweise bei der Verarbeitung personenbezogener Daten ist vollständig, aktuell und in einer Weise dokumentiert, dass sie in zumutbarer Zeit nachvollzogen werden kann. Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 1314 4.1.2 Cloudspezifische Risiken Eine zentrale Eigenschaft des Cloud Computing ist, dass Computerressourcen von den Cloud-Anwendern genutzt werden, auf die sie selbst keinen konkreten Zugriff haben. Es ist in der Regel nicht nachvollziehbar, wo und auf welchen Systemen Anwendungen und Daten gespeichert sind, ausgeführt oder verarbeitet werden, besonders dann, wenn der Anbieter des Cloud Computing seine Dienstleistungen und Services (teilweise) bei anderen Anbietern einkauft und dieses nicht transparent für den Cloud-Anwender geschieht. Daraus resultieren die meisten Risiken, die im Folgenden behandelt werden. Löschung von Daten Das Löschen im Sinne des endgültigen Unkenntlichmachens von Daten kann bei Anwendungen des Cloud Computing nicht ohne Weiteres realisiert und überprüft werden. So besteht für den Cloud-Anwender die Unsicherheit, ob eine vollständige Löschung seiner Daten erfolgt, wenn er ein entsprechendes Kommando absetzt; die Daten am vorherigen Ort zuverlässig und sicher gelöscht werden oder vor dem Zugriff späterer Anwender sicher geschützt sind, wenn der Cloud-Anbieter den Ort der Erbringung der Dienstleistungen aus eigenen Erwägungen verlagert; für den Fall, dass in der Cloud u. U. auch an unterschiedlichen Verarbeitungsorten - Datensicherungen vorgenommen werden, die im Echtsystem bereits gelöschten Daten nicht noch im Backup-System vorhanden sind; für den Fall, dass der Cloud-Betreiber defekte Speichermedien für Echt- und Backup-Systeme austauschen muss, die Daten immer noch auf diesen (defekten) Datenträgern vorhanden und damit nicht irreversibel gelöscht sind. Nachvollziehbarkeit durch Protokollierung und Dokumentation Die meisten Protokolle und Dokumentationen zur Datenverarbeitung in der Cloud befinden sich beim Cloud-Anbieter, so dass die darauf aufbauende Kontrolle nicht durch den verantwortlichen Cloud-Anwender, sondern nur durch den Cloud- Anbieter erfolgen kann. Während der Cloud-Anwender kaum über regelmäßige Reports, Informationen über Schwierigkeiten und wichtige Vorfälle sowie über System- und Nutzungsprotokolle verfügt, kontrolliert sich der Cloud-Anbieter allenfalls selbst. Vervielfältigung und Verteilung der Daten Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 1415 Anwender von Cloud Computing haben in der Regel keine Gewissheit, wo auf der Welt ihre Anwendungen laufen bzw. ihre Daten verarbeitet werden. Die Verarbeitung und Speicherung kann auch fragmentiert und damit verteilt geschehen, insbesondere dann, wenn der Cloud-Anbieter Teile seines Portfolios bei anderen Anbietern bezieht. Anbieter von Cloud-Services sind gemeinhin an Standorten angesiedelt, die über extrem breitbandige Internet-Anbindungen verfügen. Diese leistungsfähigen Anbindungen sind notwendig, um überhaupt Cloud-Services anbieten zu können; sie ermöglichen es aber auch, in kürzester Zeit auch große Datenmengen an andere Standorte zu verschieben oder zu kopieren Klassische Risiken Cloud-Computing-Systeme unterliegen ebenso wie klassische Computing-Systeme bestimmten Rahmenbedingungen, deren Schutz bezüglich der Grundwerte Verfügbarkeit, Vertraulichkeit, Integrität, Revisionssicherheit und Transparenz gewährleistet werden muss. Die Umsetzung dieser klassischen Schutzziele kann auch in der Cloud in Frage gestellt werden durch versehentliches oder vorsätzliches Handeln von Mitarbeitern und Unter-Anbietern des Cloud-Computing-Providers, z. B. durch unberechtigtes Kopieren oder Klonen von Systemen, unberechtigte Manipulation oder Herunterfahren von Virtuellen Maschinen, Herunterfahren von Hosts, unberechtigte Manipulation von Konfigurationsdateien; vorsätzliche Nutzung von Sicherheitslücken beim Provider durch andere Kunden, z. B. zur Übernahme der Kontrolle über andere Virtuelle Maschinen, durch Zugriff auf das Dateisystem des Host, zu Denial-of-Service-Angriffe auf den Hypervisor, zum Abhören der Datenkommunikation zwischen Virtuellen Maschinen, durch unberechtigte Speicherzugriffe; vorsätzliche Nutzung von Sicherheitslücken durch Angriffe Dritter; Missbrauch der Plattform des Providers, z. B. für Brute-Force-Angriffe auf Passwörter, den Aufbau von Botnetzen, die Einschleusung von Schadsoftware, das Versenden von SPAM; Nutzung von Sicherheitslücken auf den Übertragungswegen via Internet zwischen Kunden und Providern; unbeabsichtigte oder vorsätzliche Nutzung von Sicherheitslücken in den vom Provider zur Nutzung durch die Kunden bereit gestellten Software-Schnittstellen und APIs; Angriffe durch Schadsoftware auf die Dienste in der Cloud; Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 1516 Risiken jeglicher Form von Computerkriminalität durch schlecht kontrollierte Registrierungsmodalitäten zur Nutzung von Cloud-Diensten; Cloud-unabhängige Sicherheitsmängel der technischen Infrastruktur bedingt durch fehlende oder unzureichende Sicherheitskonzepte, wie z. B. eine unsichere Stromversorgung, eine mangelhafte Klimatisierung der Infrastrukturräume oder die Zutrittskontrolle zu Gebäuden und Räumen. Datentrennung Die unter Umständen schwierige Kontrolle des Zugriffs auf Daten und Anwendungen bei der Nutzung von Cloud-Services kann dazu führen, dass Cloud-Anwender sogenannter virtueller Maschinen (VM) die Ressourcennutzung anderer auf dem Rechner befindlicher VM ausspionieren und darüber weitere Aktivitäten zum unbefugten Zugriff auf die in den anderen VM gespeicherten und verarbeiteten Daten entwickeln können; wegen der Teilung der verfügbaren Ressourcen zwischen vielen Cloud- Anwendern Risiken bestehen, da die Daten verschiedener Kunden nicht hinreichend getrennt verarbeitet werden. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die gleiche Datenbankinstanz aus Kostengründen für verschiedene Cloud-Anwender eingesetzt wird und damit auf Datenseparierung verzichtet wird; letzteres auch dann der Fall sein kann, wenn die zu teilenden Ressourcen und der Virtualisierungs-Hypervisor nicht optimal aufeinander abgestimmt sind. Transparenz der Datenverarbeitung in der Cloud Die Transparenz der Datenverarbeitung in der Cloud ist für die aus der Ferne arbeitenden Cloud-Anwender ohne besondere Maßnahmen des Cloud-Anbieters kaum gegeben. Dies führt u. U. dazu, dass die Cloud-Anwender die Kontrolle über den Zugriff auf die eigenen Daten aufgeben, wenn das Personal des Cloud-Anbieters zu allen Daten Zugang hat, die in der Cloud verarbeitet werden; bei der Nutzung einer Public Cloud in Drittländern der Zugriff auf Daten des Cloud-Anwenders durch staatliche und private Stellen möglich und nicht kontrollierbar ist; Cloud-Anwender nicht über den Ort der Verarbeitung oder die Wege ihrer Daten durch die Cloud und die näheren Umstände der Verarbeitung beim Cloud- Anbieter informiert werden; Cloud-Anwender nicht kontrollieren können, ob die Umstände der Datenverarbeitung und die Maßnahmen zum organisatorischen Datenschutz beim Cloud Computing Anbieter den Verträgen zur Auftragsdatenverarbeitung ( 11 BDSG) gerecht werden; Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 1617 Cloud-Anwender keine Kontrolle über die Datenspuren haben, die sie bei der Nutzung der Cloud hinterlassen; Cloud-Anwender keine Kontrolle über Unter-Anbieter der Cloud-Anbieter haben, denen der Zugriff auf die Rechner ermöglicht wird. Verfügbarkeit in der Cloud Die Verfügbarkeit der über die Cloud angebotenen Dienstleistung kann gefährdet werden durch Leistungsverweigerung durch betrügerisches Handeln des Cloud-Anbieters; Ausfall der Hardware des Providers (spontan, etwa durch Softwarefehler in den komplexen Plattformen, durch Fehler oder vorsätzliches Handeln von Mitarbeitern des Providers, durch Angriffe von außen, z. B. bei DDoS-Angriffen durch Botnetze, Beschädigung von Speichermedien bei fehlendem Backup); Ausfall der Dienste und Anwendungen oder Löschung von Daten durch versehentliches oder vorsätzliches Handeln von Mitarbeitern und von Unter-Anbietern des Cloud-Anbieters, z. B. durch unberechtigtes Herunterfahren einer Virtuellen Maschine oder eines Hosts; die spontane, versehentlich oder absichtlich bewirkte Unterbrechung von Verbindungen zwischen Netzelementen, z. B. in der Verbindung zwischen Kunden und Provider, auch bewirkt durch die bei Cloud Computing erhöhte Komplexität der Netze; Mängel des Qualitätsmanagements bei Vorbereitung und Betrieb der Cloud- Anwendungen, die zu Ausfällen der Provisionierung (Beschaffung), fehlerhaften Betriebsmittel-Reservierungen, Konfigurationsfehlern sowie Fehlern beim System-Upgrade führen können; technische Störungen der Kommunikationskanäle eines Cloud-Anwenders, die nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Geschäfts- und Produktionsprozesse beeinträchtigen; die erschwerte Erstellung von Backups sowie die Intransparenz des Backup und die Abhängigkeit vom Anbieter dabei; Angriffe durch Schadsoftware auf die Dienste in der Cloud. In den folgenden Kapiteln werden anhand der beschriebenen Schutzziele für die verschiedenen Betriebsmodelle die Risiken spezifiziert und die möglichen technischen und organisatorischen Maßnahmen benannt. 4.2 Infrastructure as a Service (IaaS) Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 1718 Cloud-Anbieter, deren Dienste IaaS-Angebote beinhalten, stellen essentielle IT- Ressourcen zur Verfügung. Diese beinhalten im Wesentlichen Speicherressourcen, Rechenleistung und Kommunikationsverbindungen, die meist virtualisiert in einem Cloud-Computing-System von einem oder mehreren Anbietern bedarfsgerecht zur Verfügung gestellt werden. Ein direkter Zugriff auf die zum Anbieten des Dienstes genutzten Systemkomponenten ist nicht möglich. Alle Kernkomponenten liegen ausschließlich im Einflussbereich des Anbieters. Dennoch muss sich der Cloud- Anwender als Auftraggeber für die Datenverarbeitung über den Stand der Informationssicherheit selbst überzeugen können. Dazu sollte der Anwender die Möglichkeit erhalten, die Seriosität der Cloud-Anbieter verifizieren zu können, indem unabhängige Stellen Zertifikate für datenschutzkonforme Anbieter erteilen dürfen. Alle Maßnahmen auf der Ebene des IaaS, die zum Erreichen der einzelnen Schutzziele dienen, liegen in der Verantwortung des Cloud-Anbieters und sollten sich an dem Schutzbedarf der zu verarbeitenden personenbezogenen Daten orientieren. In diesem Zusammenhang sind Kumulationseffekte auf Grund der systemimmanenten offenen Struktur, die an einer Vielzahl von Anwendern ausgerichtet ist, zu beachten. Wie können auf der Ebene des IaaS die grundsätzlichen datenschutzrechtlichen Anforderungen technisch umgesetzt werden? Infrastrukturelle Gegebenheiten (z.b. physikalische Sicherheit) Der Schutz der infrastrukturellen Gegebenheiten umfasst alle technischen und organisatorischen Maßnahmen, die auf den Schutz der Liegenschaft, insbesondere der Gebäude und Räume, in denen die zu betrachtenden IT-Komponenten aufgestellt sind, gerichtet sind. Dazu zählt z. B. eine sichere Stromversorgung, Aspekte des Brandschutzes und der Klimatisierung, Zugangs-, Zutritts- und Zugriffssicherungssysteme sowie Redundanzen essentieller Komponenten. Vertraulichkeit, Verfügbarkeit Eine typische Gefährdung für die Vertraulichkeit und Verfügbarkeit informationstechnischer Systeme und deren personenbezogener Daten basiert auf dem Diebstahl und Ausfall von nicht redundanter Hardware (z. B. Speichermodule oder Rechner), die sich im Einflussbereich des Cloud-Anbieters (Ressourcen-Anbieter) befinden. IT-Systeme (z. B. Host, Speicher) Die Prozesse in der Cloud und deren Berechnungen werden auf den IT-Systemen (Hardware) des Ressourcen-Anbieters ausgeführt und müssen ebenfalls angemessen abgesichert werden. Dazu zählen z. B. Zugangsbeschränkungen, Patchmanagement, sichere Grundkonfiguration, Sicherheitsrichtlinien, Integritätsprüfung, revisionssichere Protokollierung, Datensicherung, Intrusion-Detection-Systeme (IDS), Firewalls und Virenschutz. Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 1819 Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit Der Cloud-Anwender wird mittels der Virtualisierungstechnologie daran gehindert, direkt auf die Hardware-Ebene durchzugreifen. Diese Isolation kann die Etablierung einer sicheren Umgebung begünstigen. Als besonders schützenswert ist der Cloud-Operator (Cloud Control) zu betrachten, da dieser die zur Verfügung gestellten Ressourcen koordiniert und dem Nutzer bedarfsgerecht zur Verfügung stellt. Netze (z. B. Kommunikationsverbindungen) Die Kommunikationsverbindungen zwischen den Cloud-Ressourcen sowie den Cloud-Anwendern stellen zentrale Komponenten dar, die bezüglich der Schutzziele, insbesondere der Vertraulichkeit und Verfügbarkeit, abgesichert werden müssen. Vertraulichkeit Die Vertraulichkeit personenbezogener Daten ist zu wahren, indem zu deren Schutz kryptographische Verfahren (Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen den Kommunikationspartnern) eingesetzt werden. Dies betrifft insbesondere die für die Administration eingerichteten Fernwartungszugänge. Netzbasierte Angriffe können mittels Intrusion-Detection-Systeme (IDS) und Intrusion-Prevention-Systeme (IPS) ermittelt bzw. verhindert werden, um mit speziell abgestimmten Maßnahmen reagieren zu können. Verfügbarkeit Da die Verfügbarkeit ein wesentlicher Aspekt netzbasierter Maßnahmen darstellt, sollten die Kommunikationsverbindungen zwischen den Rechenzentren sowie deren Anbindung an das Netz redundant ausgelegt sein. Virtualisierung Cloud-Systeme zeichnen sich durch die Verwendung der Virtualisierung aus, hierbei werden dem Cloud-Anwender virtualisierte Ressourcen (z. B. virtueller Speicher, virtuelle Maschinen) zur Verfügung gestellt. Die physischen Ressourcen werden dabei mittels einer Virtualisierungssoftware (Virtual Machine Monitor - VMM oder Hypervisor) abstrahiert. Die damit einhergehende Steigerung der Komplexität (jede virtuelle Maschine benötigt ein Server-, Storage- und Netzwerkkonzept) erhöht auch die Komplexität der Sicherheitsanforderungen und bedarf zusätzlicher, der Technologie geschuldeter Sicherheitsuntersuchungen (z. B. Verschiebung (VMotion) und Snapshots virtueller Maschinen). Des Weiteren unterliegen Virtualisierungen besonderen Bedingungen bei den Bereitstellungsmechanismen von CPU und RAM sowie der Storage- und Netwerk-Anbindung, die einer gesonderten Risikoanalyse bedürfen. Orientierungshilfe Cloud Computing (Version 1.0 /Stand ) 1920 Transparenz Der Cloud-Anwender sollte auf die Veröffentlichung von Benutzerrichtlinien zur Absicherung der virtuellen Systemlandschaft des Cloud-Anbieters achten. Der Einsatz zertifizierter Virtualisierungssoftware erhöht neben der Sicherheit auch die Transparenz des verwendeten Systems und schafft Vertrauen bei den Anwendern. Integrität / Vertraulichkeit Eine besondere Bedeutung kommt dem sensitiven administrativen Zugang zu diesen Maschinen zu, da dieser in der Regel über öffentliche Netze läuft und dementsprechend abgesichert werden muss. Ferner sollte ein durchdachtes Rechte- und Rollenkonzept für diese Zugänge geschaffen werden. 4.3 Platform as a Service (PaaS) Bietet ein Cloud-Anbieter PaaS-Dienste an, so bietet er Infrastrukturen zur Entwicklung von Cloud-Anwendungen an. In diesen Entwicklungsumgebungen, die auch als technische Frameworks oder Laufzeitumgebungen bezeichnet werden, können Cloud-Anwender eigene Anwendungen entwickeln. Die Entwicklungsumgebung bietet technische Funktionen, wie Datenbanken und Werkzeuge, die es den Anwendern ermöglicht, gleichzeitig an Programmen, Dokumenten und Daten zu arbeiten. Grundlegende Einstellungen an diesen Infrastrukturen können in der Regel vom Cloud-Anwender nicht oder nur in sehr begrenztem Umfang durchgeführt werden. Diese administrative Hoheit liegt daher beim Cloud-Anbieter. Da die Anwender die Anwendungen selbst entwickeln, haben sie direkten Einfluss auf diese und somit auf die Art und Weise, wie Daten innerhalb der Anwendungen und der Laufzeitumgebungen verarbeitet werden. Die datenschutzrechtliche Verantwortung für diese Daten liegt bei den Cloud-Anwendern. Bei der Entwicklung der Anwendungen ist der Grundsatz der Datensparsamkeit zu beachten ( 3a BDSG). Dies gilt sowohl für die innerhalb der Anwendung zu verarbeitenden Daten als auch für eventuelle Protokoll-Daten, die von den selbst entwickelten Anwendungen oder den dabei eingesetzten Funktionalitäten der PaaS- Umgebung erzeugt werden. Wie bei allen Cloud-Services gilt es, genaue vertragliche Regelungen (Verträge nach 11 BDSG bzw. in Standardverträgen und ggf. in separaten Verträgen, im folgenden vereinfachend insgesamt auch als Service Level Agreements bezeichnet, SLA) zwischen Cloud-Anbieter und Anwender festzulegen, um weitestgehende Kontrolle des Anwenders über die Datenverarbeitung in der Cloud zu realisieren. Ändert der Cloud- Anbieter Bestandteile seiner PaaS-Umgebungen, so darf das nur mit voriger Information in Einzelfällen auch nur mit Zustimmung des Cloud-Anwenders passieren. 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