Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/automatisierte-kfz-kennzeichenkontrollen-in-baden-wuerttemberg-und-hessen-3138161
Timestamp: 2020-07-14 10:57:28
Document Index: 231154130

Matched Legal Cases: ['§ 26', '§ 22', '§ 26', '§ 18', '§ 14', '§ 22', '§ 26', '§ 14', '§ 18', '§ 22', '§ 26', '§ 14', '§ 18', '§ 22', '§ 14', '§ 22', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art.19', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 13', '§ 22', '§ 26', '§ 14', '§ 18', '§ 22', '§ 22', 'Art. 74', 'Art.19', '§ 22', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 13', '§ 22', '§ 22', '§ 26', '§ 22', '§ 26', '§ 22', '§ 22', '§ 26', '§ 22', 'Art.19', 'Art.19', '§ 45', 'Art. 74', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 22', '§ 45', '§ 13', '§ 29', '§ 13', '§ 29', 'Art. 100', '§ 93', '§ 93', '§ 93', '§ 93', '§ 93', '§ 22', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 26', '§ 22', '§ 22', '§ 26', '§ 26', '§ 22', '§ 26', '§ 26', '§ 26', '§ 18', 'Art. 74', '§ 111', 'Art. 72', '§ 26', '§ 22', '§ 26', '§ 22', '§ 26', '§ 22', '§ 22', '§ 18', '§ 14', 'Art. 8', 'Art.19', 'Art. 8', 'Art.19', '§ 10', 'Art. 8', 'Art. 72', 'Art. 74', '§ 22', '§ 26', '§ 14', '§ 18', '§ 26', '§ 22', '§ 14', '§ 26', '§ 18', '§ 22', '§ 14', '§ 22', '§ 26', 'Art. 74', '§ 22', '§ 26', '§ 14', '§ 18', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 14', '§ 18', '§ 22', '§ 26', '§ 22', '§ 26', '§ 14', '§ 18', '§ 22', '§ 14', '§ 26', '§ 18', '§ 26', '§ 18', '§ 14', '§ 18', '§ 100', '§ 14', '§ 18', '§ 18', '§ 22', '§ 14', '§ 22', '§ 14', '§ 22', '§ 14', '§ 22', '§ 14', '§ 22', '§ 14', '§ 22', '§ 14', '§ 22', '§ 13', '§ 24', '§ 13', '§ 48', '§ 28', '§ 48', '§ 28', '§ 30', '§ 22', '§ 14', '§ 22', '§ 14', '§ 22', '§ 22', '§ 14', '§ 22', '§ 14', '§ 31', '§ 26', '§ 22', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 26', '§ 18', 'Art.19', '§ 14', '§ 22', '§ 26', '§ 14', '§ 18', '§ 22', '§ 26', '§ 14', '§ 18', '§ 22', '§ 14']

Automatisierte Kfz-Kennzeichenkontrollen in Baden-Württemberg und Hessen | Rechtslupe
Eine auto­ma­ti­sier­te Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen­kon­trol­le begrün­det Ein­grif­fe in das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aller Per­so­nen, deren Kenn­zei­chen in die Kon­trol­le ein­be­zo­gen wer­den, auch wenn das Ergeb­nis zu einem "Nicht­tref­fer" führt und die Daten sogleich gelöscht wer­den [1]. Die ent­spre­chen­den poli­zei­recht­li­chen Vor­schrif­ten in Baden-Würt­tem­berg und Hes­sen sind teil­wei­se ver­fas­sungs­wid­rig.
§ 26 Absatz 1 Num­mer 4 und Num­mer 5 des Poli­zei­ge­set­zes des Lan­des Baden-Würt­tem­berg in der Fas­sung des Geset­zes zur Ände­rung des Poli­zei­ge­set­zes vom 18.11.2008 [2] und § 22a Absatz 1 des Poli­zei­ge­set­zes des Lan­des Baden-Würt­tem­berg, soweit er auf § 26 Absatz 1 Num­mer 4 und Num­mer 5 des Poli­zei­ge­set­zes des Lan­des Baden-Würt­tem­berg ver­weist, sind mit Arti­kel 2 Absatz 1 in Ver­bin­dung mit Arti­kel 1 Absatz 1 GG auf­grund des Ver­sto­ßes gegen Arti­kel 72 Absatz 1, Arti­kel 74 Absatz 1 Num­mer 1 des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar und nich­tig.
§ 18 Absatz 2 Num­mer 5 des Hes­si­schen Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung in der Fas­sung des Geset­zes zur Ände­rung des Hes­si­schen Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung und ande­rer Geset­ze vom 14.12 2009 [3], soweit er poli­zei­li­che Kon­troll­stel­len zur Ver­hü­tung von ver­samm­lungs­recht­li­chen Straf­ta­ten vor­sieht, und § 14a Absatz 1 Satz 1 des Hes­si­schen Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung, soweit er auf die­sen ver­weist, sind mit Arti­kel 8 Absatz 1 in Ver­bin­dung mit Arti­kel 19 Absatz 1 Satz 2 des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar.
§ 22a Absatz 1 Satz 1 des Poli­zei­ge­set­zes des Lan­des Baden-Würt­tem­berg, soweit mit ihm auf § 26 Absatz 1 Num­mer 1 des Poli­zei­ge­set­zes des Lan­des Baden-Würt­tem­berg ver­wie­sen wird, und § 14a Absatz 1 Satz 1 des Hes­si­schen Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung, soweit mit ihm auf § 18 Absatz 1 des Hes­si­schen Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung ver­wie­sen wird, sind mit Arti­kel 2 Absatz 1 in Ver­bin­dung mit Arti­kel 1 Absatz 1 des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar, soweit sie die Kenn­zei­chen­kon­trol­len nicht auf den Schutz von Rechts­gü­tern von zumin­dest erheb­li­chem Gewicht beschrän­ken.
§ 22a Absatz 1 Satz 1 des Poli­zei­ge­set­zes des Lan­des Baden-Würt­tem­berg, soweit mit ihm auf § 26 Absatz 1 Num­mer 6 des Poli­zei­ge­set­zes des Lan­des Baden-Würt­tem­berg ver­wie­sen wird, und § 14a Absatz 1 Satz 1 des Hes­si­schen Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung, soweit mit ihm auf § 18 Absatz 2 Num­mer 6 des Hes­si­schen Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung ver­wie­sen wird, sind mit Arti­kel 2 Absatz 1 in Ver­bin­dung mit Arti­kel 1 Absatz 1 des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar, soweit die Orte für die Durch­füh­rung der Kon­trol­len in Hin­blick auf deren Grenz­be­zug nicht hin­rei­chend bestimmt beschränkt wer­den.
§ 22a Absatz 4 Satz 4 des Poli­zei­ge­set­zes des Lan­des Baden-Würt­tem­berg und § 14a Absatz 4 Satz 4 des Hes­si­schen Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung sind mit Arti­kel 2 Absatz 1 in Ver­bin­dung mit Arti­kel 1 Absatz 1 des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar, soweit sie die Ver­ar­bei­tung der Kenn­zei­chen zu wei­te­ren Zwe­cken nicht auf den Schutz von Rechts­gü­tern von zumin­dest erheb­li­chem Gewicht oder einem ver­gleich­bar gewich­ti­gen öffent­li­chen Inter­es­se beschrän­ken.
Die unter 2. ange­führ­ten Vor­schrif­ten blei­ben bis zu einer Neu­re­ge­lung durch den Gesetz­ge­ber, längs­tens bis zum 31.12 2019, nach Maß­ga­be der Grün­de wei­ter anwend­bar.
Gesetz­li­che Rege­lun­gen zur auto­ma­ti­schen Kenn­zei­chen­kon­trol­le in Baden-Würt­tem­berg und Hes­sen
Die Ansicht der Lan­des­re­gie­rung von Baden-Würt­tem­berg
Die Ansicht der Hes­si­schen Staats­kanz­lei
Die Ansicht der Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­ten
Rechts­satz­ver­fas­sungs­be­schwer­de – und der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät
Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen­kon­trol­len als Ein­grif­fe in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung
Teil­wei­se for­mel­le Ver­fas­sungs­wid­rig­keit
Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der auto­ma­ti­sier­ten Kenn­zei­chen­kon­trol­le
Fol­gen der (teil­wei­sen) Ver­fas­sungs­wid­rig­keit
Gesetz­li­che Rege­lun­gen zur auto­ma­ti­schen Kenn­zei­chen­kon­trol­le in Baden-Würt­tem­berg und Hes­sen[↑]
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den rich­ten sich gegen poli­zei­recht­li­che Vor­schrif­ten in Baden-Würt­tem­berg und Hes­sen, die zur auto­ma­ti­sier­ten Kon­trol­le der Kenn­zei­chen von Kraft­fahr­zeu­gen ermäch­ti­gen.
Die Poli­zei in Baden-Würt­tem­berg und in Hes­sen ist durch die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten ermäch­tigt, mit­tels des Ein­sat­zes von Lese­ge­rä­ten die Kenn­zei­chen von Kraft­fahr­zeu­gen zu erfas­sen und die­se mit aus­ge­schrie­be­nen Kenn­zei­chen abzu­glei­chen. Zur Funk­ti­ons­wei­se der Lese­ge­rä­te und zum für den Abgleich her­an­zieh­ba­ren Fahn­dungs­be­stand haben sowohl die Lan­des­re­gie­rung von Baden-Würt­tem­berg als auch die Hes­si­sche Staats­kanz­lei Stel­lung genom­men.
Nach Anga­ben der Lan­des­re­gie­rung von Baden-Würt­tem­berg ver­fügt das Land über ein Gerät zur Kenn­zei­chen­kon­trol­le, das mobil oder tem­po­rär sta­tio­när ein­ge­setzt wer­den kön­ne. Die bis zu zwei Kame­ras des Kenn­zei­chen­le­se­sys­tems und ein Lap­top sei­en mit einem Kabel über ein zen­tra­les Steu­er­ele­ment mit­ein­an­der ver­bun­den. Vor Ein­satz­be­ginn müss­ten die Kenn­zei­chen­da­ten des poli­zei­li­chen Fahn­dungs­be­stands tages­ak­tu­ell manu­ell auf den Lap­top über­tra­gen wer­den. Die Kenn­zei­chen­er­fas­sung erfol­ge mit­tels der Kame­ras, der Abgleich off­line mit dem auf dem Lap­top ein­ge­spiel­ten Kenn­zei­chen­be­stand. Auf dem Bild­schirm des Lap­tops wür­den die erfass­ten Kenn­zei­chen­bil­der zur Funk­ti­ons­kon­trol­le kurz­zei­tig dar­ge­stellt (in der Regel für weni­ger als eine Sekun­de). Im Nicht­tref­fer­fall fin­de kei­ne Spei­che­rung statt. Wenn das Sys­tem einen Tref­fer mel­de, wer­de der Daten­satz auf dem Bild­schirm des Lap­tops dar­ge­stellt, sodass das Bild der Kenn­zei­chen­ka­me­ra mit dem Kenn­zei­chen des Fahn­dungs­be­stands visu­ell ver­gli­chen wer­den kön­ne. Die Spei­che­rung eines Tref­fer­bil­des erfol­ge nur im Arbeits­spei­cher des Lap­tops. Tref­fer wür­den mit dem Aus­schal­ten des Geräts für den Anwen­der gelöscht. Es sei vor­ge­se­hen, dass der ange­zeig­te Tref­fer durch eine nach­fol­gen­de abschlie­ßen­de Abfra­ge im zen­tra­len poli­zei­li­chen Fahn­dungs­be­stand über­prüft wer­de, um zu gewähr­leis­ten, dass zwi­schen­zeit­lich erfolg­te Ände­run­gen des Fahn­dungs­be­stands vor der Ein­lei­tung wei­te­rer poli­zei­li­cher Maß­nah­men berück­sich­tigt wür­den.
Der zum Abgleich her­an­ge­zo­ge­ne Daten­be­stand vari­ie­re nicht je nach Zweck der Auf­stel­lung des Kenn­zei­chen­le­se­sys­tems im kon­kre­ten Ein­satz­fall. Der Abgleich beschrän­ke sich jedoch immer auf die in § 22a Abs. 2 Satz 3 des Poli­zei­ge­set­zes des Lan­des Baden-Würt­tem­berg vor­ge­se­he­nen Zwe­cke. Daten­grund­la­ge sei­en die im Schen­ge­ner Infor­ma­ti­ons­sys­tem (SIS) und im Poli­zei­li­chen Infor­ma­ti­ons­sys­tem (INPOL) zur Fahn­dung aus­ge­schrie­be­nen Kenn­zei­chen.
Nach Anga­ben der Hes­si­schen Staats­kanz­lei wird im Kenn­zei­chen­fahn­dungs­be­stand nicht nach Zweck und Anlass der Kenn­zei­chen­er­fas­sung unter­schie­den. Er bestehe aus täg­lich aktua­li­sier­ten Sach­fahn­dungs­da­ten des Schen­ge­ner Infor­ma­ti­ons­sys­tems und dem hes­si­schen Kenn­zei­chen­fahn­dungs­be­stand. Sobald das Kenn­zei­chen­le­se­sys­tem einen Tref­fer anzei­ge, erfol­ge ein visu­el­ler Abgleich zwi­schen dem Kenn­zei­chen­bild und der Tref­fer­an­zei­ge.
Mit ihren Ver­fas­sungs­be­schwer­den rügen die Beschwer­de­füh­re­rin und die Beschwer­de­füh­rer eine Ver­let­zung des Grund­rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aus Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG sowie der Rechts­schutz­ga­ran­tie des Art.19 Abs. 4 GG durch die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen. Der Beschwer­de­füh­rer zu II. rügt zudem eine Ver­let­zung sei­ner Rech­te aus Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1, Art. 10 und Art. 13 GG durch die Daten­über­mitt­lung zwi­schen Poli­zei­be­hör­den.
a)) Die Beschwer­de­füh­re­rin und die Beschwer­de­füh­rer in dem Ver­fah­ren 1 BvR 2795/​09 grei­fen § 22a in Ver­bin­dung mit § 26 Abs. 1 des Poli­zei­ge­set­zes des Lan­des Baden-Würt­tem­berg (PolG BW) in der Fas­sung des Geset­zes zur Ände­rung des Poli­zei­ge­set­zes vom 18.11.2008 [4] an.
Der Beschwer­de­füh­rer in dem Ver­fah­ren 1 BvR 3187/​10 greift § 14a in Ver­bin­dung mit § 18 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1, 3 bis 6 des Hes­si­schen Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung (HSOG) in der Fas­sung des Geset­zes zur Ände­rung des Hes­si­schen Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung und ande­rer Geset­ze vom 14.12 2009 [5] an.
Der von dem Beschwer­de­füh­rer außer­dem ange­grif­fe­ne § 22 Abs. 1 Satz 2 HSOG regelt in der vom 23.12 2009 bis 24.05.2018 gel­ten­den Fas­sung die Über­mitt­lung von Daten an Poli­zei­be­hör­den des Bun­des und ande­rer Län­der sowie der ande­ren Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on und der am Schen­gen-Besitz­stand teil­ha­ben­den asso­zi­ier­ten Staa­ten.
a)) Die Beschwer­de­füh­re­rin und die Beschwer­de­füh­rer sehen sich durch die­se Rege­lun­gen selbst, gegen­wär­tig und unmit­tel­bar in ihren Grund­rech­ten betrof­fen. Sie sei­en ein­ge­tra­ge­ne Hal­ter von Per­so­nen­kraft­wa­gen, mit denen sie regel­mä­ßig auf den Stra­ßen des jewei­li­gen Bun­des­lan­des unter­wegs sei­en, und wür­den mit erheb­li­cher Wahr­schein­lich­keit in nach den ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten durch­ge­führ­te Kenn­zei­chen­kon­trol­len gera­ten. Eine gericht­li­che Über­prü­fung der Kenn­zei­chen­kon­trol­len sei auf­grund der ver­deck­ten Durch­füh­rung und der nicht vor­ge­se­he­nen Benach­rich­ti­gung nicht gewähr­leis­tet. Dies rügt der Beschwer­de­füh­rer zu II. auch für die Über­mitt­lung von Daten nach § 22 Abs. 1 Satz 2 HSOG.
Die Kenn­zei­chen­kon­trol­le grei­fe in das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ein. Die Kenn­zei­chen­er­fas­sung ver­fol­ge das Ziel, die erho­be­nen Daten für die staat­li­chen Daten­ver­ar­bei­tungs­sys­te­me ver­füg­bar zu machen, um sie mit dem Fahn­dungs­be­stand abglei­chen zu kön­nen. Die Löschung in Nicht­tref­fer­fäl­len und unech­ten Tref­fer­fäl­len erfol­ge erst nach dem Abgleich, sodass ein Grund­rechts­ein­griff vor­lie­ge.
Die gesetz­li­chen Grund­la­gen der Kenn­zei­chen­kon­trol­le sei­en for­mell ver­fas­sungs­wid­rig. Die Län­der ver­füg­ten für den Erlass der Rege­lun­gen nicht über die ent­spre­chen­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz. Zweck der Kenn­zei­chen­kon­trol­le sei der Abgleich mit den im Fahn­dungs­be­stand ent­hal­te­nen Aus­schrei­bun­gen, die auch repres­si­ve Zwe­cke ver­folg­ten. Maß­nah­men zum Zwe­cke der Straf­ver­fol­gung unter­fie­len jedoch der Gesetz­ge­bungs­be­fug­nis des Bun­des nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG. Die­ser habe von sei­ner Kom­pe­tenz abschlie­ßend Gebrauch gemacht.
Zudem ver­stie­ßen die ange­grif­fe­nen Nor­men gegen die Grund­sät­ze der Bestimmt­heit und der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Sowohl der zum Abgleich her­an­ge­zo­ge­ne Fahn­dungs­be­stand als auch die Ver­wen­dung der erho­be­nen Daten sei­en nicht hin­rei­chend bestimmt gere­gelt. Ange­sichts der hohen Ein­griffs­tie­fe sei­en die Rege­lun­gen zur Kenn­zei­chen­kon­trol­le auch unver­hält­nis­mä­ßig aus­ge­stal­tet. Es fehl­ten spe­zi­fisch auf die Maß­nah­me der auto­ma­ti­sier­ten Kenn­zei­chen­kon­trol­le abge­stimm­te Vor­aus­set­zun­gen, da ledig­lich auf die wei­ten Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen der Iden­ti­täts­fest­stel­lung ver­wie­sen wer­de. Des Wei­te­ren sei der abzu­glei­chen­de Fahn­dungs­be­stand nicht auf die Zwe­cke der Kenn­zei­chen­kon­trol­le abge­stimmt. Die ange­grif­fe­nen Nor­men ent­hiel­ten zudem kei­ne aus­rei­chen­de Zweck­bin­dung der erho­be­nen Daten für Fäl­le der Ver­wen­dung zu ande­ren Zwe­cken.
Wei­ter­hin ver­lan­ge Art.19 Abs. 4 GG, dass die von einer Kenn­zei­chen­kon­trol­le Betrof­fe­nen hier­über in Kennt­nis gesetzt wür­den. Dazu könn­ten Hin­weis­schil­der nach der Kon­troll­stel­le auf­ge­stellt wer­den.
Hin­sicht­lich der Daten­über­mitt­lung an aus­län­di­sche Stel­len in § 22 Abs. 1 Satz 2 HSOG macht der Beschwer­de­füh­rer gel­tend, dass die Rege­lung ange­sichts der zur Über­mitt­lung vor­ge­se­he­nen Daten in sei­ne Grund­rech­te aus Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1, Art. 10 und Art. 13 GG ein­grei­fe. Die Norm sei nicht bestimmt genug. Zudem ent­hal­te die Vor­schrift kaum Vor­aus­set­zun­gen und Gren­zen für die Daten­über­mitt­lung, was die Unver­hält­nis­mä­ßig­keit der Rege­lung begrün­de.
Die Ansicht der Lan­des­re­gie­rung von Baden-Würt­tem­berg[↑]
Zu den Ver­fas­sungs­be­schwer­den Stel­lung genom­men haben die Lan­des­re­gie­rung von Baden-Würt­tem­berg, die Hes­si­sche Staats­kanz­lei, das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, der Lan­des­be­auf­trag­te für den Daten­schutz Baden-Würt­tem­berg, der Hes­si­sche Daten­schutz­be­auf­trag­te, der Säch­si­sche Daten­schutz­be­auf­trag­te und das Unab­hän­gi­ge Lan­des­zen­trum für Daten­schutz Schles­wig-Hol­stein.
Die Lan­des­re­gie­rung von Baden-Würt­tem­berg hält die Ver­fas­sungs­be­schwer­de im Ver­fah­ren 1 BvR 2795/​09 für nicht begrün­det.
Der Ein­satz auto­ma­ti­scher Kenn­zei­chen­sys­te­me grei­fe nur dann in den Schutz­be­reich des Grund­rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ein, wenn das Kenn­zei­chen nicht unver­züg­lich mit dem Fahn­dungs­be­stand abge­gli­chen und ohne wei­te­re Aus­wer­tung sofort wie­der gelöscht wer­de. Das vom Land Baden-Würt­tem­berg beschaff­te Gerät siche­re bei Nicht­tref­fern die Spu­ren­lo­sig­keit und Anony­mi­tät des Ver­fah­rens. § 22a Abs. 3 Satz 1 PolG BW siche­re, dass der Abgleich unver­züg­lich nach der Erfas­sung und die Löschung unver­züg­lich nach dem Abgleich erfol­ge.
Im Fal­le eines Ein­griffs in das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung sei die­ser durch die Rege­lun­gen in § 22a PolG BW gerecht­fer­tigt. Die­se Norm sei for­mell und mate­ri­ell mit der Ver­fas­sung ver­ein­bar. Das Land besit­ze die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für die Rege­lung der auto­ma­ti­sier­ten Kenn­zei­chen­kon­trol­le, da die­se nach ihrem Schwer­punkt der Abwehr all­ge­mei­ner Gefah­ren für die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung die­ne. Dies erge­be sich bereits aus dem Wort­laut der Rege­lung. Im Übri­gen mache die Bezug­nah­me auf § 26 Abs. 1 PolG BW die prä­ven­ti­ve Aus­rich­tung deut­lich. Dass die Fahn­dungs­da­tei­en auch Aus­schrei­bun­gen zu repres­si­ven Zwe­cken ent­hiel­ten, ste­he dem nicht ent­ge­gen.
Die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen sei­en auch mate­ri­ell ver­fas­sungs­kon­form. Die Vor­aus­set­zun­gen für die Erfas­sung der Kenn­zei­chen sei­en in § 22a Abs. 1 PolG BW und § 26 Abs. 1 PolG BW tat­be­stand­lich hin­rei­chend hand­lungs­be­gren­zend gere­gelt. Der zum Abgleich her­an­zieh­ba­re Daten­be­stand und der Zweck des Abgleichs wür­den in § 22a Abs. 2 PolG BW hin­rei­chend bestimmt auf­ge­führt. Die Rege­lung der Kenn­zei­chen­kon­trol­le wah­re auch die Anfor­de­run­gen der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Die Ver­knüp­fung von § 22a PolG BW mit § 26 Abs. 1 PolG BW siche­re, dass die Kenn­zei­chen­kon­trol­le nur unter engen recht­li­chen und tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen zuläs­sig sei. Es sei­en zudem ver­schie­de­ne gesetz­li­che Beschrän­kun­gen der Kenn­zei­chen­kon­trol­le in § 22a Abs. 1 Satz 3 PolG BW vor­ge­se­hen. Dass im Rah­men des Abgleichs auch auf Misch­da­tei­en zuge­grif­fen wer­de, füh­re nicht zur Unver­hält­nis­mä­ßig­keit der Rege­lung, da die Zugriffs­zwe­cke hin­rei­chend gesetz­lich bestimmt sei­en.
Es lie­ge auch kein Ver­stoß gegen Art.19 Abs. 4 GG vor. Die Kenn­zei­chen­er­fas­sung dür­fe ver­deckt erfol­gen. Aus Art.19 Abs. 4 GG fol­ge kei­ne Pflicht, Betrof­fe­ne zu benach­rich­ti­gen. Viel­mehr bestehe nach § 45 PolG BW ein Aus­kunfts­an­spruch.
Die Ansicht der Hes­si­schen Staats­kanz­lei[↑]
Die Hes­si­sche Staats­kanz­lei hält die Ver­fas­sungs­be­schwer­de im Ver­fah­ren 1 BvR 3187/​10 für unzu­läs­sig und unbe­grün­det.
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de miss­ach­te den Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät, da ein Fahr­zeug­hal­ter im Wege der vor­beu­gen­den Unter­las­sungs­kla­ge vor den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten gegen die ihn mög­li­cher­wei­se betref­fen­de Kenn­zei­chen­er­fas­sung vor­ge­hen kön­ne. Dies gel­te auch für eine mög­li­che Daten­über­mitt­lung. Fach­ge­richt­li­chen Rechts­schutz habe der Beschwer­de­füh­rer jedoch nicht gesucht.
Die Rege­lun­gen zur Kenn­zei­chen­kon­trol­le hiel­ten sich im Rah­men der dem Land zuste­hen­den Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz. Die Kenn­zei­chen­kon­trol­le die­ne der Gefah­ren­ab­wehr und der vor­beu­gen­den Bekämp­fung von Straf­ta­ten. Zwar habe die Ver­fol­gungs­vor­sor­ge repres­si­ven Cha­rak­ter, sie sei aller­dings bun­des­recht­lich nicht erschöp­fend gere­gelt. Die Auf­ga­be der Gefah­ren­ab­wehr wer­de durch den Wort­laut der ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen deut­lich. Die Zustän­dig­keit des Bun­des nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 22 GG sei nicht betrof­fen.
Der Beschwer­de­füh­rer kön­ne durch die Rege­lun­gen zur Kenn­zei­chen­kon­trol­le nicht in sei­nem Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ver­letzt sein. Er kön­ne allen­falls zum Gegen­stand eines unech­ten Tref­fers wer­den, da sein Kenn­zei­chen nicht im Fahn­dungs­be­stand ent­hal­ten sei. Bei unech­ten Tref­fern lie­ge jedoch kein Grund­rechts­ein­griff vor, da sich das behörd­li­che Inter­es­se in einem sol­chen Fall dar­auf beschrän­ke, den Feh­ler zu erken­nen und die Dar­stel­lung des unrich­tig erkann­ten Kenn­zei­chens umge­hend zu löschen. Auch in Nicht­tref­fer­fäl­len sei ein Ein­griff in den Schutz­be­reich des infor­ma­tio­nel­len Selbst­be­stim­mungs­rechts aus­ge­schlos­sen. Ob die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen auch bei Tref­fer­fäl­len mit Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG ver­ein­bar sei­en, kön­ne dahin­ste­hen, da der Beschwer­de­füh­rer nicht aus­rei­chend vor­ge­tra­gen habe, dass sein Fahr­zeug­kenn­zei­chen in dem für den Abgleich her­an­zu­zie­hen­den Fahn­dungs­be­stand erfasst sein kön­ne.
Die Ansicht der Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­ten[↑]
Nach Auf­fas­sung des Lan­des­be­auf­trag­ten für den Daten­schutz Baden-Würt­tem­berg liegt in der auto­ma­ti­schen Kenn­zei­chen­er­fas­sung ein Ein­griff in das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung. Es sei über­prü­fungs­be­dürf­tig, ob der Schutz­be­reich des Rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung nicht berührt sei, wenn nach dem Abgleich eine unver­züg­li­che Löschung erfol­ge. Die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Ein­schrän­kung des Schutz­be­reichs füh­re in der Pra­xis immer wie­der zu Abgren­zungs­schwie­rig­kei­ten. Die Löschung kön­ne aus­rei­chend als Fra­ge der Ein­griffs­tie­fe berück­sich­tigt wer­den. Fer­ner müs­se beach­tet wer­den, dass die Infor­ma­ti­on, dass ein das Kenn­zei­chen­le­se­ge­rät durch­fah­ren­des Kraft­fahr­zeug nicht im Daten­be­stand ent­hal­ten ist (Nicht­tref­fer­fall), ein per­so­nen­be­zo­ge­nes Datum sei, des­sen Erhe­bung in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ein­grei­fe. Im Fal­le des unech­ten Tref­fers sowie des Tref­fers lie­ge ohne Zwei­fel ein Grund­rechts­ein­griff vor. Die Rege­lun­gen der Kenn­zei­chen­kon­trol­le in Baden-Würt­tem­berg stie­ßen im Hin­blick auf die Bestimmt­heit und die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit auf Beden­ken.
Nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Daten­schutz­be­auf­trag­ten ist eine all­ge­mei­ne Aus­sa­ge, dass eine Daten­er­he­bung nur vor­lie­ge, wenn mehr als eine rein tech­ni­sche Ver­ar­bei­tung von Infor­ma­tio­nen erfolgt, nicht mehr sach­dien­lich. Dies hän­ge viel­mehr von der kon­kre­ten tech­ni­schen Aus­ge­stal­tung, aber auch vom Zweck und den beson­de­ren Umstän­den der Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung ab. Hin­sicht­lich der hes­si­schen Rege­lun­gen zur Kenn­zei­chen­kon­trol­le sei der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit nicht gewahrt, da die Ein­griffs­schwel­le zu nied­rig sei. Zudem ent­hiel­ten die Nor­men kei­ne aus­rei­chen­de Dif­fe­ren­zie­rung der bei dem jewei­li­gen Ein­satz zu ver­wen­den­den Abgleich­da­ten­be­stän­de. Der zum Abgleich her­an­zieh­ba­re Daten­be­stand ent­hal­te in nicht uner­heb­li­cher Men­ge Daten, die im Zusam­men­hang mit straf­pro­zes­sua­len Maß­nah­men ein­ge­stellt wor­den sei­en.
Zu den Ver­fas­sungs­be­schwer­den hat sich auch der Säch­si­sche Daten­schutz­be­auf­trag­te geäu­ßert. Er erläu­tert die Funk­ti­ons­wei­se der in Sach­sen ein­ge­setz­ten Kenn­zei­chen­le­se­ge­rä­te und teilt sta­tis­ti­sche Zah­len zum Ein­satz die­ser Sys­te­me mit. Nach Auf­fas­sung des Unab­hän­gi­gen Lan­des­zen­trums für Daten­schutz Schles­wig-Hol­stein bedarf es ange­sichts der zuneh­men­den Mög­lich­keit der auto­ma­ti­sier­ten Aus­wer­tung von Daten einer erneu­ten Prü­fung, ob die im Urteil zu den Rege­lun­gen der Kenn­zei­chen­kon­trol­le in Hes­sen und Schles­wig-Hol­stein [6] auf­ge­stell­ten Maß­stä­be zutref­fend und aus­rei­chend sei­en, um dem im Volks­zäh­lungs­ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts for­mu­lier­ten Schutz­ge­dan­ken des Rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung Rech­nung zu tra­gen. Das für Kenn­zei­chen­kon­trol­len her­an­ge­zo­ge­ne Ein­griffs­kri­te­ri­um der Inter­es­sen­ver­dich­tung der Behör­de kön­ne dazu füh­ren, dass anlass­los sämt­li­ches Ver­hal­ten der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger im Vor­feld von Gefah­ren oder Straf­ta­ten auto­ma­ti­siert erfasst und auf bestimm­te gefah­ren- oder ver­dachts­be­grün­den­de Kri­te­ri­en aus­ge­wer­tet wer­de.
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind im Wesent­li­chen zuläs­sig.
Die Beschwer­de­füh­re­rin und die Beschwer­de­füh­rer sind beschwer­de­be­fugt.
Sie machen gel­tend, durch Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen­kon­trol­len auf der Grund­la­ge der von ihnen ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten in ihrem Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aus Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG ver­letzt zu sein. Weil sol­che Kon­trol­len in den Schutz­be­reich die­ses Grund­rechts fal­len und gegen­über den von ihnen erfass­ten Per­so­nen auch einen Ein­griff begrün­den [7], ist eine Ver­let­zung die­ses Grund­rechts mög­lich.
Die Beschwer­de­füh­re­rin und die Beschwer­de­füh­rer sind durch die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten unmit­tel­bar, selbst und gegen­wär­tig in ihren Grund­rech­ten betrof­fen. Ihre Ver­fas­sungs­be­schwer­den erfül­len damit die spe­zi­fi­schen Anfor­de­run­gen für Ver­fas­sungs­be­schwer­den unmit­tel­bar gegen ein Gesetz.
Es fehlt nicht an einer unmit­tel­ba­ren Betrof­fen­heit. Zwar bedür­fen die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen der Umset­zung durch wei­te­re Voll­zugs­ak­te. Von einer unmit­tel­ba­ren Betrof­fen­heit durch ein voll­zie­hungs­be­dürf­ti­ges Gesetz ist jedoch auch dann aus­zu­ge­hen, wenn ein Beschwer­de­füh­rer den Rechts­weg nicht beschrei­ten kann, weil er kei­ne Kennt­nis von der Maß­nah­me erlangt oder wenn eine nach­träg­li­che Bekannt­ga­be zwar vor­ge­se­hen ist, von ihr aber auf­grund weit­rei­chen­der Aus­nah­me­tat­be­stän­de auch lang­fris­tig abge­se­hen wer­den kann [8]. So liegt es hier.
Nach § 22a Abs. 1 Satz 1 PolG BW wer­den Kenn­zei­chen­kon­trol­len in Baden-Würt­tem­berg grund­sätz­lich ver­deckt durch­ge­führt. Dass die Beschwer­de­füh­rer die Mög­lich­keit haben, auf Antrag Aus­kunft über die Spei­che­rung der Daten zu erhal­ten (vgl. § 45 PolG BW) und gegen die Spei­che­rung und Über­mitt­lung die Gerich­te anzu­ru­fen, ändert hier­an nichts. Denn die Mög­lich­keit, eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de unmit­tel­bar gegen ein Gesetz zu erhe­ben, das zu heim­li­chen Maß­nah­men berech­tigt, ent­fällt unter dem Gesichts­punkt der Unmit­tel­bar­keit jeden­falls in der Regel nur, wenn die spä­te­re Kennt­nis­er­lan­gung des Betrof­fe­nen durch eine akti­ve Infor­ma­ti­ons­pflicht des Staa­tes recht­lich gesi­chert ist [9]. Eine sol­che Infor­ma­ti­ons­pflicht ist für die Kenn­zei­chen­kon­trol­le sys­tem­im­ma­nent schon des­halb nicht vor­ge­se­hen, weil in Nicht­tref­fer­fäl­len eine sofor­ti­ge Löschung erfolgt; dar­über hin­aus­ge­hen­de Benach­rich­ti­gungs­pflich­ten sind weder vor­ge­se­hen noch ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten [10].
Nicht anders liegt dies im Ergeb­nis in Hes­sen. Zwar gel­ten dort auch für die Kenn­zei­chen­er­fas­sung der Grund­satz der offe­nen Daten­er­he­bung (§ 13 Abs. 7 Satz 1 HSOG) sowie – zum Zeit­punkt der Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de – auch all­ge­mei­ne Rege­lun­gen zu nach­träg­li­chen Benach­rich­ti­gungs­pflich­ten (§ 29 Abs. 6 HSOG a.F.). Jedoch sind in die­sen Vor­schrif­ten zahl­rei­che Aus­nah­men vor­ge­se­hen, die im Fal­le von Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen­kon­trol­len regel­mä­ßig dazu füh­ren wer­den, dass kei­ne Benach­rich­ti­gung erfolgt (vgl. § 13 Abs. 7 Satz 2 HSOG, § 29 Abs. 6 Satz 3, 4 HSOG a.F.). Daher ist eine zeit­na­he Kennt­nis von der Maß­nah­me nicht gesi­chert. Inso­weit ist auch hier eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de unmit­tel­bar gegen die gesetz­li­che Rege­lung für zuläs­sig zu erach­ten [11].
Die Beschwer­de­füh­re­rin und die Beschwer­de­füh­rer sind durch die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten auch selbst und gegen­wär­tig betrof­fen.
Ergibt sich die kon­kre­te Beein­träch­ti­gung erst durch die Voll­zie­hung des ange­grif­fe­nen Geset­zes und erlan­gen die Betrof­fe­nen in der Regel kei­ne Kennt­nis von den Voll­zugs­ak­ten, besteht jeden­falls die Mög­lich­keit der eige­nen und gegen­wär­ti­gen Betrof­fen­heit, wenn der Beschwer­de­füh­rer dar­legt, dass er mit eini­ger Wahr­schein­lich­keit durch die auf den ange­grif­fe­nen Rechts­nor­men beru­hen­den Maß­nah­men in sei­nen Grund­rech­ten berührt wird. Hier tra­gen die Beschwer­de­füh­rer vor, ein­ge­tra­ge­ne Hal­ter ihrer Per­so­nen­kraft­wa­gen zu sein und mit ihnen regel­mä­ßig auf Stra­ßen in dem jewei­li­gen Bun­des­land unter­wegs zu sein. Dies reicht für die Annah­me einer eige­nen und gegen­wär­ti­gen Betrof­fen­heit aus [12].
Rechts­satz­ver­fas­sungs­be­schwer­de – und der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät[↑]
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den genü­gen den Anfor­de­run­gen der Sub­si­dia­ri­tät.
Auch vor der Erhe­bung von Rechts­satz­ver­fas­sungs­be­schwer­den sind nach dem Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät grund­sätz­lich alle Mit­tel zu ergrei­fen, die der gel­tend gemach­ten Grund­rechts­ver­let­zung abhel­fen kön­nen.
Unmit­tel­bar gegen Geset­ze steht der fach­ge­richt­li­che Rechts­weg in der Regel nicht offen. Die Anfor­de­run­gen der Sub­si­dia­ri­tät beschrän­ken sich jedoch nicht dar­auf, nur die zur Errei­chung des unmit­tel­ba­ren Pro­zess­ziels förm­lich eröff­ne­ten Rechts­mit­tel zu ergrei­fen, son­dern ver­lan­gen, alle Mit­tel zu ergrei­fen, die der gel­tend gemach­ten Grund­rechts­ver­let­zung abhel­fen kön­nen. Damit soll erreicht wer­den, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht auf unge­si­cher­ter Tat­sa­chen- und Rechts­grund­la­ge weit­rei­chen­de Ent­schei­dun­gen tref­fen muss, son­dern zunächst die für die Aus­le­gung und Anwen­dung des ein­fa­chen Rechts pri­mär zustän­di­gen Fach­ge­rich­te die Sach- und Rechts­la­ge vor einer Anru­fung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auf­ge­ar­bei­tet haben [13].
Der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät erfor­dert des­halb grund­sätz­lich, vor Ein­le­gung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de alle zur Ver­fü­gung ste­hen­den pro­zes­sua­len Mög­lich­kei­ten zu ergrei­fen, um eine Kor­rek­tur der gel­tend gemach­ten Ver­fas­sungs­ver­let­zung zu erwir­ken oder eine Grund­rechts­ver­let­zung zu ver­hin­dern. Das gilt auch, wenn zwei­fel­haft ist, ob ein ent­spre­chen­der Rechts­be­helf statt­haft ist und im kon­kre­ten Fall in zuläs­si­ger Wei­se ein­ge­legt wer­den kann [14].
Wenn sich eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de unmit­tel­bar gegen ein Gesetz wen­det, kann daher gege­be­nen­falls auch die Erhe­bung einer Fest­stel­lungs- oder Unter­las­sungs­kla­ge zu den zuvor zu ergrei­fen­den Rechts­be­hel­fen gehö­ren. Das ist selbst dann nicht aus­ge­schlos­sen, wenn die Vor­schrif­ten abschlie­ßend gefasst sind und die fach­ge­richt­li­che Prü­fung für den Beschwer­de­füh­rer güns­tigs­ten­falls dazu füh­ren kann, dass das ange­grif­fe­ne Gesetz gemäß Art. 100 Abs. 1 GG dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­legt wird. Ent­schei­dend ist, ob die fach­ge­richt­li­che Klä­rung erfor­der­lich ist, um zu ver­mei­den, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sei­ne Ent­schei­dun­gen auf unge­si­cher­ter Tat­sa­chen- und Rechts­grund­la­ge trifft. Ein sol­cher Fall wird in der Regel dann gege­ben sein, wenn die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten aus­le­gungs­be­dürf­ti­ge und ‑fähi­ge Rechts­be­grif­fe ent­hal­ten, von deren Aus­le­gung und Anwen­dung es maß­geb­lich abhängt, inwie­weit ein Beschwer­de­füh­rer durch die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten tat­säch­lich und recht­lich beschwert ist [15]. Anders liegt das, soweit es allein um die sich unmit­tel­bar aus der Ver­fas­sung erge­ben­den Gren­zen für die Aus­le­gung der Nor­men geht. Soweit die Beur­tei­lung einer Norm allein spe­zi­fisch ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­gen auf­wirft, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu beant­wor­ten hat, ohne dass von einer vor­aus­ge­gan­ge­nen fach­ge­richt­li­chen Prü­fung ver­bes­ser­te Ent­schei­dungs­grund­la­gen zu erwar­ten wären, bedarf es einer vor­an­ge­hen­den fach­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung nicht [16]. Inso­weit bleibt es dabei, dass Ver­fas­sungs­be­schwer­den unmit­tel­bar gegen ein Gesetz weit­hin auch ohne vor­he­ri­ge Anru­fung der Fach­ge­rich­te zuläs­sig sind.
Eine Pflicht zur Anru­fung der Fach­ge­rich­te besteht des Wei­te­ren nicht, wenn die ange­grif­fe­ne Rege­lung die Beschwer­de­füh­rer zu gewich­ti­gen Dis­po­si­tio­nen zwingt, die spä­ter nicht mehr kor­ri­giert wer­den kön­nen [17], wenn die Anru­fung der Fach­ge­rich­te offen­sicht­lich sinn- und aus­sichts­los wäre [18] oder sie sonst nicht zumut­bar ist. Dies gilt – vor­be­halt­lich der Mög­lich­keit vor­beu­gen­den einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes [15] – grund­sätz­lich auch dann, wenn Beschwer­de­füh­rer zunächst ein Straf- oder Buß­geld­ver­fah­ren gegen sich erge­hen las­sen müss­ten und sie erst in die­sem Rah­men die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Norm gel­tend machen könn­ten [19].
Die Pflicht zur vor­he­ri­gen Anru­fung der Fach­ge­rich­te darf Beschwer­de­füh­rer nicht vor unab­seh­ba­re Risi­ken hin­sicht­lich der ihnen zu Gebo­te ste­hen­den Hand­lungs­mög­lich­kei­ten und der hier­bei zu beach­ten­den Fris­ten stel­len. Im Hin­blick auf die Sub­si­dia­ri­täts­an­for­de­run­gen sind die gesetz­li­chen Fris­ten des­halb rechts­schutz­freund­lich aus­zu­le­gen.
§ 93 Abs. 3 BVerfGG bin­det die Erhe­bung von Ver­fas­sungs­be­schwer­den unmit­tel­bar gegen ein Gesetz, gegen das ein Rechts­weg nicht offen­steht, an eine Frist von einem Jahr seit sei­nem Inkraft­tre­ten. Die vor­ste­hen­den Sub­si­dia­ri­täts­an­for­de­run­gen brin­gen einen Beschwer­de­füh­rer nicht in die Gefahr, die­se Frist zu ver­säu­men. Soweit ein Beschwer­de­füh­rer gegen­über Wir­kun­gen eines Geset­zes – etwa im Rah­men einer Fest­stel­lungs­kla­ge oder einer Unter­las­sungs­kla­ge – in zuläs­si­ger Wei­se fach­ge­richt­li­chen Rechts­schutz erwirkt und ein Sachur­teil erstrei­tet, steht ihm hier­ge­gen schon nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen die Ver­fas­sungs­be­schwer­de in Form einer Urteils­ver­fas­sungs­be­schwer­de offen, in deren Rah­men er mit­tel­bar auch die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des Geset­zes gel­tend machen kann. Inso­weit gilt – unab­hän­gig von dem Zeit­punkt, zu dem der fach­ge­richt­li­che Rechts­streit anhän­gig gemacht wird und unab­hän­gig von der Jah­res­frist des § 93 Abs. 3 BVerfGG – die Monats­frist des § 93 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG.
Einer rechts­schutz­freund­li­chen Aus­le­gung bedarf es aber dann, wenn ein Beschwer­de­füh­rer in Rück­sicht auf die genann­ten Sub­si­dia­ri­täts­an­for­de­run­gen gegen­über den unmit­tel­ba­ren Wir­kun­gen eines Geset­zes zunächst fach­ge­richt­li­chen Rechts­schutz gegen­über den von ihm gerüg­ten Grund­rechts­ver­let­zun­gen sucht, die­ses Begeh­ren dann aber von den Fach­ge­rich­ten letzt­lich als unstatt­haft oder aus ande­ren Grün­den als unzu­läs­sig beur­teilt wird. Einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de der­sel­ben Per­son, die die­se anschlie­ßend unmit­tel­bar gegen das Gesetz erhebt, kann dann die Frist des § 93 Abs. 3 BVerfGG nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den. Sofern die Per­son den fach­ge­richt­li­chen Rechts­schutz gegen das Gesetz inner­halb eines Jah­res nach des­sen Inkraft­tre­ten anhän­gig gemacht hat, gilt viel­mehr – bezo­gen auf die abschlie­ßen­de fach­ge­richt­li­che Ent­schei­dung – die Monats­frist des § 93 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG für die Ein­le­gung der Rechts­satz­ver­fas­sungs­be­schwer­de ent­spre­chend. Dem kann nur in Fäl­len der Offen­sicht­lich­keit ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, dass der Beschwer­de­füh­rer hät­te erken­nen müs­sen, dass das fach­ge­richt­li­che Ver­fah­ren kei­ne Aus­sicht auf Erfolg hat­te.
Danach genü­gen die Ver­fas­sungs­be­schwer­den den Anfor­de­run­gen des Sub­si­dia­ri­täts­grund­sat­zes.
Zwar haben die Beschwer­de­füh­rer gegen­über den von ihnen ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten nicht zunächst fach­ge­richt­li­chen Rechts­schutz in Form einer Unter­las­sungs­kla­ge erho­ben. Nach dem der­zei­ti­gen Stand der ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung wäre dies­be­züg­lich Rechts­schutz auch nicht von vorn­her­ein uner­reich­bar gewe­sen [20].
Den Beschwer­de­füh­rern war vor­lie­gend die Beschrei­tung des fach­ge­richt­li­chen Rechts­wegs jedoch nicht zumut­bar. Sie haben ihre Ver­fas­sungs­be­schwer­den nur ein bezie­hungs­wei­se zwei Jah­re nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu dem glei­chen The­ma und mit glei­cher ver­fas­sungs­pro­zes­sua­ler Aus­gangs­la­ge [6] ein­ge­reicht. In dem Ver­fah­ren 1 BvR 3187/​10 betrifft die Ver­fas­sungs­be­schwer­de sogar unmit­tel­bar die Nach­fol­ge­re­ge­lung der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bean­stan­de­ten Rege­lung. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat­te in jener Ent­schei­dung die Zuläs­sig­keit der Rechts­satz­ver­fas­sungs­be­schwer­de ohne vor­he­ri­ge Anru­fung der Fach­ge­rich­te ein­schrän­kungs­los für zuläs­sig erach­tet und die Mög­lich­keit einer Unter­las­sungs­kla­ge noch nicht ein­mal in Erwä­gung gezo­gen. Unter die­sen Umstän­den kann den Beschwer­de­füh­rern nicht vor­ge­hal­ten wer­den, sie hät­ten gegen die Vor­schrif­ten nun­mehr zunächst vor den Fach­ge­rich­ten Rechts­schutz suchen müs­sen. Dazu kommt, dass nach dem heu­ti­gen Stand, auf den es für die Beur­tei­lung der Zuläs­sig­keit ankommt, inzwi­schen über den Kern des Beschwer­de­vor­brin­gens von den Fach­ge­rich­ten bis hin zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­den wur­de [21]. Die Ver­wei­sung der Beschwer­de­füh­rer auf den Rechts­weg könn­te die Ent­schei­dungs­grund­la­gen für die Beur­tei­lung der Vor­schrif­ten heu­te daher nicht mehr ver­brei­tern.
Soweit einer der Beschwer­de­füh­rer auch die Daten­über­mitt­lung nach § 22 Abs. 1 Satz 2 HSOG zum Gegen­stand sei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de macht, man­gelt es an einer den Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen genü­gen­den Dar­le­gung der Beschwer­de­be­fug­nis. Der Beschwer­de­füh­rer hat eine spe­zi­fi­sche Wahr­schein­lich­keit, von der Daten­über­mitt­lung betrof­fen zu sein, nicht nach­voll­zieh­bar auf­ge­zeigt.
Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen­kon­trol­len als Ein­grif­fe in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung[↑]
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind teil­wei­se begrün­det.
Die Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen­kon­trol­len, zu denen die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten ermäch­ti­gen, grei­fen in Grund­rech­te der Beschwer­de­füh­re­rin und der Beschwer­de­füh­rer ein. Indem bei sol­chen Kon­trol­len die Kenn­zei­chen der betrof­fe­nen Fahr­zeu­ge als den Hal­tern zuor­den­ba­re und damit per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten erho­ben und dann mit Daten­be­stän­den von zur Fahn­dung aus­ge­schrie­be­nen Per­so­nen oder Sachen abge­gli­chen wer­den, lie­gen in ihnen Ein­grif­fe in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG). Eine Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen­kon­trol­le begrün­det dabei Grund­rechts­ein­grif­fe gegen­über allen von ihr erfass­ten Per­so­nen und muss ihnen gegen­über ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt wer­den kön­nen [7].
Teil­wei­se for­mel­le Ver­fas­sungs­wid­rig­keit[↑]
Die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten genü­gen, soweit sie Kenn­zei­chen­kon­trol­len an poli­zei­li­chen Kon­troll­stel­len regeln, teil­wei­se nicht den for­mel­len Anfor­de­run­gen der Ver­fas­sung. Hin­sicht­lich der ande­ren Tat­be­stands­va­ri­an­ten sind sie mit den for­mel­len Anfor­de­run­gen der Ver­fas­sung ver­ein­bar und ins­be­son­de­re von den Gesetz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen der Län­der gedeckt.
§ 26 Abs. 1 Nr. 4 und 5 PolG BW unmit­tel­bar sowie § 22a Abs. 1 Satz 1 PolG BW, soweit er auf die­se Vor­schrift ver­weist, sind aus for­mel­len Grün­den mit der Ver­fas­sung nicht ver­ein­bar.
§ 22a Abs. 1 Satz 1 PolG BW erlaubt die Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen­kon­trol­le bei Kon­trol­len nach § 26 Abs. 1 PolG BW. Er nimmt auf die dort genann­ten kon­kre­ten Zwe­cke und Vor­aus­set­zun­gen Bezug und bezieht aus ihnen die Recht­fer­ti­gung und Begren­zung auch für die Durch­füh­rung der Kenn­zei­chen­kon­trol­len. § 26 Abs. 1 Nr. 4 und 5 PolG BW ermäch­tigt inso­weit zu Kenn­zei­chen­kon­trol­len an Kon­troll­stel­len und in Kon­troll­be­rei­chen, die von der Poli­zei zur Fahn­dung nach Straf­tä­tern ein­ge­rich­tet sind. Da § 22a Abs. 1 Satz 1 PolG BW damit nicht nur auf die Recht­mä­ßig­keits­vor­aus­set­zun­gen des § 26 Abs. 1 Nr. 4 und 5 PolG BW ver­weist, son­dern zunächst eine eigen­stän­di­ge und wirk­sa­me Ein­rich­tung sol­cher Kon­troll­stel­len oder ‑berei­che vor­aus­setzt, muss sich die ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fung inzi­dent auch auf die Ver­ein­bar­keit der Rege­lung über die Ein­rich­tung sol­cher Kon­troll­stel­len selbst mit dem Grund­ge­setz bezie­hen. Die­se Prü­fung ergibt, dass § 26 Abs. 1 Nr. 4 und 5 PolG BW durch die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Lan­des nicht gedeckt ist. Damit wird auch der hier­auf bezo­ge­nen Ermäch­ti­gung zur Kenn­zei­chen­kon­trol­le die ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­la­ge ent­zo­gen.
§ 26 Abs. 1 Nr. 4 und 5 PolG BW ist mit der grund­ge­setz­li­chen Zuord­nung der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen nicht ver­ein­bar. Anders etwa als § 18 Abs. 2 Nr. 5 HSOG regelt die Vor­schrift ihrem kla­ren Wort­laut nach nicht die Ver­hü­tung von Straf­ta­ten, son­dern die Fahn­dung nach Straf­tä­tern. Eine Ermäch­ti­gung zur Fahn­dung nach Straf­tä­tern kann jedoch nicht als Rege­lung ver­stan­den wer­den, die ihrem Schwer­punkt nach prä­ven­ti­ven Zwe­cken dient. Zwar lie­gen straf­pro­zes­sua­le und prä­ven­ti­ve Zwe­cke oft nahe bei­ein­an­der und bestehen für die Rege­lung von Ermitt­lungs­maß­nah­men kom­pe­tenz­recht­lich erheb­li­che Über­schnei­dungs­be­rei­che [22]. Wenn jedoch eine Norm ihrer objek­ti­ven Fas­sung nach allein auf das Straf­recht bezo­gen ist, kann sie kom­pe­tenz­recht­lich nicht bereits des­halb der Gefah­ren­ab­wehr zuge­ord­net wer­den, weil das Straf­recht immer auch prä­ven­tiv der Sicher­heit dient. Die Fahn­dung nach Straf­tä­tern gehört viel­mehr unzwei­fel­haft zur Straf­ver­fol­gung.
Danach ist das Land nicht befugt, die Ein­rich­tung sol­cher Kon­troll­stel­len und ‑berei­che zu regeln. Die Rege­lung der Ein­rich­tung von Kon­troll­stel­len zur Straf­ver­fol­gung gehört zur kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG ("gericht­li­ches Ver­fah­ren"). Von die­ser Kom­pe­tenz hat der Bund mit § 111 StPO auch Gebrauch gemacht. Maß­nah­men zur Iden­ti­täts­fest­stel­lung gegen­über jeder­mann bei der Fahn­dung zur Ver­fol­gung von Straf­ta­ten sind hier abschlie­ßend gere­gelt. Die inso­weit bewusst eng gefass­te Rege­lung kann damit gemäß Art. 72 Abs. 1 GG nicht durch Lan­des­recht ergänzt wer­den [23].
Die for­mel­le Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des § 26 Abs. 1 Nr. 4 und 5 PolG BW erfasst auch die Ermäch­ti­gung zur Kenn­zei­chen­kon­trol­le nach § 22a Abs. 1 Satz 1 PolG BW, soweit sie auf § 26 Abs. 1 Nr. 4 und 5 PolG BW ver­weist. Der Ver­weis des § 22a Abs. 1 Satz 1 PolG BW auf § 26 Abs. 1 PolG BW dient dazu, die Kenn­zei­chen­kon­trol­le zu begren­zen, indem er sie an die dort fest­ge­leg­ten Zwe­cke und Vor­aus­set­zun­gen bin­det. Wenn die­ser Anknüp­fungs­punkt hier wegen der feh­len­den Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für die Rege­lung leer­läuft, dann fehlt es inso­weit an einer hin­rei­chend bestimm­ten und begren­zen­den Anknüp­fung für die Kenn­zei­chen­er­fas­sung und ist dies­be­züg­lich auch die Ermäch­ti­gung zu einer hier­auf gestütz­ten Kenn­zei­chen­kon­trol­le ver­fas­sungs­recht­lich nicht trag­fä­hig. Die nur all­ge­mei­ne Aus­rich­tung der Kon­trol­len auf prä­ven­ti­ve poli­zei­li­che Auf­ga­ben nach § 22a Abs. 1 Satz 1 PolG BW und die Umschrei­bung bestimm­ter Anläs­se für Kenn­zei­chen­kon­trol­len in § 22a Abs. 1 Satz 3 Nr. 3 PolG BW kön­nen das nicht kom­pen­sie­ren.
Des­glei­chen sind § 18 Abs. 2 Nr. 5 HSOG unmit­tel­bar, soweit er poli­zei­li­che Kon­troll­stel­len zur Ver­hü­tung von ver­samm­lungs­recht­li­chen Straf­ta­ten vor­sieht, sowie § 14a Abs. 1 Satz 1 HSOG, soweit er auf die­se Vor­schrift ver­weist, aus for­mel­len Grün­den mit der Ver­fas­sung nicht ver­ein­bar. Sie ver­sto­ßen als Ein­grif­fe in Art. 8 Abs. 1 GG gegen das Zitier­ge­bot nach Art.19 Abs. 1 Satz 2 GG.
Die Rege­lung der Iden­ti­täts­fest­stel­lung an poli­zei­li­chen Kon­troll­stel­len zur Ver­hü­tung von ver­samm­lungs­recht­li­chen Straf­ta­ten sowie der Unter­stüt­zung sol­cher Kon­trol­len durch eine auto­ma­ti­sier­te Kenn­zei­chen­kon­trol­le setzt mate­ri­ell vor­aus, dass kon­kre­te Hin­wei­se auf erheb­li­che Straf­ta­ten in Bezug auf eine kon­kre­te Ver­samm­lung vor­lie­gen und in ört­li­chem Bezug hier­zu eine poli­zei­li­che Kon­troll­stel­le ein­ge­rich­tet wur­de. Da die Vor­schrift folg­lich dazu ermäch­tigt, den Zugang zu Ver­samm­lun­gen zu kon­trol­lie­ren, liegt in ihr ein Ein­griff in Art. 8 Abs. 1 GG [24]. Ein sol­cher Ein­griff unter­liegt nach Art.19 Abs. 1 Satz 2 GG in for­mel­ler Hin­sicht dem Zitier­ge­bot, dem das Hes­si­sche Gesetz über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung nicht genügt (vgl. § 10 HSOG, der Art. 8 GG nicht auf­führt).
Im Übri­gen sind Beden­ken gegen die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten in for­mel­ler Hin­sicht nicht ersicht­lich. Ins­be­son­de­re fehlt es im Hin­blick auf die wei­te­ren ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten nicht an der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der.
Den Vor­schrif­ten steht nicht die Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­keit des Bun­des für die Straf­ver­fol­gung nach Art. 72, Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG ("gericht­li­ches Ver­fah­ren") ent­ge­gen. Es han­delt sich nicht um Rege­lun­gen zur Straf­ver­fol­gung, son­dern um Rege­lun­gen zur Gefah­ren­ab­wehr, für die die Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­keit bei den Län­dern liegt.
Maß­geb­lich für die Abgren­zung zwi­schen Regeln zur Straf­ver­fol­gung und Regeln der Gefah­ren­ab­wehr ist die Ziel­set­zung der betref­fen­den Nor­men, wie sie sich in objek­ti­vier­ter Sicht aus ihrer Aus­ge­stal­tung ergibt [25]. Danach die­nen sowohl die Kenn­zei­chen­kon­trol­le nach § 22a Abs. 1 Satz 1, § 26 Abs. 1 Nr. 1 bis 3, 6 PolG BW als auch nach § 14a Abs. 1 Satz 1, § 18 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1, 3 bis 6 HSOG prä­ven­ti­ven Zwe­cken. Die Vor­schrif­ten erlau­ben die Kenn­zei­chen­er­fas­sung als Grund­la­ge für eine Kenn­zei­chen­kon­trol­le in bei­den Län­dern nur für die Zwe­cke, für die auch eine Iden­ti­täts­fest­stel­lung zuläs­sig ist. Die­se haben – außer dem oben genann­ten § 26 Abs. 1 Nr. 4 und 5 PolG BW – ihrem Schwer­punkt nach alle eine prä­ven­ti­ve Ziel­rich­tung, näm­lich die Unter­stüt­zung der Poli­zei bei der Wahr­neh­mung ihrer Auf­ga­ben der Gefah­ren­ab­wehr nach dem Poli­zei­ge­setz. Genau­er sind dies nach dem Recht bei­der Län­der die Abwehr von ein­zel­nen Gefah­ren, die Gefah­ren­ab­wehr in Bezug auf gefähr­li­che Orte, der Schutz von gefähr­de­ten Orten sowie der Schutz vor grenz­über­schrei­ten­der Kri­mi­na­li­tät. In Hes­sen kom­men eini­ge wei­te­re prä­ven­ti­ve Zwe­cke hin­zu wie ins­be­son­de­re der Schutz gefähr­de­ter Per­so­nen sowie die Unter­stüt­zung von poli­zei­li­chen Kon­troll­stel­len zum Schutz vor schwe­ren Straf­ta­ten. Dass eini­ge die­ser Zwe­cke bei objek­ti­vier­ter Betrach­tung im Ergeb­nis zugleich der Straf­ver­fol­gung die­nen, stellt die prä­ven­ti­ve Aus­rich­tung der Nor­men nicht in Fra­ge [22].
Auf die­se prä­ven­ti­ven Zwe­cke aus­ge­rich­tet ist auch der Daten­ab­gleich nach § 22a Abs. 2 PolG BW und § 14a Abs. 2 HSOG. Er dient dazu, durch das Auf­fin­den der zur Fahn­dung aus­ge­schrie­be­nen Per­so­nen oder Sachen die Errei­chung der sich aus § 26 Abs. 1 Nr. 1 bis 3, 6 PolG BW oder aus § 18 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1, 3 bis 6 HSOG erge­ben­den Zwe­cke zu unter­stüt­zen. Dass der Gesetz­ge­ber dabei auch Daten­be­stän­de ein­be­zo­gen hat, die auf straf­recht­li­chen Aus­schrei­bun­gen beru­hen, ändert nichts dar­an, dass der dies­be­züg­li­che Abgleich der Ver­fol­gung der genann­ten prä­ven­ti­ven Zwe­cke dient.
In der wei­ten Fas­sung der für den Abgleich eröff­ne­ten Daten­be­stän­de liegt auch nicht die Ermäch­ti­gung zu einem von den prä­ven­ti­ven Zwe­cken abge­lös­ten, unbe­grenz­ten Fahn­dungs­ab­gleich, der der Straf­ver­fol­gung zuzu­rech­nen wäre. Viel­mehr müs­sen § 22a Abs. 2 PolG BW und § 14a Abs. 2 HSOG schon aus mate­ri­el­len Grün­den ver­fas­sungs­kon­form so aus­ge­legt wer­den, dass in den Daten­ab­gleich nur sol­che Fahn­dungs­be­stän­de ein­be­zo­gen wer­den dür­fen, die zur Errei­chung des jewei­li­gen Zwecks der Kenn­zei­chen­kon­trol­le bei­tra­gen kön­nen. Eine Ermäch­ti­gung zur Kenn­zei­chen­kon­trol­le als all­ge­mei­ne Maß­nah­me der Straf­fahn­dung liegt in den ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten folg­lich nicht.
Kom­pe­ten­z­wid­rig ist auch nicht, dass § 22a Abs. 4 Satz 4 Nr. 1 und 2 PolG BW eine Ver­wen­dung von zufäl­lig ange­fal­le­nen Infor­ma­tio­nen im Wege der Zweck­än­de­rung unab­hän­gig von den Zwe­cken des § 26 Abs. 1 Nr. 1 bis 3, 6 PolG BW für die Zwe­cke öff­net, die den Aus­schrei­bun­gen zur Straf­fahn­dung unter­lie­gen oder all­ge­mein der Straf­ver­fol­gung die­nen. Denn hier­in liegt – nach dem Bild der Dop­pel­tür [26] – ledig­lich die dem Land oblie­gen­de Öff­nung der ers­ten Tür für die wei­te­re Daten­nut­zung; die abschlie­ßen­de Ent­schei­dung über die Ermäch­ti­gung zu einer sol­chen Nut­zung bleibt als Öff­nung der zwei­ten Tür dem Bund vor­be­hal­ten [27].
Der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der ste­hen auch kei­ne ande­ren Kom­pe­tenz­ti­tel des Bun­des ent­ge­gen. Ins­be­son­de­re han­delt es sich bei den ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten nicht um Rege­lun­gen des Stra­ßen­ver­kehrs im Sin­ne des Art. 74 Abs. 1 Nr. 22 GG [28]. Kom­pe­tenz­recht­lich unbe­denk­lich ist gleich­falls, dass die Vor­schrif­ten auch eine Ermäch­ti­gung für Kenn­zei­chen­kon­trol­len zur Bekämp­fung der grenz­über­schrei­ten­den Kri­mi­na­li­tät schaf­fen (§ 22a Abs. 1 Satz 1, § 26 Abs. 1 Nr. 6 PolG BW und § 14a Abs. 1 Satz 1, § 18 Abs. 2 Nr. 6 HSOG). Eine Rege­lung des Grenz­schut­zes liegt hier­in nicht [29].
Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der auto­ma­ti­sier­ten Kenn­zei­chen­kon­trol­le[↑]
Die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten genü­gen in mate­ri­el­ler Hin­sicht nicht in jeder Hin­sicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen des Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG.
Nicht in allen Tat­be­stands­va­ri­an­ten hin­rei­chend begrenzt sind die Vor­aus­set­zun­gen für die Kenn­zei­chen­er­fas­sung und damit die – für die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit aus­schlag­ge­ben­den – Zwe­cke der Kenn­zei­chen­kon­trol­le, die sich aus dem Ver­weis auf die Rege­lung zur Iden­ti­täts­fest­stel­lung erge­ben.
Mit den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­an­for­de­run­gen nicht ver­ein­bar sind die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten, soweit sie Kenn­zei­chen­kon­trol­len – in Hes­sen – zur Abwehr einer Gefahr, zur Erfül­lung der den Gefah­ren­ab­wehr- und Poli­zei­be­hör­den durch ande­re Rechts­vor­schrif­ten zuge­wie­se­nen wei­te­ren Auf­ga­ben oder zum Schutz pri­va­ter Rech­te eröff­nen (§ 14a Abs. 1, Abs. 2, § 18 Abs. 1 HSOG), oder – in Baden-Würt­tem­berg – erlau­ben, um im ein­zel­nen Fal­le eine Gefahr für die öffent­li­che Sicher­heit oder Ord­nung abzu­weh­ren oder eine Stö­rung der öffent­li­chen Sicher­heit oder Ord­nung zu besei­ti­gen (§ 22a Abs. 1, Abs. 2, § 26 Abs. 1 Nr. 1 PolG BW).
Auto­ma­ti­sier­te Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen­kon­trol­len zur Fahn­dung nach Per­so­nen oder Sachen sind Ein­grif­fe von erheb­li­chem Gewicht. Ihre ver­fas­sungs­recht­li­che Recht­fer­ti­gung setzt dem­nach vor­aus, dass sie auf Grün­de gestützt wer­den, die dem Schutz von Rechts­gü­tern von zumin­dest erheb­li­chem Gewicht oder sonst einem ver­gleich­bar gewich­ti­gen öffent­li­chen Inter­es­se die­nen [30]. Die unein­ge­schränk­te Ermäch­ti­gung zu Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen­kon­trol­len zur Abwehr kon­kre­ter Gefah­ren oder noch wei­ter auch zum Schutz pri­va­ter Rech­te und sons­ti­ger nicht näher benann­ter Auf­ga­ben der Poli­zei genügt dem nicht. Indem sol­che Kon­trol­len durch die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten all­ge­mein zum Schutz der Rechts­ord­nung ins­ge­samt erlaubt wer­den, fehlt es ihnen an einer hin­rei­chen­den Begren­zung auf einen Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­an­for­de­run­gen genü­gen­den Rechts­gü­ter­schutz [31].
Nicht hin­rei­chend begrenzt sind auch die Rege­lun­gen zur Kenn­zei­chen­kon­trol­le als Mit­tel der Schlei­er­fahn­dung. Zwar ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht schon grund­sätz­lich zu bean­stan­den, dass die Vor­schrift von ihrer Ziel­rich­tung her weit gefasst ist und die Kenn­zei­chen­kon­trol­len nicht auf objek­tiv umgrenz­te Anlass­fäl­le begrenzt. Als Aus­gleich für den Weg­fall von Grenz­kon­trol­len und getra­gen von dem Ziel, einer hier­durch erleich­ter­ten Durch­füh­rung bestimm­ter Straf­ta­ten ent­ge­gen­zu­tre­ten, ist das ver­fas­sungs­recht­lich aus­nahms­wei­se gerecht­fer­tigt [32]. Das gilt frei­lich nur inso­weit, als für die Orte sol­cher Kon­trol­len in einer den Bestimmt­heits­an­for­de­run­gen genü­gen­den Wei­se ein kon­se­quen­ter Grenz­be­zug sicher­ge­stellt ist. Dem ent­spre­chen die Vor­schrif­ten zum Teil nicht.
Nicht hin­rei­chend begrenzt ist unter die­sem Gesichts­punkt § 22a Abs. 1, Abs. 2, § 26 Abs. 1 Nr. 6 PolG BW, der Kenn­zei­chen­kon­trol­len all­ge­mein auf Durch­gangs­stra­ßen im gan­zen Land eröff­net. Indem er sie ohne wei­te­re Ein­schrän­kung – etwa auf Bun­des­au­to­bah­nen und Euro­pa­stra­ßen – all­ge­mein auf allen Stra­ßen von erheb­li­cher Bedeu­tung für die grenz­über­schrei­ten­de Kri­mi­na­li­tät für zuläs­sig erklärt, fehlt es an einer hin­rei­chend kla­ren ört­lich grenz­be­zo­ge­nen Beschrän­kung sol­cher Kon­trol­len [33].
Dies gilt erst recht für Hes­sen, wo § 14a Abs. 1, Abs. 2, § 18 Abs. 2 Nr. 6 HSOG Kenn­zei­chen­kon­trol­len schon ohne Beschrän­kung auf Durch­gangs­stra­ßen auf allen Stra­ßen ins­ge­samt eröff­net, soweit auf­grund von Lage­er­kennt­nis­sen oder poli­zei­li­cher Erfah­rung anzu­neh­men ist, dass die­se von erheb­li­cher Bedeu­tung für die grenz­über­schrei­ten­de Kri­mi­na­li­tät sind. Dadurch wer­den Kon­trol­len im gan­zen Land eröff­net, soweit es nur um die Bekämp­fung von grenz­über­schrei­ten­der Kri­mi­na­li­tät als sol­cher geht. Dies stellt einen ört­li­chen Bezug sol­cher Kon­trol­len zur Gren­ze als Aus­gleich für die Abschaf­fung der Grenz­kon­trol­len nicht hin­rei­chend sicher. Im Ergeb­nis führ­te dies – zumal ange­sichts des weit­rei­chen­den Begriffs der grenz­über­schrei­ten­den Kri­mi­na­li­tät – zu einer kaum mehr auf kon­kre­te Anläs­se beschränk­ten und nach objek­ti­ven Kri­te­ri­en kon­trol­lier­ba­ren Befug­nis zur Durch­füh­rung von Kenn­zei­chen­kon­trol­len im gan­zen Land. Dies ist mit dem Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz nicht ver­ein­bar. Der weder ver­fah­rens­recht­lich noch inhalt­lich näher bestimm­te Ver­weis auf Lage­er­kennt­nis­se oder schon die durch nichts objek­tiv nach­voll­zieh­ba­re poli­zei­li­che Erfah­rung ändert hier­an nichts.
Kei­ne Beden­ken bestehen, soweit die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten bei­der Län­der zu Kenn­zei­chen­kon­trol­len in Ein­rich­tun­gen des inter­na­tio­na­len Ver­kehrs ermäch­ti­gen. Der Ver­weis auf sol­che Ein­rich­tun­gen hat ört­lich einen kla­ren Grenz­be­zug [34].
Im Übri­gen sind die Vor­aus­set­zun­gen für die Durch­füh­rung der Kenn­zei­chen­kon­trol­le, wie sie sich aus dem Ver­weis in § 22a Abs. 1 PolG BW und § 14a Abs. 1 HSOG auf die jewei­li­ge Rege­lung zur Iden­ti­täts­kon­trol­le erge­ben, ver­fas­sungs­recht­lich weder hin­sicht­lich der Anfor­de­run­gen an einen hin­rei­chend bestimm­ten kon­kre­ten Anlass noch hin­sicht­lich der Anfor­de­run­gen an einen hin­rei­chend gewich­ti­gen Rechts­gü­ter­schutz zu bean­stan­den. Dies gilt sowohl für die Ermäch­ti­gung zu Kenn­zei­chen­kon­trol­len an gefähr­li­chen Orten nach § 26 Abs. 1 Nr. 2 PolG BW und § 18 Abs. 2 Nr. 1 HSOG als auch an gefähr­de­ten Orten nach § 26 Abs. 1 Nr. 3 PolG BW und § 18 Abs. 2 Nr. 3 HSOG [35]. Ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich sind auch Kenn­zei­chen­kon­trol­len, die auf­grund tat­säch­li­cher Anhalts­punk­te zum Schutz beson­ders gefähr­de­ter Per­so­nen durch­ge­führt wer­den (§ 14a Abs. 1, Abs. 2, § 18 Abs. 2 Nr. 4 HSOG). Nichts ande­res gilt auch für die Kenn­zei­chen­kon­trol­len zur Unter­stüt­zung von poli­zei­li­chen Kon­troll­stel­len zur Ver­hü­tung von den in § 100a StPO bezeich­ne­ten Straf­ta­ten nach § 14a Abs. 1, Abs. 2, § 18 Abs. 2 Nr. 5 HSOG, soweit die Ermäch­ti­gung in § 18 Abs. 2 Nr. 5 HSOG zur Ein­rich­tung sol­cher Kon­troll­stel­len nach den Grund­sät­zen des all­ge­mei­nen Sicher­heits­rechts dahin­ge­hend aus­ge­legt wird, dass sie eine kon­kre­te Gefahr vor­aus­setzt. Bei die­sem Ver­ständ­nis ist sicher­ge­stellt, dass eine Kenn­zei­chen­kon­trol­le nur erlaubt ist, wenn kon­kre­te Hin­wei­se auf schwe­re Straf­ta­ten vor­lie­gen und in ört­li­chem Bezug hier­zu eine poli­zei­li­che Kon­troll­stel­le ein­ge­rich­tet wur­de. Dies ist ver­fas­sungs­recht­lich trag­fä­hig [36].
Die Kenn­zei­chen­kon­trol­len sind auch durch über­grei­fen­de all­ge­mei­ne Maß­ga­ben in einer den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­an­for­de­run­gen genü­gen­den Wei­se ein­ge­hegt. So regeln die Vor­schrif­ten bei­der Län­der, dass die Kon­trol­len nicht flä­chen­de­ckend durch­ge­führt wer­den dür­fen und zeit­lich zum Teil zu begren­zen sind. Es han­delt sich hier­bei um hin­rei­chend bestimm­te Kri­te­ri­en, die als über­grei­fend ergän­zen­de Anfor­de­run­gen die jewei­li­gen Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen unbe­rührt las­sen [37]. Ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den ist auch, dass § 22a Abs. 1 PolG BW und § 14a Abs. 1 HSOG den Ein­satz der Kenn­zei­chen­kon­trol­le nicht aus­drück­lich vom Vor­lie­gen poli­zei­li­cher Lage­er­kennt­nis­se abhän­gig machen, denn ein sol­ches Erfor­der­nis wird vom Gesetz­ge­ber ersicht­lich vor­aus­ge­setzt und lässt sich auch ohne aus­drück­li­che gesetz­li­che Anord­nung in die Vor­schrift hin­ein­le­sen [38]. Inso­weit bedarf es wei­te­rer über­grei­fen­der Maß­ga­ben von Ver­fas­sungs wegen nicht. Davon bleibt unbe­rührt, dass die Vor­schrif­ten nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen im Ein­zel­fall unter Beach­tung des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes aus­zu­le­gen sind.
Die Rege­lun­gen zum Daten­ab­gleich sind ver­fas­sungs­recht­lich gleich­falls nicht zu bean­stan­den.
Die gesetz­li­che Umschrei­bung der für den Daten­ab­gleich berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Fahn­dungs­be­stän­de genügt den ver­fas­sungs­recht­li­chen Bestimmt­heits­an­for­de­run­gen.
Aller­dings ver­wei­sen die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten zunächst nur pau­schal auf die Sach­fahn­dungs­da­tei­en des beim Bun­des­kri­mi­nal­amt nach den Vor­schrif­ten des Bun­des­kri­mi­nal­amt­ge­set­zes geführ­ten poli­zei­li­chen Infor­ma­ti­ons­sys­tems sowie in Hes­sen außer­dem auf die Sach­fahn­dungs­da­tei­en des beim Hes­si­schen Lan­des­kri­mi­nal­amt geführ­ten poli­zei­li­chen Infor­ma­ti­ons­sys­tems (vgl. § 22a Abs. 2 Satz 1 und 2 PolG BW, § 14a Abs. 2 Satz 1 und 2 HSOG). Dies allein bestimmt die zum Abgleich eröff­ne­ten Daten­be­stän­de noch nicht in einer den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen genü­gen­den Wei­se [39]. Jedoch schrän­ken im Fol­gen­den sowohl § 22a Abs. 2 Satz 3 PolG BW als auch § 14a Abs. 2 Satz 3 HSOG die für den Abgleich berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Daten­be­stän­de nach im ein­zel­nen auf­ge­führ­ten Sach­kri­te­ri­en wei­ter ein und ver­pflich­ten damit die Poli­zei­be­hör­den, die aus dem jewei­li­gen poli­zei­li­chen Infor­ma­ti­ons­sys­tem über­nom­me­nen Daten­sät­ze näher ein­zu­en­gen. Damit erhal­ten die für den Abgleich ins­ge­samt eröff­ne­ten Fahn­dungs­be­stän­de Kon­tu­ren, die den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an die Bestimmt­heit genü­gen. Eine Benen­nung der ein­zel­nen Datei­en, die für den Abgleich her­an­ge­zo­gen wer­den dür­fen, ist auch ange­sichts der stän­di­gen Fort­schrei­bung sol­cher Bestän­de ver­fas­sungs­recht­lich nicht gebo­ten [40].
Die gesetz­li­che Umschrei­bung der für den Daten­ab­gleich berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Fahn­dungs­be­stän­de ist auch inhalt­lich hin­rei­chend begrenzt. Um den Anfor­de­run­gen des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes zu genü­gen, muss die Rege­lung aller­dings – anders als nach der­zei­ti­ger Pra­xis – ver­fas­sungs­kon­form aus­ge­legt wer­den.
§ 22a Abs. 2 PolG BW und § 14a Abs. 2 HSOG ermäch­ti­gen dazu, die erfass­ten Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen mit den dort genann­ten Fahn­dungs­be­stän­den auto­ma­ti­siert abzu­glei­chen. Die Bedeu­tung die­ser Rege­lun­gen lässt sich dem Geset­zes­wort­laut nicht ein­deu­tig ent­neh­men. Ver­steht man sie weit, ermäch­ti­gen sie dazu, bei jeder Kenn­zei­chen­kon­trol­le einen Abgleich mit allen genann­ten Fahn­dungs­be­stän­den vor­zu­neh­men. Eine sol­che Aus­le­gung ist jedoch nicht zwin­gend. Viel­mehr ste­hen die Rege­lun­gen eben­so einer enge­ren Aus­le­gung offen, wonach die in den Vor­schrif­ten genann­ten Fahn­dungs­be­stän­de nur den Rah­men der für den Abgleich über­haupt eröff­ne­ten Daten bil­den, aus denen je nach Anlass die zweck­be­zo­gen zu bestim­men­den Daten nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen aus­zu­wäh­len sind. Ein sol­ches enges Ver­ständ­nis der Rege­lung ist ver­fas­sungs­recht­lich auch gebo­ten. Aus dem Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz ergibt sich, dass der jewei­li­ge Zweck einer Maß­nah­me auch deren ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tig­ten Umfang bestimmt. Soweit der Gesetz­ge­ber den Zweck der Kenn­zei­chen­er­fas­sung in Anknüp­fung an die Iden­ti­täts­fest­stel­lung bestimmt, müs­sen die­se Zwe­cke auch jeweils für den Umfang des Daten­ab­gleichs maß­geb­lich sein. Ohne einen eige­nen recht­fer­ti­gen­den Anlass ist die all­ge­mei­ne Fahn­dung nach allen in den Vor­schrif­ten genann­ten Per­so­nen oder Sachen mit Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­an­for­de­run­gen nicht ver­ein­bar [41].
Die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten bedür­fen dem­nach einer ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung, wonach bei Erstel­lung der Abgleich­da­tei ein Selek­ti­ons­pro­zess hin­sicht­lich der in den Daten­ab­gleich ein­zu­be­zie­hen­den Fahn­dungs­be­stän­de vor­zu­neh­men ist. Dabei sind die gemäß § 22a Abs. 2 Satz 1 PolG BW oder § 14a Abs. 2 Satz 1 HSOG zum Aus­gangs­punkt zu neh­men­den Sach­fahn­dungs­da­tei­en des Bun­des- oder Lan­des­kri­mi­nal­am­tes zum einen nach Maß­ga­be der Kri­te­ri­en des § 22a Abs. 2 Satz 3 PolG BW oder § 14a Abs. 2 Satz 3 HSOG ein­zu­gren­zen sowie zum ande­ren aus ihnen jeweils die Daten­be­stän­de aus­zu­wäh­len, die für den kon­kre­ten Zweck der Kenn­zei­chen­kon­trol­le von Bedeu­tung sind. Die in den Stel­lung­nah­men der Lan­des­re­gie­rung von Baden-Würt­tem­berg und der Hes­si­schen Staats­kanz­lei mit­ge­teil­te Pra­xis, nach der die vom Bun­des­kri­mi­nal­amt bereit­ge­stell­ten Sach­fahn­dungs­da­ten auto­ma­ti­siert in den Kenn­zei­chen­fahn­dungs­be­stand des Lan­des über­nom­men und bei allen Kenn­zei­chen­kon­trol­len die­sel­ben Abgleich­da­tei­en genutzt wür­den, ohne nach Zweck oder Anlass der Kenn­zei­chen­er­fas­sung zu dif­fe­ren­zie­ren, genügt die­sen Anfor­de­run­gen nicht.
Die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten tra­gen den aus dem Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz fol­gen­den über­grei­fen­den Maß­ga­ben an Trans­pa­renz, indi­vi­du­el­len Rechts­schutz und auf­sicht­li­che Kon­trol­le hin­rei­chend Rech­nung.
Kei­nen Beden­ken unter­liegt es ver­fas­sungs­recht­lich, dass die Kenn­zei­chen­kon­trol­le in Baden-Würt­tem­berg nach § 22a Abs. 1 Satz 1 PolG BW aus­drück­lich – und nach § 13 Abs. 7 Satz 2 HSOG im Ergeb­nis letzt­lich ähn­lich auch in Hes­sen – grund­sätz­lich ver­deckt durch­ge­führt wird. Das ist zur Errei­chung der Zwe­cke der Kenn­zei­chen­kon­trol­le gerecht­fer­tigt. Dabei bedarf es auch kei­ner anschlie­ßen­den Benach­rich­ti­gungs­pflicht [10].
Wie ver­fas­sungs­recht­lich erfor­der­lich, wird sowohl in Hes­sen als auch in Baden-Würt­tem­berg neben der Fach­auf­sicht eine daten­schutz­recht­li­che Kon­trol­le durch die Daten­schutz­be­auf­trag­ten gewähr­leis­tet (vgl. § 24 Abs. 1 des Hes­si­schen Daten­schutz­ge­set­zes [HDSG] a.F., jetzt: § 13 Abs. 1 des Hes­si­schen Daten­schutz- und Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­set­zes [HDSIG]; § 48 PolG BW i.V.m. § 28 des Daten­schutz­ge­set­zes des Lan­des Baden-Würt­tem­berg [LDSG BW] a.F., jetzt: § 48 PolG BW i.V.m. § 28 LDSG BW a.F., der über § 30 Abs. 1 LDSG BW n.F. wei­ter­hin anwend­bar ist). In bei­den Län­dern sind auch Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten vor­ge­se­hen (vgl. § 22a Abs. 1 Satz 4 PolG BW, § 14a Abs. 1 Satz 4 HSOG). Die Vor­schrif­ten sind dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass nach ihnen alle maß­geb­li­chen Ent­schei­dun­gen und deren Grund­la­gen für die Durch­füh­rung einer Kenn­zei­chen­kon­trol­le, ein­schließ­lich der Ent­schei­dung über die für den Abgleich zu berück­sich­ti­gen­den Fahn­dungs­be­stän­de, nach­voll­zieh­bar fest­zu­hal­ten sind, und damit, wie ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten, eine wirk­sa­me Kon­trol­le durch die Daten­schutz­be­auf­trag­ten und die Gerich­te ermög­licht wird [42].
Nicht hin­rei­chend ein­ge­grenzt ist aller­dings in bei­den Län­dern die Rege­lung zur Ver­wen­dung der Daten für wei­te­re Zwe­cke.
§ 22a Abs. 4 Satz 4 PolG BW und § 14a Abs. 4 Satz 4 HSOG regeln eine Aus­nah­me von der Löschungs­pflicht in Hin­blick auf eine wei­te­re Ver­ar­bei­tung von aus der Kenn­zei­chen­kon­trol­le gewon­ne­nen Infor­ma­tio­nen für ande­re Zwe­cke, als sie der Kenn­zei­chen­kon­trol­le zugrun­de lagen. Es han­delt sich somit um Rege­lun­gen zur daten­schutz­recht­li­chen Zweck­än­de­rung, die einen eigen­stän­di­gen Ein­griff begrün­den. Vom Grund­satz her ist gegen eine sol­che Rege­lung ver­fas­sungs­recht­lich nichts zu erin­nern. Das gilt auch, soweit § 22a Abs. 4 Satz 4 PolG BW auf Auf­ga­ben der Straf­ver­fol­gung abstellt, denn die Vor­schrift regelt allein die wei­te­re Spei­che­rung der Infor­ma­tio­nen und damit nur eine Öff­nung, die deren Nut­zung für wei­te­re Zwe­cke ermög­licht; end­gül­tig und genau­er ent­schei­det über die wei­te­re Nut­zung der Daten im Rah­men die­ser Öff­nung dann jedoch Bun­des­recht [43].
Die Vor­schrif­ten genü­gen jedoch nicht dem Erfor­der­nis eines hin­rei­chend gewich­ti­gen Rechts­gü­ter­schut­zes nach dem Kri­te­ri­um der Daten­neu­er­he­bung. Danach ist die Ver­wen­dung der Infor­ma­tio­nen zu neu­en Zwe­cken nur dann mit dem Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz ver­ein­bar, wenn die­se nach ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stä­ben auch für den geän­der­ten Zweck mit ver­gleich­bar schwer­wie­gen­den Mit­teln neu erho­ben wer­den dürf­ten [44]. Vor­lie­gend kommt eine Nut­zung der Daten zu wei­te­ren Zwe­cken daher nur zum Schutz von Rechts­gü­tern von zumin­dest erheb­li­chem Gewicht oder sonst einem ver­gleich­bar gewich­ti­gen öffent­li­chen Inter­es­se in Betracht, das heißt für das Straf­recht zur Ver­fol­gung von Straf­ta­ten von zumin­dest erheb­li­cher Bedeu­tung [45]. Das stel­len weder § 22a Abs. 4 Satz 4 PolG BW noch § 14a Abs. 4 Satz 4 HSOG sicher.
Dem­ge­gen­über bestehen kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken im Hin­blick auf die Gewähr­leis­tung von Löschungs­re­ge­lun­gen. § 22a Abs. 3 PolG BW und § 14a Abs. 3 HSOG sehen eine strikt an den Zwe­cken ori­en­tier­te Rege­lung zur Löschung der erho­be­nen Daten vor [46].
Fol­gen der (teil­wei­sen) Ver­fas­sungs­wid­rig­keit[↑]
Die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten sind teil­wei­se für nich­tig und im Übri­gen für mit der Ver­fas­sung unver­ein­bar zu erklä­ren.
Die Fest­stel­lung einer Ver­fas­sungs­wid­rig­keit gesetz­li­cher Vor­schrif­ten führt grund­sätz­lich zu deren Nich­tig­keit. Aller­dings kann sich das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, wie sich aus § 31 Abs. 2 Satz 2 und 3 BVerfGG ergibt, auch dar­auf beschrän­ken, eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Norm nur für mit der Ver­fas­sung unver­ein­bar zu erklä­ren [47]. Es ver­bleibt dann bei einer blo­ßen Bean­stan­dung der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit ohne den Aus­spruch der Nich­tig­keit. Die Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dabei zugleich mit der Anord­nung einer befris­te­ten Fort­gel­tung der ver­fas­sungs­wid­ri­gen Rege­lung ver­bin­den. Dies kommt in Betracht, wenn die sofor­ti­ge Ungül­tig­keit der zu bean­stan­den­den Norm dem Schutz über­ra­gen­der Güter des Gemein­wohls die Grund­la­ge ent­zie­hen wür­de und eine Abwä­gung mit den betrof­fe­nen Grund­rech­ten ergibt, dass der Ein­griff für eine Über­gangs­zeit hin­zu­neh­men ist [48].
Danach sind § 26 Abs. 1 Nr. 4 und 5 PolG BW unmit­tel­bar und § 22a Abs. 1 PolG BW, soweit er auf die­sen ver­weist, für mit dem Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) unver­ein­bar und nich­tig zu erklä­ren. Da dem Lan­des­ge­setz­ge­ber für die Rege­lung des § 26 Abs. 1 Nr. 4 und 5 PolG BW die Kom­pe­tenz fehlt, kommt eine Nach­bes­se­rung nicht in Betracht.
Nur für mit der Ver­fas­sung unver­ein­bar zu erklä­ren sind dem­ge­gen­über § 18 Abs. 2 Nr. 5 HSOG, soweit poli­zei­li­che Kon­troll­stel­len zur Ver­hü­tung von ver­samm­lungs­recht­li­chen Straf­ta­ten gere­gelt sind und dabei dem Zitier­ge­bot des Art.19 Abs. 1 Satz 2 GG nicht genügt wird, sowie § 14a Abs. 1 Satz 1 HSOG, soweit er auf die­sen ver­weist. Dies gilt auch für § 22a Abs. 1 Satz 1 PolG BW, soweit mit ihm auf § 26 Abs. 1 Nr. 1 PolG BW, und für § 14a Abs. 1 Satz 1 HSOG, soweit mit ihm auf § 18 Abs. 1 HSOG ver­wie­sen wird, und dabei die Ein­rich­tung der auto­ma­ti­sier­ten Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen­kon­trol­len nicht auf den Schutz von Rechts­gü­tern von zumin­dest erheb­li­chem Gewicht beschränkt wird. Eben­falls nur für mit der Ver­fas­sung unver­ein­bar zu erklä­ren sind § 22a Abs. 1 Satz 1 PolG BW, soweit mit ihm auf § 26 Abs. 1 Nr. 6 PolG BW, und § 14a Abs. 1 Satz 1 HSOG, soweit mit ihm auf § 18 Abs. 2 Nr. 6 HSOG ver­wie­sen wird, und dabei die Orte für die Durch­füh­rung der Kon­trol­len in Hin­blick auf deren Grenz­be­zug nicht hin­rei­chend bestimmt beschränkt sind. Wei­ter­hin gilt dies auch für § 22a Abs. 4 Satz 4 PolG BW und § 14a Abs. 4 Satz 4 HSOG, soweit die­se eine wei­te­re Ver­ar­bei­tung der Infor­ma­tio­nen nicht auf den Schutz von Rechts­gü­tern von zumin­dest erheb­li­chem Gewicht oder einem ver­gleich­bar gewich­ti­gen öffent­li­chen Inter­es­se begren­zen.
All die­se Vor­schrif­ten sind nicht für nich­tig, son­dern nur für mit der Ver­fas­sung unver­ein­bar zu erklä­ren. Die Grün­de für die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit betref­fen hier nicht den Kern der mit ihnen ein­ge­räum­ten Befug­nis­se, son­dern nur ein­zel­ne Aspek­te ihrer rechts­staat­li­chen Aus­ge­stal­tung, die der Gesetz­ge­ber nach­bes­sern kann. Er kann damit den Kern der mit den Vor­schrif­ten ver­folg­ten Zie­le auf ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Wei­se ver­wirk­li­chen. Ange­sichts der Bedeu­tung, die der Gesetz­ge­ber der Kenn­zei­chen­kon­trol­le für eine wirk­sa­me Gefah­ren­ab­wehr bei­mes­sen darf, ist unter die­sen Umstän­den deren vor­über­ge­hen­de Fort­gel­tung eher hin­zu­neh­men als deren Nich­tig­keits­er­klä­rung.
Die Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung wird mit der Anord­nung ihrer vor­über­ge­hen­den Fort­gel­tung bis zum Ablauf des 31.12 2019 ver­bun­den.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Dezem­ber 2018 – 1 BvR 2795/​09 und 1 BvR 3187/​10
Abwei­chung von BVerfGE 120, 378[↩]
GBl.BW Sei­te 390[↩]
GVBl. Hes­sen, Teil I, Sei­te 635[↩]
GBl.BW S. 390[↩]
GVBl I S. 635[↩]
vgl. BVerfGE 120, 378[↩][↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 35 ff.[↩][↩]
vgl. BVerfGE 109, 279, 306 f.; 120, 378, 394; 141, 220, 261 f. Rn. 82; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 133, 277, 312 Rn. 84[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 154[↩][↩]
vgl. BVerfGE 120, 378, 395 f.[↩]
vgl. BVerfGE 120, 378, 396 f.[↩]
vgl. BVerfGE 79, 1, 20; 123, 148, 172; 143, 246, 321 Rn.209; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 16, 1, 2 f.; 145, 20, 54 Rn. 85 m.w.N.; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 145, 20, 54 f. Rn. 86[↩][↩]
vgl. BVerfGE 123, 148, 172 f.; 138, 261, 271 f. Rn. 23; 143, 246, 322 Rn. 211; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 43, 291, 386; 60, 360, 372[↩]
vgl. BVerfGE 55, 154, 157; 65, 1, 37 f.; 102, 197, 208[↩]
vgl. BVerfGE 81, 70, 82 f.; 97, 157, 165; 138, 261, 271 f. Rn. 23; stRspr[↩]
vgl. dazu nur den Ver­fah­rens­gang in BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 11 ff.[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 22.10.2014 – 6 C 7/​13; dazu BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 71 ff.[↩][↩]
vgl. bereits Sächs­VerfGH, Urteil vom 10.07.2003 – Vf. 43-II-00 261 ff.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 136[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 66 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 130, 151, 184; 141, 220, 333 f. Rn. 305[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 80[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 60[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 58[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 95 ff.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 104 ff.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 143 ff.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 147 ff.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 149[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 117 ff.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 131 ff.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 113 ff.[↩]
vgl. bereits Bay­VerfGH, Urteil vom 28.03.2003 – Vf. 7‑VII-00 u.a. 115[↩]
vgl. BVerfGE 120, 378, 409 ff.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 112[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 107 ff.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 157[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 164 f.[↩]
vgl. BVerfGE 141, 220, 327 f. Rn. 286 f. m.w.N.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 165[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12.2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 160[↩]
vgl. BVerfGE 33, 1, 13; 109, 190, 235 f.; 141, 220, 351 Rn. 355; stRspr[↩]
Auto­ma­ti­sier­te Kfz-Ken­n­­zei­chen­­kon­­trol­­len in… Eine auto­ma­ti­sier­te Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen­kon­trol­le begrün­det Ein­grif­fe in das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aller Per­so­nen, deren Kenn­zei­chen in die Kon­trol­le ein­be­zo­gen wer­den, auch wenn das Ergeb­nis zu…
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