Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=MPR%202010,%20204
Timestamp: 2019-05-21 18:18:57
Document Index: 395909662

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 7', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 7', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 7']

BGH, 09.09.2010 - I ZR 125/08 - dejure.org
https://dejure.org/2010,823
BGH, 09.09.2010 - I ZR 125/08 (https://dejure.org/2010,823)
BGH, Entscheidung vom 09.09.2010 - I ZR 125/08 (https://dejure.org/2010,823)
BGH, Entscheidung vom 09. September 2010 - I ZR 125/08 (https://dejure.org/2010,823)
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Wettbewerbsverstoß: Verletzung der arzneimittelrechtlichen Preisbindung; Publikumswerbung mit einer Werbegabe im Wert von 5 Euro
Einhaltung der Preisbindungsvorschriften des Arzneimittelgesetzes (AMG) und der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) bei Veranstaltung eines Prämiensystems durch eine Apotheke; Ausgabe von gegen Prämien eintauschbaren "Talern" bei der Abgabe von verschreibungspflichtigen preisgebundenen Arzneimitteln; Gewährleistung eines einheitlichen Apothekenabgabepreises durch Gewährung von Prämien mit Abgabe der Medikamente an Verbraucher
Einhaltung der Preisbindungsvorschriften des Arzneimittelgesetzes ( AMG ) und der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) bei Veranstaltung eines Prämiensystems durch eine Apotheke; Ausgabe von gegen Prämien eintauschbaren "Talern" bei der Abgabe von verschreibungspflichtigen preisgebundenen Arzneimitteln; Gewährleistung eines einheitlichen Apothekenabgabepreises durch Gewährung von Prämien mit Abgabe der Medikamente an Verbraucher
GRUR-RR 2011, 39 (Ls.)
MPR 2010, 204
(3) Nichts anderes ergibt sich aus den Urteilen des Senats vom 9. September 2010 (…GRUR 2010, 1136 Rn. 24 - UNSER DANKESCHÖN FÜR SIE;… I ZR 37/08, MPR 2010, 201 Rn. 21;… I ZR 26/09, MPR 2010, 206 Rn. 22; I ZR 125/08, MPR 2010, 204 Rn. 20).
Diese Regelungen sollen insbesondere gewährleisten, dass die im öffentlichen Interesse gebotene flächendeckende und gleichmäßige Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln sichergestellt ist (BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 193/07 - [Unser Dankeschön für Sie] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 98/08 - [Bonuspunkte] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 26/09 - [Bonus-Taler] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 125/08 - [Bonussystem] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 37/08 - , jeweils m.w.N.).
Die Bestimmungen der Arzneimittelpreisverordnung werden vielmehr auch dann verletzt, wenn für das preisgebundene Arzneimittel zwar der korrekte Preis angesetzt wird, dem Kunden aber gekoppelt mit dem Erwerb des Arzneimittels Vorteile gewährt werden, die den Erwerb für ihn wirtschaftlich günstiger erscheinen lassen (BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 193/07 - [Unser Dankeschön für Sie] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 98/08 - [Bonuspunkte] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 26/09 - [Bonus-Taler] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 125/08 - [Bonussystem] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 37/08 - ; BGH, Urteil vom 08.05.2013 - I ZR 98/12 - [RezeptBonus] ).
Insbesondere ein über einen bestimmten Geldbetrag lautender Gutschein stellt einen Vorteil im vorstehend genannten Sinn dar (BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 193/07 - [Unser Dankeschön für Sie] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 98/08 - [Bonuspunkte] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 26/09 - [Bonus-Taler] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 125/08 - [Bonussystem] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 37/08 - ; BGH, Urteil vom 08.05.2013 - I ZR 98/12 - [RezeptBonus] ); denn mit ihm können - bei der gebotenen wirtschaftlichen Betrachtungsweise - von der Pflicht zur Zuzahlung befreite Kassenpatienten sowie Privatversicherte tatsächlich etwas "verdienen" und Kassenpatienten ohne Befreiung von der Zuzahlungspflicht immerhin einen Teil der Zuzahlung sparen, indem sie mit den Gutscheinen Waren erwerben (BGH, Urteil vom 08.05.2013 - I ZR 98/12 - [RezeptBonus] ).
Nichts anderes gilt für Gutscheine, die zwar nicht ausdrücklich auf einen bestimmten Geldbetrag lauten, gleichwohl in Gestalt der Möglichkeit, die Gutscheine gegen Waren einzutauschen, einen wirtschaftlichen Wert verkörpern (BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 125/08 - [Bonussystem] ).
Abweichendes kann allenfalls dann gelten, wenn der Gutscheinseinlösung wesentliche Hindernisse entgegenstehen (BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 193/07 - [Unser Dankeschön für Sie] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 98/08 - [Bonuspunkte] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 26/09 - [Bonus-Taler] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 125/08 - [Bonussystem] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 37/08 - ; BGH, Urteil vom 08.05.2013 - I ZR 98/12 - [RezeptBonus] ), wobei ein Hindernis auch darin bestehen kann, dass es sich bei den angebotenen Sachprämien lediglich um aus Sicht des Kunden unnütze oder wertlose Gegenstände handelt (BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 125/08 - [Bonussystem] ), oder wenn die Vorteile nicht allein für den Erwerb des preisgebundenen Arzneimittels, sondern auch aus anderem Anlass gewährt werden, etwa weil der Kunde beim Erwerb Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen muss (BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 193/07 - [Unser Dankeschön für Sie] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 98/08 - [Bonuspunkte] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 26/09 - [Bonus-Taler] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 125/08 - [Bonussystem] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 37/08 - ; BGH, Urteil vom 08.05.2013 - I ZR 98/12 - [RezeptBonus] ).
Ein Verstoß gegen die arzneimittelrechtliche Preisbindung liegt damit auch dann vor, wenn dem Kunden lediglich geringwertige Vorteile zugewandt werden (BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 98/08 - [Bonuspunkte] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 26/09 - [Bonus-Taler] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 125/08 - [Bonussystem] ).
b) Die vorstehend dargestellten Regelungen über die arzneimittelrechtliche Preisbindung stellen Marktverhaltensregelungen im Sinne des § 4 Nr. 11 UWG dar (BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 193/07 - [Unser Dankeschön für Sie] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 98/08 - [Bonuspunkte] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 26/09 - [Bonus-Taler] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 125/08 - [Bonussystem] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 37/08 - ).
Wie bereits ausgeführt, liegt ein Verstoß gegen die arzneimittelrechtliche Preisbindung nicht vor, wenn ein Vorteil nicht allein für den Erwerb des preisgebundenen Arzneimittels, sondern auch aus anderem Anlass gewährt wird, etwa weil der Kunde beim Erwerb Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen muss (BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 193/07 - [Unser Dankeschön für Sie] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 98/08 - [Bonuspunkte] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 26/09 - [Bonus-Taler] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 125/08 - [Bonussystem] ; BGH, Urteil vom 09.09.2010 - I ZR 37/08 - ; BGH, Urteil vom 08.05.2013 - I ZR 98/12 - [RezeptBonus] ).
Dieser scheitere auch nicht an einer etwaigen Nichtüberschreitung der nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (vgl. Urteile v. 09.09.2010 - I ZR 193/07, I ZR 37/08, I ZR 98/08, I ZR 125/08, I ZR 26/09 -, juris) zu berücksichtigenden wettbewerbsrechtlichen Spürbarkeitsschwelle.
Ein Apotheker verstößt nach der bislang vom Senat im Einklang mit der höchstrichterlichen Rechtsprechung vertretenen Auffassung (vgl. dazu Beschl. d. Senats v. 22.03.2011 - 13 LA 157/09 -, juris Rdnrn. 7 - 12; BGH, Urteile v. 09.09.2010 - I ZR 193/07, I ZR 37/08, I ZR 98/08, I ZR 125/08, I ZR 26/09 -, juris ) schon dann gegen die Arzneimittelpreisbindung, wenn für das preisgebundene Arzneimittel zwar zunächst der korrekte Preis angesetzt wird, dem Versicherten bzw. Kunden aber gekoppelt mit dem Erwerb des Arzneimittels Vorteile gewährt werden, die den Erwerb für ihn wirtschaftlich günstiger erscheinen lassen.
Die weiteren entschiedenen Fälle betreffen die Gewährung von Einkaufsgutscheinen über 5, 00 EUR durch eine Versandapotheke (I ZR 193/07, keine geringwertige Kleinigkeit), einen Bonus-Taler ohne aufgedruckten Geldbetrag mit einem geschätzten Wert von 0, 50 EUR bei einer Präsenzapotheke (I ZR 26/09, geringwertige Kleinigkeit) sowie ein Punktesammel- und Einlösungssystem (ein Punkt pro Einkauf mit einem Wert von etwa 0, 40 EUR) einer Präsenzapotheke (I ZR 125/08, geringwertige Kleinigkeit).
In späteren Entscheidungen hat der Bundesgerichtshof eine auf das gesamte Sortiment einer Apotheke bezogene Werbung allerdings als "Imagewerbung" und nicht als produktbezogen bezeichnet (Urteile vom 9.9. 2010; I ZR 37/08 - juris Tz. 21 - Einkaufsgutschein; I ZR 125/08 - juris Tz. 20 - Bonussystem; I ZR 25/09 - juris Tz. 22 - Bonus-Taler;… vgl. Brixius, in: Bülow u. a., HWG, 4. Aufl. 2012, § 7 Rn. 14).
Nichts anderes gilt für Gutscheine, die zwar nicht ausdrücklich auf einen bestimmten Geldbetrag lauten, gleichwohl in Gestalt der Möglichkeit, die Gutscheine gegen Waren einzutauschen, einen wirtschaftlichen Wert verkörpern (BGH BeckRS 2010, 23769 - Bonussystem ).
Abweichendes kann allenfalls dann gelten, wenn der Gutscheineinlösung wesentliche Hindernisse entgegenstehen (BGH GRUR 2010, 1136 - Unser Dankeschön für Sie m.w.N.), wobei ein Hindernis auch darin bestehen kann, dass es sich bei den angebotenen Sachprämien lediglich um aus Sicht des Kunden unnütze oder wertlose Gegenstände handelt (BGH BeckRS 2010, 23769 - Bonussystem ), oder wenn die Vorteile nicht allein für den Erwerb des preisgebundenen Arzneimittels, sondern auch aus anderem Anlass gewährt werden, etwa weil der Kunde beim Erwerb Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen muss (BGH GRUR 2010, 1136 - Unser Dankeschön für Sie m.w.N.).
Ein Verstoß gegen die arzneimittelrechtliche Preisbindung liegt damit auch dann vor, wenn dem Kunden lediglich geringwertige Vorteile zugewandt werden (BGH BeckRS 2010, 23769 - Bonussystem ).
e) Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs besteht der Zweck der in § 7 HWG enthaltenen Regelungen vor allem darin, dass Verbraucher bei der Entscheidung, ob und welche Heilmittel sie in Anspruch nehmen, nicht durch die Aussicht auf Zugaben und Werbegaben unsachlich beeinflusst werden sollen (BGH, Urteil vom 9. September 2010 - I ZR 125/08 - Bonussystem, juris Rn. 17 m. w. N.).
Zudem soll die Regelung dazu dienen, das finanzielle Gleichgewicht des Systems der gesetzlichen Krankenversicherung abzusichern (Gemeinsamer Senat der obersten Gerichtshöfe des Bundes, Beschluss vom 22. August 2012 - GmS-OGB 1/10, BGHZ 194, 354, bei juris Rz. 22 ff., m.w.N. - EU-Versandapotheken; BVerfG, Beschluss vom 19. September 2002 - 1 BvR 1385/01, NJW 2002, 3693, 3695; BGH, Urteile vom 09. September 2010 - I ZR 193/07, bei GRUR 2010, 1136, bei juris Rz. 16 und 22, m.w.N. - Unser Dankeschön für Sie; vgl. auch BGH, Urteil vom 09. September 2010 - I ZR 125/08, bei juris; OLG Köln, Beschluss vom 20. September 2005 - 6 W 112/05, GRUR 2006, 88; Stellungnahme des Bundesrates zum Regierungsentwurf eines Vierten Gesetzes zur Änderung des Arzneimittelgesetzes, BT-Drs.
In späteren Entscheidungen hat der Bundesgerichtshof eine auf das gesamte Sortiment einer Apotheke bezogene Werbung allerdings als "Imagewerbung" und nicht als produktbezogen bezeichnet (Urteile vom 09.09.2010; I ZR 37/08 - juris Tz. 21 - Einkaufsgutschein; I ZR 125/08 - juris Tz. 20 - Bonussystem; I ZR 25/09 - juris Tz. 22 - Bonus-Taler;… vgl. Brixius, in: Bülow u. a., HWG, 4. Aufl. 2012, § 7 Rn. 14).