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Timestamp: 2019-05-22 09:14:49
Document Index: 132791176

Matched Legal Cases: ['§ 112', '§ 109', '§ 286', '§ 109', '§ 543', '§ 286', '§ 536', '§ 320', '§ 320', '§ 242', '§ 536', 'BGH', 'BGH', '§ 536', '§ 320', '§ 273', '§ 112', '§ 109', '§ 546', '§ 985', '§ 109', '§ 109', '§ 109', 'BGH', '§ 112', '§ 112', '§ 109', '§ 109', '§ 109', '§ 112', '§ 542', '§ 109', '§ 109', '§ 109', '§ 109', '§ 112', '§ 109', '§ 112', '§ 109', '§ 569', '§ 109', '§ 109', '§ 109', '§ 109', '§ 109', '§ 112', '§ 112', '§ 112', '§ 112', 'BGH', '§ 112', 'BGH', 'BGH', '§ 112', '§ 112', '§ 109', '§ 286', '§ 112', '§ 294', '§ 295', '§ 112', '§ 112', '§ 112', '§ 112', '§ 112', '§ 112', '§ 543', 'BGH', '§ 569', '§ 554', '§ 535', '§ 286', '§ 294', '§ 295', '§ 295', '§ 294', '§ 295', '§ 295', '§ 294', '§ 294', '§ 294', '§ 295', 'BGH', '§ 296', '§ 286', 'BGH', '§ 295', 'BGH', '§ 109', '§ 112', '§ 109', '§ 112', '§ 39', '§ 39', '§ 39', '§ 286', '§ 286', '§ 286', '§ 287', '§ 39', '§ 320', '§ 535', 'BGH', '§ 535', '§ 320', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 320', '§ 320', '§ 320', '§ 320', '§ 535', '§ 536', 'BGH', '§ 641', '§ 320', '§ 320', '§ 536', '§ 641', '§ 536', '§ 79', '§ 536', '§ 320', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 320', 'BGH', 'BGH', '§ 320', '§ 536', '§ 535', '§ 536', '§ 536', 'BGH', 'BGH', '§ 543', '§ 562', '§ 563', '§ 543', '§ 546', '§ 985', '§ 536', '§ 320', '§ 273', '§ 112', '§ 109', '§ 641', '§ 546', '§ 985', '§ 543', '§ 109', '§ 109', '§ 569', '§ 112', '§ 112', '§ 112', '§ 109', '§ 286', '§ 294', '§ 295', '§ 554', '§ 535', '§ 294', '§ 294', '§ 296', '§ 295', '§ 287', '§ 39', '§ 320', '§ 320', '§ 320', '§ 535', '§ 273', '§ 536', '§ 320', '§ 242', '§ 536', '§ 543', '§ 562', '§ 563', '§ 546']

27.07.2015 · IWW-Abrufnummer 178370
Bundesgerichtshof: Versaeumnisurteil vom 17.06.2015 – VIII ZR 19/14
a) Die Kündigungssperre des § 112 InsO gilt nach Wirksamwerden der Enthaftungserklärung des Insolvenzverwalters nach § 109 Abs. 1 Satz 2 InsO weder im Insolvenzverfahren noch in dem sich daran anschließenden Restschuldbefreiungsverfahren ( §§ 286 ff. InsO ). Nach Wirksamwerden der Enthaftungserklärung nach § 109 Abs. 1 Satz 2 InsO sind rückständige Mieten, mit deren Zahlung der Mieter bereits vor Insolvenzantragstellung in Verzug geraten war, bei der Beurteilung der Wirksamkeit einer (auch) hierauf gestützten fristlosen Kündigung des Vermieters nach § 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. b BGB zu berücksichtigen.
b) Der Verzug ( §§ 286 ff. BGB ) des Mieters mit der Entrichtung der Miete endet nicht mit der Insolvenzeröffnung.
c) Das dem Mieter neben der kraft Gesetzes eintretenden Minderung ( § 536 BGB ) zustehende Recht, die Zahlung der (geminderten) Miete nach § 320 Abs. 1 Satz 1 BGB zu verweigern, unterliegt nach seinem Sinn und Zweck sowie unter Berücksichtigung dessen, dass das durch den Mangel der Wohnung bestehende Ungleichgewicht zwischen Leistung und Gegenleistung durch die Minderung wieder hergestellt ist, grundsätzlich einer zeitlichen und betragsmäßigen Begrenzung.
d) Bei der gemäß § 320 Abs. 2 BGB an dem Grundsatz von Treu und Glauben ( § 242 BGB ) orientierten Beurteilung, in welcher Höhe und in welchem zeitlichem Umfang dem Mieter einer mangelbehafteten Wohnung neben der Minderung ( § 536 BGB ) das Recht zusteht, die (geminderte) Miete zurückzuhalten, verbietet sich jede schematische Betrachtung. Die Frage ist vielmehr vom Tatrichter im Rahmen seines Beurteilungsermessens aufgrund einer Gesamtwürdigung der Umstände des jeweiligen Einzelfalls zu entscheiden.
Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil der 1. Zivilkammer des Landgerichts Kassel vom 12. Dezember 2013 aufgehoben.
Die Berufung der Beklagten gegen das Urteil des Amtsgerichts Kassel vom 31. Januar 2013 wird zurückgewiesen.
Auf Antrag des Beklagten zu 2 vom 20. Mai 2010 wurde mit Beschluss vom 17. Juni 2010 das Verbraucherinsolvenzverfahren über sein Vermögen eröffnet. Die Treuhänderin erklärte am 1. Juli 2010 die "Freigabe" des Mietverhältnisses. Am 18. Januar 2012 wurde das Insolvenzverfahren aufgehoben.
Die Revision hat Erfolg. Über das Rechtsmittel ist antragsgemäß durch Versäumnisurteil zu entscheiden, da die Beklagten in der mündlichen Verhandlung trotz ordnungsgemäßer Ladung nicht anwaltlich vertreten waren. Inhaltlich beruht das Urteil indessen nicht auf der Säumnis, sondern einer Sachprüfung ( BGH, Urteil vom 4. April 1962 - V ZR 110/60 , BGHZ 37, 79, 81 ff. ).
Der Klägerin stehe der geltend gemachte Räumungs- und Herausgabeanspruch nicht zu, da keine der ausgesprochenen Kündigungen das Mietverhältnis beendet habe. Unter Berücksichtigung des dem Beklagten zu 2 neben der kraft Gesetzes ( § 536 BGB ) eingetretenen Mietminderung zustehenden Zurückbehaltungsrechts aus § 320 Abs. 1 , § 273 BGB sei keine der von der Klägerin ausgesprochenen Kündigungen zu einem Zeitpunkt erklärt worden, zu dem ein zur Kündigung berechtigender Zahlungsrückstand des Beklagten zu 2 vorgelegen habe.
Auf die vor dem 20. Mai 2010 (Insolvenzeröffnungsantrag) aufgelaufenen Mietrückstände könne die Klägerin eine Kündigung schon deshalb nicht stützen, weil dem die Kündigungssperre aus § 112 Nr. 1 InsO entgegenstehe. Die von der eingesetzten Treuhänderin mit Schreiben vom 1. Juli 2010 gemäß § 109 Abs. 1 Satz 2 InsO abgegebene Enthaftungserklärung habe lediglich zur Folge gehabt, dass die Klägerin eine erneute Kündigung nur auf die seit Juni 2010 neu aufgelaufenen Mietrückstände habe stützen können. Ein Rückgriff auf die bis zur Antragsstellung aufgelaufenen Rückstände sei der Klägerin auch während der derzeit nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens laufenden "Wohlverhaltensphase" (Restschuldbefreiungsverfahren) verwehrt.
Denn über die kraft Gesetzes eingetretene Minderung der Miete stehe dem Beklagten zu 2 ein Zurückbehaltungsrecht zur Seite, das im Streitfall den Verzugseintritt insgesamt verhindert habe. Bei der geschuldeten Miete von 530,90 € je Monat belaufe sich die Minderung auf 106,18 €. Dem Beklagten zu 2 sei jedenfalls - wie es auch das Amtsgericht angenommen habe - der vierfache Minderungsbetrag als monatliches Zurückbehaltungsrecht zuzubilligen, mithin 424,72 € je Monat. Minderungsbetrag und Höhe des Zurückbehaltungsrechts erreichten somit die geschuldete Gesamtmiete, so dass Verzug mit der Mietzahlung nicht habe eintreten können.
Die Höhe des Zurückbehaltungsrechts sei hier nicht zu beanstanden, da der Klägerin bereits seit dem Frühjahr 2009 aufgrund eines von ihr eingeholten Privatgutachtens bekannt gewesen sei, dass von ihr zur Verhütung des Schimmelbefalls diverse baulich bedingte Mängel abzustellen gewesen wären; hierzu seien der Klägerin auch konkrete Vorschl