Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767?p=248
Timestamp: 2019-02-18 10:31:42
Document Index: 189996157

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 206', '§ 1', '§ 206', '§ 1']

wie die bischöffe
und fürsten es
der städte hal-
ber gehalten
haben, und wie
es mit der ge-
richtbarkeit er-
Jm Xten und XIten jarhunderte bestrebeten
sich die geistliche: die bischöfflichen städte von der
gerichtbarkeit, und den abgiften an die grafen der
Kaiser zu befreien, auch an deren statt bischöffli-
che vögte zu sezen, welche die gerichte darinn hal-
ten sollten, Struben in nebenstunden Vten th.,
s. 473 fgg. Der Papst suchete eher die städte auf
seine seite zu bringen, als die fürsten. Denn sie
hatten gelt, wo sie sich hinwendeten, das gab
den sachen den ausschlag. Die bischöffe
hatten auch wohl in den Reichsstädten ire höfe,
welche pfalzen genennet wurden, wie vom bischoffe
zu Augsburg, und Costanz etc bekannt ist, Mo-
sers statsrecht des hochstiftes Augsburg 1740 fol.,
cap. VI, § 1, s. 10, und statsrecht des fürstlichen
hochstiftes Costanz etc, auch der F. abtei Reichenau.
Den bischöffen folgeten in ausübung der gericht-
barkeit in den landstädten die weltliche herren, und
sezeten die beambten, samt den schöffen, nach ei-
genem gefallen, biß sie endlich den städten zum
teile die gerichtbarkeit bald geschenket, bald ver-
kaufet, oder verpfändet, oder zu lehn gereichet,
oder verpachtet haben, Buder de modis adquisitae
a ciuitat. Germ. mediatis iurisd. crim. Jena 1749,
4t. Besonders aber sind vile Reichsstädte seit
den zeiten des Kaisers: Ludewigs zu Baiern, Carls
des IIIIten etc, in eine andere form gekommen, da
die Kaiser inen die vogteien, und obrigkeitliche
aembter verkaufet, versezet, und dise mereste
Reichsstädte sie nach und nach an sich gebracht ha-
ben. Anstatt nun, daß die schöffen, und stadt-
rähte vorhin keine gerichtbarkeit gehabt hatten, er-
hilten sie nun solche hirdurch auf mancherlei weise,
Buder am a. o., Struben im Iten th., s. 498,
s. 559, IIIIten th., s. 58, s. 95, s. 144, s. 147,
wie die biſchoͤffe
und fuͤrſten es
der ſtaͤdte hal-
ergangen iſt?
Jm Xten und XIten jarhunderte beſtrebeten
ſich die geiſtliche: die biſchoͤfflichen ſtaͤdte von der
Kaiſer zu befreien, auch an deren ſtatt biſchoͤffli-
che voͤgte zu ſezen, welche die gerichte darinn hal-
ten ſollten, Struben in nebenſtunden Vten th.,
ſ. 473 fgg. Der Papſt ſuchete eher die ſtaͤdte auf
ſeine ſeite zu bringen, als die fuͤrſten. Denn ſie
hatten gelt, wo ſie ſich hinwendeten, das gab
den ſachen den ausſchlag. Die biſchoͤffe
hatten auch wohl in den Reichsſtaͤdten ire hoͤfe,
welche pfalzen genennet wurden, wie vom biſchoffe
zu Augsburg, und Coſtanz ꝛc bekannt iſt, Mo-
ſers ſtatsrecht des hochſtiftes Augsburg 1740 fol.,
cap. VI, § 1, ſ. 10, und ſtatsrecht des fuͤrſtlichen
hochſtiftes Coſtanz ꝛc, auch der F. abtei Reichenau.
Den biſchoͤffen folgeten in ausuͤbung der gericht-
barkeit in den landſtaͤdten die weltliche herren, und
ſezeten die beambten, ſamt den ſchoͤffen, nach ei-
genem gefallen, biß ſie endlich den ſtaͤdten zum
teile die gerichtbarkeit bald geſchenket, bald ver-
kaufet, oder verpfaͤndet, oder zu lehn gereichet,
oder verpachtet haben, Buder de modis adquiſitae
4t. Beſonders aber ſind vile Reichsſtaͤdte ſeit
den zeiten des Kaiſers: Ludewigs zu Baiern, Carls
des IIIIten ꝛc, in eine andere form gekommen, da
die Kaiſer inen die vogteien, und obrigkeitliche
aembter verkaufet, verſezet, und diſe mereſte
Reichsſtaͤdte ſie nach und nach an ſich gebracht ha-
ben. Anſtatt nun, daß die ſchoͤffen, und ſtadt-
raͤhte vorhin keine gerichtbarkeit gehabt hatten, er-
hilten ſie nun ſolche hirdurch auf mancherlei weiſe,
Buder am a. o., Struben im Iten th., ſ. 498,
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[224/0248] XXXVI haubtſtuͤck, § 206 Jm Xten und XIten jarhunderte beſtrebeten ſich die geiſtliche: die biſchoͤfflichen ſtaͤdte von der gerichtbarkeit, und den abgiften an die grafen der Kaiſer zu befreien, auch an deren ſtatt biſchoͤffli- che voͤgte zu ſezen, welche die gerichte darinn hal- ten ſollten, Struben in nebenſtunden Vten th., ſ. 473 fgg. Der Papſt ſuchete eher die ſtaͤdte auf ſeine ſeite zu bringen, als die fuͤrſten. Denn ſie hatten gelt, wo ſie ſich hinwendeten, das gab den ſachen den ausſchlag. Die biſchoͤffe hatten auch wohl in den Reichsſtaͤdten ire hoͤfe, welche pfalzen genennet wurden, wie vom biſchoffe zu Augsburg, und Coſtanz ꝛc bekannt iſt, Mo- ſers ſtatsrecht des hochſtiftes Augsburg 1740 fol., cap. VI, § 1, ſ. 10, und ſtatsrecht des fuͤrſtlichen hochſtiftes Coſtanz ꝛc, auch der F. abtei Reichenau. Den biſchoͤffen folgeten in ausuͤbung der gericht- barkeit in den landſtaͤdten die weltliche herren, und ſezeten die beambten, ſamt den ſchoͤffen, nach ei- genem gefallen, biß ſie endlich den ſtaͤdten zum teile die gerichtbarkeit bald geſchenket, bald ver- kaufet, oder verpfaͤndet, oder zu lehn gereichet, oder verpachtet haben, Buder de modis adquiſitae a ciuitat. Germ. mediatis iurisd. crim. Jena 1749, 4t. Beſonders aber ſind vile Reichsſtaͤdte ſeit den zeiten des Kaiſers: Ludewigs zu Baiern, Carls des IIIIten ꝛc, in eine andere form gekommen, da die Kaiſer inen die vogteien, und obrigkeitliche aembter verkaufet, verſezet, und diſe mereſte Reichsſtaͤdte ſie nach und nach an ſich gebracht ha- ben. Anſtatt nun, daß die ſchoͤffen, und ſtadt- raͤhte vorhin keine gerichtbarkeit gehabt hatten, er- hilten ſie nun ſolche hirdurch auf mancherlei weiſe, Buder am a. o., Struben im Iten th., ſ. 498, ſ. 559, IIIIten th., ſ. 58, ſ. 95, ſ. 144, ſ. 147, Vten
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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 224. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/248>, abgerufen am 18.02.2019.