Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/versicherungsrecht/notarhaftung-und-der-vorleistungsanspruch-des-berufshaftpflichtversicherer-379326
Timestamp: 2020-08-08 12:42:01
Document Index: 292326557

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 19', 'BGH', 'BGH']

Notarhaftung - und der Vorleistungsanspruch des Berufshaftpflichtversicherer | Rechtslupe
Notarhaftung - und der Vorleistungsanspruch des Berufshaftpflichtversicherer
Nota­rhaf­tung – und der Vor­leis­tungs­an­spruch des Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer
Für den Vor­leis­tungs­an­spruch gemäß § 19a Abs. 2 Satz 2 BNo­tO ist ent­schei­dend, dass der Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer unter Beru­fung auf eine wis­sent­li­che Pflicht­ver­let­zung des Notars die Regu­lie­rung ablehnt, gegen das Bestehen des Deckungs­an­spruchs aus dem Haft­pflicht­ver­si­che­rungs­ver­trag aber kei­ne wei­te­ren Ein­wen­dun­gen erhebt. Ein Streit zwi­schen Anspruch­stel­ler und Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer über die wis­sent­li­che Pflicht­ver­let­zung ist nicht erfor­der­lich. Der Geschä­dig­te ist nicht gehal­ten, von sich aus vor einer Inan­spruch­nah­me des Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rers an den Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rer her­an­zu­tre­ten, um des­sen Leis­tungs­be­reit­schaft zu klä­ren.
Steht eine wis­sent­li­che Pflicht­ver­let­zung des Notars im Raum, so kommt der Vor­leis­tungs­an­spruch gegen den Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer gemäß § 19a Abs. 2 Satz 2 BNo­tO bereits dann in Betracht, wenn Letz­te­rer unter Beru­fung hier­auf die Regu­lie­rung ablehnt, gegen das Bestehen des Deckungs­an­spruchs aus dem Haft­pflicht­ver­si­che­rungs­ver­trag aber kei­ne wei­te­ren Ein­wen­dun­gen erhebt. Ein Streit zwi­schen Anspruch­stel­ler und Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer über die­sen Punkt ist nicht erfor­der­lich.
Der Wort­laut der Vor­schrift sagt nichts dar­über aus, zwi­schen wem das Vor­lie­gen des Aus­schluss­grun­des wis­sent­li­cher Pflicht­ver­let­zung nach Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 strei­tig sein muss. Jedoch ergibt sich aus dem Sinn und Zweck der Rege­lung, dass ein Anspruch des Geschä­dig­ten sogar dann gege­ben sein kann, wenn zwi­schen ihm und dem Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer aus­drück­lich Einig­keit über eine wis­sent­li­che Pflicht­ver­let­zung des Notars besteht.
Der Gesetz­ge­ber hat­te bei Ein­füh­rung der Rege­lung des § 19a Abs. 2 Satz 2 BNo­tO einen Streit der bei­den Ver­si­che­rer vor Augen, die auf den jeweils ande­ren ver­wei­sen, und woll­te, dass die­se ihn unter­ein­an­der aus­tra­gen [1]. Dage­gen soll sich der Man­dant des Notars, wenn klar ist, dass jeden­falls einer der bei­den Ver­si­che­rer leis­tungs­pflich­tig ist (weil „nur“ die wis­sent­li­che Pflicht­ver­let­zung strei­tig ist), im Inter­es­se zügi­ger Scha­den­re­gu­lie­rung an den Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer hal­ten kön­nen. Letz­te­rem ste­hen zum Aus­gleich der For­de­rungs­über­gang (§ 19a Abs. 2 Satz 3 BNo­tO) und ein Anspruch auf Auf­wen­dungs­er­satz (§ 19a Abs. 2 Satz 4 BNo­tO) gegen den Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rer zu, so dass die Streit­fra­ge im Regress­pro­zess zwi­schen die­sen bei­den Ver­si­che­rern geklärt wer­den kann. Soweit dabei im Gesetz vom Über­gang des Anspruchs gegen einen sons­ti­gen „Ersatz­be­rech­tig­ten“ die Rede ist, han­delt es sich um ein offen­sicht­li­ches Redak­ti­ons­ver­se­hen des Gesetz­ge­bers; gemeint ist „Ersatz­ver­pflich­te­ten“ [2].
Der Zweck der zügi­gen Scha­den­re­gu­lie­rung wür­de ver­fehlt, sofern der Geschä­dig­te nicht beim Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer liqui­die­ren könn­te, wenn in ihrem Ver­hält­nis die Fra­ge der wis­sent­li­chen Pflicht­ver­let­zung geklärt ist, der Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rer, den die­ses nicht bin­det, dage­gen nach wie vor nicht regu­lie­rungs­be­reit ist. Die Fra­ge der wis­sent­li­chen Pflicht­ver­let­zung soll nach der gesetz­li­chen Kon­zep­ti­on wenn es kei­ne wei­te­ren Streit­punk­te gibt nicht zwi­schen dem Geschä­dig­ten und dem Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer, son­dern allein zwi­schen Letz­te­rem und dem Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rer geklärt wer­den. Allein dies soll­te daher mit der For­mu­lie­rung „nur strei­tig“ zum Aus­druck gebracht wer­den.
Die­ses Ver­ständ­nis der Rege­lung liegt bereits dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 20.07.2011 [3] zugrun­de.
Der mög­li­che Anspruch der Geschä­dig­ten ent­fällt nicht des­we­gen, weil inzwi­schen auch der Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rer die Amts­pflicht­ver­let­zung des Notars als wis­sent­lich began­gen betrach­tet. Die Geschä­dig­te war auch nicht etwa gehal­ten, von sich aus vor einer Inan­spruch­nah­me der Berufs­haft­pflicht­ve­ri­sche­rung an den Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rer her­an­zu­tre­ten, um des­sen Leis­tungs­be­reit­schaft zu klä­ren. Auch dies wür­de dem Wil­len des Gesetz­ge­bers zuwi­der­lau­fen, dass sich der Geschä­dig­te – bis zur Höhe der gesetz­li­chen Min­dest­ver­si­che­rungs­sum­me – im Inter­es­se zügi­ger Scha­den­re­gu­lie­rung an den Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer hal­ten kann, ohne sich mit dem Ein­wand der Wis­sent­lich­keit auch nur befas­sen zu müs­sen, wenn der Inan­spruch­nah­me des Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rers kei­ne ande­ren Ein­wen­dun­gen ent­ge­gen­ste­hen. Ledig­lich eine vor­sorg­li­che Scha­den­mel­dung wird er dem Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rer gegen­über bei dro­hen­dem Ablauf der Anzei­ge­frist abge­ben müs­sen [4].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Juni 2014 – IV ZR 414/​12
BT-Drs. 13/​11034 S. 38 f.[↩]
vgl. Sand­küh­ler in Arndt/​Lerch/​Sandkühler, BNo­tO 6. Aufl. § 19a Rn. 57[↩]
BGH, Urteil vom 20.07.2011 – IV ZR 131/​09[↩]
vgl. dazu das BGH, Urteil vom 11.07.2014 – IV ZR 400/​12[↩]
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