Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/mindestverfahrensrechte-im-strafverfahren-359514
Timestamp: 2020-02-23 03:27:03
Document Index: 128329484

Matched Legal Cases: ['§ 187', '§ 187', '§ 187', '§ 114', '§ 187', '§ 187', '§ 189', '§ 168', '§ 187', '§ 187', 'de lege lata', '§ 187', '§ 163', '§ 189', '§ 163', '§ 168', '§ 168', '§ 37', '§ 187', '§ 136', '§ 163', '§ 114', '§ 187', '§ 168', '§ 114', '§ 187', '§ 114', '§ 114', '§ 114', '§ 115', '§ 114', '§ 114', '§ 114', '§ 136', '§ 163', '§ 187', '§ 168', '§ 168', '§ 136', '§ 163']

Min­dest­ver­fah­rens­rech­te im Straf­ver­fah­ren | Rechtslupe ")}}return a.proceed()});scriptParent=document.getElementsByTagName("script")[0].parentNode;if(scriptParent.tagName.toLowerCase!=="head"){head=document.getElementsByTagName("head")[0];aop_around(head,"insertBefore");aop_around(head,"appendChild")}aop_around(scriptParent,"insertBefore");aop_around(scriptParent,"appendChild");var a2a_config=a2a_config||{};a2a_config.no_3p=1;var addthis_config={data_use_cookies:false};var _gaq=_gaq||[];_gaq.push(["_gat._anonymizeIp"])}
Mit der Richt­li­nie 2010/​64/​EU des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 20. Okto­ber 2010 über das Recht auf Dol­met­sch­leis­tun­gen und Über­set­zun­gen in Straf­ver­fah­ren und der Richt­li­nie 2012/​13/​EU des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 22. Mai 2012 über das Recht auf Beleh­rung und Unter­rich­tung in Straf­ver­fah­ren lie­gen nun­mehr die ers­ten bei­den Rechts­ak­te auf dem Weg zu ein­heit­li­chen EU-wei­ten Min­dest­ver­fah­rens­rech­ten vor, wie sie der Rat der Euro­päi­schen Uni­on in sei­ner Ent­schlie­ßung vom 30. Novem­ber 2009 über einen Fahr­plan zur Stär­kung der Ver­fah­rens­rech­te von Ver­däch­ti­gen oder Beschul­dig­ten im Straf­ver­fah­ren 1 als Maß­nah­men vor­ge­se­hen hat. Nun­mehr hat die Bun­des­re­gie­rung einen Gesetz­ent­wurf zur Umset­zung die­ser bei­den Richt­li­ni­en in deut­sches Recht in den Bun­des­tag ein­ge­bracht.
Das deut­sche Recht gewährt einer beschul­dig­ten Per­son in den von den bei­den Richt­li­ni­en betrof­fe­nen Berei­chen, näm­lich dem Recht auf Dol­met­sch­leis­tun­gen und Über­set­zun­gen einer­seits und dem Recht auf Beleh­rung und Unter­rich­tung in Straf­ver­fah­ren ande­rer­seits, schon jetzt gewis­se Infor­ma­ti­ons- und Teil­ha­be­rech­ten. Hand­lungs­be­darf bei der Umset­zung der Richt­li­nie besteht aber gleich­wohl in eini­gen Teil­be­rei­chen, in denen durch die euro­päi­schen Vor­ga­ben ein­zel­ne, dem gel­ten­den Straf­ver­fah­rens- und Gerichts­ver­fas­sungs­recht bereits bekann­te Gewähr­leis­tun­gen noch wei­ter aus­ge­baut wer­den:
Die zur Umset­zung der Richt­li­nie 2010/​64/​EU not­wen­di­gen Anpas­sun­gen hin­sicht­lich Über­set­zungs- und Dol­met­sch­leis­tun­gen wäh­rend des Straf­ver­fah­rens kon­zen­triert der Gesetz­ent­wurf in einer Neu­fas­sung des § 187 des Gerichts­ver­fas­sungs­ge­set­zes, der für die Fäl­le nicht­rich­ter­li­cher Ver­neh­mung durch ent­spre­chen­de Ver­wei­se in der Straf­pro­zess­ord­nung in Bezug genom­men wer­den soll. Soweit die Richt­li­nie 2010/​64/​EU eine Ver­pflich­tung zur voll­stän­di­gen Über­set­zung der schrift­li­chen Urteils­grün­de vor­sieht, soll von die­ser Ver­pflich­tung in Über­ein­stim­mung mit den Bestim­mun­gen der Richt­li­nie im Ein­zel­fall ins­be­son­de­re dann abge­wi­chen wer­den kön­nen, wenn die Ent­schei­dung rechts­kräf­tig ist oder die beschul­dig­te Per­son einen Ver­tei­di­ger
Zur Umset­zung der durch die Richt­li­nie 2012/​13/​EU vor­ge­ge­be­nen Beleh­rungs­pflich­ten sowie der Pflicht, Beleh­run­gen akten­kun­dig zu machen, sieht der Gesetz­ent­wurf vor, die in die­sem Bereich bereits gel­ten­den Vor­schrif­ten der Straf­pro­zess­ord­nung und des Gerichts­ver­fas­sungs­ge­set­zes punk­tu­ell zu erwei­tern.
Umset­zung der Richt­li­nie 2010/​64/​EU über das Recht auf Dol­met­sch­leis­tun­gen und Über­set­zun­gen in Straf­ver­fah­ren
Die Richt­li­nie 2010/​64/​EU dient der Schaf­fung von Min­dest­stan­dards im Bereich der Dol­met­schung und Über­set­zung in Straf­ver­fah­ren, wobei ihr Anwen­dungs­be­reich aus­weis­lich des Arti­kels 1 Absatz 2 bereits mit der förm­li­chen Inkennt­nis­set­zung der beschul­dig­ten Per­son von dem Tat­ver­dacht beginnt und bis zum Abschluss eines etwai­gen Rechts­mit­tel­ver­fah­rens reicht. Wäh­rend Arti­kel 2 der Richt­li­nie 2010/​64/​EU das Recht auf Dol­met­sch­leis­tun­gen regelt, stellt Arti­kel 3 kon­kre­te Ver­pflich­tun­gen hin­sicht­lich der Über­set­zung wesent­li­cher Unter­la­gen auf. Arti­kel 5 der Richt­li­nie 2010/​64/​EU dient der Siche­rung der Qua­li­tät der Dol­met­sch­leis­tun­gen und Über­set­zun­gen. In ihrem Arti­kel 7 wer­den Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten fest­ge­legt.
Das gel­ten­de Recht gewährt beschul­dig­ten oder ver­ur­teil­ten Per­so­nen in § 187 Absatz 1 GVG bereits einen umfas­sen­den Anspruch auf unent­gelt­li­che Über­set­zungs- und Dol­met­sch­leis­tun­gen in dem von der Richt­li­nie 2010/​64/​EU in Bezug genom­me­nen Bereich des Straf­ver­fah­rens. Die vor­ge­schla­ge­ne Neu­fas­sung des § 187 Absatz 1 Satz 1 GVG‑E beschränkt sich daher in die­sem Punkt auf eine sprach­li­che Anpas­sung.
Soweit die Richt­li­nie 2010/​64/​EU in Arti­kel 3 den Anspruch auf die Über­set­zung inhalt­lich näher kon­kre­ti­siert und ins­be­son­de­re die Über­set­zung von Urtei­len vor­sieht, fehlt bis auf eine Teil­re­ge­lung im Fall der Fest­nah­me (§ 114a StPO) eine aus­drück­li­che Nor­mie­rung im gel­ten­den Recht. Eine gene­rel­le Ver­pflich­tung zur voll­stän­di­gen Über­set­zung des Urteils ist der deut­schen Gerichts­pra­xis fremd, gleich­wohl schließt die ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Recht­spre­chung unter Ver­weis auf die Gewähr­leis­tung eines fai­ren Ver­fah­rens nicht aus, dass ein der deut­schen Spra­che nicht aus­rei­chend mäch­ti­ger Ange­klag­ter, der nicht ver­tei­digt ist und ein Rechts­mit­tel ein­le­gen möch­te, einen Anspruch auf Über­set­zung in die­sem Umfang haben kann. Die vor­ge­schla­ge­ne Neu­re­ge­lung in § 187 Absatz 2 GVG‑E greift die­se Rechts­ge­dan­ken auf und stellt – in Ein­klang mit den Aus­nah­me­tat­be­stän­den des Arti­kels 3 Absatz 7 der Richt­li­nie 2010/​64/​EU – eine Ein­schrän­kung der gene­rel­len Über­set­zungs­pflicht vor allem in Fäl­len des ver­tei­dig­ten Ange­klag­ten in das pflicht­ge­mä­ße Ermes­sen des Gerichts.
Nicht gere­gelt sind nach der­zei­ti­ger Rechts­la­ge die Vor­aus­set­zun­gen, unter denen die berech­tig­te Per­son auf ent­spre­chen­de Über­set­zungs­leis­tun­gen ver­zich­ten kann, wie sie Arti­kel 3 Absatz 8 der Richt­li­nie 2010/​64/​EU im Blick hat. Die zur Umset­zung vor­ge­schla­ge­ne Neu­fas­sung des § 187 Absatz 3 GVG‑E stützt sich auf den Wort­laut der Richt­li­nie und setzt für einen wirk­sa­men Ver­zicht vor­aus, dass die beschul­dig­te Per­son in Kennt­nis ihrer Rech­te und der Fol­gen ihrer Erklä­rung frei­wil­lig und unmiss­ver­ständ­lich han­delt.
Zur Siche­rung der inhalt­li­chen Qua­li­tät der Dol­metsch- und Über­set­zungs­leis­tun­gen hält die Richt­li­nie 2010/​64/​EU in Arti­kel 5 Absatz 2 die Mit­glied­staa­ten dazu an, Regis­ter mit unab­hän­gi­gen und ange­mes­sen qua­li­fi­zier­ten Über­set­zern und Dol­met­schern ein­zu­rich­ten. Dem haben in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die Län­der durch die Ein­rich­tung ent­spre­chen­der Dol­met­scher- und Über­set­zer­da­ten­ban­ken bereits in vol­lem Umfang Rech­nung getra­gen. Gering­fü­gi­ger gesetz­ge­be­ri­scher Hand­lungs­be­darf besteht jedoch hin­sicht­lich der Ver­pflich­tung aller von Poli­zei, Staats­an­walt­schaf­ten und Gerich­ten her­an­ge­zo­ge­ner Dol­met­scher und Über­set­zer zur Ver­schwie­gen­heit. Zur Umset­zung von Arti­kel 5 Absatz 3 der Richt­li­nie 2010/​64/​EU soll daher eine ent­spre­chen­de Ord­nungs­vor­schrift in § 189 Absatz 4 GVG‑E geschaf­fen wer­den, wonach alle als Dol­met­scher und Über­set­zer hin­zu­ge­zo­ge­nen Per­so­nen, die nicht bereits – etwa auf­grund der lan­des­ge­setz­li­chen Bestim­mun­gen und des geleis­te­ten Eides – zur Ver­schwie­gen­heit ver­pflich­tet sind, Ver­schwie­gen­heit bewah­ren sol­len und hier­auf auch vom Gericht hin­ge­wie­sen wer­den.
Soweit die Richt­li­nie 2010/​64/​EU in Arti­kel 7 die Doku­men­ta­ti­on einer vor­ge­nom­me­nen Dol­met­schung oder Über­set­zung vor­se­hen, ent­spricht dies im Bereich rich­ter­li­cher Ver­neh­mun­gen bereits gel­ten­dem Recht. Denn die Pro­to­kol­lie­rungs­pflich­ten nach den §§ 168, 168a StPO betref­fen die Her­an­zie­hung eines Dol­met­schers zu einer Ver­hand­lung in Anwe­sen­heit einer beschul­dig­ten Per­son oder zu ihrer sons­ti­gen rich­ter­li­chen Ver­neh­mung.
Auch eine nach der vor­ge­schla­ge­nen Neu­re­ge­lung in § 187 Absatz 2 GVG‑E vor­ge­nom­me­ne münd­li­che Über­set­zung oder Zusam­men­fas­sung von Unter­la­gen im Sin­ne des § 187 Absatz 2 GVG‑E im Rah­men einer sol­chen Ver­neh­mung wür­de auf­grund der bestehen­den Geset­zes­la­ge im Pro­to­koll ver­merkt. Eine im Rah­men des Gesprächs des Ver­tei­di­gers mit dem Beschul­dig­ten erfol­gen­de münd­li­che Über­set­zung durch einen Dol­met­scher ist von der Pflicht, Dol­met­sch­leis­tun­gen akten­kun­dig zu machen, nach der Richt­li­nie nicht erfasst.
Mit Blick auf die ein­zel­nen Gewähr­leis­tun­gen der Richt­li­nie 2010/​64/​EU sieht der Gesetz­ent­wurf auch punk­tu­el­le Ände­run­gen der Straf­pro­zess­ord­nung vor, die sich aber unter Berück­sich­ti­gung des gel­ten­den Rechts auf weni­ge Tat­be­stän­de beschrän­ken kön­nen. Zur Klar­stel­lung des grund­le­gen­den Anspruchs auf Dol­metsch- und Über­set­zungs­leis­tun­gen auch bei staats­an­walt­schaft­li­chen und poli­zei­li­chen Ver­neh­mun­gen, wie er bereits de lege lata aus Arti­kel 6 Absatz 3 Buch­sta­be e EMRK folgt, sol­len die für das gericht­li­che Han­deln maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten des § 187 Absatz 1 bis 3 GVG‑E in die Ver­wei­sungs­norm des § 163a StPOE auf­ge­nom­men wer­den. Die in § 189 Absatz 4 GVG‑E vor­ge­schla­ge­ne Rege­lung zur Ver­schwie­gen­heit des Dol­met­schers oder Über­set­zers gilt – soweit nicht auf­grund ande­rer bereits gel­ten­der Rechts­vor­schrif­ten schon eine Ver­schwie­gen­heits­pflicht besteht – durch eine Bezug­nah­me in § 163a Absatz 5 StPO‑E auch bei Ver­neh­mun­gen durch Staats­an­walt­schaft und Poli­zei. Die von der Richt­li­nie 2010/​64/​EU gefor­der­ten Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten wer­den in der staats­an­walt­schaft­li­chen und poli­zei­li­chen Pra­xis bereits befolgt, aus­drück­li­che Rege­lun­gen dazu fin­den sich jedoch ledig­lich für die Staat­an­walt­schaft in § 168b Absatz 1 und 2 StPO sowie im Bereich der Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen in Num­mer 181 Absatz 2 der Richt­li­ni­en für das Straf­ver­fah­ren und das Buß­geld­ver­fah­ren (RiSt­BV). Durch die Auf­nah­me der Unter­su­chungs­hand­lun­gen sämt­li­cher Ermitt­lungs­be­hör­den in den Kreis doku­men­ta­ti­ons­pflich­ti­ger Vor­gän­ge nach § 168b StPO‑E soll die­se ohne­hin in der Pra­xis übli­che Vor­ge­hens­wei­se für Staats­an­walt­schaft, Poli­zei und sons­ti­ge Ermitt­lungs­be­hör­den ein­heit­lich gere­gelt wer­den.
Schließ­lich soll in dem neu ange­füg­ten § 37 Absatz 3 StPO‑E die in § 187 Absatz 1 und 2 GVG‑E ent­wor­fe­ne Neu­re­ge­lung zur Urteils­über­set­zung in die bestehen­de Sys­te­ma­tik von Urteils­zu­stel­lung und Rechts­mit­tel­lauf ein­ge­passt wer­den. Nach gel­ten­dem Recht hängt der Beginn der Frist zur Begrün­dung des Rechts­mit­tels von der Zustel­lung des Urteils ab. Dar­an anknüp­fend und zur Sicher­stel­lung eines zeit­glei­chen Beginns der Begrün­dungs­frist für alle Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten sol­len nach der vor­ge­schla­ge­nen Neu­re­ge­lung die Urteils­aus­fer­ti­gun­gen allen Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten gleich­zei­tig mit der schrift­li­chen Über­set­zung zuge­stellt wer­den.
Umset­zung der Richt­li­nie 2012/​13/​EU über das Recht auf Beleh­rung und Unter­rich­tung in Straf­ver­fah­ren
Die Richt­li­nie 2012/​13/​EU legt, eben­falls für den Zeit­raum ab förm­li­cher Mit­tei­lung der Beschul­di­gung bis zum Abschluss des Rechts­mit­tel­ver­fah­rens (Arti­kel 2), umfang­rei­che Beleh­rungs­pflich­ten im Umgang mit beschul­dig­ten Per­so­nen fest. Sie regelt in Arti­kel 3 das Recht auf Rechts­be­leh­rung, in Arti­kel 4 das Recht auf schrift­li­che Beleh­rung bei Fest­nah­me und in Arti­kel 6 das Recht auf Unter­rich­tung über den Tat­vor­wurf. Arti­kel 7 der Richt­li­nie 2012/​13/​EU befasst sich mit dem Recht auf Akten­ein­sicht, wäh­rend Arti­kel 8 die Doku­men­ta­ti­on der erfolg­ten Beleh­run­gen sicher­stellt.
Das gel­ten­de deut­sche Straf­ver­fah­rens­recht sieht bereits eine Viel­zahl der auch in der Richt­li­nie 2012/​13/​EU ent­hal­te­nen Beleh­rungs­pflich­ten vor.
So ist der Beschul­dig­te ins­be­son­de­re vor jeder poli­zei­li­chen, staats­an­walt­schaft­li­chen oder rich­ter­li­chen Ver­neh­mung gemäß § 136 StPO, gege­be­nen­falls in Ver­bin­dung mit § 163a Absatz 3 und 4 StPO, über den Tat­vor­wurf, sein Schwei­ge­recht und das Recht auf Zuzie­hung eines Ver­tei­di­gers zu beleh­ren. Bei Fest­nah­me bestehen auf­grund der Rege­lung in § 114b StPO bereits umfas­sen­de schrift­li­che Beleh­rungs­pflich­ten. Dem­ge­mäß sol­len sich die Ände­run­gen des Gerichts­ver­fas­sungs­ge­set­zes und der Straf­pro­zess­ord­nung auch bei der Umset­zung die­ser Richt­li­nie auf punk­tu­el­le Ände­run­gen beschrän­ken.
Im Bereich des gericht­li­chen Ver­fah­rens ist die in Arti­kel 3 Absatz 1 Buch­sta­be d der Richt­li­nie 2012/​13/​EU vor­ge­se­he­ne Beleh­rung über das Recht auf Dol­met­sch­leis­tun­gen bis­lang nicht aus­drück­lich nor­miert. Daher soll in § 187 Absatz 1 Satz 2 GVGE nun­mehr die Pflicht des Gerichts auf­ge­nom­men wer­den, die beschul­dig­te oder ver­ur­teil­te Per­son, die der deut­schen Spra­che nicht hin­rei­chend mäch­tig ist oder hör- oder sprach­be­hin­dert ist, auch auf die­ses Recht hin­zu­wei­sen. Auf eine Vor­schrift zur Doku­men­ta­ti­on die­ser Beleh­rung, wie sie in Arti­kel 8 Absatz 1 der Richt­li­nie vor­ge­schrie­ben ist, soll mit Blick auf die bereits gel­ten­den Pro­to­kol­lie­rungs­vor­schrif­ten für das Gericht nach den §§ 168 ff. StPO ver­zich­tet wer­den.
Um eine ent­spre­chen­de Beleh­rung über das Recht auf Dol­met­sch­leis­tun­gen auch im Fal­le der Fest­nah­me zu gewähr­leis­ten, soll in § 114b Absatz 2 Satz 3 StPO‑E eine inhalts­glei­che Beleh­rungs­pflicht unter Bezug­nah­me auf § 187 Absatz 1 bis 3 GVG‑E auf­ge­nom­men wer­den.
Der Gesetz­ent­wurf sieht zur Umset­zung der Richt­li­nie noch wei­te­re Ände­run­gen in § 114b StPO vor:
Die bereits nach gel­ten­dem Recht erfol­gen­de schrift­li­che Beleh­rung („Let­ter of Rights“) nach § 114b Absatz 2 StPO ent­hält bis­lang noch kei­ne Beleh­run­gen über die Bestel­lung eines Pflicht­ver­tei­di­gers und über die Mög­lich­keit der Aus­kunft und Akten­ein­sicht. Die­se sol­len daher durch die Neu­re­ge­lung in § 114b Absatz 2 Satz 1 Num­mer 4a und 7 sowie Absatz 2 Satz 2 StPO‑E ergän­zend auf­ge­nom­men wer­den. Die in Arti­kel 4 Absatz 3 der Richt­li­nie 2012/​13/​EU ent­hal­te­ne Beleh­rung über die mög­li­chen Rechts­be­hel­fe erfolgt nach der­zei­ti­gem Rechts­stand gemäß § 115 Absatz 4 StPO erst bei Vor­füh­rung des Beschul­dig­ten vor den zustän­di­gen Haft­rich­ter; die im Gesetz­ent­wurf vor­ge­schla­ge­ne Neu­re­ge­lung in § 114b Absatz 2 Satz 1 Num­mer 8 StPO‑E soll sicher­stel­len, dass die­se Beleh­rung – den Vor­ga­ben der Richt­li­nie ent­spre­chend – auch schon im Zeit­punkt der Fest­nah­me erfolgt.
Im Bereich der schrift­li­chen Beleh­run­gen nach § 114b StPO‑E soll eine aus­drück­li­che Nor­mie­rung der Doku­men­ta­ti­ons­pflicht, wie sie in Arti­kel 8 Absatz 1 der Richt­li­nie vor­ge­schrie­ben ist, mit Blick auf die bereits nach gel­ten­dem Recht schrift­li­che Nie­der­le­gung der Beleh­run­gen ent­fal­len.
Die in Arti­kel 3 Absatz 1 Buch­sta­be b der Richt­li­nie 2012/​13/​EU vor­ge­se­he­ne Beleh­rung über einen Anspruch auf unent­gelt­li­che Rechts­be­ra­tung erfolgt im gel­ten­den Recht auch außer­halb des Anwen­dungs­be­reichs des § 114b StPO bis­lang nicht. Daher sieht der Ent­wurf die Ver­an­ke­rung einer sol­chen Beleh­rungs­pflicht auch in § 136 Absatz 1 Satz 3 StPO‑E vor. Ein Hin­weis auf die Not­wen­dig­keit der Bestel­lung eines Pflicht­ver­tei­di­gers soll damit bei allen Ver­neh­mun­gen durch Gericht, Staats­an­walt­schaft oder Poli­zei erfol­gen.
Nach gel­ten­dem Recht ist bei der poli­zei­li­chen und staats­an­walt­schaft­li­chen Ver­neh­mung auch ein ver­pflich­ten­der Hin­weis auf Dol­met­sch­leis­tun­gen (Arti­kel 3 Absatz 1 Buch­sta­be d der Richt­li­nie 2012/​13/​EU) nicht vor­ge­schrie­ben; eine sol­che Hin­weis­pflicht wird künf­tig durch den Ver­weis in § 163a Absatz 5 StPO‑E, der auch § 187 Absatz 1 Satz 2 GVG‑E mit ein­be­zieht, aus­drück­lich nor­miert.
Im Zusam­men­hang mit die­sen Ver­neh­mun­gen trägt das gel­ten­de Recht auch den in Arti­kel 8 der Richt­li­nie 2012/​13/​EU vor­ge­schrie­be­nen Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten nicht voll­um­fäng­lich Rech­nung, wenn auch in § 168b StPO für die Staats­an­walt­schaft sowie in Num­mer 45 Absatz 1 RiSt­BV Teil­re­ge­lun­gen bestehen und in der Pra­xis des Ermitt­lungs­ver­fah­rens bereits eine umfang­rei­che Doku­men­ta­ti­on erfolgt. Nach § 168b Absatz 3 StPO‑E sol­len künf­tig ein­heit­lich für alle Ermitt­lungs­be­hör­den sämt­li­che vor Ver­neh­mun­gen nach § 136 Absatz 1 oder § 163a StPO vor­zu­neh­men­den Beleh­run­gen doku­men­tiert wer­den.
Min­dest­ver­fah­rens­rech­te im Straf­ver­fah­ren Mit der Richt­li­nie 2010/​64/​EU des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 20. Okto­ber 2010 über das Recht auf Dol­met­sch­leis­tun­gen und Über­set­zun­gen in Straf­ver­fah­ren und der…
ABl.EU C 295 vom 04.12.2009, S. 1[↩]
DolmetscherErmittlungsverfahrenStrafprozessVerfahrensrecht