Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=B%2014%20AS%20161/11%20R
Timestamp: 2020-02-25 00:25:49
Document Index: 164963052

Matched Legal Cases: ['§ 48', '§ 22', '§ 19', '§ 11', '§ 34', '§ 22', '§ 20', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 6', '§ 6', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22']

BSG, 29.11.2012 - B 14 AS 161/11 R - dejure.org
https://dejure.org/2012,47788
BSG, 29.11.2012 - B 14 AS 161/11 R (https://dejure.org/2012,47788)
BSG, Entscheidung vom 29.11.2012 - B 14 AS 161/11 R (https://dejure.org/2012,47788)
BSG, Entscheidung vom 29. November 2012 - B 14 AS 161/11 R (https://dejure.org/2012,47788)
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§ 48 Abs 1 S 1 SGB 10, § 22 Abs 1 S 1 SGB 2, § 19 Abs 3 SGB 2, § 11 Abs 1 S 1 SGB 2, § 34 SGB 2
Arbeitslosengeld II - Unterkunft und Heizung - Abweichung vom Kopfteilprinzip - Untermietverhältnis - keine Minderung der Unterkunftskosten allein aufgrund des Abschlusses eines Untermietvertrages bei Ausbleiben entsprechender Mietzahlungen - Ersatzanspruch bei ...
Unterkunftskosten: Keine Minderung bei Untervermietung!
mummenhoff.net , S. 14 (Entscheidungsbesprechung)
Keine Minderung des SGB II-Bedarfs für Unterkunftskosten um fiktive - tatsächlich nicht geflossene - Mieteinnahmen
SG Itzehoe, 25.02.2010 - S 13 AS 397/07
LSG Schleswig-Holstein, 12.04.2011 - L 6 AS 37/10
NZM 2013, 657
Da sie mangels Kündigung des Bausparvertrags nicht als bereites Mittel zur Verfügung gestanden habe, handele es sich im Dezember 2011 nicht um anrechenbares Einkommen (Verweis auf BSG Urteil vom 29.11.2012 - B 14 AS 161/11 R - SozR 4-4200 § 22 Nr. 66 RdNr 18) .
Die individuelle Bedarfszuweisung nach Kopfteilen ist verwaltungspraktikabel und folgt der Überlegung, dass die gemeinsame Nutzung einer Wohnung durch mehrere Personen deren Unterkunftsbedarf insgesamt abdeckt und in aller Regel eine an der unterschiedlichen Intensität der Nutzung ausgerichtete Aufteilung der Aufwendungen für die Erfüllung des Grundbedürfnisses Wohnen nicht zulässt (…stRspr seit BSG vom 23.11.2006 - B 11b AS 1/06 R - BSGE 97, 265 = SozR 4-4200 § 20 Nr. 3, RdNr 28 f;… vgl nur BSG vom 23.5.2013 - B 4 AS 67/12 R - BSGE 113, 270 = SozR 4-4200 § 22 Nr. 68, RdNr 18;… BSG vom 22.8.2013 - B 14 AS 85/12 R - SozR 4-4200 § 22 Nr. 71 RdNr 20 ff;… BSG vom 2.12.2014 - B 14 AS 50/13 R - SozR 4-4200 § 22 Nr. 82 RdNr 16;… zur Anwendung des Prinzips auch bei Nachforderungen für Unterkunft und Heizung und selbst nach Auszug: BSG vom 30.3.2017 - B 14 AS 13/16 R - SozR 4-4200 § 22 Nr. 92 RdNr 16;… anders, wenn der Nutzung andere bindende vertragliche Regelungen zugrunde liegen: BSG vom 29.11.2012 - B 14 AS 36/12 R - SozR 4-4200 § 22 Nr. 63 RdNr 25 ff; BSG vom 29.11.2012 - B 14 AS 161/11 R - SozR 4-4200 § 22 Nr. 66 RdNr 16; zur Kritik am Kopfteilprinzip vgl Schürmann, SGb 2010, 166;… zur vom Kopfteilprinzip abweichenden Aufteilung beim Kinderzuschlag nach § 6a BKGG vgl BSG vom 9.3.2016 - B 14 KG 1/15 R - SozR 4-5870 § 6a Nr. 6 RdNr 23 ff) .
Aufbauend auf dieser Rechtsprechung hat der Senat in seiner Entscheidung vom 29.11.2012 (…B 14 AS 36/12 R - SozR 4-4200 § 22 Nr. 63 ) eine Abweichung vom Kopfteilprinzip für diejenigen Fälle bejaht, in denen eine andere Aufteilung aufgrund eines Vertrages bei objektiver Betrachtung angezeigt ist, und nochmals betont (B 14 AS 161/11 R - SozR 4-4200 § 22 Nr. 66 ) , dass vom Kopfteilprinzip abzuweichen ist, wenn der Nutzung einer Wohnung andere bindende vertragliche Regelungen zugrunde liegen.
Des Weiteren wird zu prüfen sein, ob es dem Kläger im Hinblick auf die Veränderung der tatsächlichen Grundlage der vertraglichen Abrede durch die Geburt der gemeinsamen Tochter möglich gewesen wäre, eine Vertragsanpassung zu erreichen (vgl Urteil des Senats vom 29.11.2012 - B 14 AS 161/11 R - SozR 4-4200 § 22 Nr. 66 RdNr 20-21 sowie BSG vom 22.9.2009 - B 4 AS 8/09 R - BSGE 104, 179 = SozR 4-4200 § 22 Nr. 24, RdNr 23;… BSG vom 24.11.2011 - B 14 AS 15/11 R - SozR 4-4200 § 22 Nr. 53 RdNr 16;… BSG vom 16.5.2012 - B 4 AS 132/11 R - SozR 4-4200 § 22 Nr. 60 RdNr 22) .
Der Verweis auf das Urteil des Bundessozialgerichts zur Nichtanrechnung "fiktiver Einnahmen" (BSG, Urt. v. 29.11.2012 - B 14 AS 161/11 R) geht zudem fehl, weil sich das Bundessozialgericht hier nicht zu tatsächlich zugeflossenen Zinseinkünften, sondern zu einem Anspruch des Leistungsempfängers auf Mietzins geäußert hat, der im Bewilligungszeitraum aber nicht erfüllt worden war.
Wörtlich führt das BSG aus: "Nur eine tatsächlich zugeflossene Einnahme ist als "bereites Mittel" geeignet, den konkreten Bedarf im jeweiligen Monat zu decken; die Anrechnung einer fiktiven Einnahme zur Bedarfsminderung ist nach dem System des SGB II dagegen ausgeschlossen" (BSG - Urteil vom 29. November 2012 - B 14 AS 161/11 R - Rn. 18 - juris).
Insbesondere beruft es sich (zutreffend) auf die Rechtsprechung des BSG (Urteil vom 29. November 2012 - B 14 AS 161/11 - Rn. 18 - juris).
Nur eine tatsächlich zugeflossene Einnahme ist als "bereites Mittel" geeignet, den konkreten Bedarf im jeweiligen Monat zu decken; die Anrechnung einer fiktiven Einnahme zur Bedarfsminderung ist nach dem System des SGB II dagegen ausgeschlossen (BSG Urteile vom 19.08.2015 - B 14 AS 43/14 R und vom 29.11.2012 - B 14 AS 161/11 R mwN).
Die Anrechnung lediglich fiktiver Einnahmen ist ausgeschlossen (Bundessozialgericht, Urteil vom 29.11.2012, Az. B 14 AS 161/11 R mit weiteren Nachweisen).
Er ist insoweit einer wirksamen vertraglichen Verpflichtung ausgesetzt (vgl Bundessozialgericht Urteil vom 03. März 2009 - B 4 AS 37/08 R Rdnr 24, juris; Urteil vom 19. Oktober 2010 - B 14 AS 2/10 RdNr 15, juris) für eine Verteilung nach Kopfteilen ist in einer solchen Situation, die durch die vertragliche Fixierung der Pflichtenstellung gekennzeichnet ist, kein Raum (BSG Urteil vom 18. April 2008 - B 14/11b AS 61/06 R RdNr 19, 22, juris; Urteil vom 29. November 2012 - B 14 AS 161/11 R, RdNr 16, juris).
Eine Abweichung von diesem Kopfteilprinzip hat das BSG dann betont, wenn dem Nutzen der Wohnung andere verbindende Regelungen zugrunde liegen ( BSG, Urt. v. 29.11.2012, B 14 AS 161/11 R - Untermietung) oder wenn von einem über das normale Maß hinausgehenden Bedarf einer der in der Wohnung lebenden Person wegen Behinderung oder Pflegebedürftigkeit auszugehen ist (…BSG, Urt. v. 23.11.2006, B 11b AS 1/06 R;… Urt. v. 27.01.2009, B 14/7b AS 8/07 R) oder wenn der Unterkunftskostenanteil eines Mitglieds der Bedarfsgemeinschaft wegen einer bestandskräftigen Sanktion weggefallen ist (…BSG, Urt. v. 23.05.2013, B 4 AS 67/12 R).
Erforderlich ist dann eine Gesamtwürdigung der Umstände des Einzelfalles unter Abgrenzung von Scheinverträgen und sonst missbräuchlichen Vertragsgestaltungen (BSG, Urt. v. 29.11.2012, B 14 AS 161/11 R) Dabei kann auf die tatsächliche Übung der Beteiligten, also den tatsächlichen Vollzug des Vertragsinhalts abgestellt werden, eines tatsächlichen umfassenden " Fremdvergleich" im Sinne der Rechtsprechung des BFH bedarf es hierzu aber nicht.