Source: http://swissblawg.ch/2016/04/bge-5a4962015-ein-gattungsarrest-gegen.html
Timestamp: 2017-09-24 05:12:05
Document Index: 154963047

Matched Legal Cases: ['BGE', 'Art. 278', 'Art. 92', 'Art. 95', 'Art. 98', 'Art. 106']

BGE 5A_496/2015: Ein „Gattungsarrest“ gegen eine Bank ist auch dann zulässig, wenn der Arrest die Vermögenswerte der Bank selber und nicht diejenigen eines Kunden betrifft. Zuständigkeit zur Prüfung der Zulässigkeit (frz., amtl. Publ.) - swissblawg
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Lukas Wiget	• 7. April 2016
Im vor­lie­gen­den Ent­scheid befass­te sich das Bun­des­ge­richt einer­seits mit der Fra­ge der genü­gen­den Bestimmt­heit der Bezeich­nung der Arrest­ge­gen­stän­de in einer Arre­stur­kun­de und ande­rer­seits mit der Fra­ge, ob die Auf­sichts­be­hör­de in Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurs­sa­chen recht­mä­ssi­ge Beschwer­de­instanz zur Beur­tei­lung die­ser Fra­ge ist. Dem Ent­scheid lag fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de:
Auf Begeh­ren der Bank B. hin hat­te das erst­in­stanz­li­che Gericht des Kan­tons Genf für einen bestimm­ten Betrag „tous actifs, avoirs et biens, créan­ces et dépôts, notam­ment espè­ces, val­eurs, créan­ces (fidu­ci­ai­res et/ou non fidu­ci­ai­res) inté­rêts, papiers-val­eurs, titres, comp­tes cou­rants, créan­ces résul­tant de finan­ce­ment pour l’achat et la ven­te de matiè­res pre­miè­res, d’instruments finan­ciers desti­nés à cou­vrir les fluc­tua­ti­ons du mar­ché des matiè­res pre­miè­res, con­nais­se­ments, métaux pré­cieux et autres objets de val­eur, dépôts ou cof­f­res-forts, pro­prié­té de la Ban­que A., auprès de la Ban­que A.” mit Arrest belegt.
Glei­chen­tags hat­te das Betrei­bungs­amt der Bank A. eine „Anzei­ge betref­fend Arrest­voll­zug“ unter Ver­weis auf den Arrest­be­fehl zuge­stellt. Spä­ter wur­de die Arre­stur­kun­de ver­sandt. Die Bank A. erhob Beschwer­de und mach­te Nich­tig­keit der Arre­stur­kun­de sowie der Anzei­ge betref­fend Arrest­voll­zug gel­tend. Gleich­zei­tig wur­de Ein­spra­che erho­ben. Nach Abwei­sung der Ein­spra­che hiess die Auf­sichts­be­hör­de die Beschwer­de gut, stell­te die Nich­tig­keit des Arrest­be­fehls fest und hob sowohl die Arre­stur­kun­de als auch die Anzei­ge betref­fend Arrest­voll­zug auf. Hier­ge­gen erhob die Bank B. Beschwer­de in Zivil­sa­chen beim Bun­des­ge­richt.
Die Beschwer­de­füh­re­rin mach­te u.a. gel­tend, die Auf­sichts­be­hör­de habe gegen das Prin­zip der res iudi­ca­ta ver­sto­ssen, indem sie über die Gül­tig­keit des Arrest­be­fehls ent­schie­den hat­te, obwohl im Ein­spra­che­ver­fah­ren in die­ser Sache bereits ein Ent­scheid gefällt wor­den war (E. 2).
Das Bun­des­ge­richt ver­wies auf sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung und hielt fest, dass der Schuld­ner gegen die Arrest­be­wil­li­gung in Form der Ein­spra­che oppo­nie­ren kön­ne (Art. 278 SchKG) und der Ent­scheid dar­über beim Rich­ter lie­ge. Das Betrei­bungs­amt sei hin­ge­gen für den Voll­zug des Arrest­be­fehls zustän­dig, und hier­über kön­ne Beschwer­de bei der Auf­sichts­be­hör­de geführt wer­den. Kon­kret wür­den ins­be­son­de­re die Voll­zugs­mass­nah­men (Art. 92 ff., Art. 95 ff., Art. 98 ff., Art. 106 ff. SchKG) sowie die Prü­fung der for­mel­len Regel­kon­for­mi­tät des Arrest­be­fehls in die Zustän­dig­keit des Betrei­bungs­amts bzw. der Auf­sichts­be­hör­den fal­len. Aus die­sem Grund sei die Auf­sichts­be­hör­de zur Beur­tei­lung der hin­rei­chend bestimm­ten Bezeich­nung der Arrest­ge­gen­stän­de zustän­dig gewe­sen (E. 2.2).
Anders als die Vor­in­stanz qua­li­fi­zier­te das Bun­des­ge­richt den Arrest­be­fehl und ins­be­son­de­re die ledig­lich gat­tungs­spe­zi­fi­sche Bezeich­nung der Arrest­ge­gen­stän­de nicht als for­mell feh­ler­haft, so dass das Betrei­bungs­amt die­sen nicht hät­te voll­zie­hen dür­fen. Das Bun­des­ge­richt hielt fest, dass es bei einem Arrest von Ver­mö­gens­wer­ten in der Ver­fü­gungs­macht des Schuld­ners selbst, wie vor­lie­gend, ledig­lich der Bezeich­nung des Ver­fü­gen­den oder der Bezeich­nung des Ortes der Ver­mö­gens­wer­te bedarf. Ein „Gat­tungs­ar­rest“ („séquest­re géné­ri­que“) sei zuläs­sig, auch wenn es vor­lie­gend die Ver­mö­gens­wer­te der Bank sel­ber und nicht Ver­mö­gens­wer­te eines Kun­den betref­fe. Im Fall eines Gat­tungs­ar­re­stes tref­fe den Schuld­ner die Pflicht, die vom Gläu­bi­ger der Gat­tung nach bestimm­ten Arrest­ge­gen­stän­de zu defi­nie­ren (Erw. 5.1. und 5.2.): „Tou­te­fois, en cas de séquest­re géné­ri­que, il incom­be au débi­teur d’indiquer les biens du gen­re dési­gné qui lui appar­ti­en­nent à l’endroit déter­mi­né.“ (E. 5.2.)
Die Beschwer­de in Zivil­sa­chen wur­de dem­entspre­chend gut­ge­hei­ssen.
5A_360/2010: Prüfung des Arrestvollzugs mit voller Kognition; Notwendigkeit der Immunität einer internationalen Organisation (amtl. Publ.)