Source: https://home.kpmg/de/de/home/themen/2017/08/gruppeninterne-darlehen-konzernabschluss.html
Timestamp: 2019-02-20 04:52:15
Document Index: 77951066

Matched Legal Cases: ['§ 254', '§ 297', '§ 303', '§ 254', '§ 298', '§ 254', '§ 298', '§ 254', '§ 298', '§ 300', '§ 300', '§ 308', '§ 254']

Bilanzierung Darlehen im Konzernabschluss | KPMG | DE
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Bilanzierung gruppeninterner Darlehen im handelsrechtlichen Konzernabschluss
Bilanzierung Darlehen im Konzernabschluss
Gruppeninterne Darlehen sind in der Finanzierung von Tochtergesellschaften gängige Praxis.
Gängige Praxis in der Finanzierung von Tochtergesellschaften ist die Ausreichung von gruppeninternen Darlehen über eine zentrale Holding oder Finanzierungsgesellschaft. Sofern die Tochtergesellschaft dabei in einem anderen Währungsraum als der Darlehensgeber agiert, stellt sich unweigerlich die Frage, wie mit entstehenden Fremdwährungsrisiken umgegangen werden soll.
Ein häufiger Fall ist dabei die Finanzierung der Fremdwährungstöchter in ihrer jeweiligen Heimatwährung, womit die Holding bzw. Finanzierungsgesellschaft zunächst das Währungsrisiko übernimmt. Erfolgt in diesem Fall keine entsprechende Refinanzierung in der jeweiligen Fremdwährung, verbleibt zunächst ein Währungsrisiko bei der Holding oder Finanzierungsgesellschaft. Dieses Risiko wird dann regelmäßig durch gruppenexterne Währungsderivate gesichert, sodass aus Konzernsicht eine ökonomisch geschlossene Position in Berichtswährung vorliegt.
Die bilanzielle Abbildung einer derart gesicherten konzerninternen Finanzierung ist nach internationaler Konzernrechnungslegung1 sowie im handelsrechtlichen Einzelabschluss2 als bilanzielle Sicherungsbeziehung klar geregelt. Für handelsrechtliche Konzernabschlüsse stellen sich indessen einige Auslegungsfragen, die es als Voraussetzung einer angestrebten Bilanzierung als Bewertungseinheit auf Gruppenebene zu beantworten gilt.
1 Gem. IAS 24.45 verbleiben Umrechungsdifferenzen im Konzernabschluss und können im Rahmen von Hedge Accounting nach IAS 39 designiert werden.
2 Als Bewertungseinheit nach § 254 HGB aus Fremdwährungsdarlehen und Währungsderivat.
Währungsumrechnungsdifferenzen aus gruppeninternen Transaktionen
Unter Berücksichtigung des Einheitsgrundsatzes bzw. der Einheitstheorie i.S.d. § 297 Abs. 3 HGB wird vertreten, dass sich bei konzerninternen Forderungen und Verbindlichkeiten Wechselkursänderungen nicht auf das Konzernergebnis auswirken sollen und diese daher im Rahmen der Schuldenkonsolidierung erfolgswirksam zu eliminieren seien. Begründet wird dies unter anderem damit, dass Währungsgewinne und -verluste nur aus dem im Ausland über das direkt investierte Vermögen bzw. aus den in Fremdwährung aufgenommenen Schulden gegenüber konzernfremden Dritten resultieren können, nicht jedoch aus konzerninternen Kreditverhältnissen.
Andererseits hat sich, in Anlehnung an die Argumentation in der internationalen Rechnungslegung nach IAS 21.45, in der Literatur jedoch auch die Meinung etabliert, dass die Erfolgsbeiträge aus dem handelsrechtlichen Einzelabschluss grundsätzlich auch im Konzernabschluss beibehalten werden können bzw. sogar sollten.
Auch wird im Schrifttum die Auffassung vertreten, dass eine entsprechende erfolgswirksame Erfassung bzw. Beibehaltung von Währungsumrechnungsdifferenzen aus Vereinfachungsgründen in Betracht kommen kann (vgl. Beck’scher Bilanzkommentar, § 303, Tz 21). Insbesondere vor dem Hintergrund der durch das BilMoG angestrebten Vereinfachung der Währungsumrechung ist diese Vorgehensweise wohl nicht zu beanstanden und hat sich in der Praxis vielfach durchgesetzt.
Infolge dieses heterogenen Meinungsbildes scheint es mithin zulässig, Effekte aus der Währungsumrechnung aus gruppeninternen Finanzierungen grundsätzlich zu eliminieren oder beizubehalten. Dieses „faktische Wahlrecht“ ist vor dem Hintergrund der allgemeinen handelsrechtlichen Prinzipien natürlich stetig auszuüben und bestimmt folglich auch die Möglichkeit einer Fortführung von im Einzelabschluss gebildeten Bewertungseinheiten im Konzernabschluss nach HGB.
Beibehaltung von Bewertungseinheiten nach § 254 HGB im handelsrechtlichen Konzernabschluss
Gemäß § 298 Abs. 1 HGB findet § 254 HGB zu Bewertungseinheiten auch im HGB-Konzernabschluss Anwendung. § 298 HGB steht jedoch unter dem Vorbehalt, dass die Eigenart des Konzernabschusses keine Abweichung bedingt. IDW RS HFA 35 konkretisiert die Voraussetzungen für die Bildung sowie die bilanzielle Abbildung von Bewertungseinheiten nach § 254 HGB und somit mittelbar auch nach § 298 HGB.
Gemäß § 300 Abs. 1 HGB ist einer der Grundsätze der Konsolidierung der Grundsatz der Zusammenfassung der Jahresabschlüsse nach dem einheitlichen Recht der Mutter. Die Beteiligung des Mutterunternehmens wird danach durch die Vermögensgegenstände, Schulden, Rechnungsabgrenzungsposten und Sonderposten des Tochterunternehmens ersetzt. Diese Posten sind nach § 300 Abs. 2 HGB vollständig anzusetzen. Nach § 308 HGB hat außerdem eine konzerneinheitliche Bewertung zu erfolgen, was jedoch nicht explizit die Neueinschätzung von Bewertungseinheiten bedeutet. Da nach herrschender Meinung auch aus Konzernsicht ein Fremdwährungsrisiko normalerweise spätestens bei „Realisation“ seinen Niederschlag im Ergebnis findet, kann eine im Einzelabschluss gebildete Bewertungseinheit – bei Vorliegen der allgemeinen Voraussetzungen des § 254 HGB – grundsätzlich im handelsrechtlichen Konzernabschluss fortgeführt werden.
Für die beiden nach IDW RS HFA 35 Tz 75 ff. grundsätzlich für die Abbildung der Fremdwährungssicherung in Betracht kommenden Vorgehensweisen – die „Einfrierungsmethode“ und die „Durchbuchungsmethode“ – ist die Begründung sowie konkrete Abbildung infolge der inhärenten Methoden dabei unterschiedlich. Gleichwohl führen beide Methoden zu einer sachgerechten Abbildung, wenn das zuvor geschilderte Wahlrecht zur Berücksichtigung von Effekten aus der Währungsumrechnung entsprechend ausgeübt wurde und die allgemeinen Voraussetzungen für die Bildung von Bewertungseinheiten durch das bilanzierende Unternehmen erfüllt sind.
Insofern lässt sich festhalten, dass auch für den handelsrechtlichen Konzernabschluss Möglichkeiten zur Abbildung der ökonomischen Ergebnisse aus gruppeninternen Fremdwährungsdarlehen bestehen.
Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 70, August 2017