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Timestamp: 2020-06-04 23:51:36
Document Index: 322676352

Matched Legal Cases: ['§ 552', '§ 249', '§ 249', '§ 9', '§ 9', '§ 7', '§ 7', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Zwangsabstieg - und der Schadensersatzanspruch des Fußballvereins | Rechtslupe
Zwangsabstieg - und der Schadensersatzanspruch des Fußballvereins
Der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt über den Anspruch des Fuß­ball­ver­eins auf Wie­der­zu­las­sung zur Teil­nah­me am Spiel­be­trieb in der Regio­nal­li­ga nach einem zu Unrecht ange­ord­ne­ten Zwangs­ab­stieg ent­schie­den:
Dem zugrun­de liegt ein Rechts­streit zwi­schen dem SV Wil­helms­ha­ven und dem Nord­deut­schen Fuß­ball-Ver­bands (NFV). Der beklag­te NFV führt als regio­na­ler Fuß­ball­ver­band den Spiel­be­trieb der bei ihm ein­ge­rich­te­ten Ligen und Wett­be­wer­be, u.a. die Regio­nal­li­ga Nord in der viert­höchs­ten Spiel­klas­se, durch. Der kla­gen­de SV Wil­helms­ha­ven ist ein Sport­ver­ein, der wäh­rend der Zeit, in der sei­ne Mann­schaft in der Regio­nal­li­ga Nord spiel­te, Mit­glied des NFV war. Der­zeit spielt die Mann­schaft des Ver­eins in der Bezirks­klas­se.
Im Dezem­ber 2013 beschloss das Prä­si­di­um des NFV den Zwangs­ab­stieg des SV Wil­helms­ha­ven aus der Regio­nal­li­ga Nord zum Ende der Spiel­zeit 2013/​2014. Der Bun­des­ge­richts­hof hat den Zwangs­ab­stiegs­be­schluss mit Urteil vom 20.09.2016 für nich­tig erklärt [1]. Der Ver­ein begehrt nun­mehr von dem Nord­deut­schen Fuß­ball-Ver­band Scha­dens­er­satz in Form der Zulas­sung sei­ner Mann­schaft zum Spiel­be­trieb der Regio­nal­li­ga Nord zur nächs­ten Spiel­zeit.
Die Kla­ge hat­te in den Vor­in­stan­zen weder vor dem erst­in­stanz­lich hier­mit befass­ten Land­ge­richt Bre­men [2] noch in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men [3] Erfolg. Mit der vom Ober­lan­des­ge­richt im Beru­fungs­ur­teil zuge­las­se­nen Revi­si­on ver­folg­te der Ver­ein sei­nen Antrag auf Zulas­sung zum Spiel­be­trieb wei­ter, schei­ter­te nun aber auch letzt­in­stanz­lich vor dem Bun­des­ge­richts­hof, der die Bre­mer Ent­schei­dun­gen bestä­tig­te und nun auch die Revi­si­on des SV Wil­helms­ha­ven gem. § 552a ZPO durch Beschluss ohne münd­li­che Ver­hand­lung zurück­wies:
Dem Fuß­ball­ver­ein steht wegen des rechts­wid­ri­gen Ein­griffs in sein Mit­glied­schafts­recht durch den Zwangs­ab­stieg zwar nach § 249 Abs. 1 BGB ein Anspruch auf Scha­dens­er­satz in Form der soge­nann­ten Natu­ral­re­sti­tu­ti­on zu. Er kann die Her­stel­lung des Zustands ver­lan­gen, der bestün­de, wenn er nicht zwangs­ab­ge­stie­gen wäre. Nach die­sem Grund­satz kann er aber kei­ne Zulas­sung zur Teil­nah­me am Spiel­be­trieb in der nun­mehr anste­hen­den nächs­ten Spiel­zeit ver­lan­gen. Ihm steht ledig­lich ein Anspruch dar­auf zu, so gestellt zu wer­den, wie er heu­te stün­de, wenn er in der Spiel­zeit 2014/​2015 noch am Spiel­be­trieb in der Regio­nal­li­ga Nord teil­ge­nom­men hät­te. Nach dem inso­weit maß­geb­li­chen Regel­werk des NFV, d.h. sei­nem Sta­tut sowie sei­ner Spiel­ord­nung nebst Anhän­gen, bezieht sich der mit der Mit­glied­schaft im NFV ver­bun­de­ne Anspruch auf Teil­nah­me am Zulas­sungs­ver­fah­ren für den Spiel­be­trieb der vom NFV ver­an­stal­te­ten Liga nur auf die jeweils anschlie­ßen­de nächs­te Spiel­zeit.
Der Fuß­ball­ver­ein kann daher nur dann sei­ne Zulas­sung zum Spiel­be­trieb der Regio­nal­li­ga Nord in der nächs­ten anste­hen­den Spiel­zeit ver­lan­gen, wenn mit hin­rei­chen­der Wahr­schein­lich­keit davon aus­ge­gan­gen wer­den könn­te, dass er bei einer Teil­nah­me in der Spiel­zeit 2014/​2015 auch heu­te noch in der Regio­nal­li­ga Nord spie­len wür­de. Dies hat der SV Wil­helms­ha­ven hier aber nicht nach­ge­wie­sen, wie das OLG Bre­men zu Recht ange­nom­men hat. Inso­weit greift weder ein Anscheins­be­weis zu Guns­ten des Ver­eins, dass er nach all­ge­mei­ner Lebens­er­fah­rung auf­grund eines typi­schen Gesche­hens­ab­laufs über die Spiel­zeit 2014/​2015 hin­aus bis heu­te in der Regio­nal­li­ga Nord ver­blie­ben wäre, noch lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen einer ande­ren Beweis­erleich­te­rung vor.
Soweit der Fuß­ball­ver­ein gel­tend macht, ihm ste­he nach § 249 Satz 1 BGB ein Anspruch auf Behand­lung als Mit­glied des NFV bei der Ver­ga­be der Spiel­be­rech­ti­gung für die nächs­te Spiel­zeit zu, weil sich die vom Bun­des­ge­richts­hof ange­nom­me­ne stren­ge Bezo­gen­heit auf die jewei­li­ge Spiel­zeit nach Nr. 1.5 des Anhangs 1 der Spiel­ord­nung (Regio­nal­li­ga-Sta­tut) erkenn­bar nur auf die Zulas­sung zum Spiel­be­trieb der jewei­li­gen Liga bezie­he, nicht aber auf die Mit­glied­schaft als sol­che, für die nur die in § 9 Abs. 3 der Sat­zung genann­ten Been­di­gungs­grün­de gäl­ten, ver­mag der Bun­des­ge­richts­hof dem nicht zu fol­gen.
Dass die Mit­glied­schaft im NFV nach § 9 Abs. 3 der Sat­zung nur durch Auf­lö­sung, Aus­tritt, Aus­schluss oder Abstieg erlischt, besagt nicht, dass sich aus der Mit­glied­schaft ein Recht auf Teil­nah­me am Spiel­be­trieb unab­hän­gig von der durch das Regio­nal­li­ga-Sta­tut und die Spiel­ord­nung bestimm­ten sport­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on ergibt. Inso­weit ergibt sich ent­ge­gen der Ansicht des Fuß­ball­ver­eins aus der Sat­zung des NFV, dass sich der aus der Mit­glied­schaft im NFV fol­gen­de Anspruch auf Behand­lung als Mit­glied bei der Ver­ga­be der Spiel­be­rech­ti­gung nur auf die jeweils fol­gen­de Spiel­zeit bezieht. Nach § 7 Abs. 1 der Sat­zung besteht die Mit­glied­schaft von Ver­ei­nen der Mit­glieds­ver­bän­de, die mit einer Mann­schaft an den Meis­ter­schafts­spie­len u.a. einer der Regio­nal­li­gen teil­neh­men, "für die Dau­er ihrer Zuge­hö­rig­keit zu die­sen Spiel­klas­sen". Wei­ter bestim­men § 7 Abs. 4 und Abs. 5 der Sat­zung, dass bei Zusam­men­schluss eines Mit­glieds­ver­eins mit einem ande­ren Ver­ein oder der Grün­dung eines neu­en Ver­eins durch die Fuß­ball­ab­tei­lung eines Mit­glieds­ver­eins das Spiel­recht in der Liga, wel­cher der bis­he­ri­ge Mit­glieds­ver­ein ange­hört hat, und damit die Mit­glied­schaft im NFV erhal­ten blei­ben bzw. auf den neu­en Ver­ein über­ge­hen. Das Spiel­recht in der Liga ist aber sei­ner­seits wie im Hin­weis­be­schluss des Bun­des­ge­richts­hofs näher aus­ge­führt durch die dies­be­züg­li­chen Rege­lun­gen in der Spiel­ord­nung und dem Regio­nal­li­ga­S­ta­tut stets auf die jeweils fol­gen­de Spiel­zeit beschränkt. In Anbe­tracht der Ver­knüp­fung der Mit­glied­schaft im NFV mit der Spiel­be­rech­ti­gung in der jewei­li­gen Spiel­klas­se ist dem­nach auch der aus der Mit­glied­schaft fol­gen­de Anspruch auf Berück­sich­ti­gung im Zulas­sungs­ver­fah­ren ent­spre­chend beschränkt.
Ohne Erfolg wen­det der Fuß­ball­ver­ein sich auch dage­gen, dass der Bun­des­ge­richts­hof ihn als dar­le­gungsund beweis­pflich­tig dafür ange­se­hen hat, dass er ohne den Zwangs­ab­stieg auch heu­te noch am Spiel­be­trieb der von der NFV ver­an­stal­te­ten Liga teil­neh­men wür­de.
Nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs ergibt sich auch unter dem Gesichts­punkt der Beweis­ver­ei­te­lung kei­ne Beweis­erleich­te­rung für den Fuß­ball­ver­ein oder gar Umkehr der Beweis­last zu Las­ten des NFV. Der Fuß­ball­ver­ein macht inso­weit gel­tend, der Nord­deut­sche Fuß­ball-Ver­band habe ihm den Nach­weis sei­ner Qua­li­fi­ka­ti­on für den Fall des unter­blie­be­nen Zwangs­ab­stiegs nicht nur durch den rechts­wid­rig beschlos­se­nen Zwangs­ab­stieg, son­dern auch dadurch ent­schei­dend erschwert, dass er sich dem noch vor Beginn der Spiel­zeit 2014/​2015 vor dem Ver­bands­ge­richt und den ordent­li­chen Gerich­ten gel­tend gemach­ten Begeh­ren des Fuß­ball­ver­eins auf Auf­he­bung des Zwangs­ab­stiegs rechts­wid­rig wider­setzt habe. Der Nach­weis der fort­be­stehen­den Qua­li­fi­ka­ti­on sei natur­ge­mäß umso schwe­rer zu füh­ren, je län­ger der maß­geb­li­che Zeit­raum sei. Auch wenn dies objek­tiv zutref­fen mag, setzt der Tat­be­stand der Beweis­ver­ei­te­lung in sub­jek­ti­ver Hin­sicht jedoch vor­aus, dass sich das Ver­schul­den des Betref­fen­den auch dar­auf bezieht, die Beweis­la­ge des Geg­ners in einem gegen­wär­ti­gen oder künf­ti­gen Pro­zess nach­tei­lig zu beein­flus­sen [4]. Dafür sieht der Bun­des­ge­richts­hof hier kei­nen Anhalt.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. April 2020 – II ZR 417/​18
BGH, Urteil vom 20.09.2016 – II ZR 25/​15, BGHZ 212, 70[↩]
LG Bre­men, Urteil vom 25.04.2018 – 9 O 664/​17[↩]
OLG Bre­men, Urteil vom 30.11.2018 – 2 U 44/​18[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 23.09.2003 – XI ZR 380/​00, NJW 2004, 222 mwN[↩]
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