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Timestamp: 2020-02-28 06:57:00
Document Index: 38027027

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 18', '§ 18']

Kleinunternehmer, verkauf ins Ausland - frag-einen-anwalt.de
www.frag-einen-anwalt.deSteuerrechtSteuerKleinunternehmer, verkauf ins Ausland
10.07.2014 06:10 |
Zusammenfassung: Software, die den Kundenanforderungen angepaßt wird, ist eine sonstige Leistung (§ 3 a Ust), Standardsoftware, die auf Datenträgern versendt wird, dagegen eine Lieferung. Bei Versenden über DFÜ ggf. aber auch sonstige Leistung (8 UStAE 3.5 Abs.2 Ziff.1 und Abs. 3 Ziff.8).
Ich habe seit 2012 ein Nebengewerbe. Alle meine Rechnungen stellte ich bis jetzt ohne UID und Steuer.
Da ich nun meine Software/Dienstleistung auch ins Ausland (EU und CH) verkaufe, habe ich eine UID beantragt und sollte diese demnächst erhalten.
Bei der Steuererklärung für 2013 fiel mir aber soeben auf, dass ich versehentlich schon 2013 3 Rechnungen ins Ausland gestellt habe und zu diesem Zeitpunkt noch keine UID hatte. Ich habe diese Rechnungen also ganz normal ohne UID und Steuer gestellt.
Wie muss ich mich nun verhalten, kann ich die UID rückwirkend einsetzen? Muss ich meine Kunden auf irgendwas hinweisen, muss ich mich selbst beim FA melden, oder kann ich das Ganze auch irgendwie selbst in meiner Steuererklärung angeben?
Steuer Steuer Schweiz Steuererklärung UStG
zunächst ist für die Bestimmung des Leistungsortes zu prüfen, ob Ihre Softwareverkäufe Lieferungen sind oder sonstige Leistungen (§ 3 UstG). Lieferungen sind der Verkauf von Standardsoftware und sogenannten Updates auf Datenträgern. Das Erstellen von Software, die an Ihre Kundenbedürfnisse angepasst und extra für diese erstellt wird, ist dagegen eine sonstige Leistung (UstAE zu § 3.5 Abs. 2 Ziff. 1 und Ziff. 8).
Ich gehe nachfolgend vom Vorliegen einer sonstigen Leistung aus, da die Anzahl der Abnehmer eher gering ist. Eine sonstige Leistung für einen Unternehmer, die für dessen Unternehmen bestimmt ist, wird an dem Ort ausgeführt, an dem der Empfänger sein Unternehmen betreibt (§ 3a UstG Abs.2). Wenn diese Voraussetzungen bei Ihnen und Ihren Kunden vorliegen, folgt daraus zunächst, dass der Leistungsort tatsächlich im EU-Ausland liegt und das Reverse Charge-Verfahren Anwendung findet. Das gilt auch gegenüber der Schweiz, obwohl diese kein EU-Land ist, da das Bezugssteuersystem dort genauso ausgeführt ist wie innerhalb der EU.
Die Prämissen der Fragestellung sind also zunächst einmal korrekt.
Kleinunternehmer können zwar eine Ust-Id beantragen, sind dazu aber nicht verpflichtet auch nicht dazu quartalsweise Zusammenfassende Meldungen abzugeben (§ 18a Abs. 5 UstG). Die Ust-ID hat die Aufgabe Vertragsparteien zu ermöglichen, die Unternehmereigenschaft, Adresse & sw. der anderen Seite schnell über Datenabgleiche überprüfen zu können. Wenn dieses formalisierte Verfahren nicht eingehalten wird, wie vorliegend, kann es im Rahmen von Betriebsprüfungen schwierig werden nachzuweisen, dass die Gegenseite je Unternehmer war. Andererseits werden Kleinunternehmer auch eher selten geprüft, wobei es stark regionale Unterschiede gibt, sofern Sie keine sonstigen Risikomerkmale haben, etwa indem sie ihre Steuererklärungen selbst bearbeiten.
Ich würde hier folgendes raten: Sobald Sie eine Ust-ID haben, holen Sie sich für Ihre Vertragspartner eine qualifizierte Auskunft beim Bundeszentralamt für Steuern über deren Unternehmereigenschaft. Das kann ein wenig aufreibend werden, wenn sich Rechtsform, Geschätssitz & sw. von diesen häufiger ändern. Im Zuge dessen wird es vermutlich auch zu Kommunikation mit Ihren Vertragspartern kommen, schon um deren Ust-ID zu erfragen, falls sie diese noch nicht kennen. Im Rahmen dessen teilen Sie diese auch Ihre Ust-Id mit. Genau genommen müssten Sie natürlich alle Ihre Rechnungen nochmals unter Beachtung aller Formalia ihre Ust-ID, die ihrer Vertragspartner, Hinweis auf das Reverse Charge-Verfahren mit Satz „Steuerschuldnerschaft beim Leistungsempfänger" bzw. dem englischen Äquivalent nochmals stellen.
Ob das weise ist zu tun, um etwaige Betriebsprüfungsrisiken zu minimieren, und letzten Endes doch die 19% Ust. selbst zahlen zu müssen, hängt ein auch bisschen davon ab, wie man mit seinen Vertragspartnern steht. In Ihrer Steuererklärung müssen sie entsprechenden innergemeinschaftlichen Lieferungen sowieso als solche deklarieren (§ 18b UstG).