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Timestamp: 2018-06-25 19:47:05
Document Index: 215246755

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 51', '§ 12', '§ 51', '§ 12', '§ 17', '§ 51', '§ 12', '§ 51', '§ 60', '§ 60', '§ 12', '§60']

recht.de • Thema anzeigen - Erschöpfung, Veröffentlichung
Aktuelle Zeit: 25.06.18, 21:47
Erschöpfung, Veröffentlichung
Betreff des Beitrags: Erschöpfung, Veröffentlichung
Verfasst: 13.03.18, 17:05
Absolvent A hat zum Abschluss seines Studiums seine schriftliche Arbeit bei Professor P in drei Exemplaren eingereicht. Damit hat A seine Verfügungsmöglichkeit über die Exemplare endgültig aufgegeben, sie übereignet, veräußert. Also erschöpft sich das Verbreitungsrecht gemäß § 17 Abs. 2 UrhG, oder? Gleichzeitig ist die Arbeit noch nicht veröffentlicht, da sie noch keiner Mehrzahl von Personen im Sinne einer Öffentlichkeit zugänglich ist. Wird das Urheberrecht verletzt, wenn P ein Exemplar der Studentin S zur Präsenznutzung oder leihweise überlässt? Wie wird S den Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis gerecht, wenn sie Beiträge von A konsequent und korrekt ausweisen will? Zitieren (§ 51 UrhG) scheitert (urheberrechtlich) mangels Veröffentlichung, auch das Mitteilen des Inhaltes des Werkes von A scheint A allein vorbehalten (§ 12 Abs. 2 UrhG). Wie ist die Rechtslage?
Betreff des Beitrags: Re: Erschöpfung, Veröffentlichung
Verfasst: 14.03.18, 08:27
Warum sollte man nicht zitieren können? Aus der Praxis kenne ich es so, dass bei Diplom-, Bachelor- oder Masterarbeiten eine Bemerkung "unveröffentlicht" in die Quelle kommt. Doktorarbeiten müssen mWn sogar eine ISBN Nummer bekommen, sind damit also veröffentlicht. Nicht alles, woraus man zitiert, muss auch veröffentlicht/jedem zugänglich sein. Ob das den Anforderungen der Lehranstalt entspricht, sollte aber dort explizit nachgefragt werden.
Verfasst: 14.03.18, 09:39
Absolvent A hat zum Abschluss seines Studiums seine schriftliche Arbeit bei Professor P in drei Exemplaren eingereicht. Damit hat A seine Verfügungsmöglichkeit über die Exemplare endgültig aufgegeben, sie übereignet, veräußert.
allgemein (vielleicht gelten an dieser Uni andere Regeln): wieso sollte der Student die Rechte an seiner Arbeit, die lediglich zur Prüfung eingereicht wurde, verloren haben
Der Prof ist kein Verlag.
Gleichzeitig ist die Arbeit noch nicht veröffentlicht, da sie noch keiner Mehrzahl von Personen im Sinne einer Öffentlichkeit zugänglich ist.
Wird das Urheberrecht verletzt, wenn P ein Exemplar der Studentin S zur Präsenznutzung oder leihweise überlässt?
Wie wird S den Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis gerecht, wenn sie Beiträge von A konsequent und korrekt ausweisen will? Zitieren (§ 51 UrhG) scheitert (urheberrechtlich) mangels Veröffentlichung, auch das Mitteilen des Inhaltes des Werkes von A scheint A allein vorbehalten (§ 12 Abs. 2 UrhG). Wie ist die Rechtslage?
Die Veröffentlichung ist wie gesagt unerheblich, also scheitert das Zitieren nicht daran.
Die Studentin muss korrekt zitieren. Autor (das bleibt der Student), Titel und dazu "unveröffentlichte Bachelorarbeit" , wenn man den Ort der Veröffentlichung kennt, dann sowas wie "in Druck"
Weiteres kann man allgemeinen Schriften zum wissenschaftlichen Arbeiten und u.U. davon abweichenden Bestimmungen des eigenen Studiengangs finden.
Verfasst: 14.03.18, 10:25
Vielen Dank, Dig. Auch ich habe den Zusatz "unveröffentlicht" oder "submitted" oder "in print" insbesondere bei Quellen des zitierenden Autors schon gesehen. Ja, Doktorarbeiten werden veröffentlicht, bei Diplomarbeiten ist das nicht zwingend. Die Frage ist, ob ein Zitat aus unveröffentlichter fremder Diplomarbeit der Einräumung eines Nutzungsrechts bedarf (das vermute ich), und ob dann die Quellenangabe ohne inhaltliche Mitteilung den Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis genügt (oder diese gar verletzt), falls der Urheber sich weigert. Aus meiner Sicht gehört es sich nicht, aus unveröffentlichten Beiträgen zu Tagungen oder Zeitschriften Ideen aufzugreifen, weiterzudenken, zu verbreiten und die eigene Arbeit darauf beruhen zu lassen, wenn man Gutachter dieser Beiträge ist. Aber dort wird ausdrücklich vereinbart, dass der Gutachter zur Geheimhaltung verpflichtet ist.
Dank auch dir, winterspaziergang, für die morgendliche Antwort. An dieser Lehranstalt gelte das deutsche Urheberrechtsgesetz. Absolvent A habe drei körperliche Exemplare seiner Arbeit eingereicht. (Er bleibt Urheber, ist aber nicht mehr Eigentümer dieser drei Exemplare. Sie werden grundsätzlich nicht zurückgegeben, sondern aufbewahrt. Nach Ablauf einer Aufbewahrungsfrist werden sie vernichtet.) Er gibt sein Verbreitungsrecht nicht auf, sondern es erschöpft sich. Aus § 17 Abs. 2 UrhG folgt, dass die Weiterverbreitung der drei Exemplare mit Ausnahme der Vermietung zulässig ist, oder? Ich gehe davon aus, dass du das auch so siehst, weil du die Frage nach einer Verletzung durch Verbreitung verneint hast. Kannst du deine Frage nach den Rechten, die er verloren haben sollte, ggf. genauer stellen? Das "nein" und diese Frage passt aus meiner Sicht nicht recht zusammen, wirkt für mich wie ein Widerspruch.
Aus meiner Sicht ist die Veröffentlichung Voraussetzung für ein Zitat (§ 51 Satz 1 UrhG:) "Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats ...". Zitieren im urheberrechtlichen Sinne kann die Studentin S nicht. S kann die wesentliche Vorarbeit angeben, indem sie eine Quellenangabe macht. Sie darf aber den Inhalt eines unveröffentlichten Werkes nicht mitteilen, weil das A vorbehalten ist (§ 12 Abs. 2 UrhG: Dem Urheber ist es vorbehalten, den Inhalt seines Werkes öffentlich mitzuteilen oder zu beschreiben, solange weder das Werk noch der wesentliche Inhalt oder eine Beschreibung des Werkes mit seiner Zustimmung veröffentlicht ist.).
Verfasst: 14.03.18, 11:23
Aus meiner Sicht ist die Veröffentlichung Voraussetzung für ein Zitat (§ 51 Satz 1 UrhG:) "Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats ...".
Haben Sie sich denn schon mit § 60c UrhG beschäftigt?
Verfasst: 14.03.18, 11:50
Danke für diesen entscheidenden Hinweis. (Ja, ich habe mich vor einem Jahr mit der Drucksache beschäftigt, dann aber alles unter Ersatz für 52a verbucht.) Also versuche ich mal zusammenzufassen: § 60c geht als Spezialregel vor § 12, S darf (für nichtkommerzielle! Forschung) relevante Vorarbeiten ausweisen und auszugsweise wiedergeben (also die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis ohne Verletzung des Urheberrechts und ohne Zustimmung von A vollständig beachten), sie darf sich sogar 75 % der Arbeit vervielfältigen. Ich war mir der Bedeutung dieser Novelle noch gar nicht ganz bewusst. Gut, dass ich die Frage nicht schon vor zwei Jahren gestellt habe.
Verfasst: 14.03.18, 16:01
S darf (für nichtkommerzielle! Forschung) relevante Vorarbeiten ausweisen und auszugsweise wiedergeben
Das geht wohl doch nicht so, denn "vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden" darf das Werk nur für "einen bestimmt abgegrenzten Kreis von Personen" oder "einzelne Dritte". Damit ist §60c keine Grundlage für das Zitat aus einem unveröffentlichten Werk, also gerade mal noch für eine darauf aufbauende Abschlussarbeit, die nicht veröffentlicht wird.