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Timestamp: 2016-10-24 07:14:26
Document Index: 289550983

Matched Legal Cases: ['Art. 28', 'Art. 30', 'Art. 9', 'Art. 4', 'BGE', 'BGE']

U 175/06 (16.08.2006)
U 175/06
M.________, Beschwerdef�hrerin,
handelnd durch S.________, und diese vertreten durch Herr A._______,
M.________, Vater der 1994 geborenen M.________, war als Sachbearbeiter der Firma X.________AG t�tig und bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Nichtberufsunf�llen versichert gewesen, als er am 22. Oktober 2001 tot in der Wohnung einer Bekannten aufgefunden wurde. Nach den Untersuchungen des Instituts f�r Rechtsmedizin (IRM) der Universit�t Z�rich, worunter das Obduktionsgutachten vom 15. April 2002 samt chemisch-toxikologischem Untersuchungsbericht vom 5. M�rz 2002, war der Tod am 22. Oktober 2001 zwischen 06.10 Uhr und 10.10 Uhr als Folge einer zentralen Ateml�hmung bei einer Mischvergiftung mit Kokain (sehr hohe Konzentration) und Heroin (sehr niedrige Konzentration) eingetreten.
Gest�tzt auf die beigezogenen Ermittlungs- und Untersuchungsakten erliess die SUVA am 11. Februar 2005 eine Verf�gung, worin sie dem Beistand von M.________ er�ffnete, dass sie mangels Vorliegens eines Unfalles oder einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung nicht leistungspflichtig sei. Auf Einsprache hin hielt die SUVA an ihrem ablehnenden Standpunkt fest (Einspracheentscheid vom 25. April 2005).
Die dagegen eingereichte Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau ab (Entscheid vom 8. Februar 2006).
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst M.________, gesetzlich vertreten durch ihre Mutter M.________, diese vertreten durch A.________, sinngem�ss beantragen, es sei ihr eine Waisenrente nach UVG zuzusprechen.
Mit Eingabe vom 6. Juli 2006 l�sst die Beschwerdef�hrerin ihren Standpunkt bekr�ftigen.
Der Rechtsstreit dreht sich um die Frage, ob der Vorfall vom 22. Oktober 2001, bei welchem M.________ nach einer �berdosis Drogen starb, als Unfall zu qualifizieren ist und die Beschwerdef�hrerin Anspruch auf eine Waisenrente der Unfallversicherung (Art. 28 und Art. 30 Abs. 1 UVG) hat.
2.1 Als Unfall gilt die pl�tzliche, nicht beabsichtigte sch�digende Einwirkung eines ungew�hnlichen �usseren Faktors auf den menschlichen K�rper (Art. 9 Abs. 1 UVV [aufgehoben auf 31. Dezember 2002] bzw. heute Art. 4 ATSG; BGE 122 V 232 Erw. 1 mit Hinweisen, RKUV 2000 Nr. U 368 [U 335/98] S. 99 Erw. 2b). Nach der Definition des Unfalls bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungew�hnlichkeit nicht auf die Wirkung des �usseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang f�r die Pr�fung der Ungew�hnlichkeit ist somit, dass der �ussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der �ussere Faktor ist ungew�hnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Allt�glichen oder �blichen �berschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei grunds�tzlich nur die objektiven Umst�nde in Betracht fallen (BGE 122 V 233 Erw. 1, 121 V 38 Erw. 1a, je mit Hinweisen; RKUV 2000 Nr. U 368 [U 335/98] S. 99 Erw. 2b).
In einem in RKUV 1990 Nr. U 107 (U 57/89) S. 281 publizierten Urteil hat das Eidgen�ssische Versicherungsgericht das Spritzen von Heroin unter die Zunge nicht als einen ungew�hnlichen �usseren Faktor qualifiziert mit der Begr�ndung, dass es sich um einen dem Versicherten bekannten und gewohnten Vorgang handelt. Ebenso entschied es in einem in RKUV 2000 Nr. U 374 (U 354/98) S. 175 ver�ffentlichten Fall, in welchem es um die Injektion von Opiat-Drogen (Heroin oder Morphin) bei einer erfahrenen Drogenkonsumentin ging, wobei es erkannte, dass dies selbst dann gilt, wenn der eingetretene Tod auf einen besonderen Reinheitsgehalt zur�ckzuf�hren ist, weil damit der Rahmen des im Bereich der illegalen Drogenbeschaffung und des illegalen Konsums �blichen nicht �berschritten wird. Im Urteil S. vom 14. Februar 2002, U 276/01, Erw. 2b schliesslich erwog das Gericht, dass der auf Grund �berm�ssigen Drogenkonsums eingetretene Tot den Unfallbegriff nicht erf�llt, da es sich beim Versicherten um einen erfahrenen Drogenkonsumenten handelte, f�r welchen die exzessive Einnahme von Suchtmitteln nichts Ungew�hnliches darstellte, und keine Anhaltspunkte f�r das Vorliegen besonderer �usserer Faktoren bestanden.
3.1 Es steht fest und ist unbestritten, dass der Versicherte an einer zentralen Ateml�hmung starb, die als Folge einer Mischvergiftung mit Kokain (in sehr hoher Konzentration) und Heroin (in sehr niedriger Konzentration) eingetreten ist (Obduktionsgutachten vom 15. April 2002, S. 4 f.). Laut chemisch-toxikologischem Untersuchungsbericht vom 5. M�rz 2002 des obduzierenden Instituts f�r Rechtsmedizin ist auf Grund der Analyseergebnisse darauf zu schliessen, dass der Tod auf eine Intoxikation mit Kokain zur�ckzuf�hren ist, wobei Opiat-Drogen am Todesgeschehen eine zus�tzliche Rolle gespielt haben d�rften.
3.2 Aus den polizeilichen Ermittlungsakten geht hervor, dass der Versicherte w�hrend Jahren in erheblichem Masse Drogen konsumiert hat, wobei er haupts�chlich Kokain, gelegentlich aber auch Heroin, zu sich genommen hat. So gab sein Bruder zu Protokoll, er habe ungef�hr ein Jahr vor der im Jahre 1999 erfolgten Ehescheidung erstmals Drogen zu sich genommen. Er habe Kenntnis davon, dass sein Bruder wegen des gemischten Konsums von Kokain und Heroin ein Mal habe hospitalisiert werden m�ssen. Die Ehescheidung hat den Versicherten offenbar stark belastet und in der Folge zu einem erh�hten Drogenmissbrauch gef�hrt. Die Mutter der Beschwerdef�hrerin r�umte in der kantonalen Beschwerde ein, sie habe dem Verstorbenen nach der Scheidung einige Male Kokain intraven�s verabreicht. P.________, in deren Wohnung der Versicherte tot aufgefunden worden war, sagte schliesslich aus, sie habe sich w�hrend zirka einem halben Jahr ein Mal pro Monat mit dem Verstorbenen getroffen, wobei jeweils grosse Mengen an Kokain, am Todestag gemischt mit wenig Heroin, konsumiert worden seien.
Insgesamt ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass der regelm�ssige, exzessive Konsum von Suchtmitteln f�r den Versicherten nichts Ungew�hnliches darstellte; auch waren ihm die Risiken seines Handelns bekannt, insbesondere nach der von seinem Bruder erw�hnten Hospitalisation, welche offenbar auch Folge eines so genannten Mischkonsums von Kokain und Heroin gewesen war. Was die Beschwerdef�hrerin dagegen vorbringen l�sst, vermag zu keinem anderen Ergebnis zu f�hren. Unfallversicherungsrechtlich ist insbesondere nicht massgebend, dass der Versicherte anscheinend sozial weitestgehend integriert war, er einer geregelten Arbeit nachging, sich die Drogen jeweils durch eine Drittperson intraven�s verabreichen liess und der Suchtmittelmissbrauch f�r Aussenstehende nicht offen zu Tage trat.
3.3 Bei dieser Sachlage sowie im Lichte der in Erw. 2.1 hievor dargelegten Grunds�tze haben Vorinstanz und SUVA das Ereignis vom 22. Oktober 2001 zu Recht nicht als Unfall im Rechtssinne qualifiziert, womit der angefochtene Entscheid vor Bundesrecht stand h�lt.