Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/wirtschaftsstrafrecht/veruntreuende-unterschlagung-geschaeftsfuehrers-3116197
Timestamp: 2020-07-14 06:08:15
Document Index: 122116817

Matched Legal Cases: ['§ 73', '§ 73', '§ 14', '§ 73', '§ 442', '§ 431', '§ 440', '§ 442', '§ 73', '§ 73', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 73', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 266', '§ 266', '§ 315', '§ 17', '§ 7', '§ 8']

Veruntreuende Unterschlagung des Geschäftsführers - und der Verfall | Rechtslupe
Ver­un­treu­en­de Unter­schla­gung des Geschäfts­füh­rers – und der Ver­fall
"Aus der Tat erlangt" im Sin­ne von § 73 Abs. 1 Satz 1 StGB sind alle Ver­mö­gens­wer­te, die dem Täter unmit­tel­bar aus der Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stan­des selbst in irgend­ei­ner Pha­se des Tat­ab­laufs zuflie­ßen [1].
Erfasst ist dabei die Gesamt­heit des mate­ri­ell Erlang­ten [2]. Der Ver­fall ist dabei gemäß § 73 Abs. 2 Satz 2 StGB gege­be­nen­falls auch auf die Sur­ro­ga­te des Erlang­ten zu erstre­cken [3].
Han­delt der Täter als Organ, Ver­tre­ter oder Beauf­trag­ter (§ 14 StGB) eines Unter­neh­mens mit dem Ziel, dass infol­ge der Tat bei dem Unter­neh­men eine Ver­mö­gens­meh­rung ein­tritt, ist das Unter­neh­men im Erfolgs­fall Dritt­be­güns­tig­ter im Sin­ne des § 73 Abs. 3 StGB [4].
In Fäl­len der genann­ten Art ist das Unter­neh­men gege­be­nen­falls gemäß § 442 Abs. 2, § 431 Abs. 1 Satz 1 StPO am Ver­fah­ren zu betei­li­gen oder ein selbst­stän­di­ges Ver­falls­ver­fah­ren nach den §§ 440, 441, § 442 Abs. 1 StPO gegen es zu füh­ren [5].
Regel­mä­ßig ist davon aus­zu­ge­hen, dass die juris­ti­sche Per­son über eine eige­ne Ver­mö­gens­mas­se ver­fügt, die vom Pri­vat­ver­mö­gen des Täters zu tren­nen ist. Die dem Ver­mö­gen einer juris­ti­schen Per­son zuge­flos­se­nen Ver­mö­gens­wer­te sind daher auch dann nicht ohne Wei­te­res durch den Täter im Sin­ne des § 73 Abs. 1 Satz 1 StGB erlangt, wenn die­ser eine – lega­le – Zugriffs­mög­lich­keit auf das Ver­mö­gen hat [6]. Für eine Ver­falls­an­ord­nung gegen den Täter bedarf es in der­ar­ti­gen Fäl­len einer über die fak­ti­sche Ver­fü­gungs­ge­walt hin­aus­ge­hen­den Fest­stel­lung, dass die­ser selbst etwas erlangt hat, was zu einer Ände­rung sei­ner Ver­mö­gens­bi­lanz geführt hat. Umstän­de, die eine sol­che Fest­stel­lung recht­fer­ti­gen, kön­nen etwa dar­in zu sehen sein, dass der Täter die juris­ti­sche Per­son ledig­lich als einen for­ma­len Man­tel nutzt und eine Tren­nung zwi­schen sei­ner eige­nen Ver­mö­gens­sphä­re und der­je­ni­gen der Gesell­schaft tat­säch­lich nicht vor­nimmt, oder jeder aus der Tat fol­gen­de Ver­mö­gens­zu­fluss an die Gesell­schaft sogleich an den Täter wei­ter­ge­lei­tet wird [7].
Gemes­sen hier­an ist zu bele­gen, dass der als Geschäfts­füh­rer für die GmbH Han­deln­de – neben der GmbH – auch selbst etwas im Sin­ne des § 73 Abs. 1 Satz 1 StGB aus der Tat erlangt hat, zumin­dest soweit nicht fest­ge­stellt ist, dass es sich bei dem Ver­mö­gen der GmbH und dem Pri­vat­ver­mö­gen des Geschäfts­füh­rers um nur vor­geb­lich getrenn­te Ver­mö­gens­mas­sen han­delt.
Allein der Umstand, dass der Han­deln­de Geschäfts­füh­rer und Allein­ge­sell­schaf­ter die­ser Gesell­schaft war und in die­ser Funk­ti­on unmit­tel­ba­re Ver­fü­gungs­ge­walt über die Fahr­zeu­ge und die dafür erhal­te­nen Erlö­se sei­ner Kun­den hat­te, genügt für die Annah­me einer (Mit) Ver­fü­gungs­ge­walt nicht [8].
Zwar hat­te er im vor­lie­gen­den Fall mit­tel­bar durch regel­mä­ßi­ge, übli­chem Umfang ent­spre­chen­de Ent­nah­men und durch eine unter­blie­be­ne Inan­spruch­nah­me aus einer per­sön­li­chen Bürg­schaft von dem Mit­tel­zu­fluss an die GmbH pro­fi­tiert. Die Annah­me einer Mit­ver­fü­gungs­ge­walt über die Mit­tel­zu­flüs­se an das Unter­neh­men recht­fer­tigt dies jedoch nicht: Den Urteils­grün­den lässt sich weder ent­neh­men, in wel­chem genau­en Umfang Ein­nah­men der Gesell­schaft aus den Taten an den Ange­klag­ten wei­ter­ge­lei­tet wur­den [9], noch erge­ben die Fest­stel­lun­gen, dass der Ange­klag­te eine Tren­nung zwi­schen sei­ner eige­nen Ver­mö­gens­sphä­re und der­je­ni­gen der Gesell­schaft fak­tisch nicht vor­nahm.
Auch soweit davon aus­ge­gan­gen wür­de, dass der Gech­äfts­füh­rer durch die Taten einen Vor­teil erlangt habe, weil die aus den Taten her­rüh­ren­den Mit­tel­zu­flüs­se an das Unter­neh­men dazu führ­ten, dass er nicht aus einer per­sön­lich über­nom­me­nen Bürg­schaft zur Siche­rung eines Kon­to­kor­rent­kre­dits der GmbH bei der Spar­kas­se in Anspruch genom­men wor­den ist, ist damit ein unmit­tel­bar aus den Taten her­rüh­ren­der wirt­schaft­li­cher Ver­mö­gens­zu­wachs des Ange­klag­ten nicht belegt. Vor­lie­gend ver­wand­te der Geschäfts­füh­rer die Kauf­preis­zah­lun­gen sei­ner Gebraucht­wa­gen-Kun­den nicht zum Aus­gleich bestehen­der und durch eine per­sön­li­che Bürg­schaft gesi­cher­ter Ver­bind­lich­kei­ten der I. GmbH gegen­über der Spar­kas­se, son­dern über­wie­gend zum Aus­gleich ander­wei­ti­ger Ver­bind­lich­kei­ten gegen­über ande­ren Unter­neh­men.
Im Übri­gen wäre bei einer Ver­fall­ent­schei­dung näher in den Blick zu neh­men, dass Geld, das zur all­ge­mei­nen Schul­den­til­gung ver­wen­det wird, wert­mä­ßig im Ver­mö­gen des Täters oder ver­falls­be­tei­lig­ten Drit­ten eben­so­we­nig ent­hal­ten ist, wie sol­ches, das für ver­brauch­ba­re Sachen aus­ge­ge­ben wur­de [10].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Sep­tem­ber 2016 – 2 StR 352/​15
BGH, Beschluss vom 11.06.2015 – 1 StR 368/​14 30; BGH, Urteil vom 19.01.2012 – 3 StR 343/​11, BGHSt 57, 79, 82 mwN; Fischer, StGB 63. Aufl. § 73 Rn. 11 mwN[↩]
BGH, Urteil vom 21.08.2002 – 1 StR 115/​02, BGHSt 47, 369, 370; BGH, Urteil vom 19.01.2012 – 3 StR 343/​11, BGHSt 57, 79, 82[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 28.11.2000 – 5 StR 371/​00, NStZ 2001, 155, 156 f.[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 11.06.2015 – 1 StR 368/​14, aaO; Urteil vom 30.05.2008 – 1 StR 166/​07, BGHSt 52, 227, 242; Urteil vom 19.10.1999 – 5 StR 336/​99, BGHSt 45, 235, 245; BVerfG, Beschluss vom 03.05.2005 – 2 BvR 1378/​04, NJW 2005, 3630, 3631[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 29.05.2006 – 2 BvR 820/​06, NStZ 2006, 639, 640[↩]
BGH, Urteil vom 30.05.2008 – 1 StR 166/​07, BGHSt 52, 227, 256[↩]
BGH, Urtei­le vom 30.05.2008 – 1 StR 166/​07, BGHSt 52, 227, 256; und vom 29.06.2010 – 1 StR 245/​09, NStZ 2011, 83, 86; BVerfG, Beschluss vom 14.06.2004 – 2 BvR 1136/​03, wis­tra 2004, 378, 382[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 30.05.2008 – 1 StR 166/​07, BGHSt 52, 227, 256 mwN[↩]
vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 23.10.2013 – 5 StR 505/​12, NStZ 2014, 89, 93 Rn. 47, 48[↩]
BGH, Urteil vom 05.04.2000 – 2 StR 500/​99, NStZ 2000, 480, 481; BGH, Urteil vom 09.07.1991 – 1 StR 316/​91, BGHSt 38, 23, 25[↩]
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