Source: http://docplayer.org/172225-Aufgenommen-aber-ausgeschlossen.html
Timestamp: 2016-12-10 20:51:16
Document Index: 132129179

Matched Legal Cases: ['Art. 8', 'Art. 7', 'Art. 35', 'Art. 33', 'Art. 395', 'Art. 395', 'BGE']

⭐Aufgenommen aber ausgeschlossen?
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1 Aufgenommen aber ausgeschlossen? Die vorläufige Aufnahme in der Schweiz Martina Kamm Denise Efionayi-Mäder Anna Neubauer Phillippe Wanner Fabienne Zannol unter Mitarbeit von Annika Fauck Eine Studie des Schweizerischen Forums für Migrations- und Bevölkerungsstudien (SFM) im Auftrag der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) September 20032 Martina Kamm, Denise Efionayi-Mäder, Anna Neubauer, Philippe Wanner, Fabienne Zannol unter Mitarbeit von Annika Fauck Aufgenommen, aber ausgeschlossen? Die vorläufige Aufnahme in der Schweiz Eine Studie des Schweizerischen Forums für Migrationsund Bevölkerungsstudien (SFM) im Auftrag der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) Bern, September 20033 Aufgenommen, aber ausgeschlossen? Die vorläufige Aufnahme in der Schweiz Martina Kamm, Denise Efionayi-Mäder, Anna Neubauer, Philippe Wanner, Fabienne Zannol unter Mitarbeit von Annika Fauck Eine Studie des Schweizerischen Forums für Migrations- und Bevölkerungsstudien (SFM) im Auftrag der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) EKR/CFR 2003 Herausgeber Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) GS EDI, 3003 Bern Koordination: Doris Angst Yilmaz Grafische Gestaltung Übersetzungen Internetversion Monique Kummer, Unterägeri Marie-Claude Arneberg, Anna Neubauer (Français) Lorenzo Lafranchi, Adriano Bazzocco, Tiziano Giabardo (Italiano) Stephen Frost, Corinne Dill, Kenneth MacKenzie (English) Bestellung eines ausgedruckten Exemplars (broschiert) Sekretariat EKR, GS-EDI, 3003 Bern Tel ; Fax Preis Vollständige Studie (150 Seiten): CHF 10. Kurzfassung (16 Seiten): CHF 5. 24 Inhaltsverzeichnis Vorwort... 5 Kurzfassung... 7 Einleitung Teil I Grundlagen Kontext der vorläufigen Aufnahme Ursprung und Rechtsstellung Neuere Entwicklungen Menschenrechtliche Aspekte Rechtsgrundlagen Einleitung Überblick über die Bewilligungstypen für Personen aus dem Asylbereich Erteilung, Aufhebung und Umwandlung der vorläufigen Aufnahme Modalitäten der vorläufigen Aufnahme Institutionelle Zuständigkeiten und Umsetzung Sozialhilfe Zugang zum Arbeitsmarkt Schul- und Berufsbildung Statistische Angaben über den Personenkreis Sozio-demographische Merkmale Erwerbstätigkeit Teil II Fallstudien Die vorläufige Aufnahme im Kanton Zürich Anordnung, Aufhebung und Umwandlung Unterbringung und Sozialhilfe Arbeitsmarkt Schul- und Berufsbildung Beratung und Betreuung L admission provisoire dans le canton de Vaud Octroi, levée et transformation de l admission provisoire Prise en charge sociale Marché du travail Formation scolaire et professionnelle Consultations juridiques5 7. Die vorläufige Aufnahme im Kanton St.Gallen Anordnung, Aufhebung und Umwandlung Unterbringung, Sozialhilfe, medizinische Versorgung Arbeitsmarkt Schul- und Berufsbildung Rechtsberatung und Betreuung Teil III Spannungsfelder Die vorläufige Aufnahme in Theorie und Praxis Ambivalenz der vorläufigen Aufnahme Unklare Zuständigkeiten und Informationsmangel Umstrittenes Dauerprovisorium Paradox Integration Familiennachzug Ausbildung Zugang zum Arbeitsmarkt Unterbringung Medizinische Versorgung Interkulturelle Mediation und Dolmetschen Umwandlung in eine Aufenthaltsbewilligung B Die vorläufige Aufnahme aus Sicht der Betroffenen «Wir sind hier wie in einem grossen Gefängnis» Hilfe zur Selbsthilfe Rückzug und Devianz Spezifische Personengruppen Vorläufig aufgenommene Flüchtlinge Menschen schwarzer Hautfarbe Schlussfolgerungen Reflexionen zur Reform der vorläufigen Aufnahme Bibliographie Anhang I Methode Anhang II Befragte Stellen Anhang III Abkürzungsverzeichnis6 Vorwort Bereits vor einiger Zeit haben Private und Nichtregierungsorganisationen das Problem der vorläufigen Aufnahme (Aufenthaltsstatus F) an die EKR herangetragen dies mit der Bitte, aufscheinende «Ungerechtigkeiten», Härten und bestehende Vorurteile in der Gesellschaft gegenüber Menschen mit diesem Status zu bekämpfen. Die EKR nimmt solche Anliegen und Hinweise ernst. Allerdings gehören Fragen, die sich allgemein auf das Ausländerrecht beziehen, nicht zu ihrem Aufgabenbereich. Die EKR ist jedoch beauftragt, Bereiche auszuleuchten, in denen institutionelle Benachteiligung besteht und gesellschaftliche Ausgrenzung gegenüber Menschen anderer Herkunft stattfindet. Es ist ihre Aufgabe, die Mechanismen darzustellen, die sich daraus zu Ungunsten einer gewissen Gruppe ergeben. Insbesondere ist es ihr ein Anliegen, die politische Aufmerksamkeit auf eine Bevölkerungsgruppe von rund Menschen mit einer vorläufigen Aufnahme (Status F) zu lenken, die unter Ausschluss der Wahrnehmung der Bevölkerung in äusserst schwierigen Verhältnissen in unserem Land leben. Die soziologische Studie des Schweizerischen Forums für Migrations- und Bevölkerungsstudien SFM (AutorInnen Kamm, Efionayi-Mäder, Neubauer, Wanner, Zannol) untersucht die Lebenssituation von Menschen mit vorläufiger Aufnahme; sie tut dies im Generellen und am Beispiel von drei Kantonen im Konkreten. Sie zeigt auf, dass die Einschränkungen, denen diese Menschen unterworfen sind, eine Reihe nicht beabsichtigter, bisher aber hingenommener Benachteiligungen nach sich ziehen. Diese bewirken auf längere Zeit einen tiefgreifenden Ausschluss aus der Gesellschaft und verunmöglichen ein normales Familienleben. Diese Studie wurde mit Unterstützung der Eidg. Ausländerkommission (EKA) und der Eidg. Kommission für Flüchtlingsfragen (EKF) erstellt. Das juristische Gutachten von Regina Kiener und Andreas Rieder, Universitäten Bern und Freiburg, kommt zum Schluss, dass vorläufig Aufgenommene als eine über ihren Aufenthaltsstatus definierte Gruppe nicht zu den vom Diskriminierungsverbot (Art. 8 Abs. 2 BV) geschützten Gruppen gehören. Die grundrechtsrelevanten Einschränkungen im Bereich des Familienlebens, der Arbeit, der Sozialhilfe und der Integration, denen Menschen mit Status F unterworfen sind, lassen sich zwar für eine kurze Dauer rechtfertigen. Bleiben sie aber über einen längeren Zeitraum wirksam, kann dies die ebenfalls in der Bundesverfassung (Art. 7 BV) verankerte grundrechtliche Garantie der Menschenwürde tangieren. Nach Art. 35 BV sind die Behörden verpflichtet, auf allen Ebenen die Grundrechte zu verwirklichen. Was möchte die EKR mit diesen beiden Studien bewirken? Sie stellt sie der öffentlichen Debatte zur Verfügung, insbesondere dem Parlament, das in nächster Zeit über die Asylgesetzrevision berät. Die EKR möchte die Bemühungen des Gesetzgebers unterstützen, den Status der vorläufigen Aufnahme zu verbessern, den Betroffenen echte Integrationsmöglichkeiten zu bieten und damit auch ihnen ein menschenwürdiges Dasein in unserer Gesellschaft zu ermöglichen. Mit Befriedigung hat die EKR davon Kenntnis genommen, dass mit einer neuen Integrationsverordnung (VIntA) zukünftig auch Menschen mit Aufenthalt F in den Genuss von Integrationsmassnahmen kommen sollen. Damit wäre ein Postulat erfüllt, welches sich aus der hier präsentierten Forschung ergibt. Georg Kreis Präsident der Eidg. Kommission gegen Rassismus EKR 57 Terminologie Um Missverständnisse hinsichtlich des Sprachgebrauchs zu vermeiden, soll vorab die Verwendung der folgenden Begriffe geklärt werden: Von Personen aus dem Asylbereich ist dann die Rede, wenn es sich sowohl um anerkannte Flüchtlinge als auch um AsylbewerberInnen oder vorläufig aufgenommene Personen handelt. Der Begriff wird jeweils in Abgrenzung zu Personen aus dem Ausländerbereich verwendet. Mit Asylsuchenden sind sowohl AsylbewerberInnen als auch vorläufig aufgenommene Personen gemeint. Als AsylbewerberInnen werden immer Personen mit Bewilligungstypus N einschliesslich abgewiesene AsylbewerberInnen, als vorläufig aufgenommene Personen solche mit Bewilligungstypus F bezeichnet. Wenn nicht anders im Text vermerkt, wird unter vorläufig aufgenommenen Personen in der Regel die grösste Gruppe, nämlich diejenige der vorläufig aufgenommenen AusländerInnen mit einem abgeschlossenen Asylverfahren verstanden. Vorläufig aufgenommene Flüchtlinge hingegen, die einen Spezialfall der vorläufigen Aufnahme bilden, werden im Text hervorgehoben, wenn es sich um spezifische Modalitäten ihrer Aufenthaltssituation in der Schweiz handelt. Dies gilt ebenso für vorläufig aufgenommene AusländerInnen, die nie ein Asylverfahren durchlaufen haben, aus dem Ausländerbereich stammen und ebenfalls eine vorläufige Aufnahme erhalten können. Ein Abkürzungsverzeichnis findet sich im Anhang. Dank Der vorliegende Bericht basiert zu einem wesentlichen Teil auf Daten und Hintergrundinformationen aus persönlichen oder telefonischen Gesprächen mit BeamtInnen, VertreterInnen von NGOs, Fachpersonen aus dem Asylbereich sowie Betroffenen selbst. Einige der Befragten haben eigens für die vorliegende Fragestellung zusätzliche Nachforschungen angestellt oder aufwändige Überprüfungen eingeleitet. Andere haben sich die Mühe genommen, Teile des Berichts sowie die kantonalen Fallstudien gegenzulesen und zu kommentieren. Ihnen allen sei an dieser Stelle für die meist kurzfristige und zeitraubende Beteiligung an unserem Projekt herzlich gedankt. Unsere besondere Anerkennung gebührt den Betroffenen, die den Mut hatten, über ihre Aufenthaltssituation mit einer vorläufigen Aufnahme zu berichten. Andererseits haben uns die Asyl- Organisation Zürich (AOZ), das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH), der Service d aide juridique aux exilés (SAJE) respektive der Service de la population du canton de Vaud sowie das kantonale Sozialamt St.Gallen kompetente Rückmeldungen zu Teilen des Berichts gegeben. Für ihre Bemühungen möchten wir uns mit Nachdruck bedanken. Eine Liste mit den befragten Fachstellen findet sich im Anhang des Berichts. Aufgrund des umstrittenen Themas haben uns mehrere GesprächspartnerInnen gebeten, nicht namentlich erwähnt zu werden. Wir haben daher auf eine Namensnennung in der Dankesliste verzichtet. Ganz herzlich bedanken möchten wir uns schliesslich bei Doris Angst und Jürg Schertenleib, die einen ersten Draft des ganzen Texts kritisch gegen gelesen haben, sowie bei Janine Dahinden, die uns wichtige Rückmeldungen zu einzelnen Textstellen gegeben hat. Für das Forschungsteam: Denise Efionayi-Mäder und Martina Kamm Lese-Empfehlung Da gewisse Kapitel Wiederholungen enthalten, können sie durchaus einzeln gelesen werden. Eiligen LeserInnen, welche sich in Kürze eine Übersicht über die zentralen Ergebnisse verschaffen möchten, empfehlen wir als Lektüre die Kurzfassung, das Kapitel 1 zum Kontext der vorläufigen Aufnahme, die Hauptergebnisse in Teil III des Berichts (Spannungsfelder) sowie die Schlussfolgerungen und Reflexionen. Juristisch Interessierte seien auf die Rechtsgrundlagen verwiesen, kantonale Stellen auf die Fallstudien. Die kantonalen Fallstudien können unabhängig voneinander gelesen werden. Das Kapitel zum Kanton Waadt ist auf Französisch verfasst. 68 Kurzfassung Ausgangslage Die vorläufige Aufnahme ist eine Ersatzmassnahme für eine nicht durchführbare Wegweisung von ausländischen Staatsangehörigen aus der Schweiz. Sie erhalten eine Bewilligung F, wenn die Wegweisung in ihr Herkunftsland aus völkerrechtlichen, humanitären oder technischen Gründen nicht durchführbar ist. Gegenwärtig leben etwa Personen mit vorläufiger Aufnahme in der Schweiz. Ihr provisorischer Aufenthalt begründet für die Dauer der Anwesenheit Beschränkungen beim Familiennachzug, bei der Sozialhilfe, den Integrationsleistungen oder der Mobilität. Deutlich eingegrenzt wird ebenfalls der Zugang zum Arbeitsmarkt und zur Bildung. Diese Ausgangslage wirft vor allem bei länger dauerndem Aufenthalt zahlreiche Fragen auf und konfrontiert Behörden, Fachstellen sowie Betroffene mit etlichen Schwierigkeiten, die sich aus dem engmaschigen administrativen Regelwerk der vorläufigen Aufnahme ergeben. Verschiedentliche Hinweise auf diese Problematik veranlassten die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) im Sommer 2002, das Schweizerische Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien (SFM) mit einer sozialwissenschaftlichen Studie zu beauftragen. Das Ziel bestand darin, eine Situationsanalyse der vorläufigen Aufnahme vorzunehmen und deren spezifische Modalitäten im Einzelnen zu untersuchen. Die Forschungsresultate werden im vorliegenden Bericht präsentiert und bilden die erste systematische Bestandesaufnahme der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz. Parallel dazu wurde ein juristisches Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Aufgabe es war, die verfassungs- und grundrechtliche Abstützung der vorläufigen Aufnahme zu prüfen. Vorgehen Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung beruhen auf insgesamt 48 qualitativen Interviews mit FachexpertInnen des Bundes, kantonaler Behörden, nicht-staatlicher Stellen sowie mit vorläufig aufgenommenen Personen selbst. Der Erhebung vorangestellt wurde eine Beschreibung der rechtlichen Grundlagen, die verdeutlicht, dass die vorläufige Aufnahme ein juristisch komplexes Gebilde ist. Die Aufenthaltsmodalitäten wurden anhand dreier Fallstudien in den Kantonen St.Gallen, Waadt und Zürich untersucht. Der Auswahl der Kantone lag die Absicht zugrunde, ein möglichst breites Spektrum von behördlichen Verwaltungsmechanismen zu erfassen. Während zum Beispiel der Kanton St.Gallen als mittelgrosser Kanton bei der Unterbringung und Sozialhilfe eine ausgeprägte Gemeindeautonomie praktiziert, existiert im Kanton Zürich als bevölkerungsstärkstem Kanton der Schweiz ein halbzentriertes Betreuungs- und Unterbringungsmodell. Demgegenüber hat der Kanton Waadt diese beiden Aufgabenbereiche stark zentralisiert. Was ist eine vorläufige Aufnahme? Die vorläufige Aufnahme wurde einer breiten Öffentlichkeit Anfang der 90er Jahre mit der kollektiven Aufnahme von Flüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien bekannt. Den Flüchtlingen wurde in der Schweiz ein zeitlich begrenzter Schutz für die Dauer des kriegerischen Konflikts im Herkunftsland gewährt. Mittlerweile bestehen vier Erteilungsgründe: 79 Die vorläufige Aufnahme wird in erster Linie an abgewiesene Asylbewerber- Innen erteilt, denen eine Rückreise nicht zugemutet werden kann, weil es die Lage im Herkunftsland nicht erlaubt (Gewaltsituation, Gefährdung bestimmter Gruppen oder Personen usw.). Auch ein Patient, dessen Gesundheit bei einer Wegweisung infolge fehlender Behandlungsmöglichkeiten im Herkunftsland gefährdet wäre, kann eine F-Bewilligung erhalten. Gegenwärtig gehören rund zwei Drittel aller vorläufig Aufgenommenen dieser Kategorie an. An zweiter Stelle stehen abgewiesene AsylbewerberInnen, bei denen infolge ihrer langen Anwesenheit und Integration in der Schweiz eine Wegweisung eine schwerwiegende persönliche Notlage zur Folge hätte. Diese Gruppe stellt gut ein Fünftel des Personenkreises. Eine anteilmässig kleine Gruppe bilden vorläufig Aufgenommene, bei denen eine Wegweisung über längere Zeit hinweg technisch unmöglich ist, ohne dass sie dafür verantwortlich wären beispielsweise, wenn ein Land bei der Rückübernahme seiner Staatsangehörigen nicht kooperiert, oder wenn keine Flüge vorhanden sind (7 % aller vorläufig Aufgenommenen). Noch seltener sind Fälle, in denen eine Wegweisung aus völkerrechtlichen Gründen unzulässig ist, da die Schutzsuchenden im Falle einer Rückkehr mit Verfolgung, Folter oder anderer unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung zu rechnen hätten. Ihr Anteil beläuft sich auf 3 % aller vorläufig Aufgenommenen, wobei es sich mehrheitlich um anerkannte Flüchtlinge ohne Asyl handelt. 1 Damit erfüllt die vorläufige Aufnahme sozusagen drei unterschiedliche Funktionen, die es auseinander zu halten gilt: Erstens die des subsidiären Schutzes (bei Unzumutbarkeit und Unzulässigkeit der Wegweisung) unabhängig und ergänzend zum Asylstatus. 2 Zweitens übernimmt sie die Funktion einer längerfristig angelegten humanitären Regelung (persönliche Notlage), deren Gründe in der Integration und den Lebensumständen der Betreffenden in der Schweiz liegen. Drittens und weit seltener kommt der vorläufigen Aufnahme die Aufgabe einer vorübergehenden Aufenthaltsregelung bei technisch unmöglicher Wegweisung zu. Diese ist nicht zu verwechseln mit der Situation abgewiesener AsylbewerberInnen, deren Wegweisungsvollzug manchmal während längerer Zeit hängig ist, weil sie beim Verfahren zum Beispiel nicht kooperieren. 3 In der Regel wird eine F- Bewilligung erst nach gründlicher Abklärung von Seiten der Behörden sowie längerem Aufenthalt in der Schweiz verfügt. Die Voraussetzungen für die Erteilung sind strikt, weshalb straffällige AsylbewerberInnen oder solche, die bei der Beschaffung ihrer Papiere nicht kooperieren, davon ausgenommen bleiben. 1 Im Gegensatz zu anerkannten Flüchtlingen mit Asyl, erfüllen Flüchtlinge ohne Asyl zwar die Flüchtlingseigenschaft, ihnen wird aber aus spezifischen Gründen (sogenannte Asylausschlussgründe oder subjektive Nachfluchtgründe) kein Asyl erteilt und sie erhalten stattdessen die vorläufige Aufnahme. 2 Um ein Beispiel zu nennen, wo die subsidiäre Schutzwürdigkeit einer Person anerkannt, aber kein Asylstatus erteilt wird, sei auf den Fall einer Frau verwiesen, die in ihrem Land wegen Ehebruch den Tod durch Steinigung riskiert. Es handelt sich dabei um eine private und nicht um eine staatliche Verfolgung, die jedoch in der Schweiz Voraussetzung für den Asylstatus wäre. 3 Diese erhalten keine vorläufige Aufnahme. Am betrug die Zahl abgewiesener Asylsuchender mit hängigem Wegweisungsvollzug oder hängiger Aufenthaltsregelung Personen (Quelle BFF). 810 Mangelnder Bekanntheitsgrad Die unterschiedlichen Voraussetzungen, die zur Erteilung einer vorläufigen Aufnahme führen, stiften regelmässig Verwirrung. Hinzu gesellt sich der mangelnde Bekanntheitsgrad der F-Bewilligung, der sich am Un- oder Halbwissen über ihre Hintergründe und Rechtsstellung selbst bei Personen zeigt, welche im Asylbereich tätig sind. Wie den Aussagen der InterviewpartnerInnen zu entnehmen war, tendiert eine verbreitete Wahrnehmung dahin, die vorläufige Aufnahme sozusagen auf ihren kleinsten gemeinsamen Nenner zu reduzieren. Dieser bezieht sich weniger auf das komplizierte Konzept der subsidiären Schutzwürdigkeit oder der humanitären Regelung, als auf das Provisorium des Aufenthalts, das an die Stelle einer angeordneten Wegweisung getreten ist. Unterstrichen wird die Wahrnehmung durch die Bezeichnung «vorläufig» und den juristischen Begriff «Ersatzmassnahme». Unter diesem Gesichtspunkt ist die vorläufige Aufnahme insofern negativ konnotiert, als die betreffende Person eben kein Asyl erhalten hat und sich nun vermeintlich unberechtigterweise, im besten Fall aber vorübergehend in der Schweiz aufhält. Hieraus wird fälschlicherweise geschlossen, vorläufig aufgenommene Personen würden entgegen geltendem Recht geduldet. Verkannt wird, dass jemand durchaus ein Recht auf Schutz haben kann, selbst wenn er oder sie nicht alle Kriterien für die Gewährung des Asyls erfüllt. Politische Diskurse, welche die vorläufige Aufnahme pauschal mit «Asylrechtsmissbrauch» in Verbindung bringen, machen solche Interpretationen besonders deutlich. Es erstaunt daher kaum, dass die Situation der vorläufig Aufgenommenen in den Interviews praktisch ausschliesslich nach «unten», sprich mit der Lage von AsylbewerberInnen (N- Ausweis) oder Sans-Papiers verglichen wird, deren Aufenthaltssituation noch prekärer ist als die der vorläufig Aufgenommenen. Wie die vorläufige Aufnahme in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, ist insofern von Bedeutung, als die Wahrnehmung für die Betreffenden direkte Folgen haben kann, wenn sie mit Behörden, potentiellen Arbeitgebern, LehrmeisterInnen, Betreuern, NachbarInnen, Vermietern usw. in Kontakt treten. Individuelle Einstellungen spielen gerade dann eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, eine Wohnung oder Arbeit zu finden, eine Ausbildung zu absolvieren, eine Subvention einzufordern oder einfach ein Bankkonto zu eröffnen. Merkmale des Personenkreises Mit etwa Personen entspricht die Anzahl vorläufig Aufgenommener heute ungefähr einem Viertel aller Personen aus dem Asylbereich ( Personen). 4 Sie ist gleich hoch wie die Zahl der anerkannten Flüchtlinge (26 000), etwas tiefer als die der AsylbewerberInnen mit N-Ausweis (28 000) und doppelt so hoch wie die Zahl der abgewiesenen AsylbewerberInnen mit hängigem Vollzug (13 000). Zu den wichtigsten Herkunftsgruppen mit F-Ausweis gehören Menschen aus der heutigen Bundesrepublik, Jugoslawien sowie aus Sri Lanka (je ca. 30 %), gefolgt von Menschen aus Somalia (13 %) und Bos- 4 Unter «Personen aus dem Asylbereich» fallen in Abgrenzung zu «Personen aus dem Ausländer-bereich» sowohl Personen mit N- und F-Ausweis als auch anerkannte Flüchtlinge. Den Begriff «Asyl-suchende» verwenden wir als Oberbegriff sowohl für vorläufig aufgenommene Personen (mit F-Ausweis) als auch für AsylbewerberInnen (mit N-Ausweis). 911 nien-herzegovina (8 %). Auffallend ist mit 45 % der hohe Anteil an Kindern und Jugendlichen am Gesamttotal. Was die Aufenthaltsdauer anbelangt, so leben rund 60 % aller vorläufig Aufgenommenen seit mehr als 5 Jahren in der Schweiz, weitere 21 % seit mehr als zehn Jahren. Bei den Sri Lanki macht der Anteil der länger als zehn Jahre anwesenden vorläufig aufgenommenen Erwachsenen sogar mehr als die Hälfte aus (53 %) zwei Drittel von ihnen sind erwerbstätig. Aufenthaltsbeschränkungen Die Rechtsstellung von vorläufig Aufgenommenen zeichnet sich wie diejenige von AsylbewerberInnen (mit N-Ausweis) durch verschiedene sozial-, arbeits- und andere aufenthaltsrechtliche Beschränkungen aus. Diese sind, wie die Untersuchung nachweist, in der Praxis für beide Personengruppen mehrheitlich identisch. Eine Ausnahme bildet der leichte Vorteil beim Zugang zum Arbeitsmarkt für vorläufig Aufgenommene gegenüber AsylbewerberInnen in gewissen Kantonen. Eine eindeutige Besserstellung der Aufenthaltssituation tritt hingegen erst mit Erhalt einer humanitären Aufenthaltsbewilligung B ein. Die wichtigsten Beschränkungen umfassen: Familiennachzug: Familienangehörige oder PartnerInnen von vorläufig Aufgenommenen dürfen in der Regel erst in die Schweiz nachreisen, sobald letztere eine Aufenthaltsbewilligung B erhalten haben. Zugang zum Arbeitsmarkt: Der Inländervorrang schreibt bei einer freien Stelle die bevorzugte Einstellung von inländischen Arbeitskräften (Personen mit einer Aufenthaltsbewilligung) sowie EU-EFTA Angehörigen vor. Die Branchenregelung erlaubt Asylsuchenden in einzelnen Kantonen nur eine Arbeit in Branchen wie beispielsweise der Landwirtschaft, dem Gastgewerbe, der Industrie oder dem Reinigungswesen. Zugang zur nachobligatorischen Bildung: Nach der obligatorischen Schulpflicht unterliegen vorläufig Aufgenommene Beschränkungen beim Zugang zu Berufsund Weiterbildungen, zu Brückenangeboten sowie beim Antritt von Lehrstellen. Sozialhilfe: Die Sozialhilfeleistungen sind für Asylsuchende in der Regel um % niedriger als für InländerInnen. Während die monatlichen Grundleistungen (exklusive Unterkunft und Gesundheit) für Einzelpersonen in der ansässigen Bevölkerung bei CHF 1030 liegen, 5 erhalten Asylsuchende monatlich einen Betrag zwischen CHF Erklärt wird die Sonderregelung mit der mutmasslichen Kürze des Aufenthalts und der Tatsache, dass keine Integration bezweckt wird. Integrationsleistungen: Integrationsmassnahmen sind für Personen mit einer F- Bewilligung nicht vorgesehen. Nur AusländerInnen mit einer dauerhaften Auf- 5 Dieser Betrag entspricht den SKOS-Richtlinien: «Der Grundbedarf I für den Lebensunterhalt entspricht dem Minimum, das zu einer auf die Dauer angelegten menschenwürdigen Existenz in der Schweiz nötig ist und darf deshalb nur in begründeten Ausnahmefällen und zeitlich befristet unterschritten werden.» (Richtlinien für die Ausgestaltung und Bemessung der Sozialhilfe, 12/02; B- 2-5). Hervorhebung d.v.. 1012 enthalts- oder Niederlassungsbewilligung kommen in den Genuss von Integrationsleistungen. Mobilität: Im Allgemeinen können vorläufig Aufgenommene den ihnen zugewiesenen Kanton nicht wechseln. Sie unterliegen für die Dauer ihres Aufenthalts einem Reiseverbot ins Ausland und dürfen ihre Angehörigen nur in Ausnahmefällen besuchen. Die F-Bewilligung wird jeweils für die Dauer von zwölf Monaten erteilt und verlängert, wobei eine Wegweisung jederzeit möglich ist. Die damit einhergehende Ungewissheit sorgt bei den Betreffenden teils für enormen Stress, obwohl oder gerade weil sie sich in den meisten Fällen jahrelang in der Schweiz aufhalten und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hier bleiben werden. Die starke Belastung manifestiert sich wiederholt in reaktiven Depressionen, die eine direkte Folge der beschnittenen Lebensperspektiven sowie der Angst vor einer Wegweisung sind. Bei kriegstraumatisierten Menschen kommt es aufgrund der unsicheren Aufenthaltssituation immer wieder zu Retraumatisierungen. Integrationsparadox Die Umwandlung der vorläufigen Aufnahme in eine humanitäre Aufenthaltsbewilligung B liegt im Ermessen der Kantone und setzt beim Massstab der Integration an: Je besser eine Einzelperson oder eine Familie nach längerem Aufenthalt in die hiesige Aufnahmegesellschaft integriert ist, desto grösser sind ihre Chancen, eine Aufenthaltsbewilligung zu erlangen. Zu den für eine Umwandlung ausschlaggebenden Kriterien gehören Anwesenheitsdauer, schulische und soziale Integration sowie Fürsorgeunabhängigkeit und Erwerbstätigkeit. Da aber die Integration von Personen aus dem Asylbereich gerade kein Ziel ihres vorübergehenden Aufenthalts in der Schweiz ist, ergibt sich hieraus das, was als eigentliches Integrationsparadox bezeichnet werden kann. Die Anwesenheitsdauer zählt mit zu den wichtigsten Umwandlungskriterien, weshalb eine Familie mindestens vier Jahre in der Schweiz leben und die Kinder eingeschult sein sollten, bevor eine Umwandlung infrage kommt. Für Einzelpersonen bewegt sich die Mindestaufenthaltsdauer in der Schweiz bei 9 Jahren. Die Kantone entscheiden unterschiedlich, ob und wann sie Umwandlungsgesuchen stattgeben und diese an das Bundesamt für Zuwanderung, Integration und Auswanderung (IMES, vormals BFA) weiterleiten. So verlangt zum Beispiel der Kanton Zürich für Familien ab Einreichung des Asylgesuchs eine Mindestanwesenheitsdauer von 8 (statt 4) Jahren, und je nach Kanton variieren die Zeithorizonte für Einzelpersonen zwischen 8, 9, 10 oder mehr Jahren. Was die Voraussetzung der schulischen und sozialen Integration betrifft, so wird diese in erster Linie beschnitten durch die mit dem Provisorium einhergehende berufliche und soziale Perspektivenlosigkeit, den beschränkten Zugang zu Lehrstellen, Aus- und Weiterbildung, die eingeschränkte Mobilität sowie die mangelnde Unterstützung, die ein familiäres Umfeld bieten könnte, wenn die Möglichkeit zum Familiennachzug bestünde. Erschwerend kommt hinzu, dass es für vorläufig Aufgenommene ausgesprochen schwierig ist, eine Wohnung zu finden. In Zeiten eines vielerorts angespannten Wohnungsmarkts wirkt sich eine provisorische Aufenthaltsbewilligung für die Betreffenden äusserst nachteilig aus. Während Vermieter an MieterInnen mit einem gesicherten Aufenthaltsverhältnis interessiert sind, vermittelt die vorläufige Bewilligung F den Eindruck des Provisoriums und der Prekarität. 1113 In Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit belegt die Studie, dass der Zugang zum Arbeitsmarkt für vorläufig Aufgenommene relativ gut erschlossen ist. 6 Trotzdem liegen in den Beschränkungen auf Mangelberufe sowie im geltenden Inländervorrang klare Einschränkungen mit Auswirkungen auf den Integrationsverlauf der Betroffenen. Das führt unter anderem dazu, dass die Erwerbsquote unter vorläufig Aufgenommenen mit 49 % niedriger ist als diejenige der InländerInnen im Erwerbsalter mit 66 %. Dies hängt nicht nur mit den administrativen Hürden, sondern auch mit der Arbeitsmarktsituation und den fachlichen Kompetenzen der Betreffenden zusammen. Der Inländervorrang und die Beschränkung auf Mangelberufe erweisen sich für zwei Personengruppen als besonders hinderlich: Einerseits haben gut qualifizierte Menschen nicht die Möglichkeit, ihre Kompetenzen gewinnbringend in den Arbeitsmarkt einzubringen. Andererseits ist ein Teil der vorläufig Aufgenommenen aufgrund traumatischer Erlebnisse im Herkunftsland körperlich und psychisch nicht in der Verfassung, unter den herrschenden Arbeitsbedingungen in Branchen wie dem Gastgewerbe oder der Industrie zu arbeiten. Befragte Fachpersonen sind sich weitgehend darin einig, dass die Einschränkungen auf dem Arbeitsmarkt, einschliesslich Mobilitätsschranken innerhalb der Schweiz, für vorläufig aufgenommene Personen aufgehoben werden müssten, damit gerade auch junge Menschen, welche längerfristig hier bleiben, schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Das Umwandlungskriterium der Fürsorgeunabhängigkeit wird dadurch erschwert, dass vorläufig Aufgenommene tendenziell in Billiglohnbranchen arbeiten. Besonders für Familien bedeuten niedrige Löhne abzüglich der Sicherheits-Abgaben von 10 % eine prekäre Situation, die oftmals mit zusätzlichen Sozialhilfeleistungen kompensiert werden muss.7 Sehr prekäre materielle (tiefe Löhne, reduzierte Sozialhilfe) und soziale Lebensbedingungen (schwierige Wohnsituation, fehlende berufliche Perspektiven, Belastungsstörungen), die während einer Überbrückungsphase akzeptabel sein mögen, bergen auf Dauer ein ernsthaftes Verschuldungs- und Armutsrisiko mit Langzeitfolgen in sich. Sie tragen dazu bei, dass die gesellschaftliche Integration der Betreffenden erschwert wird. Damit schwinden im Falle der vorläufig Aufgenommenen auch die Chancen auf Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung B, die beim Massstab der Integration ansetzt. Die Tatsache, dass die Integration kein Ziel der vorläufigen Aufnahme ist, zugleich aber von Anfang an erwartet wird obwohl eine gelungene Integration erst mit Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung B erfolgen kann wird von den befragten ExpertInnen als «Nicht-Integrations-Teufelskreis» bezeichnet. Wie schwierig es für vorläufig Aufgenommene tatsächlich ist, eine Aufenthaltsbewilligung B zu erhalten, belegen einerseits die oben genannten Zahlen zur Aufenthaltsdauer. Andererseits sehen sich einzelne Kantone dazu veranlasst, gewisse Integrationskriterien 6 Während die Erwerbsquote von AsylbewerberInnen bei 22 % liegt, ist sie bei vorläufig Aufgenommenen mit 49 % doppelt so hoch. 7 Asylsuchende müssen für entstandene Fürsorge-, Ausreise- und Vollzugskosten Sicherheit leisten. Erwerbstätigen Asylsuchenden wird daher vom Lohn direkt 10 % abgezogen und auf ein Sicherheitskonto überwiesen. 1214 als weiche Kriterien einzustufen und flexibel zu handhaben im Wissen darum, dass die Erfüllung aller Integrationsvoraussetzungen für die AntragstellerInnen unter den gegebenen Voraussetzungen praktisch unmöglich ist. Kinder und Jugendliche Vorläufig Aufgenommene sind in mehrfacher Hinsicht auf den Goodwill und die Bereitschaft von Einzelpersonen angewiesen, wenn es darum geht, ihnen bei der Suche nach einer Lehrstelle, einem Arbeitsplatz, Deutschunterricht, Beratung, Unterkunft oder nachbarschaftlicher Unterstützung behilflich zu sein. Das gilt besonders für Kinder und Jugendliche, die rund 45 % der vorläufig aufgenommenen Personen ausmachen. Ende 2001 waren 18 % der vorläufig Aufgenommenen Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren, die einen Grossteil ihres Lebens in der Schweiz verbracht hatten. Jugendliche, die sich mitten in ihrer Persönlichkeitsentwicklung befinden, tangiert die Integrationsproblematik in besonderem Mass. Sie steht in direktem Zusammenhang mit den Aufenthaltsbeschränkungen, die den Jugendlichen durch die F-Bewilligung auferlegt werden: Die Restriktionen erschweren es ihnen, einen Platz in einer Gesellschaft zu finden, die Gütern wie Bildung, Beruf und Reisen einen hohen Wert beimisst, von denen sie aber klar ausgeschlossen bleiben. Zudem gibt die Diskrepanz zwischen formellem und faktischem Zugang zu Lehr- und Arbeitsstellen immer wieder Anlass zu widersprüchlichen Informationen. Wie schwierig es für vorläufig aufgenommene Jugendliche zum Beispiel ist, eine Lehrstelle zu finden, belegt die Tatsache, dass das Bundesamt für Statistik (BFS) im Jahr 2001 in der Schweiz 230 Lehrlinge und PraktikantInnen unter den vorläufig aufgenommenen Jugendlichen verzeichnete. Das entspricht 5.4 % aller vorläufig aufgenommenen Jugendlichen im Alter zwischen Jahren (4 270). Nebst beruflichen Restriktionen ist die reduzierte Sozialhilfe für Jugendliche, die in der Schweiz aufgewachsen sind und in ständigem Kontakt zu anderen jungen Menschen stehen, problematisch. In der Adoleszenz ist es üblich, sich und seine Lebenssituation mit derjenigen von Gleichaltrigen zu vergleichen. Zahlreiche Betreuungspersonen verwiesen daher auf Probleme bei Jugendlichen, die sie in einen direkten Zusammenhang mit der vorläufigen Aufnahme brachten. Während die provisorische Aufenthaltssituation bei Erwachsenen in erster Linie Depressionen oder inneren Rückzug hervorruft, äussert sich die Perspektivenlosigkeit bei Jugendlichen eher in Form von Auflehnung oder abweichendem Verhalten in der Öffentlichkeit. Daneben werden vielfältige Ressourcen mobilisiert, und Herkunftsgemeinschaften spielen bei der Suche nach kollektiven Bewältigungsstrategien eine wichtige Rolle. So hat sich zum Beispiel die somalische Gemeinschaft (fast alle SomalierInnen haben einen F-Status erhalten) in den vergangenen Jahren mehrfach mit eigenen Forderungen an Presse und Öffentlichkeit gewandt, um auf ihre Aufenthaltssituation in der Schweiz aufmerksam zu machen. Behördliche Spannungsfelder Die Fallstudien illustrieren, dass in Verbindung mit der vorläufigen Aufnahme massgebliche behördliche Spannungsfelder zwischen verschiedenen Verwaltungsebenen (Bund, Kantone, Gemeinden) sowie kantonalen Politikbereichen bestehen. Das hängt damit zusammen, dass kantonale Migrationsämter und Arbeitsmarktbehörden nicht dieselben Interessen vertreten und mit anderen Problemen konfrontiert werden als Sozialbehörden oder das Bildungswesen. Während Fremdenpolizei und Arbeitsmarktbehörden dahin ten- 1315 dieren, die Beschränkungsmöglichkeiten, die mit der F-Bewilligung einhergehen, auszuschöpfen, um den einheimischen Arbeitsmarkt zu schützen oder dissuasive Signale zu setzen, werden dieselben Einschränkungen von den Sozial- und Bildungsbehörden kritisiert. Die Sozialhilfe verfolgt prinzipiell eine integrative und autonomiefördernde Zielrichtung, die auf Dauer in Widerspruch zu den aufenthaltsrechtlichen Rahmenbedingungen und dem Ausschluss vorläufig Aufgenommener von Integrationsleistungen gerät. Soziale Exklusion birgt hingegen das Risiko langfristiger Folgekosten für die Gesamtgesellschaft. Noch skeptischer positioniert sich die Bildungsseite gegenüber den Aufenthaltsbeschränkungen, insbesondere, was den sensiblen Übergang von der Schule zum Erwerbsleben anbetrifft. Die soziale Integration spielt für Kinder und Jugendliche eine wesentliche Rolle für ihre Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung. In der anspruchsvollen Lebensphase der Adoleszenz erschweren die widersprüchlichen Impulse, die mit dem Integrationsparadox einhergehen, die Lernfähigkeit der Jugendlichen. Es erweist sich als ausserordentlich schwierig, Jugendliche schulisch zu motivieren, wenn sie wissen, dass ihr Verbleib in der Schweiz unsicher und der Zugang zu Lehrstellen, Berufsbildung und Arbeitsmöglichkeiten begrenzt ist. Dies veranlasst gerade Bildungsverantwortliche, gelegentlich mit besonderem Nachdruck die Abschaffung der F-Bewilligung für Kinder und Jugendliche zu fordern. Üblicherweise begünstigt eine längere Aufenthaltsdauer die soziale Eingliederung von MigrantInnen unabhängig von deren Bewilligungstypus, weil auch die zuständigen Behörden ein Interesse daran haben, die gesellschaftliche Integration zu unterstützen, um Ausgrenzung und anfallende Folgekosten zu vermeiden. Im Falle der vorläufig aufgenommenen Personen funktioniert dieser Regulierungsmechanismus nur beschränkt, was unter anderem mit der institutionellen Kompetenzaufteilung (zwischen Bund und Kantonen) im Asylwesen sowie mit politischen Imperativen zusammenhängt. Während im Asylwesen hauptsächlich der Bund die Kosten trägt, sind es im Ausländerbereich die Kantone. Daraus ergeben sich unterschiedliche Interessen, die dazu führen, dass die Kantone zum Beispiel aus finanziellen Überlegungen wenig Interesse daran zeigen, vorläufig Aufgenommenen eine Aufenthaltsbewilligung B zu erteilen, da sie dann das Fürsorgerisiko übernehmen müssten. Ausblick Das Grundanliegen einer verbesserten Integration von vorläufig Aufgenommenen wurde in der Vernehmlassung zur anstehenden Teilrevision des Asylgesetzes formuliert. Der Bundesrat schlägt vor, an Stelle der heutigen vorläufigen Aufnahme zwei neue Status zu schaffen: eine humanitäre Aufnahme für Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, deren Wegweisung jedoch als unzulässig bzw. unzumutbar erklärt wurde oder eine schwerwiegende persönliche Notlage darstellen würde; eine provisorische Aufnahme (im Erstentwurf als «Duldung» bezeichnet) für Personen, deren Vollzug der Wegweisung beispielsweise aus technischen Gründen oder mangels Mitwirkung des Heimatstaates unmöglich ist. Die Rechtsstellung durch die humanitäre Aufnahme würde verbessert, indem besonders die bisherigen Beschränkungen bei der Zulassung zum Arbeitsmarkt aufgehoben würden. Der Zugang zum Arbeitsmarkt und der Familiennachzug würde sich grundsätzlich nach den analogen Voraussetzungen richten, die auch für die Aufenthaltsbewilligung B 1416 gelten. Ausserdem schliesst der neue Bewilligungstypus im Unterschied zur bisherigen Regelung Integrationsmassnahmen mit ein. Wie bisher die vorläufige Aufnahme, könnte jedoch auch die humanitäre Aufnahme jederzeit wieder aufgehoben werden, sobald die Voraussetzungen für ihre Anordnung nicht mehr gegeben wären. Über die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung entschiede wie bis anhin der Kanton. Im Lichte der vorliegenden Resultate wäre die Verbesserung der Rechtsstellung von humanitär aufgenommenen Personen sicherlich ein Fortschritt, weil hierdurch gerade Probleme in Zusammenhang mit dem Integrationsparadox bzw. Nicht-Integrations-Teufelskreis mindestens teilweise gelöst würden. Ungelöst bleibt aber im Rahmen der geplanten Teilrevision die Problematik rund um das Provisorium des Aufenthalts. So bliebe vermutlich die Angst vor einer drohenden Wegweisung bei den Betroffenen bestehen. Sie bildet ein zentrales Integrationshindernis, kann auf die Dauer gesundheitliche Folgen nach sich ziehen, erschwert medizinische Behandlungen und ist für eine Orientierungslosigkeit sowohl im Hinblick auf den Verbleib in der Schweiz als auch im Hinblick auf eine allfällige Rückkehr verantwortlich. Dies war ein Hauptargument dafür, dass einige der im Rahmen der Studie befragten Fachpersonen den neuen Lösungsvorschlag abgelehnt und stattdessen die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung B empfohlen haben. Absicht der vorliegenden Studie ist es, zu einer realitätsnahen Politikgestaltung im Umgang mit vorläufig aufgenommenen Menschen beizutragen. Wir gehen davon aus, dass eine pragmatische Politik, die sich der Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet, letztlich im Interesse aller Beteiligten liegt. 1517 Einleitung Die vorläufige Aufnahme regelt den Aufenthalt von ausländischen Staatsangehörigen, meist abgewiesenen Asylsuchenden, deren Wegweisung in ihr Herkunftsland aus völkerrechtlichen, humanitären oder technischen Gründen nicht durchführbar ist. Dieser Bewilligungstypus (F) wird unter anderem an Personen erteilt, die «subsidiären Schutz» nach internationalem Recht geniessen: «Der Subsidiäre Schutz ist eine Form des internationalen Schutzes, unabhängig von und ergänzend zu der Flüchtlingseigenschaft, die ein Mitgliedstaat [EU] einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gewährt, der kein Flüchtling ist, jedoch anderweitig internationalen Schutz benötigt und als solcher in das Hoheitsgebiet dieses Mitgliedstaats zugelassen wird.» 8 Die Zahl der vorläufig aufgenommenen Personen in der Schweiz hat vor allem seit 1992 stark zugenommen, unterliegt aber zugleich grösseren Schwankungen. Gegenwärtig stellen vorläufig aufgenommene Personen ein Viertel aller Personen aus dem Asylbereich. Offizielle Statistiken belegen, dass ein erheblicher Teil über längere Zeit hinweg oder dauerhaft in der Schweiz verbleibt. Da allerdings die Integration dieser Personengruppe anders als bei anerkannten Flüchtlingen oder anderen Migranten bis anhin kein beabsichtigtes Ziel des Bundes war, und «die vorläufige Aufnahme keine adäquate Rechtsstellung für Personen darstellte, die sich jahrelang in der Schweiz aufhalten», 9 drängte sich die Frage auf, wie sich die Rahmenbedingungen ihres Aufenthalts in der Praxis gestalten. Das Thema ist insofern aktuell, als vor zwei Jahren die Weltkonferenz gegen Rassismus in Durban wiederholt darauf hinwies, dass Asylsuchende und Flüchtlinge aufgrund ihrer niedrigen sozialen und rechtlichen Stellung zu den verletzlichen Menschengruppen zählen. Ebenso lenkte das UNO-Komitee zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung (CERD) in seinen Empfehlungen die Aufmerksamkeit der europäischen Staaten mehrfach auf die Behandlung von Asylsuchenden, Flüchtlingen und MigrantInnen. Auftrag und Forschungsgegenstand Nach Rücksprache mit der Eidgenössischen Kommission für Flüchtlingsfragen (EKF) sowie der Eidgenössischen Ausländerkommission (EKA) beauftragte deshalb die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) im Juli 2002 das Schweizerische Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien (SFM) mit einer wissenschaftlichen Studie zum Thema. Im Vordergrund stand die Frage, ob und inwiefern die vorläufige Aufnahme durch ihren (zeitlich) ungeklärten Übergangscharakter in sich diskriminierend ist, weil die «Wartezimmer-Situation» auf kurze Zeit ausgerichtet ist, jedoch oftmals über Jahre hinweg andauert. 8 Richtlinien der Europäischen Kommission über Mindestnormen für die Anerkennung und den Status von Drittstaatsangehörigen und Staatenlosen als Flüchtlinge oder als Personen, die anderweitig internationalen Schutz benötigen ( ) 9 Presserohstoff des EJPD zum Entwurf zur Teilrevision des Asylgesetzes, Eröffnung des Vernehmlassungsverfahrens ( ). 1618 Um allfällig strukturell bedingte Benachteiligungen von Personen mit F-Bewilligung aufzuzeigen, drängte sich eine gezielte Analyse sowohl der rechtlich-administrativen Grundlagen als auch der Umsetzung von statusrelevanten Bestimmungen auf. Diese berühren vor allem folgende Verwaltungs- und Lebensbereiche: Kriterien und Umstände der Erteilung und Aufhebung der vorläufigen Aufnahme sowie die Umwandlungspraxis; Zugang zum Arbeitsmarkt, Bewilligungspraxis der Kantone; Bildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, evtl. Weiterbildungsmöglichkeiten für Erwachsene; Familiennachzug ; Niederlassungs- und Reisemöglichkeiten; Soziale Sicherheit und Beratung: Leistungen für SozialhilfeempfängerInnen; Parallel zu den Befragungen auf behördlicher Seite wurden ergänzende Informationen von nicht-staatlicher Seite zu allen Untersuchungsbereichen eingeholt. Sämtliche Fragen, die direkt mit dem (früheren) Asylverfahren oder einer Ausweisung in Verbindung standen (Anhörungen, Papiere, Rekursverfahren, Rechtsberatung usw.) wurden absichtlich aus dem Forschungsvorhaben ausgeklammert. Aus forschungsökonomischen Gründen wurde auch die zahlenmässig bedeutsame Gruppe von abgewiesenen Asylsuchenden nicht berücksichtigt, deren Regelung oder Vollzug der Wegweisung hängig oder blockiert ist, ohne dass sie eine vorläufige Aufnahme erhielten. Da für die vorläufige Aufnahme aber charakteristisch ist, dass sie einer breiteren Öffentlichkeit schlecht bekannt ist und bisher kaum systematisch erforscht wurde, schien die Eingrenzung des Forschungsgegenstandes sinnvoll. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Aktualität der geplanten Änderungen im Asyl- bzw. Ausländergesetz, welche eine Reform und Aufsplitterung der vorläufigen Aufnahme in zwei Bewilligungstypen (provisorische und humanitäre Aufnahme) vorsehen (s. Kapitel Reflexionen zur Reform der vorläufigen Aufnahme). Fallstudien Da zahlreiche der für die Studie relevante Untersuchungsaspekte in den Hoheitsbereich der Kantone und teilweise der Gemeinden fallen, konnte die konkrete Umsetzung der Bestimmungen nur kontextgebunden, das heisst anhand von Fallstudien in einzelnen Kantonen, erfasst werden. Die Auswahl der Kantone St.Gallen, Waadt und Zürich wird im Methodenteil begründet (s. Anhang I Methode). Neben den systematischen Abklärungen in den Fallstudien kam in zahlreichen ExpertInneninterviews auf Bundesebene oder in anderen Kontexten (Regionalverbände) auch die Aufenthaltssituation in anderen Kantonen zur Sprache. Es gilt zu betonen, dass die Hinweise aus den Fallstudien und weiteren Kantonen grössere Zusammenhänge illustrieren sollen und keinen Anspruch auf einen systematischen Vergleich oder eine erschöpfende Situationsbeschreibung erheben. Juristisches Gutachten Die vorliegende sozialwissenschaftliche Studie wird durch ein juristisches Gutachten ergänzt, das rechtlichen Aspekten mit Blick auf die Einhaltung der Grundrechte und internationale Menschenrechtsstandards sowie Nicht-Diskriminierungsprinzipien nachgeht. 1719 Aufbau Der Untersuchungsbericht ist in drei Hauptteile gegliedert, wobei die Kapitel fortlaufend nummeriert sind. Im ersten Teil des Berichts werden sämtliche Grundlagen des Forschungsgegenstands ausgeführt. Nach einem kurzen Rückblick auf die Hintergründe und Entstehung der vorläufigen Aufnahme, werden im ersten Kapitel neuere Entwicklungen und menschenrechtliche Aspekte auf internationaler Ebene angesprochen. Das umfangreiche zweite Kapitel ist den Rechtsgrundlagen der vorläufigen Aufnahme unter Berücksichtigung sämtlicher relevanter Quellen gewidmet. Um die Bedeutung und Grenzen der vorläufigen Aufnahme im Vergleich zu anderen Aufenthaltskategorien abzustecken, wird u.a. ein Überblick über die verschiedenen Bewilligungstypen im Asylbereich vermittelt und in tabellarischer Form eine Übersicht über sämtliche Bewilligungstypen des Asylbereichs und Aufenthaltsmodalitäten (Ausweise Reisepapiere, Erwerbstätigkeit, Fürsorge usw.) aufgeführt. Das dritte Kapitel geht auf die institutionellen Zuständigkeiten und die Praxis in verschiedenen Verwaltungsbereichen ein: Diese umfassen die Sozialhilfe (3.1), die Bewilligungspraxis für die Erwerbstätigkeit (3.2) sowie das Schul- und Berufsbildungswesen (3.3). Besonderes Augenmerk gilt in diesem Zusammenhang der teilweise komplexen Kompetenzaufteilung und Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen sowie der kantonalen Ebene, was die konkrete Umsetzung anbelangt. Im vierten Kapitel werden die wichtigsten Daten und Zahlen zur vorläufigen Aufnahme präsentiert, damit sich die LeserInnen ein Bild vom betroffenen Personenkreis machen können. Die Daten beschränken sich allerdings auf die Darstellung der sozio-demographischen Merkmale und einen einfachen Indikator für die Erwerbstätigkeit. Vorab wird eine Übersicht über die zahlenmässige Verteilung der vorläufig Aufgenommenen nach Erteilungsgründen vermittelt. Der zweite Teil des Berichts präsentiert die Hauptergebnisse zu den Fallstudien in den drei untersuchten Kantonen. Die Kapitel sind ähnlich, wenn auch nicht strikt identisch gegliedert. Aspekte, die in einer Fallstudie aus forschungstechnischen oder Zeitgründen nicht vertieft werden konnten, wurden dafür in einer der anderen beiden etwas ausführlicher dargestellt. Dies erklärt auch, dass die Berichte über die Kantone Zürich und St- Gallen etwas umfangreicher sind als das waadtländische Fallsbeispiel. Dass der Umfang nichts mit der Relevanz oder gar Repräsentativität der dargestellten Kantone zu tun hat, versteht sich von selbst. Im dritten Teil des Berichts werden schliesslich die Hauptergebnisse der Fallstudien, der Befragung von Bundesbehörden und NGOs sowie der Analyse des Zahlenmaterials im Querschnitt nach thematischen Spannungsfeldern präsentiert, die sich im Verlauf der Studie herausgeschält haben. Ein Hauptthemenstrang betrifft die Widersprüche zwischen der formellen Ausgestaltung des Bewilligungstypus und der Praxis in Kapitel 8 (Vorläufige Aufnahme in Theorie und Praxis). Die vorläufige Aufnahme wird anschliessend an den widersprüchlichen Vorgaben bezüglich der Integration in verschiedenen Lebensbereichen illustriert (Kapitel 9 Paradox Integration). Das zehnte Kapitel beschäftigt sich mit der F-Bewilligung aus der Perspektive der vorläufig Aufgenommenen, die sonst kaum zu Wort kommen, weil vor allem die institutionelle Ausgestaltung und die behördliche Praxis untersucht wurden. In diesem Kapitel geht es nicht 1820 so sehr um eine Einschätzung der Bewilligung aus Sicht der betroffenen Personen, als vielmehr um die statusrelevanten Aspekte des Alltags(er)lebens. Das elfte Kapitel schliesslich geht eher explorativ auf die «Statuskategorie» der vorläufig aufgenommenen Flüchtlinge und die Situation vorläufig aufgenommener Personen aus afrikanischen Staaten ein. Die Lage einzelner Personengruppen stand nicht im Mittelpunkt des Forschungsinteresses, das vor allem auf statusrelevante Determinanten ausgerichtet war. In diesem Sinn gälte es in zukünftigen Studien spezifische Interaktionen zwischen dem rechtlich-administrativen Status und der Herkunft respektive bestimmten Gruppenzugehörigkeiten näher zu untersuchen. In den Schlussfolgerungen werden die wichtigsten Ergebnisse in Erinnerung gerufen. Die geplante Reform der vorläufigen Aufnahme im Rahmen der gegenwärtig diskutierten Revisionen des Asyl- und des Ausländergesetzes wird im Schlusskapitel kurz reflektiert und anhand eigener Überlegungen zu den Studienergebnissen kommentiert. Hinweise über die Methode und das Vorgehen finden sich in Anhang I, ebenso eine Liste der befragten Stellen (Anhang II) und ein Abkürzungsverzeichnis (III). 19 Mehr anzeigen
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