Source: https://www.advocatio.de/die_erbengemeinschaft_als_gesamthandsgemeinschaft.html
Timestamp: 2019-11-22 13:18:28
Document Index: 353104249

Matched Legal Cases: ['§ 2038', '§ 2038', '§ 2038', '§ 2033', '§ 2033', '§ 2034']

Miterben als Gesamthand. Nachlass | Advocatio
Die Erbengemeinschaft als Gesamthandsgemeinschaft
Die Erbengemeinschaft ist eine sogenannte Gesamthandsgemeinschaft. Das bedeutet, dass ein Miterbe nicht frei veräußerliche Anteile an den einzelnen Nachlassgegenständen erhält, sondern nur einen Anteil an dem gesamten Nachlassvermögen. Das Nachlassvermögen bildet damit ein von dem sonstigen Vermögen des Miterben getrenntes Sondervermögen aller Miterben. Anders als im Falle der Alleinerbschaft vermengt sich das ererbte Vermögen nicht unmittelbar mit dem sonstigen, eigenen Vermögen des Erben.
Auch darf ein Miterbe einen Nachlassgegenstand nicht ausschließlich für sich beanspruchen und nutzen. Zwar steht das Recht, die zum Nachlass gehörenden Gegenstände zu nutzen, jedem Miterben zu. Ein Miterbe darf dabei aber nicht das Nutzungsrecht der anderen Miterben beeinträchtigen (§§ 2038 Absatz 2, 743 Absatz 2 BGB). So kann ein Miterbe, der einen Nachlassgegenstand eigenmächtig in Besitz nimmt und nutzt (zum Beispiel die zum Nachlass gehörende Wohnung) von den anderen Miterben aufgefordert und gegebenenfalls darauf verklagt werden, den Miterben den Mitbesitz einzuräumen oder eine Nutzungsentschädigung zu zahlen.
Auch Einnahmen, die aus dem Nachlass erzielt werden (wie Miet- oder Zinserträge) sind gemäß § 2038 Absatz 2 Satz 2 BGB erst bei der endgültigen Teilung des Nachlasses zu verteilen. Einen Anspruch auf Vorschusszahlung haben Miterben nur dann, wenn sie dies einstimmig beschlossen haben. Nur wenn der Erblasser die Teilung des Nachlasses auf längere Zeit als ein Jahr ausgeschlossen hat, kann jeder Miterbe zum Jahresende die Teilung des Reinertrages verlangen (§ 2038 Absatz 2 Satz 3 BGB). Dies gilt jedoch nicht, wenn sich die Teilung des Nachlasses lediglich tatsächlich über ein Jahr hinaus verzögert hat, sondern nur dann, wenn die Teilung vom Erblasser auf längere Zeit als ein Jahr ausgeschlossen wurde.
Da der Erbe keinen frei veräußerlichen Bruchteil an den einzelnen Nachlassgegenständen hat, ist er nicht berechtigt über seinen Anteil an einzelnen Nachlassgegenständen (etwa seinen Anteil an einem Nachlassgrundstück) zu verfügen (§ 2033 Absatz 2 BGB). Er ist jedoch berechtigt über seinen Anteil am Nachlass insgesamt zu verfügen (§ 2033 Absatz 1 BGB). Den anderen Miterben steht dann allerdings ein Vorkaufsrecht zu (§§ 2034, 2035 BGB).