Source: https://www.umsatzsteuernachrichten.de/die-dinner-show-2133589/
Timestamp: 2019-02-15 23:13:49
Document Index: 96669164

Matched Legal Cases: ['Art. 267', '§ 118', '§ 12', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 4', '§ 10', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Die Dinner-Show und die Umsatzsteuer | UmsatzsteuerNachrichten ")}}return a.proceed()});scriptParent=document.getElementsByTagName("script")[0].parentNode;if(scriptParent.tagName.toLowerCase!=="head"){head=document.getElementsByTagName("head")[0];aop_around(head,"insertBefore");aop_around(head,"appendChild")}aop_around(scriptParent,"insertBefore");aop_around(scriptParent,"appendChild");var a2a_config=a2a_config||{};a2a_config.no_3p=1;var addthis_config={data_use_cookies:false};var _gaq=_gaq||[];_gaq.push(["_gat._anonymizeIp"])}
Legal-News > UmsatzsteuerNachrichten > Umsatzsteuer > Die Dinner-Show und die Umsatzsteuer
Leistungsbündel, Regelbesteuerung, Umsatzsteuersatz
Ein Leistungsbündel aus Unterhaltung und kulinarischer Versorgung der Gäste (sog. „Dinner-Show“) unterliegt jedenfalls dann dem Regelsteuersatz, wenn es sich um eine einheitliche, komplexe Leistung handelt1
Ob im Fall eines Leistungsbündels umsatzsteuerrechtlich eine einheitliche Leistung vorliegt oder ob mehrere, getrennt zu beurteilende Leistungen gegeben sind, haben im Rahmen der mit Art. 267 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union errichteten Zusammenarbeit die nationalen Gerichte festzustellen, die dazu alle endgültigen Tatsachenbeurteilungen vorzunehmen haben2. Dies ist (auch) bei einer „Dinner-Show“ das Ergebnis einer tatsächlichen Würdigung, die nach nationalem Verfahrensrecht dem Finanzgericht obliegt und den BFH gemäß § 118 Abs. 2 FGO bindet3.
Ermäßigt zu besteuern sind danach nicht nur Aufführungen von Theaterstücken, Opern und Operetten, sondern auch Darbietungen der Pantomime und Tanzkunst, der Kleinkunst und des Varietés sowie Puppenspiele und Eisrevuen8. Begünstigt sind auch „Mischformen“ von Sprech, Musik- und Tanzdarbietungen, so dass eine Unterhaltungsshow oder eine Feuerwerksveranstaltung ebenfalls eine Theatervorführung i.S. des § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG sein können9.
So liegt es nach der Rechtsprechung des BFH hier; denn das Finanzgericht hat angenommen, dass die beiden Leistungsbestandteile nicht im Verhältnis von Haupt- und Nebenleistung zueinander stehen. Der Besucher will nach den tatsächlichen Feststellungen des Finanzgericht Show und Menü zusammen erleben und genießen. Die Unternehmerin kombiniert nach der weiteren tatsächlichen Würdigung des Finanzgericht eine Show mit einem „Gourmet-Menü“. Show und Essen sind daher insoweit als gleichwertig anzusehen, was auch nach der Rechtsprechung des EuGH die Anwendung des ermäßigten Steuersatzes ausschließt.
Die vom Finanzgericht vorgenommene qualitative Abstufung der Hauptelemente, das heißt der Umstand, dass nach der Beurteilung des Finanzgericht der Showteil eine bessere Qualität aufweist als das Essen, sowie die vom Finanzgericht herangezogenen Prospekte und die Kostenaufteilung führen zu keiner anderen Beurteilung. Die aus Sicht des Finanzgericht „geringere“ Qualität des Essens im Vergleich zur Show ändert nichts daran, dass es sich nach der Konzeption der zu beurteilenden Leistung und dem Prospekt um gleichwertige Elemente handelt. Dies gilt auch unabhängig davon, ob die Kosten der Show höher sind als die des Menüs (oder umgekehrt). Bei einem Leistungsbündel aus Unterhaltung und kulinarischer Versorgung der Gäste macht die Vorführung nicht den eigentlichen Zweck der Veranstaltung aus15.
Dass das Finanzgericht den Streitfall außerdem dahin gehend tatsächlich gewürdigt hat, die Qualität der Show („auf höchstem Niveau“, „von international höchster Qualität“) sei höher einzustufen als die Qualität des Menüs („keine Sterneküche“, „kann mit der Show nicht mithalten“), ändert auch daran nichts. Vielmehr ist die vom Finanzgericht in anderem Zusammenhang festgestellte Konzeption der Dinner-Show (Kombination von Show und Menü) auch insoweit von ausschlaggebender Bedeutung.
Soweit das Finanzgericht im Rahmen der Vorentscheidung auf Rz 29 des EuGH-Urteils „Mesto Zamberk“19 abgestellt hat, setzte die Anwendung der dort genannten Grundsätze voraus, dass auf der Grundlage einer Gesamtheit objektiver Gesichtspunkte, insbesondere der Konzeption der Leistung, die sich aus ihren objektiven Merkmalen ergibt, ein „dominierender“ Bestandteil vorhanden ist. Dies ist -wie ausgeführt- nach den tatsächlichen Feststellungen des Finanzgericht und auf Basis der Rechtsprechung des BFH jedoch gerade nicht der Fall.
vgl. dazu EuGH, Urteile Levob Verzekeringen und OV Bank vom 27.10.2005 – C-41/04, EU:C:2005:649, BFH/NV 2006, Beilage 1, 38, Rz 18 ff., 22; Bog u.a. vom 10.03.2011 – C-497/09 u.a., EU:C:2011:135, BStBl II 2013, 256, Rz 51 ff.; Stadion Amsterdam, EU:C:2018:22, DStR 2018, 246, Rz 21 ff.↩
vgl. z.B. EuGH, Urteil BGZ Leasing vom 17.01.2013 – C-224/11, EU:C:2013:15, HFR 2013, 270, Rz 33; BFH, Urteil vom 13.11.2013 – XI R 24/11, BFHE 243, 471, BStBl II 2017, 1147, Rz 42↩
vgl. BFH, Urteil vom 10.01.2013 – V R 31/10, BFHE 240, 380, BStBl II 2013, 352, Rz 29↩
vgl. neben dem BFH, Urteil in BFHE 240, 380, BStBl II 2013, 352, auch BFH, Beschluss vom 28.10.2014 – V B 92/14, BFH/NV 2015, 244↩
vgl. BFH, Beschlüsse vom 24.06.2015 – XI B 61/14, n.v., unter III. 1.b cc; – XI B 62/14, n.v., unter II. 1.b cc↩
gl.A. Frye in Rau/Dürrwächter, Umsatzsteuergesetz, § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. b Rz 110 und § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. d Rz 27; Janzen in Lippross/Seibel, UStG, § 12 Abs. 2 Nr. 7 Rz 16; Klenk in Sölch/Ringleb, Umsatzsteuer, § 12 Rz 411; Kraeusel in Reiß/Kraeusel/Langer, UStG § 12 Rz 211.02.; Lippross, Umsatzsteuer, 24. Aufl., S. 728; Stadie, UStG, 3. Aufl., § 12 Rz 45; Wäger in Reiß/Kraeusel/Langer, UStG § 4 Nr.20 Rz 84; ebenso zur Rechtslage in Österreich Pernegger in Melhardt/Tumpel, UStG, 1. Aufl., § 10 Rz 340; a.A. K.-R. Wagner, UR 2016, 333↩
vgl. BT-Drs. 15/3677, S. 41↩
vgl. BFH, Urteile vom 26.04.1995 – XI R 20/94, BFHE 177, 548, BStBl II 1995, 519; vom 09.10.2003 – V R 86/01, BFH/NV 2004, 984, unter II. 1.a; vom 19.10.2011 – XI R 40/09, BFH/NV 2012, 798, Rz 33; in BFHE 240, 380, BStBl II 2013, 352, Rz 42; s.a. Abschn. 12.5 Abs. 2 Satz 5 des Umsatzsteueranwendungserlasses a.F.↩
vgl. BFH, Urteile in BFHE 240, 380, BStBl II 2013, 352, Rz 42; vom 30.04.2014 – XI R 34/12, BFHE 245, 409, BStBl II 2015, 166↩
vgl. BFH, Urteil in BFHE 240, 380, BStBl II 2013, 352, Rz 43↩
BFH, Urteil in BFHE 177, 548, BStBl II 1995, 519↩
vgl. BFH, Beschluss in BFH/NV 2015, 244, Rz 22↩
vgl. EuGH, Urteil Bastova vom 10.11.2016 – C-432/15, EU:C:2016:855, UR 2016, 913, Rz 72; s. im Ergebnis auch EuGH, Urteil Stadion Amsterdam, EU:C:2018:22, DStR 2018, 246↩
vgl. EuGH, Urteil Bastova, EU:C:2016:855, UR 2016, 913, Rz 75; vgl. auch zum Fall der Steuerbefreiung nur eines Hauptbestandteils EuGH, Urteil Deutsche Bank vom 19.07.2012 – C-44/11, EU:C:2012:484, BStBl II 2012, 945, Rz 41 bis 43↩
vgl. BFH, Beschluss in BFH/NV 2015, 244; BFH, Urteil in BFHE 240, 380, BStBl II 2013, 352, Rz 39 und 43↩
vgl. EuGH, Urteile RPO vom 07.03.2017 – C-390/15, EU:C:2017:174, Deutsches Steuerrecht/Entscheidungsdienst 2017, 1183, Rz 41; Oxycure Belgium vom 09.03.2017 – C-573/15, EU:C:2017:189, UR 2017, 276, Rz 28 ff.; AZ vom 09.11.2017 – C-499/16, EU:C:2017:846, UR 2018, 204, Rz 29 ff.↩
EuGH, Urteil AZ, EU:C:2017:846, UR 2018, 204, Rz 31↩
BFH – V R 31/10 in BFHE 240, 380, BStBl II 2013, 352; – V B 92/14 in BFH/NV 2015, 244; – XI B 61/14; und – XI B 62/14↩
EuGH, Urteil Mesto Zamberk vom 21.02.2013 – C-18/12, EU:C:2013:95, DStR 2013, 407↩
vgl. zu Fällen nationaler Anordnung EuGH, Urteil Kommission/Frankreich vom 06.05.2010 – C-94/09, EU:C:2010:253, UR 2010, 454, Rz 26 und 33; BFH, Urteil vom 24.04.2013 – XI R 3/11, BFHE 242, 410, BStBl II 2014, 86, Rz 51 ff.↩
vgl. EuGH, Urteil Stadion Amsterdam, EU:C:2018:22, DStR 2018, 246↩
vgl. BFH, Beschlüsse vom 24.06.2015 – XI B 61/14, n.v., unter III. 1.c bb; – XI B 62/14, n.v., unter II. 1.c bb↩
EU:C:2018:22, DStR 2018, 246↩
EU:C:2010:253, UR 2010, 454↩
vgl. z.B. BFH, Urteile in BFHE 242, 410, BStBl II 2014, 86; vom 01.03.2016 – XI R 11/14, BFHE 253, 438, BStBl II 2016, 753↩