Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=19.12.2002&Aktenzeichen=1%20BvR%201402/01
Timestamp: 2019-05-26 00:05:41
Document Index: 9888179

Matched Legal Cases: ['Art 14', 'Art. 14', 'Art. 3', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 14']

BVerfG, 19.12.2002 - 1 BvR 1402/01 - dejure.org
https://dejure.org/2002,151
BVerfG, 19.12.2002 - 1 BvR 1402/01 (https://dejure.org/2002,151)
BVerfG, Entscheidung vom 19.12.2002 - 1 BvR 1402/01 (https://dejure.org/2002,151)
BVerfG, Entscheidung vom 19. Dezember 2002 - 1 BvR 1402/01 (https://dejure.org/2002,151)
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Zur Verletzung von GG Art 14 Abs 1 durch Normenkontrollurteil zur Rechtmäßigkeit eines Bebauungsplans, der Privatgrundstücke als öffentlichen Grüngürtel ausweist
Privatgrundstücke als öffentlicher Grüngürtel
VGH Bayern, 16.02.2001 - 2 N 97.906
NJW 2003, 2229 (Ls.)
NVwZ 2003, 727
ZMR 2003, 462
DÖV 2003, 376
BauR 2003, 1338
Die Bestandsgarantie des Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG verlangt, dass in erster Linie Vorkehrungen getroffen werden, die eine unverhältnismäßige Belastung des Eigentümers real vermeiden und die Privatnützigkeit des Eigentums soweit wie möglich erhalten; als Instrumente stehen dem Gesetzgeber hierfür Übergangsregelungen, Ausnahme- und Befreiungsvorschriften sowie der Einsatz sonstiger administrativer und technischer Vorkehrungen zur Verfügung (…BVerfG, Beschlüsse vom 2. März 1999 a.a.O. S. 245 und vom 19. Dezember 2002 a.a.O. S. 2 f.).
Art. 3 Abs. 1 GG, der der Gemeinde bei ihrer Abwägung Grenzen setzt (BVerfG, Beschluss vom 19. Dezember 2002 - 1 BvR 1402/01 - BRS 65 Nr. 6), verpflichtet die Gemeinde nicht, für alle Teilbereiche eines Bebauungsplans dieselben Festsetzungen zu treffen.
Soweit hierbei über Ziele, Wertungen und Prognosen zu befinden ist, hat das Bundesverfassungsgericht seine Nachprüfungen darauf zu beschränken, ob diese Einschätzungen und Entscheidungen offensichtlich fehlerhaft oder eindeutig widerlegbar sind oder der verfassungsrechtlichen Ordnung widersprechen (vgl. BVerfGE 76, 107 ; 95, 1 ; BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 19. Dezember 2002 - 1 BvR 1402/01 -, JURIS).
Für die Entscheidung des Verordnungsgebers, bei der Bestimmung des Gebietscharakters eines Baugebiets allein auf das festgesetzte Baugebiet abzustellen, spricht auch der Umstand, dass der Plangeber mit der Festsetzung eines Baugebiets gemäß Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG Inhalt und Schranken des Eigentums bestimmt (Urteil vom 1. November 1974 - BVerwG 4 C 38.71 - BVerwGE 47, 144 ; BVerfG, Beschluss vom 19. Dezember 2002 - 1 BvR 1402/01 - NVwZ 2003, 727).
Bei der Festsetzung privater Grünflächen sowie von Bebauung freizuhaltender Flächen muss die Gemeinde die damit verfolgten Belange des Gemeinwohls mit den schutzwürdigen Interessen der Eigentümer unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit und des Gleichheitssatzes im Rahmen der Abwägung in ein ausgewogenes Verhältnis bringen (vgl. BVerfG, B.v. 19.12.2002 - 1 BvR 1402/01 - NVwZ 2003, 727).
Besteht auf dem betroffenen Grundstück ein Recht zur Bebauung, kommt dem normativen Entzug der Rechtsposition erhebliche Bedeutung im Rahmen der Abwägung zu; in die Abwägung ist insbesondere einzustellen, dass sich der Entzug der baulichen Nutzungsmöglichkeiten für den Betroffenen wie eine (Teil-) Enteignung auswirken kann (vgl. BVerfG, B.v. 19.12.2002 a.a.O.).
In der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (vgl. z.B. Beschluss vom 19. Dezember 2002 - 1 BvR 1402/01 - NVwZ 2003, 727) ist geklärt, dass bei der Abwägung von Eigentümerbelangen auch von Bedeutung ist, ob für ein bestimmtes Grundstück ein Recht zur Bebauung besteht.
Die Gemeinden nehmen damit auf gesetzlicher Grundlage die in Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG grundsätzlich dem Gesetzgeber zugewiesene Aufgabe wahr, Inhalt und Schranken des Grundeigentums zu bestimmen und dadurch die Eigentumsordnung auszugestalten (BVerfG, Beschlüsse vom 30. November 1988 - 1 BvR 1301/84 - BVerfGE 79, 174 und vom 19. Dezember 2002 - 1 BvR 1402/01 - NVwZ 2003, 727; Urteil vom 1. November 1974 - BVerwG 4 C 38.71 - BVerwGE 47, 144 ).
Es stellt nicht in Abrede, dass die Privatnützigkeit soweit wie möglich zu erhalten ist (BVerfG, Beschluss vom 19. Dezember 2002 - 1 BvR 1402/01 - BRS 65 Nr. 6).
o) Der Antragsteller legt nicht dar, mit welchem Rechtssatz sich das Normenkontrollgericht in Bezug auf die Verbreiterung der W.straße von der Auffassung des Bundesverfassungsgerichts (Beschluss vom 19. Dezember 2002 - 1 BvR 1402/01 - a.a.O.) abgewendet haben könnte, dass der Privatnützigkeit des Eigentums soweit wie möglich Rechnung zu tragen ist.
Denn das durch Art. 14 GG gewährleistete Eigentumsrecht gehört in hervorgehobener Weise zu den von der Bauleitplanung zu berücksichtigenden Belangen (BVerfG, Beschluss vom 19. Dezember 2002 - 1 BvR 1402/01 - NVwZ 2003, 727; BVerwG…, Urteil vom 1. September 2016 - 4 C 2.15 - juris Rn. 17).
Soweit hierbei über Wertungen und Prognosen zu befinden ist, hat das Bundesverfassungsgericht seine Nachprüfungen darauf zu beschränken, ob diese Einschätzungen und Entscheidungen offensichtlich fehlerhaft oder eindeutig widerlegbar sind oder der verfassungsrechtlichen Ordnung widersprechen (vgl. BVerfGE 76, 107 ; 95, 1 ; BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 19. Dezember 2002 - 1 BvR 1402/01 -, JURIS).
OVG Rheinland-Pfalz, 04.07.2006 - 8 C 10156/06
VGH Bayern, 14.07.2006 - 1 N 04.582
Normenkontrollantrag gegen Bebauungsplan; Festsetzung und Zweckbestimmung einer …
OVG Nordrhein-Westfalen, 10.12.2004 - 10a D 133/02
Zweckbestimmung eines Sondergebiets
OVG Schleswig-Holstein, 16.07.2015 - 1 KN 29/13
Bebauungsplan Nr. 30 A Bebauung östlich des Marktes und der K-straße
OVG Schleswig-Holstein, 16.07.2015 - 1 KN 31/13
VGH Bayern, 13.10.2008 - 1 N 06.2438
VGH Bayern, 28.01.2011 - 15 N 08.1746
Normenkontrolle; Bebauungsplan; Abwägung; Gleichheitsgrundsatz; unterschiedliche …
VG Augsburg, 05.11.2009 - Au 5 K 08.1443