Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BFHE%20185,%20536
Timestamp: 2018-03-19 09:07:11
Document Index: 293739757

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 15', '§ 15', '§ 14', '§ 176', '§ 176', '§ 176']

Zu den Auswirkungen einer Rechtsprechungsänderung zum Vorsteuerabzug bei unrichtigem Umsatzsteuerausweis durch das BFH, Urteil v. 2.4.1998 - V R 34/97 (BStBl II 1998, 695).
Nach der bis zum Ergehen des BFH-Urteils vom 2. April 1998 (V R 34/97, BStBl II 1998, 695) geltenden Rechtslage habe der Unternehmer die nach § 14 Abs. 2 UStG a. F. zu Unrecht ausgewiesene Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen dürfen.
Diese Rechtslage habe sich mit dem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 2. April 1998 (a. a. O.) geändert.
In diesem Umfang war die Klägerin also nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt, denn nach inzwischen gefestigter Rechtsprechung des BFH setzt der Vorsteuerabzug gem. § 15 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG nach richtlinienkonformer Regelung voraus, dass die Steuer in dem ausgewiesenen Umfang auch tatsächlich geschuldet wird (ständige Rechtsprechung seit BFH-Urteil vom 2. April 1998 - V R 34/97, BStBl II 1998, 695;… vgl. BFH-Urt. vom 1. Februar 2001 - V R 23/00, BStBl II 2003, 673;… vom 12. Dezember 2002 - V R 85/01, BFH/NV 2003, 829; BFH-Beschl. vom 1. April 2004 V B 112/03, BStBl II 2004, 802;… vom 10. Mai 1999 - V B 1/99, BFH/NV 1999, 1526).
Der BFH hat damit seit der Entscheidung vom 2. April 1998 (V R 34/97, BStBl II 1998, 695) an seiner früheren Rechtsprechung (…BFH-Urt. vom 19. Mai 1993 - V R 110/88, BStBl II 1993, 779, m. w. N. ;… BFH-Urt. vom 29. Oktober 1987 - V R 154/83, BStBl II 1988, 508), nach der ein Steuerbetrag nach § 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG unabhängig davon abziehbar ist, ob er geschuldet wird, nicht mehr festgehalten.
Im Streitfall ist zwischen den Beteiligten unstreitig, dass die Ausgangs-Umsatzsteuerbescheide 1993 bis 1997 vor Veröffentlichung der BFH-Entscheidung vom 2. April 1998 (a. a. O.) erlassen wurden.
Wie erwähnt durfte der Unternehmer nach der bis zum Ergehen des BFH-Urteils vom 2. April 1998 (a. a. O.) geltenden Rechtslage die nach § 14 Abs. 2 UStG a. F. zu Unrecht ausgewiesene Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen (…BFH-Urt. vom 19. Mai 1993 - V R 110/88, BStBl II 1993, 779, m. w. N.;… BFH-Urt. vom 29. Oktober 1987 - V R 154/83, BStBl II 1988, 508).
Jedoch konnte sich diese Rechtsprechungsänderung durch das BFH-Urteil vom 2. April.1998 (V R 34/97, BStBl II 1998, 695) nicht zum Nachteil der Klägerin auswirken, weil die Umsatzsteuerfestsetzung für die Jahre 1993 bis 1997 unabhängig von der Regelung des § 176 Abs. 1 Nr. 3 AO im Zeitpunkt der Rechtsprechungsänderung bereits verfahrensrechtlich wegen eingetretener Festsetzungsverjährung unabänderbar war.
Vielmehr versteht das Gericht die vom BFH in den Urteilen vom 1. Oktober 2007 (…V R 27/05, a. a. O.) und 6. Dezember 2007 V R 3/06, a. a. O.) entwickelten Grundsätze dahin, dass die ältere Rechtsprechung nur dann über § 176 Abs. 1 Nr. 3 AO zugunsten des Steuerpflichtigen weiter anzuwenden ist, wenn die Finanzbehörde nach Veröffentlichung des BFH-Urteils vom 2. April 1998 (a. a. O.) grundsätzlich noch die verfahrensrechtliche Möglichkeit gehabt hätte, den Steuerbescheid für das Abzugsjahr (hier 1993 bis 1997) zum Nachteil des Steuerpflichtigen zu ändern und hieran allein durch die Vorschrift des § 176 Abs. 1 Nr. 3 AO gehindert war (…BFH-Urt. vom 11. Oktober 2007 - V R 27/05, a. a. O. Tz. 50).