Source: https://www.arbeitsinspektion.gv.at/inspektorat/Arbeitsstoffe/biologische/Ermittlung_und_Beurteilung_Arten
Timestamp: 2020-01-24 09:22:20
Document Index: 2016373

Matched Legal Cases: ['§ 40', '§ 41', '§ 1', '§ 40', '§ 1', '§ 41']

Wann gilt die Verordnung biologischer Arbeitsstoffe?
Arten biologischer Arbeitsstoffe
Prionen (z.B.Erreger der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit)
Humanendoparasiten (z.B. Band- und Spulwürmer, Malaria-Erreger)
Keine biologischen Arbeitsstoffe sind Tiere (ausgenommen Endoparasiten) und Pflanzen, organische Stäube (Holzstäube, Futtermittelstäube), Ektoparasiten, wie Milben und Zecken, freie Nukleinsäuren und Plasmide (Bestandteile von Zellen), Stoffwechselprodukte sowie sonstige Produkte pflanzlichen oder tierischen Ursprungs (Tierhaare, Federn, Lebensmittel und -bestandteile).
Von Mikroorganismen (auch genetisch veränderten), Zellkulturen, Viren, Sporen und unkonventionellen Agenzien (Prionen) können Infektionskrankheiten, Allergien oder toxische (giftige) Wirkungen hervorgerufen werden.
Stoffe der Risikogruppe 1: rufen im allgemeinen beim Menschen keine Krankheiten hervor
Stoffe der Risikogruppe 2: können beim Menschen Krankheiten hervorrufen und eine Gefahr für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer darstellen.
Stoffe der Risikogruppe 3: können beim Menschen schwere Krankheiten hervorrufen und eine ernste Gefahr für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer darstellen.
Stoffe der Risikogruppe 4: können beim Menschen schwere Krankheiten hervorrufen und eine ernste Gefahr für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer darstellen. Die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung ist dabei groß, normalerweise ist eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung nicht möglich.
Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben im Rahmen der Evaluierung die biologischen Arbeitsstoffe entsprechend ihrem Infektionspotential den Risikogruppen zuzuordnen (§ 40 Abs. 4 ASchG). Stoffe der Risikogruppe 2 bis 4 gelten als gefährlich, Stoffe der Risikogruppe 1 gelten grundsätzlich als nicht gefährlich. Da bei der Einstufung das allergene und/oder toxische Potential der Stoffe unberücksichtigt bleibt, ist bei der Verwendung von Stoffen der Risikogruppe 1 dennoch zu prüfen, ob sie gesundheitsgefährdend sein können.
Die Aufnahme biologischer Aufnahme kann auf unterschiedliche Weise erfolgen:
Die Übertragung der Erreger kann über die Luft (Tröpfcheninfektion), über Kontakt mit kontaminierten Flächen oder Gegenständen (Schmierinfektion) bzw. die Aufnahme verunreinigter Nahrungsmittel erfolgen.
Die Verordnung über biologische Arbeitsstoffe ist nur anwendbar, wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Stoffen oder an Einrichtungen tätig werden müssen, die biologische Arbeitsstoffe enthalten könnten.
Die Feststellung, ob eine Verwendung biologischer Arbeitsstoffe erfolgt, ist in der Ermittlung und Beurteilung der Gefahren nach § 41 ASchG zu treffen.
Aus der Feststellung, ob eine beabsichtigte oder eine unbeabsichtigte Verwendung mit biologischen Arbeitsstoffen vorliegt, leiten sich für die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber unterschiedliche Maßnahmen der Gefahrenverhütung ab.
Bei der Ermittlung und Beurteilung von Gefahren sind besonders schutzbedürftige Personengruppen wie z.B.: Jugendliche oder werdende bzw. stillende Mütter zu berücksichtigen.
Weitergehende Informationen finden Sie in der Broschüre Biologische Arbeitsstoffe - Einstufung, Schutzmaßnahmen, Branchenbeispiele.
Mikororganismen sind unterschiedliche Organismen, die durch ihre geringe Größe charakterisiert sind. Aufgrund ihrer großen Anpassungsfähigkeit sind sie in der Lage, sich in allen Bereichen der Umwelt erfolgreich anzusiedeln. Sie produzieren etwa 75 Prozent der gesamten Biomasse der Erde und sind von großer Bedeutung für die biologischen Stoff- und Energiekreisläufe.
Trotzdem stellen Mikroorganismen auch im 21. Jahrhundert als Verursacher von Erkrankungen von Mensch, Tier und Pflanzen ein nicht zu unterschätzendes Problem dar.
Viren, Bakterien, Pilze und Humanendoparasiten können schwere, auch chronische Erkrankungen hervorrufen, die zum Tod führen können.
Bakterien sind einzellige Lebewesen mit unterschiedlicher Gestalt ohne Zellkern, Kernmembran oder Mitochondrien. Die Zellwand bestimmt die Größe und die äußere Form des Bakteriums. Im Gegensatz zu Pilzen sind Bakterien beweglich.
Das Wachstumsoptimum medizinisch bedeutsamer Bakterien liegt zwischen 18° - 45° Celsius. Minimal- bzw. Maximalbereiche reichen von 2° bzw. 50° Celsius.
Die meisten Arten bevorzugen einen pH - Wert im Neutralbereich um pH 7, Lactobazillen haben ein Optimum bei pH 5, Cholera Vibrionen bei pH 9.
Die meisten medizinisch bedeutsamen Bakterien können sowohl bei Anwesenheit als auch bei Fehlen von Luftsauerstoff wachsen (Energiegewinnung durch Atmung wie durch Gärung).
Bakterien spielen im Arbeitsschutz v.a. als Infektionserreger und Toxinproduzenten (Endo- und Exotoxine) eine wichtige Rolle.
Die Vermehrung der Bakterien erfolgt durch Querteilung. Die Generationszeit (Zeit der Verdoppelung) reicht von einigen Minuten (Clostridiumarten) bis zu etlichen Stunden (Mycobacterium tuberculosis).
Viren sind kleine infektiöse Partikel, die aus Nukleinsäuren (RNA, DNA), Proteinen (Eiweiße) und gegebenenfalls auch Lipiden (Fetten) bestehen.
Das Capsid (Proteinhülle) bestimmt die Form des Virus. Viren besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und werden durch die infizierte Wirtszelle vermehrt. Sie sind demnach intrazelluläre Schmarotzer. Viren können außerhalb der Wirtszelle nur kurz überleben und sich nicht selbstständig vermehren. Die Infektionsgefährlichkeit außerhalb einer anderen lebenden Zelle oder eines Organismus ist daher von relativ kurzer Dauer.
Die Desoxyribonukleinsäure ist eine Nukleinsäure in Form einer rechtsgängigen Doppelhelix.
Sie enthält die genetische Information für die biologische Entwicklung in Zellen und einigen Viren. Im internationalen und im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wird die Desoxyribonukleinsäure mit der englischen Abkürzung DNA (desoxyribonucleic acid) bezeichnet, im deutschen Sprachraum auch mit DNS.
Ein anderer Übertragungsweg ist der Verzehr von infiziertem Fleisch, z.B. Schweinefleisch, das Trichinen enthält.
Pilze zählen zu den am weitesten verbreiteten Organismen der Erde.
Zellkulturen sind isolierte einzelne Zellen, die in Laboratorien unter bestimmten Bedingungen gezüchtet und vermehrt werden.
Sie stammen aus Pflanzen, Tieren oder Menschen und werden in der Pharmaindustrie, der Lebensmittelindustrie, als Ersatz für Tierversuche, zur Impfstoffproduktion u. ä. eingesetzt.
Zellkulturen können mit Krankheitserregern oder Toxinen des Spenderorganismus behaftet sein oder auch Allergien hervorrufen.
Unkonventionelle Agenzien, z.B. Prionen (kleine Eiweiße), sind jene Krankheitserreger die transmissible spongiforme Enzephalopathien, wie die Rinderseuche BSE (bovine spongiforme Enzephalopathie) und ähnliche Krankheiten bei Menschen (Creutzfeldt-Jakob-Krankheit) oder Tieren (Scrapie bei Schafen und Ziegen) auslösen.
Bei all diesen Erkrankungen wird das Gehirn schwammartig zersetzt.
Prionen sind sehr widerstandsfähig. So widerstehen sie fast allen Desinfektionsmitteln, großer Hitze und haben sogar nach Austrocknung noch eine geringe Restinfektiosität.
Unterschieden wird zwischen beabsichtigter und unbeabsichtigter Verwendung.
Im Zuge der Evaluierung ist zu ermitteln, ob eine beabsichtigte oder unbeabsichtigte Verwendung vorliegt.
Bei der beabsichtigten Verwendung ist das Arbeiten mit einem biologischen Arbeitsstoff der eigentliche Zweck der Tätigkeit (§ 1 Abs. 3 VbA, § 40 Abs. 4 ASchG).
biologische Arbeitsstoffe vorhanden sind,
wo sie im Arbeitsprozess vorkommen und
um welche Arbeitsstoffe es sich handelt.
Bereiche mit beabsichtigter Verwendung:
Wissenschaftliche Forschung im Bereich der Mikrobiologie, Biochemie, Medizin
Laboratorien, wie z.B. mikrobiologische Analyse, bakteriologisch-serologische Diagnose, Forschung
Lebensmittelindustrie, wie Herstellung von Joghurt oder Käse, mikrobielle Produktion von Zusatzstoffen aller Art
Pharmaindustrie, wie Impfstoffherstellung, Erzeugung diverser Medikamente
In die Ermittlung und Beurteilung sind folgende Kriterien aufzunehmen:
Die Risikogruppe der biologischen Arbeitsstoffe
Die aufgrund der entstehenden Stoffwechselprodukte oder des Vorhandenseins des Organismus selbst möglichen Allergenen oder toxischen Wirkungen.
Art und Häufigkeit der Tätigkeit
Bereits aufgetretene Erkrankungen oder möglicherweise auf die Verwendung des biologischen Arbeitsstoffes zurückzuführende Erkrankungen.
Bei unbeabsichtigter Verwendung fehlt meist die (genaue) Kenntnis über die Identität der verwendeten biologischen Arbeitsstoffe. Sofern dennoch die Zuordnung zu einer Risikogruppe möglich ist, besteht die Verpflichtung diese Zuordnung vorzunehmen.
Für die Beurteilung der Gefährdungen und Risiken für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei der unbeabsichtigten Verwendung ist weiters auf Erfahrungen mit vergleichbaren Tätigkeiten, den Stand von Wissenschaft und Technik sowie auf bereits bekannt gewordene Erkrankungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zurückzugreifen (z.B. Hepatitis- oder TBC-Infektionen bei Pflegepersonal, Hunde- und Fuchsbandwürmer bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Landwirtschaft) und es sind entsprechende Schutzmaßnahmen festzulegen.
Bei der unbeabsichtigten Verwendung liegt der Zweck der Tätigkeit nicht in der Nutzung eines biologischen Arbeitsstoffes (§ 1 Abs. 4 VbA, § 41 ASchG).
Es kann aber aufgrund der verwendeten Materialien, der Arbeitsumgebung oder Verunreinigung zu einer Exposition kommen.
Bereiche mit unbeabsichtigter Verwendung:
Abfallwirtschaft, wie Hausmülldeponien, Kanalarbeiten, Kläranlagen, Müllsortierung, Krankenhausabfälle
Gesundheitswesen, wie Arztpraxen, Infektionsstationen, Krankenhauswäscherei
Holzindustrie, Sägewerke, wie verschimmeltes Holz
Landwirtschaft, wie Arbeiten mit Getreide oder Heu
Restaurationsarbeiten, wie von Bildern, Büchern, Möbel
Umgang mit Tieren bzw. mit Erzeugnissen tierischen Ursprungs wie Tierkörperverwertungsanlagen, Schlachthaus
Wartung/Reinigung von Klimaanlagen, Luftbefeuchter und ähnliches
Biofilter, wie Wechseln des Materials
Im Rahmen der Ermittlung und Beurteilung der Gefahren ("Evaluierung") müssen zur Gefahrenverhütung Maßnahmen bei beabsichtigter und unbeabsichtigter Verwendung biologischer Arbeitsstoffe festgelegt werden.
Schutzmaßnahmen, die bei der Verwendung biologischer Arbeitsstoffe zu treffen sind, finden sich allgemein im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) bzw. in ausführlicherer Form in der Verordnung biologische Arbeitsstoffe (VbA).
Maßnahmen bei beabsichtigter Verwendung:
Verpflichtung zum Ersatz bzw. Verwendung im geschlossenen System
Besondere Hygienevorschriften
Besondere Desinfektions- und Reinigungsvorschriften
Schutz-/Arbeitskleidung
Anbieten von Schutzimpfungen
Zusätzliche Schutzmaßnahmen (baulicher oder technischer Natur)
Meldepflicht an das Arbeitsinspektorat
Information der ArbeitnehmerInnen Schriftliche Anweisungen
Anbieten von ärztlichen Untersuchungen
Maßnahmen bei unbeabsichtigter Verwendung:
Besondere Unterweisungspflicht
Schriftliche Anweisungen bei Bedarf
Weitere Informationen zur NastV enthalten die Erlässe Informationen zur Nadelstichverordnung - NastV und Nadelstichverordnung im Pflegebereich.
Die EU-Richtlinie gilt für alle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber im Krankenhaus- und Gesundheitsbereich und regelt u. a. folgende Pflichten:
Nadelstichverletzungen müssen der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) gemeldet werden, wenn die Arbeitsunfähigkeit mehr als drei Tage beträgt. Es wird angenommen, dass 80 bis 90 % nicht gemeldet werden. Damit bleibt unklar, wie viele Nadelstichverletzungen es in Österreich gibt.