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Timestamp: 2019-12-08 19:44:08
Document Index: 387278292

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 18', '§ 42']

Benutzung des Standstreifens (im Stau)
hinzugefügt von testman [Email: Keine]
am 24.04.01 14:34
in einem Stau habe ich die Autobahn-Ausfahrt zu einer Raststätte runtergefahren und bin gleich wieder aufgefahren, weil die Tanke voll war. Leider war die Auffahrt an einem Berggefälle (abwärts) und die LKWs haben mich auf der rechten Spur nicht reingelassen. Für mich verständlich eigentlich, ich würde auch nicht abbremsen, um ein wartenden PKW reinzulassen. Also bin ich ein gutes Stück auf den Standstreifen gefahren und habe mich dann ca. nach 1000 Metern auf den rechten Fahrstreifen eingeordnet. Nach ca. 100 Metern werde ich von einer Polizei-Streife rausgewunken und solle mich "hinten anstellen". Dann kommt die nette Dame und sagt "Verkehrskontrolle"; nihmt FS und Perso mit; kommt später wieder und sagt: "Sie bekommen Post von uns!"
Die ganze Geschichte ist schon ca. 3 Wochen her, wann kommt die Post und mit was muss ich jetzt rechnen? Wirklich wegen "Zuhilfenahme des Standstreifens zwecks schnellerem Vorankommens"? Das macht dann 100 Mark und 2 Punkte. Bin noch in der Probezeit und finde diese Art von Abzocke sehr ungerecht. Andere sind wirklich absichtlich rechts auf dem Standstreifen gefahren, aber in meinem Fall?!?! Hilfe!
Zu: Benutzung des Standstreifens (im Stau)
am 25.04.01 09:01
1. Die "Post" wird wohl noch kommen. Allgemeine Regeln, wie lange es bis zur Zustellung eines Bußgeldbescheids dauert, gibt es nicht. Das hängt vom Arbeitsanfall bei den Bußgeldbehörden ab. Zu beachten ist lediglich, daß bei Verkehrsordnungswidrigkeiten nicht mehr als 3 Monate bis zum Erlaß eines Bußgeldbescheides vergehen dürfen (Verjährungsfrist).
2. Der Seiten(Stand-)streifen ist nicht Bestandteil der Fahrbahn (§ 2 Abs. 1 StVO) und darf nicht zum Befahren benutzt werden. Ausnahmen: Halten, Parken, Liegenbleiben, Ausweichen (in Gefahrensituationen!) oder wenn er ausnahmsweise durch besondere Lichtzeichen dafür freigegeben wird (z.B. neu auf der A99 - Ostumfahrung München zur besseren Steuerung des Messeverkehrs). Die verbotswidrige Benutzung des Seitenstreifens, z.B. zum schnelleren Vorwärtskommen, ist unerlaubtes Rechtsüberholen (wie auf anderen Straßen auch) und ein Verstoß gegen § 2 StVO. Die Bußgeldandrohung beträgt nach der Bußgeldkatalogverordnung 100 DM, zusätzlich drohen 2 Punkte.
Wenn der rechte Fahrstreifen durch eine Kolonne wie im vorliegenden Fall belegt ist, gibt dies nicht das Recht, den Seitenstreifen zu benutzen, da dieser anderen Zwecken dienen soll. Dann muß eben notfalls gewartet werden, bis eine Lücke in der Kolonne ein gefahrloses Einfahren ermöglicht. Von ungerechter Abzocke kann wohl keine Rede sein.
angehängt von Udo (ujohe@web.de)
am 25.04.01 09:09
Hallo, da habe ich noch eine Anmerkung. Gabs da in letzter Zeit nicht irgendeine Rechtssprechung, dass man den Seitenstreifen als verlängerten Beschleunigungsstreifen mitnutzen kann, falls dieser nicht ausreicht? Grüße Udo
am 25.04.01 10:16
Hallo khmenk,
ich hatte ja am Ende des B-Streifens gewartet,
aber wenn Dich kein LKW reinläßt, was willst du machen?
Warten bis du grau wirst oder Dich in eine nicht vorhandene
Lücke reinpressen??
Egal, es ist passiert, ich war auch nicht der Einzigste. Dann werde
ich wohl die Nachschulung antreten müssen, wenn es keine Gnade
vor dem Richter gibt... :-(
Und wo finde ich das Urteil mit dem verlängertem B-Streifen?
am 25.04.01 10:21
wobei ich noch sagen will, dass ich den standstreifen nicht zum schneller vorankommen genutzt habe, sondern um mich einzuordnen. will heißen, dass ich gar nicht rechts überholt habe...
angehängt von Udo (Email-Adresse unbekannt)
am 26.04.01 07:57
Hallo "Testman", wo man das Urteil findet kann ich dir nicht sagen, ich habe nur gehört, das man beim Beschleunigen auf dem B-Schreifen auch die Standspur mitnutzen kann wenn die B-Spur zu ende ist und nicht wie so manche "Volltrottel" am ende stehen bleiben. Sorry für den Ausdruck, aber ich finde es äußerst Lebensmüde mit 40 KM/H auf die Autobahn aufzufahren. Btw, vielleicht kann ja auch jemand bestätigen, das man auf dem B-Streufen schneller fahren kann als erlaubt, also zum Auffahren auf die Autobahn meine ich. Grüße Udo
am 26.04.01 09:20
aber ich kann nur sagen das ich bisher noch nie ab ende der B-spur gewartet habe
ausser wenn kein standstreifen da war dann muß man ja halten
und wer am ende der B-spur hält ist lebensmüde oder hat einen PANZER
sorry aber die meisten die anhalten am ende der B-spur fahren so langsam an das sie sich und den rest gefährten
und zu dem urteil es muß es geben aus oben genanten gründen
am 26.04.01 09:37
Von dem angeführten angeblichen Urteil ist mir nichts bekannt. Auch die Kommentierung Straßenverkehrsrecht, Hentschel, neueste Ausgabe gibt nichts her.
Die Standspur (rechter Seitenstreifen oder auch "Pannenstreifen") ist nicht Bestandteil der Fahrbahn und dient damit nicht dem normalen Verkehr. Ihr Zweck ist, das verkehrssichere Abstellen von Kfz bei Not- oder Unfällen sowie bei Pannen zu ermöglichen. Das Befahren ist nur ausnahmsweise und mit äußerster Vorsicht zulässig, z.B. damit Pannenfahrzeuge möglichst rasch entfernt werden oder für Polizei und Rettungsfahrzeuge sowie bei völlig irregulären Verhältnissen wie Unfall, Glatteis oder entgegenkommenden Falschfahrern. Eine zweckfremde Benutzung, z.B. um schneller vorwärtszukommen, verstößt gegen § 2 Abs.1 StVO und ist bußgeldbewehrt
(s. a. http://www.verkehrsportal.de/stvo/stvo_02.php3).
Wenn es nicht möglich ist, bis zum Ende des Beschleunigungstreifens auf die reguläre Fahrbahn einzufahren, dann muß dort tatsächlich gewartet werden, bis eine genügend große Lücke das gefahrlose Einfahren ermöglicht. Gewaltsames Hineinzwängen in den durchgehenden Verkehr ist eine Vorfahrtverletzung.
Ob das Einfahren von einem Beschleunigungsstreifen, die in der Regel ausreichend lang sind, in eine Verkehrslücke auf der durchgehenden Fahrbahn möglich ist, sollte ein routinierter, erfahrener Kraftfahrer im übrigen schon während des Beschleunigungsvorgangs erkennen und sich von seiner Fahrgeschwindigkeit her von Anfang an darauf einstellen. Abschließend sei noch auf das grundlegende Gebot des Defensivfahrens in § 1 StVO verwiesen.
Zur Frage von Udo: ein Beschleunigungsstreifen (nicht zu verwechseln mit dem Seiten- oder Standstreifen!) dient als unselbständiger Bestandteil der Richtungsfahrbahn dem Einfahren und gehört verkehrsrechtlich nicht zur durchgehenden Fahrbahn; von dort auf die durchgehende Fahrbahn Einfahrende sind wartepflichtig (§ 18 Abs. 3 StVO). Auf entsprechend markierten Beschleunigungsstreifen (Leitlinie = unterbrochene Linie, Z. 340 StVO) darf schneller gefahren werden als auf der durchgehenden Fahrbahn (§ 42 Abs. 6, Nr. 1e StVO) ; dies gilt selbst dann, wenn auf der durchgehenden Fahrbahn ein Überholverbot besteht.
am 26.04.01 12:23
soweit war mir das doch auch schon alles klar, danke für eure mühe. vielleicht soll ich es nochmal erklären:
es war stau, die auffahrt war bergabwärts und auf der dritten/rechten Spur waren fast nur LKWs unterwegs. das tempo war eine mischung aus stop and go, wobei die brummis ja meist eher konstant rollen, während es ganz links richtiges stop and go ist. nagut, wer schonmal lkw´s im stau beobachtet hat, kleben diese ziemlich dicht aufeinander und bergabwärts, wenn die ein bissl speed darauf haben, wird keiner freiwillig für einen kleinen pkw der auf dem b-streifen wartet bremsen. so ist es mir geschehen, dann bin ich halt auf dem standstreifen mit minimaler geschwindigkeit und absoluter vorsicht weitergefahren und hab dann doch noch eine lücke gefunden. schneller vorangekommen bin ich ja nicht, hab den standstreifen halt nur zum einordnen mißbraucht. hat man mit einem einspruch gegen den BuGeBe erfolg? hilft ein anwalt vielleicht weiter?
am 26.04.01 19:03
Ich weiß nicht, ich hab mir das gerad alles mal durchgelesen. Der "StVO-Hintergrund" wurde ja bereits hinreichend von @khmenk (Lob!) erläutert. Ich sehe in diesem Fall (1000m Nutzung der Standspur) für einen Einspruch keine Grundlage. Am Ende des Beschleunigungsstreifens ist anzuhalten und solange zu warten, bis der Fahrstreifen frei wird. In Deutschland ist mir kein Fall bekannt, wo ein Verkehrsteilnehmer am Ende eines Beschleunigungsstreifens verhungert ist :-)
Nicht das mißverstanden werde, insg. halte ich das Einfahren auf eine Autobahn "aus dem Stand" für gefährlicher gegenüber einer Nutzung des Standstreifens um sich mit genügender Eigengeschwindigkeit in den Verkehrsfluß einzufügen. Darüber sollte der Gesetzgeber einmal nachdenken...
am 25.05.01 08:09
Das Verfahren wurde eingestellt. Juhuuu!
am 25.05.01 12:23
am 28.05.01 09:29
Die Einstellung des Verfahrens in diesem speziellen Fall bedeutet natürlich keinen Freibrief für ähnliche andere Fälle. Glück gehabt oder eine gnädige Bußgeldstelle!
am 31.05.01 10:34
wieso und weshalb eingestellt wurde, keine ahnung. mal schauen, was der anwalt noch schreibt. naja, jedenfalls bin ich schon zum 2. mal um die nachschulung herumgekommen... *puuuh*
angehängt von Dennis (Email-Adresse unbekannt)
am 13.06.01 10:48
Hallo! Nur hierzu nochmal ganz schnell was von meinem Fahrlehrer, ich hab ihn das nämlich auch gefragt: In der Theorie wird am Ende vom Beschleunigungsstreifen angehalten, in der Praxis allerdings nicht weil das zu gefährlich ist. Dennis ;o)
am 25.06.01 20:38
Wie hat "Testman" doch so schön geschrieben:
"LKW's...ein bissl speed darauf haben, wird keiner freiwillig für einen kleinen pkw der auf dem b-streifen wartet bremsen."
Sehe ich auch so! Deswegen sollte man auch den Zweck des Beschleunigungsstreifens erfüllen um eine möglichst ähnliche Geschwindigkeit wie der Durchgangsverkehr zu erreichen. Dann ist es für den Durchgangsverkehr auch ein "Klacks" dich mal eben reinzulassen. Während wenn du erst mal stehst, brauchst du eine bedeutend größere Lücke.
Ansonsten gratuliere ich zum "Glück" ;-)