Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Berufung-nach-Ermahnung-JGG-wegen-StGB-202c--f307650.html
Timestamp: 2018-02-19 10:16:05
Document Index: 303775326

Matched Legal Cases: ['§202', '§469', '§45', '§109', '§ 184', '§303', '§108', '§184', '§202']

www.frag-einen-anwalt.de Internetrecht, Computerrecht Berufung nach Ermahnung (JGG...
letztes Jahr wurde gegen mich wegen "Vorbereitens des Ausspähens und Abfangens von Daten" (StGB §202c) ermittelt. Zur angeblichen Tat kann ich soviel sagen:
Ich war in einem Unternehmen beschäftigt, in dessen IT-Infrastruktur mir Sicherheitsmängel aufgefallen sind. Nachdem ich diese validiert (aber nicht ausgenutzt o.ä.) habe leitete ich meine Erkenntnisse an den IT-Sicherheitsbeauftragten weiter, der sich deswegen mit der IT in Verbindung setzte, um die Mängel zu beheben.
In Summe kann ich aber sagen; ich habe meiner Ansicht nach nichts böses getan und habe die Informationen selbstverständlich aus gutem Willen an die IT-Abteilung weitergegeben.
Die Reaktion des Unternehmens (nach Untersuchung der Angelegenheit durch eine externe IT-Sicherheitsfirma) war jedoch ein Strafantrag gegen mich, da ich (durch meine Untersuchungen) angeblich Vorbereitungen getroffen hätte Daten auszuspähen. Im Verfahren habe ich bei meiner Befragung natürlich die richtige Sichtweise angebracht und meinte auch verstanden worden zu sein. Ich hatte geplant meine Anwaltskosten letztendlich durch einen Antrag wegen einer leichtfertigen Anzeige (StPO §469) erstattet zu bekommen. Denn das Verhalten des Unternehmens sehe ich als komplett unangemessen, da ich durchgehend (lange vor dem Verfahren) Kontakt zu der IT-Abteilung gesucht hatte und um ein Gespräch bat um die Mängel zu beheben und darzulegen welche Methoden ich anwandt.
Zum Jahreswechsel wechselte auch der zuständige Staatsanwalt und promt erhielt ich (nach rund 1 Jahr Ermittlung) eine "Ermahnung" von der Staatsanwaltschaft. Von der Verfolgung würde gemäß §45 Abs. 2 JGG in Verbindung mit §109 Abs. 2 JGG abgesehen werden. Darin war erläutert, dass ich genügend bestraft worden wäre, da meine gesamte Elektronik für 3 Monate beschlagnahmt worden ist. Tatsächlich wurde ich dadurch extrem belastet und mein Alltag sehr eingeschränkt. Ein weiterer Grund für mich als "unschuldig" aus diesem Fall zu gehen.
Nebeninfo: Ich bin aktuell 22 Jahre alt und Schüler. Ich hole aktuell mein Abitur nach um noch im Jahr 2018 bei einer Polizeibehörde ein Duales Studium zu beginnen.
Natürlich war ich mit diesem Ergebnis nicht einverstanden und fragte meinen Anwalt ob wir denn nicht etwas tun könnten. Dieser (der von Anfang an nichts von diesem Fall verstand) erwiderte aber nur, dass es ein tolles Ergebnis sei und ich ihn bitte bezahlen sollte. Auch der Rechnungsbetrag ist extrem hoch und für mich aktuell nicht tragbar.
- Habe ich irgendeine Möglichkeit in Berufung zu gehen, und möglicherweise auch dem zuständigen Staatsanwalt noch einmal die gesamte Situation zu schildern, um das Urteil zu ändern? (Geht so etwas überhaupt im JGG?)
- Falls ersteres möglich sein sollte, besteht dann überhaupt noch die Möglichkeit dass mir auch die Kosten erstattet werden?
- Scheinbar kratzte ich an der Grenze zum JGG. Ich war zur "Tat" 21 Jahre alt und zur Ermahnung 22. Hat das seine Richtigkeit?
Ich hoffe diese Informationen waren ausreichend, aber nicht zu umfangreich, für eine Antwort, der ich gespannt entgegenblicke.
09.02.2018 | 12:24
Es liegt kein Urteil vor. Vielmehr wurde von einer weiteren Verfolgung abgesehen, was einer Einstellung entspricht. Demnach ist eine Berufung nicht möglich.
Auch ansonsten besteht kein Rechtsmittel oder Rechtsbehelf, weder eine Beschwerde, noch die Befugnis, ein Klageerzwingungsverfahren einzuleiten. Selbst ein Wiederaufnahmeverfahren ist nicht möglich.
Dies ist die eindeutige Rechtslage, wenngleich diese immer wieder kritisiert wird. Denn tatsächlich haben Sie einen Nachteil, weil die Entscheidung im Erziehungsregister eingetragen ist. Sie wird entfernt, sobald Sie das 24. Lebensjahr vollendet haben.
Im Tatzeitpunkt - auf den es ankommt - waren Sie Heranwachsender (zwischen 18 und 21), so dass das die Anwendung von Jegendstrafrecht zulässig war.
Ich hoffe, Ihre Fragen beantwortet zu haben, auch wenn Sie sich sicherlich inhaltlich eine andere Antwort erhofft haben. Eine Einzelfalltätigkeit kann und will dieser Beitrag natürlich nicht ersetzen.
§ 184 Abs. 4 StGB
§303b StGB Computersabotage
Anklage §108 UrhG und §184 StGB
Berufung nach Ermahnung (JGG) wegen StGB §202c ? © 2018 QNC GmbH