Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kapitalanlagerecht/bausparkonto-fuer-ehegatten-38798
Timestamp: 2019-10-24 04:18:30
Document Index: 222404952

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 29', 'BGH', '§ 428', 'BGH', 'BGH', '§ 29', 'BGH', 'BGH', '§ 35', '§ 428', '§ 428', '§ 428', '§ 428', '§ 428', '§ 428', '§ 428', '§ 428', '§ 428', 'BGH', '§ 428', '§ 428']

Bau­spar­kon­to für Ehe­gat­ten | Rechtslupe
Schlie­ßen Ehe­part­ner gemein­sam einen Bau­spar­ver­trag, ist, sofern nichts ande­res ver­ein­bart wird, nach einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs davon aus­zu­ge­hen, dass ein Kon­to­kor­rent­kon­to, das die Bau­spar­kas­se für sie führt, ein "Oder-Kon­to" ist und die Ehe­part­ner eine Gesamt­gläu­bi­ger­stel­lung mit Ein­zel­ver­fü­gungs­be­fug­nis haben.
Zu dem jetzt vom BGH ent­schie­de­nen Rechts­streit war es gekom­men, da die beklag­te Bau­spar­kas­se in ihren All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (§ 29 ABB) zwar gere­gelt hat­te, dass der Anspruch auf Aus­zah­lung eines Kon­to­gut­ha­bens dem Bau­spa­rer zusteht. Dem Wort­laut war aller­dings nicht zu ent­neh­men, in wel­cher Wei­se Ehe­part­ner, die den Bau­spar­dar­le­hens­ver­trag gemein­sam abge­schlos­sen haben, berech­tigt sind. Auf­grund des Ver­trags­zwecks und der Inter­es­sen der typi­scher­wei­se an Bau­spar­ver­trä­gen der vor­lie­gen­den Art betei­lig­ten Ver­trags­par­tei­en ist daher, so der BGH, davon aus­zu­ge­hen, dass das Kon­to­kor­rent­kon­to für Ehe­part­ner als "Oder-Kon­to" geführt wird und die Ehe­part­ner eine Gesamt­gläu­bi­ger­stel­lung (§ 428 BGB) mit Ein­zel­ver­fü­gungs­be­fug­nis haben 1. Die­se in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur ganz über­wie­gend ver­tre­te­ne Auf­fas­sung 2 hält auch der BGH für rich­tig.
Dafür spre­chen, so der BGH, der mit Bau­spar­ver­trä­gen ver­folg­te Zweck, den Bau­spa­rern Finanz­mit­tel für Bau­vor­ha­ben zur Ver­fü­gung zu stel­len, und das Inter­es­se der Ver­trags­par­tei­en, die­se Mit­tel zügig und unkom­pli­ziert aus­zu­zah­len. Die­ser Inter­es­sen­la­ge wider­sprä­che es, eine Ein­zel­ver­fü­gungs­be­fug­nis eines Ehe­part­ners über das Kon­to zu ver­nei­nen und die Aus­zah­lung des Kon­to­gut­ha­bens von der unter Umstän­den zeit­auf­wän­di­gen Ermitt­lung der Erben des ande­ren Ehe­part­ners abhän­gig zu machen. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass im Streit­fall das Bau­spar­dar­le­hen selbst bereits vor Ent­ste­hung des Kon­to­gut­ha­bens durch Aus­zah­lung der Ver­si­che­rungs­leis­tung voll­stän­dig getilgt war. § 29 Abs. 3 ABB bestimmt, dass alle für den Bau­spa­rer bestimm­ten Geld­ein­gän­ge dem Kon­to gut­zu­schrei­ben sind, und ist inso­weit ein­heit­lich aus­zu­le­gen.
Eine ande­re Aus­le­gung ist nicht des­halb gerecht­fer­tigt, weil die rechts­ge­schäft­li­che Begrün­dung einer Gesamt­gläu­bi­ger­schaft ange­sichts der damit für die Gläu­bi­ger ver­bun­de­nen, nicht uner­heb­li­chen Gefah­ren nur sel­ten vor­kommt 3. Da der Schuld­ner mit befrei­en­der Wir­kung an einen der Gläu­bi­ger leis­ten kann, sind die ande­ren auf ihren Aus­gleichs­an­spruch 4 gegen den Emp­fän­ger ange­wie­sen und tra­gen inso­weit das Insol­venz­ri­si­ko 5. Die­sem Umstand kommt hier kei­ne ent­schei­den­de Bedeu­tung zu, weil bei Ehe­part­nern, die gemein­sam einen Bau­spar­dar­le­hens­ver­trag schlie­ßen und dadurch die Ein­rich­tung eines Kon­to­kor­rent­kon­tos ver­an­las­sen, typi­scher­wei­se von einer inne­ren Ver­bun­den­heit aus­ge­gan­gen wer­den kann, die die Hin­nah­me des Aus­gleichs­ri­si­ko recht­fer­tigt 6. Dies gilt nicht nur für Giro­kon­ten mit klei­nen Gut­ha­ben, die für den lau­fen­den Lebens­un­ter­halt genutzt wer­den, son­dern auch für Kon­ten, die von Bau­spar­kas­sen geführt wer­den. Die Mög­lich­keit, dass ein Ehe­part­ner sei­ne Ein­zel­ver­fü­gungs­be­fug­nis miss­braucht und über das Kon­to­gut­ha­ben ver­fügt, ohne gegen­über dem ande­ren Ehe­part­ner hier­zu berech­tigt zu sein, recht­fer­tigt kei­ne ande­re Aus­le­gung. Es ist nicht davon aus­zu­ge­hen, dass ver­stän­di­ge und red­li­che Ver­trags­par­tei­en in dem für die Aus­le­gung maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses, in dem typi­scher­wei­se eine inne­re Ver­bun­den­heit der Ehe­part­ner besteht, einem denk­ba­ren Miss­brauch der Ein­zel­ver­fü­gungs­be­fug­nis wesent­li­ches Gewicht bei­mes­sen. Im Übri­gen ist es der Beklag­ten unbe­nom­men, eine Ein­zel­ver­fü­gungs­be­fug­nis durch eine ent­spre­chen­de Gestal­tung ihrer ABB aus­zu­schlie­ßen.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 31. März 2009 – XI ZR 288/​08
vgl. allg. zu Oder-Kon­ten: BGHZ 93, 315, 320 f.; 95, 185, 187; BGH, Urteil vom 25. Juni 2002 – XI ZR 218/​01, WM 2002, 1683, 1685; Hadding/​Häuser in Schimansky/​Bunte/​Lwowski, Bank­rechts-Hand­buch, 3. Aufl., § 35 Rn. 6 ff. m.w.N.[↩]
OLG Mün­chen, WM 1992, 1368, 1369; LG Bie­le­feld, Fam­RZ 1990, 1240; Staudinger/​Noack, BGB (2005), § 428 Rn. 77; MünchKomm/​Bydlinski, BGB, 5. Aufl., § 428 Rn. 8; Palandt/​Grüneberg, BGB, 68. Aufl., § 428 Rn. 3; Erman/​Ehmann, BGB, 12. Aufl., § 428 Rn. 8; PWW/​Müller, BGB, 3. Aufl., § 428 Rn. 2; Bamberger/​Roth/​Gehrlein, BGB, 2. Aufl., § 428 Rn. 2; Völz­mann-Sti­ckel­brock in Dau­ner-Lie­b/Hei­del/­Ring, Anwalts­kom­men­tar BGB, § 428 Rn. 11; Hk-BGB/­Schul­ze, BGB, 5. Aufl., § 428 Rn. 2; juris PK-BGB/ Rüß­mann, 3. Aufl., § 428 Rn. 14; aA AG Müns­ter, Urtei­le vom 10. Mai 1995 – 29 C 666/​94 und vom 17. Janu­ar 1996 – 29 C 467/​95; AG Hamm, Urteil vom 9. August 1999 – 28 C 111/​99[↩]
BGH, Urteil vom 20. Juni 1996 – IX ZR 248/​95, WM 1996, 1632[↩]
vgl. hier­zu Mei­er, AcP 205 (2005), 858, 872 ff.[↩]
MünchKomm/​Byd­lin­ski, BGB, 5. Aufl., § 428 Rn. 3[↩]
vgl. Erman/​Ehmann, BGB, 12. Aufl., § 428 Rn. 12[↩]
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