Source: http://www.hensche.de/Betriebsteiluebergang_nicht_jede_Abteilung_kann_als_Betriebsteiluebergang_auf_Erwerber_uebergehen_BAG_8AZR455-10-u.html
Timestamp: 2020-08-04 03:16:44
Document Index: 220802676

Matched Legal Cases: ['§ 613', 'Art. 1', '§ 613', '§ 613', 'EuG', '§ 613', 'EuG', 'Art. 1', 'EuG', '§ 613', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 267', '§ 613', '§ 613', '§ 613']

BAG, Urteil vom 13.10.2011, 8 AZR 455/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 13.10.2011, 8 AZR 455/10
Schlagworte: Betriebsteilübergang
Aktenzeichen: 8 AZR 455/10
Entscheidungsdatum: 13.10.2011
Leitsätze: Ein Übergang eines Betriebsteils auf einen Erwerber iSd. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB liegt nur dann vor, wenn die übernommenen Betriebsmittel und/oder Beschäftigten bereits beim Veräußerer eine abgrenzbare organisatorische wirtschaftliche Einheit, dh. einen Betriebsteil dargestellt haben.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Wesel, Urteil vom 29.11.2006, 4 Ca 1826/06
13. Ok­to­ber 2011
hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 13. Ok­to­ber 2011 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Hauck, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Böck und
Der Kläger war seit dem 1. Ja­nu­ar 1989 bei der ET GmbH (im Fol­gen­den: ET) beschäftigt. Die ET war auf dem Ge­biet „In­dus­tri­el­le Au­to­ma­ti­sie­rung“ so­wie „Mess- und Re­gel­tech­nik“ tätig. Zu ih­ren Kun­den zähl­ten ua. Stahl-, Alu­mi­ni­um- und Kup­ferhütten­wer­ke. Der Kläger war seit 1. Mai 1998 als Lei­ter der Ab­tei­lung F+E/ET-Sys­te­me/Netz­werk/IBS tätig. Ar­beits­schwer­punkt die­ser Ab­tei­lung war die Mess- und Re­gel­tech­nik. Die­se Ab­tei­lung glie­der­te sich in drei Grup­pen, nämlich die Grup­pen F+E/ET-Sys­te­me, EDV/Netz­werk/Ser­ver­sys­te­me/Da­ten­si­che­rung und Pro­duk­ti­on/Schalt-schränke/Pla­ti­nen. Dem Kläger ob­lag ne­ben der Lei­tung der ge­sam­ten Ab­tei­lung auch die Lei­tung der Grup­pe F+E/ET-Sys­te­me. Stell­ver­tre­ten­der Ab­tei­lungs­lei­ter und zu­gleich Lei­ter der Grup­pe Pro­duk­ti­on/Schalt­schränke/Pla­ti­nen war Herr N. In der vom Kläger ge­lei­te­ten Grup­pe F+E/ET-Sys­te­me wa­ren ua. die In­ge­nieu­re H, Ho, P, Dr. T und Dr. L beschäftigt. De­ren Auf­ga­be war die Ent­wick­lung, Pro­jekt­pla­nung, In­be­trieb­set­zung und Do­ku­men­ta­ti­on der Mess- und Re­gel­sys­te­me. Außer­dem
er­le­dig­ten sie Ser­vice­auf­ga­ben. Dr. T war im We­sent­li­chen in der For­schung und Ent­wick­lung neu­er Pro­duk­te tätig, Herr N war im Be­reich ET-Sys­te­me in der Pro­jekt­pla­nung und bei der In­be­trieb­set­zung bei Kun­den ein­ge­setzt und all­ge­mein für die Hard­ware zuständig.
Am 22. No­vem­ber 2005 schloss die ET mit der F GmbH (im Fol­gen­den: F-GmbH) und de­ren Mut­ter­ge­sell­schaft, der Sp, ei­nen als „As­set and Busi­ness Sa­le and Purcha­se Agree­ment“ be­zeich­ne­ten Ver­trag über die von der Ab­tei­lung F+E/ET-Sys­te­me/Netz­werk/IBS ent­wi­ckel­te Pro­dukt­li­nie „ET-De­cNT (ein­sch­ließlich ET-De­cNT light, ET-De­cNT Power­Melt)“ (di­gi­ta­le Elek­tro­den­re­ge­lung für Licht­bo­genöfen in der Stahl­in­dus­trie) und über die Tem­pe­ra­tur-Mess­sys­te­me „ET-Temp­Net“ (Gerät zur Mes­sung der Tem­pe­ra­tur in flüssi­gen Me­tall­schmel­zen), „ET-Oxy­Net“ (Gerät zur Tem­pe­ra­tur- und Sau­er­stoff­mes­sung in flüssi­gen Me­tall­schmel­zen) und „FT 7000“ (com­pu­ter­ba­sier­tes Mess­in­stru­ment, das ua. die Emis­si­ons­tem­pe­ra­tur, den Koh­len­stoff­ge­halt, den Alu­mi­ni­um­ge­halt etc. in flüssi­gen me­tall­hal­ti­gen Schmel­zen misst und be­rech­net). Bei den Tem­pe­ra­tur-Mess­sys­te­men han­delt es sich um von der ET für die F-GmbH ex­klu­siv ge­fer­tig­te Geräte. Auf­grund die­ses Ver­tra­ges er­warb die F-GmbH al­le Rech­te an der Soft­ware, den Pa­ten­ten, den Pa­tent­an­mel­dun­gen und den die frag­li­chen Pro­duk­te be­tref­fen­den Er­fin­dun­gen so­wie an den Pro­dukt­na­men und dem tech­ni­schen Know-how. Wei­ter er­warb die F-GmbH die Ent­wick­lungs­hard­ware, das Pro­dukt­ma­te­ri­al-In­ven­tar so­wie bzgl. der über­nom­me­nen Pro­dukt­li­ni­en ei­ne Kun­den- und ei­ne Lie­fe­ran­ten­lis­te. Zu den veräußer­ten Pro­duk­ten zähl­te auch das noch in der Wei­ter­ent­wick­lung be­find­li­che „ET-De­c­Net“. Zur F-GmbH wech­sel­ten der stell­ver­tre­ten­de Ab­tei­lungs­lei­ter N so­wie die In­ge­nieu­re H, Dr. T und P. Die F-GmbH über­nahm auch die vier PC-Ar­beitsplätze die­ser Mit­ar­bei­ter, das da­zu­gehöri­ge Be­triebs­sys­tem so­wie die ent­spre­chen­de Soft-
wa­re. Die PC-Ar­beitsplätze der nicht über­nom­me­nen Mit­ar­bei­ter und die an­de­ren Be­triebs­mit­tel ver­blie­ben eben­so bei der ET wie die Pro­dukt­pa­let­te „ET-DEC921 PC“, „ET-DEC921 S5“ und „ET-DEC921 S7“. Bei dem Pro­dukt „ET-DEC921 PC“ han­delt es sich um das Vorgänger­mo­dell des „De­cNT“. „DEC921 S5“ und „DEC921 S7“ be­ru­hen auf ei­ner älte­ren Tech­no­lo­gie und wur­den ab 2001 von der ET nicht mehr ver­kauft. Von den in der vom Kläger ge­lei­te­ten Ab­tei­lung beschäftig­ten 13 Ar­beit­neh­mern (ein­sch­ließlich des Klägers) hat die F-GmbH ins­ge­samt nur vier über­nom­men.
Zwi­schen De­zem­ber 2004 und De­zem­ber 2005 fer­tig­te die ET 20 Elek­tro­den­re­ge­lun­gen des „De­cNT“ und nahm im sel­ben Zeit­raum 16 Elek­tro­den­re­ge­lun­gen die­ses Typs in Be­trieb. Im sel­ben Zeit­raum wur­de bei nur ei­nem Kun­den ei­ne Re­pa­ra­tur und In­be­trieb­set­zung ei­ner Elek­tro­den­re­ge­lung des Typs „DEC921 PC“ durch­geführt. Mit der Fer­ti­gung und In­be­trieb­nah­me von „De­cNT“ er­ziel­te die ET im Zeit­raum von De­zem­ber 2004 bis De­zem­ber 2005 ei­nen Ge­samt­um­satz von 1.347.660,00 Eu­ro net­to und für den Ver­kauf von Er­satz­tei­len von ca. 20.000,00 Eu­ro bis 30.000,00 Eu­ro. Der Ge­samt­um­satz hin­sicht­lich der an die Be­klag­te ver­kauf­ten Tem­pe­ra­tur-Mess­sys­te­me be­trug im sel­ben Zeit­raum 107.963,00 Eu­ro. Bezüglich der zur Zeit des Ab­schlus­ses des „As­set and Busi­ness Sa­le and Purcha­se Agree­ment“ vom 22. No­vem­ber 2005 die Pro­dukt­li­nie „De­cNT“ be­tref­fen­den lau­fen­den Kun­den­aufträge wur­de ver­ein­bart, dass ET die Leis­tun­gen der F-GmbH und der „über­tra­ge­nen“ An­ge­stell­ten zu marktübli­chen Prei­sen ein­setzt. ET sag­te zu, kei­ne wei­te­ren Kun­den­aufträge an­zu­neh­men. Auch ein Wett­be­werbs­ver­bot wur­de hin­sicht­lich der veräußer­ten Pro­duk­te ver­ein­bart. ET ver­pflich­te­te sich, al­le Kun­den, die ein freiblei­ben­des Kun­den­an­ge­bot er­hal­ten hat­ten, über den Ver­kauf der Pro­duk­te und Tech­no­lo­gi­en an die F-GmbH und de­ren Mut­ter­ge­sell­schaft zu un­ter­rich­ten und den Kun­den zu emp­feh­len, die Auf­träge für al­le die­se Pro­duk­te und Leis­tun­gen der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten zu er­tei­len.
Be­reits vor Ab­schluss des Ver­tra­ges vom 22. No­vem­ber 2005 wur­den Mit­ar­bei­ter der Ab­tei­lung F+E/ET-Sys­te­me/Netz­werk/IBS nicht nur für Auf­ga­ben die­ser Ab­tei­lung ein­ge­setzt. So wur­den ein­zel­ne Ser­ver­schränke für ei­nen Großauf­trag in Sa von der Grup­pe Pro­duk­ti­on/Schalt­schränke/Pla­ti­nen ge­fer­tigt. Strei­tig ist zwi­schen den Par­tei­en, ob der Kläger für an­de­re Ab­tei­lun­gen tätig wur­de, ins­be­son­de­re Auf­ga­ben für das Großpro­jekt in Sa über­nom­men hat.
Mit am 9. Ju­ni 2006 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­ner Kla­ge hat der Kläger die Fest­stel­lung be­an­tragt, dass sein Ar­beits­verhält­nis bei der ET ab dem 9. De­zem­ber 2005 mit al­len Rech­ten und Pflich­ten auf die F-GmbH über­ge­gan­gen sei. In der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 13. Sep­tem­ber 2006 vor
dem Ar­beits­ge­richt hat er dann den An­trag ge­stellt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihn als Ab­tei­lungs­lei­ter zu den Be­din­gun­gen sei­nes un­ter dem 1. Ja­nu­ar 1989 mit der ET ge­schlos­se­nen An­stel­lungs­ver­tra­ges wei­ter­zu­beschäftig­ten.
er­fah­re­ne In­ge­nieu­re nur schwer zu fin­den ge­we­sen sei­en. Die In­be­trieb­nah­men sei­en ent­we­der von den über­nom­me­nen Mit­ar­bei­tern oder In­ge­nieu­ren bzw. Tech­ni­kern aus ih­rem ei­ge­nen Mit­ar­bei­ter­stamm er­le­digt wor­den. Die Auf­ga­ben der über­nom­me­nen Mit­ar­bei­ter sei­en über­dies er­wei­tert wor­den. Dies er­ge­be sich aus neu­en Stel­len­be­schrei­bun­gen für die­se ab März 2006.
Mit Be­schluss vom 10. Au­gust 2007 hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof die Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt, ob ein Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­teils auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber iSv. Art. 1 Nr. 1a und b der Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len (im Fol­gen­den: Richt­li­nie 2001/23/EG) nur vor­liegt, wenn der Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­teil bei dem neu­en In­ha­ber als or­ga­ni­sa­to­risch selbständi­ger Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­teil fort­geführt wird.
fung zwi­schen den über­tra­ge­nen Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren bei­be­hal­ten wird und sie es dem Er­wer­ber er­laubt, die­se Fak­to­ren zu nut­zen, um der­sel­ben oder ei­ner gleich­ar­ti­gen wirt­schaft­li­chen Tätig­keit nach­zu­ge­hen; es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, das Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zun­gen zu prüfen.“
I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet: Seit dem 9. De­zem­ber 2005 be­ste­he zwi­schen den Par­tei­en ein Ar­beits­verhält­nis, weil die Be­klag­te als Rechts­nach­fol­ge­rin der F-GmbH gemäß § 613a BGB in die Rech­te und Pflich­ten aus dem zwi­schen dem Kläger und der ET be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis ein­ge­tre­ten sei. Je­doch sei die Be­klag­te nicht ver­pflich­tet, den Kläger als Ab­tei­lungs­lei­ter zu beschäftig­ten. Die Ab­tei­lung F+E/ET-Sys­te­me/Netz­werk/IBS, de­ren Lei­ter der Kläger ge­we­sen sei, ha­be bei der ET ei­ne selbständi­ge, ab­trenn­ba­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit dar­ge­stellt. De­ren be­trieb­li­cher Teil­zweck sei die Ent­wick­lung, Pro­jek­tie­rung und Fer­ti­gung von Mess- und Re­gel­sys­te­men für Hütten­wer­ke ge­we­sen. Von der Ab­tei­lung aus sei auch die In­be­trieb­nah­me die­ser Sys­te­me bei Kun­den or­ga­ni-
siert und ge­steu­ert wor­den. Al­le drei Grup­pen die­ser Ab­tei­lung sei­en Be­stand­tei­le des Be­triebs­teils ge­we­sen. Sie sei­en un­ter der Lei­tung des Klägers und sei­nes Stell­ver­tre­ters, N, zu­sam­men­ge­fasst ge­we­sen.
So­weit die F-GmbH Ma­te­ri­al für Schalt­schränke und wei­te­re in der Grup­pe Pro­duk­ti­on/Schalt­schränke/Pla­ti­nen ver­wen­de­te Tei­le eben­so we­nig über­nom­men ha­be wie die dort beschäftig­ten Elek­tri­ker, ste­he dies ei­nem Be­triebs­teilüber­gang nicht ent­ge­gen. Da es sich bei der vom Kläger ge­lei­te­ten Ab­tei­lung nicht um ei­nen be­triebs­mit­tel­ar­men Be­triebs­teil ge­han­delt ha­be, sei
es auch nicht ent­schei­dend, dass nicht aus al­len Grup­pen Mit­ar­bei­ter über­nom­men wor­den, son­dern ein Teil der In­ge­nieu­re mit ih­ren PC-Ar­beitsplätzen bei der ET ge­blie­ben sei.
Für die Iden­titäts­wah­rung des über­nom­me­nen Be­triebs­teils sei nicht ent­schei­dend, auf wel­che Wei­se nach dem Über­gang bei der F-GmbH die Kun­den­be­stel­lun­gen und die Pro­duk­ti­on ab­ge­wi­ckelt würden. Die F-GmbH ha­be nämlich kei­ne für die Durchführung von Kun­den­be­stel­lun­gen und die
Fer­ti­gung und Mon­ta­ge ge­nutz­ten Be­triebs­mit­tel über­nom­men. Es sei zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig, dass die F-GmbH we­der Ge­genstände aus der Pro­duk­ti­on noch die dort beschäftig­ten Elek­tri­ker über­nom­men ha­be. Unschädlich für die An­nah­me der Be­wah­rung des Funk­ti­ons­zu­sam­men­hangs der über­nom­me­nen wirt­schaft­li­chen Ein­heit sei auch, dass Mit­ar­bei­ter der Stamm­be­leg­schaft der F-GmbH nach dem Über­gang der Ein­heit In­be­trieb­nah­men er­le­digt hätten und für die über­nom­me­nen In­ge­nieu­re am 21. März 2006 neue Stel­len­be­schrei­bun­gen ge­fer­tigt wor­den sei­en. Letz­te­res gel­te vor al­lem auch des­halb, weil die In­ge­nieu­re kei­ne Tätig­kei­ten aus­geführt hätten, die an­de­ren Teil­zwe­cken der F-GmbH ge­dient hätten. Sch­ließlich sei der Kläger auch dem veräußer­ten Be­triebs­teil zu­ge­ord­net ge­we­sen.
1. Geht ein Be­trieb oder Be­triebs­teil durch Rechts­geschäft auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber über, so tritt die­ser in die Rech­te und Pflich­ten aus den im Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­sen ein, § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB. Die­se ge­setz­li­che Re­ge­lung stellt die Um­set­zung der Richt­li­nie 2001/23/EG dar. Die­se Richt­li­nie ko­di­fi­ziert ih­rer­seits die Richt­li­nie 77/187/EWG des Ra­tes vom 14. Fe­bru­ar 1977 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim
Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len in der durch die Richt­li­nie 98/50/EG des Ra­tes vom 29. Ju­ni 1998 geänder­ten Fas­sung (vgl. EuGH 29. Ju­li 2010 - C-151/09 - [UGT-FSP] AP Richt­li­nie 2001/23/EG Nr. 5 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2001/23 Nr. 4).
Dar­aus folgt, dass ei­ne Über­nah­me nur dann un­ter die Richt­li­nie 2001/23/EG und da­mit un­ter § 613a BGB fällt, wenn ei­ne auf Dau­er an­ge­leg­te wirt­schaft­li­che Ein­heit über­nom­men wird, de­ren Tätig­keit nicht auf die Ausführung ei­nes be­stimm­ten Vor­ha­bens be­schränkt ist. Der Be­griff der wirt­schaft­li­chen Ein­heit be­zieht sich auf ei­ne or­ga­ni­sier­te Ge­samt­heit von Per­so­nen und Sa­chen zur Ausübung ei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit mit ei­ge­nem Zweck, die hin­rei­chend struk­tu­riert und selbständig ist. Ei­ne sol­che Ein­heit muss nicht un­be­dingt be­deut­sa­me ma­te­ri­el­le oder im­ma­te­ri­el­le Be­triebs­mit­tel um­fas­sen. In be­stimm­ten Wirt­schafts­zwei­gen lie­gen die­se Be­triebs­mit­tel nämlich oft nur in ih­rer ein­fachs­ten Form vor und es kommt dort im We­sent­li­chen auf die men­sch­li­che Ar­beits­kraft an. Da­her kann ei­ne or­ga­ni­sier­te Ge­samt­heit von Ar­beit­neh­mern, de­nen ei­gens und auf Dau­er ei­ne ge­mein­sa­me Auf­ga­be zu­ge­wie­sen ist, ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit dar­stel­len, oh­ne dass wei­te­re Be­triebs­mit­tel vor­han­den sind (EuGH 13. Sep­tem­ber 2007 - C-458/05 - [Joui­ni ua.] Slg. 2007, I-7301 = AP Richt­li­nie 2001/23/EG Nr. 2 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2001/23 Nr. 1). In die­sem Zu­sam­men­hang ist für die Be­ur­tei­lung des Vor­lie­gens ei­ner wirt­schaft­li­chen Ein­heit iSv. Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23/EG auch zu prüfen, ob die vom Veräußerer über­tra­ge­nen Be­triebs­mit­tel bei ihm ei­ne ein-
satz­be­rei­te Ge­samt­heit dar­ge­stellt ha­ben, die als sol­che da­zu aus­ge­reicht ha­ben, die für die wirt­schaft­li­che Tätig­keit des Un­ter­neh­mens cha­rak­te­ris­ti­schen (Dienst-)leis­tun­gen oh­ne In­an­spruch­nah­me an­de­rer wich­ti­ger Be­triebs­mit­tel oder an­de­rer Un­ter­neh­mens­tei­le er­brin­gen zu können (vgl. EuGH 13. Sep­tem­ber 2007 - C-458/05 - [Joui­ni ua.] aaO).
Des­halb muss be­reits beim bis­he­ri­gen Be­triebs(teil)in­ha­ber ei­ne selbständig ab­trenn­ba­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit vor­ge­le­gen ha­ben, mit wel­cher in­ner­halb des be­trieb­li­chen Ge­samt­zwecks ein Teil­zweck ver­folgt wor­den ist. Die Erfüllung ei­nes be­trieb­li­chen Teil­zwecks ist nur ei­ne der Vor­aus­set­zun­gen für die An­nah­me des Vor­lie­gens ei­nes Be­triebs­teils und ver­mag das Feh­len ei­ner ab­grenz­ba­ren or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ein­heit nicht zu er­set­zen. Hier­bei darf die im Be­triebs­teil lie­gen­de Ein­heit nicht als bloße Tätig­keit ver­stan­den wer­den. Die Iden­tität der Ein­heit er­gibt sich auch aus an­de­ren Merk­ma­len, wie ih­rem Per­so­nal, ih­ren Führungs­kräften, ih­rer Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on, ih­ren Be­triebs­me­tho­den und ggf. den ihr zur Verfügung ste­hen­den Be­triebs­mit­teln. Al­ler­dings genügt ei­ne beim Be­triebs(teil)veräußerer be­ste­hen­de funk­tio­nel­le Ver­knüpfung nicht,
um ei­nen schon beim Veräußerer be­ste­hen­den Be­triebs­teil mit or­ga­ni­sa­to­ri­scher Selbständig­keit an­zu­neh­men, der im Sin­ne des § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB über­tra­gen wer­den könn­te. Durch die Recht­spre­chung des EuGH ist geklärt, dass schon beim Be­triebs(teil)veräußerer ei­ne ab­grenz­ba­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche wirt­schaft­li­che Ein­heit vor­ge­le­gen ha­ben muss, um ei­nen Be­triebs­teilüber­gang an­neh­men zu können. De­ren or­ga­ni­sa­to­ri­sche Selbständig­keit muss al­ler­dings nach der Recht­spre­chung des EuGH (12. Fe­bru­ar 2009 - C-466/07 - [Kla­ren­berg] Slg. 2009, I-803 = AP Richt­li­nie 2001/23/EG Nr. 4 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2001/23 Nr. 2) beim Be­triebs­er­wer­ber nicht mehr vollständig er­hal­ten blei­ben (vgl. BAG 7. April 2011 - 8 AZR 730/09 - NZA 2011, 1231). Auf­grund die­ser ein­deu­ti­gen Recht­spre­chung des EuGH war der Se­nat nicht ver­pflich­tet, ein Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren gemäß Art. 267 AEUV ein­zu­lei­ten.
a) Wie sich aus dem Or­ga­ni­gramm der ET und den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts er­gibt, be­stand bei der ET die Ab­tei­lung F+E/ET-Sys­te­me/Netz­werk/IBS, de­ren Lei­tung der Kläger in­ne­hat­te. Ar­beits­schwer-punkt die­ser Ab­tei­lung war die Mess- und Re­gel­tech­nik. Un­ter­glie­dert war sie in drei Grup­pen, nämlich die Grup­pe „F+E/ET-Sys­te­me“, die Grup­pe „EDV/Netz­werk/Ser­ver­sys­te­me/Da­ten­si­che­rung“ und die Grup­pe „Pro­duk­ti­on/Schalt­schränke/Pla­ti­nen“. In die­sen Grup­pen er­folg­te für die von der ET ver­trie­be­nen Mess- und Re­gel­sys­te­me die Ent­wick­lung, Pro­jekt­pla­nung, In­be­trieb­set­zung und Do­ku­men­ta­ti­on. Außer­dem wur­den die benötig­ten Pla­ti­nen bestückt so­wie Strom­laufpläne und Schalt­schränke nebst sons­ti­ger Elek­tro­nik­kom­po­nen­ten ge­fer­tigt. Dass es sich bei die­ser Ab­tei­lung um ei­ne selbständi­ge ab­trenn­ba­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit ge­han­delt hat, mit der in­ner­halb des be­trieb­li­chen Ge­samt­zwecks der ET ein Teil­zweck ver­folgt wor­den ist, er­gibt sich so­wohl aus dem von der Be­klag­ten vor­ge­leg­ten Or­ga­ni­gramm als auch
auf­grund der Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts und ist im Übri­gen zwi­schen den Par­tei­en auch nicht wei­ter strei­tig.
c) Die F-GmbH hat we­der das gan­ze Per­so­nal noch die im­ma­te­ri­el­len und/oder ma­te­ri­el­len Wirt­schaftsgüter der ge­sam­ten vom Kläger ge­lei­te­ten Ab­tei­lung F+E/ET-Sys­te­me/Netz­werk/IBS noch ei­ne der drei Grup­pen der Ab­tei­lung vollständig über­nom­men. Des­halb könn­te die „Über­nah­me“ von Tei­len der­sel­ben nur dann nach den oben dar­ge­stell­ten Grundsätzen ei­nen Be­triebs­teilüber­gang iSd. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB dar­stel­len, wenn die auf die F-GmbH bzw. auf de­ren Mut­ter­ge­sell­schaft über­ge­gan­ge­nen Ge­genstände
zu­sam­men mit dem über­nom­me­nen Per­so­nal be­reits bei der ET bzw. zu­min­dest in­ner­halb der Ab­tei­lung F+E/ET-Sys­te­me/Netz­werk/IBS ei­nen Be­triebs­teil iSd. Recht­spre­chung, al­so ei­ne selbständig ab­trenn­ba­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit dar­ge­stellt hätten, mit wel­cher in­ner­halb des be­trieb­li­chen Ge­samt-zwecks ein Teil­zweck ver­folgt wor­den wäre. Dies war nicht der Fall.
Des Wei­te­ren schei­det die An­nah­me ei­nes schon bei der ET vor­han­de­nen Be­triebs­teils iSd. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB dar­an, dass die Tätig­keit der vier über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mer nicht los­gelöst von der Tätig­keit der nicht über­nom­me­nen übri­gen neun Beschäftig­ten als or­ga­ni­sa­to­risch ab­trenn­ba­re Tätig­keit be­trach­tet wer­den kann. Dies zeigt sich be­reits dar­an, dass die Tätig­keit al­ler in der Ab­tei­lung Beschäftig­ten un­mit­tel­bar und un­trenn­bar mit der des nicht über­nom­me­nen Klägers ver­bun­den war. Die­ser war nämlich als Ab­tei­lungs­lei­ter ihr Vor­ge­setz­ter. Auch ha­ben die von der F-GmbH über­nom­me­nen
vier In­ge­nieu­re die von der ET veräußer­ten Pro­dukt­li­ni­en nicht al­lein ent­wi­ckelt, her­ge­stellt und/oder ver­trie­ben. Die­se Tätig­kei­ten konn­ten sie nur im Zu­sam­men­wir­ken mit den übri­gen, von der F-GmbH nicht über­nom­me­nen Mit­ar­bei­tern er­le­di­gen. Die über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mer wa­ren da­her bei der ET nicht für ei­ne be­stimm­te or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit „iden­titätsprägend“. Sie konn­ten oh­ne In­an­spruch­nah­me an­de­rer wich­ti­ger Be­triebs­mit­tel und Mit­ar­bei­ter der ET die für die Ab­tei­lung F+E/ET-Sys­te­me/Netz­werk/IBS oder ei­ne der drei Ab­tei­lungs­grup­pen cha­rak­te­ris­ti­schen Leis­tun­gen nicht er­brin­gen. Sol­che für die Durchführung von Kun­den­be­stel­lun­gen und die Fer­ti­gung und Mon­ta­ge, ins­be­son­de­re von Schalt­schränken und Pla­ti­nen, ge­nutz­ten Be­triebs­mit­tel hat die F-GmbH eben­so we­nig über­nom­men wie Ge­genstände aus der Pro­duk­ti­on und die dort beschäftig­ten Elek­tri­ker.
Aber auch oh­ne Mit­ein­be­zie­hung der in der Ab­tei­lung F+E/ET- Sys­te­me/Netz­werk/IBS beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter stell­ten die von der F-GmbH über­nom­me­nen Ge­genstände (Sa­chen und Rech­te) für sich be­trach­tet bei der ET kei­nen Be­triebs­teil dar. Al­lein von ei­nem Be­trieb zum Zwe­cke des Ver­kaufs pro­du­zier­te Ge­genstände (ein­sch­ließlich der dies­bezügli­chen Pa­ten­te, Pro­dukt­na­men, Lie­fe­ran­ten- und Kun­den­kar­tei­en) - hier die von der F-GmbH über­nom­me­nen Pro­dukt­li­ni­en - stel­len grundsätz­lich kei­nen Be­triebs­teil iSd. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB dar. Die Pro­duk­te ei­nes Be­triebs „die­nen“ schon be­griff­lich kei­nem Be­triebs­zweck, son­dern der Be­triebs­zweck „dient“ de­ren Ent­wick­lung, Her­stel­lung und Ver­trieb. Letzt­lich sind die über­nom­me­nen Pro­dukt­li­ni­en ein­sch­ließlich al­ler da­zu nöti­gen Kom­po­nen­ten (zB: Be­triebs­sys­te­me, Pa­ten­te, Know-how) von der Ab­tei­lung „pro­du­ziert“ wor­den, um mit de­ren Ver­kauf Um­satz und Ge­winn als ei­gent­li­chen Be­triebs­zweck zu er­zie­len. Letzt­lich hat die F-GmbH be­stimm­tes tech­ni­sches „Know-how“ und vier Mit­ar­bei­ter der ET über­nom­men. Die­ses über­nom­me­ne Wis­sen stell­te aber zu­sam­men mit den Ar­beit­neh­mern bei der ET kei­nen Be­triebs­teil in Form ei­ner or­ga­ni­sier­ten Ge­samt­heit von Per­so­nen und Sa­chen und da­mit kei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit dar. Pa­ten­te und „Know-how“ sind für sich be­trach­tet nämlich kei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ge­samt­hei­ten, wel­che ei­nen Be­triebs­teil bei der ET hätten bil­den können. Wenn die über­nom­me­nen vier Mit­ar­bei­ter der ET und die er­wor­be­nen
Pro­dukt­li­ni­en we­der je­weils ge­son­dert noch in der Ge­samt­schau be­trach­tet ei­nen Be­triebs­teil bei der ET ge­bil­det ha­ben, kommt den PC-Ar­beitsplätzen ein­sch­ließlich der Soft­ware, mit de­nen die vier über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mer ge­ar­bei­tet ha­ben, kei­ne be­son­de­re Be­deu­tung bei der Be­ur­tei­lung zu, ob bei der ET ein Be­triebs­teil vor­ge­le­gen hat.
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12/357 Be­triebs­über­gang durch Grund­stücks­kauf?
16.11.2012. In ei­nem ges­tern er­gan­ge­nen Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass der Er­werb ei­nes Haus­grund­stücks nicht da­zu führt, dass die Ar­beits­ver­hält­nis­se der ...