Source: http://www.familienrecht-rendsburg.de/geld/zugewinn/berechnungsbeispiel/
Timestamp: 2019-11-17 14:25:42
Document Index: 255870312

Matched Legal Cases: ['§ 1374', '§ 1374', '§1375', '§ 1373', '§ 1378', '§ 1377']

Familienrecht Rendsburg: Berechnungsbeispiel
Ein solches Vermögensverzeichnis könnte beispielsweise wie folgt aussehen:
1. Anfangsvermögen (§ 1374 I BGB) der Ehefrau am Tag der Eheschließung (17.07.1998)
Gesamtsumme Aktiva 4.814,62 €
Bausparvertrag 1.357,50 €
Pkw Fiat Panda (Wert geschätzt) 750,00 €
Reitpferd "Monika" (Wert geschätzt) 1.500,00 €
Sparkonto 7,12 €
Dolby surround Anlage und TV (geschätzt) 1.200,00 €
Gesamtsumme Passiva 2.298,09 €
restliche Verbindlichkeit aus Ratenkauf 543,00 €
überzogenes Girokonto 755,09 €
Mietschulden 1.000,00 €
Summe Anfangsvermögen 2.516,53 €
Gesamstsumme Aktiva 4814,62 €
Gesamtsumme Passiva - 2298,09 €
2. Zuerwerbsvermögen (§ 1374 II BGB) der Ehefrau
Summe Zuerwerbsvermögen 56.320,00 €
Erbschaft nach der am 27.11.11 verstorbenen Großmutter Eigentumswohnung 45.000,00 €
Schenkung eines Bausparvertrages durch die Eltern am 08.12.11 7.000,00 €
Erlass Darlehensverbindlichkeit durch Eltern am 07.01.12 4.320,00 €
3. Endvermögen (§1375 BGB) der Ehefrau am Tag der gerichtlichen Zustellung des Scheidungsantrages am 14.05.2016
Summe Aktiva 178.108,32 €
Pkw Opel Astra 5.000,00 €
½ Miteigentumsanteil Einfamilienhaus 120.000,00 €
Eigentumswohnung 50.000,00 €
Reitpferd "Bertha" 500,00 €
Girokonto 749,20 €
Wertpapierdepot 1.859,12 €
Summe Passiva 80.523,99 €
Darlehen für Hausfinanzierung 79.811,11 €
Restlicher Ratenkredit für Anschaffung eines AMC Kochtopfsets 712,88 €
Summe Endvermörgen 97.584.33 €
Gesamstsumme Aktiva 178.108,32 €
Gesamstsumme Passiva - 80.523,99 €
Es ist nun der erzielte Zugewinn (§ 1373 BGB), die Differenz zwischen Anfangs- und Zuerwerbsvermögen einerseits und dem Endvermögen andererseits festzustellen. Wenn wir die vorstehenden Werte einer solchen Berechnung zugrunde legen, dann ergibt sich bei der Ehefrau ein Zugewinn von:
Endvermögen 97.584,33 €
Abzüglich Anfangsvermögen 2.516,53 €
Abzüglich Zuerwerbsvermögen 56.320,00 €
„Zugewinn“ 38.747,80 €
Da der Geldwert einer Inflation unterliegt, sind Zuerwerbs- und Anfangsvermögen noch mit dem Lebenshaltungskostenindes zu indexieren (also wertmäßig auf den Stand zum Zeitpunkt der Zustellung des Scheidungsantrages zu bringen, um die Werte vergleichbar zu machen), was dazu führt, dass Anfangs-und Zuerwerbsvermögen effektiv höher werden.
Am 17.07.1998 2.516,53 €
Indexiert auf den Stichtag 14.05.2016 3.196,35 €
Zuerwerbsvermögen
Vermögenszugang 27.11.2011: Eigentumswohnung 45.000,00 €
Indexiert auf den Stichtag 14.05.2016 46.971,76 €
Vermögenszugang 08.12.2011: Bausparvertrag 7.000,00 €
Indexiert auf den Stichtag 14.05.2016 7.292,52 €
Vermögenszugang 07.01.2012: Erlass 4.320,00 €
Indexiert auf den Stichtag 14.05.2016 4.504,90 €
Summe indexiertes Zuerwerbsvermögen 58.769,18 €
Danach errechnet sich der Zugewinn der Ehefrau wie folgt:
(inflationsbereinigter) Zugewinn 35.618,80 €
abzüglich indexiertes Anfangsvermögen 3.196,35 €
abzüglich indexiertes Zuerwerbsvermögen 58.769,18 €
Wenn man davon ausgeht, dass der Ehemann einen Zugewinn von beispielsweise 17.000,00 € hatte, so ist es der Ehemann, der einen Zugewinnausgleichsanspruch gegen die Ehefrau hat und zwar in Höhe eines bei Scheidung fälligen Zahlungsanspruches von:
35.618,80 € - 17.000,00 € = 18.618,80 €
Die Ausgleichsforderung ist die Hälfte des Betrages, um den das Vermögen des Ausgleichspflichtigen das Vermögen des Ausgleichsberechtigten übersteigt (§ 1378 BGB), demgemäß:
18.618,80 € : 2 = Zugewinnausgleichsanspruch 9.309,40 €
Die vorstehende Darstellung täuscht über die wahre Problematik von Zugewinnausgleichsverfahren etwas hinweg. Häufig lässt sich das Anfangsvermögen bzw. das Zuerwerbsvermögen nicht nachweisen, weil entsprechende Dokumente nach langer Ehezeit nicht mehr vorliegen oder (bewusst) vernichtet worden sind. Aus diesem Grunde empfiehlt der Gesetzgeber - worauf allerdings noch nicht einmal ein Standesbeamter hinweist - ein Verzeichnis über das Anfangsvermögen (§ 1377 BGB) bei Eheschließung zu erstellen.
Ehegatten haben im Konfliktfall im Rahmen der Scheidung natürlich gegenläufige Interessen und es kommt maßgeblich darauf an, sich bereits in einem frühen Stadium der Trennung taktisch klug zu verhalten, Auskunftsansprüche geltend zu machen, notwendige Investitionen verlustbehafteter Güter zur Reduzierung des Vermögens vor dem Stichtag zu tätigen oder gewinnbringende Anschaffungen mit Aussicht auf Wertsteigerung möglichst auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.