Source: https://openjur.de/u/157043.html
Timestamp: 2020-02-24 00:23:21
Document Index: 303001135

Matched Legal Cases: ['§ 126', '§ 12', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 118', '§ 118', '§ 118', '§ 118', '§ 118', 'Art. 103', '§ 96', '§ 96']

BFH, Urteil vom 17.04.2008 - V R 39/05 - openJur
Urteil vom 17.04.2008 - V R 39/05
BFH, Urteil vom 17.04.2008 - V R 39/05
openJur 2011, 85010
II. Die Revision der Klägerin ist unbegründet; sie ist daher zurückzuweisen (§ 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung --FGO--).
1. Gemäß § 12 Abs. 2 Nr. 1 Umsatzsteuergesetzes 1999 (UStG 1999) ermäßigt sich die Steuer auf 7 % für Lieferungen der in der Anlage zum UStG 1999 bezeichneten Gegenstände. Nr. 49 Buchst. a der Anlage nennt "Bücher, Broschüren und ähnliche Drucke, auch in losen Bogen und Blättern" aus Positionen 49.01, 97.05 und 97.06 des Zolltarifs (jetzt Kombinierte Nomenklatur).
b) Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften (EuGH), der sich der BFH angeschlossen hat, gelten für die Frage, unter welchen Bedingungen mehrere zusammenhängende Leistungen als eine Gesamtleistung zu behandeln sind, folgende Grundsätze (vgl. EuGH-Urteile vom 25. Februar 1999 C-349/96, Card Protection Plan, Slg. 1999, I-973, Umsatzsteuer-Rundschau 1999, 254 Randnrn. 29, 30; vom 27. Oktober 2005 Rs. C-41/04, Levob, Slg. 2005, I-9433, BFH/NV Beilage 2006, 38 Randnrn. 19 bis 22; vom 21. Juni 2007 C-453/05, Ludwig, Deutsches Steuerrecht --DStR-- 2007, 1160, BFH/NV Beilage 2007, 398 Randnrn. 17, 18; BFH-Urteil vom 13. Juli 2006 V R 24/02, BFHE 213, 430, BStBl II 2006, 935, unter II.2.c aa):
d) Die nach dieser Rechtsprechung erforderliche Gesamtbetrachtung, ob aus Sicht des Durchschnittsverbrauchers eine einheitliche Leistung vorliegt (vgl. EuGH-Urteil Levob in Slg. 2005, I-9433, BFH/NV Beilage 2006, 38 Randnr. 19, m.w.N.), ist --entgegen der Ansicht der Klägerin-- im Wesentlichen das Ergebnis einer tatsächlichen Würdigung durch das FG, die den BFH grundsätzlich gemäß § 118 Abs. 2 FGO bindet (z.B. BFH-Urteile vom 6. September 2007 V R 14/06, BFH/NV 2008, 624, unter II.2. und 3.; vom 6. Dezember 2007 V R 66/05, BFH/NV 2008, 716, unter II.3.; vom 24. Januar 2008 V R 12/05, BFH/NV 2008, 909, unter II.2.b).
b) Diese tatsächliche Würdigung obliegt dem FG als Tatsacheninstanz. Soweit sie verfahrensrechtlich einwandfrei zustande gekommen ist und nicht gegen Denkgesetze oder allgemeine Erfahrungssätze verstößt, ist sie daher für den BFH als Revisionsgericht bindend (vgl. § 118 Abs. 2 FGO), selbst wenn die vorgenommene Wertung nicht zwingend, sondern lediglich möglich ist (BFH-Urteile vom 6. März 2007 IX R 38/05, BFH/NV 2007, 1281, unter II.2.c; vom 4. Dezember 2001 IX R 70/98, BFH/NV 2002, 635, unter II.2., m.w.N.; Gräber/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., § 118 Rz 41; Seer in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 118 FGO Rz 64, 87; Lange in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 118 FGO Rz 142, m.w.N.). So ist es hier.
Die Klägerin meint, das FG hätte durch eine empirische Untersuchung Beweis über die Beurteilung ihrer Leistungen durch den Durchschnittsverbraucher erheben müssen. Abgesehen davon, dass die Klägerin dies in der mündlichen Verhandlung vor dem FG nicht gerügt und damit auf die Rüge verzichtet hat (vgl. ständige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschluss vom 28. August 2006 V B 60/05, BFH/NV 2006, 2311), ist eine Beweiserhebung über die Sichtweise des Durchschnittsverbrauchers nicht erforderlich. Denn wie die Klägerin selbst ausführt, handelt es sich dabei lediglich um eine "gedankliche Perspektive".
ee) Ferner liegt kein Verstoß gegen das rechtliche Gehör (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes, § 96 FGO) darin, dass das FG den von der Klägerin in Schriftsätzen vorgebrachten Vortrag in den Entscheidungsgründen nicht in vollem Umfang aufgriff. Die Klägerin ist der Auffassung, dass das FG entgegen seiner Pflicht aus § 96 FGO ihre Schriftsätze vom 8. September 2004 und vom 12. Oktober 2004 insoweit nicht berücksichtigt habe, als sie (die Klägerin) dort vorgetragen habe, dass die Seminarleiterin sich anhand "separater" Unterlagen auf die Gruppenseminare vorbereite und es auch Teilnehmer gebe, die nur einmal ein Seminar besuchten. Der Anspruch auf rechtliches Gehör gebietet es nicht, dass sich das Gericht in der Begründung seiner Entscheidung mit jedem Vorbringen der Beteiligten ausdrücklich befassen muss (ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 8. Dezember 2000 I B 103/00, BFH/NV 2001, 631).
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