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Timestamp: 2019-07-16 14:15:32
Document Index: 191612732

Matched Legal Cases: ['§ 133', '§ 179', '§ 124', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15']

Die demnach erforderliche Abgrenzung zwischen den bindenden Verfügungssätzen eines Feststellungsbescheides und dessen (bloßer) Begründung erfolgt durch -in der Revisionsinstanz in vollem Umfang überprüfbare7- Auslegung des Feststellungsbescheides. Dabei ist entsprechend § 133 des Bürgerlichen Gesetzbuchs darauf abzustellen, wie ein verständiger Empfänger nach den ihm bekannten Umständen den Bescheid unter Berücksichtigung von Treu und Glauben verstehen musste8. Dementsprechend kommt es nicht darauf an, was die Finanzbehörde mit ihrer Erklärung gewollt hat. Es kommt auch nicht darauf an, wie ein außenstehender Dritter die Erklärung der Behörde auffassen konnte bzw. musste. Unerheblich ist auch, ob die notwendige Feststellung unbewusst unterblieben ist oder ob das Finanzamt auch dann eine Feststellung in einem Ergänzungsbescheid nach § 179 Abs. 3 AO treffen kann, wenn es zuvor bewusst auf diese Feststellung verzichtet hat. Weil der Verwaltungsakt nur mit dem bekannt gegebenen Inhalt wirksam wird (vgl. § 124 Abs. 1 Satz 2 AO), muss aber die Auslegung zumindest einen Anhalt in der bekannt gegebenen Regelung haben. Maßgebend sind deshalb auch nicht die erst nach Bekanntgabe des Verwaltungsaktes zutage tretenden Umstände. Im Zweifel ist das den Betroffenen weniger belastende Auslegungsergebnis vorzuziehen, da er als Empfänger einer auslegungsbedürftigen Willenserklärung der Verwaltung durch etwaige Unklarheiten aus deren Sphäre nicht benachteiligt werden darf9.
Feststellungsbescheid – und die Bezugnahme auf seine Anlagen Ein Feststellungsbescheid, der lediglich der Hinweis erteilt, dass die Feststellungen zu § 15a EStG aus der Anlage ersichtlich seien, enthält keinen eigenständigen Verwaltungsakt, mit dem verrechenbare Verluste gemäß § 15a…
vgl. Hallerbach in Herrmann/Heuer/Raupach, § 15b EStG Rz 53; Reiß in Kirchhof, EStG, 14. Aufl., § 15b Rz 57; Kaeser, in: Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG, § 15b Rz D 21; FG Münster, Urteil vom 18.06.2015 12 K 689/12 F, EFG 2015, 1696, nicht rechtskräftig, Az. des beim BFH anhängigen Revisionsverfahrens – VIII R 29/15 [↩]
s.a. BT-Drs. 16/107, S. 6; Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 17.07.2007, BStBl I 2007, 542, unter Rz 7 [↩]
so i.E. auch FG Münster, Urteil in EFG 2015, 1696; anders ohne Begründung Nds. FG, Urteil vom 26.09.2013 – 3 K 12341/11, EFG 2014, 131 [↩]
Kaeser, in: Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, a.a.O., § 15b Rz D 3 [↩]
vgl. Kaeser, in: Kirchhoff/Söhn/Mellinghoff, a.a.O., § 15b Rz D 2 [↩]
z.B. BFH, Urteil vom 08.11.2005 – VIII R 11/02, BFHE 211, 277, BStBl II 2006, 253 [↩]
s. z.B. BFH, Urteile in BFHE 211, 277, BStBl II 2006, 253; vom 12.06.1997 – I R 72/96, BFHE 183, 30, BStBl II 1997, 660 [↩]
s. BFH, Urteile in BFHE 211, 277, BStBl II 2006, 253; vom 11.12 1997 – III R 14/96, BFHE 185, 177, BStBl II 1999, 401 [↩]
z.B. BFH, Urteile vom 11.07.2006 – VIII R 10/05, BFHE 214, 18, BStBl II 2007, 96, mit zahlreichen Nachweisen; und vom 11.11.2014 – VIII R 37/11 [↩]
vgl. zur konkludenten Feststellung im Zusammenhang mit vorgreiflichen Umständen z.B. BFH, Urteil in BFHE 211, 277, BStBl II 2006, 253; s.a. BFH, Urteil vom 11.11.2014 – VIII R 37/11 zur Auslegung eines einen anteiligen Gewinn von 0 € feststellenden Bescheides [↩]
z.B. BFH, Urteile vom 14.02.2008 – IV R 44/05, BFH/NV 2008, 1156; vom 20.08.2015 – IV R 41/12, BFH/NV 2016, 227 [↩]
vgl. z.B. BFH, Urteil vom 10.12 1998 – III R 61/97, BFHE 187, 526, BStBl II 1999, 390 [↩]