Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/der-stoerende-nachbar-und-der-unterlassungsanspruch-gegen-dessen-ehefrau-3140516
Timestamp: 2020-07-14 09:51:56
Document Index: 218973424

Matched Legal Cases: ['§ 1065', '§ 906', '§ 743', '§ 1353', '§ 278', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 2', 'Art.20']

Der störende Nachbar - und der Unterlassungsanspruch gegen dessen Ehefrau | Rechtslupe
Der störende Nachbar - und der Unterlassungsanspruch gegen dessen Ehefrau
Der stö­ren­de Nach­bar – und der Unter­las­sungs­an­spruch gegen des­sen Ehe­frau
Ein auf §§ 1065, 1004 i.V.m. § 906 BGB gestütz­ter Unter­las­sungs­an­spruch käme nur dann in Betracht, wenn der auf Unter­las­sung in Anspruch Genom­me­ne als Stö­re­rin anzu­se­hen ist.
Geht die bekämpf­te Stö­rung nicht von dem Zustand des gemein­sa­men Hau­ses, son­dern von dem Ver­hal­ten eines Mit­be­woh­ners aus, ist die ande­re Mit­be­woh­ne­rin kei­ne Zustands­stö­re­rin. Sie kann daher nur als mit­tel­ba­re Hand­lungs­stö­re­rin zu der Unter­las­sung ver­pflich­tet sein.
Als mit­tel­ba­rer Hand­lungs­stö­rer wird ange­se­hen, wer die Beein­träch­ti­gung durch einen ande­ren in adäqua­ter Wei­se durch sei­ne Wil­lens­be­tä­ti­gung ver­ur­sacht und in der Lage ist, die unmit­tel­bar auf­tre­ten­de Stö­rung zu ver­hin­dern [1].
Liegt der Schwer­punkt des Ver­hal­tens der als Stö­re­rin in Anspruch genom­me­nen Mit­be­woh­ne­rin in einem Unter­las­sen, wird die Beein­träch­ti­gung nur dann durch ihre Wil­lens­be­tä­ti­gung ver­ur­sacht, wenn sie ver­pflich­tet wäre, gegen das Han­deln ihres Mit­be­woh­ners ein­zu­schrei­ten [2].
Eine sol­che Hand­lungs­pflicht lässt sich nicht aus dem Mit­ei­gen­tum her­lei­ten, wenn der eigent­li­che Stö­rer nicht auf­grund einer Gebrauchs­über­las­sung sei­tens der Mit­ei­gen­tü­me­rin [3], son­dern als Mit­ei­gen­tü­mer aus eige­nem Recht nutzt (vgl. § 743 Abs. 2 BGB) [4].
Aus fami­liä­ren Bin­dun­gen ergibt sich eben­falls kei­ne Hand­lungs­pflicht. aus der ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft (§ 1353 Abs. 1 Satz 2 BGB) ergibt sich kei­ne Ver­pflich­tung, den Ehe­part­ner davon abzu­hal­ten, zu musi­zie­ren oder Musik­un­ter­richt zu ertei­len.
Schließ­lich ist für das auch im Ver­hält­nis zu einem ein­zel­nen nach­bar­li­chen Mit­be­woh­ner bestehen­de nach­bar­li­che Gemein­schafts­ver­hält­nis aner­kannt, das eine Zurech­nung frem­den Ver­schul­dens gemäß § 278 BGB nicht statt­fin­det [5].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Okto­ber 2018 – V ZR 143/​17
vgl. BGH, Urteil vom 16.05.2014 – V ZR 131/​13, NJW 2014, 2640 Rn. 8 mwN[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 16.05.2014 – V ZR 131/​13, NJW 2014, 2640 Rn. 10 mwN[↩]
dazu BGH, Urteil vom 07.04.2000 – V ZR 39/​99, BGHZ 144, 200, 204[↩]
vgl. zum Gan­zen auch BGH, Urteil vom 14.09.2018 – V ZR 138/​17, Rn. 27 f.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 25.11.1964 – V ZR 185/​62, BGHZ 42, 374, 380[↩]
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