Source: https://www.xtranews.de/2010/09/02/gastkommentar-loveparade-von-rettungswegen-und-bauvorschriften-id0527933.html
Timestamp: 2018-01-23 06:33:28
Document Index: 13761382

Matched Legal Cases: ['§2', '§2', '§1', '§1', '§32', '§9', '§12', '§38', '§38', '§38', '§2', '§7', '§32', 'Art 34', '§ 67', '§3', '§12', '§73', '§ 54', '§54', '§54', '§73', '§54', '§9', '§61', '§60', '§60', '§12', '§54', '§54', '§73', '§85', '§54', '§7', '§ 7', '§7', '§7', '§20', '§1', '§36', '§ 36', '§19', '§17', '§37', '§38', '§41', '§ 19', '§18', '§75', '§ 43']

Gastkommentar: Loveparade – Von Rettungswegen und Bauvorschriften | xtranews – das Newsportal aus Duisburg
Forsa-Umfrage: 70 Prozent der Schleswig-Holsteiner wollen schnelle Neuwahl
2. September 2010 gastkommentar Duisburg
Quelle: Xtranews-Photopool
Der Kommentator ist uns bekannt, will aber anonym bleiben. Er kommentiert den Artikel http://xtranews.de/2010/08/21/duisburg-kein-rettungswegeplan-bei-250-000-besucher-lageplan-mit-eingezeichneten-rettungswegen-geheim/ Ausdrücklich stellt der Beitragende fest: Dieser Kommentar soll keineswegs das von der Lopavent gewählte Konzept rechtfertigen, jedoch bringt unnützes herumgereite auf Punkten die nicht ursächlich für das Geschehene sind keine Aufklärung. Auch hält der Gastkommentator Schuldzuweisungen basierend auf den wenigen vorhandenen Dokumenten für vermessen.
Offensichtlich gab es keinen Rettungswegeplan für die Veranstaltung Love Parade – obwohl es die Versammlungsstättenverordnung NRW für Veranstaltungen im Freien (mit Szenenflächen) mit mehr als 1000 (Eintausend) Besuchern vorgeschrieben.
In NRW gilt die Sonderbauverordnung SBauVO in der Fassung vom 17.11.2009. Diese entspricht in Teil 1 der alten Versammlungsstättenverordnung VStättVO. Klärung der Anwendbarkeit der SBauVO: Die LBauO in der Fassung vom 1.2.2000 definiert bauliche Anlagen in §2 Satz 1. Ein durch Bauzäune umfriedeter Bereich ist somit eine bauliche Anlage.
Die SBauVO definiert in §2 Satz 1 Versammlungsstätten, Ausnahmen nach SBauVO §1 Satz 3 sind nicht zutreffend. Festzustellen ist die Anwendbarkeit der SBauVO Teil 1 für das Veranstaltungsgelände. Frage an den Gastautor: Wo ist der Rettungswegeplan für Veranstaltungen im Freien mit mehr als 1000 Besuchern in der SBauVO vorgeschrieben? Die SBauVO schreibt lediglich in §1 Satz 1 die Gültigkeit bei Versammlungsstätten im Freien mit mehr als 1000 Besuchern vor.
Diese Verordnung schreibt sogar vor, das dieser Rettungswegeplan am Haupteingang gut sichtbar ausgehangen werden müssen.
Die SBauVO schreibt in §32 Satz 2 vor, dass eine Ausfertigung des Planes am Haupteingang des Versammlungsraumes gut sichtbar
anzubringen ist. Bei einer Freifläche handelt es sich um keinen Raum.
BauPrüfVO §9 (Brandschutzkonzept) Satz 2 Abs. 5 bezieht sich auf Rettungswege bzw. deren Bemessung, Lage und Anordnung.
BauPrüfVO §12 Satz 2 fordert die o.g. Pläne.
Weder Nutzungsänderungsgenehmigung durch die untere Baubehörde vom 21.07.2010, noch die Veranstaltungsgenehmigung durch den OB vom 24.07.2010 scheinen diese Vorschrift, die Wichtig für die Unversehrtheit von Leib und Leben ist, berücksichtigt zu haben – noch das Ordnungsamt oder Polizei, Bundespolizei, Feuerwehr dieses am Veranstaltungsort bemängelt hätten.
Die Betrachtung der Rettungswege ist für die Geschehnisse irrelevant. Das Unglück geschah nicht in einer Entfluchtungssituation.
Welche Einrichtungen waren nicht betriebsfähig?
Hier ist jedoch zunächst zu bestimmen wer der Betreiber war. Dies dürfte der Eigentümer des Grundstücks gewesen sein. Zum Zeitpunkt der Veranstaltung die Firma aurelis Real Estate GmbH & Co. KG. Die SBauVO definiert in §38 die Pflichten der Betreiber, Veranstalter und Beauftragter. Nach §38 Satz 5 kann der Betreiber die Verantwortung teilweise, aber nicht gänzlich auf den Veranstalter schriftlich übertragen. War durch ein rechtliches Konstrukt die Lopavent GmbH zum Betreiber geworden oder war diese Veranstalter (im Sinne von §38 SBauVO) geblieben?
Statt auf einen detaillierten Rettungswegeplan zu bestehen, hat die Stadt Duisburg einen unprofessionellen, fehlerhaften Lageplan im Maßstab 1:1250 akzeptiert. Falls dort die schmale Seitentreppe an der Zugangsrampe eingezeichnet wäre, sie hätte auf dem Plan eine Breite von nur 0,6mm. Beide Genehmigungen und zusätzliche Sondernutzungsgenehmigung der Karl-Lehr-Straße hätten eine Überprüfung der Sicherheit des Zuganges zwingend erfordert. Das Team von xtranews.de hat in den letzten Tagen die 42 Anlagen zu
dem Zwischenbericht der Stadt Duisburg auf ihrer Webseite veröffentlicht – darunter als Anlage 1 den Übersichtsplan, den der Veranstalter am 21.07.2010 für die Genehmigung eingereicht hat. Alleine dieser Lageplan strotzt so von offensichtlichen Fehlern und Risiken für die Besucher, die ich in den ersten 15 Minuten erkennen konnte – das man über die Aussage, die Stadt Duisburg hätte keine Fehler/Versäumnisse begangen hat nur noch mit dem Kopf schütteln kann.
Ich habe diesen Plan (Anlage 1 – Sektorenkarte.pdf) gerade in A0 geplottet und es scheint ein Scan eines eingereichten Papierplanes in eben diesem Format zu sein. Die Treppe ist auf dem Plan eingezeichnet (deutlich größer als 0,6mm), scheint aber in den Originaldaten der Stadt Duisburg nicht maßstäblich korrekt erfasst zu sein.
Welche Fehler sind hier konkret zu beanstanden? Eine so pauschale Aussage ist nicht zu verwerten.
Der Plan ist inzwischen geleakt und öffentlich verfügbar.
Nur leider sind Gedanken rein subjektiv und fördern keinesfalls die Klärung dieses Falls. Ich beschränke mich deshalb auf zu belegende Tatsachen.
Möge es eine Anregung zum Weiterdenken/Recherchieren abseits von OB-Interviews o.ä. sein. Statt (externe) Rechtsverdreher zu bezahlen sollte die Stadt Duisburg lieber selbst die geltenden gesetzliche Vorschriften für NRW lesen und versuchen die Bürger zu informieren. Sehr empfehlenswert ist der Standardkommentar zur Landesbauordnung NRW von Ministerialrat a.D. Prof. Dipl-Ing. Temme, Ltd. Stadtbaudirektor Dr.-Ing Heintz und Regierungsbaudirektor Dipl.-Ing Czepuck 11. Auflage 2008 ISBN 978-3-8041-1827-0. Dies sollte eigentlich in der Stadt Duisburg als Fachbuch vorhanden sein.
1. Versammlungsstätten im Freien mit Szenenflächen, deren
Besucherbereich mehr als 1000 Besucherinnen und Besucher fasst
und ganz oder teilweise aus baulichen Anlagen besteht.
Auf dem Gelände gab es zwei Großbühnen, 20 (?) fahrbare Showbühnen, VIP Aufbau, und ein in der Nutzungsänderungsgenehmigung als Auflage 4 gestellte Zaunanlage – Genehmigt wurde die Veranstaltungstätte für 250.000 Besucher. (Die Erhöhung von 220.000 auf 250.000 ist ein „Fehler“ von 62 nach dem Lesen der Anlage) VstättVO dürfte unstrittigerweise gelten.
Auf dem Gelände waren zwei Szenenflächen (Bühnen) vorhanden, die Größe der Szenenflächen ist in diesem Zusammenhang unerheblich (vgl. SBauVO §2 Satz 5 Absatz 5) . Eine am südlichen Ende des Geländes, eine am nördlichen Ende. Zusätzlich fuhren ab 14:00 Uhr auf dem Gelände 15 (16?) s.g. Floats. Zur Gültigkeit der SBauVO s.o. (Kommentar 1)
Die Nutzungsänderung vom 21.7.2010 Punkt 4 erlaubt eine maximale Personenzahl von 250.000, Punkt 5 fordert eine Zaunanlage mit einer Anpralllast von 2 kN/m. Die Bemessungsgrundlage wird hier nicht genannt. Anlage 33 – Passende Besucherzahlen (Brandschutzkonzept) Punkt C6 nennt die genehmigte Zahl von 250.000. Diese diente laut Brandschutzkonzept als Basis für die Entfluchtungssimulation. Ob die eingerechneten 12% Sicherheit genehmigungsfähig waren oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen.
1. Rettungswege müssen ins Freie zu öffentlichen Verkehrsflächen
führen. Zu den Rettungswegen von Versammlungsstätten gehören
insbesondere die frei zu haltenden Gänge und Stufengänge, die
Ausgänge aus Versammlungsräumen, die notwendigen Flure und
notwendigen Treppen, die Ausgänge ins Freie, […] sowie die
Rettungswege im Freien auf dem Grundstück.
Die Führung der Rettungswege ist in Anhang 1 – Sektorenkarte.pdf sehr wohl ersichtlich (grün schraffierte Flächen, wie auch der Legende zu entnehmen). Die Schraffierung ist allerdings auf das Gelände beschränkt und setzt sich nicht auf die Rampe im nördlichen Bereich bzw. die A59 fort, endet also vor den öffentlichen Flächen zu denen hin entfluchtet wird.
VstättVO §7 Bemessung der Rettungswege 1. Die Breite der Rettungswege ist nach der größtmöglichen Personenzahl zu bemessen. […] Die lichte Breite eines jeden Teils von Rettungswegen muss für die darauf angewiesenen Personen mindestens betragen bei 1. Versammlungsstätten im Freien sowie Sportstadien 1,20m je 600 Personen
Von der Rettungswegbreite wurde in der Nutzungsänderung abgewichen.
Dies ist legitim sofern ausreichende Ersatzmaßnahmen (z.B. positiv ausfallende Entfluchtungsanalyse) getroffen werden.
VstättVO Teil 4: Betriebsvorschriften Abschnitt 1: Rettungswege,
1. Rettungswege auf dem Grundstück, sowie Zufahrten, Aufstell- und
Bewegungsflächen für Einsatzfahrzeuge von der Polizei, Feuerwehr,
Sanitäts- und Rettungsdiensten müssen ständig frei gehalten
werden. Darauf ist dauerhaft und gut sichtbar hinzuweisen.
2. Rettungswege in der Versammlungsstätte müssen ständig frei
§32 Besucherplätze nach dem Bestuhlungs-und Rettungswegeplan,
Abschrankung von Stehplätzen
1. Die Zahl der im Bestuhlungs- und Rettungswegeplan genehmigten
Besucherplätze darf nicht überschritten und die genehmigte
Anordnung der Besucherplätze darf nicht geändert werden.
2. Eine Ausfertigung des für die jeweilige Nutzung genehmigten
Planes ist in der Nähe des Haupteinganges eines jeden
Veranstaltungsraumes gut sichtbar anzubringen.
Gab es einen (ordentlichen) Rettungswegeplan am Eingang des
Veranstaltungsgeländes?
Welche Funktion soll der Plan vor den Tunneln haben? Die Tunnel verfügten über keine dedizierten Rettungswege.
Siehe Anlage 1 – Sektorenkarte.pdf, Rettungswege sind hier eingezeichnet.
Und jetzt kommt die Stadt Duisburg und untersagt die Veröffentlichung des als „Lageplan“ mit Maßstab 1:1250 am 19.07.2010 eingereichten Planes Dokument Anhang-1 (indem Rettungswege lediglich rudimentär zu „erkennen“ sind) mit der Berufung auf das Urheberrechtes? Hat die Stadt Duisburg kein Exemplar des Grundgesetztes? Diese kann man kostenfrei bei der Bundeszentrale für Politische Bildung beziehen.
Art1 Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu
schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt.
Art4 (1) Jeder hat das Recht , seine Meinung in Wort, Schrift und Bild
Art 34 [Haftung bei Amtspflichtverletzungen] Verletzt jemand in Ausübung eines ihm anvertrauten öffentlichen Amtes die ihm
einen Dritten gegenüber obliegende Amtspflicht, so trifft die Verantwortlichkeit grundsätzlich den Staat oder die Körperschaft, in
deren Dienst er steht. Bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit bleibt der Rückgriff vorbehalten. Für den Anspruch auf Schadenersatz und für den Rückgriff darf der ordentliche Rechtsweg nicht ausgeschlossen werden.
Der Plan ist de facto veröffentlicht.
1. Die Vorschriften des Teils 1 gelten für den Bau und Betrieb von […]
2. Versammlungsstätten mim Freien mit Szenenflächen, deren
Besucherbereich mehr als 1000 Bersucher fasst und ganz oder
teilweise aus Baulichen Anlagen besteht.
(4) Abschrankungen in den für Besucher zugänglichen Bereichen müssen
so bemessen sein, dass die dem Druck einer Personengruppe
standhalten. Siehe dazu DIN 1055-3 und DIN 13200-3
Zur Gültigkeit der SBauVO siehe oben. Verweis auf DIN1055-3. Tabelle 7 gibt eine horizontale Nutzlast von 2,0 kN/m für Absperrungen in der Kategorie C5 (siehe DIN1055-3 Tabelle 1), große Menschenansammlungen an. Die Lastannahme bezieht sich auf eine maximal angreifende Höhe der Last von 1,20m (Handlaufhöhe). Diese Nutzlast wurde in der Nutzungsänderung gefordert. Verweis auf DIN13200-3 – Abschrankungen – Anforderungen Tabelle A1 – Horizontale Lasten für Absperrungen sieht vor:
Absperrungen zum Außenbereich : 1,0 kN/m bei einer
Konstruktionshöhe von 2,5m bzw. 3,0kN/m bei einer Konstruktionshöhe von 1,1m. Die genehmigten Werte liegen also im Bereich der Anforderungen der DIN 1055-3 und 13200-3. Interessant ist aber auch DIN 13200-3 5.1 Absperrungen zum
Außenbereich Anmerkung 1 bezüglich gefährlicher Situationen bei Überfüllung und Erklettern oder Durchbrechen von Abgrenzungen.
(2) Für Versammlungsstätten im Sinne der Sonderbauverordnung sind die Anordnungen der Sitz- und Stehplätze, einschließlich der Plätze für Benutzerinnen und Benutzer von Rollstühlen, der Bühnen, Szenen-oder Spielflächen sowie der Verlauf und die erforderliche Breite der Rettungswege in einem Bestuhlungs- und Rettungswegeplan im Maßstab von mindestens 1:200 darzustellen.
Sind verschiedene Anordnungen vorgesehen, so ist für jede ein besonderer Plan vorzulegen. „Mindestens“ – das bedeutet, dass der eingereichte Lageplan im Maßstab um Faktor 6,25 zu grob war.
Dadurch werden Detailflächen auf nur ein 39igstel dargestellt. Z.B. die schmale Treppe an der Rampe hatte eine Breite von ca 0,80m. Bei einem (ausgedruckten) Plan von mindestens 1:200 wäre diese Treppe mit 0,004m = 4 mm Breite gerade noch erkennbar. Beim Maßtab 1:1250 wäre dies, selbst wenn sie eingezeichnet wäre nur ein Strich mit einer Breite von 0,6 mm. Bei Bauzeichnungen nach DIN ISO 128-23 gibt es 5 Liniengruppen für verschiedene Masstäbe.
In der kleinsten Liniengruppe (für große Maßstäbe) hat die Vollinie für sichtbare Umrisse in der Ansicht eine Strichstärke von 0,25 mm (Volllinie breit). Die aller kleinste Strichstärke, für Schraffuren o.ä. hat eine Strichstärke von 0.13mm. Bei dem Veranstalter als auch bei der Bauaufsichtsbehörde hat man vorsätzlich auf einen notwendigen und üblichen Maßstab bei dem Übersichtsplan verzichtet. Auf einen Rettungswegeplan, einen Feuerwehrplan und Detailpläne für kritische Geländestellen wurde unverständlicherweise auch verzichtet.
In den in den Anlagen ersichtlichen Schreiben (bis zum 14.07.2010) von 62 ist der Veranstalter nie aufgefordert worden einen Rettungswegeplan im Maßstab von mindestens 1:200 nachzureichen. Am 21.07.2010 hat der Veranstalter einen sehr mangelhaften
Übersichtsplan eingereicht – daher ist zu vermuten, dass bis zur Genehmigung der Nutzungsänderung der Stadt Duisburg kein laut
BauPrüfVO für die Änderungsgenehmigung notwendiger Rettungswegeplan vorlag.
Ein Feuerwehrplan ist in erster Linie eine Orientierungshilfe für die Feuerwehr bei einem ihr unbekannten Gebäude und einer ihr unbekannten Zufahrtssituation zu einem Gelände. Hier war die Feuerwehr vor Ort und in den Planungsprozess einbezogen – ein
Feuerwehrplan macht hier wenig Sinn. Welcher Art sind die Mängel im Plan vom 21.7.? Ich habe hier nur den vom 19.7 und in diesem sind Rettungswege eingezeichnet.
Die Treppe ist im Bereich der Rampe eingezeichnet und gut zu erkennen (auf einem A0 Plot). Ein Plan im Maßstab 1:200 ist bei dieser Größenordnung unhandlich. Hatte die Stadt eventuell Zugriff auf die digitale Version der Pläne (AutoCAD o.ä.)?
Dennoch bleibt erneut anzumerken, dass die Rettungswegesituation nicht ursächlich für das Unglück war. Das Gelände wurde schließlich nicht entfluchtet.
1. Rettungswege auf dem Grundstück sowie Zufahrten, Aufstell- und
Die Rettungswege sind auch als notwendige Flure und Gänge definiert,
s.o. D.h. Man darf nicht einfach die Fläche zwischen dem Aussenzaun und dem Innenzaun mit 2 Besuchern/m fluten und darauf hoffen, das sie sich alle statistisch gleichmäßig verteilen. Siehe DIN EN 13200!
Was ist die Aussage dieses Absatzes? Im Entfluchtungsfall sind Rettungswege vorhanden um eine schnelle Entfluchtung der
Versammlungsstätte (oder sonstiger Bauten) zu gewährleisten.
1. Die Betreiberin oder der Betreiber ist für die Sicherheit der
Veranstaltung und die Einhaltung der Vorschriften verantwortlich.
2. Die Betreiberin oder der Betreiber ist zur Einstellung des Betriebes
verpflichtet, wenn für die Sicherheit der Versammlungsstätte
notwendige Anlagen, Einrichtungen oder Vorrichtungen nicht
betriebsfähig sind oder wenn Betriebsvorschriften nicht eingehalten
Die Toten und Verletzten zeigten, das Veranstalter, Ordner und Behörden die Sicherheit der Besucher nicht gewährleisten konnten, dass es gravierende Mängel in der Planung und Genehmigung des Veranstaltungsortes und der Veranstaltung gemacht wurden. Alleine die am Haupteingang fehlende Rettungswegepläne, die die VstättVO NRW für Versammlungstätten im Freien ab 1000 zulässigen Besuchern zwingend vorgeschrieben sind wäre Grund genug, das Ordnungskräfte, (Bundes)Polizei die Veranstaltung untersagen, bzw abbrechen.
Es zeigten sich Kommunikationsschwierigkeiten, fehlende Standsicherheit von „Zäunen“ usw. Laut standen die FloatLKWs über eine Stunde still.
Auch ich gehe von Planungsfehlern gekoppelt mit einer Akkumulation von vielen unglücklichen Umständen aus.
Warum soll ein nicht aufgehängter Rettungswegeplan ursächlich sein? Siehe hierzu auch oben in Bezug auf Ausführungen zur SBauVO. Wie viele Zuschauer hätten diesen sehen können, wäre er am Eingang ausgehängt gewesen? Die Notausgänge auf dem Gelände waren durch großflächige Prints gekennzeichnet.
Die Standsicherheit der Zäune war konform der einschlägigen DIN Normen die hier genannt wurden. Stillstand der Floats: das war auch schon in Essen und Dortmund so. Inwieweit es ursächlich für das Unglück war, vermag ich nicht zu beurteilen.
(2) Werden vor Szenenflächen mehr als 5000 Stehplätze für
Besucherinnen und Besucher angeordnet, so sind mindestens zwei
weitere Abschrankungen vor der Szenefläche nur von den Seiten
zugängliche Stehplatzbereiche zu bilden. (Siehe für Abschrankungen DIN
EN 13200)
Welche Rolle spielen Wellenbrecher vor der Bühne in diesem Zusammenhang? Wellenbrecher sind im Plan Anlage1 eingezeichnet.
Wenn ein abruptes Ende nicht sicher war, so hätte man die Veranstaltung vor deutlich vor Einbruch der Dunkelheit aus verschieden
Gründen beenden müssen!
Aus welchem Grund? Das Gelände war beleuchtet.
1. Der Lageplan ist im Maßstab nicht kleiner als 1:500 auf der
Grundlage eines Auszuges aus der Liegenschaftskarte/Flurkarte,
der nicht älter als sechs Monate sein darf, zu erstellen.
2. seinen Maßstab und die Lage des Baugrundstückes zur
3. die Bezeichnung des Baugrundstücks und der benachbarten
Grundstücke nach Straße, Hausnummer, Grundbuch und
Liegenschaftskataster sowie die Angabe der Eigentümerin oder des
Eigentümers des Baugrundstücks,
4. die rechtmäßigen Grenzen des Baugrundstücks und deren Längen
sowie seinen Flächeninhalt,
5. die Höhenlage der Eckpunkte des Baugrundstücks und die
Höhenlage des Engeren Baufeldes über NN,
6. die Breite und Höhenlage angrenzender öffentlicher
Verkehrsflächen über NN,
7. die vorhandenen baulichen Anlagen auf dem Baugrundstück und
auf den angrenzenden Grundstücken sowie die genehmigten oder
nach § 67 Abs. 1 BauO NRW zulässigen, aber noch nicht
ausgeführten baulichen Anlagen auf dem Baugrundstück, […]
8. Denkmäler im Sinne[…] sowie geschützte Baumbestände auf dem
9. Flächen auf dem Baugrundstück, die von Baulasten betroffen sind
10. Flächen auf dem Baugrundstück, die mit grundbuchlich gesicherten
Dienstbarkeiten zu Gunsten der Träger von
Hochspannungsleitungen und unterirdischen Leitungen für die
Versorgung mit Elektrizität, Gas, Wärme und Wasser belegt sind,
11. Hydranten und andere Wasserentnahmestellen für
Feuerlöschzwecke
Wohl keiner dieser Punkte erfüllte der Lageplan, den der Veranstalter am
19.07.2010 eingereicht hatte,
Maßstab, Nordpfeil, Eigentümer, genaue Grenzen/Grenzsteine/ Grenzkoordinaten, Messpunkte, Höhenlagen der Eckpunkte, Breite der angrenzenden öffentlichen Verkehrsfläche, genaue Aufnahme bestehender baulichen Anlagen der Bahn (Diese waren nicht von der Baubehörde der Stadt genehmigt und erfasst sondern von Bundeseinrichtungen der Bahn separat) also auch nicht die Treppe bei der Rampe, es fanden Rodungen statt – gab es vorher eine Erfassung geschützter Baumbestände?
Rettungswege dagegen sind Laut BauPrüfVO nicht (zwingender) Bestandteil des Lageplans, sondern es ist ein eigenständiger Plan mit
dem Maßstab von mindestens 1:200 erforderlich. S.O.
Rettungswege sind nicht Bestandteil eines Lageplans. Punkt. Vgl. BauPrüfVO §3.
Die Geobasisdaten wurden von der Stadt Duisburg zur Verfügung gestellt. Maßstab: 1:1250 ; 1:200 dürfte wenig praktikabel sein.
Nordpfeil: nicht gefunden bzw. ist die Oberseite des Plans in diesem Fall nicht gleich Nord?
Eigentümer: irrelevant, dieses war bekannt
Grenzen… : irrelevant, es handelt sich um eine temporäre Nutzung bauliche Anlagen der Bahn: zumindest nicht vollständig verzeichnet. (Stellwerkerhäuschen oberhalb der Treppe an der Rampe fehlt) geschützte Baumbestände: die sind hier sicherlich nicht relevant und an solchen Punkten kann man sicherlich keine Verfehlungen bei Planung und Durchführung festmachen.
Hydranten: siehe Brandschutzkonzept Punkt C.13, sind im vorhandenen Feuerwehrplan dargestellt
SbauVO Abschnitt 2 Versammlungsstätten mit mehr als 5000
Besucherplätzen
(2) Vor den Eingängen sind Geländer so anzuordnen, dass Besucher nur
einzeln und hintereinander Einlass finden.
Es waren Vereinzelungsanlagen an den Tunneleingängen Karl-Lehr- Straße vorhanden. Diese finden sich auch schematisch in den
Veröffentlichungen zur PK IM Jäger.
Eine grundlegende Novellierung des nordrhein-westfälischen
Bauordnungsrechtes […] erfolgte mit der BauO NW 1995. […] Seitdem setzt das Bauordnungsrecht auf die Privatinitiative und die Eigenverantwortung der am Bau Beteiligten. Präventive Prüfpflichten wurden aus Gründen der Verwaltungsmodernisierung und des Abbaues staatlicher Einflussnahme erheblich reduziert.
-Die Einführung des Brandschutzkonzeptes als zusätzliche Bauvorlage für Sonderbauten, das grundsätzlich von einem staatlich anerkannten Sachverständigen zu erarbeiten und von der Bauaufsichtsbehörde zu
prüfen ist. Prof. Temme geht in BauO NRW Kommentar ausführlich auf die Einstufung von Sonderbauten, und der Pflicht der Bauaufsichtsbehörde, Brandschutzkonzepte mit eigenem qualifizierten Personal selbst zu prüfen. Ein einfaches einreichen vom
Veranstalter organisiertes Konzept reicht nicht aus.
Und? Wer sagt das die Stadt nicht geprüft hat? Das Brandschutzkonzept wurde von einem Prüfsachverständigen für Brandschutz unterzeichnet.
In welchem Zusammenhang steht das Brandschutzkonzept mit dem Unglück?
Ein Missachten/Verstoß der BauO NRW gilt also als Gesetzesbruch! Gutachten, Firma Öko: C.2 Löschwasserversorgung
Die Löschwasserentnahmestellen sind im Übersichtsplan mit den Ziffern 12 und 24 sowie einem großen „F“ gekennzeichnet. An diesen v.g. Stellen ist jeweils ein Löschfahrzeug LF 24 der Feuerwehr positioniert, die Löschfahrzeuge sind jeweils mit 2000l Löschwasser
ausgestattet. Die Art und die Menge des Löschwassers wurden einvernehmlich zwischen dem Betreiber und der Feuerwehr abgestimmt.
Bei kleinen ländlichen Orten ist i.d.R: Qlösch = 48m /h anzusetzen,
Zum Schutz von 250.000 Menschen und Industriebauten, Verkaufsständen, 20 LKWs, VIP-Bereich, Mobile-Toilleten etc sind auf
einem weitläufigen, stark Besuchtem Gelände soviel Löschwasserkapazität notwendig wie in einem kleinen ländlichen Ort?
Welche Brandlasten befinden sich denn tatsächlich vor Ort?
Dixie Klo: B1, schwer entflammbar
Grillstände: Gasbetriebene oder kohlebetriebene Grills, begrenzte Brandlast
Floats: Aufbauten aus B1 Material (schwer entflammbar), Feuerlöscher
an Bord. Brandlast: Zugmaschine und Aggregat.
Ein Brand ist ein lokales Ereignis mit einer thermischen Reichweite von ca. 50 Metern. Somit ein begrenzter zu „evakuierender“ Bereich.
Von Hydranten ist im Brandschutzkonzept kein Wort – nicht einmal wo der nächste sich befindet. Mit 800l/min kann man eine Tragkraftspritze TS8 speisen. Ein kleines Löschfahrzeug LF16 braucht 1600l/min, ein großes Löschfahrzeug LF24 2400l/min. Eine Tragkraftspritze kann mit 2000l 2,5 Minuten betrieben werden. Wie werden die anderen 94m Löschwasser über 2 Stunden bereitgestellt bzw gewährleistet? Dies wird im Brandschutzkonzept nicht erklärt. Tanks?
C.15 Feuerwehrplan DIN 14095 Ein Übersichtsplan mit notwendigen Eintragungen und Festlegungen für
die Feuerwehr liegt vor und wurde mit diesem einvernehmlich abgestimmt.
Wenn die Feuerwehr zugestimmt hätte, das man keinen separaten Feuerwehrplan für eine solch große, unübersichtlich, Veranstaltung braucht, dann hätte mandieses hier niedergeschrieben. Zudem ist es fragwürdig, ob mündliche Absprachen zählen, man bräuchte für solch wichtige Entscheidungen meiner Ansicht nach ein Schriftstück.
Offensichtlich existierte bereits ein Feuerwehrplan im Bestand mit den für die Feuerwehr notwendigen Angaben. Inwiefern ist diese Entscheidung wichtig? Ob hierzu schriftliche Unterlagen existieren ist nicht geklärt da nicht alles veröffentlicht wurde.
Die genaue Bezeichnung nach BauPrüfVO §12 lautet
Rettungswegeplan und nicht Rettungsplan. Möglicherweise liegt hier ein Juristischer Trick des Sachverständigen. Wie kann der
Sachverständige die Rettungspläne einfach als nicht erforderlich bezeichnen?
Zu Beginn von C.17 Abweichungen nach §73 bzw Erleichterungen nach § 54 BauONRW zitiert er eine Stelle aus „Kommentar zur BauO NRW Grädtke/Böckerförde/ Temme Heintz, Seite 1162, Nr. 21. 10. Auflage.
Diese Auflage ist von 2003 und somit 7 Jahre alt. Die Auflage 11 von 2008 nennt die 10 Auflage von 2003 Vorauflage.
Zudem entspricht es´nicht dem Geist des Kommentars, denn diese Stelle findet sich in der Auflage 11, Seite 1104 als Randnotitz 21 zu §54 ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen. Diese Randnotiz beschreibt lediglich wo eine
Erleichterung verwaltungsmässig „Verankert“ ist, nicht aber, welche Verpflichtungen die Bauaufsichtsbehörde zu berücksichtigen hat. Darauf geht Temme sehr ausdrücklich in den Kommentaren zu §54 ein und mahnt an vielen Stellen seiner Kommentare die Wichtigkeit des Brandschutzes und der selbständigen Überprüfung durch die Bauaufsichtsbehörde.
21 Die „Erleichterungen“ stellen, obwohl sie Abweichungen von Regelvorschriften der BauO NRW sind, keine „Abweichungen“ im
Sinne des §73 BauO NRW dar. Über die Gewährung einer Erleichterung entscheidet die Bauaufsichtsbehörde im Rahmen eines
„Gestaltungaktes“. Der Gesetzgeber hat mit dem Institut der „Erleichterungen“ ein Rechtsinstitut suis generis geschaffen, das eigenständig neben dem Institut der Abweichung steht. Die Formulierung ist mit „Regelvorschriften“ präzisiert, Nennung von §54
gestrichen aber die Redezeichen und Fettdruck Markeirungen dürften bereits in der Auflage 10 vorhanden gewesen sein.
Die gewünschte Erleichterungen z.B. „Verzicht auf einen Rettungswegeplan“ ist mit dem Brandschutzkonzept des
Sachverständigen nicht nachgewiesen. Experten, und wer selber weiter recherchieren möchte sollte sich die Anforderungen §9
Brandschutzkonzept der BauPrüfVO ansehen und vergleichen. Zudem zeigt die Stadt Duisburg 62 mit einer Genehmigung vom
21.07.2010 mit Einbeziehung eines noch nicht vorliegenden Brandschutzkonzeptes vom 22.07.2010, das Sie das Brandschutzkonzept nicht (gewissenhaft) geprüft haben kann.
(2) Die den Bauaufsichtsbehörden obliegenden Aufgaben gelten als
solche der Gefahrenabwehr.
Die Bauaufsichtsbehörde darf bei Sonderbauten auf die Prüfung des Brandschutzes
als zentrale Kernaufgabe nicht verzichten. Diese besonders wichtige Aufgabe lässt sich nicht auf Sachverständige in Anwendung des §61 Abs 3 BauO NRW „abschieben, da diese Ermächtigung nur zum Tragen kommt, wenn im Einzelfall besonders schwerwiege Schachverhalte beurteilt werden müssen und der Bauaufsichtsbehörde das entsprechende Fachwissen fehlt. So kann es in besonders gelagerten Fällen geboten sein, Schachverständige in die Prüfung des Brandschutzkonzeptes einzubeziehen, um z.B. angewandte
Rechenverfahren zur Ermittlung von Brandschutzklassen nach Methoden des Brandschutzingenieurwesens auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Nicht sachgerecht – und auch nicht von der Rechtslage gedeckt – ist die mitunter zu beobachtende Praxis einzelner Bauaufsichtsbehörden, bei Sonderbauten „regelmäßig“ Sachverständige auf Kosten des Bauherrn heranzuziehen und mit der Prüfung des Brandschutzkonzeptes zu beauftragen, obwohl kein besonders schwierig zu beurteilender Sachverhalt vorliegt. Dass die Bauaufsichtsbehörden mit fachlich geeigneten Personen ausreichend zu besetzen sind, die auch eine brandschutztechnische Prüfung von Sonderbauten beherrschen, folgt aus §60 Abs. 3 BauO NRW (s. Die Anmerkungen zur §60 Rdn. 15-21).
Der Sachverständige Dr. Jaspers von der Firma Ökotec hat das Brandschutzkonzept erstellt, aber er war nicht als Prüfer für die Bauaufsichtsbehörde damit beauftragt, ein vom Veranstalter eingereichtes Brandschutzkonzeptes zu prüfen. Z.B. die Anforderung
BauPrüfVO §12 sollte unmissverständlich sein und jedem Mitarbeiter der Bauaufsichtsbehörde geläufig sein.
Nr. 54.3 VV BauO NRW regelt ausführlich, welche Ämter und Dienststellen und wie diese im Baugenehmigungsverfahren für
Sonderbauten duch die Bauaufsichtsbehörden zu beteiligen sind. Zu diesen Dienststellen zählen die Brandschutzdienststellen, ….
Die Bauaufsichtsbehörden haben den Bauantrag, bevor sie ihn zur Stellungnahme weiterreichen, so vorzuprüfen, dass den zu beteiligten Stellen ihre Prüfaufgabe eindeutig erkennbar wird. Die in der Vergangenheit leider häufig geübte Praxis einiger Bauaufsichtsbehörden, den zu beteiligenden Stellen die Bauvorlagen völlig ungeprüft zu überlassen, verleitet diese Stellen geradezu, in der Umkehrung dessen, was erreicht werden soll, sich auch außerhalb ihres Kompetenzbereiches (z.B. bei Brandschutzdienststellen der abwehrende Brandschutz) mit der Prüfung des Antrages zu befassen. Dieses oft zeitraubende Verfahren
kann dann vermieden werden, wenn die Bauaufsichtsbehörden die Anhörung nach sorgfältiger Vorprüfung auf konkrete Sachverhalte beschränken und den zu beteiligenden Stellen gezielte Fragen stellen. Neben Nr. 54.3 VV BauO NRW sind in Baugenehmigungsverfahren für Sonderbauten spezielle Runderlasse zu berücksichtigen, deren jeweiligen Thematik und Fundstelle in der Anlage zur Nr. 72.11 VV BauO NRW entnommen werden kann. 2 Zu Absatz 1 – Besondere Anforderungen und Erleichterungen
§54 Rdn. 14 Abweichungen von Anforderungen in Sonderbauverordnungen sind keine Erleichterungen im Sinne von §54 Abs. 1 Satz 2 BauO NRW und können daher nur über eine förmliche Abweichungen nach §73 BauO NRW zugelassen werden Die gemäß §85 Abs 1 BauO NRW erlassene Sonderbauverordnungen sehen bereits generell Erleichterung vor (s. Rdn. 6). Insoweit besteht kein Freiraum für zusätzliche Erleichterungen nach §54 Abs 1 Sats 2 BauO NRW.
C.17.5 Abweichung von §7(4) SBauVO; Teil 1 (Ausgangsbreiten aus dem
Versammlungsgelände)
Es liegt somit eine Abweichung von § 7(4) SBauVO, Teil 1, vor, da die Gesamtausgangsbreite zu den Verkehrsflächen in den Zaunanlagen von 500 m nicht eingehalten werden sollen.
Da es sich um einen Kommentar zur BauO handelt muss diesem erstmal nicht Folge geleistet werden. Eine Konstruktion mit einem veränderten Wort Rettungsplan ist doch eher unwahrscheinlich da der Kontext das Gemeinte eindeutig beschreibt.
Die SbauVO, §7(identisch mit VstättVO §7) spricht nicht von
Ausgangsbreiten, sondern von Rettungswegen:
1. Die Breite der Rettungswege ist nach der größtmöglichen
Personenzahl zu bemessen. […]
Die lichte Breite eines jeden Teils von Rettungswegen muss für die darauf angewiesenen Personen mindestens betragen bei
Herr Dr. Jaspers suggeriert, das die „Ausgangsbreiten“ entscheidend wären, das ist falsch. Sondern eine Engstelle (kleinste lichte Breite) limitiert die Personenzahl, auf diesen Rettungswegabschnitt angewiesen sein dürfen. Im Übersichtsplan (Anlage 1) sieht man, das 7 Zaunöffnungen mit jeweils „7 Fluchtwegbreite“ beschriftet sind, das aber alle in einen Zaungang münden, der selbst nur max 7m lichte Breite hat. Also bildet dieser Abschnitt nicht 7 7m = 49m Ausgangsbreite oder Rettungswegbreite, sondern nur 7m!
Im Brandschutzkonzept Punkt C1 Absatz 5 ist explizit auf den umlaufenden Rettungsweg inkl. dessen Breite hingewiesen und eine Bewertung zur hinreichenden Kapazität notiert. Die Bewertung bezieht sich auch auf die Entfluchtungsanalyse. Was wird hier suggeriert?
Die erneute Suggestion mit fachlich falschen Formulierungen verletzt die
Sachverständigen Verordnung (SV-VO)
(1)Staatlich anerkannte Schachverständige haben ihre Tätigkeiten unparteilich und gewissenhaft gemäß dem geltenden Recht auszuüben. Ich sehe diese Pflicht mit dem erstellten Brandschutzkonzept grob verletzt.
1. Die zuständige Kammer kann die Anerkennung widerrufen, wenn staatlich anerkannte Sachverständige ihre Pflichten als Ingenieurin oder Ingenieur oder als Architektin oder Architekt gröblich verletzt haben.
Die Kammer sollte im eigenen Interesse eigenständig aktiv werden und die Beteiligung und Verstöße ihrer eingetragenen Sachverständigen prüfen. Zu den Pflichten eines Sachverständigen zählt auch: (7) Staatlich anerkannte Sachverständige haben die zuständige untere Bauaufsichtsbehörde zu informieren,, wenn sie bei einer Tätigkeit feststellen, dass bei einer baulichen Anlage eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit besteht. Die Informationspflicht besteht wohl für alle Gefahren, die dem Sachverständige auffallen, nicht nur die, von seinem Aufgabengebiet.
Verschiedene Risiken könnten/sollten aufgefallen sein:
1 Lageplan in einem untauglichen Maßstab
2 Keine Detailpläne von kritischen Stellen
3 Bauzäune auf der Rampe
4 Auflage 4 der Nutzungsänderungsgenehmigung „Anprall Last von 2 kN/m, die ein Bauzaun nie erfüllen kann
5 Genehmigung vom 21.07.2010 bei dem die Untere Bauaufsichtsbehörde fälschlicherweise die zulässige Besucher/ Personenzahl auf 250.000 festschreibt
6 und andere.
Warum ist der Plan im Maßstab 1:1250 untauglich? Ein Plan im Maßstab 1:200 wäre allein aufgrund seiner Größe völlig untauglich. Ob Detailpläne von kritischen Stellen – was sind kritische Stellen? –
existieren ist unbekannt. Was haben die Bauzäune auf der Rampe in diesem Zusammenhang verloren?
Warum ist die max. Besucherzahl falsch. Auf dieser Zahl basierte die Entfluchtungsanalyse. Das hier eine Sicherheit von 12% einkalkuliert wurde und bei der Genehmigung nicht herausgerechnet wurde mag ein Fehler sein, dennoch ist dies nicht ursächlich für die Geschehnisse. Wo ist eine Prüfstatik zu Bauzäunen zu finden?
Irgendjemand bringt irgendwann mal eine Veranstaltungsfläche von 110.500 qm (hat das jemand geprüft?) ins Gespräch – in den 43 Anhängen gibt es keine Verlässliche Quelle. Diese gesamte Fläche wird als Zuschauerfläche definiert – aber nicht als Zone im (Lage)plan eingezeichnet. Es wird für diese Füllung 2Personen/qm angenommen und so kam man auf 221.000 Personen, für die ein Rettungsweg nachzuweisen ist. Für den Nachweis für das weitläufige Gelände nimmt Dr.Jaspers einen Sicherheitsfaktor von 1,12 an für die Anzahl der zu evakuierenden Menschen – also +12%=250.000 Menschen.
Weder im Brandschutzkonzept vom 22.07.2010, noch in der Genehmigung der Stadt Duisburg steht die exakte Rettungswegbreite, die insgesamt zur Verfügung steht, noch ist ersichtlich für wie viel Minuten eine Evakuierung des Geländes gesamten Geländes braucht.. Ein Physik-Professor oder die Firma traffGo hat eine Computeranalyse vielleicht mit einer neuen Chaos-Theorie und alle vertrauen darauf ohne eine weitergehende (unabhängiger) Prüfung?
Im Brandschutzkonzept wurde auf die Erfahrung der ausführenden Firma traffGO hingewiesen. Als Bestätigung der Analyse kann die tatsächliche Situation vor Ort herangezogen werde – die Entleerung des Geländes klappte ohne Probleme durch die geöffneten Notausgänge.
Nein, ist sie nicht, da durch die Simulation eine Alternative aufgezeigt wurde.
Also nach SbauVO müsste man genau anderes herum rechnen – wie viel Meter Rettungswegbreite gibt es und multipliziere diese mal 600 Personen/1,20m um die zulässige Personenzahl bestimmen zu können. Statt dieses irrsinniges, ungenaues Brandschutzkonzept sich genauer anzusehen, oder abzulehnen, ändert 63 am 21.07.2010 die Anzahl der zulässigen Personen von 220.000 auf 250.000.
Ist das jetzt Beweis durch Behauptung?
Ist das Vorsatz? Dem Zuständigen Mitarbeiter in der Bauaufsichtsbehörde sollte das Vorgehen bei Nachweisen, z.B. bei statischen Nachweisen bekannt sein, das es z.B. nach DIN-1055-100 Sicherheitsbeiwerte gibt. D.h. Man erhöht die Bemessungslast – z.B. die
vorgegebene Auflage von 2kN/m Anprall Last auf die Zaunanlage mit dem Faktor 1,5 wenn man die Standsicherheit nachweisen will. ABER man ändert nach dem Nachweis doch nicht die zulässige, genehmigte Belastung auf 3kN/m. Wenn Wochenlang die Rede von maximal 220.000 Personen ist und es ungewiss ist, ob dieses überhaupt zulässig ist, wie kommt man dann auf die Idee ohne weitere Prüfung/Rücksprache/Überlegung diesen Wert zu erhöhen?
Diese DIN habe ich nicht im Büro. Da keine exakte Besucherzählung vorgenommen wurde (dem Anschein nach) ist eine Festlegung der maximalen Besucher eher theoretischer Natur. Eine Überwachung per Hubschrauber kann nur eine ungefähre prozentuale Auslastung ermitteln. Von einer Überfüllung eines Bereichs ist bei mehr als 3 Personen/m zu sprechen (ENV 1991-2-1). Das 2
Veranstaltungsgelände selbst war ab oberem Rampenende zu keinem Zeitpunkt überfüllt.
Eine bautechnisch sichere Absperrung zum Schutz von Personen darf nicht so flexible sein, dass sie bei normalen Gebrauch die Nutzer der Anlage in Unruhe versetzt.´Wie kann man sich einen über 500m langen Rettugungswegschlauch beidseitig begrenzt von Bauzäunen, mit in den Weg ragenden Fußplatten und auch verengenden Dreiecks-Verbünden einfallen lassen?
Welche Probleme hat diese Konstruktion verursacht?
Welche Rettungswege gab es für die Tunnel bzw. Rampe?
Da es sich um eine einzelne Tunnelröhre handelt: keine.
Welche separate Fahrspur für Rettungsdienste gabe is den Tunnel/ Rampe?
Keine, dennoch sind die Rettungskräfte durchgekommen und der
Tunnelbereich war nach den Ereignissen erstaunlich schnell geräumt.
Hierzu ist in den veröffentlichten Unterlagen nichts notiert. Eine Bestimmung der Besuchermenge wird durch die Polizei per
Hubschrauber stattgefunden haben.
Wie können die beteiligten Dienststellen ihrer Prüfaufgabe nachkommen, wenn das Brandschutzkonzept einen Tag nach der Genehmigung eingereicht wird? Wie, wenn es keinen Rettungswegplan gibt mit Maßstab mind. 1:200, sondern nur einen unprofessionellen, fehlerhaften Lageplan im Maßstab 1:1250?
Reine Polemik. Bitte unprofessionell und fehlerhaft exakt begründen.
Welche Pläne hat z.B. die Brandschutzstelle/Feuerwehr wann vorher erhalten? Und dann kommt die Stadt Duisburg und bezahlt externe Anwälte und bemüht Gerichte um die Veröffentlichung dieses Lageplans mit dem Argument Urheberrecht zu verhindern?
Das ist vielleicht ungeschickt gewesen (Urheberrecht) aber die personenbezogenen Daten der städtischen Mitarbeiter gehen keinen etwas an.
Und das Gericht gibt der Stadt auch noch recht? Zur Erinnerung, diese 43 Anlagen haben Frau Dr. Jasper und die Kanzlei an 4 Tagen Durchsicht aus 35 Aktenordner Unterlagen ausgewählt und ist hat Sie einem Zwischenbericht als Anhang angefügt, in dem sie zum
Urteil kommt: Nach dem derzeitigen Stand der Prüfung liegen uns keine Erkenntnisse dafür vor, dass Mitarbeiter der Stadt Duisburg ihre gesetzlichen Pflichten verletzt hätten und auf diese Weise zum Unglück beigetragen oder es gar verursacht hätten.
Wenn man in diesen 43 Anlagen schon über grob fahrlässige Verstöße bei der Stadt stolpert, fragt man sich wie sieht es erst in den 35
Aktenordnern aus? Wie sieht die viel zitierte Entfluchtungsanalyse aus – schön bunt? Oder wie sieht die Veranstaltungsgenehmigung aus? Für die Veranstaltungsgenehmigung hätte die Stadt Duisburg die tatsächlich vorhandenen Rettungswegbreiten überprüfen und die Anzahl der zulässigen Besuchern nicht der Bau/Nutzungsänderung, sondern den Realen Bedingungen anpassen müssen.
Z.B. der Rettungswegeplan, der für das Aushängen am Eingang vorgeschrieben ist und die Realen Bedingungen hätte vor Genehmigung gewissenhaft geprüft werden müssen. Bei den 43 Anlagen hat man schön alle Dokumente zurückgehalten, die
z.B. OB Sauerland oder Herr Rabe (Dezernent Recht, Sicherheit, Ordnung) belasten könnten. Frau Dr. Jasper kommt offensichtlich dem Auftrag/Bitte vom OB Sauerland nach mit dem Bericht die Verantwortung auf untere Dienststellen abzuwälzen.
Polemik, somit nicht kommentiert.
Ich bitte die Ermittler, die Medien und die Öffentlichkeit bei diesen 42 Anlagen extrem vorsichtig zu sein. Auch wenn ich mit
diesem Dokument primär Versäumnisse der unteren Bauaufsichtsbehörde aufzeige – es bedeutet nicht, das diese die Hauptverantwortung trägt.
Da nicht alle Unterlagen veröffentlicht wurden ist eine Bewertung eher kompliziert.
Unser Recht und Behörden sind in Auflagen und Zuständigkeiten bewusst redundant angelegt – so finden sich die Gleichen Vorschriften in der Sonderbauordnung als auch in der Versammlungsstättenverordnung.
In NRW gilt nur noch die SBauVO Teil 1.
Zwei verschiedene Dienststellen haben zwei verschiedene Vorgänge zu genehmigen. Zusätzlich wacht Ordnungsamt, Polizei und Bundespolizei für die Sicherheit und öffentliche Ordnung. Eigentlich hätte die Nutzungsänderung wenn nicht eine offizielle Flächennutzungsplanung, dann doch sich an einer solchen orientieren müssen. Weitere Verordnungen wie BaunutzungsVerordnung und andere sind zu beachten. (Dies geht jetzt für meine Recherche zu weit – mögen andere diesem Aspekt nachgehen)
Z.B. bei dem Errichten eines größeren Geschäftes muss beachtet werden, ob die Verkersflächen/Straßen/Wege, die zum Zugang genutzt werden, für die zu erwartende Verkehrsbelastung ausreicht. Straßen- und Wegegesetz §20
1. Bauliche Anlagen und die dem Verkehr dienenden nicht überbauten Flächen von bebauten Grundstücken müssen verkehrssicher sein.
2. Die Sicherheit oder Ordnung des öffentlichen Verkehrs darf durch bauliche Anlagen sowie andere Anlagen und Einrichtungen im Sinne des §1Abs.1 Satz 2 oder ihre Nutzung nicht gefährdet werden.
Auch wenn folgender Kommentar sich zu einem Abschnitt von Treppen bezieht – er verweist darauf, das Brandschutzauflagen auch der generellen Verkehrssicherheit dienen: §36 Rnd1 Die Vorschriften des § 36 BauO NRW dienen sowohl dem Brandschutz als auch der Verkehrssicherheit (§19 BauO NRW). Sie erfassen die notwendigen Treppen (§17 Abs. 3 BauO NRW) als Teile der vertikalen Rettungswege und auch aus gründen des Brandschutzes nicht notwendige Treppen. Sie korrespondieren mit den Vorschriften des §37 BauO NRW – Treppenräume – und als Teil des Rettungswegesystems mit den Vorschriften des §38 BauO NRW – notwendige Flure und Gänge. Sonderbauvorschriften, wie z.B. die VstättVO und […], enthalten aufgrund der besonderen oder auch anderen Nutzung dieser Sonderbauten teilweise abweichende und weitergehende Anforderungen an Treppen.
Die Vorschriften des §41 BauO NRW dienen im Konkretisierung der allgemeinen Grundforderungen des § 19 Abs. 1 BauO NRW der
Verkehrssicherheit der allgemein zum Begehen bestimmten Flächen.
[…]Absatz 3 korrespondiert mit der Grundforderung des §18 Abs.2 BauO NRW, wonach die Sicherheit oder Ordnung des öffentlichen Verkehrs durch bauliche Anlagen oder deren Nutzung nicht gefährdet werden darf. Verkehr bedeutet nicht nur der motorisierter Verkehr, sondern auch gehende Personen.
Die Tunnel, die zudem extrem lang sind, hätte man nicht nur auf Brandschutz, sondern die Verkehrssicherheit hin prüfen müssen –
ebenso die Rampe sowie die Zaunelemente/Absperrungen. Für Fußgängertunnel gibt es sicherlich andere Vorgaben als für
Straßentunnel – ein PKW hat eine Grundfläche von ca 10m . Kommt es zu einen Verkehrsstau und zu einem gefährlichen Vorfall im Tunnel, so können die Insassen eigentlich durch die Fahrzeugzwischenräume den Tunnel verlassen. Trotzdem sind extra Fußwege am Rand des Tunnels vorgeschrieben. Für die Erteilung einer Straßensondernutzung eines Tunnels als Zugangsweg für eine Veranstaltung bedarf einer Sonderprüfung – genauso wie die Genehmigung einer Baunutzungsänderung oder einer Veranstaltung.
1. Schutzziele und Vorgehensweise
Prof. U. Schneider, Dr. J.Horvath „Brandschutz-Praxis in Tunnelbauten“
Bauwerk Verlag ISBN 3-89932-037-9
Nach Prof. Temme dient der Brandschutz auch der Verkehrssicherheit (s.o.). Somit bedeutet ein Verzicht der Stadt Duisburg auf ein
Brandschutzkonzept, eine Brandschutzprüfung und auch Rettungswegepläne für die Sondernutzung mindestens eine grob
Fahrlässige Gefährdung von Leib und Leben sowie Leichtigkeit und Sicherheit der Verkehrsteilnehmer.
Steht es fest, dass keine Unterlagen zum Tunnel existieren? Für die Tunnel muss es irgendwann mal ein Genehmigungsverfahren gegeben haben.
Am 19.Juli stellt der Rechtsanwalt Schröder der Kanzlei Härting stellt mit einem Schreiben an den Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Herrn Adolf Sauerland im Namen der Lovepavent GmBH einen Antrag auf Erteilung einer Sondernutzungserlaubnis für Teile der Karl- Lehr-Straße im Rahmen der Durchführung der Loveparade 2010 Dem Bürgermeister (und seine Mitarbeiter) dürfte am 19.07.2010 bekannt gewesen sein, das damit eine Veranstaltung gemeint ist, bei der eine ungewöhnlich große Anzahl von Personen über diesen Weg geführt werden sollen. Daher hätte diese Genehmigung gewissenhaft geprüft werden müssen.
Es ist nicht erwiesen ob eine Prüfung stattgefunden hat oder nicht.
Dieses Schreiben ist die Anlage-31 und trägt den handschriftlichen Vermerk oben rechts „Dr. Jasper“.
Die Zuordnung einer Person zu der erwähnten Notiz ist nicht eindeutig. Hier kann auch jemand anderes gemeint sein.
Daher sollte man zusätzlich vorsichtig und wachsam bei der Betrachtung des Gutachten und der 42 Anlagen sein. Auffällig ist, unter diesen 42 Anhängen keine Dokumente sind, die die Genehmigung der Sondernutzungserlaubnis der Tunnel und Genehmigung der Veranstaltung durch (sehr wahrscheinlich) OB Sauerland betreffen.
Warum ist eine Genehmigung durch den OB höchstpersönlich wahrscheinlich?
Mit diesem Zwischenbericht, im Auftrag von Beteiligten und möglicherweise durch selbst Beteiligte erstellt, wurde dem Rat, der Landesregierung der Öffentlichkeit und wohl auch den Ermittelnden Behörden versucht mit der unteren Baubehörde ein Bauernopfer zu präsentieren.
Reine Spekulation. Da Strafrecht nicht mein Fachgebiet ist bleibt der Rest unkommentiert.
(1) Ein Vorgesetzter, welcher seine Untergebenen zu einer rechtswidrigen Tat im Amt verleitet, oder zu verleiten unternimmt oder
eine solche rechtswidrige Tat seiner Untergebenen geschehen lässt, hat die für diese rechtswidrige Tat angedrohte Strafe verwirkt.
(2) Dieselbe Bestimmung findet auf einen Amtsträger Anwendung, welchem eine Aufsicht oder Kontrolle über die Dienstgeschäfte eines anderen Amtsträgers übertragen ist, sofern die von diesem letzteren Amtsträger begangene rechtswidrige Tat die zur Aufsicht oder Kontrolle gehörenden Geschäfte betrifft. Ebenfalls eine Anregung zum Nachdenken/Nachrecherchieren
Dazu Beitragen zu zeigen welche Bedeutung die Dokumente des Anhanges haben, warnen, das Politiker/Medien/Gesellschaft sich nicht durch die Selektion der 42 Dokumente manipulieren lassen und jetzt z.B. einem Mitarbeiter von 62 die Hauptverantwortung ankreidet, dass weiter ernsthaft recherchiert wird und von der Politik keine voreiligen Forderungen/Entschlüsse gestellt/gefasst werden und neue Gesetze/ Vorschriften und Prüfinstanzen gefordert werden.
Wir brauchen mehr Transparenz und eine andere Sicherheitskultur. Nicht Profit oder Technik, sondern der Mensch sollte im Mittelpunkt stehen.
Mögen viele das Grundgesetz in die Hand nehmen und auch die Freiheit lassen, auf gesunden Menschenverstand zu hören. Alleine die Präambel ist ein guter Anfang:
Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den
Das Grundgesetz – zu beziehen von der Bundeszentrale für Politische
Gädtke, Temme, Heintz, Czepuck – BauO NRW Kommentar 11. Auflage,
2008 Werner Verlag
ISBN 978-3-8041-1827-0 Buchrücken „Sechs Jahre nach Erscheinen der
Vorauflage erscheint der Standardkommentar zur Landesbauordnung
NRW vollständig neu überarbeitet.
PS: Angesichts der vielen eklatanten, grob Fahrlässigen oder sogar vorsätzlichen Fehlern/Verstöße im Genehmigungsverfahren des Veranstaltungsgelände – mögen erfahrende Baujuristen prüfen, ob man diese Bau/Nutzungsänderungs-Genehmigung nicht Anfechten kann.
Damit könnte man in den Medien/Gesellschaft Aufmerksamkeit für diese Fehler gewinnen und es nicht wie bei der Kölner U-Bahn Jahre lang ohne Konsequenzen und weitergehenden Informationen belassen.
Heintz §75 Rdn. 41 Baugenehmigungen können aus den unterschiedlichsten Gründen rechtswidrig sein, etwa weil eine
Bauaufsichtsbehörde eine falsche planungsrechtliche
Beurteilungsgrundlage angenommen hat […]
BauGB Dritter Abschnitt – Gesetzliche Vorkaufsrechte der Gemeinde sollten in Duisburg/NRW diskutiert werden, da es wohl 4 Wochen Fristen zum Vorkaufsrecht gibt. Oder, wer hat wann die Grundstücke für kurze Zeit veräußert und welche Gewinne damit gemacht? Meine Textanteile sind zur freien Verwendung.
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5 thoughts on “Gastkommentar: Loveparade – Von Rettungswegen und Bauvorschriften”
enum 3. September 2010 at 10:24:30 -
Ok das war erstmal sehr verwirrend…
Falls sich sonst noch wer zunächst am Kopf gekratzt hat: Wir haben jetzt einen zweiten Fachmann. Der erste war „b“, der hier auch schon als „gastkommentar“ schrieb.
Der nun neu hinzugekommene anonyme Fachmann antwortet in Kursivschrift passagenweise auf b’s Analyse.
Wenn möglich sollte jemand von xtranews nochmal drübergehen und das optisch klarer gestalten, z.B. durch Seitenstreifen an den Zitaten o.ä.
Ansonsten mal wieder ein hochinteressanter und informtiver Beitrag. Ich glaube auch, dass viele Punkte die b kritisiert hat nicht direkt ursächlich für das Unglück waren, aber andererseits könnten sie Einblick geben, ob hier generell seriös gearbeitet wurde.
Da wir nur wenige Akten zur Verfügung stehen haben, müssen wir bei Schlussfolgerungen tatsächlich vorsichtig sein. Die Frage, ob der 1:1250-Plan der einzige gewesen sei hatte ich am 21.08. aber auch schon mal gestellt, worauf krabbat folgende Antwort fand:
Anlage 28, vom Amt für Baurecht und Bauberatung, Seite 2: “Die Bauvorlage liegt nur im Maßstab 1: 1250 vor, was jedoch akzeptiert werden kann. Allerdings ist der Lageplan noch nicht auf dem aktuellen Stand. (i.V.m. dem Brandschutzkonzept sowie nach Auswertung der Personenstromanalyse). Ferner fehlen u.a. die Legende sowie eine Bemaßung.”
Von einer digitalen Version (die ja auch in beliebiger Größe hätte geplottet werden können) ist da keine Rede und es scheint eher unwahrscheinlich, dass so eine abgegeben wurde.
Der Gastkommentator schreibt, dass die Treppe an der Rampe bei näherem Hinsehen auf dem Plan eingezeichnet und gut zu erkennen sei. Da der Plan nicht als Vektorgrafik in der Pdf vorliegt, kann man da ja nur bis in die Pixel reinzoomen und da erkenne ich die Treppe nicht. Die müsste ja neben diesem kleinen Wachhäusschen (Bebauung, eingezeichnet als 4 Kästchen neben der Rampe) eingetragen sein. Oder war hier ein anderer Plan gemeint statt Anlage 1?
b 3. September 2010 at 17:33:16 -
Erst Anfang nächster Woche werde ich ihn bearbeiten
Manche zitierten Teile sind nicht kursiv und ich werde
XN bitten unsere Beiten Anteile farblich zu trennen.
Kurze Antwort auf einen Kernpunkt:
# Die Betrachtung der Rettungswege ist fuer die Geschehnisse irrelevant.
# Das Unglueck geschah nicht in einer Entfluchtungssituation.
Ausgangsweg = Rettungsweg
Rettungswege sind freizuhalten
=> Ausgangswege sind freizuhalten
Bei der Situation des Gedränges spielten nicht freigehaltende Wege
karsten 3. September 2010 at 17:34:51 -
Bezüglich der Treppe: Ich gehe davon aus das die 4 Kästchen die Treppe enthalten. Beim Overlay eines Google Earth Bildes über den CAD Plan kommt das in etwa hin. Dabei können jedoch perspektivische Verzerrungen und Objektivverzerrungen nicht korrigiert werden so das es eine Schätzung bleibt.
Chequers 19. September 2010 at 13:10:36 -
*Die Treppe ist auf dem Plan eingezeichnet…
(Stellwerkerhäuschen oberhalb der Treppe an der Rampe fehlt)
Ich komme zu einer anderen Interpretation:
An der Westseite der Rampe ist links von der Mauer ein Gebäude eingezeichnet. Aufgrund dieser Lage kann man davon ausgehen, dass es sich dabei um das Stellwerkshäuschen handelt und nicht um die Treppe, da sich diese logischerweise rechts von der Mauer befinden müsste.
*Die Führung der Rettungswege ist in Anhang 1 – Sektorenkarte.pdf sehr wohl *ersichtlich (grün schraffierte Flächen, wie auch der Legende zu entnehmen). *Die Schraffierung ist allerdings auf das Gelände beschränkt und setzt sich *nicht auf die Rampe im nördlichen Bereich bzw. die A59 fort, endet also vor *den öffentlichen Flächen zu denen hin entfluchtet wird.
Man sollte die Begriffe Fluchtweg und Rettungsweg nicht verwechseln.
„Rettungsweg ist ein Begriff aus dem Bauordnungsrecht. Er kennzeichnet den Dienstweg, welcher der Brandbekämpfung bzw. eventuellen Verletztenbergung für die Einsatzkräfte stets freigehalten werden muss. Er ist nicht mit dem Fluchtweg zu verwechseln, welcher ausschließlich als Evakuierungsweg durch die Betroffenen dienen sollte.“
Aus der Legende geht hervor, dass die grünschrafierten Flächen Fluchtwege sind. Obwohl die Rampe und nachfolgend auch der Tunnel als Fluchtweg dienen sollte, ist ein Fluchtweg nicht eingezeichnet. Das Zeichen für Notausgang, das auf der Fußgängerinsel in der Mitte der Rampe (die eigentlich nur ein Grünstreifen ist) eingezeichnet ist, dürfte hierfür nicht ausreichend sein.
*“…Brandschutzkonzepte mit eigenem qualifizierten Personal selbst zu prüfen. Ein einfaches einreichen vom Veranstalter organisiertes Konzept reicht nicht aus.“
*In welchem Zusammenhang steht das Brandschutzkonzept mit dem Unglück?
Das Brandschutzkonzept ist Bestandteil der Genehmigung, folgedessen sind auch sämtliche Auflagen, die dieses beinhaltet Bestandteil der Genehmigung und deshalb auch relevant in Bezug auf Verantwortlichkeiten.
Ein für mich durchaus relevanter Punkt ist SBauVO § 43 in dem es unter anderem heißt:
„(2) Für Versammlungsstätten mit mehr als 5 000 Besucherplätzen hat der Betreiber im Einvernehmen mit den für Sicherheit oder Ordnung zuständigen Behörden, insbesondere der Polizei, der Brandschutzdienststelle und den Rettungsdiensten, ein Sicherheitskonzept aufzustellen. Im Sicherheitskonzept sind die Mindestzahl der Kräfte des Ordnungsdienstes gestaffelt nach Besucherzahlen und Gefährdungsgraden sowie die betrieblichen Sicherheitsmaßnahmen und die allgemeinen und besonderen Sicherheitsdurchsagen festzulegen.“
Im Sicherheitskonzept gibt es weder eine Festlegung von Sicherheitsdurchsagen, noch eine genaue Ordnerzahl und das Brandschutzkonzept gibt nur schwammig über die Ordnerzahl Auskunft:
C 16.6 : „Die Mindestzahl der Ordnungskräfte wurde an den sicherheits- und ordnungsrechtlichen Bedürfnissen ausgerichtet und unabhängig von wirtschaftlichen Erwägungen getroffen.“
ebenfalls unverständlich ist, wie Herr Dr. Jaspers die Veranstaltungsbeschreibung hinsichtlich des Besucherstroms während der Veranstaltung ignorieren kann (Brandschutzkonzept Seite 31):
„Ein geordneter Zugang für die Besucher auf das Gelände wird ausschließlich über die Karl-Lehr-Straße und den Tunnel auf das Grundstück sichergestellt.
Für die Entleerung des Veranstaltungsgeländes, nach Ende der Veranstaltung, ist geplant ebenfalls nur die Karl-Lehr-Straße, die über zwei Tunnel an das Veranstaltungsgeländer angebunden ist, zu verwenden, sodass Gegenverkehr ausgeschlossen werden kann.“
Dass am Ende der Veranstaltung nicht mehr mit Gegenverkehr gerechnet werden muß liegt auf der Hand, aber warum wird das ständige Kommen und Gehen während der Veranstaltung verschwiegen?
Desweiteren würde mich interessieren, warum die Stadt auf ihrem Standpunkt beharrt, sie hätte am Veranstaltungstag selbst nicht mehr die Einhaltung der Auflagen überprüfen müssen, obwohl ganz klar war, dass die Nachbesserungsarbeiten am Samstagvormittag anhalten würden.
Wie kann die Stadt behaupten, das wäre Aufgabe der Polizei gewesen?
Wie kann man bei einer Bauabnahme diesen maroden Gullideckel am unteren Rampenende übersehen oder gar auf die Idee kommen, diesen mit einem Bauzaun abzudecken? Oder wurde diesbezüglich eine andere Auflage während der Ortsbegehung gemacht? Nur gab es am Samstag niemand, der sich bemüßigt fühlte nachzuprüfen, ob der Auflage folgegeleistet wurde?
Chequers 19. September 2010 at 13:17:38 -
edit: Ich konnte die Kommentare vor Erstellung meines Kommentars nicht sehen. Mit dem Kommentar von Karsten, haben sich meine Einwände bezüglich der Treppe erledigt.