Source: https://www.medienrecht-urheberrecht.de/medienrecht/375-bgh-arzt-kann-nicht-loeschung-seiner-daten-aus-bewertungsportal-verlangen.html
Timestamp: 2019-05-22 14:53:53
Document Index: 90379088

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 13', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH: Arzt kann nicht Löschung seiner Daten aus einem Ärztebewertungsportal fordern - Kanzlei Janke + Schult | Fachanwalt für Urheber- u. Medienrecht in Rostock
BGH Urteil vom 23. September 2014 - VI ZR 358/13
Der Kläger ist niedergelassener Gynäkologe. Die Beklagte betreibt unter www.jameda.de ein Portal zur Arztsuche und Arztbewertung. Internetnutzer können dort kostenfrei der Beklagten vorliegende Informationen über Ärzte und Träger anderer Heilberufe abrufen.
Zu den abrufbaren Daten zählen unter anderem Name, Fachrichtung, Praxisanschrift, Kontaktdaten und Sprechzeiten sowie Bewertungen des Arztes durch Portalnutzer. Die Abgabe einer Bewertung erfordert eine vorherige Registrierung. Hierzu hat der bewertungswillige Nutzer lediglich eine E-Mail-Adresse anzugeben, die im Laufe des Registrierungsvorgangs verifiziert wird.
Datenschutzrecht geht vor Persönlichkeitsrecht
Auf der anderen Seite war im Rahmen der Abwägung aber zu berücksichtigen, dass das Interesse der Öffentlichkeit an Informationen über ärztliche Leistungen vor dem Hintergrund der freien Arztwahl ganz erheblich ist und das von der Beklagten betriebene Portal dazu beitragen kann, einem Patienten die aus seiner Sicht erforderlichen Informationen zur Verfügung zu stellen.
Zudem berühren die für den Betrieb des Portals erhobenen, gespeicherten und übermittelten Daten den Arzt nur in seiner sogenannten "Sozialsphäre", also in einem Bereich, in dem sich die persönliche Entfaltung von vornherein im Kontakt mit anderen Personen vollzieht. Hier muss sich der Einzelne auf die Beobachtung seines Verhaltens durch eine breitere Öffentlichkeit sowie auf Kritik einstellen.
Missbrauchsgefahren ist der betroffene Arzt nicht schutzlos ausgeliefert, da er von der Beklagten die Löschung unwahrer Tatsachenbehauptungen sowie beleidigender oder sonst unzulässiger Bewertungen verlangen kann. Dass Bewertungen anonym abgegeben werden können, führt zu keinem anderen Ergebnis. Denn die Möglichkeit zur anonymen Nutzung ist dem Internet immanent (vgl. § 13 Abs. 6 Satz 1 des Telemediengesetzes [TMG]).
2. die Daten aus allgemein zugänglichen Quellen entnommen werden können oder die verantwortliche Stelle sie veröffentlichen dürfte, es sei denn, dass das schutzwürdige Interesse des Betroffenen an dem Ausschluss der Erhebung, Speicherung oder Veränderung offensichtlich überwiegt, oder
1. der Dritte, dem die Daten übermittelt werden, ein berechtigtes Interesse an ihrer Kenntnis glaubhaft dargelegt hat und
2. kein Grund zu der Annahme besteht, dass der Betroffene ein schutzwürdiges Interesse an dem Ausschluss der Übermittlung hat.
(6) Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. […]
Quelle: Pressemitteilung des BGH Nr. 132/2014, vom 23.09.2014
Löschung schlechter und falscher Bewertungen
Bereits im Juli 2014 hatte der BGH entschieden, dass ein Arzt keinen Anspruch gegen den Betreiber eines Bewertungsportals auf Auskunft über die Anmeldedaten eines Nutzers hat (BGH, Urteil v. 01.07.2014, Az: VI ZR 345/13). Der Betreiber eines Bewertungsportals im Internet ist grundsätzlich nicht befugt, personenbezogene Daten zur Erfüllung eines Auskunftsanspruchs wegen einer Persönlichkeitsrechtsverletzung zu übermitteln. Das Datenschutzrecht siegt über das Persönlichkeitsrecht.
Bewertungen können also weiterhin anonym abgegeben werden. Das stärkt zwar die Meinungsfreiheit im Netz, schwächt aber die Möglichkeiten derjenigen, die zu unrecht negativ bewertet wurden.
Zwar müssen auch negative Bewertungen, sofern Sie wahr sind, hingenommen werden. Gleichwohl brauchen Sie oder Ihr Unternehmen nicht jede negative Bewertung hinnehmen. Der gute Ruf Ihres Unternehmens ist rechtlich vor unberechtigten Eingriffen geschützt.
Telefon: 0381 – 877 410 310
Ihre Ansprechpartnerin: Rechtsanwältin Marion Janke (MLE), Fachanwalt für Urheber- u. Medienrecht.
Yael Weiss/ Fotolia.com