Source: https://www.kostenlose-urteile.de/BGH_VI-ZR-30707_BGH-Presse-ist-oeffentlicher-Wachhund-Bilder-vom-Haftausgang-von-Karsten-Speck-durften-veroeffentlicht-werden.news6899.htm
Timestamp: 2020-04-03 21:03:15
Document Index: 387174544

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'Art. 8', '§ 22', 'BGH', 'Art. 5']

Urteil > VI ZR 307/07 | BGH - BGH: Presse ist "öffentlicher Wachhund" - Bilder vom Haftausgang von Karsten Speck durften veröffentlicht werden < kostenlose-urteile.de
Bundesgerichtshof, Urteil vom 28.10.2008
- VI ZR 307/07 -
BGH: Presse ist "öffentlicher Wachhund" - Bilder vom Haftausgang von Karsten Speck durften veröffentlicht werden
Persönlichkeitsrecht muss vor Pressefreiheit zurückstehen
Der Bundesgerichtshof sieht die Presse als "öffentlichen Wachhund", der z.B. darüber wacht, ob Prominente im Strafvollzug bevorzugt behandelt werden. In diesem Zusammenhang hat das Gericht die Veröffentlichung von Fotos vom Haftausgang von Karsten Speck gebilligt, obwohl die Veröffentlichung der Bilder einen erheblichen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Schauspielers darstellen.
Landgericht gab Specks Klage statt - Kammergericht wies die Klage ab
BGH: Bilder stellen einen erheblichen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht dar
Der u. a. für Presserecht (hier: Recht am eigenen Bild) zuständige VI. Zivilsenat hat dieses Urteil im Ergebnis bestätigt. Zwar stelle die Veröffentlichung der Bilder einen erheblichen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Klägers dar, da sein Fehlverhalten erneut öffentlich bekannt gemacht worden sei. Als Ergebnis der gebotenen Abwägung zwischen den Rechten des Klägers und der Pressefreiheit der Beklagten müsse das Persönlichkeitsrecht des Klägers jedoch zurückstehen.
BGH: Informationsinteresse der Öffentlichkeit ist hier gewichtiger als der Persönlichkeitsschutz
Das mit der Pressefreiheit geschützte Informationsinteresse der Öffentlichkeit erscheine gewichtiger. Der vom Kläger inhaltlich nicht beanstandete Artikel werfe insbesondere die Frage auf, ob der Kläger als Prominenter im Strafvollzug eine bevorzugte Behandlung erfahre; die Presse nehme hier ihre wichtige Funktion als "öffentlicher Wachhund" wahr. Ein berechtigtes Interesse des Klägers, den Abdruck der Fotos gleichwohl zu verhindern, liege nicht vor. So habe die Veröffentlichung die Resozialisierung des Klägers nicht beeinträchtigt, er sei durch das Anfertigen der Bilder nicht unzumutbar belästigt worden.
GG Art. 5 Abs. 1, 2 Abs. 1, EMRK Art. 8, 10, §§ 22, 23 KUG
Eine Bildberichterstattung über den Strafvollzug bei einem bekannten Filmschauspieler kann auch ohne dessen Einwilligung durch ein Bedürfnis nach demokratischer Kontrolle der Strafvollstreckungsbehörden gestattet sein.
© kostenlose-urteile.de (ra-online GmbH), Berlin 28.10.2008
Quelle: ra-online, Pressemitteilung Nr. 198/08 des BGH vom 28.10.2008
Landgericht Berlin, Urteil vom 23.01.2007
[Aktenzeichen: 27 O 1035/06]
Kammergericht Berlin, Urteil vom 04.12.2007
[Aktenzeichen: 9 U 21/07]
Bundesgerichtshof, Entscheidung vom 28.10.2008 [Aktenzeichen: VI ZR 307/07]
Wann dürfen Bilder von prominenten „Straftätern“ veröffentlicht werden? »
Urteile zu den Schlagwörtern: allgemeines Persönlichkeitsrecht | Berichterstattung | Informationsinteresse | Persönlichkeitsrecht | Presse | Pressefreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) | Recht am eigenen Bild | Unterlassung | Unterlassung einer Berichterstattung | Veröffentlichung von Fotos
Ähnliche Urteile finden Sie mit unseren Suchvorschlag: „Presserecht Veröffentlichung Fotos“
Dokument-Nr. 6899
Wenn Sie einen Link auf diese Entscheidung setzen möchten, empfehlen wir Ihnen folgende Adresse zu verwenden: https://www.kostenlose-urteile.de/Urteil6899