Source: https://www.talentplus.de/in-beschaeftigung/alternative-beschaeftigung/inklusionsbetriebe/index.html
Timestamp: 2019-03-23 06:10:42
Document Index: 34252543

Matched Legal Cases: ['§ 215', '§ 68', '§ 68', '§ 18', '§ 215', '§ 217', '§ 68', '§ 68', '§ 224', '§ 118']

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Inklusionsbetriebe sind Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes mit besonderem sozialen Auftrag. Sie bieten Qualifizierungsmöglichkeiten und sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse für Menschen mit Behinderung. Insbesondere richten sie sich an schwerbehinderte Menschen, deren berufliche Teilhabe besonders erschwert ist aufgrund der Art und Schwere ihrer Behinderung oder anderer Umstände.
Vorreiter der beruflichen Inklusion:
In Inklusionsbetrieben arbeiten in der Regel behinderte und nichtbehinderte Menschen gemeinsam. Die Unternehmen beschäftigen jedoch bis zu 50 Prozent Schwerbehinderte und verwirklichen dadurch in weitaus höherem Maß berufliche Teilhabe als andere Firmen. Die Beschäftigung in einem Inklusionsbetrieb kann den Übergang vorbereiten zu einer sonstigen Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Wechselnde Bezeichnungen:
Neben der Bezeichnung "Inklusionsbetrieb", die durch das Bundesteilhabegesetz eingeführt wurde und den neuen Bezeichnungen "Inklusionsfirma" und "Inklusionsunternehmen", findet man derzeit auch noch die bisher verwendeten Begriffe Integrationsfirma, Integrationsunternehmen, Integrationsprojekt. Alle Benennungen meinen in der Regel dasselbe.
Unterschiedliche Rechtsformen:
Inklusionsbetriebe können rechtlich selbstständige Unternehmen sein oder rechtlich unselbstständige unternehmensinterne Betriebe oder Abteilungen. Inklusionsbetriebe, die rechtlich selbstständige Unternehmen sind, werden überwiegend in der Form einer gemeinnützigen GmbH geführt.
Inklusionsbetriebe sollen mindestens 30 Prozent schwerbehinderte Menschen beschäftigen. Der Anteil der schwerbehinderten Menschen soll in der Regel 50 Prozent nicht übersteigen (§ 215 Absatz 3 SGB IX).
Psychisch erkrankte Menschen auch ohne anerkannte Schwerbehinderung zählen mit zur Quote, so wie seit dem 31. Januar 2019 Beschäftigte mit 12 Wochenstunden Beschäftigungsumfang (§ 68 Abgabenverordnung).
Inklusionsbetriebe, die regelmäßig mindestens 40 Prozent schwerbehinderte Menschen beschäftigen, gelten als gemeinnützige Zweckbetriebe (im Sinne von § 68 Abgabenverordnung).
Personenkreis / Zielgruppen
Inklusionsbetriebe richten sich an schwerbehinderte Menschen mit einem besonderen Unterstützungsbedarf.
Das SGB IX beschreibt im Paragraf 215 wer zu diesem Personenkreis zählt:
schwerbehinderte Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung oder mit einer schweren Körper-, Sinnes- oder Mehrfachbehinderung, die sich im Arbeitsleben besonders nachteilig auswirkt und allein oder zusammen mit weiteren vermittlungshemmenden Umständen die Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt außerhalb eines Inklusionsbetriebs erschwert oder verhindert,
schwerbehinderte Menschen, die nach zielgerichteter Vorbereitung in einer Werkstatt für behinderte Menschen oder einer psychiatrischen Einrichtung für den Übergang in einen Betrieb oder eine Dienststelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in Betracht kommen und auf diesen Übergang vorbereitet werden sollen,
schwerbehinderte Menschen nach Beendigung einer schulischen Bildung, die nur dann Aussicht auf eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt haben, wenn sie zuvor in einem Inklusionsbetrieb an berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen teilnehmen und dort beschäftigt und weiterqualifiziert werden,
schwerbehinderte Menschen, die langzeitarbeitslos im Sinne des § 18 des Dritten Buches sind (ein Jahr und länger).
Erweiterter Personenkreis seit dem 1. Januar 2017
Das Bundesteilhabegesetz (§ 215, Absatz 4, SGB IX) hat den Personenkreis erweitert auf psychisch kranke Menschen, die behindert oder von Behinderung bedroht sind, und deren Teilhabe an einer sonstigen Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auf besondere Schwierigkeiten stößt.
Begleitende Unterstützung und Angebote
Zu den Angeboten der Inklusionsbetriebe für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Behinderung kann gehören:
nach Bedarf berufliche Qualifizierungsmaßnahmen
Unterstützung bei der Vermittlung in eine andere Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
neben regulären Arbeitsplätzen auch stundenweise Beschäftigungsmöglichkeiten im Modell des sogenannten "Zuverdienst"
Einige Inklusionsbetriebe bieten neben regulären Arbeitsplätzen Beschäftigungsmöglichkeiten an im Modell des sogenannten "Zuverdienst".
Zuverdienstangebote richten sich an Menschen, die dauerhaft erwerbsgemindert sind und deren Leistungsvermögen unterhalb von drei Stunden Arbeit täglich liegt. Eine Vielzahl von ihnen ist psychisch erkrankt oder behindert. Dies bedeutet nicht, dass sie nicht arbeiten können und wollen. Sie benötigen allerdings einen passenden Rahmen.
Rahmenbedingungen von Zuverdienstangeboten:
angepasste Arbeitszeiten auch unter drei Stunden täglich
(wenn möglich) keine zeitliche Beschränkung der Beschäftigungsdauer
Niedrigschwelliges Konzept:
Die Nutzer und Nutzerinnen brauchen weder eine ärztliche Verordnung bzw. Begutachtung und die angebotenen Tätigkeiten sind in ihren Anforderungen (z. B. was Zeit und Arbeitsintensität angeht) an den physischen und psychischen Möglichkeiten der Nutzer/innen ausgerichtet.
Zuverdienstangebote gibt es in vielen Bereichen und mit unterschiedlichen Konzeptionen (Zuverdienstfirmen, Zuverdienstprojekte oder Einzelarbeitsplätze in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes).
In den meisten Fällen handelt es sich bei den Zuverdiensttätigkeiten um eine „betreute“ oder „therapeutische“ Tätigkeit, also kein reguläres Beschäftigungsverhältnis. In diesen Fällen wird auch kein „Lohn“ sondern in der Regel eine sogenannte Motivationszuwendung oder Mehraufwandsentschädigung gezahlt.
In einzelnen Regionen gibt es die Möglichkeit, im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung eine Zuverdiensttätigkeit aufzunehmen. Hier wird ein regulärer Arbeitsvertrag geschlossen, mit Tariflohn und psychosozialer Unterstützung bei der betreffenden Tätigkeit.
Insgesamt bieten in Deutschland mehr als 900 Inklusionsbetriebe Arbeitsplätze an in den verschiedensten Branchen. Das Spektrum der Geschäftsfelder wird stetig erweitert und verändert. Inklusionsbetriebe müssen sich dem Wettbewerb mit anderen Unternehmen des ersten Arbeitsmarktes stellen und passen bei Neugründungen oder Umstrukturierungen ihre Geschäftsmodelle entsprechend der Nachfrage an.
Inklusive Unternehmen bieten Arbeitsplätze und Dienstleistungen in den Bereichen
Bürodienstleistungen / Grafik / IT
Gastronomie / Event / Freizeit
Haus / Gebäude / Bauen
Hauswirtschaft / Soziale Dienste
Kfz / Zweirad / Werkstatt
Landwirtschaft / Lebensmittelerzeugung
Anerkennung als Inklusionsbetrieb und finanzielle Förderung
Für Inklusionsbetriebe wird anders als bei Werkstätten für behinderte Menschen kein förmliches Anerkennungsverfahren durchgeführt. Als Nachweis für die Eigenschaft als Inklusionsbetrieb dient in der Regel der Bescheid des zuständigen Integrationsamtes über erbrachte Leistungen nach § 217 SGB IX (Leistungsbescheid) sowie, im Falle einer Beschäftigung psychisch kranker Menschen, der Leistungsbescheid des zuständigen Rehabilitationsträgers (§ 68 Abgabenordnung).
Inklusionsbetriebe können Zuschüsse erhalten für
Ausstattung eines Unternehmens
Neben der investiven Förderung können sie, wie andere Unternehmen mit schwerbehinderten Menschen auch, Geldleistungen beantragen, wenn ein besonderer Aufwand entsteht, zum Beispiel für
Ausgleich für Minderleistungen
notwendige personelle Unterstützung
arbeitsbegleitende, psychosoziale Unterstützung
Inklusionsbetriebe, die regelmäßig mindestens 40 Prozent schwerbehinderte Menschen beschäftigen und dadurch den Status eines gemeinnützigen Zweckbetriebes haben (im Sinne von § 68 Abgabenordnung), haben Anspruch auf steuerliche Erleichterungen bei der Umsatzsteuer und sind von der Körperschaftssteuer befreit.
Grundlegende Kostenträger:
Die wichtigsten Kostenträger bei der Gründung und Förderung von Inklusionsbetrieben sind die Integrationsämter / Inklusionsämter des jeweiligen Bundeslandes.
Eventuelle weitere Kostenträger in der Startphase können die Agentur für Arbeit sein oder das Jobcenter sowie Stiftungen.
Unterschiedlich nach Bundesland kann es zudem besondere Sonderförderprogramme oder kommunale Zuschüsse geben zur Förderung von Inklusionsbetrieben.
Wirtschaftlichkeit / Nachhaltigkeit der Förderung:
Die Gewährung investiver Förderungen setzt voraus, dass das marktwirtschaftliche Konzept des Inklusionsbetriebes im Vergleich zu anderen Anbietern am Markt wirtschaftlich erfolgsversprechend ist. Im Ergebnis müssen die Betriebs- und Personalkosten durch erzielte Gewinne erwirtschaftet werden
Vergabe von Aufträgen an Inklusionsbetriebe / Anrechenbarkeit auf die Ausgleichsabgabe:
Bei der Vergabe von Aufträgen durch die öffentliche Hand werden Inklusionsbetriebe besonders berücksichtigt (§ 224 SGB IX und § 118 Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen).
An Inklusionsbetriebe vergebene Auftrags- und Dienstleistungen können aber nicht auf die Ausgleichsabgabe angerechnet werden (wie es bei Auftragsvergabe an Werkstätten für behinderte Menschen möglich ist). Inklusionsbetriebe stellen sich dem Wettbewerb mit anderen Firmen des ersten Arbeitsmarktes. Ein "wettbewerbsverzerrender Vorteil" wie die Anrechenbarkeit von Aufträgen widerspricht dem Selbstverständnis und dem Status der Inklusionsbetriebe (Info: Bundesarbeitsgemeinschaft Inklusionsfirmen bag if).
Gründungsberatung und Ansprechpartner
Integrationsämter / Inklusionsämter*:
Erste Ansprechpartner zu Fragen der Gründung und Förderung sind die Integrationsämter, da sie Hauptkostenträger und Bewilligungsbehörde für die Inklusionsbetriebe sind.
Die betriebswirtschaftliche Begleitung der Inklusionsbetriebe durch die Integrationsämter ist je nach Bundesland und Integrationsamt-Struktur unterschiedlich organisiert. Manche Integrationsämter haben eigene Referate, die die Gründung und den Aufbau von Inklusionsbetrieben durch intensives Monitoring begleiten.
Manche Integrationsämter arbeiten fest mit speziellen externen Beratungsunternehmen zusammen.
Ergänzend können von den Integrationsämtern die örtlichen Agenturen für Arbeit und die Jobcenter mit eingebunden werden, da sie für arbeitslose Menschen einen Eingliederungszuschuss finanzieren können.
Kammern und gewerkspezifische Beratungsanbieter:
Gewerkspezifische Berater und Beraterinnen der Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern und von branchenbezogenen Organisationen (wie die DEHOGA im Gastronomiebereich) können bei der Entwicklung eines branchenspezifischen Geschäftsmodells helfen und bei der Erstellung betriebswirtschaftlicher Gutachten.
Fachberatung für Arbeits- und Firmenprojekte (FaF):
Das Beratungsunternehmen mit verschiedenen Standorten in Deutschland wurde von der Bundesarbeitsgemeinschaft Inklusionsfirmen (bag if) gegründet und berät seit vielen Jahren bei der Gründung und dem Aufbau von Inklusionsbetrieben in den unterschiedlichsten Branchen.
Die Aktion Mensch fördert den Auf- und Ausbau von Inklusionsbetrieben durch Investitionskostenzuschüsse. Vorher wird geprüft, ob ein öffentlicher Kostenträger wie das Integrationsamt vorrangig fördern kann.
Die Aktion Mensch hat auf ihrer Internetseite einen Account eingerichtet, über den Förderanträge gestellt werden können.
Branchensuche Inklusionsbetriebe
Branchensuche Inklusionsbetriebe:
Alle Inklusionsbetriebe in Deutschland, suchbar über Branchen und Dienstleistungen.
Verzeichnis Inklusionsbetriebe
PDF-Verzeichnis aller Inklusionsbetriebe in Deutschland mit Beschreibung der Angebote und Leistungen.
Weitere Informationen zum Thema Zuverdienst.
Literatur zu Inklusionsbetrieben
Arbeitsplätze in Inklusionsbetrieben
Adressen der Inklusionsbetriebe
Adressen aller Inklusionsbetriebe / Integrationsfirmen in Deutschland, aufrufbar nach Bundesland. Die Angaben enthalten auch Informationen zu den Geschäftsfeldern und Dienstleistungen des Betriebs.
Beratung zur Gründung und Förderung von Inklusionsbetrieben
Fachberatung für Arbeits- und Firmenprojekte (FAF gGmbH)
Bundesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsfirmen (bag if)
Autorin / Autor: (kn) 2019