Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=11.11.1987&Aktenzeichen=8%20C%204.86
Timestamp: 2019-10-18 14:58:05
Document Index: 336066793

Matched Legal Cases: ['§ 123', '§ 123', '§ 123', '§ 123', '§ 123', '§ 123', '§ 242']

BVerwG, 11.11.1987 - 8 C 4.86 - dejure.org
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BVerwG, 11.11.1987 - 8 C 4.86 (https://dejure.org/1987,426)
BVerwG, Entscheidung vom 11.11.1987 - 8 C 4.86 (https://dejure.org/1987,426)
BVerwG, Entscheidung vom 11. November 1987 - 8 C 4.86 (https://dejure.org/1987,426)
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Erschließung - Anwendungsbereich - Bebauungsplan - Öffentliche Verkehrsfläche - Bauvorhabengenehmigung - Folgenbeseitigung
VG Neustadt, 16.04.1984 - 8 K 304/82
OVG Rheinland-Pfalz, 18.06.1985 - 7 A 114/84
BVerwG, 28.11.1985 - 8 B 130.85
BVerwGE 78, 266
NVwZ 1988, 355
DVBl 1988, 245
DÖV 1988, 379
BauR 1988, 180
ZfBR 1988, 139
vgl. BVerwG, Urteil vom 11. November 1987 - 8 C 4.86 -, BVerwGE 78, 266 = NVwZ 1988, 355 = juris Rn. 14.
vgl. BVerwG, Urteile vom 22. Januar 1993 - 8 C 46.91 -, BVerwGE 92, 8 = NVwZ 1993, 1102 = BRS 55 Nr. 106 = juris Rn. 17, und vom 11. November 1987 - 8 C 4.86 -, BVerwGE 78, 266 = NVwZ 1988, 355 = juris Rn. 13.
vgl. BVerwG, Urteil vom 22. Januar 1993 - 8 C 46.91 -, BVerwGE 92, 8 = NVwZ 1993, 1102 = BRS 55 Nr. 106 = juris Rn. 27, vom 11. November 1987 - 8 C 4.86 -, BVerwGE 78, 266 = NVwZ 1988, 355 = juris Rn. 18, und vom 6. Februar 1985 - 8 C 44.84 -, NVwZ 1985, 564 = BRS 43 Nr. 5 = juris Rn. 13, und vom 4. Oktober 1974 IV C 59.72 -, NJW 1975, 402 = juris Rn. 34.
Demgegenüber wurzelt die an (der Mitwirkung an) der Erteilung der Baugenehmigung und der nachfolgenden Realisierung des Vorhabens anknüpfende Verdichtung der Erschließungspflicht in dem Gedanken der Folgenbeseitigung (BVerwG vom 11.11.1987, BVerwGE 78, 266 Leitsatz 4 und vom 27.1.1993, BVerwGE 92, 8/13).
Wenn sich daraus Unzuträglichkeiten ergeben, denen nur durch Erschließungsmaßnahmen abgeholfen werden kann, ist es den daran mitverantwortlichen Behörden verwehrt, es einfach bei dem sich so ergebenden Zustand bewenden zu lassen und sich auf den Standpunkt zurückzuziehen, dass es allein Sache des Betroffenen sei, mit diesem Zustand fertig zu werden (BVerwG vom 6.2.1985, NVwZ 1985, 564/565; vom 11.11.1987, BVerwGE 78, 266/273 und vom 3.5.1991, BVerwGE 88, 166/171).
Angesichts des plankonform errichteten Vorhabens erweist sich die Sperrwirkung seiner Festsetzungen für das bebaute Grundstück des Klägers als gegenstandslos (vgl. BVerwG vom 6.2.1985, NVwZ 1985, 564/565 und vom 11.11.1987, BVerwGE 78, 266/272 f.).
Der Erschließungsanspruch haftet am Grundstück an, besitzt also dingliche Qualität; dinglich wirken auch bestimmte Einwendungen gegen den Erschließungsanspruch gegenüber "Rechtsnachfolgern im Eigentum" (vgl. BVerwG vom 11.11.1987, BVerwGE 78, 266/273 f.).
Dem ist entgegenzuhalten, dass die bundesrechtlich geregelte Erschließungslast der Gemeinde nur die erstmalige Herstellung der Erschließungsanlage umfasst und sich nicht auf deren Unterhaltung und Aufrechterhaltung erstreckt (§ 123 Abs. 5 BBauG bzw. § 123 Abs. 4 BauGB; vgl. dazu BVerwG vom 28.10.1981, BVerwGE 64, 186/188 f. und vom 11.11.1987, BVerwGE 78, 266/270).
Das Bundesverwaltungsgericht misst den durch die erschließungsspezifische Rechtswidrigkeit der Baugenehmigung eingetretenen Unzuträglichkeiten anspruchsbegründende Wirkung nur bei, wenn ihnen "... nur durch Erschließungsmaßnahmen abgeholfen werden kann..." (BVerwG vom 6.2.1985, NVwZ 1985, 564/565 und vom 11.11.1987, BVerwGE 78, 266/273).
vgl. BVerwG, ständige Rechtsprechung seit dem Urteil vom 4. Oktober 1974 - IV C 59.72 -, juris Rn. 34 ff.; vgl. u.a. Urteile vom 28. Oktober 1981 - 8 C 4.81 -, juris Rn. 20 ff., vom 6. Februar 1985 - 8 C 44.84 -, juris Rn. 10 ff., vom 11. November 1987 - 8 C 4.86 -, juris Rn. 19 ff., vom 3. Mai 1991 - 8 C 77.89 -, juris Rn. 23 f., und vom 22. Januar 1993 - 8 C 46.91 -, juris Rn. 17 ff., sowie Beschlüsse vom 22. März 1999 - 4 B 10.99 -, juris Rn. 4, und vom 6. August 2007 - 9 B 5.07 -, juris Rn. 4 ff.
vgl. BVerwG, Urteil vom 11. November 1987 - 8 C 4.86 -, juris Rn. 17; ausführlich: Hofmann-Hoeppel, Die Verdichtung der gemeindlichen Erschließungslast zur Erschließungspflicht, BauR 1993, 520 ff.
vgl. BVerwG, Urteile vom 4. Oktober 1974 - IV C 59.72 -, juris Rn. 34, vom 28. Oktober 1981 - 8 C 4.81 -, juris Rn. 20, vom 6. Februar 1985 - 8 C 44.84 -, juris Rn. 15, und vom 11. November 1987 - 8 C 4.86 -, juris Rn. 19, sowie Beschluss vom 22. März 1999 - 4 B 10.99 -, juris Rn. 4; Hofmann-Hoeppel, Die Verdichtung der gemeindlichen Erschließungslast zur Erschließungspflicht, BauR 1993, 520 ff., 534 ff.
vgl. BVerwG, Urteile vom 22. Januar 1993 - 8 C 46.91 -, juris Rn. 25, und vom 11. November 1987 - 8 C 4.86 -, juris Rn. 19, sowie Beschluss vom 6. August 2007 - 9 B 5.07 -, juris Rn. 6; OVG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 20. Dezember 2006 - OVG 10 B 2.06 -, juris Rn. 41 f.; Bayerischer VGH, Beschluss vom 24. September 2007 - 8 ZB 07.1025 -, juris Rn. 13; Finkelnburg/Ortloff, Öffentliches Baurecht, Band I: Bauplanungsrecht, 6. Auflage 2011, 5.
Zum einen hat die Rechtsvorgängerin des Klägers, deren Handeln dem Kläger zuzurechnen ist, vgl. BVerwG, Urteil vom 11. November 1987 - 8 C 4.86 -, juris Rn. 19, im Bauantrag vom 18. Mai 2000 ebenso wie im Antrag auf Erteilung eines Vorbescheides vom 25. Juli 1999 ausdrücklich eine wegemäßige, aber öffentlich-rechtlich nicht gesicherte Erschließung über den zum M1.---weg führenden Privatweg des Nachbarn vorgetragen und im Lageplan dargestellt.
Zu Recht hat das Berufungsgericht seiner Beurteilung dieses Begehrens § 123 des am 1. Juli 1987 in Kraft getretenen Gesetzes über das Baugesetzbuch vom 8. Dezember 1986 (BGBl. I S. 2191) - BauGB - zugrunde gelegt (vgl. BVerwGE 78, 266 (269) [BVerwG 11.11.1987 - 8 C 4/86]).
In Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. u. a. Urteile vom 6. Februar 1985 - BVerwG 8 C 44.84 - Buchholz 406.11 § 123 BBauG Nr. 29 S. 20 (21) und BVerwGE 78, 266 (269) [BVerwG 11.11.1987 - 8 C 4/86]) ist das Berufungsgericht überdies davon ausgegangen, daß ein Anspruch auf Erschließung grundsätzlich nicht besteht (vgl. § 123 Abs. 3 BauGB), es jedoch ausnahmsweise anders ist, wenn sich die allgemeine Erschließungsaufgabe einer Gemeinde (§ 123 Abs. 1 BauGB) zugunsten eines Grundstückseigentümers zu einer strikten Erschließungspflicht verdichtet hat.
Der Verdichtung vorausgesetzt ist daher, daß die "Baugenehmigung zum Entstehen eines (materiell) rechtswidrigen Zustands führt" (BVerwGE 78, 266 (273) [BVerwG 11.11.1987 - 8 C 4/86], ebenso Urteil vom 6. Februar 1985, a.a.O. S. 23 ("wenn sie das Entstehen eines rechtswidrigen Zustands fördert")).
Die jeweiligen Anknüpfungspunkte für eine Verdichtung der gemeindlichen Erschließungspflicht beruhen auf unterschiedlichen rechtlichen Ansätzen und vermitteln deshalb auch Erschließungsansprüche mit unterschiedlichem Inhalt (BVerwG, Urteil vom 11. November 1987 - 8 C 4.86 -, BVerwGE 78, 266 ; VGH München, Urteil vom 12. Oktober 2004 - 4 B 01.722 -, juris-Ausdruck S. 5).
Die in der Rechtsprechung entwickelte Fallkonstellation "Erteilung einer rechtswidrigen Baugenehmigung" wurzelt im Rechtsgedanken der Folgenbeseitigung und findet ihre Rechtfertigung in der Erwägung, dass eine ohne hinreichend gesicherte Erschließung erteilte Baugenehmigung nach Verwirklichung des Vorhabens zum Entstehen eines rechtswidrigen Zustands führt (BVerwG, Beschluss vom 22. März 1999 - 4 B 10.99 -, BRS 62 Nr. 173 ; Urteil vom 3. Mai 1991 - 8 C 77.89 -, BVerwGE 88, 166 ; Urteil vom 11. November 1987 - 8 C 4.86 -, BVerwGE 78, 266 ; VGH München, Urteil vom 12. Oktober 2004 - 4 B 01.722 - ).
c) Darüber hinaus steht dem Anspruch der Klägers, die Beklagte zu verurteilen, durch geeignete Maßnahmen sein Grundstück zu erschließen, entgegen, dass er selbst eine wesentliche Ursache für eine etwaige Rechtswidrigkeit der ihm erteilten Baugenehmigung(en) gesetzt hat (vgl. dazu auch BVerwG, Urteil vom 11. November 1987 - 8 C 4.86 -, BVerwGE 78, 266, juris-Ausdruck S. 7).
Sie sind mit dem Ruhebedürfnis der Anlieger regelmäßig vereinbar (VGH Bad.-Württ., Urteil vom 2.12.1986 - 1 S 1504/86 - BRS 47 Nr. 105).
Kommt es infolgedessen zu Unzuträglichkeiten, denen nur durch Erschließungsmaßnahmen abgeholfen werden kann, ist es der mitverantwortlichen Gemeinde verwehrt, sich auf den Standpunkt zurückzuziehen, es sei allein Sache des Betroffenen, das Problem der Erschließung zu lösen (BVerwG, Urteile v. 6.2.1985 - 8 C 44.84 - DVBl 1985, 623 = BauR 1985, 310 = KStZ 1985, 152; v. 11.11.1987 - 8 C 4.86 - BVerwGE 78, 266 = DÖV 1988, 379 = KStZ 1988, 92 = NSt-N 1988, 139; v. 3.5.1991 - 8 C 77.89 - BVerwGE 88, 166 = DVBl 1991, 1304 = NVwZ 1991, 1086 = ZfBR 1991, 227; u. v. 22.3.1999 - 4 B 10.99 - BRS 62 Nr. 173 = ZfBR 2000, 70 = BauR 2000, 247; Urt. d. Sen. v. 22.1.1999 - 9 L 6980/96 - NVwZ-RR 2000, 486 = NdsRpfl 1999, 273 = NSt-N 1999, 143).
Allerdings führen der Erlass einer Baugenehmigung oder die Erteilung des dafür erforderlichen Einvernehmens - als Unterfall der Verpflichtung zu "treuem Verhalten" (§ 242 BGB) - nur dann bei der Gemeinde zu einer Aufgabenverdichtung, wenn "eine ohne hinreichend gesicherte Erschließung erteilte Baugenehmigung zum Entstehen eines rechtswidrigen Zustandes führt und sich daraus Unzuträglichkeiten ergeben, denen nur durch Erschließungsmaßnahmen abgeholfen werden kann, den daran mitverantwortlichen Behörden 'verwehrt' ist, 'es einfach bei dem sich so ergebenden Zustand bewenden zu lassen und sich auf den Standpunkt zurückzuziehen, dass es allein Sache des Betroffenen sei, mit diesem Zustand fertig zu werden'" (BVerwG, Urt. v. 11.11.1987 - 8 C 4.86 -, BRS 47 Nr. 105 unter Hinweis auf Urt. v. 21.2.1986 - 4 C 10.83 -, BRS 46 Nr. 106).
Hatte sich dieser mit der Gemeinde darauf verständigt, für die Erschließung der Grundstücke reiche eine Privatstraße aus, dann ist es ihm (oder seinem Rechtsnachfolger) verwehrt, nunmehr der Gemeinde gegenüber die Beseitigung von Unzuträglichkeiten zu verlangen, die sich aus daraus resultierender unzureichender rechtlicher Sicherung der Erschließung ergeben (BVerwG, Urt. v. 11.11.1987 - 8 C 4.86 -, BRS 47 Nr. 105).
Aus der Erteilung einer Baugenehmigung kann aber jedenfalls im Zufahrtsrecht kein weitergehender Vertrauensschutz erwachsen, als ihn die Rechtsprechung für die Frage der Erschließungspflicht bei Vorliegen einer Baugenehmigung anerkannt hat (vgl. BVerwG vom 11.11.1987 BVerwGE 78, 266/273; vom 3.5.1991 BVerwG 88, 166/171).
Insbesondere obliegt es ihm zu entscheiden, nach welchem System er die Materie ordnen will (vgl. BVerfG, Beschluss vom 1.7.1987, 1 BvL 21/82, NVwZ 1988, 355 f.).
VGH Bayern, 12.10.2004 - 4 B 01.722
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