Source: https://www.arbeitsagentur.de/wissensdatenbank-sgbii/20-algii-regelbedarf-lebensunterhalt
Timestamp: 2018-04-21 07:30:27
Document Index: 62380881

Matched Legal Cases: ['§20', '§ 36', '§ 36', '§ 41', '§ 24', '§ 20', '§ 24', '§ 62', '§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 20', '§ 20', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 20']

SGB II, §20: Regelbedarf zur Sicherung des Lebensunterhalts - Bundesagentur für Arbeit
Leistungsgewährung bei Einzug in ein Frauenhaus, Anwendung der Fachlichen Weisungen zu § 36 SGB II (Rz 36.3)
Sind die Fachlichen Weisungen zu § 36 SGB II auch bei Frauen anzuwenden, die Zuflucht in einem Frauenhaus suchen und völlig mittellos sind?
Nach Auffassung des BMAS soll den betroffenen Frauen ab dem Zeitpunkt der (neuen) Antragstellung die anteiligen Leistungen zur Deckung des Regelbedarfs (für Alleinstehende) gezahlt werden, wenn sie glaubhaft darlegen, dass ihnen die im Voraus an den Partner gezahlten Leistungen nicht zur Verfügung stehen. Insoweit ist in den betroffenen Einzelfällen abweichend von den Fachlichen Weisungen eine situationsangemessene Entscheidung zu treffen. Die an den Partner gezahlten Leistungen sind ggf. zurückzufordern.
Grundsätzlich kommt eine vorläufige Entscheidung nach § 41a Absatz 1 SGB II in Betracht, da nicht von vornherein ausgeschlossen werden kann, dass der Partner im Rahmen des Anhörungsverfahrens nach § 24 SGB X die Angaben der Betroffenen glaubhaft widerlegt.
Auch bei der Einleitung des Anhörungsverfahrens sollte die besondere Situation der Betroffenen berücksichtigt werden. Häufig kehren die Frauen bereits nach einem kurzen Aufenthalt im Frauenhaus in die gewaltgeprägte Lebenssituation zurück. Von einer Rückforderung der überzahlten Leistungen kann zwar nicht abgesehen werden. Da aber eine Rücknahmeentscheidung innerhalb eines Jahres möglich ist, wäre beispielsweise denkbar, die Anhörung erst nach dem Auszug aus dem Frauenhaus durchzuführen.
WDB-Beitrag Nr.: 200003
Auszahlung der anteiligen Leistung zur Deckung des Regelbedarfs (ggf. in bar) an Nichtsesshafte:
1.) Ist bei o. a. Personenkreis der gesamte Regelbedarf im Sinne des § 20 Absatz 1 (Stichwort: Telefon, Fax, Möbel, Apparate, Haushaltsgeräte) anzuerkennen?
2.) Kann vom o. a. Personenkreis verlangt werden, von den Leistungen zur Deckung des Regelbedarfs Rücklagen für später notwendige Anschaffungen zu bilden?
3.) Ist der o. a. Personenkreis generell leistungsberechtigt nach dem SGB II?
WDB-Beitrag Nr.: 200012
Zuzahlungen zu Medikamenten oder bei Krankenhausaufenthalt
Müssen SGB II-Leistungsberechtigte Zuzahlungen zu Medikamenten oder bei stationärer Behandlung – auch im Krankenhaus – leisten? Gibt es ggf. Härtefallregelungen?
Zuzahlungen zu Medikamenten bzw. bei stationären Aufenthalten sind im pauschalierten Regelbedarf berücksichtigt. Die Leistungsberechtigten haben anfallende Kosten mit den Leistungen für den Regelbedarf eigenverantwortlich zu bestreiten. Ggf. kommt im Einzelfall ein Darlehen nach § 24 Abs. 1 in Betracht.
Auf die Belastungsgrenze nach § 62 SGB V wird in diesem Zusammenhang verwiesen. Auskünfte erteilen die zuständigen Krankenkassen.
WDB-Beitrag Nr.: 200001
Reduzierter Regelbedarf nach § 20 Absatz 3
In Kapitel 7 der Fachlichen Weisungen zu § 20 ist geregelt, dass bei Personen unter 25 Jahren, die ohne Zustimmung des kommunalen Trägers aus dem Haushalt der Eltern ausziehen, der in § 20 Absatz 2 Satz 2 Nr. 2 genannte Betrag (2017: 327,00 EUR) als Regelbedarf anzuerkennen ist. Die Höhe des anzuerkennenden Regelbedarfs richtet sich nach der Entscheidung zum Auszug nach § 22 Absatz 5. Wie sind die Fälle nach § 22 Absatz 5 Satz 4 zu behandeln (Auszug vor Beantragung der Leistungen)?
In Fällen nach § 22 Absatz 5 Satz 4 gilt § 20 Absatz 3 entsprechend. Zu beachten ist, dass auch hier die Entscheidung des kommunalen Trägers bindend ist. Zahlt dieser keine Bedarfe für Unterkunft und Heizung, ist bei den leistungsberechtigten Personen nur der reduzierte Regelbedarf in Höhe von 327,00 EUR (im Jahr 2017) anzuerkennen.
In § 20 Absatz 3 wird allgemein auf § 22 Absatz 5 verwiesen, auch wenn Satz 4 erst mit dem Fortentwicklungsgesetz – damals als § 22 Absatz 2a Satz 4 – eingefügt wurde. Es spielt keine Rolle, dass in den Fällen des § 22 Absatz 5 Satz 4 eine Zusicherung des kommunalen Trägers grundsätzlich nicht vorliegt.
WDB-Beitrag Nr.: 200025
Höhe des Regelbedarfs – geflüchtete Eheleute mit unterschiedlichem Wohnort
Wie hoch ist der Regelbedarf eines verheirateten BG-Mitgliedes, wenn der Ehepartner noch nicht in der gleichen Wohnung lebt?
Nach Kapitel 6.1 der Fachlichen Weisungen für die Bearbeitung von Anträgen nach dem SGB II (Loseblattsammlung) besteht eine Bedarfsgemeinschaft auch dann, wenn
ein Ehepartner noch im Herkunftsland oder einem Flüchtlingslager in einem angrenzenden Land lebt,
ein Ehepartner auf dem Weg nach Deutschland derzeit mit unbekanntem oder ständig wechselndem Aufenthalt ist,
der andere Ehepartner zwar in Deutschland lebt, aber einem anderen Bundesland, einem anderen Ort oder einer anderen Unterkunft zugewiesen wurde.
Das Vorhandensein einer Bedarfsgemeinschaft ist für die Anrechnung von Einkommen und Vermögen relevant, sagt jedoch nichts über die Zuordnung zu einer Regelbedarfsstufe aus.
Der Regelbedarf von Eheleuten in einer Bedarfsgemeinschaft bemisst sich grundsätzlich nach der Regelbedarfsstufe 2. Bei der Betrachtung des Einzelfalles kann sich jedoch ergeben, dass einem alleinlebenden Ehegatten bei Fortbestehen der Ehe der Regelbedarf in Höhe der Regelbedarfsstufe 1 zusteht. Dies ist insbesondere in den oben angeführten Fällen anzunehmen, wenn sich die Eheleute nicht getrennt haben. In diesen Konstellationen können die Einsparmöglichkeiten, die üblicherweise beim Bestehen einer Haushalts- und Wirtschaftsgemeinschaft („Wirtschaften aus einem Topf“) zum Tragen kommen, nicht realisiert werden.
Eine Klarstellung in der Loseblattsammlung und in den Fachlichen Weisungen zu § 20 SGB II erfolgt in Kürze.
WDB-Beitrag Nr.: 200026