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Timestamp: 2020-07-02 23:12:59
Document Index: 384746257

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 3', '§ 11', '§ 1', '§ 66', '§ 82', '§ 7', '§ 43', '§ 00', '§ 43', '§ 50', '§ 34', '§ 34', '§ 34']

1894 / 270 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger)
1894 / 270 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff
Die Kaiserin ist aus Wels wieder in Wien Home. — Der Erzherzog Karl Ludwig tritt heute seine Reise nach St. Petersburg an, wo er den Kaiser bei den Beisehungs- Feierlichkeiten vertreten wird. Der Fürst von Montenegro empfing gestern den Besuch des Ministers des Auswärtigen Grafen Kälno ky. Die Berathung des Budgets wurde gestern im unga-
rishen Unterhause fortgeseßt. Der Minister-Präsident Dr. Wefkerle betonte dabei, daß die Regierung in den leßten Jahren keine Ausgabe gemacht habe, die geseßlich nicht präliminiert oder nachträglih niht genehmigt worden sei, und wies auf den Gesezentwurf über die Kassenbestände hin; er habe bereits in seinem Exposé festgestellt, daß mehr Gold vorhanden sei, als man zu den ersten
wecken der Valutaoperation bedürfe; er selbst habe aber das
aus stets vor Optimismus gewarnt. Der Minister-Präsident erklärte alsdann, er halte das Budget Ungarns für konsolidiert, Und hoffe, daß es bei der bisherigen Methode gelingen werde, den R Reformen vom Finanzstandpunkte gerecht zu werden.
Großbritanuien und Jrland.
Jn einer gestern in Glasgow gehaltenen Rede theilte, wie „W. T. B.“ meldet, der Premier-Minister Lord Rosebery mit, daß die Regierung in der nächsten Session Geseßentwürfe über die Trennung der Kirche vom Staat in Wales und Schottland und das Verbot des Verkaufs alko- holisher Getränke vorlegen werde. Die Regierung werde sich in erster Linie mit der Frage der B eiöilingen beider Kammern beschäftigen, um die Vorherrschast des Unterhauses herzustellen.
Jn der Kreditforderung für die Expedition nah Ma gemar wird auch die Summe von 3 Millionen für ein Kabel von Mozambique na ch Majunga verlangt.
Gestern trafen der König und der Prinz Georg von Griechenland in St. Bea Me ein und wurden vom Kaiser, den Großfürsten Michael Nikolajewitsch, Sergius Alexandrowitsh, Alexis Michailowitsch, Wladimir Alexandrowitsh, Konstantin Konstan- tinowitsh, der Königin von Griechenland, dem Prinzen Peter von Oldenburg und den Ministern empfangen. Die Ehrenwache bildete cine Kompagnie des Jsmailowschen Garde-Regiments. Auch die belgishe Depu- tation unter Führung des Barons Wikeecslo traf gestern in St. Petersburg ein. \ i
Der „RNegierungsbote“ veröffentliht das nachstehende Kaiserliche - Reskript an den General-Gouverneur von Moskau Großfürsten Sergius:
„Jüúdem die erste Residenz des Reiches das historishe Vermächt- niß treuunterthäniger Ergebenheit den Selbstherrshern Rußlands un- verändert bewahrt, hat sie au in den jeßigen kummervollen Tagen der Ueberführung der sterblihen Ueberreste des in Gott ruhenden Kaisers Alexander 111. zu den Moskauer Heiligthümern den treuen Widerhall des tiefen Kummers kundgegeben, der mih und ganz Rußland erfüllt. Ich \chöpfe aus den Be- zeugungen heißer iebe zu meinem unvergeßlihen Vater und aufrichtiger Trauer um seinen vorzeitigen Tod erquicktenden Trost und fühle das herzlihe Bedürfniß, in der Perfon Eurer Kaiserlichen Hoheit allen Bewohnern der herzlih von mir geliebten Stadt Moskau meinen innigen Dank für ihre Gefühle auszusprehen. Ihr aufrichtig dankbarer und Sie herzlih liebender Neffe Nikolai.“
Um das Andenken seines verewigten Vaters zu ehren, hat der Kaiser angeordnet, daß die Regimenter, deren Chef Kaiser Alexander war, auch fernerhin den Namen des Verstorbenen führen sollen.
An der Leiche des Kaisers Alexander finden, wie „W. T. B.“ meldet, bis zur Beiseßung täglich um 2 Uhr Pniaes und 8 Uhr Abends Trauermessen im Beisein der Kaiserlihen Familie, der Würdenträger, der Hofgesellschaft und der Vertreter der Stände statt. Fn der Nacht zu gestern begaben sich viele Tausende nah der Peter Pauls-Kathedrale,
wo der Zutritt zur Leiche des Kaisers Alexander mit einer
einstündigen Pause für Jedermann gestattet war. Das Publikum wurde gruppenweise hineingelassen, die Ordnung war musterhaft. Spanien. Die Regierung brachte im Senat die in der legten Session vorgelegten Entwürfe von Handelsverträgen mit Oesterreih-Ungarn, Jtalien und Belgien ein.
Schweiz. Die Volksgabstimmung (Neferendum) über das Bundes- geseß, betreffend die Vertretung der Schweiz im Auslande, ist vom Bundesrath auf den 3. Februar 1895 angeseßt worden.
Die RNepräsentantenkammer wählte gestern de Lantsheere mit 87 von 131 Stimmen wieder zum Präsi- denten. Léon Defuisseaux (Sozialist) erhielt 26 Stimmen.
Außerdem wurden 18 unbeschriebene Zettel abgegeben.
Der „Politishen Korrespondenz“ wird aus Konstanti- nopel bestätigt, daß der ökumenishe Patriarch seine Entlassung eingereiht habe; es sei jedoch fraglih, ob die Pforte sie annehmen werde.
Der König und die Königin trafen gestern Nachmittag in Bukarest ein. Auf dem Bahnhof, woselbst offizieller Empfang stattfand, hatte sih außerdem, wie „W. T. B.“ berichtet, eine zahlreihe Menschenmenge aus allen Klassen * der Bevölkerung eingefunden, die Jhren Majestäten die lebhaftesten Ovationen darbrachte. Während der Fahrt vom Bahnhof nach dem Palais seßten sih die Kund- ; gebungen fort. Die Stadt war prächtig geshmüdckt und äußerst belebt. Nachmittags 51/2 Uhr fand in dem Palais cin Empfang und die Ueberreichung der dem König und der Königin zur silbernen Hochzeit dargebrahten Geschenke statt. “Abends folgte ein militärischer Zapfenstreich mit einem Fackelzug. ‘ Aus dem ganzen Lande wird berichtet, daß der Tag, überall : von prachtvollem Wetter begünstigt, mit Götteabienfien festlih
nagen worden sei. ) er Prinz Ferdinand reist heute von Sinaja nach St. Petersburg ab, wo er am Sonntag Abend eintreffen wird.
Der König Alexander is} heute früh nah Wien ab- gereist und begiebt sich von dort über Warschau nah St. Peters- burg. Bis zur russishen Grenze erfolgt die Reise incognito. Eine Königliche Proklamation. betraut den Ministerrath während der Abwesenheit des Königs mit der Regentschaft.
Wie die „Agence balcanique“ meldet, empfing der n e nand von Sachsen-Coburg nach seiner Rückkehr von arna nah Sofia eine aus 40 Mitgliedern bestehende Ab- ordnung der Sobranje, welche die von der Sobranje be- \{hlossene Adresse überreihte. Der Prinz sprah der Abord- nung seinen Dank für die zum Ausdru gebrachten patrioti- hen Gefühle aus und fügte hinzu, mit Genugthuung erfülle es ihn, die innere Politik der Regierung von der Sobranje gebilligt zu sehen. Der Prinz {loß mit der Versicherung, daß er die Erklärungen des E Dra ienten über die aus-
wärtige Politik ihrem ganzen Jnhalt nach gutheiße.
„W. T. B.“ meldet aus Washington, es verlaute da- selbst, die Botschaft des Präsidenten Cleveland an den im Dezember zusammentretenden Kongreß werde den Vor- schlag einer Münzreform und die Erklärung enthalten, das gegenwärtige Münzsystem sei in sih selbst fehlerhaft.
Nach einer Meldung der Londoner Blätter aus Hiroshima von gestern seßt der Marschall Yamagata seinen Marsch durch die Mandschurei fort. Die Japaner beseßten Linsankwan, nachdem sie starke chinesishe Kavalleriemassen zersprengt hatten.
Bei der am 13. d. M. im zweiten Anhaltishen Wahl- kreise (Bernburg - Cöthen - Ballenstedt) abgehaltenen Rei hs - iaas-Stiiwaki sind für den Professor Dr. P rO (nationalliberal) 13570, für den Redakteur Schulze (Sozial- demokrat) 11565 Stimmen abgegeben worden. Professor Dr. Friedberg ist mithin gewählt.
Außerordentliche Versammlung der AlUxk. General - Synode.
In ihrer gestrigen Sitzung berieth die General-Synode über den Entwurf des Gesetzes, betreffend die Einführung der erneuerten Agende für die evangelische Landeskirche der älteren Provinzen. Die Kommissisn hatte den Entwurf nur wenig abgeändert. In § 1 {lug sie für den 2. Absaß folgende Fassung vor: „Der Bekenntnißstand und die Union in den genannten Provinzen und den dazu gehörigen Gemeinden werden durch diese Agende nicht berührt.“ Für den Ds U des § 3 empfahl sie nachstehende Ne- daktion : „Veränderungen derselben (der Gottesdienstordnung), dur welche einzelne Theile der landeskirchlichen Agende an die Stelle der bisherigen Ordnung treten, sind mit Genehmigung der Provinzial- Kirchenbehörde zulässig.“ Nach längerer Diskussion nahm die Ver- sammlung den Entwurf in der Fassung der Kommission an.
Die hierauf in zweiter Lesung vorgenommene Abstimmung über die erneuerte Agende ergab deren einstimmige Annahme. Ebenfalls in zweiter Lesung wurden die Anhänge für Pommern und Westfalen fowie der Musikanhang gemäß den Beschlüssen der ersten Lesung ohne weiteres angenommen.
, Ober-Konsfistorial-Rath Humbert berichtete über eine Petition des Vorstandes der reformierten Konferenz von Rheinland und West- falen und des Zweigvereins des reformierten Bundes für Berlin und die Provinz Brandenburg, betreffend die Stiftung Mons pietatis und die Vertretung des reformierten Bekenntnisses bei der Zusammenseßung der obersten Kirchenbehörden, Er befürwortete folgenden Antrag der Kommission Il für Petitionen: „General- Synode wolle beschließen: 1. den Evangelishen Ober-Kirchenrath zu ersuchen, über die Verwaltung und Verwendung der Stiftung Mons pietatis zugleich mit denjenigen Fonds, über welhe nah § 11 der General-Synodalordnung der General-Synode bezw. dem General- Synodalvorstande jährlih Rechnung zu legen ift, derselben bezw. deren Vorstande jährlich eingehende Mittheilung zu“ mahen; — II. den Evangelishen Ober-Kirchenrath gleichfalls zu ersuchen, bei dem- nächstiger Beseßung der Stellen im Direktorium der Stiftung dafür Sorge zu tragen, daß die Bestimmungen des § 1 der Stiftungsurkunde zur Anwendung kommen; — 1II1. den An- trag wegen einer den Bestimmungen der Stiftungsurkunde ent- \sprehenden Verwendung der Revenuen der Stiftung durch die in der Denkschrift des Evangelischen Ober-Kirchenraths vom 30. Oktober d. J. abgegebene bestimmte Erklärung in Verbindung mit dem sub T ge- faßten L für erledigt zu erahten; — 1V. über den nicht mit der Angelegenheit des Mons pietatis zusammenhängenden Antrag wegen Zusammenseßung der obersten Kirchenbehörden, im Hin- blick auf die von dem Herrn Präsidenten des Ebvangeli- s{chen Ober - Kirchenraths abgegebenen Erklärungen, zur Tages- ordnung überzugehen; — V. die von dem Pastor Pusen zu Heiligenhaus im Auftrage des Vorstands dec reformierten Kon- ferenz von Nheinland und Westfalen überreichte Petition d. 4. Barmen, 16. Oktober d. J. und die von dem Mitglied des Abgeordnetenhauses, Herrn Lückhoff, als Vorsitzenden des Zweigvereins des reformierten Bundes für Berlin und die Provinz Brandenburg überreichten Petitionen d. d. Berlin, 31. Oktober d. I., durch die gefaßten Be- \chlüsse für erledigt zu erklären.“ Nach längerer Berathung nahm die Synode den Kommissionsantrag fast einstimmig an.
Zu dem Antrag der Brandenburgischen Provinzial-Synode, be- treffend die Formulare der Standesamtsregister, beantragte Super- intendent Penzholz-Gottesberg (Provinz Schlesien) namens der Kom- mission: „General-Synode wolle beschließen: In Erwägung, daß 1) in dem Kirchengesey über „Verlegung kirhlihec Pflichten“ ein der Würde der Kirhe entsprehender Weg gewiesen wird, den durch das Geseg über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung herbeigeführten Schädigungen zu begegnen, daß — 2) das Kirchen- esey über Aufhebung der Gebühren für einfahe Akte der Taufe und Trauung denselben in der wirksamsten Weise entgegengetreten ift, daß — 3) laut -Neskcipts des Herrn Ministers des Innern vom 4. Dftober d. J. an den Regierungs - Präsidenten zu Breslau die Standesämter darauf hingewiesen find, sich. mit den kirhlihen Organen wegen der erforderlichen Mittheilungen aus den Standesamtsregistern in Verbindung zu gen — und daß — 4) nah den in der Kom- mission gemachten Mittheilungen das Kirchenregiment Anordnung all- gemeiner Art mit Bezug auf das erwähnte Ministerialreskript in Aussicht genommen hat, — von ‘einer Anregung auf Abänderung der vom Bundesrath vorgeschriebenen Formulare zur Zeit Abstand zu nehmen.“ — Konsistorial-Rath a. D. Pastor Mathis stellte dagegen folgenden Antrag: „Synode wolle beschließen: Synode hält die Vervollständigung der auf rgänzung des § 66 des Geseßes vom 6. Februar 1875 hinzielenden, vom Bundes- rath vorgeschlagenen Formulare nah der Richtung hin für erwünscht, daß _nach denselben die in § 82 unberührt gebliebene Verpflichtung der Standesbeamten auf die nachfolgende Taufe und Trauung hinzuweisen, wieder in Erinnerung gebracht werde, und richtet
daher an die zuständigen Behörden die Bitte, diese Bestimmun wieder in Erinnerung zu bringen.“ — Die Abstimmung ergab die Annahme des Antrags Mathis, womit der Antrag der Kommission erlediat war.
Es folgte die Berathung des folgenden Antrags Knak, betreffend Zusäße zur Kirchengemeinde- und Synodal-Ordnung: „General. Synode wolle, in Gemäßheit des § 7 Nr. 5 der General-Synodal, Ordnung, folgende Zusätze zu der Kirchengemeinde- und Synodal-Ord, nung vom 10. September 1873 beschließen: 1) Zusaß zu § 43 Abs. 2 der Linhengemeinde- und Synodal-ODrdnung: Behufs Einreihung der Wahlen feitens neu errichteter Parochien in den allgemeinen Wahl- turnus hat der 1. Juli des mittleren Jahres der dreijährigen Wahl- periode als Scheidegrenze zu gelten, sodaß die Ausloosung und erste Neuwahl nur dann gleichzcitig mit den nächstfolgenden allgemeinen Wahlen herbeigeführt werden foll, wenn die erste Wahl vor dem 1. Juli des mittleren Jahres der allgemeinen Wahlperiode \tattgefunden hat. — 2) Zufaß zu § 00 Nr. 3 Abs. 2 der Kirchengemeinde- und Synodal= ordnung: ÎIn den außer der Zeit der allgemein üblihen Wahl- periode errihteten neuen Parochien regelt sich die Dauer der von den Gemeinde: Organen derselben erfolgten Wahl der Mitglieder nah ibrer in dem Zusaß zu § 43 Abs. 2 sich ergebenden Dienstzeit.“ Sup. Künstler-Tilsit beantragte dazu namens der 1. Kommission: „Generalfynode wolle beschließen: den Antrag Knak dem Evangelischen Dher-Kirchenrath zur Erwägung der Regelung der Angelegenheit dur Instruktion oder Kirchengeseß ‘zu übergeben und sih gut- achtlih dahin zu äußern: 1) daß in allen, in der Zeit zwischen zwei allgemeinen Wahlterminen neu errihteten Gemeinden die Aus- loosung bis zum zweiten, auf den Amtsantritt ihrer Gemeindeorgane folgenden allgemeinen Wahltermin vershoben, und — 2) zu § 50 Nr. 3 Abs. 2 der Zusatz: „in neuerrihteten Gemeinden auf die Nést- zeit der allgemeinen S Periode“ hinzugefügt oder in die Instruktion ein entsprechender Bermerk aufgenommen werde.“ Dieser Antrag wurde angenommen. /
Zu dem Antrag des D. von Nathusius: „General-Synode wolle beshließen: folgenden Entwurf eines Kirchengeseßes zur Abänderung des § 34 Absay 4 der Kirchengemeinde- und Synodalordnung vom 10. September 1873 in nachstehender Form anzunehmen: „Von den Erklärungen darüber, welhe Gemeindeglieder als selbständig anzunehmen find, is die Nummer 3 zu streihen.* — (§ 34, Absaß 4, Nr. 3 lautet bisher: „Als selbständig sind niht anzunehmen diejenigen: 3) welche im leßten Jahre vor der Wahl armuthshalber Unterstüßung aus Armenmitteln oder Erlaß der Staatssteuern oder der kirhlihen Beiträge genossen haben“) — beantragte Dr. Schnaubert namens der I. Kom- mission: „General-Synode wolle beschließen: In Erwägung, daß die Nr. 3 des § 34 Abs. 4 der Kirchengemeinde- und Synodalordnung vom 10. September 1873 nach Fassung und Inhalt zwar zu manchen Bedenken Anlaß giebt, — daß jedoch ein praktishes Bedürfniß zur Abänderung dieser Bestimmung niht nachgewiesen ift, und daß zu dieser Aenderung nicht allein das Eingreifen der kirchlichen, fondern auch der Staatsgesegebung erforderlich sein würde, — über den vor- bezeichneten Antrag zur Tage8ordnung überzugehen.“ Dex Kom- missions8antrag wurde angenommen. i N
Bezüglich des Antrags des Superintendenten Volkening-Holz- hausen: „Den Evangelischen Ober-Kirchenrath zu ersuchen, die Geist- lichen anweisen zu lassen, daß sie den Bestimmungen des Landrechts über den Besiß von Kirchenstühlen genau nachkommen“, beantragte die Verfassungskommission: „diesen Antrag dem Evangelishen Ober- Kirchenrath mit dem Ersuchen zu überreichen, den in Ansehung der Benußung der Kirchenstühle bestehenden Mißständen nah Möglichkeit Abhilfe zu schaffen.“ Die General-Synode genehmigte leßteren Antrag.
__ Um 43 Uhr Nahmittags wurde die Sißung geschlossen und die nächste und leßte Sißung auf heute Vormittags 11 Uhr anberaumt.
Aus Bielefeld wird der „Rh.-Westf. Ztg,“ geschrieben: Der Ausstand der Seidenweberinnen der Firma C. A. Delius u. Söhne dürfte seinen Höhepunkt erreiht haben. Die Berathungen der Kommission, die am Dienstag Nachmittag abgehalten wurden, haben zu einer Rechtfertigung der Firma geführt. Es wurde fest- gestellt, daß die Firma ihre Arbeiterinnen es der Lohn- regulierung in ortsübliher und auskömmlicher eise bezahlt. Die Firma Delius hatte s{chon am 7. September ihre Lohn- bücher zu einer Untersuchung eingereiht, wobei fich ergab, daß ge Weberinnen einen täglihen Durchschnittsverdienst von 2,26 M
aben. Minder geübte Arbeiterinnen verdienen entsprehend weniger, doch famen einzelne wieder auf ein Jahreseintommen von 900 4. Diese Veröffentlichungen erwiesen sih auch bei den Berathungen am Dienstag, denen der Verleger der sozialdemokratischen „Volkswacht“ und Vorfißende des Gewerkschaftskartels beiwohnte, als wahr. — Im übrigen wird mitgetheilt, daß die mechanishe Weberei fi in vollem Betriebe befinde. Dienst.
Aus Danzig ‘wird im „Vorwärts“ zu dem vor längerer Zeit bereits beendeten Ausstande der dortigen Zimmerleute berichtet, daß im ganzen von Anfang Mai bis Anfang August 14 471 4 an Ausstandsunterstüßungen zur Verfügung standen, wovon 14118 M ausgegeben wurden.
_In Itzehoe sind nah demselben Blatt in der Möbel- tishlerei der Gebrüder Westphal wegen Lohnkürzung zwischen den Tischlern und den Arbeitgebern Streitigkeiten entstanden.
Hier in Berlin fand am 11. d. M. eine Versammlung der Brauerei-Hilfsarbeiter statt, zu der, wie die Berliner „Volks-Ztg.“ berichtet, besonders die in den Weißbierbrauereien beschäftigten Arbeiter eingeladen worden waren. Es wurde Klage geführt über mangelndes Interesse der Arbeiter für die Organisation. Der Verein der Brauereti-Hilfsarbeiter, der bei feiner vor 14 Jahreœ erfolgten Gründung mehr als 1000 zahlende Mitglieder besessen habe, zähle gegenwärtig nur noch etwa 300. Der Vorwurf der Gleichgültigkeit treffe namentlich die Arbeiter der Weißbier- Brauereien und die aus den nihtboykottierten Brauereien, vor allem die Bierfahrer. — In einer Metallarbeiterversammlung am Dienstag bildeten die Lohnkürzungen, die in der Gewehrfabrik der Kommandit-Gesellschaft Ludwig Löwe u. Co. vorgenommen fein sollen (vgl. Nr. 268 d. Bl.), den Gegenstand dex Verhandlung. Es wurd? eine vom „Vorwärts“ mitgetheilte Entschließung angenommen, in der sich. die Versammlung verpflichtet, die gesammten Metallarbeiter der Firma planmäßig zu organisieren zu geshlossenem Vorgehen geo die Lohnkürzungen. Das Resultat soll dem Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter mitgetheilt werden, der alsdann die nöthigen Schritte zu unternehmen hat.
Aus Antwerpen wird der „Voss. Ztg.“ telegraphisch gemeldet: Infolge des allgemeinen Aus stands der Diamantschleifer haben sämmtlihe 55 Antwerpener Diamantschleifereien ihren Betrieb eingestellt. Die ausständigen Arbeiter durchziehen gruppenweise die Stadt. — Der „Köln. Ztg." wird über den Ausstand geschrieben : Bei dem Ausstand der Diamantschleifer handelt es sih nicht um die bei Ausständen bekannten Gestalten und Erscheinungen ; sondern die Atsftändigen sind sorgfältig gekleidete Herren, die jeßt gun ihre Vertreter zu den Verhandlungen mit den Arbeitgebern von Fabrik zu Fabrik geleiten, Die Unterredungen zwischen den Ausständigen und den Unter- nehmern verlaufen in der höflihsten M und die ersteren haben bis ie nur das Benehmen wohlgesitteter Leute an den Tag gelegt. Einst- weilen wird der Beshluß aufrecht erhalten, die Arbeit nicht eher wieder aufzunehmen, bis die Arbeitgeber dem Lohntarif, der jenem der Diamantschleifer in Amsterdam entspricht, zugestimmt haben. Hier verdienen einigermaßen geübte Arbeiter in der Diamant-Industrie wöchentlich 120 bis 125 Fr, ohne förperlihe Ueberanstrengung, und dabei ift Hier der Lebensunterhalt viel weniger kostspielig fB in Anislerdam. Ô
Von 300 Arbeitern versehen noch 150 den
Der Genossenschaft „Pan“ ist, wie uns der Vorstand mittheilt, Seine Majestät der König von Württemberg beigetreten und hat sih au finanziell an der Fundierung des Unternehmens betheiligt. Dem N Ausschuß der künftigen Zeitschrift is Theodor Fontane heigetreten. :
Für die Fesifipung am 17. November, dem Tage der Stiftung der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethno- logie und Urgeschichte find eine Festrede des Ehren-Präsidenten und Vorsißenden Geheimen Medizinal-Raths Professors Dr. Virchow, ine Ansprache des Direktors Geheimen Regierungs-Raths C Dr. Bastian und weitere Ansprachen in Ausfich] genommen. Die #Fest- sißung wird, wie sonst alle ordentlichen Monats\izungen, im Hörsaal des
- Königlichen Museums für Völkerkunde stattfinden und Abends 7 Uhr
beginnen. An die Sißung {ließt sich eine zwanglose, gesellige Zu- sammenkunft im „Hotel zu den vier Jahreszeiten“, Prinz Albrecht- straße 9. Als Nachfeier wird ein Festmahl mit Damen Sonntag, den 18., im Hotel „Neichshof“, Wilhelmstraße 70 a, veranstaltet. Die Mittheilungen und der Vortrag, welche für die Hauptsizung des Monats bestimmt waren, wurden wegen des Stiftungsfestes bereits am Sonnabend, den 10. d. M., erledigt. — Von einem Funde aus neolithisher Zeit in einer Kohlenshiht unter der Ackerkrume hat Herr Clemens Cermáfk, K. K. Konservator in Cáslay, Böhmen, Mittheilung gemaht. Herr Naue - München hat cinen Bericht über mehrere Gräber der Hallstatt-Zeit in der Oberpfalz eingesandt. Dr. Tela sandte aus dem Kreise Luckau in der Niederlausiß einen Fund, der sich an die älteren aus der La Tène-Zeit anschließt, über die Pro- fessor Virchow seinerzeit geshrieben hat. Dr. Hugo Jentsh-Guben berichtete brieflih über Gräberfunde aus dem West-Sternberger Kreise. Stadtrath Helm-Danzig hatte eine werthvolle Arbeit über alte Bronze eingesandt. Aus Transkaukasien war gleichfalls eine interessante Ab- handlung eirgegangen. — Sodann führte Dr. Felix von Luschan, Di- rektions-Assistent am Museum sür Völkerkunde, in sehr scharfen rojektionsbildern die werthvollen Ergebnisse seiner dieéjährigen \yrischen Forschungen ter Gesellschaft vor Augen, indem er „über die Aus- gratungen in Sendschirli“ einen eingehenden Bericht erstattete. Nah Sendschirli haben, unterstüßt von einem besonderen Comité, an dessen Spiße) Herr von Tautmann stand, drei Expeditionen in verschiedenen Jahren stattgefunden; ein Theil des \ Se ist ausgegraben. Dem Comité dankte derz, Vor- sißende Geheime Rath Virchow für die großen Mittel, welche dasselbe seit Jahren zu dieser Sache aufgewendet. Mit Allerhöchster Ge- nehmigung seien dur den Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten die Kosten des Transports in diesem Jahre von der Königlichen Regierung übernommen worden; bei dieser Gelegenheit hätten neue Ausgrabuugen aus privaten Mitteln stattgefunden. Dr. von Luschan hatte Vor DICP San, Wie er fadie, Hoffnung, daß 1891 die Kampagne sofort weiter geführt werden würde. Es handelte sih um zwei Aufgaben : den Transport des Ausgegrabenen und um Mittel zu neuen Ausgrabungen ; für den Transport wurden die Mittel Allerhöcsterseits bewilligt, für die Ausgrabungen trat das Orient - Comité ein. Sendschirli, ein Kurdendorf im nördlihen Syrien, liegt drei Tagereisen entfernt von dem Hafenort Alexandrette. Ein langgezogener Hügel ist das eigentlihe Gebiet der Ausgrabungen. Eine doppelte Ae Ringmauer mit drei Thoren: einem südlichen, das zum Meere führt, einem Thore nah Westen zu und einem nach Nordosten gelegenen, umschließen das Gebiet. Bereits 1891 wurden einige Mauern auf dem westlich gelegenen Theil des Berges aufgedeckt. Jett ist u. a. auh ein zweites inneres Burgthor, nah Süden ge- legen, aufgefunden worden: vielleiht das älteste bisher be- tannt gewordene Denkmal syrisher Kunst. Noch niehr nah innen zu, aber weiter mehr links, durchshritt man von Süden her ein drittes Burgthor; nach links von der mittleren Südpforte wurde diese dritte Pforte gelegt, damit die etwa einbrehenden Feinde im Vordringen zum innersten Thore die rechte, hildlose Seite dem Vertheidiger zu- zuwenden gezwungen würden. Jenseits des innersten Thores liegen zur Rechten einfache Kasernenbauten ; weiter dahinter, mehr nah Norden zu, der für Asarrhaddon zwischen dem zweiten und dritten egyptischen Feldzuge erbaute Palast mit seinem reihen Schmuck. Neben dem Asarhaddon- Palast liezt ein anderer merkwürdiger Bau, in einer Breite von mehr als 20 m. Vor allem aber sind hier au neue Paläste nah, Westen zu bloß gelegt worden: Gebäude von dem rich- tigen Typus * des syrishen Hauses, wie der Bau neben dem Asarhaddon - Palast, unsymmetrisch in der Anlage. Ganz un- befannt war damals die Anlage von Gewölben, was der Vor- tragende gegenübec den Annahmen französisher Gelehrter ausdrülich herworhob, Ein großer, reih mit Reliefs geschmüdckter Pfeiler trennt die unsymmetrischen Theile des Hauses. Stein auf Stein wurde ohne Dübel verlegt, nur Holz auf Stein wurde verdübelt. Das Vor- handensein von Dübellöchern weist also auf Holzbasen hin, die wohl mit Bronze und Gold verkleidet waren. Von diesen Basen ist heute keine Spur mehr erhalten, denn durch einen ungeheueren Brand is der Palast zerstört worden; die Gluth ‘war so stark, daß sogar die Luftziegel geschmolzen sind. Eine Inschrift wurde aufgefunden, in der vom „Winter-“ und vom „Sommerxpalaste" die Nede ist. Auch das Bild, das den Königlichen Bauherrn im Nelief darstellt, ist erhalten; der bartlose Mann hinter ihm mag vielleicht der Baumeister sein. Ein ungeheurer Block, der früher wohl ein Grabstein gewesen ist, gehört zum Sockel der Asarhaddon-Stele. Ein Theil des großen Thurmes ift erkennbar; 32 cm Höhe haben die Balken. „Jh bin Panamu, Sohn des — — —, der errichtet hat diese Statue“, so ungefähr in Kürze ist der Inhalt einer dort aufgefundenen Inschrift, die Geheimer Rath Professor Dr. Sachau entziffert hat. Intere}sant in mannigfacher Vinsicht sind die vielen Reliefdarstellungen; auf einem Bilde e man Musikanten mit Harfen- und tympanonartigen Junstru- menten, auf einem anderen Handschuhe mit drei Fingerlingen für die mittleren Finger; sie dienen zum Spannen des Bogens, bezeichnen also den Schüßen. Vor Asarhaddon, dem Herrscher des assyrishen Weltreiches Ninive, knien die Könige von Egypten und Syrien. Ein s{hönes Relief zeigt im oberen Theile eine geflügelte Sonne, ein anderes läßt deutlich einen Doppeladler erkennen. Von den Seldschuken i dann die Darstellung des Doppel- adlers nach Europa gekommen. FInteressant , besonders auch hinsichtlich der immer besser sich entwickelnden Technik der Relief- behandlung, sind die vielen Sphinxbilder. Ein Relief läßt deutlich eine fibula erfennen ; außerdem ist auch eine wirkliche Fibel dort aus- gegraben worden. Das Vorkommen dieses Shhmucks in Syrien ist demnach erwiesen. Zahlreih sind ferner die aufgefundenen Mahl- steine und Quirdel zum Zerreiben des Brotkorns. Für die Todtenbestattung scheinen in der Blüthezeit Sendschirlis Brandgräber mit Hügeln üblich gewesen zu sein. Ungefähr aus dem siebenten Jahrhundert v. Chr., also aus der Zeit Asarhaddon’s etwa, stammt ein Töniglihes Grab, das der „Leichenbestattung“ angehört, aber leider geplündert gefunden wurde. Aufgabe einer neuen Ex- pedition wird es fein, zu erforschen, was hinter den aufgedeckten Bau- werken weiter noch gelegen ist, besonders auch das dritte Thor der imfassungsmauer aufz ufinden. ; Dr. R. Neuhaus führte sodann der Versammlung seine „Photographishen Aufnahmen in natürlichen Farben “ vor, die bei der Anthropologischen Gesellschaft niht geringeren Beifall fanden als fürzlih bei der Photographishen Vereinigung. Das "pektrum zu photographieren sei, so behauptete der Vortragende, niht mehr {wer ; wohl aber machen die Mischfarben große Schwierig- keiten ; sie erfordern beim Atelierliht ein bis zwei Stunden Zeit für die Aufnahme. Lippmann-Paris, Lumière-Lyon, Valenta u. a. aben zusammen im ganzen bisher erst 8 farbige photographische ufnahmen direkt nah der Natur bewirkt. Dem Vortragenden seien Grrus 10 Aufnahmen von Mischfarben gut gelungen. Roth und elb bewältige man leiter; besonders \{chwer aber seien Blau und 9 chwarz herzustellen. Wenn }ich Personen dem direkten Sonnenlicht inuten ausfeßen, könnten au) sie farbig photographiert werden.
__ Einen Wettbewerb von ungewöhnlicher Bedeutung \{reibt, wie das „Zentr.-Bl. d. Bauv.“ mittheilt, die städtishe Verwaltung von Stuttgart für ein daselbs neu zu erbauendes Rathhaus aus. Das neue Rathhaus soll die Stelle des jebigen alten, an der Südwestseite des mit alten, zum theil sehr reizvollen Giebelhäusern fo rei pee BEE einnehmen. Als Bauplay steht die ganze Südwestseite zur Verfügung, und für das große Raumbedürfniß des Neubaues is der ganze, von der Cichstraße, Meßgerstraße und Hirschstraße umschlossene Häuserblock angekauft worden. Die Baukosten siad auf 1300000 4 festgeseßt mit der Be- stimmung, daß für das Kubikmeter U:nbautenraums ein. Einheits- saß von 25 4 zu Grunde zu legen ist, in welhem jedoch auch Pg angen und Bauführungskosten inbegriffen sein sollen. Das
reisgeriht besteht aus den tehnischen Mitgliedern : Baurath, Prof. Dr. Wallot in Dresden, Hof-Baudirektor von Egle in Stuttgart, Ge- heimer Regierungs-Rath, Professor Ende in Berlin, Baudirektor, Professor Dr. Durm in Karlsruhe und Stadt-Baurath Mayer in Stuttgart. Außer ihnen sind nur zwei Laienmitglieder betheiligt. An Preifen stehen zusammen 25 000 6 zur Verfügung, die folgendermaßen vertheilt werden follen: ein erster Preis von 10 000 4, ein zweiter von 5000 i, zwei dritte von je 3000 und zwei vierte von je 2000 M Weitere Entwürfe „können für je 1000 4 angekauft werden. Die Arbeiten müssen bis zum 1. Mai 1895, Abends 6 Uhr, abgeliefert sein. An Zeichnungen werden außer cinem Lageplan (1 : 500) verlangt: sämmtliche Grundrisse und Schnitte 1 : 200, eine Ansicht 1 : 100, die drei übrigen 1 : 200, fowie eine schaubildlihe Darstellung von einem genau vorgeshriebenen Standpunkt mit bestimmter Augenhöhe aus und von bestimmter Größe. Die Bedingungen und sämmtliche Unter- lagen des Wettbewerbs, zu denen auch eine shaubildlihe Darstellung der Umgebung des zukünftigen Baues gehört, können vom städtischen Hochbauamt, am Alten Schloßplay 2 in Stuttgart, bezogen werden.
_ Saatenstand in Nußland.
Ueber den Stand der Wintersaaten zu Ende vorigen Monats
gehen uns aus einzelnen Gouvernements folgende Nachrichten zu : __In Kur- und Livland ist die Witterung für die Wintersaaten bisher ungünstig gewesen. Es wird viel über mangelhafte Be- stockung, ungenügenden Schluß und hier und dort ih zeigende Röthung der Spigen geklagt. Auh haben ih Drahtwurm und Schnecke fühlbar gemaht. Ebenso lauten die Nachrichten aus den Gouvernements Wilna, Kowno und Grodno nur wenig günstig, indem die Bestellung der Wintersaaten dort theilweise durch die regnerishe Witterung bedeutend verzögert wurde und die darauf eintretende Kälte der Entwickelung der jungen Saaten hinderlich war. Dagegen is in dem König- reich Polen die Winterbestellung der Felder im Laufe des Monats Oktober unter günstigen Witterungsbedingungen vollendet worden. Der Stand der Saaten in Süd-, West- und Klein-Nußland ist im allgemeinen befriedigend, besonders dort, wo man die Herbst- bestellung frühzeitig vorgenommen hatte. Auf die spätere Aussaat Lat die seit August anhaltende nasse und kalte Witterung in manchen Gegenden einen schädlichen Einfluß ausgeübt. In Süd-Rußland war man wegen des im September plöglich eingetretenen kalten Wetters für die Wintersaaten besorgt, doch. scheint kein ernftliher Schaden dadurch verursaht zu fein, nachdem noch zu rechter Zeit wärmeres Wetter mit Regenfällen eingetreten ist.
Im Kuban- und Terekgebiet ist die Aussaat wegen der niedrigen Getreidepreise bedeutend eingeshränkt worden, dagegen hat sich die Anbaufläche in den Gouvernements Tiflis, Elisabethvol und Erivan vergrößert. Die Witterungsverhältnisse waren dort bisher günstig.
Durch Bekanntmachung des Königlih \{chwedischen Kommerz- Kollegiums ist die Stadt Danzig für rein von Cholera erklärt worden. Doch sind für Passagiere der von dorther kommenden Schiffe die zur Verhütung der Einschleppung von Cholera in Schweden über nicht für cholerainfiziert erklärte Häfen unter dem 22. September v. J. an-
eordneten Maßregeln in Kraft geseßt worden. (Vergl. „R.-Anz.“ Nr. 165 vom 16. Juli d. J. und Nr. 236 vom 2. Oktober v. J.)
Deutsches Neich. In der Woche vom 5. bis 12, November Mittags wurden, wie in den „Veröffentlihungen des Kaiserlichen Ge- sundheitsamts" mitgetheilt wird, nahstehende Erkrankungen (und Todesfälle) gemeldet: Ostpreußen: 22 (6), davon 1 (1) im Stadt- kreise Königöberg, 8 (3) in 6 Orten des Kreises Labiau, 12 (2) in zwei Orten des Kreises Niederung, 1 (—) in Pillau. Weichsel- gebiet: 6 (1) in Tolkemit, Landkreis Elbing. Schlesien: 2 (1) in Jätschau, Kreis Glogau.
Desterreih-Ungarn. In Galizien wurden in. der Zeit vom 29, Oktober bis 4. November 731 Erkrankungen (und 386 Todes- fälle) festgestellt, in der Bukowina 2 (—). — In Mährisch-Ostrau (Mähren) ist dem „Oest. San.-W.* zufolge die eine der in der Vorwoche als cholerakrank gemeldeten beiden Bergarbeiterfrauen (vergl. Nr. 264 d. Bl.) gestorben.
Wien, 14. November. Nach den gestern hier eingetroffenen Nachrichten über den Stand der Cholera kamen in Galizien 78 Er- krankungen und 45 Todesfälle vor. i
S Einem am 31. Oktober veröffentlihten Bericht des Gefundheitsraths zufolge sind in Denain (Dep. du Nord) seit dem 15. September Cholerafälle niht mehr festgestellt worden.
Rußland. Dem Medizinal-Departement wurden vom 13. bis 27. Oktober die nachstehend aufgeführten Erkrankungen und Todesfälle gemeldet: In St. Petersburg (Stadt) vom 13./10. bis 27./10. 10 bezw. 7; in St Petersburg (fonst i. Gouv.) vom 7./10. bis 20./10. 10 bezw. 2; in Warschau (Stadt) vom 30./9. bis 13./10. 5 bezw. 3; in Warschau (sonst i. Gouv.) vom 30./9. bis 20./10. 29 bezw. 11; in Kalisch vom 30./9. bis 13./10. 11 bezw. 8; in Petrikau vom 3./10. bis 20./10. 71 bezw. 41; in Kielce vom 23./9. bis 6./10. 35 bezw. 26; in Kowno vom 30 /9. bis 13./10. 26 bezw. 7; in Kurland vom 283./9. bis 6./10. 157 bezw. 76; in Livland vom 30./9. bis 13./10. 7 bezw. 5; in Lublin vom 23./9. bis 6./10. 52 bezw. 19; in Wol- hynien vom 30./9. bis 13./10. 9 bezw. 4; in Podolien vom 7./10. bis 20./10. 676 bezw. 264; in Bessarabien vom 30./9. bis 13./10. 228 bezw. 86; in Taurien vom 27./9. bis 20./10. 15 bezw. 11; in Cherson vom 7,/10. bis 20./10. 15 bezw. 7; in Poltawa vom 30,/9. bis 13./10. 5 bezw. 6; in Kiew vom 30./9. bis 13./10. 39 bezw. 21; in Tschernigow vom 7./10. bis 13./10. 5 bezw. 4; in Minsk vom 30./9. bis 20./10. 76 bezw. 39; in Witebsk vom 7./10 bis 26./10. 69 bezw. 20; in Pskow vom 7./10. bis 13./10. 0 bezw. 1; in Nowgorod vom 7./10. bis 13./10. 7 bezw. 3; in Vlonez vom 30./9, bis 6./10. 6 bezw. 5; in Archangel vom 27./9. bis 4./10. 116 bezw. 63; in Wotkogda vom 7./10. bis 13./10. 3 bezw. 3; in Jaroslaw vom 30./9. bis 20./10. 96 bezw. 22; in Kostroma vom 30./9. bis 6./10. 4 bezw. 2; in Wladimir vom 7./10. bis 20./10. 127 bezw. 74; in A vom 30./9. bis 13./10. 3 bezw. 2; in Rjäfan vom 7./10 bis 20./10. 7 bezw. 8; in Jekaterinoslaw vom 7./10. bis 13./10. 16 bezw. 5; in Tiflis vom 30./9. bis 6./10. 1 bezw. 0; in Baku von 30./9. bis 6./10. 1 bezw. 0; in Astrachan von 23./9. bis 6./10. 8 bezw. 8; in Saratow von 30./9, bis 13./10. 44 bezw. 29; in Tambow vom 7./10. bis 13./10. 10 bezw. 0; in Samara von 7./10. bis 20./10. 4 bezw. 0; in Simbirsk von 7./10. bis 13./10. 3 bezw. 1; in Pensa von 30./9. bis 6./10. 14 bezw. 8; in Nifhni-Nowgorod vom 7./10. bis 20./10. 10 bezw. 6; in Kasan von 30./9. bis 13./10. 23 bezw. 17; in Perm vom 30./9. bis 13./10. 255 bezw. 105; - in Tobolsf vom 23./9. bis 6./10, 7 bezw. 2. Anderen amtlichen Nachrichten zufolge ist im Gouvernement Wilna
die Seuche wieder ausgebrochen; im Kreise Disna wurden vom 14. bis 27. Oktober 17 Erkrankungen (und 7 Todesfälle), vom 28. Oktober bis 3. November 55 (21), im Kreise Swenziany vom 14. bis 27. Oktober 1 Erkrankung angezeigt. — Außerdem sind folgende Erkrankungen (Todesfälle) gemeldet aus deu Gouvernements Kali \ch vom 25. bis 30. Oktober 2 (2), Petrikau vom 28. Ok- tober bis 3. November 8 (8), Lublin vom 26. bis 31. Oktober 3 (4), Kowno vom 28. Oktober bis 3. November 40 (16). — Der „Re- gierungs-Anzeiger“ vom 2. November enthält folgende Bekanntmachung des Medizinal-Departements: „Die Choleraepidemie hat aufgehört in den Gouvernements: Wjatka mit dem 18. September; Kaluga, Now- gorod, Pensa und Poltawa mit dem 1. Ottober; Nishni-Nowgorod mit dem 9. Oktober; in der Stadt St. Petersburg mit dem 12. Ok- tober und sind diese Gebiete auf Anordnung des Ministers des Innern als nicht choleragefährlich erkannt worden.“
Italien. In Neapel wurde am 6. November ein Todesfall an asiatisher Cholera festgestellt und über 2 weitere verdächtige Todes- fälle Anzeige erstattet.
Niederlande. Im Monat August d. I. starben an asiatischer Cholera 109, an einheimisher Cholera 16 Personen. Vom 27. Of- tober bis 3. November wurden neue Erkrankungen nur aus der Provinz Nordholland angezeigt, und zwar 2 aus Amsterdam, 1 aus Haarlem und 3 (wovon 2 tödtlih) aus Weesp.
Belgien. Nah amtliher Mittheilung wurden vom 21. bis 27. Oktober in N Lüttich 8 Todebfälle angezeigt, außerdem in Boom (Prov. Antwerpen) 3, in Appelterre (Ostflandern) und Horpmael (Limburg) je 1.
Türkei. Unter den in Ismid (Vil. Hudavendkjar) unter- gebrachten Rekruten „find in der Zeit vom 28. bis 31. Oktober s _Cholerafälle (2 mit tödtlihem Ausgang) erfolgt. In derselben Stadt starben in den bezeichneten Tagen ein Gendarm und ein Zivilist an der Krankheit. In Konstantinovel sind vom 27. bis 31. Oftober 5 (3) Fälle unter dem Militär in der Selimié- kaserne zu Skutari festgestellt worden. Hier hatte man 750 Re- Éruten untergebraht, welhe am 21. Oktober von JIsmid auf dem Dampfer „Marmara“ abgesendet und nach fünftägiger Quarantäne in Tusla am 27. Oktober ia Konstantinopel eingetroffen" waren. Schon auf der Fahrt von Tusla nach Konstantinopel erkrankte der zuerst betroffene Soldat mit Brechdurchfall. Außerdem wurden folgende Erkrankungen (Todesfälle) mitgetheilt: aus dem Vilajet Hudavendkjar vom 5, bis 31. Oftober 162 (83); aus Musch (Vil. Bitlis) vom 11. bis 28. Oktober 9 (12); aus Tirnovadjik (Vil. Adrianopel) vom 16. bis 30. Oktober 32 (22).
In Havana wurden dem „Abstr. of sanit. rep.“ zufolge vom 28. September bis 4. Oktober (und vom 5. bis 11. Oktober) 11 (9) Todesfälle und etwa 28 (23) Erkrankungen gezählt, von den Todesfällen entfielen 3 (4) auf das Militärlazareth. Ferner starben in Nio de Janeiro vom 9. bis 15. September 3, in Maracaibo vom 23. bis 29. September 1, in Vera-Cruz vom 28. September bis 4. Oktober und vom 95. bis 11. Oktober je 2, in Matanzas vom 29. September bis 5. Oktober, und in Ciénfuegos vom 30. September bjs 6, Oktober je 1, in Santiago de Cuba vom 7. bis 13. Oktober 3 Personen.
Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks an der Nuhx und in Oberschlesien. An der Ruhr sind am 14. d. M. pestellt 12 317, nicht re{ht- zeitig gestellt 25 Wagen. __ In Oberschlesien sind am 13. d. M. gestellt 5608, niht recht- zeitig gestellt keine Wagen.
Beim Königlichen Amtsgericht 1 Berlin ftanden -am 14. November die nachbezeihneten Grundstücke zur Versteigerung : Spandauerbrücke 10, dem Kaufmann Otto Zibell gehörig; für das Meistgebot von 295 000 A wurde die Handelsgesellschaft in Firma J. Koppel u. Co. Jägerstraße 14, Ersteherin. — Müllerstraße 162, der Frau Fabrikant Clara Brandt, geb. Pretel, gehörig; Fläche 9,24 a; für das Meistgebot von 193 000 6 wurde die Frau Helene Janne, geb. Martini, zu Berlin Ersteherin. — Kolbergerstraße 26, dem Maurermeister H. Wernicke und dem Malermeister N. Wernicke gehörig, Fläche 7,41 a; für das Meistgebot von 22000 Æ wurde die „Allgemeine Häuserbau- Aktiengesellschaft“ zu Berlin Ersteherin.
Ausweis über den Verkehr auf dem Berliner Schlacht- viehmarkt vom 14. November 1894. Auftrieb und Marktpreise nah Schlachtgewiht mit Ausnahme der Schweine, welhe nach Lebent gewiht gehandelt werden. Rinder. Auftrieb 515 Stü. (Durchschnittspreis für 100 kg.) [. Qualität —,—, I]. Qualität —,—, ITIT. Qualität —,—, IV. Qualität 86—92 A — Schweine. Auf- trieb 8655 Stück. (Durchschnittspreis für 100 kg.) Medcklenburger 102—104 A Landshweine: a. gute 98—100 Æ, b. geringere 88—96 #4, Galizier — M, leichte Ungarn — 4_ bei 20 9% Lara, Bakonver 86—88 #Æ bei 27,5 kg Tara pro Stück. — Kälber. Auftrieb 1130 Stück. (Durchschnittspreis für 1 kg.) 1. Qual. 1,26—1,36 Æ, IL. Qual. 1,10—1,24 MÆ, ILL Qualität 0,90—1,08 „46 Schafe. Auftrieb 681 Stück. (Durchschnittspreis für 1 kg.) I. Quali« tät —,—, 1]. Qualität —,—, T1. Qualität — M
— Wie die Preußische Zentral-Bodenkredit-Aktien- Gesellschaft mittheilt, sind von 122 Millionen 49/9 Zentral- Pfandbriefen aus den Jahren 1880 1881, 1882, 1883, 1884 (11.) und 1885 über 100 Millionen in 34% Zentral-Pfandbriefe konvertiert worden.
— Die Saal -Eisenbahn- Gesellschaft vereinnahmte im Oktober d. I. nah vorläufiger Feststellung 132 486 Æ, d. î. gegen die vorläufige Einnahme im Oktober 1893 eee 2170 M, gegen die endgültige weniger 3488 4; bis Ende Oktober betrug die Ein- nahme berhaupt 1267572 M, d. i. gegen die vorläufige Einnahme in 1893 mehr 26 841 Æ, gegen die endgültige mehr 16 189 .
Mannheim, 14. November. (W. T. B.) Produktenmarkt. Weizen pr. Nov. 13,45, pr. März 13,65, pr. Mai 13,70. Roggen pr. Nov. 11,85, pr. März 12,00, pr. Mai 12,00. Hafer pr. Nov. 12,50, pr. März 12,75, pr. Mai 12,75. Mais pr. Nov. 12/20, pr. März 12,10, pr. Mai 11,90. i
Laut Telegramm aus Go \st die erste englische Post f über Vlissingen vom 14. d. M. ausgeblieben. Grund: Sturm auf See. |
Laut Telegramm aus ‘Herbesthal ist die erste englische Post über Ostende vom 14. d. M. ausgeblieben. Grund: Zugverspätung in England und Belgien und stür- mishes Wetter auf See.
Der Zentral -Verein für Hebung der deutschen “Fluß- und Kanal-Schiffahrt giebt seit dem vorigen Monat eine „Zeitschrift
für N Een tete heraus, deren Verlag der Firma Siemenroth u. Worms in Berlin SW. anvertraut wurde. Das Bedürfniß, ein Organ zu hafen, welches einen vermehrten Aus- tausch der Meinungen über alle die Hebung der Binn
shiffahrt und den Ausbau derx Wasserstraßen betreffenden Fr ermöglicht, is mit der Zeit immer dringender geworden, wenn Erkenntniß von dem großen wirthschaftlichen Werth leistungsfäh