Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_13/vo/1/81110000045.htm
Timestamp: 2018-12-15 02:57:21
Document Index: 261945848

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 31', '§ 4', '§ 4']

1.19.045 Waldfriethof-Dornhalde
Verordnung der Landeshauptstadt Stuttgart als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Waldfriedhof‑Dornhalde" auf der Gemarkung Stuttgart vom 20.04.1999.
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet des Stadtkreises Stuttgart, Gemarkung Stuttgart (mit Flur Degerloch) werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Waldfriedhof‑Dornhalde".
(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 145 ha.
(2) Das Schutzgebiet umfasst im Wesentlichen folgende Landschaftsteile:
· a) den "Waldfriedhof“;
· b) den "Dornhaldenfriedhof";
· c) die Waldflächen der Gewanne "Burgstall" und "Dornhalde";
· d) die "Schwälblesklinge" mit dem "Fritz‑Keller‑Brunnen".
· "Kohlhau", "Viereichenhau", "Prosit", "Burgstall", "Dornhalde" und "Hahn".
(4) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte des Stadtmessungsamtes vom 15. Januar 1997 im Maßstab 1 : 20 000 mit durchgezogener grüner Linie sowie in einer Stadtkarte des Stadtmessungsamtes vom 28. Oktober 1998 im Maßstab 1 : 2500 mit durchgezogener grüner Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Amt für Umweltschutz der Landeshauptstadt Stuttgart ‑ untere Naturschutzbehörde ‑ während der Dienststunden zur kostenlosen Einsicht durch jedermann niedergelegt.
1. Erhalt des beispielhaft in Oberflächenform und Vegetationszusammensetzung von der Geologie des Stuttgarter Keuperstufenrandes geprägten naturnahen Waldgebietes;
2. Erhalt und Förderung der freien Zugänglichkeit der offenen Landschaft;
3. Erhalt der Filterwirkung des Waldes für die zum "Stuttgarter Kessel" hin fließenden Kaltluftströme;
4. Erhalt der unverfüllten und unverbauten Waldklingen als landschaftstypische und lebensraumbestimmende Oberflächenausprägung;
5. Erhalt der Eigenart des im mittleren Neckarraum(es)*) seltenen Landschaftsbildes des vorwiegend durch Kiefern bestimmten Hangwaldes zwischen "Waldfriedhof' und "Nesenbach";
6. Bestandserhaltung der heimischen Vegetation entsprechend der Begriffsbestimmung des Bundesnaturschutzgesetzes insbesondere durch Förderung von Neu‑ und Nachpflanzungen der in den jeweiligen Gewannen standorttypischen Gewächse;
7. Sicherung des ökologisch optimalen Mischwaldcharakters in Altersstruktur und Artenzusammensetzung durch Beibehaltung der extensiven Bewirtschaftung;
8. Erhalt des zusammenhängenden Waldgebietes zur Sicherung ausreichender biologischer Arealgrößen als zentrales Element des Biotopverbundsystemes zwischen Heslach und Kaltental;
9. Erhalt des für Stuttgarter Verhältnisse extrem bodensauren Waldstandort 49 mit seiner typischen Strauch‑ und Pilzvegetation im bewaldeten Hang vom "Waldfriedhof' hinab zum "Nesenbach";
10. Erhalt eines der Schwerpunkte der Orchideenverbreitung Stuttgarts insbesondere im Maldfriedhof' und den umliegenden Waldflächen;
11. Sicherung und Wiederherstellung biologisch durchgängiger Lebensräume in den Kleinfließgewässern und Erhalt deren Eigenart als Waldgewässer;
12. Sicherung des kombinierten Lebensraumes aus Fließgewässern und laubholzreichem Mischwald für besonders geschützte Amphibienarten, insbesondere den Feuersalamander und den Bergmolch;
13. Erhalt des ökologisch wertvollen Feuchtbiotops und seines Umfeldes östlich des "Dornhalden­friedhofes" mit seiner unverbauten, naturnahen Uferzone.
(es)*) Anm.: LfU .
1. wesentliche Landschaftsbestandteile wie Trockenmauern, landschaftsprägende Bäume, Gebüsche, Hecken, Feld‑ und Ufergehölze, Obsthochstämme, Böschungen, Felsen und ähnliche Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder die der Erhaltung der wildlebenden Tier‑ und Pflanzenwelt dienen, zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;
11. 11. Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;
1. ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung, die den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Dies gilt insbesondere mit der Maßgabe, dass
c) wesentliche Landschaftsbestandteile, wie Trockenmauern, landschaftsprägende Bäume, Gebüsche, Hecken, Feld‑ und Ufergehölze, Obsthochstämme, Böschungen, Felsen und ähnliche Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder die der Erhaltung der wildlebenden Tier‑ und Pflanzenwelt dienen, nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden,
(2) Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten desweiteren nicht für die Beseitigung abgestorbener Obsthochstämme, wenn anstelle dieser Obsthochstämme auf demselben Grundstück ebenso viele junge Obsthochstämme nachgepflanzt werden.
(4) Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten ferner nicht für die bauliche Nutzung der Grundstücke im Geltungsbereich des Bebauungsplanes "Ortsumfahrung Heslach" (in Kraft getreten am 08. Januar 1981) sowie des Bebauungsplanes "Burgstallstraße" (in Kraft getreten am 10. September 1987). Für von den Festsetzungen der Bebauungspläne abweichende Vorhaben, in den Bebauungsplänen vorgesehene Ausnahmen sowie unter den Voraussetzungen des § 31 Abs. 2 BauGB mögliche Befreiungen gelten die §§ 4 und 5 weiterhin.
(5) Unberührt von den Verboten und Erlaubnisvorbehalten der §§ 4 und 5 dieser Verordnung bleiben auch der ordnungsgemäße Betrieb und die Pflege der Friedhöfe „Waldfriedhof“ und "Dornhalden­friedhof“. Dabei ist die Erhaltung der besonders geschützten Pflanzenvorkommen, insbesondere der Waldorchideenarten, zu gewährleisten.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße der in §, 64 Abs. 3 NatSchG bestimmten Höhe geahndet werden.
Stuttgart, den 20.04.1999