Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/der-vergleich-mit-einem-gesamtschuldner-337505
Timestamp: 2020-07-14 16:47:29
Document Index: 49531459

Matched Legal Cases: ['§ 423', '§ 421', '§ 423', '§ 423', '§ 328', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Der Vergleich mit einem Gesamtschuldner | Rechtslupe
Der Ver­gleich mit einem Gesamt­schuld­ner
Einem mit einem Gesamt­schuld­ner geschlos­se­nen Ver­gleich kommt eine beschränk­te Gesamt­wir­kung nur zu, wenn die Par­tei­en den erkenn­ba­ren Wil­len haben, den Gesamt­schuld­ner auch von dem Risi­ko zu befrei­en, dass der Ver­gleich durch einen Gesamt­schuld­ner­aus­gleich ganz oder teil­wei­se wert­los wird.
Gemäß § 423 BGB wirkt ein zwi­schen dem Gläu­bi­ger und einem Gesamt­schuld­ner ver­ein­bar­ter Erlass auch für die übri­gen Schuld­ner, wenn die Ver­trags­schlie­ßen­den das gan­ze Schuld­ver­hält­nis auf­he­ben wol­len. Ent­spre­chen­des gilt für den Abschluss eines Ver­gleichs und zwar auch für eine ledig­lich beschränk­te Gesamt­wir­kung [1].
Nach § 421 BGB haf­ten meh­re­re Schuld­ner als Gesamt­schuld­ner, wenn jeder von ihnen die gan­ze Leis­tung zu bewir­ken ver­pflich­tet, der Gläu­bi­ger die Leis­tung aber nur ein­mal zu for­dern berech­tigt ist. Die­se Vor­aus­set­zun­gen kön­nen vor­lie­gen.
Ob ein Ver­gleich eine Gesamt­wir­kung haben soll, ist durch Aus­le­gung des Ver­tra­ges zu ermit­teln. Im Zwei­fel kommt einem Ver­gleich mit einem Gesamt­schuld­ner grund­sätz­lich kei­ne Gesamt­wir­kung zu [2]. Eine Gesamt­wir­kung kann aber ange­nom­men wer­den, wenn sich aus dem Ver­gleich aus­drück­lich oder den Umstän­den nach ergibt, dass der Gläu­bi­ger den Wil­len hat­te, auch gegen­über dem nicht am Ver­gleich betei­lig­ten Gesamt­schuld­ner auf wei­ter­ge­hen­de Ansprü­che zu ver­zich­ten und ihn des­halb nicht mehr in Anspruch zu neh­men. Eine dahin­ge­hen­de Aus­le­gung hat das Beru­fungs­ge­richt nur unvoll­kom­men vor­ge­nom­men. Aus dem Umstand, dass nach dem Ver­gleich die im Rechts­streit zwi­schen der Klä­ge­rin und dem Ver­käu­fer erho­be­nen For­de­run­gen abge­gol­ten sein soll­ten, lässt sich nicht ent­neh­men, dass auch eine etwai­ge noch bestehen­de For­de­rung gegen den Beklag­ten abge­gol­ten sein soll­te.
Ein Gesamt­schuld­ner kann mit dem Gläu­bi­ger gemäß § 423 BGB auch zuguns­ten ande­rer Gesamt­schuld­ner ver­ein­ba­ren, dass deren Inan­spruch­nah­me aus­ge­schlos­sen ist, soweit sie sich im Wege des Gesamt­schuld­ner­aus­gleichs bei dem die Ver­ein­ba­rung schlie­ßen­den Gesamt­schuld­ner schad­los hal­ten könn­ten [3]. Inso­weit kommt ein Ver­trag zuguns­ten des am Ver­gleich nicht betei­lig­ten Gesamt­schuld­ners in Betracht [4]; die­ser ist kraft der gesetz­li­chen Anord­nung des § 423 BGB nicht dadurch aus­ge­schlos­sen, dass ansons­ten gemäß § 328 BGB ein Erlass­ver­trag zuguns­ten Drit­ter nicht mög­lich ist [5].
Allein der Umstand, dass der Ver­gleichs­part­ner im Innen­ver­hält­nis allein haf­tet [6], reicht inso­weit nicht aus. Es kommt auf den Wil­len der Par­tei­en an, ihn auch von dem Risi­ko zu befrei­en, dass der Ver­gleich durch einen Gesamt­schuld­ner­aus­gleich ganz oder teil­wei­se wert­los wird. Ohne wei­te­re Anhalts­punk­te aus dem Ver­gleich oder den ihm zugrun­de lie­gen­den Ver­hand­lun­gen kann von einem sol­chen Wil­len nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Denn der Gläu­bi­ger hat grund­sätz­lich ein Inter­es­se dar­an, sich bei dem ande­ren Gesamt­schuld­ner schad­los hal­ten zu kön­nen.
BGH, Urteil vom 26.06.2003 VII ZR 126/​02, BGHZ 155, 265, 272[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 21.03.2000 – IX ZR 39/​99, NJW 2000, 1942; Urteil vom 13.10.2004 – I ZR 249/​01, NJW-RR 2005, 34 f.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 21.03.2000 IX ZR 39/​99, NJW 2000, 1942; OLG Köln, NJW-RR 1992, 1398; OLG Karls­ru­he, NJW-RR 1998, 601; OLG Hamm, BauR 1997, 1056; Kniff­ka, BauR 2005, 274, 282 ff.[↩]
BGH, Urteil vom 21.03.2000 – IX ZR 39/​99, aaO; Urteil vom 09.03.1972 – VII ZR 178/​70, BGHZ 58, 216, 220[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 21.06.1994 – XI ZR 183/​93, BGHZ 126, 261, 266[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 21.03.2000 – IX ZR 39/​99, NJW 2000, 1942; OLG Köln, NJW-RR 1992, 1398[↩]
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