Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=FamRZ%202009,%20707
Timestamp: 2019-04-25 17:14:36
Document Index: 257766992

Matched Legal Cases: ['§ 116', '§ 1664', '§ 277', '§ 1664', '§ 1664', '§ 1664', '§ 1664', '§ 1664', '§ 840', '§ 1664', '§ 277', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 149', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 4', 'Art. 19', 'Art. 19', '§ 1592', '§ 1594', 'Art. 19', 'BGH', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', '§ 1594', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 4', 'Art. 19', '§ 8', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 10', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', '§ 1594', 'Art. 19', '§ 1600', '§ 1600']

Rechtsprechung: FamRZ 2009, 707 - dejure.org
Weitere Entscheidungen unten: OLG Celle, 11.06.2008 | OLG Hamm, 07.04.2008 | OLG Hamm, 24.06.2008
Haftungsprivileg bei Aufsichtspflichtverletzung: Mithaftung einer Mutter gegenüber ihrem bei einem Verkehrsunfall verletzten Kind
Aufsichtspflichtverletzung; Elternteil; Haftungsprivileg; Gesamtschuldnerausgleich; gestörtes Gesamtschuldverhältnis
Aufsichtspflicht, elterliche - Verletzung - Haftungsprivileg
Regress nach § 116 SGB X - Haftungsprivileg des § 1664 BGB - Pflichtverletzung der Eltern - Verletzung der Aufsichtspflicht
BGB § 277; BGB § 1664
Haftungsprivileg der Eltern bei Verletzung ihrer Aufsichtspflicht; Auswirkungen des Nichtvorliegens des Verstoßes eines Elternteils gegen die straßenverkehrsrechtlichen Pflichten; Bedeutung des Vorliegens eines grob fahlässigen Verhaltens des Elternteils
Familienrecht - Aufsichtspflichtverletzung unterliegt dem Haftungsprivileg!
Anwendbarkeit des Haftungsprivilegs der Eltern gem. § 1664 BGB bei Aufsichtspflichtverletzungen
LG Karlsruhe, 21.12.2007 - 7 O 96/07
NZV 2008, 511
FamRZ 2009, 707
OLG Karlsruhe, 03.05.2012 - 1 U 186/11
Elterliche Aufsichtspflichtverletzung: Anwendbarkeit der gesetzlichen …
Es wird daran festgehalten, dass § 1664 BGB auch anzuwenden ist, wenn ein Anspruch aus einer Verletzung der elterlichen Aufsichtspflicht hergeleitet wird und es um die Teilnahme des Kindes am Straßenverkehr geht (Senatsurteil NZV 2008, 511).
Sie ist auch dann anzuwenden, wenn der Anspruch aus einer Verletzung der elterlichen Aufsichtspflicht hergeleitet wird (Senatsurteil vom 11.08.2008 - 1 U 65/08 - = NZV 2008, 511;… Palandt/Diederichsen, a. a. O. Rn. 3 ); dies zieht auch die Klägerin nicht in Zweifel.
Die Anwendung der Haftungserleichterung des § 1664 BGB ist deshalb nur ausgeschlossen, wenn ein Elternteil selbst am Straßenverkehr teilnimmt und dabei das Kind verletzt (Senatsurteil vom 11.08.2008, a. a. O.).
Allein in diesem Fall muss sich ein Kind ein Mitverschulden der Eltern unter dem Gesichtspunkt des gestörten Gesamtschuldnerausgleichs anrechnen lassen (z.B. OLG Karlsruhe, Urteil vom 11. August 2008 - 1 U 65/08 - NZV 2008, 511 - juris, Tz. 23 ff. mwN.;… Palandt-Diederichsen, aaO., § 1664 BGB, Rn. 4 mwN.).
Dieses Privileg findet Anwendung auch im Bereich von Aufsichtspflichtverletzungen durch die Eltern (vgl. OLG Karlsruhe, Urt. v. 11.8.2008, NZV 2008, S. 511, 512).
Haftung bei Verletzung eines Kindes durch Verkehrsunfall: Mitverschulden der Mutter wegen des Transports eines 5jährigen Kindes in einem Fahrradsitz ohne Helm; Voraussetzungen der Anwendbarkeit der Grundsätze über ein gestörtes Gesamtschuldverhältnis
Es ist nicht grob fahrlässig, wenn die Mutter eines bei einem Fahrradunfall verletzten 5jährigen Kindes zugelassen hat, dass ihr Sohn ohne Fahrradhelm in einem Kindersitz transportiert wird.
Tragen eines Fahrradhelms; elterliche Obhutspflicht, gestörtes Gesamtschuldverhältnis
Haftpflichtversicherung - Kindertransport auf Fahrrad ohne Helm
BGB § 840 Abs. 1 § 1664 Abs. 1 § 277
Störung eines Gesamtschuldverhältnisses bei Verstoß gegen die eigene übliche Sorgfalt eines Elternteils; Verletzung eines fünfjährigen Kindes bei einem Fahrradunfall wegen Transportes in einem Kindersitz ohne Fahrradhelm; Innenausgleich aus einem Gesamtschuldverhältnis aufgrund eines Verkehrsunfalls; Haftung für die Folgen eines Verkehrsunfalls aus der Betriebsgefahr der am Unfall beteiligten Straßenbahn
Kinder müssen keinen Fahrradhelm tragen
Keine Fahrradhelmpflicht
Radfahrer stürzt mit Kind im Fahrradsitz - Vor der Straßenbahn die Schienen überquert - Junge ohne Helm verletzt
Unfall bei Kindestransport in einem Fahrradsitz ohne Helm
Der Transport eines Kindes in einem Fahrradsitz ohne Helm ist nicht grob fahr-lässig und begründet kein Mitverschulden
Kein Verstoß gegen Obhutspflicht, wenn Kind ohne Helm auf Fahrrad transportiert wird - Mutter haftet nicht für Behandlungskosten nach Unfall
LG Hannover, 07.08.2007 - 14 O 435/06
LG Hannover, 18.09.2007 - 14 O 435/06
NJW 2008, 2353
FamRZ 2009, 707 (Ls.)
Für die abweichende Bestimmung ist derjenige darlegungs- und beweisbelastet, der sich hierauf beruft (BGH NJW 1984, 482; BGH NJW 1988, 134, 135; BGH NJW 2001, 365, 366; OLG Celle NJW 2008, 2353), hier also der Kläger.
OLG Hamm, 07.04.2008 - I-15 Wx 8/08
Zur Bestimmung des verbindlich gewordenen Abstammungsstatuts bei zum Zeitpunkt der Geburt fehlender Vaterschaftsanerkennung
Verpflichtung eines Standesbeamten zur Eintragung der Vaterschaft eines bestimmten Vaters i.R.d. Beurkundung der Geburt eines Kindes; Möglichkeit einer Beseitigung der Vaterschaft nach Art. 149 Lettisches Zivilgesetzbuch (ZGB) durch Anfechtung der Ehelichkeit des Kindes; Beachtung einer aus dem lettischen Recht abzuleitenden Rückverweisung auf das deutsche Recht
LG Bielefeld - 23 T 470/07
FamRZ 2009, 126
Dem Wohl des Kindes entspreche es im Hinblick auf seine unterhalts- und erbrechtliche Absicherung am besten, wenn ihm schon zum frühestmöglichen Zeitpunkt ein Vater zugeordnet werde (vgl. BayObLG FamRZ 2002, 686, 687; OLG Frankfurt FamRZ 2002, 688, 689; OLG Nürnberg FamRZ 2005, 1697, 1698 und FamRZ 2016, 920, 922; OLG Hamm FamRZ 2014, 1559, 1560 und FamRZ 2009, 126, 128; OLG Köln StAZ 2013, 319, 320; Dutta StAZ 2016, 200, 201 f.; Frie StAZ 2017, 104, 107 f.;… NK-BGB/Bischoff 3. Aufl. Art. 19 EGBGB Rn. 24).
Das Beschwerdegericht hat eine etwaige im polnischen Recht enthaltene Rückverweisung im Ergebnis zutreffend dahingestellt sein lassen, weil eine solche mit dem Ergebnis der Vaterlosigkeit dem Sinn der alternativen Anknüpfung in Art. 19 EGBGB zuwider liefe (vgl. OLG Celle 2011, 1518, 1520; OLG Hamm FamRZ 2009, 126; OLG Nürnberg FamRZ 2005, 1697;… MünchKommBGB/Helms 6. Aufl. Art. 19 EGBGB Rn. 29 mwN;… Palandt/Thorn BGB 76. Aufl. Art. 19 EGBGB Rn. 2; vgl. auch Dutta StAZ 2016, 200, 201).
Hierzu wird teilweise auf das Günstigkeitsprinzip rekurriert, weil es dem Wohl des Kindes im Hinblick auf seine unterhalts- und erbrechtliche Absicherung am besten entspreche, wenn ihm schon zum frühestmöglichen Zeitpunkt ein Vater zugeordnet werde (vgl. BayObLG FamRZ 2002, 686, 687; OLG Frankfurt FamRZ 2002, 688, 689; OLG Nürnberg FamRZ 2005, 1697, 1698 und FamRZ 2016, 920, 922; OLG Hamm FamRZ 2014, 1559, 1560 und FamRZ 2009, 126, 128; OLG Köln StAZ 2013, 319, 320;… jurisPK-BGB/Gärtner/Duden [Stand: Dezember 2015] Art. 19 EGBGB Rn. 70;… NK-BGB/Bischoff 3. Aufl. Art. 19 EGBGB Rn. 24).
KG, 05.01.2016 - 1 W 675/15
Internationales Privatrecht: Entscheidung zwischen mehreren möglichen …
Aus der internationalen Zuständigkeit ergibt sich die Anwendung des deutschen Verfahrensrechts (BayObLG, FamRZ 2002, 686; OLG Hamm, StAZ 2014, 239, FamRZ 2009, 126; OLG Karlsruhe, StAZ 2015, 182).
Welches Recht berufen ist, entscheidet sich nach allgemeiner Ansicht nach dem Günstigkeitsprinzip, d.h., es soll das Recht zur Anwendung kommen, das für das Wohl des Kindes günstiger ist (OLG Hamm, StAZ 2014, 239, FamRZ 2009, 126, 128; OLG Karlsruhe, StAZ 2015, 182; OLG München, StAZ 2012, 208; OLG Nürnberg, FamRZ 2005, 1697).
Darauf, ob das polnische IPR auf das deutsche Recht zurückverweist, kommt es an dieser Stelle nicht an, weil eine Rückverweisung, die den Kreis der für eine Abstammungsbestimmung zur Verfügung stehenden Rechtsordnungen einschränkt, gemäß Art. 4 EGBGB nach dem Sinn der alternativen Anknüpfung in Art. 19 EGBGB nicht zu beachten wäre (OLG Hamm, FamRZ 2009, 126; OLG Nürnberg, FamRZ 2005, 1697;… Thorn in Palandt, BGB, 75. Aufl., Art. 19 EGBGB Rdn. 2).
Dies ergibt sich schon aus den unterhalts- und erbrechtlichen Konsequenzen der Vaterschaft (BayObLG, FamRZ 2002, 686; OLG Hamm, StAZ 2014, 239, FamRZ 2009, 126, 128;… Hepting a.a.O. S. 41), auch wenn das deutsche Sachrecht nach der Neufassung des § 1592 Nr. 1 BGB bei einem reinen Inlandsfall - bei dem eine Günstigkeitsprüfung nicht anzustellen wäre - Vaterlosigkeit in Kauf nähme.
Dem steht nach herrschender Ansicht entgegen, dass die Anerkennung gemäß § 1594 Abs. 2 BGB unwirksam ist, wenn bereits zu einem früheren Zeitpunkt die Vaterschaft eines anderen Mannes begründet ist, auch wenn sich diese Vaterschaft (nur) aus einer anderen Rechtsordnung ergibt (BayObLG, FamRZ 2002, 686; OLG Hamm, FamRZ 2009, 126; OLG Köln, StAZ 2013, 319; Gaaz, StAZ 1198, 241, 250;… Hepting a.a.O. S. 39; Looschelders, IPRax 1999, 420, 422).
OLG Karlsruhe, 02.02.2015 - 11 Wx 65/14
Aus der internationalen Zuständigkeit ergibt sich die Anwendung des deutschen Verfahrensrechts (Senatsbeschluss vom 9. April 2014 - 11 Wx 100/12, FamRZ 2014, 1561; OLG Hamm, FamRZ 2014, 1559, 1560; OLG Hamm, FamRZ 2009, 126, 127; BayObLG, FamRZ 2002, 686).
bb) Die unterschiedlichen Möglichkeiten der Anknüpfung nach Art. 19 Abs. 1 EGBGB stehen gleichrangig nebeneinander (BGH, Urteil vom 3. Juni 2006 - XII ZR 195/03, FamRZ 2006, 1745; OLG Hamm, FamRZ 2009, 126, 127; BayObLG, FamRZ 2002, 686, 687; siehe hierzu auch unten unter (3)).
Nach allgemeiner Meinung entscheidet das Günstigkeitsprinzip, wonach das Recht zur Anwendung kommen soll, das für das Wohl des Kindes günstiger ist (Senatsbeschluss vom 9. April 2014 - 11 Wx 100/12, FamRZ 2014, 1561, 1562; OLG Hamm, FamRZ 2009, 126, 127; BayObLG, FamRZ 2002, 686, 687;… jurisPK-BGB/Gärtner, 7. Aufl. EGBGB Art. 19 Rn. 61;… Palandt/Thorn, BGB 74. Aufl. EGBGB Art. 19 Rn. 6;… Staudinger/Henrich, BGB Neubearb. 2014, EGBGB Art. 19 Rn. 23 f.).
Allerdings ist hiergegen zu Recht eingewandt worden, dass diese Meinung übersieht, dass die Vaterschaftsvermutung nur nach deutschem Recht nicht besteht, jedoch nach dem Heimatrecht des Ehemanns bestehen kann (OLG Hamm, FamRZ 2009, 126;… MünchKomm-BGB/Helms, 6. Aufl. EGBGB Art. 19 Rn. 16;… Staudinger/Henrich, BGB Neubearb. 2014 EGBGB Art. 19 Rn. 40a).
(2) Dagegen lässt sich nicht einwenden, dass es sich vorliegend gar nicht um eine kollisionsrechtliche Beurteilung handele, weil die nachgeburtlich erfolgte Anerkennung wegen § 1594 Abs. 2 BGB schon nach deutschem Sachrecht unbeachtlich sei (OLG Köln, StAZ 2013, 319; OLG Hamm, FamRZ 2009, 126; OLG Frankfurt, FamRZ 2002, 676;… jurisPK-BGB/Gärtner, 7. Aufl. EGBGB Art. 19 Rn. 69; Gaaz, StAZ 1998, 241, 250 f.).
OLG München, 19.07.2016 - 31 Wx 403/15
Eintrag des Vaters im Geburtenregister nach dem Günstigkeitsprinzip bei …
Führt das Recht, auf das Art. 19 Absatz 1 Satz 2 EGBGB verweist, zu einer positiven Feststellung der Abstammung, ist eine eventuelle Rück- oder Weiterverweisung durch das Kollisionsrecht des betreffenden Staates nicht zu beachten (OLG Celle, StAZ 2011, 152; OLG Hamm, FamRZ 2009, 126 OLG Nürnberg FamRZ 2005, 1697 Palandt/Thorn, BGB 75. Aufl. Art. 19 Rn. 2).
aa) Hinsichtlich der Umsetzung des Günstigkeitsprinzips wird teilweise darauf abgestellt, dem Kind möglichst früh, am besten schon im Zeitpunkt der Geburt, einen rechtlichen Vater zuzuordnen (OLG Hamm StAZ 2014, 239; OLG Köln StAZ 2013, 319; OLG München StAZ 2012, 208; OLG Hamm FamRZ 2009, 126; OLG Celle StAZ 2007, 82; OLG Nürnberg FamRZ 2005, 1697; StAZ 2016, 117; OLG Schleswig FamRZ 2003, 781; OLG Frankfurt FamRZ 2002, 688; BayObLGZ 2002, 4/7;… MüKoBGB/Helms, 6. Aufl. Art. 19 EGBGB Rn. 16; Helms, StAZ 2009, 293/294; Hepting, StAZ 2000, 33).
Nur wenn, etwa infolge einer pränatalen Vaterschaftsanerkennung, bereits im Zeitpunkt der Geburt mehrere Väter konkurrieren, ist auf die Vaterschaftswahrscheinlichkeit abzustellen und dem Kind den Anerkennenden als Vater zuzuordnen (OLG Hamm StAZ 2014, 239; OLG München StAZ 2012, 208; OLG Hamm FamRZ 2009, 126; OLG Celle StAZ 2007, 82; OLG Nürnberg FamRZ 2005, 1697;StAZ 2016, 117; OLG Schleswig FamRZ 2003, 781; OLG Frankfurt FamRZ 2002, 688; BayObLGZ 2002, 4 /7).
Der Senat weicht im Übrigen auch von der Rechtsprechung anderer Oberlandesgerichte ab, nach der im Rahmen des Günstigkeitsprinzips stets auf die Rechtsordnung abzustellen ist, die dem Kind zuerst zu einem Vater verhilft (OLG Hamm StAZ 2014, 239; OLG Hamm FamRZ 2009, 126; OLG Celle StAZ 2007, 82; OLG Nürnberg FamRZ 2005, 1697; StAZ 2016, 117; OLG Schleswig FamRZ 2003, 781; OLG Frankfurt FamRZ 2002, 688 a.A. nur OLG Karlsruhe StAZ 2015, 182/183).
Aus der internationalen Zuständigkeit ergibt sich die Anwendung des deutschen Verfahrensrechts (OLG Hamm, FamRZ 2009, 126-129).
Es ist daher die Anknüpfungsalternative zu wählen, die für das Kind am günstigsten ist (vgl. BayObLG, FamRZ 2002, 686; KG FamRZ 2011, 1518, OLG Hamm FamRZ 2009, 126; OLG Nürnberg, FamRZ 2005, 1697).
Während es zum Teil am günstigsten angesehen wird, wenn das Kind möglichst schnell einem Vater zugeordnet wird (Grundsatz des Abstammungsprinzips: OLG Hamm FamRZ 2009, 126 m. w. N.), sieht eine andere Auffassung es als günstiger an, wenn das Kind seinem "wahren", d. h. seinem biologischen Vater zugeordnet wird (Grundsatz der Abstammungswahrheit: KG FPR 2011, 410).
OLG Nürnberg, 14.09.2015 - 11 W 277/15
Bestimmung der Abstammung bei alternativen Anknüpfungen - Beurteilungszeitpunkt
Führt das Recht, auf das Art. 19 Abs. 1 Satz 2 EGBGB verweist, zu einer positiven Feststellung der Abstammung, ist eine eventuelle Rück- oder Weiterverweisung durch das Kollisionsrecht des betreffenden Staates nicht zu beachten (OLG Celle, StAZ 2011, 152; OLG Hamm, FamRZ 2009, 126; OLG Nürnberg FamRZ 2005, 1697;… Palandt/Thorn, BGB 74. Aufl. Art. 19 Rdnr. 2; Staudinger/Dieter Henrich (2014) EGBGB Art. 19 Rdnr.25;… Staudinger/Rainer Hausmann (2013) Art. 4 Rdnr. 270/274/276 MünchKomm-BGB/Klinkhardt, 5. Aufl. Art. 19 RN 22f.;… FA-FamR/Ganz, 10. Aufl., Kap. 15 Rdnr. 241; v. Hoffmann/Thorn, Internationales Privatrecht 9.Aufl. § 8 RN 131).
Nur wenn, etwa infolge einer pränatalen Vaterschaftsanerkennung, bereits im Zeitpunkt der Geburt mehrere Väter konkurrieren, stellt diese Auffassung auf die Wahrscheinlichkeit ab und ordnet dem Kind den Anerkennenden als Vater zu (OLG Hamm StAZ 2014, 239; OLG Köln StAZ 2013, 319; OLG München StAZ 2012, 208; OLG Hamm FamRZ 2009, 126;; OLG Celle StAZ 2007, 82; OLG Nürnberg FamRZ 2005, 1697; OLG Schleswig FamRZ 2003, 781; OLG Frankfurt FamRZ 2002, 688 BayObLGZ 2002, 4/7;… Bamberger/Roth/Heiderhoff, BeckOK Art. 19 EGBGB Rdnr. 21 f;… Erman/Hohloch, BGB 14. Aufl. Art. 19 EGBGB RN 17;… jurisPK-BGB/Gärtner, 7. Aufl. Art. 10 EGBGB Rdnr. 63ff;… MünchKomm-BGB/Helms, 6. Aufl. Art. 19 EGBGB Rdnr. 16;… PWW/Martiny, BGB 9. Aufl. Art. 19 EGBGB Rdnr. 9;… Grziwotz/Siede in: Krenzler/Borth, Anwaltshandbuch Familienrecht 2. Aufl. Kap. 3 RN 155;… FA-FamR/Ganz, 10. Aufl. Kap. 15 Rdnr. 240 Helms, StAZ 2009, 293/294 Hepting, StAZ 2000, 33; Sturm, StAZ 2003, 353).
Eine solche Vermutung ist jedoch gerade in den problematischen Fällen in den Heimatrechten der geschiedenen früheren Ehemänner vorgesehen (OLG Hamm FamRZ 2009, 126;… OLG Karlsruhe a. a. O.;… Staudinger/Dieter Henrich (2014) EGBGB Art. 19 Rdnr. 40a).
Danach steht der Wirksamkeit des seitens des Beteiligten zu 2) erklärten Anerkenntnisses § 1594 Abs. 2 BGB entgegen, da die Vaterschaft eines anderen Mannes auch dann entgegensteht, wenn sich diese aus einer ausländischen Rechtsordnung ergibt (OLG Köln StAZ 2013, 319; OLG Hamm FamRZ 2009, 126; BayObLG FGPrax 2002, 66).
OLG Karlsruhe, 15.01.2016 - 20 UF 133/15
Kindesunterhalt: Anwendung des Günstigkeitsprinzips bei der Bestimmung der …
Ohnehin wäre jedoch die Rückverweisung nicht anzuerkennen, da sie dem Sinn des Art. 19 Abs. 1 Satz 2 EGBGB - Vermehrung der Anknüpfungsalternativen - widersprechen würde (…Staudinger / Dieter Henrich a. a. O. Rn. 25; OLG Nürnberg FamRZ 2005, 1967; OLG Hamm FamRZ 2009, 126).
OLG München, 29.06.2017 - 31 Wx 402/16
Erfolglose Beschwerde - Geburtenregistereintragung
Der Senat weicht im übrigen auch von der Rechtsprechung anderer Oberlandesgerichte ab, nach der im Rahmen des Günstigkeitsprinzips stets auf die Rechtsordnung abzustellen ist, die dem Kind zuerst zu einem Vater verhilft (OLG Hamm StAZ 2014, 239 OLG Hamm FamRZ 2009, 126 OLG Celle StAZ 2007, 82; OLG Nürnberg FamRZ 2005, 1697, StAZ 2016, 117-119; OLG Schleswig FamRZ 2003, 781; OLG Frankfurt FamRZ 2002, 688 anderer Ansicht: OLG Karlsruhe StAZ 2015, 182/183).
Es ist daher die Anknüpfungsalternative zu wählen, die für das Kind am günstigsten ist (vgl. BayObLG NJW-RR 2002, 1009 KG FamRZ 2011, 1518, OLG Hamm FamRZ 2009, 126).
Während es zum Teil am günstigsten angesehen wird, wenn das Kind möglichst schnell einem Vater zugeordnet wird (Prioritätsprinzip), sieht eine andere Auffassung es als günstiger an, wenn das Kind seinem "wahren", d. h. seinem biologischen Vater zugeordnet wird (Grundsatz der Abstammungswahrheit, vgl. zum Ersteren OLG Hamm FamRZ 2009, 126 m. w. N., zum Abstammungsprinzip KG FPR 2011, 410).
Das in Artikel 19 Abs. 1 EGBGB statuierte Günstigkeitsprinzip erlaubt es demgegenüber aus den genannten Gründen nicht, ebenso zu verfahren, wenn die Vaterschaft erst nach der Geburt des Kindes anerkannt wird (BayObLG a. a. O. m. w. N., OLG Hamm, FamRZ 2009, 126).
OLG Hamm, 27.03.2014 - 15 W 421/13
OLG Hamm, 24.06.2008 - 9 UF 132/05
BGB § 1600c Abs. 1
Zur Beweiswürdigung bei einer Vaterschaftsanfechtung bei Zwillingen
Bestehen der Pflicht eines Klägers zur Widerlegung der Vermutung der Vaterschaft nach § 1600c Abs. 1 BGB
spiegel.de (Pressebericht, 05.12.2008)
Vaterschaftsvermutung und eineiige Zwillingsbrüder
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des OLG Hamm vom 24.06.2008, Az.: 9 UF 132/05 (Eineiige Zwillinge als mögliche biologische Väter)" von RA Dr. Lothar Müller, FAFamR, original erschienen in: FamRB 2008, 367.
AG Soest - 18 F 62/05