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Timestamp: 2020-07-07 18:38:54
Document Index: 73778083

Matched Legal Cases: ['§ 242', '§ 71', '§ 270', '§ 264', '§ 154', '§ 335', '§ 264', '§ 130', '§ 335', '§ 335', '§ 264', '§ 335', '§ 335', '§ 264', '§ 325', '§ 335', 'BGH']

Landgericht Bonn, Beschluss vom 13. November 2009, Az.: 30 T 1279/09
Beschluss vom 13. November 2009
Aktenzeichen: 30 T 1279/09
Das Ruhen des Geschäftsbetriebs steht - wie die Liquidation der Gesellschaft - der Offenlegungspflicht nicht entgegen; dies gilt wegen §§ 242 ff., 264a HGB, § 71 GmbHG, § 270 AktG auch für Personenhandelsgesellschaften mit einer Kapitalgesellschaft als einzigem Vollhafter im Sinne von § 264a HGB (vgl. Münch-Komm-HGB/Schmidt, 2. Aufl., § 154, Rn. 8 ff. und 14 ff.). Die handelsrechtliche Offenlegungspflicht besteht unabhängig von einer steuerlichen Veranlagung der Gesellschaft. Ob die Gesellschaft ihre handelsrechtliche Pflicht zur Aufstellung von Jahresabschlüssen erfüllt hat, ist wegen § 335 Abs. 1 Satz 3 HGB für das Ordnungsgeldverfahren unerheblich.
Insbesondere ist die angefochtene Ordnungsgeldentscheidung vom 24.08.2009 nicht deshalb rechtswidrig geworden, weil der Beschwerdeführerin am 15.09.2009 eine natürliche Person als persönlich haftender Gesellschafter beigetreten ist. Grundsätzlich entfällt mit dem Beitritt einer natürlichen Person als persönlich haftendem Gesellschafter auch rückwirkend die Offenlegungspflicht einer Personenhandelsgesellschaft nach §§ 264a, 325 HGB; mit dem rückwirkenden Wegfall des Haftungsprivilegs auf seiten der Personenhandelsgesellschaft nach §§ 130, 161 HGB fällt auch das der Offenlegungspflicht zugrunde liegende schutzwürdige Informationsinteresse Dritter weg (vgl. LG Osnabrück, GmbHR 2005, 1618). Diese Rückwirkung findet mit Rücksicht auf die Ordnungsgeldentscheidung nach § 335 Abs. 3 Satz 4 HGB jedoch ihre Grenze im fruchtlosen Ablauf der sechswöchigen Nachfrist zur Offenlegung nach § 335 Abs. 3 Satz 1 HGB. Bis zu diesem Moment ist die Personenhandelsgesellschaft mit einer Kapitalgesellschaft als einzigem Vollhafter im Sinne von § 264a HGB offenlegungssäumig. Ein späterer Wegfall der Offenlegungspflicht nach Ablauf der sechswöchigen Nachfrist steht der Ordnungsgeldfestsetzung aufgrund des verbliebenen Sanktionszwecks nicht entgegen. Das Ordnungsgeld hat (auch) Sanktionscharakter (vgl. LG Bonn, BB 2008, 1728). Dies wird etwa aus der Möglichkeit zur Herabsetzung des Ordnungsgeldes wegen geringfügiger Überschreitung der Nachfrist nach § 335 Abs. 3 Satz 5 HGB deutlich. Das Bundesverfassungsgericht hat die Annahme, dass das Ordnungsgeld nach § 335 Abs. 3 Satz 4 HGB Sanktionscharakter hat, gebilligt (NJW 2009, 2588). Aus diesem Grund ist nach ständiger Rechtsprechung des Landgerichts Bonn ein Ordnungsgeld auch dann festzusetzen, wenn die Jahresabschlussunterlagen zwar vor der Ordnungsgeldentscheidung, aber erst nach Ablauf der Nachfrist eingereicht werden oder wenn die Offenlegungspflicht in diesem Zeitraum wegen Befreiung nach § 264b HGB entfällt (vgl. Beschlüsse vom 03.04. und 30.09.2009, 30 T 256/09 und 30 T 848/09, nrwe.de). Dieser für die Fälle verspäteter Erfüllung der Offenlegungspflicht und verspäteter Befreiung von der Offenlegungspflicht entwickelte Grundsatz gilt auch für den verspäteten Beitritt einer natürlichen Person als persönlich haftendem Gesellschafter (vgl. Stollenwerk/Krieg, GmbHR 2008, 575). In allen genannten Fällen wird die schuldhafte Versäumung der Jahresfrist zur Offenlegung nach § 325 HGB und der sechswöchigen Nachfrist zur Offenlegung nach § 335 Abs. 3 HGB gleichermaßen sanktioniert, nachdem mit dem fruchtlosen Ablauf der letztgenannten Frist die Festsetzungsfähigkeit des Ordnungsgeldes eingetreten ist. Daher bleibt die angefochtene Ordnungsgeldentscheidung vom 24.08.2009 rechtmäßig, weil der Beitritt des Vollhafters erst in 2009 erfolgte und nicht vor Ablauf der sechswöchigen Nachfrist zur Offenlegung am 25.09.2008.
Beschluss v. 13.11.2009
Az: 30 T 1279/09
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