Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/der-unfall-auf-dem-kasernengelaende-und-der-regress-des-dienstherrn-350690
Timestamp: 2020-08-06 17:06:28
Document Index: 328168115

Matched Legal Cases: ['§ 46', '§ 46', '§ 76', '§ 46', '§ 30', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 104', '§ 104', '§ 105', '§ 46', '§ 46', '§ 16', '§ 104', '§ 104', '§ 46', '§ 1', 'BGH', 'BGH', '§ 46', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 76', 'BGH', 'BGH', '§ 76', '§ 46']

Der Unfall auf dem Kasernengelände und der Regress des Dienstherrn | Rechtslupe
Der Unfall auf dem Kasernengelände und der Regress des Dienstherrn
Der Unfall auf dem Kaser­nen­ge­län­de und der Regress des Dienst­herrn
Auch nach § 46 Abs. 2 BeamtVG in der Fas­sung des Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­set­zes bleibt ein Regress des Dienst­herrn gegen einen ande­ren öffent­lich – recht­lich Bediens­te­ten mög­lich (hier: Ver­kehrs­un­fall auf einem Kaser­nen­ge­län­de). Der Hal­ter des unfall­ver­ur­sa­chen­den Fahr­zeugs, der nicht im öffent­li­chen Dienst tätig ist, ist eine ande­re Per­son im Sin­ne von § 46 Abs. 3 BeamtVG, auch wenn der Fah­rer öffent­lich-recht­lich Bediens­te­ter (hier: Sol­dat) ist [1].
Der Scha­dens­er­satz­an­spruch des geschä­dig­ten Sol­da­ten ist gemäß § 76 BBG auf den Dienst­herrn über­ge­gan­gen. § 46 Abs. 2 Satz 1 BeamtVG in der Fas­sung des Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­set­zes vom 05.02.2009 [2] steht dem Anspruchs­über­gang nicht ent­ge­gen.
Nach die­ser Bestim­mung ist die Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen des ver­letz­ten Beam­ten gegen ande­re öffent­li­che­recht­lich Bediens­te­te als Fol­ge der Unfall­für­sor­ge des Dienst­herrn gemäß §§ 30 ff. BeamtVG aus­ge­schlos­sen, soweit der Dienst­un­fall nicht auf einer vor­sätz­li­chen uner­laub­ten Hand­lung des ande­ren Bediens­te­ten beruht oder bei der Teil­nah­me am all­ge­mei­nen Ver­kehr ein­ge­tre­ten ist.
§ 46 Abs. 3 BeamtVG stellt dem­ge­gen­über – wie schon vor der Neu­fas­sung – klar, dass Ersatz­an­sprü­che gegen „ande­re Per­so­nen“ unbe­rührt blei­ben.
Im vor­lie­gen­den Fall steht außer Fra­ge, dass der in den Unfall ver­wi­ckel­te Sol­dat nicht vor­sätz­lich gehan­delt hat. Eben­so ist unstrei­tig, dass der Unfall auf dem Bun­des­wehr­ge­län­de, mit­hin außer­halb des all­ge­mei­nen Ver­kehrs statt­fand, weil der Stütz­punkt nicht für den all­ge­mei­nen Ver­kehr frei­ge­ge­ben ist [3]. Damit ist ent­schei­dungs­er­heb­lich, ob die Neu­fas­sung des § 46 Abs. 2 BeamtVG durch das Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­setz nicht nur wie bis­her einen Aus­schluss von Ansprü­chen des geschä­dig­ten Beam­ten gegen ande­re öffent­lich­recht­li­che Beschäf­tig­te beinhal­tet, son­dern auch einen Regress des Dienst­herrn – von den bei­den genann­ten Aus­nah­me­fäl­len abge­se­hen – von vor­ne­her­ein aus­schließt.
Zu der bis­he­ri­gen Fas­sung von § 46 Abs. 2 BeamtVG wur­de vom Bun­des­ge­richts­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung ver­tre­ten [4]. Denn die Bestim­mung habe den Zweck, die dem Beam­ten zuste­hen­den Ansprü­che auf Unfall­für­sor­ge zu umrei­ßen, nicht aber Rege­lun­gen dar­über zu tref­fen, ob und von wem dem Dienst­herrn die Auf­wen­dun­gen für die Unfall­für­sor­ge zu erstat­ten sind [5]. Die­se Auf­fas­sung war unum­strit­ten [6].
§ 46 Abs. 2 BeamtVG a. F. hat auch die Bil­li­gung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gefun­den [7].
Das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg hält die von der gegen­tei­li­gen Rechts­an­sicht zitier­te Auf­fas­sung von Küp­pers­busch [8], aus einer Aus­le­gung anhand der Begrün­dung der Neu­fas­sung des § 46 Abs. 2 BeamtVG fol­ge, dass nun­mehr auch ein Regress des Dienst­herrn gegen ande­re öffent­lich­recht­lich Bediens­te­te aus­ge­schlos­sen sei, für nicht über­zeu­gend.
In dem Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung für das Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­setz [9] wird zur Begrün­dung der Neu­fas­sung aus­führt, dass die alte Fas­sung des § 46 Abs. 2 BeamtVG nur noch für Dienst­un­fäl­le, nicht mehr für Arbeits­un­fäl­le gel­te, für deren Bereich viel­mehr §§ 104 ff. SGB VII die ein­schlä­gi­gen Rege­lun­gen vor­sä­hen. Dem tra­ge die Neu­re­ge­lung auch für Dienst­un­fäl­le Rech­nung.
Die §§ 104 ff. SGB VII schlie­ßen nicht nur einen Anspruch des geschä­dig­ten Arbeit­neh­mers, son­dern auch einen Regress des Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­gers gegen den pri­vi­le­gier­ten Arbeit­neh­mer grund­sätz­lich aus (vgl. §§ 105 Abs. 1, 106, 110 SGB VII). Küp­pers­busch zieht aus der Erwäh­nung der sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten in der Geset­zes­be­grün­dung zu § 46 Abs. 2 n. F. BeamtVG den Schluss, dass für Dienst­un­fäl­le jetzt Ent­spre­chen­des gel­te.
Aus dem Wort­laut der Neu­fas­sung lässt sich eine der­ar­ti­ge Ände­rung nicht ent­neh­men. Das stellt auch Küp­pers­busch nicht in Fra­ge.
Mit der jet­zi­gen For­mu­lie­rung der Bestim­mung ist der Rege­lungs­ge­halt, der sich bis­lang auf­grund einer Ver­wei­sung auf das „Gesetz über die erwei­ter­te Zulas­sung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen bei Dienst und Arbeits­un­fäl­len“ vom 07.12.1943 [10] ergab, expli­zit in den Geset­zes­text über­nom­men wor­den (jetzt Absatz 2 Nr. 2). Bereits seit der Modi­fi­zie­rung von § 46 Abs. 2 BeamtVG durch Arti­kel 4, § 16 Abs. 2 Nr. 8 des Unfall­ver­si­che­rungs-Neu­re­ge­lungs­ge­set­zes vom 30.04.1963 [11] galt die Ver­wei­sung nur noch für Dienst, aber nicht mehr für die in §§ 104 ff. SGB VII behan­del­ten Arbeits­un­fäl­le. Die For­mu­lie­rung in der Begrün­dung des jetzt in Fra­ge ste­hen­den Ände­rungs­ge­set­zes, die Neu­re­ge­lung tra­ge „dem“ auch für Dienst­un­fäl­le Rech­nung, besagt des­halb nur, dass damit nun­mehr auch inso­weit die Anwen­dung des Geset­zes aus dem Jahr 1943 ent­fällt.
Es erscheint auch fern­lie­gend, anzu­neh­men, der Gesetz­ge­ber habe einen über die blo­ße geset­zes­tech­ni­sche Ver­ein­fa­chung bei Gele­gen­heit ande­rer Ände­run­gen des Beam­ten­ver­sor­gungs­ge­set­zes hin­aus­ge­hen­den, aus fis­ka­li­scher Sicht zudem weit­ge­hen­den, Zweck ver­fol­gen wol­len, ohne dass die­ser im Wort­laut selbst sei­nen Nie­der­schlag gefun­den hät­te.
Auch in den Geset­zes­ma­te­ria­li­en zum Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­setz vom 05.02.2009 [2], fin­det sich über die Erwäh­nung der §§ 104 ff. SGB VII hin­aus kein Anhalts­punkt für die Rich­tig­keit der von Küp­pers­busch ver­tre­te­nen Auf­fas­sung [12].
Soweit ersicht­lich, hat Küp­pers­busch für sei­nen Stand­punkt bis­lang auch kei­ne Unter­stüt­zung im übri­gen Schrift­tum gefun­den [13].
Dar­über hin­aus ermög­licht (jeden­falls) § 46 Abs. 3 BeamtVG den Regress des Dienst­herrn. Zwar ist der in Anspruch genom­me­ne Haft­pflicht­ver­si­che­rer dann kei­ne „ande­re Per­son“ im Sin­ne die­ser Norm, wenn der unfall­ver­ant­wort­li­che Hal­ter und Ver­si­che­rungs­neh­mer öffent­lich­recht­lich Bediens­te­ter ist. Das ist höchst­rich­ter­lich ent­schie­den [14]. Ist der Ver­si­che­rungs­neh­mer dage­gen – wie hier – nicht Bediens­te­ter des öffent­li­chen Diens­tes, besteht kein Grund ihn und sei­nen Ver­si­che­rer nur des­halb von der Haf­tung frei­zu­stel­len, weil der öffent­lich­recht­lich beschäf­tig­te und pri­vi­le­gier­te Fah­rer gemäß § 1 PflVG mit­ver­si­chert ist. Der hin­ter der Bestim­mung ste­hen­de Gedan­ke der Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn sowie der wei­te­re Zweck, eine Stö­rung des Rechts­frie­dens (anders aus­ge­drückt des „Betriebs­frie­dens“) im frag­li­chen Bereich (hier das Kaser­nen­ge­län­de) zu ver­mei­den [15], ver­wirk­licht sich in die­ser Kon­stel­la­ti­on nicht. Ins­be­son­de­re die aus der Inan­spruch­nah­me des Haft­pflicht­ver­si­che­rers für den Ver­si­che­rungs­neh­mer resul­tie­ren­de nach­tei­li­ge Fol­ge eines Ver­lus­tes des Scha­dens­frei­heits­ra­bat­tes trifft bei der vor­lie­gen­den Sach­ver­halts­ge­stal­tung gera­de nicht den öffent­lich­recht­lich Beschäf­tig­ten.
Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 21. März 2012 – 3 U 70/​11
Abgren­zung zu BGH VersR 1972, 491. NJW 1963, 654[↩]
vgl. zum Begriff BGHZ 121, 131. VersR 1972, 491.1964, 530.1964, 270. Groeper/​Tegethoff, in: Plog/​Wiedow, Bun­des­be­am­ten­ge­setz, § 46 BeamtVG, Rn.20b ff. m. w. N.[↩]
BGHZ 136, 78 = NJW 1997, 2883. BGHZ 106,13. 6,3. VersR 1985, 763 jeweils m. w. N.[↩]
BGHZ 136, 78, Juris Rn. 12 m. w. N.[↩]
vgl. Küp­pers­busch, Ersatz­an­sprü­che bei Per­so­nen­scha­den, 10. Aufl., Kapi­tel XI, Rn. 569. Groeper/​Tegethoff, a. a. O., Rn. 12 ff, 13d. Bat­tis, Bun­des­be­am­ten­ge­setz, 4. Aufl., § 76 Rn. 4[↩]
BVerfG, NJW 1992, 1091.1971,1837[↩]
Küp­pers­buch, a. a. O., Fuß­no­te 233[↩]
BT-Drs. 16 /​7076, S. 159, zu Num­mer 23, Buch­sta­be a) [↩]
RGBl. I S. 674[↩]
vgl. Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung, BT-Drs. 16/​7076, Gesetz­ent­wurf des Bun­des­ra­tes, BR-Drs 720/​07. Beschluss­emp­feh­lung und Bericht des Innen­aus­schus­ses, BT-Drs. 16/​10850[↩]
vgl. Groeper/​Tegethoff, eben­da (Stand Ergän­zungs­lie­fe­rung Mai 2010): „inhalt­lich kei­ne Ände­rung“; Bat­tis, a. a. O. (2009) [↩]
BGH, VersR 1972, 491. NJW 1963, 654. BAG VersR 1973, 736. vgl. auch OLGR Naum­burg 1995, 177[↩]
vgl. BGH, VersR 1972, 491[↩]
Der Wege­un­fall im Park­haus – und die Unfall­für­sor­ge des… Auf Flä­chen, über deren Nut­zung ein Drit­ter allein ent­schei­den kann, fin­det kein all­ge­mei­ner Ver­kehr statt. Unfäl­le auf die­sen Flä­chen unter­lie­gen selbst dann nicht der Unfall­für­sor­ge…
Gesetz­li­cher Über­gang von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen auf den… Dem Über­gang des Scha­dens­er­satz­an­spruchs eines geschä­dig­ten Beam­ten auf den Dienst­herrn (§ 76 BBG) steht § 46 Abs. 2 BeamtVG auch in der Fas­sung des Geset­zes…
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