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Timestamp: 2016-10-27 03:24:22
Document Index: 255622938

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'in fine', 'BGE', 'Art. 134', 'Art. 152', 'Art. 135']

U 317/05 (13.03.2006)
K.________, 1964,Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Rudolf Strehler, Dorfstrasse 21, 8356 Ettenhausen,
A.a Der 1964 geborene K.________ erlitt am 2. Mai 2001 einen Verkehrsunfall umstrittenen Ablaufs, f�r den er bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) versichert war. Seither leidet er an Schulterbeschwerden links, und die Arbeitsf�higkeit als Maschinenmechaniker ist herabgesetzt. Insgesamt wurden bisher drei Arthroskopien durchgef�hrt, die letzte am 2. Dezember 2003. Der Hausarzt, Dr. med. H.________, meldete der SUVA am 13. Januar 2004 neben den bereits bekannten Schulterbeschwerden Ges�ss- und Nackenschmerzen, die mit dem Unfallereignis vom 2. Mai 2001 in Verbindung zu bringen seien. �ber starke Schmerzen im Bereich des rechten Trochanters, des Ges�sses und der Leiste hatte K.________ bereits am 10. Juli 2003 gegen�ber dem in der Orthop�dischen Klinik X.________ die beiden ersten Arthroskopien durchf�hrenden Dr. med. B.________ geklagt, worauf der Arzt am 15. Oktober 2003 R�ntgenbilder vom Becken und der Lendenwirbels�ule (LWS) mit unauff�lligem Befund erstellt hatte.
W�hrend die SUVA ihre Leistungspflicht f�r die Schulterbeschwerden bejahte, teilte sie K.________ mit Verf�gung vom 24. Februar 2004 mit, die nachtr�glich gemeldeten Beschwerden im R�cken-, Halswirbels�ulen- und H�ftbereich nicht als Unfallfolgen anzuerkennen und somit diesbez�glich keine Leistungen zu erbringen.
A.b Wenige Tage zuvor hatte die Spital Y.________ AG am 18. Februar 2004 eine Computertomographie (CT) der Halswirbels�ule durchgef�hrt. Dr. med. H.________ �berwies K.________ auch dem Rheumatologen Dr. med. G.________, und der Psychiaterin Dr. med. T.________, welche am 15. M�rz 2004 und 18. August 2004 sowie am 22. Juli 2004 Bericht erstatteten. Zus�tzlich wurden die Nackenbeschwerden an der Universit�tsklinik A.________ am 18. Juni 2004 abgekl�rt, wobei eine Magnetresonanztomographie (kurz MRI f�r Magnetic Resonance Imaging) der HWS vorgenommen wurde.
K.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit dem Antrag, in Aufhebung der Einsprache- und des vorinstanzlichen Entscheids sei die SUVA zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen f�r die als Folge des Unfalles vom 2. Mai 2001 anzuerkennenden Beschwerden im R�cken-, HWS- und H�ftbereich zu erbringen. Gleichzeitig wird um unentgeltliche Rechtspflege ersucht und der an das Herzzentrum Z.________, gerichtete histopathologische Bericht der Spital Y.________ AG vom 18. M�rz 2005 �ber ein Sequester LKW 5/S1 rechts eingereicht.
Die SUVA schliesst unter Hinweis auf die versicherungsmedizinische Stellungnahme des Dr. med. S.________, Abteilung Versicherungsmedizin, vom 28. Oktober 2005 auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Stellungnahme.
Das kantonale Gericht hat die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang im Allgemeinen (vgl. BGE 129 V 181 Erw. 3.1, 406 Erw. 4.3.1), bei Schleudertraumen der HWS oder �quivalenten Verletzungsmechanismen im Besonderen (BGE 119 V 335, 117 V 360 Erw. 4) und zum Beweiswert und der W�rdigung medizinischer Berichte und Gutachten (BGE 125 V 352 Erw. 3) zutreffend dargelegt. Darauf ist zu verweisen.
Besonders hervorzuheben ist, dass es beweism�ssig nicht gen�gt, wenn ein bestimmter Sachverhalt bloss m�glich ist. Vielmehr muss er als �berwiegend wahrscheinlich erstellt gelten (BGE 129 V 181 Erw. 3.1, 406 Erw. 4.3.1, 119 V 338 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen). Deshalb muss etwa das Vorliegen eines Schleudertraumas sowie seiner Folgen durch zuverl�ssige �rztliche Angaben gesichert sein (BGE 119 V 340 Erw. 2b/aa).
Die in der Orthop�die der Klinik X.________ am 15. Oktober 2003 angefertigten R�ntgenbilder vom Becken und der LWS zeigen weder L�sionen noch Auff�lligkeiten. Wenn der untersuchende Arzt, Dr. med. B.________, eine beim Unfall erlittene, schwere Quetschung der Ges�ssmuskulatur, insbesondere des Nervus ischiadicus, vermutet und gest�tzt darauf auf ein Ausstrahlen dieser Vernarbungen in den Unterschenkel schliesst, so stellt dies den Versuch dar, trotz des unauff�lligen organischen Befundes eine m�gliche Verbindung zwischen den geltend gemachten Beschwerden und dem Unfall aufzuzeigen. In der Krankengeschichte finden sich indessen keinerlei echtzeitlich erfasste �rztliche Aussagen oder Bilder, welche die Mutmassung zum Unfallhergang st�tzen w�rden. Einzig nachtr�glich f�hrte der Hausarzt am 13. Januar 2004 aus, der Versicherte habe anl�sslich der ersten Konsultation vom 2. Mai 2001 neben Schmerzen in der linken Schulter auch �ber solche im Ges�ss geklagt, diese habe er (der Arzt) aber wegen der damals deutlich im Vordergrund gestandenen Schulterschmerzen in keinem der damals erstellten Berichte erw�hnt. Zus�tzlich wird in der von der Arbeitgeberin des Versicherten ausgef�llten Unfallmeldung vom 3. Mai 2001 als von Verletzungen betroffener K�rperteil neben der Schulter auch das Ges�ss erw�hnt. Auf der anderen Seite l�sst die ausgebliebene Erw�hnung dieser Verletzung in einem der Arztberichte auf das Fehlen einer Behandlungsbed�rftigkeit schliessen, was die am 30. Juli 2003 anl�sslich einer Besprechung am Arbeitsplatz r�ckblickend get�tigte Aussage des Versicherten zur Schmerzintensit�t - die ersten zwei Wochen nach dem Unfall kaum sitzen gekonnt zu haben - in Frage stellt. Insgesamt bleibt die von Dr. med. B.________ getroffene Annahme einer Ges�sskontusion erheblicher Schwere im Bereich des bloss m�glichen. Der erforderliche Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit ist damit nicht erreicht. Ein auf den Unfall zur�ckzuf�hrendes organisches Substrat f�r die H�ftbeschwerden ist demnach ungeachtet weiterer spezial�rztlicher Abkl�rungen auszuschliessen.
Wie bereits angesprochen, erwiesen sich die am 22. Oktober 2003 erstellten R�ntgenbilder im LWS- und Beckenbereich als unauff�llig. Im Herzzentrum Z.________ wurde nun offenbar im M�rz 2005 eine Diskushernie L5/S1 entdeckt und operiert. In den Akten liegt einzig der histopathologische Bericht der Spital Y.________ AG vom 18. M�rz 2005 �ber die Untersuchung der entfernten Bandscheibe. Darin schreibt Dr. med. U.________: "In �lteren Sequesteranteilen ist dabei Narbengewebe zu erkennen, das mindestens Monate alt ist und dadurch ein narbiges Residuum eines Traumas im Jahre 2001 darstellen k�nnte".
Im Bereich des Unfallversicherungsrechts entspricht es einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenver�nderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise und unter besonderen Voraussetzungen als eigentliche Ursache in Betracht f�llt, was dann der Fall ist, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Sch�digung der Bandscheibe herbeizuf�hren und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikul�res Syndrom) unverz�glich und mit sofortiger Arbeitsunf�higkeit auftreten (RKUV 2000 Nr. U 378 S. 190, Nr. U 379 S. 192; SZIER 2001 S. 346 [U 4/00]; j�ngeren Datums: Urteil R. vom 3. Oktober 2005, U 163/05).
In den, Dr. med. U.________ nicht zur Verf�gung gestandenen Akten aus der Zeit des Unfalls finden sich keine Anhaltspunkte daf�r, dass sich der Beschwerdef�hrer je gegen�ber den behandelnden und untersuchenden �rzten oder den Abkl�rungspersonen der SUVA �ber Beschwerden im LWS- und BWS-Bereich beklagt h�tte. Ein erster Hinweis auf derartige Schmerzen k�nnte allenfalls in der Telefonnotiz des SUVA-Mitarbeiters �ber ein Gespr�ch vom 23. September 2003 erblickt werden, wonach der Versicherte in Aussicht gestellt hatte, Dr. med. B.________ am 15. Oktober 2003 wegen H�ft- und R�ckenbeschwerden aufzusuchen. Der anl�sslich dieser Konsultation mittels R�ntgenbildern von Becken und LWS erstellte Befund war - wie bereits mehrfach erw�hnt - unauff�llig. Die Diskushernie wurde erst im M�rz 2005 diagnostiziert.
Bei dieser Sachlage ist der ohne Kenntnis der Aktenlage abgegebenen Vermutung von Dr. med. U.________ offenkundig die Grundlage entzogen: Die Voraussetzungen f�r die ausnahmsweise Annahme einer traumatischen Ursache der Diskushernie L5/S1 sind ungeachtet des genauen Geschehensablaufs vom 2. Mai 2001 nicht erf�llt, womit sich weitere Abkl�rungen in diese Richtung er�brigen.
Die HWS wurde am 18. Juni 2004 in der Universit�tsklinik A.________ kernspintomographisch untersucht. Ein Hinweis auf durchgemachte Verletzungen oder eine neurogene Kompression konnte nicht gefunden werden. Abschliessend hielt der untersuchende Arzt Dr. med. O.________ im Bericht vom 23. Juni 2004 fest, aus wirbels�ulentechnischer Sicht f�nde sich kein morphologisches Korrelat f�r die geklagten unspezifischen Zervikalgien. Die von den �rzten der Spital Y.________ AG am 18. Februar 2004 aufgegriffene Vermutung einer posttraumatisch bedingten arthrotischen Ver�nderung atlanto-okzipital C1/2 fand keine Best�tigung. Endlich r�umt auch der von einem Hyperextensionstrauma des Kopfes ausgehende Dr. med. G.________ in seinem Bericht vom 18. August 2004 ein, es fehle an objektiv klar feststellbaren traumatischen Verletzungen im HWS-Bereich. Dergestalt ist eine unfallbezogene organisch nachweisbare Sch�digung der HWS auszuschliessen und zwar ungeachtet dessen, ob der Beschwerdef�hrer, wie von ihm behauptet und der Verwaltung bestritten, beim Unfall vom 2. Mai 2001 auch einen Beschleunigungsmechanismus der HWS oder eine �quivalente Verletzung erlitten hat oder nicht (dazu Erw. 6 hienach).
Unstreitig organischer Natur sind dagegen die Schulterbeschwerden. Der Beschwerdef�hrer bringt nunmehr sinngem�ss vor, diese w�rden zwangsl�ufig in die Nackenregion ausstrahlen, womit ein organisches Korrelat f�r dort festzustellende Verkrampfungen und damit zusammenh�ngende Fehlhaltungen des Kopfes und der HWS ausgewiesen seien.
5.1 Tats�chlich erscheint ein Ausstrahlen der Schulterbeschwerden in die Nackengegend nicht als von vornherein ausgeschlossen. In der Krankengeschichte der Orthop�die der Klinik X.________ findet sich zur Sprechstunde von Dr. med. B.________ vom 18. Dezember 2002 (ebenso vom 18. Februar und 12. M�rz 2003) denn auch der Hinweis, der Versicherte habe noch Schmerzen ventral bei Aussenrotation und auch dorsal am Schulterblatt gegen den Nacken ausstrahlend, weshalb die (Schulter-)Physiotherapie fortzuf�hren sei. Kurz davor, am 29. November 2002, hatte sich der Beschwerdef�hrer einer Arthroskopie der linken Schulter unterzogen. Die physikalische Therapie wurde am 26. Mai 2003 abgeschlossen, womit sie als in engem Zusammenhang mit der Operation stehend zu betrachten ist. F�r die davor liegende Zeit seit dem Unfall fehlt es dagegen an jeglichen Hinweisen auf ein merkbares Ausstrahlen der Schulterbeschwerden in die Nackenregion. Eine (gesonderte) Behandlung der Nackengegend stand nie zur Diskussion.
5.2 Zwar hat nunmehr der Hausarzt der SUVA am 13. Januar 2004 Nackenschmerzen gemeldet, dies in einem zeitlichen Konnex zur am 27. November 2003 durchgef�hrten dritten Arthroskopie. Indessen k�nnen diese Beschwerden - anders als Ende 2002 - bloss noch m�glicherweise als mit den Schulterbeschwerden zusammenh�ngend betrachtet werden. Denn einerseits ordnet Dr. med. G.________ die von ihm festgestellte Protaktionsfehlhaltung des Kopfes mit Hyperlordosierung der HWS im Bericht vom 15. M�rz 2004 eher schmerzhaften degenerativen Ver�nderungen im Bereich der HWS zu. Andererseits zeigt er sich mit den (vorl�ufigen) Ergebnissen der physikalischen Therapie zur Schultermobilisation links befriedigt, was - wenn Nacken- und Schulterbeschwerden in einem direkten Zusammenhang st�nden - sich wie bereits im Jahre 2002 wahrscheinlich ebenfalls positiv auf die Nackengegend h�tte auswirken m�ssen.
Fehlt es bei den Nackenbeschwerden an einem unfallbezogenen organischen Korrelat, bleibt die M�glichkeit zu pr�fen, ob diese allenfalls auf ein beim Unfall erlittenes Schleudertrauma der HWS oder eine vergleichbare Verletzung zur�ckzuf�hren sind.
6.1 Erforderlich ist, dass der entsprechende Verletzungsmechanismus diagnostiziert und ein f�r diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer H�ufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Ged�chtnisst�rungen, �belkeit, rasche Erm�dbarkeit, Visusst�rungen, Reizbarkeit, Affektlabilit�t, Depressionen, Wesensver�nderung usw. vorliegt. Diesfalls w�re der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem f�r ein Schleudertrauma der HWS typischen Beschwerdebild sowie der als Folge davon eingetretenen Arbeits- und Erwerbsunf�higkeit in der Regel zu bejahen (BGE 119 V 338 Erw. 1 in fine, 117 V 360 Erw. 4b).
6.2 Zwar findet sich im Schreiben von Dr. med. H.________ vom 4. M�rz 2004 ein Hinweis auf seine Handnotizen aus der Zeit des Unfalls, wonach der Versicherte am Tag nach dem Ereignis neben den Schulterbeschwerden auch �ber Genickschmerzen geklagt haben soll. Behandelt wurden diese aber nicht nachweislich. Ebenso wenig sah sich der Arzt zur Diagnose eines Beschleunigungsmechanismus der HWS oder eines vergleichbaren Vorgangs veranlasst. Auch wenn er dies heute als durch die damals klar im Vordergrund stehenden Schulterbeschwerden begr�ndet, bleibt die Tatsache der fehlenden Behandlung von Nackenbeschwerden bestehen. Auch f�llt auf, dass Dr. med. B.________ im Anschluss an die am 29. November 2002 durchgef�hrte Arthroskopie zwar kurzzeitig Probleme im Nackenbereich erw�hnt, diese aber ausstrahlenden Schulterbeschwerden zuordnet obwohl er - wenn auch nicht n�her begr�ndet - selbst von einem erlittenen Sch�del-Hirntrauma spricht. Die im Anschluss an den Unfall vom Versicherten geklagten Genickbeschwerden k�nnten demnach durchaus auch von ausstrahlenden Schulterschmerzen herr�hren. Ein Beschleunigungsmechanismus der HWS oder eine �quivalente Verletzung l�sst sich dergestalt nicht hinreichend begr�nden.
Soweit der Versicherte mit den Schulterbeschwerden zusammenh�ngende psychische Probleme andiskutiert, so waren diese weder Gegenstand des Einspracheverfahrens vom 3. September 2004 noch hat das kantonale Gericht sein Verfahren auf diese Frage ausgedehnt. Letztinstanzlich besteht ebenso wenig Anlass dazu (vgl. BGE 122 V 36 Erw. 2a mit Hinweisen).
Mit aus diesem Grund besteht keine Veranlassung f�r die vom Beschwerdef�hrer geforderte polydisziplin�re Begutachtung.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 134 OG). Soweit das Gesuch des unterliegenden Beschwerdef�hrers um unentgeltliche Rechtspflege die Befreiung von Gerichtskosten umfasst, erweist es sich als gegenstandslos. Die unentgeltliche Verbeist�ndung kann angesichts eines aus liquiden Mitteln bestehenden ehelichen Verm�gens von �ber Fr. 100'000.- mangels Bed�rftigkeit (Art. 152 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit Art. 135 OG) nicht gew�hrt werden.