Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?stammNr=60409&fassungsNr=1
Timestamp: 2017-06-27 22:42:21
Document Index: 220244783

Matched Legal Cases: ['§ 276', '§ 276', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 124', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 276']

Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSF vom 14.08.2012, RV/0213-F/12
Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung des Bw., Gde X, R-Straße xx, vertreten durch die XY Steuerberater OG, Gde X, F-Straße xy, vom 24. April 2012 gegen den Bescheid des Finanzamtes Feldkirch vom 29. März 2012 betreffend Einkommensteuer für das Jahr 2011 entschieden: Der angefochtene Bescheid wird im Umgang der Berufungsvorentscheidung abgeändert. Im Übrigen wird die Berufung als unbegründet abgewiesen. Hinsichtlich der Bemessungsgrundlage und der Höhe der Abgabe wird auf den Einkommensteuerbescheid 2011 (Berufungsvorentscheidung gemäß
§ 276 BAO) vom 2. Mai 2012 verwiesen. Entscheidungsgründe
Der Berufungswerber (in der Folge kurz: Bw.) bezog im Berufungsjahr nichtselbständige Einkünfte bei der Fa. T AG in Gd Y, S-Straße yy. Sein Wohnsitz befand sich im Berufungsjahr bis 7. Oktober 2011 in G Z, F-Weg zz, und vom 7. Oktober 2011 in Gde X, R-Straße xx (vgl. entsprechende Anfrage aus dem Zentralen Melderegister). Mit seiner Erklärung zur Arbeitnehmerveranlagung 2011 vom 19. März 2012 samt Beilagen begehrte der Bw. ua. unter dem Titel "Pendlerpauschale - tatsächlich zustehender Betrag" die Berücksichtigung von 1.476,00 € [= jährlicher Pauschbetrag (sog. großes Pendlerpauschale) für eine einfache Fahrtstrecke von 20 bis 40 km] als Werbungskosten. Mit Bescheid vom 29. März 2012 wurde der Bw. zur Einkommensteuer 2011 veranlagt; dabei anerkannte das Finanzamt ua. "nur" das sog. kleine Pendlerpauschale für eine einfache Fahrtstrecke von 20 bis 40 km in Höhe von 696,00 € als Werbungskosten. Mit Schreiben vom 24. April 2012 erhob der Bw. gegen diesen Einkommensteuerbescheid vom 29. März 2012 Berufung; dabei beantragte er, die versehentlich als Sonderausgaben geltend gemachten Krankenversicherungsbeiträge unter KZ 274 sowie das ihm zustehende Pendlerpauschale [Arbeitsweg: X - Y (36 km); Arbeitszeit: 7.00 Uhr - 17.00 Uhr] als Werbungskosten zu berücksichtigen. Mit Einkommensteuerbescheid 2011 (Berufungsvorentscheidung gemäß
§ 276 BAO) vom 2. Mai 2012 änderte das Finanzamt den angefochtenen (Erst-)Bescheid vom 29. März 2012 insofern, als es nur die geltend gemachten Krankenversicherungsbeiträge von 1.857,79 € als Werbungskosten und die restlichen Versicherungsbeiträge in Höhe von 293,83 € als Sonderausgaben berücksichtigte. Im Hinblick "Pendlerpauschale" setzte es wiederum das sog. kleine Pendlerpauschale für eine einfache Fahrtstrecke von 20 bis 40 km in Höhe von 696,00 € als Werbungskosten an und begründete dies wie folgt: "Gemäß ha. Erhebungen kann die Wegstrecke X (Abfahrt 5.39 Uhr) nach Y (Ankunft in ZY, P um 6.38 Uhr plus ein Fußweg von 17 Minuten nach Y) mit öffentlichen Verkehrsmittel innerhalb der zumutbaren Wegzeit von 90 Minuten rechtzeitig zu Arbeitsbeginn um 7 Uhr zurückgelegt werden. Auch der Rückweg auf derselben Strecke, Abfahrt in ZYP um 17.18 Uhr, Ankunft in X Bahnhof 18.21 Uhr, dauert weniger als die zumutbare Wegzeit von 90 Minuten." Mit Schreiben vom 14. Mai 2012 beantragte die steuerliche Vertretung des Bw., die gegenständliche Berufung der Abgabenbehörde zweiter Instanz zur Entscheidung vorzulegen, und brachte unter Vorlage einer entsprechenden Aufstellung ("Berechnung einer Wegstrecke") vor, dass der Zeitaufwand der Fahrtstrecke R-Straße - Y sowohl bei der Park & Ride-Variante als auch bei der Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel mehr als 90 Minuten betrage. Dazu sei festzuhalten, dass auf den Bw. kein Kfz zugelassen sei und das Kfz seiner Lebensgefährtin von dieser selbst zur Fahrt zu ihrem Arbeitsplatz benützt werde. Es könne somit nur die Variante "Öffentlich" zur Berechnung der Fahrtzeit herangezogen werden. Das Finanzamt legte in der Folge die Berufung der Abgabenbehörde zweiter Instanz (Unabhängiger Finanzsenat) zur Entscheidung vor. Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung erwogen:
Uneinigkeit besteht im konkreten Fall allein darüber, ob das sog. große Pendlerpauschale nach § 16 Abs. 1 Z 6 lit. c EStG 1988 für eine einfache Fahrtstrecke von 20 bis 40 km zu berücksichtigen ist. Gemäß
§ 16 Abs. 1 Z 6 EStG 1988 stehen grundsätzlich nur dann zu, wenn - entweder der Arbeitsweg eine Entfernung von mindestens 20 Kilometer umfasst (sog. kleines Pendlerpauschale) oder - die Benützung eines Massenbeförderungsmittels zumindest hinsichtlich des halben Arbeitsweges nicht möglich oder nicht zumutbar ist und der Arbeitsweg mindestens zwei Kilometer beträgt (sog. großes Pendlerpauschale). In zeitlicher Hinsicht müssen die entsprechenden Verhältnisse im Lohnzahlungszeitraum überwiegend (dh. an mehr als der Hälfte der Arbeitstage im Lohnzahlungszeitraum) gegeben sein. Beträgt die einfache Fahrtstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, die der Arbeitnehmer im Lohnzahlungszeitraum überwiegend zurücklegt, mehr als 20 Kilometer und ist die Benützung eines Massenbeförderungsmittels zumutbar, dann sind die in § 16 Abs. 1 Z 6 lit. b iVm § 124b Z 182 EStG 1988 genannten Pauschbeträge zu berücksichtigen. Danach beträgt das sog. kleine Pendlerpauschale: Entfernung
Was unter dem Begriff der "Zumutbarkeit" iSd lit. c des § 16 Abs. 1 Z 6 EStG 1988 zu verstehen ist, ist dem Gesetz nicht zu entnehmen. "Unzumutbarkeit" ist jedenfalls (auch und vor allem) anzunehmen, wenn Massenbeförderungsmittel für die Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte entweder gar nicht oder nicht zu den erforderlichen Zeiten zur Verfügung stehen (Unzumutbarkeit wegen tatsächlicher Unmöglichkeit, vgl. VwGH 28.10.2008, 2006/15/0319). Die Unzumutbarkeit kann sich außerdem auch aus einer Behinderung ergeben. Ist die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte solcherart möglich, ist nach den amtlichen Erläuterungen zu § 16 Abs. 1 Z 6 EStG 1988 (621 BlgNR XVII. GP, 75) die Frage der Zumutbarkeit auf Grund der Fahrtzeiten zu prüfen. Unzumutbar sind nach den Gesetzesmaterialien jedenfalls im Vergleich zu einem Kfz mehr als drei Mal so lange Fahrtzeiten (unter Einschluss von Wartezeiten während der Fahrt bzw. bis zum Arbeitsbeginn) mit dem Massenbeförderungsmittel als mit dem eigenen Kfz; im Nahbereich von 25 km ist die Benützung des Massenbeförderungsmittels entsprechend den Erfahrungswerten über die durchschnittliche Fahrtdauer aber auch dann zumutbar, wenn die Gesamtfahrtzeit für die einfache Fahrtstrecke nicht mehr als 90 Minuten beträgt. Kann auf mehr als der halben Strecke ein Massenbeförderungsmittel benützt werden, dann ist die für die Zumutbarkeit maßgebliche Fahrtdauer aus der Gesamtfahrtzeit (Kfz und Massenbeförderungsmittel) zu errechnen. Die Benützung von Massenverkehrsmitteln ist demnach auch dann unzumutbar, wenn die Fahrt mit diesen einerseits im Nahbereich 90 Minuten überschreitet und andererseits die Fahrt mit den Massenverkehrsmitteln mehr als drei Mal so lang dauert wie mit dem PKW (vgl. VwGH 24.9.2008, 2006/15/0001; VwGH 28.10.2008, 2006/15/0319; UFS 12.12.2011, RV/0406-F/11, mit zahlreichen Verweisen). Darüber hinaus hat der Unabhängige Finanzsenat in mehreren Entscheidungen die Auffassung vertreten, dass eine Wegzeit von 90 Minuten in eine Richtung, unabhängig von der Wegstrecke, allgemein als Zumutbarkeitsgrenze anzunehmen sei (vgl. ua mit ausführlicher Begründung UFS 11.05.2007, RV/0258-F/07; UFS 23.12.2008, RV/0031-G/08; UFS 24.04.2009, RV/0090 F/09; UFS 14.4.2010, RV/0311-G/08; UFS 24.6.2010, RV/1060-W/10; UFS 19.04.2012, RV/0503-F/10; siehe dazu auch VwGH 28.10.2008, 2006/15/0319; sowie Doralt, EStG13, § 16 Tz 107; Wanke, "Großes" Pendlerpauschale, wenn die Fahrt mit Massenverkehrsmitteln mehr als drei Mal so lang wie die Fahrt mit dem Pkw dauert, in: UFS aktuell 2006, Seiten 306 ff; Ryda/Langheinrich, Behandlung der Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sowie zwischen einem an der Arbeitsstätte begründeten Wohn- und dem Familienwohnsitz, FJ 2006, Seiten 271 ff). In diesem Sinne wurde nunmehr auch die von der Verwaltungspraxis bisher angewandte entfernungsabhängige Zeitstaffel (danach wurde bei einer Fahrtstrecke von unter 20 km eine Zeitdauer von 1,5 Stunden, für eine Fahrtstrecke von 20 bis 40 km eine Zeitdauer von 2 Stunden und bei einer Fahrtstrecke von mehr als 40 km eine Zeitdauer von 2,5 Stunden als Grenze erachtet) wie folgt abgeändert (vgl. LStR 2002, Rz 255, Unzumutbarkeit wegen langer Anfahrtszeit): - Die Benützung des Massenbeförderungsmittels ist jedenfalls zumutbar, wenn die Wegzeit für die einfache Wegstrecke mit dem Massenbeförderungsmittel nicht mehr als 90 Minuten beträgt. - Die Benützung des Massenbeförderungsmittels ist jedenfalls unzumutbar, wenn die Wegzeit für die einfache Wegstrecke mit dem Massenbeförderungsmittel mehr als 2,5 Stunden beträgt. - Beträgt die Wegzeit für die einfache Wegstrecke mit dem Massenbeförderungsmittel mehr als 90 Minuten aber nicht mehr als 2,5 Stunden, ist die Benützung des Massenbeförderungsmittels zumutbar, wenn die Wegzeit für die einfache Wegstrecke mit dem Massenbeförderungsmittel höchstens dreimal so lange dauert als die Fahrtzeit mit dem Kfz (vgl. dazu auch Bernold/Mertens, Die Lohnsteuer in Frage und Antwort, Ausgabe 2012, Seiten 184 und 242 f). Die Wegstrecke bemisst sich im Falle der Zumutbarkeit der Benützung eines Massenbeförderungsmittels nach den Tarifkilometern zuzüglich Anfahrts- oder Gehwege zu den jeweiligen Ein- und Ausstiegsstellen. Im Falle der Unzumutbarkeit ist grundsätzlich die kürzeste Straßenverbindung heranzuziehen. Ist die Wegzeit bei der Hin- oder Rückfahrt unterschiedlich lang, dann gilt die längere Wegzeit. Die Wegzeit umfasst die Zeit vom Verlassen der Wohnung bis zum Arbeitsbeginn oder vom Verlassen der Arbeitsstätte bis zur Ankunft in der Wohnung, also Geh- oder Anfahrtszeit zur Haltestelle des öffentlichen Verkehrsmittels, Fahrtzeit mit dem öffentlichen Verkehrsmittel, Wartezeiten (bei Anschlüssen) usw. Stehen verschiedene öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung, ist bei Ermittlung der Wegzeit immer von der Benützung des schnellsten öffentlichen Verkehrsmittels (zB Schnellzug statt Regionalzug, Eilzug statt Autobus) auszugehen. Darüber hinaus ist eine optimale Kombination von Massenbeförderungs- und Individualverkehrsmittel (zB Park and Ride) zu unterstellen (siehe dazu auch weiter unten). Im Falle des Bestehens einer gleitenden Arbeitszeit berechnet sich die Wegstrecke nach der optimal möglichen Anpassung von Arbeitsbeginn und Arbeitsende an die Ankunfts- bzw. Abfahrtszeit des Verkehrsmittels; dementsprechend bleiben damit zB Wartezeiten zwischen der Ankunft bei der Arbeitsstätte und dem Arbeitsbeginn unberücksichtigt. Liegen Wohnort und Arbeitsstätte innerhalb eines Verkehrsverbundes, wird Unzumutbarkeit infolge langer Reisedauer im Allgemeinen nicht gegeben sein [vgl. Bernold/Mertens, a.a.O., Seiten 184 und 240 ff; Schuch, Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (Pendler-Pauschale), in: ÖStZ 1988, Seiten 316 ff]. Die Benützung des öffentlichen Verkehrsmittels ist im Übrigen auch dann zumutbar, wenn man einen Teil der Wegstrecke zB mit einem eigenen Fahrzeug zurücklegen muss. Nur wenn dieser Anfahrtsweg (zB mit dem Pkw) mehr als die Hälfte der Gesamtfahrtstrecke beträgt, ist die Benützung eines öffentlichen Verkehrsmittels unzumutbar. Einer derartigen Aufteilung der einfachen Fahrtstrecke in Verwendung öffentlicher Verkehrsmittel und privater Verkehrsmittel ist daher vor dem Hintergrund des Gesetzeswortlautes "der halben Fahrtstrecke" nicht entgegen zu treten; die Unterstellung einer optimalen Kombination von Massenbeförderungs- und Individualverkehrsmittel entspricht damit durchaus der Anordnung des § 16 Abs. 1 Z 6 lit. c EStG 1988 [vgl. Doralt, EStG13, § 16 Tz 108 ff; Bernold/Mertens, a.a.O., Frage 16/12 zu § 16 EStG 1988; Lohnsteuerrichtlinien (LStR) 2002, Rz 257; zur Kombination eines privaten Verkehrsmittels mit Massenbeförderungsmitteln siehe auch VwGH 24.9.2008, 2006/15/0001; VwGH 28.10.2008, 2006/15/0319]. Unter Zugrundelegung der obigen rechtlichen Überlegungen sind im gegenständlichen Fall für die Zurücklegung des Arbeitsweges "Wohnung - Arbeitsstätte" eine Fahrt mit dem Pkw zwischen der Wohnung des Bw. (G Z, F-Weg zz, bzw. X, R-Straße xx) und dem Bahnhof X (nach Routenplaner "ViaMichelin" - empfohlene Wegstrecke: 1,2 km, 2 min bzw. 2 km, 5 min), weiters eine Zugfahrt mit der ÖBB vom Bahnhof X nach Bahnhof F (21 Tarif km, 20 min mit der S-Bahn), Fahrten mit dem S-Bus F (Liniey) und dem L-Bus (Liniex) von der Bushaltestelle F Bahnhof (Vorplatz) mit Umsteigen in XZ K nach ZY P ("ViaMichelin" - empfohlene Wegstrecke: ca. 8 km; 19 min) sowie ein Fußweg (nach Routenplaner "ViaMichelin" - Gehweg: ca. 1,3 km, ca. 20 min; siehe dazu auch unter http://map.search.ch) von der Bushaltestelle ZY P zur Arbeitsstätte des Bw. (Y, S-Straße yy) zu unterstellen. Bezogen auf die vom Bw. angegebene Arbeitszeiten (7.00 Uhr bis 17.00 Uhr; vgl. Berufungsschriftsatz vom 24. April 2012) war im konkreten Fall von folgendem Arbeitsweg des Bw. (Wohnung-Arbeitsstätte-Wohnung) bzw. von folgenden Abfahrts- und Ankunftszeiten (unter Einschluss von Wartezeiten während der Fahrt und bei der Arbeitsstätte) auszugehen [vgl. die Kursbücher des Verkehrsverbundes Vorarlberg, Fahrplan 11 (gültig vom 12. Dezember 2010 bis 10. Dezember 2011) sowie Fahrplan 12 (gültig vom 11. Dezember 2011 bis 8. Dezember 2012); siehe auch unter http://www.vmobil.at/]: Hinfahrt:
Fahrt mit Pkw (ca. 5 min) von der Wohnung zum Bahnhof X ab ca. 5.29 Uhr, Park- bzw. Umsteigezeit (ca. 5 min), ÖBB-S-Bahn Bahnhof X ab 5.39 Uhr/Bahnhof F an 5.59 Uhr, Übergang (2 min), S-BusF(Liniey) Bahnhof F (Vorplatz) ab 6.09 Uhr/XZ (F) K an 6.21 Uhr, L-Bus (Liniex) XZ (F) K ab 6.31 Uhr/ZYP an 6.38 Uhr, Fußweg (ca. 20 min) zur Arbeitsstätte, Arbeitsstätte an 6.58 Uhr, Wartezeit bis 7.00 Uhr.
- Gehweg (ca. 20 min) von der Arbeitsstätte (ab ca. 16.55 Uhr) zur Bushaltestelle ZY, Wartezeit, L-Bus (Liniex) ZYP ab 17.18 Uhr/XZ (F) K an 17.26 Uhr, S-BusF (Liniey) XZ (F) K ab 17.37 Uhr/Bahnhof F (Vorplatz) an 17.49 Uhr, Übergang (2 min), ÖBB-S-Bahn Bahnhof F ab 18.01 Uhr/Bahnhof X an 18.21 Uhr, Umsteigezeit (ca. 5 min), Fahrt mit dem Pkw vom Bahnhof X zur Wohnung (ca. 5 min), Wohnung an 18.31 Uhr, oder
- Gehweg (ca. 20 min) von der Arbeitsstätte (ab ca. 17.25 Uhr) zur Bushaltestelle ZY, Wartezeit, L-Bus (Liniex) ZYP ab 17.48 Uhr/XZ (F ) K an 17.56 Uhr, S-BusF (Liniey) XZ (F) K ab 18.07 Uhr/Bahnhof F (Vorplatz) an 18.19 Uhr, Übergang (2 min), ÖBB-S-Bahn Bahnhof F ab 18.31 Uhr/Bahnhof X an 18.51 Uhr, Umsteigezeit (ca. 5 min), Fahrt mit dem Pkw vom Bahnhof X zur Wohnung (ca. 5 min), Wohnung an 19.01 Uhr.
Angesichts dieser Verkehrsverbindungen gelangte der Unabhängige Finanzsenat zur Überzeugung, dass dem Bw. im streitgegenständlichen Zeitraum überwiegend (an mehr als der Hälfte seiner Arbeitstage) auf weit mehr als dem halben Arbeitsweg zur erforderlichen Zeit ein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung stand und damit im konkreten Fall Unzumutbarkeit der Benützung von Massenverkehrsmitteln wegen tatsächlicher Unmöglichkeit nicht vorliegt. Im Hinblick auf das Vorbringen, wonach auf den Bw. kein Kfz zugelassen sei und das Kfz seiner Lebensgefährtin von dieser selbst zur Fahrt zu ihrem Arbeitsplatz benützt werde, wird entgegnet, dass - wie bereits oben dargestellt - die Unterstellung einer optimalen Kombination von Massenbeförderungs- und Individualverkehrsmittel durchaus der Anordnung des § 16 Abs. 1 Z 6 lit. c EStG 1988 entspricht, der Gesetzgeber des EStG 1988 grundsätzlich für Fahrten des Dienstnehmers zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nicht den Individualverkehr und die Benützung eines Kfz, sondern die Benützung eines Massenbeförderungsmittels steuerlich berücksichtigt wissen will, und eine derartige Auslegung des Begriffes der Unzumutbarkeit nach Ansicht des Unabhängigen Finanzsenates dem Gesetz nicht entnommen werden kann. Die Gewährung des sog. großen Pendlerpauschales ist ausschließlich nach objektiven Kriterien der Benützungsmöglichkeit des öffentlichen Verkehrsmittels zu beurteilen (vgl. dazu beispielsweise auch UFS 31.8.2005, RV/0047-F/04; UFS 23.3.2010, RV/0404-F/09). Die Prüfung, ob Unzumutbarkeit wegen Behinderung vorliegt, erübrigt sich gegenständlich, da der Bw. laut Aktenlage nicht behindert ist und Derartiges auch nicht behauptet hat. Zur Frage, ob gegenständlich von Unmöglichkeit wegen langer Anfahrtszeit auszugehen ist oder nicht, ist Folgendes zu sagen: Hinsichtlich der Fahrtdauer mit dem Kfz auf der als kürzesten Straßenverbindung anzusehenden Strecke ist nach Ansicht des Unabhängigen Finanzsenates im berufungsgegenständlichen Fall - bei der Streckenauswahl sind nach höchstrichterlicher Rechtsprechung (VwGH 16.7.1996, 96/17/0002, 0003) öffentliche Interessen, wie die Sicherheit und Flüssigkeit des Verkehrs sowie die Vermeidung von Lärm und Abgasen in Wohngebieten, Bedacht zu nehmen - als maßgebliche Vergleichsgröße eine Fahrtdauer von 38 Minuten bei einer Entfernung von 32 km heranzuziehen (vgl. Routenplaner "ViaMichelin - empfohlene Strecke"). Damit ermittelt sich im vorliegenden Berufungsfall ein nach den in den Gesetzesmaterialien festgehaltenen Grundsätzen zumutbarer Zeitrahmen von 114 Minuten. Da im vorliegenden Fall die Gesamtwegzeit bei Kombination von Massenbeförderungs- und Individualverkehrsmittel für die einfache Wegstrecke (unter Einschluss von Wartezeiten während der Fahrt und bei der Arbeitsstätte) - wie oben dargestellt - max. 96 Minuten beträgt, kann, zumal diese zwar 90 Minuten überschreitet aber nicht mehr als drei Mal so lang dauert wie jene mit dem Pkw, von einer auf Grund langer Wegzeiten verwirklichten "Unzumutbarkeit" der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel nicht ausgegangen werden. Angesichts dieser Ausführungen kann im Berufungsfall von der Erfüllung des Tatbestandes "Unzumutbarkeit", den der Gesetzgeber für die Zuerkennung des "großen" Pendlerpauschales voraussetzt, keine Rede sein und war daher - gerade auch im Sinne einer gleichmäßigen Besteuerung aller Steuerpflichtigen - der Vorgehensweise des Finanzamtes [Berücksichtigung eines jährlichen Pauschbetrages (sog. kleines Pendlerpauschale gemäß
§ 16 Abs. 1 Z 6 lit. b EStG 1988 für eine einfache Fahrtstrecke ab 20 km) in Höhe von 696,00 €] zuzustimmen. Gleichzeitig schließt sich der Unabhängige Finanzsenat auch den unbestritten gebliebenen Änderungen des Finanzamtes im Einkommensteuerbescheid 2011 (Berufungsvorentscheidung gemäß
§ 276 BAO) vom 2. Mai 2012 an. Gesamthaft war daher spruchgemäß zu entscheiden. Feldkirch, am 14. August 2012 nach oben
Findok-Nr: 60409.1, aufgenommen am: 27.08.2012 13:33:12, Dokument-ID: 3c85dcce-0768-42e5-9777-4a4830bdbd1d, Segment-ID: db433a46-456e-4ccb-821d-b4c5ec422304