Source: https://www.steuerberater-center.de/52665.htm
Timestamp: 2018-11-16 12:39:19
Document Index: 188128765

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7']

Wechsel von der degressiven AfA zur AfA nach tatsÃ¤chlicher Nutzungsdauer nicht mÃ¶glich
Ein Wechsel von der in Anspruch genommenen degressiven AfA gem. Â§ 7 Abs. 5 EStG zur AfA nach der tatsÃ¤chlichen Nutzungsdauer gem. Â§ 7 Abs. 4 S. 2 EStG ist nicht mÃ¶glich. Der Steuerpflichtige entscheidet sich bei Wahl der degressiven AfA bewusst, die Herstellungskosten des GebÃ¤udes in 50 der HÃ¶he nach festgelegten JahresbetrÃ¤gen geltend zu machen. Diese Vereinfachung tritt nur ein, wenn die Wahl Ã¼ber die gesamte Dauer der Abschreibung bindend ist.
Die KlÃ¤gerin ist EigentÃ¼merin eines GrundstÃ¼cks. Das GrundstÃ¼ck ist bebaut mit einem 1994 fÃ¼r den Betrieb eines Autohauses errichteten GebÃ¤ude (Werkstatt und VerkaufsrÃ¤ume) und AuÃŸenanlagen. Die KlÃ¤gerin vermietet das GrundstÃ¼ck seit Fertigstellung des GebÃ¤udes an das von ihrem Ehemann als Einzelkaufmann betriebene Autohaus. Im Jahr 2009 errichtete die KlÃ¤gerin auf dem GrundstÃ¼ck einen Anbau an das bestehende WerkstattgebÃ¤ude und Ã¼berdachte einen Teil der FreiflÃ¤che. DafÃ¼r wandte sie Herstellungskosten von insgesamt rd. 85.000 â‚¬ auf.
In den Jahren von 1994 bis 2008 machte die KlÃ¤gerin bei ihren EinkÃ¼nften aus Vermietung und Verpachtung degressive Absetzungen fÃ¼r Abnutzung (AfA) gem. Â§ 7 Abs. 5 EStG auf die GebÃ¤udeherstellungskosten geltend. Diese beliefen sich ursprÃ¼nglich auf rd. 585.000 â‚¬. Der am 1.1.2009 noch nicht abgeschriebene GebÃ¤uderestwert belief sich auf rd. 255.000 â‚¬. In ihrer EinkommensteuererklÃ¤rung fÃ¼r das Streitjahr machte die KlÃ¤gerin AfA i.H.v. rd. 33.500 â‚¬ geltend. Auf Nachfrage korrigierte sie den Betrag auf rd.34.000 â‚¬. Entgegen der bisherigen Annahmen betrage die voraussichtliche Gesamtnutzungsdauer des GebÃ¤udes nicht 50, sondern nur 25 Jahre. Der am 1.1.2009 noch nicht abgeschriebene GebÃ¤uderestwert von rd. 255.000 â‚¬ mÃ¼sse um die im Streitjahr angefallenen Herstellungskosten von rd. 85.000 â‚¬ auf rd. 340.000 â‚¬ erhÃ¶ht und auf die restlichen zehn Jahre gleichmÃ¤ÃŸig verteilt werden (Â§ 7 Abs. 4 S. 2 EStG).
Das Finanzamt berÃ¼cksichtigte demgegenÃ¼ber als AfA nur 1,25 % der um die nachtrÃ¤glichen Herstellungskosten erhÃ¶hten ursprÃ¼nglichen Bemessungsgrundlage (585.000 â‚¬ + 85.000 â‚¬ = 670.000 â‚¬ x 1,25 % = gerundet rd. 8.370 â‚¬) und fÃ¼hrte zur ErlÃ¤uterung aus, eine kÃ¼rzere als die bislang angenommene voraussichtliche Nutzungsdauer sei nicht dargelegt worden.
Nach Â§ 7 Abs. 4 S. 1 Nr. 2 Buchst. a EStG kÃ¶nnen bei GebÃ¤uden, die der Erzielung von EinkÃ¼nften dienen und nach dem 31.12.1924 fertiggestellt worden sind, jÃ¤hrlich 2 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten als Werbungskosten abgezogen werden. BetrÃ¤gt die tatsÃ¤chliche Nutzungsdauer des GebÃ¤udes weniger als 50 Jahre, kÃ¶nnen anstelle dieser Absetzungen die der tatsÃ¤chlichen Nutzungsdauer entsprechenden AfA vorgenommen werden (Â§ 7 Abs. 4 S. 2 EStG). Bei GebÃ¤uden, die der Steuerpflichtige aufgrund eines vor dem 1.1.1995 gestellten Bauantrags hergestellt hat, kÃ¶nnen abweichend von Abs. 4 degressive Abschreibungen vorgenommen werden: in den ersten acht Jahren jeweils 5 %, in den darauf folgenden sechs Jahren jeweils 2,5 % und in den darauf folgenden 36 Jahren jeweils 1,25 % (Â§ 7 Abs. 5 S. 1 Nr. 2 EStG). Ein spÃ¤terer Wechsel von der in Anspruch genommenen degressiven AfA nach Â§ 7 Abs. 5 EStG zur AfA nach Â§ 7 Abs. 4 S. 2 EStG ist nicht mÃ¶glich.
Bislang hatte der BFH offen gelassen, ob ein Wechsel von der degressiven AfA zur AfA nach der tatsÃ¤chlichen Nutzungsdauer (Â§ 7 Abs. 4 S. 2 EStG) mÃ¶glich ist. Bei GebÃ¤uden mit einer tatsÃ¤chlichen Nutzungsdauer von weniger als 50 Jahren kann die AfA danach entsprechend dieser verkÃ¼rzten Nutzungsdauer vorgenommen werden. Die von der KlÃ¤gerin erstrebte Kombination von degressiver AfA und AfA nach der tatsÃ¤chlichen Nutzungsdauer ist nicht mÃ¶glich. Â§ 7 Abs. 5 EStG typisiert die Nutzungsdauer eines GebÃ¤udes und dient damit der Rechtsvereinfachung. Bei Wahl der degressiven AfA nach Â§ 7 Abs. 5 EStG erÃ¼brigt sich die Feststellung der tatsÃ¤chlichen Nutzungsdauer des GebÃ¤udes. Der Steuerpflichtige entscheidet sich bei Wahl der degressiven AfA bewusst, die Herstellungskosten des GebÃ¤udes in 50 der HÃ¶he nach festgelegten JahresbetrÃ¤gen geltend zu machen. Die Vereinfachung tritt nur ein, wenn die Wahl Ã¼ber die gesamte Dauer der Abschreibung bindend ist. Die Wahl der degressiven AfA ist deshalb im Grundsatz unabÃ¤nderlich.
Verlag Dr. Otto Schmidt vom 11.07.2018 15:33