Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_aktuell_Arbeitszeit_Pause_Break_Stunde_Freizeit_Flughafen_LAG_Koeln_2Sa540-10.html
Timestamp: 2017-01-24 01:00:20
Document Index: 168214345

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 2', '§ 4', '§ 22', '§ 4', '§ 4', '§ 11']

HENSCHE Arbeitsrecht: "Break-Stunden" auf dem Flughafen - Arbeitszeit oder Freizeit?
ARBEITSRECHT AKTUELL // 10/234
"Break-St­un­den" auf dem Flug­ha­fen - Ar­beits­zeit oder Frei­zeit?
Pau­sen sind ver­bind­lich - Im Gu­ten wie im Schlech­ten: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 20.09.2010, 2 Sa 540/10
In­ner­halb der ge­setz­li­chen Gren­zen kön­nen Pau­sen je­der­zeit ge­währt wer­den
30.11.2010. Das Ar­beits­zeit­ge­setz (Arb­ZG) re­gelt, wann und in wel­chem Um­fang Ar­beit­neh­mer ar­bei­ten dür­fen. So darf die werk­täg­li­che Ar­beits­zeit im Re­gel­fall 8 St­un­den nicht über­schrei­ten (§ 3 Arb­ZG), wo­bei Ar­beits­zeit die Zeit vom Be­ginn bis zum En­de der Ar­beit oh­ne die Ru­he­pau­sen ist (§ 2 Arb­ZG). Die Min­dest­dau­er der Ru­he­pau­sen ist in § 4 Arb­ZG nach der Dau­er der Ar­beits­zeit ge­staf­felt:
• Ar­beits­zeit zwi­schen 6 St­un­den und 9 St­un­den: 30 Mi­nu­ten• Ar­beits­zeit von 9 St­un­den oder mehr: 45 Mi­nu­ten
Die­se Ru­he­pau­sen kön­nen in Zeit­ab­schnit­te von je­weils min­des­tens 15 Mi­nu­ten auf­ge­teilt wer­den. In je­dem Fall dür­fen Ar­beit­neh­mer aber nicht län­ger als 6 St­un­den hin­ter­ein­an­der oh­ne Ru­he­pau­se be­schäf­tigt wer­den. Wer ge­gen die­se Maß­ga­ben ver­stößt, ver­hält sich ord­nungs­wid­rig (§ 22 Abs.1 Nr.2 Arb­zG).
Was ge­nau Ru­he­pau­sen sind, lässt sich dem Ar­beits­zeit­ge­setz nur an­satz­wei­se ent­neh­men. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) han­delt es sich um im vor­aus fest­lie­gen­de Un­ter­bre­chun­gen der Ar­beits­zeit von be­stimm­ter Dau­er, die der Er­ho­lung die­nen. Da­zu ge­hört, dass der Ar­beit­neh­mer in die­ser Zeit kei­ne Ar­beits­ver­pflich­tung hat (sich al­so nicht zur Ar­beit be­reit hal­ten muss) und spä­tes­tens bei Be­ginn der Pau­se ih­re Dau­er be­kannt sein muss. Ei­ne Ar­beits­un­ter­bre­chung, bei de­ren Be­ginn der Ar­beit­neh­mer nicht weiß, wie lan­ge sie dau­ern wird, ist kei­ne Pau­se (so aus­drück­lich BAG, Ur­teil vom 29.10.2002, 1 AZR 603/01). An­ders als Ar­beits­for­men wie die Ar­beits­be­reit­schaft oder Be­reit­schafts­dienst han­delt es sich al­so um ech­te Frei­zeit.
Sel­ten wer­den in der ar­beits­recht­li­chen Pra­xis Pau­sen ein­ge­klagt. Meist geht es viel­mehr im Rah­men von Lohn­kla­gen um die Fra­ge, ob ein be­stimm­ter Zeit­raum un­be­zahl­te Frei­zeit oder ver­gü­tungs­pflich­ti­ge Ar­beits­zeit ist.
So lag es auch in ei­nem kürz­lich vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln ent­schie­de­nen Fall (Ur­teil vom 20.09.2010, 2 Sa 540/10, Vor­in­stanz: Ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 02.03.2010, 14 Ca 6761/09). Ein Flug­gast­kon­trol­leur hat­te dort ge­gen­über sei­nem Ar­beit­ge­ber Zah­lungs­an­sprü­che gel­tend ge­macht, die er auf bis­her un­be­zahlt ge­blie­be­ne "Break-St­un­den" zu­rück­führ­te. Da­bei han­del­te es sich um ein­stün­di­ge Ar­beits­un­ter­bre­chun­gen, de­ren Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung nä­her ge­re­gelt wa­ren. Da­nach war es dem Ar­beit­ge­ber le­dig­lich nicht ge­stat­tet, im Schich­ten von bis zu 6 St­un­den Län­ge Pau­sen an­zu­ord­nen, im Üb­ri­gen durf­te sie die La­ge der Pau­sen nach den be­trieb­li­chen Be­dürf­nis­sen be­stim­men. Dies ge­schah in Schicht­plä­nen, die zu­min­dest zu Be­ginn des je­wei­li­gen Ar­beits­ta­ges fest­stan­den. Der Ar­beit­ge­ber hat­te die Pau­sen je­weils in Pha­sen ge­legt, in de­nen kein Ar­beits­be­darf be­stand. Mit Aus­nah­me die­ser Breaks er­hielt der kla­gen­de Flug­gast­kon­trol­leur kei­ne ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Pau­sen.
Das LAG hielt die kon­kre­te Ver­tei­lung der Ar­beits­un­ter­bre­chung für un­pro­ble­ma­tisch. Ent­schei­dend für die letzt­lich er­folg­te Ein­ord­nung als Pau­se war viel­mehr, dass sich der Klä­ger nicht zur je­der­zei­ti­gen Ar­beits­auf­nah­me be­reit­hal­ten muss­te.
Man­gels ver­gü­tungs­pflich­ti­ger Ar­beits­zeit blieb die Zah­lungs­kla­ge da­mit in­so­weit weit­ge­hend er­folg­los. Die Ent­schei­dung ist rechts­kräf­tig.
Fa­zit: In­ner­halb der ge­setz­li­chen Gren­zen kön­nen Pau­sen grund­sätz­lich auf je­den be­lie­bi­gen Zeit­punkt ge­legt wer­den. Aus § 4 Arb­ZG wird in­so­weit le­dig­lich her­ge­lei­tet, dass die Ar­beit nicht mit ei­ner Pau­se be­gin­nen oder en­den darf, da dort vom "un­ter­bre­chen" der Ar­beit die Re­de ist. § 4 Arb­ZG ent­hält auch kei­ne § 11 Ju­gend­ar­beits­schutz­ge­setz (JAr­bSchG) ent­spre­chen­de Ein­schrän­kung. Dort ist ge­re­gelt, dass Pau­sen frü­hes­tens ei­ne St­un­de nach Be­ginn der Ar­beit und spä­tes­tens ei­ne St­un­de vor En­de der Ar­beits­zeit ge­ge­ben wer­den müs­sen. Hier­aus wird teil­wei­se ge­schluss­fol­gert, dass Pau­sen bei Er­wach­se­nen theo­re­tisch auch schon nach sehr kur­zer Ar­beits­dau­er ge­ge­ben wer­den könn­ten. Ob das mit der Er­ho­lungs­funk­ti­on ei­ner Pau­se wirk­lich ver­ein­bar ist, er­scheint da­bei al­ler­dings frag­lich.
Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 20.09.2010, 2 Sa 540/10
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 29.10.2002, 1 AZR 603/01
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Letzte Überarbeitung: 13. Juli 2016
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