Source: https://m.grin.com/document/167472
Timestamp: 2020-07-04 12:51:08
Document Index: 128977393

Matched Legal Cases: ['§ 29', '§ 2', '§ 2', '§ 16', '§ 17', '§ 18', '§ 15']

Merkmale und Besonderheiten von Lizenzverträgen zwischen Akteuren ...
2.1. Für die Lizenzvergabe relevante Regelungen des Urheberrechtsgesetzes
2.2. Die Filmverwertungsstufen und deren Umsatzstärke
2.3. Akteure der Filmindustrie und deren Funktionen
3. Lizenzverträge im Bereich der Filmverwertung und des Merchandising
3.1. Lizenzen - Definition und verschiedene Übertragungsformen
3.2. Vertragsgestaltung in der Auswertungspraxis in den einzelnen Filmverwertungsstufen
3.3. Pre-Sale von Verwertungsrechten als Finanzierungsinstrument
3.4. Strategische Bedeutung von Lizenzverträgen im Rahmen des Ressourcenmanagements.
Merkmale und Besonderheiten von Lizenzverträgen zwischen Akteu- ren der deutschen Filmwirtschaft im Rahmen der Filmverwertung und des Merchandising
Diese Seminararbeit soll einen Überblick über die Auswertung von Lizenzen in der deutschen Filmwirtschaft liefern. Sie ist in zwei zentrale Kapitel gegliedert. Zu Beginn werden die rechtlichen Grundlagen, auf denen die Lizenzvergabe basiert, die klassischen Filmverwertungsstufen und die Akteure der Filmindustrie und deren Funktionen erläutert. Das darauf folgende Kapitel „Lizenzverträge im Bereich der Filmverwertung und des Merchandising“ stellt den Hauptteil der Arbeit dar. Die Definition einer Lizenz, die Vertragsgestaltung in den einzelnen Auswertungsstufen, Pre-Sales als Vorfinanzierungsinstrument durch Lizenzvergabe und die strategische Bedeutung des Lizenzerwerbs im Hinblick auf das Ressourcenmanagement werden beschrieben. Abschließend folgt ein zusammenfassendes Fazit.
Das Urheberrecht schützt schöpferische Werke und deren Erschaffer und kann nicht auf ande- re Personen übertragen werden (vgl. Urheberrechtsgesetz § 29 Abs. 1). Es wird zwischen Ur- heberrechten und verwandten Schutzrechten, auch Leistungsschutzrechte genannt, unter- schieden. Nach § 2 Abs. 1 Satz 6 UrhG zählt ein Filmwerk zu den geschützten Werken. Das Werk muss eine persönliche geistige Schöpfung sein (vgl. § 2 Abs. 2 UrhG), was bedeutet, dass es von einer oder mehreren natürlichen Privatpersonen durch Erbringung einer eigenen Leistung geschaffen worden sein muss. Um durch das Urheberrecht geschützt zu sein, bedarf es einer Eigenständigkeit. Diese besteht darin, dass das Werk vom allgemein Bekannten in einem bestimmten Maße abweicht. Die Höhe der nötigen Individualität, die benötigt wird, um als Werk anerkannt zu werden, variiert je nach Art des Werkes. Bei einem Filmwerk ist es sehr kompliziert, die Urheberschaft zu bestimmen, da in diesem viele eigenständige künstleri- sche Leistungen vereint werden (vgl. Brehm 2001, 27). Das Leistungsschutzrecht schützt auch Beiträge zu einem Werk, die im eigentlichen Sinne nicht durch das Urheberrecht erfasst sind, aber "künstlerisch, organisatorisch oder wirtschaftlich" (Homann S. 159) einen wesent- lichen Anteil beisteuern.
Besonders relevant für die Auswertung eines Filmwerks ist das Verwertungsrecht, das aus dem Vervielfältigungsrecht (§ 16), dem Verbreitungsrecht (§ 17) und dem Ausstellungsrecht (§ 18) des Urheberrechtgesetzes besteht. In § 15 UrhG wird ausdrücklich festgelegt, dass nur der Urheber diese drei Rechte ausüben darf. Außerdem besteht auch das Recht des Urhebers diese Rechte durch Einräumung von Nutzungsrechten auf Dritte zu übertragen.
Das Urheberrecht ist somit die Berechtigungsbasis, auf der die Lizenz- und Auswertungsrechte vergeben werden.
Es gibt verschiedene Filmverwertungsstufen in deren Rahmen die Auswertung eines Films vollzogen wird. Die erste nach Fertigstellung des Films ist die Auswertung im Kino. Darauf folgt 4 - 6 Monate nach der Premiere im Kino die Veröffentlichung auf DVD und als Verleih- DVD (vgl. Hülsmann/Grapp 2010, 56). Seit 2007 gibt es die neuen Formate HighDefinition- DVD und Blu-ray, die 2009 einen Anteil von 9 Prozent der insgesamt gekauften DVDs aus- machten und von Jahr zu Jahr eine größere Rolle spielen (vgl. BVV 2009, 13). Anschließend folgt die Verwertungsstufe des Pay-TV ca. 1 Jahr nach dem Start im Kino. Nach mehreren Jahren wird der Film im Free-TV ausgestrahlt. Als eine neue Auswertungsstufe gibt es seit einigen Jahren Video-On-Demand (vgl. Hülsmann/Grapp,15). Außerdem bestehen durch das Merchandising verschiedenste Möglichkeiten einen Film auszuwerten (vgl. Fischer 2008, 170). Durch die oben beschriebene zeitversetzte Auswertung - genannt "windowing"- kann eine optimale Auswertung für den Rechteinhaber generiert werden (vgl. Hülsmann/Grapp 2010, 56).
Wirtschaftlich am relevantesten sind die Kino-Umsätze, da sich an ihnen der Erfolg in den weiteren Verwertungsstufen mit einer positiven Korrelation fest machen lässt, wobei die Be- reiche DVD-Verleih und -Verkauf in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen haben (vgl. Wirtz 2005, 266). Nach neuesten Daten liegt die Umsatzstärke des Home-Video-Seg- ments mit 1,6 Mrd. Euro für das Jahr 2008 sogar über dem der Kinoumsätze, die mit 789 Mio. Euro weniger als die Hälfte des Home-Entertainment-Umsatzes betrugen (vgl. BVV 2008, 14). Der Umsatz des Verleihmarktes war im Jahre 2009 leicht rückläufig und betrug 256 Mio.
Euro (BVV 2009, 54). Video-On-Demand ist mit 5% Umsatzbeteiligung am Gesamtmarkt noch ein unwesentlicher Faktor (ca. 13 Mio. Euro Umsatz), dafür aber ein Wachstumsmarkt (BVV 2009, 55).
Das Merchandising spielt eine besonders große Rolle bei Event- oder Kinderfilmen. Es bietet eine gute Zusatzeinnahmequelle und beinhaltet die Auswertung des Filmes durch Anbieten zusätzlicher Produkte und Dienstleistungen zum Film (vgl. Wirtz 2005, 267).
Die Akteure, die am Filmmarkt beteiligt sind, lassen sich auf vier verschiedene Bereiche auf- teilen: Filmproduktion, Filmverleih, Rechtehandel und Filmverwertung (vgl. Wirtz 2005, 257).
An der Produktion des Filmes beteiligt sind Drehbuchautor, Schauspieler, Regisseur, Produ- zent und weitere Akteure (z.B. Kameraleute, Maskenbildner). Die Autoren leisten mit dem Entwurf des Exposé, des Treatments, der Romanvorlage oder des Drehbuchs die Basis für den Film (vgl. Wirtz 2005, 257). Schauspieler und Regisseure stellen kreatives Potential zur Ver- fügung, das entscheidend für den Erfolg und den künstlerischen Anspruch des Filmes ist (vgl. Hülsmann/Grapp 2010, 382). Der Produzent des Films kann eine juristische oder natürliche Person sein. Aufgrund des hohen Haftungspotentials hat man es meist mit einer Gesellschaft zu tun (Fischer 2008, 159). Die Aufgabe des Filmproduzenten ist es, das richtige Filmteam zusammenzustellen, die Verträge mit den Beteiligten auszuhandeln, die zu vergebenden Li- zenzen an Filmverleihunternehmen und Rechtezwischenhändler zu verkaufen, sowie die Pla- nung des Projektes. Der korrekte Ablauf der gesamten Filmproduktion obliegt seiner Verant- wortung (vgl. Wirtz 2005, 257).
Das Filmverleihunternehmen, das auch die Funktion des Rechteverleihers übernehmen kann, ist ein Bindeglied zwischen Produzent und Filmverwerter. Der Filmverleih sichert sich Ver- wertungsrechte an Kinofilmen vom Produzenten des Films und verkauft diese weiter an die Kinos (vgl. Wirtz 2005, 262). Er übernimmt das Marketing in Zusammenarbeit mit Werbe- agenturen und Sponsoringpartnern und den Vertrieb und die Vervielfältigung der Filmrollen. Als Gegenleistung erhält der Filmverleiher vom Kinobetreiber eine Erlösbeteiligung. Selten erwirbt der Filmverleiher auch weitere Verwertungsrechte wie z.B. das Recht für die Mer- chandising-Auswertung und übernimmt die weitere Partner-Akquise (vgl. Wirtz 2005, 288).
Es gibt zwei verschiedene Modelle des Rechtehandels: Entweder kauft der Rechtehändler die Filmverwertungsrechte beim Produzenten und verkauft diese an Filmverwertungsunternehmen weiter oder er handelt ausschließlich als Rechtezwischenhändler. Hier werden die Teiloder Gesamtverwertungsrechte an einem Auswertungsbereich von Filmen erworben ( Pay-TV, Free-TV, VoD-Dienste, DVD/Blu-Ray, Merchandising). Durch das Zusammenstellen von Rechtepaketen durch den Rechtezwischenhändler soll eine optimale Auswertung erreicht werden. Die eigentliche Filmverwertung findet durch die Kinobetreiber in den Kinos statt, die außer der Ausstrahlung des Filmes auch Umsätze durch Verkauf von Speisen, Getränken und Merchandising-Artikeln generieren (vgl. Wirtz 2005, 288).
Im Gesetz gibt es keine vorgeschriebe]ne Definition für den Begriff „Lizenz“ (vgl. Jacobshagen 2002, 291). Daher findet er auch in der Praxis eine nicht einheitliche Verwendung und wird grundlegend bei der Einräumung von Nutzungsrechten verwendet (vgl. Homann 2004, 299). Jacobshagen definiert Lizenz als „Gesamtheit von Rechten, Dienstleistungen und Materialien, die an einen Vertragspartner übertragen werden“ (2002, 291). Nach Pahlow sind Lizenzen „einheitlich als Benutzungsberechtigungen an unkörperlichen Gegenständen“ (ZUM 2005, 186) anzusehen. Somit werden durch Lizenzen Rechte an immateriellen Gütern zwecks einer kommerziellen Verwertung erworben.
Man unterscheidet zwischen einer Lizenzübertragung erster, zweiter, dritter und höherer Stu- fe. Die Lizenzübertragung erster Stufe ist die Übertragung von Nutzungsrechten vom direkten Urheber auf den ersten Lizenznehmer. Dieser Vertrag gilt als die „Hauptlizenz“. Vergibt der erste Lizenznehmer die erworbene Lizenz an eine dritte Verwertungspartei, spricht man von der Lizenzübertragung zweiter Stufe. Darüber hinausfolgende Rechteübertragungen sind Li- zenzübertragungen dritter oder höherer Stufe. Ab der Übertragung auf zweiter Stufe werden die Lizenzen als „Sublizenzen“ und derivative Rechte bezeichnet (vgl. Homann 2004, 299).
9783640839353
9783640838868
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Universität Siegen – Lehrstuhl Betriebswirtschaft, insb. Medienmanagement
Filmwirtschaft Filmfinanzierung Lizenzverträge Filmverwertung Merchandising Verträge Film Kino Verwertung