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Timestamp: 2019-02-17 05:32:20
Document Index: 51042835

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 14', 'BGH', '§ 14', 'BGH', 'BGH', '§ 287', '§ 286', 'BGH', 'BGH', '§ 314', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 314', 'BGH', '§ 531', '§ 531', '§ 520', '§ 531']

Zur Darlegungs- und Beweislast des Steuerberaters bei Überschreitung der Mittelgebühr | Rechtsanwaltskanzlei Skwar
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OLG Frankfurt, Urteil vom 05.10.2018 – 8 U 203/17
Der Klägerin ist hier bei der Ermessensausübung nach § 11 StBGebV auch nicht etwa eine Toleranz von 20 % (oder gar mehr) zuzubilligen (vgl. OLG Hamm, Urteil vom 26.11.2013 – 25 U 5/13, DStRE 2015, 252, 254; OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 03.01.2017 – 4 U 117/15, DStRE 2018, 831, 832 ). Mit Blick auf die verkürzte Darlegungslast (s. o.) durch die Anerkennung einer Mittelgebühr kann dem Steuerberater nämlich nicht noch zusätzlich eine Toleranzgrenze zuerkannt werden. Anderenfalls wäre die Gebühr, die der Steuerberater ohne besonderen Nachweis verlangen könnte, stets die Mittelgebühr + 20 %. Dafür gibt es keinen einleuchtenden Grund (vgl. Raab, DStR 2017, 2839, 2840; in diesem Sinne für § 14 Abs. 1 RVG auch BGH, Urteil vom 11.07.2012 – VIII ZR 323/11, NJW 2012, 2813, 2814; Urteil vom 05.02.2013 – VI ZR 195/12, NJW-RR 2013, 1020, 1021).
Dem steht auch nicht entgegen, dass Rahmengebühren eines Rechtsanwalts (wie etwa die Geschäftsgebühr nach Nr. 2300 RVG VV) dann nicht unbillig im Sinne des § 14 Abs. 1 Satz 4 RVG sein sollen, wenn sie sich innerhalb einer Toleranzgrenze von 20 % bewegen, und daher von einem ersatzpflichtigen Dritten hinzunehmen sind (vgl. wiederum BGH, Urteil vom 05.02.2013 – VI ZR 195/12, NJW-RR 2013, 1020, 1021). Denn dies gilt nur dann zu Gunsten des Rechtsanwalts, der eine Gebühr von mehr als 1,3 beansprucht, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen der Nr. 2300 RVG VV für eine Überschreitung der Regelgebühr von 1,3 vorliegen (vgl. BGH, Urteil vom 11.07.2012 – VIII ZR 323/11, NJW 2012, 2813, 2814).
§ 287 ZPO dehnt nämlich das richterliche Ermessen für die Feststellung der Schadenshöhe über die Schranken des § 286 ZPO aus. Das Gesetz nimmt dabei in Kauf, dass das Ergebnis der Schätzung mit der Wirklichkeit vielfach nicht übereinstimmt; allerdings soll die Schätzung möglichst nahe an diese heranführen (vgl. BGH, Urteil vom 17.04.1997 – X ZR 2/96, GRUR 1997, 741, 743; BAG, Urteil vom 12.12.2007 – 10 AZR 97/07, NJW 2008, 872, 877; Urteil vom 26.09.2012 – 10 AZR 370/10, NJW 2013, 331, 332). Eine Schätzung hat daher nur dann zu unterbleiben, wenn sie mangels konkreter Anhaltspunkte vollkommen „in der Luft hinge“ und daher willkürlich wäre (vgl. BGH, Urteil vom 24.06.2009 – VIII ZR 332/07, NJW-RR 2009, 1404, 1406; BAG, Urteil vom 26.09.2012 – 10 AZR 370/10, NJW 2013, 331, 332). So liegt es hier jedoch nicht, da die Angaben der Zeugin A eine solide Grundlage für eine Schätzung und für eine Extrapolation in Bezug auf die nicht von ihr geleisteten Arbeiten bieten.
Der Tatbestand des Ersturteils liefert nach § 314 ZPO nämlich den Beweis für das mündliche Vorbringen einer Partei im erstinstanzlichen Verfahren (vgl. BGH, Urteil vom 10.11.1995 – V ZR 179/94, WM 1996, 89, 90; Urteil vom 02.02.1999 – VI ZR 25/98, BGHZ 140, 335, 339; Versäumnisurteil vom 15.06.2000 – III ZR 305/98, WM 2000, 1548, 1549; Urteil vom 28.06.2005 – XI ZR 3/04, juris). Diese Beweiswirkung erstreckt sich auch darauf, ob eine bestimmte Behauptung bestritten ist oder nicht (vgl. BGH, Urteil vom 17.05.2000 – VII ZR 216/99, WM 2000, 1871, 1872; Urteil vom 28.06.2005 – XI ZR 3/04, juris; BAG, Urteil vom 18.09.2003 – 2 AZR 498/02, NJW 2004, 1061, 1062). Daher ist eine im Tatbestand des angefochtenen Urteils als unstreitig dargestellte Tatsache selbst dann, wenn sie in den erstinstanzlichen Schriftsätzen tatsächlich umstritten war, als unstreitig und als für das Berufungsgericht bindend anzusehen, wenn der Tatbestand nicht berichtigt worden ist (vgl. BGH, Beschluss vom 24.06.2010 – III ZR 277/09, juris; Urteil vom 06.06.2012 – VIII ZR 198/11, NJW 2012, 2659, Tz. 17; Urteil vom 18.07.2013 – III ZR 208/12, MDR 2013, 1115; Senat, Urteil vom 24.05.2016 – 8 U 159/14, juris). Es ist in diesem Zusammenhang anerkannt, dass vom Geltungsbereich des § 314 ZPO auch die tatsächlichen Feststellungen erfasst werden, die in den Entscheidungsgründen enthalten sind (vgl. etwa BGH, Urteil vom 17.05.2000 – VII ZR 216/99, WM 2000, 1871, 1872 ; BAG, Urteil vom 18.09.2003 – 2 AZR 498/02, NJW 2004, 1061, 1062).
d. Soweit die Beklagte in der Berufungsbegründung erstmals bestreitet, dass es an einer Vereinbarung der Parteien über die Erstattungsfähigkeit der DATEV-Kosten fehle, handelt es sich um neuen Vortrag im Sinne des § 531 Abs. 2 ZPO, der nicht zuzulassen ist, da die Voraussetzungen der § 531 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 bis 3 ZPO ersichtlich nicht vorliegen. Im ersten Rechtszug hatte die Beklagte die aus den jeweiligen Rechnungen ersichtlichen „Vereinbarungen“ nicht bestritten, obwohl sie sich insbesondere in der Klageerwiderung dezidiert mit den einzelnen Rechnungen befasst hatte (S. 3 bis S. 5 der Klageerwiderung, Bl. 60-62 d. A.). Im Übrigen enthält die Berufungsbegründung insoweit entgegen § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 4 ZPO nicht die Bezeichnung der neuen Angriffs- und Verteidigungsmittel sowie der Tatsachen, auf Grund derer die neuen Angriffs- und Verteidigungsmittel nach § 531 Abs. 2 ZPO zuzulassen sein sollen.
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