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Timestamp: 2016-10-28 21:51:41
Document Index: 205310423

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'Art. 4', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 14', 'BGE', 'BGE', 'Art. 66']

8C_465/2010 (24.11.2010)
8C_465/2010
Der 1954 geborene D.________ war seit 7. Januar 2008 bei der W.________ AG als Kranf�hrer angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Gem�ss Unfallmeldung vom 29. Januar 2009 flog ihm am 1. Dezember 2008 im Rahmen seines Arbeitseinsatzes auf einer Baustelle "ein undefinierbares Teil" ins Auge (Unfallmeldung vom 29. Januar 2009). Dr. med. B.________, Oberarzt, Augenklinik des Spitals X.________, diagnostizierte am 19. Dezember 2008 ein Winkelblockglaukom mit ausgepr�gter subretinaler Blutung am rechten Auge, eine Dislokation der Linse mit Cataracta traumatica am linken Auge und eine beidseitige Engwinkelsituation. Am 3. Februar 2009 f�hrte er ambulant eine Phakoemulsifikation der Linse rechts und eine anteriore Vitrektomie rechts durch. Mit Verf�gung vom 19. Mai 2009 verneinte die SUVA ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mit den Augenbeschwerden rechts unter Hinweis darauf, dass zwischen dem Ereignis vom 1. Dezember 2008 und dem Augenleiden kein sicherer oder wahrscheinlicher Kausalzusammenhang bestehe. Daran hielt sie auf Einsprache hin fest (Einspracheentscheid vom 13. Juli 2009).
Das Versicherungsgericht des Kantons Aargau wies die dagegen erhobene Beschwerde ab (Entscheid vom 22. April 2010).
D.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren mit dem Rechtsbegehren, es sei festzustellen, dass die SUVA im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 1. Dezember 2008 leistungspflichtig sei.
Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen und Grunds�tze zum Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung im Allgemeinen (Art. 6 Abs. 1 UVG), zum Unfallbegriff (Art. 4 ATSG), zum Unfallbegriffsmerkmal der Ungew�hnlichkeit des �usseren Faktors (BGE 134 V 72, 130 V 117), zum Begriff der unfall�hnlichen K�rpersch�digungen, die auch ohne ungew�hnliche �ussere Einwirkung Unf�llen gleichgestellt sind (Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV; BGE 129 V 466), zum Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125) sowie zur Beweismaxime der so genannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde", die eine im Rahmen der freien Beweisw�rdigung zu ber�cksichtigende Entscheidungshilfe darstellt (BGE 121 V 45 E. 2a S. 47), zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Es ist letztinstanzlich zu Recht unbestritten geblieben, dass der Beschwerdef�hrer anl�sslich des Ereignisses vom 1. Dezember 2008 jedenfalls keine unfall�hnliche K�rpersch�digung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV erlitten hat und sein Augenleiden auch keine Berufskrankheit gem�ss Art. 9 UVG in Verbindung mit Art. 14 UVV und Anhang 1 zur UVV darstellt. Umstritten ist einzig, ob von einem Unfall ausgegangen werden muss, und ob die Beschwerdegegnerin in diesem Zusammenhang eine Leistungspflicht trifft.
3.1 In den Akten finden sich unterschiedliche Schilderungen des Ereignisses vom 1. Dezember 2008. W�hrend in der Schadenmeldung der Arbeitgeberin vom 29. Januar 2009 beschrieben wird, es sei dem Beschwerdef�hrer um 13.30 Uhr auf der Baustelle in L._________ ein undefinierbares Teil ins Auge geflogen, als er nach oben zum Kran geschaut habe, wird in der Meldung der Arbeitslosenkasse vom 19. M�rz 2009 angegeben, in Z.________ habe es dem Beschwerdef�hrer w�hrend des "Kranfahrens (...) einfach" einen Schlag ins Auge gegeben, "vielleicht Wind, Regen oder Schnee". Von einem SUVA-Mitarbeiter pers�nlich zum Ereignis vom 1. Dezember 2008 befragt, f�hrte der Versicherte am 23. M�rz 2009 aus, er sei bei seiner Arbeit als Kranf�hrer auf der Baustelle ausgerutscht, auf R�cken und Nacken gefallen und mit dem Hinterkopf heftig auf den Boden aufgeschlagen. Als er sofort wieder aufgestanden sei, habe er auf dem rechten Auge schwarz gesehen; das Sehen habe sich wieder normalisiert, in der Folge sei jedoch das Schwarzsehen diverse Male wieder aufgetreten, weshalb er am 3. Dezember 2008 seinen Hausarzt, Dr. med. O.________, Facharzt FMH f�r Allgemeinmedizin, aufgesucht habe.
Aus den Arztberichten ergibt sich keine Kl�rung. Dr. med. B.________ f�hrt am 19. Dezember 2008 aus, am 1. Dezember 2008 habe der Beschwerdef�hrer beim Mittagessen pl�tzlich "wie Ger�usch und Nebel �ber dem Auge" rechts gehabt, "kein Trauma anamnestisch". Auch Dr. med. O.________ �ussert im �rztlichen Zwischenbericht vom 16. Februar 2009 ausdr�cklich, sein Patient habe initial kein Trauma angegeben; nun sage dieser aber, dass er am 1. Dezember 2008 ausgerutscht und auf den Kopf gefallen sei. Es m�sse "gem�ss Augen�rzten (...) aufgrund der Diagnosen" doch von einem Unfallereignis ausgegangen werden. Damit bezieht sich der Hausarzt wohl auf den Operationsbericht des Dr. med. B.________ vom 9. Februar 2009, in welchem eine vermutlich traumatisch in die Vorderkammer luxierte Augenlinse und eine Glask�rperblutung bei Verdacht auf durchgebrochene SRNV diagnostiziert wird. Am 6. April 2009 stellt Dr. med. B.________ rechts eine ausgepr�gte subretinale Blutung/Glask�rperblutung ungekl�rter Aetiologie, einen Status nach Winkelblockglaukom, Linsenluxation in die Vorderkammer, Phakoemulsifikation der Linse und Avastin-Injektion, links eine Linsensubluxation mit Cataracta traumatica und eine beidseitige Engwinkelsituation fest. Nach der verf�gungsweisen Leistungsverweigerung der SUVA vom 19. Mai 2009 gibt Dr. med. F.________, Leitender Arzt der Augenklinik, Spital X.________, am 25. Mai 2009 an, der Versicherte sei Ende November bei Schneefall und Wind auf der Baustelle ausgeglitten und auf den Hinterkopf gest�rzt. Dabei sei es zu einer schlagartigen Verdunkelung des rechten Auges infolge einer pr�retinalen Blutung gekommen. Im weiteren Verlauf sei die Linsenluxation in die Vorderkammer mit akutem Anstieg des Augeninnendruckes aufgetreten. Die intraokulare Blutung sei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit traumatischen Ursprungs. Die Luxation der Linse sei m�glicherweise durch eine vorbestehende Zonulaschw�che mitbedingt.
3.2.1 Die SUVA l�sst im Einspracheentscheid vom 13. Juli 2009 offen, auf welche Schilderung sie abstellt. Sie lehnt unter Verweis auf die Stellungnahmen des Kreisarztes Dr. med. univ. R.________ vom 3. April 2009 und des Dr. med. S.________, Facharzt f�r Ophthalmologie und Ophthalmochirurgie FMH, SUVA-Versicherungsmedizin, vom 4. Mai 2009 einen Kausalzusammenhang "im medizinisch-naturwissenschaftlichen Sinn" zwischen dem Ereignis vom 1. Dezember 2008 und den Augenbeschwerden ab und verneint demzufolge ihre Leistungspflicht.
3.2.2 Im angefochtenen Gerichtsentscheid wird die Schilderung im Bericht des Dr. med. B.________ vom 19. Dezember 2008 als relevant erachtet, wonach der Versicherte am 1. Dezember 2008 beim Mittagessen pl�tzlich ein Ger�usch vernommen und danach Nebel �ber dem Auge rechts gesehen habe. Dies sei die in zeitlicher Hinsicht erste - und mit Blick auf die Beweismaxime der spontanen "Aussagen der ersten Stunde" einzig relevante - Angabe zum Unfallhergang. Der behandelnde Arzt habe die festgestellten Augenbeschwerden im gleichen Bericht nachvollziehbar auf eine unkontrollierte Gef�ssneubildung/-wucherung mit Durchbruch zur�ckgef�hrt und eine traumatisch bedingte Blutung ausgeschlossen. Das Ereignis vom 1. Dezember 2008 erf�lle den Unfallbegriff nicht und die aufgetretene Augensch�digung (rechts und links) habe zufolge Fehlens einer �usseren Einwirkung als krankheitsbedingt zu gelten, weshalb die Unfallversicherung ihre Leistungen zu Recht verweigert habe.
3.2.3 Der Beschwerdef�hrer ist der Ansicht, die Vorinstanz habe den Sachverhalt nicht richtig festgestellt. Entgegen ihrer Auffassung liege keine spontane und verl�ssliche Aussage der ersten Stunde vor. Die beiden Schadenmeldungen vom 29. Januar und 19. M�rz 2009 seien nicht von ihm verfasst worden und die Beurteilung des Dr. med. B.________ vom 19. Dezember 2009 (recte: 2008) sei unvollst�ndig. Demzufolge liege mit der Schilderung des Vorgangs durch den Versicherten vom 23. M�rz 2009 die erste verl�ssliche Aussage vor, welche im �brigen durch seine Angaben gegen�ber Dr. med. O.________ best�tigt werde. Darauf sei abzustellen, womit der Unfallbegriff erf�llt und die Beschwerdegegnerin leistungspflichtig sei.
3.3 Welche der erheblich voneinander abweichenden Hergangsbeschreibungen zutrifft, kann allerdings offenbleiben. Selbst wenn n�mlich der Beurteilung die Schilderung des Beschwerdef�hrers vom 23. M�rz 2009 zugrunde gelegt wird, besteht zufolge Fehlens eines nat�rlichen Kausalzusammenhangs zwischen Augenbeschwerden und Ereignis vom 1. Dezember 2008 keine Leistungspflicht der Unfallversicherung, wie sich nachfolgend (E. 4 hiernach) zeigt.
4.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gem�ss UVG setzt unter anderem voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod) ein nat�rlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des nat�rlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umst�nde, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist f�r die Bejahung des nat�rlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher St�rungen ist; es gen�gt, dass das sch�digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die k�rperliche oder geistige Integrit�t der versicherten Person beeintr�chtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche St�rung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181, 402 E. 4.3.1 S. 406; 119 V 335 E. 1 S. 337).
Ob zwischen einem sch�digenden Ereignis und einer gesundheitlichen St�rung ein nat�rlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, wor�ber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweisw�rdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse M�glichkeit eines Zusammenhangs gen�gt f�r die Begr�ndung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181, 402 E. 4.3.1 S. 406; 119 V 335 E. 1 S. 338). F�r die Feststellung nat�rlicher Kausalzusammenh�nge im Bereich der Medizin ist die Verwaltung bzw. das Gericht bisweilen auf Angaben �rztlicher Fachpersonen angewiesen.
4.2 In seiner Stellungnahme vom 3. April 2009 verneint Kreisarzt Dr. med. univ. R.________ die nat�rliche Kausalit�t f�r die ausgepr�gte subretinale Blutung, das Winkelblockglaukom und die Dislokation der Linse mit Cataracta traumatica rechts, weil mit Blick auf den geschilderten Unfallhergang mit heftigem Aufprall auf R�cken und Hinterkopf nicht erkl�rbar sei, dass keine Verletzungen am R�cken oder Hinterkopf beklagt und diagnostiziert worden seien, und anamnestische Angaben dazu in den Arztberichten fehlten. Dr. med. S.________ erachtet in seiner �rztlichen Beurteilung vom 4. Mai 2009 einen Zusammenhang zwischen dem Ereignis vom 1. Dezember 2008 und den Augenproblemen beidseits als "�berwiegend unwahrscheinlich". Ein direktes Augentrauma k�nne ausgeschlossen werden und ein indirektes Augentrauma sei nicht geeignet, die vorliegende Subluxierung in die Vorderkammer zu verursachen. Bei einem Aufschlag auf den Hinterkopf sei eher eine Subluxation nach hinten in den Glask�rper zu erwarten.
Weder Dr. med. O.________ noch Frau Dr. med. K.________, Fach�rztin f�r Augenkrankheiten FMH, oder Dr. med. B.________, welche vom Versicherten allesamt am 3. Dezember 2008 nacheinander konsultiert worden waren, berichten von Verletzungen an Hinterkopf oder R�cken. Sowohl Dr. med. O.________ als auch Dr. med. B.________ schlossen zudem anf�nglich eine traumatische Einwirkung ausdr�cklich aus. Der Versicherte arbeitete im �brigen nach dem Ereignis vom 1. Dezember 2008 (Montag), welches sich gem�ss Schadenmeldungen vom 29. Januar 2009 und 19. M�rz 2009 um 13.30 Uhr oder, gest�tzt auf die Schilderung des Beschwerdef�hrers vom 23. M�rz 2009, am Morgen zugetragen haben soll, bis Feierabend weiter und unterbrach seine Kranf�hrert�tigkeit auch am Dienstag, 2. Dezember 2008, nicht. Erst am Mittwoch, 3. Dezember 2008, suchte er - allein wegen der Augenproblematik - �rztlichen Rat. Sollte sich am 1. Dezember 2008 tats�chlich ein Sturz ereignet haben, so war er mit Blick auf diese Umst�nde und gest�tzt auf die medizinischen Er�rterungen des Dr. med. univ. R.________ und des Dr. med. S.________ jedenfalls nicht schwer und demgem�ss ungeeignet, die Augenproblematik auszul�sen oder zu beeinflussen. Weshalb die Augenbeschwerden durch einen Sturz mit R�cken- und Hinterkopfaufprall, welcher offenbar - so ist aus dem Verhalten des Beschwerdef�hrers nach dem Ereignis selber und anl�sslich der Konsultationen bei den medizinischen Fachpersonen zu schliessen - keine erw�hnenswerten Spuren und Schmerzen zur�ckgelassen hat, ausgel�st worden sein sollen, wird von Dr. med. F.________ (welcher in seinem Schreiben vom 25. Mai 2009 ohne weitere Erkl�rung "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" von einem traumatischen Ursprung der intraokularen Blutung ausgeht) nicht erl�utert. Dr. med. O.________ stellt bei seiner nachtr�glichen Vermutung eines Unfallereignisses als ausl�sender Faktor bez�glich der Augenbeschwerden lediglich auf die Diagnose der "Augen�rzte" ab (�rztlicher Zwischenbericht vom 16. Februar 2009). Allein die Behauptung des Dr. med. F.________, der Umstand, dass Dr. med. B.________ im Operationsbericht vom 9. Februar 2009 eine traumatisch in die Vorderkammer luxierte Augenlinse vermutet, und die Tatsache, dass Dr. med. O.________ wie auch Frau Dr. med. K.________ diese Vermutung ohne weitere Erkl�rung in ihren �rztlichen Zwischenberichten vom 16. Februar und 3. M�rz 2009 �bernehmen, verm�gen allerdings die schl�ssigen Angaben des Dr. med. univ. R.________ und des Dr. med. S.________ nicht zu entkr�ften.
4.3 Gest�tzt auf die nachvollziehbaren und schl�ssigen medizinischen Einsch�tzungen des Dr. med. univ. R.________ vom 3. April 2009 und des Dr. med. S.________ vom 4. Mai 2009 muss demgem�ss der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen dem behaupteten Ereignis vom 1. Dezember 2008 und den Augenbeschwerden verneint werden. Vorinstanz und Verwaltung haben deshalb die Leistungspflicht der Unfallversicherung zu Recht abgelehnt.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend tr�gt der Beschwerdef�hrer die Gerichtskosten (Art. 66 Abs. 1 BGG).