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Timestamp: 2019-01-16 03:38:19
Document Index: 197400586

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 8', '§ 4', '§ 69', '§ 4', '§ 8', '§ 4', '§ 10', '§ 10']

BMF v. 13.11.2014 - IV C 2 - S 2742-a/07/10001 :009 - NWB Datenbank
BMF v. 13.11.2014 - IV C 2 - S 2742-a/07/10001 :009 BStBl 2014 I S. 1516
Aussetzung der Vollziehung wegen ernstlicher Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der sog. Zinsschranke (§ 4h EStG, § 8a KStG); BFH-Beschluss vom 18. Dezember 2013, I B 85/13, BStBl 2014 II S. 947
Der Bundesfinanzhof hat am 18. Dezember 2013 – I B 85/13 – in einem Verfahren zum vorläufigen Rechtsschutz entschieden, dass Zweifel an der Verfassungskonformität der Einschränkung des Betriebsausgabenabzugs für Zinsaufwendungen gemäß § 4h EStG (sog. Zinsschranke) bestehen, und deshalb die Aussetzung der Vollziehung eines Steuerbescheids nach § 69 Absatz 2 Satz 2 i. V. m. Absatz 3 Satz 1 FGO gewährt.
Die vom Bundesfinanzhof geäußerten Zweifel an der Verfassungskonformität der Vorschriften des § 4h EStG und § 8a KStG sind nicht berechtigt. Der Bundesfinanzhof begründet seine Zweifel mit einem Verstoß gegen das objektive Nettoprinzip und das Folgerichtigkeitsgebot (Artikel 3 GG). Hierbei verkennt der Bundesfinanzhof, dass ein Verstoß gegen das objektive Nettoprinzip – unabhängig von weiteren sachlichen Gründen, die eine Abweichung davon erlauben würden – schon insofern vermieden wird, als die Zinsschranke ohnehin veranlagungszeitraumübergreifend konzipiert ist. Zinsaufwendungen sind aufgrund der Vortragsmöglichkeit nach § 4h Absatz 1 Satz 5 EStG allenfalls vorübergehend nicht abziehbar. Die Entscheidung steht insoweit in Widerspruch zu anderen aktuellen Entscheidungen des Bundesfinanzhofs zur Mindestgewinnbesteuerung nach § 10d Absatz 2 Satz 1 EStG bzw. § 10a Satz 2 GewStG (vgl. BFH-Urteile vom 22. August 2012, I R 9/11 , BStBl 2013 II S. 512; vom 20. September 2012, IV R 36/10 , BStBl 2013 II S. 498 und IV R 29/10 , BStBl 2013 II S. 505; sowie vom 3. Januar 2013, I R 35/12 , BStBl 2013 II S. 508).
Überdies hat bislang kein Finanzgericht (auch nicht der Bundesfinanzhof) die Regelung der Zinsschranke gemäß Artikel 100 GG dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vorgelegt. Die beiden – soweit ersichtlich einzigen – hierzu ergangenen erstinstanzlichen Hauptsacheentscheidungen sprechen sich für die Verfassungskonformität der Zinsschranke aus ( Urteile des FG Baden-Württemberg vom 26. November 2012 6 K 3390/11 , DStRE 2014 S. 452 [Revision anhängig unter I R 2/13 ] sowie des Niedersächsischen FG vom 11. Juli 2013, 6 K 226/11 , EFG 2013 S. 1790 [Revision anhängig unter I R 57/13 ]).
Selbst in der – hier derzeit nicht gegebenen – Situation eines anhängigen konkreten Normenkontrollverfahrens nach Artikel 100 Absatz 1 GG vor dem Bundesverfassungsgericht kann im Hinblick auf den Geltungsanspruch jedes formell verfassungsgemäß zustande gekommenen Gesetzes eine Aussetzung der Vollziehung nur bei einem besonderen berechtigten Interesse des Steuerpflichtigen gewährt werden.
Bei der Prüfung, ob ein berechtigtes Interesse des Steuerpflichtigen an der Aussetzung bzw. der Aufhebung der Vollziehung eines Steuerbescheids vorliegt, ist das individuelle Interesse des Steuerpflichtigen mit den gegen die Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes sprechenden öffentlichen Belangen abzuwägen. Dabei kommt es maßgeblich einerseits auf die Bedeutung und die Schwere des durch die Vollziehung des angefochtenen Steuerbescheids eintretenden Eingriffs beim Steuerpflichtigen und andererseits auf die Auswirkungen einer Aussetzung bzw. Aufhebung der Vollziehung auf den Gesetzesvollzug und das öffentliche Interesse an einer geordneten Haushaltsführung an ( BFH-Beschlüsse vom 20. Juli 1990, III B 144/89 , BStBl 1991 II S. 104; vom 27. August 2002, XI B 94/02 , BStBl 2003 II S. 18; vom 11. Juni 2003, IX B 16/03 , BStBl 2003 II S. 663; vom 1. April 2010, II B 168/09 , BStBl 2010 II S. 558; vom 9. März 2012, VII B 171/11 , BStBl 2012 II S. 418; und vom 13. März 2012, I B 111/11 , BStBl 2012 II S. 611).
Die vom Bundesfinanzhof in der Entscheidung vom 18. Dezember 2013 – I B 85/13 – vorgenommene „Interessenabwägung” stellt entscheidend auf das öffentliche Interesse an einer geordneten Haushaltsführung ab, das seines Erachtens im Hinblick auf die Zinsschranke vergleichsweise gering zu gewichten sei. Die Gefahren für die öffentlichen Haushalte sind aber schon deshalb nicht als gering einzustufen, weil sich die finanziellen Auswirkungen bis zum Vorliegen einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts seit dem Veranlagungszeitraum 2008 über etliche Jahre aufsummieren würden.
Diese Entscheidung steht damit insbesondere in Widerspruch zu aktuellen Entscheidungen anderer Senate des Bundesfinanzhofs. So hat der II. Senat in einem Verfahren zur Erbschaftsteuer im Hinblick auf den hohen Barwert einer vermachten Rente ausdrücklich auch darauf abgestellt, dass der Steuerpflichtige mangels des Erwerbs liquider Mittel (wie z. B. Bargeld) zur Entrichtung der festgesetzten Erbschaftsteuer eigenes Vermögen hätte einsetzen oder die erworbenen Vermögensgegenstände hätte veräußern oder belasten müssen ( BFH vom 21. November 2013, II B 46/13 , BStBl 2014 II S. 263; ähnlich auch BFH vom 1. April 2010, II B 168/09 , BStBl 2010 II S. 558). In einem Verfahren zur Kernbrennstoffsteuer hat der VII. Senat ausdrücklich verlangt, dass „durch die sofortige Vollziehung der angefochtenen Steueranmeldung irreparable Nachteile oder eine unzumutbare Härte drohen würden” ( BFH-Beschluss vom 9. März 2012, VII B 171/11 , BStBl 2012 II S. 418).
BMF v. 13.11.2014 - IV C 2 - S 2742-a/07/10001 :009
BStBl 2014 I Seite 1516
[EAAAE-79681]
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