Source: http://www.jurablogs.com/2016/09/19/ein-internet-kunde-kann-sich-bei-einem-aufgrund-fehlerhafter-kalkulation-mit-einem-deutlich-zu-niedrigen-preis-ausgezeichneten-vertragsgegenstand-nach-ss-242-bgb-jedenfalls-dann-nicht-auf-den-vertrag-berufen-wenn-er-bei-vertragsschluss-die-fehlerhafte-preisangabe-positiv-erkannt-hat-und-die-vertragsdurchfuehrung-fuer-den-verkaeufer-schlechthin-unzumutbar-ist
Timestamp: 2016-09-28 10:15:33
Document Index: 367208687

Matched Legal Cases: ['§ 242', '§ 312', '§ 133', '§ 312', '§ 312', '§ 242', '§ 242']

BlogsRechtsanwaltitSeptember 2016Ein Internet-Kunde kann sich bei einem aufgrund fehlerhafter Kalkulation mit einem deutlich zu niedrigen Preis ausgezeichneten Vertragsgegenstand nach § 242 BGB jedenfalls dann nicht auf den Vertrag berufen, wenn er bei Vertragsschluss die fehlerhafte Preisangabe positiv erkannt hat und die Vertragsdurchführung für den Verkäufer schlechthin unzumutbar ist.1. Ob eine per Email dem Kunden übersandte automatische Antwort neben der Wissenserklärung des § 312i Abs. 1 Nr. 3 BGB zugleich auch eine auf die Vertragsannahme gerichtete Willenserklärung beinhaltet, ist durch Auslegung nach §§ 133, 157 BGB zu ermitteln. 2. Eine mit „Auftragsbestätigung“ überschriebene automatische Email, die eine Wissenserklärung nach § 312i Abs. 1 Nr. 3 BGB beinhaltet, ist regelmäßig zugleich als eine auf die Vertragsannahme gerichtete Willenserklärung auszulegen. 3. Die in einer Wissenserklärung nach § 312i Abs. 1 Nr. 3 BGB enthaltene Erklärung „Vielen Dank für Ihren Auftrag. Wir werden Ihre Bestellung umgehend bearbeiten.“ lässt im Rahmen der Auslegung regelmäßig den Schluss zu, dass damit zugleich eine auf die Vertragsannahme gerichtete Willenserklärung abgegeben ist (anders OLG Nürnberg, Beschluss vom 10.06.2009, 14 U 622/09; OLG Oldenburg, Beschlüsse vom 12.06.2008 und 04.07.2008, 5 U 92/08). 4. Die Anfechtung eines aufgrund einer fehlerhaften Preisauszeichnung in einem Online-Shop zu Stande gekommenen Vertrages wegen Erklärungsirrtums setzt neben der Darlegung einer ungewollten Preisangabe auch die konkrete Darlegung voraus, dass das Auseinanderfallen des inneren Willens und des äußeren Erklärungstatbestandes auf einem Fehler bei der Dateneingabe oder weiterleitung beruht, da andernfalls auch ein nicht zur Anfechtung berechtigender Kalkulationsirrtum in Betracht kommt. 5.Der über einen Online-Shop abschließende Kunde kann sich bei einem aufgrund fehlerhafter Kalkulation mit einem deutlich zu niedrigen Preis ausgezeichneten Vertragsgegenstand nach § 242 BGB jedenfalls dann nicht auf den Vertrag berufen, wenn er bei Vertragsschluss die fehlerhafte Preisangabe positiv erkannt hat und die Vertragsdurchführung für den Verkäufer schlechthin unzumutbar ist. Das bloße Erkennen der fehlerhaften Preisangabe allein reicht zur Annahme eines Rechtsmissbrauchs hingegen nicht aus (anders OLG München, Beschluss vom 15 ...Zum vollständigen Artikel8 verwandte ArtikelFehlerhafte Preisauszeichnung im Online-Shop: Durchsetzung eines vertraglichen Anspruchs kann rechtsmissbräuchlich seinOLG Düsseldorf: Kein Lieferanspruch bei einem offensichtlichen Computerfehler bei der Preisangabe in einem Online-ShopOLG Düsseldorf: Kein Lieferanspruch bei falscher Preisauszeichnung eines Online-HändlersGründe um einen Vertrag anzufechtenOLG Düsseldorf: Kein Lieferanspruch gegen Online-Shop bei fehlerhafter Kaufpreis-Auszeichnung aufgrund Computer-FehlerAG München: (K)ein Vertragsschluss im eShop?!Tippfehler im Online-ShopOLG Nürnberg: Offensichtlich falsche Preisangaben binden Onlinehändler nichtÜber den ArtikelVeröffentlicht September 19, 2016 3:59pm im Blog Rechtsanwaltit.ThemenInternetrecht, It Recht, Olg Düsseldorf, It Verträge, It Vertragsrecht, Online Shop, § 242 Bgb, Unzumutbarkeit, Lg Wuppertal, Kalkulationsirrtum, Vertragsschluss Im InternetTäglich juristische Top-MeldundenMehr Informationen zum NewsletterTop-MeldungenWeiteresLieber manchmal schmunzeln statt vorschnell abmahnenvon Thorsten Blaufelder / Kanzlei BlaufelderZwei Bauern aus Bayern, eine Kröte und 50 Markvon Thorsten Blaufelder / Kanzlei BlaufelderDas beA kommt wirklich: BMJ als weißer Ritter, Bundesrat als Knappevon AnwVS - Anwaltliche VerrechnungsstelleMuss Fußballfan 30.000 EUR wegen eines Böllerwurfs zahlen?!von Thorsten Blaufelder / Kanzlei BlaufelderAngeklagter mit offener Tuberkulose, oder: Zwangs-Bronchonskopie – geht das?von Detlef Burhoff / Burhoff online BlogAls nächstes lesen - bislang 203 Leser:Zwei Bauern aus Bayern, eine Kröte und 50 Mark