Source: https://m.bpb.de/politik/innenpolitik/arbeitsmarktpolitik/187854/foerderung-der-berufsausbildung
Timestamp: 2020-06-01 08:46:00
Document Index: 259467887

Matched Legal Cases: ['§ 48', '§ 48', '§ 51', '§ 73', '§ 48', '§ 49', '§ 51', '§ 53', '§ 51', '§ 54', '§ 73', '§ 75', '§ 74', '§ 74']

Frank Oschmiansky, Kathrin Schultheis, Stefan Sell
Berufsberatung und Berufsorientierung heute
Die Bundesagentur für Arbeit – neben zum Teil vielen anderen Akteuren - unterstützt die Jugendlichen schon während der Schulzeit bei der Berufswahl. Berufsorientierung gibt es dabei als schulisches und außerschulisches Angebot. Neben Gruppeninformationen an den Schulen, Besuchen im Berufsinformationszentrum (BIZ) und individuellen Beratungsgesprächen bietet die Bundesagentur für Arbeit (BA) ein breites Spektrum an berufskundlichen Medien, Eignungstests und Informationen rund um die Bewerbung an. Zahlreiche Informationsangebote für Eltern und Lehrer sowie Vorträge und Workshops ergänzen die Palette.
Kernstück der Berufsberatung ist das persönliche Gespräch mit den Jugendlichen. Im Mittelpunkt der Beratungsgespräche stehen zum einen die Neigungen, Interessen, Fähigkeiten und Leistungen der Jugendlichen. Zum anderen informieren die Berater/-innen über Ausbildungsberufe und Studiengänge, stellen auch weniger bekannte Alternativen vor und beraten über Chancen und Risiken auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Noch immer ist es nämlich nur eine geringe Anzahl von unterschiedlichen Berufen, die auf dem "Wunschzettel" der Ausbildungsstellensuchenden steht.
Vermittlungswünsche der Ausbildungsstellensuchenden 2012/13, nach Geschlecht
Medizinische Fachangestellte KFZ-Mechatroniker – PKW-Technik
Bürokauffrau	 Kaufmann im Einzelhandel
Verkäuferin	 Industriemechaniker
Kauffrau im Einzelhandel	 Verkäufer
Industriekauffrau Bürokaufmann
Friseurin	 Industriekaufmann
Zahnmedizinische Fachangestellte	 Tischler
Kauffrau für Bürokommunikation	 Fachkraft für Lagerlogistik
Bankkauffrau	 Fachlagerist
Hotelfachfrau	 Mechatroniker
Quelle: Bundesagentur für Arbeit 2013
Unbesetzt bleiben häufig Ausbildungsstellen im Bereich Lebensmittelhandwerk wie Koch/Köchin, Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk, Bäcker/-in, Fleischer/-in und Stellen im Gastgewerbe.
Für einen Teil der Jugendlichen ist die "erste Schwelle" von der Schule in einen Ausbildungsplatz eine hohe Hürde. Vor allem, wenn die Schulnoten schlecht oder die Sprachkenntnisse nicht ausreichend sind, gelingt der Wechsel von der Schule in die Berufsausbildung nur mit großen Schwierigkeiten. Deshalb richtet die BA besonderes Augenmerk auf Schul- und Ausbildungsabbrecher, Jugendliche mit Migrationshintergrund, sozial Benachteiligte, behinderte Jugendliche, Rehabilitanden und Jugendliche, die schon in früheren Jahren vergeblich eine Ausbildungsstelle gesucht haben. Die Jugendlichen können bei Bedarf mit Fördermaßnahmen unterstützt werden. Einige Förderinstrumente werden im Folgenden kurz beschrieben. Fördermaßnahmen der BA richten sich überwiegend an Jugendliche, die als "nicht ausbildungsreif" gelten. Im Gesetzestext ist diesbezüglich von besonders förderungsbedürftigen jungen Menschen die Rede. Der Begriff der Ausbildungsreife ist umstritten, wie an dieser Stelle nachgelesen werden kann.
Fördermaßnahmen/-programme
Die Maßnahmen zur Berufswahl nach dem SGB III sind in §§ 48 ff. SGB III geregelt. Sie gliedern sich in Maßnahmen zum Übergang von der Schule in den Beruf (§§ 48 f. SGB III), Maßnahmen zur Berufsvorbereitung (§§ 51 ff.) und ausbildungsbegleitende Maßnahmen (§ 73 ff.). Die Maßnahmen sind teilweise dem Übergangssystem zuzurechnen, welches hier vorgestellt wird.
Maßnahmen zur Berufsorientierung nach § 48 SGB III sollen Jugendlichen, die noch keine Entscheidung über ihre Berufswahl getroffen haben, eine vertiefte Berufsorientierung ermöglichen. Die BA beteiligt sich an den Kosten für Maßnahmen zur Berufsorientierung hälftig. Die andere Hälfte der Kosten wird von Dritten, zum Beispiel Schulen oder Bildungsträgern getragen. Die Teilnahme an Maßnahmen der Berufsorientierung ist für die Jugendlichen kostenfrei.
Um besonders förderungsbedürftigen jungen Menschen den Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung zu erleichtern, können zudem Berufseinstiegsbegleiter/-innen eingesetzt werden (§ 49 SGB III). Die Berufseinstiegsbegleitung hat zum Ziel, die Chancen leistungsschwächerer Schüler/-innen auf Integration in den Ausbildungsmarkt zu erhöhen. Sie basiert auf dem Konzept der frühzeitigen und lückenlosen Begleitung durch professionelle, berufs- und lebenserfahrene Ausbildungspaten. Das Angebot umfasst die Zeit von der Vorabgangsklasse bis zur Einmündung in die Ausbildung. Es endet ein halbes Jahr nach Ausbildungsbeginn, spätestens aber 24 Monate nach Beendigung der allgemeinbildenden Schule. Dieses Arrangement soll den Aufbau eines vertrauensvollen Verhältnisses zwischen Jugendlichen und Paten ermöglichen, auf dessen Grundlage die Paten Unterstützung bei allen Stationen des Berufsfindungs- und Einmündungsprozesses leisten (Berufsorientierung, Berufswahl, Ausbildungsbefähigung, Bewerbungsprozess, Ausbildungsbeginn).
Ein zentrales Förderinstrument nach dem SGB III sind Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) (§ 51 ff. SGB III). Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen haben die Funktion, die Ausbildungsfähigkeit (Ausbildungsreife) herzustellen oder sie dienen der beruflichen Eingliederung. Eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme kann gefördert werden, wenn sie
nach Ausbildung und Berufserfahrung des Leiters und des Ausbildungs- und Betreuungspersonals, Gestaltung des Lehrplans, Unterrichtsmethode und Güte der zum Einsatz vorgesehenen Lehr- und Lernmittel eine erfolgreiche berufliche Bildung erwarten lässt.
Von der Konzeption her sind BvB eine Mischung aus praktisch-anwendungsbezogenen und theoretischen Elementen. Nach § 53 SGB III haben förderungsbedürftige jungen Menschen das Recht, einen Hauptschulabschluss nachzuholen und durch die Bundesagentur für Arbeit hierzu gefördert zu werden. Die Leistung wird jedoch nur dann erbracht, wenn nicht Dritte eine gleiche Förderung erbringen. Aus diesem Grund können BvB nicht nur zur Erleichterung der beruflichen Eingliederung auch allgemeinbildende Fächer enthalten, sie können auch auf den nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses vorbereiten.
2012 legt die Bundesagentur für Arbeit ein neues Fachkonzept für die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen vor. Die Inhalte von BvB umfassen demnach
Berufsorientierung/Berufswahl,
berufliche Grundfertigkeiten,
Grundlagenqualifizierung IT- und Medienkompetenz,
arbeitsplatzbezogene Einarbeitung,
einen allgemeinen Grundlagenbereich und nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses bzw. eines gleichwertigen Schulabschlusses
Mobilitätstraining,
zielgruppenspezifische Angebote (z. B. Frauenförderung) und
Gendertraining.
Quellen: Bundesagentur für Arbeit (2012): Fachkonzept für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen nach §§ 51 ff. SGB III (BvB 1 bis 3) (November 2012)
2007 wurde mit der Einstiegsqualifizierung ein neues Förderinstrument in das SGB III aufgenommen. Sie startete 2004 als Sonderprogramm des Bundes im Rahmen des "Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland". Wesentliches Ziel war die von den Spitzenverbänden der Wirtschaft zugesagte Steigerung der Ausbildungsleistung durch die Einwerbung von 30.000 neuen Ausbildungsplätzen jährlich. Flankiert wurde dieses Ziel durch die Einführung der betrieblichen Einstiegsqualifizierung Jugendlicher. Die Wirtschaftsvertreter verpflichteten sich, für die Dauer des Paktes jährlich 25.000 Plätze für eine Einstiegsqualifizierung bereitzustellen; die Bundesregierung sagte im Gegenzug zu, den Betrieben die Vergütung der Praktikanten sowie pauschaliert die Sozialversicherungsbeiträge zu erstatten. Die Praktikumsvergütung konnte mit bis zu 192 Euro monatlich zuzüglich des pauschalierten Sozialversicherungsbeitrages gefördert werden. Seit Oktober 2007 werden Einstiegsqualifizierungen durch die Agenturen für Arbeit und die Träger der Grundsicherung für Arbeitsuchende als gesetzliche Regelleistung (§ 54a SGB III) gefördert. Derzeit beträgt die monatliche Förderung 216 Euro zuzüglich der pauschalisierten Sozialversicherungsbeiträge. Die Einstiegsqualifizierung wird für die Dauer von sechs bis zwölf Monaten gefördert. Eine einschlägige Einstiegsqualifizierung kann auf die Berufsausbildung angerechnet werden und ihre Gesamtdauer verkürzen. Ein Rechtsanspruch auf die Anrechnung existiert jedoch nicht.
Förderung der Berufsausbildung für besonders förderungsbedürftige junge Menschen
Jugendliche und junge Erwachsene, die einen besonderen Förderungsbedarf aufweisen, um eine Ausbildungsstelle oder einen Ausbildungsabschluss erreichen zu können, können hierfür eine Förderung durch die Agenturen für Arbeit erhalten. Die Leistungen werden größtenteils den Ausbildungsbetrieben gewährt und insbesondere finanzielle Leistungen überwiegend nicht an die Auszubildenden ausgezahlt. Die Leistungen sind in § 73 ff. SGB III gesetzlich geregelt.
Einen Zuschuss zur Ausbildungsvergütung können Betriebe erhalten, die behinderte oder schwerbehinderte Menschen ausbilden, die die Ausbildung ohne die Zuschüsse nicht erfolgreich abschließen können. Den Betrieben kann 60 % der Ausbildungsvergütung (80 % bei schwerbehinderten Auszubildenden) zuzüglich eines pauschalierten Beitrags für die Sozialversicherungsbeiträge erstattet werden.
Junge Menschen können während ihrer Berufsausbildung ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) erhalten, wenn der Ausbildungsabschluss gefährdet ist. Nach § 75 SGB III können als ausbildungsbegleitende Hilfen Maßnahmen
zur Förderung fachpraktischer und fachtheoretischer Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten und
gewährt werden. Diese Maßnahmen werden zumeist von Bildungsträgern erbracht, deren Kosten nach § 74 SGB III bei Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen durch die Agentur für Arbeit erstattet werden. Eine klassische Form der abH ist der außerschulische Nachhilfeunterricht für Berufsschüler/-innen.
Eintritte in Maßnahmen der Berufsausbildung 2012, nach Geschlecht ( Grafik zum Download 52 KB) (© bpb)
Wenn Träger junge Menschen in einer außerbetrieblichen Einrichtung ausbilden (Berufsausbildung in einer außerbetrieblichen Einrichtung (BaE)), die Ausbildung also durch Beschäftigte des Trägers durchgeführt wird, weil kein Ausbildungsvertrag mit einem Ausbildungsbetrieb erreicht werden konnte, können die Maßnahmeträger durch die Agenturen für Arbeit eine Kostenerstattung für ihre Maßnahmekosten erhalten (§ 74 SGB III). Es wird ein frühzeitiger Übergang in eine betriebliche Ausbildung, möglichst bereits im ersten Ausbildungsjahr, angestrebt. Gelingt der Übergang nicht, wird die Ausbildung bis zum Abschluss außerbetrieblich fortgeführt. Für die Durchführung erhalten die Bildungsträger die erforderlichen Maßnahmekosten sowie Zuschüsse zu der vom Bildungsträger an die Auszubildenden bezahlte Ausbildungsvergütung.
Die Förderaktivitäten auf der Länderebene werden maßgeblich durch die Richtlinien der EU zur Verwendung der Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) bestimmt und werden in den operationellen Programmen der Länder unter verschiedenen strategischen Zielsetzungen angesiedelt. Typisches Merkmal der Förderlandschaft auf Länderebene sind zudem Programme, in denen unterschiedliche Maßnahmen zur Eingliederung Jugendlicher in Ausbildung umgesetzt werden. In nahezu allen Ländern finden sich Initiativen wie beispielsweise das "Fit for Work"-Programm in Bayern oder "Berufswahl Richtig Angehen Frühzeitig Orientieren" in Sachsen-Anhalt, die verschiedene Handlungsansätze, welche zu derselben Zielsetzung beitragen, zusammenfassen. Hierunter fallen beispielsweise Ansätze zum Aufbau von Strukturen zur Jugendförderung, die Unterstützung kleinerer und mittelgroßer Unternehmen bei der Ausbildung im Verbund sowie eine verstärkte Ausbildungsberatung. Zudem werden betriebliche Ausbildungsplätze für förderfähige Jugendliche direkt finanziell bezuschusst und die überbetriebliche Ausbildung gefördert.
Einige Länderministerien legen auch Programme auf, die passgenau auf den besonderen länderspezifischen Bedarf zugeschnitten werden. In den Stadtstaaten, die über einen hohen Ausländeranteil verfügen, werden diese Programme zum Beispiel verstärkt auf Jugendliche mit Migrationshintergrund oder junge Arbeitslosengeld II-Empfänger/-innen ausgerichtet. So implementierte das Land Berlin ein Instrument, welches auf die Integration in Ausbildung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ausgerichtet ist. Dabei sollen der öffentliche Dienst und Unternehmen mit Landesbeteiligung mit gutem Beispiel voran gehen. Viele der neuen Bundesländer verbinden die Programme zur beruflichen Integration von Jugendlichen mit der regionalpolitischen Zielsetzung, der Abwanderung junger Arbeitskräfte in den betroffenen Ländern entgegenzuwirken. Das Land Sachsen-Anhalt führt daher schon seit dem Jahr 2004 ein Programm "Gegen Abwanderung junger Landeskinder" durch und auch die brandenburgischen Programme "LANDaktiv" und "Einstiegszeit für Jugendliche in Brandenburg" sollen verhindern, dass Jugendliche aufgrund drohender Arbeitslosigkeit nach Alternativen in anderen Bundesländern suchen.
Die umfangreichen Maßnahmen, die von EU, Bund, Ländern und Kommunen finanziert und durchgeführt werden haben sich zu einem fast undurchsichtigen Maßnahmendschungel entwickelt. Die Angebote der Förderung beim Übergang von Schule und Berufen sind so vielfältig, dass erste Bundesländer Programme aufgelegt haben, um das Übergangssystem zu systematisieren. Ein Beispiel ist die Landesinitiative Kein Abschluss ohne Anschluss - Übergang Schule - Beruf in NRW (bzw. http://www.berufsorientierung-nrw.de/start/).
Die Berufsausbildung gilt als zentraler Faktor für die niedrige Jugendarbeitslosenquote Deutschlands. Die Förderung der Berufsausbildung ist hingegen umstritten. Wie bereits dargestellt, ist das Konzept der mangelnden Ausbildungsreife ein vielfach diskutiertes. Die Qualität der Förderinstrumente wird ebenfalls kritisch betrachtet. Die fehlende Zertifizierung und Standardisierung von Maßnahmen der Berufsvorbereitung und -orientierung und das unübersichtliche Förderrepertoire (dessen Vielfältigkeit hier nur in Ansätzen wiedergegeben werden konnte) werden häufig kritisch hinterfragt. Die Kritik zielt weiterhin auf die Verteilung der Neuzugänge in die drei Sektoren der Berufsausbildung ab, da lediglich die Hälfte der Ausbildungsverträge derzeit noch im dualen System abgeschlossen wird. Die SPD möchte neben der Akquise neuer Ausbildungsplätze notfalls auch die beruflichen Fördermaßnahmen ausweiten, um jedem Schulabgänger einen Ausbildungsplatz garantieren zu können.
Willy Brase (MdB, SPD)
Mit einer Ausbildungsplatzgarantie will die SPD-Bundestagsfraktion das Übergangssystem perspektivisch überwinden. Zentrale Voraussetzungen dafür sind der systematische Ausbau der persönlichen Begleitung und nachhaltige Beratung an den Schulen, die betriebliche Einstiegsqualifizierung als gezielte Fördermaßnahme und die Weiterentwicklung des regionalen Bildungsmanagements. Im Falle eines zu geringen Ausbildungsplatzangebots wollen wir zur Sicherung des Fachkräftebedarfs gemeinsam mit den Tarifpartnern Branchen- oder Qualifizierungsfonds einrichten.
Die CDU hingegen möchte die Fördermaßnahmen überprüfen und konsolidieren, um die Übersichtlichkeit zu erhöhen und Kosten einzusparen.
Albert Rupprecht (MdB, CSU
Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht. Mit unzähligen Programmen versuchen Bund und Länder seit der Lehrstellenkrise unter Rot-Grün unversorgte Ausbildungsplatzbewerber zu qualifizieren – mit mäßigem Erfolg. Viele, die unter Bundeskanzler Gerhard Schröder die Schule verlassen haben, sind heute noch immer ohne Berufsabschluss und arbeitslos. Bei ihnen hat das Übergangssystem versagt. Daraus müssen wir unsere Lehren ziehen. Das gesamte Übergangssystem gehört auf den Prüfstand. Die Überprüfung und Konsolidierung hat für unsere Arbeitsgruppe höchste Priorität. Ein ‚Weiter So‘ können wir gegenüber den Jugendlichen und auch den Steuerzahlern nicht verantworten.
Unter denjenigen Personen, die das Konzept der (mangelnden Ausbildungsreife) anerkennen wird allgemein befürwortet, dass Jugendliche, die nicht ausbildungsreif sind oder die aus unterschiedlichsten Gründen keine Chance auf einen Ausbildungsplatz haben, in Vorbereitungsmaßnahmen oder außerbetrieblichen Einrichtungen auf die Aufnahme einer Berufsausbildung vorbereitet bzw. ausgebildet werden.
Vergleichsweise unumstritten sind Berufsberatung und Berufsorientierung. Hier keimt ab und an die Frage auf, ob diese überwiegend aus Beitragsmitteln der BA finanziert werden sollen. Zugleich wird darauf verwiesen, dass kaum Analysen zur Qualität vorliegen. Im Koalitionsvertrag für die 18. Legislaturperiode haben sich CDU/CSU und die SPD darauf verständigt bundesweit sog. Jugendberufsagenturen nach Hamburger Vorbild einzuführen.
Die beste und effizienteste Vorsorge gegen Ausbildungsabbrüche und lange Zeiten von Arbeitslosigkeit im Lebensverlauf sind passgenaue und tragfähige Übergänge von der Schule in Ausbildung und Beruf. Daher wollen wir den erfolgreichen Ausbildungs- und Berufseinstieg für leistungsschwache Jugendliche erleichtern und gezielt begleiten.
Flächendeckend einzurichtende Jugendberufsagenturen sollen die Leistungen nach den Sozialgesetzbüchern II, III und VIII für unter 25-Jährige bündeln. Datenschutzrechtliche Klarstellungen sollen den notwendigen Informationsaustausch erleichtern. Junge Menschen, deren Eltern seit Jahren von Grundsicherung leben, sollen gezielt Unterstützung bekommen.
Quelle: Deutschlands Zukunft gestalten. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD 18. Legislaturperiode
In Jugendberufsagenturen sollen für Jugendliche und junge Erwachsenen, die eine Ausbildungsstelle suchen, alle Informationen und Hilfestellungen "unter einem Dach" angeboten werden. Vereinzelt werden Jugendberufsagenturen bereits seit einigen Jahren betrieben. Das erst Ende 2012 errichtete Hamburger Modell der Jugendberufsagentur gilt als Vorzeigemodell. Dort sollen Mitarbeiter/-innen der Arbeitsagenturen, der Jobcenter und der Jugendämter (insbesondere Jugendberufshilfe) die Jugendlichen umfassend beraten und durch Informationsbündelung zur Transparenz des Ausbildungsmarktes beitragen. Die Einrichtung von Jugendberufsagenturen ist nicht verpflichtend. Auch die Zielgruppe, also welche Personen genau die Jugendberufsagenturen in Anspruch nehmen können, soll vor Ort nach den lokalen Gegebenheiten entschieden werden.
Ziel der Einrichtung von Jugendberufsagenturen ist die Verbesserung der Transparenz über das Angebot von Ausbildungsstellen und insbesondere der Förderungen und des Maßnahmeangebots. Zudem soll mit der Einrichtung der Jugendberufsagenturen gewährleistet werden, dass alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen umfassend beraten werden und keine Nachteile für Einzelne aufgrund der unterschiedlichen gesetzlichen Förder- und Zuständigkeitsstrukturen entstehen. Für die Fachkräfte, die in den Jugendberufsagenturen tätig sind, kann ebenfalls eine größere Transparenz geschaffen werden, wenn im Rahmen von gemeinsamen Dienstbesprechungen der Entstehung von Doppelstrukturen vorgebeugt werden kann.
Good Practice Center: Förderung von Benachteiligten in der Berufsbildung mit einem Überblick über die Förderprogramme auf der Bundesebene
Berger, Klaus (2003): Was kostet den Staat die Ausbildungskrise? Umfang und Struktur staatlicher Ausgaben zur Ausbildungsförderung. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, Jg. 32, H. 2. S. 5-9.
BMAS (Hrsg.) (2013): Der ESF informiert: Programme zur Förderung der Eingliederung Jugendlicher in Ausbildung und Beruf. Bonn.
BMBF /Hrsg.) (2012): Berufsbildungsbericht 2012. Bonn.
Eberhard, Verena (2006): Das Konzept der Ausbildungsreife: ein ungeklärtes Konstrukt im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen. Ergebnisse aus dem BIBB. Bonn
Krämer, Reinhard (2001): Die Berufsberatung in Deutschland von den Anfängen bis heute – eine historische Skizze. In: ibv Nr. 16 vom 18.4.2001; S. 1097-1105.
Neubauer, Jennifer (2006): Ausgleich auf dem Ausbildungsmarkt: die Kompensationsleistungen der ausbildungsbezogenen Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit. Nürnberg; Beiträge zur Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Nr. 303.
Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autoren/-innen: Frank Oschmiansky, Kathrin Schultheis, Stefan Sell für bpb.de
Jugendliche im Berufsinformationszentrum BIZ der Agentur für Arbeit in Hannover
Eintritte in Maßnahmen der Berufsausbildung 2012, nach Geschlecht ( Grafik zum Download 52 KB)
Entwicklung der finanziellen Förderung zur Berufsausbildung ( Grafik zum Download 51 KB)