Source: https://judicialis.de/Bundesarbeitsgericht_2-AZR-305-06_Urteil_19.06.2007.html
Timestamp: 2019-06-19 17:12:34
Document Index: 155741763

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 311', '§ 311', '§ 2', 'Art. 234', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 311', '§ 311', '§ 1', '§ 5', '§ 12', '§ 1', '§ 19', '§ 1', '§ 1']

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.06.2007 mit dem Az.: 2 AZR 305/06	/* Banner Ads */
Aktenzeichen: 2 AZR 305/06
Hinweise des Senats: Parallelsachen 19. Juni 2007 - 2 AZR 304/06 - (führend), - 2 AZR AZR 595/06 305/06 - (vorliegend), - 2 AZR 594/06 -
2 AZR 305/06
dd) Die Klägerin ist als Arbeitnehmerin, der gekündigt werden sollte, in der Liste namentlich bezeichnet. Die Namensliste vom 24. September 2004 (Anlage R 3 zur Revisionsbegründung) ist iSv. § 1 Abs. 5 KSchG Bestandteil des Interessenausgleichs vom 1. September 2004.
aa) Der Senat hat vergleichbare Gruppenbildungen wiederholt als unbedenklich angesehen (vgl. zuletzt 9. November 2006 - 2 AZR 509/05 - AP BGB § 311a Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 311a Nr. 1). Ob das Gesetz zur Umsetzung europäischer Richtlinien zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung vom 14. August 2006 (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz - AGG, zuletzt geändert durch Gesetz vom 2. Dezember 2006, BGBl. I S. 2742) Altersgruppenbildung und Berücksichtigung des Lebensalters in der Sozialauswahl schlechthin verbietet, erscheint zweifelhaft, kann aber unbeschadet der Frage, ob § 2 Abs. 4 AGG die Geltung des Gesetzes für Kündigungen überhaupt ausschließt, dahinstehen, da das AGG zum Zeitpunkt der Kündigung noch nicht galt. Die verlängerte Umsetzungsfrist für die hier einschlägige Richtlinie 2000/78/EG des Rates war bei Ausspruch der Kündigung noch nicht abgelaufen. Die Voraussetzungen einer Vorlage nach Art. 234 EG-Vertrag sind nicht gegeben. Ein etwa - inhaltlich mit dem Verbot der Altersdiskriminierung in der Richtlinie 2000/78/EG des Rates übereinstimmender - allgemeiner Grundsatz des Gemeinschaftsrechts (vgl. EuGH 22. November 2005 - C-144/04 - EuGHE I 2005, 9981; vgl. dazu Schlussanträge der Generalanwältin Trstenjak 29. März 2007 - C-80/06 -; skeptisch offenbar: Schlussanträge des Generalanwalts Mazak 15. Februar 2007 - C-411/05 -) steht nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs Regelungen, die an das Lebensalter anknüpfen, nicht im Wege, so lange sie durch legitime Ziele gerechtfertigt sind (EuGH 22. November 2005 - C-144/04 - EuGHE I 2005, 9981). Deren Vorhandensein steht hier nicht im Streit (vgl. auch: Senat 9. November 2006 - 2 AZR 509/05 - AP BGB § 311a BGB Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 311a Nr. 1; 20. April 2005 - 2 AZR 201/04 - NZA 2005, 877).
bb) Für die Wartezeit nach § 1 Abs. 1 KSchG ist der ununterbrochene rechtliche Bestand des Arbeitsverhältnisses mit demselben Arbeitgeber entscheidend (BAG 16. Februar 1995 - 8 AZR 714/93 - BAGE 79, 193 mwN). Dabei sind Zeiten eines früheren Arbeitsverhältnisses mit demselben Arbeitgeber auf die Wartezeit anzurechnen, wenn das neue Arbeitsverhältnis in engem sachlichen Zusammenhang mit dem früheren steht (st. Rspr. vgl. zB BAG 20. August 1998 - 2 AZR 83/98 - BAGE 89, 307 , zu II 1 der Gründe).
(2) Die Eisenbahndienstzeit nach § 5 des Lohntarifvertrags DR (§ 12 AnTV-DR) ist jedoch nicht identisch mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit iSd. § 1 Abs. 3 Satz 1 KSchG. Für die ähnliche Tarifnorm des § 19 BAT-O hat der Senat dies bereits entschieden (6. Februar 2003 - 2 AZR 623/01 - EzA KSchG § 1 Soziale Auswahl Nr. 51). Auch die hier in Rede stehende Tarifnorm dient der Steuerung von Vergütungsansprüchen. Weder greift ihr Wortlaut den Sprachgebrauch in § 1 Abs. 3 Satz 1 KSchG (Dauer der Betriebszugehörigkeit) auf, noch bestehen im Regelungsumfeld der Vorschrift Zusammenhänge mit dem Kündigungsschutzgesetz.