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Timestamp: 2019-09-18 12:07:52
Document Index: 367806572

Matched Legal Cases: ['§ 1379', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 94', 'BGH', '§ 1592', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

FAMILIENRECHT aktuell — Anwaltsbüro Hegarhaus – Freiburg und Lörrach
Auskunftsansprüche im Zugewinnausgleichim Fall der Trennung und Scheidung – Beschluss des KG Berlin, Az.: 13 UF 155/17
Im Falle einer Trennung sind häufig verschiedene Punkte mit wirtschaftlicher Relevanz (Unterhalt, Altersvorsorge, etc.) zu klären. Ein wichtiger Punkt ist das Güterrecht und dabei der häufigste Fall der Ausgleichs des in der Ehezeit erworbenen Zugewinns.
Hier wird der jeweilige Stand des Vermögens des einzelnen Ehegatten zu Beginn der Ehe mit dem Stand am Ende der Ehe verglichen. Rein für die Berechnung kommt es auf den Zeitpunkt der standesamtlichen Eheschließung und den Tag der Zustellung des Scheidungsantrags an. Beide Zeitpunkte sind durch von öffentlichen Stellen erstellte Dokumente (Eheurkunde, Zustellungsnachweis des Scheidungsantrags) genau bestimmbar.
In § 1379 BGB sind die Auskunftsrechte gegenüber dem jeweils anderen Ehegatten geregelt, damit die Ansprüche berechnet werden können.
Um Manipulationen in Vorbereitung eines zu stellenden Scheidungsantrags zu vermeiden, ist in der Vorschrift auch ein Auskunftsrecht zur Kontrolle für den Zeitpunkt der Trennung normiert. Dies, damit die wirtschaftliche Situation zum Trennungszeitpunkt und deren Entwicklung bis zur Zustellung des Scheidungsantrags auf rein zum Nachteil des anderen Ehegatten vorgenommene illoyale Vermögensverschlechterungen hin überprüft werden kann.
Vor dem Hintergrund der rein stichtagsbezogenen Auskünfte scheint eine solche Kontrollmöglichkeit grds. notwendig und sinnvoll.
Im Gegensatz zu den beiden anderen o.g. Stichtagen wird die Trennung in Deutschland aber von keiner öffentlichen Stelle festgestellt oder festgehalten. Soweit also zu diesem Zeitpunkt eine Auskunft begehrt oder benötigt wird, muss der taggenaue Trennungszeitpunkt nachgewiesen werden.
Voraussetzung einer Trennung ist die Aufhebung der häuslichen Gemeinschaft zwischen den Ehegatten und der Wille zumindest eines der Ehegatten, diese auch zukünftig nicht wieder herzustellen.
Zu beiden Punkten, zumindest aber zur Aufhebung der häuslichen Gemeinschaft kann der Nachweis im Bezug auf einen konkreten Zeitpunkt schwer oder nahezu unmöglich werden. Dies insbesondere dann, wenn zur Klärung der Frage der Aufhebung auch die jeweils subjektiven Elemente auf Seiten der beiden Eheleute entscheidend sind und eine Trennung „schleichend“ vollzogen wurde.
Im Ergebnis kann dies dazu führen, dass ein den Kontrollzweck erfüllender Trennungszeitpunkt nicht nachweisbar ist und jegliche Versuche, eine Auskunft zu erlangen, ins Leere laufen.
Zudem ermöglicht die Durchführung eines Verfahrens mit Streit über diesen Zeitpunkt eine erhebliche Einflussnahme auf die Dauer des Scheidungsverfahrens, so dass auch eine Durchführung zu rein taktischen Zwecken möglich ist, da dies auch auf weitere Punkte, wie z.B. den Unterhaltsanspruch, Einfluss haben kann.
Diese gesamte Problematik ist in der o.g. Entscheidung des berliner Kammergerichts deutlich geworden, in der es der Antragstellerin über mehrere Anträge und Jahre hin nicht möglich war, einen konkreten Trennungszeitpunkt nachzuweisen. Das (im Verbund) geführte Ehescheidungsverfahren mit Scheidungsantrag vom 28.02.2014 konnte damit auch durch den zitierten Beschluss nicht abgeschlossen und die Beteiligten nicht geschieden werden. Eine erhebliche Verzögerung des Ausspruchs der Scheidung war und ist die Folge.
Bei den einzelnen taktischen Entscheidungen im Rahmen der Auseinandersetzung um wirtschaftlichen Fragen ist der Auskunftsanspruch zum Trennungszeitpunkt mit all seinen Vor- und Nachteilen stets zu berücksichtigen. Nur eine kompetente Beratung und Begleitung ermöglicht es, die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen oder auf Maßnahmen richtig zu reagieren.
Versorgungsausgleich – Bezugspunkt für die interne Teilung von Anrechten bei laufendem Rentenbezug
(Entscheidung des BGH vom 21.11.2018, gleichlaufend mit der Entscheidung des BGH vom 1.8.2018; siehe auch Beschluss des BGH vom 24.8.2016)
Das Gericht ermittelt den Ausgleichswert einer laufenden kapitalgedeckten Versorgung (hier betriebliche Anrechte bei VW) anhand des noch vorhandenen Restkapitalwerts zeitnah zur Entscheidung über den Versorgungsausgleich oder vorausschauend auf den Zeitpunkt der mutmaßlichen Rechtskraft.
Abweichend vom gesetzlichen Grundsatz, wonach maßgeblicher Zeitpunkt der Bewertung von Versorgungsanrechten, die im Rahmen des Versorgungsausgleichs zu teilen sind, das Ende der Ehezeit ist, gilt bei laufendem Rentenbezug eines solchen Anrechts ein anderer, nämlich späterer, Bewertungszeitpunkt: das Deckungskapital ist hier auf das voraussichtliche Rechtskraftdatum zu ermitteln. Denn wenn aus dem Anrecht bereits eine laufende Rente bezogen wird, kann dem ausgleichsberechtigten Ehegatten nicht mehr der auf das Ende der Ehezeit bemessene volle (und höhere) Ausgleichswert übertragen werden. Deshalb hat der BGH bei Teilung einer laufenden Versorgung gebilligt, den Ausgleichswert anhand des noch vorhandenen Restkapitalwerts zeitnah zur Entscheidung über den Versorgungsausgleich oder vorausschauend auf den Zeitpunkt der mutmaßlichen Rechtskraft zu ermitteln. Der Senat hat hierbei eingeräumt, dass hierin eine Abweichung der eigentlich gebotenen Bewertung des Anrechts zum Stichtag des Ehezeitendes liegt (Stichtag des Ehezeitendes ist der Tag der Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags). Er hat das Hinausschieben des Bewertungszeitpunkts bei laufendem Rentenbezug aus einer kapitalgedeckten Versorgung aber als unvermeidlich angesehen, weil der Versorgungsausgleich entfallen müsse, soweit ein bei Ende der Ehezeit bestehendes Anrecht später (aufgrund der bis dahin bereits bezogenen Rente) entfallen ist.
Immer häufiger werden Kinder mit Unterhaltsansprüchen der eigenen Eltern konfrontiert. In der Regel geschieht dies nicht durch den Elternteil selbst, sondern durch einen Sozialhilfeträger, der dem Elternteil Leistungen gewährt. In der Folge wird dort dann geprüft, ob ein Kind des Leistungsempfängers in Regress genommen werden kann.
Gegen eine solche Inanspruchnahme kann man sich auf mehreren Ebenen verteidigen.
Zuerst können alle Gründe, die gegen den Unterhaltsanspruch an sich sprechen, auch gegenüber dem Amt vorgebracht werden, etwa die Pflicht zur Inanspruchnahme von vorrangigen Leistungen oder zur Verringerung des eigenen Bedarfs.
Weiterhin muss genau geprüft werden, ob das Kind überhaupt zur Leistung fähig ist. Gerade die Berechnung von Elternunterhaltsansprüchen ist wegen verschiedener besonderer Regelungen sehr komplex.
Der übergegangene Unterhaltsanspruch ist aber noch auf einer dritten Ebene angreifbar. Es ist zu prüfen, ob z.B. eine sogenannte "unbillige Härte" im Sinne des § 94 III Nr. 2 SGB XII in materieller oder immaterieller Hinsicht und in der Person des Unterhaltspflichtigen oder des Hilfeempfängers vorliegt.
In dem nun vom Bundesgerichtshof entschiedenen Fall wurden durch den Sozialhilfeträger übergegangene Ansprüche gegenüber den Kindern einer seit Geburt gehörlosen Mutter geltend gemacht. Dies führte zur Auswahl einer speziell für Gehörlose geeigneten Pflegeeinrichtung mit erhöhten Pflegekosten.
Der Bundesgerichtshof nahm in diesem Fall zu Gunsten der Kinder eine besondere unbillige Härte u.a. aufgrund einer besonderen Belastung an. Diese lag darin, dass die hier in Anspruch genommenen Kinder seit frühester Kindheit im Familienverband die Behinderung der Mutter mitgetragen haben.
(BGH, Beschluss vom 12.09.2018, Az.: XII ZB 384/17)
Bei der Verteidigung gegen die Inanspruchnahme auf Elternunterhalt sollten alle Ebenen genau geprüft werden, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen. Jede der Ebenen ist unter anderen Gesichtspunkten und nach anderen Maßstäben zu bewerten. Hierfür stehen wir gerne zur Verfügung.
Neue Düsseldorfer Tabelle zum 01.07.2019
Die Düsseldorfer Tabelle wird im Familienrecht als Grundlage für die Berechnung von Unterhaltspflichten gegenüber Kindern genutzt.
Zum neuen Jahr wurden ihre Sätze angepasst, wodurch der Unterhaltsbetrag je nach Einstufung um bis zu 14 Euro pro Monat steigt.
Die Änderung sollte bei aktuellen Titulierungen und Unterhaltsberechnungen berücksichtigt werden.
Auch schon bestehende sog. dynamische Titel, die sich automatisch an Veränderungen der Tabelle anpassen, profitieren von der Erhöhung. Unterhaltsgläubiger und Unterhaltsschuldner sollten prüfen, ob ab dem 01.01.2019 die korrekten Zahlungen geleistet werden.
Die neue Tabelle können Sie hier einsehen.
Bitte beachten Sie: Ab dem 1.7.2019 verringern sich die tatsächlichen Zahlbeträge aufgrund der Erhöhung des Kindergeldes: das Kindergeld wurde um 10,00 € erhöht, so dass sich die Zahlbeträge für den Kindesunterhalt jeweils um 5,00 € verringern.
Bei Fragen zum Kindesunterhalt stehen wir gerne zur Verfügung.
Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs wird in einer gleichgeschlechtlichen Ehe die Ehefrau der das Kind gebärenden Mutter nicht allein aufgrund der bestehenden Ehe rechtlich der weitere Elternteil des Kindes. Die Abstammungsregelung des § 1592 Nr. 1 BGB, wonach als Vater eines Kindes der Mann gilt, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet ist, wird nicht direkt oder analog entsprechend angewandt.
Eine dafür notwendige Rechtsänderung durch den Gesetzgeber ist hinsichtlich des Abstammungsrechts in Bezug auf Eheschließungen von Personen gleichen Geschlechts noch nicht vorgenommen worden.
Die direkte Anwendung ist aufgrund des Wortlauts ausgeschlossen. Eine analoge Anwendung scheitert an der dafür erforderlichen planwidrigen Regelungslücke.
Auf Grund der im Regelfall vorliegenden biologischen Unterschiede bei der Elternschaft von verschiedengeschlechtlichen Elternteilen und gleichgeschlechtlichen Elternteilen ist eine unterschiedliche Behandlung im Abstammungsrecht nach Ansicht des Bundesgerichtshofs gerechtfertigt und steht im Einklang mit der Verfassung.
Die Ehefrau einer Kindesmutter daher derzeit weiterhin zur Erlangung der Elternschaft auf die Adoption angewiesen.
(BGH, Beschluss 10.10.2018, Aktenzeichen: XII ZB 231/18)
Bei Fragen zur Elternschaft oder Adoption stehen wir gerne zur Verfügung.
Ehegattenunterhalt bei gehobenen Einkommensverhältnissen – klarstellende Entscheidung des BGH
Bei niedrigen und bei durchschnittlichen Einkommen wird der Ehegattenunterhalt nach einer Quote des gesamten bereinigten Einkommens beider Ehegatten errechnet (Grundsatz der Einkommensteilung). Hierbei wird davon ausgegangen, dass das Gesamtfamilieneinkommen regelmäßig durch Konsum verbraucht wird. Bei gehobenen wirtschaftlichen Verhältnissen findet zwar auch ein deutlich höherer Verbrauch für einen deutlich höheren und teureren Lebensunterhalt statt. Es bleibt dennoch regelmäßig ein nicht unerheblicher Teil des Einkommens übrig, der in der Regel der Vermögensbildung dient, also in Rücklagen fließt und folglich nicht für den Unterhalt verbraucht wird. In diesen Fällen ist zu prüfen, ob der Ehegattenunterhalt ausnahmsweise nicht nach der Quote berechnet wird, sondern der unterhaltsberechtigte Ehegatte seinen konkreten Bedarf dezidiert darzulegen hat. Hierzu hat der BGH nun entschieden:
Bis zu einer Grenze eines Familieneinkommens von 11.000 € – und somit dem Doppelten des höchsten in der Düsseldorfer Tabelle ausgewiesenen Einkommensbetrags – kann der berechtigte Ehegatte seinen Unterhaltsanspruch grundsätzlich nach der Quote berechnen, weil bis dahin eine Vermutung für den vollständigen Verbrauch des Einkommens besteht. Oberhalb der Grenze ist eine Quotenberechnung auf der Basis des gesamten Familieneinkommens dagegen nur dann möglich, wenn vom unterhaltsberechtigten Ehegatten eine vollständige Verwendung auch dieses höheren Einkommens für den Lebensbedarf dargelegt und bewiesen wird. Alternativ ist es in diesen höheren Einkommensbereichen weiterhin möglich, den (komplizierteren) Weg der Darlegung eines konkreten Bedarfs anhand von Bedarfslisten im Detail darzulegen.
(BGH, Beschluss vom 15.11.2017, Aktenzeichen XII ZB 503/16)
Bei Fragen zur Berechnung des Ehegattenunterhalts stehen wir gerne zur Verfügung.
Einstellung von Verbindlichkeiten in die Zugewinnbilanz
Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat durch Beschluss am 18.6.2018 eine Entscheidung zum Ehegattengüterrecht getroffen (Aktenzeichen 2 UF 152/17), die vom BGH derzeit im Rechtsbeschwerde-Verfahren überprüft wird (Aktenzeichen XII ZB 311/18):
1. Haben künftige Ehegatten vor der Eheschließung als Gesamtschuldner einen Kredit zur Finanzierung eines – nur einem Partner gehörenden – Familienheims aufgenommen, so ist für den Zugewinnausgleich im Innenverhältnis ein Freistellungsanspruch des Nichteigentümers bezüglich der Kreditverbindlichkeit beim Anfangsvermögen mit einzustellen. Insoweit muss für die Zugewinnausgleich-Berechnung bei der Bewertung der gesamtschuldnerischen Verbindlichkeiten im Anfangsvermögen das spätere Scheitern der Ehe berücksichtigt werden.
3. Verbindlichkeiten eines Ehegatten sind regelmäßig mit ihrem Nominalwert in die Zugewinnbilanz einzustellen, auch wenn der verpflichtete Ehegatte zu ihrer Erfüllung nicht in der Lage ist.
Bei Fragen der Vermögensauseinandersetzung wenden Sie sich gerne an uns.