Source: https://steltzer-kanzlei.de/familienrecht/adoption/
Timestamp: 2020-01-28 05:12:37
Document Index: 304351317

Matched Legal Cases: ['§ 1630', '§ 1688', '§ 1594', '§ 1741', '§ 1741', '§ 1741', '§ 2', '§ 193']

Eine Adoption - Voraussetzungen, Ablauf, Formen und ihre Folgen
Welche Folgen hat eine Adoption?
Was sind die Unterschiede einer Adoption, z.B. zur Betreuung eines Pflegekindes?
Welche Voraussetzungen hat eine Minderjährigenadoption?
Darf ich als schwules bzw. lesbisches Paar ein Kind adoptieren?
Wo finde ich eine Adoptionsvermittlungsstelle?
Wie läuft die Adoptionsvermittlung ab?
Was kommt bei der Elterneignungsprüfung der Adoptionsvermittlungsstelle auf mich zu?
Die Motive für eine Adoption
Die Elterneignung
Ökonomische Absicherung/Berufstätigkeit
Weitere (leibliche) Kinder in der Familie
Die Gründe für eine Adoption minderjähriger Kinder sind unterschiedlich. Die sicherlich häufigsten sind, dass sich der Kinderwunsch nicht erfüllt hat oder man das Kind des Partners nach der Heirat als eigenes annehmen möchte, sogenannte Stiefkindadoption. In allen Konstellationen steht das Wohl des Kindes im Mittelpunkt. Für die Adoptionsvermittlungsstellen gilt es, passende Eltern für ein Kind zu finden; nicht umgekehrt. Eine Adoption ähnelt damit im Grund einer Bewerbung. Als zukünftiges Elternpaar bewerben Sie sich bei einer Adoptions­vermittlungsstelle um ein passendes Adoptivkind. Mehr zu dem Bewerbungsverfahren, dem sogenannten Elterneignungstest, und zu den Adoptionsvermittlungstellen finden Sie weiter unten. Dort finden Sie auch Informationen zur Auslandsadoption und zur Adoption von Erwachsenen.
Mit einer Adoption wird ein künstlich ein Verwandtschaftsverhältnis geschaffen. Wenn ein Kind adoptiert wird, dann hat es die gleichen Rechte und Pflichten wie ein leibliches Kind. Diese Neuzuordnung zu der annehmenden Familie ist endgültig und die Verwandtschaftsverhältnisse zu Ursprungs- oder Herkunftsfamilie erlöschen in rechtlicher Hinsicht. Durch die Adoption wird das Kind bzw. der erwachsene Adoptionswillige also vollwertiges Mitglied der neuen Familie. Damit zieht die Adoption erbrechtliche und steuerrechtliche Folgen nach sich. Es wird, wie leibliche Nachkommen, gesetzlicher Erbe und hat zählt, wie eigene Kinder, bei der Bemessung der Steuerlast. Eine Adoption hat auch namensrechtliche und ausländerrechtliche Folgen So erhält das adoptierte Kind als Geburtsnamen den Familiennamen der Annehmenden. Mit der Adoption erhält ein ausländisches Kind die deutsche Staatsangehörigkeit.
Die Adoption ist im Übrigen abzugrenzen von folgenden Sachverhalten:
Pflegekindschaft als nur vorläufige Maßnahme. Punktuelle Regelungen finden sich in den Vorschriften § 1630 III, § 1688 BGB.
Vaterschaftsanerkennung nach § 1594 BGB als Statuserkennung. Wenn noch keine Vaterschaft im rechtlichen Sinne besteht, kann beispielsweise der Ehemann der Kindesmutter ihr voreheliches Kind als ein eigenes Kind anerkennen, anstatt es als Kind zu adoptieren.
Einbenennung nach 1618 BGB als Möglichkeit zur Namensänderung. Durch eine Einbenennung wird kein Verwandtschaftsverhältnis geschaffen.
Einwilligung zur Erzeugung eines Kindes durch künstliche Befruchtung als Voraussetzung nach dem ärztlichen Standesrecht für die Zeugung des Kindes.
Für eine rechtlich wirksame Adoption sind zwei Prognosen Voraussetzung:
die Adoption soll für das Kind die beste Möglichkeit darstellen
zwischen den Beteiligten soll ein Eltern-Kind-Verhältnis entstehen können.
Der gesetzliche Regelfall einer Adoption ist die gemeinschaftliche Adoption durch ein Ehepaar (§ 1741 Abs. 2 S. 2 BGB). Wenn sie verheiratet sind, können sie ein Kind daher grundsätzlich nur zusammen mit ihrem Ehegatten adoptieren, also nicht etwa alleine oder zusammen mit einem dritten (wie zum Beispiel dem neuen Lebensgefährten). Etwas anderes gilt nur bei der Stiefkindadoption. Dort nimmt die annehmende Person das Kind des Ehegatten an.
Wer nicht verheiratet ist, kann ein Kind nur alleine annehmen (§ 1741 Abs.2 S. 1 BGB). Es ist nicht möglich, eine gemeinschaftliche Adoption mit einer anderen Person durchzuführen. So können beispielsweise Paare, die nicht miteinander verheiratet sind, ein Kind nicht gemeinsam adoptieren. In § 1741 Abs. 2 S. 1 BGB ist explizit die Möglichkeit der Adoption für Alleinstehende vorgesehen. Dazu gehören auch Einzelpersonen, die in nichtehelichen Partnerschaften leben. Die Empfehlungen der Adoptionsvermittlungsstellen gehen davon aus dass bei der Vermittlung an alleinstehende eine besonders eingehende Kindeswohlprüfung zu erfolgen habe. Eine Vermittlung an Einzelpersonen soll nur in besonderen Fällen vorgenommen werden. Dem Gesetz nach oder auch der gesetzgeberischen Intention nach lässt sich diese Beschränkung jedoch nicht ableiten. Wenn eine Einzelperson es ermöglichen kann, ein Kind zu unterhalten, es zu fördern und für es zu sorgen und wenn auch ein soziales Umfeld beiderlei Geschlechts vorhanden ist, so ist nicht ersichtlich warum eine alleinstehende Person nicht zu Übernahme elterlicher Verantwortung geeignet sein sollte.
Durch die Rechtsänderung zum 01.10.2017 können nun auch gleichgeschlechtliche Paare die Ehe eingehen oder die vormals eingetragene Lebenspartnerschaft vor dem Standesamt zur Ehe umbenennen lassen. Nach der Eheschließung steht homosexuellen Paaren ebenso der Weg zur Adoption frei wie gemischt-geschlechtlichen Paaren. Sie sind damit heterosexuellen Paaren nun auch adoptionsrechtlich gleichgestellt. Zuvor war nur eine Stiefkindadoption erlaubt, wonach es möglich war, ein leibliches Kind von der eingetragenen Lebenspartnerin oder dem eingetragenen Lebenspartner zu adoptieren. Nach dem Urteil vom 19.02.2013 des Bundesverfassungsgerichts wurde auch eine sogenannte Sukzessivadoption möglich, was bedeutete, ein Kind, dass zunächst von einem Partner/in alleine adoptiert wurde, später auch von dem eingetragenen Lebenspartner/in adoptiert werden durfte. Der Fachbegriff dafür heißt Sukzessivadoption, weil die Adoption nicht gleichzeitig, sondern nacheinander, also schrittweise, „sukzessiv“, erfolge.
Im Falle der Annahme durch ein Ehepaar muss ein Ehegatte das 25. Lebensjahr, der andere das 21. Lebensjahr vollendet haben. Wer ein Kind allein annimmt muss mindestens 24 Jahre alt sein, wer ein Kind seines Ehegatten annehmen will, muss mindestens 21 Jahre alt sein. Eine Höchstaltersgrenze für die Annahme eines Kindes sieht das deutsche Adoptionsrecht nicht vor. Allerdings spielt das Alter bei der Prüfung des Kindeswohls eine Rolle. Dies aufgrund der Erwartung des zwischen den Annehmenden und dem Kind eine Eltern Kind Beziehung entsteht. Entscheidend sind damit die Verhältnisse des Einzelfalls. Auf das Alter des anzunehmenden Kindes haben Sie nur bedingt Einfluss.
Der Adoption eines Kindes müssen die leiblichen Eltern zustimmen. Die Einwilligung kann grundsätzlich erst erteilt werden, wenn das Kind acht Wochen alt ist. Diese Einwilligung ist unwiderruflich und bedingungsfeindlich, d.h. die Einwilligung ist auch dann wirksam, wenn die leiblichen Eltern die annehmenden Eltern nicht kennen, sofern diese nur schon feststehen. Mit Abgabe der Einwilligungserklärung steht den leiblichen Eltern kein Umgangsrecht mehr zu. Besteht eine Vormundschaft, muss der Vormund des Kindes zustimmen. Ist der leibliche, nichteheliche Vater nicht bekannt oder kann vom Familiengericht nicht ermittelt werden, entfällt sein Einwilligungserfordernis. Auch das Kind muss der Adoption zustimmen. Das Kind kann die Einwilligung nur selbsterklären, sofern es bereits 14 Jahre alt ist. Bei Kindern unter 14 Jahren erfolgt die Zustimmung durch den Vormund (das Jugendamt bei Amtsvormundschaft). Die Einwilligungen müssen notariell beurkundet sein und gegenüber dem Familiengericht erklärt werden.
Interessenten müssen sich grundsätzlich an die Adoptionsvermittlungsstellen der Jugendämter, die zentralen Adoptionsstellen der Landesjugendämter (§ 2 Abs. 1 S. 1 AdVermiG) oder die anerkannten Adoptionsvermittlungsstellen freier Träger wie etwa der Diakonie, das Rote Kreuz oder der Sozialdienst katholischer Frauen, wenden.
Nachdem Kontakt mit den Vermittlungsstellen aufgenommen wurde, finden dort die Bewerbergespräche (Elterneignungsprüfung) statt. Diese erfolgen im Schnitt vier bis sechs Mal. Dabei setzen sich erfahrene Fachkräfte mit den Adoptionswilligen zusammen und ergründen die Adoptionsmotivation und die Geeignetheit der Adoptiveltern.
Hier ist insbesondere zu prüfen ob die Bewerber unter Berücksichtigung der Persönlichkeit des Kindes und seiner besonderen Bedürfnisse für die Annahme des Kindes geeignet sind. Neben dem Alter wird die Persönlichkeit der Adoption interessierten beleuchtet. Die beurteilenden Fachkräfte der Adoptionsvermittlungsstellen interessieren sich für folgende Aspekte:
Hierbei spielt die Lebenszufriedenheit und die Adoptionsmotivation eine wesentliche Rolle. Die Bewerber sollten in der Lage sein, über ihre eigene Erziehung in der Kindheit zu reflektieren und über ein Erziehungskonzept verfügen. Eine gewaltfreie Erziehung ist dabei Grundvoraussetzung. Auf die Gründe für die Adoption werden hinterfragt. Sachfremde Motive würden gegen eine Adoption sprechen. Sachfremd wäre eine Adoption beispielsweise aus dem Grunde eine erbrechtliche Neuordnung zu erwirken oder die Unterhaltsverpflichtungen gegenüber vorhandenen Kindern zu schmälern. Um die eigene Partnerschaft zu stärken sollte ebenfalls keine Adoption angestrebt werden. Ein erfülltes Leben sollte für die Adoptionsinteressierten nicht ausschließlich von der Erfüllung ihres Kinderwunsches abhängen.
Bei der Frage ob sich Adoptionsinteressierte als Eltern eignen, wird auch die Einstellung gegenüber den Herkunftseltern hinterfragt. Ist eine Herabwürdigung zu beobachten und tritt auch über einen längeren Zeitraum keine wertschätzende Einstellung gegenüber der eigenen Herkunftsfamilie ein, so spricht dies regelmäßig gegen die Elterneignung.
Die Adoptionsinteressierten sollten körperlich und geistig gesund sein, denn sie müssen in der Lage sein, auch zukünftig die erzieherische und pflegerische Versorgung eines Kindes sicherzustellen.
bei den Bewerbern muss ein ausreichender und kindgerechter Wohnraum zur Verfügung stehen. Spätestens ab dem Schulalter muss dem Kind ein eigenes Zimmer, gegebenenfalls mit einem anderen Kind, zur Verfügung stehen.
Adoptionsbewerber haben ein schlüssiges Konzept zur Sicherung des Lebensunterhalts des Kindes vorzulegen. Dies ist wesentliche Voraussetzung für die Vermittlung eines Kindes. Verletzungen der Unterhaltspflicht gegenüber bereits vorhandenen Kindern ist regelmäßig ein Ausschlusskriterium. Liegt Privatinsolvenz vor oder wird der Lebensunterhalt durch staatliche Transferleistungen bestritten (ALG zwei bzw. Hartz IV) so soll die Vermittlung eines Kindes die Ausnahme darstellen. Die Bewerber können berufstätig sein, müssen allerdings die Hauptbezugspersonen des Kindes sein. Hierbei ist die Pflege des Kindes gerade im ersten Jahr nach der Aufnahme von den Adoptiveltern sicherzustellen.
Um dem Adoptivkind eine gute Entwicklung zu ermöglichen, wird darauf geachtet werden, dass die Familienbeziehungen auf Dauer ausgelegt sind. Manche der beurteilenden Fachkräfte sehen hier eine Mindestdauer der Ehe bzw. der eingetragenen Lebenspartnerschaft von drei Jahren als förderlich an. Letztlich dürften starre Zeitgrenzen bei der Beurteilung der Stabilität einer Beziehung nicht ausschlaggebend sein. Auch gesetzlich gibt es keine zeitliche Vorgabe.
Wird der Eignungstest positiv durchlaufen, sind im nachgehen den gerichtlichen Adoptionsverfahren gemäß § 193 S. 1 FamFG grundsätzlich die Kinder der Annehmenden anzuhören. Daher wird zumeist auch schon im Vorfeld ein Gespräch der Fachkraft mit den Kindern stattfinden. Regelmäßig sollte das zu vermittelnde Kind jünger sein als das jüngste in der Familie lebende Kind. Kinder, die nicht mehr im Haushalt leben, sind für die Integration des Adoptivkinder in die Familie nicht maßgebend. Dennoch werden deren Interessen im familiengerichtlichen Verfahren Berücksichtigung finden.
Auch die Einstellung des sozialen Umfelds zur geplanten Adoption wird in die Prüfung aufgenommen.
Spätestens im familiengerichtlichen Verfahren ist von den Adoptionsbewerbern ein erweitertes Führungszeugnis vorzulegen. Vorstrafen sind kein Grund für eine generelle Nichteignung, sie werden allerdings besonders geprüft und gewürdigt. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, Gewalt und Körperverletzungsdelikte, die mit einer Kindeswohlgefährdung einhergingen, schließen regelmäßig die Elterneignung aus. Auch eine Häufung von Straftaten kann gegen eine Elterneignung sprechen.