Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/rangfolge-der-ausgleichsformen-im-versorgungsausgleich-371626
Timestamp: 2020-08-14 20:45:51
Document Index: 176226541

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 6', '§ 19', '§ 9', '§ 27', '§ 101', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Rangfolge der Ausgleichsformen im Versorgungsausgleich | Rechtslupe
Durch § 9 Abs. 1 VersAus­glG ist die Rang­fol­ge der Aus­gleichs­for­men dahin fest­ge­legt, dass dem Wert­aus­gleich bei der Schei­dung alle Anrech­te unter­fal­len, es sei denn, die Ehe­gat­ten haben den Aus­gleich nach den §§ 6 bis 8 gere­gelt oder die Aus­gleichs­rei­fe der Anrech­te nach § 19 fehlt. Sofern weder ein Fall feh­len­der Aus­gleichs­rei­fe noch eine Ver­ein­ba­rung der Ehe­gat­ten vor­liegt, ist der Wert­aus­gleich bei der Schei­dung durch­zu­füh­ren, und zwar grund­sätz­lich durch inter­ne Tei­lung der Anrech­te (§ 9 Abs. 2 VersAus­glG).
Ob und in wel­chem Umfang die Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs grob unbil­lig erscheint, unter­liegt der tatrich­ter­li­chen Beur­tei­lung. Die­se ist im Ver­fah­ren der Rechts­be­schwer­de nur dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob alle wesent­li­chen Umstän­de berück­sich­tigt wur­den und das Ermes­sen in einer dem Geset­zes­zweck ent­spre­chen­den Wei­se aus­ge­übt wor­den ist [1].
Gemäß § 27 Satz 2 VersAus­glG müss­ten die gesam­ten Umstän­de des Ein­zel­falls es recht­fer­ti­gen, von der Halb­tei­lung abzu­wei­chen. Das Vor­lie­gen sol­cher Umstän­de behaup­tet aller­dings bereits der Ehe­mann nicht, des­sen Antrag nicht dar­auf zielt, von der Halb­tei­lung abzu­wei­chen, son­dern eine gesetz­lich nicht vor­ge­se­he­ne Aus­gleichs­form zu wäh­len.
Sei­ne Rechts­ver­fol­gung rich­tet sich somit nicht gegen die Halb­tei­lung, son­dern dage­gen, dass das auf die Ehe­frau im Wege der inter­nen Tei­lung über­tra­ge­ne Anrecht erst wesent­lich spä­ter Früch­te trägt als wenn es bei dem Ehe­mann ver­blie­ben wäre, näm­lich erst bei Ein­tritt eines Ver­sor­gungs­falls in der
Per­son der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Ehe­frau. Der Sache nach bean­stan­det der Ehe­mann damit die Struk­tur des Ver­sor­gungs­aus­gleichs sowie die Auf­he­bung des frü­he­ren „Rent­ner­pri­vi­legs“ (§ 101 SGB – VI Abs. 3 a.F.) durch das neue Ver­sor­gungs­aus­gleichs­recht. Nach die­ser Vor­schrift wur­de, wenn nach Beginn der Ren­te eine Ent­schei­dung des Fami­li­en­ge­richts über den Ver­sor­gungs­aus­gleich zu Las­ten des Ver­si­cher­ten wirk­sam wur­de, die Ren­te des Aus­gleichs­pflich­ti­gen erst zu dem Zeit­punkt um einen Abschlag ver­än­dert, zu dem bei einer Ren­te des Aus­gleichs­be­rech­tig­ten ein Zuschlag berück­sich­tigt wur­de.
Bei der Abschaf­fung die­ser Rege­lung, die den aus­gleichs­pflich­ti­gen Ehe­gat­ten über den Halb­tei­lungs­grund­satz hin­aus durch eine ver­si­che­rungs­frem­de Sozi­al­leis­tung aus den Mit­teln der gesetz­li­chen Regel­si­che­rungs­sys­te­me begüns­tig­te, han­delt es sich um eine grund­sätz­lich ent­schä­di­gungs­los hin­zu­neh­men­de Geset­zes­än­de­rung [3]. Sie trifft auch den Ehe­mann des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens, da die gericht­li­che Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich nicht vor dem Inkraft­tre­ten der Neu­re­ge­lung getrof­fen war und des­halb kei­ne unech­te Rück­wir­kung vor­liegt.
BGH, Beschluss vom 19.09.2012 – XII ZB 649/​11 , FamRZ 2013, 106 Rn. 16 mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 13.02.2013 – XII ZB 527/​12 , FamRZ 2013, 690 Rn. 14 mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 13.02.2013 – XII ZB 527/​12 , FamRZ 2013, 690 Rn.20[↩]