Source: https://www.widerruf-darlehen-anwalt.de/fehlerquellen-in-verbraucherdarlehensvertraegen-von-11-06-2010-bis-20-03-2016/
Timestamp: 2019-04-20 08:22:47
Document Index: 354187293

Matched Legal Cases: ['§ 495', 'Art 247', '§ 6', '§ 495', 'Art 247', '§ 6', '§ 494', '§ 494', '§ 492', 'Art 247', '§ 6', '§ 492', 'BGH', '§ 492', 'BGH', '§ 495', 'Art 247', '§ 9', 'BGH', '§ 492', '§ 492', 'Art 247', '§ 6', 'Art 247', '§ 9', 'Art 247', '§ 9', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 247', '§ 3', 'Art. 247', '§ 3', 'Art. 247', '§ 8', 'Art 247', '§ 8', 'BGH', '§ 494', '§ 494', '§ 494', '§ 494', '§ 492', '§ 494', 'BGH']

Fehler in Darlehensverträgen von 11.06.2010 bis 20.03.2016 Typische Fehler
Bei Dar­le­hens­ver­trä­gen die zwi­schen dem 11.06.2010 und dem 20.03.2016 geschlos­sen wur­den, kann nach wie vor ein soge­nann­tes „Ewi­ges Wider­rufs­recht“ vor­lie­gen.
Für ein bestehendes Widerrufsrecht gibt es nach neuerem Widerrufsrecht je nach Vertragsabschlusszeit und Vertragstyp mehrere mögliche normierte Fehlerquellen.
Klas­si­sche Feh­ler in den Widerrufsinformationen/Widerrufsbelehrung nach §§ 495, 492 Abs. 2 BGB a.F. i.V.m. Art 247 § 6 Abs. 2 EGBGB a.F..
Fal­sche oder feh­len­de Pflicht­in­for­ma­tio­nen nach §§ 495, 492 Abs. 2 BGB a.F. i.V.m. Art 247 §§ 6- 13 EGBGB a.F..
Feh­len­de Anga­ben nach § 494 Abs. 2 — 6 BGB a.F..
In allen drei Fäl­len kann ein Wider­rufs­recht oder Kün­di­gungs­recht bestehen. Die gefor­der­ten Infor­ma­tio­nen über­schnei­den sich dabei bis­wei­len. Die Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen sind selbst Teil der Pflicht­in­for­ma­tio­nen, kön­nen aber auch eige­ne Feh­ler ent­hal­ten. Die not­wen­di­gen Anga­ben nach § 494 BGB a.F. sind zum Teil wesent­li­che Pflicht­an­ga­ben nach § 492 Abs. 2 BGB a.F.. Für alle drei Vari­an­ten gibt es aber unter­schied­li­che Vor­aus­set­zun­gen dafür, wie ein Feh­ler gestal­te­te sein muss, damit es ein Feh­ler im Sin­ne des Geset­zes ist. Hier wird es vor allem auf die zukünf­ti­ge Aus­le­gung der Gerich­te ankom­men.
Maß­geb­lich für die Fra­ge, wel­che Anga­ben im Ver­trag not­wen­dig sind, damit die Wider­rufs­frist in Gang gesetzt wird, ist immer wann wur­de der Ver­trag geschlos­sen, wie wur­de er geschlos­sen, d.h. Prä­senz­ge­schäft oder Fern­ab­satz und um was für einen Dar­le­hens­ver­trag han­delt es sich. Für alle Vari­an­ten bestehen unter­schied­li­che gesetz­li­che Anfor­de­run­gen und mög­li­che Feh­ler­quel­len. Inso­weit ist immer eine genaue Prü­fung des Dar­le­hens­ver­tra­ges not­wen­dig.
Die nach­fol­gen­den Aus­füh­run­gen befas­sen sich vor­ran­gig mit Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­gen.
Wesentlicher Bestandteil der Pflichtinformationen sind zunächst die Widerrufsinformationen selbst.
Hier­für wur­de den Ban­ken erneut vom Gesetz­ge­ber ein Mus­ter in die Hand gege­ben (im Zeit­raum vom 11.06. bis 29.07.2010 exis­tier­te kein Mus­ter). Ver­wen­det die Bank genau die­ses jeweils gül­ti­ge Mus­ter, kann sie sich auf den Ver­trau­ens­schutz beru­fen. Dies bedeu­tet, dass ver­mu­tet wird, dass aus­rei­chend über das Wider­rufs­recht belehrt wur­de.
Selbst wenn eine ord­nungs­ge­mä­ße Wider­rufs­be­leh­rung erteilt wur­de, schützt dies die Bank jedoch nicht vor wei­te­ren Feh­lern in den übri­gen Pflicht­in­for­ma­tio­nen. Nur wenn alle jeweils zum Ver­trag und dem Zeit­raum pas­sen­den not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen im Ver­trag vor­lie­gen, beginnt die Wider­rufs­frist zu lau­fen.
Das Mus­ter für die Wider­rufs­be­leh­rung von Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen befin­det sich in der Anla­ge 6 bzw. ab dem 13.06.2014 in der Anla­ge 7 zum Art 247 § 6 Abs. 2 EGBGB in der jewei­li­gen Fas­sung.
Wei­chen die Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen in unzu­läs­si­ger Art und Wei­se von dem Mus­ter ab und ent­hal­ten fal­sche oder irre­füh­ren­de Anga­ben, lie­gen feh­ler­haf­te Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen vor. Das Wider­rufs­recht beginnt sodann i.d.R. nicht, bevor aus­rei­chend nach­be­lehrt wird.
Hier reicht oft­mals bereits ein ein­fa­cher Abgleich des Mus­ters in der pas­sen­den Vari­an­te mit den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen im Dar­le­hens­ver­trag.
Mög­li­che Feh­ler sind u.a. Fol­gen­de:
Ver­al­te­te Wider­rufs­be­leh­run­gen.
Es wer­den ver­al­te­te Wider­rufs­be­leh­run­gen ver­wen­det, die noch auf die alte Rechts­la­ge von vor dem 11.06.2010 Bezug nah­men. Dies erkennt man dar­an, dass die Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen nicht mit „Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen“ über­schrie­ben sind, son­dern mit dem alten Begriff „Wider­rufs­be­leh­rung“.
Oft­mals wird im Wei­te­ren der Beleh­rung nicht auf die Pflicht­in­for­ma­tio­nen nach § 492 Abs. 2 BGB Bezug genom­men oder dar­auf ver­wie­sen, dass das Wider­rufs­recht nicht vor Ver­trags­schluss zu lau­fen beginnt.
Wei­te­rer mar­kan­tes Merk­mal ist, dass in den Wider­rufs­fol­gen nicht auf einen zu zah­len­den Tages­zins­satz hin­ge­wie­sen wird. Die­se Anga­be ist für neue­re Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen eine Pflicht­an­ga­be.
Die Degus­sa Bank hat zum Teil 2010 und 2011 noch ver­al­te­te Wider­rufs­be­leh­run­gen ver­wen­det. Das OLG Frank­furt hat mit Urteil vom 30.01.2017 Az. 23 U 39/16 in einem der­ar­ti­gen Fall zuguns­ten der Dar­le­hens­neh­mer geur­teilt.
Die Nen­nung der Auf­sichts­be­hör­de als Pflicht­in­for­ma­ti­on.
Die Anga­ben in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen selbst sind feh­ler­haft. Teil­wei­se wird z.B. die Nen­nung der Auf­sichts­be­hör­de für den Dar­le­hens­neh­mer als not­wen­di­ge Pflicht­an­ga­be auf­ge­führt. Dies ist eine Fehl­in­for­ma­ti­on und kei­ne Pflicht­in­for­ma­ti­on. Es dürf­te der Bank schwer­fal­len dar­zu­le­gen, wer genau die­se Auf­sichts­be­hör­de ist und wo die­se im Ver­trag benannt wird.
Wei­ter­hin wur­de bis­wei­len in eini­gen Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­gen dar­auf ver­wie­sen, dass die Auf­sichts­be­hör­de der Bank im Ver­trag genannt wer­den muss. Sofern die­se sodann nicht auch im Ver­trag tat­säch­lich genannt wird, liegt eine feh­len­de Pflicht­in­for­ma­ti­on vor (u.a. BGH vom 22.11.2016 Az. XI ZR 434/15).
Das Feh­len der Nen­nung der Auf­sichts­be­hör­de an sich ist in Immo­bi­li­en­dar­le­hen zunächst kein Feh­ler im Sin­ne der Pflicht­in­for­ma­tio­nen nach § 492 Abs. 2 BGB a.F.. Es wird erst dadurch zum Feh­ler, wenn in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen die Nen­nung der Auf­sichts­be­hör­de gefor­dert wird (so BGH vom 22.11.2016 Az. XI ZR 434/15).
Ver­weis auf das Ver­fah­ren zur Kün­di­gung des Dar­le­hens­ver­tra­ges in der Wider­rufs­be­leh­rung.
Gera­de in der Über­gangs­zeit zwi­schen dem alten und neu­en Wider­rufs­recht nach dem 11.06.2010 wur­de teil­wei­se bei Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­gen zudem noch auf das Ver­fah­ren zur Kün­di­gung des Ver­tra­ges als not­wen­di­ge Pflicht­in­for­ma­ti­on in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen ver­wie­sen. Die­se Anga­ben dür­fen dann im Ver­trag eben­falls nicht feh­len, son­dern müs­sen umfas­send und rich­tig dar­ge­stellt sein.
Sowohl die Nen­nung der Auf­sichts­be­hör­de als auch der Kün­di­gungs­in­for­ma­tio­nen sind zwar Pflicht­in­for­ma­tio­nen für all­ge­mei­ne Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­ge i.S.d. § 495 BGB in der jewei­li­gen Fas­sung gewe­sen, aber nicht für Ver­brau­cher­im­mo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­ge. Hier schränkt der Art 247 § 9 EGBGB in der jewei­li­gen Fas­sung die­se Pflicht­an­ga­ben wesent­lich ein.
Wird daher in Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­gen in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen auf Pflicht­in­for­ma­tio­nen von all­ge­mei­nen Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen ver­wie­sen, die bei Immo­bi­li­en­dar­le­hen gera­de kei­ne Pflicht­an­ga­ben sind, liegt zunächst ein Feh­ler vor. Die­ser kann nur dadurch geheilt wer­den, dass die­se Infor­ma­tio­nen in der rich­ti­gen Form im Ver­trag genannt wer­den (so im Ergeb­nis BGH vom 22.11.2016 Az. Az. XI ZR 434/15).
Anga­be zu ver­bun­de­nen oder anzu­ge­ben­den Geschäf­ten in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen.
Wird in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen fer­ner auf ver­bun­de­ne Geschäf­te ver­wie­sen, ohne dass die­se im rechts­tech­ni­schen Sin­ne wirk­lich vor­lie­gen, ist dies feh­ler­haft. Es ent­steht damit der irri­ge Ein­druck des Dar­lehns­neh­mers, der Wider­ruf des Dar­le­hens­ver­tra­ges hät­te Aus­wir­kun­gen auf einen wei­te­ren Ver­trag.
Die Finan­zie­rung einer Immo­bi­lie ist z.B. nur dann ein ver­bun­de­nes Geschäft, wenn die Bank die Immo­bi­lie ver­mit­telt hat und ganz wesent­lich bei dem Kauf mit­ge­wirkt hat. Das blo­ße Bereit­stel­len des Kapi­tals reicht dafür nicht aus. Ver­weist die Bank jedoch in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen dar­auf, dass mit dem Wider­ruf auch der Immo­bi­li­en­kauf­ver­trag wider­ru­fen wird, ohne tat­säch­lich am Kauf mit­ge­wirkt zu haben, ist dies falsch.
Ähn­lich ver­hält es sich, wenn in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen auf Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge oder Bau­spar­ver­trä­ge Bezug genom­men wird. Hier ist jedoch sodann zu unter­schei­den, ob es sich nicht tat­säch­lich um ech­te ver­bun­de­ne Ver­trä­ge oder ggf. sog. anzu­ge­ben­de Geschäf­te han­del­te.
Für jeden Fall muss­te oder konn­te je nach­dem ein Pas­sus in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen ein­ge­fügt wer­den. Liegt hin­ge­gen kei­ner die­ser Fäl­le vor und es fin­den sich den­noch Anga­ben zu ver­bun­de­nen oder anzu­ge­ben­den Geschäf­ten in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen, ist dies irre­füh­rend.
Liegt hin­ge­gen ein tat­säch­lich mit dem Dar­le­hens­ver­trag ver­bun­de­nes Geschäft vor und es wird in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen nicht dar­auf hin­ge­wie­sen, ist dies eben­falls ein Feh­ler.
Inso­weit sind fast alle Aus­füh­run­gen der Ban­ken zu ver­bun­de­nen Geschäf­ten in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen zunächst auf ihre Kor­rekt­heit hin zu über­prü­fen.
Wird hier der fal­scher Ein­druck erweckt, dass mit dem Wider­ruf auch ein wei­te­rer Ver­trag wider­ru­fen wer­den kann oder umge­kehrt, dass mit dem Wider­ruf eines ande­ren Ver­tra­ges der Dar­le­hens­ver­trag wider­ru­fen wer­den kann, ohne dass dies zutrifft, ist dies eine irre­füh­ren­de Anga­be.
Lie­gen hin­ge­gen nur anzu­ge­ben­de Geschäf­te vor, konn­te die Bank ent­spre­chen­de Hin­wei­se in die Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen ein­fü­gen, muss­te dies aber nicht. Die­se Anga­ben sind daher nur dann ein Feh­ler, wenn sie in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen ent­hal­ten sind, aber kein anzu­ge­ben­des Geschäft vor­liegt.
Die Deut­sche Bank hat in einem Kla­ge­ver­fah­ren von hün­lein rechts­an­wäl­ten wegen des Wider­rufs zwei­er Ver­trä­ge aus dem Jah­re 2012 ein Aner­kennt­nis abge­ge­ben und damit den Wider­ruf bestä­tigt.
Feh­ler­haf­te Anga­be zum Tages­zins­satz.
In den Wider­rufs­fol­gen der Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen muss die Bank zudem den Tages­zins auf den Cent genau ange­ben. Fehlt die­se Anga­be oder ist sie falsch, sind auch die Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen ent­spre­chend kom­pro­mit­tiert.
Wer­den hin­ge­gen mit einem Ver­trag gleich meh­re­re Dar­le­hens­ver­trä­ge geschlos­sen, so müs­sen die Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen dies wider­spie­geln. Eine Sam­mel­be­leh­rung hin­ge­gen, die für meh­re­re Ver­trä­ge belehrt ohne dies ent­spre­chend auf­zu­schlüs­seln, dürf­te hin­ge­gen feh­ler­haft sein.
Fehler in den Pflichtinformationen nach § 492 Abs. 2 BGB a.F..
Neben den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen selbst, kommt es seit dem 30.07.2010 auf eine gan­ze Rei­he wei­te­re sog. gesetz­li­cher Pflicht­in­for­ma­tio­nen an. Nur wenn die­se alle ord­nungs­ge­mäß im Ver­trag vor­han­den sind, beginnt die Wider­rufs­frist zu lau­fen.
Die Pflicht­in­for­ma­tio­nen erge­ben sich für Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­ge aus dem § 492 Abs. 2 BGB i.V.m. Art 247 § 6- 13 EGBGB in der jewei­li­gen Fas­sung. Die not­wen­di­gen Pflicht­an­ga­ben sind je nach Ver­trags­typ höchst unter­schied­lich.
Für bestimm­te Dar­le­hens­ar­ten, wie etwa Immo­bi­li­en­dar­le­hen begrenzt Art 247 § 9 EGBGB in der jewei­li­gen Fas­sung die not­wen­di­gen Pflicht­an­ga­ben im Dar­le­hens­ver­trag.
Für Immo­bi­li­en­dar­le­hen sind fol­gen­de Pflicht­in­for­ma­tio­nen not­wen­dig:
Name und Anschrift des Dar­le­hens­ge­bers sowie ggf. eines Dar­le­hens­ver­mitt­lers
Art des Dar­le­hens
Die Anga­be des effek­ti­ven Jah­res­zin­ses
Den Net­to­dar­le­hens­be­trag
Die Ver­ein­ba­rung eines Soll­zins­sat­zes mit Zusatz­an­ga­ben
Die hoch­ge­rech­ne­te Ver­trags­lauf­zeit bis zur voll­stän­di­gen Til­gung
Betrag, Zahl und Fäl­lig­keit der ein­zel­nen Teil­zah­lun­gen
Sämt­li­che Kos­ten im Zusam­men­hang mit dem Dar­le­hens­ver­trag
Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen
Die­se Pflicht­in­for­ma­tio­nen kön­nen sehr schnell feh­len oder feh­ler­haft in der Dar­stel­lung sein.
Neben die­sen o.g. Pflicht­in­for­ma­tio­nen bedarf es zudem eines Hin­wei­ses nach Art 247 § 9 Abs. 1 EGBGB a.F. dar­auf, dass der Dar­le­hens­ge­ber For­de­run­gen aus dem Dar­le­hens­ver­trag ohne Zustim­mung des Dar­le­hens­neh­mers abtre­ten und das Ver­trags­ver­hält­nis auf einen Drit­ten über­tra­gen darf, soweit nicht die Abtre­tung im Ver­trag aus­ge­schlos­sen wird oder der Dar­le­hens­neh­mer der Über­tra­gung zustim­men muss (BGH Beschluss vom 25.10.2016 XI ZR 6/16). Inwie­weit ein Ver­stoß gegen die­se Infor­ma­ti­ons­pflicht jedoch zu einem Wider­rufs­recht führt oder füh­ren kann, hat der BGH bis­her offen gelas­sen.
Wesent­lich rele­van­ter und vor allem in der Recht­spre­chung des BGHs aner­kannt, sind daher Feh­ler in den tat­säch­li­chen Pflicht­an­ga­ben. Für Immo­bi­li­en­dar­le­hen sind dies die Anga­ben nach Art. 247 § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis 7, 10 und 13 EGBGB sowie nach Art. 247 § 3 Abs. 4 EGBGB und nach Art. 247 § 8 EGBGB.
Feh­ler­haf­te Pflicht­in­for­ma­tio­nen lägen etwa vor, wenn die Anga­be des soll oder effek­ti­ven Zins­sat­zes feh­ler­haft ist.
Glei­ches gilt für eine feh­ler­haf­te Anzahl an Raten, die über die Lauf­zeit zu zah­len sind oder es fehlt der Fäl­lig­keits­zeit­punkt der ein­zel­nen Raten.
Dabei sind Feh­ler nicht immer auf den ers­ten Blick als sol­che erkenn­bar. Auch wenn alle o.g. Infor­ma­tio­nen im Ver­trag ent­hal­ten sind, bedeu­tet dies nicht zwin­gend, dass die Anga­ben kor­rekt sind.
Wird etwa die Gesamt­lauf­zeit des Ver­tra­ges nur mit 10 Jah­ren bzw. 120 Monaten/Raten ange­ge­ben, wenn der Dar­le­hens­ver­trag aber auf unbe­stimm­te Zeit geschlos­sen wur­de und gera­de kei­ne Rück­zah­lungs­pflicht beim Aus­lau­fen der Zins­bin­dungs­frist von 10 Jah­ren besteht, ist die Anga­be der tat­säch­li­chen Lauf­zeit des Dar­le­hens nicht voll­stän­dig ange­ge­ben.
Fehlender Hinweis auf vermögensbildende Maßnahmen (z.B. Bausparvertrag, Lebensversicherung).
Soll­te zudem der Dar­le­hens­neh­mer zu ver­mö­gens­bil­den­den Maß­nah­men von der Bank ver­pflich­tet wor­den sein, bedarf es eines ent­spre­chen­den Hin­wei­ses nach Art 247 § 8 EGBGB in der jewei­li­gen Fas­sung im Ver­trag.
Die Bank muss dar­auf hin­wei­sen, dass im Rah­men des Dar­le­hens­ver­tra­ges ver­pflich­tend gebil­de­te Ver­mö­gen in Form etwa einer Lebens­ver­si­che­rung oder eines Bau­spar­ver­tra­ges ggf. nicht zur Rück­zah­lung des Dar­le­hens aus­reicht und der über­schie­ßen­de Teil vom Dar­le­hens­neh­mer getra­gen wer­den muss. Fehlt die­ser Hin­weis fehlt eine ent­spre­chen­de Pflicht­in­for­ma­ti­on.
Wer­den die ent­spre­chen­den Pflicht­an­ga­ben nicht im Ver­trag genannt, kön­nen sie vom Dar­le­hens­ge­ber nach­ge­reicht wer­den. Die­ser muss sodann jedoch dar­auf hin­wei­sen, dass die Wider­rufs­frist erst mit der Nach­ho­lung der Infor­ma­tio­nen beginnt und die­se sodann einen Monat beträgt.
Die­ser Hin­weis kommt immer dann in Betracht, wenn als Sicher­heit oder zur Til­gung Bau­spar­ver­trä­ge oder Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge abge­tre­ten wur­den.
Alle Pflichtinformationen inkl. den Widerrufsinformationen müssen sich im Darlehensvertrag befinden.
Die Infor­ma­tio­nen befin­den sich dann im Ver­trag, wenn sie zwi­schen Über­schrift Dar­le­hens­ver­trag und der Unter­schrift des Dar­le­hens­neh­mers zu fin­den sind. Der BGH hat in sei­nem Urteil vom 04.07.2017 Az. XI ZR 741/16 jedoch aus­ge­führt, dass auch fest mit dem Ver­trag ver­bun­de­ne Anla­gen zum Ver­trag gehö­ren kön­nen eben­so wie ggf. AGBs. Inso­weit ist immer genau zu prü­fen, was Teil des Ver­tra­ges ist und was nicht.
Die Fra­ge, ob und wenn ja wo die gefor­der­ten Infor­ma­tio­nen ange­ge­ben wer­den kön­nen und ggf. nach­ge­reicht wer­den kön­nen, ist abschlie­ßend vom Bun­des­ge­richts­hof hin­ge­gen noch nicht ent­schie­den.
Neben den Fehlern in den Widerrufsinformationen und den Pflichtinformationen können fehlende oder falsche Angaben nach § 494 Abs. 2 — 6 BGB a.F. dazu führen, dass ein Beendigungsmöglichkeit des Darlehensvertrages besteht.
Feh­len im Ver­trag Anga­ben zur Lauf­zeit oder zum Kün­di­gungs­recht nach § 494 Abs. 6 BGB, ist der Dar­le­hens­neh­mer jeder­zeit zur Kün­di­gung berech­tigt.
Feh­len zudem wei­te­re Anga­ben nach § 494 Abs. 2 — 6 und erge­ben sich dar­aus geän­der­te Ver­trags­be­din­gun­gen, kann dies i.V.m § 494 Abs. 7 BGB a.F. bzw. § 492 Abs. 6 BGB eben­falls auch zu einem Wider­rufs­recht füh­ren.
m Rah­men des § 494 BGB wur­den die Feh­ler bis­her alle­rings sehr rest­rek­tiv aus­ge­legt.
Bei einer Nach­lie­fe­rung von Infor­ma­tio­nen, die zuvor gefehlt haben und im Rah­men des o.g. not­wen­di­ge Infor­ma­tio­nen gewe­sen sind, muss zudem immer deut­lich wer­den, dass damit der Beginn des Wider­rufs­recht ver­bun­den ist und die Frist einen Monat dau­ert.
Selbst wenn nicht die Über­ga­be eines kor­ri­gier­ten Dar­le­hens­ver­tra­ges not­wen­dig ist, muss bei jeder Kor­rek­tur oder Ergän­zung einer Pflicht­in­for­ma­ti­on die Bank immer auf das noch bestehen­de Wider­rufs­recht und die Monats­frist hin­wei­sen. Andern­falls wird der Feh­ler in den Pflicht­in­for­ma­tio­nen nicht geheilt und ein ggf. bestehen­des Wider­rufs­recht währt fort.
Nach dem Geset­zes­wort­laut und der Begrün­dung des Gesetz­ge­bers, kön­nen selbst kleins­te Feh­ler in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen und den Pflicht­in­for­ma­tio­nen zu einem wei­ter­hin bestehen­den Wider­rufs­recht füh­ren.
Neben den recht­lich rele­van­ten Infor­ma­tio­nen müs­sen natür­lich auch die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Beginn des Wider­rufs­rechts vor­lie­gen.
Dies bedeu­tet, die Wider­rufs­frist beginnt auch dann nicht, bevor der Dar­le­hens­ge­ber dem Dar­le­hens­neh­mer eine für die­sen bestimm­te Ver­trags­ur­kun­de, den schrift­li­chen Antrag des Dar­le­hens­neh­mers oder eine Abschrift der Ver­trags­ur­kun­de oder sei­nes Antrags zur Ver­fü­gung gestellt hat.
Eine Ver­trags­ur­kun­de muss z.B. laut BGH Urteil vom 21.02.2017 XI ZR 381/16 gewi­ße for­ma­len Anfor­de­run­gen genü­gen, nur dann ist es eine Ver­trags­ur­kun­de. Lie­gen die­se nicht vor, kann schon man­gels über­ga­be einer Ver­trags­ur­kun­de, dass Wider­rufs­recht nicht zu lau­fen begin­nen.
In der Pra­xis erken­nen vie­le Ban­ken den spä­ten Wider­ruf jedoch nicht an und es läuft oft auf eine Kla­ge gegen die Bank hin­aus.
In einem Gerichts­ver­fah­ren obliegt es dem Gericht das Gesetz aus­zu­le­gen. Hier ist das Gericht im Rah­men der rich­ter­li­chen Frei­heit unge­bun­den. Inso­weit kann das Ergeb­nis der rich­ter­li­chen Aus­le­gung der Nor­men und Feh­ler vari­ie­ren.
Dies ins­be­son­de­re auch des­halb, weil es für die neue­ren Dar­le­hens­ver­trä­ge nur eine Hand­voll aus­sa­ge­kräf­ti­ger Ent­schei­dun­gen von Ober­lan­des­ge­rich­ten und nur sehr weni­ge Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs, die den Gerich­ten als Leit­fa­den die­nen kön­nen, gibt. Daher ist die Recht­spre­chung hin­sicht­lich neue­re Dar­le­hens­ver­trä­ge ab dem 11.06.2010 etwas zer­split­tert in der Repu­blik.
Nen­nens­wert sind bis­her ins­be­son­de­re die Urtei­le des Bun­des­ge­richts­hofs vom 23.02.2016 Az. XI ZR 101/15 und 22.11.2016, Az. XI ZR 434/15, sowie vom 04.07.2017 Az. XI ZR 741/16.
Der Wider­ruf selbst soll­te immer bedin­gungs­los erklärt wer­den. Als Gestal­tungs­recht ist er bedin­gungs­feind­lich. Er soll­te zudem nicht als Druck­mit­tel für eine Nach­ver­hand­lung mit der Bank ver­wen­det wer­den.
Gleich­falls soll­te ein Wider­ruf nicht ohne Grund erklärt wer­den, denn auch eine Bank kann auf Wirk­sam­keit des Ver­tra­ges kla­gen und den Dar­le­hens­neh­mer so in einen Pro­zess zwin­gen, wenn er den Wider­ruf erklärt. Stellt sich die­ser sodann als unbe­rech­tigt her­aus, trägt der Dar­le­hens­neh­mer ggf. die Kos­ten des Ver­fah­rens.
Zögern Sie daher nicht, sich anwalt­lich bera­ten zu las­sen, ob Ihnen noch ein Wider­rufs­recht zusteht.
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