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Timestamp: 2020-04-07 08:39:41
Document Index: 227495560

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 675', '§ 5', '§ 5', '§ 3', '§ 91', '§ 1']

Schneider/Wolf, Anwaltkommentar RVG, RVG VV 7003–7006 | Deutsches Anwalt Office Premium | Recht | Haufe
Schneider/Wolf, Anwaltkommentar RVG, RVG VV 7003–7006
Fahrtkosten für eine Geschäftsreise bei Benutzung eines eigenen Kraftfahrzeugs für jeden gefahrenen Kilometer……
Mit den Fahrtkosten sind die Anschaffungs-, Unterhaltungs- und Betriebskosten sowie die Abnutzung des Kraftfahrzeugs abgegolten. 0,30 EUR
7004 Fahrtkosten für eine Geschäftsreise bei Benutzung eines anderen Verkehrsmittels, soweit sie angemessen sind…… in voller Höhe
1. von nicht mehr als 4 Stunden……
2. von mehr als 4 bis 8 Stunden……
3. von mehr als 8 Stunden……
Bei Auslandsreisen kann zu diesen Beträgen ein Zuschlag von 50 % berechnet werden. 70,00 EUR
7006 Sonstige Auslagen anlässlich einer Geschäftsreise, soweit sie angemessen sind…… in voller Höhe
Die gesetzliche Vergütung für Geschäftsreisen des Anwalts richtet sich nach VV 7003 bis 7006. Geregelt sind hiernach:
▪ VV 7003: Erstattung der Fahrtkosten bei Benutzung des eigenen Fahrzeugs
▪ VV 7004: Erstattung der Fahrtkosten bei Benutzung anderer Reisemittel
▪ VV 7005: Tage- und Abwesenheitsgelder
▪ VV 7006: Sonstige Auslagen anlässlich der Geschäftsreise.
Ergänzend gilt VV Vorb. 7:
▪ Abs. 2: Begriff der Geschäftsreise
▪ Abs. 3 S. 1: Verteilung der Kosten bei mehreren Geschäftsreisen
▪ Abs. 3 S. 2: Erstattung der Reisekosten bei Verlegung der Kanzlei.
Die Vorschriften der VV 7003 bis 7006 gelten nur im Rahmen der anwaltlichen Tätigkeiten innerhalb des Abgeltungsbereichs des RVG (§ 1 Abs. 1). Für sonstige Tätigkeiten des Anwalts gelten diese Vorschriften nicht. Die Vergütung richtet sich dann nach speziellen Regelungen, und wenn diese nicht vorhanden sind, nach den §§ 675, 670 ff. BGB.
Führt der Anwalt die Reise nicht selbst durch, sondern beauftragt er einen Vertreter, so kann er dessen Reisekosten ebenfalls nach den VV 7003 bis 7006 abrechnen, sofern es sich um einen der in § 5 aufgezählten Vertreter handelt. Für andere Vertreter kann der Anwalt nur die ihm tatsächlich entstandenen Auslagen verlangen, also Fahrtkosten, Übernachtungskosten und ein angemessenes Zehrgeld (siehe § 5 Rdn 67 ff.). Will er auch für diese Personen nach den VV 7003 bis 7006 abrechnen, bedarf dies einer Vergütungsvereinbarung nach § 3a.
III. Sachlicher Anwendungsbereich: Geschäftsreise, VV Vorb. 7 Abs. 2
Voraussetzung dafür, dass der Anwalt Reisekosten abrechnen kann, ist, dass eine Geschäftsreise i.S.d. VV 7003 bis 7006 vorliegt. Der Begriff der Geschäftsreise ist in VV Vorb. 7 Abs. 2 definiert. Eine Geschäftsreise liegt danach vor, wenn das Reiseziel außerhalb der Gemeinde liegt, in der sich die Kanzlei oder die Wohnung des Rechtsanwalts befindet. Maßgebend ist jetzt also allein, ob der Anwalt das Gebiet der politischen Gemeinde verlassen muss (im Einzelnen siehe VV Vorb. 7 Rdn 41 ff.).
IV. Abrechnungsfähige Kosten
Liegt eine Geschäftsreise (vgl. Rdn ) vor, sind dem Anwalt die Fahrtkosten (VV 7003, 7004), eventuelle sonstige Kosten, insbesondere Übernachtungskosten (VV 7006), sowie als pauschale Aufwendungen Tage- und Abwesenheitsgelder (VV 7005) zu erstatten.
V. Gleichzeitige Geschäftsreise in mehreren Angelegenheiten, VV Vorb. 7 Abs. 3 S. 1
Unternimmt der Anwalt eine Geschäftsreise für mehrere Angelegenheiten, so sind die Gesamtkosten anteilig auf die einzelnen Angelegenheiten umzulegen. Wie hier zu rechnen ist, ergibt sich aus VV Vorb. 7 Abs. 3 S. 1 (siehe VV Vorb. 7 Rdn 47 ff.).
VI. Mehrkosten bei Verlegung der Kanzlei, VV Vorb. 7 Abs. 3 S. 2
Mehrkosten, die aus der Verlegung der Kanzlei resultieren, kann der Anwalt nicht ersetzt verlangen. Nach Verlegung seiner Kanzlei erhält er Reisekosten nach den VV 7003 bis 7006 nur insoweit, als sie auch vom ursprünglichen Kanzleisitz angefallen wären (siehe VV Vorb. 7 Rdn 56).
VII. Erforderlichkeit der Geschäftsreise
Die Geschäftsreise muss auch erforderlich gewesen sein. Dies ist nicht nur eine Frage der Kostenerstattung nach § 91 ZPO, sondern auch schon eine Frage der Erstattungsfähigkeit innerhalb des Anwaltsauftrags. Geschäftsreisen, die nicht erforderlich sind, braucht der Mandant nicht zu vergüten, es sei denn, er hat der Reise zugestimmt oder sie sogar gewünscht. Eines ausdrücklichen Auftrags bedarf es nicht. Die Erforderlichkeit kann sich auch aus den Umständen ergeben. So kann es z.B. in einer Verkehrsunfallsache erforderlich sein, dass sich der Anwalt die Unfallstelle ansieht.
Nicht erforderlich sein soll eine Geschäftsreise, wenn der Anwalt keine organisatorische Vorsorge trifft, dass ihn die Benachrichtigung einer am Nachmittag des Vortags verfügten Terminverlegung vor Antritt der Reise erreicht. Dies ist bedenklich. Anders entschieden hat daher zu Recht das OLG München. Danach sind die Reisekosten eines Anwalts nicht vermeidbar, wenn die Klägerin die Rücknahme ihrer Klage erst am späten Nachmittag des Tages vor dem Termin zur mündlichen Verhandlung mitteilt.
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