Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F20-04-2004-U_299-2003
Timestamp: 2016-10-21 20:11:17
Document Index: 283812150

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 299/03 (20.04.2004)
M.________, 1951, Beschwerdef�hrer, vertreten durch F�rsprecherin Daniela Mathys, Schwarztorstrasse 7, 3007 Bern,
Der 1951 geborene M.________ war seit 1978 als Lehrer bei der Schule X.________ angestellt und damit bei der Berner Allgemeinen Versicherungs-Gesellschaft (nunmehr Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft; im Folgenden: Allianz) obligatorisch gegen Unf�lle versichert. Am 9. Februar 1998 st�rzte er w�hrend des Turnunterrichts beim Eislaufen r�ckw�rts auf den Hinterkopf. Die Erstbehandlung erfolgte bei Dr. med. H.________, Allgemeine Medizin FMH, der occipito-frontale Kopfschmerzen und ein Cervicalsyndrom diagnostizierte. Nach dem Unfall war der Versicherte vorerst zu 100 % arbeitsunf�hig. Nach einer kurzen Phase voller Arbeitsf�higkeit ist er seit 20. April 1998 zu 50 % arbeitsunf�hig. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld). Vom 14. Juli bis 11. August 1999 war der Versicherte in der Klinik Y.________ hospitalisiert. Mit Verf�gung vom 18. August 2000 verneinte die Allianz ihre Leistungspflicht ab 1. Januar 2000, da die seit diesem Zeitpunkt bestehenden Beschwerden nicht mehr in einem ad�quaten Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 9. Februar 1998 st�nden. Dagegen erhoben der Versicherte und die mitbetroffene EGK-Gesundheitskasse, Einsprache. In der Folge holte die Allianz bei Dr. med. K.________, Facharzt f�r Neurologie und Psychiatrie, Chefarzt der Klinik Z.________, ein Gutachten ein, das am 22. November 2001 erstattet wurde. Zu diesem Zweck hielt sich der Versicherte vom 24. September bis 4. Oktober 2001 in der Klinik auf. Mit Entscheid vom 2. September 2002 wies die Allianz die Einsprachen gegen die Verf�gung vom 18. August 2000 ab.
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt der Versicherte, in Aufhebung des kantonalen Entscheides sei die Allianz zu verpflichten, ihm auch nach dem 1. Januar 2000 die gesetzlichen Leistungen nach UVG auszurichten, wie Rentenleistungen und eine Integrit�tsentsch�digung.
Die Allianz schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, w�hrend das Bundesamt f�r Sozialversicherung, Abteilung Kranken- und Unfallversicherung (seit 1. Januar 2004 im Bundesamt f�r Gesundheit), und die als Mitbeteiligte beigeladene EGK−Gesundheitskasse auf eine Vernehmlassung verzichten.
Das kantonale Gericht hat die gesetzlichen Bestimmungen und die Grunds�tze zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod; BGE 123 V 45 Erw. 2b, 119 V 337 Erw. 1, 117 V 360 Erw. 4, je mit Hinweisen), zur vorausgesetzten Ad�quanz des Kausalzusammenhangs im Allgemeinen (BGE 127 V 102 Erw. 5b/aa, 125 V 461 Erw. 5a, je mit Hinweisen) sowie bei psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.), Folgen eines Unfalls mit Schleudertrauma der Halswirbels�ule (HWS; BGE 117 V 359 ff.) oder einer diesem �quivalenten Verletzung (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2) oder mit Sch�del-Hirntrauma (BGE 117 V 369 ff.) ohne organisch nachweisbare Funktionsausf�lle im Besonderen zutreffend dargelegt. Gleiches gilt hinsichtlich der Rechtsprechung zu den F�llen, in welchen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS (bzw. einer �quivalenten Verletzung) oder eines Sch�del-Hirntraumas geh�renden Beeintr�chtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten (BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb, 123 V 99 Erw. 2a). Richtig sind auch die Ausf�hrungen zu dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 153 Erw. 2.1 mit Hinweisen) und zum Beweiswert eines Arztberichts (BGE 125 V 352 Erw. 3a; AHI 2001 S. 113 Erw. 3a). Beizupflichten ist im Weiteren den Erw�gungen der Vorinstanz, dass das am 1. Januar 2003 in Kraft getretene Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 nicht anwendbar ist (BGE 129 V 4 Erw. 1.2). Darauf wird verwiesen.
Streitig und zu pr�fen ist die Frage des ad�quaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall des Versicherten vom 9. Februar 1998 (Sturz beim Eislaufen auf den Hinterkopf) und den geklagten Leiden.
2.1 Aufgrund des Gutachtens des Dr. med. K.________ vom 22. November 2001 ist davon auszugehen, dass der Versicherte beim genannten Unfall ein leichtgradiges Sch�del-Hirntrauma mit Verdacht auf HWS-Distorsion erlitten hat. Demnach erfolgt die Beurteilung der Ad�quanz nach den in BGE 117 V 366 Erw. 6a und 382 Erw. 4b festgelegten Kriterien (BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb).
Es gibt keine Veranlassung, von dieser Rechtsprechung abzuweichen. Insbesondere ist die Frage der Kausalit�t nicht nach der allgemeinen Ad�quanzformel zu pr�fen. Zwar trifft es zu, dass das Eidgen�ssische Versicherungsgericht im Urteil D. vom 27. M�rz 2003, U 71/02, festgehalten hat, bei der psychischen Fehlverarbeitung eines durch Unfall verursachten Tinnitus sei der ad�quate Kausalzusammenhang nach der normalen Ad�quanzformel zu beurteilen. Diese Rechtsprechung bezieht sich indessen nur auf die Dekompensation eines unfallbedingten Tinnitus und nicht auf Sch�del-Hirntraumata oder dem Schleudertrauma �quivalente Verletzungen.
2.2 Der Beschwerdef�hrer behauptet, die Beschwerdegegnerin habe die ad�quate Kausalit�t durch Ausrichtung von Taggeldern anerkannt. Da dem UVG ein einheitlicher Kausalit�tsbegriff zu Grunde liege, sei die Einstellung der Leistungen unzul�ssig.
Das Eidgen�ssische Versicherungsgericht hat in BGE 127 V 102 entschieden, dass den UVG-Leistungen ein einheitlicher Ad�quanzbegriff zu Grunde zu legen ist. Das besagt aber noch nicht, dass mit der Gew�hrung von Taggeldzahlungen der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen dem sch�digenden Ereignis und den Unfallfolgen ein f�r allemal anerkannt wird. Vielmehr bedarf die Beantwortung dieser Rechtsfrage unter Umst�nden eines l�ngeren Zeitraumes. So setzt die ad�quate Kausalit�t bei Unf�llen im mittelschweren Bereich u.a. voraus, dass Dauerbeschwerden vorliegen und dass ein schwieriger Heilungsverlauf gegeben ist. Sie richtet sich auch nach der Art und Dauer der Arbeitsunf�higkeit sowie nach der Dauer der Behandlung. Die Pr�fung der Ad�quanzfrage kann demnach nicht stets unmittelbar nach dem Unfall erfolgen, und dem Unfallversicherer muss es m�glich sein, die Ad�quanz namentlich im Hinblick auf einen allf�lligen Rentenanspruch erst nach Abschluss des normalen, unfallbedingt erforderlichen Heilungsprozesses zu pr�fen. Im Weiteren hat das Gericht (nur) zu entscheiden, ob u.a. der ad�quate Kausalzusammenhang im Zeitpunkt der Einstellung der erw�hnten Leistungen gegeben war. �ber das Bestehen der Ad�quanz in einem fr�heren Zeitpunkt bei Beginn der Leistungsausrichtung und verneinendenfalls �ber die allf�llige R�ckerstattung von Leistungen hat es sich nicht auszusprechen. Diese w�rde wohl regelm�ssig an der Voraussetzung der zweifellosen Unrichtigkeit scheitern (Urteil K. vom 6. Mai 2003 Erw. 4.2.1, U 6/03).
Mit der Vorinstanz ist von einem Unfall im mittelschweren Bereich an der Grenze zu den leichten Unf�llen auszugehen. Unbestritten und aufgrund der Akten ist erstellt, dass einerseits keine dramatischen Begleitumst�nde vorlagen, andererseits die Kriterien der Dauerbeschwerden und der langen Arbeitsunf�higkeit (100 % vom 10. bis 16. Februar 1998; 50 % seit 20. April 1998; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544) erf�llt sind.
Die �brigen Ad�quanzkriterien hat die Vorinstanz zu Recht verneint. Es ergibt sich Folgendes:
3.1 Der Versicherte hat bei seinem Sturz ein leichtgradiges Sch�del-Hirntrauma mit Verdacht auf HWS-Distorsion erlitten. Von einer weitergehenden, schweren Verletzung oder von einer Verletzung besonderer Art kann nicht gesprochen werden, liegen doch diesbez�glich keine medizinischen Akten vor. Die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde unter diesem Kriterium geltend gemachten Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel, Konzentrationsst�rungen, Licht- und L�rmempfindlichkeit, Sehbeschwerden, M�digkeit sowie verminderte Belastbarkeit, welche den Versicherten einschr�nken, sind bereits unter dem Kriterium der Dauerbeschwerden ber�cksichtigt.
3.2 Eine ungew�hnlich lange Dauer der Behandlung kann ebenso wenig bejaht werden. Aus den Akten ergibt sich, dass zwischen dem zweiten Halbjahr 1999 und dem ersten Halbjahr 2000 keine �rztliche Behandlung mehr stattgefunden hat. Ab Sommer 2000 wurde die Behandlung wieder aufgenommen. Ab dem Zeitpunkt der Untersuchungen von Dr. med. K.________ (24. September bis 4. Oktober 2001) stand fest, dass keine regelm�ssigen therapeutischen Massnahmen mehr erforderlich waren. Insgesamt dauerte demnach die Behandlung etwas weniger als zwei Jahre. Diese Behandlungsbed�rftigkeit ist f�r ein Sch�del-Hirntrauma nicht un�blich lang, weshalb das Kriterium zu verneinen ist.
3.3 Der Beschwerdef�hrer ist der Auffassung, es liege eine �rztliche Fehlbehandlung vor, da er w�hrend eines Monats �rztlich verordnet einen Halskragen habe tragen m�ssen.
Aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass das einmonatige Tragen eines weichen Halskragens zur Verschlimmerung oder gar zur Chronifizierung der Beschwerden gef�hrt hat. Die vom Versicherten mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereichten Unterlagen belegen �berdies nur, dass auch in Fachkreisen von l�ngerem Gebrauch von Halskragen eher abgeraten wird. Die Frage ist indessen in medizinischen Fachkreisen umstritten. Jedenfalls kann nicht als erstellt gelten, dass das einmonatige Tragen eines weichen Halskragens als medizinische Fehlbehandlung, die zur Verschlimmerung des Gesundheitszustandes f�hrt, gez�hlt werden muss.
3.4 Schliesslich fehlt es auch am Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufes. Der Gesundheitszustand des Versicherten ist aufgrund der �rztlichen Zeugnisse als station�r zu bezeichnen, wobei sich der Gesamtzustand eher verbessert hat. Erhebliche Komplikationen sind keine eingetreten. Insbesondere ergeben die medizinischen Akten keine Hinweise daf�r, dass die Magen-Darmprobleme des Versicherten von erheblicher Bedeutung gewesen w�ren. Sie waren �berdies nur von vor�bergehender Natur.
3.5 Mithin sind lediglich zwei von sieben Ad�quanzkriterien erf�llt. Da kein Kriterium in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt ist, reicht diese Ausgangslage f�r die Bejahung der Ad�quanz nicht aus (vgl. Urteil H. vom 21. Oktober 2003, U 45/03). Die vorinstanzlich best�tigte Leistungseinstellung ab 1. Januar 2000 ist daher rechtens.
Dieses Urteil wird den Parteien, der EGK-Gesundheitskasse, Laufen, dem Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, und dem Bundesamt f�r Gesundheit (BAG) zugestellt.