Source: https://www.steuerberaterlupe.de/verjaehrung-und-stillhalteabkommen-in-der-steuerberaterhaftung-1839/
Timestamp: 2019-09-16 06:04:22
Document Index: 228012971

Matched Legal Cases: ['§ 202', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Zum Abschluss eines stillschweigen­den Still­hal­te­abkom­mens in der Steuer­ber­ater­haf­tung.
Wenn der Steuer­ber­ater einen fehler­haften Rat in ein­er Steuer­sache erteilt und dieser sich in einem für den Man­dan­ten nachteili­gen Steuerbescheid niedergeschla­gen hat, ist nach gefes­tigter Recht­sprechung des Bun­des­gericht­shofs eine als Schaden anzuse­hende Ver­schlechterung der Ver­mö­genslage des Man­dan­ten grund­sät­zlich erst mit der Bekan­nt­gabe des Beschei­ds einge­treten. Das gilt für alle Schadens­fälle in Steuer­sachen, gle­ichgültig, ob die Schaden­sur­sache dazu führt, dass gegen den Man­dan­ten ein Leis­tungs­bescheid der Finanzbe­hörde erge­ht oder ein Steuer­vorteil durch einen Feststel-lungs-(Grundlagen-) Bescheid ver­sagt wird1.
Ein ver­jährung­shem­mendes (§§ 202 Abs. 1, 205 BGB a.F.) Still­hal­te­abkom­men (etwa bis zum recht­skräfti­gen Abschluss eines finanzgerichtlichen Klagev­er­fahrens) ist nach der Recht­sprechung des Bun­des­gericht­shofs nur anzunehmen, wenn der Schuld­ner auf­grund ein­er rechts­geschäftlichen Vere­in­barung berechtigt sein soll, vorüberge­hend die Leis­tung zu ver­weigern, und der Gläu­biger sich umgekehrt der Möglichkeit begeben hat, seine Ansprüche jed­erzeit weit­erzu­ver­fol­gen2. Eine solche Vere­in­barung kann auch „stillschweigend“ durch schlüs­siges Ver­hal­ten getrof­fen wer­den3. Hier­für muss aber ein äußeres Ver­hal­ten fest­gestellt wer­den, welch­es als Aus­druck ein­er solchen ein­vernehm­lichen Entschließung aus­gelegt wer­den kann4.
Die Ver­jährung­seinrede des Recht­san­walts oder Steuer­ber­aters gegenüber einem Schadenser­satzanspruch des Man­dan­ten ist unbeachtlich, wenn sie gegen das Ver­bot der unzuläs­si­gen Recht­sausübung (§ 242 BGB) ver­stößt5. Der Zweck der Ver­jährungsregelung ver­langt, an diesen Ein­wand strenge Anforderun­gen zu stellen, so dass dieser einen groben Ver­stoß gegen Treu und Glauben voraus­set­zt6. Dies kann der Fall sein, wenn der Schuld­ner, sei es auch nur unab­sichtlich, den Gläu­biger von der rechtzeit­i­gen Ein­kla­gung der Regress­forderung abge­hal­ten hat, etwa indem er den Gläu­biger nach objek­tiv­en Maßstäben zur Annahme ver­an­lasst hat, der Anspruch werde auch ohne Rechtsstre­it erfüllt oder nur mit Ein­wen­dun­gen in der Sache bekämpft7. Ein solch­er Ver­trauen­statbe­stand kann vor­liegen, wenn der haftpflichtige Anwalt den geschädigten Man­dan­ten vor Ein­tritt der Ver­jährung bewogen hat, im Hin­blick auf den Regres­sanspruch den Aus­gang eines anderen Ver­fahrens abzuwarten8. Die Ver­jährung­seinrede ist aber nicht allein deswe­gen ein Rechtsmiss­brauch, weil der Anwalt zum gel­tend gemacht­en Schadenser­satzanspruch geschwiegen hat oder der Man­dant der Ansicht war, er könne mit der Klageer­he­bung noch zuwarten9.
Bun­des­gericht­shof, Urteil vom 15. Juli 2010 — IX ZR 180/09
BGHZ 119, 69, 72 f; 129, 368, 388; BGH, Urteile vom 18.12.1997 — IX ZR 180/96, WM 1998, 779, 780; vom 23.01.2003 — IX ZR 180/01, WM 2003, 936, 939; vom 12.02.2004 — IX ZR 246/02, WM 2004, 2034, 2037; vom 03.11.2005 — IX ZR 208/04, WM 2006, 590, 591; vom 13.12.2007 — IX ZR 130/06, WM 2008, 611, 612 Rn. 11 [↩]
BGH, Urteile vom 14.11.1991 — IX ZR 31/91, NJW 1992, 836; vom 05.11.1992 — IX ZR 200/91, NJW 1993, 1320, 1323; vom 23.04.1998 — III ZR 7/97, NJW 1998, 2274, 2277; vom 16.12.1998 — VIII ZR 197/97, NJW 1999, 1022, 1023; vom 27.01.1999 — XII ZR 113/97, NJW 1999, 1101, 1103; vom 06.07.2000 — IX ZR 134/09, WM 2000, 1812, 1813. [↩]
BGH, Urteile vom 09.09.1999 — IX ZR 334/97, WM 1999, 2358, 2359; vom 06.07.2000 — IX ZR 134/09, aaO; Zuge­hör in Zugehör/ Fischer/Sieg/Schlee, aaO Rn. 1414 [↩]
BGH, Urteile vom 14.11.1991 — IX ZR 31/91, aaO; vom 06.07.2000 — IX ZR 134/09, aaO; Men­nemey­er in Fahrendorf/Mennemeyer/Terbille, Die Haf­tung des Recht­san­walts 8. Aufl. Rn. 1335 [↩]
BGHZ 94, 380, 391 f; BGH, Urteil vom 29.02.1996 — IX ZR 180/95, WM 1996, 1106, 1108 [↩]
BGH, Urteil vom 01.10.1987 — IX ZR 202/86, WM 1988, 127, 128; vom 29.02.1996 — IX ZR 180/95, aaO; vom 21.06.2001 — IX ZR 73/00, WM 2001, 1677, 1679 [↩]
BGH, Urteile vom 29.02.1996 — IX ZR 180/95, aaO; vom 21. Juni 2001 — IX ZR 73/00, WM 2001, 1677, 1679 [↩]
BGH, Urteil vom 29.02.1996 — IX ZR 180/95, aaO [↩]
BGH, Urteil vom 01.10.1987 — IX ZR 202/86, aaO, WM 1988, 127, 128; Zuge­hör in Zugehör/Fischer/ Sieg/Schlee, aaO, Rn. 1437 [↩]