Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Urlaubsabgeltung_LAG_Muenchen_4Sa1029-09.html
Timestamp: 2017-01-20 09:47:15
Document Index: 253706933

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 242', '§ 7', '§ 18', '§ 2', '§ 3', '§ 64', '§ 66', '§ 69', '§ 3', '§ 5', '§ 97', '§ 72']

HENSCHE Arbeitsrecht: 4 Sa 1029/09
Arbeitsgericht Regensburg, Urteil vom 12.10.2009, 3 Ca 861/09
Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter:Rechts­an­walt B. B-Straße, B-Stadt
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:Rechts­anwälte E. E-Straße, E-Stadt
T a t b e s t a n d : Der Kläger macht ge­genüber der Be­klag­ten als sei­ner frühe­ren Ar­beit­ge­be­rin ei­nen Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch - zu­letzt aus­ge­hend vom ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub - gel­tend.
Der am 0.0.1962 ge­bo­re­ne Kläger war auf der Grund­la­ge des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 01.07.1984 (Bl. 72 - 77 d. A.) ab die­sem Zeit­punkt bei der Be­klag­ten als kaufmänni­scher An­ge­stell­ter im In­nen- und Außen­dienst mit ei­ner Vergütung von zu­letzt durch­schnitt­lich et­wa 0.- € brut­to mo­nat­lich beschäftigt. Das Ar­beits­verhält­nis wur­de nach ei­ner Ar­beit­ge­berkündi­gung der Be­klag­ten vom 04.08.2007 im Rah­men des hierüber geführ­ten Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses durch, be­stands­kräftig ge­wor­de­nen, ge­richt­li­chen Ver­gleich vom 24.10.2007 (An­la­ge K 1, Bl. 5 - 7 d. A.) zum 31.03.2008 be­en­det.Der Kläger war ab dem 06.06.2007 dau­er­haft ar­beits­unfähig er­krankt und - nach sei­nen un­be­strit­te­nen Ein­las­sun­gen in den münd­li­chen Ver­hand­lun­gen im erst­in­stanz­li­chen und im zweit­in­stanz­li­chen Ver­fah­ren - über das En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses (31.03.2008) hin­aus wei­ter bis zu sei­ner Ver­ren­tung zum 01.08./01.09.2008 - Be­ginn des Be­zugs ei­ner Ren­te we­gen Er­werbs­min­de­rung - durch­ge­hend ar­beits­unfähig.
von Zah­lungs­ansprüchen und der dor­ti­ge Ver­weis auf Rest­ur­laubs­ansprüche des Klägers im Schrei­ben sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 30.10.2007 sei­en als all­ge­mei­ne Hin­wei­se und da­mit nicht als kon­kre­te Gel­tend­ma­chung ei­nes fälli­gen Zah­lungs­an­spruchs im Sin­ne der Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lung zu wer­ten. Ent­ge­gen der bis­lang herr­schen­den Mei­nung und Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, wo­nach auf den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch ei­ne ta­rif­li­che Aus­schluss­frist im Hin­blick auf § 13 Abs. 1 BUrlG kei­ne An­wen­dung fin­den könne, ha­be der Kläger un­ge­ach­tet ei­ner mögli­chen Erfüll­bar­keit des Ur­laubs­an­spruchs auf­grund sei­ner fort­be­ste­hen­den Ar­beits­unfähig­keit nach ak­tu­el­ler Recht­spre­chung mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nen fälli­gen Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch als al­lein fi­nan­zi­el­len An­spruch ge­habt, der des­halb nun­mehr un­ter den Gel­tungs­be­reich ei­ner ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist wie hier fal­len müsse. Der An­wend­bar­keit der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist auf den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch ab 31.03.2008 ste­he auch nicht § 242 BGB ent­ge­gen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­be be­reits dar­auf hin­ge­wie­sen, dass mit Be­kannt­ga­be des Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 02.08.2006 zum Eu­ropäischen Ge­richts­hof mit ei­ner mögli­chen Ände­rung der Recht­spre­chung zur Aus­le­gung des § 7 Abs. 3 BUrlG zu rech­nen ge­we­sen sei, wes­halb ein Ar­beit­neh­mer trotz durch­ge­hen­der Ar­beits­unfähig­keit vor­sorg­lich sei­ne Ur­laubs­ansprüche bzw. -ab­gel­tungs­ansprüche ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber gel­tend hätte ma­chen müssen, um zunächst die ers­te Stu­fe der zwei­stu­fi­gen ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist in § 18 des ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­tra­ges zu wah­ren. Bei ge­richt­li­cher Gel­tend­ma­chung zur Wah­rung de­ren zwei­ter Stu­fe hätte ein anhängi­ger Rechts­streit bis zu der zu er­war­ten­den Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs aus­ge­setzt wer­den oder bei­de Par­tei­en hätten außer­ge­richt­lich ei­ne Ver­ein­ba­rung zum zulässi­gen einst­wei­li­gen Un­ter­blei­ben ei­ner Kla­ge­er­he­bung tref­fen können. Auch be­ste­he kein Scha­dens­er­satz­an­spruch we­gen ei­nes von der Be­klag­ten et­wa pflicht­wid­rig un­ter­las­se­nen Hin­wei­ses gem. § 2 Abs. 1 Nr. 10 NachwG, da die­ses elf Jah­re nach Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en in Kraft ge­tre­ten und die Be­klag­te als Ar­beit­ge­be­rin hier auch nicht nach § 3 NachwG ver­pflich­tet ge­we­sen sei, dem Kläger we­gen et­wai­ger Ände­rung der we­sent­li­chen Ver­trags­be­din­gun­gen ei­ne schrift­li­che Mit­tei­lung zu ge­ben: Hier sei im Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens des Nach­weis­ge­set­zes be­reits ein frühe­rer Man­tel­ta­rif­ver­trag für den Groß-und Außen­han­del in Bay­ern all­ge­mein­ver­bind­lich ge­we­sen.Hier­ge­gen rich­tet sich die Be­ru­fung des Klägers mit Schrift­satz sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 01.12.2009, am sel­ben Tag zunächst per Te­le­fax beim Lan­de­sar-
E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e : Die zulässi­ge Be­ru­fung des Klägers hat in der Sa­che kei­nen Er­folg.
I. Die gemäß § 64 Abs. 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung des Klägers ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den und da­her zulässig (§§ 66 Abs. 1 Satz 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG, 519, 520 ZPO).
II. Die Be­ru­fung des Klägers ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat im Er­geb­nis zu­tref­fend und in­halt­lich ausführ­lich und über­zeu­gend be­gründet ent­schie­den - wor­auf zunächst Be­zug ge­nom­men wird (§ 69 Abs. 2 ArbGG) -, dass dem Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch des Klägers, den er, in rech­ne­risch un­strei­ti­ger Höhe, mit der Be­ru­fung nur noch in Höhe des (je­wei­li­gen) ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laubs­an­spruchs gel­tend macht (§§ 3 und 5 Abs. 1 lit. c, Abs. 2 BUrlG) - nur in­so­weit das Erst­ur­teil an­ficht -, je­den­falls nun­mehr des­sen Ver­fall auf­grund Versäum­ung der Aus­schluss­frist(en) des ein­schlägi­gen Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges ent­ge­gen­steht (da­zu 1.), auch kein ent­spre­chen­der Scha­dens­er­satz­an­spruch ge­ge­ben ist (da­zu 2.).
bb) Der so­mit in das Ur­laubs­jahr 2008 über­tra­ge­ne rest­li­che - als sol­che un­strei­ti­ge -Ur­laubs­an­spruch des Klägers für das Ur­laubs­jahr 2007 und sein Teil­ur­laubs­an­spruch für die ers­ten drei Mo­na­te des Ur­laubs­jah­res 2008 - § 5 Abs. 1 lit. c BUrlG - wa­ren ent­ge­gen der frühe­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht des­we­gen als er­lo­schen an­zu­se­hen, weil der Kläger zu die­sem Zeit­punkt ar­beits­unfähig aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schied (und wei­ter ar­beits­unfähig war).
An­ders als der Kläger ins­be­son­de­re in sei­ner Be­ru­fung ar­gu­men­tiert, war der Ur­laub zu die­sem Zeit­punkt nicht et­wa auf­grund der „Gel­tung“ - Maßga­be - der da­ma­li­gen an­ders­lau­ten­den ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, im ob­jek­ti­ven Sinn, „er­lo­schen“ (was ihn des­halb von vorn­her­ein an ei­ner da­ma­li­gen, recht­zei­ti­gen, Gel­tend­ma­chung/Kla­ge­er­he­bung ge­hin­dert hätte):Die An­nah­me des Erlöschens des Ur­laubs- und Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruchs bei über das En­de des Ur­laubs­jah­res bzw. des Über­tra­gungs­zeit­raums fort­dau­ern­der Ar­beits­unfähig­keit des Ar­beit­neh­mers - was im Bun­des­ur­laubs­ge­setz nicht von vorn­her­ein so an­ge­legt ist (BAG, U. v. 24.03.2009, aaO - Rz. 62 -) - war kei­ne ob­jek­ti­ve, ins­be­son­de­re durch ei­ne ein­deu­ti­ge Rechts­la­ge - ei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung des Bun­des­ur­laubs­ge­set­zes - un­mit­tel­bar an­ge­ord­ne­te Rechts­fol­ge, son­dern Recht­spre­chung - de­ren Aus­le­gung der ge­setz­li­chen Re­ge­lung, ei­ne dies le­dig­lich fest­stel­len­de richter­recht­li­che An­nah­me, wie die Be­klag­te hier­zu zu Recht ausführt. Richter­recht kann nicht ge­nu­in neu­es Recht schaf­fen bzw. kon­sti­tu­tiv gel­ten­de Rechts­vor­schrif­ten ge­ne­rie­ren, son­dern das gel­ten­de Recht nur aus­le­gen und in sei­nem In­halt, sei­ner Gel­tung und sei­ner Reich­wei­te de­kla­ra­to­risch fest­stel­len.
b) Je­doch sind die Ur­laubs­ab­gel­tungs­ansprüche des Klägers in der Fol­ge we­genVersäum­ung der ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist er­lo­schen.
aa) Mit dem Ar­beits­ge­richt ist auch zur Über­zeu­gung der Be­ru­fungs­kam­mer da­vonaus­zu­ge­hen, dass auf Ur­laubs­ab­gel­tungs­ansprüche - auch, so­weit sie den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub be­tref­fen - nun­mehr (je­den­falls ta­rif­ver­trag­li­che) Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lun­gen zur An­wen­dung kom­men:
a) Ansprüche we­gen Nichtübe­rein­stim­mung des aus­ge­zahl­ten Be­tra­ges mit der Ent­gel­tab­rech­nung bzw. dem Ent­gelt­nach­weis:un­verzüglich.
c) Al­le übri­gen Ansprüche:2 Mo­na­te nach Fällig­keit (Ur­laub 3 Mo­na­te nach En­de des Ur­laubs­jah­res).
d) Im Fal­le der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses: 2 Mo­na­te nach dem Aus­schei­den....
Dies gilt auch sinn­gemäß für Ansprüche des Ar­beit­ge­bers ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer/der Ar­beit­neh­me­rin....“
III. Der Kläger hat da­mit die Kos­ten sei­ner er­folg­lo­sen Be­ru­fung zu tra­gen (§ 97 Abs. 1 ZPO).
IV. Die Re­vi­si­on war be­reits im Hin­blick auf die Ab­wei­chung von der bis­he­ri­gen ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­ge zu­zu­las­sen (§ 72 Abs. 2 Nr. 2 ArbGG). Im Ein­zel­nen gilt:
Zur Möglich­keit der Re­vi­si­ons­ein­le­gung mit­tels elek­tro­ni­schen Do­ku­ments wird auf die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 09.03.2006 (BGBl. I, 519 ff.) hin­ge­wie­sen. Ein­zel­hei­ten hier­zu un­ter http://www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de Bur­ger Herbst Pe­ter	m.hensche.de
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