Source: https://www.suva.ch/de-CH/material/Factsheets/vorsicht-bei-schnellwechseleinrichtungen-fur-bagger/
Timestamp: 2019-08-20 06:13:10
Document Index: 204391406

Matched Legal Cases: ['Art. 24', 'Art. 32', 'Art. 24', 'Art. 32', 'Art. 5', 'Art. 3', 'Art. 16', 'Art. 24', 'Art. 32', 'Art 24', 'Art. 32', 'Art. 32']

Vorsicht bei Schnellwechseleinrichtungen für Bagger!
Eine Häufung schwerer Arbeitsunfälle in den letzten Jahren wirft ein kritisches Licht auf Schnellwechseleinrichtungen an Baggern.
Betroffen sind Schnellwechseleinrichtungen mit motorisch angetriebenen Verriegelungseinrichtungen wie hydraulische oder elektrische Schnellwechseleinrichtungen.
Mit solchen Einrichtungen können Baggerführer selbständig verschiedene Werkzeuge und Anbaugeräte bis hin zu ganzen Bagger-Auslegerteilen an ihren Maschinen vom Bedienungsstand aus wechseln.
Wenn bei Unfällen im Zusammenhang mit Schnellwechseleinrichtungen Werkzeuge und Anbaugeräte von Baggern herunterfallen, ist oft die Einrichtung nicht korrekt verriegelt.
Die Suva hat mehrere Verkaufsverbote für Schnellwechseleinrichtungen per 1. Januar 2016 verfügt. Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV), der Verband der Schweizerischen Baumaschinenwirtschaft (VSBM) und die Suva haben sich nach Gesprächen geeinigt, die Umrüstung unsicherer hydraulischer SWE an Baggern vom 1.1.2020 bis zum 1.1.2025 zeitlich zu staffeln.
Bestimmte Schnellwechseleinrichtungen für Bagger sind gefährlich
Schnellwechseleinrichtungen für Bagger sind praktisch, können jedoch tödliche Gefahren bergen. Sie erlauben es Baggerführern, selbständig verschiedene Werkzeuge und Anbaugeräte bis hin zu ganzen Bagger-Auslegerteilen an ihren Maschinen zu wechseln. Diese Einrichtungen sind heute weit verbreitet. Doch unter anderem haben mehrere tödliche Unfälle gezeigt, dass Werkzeuge und Anbaugeräte bei bestimmten Schnellwechseleinrichtungen allzu leicht herunterfallen und so Menschen gefährden.
Verkaufsverbote seit 2016
Aufgrund des Unfallgeschehens und von Mängeln bezüglich der grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen für die Konstruktion und den Bau von Maschinen hat die Suva mehrere Verkaufsverbote für Schnellwechseleinrichtungen verschiedener Hersteller per 1. Januar 2016 verfügt.
Ein Grossteil der Inverkehrbringer entwickeln ihre bestehenden Schnellwechseleinrichtungen weiter oder bieten bereits weiterentwickelte Lösungen an.
Bundesgericht bestätigt Verkaufsverbote
Das Verkaufsverbot der Suva wurde in drei Fällen angefochten. Das Bundesverwaltungsgericht hiess diese Beschwerden zunächst in drei Urteilen vom 4. und 9. Dezember 2015 gut und hob die Verfügungen der Suva auf.
Nach einer Beschwerde der Suva hat jedoch das Bundesgericht am 10. April 2017 diesen Entscheid korrigiert und die drei angefochtenen Verkaufsverbote bestätigt. Sie sind somit rechtskräftig, so wie alle übrigen ausgesprochenen Verkaufsverbote.
Massnahmen nach UVG ab 2020 bis 2025 im Einzelfall – Die Umrüstung unsicherer hydraulischer Schnellwechseleinrichtungen an Baggern erfolgt ab dem 1.1.2020 zeitlich gestaffelt
Ab dem 1.1.2020 müssen alle unsicheren hydraulischen SWE an Baggern nachgerüstet oder ersetzt sein, die älter sind als acht Jahre. Per 1.1.2025 gilt dies für sämtliche unsicheren hydraulischen SWE an Baggern. Dazwischen müssen unsichere hydraulische SWE nachgerüstet oder ersetzt werden, sobald sie eine Lebensdauer von acht Jahren ab Kaufdatum erreicht haben. Arbeitgeber dürfen entsprechend dieser Übergangsregelung nur noch umgerüstete Schnellwechseleinrichtungen einsetzen und verwenden lassen, die die Bestimmungen der Eidgenössischen Maschinenverordnung (MaschV ) für das Inverkehrbringen dieser Produkte einhalten (Verordnung über die Unfallverhütung VUV Art. 24 Abs. 2 sowie Art. 32a ).
Die Eidgenössische Maschinenverordnung legt fest, dass eine Maschine, welche in der Schweiz in Verkehr gebracht wird, die Bestimmungen der Richtlinie 2006/42/EG (EU-Maschinenrichtlinie ) erfüllen muss.
Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV), der Verband der Schweizerischen Baumaschinenwirtschaft (VSBM) und die Suva haben sich nach Gesprächen geeinigt, die Umrüstung unsicherer hydraulischer SWE an Baggern vom 1.1.2020 bis zum 1.1.2025 zeitlich zu staffeln.
Sie können die gemeinsame Mitteilung hier aufrufen:
Ab 1. Januar 2020 bis 1. Januar 2025 wird die Suva das Verwenden unsicherer Schnellwechseleinrichtungen die älter als 8 Jahre sind nicht mehr akzeptieren. Arbeitgeber dürfen ab dann nur noch Schnellwechseleinrichtungen einsetzen und verwenden lassen, die die Bestimmungen der Eidgenössischen Maschinenverordnung (MaschV ) für das Inverkehrbringen dieser Produkte einhalten (Verordnung über die Unfallverhütung VUV Art. 24 Abs. 2 sowie Art. 32a ).
Bis nichtkonforme Schnellwechseleinrichtungen durch sichere Produkte ersetzt sind, gilt es, Baumaschinenführer bezüglich der Gefahren zu sensibilisieren und für den korrekten Umgang mit den Schnellwechseleinrichtungen zu instruieren, um weitere Unfälle zu vermeiden.
Im Zentrum dieser Instruktion steht der Gegendrucktest, den die Baggerführer nach jedem Werkzeugwechsel durchführen müssen. Die dafür erforderlichen Instruktionsunterlagen werden im Jahr 2018 gemeinsam vom SBV, dem VSBM und der Suva erarbeitet. Über die Art der Instruktion und den Einsatz der Instruktionshilfsmittel werden die Betriebe zu gegebener Zeit informiert. Im Jahre 2019 müssen alle davon betroffenen Baggerführer entsprechend instruiert werden.
Warum kommt es zu Unfällen?
Wenn bei Unfällen im Zusammenhang mit Schnellwechseleinrichtungen in den letzten Jahren Werkzeuge und Anbaugeräte von Baggern herunterfielen, war meist die Schnellwechseleinrichtung nicht korrekt verriegelt. Dies hatte folgende Gründe:
Der Baggerführer hatte das Gerät aus Bequemlichkeit oder unter Zeitdruck wissentlich angehoben, ohne den notwendigen Verriegelungsvorgang abzuschliessen.
Der Baggerführer hatte vergessen, den Verriegelungsvorgang abzuschliessen (Ablenkung).
Dem Baggerführer wurde nicht oder ungenügend angezeigt, dass die Schnellwechseleinrichtung nicht korrekt verriegelt war.
Absturz eines Anbauwerkzeugs (hier zur Illustration des Problems absichtlich durch Fehlmanipulation herbeigeführt)
Weshalb sind bestimmte Schnellwechseleinrichtungen gefährlich?
Ein weit verbreitetes Funktionsprinzip von Schnellwechseleinrichtungen führt durch die Sequenzen aufnehmen – verriegeln – verschliessen:
Aufnehmen: Das Werkzeug oder Anbaugerät wird beispielsweise mit einer offenen Klaue der Schnellwechseleinrichtung an der Aufnahmeachse aufgenommen.
Verriegeln: Mit einem Keil oder Bolzen werden Werkzeug & Anbaugerät und die Schnellwechseleinrichtung mechanisch miteinander verbunden (Formschluss).
Verschliessen: Eine Steuerung – meistens eine Hydraulikschaltung – sorgt dafür, dass sich die Verriegelung nicht selbständig öffnen kann.
Je nach Produkt können folgende Probleme bestehen:
Fehlanwendungen wie das Anheben von Werkzeugen und Anbaugeräten ohne Verriegelung sind grundsätzlich möglich und deshalb vorhersehbar.
Die Anzeige des Verriegelungszustands an den Baggerführer fehlt, ist falsch oder mangelhaft.
Der Verriegelungszustand der Schnellwechseleinrichtung wird von der Steuerung falsch erkannt.
Alle diese Probleme können zum Herunterfallen von Werkzeugen und Anbaugeräten führen.
Was müssen Sie als Verwender für mehr Sicherheit tun?
Mit diesen Massnahmen können Sie die Risiken im Umgang mit Schnellwechseleinrichtungen senken, bis diese durch neue, sichere Produkte ersetzt sind:
- Beschaffen Sie nur noch sichere Produkte.
- Informieren Sie sich bei den Lieferanten, ob die Produkte von Sicherheitsmängeln betroffen sind.
- Instruieren Sie Ihre Mitarbeitenden im Umgang mit den Schnellwechseleinrichtungen.
- Instruieren Sie sie anhand der Betriebsanleitungen und befolgen Sie strikt die Anweisungen der Hersteller.
- Mit diesem Beurteilungsblatt können Fachpersonen wie Werkstattleiter, Baumaschinenmechaniker und technisch versierte Baumaschinenführer testen, ob die von Ihrem Betrieb eingesetzten SWE die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen für die Konstruktion und den Bau von Maschinen mit grosser Wahrscheinlichkeit erfüllen (Beurteilungsblatt hydraulische Schnellwechseleinrichtungen (SWE), v1.05, 11.07.2019).
Baggerführer: Führen Sie bei herkömmlichen Schnellwechseleinrichtungen nach jedem Wechsel eines Werkzeuges oder Anbaugerätes einen Gegendrucktest (Bild) durch. Ein «Rütteltest» – das schnelle Ein- und Ausfahren des Löffelzylinders – ist ungenügend und gibt bei bestimmten Schnellwechseleinrichtungen keine Sicherheit für eine korrekte Verriegelung.
Instandhalter: Führen Sie die Instandhaltung strikt nach Angaben des Herstellers durch.
Gegendrucktest: Belasten Sie das Anbaugerät nach dem Aufnehmen am Boden. So prüfen Sie, ob die Schnellwechseleinrichtung richtig verriegelt ist.
Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf der Seite «Hydraulische Schnellwechsler an Baggern: Machen Sie den Gegendrucktest!» (Link ganz unten auf dieser Seite).
Was tut die Suva und wie ist der Stand des Verfahrens?
Die Suva überwacht die Produktesicherheit
Die Suva beaufsichtigt für die Betriebe der Baubranche sowohl die Anwendung der Arbeitsmittel als auch deren Produktesicherheit. Gestützt auf diesen gesetzlichen Auftrag eröffnete die Suva sogenannte Produktkontrollverfahren für mehrere heute gängige, vorwiegend hydraulische Schnellwechseleinrichtungen. Diese Verfahren haben zum Ziel, Sicherheitsmängel an den Produkten zu beheben. Bei der Behebung dieser Sicherheitsmängel sind die grundlegenden Sicherheitsanforderungen der europäischen Maschinenrichtlinie (Richtlinie 2006/42/EG, Anhang I) umzusetzen.
Im Laufe eines solchen Produktkontrollverfahrens verfügt die Suva ein Verkaufsverbot gegenüber dem Inverkehrbringer (= Verkäufer, Händler, Vermieter, Lieferant) eines von Sicherheitsmängeln betroffenen Produkts. Gleichzeitig wird eine Frist eingeräumt, um ihm zu ermöglichen, in Zusammenarbeit mit dem Hersteller verbesserte Produkte auf den Markt zu bringen.
Verkaufsverbote angefochten – aber vom Bundesgericht bestätigt
Die Suva verfügte mehrere Verkaufsverbote per 1. Januar 2016. In drei Fällen wurden diese Verfügungen angefochten. Das Bundesverwaltungsgericht hob daraufhin die Verkaufsverbote in drei Urteilen vom 4. und 9. Dezember 2015 auf.
Nach einer Beschwerde der Suva und des WBF hat jedoch das Bundesgericht am 10. April 2017 diesen Entscheid korrigiert und die drei angefochtenen Verkaufsverbote bestätigt. Sie sind somit rechtskräftig, wie auch alle übrigen ausgesprochenen Verkaufsverbote.
In seiner Begründung zieht das Bundesgericht den Schluss, dass die betroffenen Schnellwechseleinrichtungen zwar die Anforderungen der relevanten Norm (SN EN 474-1) erfüllten. Diese Norm behandle aber das Risiko der nicht korrekten Verriegelung nicht im Sinne der grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen der europäischen Maschinenrichtlinie. Insbesondere verlange die Norm keine Integration der Sicherheit in Konstruktion und Bau der Maschine für vernünftigerweise vorhersehbare Fehlanwendungen, mithin keine diesbezügliche Beseitigung oder Minimierung dieser Risiken. Die sonst gemäss Produktesicherheitsgesetz (PrSG) geltende Vermutung, dass ein Produkt die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen erfüllt, wenn es nach den Normen hergestellt wird (Art. 5 Abs. 2 PrSG), ist für das Bundesgericht dadurch widerlegt.
Die Schlussfolgerungen lassen sich auf alle bisher in Verkehr gebrachten Schnellwechseleinrichtungen übertragen, wenn das Risiko der fehlerhaften Verriegelung nicht mittels technisch baulicher Massnahmen beseitigt oder minimiert wird. Solche Geräte erfüllen die Anforderungen des Produktesicherheitsgesetzes (Art. 3) nicht und dürfen deshalb nicht in Verkehr gebracht werden.
Wer diese Konsequenz nicht beachtet, nimmt das Risiko diverser Rechtsverfahren in Kauf. In verwaltungsrechtlicher Hinsicht würde die Suva ein Produktesicherheits-Verfahren einleiten und das Einreichen einer Strafanzeige prüfen. Denn das Inverkehrbringen nicht konformer Produkte steht unter Strafe (Art. 16 PrSG). Im Weiteren stellen sich nach einem Schadenfall wegen eines nicht konformen Produkts haftpflichtrechtliche Fragen. Gestützt auf das Obligationenrecht dürfte es schliesslich zu Gewährleistungsforderungen der Käufer kommen.
Weiterentwickelte Produkte auf dem Markt
Unterdessen haben viele Inverkehrbringer Maschinenrichtlinien-konforme Lösungen auf den Markt gebracht. Auch besteht bei diversen Modellen die Möglichkeit einer Nachrüstung.
Massnahmen nach UVG ab 2020 im Einzelfall bis 2025 im Einzelfall – Die Umrüstung unsicherer hydraulischer Schnellwechseleinrichtungen an Baggern erfolgt ab dem 1.1.2020 zeitlich gestaffelt
Ab dem 1.1.2020 müssen alle unsicheren hydraulischen SWE an Baggern nachgerüstet oder ersetzt sein, die älter sind als acht Jahre. Per 1.1.2025 gilt dies für sämtliche unsicheren hydraulischen SWE an Baggern. Dazwischen müssen unsichere hydraulische SWE nachgerüstet oder ersetzt werden, sobald sie eine Lebensdauer von acht Jahren ab Kaufdatum erreicht haben. Arbeitgeber dürfen entsprechend dieser Übergangsregelung nur noch umgerüstete Schnellwechseleinrichtungen einsetzen und verwenden lassen, die die Bestimmungen der Eidgenössischen Maschinenverordnung (MaschV ) für das Inverkehrbringen dieser Produkte einhalten (Verordnung über die Unfallverhütung VUV Art. 24 Abs. 2 sowie Art. 32a ). Die Eidgenössische Maschinenverordnung legt fest, dass eine Maschine, welche in der Schweiz in Verkehr gebracht wird, die Bestimmungen der Richtlinie 2006/42/EG (EU-Maschinenrichtlinie ) erfüllen muss.
Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV), der Verband der Schweizerischen Bauma-schinenwirtschaft (VSBM) und die Suva haben sich nach Gesprächen geeinigt, die Umrüstung unsicherer hydraulischer SWE an Baggern vom 1.1.2020 bis zum 1.1.2025 zeitlich zu staffeln.
Was bedeutet dies für Inverkehrbringer und Verwender von Schnellwechseleinrichtungen?
Seit dem 1. Januar 2016 und in drei Fällen seit dem 10. April 2017 dürfen nur noch sichere Schnellwechseleinrichtungen in Verkehr gebracht werden. Die Verwender von unsicheren Schnellwechseleinrichtungen haben vom 1. Januar 2020 bis zum 1. Januar 2025 Zeit, hydraulische Schnellwechseleinrichtungen die älter als 8 Jahre sind in Zusammenarbeit mit dem Inverkehrbringer nach Herstellerangaben nachzurüsten oder zu ersetzen.
Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten insbes. Art 24ff, Art. 32a, Art. 32b
Arbeitsmittel. Sicherheit beginnt beim Kauf. 66084.d
EKAS-Richtlinie Arbeitsmittel. 6512.d
Instandhaltung planen und überwachen. 66121.d
Sichere Maschinen beschaffen. 66084/1.d