Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767?p=645
Timestamp: 2019-02-18 02:50:47
Document Index: 261916253

Matched Legal Cases: ['§\n706', '§\n706', '§ 997', '§ 998', '§ 997', '§ 706', '§ 998']

Jn den städten, und flecken waren tanz- oder spil-
häuser; auch sogar die comoedianten hissen spilleu-
te, histriones, scholler, scholderer etc. Daher schrei-
bet dr. Luther: die mit würfeln auf dem scholler spi-
len. Wirzburg belenete die gefürsteten grafen zu
Henneberg mit dem schollerplaze. Buder in amoe-
nit. iur fend. s. 95 fg. erkläret solches von den
frauen-häusern; allein es gehet solches auf die spil-
häuser, und spilleute, auch die spilpläze, Haltaus
sp. 1703 fg.
Obschon ein gerichts- und ambtsdiner, gefan-von häschern,
schlüssern, ste-
ckenknechten.
genwärter etc für unerlich nicht gehalten werden sol-
len; so wird doch ein unterschid zwischen inen,
nach dem gemeinen wane, gemachet, ob sie die de-
linquenten schlüssen, oder nicht. Jn jenem falle
werden sie für geringschäzig geachtet; wie man sol-
ches auch an dem stecken-jungen, oder siecken knech-
te bei den soldaten findet, über welchen, wenn er
soldat werden will, die fane geschwungen werden
muß, damit er erlich gemachet werde, Güngens
anleitung zum krigesrechte, b III, haubtst. II §
706 s. 374, s. 375, Bodinus de iure circa infa-
miam etc th. XVI s. 26 fg. Ehedem hiß ein mini-
ster publicus jeweilen scherge (scherio), dessen ambt
erlich war, und sich vom schindschergen unterschide,
Haltaus sp. 1613.
Ein zünstiger schweinschneider pfleget keinevon den
schweinschnei-
dern und pfer-
delegern.
hunde, noch kazen zu verschneiden; sondern man
muß solches durch die schäfer, oder schinder tun las-
sen. Wie es wegen des schweineschnidtes in den
fürstl. Hessen-Casselischen landen gehalten werden
solle, erbricht sich aus einem ausschreiben vom
11ten febr. 1738, und vom pferdelegen ist eine be-
Jn den ſtaͤdten, und flecken waren tanz- oder ſpil-
haͤuſer; auch ſogar die comoedianten hiſſen ſpilleu-
te, hiſtriones, ſcholler, ſcholderer ꝛc. Daher ſchrei-
bet dr. Luther: die mit wuͤrfeln auf dem ſcholler ſpi-
len. Wirzburg belenete die gefuͤrſteten grafen zu
Henneberg mit dem ſchollerplaze. Buder in amoe-
nit. iur fend. ſ. 95 fg. erklaͤret ſolches von den
frauen-haͤuſern; allein es gehet ſolches auf die ſpil-
haͤuſer, und ſpilleute, auch die ſpilplaͤze, Haltaus
ſp. 1703 fg.
Obſchon ein gerichts- und ambtsdiner, gefan-von haͤſchern,
ſchluͤſſern, ſte-
genwaͤrter ꝛc fuͤr unerlich nicht gehalten werden ſol-
len; ſo wird doch ein unterſchid zwiſchen inen,
nach dem gemeinen wane, gemachet, ob ſie die de-
linquenten ſchluͤſſen, oder nicht. Jn jenem falle
werden ſie fuͤr geringſchaͤzig geachtet; wie man ſol-
ches auch an dem ſtecken-jungen, oder ſiecken knech-
te bei den ſoldaten findet, uͤber welchen, wenn er
ſoldat werden will, die fane geſchwungen werden
muß, damit er erlich gemachet werde, Guͤngens
anleitung zum krigesrechte, b III, haubtſt. II §
706 ſ. 374, ſ. 375, Bodinus de iure circa infa-
miam etc th. XVI ſ. 26 fg. Ehedem hiß ein mini-
ſter publicus jeweilen ſcherge (ſcherio), deſſen ambt
erlich war, und ſich vom ſchindſchergen unterſchide,
Haltaus ſp. 1613.
Ein zuͤnſtiger ſchweinſchneider pfleget keinevon den
ſchweinſchnei-
hunde, noch kazen zu verſchneiden; ſondern man
muß ſolches durch die ſchaͤfer, oder ſchinder tun laſ-
ſen. Wie es wegen des ſchweineſchnidtes in den
fuͤrſtl. Heſſen-Caſſeliſchen landen gehalten werden
ſolle, erbricht ſich aus einem ausſchreiben vom
11ten febr. 1738, und vom pferdelegen iſt eine be-
<p><pb facs="#f0645" n="621"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">befleckt. men&#x017F;ch. u. andern lump. volke.</hi></fw><lb/>
Jn den &#x017F;ta&#x0364;dten, und flecken waren tanz- oder &#x017F;pil-<lb/>
ha&#x0364;u&#x017F;er; auch &#x017F;ogar die comoedianten hi&#x017F;&#x017F;en &#x017F;pilleu-<lb/>
te, hi&#x017F;triones, &#x017F;choller, &#x017F;cholderer &#xA75B;c. Daher &#x017F;chrei-<lb/>
bet dr. Luther: die mit wu&#x0364;rfeln auf dem &#x017F;choller &#x017F;pi-<lb/>
len. Wirzburg belenete die gefu&#x0364;r&#x017F;teten grafen zu<lb/>
Henneberg mit dem &#x017F;chollerplaze. <hi rendition="#fr">Buder</hi> in <hi rendition="#aq">amoe-<lb/>
nit. iur fend.</hi> &#x017F;. 95 fg. erkla&#x0364;ret &#x017F;olches von den<lb/>
frauen-ha&#x0364;u&#x017F;ern; allein es gehet &#x017F;olches auf die &#x017F;pil-<lb/>
ha&#x0364;u&#x017F;er, und &#x017F;pilleute, auch die &#x017F;pilpla&#x0364;ze, <hi rendition="#fr">Haltaus</hi><lb/>
&#x017F;p. 1703 fg.</p>
<head>§ 997</head><lb/>
<p>Ob&#x017F;chon ein gerichts- und ambtsdiner, gefan-<note place="right">von ha&#x0364;&#x017F;chern,<lb/>
&#x017F;chlu&#x0364;&#x017F;&#x017F;ern, &#x017F;te-<lb/>
ckenknechten.</note><lb/>
genwa&#x0364;rter &#xA75B;c fu&#x0364;r unerlich nicht gehalten werden &#x017F;ol-<lb/>
len; &#x017F;o wird doch ein unter&#x017F;chid zwi&#x017F;chen inen,<lb/>
nach dem gemeinen wane, gemachet, ob &#x017F;ie die de-<lb/>
linquenten &#x017F;chlu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, oder nicht. Jn jenem falle<lb/>
werden &#x017F;ie fu&#x0364;r gering&#x017F;cha&#x0364;zig geachtet; wie man &#x017F;ol-<lb/>
ches auch an dem &#x017F;tecken-jungen, oder &#x017F;iecken knech-<lb/>
te bei den &#x017F;oldaten findet, u&#x0364;ber welchen, wenn er<lb/>
&#x017F;oldat werden will, die fane ge&#x017F;chwungen werden<lb/>
muß, damit er erlich gemachet werde, <hi rendition="#fr">Gu&#x0364;ngens</hi><lb/>
anleitung zum krigesrechte, b <hi rendition="#aq">III,</hi> haubt&#x017F;t. <hi rendition="#aq">II</hi> §<lb/>
706 &#x017F;. 374, &#x017F;. 375, <hi rendition="#fr">Bodinus</hi> <hi rendition="#aq">de iure circa infa-<lb/>
miam etc</hi> th. <hi rendition="#aq">XVI</hi> &#x017F;. 26 fg. Ehedem hiß ein mini-<lb/>
&#x017F;ter publicus jeweilen &#x017F;cherge (&#x017F;cherio), de&#x017F;&#x017F;en ambt<lb/>
erlich war, und &#x017F;ich vom &#x017F;chind&#x017F;chergen unter&#x017F;chide,<lb/><hi rendition="#fr">Haltaus</hi> &#x017F;p. 1613.</p>
<head>§ 998</head><lb/>
<p>Ein zu&#x0364;n&#x017F;tiger &#x017F;chwein&#x017F;chneider pfleget keine<note place="right">von den<lb/>
&#x017F;chwein&#x017F;chnei-<lb/>
dern und pfer-<lb/>
delegern.</note><lb/>
hunde, noch kazen zu ver&#x017F;chneiden; &#x017F;ondern man<lb/>
muß &#x017F;olches durch die &#x017F;cha&#x0364;fer, oder &#x017F;chinder tun la&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en. Wie es wegen des &#x017F;chweine&#x017F;chnidtes in den<lb/>
fu&#x0364;r&#x017F;tl. He&#x017F;&#x017F;en-Ca&#x017F;&#x017F;eli&#x017F;chen landen gehalten werden<lb/>
&#x017F;olle, erbricht &#x017F;ich aus einem aus&#x017F;chreiben vom<lb/>
11ten febr. 1738, und vom pferdelegen i&#x017F;t eine be-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x017F;ondere</fw><lb/></p>
[621/0645] befleckt. menſch. u. andern lump. volke. Jn den ſtaͤdten, und flecken waren tanz- oder ſpil- haͤuſer; auch ſogar die comoedianten hiſſen ſpilleu- te, hiſtriones, ſcholler, ſcholderer ꝛc. Daher ſchrei- bet dr. Luther: die mit wuͤrfeln auf dem ſcholler ſpi- len. Wirzburg belenete die gefuͤrſteten grafen zu Henneberg mit dem ſchollerplaze. Buder in amoe- nit. iur fend. ſ. 95 fg. erklaͤret ſolches von den frauen-haͤuſern; allein es gehet ſolches auf die ſpil- haͤuſer, und ſpilleute, auch die ſpilplaͤze, Haltaus ſp. 1703 fg. § 997 Obſchon ein gerichts- und ambtsdiner, gefan- genwaͤrter ꝛc fuͤr unerlich nicht gehalten werden ſol- len; ſo wird doch ein unterſchid zwiſchen inen, nach dem gemeinen wane, gemachet, ob ſie die de- linquenten ſchluͤſſen, oder nicht. Jn jenem falle werden ſie fuͤr geringſchaͤzig geachtet; wie man ſol- ches auch an dem ſtecken-jungen, oder ſiecken knech- te bei den ſoldaten findet, uͤber welchen, wenn er ſoldat werden will, die fane geſchwungen werden muß, damit er erlich gemachet werde, Guͤngens anleitung zum krigesrechte, b III, haubtſt. II § 706 ſ. 374, ſ. 375, Bodinus de iure circa infa- miam etc th. XVI ſ. 26 fg. Ehedem hiß ein mini- ſter publicus jeweilen ſcherge (ſcherio), deſſen ambt erlich war, und ſich vom ſchindſchergen unterſchide, Haltaus ſp. 1613. von haͤſchern, ſchluͤſſern, ſte- ckenknechten. § 998 Ein zuͤnſtiger ſchweinſchneider pfleget keine hunde, noch kazen zu verſchneiden; ſondern man muß ſolches durch die ſchaͤfer, oder ſchinder tun laſ- ſen. Wie es wegen des ſchweineſchnidtes in den fuͤrſtl. Heſſen-Caſſeliſchen landen gehalten werden ſolle, erbricht ſich aus einem ausſchreiben vom 11ten febr. 1738, und vom pferdelegen iſt eine be- ſondere von den ſchweinſchnei- dern und pfer- delegern.
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/645
Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 621. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/645>, abgerufen am 18.02.2019.