Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Wenn-nachtraeglich-Geld-auf-das-Girokonto-ueberwiesen-wird-zBSterbegeld-der-Sterbekasse-kann-die-l--f181974.html
Timestamp: 2020-01-23 08:01:32
Document Index: 196334498

Matched Legal Cases: ['§ 2303', '§ 2311', '§ 2303', '§ 195', '§ 1967', '§ 2058']

www.frag-einen-anwalt.deErbrechtTestamentWenn nachträglich Geld auf das Girokont...
17.04.2012 14:04 |
mein Stiefvater ist verstorben. Er hinterläßt seine Ehefrau und seine leibliche Tochter, zu der jedoch keinerlei Kontakt mehr bestand. Eigentum ist nicht vorhanden, da dies (Wohnung) bereits auf mich als Stieftochter überschrieben wurde. Er hatte lediglich noch einen Geldbetrag auf einem Girokonto. In einem Testament ist meine Mutter als Erbe benannt uns dann ich als Nachfolger meiner Mutter. Mittlerweile wurde ich als Auskunftsperson und Erbe vom Amtsgericht angeschrieben und um diverse Informationen gebeten. Meine Fragen an Sie: Wenn nachträglich Geld auf das Girokonto überwiesen wird (z.B.Sterbegeld der Sterbekasse) kann die leibliche Tochter auch davon ihren Pflichtteil erhalten oder gilt der Betrag der am Todestag auf dem Konto war? Müssen meine Mutter und ich irgendwas unternehmen, wegen des Pflichtanteils der leiblichen Tochter?
Testament Testament Pflichtteil Mutter BGB
<<Wenn nachträglich Geld auf das Girokonto überwiesen wird (z.B.Sterbegeld der Sterbekasse) kann die leibliche Tochter auch davon ihren Pflichtteil erhalten oder gilt der Betrag der am Todestag auf dem Konto war?>>
Für den Pflichtteil (§ 2303 BGB) ist der maßgebliche Bewertungszeitpunkt für den Wert des Nachlasses (§ 2311 BGB) der Zeitpunkt des Erbfalls. Das heißt, dass der Kontostand des Girokontos z.Z. des Erbfalls maßgeblich ist.
Ob ein Geldbetrag, der dem Konto nach dem Erbfall gutgeschrieben wurde ebenfalls im Rahmen des Nachlasses Berücksichtigung findet, hängt davon ab, ob diese spätere Gutschrift bereits dem Aktivvermögen des Erblassers zuzuschreiben war.
Dies ist etwa bei einer Sterbegeldzahlung nicht der Fall, denn diese fällt erst nach dem Erbfall an.
<<Müssen meine Mutter und ich irgendwas unternehmen, wegen des Pflichtanteils der leiblichen Tochter? >>
Zunächst nicht. Die Tochter muss den Pflichtteil erst fordern, § 2303 Abs. 1, S. 1 BGB.
Tut Sie dies nicht innerhalb von 3 Jahren verjährt der Pflichtteilsanspruch. Die Verjährungsfrist beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Pflichtteilsanspruch durch den Erbfall entstanden ist und der Pflichtteilsberechtigte von seinem Pflichtteilsanspruch erfahren hat (§§ 195, 199 Abs. 1 BGB).
Wird der Pflichtteil rechtzeitig geltend gemacht ist er eine sog. Nachlassverbindlichkeit (§ 1967 Abs. 2 BGB). Dies ist ein Geldanspruch, für den die Erben gesamtschuldnerische haften, § 2058 BGB. Die Tochter wäre dann also in Geld auszuzahlen.
Zahlt von zwei Erben einer den gesamten Pflichtteil an die Tochter, kann dieser zahlende Erbe dann bei seinem Miterben hälftigen Ausgleich verlangen.