Source: http://www.hilfeundpflege.com/pflegedienst/ratgeber-pflegegeld/
Timestamp: 2018-01-20 06:42:52
Document Index: 193306416

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§140', '§7', '§ 37', '§ 45', '§ 45']

Ratgeber Pflegegeld - Hilfe & Pflege - Hilfe & Pflege
In der häuslichen gibt es ein größeres Leistungsangebot und der Bedarf von Menschen mit geistigen und psychischen Erkrankungen wird besser berücksichtigt
Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff gem. § 14 Abs. 1 SGB XI
Hilfebedarf bei den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens.
Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten, die nicht selbstständig kompensiert oder bewältigt werden können.
Neuerungen zum Pflegestärkungsgesetz II
Bisher: 15 Verrichtungen der Grundpflege und Hauswirtschaft:
Zukünftig: 64 Kriterien der zu beurteilenden Lebensbereiche:
Begutachtungsverfahren und Kriterien
Die Pflegebedürftigkeit wird durch ein Begutachtungsverfahren überprüft. Dabei sind sechs Kriterien (Module) entscheidend:
Mobilität: Wie selbständig kann der Mensch sich fortbewegen und seine Körperhaltung ändern? z.B. umsetzen, Treppen steigen, fortbewegen in der Wohnung
Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Erkennen von Personen, örtliche und zeitliche Orientierung, kann der Mensch selbständig Entscheidungen treffen und formulieren?
Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: nächtliche Unruhe, selbstschädigendes Verhalten, Abwehr pflegerischer Maßnahmen, Wahnvorstellungen, verbale Aggressionen
Selbstversorgung: wie selbständig kann sich der Mensch im Alltag selbst versorgen bei Körperpflege, beim Essen und dem Trinken. Dieses Modul umfasst auch An-/Auskleiden sowie die gesamte Ausscheidung.
Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: Selbständige Durchführung ärztlich angeordneter Maßnahmen (Behandlungspflege) wie: Medikamente selbstständig einnehmen, eigenständige Arztbesuche, Einhalten von Diätvorschriften, Injektionen, körpernahe Hilfsmittel
Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: wie selbständig kann der Mensch den Tagesablauf planen oder Kontakte pflegen? Z.B. Ruhen und schlafen, sich beschäftigen, sinnhaft kommunizieren.
Außerhäusliche Aktivitäten: Es wird bewertet, wie selbständig der Mensch sich außerhalb der Wohnung fortbewegen kann, auch ÖPNV oder PKW.
Haushaltsführung: Es wird bewertet, wie selbständig der Mensch die jeweilige Tätigkeit durchführen kann. Z.B. einkaufen, kochen, putzen, Umgang mit Geld und Behörden.
Ein Pflegetagebuch muss nicht mehr geführt werden!
In den Modulen 1, 4 und 6 geht es nicht um tatsächliche Erbringung der Leistung, es wird IMMER die Selbständigkeit bewertet – auch bei z.B. nicht vorhandenen Treppen wird trotzdem das selbständige erreichen des 2. Stockwerkes bewertet (Modul 1).
Hingegen wird in Modul 3 und 5 die Häufigkeit von Handlungen abgefragt – z.B. „Verbale Aggressionen“, nie oder selten bis täglich (Modul 3).
Modul 2 fragt das Vorhandensein von Fähigkeiten ab, z.B. können Risiken und Gefahren erkannt werden?
Die Zuordnung zu einem Pflegegrad erfolgt anhand eines Punktesystems. Dazu werden in den oben genannten sechs Lebensbereichen Punkte vergeben. Die Höhe der Punkte orientiert sich daran, wie sehr die Selbständigkeit eingeschränkt ist oder die Fähigkeiten noch vorhanden sind.
Besondere Bedarfskonstellation: automatische Zuordnung zum Pflegegrad 5 bei vollständigem Verlust der Greif-, Steh-, und Gehfunktionen.
Überleitung von Pflegestufen in Pflegegrade (einfacher Stufensprung)
Überleitung von Pflegestufen in Pflegegrade (zweifacher Stufensprung)
Für alle Stufen besteht ein lebenslanger Bestandsschutz (§140 Abs 3 SGB XI), es sei denn der Pflegegrad erhöht sich oder es liegt keine Pflegebedürftigkeit mehr vor.
Niedrigste Stufe der Pflegebedürftigkeit. Darunter fallen Personen, die bisher nicht die Grundbedingungen für PS 0 erfüllt haben:
Psychosoziale Unterstützung bis 1 x täglich
keine nächtliche Hilfe erforderlich
Keine Präsenz tagsüber erforderlich
Leistungen für Pflegegrad 1
Pflegeberatung §§7a und 7b
Beratung in der Häuslichkeit gemäß § 37 Abs. 3
Finanzielle Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes
Pflegekurse für pflegende Angehörige und ehrenamtliche Personen gemäß § 45
Gewährung des Entlastungsbetrages gemäß § 45b in Höhe von 125,-€ (kann ambulant auch als Sachleistung = Grundpflege eingesetzt werden)
Kein Anspruch auf Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege
Die Möglichkeiten Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege in Anspruch zu nehmen, werden ausgeweitet und flexibler gestaltet. Kurzzeitpflege kann zukünftig acht – statt bisher sechs– Wochen pro Jahr in Anspruch genommen werden. Die Leistungsbeträge für Kurzzeit- und Verhinderungspflege können zudem aufeinander angerechnet werden – wenn Sie beispielsweise nicht den vollen Anspruch auf das eine aber mehr vom anderen benötigen.
Während einer Kurzzeitpflege wird die Hälfte des Pflegegeldes für bis zu acht Wochen gewährt. Während einer Verhinderungspflege wird die Hälfte des Pflegegeldes für bis zu sechs Wochen gewährt. Verhinderungspflege (1.612 Euro) kann aus dem Budget der Kurz-zeitpflege um bis zu 806 Euro (50 % des Anspruchs) auf 2.418 Euro aufgestockt werden. Kurzzeitpflege (1.612 Euro) kann aus dem Budget der Verhinderungspflege um bis zu 1.612 Euro (100% des Anspruchs) auf 3.224 Euro aufgestockt werden.
Der sogenannte Entlastungsbetrag für zusätzliche Betreuungsleistungen in Höhe von bisher 104,00 Euro bzw. 208,00 Euro wird vereinheitlicht und beträgt ab 2017 pauschal 125,00 Euro. Sofern der Pflege-bedürftige, nach der Überleitung von Pflegestufen 2016 in Pflegegrade 2017, nicht mindestens insgesamt die gleichen Leistungen erhält, greift der Bestandsschutz: Die Pflegekasse zahlt dann die Differenz.
Zukünftig kann jeder, der Sachleistungen der Pflegeversicherung erhält oder Pflegegeld bezieht, einen Beratungsbesuch in der eigenen Wohnung in Anspruch nehmen.