Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757?p=773
Timestamp: 2019-02-23 09:09:00
Document Index: 302528003

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 119', '§ 5', '§ 119', '§ 1882', '§ 5', '§ 119', '§ 1883', '§ 1882', '§ 5', '§ 119', '§ 1883']

und anderer urkunden ist hir allein hinreichend,
wie davon die lehnbrife die unverwerfliche probe
abgeben, als welche die übergabe des lehns vor-
stellen, obgleich die kaufbrife allein das wirkliche
eigentum des übergebers nicht hinreichend zu be-
weisen vermögen. Bei den gerechtigkeiten sind
von der einen seite das stillschweigen und auf der
andern seite die ausübung, auch wol ein gebot
und verbot nötig. Hingegen zur beibehaltung
des bereits rechtmäsig erlangten besizes ist der wille
hinreichend. Bei entstehendem zweifel wird für
denjenigen gesprochen, welcher sich im besize be-
findet. Es brauchet auch ordentlicher weise der
besizer den titul nicht zu erweisen. Die ausna-
men hirvon sihe bei dem Hert in der disp. de
quasi possidente probante.
Wenn man eine ganze sache in besiz nemenob die besiz-
soll, iedoch nur von einem teile den besiz ergriffen
hat, wird solches für eben so gut gehalten, als
wenn solches mit dem ganzen beschehen sey, wo-
fern nur ein anderer nicht schon einen teil ergriffen
hat, folglich dadurch jener an der besizergreifung
behindert wird, Stryk im vsu moderno p. lib.
41 tit. I § 5, Estor am a. o. § 119 s. 86. Di-
semnach hat derjenige, welcher den besiz über das
ganze ergriffen hat, die vermutung für sich, daß
er solchen in allen teilen des ganzen habe.
Es darf nimand seines besizes entsezet werden,nimand
darf one
ursach sei-
nes besizes
entsezet
es wäre dann zuförderst nach rechte in der sache
erkannt und verfaren worden. Daher in der
Kammer-gerichts-ordnung die schlechte und
gewaltsame entsezung vorkömmt, und auf jene
kein mandat one clausel erkannt wird. Die
schüzung beim jüngsten besize, oder das possesso-
und anderer urkunden iſt hir allein hinreichend,
abgeben, als welche die uͤbergabe des lehns vor-
ſtellen, obgleich die kaufbrife allein das wirkliche
eigentum des uͤbergebers nicht hinreichend zu be-
weiſen vermoͤgen. Bei den gerechtigkeiten ſind
von der einen ſeite das ſtillſchweigen und auf der
andern ſeite die ausuͤbung, auch wol ein gebot
und verbot noͤtig. Hingegen zur beibehaltung
des bereits rechtmaͤſig erlangten beſizes iſt der wille
hinreichend. Bei entſtehendem zweifel wird fuͤr
denjenigen geſprochen, welcher ſich im beſize be-
findet. Es brauchet auch ordentlicher weiſe der
beſizer den titul nicht zu erweiſen. Die ausna-
men hirvon ſihe bei dem Hert in der diſp. de
quaſi poſſidente probante.
Wenn man eine ganze ſache in beſiz nemenob die beſiz-
erſtrecket
ſoll, iedoch nur von einem teile den beſiz ergriffen
hat, wird ſolches fuͤr eben ſo gut gehalten, als
wenn ſolches mit dem ganzen beſchehen ſey, wo-
fern nur ein anderer nicht ſchon einen teil ergriffen
hat, folglich dadurch jener an der beſizergreifung
behindert wird, Stryk im vſu moderno π. lib.
41 tit. I § 5, Eſtor am a. o. § 119 ſ. 86. Di-
ſemnach hat derjenige, welcher den beſiz uͤber das
ganze ergriffen hat, die vermutung fuͤr ſich, daß
er ſolchen in allen teilen des ganzen habe.
Es darf nimand ſeines beſizes entſezet werden,nimand
urſach ſei-
nes beſizes
entſezet
es waͤre dann zufoͤrderſt nach rechte in der ſache
Kammer-gerichts-ordnung die ſchlechte und
gewaltſame entſezung vorkoͤmmt, und auf jene
kein mandat one clauſel erkannt wird. Die
ſchuͤzung beim juͤngſten beſize, oder das poſſeſſo-
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[761/0773] vom beſize und mit-beſize. und anderer urkunden iſt hir allein hinreichend, wie davon die lehnbrife die unverwerfliche probe abgeben, als welche die uͤbergabe des lehns vor- ſtellen, obgleich die kaufbrife allein das wirkliche eigentum des uͤbergebers nicht hinreichend zu be- weiſen vermoͤgen. Bei den gerechtigkeiten ſind von der einen ſeite das ſtillſchweigen und auf der andern ſeite die ausuͤbung, auch wol ein gebot und verbot noͤtig. Hingegen zur beibehaltung des bereits rechtmaͤſig erlangten beſizes iſt der wille hinreichend. Bei entſtehendem zweifel wird fuͤr denjenigen geſprochen, welcher ſich im beſize be- findet. Es brauchet auch ordentlicher weiſe der beſizer den titul nicht zu erweiſen. Die ausna- men hirvon ſihe bei dem Hert in der diſp. de quaſi poſſidente probante. § 1882 Wenn man eine ganze ſache in beſiz nemen ſoll, iedoch nur von einem teile den beſiz ergriffen hat, wird ſolches fuͤr eben ſo gut gehalten, als wenn ſolches mit dem ganzen beſchehen ſey, wo- fern nur ein anderer nicht ſchon einen teil ergriffen hat, folglich dadurch jener an der beſizergreifung behindert wird, Stryk im vſu moderno π. lib. 41 tit. I § 5, Eſtor am a. o. § 119 ſ. 86. Di- ſemnach hat derjenige, welcher den beſiz uͤber das ganze ergriffen hat, die vermutung fuͤr ſich, daß er ſolchen in allen teilen des ganzen habe. ob die beſiz- ergreifung von einem teile auf das ganze erſtrecket werden koͤnne? § 1883 Es darf nimand ſeines beſizes entſezet werden, es waͤre dann zufoͤrderſt nach rechte in der ſache erkannt und verfaren worden. Daher in der Kammer-gerichts-ordnung die ſchlechte und gewaltſame entſezung vorkoͤmmt, und auf jene kein mandat one clauſel erkannt wird. Die ſchuͤzung beim juͤngſten beſize, oder das poſſeſſo- rium nimand darf one rechtmaͤſige urſach ſei- nes beſizes entſezet werden. B b b 5
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/773
Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 761. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/773>, abgerufen am 23.02.2019.