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Timestamp: 2018-07-21 23:47:19
Document Index: 327168088

Matched Legal Cases: ['§ 266', '§ 266', '§ 266', '§ 266', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 266', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 16', '§ 266', '§ 263', '§ 266', 'Art. 138', '§ 266', '§ 246', '§ 266', 'Art. 158', 'Art. 158', 'Art. 158', '§ 153', '§ 266', '§ 263', '§ 266', '§ 823', '§ 266', '§ 263', '§ 266', '§ 266', '§ 266']

D. Ausgestaltung der Berücksichtigung von Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft : Freifahrtschein für Vermögende?
D. Ausgestaltung der B...
«Freifahrtschein» für Vermögende?
Die Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft des Treupflichtigen und ihre Auswirkungen auf die Untreuestrafbarkeit gemäß § 266 StGB
Charlotte Dobers
Die Autorin befasst sich mit der Frage der Berücksichtigung von Ausgleichsfähigkeit und -bereitschaft im Rahmen des Untreuetatbestands gemäß § 266 StGB. Ihr zufolge sind die Ausgleichsfähigkeit und -bereitschaft des Treupflichtigen im Einklang mit der bisherigen Rechtsprechung bei der Prüfung der Untreuestrafbarkeit zu berücksichtigen. Dadurch wird dem Treupflichtigen kein «Freifahrtschein» dafür ausgestellt, mit dem anvertrauten Fremdgeld bis zur Grenze der eigenen finanziellen Möglichkeiten beliebig zu verfahren. Eine bei Ausgleichsfähigkeit und -bereitschaft vorgenommene Handlung ist – vor dem Hintergrund, dass das Vermögen das einzige von § 266 StGB geschützte Rechtsgut ist – weder strafwürdig noch strafbedürftig. Allerdings spricht sich die Autorin für eine Verortung im Rahmen der objektiven Zurechnung aus.
978-3-653-97086-9
https://doi.org/10.3726/978-3-653-05500-9
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. XXXVIII, 249 S.
D. Ausgestaltung der Berücksichtigung von Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft
Mit der Bejahung der Legitimation der Berücksichtigungsfähigkeit von Ausgleichsfähigkeit und -bereitschaft drängen sich nunmehr zwei wichtige Fragenkomplexe auf.
Zunächst ist die schwierige Frage zu beantworten, wo und wie die beim Treupflichtigen vorhandene Ausgleichsfähigkeit und -bereitschaft im Tatbestandsaufbau der Untreue gemäß § 266 StGB zu verorten sind. Das soeben festgehaltene Ergebnis Legitimation ist in der Verortung auf dogmatisch konsistenten Grund zu stellen.
Anschließend ist zu klären, welche Anforderungen, sowohl positive als auch negative, an die Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft zu stellen sind. Dabei wird auch auf Besonderheiten einzugehen sein, die sich gerade aus der systematischen Verortung ergeben.
I. Fragestellung und Ziel der Untersuchung
II. Gang der Untersuchung und Begriffsklärung
B. Die Rechtsprechung
1. RG vom 13.07.1936 – RGSt 70, 321
b) Urteilsgründe
2. RG vom 27.07.1939 – RGSt 73, 283
3. BGH vom 16.12.1960 – BGHSt 15, 342
4. BGH vom 06.02.1961 – BGHSt 15, 372
5. KG vom 12.10.1964 – NJW 1965, 703
b) Beschlussgründe
6. BayObLG vom 20.07.1965 – NJW 1966, 116
7. OLG Stuttgart vom 21.02.1968 – NJW 1968, 1340
8. KG vom 22.07.1971 – NJW 1972, 218 (Klarstellung zu KG vom 12.10.1964 – NJW 1965, 703)
9. BayObLG vom 13.03.1973 – JZ 1973, 325
10. BGH vom 06.04.1982 – NStZ 1982, 331
11. BGH vom 03.11.1982 – MDR 1983, 281
12. BGH vom 28.01.1983 – NJW 1983, 1807
13. BGH vom 27.01.1988 – BGHR Nachteil 8 zu § 266 StGB
14. OLG Karlsruhe vom 30.08.1989 – NStZ 1990, 82
15. OLG Celle vom 03.04.1990 – MDR 1990, 846
16. BGH vom 02.08.1990 – wistra 1990, 352
17. BGH vom 13.12.1994 – NStZ 1995, 223
18. BGH vom 07.05.1997 – NStZ-RR 1997, 298
19. BGH vom 30.10.2003 – NStZ-RR 2004, 54
20. OLG Karlsruhe vom 26.04.2004 – wistra 2005, 399
21. KG vom 23.03.2007 – NJW 2007, 3366
22. BGH vom 02.04.2008 – BGHSt 52, 182
23. BGH vom 29.08.2008 – BGHSt 52, 323
II. Analyse der Rechtsprechung
1. Typische Sachverhaltskonstellationen
2. Verortung von Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft seitens der Rechtsprechung
3. Anforderungen an Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft
a) Ausgleichsfähigkeit
b) Ausgleichsbereitschaft
c) Kenntniserlangung
4. Ausnahmen und Einschränkungen
a) Ersatzbereitschaft Dritter
b) Bloß nachträgliche Schadenswiedergutmachung
c) Verschleierung / Manipulation / Versäumnis / Ordentlicher Gerichtsweg
d) Keine Wende der Rechtsprechung
5. Rechtliche Konsequenz: Folgenrelevanz der Rechtsprechung
a) Straflosigkeit des grundsätzlich pflichtwidrigen Verhaltens
b) Hypothetische Überlegungen zum subjektiven Tatbestand
c) Bedeutung eines Tatbestandsirrtums nach § 16 Abs. 1 S. 1 StGB
d) Auswirkungen eines Vorsatzwechsels
e) Nachträgliches Unmöglichwerden der Erfüllung der Ausgleichspflicht
C. Legitimation der Berücksichtigung von Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft
I. Rechtsgüterschutz
1. Die originäre Aufgabe des Strafrechts
2. Daseinsberechtigung des § 266 StGB
3. Bedeutung von Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft
II. Auslegungskriterien
a) Formulierung der Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft
b) Nachteil
c) Sonstige Tatbestandsmerkmale
b) Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft im Rahmen von § 263 StGB
c) Anonymer Betrugstäter versus bekannter Untreuetäter
aa) Strukturelle Unterschiede
5. Restriktive Auslegung als begrüßenswerte Tendenz und Aufgabe der Praxis
III. Subsidiaritäts- und ultima-ratio-Prinzip
a) Subsidiaritätsprinzip
b) Ultima-ratio-Prinzip
2. Folgerung
a) Zivilrechtliche Ausgleichsansprüche
b) Unabhängigkeit von eventuellen Rechtspflichten
c) Kein Erfordernis in spezial- oder generalpräventiver Hinsicht
d) Bedürfnis eines sozialethischen Tadels
e) Adressat des Subsidiaritäts- und ultima-ratio-Prinzips
IV. Straftheoretische Überlegungen
1. Täterprofil
a) Anhaltspunkte
b) Vorwurf des bloßen Freikaufens
2. Gründe des staatlichen Strafens vor dem Hintergrund relativer Straftheorien und die Bedeutung für den Normbefehl
b) Normbefehl
c) Einfluss der Berücksichtigung von Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft
3. Soziale Kontrolle abseits von formeller Strafe
b) Exkurs: Empirische Untersuchungen zu informellen Reaktionen
c) Bedeutung für den ausgleichsfähigen und ausgleichsbereiten Treupflichtigen
V. Aspekte aus Treugeberperspektive
1. Vereinfachter Ausgleich
2. Strafverfolgung und Geheimhaltungsinteresse
4. Berufsverbot des Treupflichtigen
VI. Spannungsverhältnis zwischen Recht und Moral
1. Ansatz zur Begriffsklärung
a) Versuch einer Definition
b) Eklatante Unterschiede und Grenzziehung
a) Strafbare Untreue gemäß § 266 StGB versus moralische Urteile
b) Der getrübte Blick der Moral
VII. Praktische Erwägungen
1. Gefahr von Schutzbehauptungen
2. Beweis im Prozess und sonstige Auswirkungen
VIII. Vergleichender Blick in das Steuerstrafrecht
b) Zeitpunkt
d) Rechtliche Folgen für den Handelnden
e) Sonstige Wirkungen und die Reparabilität
f) Motive
IX. Rechtsvergleichende Überlegungen
a) Veruntreuung von Vermögenswerten gemäß Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 SchwStGB
(1) Objektiver Tatbestand
(2) Subjektiver Tatbestand
bb) Unterschiede / Gemeinsamkeiten zu § 266 StGB
cc) Weiterführender Hinweis zu § 246 Abs. 1, 2 StGB
(2) Verhältnis zu § 266 StGB
b) Ungetreue Geschäftsbesorgung gemäß Art. 158 SchwStGB
aa) Treubruch gemäß Art. 158 Ziff. 1 SchwStGB
bb) Missbrauch gemäß Art. 158 Ziff. 2 SchwStGB
cc) Die Bereicherungsabsicht im Besonderen
dd) Vergleichbarkeit und Fazit
(1) Vergleichbarkeit der Tatbestände allgemein
(2) Vergleichbarkeit der Berücksichtigung von Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft
a) Untreue gemäß § 153 ÖStGB
aa) Voraussetzungen und Besonderheiten
bb) Vergleichbarkeit
(2) Vergleichbarkeit der Berücksichtigung von Ausgleichsfähigkeit und -bereitschaft
X. Ergebnis zur Legitimation der Berücksichtigung von Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft
I. Systematische Verortung im Untreuetatbestand
1. Verortung in der Pflichtverletzung
2. Verortung im Vermögensnachteil
a) Grundlagen des Vermögensnachteils im Sinne von § 266 StGB
bb) Objektiv-individueller Nachteilsbegriff
cc) Gefährdungsschaden
dd) Die Berechnungsmethode: Das Prinzip der Gesamtsaldierung und die nachteilsverhindernde Kompensation
(1) Erster Schritt
(2) Zweiter Schritt
(a) Kompensationsgeeigneter Vorteil
(b) Vollwertigkeit
(c) Unmittelbarkeit auf der Vorteilsseite
(d) Zeitliche Perspektive
(e) Maßgebliche Saldierungsregeln
b) Berücksichtigung von Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft
aa) Über die Restriktionsansätze des Gefährdungsschadens
bb) Über einen eventuellen Ausgleichsanspruch im Wege der Kompensation
(1) Überprüfung bei Erforderlichkeit einer Gesamtsaldierung
(a) Vollwertiger Vorteil
(aa) Generelle Berücksichtigungsfähigkeit von Ansprüchen
(bb) Bedeutung der Realisierbarkeit
(i) Vergleichbare Rechtsprechung zu § 263 StGB
(ii) Ausgleichsfähigkeit und -bereitschaft als wirtschaftlicher Wert
(iii) Folgerung und Saldierung
(c) Exkurs
(aa) Fallgruppe: Aufrechnung
(bb) Fallgruppe: Eigenmächtige Kreditaufnahme
(d) Zwischenergebnis bei Erforderlichkeit einer Gesamtsaldierung
(2) Berücksichtigungsfähigkeit von Schadensersatzansprüchen auf der Vorteilsseite für die Kompensation
(a) Die Judikatur zur Berücksichtigungsfähigkeit von Schadensersatzansprüchen im Rahmen von § 266 StGB
(aa) Entstehen eines zivilrechtlichen Schadensersatzanspruchs
(bb) Anspruch aus § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 266 Abs. 1 StGB
(cc) Folgerung
(b) Widerspruch zur Argumentation bei § 263 Abs. 1 StGB
(c) Vergleich zu § 266b StGB
(d) Kriminalpolitische Argumentation
(e) Gesamtbetrachtungslehre statt Einzelbetrachtung des Nachteilsausgleichs
c) Vorliegen eines Verspätungsschadens
d) Zwischenergebnis zur Verortung im Vermögensnachteil
3. Verortung im subjektiven Tatbestand
4. Verortung als Einverständnis oder als mutmaßliche Einwilligung
a) Tatbestandsausschließendes Einverständnis
bb) Berücksichtigung von Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft
b) Rechtfertigende mutmaßliche Einwilligung
(1) Vorheringe Befragung
(2) Entgegenstehender Wille
(3) Mutmaßlicher Wille
(4) Praktische Erwägungen
c) Nachträgliches Einverständnis
d) Verzeihung
5. Verortung in der Verbindung zwischen Pflichtverletzung und Vermögensnachteil
aa) Kausalität
(1) Grundsätzliche Bedeutung für das Vorsatzdelikt
(c) Historische Entwicklung und Begründungsansätze
(2) Bedeutung für § 266 StGB
(a) Vorangegangene Entwicklung bei § 266 StGB
(b) Anwendbarkeit auf den Untreuetatbestand
(aa) Wortlaut
(bb) Sinn und Zweck der Lehre der objektiven Zurechnung
(cc) Struktureller Vergleich zum Fahrlässigkeitsdelikt
(3) Grundformel, Elemente und Umfang
(a) Schaffung einer rechtlich relevanten Gefahr
(b) Fehlende Gefahrrealisierung – Pflichtwidrigkeitszusammenhang
(c) Schutzzweckzusammenhang
(d) Unmittelbarkeitszusammenhang
(4) Zwischenergebnis zu den Voraussetzungen und dem Umfang der objektiven Zurechnung
aa) Risikoverringerung
bb) Rechtlich relevante Gefahrschaffung und Realisierung im engeren Sinne
c) Konsequenzen und Vorteile
bb) Vorteile
6. Ergebnis zur Verortung der Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft im Tatbestandsaufbau der Untreue
II. Inhaltliche Anforderungen und Konsequenzen
1. Anforderungen an Ausgleichsfähigkeit und Ausgleichsbereitschaft
aa) Grundfall
bb) Kurzfristig zur Verfügung stehende Mittel
cc) Sicherheiten
bb) Positive und negative Indizien der Ausgleichsbereitschaft
cc) Wirkung
dd) Notwendigkeit besonderer Motive oder Absichten
c) Notwendigkeit eines tatsächlichen Ausgleichs
d) Kenntniserlangung des Treugebers
e) Verhältnis der Anforderungen zueinander
2. Besondere Fallgruppen
a) Ersatzbereitschaft Dritter und deren gestellte Sicherheiten
aa) Liquide Mittel Dritter
bb) Sicherheiten Dritter
b) Mittelbeschaffung bei Bedarf
aa) Mittelbeschaffung vor Tatbegehung
(1) Bewilligt und bereitgestellt
(2) Bewilligt, aber noch nicht bereitgestellt
bb) Mittelbeschaffung nach Tatbegehung