Source: https://www.springerprofessional.de/die-ertragsbesteuerung-in-der-doppelstoeckigen-personengesellsch/15534402
Timestamp: 2018-10-17 16:26:21
Document Index: 185313018

Matched Legal Cases: ['§ 105', '§ 161', '§ 124', '§ 35', '§ 32', '§ 15', '§ 35']

Die Ertragsbesteuerung in der doppelstöckigen Personengesellschaft | springerprofessional.de
Buchreihe: Forschungsreihe Rechnungslegung und Steuern
Autor: Felix Staaden
Print ISBN: 978-3-658-21285-8
Electronic ISBN: 978-3-658-21286-5
Eine gemeinsame gewerbliche Tätigkeit ist in vielfältigen Rechtskleidern möglich. Steuerliche Erwägungen stehen hierbei selten an erster Stelle. Die hohe Flexibilität durch weitreichende vertragsrechtliche Gestaltungsfreiheiten ist nur einer der Gründe, die Personengesellschaft in vielen Fällen der Kapitalgesellschaft vorzuziehen. Als Unternehmensträger ist die Personengesellschaft in weiten Bereichen des Wirtschaftslebens daher unverzichtbar.
Den Prototyp der Personenhandelsgesellschaften stellt die Offene Handelsgesellschaft dar, deren Vorschriften in §§ 105-160 HGB – soweit nicht anders bestimmt – über § 161 Abs. 2 HGB auch für die Kommanditgesellschaft gelten. § 124 HGB bestimmt dabei die rechtliche Selbstständigkeit der OHG (und somit der KG) als Trägerin von Rechten und Pflichten. Daraus folgt unmittelbar, dass auch eine Personenhandelsgesellschaft als Gesellschafterin an anderen Personensowie Kapitalgesellschaften beteiligt sein kann.
Terminologisch stellen Verluste (negative Einkünfte) die Kehrseite von Gewinnen (positive Einkünfte) dar. Dies hat jedoch nicht zur Folge, dass im Umkehrschluss eine negative tarifliche Einkommensteuer entstünde, die dem Steuerpflichtigen erstattet wird. Eine symmetrische Behandlung mit positiven Einkünften erfahren Verluste nicht. Die Verlustberücksichtigung endet auf Ebene der Bemessungsgrundlage.
§ 35 EStG wurde durch das Steuersenkungsgesetz 2000 mit Wirkung ab dem Veranlagungszeitraum 2001 eingeführt und ersetzte den in die Kritik geratenen § 32c EStG. Die Regelung ist als betragliche Ermäßigung auf die tarifliche Einkommensteuer ausgestaltet. Es wird daher nicht im Rahmen einer Tarifermäßigung auf den Steuersatz Einfluss genommen, sondern ausschließlich auf die festzusetzende Einkommensteuerschuld.
Im Folgenden werden die analysierten Normen der vorhergehenden Kapitel in einer wirtschaftlichen Analyse zusammengeführt. Hierbei werden unterschiedliche Verlustsituationen in der doppelstöckigen Personengesellschaft betrachtet, in denen dennoch eine Gewerbesteuerbelastung eintritt, und gesellschafterbezogene Belastungskonsequenzen hinsichtlich des Wechselspiels von Verlustverrechnung bzw. Verlustausgleichssperre durch § 15a EStG und der Gewerbesteuerermäßigung nach § 35 EStG ermittelt. Die steuerlichen Bemessungsgrundlagen werden aus Vereinfachungsgründen als gegeben angenommen, Probleme der Ermittlung oder Beeinflussung dieser sind nicht Teil der Untersuchung. Verluste gelten somit als tatsächlich entstanden – lediglich die Verrechnung dieser ist folglich fraglich. Koordinationsprobleme mit anderen Zielen der Unternehmung existieren unter dieser Annahme nicht.
Die vorliegende Untersuchung hat gezeigt, dass die doppelstöckige Personengesellschaft zwar keine Terra incognita mehr darstellt, dennoch aber zahlreiche Zweifelsfragen der Ertragbesteuerung fortbestehen. Bereits grundlegende Fragestellungen wie die der bilanziellen Erfassung von Mitunternehmeranteilen und der Bildung und Fortentwicklung von Ergänzungsbilanzen über mehrere Beteiligungsstufen sind nicht abschließend geklärt. Grund hierfür ist die steuerlich anerkannte Teilrechtssubjektivität der Personengesellschaft (Einheitsbetrachtung), die jedoch für die Einkommensbesteuerung der Obergesellschafter grundsätzlich keine Abschirmwirkung nach sich ziehen soll (Vielheitsbetrachtung).
978-3-658-21285-8
978-3-658-21286-5
https://doi.org/10.1007/978-3-658-21286-5