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Timestamp: 2016-10-27 13:00:03
Document Index: 14473613

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 134', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 135', 'Art. 156']

I 164/02 (05.12.2003)
Die 1947 geborene A.________ arbeitet seit 1997 als Sachbearbeiterin und �bersetzerin f�r das Anwaltsb�ro B.________ (seit 1. Januar 2000 in einem Pensum von knapp 70 % mit 28,5 Stunden pro Arbeitswoche bei einer betriebs�blichen w�chentlichen Arbeitszeit von 42,5 Stunden). Zus�tzlich ist sie im Rahmen einer Nebenbesch�ftigung als Chorleiterin und Organistin t�tig. Am 27. Januar 2000 meldete sie sich wegen beidseitigem grauem Star, links mehr als rechts, bei der IV-Stelle des Kantons Aargau (nachfolgend: IV-Stelle oder Beschwerdegegnerin) zum Leistungsbezug an. Die Invalidenversicherung �bernahm die Staroperation links vom 17. M�rz 2000 einschliesslich Nachbehandlung als medizinische Eingliederungsmassnahme (Verf�gung vom 11. Mai 2000) und lehnte auf erneutes Leistungsgesuch hin mit Verf�gung vom 31. Juli 2001 die �bernahme der am 8. Mai 2001 durchgef�hrten Kataraktoperation am rechten Auge ab, weil die Versicherte links bei einem postoperativen Fernvisus von 1,25 �ber ein normalsichtiges Auge verf�ge und f�r die Aus�bung ihrer Erwerbst�tigkeit nicht auf Binokularsehen angewiesen sei.
Die hiegegen erhobene Beschwerde der HELSANA Versicherungen AG (nachfolgend: HELSANA oder Beschwerdef�hrerin; obligatorische Krankenpflegeversicherung der A.________) wies das Versicherungsgericht des Kantons Aargau mit Entscheid vom 15. Februar 2002 ab.
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt die HELSANA sinngem�ss, unter Aufhebung des kantonalen Gerichtsentscheids und der Verwaltungsverf�gung sei die Kataraktoperation rechts als medizinische Eingliederungsmassnahme von der Invalidenversicherung zu �bernehmen; eventuell sei die Sache zur Einholung eines arbeitsmedizinischen Gutachtens betreffend das Erfordernis des Binokularsehens an die IV-Stelle zur�ckzuweisen.
W�hrend A.________ auf Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliesst, tragen die IV-Stelle und das Bundesamt f�r Sozialversicherung (BSV) auf Abweisung derselben.
1.2 Anzuf�gen bleibt, dass am 1. Januar 2003 das Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Kraft getreten ist. Mit ihm sind zahlreiche Bestimmungen im Invalidenversicherungsbereich ge�ndert worden. Weil in zeitlicher Hinsicht grunds�tzlich diejenigen Rechtss�tze massgebend sind, die bei der Erf�llung des zu Rechtsfolgen f�hrenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 467 Erw. 1), und weil ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grunds�tzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verf�gung (hier: vom 31. Juli 2001) eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 121 V 366 Erw. 1b), sind im vorliegenden Fall die bis zum 31. Dezember 2002 geltenden Bestimmungen anwendbar.
Fest steht, dass bei A.________ keine erheblichen krankhaften Nebenbefunde vorhanden sind, welche die Dauerhaftigkeit und Wesentlichkeit des Eingliederungserfolgs in Frage zu stellen verm�gen (BGE 101 V 47 f. Erw. 1b, 97 f. Erw. 2b, 103 Erw. 3; AHI 2000 S. 299 Erw. 2b mit Hinweisen). Unbestritten ist ferner, dass das Alter der Versicherten - sie befand sich im massgebenden Zeitpunkt des Verf�gungserlasses (31. Juli 2001) in ihrem 55. Lebensjahr - der �bernahme der Kataraktoperation rechts vom 8. Mai 2001 durch die Invalidenversicherung unter dem Gesichtspunkt der Dauerhaftigkeit des zu erwartenden Eingliederungserfolges nicht entgegen steht (BGE 101 V 50 Erw. 3b).
Das kantonale Gericht vertrat die Auffassung, Binokularsehen sei f�r die Arbeit an einem Bildschirm nicht erforderlich. Allenfalls st�rende Blendeffekte k�nnten im Rahmen der Pflicht zur Selbsteingliederung durch geeignete und zumutbare Massnahmen eliminiert werden. Eine unmittelbar drohende Invalidit�t habe durch �bernahme der Staroperation am linken Auge abgewendet werden k�nnen. Bei uneingeschr�nkter Erwerbsf�higkeit in Bezug auf ihr hauptberufliches Pensum von 70 %, habe die Versicherte keinen Anspruch auf medizinische Eingliederungsmassnahmen in Bezug auf die Aus�bung ihrer Nebenerwerbst�tigkeit. Demgegen�ber macht die HELSANA geltend, jeder Berufst�tige habe ein Anrecht auf binokulares Sehen. Zwischen der ersten Kataraktoperation am linken und der zweiten am rechten Auge habe die Versicherte infolge der Blendeffekte nur noch unter unzumutbaren Bedingungen in einem abgedunkelten Raum ihre Bildschirmt�tigkeit verrichten k�nnen. Von Arbeitgeberseite sei best�tigt worden, dass eine Fortsetzung des Arbeitsverh�ltnisses unter diesen Umst�nden nicht m�glich gewesen w�re. Die Aufgaben der als Markenspezialistin t�tigen Sachbearbeiterin erfordere ausserordentlich exaktes Arbeiten mit sehr detaillierten Datenbanken. Kleinste Versehen oder das �bersehen von Daten (z.B. betreffend Ablauf eines Markenschutzes) k�nnten fatalste Folgen haben. Auch der behandelnde Augenarzt Dr. med. C.________ von der Augenklinik des Spitals Z.________ habe mit Schreiben vom 19. Dezember 2001 gegen�ber A.________ seine Auffassung bekr�ftigt, wonach die w�hrend acht Stunden t�glich mit Bildschirmarbeit besch�ftigte Markenspezialistin und �bersetzerin sowie Dirigentin und Organistin auf gutes Binokularsehen angewiesen sei.
3.2.1 Die Vorinstanz begr�ndete die Ablehnung eines Anspruchs auf medizinische Eingliederungsmassnahmen unter anderem sinngem�ss damit, die Versicherte habe 1997 ihre hauptberufliche Festanstellung, in welcher sie erwerblich voll eingegliedert gewesen sei, freiwillig auf 70 % reduziert, um im Gegenzug den Anteil einer Nebenbesch�ftigung auszuweiten, welche h�here Anforderungen an die visuellen F�higkeiten stelle und f�r sie deshalb von vornherein nicht geeignet gewesen sei. Aus einer allf�lligen kataraktbedingten Einschr�nkung in der Nebenerwerbst�tigkeit als Chorleiterin und Organistin k�nne sie daher keinen Anspruch auf medizinische Eingliederungsmassnahmen ableiten, selbst wenn sie in dieser T�tigkeit auf Binokularsehen angewiesen sein sollte. Dieser Argumentation ist schon deshalb nicht zu folgen, weil einerseits die Versicherte gem�ss IK-Zusammenruf bereits seit mindestens 1989 im Bereich Kirchenmusik einer Nebenerwerbst�tigkeit nachging und andererseits der graue Star erst im Verlauf des Jahres 1999 in der Form einer "relativ schnell fortschreitenden hinteren Schalentr�bung der Linse" entdeckt wurde, so dass kein Zusammenhang zwischen der Ver�nderung der Besch�ftigungsanteile und dem Eintritt der Sehf�higkeitsbeeintr�chtigung besteht.
3.2.2 Das T�tigkeitsspektrum der als Sachbearbeiterin (Markenspezialistin) und �bersetzerin berufst�tigen A.________ ergibt sich aus den Angaben des Dr. iur. E.________, gem�ss Schreiben vom 27. M�rz und 19. Dezember 2001. In Bezug auf die Nebenerwerbst�tigkeit als Chorleiterin bzw. Dirigentin und Organistin ist auf die von der Versicherten zutreffend dargelegten Anforderungen gem�ss ihrer vorinstanzlichen Eingabe vom 22. Dezember 2001 abzustellen.
3.3 Steht fest, welches die visuell anspruchvollste T�tigkeit der A.________ ist, hat die IV-Stelle gem�ss Pr�zisierungen im Urteil D. vom 24. Juli 2003 (I 29/02) einen fach�rztlichen Bericht zur diesbez�glichen Notwendigkeit des Binokularsehens einzuholen, der nicht allein auf die subjektiven Angaben der Versicherten abstellt, sondern vielmehr f�r die streitigen Belange umfassend ist, auch die geklagten Beschwerden ber�cksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wird und der konkreten medizinischen Situation Rechnung tr�gt (vgl. dazu BGE 125 V 353 Erw. 3a). Soweit der einseitige Ausfall der Sehf�higkeit durch Angew�hnung an den Verlust des stereoskopischen Sehens zumutbarerweise kompensiert werden kann (vgl. z.B. die viermonatige Wartefrist nach dem Verlust eines Auges in der F�hrerausweis-Kategorie B gem�ss Anhang 1 zur Verordnung vom 27. Oktober 1976 �ber die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr [VZV; SR 741.51]), hat dies der Augenarzt im Einzelfall zu ber�cksichtigen und dazu Stellung zu nehmen. Zus�tzlich wird er die Frage betreffend die Auswirkungen von st�renden Blendeffekten beantworten m�ssen. K�nnen st�rende Blendeffekte oder andere einseitige Sehf�higkeitsbeeintr�chtigungen im Zusammenhang mit Bildschirmarbeit durch Abdecken eines Auges vermieden werden, stellt diese Vorkehr eine dem Eingliederungszweck angemessene, zweckm�ssige und zumutbare Massnahmen dar, welche gegebenenfalls als realistische Alternative im Vergleich zur �bernahme einer Staroperation als medizinische Eingliederungsmassnahme in Frage kommt (Urteil B. vom 30. September 2003, I 14/03). Erfolgt die augen�rztliche Beurteilung dieser Fragen - wie hier - erst nach bereits durchgef�hrter Operation, sind sie medizinisch prognostisch aufgrund der Verh�ltnisse vor der fraglichen Operation (AHI 2000 S. 299 Erw. 2b mit Hinweisen) zu beantworten, wobei es zur Aufgabe des Arztes oder der �rztin geh�rt, dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bez�glich welcher T�tigkeiten die versicherte Person ohne die am 8. Mai 2001 durchgef�hrte Staroperation am rechten Auge arbeitsunf�hig geworden w�re (vgl. BGE 125 V 261 Erw. 4 mit Hinweisen).
3.4 Die im Zusammenhang mit der zweiten Kataraktoperation am rechten Auge vom 8. Mai 2001 erstellten Berichte der behandelnden Augen�rzte Dres. med. C.________ und D.________ gen�gen den dargelegten praxisgem�ssen (Erw. 3.3 hievor) Anforderungen an die medizinische Beurteilung der Notwendigkeit des Binokularsehens nicht. Obwohl Dr. med. C.________ mit Schreiben vom 19. Dezember 2001 im vorinstanzlichen Verfahren zuhanden der Versicherten best�tigte, dass sie "in ihrer Funktion als Markenspezialistin/�bersetzerin mit achtst�ndigem Einsatz pro Tag am Computer (Online Dateien) und als Dirigentin/ Organistin auf ein gutes Binokularsehen angewiesen" sei und er deshalb die "�bernahme der Kosten beider Operationen [...] durch die Invalidenversicherung" beantrage, unterliess er es, differenziert zu den erforderlichen Aspekten der Notwendigkeit des Binokularsehens (Erw. 3.3 hievor) Stellung zu nehmen. Unbekannt blieb auch, inwieweit st�rende Blendeffekte durch zumutbares Abdecken des nicht operierten rechten Auges bei der Bildschirmarbeit und gegebenenfalls auch bei der T�tigkeit als Dirigentin/Organistin h�tten vermieden werden k�nnen. Insbesondere fehlt es an einer Beantwortung der Frage nach der Angew�hnung und Anpassung an den funktionellen Verlust eines Auges in Bezug auf die behauptete Beeintr�chtigung des stereoskopischen Sehens und die angeblich daraus resultierende Unf�higkeit, gewisse Symbole auf dem Bildschirm erkennen zu k�nnen.
3.5 Fehlt es an den erforderlichen Grundlagen zur Beantwortung der Frage nach der Notwendigkeit des Binokularsehens in Bezug auf die konkret ausge�bte T�tigkeit der Versicherten (vgl. Erw. 3.2 hievor), sind der angefochtene Entscheid und die Verwaltungsverf�gung aufzuheben. Die Sache ist an die IV-Stelle zur�ckzuweisen, damit diese bei den erg�nzenden Abkl�rungen nach den Erw�gungen Ziffer 3.1 bis 3.3 vorgehen und anschliessend �ber das Leistungsgesuch betreffend die rechtsseitige Kataraktoperation vom 8. Mai 2001 neu verf�gen wird.
Nach Art. 134 OG darf das Eidgen�ssische Versicherungsgericht im Beschwerdeverfahren �ber die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen den Parteien in der Regel keine Verfahrenskosten auferlegen. Diese Bestimmung wurde vom Gesetzgeber vor allem im Interesse der Versicherten geschaffen, die mit einem Sozialversicherer im Streit stehen (BGE 126 V 192 Erw. 6). Rechtsprechungsgem�ss findet der Grundsatz der Unentgeltlichkeit des Verfahrens vor dem Eidgen�ssischen Versicherungsgericht keine Anwendung, wenn sich zwei Unfallversicherer (BGE 120 V 494 Erw. 3, 119 V 223 Erw. 4c), eine Krankenkasse und ein Unfallversicherer (BGE 126 V 192 Erw. 6, AHI 1998 S. 110) oder die Invalidenversicherung und der Unfallversicherer (AHI 2000 S. 206 Erw. 2) oder die Krankenkasse und die Invalidenversicherung (Urteil L. vom 28. November 2002, I 92/02) �ber ihre Leistungspflicht f�r einen gemeinsamen Versicherten streiten. Folglich hat die IV-Stelle als unterliegende Partei die Gerichtskosten zu tragen (Art. 135 in Verbindung mit Art. 156 Abs. 1 und 3 OG).
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird in dem Sinne teilweise gutgeheissen, dass der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 15. Februar 2002 und die Verwaltungsverf�gung vom 31. Juli 2001 aufgehoben werden und die Sache an die IV-Stelle des Kantons Aargau zur�ckgewiesen wird, damit sie, nach erfolgter Abkl�rung im Sinne der Erw�gungen, �ber das Leistungsgesuch betreffend die am 8. Mai 2001 durchgef�hrte Staroperation am rechten Auge neu verf�ge.
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 3'000.- wird der Beschwerdef�hrerin zur�ckerstattet.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons Aargau, der Ausgleichskasse des Kantons Aargau, dem Bundesamt f�r Sozialversicherung und A.________ zugestellt.