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Timestamp: 2019-10-17 16:46:29
Document Index: 89308206

Matched Legal Cases: ['§ 146', '§ 158', '§ 39', '§ 39', '§ 38', '§ 158', '§ 158', '§ 39']

BFH, 12.12.1972 - VIII R 112/69 - dejure.org
BFH, 12.12.1972 - VIII R 112/69
https://dejure.org/1972,388
BFH, 12.12.1972 - VIII R 112/69 (https://dejure.org/1972,388)
BFH, Entscheidung vom 12.12.1972 - VIII R 112/69 (https://dejure.org/1972,388)
BFH, Entscheidung vom 12. Dezember 1972 - VIII R 112/69 (https://dejure.org/1972,388)
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Ordnungsmäßige Buchführung - Jahresschlußbilanz - Erstellungszeitpunkt
BFHE 109, 167
DB 1973, 1281
BStBl II 1973, 555
a) Ob die danach ggf. festzustellenden Mängel der Buchführung und die fehlerhafte Nichtaufnahme des noch vorhandenen Verpackungsmaterials bei der jährlichen Bestandsaufnahme (§ 146 AO) zur Feststellung der formellen Ordnungswidrigkeit führen, ist in erster Linie eine Tatfrage und deshalb zunächst vom FG zu entscheiden, zumal bei der Beurteilung eines Buchführungsfehlers nicht auf die formale Bedeutung des Buchführungsmangels, sondern auf dessen sachliches Gewicht abzustellen ist (…vgl. BFH-Urteil in BFH/NV 2000, 1462 unter Hinweis auf die BFH-Urteile vom 31. Juli 1969 IV R 57/67, BFHE 97, 246, BStBl II 1970, 125; vom 15. März 1972 I R 60/70, BFHE 105, 138, BStBl II 1972, 488, und vom 12. Dezember 1972 VIII R 112/69, BFHE 109, 167, BStBl II 1973, 555;… Seer in Tipke/Kruse, a.a.O., § 158 AO Rz 13, m.w.N.).
BFH, 24.09.1974 - VIII R 125/70
Ordnungsgemäße Buchführung - Jahresschlußbilanz - Bilanzstichtag - Erstellung - …
Der Senat bleibt dabei, daß eine Buchführung nicht ordnungsmäßig ist, wenn die Jahresschlußbilanz erst etwa zweieinhalb Jahre nach dem Bilanzstichtag erstellt wird und im Hinblick auf den Zweck der Buchführung noch beachtenswerte, aus den Verhältnissen des Betriebs zu erklärende Gründe für eine so späte Bilanzerstellung nicht erkennbar sind (vgl. Urteil vom 12. Dezember 1972 VIII R 112/69, BFHE 109, 167, BStBl II 1973, 555).
Der dem Verfahren beigetretene BdF hat ausgeführt: Da nach den finanzgerichtlichen Feststellungen die Bilanzen für 1964 und 1965 erst im Juni 1967 -- die Schlußbilanz für 1964 mithin erst im dritten auf den Bilanzstichtag folgenden Wirtschaftsjahr -- aufgestellt worden seien, sei nach den Grundsätzen des BFH-Urteils vom 12. Dezember 1972 VIII R 112/69 (BFHE 109, 167, BStBl II 1973, 555) die Buchführung für 1964 schon aus diesem Grunde nicht ordnungsmäßig.
Wie der Senat in seinem Urteil VIII R 112/69 im Anschluß an die ständige Rechtsprechung des BFH ausgeführt hat, bilden die laufende Buchführung und die Bilanz eine Einheit, so daß zur ordnungsmäßigen Buchführung auch die ordnungsmäßige Aufstellung der Bilanz gehört.
Nach dem Urteil des Senats VIII R 112/69 gehört zur ordnungsmäßigen Aufstellung der Bilanz, daß sie innerhalb des in § 39 Abs. 2 Satz 2 HGB bestimmten Zeitraums -- "innerhalb der einem ordnungsmäßigen Geschäftsgang entsprechenden Zeit" -- erstellt wird.
Sie hat vielmehr im Einzelfall entschieden, ob die zu einem bestimmten Zeitpunkt vorgenommene Aufstellung der Bilanz noch rechtzeitig und damit ordnungsmäßig war (vgl. BFH-Urteile vom 27. April 1965 I 324/62 S, BFHE 82, 445, BStBl III 1965, 409 -- Bilanzaufstellung innerhalb von 6 bis 7 Monaten ist rechtzeitig --; vom 22. Juni 1967 IV 172/63, BFHE 90, 116, BStBl II 1968, 5 -- Bilanzaufstellung innerhalb von 10 Monaten ist rechtzeitig --; VIII R 112/69 -- Bilanzaufstellung nach etwa 2 1/2 Jahren ist verspätet --; vom 5. März 1965 VI 154/63 U, BFHE 82, 104, BStBl III 1965, 285 -- Bilanzaufstellung nach 5 Jahren ist verspätet --).
Wie der Senat im Urteil VIII R 112/69 ausgeführt hat, ist eine erst etwa 2 1/2 Jahre nach dem Bilanzstichtag erstellte Jahresschlußbilanz nicht ordnungsmäßig, weil ein so langer Zeitraum, besonders wenn keine Gründe dafür vorliegen, warum die Bilanz nicht früher erstellt wurde, mit § 39 Abs. 2 Satz 2 HGB unvereinbar ist.
Geht man hiervon aus, dann ist im Streitfall die Jahresschlußbilanz für 1964 nicht ordnungsmäßig, weil sie später als im Falle der Entscheidung VIII R 112/69 -- dort mehr als 27 Monate --, nämlich mehr als 29 Monate nach dem Bilanzstichtag, erstellt wurde und keine im Hinblick auf den Zweck der Buchführung noch beachtenswerte, aus den Verhältnissen des Betriebs zu erklärende Gründe für eine so späte Aufstellung erkennbar sind.
Nach den Grundsätzen des BFH-Urteils vom 12. Dezember 1972 VIII R 112/69 (BFHE 109, 167, BStBl II 1973, 555) sei die Buchführung jedenfalls dann zu verwerfen, wenn die Aufstellung der Bilanz so spät erfolge, daß bei vernünftiger Beurteilung allgemein oder nach den Verhältnissen des Einzelfalles davon ausgegangen werden müsse, daß der Kaufmann im Zeitpunkt der verspäteten Bilanzaufstellung nicht in der Lage sei, die Verhältnisse am Bilanzstichtag noch fehlerfrei zu beurteilen.
Die Rechtsprechung des BFH hat bisher bei der Auslegung dieses unbestimmten Rechtsbegriffs keine bestimmte Frist bezeichnet, sondern sich darauf beschränkt, im Einzelfall festzustellen, ob die Zeit überschritten war, innerhalb derer die Bilanz dem ordnungsmäßigen Geschäftsgang entsprechend hätte aufgestellt werden müssen (Urteile vom 5. März 1965 VI 154/63 U, BFHE 82, 104, BStBl III 1965, 285; vom 27. April 1965 I 324/62 S, BFHE 82, 445, BStBl III 1965, 409; vom 22. Juni 1967 IV 172/63, BFHE 90, 116, BStBl II 1968, 5, BFHE 109, 167, BStBl II 1973, 555; vom 24. September 1974 VIII R 125/70, BFHE 113, 500, BStBl II 1975, 78, und vom 25. April 1978 VIII R 96/75, BFHE 125, 165, BStBl II 1978, 525).
Auch die Vorschriften der §§ 38 Abs. 1, 39 Abs. 1, 40 Abs. 2 und 3 HGB haben den Zweck, dem Kaufmann selbst, aber auch den Gläubigern und - sofern vorhanden - den Gesellschaftern jährlich Rechenschaft über den Stand des Geschäfts zu geben (BFHE 109, 167, BStBl II 1973, 555).
Bei späterer Bilanzaufstellung besteht die Gefahr, daß Wertansätze nicht nach den Verhältnissen am Bilanzstichtag, sondern unzulässigerweise nach dem Ergebnis mehrerer inzwischen abgelaufener Wirtschaftsjahre gebildet werden (BFHE 109, 167, BStBl II 1973, 555).
Insoweit kommt der unterschiedlichen sachlichen Gewichtung der Mängel ausschlaggebende Bedeutung zu (vgl. schon BFH-Urteile vom 12. Dezember 1972 VIII R 112/69, BStBl II 1973, 555; vom 7. Juli 1977 IV R 205/72, BStBl II 1978, 307 und vom 17. November 1981 VIII R 174, 77, BStBl II 1982, 430 …sowie Beschluss vom 25. Januar 1990 IV B 140/88, BFH/NV 1990, 484;… Seer in Tipke/Kruse, § 158 AO Rn. 13).
Bei der Beurteilung des Buchführungsfehlers, hier der fehlenden Buchungsbelege, ist nicht auf die formale Bedeutung des Buchführungsmangels, sondern auf dessen sachliches Gewicht abzustellen (vgl. BFH-Urteile vom 31. Juli 1969 IV R 57/67, BFHE 97, 246, BStBl II 1970, 125; vom 15. März 1972 I R 60/70, BFHE 105, 138, BStBl II 1972, 488, und vom 12. Dezember 1972 VIII R 112/69, BFHE 109, 167, BStBl II 1973, 555).
Insoweit kommt der unterschiedlichen sachlichen Gewichtung der Mängel ausschlaggebende Bedeutung zu (vgl. BFH-Urteile vom 12. Dezember 1972 VIII R 112/69, BStBl II 1973, 555 ; vom 7. Juli 1977 IV R 205/72, BStBl II 1978, 307 und vom 17. November 1981 VIII R 174, 77, BStBl II 1982, 430 …sowie Beschluss vom 25. Januar 1990 IV B 140/88, BFH/NV 1990, 484;… Seer in Tipke/Kruse, § 158 AO Rn. 13).
Zur Buchführung ist nach einhelliger Ansicht auch die Bilanz zu rechnen (vgl. BFH Urteil vom 12. Dezember 1972 - VIII R 112/69 - BStBl. II 1973, 555, 556 m.w.N.), weil die Buchführung nicht nur die Aufzeichnung der Geschäftsvorfälle durch den Kaufmann und deren Übertragung in das Journal, sondern auch die Rechenschaft umfaßt, die er sich selbst und auch seinen Gläubigern bei der Zusammenfassung des gesamten Buchungsstoffes in der Jahresbilanz gibt.
BFH, 07.07.1977 - IV R 205/72
Ordnungsmäßigkeit der Buchführung - Buchführungsmangel - Beurteilung - Sachliches …
Im übrigen kommt es nach der neueren Rechtsprechung des BFH (Urteile vom 31. Juli 1969 IV R 57/67, BFHE 97, 246 [250], BStBl II 1970, 125; vom 15. März 1972 I R 60/70, BFHE 105, 138, BStBl II 1972, 488, und vom 12. Dezember 1972 VIII R 112/69, BFHE 109, 167 [170], BStBl II 1973, 555) bei der Frage nach der Ordnungsmäßigkeit der Buchführung nicht mehr auf die formale Bedeutung des Buchführungsmangels, sondern auf dessen sachliches Gewicht an.
Unter diesen Umständen braucht der Senat zu der sich aufdrängenden Frage, ob die Wertaufhellungstheorie im Streitfall auch deshalb nicht angewendet werden könnte, weil der Kläger die Bilanz 1961 erst mehr als ein Jahr nach Ablauf des Bilanztages und damit unter Umständen entgegen § 39 Abs. 2 Satz 2 HGB verspätet (vgl. hierzu Urteil des BFH I 324/62 S i. V. mit dem Urteil vom 12. Dezember 1972 VIII R 112/69, BFHE 109, 167, BStBl II 1973, 555) aufgestellt hat, nicht Stellung zu nehmen.
Diese Fristüberschreitung führt zur Versagung der Ordnungsmäßigkeit der Buchführung, ohne daß es noch auf andere Umstände ankommen kann (BFH-Urteile vom 12. Dezember 1972 VIII R 112/69, BFHE 109, 167, BStBl II 1973, 555; BFHE 125, 165, BStBl II 1978, 525).
Zweck der Fristen zur Bilanzaufstellung ist es, dem Kaufmann selbst sowie Gläubigern und Gesellschaftern jährlich Rechenschaft über die Vermögenslage des Unternehmens zu geben (BFHE 109, 167, BStBl II 1973, 555).
BFH, 12.12.1973 - I R 163/69
Weinhandelsbetrieb - Ordnungsgemäße Buchführung - Eigener Weinbau - Inventar - …
BFH, 21.10.1981 - I R 170/78
Rückstellung - Schwebendes Geschäft - Aufstellung der Bilanz - Verkaufsverlust
Überschreitung der festgelegten Fristen - Aufstellung der Bilanz - Verstoß gegen …
BFH, 12.09.1973 - I R 9/72
Gewinnverteilung - Gesellschafterversammlung einer GmbH - Liquidationsstadium - …
BFH, 08.07.1980 - VIII R 150/77
Fotografie - Inventur - Sachverständiger - Frist - Buchführung