Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=08.06.1989&Aktenzeichen=I%20ZR%20135/87
Timestamp: 2020-08-11 10:58:10
Document Index: 246729153

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 12', '§ 823', 'BGH', '§ 22', 'BGH', 'BGH', 'Art. 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1922', 'BGH', 'BGH', '§ 90', 'BGH', '§ 90', 'Art. 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 90', '§ 90', 'BGH', 'BGH', '§ 22', '§ 22', 'BGH', 'BGH']

BGH, 08.06.1989 - I ZR 135/87 - dejure.org
https://dejure.org/1989,201
BGH, 08.06.1989 - I ZR 135/87 (https://dejure.org/1989,201)
BGH, Entscheidung vom 08.06.1989 - I ZR 135/87 (https://dejure.org/1989,201)
BGH, Entscheidung vom 08. Juni 1989 - I ZR 135/87 (https://dejure.org/1989,201)
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§ 12 BGB, Bildfälschung mit Signatur, § 823 BGB, Allgemeines Persönlichkeitsrecht
Bildfälschung - Signatur - Fälschung - Allgemeines Persönlichkeitsrecht - Beseitigungsklage - Anspruch auf Beseitigung - Postmortaler Persönlichkeitsschutz - Unerlaubte Handlung
Kein Anspruch auf Kennzeichnung von Bildern als Fälschung nach Entfernung der gefälschten Signatur ("Emil Nolde")
Anspruch auf Beseitigung einer gefälschten Signatur auf einer Bildfälschung
Zum postmortalen Persönlichkeitsrecht eines bekannten Malers
"Nolde-Aquarelle" gefälscht - Die Bilder müssen entsprechend gekennzeichnet werden
Persönlichkeitsrecht (postmortaler Schutz eines Künstlers)
Postmortaler Persönlichkeitsschutz (Schutzdauer)
BGHZ 107, 384
NJW 1990, 1986
ZIP 1989, 1217
MDR 1989, 1076
GRUR 1995, 668
ZUM 1990, 180
afp 1989, 728
Desgleichen wirken jedenfalls das Recht am eigenen Bild (§ 22 Satz 3 KUG) und möglicherweise auch das Namensrecht (BGHZ 107, 384, 390 - Emil Nolde) über den Tod hinaus fort.
Auch gegen Fehlzitate kann - wie der Senat im Urteil vom heutigen Tage im Unterlassungsverfahren 15 U 65/17 ausführt - grundsätzlich ein postmortaler Abwehranspruch bestehen (vgl. auch BGH v. 08.06.1989 - I ZR 135/87, NJW 1990, 1986, 1988;… Schönberger , Postmortaler Persönlichkeitsschutz, 2011, S. 108 f.).
Die Schutzwirkung des Art. 1 Abs. 1 GG ist bei der Frage, ob nach dem Tod des Betroffenen weiterhin Schutzansprüche bestehen, wertend mit heranzuziehen und führt zum Fortbestand des allgemeinen Wert- und Achtungsanspruchs, der das fortwirkende Lebensbild eines Verstorbenen weiterhin wenigstens gegen grobe ehrverletzende Beeinträchtigungen schützt (vgl. BVerfG, Beschl. v. 24.2.1971 - 1 BvR 435/68, NJW 1971, 1645;… BGH, Urt. v. 20.3.1968 - I ZR 44/66, NJW 1968, 1773; BGH, Urt. v. 8.6.1989 - I ZR 135/87, NJW 1990, 1986;… BGH, Urt. v. 17.5.1984 - I ZR 73/82, MDR 1984, 997;… BGH, Urt. v. 4.6.1974 - VI ZR 68/73, NJW 1974, 1371; OLG München, Urt v. 28.7.1989 - 21 U 2754/88, NJW-RR 1990, 1435).
Auch der Bundesgerichtshof (Urt. v. 8.6.1989 - I ZR 135/87, NJW 1990, 1986) hat in der Fälschung von Bildern eine Verletzung des postmortalen Persönlichkeitsrechts gesehen und dies unter Verweis auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 3.6.1980 (1 BvR 185/77, BVerfGE 54, 148) mit dem Unterschieben einer nicht getätigten Äußerung verglichen, also auch letztere ersichtlich als Beeinträchtigung des postmortalen Geltungsanspruchs angesehen (…vgl. dazu auch Schönberger , Postmortaler Persönlichkeitsschutz, Bielefeld 2011, S. 108 f.).
In der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist zwar anerkannt, dass in erster Linie der vom Verstorbenen zu Lebzeiten Berufene als Wahrnehmungsberechtigter anzusehen ist (…vgl. BGH, Urt. v. 26.11.1954 - I ZR 266/52, BGHZ 15, 249;… BGH, Urt. v. 20.3.1968 - I ZR 44/66, BGHZ 50, 133; BGH, Urt. v. 8.6.1989 - I ZR 135/87, BGHZ 107, 384).
Soweit in den Entscheidungen teilweise die Tendenz vorhanden zu sein scheint, einen Vorrang des vom Erblasser benannten Wahrnehmungsberechtigten gegenüber den Erben zu statuieren (…vgl. BGH, Urt. v. 26.11.1954 - I ZR 266/52, BGHZ 15, 249: " Es kann deshalb dem Schöpfer eines Geisteswerkes nicht verwehrt sein, unabhängig von der erbrechtlichen Regelung über seinen sonstigen Nachlass bereits zu Lebzeiten in einer auch seine Erben bindenden Weise einen Treuhänder für sein geistiges Erbe einzusetzen ";… ähnlich Staudinger/ Kunz , BGB, § 1922 Rn. 302: " Soweit die ideellen Bestandteile des Persönlichkeitsrechts über den Tod des Erblassers hinaus wirken, obliegt ihre Wahrnehmung nicht den Erben als solchen, sondern in erster Linie demjenigen, den der Erblasser bestimmt hat; fehlt es hieran , den nächsten Angehörigen des Erblassers ";… vgl. auch OLG München, Urt. v. 28.7.1989 - 21 U 2754/88, NJW-RR 1990, 1435: " Jedenfalls hat der Verstorbene nicht etwa eine andere Person (als die Erben) mit der Fortsetzung des Rechtsstreits beauftragt "), sprechen die Formulierungen in anderen Entscheidungen eher für ein mögliches Nebeneinander von Erben und gewillkürten Wahrnehmungsberechtigten (vgl. BGH, Urt. v. 8.6.1989 - I ZR 135/87, BGHZ 107, 384: " in erster Linie der vom Verstorbenen zu Lebzeiten Berufene und daneben seine nahen Angehörigen ").
Er kann das Totenfürsorgerecht den Angehörigen insgesamt entziehen und einen Dritten, etwa einen Testamentsvollstrecker, damit betrauen (vgl. OLG Karlsruhe MDR 1990, 443 [OLG Karlsruhe 14.04.1988 - 9 U 50/87]; BayVGH BayVBl. 1976, 310;… Gaedke aaO S. 98 f.;… Soergel/Mühl, BGB 12. Aufl. § 90 Rdn. 7 sowie auch zum Recht auf Wahrnehmung des postmortalen Persönlichkeitsschutzes etwa BGHZ 50, 133, 139 f.; 107, 384, 389;… Staudinger/Dilcher, BGB 12. Aufl. § 90 Rdn. 20).
b) Nach diesem Maßstab haben die erkennenden Gerichte die aus Art. 1 Abs. 1 GG folgende Schutzpflicht nicht dadurch verletzt, dass sie dem Beschwerdeführer, der nach zivilrechtlichen Grundsätzen zur Wahrnehmung des postmortalen Persönlichkeitsrechts seiner Mutter befugt war (vgl. BGHZ 50, 133 [139 f.]; 107, 384 [389]; 143, 214 [224]), einen Entschädigungsanspruch verweigert haben.
Zivilrechtlich kann der hinsichtlich des postmortalen Persönlichkeitsrechts Wahrnehmungsberechtigte anerkanntermaßen Ansprüche auf Unterlassung geltend machen (vgl. BGHZ 107, 384 [393];… BGH, GRUR 1974, S. 797 [798]).
Auch für das allgemeine zivilrechtliche Persönlichkeitsrecht hat der BGH anerkannt, dass der postmortale Persönlichkeitsschutz und sein Verblassen von den Umständen des Einzelfalls abhängt, insbesondere von der Intensität der Beeinträchtigung und der Bekanntheit und Bedeutung des durch das künstlerische Schaffen geprägten Persönlichkeitsbildes (BGH, GRUR 1995, 668, 670 f. - Emil Nolde).
Vielmehr besteht der allgemeine Wert- und Achtungsanspruch fort, so dass das fortwirkende Lebensbild eines Verstorbenen weiterhin gegen schwerwiegende Entstellungen geschützt wird (vgl. BGHZ 107, 384 ff. u. BGHZ 50, 133, 136 ff. - Mephisto;… BGH, Urt. v. 04.06.1974 - VI ZR 68/73 -, GRUR 1974, 797, 798 - Fiete Schulze;… BGH, Urt. v. 17.5.1984 - I ZR 73/82 -, GRUR 1984, 907, 908 - Frischzellenkosmetik; auch BVerfGE 30, 173, 194 f. - Mephisto; vgl. auch BVerfGE 54, 148, 154 - Eppler: für das Unterschieben nicht getaner Äußerungen;… BVerfG, Beschl. v. 05.04.2001, a.a.O.,).
Der Schutz auch des ideellen Teils des postmortalen Persönlichkeitsrechts nimmt über die Zeit ab (vgl. insoweit BGH NJW 1990, 1986, 1988, der den Schutz des bekannten Malers Emil Nolde 30 Jahre nach dessen Tod noch nicht als entfallen ansieht;… Heidel/Hüßtege/Mansel/Noack-Ring, BGB, 3. Aufl. 2016, § 90 Rn. 43, der als objektives Kriterium für die Dauer des Schutzes auf die Mindestruhezeiten von Friedhöfen, also 25 Jahre, abstellt;… ebenso Staudinger/Stieper, BGB, 2017, § 90 Rn. 51 m.w.N.).
Das Schutzbedürfnis des Verstorbenen schwindet in dem Maße, in dem die Erinnerung an ihn verblasst (vgl. BGH GRUR 1968, 552, 555 - Mephisto; BGH GRUR 1995, 668, 670 - Emil Nolde;… LG Frankfurt a. M., Urt. v. 13.02.2009 - 2-03 O 478/08, ZUM 2009, 308, 310;… OLG Frankfurt a.M., a.a.O., Rn. 33;… Wandtke/Bullinger-Fricke, UrhG, 5. Aufl. 2019, § 22 KUG Rn. 11).
Der postmortale Bildnisschutz nach § 22 S. 3 KUG stellt jedoch keine abschließende Regelung dar, sondern wird durch das von der Rechtsprechung anerkannte postmortale Persönlichkeitsrecht ergänzt, welches die ideellen Bestandteile des Bildnisrechts als besonderem Persönlichkeitsrecht auch nach Ablauf von zehn Jahren schützt, während es bei der gesetzlichen Schutzbegrenzung bleibt, sofern lediglich die vermögensrechtlichen Bestandteile des Persönlichkeitsrechts betroffen sind (vgl. BGH NJW 2007, 684 - kinski-klaus.de; BGH NJW 1990, 1986).
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