Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F17-02-2016-8C_725-2015
Timestamp: 2016-09-25 20:51:25
Document Index: 95098319

Matched Legal Cases: ['Art. 18', 'Art. 97', 'BGE', 'BGE', 'Art. 99', 'BGE', 'Art. 43', 'BGE']

8C_725/2015 (17.02.2016)
8C_725/2015 {T�0/2} � � Urteil vom 17. Februar 2016
Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom 19. August 2015.
Der 1956 geborene A.________ meldete sich im Januar 2012 unter Hinweis auf ein Burnout zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an. Die IV-Stelle des Kantons Thurgau nahm erwerbliche und medizinische Abkl�rungen vor. Unter anderem gest�tzt auf einen Untersuchungsbericht der Frau B.________, Fach�rztin f�r Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler �rztlicher Dienst (RAD), vom 3. August 2012 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache f�r einen Arbeitsversuch vom 3. September 2012 bis 28. Februar 2013 (vgl. Art. 18a IVG) bei der C.________ AG. Im Bericht hielt die RAD-�rztin eine abklingende, mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen im Rahmen einer chronischen beruflichen Belastungssituation mit Burnout-Syndrom und eine um 50 % reduzierte Arbeitsf�higkeit fest. Nachdem das Pensum bei der C.________ AG nicht wie geplant auf 100 % gesteigert werden konnte, liess die IV-Stelle den Versicherten durch Dr. med. D.________, Facharzt f�r Psychiatrie und Psychotherapie, begutachten. Dieser stellte keine psychische Krankheit fest, weshalb die Arbeitsf�higkeit uneingeschr�nkt sei (Gutachten vom 11. Dezember 2013, welchem die neuropsychologische Beurteilung des Dr. phil. E.________, Diplompsychologe, vom 29. November 2013 beilag). Mit Verf�gung vom 14. April 2015 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung mangels eines invalidisierenden Gesundheitsschadens.
Die dagegen gef�hrte Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau mit Entscheid vom 19. August 2015 ab.
A.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren und beantragen, es sei ihm eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zu weiteren Abkl�rungen an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
Die IV-Stelle und das Bundesamt f�r Sozialversicherungen haben auf eine Stellungnahme verzichtet.
Im angefochtenen Entscheid sind die Rechtsgrundlagen f�r den streitigen Anspruch auf eine Invalidenrente zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
3.1.�Die Vorinstanz stellte nach eingehender W�rdigung der Akten fest, gest�tzt auf das beweiskr�ftige Gutachten des Dr. med. D.________ vom 11. Dezember 2013 liege keine psychiatrische St�rung mit Krankheitswert vor; die Arbeitsf�higkeit sei daher aus psychiatrischer Sicht nicht eingeschr�nkt. Daran �ndere auch der Umstand nichts, dass dem Beschwerdef�hrer der Wiedereinstieg ins Erwerbsleben nicht vollumf�nglich gegl�ckt sei. Mit Blick darauf, dass sowohl Dr. med. F.________, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, der im Auftrag des zust�ndigen Krankenversicherers am 30. Dezember 2011 ein Gutachten zur Arbeitsf�higkeit erstellt habe, als auch der Psychologe Dr. E.________ festgehalten h�tten, dass die Vorbringen des Versicherten und seine gezeigten Leistungen Inkonsistenzen aufweisen w�rden, k�nne hieraus kein R�ckschluss auf seine effektive Arbeitsf�higkeit gezogen werden. Der behandelnde Psychiater Dr. med. G.________ habe sich ferner ohne kritische W�rdigung im Wesentlichen auf die subjektiven Angaben des Beschwerdef�hrers gest�tzt und die gesch�tzte Arbeitsunf�higkeit nicht schl�ssig begr�ndet (Berichte vom 4. Mai 2015, 24. Juli 2013, 16. Juli und 27. Februar 2012), weshalb diese die Beweiskraft des Gutachtens nicht in Frage zu stellen verm�chten. Auch der Umstand, dass der Gutachter Dr. med. D.________ die von ihm beim Psychologen Dr. phil. H.________ in Auftrag gegebene Beurteilung der Motivation zur sozialversicherungsrechtlichen Abkl�rung vom 8. November 2013 in seiner Expertise unerw�hnt gelassen und einzig die neuropsychologische Beurteilung des Psychologen Dr. phil. E.________ in sein Gutachten integriert habe, sei zwar unverst�ndlich, schm�lere aber den Beweiswert seiner Aussagen nicht. In seiner Stellungnahme vom 20. Juni 2014 habe der Arzt einleuchtend und nachvollziehbar dargelegt, dass Dr. phil. H.________ keine eigentliche neuropsychologische Beurteilung, sondern lediglich eine Motivationsabkl�rung vorgenommen habe, worauf die eingehendere, mit einer Konsistenzpr�fung versehene, neuropsychologische Untersuchung bei Dr. phil. E.________ in Auftrag gegeben worden sei. Zusammenfassend bestehe demnach mangels eines invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschadens kein Anspruch auf eine Rente.
3.2.�Die durch das kantonale Gericht getroffenen Tatsachenfeststellungen, namentlich die aus den medizinischen Unterlagen gewonnenen Erkenntnisse, sind im letztinstanzlichen Prozess grunds�tzlich verbindlich (vgl. E. 1 hiervor). Im Rahmen der eingeschr�nkten Sachverhaltskontrolle (Art. 97 Abs. 1 BGG) ist es nicht Aufgabe des Bundesgerichts, die schon im vorangehenden Verfahren im Recht gelegenen �rztlichen Berichte neu zu beurteilen und die rechtsfehlerfreie Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz zu korrigieren.
3.3.�Die Vorbringen des Beschwerdef�hrers zeigen keine offensichtliche Unrichtigkeit der vorinstanzlichen Schlussfolgerungen auf. Soweit er einwendet, es sei zumindest fraglich, ob der Hauptgutachter Dr. med. D.________, nachdem die Beurteilung des Dr. phil. H.________ vorgelegen habe, �berhaupt eine zus�tzliche, zweite gutachterliche Abkl�rung bei Dr. phil. E.________ habe in Auftrag geben d�rfen, verkennt er, dass es sich beim Bericht des Psychologen Dr. phil. E.________ nicht um eine unzul�ssige "second opinion" im Sinne eines weiteren Gutachtens eines Facharztes f�r Psychiatrie und Psychotherapie (vgl. hiezu BGE 137 V 210 E. 3.3.1 S. 245; 136 V 156 E. 3.3 S. 158) handelt. Die Verwaltung hat nicht trotz eines bereits umfassend abgekl�rten Sachverhalts eine zweite Expertise eingeholt. Dr. phil. E.________ hat vielmehr einzig als Fachpsychologe einen erg�nzenden Bericht erstellt, welchen der Facharzt in seine medizinische Expertise aufnehmen durfte. Die Vorinstanz hat sodann einleuchtend dargelegt, weshalb es zwar st�rend ist, dass Dr. med. D.________ die Motivationsabkl�rung im Gutachten nicht aufgef�hrt und gewertet hat. Ebenfalls �berzeugend hat sie indessen seine Erkl�rung als plausibel erachtet, wonach er erst aufgrund der durch Dr. phil. H.________ erhobenen Testresultate eine eingehende neuropsychologische Beurteilung veranlasst hat. Der Beweiswert des Gutachtens wird dadurch nicht beeintr�chtigt. Das kantonale Gericht hat weiter die neuropsychologischen Abkl�rungsergebnisse des Dr. phil. E.________, auf welche der Gutachter verweist, mit eingehender, nachvollziehbarer Begr�ndung als verwertbar erachtet. Diese Beweisw�rdigung ist nicht zu beanstanden (vgl. BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S.269; 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3 S. 352 mit Hinweisen).
Entgegen den weiteren Darlegungen in der Beschwerde hat sich der Gutachter auch hinreichend mit den fr�heren Arbeitsf�higkeitssch�tzungen auseinandergesetzt und gest�tzt auf die Aktenlage nachvollziehbar ausgef�hrt, weshalb nicht von einer anhaltend eingeschr�nkten Arbeitsf�higkeit, wie sie der behandelnde Psychiater Dr. med. G.________ annahm, auszugehen ist. Die Vorinstanz durfte hierauf abstellen, ohne Bundesrecht zu verletzen, wobei der erst im letztinstanzlichen Beschwerdeverfahren eingereichte Bericht des Dr. med. G.________ vom 26. Oktober 2015 als unzul�ssiges (echtes) Novum unbeachtlich ist (Art. 99 Abs. 1 BGG). Es sind keine Widerspr�che oder andere M�ngel im Gutachten des Dr. med. D.________ ersichtlich, welche seine fach�rztlichen Folgerungen in Frage stellen k�nnten. Auch der h�ufige Einsatz des Gutachters durch die IV-Stelle Thurgau rechtfertigt kein anderes Ergebnis. Der regelm�ssige Beizug eines Gutachters oder einer Begutachtungsinstitution durch den Versicherungstr�ger, die Anzahl der beim selben Arzt in Auftrag gegebenen Gutachten sowie das daraus resultierende Arbeits- und Honorarvolumen begr�nden f�r sich allein genommen keinen Ausstand. Dies gilt sowohl f�r Administrativ- als auch f�r Gerichtsgutachten. Konkrete Hinweise auf eigentliche Ausstandsgr�nde ergeben sich aus den Akten nicht und werden auch nicht geltend gemacht. Zudem w�re es Pflicht des Versicherten gewesen, etwaige Ausstandsgr�nde sofort zu r�gen (BGE 138 I 1 E. 2.2 S. 4; Urteil 9C_629/2013 vom 13. Dezember 2013 E. 4.3 mit Hinweisen), was er unterlassen hat.
3.4.�Nach dem Gesagten ist nicht ersichtlich, inwiefern die vorinstanzlichen Feststellungen zur Arbeitsf�higkeit des Beschwerdef�hrers offensichtlich unrichtig (unhaltbar, willk�rlich) sind oder auf einer Rechtsverletzung beruhen; sie bleiben f�r das Bundesgericht verbindlich. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes liegt nicht vor (Art. 43 Abs. 1 und 61 lit. c ATSG); der Verzicht auf weitere Abkl�rungen erfolgte in zul�ssiger antizipierender Beweisw�rdigung (BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236; 134 I 140 E. 5.3 S. 148; 124 V 90 E. 4b S. 94). Besteht nach dem Gesagten keine gesundheitsbedingte Arbeitsunf�higkeit, wurde ein Rentenanspruch zu Recht verneint. Die Beschwerde ist unbegr�ndet.