Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Kuendigung_Kuendigungsschutz_Massregelung_Kleinbetrieb_ArbG_Hamburg_19Ca215-10.html
Timestamp: 2020-05-26 10:50:16
Document Index: 285452680

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 46', '§ 256', '§ 7', '§ 4', '§ 23', '§ 7', '§ 4', '§ 4', '§ 187', '§ 188', '§ 167', '§ 46', '§ 167', '§ 612', '§ 134', '§ 612', '§ 612', '§ 612', '§ 134', '§ 91', '§ 46', '§ 61', '§ 46', '§ 4', '§ 42', '§ 64', '§ 64']

ArbG Hamburg, Urteil vom 31.08.2010, 19 Ca 215/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
ArbG Ham­burg, Ur­teil vom 31.08.2010, 19 Ca 215/10
Schlagworte: Maßregelung, Kündigung: Verhaltensbedingt
Aktenzeichen: 19 Ca 215/10
31. Au­gust 2010
-Kläger -
er­kennt das Ar­beits­ge­richt Ham­burg, 19. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 31. Au­gust 2010
durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt Dr. Stell­jes als Vor­sit­zen­den
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter …
1. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht durch die Kündi­gung vom 27. April 2010 zum 31. Mai 2010 be­en­det wor­den ist.
3. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird auf 4.940,00 Eu­ro fest­ge­setzt.
Die Par­tei­en strei­ten um die Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung.
Der Kläger ist seit dem 1. Fe­bru­ar 2006 auf der Grund­la­ge des Ar­beits­ver­trags vom 1. Fe­bru­ar 2006 (Anl. K 1, Bl. 5 bis 9 d.A.) bei der Be­klag­ten bzw. ih­rer Rechts­vorgänge­rin (vgl. Anl. K 2, Bl. 10 d.A.) als Ver­pa­cker beschäftigt. Sein Brut­to­mo­nats­ge­halt beläuft sich bei ei­ner 40stündi­gen Ar­beits­wo­che und ei­nem St­un­den­lohn von 9,50 € auf 1.646,67 €. Die Be­klag­te fer­tigt Ver­pa­ckun­gen für Stück­gut­trans­por­te an, die über den Ham­bur­ger Ha­fen ab­ge­wi­ckelt wer­den. Bei ihr sind re­gelmäßig we­ni­ger als zehn Ar­beit­neh­mer beschäftigt. Ein Be­triebs­rat be­steht nicht. Bei der Be­klag­ten wur­de von Mai 2009 bis Fe­bru­ar 2010 kurz­ge­ar­bei­tet. Zum 31. De­zem­ber 2009 wies die Bi­lanz ei­nen Ver­lust von 107.672,45 € aus.
An­fang De­zem­ber 2009 wand­te sich der Kläger an sei­nen Vor­ge­setz­ten Herrn W., den Geschäftsführer der Be­klag­ten, und frag­te an, ob er neue Ar­beits­schu­he er­hal­ten könne, denn die al­ten wa­ren in­zwi­schen ka­putt­ge­gan­gen. Herr W. er­wi­der­te, daß es nur al­le zwei Jah­re Ar­beits­schu­he ge­be, die seit der letz­ten An­schaf­fung noch nicht ver­stri­chen sei­en. Weil der Kläger dies als Scherz auf­faßte, sprach er Herrn W. im Ja­nu­ar und Fe­bru­ar 2010 wie­der­um an und frag­te nach neu­en Ar­beits­schu­hen. Nach­dem dies ein­mal igno­riert wor­den war, ant­wor­te­te Herr W. beim zwei­ten Mal er­neut, daß es neue Ar­beits­schu­he nur al­le zwei Jah­re ge­be. En­de April 2010 kam es zu ei­nem wei­te­ren Gespräch zwi­schen den Par­tei­en. Der Kläger zeig­te Herrn W. noch ein­mal sei­ne Schu­he. Herr W. ver­trat die Auf­fas­sung, daß die Schu­he bei ei­nem pri­va­ten Ar­beits­ein­satz im Ju­ni/Ju­li 2009 ka­putt­ge­gan­gen sei­en. Sein­er­zeit hat­te der Kläger dem Schwie­ger­sohn des Herrn W. bei dem Auf­bau ei­nes Gar­ten­hau­ses ge­hol­fen. Bei dem Dis­put En­de April 2010 – das Gespräch fand, wie der Kläger in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor der Kam­mer vom 31. Au­gust 2010 an­gab, we­ni­ge Ta­ge vor dem 27. April 2010 statt –, warf Herr W. dem Kläger ihm vor, er het­ze an­de­re Mit­ar­bei­ter auf. Dem wi­der­sprach der Kläger. So­dann sag­te Herr W. dem Kläger: „Ver­las­sen Sie mein Büro. Ich will Sie hier nicht mehr se­hen. Ich will nicht mit Ih­nen re­den.“ Wei­te­re Äußerun­gen des Herrn W. und de­ren Ton sind strei­tig. Mit Schrei­ben vom 27. April 2010 (Anl. K 3, Bl. 11 d.A.), das dem Kläger zwei Ta­ge später zu­ging, erklärte die Be­klag­te dem Kläger die Kündi­gung des mit ihm be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses zum 31. Mai 2010.
Der Kläger hat ge­gen die Kündi­gung mit an­walt­li­chem Schrift­satz vom 20. Mai 2010 Kündi­gungs­schutz­kla­ge (§ 4 Satz 1 KSchG) er­ho­ben, die vor­ab per Fax am sel­ben Tag und so­dann ur­schrift­lich am Fol­ge­tag bei dem Ar­beits- und Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen und der Pro­zeßbe­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten am 28. Mai 2010 zu­ge­stellt wor­den ist (Bl. 17 d.A.).
Der Kläger hält die Kündi­gung für un­wirk­sam und meint, sie sei treu- bzw. ge­set­zes­wid­rig und schi­kanös. Er be­haup­tet, bei dem Dis­put En­de April 2010 ha­be Herr W. ihn als Que­ru­lan­ten be­zeich­net, ihn an­ge­schrien und ge­sagt, „Sie ge­hen mir auf den […]“. Tatsächlich sei die For­de­rung des Klägers Grund für die Kündi­gung ge­we­sen. Es be­ste­he ein en­ger zeit­li­cher Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Gespräch En­de April 2010 und der Kündi­gung.
fest­zu­stel­len, daß das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht durch die Kündi­gun­gen vom 27. April 2010 be­en­det wird.
Sie ist der An­sicht, das Ar­beits­verhält­nis sei durch die Kündi­gung be­en­det wor­den. Die Kündi­gung be­ru­he auf der wirt­schaft­lich schwie­ri­gen Si­tua­ti­on, in der sich die Be­klag­te be­fin­de, und dem Ent­schluß ih­res Geschäftsführers, das Ar­beits­verhält­nis ei­nes Ver­pa­ckers zu be­en­den, wo­bei die Aus­wahl nach so­zia­len Ge­sichts­punk­ten auf den Kläger ge­fal­len sei. Sie ha­be sich seit Ok­to­ber 2009 von fünf Mit­ar­bei­tern ge­trennt. Die Kündi­gung ha­be nichts mit dem Ver­lan­gen nach neu­en Ar­beits­schu­hen zu tun; die­se sei­en bei dem pri­va­ten Ar­beits­ein­satz des Klägers ka­putt­ge­gan­gen.
Die Kla­ge ist zulässig (1.) und be­gründet (2.).
Das gemäß § 46 Abs. 2 Satz 1 ArbGG, § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che In­ter­es­se des Klägers an der be­gehr­ten Fest­stel­lung, daß das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 27. April 2010 be­en­det ist, folgt be­reits dar­aus, daß gemäß § 7 Satz 1 KSchG die Kündi­gung nach Ab­lauf der Drei­wo­chen­frist des § 4 Satz 1 KSchG als von An­fang an rechts­wirk­sam gilt, wenn nicht vor­her die Fest­stel­lungs­kla­ge er­ho­ben wird.
2. Der Klag­an­trag ist auch be­gründet.
Die be­an­trag­te Fest­stel­lung ist zu tref­fen, weil das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung vom 27. April 2010 nicht be­en­det wor­den ist.
Die­se Kündi­gung gilt nicht als von An­fang an rechts­wirk­sam (a). Sie ist rechts­un­wirk­sam (b).
a) Die Kündi­gung gilt nicht nach den – un­abhängig von der Zahl der beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer an­zu­wen­den­den (§ 23 Abs. 1 Satz 1 und 2 KSchG) – Vor­schrif­ten der § 7 und § 4 Satz 1 KSchG als von An­fang an rechts­un­wirk­sam.
Die dreiwöchi­ge Frist des § 4 Satz 1 KSchG wäre in Hin­blick auf die am 29. April 2010 zu­ge­gan­ge­ne Kündi­gung mit Ab­lauf des 20. Mai 2010 voll­endet wor­den (§ 187 Abs. 1, § 188 Abs. 2 BGB).
Die Kla­ger­he­bung er­folg­te je­doch vor Voll­endung der Frist. Die Wir­kung der am 28. Mai 2010 bei der Pro­zeßbe­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten er­folg­ten Klag­zu­stel­lung tritt gemäß § 167 ZPO i.V.m. § 46 Abs. 2 Satz 1 ArbGG am Tag des Kla­gein­gangs am 20. Mai 2010 (vor­ab per Fax) ein, denn die Zu­stel­lung der Kla­ge er­folg­te demnächst im Sin­ne von § 167 ZPO nach dem Kla­gein­gang.
b) Die Kündi­gung ist we­gen Ver­s­toßes ge­gen das Maßre­ge­lungs­ver­bot des § 612a in Ver­bin­dung mit § 134 BGB rechts­un­wirk­sam.
Da­nach darf der Ar­beit­ge­ber ei­nen Ar­beit­neh­mer bei ei­ner Ver­ein­ba­rung oder ei­ner Maßnah­me nicht be­nach­tei­li­gen, weil der Ar­beit­neh­mer in zulässi­ger Wei­se sei­ne Rech­te ausübt.
Auch die Kündi­gung kann ei­ne Maßnah­me im Sin­ne des § 612a BGB dar­stel­len (BAG, Ur­teil vom 22. Sep­tem­ber 2005 – 6 AZR 607/04 – ju­ris; Thüsing/Laux/Lembke/Stell­jes, KSchG, § 612a BGB Rn. 20 m.w.N.).
Der Kläger wur­de durch Erklärung der Kündi­gung be­nach­tei­ligt, weil er in zulässi­ger Wei­se sei­ne Rech­te ausübte. Er be­gehr­te in zulässi­ger Wei­se neue Ar­beits­schu­he. Daß er da­mit ein ihm zu­ste­hen­des Recht ausübte, folgt zu­min­dest dar­aus, daß sei­ne Ar­beits­schu­he zu den Zeit­punk­ten der For­de­rung ka­putt wa­ren, wie un­strei­tig blieb.
Es be­steht auch ei­ne hin­rei­chen­de Kau­sa­lität zwi­schen Rechts­ausübung und Be­nach­tei­li­gung („weil“).
Er­for­der­lich ist, daß die Rechts­ausübung des Ar­beit­neh­mers für die Maßnah­me sei­tens des Ar­beit­ge­bers nicht nur in ir­gend­ei­ner Wei­se auch ursächlich und nicht nur äußerer An­laß sein darf, son­dern für das Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers der tra­gen­de Be­weg­grund, d.h. das we­sent­li­che Mo­tiv sein muß (BAG, Ur­teil vom 2. April 1987 – 2 AZR 227/86 – NZA 1988, 18; Thüsing/Laux/Lembke/Stell­jes, a.a.O., Rn. 27 m.w.N.).
Da­bei kann dem Ar­beit­neh­mer ein An­scheins­be­weis zu­gu­te­kom­men, der dann geführt ist, wenn der Ar­beit­neh­mer Tat­sa­chen dar­legt, die ei­nen Schluß auf die Be­nach­tei­li­gung we­gen der Rechts­ausübung wahr­schein­lich ma­chen, so z.B. wenn der en­ge zeit­li­che Zu­sam­men­hang zwi­schen Rechts­ausübung und Be­nach­tei­li­gung evi­dent ist (LAG Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 25. Ju­li 1989 – 1 (3) Sa 557/88 – LA­GE § 612a BGB Nr. 4; Thüsing/Laux/Lembke/Stell­jes, a.a.O., Rn. 39 m.w.N.). Der en­ge zeit­li­che Zu­sam­men­hang kann auch dann noch ge­ge­ben sein, wenn zwi­schen der Rechts­ausübung und der Maßnah­me we­ni­ge Ta­ge lie­gen (vgl. ArbG Augs­burg, Ur­teil vom 7. Ok­to­ber 1997 – 2 Ca 1431/96 N – NZA-RR 1998, 542 [sechs Ta­ge]; LAG Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 28. Ju­ni 2005 – 5 Sa 64/05 – AiB 2006, 61 f. [zwei Ta­ge]).
Der Kläger, dem auch in­so­weit die schlüssi­ge Dar­le­gung ob­liegt, hat in genügen­der Wei­se tatsächli­che Umstände vor­ge­tra­gen, die den Schluß zu­las­sen, daß sei­ne For­de­rung nach Er­satz der Ar­beits­schu­he im Sin­ne der oben wie­der­ge­ge­ben
Grundsätze we­sent­li­ches Mo­tiv für die Kündi­gung vom 27. April 2010 war. Dies ist aus dem Ge­sche­hen in dem Gespräch En­de April 2010 zu fol­gern, das der un­ter dem Da­tum des 27. April 2010 ver­faßten Kündi­gung vor­aus­ging. Es be­steht ein hin­rei­chend en­ger Zu­sam­men­hang, der die Re­ak­ti­on durch Kündi­gung auf die­ses Gespräch als evi­dent er­schei­nen läßt. Was den ge­nau­en Zeit­punkt des Gesprächs an­geht, gab der Kläger an, sich nicht mehr an den kon­kre­ten Tag er­in­nern zu können, und mein­te, es ha­be frühes­tens am En­de der der Kündi­gung vor­aus­ge­hen­den Wo­che statt­ge­fun­den. Da­von aus­ge­hend, daß der Ent­schluß zur Kündi­gung spätes­tens an dem Tag ge­faßt wur­de, an dem das Kündi­gungs­schrei­ben ver­faßt wur­de – d.h. Diens­tag, den 27. April 2010 –, wäre als En­de der vor­aus­ge­hen­den Wo­che Don­ners­tag oder Frei­tag, der 22. bzw. 23. April 2010 an­zu­neh­men. Da­mit läge zwi­schen der For­de­rung des Klägers und dem Ab­fas­sen des Kündi­gungs­schrei­bens ein Zeit­raum von höchs­tens fünf Ta­gen. Die Evi­denz ei­nes hin­rei­chend en­gen Zu­sam­men­hangs er­gibt sich je­doch nicht al­lein aus der zeit­li­chen Ab­fol­ge die­ser bei­den Er­eig­nis­se, son­dern be­son­ders auch aus dem Um­stand, daß der Geschäftsführer Herr W. nach dem un­be­strit­ten ge­blie­be­nen Vor­trag des Klägers in dem Streit­gespräch äußer­te: „Ver­las­sen Sie mein Büro. Ich will Sie hier nicht mehr se­hen. Ich will nicht mit Ih­nen re­den.“ Die­se Äußerun­gen pas­sen zu der Ent­wick­lung ei­ner auf Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­rich­te­ten Ab­sicht, auch wenn sich die­se in der zi­tier­ten Äußerung selbst noch nicht zwin­gend nach­wei­sen läßt. Nimmt man je­doch in den Blick, daß der Geschäftsführer die­se Wor­te aus­sprach und spätes­tens fünf Ta­ge später – dar­in ein Wo­chen­en­de in­be­grif­fen – das Kündi­gungs­schrei­ben un­ter­zeich­ne­te, so drängt sich nach An­sicht der Kam­mer der Ein­druck auf, daß der Geschäftsführer der Be­klag­ten tatsächlich durch die For­de­rung des Klägers zur Kündi­gung tra­gend mo­ti­viert war.
Die Kam­mer ist an­ge­sichts des­sen da­von über­zeugt, daß die Kündi­gung dem­ge­genüber nicht durch die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung der Be­klag­ten mo­ti­viert war. Zwar blieb un­be­strit­ten, daß die Bi­lanz zum 31. De­zem­ber 2009 ei­nen Ver­lust von ca. 107.000,- € aus­wies. Ge­gen die An­nah­me, dies sei tra­gen­des Kündi­gungs­mo­tiv, spricht je­doch der zeit­li­che Ab­stand zwi­schen dem Ab­schluß des Geschäfts­jahrs 2009 und dem erst am 27. April 2010 do­ku­men­tier­ten Kündi­gungs­ent­schluß. So­fern die Be­klag­te im Zu­sam­men­hang die­ses Ab­schlus­ses und der BWA im Mai 2010 an­gab, die Be­klag­te ha­be „da­her den Ent­schluß ge­faßt“, das Ar­beits­verhält­nis ei­nes Ver­pa­ckers zu be­en­den, folgt dar­aus nicht, daß die­ser
Ent­schluß be­reits vor dem Streit­gespräch ge­faßt war; ei­ne zeit­li­che Ein­gren­zung die­ses Er­eig­nis­ses nahm die Be­klag­te nicht vor. Die im Schrift­satz vor­aus­ge­hen­de Erwähnung der BWA „im Mai 2010“ er­laub­te so­gar die Deu­tung, daß der durch die wirt­schaft­li­che La­ge be­ding­te Kündi­gungs­ent­schluß erst in Kennt­nis die­ser BWA, mit­hin nach Erklärung der Kündi­gung, ge­faßt wor­den sein könn­te. Ge­gen die An­nah­me, daß die wirt­schaft­li­che La­ge kündi­gungs­mo­ti­vie­rend wirk­te, spricht fer­ner die Tat­sa­che, daß die bei der Be­klag­ten im Mai 2009 be­gon­ne­ne Kurz­ar­beit mit dem Mo­nat Fe­bru­ar 2010 en­de­te. Un­ter­stellt, daß mit der Be­en­di­gung der Kurz­ar­beit auch die aku­te Pha­se der wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten be­en­det war, läßt sich nicht erklären, war­um die Be­klag­te nach Be­en­di­gung der Kurz­ar­beit noch bei­na­he zwei Mo­na­te zu­war­te­te, ehe sie die Kündi­gung erklärte. Dies gilt um so mehr, als die Be­klag­te zum Zweck der Bes­se­rung ih­rer wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on nach ei­ge­nen An­ga­ben be­reits zu­vor fünf Ar­beit­neh­mer ent­las­sen hat­te. Daß die die Be­klag­te ih­ren Ent­schluß zur Kündi­gung ei­nes Ver­la­ders am 27. April 2010 und da­mit ei­ner­seits ge­rau­me Zeit nach Be­en­di­gung der Kurz­ar­beit, an­de­rer­seits nur we­ni­ge Ta­ge nach dem Streit­gespräch be­gann, ver­moch­te die Kam­mer nicht auf ei­nen Zu­fall zurück­zuführen.
An­ge­sichts des­sen war nicht mehr von Be­deu­tung, ob Herr W. den Kläger in dem Streit­gespräch als Que­ru­lan­ten be­zeich­ne­te und sei­ne Ab­leh­nung des Klägers da­durch verstärkt zum Aus­druck brach­te, daß er ihn an­ge­schrien und ge­sagt ha­be, „Sie ge­hen mir auf den […]“.
Rechts­fol­ge des Ver­s­toßes ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot, der ei­nen Ge­set­zes­ver­s­toß im Sin­ne von § 134 BGB dar­stellt, ist die Rechts­un­wirk­sam­keit der Maßnah­me, mit­hin der Kündi­gung vom 27. April 2010.
Die Ent­schei­dung über die Kos­ten des Rechts­streits be­ruht § 91 ZPO i.V.m. § 46 Abs. 2 Satz 1 ArbGG. Da­nach hat die Be­klag­te die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen, weil sie mit ih­rem Klag­ab­wei­sungs­an­trag un­ter­lag.
Der gemäß § 61 ArbGG fest­ge­setz­te Wert des Streit­ge­gen­stan­des beträgt nach den im maßge­ben­den Zeit­punkt des Schlus­ses der münd­li­chen Ver­hand­lung (§ 46 Abs. 2
Satz 1 ArbGG in Ver­bin­dung mit § 4 ZPO) ge­stell­ten Anträgen 4.940,- €. Da­bei wur­de der Klag­an­trag gemäß § 42 Abs. 3 Satz 1 GKG mit dem für die Dau­er ei­nes Vier­tel­jah­res zu leis­ten­den Ar­beits­ent­gelt be­wer­tet.
Die Vor­aus­set­zung für ei­ne Zu­las­sung der Be­ru­fung gemäß § 64 Abs. 3 ArbGG lie­gen nicht vor. Die Möglich­keit der Be­ru­fung gemäß § 64 Abs. 2 Buchst. c ArbGG bleibt da­von un­berührt.
Ge­gen die­ses Ur­teil kann die Be­klag­te beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg Be­ru­fung ein­le­gen. Für den Kläger ist ge­gen die­ses Ur­teil ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.
Die Frist für die Ein­le­gung der Be­ru­fung beträgt ei­nen Mo­nat. Sie be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­faßten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung. In­ner­halb die­ser Frist muß die Be­ru­fungs­schrift beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg ein­ge­gan­gen sein. Die Be­ru­fungs­schrift muß das Ur­teil be­zeich­nen, ge­gen das die Be­ru­fung ge­rich­tet wird, und die Erklärung ent­hal­ten, daß ge­gen die­ses Ur­teil Be­ru­fung ein­ge­legt wer­de. Mit der Be­ru­fungs­schrift soll ei­ne Aus­fer­ti­gung oder be­glau­big­te Ab­schrift des an­ge­foch­te­nen Ur­teils vor­ge­legt wer­den.
Die Be­ru­fung ist zu be­gründen. Die Frist für die Be­gründung der Be­ru­fung beträgt zwei Mo­na­te. Sie be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­faßten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung. In­ner­halb die­ser Frist muß die Be­ru­fungs­be­gründung beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg ein­ge­gan­gen sein. Die Be­ru­fungs­be­gründung muß die Erklärung ent­hal­ten, in­wie­weit das Ur­teil an­ge­foch­ten wird und wel­che Abände­run­gen des Ur­teils be­an­tragt wer­den (Be­ru­fungs­anträge) so­wie die be­stimm­te Be­zeich­nung der im Ein­zel­nen an­zuführen­den Gründe der An­fech­tung (Be­ru­fungs­gründe) und der neu­en Tat­sa­chen, Be­weis­mit­tel und Be­weis­ein­re­den. Die Be­gründungs­frist kann auf An­trag vom Vor­sit­zen­den des Lan­des­ar­beits­ge­richts ein­mal verlängert wer­den, wenn nach sei­ner frei­en Über­zeu­gung der Rechts­streit durch die Verlänge­rung nicht verzögert wird oder wenn die Par­tei er­heb­li­che Gründe dar­legt. Die­se Gründe sind glaub­haft zu ma­chen.
b) von ei­ner Ge­werk­schaft, ei­ner Ver­ei­ni­gung von Ar­beit­ge­bern oder ei­nem Zu­sam­men­schluß sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der. Dies gilt ent­spre­chend für ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zeßver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.
Dr. Stell­jes
Hin­weis: Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg bit­tet, ggf. die Be­ru­fungs­schrift, die Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift und die sons­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze in 5-fa­cher Aus­fer­ti­gung ein­zu­rei­chen.
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