Source: http://www.juramagazin.de/23768.html
Timestamp: 2020-06-02 03:44:48
Document Index: 147778463

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 1', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 10', '§ 22']

Im Jahre 2004 wurden an der Universität Marburg insgesamt 10.136 verwendete Versuchstiere verbraucht; davon waren über 90 v.H. Mäuse und Ratten. In dem Zeitraum um 2000 waren es ca. 17.000 überwiegend kleine Versuchstiere.
Der Bezug der Versuchstiere ist für alle Versuchstier haltenden Fachbereiche an der Philipps-Universität (Fachbereiche Humanmedizin, Biologie, Pharmazie, Psychologie und Physik, Abteilung Biophysik) gleich geregelt.
Alle Versuchstiere wurden und werden überwiegend aus Zucht- oder Liefereinrichtungen innerhalb Deutschlands, die für ihre Tätigkeit eine Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 Nr. 1 besitzen, bezogen. Zu einem geringeren Anteil wurden die Tiere von amtlich registrierten oder zugelassenen Betrieben innerhalb der EU und aus anderen Staaten, die das Europäische Versuchstierabkommen ratifiziert haben, bezogen.
Frage 2. Welche Zahlen können für die Jahre 2000, 2001, 2002, 2003 und 2004 aufgrund der nach VersuchstiermeldeVO eingegangenen Meldungen für die insgesamt in Hessen durchgeführten Tierversuche ermittelt werden (bitte nach den durch die VersuchstiermeldeVO insbesondere nach der Anlage zu § 1 Abs. 2 VersuchstiermeldeVO gegebenen Möglichkeiten differenzieren)?
Die Zahl der Versuchstiere in Hessen betrug in den Jahren.
Bei der Zuordnung zum so genannten Verwendungszweck wurden in allen Jahren die meisten Tiere für Erforschung und Entwicklung von Produkten und Geräten für die Humanmedizin, Zahnmedizin und Veterinärmedizin (A) sowie die Herstellung von oder Qualitätskontrolle bei Produkten oder Geräten für die Humanmedizin oder Zahnmedizin (B) eingesetzt.
Aus der tierschutzrechtlichen Zuordnung der Vorhaben ergibt sich, dass die meisten Versuchstiere für Versuche ohne Betäubung oder unter Betäubung mit Wiedererwachen aus dieser Betäubung eingesetzt wurden (2000: 166.895, 2001: 176.210, 2002: 166.973, 2003: 156.960, 2004: 166.374).
Den beigefügten, nach den Jahren 2000 bis 2004 aufgegliederten Tabellen "Gegenüberstellung Zwecke und Tierkategorien" sowie "Zuordnung nach dem Tierschutzgesetz" können weitere Einzelheiten entnommen werden (Anlagen 1 bis 5).
Frage 3. Ist der Landesregierung bekannt, welche nachweislich gewonnenen Erkenntnisse auf den in den Hochschulen durchgeführten Tierversuchen der letzten vier Jahre in der Grundlagenforschung und bei der Anwendung in der Humanmedizin basieren?
Für die Beantwortung dieser Frage ist erheblicher Ermittlungs-, Auswertungs- und Bewertungsaufwand erforderlich. Eine abschließende Beantwortung ist damit in dem zur Verfügung stehenden Zeitraum Zeitrahmen nicht möglich.
Die Universität Gießen kann zu dieser Frage exemplarische Angaben machen. So führten etwa Versuche in der Klinik für Wiederkäuer und Schweine am Fachbereich Veterinärmedizin zu wichtigen neuen Erkenntnissen über die Ursache zweier bedeutender Krankheitskomplexe bei Rindern (Labmagenverlagerung und Bronchopneumonie). Des Weiteren konnte aufgrund der Versuche festgestellt werden, dass es genetische Unterschiede der Immunantwort auf das Reproduktive und Respiratorische Syndromvirus des Schweins (PRRSV) sowie genetische Unterschiede in der Krankheitsresistenz beim Schwein im Hinblick auf Sarcocystis niescheriana gibt. Im Bereich der Humanmedizin lässt sich beispielsweise auf die Erkenntnisse der
Medizinischen Klinik II verweisen: Therapie des akuten Lungenversagens (ARDS) durch Sulfactant-Applikation, Therapie der pulmonalen Hypertonie mit inhalativen Iluprost; Therapie der pulmonalen Hypertonie durch Sildenafil (Viagra), Therapie der pulmonalen Hypertonie durch Gleevec. In der Medizinischen Klinik III wurden in den Jahren 2000 bis 2004 siebenundzwanzig Publikationen in internationalen wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht, die auf Tierversuchen basierten. Am Physiologischen Institut des Fachbereichs Medizin sind durch die Versuchsvorhaben wesentliche Kenntnisse zu der Physiologie und Pathophysiologie des Herzkreislaufsystems gewonnen worden, die bereits zu neuen therapeutischen Ansätzen in der Klinik geführt haben und durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen belegt sind.
Die Universität Kassel gab an, Ziel der Versuche sei die Gewinnung weiterer Erkenntnisse zum Verständnis des Ödemgeschehens beim Menschen. Die am Tier gewonnenen Erkenntnisse bezögen sich auf allgemeine Grundlagen und Grundlagenphänomene des Lymphsystems, sodass hier gewonnene Ergebnisse auch auf den Menschen übertragbar seien.
Die Universität Marburg teilte mit, die gewonnenen Erkenntnisse aus allen Tierversuchen der letzten vier Jahre lassen sich nur durch die Auswertung der daraus entstandenen Publikationslisten einzelner Forscher ermitteln. Es sei außerordentlich schwierig, die reinen Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in Korrelation zur Anwendung in der Humanmedizin für alle Forschungsprojekte zu ermitteln. Oft werden Ergebnisse aus der Grundlagenforschung erst nach vielen Jahren über weitere klinisch relevante Tierversuchsreihen in Korrelation gebracht werden können.
Frage 4. a) In welchen Studiengängen an hessischen Hochschulen werden aus welchem Grund Versuche unter Verwendung welcher Tiere mit welchem Verbrauch pro Semester durchgeführt?
b) In welcher Weise sind die Hochschulen in diesen Studiengängen dem Auftrag des § 22 Abs. 2 und 3 HHG nachgekommen?
Im Schwerpunktfach Tierphysiologie im Diplom-Hauptstudium werden im Rahmen des Pflichtpraktikums Tierphysiologie Versuche an entnommenen Organen (Nerv, Muskel, Herz, Darm und Haut) von Krallenfröschen durchgeführt, um die Charakteristika der Reizleitung, die Pharmakologie der autonomen Peristaltik des Darms, die Pumpleistung des Herzens unter verschiedenen Belastungsparametern und den Einfluss von Transmittern und Hormonen auf diese, die Kraftentwicklung des Sprungmuskels und seine nervöse Ansteuerung und die Pumpleistung von Ionen über die Amphibienhaut und deren Pharmakologie zu untersuchen.
Tierverbrauch pro Jahr: 10 Krallenfrösche.
Universität Frankfurt Folgende Studiengänge haben Tiere verwendet:
- Pharmakologie, pro Semester 3 Hamster und 3 Meerschweinchen,
- Tierphysiologie/Stoffwechselphysiologie: Kompaktveranstaltung: Tierversuchspraktikum - mit Studenten (Gruppe: Prof. Prinzinger), jährlich 3
Forellen, 2 Frösche, 10 Laborratten.
- Die Studiengänge im Fachbereich Medizin wurden nicht erfasst.
Auf welche Weise die Studiengänge dem Auftrag des § 22 Abs. 2 und 3
HHG nachgekommen sind, konnte in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht ermittelt werden.
Am Fachbereich Biologie, Chemie und Geowissenschaften werden in der zoologischen Ausbildung pro Semester ca. 2 Meerschweinchen, 4 Ratten, 6 Forellen, 25 Krallenfrösche, 25 Flusskrebse "verbraucht". Mit den Tieren werden keine "Versuche" durchgeführt, es werden von getöteten Tieren Organe zum Zwecke der Veranschaulichung physiologischer Zusammenhänge entnommen. In der zoologischen Ausbildung werden notwendigerweise weiterhin Tiere verwendet, da Tiere Objekte dieser Ausbildung sind. Trotzdem wurde der Tierverbrauch über die letzten zehn Jahre erheblich reduziert, da vertiefende Praktika nur noch von einem Teil der Studierenden wahrgenommen werden. Tierverbrauchsintensive Kursteile wurden zum Teil erheblich reduziert. Alternative Lehrmethoden wurden in dem Bereich nicht entwickelt und sind nach Mitteilung des Fachbereichs kaum vorstellbar.
Am Fachbereich Veterinärmedizin wurde der Verbrauch von Tieren zum Zwecke der tierärztlichen Ausbildung auf ein Minimum reduziert. Lediglich im Fach Physiologie wird eine geringe Zahl an Tieren für Studienzwecke getötet, da aus didaktischen Gründen kein sinnvoller Ersatz möglich ist.
Hierbei handelt es sich pro Jahr um 20 Ratten, die für Übungen im 4. Fachsemester mit 210 Studenten dienen. Nach schmerzloser Tötung wird Organmaterial (z.B. Darmgewebe) für elektrophysiologische Übungen entnommen. Des Weiteren wurde für tierärztliche Ausbildung in Parasitologie im Jahr 2001: 6 Lamas, 2002: 4 Schafe, 2003: 1 Schaf und 2004: 3 Schafe für die Herstellung von parasitären Dauerstadien verwandt.
Für den Fachbereich Medizin liegen mir diesbezüglich lediglich Fehlanzeigen vor. So werden in Praktika, die das Physiologische Institut im Rahmen der Ausbildung durchführt, keine Tierversuche eingesetzt. Seit 2002 ist das Physiologische Praktikum so umgestaltet, dass auf Tierversuche vollständig verzichtet wird. Die Verwendung von toten Tieren ist dabei durch konsequente Umstrukturierung und Verwendung zeitgemäßer, alternativer computergestützter Lehrmethoden ersetzt worden.
Im Diplomstudiengang Biologie wurden im Fach Neurobiologie im Jahr 2004 drei Unken und drei Frösche zu Lehrdemonstrationszwecken in einer Spezialveranstaltung eingesetzt.
Die Universität Kassel verzichtet nahezu vollständig auf die Verwendung von Tieren in der Lehre. Insofern wird dem § 22 HHG Rechnung getragen.
Im Fachbereich Medizin (hier Humanbiologie) und Fachbereich Biologie gibt es Studiengänge mit Kursen zum Erwerb von Fachkenntnissen im Sinne des § 10 des Tierschutzgesetzes. Der Erwerb von Fachkenntnissen im Sinne der FELASA-Empfehlungen (Personenkreis B und C) wird als Wahlpflichtfach für Humanbiologen im Rahmen des Unterrichts-Moduls Wissenschaftlicher Tierschutz und Tierversuchskunde mit dem Modul Tieroperative Übungen seit mehr als 20 Jahren angeboten. Dazu werden Versuchstiere aus der Forschung (übrig bleibende Tiere nach Versuchsende) für die Lehre zur Verfügung gestellt. Es werden Maus, Ratte und Kaninchen eingesetzt. Der Verbrauch dafür richtet sich nach der Zahl der Teilnehmer. Für die Durchführung dieses Praktikums werden eine Maus und eine Ratte je Teilnehmer und ein Kaninchen je Gruppe (acht Teilnehmer) zur Verfügung gestellt.
Auch aus anderen Fachbereichen, wie z. B. Psychologie und Pharmazie, nehmen Studenten an diesen Kursen teil.
Im Bereich der Physiologie des Fachbereichs Medizin wurden Ersatzmethoden (z.B. Mc Frog) entwickelt, um den Anforderungen des § 22 Abs. 3 HHG Rechnung zu tragen. Ersatzmethoden ersetzen jedoch nicht die geforderten praxisorientierten Ausbildungsinhalte nach FELASA-Richtlinien, wie z. B. den Erwerb von Fachkenntnissen.
Frage 5. Ist geplant, an Hochschulen Forschung mit transgenen Tieren durchzuführen oder diese zu züchten?
a) Wenn ja, welche Versuche sind geplant?
b) Um welche Tiere handelt es sich dabei jeweils?
Bisher wurden keine Versuche mit transgenen Tieren durchgeführt oder solche gezüchtet. Aktuelle Projekte in dieser Richtung sind nicht geplant.
Es ist geplant, Forschung mit transgenen Tieren durchzuführen.
a) Modelle der Alzheimer Krankheit, Versuche zu Neurophysiologie, Onkologie, Angiologie, Inflammation usw., Versuche zu Steuerungsmechanismen der Neubildung von Nervenzellen im adulten Nagergehirn.
b) Für diese Versuche wurden jeweils Mäuse verwendet.