Source: http://docplayer.org/13336572-Gutachten-mwst-ust-registrierung-in-italien.html
Timestamp: 2018-07-23 00:57:03
Document Index: 335072103

Matched Legal Cases: ['Art. 35', 'Art. 44', 'Art. 38', 'Art. 38', 'Art. 38', 'Art. 22', 'Art. 2']

Gutachten. MwSt. (USt.) Registrierung in Italien - PDF
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1 Gutachten MwSt.(USt.) RegistrierunginItalien Einkauf Verkauf
2 Definition Durch die direkte Mehrwertsteuer/Umsatzsteuer Registrierung in Italien, auch Direktidentifizierung oder Direktanmeldung genannt, können nicht ansässige Unternehmen aus anderen EU Ländern ihren MwSt./USt. Verpflichtungen in Italien, die bei bestimmten Geschäftsfällen entstehen, nachkommen. Alternativ zur USt. Direktidentifizierung ist auch die Bestellung eines Fiskalvertreters in Italien möglich. Für Unternehmen mit Sitz außerhalb der Europäischen Union ist ausschließlich die Ernennung eines Fiskalvertreters in Italien vorgesehen. Gesetzliche Grundlagen Der EU Gesetzgeber sieht die Direktregistrierung für nicht ansässige Unternehmen vor, um diesen den Verkauf von Waren und Dienstleistungen, welche der Mehrwertsteuer/Umsatzsteuer (MwSt./USt.) des jeweiligen Landes unterliegen, zu ermöglichen. In Italien gehen die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen aus dem Art. 35ter des DPR 633/1972 (Mehrwertsteuer Gesetz) hervor. Wann ist die Direktidentifizierung notwendig? Durch das MwSt. Paket 2010 wurde der Anwendungsbereich der Direktregistrierung neu geregelt. Die direkte MwSt./USt. Registrierung bzw. die Ernennung eines Fiskalvertreters, ist nur noch in folgenden Situationen notwendig bzw. sinnvoll: a) Wärenverkäufe vor allem Versandhandel im E Commerce Bereich über Online Shops oder über Amazon, Ebay usw. wenn im B2C Bereich (business to customer = Verkauf an italienische Privatpersonen) mehr als Jahresumsatz in Italien erzielt wird. Bei einer unterjährigen Überschreitung dieser Lieferschwelle nach Italien ist die Registrierung bereits im betreffenden Jahr vorzunehmen.
3 b) Erbringung von Dienstleistungen mit Leistungsort Italien gegenüber Nichtunternehmen (Business to Consumer, B2C) c) Warenverkäufe innerhalb Italiens (B2B und B2C) d) Bauleistungen, bei welchen das nicht ansässige Unternehmen als Steuerschuldner bestimmt ist (z.b. Auftraggeber bei Unterwerkverträgen im Baugewerbe zwischen zwei nicht ansässigen Unternehmen) e) Veranstaltungsleistungen mit Leistungsort Italien (z.b. Eintrittskarten B2B und B2C) f) Import von Waren nach Italien g) Entnahmen aus einem MwSt. Lager. In all diesen Fällen muss eine Umsatzsteuer Registrierung in Italien vorgenommen werden. Eine USt. Registrierung in Italien ist weiters möglich, um den italienischen Kunden (B2B) das Abfassen der Zollmeldung (Intrastat = zusammenfassende Meldung) beim innergemeinschaftlichen Warenverkehr abzunehmen. Dasselbe gilt bei einer eventuellen Verpflichtung zu einer Steuerparadiesmeldung. Die Abnahme dieser bürokratischen Auflagen stellt vor allem für kleinere italienische Abnehmer einen nicht zu unterschätzenden Service dar. Grundsätzlich muss sich immer das leistende Unternehmen in Italien registrieren, sofern der Leistungsort in Italien liegt, wie z.b. bei Grundstücksleistungen. Fallbeispiele Beispiel 1: Der Online Shop DE beliefert von Deutschland aus Privatkunden in ganz Italien und überschreitet dabei die Jahresumsatzschwelle von Das Online Shop DE muss sich in Italien zu USt. Zecken registrieren (oder einen Fiskalvertreter ernennen) und dann an die italienischen
4 Privatkunden Rechnungen mit italienischer MwSt. (derzeit 22 %) ausstellen. Dies kreiert keine Betriebsstätte in Italien. Beispiel 2: Der Innenarchitekt DE plant die Einrichtung der Villa eines Privatkunden in Italien. Der Architekt muss eine Direktidentifizierung in Italien vornehmen und an den italienischen Kunden eine Rechnung mit italienischer MwSt. (22 %) ausstellen. Beispiel 3: Der Anlagenbauer DE1 errichtet eine Filteranlage für IT1 in Bozen. Der Einbau der Messtechnik wird an den Subunternehmer DE2 vergeben. Bei diesem Beispiel befindet sich der Ort der Leistung in Italien (Grundstücksleistung). DE1 rechnet an IT1 ohne MwSt. ab, und IT1 stellt eine Eigenrechnung aus. DE1 muss sich in Italien registrieren, da er nach dem Reverse Charge Verfahren im Baugewerbe die Rechnung von DE2 mit italienischer MwSt. integrieren muss. Beispiel 4: Der Konzertveranstalter AT1 organisiert in Verona eine Opernaufführung. Dabei wird neben dem Eintritt auch ein Entgelt für die die Garderobe verlangt. AT1 muss sich in Italien registrieren, da sich der Ort der Leistung in Italien befindet und die Leistungsempfänger Privatpersonen sind. Beispiel 5: Der Seminarveranstalter FR1 veranstaltet ein Seminar in Bruneck. Dieses wird europaweit beworben. Der Leistungsort liegt in Italien. Nehmen am Seminar nur italienische Unternehmen teil, ist keine Direktidentifizierung in Italien notwendig. Nehmen am Seminar auch Endverbraucher oder ausländische Unternehmen teil, erhalten diese eine Rechnung mit italienischer MwSt. und FR1 muss sich in Italien registrieren.
5 Pflichten bei der direkten Mehrwertsteuer/Umsatzsteuer Registrierung in Italien Nichtansässige Unternehmen mit direkter MwSt./USt. Registrierung in Italien müssen die allgemeinen MwSt. Pflichten, wie sie auch für italienische Unternehmen gelten, erfüllen. Dazu zählen (falls zutreffend): - Aufzeichnung der Eingangs und Ausgansrechnungen (im Online Handel ist dies auch über Belege und auch über ein elektronisches Register der Tageserlöse möglich) - Periodische (monatlich oder vierteljährig) MwSt. Abrechnung und Einzahlung der entstandenen MwSt. Schuld in Italien - MwSt./USt. Vorauszahlung - Abgabe MwSt. Jahresmeldung in Italien - Abgabe MwSt. Jahreserklärung in Italien, sofern kein Befreiungsgrund lt. Pkt. 3, Art. 44 DPR 331/93 vorliegt (z. B. bei keinen Umsätze ist auch keine Erklärung nötig) - Abgabe Kunden Lieferanten Liste (nicht nötig falls Belege ausgestellt werden) - Abgabe Steuerparadies Meldung (bei Einkäufen über 500 ) - Abgabe Intrastat Meldung Die Buchhaltungsunterlagen müssen nicht in Italien aufbewahrt werden, müssen aber auf Anfrage den italienischen Behörden ausgehändigt werden (Art. 38 ter, DPR 633/72). Bei einer Direktversendung der Ware an den italienischen Endverbraucher ist keine Zollmeldung (Intrastat, zusammenfassende Meldung) einzureichen. Erfolgt aber die Versendung der Ware zuerst an ein Auslieferungslager des ausländischen Verkäufers in Italien, dann liegt eine sog. Verbringung von Waren vor, für welche eine Intrastat Meldung abzufassen ist (Art. 38, GD 331/1993). In diesem Fall ist auch das Vorhandensein einer
6 Betriebsstätte genau zu prüfen (siehe hierzu unser Gutachten zu Betriebsstätten bzw. Tochtergesellschaften in Italien). Verrechnung bzw. Rückvergütung der Vorsteuer Bis zum Jahr 2009 durften ausländische Unternehmen mit direkter MwSt. /USt. Identifizierung in Italien an italienische MwSt. Pflichtige mit italienischer MwSt. abrechnen. Davon konnte die italienische Vorsteuer auf Einkäufe abgezogen werden. Dies ist seit 2010 nicht mehr möglich und ein eventuelles MwSt. Guthaben kann nur über das ordentliche Verfahren beim Finanzamt Pescara zurückgefordert werden, wobei der entsprechende Antrag bei der eigenen Finanzverwaltung eingereicht werden muss (Art. 38bis2 MwSt. Gesetz). Online Shops (E Commerce) mit Verkauf nach Italien Eine direkte MwSt. Registrierung ist besonders im Bereich der Online Shops von Relevanz. Dabei ist zwischen indirektem und direktem elektronischen Handel zu unterscheiden. Indirekter elektronischer Handel Von indirektem elektronischen Handel spricht man, wenn Geschäfte zwar über Internet abgewickelt werden, diese aber die Lieferung einer Ware zum Gegenstand haben, d. h. die Bestellung und eventuell auch die Zahlung zwar online erfolgen, aber physisch eine Ware geliefert wird. Aus der Sicht der Mehrwertsteuer/Umsatzsteuer ist ein Online Shop dem Kataloghandel gleichgestellt, weshalb der Händler nicht verpflichtet ist, eine Rechnung auszustellen (Art. 22 D.P.R. 633/1972), außer diese wird vom Kunden vorab ausdrücklich verlangt. Auch die steuerliche Dokumentation mittels Belegen oder Steuerquittungen ist für einen Online Shop nicht vorgeschrieben (siehe Art. 2 Buchstabe oo, D.P.R. 696/1996). Es reicht aus, die Erlöse getrennt nach MwSt. Sätzen und Tag der Umsatztätigung im Register der Tageserlöse (auch elektronisch) zu vermerken (Entscheid Nr. 274/E vom ).
7 Falls die Verkäufe von Online Shops trotzdem mittels einer Ausgangsrechnung dokumentiert werden, kann auf das Führen eines Registers der Ausgangsrechnungen verzichtet werden, wenn die Ausgangsrechnungen im Register der Tageserlöse getrennt nach MwSt. Satz und Tag unter Anmerkung der Rechnungsnummern eingetragen werden. Diese Erleichterung können Online Shops in Anspruch nehmen, da sie den Einzelhändlern gleichgestellt sind. Direkter elektronischer Handel Von direktem elektronischen Handel spricht man, wenn Geschäfte zur Gänze mittels Internet abgewickelt werden und keine physische Übergabe mehr erfolgt. Dies ist z. B. beim Herunterladen von Software, beim Erwerb von E Books oder anderen Downloads wie Fotos oder Filmen der Fall. Beim direkten elektronischen Handel gilt gemäß Entscheid Nr. 274/E vom die Befreiung von der Rechnungslegung nicht, d. h. es ist immer eine Rechnung auszustellen. Betriebsstätte Sollte eine Betriebsstätte in Italien vorliegen, so gilt diese als ansässig und eine gleichzeitige direkte Registrierung ist dadurch nicht zulässig. Die erbrachten Leistungen mit Leistungsort Italien müssen über die Betriebsstätte abgewickelt werden (siehe auch unser Gutachten Betriebsstätten in Italien ). Wenn wir Ihre Situation für Sie prüfen sollen oder Sie an einem unverbindlichen, kostenlosen Erstgespräch interessiert sind, wenden Sie sich bitte an unsere Kanzlei. Tel.: +39 / 0474 / E Mail: partner.com Dr.Hermann A. Graber