Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Kuendigung_angeblichen_Spesenbetrugs7Ca868-09.html
Timestamp: 2016-12-10 01:06:02
Document Index: 391172194

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 626', '§ 626', '§ 13', '§ 1', '§ 626', '§ 1', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 1', '§ 1', '§ 91', '§ 61']

HENSCHE Arbeitsrecht: 7 Ca 868/09
Spesenabrechnungen, Stundenaufrundung, Kündigung: Fristlos
Ar­beits­ge­richt Cott­busGeschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)7 Ca 868/09 Verkündetam 27.01.2010
Xxxals Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le
4. Der Streit­wert wird in der Höhe ei­nes Be­tra­ges von 10.978,60 € fest­ge­setzt. Tat­be­stand: Die Par­tei­en strei­ten noch um die Fest­stel­lung der Nicht­auflösung des zwi­schen ih­nen ver­ein­bar­ten Ar­beits­verhält­nis­ses in­fol­ge ei­ner außer­or­dent­lich, hilfs­wei­se or­dent­lich, erklärten ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Kündi­gung so­wie um ei­nen An­spruch auf vorläufi­ge, auf den rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits be­fris­te­te Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers.
„4. Vergütung und Spe­senFür sei­ne Tätig­keit erhält der An­ge­stell­te ein mo­nat­li­ches Brut­to­ge­halt von
Hier­bei be­strei­tet der Kläger auch, dass die Be­klag­te ihn ha­be am 05. Mai 2009 durch die Mit­ar­bei­ter Bxxx und Cxxx über­wa­chen las­sen.Selbst wenn er nach 05.00 Uhr und noch vor 19.00 Uhr das Haus ver­las­sen und wie­der heim­ge­kom­men sei, so ha­be er sich mit den Ein­tra­gun­gen in die Spe­sen­ab­rech­nung für den Mo­nat Mai 2009 so wie im­mer ver­hal­ten, so dass er al­len­falls irrtümlich ei­ne fal­sche Ein­tra­gung ge­fer­tigt ha­be, was nicht den Aus­spruch ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung recht­fer­ti­gen könne, so ar­gu­men­tiert der Kläger.
Die Be­klag­te be­strei­tet, dass es ei­ne jah­re­lan­ge Pra­xis in ih­rem Be­trieb ge­ge­ben ha­be, die von den Ar­beit­neh­mern auf­ge­wand­ten Ab­we­sen­heits­zei­ten je­weils auf 30 Mi­nu­ten auf-be­zie­hungs­wei­se ab­zu­run­den.Selbst wenn der Kläger nach ei­ge­nem Vor­trag sei­ne Zei­ten hätte ge­run­det ha­ben wol­len, was im Wi­der­spruch zu sei­ner Be­haup­tung der tatsächli­chen Ab­we­sen­heits­zeit stünde, hätte er nur auf 30 Mi­nu­ten, al­so auf 05.30 Uhr run­den können, so ar­gu­men­tiert die Be­klag­te.
Ent­schei­dungs­gründe: Die zulässi­ge Kla­ge ist be­gründet.
1. Die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung vom 04. Ju­ni 2009 gilt nicht be­reits als vonAn­fang an wirk­sam im Sin­ne der §§ 4, 7 und 13 KSchG in Ver­bin­dung mit §§ 626 I, II BGB. Sie steht viel­mehr hin­sicht­lich ih­rer Wirk­sam­keit nach Maßga­be der § 626 I, II BGB in Ver­bin­dung mit § 13 I 2 KSchG; § 1 II KSchG zur Ent­schei­dung der er­ken­nen­den Kam­mer. Denn auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ist aus­weis­lich der An­zahl der bei der Be­klag­ten beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer, aus­sch­ließlich der zu ih­rer Be­rufs­bil­dung Beschäftig­ten, un­ter gleich­zei­ti­ger Berück­sich­ti­gung der über sechs­mo­na­ti­gen Be­triebs­zu­gehörig­keit des Klägers das Kündi­gungs­schutz­ge­setz an­zu­wen­den.
2. Die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung vom 04. Ju­ni 2009 ist aber un­wirk­sam.Sie hat das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht im Zeit­punkt ih­res Zu­gangs am 04. Ju­ni 2009 noch zum Zeit­punkt des Ab­laufs der Kündi­gungs­frist und da­mit zum En­de des 30. Ok­to­ber 2009 auf­gelöst. Denn die Kündi­gung ist in Ge­stalt ih­rer außer­or­dent­li­chen frist­lo­sen Be­en­di­gungs­wir­kung, wie auch in Ge­stalt ih­rer or­dent­li­chen frist­gemäßen Be­en­di­gungs­wir­kung un­wirk­sam. Es lie­gen kei­ne Tat­sa­chen vor, auf­grund wel­cher der Be­klag­ten un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le ein Fest­hal­ten am Ar­beits­verhält­nis bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist nicht hat zu­ge­mu­tet wer­den können, § 626 I, II BGB. Noch ist die Kündi­gung so­zi­al ge­recht­fer­tigt, denn sie ist nicht durch Gründe be­dingt, die im Ver­hal­ten des Klägers lie­gen, § 1 II KSchG.
a) § 626 I BGB enthält mit der For­mu­lie­rung des Vor­lie­gens ei­nes wich­ti­gen Grun­des ei­nen un­be­stimm­ten, von der Recht­spre­chung aus­zufüllen­den Rechts­be­griff.Da­bei setzt der Tat­be­stand der Vor­schrift in ob­jek­ti­ver Hin­sicht vor­aus, dass ein be­stimm­ter, als Kündi­gungs­grund re­le­vant er­ach­te­ter, in dem ge­richt­li­chen Ver­fah­ren schlüssig und nach­voll­zieh­bar ein­geführ­ter Sach­ver­halt, an sich ge­eig­net ist, ei­nen wich­ti­gen Grund zu bil­den (Prüfung auf der ers­ten Stu­fe). In sub­jek­ti­ver Hin­sicht ist Vor­aus­set­zung, dass die­ser Sach­ver­halt un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le so schwer­wie­gend das Ar­beits­verhält­nis be­las­tet, dass die Fort­set­zung des­sen auch nur für den Zeit­raum der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist dem Kündi­gen­den nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann (Prüfung auf der zwei­ten Stu­fe; ver­glei­che: BAG vom 17.05.1984, AP-BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 14 = NZA 1985, 91 ff; BAG vom 14.09.1994, NZA 1995, 296 ff; BAG vom 12.08.1999, 2 AZR 923/98, DB 2000, 48 ff; BAG vom 19.04.2007, 2 AZR 78/06, Quel­le: Ju­ris).
Ein ver­hal­tens­be­ding­ter wich­ti­ger Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung kann in die­sem Zu­sam­men­hang zum Bei­spiel dann vor­lie­gen, wenn ein Ar­beit­neh­mer, der in ei­ner be­son­de­ren Ver­trau­ens­stel­lung steht, Spe­sen ab­rech­net, die nicht ent­stan­den sind. Ein Spe­sen­be­trug kann selbst dann als Grund zur frist­lo­sen Ent­las­sung aus­rei­chen, wenn es sich um ei­nen ein­ma­li­gen Vor­fall und um ei­nen ge­rin­gen Be­trag han­delt (BAG vom 02.06.1960, vom 22.11.1962, AP-BGB § 626 Nr. 42, Nr. 49). Ei­ner Ab­mah­nung be­darf es in der Re­gel nicht, weil in die­sem spe­zi­fi­schen Ver­trau­ens­be­reich der Ar­beit­neh­mer im All­ge­mei­nen kei­nen Grund zur An­nah­me ha­ben kann, sein Han­deln wer­de ge­bil­ligt (LAG Nie­der­sach­sen vom 11.08.1977, DB 1978, 750). Bei an­de­ren Per­so­nen sind die­se stren­gen Maßstäbe je­doch nicht an­ge­mes­sen; da­bei ist vor al­lem stets da­nach zu fra­gen, wie die bis­he­ri­ge Hand­ha­bung im Be­trieb aus­sah. Wur­de Großzügig­keit prak­ti­ziert, ist zunächst ei­ne Ände­rung der Pra­xis be­kannt­zu­ge­ben („in Zu­kunft wird ge­nau ge­rech­net“), an­de­ren­falls läge ein wi­dersprüchli­ches Ver­hal­ten vor, das die Kündi­gung un­zulässig ma­chen würde (Dörner in Ascheid/Preis/Schmidt, Kündi­gungs­recht, Großkom­men­tar 2. Auf­la­ge 2004 zu § 626, Rz. 278; Stau­din­ger/Preis, § 626 BGB, Rz. 188).Verhält sich der Ar­beit­ge­ber in die­sen Fällen selbst der­art wi­dersprüchlich, be­darf es vor Aus­spruch der Kündi­gung ei­ner Ab­mah­nung. Möglich ist es auch, zunächst ei­ne Ände­rung der Pra­xis be­kannt­zu­ge­ben, im Übri­gen sind je­doch auch in Spe­sen­be­trugsfällen al­le Umstände ab­zuwägen (LAG Frank­furt vom 05.07.1988, LA­GE § 1 KSchG ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 20).
Denn in­so­weit ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig, dass der Kläger Zeit sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses sei­ne Spe­sen­ab­rech­nun­gen stets bei der An­ga­be der Ab­we­sen­heits­zei­ten mit vol­len be­zie­hungs­wei­se hal­ben St­un­den ge­run­det aus­ge­fer­tigt und die­se bei der Be­klag­ten zur Ab­rech­nung ein­ge­reicht hat.Dass die­se Ab­rech­nungs­wei­se nicht rich­tig sein konn­te, hätte die Be­klag­te er­ken­nen müssen, denn sol­ches muss­te der Be­klag­ten bei Prüfung und Ab­rech­nung der Spe­sen des Klägers be­reits auf ers­tes An­se­hen auf­fal­len, weil es ei­nem Men­schen na­he­zu unmöglich ist, Ab­we­sen­heits­zei­ten nach Ab­fahrt und Rück­kehr je­weils mi­nu­ten­ge­nau auf die vol­le oder hal­be St­un­de ab­zu­pas­sen. Nach dem be­klag­ten­sei­tig un­wi­der­spro­che­nen Kläger­vor­trag wa­ren die Spe­sen­ab­rech­nun­gen des Klägers mo­nat­lich wie­der­keh­rend in der glei­chen Wei­se un­rich­tig, weil der Kläger in die­sen je­weils nur auf hal­be und vol­le St­un­de ge­run­de­te Ab­we­sen­heits­zei­ten aus­wies.Gleich­wohl hat die Be­klag­te an den Ab­rech­nun­gen nie An­s­toß ge­nom­men, ge­schwei­ge denn den Kläger auf­ge­for­dert, zukünf­tig mi­nu­ten­ge­nau ab­zu­rech­nen, son­dern die Ab­rech­nun­gen des Klägers „durch­ge­wun­ken“ ob­gleich ihr die „Un­rich­tig­keit“ der Ein­tra­gun­gen hier un­mit­tel­bar hätte klar sein müssen.Die sei­tens des Klägers in Fo­to­ko­pie zur Ge­richts­ak­te ge­reich­ten Spe­sen­ab­rech­nun­gen wei­sen im Übri­gen die Prüfung die­ser durch die Be­klag­te mit je­wei­li­gem Da­tum und Hand­zei­chen aus, so dass der Kläger hat da­von aus­ge­hen können, dass sich die Be­klag­te in­halt­lich mit den Spe­sen­ab­rech­nun­gen aus­ein­an­der­setz­te und in Prüfung die­ser kei­nen Grund sah, die Ab­rech­nun­gen des Klägers zu be­an­stan­den.Ei­ne Ände­rung des Ab­rech­nungs­mo­dus hat die Be­klag­te dem Kläger ge­genüber je­doch nicht verfügt ge­habt, son­dern bei der zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­gen Ob­ser­va­ti­on des Klägers am 05. Mai 2009 die in­so­weit selbst fest­ge­stell­ten Ab­fahrts- und Rück­kehr­zei­ten ein­sei­tig der Be­wer­tung des Sach­ver­hal­tes zu­grun­de ge­legt. Die Be­klag­te hätte bei verständi­ger Würdi­gung der Sach­la­ge al­ler­dings zunächst dem Kläger ge­genüber ei­ne neue, geänder­te Ab­rech­nungs­pra­xis einführen müssen, be­vor hin­rei­chen­der An­lass be­stan­den hätte, an­neh­men zu können, der Kläger ha­be sie, die Be­klag­te, um den Wert des erhöhten Spe­sen­sat­zes betrügen wol­len.
In­so­fern be­stan­den für die Be­klag­te le­dig­lich Ver­dachts­mo­men­te, de­nen sie hätte wei­ter nach­ge­hen, ins­be­son­de­re aber zu de­nen sie den Kläger zu­vor hätte anhören müssen.Da­bei kann in der ge­richt­li­chen Be­wer­tung und Ent­schei­dung da­hin­ste­hen, wann ge­nau der Kläger am 05. Mai 2009 sei­ne Woh­nung ver­ließ und zu die­ser zurück­kehr­te, ge­nau wie die kläger­sei­ti­ge Be­haup­tung, er ha­be ge­nau um 05.00 Uhr sei­ne Woh­nung ver­las­sen und sei ge­nau um 19.00 Uhr wie­der ein­ge­trof­fen, kei­ner nähe­ren ge­richt­li­chen Aufklärung be­durf­te, be­ste­hen be­reits nach den sei­tens des Klägers ein­ge­reich­ten Spe­sen­ab­rech­nun­gen der Vor­jah­re nicht un­er­heb­li­che Zwei­fel an der Rich­tig­keit die­ser der Rechts­ver­tei­di­gung die­nen­den Be­haup­tung.
bb) Den obi­gen Ausführun­gen ent­spre­chend über­wie­gen im Rah­men der So­zi­al­wid­rig­keitsprüfung gemäß § 1 II KSchG die kläger­sei­ti­gen In­ter­es­sen an ei­ner Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­genüber den­je­ni­gen der Be­klag­ten an sei­ner Be­en­di­gung.Die Be­klag­te hat die Ab­rech­nungs­pra­xis des Klägers über Jah­re hin­ge­nom­men, oh­ne ei­ne mi­nu­ten­ge­naue Ab­rech­nung zu for­dern, be­zie­hungs­wei­se die Ab­rech­nungs­pra­xis ein­sei­tig um­zu­stel­len.
Denn ge­ra­de aus dem Pro­gno­se­prin­zip des Kündi­gungs­rechts folgt, dass die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch Kündi­gung für den von ei­ner Ver­trags­wid­rig­keit be­trof­fe­nen Ver­trags­teil dann erst ver­an­lasst ist, wenn er zukünf­tig mit wei­te­ren Be­ein­träch­ti­gun­gen glei­cher Art im Ar­beits­verhält­nis rech­nen muss be­zie­hungs­wei­se das Ver­trau­en in die Red­lich­keit und Auf­rich­tig­keit des Ar­beit­neh­mers der­ge­stalt nach­hal­tig erschüttert ist, dass die­se auch durch zukünf­ti­ges ver­trags­treu­es Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers nicht wie­der­her­ge­stellt wer­den kann.Ge­ra­de hier­an zeigt sich aber, dass die sei­tens der Be­klag­ten verfügte Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch die Kündi­gung vom 04.06.2009 so­zi­al nicht ge­recht­fer­tigt sein kann, weil in­so­fern nicht er­sicht­lich ist, dass der Kläger bei ei­ner Ände­rung der Ab­rech­nungs­pra­xis zukünf­tig und in­so­fern wie­der­holt ver­trags­wid­rig sei­ne Spe­sen­ab­rech­nun­gen bei der Be­klag­ten ein­rei­chen würde.Viel­mehr muss­te der Be­klag­ten die ob­jek­ti­ve Un­rich­tig­keit der kläger­sei­ti­gen Spe­sen­ab­rech­nun­gen un­mit­tel­bar auffällig ge­wor­den sein.In­dem die Be­klag­te die­se ob­jek­ti­ve Un­rich­tig­keit der Spe­sen­ab­rech­nun­gen des Klägers über Jah­re hin­ge­nom­men und ak­zep­tiert hat, kann sie die­se nun nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt der un­wie­der­bring­li­chen Zerstörung des Ver­trau­ens­verhält­nis­ses der Par­tei­en als Kündi­gungs­grund her­an­zie­hen, oh­ne zu­vor dem Kläger die Möglich­keit eröff­net zu ha­ben, sei­ne Ab­rech­nungs­pra­xis um­zu­stel­len und geänder­ten An­for­de­run­gen ge­recht zu wer­den.
Nach dem Be­schluss des Großen Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 27. Fe­bru­ar 1985 (BAG GS vom 27.02.1985, DB 1985, 2203 ff.) be­darf es je­weils ei­ner Wer­tung, ob der Ar­beit­ge­ber ein über­wie­gen­des In­ter­es­se an der Nicht­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers hat oder ob das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an sei­ner Beschäfti­gung höher zu be­wer­ten sei. Bis zu ei­nem der Kündi­gungs­schutz­kla­ge statt­ge­ben­den erst­in­stanz­li­chen Ur­teil be­gründet grundsätz­lich die Un­ge­wiss­heit über den Aus­gang des Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses ein schützens­wer­tes In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Nicht­beschäfti­gung des gekündig­ten Ar­beit­neh­mers. Nach ei­nem der Kündi­gungs­schutz­kla­ge statt­ge­ben­den Ur­teil ändert sich die In­ter­es­sen­la­ge.Al­lein die ver­blei­ben­de Un­ge­wiss­heit des Pro­zess­aus­gan­ges kann nun­mehr für sich al­lein ein über­wie­gen­des In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Nicht­beschäfti­gung nicht mehr be­gründen. Viel­mehr müssen jetzt zu der Un­ge­wiss­heit des Pro­zess­aus­gan­ges zusätz­li­che Umstände hin­zu­tre­ten, aus de­nen sich im Ein­zel­fall ein über­wie­gen­des In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers er­gibt, den Ar­beit­neh­mer vorläufig nicht wei­ter­zu­beschäfti­gen. Sol­che zusätz­li­chen Umstände sind je­doch we­der er­sicht­lich, noch be­klag­ten­sei­tig dar­ge­tan. Hier­aus folgt das über­wie­gen­de ar­beit­neh­mer­sei­ti­ge In­ter­es­se an der vorläufi­gen Wei­ter­beschäfti­gung, be­fris­tet auf den rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits.
Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus §§ 91 I, 92 I, 269 ZPO. Ent­spre­chend des Ob­sie­gens des Klägers mit sei­nen Kla­ge­anträgen un­ter Berück­sich­ti­gung der dies­bezüglich zurück­ge­nom­me­nen Streit­ge­genstände wa­ren die Kos­ten ent­spre­chend zu tei­len.Der Streit­wert war gemäß den §§ 61 I ArbGG in Ver­bin­dung mit 39, 40, 42 IV GKG, wie ge­sche­hen, in der Höhe von vier Mo­nats­brut­to­ar­beits­ent­gel­ten fest­zu­set­zen.
ein­ge­gan­gen sein.Die Be­ru­fungs­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Be­ru­fung ge­rich­tet wird, so­wie die Erklärung ent­hal­ten, dass Be­ru­fung ge­gen die­ses Ur­teil ein­ge­legt wer­de.
Da­bei ist zu be­ach­ten, dass das Ur­teil mit der Ein­le­gung in den Brief­kas­ten oder ei­ne ähn­li­che Vor­rich­tung für den Pos­t­emp­fang als zu­ge­stellt gilt.Wird bei der Par­tei ei­ne schrift­li­che Mit­tei­lung ab­ge­ge­ben, dass das Ur­teil auf der Geschäfts­stel­le ei­nes Amts­ge­richts oder ei­ner von der Post be­stimm­ten Stel­le nie­der­ge­legt ist, gilt das Schriftstück mit der Ab­ga­be der schrift­li­chen Mit­tei­lung als zu­ge­stellt, al­so nicht erst mit der Ab­ho­lung der Sen­dung.Das Zu­stell­da­tum ist auf dem Um­schlag der Sen­dung ver­merkt.
Dr. Schönfeld	m.hensche.de
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