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Timestamp: 2018-05-25 07:48:43
Document Index: 33429342

Matched Legal Cases: ['Art. 144', 'Art. 144', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'e contrario', 'EGMR', 'EGMR', 'Art. 6', 'Art83', 'Art144']

1 VERFASSUNGSGERICHTSHOF B 954/ November 2013 IM NAMEN DER REPUBLIK! Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Gerhart HOLZINGER, in Anwesenheit der Vizepräsidentin Dr. Brigitte BIERLEIN und der Mitglieder Mag. Dr. Eleonore BERCHTOLD-OSTERMANN, Dr. Sieglinde GAHLEITNER, DDr. Christoph GRABENWARTER und Dr. Christoph HERBST als Stimmführer, im Beisein der Schriftführerin Dr. Elisabeth MAYER-VIDOVIĆ, Verfassungsgerichtshof Freyung 8, A-1010 Wien
2 in der Beschwerdesache des Dr. ***** ***** ******, *****-****-***** *, **** *********, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Klaus Herunter, Herunterplatz 1, 8580 Köflach, gegen den Bescheid des Unabhängigen Verwaltungssenates für die Steiermark vom , Z UVS ,141/2012-9, in seiner heutigen nichtöffentlichen Sitzung gemäß Art. 144 B-VG zu Recht erkannt: I. Der Beschwerdeführer ist durch den angefochtenen Bescheid in seinem verfassungsgesetzlich gewährleisteten Recht auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung vor einem Tribunal verletzt worden. Der Bescheid wird aufgehoben. II. Der Bund (Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie) und das Land Steiermark sind schuldig, dem Beschwerdeführer zuhanden seines Rechtsvertreters die mit 1.346,40 bestimmten Prozesskosten je zur Hälfte binnen 14 Tagen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Entscheidungsgründe I. Sachverhalt, Beschwerdevorbringen und Vorverfahren 1. Mit Straferkenntnis der Bezirkshauptmannschaft Liezen vom 13. November 2012 wurde über den Beschwerdeführer wegen der Überschreitung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit und wegen Nichtbeantwortung einer Lenkeranfrage gestützt auf 52 lit. a Z 10a StVO und 103 Abs. 2 KFG eine Geldstrafe bzw. eine Ersatzfreiheitsstrafe verhängt Die dagegen erhobene Berufung, in der der Beschwerdeführer auch die Durchführung einer mündlichen Verhandlung beantragte, wurde ohne Durchführung einer Berufungsverhandlung mit Bescheid des Unabhängigen Verwaltungssenates für die Steiermark (im Folgenden: UVS Steiermark) vom 2. Juli 2013 abgewiesen. Darin wird von der Berufungsbehörde ausgeführt, dass der Beschwerdeführer durch den UVS Steiermark aufgefordert worden sei, innerhalb einer bestimmten Frist sämtliche seiner Entlastung dienlichen Beweismittel vorzulegen. Daraufhin habe der Beschwerdeführer geantwortet, dass er sich zur 2 2 von 5
3 Tatzeit in Italien auf seiner Segelyacht befunden habe, aber über seine Urlaube keine Belege aufbewahre. Es könne jedoch bei der Marina angefragt werden, weil sich die Dame an der Rezeption oder der Portier möglicherweise an seinen Aufenthalt erinnern könnten. Zum Vorwurf der Überschreitung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit wird Folgendes ausgeführt: "Da der Berufungswerber die Lenkeranfrage unbeantwortet ließ und lediglich behauptete, er könne nicht der Lenker zum Tatzeitpunkt gewesen sein, da er sich in Italien auf seiner Segelyacht befunden habe, was jedoch aus dem durchgeführten Ermittlungsverfahren keineswegs eruiert werden konnte, kann im Vorwurf der belangten Behörde, er selbst als Zulassungsbesitzer sei der Täter gewesen, insoferne keine Rechtswidrigkeit erblickt werden, zumal auch keinerlei konkrete Anbote seinerseits erfolgten, die eine weitere Ermittlungspflicht der erkennenden Behörde auslösen hätten können." 3. Gegen diesen Bescheid richtet sich die auf Art. 144 B-VG gestützte Beschwerde, in der die Verletzung in den verfassungsgesetzlich gewährleisteten Rechten gemäß Art. 6 EMRK und auf Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz geltend gemacht wird. Gerügt wird insbesondere, dass die Behörde keinerlei Beweise dafür gehabt habe, dass der Beschwerdeführer die Geschwindigkeitsübertretung begangen habe. Die bloße Tatsache, dass der Beschwerdeführer die Lenkeranfrage unbeantwortet ließ, berechtige keineswegs zur Schlussfolgerung, er selbst habe die Geschwindigkeitsübertretung begangen. Gegebenenfalls sei der Beschwerdeführer wegen der Nichterteilung der Lenkerauskunft zu bestrafen gewesen, aber keinesfalls wegen der der Lenkererhebung zu Grunde liegenden Geschwindigkeitsübertretung Der UVS Steiermark legte die Verwaltungsakten vor und erstattete eine Gegenschrift, in der er ausführte, dass die Berufungsbehörde nachweislich mit dem Beschwerdeführer in Kontakt getreten sei; eine Vernehmung des Beschwerdeführers erschien schon deshalb nicht notwendig, weil er lediglich Erkundigungsbeweise angeboten habe, zu deren Aufnahme die Behörden nicht verpflichtet seien. 4 II. Erwägungen 1. Nach der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes (vgl. VfSlg /2002 und die seither ergangene Folgejudikatur VfSlg /2003 und /2007) liegt eine Verletzung der durch Art. 6 EMRK verfassungsgesetzlich gewährleisteten Verfahrensgarantien vor, wenn ein Unabhängiger Verwaltungs- 5 3 von 5
4 senat, der als das zur Entscheidung über die strafrechtliche Anklage im Verwaltungsstrafverfahren zuständige über volle Kognitionsbefugnis sowohl im Tatsachen- als auch im Rechtsfragenbereich verfügende Gericht einschreitet, einen Schuldspruch fällt, ohne zuvor die erforderliche mündliche Verhandlung durchgeführt zu haben, obwohl keine Gründe für ein Absehen von der mündlichen Verhandlung vorliegen. Der im Verwaltungsstrafverfahren unvertretene Beschwerdeführer führte in seiner Berufung Folgendes aus: 6 "[ ] Das Einzige was vorliegt und bewiesen ist, ist dass eine Geschwindigkeitsübertretung vorliegt, aber nicht wer sie begangen hat. Das ist eine Sache die geklärt werden muss und wenn es auf dem Weg der Lenkerauskunft nicht möglich ist sollte man wohl eine mündliche Verhandlung anberaumen und nicht gleich die Beweislast von der Anklage auf die Verteidigung verlegen. [ ]" Dieses Vorbringen ist als Antrag des Beschwerdeführers auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung zu werten. Damit kommt aber die Anwendung des 51e Abs. 3 VStG, der den Unabhängigen Verwaltungssenat allenfalls ermächtigt hätte, von einer mündlichen Verhandlung abzusehen, schon von seinen Voraussetzungen her nicht in Betracht. Daraus folgt, dass die belangte Behörde verpflichtet gewesen wäre, eine mündliche Verhandlung durchzuführen. Da der Sachverhalt keineswegs unbestritten feststand, führt die Unterlassung der Durchführung einer mündlichen Verhandlung nicht nur zur Gesetzwidrigkeit des Bescheides, sondern hat auch die Verletzung des Art. 6 Abs. 1 EMRK zur Folge (VfSlg /2002, /2003 und /2007; e contrario VfGH , B 823/2012) Die Verpflichtung zur Durchführung einer mündlichen Verhandlung gilt umso mehr, wenn die belangte Behörde beabsichtigt, Rückschlüsse aus der Weigerung des Beschwerdeführers, die Identität des Lenkers offenzulegen, zu ziehen (EGMR , Fall Krumpholz, Appl /05). 8 Nichts anderes hat die belangte Behörde aber getan, indem sie wie sich aus dem dargelegten Sachverhalt ergibt allein auf Grund der Nichtbeantwortung der Lenkeranfrage und der Behauptung des Beschwerdeführers, er habe das Fahrzeug nicht gelenkt, davon ausging, dass der Beschwerdeführer als Zulassungsbesitzer die Geschwindigkeitsübertretung begangen habe (anders als VfSlg. 9 4 von 5
5 19.491/2011: In diesem Fall führte der Unabhängige Verwaltungssenat eine mündliche Verhandlung durch, bevor er die Beschwerdeführerin, die Halterin des Fahrzeuges war, als Lenkerin wegen einer Geschwindigkeitsübertretung bestrafte). Daran ändert auch nichts, dass der Beschwerdeführer im Rahmen des Ermittlungsverfahrens von der belangten Behörde aufgefordert wurde, seiner Entlastung dienliche Beweismittel vorzulegen. Diese Gelegenheit zur Stellungnahme ersetzt keine mündliche Verhandlung, in der sich die belangte Behörde einen direkten Eindruck von der Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers machen hätte können (vgl. EGMR , Fall Krumpholz, Appl /05). 10 III. Ergebnis und damit zusammenhängende Ausführungen 1. Der Beschwerdeführer ist durch den angefochtenen Bescheid sohin in seinem verfassungsgesetzlich gewährleisteten Recht auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung vor einem Tribunal (Art. 6 Abs. 1 EMRK) verletzt worden. 11 Der angefochtene Bescheid ist schon aus diesem Grund aufzuheben Der Kostenzuspruch beruht auf 88 VfGG. Im zugesprochenen Betrag ist Umsatzsteuer in Höhe von 184,40 sowie der Ersatz der Eingabengebühr in Höhe von 240, enthalten Diese Entscheidung konnte gemäß 19 Abs. 4 erster Satz VfGG ohne mündliche Verhandlung in nichtöffentlicher Sitzung getroffen werden. 14 Wien, am 21. November 2013 Der Präsident: Dr. HOLZINGER Schriftführerin: Dr. MAYER-VIDOVIĆ 5 von 5
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Verfassungsgerichtshof Judenplatz 11, 1010 Wien U 1407/10-7 I M N A M E N D E R R E P U B L I K! Präsidenten Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Dr. H o l z i n g e r, in Anwesenheit der
Verfassungsgerichtshof Judenplatz 11, 1010 Wien B 1091/06-6 I M N A M E N D E R R E P U B L I K! Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. K o r i n e k, in Anwesenheit der Vizepräsidentin
VERFASSUNGSGERICHTSHOF B 539/12 6 9. Oktober 2012 IM NAMEN DER REPUBLIK! Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Gerhart HOLZINGER, in Anwesenheit der Vizepräsidentin Dr. Brigitte
VERFASSUNGSGERICHTSHOF E 1079/2016-17 24. November 2016 IM NAMEN DER REPUBLIK! Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Gerhart HOLZINGER, in Anwesenheit der Vizepräsidentin
VERFASSUNGSGERICHTSHOF E 566/2016-11 22. September 2016 BESCHLUSS Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Gerhart HOLZINGER, in Anwesenheit der Vizepräsidentin Dr. Brigitte
VERFASSUNGSGERICHTSHOF E 1174/2014-18 18. September 2015 IM NAMEN DER REPUBLIK! Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Gerhart HOLZINGER, in Anwesenheit der Vizepräsidentin
VERFASSUNGSGERICHTSHOF B 905/2013-13 7. Oktober 2014 IM NAMEN DER REPUBLIK! Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Gerhart HOLZINGER, in Anwesenheit der Mitglieder Dr. Markus
Verfassungsgerichtshof Judenplatz 11, 1010 Wien B 1859-1863/07-11 I M N A M E N D E R R E P U B L I K! Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. K o r i n e k, in Anwesenheit
VERFASSUNGSGERICHTSHOF U 489/2013-11 26. Februar 2014 IM NAMEN DER REPUBLIK! Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Gerhart HOLZINGER, in Anwesenheit der Vizepräsidentin Dr.
Verfassungsgerichtshof Judenplatz 11, 1010 Wien B 1150/07-9 I M N A M E N D E R R E P U B L I K! Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. K o r i n e k, in Anwesenheit der Vizepräsidentin
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Verfassungsgerichtshof Judenplatz 11, 1010 Wien B 1973/08-13 I M N A M E N D E R R E P U B L I K! Präsidenten Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Dr. H o l z i n g e r, in Anwesenheit
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Hinterlegt am :02 BESCHLUSS. Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Gerhart HOLZINGER,
VERFASSUNGSGERICHTSHOF 20. Juni 2015 BESCHLUSS Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Gerhart HOLZINGER, in Anwesenheit der Vizepräsidentin Dr. Brigitte BIERLEIN und der Mitglieder
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Typ VfGH Erkenntnis Datum Sammlungsnummer 9752 Geschäftszahl B457/82
Typ VfGH Erkenntnis Datum 19830701 Sammlungsnummer 9752 Geschäftszahl B457/82 Index 19 Völkerrechtliche Verträge 19/01 Staatsverträge von St. Germain und Wien Norm B-VG Art83 Abs2; B-VG Art144 Abs1 / Prüfungsmaßstab;