Source: https://www.verbraucherbote.de/kuendigungsschaden-bei-vorzeitiger-beendigung-des-leasingvertrags-62048
Timestamp: 2020-07-14 17:41:16
Document Index: 343667406

Matched Legal Cases: ['§ 287', '§ 562', '§ 563', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 535', 'BGH']

Kündigungsschaden bei vorzeitiger Beendigung des Leasingvertrags | VerbraucherBote
24. November 2019 VerbraucherBote Miete
Bei vor­zei­ti­ger Been­di­gung eines Miet­kauf­o­der Lea­singver­trags ist der Kün­di­gungs­scha­den des Mietverkäufers/​Lea­singgebers kon­kret zu berech­nen, wenn sich eine von ihm ver­wen­de­te For­mu­lar­be­stim­mung über die Abzin­sung der Miet­kauf­be­zie­hungs­wei­se Lea­singraten als unwirk­sam erweist 1.
Bei der Dar­le­gung des kon­kret ent­stan­de­nen Scha­dens obliegt es dem Mietverkäufer/​Lea­singgeber, sei­ne Refi­nan­zie­rungs­kos­ten anzu­ge­ben, deren Erspar­nis im Rah­men des ihm zuste­hen­den Scha­dens­er­sat­zes anspruchs­min­dernd zu berück­sich­ti­gen ist 2.
Nimmt der Mietverkäufer/​Lea­singgeber etwa auf­grund der gro­ßen Anzahl der abge­schlos­se­nen Ver­trä­ge kei­ne Ein­zel­re­fi­nan­zie­rung vor, genügt zur Dar­le­gung sei­nes (kon­kre­ten) Refi­nan­zie­rungs­auf­wands eine kal­ku­la­to­ri­sche Ermitt­lung.
Die vor­zu­neh­men­de Abzin­sung der zur Zeit der Kün­di­gung noch aus­ste­hen­den Raten soll den durch den vor­zei­ti­gen Rück­fluss des Kapi­tals ent­ste­hen­den Vor­teil aus­glei­chen, weil der Miet­ver­käu­fer eben­so wie der Lea­singgeber zwar kei­nen unge­recht­fer­tig­ten Nach­teil erlei­den, aber gegen­über der Ver­trags­durch­füh­rung ohne Kün­di­gung auch nicht bes­ser gestellt wer­den soll. Dar­aus folgt, dass grund­sätz­lich der Abzin­sungs­satz dem­je­ni­gen Zins­satz ent­spre­chen muss, den der Lea­singgeber/​Mietverkäufer im Rah­men sei­ner Refi­nan­zie­rung bei Abschluss des Lea­singbezie­hungs­wei­se Miet­kauf­ver­trags zu zah­len ver­pflich­tet war 3. Der nach die­ser Maß­ga­be gebo­te­nen Berech­nung der Abzin­sung hat sich das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart rechts­feh­ler­haft ver­schlos­sen, weil es den unter Beweis gestell­ten Sach­vor­trag der Lea­singgebe­rin zu ihrem tat­säch­li­chen auf­ge­wand­ten Refi­nan­zie­rungs­zins­satz zu Unrecht als unzu­rei­chend ange­se­hen hat.
Zur schlüs­si­gen Dar­le­gung des maß­geb­li­chen Refi­nan­zie­rungs­sat­zes eines Lea­singgebers/​Mietverkäufers ist Tat­sa­chen­vor­trag zu einer Ein­zel­re­fi­nan­zie­rung nicht gebo­ten, wenn der Lea­singgeber/​Mietverkäufer etwa auf­grund der gro­ßen Anzahl der abge­schlos­se­nen Ver­trä­ge ein Ein­zel­ge­schäft nicht indi­vi­du­ell refi­nan­ziert. Unter die­sen Umstän­den genügt grund­sätz­lich ein kal­ku­la­to­risch ermit­tel­ter Refi­nan­zie­rungs­zins­satz dem Erfor­der­nis, den Kün­di­gungs­scha­den kon­kret zu berech­nen.
Dem hat die Lea­singgebe­rin im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall Rech­nung getra­gen. Denn sie hat vor­ge­tra­gen, dass sie eine auf ein bestimm­tes Ein­zel­ge­schäft bezo­ge­ne Refi­nan­zie­rung über­haupt nicht vor­neh­me, weil Ein­zel­ge­schäf­te nach ihrer Grö­ßen­ord­nung für eine indi­vi­du­el­le Refi­nan­zie­rung zu klein sei­en. Auch stün­den ihr als Bank zahl­rei­che Refi­nan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung, die einem Ein­zel­ge­schäft nicht zuge­ord­net wer­den könn­ten. Des­halb kön­ne nur ein kal­ku­la­to­ri­scher Refi­nan­zie­rungs­zins­satz ermit­telt wer­den. Dies hat das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart im Aus­gangs­punkt nicht ver­kannt, denn es hat rechts­feh­ler­frei gebil­ligt, dass die Lea­singgebe­rin sich nicht ein­zel­ge­schäfts­be­zo­gen refi­nan­ziert.
Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart hat in der Vor­in­stanz jedoch rechts­feh­ler­haft bean­stan­det, die Lea­singgebe­rin habe nicht hin­rei­chend vor­ge­tra­gen, wie sich ihre Refi­nan­zie­rung kon­kret zusam­men­set­ze und wel­che Zins­sät­ze sie im Rah­men ihrer Refi­nan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten auf­wen­de 4. Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart hat das Vor­brin­gen zu dem gel­tend gemach­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch zu Unrecht als unschlüs­sig erach­tet, weil es aus dem Blick ver­lo­ren hat, dass die Lea­singgebe­rin im Ein­zel­nen erläu­tert hat, wie sie den kal­ku­la­to­ri­schen Refi­nan­zie­rungs­satz ermit­telt hat.
Die Lea­singgebe­rin hat vor­ge­tra­gen, Grund­la­ge ihrer Refi­nan­zie­rung sei­en die bei Reu­ters gemel­de­ten Markt­zins­sät­ze unter Ban­ken für stan­dar­di­sier­te Lauf­zei­ten 5 zuzüg­lich eines Auf­schla­ges, den die Refi­nan­zie­rungs­part­ner der Lea­singgebe­rin auf den Markt­zins auf­schlü­gen. Die­se Beträ­ge hat sie in eine Tabel­le für den jewei­li­gen Zeit­punkt und die jewei­li­ge Lauf­zeit ein­ge­tra­gen. Dar­aus hat die Lea­singgebe­rin für das hier maß­geb­li­che Geschäft unter Beach­tung von des­sen Lauf­zeit und Til­gungs­rhyth­mus durch Gewich­tung der in der Tabel­le bezeich­ne­ten Zins­sät­ze sowie Berück­sich­ti­gung des jeweils von den Refi­nan­zie­rungs­part­nern erho­be­nen Auf­schlags den kal­ku­la­to­ri­schen Refi­nan­zie­rungs­zins­satz von 4, 18 % ermit­telt, den sie ihrer Bar­wert­ab­rech­nung zugrun­de gelegt hat.
In Anse­hung des­sen erweist sich die Sicht­wei­se des Beru­fungs­ge­richts als unzu­tref­fend, der vor­be­zeich­ne­te Sach­vor­trag der Lea­singgebe­rin gestat­te eine hin­rei­chend kon­kre­te Bestim­mung ihrer Refi­nan­zie­rungs­kos­ten im Rah­men der gebo­te­nen Scha­dens­be­rech­nung nicht. Anders als das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart offen­bar gemeint hat, hat sich die Lea­singgebe­rin damit nicht was unzu­läs­sig wäre 6 auf einen pau­scha­len Markt­zins­satz bezo­gen. Viel­mehr hat sie dar­ge­legt, zu wel­chem Zins­satz sie sich kon­kret refi­nan­zie­re. Der Umstand, dass sie den Zins­satz kal­ku­la­to­risch ermit­telt hat, ändert nichts dar­an, dass es sich um einen dem zuläs­si­gen Geschäfts­mo­dell der Lea­singgebe­rin geschul­de­ten kon­kre­ten Refi­nan­zie­rungs­auf­wand han­delt.
Der vor­ge­nann­te Tat­sa­chen­vor­trag ist einer Beweis­auf­nah­me in Gestalt des von der Lea­singgebe­rin ange­bo­te­nen Zeu­gen­so­wie Sach­ver­stän­di­gen­be­wei­ses zugäng­lich, ohne dass es der vom Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart ver­miss­ten wei­te­ren Auf­schlüs­se­lung bedarf, in wel­chem Umfang der von den Refi­nan­zie­rungs­part­nern der Lea­singgebe­rin vor­ge­nom­me­ne Auf­schlag auf den Markt­zins­satz in den von der Lea­singgebe­rin vor­ge­tra­ge­nen Refi­nan­zie­rungs­zins ein­ge­gan­gen ist. Die­se Ein­zel­an­ga­be ist ent­ge­gen der Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart zur Beur­tei­lung der Schlüs­sig­keit des Vor­brin­gens nicht erfor­der­lich, weil sie für die Rechts­fol­gen nicht von Bedeu­tung ist 7. Denn das Beru­fungs­ge­richt ist in die Lage ver­setzt wor­den, auf­grund des tat­säch­li­chen Vor­brin­gens der Lea­singgebe­rin zu ent­schei­den, ob und gege­be­nen­falls in wel­cher Höhe sie tat­säch­lich Refi­nan­zie­rungs­kos­ten in der gel­tend gemach­ten Höhe erspart hat. Dabei wird das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart zu berück­sich­ti­gen haben, dass jede Berech­nung eines Abzin­sungs­be­trags nur zu einem Annä­he­rungs­wert führt, des­sen Maß­geb­lich­keit der Tatrich­ter nach Maß­ga­be des § 287 ZPO zu beur­tei­len und aus­zu­spre­chen hat.
Danach kann das Beru­fungs­ur­teil des OLG Stutt­gart kei­nen Bestand haben; es ist daher auf­zu­he­ben (§ 562 Abs. 1 ZPO). Die nicht ent­schei­dungs­rei­fe Sache ist zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das OLG Stutt­gart zurück­zu­ver­wei­sen (§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO).
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. Okto­ber 2019 – VIII ZR 177/​18
Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 26.06.2002 – VIII ZR 147/​01, BGHZ 151, 188, 195 mwN[↩]
Bestä­ti­gung von BGH, Urtei­le vom 28.10.1981 – VIII ZR 302/​80, BGHZ 82, 121, 132; vom 16.05.1990 – VIII ZR 108/​89, BGHZ 111, 237, 243 f.[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 29.01.1986 – VIII ZR 49/​85, NJW-RR 1986, 594 unter – III 2 a; vom 16.05.1990 – VIII ZR 108/​89, aaO[↩]
OLG Stutt­gart, Urteil vom 08.05.2018 6 U 115/​17[↩]
ein bis zehn Jah­re[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 22.11.1995 – VIII ZR 57/​95, aaO [noch zum Dis­kont­satz]; BeckOGKBGB/​Ziemßen, Stand: 1.10.2019, § 535 Rn. 1104 [zum Basis­zins­satz der Deut­schen Bun­des­bank][↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 10.04.2018 – VIII ZR 223/​17 14; Urteil vom 21.06.2018 – IX ZR 129/​17, NJW-RR 2018, 1150 Rn. 16; [jeweils zu der nicht erfor­der­li­chen Anga­be nähe­rer Ein­zel­hei­ten, soweit die­se für die Rechts­fol­gen nicht von Bedeu­tung sind][↩]
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