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Timestamp: 2016-10-27 16:57:16
Document Index: 196268854

Matched Legal Cases: ['BGE', 'Art. 11', 'Art. 22', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 122/00 (31.07.2001)
Bundesrichter Borella, R�edi und Kernen; Gerichtsschreiber Hadorn
H.________, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch Advokat Martin Lutz, Weisse Gasse 15, 4001 Basel,
A.- Die 1947 geborene H.________ war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert. Am 6. November 1996 und am 13. M�rz 1997 erlitt sie je einen Unfall, f�r welche die SUVA die gesetzlichen Leistungen erbrachte. Am 8. Juni 1998 meldete H.________ der SUVA einen R�ckfall. Mit Verf�gung vom 15. Oktober 1998 lehnte die Anstalt jegliche Leistungspflicht ab. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 12. M�rz 1999 fest.
C.- H.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren und beantragen, die Sache sei zu n�heren Abkl�rungen an die Vorinstanz zur�ckzuweisen. Zur Begr�ndung legt sie einen neuen Bericht des Spitals X.________ vom 29. M�rz 2000 ins Recht.
Die SUVA schliesst gest�tzt auf einen Bericht ihres Unfallarztes Dr. med. S.________ vom 7. Juli 2000 auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, w�hrend die als Mitbeteiligte beigeladene CSS Versicherung, Krankenkasse von H.________, auf eine Stellungnahme verzichtet. Das Bundesamt f�r Sozialversicherung l�sst sich nicht vernehmen.
1.- a) Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gem�ss UVG setzt zun�chst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod) ein nat�rlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des nat�rlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umst�nde, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist f�r die Bejahung des nat�rlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher St�rungen ist; es gen�gt, dass das sch�digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die k�rperliche oder geistige Integrit�t des Versicherten beeintr�chtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche St�rung entfiele (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen).
b) Nach Art. 11 UVV werden die Versicherungsleistungen auch f�r R�ckf�lle und Sp�tfolgen gew�hrt, f�r Bez�ger von Invalidenrenten jedoch nur unter den Voraussetzungen von Artikel 21 des Gesetzes. R�ckf�lle und Sp�tfolgen stellen besondere revisionsrechtliche Tatbest�nde dar (Art. 22 UVG; BGE 118 V 297 Erw. 2d).
Bei einem R�ckfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu �rztlicher Behandlung, m�glicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunf�higkeit kommt; von Sp�tfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe l�ngerer Zeit organische oder psychische Ver�nderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild f�hren k�nnen. R�ckf�lle und Sp�tfolgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend k�nnen sie eine Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers nur ausl�sen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitssch�digung ein nat�rlicher und ad�quater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 296 f. Erw. 2c mit Hinweisen).
c) Das Sozialversicherungsgericht hat alle Beweismittel objektiv zu pr�fen und pflichtgem�ss zu w�rdigen, unabh�ngig davon, von wem sie stammen. Danach hat es zu entscheiden, ob die verf�gbaren Unterlagen eine zuverl�ssige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Was speziell Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der Umstand allein, dass ein Zeugnis von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an seinem Beweiswert (BGE 125 V 353 Erw. 3b/dd).
Mit Bezug auf Aktengutachten gilt sodann, dass ein solches nicht an sich schon als unzuverl�ssig zu betrachten ist. Entscheidend ist, ob schon gen�gend Unterlagen auf Grund anderer pers�nlicher Untersuchungen vorliegen. Aktengutachten sind praxisgem�ss nicht zu beanstanden, wenn die Akten ein vollst�ndiges Bild �ber Anamnese, Verlauf und gegenw�rtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind. Ferner ist erforderlich, dass der Untersuchungsbefund l�ckenlos vorliegt und der Experte sich aufgrund vorhandener Unterlagen ein gesamthaft l�ckenloses Bild machen kann (RKUV 1988 Nr. U 56 S. 370 Erw. 5b).
2.- Streitig und zu pr�fen ist, ob zwischen den heute geklagten Schulterbeschwerden und den beiden Unfallereignissen der nat�rliche Kausalzusammenhang mit dem Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit gegeben ist. W�hrend die SUVA und die Vorinstanz diese Frage gest�tzt auf Berichte des SUVA-Arztes Dr. med. S.________ verneinen und den nat�rlichen Kausalzusammenhang bloss f�r m�glich erachten, verweist die Versicherte auf Berichte des Spitals X.________, welches den nat�rlichen Kausalzusammenhang mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit bejahe.
a) Dr. S.________ hat sich im ganzen Verfahren stets nur gest�tzt auf die Akten ge�ussert. Er f�hrt zur Begr�ndung seiner Auffassung mehrere Argumente ins Feld. Von den verschiedenen Leiden der Beschwerdef�hrerin k�men einzig die Schulterschmerzen als unfallbedingt in Betracht. Es gebe f�r diese jedoch keine echtzeitlichen �rztlichen Befunde, h�tten doch bei beiden Unf�llen keine Schulterbeschwerden zur Diskussion gestanden. Die geringen MRI-Befunde seien ohne weiteres degenerativ erkl�rbar. Das Spital X.________ habe selber festgehalten, dass nach orthop�discher Beurteilung keine eindeutige, mit den MRI-Befunden �bereinstimmende Klinik vorliege (Bericht vom 3. M�rz 1999). Die Maxime "post hoc, ergo propter hoc" gen�ge nicht zum Nachweis des nat�rlichen Kausalzusammenhangs. Zwischen dem letzten Unfall und der ersten Behandlung von Schmerzen in der rechten Schulter liege ein mehr als einj�hriges beschwerdefreies Intervall. Dass eine sekund�re adh�sive Capsulitis (frozen shoulder) an sich auch Jahre nach einem Trauma auftreten k�nne, beweise noch keine �berwiegend wahrscheinliche Kausalit�t. Da dieses Leiden auch idiopathischer Genese sein k�nne, sei es ohne engen zeitlichen Zusammenhang mit dem Unfall und ohne dokumentierte direkte Schulter-Verletzung nicht seri�s, eine Unfallkausalit�t zu postulieren. Die MRI-Befunde vom 25. Juni 1998 seien unspezifisch und mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit degenerativer Natur (Bericht vom 7. Juli 2000). Ohne echtzeitliche Fakten eine Unfallkausalit�t zu bejahen, komme einer nachtr�glichen Interpretation gleich.
b) Das Spital X.________ sprach im Bericht vom 14. Juli 1998 von einer komplexen Schmerzproblematik mit vorbestehenden Problemen im Bereich des Bewegungsapparates und neu aufgetretenen, traumatisch ausgel�sten Leiden vor allem im Bereich des rechten Armes, welche die genaue Differenzierung der Schmerzaetiologie schwierig machten. Im Bericht vom 20. Juli 1998 an die Krankenkasse vertrat das Spital die Meinung, die schon lange anhaltende Arbeitsunf�higkeit der Beschwerdef�hrerin sei weitgehend Unfallfolge. Eine n�here Begr�ndung zu dieser Aussage findet sich im erw�hnten Bericht nicht. In anderen Berichten �ussert sich das Spital nicht ausdr�cklich zur Kausalit�t. Hingegen befasst es sich in dem vom Anwalt der Beschwerdef�hrerin eingeholten Bericht vom 29. M�rz 2000 eingehend mit der Kausalit�tsfrage und dem Bericht von Dr. S.________ vom 3. M�rz 2000. Die Schulterbeschwerden h�tten zeitlich nach den Unf�llen langsam zugenommen, was nat�rlich sei, weil die anderweitigen traumatisch bedingten Schmerzen anf�nglich eine Belastung der Schulter verhindert h�tten. Es sei daher nicht nachvollziehbar, auf Grund fehlender echtzeitlicher Unterlagen eine Unfallfolge auszuschliessen. Es werde nicht zwischen einem Fibromyalgiesyndrom und spondylogenen Ausstrahlungen unterschieden. Sodann k�nnten sich auch vorbestehende Schmerzen durch einen Unfall verschlimmern. Im Verlaufe der Entwicklung sei es zu einer adh�siven Capsulitis gekommen, wie sie auch Jahre nach einem Trauma auftreten k�nne. Die weiteren Abkl�rungen h�tten keine Ver�nderungen oss�rer oder anderer Art ergeben, weshalb f�r eine andere als posttraumatische Genese der Capsulitis keine Anhaltspunkte vorl�gen. Im MRI der rechten Schulter h�tten sich eine niedriggradige SLAP-L�sion, eine Verplumpung des vorderen Labrums, eine imbibierte Supraspinatussehne sowie eine Intervalll�sion gefunden. Solche L�sionen seien naturgem�ss auf konventionellen R�ntgenaufnahmen nicht zu sehen. Die beiden Unf�lle seien f�r das Zustandekommen der MRI-Befunde und des klinischen Verlaufs als ad�quat anzusehen. Die SLAP-L�sion und die Intervalll�sion seien klar traumatischen Ursprungs, woran auch allf�llige vorbestehende Beschwerden nichts �nderten. Auf Grund der Angaben der Versicherten, der objektivierbaren Befunde und des Verlaufs seien die Beschwerden im Bereich der rechten Schulter mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit als Folgen beider Unf�lle anzusehen.
c) Sowohl Dr. S.________ als auch das Spital X.________ begr�nden ihre jeweiligen Ansichten mit einleuchtenden und nachvollziehbaren Argumenten, weshalb von einer Gleichwertigkeit der medizinischen Unterlagen auszugehen ist. Angesichts der entgegengesetzten medizinischen Standpunkte sieht sich das Gericht nicht in der Lage, ein Urteil zu f�llen. Namentlich ist nicht rechtsgen�glich auszuschliessen, dass einige der geklagten Leiden Sp�tfolgen der beiden Unf�lle darstellen, f�r welche die zwei Ereignisse zumindest im Sinne einer Teilursache �berwiegend wahrscheinlich nat�rlich kausal sind. Es rechtfertigt sich daher, die Sache zur Einholung eines Obergutachtens an das kantonale Gericht zur�ckzuweisen. Dabei wird die Vorinstanz den Parteien in allen Verfahrensstadien das rechtliche Geh�r gew�hren. Die neue Expertise wird sich zur nat�rlichen Kausalit�t der Schulterbeschwerden �ussern und insbesondere zum Meinungsstreit zwischen dem Spital X.________ und Dr. S.________ Stellung nehmen. Anschliessend wird die Vorinstanz erneut �ber die Beschwerde der Versicherten gegen den Einspracheentscheid der SUVA vom 12. M�rz 1999 befinden.
Sache wird an das kantonale Gericht zur�ckgewiesen,
damit es im Sinne der Erw�gungen verfahre und �ber die
des Kantons Basel-Stadt, dem Bundesamt f�r