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Timestamp: 2016-10-22 19:43:01
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Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 204/03 (04.03.2004)
U 204/03
Urteil vom 4. M�rz 2004
Pr�sident Borella, Bundesrichter R�edi und Sch�n; Gerichtsschreiber Ackermann
P.________, 1974, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Advokat Dr. Marco Biaggi, Picassoplatz 8, 4010 Basel,
(Entscheid vom 9. April 2003)
P.________, geboren 1974, arbeitete ab Ende Juni 1998 bis zu seiner Entlassung per Ende September 2001 als Ger�temonteur f�r die Firma E.________ AG, und war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) unfallversichert. Am Morgen des 13. Oktober 1998 fuhr ein Auto von hinten auf seinen Wagen auf; die beteiligten Personen f�llten ein Unfallprotokoll aus und fuhren anschliessend weiter. Der am gleichen Tag aufgesuchte Dr. med. C.________, Innere Medizin, Rheumatologie FMH, diagnostizierte ein Zervikalsyndrom infolge Distorsion der Halswirbels�ule (HWS) und erachtete P.________ als vollst�ndig arbeitsunf�hig; ab dem 2. November 1998 betrug die Arbeitsf�higkeit 50 % und ab dem 17. November 1998 100 %. Auf eine R�ckfallmeldung vom 11. August 1999 hin nahm die SUVA weitere Abkl�rungen vor und verneinte mit Verf�gung vom 29. Oktober 1999 mangels Kausalzusammenhangs ihre Leistungspflicht, was sie mit Einspracheentscheid vom 6. M�rz 2000 best�tigte. P.________ beschwerte sich unter Beilage eines Berichtes des Dr. med. M.________, Spezialarzt f�r Neurologie FMH, vom 3. November 2000 beim Versicherungsgericht des Kantons Basel-Landschaft (heute Kantonsgericht Basel-Landschaft); dieses hob mit Entscheid vom 25. April 2001 den Einspracheentscheid der SUVA auf und wies die Sache zur weiteren Abkl�rung zur�ck. In der Folge zog die die SUVA unter anderem eine biomechanische Kurzbeurteilung der Arbeitsgruppe f�r Unfallmechanik vom 24. Oktober 2001 sowie ein Gutachten des Dr. med. L.________, Facharzt FMH f�r Neurologie, vom 18. Februar 2002 bei. Mit Verf�gung vom 31. Mai 2002 verneinte die SUVA mangels Bestehens eines nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhanges abermals ihre Leistungspflicht, was sie mit Einspracheentscheid vom 4. Oktober 2002 best�tigte.
Die dagegen - unter Beilage eines Berichts des Dr. med. K.________, Chiropraktor SCG/ECU, vom 18. November 2002 - erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht Basel-Landschaft mit Entscheid vom 9. April 2003 ab.
P.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit dem Antrag, unter Aufhebung des kantonalen Entscheides und des Einspracheentscheides sei die Sache an die Vorinstanz, eventualiter an die SUVA, zur�ckzuweisen.
Zutreffend sind die Ausf�hrungen der Vorinstanz �ber die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, 117 V 376 Erw. 3a mit Hinweisen) und ad�quaten Kausalzusammenhang (BGE 123 III 112 Erw. 3a, 123 V 103 Erw. 3d, 139 Erw. 3c, 122 V 416 Erw. 2a, je mit Hinweisen) zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod). Dies betrifft insbesondere auch die Ad�quanzbeurteilung bei Unf�llen und der in der Folge eingetretenen psychischen Fehlentwicklung mit Einschr�nkung der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit (BGE 115 V 133) sowie die bei Schleudertraumen der HWS und Sch�del-Hirntraumen massgebende Rechtsprechung (BGE 117 V 359 und 369). Im Weiteren hat das kantonale Gericht den Untersuchungsgrundsatz (BGE 125 V 195 Erw. 2), den Beweiswert von Arztberichten (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis) und den im Sozialversicherungsrecht notwendigen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 Erw. 5b mit Hinweisen) korrekt dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Zu erg�nzen bleibt, dass das am 1. Januar 2003 in Kraft getretene Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 im vorliegenden Fall nicht anwendbar ist, da nach dem massgebenden Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheides (4. Oktober 2002) eingetretene Rechts- und Sachverhalts�nderungen vom Sozialversicherungsgericht nicht ber�cksichtigt werden (BGE 127 V 467 Erw. 1, 121 V 366 Erw. 1b; RKUV 2001 Nr. U 419 S. 101 Erw. 2).
Streitig ist der Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung.
2.1 Das kantonale Gericht stellt auf die Einsch�tzung des Gutachters Dr. med. L.________ ab und verneint die Anspr�che des Versicherten; den Bericht des Dr. med. M.________ vom 3. November 2000 betrachtet es dagegen als nicht wesentlich, da dieser sehr kurz sei und der Arzt von einer falschen Aufprallgeschwindigkeit des auffahrenden Autos ausgehe. Im Weiteren ist die Vorinstanz der Auffassung, dass zwar ein nat�rlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den heutigen Beschwerden bestehe, jedoch seien die organischen Beschwerden (h�chstens leichtes Zervikalsyndrom) f�r die Arbeitsunf�higkeit nicht massgebend. Mangels eines typischen Beschwerdebildes verneint das kantonale Gericht sodann das Vorliegen eines Schleuder- oder Distorsionstraumas der HWS und erachtet in Anwendung der Rechtsprechung gem�ss BGE 115 V 133 den ad�quaten Kausalzusammenhang der psychischen Beschwerden zum Unfall als nicht gegeben.
Der Versicherte r�gt, dass das kantonale Gericht auf seine Kritik am Gutachten des Dr. med. L.________ gar nicht eingegangen sei; er erachte diese Expertise immer noch als nicht gen�gend klar, in sich widerspr�chlich sowie teilweise ausweichend und unvollst�ndig. Weiter bringt der Beschwerdef�hrer vor, dass die Vorinstanz den Bericht des Dr. med. M.________ vom 3. November 2000 zu Unrecht verworfen habe, denn der Arzt st�tze seine Aussagen nicht auf die anamnestische Angabe der Aufprallgeschwindigkeit, sondern auf klinische Untersuchungen und Abkl�rungen (EEG, R�ntgen); im Weiteren werde diese Auffassung durch diejenige des Dr. med. K.________ gest�tzt.
2.2 Die Kritik des Beschwerdef�hrers betrifft die W�rdigung der im Recht liegenden Arztberichte und damit allein den nat�rlichen Kausalzusammenhang. In dieser Hinsicht bejahen letztlich alle den Versicherten behandelnden oder untersuchenden �rzte eine nat�rliche Kausalit�t zwischen dem Unfall und den geklagten Beschwerden, jedoch kann nicht ohne weiteres auf eine dieser drei Einsch�tzungen entscheidwesentlich abgestellt werden.
2.2.1 Dr. med. M.________ geht im Bericht vom 3. November 2000 "anhand der Anamnese sowie der ... zur Verf�gung stehenden Unterlagen" davon aus, dass der Beschwerdef�hrer eine HWS-Abknickverletzung und eine milde traumatische Gehirnverletzung erlitten habe, was zu einem zumindest m�ssig ausgepr�gten linksbetonten, insbesondere auch oberen, Zervikalsyndrom mit zervikozephalen Beschwerden gef�hrt habe. Aber auch wenn der Bericht nicht nur auf den Angaben des Versicherten, sondern auch auf den in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erw�hnten Untersuchungen und Abkl�rungen beruhen sollte, sind die anamnestischen Angaben f�r die Beurteilung der medizinischen Situation dennoch zentral. Der Arzt stellt n�mlich auf die Angabe des Versicherten ab, dass die Aufprallgeschwindigkeit etwa 80 - 100 km/h betragen habe, was aufgrund des Schadenbildes an den Unfallwagen jedoch unm�glich der Fall gewesen sein kann. Damit geht Dr. med. M.________ in der zentralen Frage der w�hrend des Unfalls auf den K�rper einwirkenden Kr�fte von einem viel zu hohen Wert aus, so dass seine Schlussfolgerungen sowie die Interpretation der Abkl�rungen und Untersuchungen auf einer falschen Grundlage beruhen und damit nicht beweiskr�ftig sind.
2.2.2 Der nat�rliche Kausalzusammenhang wird auch vom Chiropraktor Dr. med. K.________ im Bericht vom 18. November 2002 bejaht. Jedoch kann ebenfalls nicht auf diese Auffassung abgestellt werden, denn der Arzt begr�ndet sie damit, dass die von Dr. med. L.________ beschriebene muskul�re Dysbalance und Insuffizienz der R�ckenmuskulatur durch ein rigoroses Aufbauprogramm behoben wurde, "ohne eine Verbesserung der Unfallbeschwerden zu erreichen"; allerdings sind diese Probleme von Dr. med. L.________ explizit als unfallfremd erachtet und deren Behandlung nur zur Vermeidung einer Verschlechterung - und nicht zu einer Verbesserung - des aktuellen Gesundheitszustandes empfohlen worden.
2.2.3 Dr. med. L.________ geht im Gutachten vom 11. Februar 2002 letztlich ebenfalls vom Vorliegen eines nat�rlichen Kausalzusammenhanges aus, denn er h�lt - im Zusammenhang mit der Frage nach unfallfremden Ursachen der geklagten Beschwerden - klar fest, "dass der Zustand des Versicherten heute nicht so w�re wie er ist, wenn der Unfall nicht stattgefunden h�tte." Dazu steht jedoch in Widerspruch, dass die beiden aktuell vom Gutachter diagnostizierten Gesundheitssch�den (transientes Zervikalsyndrom sowie panvertebrales Schmerzsyndrom ohne klinisches Korrelat resp. differentialdiagnostisch eine anhaltende Schmerzst�rung/Aggravationstendenz) seiner Meinung nach nicht �berwiegend wahrscheinlich Unfallfolgen sind. Zudem geht der Experte davon aus, dass typische Beschwerden nach einer Verletzung der HWS teilweise vorliegen und diese von allf�lligen psychischen Beschwerden nicht ganz in den Hintergrund gedr�ngt werden, sondern wahrscheinlich beide Komponenten mitspielen, so dass diese Aussagen im Widerspruch zur Ablehnung der nat�rlichen Kausalit�t zwischen Unfall und den geklagten Beschwerden stehen.
2.3 Da f�r die Beantwortung der nat�rlichen Kausalit�t nicht entscheidend auf einen der in den Akten liegenden Arztberichte abgestellt werden kann, ist der Sachverhalt nicht gen�gend abgekl�rt worden (Untersuchungsgrundsatz; BGE 125 V 195 Erw. 2 mit Hinweisen). Die nat�rliche Kausalit�t muss vorliegend deshalb gekl�rt sein, weil die Beantwortung der Ad�quanzfrage wesentlich davon abh�ngt, ob ein organischer Gesundheitsschaden (so gem�ss Dr. med. L.________ das [h�chstens] leichte Zervikalsyndrom), rein psychische Probleme oder allenfalls Folgen eines Traumas der HWS vorliegen. Letzteres ist aufgrund der bis jetzt vorliegenden Akten allerdings eher zu verneinen, da der Beschwerdef�hrer gem�ss dem Bericht des Dr. med. C.________ vom 4. November 1998 zwar innert dreissig Minuten nach dem Unfall �ber Nacken- und Kopfschmerzen klagte, aber weitere typische Beschwerden (wie Schwindel, Konzentrations- und Ged�chtnisst�rungen, �belkeit, rasche Erm�dbarkeit, Visusst�rungen, Reizbarkeit, Affektlabilit�t, Depression, Wesensver�nderung; BGE 117 V 360 Erw. 4b; vgl. BGE 119 V 338 Erw. 2) nicht innert der Latenzzeit von 24 bis h�chstens 72 Stunden nach dem Unfall (RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29 Erw. 5e) aufgetreten sind, sondern erstmals von Dr. med. M.________ im Bericht von November 2000 erw�hnt worden sind.
F�r die Abkl�rung des nat�rlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und den geklagten Beschwerden sowie deren Natur (somatisch oder psychisch) rechtfertigt es sich hier, die Sache an die Vorinstanz zur�ckzuweisen, da sie auf die umfangreiche (nicht rein querulatorische und nicht von vornherein als unbegr�ndet zu taxierende) Kritik am Gutachten gar nicht eingegangen ist, und insoweit auch das rechtliche Geh�r (vgl. BGE 124 V 181 Erw. 1a) des Versicherten verletzt hat. Das kantonale Gericht wird die ihm notwendig erscheinenden Abkl�rungsmassnahmen treffen und anschliessend neu entscheiden. Im Weiteren weist der Versicherte zu Recht darauf hin, dass die m�glicherweise bestehenden unfallkausalen Gesundheitssch�den auch dann einen Anspruch auf gewisse Leistungen der Unfallversicherung (z.B. Heilmassnahmen) begr�nden k�nnen, wenn sie keine Arbeitsunf�higkeit bewirken; in dieser Hinsicht gilt es zu beachten, dass Dr. med. L.________ zur Verhinderung einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes - zumindest f�r eine gewisse Zeit - die Fortsetzung der Physiotherapie empfohlen hat.
In Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird das Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 9. April 2003 aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zur�ckgewiesen, damit sie, nach Vornahme der ihr notwendig erscheinenden Abkl�rungen, neu entscheide.
Die SUVA hat dem Beschwerdef�hrer f�r das Verfahren vor dem Eidgen�ssischen Versicherungsgericht eine Parteientsch�digung von Fr. 2'500.- (einschliesslich Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Luzern, 4. M�rz 2004