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Timestamp: 2019-10-17 08:41:51
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Matched Legal Cases: ['§ 135', '§ 73', '§ 20', '§ 112', '§ 135', '§ 136', '§ 135']

Die Qualitätsmanagementmodelle DIN EN ISO und EFQM | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
K R Kevin Richter (Autor)
2 Geschichte des Qualitätsmanagements
2.1 Entwicklung im deutschen Gesundheitswesen
4 Qualitätsmanagementmodelle
4.1 DIN EN ISO 9000ff
4.2 DIN EN ISO 9001:2015
5 EFQM-Excellence-Modell
6 Vergleich der Modelle DIN EN ISO und EFQM
Das Qualitätsmanagement hat in den 90er Jahren in Deutschland Beachtung gefunden. Seit dem Jahr 1980 wird in den Kliniken und in der Gesundheitsbranche immer mehr darin investiert und zunehmend praktiziert. Dies liegt aber auch an der Forderung des Gesetzgebers, welcher im Jahre 2005 beschloss, dass zugelassene Krankenhäuser ein internes Qualitätsmanagement implementieren müssen. Dieser gesetzliche Umschwung sollte die Wirtschaftlichkeit und auch das Patientenwohl in den Kliniken sichern bzw. fördern.
Doch bevor es im Gesundheitssektor etabliert worden ist, haben sich bereits andere Firmen, wie z.B. die Lufthansa, das Instrument QM zu Nutzen gemacht und es in ihre Unternehmensstruktur manifestiert. Das bedeutet also, dass das Qualitätsmanagement nicht nur im Gesundheitssektor präsent ist, sondern auch in anderen Branchen, wie beispielsweise dem Bildungssektor, der öffentlichen Verwaltung bis hin zur freien Wirtschaft.
Wie bereits erwähnt, müssen die Krankenhäuser ein Qualitätsmanagement einführen und können hierzu noch eine Zertifizierung durchführen. Die Zertifizierung stellt die Kliniken vor einen finanziellen und auch organisatorischen Mehraufwand, der nur gemacht wird, um ihr eigenes System zu kontrollieren. Ziel ist es, eine erfolgreiche Begehung zu absolvieren und somit die Bestätigung für ein effizientes Qualitätsmanagement zu bekommen. Das Kundenklientel, also der Patient, bekommt von diesem Konstrukt nichts mit und kann mit den Begrifflichkeiten KTQ und DIN EN ISO wahrscheinlich nichts anfangen. Darüber hinaus verzeichnen die Krankenhäuser aufgrund der Zertifizierung keinen höheren Patientenzuwachs, was die Tatsache der eben genannten „Unwissenheit des Patienten“ stützt.
Im Laufe der Zeit entstanden immer mehr Institutionen, die eine Implementierung eines Qualitätsmanagements zusichern und somit auch verschiedene Formen der Zertifizierung anbieten. Einige sind stärker in der freien Wirtschaft vertreten und andere findet man häufiger im Gesundheitssektor. Es ist wichtig, sich mit den verschiedenen Modellen genau auseinander zu setzen und abzuwägen, um das geeignetste herauszufiltern. In dieser Arbeit habe ich mich mit der DIN EN ISO Normreihe und dem EFQM-Excellence Modell auseinandergesetzt und abschließend miteinander verglichen.
Am Anfang der Arbeit bin ich auf den historischen Aspekt des Qualitätsmanagements im 20ten Jahrhundert eingegangen und habe nach meiner Meinung zwei der wichtigsten Vorreiter des QM’s vorgestellt. Im Anschluss bin ich auf die Einführung in das deutsche Gesundheitswesen, sowie auf die rechtliche Komponente zu sprechen gekommen, welche ich nur angeschnitten habe. Im späteren Verlauf stelle ich beide Modelle vor und gleiche sie miteinander ab, gefolgt von einem persönlichen Fazit.
Der Begriff „Qualitätsmanagement“ entspringt aus moderner Zeit und umfasst alle Maßnahmen, die zur nachhaltigen Verbesserung der Eigenschaften von Produkten, Leistungen und Service dienen. Während dessen ist das Wort „Qualität“ Jahrtausende alt und entspringt dem lateinischen „qualitas“, was so viel heißt, wie „Beschaffenheit“, „Eigenschaft“ oder „Zustand“.
Im 20ten Jahrhundert (1911) war einer der ersten Wegbereiter des Qualitätsmanagements Frederick Winslow Taylor, welcher erstmalig eine Verbindung zu Arbeitern und Unternehmensführung mittels Facharbeiterebene schaffte. Hierbei wurde ein zentrales Arbeitsbüro etabliert, in dem Arbeitsprozesse gestaltet und Arbeitsvorbereitungen organisiert wurden. In diesen speziellen Büros waren Funktionsmeister tätig, die in der Werkstatt gearbeitet haben und sich mit den Spezialisten aus der Unternehmensführung auseinander gesetzt haben. Hierbei kommen besonders die Begriffe Kopfarbeit und Handarbeit zur Geltung. Die Kopfarbeit wurde von den Managern der Unternehmensführung betrieben und die Handarbeit von den speziell ausgewählten Funktionsmeistern. Ziel war es, die Tätigkeit der Arbeiter bis in das kleinste Detail zu beschreiben und vorzugeben. Es war wichtig, die Arbeitsabläufe mit einer Festlegung von Ort, Art und Zeit zu programmieren. Wenn man es genau nimmt, kam hier erstmalig der „PDCA-Zyklus“ zur Anwendung, ohne dass er von Taylor geprägt worden ist[1].
Eine weitere Person ist William Edwards Deming um 1950, welcher nach dem 2ten Weltkrieg beim Wiederaufbau der japanischen Wirtschaft mitwirkte und japanische Manager, Studenten und Ingenieure in die Qualitätssicherung einweihte. Deming war der Erste, der die Komponente der „Kundenzufriedenheit“ mit in das Qualitätsmanagement eingebracht hat und erstellte darüber hinaus eine Reaktionskette, welche folgende Struktur aufzeigt.
Nach dieser Reaktionskette wird eine Qualitätsverbesserung zu einer Kostenreduktion, einer steigenden Produktion und einer Sicherung der Marktposition kommen. Hinzuzufügen ist noch, dass folgende Grundhaltungen wichtig sind, um die Kette zu ergänzen:
- Jeder Mitarbeiter ist in seinem Aufgabengebiet für Qualität verantwortlich.
- Jeder Mitarbeiter kommt mit dem Faktor Qualität in Verbindung und hat Einfluss auf die Qualität des Ergebnisses.
- Qualität besteht aus Geisteshaltung und Technik.
Des Weiteren ist Deming für den so genannten Deming-Zyklus, oder auch den heute bekannten PDCA-Zyklus berühmt. Dieser Zyklus beschreibt in seinen vier Schritten,
dass im Qualitätsmanagement die kontinuierliche Verbesserung von Prozessen elementar ist und niemals aufhört. Der Zyklus wird zwar mit Deming in Verbindung gebracht, jedoch ist der eigentliche Erfinder Walter Andrew Shewart, welcher Deming gelehrt und auch maßgeblich beeinfluss hat. Die Japaner erkannten sehr früh das Potential des Qualitätsmanagements und die Bedeutung Demings und führten bereits 1951 den Deming-Preis ein, welcher an Unternehmen mit umfassenden Qualitätsverständnis vergeben wird[2].
Abbildung 2 PDCA-Zyklus nach Deming: Dr. Birgit Ertl-Wagner, Mag. Sabine Steinbrucker, Dr. Bernd C. Wagner, Qualitätsmanagement & Zertifizierung, 2009, Springer Verlag S.21
Bereits 1950 begann man damit Qualitätskontrollen durchzuführen, welche rein ergebnisorientiert waren und sich auf Stichproben stützten. In den 1960er Jahren hat man damit begonnen systematische Qualitätssicherung in den Krankenhäusern bzw. im Gesundheitswesen zu betreiben. Darüber hinaus wurden spezielle Abteilungen zu dieser Qualitätssicherung ins Leben gerufen, welche prozessorientiert handelten und damit zahlreiche Verfahrensanweisungen etablierten. Doch die Anstrengungen ein umfassendes Qualitätsmanagement im Gesundheitssektor zu schaffen, begann erst 1990. Der Unterschied zu den vorherigen Qualitätsverfahren war, dass es sich sowohl um ein Ergebnis, als auch ein kundenorientiertes Verfahren handelte. Hierzu werden alle Mitarbeiter und alle Geschäftsprozesse involviert. Auch der eben genannte PDCA-Zyklus bekommt hier eine wichtige Rolle zugeschrieben. Im Jahre 1999 wurde in der Gesundheitsministerkonferenz beschlossen, eine Empfehlung zur Erstellung eines Qualitätsberichtes auszusprechen. Dieses Instrument sollte Institutionen motivieren, ihre eigene Qualität zu reflektieren und neue Qualitätsziele zu etablieren. Es war das Ziel des Staates, so viele Kliniken wie möglich zur Implementierung eines QM-Systems samt Zertifizierung zu bewegen. Hierzu wurde ein Demonstrationsprojekt namens „Qualitätsmanagement im Krankenhaus“ oder auch „DemoPro“ mit 44 teilnehmenden Kliniken von 1989 bis 2001 durchgeführt.
Bis zum Jahr 2005 war die Abgabe eines Qualitätsberichtes freiwillig und wurde ab diesem Jahr für alle Krankenhäuser verpflichtend. Hierzu tagte der gemeinsame Bundesauschuss und beschloss von 2004 bis 2005, welchen Umfang und Inhalt die Qualitätsberichte aufweisen müssen. An diesem Bundesausschuss nahmen der Pflegerat, die privaten und gesetzlichen Krankenkassen, die Bundesärztekammer und die deutsche Krankenhausgesellschaft teil[3].
In diesem Teil der Arbeit werde ich mich auf die rechtlichen Grundlagen des Qualitätsmanagements beziehen. Das Qualitätsmanagement wird nicht nur in einem Krankenhaus betrieben, sondern auch in anderen Institutionen unseres Gesundheitssektors. Folgende Gesetze sind zutreffend für die entsprechenden Einrichtungen:
- Krankenhaus § 135a – 137 SGB V
- Vertragsarztbereich § 73c SGB V
- Rehabilitationseinrichtungen für behinderte Menschen § 20 SGB IX
- Menschen in Heimen bzw. Betreuungsheime § 112 SGB XI[4]
Doch werde ich nicht auf alle genannten Komponenten eingehen, sondern mich lediglich auf den Krankenhausbereich beschränken.
Wie wir sehen, sind die gesetzlichen Grundlagen für das Betreiben eines Qualitätsmanagements im SGB V verankert. Diese wurden in den letzten Jahren etabliert, um ein entsprechendes QM- System einzurichten und weiterzuentwickeln. Demnach dürfen medizinische und pflegerische Maßnahmen nur praktiziert bzw. angeboten werden, wenn sich das Krankenhaus an allen Handlungen für eine Qualitätssicherung beteiligt.
Der § 135a SGB V bezieht sich hier auf die Verpflichtung zur Einführung eines Qualitätsmanagements und besagt[5]:
„ (1) Die Leistungserbringer sind zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität der von ihnen erbrachten Leistungen verpflichtet. Die Leistungen müssen dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entsprechen und in der fachlich gebotenen Qualität erbracht werden.
(3) Meldungen und Daten aus einrichtungsinternen und einrichtungsübergreifenden Risikomanagement- und Fehlermeldesystemen nach Absatz 2 in Verbindung mit § 136a Absatz 3 dürfen im Rechtsverkehr nicht zum Nachteil des Meldenden verwendet werden. Dies gilt nicht, soweit die Verwendung zur Verfolgung einer Straftat, die im Höchstmaß mit mehr als fünf Jahren Freiheitsstrafe bedroht ist und auch im Einzelfall besonders schwer wiegt, erforderlich ist und die Erforschung des Sachverhalts oder die Ermittlung des Aufenthaltsorts des Beschuldigten auf andere Weise aussichtslos oder wesentlich erschwert wäre [6] .“
[1] Vgl. Birgit Ertl-Wagner, Sabine Steinbrucker, Bernd C. Wagner:Qualitätsmanagement & Zertifizierung, 2009, S.16-17
[2] Vgl. Birgit Ertl-Wagner, Sabine Steinbrucker, Bernd C. Wagner:Qualitätsmanagement & Zertifizierung, 2009, S. 19-20
[3] Vgl. Birgit Ertl-Wagner, Sabine Steinbrucker, Bernd C. Wagner:Qualitätsmanagement & Zertifizierung, 2009, S. 31-32
[4] Vgl. Hr. Keller, Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen, 2016, S. 23
[5] Vgl. Birgit Ertl-Wagner, Sabine Steinbrucker, Bernd C. Wagner:Qualitätsmanagement & Zertifizierung, 2009, S. 32-33
[6] Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, § 135a Verpflichtung der Leistungserbringer zur Qualitätsicherung, www.gesetze-im-internet.de
Kevin Richter (Autor)
V465692
9783668941274
9783668941281
Qualitätsmanagement, DIN EN ISO, EFQM, Medizinökonomie, Geschichte Qualitätsmanagement, PDCA-Zyklus
Kevin Richter (Autor), 2018, Die Qualitätsmanagementmodelle DIN EN ISO und EFQM, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465692