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Timestamp: 2019-10-22 19:10:24
Document Index: 91160728

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 20', '§ 20', '§ 219', '§ 1922', '§ 2059', '§ 5', '§ 2059', '§ 3', '§ 1922', '§ 2059', '§ 20', '§ 309', '§ 833', '§ 850']

Aktenzeichen: VII R 16/18
ECLI: ECLI:DE:BFH:2019:U.040619.VIIR16.18.0
Normen: § 3 Abs 1 Nr 1 ErbStG 1997, § 20 Abs 1 ErbStG 1997, § 20 Abs 3 ErbStG 1997, § 219 AO, § 1922 BGB, § 2059 Abs 1 S 2 BGB, § 5 AO
Zitiervorschlag: BFH, Urteil vom 04. Juni 2019 – VII R 16/18 –, BFHE nn
(Keine Beschränkung der Erbenhaftung nach § 2059 Abs. 1 BGB für Erbschaftsteuerschulden)
1. Die vom Erben als Gesamtrechtsnachfolger aufgrund Erbanfalls nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG i.V.m. § 1922 BGB geschuldete Erbschaftsteuer ist eine Nachlassverbindlichkeit (Fortführung des BFH-Urteils vom 20.01.2016 - II R 34/14, BFHE 252, 389, BStBl II 2016, 482)(Rn.26).
2. Eine Beschränkung der Erbenhaftung für Erbschaftsteuerverbindlichkeiten ist nach § 2059 Abs. 1 Satz 2 BGB ausgeschlossen(Rn.28).
3. Bei der Inanspruchnahme des Nachlasses nach § 20 Abs. 3 ErbStG besteht ein (Entschließungs-)Ermessen, so dass grundsätzlich keine Verpflichtung zur vorrangigen Inanspruchnahme besteht(Rn.30).
Zu LS 3: Im Streitfall musste nicht entschieden werden, ob der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit in Ausnahmefällen eine vorrangige Vollstreckung in den Nachlass gebietet, z.B. wenn der Steuerschuldner darlegen kann, dass eine Vollstreckung in sein eigenes Vermögen aussichtslos wäre(Rn.31).
DB 2019, 2165-2167 (Leitsatz und Gründe)
DStR 2019, 2081-2084 (Leitsatz und Gründe)
ZEV 2019, 603-605 (Leitsatz und Gründe)
BB 2019, 2325 (Leitsatz)
StE 2019, 616 (Leitsatz)
vorgehend FG Düsseldorf, 21. Februar 2018, Az: 4 K 1144/17 AO, Urteil
im Text BFH, 16. Mai 2017, Az: VII R 5/16
Vergleiche BFH, 23. September 2009, Az: VII R 43/08
Vergleiche BFH, 24. April 2008, Az: VII B 262/07
Vergleiche BFH, 8. Juli 2004, Az: VII B 257/03
Vergleiche BFH, 2. Juni 2004, Az: IV B 56/02
Vergleiche BFH, 18. Juli 2000, Az: VII R 94/98
Vergleiche BFH, 28. Juni 2000, Az: X R 24/95
Vergleiche BFH, 16. März 1995, Az: VII S 39/92
Vergleiche BFH, 24. September 1991, Az: VII R 34/90
Vergleiche BFH, 26. März 1991, Az: VII R 15/89
Vergleiche BFH, 11. Dezember 1990, Az: VII B 94/90
Vergleiche BFH, 30. Oktober 1990, Az: VII R 106/87
Vergleiche BFH, 14. Juni 1988, Az: VII R 143/84
Vergleiche BFH, 23. Mai 1985, Az: V R 124/79
Vergleiche BVerfG, 19. Oktober 1982, Az: 1 BvL 34/80
Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt --FA--) setzte gegen die Klägerin mit Bescheid vom 29.07.2016 Erbschaftsteuer in Höhe von … € fest. Nachdem die Klägerin gegen diesen Bescheid Einspruch eingelegt und die Aussetzung der Vollziehung beantragt hatte, setzte das FA die Vollziehung des angefochtenen Steuerbescheids in Höhe von … € aus, so dass noch 5.559.381 € zu entrichten waren.
Unter Anwendung der oben dargestellten Grundsätze waren die Pfändungs- und Einziehungsverfügungen als Vollstreckungsmaßnahmen geeignet, weil die Klägerin nach den Erkenntnissen des FA über Forderungen gegen Drittschuldner (Banken) verfügte und die Maßnahme deshalb nicht aussichtslos war. Die Maßnahmen waren auch erforderlich, um die ausstehenden Erbschaftsteuerschulden --wenn auch nicht in vollem Umfang-- zu tilgen. Ein milderes Mittel ist nicht erkennbar. Insbesondere kann das FA nicht darauf verwiesen werden, zuerst gegen den Nachlass als Haftungsschuldner vollstrecken zu müssen (siehe oben). Schließlich war die Vollstreckung der Klägerin zumutbar. Zwar führt die Pfändung eines Kontoguthabens bei einem Kreditinstitut (§ 309 Abs. 3 Satz 1 AO, § 833a ZPO) faktisch zu einer Kontosperrung. Dieser besonderen Situation hat der Gesetzgeber jedoch durch die Schaffung eines Pfändungsschutzkontos Rechnung getragen, das auf Antrag des Schuldners nach § 850k ZPO eingerichtet werden kann (Senatsurteil vom 16.05.2017 - VII R 5/16, BFHE 258, 105, BStBl II 2018, 735, Rz 11). Im Übrigen erweisen sich die Vollstreckungsmaßnahmen im Streitfall nicht deshalb als unverhältnismäßig, weil sie nur zu einer verhältnismäßig geringen Begleichung der hohen Steuerschulden geführt haben. Bei einer beigetriebenen Summe von insgesamt 133.510,31 € kann nicht von einem Bagatellbetrag ausgegangen werden, der Vollstreckungsmaßnahmen unbillig erscheinen ließe.