Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Saarbr%FCcken&Datum=19.10.2011&Aktenzeichen=5%20U%2071/11
Timestamp: 2019-02-24 02:05:51
Document Index: 30474631

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 6', '§ 1', '§ 1', '§ 8', '§ 8']

OLG Saarbrücken, 19.10.2011 - 5 U 71/11 - 14, 5 U 71/11 - dejure.org
OLG Saarbrücken, 19.10.2011 - 5 U 71/11 - 14, 5 U 71/11
VGB 2000 § 1 Ziff. 2 a, VVG § 6
VGB 2000 § 1 Nr. 2a
Gebäudeversicherung: Entschädigung für Einbauküche
Ablehnung einer Entschädigung für eine durch einen Elementarschaden zerstörte, serienmäßig gefertigte, in einer Möbelfundgrube erworbene Einbauküche von einer Gebäudeversicherung
Hausrat und Hochwasser - Hauseigentümer hatte nur das Gebäude gegen Elementarschäden abgesichert: Fehler des Versicherungsagenten?
Gebäudeversicherung: Entschädigung für eine serienmäßig gefertigte Einbauküche; Versicherungsschutz infolge unterlassener Beratung über den Abschluss einer Hausratversicherung zur Risikoabsicherung
Hochwasserschaden: Gebäudeversicherung umfasst nicht den Schutz der Einrichtung und des Hausrats - Gesonderte Hausratsversicherung ist für Schäden an Möbeln und Einrichtungsgegenständen notwendig
LG Saarbrücken, 26.01.2011 - 12 O 377/09
MDR 2012, 222
VersR 2012, 1029
Die Abgrenzung von individuell für das Gebäude raumspezifisch geplanten und gefertigten Einbauküchen erfolgt vor dem Hintergrund, dass die Wohngebäudeversicherung typischerweise das Risiko von Substanzschäden des Gebäudes abdeckt, während die Hausratversicherung die Einrichtung des Gebäudes umfasst (vgl. OLG Saarbrücken VersR 2012, 1029; OLG Saarbrücken VersR 1996, 97; OLG Köln, NJW-RR 1993, 861).
Dementsprechend erfasst § 1 Nr. 2 a) VGB 2002 nur solche Einbauküchen, bei denen bei natürlicher Betrachtungsweise von einer Einheit zwischen Gebäude und Einbaumöbeln/-küchen auszugehen ist, weil diese individuell für das Gebäude gefertigt worden sind und deshalb jedenfalls nicht ohne größeren Aufwand von ihrem Standort zu trennen und an anderer Stelle wiederzuverwenden wären (vgl. OLG Saarbrücken VersR 2012, 1029).
Das Landgericht ist nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme in verfahrensfehlerfreier Beweiswürdigung davon ausgegangen, dass der Klägerin der Nachweis gelungen ist, dass die erstattet verlangten Kosten dem Versicherungsnehmer in der geltend gemachten Höhe "tatsächlich entstanden" sind (vgl. Senat, Urt. v. 19.10.2011 - 5 U 71/11 - VersR 2012, 296: keine fiktiven Kosten; ebenso OLG Celle, VersR 2010, 526;… Knappmann in Prölss/Martin, VVG , 29. Aufl. 2015, § 8 VHB 2010, Rdn. 9;… Jula in Bruck/Möller, VVG , 9. Aufl. 2012, § 8 VHB 2010 Rdn. 12).
Ein solches Bedürfnis besteht immer dann, wenn der Versicherungsnehmer sich erkennbar falsche Vorstellungen über den abzuschließenden Vertrag oder den Umfang des Versicherungsschutzes macht oder wegen der Komplexität der Materie jedenfalls mit Missverständnissen und Irrtümern des Versicherungsnehmers zu rechnen ist oder das erkennbar zu versichernde Risiko von dem ins Auge gefassten Versicherungsschutzes nicht vollständig umfasst wird (…Senat, Urt. v. 27.02.2013, 20 U 164/12, n.v.; OLG Saarbrücken, Urt. v. 19.10.2011, 5 U 71/11, juris, Rn. 39 mit weiteren Nachweisen, VersR 2012, 1029 = r+s 2012, 296).
AG Berlin-Charlottenburg, 13.04.2016 - 215 C 236/15
Hausratversicherung: Erstattung der notwendigen Kosten für eine Hotel- oder …
Die Klausel HR0005 ist nämlich als reine Schadenversicherung zu verstehen, in deren Rahmen nur tatsächlich entstandene Kosten ersetzt werden, und nicht als sogenannte Summenversicherung, aufgrund derer der Ersatz fiktiver oder pauschalierter Kosten ohne Nachweis von deren Entstehung verlangt werden könnte (vgl. OLG Celle, Urteil vom 20. Mai 2009, AZ: 8 U 6/09 zitiert nach juris, TZ 24; OLG Saarbrücken, Urteil vom 19. Oktober 2011, AZ: 5 U 71/11 -14 in VersR 2012, 1029 (1031); jeweils mit weiteren Nachweisen).
OLG Hamm, 11.10.2016 - 20 U 65/16
Vielmehr ist es grundsätzlich Aufgabe des Versicherungsnehmers, sich in eigener Verantwortung über die zu versichernden Risiken klar zu werden (…Prölss/Martin/Rudy, aaO Rn. 3; Senat…, Urteil vom 23. August 2000 - 20 U 22/00 -, Rn. 41, juris, NJW-RR 2001, 239; Saarländisches Oberlandesgericht Saarbrücken, Urteil vom 19. Oktober 2011 - 5 U 71/11 - 14, 5 U 71/11 -, Rn. 39, VersR 2012, 1029).
Das kann dazu führen, dass ein Versicherungsvertreter einen Versicherungsnehmer, dem erkennbar an einer lückenlosen Absicherung bestimmter Risiken liegt, auf die Notwendigkeit der Kombination von Produkten aufmerksam machen muss (OLG Saarbrücken, VersR 2012, 1029; OLG Köln, VersR 1994, 342; OLG Düssledorf, VersR 1998, 224, OLG Hamm, NJW-RR 2001, 239).