Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%2072/61
Timestamp: 2019-11-21 08:40:59
Document Index: 298703507

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 23', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 23', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 847', 'BGH', 'BGH', '§ 23', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', '§ 847', 'Art. 5', '§ 823', 'Art. 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', '§ 847', 'BGH', 'BGH']

BGH, 05.01.1962 - VI ZR 72/61 - dejure.org
BGH, 05.01.1962 - VI ZR 72/61
https://dejure.org/1962,301
BGH, 05.01.1962 - VI ZR 72/61 (https://dejure.org/1962,301)
BGH, Entscheidung vom 05.01.1962 - VI ZR 72/61 (https://dejure.org/1962,301)
BGH, Entscheidung vom 05. Januar 1962 - VI ZR 72/61 (https://dejure.org/1962,301)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1962,301) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Doppelmörder / Popps Helfer
NJW 1962, 1004
MDR 1962, 294
GRUR 1962, 324
VersR 1962, 264
BB 1962, 198
DB 1962, 502
So können bereits dort etwa Fälle erfasst werden, bei denen Bedenken an der Bildnisveröffentlichung gerade aus einer unwahren Begleitberichterstattung im konkreten Kontext entstehen (vgl. zur Gefahr einer Personenverwechslung und § 23 Abs. 2 KUG etwa BGH v. 15.01.1965 - Ib ZR 44/63, NJW 1965, 1374 - wie uns die anderen sehen; v. 05.01.1962 - VI ZR 72/61, NJW 1962, 1004 - Doppelmörder und zur Verfälschung des Lebensbildes BGH v. 15.11.1957 - I ZR 83/56, BGHZ 26, 52 - juris Tz. 29;… den Gesichtspunkt ebenfalls schon bei § 23 Abs. 1 KUG prüfend OLG Frankfurt v. 18.09.1986 - 6 W 232/86, GRUR 1987, 62 - Missmanagement und deutlich zum Wahrheitsschutz Endress Wanckel , Foto- und Bildrecht, 5. Aufl. 2017, Rn. 214).
Bei Prüfung dieser Frage ist die Bildveröffentlichung in ihrer Gesamtheit und nicht etwa unabhängig vom Begleittext zu würdigen (BGHZ 20, 346, 350 f [BGH 08.05.1956 - I ZR 62/54] - Dahlke; 24, 201, 209 - Spätheimkehrer; BGH GRUR 1962, 212 zu 4 - Hochzeitsbild; 1962, 324 f - Doppelmörder).
Daß eine solche Abwägung stattzufinden hat, ist in der höchstrichterlichen Rechtsprechung seit langem anerkannt (so schon BGHZ 20, 345, 349 - "Paul Dahlke";… BGH Urt. v. 10. November 1961 = a.a.O. - "Hochzeitsbild"; v. 5. Januar 1962 - VI ZR 72/61 = NJW 1962, 1004, 1005 - "Doppelmörder"; v. 9. Juni 1965 - Ib ZR 126/63 = NJW 1965, 2148 - "Spielgefährtin I"; v. 16. September 1966 - VI ZR 268/64 = NJW 1966, 2353 - "Vor unserer eigenen Tür"; v. 26. Januar 1971 - VI ZR 95/70 = NJW 1971, 698 - "Liebestropfen").
a) Dies folgt zunächst daraus, daß das Bild des Klägers in einer auflagenstarken Publikumszeitschrift veröffentlicht worden ist (zu ähnlichen Erwägungen vgl. BGH, NJW 1985 a.a.O. sowie NJW 1962, 1004, 1005), und dies in einem Kontext, der den Kläger in einen gedanklichen Zusammenhang mit verantwortungslosen und lebensgefährdenden Verhaltensweisen bringen mußte.
Denn die Beklagte erwirbt ihr Sendegut - also den Inhalt der von ihr ausgestrahlten Sendungen - auf privatrechtlichem Wege (BGHZ 37, 1 [BGH 27.02.1962 - I ZR 118/60] = NJW 1962, 1004 - AKI).
In gleicher Weise wie die Rundfunkanstalten gegen eine unmittelbare Ausbeutung ihrer Sendungen durch Mitbewerber den Schutz des § 1 UWG in Anspruch nehmen können (vgl. BGHZ 37, 1 [BGH 27.02.1962 - I ZR 118/60] = NJW 1962, 1004 - AKI), steht dieser wettbewerbliche Leistungsschutz auch den gewerblichen Veranstaltern von Unterhaltungsdarbietungen gegenüber den Rundfunkanstalten zur Seite.
Gehe man aber von der Rechtsprechung des BGH aus, so müsse sowohl die grundgesetzlich anerkannte Pressefreiheit berücksichtigt, als auch beachtet werden, daß im vorliegenden Fall kein "schwerwiegender Übergriff" vorliege, wie schon ein Vergleich mit den Fällen BGHZ 26, 349, 35, 363; 39, 124 [BGH 21.02.1963 - II ZR 76/62] und NJW 62, 1004 zeige.
Nach der als gefestigt anzusehenden Rechtsprechung des BGH (BGHZ 26, 349; 35, 263 [BGH 03.07.1961 - II ZR 188/59] ; 39, 124 [BGH 21.02.1963 - II ZR 76/62] ; NJW 1962, 1004) kann der durch eine rechtswidrige und schuldhafte Verletzung seines Persönlichkeitsrechts Betroffene in entsprechender Anwendung des § 847 BGB Ersatz des immateriellen Schadens beanspruchen, wenn die Umstände, insbesondere die Schwere der Verletzung oder des Verschuldens, eine solche Genugtuung erfordern.
Eine schwere Beeinträchtigung der persönlichen Sphäre des Klägers liegt schon deshalb vor, weil sein Bildnis im Zusammenhang mit dem Text der Veröffentlichung einem weiten Kreis von Lesern des in einer Auflage von 405.000 Stück erschienenen Heftes gezeigt wurde (vergl. BGH in NJW 1962, 1004 "Seemann").
Der erkennende Senat hat bereits mehrfach ausgesprochen, daß jemand, dessen Persönlichkeitsrecht in schwerer Weise schuldhaft verletzt worden ist, vom Schädiger einen Ausgleich in Geld für seinen immateriellen Schaden (nur) verlangen kann, wenn sich die erlittene Beeinträchtigung nicht in anderer Weise befriedigend ausgleichen läßt (BGH Urteil vom 16. September 1966 - VI ZR 268/64 zu III 2 = LM KunstUrhG § 23 Nr. 9 = NJW 1966, 2353; vgl. auch: BGHZ 35, 363, 369 [BGH 19.09.1961 - VI ZR 259/60] ; 39, 124, 133 [BGH 05.03.1963 - VI ZR 55/62] ; BGH Urteil vom 5. Januar 1962 - VI ZR 72/61 = LM BGB § 823 (Ah) Nr. 16; Urteil vom 5. Januar 1963 - VI ZR 216/62 - LM BGB § 847 Nr. 25; vgl. weiter: LM GG Art. 5 Nr. 10, 16, 20).
Im Gegensatz zu der ständigen Rechtsprechung des Reichsgerichts, die es ablehnte, einen Schadensersatzanspruch wegen Verletzung eines allgemeinen Persönlichkeitsrechts aus § 823 Abs. 1 BGB abzuleiten, erkennt die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nunmehr, vor allem auf der Grundlage von Art. 1 und 2 des Grundgesetzes (GG), einen Schadensersatzanspruch wegen Verletzung eines allgemeinen Persönlichkeitsrechts an, besonders in den Urteilen I ZR 211/53 vom 25. Mai 1954 (Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Zivilsachen - BGHZ - Bd. 13 S. 334); VI ZR 9/56 vom 2. April 1957 (BGHZ 24 S. 72); VI ZR 104/57 vom 20. Mai 1958 (BGHZ 27 S. 284); IV ZR 182/58 vom 18. März 1959 (BGHZ 30 S. 7); VI ZR 72/61 vom 5. Januar 1962 (Neue Juristische Wochenschrift 1962 S. 1004).
Der Anspruch auf Ersatz eines immateriellen Schadens hat seine Grundlage in § 823 Abs. 1 BGB in Verbindung mit § 847 BGB (vgl. Urteile des Bundesgerichtshofs I ZR 151/56 vom 14. Februar 1958, BGHZ 26 S. 349; VI ZR 259/60 vom 19. September 1961, BGHZ 35 S. 363; VI ZR 72/61, a.a.O.).