Source: http://m.hensche.de/Weisung_Aenderungskuendigung_Weisung_Aenderungskuendigung_LAG_Niedersachsen_5Sa1183-10_u.html
Timestamp: 2016-12-06 08:12:51
Document Index: 342321663

Matched Legal Cases: ['§ 64', '§ 524', '§ 520', '§ 1', '§ 140', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 140', '§ 140', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 106', '§ 2', '§ 140', '§ 626', '§ 2', '§ 140', '§ 140', '§ 140', '§ 69', '§ 611', '§ 102', '§ 99', '§ 100', '§ 92']

HENSCHE Arbeitsrecht: 5 Sa 1183/10
Weisung, Änderungskündigung, Direktionsrecht, Weisungsrecht, Änderungsschutzklage, Kündigung: Änderungskündigung
Arbeitsgericht Hannover, Urteil vom 14.06.2010, 1 Ca 501/09Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 26.01.2012, 2 AZR 102/11
Proz.-Bev.: hat die 5. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen auf die münd­li­che Ver­hand-lung vom 2. De­zem­ber 2010 durch
den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Ku­bi­cki,den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn In­gel­mann,die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Frau Börner für Recht er­kannt:
Tat­be­stand Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner Ände­rungskündi­gung und ei­nen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch der Kläge­rin in der Geschäfts­stel­le D-Stadt.
Die am 00.00.1967 ge­bo­re­ne, ver­hei­ra­te­te Kläge­rin ist seit dem 01.08.1993 bei der Be­klag­ten zunächst als Se­kretärin und seit dem 01.01.2008 als Ver­triebs­ko­or­di­na­to­ren in der Geschäfts­stel­le D-Stadt, Geschäfts­spar­te Ver­trieb, zu ei­ner mo­nat­li­chen Vergütung in Höhe von ca. 3.920,00 € brut­to beschäftigt ge­we­sen und seit dem 12.04.2010 in A-Stadt tätig. Die Zen­tra­le der Be­klag­ten be­fin­det sich in A-Stadt. Sie un­terhält meh­re­re Geschäfts­stel­len. Die Geschäfts­stel­len H. und D-Stadt wer­den bei­de dis­zi­pli­na­risch und fach­lich vom sel­ben Geschäft­stel­len­lei­ter geführt und als Ein­heit be­trach­tet (im Fol­gen­den: Geschäfts­stel­le D-Stadt). Im Jahr 2008 beschäftig­te die Be­klag­te in der Geschäfts­stel­le D-Stadt acht Ver­trieb­saußen­dienst­mit­ar­bei­ter, drei Ver­triebs­ko­or­di­na­to­rin­nen, ei­ne Se­kretärin und ei­nen Geschäfts­stel­len­lei­ter. Ne­ben der Kläge­rin war als Ver­triebs­ko­or­di­na­to­rin un­ter an­de­rem Frau M. tätig, wel­che le­dig und für ein min­derjähri­ges, zum da­ma­li­gen Zeit­punkt nicht schul­pflich­ti­ges Kind, zum Un­ter­halt ver­pflich­tet ist. Sie ist 1965 ge­bo­ren und seit 1998 be­triebs­zu­gehörig. Im Mai 2009 re­du­zier­te die Be­tei­lig­te die An­zahl der Ver­trieb­saußen­dienst­mit­ar­bei­ter in der Geschäfts­stel­le D-Stadt von acht auf sechs und die Zahl der Ver­triebs­ko­or­di­na­to­ren be­trug zwei (Frau M. und die Kläge­rin).
Im Be­trieb der Be­klag­ten sind re­gelmäßig mehr als zehn Ar­beit­neh­mer tätig. Es be­steht ein Be­triebs­rat, der im Stamm­haus A-Stadt an­ge­sie­delt ist. Ein ört­li­cher Be­triebs­rat für die Geschäfts­stel­le D-Stadt exis­tiert nicht. Seit Som­mer 2009 er­hielt die Kläge­rin kei­ne Auf­ga­ben ei­ner Ver­triebs­ko­or­di­na­to­rin mehr. Die Ur­sa­chen hierfür sind zwi­schen den Par­tei­en strei­tig.
Sie hat be­an­tragt, 1. fest­zu­stel­len, dass die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen durch die Ände­rungskündi­gung der Be­klag­ten vom 26.08.2009, zu­ge­gan­gen am 26.08.2009 rechts­un­wirk­sam ist.
Die­ses Ur­teil ist der Kläge­rin am 15. und der Be­klag­ten am 16.07.2010 zu­ge­stellt wor­den. Mit ei­nem am 29.07.2010 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz hat die Be­klag­te Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 16.09.2010 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet. Die­ser Schrift­satz ist der Kläge­rin am 22.09.2010 zu­ge­stellt wor­den. Mit ei­nem am 22.10.2010 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz hat sie be­an­tragt, die Frist für die Be­ru­fungs­er­wi­de­rung bis zum 05.11.2010 zu verlängern. Die­sem Be­geh­ren hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt ent­spro­chen. Mit ei­nem am 05.11.2010 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz hat sie auf die Be­ru­fung er­wi­dert und An­schluss­be­ru­fung ein­ge­legt. Die Be­klag­te ver­folgt mit ih­rer Haupt­be­ru­fung das erst­in­stanz­li­che Ziel der vollständi­gen Kla­ge­ab­wei­sung wei­ter und ver­tei­digt in die­sem Zu­sam­men­hang die Rechtmäßig­keit der von ihr aus­ge­spro­che­nen Ände­rungskündi­gung. Sie meint, das Ar­beits­ge­richt ha­be ver­kannt, dass ih­re un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung nicht dar­auf ab­ge­zielt ha­be, Per­so­nal zu re­du­zie­ren, son­dern dar­auf, die Ar­beits­abläufe zu ver­ein­heit­li­chen und zu straf­fen. Auch nach­dem die Kläge­rin D-Stadt ver­las­sen ha­be und in A-Stadt tätig sei, lau­fe das Ta­ges­geschäft wie zu­vor oh­ne Ein­bußen an Qua­lität, Ter­min­ver­schie­bun­gen oder sons­ti­ger zusätz­li­cher Be­las­tun­gen der in D-Stadt ver­blie­be­nen Mit­ar­bei­ter. Im Übri­gen müsse auf­grund der feh­len­den Auf­ga­ben­zu­wei­sung ge­genüber der Kläge­rin während der Kündi­gungs­frist auf die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung ge­schlos­sen wer­den. Die­se un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung ha­be die Geschäftsführung in der Per­son des Herrn S. nach ei­nem Ent­schei­dungs­ter­min beim Vor­sit­zen­den der Geschäftsführung Herrn Dr. K. am 7. No­vem­ber 2008 gefällt. Über das Vor­lie­gen die­ser Ent­schei­dung ha­be Herr S. den Be­triebs­rat in­for­miert. Im Übri­gen müsse die Ände­rungskündi­gung, soll­te sie un­wirk­sam sein, in ei­ne Maßnah­me des Di­rek­ti­ons­rechts um­ge­deu­tet wer­den.
- 5 - Die Be­klag­te be­an­tragt,das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Han­no­ver vom 14.06.2010, Geschäfts­zei­chen 1 Ca 501/09, hin­sicht­lich des Te­nors zu 1.) ab­zuändern und die Kla­ge auch in­so­weit ab­zu­wei­sen.
Die Be­klag­te be­an­tragt, die An­schluss­be­ru­fung zu ver­wer­fen, hilfs­wei­se zurück­zu­wei­sen.
Die Be­ru­fun­gen bei­der Par­tei­en muss­ten er­folg­los blei­ben. A.Bei­de Rechts­mit­tel sind zulässig. Sie sind statt­haft so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 64, 66 ArbGG, 519, 520, 524 ZPO).
Ins­be­son­de­re ist die An­schluss­be­ru­fung in­ner­halb der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt verlänger­ten Be­ru­fungs­er­wi­de­rungs­frist be­gründet wor­den (§ 524 Abs. 3 ZPO). Sie ent­spricht auch dem Be­gründungs­er­for­der­nis des § 520 Abs. 3 S. 2 Nr. 2 ZPO. An­hand der Be­gründung die­ses Rechts­mit­tels kann das Rechts­mit­tel­ge­richt er­ken­nen, aus wel­chem Grund die Kläge­rin das an­ge­foch­te­ne Ur­teil für rechts­feh­ler­haft hält. Auf die Schlüssig­keit ih­rer Ausführun­gen kommt es dies­bezüglich nicht an. B.Bei­de Rechts­mit­tel sind un­be­gründet.
I.Die Ände­rungskündi­gung vom 26.08.2009 ist we­gen feh­len­der so­zia­ler Recht­fer­ti­gung un­wirk­sam gemäß §§ 1 Abs. 1 und Abs. 2 KSchG. Sie ist nicht aus be­triebs­be­ding­ten Gründen so­zi­al ge­recht­fer­tigt, weil drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se für die aus­ge­spro­che­ne Ände­rungskündi­gung und die da­mit ver­bun­de­ne Ver­tragsände­rung nicht vor­lie­gen (1.), auch darf aus Rechts­gründen die­se un­wirk­sa­me Ände­rungskündi­gung nicht gemäß § 140 BGB in ei­ne Maßnah­me des Di­rek­ti­ons­rech­tes um­ge­deu­tet wer­den (2.).
1.Ei­ne Ände­rungskündi­gung ist wirk­sam, wenn die an­ge­bo­te­ne Ver­tragsände­rung so­zi­al ge­recht­fer­tigt ist. Es müssen drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se für die Ver­tragsände­rung vor­lie­gen. Fer­ner ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts Vor­aus­set­zung, dass sich der Ar­beit­ge­ber bei ei­nem an sich an­er­ken­nens­wer­ten An­lass zur Ände­rungskündi­gung dar­auf be­schränkt hat, nur sol­che Ände­run­gen vor­zu­schla­gen, die der Ar­beit­neh­mer bil­li­ger­wei­se hin­neh­men muss (BAG Ur­teil, vom 15.03.1991, Az. 2 AZR 582/90 - EZA § 2 KSchG Nr. 16 m.w.N.).
a.Drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se für ei­ne Kündi­gung gemäß § 1 Abs. 2, 2 KSchG können sich aus in­ner­be­trieb­li­chen oder außer­be­trieb­li­chen Gründen er­ge­ben.
b)Die­sen An­for­de­run­gen genügt der Sach­vor­trag der Be­klag­ten nicht. Die Be­klag­te hat ih­re un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung nicht ent­spre­chend den zu­vor dar­ge­stell­ten Rechts­grundsätzen für das Lan­des­ar­beits­ge­richt nach­voll­zieh­bar dar­ge­stellt.
c)Auf die Pro­ble­ma­tik, ob die Kündi­gung (auch) we­gen feh­ler­haf­ter so­zia­ler Aus­wahl gemäß § 1 Abs. 3 KSchG so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt ist und ob statt der Kläge­rin Frau M. rich­ti­ger­wei­se Adres­sa­tin ei­ner Ände­rungskündi­gung hätte sein müssen, nämlich weil man mit ei­nem nicht schul­pflich­ti­gen Klein­kind leich­ter ei­ne Orts­verände­rung vor­neh­men kann als mit ei­nem be­rufstäti­gen Ehe­mann - so die Ar­gu­men­ta­ti­on der Kläge­rin - kommt es nicht mehr an.
2.Die Kla­ge war nicht be­reits des­we­gen ab­zu­wei­sen, weil die an­ge­bo­te­nen Ände­run­gen der Ar­beits­be­din­gun­gen oh­ne­hin auf­grund ei­ner in der streit­ge­genständ­li­chen Ände­rungskündi­gung ent­hal­te­nen Wei­sung gel­ten. a)Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG, Urt. vom 24.08.2004, AZ: 1 AZR 419/03 - BA­GE 111, 361; Urt. vom 26.08.2008, AZ: 1 AZR 353/07 - NZA-RR 2009; 300-303) muss ei­ne Ände­rungs­schutz­kla­ge nach § 2 KSchG ab­ge­wie­sen wer­den, wenn die an­ge­bo­te­nen Ände­run­gen der Ar­beits­be­din­gun­gen oh­ne­hin gel­ten, sei es auf­grund ei­ner Wei­sung oder sei es auf­grund ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges. Denn die Fra­ge, ob die im Ände­rungs­an­ge­bot des Ar­beit­ge­bers ent­hal­te­nen Ar­beits­be­din­gun­gen ge­ra­de in Fol­ge der mit der Ände­rungskündi­gung an­ge­bo­te­nen Ver­tragsände­run­gen gel­ten, ob es al­so zu ei­ner Her­beiführung der Ände­rung der Ände­rungskündi­gung be­durf­te oder ob die an­ge­bo­te­nen Ar­beits­be­din­gun­gen oh­ne­hin Grund­la­ge des Ar­beits­verhält­nis­ses sind, sei nur als ein Ele­ment der Be­gründet­heits­prüfung an­zu­se­hen mit der Fol­ge, dass es ei­ner so­zia­len Recht­fer­ti­gung nicht bedürfe, wenn die an­ge­bo­te­nen Ar­beits­be­din­gun­gen z. B. we­gen ei­ner wirk­sa­men Wei­sung oder ei­ner Ände­rung des Ta­rif­ver­tra­ges be­reits un­abhängig da­von ein­ge­tre­ten sei­en.
b)Gemäß § 140 BGB wird ein nich­ti­ges Rechts­geschäft im We­ge der Um­deu­tung dann auf­recht er­hal­ten, wenn es den Er­for­der­nis­sen ei­nes an­de­ren Rechts­geschäftes ent­spricht und wenn an­zu­neh­men ist, dass des­sen Gel­tung bei Kennt­nis der Nich­tig­keit ge­wollt sein würde. Ob ei­ne sol­che Um­deu­tung ei­ner un­wirk­sa­men Ände­rungskündi­gung in ei­ne Maßnah­me des Di­rek­ti­ons­rech­tes über­haupt in Be­tracht kommt, ist im Ein­zel­nen höchst um­strit­ten: teil­wei­se wird die­se Möglich­keit un­ter Hin­weis dar­auf be­jaht, dass das um­ge­deu­te­te Rechts­geschäft nicht als Mi­nus in dem nich­ti­gen Geschäft er­hal­ten sein müsse, viel­mehr auch ein so­ge­nann­tes "Ali­ud" in Be­tracht kom­me, wenn nur hin­sicht­lich des Er­satz-geschäftes sämt­li­che Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zun­gen erfüllt sei­nen (Hro­mat­ka, in NZA, 2008, 1338, 1340; Hunold in NZA 2008, 860, 862; Stau­din­ger-Roth, Buch 1, Teil 2, § 140 Rd­Nr. 22; LAG B-Stadt, Ur­teil vom 29.11.1999, Az.: 9 Sa 1277/99 - LA­GE § 2 KSchG Nr. 36). Dem steht ei­ne star­ke Ge­gen­mei­nung ge­genüber, wel­che die Zulässig­keit ei­ner Um­deu­tung in ei­nem sol­chen kon­kre­ten An­wen­dungs­fall ver­neint (Ha­ko-Pfeif­fer, 3. Aufl., § 2 Ände­rungskündi­gung Rd­Nr. 14; APS-Künzel, 3. Aufl., § 2 KSchG Rd­Nr. 119; Ber­kow­ski in NZA 1999, 293; Löwisch in NZA 1988, 633; Ben­ecke in NZA 2005, 1092, 1096). Der Rechts­auf­fas­sung der zu­letzt zi­tier­ten Li­te­ra­tur­mei­nung folgt das Lan­des­ar­beits­ge­richt. Wenn es auch nicht dar­auf an­kommt, dass das um­ge­deu­te­te Rechts­geschäft als Mi­nus in dem nich­ti­gen Rechts­geschäft ent­hal­ten sein muss, so dürfen die Rechts­wir­kun­gen des um­ge­deu­te­ten Rechts­geschäftes nicht über die Wir­kun­gen des nich­ti­gen Rechts­geschäftes hin­aus­ge­hen. Dies ist im Verhält­nis von Wei­sung und Ände­rungskündi­gung der Fall. Die Wei­sung Kraft Di­rek­ti­ons­recht gemäß § 106 Ge­wO ist ge­genüber der Ände­rungskündi­gung kein mil­de­res Mit­tel. Denn durch sie wird der Ver­trag kon­kre­ti­siert, der Ar­beit­neh­mer muss die Wei­sung be­fol­gen, an­dern­falls ihm der Vor­wurf ei­ner (be­harr­li­chen) Ar­beits­ver­wei­ge­rung ge­macht wer­den kann und die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses droht. Dem­ge­genüber hat ein Ar­beit­neh­mer bei Aus­spruch ei­ner Ände­rungskündi­gung die drei be­kann­ten Wahlmöglich­kei­ten der Ab­leh­nung, der vor­be­halt­lo­sen An­nah­me und der An­nah­me un­ter Vor­be­halt gemäß § 2 KSchG. Die Ab­leh­nung der Um­deu­tung ei­ner un­wirk­sa­men Ände­rungskündi­gung in ei­ne Maßnah­me des Di­rek­ti­ons­rech­tes fügt sich im Übri­gen schon des­we­gen har­mo­nisch in un­ser Rechts­sys­tem ein, weil nur die­se Auf­fas­sung berück­sich­tigt, dass die Er­kenn­bar­keit der Vor­aus­set­zun­gen des § 140 BGB bei Vor­nah­me, d. h. bei Aus­spruch der un­wirk­sa­men Ände­rungskündi­gung ge­ge­ben sein muss. So hat denn auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG, Ur­teil vom 12.05.2010, Az.: 2 AZR 845/08 - DB 2010, 2508 - 2509) bei der Pro­ble­ma­tik der Um­deu­tung ei­ner gemäß § 626 Abs. 1 BGB un­wirk­sa­men außer­or­dent­li­chen - 11 -
Bei Aus­spruch der streit­ge­genständ­li­chen Ände­rungskündi­gung konn­ten die Vor­aus­set­zun­gen der Um­deu­tung schon des­we­gen nicht be­ur­teilt wer­den, weil der Kläge­rin die Über­le­gungs­frist des § 2 KSchG of­fen stand. Zu die­sem Zeit­punkt war völlig un­ge­wiss, ob die Pro­blem­la­ge des § 140 BGB zukünf­tig ent­ste­hen wird. Schei­det ge­ne­rell die Möglich­keit aus, ei­ne un­wirk­sa­me Ände­rungskündi­gung gemäß § 140 BGB in ei­ne Maßnah­me des Di­rek­ti­ons­rech­tes um­zu­deu­ten, dann be­darf auch die Pro­ble­ma­tik, ob der hy­po­the­ti­sche Wil­le der Be­klag­ten zum Zeit­punkt der Vor­nah­me des nich­ti­gen Rechts­geschäftes (auf die­sen Zeit­punkt kommt es bei der Be­ur­tei­lung des § 140 BGB an, vgl. Stau­din­ger-Roth a.a.O. Rd­Nr. 27) kei­ner Ent­schei­dung. Hier­an be­ste­hen durch­aus er­heb­li­che Zwei­fel, hat doch die Be­klag­te ih­rem Kündi­gungs­schrei­ben ein Ver­set­zungs­schrei­ben bei­gefügt und die Wirk­sam­keit die­ses Ver­set­zungs­schrei­bens er­kenn­bar von dem Ein­verständ­nis und der Un­ter­schrifts­leis­tung der Kläge­rin abhängig ge­macht (An­la­ge K 11 zur Kla­ge­schrift Bl. 40 und 41 der Ge­richts­ak­te). Da­mit lässt sich mögli­cher­wei­se der er­kenn­ba­re (hy­po­the­ti­sche) Wil­le, er­satz­wei­se ei­ne ein­sei­ti­ge Maßnah­me des Di­rek­ti­ons­rech­tes durchführen wol­len, nicht ver­ein­ba­ren.
III.Die An­schluss­be­ru­fung ist un­be­gründet. Zu Recht und mit zu­tref­fen­der Be­gründung hat das an­ge­foch­te­ne Ur­teil den gel­tend ge­mach­ten Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag der Kläge­rin ab­ge­wie­sen. Das Be­ru­fungs­ge­richt macht sich zunächst ein­mal die die­sen Streit­ge­gen­stand be­tref­fen­den Ent­schei­dungs­gründe zu Ei­gen, ver­weist auf ihn und stellt dies fest (§ 69 Abs. 2 ArbGG). Die­se Be­zug­nah­me be­trifft die Ausführun­gen in den Ent­schei­dungs­gründen zu II, Bl. 11 und 12 des Ur­teils, Bl. 317 und 318 der Ge­richts­ak­te. Die Ausführun­gen der Kläge­rin in der An­schluss­be­ru­fungs­be­gründung ver­an­las­sen le­dig­lich fol­gen­de ergänzen­de Ausführun­gen: 1. Der Rück­griff der Kläge­rin auf den all­ge­mei­nen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch, auf der Grund­la­ge der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG GS, Be­schluss vom 27.01.1985 - GS 1/84 - AP Nr. 14 zu § 611 BGB Wei­ter­beschäfti­gungs­pflicht) ist ihr mit der An­nah­me un­ter Vor­be­halt ver­sperrt. Nimmt ein Ar­beit­neh­mer das Ände­rungs­an­ge­bot
2.Die­ser all­ge­mei­ne Grund­satz schließt auf den spe­zi­el­len be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch nach § 102 Abs. 5 aus, auch in­so­weit erklärt sich der Ar­beit­neh­mer mit den geänder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen so­lan­ge ein­ver­stan­den, bis die Rechts­wirk­sam­keit der Kündi­gung endgültig geklärt ist (APS, a.a.O. Rd­Nr. 232).
3.Ei­ne Aus­nah­me von dem vor­ste­hen­den Grund­satz wird le­dig­lich dann ge­macht, wenn die geänder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen we­gen ei­nes Wi­der­spru­ches des Be­triebs­ra­tes gemäß § 99 Abs. 2 Be­trVG nicht voll­zo­gen wer­den können, es sei denn der Ar­beit­ge­ber nimmt ei­ne Maßnah­me nach § 100 Be­trVG vor. Letz­te­re Fall­kon­stel­la­ti­on (Ge­gen­aus­nah­me) ist im vor­lie­gen­den Streit­fall ge­ge­ben, wie das an­ge­foch­te­ne Ur­teil un­ein­ge­schränkt her­vor­ge­ho­ben hat.
C.Die Pro­zess­kos­ten wa­ren gemäß § 92 Abs. 2 ZPO verhält­nismäßig ent­spre­chend dem Aus­maß des Ob­sie­gens und Un­ter­lie­gens der Par­tei­en zu quo­tie­ren. Legt man für den Fest­stel­lungs­an­trag we­gen der da­mit ver­bun­de­nen ein­schnei­den­den Ände­run­gen drei Brut­to­mo­nats­ein­kom­men der Kläge­rin zu Grun­de und für ih­ren Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag ei­ne Brut­to­mo­nats­vergütung, dann folgt dar­aus ei­ne Kos­ten­last von 3/4 für die Be­klag­te und 1/4 für die Kläge­rin. Die erst­in­stanz­li­che Kos­ten­quo­te war ab­zuändern.
Ku­bi­cki In­gel­mann Börner	m.hensche.de
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