Source: https://www.gruenlaw.de/bgh-v-zr-4410-der-fall-sanssouci-sorgenfreie-nutzung-stoererhaftung-des-betreibers-einer-internetplattform-wegen-ungenehmigter-verwertung-von-fotos-nur-bei-erkennbarer-eigentumsverletzung
Timestamp: 2019-05-24 18:53:27
Document Index: 119748704

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 1004', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 7', 'BGH']

Der Fall „Sanssouci“ – „Sorgenfreie“ Nutzung? Störerhaftung des Betreibers einer Internetplattform wegen ungenehmigter Verwertung von Fotos nur bei erkennbarer Eigentumsverletzung BGH V ZR 44/10 - GrünLaw® Rechtsanwälte
Zwar scheitere der Anspruch aus § 1004 Abs. 1 S. 2 BGB nicht schon daran, dass das Fotografieren eines Gebäudes oder einer Gartenanlage auf einem Grundstück das Grundstückeigentum nicht beeinträchtigt, da es gerade zu den Befugnissen des Eigentümers zählt, das äußerer Erscheinungsbild der Sache zu verwerten (so auch Urteile des BGH vom 20. September 1974 – I ZR 99/73, NJW 1975, 778 f. und vom 9. März 1989 – I ZR 54/87, NJW 1989, 2251, 2252).
„nur derjenige zu verstehen (ist), der die Eigentumsbeeinträchtigung durch sein Verhalten, das heißt durch positives Tun oder pflichtwidriges Unterlassen, adäquat verursacht hat (Senat, Urteile vom 24. November 1967 – V ZR 196/65, BGHZ 49, 340, 347 und vom 1. Dezember 2006 – V ZR 112/06, NJW 2007, 432 mwN). Die Beklagte hat indes zu keinem Zeitpunkt körperlich, etwa durch Betreten des Grundbesitzes, auf das Eigentum der Klägerin zugegriffen und die Klägerin auch sonst nicht in der Nutzung ihrer Grundstücke beeinträchtigt. Sie hat die auf ihrer Internetplattform aufrufbaren Fotos von Gebäuden und Gartenanlagen der Klägerin weder selbst (ungenehmigt) angefertigt noch selbst auf ihre Plattform eingestellt. Sie vermarktet diese Fotos auch nicht selbst. Sie stammen vielmehr von den Fotografen und Agenturen, die ihre eigenen Fotos auf der Plattform der Beklagten zum Abruf bereitstellen und ihre Verwendung mit den interessierten Besuchern der Plattform selbst vereinbaren. Diesen Besuchern stehen auch nur die fremden Bildbestände, nicht auch eigene Bestände der Beklagten selbst zur Verfügung (im Unterschied etwa zum Fall BGH, Urteil vom 29. April 2010 – I ZR 69/08, NJW 2010, 2731, in welchem der Suchdienst eigene Bestände an Vorschaubildern bereithielt).“
Wann dies der Fall ist, könne nur in wertender Betrachtung von Fall zu Fall festgestellt werden, also ob es Sachgründe dafür gibt, dem Eigentümer oder Nutzer der störenden Sache die Verantwortung für ein Geschehen aufzuerlegen (für Eigentumsbeeinträchtigungen: Senat, Urteile vom 11. Juni 1999 – V ZR 377/98, BGHZ 142, 66, 69 f., vom 30. Mai 2003 – V ZR 37/02, BGHZ 155, 99, 105 und vom 1. Dezember 2006 – V ZR 112/06 aaO; Wenzel, NJW 2005, 241; für die Beeinträchtigung anderer absoluter Rechte: BGH, Urteile vom 15. Oktober 1998 – I ZR 120/96, NJW 1999, 1960 f., vom 1. April 2004 – I ZR 317/01, BGHZ 158, 343, 350 und vom 12. Mai 2010 – I ZR 121/08, aaO).
Die Störerhaftung setze die Verletzung von Prüfpflichten voraus, wenn der in Anspruchgenommene nicht selbst die rechtswidrige Beeinträchtigung vorgenommen hat (BGH, Urteil vom 12. Mai 2010 – I ZR 121/08, CR 2010, 458, 460 Rn. 19). Der Umfang der Prüfpflicht bestimme sich danach, ob und inwieweit dem als Störer in Anspruch Genommenen nach den Umständen eine Prüfung zuzumuten ist (BGH, Urteile vom 9. Februar 2006 – I ZR 124/03, NJW 2006, 2764, 2766 Rn. 32, vom 19. April 2007 – I ZR 35/04, BGHZ 172, 119, 131 f. Rn. 40 und vom 30. April 2008 – I ZR 73/05, NJW-RR 2008, 1136, 1139 Rn. 50).
„Eine solche Prüfpflicht […] im Einzelfall schon bei der Inbetriebnahme einer technischen Einrichtung und unabhängig davon entstehen (kann), ob es durch die unbefugte Nutzung der Einrichtung zu einer ersten Rechtsverletzung Dritter gekommen und ob diese dem Betreiber der Einrichtung bekannt geworden ist (BGH, Urteil vom 12. Mai 2010 – I ZR 121/08, CR 2010, 458, 460 Rn. 24). Voraussetzung hierfür ist aber, dass die technische Einrichtung ohne die gebotenen Sicherungen dem öffentlichen Verkehr geöffnet wird und schon dadurch absolute Rechtsgüter Dritter gefährdet werden (BGH, Urteil vom 12. Mai 2010 – I ZR 121/08). Es liegt hier ähnlich wie bei der Verletzung der Verkehrssicherungspflicht.
(BGH, Urteil vom 12. Mai 2010, aaO, Rn. 24). Denn dabei werden die Inhalte nicht von dem Betreiber der Plattform, sondern von ihren Nutzern bereitgestellt. Dem Betreiber einer solchen Plattform ist es jedoch nicht zuzumuten, jedes Angebot vor Veröffentlichung im Internet auf eine mögliche Rechtsverletzung hin zu untersuchen (BGH, Urteil vom 12. Juli 2007 – I ZR 18/04, BGHZ 173, 188, 202 f. Rn. 41). Eine dahingehende Pflicht würde ein solches Geschäftsmodell in Frage stellen (BGH, Urteil vom 11. März 2004 – I ZR 304/01, BGHZ 158, 236, 251 f.). Dem entspricht die gesetzliche Regelung in § 7 Abs. 2 TMG, die eine entsprechende Verpflichtung ausschließt. Anders liegt es, wenn für den Betreiber eine Verletzung von absoluten Rechten – hier des Eigentums – oder andere Rechtsverstöße erkennbar sind. Dann muss er den konkreten Verstoß abstellen und eine Wiederholung verhindern (BGH, Urteile vom 11. März 2004 – I ZR 304/01, aaO S. 252 und vom 12. Juli 2007 – I ZR 18/04, aaO S. 203 Rn. 43).“