Source: https://burhoff.de/asp_weitere_beschluesse/inhalte/4408.htm
Timestamp: 2020-08-14 12:08:35
Document Index: 127022555

Matched Legal Cases: ['§ 57', '§ 57', '§ 51', '§ 196', '§ 51', '§ 51']

Entscheidungen: Andere Gerichte: Überprüfungsverfahren, Pauschgebühr, Umfang der zu berücksichtigenden Tätigkeiten / OLG Rostock, Beschl. v. 09.02.2018 - 20 AR 1/18 - Burhoff online
Überprüfungsverfahren, Pauschgebühr, Umfang der zu berücksichtigenden Tätigkeiten
Gericht / Entscheidungsdatum: OLG Rostock, Beschl. v. 09.02.2018 - 20 AR 1/18
Leitsatz: Zum Umfang der bei der Bewilligung einer Pauschgebühr für das Überprüfungsverfahren zu berücksichtigenden Tätigkeiten.
20 AR 1/18
hier: Antrag des Pflichtverteidigers auf Bewilligung einer Pauschgebühr
hat das Oberlandesgericht Rostock - 1. Strafsenat - durch den Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht Kruse als Einzelrichter am 9. Februar 2018 beschlossen:
Der Antrag des Rechtsanwalts pp., ihm für seine Tätigkeit als Pflichtverteidiger des Verurteilten im Überprüfungsverfahren nach § 57a Abs. 1 StGB 11 StVK 516/17 LG Rostock - eine Pauschgebühr zu bewilligen, wird abgelehnt.
Der Rechtsanwalt wurde auf seinen Antrag vom 14.06.2017 dem Verurteilten für das aktuelle
Überprüfungsverfahren nach § 57a Abs. 1 StGB mit Verfügung des Vorsitzenden der 1. Großen Strafvollstreckungskammer des LG Rostock vom 16.06.2017 (erneut) zum Pflichtverteidiger bestellt. Sowohl die Haftanstalt wie auch die Staatsanwaltschaft und der eingeschaltete Sachverständige haben sich nachfolgend für eine Aussetzung der weiteren Vollstreckung der gegen den Verurteilten verhängten lebenslangen Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesprochen. Die mündliche Anhörung durch die Strafvollstreckungskammer am 17.11.2017 war dementsprechend kurz. Auf die Teilnahme des Sachverständigen war bereits im Vorfeld allseitig verzichtet worden. Die Strafvollstreckungskammer hat mit Beschluss vom 21.11.2017 die weitere Vollstreckung der Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Rechtsmittel dagegen sind von keiner Seite eingelegt worden.
Der Rechtsanwalt verkennt, dass nur die durch seine erneute Beiordnung vom 14.06.2017 für das aktuelle Überprüfungsverfahren entfaltete Tätigkeit Gegenstand der Prüfung und Beurteilung nach § 51 Abs. 1 Satz 1 RVG sein kann. Soweit er im vorausgegangenen Überprüfungsverfahren ebenfalls Pflichtverteidiger des Verurteilten gewesen ist, war diese Tätigkeit durch die Antragsrücknahme vom 11.05.201 1 beendet. Der Rechtsanwalt hat hierüber unter dem 13.07.2012 gegenüber der Staatskasse abgerechnet. Seine aus der Landeskasse zu zahlende Regelvergütung ist mit Kostenverfügung vom 07.08.2012 festgesetzt worden. Eine darüber hinausgehende Forderung aus jenem Mandat wäre mittlerweile verjährt (§ 196 BGB), weshalb auch die nachträgliche Bewilligung einer Pauschvergütung für die damalige Tätigkeit ausgeschlossen ist (vgl. Burhoff in Gerold/Schmidt, RVG, 23. Aufl., § 51 Rdz. 52).
Zutreffend bemerkt der Rechtsanwalt, dass er nachfolgend bis zu seiner erneuten Beiordnung am 16.06.2017 lediglich als Wahlverteidiger für den Verurteilten tätig geworden ist. Alle in diesem Zeitraum entfalteten Tätigkeiten haben deshalb bei der Prüfung und Entscheidung, ob dafür eine Pauschvergütung nach § 51 Abs. 1 Satz 1 RVG zu bewilligen ist, außer Betracht zu bleiben. Alleinige Grundlage der Betrachtung können nur die Aktivitäten des Verteidigers im Zuge des letzten Überprüfungsverfahrens aus dem Jahr 2017 sein. Die waren - wie er selbst einräumt - nicht besonders schwierig, zumal er mit dem Verfahren, dem Verurteilten und der rechtlichen Problematik nach eigenen Angaben langjährig und umfassend vertraut war. Die Sache war in diesem allein entscheidenden Abschnitt - und nur darauf bezog sich seine erneute Beiordnung - auch nicht mehr besonders umfangreich, weil alle Beteiligten sich über das Ergebnis bereits vor der Anhörung vom 17.11.2017 einig waren und die Strafvollstreckungskammer - ohne dass es dazu weiterer Ausführungen des Verteidigers bedurft hätte, die auch nicht mehr erfolgt sind - antragsgemäß entschieden hat.
Einsender: RA H. Roubicek, Bad Doberan