Source: https://issuu.com/naturschutzbund/docs/nl_3_2018_hauptheft
Timestamp: 2018-09-26 15:53:29
Document Index: 28939044

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 12', 'Art. 16', 'Art. 17', '§ 25']

natur&land 3/2018 by l naturschutzbund l Österreich - Issuu
ZEITSCHRIFT DES | naturschutzbund | HEFT 3-2018
Novellen in Diskussion NATUR VERBINDET
Praxistage und Vorzeigeprojekte Erster Wildkatzenhinweis aus Vorarlberg NACHLESE
Wolfsund Fischotter-Dialog
HEIMISCHE REPTILIEN Mit herausem nehmbar ! l Innentei
Fr. 12. 10. 2018, 14.00 – 18.00 Uhr: Von Grün zu bunt: Eine Blumenwiese lebt auf und Sa. 13. 10. 2018, 9.30 – 17.00 Uhr: Eine Hecke für die Artenvielfalt In Sulzberg-Thal stellen Anna und Robert Thoma ein eigenes Grundstück zur Verfügung, um der Naturvielfalt Raum zu geben. Bisher wurde es mehrmals jährlich gemäht und gedüngt. Nun wurde die Düngung ausgesetzt, die Mahd reduziert sowie Hochstammobstbäume gepflanzt. Geplant sind weiters ein Heckenstreifen, eine Blumenwiese und ein Permakulturgarten. In den Kursen haben Sie die Möglichkeit aktiv bei der naturnahen Gestaltung mitzuwirken.
Siedlungen blütenreich und insektenfreundlich gestalten? Was dabei beachten? Wo gibt’s Unterstützung?
Anmeldung bis 30.9.: bundesverband@naturschutzbund.at, T 0662/64 29 09 Teilnahmebeitrag: € 150,– inkl. Getränke und Abendprogramm, ermäßigt auf € 120,– für Mitglieder von REWISA-Netzwerk, | naturschutzbund | und Naturgarten e.V. sowie Studierende (Ausweis mitbringen). Infos: REWISA-Netzwerk (Franz Safar), office@rewisa-netzwerk.at, T 0650/707 44 52
Herbstausgabe | natur&land | 104. JG. – Heft 3-2018
derzeit brodelt es in der österreichischen Gesetzgebungs-Küche bei anstehenden Novellen bzw. Entwürfen in Sachen Umwelt und bezogen auf EU-Recht. Besonders ein Gesetz wurde in den letzten Wochen regelrecht zerpflückt und zwar nicht nur von uns Umweltorganisationen sondern auch von Juristenseite – mehr dazu auf den Seiten 6–7. Selbst aus der Wirtschaft kommen mittlerweile Bedenken, weil sich aus einer automatischen Genehmigung für Großprojekte Haftungsfragen ergeben könnten und die Beschwerderechte von Anrainern nicht gewährleistet wären. Es ist auch nicht auszuschließen, dass die umstrittene dritte Piste des Flughafens Wien doch noch genehmigt werden könnte. Und zwar dann, wenn die Projekt werber mithilfe des Standortentwicklungsgesetzes den ersten UVP-Antrag zurückziehen und einen neuen stellen! Nehmen wir das Beste an, nämlich, dass die Bundesregierung die massive Kritik ernst nimmt und über ihren Schnellschuss nachdenkt. Ein heißer Herbst ist uns sicher! Ich darf Ihnen mit dieser Ausgabe den Schwerpunkt über heimische Reptilien als eigenes Heftchen in A5 überreichen. Das praktische Format ist zum Mitnehmen in die Natur gedacht - damit Sie immer im Bilde sind, was es an Reptilien zu beobachten gibt. Ihre
Es ist so weit: Ab sofort können Sie per Smartphone schnell und einfach im Gelände ihre Naturbeobachtungen melden! Dazu müssen Sie lediglich die kostenlose App im Google Play Store oder im Apple Store herunterladen! Die App ist v.a. zum schnellen MELDEN da. Für alle weiteren Serviceleistungen soll auch künftig die Webversion www.naturbeobachtung.at besucht werden (Bestimmungshilfe im Forum, Informationen über Projekte, Support etc.).
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Ein Projekt von HOFER und Naturschutzbund im Rahmen des Bienenschutzfonds - siehe auch Seite 19.
Mensch, Wolf, Fischotter – 1. österreichweiter Dialog
01	Editorial | Mit neuer App Naturbeobachtungen melden 02	Inhaltsverzeichnis 03	Seite des Präsidenten
NATUR VERBINDET: Von Praxistagen bis zu Vorzeigeprojekten
36 Ex tra-Se iten: Diese Ausga be mit herausnehm barem Beileger!
FOTO: HANNES AUGUSTIN
AKTUELL 04	Wasserfonds mit HOFER zum Schutz von Wasserlebensräumen | Ticker 05	Bio-Kreislauf-Sackerl statt Plastiksackerl | NÖ: Der Fischotter bekommt Recht | Ticker 06	Europarecht: Verwaltungsgerichtshof gibt Umweltschutz	organisationen umfassenden Rechtsschutz – Novellen in Diskussion: Aarhus-Beteiligungsgesetz – UVP-Gesetz – Standortentwicklungskonzept
PROJEKT 08	Mutter Erde 2018: Schau, wo dein Essen herkommt!
ARTENSCHUTZ 10	Erster Wildkatzenhinweis in Vorarlberg 12	Mensch und Wolf: Erster österreichweiter Dialog mit allen Interessensgruppen 15	Mensch und Fischotter: Erster österreichweiter Dialog mit allen Interessensgruppen
BIENENSCHUTZFONDS 18	Pilotprojekt: Wie wirken sich Blühstreifen an Kürbisfeldern auf Bestäubungsleistungen von Bienen & Co aus?
ZAUNEIDECHSE TITELFOTO: PIXABAY/ KARIN GREINER
U2	Termine 25	Kinderseite 26	Neueröffnung / Lesermeinung 27	Buchtipps (Buchhandel) 28	Impressum, Adressen der Landes	gruppen 29	Abo-/Mitgliederbestellschein 30	Shop 32	Vorschau /Geschenkabos U3	Zugunsten der Natur mit Ihrem Letzten Willen
Das waren die Praxistage in Kirchschlag (OÖ) und in Salzburger Gemeinden sowie der Workshop in Kammern (Steiermark) Best-Practice-Beispiele für „Gut gemacht!“: Struktur auf weiter Flur im Burgenland | Naturnahes Grün in Tirol
Fotografie im Blut ? Natur im Herzen ? Wir wollen Ihre Bilder !
FOTO: BIRGIT MAIR-MARKART
ALLE FOTOS: ROMAN TÜRK
Abb. 2 o düster und dumpf viele Entschlüsse gegen den Erhalt von naturDactylina maculata nahen oder natürlichen Lebensräumen aus rein wirtschaftlichen Interessen und übertriebener Sparsamkeit gefällt werden (und damit das Gemüt belasten können), so erfreulich stimmen offensichtliche Entscheidungen zur Verbesserung der Lebensgrundlagen für Pflanzen, Tiere, Pilze und andere Lebensbegleiter. Besonders dann, wenn sie vom Menschen intensiv genutzte Gebiete und Flächen betreffen. Ende Juni dieses Jahres lud die Großglockner Hochalpenstraßen AG zur 25 Jahr-Feier des Öko-Fonds im Wilfried-Haslauer-Haus, zu der auch ich die Ehre zur Teilnahme hatte. Aus terminlichen Gründen war ich auf die Benützung des eigenen Autos angewiesen, was sich als Abb. 3 Pulsatilla alpina eine Fahrt in die schönste Alpenflora entlang einer Straße erwies. Durch einen ausgeklügelten Mähplan, der mit der GROHAG-Direktion, der technischen Leitung vor Ort und Beratung von Prof. Dr. Dr. hc. Eberhard Stüber entworfen wurde, gelang es die Aufmerksamkeit der Autotouristen auf die Alpenflora direkt am Straßenrand (Abb. 1) zu lenken. Bemerkenswert ist der Reichtum an Orchideen, die in einer selten zu sehenden Fülle auftreten. Bei näherer Betrachtung öffnet sich die Schönheit der Blütenpracht, wie in diesem Falle von der Flecken-Fingerwurz (Abb.2) und des Grünen Weiß-Germers (Abb. 5). Reizvoll präsentiert die Alpen-Küchenschelle die Nussfrüchte mit dem langen Federschweif, auch „Grantiger Jager“ (Abb. 3) genannt. Kraftvoll verkündet die Meisterwurz (Abb. 4) ihre heilende Wirkung gegen Bronchialkatarrh, Asthma, ansteckende Krankheiten, Zahnschmerzen und zur Wundbehandlung sowie bei Magenbeschwerden. Die Mahd der straßennahen Flächen erfolgt erst nach der vollständigen Reife der Früchte, sodass eine Entwicklung von Jungpflanzen in der folgenden Vegetationsperiode des nächsten Jahres möglich Abb. 4 ostruthium Peucedanum ist. Dadurch können kurzfristig genetisch fixierte Eigenschaften an die kommenden Pflanzengenerationen weiter gegeben werden. In einem ständig gemähten – „sauberen“ – Rasen (ob im Hausgarten oder auf dem Golfplatz) ist dies unmöglich.
Univ.-Prof. i. R. Dr. Roman Türk Herbstausgabe | natur&land | 104. JG. – Heft 3-2018
Abb. 5 Veratrum album ssp. lobelianum
Wasserfonds mit HOFER zum Schutz von Wasserlebensräumen
eit 2013 arbeiten der Naturschutzbund und HOFER im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsinitiative „Projekt 2020“ zusammen. Im Mittelpunkt stehen dabei viele Maßnahmen und Aktivitäten im Bereich Umweltschutz und Nachhaltigkeit. In einem weiteren Meilenstein wurde nun gemeinsam ein „Wasserfonds“ eingerichtet. Im Zentrum erster Aktivitäten stehen bis 2019 Pflege und Erhaltung dreier wertvoller Wasserlebensräume: Geplant ist zum einen die Renaturierung von Feuchtwiesen und Niedermooren im Südburgenland – Heimat u. a. von Sibirischer Schwertlilie, Bartnelke und großem Feuerfalter. Zum andern wird in Niederösterreich ein Feuchtbiotop für Amphibien und Libellen revitalisiert und im Rheindelta in Vorarlberg das äußerst erfolgreiche Artenschutzprogramm für die bedrohte Flussseeschwalbe fortgeführt. Beim Schulwettbewerb „Entdecke das Wasserreich von Feuersalamander, Laubfrosch & Co.“, der im Herbst 2018 startet, können Schulklassen aus ganz Österreich mit ihren Amphibienmeldungen auf www. naturbeobachtung.at einen wichtigen Beitrag zur Biodiversitätsforschung leisten und noch dazu bis zu 900 € für die Klassenkassa gewinnen. Der Naturschutzbund setzt sich bereits seit vielen Jahren auf vielfältige Weise für den Schutz von Arten und die dauerhafte Erhaltung von ökologisch wertvollen Lebensräumen ein. Über 1.800 Naturflächen, betreut und gepflegt nach naturschutzfachlichen Kriterien, stehen in seinem Besitz.
++TICKER ++Glyphosat: Wegweisendes Urteil gegen Monsanto: Ein kalifornisches Gericht hat Monsanto am 10. 8. 2018 in einem Gerichtsverfahren schuldig gesprochen. Monsanto muss umgerechnet gut 250 Millionen Euro Schmerzensgeld an einen US-Amerikaner zahlen, weil das Pflanzengift Glyphosat wesentlich zu dessen Krebserkrankung beigetragen habe. ++Glyphosat: Der Kärntner LH Kaiser will per Gesetz Mensch und Natur vor gefährlichen Pestiziden schützen. Ein Gesetzesentwurf soll in Absprache mit ÖVP von EU-Kommission geprüft werden. ++Neue Waldvogel-Studie von ÖBf und BirdLife Österreich: 69 heimische Waldvogelarten (=2/3 aller Waldvogelarten) befinden sich in erfreulichem Zustand. Bei 36 Arten ist Handlungsbedarf gegeben, acht Arten befinden sich in schlechtem Zustand. ++EU-Projekt „LIFE Sterlet“ rettet seit 2016 kleinste Stör-Art in der Oberen Donau. 70.000 Sterlets wurden bereits in der Donau und der March ausgewildert: www.life-sterlet.boku.ac.at ++Der Welterschöpfungstag (Earth Overshoot Day) war 2018 bereits am 1. 8. erreicht – so früh wie noch nie seit Beginn der Berechnungen. Er markiert jenes Datum, ab dem die jährlich nachwachsenden Rohstoffe und Naturleistungen der Erde vollständig konsumiert sind. Ab diesem Tag lebt die Menschheit auf Öko-Pump. ++Tempolimit 100 verbessert die Tiroler Luft: Der Luftgütebericht 2017 zeigt, dass es seit der Tempobeschränkung auf 100 km/h von Kufstein bis Zirl mit der Luftqualität in Tirol nach oben geht. ++PET to PET:
BIO-KREISLAUF-SACKERL STATT PLASTIKSACKERL
NÖ: Der Fischotter bekommt Recht
Einstimmiger Beschluss aller österreichischen Umweltlandesräte zu geforderter Gesetzesänderung
as „Bündnis für das österreichische BioKreislauf-Sackerl“ fordert eine Gesetzesänderung für weniger Plastikverschmutzung durch Einführung eines Bio-Kreislauf-Sackerls. Alle neun Umweltlandesräte unterstützen einstimmig diese Initiative und fordern Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger auf, sich aktiv für einen Gesetzesentwurf einzusetzen, der alle nicht kompostierbaren Einweg-Kunststofftragetaschen und Knotenbeutel vom österreichischen Markt verbannt. Denn jeder Österreicher nutzt im Jahr im Schnitt 51 Plastiksackerl. Alle leichten Knotenbeutel aus der Obst- und Gemüseabteilung in Supermärkten sollen deshalb künftig bundesweit nur mehr aus einem leicht abbaubaren, kompostierbarem Kunststoff bestehen dürfen und mit einem einheitlichen Logo als BioKreislauf-Sackerl gekennzeichnet sein. Auch die Bevölkerung hat die Möglichkeit diese Initiative mit ihrer Unterschrift auf der OnlinePetition www.biosackerl.at zu unterstützen. HA
as Land Niederösterreich gestattete im vergangenen Jahr mittels Bescheid die „Entnahme“ von 40 der geschützten Fischotter zum vorgeblichen Schutz der Fischpopulation. ÖKOBÜRO und WWF beantragten Parteistellung um sicher zu stellen, dass dabei der günstige Erhaltungszustand der Art nicht gefährdet würde und alle Schutzvorschriften eingehalten würden. Das Land NÖ verweigerte den Umweltschutzorganisationen die Beteiligung im Verfahren, worauf diese dagegen Beschwerde erhoben. Das NÖ Landesverwaltungsgericht hob per 25. Juni 2018 den Bescheid auf und stellte fest, dass WWF und ÖKOBÜRO Parteistellung einzuräumen ist. Das ist ein wichtiger Teilerfolg im Einsatz für das Überleben der bedrohten Art, der für die anderen Bundesländer hoffentlich wegweisend ist. 20 Fischotter wurden im Rahmen des Bescheides in NÖ getötet, ein weiterer Antrag des NÖ Landesfischerei- sowie des NÖ Teichwirteverbandes wurde für Fischotter-Entnahmen beim Land bereits gestellt. Die Entscheidung des NÖ Landesverwaltungsgerichtshofes ist ein weiterer großer Schritt hin zur praktischen Umsetzung der Rechte aus der Aarhus Konvention über die Beteiligung der betroffenen Öffentlichkeit im Umweltrecht. Eine Umsetzung im Gesetzestext steht jedoch noch aus (siehe auch Beitrag zu Aarhus Seiten 6/7). HA
Quelle: Newsletter ÖKOBÜRO (Juni 18), PA ÖKOBÜRO/WWF (Juli 18)
++TICKER Im Halbjahr 2018 wurden über 500 Mio. PET-Flaschen recycelt – eine Steigerung um 7 % zum Vorjahr. Damit verbleiben mehr als 12.500 t PET-Material im Ressourcenkreislauf. ++Zehntausende Zugvögel auf dem Balkan durch Wilderei gefährdet. Euronatur kämpft für eine sichere Adria-Zug-Route, die ein Spießrutenlauf für die Vögel ist: www.euronatur. org ++Buchneuerscheinung: Die Preise lügen. Warum uns billige Lebensmittel teuer zu stehen kommen. Oekom Verlag. ++Lebensmittelindustrie und Eierkennzeichnung in verarbeiteten Lebensmitteln: Fachverband will keinen Alleingang Österreichs und ist für freiwillige Angaben von Herkunft oder Haltungsform. ++Bauwut an Balkanflüssen: Euronatur meldet: Eine Studie von CEE Bankwatch Network zeigt auf, dass internationale Banken mindestens 82 Wasserkraftprojekte in Südosteuropa mitfinanzierten. ++Plastikfreie Donau: Im grenzübergreifenden Projekt PlasticFreeDanube engagiert sich viadonau gemeinsam mit österreichischen und slowakischen Partnern zur umfassenden Untersuchung und für nachhaltige gemeinsame Lösungsansätze zur Vermeidung von Kunststoffabfällen in der Donau. ++VGT: Schluss mit Tiertransporten in Länder ohne Tierschutzbestimmungen. Nach einem Gerichtsurteil des EuGH vom 23. April 2015 – C-424/13 darf der im EU-Recht vorgesehene Schutz von Tieren beim Transport nicht an den Außengrenzen der Union enden. Die EU-Bestimmungen werden jedoch selten kontrolliert und tausendfach nicht eingehalten. Herbstausgabe | natur&land | 104. JG. – Heft 3-2018
VERWALTUNGSGERICHTSHOF GIBT UMWELTSCHUTZORGANISATIONEN UMFASSENDEN RECHTSSCHUTZ Erstmals sprach ein österreichisches Höchstgericht auch Umweltschutzorganisationen das Recht zu, gegen umweltrelevante Unterlassungen und in Verordnungsverfahren tätig zu werden. Nun ist es möglich, gegen zu Unrecht nicht erlassene oder gegen unzureichende Pläne zur Einhaltung der Luftqualität vorzugehen.
uch hat die Entscheidung weit über den Ausgangsfall hinaus Konsequenzen und stärkt den Zugang zu Gerichten in anderen Umweltmaterien mit Bezug zum Europarecht. Diesen Erfolg erzielte ÖKOBÜRO im März 2018 für die österreichische Umweltbewegung. Nach einer bereits 2014 eingebrachten Beschwerde gegen den Luftreinhalteplan im Bundesland Salzburg erkannte nun der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) an, dass Umweltorganisationen das Recht haben gegen nicht ausreichende Umweltschutzpläne der Landesregierung vorzugehen. Der VwGH folgte dabei der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom Dezember 2017 und erkannte die Wirkung der Aarhus Konvention im gesamten Umwelt-Unionsrecht und so indirekt auch in österreichischen Verfahren an. Damit ist der Zugang zu Gerichten im Umweltrecht zu weiten Teilen nun faktische Realität. Der Gesetzgeber ist jetzt gefordert, die Rechte der Umweltorganisationen zu strukturieren und Rechtssicherheit herzustellen, denn die Aarhus Konvention ist sowohl in Bundes- als auch in Landesgesetzen anzuwenden, sofern Unionsrecht betroffen ist. AARHUS-BETEILIGUNGSGESETZ 2018 IM ENTWURF Gefahr birgt allerdings das Auseinanderfallen des Rechtsschutzes für andere Bereiche des Unionsrechts und für rein nationale Bereiche. Um zu bestimmen, ob Umweltorganisationen Rechtsschutz haben, muss daher jede Behörde erst genau feststellen, wie und ob Unionsrecht berührt sein könnte. Gerade beim Naturschutzrecht kann das zu Verwirrungen und potenziell übergangenen Parteien führen, was eine einheitliche gesetzliche Regelung verhindern könnte. Und auch Fragen der Kundmachung bzw. Verständigung würden durch eine legistische Lösung geklärt.
Diese ist nun wenigstens für das Abfallwirtschaftsgesetz 2002, das Immissionsschutzgesetz-Luft und das Wasserrechtsgesetz in Sicht: Nach Abmahnungen seitens der Aarhus Vertragsstaatenkonferenz und einem EU-Vertragsverletzungsverfahren sowie Fristsetzung bis Oktober 2018, wird derzeit das AarhusBeteiligungsgesetz 2018 auf Basis der Stellungnahmen überarbeitet und danach in den Nationalrat eingebracht. Weiters ist im EU-Mahnschreiben noch der fehlende Gerichtszugang der Öffentlichkeit im Kontext der Fauna-Flora-HabitatRichtlinie genannt, was von den Ländern in den Naturschutzgesetzen zu sanieren ist. ÖKOBÜRO und der Umweltdachverband (UWD) – der Naturschutzbund trägt als Mitglied diese Stellungnahmen mit – begrüßen die Gesetzesinitiative und haben in ihren Stellungnahmen zum Aarhus-Beteiligungsgesetz noch Verbesserungsbedarf eingefordert. Sie kritisieren jedoch dieses „schrittweise“ Vorgehen und fordern eine einheitliche rechtliche Umsetzung sowie eine öffentlich zugängliche elektronische Kundmachungsplattform. UVP-G NOVELLE 2018 Auch dieses gesetzlich geregelte Verfahren, mit dem die Auswirkungen von Vorhaben auf die Umwelt im Vorfeld festgestellt, beschrieben und bewertet werden, wird novelliert. Wesentliche Eckpunkte des Begutachtungsentwurfes sind die Umsetzung der EU-UVP-Änderungs-Richtlinie sowie diverse kritische Punkte aus dem Regierungsprogramm, z. B. die Einführung eines Standortanwaltes, Maßnahmen zur „Verfahrensbeschleunigung“ und Verschärfungen für anerkannte Umwelt-NGOs. Diese sollen alle 5 Jahre Herbstausgabe | natur&land | 104. JG. – Heft 3-2018
Wenn die Behörde nicht binnen eines Jahres entscheidet, sollen Großprojekte, wie Stromtrassen, automatisch genehmigt werden. So sieht es das geplante Standort-Entwicklungsgesetz vor. Kritik dazu kommt auch von Wirtschaftsseite und Juristen, wie z. B. dem Verfassungsrechtsexperten Bernd-Christian Funke, der sagt, man riskiere mit dem neuen Gesetz Zwietracht, Konflikte und Folgeschäden. (SN, 25. 8. 18)
überprüft werden, ob die Anerkennungskriterien noch bestehen. ÖKOBÜRO hält in seiner Stellungnahme fest, dass insgesamt gesehen die geplante Novelle keine maßgeblichen Verbesserungen für den Umweltschutz bringt. Vielmehr würden sich die Verfahrensrechte zugunsten der Projektwerber verschieben. Verfahrensbeschleunigungen sollten nicht zulasten des Umweltschutzes gehen: Sie könnten z. B. durch eine höhere Zahl an Sachverständigen und frühzeitige Information der Öffentlichkeit erreicht werden. Der UWD sieht es auch kritisch, dass an den Anhängen zu den UVP-Tatbeständen geschraubt wird. STANDORTENTWICKLUNGSGESETZ UNTERGRÄBT UMWELT-MINDESTSTANDARDS Noch problematischer sehen Natur- und Umweltschutzorganisationen das geplante Standort-Entwicklungsgesetz. Mit ihm sollen gigantische Großprojekte wie Flughäfen oder Autobahnen nach zwölf Monaten automatisch genehmigt werden, wenn die Behörde innerhalb dieses Zeitraums nicht entscheidet. Durch eine derartige Vorgabe werden fundamentale Regelungen des Verfassungsund Europarechts missachtet. Damit soll festgeschrieben werden, dass die Bundesregierung einzelnen Vorhaben, die der Entwicklung bzw. der Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes Österreichs in außerordentlichem Maße dienen, das besondere öffentliche Interesse der Republik Österreich bestätigen kann, um daran besondere verfahrensbeschleunigende Maßnahmen knüpfen zu können. Nach Ansicht von ÖKOBÜRO widerspricht das geplante Gesetz sowohl der Verfassung als auch dem Europarecht. Damit würde ein weiteres Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich wegen zahlreicher schwerwiegender Verstöße gegen das Unionsrecht provoziert. Abgesehen von den vielen offenen Fragen zur praktischen Umsetzung, etwa die Basis von Genehmigungsbescheiden, sind alle erworbenen Bewilligungen praktisch wertlos, da sie von der Aufhebung durch VwGH, VfGH und EuGH bedroht sind. ÖKOBÜRO und UWD lehnen in ihren Stellungnahmen den Entwurf des Standortentwicklungsgesetzes ab. Die Allianz der Umweltbewegung hat Mitte August eine Beschwerde an den EU-Umweltkommissär sowie den Generaldirektor der EU-Kommission geschickt. HA Herbstausgabe | natur&land | 104. JG. – Heft 3-2018
INFOBOX ÖKOBÜRO ist die Allianz der Umweltbewegung. Dazu gehören 16 österreichische Umwelt-, Naturund Tierschutz-Organisationen wie GLOBAL 2000, Greenpeace, | naturschutzbund |, VCÖ – Mobilität mit Zukunft, VIER PFOTEN oder der WWF. ÖKOBÜRO arbeitet auf politischer und juristischer Ebene für die Interessen der Umweltbewegung. Der Umweltdachverband ist eine überparteiliche Plattform für 36 Mitgliedsorganisationen – zu denen auch der | naturschutzbund | Österreich zählt – aus den Bereichen Umwelt-, Natur- und Alpenschutz, Land- und Forstwirtschaft sowie Erneuerbare Energien aus ganz Österreich.
Weitere Infos: http://www.oekobuero.at/ verwaltungsgerichtshof-gibtumweltschutzorganisationenumfassenden-rechtsschutz http://www.oekobuero.at/ stellungnahmen-august2018 https://www.umweltdachverband.at/ publikationen (Stellungnahmen August 2018)
MUTTER ERDE 2018
SCHAU, WO DEIN ESSEN HERKOMMT! Das ist das diesjährige Motto des MUTTER ERDE-Schwerpunktes. Unsere Ernährungsgewohnheiten entscheiden ganz maßgeblich darüber, wie es um unseren Planeten bestellt ist: Ob wir viel oder wenig Fleisch essen, ob wir „bio“ und regional konsumieren oder nur nach dem Preis entscheiden. Jede dieser Entscheidungen wirkt sich direkt auf unsere Lebensgrundlagen aus. Und auf die Lebensgrundlage der Landwirte, die unsere Äcker bestellen und unsere Landschaft pflegen.
2018 werden innerhalb der EU die Grundlagen für die nächsten Jahre der ländlichen Entwicklung gelegt: Die Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für die Jahre 2021–2027 entscheidet maßgeblich darüber, wie es um unsere Lebensgrundlagen bestellt ist. Im Moment sägen wir mit aller Kraft am sprichwörtlichen Ast, auf dem wir sitzen. Den Initiatoren geht es heuer in erster Linie darum, den Boden für eine Trendwende in Richtung einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion aufzubereiten.
ZITATE „Herkunft: Das Fleisch in der Tiefkühllasagne, die Eier am Frühstücksbuffet, der Schinken auf der Pizza: Herkunft ungeklärt und der Konsument kann sie nicht feststellen.“ „In Österreich wird bereits jeder fünfte Hektar biologisch bewirtschaftet.“ „Antibiotika: Beinahe 40 % der in Österreich eingesetzten Antibiotika gehen in die Nutztierhaltung.“ „Import von GenSoja: Jährlich werden zwischen 550.000 und 600.000 t gentechnisch verändertes Soja importiert (rd. 70 kg pro ÖsterreicherIn), für das zum Großteil südamerikanischer Regenwald abgeholzt werden musste.“
System in der Krise. Die Landwirtschaft steckt in einer Krise, bei der alle – Landwirte, Konsumenten und die Umwelt – draufzahlen: Die Bauern sind in einer Preisspirale gefangen und sie werden mehr und mehr zu Getriebenen des Systems. Die Konsumenten durchschauen längst nicht mehr, was sie da eigentlich konsumieren: Zu groß ist das Missverhältnis zwischen dem, was Werbung und Verpackung versprechen und dem, was tatsächlich in einem Produkt steckt. Die Umwelt zahlt drauf, weil immer mehr IndustriaHerbstausgabe | natur&land | 104. JG. – Heft 3-2018
lisierung zu immer weniger Naturnähe führt. Und dabei geht es nicht nur den Bienen an den Kragen. Verantwortung der Gesellschaft. Wir müssen als Gesellschaft wissen, welche Art Landwirtschaft, Nahrung, ländlichen Raum und Umwelt wir haben wollen – und wissen, was das bedeutet! Was bedeutet es, wenn ich gegen Kennzeichnung von Lebensmitteln bin und eine Eierspeise aus Käfighaltung im x-beliebigen Hotelfrühstück bekomme? Kann ich gleichzeitig eine intakte Almwiesen-Landschaft in den Bergen Österreichs haben und für Tourismus attraktiv sein? Bedeutet es auch etwas für meine Gesundheit, wenn ich billiges Hühnerund Schweinefleisch kaufe – oder sind Antibiotikaresistenzen hier nicht relevant? Wir alle, jeder und jede Einzelne von uns kann daran etwas ändern. Wir können anfangen, uns bei jedem Einkauf bewusst zu machen, dass Essen etwas Wertvolles ist. Wir können aufhören gegen unser Gewissen zu agieren und weniger davon zu kaufen, von dem wir im
Grunde längst wissen, dass es Schaden anrichtet. Wir können auf Qualität achten und darauf, wo ein Lebensmittel herkommt. So können wir gemeinsam dafür sorgen, dass Österreich heute die Weichen für eine Landwirtschaft stellt, von der letztendlich wir alle profitieren. Fest steht: Wir alle haben es in der Hand, Mutter Erde und uns zu schützen. Die Entscheidungen sind groß und weitreichend. Umso wichtiger ist es, jetzt dafür Bewusstsein zu schaffen. Die Schwerpunktwoche fand bereits vom 23. 5. bis 1. 6. in allen ORF-Medien statt. Diesen Herbst folgen weitere mediale Aktivitäten. Das Thema „Landwirtschaft“ ist nach Wasser (2014), Bienen (2015), Lebensmittelverschwendung (2016) und Klimaschutz (2017) bereits der vierte gemeinsame Themenschwerpunkt. Weitere Infos: www.muttererde.at
Von MUTTER ERDE unterstützte Projekte
››	Studie Pestizid-Abdrift: GLOBAL 2000 hat untersucht, wie sich Pestizide in der Umgebung auswirken. ››	Bürgerinnen-Forum „Die Zukunft der Landwirtschaft“: Hochrangige Experten und Umweltlandesräte diskutierten mit der Bevölkerung in Donnerskirchen (B) und Salzburg. ››	Weitgereiste Lebensmittel: Faktensammlung zum Thema „Transport von Lebensmitteln inkl. Tiertransporte“ ››	Potenzialanalyse der öffentlichen Beschaffung für biologisch produzierte Lebensmittel (Bio Austria und Greenpeace) ››	„Biostudie“ der Univ. für Bodenkultur: Ergebnis: 100 % Bio ist schon heute möglich, wenn der Fleischkonsum um 10 % reduziert wird oder um 25 % weniger Lebensmittelabfall entsteht.
DIE INITIATIVE. MUTTER ERDE ist ein Zusammenschluss des ORF und der führenden Umwelt- und Naturschutzorganisationen Österreichs – Naturschutzbund, WWF, BirdLife, GLOBAL 2000, Greenpeace, Naturfreunde, Alpenverein und Verkehrsclub Österreich. Jedes Jahr wird ein anderes relevantes Umweltthema ins Zentrum der gemeinsamen Aktivitäten gestellt. Gemeinsames Ziel ist es, Nachhaltigkeit zum Thema zu machen, zu informieren und Spenden für Umweltschutzprojekte zu sammeln.
ERSTER WILDKATZENHINWEIS IN VORARLBERG
Auf Windwurfflächen wie dieser im Ebnitertal gibt es viele Mäuse – gut für Wildkatzen.
Jeder Hinweis einer Wildkatze in Österreich ist etwas Besonderes. Umso mehr, wenn es der erste für ein Bundesland ist, wie jüngst in Vorarlberg gelungen. INFOBOX FAKTEN ZUR WILDKATZE IN ÖSTERREICH (von 2000 bis Mai 2018): ››	11 C1-Nachweise (Wildkatzen wurden genetisch bestätigt/ confirmed) ››	Ein Hybrid-Nachweis (Kreuzung aus Wild- und Hauskatze) ››	22 C2-Hinweise (wahrschein	liche Wildkatzen durch Sicht	bzw. Fotofallenhinweise, von Experten als solche bestimmt) ››	Die meisten Nachweise wurden in Kärnten und NÖ. erbracht. ››	370 Hinweise wurden in der Meldestelle bisher aufge	zeichnet. ››	85 % der Wildkatzennahrung besteht aus Wühlmäusen. ››	Europäische Wildkatzen sind keine verwilderten Hauskatzen. Diese stammen von der afrika	nischen Falbkatze ab und wurden einst aus Afrika bei uns eingebürgert. Die „echte“ Wildkatze war schon immer in Europa beheimatet.
achdem Sichtungen bzw. Nachweise von Wildkatzen in Österreich recht selten sind, staunten die ExpterInnen der Plattform Wildkatze nicht schlecht, als im Mai dieses Jahres ein viel versprechender Hinweis aus Vorarlberg in der Meldestelle in Salzburg einging. Auf einem Fotofallenbild, das der Jagdaufseher und Jagdnutzungsberechtigte Erich Knappitsch aus seinem Genossenschaftsrevier im Bezirk Dornbirn (Ebnitertal) übermittelte, war eine Katze mit verwaschener Zeichnung, buschigem Schwanz und deutlich sichtbaren getrennten Schwanzringen erkennbar. Nach der Bestätigung des Wildkatzenfachmanns Dr. Lapini aus Udine, dass es sich um eine Europäische Wildkatze (Felis silvestris) handelt, war man sich schnell einig, dass dies eine Sensation ist. Zum einen, weil es Nachweise von Wildkatzen in Vorarlberg ausschließlich im Rheintal in der Wärmeperiode der Nacheiszeit vor rd. 7.000 – 5.000 Jahren gibt. Zum andern, weil dies der zweithöchste Sichtungsort einer Wildkatze mit ca. 1.650 m in Österreich ist. Der höchste befindet sich im Paznauntal (rd. 1.700 m), wo 2013 die erste Wildkatze überhaupt in Tirol bestätigt wurde – hier gelang der genetische Nachweis mittels Haaren. Das erhofft man sich nun auch in Vorarlberg, denn Erich Knappitsch hat bereits einen Lockstock aufgestellt. Mit dem Lockstoff Baldrian besprüht, soll er die Wildkatze dazu animieren, sich an ihm zu reiben und „Haare zu lassen“. Vielleicht gelingt es dann, die Wildkatze auch sicher nachzuweisen. Die natürliche Waldgesellschaft dieser ruhigen Gegend aus Fichten-Tannen-Mischwald mit großflächigen Windwürfen, unterschiedlich strukturierten Waldbeständen in verschiedenen Altersklassen und hohem Alt-/Totholzanteil wäre ein sehr guter Lebensraum für Wildkatzen. Wir dürfen gespannt sein! Seit 2009 betreut der Naturschutzbund Österreich im Rahmen seiner Melde- und Koordinationsstelle Wildkatze eine Wildkatzendatenbank, in die alle Hinweise aufgenommen, beschrieben und in Kooperation mit der Plattform Wildkatze eingestuft werden. Als Beratungsgremium existiert die Plattform ebenso seit 2009 und umfasst VertreterInnen des Nationalparks Thayatal, des Naturschutzbundes, der Bundesforste, der Jägerschaft, des Alpenzoos Innsbruck, des Naturhistorischen Museums Wien und Einzelpersonen. Herbstausgabe | natur&land | 104. JG. – Heft 3-2018
FOTOS: ERICH KNAPPITSCH (2)
Links: Das Fotofallenbild zeigt eine „wahrscheinliche“ Wildkatze; unten: Spürhund im Sucheinsatz
FOTO: LEO SLOTTA-BACHMAYR
WILDKATZE: SPÜRHUNDE IM SUCHEINSATZ Weil das Wissen um die Europäische Wildkatze überschaubar ist, führt der Nationalpark Thayatal ein grenzüberschreitendes Forschungsprojekt zwischen Österreich und Tschechien durch (Connecting Nature). In diesem Rahmen kommen auch eigens ausgebildete Wildkatzen-Spürhunde zum Einsatz. Diese werden seit wenigen Jahren vom Wildbiologen und PlattformMitglied Dr. Leo Slotta-Bachmayr und der Biologin Dr. Gabriele Sauseng darauf trainiert, Wildkatzenkot aufzuspüren, um zu mehr Nachweisen zu gelangen. Maßgeblich unterstützt wurden diese Hundeschulungen innerhalb des Projektes Wildkatze durch die Initiative vielfaltleben, einer Kampagne des Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT), des Naturschutzbundes Österreich und weiterer Partner.
Text: Ingrid Hagenstein, Leiterin der Koordinationsund Meldestelle/Plattform Wildkatze
Ausbildungsgruppe mit Leiter Leo Slotta-Bachmayr (rechts im Bild)
Weitere Infos: www.wildkatze-in-oesterreich.at https://naturschutzbund.at/ wildkatze.html Herbstausgabe | natur&land | 104. JG. – Heft 3-2018 ARCHIVFOTO
Diskussionsrunde beim 2. Dialogforum in Langenlois/NÖ.
ERSTER ÖSTERREICHWEITER DIALOG MIT ALLEN INTERESSENSGRUPPEN
Der Wolf kehrt nach Österreich zurück und damit sind Konflikte verbunden. Der Naturschutzbund hat daher in zwei österreichweiten Wolfs-Dialogforen alle Interessensgruppen zur Zusammenarbeit eingeladen.
er Wolf ist nach 150 Jahren zurück in Österreich. 17 bis 20 Tiere sind es nach Schätzung von Experten derzeit. Das einzige Rudel lebt im Niederösterreichischen Allentsteig, der Rest sind Einzeltiere auf Wanderschaft und der Suche nach einem Partner. Begegnungen zwischen Wolf und Mensch sind äußerst seltene Ausnahmen, die Anwesenheit der Tiere wird fast ausschließlich mit Wildtierkameras sowie durch Risse von Weidetieren sichtbar. Trotzdem sind die Ängste und die Konflikte groß. Das zeigt, dass wir während der langen Abwesenheit der Wölfe verlernt haben, mit ihnen zu leben. Im Rahmen seines Projekts „Mehr Akzeptanz für den Wolf“ startete der Naturschutzbund den ersten österreichweiten Dialog zum Wolf mit rund 40 Vertreterinnen und Vertretern aller Interessensgruppen – Jagd, Landwirtschaft, Naturschutz, Tourismus. Auch Wissenschaft, Bundesheer und Behörden waren vertreten. Wolfsexperten aus Deutschland und der Slowakei sowie ein Herdenschutzexperte aus der Schweiz standen beratend zur Seite. Beim ersten Dialogforum in Linz im Herbst 2017 wurden in vier verschiedenen Arbeitsgruppen (Landwirtschaft, Jagd, Wissenschaft, Öffentlichkeit & Kommunikation) Sorgen und Ängste, aber auch Chancen in Bezug auf die Rückkehr des Wolfes thematisiert und intensiv diskutiert.
Schnell stellte sich heraus, dass die verschiedenen Organisationen unterschiedlich viel über den Wolf wissen, weshalb es vordringlich war, alle auf den gleichen Wissensstand zu bringen. Eine faktenbasierte Kommunikationsstrategie sollte zudem den emotionalen Hype um den Wolf in der Öffentlichkeit reduzieren. Einigkeit herrschte darüber, dass es dringend einen österreichweiten Handlungsplan für den Wolf braucht. Hierzu muss auch die Politik endlich aktiv werden. Im Frühjahr 2018 fand das 2. Dialogforum in Langenlois in Niederösterreich statt. Am Vortag gab es außerdem eine Exkursion zum bisher einzigen Wolfsrudel Österreichs am Truppenübungsplatz in Allentsteig. Unter fachkundiger Führung des Österreichischen Bundesheeres konnten sich alle Teilnehmer des Dialogforums ein Bild vor Ort machen. Danach wurde beim Besuch am Landschaftspflegehof Klaffl der Herdenschutz thematisiert – vier Herdenschutzhunde der Rasse Maremmano-Abruzzese bewachen dort die Schafherde.
Jungwölfe des Vorjahres auf dem Truppenübungsplatz in Allentsteig.
FOTO: ÖSTERR. BUNDESHEER/JOSEF KUGLER
Solche Tafeln informieren z. B. in Bayern, der Schweiz oder in Italien über die Anwesenheit von Herdenschutzhunden und über das richtige Verhalten bei der Begegnung.
Im Vorfeld des 2. Dialogforums im März d. J. konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Exkursion ins Wolfsgebiet des Tüpl Allentsteig mitmachen.
Herdenschutzbeauftragter Georg Höllbacher (li.) mit seinen Herdenschutzhunden, die auf seine Schafe aufpassen. In seinem Beisein lassen sie sich auch vom Projektleiter Leo Slotta-Bachmayer berühren.
Als erstes Ergebnis des Dialogprozesses konnten sich alle Beteiligten auf Fakten einigen – eine wichtige Basis für die weitere Zusammenarbeit. Denn nur, wenn sich alle auf das selbe Wissen stützen, kann man beim Miteinander-Reden weiterkommen und auch gemeinsam Lösungen finden. Hier die sechs Punkte, auf die man sich geeinigt hat (zusammengefasst; die Langfassung befindet sich auf: https://naturschutzbund.at/dialogforen.html unter „Fakten des Wolfsdialogs“): 1. Der Wolfsbestand in Europa hat durch nationale und internationale Schutzmaßnahmen sowie durch veränderte Habitatfaktoren zugenommen. Darauf basiert die natürliche Zuwanderung der Wölfe nach Österreich. 2. Die Diskussion über die Wölfe wird oft sehr emotional geführt. Diese Emotionen müssen respektiert werden. Um gemeinsam an Lösungen arbeiten zu können, ist aber auch eine auf objektiven Daten und Tatsachen basierende Diskussion unabdingbar. Dazu braucht es eine staatliche Stelle, die die Daten über die Wölfe in Österreich sammelt und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.
3. Als Nahrungsopportunisten erbeuten Wölfe auch Nutz- und Haustiere. Ein konfliktarmes Zusammenleben zwischen Wolf und Mensch ist nur dann möglich, wenn im Freiland gehaltene Nutztiere durch entsprechende Maßnahmen geschützt werden. Dazu müssen die dafür nötigen Strukturen geschaffen werden. 4. Wirtschaftliche Schäden und zusätzliche Aufwendungen, die durch Wölfe entstehen, müssen von der öffentlichen Hand abgegolten und dürfen nicht alleine auf die betroffenen Bevölkerungsgruppen abgewälzt werden. Dafür sollte die rechtliche Basis einheitlich für ganz Österreich geschaffen werden und die Abwicklung im Schadensfall sollte aus Sicht der Betroffenen einfach und rasch erfolgen. Dazu sind Strukturen nötig, die eine einfache, unkomplizierte und praktikable Beweisführung ermöglichen. 5. Einzelne Wölfe können unter besonderen Umständen eine Gefahr für den Menschen darstellen. In diesen Fällen liegt es im Ermessen der Behörden, anhand vorher definierter Regeln, unter Beachtung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Entnahme dieser Individuen anzuordnen. 6. Mischlinge zwischen Wölfen und Hunden sind in Österreich bisher nicht nachgewiesen worden. Bei Verdacht braucht es die genetische Analyse eines akkreditierten Labors und diese nachgewiesenen Mischlinge müssen entsprechend dem Managementplan entnommen werden. Den Abschluss des Wolfsdialogs bildete am 23. Mai 2018 ein Pressegespräch am Bauernhof von Georg Höllbacher, dem Leiter der Nationalen Beratungsstelle für Herdenschutz, selbst Schafbauer in Vigaun/Salzburg und ebenfalls Vertreter im Dialogforum. Zentrale Aussage war, dass das Zusammenleben mit dem Wolf nur mit Herdenschutz funktionieren und dies nur mit Unterstützung der Landwirtinnen und Landwirte Erfolg haben kann. Die Dialogforen waren trotz des kontroversiellen Themas von gegenseitigem Respekt und konstruktiver Zusammenarbeit getragen und sollten unbedingt weitergeführt werden, um zu langfristigen Lösungen zu kommen. Nach uns vorliegenden Informationen wird der Dialog in dieser Form jedoch nicht mehr weitergeführt. Bundesministerin Köstinger hat nun die Einrichtung eines „Wolf-Österreichzentrums“ angekündigt. Der Naturschutzbund hat bereits angeboten den so wichtigen Dialogprozess in Zusammenarbeit mit diesem fortzusetzen.
MENSCH UND FISCHOTTER ERSTER ÖSTERREICHWEITER DIALOG MIT ALLEN INTERESSENSGRUPPEN Der Naturschutzbund lud Fischereivertreter zum Dialog – Ergebnisse müssen nun der Basis vermittelt werden
er Fischotter erobert Österreich – im Waldviertel war er nie ganz verschwunden – als Lebensraum zurück. Dass er dabei auch Fische frisst, verärgert vor allem Fischer und Teichbewirtschafter. Abseits der rechtlichen Rahmenbedingungen, die einen Abschuss des Fischotters derzeit kaum zulassen, ist der Naturschutzbund der Überzeugung, dass derart drastische Maßnahmen auch gar nicht zielführend sind. Er hat deshalb das Projekt „Mehr Akzeptanz für den Fischotter” durchgeführt und dazu Vertreter der betroffenen Gruppen – von den Fischereivereinen und Teichbewirtschaftern, über die Wissenschaft, Bund und Länder, bis hin zu Umweltanwaltschaften und Naturschutz-NGOs – eingeladen. Ähnlich wie beim Wolf diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Strategien, Empfehlungen und Maßnahmen für den Umgang mit diesem Beutegreifer. In der ersten Phase, dem Dialogforum 1 (2017), einigte man sich auf ein gemeinsames Basiswissen, so-
dass einige Missverständnisse ausgeräumt werden konnten. In der zweiten Phase, dem Dialogforum 2 (2018) gab es in einigen Punkten Annäherungen beim Thema Fischotter. Annäherung. Da der Einfluss des Fischotters in Fließgewässern anders geartet ist als in bewirtschafteten Teichen, wurden diese beiden Bereiche in zwei dementsprechenden Diskussionsgruppen besprochen – Ergebnisse siehe nächste Seite. Die angesprochenen Themen/Punkte waren bisher immer wieder Gegenstand unterschiedlicher Auslegung, was eine sachliche Diskussion erschwerte. Die Einigung auf nachstehende Sachverhalte stellt deshalb einen wichtigen Schritt bei der Suche nach einer gemeinsamen Lösung dar. Sie müssen nun allen Betroffenen – auch an der Basis der Interessensgruppen – vermittelt werden.
9. Standardmäßig ist ein dauerhaftes Totfundmonitoring zu installieren (Zitat Art. 12 (Ziff. 4)). 10. Illegale Maßnahmen sind kein Kavaliersdelikt und entsprechend zu ahnden (darunter ist keine pauschale Vorverurteilung der Teichwirte und der Jagd und Fischerei insgesamt zu verstehen).
Für den Bereich „Fischerei/Fließgewässer“ gab es Übereinstimmung in vier Punkten: 1. Die Vorgaben der FFH RL werden von uns zu 100 % akzeptiert und sind der Rahmen, in dem wir diskutieren. 2. Fischotter gehören zum natürlichen Artenbestand Österreichs. Sie haben ein Existenzrecht, sind derzeit streng geschützt und dürfen nicht ausgerottet werden. 3. Die aktuelle Zunahme des Otterbestandes ist das Ergebnis von mehreren Jahrzehnten natürlicher Reproduktion/Wanderungen und von Schutzbestimmungen. 4. Das Vorkommen der Fischprädatoren (Kormoran, Graureiher, Schwarzstorch, Gänsesäger, Fischotter) beeinflusst Menge und Verteilung von Fischbeständen und kann zu wirtschaftlichen Schäden führen. Bei weiteren drei Punkten gab es zumindest vom Großteil der Teilnehmer ein Einverständnis: 1. Fischotter wurden seitens der Naturschutzverbände in Österreich zu keiner Zeit ausgesetzt (WWF Österreich, Naturschutzbund Österreich, Lanius). 21 Zustimmung/1 Stimmenthaltung/tw. Zustimmung) FOTO: MAGDALENA MEIKL
Für den Bereich „Teichwirtschaft“ konnte man sich auf zehn Punkte einigen: 1. Die Vorgaben der FFH-RL werden von uns zu 100 % akzeptiert und sind der Rahmen, in dem wir diskutieren. 2. Fischotter wurden seitens der Naturschutzverbände in Österreich zu keiner Zeit ausgesetzt (WWF Österreich, Naturschutzbund Österreich, Lanius). 3. Fischotter gehören zum natürlichen Artenbestand Österreichs. Sie haben ein Existenzrecht, sind derzeit streng geschützt und dürfen nicht wieder ausgerottet werden. 4. Die aktuelle Zunahme des Otterbestandes ist das Ergebnis von mehreren Jahrzehnten verbesserter Reproduktionsbedingungen (weniger Umweltgifte, gutes Nahrungsangebot) und von Schutzbestimmungen. 5. Fischteiche erhöhen das Nahrungsangebot und damit auch die Lebensraumkapazität einer Landschaft. Die Teichwirtschaft hat daher ein moralisches Anrecht auf Präventionsmaßnahmen und Schadensabgeltung auch beim Management einer streng geschützten Tierart. 6. Anderweitige, zufriedenstellende Maßnahmen (gemäß Art. 16/FFH-RL) auch zur Schadensminderung sind bestmöglich auszuschöpfen, ehe in die Population eingegriffen wird. 7. Populationseingriffe beim Otter müssen zur Beurteilung der Wirksamkeit einem interdisziplinären Monitoring unterworfen werden (siehe Punkt 1). 8. In Abstimmung mit den alle 6 Jahre vorzulegenden Art. 17-Berichten ist eine regelmäßige bundesweite Erfassung der Otterverbreitung samt Bestandsschätzung in wissenschaftlich anerkannter Weise durchzuführen.
Dialogforum 1 mit großer Runde
Teil des Projektes war auch eine Infoveranstaltung zum Fischotter am 23. Juni im UnterWasserReich in Schrems
2. Otter fressen Fließgewässer nicht leer, können jedoch die Fischbestände wesentlich reduzieren oder den Altersaufbau beeinflussen. (19 Zustimmung/3 tw. Zustimmung) 3. Bislang gibt es keine fundierten Belege oder Studien, die nachweisen, dass die Zunahme der Fischotterpopulation Arten in ihrem Fortbestand gefährdet. Dies gilt insbesondere für die Arten Bachforelle, Äsche, Perlfisch, Nase sowie für Flussperlmuschel, Edel- und Steinkrebs. (21 Zustimmung/1 tw. Zustimmung)
ie Ergebnisse der Diskussionsgruppen wurden am Ende des Projektes in einer Presseaussendung an die Öffentlichkeit getragen: „Die Teichwirte produzieren mit heimischem Fisch ein wertvolles Lebensmittel in einer allseits sehr geschätzten Kulturlandschaft. Die an sich erfreuliche Rückkehr des Fischotters in diesen menschengemachten Lebensraum birgt aber natürlich ein großes Konfliktpotenzial, das uns z. B. im Waldviertel schon über zwei Jahrzehnte beschäftigt. Miteinander zu reden ist daher Grundvoraussetzung für mehr gegenseitiges Verständnis und, um darauf aufzubauen, endlich gemeinsam Lösungen entwickeln zu können. In diesem Sinne begrüßt der NÖ Teichwirteverband die Gespräche im Dialogforum und trägt das erste Ergebnis in Form der zehn Punkte voll und ganz mit“, sagte Willibald Hafellner, Vertreter des Niederösterreichischen Teichwirteverbandes. Basis einbinden, „Fachstelle Fischotter“ schaffen. Die Übereinstimmungen bilden die Grundlage für weitere Gespräche, die vom Naturschutzbund zunächst in drei Schritten organisiert werden. Dabei sollen verstärkt Personen eingebunden werden, die die Verbindung mit den Fischern „an der Basis“ darstellen. Der Naturschutzbund agiert zudem als Infodrehscheibe und will auch eine „Fachstelle Fischotter“ schaffen.
INFOBOX Der Eurasische Fischotter hat in Mitteleuropa keine fix festgelegte Paarungszeit. Junge kommen von Februar bis November zur Welt. Im Gegensatz zu vielen anderen Tieren werden die Jungen von der Mutter ein Jahr und länger geführt. Die ein bis drei Jungen sind also sehr lange von der Mutter abhängig, bis sie selbst im Fischfang ausreichend Erfahrung haben. In den ersten zwei Lebensjahren sterben besonders viele Otter. Auch hier ist die Verfügbarkeit leicht erreichbarer Beute wie Amphibien und Krebse, aber auch gewisser Fischarten ein kritischer Faktor. Wichtige natürliche Todesursachen sind bei Jungottern das Verhungern und das Ertrinken unter dem Eis und bei Hochwasser. Verletzungen führen zur Behinderung, Entzündung und letztlich so auch zum Tod. Seuchen und Krankheiten spielen bislang keine Rolle. Anthropogen bedingte Todesursachen sind der Straßenverkehr, Fischreusen und Netze, aber auch die direkte Nachstellung.
Mehr Infos: www.fischotter.eu
Beide Projekte wurden unter dem Titel „Akzeptanz & Förderung für Wolf und Fischotter“ von 2016–2018 mit Unterstützung von Bund und Europäischer Union im Rahmen des „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes“ durchgeführt. Herbstausgabe | natur&land | 104. JG. – Heft 3-2018
ALLE FOTOS: JOHANN NEUMAYER
WISSENSCHAFTLICHES PILOTPROJEKT IN NÖ UND DER STEIERMARK
WIE WIRKEN SICH BLÜHSTREIFEN AN KÜRBISFELDERN AUF BESTÄUBUNGSLEISTUNGEN VON BIENEN & CO AUS?
Versuchsfeld mit Blühstreifen in der Steiermark
Zunehmend werden Bestäubungsprobleme bei landwirtschaftlichen Kulturen auch in Mitteleuropa bekannt. Betroffen davon ist auch immer wieder der Kürbis. Im Obst- und Beerenanbau ist der Einsatz zugekaufter „Bestäubungsdienstleister“ wie Honig- und Mauerbienen oder Hummeln gängige Praxis. Es gibt verschiedene Versuche, dem entgegenzuwirken. VON KATHRIN GROBBAUER UND JOHANN NEUMAYER
n der Regel versucht man, die Bestäubungsrate durch Einbringen zusätzlicher gemanagter Bestäuber (Honigbienenvölker, Hummeln) zu verbessern. Im vorliegenden Projekt wird erhoben, ob durch Anlage von Blühstreifen die natürlichen Bestäuberpopulationen gestärkt werden und zu einem signifikant besseren Bestäubungserfolg beitragen können. Das könnte zu einer win-win-Situation für den Landwirt, aber auch für die Natur führen. Kürbisgewächse haben schwere, klebrige Pollen, die ausschließlich durch große Insekten übertragen werden können und sind durch ein außergewöhnlich hohes Nektarangebot attraktiv für benachbart sammelnde Hummeln und Honigbienen. Je mehr bestäubende Insekten sich in der Nähe eines Kürbisfeldes aufhalten und vom Kürbis angelockt werden, desto höher fällt der Ertrag aus. Um bestäubende Insekten anzulocken und ihnen vor und nach der Kürbisblüte Nahrung zur Verfügung zu stellen, wurde angrenzend an die Kürbisfelder ein Blühstreifen mit für Bienen attraktiven Pflanzen angelegt. Untersuchungsgebiet. In drei Regionen (Steiermark, Niederösterreich West/Umgebung Melk und Nordost/ Weinviertel) wurden jeweils drei Kürbisanbauflächen miteinander verglichen: Ein Feld „00“ ohne Blühstreifen, ein Feld „10“ mit einem Blühstreifen, der zur Zeit des Be-
ginns der Kürbisblüte gemäht wurde, und ein Feld „11“ mit einem fortbestehenden Blühstreifen. Untersuchung der Blütenbesuchsraten. Da nur aus den ersten zwei bis drei weiblichen Blüten einer Pflanze jene Kürbisse entstehen, in welchen schlussendlich die Kerne ausreifen, wurden die Blütenbesucher am Beginn der Kürbisblüte (ca. Mitte Juni 2018) erhoben. Datenerhebung Blütenbesucher. In jedem Versuchsfeld wurden drei 2 x 2 Meter große Untersuchungsflächen ausgewählt, die jeweils zwischen 6.00 und 7.15 Uhr sowie zwischen 9.00 und 10.30 Uhr untersucht wurden. Dazu wurden alle offenen Kürbisblüten in jeder Untersuchungsfläche nummeriert, ihr Geschlecht notiert und alle Blütenbesucher (Honig-, Wildbienen samt Hummeln, Schwebfliegen, Käfer) innerhalb von 15 Minuten registriert. Ausblick: Erhebung der Erntemenge an Kürbissen Ein bis zwei Tage vor der Kürbisernte im Spätsommer werden bei jedem Versuchsfeld drei Untersuchungsflächen von jeweils 4 x 4 Metern Größe festgelegt. Alle Kürbisse innerhalb dieser Flächen werden händisch geerntet und die Kerne für jedes Feld separat getrocknet. Diese werden danach gewogen und daraus der Kernertrag (g/m²) für jedes Feld berechnet. Herbstausgabe | natur&land | 104. JG. – Heft 3-2018
BIENENSCHUTZFONDS Abb. 1 Hummeln (gelb) und Honigbienen (blau) als Kürbisblütenbesucher Feld „00“ ist eines ohne Blühstreifen, Feld „10“ ist eines mit einem Blühstreifen, der zur Zeit des Beginns der Kürbisblüte gemäht wurde und Feld „11“ ist eines mit einem fortbestehenden Blühstreifen.
50 40 30 20 10 0 Hürm/NÖ
Altlichtenwarth/NÖ
Untersuchungsgebiet 11 Untergrossau/NÖ
Erste Vorabergebnisse. Die Untersuchungsserie 2018 war gekennzeichnet von großen Differenzen vor allem der Hummeldichte zwischen den Untersuchungsgebieten (Abb. 1). Konnten bei gleichem Beobachtungsansatz in der Steiermark nur drei Hummeln beobachtet werden, waren es in Hürm (NÖ) 112. Dort besuchten Hummeln die Kürbisse häufiger als die Honigbienen. Während Honigbienen deutlich öfter Blüten auf Feldern mit Blühstreifen besuchten (Flächen 10 und 11), wurde dies bei Hummeln z. T. dadurch kaschiert, dass in Hürm auf allen Flächen eine hohe Hummeldichte zu finden war und in Untergrossau (Stmk) insgesamt fast keine Hummeln vorhanden waren. Was diese großen Unterschiede verursachte, muss derzeit offen bleiben. In der Auswertung (Abb. 2) zeigte sich, dass sowohl bei Honigbienen als auch bei Hummeln in Flächen mit Blühstreifen ca. zwei- bis dreimal so viele Beobachtungen gemacht werden konnten als in solchen ohne Blühstreifen. Inwieweit sich diese erhöhte Blütenbesuchstätigkeit auf den Kürbisertrag auswirkt, wird nach der Kürbisernte im Herbst untersucht.
Hummeln Honigbienen
Untersuchungsflächentyp
Abb. 2 Hummel- und Honigbienenbeobachtungen auf Kürbisblüten in Prozent des jeweiligen Höchstwertes pro Untersuchungsgebiet. In den Flächen mit Blühstreifen konnten ca. 2 bis 3-mal so viele Beobachtungen gemacht werden als in solchen ohne.
Das wissenschaftliche Pilotprojekt wird im Rahmen des Bienenschutzfonds von Naturschutzbund und HOFER gemeinsam mit dessen Lieferanten Estyria und ausgewählten Vertragslandwirten durchgeführt. Der mit mittlerweile über EUR 300.000,– dotierte Fonds, der von Naturschutzbund und HOFER im Rahmen von „Projekt 2020“ bereits 2013 gegründet wurde, fördert lokale Bienenschutzprogramme in ganz Österreich
Studienautoren: Kathrin Grobbauer BSc und Dr. Johann Neumayer, Naturschutzbund Österreich, johann.neumayer@naturschutzbund.at Herbstausgabe | natur&land | 104. JG. – Heft 3-2018
„Registrierung“ der Blütenbesucher: Wer besucht wie oft eine Blüte?
DAS WAREN DIE NATUR VERBINDET-PRAXISTAGE ...
KIRCHSCHLAG (OÖ): ZWEI TAGE LANG BLÜHFLÄCHEN IN THEORIE UND PRAXIS
Drei bislang kurzgeschorene Rasenflächen unmittelbar vor dem Gemeindeamt wurden im Zuge einer Praxiswerkstätte zu bunten Blumenwiesen mit einer Vielzahl heimischer Blumen und Gräser umgewandelt.
Wie macht man Gemeinden bienenfreundlich? Im Mühlviertler Kirchschlag gab‘s bei Vortrag und Praxisworkshop viel Informatives und Praxisnahes zu erfahren.
und 20 Teilnehmer trotzten dem wenig einladenden Wetter und waren mit Begeisterung dabei: Drei bislang kurz gehaltene Rasenflächen unmittelbar vor dem Gemeindeamt wurden im Zuge einer Praxiswerkstätte zu bunten Blumenwiesen mit heimischen Wildblumen umgewandelt. Dabei konnten die Mitarbeiter von Gemeinden und Bauhöfen, Gartenplaner sowie Naturliebhaber aus Österreich und Bayern einen Vormittag lang selbst Hand anlegen. Unter der fachkundlichen Anleitung des Naturgartenexperten Markus Kumpfmüller wurden verschiedene Möglichkeiten erprobt, wie die „Verwandlung“ einer Rasenfläche in eine Blühfläche gelingen kann. Am Vorabend informierten sich mehr als fünfzig Zuhörer bei der Vortragsveranstaltung darüber, was man in privaten und öffentlichen Gärten für die Natur tun kann. Unter dem Titel „Was kreucht und fleucht im Naturgarten“ berichtete Julia Kropfberger vom | naturschutzbund | OÖ, wie reich Natur auch im Siedlungsraum sein und wie man Fauna und Flora fördern kann. Unter dem Motto „Wilde Blumen braucht das Land“ hielt Markus Kumpfmüller ein Plädoyer für die Verwendung heimischer Blumen und Sträucher. Zu den Praxistagen hatten der Naturschutzbund, das REWISA-Netzwerk und die Gemeinde Kirchschlag im Rahmen der Kampagne NATUR VERBINDET vom 25. bis 26. April 2018 eingeladen. Im Juli gab’s für die Teilnehmer einen Zwischenbericht über die Entwicklung ‚ihrer‘ Flächen. Für September ist ein weiteres Treffen geplant, in dem Resümee gezogen wird sowie erforderliche Pflegemaßnahmen vorgenommen und Blumenzwiebeln der Frühlingsblüher gesetzt werden. Herbstausgabe | natur&land | 104. JG. – Heft 3-2018
rtenreiche, bunte und dennoch pflegeleichte Freiräume liegen im Trend – auch und gerade im öffentlichen Raum. Davon konnten sich die Teilnehmer bei der vom Naturschutzbund Salzburg organisierten Praxisfahrt in den Flachgau vor Ort überzeugen. Die Ganztages-Exkursion mit Bus am 25. Mai 2018 führte zu ausgewählten Blühflächen und Gärten in den Gemeinden Elixhausen, Seeham, Lamprechtshausen und Salzburg. Lokale Experten und Entscheidungsträger berichteten über ihre Erfahrungen bei Anlage und Pflege solcher Flächen. In Elixhausen zeigte Gärtnermeister Franz Hönegger eine neu angelegte Blühfläche bei der Volksschule. In Obertrum gab es die Bepflanzung des umgestalteten Kreisverkehrs zu bestaunen, in Seeham naturnah bepflanzte Flächen um das Gemeindeamt sowie öffentliche Blühflächen entlang der Straße und beim Bienenerlebnisweg. In Lamprechtshausen erwarteten die Besucher ein Gemeinschaftsgarten und öffentliche Blühflächen, im Salzburger Stadtteil Itzling wiederum ein „interkultureller Stadtteilgarten“. Die Teilnehmer kamen aus unterschiedlichen Bereichen (Gemeindevertretung, Schutzgebietsbetreuung, Stadtplanung, Gärtner, Bildungswesen bis hin zu Lehrpersonal und Studierenden der Universität Salzburg.
SALZBURGER GEMEINDEN: GUTE BEISPIELE FÜR VIELFÄLTIGE GÄRTEN UND BLÜHFLÄCHEN
Die Besichtigungspunkte: ››	Elixhausen – das Areal im Umfeld der Volksschule wurde von Gärtnermeister Hönegger naturnah gestaltet.
››	Beim Gemeindeamt Seeham wurde mit Naturgärtner Dr. Witt eine Blühfläche angelegt. ››	In Mattsee hat Gärtnermeister Hönegger in der Weyerbucht eine neuangelegte Fläche eingesät. ››	In Lamprechtshausen wurde u.a. eine Blühfläche nach der Burri-Methode angelegt. ››	Im interkulturellen Stadtteilgarten in
Salzburg-Itzling wird Menschen ein Zugang zum „Garteln“ ermöglicht. Herbstausgabe | natur&land | 104. JG. – Heft 3-2018
››	In Obertrum wurde einer der Kreisverkehre nach Plänen von DI Kumpfmüller umgestaltet.
Wildbienenfachmann Walter Wallner zeigt Hummelarten, für die Blühflächen lebensnötig sind. Rechts Hummelexperte Johann Neumayer, links Gärtnermeister Franz Hönegger.
W BUNTE SÄUME – LEBENSRÄUME IN KAMMERN (STEIERMARK)
FOTO: KK-MEIN BEZIRK AT ONLINE
Organisatoren und Akteure des Vortragsabends v.l.: Günther Hoffellner, Kathrin Grobbauer, Johann Neumayer, Siegfried Steinegger und Bürgermeister Karl Dobnigg
as Gemeinden, Gartenbesitzer und Landwirte zu einer blühenden Landschaft beitragen können, erfuhren die interessierten Teilnehmer bei dem Vortragsabend in Kammern (St), zu dem der Gemeindebauernausschuss und der Naturschutzbund am 19. April geladen hatten. Der Biologe und Wildbienenexperte Johann Neumayer zeigte eindrucksvoll, dass es mit wenig Aufwand, aber einigem Umdenken möglich ist naturnahe und blütenreiche Lebensräume voller Leben zu schaffen. Das notwendige Umdenken stand nicht nur bei seinem Vortrag, sondern auch in den Reden der beiden Initiatoren im Vordergrund: Bienen leiden unter Nahrungsarmut, Schmetterlinge sind großteils verschwunden und viele Gärten sind das ganze Jahr zwar grün, aber ohne Blüten. Dies müsste nicht sein, wenn hier ein Umdenken stattfinden würde, erklärten die Verantwortlichen. Um dies zu ermöglichen, sagte Bürgermeister Karl Dobnigg sofort seine größtmögliche Unterstützung zu. Vonseiten der Gemeinde wird es in Zukunft noch mehr Blumenwiesen geben, zusätzlich werden im Kindergarten und in der Volksschule mit den Kindern Projekte in Angriff genommen. Ganz nach dem Motto: „Natur verbindet“ und „jeder Quadratmeter zählt“ werden die Wiesenflächen in Zukunft nicht mehr so oft gemäht und mit kleinen Schildern versehen, die darauf hinweisen, dass dort die Natur samt Blumen und Insekten Vorrang hat.
FOTOS: V. O. ANDREAS HAFENSCHER; PHILIPP KOCH
Best Practice Um einen Biotopverbund herzustellen werden Blühflächen an Äckern angelegt.
GUT GEMACHT IN DER LANDWIRTSCHAFT: STRUKTUR AUF WEITER FLUR Anhand ausgewählter Best-Practice-Beispiele wollen wir Ihnen zeigen, wie man auf landwirtschaftlichen oder öffentlichen Flächen zu mehr Blüten- und Artenvielfalt beitragen kann.
as Biolandgut Esterhazy im Burgenland schafft gezielt Strukturen, um die Artenvielfalt zu fördern: Blühflächen, Hecken und Zwischenfrüchte lassen über das Jahr ein für die Biodiversität wertvolles Mosaik an vielfältigen und besonderen Lebensräumen entstehen. Pannatura, ein Unternehmen der Esterhazy Gruppe, bewirtschaftet alle Flächen biologisch und im Sinne eines umfassenden Naturschutzes. Im Betrieb am Westufer des Neusiedlersees setzt man unter wissenschaftlicher Begleitung ein Konzept zur Förderung der Artenvielfalt um: Blühflächen und Zwischenfrüchte werden in die Produktion eingegliedert und mit Hecken kombiniert, um gezielt einen Biotopverbund zu ermöglichen. Mittlerweile entstand so auf rund 300 ha Produktionsfläche ein geschickt verteiltes Mosaik von rund 17 ha Blühflächen und mehr als 15 ha Hecken und Windschutzgürtel. Bei den ersten österreichischen „Biofeldtagen“ im Juni am Seehof in Donnerskirchen konnte man sich selbst ein Bild von der vorbildlichen biologischen Bewirtschaftung machen. Infos: www.pannatura.at Herbstausgabe | natur&land | 104. JG. – Heft 3-2018
Blühflächen, Hecken als Windschutzgürtel bieten Feldhasen und vielen anderen Tieren gute Deckungsmöglichkeiten.
FOTOS: STEFANIE PONTASCH
Üppige Blühstreifen in der Rauchenbergstraße in Volders...
GUT GEMACHT: AUF ÖFFENTLICHEN FLÄCHEN NATURNAHES GRÜN IN TIROL
ie Tiroler Umweltanwaltschaft will Gemeinden dafür gewinnen, bunte Blühstreifen und Blumenwiesen mit Wildpflanzen für Jahrzehnte zu schaffen und unterstützt sie dabei. Im Rahmen der Initiative „Blüten.Reich - Gemeinsam für Vielfalt“ berät sie gemeinsam mit dem Naturgartenprofi Reinhard Witt Tiroler bei der naturnahen Gestaltung von öffentlichem Grün. Es gibt auch schon erste konkrete Pläne und blühende Ergebnisse – etwa in Eben am Achensee, Fieberbrunn, Kirchbichl, Vils, Volders, Westendorf und Wörgl. Interessierte Tiroler Gemeinden sind eingeladen sich unverbindlich an Stefanie Pontasch zu wenden: s.pontasch@tirolerumweltanwaltschaft.gv.at
...und in der Rupert-Hagleitner Straße in Wörgl
DR. UHU: Coole Kriecher! Um die Reptilien ranken sich Aberglaube, Mythen, Märchen und andere abenteuerliche Geschichten. Und leider führen viele dieser Fake-News zu völlig unbegründeter Furcht und Ekel, besonders betroffen davon sind Schlangen. Dabei sind das höchst interessante, sehr vielfältige Wirbeltiere! Hast du schon mal ein Natternhemd gesehen, also die abgestreifte Schuppenschicht der Schlangen? Wie schaffen die es bloß, sich aus dieser Haut zu befreien?! Probiere es doch mal mit deinen Freunden aus: Häutungs-Spiel: Ihr steht hintereinander in einer Reihe, die Beine gegrätscht. Nun beugt ihr euch nach vorne, sodass du mit der rechten Hand durch die eigenen Beine hindurch die linke Hand des Hintermannes fassen kannst. Der Letzte in der Reihe legt sich zu Boden (er/sie kann die Hände loslassen). Ohne die Hände loszulassen geht ihr anderen nun langsam und vorsichtig rückwärts bis der/die „neue“ Letzte sich hinlegen kann. Immer weiter, immer weiter – bis das gesamte „Natternhemd“ abgestreift ist!
Häutungs-Spiel
Reptilien-Kreuzworträtsel  2/3
5 1
Wie lautet der deutsche Name für „Reptilien“? Der Reptilienkörper ist mit ... bedeckt. Im Gegensatz zum Amphibienlaich sind Reptilieneier ... Wie viele Schlangenarten gibt es in Österreich? Die Blindschleiche ist eine ... Die einzige heimische Schildkrötenart ist die Europäische ... Die größte heimische Eidechse ist die ...
 4/6
Das Lösungswort nennt einen von mehreren Gründen, wodurch unsere Reptilien gefährdet sind, nämlich durch den Verlust von …
Die Auflösung findest du auf Seite 27. Herbstausgabe | natur&land |
JG. – Heft 3-2018
FOTOS UND IDEE: UTE NÜSKEN/ÖNJ-AURING; GRAFIK DR. UHU: NATOPIA; GRAFIK ZAUNEIDECHSE: MICHAEL PAPENBERG
NEUERÖFFNUNG + LESERMEINUNG
V FOTO: HAUS DER NATUR
Haus der Natur eröffnet neue Sternwarte
Direktor Norbert Winding und Helmut Windhager (Leiter der Arbeitsgruppe Astronomie am Haus der Natur) freuen sich über eine der leistungsstärksten öffentlichen Sternwarten Mitteleuropas am Haunsberg.
or den Toren Salzburgs am Haunsberg geht eine der modernsten öffentlichen Sternwarten Mitteleuropas in Betrieb. Die „VEGA-Sternwarte Haus der Natur“ wird nicht nur ein Ort für Wissenschaft und Forschung, sondern stellt auch – ganz der Tradition des Museums folgend – ihren Bildungs- und gesellschaftlichen Auftrag in den Fokus. Im Gegensatz zu reinen Forschungsobservatorien neben dem wissenschaftlichen Anspruch steht besonders der gesellschaftlicher Auftrag im Fokus. Deshalb sind zwei Tage pro Woche allein für die Öffentlichkeit reserviert: Jeden Montag- und Dienstagabend finden bei Dunkelheit teleskopische Sternführungen statt, an denen man – klarer Himmel vorausgesetzt – ohne Voranmeldung teilnehmen kann. An jedem letzten Freitagabend im Monat gibt es einen „Astro-Abend“. Hier stehen aktuelle astronomische Ereignisse, Vorträge und Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt. Infos: www.hausdernatur.at
LeserMeinung Ausgabe 2-2018 „Bestäuber in der Krise“ Wir freuen uns über die vielen positiven Rückmeldungen! Hier nur einige davon: Ich muss es einfach mal loswerden, zur großartigen Arbeit zu gratulieren! Das Lesen der Zeitschrift „natur&land“ ist jedes Mal ein Gewinn, die aktuelle Ausgabe ist einfach phantastisch!! Jede Menge Information, optisch attraktiv verpackt und wunderbar zu lesen … besser geht’s nicht! Dr. Reinhard Kikinger, 3541 Senftenberg Ich beglückwünsche Sie zu einem besonders gelungenen, besonders umfassend informativen, aktuellen „natur&land“, zu einem unsagbar bedeutsamen Thema. Michael Howanietz, 1220 Wien Die Ausgabe 2/2018 zählt zu den Besten dieser für die breite Öffentlichkeit bestimmten Naturschutz-Zeitschrift, die wir bisher lesen durften. Vor allem die in diesem Heft behandelte Thematik (Bestäuber in der Krise ...) trifft zweifellos eine nach wie vor auch von zu vielen Naturschützern (besonders jenen, die ihren Gartenrasen ab Frühjahr immer sauber mähen...) zu sehr unterschätzte Thematik (Insektensterben, etc.). Diese vorwiegend hervorragenden Beiträge möchten wir auch im Rahmen unserer Naturkundlichen Gesellschaft Mostviertel weiter verbreiten! Hubert und Renate Rausch, Naturkundliche Gesellschaft Mostviertel - ngm, Uferstrasse 7, 3270 Scheibbs
Bäume auf die Dächer, Wälder in die Stadt Projekte und Visionen eines Naturdenkers Waldhochhäuser, Stadtalleen, Autobahnwälder – in diesem Buch ist nichts unmöglich. Der Autor hat mutige, aber mögliche Ideen für mehr Grün im Städtebau, die allesamt zu besserer Atemluft verhelfen. In vielen Beispielen zeigt er, wie es geht. Er fordert auch mehr Wertschätzung gegenüber dem lebenswichtigen Grün: Kein unnötiger Schnitt von Stadtbäumen und Sträuchern, „Naturschatten“ in Gastgärten als nachhaltige Lösung für das Kleinklima, mehr grüne Hausfassaden, ein Qualitäts-Gütesiegel „Waldstadt“ u. v. m. Mit einem Vorwort von Erwin Thoma und empfohlen vom NABU Deutschland. Conrad Amber. Kosmos Verlag 2017, 272 Seiten, 67 Farbfotos, ISBN 978-3-440-15403-8, € 20,60
Endlich sind die höchst sympathischen Baumeister in Deutschland, Österreich und der Schweiz wieder auf dem Vormarsch. Biber-Experte Uli Meßlinger berichtet in diesem Band der „Reihe mit der Eule“ alles Wissenswerte rund um die cleveren Nager, ihre spannende Lebensweise und ihre fantastischen Fähigkeiten. Inhalt: •	Fürs Wasser gemacht - erstaunliche Anpassungen •	Jeder Tag ist Veggie-Tag – die Speisekarte der Biber •	Hochleistungszähne – wie Biber Bäume fällen •	Zu Besuch bei Familie Biber – ein Blick in die Burg •	Wasser, stillgestanden! – wie Biber Dämme bauen •	Süße Babys – das kuschelige Familienleben •	Biber als Naturschützer – wer alles vom Biber profitiert •	Biber beobachten Uli Meßlinger. Natur und Tierverlag NTV, 2018, 64 Seiten, Hardcover, zahlreiche Farbfotos, ISBN 978-3-86659-395-4, € 12,80. Momentan vergriffen, Vorbestellung möglich: www.ms-verlag.de
Die Natur und ihr Recht Sie ist klug, sensibel, erfinderisch und genügt sich selbst. In der Natur, zu Lande und zu Wasser existieren Geschöpfe, die uns Menschen in vielerlei Hinsicht das Wasser reichen können. Aber der bedingungslose Besitzanspruch moderner Gesellschaften führt zum Ungleichgewicht – ja, zur ökologischen Ungerechtigkeit. Der Verbrauch von Rohstoffen geht hauptsächlich auf das Konto der reichen Nationen. Wissenschaftler nennen diese Ära, in die wir im Begriff sind, einzutreten, das »Anthropozän«, weil sich die Oberfläche und das gesamte Erscheinungsbild der Erde in einem Ausmaß verändern wird, dass ein Zeitreisender aus dem 20. Jahrhundert sie nicht mehr erkennen könnte. Aber was, wenn all die Ökosysteme, die Geschöpfe, die darin leben, die faszinierenden Arten des Zusammenlebens Rechte hätten? Was, wenn sie sie einklagen und durchsetzen könnten? Ein kühnes Gedankenexperiment, ein praktischer Ansatz und ein dringender Aufruf zur ökologischen Gerechtigkeit. Erscheint am 20. 9. 2018! David Boyd. Ecowin Verlag, 2018, 128 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, ISBN: 13 9783711001719, E-ISBN: 13 9783711052360, € 24,00 l 33,90 CHF, E-Book: € 18,99 l 29,00 CHF
Wald WAS IST WAS Mitmach-Juniorheft
Was machen die Waldtiere in der Nacht? Und wer räumt im Wald auf? Der WAS IST WAS Junior Band „Wald“ zeigt, welche Tiere und Pflanzen es im Wald gibt, was ein Förster zu tun hat u.v.m. Altersgerechte Erklärungen, farbenfrohe Illustrationen und zahlreiche Entdecker-Klappen laden zum Lesen ein. Mit vielen Mitmach-Ideen! Christina Braun, illustriert von Dirk Hennig, Tessloff Verlag, Nürnberg 2017, Hardcover, 20 Seiten, ab 4 Jahren, ISBN: 978-3-7886-1997-8, € 12,95 + Versand.
Auflösung von Seite 25: 1 Kriechtiere, 2 Hornschuppen, 3 hartschalig, 4 sechs, 5 Echse, 6 Sumpfschildkröte, 7 Smaragdeidechse. Lösungswort: LEBENSRAUM
ADRESSEN + IMPRESSUM BUNDESVERBAND Museumsplatz 2, 5020 Salzburg Mo–Do 8–17, Fr 8–12 Uhr T 0662/64 29 09 bundesverband@naturschutzbund.at
BURGENLAND Josef-Haydn-Gasse 11, 7000 Eisenstadt Mo–Fr 8.30–12.00 Uhr T 0664/845 30 48, F 02682/622 82-80 burgenland@naturschutzbund.at
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Ein „Gutes Leben“ für ALLE – 2017
„Ein gutes Leben für alle Menschen auf unserer Schulgasse Dornbirn Museumsplatz StiegeDiesem 13 schönen1,Erde!“ Ziel wollen 7, wir6850 gemeinMo, DoMachen 8.30–11.30, 13.30–16.00 Uhr 1070 näher Wien kommen. uptversammlung sam mit Ihnen Sie mit! Fr 8.30–11.30 Bürozeiten „gutes leben“,variabel das erfolgreiche chutzbund | Salzburg Mitmach-Projekt FamilienT 05572/296 50, F 05572/210 53 mobil 0677/62 43 des 27 70 verbandes, lädt Familien und h, 5. April 2017 wien@naturschutzbund.at vorarlberg@naturschutzbund.at Singles ein, ihren lebensstil zu
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cht durch den Geschäftsführer einfach trinken / Herzlichkeit verschenken / Tief durchatmen / assiers Den Sonntag feiern / zeiten der besinnung OBERÖSTERREICH SALZBURG echnungsprüfer ntlastung des Vorstandes Gutes Leben Museumsplatz 2, 5020 Salzburg Knabenseminarstraße 2, 4040–Linz on Vorstand, Fachbeirat und Mo–Do trinken 8–17, Fr 8–12 Uhr einfach essen Uhr und einfach Mo–Fr 7.30–12.30 üfern Tätigkeiten und 0732/77 92 79auch Tso,0662/64 gehtTes Ihnen manchmal dass Sie 29 09-11 mm von der Fülle und Vielfalt der salzburg@naturschutzbund.at Konsumwelt oberoesterreich@naturschutzbund.at erung fast erschlagen werden? Je bewusster Sie ung über den Voranschlag genießen, desto weniger brauchen Sie. ung über Mitgliedsbeiträge ÖSTERREICHISCHE NATURSCHUTZJUGEND önj „Weisheit und Einfachheit ung über Anträge gesellen sich gerne.“
Bundesleitung Eustacchiogasse 44, 8010 Graz Aktionswoche: 3. bis 9. April 2017 susanne.plank@naturschutzjugend.at Aufgabe: Eine Woche lang bewusst einfach essen und trinken T 0650/802 02 00 (Russisches Sprichwort)
on Bundesgeschäftsführerin rgit Mair-Markart:
In dieser Woche laden wir Sie ein, einfache Speisen zu kochen. am Montag oder Dienstag werden die lebensmittel für die ganze restliche Woche eingekauft. zu den Mahlzeiten wird möglichst nur Wasser aus dem Wasserhahn getrunken. als positiver Nebeneffekt dieser aktionswoche werden sich Ihr Haushaltsmüll SIE SUCHEN ARTIKEL ODERauch AUTORINNEN UNDreduzieren. AUTOREN? und wahrscheinlich die Einkaufswege Weitere Details unter: https://www.familie.at/site/salzburg/ angebote/projekte/gutesleben ››	Artikelübersicht (tabellarisch):
am mehr erreichen – jekte des Naturschutzbundes beobachtung, Naturfreikauf, faltleben u. a. m.
elliger Ausklang
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Schwerpunkt-HEFTE/NR. ❒ Bestäuber-Krise, 2-18	6,5 ❒ Naturschutzaktiv., 1-18	6,5 ❒ Bunte Säume, 4-17	6,5 ❒ Invasive Pflanzen..., 3-17	6,5 ❒ Welt der Pilze, 2-17	6,5 ❒ Lust auf Molch?, 1-17	6,5 ❒ Fischotter&Wolf, 4-16	6,– ❒ Artenkenntnis? 2-16	6,– ❒ Raumplanung, 4-15	6,– ❒ Naturfreikauf, 3-15	6,– ❒ Neobiota u. a., 1-15	6,– ❒ Business&Biodiv., 4-14	5,– ❒ Wildkatze, 3-14	5,– ❒ Auenschutz-wohin, 2-14	5,– ❒ 10 J. Grünes Band, 4-13 5,– ❒ Biber, 3-13	5,– ❒ 100 Jahre ÖNB, 1/2-13	5,– ❒ Auenschutz m. Str., 3-12	5,– ❒ Sonderh. mit ÖBB, 2-10	3,– ❒ Moore/Klimasch., 1-10	3,– ❒ Natürl. Gärtnern, 3/4-05	2,– ❒ Fische, 1/2-02	1,–
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natur&land-SCHWERPUNKTHEFTE ›› Bestäuber in der Krise, 2-18
›› Naturschutzaktivitäten, 1-18
›› Bunte Säume. Lebensräume, 4-17	6,5 ›› Invasive Pflanzen und Pilze, 3-17	6,5 ›› Geheimnisv. Welt d. Pilze, 2-17
›› Lust auf Molch & CO?, 1-1
›› Akzeptanz f. Wolf & Otter, 4-16
›› Artenkenntnisverlust? 2-16
›› Raumplanung & RO, 4-15
›› Naturfreikauf mit Strategie, 3-15	6,– ›› Neobiota und anderes, 1-15
›› Business & Biodiversität, 4-14
›› A. d. Spuren der Wildkatze, 3-14
›› Auenschutz-wohin? 2-14
›› 10-Jahre Grünes Band, 4-13
›› Die Biber sind zurück! 3-13
››100 Jahre ÖNB, 1/2-13
›› Auenschutz mit Strategie, 3-16
›› Sonderheft mit ÖBB, 2-10
›› Moore/Rolle im Klimaschutz, 1-10	3,– ›› Naturnah gärtnern, 3/4-05	›› Fische, 1/2-02
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Tierstimmen und Geräusche des Landlebens; Fernand Deroussen Audio-CD, inklusive Beiheft mit Informationen, Memory. 71:43 Min., EUR 14,95
Audio-CD inklusive 32-seitigem Beiheft mit vielen Informationen, Zeichnungen und Fotos, Pflanzenführer, Spurensuche und Rätselspiel. 78:53 Min., EUR 14,95
Die Stimmen aller heimischen Arten. Audio-CD inklusive Beiheft, Tonaufnahmen aller 14 heimischen Froschlurche von Immo Tetzlaff, 63 Min., EUR 19,99
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Säugetiere, Lurche, Insekten Mit den Tierstimmen von 31 bekannten Säugetieren, Lurchen und Insekten Mitteleuropas. Die Audio-CD wird mit einem Begleitheft geliefert (Abb. der Tiere, Beschreibung). Für alle Altersgruppen, 73 Min., EUR 9,95
Heuschrecken Die Stimmen von 61 heimischen Arten. Audio-CD inklusive 28-seitigem Beiheft, Heiko Bellmann, schnelles und sicheres Bestimmen. 66:47 Min., EUR 19,99
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Schwerpunkt: Die Säugetiere Oberösterreichs erleben und erheben… …steht im Zentrum eines neuen Projektes, das der Naturschutzbund gemeinsam mit der Naturschutzabteilung des Landes OÖ und weiteren Partnern durchführt. Dazu wird auf www.naturbeobachtung.at ein eigener Säugetiere-in-Oberösterreich-Meldebereich aufgebaut und dieser mit den regionalspezifischen Besonderheiten des Bundeslandes erweitert. Die gewonnenen Beobachtungsdaten werden auch in die Datenbank des OÖ Landesmuseums eingespeist. Denn einer der Hauptpartner ist das Biologiezentrum Linz,
bei dem bis 2020 die Säugetiere im Fokus stehen. Externe Fachleute aus den Bereichen Kleinsäugerund Fledermausforschung sind wichtige lokale Partner, die den Erfolg des Projekts sichern. Je mehr Menschen die Säugetiere Oberösterreichs erleben und dabei helfen sie zu erheben, desto effektiver ist das für den Schutz und die Zukunft dieser Artengruppe. Mit den Fundmeldungen sollen Lücken im Wissen um die aktuelle Verbreitungssituation von Säugetieren geschlossen werden.
➔ HEFT 4/2018 „WINTERHEFT“ ERSCHEINT MITTE DEZEMBER
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ISSN: 0028-0607 | Heft 3-2018
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