Source: https://www.rechtslupe.de/brennpunkt/kostenerstattung-fuer-den-selbstbeschafften-kinderbetreuungsplatz-370213
Timestamp: 2020-02-25 15:43:45
Document Index: 32474435

Matched Legal Cases: ['§ 36', '§ 5', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 137', '§ 173', '§ 560', '§ 36', '§ 79', '§ 80', '§ 24', '§ 36', '§ 36', '§ 36', '§ 36', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 22', '§ 2', '§ 36', '§ 36', '§ 35', '§ 36', '§ 36', '§ 90', '§ 22', '§ 90', '§ 90', '§ 90', '§ 90', '§ 13', '§ 15', 'Art. 34', '§ 839', '§ 36', '§ 36', '§ 36', '§ 36', '§ 36', '§ 36', '§ 36', '§ 36', '§ 79', '§ 80', '§ 5', '§ 79', '§ 5', '§ 137', '§ 173', '§ 560', '§ 5', '§ 13', '§ 5', '§ 24', '§ 35', '§ 27', '§ 24', '§ 5', '§ 24', '§ 123', '§ 36', '§ 36', '§ 839', 'Art. 1', '§ 56', '§ 113', '§ 42', 'Art. 12', '§ 28', '§ 137', '§ 5', '§ 6', '§ 35', '§ 35', '§ 90', '§ 90', '§ 90', '§ 33', '§ 5', '§ 36', '§ 28', '§ 47', 'Art. 12', 'BGH', 'BGH', '§ 23']

Kos­ten­er­stat­tung für den selbst­be­schaff­ten Kin­der­be­treu­ungs­platz | Rechtslupe
Kos­ten­er­stat­tung für den selbst­be­schaff­ten Kin­der­be­treu­ungs­platz
Ein An­spruch auf Über­nah­me der er­for­der­li­chen Auf­wen­dun­gen für einen selbst­be­schaff­ten Kin­der­be­treu­ungs­platz er­gibt sich aus dem Bun­des­recht ent­spre­chend § 36a Abs. 3 SGB VIII, wenn der Leis­tungs­be­rech­tig­te den Trä­ger der öf­fent­li­chen Ju­gend­hil­fe vor der Selbst­be­schaf­fung recht­zei­tig über den Be­darf in Kennt­nis ge­setzt hat, die Vor­aus­set­zun­gen für die Ge­wäh­rung der Leis­tung vor­ge­le­gen haben und die De­ckung des Be­darfs kei­nen zeit­li­chen Auf­schub ge­dul­det hat.
Der Anspruch auf Auf­wen­dungs­er­satz ist ein Sekun­där­an­spruch, der sei­ner Rechts­na­tur nach dem Lan­des­recht ange­hört. Dies beruht dar­auf, dass der die­sem zugrun­de lie­gen­de (pri­mä­re) Leis­tungs­an­spruch auf Ver­schaf­fung eines Kin­der­gar­ten­plat­zes (im hier maß­geb­li­chen Zeit­raum des Jah­res 2011) auf einen Geset­zes­be­fehl des Lan­des­rechts zurück­geht. Nach § 5 Abs. 1 des Kin­der­ta­ges­stät­ten­ge­set­zes des Lan­des Rhein­land-Pfalz – KitaG – vom 15.03.1991 1 haben Kin­der vom voll­ende­ten zwei­ten Lebens­jahr bis zum Schul­ein­tritt Anspruch auf Erzie­hung, Bil­dung und Betreu­ung im Kin­der­gar­ten (Satz 1), wobei das Jugend­amt zu gewähr­leis­ten hat, dass für jedes Kind recht­zei­tig ein Kin­der­gar­ten­platz in zumut­ba­rer Ent­fer­nung zur Ver­fü­gung steht (Satz 2). Mit dem Wirk­sam­wer­den des Sat­zes 1 die­ser Vor­schrift ab dem 1.08.2010 ist in Rhein­land-Pfalz ein Rechts­an­spruch bereits für zwei­jäh­ri­ge Kin­der ein­ge­räumt wor­den, der nach der bun­des­recht­lich nicht zu bean­stan­den­den Aus­le­gung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts nicht an wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen (wie etwa die Erwerbs­tä­tig­keit der Eltern) geknüpft ist.
Dem Bun­des­recht ließ sich im hier maß­geb­li­chen Zeit­raum von April bis Okto­ber 2011, für den die Klä­ge­rin­nen Auf­wen­dungs­er­satz begeh­ren, kein ent­spre­chen­der Betreu­ungs­an­spruch für zwei­jäh­ri­ge Kin­der ent­neh­men. Das Sozi­al­ge­setz­buch Ach­tes Buch – SGB VIII – 2 sah in § 24 Abs. 1 SGB VIII (a.F.) einen (unbe­ding­ten) Rechts­an­spruch nur für Kin­der ab dem voll­ende­ten drit­ten Lebens­jahr vor. Für Kin­der unter drei Jah­ren ent­hielt das Bun­des­recht ledig­lich eine Ver­pflich­tung der Jugend­hil­fe­trä­ger, ein bedarfs­ge­rech­tes Ange­bot an Plät­zen vor­zu­hal­ten (§ 24 Abs. 2 SGB VIII a.F.), und begrün­de­te eine För­de­rungs­ver­pflich­tung nur unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen, wie etwa der Erwerbs­tä­tig­keit der Erzie­hungs­be­rech­tig­ten (§ 24 Abs. 3, § 24a Abs. 3 und 4 SGB VIII). Die Neu­re­ge­lung des § 24 Abs. 3 SGB VIII 3, die ab dem 1.08.2013 einen Rechts­an­spruch für Kin­der, die das ers­te Lebens­jahr voll­endet haben, gewährt, ist hier noch nicht anwend­bar.
Ist der maß­geb­li­che Pri­mär­an­spruch – hier auf Ver­schaf­fung eines Kin­der­gar­ten­plat­zes – lan­des­recht­li­cher Natur, so folgt dar­aus, dass auch die an sei­ne Ver­let­zung oder Nicht­er­fül­lung geknüpf­ten sekun­där­recht­li­chen Fol­gen dem Lan­des­recht zuzu­ord­nen sind. Der Sekun­där­an­spruch – hier auf Auf­wen­dungs­er­satz gerich­tet – teilt in aller Regel und so auch hier die Rechts­na­tur des ihm zugrun­de lie­gen­den Leis­tungs­an­spruchs 4.
Soweit das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz im vor­lie­gen­den Fall 5 Lan­des­recht aus­ge­legt und ange­wen­det hat, ist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt grund­sätz­lich dar­an gebun­den (§ 137 Abs. 1 VwGO, § 173 Abs. 1 VwGO i.V.m. § 560 ZPO). Es hat aber nach­zu­prü­fen, ob die Vor­in­stanz eine irre­vi­si­ble Norm des Lan­des­rechts unter Ver­ken­nung von oder im Wider­spruch zu Bun­des­recht aus­ge­legt hat 6. Zudem ist eine revi­si­ons­ge­richt­li­che Über­prü­fung auch dann eröff­net, wenn die Vor­in­stanz die Aus­le­gung des irre­vi­si­blen Rechts wesent­lich vom Ver­ständ­nis des Bun­des­rechts abhän­gig gemacht hat 7. So liegt es hier.
Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat sich bei sei­ner Prü­fung des dem Lan­des­recht zuzu­ord­nen­den Sekun­där­an­spruchs auf Auf­wen­dungs­er­satz im Wesent­li­chen davon lei­ten las­sen, wie die­ser Anspruch im Bun­des­recht ent­wi­ckelt und kon­tu­riert wird. Dar­an anknüp­fend ist es der Sache nach davon aus­ge­gan­gen, dass das Lan­des­recht dem fol­ge. Es hat sich mit­hin bei der Kon­kre­ti­sie­rung des lan­des­recht­li­chen Sekun­där­an­spruchs wesent­lich vom Ver­ständ­nis des Bun­des­rechts abhän­gig gemacht. Dies erschließt sich ins­be­son­de­re dar­aus, dass es im Hin­blick auf den im Streit ste­hen­den Sekun­där­an­spruch auf Auf­wen­dungs­er­satz kei­ne spe­zi­fisch lan­des­recht­li­chen Erwä­gun­gen ange­stellt, son­dern maß­geb­lich auf die in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts her­aus­ge­bil­de­ten Grund­sät­ze zum Jugend­hil­fe­recht des Bun­des abge­stellt und sich an die­sen aus­ge­rich­tet hat. Soweit die Erwä­gun­gen des Beru­fungs­ge­richts Inhalt und Gren­zen eines bun­des­recht­li­chen Sekun­där­an­spruchs betref­fen, unter­lie­gen sie der revi­si­ons­ge­richt­li­chen Kon­trol­le.
Der vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ange­nom­me­ne Rechts­satz, dass aus dem Bun­des­recht ein Sekun­där­an­spruch abzu­lei­ten ist, wonach unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen Auf­wen­dungs­er­satz für selbst­be­schaff­te Leis­tun­gen der Jugend­hil­fe ver­langt wer­den kann, wenn der Pri­mär­an­spruch – hier auf Ver­schaf­fung eines Kin­der­be­treu­ungs­plat­zes – nicht erfüllt oder in rechts­wid­ri­ger Wei­se ver­wei­gert wird, ist bun­des­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Er beruht auf einer ana­lo­gen Anwen­dung des § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII.
Dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ist dar­in zuzu­stim­men, dass ein sol­cher bun­des­recht­li­cher Rechts­satz ursprüng­lich in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts im Wege rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung ent­wi­ckelt wor­den ist. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in sei­ner Recht­spre­chung sowohl zum Jugend­wohl­fahrts- und Jugend­hil­fe­recht als auch zum Sozi­al­hil­fe­recht stets ange­nom­men, dass der Jugend­hil­fe- bzw. Sozi­al­hil­fe­trä­ger zur Über­nah­me der Kos­ten bereits durch­ge­führ­ter selbst­be­schaff­ter Hil­fe­maß­nah­men ver­pflich­tet sein kann 8. Beson­de­re prak­ti­sche Bedeu­tung erlang­te die­ser Anspruch auf Kos­ten­über­nah­me für selbst­be­schaff­te Leis­tun­gen im Jugend­hil­fe­recht nament­lich im Bereich der Ein­glie­de­rungs­hil­fe und der Hil­fe zur Erzie­hung 9. Er war aber nicht dar­auf beschränkt, son­dern erstreck­te sich grund­sätz­lich auf alle Leis­tun­gen der Jugend­hil­fe.
Dies und die Vor­aus­set­zun­gen eines ent­spre­chen­den Sekun­där­an­spruchs hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mit den Wor­ten zum Aus­druck gebracht, "dass dann, wenn die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung von Jugend­hil­fe vor­la­gen, erfor­der­li­che Maß­nah­men aber nicht vom Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe, son­dern von Drit­ten durch­ge­führt wur­den, der Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe Jugend­hil­fe noch nach­träg­lich leis­ten kön­ne und müs­se, indem er die Kos­ten der bereits durch­ge­führ­ten Maß­nah­me über­nimmt" 10. Der Jugend­hil­fe­trä­ger hat für die­se Kos­ten aber nur dann auf­kom­men müs­sen, wenn der Hil­fe­be­darf recht­zei­tig an ihn her­an­ge­tra­gen wor­den ist 11. Die Not­wen­dig­keit, den Trä­ger von Anfang an mit ein­zu­be­zie­hen, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aus­drück­lich dar­aus her­ge­lei­tet, dass die Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe nur in die­sem Fall ihre aus § 79 Abs. 1 SGB VIII fol­gen­de Gesamt­ver­ant­wor­tung für die Erfül­lung ihrer gesetz­li­chen Auf­ga­ben wie auch ihre Pla­nungs­ver­ant­wor­tung nach § 80 Abs. 1 Nr. 2 und 3 SGB VIII nicht nur insti­tu­tio­nell, son­dern auch durch die Hil­fe­ge­stal­tung im indi­vi­du­el­len Ein­zel­fall wahr­neh­men 12.
Die­se Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist im Fach­schrift­tum wie auch von Beru­fungs­ge­rich­ten zu Recht dahin ver­stan­den wor­den, dass damit ein rich­ter­recht­li­ches Haf­tungs­in­sti­tut für das Jugend­hil­fe­recht kon­kre­ti­siert wor­den ist. Danach ist eine Selbst­be­schaf­fung mit der Fol­ge eines (Sekundär-)Anspruchs auf Ersatz von Auf­wen­dun­gen gegen­über dem Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe grund­sätz­lich nur zuläs­sig, wenn ein (Primär-)Anspruch auf die beschaff­te Leis­tung bestan­den hat, die­se Leis­tung nicht recht­zei­tig erbracht oder zu Unrecht abge­lehnt wor­den ist (mit­hin ein "Sys­tem­ver­sa­gen" bei der Leis­tungs­ge­wäh­rung zu ver­zeich­nen war) und es dem Leis­tungs­be­rech­tig­ten wegen der Dring­lich­keit sei­nes Bedarfs nicht zuzu­mu­ten war, die Bedarfs­de­ckung auf­zu­schie­ben 13. Der Anwen­dungs­be­reich die­ser Grund­sät­ze ist im Fach­schrift­tum teil­wei­se auch aus­drück­lich und zu Recht auf die Selbst­be­schaf­fung von Leis­tun­gen der Kin­der­be­treu­ung nach § 24 SGB VIII erstreckt wor­den 14.
Dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ist nicht dar­in bei­zu­pflich­ten, dass der Anspruch der Klä­ge­rin­nen sei­ne Grund­la­ge in dem dar­ge­stell­ten rich­ter­recht­li­chen Haf­tungs­in­sti­tut bei zuläs­si­ger Selbst­be­schaf­fung fin­det. Dies folgt dar­aus, dass der Anspruch auf Auf­wen­dungs­er­satz für selbst­be­schaff­te Leis­tun­gen im Jugend­hil­fe­recht nun­mehr durch das Gesetz zur Wei­ter­ent­wick­lung der Kin­der- und Jugend­hil­fe vom 08.09.2005 15 mit Wir­kung zum 1.10.2005 in § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII gere­gelt wor­den ist. Damit hat der Gesetz­ge­ber der Sache nach im Wesent­li­chen den zuvor rich­ter­recht­lich begrün­de­ten Anspruch auf Auf­wen­dungs­er­satz kodi­fi­ziert. In der Begrün­dung zum Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung wird aus­drück­lich auf die zuvor genann­te Recht­spre­chung und Lite­ra­tur Bezug genom­men 16 und dazu aus­ge­führt, die­se Recht­spre­chung sol­le nun­mehr im Inter­es­se der Rechts­si­cher­heit und der Rechts­klar­heit eine posi­tiv-recht­li­che Grund­la­ge erfah­ren 17.
Die nun­mehr geschaf­fe­ne gesetz­li­che Grund­la­ge geht dem rich­ter­recht­li­chen Haf­tungs­in­sti­tut vor. Zwar ist § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII hier nicht unmit­tel­bar anzu­wen­den. Jedoch lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen einer ana­lo­gen Anwen­dung vor. Da die geset­zes­über­stei­gen­de rich­ter­li­che Rechts­fort­bil­dung nur dann als zuläs­sig erach­tet wer­den kann, wenn die Lösung nicht im Wege der Aus­le­gung oder der geset­zes­im­ma­nen­ten Rechts­fort­bil­dung (etwa der Ana­lo­gie) gefun­den wer­den kann 18, haben ihr gegen­über die For­men der geset­zes­im­ma­nen­ten Rechts­fort­bil­dung Vor­rang.
Eine unmit­tel­ba­re Anwen­dung des § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII auf die Fäl­le der Selbst­be­schaf­fung von Kin­der­gar­ten­plät­zen schei­det aus.
Dies erschließt sich bereits aus dem Wort­laut der Vor­schrift. § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII bezieht sich auf "Hil­fen" und erfasst damit nicht alle der in § 2 Abs. 2 SGB VIII auf­ge­lis­te­ten Leis­tun­gen der Jugend­hil­fe, son­dern nur sol­che, die sich als Hil­fen im Sin­ne von § 2 Abs. 2 Nr. 4 bis 6 SGB VIII dar­stel­len, also nicht zu der Leis­tungs­form der Ange­bo­te (§ 2 Abs. 2 Nr. 1 bis 3 SGB VIII) gehö­ren. Bei den Rege­lun­gen über die För­de­rung von Kin­dern in Tages­ein­rich­tun­gen und in der Kin­der­ta­ges­pfle­ge (§ 22 ff. SGB VIII) han­delt es sich um die zuletzt genann­te Kate­go­rie (§ 2 Abs. 2 Nr. 3 SGB VIII).
Auch die sys­te­ma­ti­sche Stel­lung des § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII im Vier­ten Abschnitt des Geset­zes spricht in gewich­ti­ger Wei­se dafür, dass die­se Vor­schrift unmit­tel­bar nur die in die­sem Abschnitt gere­gel­ten Hil­fen, nicht aber die im Drit­ten Abschnitt nor­mier­ten Ange­bo­te erfasst. Zudem las­sen die Geset­zes­ma­te­ria­li­en erken­nen, dass der Gesetz­ge­ber bei der Schaf­fung des § 36a SGB VIII die Hil­fen im Auge hat­te und ins­be­son­de­re die Selbst­be­schaf­fung von Leis­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe (§ 35a SGB VIII) begren­zen woll­te 19.
§ 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII ist jedoch auf jugend­hil­fe­recht­li­che Leis­tun­gen, wel­che die För­de­rung von Kin­dern in Tages­ein­rich­tun­gen und in der Kin­der­ta­ges­pfle­ge betref­fen, ent­spre­chend anzu­wen­den. Die Vor­aus­set­zun­gen eines Ana­lo­gie­schlus­ses sind erfüllt.
Jede Art der geset­zes­im­ma­nen­ten rich­ter­li­chen Rechts­fort­bil­dung – hier die Ana­lo­gie – setzt eine Geset­zes­lü­cke im Sin­ne einer plan­wid­ri­gen Unvoll­stän­dig­keit des Geset­zes vor­aus 20. Hat der Gesetz­ge­ber eine ein­deu­ti­ge Ent­schei­dung getrof­fen, dür­fen die Gerich­te die­se nicht auf­grund eige­ner rechts­po­li­ti­scher Vor­stel­lun­gen ver­än­dern oder durch eine judi­ka­ti­ve Lösung erset­zen. Ob eine Geset­zes­lü­cke vor­liegt, ist danach zu beur­tei­len, ob die vom Rege­lungs­pro­gramm des Gesetz­ge­bers erfass­ten Fäl­le in den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten tat­säch­lich Berück­sich­ti­gung gefun­den haben. Sie ist zu beja­hen, wenn fest­zu­stel­len ist, dass der Wort­laut der Vor­schrift nicht alle Fäl­le erfasst, die nach dem Sinn und Zweck der Rege­lung erfasst sein soll­ten 21.
Das Sozi­al­ge­setz­buch Ach­tes Buch weist die danach vor­aus­ge­setz­te Geset­zes­lü­cke auf. Der in Rede ste­hen­de Sach­ver­halt, ob und wel­che Rechts­fol­gen das Bun­des­recht dar­an knüpft, wenn ein Rechts­an­spruch auf Ver­schaf­fung eines Kin­der­be­treu­ungs­plat­zes nicht erfüllt und die Leis­tung selbst beschafft wird, wird weder unmit­tel­bar von § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII noch von einer sons­ti­gen gesetz­li­chen Bestim­mung des Kin­der- und Jugend­hil­fe­rechts erfasst.
Der Ein­wand der Stadt, dass mit § 90 Abs. 3 SGB VIII eine selb­stän­di­ge und abschlie­ßen­de Son­der­re­ge­lung zur Kos­ten­tra­gung für das Kin­der­gar­ten­recht bestehe, ver­fängt inso­weit nicht. Nach die­ser Vor­schrift soll im Fal­le des Abs. 1 Nr. 3 (der För­de­rung von Kin­dern in Tages­ein­rich­tun­gen und Kin­der­ta­ges­pfle­ge nach den §§ 22 bis 24 SGB VIII) der Kos­ten­bei­trag auf Antrag ganz oder teil­wei­se erlas­sen oder ein Teil­nah­me­bei­trag auf Antrag ganz oder teil­wei­se vom Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe über­nom­men wer­den, wenn die Belas­tung den Eltern und dem Kind nicht zuzu­mu­ten ist. Für die Fest­stel­lung der zumut­ba­ren Belas­tung kommt es auf das maß­geb­li­che Ein­kom­men an (§ 90 Abs. 4 SGB VIII).
Die­se Rege­lung ist nicht auf die Fäl­le der Selbst­be­schaf­fung von Kin­der­be­treu­ungs­plät­zen wegen Sys­tem­ver­sa­gens zuge­schnit­ten. Viel­mehr bezieht sich der Über­nah­me­an­spruch nach § 90 Abs. 3 SGB VIII auf eine ande­re Sach­la­ge. Er setzt im Wesent­li­chen die Unzu­mut­bar­keit der Belas­tung vor­aus und ist neben der sozia­len Staf­fe­lung (§ 90 Abs. 1 Satz 2 SGB VIII) eine wei­te­re sozia­le Kom­po­nen­te der Aus­ge­stal­tung der Kos­ten­be­tei­li­gung der Eltern 22.
Soweit das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im Urteil vom 25.04.2002 23 aus­ge­führt hat, dass nach der Sys­te­ma­tik des Geset­zes die Kos­ten­be­tei­li­gung für die in § 90 SGB VIII bezeich­ne­te Inan­spruch­nah­me von Ange­bo­ten der Jugend­hil­fe abschlie­ßend in die­ser Vor­schrift gere­gelt sei, bezie­hen sich die­se Aus­füh­run­gen allein auf die Kos­ten­be­tei­li­gung der Eltern und damit auf die Fra­ge, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Eltern einen Kos­ten­bei­trag zu zah­len oder Anspruch auf Erlass die­ses Bei­trags haben bzw. sei­ne Über­nah­me durch den Jugend­hil­fe­trä­ger bean­spru­chen kön­nen. Für die hier in Rede ste­hen­de Fra­ge, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch dar­an geknüpft ist, wenn der Pri­mär­an­spruch des Kin­des auf Ver­schaf­fung eines Betreu­ungs­plat­zes von dem Trä­ger der Jugend­hil­fe nicht erfüllt wor­den ist, ist damit kei­ne Aus­sa­ge getrof­fen wor­den.
Dies gilt auch für die gesetz­lich nor­mier­ten Erstat­tungs­an­sprü­che für selbst­be­schaff­te Leis­tun­gen bei Sys­tem­ver­sa­gen im Bereich der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (§ 13 Abs. 3 SGB V)) und im Schwer­be­hin­der­ten­recht (§ 15 Abs. 1 Satz 2 SGB IX). Die­se betref­fen ande­re Rege­lungs­be­rei­che und bie­ten kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass ihnen für den Bereich des Jugend­hil­fe­rechts Aus­sa­ge­kraft zukom­men soll.
Eine gesetz­li­che Rege­lungs­lü­cke kann schließ­lich auch nicht des­halb abge­lehnt wer­den, weil – wie die Stadt meint – das Staats­haf­tungs­recht all­ge­mei­ne Haf­tungs­in­sti­tu­te wie den Fol­gen­be­sei­ti­gungs­an­spruch und die Amts­haf­tung vor­sieht. Aus der Exis­tenz des Amts­haf­tungs­an­spruchs (Art. 34 GG i.V.m. § 839 BGB), der ein rechts­wid­ri­ges und schuld­haf­tes Ver­hal­ten eines Amts­wal­ters vor­aus­setzt und nicht nur Aufwendungs‑, son­dern wei­ter­rei­chen­den Scha­dens­er­satz gewährt, ist wegen die­ser Unter­schie­de für die Fra­ge, ob eine gesetz­li­che Rege­lungs­lü­cke im Hin­blick auf einen ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­gen, an ein Sys­tem­ver­sa­gen bei der Erfül­lung von Kin­der­be­treu­ungs­plät­zen anknüp­fen­den Sekun­där­an­spruch besteht, nichts her­zu­lei­ten. Auch die Exis­tenz von unge­schrie­be­nen all­ge­mei­nen Haf­tungs­in­sti­tu­ten wie des Fol­gen­be­sei­ti­gungs­an­spruchs gibt kei­ne Ant­wort auf die Fra­ge, ob das Gesetz in einem bestimm­ten Bereich – wie hier im Bereich der Nicht­er­fül­lung von jugend­hil­fe­recht­li­chen Ansprü­chen auf För­de­rung von Kin­dern in Tages­ein­rich­tun­gen – Unvoll­stän­dig­kei­ten auf­weist.
Die fest­ge­stell­te Geset­zes­lü­cke stellt sich auch als plan­wid­rig dar. Ent­ge­gen der Ansicht der Stadt ist § 36a Abs. 3 SGB VIII nicht als abschlie­ßen­de Spe­zi­al­re­ge­lung für das gesam­te Jugend­hil­fe­recht zu begrei­fen, die eine Aus­deh­nung des Erstat­tungs­an­spruchs auf Leis­tun­gen des Kin­der- und Jugend­hil­fe­rechts, die nicht unmit­tel­bar Gegen­stand der Vor­schrift sind, aus­schließt. Viel­mehr ent­spricht es dem Plan des Gesetz­ge­bers, den Erstat­tungs­an­spruch auch auf die Fäl­le der Nicht­er­fül­lung eines Anspruchs auf För­de­rung von Kin­dern in Tages­ein­rich­tun­gen und in der Kin­der­ta­ges­pfle­ge anzu­wen­den. Dies erschließt sich vor allem aus den in den Geset­zes­ma­te­ria­li­en zum Aus­druck kom­men­den gesetz­ge­be­ri­schen Inten­tio­nen.
Der Gesetz­ge­ber ver­folg­te mit der Schaf­fung des § 36a Abs. 3 SGB VIII – wie oben auf­ge­zeigt – das Ziel, die Recht­spre­chung zum Anspruch auf Auf­wen­dungs­er­satz im Fall der Selbst­be­schaf­fung von Leis­tun­gen im Jugend­hil­fe­recht zu kodi­fi­zie­ren. Mit dem Anspruch auf Über­nah­me der erfor­der­li­chen Auf­wen­dun­gen hat der Gesetz­ge­ber im Ver­gleich zur frü­he­ren Rechts­la­ge kei­ne Schlech­ter­stel­lung der Berech­tig­ten bezweckt 24. Da das rich­ter­li­che Haf­tungs­in­sti­tut – wie oben eben­falls dar­ge­legt – auch die sekun­där­recht­li­chen Fol­gen eines ent­täusch­ten (Primär-)Anspruchs auf Kin­der­be­treu­ung umfass­te, bleibt § 36a Abs. 3 SGB VIII inso­weit hin­ter dem Plan des Gesetz­ge­bers zurück.
Die plan­wid­ri­ge Lücke ist durch ana­lo­ge Anwen­dung des § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII zu schlie­ßen. Die Rechts­fol­ge des Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruchs ist auf den hier zur Beur­tei­lung ste­hen­den Sach­ver­halt über­trag­bar, weil eine ver­gleich­ba­re Sach- und Inter­es­sen­la­ge zu den gere­gel­ten Fäl­len besteht.
Kenn­zeich­nend für die in § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII nor­mier­ten Fäl­le ist, dass ein gesetz­li­cher Pri­mär­an­spruch, der kei­ne blo­ße Geld­leis­tung, son­dern eine Sach- und Dienst­leis­tung zum Gegen­stand hat (näm­lich ins­be­son­de­re der Anspruch auf Ein­glie­de­rungs­hil­fe oder Hil­fe zur Erzie­hung) nicht erfüllt wird und die­je­ni­gen, die sich die unauf­schieb­bar not­wen­di­ge Leis­tung, deren Gewäh­rung der Jugend­hil­fe­trä­ger zu Unrecht abge­lehnt oder über die er nicht recht­zei­tig ent­schie­den hat, selbst­be­schaf­fen, nicht schlech­ter ste­hen sol­len als die­je­ni­gen, deren Leis­tungs­be­geh­ren recht­zei­tig erfüllt wor­den ist 25. Weil der Anspruch (etwa auf Ein­glie­de­rungs­hil­fe oder Hil­fe zur Erzie­hung) mit Zeit­ab­lauf nicht mehr erfüllt wer­den kann, ver­hin­dert der Betrof­fe­ne durch die Selbst­be­schaf­fung den Ver­lust der Leis­tung. Es wür­de gegen die gesetz­li­che Gewäh­rung des Rechts­an­spruchs ver­sto­ßen, wenn der Hil­fe­be­dürf­ti­ge sei­nen Anspruch allein des­halb ver­lie­ren wür­de, weil er die ihm zuste­hen­de Hil­fe nicht recht­zei­tig vom Leis­tungs­trä­ger erhal­ten hat 26.
Die Sach- und Inter­es­sen­la­ge, die besteht, wenn der Jugend­hil­fe­trä­ger einen Anspruch auf einen Betreu­ungs­platz in einer Kin­der­ta­ges­stät­te nicht oder nicht recht­zei­tig erfüllt, ist der zuvor beschrie­be­nen ähn­lich und mit ihr wer­tungs­mä­ßig ver­gleich­bar. Die Kin­der­be­treu­ung, die – trotz Rechts­an­spruchs – nicht für den Zeit­raum gewährt wird, für den sie begehrt wird, lässt sich nicht ver­schie­ben, son­dern bleibt für die­sen Zeit­raum in irrever­si­bler Wei­se uner­füllt; der Anspruch auf Zuwei­sung eines real ver­füg­ba­ren Plat­zes erle­digt sich durch Zeit­ab­lauf 27. Soweit der Pri­mär­an­spruch auf einen Betreu­ungs­platz nicht auf ande­re Wei­se recht­zei­tig durch­ge­setzt wer­den kann, ist der Betrof­fe­ne – wenn er den end­gül­ti­gen Anspruchs­ver­lust ver­hin­dern will – auf eine Selbst­be­schaf­fung ver­wie­sen, die es ihm dann noch ermög­licht, den Bedarf zu decken und zumin­dest die erfor­der­li­chen Auf­wen­dun­gen hier­für erstat­tet zu bekom­men.
Wegen der ähn­li­chen Sach- und Inter­es­sen­la­ge ist der Ana­lo­gie­schluss auch auf alle Tat­be­stands­merk­ma­le, die 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII an die Rechts­fol­ge des Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruchs knüpft, sinn­ge­mäß zu erstre­cken. Das gilt ins­be­son­de­re für das Merk­mal, dass der Leis­tungs­be­rech­tig­te den Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe vor der Selbst­be­schaf­fung über den Bedarf in Kennt­nis gesetzt haben muss (Nr. 1). Die Bedeu­tung die­ses Merk­mals und sei­ne Not­wen­dig­keit, es als Vor­aus­set­zung für einen ent­spre­chend her­ge­lei­te­ten Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch anzu­se­hen, erschließt sich aus dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang des § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII zu Absatz 1 die­ser Vor­schrift. Gesetz­li­cher Leit­ge­dan­ke des § 36a Abs. 1 Satz 1 SGB VIII ist die Steue­rungs­ver­ant­wor­tung des Jugend­hil­fe­trä­gers. Nach die­ser Rege­lung hat der Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe die Kos­ten der Hil­fe grund­sätz­lich nur dann zu tra­gen, wenn sie auf der Grund­la­ge sei­ner Ent­schei­dung nach Maß­ga­be des Hil­fe­plans unter Beach­tung des Wunsch- und Wahl­rechts erbracht wird. Der Vor­schrift liegt der Gedan­ke zugrun­de, dass es nicht dem gesetz­li­chen Auf­trag des Jugend­hil­fe­trä­gers ent­spricht, nur "Zahl­stel­le" und nicht Leis­tungs­trä­ger zu sein. Das Jugend­hil­fe­recht zielt auf eine part­ner­schaft­li­che Hil­fe unter Ach­tung fami­liä­rer Auto­no­mie und auf koope­ra­ti­ve päd­ago­gi­sche Ent­schei­dungs­pro­zes­se. Nur wenn die Eltern bzw. der Hil­fe­emp­fän­ger grund­sätz­lich den Trä­ger der Jugend­hil­fe von Anfang an in den Ent­schei­dungs­pro­zess ein­be­zie­hen, kann er sei­ne aus § 36a Abs. 1, § 79 Abs. 1 SGB VIII fol­gen­de Gesamt­ver­ant­wor­tung für die Erfül­lung der gesetz­li­chen Auf­ga­ben und die Pla­nungs­ver­ant­wor­tung nach § 80 Abs. 1 Nr. 2 und 3 SGB VIII wahr­neh­men 28.
Der genann­te Gedan­ke, dass eine Vor­be­fas­sung des Trä­gers der Jugend­hil­fe erfor­der­lich ist, bevor ein Bedarf im Wege der Selbst­be­schaf­fung gedeckt wird, greift auch für die Ansprü­che auf Kin­der­be­treu­ung. Auch im Hin­blick auf die Ver­pflich­tung zur Erfül­lung die­ser Rechts­an­sprü­che hat der Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe – unab­hän­gig davon, ob der Anspruch im Bun­des­recht oder wie hier im Lan­des­recht (§ 5 Abs. 1 KitaG) wur­zelt – sei­ne Gewähr­leis­tungs­pflicht zunächst durch eine bedarfs­ge­rech­te Pla­nung ent­spre­chend den objek­tiv­recht­li­chen Vor­ga­ben der §§ 79, 80 SGB VIII zu erfül­len und dabei bereits das Wunsch- und Wahl­recht der Eltern zu berück­sich­ti­gen. Der Jugend­hil­fe­trä­ger trägt so für die Bereit­stel­lung eines bedarfs­ge­rech­ten Ange­bots die Gesamt­ver­ant­wor­tung, der er etwa durch die Finan­zie­rung von Betreu­ungs­plät­zen kom­mu­na­ler Trä­ger und durch finan­zi­el­le För­de­rung nicht­staat­li­cher (frei­er) Trä­ger nach­kommt.
Das ange­foch­te­ne Urteil ist auch im Übri­gen revi­si­ons­ge­richt­lich nicht zu bean­stan­den.
Soweit das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt davon aus­geht, dass der an die Nicht­er­fül­lung des lan­des­recht­li­chen Ver­schaf­fungs­an­spruchs anknüp­fen­de Sekun­där­an­spruch auf Auf­wen­dungs­er­satz dem bun­des­recht­li­chen Maß­stab folgt, unter­liegt dies eben­so wenig der revi­si­ons­ge­richt­li­chen Kon­trol­le wie sei­ne Prü­fung, ob im kon­kre­ten Fall die Vor­aus­set­zun­gen des lan­des­recht­li­chen Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruchs erfüllt sind. Dies ent­zieht sich grund­sätz­lich der revi­si­ons­ge­richt­li­chen Über­prü­fung, weil es sich inso­weit um die Anwen­dung von Lan­des­recht han­delt.
Der Ein­wand der Stadt, das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt habe jeden­falls der Klä­ge­rin zu 1 zu Unrecht einen Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch zuge­bil­ligt, weil der Pri­mär­an­spruch auf Ver­schaf­fung eines Kin­der­gar­ten­plat­zes nach den gesetz­li­chen Rege­lun­gen nur dem Kind und nicht den sor­ge­be­rech­tig­ten Per­so­nen zuste­he, begrün­det eben­falls nicht die Annah­me eines Bun­des­rechts­ver­sto­ßes.
Die auf der Aus­le­gung und Anwen­dung des § 5 Abs. 1 KitaG beru­hen­de Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts, dass auch die Klä­ge­rin zu 1 als Sor­ge­be­rech­tig­te nach die­ser Vor­schrift anspruchs­be­rech­tigt sei, ist als Aus­le­gung irre­vi­si­blen Lan­des­rechts für das Revi­si­ons­ge­richt grund­sätz­lich bin­dend, § 137 Abs. 1 VwGO, § 173 Abs. 1 VwGO i.V.m. § 560 ZPO 29.
Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Anspruchs­be­rech­ti­gung der Sor­ge­be­rech­tig­ten vor­ran­gig auf lan­des­recht­li­che Erwä­gun­gen gestützt. Es hat dazu in den Urteils­grün­den aus­ge­führt, zwar erge­be sich aus dem Wort­laut des § 5 Abs. 1 KitaG, dass der Rechts­an­spruch auf einen Kin­der­ta­ges­stät­ten­platz zunächst dem Kind ein­ge­räumt sei. Er ste­he nach der gesetz­li­chen Kon­zep­ti­on aber eben­so den Sor­ge­be­rech­tig­ten zu. Maß­geb­lich dafür sei nicht ihre Befrei­ung von dem ver­hält­nis­mä­ßig gerin­gen Anteil an den Per­so­nal­kos­ten in der Form des Eltern­bei­trags (§ 13 Abs. 2 KitaG), son­dern die Begüns­ti­gung durch die Inan­spruch­nah­me einer durch öffent­li­che Mit­tel hoch sub­ven­tio­nier­ten Ein­rich­tung.
Eine revi­si­ons­ge­richt­li­che Prü­fung ist auch nicht des­halb eröff­net, weil sich das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für sei­ne Aus­le­gung des Lan­des­rechts im Wesent­li­chen vom Bun­des­recht hät­te lei­ten las­sen 30 oder weil es von der Annah­me aus­ge­gan­gen wäre, es sei an Bun­des­recht gebun­den und müs­se auf­grund eines bun­des­recht­li­chen Rechts­an­wen­dungs­be­fehls § 5 Abs. 1 KitaG im Hin­blick auf die Anspruchs­be­rech­ti­gung genau­so aus­le­gen wie eine bun­des­recht­li­che Vor­schrift 31.
Zwar hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz auch eine im ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Zeit­raum gel­ten­de bun­des­recht­li­che Rege­lung aus­ge­legt und dabei zu Unrecht ange­nom­men, dass Anspruchs­in­ha­ber nach § 24 Abs. 1 SGB VIII a.F. nicht nur das Kind, son­dern auch die sor­ge­be­rech­tig­te Per­son gewe­sen sei. Letz­te­res trifft nicht zu, weil nach dem unmiss­ver­ständ­li­chen Wort­laut die­ser Vor­schrift aus­drück­lich und allein das Kind als Berech­tig­ter genannt wird. Dies lässt sich auch im Hin­blick auf die Sys­te­ma­tik des SGB VIII, Rechts­an­sprü­che ent­we­der dem Kind bzw. Jugend­li­chen (wie etwa bei Ein­glie­de­rungs­hil­fe nach § 35a SGB VIII) oder den per­so­nen­sor­ge­be­rech­tig­ten Eltern (wie etwa bei der Hil­fe zur Erzie­hung nach § 27 SGB VIII) zuzu­wei­sen, nur als bewuss­te Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers inter­pre­tie­ren, allein dem Kind den Anspruch nach § 24 Abs. 1 SGB VIII a.F. auf Ver­schaf­fung eines Betreu­ungs­plat­zes zu ver­mit­teln. Soweit das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die­se bun­des­recht­li­che Anspruchs­be­rech­ti­gung ver­kannt hat, wirkt sich dies hier jedoch nicht aus.
Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt gelangt zu der in Rede ste­hen­den Anspruchs­be­rech­ti­gung eigen­stän­dig tra­gend auch durch rein lan­des­recht­lich aus­ge­rich­te­te Erwä­gun­gen. Maß­geb­lich sei die Begüns­ti­gung der Eltern durch die Inan­spruch­nah­me einer durch öffent­li­che Mit­tel hoch sub­ven­tio­nier­ten Ein­rich­tung. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt legt inso­weit sowohl die bun­des­recht­li­che als auch die lan­des­recht­li­che Anspruchs­grund­la­ge – mit glei­chem Ergeb­nis – par­al­lel aus.
Schließ­lich ist die Aus­le­gung des § 5 Abs. 1 KitaG auch nicht des­we­gen revi­si­ons­ge­richt­lich zu bean­stan­den, weil das Bun­des­recht ein ande­res als das vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ver­tre­te­ne Ergeb­nis gebie­ten wür­de 32. Denn eine ein­schrän­ken­de bun­des­rechts­kon­for­me Aus­le­gung war weder im Hin­blick auf ein­fa­ches noch auf Ver­fas­sungs­recht des Bun­des erfor­der­lich. Viel­mehr ist der Lan­des­ge­setz­ge­ber gemäß § 24 Abs. 6 SGB VIII frei dar­in, wei­ter­ge­hen­de Begüns­ti­gun­gen als der Bund zu gewäh­ren. Denn nach die­ser Vor­schrift bleibt wei­ter­ge­hen­des Lan­des­recht unbe­rührt.
Ein Bun­des­rechts­ver­stoß ergibt sich schließ­lich auch nicht dar­aus, dass die Stadt und der Ver­tre­ter des Bun­des­in­ter­es­ses auf einen Grund­satz vom Vor­rang des ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Pri­mär­rechts­schut­zes ver­wei­sen und dazu gel­tend machen, ein Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch sei hier aus­ge­schlos­sen, weil es die Klä­ge­rin­nen ver­säumt hät­ten, den Ver­schaf­fungs­an­spruch auf einen Kin­der­gar­ten­platz im Wege eines Antrags auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung nach § 123 VwGO durch­zu­set­zen.
Ob die Inan­spruch­nah­me ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schut­zes eine Vor­aus­set­zung des lan­des­recht­li­chen Sekun­där­an­spruchs auf Auf­wen­dungs­er­satz dar­stellt und ob die­se etwai­ge Vor­aus­set­zung im kon­kre­ten Fall erfüllt ist, ist als Aus­le­gung und Anwen­dung von Lan­des­recht der revi­si­ons­ge­richt­li­chen Über­prü­fung grund­sätz­lich nicht zugäng­lich. Dar­über hin­aus ist es zwei­fel­haft, ob im Rah­men des Anspruchs auf Auf­wen­dungs­er­satz nach § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII die vor­he­ri­ge Inan­spruch­nah­me von Eil­rechts­schutz gebo­ten ist. Im Wort­laut des § 36a Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 SGB VIII, der nur ver­langt, dass die Deckung des Bedarfs durch die selbst­be­schaff­te Leis­tung kei­nen zeit­li­chen Auf­schub gedul­det haben darf und der dabei zwi­schen dem Fall der Bedarfs­de­ckung bis zu einer Ent­schei­dung des Trä­gers der öffent­li­chen Jugend­hil­fe über die Gewäh­rung der Leis­tung (Buchst. a) und dem Fall bis zu einer Ent­schei­dung über ein Rechts­mit­tel nach einer zu Unrecht abge­lehn­ten Leis­tung (Buchst. b) unter­schei­det, hat das Erfor­der­nis des Eil­rechts­schut­zes kei­nen Aus­druck gefun­den.
Die­se Fra­ge bedarf jedoch kei­ner abschlie­ßen­den Klä­rung, weil jeden­falls gegen die Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts, dass das Nach­su­chen um vor­läu­fi­gen Rechts­schutz nur dann ver­langt wer­den kann, wenn es dem Betrof­fe­nen zumut­bar ist, bun­des­recht­lich nichts zu erin­nern ist. Selbst beim Amts­haf­tungs­an­spruch, bei dem der grund­sätz­li­che Vor­rang des pri­mä­ren gericht­li­chen Rechts­schut­zes in deut­li­cher Form in § 839 Abs. 3 BGB nie­der­ge­legt ist, wird die Inan­spruch­nah­me von Pri­mär­rechts­schutz nur ver­langt, wenn durch die­se eine recht­zei­ti­ge Abhil­fe über­haupt erwar­tet wer­den kann 33. Dies war jedoch nach den für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts nicht der Fall. Es hat dazu aus­ge­führt, dass eine Abhil­fe auch dann nicht zu erwar­ten gewe­sen wäre, wenn die Sor­ge­be­rech­tig­ten von Anfang an ver­sucht hät­ten, den Pri­mär­an­spruch im Ver­wal­tungs­rechts­weg durch­zu­set­zen.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 12. Sep­tem­ber 2013 – 5 C 35.12
GVBl S. 79, in der Fas­sung der Ände­rung durch das Gesetz vom 16.12.2005, GVBl S. 502[↩]
Art. 1 des Geset­zes vom 26.06.1990, BGBl I S. 1163 in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 14.12.2006, BGBl I S. 3134, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 10.12.2008, BGBl I S. 2403[↩]
in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 11.09.2012, BGBl I S.2022[↩]
vgl. etwa zum öffent­lich-recht­li­chen Erstat­tungs­an­spruch und zum Anspruch aus öffent­lich-recht­li­cher Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag: BVerwG, Urtei­le vom 16.05.2000 – 4 C 4.99, BVerw­GE 111, 162, 172 = Buch­holz 316 § 56 VwVfG Nr. 13 S. 10 und vom 06.10.1989 – 8 C 52.87, BVerw­GE 82, 350, 351; vgl. fer­ner Beschluss vom 03.01.1992 – 6 B 20.91, Buch­holz 310 § 113 VwGO Nr. 240[↩]
OVG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 25.10.2012 – OVG 7 A 10671/​12[↩]
vgl. BVerwG, Urtei­le vom 18.12.1987 – 4 C 9.86, BVerw­GE 78, 347, 351 = Buch­holz 310 § 42 VwGO Nr. 151 S. 9, vom 23.08.1994 – 1 C 18.91, BVerw­GE 96, 293, 294 f. = Buch­holz 11 Art. 12 GG Nr. 230 S. 15 und vom 21.09.2005 – 6 C 16.04, Buch­holz 422.2 Rund­funk­recht Nr. 40[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 06.09.1984 – 3 C 16.84, BVerw­GE 70, 64, 65 = Buch­holz 415.16 § 28 BJagdG Nr. 1 S. 2 f.; Neu­mann, in: Sodan/​Ziekow, Hrsg., VwGO, 3. Aufl.2010, § 137 Rn. 106[↩]
BVerwG, Beschluss vom 25.08.1987 – 5 B 50.87, Buch­holz 436.51 § 5 JWG Nr. 2 = NVwZ-RR 1989, 252 m.w.N.[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 13.06.1991 – 5 C 27.88, Buch­holz 436.51 § 6 JWG Nr. 13[↩]
BVerwG, Urteil vom 28.09.2000 – 5 C 29.99, BVerw­GE 112, 98, 100 = Buch­holz 436.511 § 35a KJHG/​SGB VIII Nr. 3 S. 2[↩]
BVerwG, Urteil vom 28.09.2000 a.a.O., 103 bzw. S. 5; bestä­tigt durch Urteil vom 11.08.2005 – 5 C 18.04, BVerw­GE 124, 83, 86 = Buch­holz 436.511 § 35a KJHG/​SGB VIII Nr. 4 S. 10[↩]
BVerwG, Urteil vom 28.09. a.a.O., 103 bzw. S. 4 f. unter Hin­weis auf das Urteil vom 27.01.2000 – 5 C 19.99, BVerw­GE 110, 320 = Buch­holz 436.511 § 90 KJHG/​SGB VIII Nr. 7 – Selbst­be­schaf­fung eines Kin­der­krip­pen­plat­zes[↩]
vgl. ins­bes. die Stel­lung­nah­me der Stän­di­gen Fach­kon­fe­renz 1 "Grund- und Struk­tur­fra­gen" des Deut­schen Insti­tuts für Jugend­hil­fe und Fami­li­en­recht e.V., ZfJ 2003, 61 ff.; OVG NRW, Urteil vom 14.03.2003 – 12 A 1193/​01, NVwZ-RR 2003, 864 m.w.N.[↩]
Fischer, JAmt 2002, 492, 493[↩]
BGBl I S. 2729[↩]
näm­lich auf BVerwG, Urteil vom 28.09.2000 a.a.O., die Stel­lung­nah­me der Stän­di­gen Fach­kon­fe­renz 1 a.a.O. und das Urteil des OVG NRW vom 14.03.2003 a.a.O.[↩]
BR-Drs. 586/​04 S. 45 und BT-Drs. 15/​3676 S. 26[↩]
vgl. Larenz, Metho­den­leh­re der Rechts­wis­sen­schaft, 6. Aufl.1991, S. 426[↩]
BT-Drs. 15/​3676 S. 36[↩]
vgl. BVerwG, Urtei­le vom 18.04.2013 – 5 C 18.12,NJW 2013, 2457 Rn. 22 und zur Ver­öf­fent­li­chung in Buch­holz vor­ge­se­hen, vom 15.11.2012 – 3 C 12.12, LKV 2013, 78 Rn.19 und vom 20.05.1999 – 3 C 3.98, Buch­holz 451.512 MGVO Nr. 134 S. 5[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 18.04.2013 a.a.O. Rn. 22 m.w.N.[↩]
vgl. etwa Wies­ner, in: ders., Hrsg., SGB VIII, 4. Aufl.2011, § 90 Rn.20[↩]
BVerwG, Urteil vom 25.04.2002 – 5 C 16.01, Buch­holz 436.511 § 90 KJHG/​SGB VIII Nr. 9[↩]
BVerwG, Urteil vom 01.03.2012 – 5 C 12.11, BVerw­GE 142, 115 = Buch­holz 436.511 § 33 SGB VIII Nr. 2 jeweils Rn. 23[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 01.03.2012 a.a.O. Rn. 23[↩]
vgl. bereits die Recht­spre­chung des BVerwG zum Sozi­al­hil­fe­recht: BVerwG, Urteil vom 23.06.1994 – 5 C 26.92, BVerw­GE 96, 152, 155 = Buch­holz 436.0 § 5 BSHG Nr. 12 S. 4[↩]
vgl. Rixen, NJW 2012, 2839, 2841; Schü­bel-Pfis­ter, NVwZ 2013, 385, 390[↩]
BVerwG, Urteil vom 18.10.2012 – 5 C 21.11, BVerw­GE 145, 1 = Buch­holz 436.511 § 36a SGB VIII Nr. 2 jeweils Rn. 31; Beschluss vom 22.05.2008 – 5 B 130.07 – JAmt 2008, 600[↩]
BVerwG, Urteil vom 21.09.2005 – 6 C 16.04, Buch­holz 422.2 Rund­funk­recht Nr. 40[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 06.09.1984 – 3 C 16.84, BVerw­GE 70, 64 = Buch­holz 415.16 § 28 BJagdG Nr. 1[↩]
vgl. BVerwG, Urtei­le vom 18.05.1977 – 8 C 44.76, BVerw­GE 54, 54, 56 f. = Buch­holz 454.51 MRVerbG Nr. 1 S. 2 f. und vom 16.01.2003 – 4 CN 8.01, BVerw­GE 117, 313, 317 = Buch­holz 310 § 47 VwGO Nr. 160 S. 96[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 23.08.1994 – 1 C 18.91, BVerw­GE 96, 293, 294 f. = Buch­holz 11 Art. 12 GG Nr. 230 S. 15[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 26.01.1995 – III ZR 71/​93, BGHZ 128, 346, 358; s. auch BVerwG, Urteil vom 28.05.1998 – 2 C 29.97, BVerw­GE 107, 29, 32 f. = Buch­holz 232 § 23 BBG Nr. 40 S. 3[↩]
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