Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=27.04.2004&Aktenzeichen=X%20R%2028%2F02
Timestamp: 2019-09-20 19:16:57
Document Index: 396640728

Matched Legal Cases: ['§ 68', '§ 68', '§ 68', '§ 68', '§ 68', '§ 365', '§ 68', '§ 68', '§ 68', '§ 68']

BFH, 27.04.2004 - X R 28/02 - dejure.org
https://dejure.org/2004,4066
BFH, 27.04.2004 - X R 28/02 (https://dejure.org/2004,4066)
BFH, Entscheidung vom 27.04.2004 - X R 28/02 (https://dejure.org/2004,4066)
BFH, Entscheidung vom 27. April 2004 - X R 28/02 (https://dejure.org/2004,4066)
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Anwendung des § 68 FGO a. F. im Rechtsstreit über die Herabsetzung von ESt-Vorauszahlungen
Gegenstand des Verfahrens; Änderung des Verwaltungsaktes; Verhältnis zwischen Festsetzung von Vorauszahlungen und Jahressteuerbescheid; Bedeutung ursprünglichen Verpflichtungsbegehrens zu späterem Anfechtungsbegehren
Danach genügt es für den Austausch des Gegenstandes eines anhängigen finanzgerichtlichen Verfahrens bereits, wenn die beiden Verwaltungsakte einen lediglich teilweise identischen Regelungsbereich haben (Urteile des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 8. Februar 2001 VII R 59/99, BFHE 194, 466, BStBl II 2001, 506, unter II.1.a, und vom 27. April 2004 X R 28/02, BFH/NV 2004, 1287, unter II.1.a).
Die zeitgleiche Führung von zwei Rechtsbehelfsverfahren (Einspruch und Klage) gegen ein und denselben Steuerbescheid (hier: Körperschaftsteuerbescheid 2008) ist ausgeschlossen, und wie bereits dargelegt, ist es gerade Sinn und Zweck des § 68 FGO, den Steuerpflichtigen nach einer bereits erfolgten Klageerhebung nicht erneut in ein Einspruchsverfahren zurückdrängen zu können (i. Erg. ähnlich zur Untätigkeitsklage BFH-Urteil vom 19.04.2007 V R 48/04, BFHE 217, 194, BStBl II 2009, 315 und FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 10.03.2009 1 K 510/04, EFG 2009, 1313; s.a. BFH-Urteil vom 27.04.2004 X R 28/02, BFH/NV 2004, 1287).
Eine solche Klageänderung (hier: Auswechslung des Verfahrensgegenstands) war nach § 68 FGO (hier: n.F.;… dazu Gräber/v. Groll, a.a.O., § 68 Rz. 10) zulässig (gl.A. BFH-Urteil vom 27. April 2004 X R 28/02, BFH/NV 2004, 1287).
Ebenso wie die entsprechende Regelung in § 68 FGO für das Klageverfahren (…hierzu BFH-Entscheidungen vom 29. November 2001 IV R 66/99, BFH/NV 2002, 524; vom 18. Dezember 2003 II B 31/00, BFHE 204, 35, BStBl II 2004, 237; vom 27. April 2004 X R 28/02, BFH/NV 2004, 1287) gilt § 365 Abs. 3 AO auch für Verpflichtungsbegehren.
Dem Zweck der Vorschrift entsprechend ist entscheidend, ob der angefochtene ursprüngliche und der neue Bescheid "dieselbe Steuersache" betreffen (vgl. zur entsprechenden Regelung im FG-Verfahren --§ 68 FGO-- das BFH-Urteil in BFH/NV 2004, 1287).
Nicht entscheidend ist, welche Bedeutung den Begriffen "Änderung" oder "Ersetzung" nach den abgabenrechtlichen Verfahrensvorschriften zugrunde zu legen ist (BFH Urteil vom 27.04.2004 X R 28/02, BFH/NV 2004, 1287).
Zu § 68 FGO a.F. war anerkannt, dass der Jahressteuerbescheid den Vorauszahlungsbescheid im Sinne dieser Vorschrift "ersetzt" (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 9. September 1986 VIII R 198/84, BFHE 147, 463, BStBl II 1987, 28, zur Gewerbesteuer, sowie BFH-Urteile vom 12. Juli 1988 IX R 149/83, BFHE 154, 93, BStBl II 1988, 942, und vom 27. April 2004 X R 28/02, BFH/NV 2004, 1287, zur Einkommensteuer).
So hat er für das Verhältnis zwischen Einkommensteuer-Vorauszahlungsbescheid und Jahressteuerfestsetzung in Kenntnis der teilweise andere Auffassungen vertretenden Stimmen in der Literatur für die Anwendung des § 68 FGO a.F. daran festgehalten, dass zwischen der Festsetzung von Vorauszahlungen und der anschließenden Jahressteuerfestsetzung ein die Anwendung dieser Vorschrift rechtfertigender sachlicher Zusammenhang besteht mit der Folge, dass die Jahressteuerfestsetzung die auf Vorauszahlungsbescheiden beruhende Festsetzung ablöst und sie auf diese Weise ersetzt (vgl. BFH-Urteil vom 27. April 2004, Az.: X R 28/02, BFH/NV 2004, 1287 m.w.N.).
Allerdings hielt er es für eine "nach seiner Auffassung berechtigte Frage, ob die Rechtslage wegen der Änderung der Vorschrift ... nunmehr anders zu beurteilen ist" (BFH-Urteil vom 27. April 2004, Az.: X R 28/02, a.a.O.).
Diese Voraussetzungen sind für das Verhältnis von Vorauszahlungsbescheid und Jahressteuerfestsetzung erfüllt, zwischen beiden besteht ein sachlicher Zusammenhang (vgl. BFH-Urteil vom 27. April 2004, Az.: X R 28/02, a.a.O. zu § 68 FGO a.F.).
Er ersetzt den Einkommensteuervorauszahlungsbescheid vom 11. August 2005, soweit darin Vorauszahlungen für den Veranlagungszeitraum 2005 festgesetzt worden sind (vgl. BFH-Urteil vom 27. April 2004 X R 28/02, BFH/NV 2002, 1287; BFH-Beschluss vom 26. Mai 2006 IV B 147/04, juris).
Die beiden Verwaltungsakte müssen lediglich einen --zumindest teilweise-- identischen Regelungsbereich haben, damit es zu einem Austausch des Verfahrensgegenstandes kommen kann (BFH-Urteile vom 12. Mai 2016 II R 17/14, BFHE 253, 505, BStBl II 2016, 822; vom 27. April 2004 X R 28/02, BFH/NV 2004, 1287;… BFH-Beschluss vom 16. Dezember 2014 X B 113/14, BFH/NV 2015, 510).