Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=1%20AZR%20335/10
Timestamp: 2019-09-22 23:50:44
Document Index: 111737825

Matched Legal Cases: ['§ 111', '§ 111', '§ 113', '§ 7', '§ 9', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 9', '§ 111', '§ 23', '§ 9', '§ 38', '§ 111', '§ 111', '§ 111', '§ 17', '§ 111', '§ 5', '§ 111', '§ 111']

BAG, 18.10.2011 - 1 AZR 335/10 - dejure.org
https://dejure.org/2011,479
BAG, 18.10.2011 - 1 AZR 335/10 (https://dejure.org/2011,479)
BAG, Entscheidung vom 18.10.2011 - 1 AZR 335/10 (https://dejure.org/2011,479)
BAG, Entscheidung vom 18. Januar 2011 - 1 AZR 335/10 (https://dejure.org/2011,479)
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Interessenausgleich; Berücksichtigung von Leiharbeitnehmern bei der Ermittlung des Schwellenwerts in § 111 S 1 BetrVG; Nachteilsausgleich
§ 111 S 1 BetrVG, § 113 Abs 1 BetrVG, § 7 S 2 BetrVG, § 9 BetrVG, § 111 S 3 Nr 1 BetrVG
Betriebsänderung - Mitarbeiteranzahl, Ermittlung der - Leiharbeitnehmer
Berücksichtigung von Leiharbeitnehmern bei der Ermittlung des Schwellenwerts für einen Interessenausgleich
Interessenausgleich, Sozialplan, Betriebsänderung, Leiharbeit
Interessenausgleich - Berücksichtigung von Leiharbeitnehmern bei der Ermittlung des Schwellenwerts in § 111 S. 1 BetrVG
Interessenausgleich - Berücksichtigung von Leiharbeitnehmern bei der Ermittlung des Schwellenwerts
Arbeitsrecht - Leiharbeitnehmer - Interessenausgleich beim Entleiher
Leiharbeitnehmer und Schwellenwert i.S.d. § 111 Satz 1 BetrVG
Zu Interessenausgleichsverhandlungen und zu einem Sozialplan sind Arbeitgeber ab 21 wahlberechtigten Arbeitnehmern verpflichtet - hier zählen Leiharbeitnehmer mit
Interessenausgleich - Berücksichtigung von Leiharbeitnehmern
Geplante Betriebsänderung: Leiharbeiter zählen bei der Ermittlung des Schwellenwertes mit
Leiharbeitnehmer lösen Beteiligungsrechte des Betriebsrates beim Entleiher aus. // Unterbliebene Beteiligung hat Abfindungsansprüche zur Folge.
BetrVG §§ 111, 7, 9, 113
Kurznachricht zu "Leiharbeitnehmer als Arbeitnehmer des Entleiherbetriebs bei Betriebsänderungen?" von RA/FAArbeitsR Dr. Ulrich Tschöpe, original erschienen in: NJW 2012, 2161 - 2163.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BAG vom 18.10.2011, Az.: 1 AZR 335/10 (Interessenausgleich - Berücksichtigung von Leiharbeitnehmern bei der Ermittlung des Schwellenwerts)" von RA/FAArbR Dr. Stefan Fandel und RAin/FAinArbR Dr. Julia Zanotti, original erschienen in: BB 2012, 969 - 971.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BAG vom 18.10.2011, Az.: 1 AZR 335/10 (Interessenausgleich - Berücksichtigung von Leiharbeitnehmern bei der Ermittlung des Schwellenwerts in § 111 S. 1 BetrVG)" von RA Dr. Wolfgang Lipinski, original erschienen in: BB 2013, 2431 - ...
Kurznachricht zu "Leiharbeitnehmer zählen (manchmal) mit - Die neue BAG-Rechtsprechung zur Berechnung des Schwellenwertes von § 111 BetrVG" von RA/FAArbR Dr. Jörg Laber, original erschienen in: ArbRB 2012, 51 - 54.
ArbG Hagen, 09.12.2009 - 3 Ca 1523/09
LAG Hamm, 31.03.2010 - 3 Sa 1439/09
ArbG Hagen, 12.07.2012 - 1 Ca 1545/09
ArbG Hagen, 12.07.2012 - 3 Ca 1523/09
ZIP 2012, 540
BB 2012, 969
Ein bestimmter vom Gesetzgeber innerhalb eines Gesetzeswerks verwandter Begriff kann im jeweiligen Regelungszusammenhang vielmehr eine unterschiedliche Bedeutung haben (vgl. nur BAG 18. Oktober 2011 - 1 AZR 335/10 - Rn. 19, AP BetrVG 1972 § 111 Nr. 70 = EzA BetrVG 2001 § 111 Nr. 8) .
Leiharbeitnehmer besetzen diese wie eigene Arbeitnehmer und unterliegen dem Weisungsrecht des Entleihers (zu § 111 BetrVG vgl. BAG 18. Oktober 2011 - 1 AZR 335/10 - Rn. 19, AP BetrVG 1972 § 111 Nr. 70 = EzA BetrVG 2001 § 111 Nr. 8) .
Die Begründung des Regierungsentwurfs verweist hierzu auf die geänderte Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts, der zufolge die Berücksichtigung von Leiharbeitnehmern bei der Ermittlung von betriebsverfassungsrechtlichen Schwellenwerten im Entleiherbetrieb nicht mehr - wie zuvor nach der sogenannten "Zwei-Komponenten-Lehre" - grundsätzlich ausgeschlossen ist(…siehe etwa BAGE 106, 64 Rn. 15 ff. sowie zuletzt BAGE 110, 27 Rn. 22), sondern für jeden Schwellenwert gesondert anhand dessen Zwecksetzung zu prüfen ist (BAGE 139, 342 zu § 111 Satz 1 BetrVG; BAGE 144, 340 zu § 9 BetrVG).
Im Bereich des Betriebsverfassungsrechts war die Fortgeltung der Voraussetzung der regelmäßigen Beschäftigung auch nach der Neuregelung bereits durch die Rechtsprechung des insoweit zuständigen Bundesarbeitsgerichts vorgegeben (vgl. BAGE 139, 342 Rn. 21 zu § 111 Satz 1 BetrVG;… BAGE 144, 340 Rn. 24 zu § 23 Abs. 1 Satz 3 KSchG;… BAGE 153, 171 Rn. 40 f. zu § 9 MitbestG;… BAGE 158, 19 Rn. 33 zu § 38 Abs. 1 BetrVG).
Wie der Erste Senat des Bundesarbeitsgerichts im Urteil vom 18. Oktober 2011 (- 1 AZR 335/10 - Rn. 19, AP BetrVG 1972 § 111 Nr. 70 = EzA BetrVG 2001 § 111 Nr. 8) zur Berücksichtigung von Leiharbeitnehmern bei der Feststellung der maßgeblichen Unternehmensgröße in § 111 Satz 1 BetrVG deutlich gemacht hat, ist eine normzweckorientierte Auslegung der jeweiligen auf den oder die Arbeitnehmer abstellenden Vorschrift geboten.
Die Entscheidungen des 1. und 2. Senates des Bundesarbeitsgerichts vom 18.10.2011 - 1 AZR 335/10 und vom 24.01.2013 - 2 AZR 140/12 könnten nicht dafür herangezogen werden, dass auch Leiharbeitnehmer im Rahmen der regelmäßigen Beschäftigtenzahl des § 17 Abs. 1 KSchG mitzuzählen seien.
Der 1. Senat hat entschieden, dass bei der Ermittlung der maßgeblichen Unternehmensgröße in § 111 Satz 1 BetrVG Leiharbeitnehmer, die länger als drei Monate im Unternehmen eingesetzt sind, mitzuzählen sind (vgl. BAG vom 18.10.2011 - 1 AZR 335/10 in NZA 2012, 221).
Auch diese sind Arbeitnehmer, sind in den Betrieb des Entleihers eingegliedert und dort diesem gegenüber weisungsgebunden tätig (…vgl. BAG vom 24.01.2013 - 2 AZR 140/12 a.a.O.; BAG vom 18.10.2011 - 1 AZR 335/10 a.a.O.; BAG vom 28.06.2000 - 7 AZR 45/99 in BB 2001, 98).
Die Entscheidungen des 1., 2. und 7. Senates des Bundesarbeitsgerichts sind nicht allgemein übertragbar, da sie darauf beruhen, dass der Wortlaut der jeweiligen Schwellenwertregelung anhand des Sinnes und Zweckes des jeweiligen Schwellenwertes ausgelegt worden ist (…vgl. BAG vom 04.11.2015 - 7 ABR 42/13 a.a.O. Rdnr. 29;… BAG vom 13.03.2013 - 7 ABR 69/11 a.a.O. Rdnr. 21 und 29;… BAG vom 24.01.2013 - 2 AZR 140/12 a.a.O. Rdnr. 20; BAG vom 18.10.2011 - 1 AZR 335/10 a.a.O. Rdnr. 17).
Ein bestimmter vom Gesetzgeber innerhalb eines Gesetzeswerkes verwandter Begriff kann im jeweiligen Regelungszusammenhang aber unterschiedliche Bedeutung haben (…vgl. BAG vom 04.11.2015 - 7 ABR 42/13 a.a.O. Rdnr. 29;… BAG vom 24.01.2013 - 2 AZR 140/12 a.a.O. Rdnr. 14; BAG vom 18.10.2011 - 1 AZR 335/10 a.a.O. Rdnr. 19).
bb) Der Streitfall verlangt keine Entscheidung, ob die in § 5 Abs. 1 Satz 3 BetrVG genannten Beschäftigten einschränkungslos bei allen Vorschriften, die auf die Anzahl der Arbeitnehmer des Betriebs abstellen, zu berücksichtigen sind oder ob etwa nach dem jeweiligen Zweck der Regelung Differenzierungen geboten sind (vgl. hierzu zuletzt BAG 18. Oktober 2011 - 1 AZR 335/10 - Rn. 19, NZA 2012, 221) .
Im Übrigen hat der Erste Senat im Urteil vom 18. Oktober 2011 bei seiner Auslegung, dass länger als drei Monate im Unternehmen eingesetzte Leiharbeitnehmer bei der Ermittlung der maßgeblichen Unternehmensgröße in § 111 Satz 1 BetrVG mitzuzählen sind, ebenfalls nicht auf die Zweikomponentenlehre, sondern auf den Normzweck abgestellt (- 1 AZR 335/10 - Rn. 14 ff., EzA BetrVG 2001 § 111 Nr. 8) .
Bei der Ermessensentscheidung sind die Arbeitsmarktchancen und das Ausmaß des betriebsverfassungswidrigen Verhaltens zu beachten (BAG 18. Oktober 2011 - 1 AZR 335/10 - Rn. 24 mwN, BAGE 139, 342) .