Source: http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=fr&zoom=&type=show_document&highlight_docid=atf%3A%2F%2F123-V-53%3Afr
Timestamp: 2016-10-28 06:46:14
Document Index: 38159962

Matched Legal Cases: ['Art. 16', 'BGE', 'Art. 16', 'Art. 16', 'BGE', 'Art. 16', 'Art. 15', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'BGE', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 15', 'BGE', 'Art. 16', 'Art. 15', 'Art. 12', 'Art. 21', 'BGE', 'BGE', 'Art. 12', 'Art. 21', 'Art. 12', 'Art. 21', 'BGE', 'BGE', 'Art. 10', 'Art. 48', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 23', 'Art. 12', 'Art. 13', 'Art. 2', 'in fine', 'Art. 2', 'Art. 12', 'BGE', 'BGE', 'Art. 11', 'Art. 23', 'BGE', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 8', 'Art. 10', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 3', 'BGE', 'Art. 5', 'Art. 32', 'Art. 25', 'BGE', 'Art. 32', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 1', 'Art. 32', 'Art. 26', 'BGE', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 34', 'Art. 21', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 1', 'Art. 15', 'BGE', 'Art. 10', 'Art. 16', 'Art. 18', 'Art. 16', 'Art. 15', 'Art. 16', 'Art. 12', 'Art. 32', 'Art. 16', 'Art. 16', 'BGE', 'Art. 16', 'Art. 32', 'Art. 16', 'Art. 33', 'Art. 12', 'Art. 16', 'Art. 32', 'BGE', 'Art. 16', 'in fine', 'Art. 26', 'Art. 27', 'Art. 16', 'Art. 32', 'Art. 16', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 16', 'Art. 16', 'BGE', 'Art. 3', 'Art. 6', 'BGE', 'Art. 16', 'Art. 12', 'Art. 3', 'BGE', 'BGE', 'in fine', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 10', 'Art. 6', 'Art. 8', 'Art. 10', 'Art. 33', 'Art. 10', 'Art. 18', 'Art. 3']

123 V 5311. Auszug aus dem Urteil vom 20. Februar 1997 i.S. Bundesamt f�r Milit�rversicherung gegen B. und Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau
Art. 16 al. 2 LAM. L'assurance militaire doit-elle prendre en charge les frais de diagnostic et de traitement (extraction de l'amalgame et �limination du mercure) dans le cas d'un assur�, garde-fortifications, chez qui une anaphylaxie aux amalgames a �t� diagnostiqu�e d'apr�s la m�thode de l'auriculoth�rapie ? - Consid�rations sur l'�laboration et la port�e de la r�gle relative � la preuve de l'efficacit� d'une m�thode, au sens de l'art. 16 al. 2 LAM, en relation avec d'autres branches des assurances sociales (en particulier l'art. 32 LAMal). Faits � partir de page 54
A.- Der 1948 geborene B. steht seit April 1983 im Dienste des Festungswachtkorps. Aufgrund verschiedener Beschwerden (Sprunggelenksarthrose; Innenohrschwerh�rigkeit; chronisches Lumbovertebralsyndrom; Zervikalbrachialsyndrom; chronische Entz�ndung der Nasennebenh�hlen) l�sst er sich seit l�ngerer Zeit �rztlich behandeln, so unter anderem auch wegen mehrj�hriger dumpfer Schmerzen im rechten Oberkiefer. Der deswegen aufgesuchte Zahnarzt (Dr. med. dent. G.) verwies B. zur Abkl�rung einer allf�lligen Amalgamunvertr�glichkeit an Dr. med. S. Nach durchgef�hrter aurikulomedizinischer Untersuchung erkannte diese �rztin auf "Quecksilberunvertr�glichkeit mit Amalgam - St�rfeld Typ I am Zahn 16", weshalb sie die zahn�rztliche Amalgamsanierung mit anschliessender medikament�ser Quecksilberentfernung empfahl. Nachdem dem Bundesamt f�r Milit�rversicherung (BAMV) hier�ber mit Anmeldung vom 31. August 1992 Bericht erstattet worden war und der behandelnde Zahnarzt im Dezember 1992 mit der Entfernung des Amalgams begonnen hatte, teilte das BAMV dem Versicherten mit Schreiben vom 26. Januar 1993 mit, dass es die Kosten�bernahme als fraglich erachte, weil der Erfolg der Amalgamentfernung nicht wissenschaftlich belegt sei. Nach Erhalt eines vom behandelnden Zahnarzt gestellten Gesuchs um Kosten�bernahme, worin auf die mit der Behandlung eingetretene spontane Besserung des Gesundheitszustandes verwiesen wurde, wandte sich das BAMV durch die Kreis�rztin (Dr. med. F.) mit der Frage nach der Wissenschaftlichkeit der durchgef�hrten Unvertr�glichkeitsmessung und der Indikation der Amalgamentfernung an Dr. med. dent. R. Dieser hielt in seinem Bericht vom 15. Juli 1993 fest, dass er die Amalgamentfernung mit anschliessender Schwermetallausleitung - aufgrund eigener Untersuchung - eindeutig als indiziert erachte, weil bei B. eine Amalgamunvertr�glichkeit bestehe, dies "aber nicht im Sinne einer Allergie, sondern in Form einer Mikrointoxikation". Im weiteren r�umte er ein, dass die Methode der Aurikulomedizin "immer noch als wissenschaftlich nicht belegt" gelte.
Mit Erledigungsvorschlag vom 11. Oktober 1993 lehnte das BAMV die �bernahme der Kosten der Amalgamentfernung und Quecksilberausscheidung ab. Hieran hielt das Amt nach Beizug einer Stellungnahme seines Chefarztes (Dr. med. M.) vom 29. November 1993 mit Einspracheentscheid vom 19. Januar 1994 fest.
B.- Die dagegen erhobene Beschwerde, mit der B. im wesentlichen die �bernahme der durch die Diagnose der Unvertr�glichkeit (Fr. 766.70) und die BGE 123 V 53 S. 55Entfernung des Amalgams (Fr. 7'490.20) angefallenen Kosten beantragen liess, hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau mit Entscheid vom 7. Dezember 1994 gut. Zur Begr�ndung wurde im wesentlichen ausgef�hrt, dass die Entfernung der Amalgamf�llungen und die Quecksilberausscheidung aufgrund der Behandlungsergebnisse medizinisch indiziert gewesen seien. Damit k�nne mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit geschlossen werden, dass die Krankheitssymptome auf die Amalgamf�llungen zur�ckgingen, wobei unerheblich bleibe, ob eine Allergie oder eine Mikrointoxikation vorgelegen habe. Im weiteren liess das Verwaltungsgericht den vom BAMV erhobenen Einwand der fehlenden wissenschaftlichen Anerkennung nicht gelten. Zum einen r�ume das MVG dem zugelassenen Therapeuten eine gewisse Methodenfreiheit ein, zumal damit - gem�ss gesetzgeberischer Absicht - auch k�nftigen neuen Erkenntnissen �ber diagnostische und therapeutische Mittel und Methoden Rechnung getragen werden k�nne. Daraus folge, dass Amalgamentfernung und Quecksilberausscheidung nicht von vornherein als ungeeignet f�r therapeutische Zwecke und somit als unwissenschaftlich qualifiziert werden k�nnten. Zum andern sei sich die Lehre darin einig, dass bei Unvertr�glichkeitserscheinungen zufolge Amalgams die entsprechenden Zahnf�llungen entfernt werden m�ssten.
C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt das BAMV die Aufhebung des kantonalen Gerichtsentscheides im wesentlichen mit der Begr�ndung, eine Amalgamunvertr�glichkeit sei nicht erstellt und die erfolgte Entfernung des Amalgams k�nne nicht als wissenschaftlich gesicherte Therapie gelten.
B. l�sst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliessen. (...).
1. a) Gem�ss Art. 16 Abs. 1 MVG in der seit dem 1. Januar 1994 geltenden totalrevidierten Fassung hat der Versicherte Anspruch auf eine zweckm�ssige und wirtschaftliche Heilbehandlung, die geeignet ist, seinen Zustand oder seine Erwerbsf�higkeit zu verbessern oder vor weiterer Beeintr�chtigung zu bewahren. Die Heilbehandlung umfasst nach Art. 16 Abs. 2 MVG namentlich die medizinische Untersuchung und Behandlung sowie die Pflege, (...), mit Einschluss der Analysen, der Arzneimittel und der weitern zur Therapie BGE 123 V 53 S. 56erforderlichen Mittel und Gegenst�nde (Satz 1). Untersuchung und Behandlung haben mit Mitteln und nach Methoden zu erfolgen, f�r die der Wirkungsnachweis erbracht ist (Satz 2).
b) Mit welchen Mitteln der Wirkungsnachweis gem�ss Art. 16 Abs. 2 Satz 2 MVG im einzelnen zu erbringen ist, geht aus dem Gesetz nicht hervor. Ebensowenig vermag in dieser Frage die in den Materialien dokumentierte Entstehungsgeschichte Aufschluss zu vermitteln. Zu Art. 15 Abs. 1 des Entwurfs, der vollumf�nglich dem Gesetz gewordenen Art. 16 Abs. 1 MVG entspricht, findet sich in der bundesr�tlichen Botschaft vom 27. Juni 1990 der Hinweis, dass damit ein in der Sozialversicherung allgemein anerkannter Grundsatz verankert werde, wonach der Versicherte auf eine angemessene ("zweckm�ssige und wirtschaftliche"), nicht aber auf eine maximale Behandlung Anspruch habe. Was sodann die einzelnen Mittel und Methoden einer wirksamen Heilbehandlung anbelange, werde der Rahmen in Absatz 2 (von Art. 16 MVG) bewusst weit gefasst, um auch in Zukunft neuen Erkenntnissen �ber diagnostische und therapeutische Mittel und Methoden rechtzeitig Rechnung tragen zu k�nnen (BBl 1990 III 230; vgl. LOCHER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, Bern 1994, � 29 Rz. 14). In diesem Zusammenhang gelangte denn auch an der Sitzung der st�nder�tlichen Kommission f�r soziale Sicherheit vom 31. Januar 1991 unwidersprochen zum Ausdruck, dass Art. 16 Abs. 2 MVG die �bernahme sinnvoller komplement�rmedizinischer Heilmassnahmen erm�gliche, wobei mit dem - nicht f�r jede Behandlung, sondern vor allem bei neuen Methoden zu erbringenden - Wirkungsnachweis denkbaren Missbr�uchen vorgebeugt werden k�nne (vgl. Voten Schwegler und Schoch, S. 3 f. des Protokollauszugs).
c) Nach der Weisung des BAMV Nr. 10 �ber die Heilbehandlung vom 30. Juni 1993, in Kraft seit 1. Januar 1994, gilt der Wirkungsnachweis im Sinne von Art. 16 Abs. 2 Satz 2 MVG als erbracht, wenn die betreffende Untersuchungs- und Behandlungsmethode von Forschern und Praktikern der medizinischen Wissenschaft auf breiter Basis anerkannt ist. Entscheidend sind dabei das Ergebnis der Erfahrungen und der Erfolg einer bestimmten Therapie (Rz. 14). Im Interesse des Versicherten kann ausnahms- und versuchsweise eine komplement�re Heilmethode (Akupunktur, Hom�opathie etc.), deren Wirkungsnachweis nicht erbracht ist, von der Milit�rversicherung bewilligt und �bernommen werden (Rz. 15).
d) Im Schrifttum zum fr�heren MVG in der Fassung vom 20. September 1949 wird zu Art. 16 aMVG ("Der Versicherte hat Anspruch auf �rztliche BGE 123 V 53 S. 57Behandlung, Arznei und andere zur Heilung und zur Verbesserung seiner Arbeitsf�higkeit dienende Mittel und Gegenst�nde...") im wesentlichen �bereinstimmend ausgef�hrt, dass der Anspruch auf Heilbehandlung bzw. Krankenpflege im Gesetz nicht ersch�pfend umschrieben sei. Grunds�tzlich w�rden alle Behandlungen erfasst, die geeignet seien, die Heilung der Gesundheitssch�digung herbeizuf�hren, den Zustand eines Patienten zu verbessern, eine Verschlimmerung zu verh�ten oder zu verz�gern oder sonst das Los des Patienten zu mildern. Der Versicherte k�nne daher nur die angezeigt erscheinenden Leistungen verlangen, was im konkreten Fall eine rein medizinische Frage sei. Was sodann die in Art. 16 Abs. 1 aMVG nebst der �rztlichen Behandlung und Arznei erw�hnten Mittel und Gegenst�nde anbelange, fielen darunter alle Stoffe und Massnahmen zur Besserung oder Linderung von Gesundheitssch�digungen und Gebrechen wie etwa nat�rliche Heilmittel (Luft, Klima, Sonne), di�tetische Massnahmen, physikalische Therapie, Psychotherapie usw. (vgl. zum Ganzen SCHATZ, Kommentar zur Eidg. Milit�rversicherung, Z�rich 1952, S. 109 ff.; VIKTOR LENDI, Der Anspruch des Versicherten aus dem Bundesgesetz �ber die Milit�rversicherung vom 20. September 1949, Z�rcher Diss. 1970, S. 33 f.).
2. a) Das in Art. 16 Abs. 2 Satz 2 MVG verankerte Erfordernis des Wirkungsnachweises findet sich in gleicher Form auch in Art. 15 Abs. 2 der vom St�nderat am 25. September 1991 verabschiedeten (Amtl.Bull. 1991 S 779) Vorlage zu einem Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 27. September 1990 (BBl 1991 II 185 ff.). Im Unterschied zur milit�rversicherungsrechtlichen Regelung sieht indes Art. 15 Abs. 2 Satz 2 ATSG zus�tzlich ausdr�cklich vor, dass der Bundesrat nach Anh�ren der von ihm bestellten Fachkommissionen f�r alle Sozialversicherungszweige Vorschriften �ber die Zulassung neuer oder umstrittener Mittel und Methoden der Untersuchung und Behandlung erlassen kann (BBl 1991 II 189 und 251). Dieser auf die Erm�glichung weitgehender �bereinstimmung in der Beurteilung neuer oder umstrittener diagnostischer und therapeutischer Mittel abzielende Vorschlag ist im Rahmen der vertieften bundesr�tlichen Stellungnahme vom 17. August 1994 nicht n�her er�rtert worden. Er hat nur insofern eine Erg�nzung erfahren, als der Bundesrat gem�ss einem 3. Satz von Art. 15 Abs. 2 ATSG daf�r sorgt, dass die Anbieter medizinischer Spitzenleistungen Evaluationsregister �ber BGE 123 V 53 S. 58Anwendungsform und Wirksamkeit ihrer Technologien f�hren (BBl 1994 V 921 ff., 933).
b) Der Wirkungsnachweis gem�ss Art. 16 Abs. 2 Satz 2 MVG und Art. 15 Abs. 2 ATSG beruht auf einem an sich unbestrittenen Prinzip, dessen Anwendung jedoch in den einzelnen Zweigen des Sozialversicherungsrechts bislang recht unterschiedlich erfolgte (BBl 1991 II 251).
aa) Unter der bis Ende 1995 geltenden Ordnung des KUVG vom 13. Juni 1911 war die gesetzliche Leistungspflicht der Krankenkassen f�r Krankenpflege auf die vom Arzt vorgenommenen wissenschaftlich anerkannten diagnostischen und therapeutischen Massnahmen und die wissenschaftlich anerkannten Heilanwendungen beschr�nkt (Art. 12 Abs. 2 Ziff. 1 lit. a und b und Ziff. 2 KUVG; Art. 21 Abs. 1 Vo III �ber die Krankenversicherung vom 15. Januar 1965). Nach der hiezu ergangenen Rechtsprechung erf�llte eine Behandlungsmethode dann das Erfordernis der wissenschaftlichen Anerkennung, wenn ihr diese von Forschern und Praktikern der medizinischen Wissenschaft auf breiter Basis zuteil wurde. Entscheidend waren dabei das Ergebnis der Erfahrungen und der Erfolg einer bestimmten Therapie (BGE 120 V 122 Erw. 1a, 211 Erw. 7a und 476 f. Erw. 4a, BGE 119 V 28 f. Erw. 3a und RKUV 1996 Nr. K 975 S. 70 Erw. 7a und Nr. K 976 S. 81 Erw. 7a, je mit Hinweisen; JEAN-LOUIS DUC, Les assurances sociales en Suisse, Lausanne 1995, S. 210 Rz. 230, inkl. FN 309 und 310). War umstritten, ob eine diagnostische oder therapeutische Massnahme wissenschaftlich, zweckm�ssig und wirtschaftlich ist, so entschied das Eidg. Departement des Innern (EDI) nach Anh�ren der Eidg. Fachkommission f�r allgemeine Leistungen der Krankenversicherung, ob die Massnahme als Pflichtleistung von den Krankenkassen �bernommen werden musste (Art. 12 Abs. 5 KUVG in Verbindung mit Art. 21 Abs. 2 Vo III; vgl. Anhang zur Vo 9 des EDI vom 18. Dezember 1990). Desgleichen bezeichnete das EDI nach Anh�ren der Fachkommission die von den Kassen gem�ss Art. 12 Abs. 2 Ziff. 1 lit. b und Ziff. 2 KUVG zu �bernehmenden wissenschaftlich anerkannten Heilanwendungen (Art. 21a Vo III; vgl. Vo 7 des EDI vom 13. Dezember 1965).
Nach der unter dem KUVG ergangenen Rechtsprechung waren die Meinungs�usserungen der Eidg. Fachkommission f�r den Richter grunds�tzlich nicht verbindlich. Wenn es allerdings darum ging, einen Sachverhalt zu w�rdigen, der ausschliesslich medizinische �berlegungen beschlug, so wurde der Richter im allgemeinen als nicht in der Lage erachtet zu beurteilen, ob BGE 123 V 53 S. 59die Schlussfolgerungen der Fachleute stichhaltig seien; er musste sich deshalb der Kommissionsmeinung anschliessen, sofern diese nicht unhaltbar schien (BGE 120 V 123 Erw. 1a, 119 V 31 Erw. 4b mit Hinweisen; vgl. ferner DUC, a.a.O., S. 208 f. Rz. 228). Das Eidg. Versicherungsgericht hat sodann entschieden, dass in F�llen, in denen eine medizinische oder therapeutische Massnahme nicht im Anhang zur Vo 9 des EDI vom 18. Dezember 1990 (oder nunmehr im Anhang 1 zur KLV [vgl. hernach Erw. 2c/aa]) aufgef�hrt und ein entsprechendes Aufnahmeverfahren auch nicht im Gange ist, der Richter die zur Beurteilung der Wissenschaftlichkeit erforderlichen Abkl�rungen nach den Regeln des Untersuchungsgrundsatzes zu treffen hat (unver�ffentlichtes Urteil G. vom 23. Mai 1996).
bb) W�hrend f�r das KUVG der Grundsatz galt, dass die �rztliche Behandlung in diagnostischer wie in therapeutischer Hinsicht wissenschaftlich sein muss, und im �brigen auch bestimmt war, wer �ber die Frage der wissenschaftlichen Anerkennung entscheidet, enthalten UVG und UVV keine entsprechende Regelung. Dennoch wird das Erfordernis der Wissenschaftlichkeit der �rztlichen T�tigkeit auch im Bereich der obligatorischen Unfallversicherung als selbstverst�ndlich vorausgesetzt (MAURER, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, Bern 1985, S. 289 f.; ALEXANDRA RUMO-JUNGO, Bundesgesetz �ber die Unfallversicherung, 2. Aufl., Z�rich 1995, S. 241 Ziff. II). Gem�ss Art. 10 Abs. 3 Satz 1 UVG k�nnte der Bundesrat die Leistungspflicht der Versicherung n�her umschreiben und damit unter anderem auch festlegen, welche Vorkehren als wissenschaftlich anerkannt gelten und wer im Zweifelsfall hier�ber zu entscheiden h�tte. Von dieser Befugnis hat er bis heute jedoch keinen Gebrauch gemacht, dies weil den betreffenden Fragen in der Unfallversicherung aufgrund von Art. 48 Abs. 1 UVG nicht dieselbe Bedeutung zuzukommen scheint wie in der Krankenversicherung. Denn nach dieser Bestimmung kann der Versicherer (...) die n�tigen Anordnungen zur zweckm�ssigen Behandlung des Versicherten treffen. Er darf daher - aufgrund des in der obligatorischen Unfallversicherung geltenden Naturalleistungsprinzips (vgl. RKUV 1995 Nr. U 227 S. 190 mit Hinweis auf FRAN�OIS-X. DESCHENAUX, Le pr�cepte de l'�conomie du traitement dans l'assurance maladie sociale..., in: Festschrift 75 Jahre EVG, Bern 1992, S. 529 f.) - die diagnostischen und therapeutischen Massnahmen im Einzelfall festlegen und damit insbesondere auch �ber deren wissenschaftliche Anerkennung entscheiden. Dabei wird er sich freilich regelm�ssig an die Praxis der Krankenversicherung halten und BGE 123 V 53 S. 60gerade mit Blick auf die bei ihm liegende Verantwortlichkeit f�r allf�llige Sch�digungen durch die Heilbehandlung (Art. 6 Abs. 3 UVG) kaum Vorkehren zulassen, die dort als unwissenschaftlich oder als wissenschaftlich umstritten gelten (MAURER, a.a.O., S. 290 f.; GH�LEW/RAMELET/RITTER, Commentaire de la loi sur l'assurance-accidents [LAA], Lausanne 1992, S. 192; LOCHER, a.a.O., � 29 Rz. 13; vgl. ferner RKUV 1995 Nr. U 227 S. 190 Erw. 2a und zu Art. 23 KUVG das in SUVA-Rechtsprechungsbeilage 1983 Nr. 4 S. 7 auszugsweise ver�ffentlichte Urteil Sch. des Eidg. Versicherungsgerichts vom 3. August 1983).
cc) Auch in der Invalidenversicherung besteht eine Leistungspflicht bei medizinischen Massnahmen im allgemeinen (Art. 12 IVG) und bei Geburtsgebrechen (Art. 13 IVG) im besonderen unter anderem nur, wenn die Massnahmen nach bew�hrter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind (Art. 2 Abs. 1 in fine IVV und Art. 2 Abs. 3 GgV). Rechtsprechungsgem�ss findet dabei die auf dem Gebiet der Krankenpflege geltende Definition der Wissenschaftlichkeit grunds�tzlich auch auf die medizinischen Massnahmen der Invalidenversicherung Anwendung. Ist mithin eine Vorkehr mangels Wissenschaftlichkeit nicht als Pflichtleistung der Krankenkassen nach KUVG anerkannt, so kann sie auch nicht als medizinische Massnahme nach Art. 12 IVG zu Lasten der Invalidenversicherung gehen (BGE 115 V 195 f. Erw. 4b, BGE 114 V 22 f. Erw. 1a). Diese Einschr�nkung erscheint um so gebotener, als die Invalidenversicherung die medizinischen Massnahmen als Naturalleistungen erbringt und aufgrund des dieser Leistungsart innewohnenden Eingliederungsrisikos nach Art. 11 IVG bzw. Art. 23 IVV im Falle eines Behandlungsmisserfolges unter Umst�nden haftbar werden k�nnte (BGE 114 V 26 Erw. 2d).
Abgesehen von den medizinischen Massnahmen gilt das Erfordernis der Wissenschaftlichkeit ebenso in bezug auf die Sonderschulmassnahmen gem�ss Art. 19 IVG, insbesondere diejenigen p�dagogisch-therapeutischer Art (Art. 19 Abs. 2 lit. c IVG, Art. 8 Abs. 1 lit. c und Art. 10bis IVV). Massgebend ist dabei jedoch nicht der Begriff der medizinischen, sondern der p�dagogischen Wissenschaft (BGE 114 V 26 Erw. 2c und d; unver�ffentlichtes Urteil H. vom 12. September 1994). Dementsprechend kann insofern bei Zweifeln hinsichtlich der Wissenschaftlichkeit - im Unterschied zu den medizinischen Massnahmen - nicht in Anlehnung an die Erkenntnisse der Eidg. Fachkommission f�r allgemeine Leistungen der Krankenversicherung BGE 123 V 53 S. 61entschieden werden. Stattdessen bilden sich Verwaltung und - im Anfechtungsfall - der Sozialversicherungsrichter ihr Urteil in aller Regel auf der Grundlage entsprechender Gutachten (unver�ffentlichte Urteile B. vom 29. August 1994 und B. vom 21. Mai 1990) oder allenfalls sogar unmittelbar gest�tzt auf die einschl�gige Fachliteratur (BGE 114 V 28 Erw. 3b; unver�ffentlichtes Urteil M. vom 29. April 1994).
dd) F�r den Bereich der Erg�nzungsleistungen hat die Rechtsprechung klargestellt, dass Art. 3 Abs. 4 lit. e ELG im Hinblick auf die zu verhindernde Unterschreitung eines angemessenen Existenzbedarfs die Ausgaben f�r s�mtliche Arten von Vorkehren erfassen soll, die nach bew�hrter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft zur Heilung, Linderung oder Stabilisierung eines Leidens erforderlich sind (BGE 108 V 241 Erw. 4c, EVGE 1968 S. 69 Erw. 2d). Das Erfordernis der Wissenschaftlichkeit gem�ss Art. 5 lit. a ELKV (in der bis 31. Dezember 1995 g�ltig gewesenen Fassung) bezieht sich dabei �ber den Verordnungswortlaut hinaus nicht nur auf die gem�ss Anordnung des Arztes durch medizinische Hilfspersonen durchgef�hrten, sondern gleichermassen auf die vom Arzt selbst vorgenommenen Massnahmen sowie auf medikament�se Behandlungen. Was letztere anbelangt, bedeutet dies nicht, dass nur die in der Arzneimittel- und in der Spezialit�tenliste enthaltenen Pr�parate zu verg�ten sind; der Verg�tungsanspruch erstreckt sich vielmehr auf alle �rztlich verordneten Heilmittel, denen im konkreten Fall die Eigenschaft eines Medikaments nicht abgesprochen werden kann, worunter auch �rztlich verordnete hom�opathische Heilmittel fallen k�nnen (unver�ffentlichtes Urteil H. vom 21. Juni 1993; vgl. ferner Rz. 5040 der vom Bundesamt f�r Sozialversicherung herausgegebenen Wegleitung �ber die Erg�nzungsleistungen zur AHV und IV [WEL] in der ab 1. Januar 1994 g�ltig gewesenen Fassung).
c) Nach dem Gesagten kann festgehalten werden, dass den im Bereich des Krankenversicherungsrechts geltenden Regeln im hier interessierenden Zusammenhang auch f�r die anderen Zweige der Sozialversicherung grosse Bedeutung zukommt. Es rechtfertigt sich daher, im folgenden auch die mit dem KVG vom 18. M�rz 1994 auf den 1. Januar 1996 in Kraft getretene neue Ordnung darzustellen.
aa) Art. 32 Abs. 1 KVG setzt f�r eine �bernahme der Kosten bei s�mtlichen der im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu erbringenden Leistungen (Art. 25 bis 31 KVG) voraus, dass diese wirksam, zweckm�ssig und wirtschaftlich sein m�ssen (Satz 1). Die Wirksamkeit muss nach BGE 123 V 53 S. 62wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen werden (Satz 2), wobei sie - ebenso wie die Zweckm�ssigkeit und die Wirtschaftlichkeit der Leistungen - periodisch �berpr�ft wird (Art. 32 Abs. 2 KVG). Nach Art. 33 Abs. 1 KVG kann der Bundesrat die von �rzten und �rztinnen (...) erbrachten Leistungen bezeichnen, deren Kosten von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen �bernommen werden. Gem�ss Art. 33 Abs. 3 KVG bestimmt der Bundesrat, in welchem Umfang die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Kosten einer neuen oder umstrittenen Leistung �bernimmt, deren Wirksamkeit, Zweckm�ssigkeit oder Wirtschaftlichkeit sich noch in Abkl�rung befindet. Er setzt Kommissionen ein, die ihn bei der Bezeichnung der Leistungen beraten (Art. 33 Abs. 4 Satz 1 KVG), wobei er die Aufgaben nach den Abs. 1-3 von Art. 33 KVG dem Departement oder dem Bundesamt �bertragen kann (Art. 33 Abs. 5 KVG). Nach Aus�bung dieser Subdelegationskompetenz durch den Bundesrat (vgl. Art. 33 der Verordnung �ber die Krankenversicherung vom 27. Juni 1995 [KVV]) hat das EDI im Rahmen der Verordnung �ber die Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung vom 29. September 1995 (Krankenpflege-Leistungsverordnung, KLV) unter anderem die in Art. 33 Abs. 1 und 3 KVG (bzw. Art. 33 lit. a und c KVV) angesprochenen Leistungen bezeichnet und die Voraussetzungen sowie den Umfang der Kosten�bernahme durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung bestimmt (Art. 1 KLV in Verbindung mit Anhang 1).
bb) Besonderes Augenmerk verdient die Entstehung von Art. 32 KVG. Denn der bundesr�tliche Gesetzesentwurf enthielt hinsichtlich der Voraussetzungen f�r die Kosten�bernahme durch die Krankenversicherung insofern eine wichtige Neuerung, als er das Kriterium der wissenschaftlichen Anerkennung ausdr�cklich aufgab und nur noch verlangte, dass die Leistungen wirksam, zweckm�ssig und wirtschaftlich zu sein h�tten (vgl. Art. 26 Abs. 1 E-KVG). Die Botschaft des Bundesrates zur Revision der Krankenversicherung vom 6. November 1991 f�hrt hiezu aus, dass das Kriterium der Wissenschaftlichkeit in den letzten Jahren und vor allem auch in der Vernehmlassung stark in Zweifel gezogen worden sei. Der Begriff der wissenschaftlichen Anerkennung werde heute als ungeeignet und zu ungenau erachtet, weshalb er durch denjenigen der Wirksamkeit ersetzt werde. Die Bef�rchtung, dass damit die Leistungspflicht �ber die klassische Medizin hinaus auf Massnahmen ausgedehnt werde, die nicht auf einem seri�sen medizinischen Ansatz beruhen BGE 123 V 53 S. 63w�rden, sei unbegr�ndet. Denn indem nicht nur Wirksamkeit (allgemeine Eignung), sondern zugleich auch Zweckm�ssigkeit (angemessene Eignung im Einzelfall) und Wirtschaftlichkeit (angemessenes Kosten-/Nutzenverh�ltnis) verlangt w�rden, k�nnten "unvern�nftige" oder zumindest "zweifelhafte" Leistungen ausgeschlossen werden (BBl 1992 I 158 f., 265).
Der Gesetzesentwurf hat in den R�ten ausf�hrliche Diskussionen ausgel�st, nachdem die vorberatende st�nder�tliche Kommission den nach der Differenzbereinigung schliesslich in das Gesetz aufgenommenen Zusatz vorgeschlagen hatte, dass die Wirksamkeit nach wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen sein m�sse (vgl. MAURER, Das neue Krankenversicherungsrecht, Basel 1996, S. 51 f., FN 129). Auf seiten der Bef�rworter dieses Zusatzes gelangte einhellig zum Ausdruck, dass wissenschaftlich nicht im Sinne von naturwissenschaftlich zu verstehen sei, der Wirkungsnachweis auch etwa mittels Statistik erbracht werden k�nne und es vor allem nicht darum gehe, damit den Bereich der Komplement�rmedizin von der Leistungspflicht der obligatorischen Krankenpflegeversicherung auszuschliessen (Amtl.Bull. 1992 S 1303 ff., 1993 N 1845 ff., 1056 ff., 1994 N 17 ff.; Protokoll der st�nder�tlichen Kommissionssitzungen vom 29./30. Juni 1992 S. 39 f. und vom 12./13. Oktober 1992 S. 43 ff.).
3. Aus diesem vergleichenden �berblick verschiedener Leistungssysteme kann gefolgert werden, dass die Regelung gem�ss Art. 16 MVG im Sozialversicherungsrecht des Bundes in verschiedener Hinsicht eine Sonderstellung einnimmt:
a) Zum einen umschreibt Art. 16 MVG die Leistungspflicht der Milit�rversicherung generalklauselartig (Abs. 1 und 2). Damit besteht ein wesentlicher Unterschied zur Krankenversicherung, die unter dem neuen Recht dem Listenprinzip (Art. 34 KVG) folgt (vgl. MAURER, Krankenversicherungsrecht, a.a.O., S. 45). Diese Differenz erscheint als um so ausgepr�gter, als die Krankenversicherung - wie fr�her (Art. 21 Abs. 2 Vo III und Anhang zur Vo 9) - eine zus�tzliche Konkretisierung ihrer Leistungspflicht gem�ss Empfehlung fachlich berufener Kommissionen auf Verordnungsstufe kennt, und zwar in bezug auf �rztliche Leistungen nunmehr in Form von Negativlisten (Art. 33 Abs. 1 und 3 KVG; Art. 33 lit. a und c KVV; Art. 1 KLV; vgl. MARKUS MOSER, Erl�uterungen durch den Vizedirektor, in: CHSS 1996 H. 2 S. 89). Derselbe Unterschied besteht sodann gegen�ber dem Entwurf zu einem Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (Art. 15 Abs. 2 Satz 2 ATSG) und - an sich - auch gegen�ber der obligatorischen BGE 123 V 53 S. 64Unfallversicherung, wo die entsprechende Verordnungsbefugnis des Bundesrates (Art. 10 Abs. 3 UVG) allerdings bislang nicht ausgesch�pft wurde. Der Grund daf�r mag darin liegen, dass das UVG dem Naturalleistungsprinzip verpflichtet ist (vgl. Erw. 2b/bb), anders als das Krankenversicherungsrecht, welches dem System der Kostenverg�tung folgt (MAURER, Krankenversicherungsrecht, a.a.O., S. 44). Jenes Prinzip und die damit regelm�ssig verkn�pfte Verantwortung des Versicherers f�r die Heilbehandlung (vgl. RKUV 1995 Nr. U 227 S. 190) findet sich - genauso wie in der Invalidenversicherung - auch in der Milit�rversicherung (Art. 16 Abs. 4 und Art. 18 Abs. 1 und 6 MVG) verwirklicht (LOCHER, a.a.O., � 29 Rz. 16 und Vorbemerkungen zum 1. Kap. des 5. Teils, S. 175 Rz. 3; FRANZ SCHWEGLER, Nach 141 Jahren: Beginn der f�nften Epoche in der Milit�rversicherung, in: CHSS 1993 H. 5 S. 6). Dieser Umstand d�rfte mitbestimmend daf�r gewesen sein, dass von einer eigentlichen Konkretisierung ihrer Leistungspflicht im tieferrangigen Recht abgesehen wurde.
b) Zum andern verlangt Art. 16 Abs. 2 MVG f�r Untersuchung und Behandlung wohl einen Wirkungsnachweis, doch ist - und dies in Anlehnung an Art. 15 Abs. 2 ATSG - das f�r andere Leistungszweige typische qualitative Erfordernis der wissenschaftlichen Anerkennung nicht mehr ausdr�cklich aufgenommen worden. Damit unterscheidet sich Art. 16 Abs. 2 MVG nicht nur von Art. 12 Abs. 2 Ziff. 1 lit. a und b und Ziff. 2 KUVG sowie den zuvor dargestellten Leistungsbereichen der Invalidenversicherung (vgl. Erw. 2b/cc). Ein Unterschied besteht vielmehr ebenso gegen�ber Art. 32 Abs. 1 KVG, welche Bestimmung ausdr�cklich einen Wirkungsnachweis nach wissenschaftlichen Methoden verlangt. Bis auf diesen Kompromiss (vgl. Erw. 2c) vermochte sich die Abkehr vom Erfordernis der wissenschaftlichen Anerkennung gem�ss Art. 16 Abs. 2 MVG indes auch im Rahmen der parlamentarischen Beratung der Totalrevision des Krankenversicherungsrechts zu behaupten. Ihr liegt gewachsenes Unbehagen gegen�ber einem �berlieferten Verst�ndnis von Wissenschaftlichkeit zugrunde. Vor allem aber geht sie zur�ck auf das - bei beiden Reformwerken gleichermassen pr�sente - Bestreben, bei der Leistungserbringung den Errungenschaften der Komplement�rmedizin Rechnung zu tragen (vgl. Erw. 1b und 2c/bb).
c) Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich die Milit�rversicherung im Zusammenhang mit dem Wirkungsnachweis gem�ss Art. 16 Abs. 2 MVG nicht nur vom Erfordernis der Wissenschaftlichkeit gel�st hat.BGE 123 V 53 S. 65
Sie kennt �berdies - im wesentlichen Unterschied zur Krankenversicherung sowie zum Allgemeinen Teil Sozialversicherung - auch kein Verfahren, das im Falle streitiger Wirksamkeit eingeschlagen werden und unter Einsatz von Fachkommissionen in die Konkretisierung der Leistungspflicht auf Verordnungsstufe ausm�nden k�nnte.
Von diesen Unterschieden abgesehen, stimmen Art. 16 MVG und Art. 32 KVG jedoch insofern �berein, als die zu �bernehmenden Leistungen nicht nur wirksam, sondern auch zweckm�ssig und wirtschaftlich zu sein haben (vgl. dazu MAURER, Krankenversicherungsrecht, a.a.O., S. 52).
4. a) Geht es - wie im vorliegenden Fall - um die Beurteilung der Wirksamkeit einer diagnostischen oder therapeutischen Massnahme nach Art. 16 Abs. 2 MVG, bieten sich von vornherein dann keine Probleme, wenn deren �bernahme durch die Krankenversicherung ausser Frage steht. Zufolge fehlender Positivlisten im Bereich der �rztlichen Leistungen (Art. 33 Abs. 1 KVG; MOSER, a.a.O., S. 89) vermag indes die Praxis der Krankenversicherung gerade in zweifelhaften F�llen kaum verl�ssliche Hilfe zu bieten (vgl. die Kritik des Ombudsmannes in KSK-Aktuell 1996 Nr. 5 S. 73), wogegen die Milit�rversicherung in klaren F�llen ohnehin kaum je versucht sein wird, sich ihrer Leistungspflicht zu entziehen. Bestreitet sie hingegen bei neueren oder noch nicht allgemein anerkannten Vorkehren deren Wirksamkeit, stellt sich die Frage, was aus dem Verzicht auf das Erfordernis der wissenschaftlichen Anerkennung (Art. 12 Abs. 2 Ziff. 1 lit. b KUVG) sowie daraus zu schliessen ist, dass Art. 16 Abs. 2 MVG in bezug auf den nunmehr verlangten Wirkungsnachweis - im Unterschied zum sp�ter erlassenen Art. 32 KVG - die Verwendung wissenschaftlicher Methoden nicht eigens erw�hnt.
In dieser Hinsicht kann zweierlei festgehalten werden: Einerseits folgt aus den Vorarbeiten des Gesetzes (vgl. Erw. 1b) und mit Blick auf die Entwicklung in der Krankenversicherung (vgl. Erw. 2c/bb), dass sich aufgrund der beabsichtigten Ausdehnung der Leistungspflicht auf komplement�rmedizinische Methoden eine Beurteilung der Wirksamkeit nicht auf eine naturwissenschaftliche oder gar schulmedizinische Optik beschr�nken darf. Denn diese Kriterien verm�gen jenen Leistungen h�ufig nicht oder nur unzureichend gerecht zu werden. Insofern erscheint es durchaus als folgerichtig, wenn die Pr�fung auf die Frage der Wirksamkeit beschr�nkt und kein abschliessender Aufschluss �ber den kausalen Verlauf BGE 123 V 53 S. 66und das Verst�ndnis der Wirkungsweise verlangt wird. Zum andern l�sst sich aus dem zuvor umschriebenen Verzicht der Schluss nicht ziehen, die Beurteilung der Wirksamkeit habe einzelfallbezogen und retrospektiv aufgrund der konkreten Behandlungsergebnisse zu erfolgen. Vielmehr geht es auch im Rahmen von Art. 16 Abs. 2 MVG um eine vom einzelnen Anwendungsfall gel�ste allgemeine Bewertung (vgl. Erw. 1b in fine). Eine Aufgabe dieses Grundsatzes w�rde bei erfolglosen �rztlichen Bem�hungen zu geradezu widersinnigen Ergebnissen f�hren. Dass dies nicht die Absicht des Gesetzgebers sein konnte, folgt indirekt auch aus dem Konzept des bundesr�tlichen Entwurfs zum KVG, der den nach wissenschaftlichen Methoden zu erbringenden Wirkungsnachweis nicht verlangte, jedoch bereits eine regelm�ssige �berpr�fung der Wirksamkeit (Art. 26 Abs. 2 E-KVG) und eine verordnungsm�ssige Umschreibung der nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen zu �bernehmenden Leistungen vorsah (Art. 27 Abs. 1 E-KVG).
b) Dass der Verzicht auf das Erfordernis der wissenschaftlichen Anerkennung und der unterbliebene Hinweis auf die beim Wirkungsnachweis zu verwendenden wissenschaftlichen Methoden im Bereich der Milit�rversicherung �ber das Gesagte hinaus noch eine weitere Bedeutung haben k�nnte, ist selbst nach Ber�cksichtigung der Gesetzesmaterialien nicht ersichtlich. Dies erstaunt insofern nicht, als bereits das fr�here Recht jedenfalls nach seinem Wortlaut (Art. 16 aMVG) den Begriff der wissenschaftlichen Anerkennung nicht enthalten hatte (vgl. Erw. 1d). Zum andern darf der in dieser Hinsicht bestehende Unterschied zu Art. 32 Abs. 1 KVG aber auch nicht �berbewertet werden. Denn f�r die in der parlamentarischen Diskussion erfolgte Erg�nzung des bundesr�tlichen Entwurfs zum KVG mit dem Zusatz des Wirkungsnachweises nach wissenschaftlichen Methoden war wohl letztlich allein die - auch Art. 16 Abs. 2 MVG keineswegs fremde (vgl. Erw. 1b) - Absicht entscheidend gewesen, der gerade im Bereich komplement�rmedizinischer Leistungen vermuteten Gefahr des Missbrauchs entgegenzuwirken.
c) Die Beurteilung der Wirksamkeit einer diagnostischen oder therapeutischen Massnahme obliegt aufgrund der Ausgestaltung des MVG nicht einer Fachkommission, sondern in erster Linie der Verwaltung und - im Streitfall - dem angerufenen Richter. F�r beide gilt, dass sie sich nach Massgabe des Untersuchungsgrundsatzes - mithin von Amtes wegen, aber unter Mitwirkung der Parteien (BGE 122 V 158 Erw. 1a, BGE 121 V 210 Erw. 6c, je mit Hinweisen) - die entscheidwesentlichen Informationen zu beschaffen haben.BGE 123 V 53 S. 67
Dabei werden sie mangels eigener Sachkenntnis vor allem bei komplexeren Fragestellungen in aller Regel nicht darauf verzichten k�nnen, die Meinungen unabh�ngiger Experten beizuziehen. An diesen liegt es, �ber die Wirksamkeit der in Frage stehenden Vorkehr zu berichten. Eine solche Beurteilung kann sich nach dem Gesagten indes nicht an der Anerkennung durch herk�mmliche naturwissenschaftliche oder schulmedizinische Forscher und Praktiker ausrichten und hat keinen abschliessenden Aufschluss �ber die Mechanismen der zu �berpr�fenden Wirkung zu vermitteln. In diesem Sinne l�sst sich die eingangs zitierte Rz. 14 der Verwaltungsweisung (Erw. 1c), die f�r den Richter nicht verbindlich ist (BGE 122 V 253 Erw. 3d mit Hinweisen), nicht halten. Vorbeh�ltlich der erw�hnten Einschr�nkung werden sich wissenschaftliche Methoden aber auch im Rahmen der Wirksamkeitsbeurteilung nach Art. 16 Abs. 2 MVG als unerl�sslich erweisen. Denn der erforderliche Nachweis, dem eine objektivierbare Sicht zugrunde zu liegen hat, l�sst sich am ehesten mit Hilfe von statistischen Vergleichswerten erbringen. Davon abgesehen darf bei der Beurteilung der Wirksamkeit im Sinne von Art. 16 Abs. 2 MVG ohne weiteres auf Erkenntnisse zur�ckgegriffen werden, die sich aus der vermehrten wissenschaftlichen Durchdringung der Komplement�rmedizin im Gefolge ihrer allm�hlichen Integration in den universit�ren Lehrbetrieb ergeben.
5. Was die hier zu beurteilende Streitfrage anbelangt, musste sich das Eidg. Versicherungsgericht schon mehrfach mit F�llen befassen, in denen die �bernahme der durch die Entfernung und den Ersatz von Amalgamf�llungen zufolge Quecksilberunvertr�glichkeit verursachten Kosten in Frage stand. So hat es f�r den Bereich der Krankenversicherung unter der Geltung des KUVG - ausgehend von der Rechtsprechung zur Frage der Leistungspflicht bei zahn�rztlicher Behandlung (vgl. BGE 120 V 195 Erw. 2b) - entschieden, dass die fragliche Behandlung keine Pflichtleistung der Krankenkasse darstellt (RKUV 1995 Nr. K 968 S. 144 Erw. 2a mit Hinweisen). Hingegen hat es die Verg�tung dieser Kosten im Rahmen von Art. 3 Abs. 4 lit. e ELG und Art. 6 ELKV (in der bis 31. Dezember 1995 g�ltig gewesenen Fassung) anerkannt, dies aufgrund des aus verschiedenen Gr�nden als gegeben erachteten Zusammenhangs zwischen dem Amalgam und den Leiden des betroffenen Versicherten, ohne sich jedoch mit der Frage der Diagnosenstellung eingehender zu befassen (unver�ffentlichtes Urteil S. vom 25. August 1992, seinerseits erw�hnt in RKUV 1995 Nr. K 968 S. 145 Erw. 2b).BGE 123 V 53 S. 68
F�r den hier zu beurteilenden Fall l�sst sich daraus nichts Zwingendes ableiten, da sich diese Urteile mit der Wirksamkeit der streitigen diagnostischen und therapeutischen Methoden nicht auseinandersetzen. Abgesehen davon besteht im vorliegenden Fall mit Art. 16 MVG eine Anspruchsgrundlage, die sich von Art. 12 KUVG und Art. 3 Abs. 4 ELG (vgl. BGE 108 V 241 Erw. 4c u. d; RKUV 1995 Nr. K 968 S. 145 Erw. 2b) in verschiedener Hinsicht unterscheidet.
6. a) Im vorliegenden Fall wird nicht nur die Wirksamkeit der gew�hlten Behandlungsform, sondern auch diejenige des verwendeten Diagnoseverfahrens bestritten. Die von Dr. med. S. bescheinigte "Quecksilberunvertr�glichkeit mit Amalgam-St�rfeld Typ I am Zahn 16" wurde nach der Methode der sogenannten Aurikulomedizin erhoben. Dabei handelt es sich um ein Akupunkturverfahren ("Ohrakupunktur"), bei dem die Ohrmuschel als Reflexzone des ganzen K�rpers herangezogen wird; die Akupunktur-Punkte f�r die einzelnen Organe oder K�rperabschnitte werden dabei auf das Ohr als Modell eines auf dem Kopf stehenden Feten projiziert (ROCHE LEXIKON MEDIZIN, 3. Aufl. 1993, S. 1219; vgl. ferner GODEAU/PIETTE/HERSON, Trait� de M�dicine, 2. Aufl. 1987, Bd. 2, S. 2894). Die Tauglichkeit dieses Verfahrens wird in der Schulmedizin in Frage gestellt (vgl. exemplarisch: DUDEN, Das W�rterbuch der medizinischen Fachausdr�cke, 5. Aufl. 1992, S. 131). Diese Haltung gelangt in den Akten des hier zu beurteilenden Falles deutlich zum Ausdruck, und zwar nicht nur in den Stellungnahmen des beschwerdef�hrenden Bundesamtes, sondern desgleichen in den Berichten des Dr. med. dent. R. vom 15. Juli 1993 und Dr. med. O. vom 1. Oktober 1993. Allerdings wurde das fragliche Verfahren beim Beschwerdegegner offenbar auch von Dr. R. selbst angewandt, wobei er gegen�ber Dr. S. zu einem leicht modifizierten Ergebnis gelangte (Amalgamunvertr�glichkeit nicht im Sinne einer Allergie, sondern in Form einer Mikrointoxikation). Der zweitgenannte Arzt hielt sodann fest, dass die Amalgamallergie schulmedizinisch umstritten, aufgrund seiner Beobachtungen w�hrend der Zahnsanierung (Auftreten von objektivierbaren, indes nicht anders erkl�rbaren �demen) "jedoch nicht ganz von der Hand zu weisen" sei.
Aufgrund dieser fallbezogenen Arztberichte l�sst sich die Wirksamkeit des streitigen Diagnoseverfahrens nicht beurteilen. Immerhin f�llt deren Annahme - nach den vorherigen Ausf�hrungen (vgl. Erw. 4a) - jedenfalls nicht bereits deshalb ausser Betracht, weil sie schulmedizinisch umstritten zu sein scheint.BGE 123 V 53 S. 69
b) Namentlich der soeben erw�hnte Bericht des Dr. R. vom 1. Oktober 1993 macht deutlich, dass sich die vorliegende Streitfrage nicht auf Diagnose und Therapie beschr�nkt, sondern gleichsam auf die Ursache des Leidens selbst erstreckt. Um die offenbar seit je in Frage gestellte Verwendung quecksilberhaltigen Amalgams als Zahnf�llmaterial und um seine Auswirkungen auf den menschlichen K�rper ist unter dem Einfluss der Massenmedien in den letzten Jahren im In- und Ausland eine eigentliche Kontroverse entbrannt (vgl. etwa L�BBE/W�THRICH, Amalgamallergie und Amalgamkontroverse, in: Schweizerische Medizinische Wochenschrift, 126/1996 H. 16 S. 661 ff.). Hier im einzelnen darauf einzugehen, erscheint um so entbehrlicher, als sich bereits das kantonale Gericht damit auseinandergesetzt hat. Dieses ist nach Einsicht in das von den Parteien aufgelegte Schrifttum zur Feststellung gelangt, dass die Meinungen �ber die Gef�hrlichkeit des Amalgams in der medizinischen Fachwelt auseinandergingen; immerhin k�nne als wissenschaftlich gesichert gelten, dass die Konzentration von Quecksilberdepots im menschlichen K�rper wesentlich von der Menge des in den Z�hnen enthaltenen Amalgams abh�nge und dieses allergene Reaktionen mit Krankheitswert auszul�sen verm�ge. Dar�ber hinaus hat sich das kantonale Gericht zu Recht nicht weiter auf die Kontroverse eingelassen. Ebenso zu Recht wird ihm nunmehr in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde indes vorgeworfen, sich bei seiner nachfolgenden Beurteilung schwergewichtig auf den beim Beschwerdegegner erzielten Therapieerfolg abgest�tzt zu haben. Damit hat das kantonale Gericht verkannt, dass die Wirksamkeit einer �rztlichen Behandlungsmethode nicht einzelfallbezogen, sondern allgemein zu erfolgen hat (vgl. Erw. 4a).
c) Im vorliegenden Fall scheidet angesichts von Tragweite und Vielschichtigkeit der angesprochenen Thematik die M�glichkeit aus, dass sich der Richter ein abschliessendes Urteil allein nach Einsicht in die Fachliteratur verschaffen k�nnte (vgl. Erw. 2b/cc in fine). Nach dem Gesagten besteht vielmehr Anlass, zur Frage der Wirksamkeit der hier streitigen diagnostischen und therapeutischen Vorkehren ein Gutachten einzuholen. Bei der Fragestellung und vor allem auch bei der Auswahl des oder der Experten wird in ganz besonderem Masse auf die hievor erarbeiteten Grunds�tze zu achten sein. (...).
d) Demnach erfordert die Beurteilung des vorliegenden Falles zus�tzliche Abkl�rungen, insbesondere die Einholung gutachtlicher Stellungnahmen (...). Hief�r ist die Sache an das kantonale Gericht zur�ckzuweisen.
119 V 28 suite... ,
120 V 123,
114 V 28,
Art. 16 al. 2 LAM,
Art. 16 MVG,
Art. 16 Abs. 2 Satz 2 MVG suite... ,
Art. 15 Abs. 2 ATSG,
Art. 15 Abs. 2 Satz 2 ATSG,
Art. 33 Abs. 1 und 3 KVG,
Art. 33 lit. a und c KVV,
Art. 10 Abs. 3 Satz 1 UVG,
Art. 6 Abs. 3 UVG,
Art. 8 Abs. 1 lit. c und Art. 10bis IVV,
Art. 33 Abs. 4 Satz 1 KVG,
Art. 10 Abs. 3 UVG,
Art. 18 Abs. 1 und 6 MVG,
Art. 3 Abs. 4 ELG