Source: https://www.ferner-alsdorf.de/intime-fotos-sind-nach-beziehungsende-zu-loeschen-nicht-aber-briefe-zu-vernichten/
Timestamp: 2020-07-02 22:08:26
Document Index: 225989666

Matched Legal Cases: ['§ 253', '§ 22', 'BGH', 'BGH', '§ 22', 'BGH', 'BGH']

Intime Fotos und Briefe nach Beziehungsende
Veröffentlicht am 7. Januar 2018 30. Mai 2020 von Rechtsanwalt Jens Ferner | ☎ 7-Tage Strafverteidiger-Notruf im Raum Aachen: 02404-95998727
Das Landgericht Frankfurt am Main (2-03 O 130/17 – nicht rechtskräftig, Rechtsmittel eingelegt zum OLG Frankfurt, 16 U 12/18) hat entschieden, dass nach dem Ende einer Beziehung intime Fotografien zu löschen sind, auch wenn der Ex-Partner hierzu noch nicht aufgefordert hat. Dies ist jedoch anders bei privaten Briefen mit teils intimen Inhalt, die während einer mittlerweile beendeten intimen Beziehung ausgetauscht wurden, hier kann es anders zu beurteilen sein und eben nicht ohne Weiteres Löschung, wohl aber die Unterlassung der Weitergabe verlangt werden.
Die Entscheidung steht so weit auf der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs Zum Thema – interessant für mich ist insbesondere die Stellungnahme zu intimen Briefen, wo man es anders handhaben möchte mit durchaus sinnvollen Argumenten:
Allerdings wäre auch insoweit ein Schutz allein auf solche Briefe zu erstrecken, die intimen Inhalt haben. Ein solches Verbot – “Briefe mit intimem Inhalt” – wäre jedoch, entgegen der obigen Abgrenzung von Bildnissen anhand objektiv zu beurteilender Kriterien, nicht hinreichend bestimmt nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, da die Frage, ob ein geschriebener Text dem Bereich der Intim- oder (“nur”) der Privatsphäre unterfällt, im Einzelfall schwierig zu beurteilen ist.
Ein umfassendes Löschungsgebot, das alle Briefe der Klägerin an den Beklagten erfasst, wäre wiederum zu weitgehend. Denn die Klägerin hat dem Beklagten die Briefe aus eigenen Stücken zur Verfügung gestellt. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass Erinnerungsstücke an eine Beziehung auch nach Ende der Beziehung aufgehoben werden.
LG Frankfurt, 2-03 O 130/17
Aus der Entscheidung des Landgericht
Ein solcher Anspruch auf Löschung von Bildnissen, die sich im Besitz eines Dritten befinden, kann nicht auf die §§ 22, 23 KUG gestützt werden, da diese Schutz nur gegen die Veröffentlichung von Bildnissen gewähren (BGH NJW 2016, 1094 [BGH 13.10.2015 – VI ZR 271/14] Rn. 30 f.). Durch die Sonderregelung des § 22 KUG wird ein Rückgriff auf das Persönlichkeitsrecht jedoch nicht verwehrt.
Vor diesem Hintergrund kann bereits die Funktionsherrschaft eines Dritten über intime Aufnahmen gegen den Willen des Abgebildeten diesem Kernbereich zuzuordnen sein. Wer nämlich Bildaufnahmen oder Fotografien, die einen anderen darstellen, besitzt, erlangt allein durch diesen Besitz eine gewisse Herrschafts- und Manipulationsmacht über den Abgebildeten, selbst wenn eine Verbreitung oder Weitergabe an Dritte nicht beabsichtigt oder untersagt ist. Diese Macht ist umso größer, wenn Aufnahmen eine vollständige Entblößung des gänzlich Privaten, der grundsätzlich absolut geschützten Intimsphäre des Einzelnen, insbesondere im Zusammenhang mit gelebter Sexualität, zeigen. Diese Entblößung wird von dem Abgebildeten regelmäßig als peinlich und beschämend empfunden, wenn sich der Situationszusammenhang wie hier durch die Beendigung der Beziehung geändert hat. Die zur Anregung des gemeinsamen Sexuallebens erbrachte Entblößung wird als demütigend wahrgenommen, wenn das gemeinsame Erleben entfällt, sie aber dauerhaft sichtbar bleibt, wenn das aktive Subjekt gegen seinen Willen zum reinen Objekt des Bildbetrachters wird (BGH NJW 2016, 1094 [BGH 13.10.2015 – VI ZR 271/14] Rn. 35 m.w.N.).
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KategorienTechnologierecht & IT-Recht SchlagwörterMedienrecht und DSGVO, menschenwürde, Persönlichkeitsrecht
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