Source: https://www.bwl-lexikon.de/wiki/bilanzielle-abschreibung/
Timestamp: 2020-07-06 12:50:14
Document Index: 327358071

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 6', '§ 253', '§ 6', '§ 253', '§ 7', '§ 253', '§ 7', '§ 6', '§ 253', '§ 253', '§ 6', '§ 7', '§ 253', '§ 7', '§ 7', '§ 6']

▷ Bilanzielle Abschreibung » Definition, Erklärung & Beispiele + Übungsfragen
Du bist hier: Startseite » Alle Lektionen » Rechnungswesen » Finanzbuchhaltung » Abschreibung » Bilanzielle Abschreibung
Bilanzielle Abschreibungen entsprechen der buchhalterischen Erfassung von Wertminderungen des Anlage- und Umlaufvermögens im Rahmen des Jahresabschlusses. Sie beeinflussen die Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung und damit auch die Besteuerung des Unternehmens. Im Gegensatz zu kalkulatorischen Abschreibungen sind sie nur für das externe Rechnungswesen relevant.
Diese Lektion vermittelt dir, warum bilanzielle Abschreibungen gebildet werden, wie man sie bucht, welche Vermögensgegenstände abgeschrieben werden können und vieles mehr. Am Ende des Textes stehen dir ein paar Übungsaufgaben zur Verfügung.
Welchen Zweck haben bilanzielle Abschreibungen?
Abschreibungsmethoden im externen Rechnungswesen
Abschreibungserleichterung bei geringwertigen Wirtschaftsgütern
Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Wirtschaftsgütern, die dem Unternehmen längerfristig dienen, mindern nicht sofort vollständig als Betriebsausgaben den Gewinn. Längerfristig bedeutet im Steuerrecht: erfahrungsgemäß mehr als ein Jahr (§ 7 Abs. 1 S. 1 EStG). Diese Güter werden aktiviert. Das heißt, sie gehen in das Betriebsvermögen ein und erhöhen die entsprechenden Bilanzpositionen im Anlage- oder Umlaufvermögen.
Da die meisten Vermögensgegenstände im Zeitverlauf oder durch außergewöhnliche Vorkommnisse an Wert verlieren, schreibt man sie ab. Dabei wird der Wertverlust als Aufwand erfasst und die Bilanzposition verringert sich um den gleichen Betrag.
Ein vollständig abgeschriebenes Wirtschaftsgut kann mit einem Erinnerungswert von 1 € im Betriebsvermögen verbleiben, wenn es weiterhin genutzt wird.
Die Buchung der Abschreibungen erfolgt jeweils zum Bilanzstichtag. Es gibt grundsätzlich zwei Varianten. In beiden Fällen werden die Abschreibungen auf den entsprechenden Aufwandskonten gebucht und gehen letztendlich in die Gewinn- und Verlustrechnung ein.
Diese ist in Deutschland üblich und für Kapitalgesellschaften auch die einzige erlaubte Methode. Die Gegenbuchung erfolgt dabei auf dem jeweiligen aktiven Bestandskonto. Dessen Bestand verringert sich entsprechend von Jahr zu Jahr.
Buchungssatz für die direkte Abschreibung:
Per Aufwandskonto (Abschreibungen) an aktives Bestandskonto
Eine Maschine mit Anschaffungskosten von 10.000 € wird über 10 Jahre gleichmäßig abgeschrieben. Der jährliche Abschreibungsbetrag liegt demzufolge bei 1.000 €.
Am Bilanzstichtag wird folgendermaßen gebucht:
Per Abschreibungen auf Sachanlagen (1.000 €) an Maschinen (1.000 €)
Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten bleiben bei der indirekten Abschreibung unverändert auf dem aktiven Bestandskonto stehen. Stattdessen werden die jährlichen Abschreibungen auf einem Wertberichtigungskonto gebucht.
Buchungssatz für die indirekte Abschreibung:
Per Aufwandskonto (Abschreibungen) an passives Wertberichtigungskonto
Erst wenn das Wirtschaftsgut aus dem Unternehmen ausscheidet, erfolgt die Korrektur durch den Buchungssatz:
per Wertberichtigungen an aktives Bestandskonto.
Während Finanzanlagen und Umlaufvermögen generell nicht planmäßig abgeschrieben werden können, unterscheidet man bei Sachanlagen und immateriellen Vermögensgegenständen zwischen abnutzbarem und nicht abnutzbarem Vermögen.
Lediglich für abnutzbare Vermögensgegenstände lässt sich ein Abschreibungsplan erstellen. In allen anderen Fällen können oder müssen nur bei ungeplanten Wertminderungen außerplanmäßige Abschreibungen durchgeführt werden.
Grundstücke gehören zum nicht abnutzbaren Sachanlagevermögen und werden daher nicht planmäßig abgeschrieben. Trotzdem kann ein Grundstück an Wert verlieren, z. B. durch Kontamination oder die Errichtung beeinträchtigender Bauwerke in der Nähe. In diesem Fall erfolgt eine außerplanmäßige Abschreibung.
Bilanzielle Abschreibung: Planmäßige und außerplanmäßige Abschreibung
Es gibt grundsätzlich vier Abschreibungsmethoden:
lineare Abschreibung mit gleichbleibenden Beträgen
degressive Abschreibung mit fallenden Beträgen
progressive Abschreibung mit steigenden Beträgen
Für das externe Rechnungswesen haben im Wesentlichen die lineare und die leistungsabhängige Abschreibung Bedeutung. Die degressive Methode ist zwar für die Handelsbilanz zulässig, für die Steuerbilanz jedoch nur noch für Wirtschaftsgüter, die in den Jahren 2009 und 2010 angeschafft wurden.
Die progressive Abschreibung ist steuerrechtlich nicht zulässig und handelsrechtlich nur in seltenen Fällen mit den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung vereinbar.
Die lineare Abschreibung ist die Regel. Zur Berechnung des jährlichen Abschreibungsbetrages werden die Anschaffungs- oder Herstellungskosten durch die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer geteilt. Diese lässt sich für viele Vermögensgegenstände aus der offiziellen AfA-Tabelle des Bundesfinanzministeriums entnehmen.
Eine stationäre Bohrmaschine kostet 2.400 €. Ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer beträgt gemäß AfA-Tabelle 16 Jahre. Es sind jährlich 2.400 € / 16 = 150 € abzuschreiben.
Für die Leistungsabschreibung ist es erforderlich, dass sich die Leistung des Wirtschaftsgutes messen und nachweisen lässt und die Gesamtleistung während der vollständigen Nutzungsdauer geschätzt werden kann.
Ein Fahrzeug kostet 30.000 € und wird über seine gesamte Nutzungsdauer voraussichtlich etwa 200.000 km fahren.
Im jeweiligen Jahr hat das Fahrzeug gemäß Fahrtenbuch 10.000 km zurückgelegt. Der Abschreibungsbetrag liegt somit bei:
Für die Abschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter sieht das Steuerrecht folgende Vereinfachungen vor (§ 6 Abs. 2 u. 2a EStG):
Möglichkeiten der Abschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter (Wertgrenzen seit 1.1.2018)
Netto-AHK ≤ 250 €
250 € < Netto-AHK ≤ 800 €
800 € < Netto-AHK ≤ 1.000 €
Aktivierung und planmäßige Abschreibung möglich möglich möglich
Vollständige Sofortabschreibung möglich möglich nicht möglich
Poolabschreibung nicht möglich möglich möglich
Als geringwertige Wirtschaftsgüter gelten in diesem Zusammenhang nur abnutzbare, bewegliche Güter, die unabhängig von anderen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens genutzt werden können.
Das Spezialwerkzeug für eine Werkzeugmaschine hat 200 € gekostet. Eine Sofortabschreibung ist nicht möglich, weil es sich nicht ohne die Maschine nutzen lässt.
Wenn man sich in einem Wirtschaftsjahr für die Poolabschreibung entscheidet, so müssen alle in diesem Jahr angeschafften, hergestellten oder eingelegten Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten von über 250 € und nicht mehr als 1.000 € in einen Sammelposten aufgenommen werden. Der gesamte Posten wird dann über fünf Jahre hinweg gleichmäßig abgeschrieben. Auch wenn eines der im Pool enthaltenen Wirtschaftsgüter aus dem Betriebsvermögen ausscheidet, reduziert das nicht den Wert des Sammelpostens.
Die bilanzielle Abschreibung hat sowohl für die Handels- als auch für die Steuerbilanz Bedeutung. Es gibt allerdings zwischen den Bestimmungen des Handels- und des Steuerrechts einige Differenzen, weshalb beide Bilanzen oft nicht übereinstimmen.
Gesetzliche Grundlage § 253 HGB § 6 und 7 EStG
Planmäßige Abschreibung planmäßige Abschreibungen (§ 253 Abs. 3 S. 1 HGB) Absetzung für Abnutzung oder für Substanzverringerung § 7 Abs. 1 S. 1 u. 5 EStG)
Außerplanmäßige Abschreibungen des Anlagevermögens Außerplanmäßige Abschreibungen bei voraussichtlich dauerhafter Wertminderung (§ 253 Abs. 3 S. 5 HGB) Absetzungen für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung (§ 7 Abs. 1 S. 7 EStG) oder Teilwertabschreibung (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 S. 2 u. 3 EStG)
Außerplanmäßige Abschreibung von Finanzanlagen Abschreibungswahlrecht bei voraussichtlich nicht dauerhafter Wertminderung (§ 253 Abs. 3 S. 6 HGB) keine entsprechende Regelung
Außerplanmäßige Abschreibungen des Umlaufvermögens Abschreibung am Bilanzstichtag auf den niedrigeren Börsen- oder Marktpreis oder niedrigeren beizulegenden Wert (§ 253 HGB Abs. 4) Teilwertabschreibung (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG)
Sonderabschreibungen nicht vorgesehen erhöhte Absetzungen und Sonderabschreibungen gemäß den §§ 7b, g, h, i EStG
Nutzungsdauer eines entgeltlich erworbenen Geschäfts- oder Firmenwerts 10 Jahre (§ 253 HGB Abs. 3 S. 3 u. 4) 15 Jahre (§ 7 EStG Abs. 1 S. 3)
Degressive Abschreibung erlaubt, kein Widerspruch zu den GoB nur für in 2009 und 2010 angeschaffte Wirtschaftsgüter erlaubt (§ 7 Abs. 2 EStG)
Abschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter (GWG) keine entsprechende Regelung; Es wird aber davon ausgegangen, dass die steuerrechtlich erlaubten Möglichkeiten auch den GoB entsprechen. mögliche Sofortabschreibung oder Poolabschreibung (§ 6 Abs. 2 u. 2a EStG)
#1. Wofür hat die bilanzielle Abschreibung Bedeutung
nur die Steuerbilanz
#2. Woraus ergibt sich der Jahresabschreibungsbetrag bei der linearen Abschreibung?
Anschaffungs- oder Herstellungskosten und betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer
Wiederbeschaffungswert und betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer
Restbuchwert und fester Prozentsatz
#3. Gibt es nicht abnutzbare Sachanlagen?
#4. Bei welchen Anschaffungs- oder Herstellungskosten darf ein Wirtschaftsgut NICHT in den Sammelposten für die Poolabschreibung aufgenommen werden?
#5. Welche gesetzliche Grundlage erlaubt erhöhte Absetzungen und Sonderabschreibungen?