Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Arbeitslosengeld_Sperrzeit_Kuendigung_BSG_B11aAL51-06R.html
Timestamp: 2018-10-23 22:28:43
Document Index: 8384633

Matched Legal Cases: ['§ 143', '§ 143', 'Art 3', '§ 143', '§ 143', '§ 144', '§ 143', '§ 143', '§ 143', '§ 144', '§ 39', '§ 143', '§ 143', '§ 119', '§ 143', '§ 96', '§ 143', '§ 143', '§ 143', '§ 143', '§ 143', '§ 143', '§ 143', '§ 163', '§ 143', '§ 143', '§ 143', '§ 143', '§ 143', '§ 143', '§ 163', '§ 626', '§ 163', '§ 128', '§ 164', '§ 43', '§ 143', 'Art 3', '§ 170', '§ 144', '§ 128', '§ 144', '§ 144', '§ 119', '§ 119', '§ 163', '§ 144', '§ 41', '§ 144', '§ 119', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 119', '§ 119', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 9', '§ 1', '§ 10', '§ 1', '§ 144', '§ 1', '§ 144']

BSG, Urteil vom 17.10.2007, B 11a AL 51/06 R - HENSCHE Arbeitsrecht
BSG, Ur­teil vom 17.10.2007, B 11a AL 51/06 R
Schlagworte: Sperrzeit, Kündigung, Arbeitslosengeld
Aktenzeichen: B 11a AL 51/06 R
Entscheidungsdatum: 17.10.2007
Vorinstanzen: Sozialgericht Stuttgart, Urteil vom 7.12.2004, S 12 AL 3230/02,
Landessozialgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 26. Juli 2006, L 3 AL 1308/05
17. Ok­to­ber 2007
Az: B 11a AL 51/06 R
L 3 AL 1308/05 (LSG Ba­den-Würt­tem­berg)
S 12 AL 3230/02 (SG Stutt­gart)
Kläger, Re­vi­si­ons­be­klag­ter
und Re­vi­si­onskläger,
Bun­des­agen­tur für Ar­beit,
Re­gens­bur­ger Straße 104, 90478 Nürn­berg,
Be­klag­te, Re­vi­si­ons­be­klag­te
und Re­vi­si­onskläge­rin.
Der 11a. Se­nat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 17. Ok­to­ber 2007 durch die Vi­ze­präsi­den­tin Dr. W e t z e l - S t e i n w e d e l , den Rich­ter Dr. L e i t h e r e r und die Rich­te­rin Dr. R o o s so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter K l e e m a n n und B a r e i t h e r für Recht er­kannt:
Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg vom 26. Ju­li 2006, so­weit es die Zeit vom 12. Mai bis 31. Mai 2004 be­trifft, auf­ge­ho­ben und die Sa­che zur er­neu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­so­zi­al­ge­richt zurück­ver­wie­sen.
Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das vor­ge­nann­te Ur­teil wird zurück­ge­wie­sen.
Strei­tig ist ei­ner­seits, ob der An­spruch des Klägers auf Ar­beits­lo­sen­geld (Alg) we­gen Er­halts ei­ner Ent­las­sungs­entschädi­gung zeit­wei­se ge­ruht hat, und an­de­rer­seits, ob ei­ne Min­de­rung des An­spruchs auf Alg we­gen ei­ner Sperr­zeit ein­ge­tre­ten ist.
Der am 20. Mai 1944 ge­bo­re­ne Kläger war bei der R. GmbH & Co KG (im Fol­gen­den: Ar­beit­ge­ber) von März 1978 bis ein­sch­ließlich Sep­tem­ber 2001 als Ar­beit­neh­mer, zu­letzt als Werk­stoff­prüfer, beschäftigt. Nach dem ein­schlägi­gen Man­tel­ta­rif­ver­trag für Beschäftig­te der Me­tall­in­dus­trie in Nordwürt­tem­berg/Nord­ba­den konn­te ei­nem Beschäftig­ten nach Voll­endung des 53. Le­bens­jah­res und vor Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res so­wie ei­ner Be­triebs­zu­gehörig­keit von min­des­tens drei Jah­ren nur noch aus wich­ti­gem Grund gekündigt wer­den. Der Ar­beit­ge­ber kündig­te das Ar­beits­verhält­nis des Klägers am 29. März 2001 "aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen außer­or­dent­lich mit so­zia­ler Aus­lauf­frist von sechs Mo­na­ten zum Quar­tals­en­de zum 30. Sep­tem­ber 2001". Im nach­fol­gen­den Kündi­gungs­schutz­pro­zess vor dem Ar­beits­ge­richt schlos­sen der Kläger und der Ar­beit­ge­ber am 15. Mai 2001 ei­nen Ver­gleich, in dem außer Streit ge­stellt wur­de, dass das Ar­beits­verhält­nis auf die Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers vom 29. März 2001 mit Ab­lauf des 30. Sep­tem­ber 2001 en­de­te, und der Ar­beit­ge­ber sich ver­pflich­te­te, aus An­lass der Be­en­di­gung ei­ne Ab­fin­dung in Höhe von 95.000 DM net­to an den Kläger zu be­zah­len.
Am 6. Sep­tem­ber 2001 mel­de­te sich der Kläger zum 1. Ok­to­ber 2001 ar­beits­los und be­an­trag­te Alg. Aus der vor­ge­leg­ten Ar­beits­be­schei­ni­gung ging her­vor, dass der Kläger in den letz­ten zwölf Mo­na­ten des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ein Ar­beits­ent­gelt von ins­ge­samt 64.762,65 DM be­zo­gen, dass er ei­ne Ab­fin­dung von 144.680 DM brut­to er­hal­ten hat­te und dass ihm ei­ne Ur­laubs­ab­gel­tung für die Zeit vom 1. bis 31. Ok­to­ber 2001 zu­stand.
Mit drei Be­schei­den vom 15. No­vem­ber 2001 stell­te die Be­klag­te den Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit von zwölf Wo­chen für den Zeit­raum 1. Ok­to­ber bis 23. De­zem­ber 2001 nebst Min­de­rung des An­spruchs auf Alg um 240 Ta­ge - ein Vier­tel der An­spruchs­dau­er -, das Ru­hen des Alg-An­spruchs we­gen der Ur­laubs­ab­gel­tung für den Zeit­raum 1. bis 31. Ok­to­ber 2001 so­wie an­sch­ließend bis zum 21. April 2002 we­gen der Ent­las­sungs­entschädi­gung fest. Mit wei­te­rem Be­scheid vom 14. Mai 2002 stell­te die Be­klag­te das wei­te­re Ru­hen des Alg-An­spruchs we­gen der Ab­fin­dung und der Ur­laubs­ab­gel­tung bis ein­sch­ließlich 22. Mai 2002 fest. Für die Zeit ab 23. Mai 2002 wur­de dem Kläger Alg mit ei­ner An­spruchs­dau­er von 720 Ta­gen be­wil­ligt (Be­schei­de vom 16. Mai 2002, 28. Ok­to­ber 2002, 3. Ja­nu­ar 2003, 2. Ja­nu­ar 2004). Der Kläger be­zog Alg bis zum Ab­lauf der be­wil­lig­ten An­spruchs­dau­er, dh bis ein­sch­ließlich 11. Mai 2004. Seit 1. Ju­ni 2004 be­zieht der Kläger Al­ters­ren­te we­gen Ar­beits­lo­sig­keit.
Die vom Kläger ge­gen zwei der Be­schei­de vom 15. No­vem­ber 2001 - aus­ge­nom­men den al­lein die Ur­laubs­ab­gel­tung be­tref­fen­den Be­scheid - er­ho­be­nen Wi­dersprüche wies die Be­klag­te zurück (Wi­der­spruchs­be­schei­de vom 6. Ju­ni 2002).
Das So­zi­al­ge­richt (SG) hat den Zeu­gen C. - Mit­ar­bei­ter des Ar­beit­ge­bers - ver­nom­men und mit Ur­teil vom 7. De­zem­ber 2004 die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Es hat an­ge­nom­men, dass ei­ne Sperr­zeit ein­ge­tre­ten sei. Der Kläger ha­be durch sei­ne Be­tei­li­gung am Ver­gleich das Beschäfti­gungs­verhält­nis gelöst und könne sich nicht auf ei­nen wich­ti­gen Grund be­ru­fen. Das Ar­beits­verhält­nis sei in­fol­ge der ta­rif­li­chen Po­si­ti­on des Klägers nicht mehr or­dent­lich künd­bar, die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung aus wich­ti­gem Grund sei­en nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) nicht ge­ge­ben ge­we­sen. Dem Ar­beit­ge­ber sei es nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me durch­aus zu­zu­mu­ten ge­we­sen, das Ar­beits­verhält­nis not­falls bis zum Ein­tritt des Ren­ten­al­ters des Klägers fort­zu­set­zen. Die Be­klag­te ha­be auch das Ru­hen des Alg-An­spruchs we­gen Er­halts der Ent­las­sungs­entschädi­gung zu­tref­fend be­rech­net und fest­ge­setzt.
Auf die Be­ru­fung des Klägers hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG) das Ur­teil des SG ab­geändert, den Sperr­zeit­be­scheid vom 15. No­vem­ber 2001 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­scheids vom 6. Ju­ni 2002 auf­ge­ho­ben, den Be­wil­li­gungs­be­scheid vom 16. Mai 2002 in der Ge­stalt der Ände­rungs­be­schei­de vom 28. Ok­to­ber 2002, 3. Ja­nu­ar 2003 und 2. Ja­nu­ar 2004 ab­geändert und die Be­klag­te ver­ur­teilt, dem Kläger für die Zeit vom 12. bis 31. Mai 2004 Alg zu gewähren; im Übri­gen hat es die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen. In den Ent­schei­dungs­gründen hat das LSG ua aus­geführt: Die das Ru­hen des Leis­tungs­an­spruchs we­gen der Ent­las­sungs­entschädi­gung be­tref­fen­den Be­schei­de der Be­klag­ten sei­en rechtmäßig. Auf die ausführ­li­chen und zu­tref­fen­den Ausführun­gen des SG wer­de Be­zug ge­nom­men. Das SG ha­be ins­be­son­de­re zu­tref­fend dar­ge­legt, dass an­ge­sichts des Aus­schlus­ses ei­ner ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen or­dent­li­chen Kündi­gung gemäß § 143a Abs 1 Satz 3 Nr 1 So­zi­al­ge­setz­buch Drit­tes Buch (SGB III) ei­ne Frist von 18 Mo­na­ten in An­satz zu brin­gen sei mit der Fol­ge ei­nes von der Be­klag­ten un­ter Berück­sich­ti­gung des zusätz­li­chen Ru­hens we­gen der Ur­laubs­ab­gel­tung rechts­feh­ler­frei er­mit­tel­ten Ru­hens­zeit­raums bis zum 22. Mai 2002. Die An­wen­dung der Ru­hens­vor­schrift des § 143a SGB III ver­s­toße we­der ge­gen Art 3 Abs 1 Grund­ge­setz (GG) noch ge­gen Eu­ro­pa­recht.
Das SG ha­be aber die ge­gen den so ge­nann­ten Sperr­zeit­be­scheid ge­rich­te­te Kla­ge zu Un­recht ab­ge­wie­sen. Zwar schei­de mit Blick auf § 143a bzw § 143 Abs 2 SGB III die be­gehr­te Gewährung von Alg für die Zeit bis ein­sch­ließlich 22. Mai 2002 aus, wes­halb es in­so­weit auf ei­ne Ru­hens­wir­kung der fest­ge­stell­ten Sperr­zeit nicht an­kom­me; je­doch be­las­te die als Fol­ge der Sperr­zeit an­ge­nom­me­ne Min­de­rung der An­spruchs­dau­er um ein Vier­tel den Kläger durch den Aus­schluss des Leis­tungs­an­spruchs in der Zeit vom 12. bis 31. Mai 2004. Der Sperr­zeit­be­scheid und die dar­an an­sch­ließen­den Be­wil­li­gungs­ent­schei­dun­gen sei­en auf­zu­he­ben bzw ab­zuändern, da die vor­lie­gend al­lein in Be­tracht kom­men­den Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Sperr­zeit nach § 144 Abs 1 Satz 1 Nr 1 SGB III nicht erfüllt sei­en; der Kläger ha­be sein Beschäfti­gungs-
verhält­nis mit dem Ar­beit­ge­ber nicht im Sin­ne die­ser Vor­schrift gelöst. Dies gel­te selbst dann, wenn man der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (BSG) zur Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses in Fällen von Ver­ein­ba­run­gen zur Ab­si­che­rung ei­ner zu­vor aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung fol­ge. Denn im Fal­le des Klägers lie­ge ei­ne Aus­nah­me vor, da die ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung im Rah­men des ein­ge­lei­te­ten Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens durch ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­gleich ge­schlos­sen wor­den sei. Ge­he nämlich der Ar­beit­neh­mer, den kei­ne Ob­lie­gen­heit zur Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge tref­fe, durch die Kla­ge­er­he­bung gleich­sam über­ob­li­ga­to­risch ge­gen die Kündi­gung vor, so könne ihm die Mit­wir­kung am Ab­schluss des ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens durch Ver­gleich je­den­falls dann nicht zum Nach­teil ge­rei­chen, wenn die hier­mit be­wirk­te Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses - wie hier - oh­ne vor­he­ri­ge Ab­spra­che und zu­dem auf Vor­schlag des Ar­beits­ge­richts er­fol­ge.
Die vom LSG zu­ge­las­se­ne Re­vi­si­on ha­ben so­wohl der Kläger als auch die Be­klag­te ein­ge­legt.
Der Kläger rügt ei­ne Ver­let­zung des § 143a Abs 1 Satz 3 Nr 1 SGB III. Die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch außer­or­dent­li­che Kündi­gung mit so­zia­ler Aus­lauf­frist von sechs Mo­na­ten sei möglich ge­we­sen. Denn es sei dem Ar­beit­ge­ber nicht zu­zu­mu­ten ge­we­sen, das Ar­beits­verhält­nis fort­zu­set­zen. Dies er­ge­be sich ins­be­son­de­re aus der Be­weis­auf­nah­me vor dem SG am 7. De­zem­ber 2004. So­mit sei der An­wen­dung des § 143a SGB III ei­ne Frist von sechs Mo­na­ten zu Grun­de zu le­gen; die auf § 143a SGB III gestütz­te Ru­hens­ent­schei­dung der Be­klag­ten sei rechts­wid­rig.
das Ur­teil des LSG vom 26. Ju­li 2006 und das Ur­teil des SG vom 7. De­zem­ber 2004 so­wie den Ru­hens­be­scheid der Be­klag­ten vom 15. No­vem­ber 2001 in der Fas­sung des Ände­rungs­be­schei­des vom 14. Mai 2002 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­scheids vom
6. Ju­ni 2002 ab­zuändern, die Be­wil­li­gungs­be­schei­de ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, dem Kläger für die Zeit vom 1. No­vem­ber 2001 bis 22. Mai 2002 Alg in ge­setz­li­cher Höhe zu gewähren.
die Re­vi­si­on des Klägers zurück­zu­wei­sen.
Sie weist auf die Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen des LSG und ins­be­son­de­re des SG hin, aus de­nen sich er­ge­be, dass die or­dent­li­che Kündi­gung zeit­lich un­be­grenzt aus­ge­schlos­sen und ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung mit so­zia­ler Aus­lauf­frist nicht rechtmäßig ge­we­sen sei.
Im Rah­men ih­rer Re­vi­si­on be­an­tragt die Be­klag­te, das Ur­teil des LSG vom 26. Ju­li 2006 in­so­weit auf­zu­he­ben, als das Ur­teil des SG vom
7. De­zem­ber 2004 ab­geändert und der Sperr­zeit­be­scheid vom 15. No­vem­ber 2001 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­scheids vom 6. Ju­ni 2002 auf­ge­ho­ben bzw der Be­wil­li­gungs-
be­scheid vom 16. Mai 2002 in der Ge­stalt der Ände­rungs­be­schei­de ab­geändert und die Be­klag­te zur Gewährung von Alg für die Zeit vom 12. Mai 2004 bis 31. Mai 2004 ver­ur­teilt wur­de, und die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des SG vom 7. De­zem­ber 2004 in vol­lem Um­fang zurück­zu­wei­sen.
Sie rügt ei­ne Ver­let­zung des § 144 Abs 1 Nr 1 SGB III. In der Be­tei­li­gung an der Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses lie­ge ein mit Sperr­zeit be­droh­tes ver­si­che­rungs­wid­ri­ges Ver­hal­ten. Der Ar­beit­neh­mer sei nicht al­lein durch die Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge da­von be­freit, die Be­lan­ge der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft zu berück­sich­ti­gen. Ein ar­beits­ge­richt­li­cher Ver­gleich, in dem ei­ne rechts­wid­ri­ge Kündi­gung ein­ver­nehm­lich außer Streit ge­stellt wer­de, sei nicht an­ders zu wer­ten als ei­ne Ver­ein­ba­rung nach Aus­spruch der Kündi­gung und in­ner­halb der Frist zur Er­he­bung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge (Ab­wick­lungs­ver­trag). Auch könne der Um­stand, dass der Ver­gleich auf Vor­schlag des Ar­beits­ge­richts zu Stan­de ge­kom­men sei, nicht zur An­nah­me ei­nes wich­ti­gen Grun­des führen.
die Re­vi­si­on der Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.
Das LSG ha­be zu­tref­fend dar­auf ab­ge­stellt, dass den Ar­beit­neh­mer kei­ne Ob­lie­gen­heit zur Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge tref­fe. Er ha­be un­ter Mit­wir­kung des Ge­richts ei­ne gütli­chen Bei­le­gung des Rechts­streits er­zielt und in­fol­ge­des­sen die So­li­dar­ge­mein­schaft nicht mehr als ein untätig ge­blie­be­ner Ar­beit­neh­mer be­las­tet, son­dern so­gar noch ent­las­tet. Denn er sei auf Grund der Ab­fin­dung, so­fern er kei­ne neue Ar­beits­stel­le fin­de, zeit­lich länger in der La­ge, sich oh­ne In­an­spruch­nah­me der So­li­dar­ge­mein­schaft "über Was­ser zu hal­ten" als der­je­ni­ge, der oh­ne ent­spre­chen­de Ab­fin­dung nach Ab­lauf des Be­zugs von Alg So­zi­al­hil­fe in An­spruch neh­men müsse.
Während die Re­vi­si­on des Klägers un­be­gründet ist, führt die Re­vi­si­on der Be­klag­ten zur teil­wei­sen Auf­he­bung des Ur­teils des LSG und zur Zurück­ver­wei­sung.
1. Die Re­vi­si­on des Klägers ist zulässig, da im Te­nor des LSG-Ur­teils die Re­vi­si­on oh­ne Be­schränkung zu­ge­las­sen und der Be­gründung des LSG zur Zu­las­sung der Re­vi­si­on ei­ne Be­schränkung der Zu­las­sung nicht ein­deu­tig zu ent­neh­men ist (vgl BS­GE 3, 135, 137 f; BS­GE 78, 154, 157 = SozR 3-2500 § 39 Nr 3).
Die Re­vi­si­on des Klägers ist aber un­be­gründet. Das LSG hat zu Recht ent­schie­den, dass der An­spruch des Klägers auf Alg in der Zeit bis ein­sch­ließlich 22. Mai 2002 nach § 143a SGB III iVm § 143 Abs 2 SGB III ge­ruht hat.
Nicht zu be­an­stan­den ist, dass das LSG die vom Kläger an­ge­grif­fe­nen Be­schei­de vom 15. No­vem­ber 2001/14. Mai 2002/6. Ju­ni 2002 so­wie die ver­schie­de­nen Alg-Be­will­li­gungs­be­schei­de als Ein­heit an­ge­se­hen hat (vgl ua BS­GE 84, 270, 271 = SozR 3-4100 § 119 Nr 19; BSG, Ur­teil vom 9. Fe­bru­ar 2006, B 7a/7 AL 48/04 R; BS­GE 96, 64 = SozR 4-4300 § 143a Nr 1, Rd­Nr 12). Die im Kla­ge­an­trag und im Ur­teils­aus­spruch des LSG ge­nann­ten Be­schei­de wa­ren ent­we­der schon Ge­gen­stand des Wi­der­spruchs­ver­fah­rens oder sind - so­weit erst später er­gan­gen - nach § 96 So­zi­al­ge­richts­ge­setz (SGG) Ge­gen­stand des Ver­fah­rens ge­wor­den.
Das LSG hat auch zu­tref­fend das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen für ein Ru­hen des Alg-An­spruchs nach § 143a SGB III und nach § 143 Abs 2 SGB III bis ein­sch­ließlich 22. Mai 2002 be­jaht. Nach § 143a Abs 1 Satz 1 SGB III ruht der Alg-An­spruch, wenn der Ar­beits­lo­se we­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne Ab­fin­dung, Entschädi­gung oder ähn­li­che Leis­tung (Ent­las­sungs­entschädi­gung) er­hal­ten oder zu be­an­spru­chen hat und das Ar­beits­verhält­nis oh­ne Ein­hal­tung ei­ner der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist des Ar­beit­ge­bers ent­spre­chen­den Frist be­en­det wor­den ist, von dem En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses an bis zu dem Ta­ge, an dem das Ar­beits­verhält­nis bei Ein­hal­tung die­ser Frist ge­en­det hätte. Ist die or­dent­li­che Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch den Ar­beit­ge­ber aus­ge­schlos­sen, so gilt bei zeit­lich un­be­grenz­tem Aus­schluss ei­ne Kündi­gungs­frist von 18 Mo­na­ten (§ 143a Abs 1 Satz 3 Nr 1 SGB III). Hat der Ar­beits­lo­se auch ei­ne Ur­laubs­ab­gel­tung gemäß § 143 Abs 2 SGB III er­hal­ten, verlängert sich der Ru­hens­zeit­raum um die Zeit des ab­ge­gol­te­nen Ur­laubs (§ 143a Abs 1 Satz 5 SGB III). Die nähe­re Be­stim­mung des Ru­hens­zeit­raums rich­tet sich im Übri­gen nach den Re­ge­lun­gen des § 143a Abs 2 SGB III.
Nach den bin­den­den tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen des LSG (§ 163 SGG) hat der Kläger we­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses von sei­nem Ar­beit­ge­ber ei­ne Ent­las­sungs­entschädi­gung in Höhe von 144.680 DM brut­to er­hal­ten, außer­dem ei­ne Ur­laubs­ab­gel­tung für die Zeit vom 1. bis 31. Ok­to­ber 2001. Das LSG hat wei­ter fest­ge­stellt, dass der Ar­beit­ge­ber nach den für das Ar­beits­verhält­nis gel­ten­den ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen min­des­tens 53-jähri­gen und noch nicht 65-jähri­gen Ar­beit­neh­mern nicht or­dent­lich kündi­gen konn­te. Die or­dent­li­che Kündi­gung des zum Kündi­gungs­zeit­punkt 56-jähri­gen Klägers war so­mit zeit­lich un­be­grenzt iS des § 143a Abs 1 Satz 3 Nr 1 SGB III aus­ge­schlos­sen (vgl Hen­ke in Ei­cher/Schle­gel, SGB III, § 143a Rd­Nr 110, 113).
Nicht zu be­an­stan­den ist des­halb, dass die Be­klag­te bei der An­wen­dung des § 143a SGB III ei­ne fik­ti­ve Kündi­gungs­frist von 18 Mo­na­ten zu Grun­de ge­legt und dass sie den Ru­hens­zeit­raum nach nähe­rer Maßga­be des § 143a Abs 2 SGB III un­ter Berück­sich­ti­gung der Höhe der Ent­las­sungs­entschädi­gung, des zu­letzt ver­dien­ten Ar­beits­ent­gelts, der Be­triebs­zu­gehörig­keit und des Le­bens­al­ters des Klägers auf die Zeit bis ein­sch­ließlich 21. April 2002 fest­ge­legt hat. Eben­so nicht zu be­an­stan­den ist die gemäß § 143a Abs 1 Satz 5 iVm § 143 Abs 2 SGB III vor­ge­nom­me­ne Verlänge­rung des Ru­hens­zeit­raums um die Zeit des ab­ge­gol­te­nen Ur­laubs
(31 Ta­ge), al­so bis 22. Mai 2002. Auch der Kläger hat die­se Be­rech­nungs­wei­se nicht be­an­stan­det.
Dem­ge­genüber greift der le­dig­lich auf die Rüge ei­ner Ver­let­zung ma­te­ri­el­len Rechts gestütz­te Ein­wand des Klägers nicht durch, der Ar­beit­ge­ber sei zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung mit so­zia­ler Aus­lauf­frist be­rech­tigt ge­we­sen; des­halb gel­te ei­ne Kündi­gungs­frist von nur sechs Mo­na­ten. Der Vor­trag in der Re­vi­si­ons­be­gründung, aus der Aus­sa­ge des Zeu­gen C. vor dem SG er­ge­be sich ua der Weg­fall des Ar­beits­plat­zes und dar­aus die Un­zu­mut­bar­keit ei­ner Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses für den Ar­beit­ge­ber, über­sieht, dass das BSG an die in dem an­ge­foch­te­nen Ur­teil ge­trof­fe­nen tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen ge­bun­den ist, außer wenn in Be­zug auf die­se Fest­stel­lun­gen zulässi­ge und be­gründe­te Re­vi­si­ons­gründe vor­ge­bracht sind (§ 163 SGG). Dies ist nicht der Fall.
Das SG, des­sen dies­bezügli­che Ausführun­gen sich das LSG aus­drück­lich zu Ei­gen ge­macht hat, hat nach Würdi­gung auch der Aus­sa­ge des Zeu­gen C. fest­ge­stellt, dass der Kläger zur Durchführung von Rest­auf­ga­ben hätte wei­ter beschäftigt wer­den und/oder nach Ein­ar­bei­tung oder Um­schu­lung in­ner­halb des Be­trie­bes hätte um­ge­setzt wer­den können. Wenn das LSG un­ter Zu­grun­de­le­gung und Fest­stel­lung die­ser tatsächli­chen Umstände da­von aus­ge­gan­gen ist, dass der Ar­beit­ge­ber nicht zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung mit so­zia­ler Aus­lauf­frist be­rech­tigt war, so ist dies recht­lich un­ter Be­ach­tung der ein­schlägi­gen Recht­spre­chung des BAG (vgl BA­GE 88, 10 = AP Nr 143 zu § 626 BGB) nicht zu be­an­stan­den. So­weit der Kläger den tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen des LSG wi­der­spricht und sich in­so­weit ins­be­son­de­re auf die Aus­sa­ge des Zeu­gen C. be­ruft, han­delt es sich nicht um das Vor­brin­gen zulässi­ger oder be­gründe­ter Re­vi­si­ons­gründe iS des § 163 SGG, son­dern le­dig­lich um ab­wei­chen­den tatsächli­chen Vor­trag, der im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren nicht berück­sich­tigt wer­den kann. Denn bei Be­an­stan­dung der Be­weiswürdi­gung des LSG ist ei­ne Ver­let­zung des § 128 Abs 1 Satz 1 SGG nicht da­durch form­ge­recht gerügt, dass der Re­vi­si­onsführer sei­ne ei­ge­ne Be­weiswürdi­gung an die Stel­le der­je­ni­gen des LSG setzt (vgl ua BSG SozR 1500 § 164 Nr 31; BSG SozR 4-2600 § 43 Nr 8).
Dem LSG ist im Übri­gen auch zu­zu­stim­men, so­weit es in der An­wen­dung des § 143a SGB III we­der ei­nen Ver­s­toß ge­gen Art 3 Abs 1 GG noch ge­gen die Gleich­be­hand­lungs­richt­li­ni­en der Eu­ropäischen Uni­on ge­se­hen hat. In­so­weit kann auf die Ausführun­gen in den Ent­schei­dungs­gründen des LSG Be­zug ge­nom­men wer­den, zu­mal der Kläger sein frühe­res Vor­brin­gen zur an­geb­lich vor­lie­gen­den Dis­kri­mi­nie­rung im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren nicht mehr wie­der­holt hat.
2. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist im Sin­ne der Auf­he­bung des Ur­teils des LSG hin­sicht­lich des Zeit­raums 12. bis 31. Mai 2004 und der Zurück­ver­wei­sung be­gründet (§ 170 Abs 2 Satz 2 SGG).
Das LSG hat die streit­ge­genständ­li­chen Be­schei­de in­so­weit auf­ge­ho­ben bzw ab­geändert, als die Be­klag­te vom Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit gemäß § 144 Abs 1 Nr 1 SGB III aus­ge­gan­gen ist und
dem­zu­fol­ge un­ter An­nah­me ei­ner Min­de­rung der An­spruchs­dau­er um ein Vier­tel (§ 128 Abs 1 Nr 4 SGB III) die Gewährung von Alg für die Zeit vom 12. bis 31. Mai 2004 ab­ge­lehnt hat. Ob die­se Ent­schei­dung des LSG zu Recht er­gan­gen ist, kann auf der Grund­la­ge der bis­lang ge­trof­fe­nen tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen nicht ab­sch­ließend be­ur­teilt wer­den. Ins­be­son­de­re rei­chen die bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen nicht zur Be­ant­wor­tung der Fra­ge aus, ob ei­ne Sperr­zeit ein­ge­tre­ten ist.
a) In Be­tracht kommt nach den ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen und dem Vor­brin­gen der Be­tei­lig­ten nur ei­ne Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be gemäß § 144 Abs 1 Satz 1 Nr 1 SGB III (idF des Ar­beitsförde­rungs-Re­form­ge­set­zes vom 24. März 1997, BGBl I 594). Ei­ne sol­che Sperr­zeit tritt ein, wenn der Ar­beits­lo­se das Beschäfti­gungs­verhält­nis gelöst und da­durch vorsätz­lich oder grob­fahrlässig die Ar­beits­lo­sig­keit her­bei­geführt hat, oh­ne für sein Ver­hal­ten ei­nen wich­ti­gen Grund zu ha­ben.
b) Dem LSG ist nicht zu fol­gen, so­weit es aus­geführt hat, der Kläger ha­be zwar ei­nen ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­gleich ge­schlos­sen, den­noch aber sein Beschäfti­gungs­verhält­nis nicht iS des § 144 Abs 1 Satz 1 Nr 1 SGB III gelöst. Denn nach der Recht­spre­chung des BSG löst der Ar­beit­neh­mer das Beschäfti­gungs­verhält­nis iS der vor­ge­nann­ten Vor­schrift, wenn er ei­nen zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses führen­den Ver­trag schließt (BS­GE 77, 48, 50 = SozR 3-4100 § 119 Nr 9; BS­GE 89, 250, 252 = SozR 3-4100 § 119 Nr 24 mwN). Ob dies der Fall ist, hängt von rechts­geschäft­li­chen Erklärun­gen ab, de­ren Fest­stel­lung in den Auf­ga­ben­be­reich der Tat­sa­chen­ge­rich­te fällt und Bin­dungs­wir­kung für das BSG (§ 163 SGG) hat (BS­GE 89, aaO). In tatsäch­li­cher Hin­sicht hat aber das LSG fest­ge­stellt, dass der vor dem Ar­beits­ge­richt ge­schlos­se­ne Ver­gleich auch ei­ne Ver­ein­ba­rung über die Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses enthält (vgl ins­be­son­de­re S 12 un­ten der Ent­schei­dungs­gründe). Den Ausführun­gen des LSG lässt sich in­so­weit hin­rei­chend deut­lich ent­neh­men, dass es vom Ab­schluss ei­ner das Beschäfti­gungs­verhält­nis kon­sti­tu­tiv be­en­den­den Ver­ein­ba­rung aus­ge­gan­gen ist. Ei­ne an­de­re Aus­le­gung des ge­richt­li­chen Ver­gleichs er­scheint nach des­sen Wort­laut - die Par­tei­en "stel­len außer Streit", dass das Ar­beits­verhält­nis auf die Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers en­det - auch nicht möglich.
Hin­ge­gen han­delt es sich bei den wei­te­ren Ausführun­gen des LSG, es lie­ge ei­ne "Aus­nah­me" im Hin­blick auf den in ei­nem ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren ge­schlos­se­nen Ver­gleich vor, um recht­li­che Erwägun­gen, die vor dem Hin­ter­grund der vom LSG zi­tier­ten Recht­spre­chung des BSG zu se­hen sind und den Se­nat nicht bin­den. Der Se­nat hat in­so­weit in sei­nem vom LSG in Be­zug ge­nom­me­nen Ur­teil vom 18. De­zem­ber 2003 zum so ge­nann­ten Ab­wick­lungs­ver­trag be­reits ent­schie­den, dass ei­ne nach Aus­spruch ei­ner Ar­beit­ge­berkündi­gung ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung, die die Hin­nah­me der Kündi­gung bestätigt bzw die Kündi­gung ab­si­chert, als Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zu be­han­deln ist (BS­GE 92, 74 = SozR 4-4300 § 144 Nr 6, Rd­Nr 13). Es ist nicht er­sicht­lich, in­wie­fern die­se Grundsätze nicht auch für ei­ne vor dem Ar­beits­ge­richt ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung gel­ten soll­ten (vgl auch Spell­brink BB 2006, 1274, 1276;
Kühl, Die Sperr­zeit bei Ar­beits­auf­ga­be, 2007, S 106). Von ei­ner Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses durch den Kläger ist so­mit aus­zu­ge­hen.
Der Würdi­gung der tatsächli­chen Umstände als Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses steht auch nicht ent­ge­gen, dass der Se­nat im Ur­teil vom 18. De­zem­ber 2003 in nicht tra­gen­den Ausführun­gen ei­ne be­son­de­re Be­trach­tung für Ver­ein­ba­run­gen er­wo­gen hat, die oh­ne vor­he­ri­ge Ab­spra­che in ei­nem ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren ge­schlos­sen wer­den (BS­GE aaO Rd­Nr 15). Der Se­nat hält nach er­neu­ter Prüfung und ins­be­son­de­re in Würdi­gung der be­reits vor­lie­gen­den Recht­spre­chung zum Lösungs­be­griff den Ver­gleichs­ab­schluss im Rah­men ei­nes ar­beits­ge­richt­li­chen Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens nicht für ge­eig­net, am Vor­lie­gen des Tat­be­stands des Lösens des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses et­was zu ändern (eben­so Kühl, Die Sperr­zeit bei Ar­beits­auf­ga­be, 2007, S 105, 106; Pe­ters-Lan­ge in Ei­cher/Spell­brink, Kas­se­ler Hand­buch des Ar­beitsförde­rungs­rechts, § 41 Rd­Nr 24). Die Tat­sa­che des Ver­gleichs­ab­schlus­ses vor dem Ar­beits­ge­richt ist je­doch be­deut­sam für die nach­fol­gend zu be­han­deln­de Fra­ge, ob dem Kläger ein wich­ti­ger Grund zur Sei­te steht.
c) Ob sich der Kläger für sein Ver­hal­ten, ei­nen zur Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses führen­den Ver­trag zu schließen, auf ei­nen wich­ti­gen Grund iS des § 144 Abs 1 SGB III be­ru­fen kann, lässt sich nach den bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen nicht ab­sch­ließend be­ur­tei­len. Zwar steht un­ter Berück­sich­ti­gung des Ziels der Sperr­zeit­re­ge­lung (hier­zu im Fol­gen­den un­ter aa) der Um­stand der Be­en­di­gung des Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses (hier­zu bb) auch bei Ver­ein­ba­rung ei­ner Ab­fin­dung (hier­zu cc) der An­nah­me ei­nes wich­ti­gen Grun­des nicht ent­ge­gen. Je­doch ist bei ent­spre­chen­den An­halts­punk­ten zu prüfen, ob das Ge­samt­ge­sche­hen als Ge­set­zes­um­ge­hung zum Nach­teil der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft zu wer­ten ist (hier­zu im Fol­gen­den un­ter dd).
aa) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BSG ist über das Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des un­ter Berück­sich­ti­gung des Ziels der Sperr­zeit­re­ge­lung zu ent­schei­den. Die­se dient dem Schutz der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft vor Ri­si­kofällen, de­ren Ein­tritt der Ver­si­cher­te selbst zu ver­tre­ten hat; ei­ne Sperr­zeit soll nur ein­tre­ten, wenn dem Ver­si­cher­ten un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung sei­ner In­ter­es­sen mit den In­ter­es­sen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ein an­de­res Ver­hal­ten zu­ge­mu­tet wer­den kann (vgl ua BS­GE 90, 90, 93 = SozR 3-4100 § 119 Nr 26; BSG SozR 4-4300 § 144 Nr 9 Rd­Nr 10; SozR 4-4300 § 144 Nr 14 Rd­Nr 19; je­weils mwN). Dies ist nicht nach den sub­jek­ti­ven Vor­stel­lun­gen des Ar­beits­lo­sen zu be­ur­tei­len, son­dern ein wich­ti­ger Grund im Sin­ne des Sperr­zeit­rechts muss ob­jek­tiv ge­ge­ben sein (vgl ua SozR 4-4300 § 144 Nr 14 Rd­Nr 19 mwN).
bb) Im Rah­men der ge­bo­te­nen Abwägung ist in Fällen wie dem vor­lie­gen­den auch das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers zu berück­sich­ti­gen, ei­nen anhängi­gen Rechts­streit zu be­en­den. Der Se­nat geht in­so­weit da­von aus, dass es ei­nem Ar­beit­neh­mer grundsätz­lich nicht zum Nach­teil ge­rei­chen kann, wenn er nach Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge im
ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren ei­nen ge­richt­li­chen Ver­gleich schließt, wenn die­ser das En­de des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses nicht zeit­lich vor­ver­legt. In­so­fern kommt die An­nah­me ei­nes wich­ti­gen Grun­des in Be­tracht.
Maßge­bend für die­se Auf­fas­sung des Se­nats ist, dass der Ar­beit­neh­mer nach Er­halt ei­ner rechts­wid­ri­gen Kündi­gung zur Ver­mei­dung ei­ner Sperr­zeit nicht ge­zwun­gen ist, ge­gen die­se durch Kündi­gungs­schutz­kla­ge vor­zu­ge­hen (BS­GE 77, 48, 53 = SozR 3-4100 § 119 Nr 9; BS­GE 89, 250, 253 = SozR 3-4100 § 119 Nr 24). Denn die Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be knüpft le­dig­lich an ein ak­ti­ves Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers an (BS­GE 92, 74, 78 = SozR 4-4300 § 144 Nr 6, Rd­Nr 11). Wen­det sich der Ar­beit­neh­mer aber doch - wie im vor­lie­gen­den Fall der Kläger - an das Ar­beits­ge­richt, so ist im Re­gel­fall kein sach­li­cher Grund dafür er­sicht­lich, von ihm zu ver­lan­gen, den Rechts­streit un­ter al­len Umständen wei­ter zu ver­fol­gen (vgl Ei­cher SGb 2005, 553, 556; Li­li­en­feld/Spell­brink RdA 2005, 88, 91; Spell­brink BB 2006, 1274, 1276). Ist schon das Un­ter­las­sen der Kla­ge­er­he­bung, das zur Wirk­sam­keit der Kündi­gung und da­mit zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses führt, als sperr­zeitunschädlich an­zu­se­hen, so muss dies grundsätz­lich auch für den Fall gel­ten, dass der Ar­beit­neh­mer ein ge­richt­li­ches Ver­fah­ren be­en­det - sei es durch Rück­nah­me, sei es durch Ver­gleich (vgl Voelz­ke, Die Her­beiführung des Ver­si­che­rungs­falls im So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht, 2004, S 217; Kühl, Die Sperr­zeit bei Ar­beits­auf­ga­be, 2007, S 105, 107). Da nach den Fest­stel­lun­gen des LSG das En­de des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses nicht vor­ver­legt wor­den ist, spricht so­mit zunächst die Ver­fah­rens­be­en­di­gung durch Ver­gleich für die Zu­er­ken­nung ei­nes wich­ti­gen Grun­des iS des § 144 Abs 1 SGB III.
cc) Auch der Um­stand, dass die ver­ein­bar­te Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung ver­knüpft wor­den ist, steht der An­nah­me, es lie­ge ein wich­ti­ger Grund vor, grundsätz­lich nicht ent­ge­gen. Der Se­nat hat be­reits für bei dro­hen­der Kündi­gung ge­schlos­se­ne Auf­he­bungs­verträge ent­schie­den, dass zwar das In­ter­es­se am Er­halt der Ab­fin­dung für sich al­lein ei­nen wich­ti­gen Grund nicht recht­fer­ti­gen kann, dass je­doch um­ge­kehrt ei­ne Ab­fin­dung die­sen nicht aus­sch­ließt (BS­GE 95, 232 = SozR 4-4300 § 144 Nr 11, Rd­Nr 20). Viel­mehr kann auch das In­ter­es­se schützens­wert sein, sich bei oh­ne­hin nicht zu ver­mei­den­der Beschäfti­gungs­lo­sig­keit we­nigs­tens ei­ne Ab­fin­dung zu si­chern (BSG SozR 4-4300 § 144 Nr 13 Rd­Nr 15 ff; vgl auch Voelz­ke NZS 2005, 281, 286).
Al­ler­dings hat der Se­nat die Sperr­zeitunschädlich­keit ei­ner Ab­fin­dung bis­lang auf Fälle der be­reits aus­ge­spro­che­nen oder der dro­hen­den ob­jek­tiv rechtmäßigen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung be­schränkt (BS­GE 92, 74 = SozR 4-4300 § 144 Nr 6, Rd­Nr 19; SozR 4-4300 § 144 Nr 13 Rd­Nr 13 ff). Die­se Recht­spre­chung ent­wi­ckelt der Se­nat in dem Sin­ne wei­ter, dass der Fra­ge nach der ob­jek­ti­ven Rechtmäßig­keit der Kündi­gung dann nicht wei­ter nach­zu­ge­hen ist, ein wich­ti­ger Grund al­so auch dann vor­lie­gen kann, wenn die Be­tei­lig­ten im Rah­men des ein­ge­lei­te­ten ge­richt­li­chen Ver­fah­rens die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses/Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ein­ver­nehm­lich außer Streit stel­len und kei­ne An­halts­punk­te dafür vor­lie­gen,
dass mit dem ab­ge­schlos­se­nen Ver­gleich zu Las­ten der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ma­ni­pu­liert wer­den soll (vgl be­reits Ei­cher SGb 2005, 553, 556). In ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on darf - wie in den schon vom BSG ent­schie­de­nen Fällen - der Ar­beit­neh­mer auch nach ob­jek­ti­ven Maßstäben da­von aus­ge­hen, dass er den Ein­tritt der Beschäfti­gungs­lo­sig­keit nicht mehr ver­mei­den kann; dann ist es ihm nicht zu­mut­bar, den ihm we­nigs­tens die Ab­fin­dung si­chern­den Ver­gleich ab­zu­leh­nen.
dd) An­hand der bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen des LSG kann je­doch nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass mit dem Ab­schluss des Ver­gleichs ei­ne Ma­ni­pu­la­ti­on zu Las­ten der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ver­bun­den ge­we­sen sein könn­te.
Da­bei kommt es al­ler­dings nicht ent­schei­dend dar­auf an, dass nach der Be­ur­tei­lung des LSG die Ar­beit­ge­berkündi­gung rechts­wid­rig war. Denn für das In­ter­es­se des Klägers an der Be­en­di­gung des Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses ist die kon­kre­te Si­tua­ti­on zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Ver­glei­ches ent­schei­dend. Der Ar­beit­ge­ber des Klägers hat­te sich auf sei­ne Be­rech­ti­gung zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung mit so­zia­ler Aus­lauf­frist im Hin­blick auf ein­schlägi­ge Recht­spre­chung des BAG be­ru­fen; die Sach- und Rechts­la­ge konn­te - wie auch die späte­re Be­weis­er­he­bung vor dem SG zeigt - nicht von vorn­her­ein ein­deu­tig be­ur­teilt wer­den. Der Vor­schlag, das ar­beits­ge­richt­li­che Ver­fah­ren durch Ver­gleich zu be­en­den, war un­ter die­sen Umständen - un­abhängig vom Al­ter des Klägers (vgl hier­zu SozR 4-4300 § 144 Nr 13 Rd­Nr 16, auch zur Veröffent­li­chung in BS­GE vor­ge­se­hen) - nicht un­an­ge­mes­sen, zu­mal bei Fortführung des Rechts­streits selbst für den Fall der sich her­aus­stel­len­den Rechts­wid­rig­keit der Kündi­gung un­ter den Vor­aus­set­zun­gen des § 9 Abs 1 Satz 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) ei­ne Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung auf An­trag des Ar­beit­ge­bers nicht aus­ge­schlos­sen ge­we­sen wäre.
Für ei­ne Ma­ni­pu­la­ti­on spricht auch nicht zwin­gend die Höhe der dem Kläger zu­ge­bil­lig­ten Ab­fin­dung, auch wenn sie so­wohl die in § 1a Abs 2 KSchG - im streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum noch nicht an­wend­bar - als auch die in § 10 KSchG ge­nann­ten Beträge über­steigt (zu § 1a KSchG vgl BSG SozR 4-4300 § 144 Nr 13, Rd­Nr 19; Voelz­ke NZS 2005, 281, 286 f; Li­li­en­feld/Spell­brink RdA 2005, 88, 94; Seel NZS 2007, 513, 515). Denn ent­schei­dend kann nur sein, ob der Kläger nach dem da­ma­li­gen Stand des Pro­zes­ses da­von aus­ge­hen durf­te, er könne den Ein­tritt der Beschäfti­gungs­lo­sig­keit nicht mehr ver­mei­den. War dies der Fall, kann ihm die Höhe der Ab­fin­dung nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den. Al­lein aus ei­ner zB die Gren­zen des § 1a Abs 2 KSchG über­schrei­ten­den Ab­fin­dungshöhe kann al­so noch nicht ge­ne­rell der Ver­dacht her­ge­lei­tet wer­den, es sei ein von der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft nicht mehr zu to­le­rie­ren­der "Frei­kauf" er­folgt (in die­sem Sin­ne je­doch Spell­brink BB 2006, 1274, 1277).
Zu der Fra­ge, ob das Ge­samt­ge­sche­hen als Ge­set­zes­um­ge­hung zu wer­ten ist, hat das LSG - von sei­nem Rechts­stand­punkt kon­se­quent - kei­ne Fest­stel­lun­gen ge­trof­fen. Ei­ne Ma­ni­pu­la­ti­on zu Las­ten der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft läge zB dann vor, wenn die Par­tei­en des Ar­beits­ver-
hält­nis­ses den Weg über ei­ne of­fen­kun­dig rechts­wid­ri­ge Kündi­gung (zB un­ter­las­se­ne Anhörung des Be­triebs­rats) oder über ei­ne vom Ar­beit­neh­mer in­iti­ier­te Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber je­weils mit an­sch­ließen­der Kla­ge vor dem Ar­beits­ge­richt ein­ver­nehm­lich mit dem Ziel be­schrit­ten hätten, den Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit zu ver­mei­den (vgl auch Durchführungs­an­wei­sun­gen der BA zu § 144 SGB III, Ab­schnit­te 144.13, 144.15 und 144.16). In­so­weit wird das LSG Fest­stel­lun­gen zu tref­fen ha­ben.
3. Die Kos­ten­ent­schei­dung un­ter Berück­sich­ti­gung der er­folg­lo­sen Re­vi­si­on des Klägers und un­ter Ein­be­zie­hung der Ent­schei­dung über die Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens bleibt der ab­sch­ließen­den Ent­schei­dung im Be­ru­fungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten.
zur Übersicht B 11a AL 51/06 R
07/81 BSG: Kei­ne Sperr­zeit nach Kün­di­gung und Ab­fin­dungs­ver­gleich
22.11.2007. Führt der Ar­beit­neh­mer ei­nen Kün­di­gungs­schutz­pro­zess und be­en­det ihn durch ei­nen Ab­fin­dungs­ver­gleich, ist er vor ei­ner Sperr­zeit zwar nicht ab­so­lut bzw. in al­len Fäl­len ge­schützt, ...