Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=V%20R%2052/13
Timestamp: 2019-07-16 21:42:10
Document Index: 262331659

Matched Legal Cases: ['§ 240', '§ 227', '§ 361', '§ 69', '§ 227', '§ 240', '§ 227', '§ 240']

BFH, 24.04.2014 - V R 52/13 - dejure.org
https://dejure.org/2014,17734
BFH, 24.04.2014 - V R 52/13 (https://dejure.org/2014,17734)
BFH, Entscheidung vom 24.04.2014 - V R 52/13 (https://dejure.org/2014,17734)
BFH, Entscheidung vom 24. April 2014 - V R 52/13 (https://dejure.org/2014,17734)
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§ 240 Abs 1 S 4 AO, § 227 AO, § 361 AO, § 69 FGO
Keine Säumniszuschläge bei zu Unrecht versagter AdV
Säumniszuschläge bei zu Unrecht versagter AdV sind zu erlassen
Erlass von Säumniszuschlägen bei unbilliger Versagung der Aussetzung der Vollziehung
FG Sachsen, 20.02.2013 - 8 K 1587/12
NVwZ-RR 2014, 820
Eine Unbilligkeit aus sachlichen Gründen i.S. des § 227 AO ist anzunehmen, wenn die Geltendmachung eines Anspruchs aus dem Steuerschuldverhältnis im Einzelfall zwar dem Wortlaut einer Vorschrift entspricht, aber nach dem Zweck des zugrunde liegenden Gesetzes nicht (mehr) zu rechtfertigen ist oder dessen Wertungen zuwiderläuft (…sog. Gesetzesüberhang, vgl. BFH-Urteile vom 21. Oktober 1987 X R 29/81, BFH/NV 1988, 546, Rz 16;… vom 20. Dezember 2000 II R 74/99, BFH/NV 2001, 1027, Rz 15;… vom 21. Juni 2006 XI R 29/05, BFH/NV 2006, 1833, Rz 12;… vom 5. Mai 2011 V R 39/10, BFH/NV 2011, 1474, Rz 15, und vom 24. April 2014 V R 52/13, BFHE 245, 105, BStBl II 2015, 106).
Ein Erlass kommt hingegen nicht in Betracht, wenn der Steuerpflichtige sich nicht um die AdV bemüht hat oder wenn die Vollziehung nicht ausgesetzt worden ist, weil --z.B. in Schätzungsfällen-- keine ernstlichen Zweifel bestanden und der Steuerbescheid erst aufgrund nachgereichter Steuererklärungen aufgehoben worden ist (BFH-Urteil vom 24. April 2014 V R 52/13, BFHE 245, 105, BStBl II 2015, 106, Rz 11, m.w.N.).
vgl. BFH, Urteile vom 10. März 2016 - III R 2/15 -, BFHE 253, 12 (18), Rdnr. 31, vom 24. April 2014 - V R 52/13 -, BFHE 245, 105 (106), Rdnr. 11, und vom 29. August 1991 - V R 78/86 -, BFHE 165, 178 (181 ff.); Beschlüsse vom 18. März 2003 - X B 66/02 -, juris, Rdnr. 4, und vom 4. Februar 1999 - IX B 170/98 -, juris, Rdnr. 4.
vgl. zu dieser Voraussetzung für den Erlass der Säumniszuschläge: BFH, Urteile vom 10. März 2016 - III R 2/15 -, BFHE 253, 12 (18), Rdnr. 31, und vom 24. April 2014 - V R 52/13 -, BFHE 245, 105 (106 f.), Rdnr. 11 f.
Der BFH vertritt in ständiger Rechtsprechung die Auffassung, dass Säumniszuschläge in vollem Umfang zu erlassen sind, wenn eine rechtswidrige Steuerfestsetzung aufgehoben wird und der Steuerpflichtige zuvor alles getan hat, um eine Aussetzung der Vollziehung zu erreichen, die die Finanzbehörde, obwohl möglich und geboten, abgelehnt hat (vgl. BFH, Urteile vom 24. April 2014 - V R 52/13 - NVwZ-RR 2014, 820, vom 20. Mai 2010 - V R 42/08 - juris Rn. 22 …und vom 29. August 1991 - V R 78/86 - juris Rn. 28).
Der BFH begründet seine Entscheidung damit, dass der Steuerpflichtige im Billigkeitsverfahren so zu stellen sei, als hätte er den gebotenen einstweiligen Rechtsschutz erlangt, so dass er nach § 240 AO keinerlei Säumniszuschläge zu zahlen habe (BFH, Urteil vom 24. April 2014 - V R 52/13, a. a. O., S. 821).
Es ist höchstrichterlich geklärt, dass der Erlass von Säumniszuschlägen nach § 227 der Abgabenordnung (AO) aus sachlichen Billigkeitsgründen geboten ist, wenn deren Einziehung mit Rücksicht auf ihren Zweck nicht zu rechtfertigen ist, obwohl der Sachverhalt zwar den gesetzlichen Tatbestand erfüllt, die Erhebung der Säumniszuschläge aber den Wertungen des Gesetzgebers zuwiderläuft (ständige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteil vom 24. April 2014 V R 52/13, BFHE 245, 105, BStBl II 2015, 106, Rz 10, m.w.N.).
vgl. nur BFH, Urteil vom 24.4.2014 - V R 52/13 -, DB 2014, 1661 (1662), Rn. 11; OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 28.11.2013 - OVG 9 N 136.12 - (u. a.), juris, Rn. 11.
Danach ist ein Erlass geboten, wenn die Einziehung der Säumniszuschläge im Einzelfall, insbesondere mit Rücksicht auf den Zweck der Säumniszuschläge, nicht zu rechtfertigen ist, obwohl der Sachverhalt zwar den gesetzlichen Tatbestand erfüllt, die Erhebung der Säumniszuschläge aber den Wertungen des Gesetzgebers zuwiderläuft, was insbesondere der Fall ist, wenn die Abgabenfestsetzung später aufgehoben worden ist und der Abgabenpflichtige alles getan hat, um die Aussetzung der Vollziehung bzw. Anordnung der aufschiebenden Wirkung des Abgabenbescheides zu erreichen, dies aber von der Behörde bzw. dem Gericht, obwohl möglich und geboten abgelehnt wurde (vgl. BFH, Urteil vom 24. April 2014 - V R 52/13 -, BFHE 245, 105, juris Rn. 10 ff.; BFH…, Urteil vom 20. Mai 2010 - V R 42/08 -, BFHE 229, 83, juris Rn. 19 ff.; BVerwG…, Urteil vom 8. Juli 1998 - BVerwG 8 C 31.96 -, Buchholz 401.0 § 240 AO Nr. 2, juris Rn. 33; OVG des Landes Sachsen-Anhalt…, Urteil vom 19. September 2013 - 4 L 150/13 -, juris Rn. 18; Bayerischer VGH…, Beschluss vom 27. September 2012 - 6 ZB 10.1083 -, juris Rn. 11).