Source: https://www.dashoefer.de/dasfibuwissen/zinsstaffelmethode-handelsrecht.html
Timestamp: 2019-06-20 12:59:19
Document Index: 109831759

Matched Legal Cases: ['§ 250', '§ 238', '§ 241', '§ 238', '§ 284', '§ 240', '§ 256', '§ 250', '§ 250', '§ 238', '§ 241', '§ 242', '§ 284']

Zinsstaffelmethode - Handelsrecht | dasFiBuWissen - Fachwissen von Experten für Ihren Erfolg.
Zinsstaffelmethode - Handelsrecht
Bilanzierung [ Stand: 12.04.2011 ]
Zahlreiche Transaktionen in der betrieblichen Praxis beinhalten Zahlungsvereinbarungen zwischen Vertragsparteien, deren Zahlungen sowohl einen Zins- als auch eine Tilgungsanteil enthalten. Es wird jedoch regelmäßig nur der gesamte z.B. monatliche oder jährliche Zahlungsbetrag angegeben; eine explizite Aufteilung in Zins- und Tilgungsanteil erfolgt nicht.
Für die Abbildung derartiger Sachverhalte im Rechnungswesen ist die Unterscheidung jedoch von Bedeutung: während der Tilgungsanteil erfolgsneutral als Minderung der zugrunde liegenden Verbindlichkeit zu behandeln ist, ist der Zinsanteil erfolgswirksam zu verbuchen.
Beispiel: LeasingEin Unternehmen zahlt für eine Maschine monatliche Leasingraten in Höhe von (netto) 1.000 Euro. Im Leasingvertrag ist nur diese Rate angegeben.
Sofern der Leasingvertrag nicht zu einer Aktivierung beim Leasingnehmer führt, ist dies ohne Bedeutung. Der Leasingnehmer verbucht die gesamte Leasingrate als Sonstigen betrieblichen Aufwand.
Sofern jedoch der Leasingnehmer die Maschine als wirtschaftlicher Eigentümer aktivieren und zugleich eine entsprechende Verbindlichkeit gegenüber dem Leasinggeber passivieren muss, müssen die Leasingraten in einen Zins- und einen Tilgungsanteil aufgeteilt werden; vgl. Beitrag →
§ 250 – Rechnungsabgrenzungsposten
(3) Ist der Erfüllungsbetrag einer Verbindlichkeit höher als der Ausgabebetrag, so darf der Unterschiedsbetrag in den Rechnungsabgrenzungsposten auf der Aktivseite aufgenommen werden. Der Unterschiedsbetrag ist durch planmäßige jährliche Abschreibungen zu tilgen, die auf die gesamte Laufzeit der Verbindlichkeit verteilt werden können.
§ 238 – Buchführungspflicht
§ 241a – Befreiung von der Pflicht zur Buchführung und Erstellung eines Inventars
Einzelkaufleute, die an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren nicht mehr als 500 000 Euro Umsatzerlöse und 50 000
Euro Jahresüberschuss aufweisen, brauchen die §§ 238 bis 241 nicht anzuwenden. Im Fall der Neugründung treten die Rechtsfolgen schon ein, wenn die Werte des Satzes 1 am ersten Abschlussstichtag nach der Neugründung nicht überschritten werden.
§ 284 – Erläuterung der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung
(1) In den Anhang sind diejenigen Angaben aufzunehmen, die zu den einzelnen Posten der Bilanz oder der Gewinn- und Verlustrechnung vorgeschrieben oder die im Anhang zu machen sind, weil sie in Ausübung eines Wahlrechts nicht in die Bilanz oder in die Gewinn- und Verlustrechnung aufgenommen wurden.
(2) Im Anhang müssen
die auf die Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden angegeben werden;
die Grundlagen für die Umrechnung in Euro angegeben werden, soweit der Jahresabschluß Posten enthält, denen Beträge zugrunde liegen, die auf fremde Währung lauten oder ursprünglich auf fremde Währung lauteten;
Abweichungen von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden angegeben und begründet werden; deren Einfluß auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ist gesondert darzustellen;
bei Anwendung einer Bewertungsmethode nach § 240 Abs. 4, § 256 Satz 1 die Unterschiedsbeträge pauschal für die jeweilige Gruppe ausgewiesen werden, wenn die Bewertung im Vergleich zu einer Bewertung auf der Grundlage des letzten vor dem Abschlußstichtag bekannten Börsenkurses oder Marktpreises einen erheblichen Unterschied aufweist;
Angaben über die Einbeziehung von Zinsen für Fremdkapital in die Herstellungskosten gemacht werden.
Sofern jedoch der Leasingnehmer die Maschine als wirtschaftlicher Eigentümer aktivieren und zugleich eine entsprechende Verbindlichkeit gegenüber dem Leasinggeber passivieren muss, müssen die Leasingraten in einen Zins- und einen Tilgungsanteil aufgeteilt werden; vgl. Beitrag → Leasing.
Dies kann mithilfe der Zinsstaffelmethode erfolgen, die jedoch nicht explizit im HGB kodifiziert bzw. beschrieben ist.
Ein weiterer Anwendungsfall der Zinsstaffelmethode sind Darlehen, die mit einem Disagio ausgereicht werden.
Beispiel: DisagioEin Unternehmen nimmt bei seiner Hausbank am 1. Januar 2011 einen Kredit über eine Mio. Euro auf, die Laufzeit beträgt fünf Jahre. Der Kredit wird unter Abzug eines Disagios in Höhe von 4,5 Prozent an das Unternehmen ausbezahlt.
Aktiviert das Unternehmen (in Ausübung des Wahlrechts des § 250 Abs. 3 HGB) das Disagio in Höhe von 45.000 Euro als Aktiven Rechnungsabgrenzungsposten, stellt sich die Frage, wie die Auflösung über die Laufzeit des Kredits erfolgt.
Nach § 250 Abs. 3 Satz 2 HGB ist der Unterschiedsbetrag durch planmäßige jährliche Abschreibungen zu tilgen, die auf die gesamte Laufzeit der Verbindlichkeit verteilt werden können.
Die planmäßige Auflösung kann linear, aber auch auf Basis der Zinsstaffelmethode vorgenommen werden, wodurch eine degressive Auflösung abgebildet wird.
Eine dem Disagio vergleichbare Konstruktion liegt z.B. auch bei Leasing-Sonderzahlungen vor.
Die Entscheidung, ob eine Anwendung der Zinsstaffelmethode erfolgen soll bzw. ob diese im Einzelfall sachgerecht für die Abbildung des wirtschaftlichen Sachverhalts ist, haben alle den handelsrechtlichen Vorschriften der Buchführungspflicht unterliegende Kaufleute (§ 238 Abs. 1 Satz 1 HGB) vorzunehmen, sofern sie entsprechende Sachverhalte (z.B. Disagio, Aktivierung eines Leasingobjekts) vorliegen haben.
Für Einzelkaufleute, die die durch das BilMoG angehobenen Schwellenwerte für Umsatzerlöse und Jahresüberschuss (500.000 Euro bzw. 50.000 Euro) an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren (bzw. bei Neugründung am ersten Abschlussstichtag nach der Neugründung) nicht überschreiten, entfällt u.a. die Buchführungspflicht (§ 241a HGB n.F. i.V.m. § 242 Abs. 4 HGB n.F.).
Die Anwendung der Zinsstaffelmethode muss sachgerecht sein: so ist die Anwendung der Zinsstaffelmethode bei einem endfälligen Darlehen* nicht geeignet, da endfällige Darlehen durch gleichmäßige Zinsbelastungen gekennzeichnet sind. Das Disagio ist in diesem Fall zur Abbildung des wirtschaftlichen Gehalts linear über die Kreditlaufzeit zu verteilen.
Die Zinsstaffelmethode kommt vielmehr bei Tilgungsdarlehen in Betracht, da sich hier die der Verzinsung zugrunde liegende Darlehensverbindlichkeit durch die Tilgungsraten während der Laufzeit reduziert. Tilgungsdarlehen umfassen zum einen Darlehen mit konstanten Tilgungsraten als auch zum anderen Annuitätendarlehen.
Beispiele:Ein Unternehmen nimmt von seiner Hausbank am 1. Januar 2011 einen Kredit über eine Mio. Euro auf, die Laufzeit beträgt fünf Jahre, der nominale Zinssatz beträgt sechs Prozent. Der Kredit wird unter Abzug eines Disagios in Höhe von 4,5 Prozent an das Unternehmen ausbezahlt.
Bei einem Darlehen mit konstanten Tilgungsraten würde der Kredit über die Laufzeit mit jährlich 200.000 Euro getilgt werden. Zudem sind jährlich die Zinsen zu bezahlen, die sich auf den Restbetrag des Darlehens zum Jahresanfang beziehen. So wären hier zum 31. Dezember 2011 60.000 Euro Zinsaufwand zu leisten (sechs Prozent von einer Mio. Euro), zum 31. Dezember 2012 lediglich noch 48.000 Euro (sechs Prozent von 800.000 Euro, da zum 31. Dezember 2011 200.000 Euro getilgt wurden).
Bei einem Annuitätendarlehen erfolgen jährlich gleichbleibende Zahlungen während der Laufzeit, die einen Zins- und einen Tilgungsanteil enthalten. Über die Laufzeit nimmt der Zinsanteil in den jährlichen Zahlungen ab, während der Tilgungsanteil steigt.
Bei der Zinsstaffelmethode handelt es sich um eine Näherungslösung der Praxis. Eine genaue Berechnung der in den Leasingraten oder im Disagio enthaltenen Zinsanteile der einzelnen Jahre der jeweiligen Vertragslaufzeit kann mithilfe der Internen Zinsfußmethode erfolgen.
Die Durchführung der Zinsstaffelmethode sei am Beispiel in H.3 gezeigt.
Zinsstaffelmethode im Falle eines Disagios
Das oben genannte Beispiel sei an dieser Stelle fortgeführt.
Ein Unternehmen nimmt von seiner Hausbank am 1. Januar 2011 ein Tilgungsdarlehen über eine Mio. Euro auf, die Laufzeit beträgt fünf Jahre. Der Kredit wird unter Abzug eines Disagios in Höhe von 4,5 Prozent an das Unternehmen ausbezahlt.
Aktiviert das Unternehmen das Disagio in Höhe von 45.000 Euro als Aktiven Rechnungsabgrenzungsposten, stellt sich die Frage, wie die Auflösung über die Laufzeit des Kredits erfolgt. Das Disagio stellt einen Zins (teilweise auch als Bankgebühr betrachtet) dar, der im Voraus entrichtet wird, der aber wirtschaftlich betrachtet über die Kreditlaufzeit zu verteilen ist.
Die Auflösung des Disagios auf Basis der Zinsstaffelmethode erfolgt folgendermaßen:
Die Auflösung des Disagios im ersten Jahr beträgt 5 / 15 von 45.000 Euro, d.h. 15.000 Euro.
Die Formel für die Berechnung des Nenners* lautet:
(n × (n + 1) / 2) = 5 × (5 + 1) / 2 = 5 × 3 = 15
Die Formel für die Berechnung des Zählers lautet:
n + 1 – aktuelles Jahr = 5 + 1 – 1 = 5
Die Auflösungsanteile im zweiten Jahr betragen entsprechend 4 / 15 (12.000 Euro), im dritten Jahr 3 / 15 (9.000 Euro), im vierten Jahr 2 / 15 (6.000 Euro) sowie im fünften und letzten Jahr 1 / 15 (3.000 Euro) des Disagios.
Die Entwicklung des Disagios / Aktiven Rechnungsabgrenzungspostens (ARAP) stellt sich wie folgt dar:
Buchung bei Darlehensaufnahme:
Buchung bei Auflösung des ARAP im 1. Jahr (zum 31. Dezember 2011):
Ein Beispiel zur Zinsstaffelmethode im Falle einer Aktivierung des Leasingobjekts finden Sie im Beitrag → Leasing.
5 Anhangangaben
Nach § 284 Abs. 2 Nr. 1 HGB sind die auf die Posten der Bilanz angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden im Anhang anzugeben. Hier wird regelmäßig dargelegt, dass z.B. die Auflösung eines Disagios mit der Zinsstaffelmethode vorgenommen wurde.