Source: https://www.123recht.net/ratgeber/erbrecht/Erbengemeinschaft-Rechte-und-Pflichten-__a16924.html
Timestamp: 2018-06-19 21:53:23
Document Index: 47390180

Matched Legal Cases: ['§ 2032', '§ 2033', '§ 2040', '§ 2033', '§ 2038', '§ 2038', '§ 2038', '§ 2059', '§ 421', '§ 2060', '§ 2059', '§ 1994', '§ 2005', '§ 2038', '§ 2038', '§ 2042', '§ 2047']

Erbengemeinschaft – Rechte und Pflichten Erbrecht 123recht.net
www.123recht.net Ratgeber Erbrecht Erbengemeinschaft – Rechte und Pflichten
19.6.2006 | Ratgeber - Erbrecht
Mehr zum Thema: Erbrecht Rubrik, Erbengemeinschaft, Erbe, Erbschaft, nachlass
Wer ist Mitglieder der Erbengemeinschaft?
Hinterlässt der Erblasser mehrere Erben, wird der Nachlass gemeinschaftliches Vermögen der Erben (vgl. § 2032 BGB). Die Erben bilden eine Erbengemeinschaft. Welche Rechte und Pflichten die Miterben in dieser Erbengemeinschaft haben, ist vielen Erben unklar. Nachfolgend werden die am häufigsten gestellten Fragen zu dieser Thematik beantwortet.
Alle gesetzlichen Erben und testamentarischen Erben. Nicht hingegen Pflichtteilsberechtigte oder Begünstigte eines Vermächtnisses.
Kann ein Miterbe über einen einzelnen Nachlassgegenstand allein verfügen?
Der einzelne Miterbe kann über einen einzelnen Nachlassgegenstand nicht verfügen (vgl. § 2033 Abs. 2 BGB). Die Erbengemeinschaft kann über einen einzelnen Nachlassgegenstand nur gemeinsam und durch einstimmigen Beschluss verfügen (vgl. § 2040 BGB).
Gilt dies auch, wenn der Erblasser bestimmt hat, dass ich den einzelnen Nachlassgegenstand erhalten soll?
Die Erben können über ihren Anteil am Erbe insgesamt (z.B. ein Drittel des Nachlasses) mit notariellem Vertrag verfügen (vgl. § 2033 BGB). Der Erwerber des Erbteils tritt dann in die Rechtsstellung des Miterben eintritt. Verkauft ein Miterbe seinen Anteil, haben zunächst die Miterben ein gesetzliches Vorkaufsrecht im Hinblick auf den verkauften Erbteil.
Die Erben sind gemeinsamschaftlich zur Verwaltung des Nachlasses berechtigt (vgl. § 2038 Satz 1 BGB). Alle Entscheidungen müssen gemeinsam getroffen werden. Etwas anderes gilt nur, wenn der Erblasser einen Testamentsvollstrecker eingesetzt hat. In diesem Fall verwaltet er den Nachlass.
Sofern die Maßnahmen zur ordnungsgemäßen Verwaltung des Nachlasses erforderlich sind, ist jeder Miterbe verpflichtet, bei der Verwaltung mitzuwirken (vgl. § 2038 Satz 2 BGB).
Kann eine Entscheidung der Erbengemeinschaft nicht abgewartet werden, weil dem Nachlass sonst ein Schaden droht (z.B. bei einem undichten Dach), darf auch ein einzelner Erbe die erforderlichen Maßnahmen zur Abwendung des Schadens ergreifen (z.B. Dachdecker beauftragen), um den Schaden von dem Nachlassgegenstand abzuwenden (vgl. § 2038 Ab. 1 Satz 2, 2. Halbsatz). Solche berechtigten Notmaßnahmen wirken für und gegen die anderen Miterben.
Vor der Verteilung des Nachlasses haften die Miterben für Nachlassverbindlichkeiten als Gesamtschuldner (vgl. § 2059 BGB), d.h. die Nachlassgläubiger können die Leistung sogar von einem Miterben allein fordern (vgl. § 421 BGB)! In diesem Fall hat allerdings ein Ausgleich innerhalb der Erbengemeinschaft entsprechend dem jeweiligen Anteil stattzufinden. Nach der Teilung des Nachlasses haftet der Miterbe unter bestimmten Umständen nur noch entsprechend seinem Erbteil (vgl. § 2060 BGB).
Bis zur Teilung des Nachlasses kann jeder Miterbe einen Nachlassgläubiger auf den Nachlass verweisen, d.h. der Miterbe haftet zunächst nicht mit seinem Privatvermögen, sondern nur in Höhe seiner Erbquote mit den Nachlassvermögen (vgl. § 2059 Abs. 1 Satz 1 BGB). Ausnahmsweise können Nachlassgläubiger allerdings doch auf das Privatvermögen des Miterben zugreifen (wenn auch begrenzt auf die Höhe der Erbquote), wenn eine gesetzte Inventarfrist fruchtlos verstrichen ist (§ 1994 Abs. 1 Satz 2 BGB) oder absichtlich ein unrichtiges Inventar errichtet worden ist (§ 2005 Abs. 1 Satz 1 BGB).
Erträge des Nachlasses (z.B. Mietzins eines Mietshauses), werden grundsätzlich erst im Rahmen der Erbauseindersetzung verteilt (vgl. § 2038 Abs. 2 BGB). Ist allerdings die Auseinandersetzung des Nachlasses länger als ein Jahr auf den Erbfall ausgeschlossen, kann jeder Erbe zum Schluss des jeweiligen Kalenderjahres, die Verteilung der angefallenen Erträge verlangen (vgl. § 2038 Abs. 2 Satz 3 BGB).
Wie wird die Erbengemeinschaft aufgelöst?
Hat der Erblasser im Testament nichts anderes bestimmt, kann jeder Miterbe jederzeit verlangen, dass die Erbengemeinschaft aufgelöst wird (§ 2042 Abs. 1 BGB). Das Verfahren zur Auflösung der Erbengemeinschaft wird als Erbauseinandersetzung bezeichnet.
Kann im Testament die Erbauseinandersetzung ausgeschlossen werden?
Kann die Erbauseinandersetzung aufgeschoben werden?
Der nach Begleichung der Nachlassverbindlichkeiten verbleibende Überschuss wird entsprechend der Erbquoten unter den Erben verteilt (vgl. § 2047 BGB). Eventuelle Ausgleichspflichten der Erben sind zu berücksichtigen.
Ist im Nachlass ein Grundstück und kann / will keiner der Erben die Immobilie übernehmen (und einen entsprechenden Ausgleich zahlen), kann jeder Erbe die eine Teilungsversteigerung beantragen. Zur Ersteigerung des Grundstücks sind nicht nur dritte Personen, sondern auch die Erben selbst berechtigt.
Jeder Miterbe kann beim Nachlassgericht die Einstellung der Teilungsversteigerung für die Dauer von 6 Monaten beantragen.
Was ist bei Vermögen im Ausland?
Ausländisches Vermögen wird grundsätzlich nur dann von der Erbengemeinschaft umfasst, wenn deutsches Recht anwendbar ist. So sieht z.B. Spanien die Anwendbarkeit deutschen Erbrechts vor (Erbschaftssteuer ist allerdings auch in Spanien zu zahlen!). Probleme in der Erbengemeinschaft können bei Auslands-Vermögen aber viel leichter zu hohen Kosten führen, da die landespezifischen Besonderheiten von der Erbengemeinschaft nicht berücksichtigt werden. Außerdem kennen selten alle Erben das Auslandsvermögen. Hier sollte daher immer ein auf internationales Erbrecht spezialisierter Rechtsanwalt eingeschaltet werden, der die Abwicklung der Erbschaft im Ausland überwacht.
Besonders problematisch sind aber auch Staaten die bei Auslands-Immobilienvermögen ihr eigenes Recht für anwendbar erklären. Diese Staaten haben zumeist auch eigene Regelungen für die Nachlassabwicklung. So erfolgt die Nachlassabwicklung in Südafrika z.B. durch einen sog. executor.
Erbengemeinschaft – Rechte und Pflichten Erbrecht 123recht.net © 2018 QNC GmbH