Source: http://traumannconsulting.com/de/unternehmensverkauf-und-steuern/
Timestamp: 2018-04-25 03:06:49
Document Index: 51931324

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 3', '§ 3', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 35', '§ 3']

Unternehmensverkauf und Steuern - Traumann Consulting
1. Steuern Verkäuferseite
1.1 Verkauf einer Personengesellschaft oder Einzelunternehmen
1.1.2 Veräußerer / Gesellschafter ist natürliche Person
1.1.3 Veräußerer / Gesellschafter ist eine Körperschaft
1.2 Verkauf einer Kapitalgesellschaft
1.2.1 Der Veräußerer ist eine natürliche Person und hält die Anteile im Privatvermögen
1.2.2 Der Veräußerer ist eine natürliche Person und hält die Anteile im Betriebsvermögen
1.2.3 Der Veräußerer ist eine Körperschaft bzw. Kapitalgesellschaft
1.2.4 Veräußerer ist Personengesellschaft
2. Steuerbetrachtung Erwerberseite
2.1 Organschaftsmodell
2.2 Veräußererumwandlungsmodell.
2.4 Grunderwerbssteuer
Die Interessenlagen beider Parteien prägen die Technik des Unternehmenskaufs und seiner steuerlichen Optimierung. Für einen erfolgreichen Abschluss muss der M&A Berater die steuerlichen Ausgangssituationen von Veräußerer und Erwerber erfassen und in ein für beide Seite befriedigendes, tragfähiges Transaktionskonzept integrieren, das auch von den Steuerberatern der Parteien getragen wird. Das bedeutet auch steuerliche Vor-und Nachteile in Hinsicht auf mögliche Step-up Volumen abzuwägen und in ein gesamtheitliches Preis-, Konditionen- und Gewährleistungsmodel zu integrieren.
Die nachfolgenden Ausführungen zum Thema Steuern, können nur eine erste rudimentäre Information sein. Rechtsform, gesellschaftsrechtliche Historie, Share oder Asset Deal, steuerliche Eckdaten, die persönliche Interessenlage und die steuerliche Situation der Gesellschafter haben u.a wesentlichen Einfluss auf eine optimale Transaktionsstruktur und steuerliche Gestaltung, die steuerrechtlich geprüft sein sollte.
Je nach Rechtsform des zu verkaufenden Unternehmens und entsprechend der Rechtsform des Gesellschafters sind unterschiedliche Steuerregime zu beachten. Auf das Thema der Behandlung von Veräußerungsverlusten soll hier nicht eingegangen werden.
Personengesellschaften und natürliche Personen werden steuerlich ähnlich behandelt. Bei Personengesellschaft, als Zusammenschluss mehrerer natürlicher Personen, werden die Einkünfte der Personengesellschaft im Rahmen der gesonderten einheitlichen Gewinnfeststellung ermittelt und den Gesellschaftern entsprechend Ihrem Anteil zugerechnet. Entsprechend der Rechtsform des Gesellschafters ergeben sich Unterschiede in der steuerlichen Veranlagung.
Wird der gesamte Mitunternehmeranteil an einer Gesellschaft veräußert, unterliegt dieser einem ermäßigten Steuersatz. Auch Gewerbesteuer fällt in diesem Falle nicht an. Werden allerdings nur Teile eines Mitunternehmeranteils veräußert, wird dies als laufender Gewinn aus Gewerbebetrieb behandelt, mit der Folge der vollen Einkommens- und Gewerbesteuerpflicht.
Bei der ermäßigten Besteuerung kann zum einen die 1/5 Regelung zum Tragen kommen (d.h der Veräußerungsgewinn wird fiktiv auf 5 Jahre verteilt, der dann ermittelte Jahressteuerbetrag wird mal 5 genommen, auf diese Weise sollen Spitzenbesteuerungen ausgeglichen werden). Hat der Steuerpflichtige das 55 Lebensjahr vollendet oder ist er dauerhaft erwerbsunfähig, steht ihm einmal im Leben die Möglichkeit zu, anstelle der 1/5 Regelung einen ermäßigten Steuersatz von 56% des durchschnittlichen Steuersatzes auf den erzielten Veräußerungsgewinn in Anspruch zu nehmen. Dies gilt bis zum Veräußerungspreis von 5 Mio. € Darüber hinaus kann ein einmaliger Freibetrag von 45.000,00 € in Anspruch genommen werden, der sich allerdings um den Betrag mindert, um den der Veräußerungsgewinn 136.000,00 € übersteigt.
Ist eine Körperschaft (Bsp. privatrechtliche Körperschaften: Gmbh, UG, AG, e.V, Genossenschaft) an einer Personengesellschaft beteiligt, ist der Veräußerungsgewinn körperschafts- und gewerbesteuerpflichtig. (Derzeit KSt. 15% plus Solidaritätszuschlag sowie ca. 14% Gewerbesteuer bei einem Hebesatz von 400). Die Gewerbesteuer fällt allerdings auf Ebene der Personengesellschaft an. Steuerschuldner ist hier die Personengesellschaft, nicht die Körperschaft.
Der Veräußerungsgewinn oder Verlust ist auf Körperschaftssteuerebene mit den Verlusten oder Gewinnen der Körperschaft verrechenbar, während hinsichtlich der Gewerbesteuer dies auf Ebene der Personengesellschaft erfolgt.
Bei Veräußerungsgewinnen aus Anteilen an einer Kapitalgesellschaft ist für die Besteuerung entscheidend, ob die Anteile von einer Körperschaft oder durch eine natürliche Person gehalten werden. Bei natürlichen Personen ist abzuklären, ob die Anteile im Privat oder Betriebsvermögen gehalten werden. Werden die Anteile im Privatvermögen gehalten, ist die Frage der Beteiligungshöhe der letzten 5 Jahre von Bedeutung.
War die Beteiligung mittelbar und unmittelbar in den letzten 5 Jahren nie 1% des Kapitals der Gesellschaft, werden die Veräußerungserlöse mit der Abgeltungssteuer (25%) plus Solidaritätszuschlag sowie evtl. Kirchensteuer versteuert. Abzugsfähig vom Veräußerungsgewinn sind allerdings nur Aufwendungen, die in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Veräußerungsgeschäft stehen.
War der Kapitalanteil größer oder gleich 1% innerhalb der letzten 5 Jahre unterliegen die Veräußerungsgewinne der Besteuerung der Einkünfte aus Gewerbebetrieb und damit dem Teileinkünfteverfahren. Sie unterliegen jedoch nicht der Gewerbesteuer.
Teileinkünfteverfahren bedeutet, dass der um 40% geminderte Veräußerungsgewinn mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern ist. D.h. unter Zugrundelegung des Höchststeuersatzes (45%) ergibt sich eine Belastung von rd. 27% plus Solidaritätszuschlag und evtl. Kirchensteuer auf den Gesamtveräußerungsgewinn. Im Umkehrschluss sind Aufwendungen im Zusammenhang mit der Anteilsveräußerung nur zu 60% abziehbar.
Zusätzlich wird ein Freibetrag von 9060,00€ bei einer 100% Beteiligung gewährt, der jedoch um den Betrag abgeschmolzen wird, um den der Veräußerungserlös 36.100 Euro überschreitet.
Der § 6b EStG ermöglicht es Einzelunternehmern und Personengesellschaften den Gewinn aus der Veräußerung von Kapitalgesellschaften zu 100% auf neuangeschaffte Anteile an Kapitalgesellschaften zu übertragen und soweit der Gewinn aus der Anteilsveräußerung nicht nach § 3 Nr. 40 Satz 1 i.V.m. § 3c Abs. 2 EStG steuerbefreit ist, auf neu angeschaffte Gebäude (nicht Grund und Boden) und abnutzbare bewegliche WG des Anlagevermögens zu übertragen.
Hierdurch wird die Übertragung eine quasi steuerfreie Übertragung des Veräußerungsgewinns in Annäherung an die Situation der Kapitalgesellschaften, für die die Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften nach § 8b KStG grundsätzlich steuerfrei ist (Einschränkung: § 8b Abs. 3 Satz 1 KStG, der im Ergebnis doch zu einer minimalen Steuerbelastung führt), erreicht werden.
In diesem Fall wird der Veräußerungserlös zu den laufenden gewerblichen Einkünften gezählt und unterliegt dem Teileinkünfteverfahren. D.h. der Gewinn wird zu 60% versteuert und Betriebsausgaben sind zu 60% absetzbar. Auf Gewerbesteuerebene ist der Gewinn ebenfalls zu 60% anzusetzen gleiches gilt für die Betriebsausgaben. Allerdings erfolgt keine Hinzurechnung der steuerfreien Einnahmen nach § 8 Nr. 5 GewStG. Bei Veräußerungsgewinnen steht ein Freibetrag von € 24.500,00 zur Verfügung. Fallen hiernach Gewerbesteuern an erfolgt eine Anrechnung dieser Gewerbesteuer im Rahmen der Persönlichen Einkommenssteuer (§ 35 EStG). Entsprechend dem Gewerbesteuerhebesatz der Gemeinde führt dies bei einem Hebesatz bis zu 380% zu einer vollständigen Entlastung, bei darüberhinausgehenden Hebesätzen zu einem Anfall von Gewerbesteuer.
Der Gewinn aus der Veräußerung einer Kapitalgesellschaft ist bei der veräußernden Kapitalgesellschaft zu 95% steuerfrei. D.h. 5% des Veräußerungsgewinn werden als nicht abzugsfähige Betriebsausgaben behandelt und mit 15% Körperschaftssteuer zuzgl. Solidaritätszuschlag versteuert. Gleiches gilt bei der Gewerbesteuer. Diese Regelung gilt nicht für Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute.
In diesem Fall ist die Rechtsform der hinter der Personengesellschaft stehenden Gesellschafter für die Besteuerung ausschlaggebend, da die Personengesellschaft transparent und lediglich in Bezug auf die Gewerbesteuer Steuersubjekt ist. Insoweit gelten Ausführungen zu natürlichen Personen und Körperschaften entsprechend.
In Bezug auf die Gewerbesteuer ist die Personengesellschaft Steuersubjekt. Ist der Anteilseigner der veräußernden Personengesellschaft eine Körperschaft wird der Veräußerungsgewinn mit 5% (nicht abzugsfähige Betriebsausgaben) zur Gewerbesteuer herangezogen. Ist der Gesellschafter der veräußernden Personengesellschaft eine natürliche Person, wird der Veräußerungsgewinn mit 60% zur Gewerbesteuer herangezogen. Sind die Gesellschafter natürliche Personen und Körperschaften wird entsprechend dem Gewinnverteilungsschlüssel zur Steuer herangezogen.
Diesen hier nur kurz angerissenen steuerlichen Themen, die je nach persönlicher sowie Betriebssituation beliebig komplex werden können, stehen konsequenterweise die Interessen des möglichen Erwerbers gegenüber.
Für einen erfolgreichen Abschluss sind daher immer beide Seiten zu beachten. In den meisten Fällen hat der Erwerber ein Interesse daran den Kaufpreis möglichst vollständig in steuerminderndes Abschreibungspotential zu wandeln.
Im Wesentlichen kann man die Interessen des Erwerbers wie folgt zusammenfassen:
Steueroptimierte Verteilung des Kaufpreises auf die jeweils erworbenen Wirtschaftsgüter, einschließlich Firmenwert
Steuereffektive Aufdeckung stiller Reserven durch Restrukturierungsmaßnahmen nach Erwerb
Steueroptimale Finanzierung des Kaufpreises
Vermeidung zusätzlicher Belastungen durch Verkehrssteuern und Grunderwerbssteuern
Soweit möglich Nutzung miterworbener Verlustvorträge
Diese Möglichkeit den Kaufpreis in steueroptimierende Abschreibungspotential umzusetzen, besteht bei einem Share Deal (Anteilskauf) jedoch nur bei Personengesellschaftsanteilen, bei Kapitalgesellschafts-anteilen weitgehend nicht. Ein Asset Deal (Erwerb einzelner Wirtschaftsgüter), über den der Kaufpreis in Abschreibungsvolumen umgesetzt werden kann ist jedoch von betrieblichen Situation stark abhängig und kann, muss jedoch nicht, sinnvoll sein, insbesondere sind die Auswirkungen auf der Veräußerer Seite zu betrachten.
Aktuell bietet beim Kauf einer Kapitalgesellschaft nur der Asset Deal die Möglichkeit steuerlich unproblematisch Abschreibungspotential zu schaffen. Die diversen Modelle den Kaufpreis von Kapitalgesellschaftsanteilen im Rahmen eines Share Deals durch Down Stream Merger, Kombinationsmodel, Umwandlungsmodel, Mitunternehmermodel in Abschreibungspotential umzuwandeln hat der Gesetzgeber in den letzten Jahren die Grundlage entzogen. Insoweit wird auf diese Modelle hier nicht eingegangen.
Das Organschaftsmodell schafft im begrenzten Rahmen, bei einem Share Deal noch Abschreibungspotential.
Die Anteile der Zielgesellschaft werden durch eine vom Erwerber gegründete Tochtergesellschaft in der Rechtsform der GmbH & Co KG (mit einer oder mehreren natürlichen Personen als Kommanditisten und ohne Kapitalbeteiligung des Komplementärs) erworben. Zwischen der GmbH & Co KG als Organträgerin und der Zielgesellschaft als Organgesellschaft wird eine körperschaftssteuerliche und gewerbesteuerliche Organschaft begründet. Anschließend werden die Wirtschaftsgüter mit den stillen Reserven der Zielgesellschaft im Rahmen eines internen Asset Deals an die GmbH &Co KG veräußert. Der entstehende Veräußerungsgewinn wird durch eine abführungsbedingte Teilwertabschreibung neutralisiert. Der Kommanditanteil und der Anteil an der Komplementär GmbH wird anschließend an den Erwerber veräußert. Hiergegen richten sich jedoch die Änderungen im § 3c Abs. 2 Satz 2 EStG, nachdem auch Wertminderungen des Anteils an einer Organgesellschaft nur zu 60% berücksichtigt werden können. Dadurch ist auch das Organschaftsmodell wesentlich eingeschränkt.
Ein weitere Möglichkeit Abschreibungspotential zu schaffen ist das Veräußererumwandlungsmodell. Hierbei wird vor dem Kauf die Kapitalgesellschaft in eine Personengesellschaft, meist eine GmbH & Co KG gewandelt und anschließend die Mitunternehmeranteile an den Erwerber veräußert. Der Erwerber erhält auf diese Weise, auf einer gesicherten Rechtsgrundlage, das gewünschte steuermindernde Abschreibungspotential. Dieses Modell macht aufgrund der Steuerbelastung für den Veräußerer allerdings nur Sinn, wenn es sich bei den zu veräußernden Anteilen, um Sperrfrist behaftete, einbringungsgeborene Anteile handelt, die ohnehin voll steuerpflichtig wären. Zu beachten sind weiterhin evtl. nachteilige Steuerfolgen bei einer evtl. Rückumwandlung in eine Kapitalgesellschaft.
Der Erwerb von Unternehmensanteilen oder Gesellschaftsrechtenunterliegt nicht der Umsatzsteuer. Der Umsatzsteuerrechtliche Begriff des Unternehmensteils wird dabei ähnlich dem ertragssteuerlichen Begriff des Teilbetriebs ausgelegt.
Grunderwerbssteuer fällt auch an, wenn sich im Betriebsvermögen der erworbenen Kapitalgesellschaft Grundstücke befinden und sich durch die Übertragung der Anteile mittelbar oder unmittelbar mindestens 95% der Anteile in der Hand des Erwerbers vereinen. Bei Personengesellschaften mit Grundvermögen wird die Grunderwerbssteuerpflicht auch dann ausgelöst, wenn sich innerhalb von 5 Jahren mindestens 95% der Anteile in der Hand des Erwerbers vereinen. Auch zur Grunderwerbssteueroptimierung sind verschiedene Modelle realisierbar, die jedoch immer im Zusammenhang mit Ertragssteuerlichen Betrachtung gesehen und abgestimmt werden müssen.
Aus den vorgenannten Ausführungen, die sich nur auf inländische Transaktionen beziehen, wird deutlich, dass das Thema Steuern einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Transaktionsgestaltung hat. Der erfahrene M&A Berater wird abhängig von der betrieblichen Situation, den persönlichen Präferenzen des Mandanten und den Markterfordernissen und Möglichkeiten ein Transaktionsmodel erarbeiten und mit dem Steuerberater abstimmen, das in einem, für Veräußerer und Erwerber, optimalen Ergebnis resultiert.
Dieser Beitrag wurde mit Sorgfalt erstellt. Jede Haftung (insbesondere für die Richtigkeit der Angaben) ist jedoch ausgeschlossen. (Stand Dez. 2016)