Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%202004,%20448
Timestamp: 2018-07-15 23:19:00
Document Index: 35055833

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 348', '§ 577', 'BGH', 'BGH', 'Art. 101', 'BGH', 'BGH', '§ 568', 'BGH', 'BGH', '§ 568', 'BGH', 'BGH', '§ 577', '§ 568', 'BGH']

BGH, 10.11.2003 - II ZB 14/02 - dejure.org
Schadensersatzklage einer Innungskrankenkasse gegen einen Arbeitgeber wegen Nichtabführung von Sozialbeiträgen; Verletzung des Rechts auf den gesetzlichen Richter bei Entscheidung durch einen Einzelrichter im Falle grundsätzlicher Bedeutung einer Rechtssache; Inhaltliche Bestimmtheit der abzuführenden Krankenkassenbeiträge als Voraussetzung eines Verzugseintritts
Keine Entscheidungsbefugnis des Einzelrichters in der Frage, ob die Rechtsbeschwerde wegen grundsätzlicher Bedeutung der Sache zuzulassen ist
ZPO §§ 348 568 S. 2 Nr. 2 § 577
Verfahrensrecht - Wer fällt Entscheidung über grundsätzl. Bedeutung der Sache?
NJW 2004, 448
MDR 2004, 407
WM 2004, 1053
Die grundsätzliche Bedeutung ist nämlich im weitesten Sinne zu verstehen, so dass nicht der Einzelrichter, sondern das Kollegium entscheiden muss, wenn zur Fortbildung des Rechts oder zur Wahrung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsmittelgerichts geboten ist (BGH…, Beschluss vom 13. März 2003 - IX ZB 134/02, BGHZ 154, 200 Rn. 6 bei juris; Beschluss vom 11. September 2003 - XII ZB 188/02, NJW 2003, 3712 m.w.N.; Beschluss vom 10. November 2003 - II ZB 14/02, NJW 2004, 448).
b) Damit hat der Einzelrichter objektiv willkürlich unter Verletzung des Verfassungsgebots des gesetzlichen Richters (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) mit der Zulassung der Rechtsbeschwerde eine Entscheidungsbefugnis an sich gezogen, die nach dem Gesetz nicht ihm, sondern der Kammer in ihrer vollen Besetzung übertragen ist (vgl. BGH, Beschluss vom 10. November 2003 - II ZB 14/02, aaO).
Dies gilt unbeschadet der Tatsache, dass er die Zulassung zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung für erforderlich hielt und daraus zu Unrecht abgeleitet hat, es bestehe keine Übertragungspflicht auf das Kollegium (…vgl. BGH, Beschlüsse vom 11. September 2003 - XII ZB 188/02, aaO; vom 10. November 2003 - II ZB 14/02, aaO).
Der originäre Einzelrichter hätte das Verfahren daher gemäß § 568 Satz 2 ZPO auf den Senat übertragen müssen, ohne dass ihm insoweit ein Ermessen zugestanden hätte (BGHZ 154, 200, 202 f.; BGH, Sen.Beschl. v. 10. November 2003 - II ZB 14/02, WM 2004, 1053 f.).
Der Begriff der grundsätzlichen Bedeutung in § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO ist im weitesten Sinne zu verstehen; der Kollegialspruchkörper ist auch dann zur Entscheidung berufen, wenn die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts erfordert (BGH, Beschl. v. 11. September 2003, XII ZB 188/02, NJW 2003, 3712; Beschl. v. 10. November 2003, II ZB 14/02, NJW 2004, 448, 449).
Dieser Verstoß ist vom Rechtsbeschwerdegericht von Amts wegen zu berücksichtigen (BGH…, Beschluss vom 13. März 2003 - IX ZB 134/02, aaO S. 202 ff.; vom 10. November 2003 - II ZB 14/02, aaO;… Senatsbeschlüsse vom 27. April 2010 - VIII ZB 81/09, aaO Rn. 6;… vom 21. September 2010 - VIII ZB 73/09, aaO Rn. 5; st. Rspr.).
Die angefochtene Entscheidung ist daher aufzuheben und die Sache zur erneuten Entscheidung an den Einzelrichter zurückzuverweisen (§ 577 Abs. 4 Satz 1 ZPO), damit er die gegebenenfalls nach § 568 Satz 2 ZPO erforderliche Übertragungsentscheidung treffen kann (BGH, Beschl. v. 10. November 2003 aaO;… v. 13. Juli 2004 aaO).
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