Source: https://www.rechtsanwalt-sexualstrafrecht.de/sexualstrafrecht/sexuelle-noetigung/
Timestamp: 2020-02-17 18:19:53
Document Index: 203353021

Matched Legal Cases: ['§ 177', '§ 177', '§ 177', '§ 177', '§ 177', '§ 177', '§ 177', '§ 177', '§ 177']

Sexuelle Nötigung / Rechtsanwalt Sexualstrafrecht
Sexuelle Nötigung Wann liegt eine sexuelle Nötigung vor?
Sexuelle Nötigung - § 177 Abs. 5 StGB
Beim Vorwurf der sexuellen Nötigung gemäß § 177 Abs. 5 StGB handelt sich um einen sogenannten Qualifikationstatbestand. Der Paragraph zur sexuellen Nötigung wurde im Rahmen der Sexualstrafrechtsreform vom 10.11.2016 neu reformiert und beinhaltet nun neben der sexuellen Nötigung und der Vergewaltigung auch das sexuelle Ausnutzen sonstiger Umstände. Als komplett neuen Straftatbestand wurde der sexuelle Übergriff in den Paragraphen aufgenommen. Der folgende Text bezieht sich auf die neue Rechtslage und ist für Taten gültig, die nach dem 10.11.2016 begangen wurden.
Die sexuelle Nötigung ist seit der Reform des Sexualstrafrechts in § 177 Abs. 5 StGB zu finden und stellt einen sogenannten Qualifikationstatbestand dar. Dies bedeutet, dass es sich hier um eine schwerere Form des sexuellen Übergriffes (§ 177 Abs. 1 StGB) oder der sexuellen Ausnutzung sonstiger Umstände (§ 177 Abs. 2 StGB) handelt. Es muss daher in allen Fällen entweder der sexuelle Übergriff oder die sexuelle Ausnutzung sonstiger Umstände und zusätzlich die Voraussetzung der sexuellen Nötigung in § 177 Abs. 5 StGB vorliegen. Ist dies der Fall, droht eine deutlich erhöhte Strafe. Bei einer Verurteilung wegen sexueller Nötigung droht Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr. Die Höchststrafe beträgt bis zu fünfzehn Jahren Freiheitsstrafe.
Die erhöhte Strafe droht gemäß § 177 Abs. 5 StGB, wenn der Täter
Gewalt gemäß § 177 Abs. 5 Nr. 1 StGB ist jede Form der Krafteinwirkung auf den Körper des Opfers, die von diesem als körperlicher Zwang empfunden wird. Mit dieser Gewaltanwendung muss der Täter den Sexualkontakt erzwingen wollen. Wird aus anderen Gründen Gewalt angewandt, ist der Straftatbestand nicht erfüllt. Ein aktives Wehren des Opfers ist dabei nicht Tatbestandsvoraussetzung. Grundvoraussetzung jeder Nötigung ist aber ein Handeln gegen den Willen des Opfers. Gerade die Erforschung des Willens, der für den Täter erkennbar sein musste, bereitet in der Praxis erhebliche Schwierigkeiten.
Eine Drohung gemäß § 177 Abs. 5 Nr. 2 StGB setzt voraus, dass der Täter ein Übel hinsichtlich einer Gefahr für Leib oder Leben in Aussicht stellt, auf dessen Verwirklichung er Einfluss zu haben vorgibt. Die tatsächliche Verwirklichung des Übels oder die Möglichkeit der Verwirklichung ist also nicht notwendig. Es reicht aus, wenn das Opfer die Drohung ernst nimmt. Erforderlich ist aber eine gewisse Schwere des angedrohten Angriffs auf die körperliche Unversehrtheit. Gedroht werden muss nämlich gerade mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib oder Leben. Darunter fallen beispielsweise die Konstellationen, in denen der Täter das Opfer mit dem Tod bedroht. Eine Gefahr für Leib oder Leben liegt jedoch nicht schon bei jeder Drohung mit einer Körperverletzung vor.
In allen Fällen des Vorwurfes der sexuellen Nötigung droht daher eine empfindliche Freiheitsstrafe. Eine Geldstrafe ist in diesen Fällen nicht mehr möglich. Umso wichtiger ist die Entwicklung einer frühzeitigen Verteidigungsstrategie. Daher sollte bereits im Ermittlungsverfahren ein auf das Sexualstrafrecht spezialisierter Anwalt kontaktiert werden.
Die Verjährungszeit beträgt bei der sexuellen Nötigung 20 Jahre. Der Verjährungsbeginn ruht jedoch bis zum 30. Lebensjahr des Opfers. Auch durch weitere Umstände kann die Verjährung sich weiter nach hinten verschieben. Eine zuverlässige Berechnung der Verjährungsdauer ist daher nur unter Beachtung aller Umstände des Einzelfalls möglich.
Gerade die sexuelle Nötigung hat viele rechtlich problematische Fragen. Generell müssen im Sexualstrafrecht viele Normen streng ausgelegt werden, so auch die sexuelle Nötigung. Der neue Straftatbestand führt zu Überschneidungen der einzelnen Straftatbestände. Häufig ist nicht klar, ob es sich um einen Sexuellen Übergriff, eine Sexuellen Ausnutzung sonstiger Umstände oder eine sexuellen Nötigung handelt. Auch fehlt es häufig noch an entsprechender Rechtsprechung zu diesen Themen, da der neue Straftatbestand noch sehr jung ist. Hier ergeben sich erhebliche Verteidigungsmöglichkeiten.
Rechtsanwalt Dr. Böttner verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Verteidigung gegen den Vorwurf der sexuellen Nötigung. Wünschen Sie Beratung oder die Vertretung gegen einen Vorwurf aus dem Sexualstrafrecht können Sie uns gerne jederzeit kontaktieren.