Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=22.06.1999&Aktenzeichen=XI%20ZR%20316/98
Timestamp: 2020-02-19 09:27:03
Document Index: 214445271

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 11', '§ 3', '§ 11', '§ 3', '§ 252', '§ 287', '§ 11', '§ 11', '§ 3', '§ 352', '§ 288', '§ 284', '§ 287', '§ 11', '§ 139', 'BGH', 'BGH', '§ 11', '§ 3', '§ 352', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 3', 'BGH']

BGH, 22.06.1999 - XI ZR 316/98 - dejure.org
https://dejure.org/1999,2213
BGH, 22.06.1999 - XI ZR 316/98 (https://dejure.org/1999,2213)
BGH, Entscheidung vom 22.06.1999 - XI ZR 316/98 (https://dejure.org/1999,2213)
BGH, Entscheidung vom 22. Juni 1999 - XI ZR 316/98 (https://dejure.org/1999,2213)
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Revision - Zinsanspruch - Siskontsatz der Deutschen Bundesbank - Grundpfandkredite - Anwendbarkeit des Verbraucherkreditgesetzes - Refinanzierungskosten - Verwaltungskosten des Kreditinsituts - Verzugsschaden - Beiderseitiges Handelsgeschäft
Kein erhöhter Verzugszinsanspruch gem. § 11 Abs. 1 VerbrKrG bei Bürgschaft für zu üblichen Bedingungen abgeschlossenen Grundpfandkredit
VerbrKrG § 3 Abs. 2 Nr. 2, § 11 Abs. 1
VerbrKrG §§ 3, 11; BGB §§ 252, 284; ZPO § 287
Kein erhöhter Verzugszinsanspruch gemäß § 11 Abs. 1 VerbrKrG bei Bürgschaft für zu üblichen Bedingungen abgeschlossenen Grundpfandkredit
VerbrKrG § 11 Abs. 1, § 3 Abs. 2 Nr. 2; HGB § 352 Abs. 1 Satz 1; BGB § 288 Abs. 1, §§ 284 ff.; ZPO § 287
Kein erhöhter Verzugszinsanspruch gem. § 11 Abs.1 VerbrKrG bei Bürgschaft für zu üblichen Bedingungen abgeschlossenen Grundpfandkredit
NJW-RR 1999, 1273
NJW-RR 1999, 1274
ZIP 1999, 1483
WM 1999, 1555
Der Zahlungsantrag ist daher, ohne dass es vorab eines Hinweises bedarf (§ 139 Abs. 2 Satz 1 ZPO), abweisungsreif (…vgl. Senatsurteile vom 28. Oktober 2014 - XI ZR 348/13, BGHZ 203, 115 Rn. 70, vom 22. Juni 1999 - XI ZR 316/98, WM 1999, 1555 f. …und vom 25. Oktober 2016 - XI ZR 387/15, WM 2017, 84 Rn. 39; BGH, Urteil vom 21. November 1991 - I ZR 98/90, NJW-RR 1992, 868, 869 f.).
Dabei stellen die in den Monatsberichten der Deutschen Bundesbank ausgewiesenen Zinssätze einen Anhaltspunkt für die Marktüblichkeit dar (vgl. Senatsurteil vom 22. Juni 1999 - XI ZR 316/98, WM 1999, 1555).
Da Grundpfandkredite erfahrungsgemäß in der Regel niedriger verzinslich sind als Personalkredite (vgl. Senatsurteil vom 22. Juni 1999 - XI ZR 316/98, WM 1999, 1555), bedarf die Frage, ob der hier für einen immerhin teilweise dinglich gesicherten Realkredit vereinbarte - höhere - Zins von 8, 25% damals gleichwohl noch üblich war, jedenfalls weiterer Sachaufklärung.
Der geltend gemachte Zinsanspruch steht der Klägerin auch nicht unter Berücksichtigung der Verzugszinsregelung des § 11 Abs. 1 VerbrKrG zu, da diese auf einen zu den üblichen Bedingungen gewährten Realkredit (§ 3 Abs. 2 Nr. 2 VerbrKrG) oder eine hierfür übernommene Bürgschaft nicht entsprechend anwendbar ist (Senatsurteile vom 18. Februar 1992 - XI ZR 134/91, WM 1992, 566, 567 und vom 22. Juni 1999 - XI ZR 316/98, WM 1999, 1555).
Diese betragen 5%, da der Grundpfandkredit ein beiderseitiges Handelsgeschäft war (§ 352 Abs. 1 Satz 1 HGB; vgl. Senatsurteil vom 22. Juni 1999 - XI ZR 316/98, WM 1999, 1555, 1556).
Bei solchen Krediten können Kreditinstitute ohne Angaben zur Schadenshöhe nicht 5 % Zinsen über dem jeweiligen Diskontsatz der Deutschen Bundesbank als Verzugsschaden verlangen, und zwar auch nicht vom Bürgen (BGH WM 1999, 1555).
Da der durchschnittliche effektive Jahreszins für festverzinsliche Hypothekarkredite mit einer Laufzeit von 5 Jahren im Juli 1990 9, 76 % bei einer Streubreite von 9, 39 % bis 10, 26 % und für Kredite mit Gleitzinsen 9, 64 % bei einer Streubreite von 8, 96 % bis 10, 76 % lag (www.bundesbank.de/statistik) und die Zinsstatistiken der Deutschen Bundesbank zur Beurteilung der Bedingungen einer grundpfandrechtlichen Absicherung herangezogen werden können (BGH, Urteil vom 22. Juni 1999 - XI ZR 316/98 - NJW-RR 1999, 1274), ist das Darlehen mit einer Zinsbindung von nur 4 Jahren zu den damals üblichen Bedingungen für grundpfandrechtlich abgesicherte Darlehensverträge gewährt worden.
Die in den Monatsberichten der Deutschen Bundesbank ausgewiesenen Zinssätze stellen dabei einen Anhaltspunkt für die Marktüblichkeit dar (BGH WM 1999, 1555 ), wobei aber beachtet werden muss, dass nicht jeder Kredit, der einen außerhalb der dort ausgewiesenen Streubreite liegenden effektiven Jahreszins vorsieht, schon deswegen von der Privilegierung des § 3 Abs. 2 Nr. 2 VerbrKrG ausgenommen ist ( OLG Köln WM 2000, 2139; LG Stuttgart WM 2000, 1103).
Eine Bank kann deshalb bei Realkrediten ohne Angaben zur Schadenshöhe Zinsen in Höhe von 5 % über dem jeweiligen Diskontsatz als Verzugsschadensersatz nur verlangen, wenn der Kredit nicht zu für Realkredite üblichen Bedingungen gewährt worden ist (BGH ZIP 1992, 389; ZIP 1999, 1483).