Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=III%20ZR%20104/05
Timestamp: 2019-03-26 15:32:47
Document Index: 104850771

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 180', '§ 182', '§ 180', '§ 182', 'BGH', 'BGH', '§ 526', 'Art. 101', 'BGH', 'BGH', '§ 180', 'BGH', '§ 182', '§ 418', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 418', 'BGH', '§ 418', '§ 418', '§ 418', 'BGH', 'BGH', '§ 3', '§ 180', 'BGH', '§ 56', '§ 180']

BGH, 10.11.2005 - III ZR 104/05 - dejure.org
ZPO § 180, § 182 Abs. 2 Nr. 4
Ersatzzustellung: Beschreibung der Empfangsvorrichtung; Nachweis der Wirksamkeit einer Ersatzzustellung; Anforderungen an die Darlegung einer verspäteten Zustellung; Beginn einer Rechtsmittelfrist mit der Zustellung eines Vollstreckungsbescheids; Pflicht zur Darlegung eines Fehlverhaltens eines Zustellers
Keine Angabe der "ähnlichen Vorrichtung" in Zustellungsurkunde
ZPO § 180 § 182 Abs. 2 Nr. 4
Anforderungen an die Bezeichnung der Empfangseinrichtung bei Ersatzzustellung durch Einwurf
Verfahrensrecht - Ersatzzustellung: Angabe der Empfangseinrichtung unnötig
AG Hamburg-Harburg, 28.04.2004 - 642 C 160/04
LG Hamburg, 10.03.2005 - 304 S 30/04
NJW 2006, 150
FamRZ 2006, 199
Der Einzelrichter ist durch den Übertragungsbeschluss des Kollegiums zur Entscheidung über die Berufung befugt, auch wenn das Kollegium die grundsätzliche Bedeutung der Sache von ihm abweichend beurteilt hat (vgl. BGH, Urteile vom 16. Juli 2003 - VIII ZR 286/02, NJW 2003, 2900, 2901; vom 16. Juni 2004 - VIII ZR 303/03, NJW 2004, 2301; vom 10. November 2005 - III ZR 104/05, NJW 2006, 150 Rn. 9).
Dieser Regelungssystematik des Gesetzes kann entnommen werden, dass der Einzelrichter nach dem Willen des Gesetzgebers durch den Übertragungsbeschluss des Kollegiums auch in den Fällen zur Entscheidung über die Berufung befugt ist, in denen er, ohne dass sich die Prozesslage wesentlich anders darstellt, die Frage der Grundsatzbedeutung lediglich abweichend von der Auffassung des Kollegiums beurteilt (vgl. Senat, Urteil vom 10. November 2005 - III ZR 104/05, NJW 2006, 150 Rn. 9 f mwN; BGH, Beschluss vom 16. Juli 2003 - VIII ZR 286/02, NJW 2003, 2900 f;… Zöller/ Heßler, ZPO, 32. Aufl., § 526 Rn. 12).
Die durch den Einzelrichter wegen Grundsätzlichkeit zugelassene Revision führt - im Unterschied zu einer Zulassung der Rechtsbeschwerde - nicht schon wegen Verstoßes gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG zur Aufhebung der angefochtenen Entscheidung (BGHZ 158, 74, 75 f; BGH, Urt. v. 10. November 2005 - III ZR 104/05, NJW 2006, 150 f m.w.N.).
Im Falle des § 180 ZPO erfordert er deshalb den Beleg für eine objektive Falschbeurkundung des Zustellers in der Weise, dass die Beweiswirkung der Zustellungsurkunde vollständig entkräftet und jede Möglichkeit der Richtigkeit der in ihr niedergelegten Tatsachen ausgeschlossen ist (u.a. Anschluss an BGH NJW 2006, 150 ff. = DAR 2006, 91 ff. und OLG Frankfurt NStZ-RR 2011, 147 f.).
Die Postzustellungsurkunde ist nach § 182 Abs. 1 Satz 2, § 418 ZPO eine öffentliche Urkunde und begründet daher den vollen Beweis der in ihr bezeugten Tatsachen, mithin insbesondere die Einlegung der Ladung in einen zur Wohnung gehörenden Briefkasten oder eine ähnliche Einrichtung (BGH NJW 2006, S. 150, 151).
Notwendig ist vielmehr der vollständige Beweis der Unrichtigkeit der in der Urkunde bezeugten Tatsachen (BGH NJW 2006, S. 150, 151).
Notwendig ist der volle Beweis in der Weise, dass die Beweiswirkung der Zustellungsurkunde vollständig entkräftet und jede Möglichkeit der Richtigkeit der in ihr niedergelegten Tatsachen ausgeschlossen ist (BGH, Urteil vom 10. November 2005 - III ZR 104/05 - Rn. 12, juris = NJW 2006, 150; BFH…, Urteil vom 21. Januar 2015 - X R 16/12 - Rn. 31, juris = GmbHR 2015, 776).
Die Beweiswirkung der Zustellungsurkunde muss vollständig entkräftet werden (BGH NJW 2006, 150, 151).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, die von den übrigen Obergerichten geteilt wird und die auch mit der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts in Einklang steht, kann die Beweiskraft einer Zustellungsurkunde, die gemäß § 418 Abs. 1 ZPO den vollen Beweis der darin bezeugten Tatsachen erbringt, nur durch die substantiierte Darlegung und den Nachweis des Gegenteils zerstört werden; die nur pauschale Behauptung, das zugestellte Schriftstück nicht bekommen zu haben, entkräftet die Richtigkeit der Zustellungsurkunde nicht (vgl. BGH, Urt. v. 10. November 2005 - III ZR 104/05, NJW 2006, 150; BSG, Beschl. v. 27. Januar 2005 - B 7a/7 AL 194/04 B;… BFH, BFH/NV 2004, 509 Rn. 10;… BVerfG NJW-RR 2002, 1008 Rn. 3 f;… Hk-ZPO/Eichele, 2. Aufl. § 418 Rn. 4;… Musielak/Huber, ZPO 6. Aufl. § 418 Rn. 5;… Zöller/Geimer, ZPO 26. Aufl. § 418 Rn. 4).
Notwendig ist der volle Beweis in der Weise, dass die Beweiswirkung der Zustellungsurkunde vollständig entkräftet und jede Möglichkeit der Richtigkeit der in ihr niedergelegten Tatsachen ausgeschlossen ist (vgl. BGH, Urt. v. 10. November 2005 aaO Rn. 12).
Der Antragsteller könnte dementsprechend den Beweis zu erbringen versuchen, dass das Schreiben entgegen der Behauptung in der Urkunde nicht in den Briefkasten gelegt worden ist (vgl. BGH, Urteil vom 10.11.2005 - III ZR 104/05 - NJW 2006, 150 Tz. 12; BayVGH…, Beschluss vom 31.03.2016 - 11 CS 16.310 - juris Rn. 4).
Zu einer ordnungsgemäßen (Ersatz-)Zustellung gemäß § 3 Abs. 2 Satz 1 LVwZG i. V. m. § 180 Satz 1 ZPO gehört es entgegen der Auffassung des Antragstellers nicht, dass der Adressat der Zustellung das zuzustellende Schriftstück auch tatsächlich zur Kenntnis nimmt (vgl. nur BVerwG, Beschluss vom 02.08.2007 - 2 B 20.07 - NJW 2007, 3222 Tz. 3; BGH, Urteil vom 10.11.2005 - III ZR 104/05 - NJW 2006, 150 Tz. 12 und Beschluss des Senats für Anwaltssachen vom 24.04.2007 - AnwZ (B) 93/06 - NJW 2007, 2186 Tz. 6; BSG, Urteil vom 27.05.2008 - B 2 U 5/07 R - NZS 2013, 413 Tz. 11;… Meissner/Schenk in Schoch/Schneider/Bier, VwGO, § 56 Rn. 57b;… Stöber in Zöller, ZPO, 31. Aufl., § 180 Rn. 4).
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