Source: http://m.hensche.de/Befristung_Arbeitsvertrag_Sachgrund_Haushaltsbefristung_erlaubt_keine_jahrelange_Kettenbefristung_EuGH-Schlussantraege_Jaeaeskinen_C313-10_Jansen.html
Timestamp: 2017-07-21 20:45:12
Document Index: 136962828

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 14', '§ 14', '§ 14', 'EuG', 'EuG']

HENSCHE Arbeitsrecht: Befristung des Arbeitsvertrags: Der Sachgrund Haushaltsbefristung erlaubt keine jahrelange Kettenbefristung
28.09.2011. Im Jahr 1999 ei­nig­ten sich Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter auf EU-Ebe­ne über ei­ne „Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­ver­trä­ge“, die an­schlie­ßend in die Richt­li­nie 1999/70/EG über­nom­men wur­de. Ein wich­ti­ges Ziel der Rah­men­ver­ein­ba­rung bzw. der Richt­li­nie 1999/70/EG ist es, den Miss­brauch von be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trä­gen durch vie­le auf­ein­an­der fol­gen­de Zeit­ver­trä­ge („Ket­ten­be­fris­tung“) zu ver­mei­den. Um ei­nen sol­chen Miss­brauch von Ar­beits­ver­trags­be­fris­tun­gen zu er­rei­chen, kön­nen die EU-Mit­glieds­staa­ten Ver­län­ge­run­gen be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trä­ge nur im Fal­le ei­nes „sach­li­chen Grund“ er­lau­ben (§ 5 Nr. 1 a der Rah­men­ver­ein­ba­rung), wie dies in Deutsch­land gel­ten­des Recht ist, und/oder sie kön­nen die ins­ge­samt zu­läs­si­ge Höchst­dau­er be­fris­te­ter Ver­trä­ge und/oder die Höchst­zahl von Ver­trags­ver­län­ge­run­gen ein­gren­zen.
Verstoßen Kettenbefristungen und die Befristung aus Haushaltsgründen gegen europäisches Recht?
An sich enthält das Tz­B­fG vie­le Be­schränkun­gen der Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen: Es schreibt ei­ne Ober­gren­ze von zwei Jah­ren für Zeit­verträge vor, die al­ler­dings nur ein­greift, wenn es kei­nen „sach­li­chen Grund“ für die Be­fris­tung gibt (§ 14 Abs.2-3 Tz­B­fG). Darüber hin­aus, d.h. bei ei­ner länge­ren (Ge­samt-)Dau­er von zeit­lich be­fris­te­ten Verträgen, ver­langt das Tz­B­fG ei­nen Sach­grund für die Be­fris­tung - dann aber gel­ten kei­ne zeit­li­chen Höchst­gren­zen. Das nut­zen ei­ni­ge Ar­beit­ge­ber aus, vor al­lem im öffent­li­chen Dienst, um un­ter Be­ru­fung auf den Be­fris­tungs­grund der Ver­tre­tung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers (§ 14 Abs.1 Satz 2 Nr.3 Tz­B­fG) und/oder der haus­halts­recht­li­chen Vor­ga­ben (§ 14 Abs.1 Satz 2 Nr.7 Tz­B­fG) Ar­beit­neh­mer in langjähri­ge Ket­ten­be­fris­tun­gen zu drängen.
Vie­le Ar­beit­neh­mer im öffent­li­chen Dienst wer­den auf die­ser Grund­la­ge bis zu zehn Jah­ren und länger "in der Ket­te" be­fris­tet beschäftigt. Da liegt es na­he, dies als Miss­brauch der Be­fris­tungsmöglich­keit an­zu­se­hen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) über­prüfte aber sol­che Be­fris­tungs­ket­ten (bzw. die zu­letzt ver­ein­bar­te Be­fris­tung ei­ner sol­chen Ket­te) bi­ser nicht stren­ger als an­de­re Be­fris­tun­gen. Erst in letz­ter Zeit äußer­te es Zwei­fel an sei­ner Recht­spre­chung. Auch das Lan­des­ar­beitstge­richt (LAG) Köln hat­te Be­den­ken und frag­te da­her den Eu­ropäischen Ge­richts­hof (EuGH) mit Be­schluss vom 13.04.2010 (7 Sa 1224/09), ob die an­geb­li­chen Sach­gründe bei langjähri­gen Ket­ten­be­fris­tun­gen stren­ger als sonst über­prüft wer­den müssen (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 10/140 Sind Ket­ten­be­fris­tun­gen aus Haus­halts­gründen eu­ro­pa­rechts­wid­rig?). Ja, so je­den­falls der Ge­ne­ral­an­walt beim EuGH Jääski­nen in sei­nem Schluss­anträgen in die­sem Ver­fah­ren (Schluss­anträge vom 15.09.2011, C-313/10, Jan­sen).
Generalanwalt Jääskinen: Kettenbefristungen müssen umfassend auf Missbrauch überprüft werden, und beim Sachgrund darf nicht zwischen öffentlich und privat unterschieden werden