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Timestamp: 2016-10-23 08:01:22
Document Index: 321137630

Matched Legal Cases: ['Art. 30', 'Art. 86', 'Art. 90', 'Art. 82', 'BGE', 'BGE', 'Art. 30', 'BGE', 'Art. 30', 'Art. 83', 'Art. 89', 'Art. 83', 'BGE', 'Art. 10', 'Art. 116', 'Art. 106', 'BGE', 'BGE', 'Art. 95', 'Art. 96', 'Art. 106', 'BGE', 'Art. 106', 'BGE', 'Art. 105', 'Art. 95', 'Art. 97', 'Art. 105', 'BGE', 'Art. 97', 'Art. 29', 'Art. 6', 'Art. 29', 'BGE', 'Art. 29', 'Art. 6', 'Art. 6', 'EGMR', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 43', 'Art. 51', 'Art. 62', 'Art. 63', 'Art. 62', 'Art. 90', 'Art. 63', 'Art. 62', 'Art. 8', 'BGE', 'BGE', 'EGMR', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 63', 'Art. 62', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 68']

2C_813/2012 (21.03.2013)
2C_813/2012
2. Y.________, vertreten durch Frau X.________,
Departement des Innern des Kantons Solothurn, vertreten durch Amt f�r �ffentliche Sicherheit, Ambassadorenhof, 4509 Solothurn.
Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Solothurn vom 31. Juli 2012.
A.a Die t�rkische Staatsangeh�rige X.________ (geb. 1982) ehelichte am 6. November 2000 in der T�rkei den in der Schweiz niederlassungsberechtigten V.________. Dieser beantragte am 15. Januar 2001 die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung f�r X.________ im Rahmen des Familiennachzugs.
Am 12. M�rz 2001 ging beim damaligen Amt f�r Ausl�nderfragen (heute: Amt f�r �ffentliche Sicherheit, Abteilung Migration und Schweizer Ausweise) des Kantons Solothurn ein am 28. Juni 2000 datiertes Schreiben von Q.________ ein, in welchem dieser angab, X.________ sei "eigentlich" die Frau des Bruders von V.________, W.________. V.________ habe X.________ nur geheiratet, damit diese in die Schweiz kommen und nach der Scheidung von V.________ ihren tats�chlichen Mann in die Schweiz nachziehen lassen k�nne. Anl�sslich einer Befragung am 17. April 2001 bestritt V.________ diese Anschuldigungen, worauf X.________ am 21. Juni 2001 die Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde. Sie reiste am 27. Juli 2001 in die Schweiz ein.
Am 22. August 2001 reichte Q.________ ein weiteres, diesmal handschriftlich verfasstes Schreiben beim damaligen Amt f�r Ausl�nderfragen ein und wiederholte seine Anschuldigungen vom 28. Juni 2000. Ferner ging dort ein am 4. September 2001 datiertes, teilweise handschriftlich verfasstes, jedoch in Blockschrift unterzeichnetes Schreiben eines U.________ (ohne Adressangabe) mit dem gleichen Inhalt ein.
X.________ hielt sich im August und September 2001 ferienhalber in der T�rkei auf. Am 26. Mai 2002 wurde die Tochter Y.________ in der Schweiz geboren und als Tochter von X.________ und V.________ im Zivilstandsregister eingetragen.
X.________ erhielt am 30. Juni 2006 die Niederlassungsbewilligung. Die Ehe mit V.________ wurde am 17. September 2007 in der T�rkei geschieden.
A.b Am 10. Juli 2009 heirateten X.________ und W.________.
In Beantwortung eines Fragenkatalogs des damaligen Amts f�r Ausl�nderfragen vom 4. November 2009 gab X.________ am 10. Februar 2010 an, sie sei vor der Eheschliessung mit V.________ nie mit dessen Bruder W.________ verheiratet gewesen, weder zivilrechtlich noch religi�s. Sie habe auch keine Kinder mit ihm. Sie und W.________ h�tten einander n�her kennengelernt, nachdem die Ehe mit V.________ zu Ende gegangen sei.
In der Folge traf das Amt f�r �ffentliche Sicherheit Vorbereitungen f�r die Durchf�hrung eines DNA-Tests bei W.________, um dessen Vaterschaft in Bezug auf Y.________ festzustellen bzw. auszuschliessen. W.________ erkl�rte sich jedoch am 7. Juni 2010 mit der Entnahme einer DNA-Probe nicht einverstanden.
A.c Am 14. April 2011 teilte das Amt f�r �ffentliche Sicherheit X.________ mit, es beabsichtige die Niederlassungsbewilligung zu widerrufen und auf das Familiennachzugsgesuch zugunsten von W.________ nicht einzutreten.
Mit Stellungnahme vom 19. Mai 2011 machte X.________ geltend, sie sei die Ehe mit V.________ nicht zum Schein eingegangen. Die Meinungsverschiedenheiten, welche bereits wenige Monate nach ihrer Einreise in die Schweiz aufgetreten seien, seien nicht un�berwindlich gewesen, weshalb sie und V.________ bis Mitte 2002 im gleichen Haushalt gelebt h�tten. Entscheidend f�r ihren Scheidungswillen sei der Umstand gewesen, dass V.________ nicht der biologische Vater von Y.________ sei, sondern dessen Bruder W.________, mit dem sie w�hrend ihres Ferienaufenthalts im August 2001 eine aussereheliche Aff�re gehabt habe.
Auf Ersuchen von X.________ fand am 1. Juni 2011 eine Besprechung im Amt f�r �ffentliche Sicherheit statt. Dabei gab X.________ an, weder V.________ noch W.________ w�ssten, dass V.________ nicht Y.________s leiblicher Vater sei. Ihre Beziehung zu W.________ habe acht Monate nach der Heirat mit V.________ begonnen. Sie habe den Brauch gebrochen, indem sie w�hrend der Ehe ein Kind mit einem anderen Mann gezeugt habe. Sollte die Familie davon erfahren, m�sste sie daf�r get�tet werden. Sie habe Angst vor ihrer eigenen Familie und der Familie ihres Ehemannes.
Am 17. Februar 2012 widerrief das Departement des Innern des Kantons Solothurn (nachfolgend: Departement) die Niederlassungsbewilligungen von X.________ und Y.________ und wies sie aus der Schweiz weg. Ferner ordnete es an, infolge Widerrufs der Niederlassungsbewilligung werde auf das Familiennachzugsgesuch f�r W.________ nicht eingetreten.
Das Verwaltungsgericht des Kantons Solothurn (nachfolgend: Verwaltungsgericht) wies die von X.________ und Y.________ erhobene Beschwerde mit Urteil vom 31. Juli 2012 ab.
X.________ und Y.________ erheben am 28. August 2012 Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht und beantragen, das angefochtene Urteil aufzuheben, die Streitsache zur Durchf�hrung einer m�ndlichen Verhandlung an das Verwaltungsgericht zur�ckzuweisen, festzustellen, es liege ein H�rtefall gem�ss Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG (SR 142.20) vor, und den Familiennachzug f�r W.________ zu bewilligen.
Das Verwaltungsgericht und das Departement beantragen die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden k�nne. Das Bundesamt f�r Migration schliesst ebenfalls auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Pr�sidialverf�gung vom 4. September 2012 ist der Beschwerde antragsgem�ss aufschiebende Wirkung zuerkannt worden.
1.1 Angefochten ist der letztinstanzliche, verfahrensabschliessende Entscheid eines kantonalen Gerichts auf dem Gebiet des �ffentlichen Rechts, welcher grunds�tzlich der Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten unterliegt (vgl. Art. 86 Abs. 1 lit. d BGG, Art. 90 BGG, Art. 82 lit. a BGG). Gegen Entscheide �ber den Widerruf einer Niederlassungsbewilligung ist die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten zul�ssig, weil grunds�tzlich ein Anspruch auf das Fortbestehen dieser Bewilligung gegeben ist (BGE 135 II 1 E. 1.2.1 S. 4). Ob der Anspruch auf Weiterbestehen der Niederlassungsbewilligung im konkreten Fall zu bejahen ist, betrifft nicht die Eintretensfrage, sondern die materielle Behandlung der Beschwerde (BGE 136 II 177 E. 1.1 S. 179). Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ist somit zul�ssig, soweit sie sich auf den Widerruf der Niederlassungsbewilligung der Beschwerdef�hrerinnen bezieht.
Der Antrag, der Familiennachzug sei zu bewilligen, ist hingegen unzul�ssig, weil die Vorinstanz lediglich den Nichteintretensentscheid des Departements hinsichtlich des Gesuchs um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung f�r den Ehemann der Beschwerdef�hrerin 1 gesch�tzt hat.
Soweit die Beschwerdef�hrerinnen sinngem�ss geltend machen, ihnen sei gest�tzt auf Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG eine H�rtefallbewilligung zu erteilen, ist darauf nicht einzutreten. Diese Bewilligung stellt eine Ermessensbewilligung dar (BGE 137 II 345 E. 3.2.1), auf die von Bundesrechts wegen kein Anspruch besteht. Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen die Nichterteilung einer Bewilligung gest�tzt auf Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG ist gem�ss Art. 83 lit. c Ziff. 2 BGG ausgeschlossen.
Streitgegenstand bildet demnach der vorinstanzliche Entscheid, den Widerruf der Niederlassungsbewilligung der Beschwerdef�hrerinnen und den Nichteintretensentscheid betreffend Familiennachzug von W.________ zu best�tigen. Der Antrag auf Durchf�hrung einer �ffentlichen Verhandlung vor der Vorinstanz ist als Begr�ndung f�r den Antrag auf Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils zu verstehen.
1.2 Die Beschwerdef�hrerinnen sind gem�ss Art. 89 Abs. 1 BGG zur Erhebung der Beschwerde legitimiert.
1.3 Die �brigen Sachurteilsvoraussetzungen sind ebenfalls erf�llt, so dass auf die Beschwerde - mit den erw�hnten Einschr�nkungen - einzutreten ist.
1.4 Soweit sich die Beschwerdef�hrerinnen gegen die ihnen auferlegte Ausreiseverpflichtung zur Wehr setzen, ist auf die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nicht einzutreten, da Entscheide betreffend die Wegweisung gem�ss Art. 83 lit. c Ziff. 4 BGG davon ausgeschlossen sind. Diesbez�glich st�nde den Beschwerdef�hrerinnen - unter gewissen Voraussetzungen (vgl. BGE 137 II 305) - die subsidi�re Verfassungsbeschwerde offen, in deren Rahmen eine Verletzung des Rechts auf Leben und auf pers�nliche Freiheit gem�ss Art. 10 Abs. 1 und 2 BV ger�gt werden k�nnte. Die Verfassungsr�ge muss indessen rechtsgen�glich begr�ndet sein (vgl. Art. 116 BGG in Verbindung mit Art. 106 Abs. 2 BGG); auf rein appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid tritt das Bundesgericht nicht ein (BGE 136 II 489 E. 2.8 S. 494). Es pr�ft die Verletzung von Grundrechten nur insoweit, als diese klar, sachbezogen und falls m�glich belegt dargetan werden (BGE 137 II 305 E. 3.3 S. 310). Die �usserungen in der Beschwerdeschrift, wonach der Wegweisungsentscheid f�r die Beschwerdef�hrerin 1 lebensbedrohende Konsequenzen haben k�nne, gen�gen diesen Anforderungen nicht. Auf die (sinngem�ss erhobene) subsidi�re Verfassungsbeschwerde ist daher nicht einzutreten.
2.1 Mit der Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann eine Rechtsverletzung nach Art. 95 und Art. 96 BGG ger�gt werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist folglich weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erw�gungen der Vorinstanz gebunden (BGE 133 II 249 E. 1.4.1 S. 254). In Bezug auf die Verletzung von Grundrechten gilt eine qualifizierte R�ge- und Substanziierungspflicht (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.4.2 S. 254).
2.2 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den von der Vorinstanz festgestellten Sachverhalt zugrunde (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Feststellung des Sachverhalts kann nur beanstandet bzw. vom Bundesgericht von Amtes wegen berichtigt oder erg�nzt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinn von Art. 95 BGG beruht (Art. 97 Abs. 1 BGG bzw. Art. 105 Abs. 2 BGG). Eine entsprechende R�ge, welche rechtsgen�glich substanziiert vorzubringen ist (vgl. BGE 133 II 249 E. 1.4.3 S. 254), setzt zudem voraus, dass die Behebung des Mangels f�r den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG).
Die Beschwerdef�hrerinnen beanstanden, dass die Vorinstanz es unterlassen habe, eine m�ndliche Verhandlung durchzuf�hren. Darin liege eine Verletzung des rechtlichen Geh�rs im Sinn von Art. 29 Abs. 2 BV und allenfalls des Anspruchs auf ein faires Verfahren gem�ss Art. 6 Ziff. 1 EMRK.
3.1 Die Beschwerdef�hrerinnen verkennen, dass aus Art. 29 Abs. 2 BV kein Recht auf m�ndliche Anh�rung fliesst (BGE 134 I 140 E. 5.3 S. 148). Sie hatten im Rahmen des Schriftenwechsels vor der Vorinstanz Gelegenheit, ihren Standpunkt darzulegen. Der Anspruch auf rechtliches Geh�r im Sinn von Art. 29 Abs. 2 BV ist somit gewahrt.
3.2 Art. 6 Ziff. 1 EMRK garantiert die �ffentlichkeit von gerichtlichen Verfahren, in denen �ber "zivilrechtliche Anspr�che" befunden wird. Entscheide �ber die Einreise, den Aufenthalt und die Entfernung ausl�ndischer Personen betreffen keine zivilrechtlichen Anspr�che im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 EMRK (Nichtzulassungsentscheid des EGMR Ilic gegen Kroatien vom 19. September 2000 [Nr. 42389/98 ]). Die Bestimmung kommt daher im Verfahren betreffend den Widerruf der Niederlassungsbewilligung nicht zur Anwendung.
Die Beschwerdef�hrerinnen r�gen sodann eine willk�rliche Beweisw�rdigung durch die Vorinstanz. Die durch Q.________ und U.________ ge�usserten Vorbringen seien haltlos; ohne �berpr�fung h�tte den entsprechenden Schreiben keine Beweiskraft zuerkannt werden d�rfen.
4.1 Die Vorinstanz qualifiziert die Ehe der Beschwerdef�hrerin 1 mit V.________ gest�tzt auf die Schreiben von Q.________ vom 28. Juni 2000 und vom 22. August 2001 sowie auf jenes von U.________ vom 4. September 2001 als Scheinehe. In einer Eventualbegr�ndung h�lt sie sodann fest, selbst ohne die Annahme einer Scheinehe sei die Niederlassungsbewilligung zu widerrufen, weil die Beschwerdef�hrerin 1 diese auf rechtsmissbr�uchliche Weise erlangt habe. Die R�ge der willk�rlichen Sachverhaltsfeststellung ist zul�ssig, weil das Abstellen auf die genannten Schreiben den Schluss einer Scheinehe nahelegt und eine andere Sachverhaltsw�rdigung somit den Ausgang des Verfahrens beeinflussen kann (vgl. E. 2.2).
4.2 Die Beschwerdef�hrerinnen hatten im Verfahren vor der Vorinstanz geltend gemacht, die beiden Schreiben von August und September 2001 seien vermutlich von der gleichen Person verfasst worden und k�nnten deshalb nicht als glaubw�rdig gelten. Die Urheberschaft dieser Schreiben sei zwingend zu kl�ren.
Die Vorinstanz wies diesen Beweisantrag im angefochtenen Urteil sinngem�ss ab und erwog, es sei nicht weiter beachtlich, ob das Schreiben von U.________ vom 4. September 2001 eine F�lschung darstelle. Zumindest eine Person habe zuvor gewusst, dass sich die Beschwerdef�hrerin 1 nach Erhalt der Niederlassungsbewilligung von V.________ scheiden lassen und W.________ in die Schweiz nachzuziehen versuchen w�rde. In ihrer Vernehmlassung vom 24. September 2012 h�lt die Vorinstanz daf�r, aufgrund des voraussagenden Charakters h�tten diese Schreiben so grosse Beweiskraft, dass eine Befragung dieser Personen vor Gericht nicht notwendig erschienen sei.
Bereits eine oberfl�chliche Betrachtung der beiden Schreiben vom 22. August 2001 (Absender: Q.________) und vom 4. September 2001 (Absender: U.________) zeigt, dass die beiden Handschriften grosse �hnlichkeit aufweisen. Dessen ungeachtet geht die Vorinstanz von zwei Personen als Urheber aus und stellt auf die entsprechenden Aussagen ab. In den Akten finden sich keine Hinweise darauf, dass die Vorinstanz die Identit�t der beiden Personen gekl�rt h�tte. Dies w�re - sofern die Schreiben als Beweismittel dienen sollten - aufgrund der �hnlichkeit der Handschrift und der Tatsache, dass das Schreiben von U.________ keine individuelle Unterschrift enth�lt, notwendig gewesen. Infolge der ungekl�rten Urheberschaft des Schreibens von U.________ ist die Glaubw�rdigkeit von Q.________ in Frage gestellt. Die erw�hnten Schreiben taugen daher f�r sich genommen nicht als Beweismittel f�r die Annahme, es habe sich bei der Ehe zwischen der Beschwerdef�hrerin 1 und V.________ um eine Scheinehe gehandelt.
4.3 Ob die Vorinstanz zu Recht angenommen hat, der Sachverhalt der Scheinehe sei dadurch erstellt, dass die Ereignisse sich so zugetragen haben, wie "zumindest eine Person" im voraus vermutet habe, kann letztlich offen bleiben. Auch ohne Nachweis einer Scheinehe durften die Niederlassungsbewilligungen der Beschwerdef�hrerinnen widerrufen werden, wie nachfolgend darzulegen ist.
5.1 Die Beschwerdef�hrerin 1 macht geltend, sie habe die Migrationsbeh�rde zu keinem Zeitpunkt �ber rechtsrelevante Umst�nde t�uschen wollen. Bis kurz vor der Scheidung habe sie geglaubt, die Ehe mit V.________ retten zu k�nnen.
Im erstinstanzlichen Verfahren gab die Beschwerdef�hrerin 1 zu, die Haushaltsgemeinschaft mit V.________ bereits Mitte 2002 aufgel�st zu haben. Ihr vor Bundesgericht ge�ussertes Vorbringen, sie habe noch im Jahr 2007 - f�nf Jahre sp�ter und ohne dass in der Zwischenzeit die Ehegemeinschaft wieder aufgenommen worden w�re - an der Ehe festhalten wollen, erscheint nicht glaubhaft. Im �brigen ist f�r die F�hrung einer Ehegemeinschaft im ausl�nderrechtlichen Sinn der Ehewille beider Gatten erforderlich; das alleinige Festhalten eines Ehegatten an der Ehe hindert deren definitives Scheitern nicht. Aufgrund der massgeblichen Sach- und Rechtslage ist aber diese Frage hier nicht weiter von Belang (vgl. E. 5.2).
5.2 Die Niederlassungsbewilligung war der Beschwerdef�hrerin 1 gest�tzt auf Art. 17 Abs. 2 zweiter Satz des (per 1. Januar 2008 aufgehobenen) Bundesgesetzes vom 26. M�rz 1931 �ber Aufenthalt und Niederlassung der Ausl�nder (ANAG; BS 1 121) erteilt worden; die Beschwerdef�hrerin 2 hatte die Niederlassungsbewilligung gest�tzt auf Art. 17 Abs. 2 dritter Satz ANAG erhalten. Die in der Schweiz gelebte Ehegemeinschaft der Beschwerdef�hrerin 1 mit V.________ hatte am 27. Juli 2001 begonnen und Mitte 2002 geendet; sie dauerte somit weniger als ein Jahr. Die Voraussetzung des in jenem Zeitpunkt anwendbaren Art. 17 Abs. 2 ANAG, wonach der (ausl�ndische) Ehegatte einer aufenthaltsberechtigten ausl�ndischen Person Anspruch auf Erteilung und Verl�ngerung der Aufenthaltsbewilligung hat, solange die Ehegatten zusammen wohnen, war somit nach Aufl�sung der ehelichen Gemeinschaft Mitte 2002 nicht mehr erf�llt; zur Erteilung einer Niederlassungsbewilligung w�re es nie gekommen. Da der Bewilligungswiderruf nach Inkrafttreten des AuG am 1. Januar 2008 erfolgte, sind daf�r die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen heranzuziehen. Die ehemals in Art. 17 Abs. 2 ANAG geregelten Anspr�che auf Familiennachzug sind in Art. 43 Abs. 2 und 3 AuG niedergelegt. Gem�ss Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG erl�schen diese Anspr�che, wenn Widerrufsgr�nde nach Art. 62 AuG vorliegen. Die Niederlassungsbewilligung kann gest�tzt auf Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 62 lit. a AuG widerrufen werden, wenn die ausl�ndische Person im Bewilligungsverfahren falsche Angaben macht oder wesentliche Tatsachen verschwiegen hat. Nach Art. 90 lit. a AuG m�ssen die ausl�ndischen Personen an der Feststellung des massgebenden Sachverhalts mitwirken und dabei insbesondere zutreffende und vollst�ndige Angaben �ber die f�r die Regelung des Aufenthalts wesentlichen Tatsachen machen. Die ausl�ndische Person ist somit verpflichtet, den Beh�rden wahrheitsgetreu �ber alles Auskunft zu geben, was f�r den Bewilligungsentscheid massgebend sein kann. Nach der Rechtsprechung sind dabei nicht nur Umst�nde wesentlich, nach denen die Migrationsbeh�rde ausdr�cklich fragt, sondern auch solche, von denen die ausl�ndische Person wissen muss, dass sie f�r den Bewilligungsentscheid massgeblich sein k�nnen. Insbesondere muss die ausl�ndische Person der Migrationsbeh�rde Mitteilung machen, wenn die eheliche Gemeinschaft nicht mehr gelebt wird (Urteil 2C_15/2011 vom 31. Mai 2011 E. 4.2.1).
5.3 In den Gesuchen um Verl�ngerung der Aufenthaltsbewilligung vom 31. Mai 2002, 12. Mai 2003, 13. Mai 2004 und 18. Mai 2005 gab die Beschwerdef�hrerin 1 jeweils an, sie wohne mit ihrem Ehemann im gleichen Haushalt. Nach ihrer eigenen Aussage traf dies jedoch ab Mitte 2002 nicht mehr zu. Aus der expliziten Fragestellung in den Gesuchsformularen geht ohne Weiteres hervor, dass die Angaben zu den aktuellen Wohn-, Lebens- und Erwerbsverh�ltnissen f�r die Bearbeitung des Gesuchs von Bedeutung sind. Der Beschwerdef�hrerin 1 musste klar sein, dass sie mit ihren fortgesetzten unwahren Angaben betreffend ihre Ehesituation die Beh�rde t�uschte.
Auch im Gesuch um Erteilung einer Niederlassungsbewilligung vom 23. Mai 2006 gab die Beschwerdef�hrerin 1 an, sie lebe mit V.________ zusammen. Anl�sslich der Erteilung der Niederlassungsbewilligung am 30. Juni 2006 wurde der Beschwerdef�hrerin 1 ein Informationsschreiben ausgeh�ndigt, in dem explizit darauf hingewiesen wurde, die Niederlassungsbewilligung k�nne wieder entzogen werden, wenn sie durch falsche Angaben oder wissentliches Verschweigen wesentlicher Tatsachen erschlichen worden sei.
5.4 Unter diesen Umst�nden musste die Tatsache, dass die Beschwerdef�hrerin 1 die Migrationsbeh�rde jahrelang nicht �ber die Aufhebung des gemeinsamen Haushalts informierte, zum Widerruf der Niederlassungsbewilligung f�hren. Es ist evident, dass die Beschwerdef�hrerin 1 die Niederlassungsbewilligung durch falsche Angaben betreffend die F�hrung einer Ehegemeinschaft erschlichen hat. Ihr Einwand, sie habe dies nicht gewollt, kann insbesondere mit Blick auf das Informationsschreiben vom 30. Mai 2006 nicht geh�rt werden. Der Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 62 lit. a AuG ist somit erf�llt.
Die Beschwerdef�hrerinnen machen geltend, der Widerruf der Niederlassungsbewilligungen sei unverh�ltnism�ssig. Zudem sei Art. 8 Ziff. 1 EMRK verletzt, wenn die Tochter Y.________ von ihrem gesetzlichen Vater V.________ getrennt werde.
6.1 Zu Gunsten der Beschwerdef�hrerin 1 f�llt ins Gewicht, dass sie beruflich integriert und finanziell unabh�ngig ist. Auch strafrechtlich ist sie nicht in Erscheinung getreten. Ihr Vorbringen, sie habe sich tadellos verhalten, trifft jedoch nicht zu, nachdem sie die Migrationsbeh�rde jahrelang get�uscht und damit eine Niederlassungsbewilligung erschlichen hat. Vor diesem Hintergrund spielt die Dauer ihres Aufenthalts in der Schweiz von ungef�hr zehn Jahren eine untergeordnete Rolle. Im �brigen ist nicht ersichtlich, dass die Beschwerdef�hrerin 1 besonders gut integriert w�re, spricht sie doch nach dieser relativ langen Zeit kaum Deutsch und ist mit einem in der T�rkei lebenden Mann verheiratet. Unter diesen Umst�nden erscheint eine R�ckkehr dorthin f�r die noch junge Beschwerdef�hrerin 1 durchaus zumutbar.
6.2 Die im Zeitpunkt des angefochtenen Urteils zehnj�hrige Beschwerdef�hrerin 2 ist in der Schweiz geboren. Es mag zutreffen, dass sie sich ausgezeichnet integriert hat. Sie befindet sich jedoch noch in einem anpassungsf�higen Alter. Nachdem die Beschwerdef�hrerin 1 kaum Deutsch spricht, ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass die Beschwerdef�hrerin 2 die t�rkische Sprache zumindest m�ndlich beherrscht. Allf�llige Schwierigkeiten sprachlicher und kultureller Art, welche mit dem Wechsel der Umgebung verbunden sein k�nnten, sind nicht un�berwindlich. Es ist der Beschwerdef�hrerin 2 daher zumutbar, ihrer Mutter in die T�rkei zu folgen.
Daran �ndert auch die Beziehung zu ihrem gesetzlichen Vater nichts: V.________ ist nicht sorgeberechtigt und kann die famili�re Beziehung zu seinem Kind aus zivilrechtlichen Gr�nden ohnehin nur eingeschr�nkt, durch Aus�bung des ihm einger�umten Besuchsrechts, leben (Urteile 2C_336/2012 vom 3. August 2012 E. 3.2; 2C_578/2011 vom 1. Dezember 2011 E. 3.4.3 mit Hinweisen). Praxisgem�ss erscheint die Verl�ngerung der Aufenthaltsbewilligung des nicht obhutsberechtigten ausl�ndischen Elternteils nur geboten, wenn dieser mit dem Kind eine wirtschaftlich und affektiv besonders enge Beziehung pflegt (BGE 120 Ib 1 E. 3c S. 5), die wegen der Distanz zum Herkunftsland praktisch nicht aufrechterhalten werden k�nnte (BGE 120 Ib 22 E. 4a S. 24 f.; Urteil des EGMR Rodrigues da Silva und Hoogkamer gegen Niederlande vom 31. Januar 2006 [Nr. 50435/99], � 42). Diese Rechtsprechung muss auch im umgekehrten Fall gelten, wenn - wie hier - das Aufenthaltsrecht des ausl�ndischen Kindes in Frage steht. In der Beschwerde wird nicht dargetan, wie der Kontakt zwischen Y.________ und V.________, welche seit Mitte 2002 nicht mehr zusammen leben, gepflegt wird. Die Berufung auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK ersch�pft sich in der Behauptung, der Kontakt k�nnte nicht enger sein. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht ist keine Abh�ngigkeit erkennbar. Art. 8 Ziff. 1 EMRK ist daher nicht verletzt, wenn die Tochter Y.________ ihrer Mutter in die T�rkei folgen muss. Der Kontakt zwischen ihr und V.________ kann besuchsweise oder �ber elektronische Medien gepflegt werden. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung der Beschwerdef�hrerin 1, welcher die Ausreiseverpflichtung der Tochter Y.________ zur Folge hat (vgl. E. 7), erweist sich auch unter diesem Blickwinkel nicht als unverh�ltnism�ssig.
Die Vorinstanz hat erwogen, die Niederlassungsbewilligung der Beschwerdef�hrerin 2 h�tte nicht widerrufen werden d�rfen, weil der Widerruf nicht auf Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 62 lit. a AuG gest�tzt werden k�nne. Minderj�hrige Kinder w�rden aber grunds�tzlich den Aufenthaltsort des sorgeberechtigten Elternteils (hier der Mutter) teilen, so dass die Niederlassungsbewilligung der Beschwerdef�hrerin 2 mit der Abmeldung ins Ausland bzw. (falls keine Abmeldung erfolgt) nach sechs Monaten Aufenthalt im Ausland erl�sche. Dennoch hat die Vorinstanz den Widerruf der Niederlassungsbewilligung der Beschwerdef�hrerin 2 gesch�tzt.
Die Niederlassungsbewilligung der Beschwerdef�hrerin 2 besteht grunds�tzlich unabh�ngig von der Bewilligung der Beschwerdef�hrerin 1 und kann nur widerrufen werden, wenn (auch) bei ihr ein Widerrufsgrund vorliegt (ANDREAS Z�ND/LADINA ARQUINT HILL, Beendigung der Anwesenheit, Entfernung und Fernhaltung, in: Ausl�nderrecht, 2. Aufl. 2009, S. 311 ff., Rz. 8.23). Jedoch hat sich die unm�ndige Beschwerdef�hrerin 2, welche durch die Beschwerdef�hrerin 1 vertreten wird, deren t�uschendes Verhalten anrechnen zu lassen (Urteile 2C_40/2007 vom 27. Juni 2007 E. 5.4; 2A.326/2006 vom 25. August 2006 E. 2.2; vgl. auch BGE 112 Ib 473 E. 3d S. 476 f.). Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung der Beschwerdef�hrerin 2 ist daher im Ergebnis nicht zu beanstanden.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Widerruf der Niederlassungsbewilligungen zu Recht best�tigt hat.
Nachdem der Widerruf der Niederlassungsbewilligung der Beschwerdef�hrerin 1 rechtm�ssig ist, erweist sich auch der Nichteintretensentscheid des Departements betreffend das Gesuch um Familiennachzug f�r W.________ als korrekt. Das angefochtene Urteil ist in diesem Punkt ebenfalls zu best�tigen.
Aus den vorstehenden Erw�gungen ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend haben die Beschwerdef�hrerinnen die Kosten zu tragen (vgl. Art. 66 Abs. 1 BGG), wobei die Beschwerdef�hrerin 1 f�r die Kosten der minderj�hrigen Beschwerdef�hrerin 2 aufzukommen hat. Ausgangsgem�ss ist keine Parteientsch�digung zuzusprechen (vgl. Art. 68 BGG).