Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=18.11.1969&Aktenzeichen=1%20StR%20473/69
Timestamp: 2018-05-25 20:34:07
Document Index: 57763861

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 22', 'BGH', 'BGH', '§ 46', 'BGH', '§ 46']

BGH, 18.11.1969 - 1 StR 473/69 - dejure.org
Verurteilung wegen versuchten Totschlags und wegen fahrlässiger Körperverletzung - Verletzung von Aufklärungspflichten
Später hat er für den Fall, daß der Täter bei Tatbeginn keine Vorstellung vom Tathergang hatte, auf die Vorstellung nach dem letzten Tätigkeitsakt abgestellt und den Versuch als beendet angesehen, wenn der Täter mit dem Erfolg rechnete (Urteil vom 18. November 1969 - 1 StR 473/69 = MDR 1970, 381).
Ihr steht entgegen, daß der Erfolg in der Vorstellungswelt des Angeklagten möglicherweise doch eintreten konnte, er selbst dazu alles Erforderliche bereits getan - also nichts aufgegeben - hatte und die Tat sich demgemäß ohne sein weiteres Zutun vollenden konnte (BGH, Urteile vom 18. November 1969 - 1 StR 473/69 und vom 16. Dezember 1969 - 1 StR 566/69).
Für die Abgrenzung des beendeten vom unbeendeten Versuch ist die ständige Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs maßgebend, nach der es auf die Vorstellungen des Täters ankommt und wonach dann, wenn bei Tatbeginn kein fest umrissener Plan vorlag, die Überlegungen des Täters nach der letzten Ausführungshandlung von Bedeutung sind (vgl. insbesondere BGHSt 4, 180; 14, 75; 22, 330; BGH 1 StR 473/69, 1 StR 566/69 und 5 StR 544/68, alle bei Dallinger MDR 1970, 381).
Unbeendigter Versuch liegt nur dann vor, wenn der Täter überzeugt ist, daß ohne weiteres Zutun der Erfolg nicht eintreten wird; rechnet er mit der Möglichkeit, daß das bereits Getane ausreicht, so ist ein beendigter Versuch gegeben (BGH, Urteil vom 16. Dezember 1969 - 1 StR 566/69 - mitgeteilt bei Dallinger, MDR 1970, 381; Urteil vom 18. November 1969 - 1 StR 473/69;… Schönke/Schröder, StGB 18. Aufl. § 22 Rdn. 11).
Unbeendeter Versuch liegt nur dann vor, wenn der Täter überzeugt ist, daß ohne weiteres Zutun der Erfolg nicht eintreten wird; rechnet er mit der Möglichkeit, daß das bereits Getane ausreicht, so ist ein beendigter Versuch gegeben (BGH bei Dallinger MDR 1970, 381; Urteil vom 18. November 1969 - 1 StR 473/69; BGHSt 22, 330).
Bei solcher Vorstellung von der Wirkung seines Handelns kommt der Täter nach § 46 Nr. 2 StGB nur dann von der Versuchsstrafe frei, wenn er, ohne entdeckt zu sein, den Erfolg durch eigene Tätigkeit abwendet (BGH, Urteil vom 18. November 1969 - 1 StR 473/69) oder - beim untauglichen Versuch - sich ernsthaft um die Verhinderung des erwarteten Erfolges bemüht.
Damit war der Versuch beendet; § 46 Nr. 1 StGB scheidet aus (Urteil des Senats vom 18. November 1969, 1 StR 473/69 zu Ks 21/68 Schwurgericht beim Landgericht Stuttgart).