Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/tod-arbeitnehmer-urlaubsabgeltung-3115830
Timestamp: 2019-12-12 21:08:47
Document Index: 133879692

Matched Legal Cases: ['§ 1922', '§ 7', '§ 1922', '§ 7', '§ 1922', '§ 7', '§ 1922', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 31', 'Art. 6', 'Art. 7', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en ende­te mit dem Tod des Erb­las­sers. Sein Ver­mö­gen ging nach § 1922 Abs. 1 BGB als Gan­zes auf die Arbeit­neh­me­rin als Allein­er­bin über. Die­se trat im Wege der Uni­ver­sal­suk­zes­si­on in sämt­li­che Rechts­ver­hält­nis­se des Erb­las­sers ein. Da nach natio­na­lem Recht der Urlaubs­an­spruch des Erb­las­sers mit sei­nem Tod unter­ging und er sich damit nach dem Tod des Erb­las­sers nicht in einen Abgel­tungs­an­spruch iSv. § 7 Abs. 4 BUr­lG umwan­deln konn­te, konn­te ein Urlaubs­ab­gel­tungs­an­spruch nach § 1922 Abs. 1 BGB nicht Teil der Erb­mas­se wer­den. § 7 Abs. 4 BUr­lG iVm. § 1922 Abs. 1 BGB kann nach natio­na­lem Recht nicht dahin gehend aus­ge­legt wer­den, dass urlaubs­recht­li­che Ansprü­che eines Arbeit­neh­mers, der im lau­fen­den Arbeits­ver­hält­nis stirbt, auf des­sen Erben über­ge­hen 1.
Eine Aus­le­gung von § 7 Abs. 4 BUr­lG iVm. § 1922 Abs. 1 BGB con­tra legem kommt auch bei Berück­sich­ti­gung des Grund­sat­zes der uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung nicht in Betracht 2. Ob und inwie­weit das inner­staat­li­che Recht eine uni­ons­rechts­kon­for­me Aus­le­gung zulässt, kön­nen nur inner­staat­li­che Gerich­te beur­tei­len 3.
Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat zwar mit Urteil vom 12.06.2014 4 ange­nom­men, dass Art. 7 der Richt­li­nie 2003/​88/​EG dahin aus­zu­le­gen ist, dass er ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten ent­ge­gen­steht, wonach der Anspruch auf bezahl­ten Jah­res­ur­laub ohne finan­zi­el­len Aus­gleich unter­geht, wenn das Arbeits­ver­hält­nis durch den Tod des Arbeit­neh­mers endet. Er hat jedoch nicht die Fra­ge ent­schie­den, ob der Anspruch auf finan­zi­el­len Aus­gleich auch dann Teil der Erb­mas­se wird, wenn das natio­na­le Erbrecht dies aus­schließt.
Auch ist der Unter­gang des von Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/​88/​EG garan­tier­ten Anspruchs auf den Min­dest­jah­res­ur­laub durch den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on nicht abschlie­ßend geklärt. Die­ser hat bei der Aus­le­gung von Art. 7 der Richt­li­nie 2003/​88/​EG bis­her vor allem auf den Sinn und Zweck des jähr­li­chen Min­dest­ur­laubs abge­stellt, der dar­in besteht, dem Arbeit­neh­mer zu ermög­li­chen, sich zum einen von der Aus­übung der ihm nach sei­nem Arbeits­ver­trag oblie­gen­den Auf­ga­ben zu erho­len und zum ande­ren über einen Zeit­raum für Ent­span­nung und Frei­zeit zu ver­fü­gen 5. Dabei ist der Gerichts­hof stets davon aus­ge­gan­gen, dass dem Anspruch jedes Arbeit­neh­mers auf bezahl­ten Jah­res­ur­laub als Grund­satz des Sozi­al­rechts der Uni­on nicht nur beson­de­re Bedeu­tung zukommt, son­dern dass die­ser Anspruch auch in Art. 31 Abs. 2 GRC, dem von Art. 6 Abs. 1 des Ver­trags über die Euro­päi­sche Uni­on (EUV) der glei­che recht­li­che Rang wie den Ver­trä­gen zuer­kannt wird, aus­drück­lich ver­an­kert ist 6. Aller­dings ist in der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs auch aner­kannt, dass der Anspruch auf bezahl­ten Jah­res­ur­laub nach Ablauf von 15 Mona­ten seit dem Ende des Urlaubs­jah­res unter­ge­hen kann. Der Gerichts­hof hat dies damit begrün­det, dass dann die Gewäh­rung von Urlaub für den Arbeit­neh­mer kei­ne posi­ti­ve Wir­kung als Erho­lungs­zeit mehr hat 7. Letz­te­res ist nach dem Tod des Arbeit­neh­mers aber erst recht der Fall, da in der Per­son des ver­stor­be­nen Arbeit­neh­mers der Erho­lungs­zweck nicht mehr ver­wirk­licht wer­den kann. Man­gels einer posi­ti­ven Wir­kung für den von der Richt­li­nie 2003/​88/​EG geschütz­ten Arbeit­neh­mer erscheint des­halb ein Unter­gang des Urlaubs­an­spruchs, selbst in finan­zi­el­ler Form, mit dem Tod des Arbeit­neh­mers wäh­rend des Arbeits­ver­hält­nis­ses eben­so wie nach dem Ablauf von 15 Mona­ten seit dem Ende des Urlaubs­jah­res nicht aus­ge­schlos­sen, wenn bei der Beant­wor­tung der Vor­la­ge­fra­ge der vom Gerichts­hof ange­nom­me­ne Sinn und Zweck des jähr­li­chen Min­dest­ur­laubs­an­spruchs und des Urlaubs­ab­gel­tungs­an­spruchs her­an­ge­zo­gen wer­den. Bestand­teil der Vor­la­ge­fra­ge ist somit auch, ob die Aus­ge­stal­tung des in Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/​88/​EG als Aspekt der Arbeits­zeit­ge­stal­tung gere­gel­ten bezahl­ten Min­dest­jah­res­ur­laubs nur den Schutz des Arbeit­neh­mers bezweckt oder ob auch die Erben eines wäh­rend des Arbeits­ver­hält­nis­ses ver­stor­be­nen Arbeit­neh­mers dem Schutz­be­reich der Richt­li­nie 2003/​88/​EG unter­fal­len.
vgl. BAG 7.08.2012 – 9 AZR 353/​10, Rn. 30 f., BAGE 142, 371[↩]
vgl. BVerfG 26.09.2011 – 2 BvR 2216/​06, 2 BvR 469/​07, Rn. 47 f., BVerfGK 19, 89[↩]
EuGH 12.06.2014 – C‑118/​13 – [Boll­a­cke] Rn. 24 und 30[↩]
EuGH 30.06.2016 – C‑178/​15 – [Sob­c­zy­szyn] Rn. 25; 21.02.2013 – C‑194/​12 – [Maes­t­re Gar­cía] Rn. 18; 10.09.2009 – C‑277/​08 – [Vicen­te Pere­da] Rn. 21, Slg. 2009, I‑8405; 20.01.2009 – C‑350/​06 und – C‑520/​06 – [Schultz-Hoff ua.] Rn. 25, Slg. 2009, I‑179[↩]
EuGH 30.06.2016 – C‑178/​15 – [Sob­c­zy­szyn] Rn.20 mwN[↩]
EuGH 3.05.2012 – C‑337/​10 – [Nei­del] Rn. 39; 22.11.2011 – C‑214/​10 – [KHS] Rn. 43, Slg. 2011, I‑11757[↩]