Source: http://m.hensche.de/Botschaftsangestellter_Klagerecht_Zustaendigkeit_deutscher_Arbeitsgerichte_LAG_Berlin-Brandenburg_17Sa1719-08_Mahamdia_u.html
Timestamp: 2018-03-23 16:57:33
Document Index: 329159713

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 20', '§ 612', 'Art. 19', 'Art. 60', 'Art. 18', 'Art. 18', 'Art 27', 'Art. 18', 'Art. 1', 'Art. 18', 'Art. 1', 'Art. 18', 'Art. 21', 'Art. 18', 'Art. 18', '§ 1', 'Art. 27', 'Art. 30', 'Art. 30', '§ 1', '§ 4', '§ 167', '§ 1', '§ 1', '§ 611', '§ 615', '§ 296', '§ 615', '§ 286', '§ 1', '§ 72']

Schlag­worte: Arbeitsgerichte: Zuständigkeit, Zuständigkeit: International, Internationale Zuständigkeit, Mahamdia
Akten­zeichen: 17 Sa 1719/08
Vor­ins­tan­zen: ArbG Berlin, Urteil vom 02.07.2008, 86 Ca 13143/07
Nachgehend BAG, Urteil vom 01.07.2010, 2 AZR 270/09
am 14. Ja­nu­ar 2009
86 Ca 13143/07
Z., JHS
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 17. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 14. Ja­nu­ar 2009
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr L. und Herr De.
2. Ju­li 2008 – 86 Ca 13143/07 – teil­wei­se geändert:
1. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung vom 29. Au­gust 2007 nicht auf­gelöst wor­den ist.
2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen als Fah­rer der Bot­schaft in Ber­lin wei­ter­zu­beschäfti­gen.
3. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 25.459,56 EUR brut­to abzüglich 10.781,40 EUR net­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus je­weils 1.818,54 EUR brut­to abzüglich 770,10 EUR net­to seit dem 1. De­zem­ber 2007, 1. Ja­nu­ar 1. Fe­bru­ar, 1. März, 1. April, 1. Mai, 1. Ju­ni, 1. Ju­li, 1. Au­gust, 1. Sep­tem­ber, 1. Ok­to­ber, 1. No­vem­ber und 1. De­zem­ber 2008 so­wie 1. Ja­nu­ar 2009 zu zah­len.
II. Im Übri­gen wird die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen.
III. Der Kläger hat 38 v.H. der Kos­ten des ers­ten Rechts­zugs und 29 v.H. der Kos­ten des zwei­ten Rechts­zugs zu tra­gen.
IV. Die Be­klag­te hat 62 v.H. der Kos­ten des ers­ten Rechts­zugs und 71 v. H. der Kos­ten des zwei­ten Rechts­zugs zu tra­gen.
V. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird zu­ge­las­sen. Die Re­vi­si­on des Klägers wird nicht zu­ge­las­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses so­wie über Vergütungs­ansprüche. Da­bei ist vor al­lem um­strit­ten, ob die deut­sche Ge­richts­bar­keit so­wie die in­ter­na­tio­na­le Zuständig­keit deut­scher Ge­rich­te ge­ge­ben ist und ob auf das Ar­beits­verhält­nis deut­sches oder al­ge­ri­sches Ar­beits­recht An­wen­dung fin­det.
Der Kläger ist al­ge­ri­scher Her­kunft. Er be­sitzt die al­ge­ri­sche und die deut­sche Staats­an­gehörig­keit, be­herrscht die ara­bi­sche und französi­sche Spra­che und wohnt in Ber­lin.
Die Be­klag­te beschäftig­te den Kläger auf der Grund­la­ge ei­nes in französi­scher Spra­che ver­fass­ten Ar­beits­ver­trags („Con­trat d´En­ga­ge­ment) seit dem 1. Sep­tem­ber 2002 ge­gen ei­ne mo­nat­li­che Brut­to­vergütung von zu­letzt 1.818,54 EUR als Kraft­fah­rer in ih­rer Ber­li­ner Bot­schaft. Die Par­tei­en ver­ein­bar­ten un­ter II. § 5 des Ver­trags, dass der Kläger der deut­schen So­zi­al­ver­si­che­rung un­ter­lie­gen sol­le; sie leg­ten un­ter VI. des Ver­tra­ges fest, dass bei Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten und Strei­tig­kei­ten, die sich aus dem Ar­beits­ver­trag er­ge­ben, al­lein die al­ge­ri­schen Ge­rich­te zuständig sein sol­len. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Ar­beits­ver­trags und ei­ner von der Be­klag­ten ein­ge­reich­ten Über­set­zung in die deut­sche Spra­che wird auf Bl. 182 ff. der Ak­ten Be­zug ge­nom­men.
Die Be­klag­te beschäftigt in ih­rer Bot­schaft in Ber­lin re­gelmäßig mehr als zehn Ar­beit­neh­mer aus­sch­ließlich der zu ih­rer Be­rufs­bil­dung Beschäftig­ten. Der Kläger war als ei­ner von drei Fah­rern der Bot­schaft tätig; die Be­klag­te beschäftig­te darüber hin­aus ei­nen Fah­rer, der aus­sch­ließlich den Bot­schaf­ter zu befördern hat­te. Dem Kläger ob­lag es, Gäste und Mit­ar­bei­ter – ver­tre­tungs­wei­se auch den Bot­schaf­ter – zu fah­ren. Er hat­te fer­ner Post der Bot­schaft zu deut­schen Stel­len oder zur Post zu befördern. Di­plo­ma­ten­post wur­de da­bei von ei­nem wei­te­ren Mit­ar­bei­ter der Bot­schaft ent­ge­gen­ge­nom­men bzw. wei­ter­ge­lei­tet, der sei­ner­seits u.a. vom Kläger ge­fah­ren wur­de. Für sei­ne Tätig­keit nutz­te der Kläger ein Dienst­fahr­zeug, das ihm
aus­sch­ließlich für dienst­li­che Zwe­cke über­las­sen wor­den war; er hat­te die durch­geführ­ten Fahr­ten in ein Fahr­ten­buch ein­zu­tra­gen.
Die Be­klag­te wies den Kläger mit Schrei­ben vom 24. Mai 2006 dar­auf hin, dass er in die­sem Jahr an 37 Ta­gen krank­heits­be­dingt ge­fehlt ha­be. Sie er­teil­te dem Kläger un­ter dem 13. Ju­li 2006 we­gen ei­nes an­geb­lich re­spekt­lo­sen Ver­hal­tens ge­genüber dem Bot­schaf­ter ei­ne Ab­mah­nung. Der Kläger wur­de zu­dem un­ter dem 30. März 2007 und 20. Ju­li 2007 we­gen er­neu­ter krank­heits­be­ding­ter Fehl­zei­ten und un­ter dem 31. Mai 2007 we­gen des ver­späte­ten Ab­ho­lens ei­nes Di­plo­ma­ten ab­ge­mahnt.
Mit sei­ner Kla­ge hat der Kläger die Be­klag­te auf Zah­lung ei­ner Vergütung für an­geb­lich in den Jah­ren 2005 bis 2007 ge­leis­te­te Über­stun­den in An­spruch ge­nom­men. Die Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 29. Au­gust 2007 zum 30. Sep­tem­ber 2007. Der Kläger hat dar­auf­hin sei­ne Kla­ge mit ei­nem am 6. Sep­tem­ber 2007 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz um ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge, ei­ne all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge und ei­ne Kla­ge auf vorläufi­ge Wei­ter­beschäfti­gung er­wei­tert; der Schrift­satz wur­de der Be­klag­ten über ih­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten am 8. Fe­bru­ar 2008 zu­ge­stellt. Der Kläger hat fer­ner im We­ge wei­te­rer Kla­ge­er­wei­te­run­gen ei­ne An­nah­me­ver­zugs­vergütung für die Mo­na­te No­vem­ber 2007 bis Ju­ni 2008 gel­tend ge­macht. Er hat be­haup­tet, die sich aus der An­la­ge K 2 zur Kla­ge­schrift er­ge­ben­den Über­stun­den ge­leis­tet zu ha­ben; die­se müsse die Be­klag­te mit 11,87 EUR je St­un­de vergüten. Die Kündi­gung sei so­zi­al­wid­rig; die Be­klag­te be­fin­de sich in An­nah­me­ver­zug.
Die Be­klag­te ist der Kla­ge ent­ge­gen­ge­tre­ten. Sie hat vor al­lem gel­tend ge­macht, die deut­sche Ge­richts­bar­keit sei nicht ge­ge­ben, weil der Kläger ho­heit­li­che Auf­ga­ben erfüllt hätte. Zu­dem sei­en aus­sch­ließlich die al­ge­ri­schen Ge­rich­te zur Ent­schei­dung des Rechts­streits be­ru­fen; es sei al­ge­ri­sches Recht an­zu­wen­den. Die Be­klag­te hat fer­ner be­strit­ten, dass der Kläger die in An­satz ge­brach­ten Über­stun­den ge­leis­tet ha­be; die Kündi­gung sei auf der Grund­la­ge al­ge­ri­scher Rechts­vor­schrif­ten ge­recht­fer­tigt.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge durch ein am 2. Ju­li 2008 verkünde­tes Ur­teil ab­ge­wie­sen. Die Kla­ge sei un­zulässig, weil die deut­sche Ge­richts­bar­keit nicht ge­ge­ben sei. Die Tätig­keit des Klägers ste­he in ei­nem funk­tio­na­len Zu­sam­men­hang mit den di­plo­ma­ti­schen Tätig­kei­ten der Bot­schaft der Be­klag­ten in Ber­lin. Der Kläger wer­de in ei­ner „in­sti­tu­tio­nel­len In­tim- und Ver­trau­ens­sphäre“ der Bot­schaft tätig. Ei­ne Ent­schei­dung über die Kla­ge mach­te es er­for­der­lich, die Tätig­keit der Bot­schaft und der in ihr beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter zu über­prüfen; dies ste­he den deut­schen Ge­rich­ten nicht zu. We­gen der Ein­zel­hei­ten der Be­gründung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ver­wie­sen.
Ge­gen die­ses ihm am 1. Au­gust 2008 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich die am 18. Au­gust 2008 ein­ge­leg­te Be­ru­fung des Klägers, die er mit ei­nem am 19. Sep­tem­ber 2008 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet hat und mit der er mit Aus­nah­me der all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­kla­ge und un­ter Er­wei­te­rung der Kla­ge hin­sicht­lich der An­nah­me­ver­zugs­ansprüche für die Mo­na­te Ju­li bis De­zem­ber 2008 die bis­he­ri­gen Kla­ge­anträge wei­ter ver­folgt.
Der Kläger hält die Kla­ge wei­ter­hin für zulässig und be­gründet. Die deut­sche Ge­richts­bar­keit sei nicht aus­ge­schlos­sen, weil er als Kraft­fah­rer nicht ho­heit­lich tätig ge­wor­den sei. Auch die in­ter­na­tio­na­le Zuständig­keit sei ge­ge­ben; dem ste­he die ar­beits­ver­trag­lich ver­ein­bar­te Zuständig­keit al­ge­ri­scher Ge­rich­te nicht ent­ge­gen. Die Kündi­gung sei so­zi­al­wid­rig, die Be­klag­te zur Zah­lung der ein­ge­klag­ten Vergütung ver­pflich­tet. Er ha­be die auf­geführ­ten Über­stun­den ge­leis­tet. Da er den Dienst­wa­gen nur zu dienst­li­chen Zwe­cken ha­be nut­zen dürfen, sei sein – im Fahr­ten­buch do­ku­men­tier­ter – Auf­ent­halt in dem Dienst­fahr­zeug als von der Be­klag­ten ge­bil­lig­te Ar­beits­zeit an­zu­se­hen.
un­ter Ände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 2. Ju­li 2008
- 86 Ca 13143/07 –
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 9.203,53 EUR nebst Zin­sen in Höhe
von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 2.237,49 EUR seit dem 1. Ja­nu­ar 2006, aus 3.406,69 EUR seit dem 1. Ja­nu­ar 2007 und aus 3.559,35 EUR seit 8. Fe­bru­ar 2008 (Rechtshängig­keit) zu zah­len,
2. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en nicht durch die or­dent­li­che Kündi­gung vom 29. Au­gust 2007 auf­gelöst wor­den ist,
3. im Fal­le des Ob­sie­gens mit dem An­trag zu 2) die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihn bis zur rechts­kräfti­gen Be­en­di­gung des vor­lie­gen­den Rechts­streits zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen als Au­to­fah­rer der Ber­li­ner Bot­schaft wei­ter­zu­beschäfti­gen,
4. hilfs­wei­se für den Fall des Un­ter­lie­gens mit dem An­trag zu 2) fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gungs­erklärung vom 29. Au­gust 2007 nicht zum 30. Sep­tem­ber 2007, son­dern erst zum 31. Ok­to­ber 2007 ge­en­det hat,
5. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 25.459,56 EUR brut­to abzüglich 10.781,20 EUR net­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus je­weils 1.818,54 EUR brut­to abzüglich 770,10 EUR net­to seit dem 1. De­zem­ber 2007, 1. Ja­nu­ar, 1. Fe­bru­ar, 1. März, 1. April, 1. Mai, 1. Ju­ni, 1. Ju­li, 1. Au­gust, 1. Sep­tem­ber, 1. Ok­to­ber, 1. No­vem­ber,
1. De­zem­ber 2008 so­wie 1. Ja­nu­ar 2009 zu zah­len.
Sie hält die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung für zu­tref­fend. Die deut­sche Ge­richts­bar­keit sei aus­ge­schlos­sen, weil der Kläger für sie ho­heit­lich tätig ge­wor­den sei. Der Kläger sei in ei­ner Ver­trau­ens­stel­lung beschäftigt wor­den. Er ha­be nicht nur ver­trau­li­che
Un­ter­la­gen befördert, son­dern er ha­be vor al­lem Kon­takt zu den Gästen und Mit­ar­bei­tern der Bot­schaft und da­mit Kennt­nis von bot­schafts­in­ter­nen Vorgängen ge­habt, die nicht Ge­gen­stand ei­ner Ver­hand­lung vor deut­schen Ge­rich­ten sein könn­ten. Die Par­tei­en hätten zu­dem – so meint die Be­klag­te – in zulässi­ger Wei­se die Zuständig­keit al­ge­ri­scher Ge­rich­te und die An­wend­bar­keit al­ge­ri­schen Rechts ver­ein­bart. Der Kläger ha­be in ih­rem öffent­li­chen Dienst ge­stan­den und sei we­gen sei­ner al­ge­ri­schen Staats­an­gehörig­keit – mit ei­nem Ar­beits­ver­trag in französi­scher Spra­che – ein­ge­stellt wor­den, wes­halb sei­ne Be­zie­hun­gen zum deut­schen Staat we­ni­ger eng als zu ihr sei­en. Sie be­strei­te, dass der Kläger die be­haup­te­ten Über­stun­den ge­leis­tet ha­be. Über­stun­den sei­en in das Fahr­ten­buch ein­zu­tra­gen und von ei­nem Vor­ge­setz­ten ge­gen­zu­zeich­nen. Auf die­ser Grund­la­ge wer­de für Über­stun­den Frei­zeit­aus­gleich oder auch ei­ne Vergütung gewährt. Der Kläger ha­be je­doch bis zu sei­ner Kla­ge zu kei­ner Zeit gel­tend ge­macht, Über­stun­den ge­leis­tet zu ha­ben.
We­gen der Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en in der Be­ru­fungs­in­stanz wird auf den In­halt der zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men.
Die Be­ru­fung ist zum Teil be­gründet.
Es war un­ter teil­wei­ser Ände­rung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung vom 29. Au­gust 2007 nicht auf­gelöst wor­den ist; fer­ner war die Be­klag­te zur vorläufi­gen Wei­ter­beschäfti­gung und zur Zah­lung ei­ner An­nah­me­ver­zugs­vergütung zu ver­ur­tei­len.
So­weit das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge auf Zah­lung ei­ner Über­stun­den­vergütung ab­ge­wie­sen hat, er­weist sich die Be­ru­fung des Klägers hin­ge­gen im Er­geb­nis als un­be­gründet.
1. Die De­mo­kra­ti­sche V. A. ge­nießt in dem vor­lie­gen­den Rechts­streit ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts kei­ne Staats­im­mu­nität, son­dern un­terfällt in­so­weit der deut­schen Ge­richts­bar­keit.
a) Die deut­sche Ge­richts­bar­keit er­streckt sich gemäß § 20 GVG nicht auf Per­so­nen, die gemäß den all­ge­mei­nen Re­geln des Völker­rechts, auf Grund völker­recht­li­cher Ver­ein­ba­run­gen oder sons­ti­ger Rechts­vor­schrif­ten von ihr be­freit sind. Da­bei ent­spricht es all­ge­mei­nem Völker­ge­wohn­heits­recht, dass Staa­ten hin­sicht­lich ih­rer ho­heit­li­chen Tätig­keit nicht der Ge­richts­bar­keit an­de­rer Staa­ten un­ter­wor­fen sind. Ih­re di­plo­ma­ti­schen und kon­su­la­ri­schen Be­zie­hun­gen dürfen nicht be­hin­dert wer­den. Da­ge­gen un­ter­sagt kei­ne Re­gel des Völker­rechts der inländi­schen Ge­richts­bar­keit, in An­ge­le­gen­hei­ten zu ent­schei­den, die die nicht­ho­heit­li­che Tätig­keit des ausländi­schen Staa­tes be­tref­fen. Die Ab­gren­zung zwi­schen ho­heit­li­cher und nicht­ho­heit­li­cher Staatstätig­keit rich­tet sich nach der Na­tur der um­strit­te­nen staat­li­chen Hand­lung oder des strei­ti­gen Rechts­verhält­nis­ses; wel­ches Mo­tiv oder wel­chen Zweck die Staatstätig­keit hat, ist dem­ge­genüber oh­ne Be­lang. Da­bei ist es man­gels völker­recht­li­cher Ab­gren­zungs­merk­ma­le grundsätz­lich nach dem Recht des ent­schei­den­den Ge­richts zu be­ur­tei­len, ob ei­ne ho­heit­li­che oder nicht­ho­heit­li­che Staatstätig­keit in dem ge­nann­ten Sinn vor­liegt (BAG, Ur­teil vom 15. Fe­bru­ar 2005 – 9 AZR 116/04 - AP Nr. 15 zu § 612a BGB m.w.N.).
b) Die Fra­ge, ob das Ar­beits­verhält­nis des Klägers durch die Kündi­gung vom 29. Au­gust 2007 auf­gelöst wor­den ist und die Be­klag­te zur vorläufi­gen Wei­ter­beschäfti­gung so­wie zur Zah­lung ei­ner Über­stun­den- und An­nah­me­ver­zugs­vergütung ver­pflich­tet ist, be­trifft nicht das ho­heit­li­che Han­deln der Be­klag­ten. Der Kläger wur­de als Kraft­fah­rer der Bot­schaft nicht ho­heit­lich tätig. Er hat­te le­dig­lich Per­so­nen und Post zu befördern und war mit der ei­gent­li­chen di­plo­ma­ti­schen Tätig­keit der Bot­schaft nicht be­fasst. Dass der Kläger auch di­plo­ma­ti­sches Per­so­nal zu befördern hat­te und die zu­ge­stell­te bzw. ab­ge­hol­te Post auch das ho­heit­li­che
Han­deln der Be­klag­ten be­traf, führt nicht da­zu, die Tätig­keit des Klägers selbst eben­falls der ho­heit­li­chen Staatstätig­keit der Be­klag­ten zu­zu­ord­nen. Es han­del­te sich viel­mehr um – wenn auch un­ver­zicht­ba­re – Hilfstätig­kei­ten nicht­ho­heit­li­cher Na­tur, de­ren Be­ur­tei­lung durch die deut­schen Ge­rich­te die Staa­ten­im­mu­nität der Be­klag­ten nicht berührt. So­weit das Ar­beits­ge­richt die deut­sche Ge­richts­bar­keit aus­ge­schlos­sen hat, weil der Kläger in ei­ner „in­sti­tu­tio­nel­len In­tim- und Ver­trau­ens­sphäre“ der Bot­schaft der Be­klag­ten tätig ge­we­sen sei, folgt die Be­ru­fungs­kam­mer die­ser Auf­fas­sung nicht. Es trifft zwar zu, dass der Kläger ei­ne Ver­trau­ens­stel­lung be­klei­de­te. Der Kläger hat­te auf­grund sei­ner Tätig­keit Kennt­nis von bot­schafts-in­ter­nen Vorgängen. Ihm war be­kannt, wer die Bot­schaft be­such­te und konn­te auf­grund sei­ner Sprach­kennt­nis­se auch die in sei­nem Dienst­fahr­zeug geführ­ten Gespräche ver­fol­gen. Die Be­klag­te muss­te sich da­her dar­auf ver­las­sen können, dass der Kläger die­se Kennt­nis­se nicht ge­gen sie ver­wen­den, son­dern in­so­weit Still­schwei­gen be­wah­ren würde. Dies be­deu­tet je­doch nicht, dass die Tätig­keit des Klägers dem ho­heit­li­chen Han­deln der Be­klag­ten zu­zu­rech­nen ist. Ob der ho­heit­li­che Be­reich der Be­klag­ten berührt und da­mit die deut­sche Ge­richts­bar­keit aus­ge-schlos­sen ist, be­stimmt sich – wie aus­geführt – nach der Na­tur der um­strit­te­nen staat­li­chen Hand­lung bzw. des strei­ti­gen Rechts­verhält­nis­ses und nicht da­nach, ob die Be­klag­te zu ei­nem beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter be­son­de­res Ver­trau­en in sei­ne Zu­verlässig­keit und Ver­schwie­gen­heit ha­ben muss. Dass ei­ne Tätig­keit das ge­nann­te Ver­trau­en vor­aus­setzt, führt mit an­de­ren Wor­ten nicht zu ei­nem ho­heit­li­chen Han­deln des ausländi­schen Staa­tes. An­sons­ten müss­te auch die Tätig­keit ei­ner Rei­ni­gungs-kraft oder ei­nes Haus­meis­ters der Bot­schaft dem ho­heit­li­chen Be­reich zu­ge­ord­net wer­den; denn auch die­se Per­so­nen er­hal­ten durch ih­re Tätig­keit Kennt­nis­se von bot­schafts­in­ter­nen Vorgängen, an de­ren Ge­heim­hal­tung der ausländi­sche Staat ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se ha­ben kann.
2. Die deut­schen Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen sind für den vor­lie­gen­den Rechts­streit in­ter­na­tio­nal zuständig.
a) Nach Art. 19 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 44/2001 des Ra­tes vom 22. De­zem­ber 2000 über die ge­richt­li­che Zuständig­keit und die An­er­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zi­vil- und Han­dels­sa­chen (Eu­GV­VO) kann ein Ar­beit­ge­ber, der
sei­nen Wohn­sitz im Ho­heits­ge­biet ei­nes Mit­glied­staa­tes hat, vor den Ge­rich­ten des Mit­glied­staats ver­klagt wer­den, in dem er sei­nen Wohn­sitz hat; für ju­ris­ti­sche Per­so­nen kommt es gemäß Art. 60 Eu­GV­VO auf den Ort des sat­zungsmäßigen Sit­zes, der Haupt­ver­wal­tung oder der Haupt­nie­der­las­sung an. Hat ein Ar­beit­ge­ber, der mit ei­nem Ar­beit­neh­mer ei­nen in­di­vi­du­el­len Ar­beits­ver­trag ab­ge­schlos­sen hat, in dem Ho­heits­ge­biet ei­nes Mit­glied­staa­tes kei­nen Wohn­sitz in dem ge­nann­ten Sin­ne, un­terhält er je­doch in ei­nem Mit­glied­staat ei­ne Zweig­nie­der­las­sung, Agen­tur oder sons­ti­ge Nie­der­las­sung, wird er gemäß Art. 18 Abs. 2 Eu­GV­VO für Strei­tig­kei­ten aus de­ren Be­trieb so be­han­delt, als hätte er sei­nen Wohn­sitz im Ho­heits­ge­biet des Mit­glied­staats.
Die Be­klag­te un­terhält mit ih­rer Bot­schaft in Ber­lin ei­ne sons­ti­ge Nie­der­las­sung i.S.d. Art. 18 Abs. 2 Eu­GV­VO; sie kann da­her vor den deut­schen Ge­rich­ten für Ar­beits-sa­chen ver­klagt wer­den. Zwar wird un­ter ei­ner Nie­der­las­sung vor al­lem ein Ort der geschäft­li­chen Tätig­keit ver­stan­den, der auf Dau­er als Außen­stel­le ei­nes Stamm­hau­ses her­vor­tritt und über ei­ne ei­ge­ne Geschäftsführung verfügt, die auch im Zu­sam­men­hang mit Verträgen selbst An­sprech­part­ner ist (BAG, Ur­teil vom 13. No­vem­ber 2007 – 9 AZR 134/07 - AP Nr. 8 zu Art 27 EGBGB n.F. un­ter A. II. 2. g) aa) der Ent­schei­dungs­gründe), während die Bot­schaft der Be­klag­ten in Ber­lin nicht ei­ner geschäft­li­chen Tätig­keit, son­dern der di­plo­ma­ti­schen Ver­tre­tung der Be­klag­ten in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land dient. Dies hin­dert es je­doch nicht, Art. 18 Abs. 2 Eu­GV­VO auf die Bot­schaft der Be­klag­ten, die mit ih­rem Bot­schaf­ter ei­ne ei­ge­ne Führung be­sitzt und ei­genständig Verträge – wie z.B. mit dem Kläger – ab­sch­ließt, an­zu­wen­den. Die Be­stim­mun­gen der Eu­GV­VO sind gemäß Art. 1 Abs. 1 in Zi­vil- und Han­dels­sa­chen an­zu­wen­den, zu de­nen – wie die Be­stim­mun­gen in Art. 18 ff. Eu­GV­VO zei­gen – auch Strei­tig­kei­ten aus in­di­vi­du­el­len Ar­beits­verträgen gehören. Sie ent­hal­ten kei­ne Re­ge­lun­gen darüber, dass di­plo­ma­ti­sche Ver­tre­tun­gen ausländi­scher Staa­ten von ih­rem An­wen­dungs­be­reich aus­ge­nom­men sind. Für wel­che An­ge­le­gen­hei­ten die Eu­GV­VO nicht gel­ten soll, wur­de viel­mehr in Art. 1 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 Eu­GV­VO fest­ge­legt. Da­nach kommt es dar­auf an, ob die An­ge­le­gen­heit ei­nes der dort ge­nann­ten Rechts­ge­bie­te zu­zu­ord­nen ist und nicht dar­auf, ob es sich bei ei­ner der Par­tei­en des Rechts­streits um ei­nen ausländi­schen Staat han­delt und wel­chen Zweck ei­ne Ein­rich­tung die­ses Staats in ei­nem
Mit­glied­staat hat. Für ei­ne An­wen­dung des Art. 18 Abs. 2 Eu­GV­VO genügt es da­her, dass der Ar­beit­ge­ber, der in ei­nem Mit­glied­staat kei­nen Wohn­sitz hat, dort ei­ne Außen­stel­le mit ei­ner ei­ge­nen Führung be­treibt und von dort aus am Rechts­ver­kehr in Zi­vil- und Han­dels­sa­chen teil­nimmt. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind im Fal­le der Bot­schaft der Be­klag­ten in Ber­lin ge­ge­ben.
b) So­weit die Par­tei­en un­ter VI. ih­res Ar­beits­ver­trags die Zuständig­keit al­ge­ri­scher Ge­rich­te ver­ein­bart ha­ben, steht dies der in­ter­na­tio­na­len Zuständig­keit der deut­schen Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen nicht ent­ge­gen. Nach Art. 21 Eu­GV­VO kann von den Vor­schrif­ten der Art. 18 ff. Eu­GV­VO im We­ge der Ver­ein­ba­rung nur ab­ge­wi­chen wer­den, wenn die Ge­richts­stand­ver­ein­ba­rung nach der Ent­ste­hung der Strei­tig­keit ge­trof­fen wur­de oder wenn sie dem Ar­beit­neh­mer die – zusätz­li­che - Be­fug­nis einräumt, an­de­re als die in Art. 18 ff. Eu­GV­VO ge­nann­ten Ge­rich­te an­zu­ru­fen (Ger­mel­mann/Mat­thes/Prütting/Müller-Glöge, ArbGG, 6. Auf­la­ge 2008, § 1 Rd­nr. 27). Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind im vor­lie­gen­den Fall nicht ge­ge­ben. Die ar­beits­ver­trag­li­che Ge­richts­stands­ver­ein­ba­rung wur­de vor Be­ginn der vor­lie­gen­den Strei­tig­keit ge­trof­fen. Sie ver­weist den Kläger aus­sch­ließlich an die al­ge­ri­schen Ge­rich­te und räumt ihm nicht ei­ne zusätz­li­che Kla­gemöglich­keit in Al­ge­ri­en ein.
Die Kla­ge ist teil­wei­se be­gründet.
1. Die Rech­te und Pflich­ten der Par­tei­en aus dem Ar­beits­verhält­nis be­stim­men sich nach deut­schem Ar­beits­recht.
a) Nach Art. 27 Abs. 1 EGBGB un­ter­liegt der Ver­trag dem von den Par­tei­en gewähl­ten Recht. Die Rechts­wahl muss aus­drück­lich sein oder sich mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit aus den Be­stim­mun­gen des Ver­trags oder aus den Umständen des Fal­les er­ge­ben. Ha­ben die Par­tei­en das an­zu­wen­den­de Recht nicht aus­drück­lich fest­ge­legt, ist aus Ge­richts­stands­klau­seln, Schieds­klau­seln, ver­trag­li­chen Be­zug­nah­men auf ein Recht so­wie aus der Ver­ein­ba­rung ei­nes für bei­de Par­tei­en ge­mein­sa­men Erfüllungs­orts, der An­wend­bar­keit von Ta­rif­verträgen
und sons­ti­ger Re­ge­lun­gen am Sitz des Ar­beit­ge­bers zu schließen, ob und ggf. wel­che kon­klu­den­te Rechts­wahl die Par­tei­en ge­trof­fen ha­ben (BAG, a.a.O., un­ter A. II. 2. bb) (3) der Ent­schei­dungs­gründe).
Wur­de ei­ne Rechts­wahl nicht ge­trof­fen, un­ter­lie­gen Ar­beits­verträge und Ar­beits­verhält­nis­se gemäß Art. 30 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB dem Recht des Staa­tes, in dem der Ar­beit­neh­mer in Erfüllung des Ver­tra­ges gewöhn­lich sei­ne Ar­beit ver­rich­tet, es sei denn, aus der Ge­samt­heit der Umstände er­gibt sich, dass der Ar­beits­ver­trag oder das Ar­beits­verhält­nis en­ge­re Ver­bin­dun­gen zu ei­nem an­de­ren Staat auf­weist; in die­sem Fall ist das Recht die­ses an­de­ren Staa­tes an­zu­wen­den.
b) Im vor­lie­gen­den Fall ha­ben die Par­tei­en kei­ne aus­drück­li­che Rechts­wahl ge­trof­fen. Die Be­stim­mung in VI. des Ar­beits­ver­trags be­zieht sich aus­sch­ließlich auf die Zuständig­keit al­ge­ri­scher Ge­rich­te; ihr kann nicht ent­nom­men wer­den, dass sich die ar­beits­ver­trag­li­chen Rechts­be­zie­hun­gen der Par­tei­en aus­sch­ließlich nach al­ge­ri­schem Recht rich­ten soll­ten.
Die Be­stim­mun­gen des Ver­trags und die Umstände des Fal­les recht­fer­ti­gen auch nicht mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit, dass die Par­tei­en die An­wend­bar­keit des deut­schen oder des al­ge­ri­schen Ar­beits­rechts ver­ein­bart ha­ben. Zwar spre­chen die ge­nann­te Ge­richts­stands­ver­ein­ba­rung, die gewähl­te Ver­trags­spra­che, die al­ge­ri­sche Her­kunft des Klägers und sei­ne Tätig­keit im öffent­li­chen Dienst der Be­klag­ten dafür, dass sich die Rechts­be­zie­hun­gen nach al­ge­ri­schem Recht rich­ten soll­ten. Dem­ge­genüber wa­ren die bei­der­sei­ti­gen ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten aus­sch­ließlich in Deutsch­land zu erfüllen, wur­de der Kläger in Eu­ro be­zahlt und dem deut­schen So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht un­ter­wor­fen so­wie vor­ge­se­hen, dass der Kläger sei­ne Einkünf­te in Deutsch­land zu ver­steu­ern ha­be; dies spricht für die An­wend­bar­keit deut­schen Rechts. Die ge­nann­ten Umstände recht­fer­ti­gen nicht den Schluss auf ei­ne kon­klu­dent ge­trof­fe­ne Rechts­wahl.
Der Ar­beits­ver­trag bzw. das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en wei­sen auch kei­ne en­ge­ren Ver­bin­dun­gen zu Al­ge­ri­en als zu der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf. Der
Ar­beits­ver­trag wur­de in Deutsch­land ab­ge­schlos­sen, der Kläger hat­te hier be­reits bei Ver­trags­schluss sei­nen Wohn­sitz. Fer­ner hat­te der Kläger sei­ne Ar­beits­leis­tung aus­sch­ließlich in Deutsch­land zu ver­rich­ten; er wur­de in hie­si­ger Währung vergütet und dem deut­schen So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht un­ter­stellt. Dass er in ei­ner di­plo­ma­ti­schen Ver­tre­tung der Be­klag­ten tätig war und die al­ge­ri­sche Staats­an­gehörig­keit be­sitzt, verstärkt zwar ne­ben den sons­ti­gen An­knüpfungs­punk­ten des Ver­trags an den al­ge­ri­schen Rechts­kreis die Ver­bin­dung zu der Be­klag­ten; sie wie­gen je­doch ins­ge­samt nicht schwe­rer als die Ver­bin­dun­gen des Ar­beits­ver­trags bzw. des Ar­beits­verhält­nis­ses an die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, zu­mal der Kläger le­dig­lich ein­fa­che­re Hilfstätig­kei­ten zu ver­rich­ten hat­te. Da­mit fin­det gemäß Art. 30 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB deut­sches Recht auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung.
2. Die ge­gen die Kündi­gung vom 29. Au­gust 2007 ge­rich­te­te Kla­ge ist be­gründet. Die Kündi­gung ist so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt und da­mit rechts­un­wirk­sam, § 1 Abs. 1, 2 KSchG.
a) Der Kläger hat die Kla­ge­frist des § 4 KSchG ge­wahrt. Er hat die Kündi­gungs­schutz­kla­ge be­reits am 6. Sep­tem­ber 2007 bei dem Ar­beits­ge­richt ein­ge­reicht. Dass die Kla­ge der Be­klag­ten über ih­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten erst am 8. Fe­bru­ar 2008 zu­ge­stellt wur­de, hat der Kläger nicht zu ver­tre­ten und ist – ei­ne for­ma­le Zu­stel­lung der Kla­ge in Al­ge­ri­en hätte ei­ne Zeit von we­nigs­tens ei­nem Jahr in An­spruch ge­nom­men – gemäß § 167 ZPO unschädlich.
b) Die streit­be­fan­ge­ne Kündi­gung ist so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt, weil sie nicht durch Gründe, die in dem Ver­hal­ten oder der Per­son des Klägers lie­gen, be­dingt ist. Die Be­klag­te hat ent­ge­gen § 1 Abs. 1 Satz 4 KSchG kei­ne Umstände vor­ge­tra­gen, die die Kündi­gung so­zi­al recht­fer­ti­gen könn­ten.
aa) Die Be­klag­te kann die Kündi­gung nicht mit Er­folg dar­auf stützen, sie ha­be kein Ver­trau­en mehr in den Kläger. Die bloße Be­haup­tung ei­nes Ver­trau­ens­ver­lus­tes genügt für sich ge­nom­men nicht, die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses so­zi­al zu recht­fer­ti­gen. Es ist viel­mehr er­for­der­lich, dass der Ar­beit­ge­ber die Tat­sa­chen
be­nennt und ei­ner ge­richt­li­chen Über­prüfung zuführt, die Grund­la­ge für den Ver­lust des Ver­trau­ens sind; ein der­ar­ti­ger Vor­trag der Be­klag­ten ist nicht er­folgt.
bb) Die Be­klag­te kann sich auch nicht dar­auf be­ru­fen, dass dem Kläger meh­re­re Ab­mah­nun­gen er­teilt wor­den sind. So­weit dem Kläger vor­ge­wor­fen wur­de, er sei zu häufig ar­beits­unfähig krank, fehlt es be­reits an ei­nem pflicht­wid­ri­gen Ver­hal­ten des Klägers. Die wei­te­ren Vorwürfe, der Kläger ha­be sich re­spekt­los ge­genüber dem Bot­schaf­ter ver­hal­ten und ei­nen Di­plo­ma­ten zu spät ab­ge­holt, hat die Be­klag­te nicht näher be­gründet. Vor al­lem aber hat die Be­klag­te nicht an­ge­ge­ben, dass der Kläger sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten nach den er­teil­ten Ab­mah­nun­gen noch ein­mal ver­letzt hat. Es kann da­her nicht fest­ge­stellt wer­den, dass die Kündi­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen so­zi­al ge­recht­fer­tigt ist.
cc) Die Kündi­gung er­weist sich auch nicht im Hin­blick auf die krank­heits­be­ding­ten Fehl­zei­ten des Klägers als so­zi­al ge­recht­fer­tigt. Zwar können häufi­ge Fehl­zei­ten in der Ver­gan­gen­heit An­lass für ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses sein, wenn auch zukünf­tig mit nicht un­er­heb­li­chen Fehl­zei­ten zu rech­nen ist und dies zu er­heb­li­chen Be­ein­träch­ti­gung der be­trieb­li­chen In­ter­es­sen führt, die dem Ar­beit­ge­ber auch nach ei­ner um­fas­sen­den In­ter­es­sen­abwägung nicht mehr zu­ge­mu­tet wer­den können (vgl. hier­zu nur BAG, Ur­teil vom 8. No­vem­ber 2007 – 2 AZR 292/06 - AP Nr. 29 zu § 1 KSchG 1969 Per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung). Die Be­klag­te hat je­doch we­der die Krank­heits­zei­ten des Klägers im Ein­zel­nen an­ge­ge­ben noch mit­ge­teilt, wel­che kon­kre­ten be­trieb­li­chen oder wirt­schaft­li­chen Be­las­tun­gen bei wei­te­ren Fehl­zei­ten in dem bis­he­ri­gen Um­fang zu befürch­ten sind. Dies geht zu Las­ten der Be­klag­ten, die die Wirk­sam­keit der streit­be­fan­ge­nen Kündi­gung zu be­le­gen hat.
3. Der Kläger kann nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (grund­le­gend BAG Großer Se­nat, Be­schluss vom 27. Fe­bru­ar 1985 – GS 1/84 – AP Nr. 14 zu § 611 BGB Beschäfti­gungs­pflicht) von der Be­klag­ten ver­lan­gen, bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­rechts­streits zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen wei­ter­beschäftigt zu wer­den, nach­dem die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung zweit­in­stanz­lich fest­ge­stellt wor­den ist und be­son­de­re Umstände, die
gleich­wohl ge­gen ei­ne tatsächli­che Beschäfti­gung des Klägers spre­chen könn­ten, we­der vor­ge­tra­gen noch er­sicht­lich sind.
4. Die Be­klag­te ist gemäß § 615 BGB ver­pflich­tet, an den Kläger die Vergütung für die Mo­na­te No­vem­ber 2007 bis De­zem­ber 2008 in Höhe von ins­ge­samt 25.459,56 EUR zu zah­len, wo­bei sich der Kläger die von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit für die­sen Zeit­raum er­hal­te­nen Leis­tun­gen in Höhe von ins­ge­samt 10.781,40 EUR an­rech­nen las­sen muss; we­gen wei­te­rer 0,20 EUR, die sich der Kläger nicht an­rech­nen las­sen woll­te, er­weist sich die Kla­ge hin­ge­gen als un­be­gründet. Die Be­klag­te be­fand sich auch oh­ne ein tatsächli­ches oder wört­li­ches Ar­beits­kraft­an­ge­bot gemäß § 296 in An­nah­me­ver­zug. Das Ar­beits­verhält­nis be­stand über den 30. Sep­tem­ber 2007 hin­aus fort, weil die Kündi­gung vom 29. Au­gust 2007 – wie aus­geführt – rechts­un­wirk­sam ist. Die Be­klag­te hat dem Kläger gleich­wohl ei­nen funk­ti­onsfähi­gen Ar­beits­platz nicht zu­ge­wie­sen und da­mit ei­ne für die Ar­beits­leis­tung des Klägers not­wen­di­ge Mit­wir­kungs­leis­tung un­ter­las­sen. Bei die­ser Sach­la­ge war ein tatsächli­ches oder wört­li­ches Ar­beits­kraft­an­ge­bot des Klägers nicht er­for­der­lich, um ei­nen An­nah­me­ver­zug der Be­klag­ten zu be­gründen (vgl. hier­zu nur BAG, Ur­teil vom 19. April 1990 – 2 AZR 591/89 – AP Nr. 45 zu § 615 BGB).
Die Zins­ent­schei­dung recht­fer­tigt sich aus den §§ 286, 288 BGB.
5. Die Kla­ge auf Zah­lung ei­ner Über­stun­den­vergütung ist un­be­gründet. Der Kläger hat sei­nen An­spruch nicht hin­rei­chend be­gründet.
Ver­langt ein Ar­beit­neh­mer ei­ne Vergütung für Über­stun­den, hat er im Ein­zel­nen dar­zu­le­gen, an wel­chen Ta­gen und zu wel­chen Ta­ges­zei­ten er über die übli­che Ar­beits­zeit hin­aus ge­ar­bei­tet hat. Er muss zum ei­nen vor­tra­gen, von wel­cher Nor­mal­ar­beits­zeit er aus­geht und dass er tatsächlich ge­ar­bei­tet hat. Wur­den die Ar­beits­leis­tun­gen vom Ar­beit­ge­ber be­strit­ten, muss der Ar­beit­neh­mer fer­ner die Art der Ar­beits­leis­tung dar­le­gen. Sch­ließlich setzt der An­spruch auf ei­ne Über­stun­den­vergütung vor­aus, dass die Über­stun­den vom Ar­beit­ge­ber an­ge­ord­net,
ge­bil­ligt oder ge­dul­det wur­den oder je­den­falls zur Er­le­di­gung der ge­schul­de­ten Ar­beit not­wen­dig wa­ren (BAG, Ur­teil vom 25. Mai 2005 – 5 AZR 319/04 – AP Nr. 17 zu § 1 TVG Ta­rif­verträge: Gebäuderei­ni­gung).
Das Vor­brin­gen des Klägers wird die­sen An­for­de­run­gen nicht ge­recht. Er hat le­dig­lich an­ge­ge­ben, an wel­chen Ta­gen wel­che An­zahl von Über­stun­den an­ge­fal­len sein sol­len, oh­ne je­doch – was im Hin­blick auf das Be­strei­ten der Be­klag­ten er­for­der­lich ge­we­sen wäre – mit­zu­tei­len, wel­che Ar­beits­leis­tun­gen er je­weils kon­kret er­bracht ha­ben will. Der Kläger hat auch nicht an­ge­ge­ben, aus wel­chen Umständen fol­gen soll, dass Über­stun­den an­ge­ord­net, ge­dul­det oder ge­bil­ligt wur­den. Dass er das Dienst­fahr­zeug le­dig­lich für dienst­li­che Zwe­cken er­hielt, mag zu­tref­fen, sagt aber nichts darüber aus, wann das Fahr­zeug tatsächlich ge­nutzt wur­de. Die Ein­tra­gun­gen in dem Fahr­ten­buch stam­men vom Kläger und ge­ben da­mit kei­nen ob­jek­ti­ven An­halts­punkt dafür, dass tatsächlich Über­stun­den ge­leis­tet wur­den. Auch hat die Be­klag­te zu kei­ner Zeit Über­stun­den – z .B. durch ein Ge­gen­zeich­nen der Ein­tra­gun­gen im Fahr­ten­buch – an­er­kannt. Bei die­ser Sach­la­ge kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Be­klag­te zur Zah­lung ei­ner Über­stun­den­vergütung ver­pflich­tet ist.
Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wur­de gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen. Die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on des Klägers la­gen dem­ge­genüber nicht vor.
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