Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=10.02.2015&Aktenzeichen=VI%20ZR%208/14
Timestamp: 2019-05-21 13:50:56
Document Index: 228853151

Matched Legal Cases: ['§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Schadensersatz bei Verkehrsunfall mit Personenschaden: Haftung für psychische Beeinträchtigungen einer Kindesmutter nach Auffinden ihres unfallverletzten Kindes; Wegfall des Zurechnungszusammenhangs bei Ablehnung weiterer Therapiemöglichkeiten; Voraussetzungen materiellen und immateriellen Schadensersatzes für Schockschäden
Die vom Landgericht (LGU 11 ff., unter IV) aufgrund des eingeholten Sachverständigengutachtens mit Recht bejahte Gesundheitsbeschädigung im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB, die pathologisch fassbar ist und über die "normalen" gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei der Benachrichtigung von dem Unfall eines nahen Angehörigen hinausgeht (vgl. BGH, Urteil vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, NJW 2015, 2246, Rn. 9), hat der Beklagte in der Berufungsinstanz zunächst nicht bestritten (siehe Berufungsbegründung, S. 8 = GA II 152 unten).
Eine besondere Schadensanfälligkeit des Verletzten ist aber dem Schädiger haftungsrechtlich zuzurechnen; dieser Grundsatz gilt auch für psychische Schäden (vgl. BGH…, Urteil vom 30. April 1996 - VI ZR 55/95, BGHZ 132, 341 = NJW 1996, 2425, zitiert nach juris, Rn. 18 m.w.N.; vgl. auch BGH, Urteil vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, NJW 2015, 2246, Rn. 11).
Allerdings muss vom Geschädigten grundsätzlich verlangt werden, dass er, soweit er dazu imstande ist, zur Heilung oder Besserung seiner Krankheit oder Schädigung die nach dem Stand der ärztlichen Wissenschaft sich darbietenden Mittel anwendet (BGH, Urteil vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, NJW 2015, 2246, Rn. 15 m.w.N.; vgl. dazu auch Dörr, MDR 2015, 1209, 1211).
Eine Zurechnung kann auch dann ausscheiden, wenn das Schadensereignis ganz geringfügig ist (Bagatelle; vgl. Senatsurteil vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, NZV 2015, 281, 282 mwN).