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Timestamp: 2017-10-20 21:56:42
Document Index: 235511272

Matched Legal Cases: ['Art. 129', 'Art. 8', 'Art. 26', 'Art. 26', 'BGE', 'Art. 104', 'Art. 64', 'Art. 92', 'BGE', 'BGE', 'Art. 92', 'Art. 64', 'BGE', 'Art. 21', 'Art. 2', 'Art. 8', 'BGE', 'BGE']

I 281/02 09.01.2004
I 281/02
L.________, 1989, Beschwerdeführerin, vertreten
durch ihre Mutter, und diese vertreten durch den Rechtsdienst für Behinderte, Schützenweg 10, 3014 Bern,
Die 1989 geborene L.________ leidet an einer angeborenen mittel- bis hochgradigen Innenohrschwerhörigkeit beidseits. Eine Erstversorgung mit Hörgeräten durch die Invalidenversicherung erfolgte 1995. Im gleichen Jahr wurden ihr im Weiteren pädagogisch-therapeutische Massnahmen (Hörtraining und Ableseunterricht) sowie eine FM-Anlage und ein Pflegebeitrag leichten Grades für hilflose Minderjährige zugesprochen. Gestützt auf die Expertise 1 vom 24. August 2000 und die Expertise 2 vom 15. November 2000 des Dr. med. J.________, Spezialarzt FMH für Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten, Hals- und Gesichtschirurgie, reihte die IV-Stelle des Kantons Aargau (nachfolgend: IV-Stelle) die Versicherte in die Indikationsstufe 3 ein und sprach ihr mit Verfügung vom 11. April 2001 den für die erforderliche binaurale Versorgung in dieser Indikationsstufe tariflich vorgesehenen Höchstbetrag von Fr. 4918.15 zu; den Mehrbetrag über Fr. 1064.25 für zwei Hörgeräte Widex Senso C18-T im Gesamtbetrag von Fr. 5982.40 lehnte sie ab. Bereits mit Mitteilung vom 27. Dezember 2000 war ihr die vollständige Vergütung der FM-Anlage über Fr. 3020.75 zugesprochen worden.
Die gegen die Verfügung vom 11. April 2001 erhobene Beschwerde, mit welcher die Eltern der Versicherten die Vergütung der gesamten Kosten der zwei Hörgeräte im Betrag von Fr. 5982.40 beantragen liessen, wies das Versicherungsgericht des Kantons Aargau mit Entscheid vom 5. März 2002 ab.
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde lässt L.________ beantragen, unter Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides seien ihr die gesamten Kosten für die zwei Hörgeräte Widex Senso C18-T im Betrag von Fr. 5982.40 zuzusprechen. Sie lässt eine Stellungnahme des Leiters der Ombudsstelle für Menschen mit Hörproblemen (nachfolgend: Ombudsstelle), Q.________, vom 25. März 2002 ins Recht legen.
1.2 Der Rechtsstreit dreht sich um die Frage, ob Vorinstanz und Verwaltung zu Recht die Übernahme der gesamten Kosten für die Hörgeräteversorgung von Fr. 5982.40 abgelehnt und ihren Anspruch in Anwendung des Tarifvertrages für die Hörgeräteabgabe, in Kraft seit 1. April 1999, auf Fr. 4918.15, entsprechend dem Höchstbetrag der Indikationsstufe 3, beschränkt haben. Damit geht es um die Anwendung eines Tarifes im Einzelfall und nicht um eine Tarifstreitigkeit im Sinne von Art. 129 Abs. 1 lit. b OG, weshalb auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde einzutreten ist.
2. Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit wieder herzustellen, zu verbessern, zu erhalten oder ihre Verwertung zu fördern. Dabei ist die gesamte noch zu erwartende Arbeitsdauer zu berücksichtigen (Art. 8 Abs. 1 IVG). Nach Massgabe der Artikel 13, 19, 20 und 21 besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben (Abs. 2). Zu diesen Eingliederungsmassnahmen gehört auch die Abgabe von Hilfsmitteln (Abs. 3 lit. d).
Der versicherten Person steht die Wahl unter den Abgabestellen für Hilfsmittel frei, wenn sie den kantonalen Vorschriften und den Anforderungen der Versicherung genügen (vgl. Art. 26bis Abs. 1 IVG). Von der ihm durch Abs. 2 des Art. 26bis IVG eingeräumten Kompetenz, Vorschriften für die Zulassung der Leistungserbringer zu erlassen, hat der Bundesrat nur im Sonderschulbereich mit der Verordnung über die Zulassung von Sonderschulen in der Invalidenversicherung (SZV) Gebrauch gemacht. In allen anderen Leistungsbereichen bestehen keine solchen Zulassungsvorschriften; hier kommt mit Blick auf das freie Wahlrecht des Versicherten nur der Vorbehalt der kantonalen Vorschriften zum Zug (BGE 121 V 11 Erw. 5b, ZAK 1982 S. 325 Erw. 3). Entsprechend eingeschränkt ist die Prüfungszuständigkeit des Sozialversicherungsgerichts (EVGE 1968 S. 263; Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 188).
Das Vertragswerk basiert auf der Grundüberlegung, dass eine - gemäss Anhang 4 (Ablaufschema einer Hörgeräteanpassung) vorzunehmende - Ermittlung der medizinischen Indikation der jeweils am Recht stehenden versicherten Person eine einwandfreie Hörgeräteversorgung garantiert, welche mit den Tarifpositionen für die Invalidenversicherung und (75 % davon) für die AHV gemäss Anhang 3 hinreichend entschädigt wird. Der neue Hörgeräte-Tarif bezweckt daher einerseits, die IV/AHV von der Übernahme unnötiger Hörgerätekosten zu bewahren, anderseits der versicherten Person eine genügende, d.h. eine so genannte «zuzahlungsfreie Versorgungsvariante» zu gewährleisten. Diesem Zweck dient der Anhang 2 über die vergleichende Anpassung, welche der versicherten Person zu beurteilen erlaubt, ob ihr der Hörgerätehersteller die bestmögliche zuzahlungsfreie Variante anbietet. Verzichtet die versicherte Person auf eine vergleichende Anpassung, hat sie dies bei Mehrkosten schriftlich zu bestätigen (Ziff. 2 von Anhang 2).
Die Preislimite insgesamt (variabler Maximalpreis für das Hörgerät und fixe Pauschale für die Dienstleistung) beträgt (exklusiv Mehrwertsteuer) bei der medizinischen Indikationsstufe 1 monaural Fr. 1'840.- (Fr. 870.- + Fr. 970.-) und binaural Fr. 3'160.- (Fr. 1'735.- + Fr. 1'425.-), bei der medizinischen Indikationsstufe 2 monaural Fr. 2'190.- (Fr. 1'000.- + Fr. 1'190.-) und binaural Fr. 3'690.- (Fr. 1'990.- + Fr. 1'700.-) sowie bei der medizinischen Indikationsstufe 3 monaural Fr. 2'710.- (Fr. 1'305.- + Fr. 1'405.-) und binaural Fr. 4'575.- (Fr. 2'610.- + Fr. 1'965.-).
Diese Kriteriengruppe gemäss Ziff. 4.1.1 der Expertenempfehlungen muss je nach dem Status der versicherten Person gewichtet werden. Die audiologischen Kriterien werden im Regelfall mit maximal 50 Punkten gewichtet (Tonaudiogramm 17 Punkte, Sprachaudiogramm 17 Punkte, überschwellige Tests 16 Punkte), das sozial-emotionale Handicap mit maximal 25 Punkten und die beruflichen Kommunikationsanforderungen mit ebenfalls maximal 25 Punkten (Ziff. 4.2.2 der Expertenempfehlungen). Bei den Nichterwerbstätigen gewichtet die Erstexpertise im IV-Alter die audiologischen Kriterien mit maximal 65 Punkten und das sozial-emotionale Handicap mit maximal 35 Punkten, wogegen die Berücksichtigung der beruflichen Kommunikationsanforderungen hier naturgemäss entfällt (Ziff. 4.3.2 der Expertenempfehlungen). Was die Erstexpertise im AHV-Alter anbelangt, muss die Einteilung der Indikationsstufen berücksichtigen, dass die Hörgeräteversorgung im Alter - anders als in der Invalidenversicherung - nach Ziff. 5.57 HVA eine hochgradige Schwerhörigkeit voraussetzt, weshalb die Hochgradigkeit mit dem Erreichen von 40 Punkten definiert wird. Es braucht somit 40 bis 49 Punkte für die Indikationsstufe 1 (einfache Versorgung), 50 bis 75 Punkte für die Indikationsstufe 2 (komplexere Versorgung) und mehr als 75 Punkte für die Indikationsstufe 3 (sehr komplexe Versorgung; Ziff. 4.4.1 der Expertenempfehlungen). Die Kriterien werden gleich gewichtet wie bei den IV-Nichterwerbstätigen, d.h. die audiologischen Kriterien mit maximal 65 Punkten und das sozial-emotionale Handicap mit maximal 35 Punkten (Ziff. 4.4.2 der Expertenempfehlungen). Besondere Richtlinien gelten für die Expertentätigkeit bei Säuglingen und Kleinkindern (Abschnitt 6 der Expertenempfehlungen). Die Kinder werden drei Kategorien zugeordnet: K 1 = Kinder im Vorschulalter bis 7 Jahre (sowie Schulkinder bis zur vollendeten zweiten Primarklasse), K 2 = Kinder mit weit gehend normaler Sprachentwicklung ab 8 Jahre (ab der 3. Primarklasse) bis zum Erreichen des Erwachsenenalters, K 3 = Kinder jeglichen Alters mit zusätzlichen Erschwernissen, wie insbesondere Fremdsprachigkeit, Kinder mit Entwicklungsdefiziten insbesondere im sprachlichen und kognitiven Bereich, Kinder mit Lern- und Zusatzbehinderungen. Geistig behinderte Erwachsene können analog zu Kategorie K 3 behandelt werden.
4.1 Im vorliegenden Fall erfolgte die Zusprechung eines Kostenbeitrages an die digitale Hörgeräteversorgung der Beschwerdeführerin über Fr. 4'918.15 (inklusive Mehrwertsteuer) in Anwendung des eben dargestellten Tarifvertrages. Zu prüfen ist, ob diese Anwendung des Tarifs, insbesondere die Begrenzung des Anspruchs auf den Höchstbetrag der Indikationsstufe 3 gemäss Tarifvertrag in der Höhe von Fr. 4'918.15, vor Bundesrecht standhält (Art. 104 lit. a OG).
4.3.1 Was sodann die Übereinstimmung der einzelnen vom BSV vereinbarten Tarifbestimmungen mit den materiellen Gesetzesbestimmungen betrifft, die den Leistungsanspruch der Versicherten umschreiben, ist festzuhalten, dass Tarifverträge ebenso wie Verwaltungsweisungen des BSV keine eigenen Rechtsregeln, sondern nur eine Konkretisierung und Umschreibung der gesetzlichen und verordnungsmässigen Bestimmungen darstellen. Es handelt sich hierbei um Vorgaben an die Vollzugsorgane der Versicherung über die Art und Weise, wie diese ihre Befugnisse auszuüben haben. Als solche stellen Tarifverträge wie die Verwaltungsweisungen den - im Rahmen der Vertragsverhandlungen durchgesetzten - Standpunkt der Verwaltung über die Anwendung der Rechtsregeln dar und dienen im Rahmen der fachlichen Aufsicht des BSV (vgl. Art. 64 IVG in Verbindung mit Art. 92 IVV) einer einheitlichen Rechtsanwendung, um eine Gleichbehandlung der Versicherten, aber auch die verwaltungsmässige Praktikabilität zu gewährleisten (BGE 129 V 204 Erw. 3 mit Hinweisen, ZAK 1987 S. 581, ZAK 1986 S. 235). Deshalb richten sich solche Ausführungsvorschriften rechtsprechungsgemäss nur an die Durchführungsstellen; für das Sozialversicherungsgericht sind sie nicht verbindlich (BGE 129 V 205 Erw. 3.2 mit Hinweisen).
4.3.2 Mit Bezug auf die zulässige Konkretisierung der normativen Anspruchsgrundlagen hat das Eidgenössische Versicherungsgericht für Preislimiten, die das BSV gestützt auf Art. 92 Abs. 1 IVV in Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 IVG für die Abgabe von Hilfsmitteln in der WHMI (später KHMI) festgesetzt hat, bereits entschieden, dass diese so festgesetzt sein müssen, dass sie den Hilfsmittelanspruch der versicherten Person nicht einschränken. Mit anderen Worten vermögen vom BSV festgesetzte, an sich zulässige Preislimiten (im Verhältnis Leistungserbringer - Versicherung) den sozialversicherungsrechtlichen Leistungsanspruch (im Verhältnis versicherte Person - Versicherung) nicht rechtswirksam zu beschränken (BGE 123 V 18, 114 V 90, ZAK 1992 S. 208, unveröffentlichtes Urteil Z. vom 30. April 1998, I 347/97). Für tarifvertragliche Höchstansätze kann es sich nicht anders verhalten.
In erster Linie geht es um den in Art. 21 Abs. 3 IVG verankerten und in Art. 2 Abs. 4 HVI wiederholten Grundsatz der Einfachheit und Zweckmässigkeit der Hilfsmittelversorgung. Von Bedeutung sind aber auch die allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen der Geeignetheit, Erforderlichkeit und Eingliederungswirksamkeit gemäss Art. 8 IVG, denen die Hörgeräteversorgung unterliegt (vgl. BGE 129 V 67 Erw. 1.1.1). So hat eine versicherte Person nicht auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren Anspruch, sondern in der Regel nur auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, da das Gesetz die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen will, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 124 V 110 Erw. 2a, 122 V 214 Erw. 2c, 121 V 260 Erw. 2c, je mit Hinweisen). Das heisst, die vereinbarten Tarifbestimmungen müssen so ausgestaltet sein, dass deren Anwendung bei Schwerhörigkeit eine Hörgeräteversorgung gewährleistet, die zwar nur, aber immerhin in einfacher und zweckmässiger Weise das mit der Hörgeräteabgabe angestrebte Eingliederungsziel, die adäquate Verständigung im beruflichen oder Tätigkeitsbereich, erreicht (vgl. SVR 2002 IV Nr. 13 S. 41). Insbesondere die Anwendung der Höchstbeträge im Rahmen des vertraglich vorgesehenen Indikationenmodells darf deshalb nicht dazu führen, dass der versicherten Person ein Hörgerät vorenthalten wird, das sich auf Grund ihres besonderen invaliditätsbedingten Eingliederungsbedürfnisses als notwendig erweist. Massgebend bleibt stets der gesetzliche Anspruch auf Hörgeräteabgabe und damit das spezifische Eingliederungsbedürfnis der einzelnen versicherten Person, das mit der Hörgeräteversorgung befriedigt werden soll.
Der Einwand, dass es sich ausnahmsweise gegenteilig verhält, dass also im Einzelfall aus besonderen invaliditätsbedingten Gründen eine die tarifvertraglichen Ansätze übersteigende Hörgeräteversorgung notwendig sei, bleibt indessen nach geltendem Recht zulässig. Denn auf Grund der dargelegten gesetzlichen Konzeption (Erw. 4.3.1-3) ist letztlich stets das konkrete Eingliederungsbedürfnis der Versicherten massgebend. Deshalb bleibt die gerichtliche Prüfung, ob die tarifarisch vergüteten Höchstpreise dem invaliditätsbedingten Eingliederungsbedürfnis im konkreten Einzelfall Rechnung tragen, stets vorbehalten. Jedoch trägt die versicherte Person die Beweislast für die von ihr behauptete Ausnahmesituation. Sie muss substanziiert begründen, weshalb die ihr - gestützt auf den vermutungsweise eine ausreichende Eingliederung zulassenden Tarifvertrag - zugesprochene Hörgeräteversorgung in ihrem Fall dem Eingliederungsziel der adäquaten Verständigung nicht zu genügen vermag. Der Beweis ist erbracht, wenn auf Grund der Aktenlage, insbesondere einer schlüssigen spezialärztlichen und/oder fachaudiologischen Beurteilung, dargetan ist, dass die Abgabe eines Hörgerätes auf der Grundlage der massgeblichen Indikationsstufe gemäss Tarif der versicherten Person keine genügende Verständigung erlaubt und so dem invaliditätsbedingten Eingliederungsbedürfnis nicht hinreichend Rechnung trägt.
Die Berücksichtigung eines spezifischen Eingliederungsbedürfnisses im Einzelfall bedeutet entgegen der Auffassung des BSV keineswegs, dass damit dem Tarifvertrag die grundsätzliche Eignung zur Bestimmung des Anspruchs auf Hörgeräteversorgung abgesprochen wird. Wie die im Rahmen der gerichtlichen Einzelfallprüfung zum Zuge kommende Vermutung (vgl. Erw. 4.3.4 hievor) zeigt, wird der Vertrag mit den Experten-Empfehlungen, auf denen das Indikationenmodell mit den Höchstbeträgen beruht, als gut geeignet und bewährt betrachtet. Es handelt sich um ein Bewertungssystem, das neben dem Hörverlust auch allfälligen anderen vorhandenen Behinderungen sowie den beruflichen und sozialen Gegebenheiten der versicherten Person weit gehend Rechnung trägt und so in der überwiegenden Zahl der Fälle - der Leiter der Ombudsstelle für Hörgeräte spricht in seiner Stellungnahme von 95 % - zu einer hinreichenden Hörgeräteversorgung im Sinne des Gesetzes führt. Eine in jedem einzelnen Versorgungsfall abschliessende Bedeutung kann ihm jedoch aus den dargelegten rechtlichen Gründen nicht zukommen.
5.1 Die Vorinstanz erwog, eine den Verhältnismässigkeitsgrundsatz konkretisierende Festlegung von Hilfsmittelpreisen wie der Tarifvertrag schliesse die Übernahme eines teureren Hilfsmittels nur dann nicht aus, wenn dieses teurere Hilfsmittel durch eine besondere Invalidität ("handicap particulier") bedingt sei (SVR 1997 IV Nr. 108 Erw. 4a, b mit Hinweisen). Dies treffe auf die Beschwerdeführerin nicht zu. Sowohl in der Expertise 1 als auch im Anhörungsschreiben werde die kostspieligere digitale Hilfsmittelversorgung einzig mit der optimalen schulischen Förderung begründet, welche dank der Digitaltechnik zu erzielen sei. Nirgends sei aus den Akten ersichtlich, dass der Beschwerdeführerin wegen der Besonderheit ihres Gehörschadens ein Schulbesuch nur mit den digitalen Hörgeräten möglich sei.
5.2 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird demgegenüber der Standpunkt vertreten, mit Blick auf das Ziel, dem Kind den Besuch der Regelschule auf Bezirksschul-Niveau zu ermöglichen, seien die beantragten Hörgeräte unbedingt notwendig. Es wird dazu auf den Bericht des Leiters der Ombudsstelle, Q.________, vom 25. März 2002 verwiesen. Dieser führt darin u.a. aus, die Versicherte werde im Familienkreis, ganz besonders durch die Mutter, ausserordentlich gefördert, womit trotz hochgradiger Schwerhörigkeit die schulische Förderung an der öffentlichen Schule möglich geworden sei. Auffallend sei die extreme Lärmempfindlichkeit; dies sei zweifellos eine Folge der stark eingeengten Hördynamik, eine Situation, wie sie bei hochgradig hörbehinderten Kindern immer wieder beobachtet werden könne. Die Beschwerdeführerin sei mit zwei Hörgeräten Phonak Sono Forte 231X versorgt worden. Der Antrag auf Neuversorgung sei erfolgt, da diese Geräte an der Grenze der Leistungsfähigkeit und ausgesteuert gewesen seien, aber auch im Hinblick auf den bevorstehenden Wechsel in die Bezirksschule und den damit verbundenen höheren akustischen Ansprüchen, bedingt durch das Fachlehrersystem.
Von Beginn weg sei klar gewesen, dass die Versicherte für den Besuch der öffentlichen Schule weiterhin auf eine FM-Anlage angewiesen sei, dies habe auf Grund der Kompatibilität die Produktewahl auf die beiden Marken Phonak und Widex eingeschränkt. Zudem habe man eine Lösung für die Problematik der extremen Lärmempfindlichkeit finden müssen. Ein erster Versuch mit den beiden analogen Phonak Geräten Sono-Forte 331X und Novo-Forte E3, deren Preise innerhalb der Limiten des Tarifvertrages lägen, hätten bei der Messung zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt: Das Novo Forte E3 habe von Beginn weg nicht zu befriedigen vermocht, während das Sono Forte 331X vorerst im Test besser abschnitt. In der anschliessenden probeweisen Benützung in der alltäglichen akustischen Situation, insbesondere in der Schule, seien jedoch auch bei diesem Gerät erhebliche Probleme aufgetreten. Einerseits sei die Versicherte überfordert gewesen, bei den stetig wechselnden akustischen Situationen die Lautstärke fortlaufend manuell zu regeln; zudem herrschte ein ständiger Kampf mit dem Rückkopplungspfeifen, wie dies bei den meisten analogen Hörgeräten noch immer zu beklagen sei. Bei Kindern in der Wachstumsphase sei dies von besonderer Bedeutung, da die Ohrpass-Stücke nur für eine beschränkte, wachstumsabhängige Zeit die erforderliche Abdichtung gewährleisteten. Auf Grund dieser Erfahrungen habe sich ein Versuch mit den neuen digitalen Hörgeräten mit automatischer Rückkopplungsunterdrückung aufgedrängt, zumal damit ganz speziell auch der ausserordentlichen Lärmempfindlichkeit der Versicherten begegnet werden konnte. Solche Geräte böten sowohl Phonak (Phonak Claro 211) wie auch Widex (Widex Senso) an, wobei in beiden Fällen die Tariflimiten der Indikationsstufe 3 überschritten würden.
Q.________ führt weiter aus, bei der Versicherten habe mit der Widex-Senso-Versorgung ein deutlicher sprachaudiometrischer Gewinn erzielt werden können. Ebenso bedeutungsvoll sei die Tatsache gewesen, dass damit nun der sehr belastenden Lärmempfindlichkeit entsprochen werden konnte (Loudness Mapping System). Die oft von der Versicherten beklagten Kopfschmerzen seien nicht mehr erwähnt worden. Die vergleichende Anpassung zeige audiometrisch ein markant besseres Ergebnis mit den vollautomatischen Hörgeräten Widex Senso C 18. Bei der Auswertung dieses sprachaudiometrischen Gewinns werde die automatische Lautstärkeregelung deutlich, indem bei leiser Sprache das Ergebnis markant besser ausfalle. Von Bedeutung sei auch der Gewinn bei normaler Konversationslautstärke von 60 dB. Hier erreiche die Versicherte nun eine Silbenverständlichkeit von 95 % mit der abgegebenen Versorgung. Es müsse festgehalten werden, dass diese Messungen in einem schallarmen Raum gemacht würden und lediglich Auskunft gäben über das quantitative Ergebnis, nicht jedoch über das qualitative. Unter Geräusch- und Lärmeinwirkungen sowie unter wechselnden akustischen Bedingungen ergäben sich andere Resultate. Diese müssten in diesem Alter unter Einbezug der persönlichen Beurteilung und der Beurteilung durch die Bezugspersonen (Eltern, Geschwister, Therapeuten und Lehrkräfte) bewertet werden. Es seien weitgehend wahrnehmungs-psychologische Faktoren, die mit einbezogen werden müssten. Im Falle der Versicherten habe die gute Ausnützung der engen Hördynamik auf erhebliche Weise ihre Eingliederungschancen, insbesondere im schulischen Bereich, verbessert.
5.3 Die von Q.________ überzeugend und detailliert dargelegten Umstände, welche im Einklang mit der Aktenlage stehen, machen deutlich, dass auf Grund der schwierigen Hörbehinderung der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit ihrer schulischen Situation ein spezifisches, gesteigertes Eingliederungsbedürfnis besteht. Auf Grund seiner Ausführungen erscheint nachvollziehbar, dass eine Versorgung mit den beantragten Hörgeräten insofern als geboten und notwendig erscheinen lässt, als nur diese - und nicht ein Hörgerät der Indikationsstufe 3 - den speziellen Anforderungen genügt und nur damit der Eingliederungserfolg einer hinreichenden Verständigung im schulischen Umfeld gewährleistet werden kann. Eine weitere Abklärung ist entbehrlich, zumal auch Dr. med. J.________ in der Expertise 1 vom 24. August 2000 eine digitale Technologie befürwortet hatte.
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Voraussetzungen für eine Überschreitung der tarifvertraglich vereinbarten Kostenlimite erfüllt sind. Die Beschwerdeführerin hat deshalb Anspruch auf die Übernahme der gesamten Kosten der binauralen Hörgeräteversorung mit zwei Hörgeräten Widex Senso C18-T im Betrag von Fr. 5'982.40 durch die Invalidenversicherung. In diesem Sinne wird die IV-Stelle noch zu verfügen haben.
In Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde werden der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 5. März 2002 und die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Aargau vom 11. April 2001 aufgehoben mit der Feststellung, dass die Beschwerdeführerin Anspruch auf Übernahme der gesamten Kosten der binauralen Hörgeräteversorung mit zwei Hörgeräten Widex Senso C18-T im Betrag von Fr. 5'982.40 hat.
Die Sache wird an die IV-Stelle des Kantons Aargau zurückgewiesen, damit sie über den Leistungsanspruch in masslicher Hinsicht verfüge.