Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/die-steigenden-bezugskosten-des-gasversorgers-und-ihre-weitergabe-an-die-gaskunden-3107790
Timestamp: 2020-01-21 01:58:10
Document Index: 331739126

Matched Legal Cases: ['§ 4', 'Art. 3', '§ 4', '§ 5', '§ 157', '§ 4', '§ 5', '§ 4', '§ 315', 'Art. 3']

Die stei­gen­den Bezugs­kos­ten des Gas­ver­sor­gers – und ihre Wei­ter­ga­be an die Gas­kun­den | Rechtslupe
Die stei­gen­den Bezugs­kos­ten des Gas­ver­sor­gers – und ihre Wei­ter­ga­be an die Gas­kun­den
Das bis­he­ri­ge Ver­fah­ren[↑]
Die Kla­ge hat­te sowohl erst­in­stanz­lich vor dem Amts­ge­richt Ravens­burg 1 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Land­ge­richt Ravens­burg 2 Erfolg. Das Land­ge­richt Ravens­burg hat die Preis­er­hö­hun­gen für wirk­sam erach­tet, da die Gas­ver­sor­ge­rin gemäß § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV zur Preis­än­de­rung berech­tigt gewe­sen sei und die Preis­er­hö­hun­gen der Bil­lig­keit ent­spro­chen hät­ten, weil sie im Wesent­li­chen auf gestie­ge­ne Bezugs­kos­ten zurück­zu­füh­ren sei­en. Das Bestrei­ten der Gas­kun­din hat das Land­ge­richt Ravens­burg als unbe­acht­lich ange­se­hen, weil es nicht aus­rei­chend sub­stan­ti­iert sei. Deren wei­te­ren Vor­trag, die Gas­ver­sor­ge­rin habe die Bezugs­kos­ten durch die beson­de­re Gestal­tung der Ver­triebs­form künst­lich in die Höhe getrie­ben, hat das Beru­fungs­ge­richt als uner­heb­lich betrach­tet, da die Bezugs­kos­ten nicht der gericht­li­chen Kon­trol­le unter­lä­gen. Mit der vom Land­ge­richt zuge­las­se­nen Revi­si­on ver­folgt die Gas­kun­din ihr Kla­ge­ab­wei­sungs­be­geh­ren wei­ter.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren zunächst mit Beschluss vom 18. Mai 2011 aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zur Vor­ab­ent­schei­dung über die Aus­le­gung des Art. 3 Abs. 3 in Ver­bin­dung mit Anhang A Buchst. b und/​oder c der Gas-Richt­li­nie 2003/​55/​EG vor­ge­legt. Die Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on ist am 23. Okto­ber 2014 ergan­gen 3.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat dar­auf­hin durch sei­ne Urtei­le vom 28. Okto­ber 2015 4 sei­ne Recht­spre­chung zum Preis­an­pas­sungs­recht der Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men im Bereich der Erd­gas­ver­sor­gung von Tarif­kun­den (Gas­grund­ver­sor­gung) geän­dert und ent­schie­den, dass § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV und der Nach­fol­ge­re­ge­lung in § 5 Abs. 2 Gas­GVV aF ein gesetz­li­ches Preis­an­pas­sungs­recht des Ener­gie­ver­sor­gers für die Zeit ab dem 1. Juli 2004 – dem Ablauf der Umset­zungs­frist der Gas-Richt­li­nie 2003/​55/​EG – nicht (mehr) ent­nom­men wer­den kann, weil eine sol­che Aus­le­gung nicht mit den Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der genann­ten Richt­li­nie ver­ein­bar wäre. Er hat wei­ter ent­schie­den, dass sich jedoch aus der gebo­te­nen ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung (§§ 157, 133 BGB) des Gas­lie­fe­rungs­ver­trags ergibt, dass der Grund­ver­sor­ger Preis­er­hö­hun­gen zwar nicht mehr in dem bis­her nach § 4 Abs. 1, 2 AVB­GasV bezie­hungs­wei­se § 5 Abs. 2 Gas­GVV aF für mög­lich erach­te­ten Umfang vor­neh­men, aber eige­ne (Bezugs-)Kostensteigerungen an den Kun­den wei­ter­ge­ben darf, soweit die­se nicht durch Kos­ten­sen­kun­gen in ande­ren Berei­chen aus­ge­gli­chen wer­den, und er ver­pflich­tet ist, bei einer Tarif­an­pas­sung Kos­ten­sen­kun­gen eben­so zu berück­sich­ti­gen wie Kos­ten­er­hö­hun­gen. Für Gas­preis­er­hö­hun­gen, die vor dem Ablauf der oben genann­ten Frist zur Umset­zung der Gas-Richt­li­nie 2003/​55/​EG vor­ge­nom­men wor­den sind, bleibt es hin­ge­gen bei der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, wonach im Tarif­kun­den­ver­hält­nis der Vor­schrift des § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV ein Preis­än­de­rungs­recht des Gas­ver­sor­gers nach bil­li­gem Ermes­sen gemäß § 315 BGB zu ent­neh­men ist.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat in die­sem Zusam­men­hang auch – in Fort­füh­rung sei­ner bereits den oben genann­ten Urtei­len vom 28. Okto­ber 2015 5 zugrun­de lie­gen­den Auf­fas­sung – aus­drück­lich und mit ein­ge­hen­der Begrün­dung ent­schie­den, dass ent­ge­gen der von der Revi­si­on ver­tre­te­nen Auf­fas­sung – die von Gas­kun­den auch in wei­te­ren beim Bun­des­ge­richts­hof anhän­gi­gen Ver­fah­ren ver­tre­ten wird – die in den vor­ge­nann­ten Urtei­len des Bun­des­ge­richts­hofs vom 28. Okto­ber 2015 erfolg­te ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung kei­ne noch­ma­li­ge Vor­la­ge an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zur Vor­ab­ent­schei­dung über die Aus­le­gung des Art. 3 Abs. 3 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Gas-Richt­li­nie 2003/​55/​EG erfor­dert. Denn die inso­weit ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­gen sind durch die auf Vor­la­ge des Bun­des­ge­richts­hofs ergan­ge­nen Urtei­le des Uni­ons­ge­richts­hofs vom 21. März 2013 6 und vom 23. Okto­ber 2014 3 bereits – im Sin­ne eines acte eclai­ré – ein­deu­tig geklärt.