Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20ZR%20243/11
Timestamp: 2019-05-27 04:41:48
Document Index: 74070600

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 64', '§ 64', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 17', 'BGH']

BGH, 19.06.2012 - II ZR 243/11 - dejure.org
https://dejure.org/2012,19713
BGH, 19.06.2012 - II ZR 243/11 (https://dejure.org/2012,19713)
BGH, Entscheidung vom 19.06.2012 - II ZR 243/11 (https://dejure.org/2012,19713)
BGH, Entscheidung vom 19. Juni 2012 - II ZR 243/11 (https://dejure.org/2012,19713)
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Haftung des GmbH-Geschäftsführers: Pflicht zur laufenden Beobachtung der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens
GmbHG a. F. § 64
Verpflichtung eines GmbH-Geschäftsführers zur laufenden Beobachtung der wirtschaftlichen Lage der Gesellschaft und näherer Überprüfung im Falle krisenhafter Anzeichen
Anforderungen an die Organisationsplanung des Geschäftsführers einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung; Grundsätze zur Haftung des Geschäftsführers
Haftung des GmbH-Geschäftsführers wegen Zahlung trotz Insolvenzreife - Pflicht zur Überprüfung der wirtschaftlichen Lage bei krisenhaften Anzeichen
Zu den Anforderungen an den Entlastungsbeweis des Geschäftsführers einer GmbH, der nach Eintritt der Insolvenzreife Zahlungen zu Lasten des Gesellschaftsvermögens geleistet hat
GmbHG a.F. § 64 Abs. 2
heise.de (Pressebericht, 27.09.2012)
Geschäftsführer muss den Überblick behalten
Darlegungs- und Beweislast, Geschäftsführer, Gesellschaftsrecht, Haftung, Insolvenz, Insolvenzverfahrensverschleppung, Prüfungspflicht, tatsächliche Vermutung, Überschuldung, Zahlungsverbot
GmbH-Geschäftsführer muss für eine Organisation zur Wahrnehmung seiner Pflichten sorgen
Überschuldung und Insolvenzreife
Fehlende Kenntnis und Fähigkeit des Geschäftsführers zur Prüfung der Insolvenzreife unbeachtlich - Geschäftsführer muss notfalls für eine entsprechende Organisation sorgen
GmbH-Geschäftsführer muss für Organisation sorgen, die ihm die erforderliche finanzielle Übersicht jederzeit ermöglicht
LG Berlin, 25.08.2009 - 91 O 17/09
LG Berlin, 29.09.2009 - 91 O 17/09
KG, 10.06.2010 - 19 U 125/09
NJW-RR 2012, 1122
ZIP 2012, 1557
MDR 2012, 1236
NZI 2012, 812
BB 2012, 2527
NZG 2012, 940
Der Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs verpflichtet, für eine Organisation zu sorgen, die ihm die zur Wahrnehmung seiner Pflichten erforderliche Übersicht über die wirtschaftliche und finanzielle Situation der Gesellschaft jederzeit ermöglicht; verfügt er selbst nicht über ausreichende persönliche Kenntnisse, muss er sich gegebenenfalls fachkundig beraten lassen (BGH, Urteil vom 6. Juni 1994 - II ZR 292/91, BGHZ 126, 181, 199; vom 20. Februar 1995 - II ZR 9/94, ZIP 1995, 560, 561;… vom 14. Mai 2007 - II ZR 48/06, ZInsO 2007, 660 Rn. 16;… vom 27. März 2012 - II ZR 171/10, ZInsO 2012, 1177, Rn. 15; vom 19. Juni 2012 - II ZR 243/11, ZInsO 2012, 1536 Rn. 11).
Dabei muss er sich, sofern er nicht über ausreichende persönliche Kenntnisse verfügt, gegebenenfalls fachkundig beraten lassen (BGH…, Urteil vom 27. März 2012 - II ZR 171/10, ZIP 2012, 1174 Rn. 15; Urteil vom 19. Juni 2012 - II ZR 243/11, ZIP 2012, 1557 Rn. 11 ff., jew. mwN).
Das Verschulden des Geschäftsführers wird bei dieser Sachlage vermutet (vgl. BGH, Urteil vom 19. Juni 2012 - II ZR 243/11, ZIP 2012, 1557 Rn. 10).
Es genügt für den subjektiven Tatbestand die Erkennbarkeit der Insolvenzreife (BGH, Urteil vom 19. Juni 2012 - II ZR 243/11 - ZIP 2012, 1557 ).
Haben im fraglichen Zeitpunkt fällige Verbindlichkeiten erheblichen Umfangs bestanden, die bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens nicht beglichen worden sind, ist regelmäßig von einer Zahlungseinstellung auszugehen (vgl. BGH, Urteil vom 19. Juni 2012 - II ZR 243/11, ZIP 2012, 1557 Rn. 24;… Urteil vom 18. Juli 2013 - IX ZR 143/12, ZIP 2013, 2015 Rn. 9).
Auf die individuellen Fähigkeiten des in Anspruch genommenen Geschäftsführers kommt es nicht an, so dass diesen mangelnde Sachkenntnis nicht entschuldigt (BGH, Urteil vom 19. Juni 2012 - II ZR 243/11, ZIP 2012, 1557 Rn. 9 f. mwN).
Ob der Geschäftsführer seiner Pflicht zur laufenden Beobachtung der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens und näheren Überprüfung im Falle krisenhafter Anzeichen hinreichend nachgekommen ist, ist unter umfassender Berücksichtigung der für die Gesellschaft wirtschaftlich relevanten Umstände zu beurteilen (BGH, Urteil vom 19. Juni 2012 - II ZR 243/11, ZIP 2012, 1557 Rn. 13).
Ob eine ausreichende Kontrolle und Überwachung vorlag und hieran anknüpfend die Insolvenzreife der Schuldnerin für den Beklagten erkennbar war, ist revisionsrechtlich nur daraufhin zu überprüfen, ob der Tatrichter insoweit alle maßgeblichen Umstände berücksichtigt und nicht gegen Denkgesetze oder Erfahrungssätze verstoßen hat (BGH, Urteil vom 19. Juni 2012 - II ZR 243/11, ZIP 2012, 1557 Rn. 14 mwN).
Der zum 31. Dezember 2006 erstellte, von der Beschwerde einseitig zu ihren Gunsten fehlinterpretierte Jahresabschluss der Schuldnerin ist jedenfalls für die Beurteilung ihrer Zahlungsfähigkeit ohne Bedeutung, weil er nicht den hier einschlägigen Zahlungszeitraum ab November 2007 betrifft (vgl. BGH, Urteil vom 19. Juni 2012 - II ZR 243/11, WM 2012, 1539 Rn. 16).
Zutreffend ist das Landgericht davon ausgegangen, dass gemäß § 17 Abs. 2 Satz 2 InsO eine die Vermutung der Zahlungsunfähigkeit begründende fortdauernde Zahlungseinstellung vorliegt, wenn im fraglichen Zeitpunkt fällige Verbindlichkeiten bestanden haben, die bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens nicht beglichen worden sind (BGH, Urteil vom 19.06.2012 - II ZR 243/11, Rz. 24).