Source: https://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Tarifstufen_oeffentlicher_Dienst_Auslaenderdiskriminierung_LAG_Berlin_7Sa773-15_u.html
Timestamp: 2019-08-21 12:07:55
Document Index: 192808704

Matched Legal Cases: ['Art. 45', 'Art. 7', 'EuG', 'Art 39', '§ 2', '§ 4', '§ 16', 'Art. 45', '§ 16', '§ 16', 'Art. 7', '§ 16', '§ 16', '§ 7', 'EuG', '§ 16', '§ 16', '§ 8', '§ 519', '§ 66', '§ 16', '§ 16', 'Art. 45', '§ 16', '§ 9', '§ 16', '§ 9', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', 'Art. 3', '§ 16', 'Art. 45', 'Art. 7', 'Art. 45', 'Art. 7', 'Art. 45', 'Art. 45', 'EuG', 'Art. 7', 'EuG', 'Art. 45', 'Art. 45', 'Art. 267', 'EuG', 'Art 39', 'EuG', 'Art. 45', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 45', '§ 16', 'Art. 7', 'Art. 5', 'Art. 7', 'EuG', 'EuG', 'Art. 45', 'EuG', 'Art. 45', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 45', 'Art. 7', '§ 16', '§ 16', 'EuG', 'Art. 45', 'Art. 45', '§ 91', '§ 72']

LAG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 06.10.2015, 7 Sa 773/15 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 06.10.2015, 7 Sa 773/15
Schlagworte: Ausländerdiskriminierung
Aktenzeichen: 7 Sa 773/15
1. Der Anwendungsbereich der Art. 45 Abs. 2 AEUV und Art. 7 der Verordnung (EU) Nr. 492/2011 ist nur auf Sachverhalte mit Auslandsbezug eröffnet (vgl.. EuGH vom 01.04.2008 –C-212/06 – SozR 4-6035 Art 39 Nr 3; vom 26.01.1999 – C-18/95 [Terhoeve] - Slg. 1999, I-345-397, Ziff. 27; vom 28.01.1992 – C-332/90 [Steen] - Slg. 1992, I-341 – 358, Rz. 12).
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 23.02.2017, 6 AZR 843/15
6. Ok­to­ber 2015
21 Ca 14506/14
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 7. Kam­mer, auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 6. Ok­to­ber 2015 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt R. als Vor­sit­zen­de so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Dr. F. und Herrn W.
Auf die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 01. April 2015 - 21 Ca 14506/14 – ab­geändert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob Beschäfti­gungs­zei­ten, die die Kläge­rin bei ei­nem pri­va­ten Ar­beit­ge­ber zurück­ge­legt hat, für die Stu­fen­zu­ord­nung nach dem TV-L an­zu­rech­nen sind.
Die Kläge­rin, ei­ne Er­zie­he­rin mit staat­li­cher An­er­ken­nung, ist bei dem be­klag­ten Land seit dem 06.01.2014 auf der Grund­la­ge ei­nes schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 26.11.2013 als Er­zie­he­rin tätig. Gemäß § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges gel­ten für das Ar­beits­verhält­nis die Ta­rif­verträge für den öffent­li­chen Dienst der Länder, in der für das Land Ber­lin gel­ten­den Fas­sung. Nach § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges ist die Kläge­rin in der Ent­gelt­grup­pe 8 TV-L ein­grup­piert. Bei ih­rer Ein­stel­lung wur­de sie in die­ser Ent­gelt­grup­pe der Stu­fe 2 zu­ge­ord­net und erhält seit­dem ein ent­spre­chen­des Ent­gelt.
Vor ih­rer An­stel­lung bei dem be­klag­ten Land war die Kläge­rin nach zwei Be­rufs­prak­ti­ka im Zeit­raum vom 01.09.1997 bis zum 28.02.1998 und vom 09.08.1998 bis zum 09.09.1998 und nach Er­lan­gung der staat­li­chen An­er­ken­nung als Er­zie­he­rin zunächst vom 15.03.1999 bis zum 30.06.1999 als Er­zie­he­rin beim Kin­der­haus M. B. e. V. beschäftigt. Da­nach war sie vom 01.10.2001 bis zum 15.08.2011 im Kin­der­la­den E. L. e. V. und vom 16.08.2011 bis zum 31.12.2013 bei der Tech­ni­schen J. F.- und B. (tjb­fg) als Er­zie­he­rin tätig.
Mit Schrei­ben vom 28.07.2014 (Bl. 14 und 15 d. A.) mach­te die Kläge­rin un­ter Be­zug­nah­me auf die Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 05.12.2013 (C-514/12 [Salz­bur­ger Lan­des­kli­ni­ken Be­triebs GmbH]) die Zu­ord­nung zur Stu­fe 4 der Ent­gelt­grup­pe 8 gel­tend. Das be­klag­te Land er­wi­der­te dar­auf mit Schrei­ben vom 06.08.2014 (Bl. 16 d. A.), sie ha­be ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung aus meh­re­ren Ar­beits­verhält­nis­sen nach­wei­sen können, nach den ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen er­ge­be sich dar­aus je­doch nur ei­ne Zu­ord­nung zur Stu­fe 2. Mit ei­nem wei­te­ren Schrei­ben vom 30.09.2014 (Bl. 17 d. A.) mach­te die Kläge­rin die Zah­lung ei­nes Ent­gelts aus Ent­gelt­grup­pe 8 Stu­fe 5 gel­tend und for­der­te das be­klag­te Land auf, das Ent­gelt ent­spre­chend nach­zu­be­rech­nen und ihr auch künf­tig Ent­gelt nach Ent­gelt­grup­pe 8 Stu­fe 5 zu zah­len.
Mit ih­rer am 15.10.2014 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Fest­stel­lungs­kla­ge ver­langt die Kläge­rin ab dem 06.01.2014 Ent­gelt nach der Ent­gelt­grup­pe E 8 Stu­fe 5 TV-L Ber­li­ner Fas­sung. Sie be­gründet ih­ren An­spruch da­mit, die Nicht­berück­sich­ti­gung von Vor­beschäfti­gungs­zei­ten bei an­de­ren Ar­beit­ge­bern als dem Land Ber­lin ver­s­toße nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs ge­gen die eu­ropäischen Re­ge­lun­gen zur Ar­beit­neh­mer­freizügig­keit. In­so­fern er­wei­se sich die ta­rif­li­che Re­ge­lung als nich­tig.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 1. April 2015, auf des­sen Tat­be­stand we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens der Par­tei­en Be­zug ge­nom­men wird, der Kla­ge statt­ge­ge­ben und fest­ge­stellt, dass das be­klag­te Land ver­pflich­tet ist, die Kläge­rin mit Wir­kung ab dem 6. Ja­nu­ar 2014 nach der Ent­gelt­grup­pe E 8 Stu­fe 5 TV-L Ber­li­ner Fas­sung zu vergüten. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, die Kläge­rin ha­be durch die vor der Beschäfti­gung bei dem be­klag­ten Land aus­geübten Tätig­kei­ten ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung in der Ent­gelt­grup­pe 8 TV-L er­wor­ben. Die Tätig­kei­ten bei dem Kin­der­la­den EKT L. und bei der Tech­ni­schen J.F.- und B. (tjb­fg) sei­en bei der Stu­fen­zu­ord­nung zu berück­sich­ti­gen, da die Kläge­rin dort eben­falls die Tätig­keit ei­ner staat­lich an­er­kann­ten Er­zie­he­rin im Sin­ne der Vor­aus­set­zun­gen der Ent­gelt­grup­pe 8 TV-L aus­geübt ha­be. Dem könne § 16 Abs. 2 S. 3 TV-L nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, da die­se Ta­rif­norm nicht mit Art. 45 AEUV und 7 Abs. 1 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 492/2011 des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 05. April 2011 über die Freizügig­keit der Ar­beit­neh­mer in­ner­halb der Uni­on ver­ein­bar sei. Durch die Re­ge­lung des § 16 Abs. 2 S. 3 TV-L kom­me es zu ei­ner mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung von grenzüber­schrei­tend täti­gen Beschäftig­ten, da sie im Ver­gleich zu inländi­schen Beschäftig­ten häufi­ger un­ter die ab­ge­stuf­te Ein­ord­nung nach die­ser Vor­schrift fal­len könn­ten. Ei­ne Recht­fer­ti­gung die­ser mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung durch ei­nes der im Ver­trag der Eu­ropäischen Uni­on ge­nann­ten le­gi­ti­men Zie­le oder durch zwin­gen­de Gründe des All­ge­mein­in­ter­es­ses lie­ge nicht vor. Recht­fol­ge der Un­wirk­sam­keit der ta­rif­li­chen Re­ge­lung sei bis zu ei­ner Abände­rung des Ta­rif­ver­tra­ges die An­wen­dung der Re­ge­lun­gen für die nicht dis­kri­mi­nier­ten Ar­beit­neh­mer, was zu ei­ner An­pas­sung nach oben im Sin­ne der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts führe.
Ge­gen die­ses dem be­klag­ten Land am 20. April 2015 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich sei­ne Be­ru­fung die es mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 5. Mai 2015 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz ein­ge­legt und mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 18. Ju­ni 2015 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet hat.
Das be­klag­te Land wen­det sich im We­sent­li­chen mit Rechts­ausführun­gen ge­gen die ar­beits­ge­richt­li­che Ent­schei­dung. Die Kläge­rin könne sich auf die eu­ro­pa­recht­li­che Vor­schrift zur Freizügig­keit schon des­halb nicht be­ru­fen, weil es an ei­ner sub­jek­ti­ven grenzüber­schrei­ten­den Be­trof­fen­heit feh­le. Sie ha­be zu kei­nem Zeit­punkt von ih­rem Recht auf Freizügig­keit Ge­brauch ge­macht. Aber auch dann, wenn die grundsätz­li­che An­wen­dung uni­ons­recht­li­cher Vor­schrif­ten im vor­lie­gen­den Fall be­jaht würde, wäre ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung von „Wan­der­ar­beit­neh­mern“ nicht er­sicht­lich. § 16 Abs. 2 S. 3 TV-L stel­le – an­ders als Art. 7 Abs. 1 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 492/2011 nicht auf die Staats­an­gehörig­keit ab. Die Vor­schrift gel­te für Aus- und Inländer glei­cher­maßen. Zu­dem lie­ge un­ter Berück­sich­ti­gung der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 23. Sep­tem­ber 2010 – 6 AZR 180/09 – mit der in § 16 Abs. 2 TV-L nor­mier­ten Be­sitz­stands­ver­ein­ba­rung ein le­gi­ti­mes In­ter­es­se an der un­ter­schied­li­chen Be­hand­lung vor. Je­den­falls aber stel­le ei­ne An­wen­dung der Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs auf den vor­lie­gen­den Fall ei­nen gra­vie­ren­den Ein­griff in die Ta­rif­au­to­no­mie dar.
auf die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 01. April 2015 – 21 Ca 14506/14 – ab­geändert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
Die Kläge­rin ver­tei­digt das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil mit Rechts­ausführun­gen zur An­wend­bar­keit der Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 05.12.2013 auf den vor­lie­gen­den Sach­ver­halt. Auf die feh­len­de „Aus­lands­berührung“ kom­me es nach die­sem Ur­teil nicht an. Fol­ge der mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung durch § 16 Abs. 2 S. 2 und 3 TV-L sei die Nich­tig­keit die­ser Vor­schrift (§ 7 Abs. 4 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 492/2011), die nicht et­wa nur im Verhält­nis zu be­stimm­ten Ar­beit­neh­mern (mit „Aus­lands­er­fah­rung“) ein­tre­te, son­dern die Re­ge­lung ins­ge­samt be­tref­fe. Der Gel­tungs­be­reich des EU-Rechts sei auch des­halb eröff­net, weil ei­ne sol­che Re­ge­lung inländi­sche Ar­beit­neh­mer da­von ab­hal­ten könne, von ih­rem Recht auf Freizügig­keit Ge­brauch zu ma­chen, wie dies der EuGH in sei­ner Ent­schei­dung aus­geführt ha­be. Wei­ter­hin sei zu berück­sich­ti­gen, dass die An­wen­dung der Re­ge­lung nur auf Ar­beit­neh­mer mit Aus­lands­be­zug da­zu führen würde, dass inländi­sche Ar­beit­neh­mer im Verhält­nis zu die­sen be­nach­tei­ligt würden. Ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung von Inländern sei eben­so un­zulässig, wie die von An­gehöri­gen an­de­rer Staa­ten. Dass § 16 Abs. 2 S.3 TV-L nicht auf die Staats­an­gehörig­keit ab­stel­le, sei un­er­heb­lich. § 16 Abs. 2 S. 3 TV-L könne sich sei­nem We­sen nach je­den­falls stärker auf an­de­re Staats­an­gehöri­ge aus­wir­ken. Ein „le­gi­ti­mes In­ter­es­se“ an der un­ter­schied­li­chen Be­hand­lung lie­ge nicht vor. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­be sich in sei­ner Ent­schei­dung noch nicht mit primärem und se­kundärem Eu­ro­pa­recht aus­ein­an­der­ge­setzt. Der Ge­sichts­punkt, dass Be­rufs­er­fah­run­gen bei an­de­ren Ar­beit­ge­bern oft­mals in gänz­lich an­ders­ar­ti­gen Struk­tu­ren er­wor­ben wor­den sei­en, sei eher im Rah­men der Stu­fen­zu­ord­nung bei der Prüfung ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung zu berück­sich­ti­gen als bei der Zu­ord­nung zu ei­ner höhe­ren Stu­fen. Ein An­reiz zur Rück­kehr sei kein le­gi­ti­mes und an­ge­mes­se­nes Ziel im Lich­te der Ver­ord­nung. Ei­ne Re­ge­lung, die die „Be­triebs­treue“ pri­vi­le­gie­re, sei mit­tel­bar dis­kri­mi­nie­rend. Auch sei ein Ein­griff in die Ta­rif­au­to­no­mie nicht fest­stell­bar, da die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en oh­ne­hin an höher­ran­gi­ges Recht ge­bun­den sei­en.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des zweit­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf den Schrift­satz des be­klag­ten Lan­des vom 18.06.2015 (Bl. 74 – 82 d. A.) so­wie auf den­je­ni­gen der Kläge­rin und Be­ru­fungs­be­klag­ten vom 15.07.2015 (Bl. 87 – 91 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
1. Die gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1 und 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des ist von ihm frist­gemäß und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO, § 66 Abs. 1 S. 1 und 2 ArbGG).
Die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des ist da­her zulässig.
2. Die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des hat in der Sa­che Er­folg. Die Kläge­rin ist bei ih­rer Ein­stel­lung zu Recht gemäß § 16 Abs. 2 S. 3 TV-L der Stu­fe 2 der Ent­gelt­grup­pe 8 zu­ge­ord­net wor­den. Sie kann sich nicht dar­auf be­ru­fen, die Dif­fe­ren­zie­rung in § 16 Abs. 2 S. 2 und S. 3 TV-L zwi­schen Ar­beit­neh­mern, die ein neu­es Ar­beits­verhält­nis zum sel­ben Ar­beit­ge­ber be­gründen und den Ar­beit­neh­mern, die wie die Kläge­rin von ei­nem an­de­ren, ins­be­son­de­re pri­vat­recht­li­chen Ar­beit­ge­ber in ein Ar­beits­verhält­nis zum be­klag­ten Land ge­wech­selt sind, ver­s­toße ge­gen Art. 45 AEUV und 7 Abs. 1 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 492/2011 des Eu­ropäischen Par­la­men­tes und des Ra­tes vom 5. April 2011 über die Freizügig­keit der Ar­beit­neh­mer in­ner­halb der Uni­on und sei da­her ins­ge­samt nich­tig.
2.1 Der An­spruch der Kläge­rin auf An­er­ken­nung der Vor­beschäfti­gungs­zei­ten für die Zu­ord­nung zu ei­ner höhe­ren Stu­fe der Ent­gelt­grup­pe 8 folgt nicht be­reits aus den Re­ge­lun­gen des TV-L in der für das Land Ber­lin gel­ten­den Fas­sung. Die­se gel­ten auf­grund ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me un­abhängig von ei­ner Ta­rif­bin­dung der Kläge­rin.
2.1.1 Die dafür maßgeb­li­che Vor­schrift in § 16 Abs. 2 TV-L lau­tet wie folgt:
„Bei der Ein­stel­lung wer­den die Beschäftig­ten der Stu­fe 1 zu­ge­ord­net, so­fern kei­ne ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung vor­liegt. Verfügen Beschäftig­te über ei­ne ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung von min­des­tens ei­nem Jahr aus ei­nem vor­he­ri­gen be­fris­te­ten oder un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis zum sel­ben Ar­beit­ge­ber, er­folgt die Stu­fen­zu­ord­nung un­ter An­rech­nung der Zei­ten der ein­schlägi­gen Be­rufs­er­fah­rung aus die­sem vor­he­ri­gen Ar­beits­verhält­nis. Ist die ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung von min­des­tens ei­nem Jahr in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber er­wor­ben wor­den, er­folgt die Ein­stel­lung in die Stu­fe 2, bzw. – bei der Ein­stel­lung nach dem 31. Ja­nu­ar 2014 (§ 9 Abs. 3 Ta­rif­ver­trag zur Über­lei­tung der Beschäftig­ten des Lan­des Ber­lin in das Ta­rif­recht der TD-L (TV Wie­der­auf­nah­me Ber­lin) vom 12. De­zem­ber 2012) und Vor­lie­gen ei­ner ein­schlägi­gen Be­rufs­er­fah­rung von min­des­tens drei Jah­ren – in Stu­fe 3. Un­abhängig da­von kann der Ar­beit­ge­ber bei Neu­ein­stel­lung zur De­ckung des Per­so­nal­be­darfs Zei­ten ei­ner vor­he­ri­gen be­ruf­li­chen Tätig­keit ganz oder teil­wei­se für die Stu­fen­zu­ord­nung berück­sich­ti­gen, wenn die­se Tätig­keit für die vor­ge­se­he­ne Tätig­keit förder­lich ist.“
2.1.2 Nach die­sen ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen hat das be­klag­te Land die Kläge­rin zu­tref­fend in die Stu­fe 2 ein­grup­piert. Die Kläge­rin weist ei­ne ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung von min­des­tens ei­nem Jahr in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber auf. Ei­ne Zu­ord­nung zur Stu­fe 3 konn­te in­des nicht er­fol­gen. Auch wenn die Kläge­rin ei­ne ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung von min­des­tens 3 Jah­ren auf­weist, fin­det die Re­ge­lung in § 16 Abs.2 Satz 2 TV-L kei­ne An­wen­dung, da nach § 9 Abs. 3 des Ta­rif­ver­trags zur Über­lei­tung der Beschäftig­ten des Lan­des Ber­lin in das Ta­rif­recht der TD-L (TV Wie­der­auf­nah­me Ber­lin) vom 12. De­zem­ber 2012 der Stich­tag dafür für den Be­reich des Lan­des Ber­lin auf den 31.01.2014 ver­scho­ben wur­de, die Kläge­rin aber be­reits am 06.01.2014 ein­ge­stellt wur­de.
2.1.3 Ei­ne An­rech­nung von Vor­beschäfti­gungs­zei­ten nach § 16 Abs. 2 S. 2 TV-L kam nach den ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen nicht in Be­tracht. Die­se set­zen vor­aus, dass die ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber er­wor­ben wor­den sein muss (§ 16 Abs. 2 S. 2 TV-L). Dass die Dif­fe­ren­zie­rung in § 16 Abs. 2 S. 2 und S. 3 TV-L zwi­schen Ar­beit­neh­mern, die ein neu­es Ar­beits­verhält­nis zum sel­ben Ar­beit­ge­ber nach ei­ner gemäß der Pro­to­kollerklärung Nr. 3 zu § 16 Abs. 2 TV-L unschädli­chen Un­ter­bre­chung be­gründen, und den Ar­beit­neh­mern, die von ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber in ein Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem Land wech­seln, mit Art. 3 Abs. 1 GG ver­ein­bar ist, hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt be­reits ent­schie­den (Ur­teil vom 23.09.2010 – 6 AZR 180/09 – BA­GE 135, 313 ff.). Dem schließt sich die er­ken­nen­de Kam­mer an.
2.2 Die Kläge­rin hat auch kei­nen An­spruch auf An­er­ken­nung ih­rer Vor­beschäfti­gungs­zei­ten gemäß § 16 Abs. 2 TV-L aus Art. 45 Abs. 2 AEUV und Art. 7 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 492/2011 des Eu­ropäischen Par­la­men­tes und des Ra­tes vom 5. April 2011 über die Freizügig­keit der Ar­beit­neh­mer in­ner­halb der Uni­on.
2.2.1 Art. 45 Abs. 2 AEUV ver­bie­tet je­de auf der Staats­an­gehörig­keit be­ru­hen­de un­ter­schied­li­che Be­hand­lung der Ar­beit­neh­mer der Mit­glied­staa­ten der Eu­ropäischen Uni­on in Be­zug auf Beschäfti­gung, Ent­loh­nung und sons­ti­ge Ar­beits­be­din­gun­gen. Art. 7 Abs. 1 der Ver­ord­nung 492/2011 stellt nur ei­ne be­son­de­re Aus­prägung des in Art. 45 Abs. 2 AEUV ent­hal­te­nen Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots auf dem spe­zi­el­len Ge­biet der Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen und der Ar­beit dar und ist da­her eben­so aus­zu­le­gen wie Art. 45 Abs. 2 AEUV (EuGH v. 05.12.2013 – C-514/12 [Salz­bur­ger Lan­des­kli­ni­ken Be­triebs GmbH] – NZA 2014, 204 – 207). Be­stim­mun­gen in Ta­rif­verträgen sind nich­tig, so­weit sie für Ar­beit­neh­mer, die Staats­an­gehöri­ge an­de­rer Mit­glieds­staa­ten sind, dis­kri­mi­nie­ren­de Be­din­gun­gen vor­se­hen oder zu­las­sen (Art. 7 Abs. 4 Ver­ord­nung (EU) Nr. 492/2011). An ih­re Stel­le tritt die Re­ge­lung, die für die Nicht-Dis­kri­mi­nier­ten gilt (sog. „An­pas­sung nach Oben“, EuGH v. 22.06.2011 – C-399/09 [Land­tovà] – Slg 2011, I-5573-5614; ErfK/Wißmann AEUV Art. 45, Rn 53 mwN).
Die Ver­trags­be­stim­mun­gen über die Freizügig­keit sind je­doch nur auf sol­che Sach­ver­hal­te an­wend­bar, die ei­nen Aus­lands­be­zug auf­wei­sen (ErfK/Wißmann AEUV Art. 45 Rz. 46; Schu­bert/Däubler Ar­beits­recht 3. Aufl. Art. 267 Rn 69). Sie sind nicht auf Tätig­kei­ten an­wend­bar, die kei­ne Berührung mit ir­gend­ei­nem Sach­ver­halt auf­wei­sen, auf die das Ge­mein­schafts­recht ab­stellt und mit kei­nem re­le­van­ten Ele­ment über die Gren­zen ei­nes Mit­glied­staa­tes hin­aus­rei­chen (vgl. EuGH vom 01.04.2008 –C-212/06 – SozR 4-6035 Art 39 Nr 3; vom 26.01.1999 – C-18/95 [Ter­hoeve] - Slg. 1999, I-345-397, Ziff. 27; vom 05.06.1997 – C-64/96 und C-65/96 [Uecker und Jac­quet] - Slg.1997, I-3171, Rnr. 16 und vom 02.07.1998 – C-225/95 bis C-227/95, [Ka­pasaka­lis u. a.] Slg.1998, I-0000, Rnr. 22). Ein Staats­an­gehöri­ger, der nie­mals das Recht auf Freizügig­keit in­ner­halb der Ge­mein­schaft aus­geübt hat, kann sich im Hin­blick auf ei­nen rein in­ter­nen Sach­ver­halt nicht auf die eu­ropäischen Re­ge­lun­gen zur Ar­beit­neh­mer­freizügig­keit be­ru­fen (vgl. EuGH vom 28.01.1992 – C-332/90 [Steen] - Slg. 1992, I-341 – 358, Rz. 12).
2.2.2 So aber verhält es sich auch im Streit­fall. Der An­wen­dungs­be­reich von Art. 45 Abs. 2 AEUV und 7 Abs. 1 der Ver­ord­nung Nr. 492/2011 ist für die Kläge­rin nicht eröff­net. Es fehlt in ih­rer Per­son an ei­nem grenzüber­schrei­ten­den Sach­ver­halt. We­der hat die Kläge­rin die Staats­an­gehörig­keit ei­nes an­de­ren EU-Mit­glieds­staa­tes, noch hat sie Beschäfti­gungs­zei­ten in ei­nem an­de­ren Mit­glieds­staat er­wor­ben, de­ren An­er­ken­nung sie nun im vor­lie­gen­den Pro­zess gel­tend ma­chen möch­te. Die hier im Streit ste­hen­den Beschäfti­gungs­zei­ten hat die Kläge­rin aus­sch­ließlich bei ei­nem pri­va­ten Ar­beit­ge­ber im In­land zurück­ge­legt. Die Kläge­rin hat von ih­rem Recht auf Freizügig­keit nie Ge­brauch ge­macht.
Der er­for­der­li­che Aus­lands­be­zug lässt sich auch nicht dar­aus ab­lei­ten, dass die Kläge­rin (mögli­cher­wei­se) mit der ta­rif­li­chen Re­ge­lung da­von ab­ge­hal­ten wer­den könn­te, von ih­rem Recht auf Freizügig­keit Ge­brauch zu ma­chen. Ob der er­for­der­li­che Aus­lands­be­zug ge­ge­ben ist, hängt von den tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen ab, die im Rechts­streit vom in­ner­staat­li­chen Ge­richt zu tref­fen sind (vgl. EuGH vom 28.01.1992 – C-332/90 [Steen] – a.a.O. Rn ). Da­nach er­gibt der Sach­ver­halt kei­ne An­halts­punk­te dafür. Die Kläge­rin hat ge­ra­de erst ih­re Tätig­keit für das be­klag­te Land auf­ge­nom­men. Die rein hy­po­the­ti­sche Aus­sicht auf Ausübung des Rechts auf Freizügig­keit stellt aber nach der Recht­spre­chung des EuGH (vgl. EuGH vom 08.11.2012 – C-40/11 – [Ii­da] - Eu­GRZ 2012, 745-752 Rz. 77) kei­nen Be­zug zum Uni­ons­recht her, der eng ge­nug wäre, um die An­wen­dung der Uni­ons­rechts­be­stim­mun­gen zu recht­fer­ti­gen (so auch ErfK/Wißmann Art. 45 AEUV Rz. 46).
2.2.3 Die Kläge­rin kann sich auch nicht dar­auf be­ru­fen, die ta­rif­li­che Re­ge­lung in § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-L, wo­nach Beschäfti­gungs­zei­ten nur bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber in vol­lem Um­fang zu berück­sich­ti­gen sei­en, sei nach Art. 7 Abs. 4 der Ver­ord­nung (EU) ins­ge­samt nich­tig und da­mit auch auf ih­ren Fall nicht an­wend­bar.
2.2.3.1 Zu­tref­fend ist, dass Uni­ons­recht Vor­rang vor na­tio­na­lem Recht be­an­sprucht. Der An­wen­dungs­vor­rang folgt aus dem Uni­ons­recht, weil die Uni­on als Rechts­ge­mein­schaft nicht be­ste­hen könn­te, wenn die ein­heit­li­che Wirk­sam­keit des Uni­ons­rechts in den Mit­glied­staa­ten nicht gewähr­leis­tet wäre. Im An­wen­dungs­be­reich des Uni­ons­rechts ist ent­ge­gen­ste­hen­des mit­glied­staat­li­ches Recht un­an­wend­bar (vgl. BVerfG vom 06.07.2010 – 2 BVR 2661/06 – NZA 2010 995 Rz. 53).
2.2.3.2 Der An­wen­dungs­vor­rang ist aber auf den An­wen­dungs­be­reich des Uni­ons­rechts be­grenzt. Denn nach Art. 5 Abs. 1 und 2 EUV (idF von 2012) wird die Uni­on nur in­ner­halb der Gren­zen der Zuständig­kei­ten tätig, die die Mit­glieds­staa­ten ihr in den Verträgen zur Ver­wirk­li­chung der dar­in nie­der­ge­leg­ten Zie­le über­tra­gen ha­ben. Al­le der Uni­on nicht in den Verträgen über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten ver­blei­ben bei Mit­glieds­staa­ten. Aus die­sem Prin­zip der be­grenz­ten Ein­zel­ermäch­ti­gung folgt, dass Uni­ons­recht nur für den ihm von den Mit­glieds­staa­ten über­tra­ge­nen An­wen­dungs­be­reich Gel­tung und Vor­rang ent­fal­ten will. Dies führt da­zu, dass ent­ge­gen­ste­hen­des na­tio­na­les Recht nicht ins­ge­samt nich­tig ist, son­dern wei­ter sei­ne Gel­tung ent­fal­ten kann, wenn und so­weit es jen­seits des An­wen­dungs­be­reich ein­schlägi­gen Uni­on­rechts ei­nen sach­li­chen Re­ge­lungs­be­reich behält (vgl. BVerfG vom 06.07.2010 – 2 BVR 2661/06 – a.a.O).
2.2.3.3 Für den vor­lie­gen­den Fall be­deu­tet dies, dass die ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen – de­ren Ver­s­toß ge­gen die eu­ropäischen Re­ge­lun­gen zur Ar­beit­neh­mer­freizügig­keit ein­mal un­ter­stellt – nur dann kei­ne An­wen­dung fin­den, so­fern ein ent­spre­chen­der Sach­ver­halt mit Uni­ons­be­zug vor­liegt. Die ta­rif­li­che Re­ge­lung ist nicht ins­ge­samt und ge­genüber je­der­mann nich­tig, mit der Fol­ge, dass sich auch die Kläge­rin dar­auf be­ru­fen könn­te. Dies kommt auch im Wort­laut von Art. 7 Abs. 4 der Ver­ord­nung (EU) deut­lich zum Aus­druck, in­dem es dort heißt „…so­weit sie für Ar­beit­neh­mer, die Staats­an­gehöri­ge an­de­rer Mit­glied­staa­ten sind…“. Die Nich­tig­keits­re­ge­lung be­schränkt sich aus­sch­ließlich auf Fall­kon­stel­la­tio­nen, die in den An­wen­dungs­be­reich des Uni­ons­rechts fal­len, al­so bei de­nen ein Bürger der Eu­ropäischen Ge­mein­schaft von sei­nem Recht auf Freizügig­keit Ge­brauch ge­macht hat und in ei­nem an­de­ren Mit­glieds­staat sei­ne Be­rufstätig­keit aus­geübt hat. Dies ist bei der Kläge­rin nicht der Fall.
2.2.4 Aus der von der Kläge­rin her­an­ge­zo­ge­nen Ent­schei­dung des EuGH vom 05.12.2013 (C-514/12.[Salz­bur­ger Lan­des­kli­ni­ken Be­triebs GmbH]-a.a.O.) er­gibt sich nichts an­de­res. Der EuGH hat dort in Be­ant­wor­tung der ihm vor­ge­leg­ten Fra­ge in ei­nem Rechts­streit zwi­schen dem Zen­tral­be­triebs­rat der ge­meinnützi­gen Salz­bur­ger Lan­des­kli­ni­ken Be­triebs GmbH und dem Land Salz­burg ei­ne Aus­le­gung der Art. 45 AEUV und 7 Abs. 1 der Ver­ord­nung Nr. 492/2011 vor­ge­nom­men. Auf die Fra­ge, ob der An­wen­dungs­be­reich der Re­ge­lun­gen zur Ar­beit­neh­mer­freizügig­keit im Ein­zel­fall eröff­net war, kam es im dor­ti­gen Aus­gangs­rechts­streit nicht an. Ei­ne all­ge­mein gülti­ge Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit in­ner­staat­li­ches Recht, für dass der Ge­richts­hof oh­ne­hin kei­ne Kom­pe­tenz be­an­sprucht (vgl. EuGH vom 15.01.1998 – Rechts­sa­che C-15/96 – NZA 1998, 205 Rz. 9 mwN.), hat er dort nicht ge­trof­fen.
2.2.5 War aber im vor­lie­gen­den Fall der An­wen­dungs­be­reich von Art. 45 AEUV und Art. 7 EUV nicht eröff­net, er­weist sich schon aus die­sem Grund die ta­rif­li­che Re­ge­lung nicht nach Art. 7 Abs. 4 EUV als nich­tig. Mit­hin ste­hen der Kläge­rin Ansprüche auf die An­er­ken­nung von Vor­beschäfti­gungs­zei­ten bei pri­va­ten Ar­beit­ge­bern im vor­lie­gen­den Ar­beits­verhält­nis für die Zu­ord­nung zu den ta­rif­li­chen Stu­fen nicht zu.
2.3 Aber auch wenn der An­wen­dungs­be­reich von Art. 45 AEUV und Art. 7 EUV eröff­net wäre, er­weist sich die ta­rif­li­che Re­ge­lung nicht we­gen Ver­s­toßes ge­gen die Ar­beit­neh­mer­freizügig­keit als nich­tig. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob bei der hier im Streit ste­hen­den ta­rif­li­chen Re­ge­lung nach § 16 TV-L, die auf die Beschäfti­gungs­zei­ten bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber ab­stellt, über­haupt ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung von „Wan­der­ar­beit­neh­mern“ vor­liegt. Denn auch wenn dies der Fall wäre, wäre ei­ne sol­che Maßnah­me zulässig. Für die vol­le An­er­ken­nung von bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber er­wor­be­nen Beschäfti­gungs­zei­ten liegt ein sach­li­cher Grund vor. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben in § 16 TV-L ein dif­fe­ren­zier­tes Kon­zept zur Wah­rung von Be­sitzständen ge­schaf­fen und mit der Re­ge­lung si­cher­ge­stellt, dass bei wie­der­hol­ten Be­fris­tun­gen, wie sie im öffent­li­chen Dienst ver­brei­tet üblich sind, die­ser Per­so­nen­kreis über­haupt die Chan­ce zum Stu­fen­auf­stieg erhält (vgl. BAG vom 23.09.2010 – 6 AZR 180/09 – BA­GE 135, 313 ff.). Der in ei­nem vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­trags­verhält­nis mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber er­wor­be­ne Be­sitz­stand soll­te nicht durch die recht­li­che oder kurz­fris­ti­ge tatsächli­che Un­ter­bre­chung des Ver­tra­ges ver­lo­ren ge­hen. Da­bei muss­ten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die bei an­de­ren Ar­beit­ge­bern er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung nicht in glei­cher Wei­se berück­sich­ti­gen. Sie konn­ten in die­sem Zu­sam­men­hang da­von aus­ge­hen, dass die bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung den Beschäftig­ten befähigt, nach sei­ner Wie­der­ein­stel­lung die im vor­he­ri­gen Ar­beits­verhält­nis er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung schnel­ler im vol­len Um­fang im neu­en Ar­beits­verhält­nis ein­set­zen zu können, als dies ei­nem Ar­beit­neh­mer möglich ist, der sei­ne Be­rufs­er­fah­rung in den oft­mals gänz­lich an­ders­ar­ti­gen Struk­tu­ren bei an­de­ren Ar­beit­ge­bern, na­ment­lich bei sol­chen der Pri­vat­wirt­schaft er­wor­ben hat (BAG vom 23.09.2010 – 6 AZR 180/09 – aaO.). Auch konn­ten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit die­ser Re­ge­lung ei­nen An­reiz zur Rück­kehr sol­cher Beschäftig­ten in den öffent­li­chen Dienst schaf­fen, die be­reits ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung beim sel­ben öffent­li­chen Ar­beit­ge­ber er­wor­ben ha­ben (vgl. BVerfG vom 28.11.1997 – 1 BVR 8/96 – NZA 1998, 318). Es ist ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se des öffent­li­chen Ar­beit­ge­bers, sich die von ihm be­reits ein­ge­ar­bei­te­ten und qua­li­fi­zier­ten Ar­beit­neh­mer zu er­hal­ten bzw. wie­der zu ge­win­nen.
In­so­fern un­ter­schei­det sich die vor­lie­gen­de ta­rif­li­che Re­ge­lung von der frühe­ren Re­ge­lung zum Zeit­auf­stieg nach dem BAT, für die der EuGH (Ur­teil vom 15.01.1998 - C-15/96 – NZA 1998, 205 ff.) aus­geführt hat, dass die da­ma­li­ge Berück­sich­ti­gung zurück­ge­leg­ter Beschäfti­gungs­zei­ten für den Zeit­auf­stieg an­ge­sichts der großen Zahl der Ar­beit­ge­ber nicht mit dem Be­stre­ben ge­recht­fer­tigt wer­den könne, die Treue der Ar­beit­neh­mer zu ho­no­rie­ren, aber auch von den der Rechts­sa­che Salz­bur­ger Lan­des­kli­ni­ken zu­grun­de lie­gen­den Re­ge­lun­gen. Denn an­ders als bei dem da­ma­li­gen Sys­tem des Zeit­auf­stiegs und an­ders als bei den Salz­bur­ger Lan­des­kli­ni­ken ist die vol­le An­er­ken­nung ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung auf den­sel­ben Ar­beit­ge­ber be­schränkt, al­so auf die den Ver­trag ab­sch­ließen­de ju­ris­ti­sche Per­son. Es han­delt sich da­mit um ei­ne al­lein aus den ver­gan­ge­nen ver­trag­li­chen Be­zie­hun­gen be­gründe­te Ver­pflich­tung zur An­er­ken­nung ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung, die so bei Ar­beit­neh­mern aus an­de­ren Ver­trags­verhält­nis­sen von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en als nicht in glei­cher Wei­se berück­sich­ti­gungsfähig an­ge­se­hen wer­den durf­te.
3. Ein An­spruch der Kläge­rin er­gibt sich auch nicht aus dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. So­weit die Kläge­rin dar­auf ver­weist, dass sie als „Inlände­rin“ mögli­cher­wei­se im Ver­gleich zu ausländi­schen Ar­beit­neh­mern be­nach­tei­ligt wer­den könn­te, fehlt es an ei­nem ver­gleich­ba­ren Sach­ver­halt. Auch wenn das be­klag­te Land bei Ar­beit­neh­mern, die im Aus­land tätig ge­we­sen wa­ren, im Hin­blick auf die uni­ons­recht­li­chen Re­ge­lun­gen zur Freizügig­keit dort er­wor­be­ne ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung an­er­ken­nen würde, wäre ei­ne sol­che Dif­fe­ren­zie­rung auf­grund der un­ter­schied­li­chen Rechts­re­ge­lun­gen sach­lich ge­recht­fer­tigt. Nur ergänzend ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Art. 45 auch dann nicht an­wend­bar ist, wenn ein Ar­beit­neh­mer, des­sen Sach­ver­halt über die Gren­zen sei­nes Hei­mat­staa­tes nicht hin­aus­weist von sei­nem dort ansässi­gen Ar­beit­ge­ber im Ver­gleich zu ausländi­schen Ar­beit­neh­mern be­nach­tei­ligt wird (vgl. ErfK/Wißmann – a.a.O. AEUV Art. 45 Rz. 46 mwN.).
4. Aus die­sen Gründen war auf die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Die Kos­ten­ent­schei­dung er­gibt sich aus § 91 ZPO.
Die Re­vi­si­on war we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­ge zu­zu­las­sen (§ 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG).
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