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Timestamp: 2020-05-29 16:49:06
Document Index: 95767251

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 6', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 10', 'Art. 4', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 247', '§ 6', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', '§ 492', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', '§ 355', '§ 6', '§ 355', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 2', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 10', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 267', '§ 495', '§ 492', 'BGH', '§ 495', '§ 495', 'EuG', 'BGH', 'Art. 22', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 355', 'Art. 246', '§ 1', 'EuG']

Verbraucherdarlehen - und die optische Darstellung der Widerrufsbelehrung | BankenBote
Verbraucherdarlehen - und die optische Darstellung der Widerrufsbelehrung
15. April 2016 VerbraucherBote Kredit
Die gemäß Arti­kel 247 § 6 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 und 2 EGBGB in einen Ver­brau­cher­dar­le­hensver­trag auf­zu­neh­men­den Pflicht­an­ga­ben zum Wider­rufs­recht bedür­fen kei­ner Her­vor­he­bung. Der Ver­wen­dung von Ankreuz­op­tio­nen in der for­mu­lar­mä­ßi­gen Wider­rufs­in­for­ma­ti­on eines Ver­brau­cher­dar­le­hensver­tra­ges steht Arti­kel 247 § 6 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 EGBGB nicht ent­ge­gen.
Dem im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall maß­geb­li­chen Wort­laut des Arti­kels 247 § 6 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 und 2 EGBGB kann dabei, wie die Revi­si­ons­er­wi­de­rung zu Recht annimmt, kein Erfor­der­nis einer beson­de­ren Her­vor­he­bung ent­nom­men wer­den 1. Viel­mehr wird dort ledig­lich gefor­dert, dass bestimm­te Pflicht­an­ga­ben „klar und ver­ständ­lich” sein müs­sen, ohne dass damit auch deren Her­vor­he­bung ange­ord­net wird. Eine Infor­ma­ti­on kann ohne wei­te­res auch dann „klar und ver­ständ­lich” sein, wenn sie nicht gra­fisch her­vor­ge­ho­ben wird.
Aus der Geset­zes­be­grün­dung zu Art. 247 § 6 Abs. 1 EGBGB 2 ergibt sich eben­falls nicht, dass mit den Begrif­fen „klar und ver­ständ­lich” eine opti­sche Her­vor­he­bung ver­langt wer­den soll.
Hin­zu kommt, dass gemäß Art. 4 Abs. 2 der Richt­li­nie 2008/​48/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 23.04.2008 über Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trä­ge und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 87/​102/​EWG des Rates (nach­fol­gend: Ver­brKrRL) zwar in einer Wer­bung bestimm­te Stan­dard­in­for­ma­tio­nen „in kla­rer, prä­gnan­ter und auf­fal­len­der Art und Wei­se” zu nen­nen sind und dort gemäß Art. 4 Abs. 3 Ver­brKrRL unter bestimm­ten Umstän­den auch auf die Ver­pflich­tung zum Abschluss eines Ver­trags über die Inan­spruch­nah­me einer Neben­leis­tung „in kla­rer, prä­gnan­ter Form an optisch her­vor­ge­ho­be­ner Stel­le” hin­ge­wie­sen wer­den muss. Hin­sicht­lich der Anga­ben zum Wider­rufs­recht in Ver­brau­cher­dar­le­hensver­trä­gen ver­langt die Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie eine sol­che Her­vor­he­bung jedoch nicht. Dies gilt ins­be­son­de­re für Art. 10 Abs. 2 Buchst. p Ver­brKrRL, wo hin­sicht­lich der Form der Pflicht­an­ga­ben ledig­lich die Anfor­de­run­gen „klar” und „prä­gnant” vor­ge­ge­ben wer­den. Die­se Unter­schei­dung ent­spricht auch den Begriff­lich­kei­ten in der eng­li­schen und fran­zö­si­schen Fas­sung der Art. 4 Ver­brKrRL („de façon clai­re, con­cise et visi­ble” bzw. „in a clear, con­cise and pro­mi­nent way”) bzw. Art. 10 Ver­brKrRL („de façon clai­re et con­cise” bzw. „in a clear and con­cise man­ner”). Dass der deut­sche Gesetz­ge­ber die­se Dif­fe­ren­zie­rung mit­voll­zie­hen woll­te, ergibt sich dar­aus, dass er ent­spre­chend Art. 10 Abs. 2 Ver­brKrRL in Art. 247 § 6 Abs. 1 EGBGB ledig­lich das Erfor­der­nis auf­ge­stellt hat, dass die dort genann­ten Anga­ben klar und ver­ständ­lich sein müs­sen 3. Dem­ge­gen­über hat der deut­sche Gesetz­ge­ber Arti­kel 4 Abs. 2 und 3 Ver­brKrRL zwar eben­falls mit dem Ver­brKrRL-UG vom 29.07.2009 umge­setzt, dabei jedoch in § 6a Abs. 1 und 4 PAngV den aus­drück­li­chen Hin­weis auf­ge­nom­men, dass die jeweils erfor­der­li­chen Anga­ben „in kla­rer, ver­ständ­li­cher und auf­fal­len­der Wei­se” bzw. „klar und ver­ständ­lich an gestal­te­risch her­vor­ge­ho­be­ner Stel­le” gemacht wer­den müs­sen.
Dem­ge­gen­über ist der Umstand, dass die Rege­lun­gen zum Wider­rufs­recht auf zwei Absät­ze des Art. 247 § 6 EGBGB ver­teilt und nicht in einem Absatz zusam­men­ge­fasst wor­den sind, ent­ge­gen der Ansicht des Beru­fungs­ge­richts ohne Bedeu­tung. Die­se Auf­tei­lung hat nicht zur Fol­ge, dass die Anga­ben zum Wider­rufs­recht ande­ren Gestal­tungs­vor­ga­ben unter­lie­gen als die sonst in Art. 247 § 6 Abs. 1 EGBGB genann­ten Anga­ben. Die Auf­tei­lung erklärt sich damit, dass nicht bei allen Arten von Ver­brau­cher­dar­le­hensver­trä­gen ein Wider­rufs­recht besteht.
Durch die Begrif­fe „Anga­ben” in § 492 Abs. 2 BGB und Art. 247 § 6 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 EGBGB sowie „Hin­weis” in Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 1 EGBGB ist der Gesetz­ge­ber von dem Erfor­der­nis einer geson­der­ten Wider­rufs­be­leh­rung bewusst abge­rückt. So heißt es in der Begrün­dung zum Ver­brKrRL-UG, dass „an die Stel­le der nach § 355 Abs. 2 [BGB] erfor­der­li­chen Beleh­rung die von der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie vor­ge­ge­be­ne Pflicht­an­ga­be zum Wider­rufs­recht im Ver­trag tritt, vgl. Arti­kel 10 Abs. 2 Buch­sta­be p der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie und die Umset­zungs­vor­schrift in Arti­kel 247 § 6 Abs. 2 EGBGB‑E. Die nach § 355 Abs. 2 [BGB] erfor­der­li­che Beleh­rung ist in der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie nicht vor­ge­se­hen und kann wegen der Voll­har­mo­ni­sie­rung auch nicht zusätz­lich ver­langt wer­den” 4.
Auch Sinn und Zweck des Wider­rufs­rechts erfor­dern kei­ne Her­vor­he­bung der dazu vom Dar­le­hens­ge­ber zu machen­den Anga­ben 5.
Sinn und Zweck des Wider­rufs­rechts ist es, den Ver­brau­cher vor einer über­eil­ten Bin­dung an sei­ne auf Abschluss des Dar­le­hens­ver­trags gerich­te­te Wil­lens­er­klä­rung zu schüt­zen. Ihm soll des­halb bei Ent­schei­dun­gen mit erheb­li­cher wirt­schaft­li­cher Bedeu­tung und Trag­wei­te wie dem Abschluss eines Ver­brau­cher­dar­le­hensver­trags Gele­gen­heit gege­ben wer­den, den Ver­trags­ab­schluss noch ein­mal zu über­den­ken 6. Wider­rufs­an­ga­ben müs­sen des­halb umfas­send, unmiss­ver­ständ­lich und für den Ver­brau­cher ein­deu­tig sein. Der Ver­brau­cher soll durch sie nicht nur von sei­nem Wider­rufs­recht Kennt­nis erlan­gen, son­dern auch in die Lage ver­setzt wer­den, die­ses aus­zu­üben.
Die Anga­ben zum Wider­rufs­recht in einem Ver­brau­cher­dar­le­hensver­trag müs­sen nicht her­vor­ge­ho­ben wer­den, da von einem nor­mal infor­mier­ten, ange­mes­sen auf­merk­sa­men und ver­stän­di­gen Ver­brau­cher erwar­tet wer­den kann, dass er den Text eines Dar­le­hens­ver­trags sorg­fäl­tig durch­liest. Zum Uni­ons­recht hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on seit Mit­te der 1990er Jah­re auf das Leit­bild eines nor­mal infor­mier­ten, ange­mes­sen auf­merk­sa­men und ver­stän­di­gen Ver­brau­chers abge­stellt 7. Das gilt auch hier, weil es vor­lie­gend um Vor­schrif­ten geht, die voll­har­mo­ni­sier­tes Uni­ons­recht umset­zen 8.
Mit die­sem Leit­bild eines nor­mal infor­mier­ten, ange­mes­sen auf­merk­sa­men und ver­stän­di­gen Ver­brau­chers wäre ein nur flüch­ti­ges Hin­weg­le­sen über einen Dar­le­hens­ver­tragstext schon auf­grund der mit einem sol­chen Ver­trag regel­mä­ßig ver­bun­de­nen län­ger­fris­ti­gen Fest­le­gungs­wir­kung nicht ver­ein­bar 9. Ange­mes­sen auf­merk­sam ist des­halb nur ein Ver­brau­cher, der den Dar­le­hens­ver­tragstext sorg­fäl­tig durch­liest. Tut er dies, erlangt der Dar­le­hens­neh­mer von der Wider­rufs­in­for­ma­ti­on Kennt­nis, auch wenn die­se nicht her­vor­ge­ho­ben ist.
An der feh­len­den Pflicht zur Her­vor­he­bung einer Wider­rufs­in­for­ma­ti­on hat sich auch durch die Ein­fü­gung einer Mus­ter­wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on durch die Sät­ze 3 und 5 (damals noch Sät­ze 3 und 4) in Art. 247 § 6 Abs. 2 EGBGB durch Art. 2 Nr. 1 Buchst. b des Geset­zes zur Ein­füh­rung einer Mus­ter­wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on für Ver­brau­cher­dar­le­hensver­trä­ge, zur Ände­rung der Vor­schrif­ten über das Wider­rufs­recht bei Ver­brau­cher­dar­le­hensver­trä­gen und zur Ände­rung des Dar­le­hens­ver­mitt­lungs­rechts vom 24.07.2010 10 (nach­fol­gend: MWid­In­fo­EG) nichts geän­dert.
So ist dem Wort­laut des Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 3 EGBGB ledig­lich zu ent­neh­men, dass die Ver­wen­dung des Mus­ters in Anla­ge 7 nur dann zu einer Gesetz­lich­keits­fik­ti­on zuguns­ten des Dar­le­hens­ge­bers führt, wenn die ent­spre­chen­de Ver­trags­klau­sel her­vor­ge­ho­ben und deut­lich gestal­tet ist. Zu der Fra­ge, wel­che Form­erfor­der­nis­se gel­ten, wenn das Mus­ter nicht ver­wen­det wird, kann der Vor­schrift ent­ge­gen der Ansicht des Beru­fungs­ge­richts – nichts ent­nom­men wer­den 11. Dabei ergibt sich aus der Ver­wen­dung des Begrif­fes „genügt” in Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 3 EGBGB, dass der Dar­le­hens­ge­ber das Mus­ter nicht ver­wen­den muss 12. Dass der Dar­le­hens­ge­ber gegen eine gesetz­li­che Ver­pflich­tung ver­stößt, wenn er sei­ne Wider­rufs­klau­sel nicht her­vor­hebt und deut­lich gestal­tet, lässt sich dem Wort­laut der Vor­schrift folg­lich nicht ent­neh­men.
Auch sonst gibt es kei­ner­lei Anhalts­punk­te dafür, dass der Gesetz­ge­ber mit der Ein­fü­gung der Sät­ze 3 und 5 des Art. 247 § 6 Abs. 2 EGBGB Forman­for­de­run­gen auch für sol­che Fäl­le regeln woll­te, in denen es wie vor­lie­gend nicht um eine durch die Ver­wen­dung des Mus­ters in der Anla­ge 7 begrün­de­te Gesetz­lich­keits­fik­ti­on geht.
So heißt es in der Begrün­dung zum MWid­In­fo­EG 13 zwar, dass das Erfor­der­nis der her­vor­ge­ho­be­nen und deut­li­chen Gestal­tung „zum einen” auf den Vor­ga­ben des Art. 247 § 6 Abs. 2 EGBGB neu beru­he, der „klar und ver­ständ­lich” zu ertei­len­de Anga­ben vor­aus­set­ze. In der Geset­zes­be­grün­dung heißt es jedoch wei­ter, dass „zum ande­ren” die Gesetz­lich­keits­fik­ti­on des Mus­ters nur dann gerecht­fer­tigt erschei­ne, wenn des­sen For­mu­lie­run­gen her­vor­ge­ho­ben und deut­lich gestal­tet in den Ver­trag ein­be­zo­gen wer­den 14. Maß­geb­li­cher Grund für die in Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 3 EGBGB gefor­der­te Her­vor­he­bung ist damit die durch die Ver­wen­dung des Mus­ters in Anla­ge 7 zuguns­ten des Dar­le­hens­ge­bers ein­tre­ten­de Gesetz­lich­keits­fik­ti­on.
Hin­zu kommt, dass laut der Geset­zes­be­grün­dung zum MWid­In­fo­EG die Vor­ga­ben im Zusam­men­hang mit der Ver­wen­dung des Mus­ters in der Anla­ge 7 des­halb nicht mit dem von der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie ver­folg­ten Voll­har­mo­ni­sie­rungs­grund­satz 15 kol­li­die­ren, weil die Ver­wen­dung des Mus­ters frei­ge­stellt wird 13. Dies zeigt, dass der deut­sche Gesetz­ge­ber sich jen­seits der Fäl­le der Ver­wen­dung des Mus­ters an der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie ori­en­tie­ren woll­te, die über die Anfor­de­run­gen „klar” und „prä­gnant” (Art. 10 Abs. 2 Buchst. p Ver­brKrRL) hin­aus kei­ne wei­te­ren for­ma­len Anfor­de­run­gen an die Anga­ben zum Wider­rufs­recht auf­stellt.
Eine Wider­rufs­in­for­ma­ti­on darf zwar grund­sätz­lich kei­ne ande­ren Erklä­run­gen ent­hal­ten, womit die durch die Vor­ga­ben ihrer Klar­heit und Ver­ständ­lich­keit bezweck­te Ver­deut­li­chung des Rechts zum Wider­ruf sicher­ge­stellt wer­den soll 16. Bei Ankreuz­op­tio­nen in einer for­mu­lar­mä­ßi­gen Wider­rufs­in­for­ma­ti­on han­delt es sich jedoch, wie sich bereits aus deren optio­na­lem Cha­rak­ter ergibt, um die Wider­rufs­in­for­ma­ti­on selbst, soweit sie vom Ver­wen­der tat­säch­lich ange­kreuzt wur­de. Nicht vom Ver­wen­der mar­kier­te Optio­nen hin­ge­gen stel­len kei­ne Zusät­ze zur Infor­ma­ti­on dar, son­dern wer­den schlicht nicht Ver­trags­be­stand­teil.
Vor­lie­gend sind die von der Spar­kas­se ver­wen­de­ten Ankreuz­op­tio­nen so gestal­tet, dass sich einem Ver­brau­cher auf den ers­ten Blick erschließt, dass eine Text­va­ri­an­te für ihn nur dann von Belang ist, wenn das vor der Vari­an­te gesetz­te Opti­ons­feld mar­kiert wur­de. Gegen die Ver­wen­dung eines For­mu­lars mit Ankreuz­op­tio­nen („Bau­kas­ten­for­mu­lar”) bestehen daher im Zusam­men­hang mit der Wider­rufs­in­for­ma­ti­on bei Ver­brau­cher­dar­le­hensver­trä­gen jeden­falls dann kei­ne Beden­ken, soweit das For­mu­lar wie vor­lie­gend gestal­tet ist 17.
Auch aus der eng­li­schen Fas­sung des dem Art. 247 § 6 Abs. 1 EGBGB zugrun­de lie­gen­den Art. 10 Abs. 2 Ver­brKrRL ergibt sich nichts ande­res, wonach die Anga­ben (auch die­je­ni­gen gemäß Buch­sta­be p des Art. 10 Abs. 2 Ver­brKrRL) „in a clear and con­cise man­ner” zu erfol­gen haben.
Soweit ver­tre­ten wird, die eng­li­sche Fas­sung las­se deut­li­cher erken­nen, dass eine kur­ze und prä­zi­se Ver­trags­ge­stal­tung ver­langt wer­de, die mit einer Wider­rufs­in­for­ma­ti­on über meh­re­re, eng bedruck­te For­mu­lar­sei­ten und zahl­rei­chen Ankreuz­op­tio­nen nicht zu ver­ein­ba­ren sei, kann dem nicht gefolgt wer­den. Viel­mehr ist für einen nor­mal infor­mier­ten, ange­mes­sen auf­merk­sa­men und ver­stän­di­gen Ver­brau­cher offen­sicht­lich, dass vom Ver­wen­der nicht gewähl­te Ankreuz­op­tio­nen nicht Teil sei­ner Wider­rufs­in­for­ma­ti­on sind und folg­lich igno­riert wer­den kön­nen. Die Unter­schei­dung zwi­schen vom Ver­wen­der aus­ge­wähl­ten und also zur Kennt­nis zu neh­men­den Text­fel­dern und nicht aus­ge­wähl­ten, mit­hin für den kon­kre­ten Ver­trags­ab­schluss irrele­van­ten Text­va­ri­an­ten ver­mag ein nor­mal infor­mier­ter, ange­mes­sen auf­merk­sa­mer und ver­stän­di­ger Ver­brau­cher bin­nen kür­zes­ter Zeit vor­zu­neh­men. Dar­an ändert sich auch nichts, wenn sich die Text­va­ri­an­ten einer for­mu­lar­mä­ßi­gen Wider­rufs­in­for­ma­ti­on wie hier über meh­re­re Druck­sei­ten erstre­cken 18.
Eine Vor­la­ge der Fra­ge, ob die Gestal­tung eines For­mu­lars mit einer Viel­zahl von Ankreuz­op­tio­nen mit der Vor­ga­be aus Art. 10 Abs. 2 Buch­sta­be p Ver­brKrRL ver­ein­bar ist, an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ist nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nicht gebo­ten. Eine Vor­la­ge nach Art. 267 Abs. 3 AEUV kommt nicht in Betracht, da die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts wie oben dar­ge­legt der­art offen­kun­dig ist, dass für einen ver­nünf­ti­gen Zwei­fel kein Raum mehr bleibt („acte clair”) 19.
LG Fran­ken­thal, Urteil vom 25.09.2014 7 O 57/​14 17 ff.; LG Hei­del­berg, BKR 2015, 154 Rn. 14; Bülow in Bülow/​Artz, Ver­brau­cher­kre­dit­recht, 8. Aufl., § 495 Rn. 93 und 96 ff.; juris­PK-BGB/­Schwin­tow­ski, 7. Aufl., § 492 Rn. 12.1; Mai­ro­se, RNotZ 2012, 467, 480; aA OLG Karls­ru­he, WM 2015, 1712, 1713[↩]
BT-Drs. 16/​11643, S. 127[↩]
LG Nürn­berg-Fürth, Urteil vom 30.07.2015 – 6 O 214/​15[↩]
BT-Drs. 16/​11643, S. 83[↩]
aA OLG Karls­ru­he, WM 2015, 1712, 1713; LG Müns­ter, Urteil vom 01.04.2014 14 O 206/​13 72 f.; LG Bonn, Urteil vom 12.11.2014 2 O 46/​14 29 f.[↩]
BGH, Urteil vom 28.05.2013 – XI ZR 6/​12, WM 2013, 1314 Rn. 24; BT-Drs. 11/​5462, S. 21; Münch­Komm-BGB/­Schürn­brand, 7. Aufl., § 495 Rn. 1; juris­PK-BGB/­Schwin­tow­ski, 7. Aufl., § 495 Rn. 1[↩]
EuGH, Slg. 1995, I1923 Rn. 24; NJW 2014, 2335 Rn. 74; VersR 2015, 605 Rn. 47; WM 2016, 14 Rn. 75; Urteil vom 09.07.2015 C348/​14, juris Leit­satz 3; vgl. auch BGH, Urtei­le vom 14.01.2010 – I ZR 82/​0820; vom 30.06.2011 – I ZR 157/​10, NJW 2012, 1449 Rn.19; und vom 08.03.2012 – I ZR 202/​10, MDR 2012, 1238 Rn.19, jeweils mwN; BT-Drs. 14/​5441, S. 7[↩]
vgl. Piekenbrock/​Ludwig, WM 2012, 1409, 1414 f.[↩]
vgl. LG Hei­del­berg, BKR 2015, 154 Rn.19; LG Nürn­berg-Fürth, Urteil vom 30.07.2015 6 O 214/​15 31; Pfeif­fer, NJW 2011, 1, 4[↩]
BGBl. I 2010, 977[↩]
LG Nürn­berg-Fürth, Urteil vom 30.07.2015 6 O 214/​15 27; Hen­ning, CRP 2015, 80, 83[↩]
LG Hei­del­berg, BKR 2015, 154 Rn. 14[↩]
BT-Drs. 17/​1394, S. 21[↩][↩]
BT-Drs. 17/​1394, aaO[↩]
vgl. deren Erwä­gungs­grün­de 9 und 10 und Art. 22 Abs. 1[↩]
vgl. dazu BGH, Urtei­le vom 04.07.2002 – I ZR 55/​00, WM 2002, 1989, 1991; und vom 10.03.2009 – XI ZR 33/​08, BGHZ 180, 123 Rn. 18; BGH, Beschluss vom 15.02.2011 – XI ZR 148/​10, WM 2011, 655 Rn. 10, jeweils zu § 355 Abs. 2 Satz 1 BGB aF sowie Urteil vom 09.11.2011 – I ZR 123/​10, WM 2012, 913 Rn. 24 zu Art. 246 § 1 EGBGB in der Fas­sung vom 29.07.2009[↩]
vgl. auch OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 09.06.2015 I16 U 151/​14, 16 U 151/​14 7 f.; LG Bonn, Urteil vom 12.11.2014 2 O 46/​14 40; LG Nürn­berg-Fürth, Urteil vom 15.10.2015 6 O 2628/​15 49 ff.; LG Wup­per­tal, Urteil vom 10.07.2014 4 O 129/​14 24[↩]
vgl. auch LG Nürn­berg-Fürth, Urteil vom 15.10.2015 6 O 2628/​15 53; LG Köln, Urteil vom 26.03.2015 30 O 156/​14 16[↩]
EuGH, Slg. 1982, 3415 Rn. 16; Slg. 2005, I8151 Rn. 33; BVerfG, Beschluss vom 15.01.2015 1 BvR 499/​12, WM 2015, 525, 526 mwN[↩]