Source: https://www.haufe.de/finance/jahresabschluss-bilanzierung/umlaufvermoegen-richtig-bewerten/wertansatz-bei-zugang_188_94062.html
Timestamp: 2020-06-02 18:09:32
Document Index: 53322699

Matched Legal Cases: ['§ 253', '§ 6', '§ 255', '§ 255', '§ 255', '§ 255', '§ 255', '§ 5', '§ 255', '§ 5']

Wertansatz bei Zugang | Finance | Haufe
Top-Thema 22.10.2013 Umlaufvermögen richtig bewerten
Ansatz des Zugangswertes
Geht einem Unternehmen ein Vermögensgegenstand zu, muss dieser in der Handels- und in der Steuerbilanz zu einem bestimmten Wert angesetzt werden. Dieser „Zugangswert“ setzt sich entweder aus den Anschaffungs- oder aus den Herstellungskosten des Vermögensgegenstandes zusammen. Dieser Wert in Höhe der Anschaffungs- oder Herstellungskosten darf in der Handelsbilanz nicht überschritten werden (§ 253 Abs. 1 Satz 1 HGB) – auch dann nicht, wenn es später aus bestimmten Gründen zu einer Werterhöhung kommt.
Davon abweichend kann in der Steuerbilanz als Zugangswert auch ein anderer, an die Stelle der Anschaffungs- und Herstellungskosten tretender Wert angesetzt werden (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 EStG).
Die Anschaffungskosten (§ 255 Abs. 1 HGB) setzen sich sowohl in der Handels- als auch in der Steuerbilanz aus folgenden Aufwendungen abzüglich der Minderungen des Anschaffungspreises (Skonto, Bonus, Rabatt) zusammen:
Aufwendungen für den Erwerb des Vermögensgegenstandes
Aufwendungen, um den Vermögensgegenstand in einen betriebsbereiten (d.h. wenn sie verbraucht, verwertet oder veräußert werden können) Zustand zu versetzen (z. B. Ablade- und Verladekosten)
Aufwendungen, die dem Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet werden können (d.h. Einzelkosten, wie z. B. Einzelfrachten, und keine Gemeinkosten, wie z. B. Abschreibungen für die Lagerhalle)
Nebenkosten (z. B. Provisionen, Courtage, Kommissionskosten, Zoll, Lagergelder)
Vorräte, die für die Produktion bestimmten Roh-, Hilfs- oder Betriebsstoffe und zum Verkauf bestimmten Waren werden mit den Anschaffungskosten bewertet.
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, gegen verbundene Unternehmen oder Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, sofern diese Forderungen angeschafft wurden. Sie sind mit ihrem Geldwert (sog. Nennwert) einschließlich Umsatzsteuer anzusetzen.
Wertpapiere des Umlaufvermögens werden mit dem Kaufpreis zuzüglich der Anschaffungsnebenkosten (z. B. Bankspesen, Provisionen, Zuzahlungen bei Kapitalerhöhungen) und abzüglich der Anschaffungspreisminderungen (z. B. Übernahmeprovisionen, Bonifikationen) angesetzt.
Die folgenden Vermögensgegenstände werden mit ihren Herstellungskosten bewertet:
Unfertige Leistungen, u.a. auch die in Ausführung befindlichen Dienstleistungsaufträge von Dienstleistern
Fertige Erzeugnisse, u.a. auch Bauten bei Bauunternehmern, auch wenn diese z. B. nur den Rohbau zu liefern haben
Wichtig: Sowohl handelsrechtlich als auch steuerrechtlich müssen die Fertigungseinzelkosten (Materialkosten, Fertigungskosten und Sonderkosten der Fertigung) als Herstellungskosten angesetzt werden (Aktivierungsgebot).
Hinweis: Die Fertigungsgemeinkosten werden unterschieden:
Angemessene Teile
der Materialgemeinkosten
des Wertverzehrs des Anlagevermögens, soweit dieser durch die Fertigung veranlasst ist
Aktivierungsgebot (§ 255 Abs. 2 Satz 2 HGB)
Angemessene Teile der
notwendigen Materialgemeinkosten
notwendigen Fertigungsgemeinkosten
der angemessenen Kosten der allgemeinen Verwaltung
der angemessenen Aufwendungen für soziale Einrichtungen des Betriebs, für freiwillige soziale Leistungen und für die betriebliche Altersversorgung
Wertverzehr von Anlagevermögen, soweit er durch die Herstellung des Wirtschaftsguts veranlasst ist
Aktivierungsgebot (R 6.3 Abs. 1 EStR 2012)
Soweit auf den Zeitraum der Herstellung entfallen:
angemessene Teile der Kosten der allgemeinen Verwaltung
angemessene Aufwendungen für soziale Einrichtungen des Betriebs, für freiwillige soziale Leistungen und für die betriebliche Altersversorgung
Aktivierungswahlrecht (§ 255 Abs. 2 Satz 3 HGB)
Zinsen für Fremdkapital allgemein Aktivierungsverbot (§ 255 Abs. 3 Satz 1 HGB
Zinsen für Fremdkapital, das zur Finanzierung der Herstellung eines Vermögensgegenstands verwendet wird, soweit sie auf den Zeitraum der Herstellung entfallen Aktivierungswahlrecht (§ 255 Abs. 3 Satz 2 HGB
Zinsen für Fremdkapital allgemein Aktivierungsverbot (§ 5 Abs. 1 Satz 1, 1. Halbsatz EStG)
Zinsen für Fremdkapital, das zur Finanzierung der Herstellung eines Wirtschaftsguts verwendet wird, soweit sie auf den Zeitraum der Herstellung entfallen Aktivierungswahlrecht (R 6.3 Abs. 5 Satz 1 EStR 2012).
Bei Aktivierung in der Handelsbilanz Aktivierungsgebot (R 6.3 Abs. 5 Satz 2 EStR 2012).
Forschungs- und Vertriebskosten
Aktivierungsverbot (§ 255 Abs. 2 Satz 4 HGB)
Aktivierungsverbot (§ 5 Abs. 1 Satz 1, 1. Halbsatz EStG)
Schlagworte zum Thema: Umlaufvermögen, Anschaffungskosten