Source: https://www.recht.de/phpbb/viewtopic.php?f=50&p=1755211
Timestamp: 2018-03-24 12:41:40
Document Index: 257215614

Matched Legal Cases: ['Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33']

recht.de • Thema anzeigen - Grad der Fahrlässigkeit?
Aktuelle Zeit: 24.03.18, 13:41
Grad der Fahrlässigkeit?
Betreff des Beitrags: Grad der Fahrlässigkeit?
Verfasst: 20.01.17, 17:18
ein Bewerber erhält eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, allerdings an die falsche E-Mail-Adresse. Da der Arbeitgeber aus dem öffentlichen Dienst keinen Hinweis über einen Zustellungsfehler erhalten hat, ging er davon aus, dass die Einladung korrekt eingegangen ist.
Nach zwei Wochen fragt der Bewerber telefonisch nach, wie es um das Bewerbungsverfahren steht. In diesem Telefonat wird ihm mitgeteilt, dass man vergeblich auf ihn beim Vorstellungsgespräch gewartet hat und das die Stelle inzwischen besetzt ist. Der Bewerber ist ganz verdutzt und fragt nach, wann er denn eine solche Einladung und wie erhalten haben soll. Der Personaler sagt ihm am Telefon, dass die Einladung per E-Mail an ... rausgegangen ist und da wird dann festgestellt, dass das die falsche E-Mail-Adresse benutzt wurde. Der Arbeitgeber hat auch keinen Zustellungsfehler erhalten können, da die falsche E-Mail-Adresse tatsächlich auch vergeben ist, dieser E-Mail-Adressen-Inhaber aber die E-Mail wohl als Spam einsortiert hat, da er ja nicht angesprochen war.
Im Zuge der Recherchen seitens des Arbeitgebers wird festgestellt, dass beim Übertrag der E-Mail-Adresse aus der E-Mail bzw. den Bewerbungsunterlagen in das intene Bewerberportal ein Fehler unterlaufen ist und eine statt z. B. "gm." "w.b" benutzt wurde.
Jetzt fragt sich der Bewerber, ob er den Arbeitgeber in Regress nehmen kann, da er ja nun keine Chancen hatte, sich bei einem Vorstellungsgespräch zu präsentieren und welche Art von Fahrlässigkeit seitens des Arbeitgebers, letztlich von dem Personaler, der die E-Mail-Adresse falsch übertragen hat, vorliegt (einfache, leichteste, mittlere oder grobe).
Gibt es dazu sogar eindeutige Rechtssprechungen? Urteile aus denen solche Fälle behandelt worden sind und auch die Fahrlässigkeit entsprechend definiert ist?
Betreff des Beitrags: Re: Grad der Fahrlässigkeit?
Verfasst: 20.01.17, 17:31
Ist eine Schwerbehinderung im Spiel?
Ansonsten würde ich mal orakeln: Blöd für den Bewerber gelaufen
Verfasst: 20.01.17, 17:34
Verfasst: 20.01.17, 18:21
Elektrikör hat geschrieben:
Nein, macht das einen Unterschied, auch bzgl. der Fahrlässigkeit?
Verfasst: 20.01.17, 18:24
Is jan Ding. Scheint wohl öfter vorzukommen. Mutmaßung: System dahinter?
Jetzt habe ich den von Ihnen verlinkten Beitrag komplett durch. Da wurde aber "nur" vermutet, dass es eine grobe Fahrlässigkeit ist. Aber ist das auch gesetzlich begründet, anhand mind. eines Urteils bestätigt?
Verfasst: 21.01.17, 16:56
Also keine Schwerbehinderung?
Da es keinen Rechtsanpruch darauf gibt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden (Ausnahme: es handelt sich um einen Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes und der Bewerber ist schwerbehindert), spielt es keine Rolle ob der Bewerber versehentlich, grob fahrlässig oder absichtlich nicht eingeladen wurde.
Verfasst: 21.01.17, 17:22
es gibt kein Anrecht auf Einladung, um sich "zu präsentieren". Der AG muss sich daher auch nichts einfallen lassen, um den Bewerber nicht einzuladen.
Bei behinderten Bewerbern sind es andere rechtliche Gründe, die zur Einladung verpflichten.
Verfasst: 21.01.17, 17:24
Haben Sie denn Art. 33 II GG bedacht?
"Jeder Deutsche", siehe z.B. BAG vom 12.10.2010 - 9 AZR 554/09 -
Verfasst: 21.01.17, 17:33
Nein hab ich nicht, und ich habe auch das Urteil nicht gelesen.
Lautet Ihre Scluußfolgerung, dass nur Bewerber mit deutscher Staatsangehörigkeit eingeladen werden müssen oder worauf wollen Sie hinaus?
Verfasst: 21.01.17, 17:38
Dann sollten Sie das tun.
Ich habe dazu bereits im Parallelthread etwas geschrieben.
Verfasst: 21.01.17, 17:50
Ach so das.
Verfasst: 21.01.17, 21:11
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg vom 4. Dezember 2008 - 18 Sa 2121/08 - wird zurückgewiesen.
Der Kläger war der nicht berücksichtigte Bewerber.
Verfasst: 21.01.17, 21:21
Aha. Sie haben ganz offensichtlich gar nicht verstanden um was es überhaupt geht.
BAG, Urteil vom 12. 10. 2010 – 9 AZR 554/09:
[35] 1. Gemäß Art. 33 Abs. 2 GG hat jeder Deutsche nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amt. Öffentliche Ämter iSd. Art. 33 Abs. 2 GG sind sowohl Beamtenstellen als auch solche Stellen, die von Arbeitnehmern besetzt werden können. Art. 33 Abs. 2 GG dient zum einen dem öffentlichen Interesse an der bestmöglichen Besetzung der Stellen des öffentlichen Dienstes, dessen fachliches Niveau und rechtliche Integrität gewährleistet werden sollen. Zum anderen trägt Art. 33 Abs. 2 GG dem berechtigten Interesse des Bewerbers an seinem beruflichen Fortkommen Rechnung. Die Bestimmung begründet ein grundrechtsgleiches Recht auf rechtsfehlerfreie Einbeziehung in die Bewerberauswahl und auf deren Durchführung anhand der in Art. 33 Abs. 2 GG genannten Auswahlkriterien (Senat 24. März 2009 – 9 AZR 277/08 – Rn. 15, BAGE 130, 107).
[70] 1. Vergibt ein Arbeitgeber, der bei seiner Auswahlentscheidung an die Vorgaben des Art. 33 Abs. 2 GG gebunden ist, eine zu besetzende Stelle zu Unrecht an einen Konkurrenten, kann er dem Stellenbewerber gegenüber zum Schadensersatz verpflichtet sein. Dem zurückgewiesenen Bewerber stehen allerdings nur dann Schadensersatzansprüche zu, wenn ihm anstelle des Konkurrenten das Amt hätte übertragen werden müssen (vgl. Senat 2. Dezember 1997 – 9 AZR 445/96 – zu I 3 b der Gründe, BAGE 87, 165).
Verfasst: 21.01.17, 22:35
Glückwunsch, da Sie ja stets wissen, wie man Urteile zu verstehen hat.
Es sei erlaubt neben Ihren Hervorhebungen (schwarz markiert), auf jene zu verweisen, die einen weiteren wichtigen Aspekt beinhalten (rot markiert)
Verfasst: 21.01.17, 22:43
Was wollen Sie damit sagen? Sie zitieren das was ich auch zitiert habe? Wo ist der Unterschied? Was ändert das an dem Urteil?
Die Rechtsfrage die ein Urteil beantwortet ergibt sich nicht aus dem Tenor. Den Sie allein zitiert haben.
Das war die Frage der Threaderöffnung:
Jetzt fragt sich der Bewerber, ob er den Arbeitgeber in Regress nehmen kann, da er ja nun keine Chancen hatte, sich bei einem Vorstellungsgespräch zu präsentieren ...
Aber ab jetzt dürfen Sie sich mit sich selber unterhalten, das macht keinen Sinn.