Source: https://www.anwalt24.de/fachartikel/gesundheit-und-arzthaftung/23809
Timestamp: 2017-09-22 15:17:14
Document Index: 347067190

Matched Legal Cases: ['BGH', 'Art. 11', 'EuG', 'Art. 9', 'EuG', 'BGH']

Wintersport und Skifahren - was sind die Sorgfaltspflicht des geübten Skifahrers - Österreichisches Recht! | anwalt24.de
Wintersport und Skifahren - was sind die Sorgfaltspflicht des geübten ...
Wintersport und Skifahren - was sind die Sorgfaltspflicht des geübten Skifahrers - Österreichisches Recht!
09.02.2013537 Mal gelesen
Wintersport und Skifahren - was sind die Sorgfaltspflicht des geübten Skifahrers - Österreichisches Recht mit 10 FIS Regeln. Urlauber kommen verletzt aus dem Ski-Urlauben und fragen sich nach der Haftung nach einem Unfall am Skihang bzw. wie sie Ansprüche abwehren können!
Jeder Wintersportler und Skifahrer sollte sich im Zusammenhang mit der Pistenbenützung vor dem Urlaub oder danach mit den 10 FIS Regeln beschäftigen. Diese Verhaltensregeln geben einen Einblick über die zu beachtenden bzw. einzuhaltenden Regeln bei der Benutz-ung von Pisten. Allerdings findet sich in den FIS-Regeln kein konkreter Anhaltspunkt in Bezug auf die erlaubte (Höchst-) Geschwindigkeit beim Befahren einer Piste.
Kürzlich erging allerdings eine höchstgerichtliche Entscheidung (3 Ob 177/12v) in Österreich und dort wurde ausformuliert, unter welchen Umständen eine zu hohe Geschwindigkeit als Sorgfaltsverstoß zu werten ist.
Der Sachverhalt war folgender, dass die Klägerin am äußersten rech-ten Pistenrand in Pflugbögen fuhr. Die 12 jährige Beklagte näherte sich mit einer Fahrgeschwindigkeit von ca. 30 km/h von hinten an, kam etwa 30 Meter hinter der Klägerin zu Sturz, und rutschte fast unge-bremst in die sich vor ihr befindliche Klägerin. Die Klägerin erlitt erheb-liche Verletzungen. Nach dem Sturz war es weder der Beklagten noch der Klägerin möglich die Kollision zu verhindern.
Das Höchstgericht in Österreich hatte sich damit auseinander zu setzen, ob eine Fahrgeschwindigkeit von etwa 30 km/h im Falle eines Sturzes und der daraus resultierenden Kollision mit einem anderen Skifahrer als Sorg-faltswidrigkeit zu werten ist oder nicht.
Das Höchstgericht erkannte, dass eine Fahrgeschwindigkeit von 30 km/h ungeachtet dessen, dass es sich bei der Beklagten um eine 12-jährige und gute Skifahrerin handelte, unter den gegebenen Umstän-den als weit aus überhöht zu werten war.
Diese Einschätzung war nachvollziehbar, weil es sich bei der befahrenen Piste um eine harte Kunstschneepiste mit eisigen Stellen handelte. Solch eine harte und eisige Kunstschneepiste begründe im Hinblick auf die, auch für gute Skifahrer, stets vorhandene Gefahr eines Sturzes und die sich daraus ergebenden Folgen für andere Skifahrer, die sich im Sturzbereich befinden, eine Sorgfaltswidrigkeit.
Diese Gefahr sei auch für eine, 12-jährige gute Skifahrerin, erkennbar und die Gefahrenvermeidung (Einhaltung einer geringen Fahrge-schwindigkeit oder eines wesentlich größeren Abstandes zu anderen, insbesondere viel langsameren Pistenbenützern) zumutbar.
Wie aus diesem Urteil ersichtlich ist, wird für einen Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht bei der Pistenbenützung eine relativ geringe Fahrge-schwindigkeit von 30 km/h angenommen.
Zukünftig wird sich erweisen, ob dieses Erkenntnis durch Bemessung der „erlaubten Fahrgeschwindigkeit" für eine neue Betrachtung bzw. neue Einschätzung, bei der Verschuldensfrage bei Skiunfällen heran-gezogen wird.
Ob sich das Fahrverhalten der Pistenbenützer aufgrund dieser Ent-scheidung, die einen Sorgfaltsverstoß bereits bei geringer Fahrge-schwindigkeit annimmt, ändern wird, ist jedenfalls zu bezweifeln.
Skifahrer können aufgrund besonderer Regelungen ihre Ansprüche auch in Deutschland geltend machen. Dies ist auch schon deshlab ratsam, weil in Deutschland höhere Schmerzensgeldzahlungen ausgesprochen werden.
Rücksicht auf die anderen Skifahrer und Snowboarder Jeder Skifahrer und Snowboarder muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt.
Beherrschung der Geschwindigkeit und der Fahrweise Jeder Skifahrer und Snowboarder muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungs-verhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen.
Wahl der Fahrspur Der von hinten kommende Skifahrer und Snowboarder muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer und Snowboarder nicht gefährdet.
Überholen Überholt werden darf von oben oder unten, von rechts oder von links, aber immer nur mit einem Abstand, der dem überholten Skifahrer oder Snowboarder für alle seine Bewegungen genügend Raum lässt.
Einfahren und Anfahren und hangaufwärts Fahren Jeder Skifahrer und Snowboarder, der in eine Skiabfahrt einfahren, nach einem Halt wieder anfahren oder hangaufwärts schwingen oder fahren will, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann.
Anhalten Jeder Skifahrer und Snowboarder muss es vermeiden, sich ohne Not an engen oder unübersichtlichen Stellen einer Abfahrt aufzuhalten. Ein gestürzter Skifahrer oder Snowboarder muss eine solche Stelle so schnell wie möglich freimachen.
Aufstieg und Abstieg Ein Skifahrer oder Snowboarder, der aufsteigt oder zu Fuß absteigt, muss den Rand der Abfahrt benutzen.
Beachten der Zeichen Jeder Skifahrer und Snowboarder muss die Markierung und die Signalisation beachten.
Hilfeleistung Bei Unfällen ist jeder Skifahrer und Snowboarder zur Hilfeleistung verpflichtet.
Ausweispflicht Jeder Skifahrer und Snowboarder, ob Zeuge oder Beteiligter, ob verantwortlich oder nicht, muss im Falle eines Unfalles seine Personalien angeben.
Skiunfall, Snowboard und FIS-Regeln gemäß LG Bonn, Az.: 1 O 484/04, Urteil vom 21.03.2005
Zuständigkeit der deutschen Gerichte nach BGH-Rechtsprechung
Nach Art. 11 Abs. 2 Verordnung (EG) Nr. 44/2001 des Rates vom 22. Dezember 2000 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (im Folgenden: EuGVVO) i.V.m. Art. 9 Abs. 1 Buchst. b EuGVVO kann der Geschädigte, der seinen Wohnsitz in einem Mitgliedstaat hat, vor dem Gericht seines Wohnsitzes eine Klage unmittelbar gegen den Versicherer erheben, sofern eine solche unmittelbare Klage zulässig ist und der Versicherer seinen Wohnsitz im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaates hat. BGH, Urteil vom 6. Mai 2008 - VI ZR 200/05 - OLG Köln LG Aachen
Skiverletzte sollten sich anwaltlich über die Möglichkeiten des Schmerzensgeld, Schgadensausgleich usw. oder die Abwehr von Ansprüchen beraten lassen.