Source: https://de.slideshare.net/KloecknerIR/kloeckner-20130220-gb2012
Timestamp: 2017-07-21 13:04:43
Document Index: 234616657

Matched Legal Cases: ['§ 100', '§ 100', '§ 100', '§161', '§ 161', '§ 315', '§ 91', '§161', '§ 161', '§ 161', '§ 100', '§100', '§ 100', '§ 15']

Tabimed - 1 informe coyuntura abril...
Sentencia C-318/
DSS. Nov 20 2013. Carolina Morales,...
Klöckner & Co SE Geschäftsbericht 2012
Brief an die Aktionäre	2
Vorstand und Aufsichtsrat	6
Bericht des Aufsichtsrats	8
2. Konzernlagebericht
Überblick	17	Erklärung zur Unternehmensführung
und Corporate Governance-Bericht 18
Geschäft und Rahmenbedingungen	25	Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage	37	Einzelabschluss Klöckner & Co SE	45	Nachtragsbericht	49
Verantwortung	49	Vergütungsbericht	54	Makroökonomische Perspektiven
und wesentliche Chancen und Risiken	58	Prognosebericht	71
3.	konzernabschluss
und Einzelabschluss
der Klöckner & Co SE
Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung	74
Gesamtergebnisrechnung	75
Konzernbilanz	76
Konzern-Kapitalflussrechnung	79
Entwicklung des Konzern-Eigenkapitals	80
der Klöckner & Co SE	82
Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers	149
Erklärung des Vorstands	151
Gewinn- und Verlustrechnung	153
Bilanz	154
Anhang für das Geschäftsjahr	158
Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers	170
Erklärung des Vorstands	171
Zusätzliche Angaben zum
Konzern- und Einzelabschluss	179
Glossar	182
Wichtige Adressen	184
Finanzkalender 2013	186
Kontakt/Impressum	187
EBITDA vor Restrukturierung
Free Cashﬂow
Cashﬂow aus der Investitionstätigkeit
Anzahl der Mitarbeiter (31.12.)
+2,7 p
Q u a r t a l s ü b e r s i c h t 2 0 1 2
2012 – 20112012 2011 2010 2009 2008
Tt 1.857
5 J a h r e i n Z a h l e n
Über 160.000 Kunden werden über rund 255 Lager- und
Anarbeitungsstandorte mit über 10.000 Mitarbeitern in
19 Ländern bedient.
Umsatz nach Segmenten in Mio. €
Mit den drei StoSSrichtungen
	Wachstum in Nordamerika
	Stabilisierung der hohen
Profitabilität unserer Aktivitäten in der
Schweiz und bei Becker Stahl-Service
	Restrukturierung unseres europäischen
Distributionsnetzwerkes
legen wir im derzeit herausfordernden Umfeld die Basis
für die weitere Verfolgung unserer Wachstumsstrategie
„Klöckner & Co 2020“
3Konzernlagebericht Konzern- und Einzelabschluss ServicesÜberblick
das vergangene Geschäftsjahr war, insbesondere in Europa, erneut ein schwieriges Jahr für die Stahlindustrie. Der Stahl-
verbrauch ging hier nochmals um 9 % zurück und liegt mittlerweile um fast 30 % unter dem Vorkrisenniveau. Auch für
das laufende Geschäftsjahr wird ein weiterer, wenn auch deutlich geringerer Rückgang der Stahlnachfrage erwartet. Erst
im Jahr 2014 wird aus heutiger Sicht der Stahlverbrauch in Europa wieder leicht zulegen. Deutlich besser verlief die Nach-
frageentwicklung hingegen in den USA, wobei auch hier die Margen aufgrund des Überangebots unter Druck standen.
Diese Entwicklung hat erhebliche Spuren bei unserem operativen Ergebnis (EBITDA) hinterlassen. Mit 139 Mio. € vor
Restrukturierungsaufwendungen haben wir unsere Zielsetzung verfehlt und das EBITDA des Vorjahres in Höhe von
227 Mio. € nicht erreicht. Unser Konzernergebnis von – 198 Mio. € war darüber hinaus belastet durch rund 115 Mio. €
Restrukturierungsaufwendungen und Wertberichtigungen. Gesteigert haben wir dagegen unseren Umsatz um 4,1 % auf
7,4 Mrd. € und unseren Absatz um 6,1 % auf 7,1 Mio. t, beides maßgeblich bedingt durch unser Wachstum in den USA.
Erfreulich war auch die Entwicklung unseres Free Cashflows in Höhe von 67 Mio. €, mit dem wir unsere Verschuldung
von 471 Mio. € auf 422 Mio. € abgebaut haben. Entsprechend haben wir trotz des unbefriedigenden Ergebnisses im ver-
gangenen Jahr unsere ohnehin komfortable finanzielle Situation weiter verbessert.
In meinem Aktionärsbrief des letzten Jahres hatte ich Ihnen aufgrund der absehbaren Entwicklung umfangreiche Restruk-
turierungsmaßnahmen in Europa angekündigt. Diese haben wir umgesetzt und, nachdem sich die Entwicklung weiter ver-
schlechtert hatte, nochmals deutlich verschärft. Im Rahmen dieses Programms sind wir derzeit dabei, etwa 60 Niederlas-
sungen zu schließen oder zu veräußern und rund 1.800 Arbeitsplätze abzubauen. Bis zum Ende des letzten Geschäftsjahres
wurden etwa zwei Drittel des Programms abgearbeitet. Unsere osteuropäischen Aktivitäten haben wir weitgehend ver-
äußert und unser Netzwerk in Spanien erheblich reduziert. Aktuell sind wir dabei, unsere Netzwerkstruktur in Deutsch-
land, Frankreich und Großbritannien zu straffen. Wir passen damit unsere Kapazitäten dem aktuellen Nachfrageniveau in
Europa an, da wir kurz- und mittelfristig nicht mehr von einer deutlich spürbaren Nachfrageerholung ausgehen. Die tiefen
Einschnitte sind vor allem für unsere Mitarbeiter schmerzhaft, aber notwendig und konsequent. Wir wollen nicht abwar-
ten und auf Besserung hoffen, sondern wir handeln und verbessern unsere Profitabilität aus eigener Kraft.
Erheblich besser lief es, zumindest was den Absatz und Umsatz anbelangt, für uns in den USA. Nach der vollständigen
Integration von Macsteel Service Centers USA verfügen wir hier nunmehr über ein landesweites Netzwerk mit etwa
60 Standorten unter dem Dach von Kloeckner Metals US. Wir sind damit exzellent aufgestellt, um die zukünftigen Chan-
cen im amerikanischen Markt wahrzunehmen. Dazu gehört insbesondere der wachsende Stahlverbrauch durch die rasant
ansteigende Exploration von Schiefergas und die infolge der geringen Energiekosten erwartete Reindustrialisierung. Bereits
heute erwirtschaften wir knapp 40 % unseres Umsatzes in den USA und erwarten, diesen in den nächsten Jahren auf
einen Anteil von 50 % zu steigern.
Weiterhin stabil und auf erfreulich hohem Niveau laufen unsere Aktivitäten in der Schweiz und bei Becker Stahl-Service.
Mit den drei Stoßrichtungen aus Wachstum in den USA, Stabilisierung der hohen Ertragskraft der Schweizer Landesge-
sellschaft und von Becker Stahl-Service sowie Restrukturierung der übrigen europäischen Landesgesellschaften werden
wir uns im Anschluss an das Tief im Jahr 2012 wieder nach vorne bewegen, auch wenn der Stahlmarkt vor allem in Europa
keinen Rückenwind verleiht.
Wir verfolgen damit grundsätzlich unsere Strategie „Klöckner & Co 2020“ weiter, passen uns aber jeweils den aktuel-
len Anforderungen an. Das permanente Umschalten von Wachstum auf Krise und wieder auf Wachstum oder gar beides
gleichzeitig anzugehen, ist dabei eine große Hausforderung, vor allem für unsere Mitarbeiter. Ich möchte mich daher an
dieser Stelle sehr herzlich bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die hohe Einsatzbereitschaft und ihr großes
Engagement trotz der widrigen Umstände bedanken. Bedanken möchte ich mich auch bei Ihnen, sehr geehrte Aktionä-
rinnen und Aktionäre, für Ihr Vertrauen und Ihre Geduld. Gerade Ihre Geduld werden wir erneut benötigen, da Vorstand
und Aufsichtsrat vor dem Hintergrund der schlechten Ertragslage der Hauptversammlung vorschlagen werden, auf die
Zahlung einer Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr erneut zu verzichten.
Auch die Entwicklung unseres Aktienkurses war enttäuschend, insbesondere im Vergleich zum DAX®
und MDAX®
. Schaut
man hingegen auf die gängigen Stahlindizes, haben wir uns allerdings nicht schlechter entwickelt. Aber auch dies ist
natürlich kein Trost. Für das aktuelle Geschäftsjahr bin ich jedoch optimistisch, dass sich die Entwicklung umkehren wird.
Die Unsicherheiten lassen nach und das Vertrauen, die Talsohle durchschritten zu haben, steigt. Zusätzlich werden sich
unsere Restrukturierungsmaßnahmen schon im laufenden Jahr deutlich positiv auf die Ergebnisentwicklung auswirken.
Bei stabilem Absatz wollen wir unser EBITDA im Jahr 2013 auf etwa 200 Mio. € steigern. Das bedeutet gleichzeitig, dass
wir auch wieder ein positives Konzernergebnis planen.
Für die kommenden Herausforderungen haben wir intern Verstärkung erhalten: Meine neuen Vorstandskollegen,
Marcus A. Ketter für das Finanzressort und Karsten Lork mit der Zuständigkeit für unsere europäischen und asiatischen
Aktivitäten, werden zusätzlichen Schwung und sicherlich auch neue Ideen einbringen. Gemeinsam mit unserem für Ame-
ricas zuständigen Vorstandskollegen William A. Partalis sind wir optimistisch, die anstehenden Herausforderungen als
Team zu meistern.
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, ich möchte mich an dieser Stelle auch im Namen meiner Vorstandskollegen
nochmals für Ihr Vertrauen bedanken und verbleibe
5Konzernlagebericht Konzern- und Einzelabschluss ServicesÜberblick
Geboren 1963, Vorstandsmitglied seit dem 1. Februar 2013 und bestellt bis zum
31.01.2016. Im Vorstand repräsentiert er die Geschäftsbereiche Europa und Asien.
Funktional verantwortlich ist er für die Holdingbereiche International Product
Management & Global Sourcing sowie Operations Europe.
Geboren 1953, Vorstandsmitglied seit 1. Oktober 2011 und bestellt bis
zum 31. Dezember 2014. Im Vorstand repräsentiert William A. Partalis das
Segment „Americas“. Neben seiner Zuständigkeit für „Americas“ ist er CEO der
US-amerikanischen Landesgesellschaften.
Mitglied des Vorstands (COO) bis 30. September 2012, geboren 1961.
Geboren 1959, seit 1. November 2009 Vorsitzender des Vorstands und von Juli 2005
bis Dezember 2012 Finanzvorstand, bestellt bis zum 31. Dezember 2017. Er ist
verantwortlich für die gesamte Koordination der Vorstandsarbeit sowie funk-
tional verantwortlich für die Holdingbereiche Corporate Development/M&A,
Executive HR & Talent Management, Human Resources/Legal & Compliance,
Internal Audit und Investor Relations & Corporate Communications.
Geboren1968,VorstandFinanzenseit1.Januar2013undbestelltbiszum31.12.2015.
Er ist funktional verantwortlich für die Holdingbereiche Corporate Controlling,
Corporate IT, Corporate Taxes sowie Finance & Accounting.
7Konzernlagebericht Konzern- und Einzelabschluss ServicesÜberblick
Geschäftsführender Gesellschafter der Lindsay Goldberg
Vogel GmbH, Düsseldorf,
Ehem. Vorsitzender des Vorstands der Voith AG,
Vorstandsvorsitzender der Grillo-Werke AG, Duisburg
(Mitglied seit 25.05.2012)
Vorsitzender des Vorstands der SGL CARBON SE,
Dr. Dr. h.c. Jochen Melchior
Ehem. Vorstandsvorsitzender der damaligen STEAG AG,
Essen (Mitglied bis 25.05.2012)
Mitglied des Vorstands der Deutsche Börse AG, Frankfurt
Ehem. Mitglied des Vorstands der HOCHTIEF AG,
(zugleich Personalausschuss, Eilausschuss
und Nominierungsausschuss)
Dr. Hans-Georg Vater1
Unabhängiges und sachverständiges Mitglied im Sinne von § 100 Abs. 5 AktG
(Financial Expert).
Der Aufsichtsrat befasste sich im Berichtsjahr intensiv mit der Lage und den Perspektiven des Unternehmens und nahm
die ihm nach Gesetz, Satzung und Geschäftsordnung obliegenden Kontroll- und Beratungsaufgaben mit der gebotenen
Sorgfalt wahr. Wir haben den Vorstand bei der Leitung des Unternehmens regelmäßig beraten, die Geschäftsführung
der Gesellschaft durch den Vorstand kontinuierlich überwacht und uns von deren Rechtmäßigkeit, Ordnungsmäßigkeit
und Zweckmäßigkeit überzeugt. Soweit es nach Gesetz, Satzung oder Geschäftsordnung geboten war, hat der Aufsichts-
rat die notwendigen Beschlüsse gefasst – jeweils nach gründlicher und sorgfältiger Prüfung. Hierzu gehörten insbeson-
dere auch die nach der Satzung der Gesellschaft oder der Geschäftsordnung für den Vorstand zustimmungspflichtigen
Rechtsgeschäfte und Maßnahmen.
Der Aufsichtsrat war in alle wichtigen Angelegenheiten der Gesellschaft und des Konzerns zeitnah eingebunden. Hierzu hat
uns der Vorstand in und zwischen den Aufsichtsratssitzungen schriftlich und mündlich über die Planung, die Geschäfts-
und Finanzlage sowie über alle für die Gesellschaft und den Konzern wichtigen Geschäftsvorgänge berichtet. Die bereits
im Herbst 2011 eingeleiteten und im Berichtsjahr noch ausgeweiteten Restrukturierungsmaßnahmen bildeten vor dem
Hintergrund der im Berichtsjahr weiterhin andauernden Staatsschuldenkrise in Europa und deren Auswirkungen auf das
für das Unternehmen maßgebliche Marktumfeld einen bedeutenden Teil der Berichterstattung des Vorstands und der
Erörterungen im Plenum. Ferner wurden ausführlich die Risikolage, das Risikomanagement und die Compliance behan-
delt. Dem Aufsichtsrat lagen jeweils aussagekräftige Unterlagen des Vorstands vor.
In den Präsenzsitzungen des Aufsichtsrats wurde stets über die allgemeine Wirtschaftslage, die Branchensituation, die
Geschäftsentwicklung des Klöckner & Co-Konzerns und seiner Segmente unter besonderer Beachtung der für den Kon-
zern wesentlichen Steuerungsgrößen sowie über die Kursentwicklung der Klöckner & Co-Aktie berichtet. Die Mitglieder
des Aufsichtsrats haben sich im Plenum und in den Ausschüssen kritisch mit den Berichten des Vorstands auseinanderge-
setzt und eigene Anregungen eingebracht. Auch zwischen den Gremiensitzungen fand ein regelmäßiger Informationsaus-
tausch statt. Kern der schriftlichen Berichterstattung des Vorstands war dabei auch im Berichtsjahr 2012 das detaillierte
monatliche Board Reporting über die Umsatz-, Ergebnis- und Finanzlage des Konzerns und seiner Segmente und wesent-
lichen operativen Einheiten, über die Entwicklung des Kapitalmarkts sowie die Kursentwicklung der Klöckner & Co-Aktie
im Vergleich zu den Aktien anderer Unternehmen der Stahl- und Stahldistributions-Branche. Darüber hinaus hat der Vor-
standsvorsitzende den Aufsichtsratsvorsitzenden in regelmäßigen persönlichen Gesprächen über die aktuelle Geschäfts-
entwicklung, aktuelle Themen und anstehende Entscheidungen informiert, diese mit ihm erörtert und mit ihm abgestimmt.
Der Aufsichtsrat besteht aus sechs Mitgliedern, die sämtlich Anteilseignervertreter sind und von der Hauptversammlung
gewählt werden. Zur Wahrnehmung seiner Aufgaben hat der Aufsichtsrat zwei Ausschüsse gebildet: ein Präsidium und
einen Prüfungsausschuss. Präsidium und Prüfungsausschuss sind jeweils mit drei Mitgliedern besetzt.
Mitglieder des Aufsichtsrats sind die Herren Prof. Dr. Dieter H. Vogel (Vorsitzender), Dr. Michael Rogowski (stellvertre-
tender Vorsitzender), Ulrich Grillo (seit 25.05.2012), Robert J. Koehler, Dr. Dr. h. c. Jochen Melchior (bis 25.05.2012),
Frau Hauke Stars und Herr Dr. Hans-Georg Vater. Alle Mitglieder des Aufsichtsrats erfüllen die Kriterien der Unabhängig-
keit gemäß Ziffer 5.4.2 des Deutschen Corporate Governance Kodex. Es befindet sich unter den Aufsichtsratsmitgliedern
kein ehemaliges Vorstandsmitglied der Gesellschaft und kein Vertreter einer Stakeholder-Gruppe. Der Vorsitzende des
Aufsichtsrats oder bei Verhinderung des Vorsitzenden dessen Stellvertreter sind ermächtigt, im Namen des Aufsichts-
rats die zur Durchführung der Beschlüsse des Aufsichtsrats erforderlichen Willenserklärungen abzugeben und entgegen-
zunehmen. Das Präsidium bilden die Herren Prof. Dr. Vogel (Vorsitzender), Dr. Rogowski und Dr. Vater. Den Prüfungsaus-
schuss bilden die Herren Dr. Vater (Vorsitzender), Dr. Rogowski und Prof. Dr. Vogel. Herr Dr. Vater ist Financial Expert im
Sinne des § 100 Abs. 5 Aktiengesetz (AktG).
Die Ausschüsse bereiten die Aufgaben, Themen und Entscheidungen des Aufsichtsrats vor. Das Präsidium übernimmt in
Personalunion die Aufgaben eines Personalausschusses, eines Eilausschusses und eines Nominierungsausschusses. In seiner
9Konzernlagebericht Konzern- und Einzelabschluss ServicesÜberblick
Eigenschaft als Personalausschuss schlägt das Präsidium dem Aufsichtsrat geeignete Kandidaten zur Bestellung als Vor-
standsmitglieder vor und macht insbesondere Vorschläge zu deren Vergütungen. In seiner Eigenschaft als Nominierungs-
ausschuss schlägt das Präsidium dem Aufsichtsrat geeignete Kandidaten für dessen Wahlvorschläge an die Hauptver-
sammlung zur Wahl von Aufsichtsratsmitgliedern vor. In Eilfällen tagt das Präsidium in seiner Eigenschaft als Eilausschuss.
Soweit gesetzlich zulässig, sind einzelne Entscheidungsbefugnisse auf die Ausschüsse übertragen worden.
Der Vorstand ist in die Arbeit des Aufsichtsrats eng eingebunden. An den Sitzungen und Telefonkonferenzen des Auf-
sichtsrats nehmen im Regelfall sämtliche Mitglieder des Vorstands teil; an den Sitzungen des Präsidiums nehmen der
Vorstandsvorsitzende und – bei Bedarf – weitere Vorstandsmitglieder, an den Sitzungen des Prüfungsausschusses nimmt
der Finanzvorstand teil.
Im Geschäftsjahr 2012 tagte das Aufsichtsratsplenum insgesamt fünfmal. Die vier ordentlichen Sitzungen fanden als Prä-
senzsitzungen statt, zusätzlich wurde anlässlich der Bestellung von Herrn Marcus A. Ketter zum Mitglied des Vorstands
und des Ausscheidens von Herrn Ulrich Becker aus dem Vorstand eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats in Form
einer Telefonkonferenz durchgeführt. Der Prüfungsausschuss tagte im Berichtsjahr sechsmal, davon dreimal in Präsenz-
sitzungen und dreimal in Form von Telefonkonferenzen zur Erörterung der Quartalsberichte mit dem Finanzvorstand am
Tag vor deren Veröffentlichung. Das Präsidium traf sich im Geschäftsjahr 2012 zu drei Präsenzsitzungen; außerdem fand
anlässlich der Wiederbestellung und Vertragsverlängerung von Herrn Gisbert Rühl eine Sitzung des Präsidiums in sei-
ner Eigenschaft als Personalausschuss statt, und zwar in Form einer Telefonkonferenz. Die Ausschussvorsitzenden haben
in den Plenumssitzungen regelmäßig und umfassend über die Inhalte und Ergebnisse der Ausschusssitzungen berichtet.
Jedes Aufsichtsrats- und jedes Ausschussmitglied nahm im Geschäftsjahr 2012 an mindestens der Hälfte der Aufsichts-
rats- bzw. Ausschusssitzungen – einschließlich Telefonkonferenzen – teil; drei Mitglieder waren jeweils lediglich einmal
gehindert, an einer Sitzung teilzunehmen. Die durchschnittliche Präsenz für alle Aufsichtsratssitzungen einschließlich der
Ausschusssitzungen lag bei 95 %. Eine detaillierte und individualisierte Übersicht über die Sitzungsteilnahmen finden Sie
auf der Website der Gesellschaft (www.kloeckner.com/de/investor-relations/aufsichtsrat.php).
Im abgelaufenen Geschäftsjahr befasste sich der Aufsichtsrat regelmäßig mit dem bereits im Herbst 2011 eingeleiteten
Restrukturierungsprogramm, das im Herbst 2012 aufgrund eines unverändert andauernden schwachen Marktumfelds
noch deutlich ausgeweitet wurde und dessen Umsetzung in der ersten Jahreshälfte des Geschäftsjahrs 2013 abgeschlos-
sen werden soll. Daneben waren Vorstandsangelegenheiten und die zukünftige Zusammensetzung des Vorstands Gegen-
stand mehrerer Sitzungen sowohl des Präsidiums wie auch des Plenums. Im Einzelnen befasste sich der Aufsichtsrat ins-
besondere mit den folgenden Themen:
In seiner Sitzung am 6. März 2012 billigte der Aufsichtsrat auf der Grundlage der Vorprüfungen und Beratungen des Prü-
fungsausschusses und nach intensiver Erörterung mit dem Vorstand und den anwesenden Abschlussprüfern den Jahres-
abschluss 2011 der Gesellschaft sowie den Konzernabschluss und stimmte dem Vorschlag des Vorstands zur Ergebnisver-
wendung zu. Außerdem behandelte der Aufsichtsrat den zusammengefassten Lagebericht. Nach eingehender Diskussion,
in deren Mittelpunkt insbesondere die vorgeschlagene Schaffung eines Genehmigten Kapitals 2012 sowie die Vorschläge
für die Wahl von zwei Aufsichtsratsmitgliedern standen, verabschiedete der Aufsichtsrat die Beschlussvorschläge für die
ordentliche Hauptversammlung der Gesellschaft. Entsprechend den Vorschlägen des Präsidiums stimmte der Aufsichtsrat
der Festlegung der jährlichen Tantieme („Kurzfristtantieme“) für das Geschäftsjahr 2011 und den Zielen der Vorstands-
mitglieder für die Kurzfristtantieme für das Geschäftsjahr 2012 zu; für das im September neu bestellte Vorstandsmitglied,
William A. Partalis, wurden zudem die Ziele für die Langfristtantieme 2012 bis 2014 festgelegt. Ferner wurde neben der
Erörterung der Geschäfts- und Finanzlage auch intensiv mit dem Vorstand über den Stand der Umsetzung des im Herbst
2011 vom Vorstand eingeleiteten Restrukturierungsprogramms sowie die Auswirkungen dieses Programms auf die im
Geschäftsjahr 2010 gemeinsam verabschiedete Strategie „Klöckner & Co 2020“ diskutiert.
Im Mittelpunkt der Aufsichtsratssitzung am 25. Mai 2012 stand neben der Vorbereitung der anschließenden Hauptver-
sammlung die Behandlung von Vorstandsangelegenheiten. Nach eingehender Erörterung beschloss der Aufsichtsrat, den
Empfehlungen des Präsidiums folgend, die Wiederbestellung und Vertragsverlängerung von Herrn Rühl für weitere fünf
Jahre sowie die Nichtverlängerung der Bestellung und des Dienstvertrags von Herrn Becker. Ein wesentlicher Gegenstand
der Erörterungen der Vertragsverlängerung mit Herrn Rühl war die Modifizierung des bisherigen Vergütungsmodells.
Das bisherige Modell, insbesondere im Hinblick auf die Festlegung der Langfristziele, hatte sich vor dem Hintergrund der
starken Schwankungen im wirtschaftlichen Umfeld nicht bewährt. Das modifizierte Vergütungsmodell sieht statt der
Gewährung einer Tantieme auf Basis der Erreichung von Drei-Jahres-Zielen ein Eigeninvestment des Vorstands in Höhe
von 50 % seiner jährlichen Tantieme mit einer Haltefrist von drei Jahren vor und trägt damit dem Aspekt eines nachhal-
tigen Unternehmenserfolgs im Rahmen der variablen Vergütung in besonderem Maße Rechnung. Die Höhe der jährli-
chen Zieltantieme wurde aufgrund des Wegfalls der bisherigen Langfristtantieme entsprechend erhöht. Daneben unver-
ändert sind auch die dem Vorstand zugeteilten virtuellen Aktienoptionen nur nach Ablauf einer mehrjährigen Haltefrist
ausübbar; je zugeteilter Tranche beträgt die Haltefrist für das erste Drittel einer Tranche drei, für das zweite Drittel vier
und für das letzte Drittel fünf Jahre. Ferner wurde in der Sitzung am 25. Mai 2012 die aktuelle Geschäfts- und Finanzlage
des Konzerns mit dem Vorstand erörtert.
Im Anschluss an die Hauptversammlung fand die konstituierende Sitzung des neu zusammengesetzten Aufsichtsrats der
Gesellschaft statt, in der Nachwahlen zu je einer vakanten Position im Präsidium und im Prüfungsausschuss erfolgten.
Herr Dr. Vater wurde erneut sowohl zum Mitglied des Präsidiums als auch als Financial Expert im Sinne von § 100 Abs. 5
des AktG zum Mitglied des Prüfungsausschusses und zugleich zu dessen Vorsitzenden gewählt.
In seiner als Telefonkonferenz durchgeführten außerordentlichen Sitzung am 27. Juli 2012 hat sich der Aufsichtsrat erneut
mit Vorstandsangelegenheiten beschäftigt. Im Mittelpunkt der Erörterungen stand die personelle Erweiterung des Vor-
stands um einen gesonderten Finanzvorstand und damit die Trennung der bisher von Herrn Rühl in Personalunion wahr-
genommenen Funktionen als Vorstandsvorsitzender und als Finanzvorstand. Diese Erweiterung war bereits anlässlich der
Wiederbestellung von Herrn Rühl zum Vorstand und Vorstandsvorsitzenden der Gesellschaft im Mai 2012 geplant worden.
In der Sitzung am 27. Juli 2012 bestellte der Aufsichtsrat auf Empfehlung des Präsidiums Herrn Marcus A. Ketter zum Mit-
glied des Vorstands der Gesellschaft. Gleichzeitig fasste der Aufsichtsrat nach eingehender Erörterung der wesentlichen
Vertragsbedingungen Beschluss über den Abschluss eines Dienstvertrags sowie eines Vertrags über virtuelle Aktienop-
tionen der Gesellschaft mit Herrn Ketter. Herr Ketter trat sein Amt am 1. Januar 2013 an. In der gleichen Sitzung wurde
außerdem der Geschäftsverteilungsplan für den Vorstand für die Zeit ab dem Amtsantritt von Herrn Ketter geändert,
um der Funktionstrennung von Vorstandsvorsitz und Finanzvorstand Rechnung zu tragen. Schließlich erörterte der Auf-
sichtsrat ausführlich die Notwendigkeit einer vorzeitigen Aufhebung der Vorstandsbestellung von Herrn Becker, die sich
aus dem Bekanntwerden der im Mai beschlossenen Nichtverlängerung seines im März 2013 auslaufenden Vertrags im
Markt ergeben hatte. Der Aufsichtsrat beschloss eine vorzeitige Aufhebung der Vorstandsbestellung zum 30.September
2012 und fasste zugleich Beschluss über die wesentlichen Bedingungen einer Aufhebungsvereinbarung mit Herrn Becker.
In der Sitzung des Aufsichtsrats am 20. September 2012 wurde zur Vereinheitlichung des Vergütungssystems für die
Vorstände der Gesellschaft beschlossen, den im Vorjahr mit dem für das Ressort „Americas“ zuständigen Vorstandsmit-
glied, Herrn Partalis, abgeschlossenen Dienstvertrag an das wie oben beschrieben modifizierte Vergütungssystem anzu-
passen. Einen breiten Raum nahmen die Erörterungen zu aktuellen Corporate Governance Themen, insbesondere zu den
von der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex am 15. Mai 2012 beschlossenen Änderungen
des Kodex ein. Den geänderten Empfehlungen zur Zusammensetzung des Aufsichtsrats entsprechend wurden die beste-
henden Bestimmungen in der Geschäftsordnung des Aufsichtsrats überarbeitet, um den Gedanken der Unabhängigkeit
der Aufsichtsratsmitglieder stärker zu verankern. Im Hinblick auf die geänderten Empfehlungen des Kodex zur Vergütung
des Aufsichtsrats sprach sich der Aufsichtsrat nach einer intensiven Diskussion über die Vor- und Nachteile eines varia-
blen Teils der Vergütung dafür aus, zukünftig – unter Anhebung der Fixvergütung – von einer variablen Vergütungskom-
ponente abzusehen und der Hauptversammlung 2013 der Gesellschaft einen entsprechenden Beschlussvorschlag zur
Änderung der Satzungsregelung über die Vergütung des Aufsichtsrats zu unterbreiten. Den Schwerpunkt der Sitzung bil-
deten die Erörterungen über die vom Vorstand vorgestellten und für notwendig erachteten Anpassungen der im Septem-
ber 2010 beschlossenen Strategie „Klöckner & Co 2020“. Als Reaktion auf den seither globalen Abschwung in der Stahl-
industrie und die daraus resultierenden Rückgänge des Stahlverbrauchs, die Ergebnissituation der Gesellschaft sowie des
11Konzernlagebericht Konzern- und Einzelabschluss ServicesÜberblick
Aktienkurses erläuterte der Vorstand die kurz- und mittelfristig für notwendig erachteten Maßnahmen zur Verbesserung
der Ergebnissituation. Der Aufsichtsrat befürwortete das vorgestellte Maßnahmenpaket.
Zentrales Thema der Aufsichtsratssitzung am 4. Dezember 2012 war neben der aktuellen Geschäfts- und Finanzlage des
Klöckner & Co-Konzerns und den Erwartungen in Bezug auf die wichtigsten Kennzahlen des Unternehmens zum Geschäfts-
jahresende die Budgetplanung für das Geschäftsjahr 2013. Das Plenum überzeugte sich von der Plausibilität der durch
den Vorstand vorgelegten Planung und billigte diese. Einen weiteren Schwerpunkt der Erörterungen bildete die Erwei-
terung des Restrukturierungsprogramms. Mit der Ausweitung des bereits im September 2011 aufgelegten Programms,
das seinerzeit lediglich von einer vorübergehend rückläufigen Stahlnachfrage ausging, wurde der geänderten Annahme
einer länger anhaltenden Nachfrageflaute auf dem Stahlmarkt, insbesondere in Europa, Rechnung getragen. Die Auswir-
kungen des Maßnahmenpakets auf das Produktsortiment und das Dienstleistungsspektrum wurden ebenso ausführlich
diskutiert wie dessen Auswirkungen auf Mitarbeiter und Standorte sowie auf den Abschluss des Geschäftsjahrs 2012.
In der Dezembersitzung befasste sich der Aufsichtsrat auch intensiv mit den Ergebnissen der Effizienzprüfung der Aufsichts-
ratsarbeit, die in Form einer Selbstevaluierung stattfand. Die Beurteilung erfolgte anhand eines Katalogs mit 35 Fragen
nach den Kriterien: Information, Organisation und Selbstverständnis jeweils nach Plenum und Ausschüssen. Ein weite-
res Thema war die Entsprechenserklärung nach §161 AktG. Des Weiteren diskutierte der Aufsichtsrat mit dem Vorstand
den Jahresbericht des Chief Compliance Officers. Der Aufsichtsrat konnte sich davon überzeugen, dass die Gesellschaft
ein Compliance-Management-System besitzt, das geeignet ist, rechtmäßiges Verhalten im Unternehmen zu fördern, das
Risiko von Verstößen durch vorbeugende Maßnahmen gering zu halten und dennoch auftretende Verstöße frühzeitig
zu erkennen und abzustellen. Gegenstand eines weiteren Tagesordnungspunkts war die Verlängerung und Aufstockung
zweier Finanzierungsinstrumente in den USA zur Finanzierung des dort benötigten Umlaufvermögens, dem der Aufsichts-
rat seine Zustimmung erteilte.
Das Präsidium tagte im abgelaufenen Jahr sowohl in seiner Eigenschaft als Personal- wie auch als Nominierungsausschuss.
Es tagte dagegen nicht in seiner Funktion als Eilausschuss.
Als Personalausschuss befasste sich das Präsidium insbesondere mit der Wiederbestellung des Vorstandsvorsitzenden sowie
der Bestellung eines weiteren Vorstandsmitglieds als Finanzvorstand und den in diesem Zusammenhang abzuschließen-
den Dienstverträgen und Verträgen über virtuelle Aktienoptionen sowie einer Änderung des Geschäftsverteilungsplans
für den Vorstand. Außerdem wurde beschlossen, dem Plenum zu empfehlen, das Mandat des für das Segment Europa
und Asien zuständigen Vorstandsmitglieds nicht zu verlängern. Auf Empfehlung des Präsidiums beschloss der Aufsichts-
rat schließlich die vorzeitige Abberufung dieses Vorstandsmitglieds und die Rahmenbedingungen für eine einvernehm-
liche Aufhebungsvereinbarung. Anlässlich der Verlängerung des Dienstvertrags des Vorstandsvorsitzenden im Mai 2012
wurde auch ein modifiziertes Vergütungsmodell für den Vorstand erarbeitet und dem Aufsichtsrat vorgeschlagen. Das
gesetzliche Leitbild, das bei börsennotierten Unternehmen die Ausrichtung der Vergütungsstruktur auf eine nachhaltige
Unternehmensentwicklung verlangt, wird nun u.a. durch die Verpflichtung der Vorstandsmitglieder erfüllt, die Hälfte der
jährlichen Tantieme in Aktien der Gesellschaft mit einer Haltefrist von drei Jahren zu investieren. Die neuen Vergütungs-
regelungen wurden in der Folgezeit auch mit den übrigen Vorstandsmitgliedern vereinbart.
In seiner Märzsitzung beriet das Präsidium in seiner Funktion als Personalausschuss u.a. über die Festlegung der jährli-
chen Tantieme („Kurzfristtantieme“) für die Vorstandsmitglieder für das Geschäftsjahr 2011 und erarbeitete Zielvorga-
ben für die Kurzfristtantieme für das Geschäftsjahr 2012 sowie – der damaligen Vergütungsstruktur folgend – die Ziele
für die Langfristtantieme 2012 bis 2014 von Herrn Partalis.
Des Weiteren beschäftigte sich das Präsidium in derselben Sitzung in seiner Funktion als Nominierungsausschuss mit
den Wahlvorschlägen für die Wahl der Aufsichtsratsmitglieder in der Hauptversammlung 2012. Zwei Sitze standen zur
Neuwahl. Mit Herrn Dr. Hans-Georg Vater hatte eines der zwei Aufsichtsratsmitglieder, deren Ämter mit Ablauf der
Hauptversammlung 2012 endeten, seine Bereitschaft signalisiert, für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung zu stehen.
Herr Dr. Vater verfügt nicht nur über langjährige Erfahrung als Aufsichtsratsmitglied auch in anderen Unternehmen, son-
dern zudem als ehemaliger Finanzvorstand der Hochtief AG auch über den vom Gesetz für einen Financial Expert gefor-
derten Sachverstand auf dem Gebiet der Rechnungslegung sowie über die geforderte Unabhängigkeit. Das Präsidium ent-
schied daher, dem Aufsichtsrat zu empfehlen, Herrn Dr. Vater der Hauptversammlung erneut zur Wahl vorzuschlagen,
um im Interesse des Unternehmens dem Aufsichtsrat der Gesellschaft den großen Erfahrungsschatz von Herrn Dr. Vater
zu erhalten und um außerdem mit ihm die Position des Financial Expert besetzen zu können. Für den zweiten vakanten
Sitz sollte unter Berücksichtigung der in der Geschäftsordnung niedergelegten Kriterien für die Kandidatenauswahl nach
einem geeigneten – jünger als 60 Jahre alten – weiblichen oder männlichen Kandidaten gesucht werden, der möglichst
noch als Manager oder Unternehmer aktiv ist und in einer Branche tätig ist, die dem Geschäft der Gesellschaft zumindest
nahe steht. Aus diesem Prozess ging Herr Ulrich Grillo, Vorstandsvorsitzender der in den Bereichen Metall und Chemie
tätigen Grillo-Werke AG und zugleich in führender Stellung wichtiger Verbände tätig, als am besten geeigneter Kandidat
hervor. Auf Empfehlung des Präsidiums wurden Herr Dr. Vater und Herr Grillo vom Aufsichtsrat der Hauptversammlung
zur Wahl als neue Aufsichtsratsmitglieder vorgeschlagen und von dieser gewählt.
Schwerpunkte der Präsidiumsberatungen in der Septembersitzung waren Überlegungen zur Änderung der Aufsichtsrats-
vergütung sowie Beschlussvorschläge an das Aufsichtsratsplenum zur Änderung der Geschäftsordnung des Aufsichtsrats,
mit denen u.a. die Zielsetzungen für die Zusammensetzung des Aufsichtsrats an die Fassung des Deutschen Corporate
Governance Kodex vom 15. Mai 2012 angepasst wurden. In seiner Sitzung im Dezember 2012 beriet das Präsidium einge-
hend die Ergebnisse der Effizienzprüfung des Aufsichtsrats, die auch im abgelaufenen Geschäftsjahr in Form einer Selbst-
evaluierung stattfand, und unterbreitete dem Plenum einen Beschlussvorschlag für die gemeinsame jährliche Erklärung
von Vorstand und Aufsichtsrat zum Corporate Governance Kodex.
Der Prüfungsausschuss tagte jeweils vor Veröffentlichung der Zwischenberichte in Form von Telefonkonferenzen und
erörterte mit dem für Finanzen zuständigen Vorstandsmitglied anhand der wesentlichen Kennziffern die Entwicklung der
Geschäfts- und Finanzlage des Konzerns.
In den drei Präsenzsitzungen waren regelmäßig Themen des Risikomanagements einschließlich der Feststellungen der
internen Revision und Compliance-Themen Gegenstand der Beratungen; zu letzteren erstattete der Chief Compliance
Officer dem Ausschuss direkt Bericht. Schwerpunkt der Märzsitzung waren die Erörterungen zum Jahresabschluss und
zum Konzernabschluss 2011 der Gesellschaft. Die Abschlussprüfer berichteten dem Ausschuss ausführlich über die Prü-
fungsschwerpunkte und die wesentlichen Feststellungen ihrer Prüfung des Jahresabschlusses und des Konzernjahresab-
schlusses für das Geschäftsjahr 2011. In der gleichen Sitzung beriet der Prüfungsausschuss über den Vorschlag zur Wahl
des Abschlussprüfers und bereitete die Beauftragung des Abschlussprüfers durch das Plenum vor. Dabei prüfte der Prü-
fungsausschuss insbesondere die Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, das Honorarangebot und die Frage
der Bestimmung von Prüfungsschwerpunkten.
Aufsichtsrat und Vorstand haben am 4. Dezember 2012 nach ausführlicher Beratung die aktualisierte Entsprechenser-
klärung nach § 161 AktG abgegeben, die den Aktionären auf der Internetseite der Gesellschaft dauerhaft zugänglich ist.
13Konzernlagebericht Konzern- und Einzelabschluss ServicesÜberblick
Danach entspricht die Klöckner & Co SE den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) in seiner
jeweils gültigen Fassung mit wenigen begründeten Ausnahmen. Weitere Informationen zur Corporate Governance ent-
hält dieser Geschäftsbericht auf den Seiten 18ff.
Die Entwicklung der Empfehlungen und Anregungen des DCGK und deren Umsetzung werden von Vorstand und Auf-
sichtsrat zeitnah beobachtet. Im abgelaufenen Geschäftsjahr führte dies zu einer Änderung der Geschäftsordnung für den
Aufsichtsrat und zu der Entscheidung, der nächsten Hauptversammlung vorzuschlagen, die Vergütung des Aufsichtsrats
unter Aufhebung der variablen Vergütungskomponente auf eine reine (entsprechend angehobene) Fixvergütung umzustel-
len und eine damit einhergehende Änderung der Satzung zu beschließen. In seiner Dezembersitzung hat der Aufsichtsrat
das Ergebnis der durchgeführten Effizienzprüfung des Aufsichtsrats besprochen. Die in Form einer Selbstevaluierung mit-
tels Fragebogen durchgeführte Effizienzprüfung ließ keinen grundsätzlichen Handlungsbedarf erkennen. Hervorgehoben
wurde erneut die effiziente und vertrauensvolle Zusammenarbeit innerhalb der Aufsichtsratsgremien und mit dem Vor-
stand. Einzelne Anregungen zu Verbesserungen sollen bei der zukünftigen Arbeit berücksichtigt werden.
PRÜFUNG DES JAHRES- UND KONZERNABSCHLUSSES 2012
Der Jahresabschluss der Klöckner & Co SE für das Geschäftsjahr 2012 sowie der Konzernabschluss und der zusammen-
gefasste Lagebericht sind von dem durch die Hauptversammlung gewählten und durch den Aufsichtsrat beauftragten
Abschlussprüfer, der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Berlin, geprüft und jeweils mit einem uneingeschränk-
ten Bestätigungsvermerk versehen worden. Der Jahresabschluss der Klöckner & Co SE und der zusammengefasste Lage-
bericht für die Klöckner & Co SE und den Konzern wurden nach den Vorschriften des deutschen Handelsrechts, der Kon-
zernabschluss wurde gemäß § 315 a HGB auf der Grundlage der internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS), wie
sie in der Europäischen Union anzuwenden sind, aufgestellt. Die Prüfungsberichte sowie weitere Abschlussunterlagen
lagen den Mitgliedern des Aufsichtsrats rechtzeitig vor. Die Unterlagen wurden sowohl im Prüfungsausschuss als auch
im Plenum des Aufsichtsrats in Gegenwart des Abschlussprüfers ausführlich behandelt.
In der den Jahresabschluss feststellenden Aufsichtsratssitzung am 5. März 2013 hat der Vorsitzende des Prüfungsaus-
schusses über die Behandlung des Jahresabschlusses, des Konzernabschlusses und des zusammengefassten Lageberichts
durch den Prüfungsausschuss berichtet. Der Abschlussprüfer hat sowohl an den Beratungen des Prüfungsausschus-
ses als auch an der Sitzung des Aufsichtsrats teilgenommen, über die wesentlichen Ergebnisse seiner Prüfung berichtet
und Fragen beantwortet. Zum Risikofrüherkennungssystem hat der Abschlussprüfer erklärt, dass der Vorstand die nach
§ 91 Abs. 2 AktG geforderten Maßnahmen – insbesondere zur Errichtung eines Überwachungssystems – in geeigneter
Weise getroffen hat und das Überwachungssystem in der Lage ist, Entwicklungen, die den Fortbestand der Gesellschaft
gefährden, frühzeitig zu erkennen. Der Aufsichtsrat hat das Ergebnis der Prüfung durch den Abschlussprüfer und die Erläu-
terungen des Vorsitzenden des Prüfungsausschusses zustimmend zur Kenntnis genommen. Nach dem abschließenden
Ergebnis der eigenen Prüfung des Jahresabschlusses der Gesellschaft sowie des Konzernabschlusses und des zusammen-
gefassten Lageberichts durch den Aufsichtsrat sind – so auch die Empfehlung des Prüfungsausschusses – keine Einwen-
dungen zu erheben. Der Aufsichtsrat hat den vom Vorstand aufgestellten Jahresabschluss und den Konzernabschluss in
seiner Sitzung am 5. März 2013 gebilligt; der Jahresabschluss ist damit festgestellt. Der Aufsichtsrat hat den Ergebnisver-
wendungsvorschlag des Vorstands mit diesem erörtert und sich nach eigener Prüfung unter Berücksichtigung der Ergeb-
nis- und Finanzlage des Unternehmens dem Vorschlag des Vorstands, den Bilanzgewinn in die anderen Gewinnrückla-
gen einzustellen, angeschlossen.
Duisburg, 5. März 2013
Mit Ablauf der Hauptversammlung am 25. Mai 2012 schied Herr Dr. Dr. h. c. Jochen Melchior, der nicht für eine erneute
Kandidatur zur Verfügung stand, aus dem Aufsichtsrat der Gesellschaft aus. Der Aufsichtsrat hat Herrn Dr. Melchior für die
gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit gedankt. Auf Vorschlag des Aufsichtsrats wurde an seiner Stelle Herr Ulrich Grillo
von der Hauptversammlung in den Aufsichtsrat der Gesellschaft gewählt. Herr Dr. Hans-Georg Vater, dessen Amtszeit
ebenfalls mit Ablauf der Hauptversammlung endete, wurde wiedergewählt. Die Wahlvorschläge des Aufsichtsrats an die
Hauptversammlung beruhten auf einer Empfehlung des Nominierungsausschusses.
Wie bereits an anderer Stelle berichtet, wurde Herr Gisbert Rühl in der Aufsichtsratssitzung im Mai 2012 mit Wirkung vom
1. Januar 2013 für weitere fünf Jahre zum Mitglied des Vorstands und zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. Durch Beschluss
vom 27. Juli 2012 hat der Aufsichtsrat Herrn Marcus A. Ketter zum Mitglied des Vorstands der Gesellschaft bestellt; seine
Amtszeit begann am 1. Januar 2013 und ist zunächst auf drei Jahre festgelegt. Mit der Bestellung von Herrn Ketter zum
Finanzvorstand vollzog der Aufsichtsrat die angekündigte Trennung der Doppelfunktion von Vorstandsvorsitz und Finanz-
vorstand, die Herr Rühl über mehr als drei Jahre wahrgenommen hatte. Herr Ketter zeichnet als Finanzvorstand für die
Ressorts Corporate Controlling, Finance & Accounting, Corporate Taxes und Corporate IT verantwortlich. Mit Wirkung
zum 30. September 2012 schied Herr Ulrich Becker in gegenseitigem Einvernehmen aus dem Vorstand der Gesellschaft
aus. Nach Ablauf des Geschäftsjahrs bestellte der Aufsichtsrat am 8. Januar 2013 zudem Herrn Karsten Lork mit Wir-
kung zum 1. Februar 2013 für die Dauer von drei Jahren zum weiteren Mitglied des Vorstands der Gesellschaft. Herr Lork
ist zuständig für das operative Geschäft in Europa und Asien, für das nach dem Ausscheiden von Herrn Becker Herr Rühl
kommissarisch verantwortlich zeichnete. Nach der damit vollzogenen Komplettierung des Vorstands der Gesellschaft ist
Herr Rühl als Vorstandsvorsitzender für die Ressorts Corporate Development/M&A, Human Resources/Legal & Compli-
ance, Executive HR & Talent Management, Internal Audit sowie Investor Relations & Corporate Communications verant-
wortlich. Herr Partalis bleibt unverändert für das operative Geschäft des Segments „Americas“ zuständig.
Der Aufsichtsrat dankt dem Vorstand, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Arbeitnehmervertretungen der
Klöckner & Co SE und aller Konzerngesellschaften für ihre im abgelaufenen Geschäftsjahr geleistete engagierte Arbeit.
15Konzernlagebericht Konzern- und Einzelabschluss ServicesÜberblick
16 Konzernlagebericht
1. ÜBERBLICK 17 2. ERKLÄRUNG ZUR UNTERNEHMENSFÜHRUNG UND
CORPORATE GOVERNANCE-BERICHT*)
18 3. GESCHÄFT UND RAHMENBEDINGUNGEN 25 3.1 KONZERNSTRUKTUR 25 3.2 UNTERNEHMENSSTRATEGIE 26 3.3 GESAMTWIRTSCHAFTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN 28 3.4 BRANCHENUMFELD 30 3.5 KAPITALMARKTUMFELD 31 4. ERTRAGS-, FINANZ- UND VERMÖGENSLAGE 37 4.1 ERTRAGSLAGE 37 4.2 FINANZLAGE, FINANZIERUNG, LIQUIDITÄT 40 4.3 VERMÖGENSLAGE, BILANZSTRUKTUR 43 5. EINZELABSCHLUSS KLÖCKNER & CO SE 45 5.1 ERLÄUTERUNGEN ZUM JAHRESABSCHLUSS DER KLÖCKNER & CO SE 45 5.2 ÜBERNAHMERECHTLICHE ANGABEN 47 5.3 DIVIDENDENPLANUNG 48 6. NACHTRAGSBERICHT 49 7. VERANTWORTUNG 49 8. VERGÜTUNGSBERICHT 54 9. MAKROÖKONOMISCHE PERSPEKTIVEN UND WESENTLICHE CHANCEN UND
RISIKEN 58 9.1 ERWARTUNGEN WELTWIRTSCHAFTSWACHSTUM 58 9.2 ERWARTETE ENTWICKLUNG DER KERN-ABNEHMERBRANCHEN 59 9.3 CHANCEN UND RISIKEN 59 10. PROGNOSEBERICHT 71 *) Nicht Bestandteil des geprüften Lageberichts.
Überblick Konzernlagebericht Konzern- und Einzelabschluss Services 17
Zusammengefasster Lagebericht für das Geschäftsjahr 2012
der Klöckner&Co SE
• Absatz um 6,1% auf 7,1Mio. t und Umsatz um 4,1% auf 7,4Mrd.€ durch Wachstum in den USA deutlich gesteigert
• Operatives Ergebnis (EBITDA) vor Restrukturierungsaufwendungen durch anhaltenden Margendruck bei 139Mio.€ nach
227Mio.€ im Vorjahr
• Strategische Stoßrichtungen aus Wachstum in den USA, Stabilisierung der profitablen und Restrukturierung der übrigen
europäischen Landesgesellschaften weiter vorangetrieben
• Restrukturierungsmaßnahmen mit tiefen Einschnitten in die europäische Netzwerkstruktur erheblich ausgeweitet, Umsetzung
wird bis Jahresmitte abgeschlossen sein
• Verkauf der osteuropäischen Geschäftsaktivitäten weitgehend vollzogen
• Trotz des zusätzlich durch Restrukturierungsaufwendungen belasteten Konzernergebnisses von – 198Mio.€ positiver Free
Cashflow in Höhe von 67Mio.€, so dass die Netto-Finanzverbindlichkeiten von 471Mio.€ auf 422Mio.€ gesenkt werden
• Für 2013 wesentliche Verbesserung des EBITDA durch Restrukturierungsbeiträge bei in etwa stabilem Absatz und Umsatz und
abermals positiver Free Cashflow erwartet
Im Geschäftsjahr 2012 konnten wir Absatz und Umsatz durch das starke Wachstum in den USA, auch begünstigt durch die
Akquisition von Macsteel Service Centers USA (Macsteel), deutlich steigern. Der Absatz wuchs um 6,1% von 6,7Mio. t auf 7,1Mio. t.
Aufgrund des im Jahresverlauf zunehmenden Preisdrucks stieg der Umsatz geringer als der Absatz um 4,1% auf 7,4Mrd.€.
Die Konjunktur in Europa war im vergangenen Jahr von deutlichen Unsicherheiten über die Staatsschuldenkrise beeinträchtigt,
was sich erneut negativ auf den Stahlverbrauch auswirkte. Die ohnehin schon bestehenden Überkapazitäten wurden durch einen
Rückgang der Stahlnachfrage in Europa um 9% noch eklatanter. Im Zuge dessen waren die Preise für Stahl und Metall ab dem
zweiten Quartal kontinuierlich rückläufig, mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Rohertragsmarge. Selbst in den USA
trübten die Sorgen um eine Lösung für die Fiskalklippe die Wirtschaftsentwicklung zunehmend ein, so dass sich
Wirtschaftswachstum und auch Stahlnachfrage zwar noch positiv entwickelten, jedoch ebenfalls mit nachlassender Tendenz.
Diesem Verlauf folgte auch unsere EBITDA-Entwicklung. Nachdem das EBITDA des ersten Quartals noch in etwa auf Vorjahresniveau
lag, entkoppelte sich das Ergebnis über die Folgequartale jeweils im Vergleich zum Vorjahr zunehmend. Im Gesamtjahr konnten wir
entsprechend nur noch ein EBITDA vor Restrukturierungsaufwendungen von 139Mio.€ erzielen (2011: 227Mio.€). Einschließlich
Restrukturierungsaufwendungen und Veräußerungsverlusten für unser Osteuropageschäft in Höhe von insgesamt 77Mio.€ betrug
das EBITDA 62Mio.€. Das Konzernergebnis blieb damit, zusätzlich belastet durch Impairments, mit – 198Mio.€ deutlich unter dem
Vorjahresergebnis in Höhe von 10Mio.€.
18 Konzernlagebericht Erklärung zur Unternehmensführung und Corporate-Governance-Bericht
Durch ein striktes Net-Working-Capital-Management wurde, trotz der unbefriedigenden Ergebnisentwicklung, ein positiver Free
Cashflow in Höhe von 67Mio.€ erwirtschaftet. Im Zuge dessen konnten die Netto-Finanzverbindlichkeiten von 471Mio.€ auf
422Mio.€ reduziert und das Gearing (Verhältnis Fremdkapital zu Eigenkapital) konnte trotz des Konzernverlusts mit 28%
weiterhin auf niedrigem Niveau gehalten werden.
Aufgrund der erneuten konjunkturellen Wachstumsschwäche insbesondere in Europa haben wir unsere grundsätzlich fortgeführte
Strategie „Klöckner&Co 2020“ an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst. In den USA konnten wir das Marktwachstum
nutzen und zusätzliche Marktanteile gewinnen. Damit haben wir unser regionales Gewicht stärker auf diese Wachstumsregion
verschoben. Gleichzeitig wurde in Europa die Profitabilität unserer Schweizer Landesgesellschaft sowie von Becker Stahl-Service
auf hohem Niveau stabilisiert. Diese Bereiche tragen zusammen mit den USA rund zwei Drittel zu unserem Konzernumsatz bei.
Für alle anderen Landesgesellschaften in Europa wurden umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet. Ziel ist es, in
Regionen, in denen in absehbarer Zeit keine Erholung zu erwarten ist, das Netzwerk auch auf dem derzeitigen Absatzniveau
profitabel zu betreiben und Risiken eines weiteren Nachfragerückgangs vorzeitig einzudämmen. Dazu haben wir unser
Osteuropageschäft bereits weitgehend veräußert und unsere Kapazitäten in Spanien deutlich reduziert, so dass unsere Aktivitäten
in Südeuropa lediglich noch 3% zum Konzernumsatz beitragen. Aber auch in Deutschland, den Niederlanden, in Großbritannien
und Frankreich werden Standorte geschlossen, um eine höhere Auslastung des bestehenden Netzwerks zu ermöglichen.
Insgesamt werden durch die eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen rund 60 Standorte mit insgesamt 1.800 Mitarbeitern
abgebaut. Dies entspricht einem Umsatzvolumen von rund 500Mio.€. Mit der Schließung bzw. Veräußerung von 35 Standorten
insbesondere in Osteuropa und Spanien und dem Abbau von über 1.200 Arbeitsplätzen bis zum Ende des Berichtsjahrs sind wir
bereits weit vorangekommen. Die Restrukturierungsmaßnahmen werden bis zur Jahresmitte abgeschlossen. Insgesamt erwarten
wir aus der Restrukturierung einen jährlichen EBITDA-Beitrag von 150Mio.€.
Für die Geschäftsentwicklung im Jahr 2013 gehen wir trotz der durch die Restrukturierung aufgegebenen Absatzvolumina in Europa
durch weiteres Wachstum in den USA von einem Absatz und Umsatz in etwa auf Vorjahresniveau aus. Für das operative Ergebnis
(EBITDA) erwarten wir einen deutlichen Anstieg von 139Mio.€ im abgelaufenen Geschäftsjahr (vor Restrukturierung-
saufwendungen) auf etwa 200Mio.€. Maßgeblich dafür ist der Einspareffekt aus dem konzernweiten Restrukturierungsprogramm,
der für das laufende Geschäftsjahr einen zusätzlichen EBITDA-Beitrag von 60Mio.€ leisten soll. Im Zuge der positiveren operativen
Entwicklung erwarten wir für das Jahr 2013 auch ein positives Konzernergebnis.
2. ERKLÄRUNG ZUR UNTERNEHMENSFÜHRUNG UND CORPORATE-GOVERNANCE-
BERICHT*)
*) Nicht Bestandteil des geprüften Lageberichts.
§161 AktG verpflichtet den Vorstand und den Aufsichtsrat der Klöckner&Co SE, jährlich zu erklären, dass den vom
Bundesministerium der Justiz im amtlichen Teil des Bundesanzeigers bekannt gemachten Empfehlungen der
„Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex“ (Kodex) entsprochen wurde und wird oder welche
Empfehlungen nicht angewendet wurden oder werden und warum nicht. Die letzte jährliche Erklärung wurde im Dezember 2012
abgegeben. Sie ist im Folgenden wiedergegeben und auf der Internetseite der Klöckner&Co SE zugänglich. Ferner sind dort alle
bisher abgegebenen Entsprechenserklärungen dauerhaft verfügbar.
Überblick Konzernlagebericht Konzern- und Einzelabschluss Services 19
Gemeinsame Entsprechenserklärung 2012 von Vorstand und Aufsichtsrat der Klöckner & Co SE gemäß § 161 AktG zum
Den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) in der jeweils gültigen Fassung wurde und wird mit
folgenden Ausnahmen entsprochen:
1. Ziffer 3.8 des Kodex (Directors and Officers (D&O)-Versicherung/Selbstbehalt der Organmitglieder)
Die von der Gesellschaft für ihre Organmitglieder abgeschlossene D&O-Versicherung sieht für die Mitglieder des Aufsichtsrats
keinen Selbstbehalt vor, da Vorstand und Aufsichtsrat von einem Selbstbehalt keinen Einfluss auf die Qualität der
Aufsichtsratstätigkeit erwarten.
2. Ziffer 4.2.3 Satz 8 des Kodex (Aktienoptionen und vergleichbare Gestaltungen)
Das virtuelle Aktienoptionsprogramm (Phantom Stocks) für den Vorstand bezieht sich nicht auf Vergleichsparameter, da es in
Europa keine geeigneten vergleichbaren Unternehmen im Bereich der Stahldistribution gibt, auf die sich die Vergleichsparameter
beziehen könnten.
3. Ziffer 4.2.3 Satz 14 des Kodex (Leistungen aus Anlass der vorzeitigen Beendigung der Vorstandstätigkeit infolge eines
Kontrollwechsels)
Die Leistungen aus Anlass der vorzeitigen Beendigung der Vorstandstätigkeit infolge eines Kontrollwechsels (Change of Control)
waren und sind nicht formal auf 150% des Abfindungs-Caps beschränkt. Sollte ein Mitglied seine Vorstandstätigkeit infolge eines
Kontrollwechsels beenden, werden ihm die noch ausstehenden Tranchen des virtuellen Aktienoptionsprogramms zugeteilt.
Aufgrund der bestehenden Unsicherheiten im Hinblick auf die Behandlung und Bewertung von (virtuellen) Aktienoptionen bei der
Anwendung dieser Empfehlung geht die Gesellschaft vorsorglich davon aus, dass durch diesen Vergütungsbestandteil der Wert
von 150% des Abfindungs-Caps überschritten werden kann.
4. Ziffer 5.4.5 des Kodex (Aufsichtsratsmandate in konzernexternen börsennotierten Gesellschaften)
Ein Mitglied des Aufsichtsrats der Gesellschaft, das dem Vorstand einer börsennotierten Gesellschaft angehört, ist neben dem
Mandat bei der Klöckner&Co SE Mitglied in zwei weiteren Aufsichtsräten von konzernexternen börsennotierten Gesellschaften
sowie im Aufsichtsrat einer weiteren konzernexternen Gesellschaft tätig, die vergleichbare Anforderungen stellt. Damit wurde und
wird die empfohlene Zahl von insgesamt drei derartigen Mandaten überschritten. Wir sehen hierin jedoch keine Beeinträchtigung
der pflichtgemäßen Aufgabenerfüllung als Mitglied des Aufsichtsrats der Gesellschaft.
5. Ziffer 5.4.6 Satz 5 des Kodex (Aufsichtsratsvergütung)
Die Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder der Gesellschaft enthält bislang erfolgsorientierte Bestandteile, die nicht auf eine
nachhaltige Unternehmensentwicklung ausgerichtet sind. Die Satzung der Gesellschaft entspricht damit nicht der mit der Fassung
vom 15. Mai 2012 geänderten Empfehlung. Vorstand und Aufsichtsrat beabsichtigen, der ordentlichen Hauptversammlung 2013
der Gesellschaft eine Anpassung der Aufsichtsratsvergütung vorzuschlagen, die der Empfehlung entspricht.
Duisburg, 4. Dezember 2012
20 Konzernlagebericht Erklärung zur Unternehmensführung und Corporate-Governance-Bericht
ANWENDUNG DES DEUTSCHEN CORPORATE GOVERNANCE KODEX
Die verantwortungsvolle Unternehmensführung (Corporate Governance) hat bei Klöckner&Co seit jeher einen hohen
Stellenwert. Sie bestimmt das Handeln der Leitungs- und Kontrollorgane der Klöckner&Co SE. Corporate Governance steht für
eine verantwortungsbewusste und auf langfristige Wertschöpfung ausgerichtete Führung und Kontrolle von Unternehmen.
Vorstand und Aufsichtsrat der Klöckner&Co SE sehen sich in der Verpflichtung, durch eine verantwortungsbewusste und
langfristig ausgerichtete Unternehmensführung für den Bestand des Unternehmens und eine nachhaltige Steigerung des
Unternehmenswertes zu sorgen.
Auch im Berichtsjahr haben sich Vorstand und Aufsichtsrat der Klöckner&Co SE intensiv mit der Erfüllung der Empfehlungen und
Anregungen des Deutschen Corporate Governance Kodex befasst. Mit der grundsätzlichen Orientierung an den Empfehlungen
und Anregungen des DCGK in seiner jeweils geltenden Fassung unterstützen wir das für börsennotierte Unternehmen verfolgte
Ziel, das Vertrauen der nationalen und internationalen Anleger sowie der Kunden, der Mitarbeiter und der Öffentlichkeit in die
Leitung und Überwachung von deutschen börsennotierten Gesellschaften zu fördern. Die aktuelle Entsprechenserklärung nach
§ 161 AktG enthält fünf begründete Abweichungen von den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex. Die
Anregungen des Kodex werden von Vorstand und Aufsichtsrat grundsätzlich nicht anders behandelt als die Empfehlungen.
Sämtlichen Anregungen des DCGK in der Fassung vom 15. Mai 2012 wird entsprochen.
GRUNDLINIEN DER UNTERNEHMENSFÜHRUNG
Die Klöckner&Co SE ist eine Kapitalgesellschaft nach europäischem Recht, deren Führungssystem gemäß der Satzung dem
dualistischen System entspricht – vergleichbar der deutschen Aktiengesellschaft. Dieses dualistische System ist durch eine strikte
personelle Trennung zwischen dem Vorstand als Leitungsorgan und dem Aufsichtsrat als Beratungs- und Überwachungsorgan
gekennzeichnet. Vorstand und Aufsichtsrat arbeiten im Unternehmensinteresse eng zusammen. Ein intensiver, kontinuierlicher
Dialog zwischen den beiden Gremien ist die Basis für eine effiziente Unternehmensleitung. Gemeinsames Ziel ist es, für den
Bestand des Unternehmens und sein nachhaltig profitables Wachstum zu sorgen.
Dem Vorstand der Klöckner&Co SE obliegt die eigenverantwortliche Leitung des Konzerns und der Konzernholding. Für den
Konzern, seine Segmente und Landesgesellschaften legt der Vorstand die Ziele sowie die Strategien fest und bestimmt die
Richtlinien sowie die Grundsätze für die daraus abgeleitete Unternehmenspolitik. Er koordiniert und kontrolliert die bedeutsamen
Aktivitäten. Er entwickelt und setzt Führungskräfte ein, verteilt die Ressourcen und entscheidet über die finanzielle Steuerung und
Berichterstattung des Konzerns. Die Leitungsaufgabe, die insbesondere die Festlegung der Unternehmensziele, die strategische
Ausrichtung des Konzerns und dessen Steuerung und Überwachung, die Unternehmensplanung sowie die Konzernfinanzierung
umfasst, nimmt er als Kollegialorgan wahr.
Die Verantwortung für die gesamte Geschäftsführung tragen die Mitglieder des Vorstands gemeinsam. Sie arbeiten kollegial
zusammen und unterrichten sich gegenseitig laufend über wichtige Maßnahmen und Vorgänge in ihren Ressorts. Sie entwickeln
die Unternehmensstrategie und sorgen in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat für deren Umsetzung. Unbeschadet der
Gesamtverantwortung aller Vorstandsmitglieder führen die einzelnen Mitglieder des Vorstands die ihnen zugewiesenen Ressorts
im Rahmen der Vorstandsbeschlüsse in eigener Verantwortung.
Der Vorstand der Klöckner&Co SE besteht gegenwärtig aus vier Personen, die der Aufsichtsrat nach Maßgabe der SE-Verordnung,
des Aktiengesetzes sowie der Satzung bestellt und abberuft: dem Vorstandsvorsitzenden Gisbert Rühl, dem seit Beginn des Jahres
2013 im Amt befindlichen Finanzvorstand Marcus A. Ketter, dem seit 1. Februar 2013 für das operative Geschäft in Europa und
Asien zuständigen Vorstandsmitglied Karsten Lork und dem für das operative Geschäft in Nord- und Südamerika zuständigen
Vorstandsmitglied William A. Partalis. Die Aufgabe des Finanzvorstands hatte Herr Rühl zunächst beibehalten, als er Ende 2009
zum Vorstandsvorsitzenden ernannt wurde. Nach dem Ausscheiden von Ulrich Becker im Herbst 2012 hatte er zusätzlich das
Ressort Europa und Asien kommissarisch geführt.
Überblick Konzernlagebericht Konzern- und Einzelabschluss Services 21
Die Arbeit des Vorstands ist u.a. durch eine vom Aufsichtsrat beschlossene, detaillierte Geschäftsordnung mit Geschäftsverteilungsplan
geregelt. Diese hat insbesondere die Ressortzuständigkeiten der einzelnen Vorstandsmitglieder, die dem Gesamtvorstand
vorbehaltenen Angelegenheiten, die Beschlussmodalitäten sowie die Rechte und Pflichten des Vorsitzenden des Vorstands zum
Gegenstand. Sie enthält ferner Regelungen über die Berichterstattung an den Aufsichtsrat sowie einen Katalog von Geschäften, für die
der Vorstand die Zustimmung des Aufsichtsrats benötigt, für bedeutende, risikoreiche oder ungewöhnliche Geschäfte sowie für
grundsätzliche Entscheidungen. Die Geschäftsordnung sieht insbesondere mindestens eine monatliche Vorstandssitzung vor,
wobei im Regelfall monatlich eine Vorstandssitzung stattfindet. In ihr koordiniert der Vorstand seine Arbeit und trifft gemeinsame
Entscheidungen. Im Berichtsjahr fanden neben 22 Vorstandssitzungen zahlreiche Abstimmungsgespräche zwischen den
Vorstandsmitgliedern und Sitzungen mit den Geschäftsführungen der größeren Landesgesellschaften der Segmente statt.
Aufgrund der nach wie vor schwierigen Rahmenbedingungen im Bereich der Stahlindustrie und deren Auswirkungen auf das
Geschäft der Unternehmensgruppe behielt der Vorstand auch 2012 eine erhöhte Kontroll- und Beratungsintensität mit den
Landesgesellschaften bei. Dies erfolgte u.a. durch alle zwei Wochen stattfindende Telefonkonferenzen mit den Geschäftsführungen der
größeren Landesgesellschaften. Ferner fanden in der Regel monatliche Jours fixes mit den Geschäftsführungen der größeren
Landesgesellschaften der Segmente statt.
Der Aufsichtsrat der Klöckner&Co SE berät den Vorstand und überwacht seine Geschäftsführung. Das Gremium besteht aus
sechs Mitgliedern, die allesamt Anteilseignervertreter sind und von der Hauptversammlung gewählt werden. Vorsitzender des
Aufsichtsrats ist Prof. Dr. Dieter H. Vogel, als sein Stellvertreter fungiert Dr. Michael Rogowski. Beide verfügen – wie die übrigen
Aufsichtsratsmitglieder – über große Erfahrung in der Leitung und Kontrolle von international tätigen Wirtschaftsunternehmen
und über die zur Ausübung ihres Amtes notwendige hohe fachliche Qualifikation. Alle Aufsichtsratsmitglieder sind ferner
unabhängig im Sinne von § 100 Abs. 5 Aktiengesetz bzw. Ziffer 5.4.2 des DCGK.
In Entscheidungen von grundlegender Bedeutung für das Unternehmen ist der Aufsichtsrat unmittelbar eingebunden; er stimmt
mit dem Vorstand auch die strategische Ausrichtung der Gesellschaft ab und erörtert mit ihm regelmäßig den Stand der
Umsetzung der Geschäftsstrategie. Der Aufsichtsratsvorsitzende koordiniert die Arbeit des Gremiums und leitet die Sitzungen.
Durch regelmäßigen Gedankenaustausch mit dem Vorstand ist der Aufsichtsrat stets über die Geschäftspolitik, die
Unternehmensplanung und die Strategie informiert. Der Aufsichtsrat stimmt der Jahresplanung und dem Finanzierungsrahmen zu
und billigt die Jahresabschlüsse der Klöckner&Co SE und des Klöckner&Co-Konzerns sowie den zusammengefassten Lagebericht
unter Berücksichtigung der Berichte des Abschlussprüfers.
Der Vorstand unterrichtet den Aufsichtsrat regelmäßig in schriftlicher und mündlicher Form zeitnah und umfassend. Kern der
schriftlichen Berichterstattung ist das monatliche Board Reporting. Es informiert über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
des Konzerns und seiner operativen Segmente Europa und Americas. Auch die Entwicklung des Kapitalmarktes und die für
Klöckner&Co wichtigen ökonomischen Indikatoren sowie die Bewertung im Branchenvergleich sind – ebenso wie die Entwicklung
der Stahl- und Metallpreise – Bestandteil der Berichterstattung. In seinen Sitzungen erörtert der Aufsichtsrat stets die allgemeine
Wirtschaftslage, die Branchensituation, die Geschäftsentwicklung des Konzerns und der operativen Segmente sowie die
Kursentwicklung der Klöckner&Co-Aktie im Branchenvergleich.
Gemäß seiner Geschäftsordnung beschließt der Aufsichtsrat mit einfacher Mehrheit, soweit Gesetz oder Satzung nichts anderes
bestimmen. Die Beschlussfassungen erfolgten – wie in den vorherigen Jahren – stets einstimmig.
Der Aufsichtsrat trifft sich jährlich zu mindestens vier, das Präsidium zu mindestens drei ordentlichen Sitzungen. Beide Gremien
treten darüber hinaus bei Bedarf zusammen. Im Berichtsjahr haben fünf Sitzungen des Aufsichtsrats, vier seines Präsidiums und
sechs seines Prüfungsausschusses stattgefunden. Die Ausschussvorsitzenden berichten in den Plenumssitzungen regelmäßig und
umfassend über die Inhalte und Ergebnisse der Ausschusssitzungen. Zu den Sitzungen des Aufsichtsrats und seiner Ausschüsse
liegen stets aussagekräftige Unterlagen des Vorstands vor.
22 Konzernlagebericht Erklärung zur Unternehmensführung und Corporate-Governance-Bericht
Der Aufsichtsrat evaluiert und überprüft jährlich die Effizienz seiner Tätigkeit. Wegen der relativ geringen Zahl von
Aufsichtsratsmitgliedern und der damit zusammenhängenden hohen Effizienz der Plenumsarbeit wurde auf die Einrichtung
weiterer Ausschüsse bislang verzichtet. Vorbereitung, Ablauf und Inhalt der Sitzungen erfordern nach Auffassung des Aufsichtsrats
derzeit keine wesentlichen Änderungen. Ferner wird die Aufteilung der Aufsichtsratsarbeit in strategische Überlegungen,
Beratungs- und Kontrolltätigkeiten als ausgewogen angesehen. Der Aufsichtsrat selbst berichtet jährlich in seinem Bericht an die
Hauptversammlung (siehe Geschäftsbericht 2012, S. 8ff) ausführlich über seine konkrete Tätigkeit und seine Arbeitsschwerpunkte
im Berichtsjahr.
Die Arbeit des Plenums des Aufsichtsrats wird durch die Tätigkeit eines dreiköpfigen Präsidiums und eines ebenfalls dreiköpfigen
Prüfungsausschusses ergänzt.
Dem Präsidium gehören der Aufsichtsratsvorsitzende als Ausschussvorsitzender und sein Stellvertreter sowie ein weiteres
Mitglied an. Vorsitzender des Präsidiums ist dementsprechend der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Prof. Dr. Dieter H. Vogel.
Weitere Mitglieder des Präsidiums sind Dr. Michael Rogowski und Dr. Hans-Georg Vater.
Das Präsidium übt nach der Geschäftsordnung auch die Funktionen eines Personalausschusses zur Vorbereitung von
Personalentscheidungen auf Vorstandsebene aus. Das Präsidium schlägt dem Aufsichtsrat geeignete Kandidaten zur Bestellung
als Vorstandsmitglieder vor und macht insbesondere Vorschläge zu deren Vergütungen. Zudem berät es über die langfristige
Nachfolgeplanung für den Vorstand und agiert als Eilausschuss mit Beschlussvollmacht. Daneben hat das Präsidium die Funktion
des so genannten Nominierungsausschusses. Dieser schlägt dem Aufsichtsratsplenum geeignete Kandidaten für den Aufsichtsrat
für dessen Wahlvorschläge an die Hauptversammlung vor.
Der Prüfungsausschuss befasst sich insbesondere mit der Überwachung des Rechnungslegungsprozesses, der Wirksamkeit des
internen Kontrollsystems und des internen Revisionssystems, der Abschlussprüfung, hier insbesondere der Unabhängigkeit des
Abschlussprüfers, den vom Abschlussprüfer zusätzlich erbrachten Leistungen, der Erteilung des Prüfungsauftrags an den
Abschlussprüfer, der Bestimmung von Prüfungsschwerpunkten und der Honorarvereinbarung sowie der Compliance. Ferner hat
ihm der Aufsichtsrat die vor der jeweiligen Veröffentlichung vorgesehene Erörterung der Halbjahres- und Quartalsfinanzberichte
mit dem Vorstand zugewiesen. Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Herr Dr. Vater, ist ein unabhängiger Finanzexperte im
Sinne von §100 Abs. 5 Aktiengesetz bzw. Ziffer 5.3.2 DCGK, der aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Finanzvorstand eines
großen, international tätigen börsennotierten Baukonzerns u.a. über besondere Kenntnisse und Erfahrungen in der Anwendung
von Rechnungslegungsgrundsätzen und internen Kontrollverfahren verfügt. Der Prüfungsausschuss tagt jährlich mindestens
sechsmal, davon dreimal in Form von Telefonkonferenzen, die der Erörterung der Halbjahres- und Quartalsfinanzberichte dienen.
Neben Herrn Dr. Vater, dem Vorsitzenden des Ausschusses, sind der Aufsichtsratsvorsitzende, Prof. Dr. Vogel, und sein
Stellvertreter, Dr. Rogowski, Mitglieder des Prüfungsausschusses.
ZIELE FÜR DIE ZUSAMMENSETZUNG DES AUFSICHTSRATS UND STAND DER UMSETZUNG
Der Aufsichtsrat ist so zusammenzusetzen, dass seine Mitglieder insgesamt über die zur ordnungsgemäßen Wahrnehmung der
Aufgaben erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und fachlichen Erfahrungen verfügen. Bei den Wahlvorschlägen an die
Hauptversammlung ist nach der Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat neben den Qualifikationen eines potenziellen
Kandidaten wie Führungserfahrung und Branchenkenntnis grundsätzlich auch die Vielfalt (Diversity) der Zusammensetzung des
Gremiums zu beachten. Bei der Nominierung wird daher berücksichtigt, dass dem Aufsichtsrat nach Möglichkeit auch Mitglieder
angehören sollen, die weiblich bzw. jünger als 60 Jahre sind, den beruflichen oder privaten Lebensmittelpunkt in einem Land
außerhalb Deutschlands haben, welches für das Unternehmen von besonderer Bedeutung ist. Alle diesbezüglichen
Zielsetzungen sind durch die gegenwärtige Zusammensetzung des Aufsichtsrats erfüllt.
Überblick Konzernlagebericht Konzern- und Einzelabschluss Services 23
Zwei Drittel der Aufsichtsratsmitglieder sollten nach der Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat ferner unabhängig im Sinne von
Ziffer 5.4.2 DCGK sein. Nach Einschätzung des Aufsichtsrats sind derzeit alle Aufsichtsratsmitglieder unabhängig im Sinne dieser
Empfehlung. In seine Beurteilung der Unabhängigkeit bezieht der Aufsichtsrat die in der Empfehlung der Europäischen
Kommission vom 15. Februar 2005 genannten Kriterien mit ein (Anhang 2 zur Empfehlung der Kommission vom 15. Februar 2005
zu den Aufgaben von nicht geschäftsführenden Direktoren/Aufsichtsratsmitgliedern/börsennotierter Gesellschaften sowie zu den
Ausschüssen des Verwaltungs-/Aufsichtsrats (2005/162/EG)).
Ferner ist bei der Nominierung zu berücksichtigen, dass dem Aufsichtsrat nach Möglichkeit auch mindestens ein Mitglied
angehört, das die Kriterien des § 100 Abs. 5 Aktiengesetz erfüllt (Financial Expert). Gegenwärtig ist dies Dr. Hans-Georg Vater.
Die Aktionäre der Klöckner&Co SE nehmen ihre Rechte in der Hauptversammlung wahr und üben dort ihr Stimmrecht aus. Die
letzte Hauptversammlung der Gesellschaft fand am 25. Mai 2012 in Düsseldorf statt. Die nächste Hauptversammlung wird am
24. Mai 2013 ebenfalls in Düsseldorf stattfinden. Vorstand und Aufsichtsrat haben festgelegt, dass die Aktionäre die
Unterstützung und die Informationen erhalten, die Gesetz, Satzung und DCGK vorsehen bzw. empfehlen oder anregen. Die
Einladung zur Hauptversammlung sowie alle erforderlichen Berichte und Unterlagen veröffentlichen wir auf unserer Internetseite
in deutscher und englischer Sprache. Seit 2010 werden die Eröffnung der Hauptversammlung durch den Versammlungsleiter, die
Rede des Vorstandsvorsitzenden sowie der Bericht des Aufsichtsrats live im Internet übertragen. Nach Abschluss der
Hauptversammlung werden diese Beiträge dort als Aufzeichnung zur Verfügung gestellt.
Die Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats sowie natürliche oder juristische Personen, die in einer engen Beziehung zu
den genannten Mitgliedern stehen, sind nach § 15a Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) gesetzlich verpflichtet, wesentliche
Erwerbe und Veräußerungen von Aktien oder sich darauf beziehende Finanzinstrumente, insbesondere Derivaten, der Gesellschaft
und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mitzuteilen, sofern der Wert der Geschäfte im Kalenderjahr 5.000€
erreicht oder übersteigt. Derartige Mitteilungen werden von der Gesellschaft umgehend veröffentlicht. Klöckner&Co übersendet
der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht einen entsprechenden Beleg; die Information wird dem
Unternehmensregister zur Speicherung übermittelt. Die Meldungen sind zudem auf der Internetseite der Gesellschaft abrufbar.
Im Zeitraum vom 1. Januar 2012 bis zum 22. Februar 2013 erfolgten insgesamt sieben solcher Transaktionen.
Die wesentlichen Angaben der in diesem Zeitraum erfolgten Mitteilungen sind in nachstehender Übersicht wiedergegeben.
Datum Name Funktion Finanzinstrument
Verkauf Stückzahl
Einheit Gesamtwert
21.03.2012 Dr. Michael Rogowski Aufsichtsrat Wandelanleihe Verkauf 1 49.725,00 € 49.725,00 €
03.04.2012 Dr. Michael Rogowski Aufsichtsrat Wandelanleihe Verkauf 1 49.725,00 € 49.725,00 €
10.05.2012 Gisbert Rühl Vorstand Aktie Kauf 10.000 8,33 € 83.300,00 €
17.05.2012 Gisbert Rühl Vorstand Aktie Kauf 5.000 7,70 € 38.500,00 €
20.06.2012 Dr. Hans-Georg Vater Aufsichtsrat Aktie Kauf 2.213 8,31 € 18.390,03 €
09.08.2012 Gisbert Rühl Vorstand Aktie Kauf 10.000 6,91 € 69.100,00 €
16.11.2012 Gisbert Rühl Vorstand Call-Option (Aktie) Kauf 200 79,15 € 15.830,00 €
Nach Mitteilung der Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats an die Gesellschaft ist deren Gesamtbesitz an Aktien der
Klöckner&Co SE oder sich darauf beziehender Finanzinstrumente am Abschlussstichtag kleiner als 1% der ausgegebenen Aktien.
24 Konzernlagebericht Erklärung zur Unternehmensführung und Corporate-Governance-Bericht
RECHNUNGSLEGUNG, ABSCHLUSSPRÜFUNG
Die Rechnungslegung des Klöckner&Co-Konzerns erfolgt nach den International Financial Reporting Standards (IFRS). Der
Abschluss der Klöckner&Co SE wird nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) erstellt. Die Lageberichterstattung findet aus
Gründen der Vereinfachung und Übersichtlichkeit in Form eines zusammengefassten Lageberichts zu Einzel- und
Konzernabschluss statt. Die Wahl des Abschlussprüfers und des Konzernabschlussprüfers erfolgt nach den gesetzlichen
Bestimmungen durch die Hauptversammlung. Der Prüfungsauftrag an den Abschluss- und den Konzernabschlussprüfer wird vom
Prüfungsausschuss vorbereitet und nach Erörterung im Aufsichtsrat von diesem erteilt. Zum Chancen- und Risikomanagement
des Klöckner&Co-Konzerns berichtet der Vorstand ausführlich unter Abschnitt 9 dieses zusammengefassten Lageberichts.
Die Berichterstattung zur Lage des Konzerns und zu besonderen Ereignissen unserer Unternehmensgruppe erfolgt durch den
jährlichen Geschäftsbericht mit dem Jahresabschluss, dem Lagebericht und weiteren gesetzlich vorgeschriebenen und freiwilligen
Informationen. Weitere Elemente der Berichterstattung sind der Halbjahresfinanzbericht im August sowie die
Zwischenfinanzberichte nach dem ersten und nach dem dritten Quartal im Mai bzw. November eines jeden Jahres. Im
Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Jahresabschlusses finden die Bilanz-Pressekonferenz bzw. Bilanzanalysten- und
Investorenkonferenz statt. Zur Quartals- und Halbjahresberichterstattung führen wir Telefonkonferenzen für Journalisten,
Analysten und Investoren durch. Ferner organisieren wir Veranstaltungen und zahlreiche Gespräche mit Finanzanalysten und
Investoren im In- und Ausland sowie mit Journalisten. Zur zeitnahen, umfassenden und gleichberechtigten Information der
Aktionäre und der Öffentlichkeit nutzen wir in erster Linie das Internet. Die im Rahmen der Konferenzen und Gespräche mit
Finanzanalysten und Investoren (so genannte Roadshows) verwendeten Präsentationen werden zeitnah auf unserer Internetseite
allgemein zugänglich zur Verfügung gestellt. Ferner publizieren wir bei Bedarf Pressemitteilungen.
Die regelmäßigen Termine von Klöckner&Co werden in Form eines Finanzkalenders auf unserer Internetseite veröffentlicht.
Darüber hinaus werden bestimmte Informationen, von denen angenommen wird, dass sie geeignet sind, den Kurs der
Klöckner&Co-Aktie erheblich zu beeinflussen, durch Ad-hoc-Mitteilungen im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes bekannt
gemacht. Zur Handhabung solcher Vorgänge gibt es eine Konzernrichtlinie und einen internen Expertenausschuss (Ad-hoc-
Committee), der bei Bedarf externen Rat, insbesondere in Rechtsfragen, einholt.
WESENTLICHE UNTERNEHMENSFÜHRUNGSPRAKTIKEN – COMPLIANCE
Compliance als Maßnahme zur Einhaltung von Recht, Gesetz und unternehmensinternen Richtlinien sowie deren Beachtung
durch die Konzernunternehmen und deren Organe und Mitarbeiter ist bei Klöckner&Co eine wesentliche Leitungs- und
Überwachungsaufgabe. Bereits vor einigen Jahren wurde ein Compliance-Programm mit Schwerpunkt in den Bereichen
Kartellrecht und Korruptionsbekämpfung eingeführt. Seitdem wird es regelmäßig überprüft, fortentwickelt und ergänzt, was dazu
führte, dass der Datenschutz und die Exportkontrolle als weitere Schwerpunkte hinzugefügt wurden. Mit dem Compliance-
Programm haben wir weitreichende Maßnahmen ergriffen, damit insbesondere die Korruptions- und Kartellvorschriften sowie die
darauf beruhenden Konzernrichtlinien eingehalten werden.
Der Vorstand der Klöckner&Co SE hat seine Haltung zu Kartellverstößen und Korruption im so genannten „Tone from the top”,
der auf der Internet- und Intranetseite veröffentlicht ist, unmissverständlich zum Ausdruck gebracht. Kartellverstöße oder
Verstöße gegen die Vorschriften zum Korruptionsverbot werden in keiner Weise geduldet und führen zu Sanktionen gegen die
zuwiderhandelnden Mitarbeiter. Dabei haben diese mit arbeits- und zivilrechtlichen Konsequenzen bis hin zur persönlichen
Haftung für die dem Unternehmen entstandenen Schäden (z.B. die zu zahlende Geldbuße) zu rechnen. Jeder Mitarbeiter ist
aufgefordert, in seinem Verantwortungsbereich aktiv an der Umsetzung des Compliance-Programms mitzuwirken.
Der u.a. auf der Internetseite veröffentlichte Verhaltenskodex („Code of Conduct”) enthält grundlegende Prinzipien und Regeln,
welche den Rahmen für unser unternehmerisches und gesellschaftliches Handeln bilden. Dieser Verhaltenskodex wird durch
verschiedene Konzernrichtlinien und Verfahrensanweisungen ergänzt. In diesen werden die zugrunde liegenden gesetzlichen
Bestimmungen näher erläutert und konkretisiert. Die Mitglieder des Vorstands und alle Führungskräfte haben eine
Vorbildfunktion und tragen eine besondere Verantwortung für die aktive Umsetzung dieses Verhaltenskodex.
Überblick Konzernlagebericht Konzern- und Einzelabschluss Services 25
Für die Weiterentwicklung, Steuerung und Umsetzung des Programms ist eine Compliance-Organisation eingerichtet.
Hauptamtlich tätige Compliance-Officer informieren beispielsweise die Mitarbeiter in regelmäßigen Schulungen über die
maßgeblichen gesetzlichen Bestimmungen und internen Richtlinien. Sie stehen auch als Ansprechpartner für Einzelfragen zur
Verfügung. Die Präsenzschulungen werden durch ein konzernweites interaktives E-Learning-Programm ergänzt, an dem bisher ca.
4.000 Mitarbeiter teilgenommen haben. 2012 lag der Fokus des E-Learning-Programms auf dem Thema Code of Conduct.
Als weiteres ergänzendes Compliance-Element hat Klöckner&Co eine über die Website erreichbare Kommunikationsplattform
zum so genannten Whistleblowing eingeführt. Dieses Hinweisgebersystem steht allen Mitarbeitern des Konzerns wie auch Dritten
zur Verfügung, um Hinweise auf mögliche Compliance-Verstöße in Konzernunternehmen zu melden. Die Plattform ist
grundsätzlich weltweit erreichbar, kostenfrei und kann auch anonym genutzt werden.
Weitere Maßnahmen betreffen z.B. das Kapitalmarktrecht und die Einhaltung der entsprechenden Konzernrichtlinie. Die
gesetzliche Regelung zum Verbot von Insidergeschäften wird durch eine Insiderrichtlinie ergänzt, die den Handel mit
Wertpapieren des Unternehmens für Organmitglieder und Mitarbeiter regelt. Ferner wird über die Insiderrichtlinie die
erforderliche Transparenz von Insiderinformationen sichergestellt. Personen, die im Rahmen ihrer Tätigkeit bestimmungsgemäß
Zugang zu Insiderinformationen haben, werden in ein Insiderverzeichnis aufgenommen.
3. GESCHÄFT UND RAHMENBEDINGUNGEN
Die Klöckner&Co SE ist die Muttergesellschaft und oberste Holdinggesellschaft des Klöckner&Co-Konzerns. Sie steuert die
Führungsgesellschaften der Segmente Europa und Americas mit den operativen Landesorganisationen. Gegenüber dem Vorjahr
hat sich die rechtliche wie auch die wirtschaftliche Konzernstruktur bis auf den Verkauf der osteuropäischen Geschäftsaktivitäten
nicht geändert. Die Klöckner&Co SE folgt primär den Regelungen der SE-Verordnung und ihrer Satzung sowie dem deutschen
Ausführungsgesetz zur SE-Verordnung. Daneben gelten insbesondere die Vorschriften des deutschen Aktiengesetzes.
Das Grundkapital der Klöckner&Co SE beträgt unverändert 249,4Mio.€, eingeteilt in 99,75Mio. voll stimmberechtigte, auf den
Namen lautende Stückaktien. Die Aktie der Klöckner&Co SE ist seit dem Börsengang Ende Juni 2006 im regulierten Markt der
Frankfurter Wertpapierbörse gelistet, seit Januar 2007 notiert sie im MDAX® der Deutsche Börse AG.
Geschäftstätigkeit/Geschäftsmodell
Klöckner&Co ist der größte produzentenunabhängige lagerhaltende Stahl- und Metalldistributor und eines der führenden Stahl-
Service-Center-Unternehmen im Gesamtmarkt Europa und Amerika. Wir fungieren als Bindeglied zwischen Stahlerzeugung und
Verbrauch. Durch die Unabhängigkeit von Stahlherstellern profitieren unsere Kunden von unserem zentral koordinierten Einkauf
und den vielfältigen nationalen und internationalen Beschaffungsmöglichkeiten bei rund 70 Hauptlieferanten weltweit. Unsere
entscheidenden Wettbewerbsfaktoren sind Größeneffekte im globalen Einkauf und der Kundenzugang über ein weit verzweigtes
Logistik- und Distributionsnetzwerk. Unser Netzwerk erstreckt sich über 19 Länder und ermöglicht unseren Kunden den lokalen
Zugang zu rund 255 Lager- und Anarbeitungsstandorten. Durch ständige Verfügbarkeit unserer Produkte ermöglichen wir unseren
Kunden, auf eigene Lagerhaltung weitgehend zu verzichten. Unser Kundenportfolio umfasst über 160.000 zumeist kleinere bis
mittlere Stahl- und Metallverbraucher, vorwiegend aus der Bauindustrie sowie dem Maschinen- und Anlagenbau. Darüber hinaus
liefern wir Vorprodukte für die Automobilindustrie, den Schiffbau und die Gebrauchsgüterindustrie. Wir bieten unseren Kunden
eine optimierte Gesamtlösung von der Beschaffung über die Logistik bis zur Anarbeitung, einschließlich individueller Belieferung
mit 24-Stunden-Service.
Der Markt der lagerhaltenden Distribution und der Stahl-Service-Center ist sowohl in Europa als auch in Nordamerika stark in
Groß-, Regional- und Lokalhändler fragmentiert. In Europa sind etwa 3.000, im stärker konsolidierten nordamerikanischen Markt
1.200 Unternehmen aktiv. In Europa verfügen wir in der Stahl- und Metalldistribution über einen Marktanteil von rund 7% und in
den USA von rund 3%. In allen europäischen Präsenzmärkten und in den USA gehören wir zu den Top 3 der Distributoren und
26 Konzernlagebericht Geschäft und Rahmenbedingungen
Externes Wachstum Übernahme von Distributoren und Stahl-Service-Centern mit höherwertigen Produkten und Dienstleistungen.
Ausbau der Anarbeitungsdienstleistungen insbesondere für Industriekunden und Steigerung des Anteils
höherwertiger Produkte.
Ausweitung der Skaleneffekte im Einkauf und im Produktmanagement und Optimierung der Logistik und des
Lagermanagements.
Konzernweites Talent- und Performance-Management unterstützt durch attraktive und konsistente
Kompensations- und Bonussysteme.
AktuellerFokus
Im Oktober 2010 haben wir unsere langfristige Wachstumsstrategie „Klöckner&Co 2020“ vorgestellt. Sie stellt die Weichen,
Klöckner&Co bis zum Jahr 2020 zu einem global aufgestellten und überdurchschnittlich wachsenden Multi Metal Distributor
Die Strategie „Klöckner&Co 2020“ basiert auf den vier Säulen externes Wachstum, organisches Wachstum,
Geschäftsoptimierung und Personal- & Managemententwicklung.
Aktueller Fokus: strategische Stoßrichtungen aus Wachstum, Stabilisierung und Restrukturierung
Trotz unserer langfristig angelegten Strategie „Klöckner&Co 2020“, die generell weiter verfolgt wird, müssen wir grundsätzlich
auf sich verändernde wirtschaftliche Rahmenbedingungen flexibel und zeitnah reagieren.
Nachdem sich im Verlauf des dritten Quartals 2011 die Anzeichen für eine erneute Eintrübung der Konjunktur mehrten, haben wir
im September 2011 ein umfangreiches Maßnahmenprogramm initiiert und dieses im Verlauf des Jahres und zuletzt im dritten
Quartal 2012 aufgrund der weiter nachlassenden Stahlnachfrage in Europa erheblich ausgeweitet.
Da wir nicht mehr davon ausgehen, dass sich der Stahlverbrauch in Europa kurz- bis mittelfristig
spürbar erholen wird, passen wir unsere Struktur an die aktuelle Nachfrage an und nehmen erhebliche
Einschnitte vor. Im Mittelpunkt des Restrukturierungsprogramms stehen, neben der Schließung von
unrentablen Niederlassungen und der Aufgabe nicht ausreichend profitabler Geschäftsaktivitäten, die
Senkung von Verwaltungs- und Vertriebs-Gemeinkosten, u. a. durch die Reduktion des
Mitarbeiterbestands um insgesamt 1.800 Personen. Dies bedeutet einen Personalabbau von 16%
bezogen auf den Stand zum Programmstart im September 2011. Durch die Schließung oder
Veräußerung von 60 Standorten wird unser Netzwerk damit um 20% auf 230 Standorte reduziert.
Dies betrifft alle europäischen Landesgesellschaften bis auf diejenigen in der Schweiz sowie Becker
Stahl-Service. In den USA wollen wir hingegen, nach der vollständig abgeschlossenen Integration von
Macsteel, erneut überproportional zum Markt zulegen.
Überblick Konzernlagebericht Konzern- und Einzelabschluss Services 27
Daraus ergeben sich die drei Stoßrichtungen aus Wachstum in den USA, Stabilisierung auf hohem Niveau in der Schweiz sowie bei
Becker Stahl-Service und Restrukturierung der übrigen Landesgesellschaften in Europa. Durch das Programm wird ein ab 2014
vollständig wirksamer EBITDA-Beitrag von jährlich insgesamt etwa 150Mio.€ angestrebt. Die Maßnahmen werden bis Mitte des
Jahres 2013 abgeschlossen. Die dafür erforderlichen EBITDA-wirksamen Einmalaufwendungen werden voraussichtlich insgesamt
etwa 80Mio.€ betragen und durch den Abbau von Net Working Capital sowie Veräußerungserlöse vollständig finanziert. Die
Restrukturierungskosten sind bereits in Höhe von 77Mio.€ im Jahresabschluss 2012 enthalten, so dass wir keine weiteren
nennenswerten Ergebnisbelastungen im Jahr 2013 mehr erwarten. Nach Abschluss der Restrukturierungsmaßnahmen werden
auch Akquisitionen wieder stärkere strategische Bedeutung gewinnen. Im Zentrum der Expansionsstrategie stehen insbesondere
Nischenanbieter mit hoher Wertschöpfung im Wachstumsmarkt USA, die idealerweise von dem steigenden Infrastrukturbedarf
der Energiekostenwende profitieren.
Bislang hat das konzernweite Restrukturierungs- und Optimierungsprogramm seit Programmstart im September 2011 einen
EBITDA-Beitrag von 51Mio.€ geleistet, 46Mio.€ davon im Geschäftsjahr 2012.
Besonders stark von den Restrukturierungsmaßnahmen betroffen ist unsere Tochtergesellschaft in Spanien, wo wir tiefgreifende
Einschnitte in das Standortnetzwerk vorgenommen haben. Aber auch unsere Landesgesellschaften in Deutschland,
Großbritannien und Frankreich befinden sich in tiefgreifenden Veränderungen ihrer Standortstruktur. Darüber hinaus reduzieren
wir niedrigmargiges Commoditygeschäft, wie das Trägergeschäft mit Großkunden, da hier im Besonderen der Wettbewerb mit
werkseigenen Distributoren bzw. den Werken selbst besteht und es kaum Möglichkeiten zur Differenzierung etwa über
Anarbeitungen gibt. Auch der angekündigte Rückzug aus Osteuropa ist weit vorangeschritten. Im Dezember 2012 konnten
zunächst die Aktivitäten in Tschechien, Bulgarien und Rumänien und damit mehr als zwei Drittel des Osteuropageschäfts
veräußert werden. Den Vollzug der ebenfalls verkauften Aktivitäten in Litauen und Polen erwarten wir im weiteren Verlauf des
ersten Quartals 2013. Mit den vorgenannten Maßnahmen sind die Risiken weitgehend eingegrenzt und die Basis für profitables
Wachstum auch bei anhaltend schwierigen Marktbedingungen in Europa geschaffen.
Die Umsetzung der weiteren Standortschließungen, von denen fast alle europäischen Länder betroffen sind, erfolgt bis zum Ende
des ersten Halbjahres. Dabei gehen wir grundsätzlich so vor, dass wir – wo immer logistisch machbar – den Vertrieb für
höherwertige Produkte aufrechterhalten und die Kunden über andere Lagerstandorte in der Region beliefern. Abhängig von
unserem Netzwerk in den jeweiligen Regionen können wir so erfahrungsgemäß die Hälfte bis zu zwei Drittel des Absatzes
halten. Auf diese Weise reduzieren wir Geschäfte mit geringer Marge bei gleichzeitiger Verbesserung der Effizienz durch
Kostensenkung. Die Finanzierung der Schließung der betroffenen Niederlassungen erfolgt über den Abbau des dort bisher
gebundenen Net Working Capitals und die Veräußerung von Grundstücken.
Jährlich inkrementeller EBITDA-Beitrag
Gesamter jährlicher EBITDA-
Beitrag ~150 Mio. €
28 Konzernlagebericht Geschäft und Rahmenbedingungen
Neben der selektiven Schließung von Standorten sowie den Produktivitätsverbesserungen in der Lagerhaltung und der Reduktion
von Gemein- und Logistikkosten setzen wir auf die Optimierung und den schrittweisen Ausbau des Kerngeschäfts in Richtung
höherer und stabilerer Margen. Dazu gehören auch der partielle Ausbau von Anarbeitungsdienstleistungen und die zielgerichtete
Erweiterung unserer Produktpalette. Den Ausbau der Anarbeitungsdienstleistungen richten wir hauptsächlich auf bestehende
Kunden mit bekannter Nachfrage aus. Entsprechende Investitionen nehmen wir fokussiert vor, aktuell mit dem Schwerpunkt
Schweiz und USA. Beispiele hierfür sind der Bau unseres Stahl-Service-Centers als Einstieg in den Automobil-Sektor in Alabama,
USA, sowie die geplante Steigerung der Maschinenlaufzeiten und damit der Ausbringungsmenge in den Schweizer Biegebetrieben
für Baustahl. Unsere Produktpalette wollen wir durch stärker spezialisierte Produkte rund um das bestehende Kernangebot
erweitern. Dabei fokussieren wir uns auf die Nutzung von Synergien mit Bestandskunden und bleiben sehr nah an unserer
Kernkompetenz, um unsere Fähigkeiten optimal einzusetzen. Im Falle des Service-Centers in Alabama werden wir mit dem
Produkt-Know-How der Becker Stahl-Service in das Geschäft mit europäischen Premium-Automobilanbietern einsteigen, die in
den USA produzieren und zu denen bereits jetzt auf deren Heimatmarkt eine enge Geschäftsbeziehung besteht.
3.3 GESAMTWIRTSCHAFTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN
Die Unsicherheit über die zukünftige Finanzpolitik der USA sowie die konjunkturellen Risiken aus der Staatsschuldenkrise im
Euroraum hat im Verlauf des Jahres 2012 zugenommen. Von dem negativen Trend waren besonders die westlichen Industrieländer
betroffen. Dies gilt vor allem für den Euroraum, wo die wirtschaftliche Entwicklung enttäuschend verlief. Nach einem nahezu
Nullwachstum im ersten Quartal sank die Wirtschaftsleistung in der Eurozone im zweiten Quartal um 0,5% und im dritten
Quartal um 0,6%. Aggregierten Schätzungen zufolge hat sich dieser Trend im vierten Quartal mit - 0,6% weiter fortgesetzt, so
dass die Wirtschaftsleistung auf Jahresbasis um 0,4% rückläufig war.
In den USA haben vor allem eine höhere Industrieproduktion und ein stärkerer privater Konsum das Wirtschaftswachstum
unterstützt. Im vierten Quartal wurde diese Entwicklung jedoch durch die Unsicherheiten um die Lösung der Fiskalklippe
gedämpft, die zum 1. Januar 2013 ohne Einigung im Senat einen Nothaushalt in Kraft gesetzt hätte. Nach 2,0% Wachstum im
ersten Quartal, 1,3% im zweiten und 3,1% im dritten Quartal 2012 wuchs die US-Wirtschaft im vierten Quartal daher nur noch
um 1,5%. Auf Jahresbasis ergab sich ein Plus von 2,3%.
In den Schwellenländern hat die bislang zumeist hohe Konjunkturdynamik über das Jahr merklich an Tempo verloren. Die
Wachstumsschwäche in Europa belastete auch die chinesische Exportindustrie, so dass sich das Wirtschaftswachstum nach 8,1%
im ersten und 7,6% im zweiten auf 7,4% im dritten Quartal verlangsamte – den niedrigsten Stand seit über drei Jahren. Im
Schlussquartal zeichnete sich jedoch mit einem Wachstum von 7,9% eine Erholung ab. Das Jahreswachstum lag entsprechend bei
7,8%. In Brasilien sorgten vor allem rückläufige Exporte, eine zurückgehende Industrieproduktion und eine geringe
Investitionsrate für ein unerwartet niedriges Wirtschaftswachstum. Ausschlaggebend dafür war neben der immer noch starken
Währung ein rasanter Anstieg des Lohnniveaus. Dies hat die Wettbewerbsfähigkeit der brasilianischen Volkswirtschaft wesentlich
eingeschränkt und führte zu einem Wachstum von nur noch 0,75% im ersten und 0,5% im zweiten sowie 0,9% im dritten
Quartal. Im vierten Quartal hellte sich die Situation aggregierten Schätzungen zufolge mit einem Wachstum von 1,7% etwas auf.
Auf Jahresbasis ergab sich ein Plus von 1,0%.
Überblick Konzernlagebericht Konzern- und Einzelabschluss Services 29
Entwicklung des BIP in unseren Kernländern (in %) 2012 vs 2011
Europa – 0,4
Großbritannien – 0,2
Frankreich 0,2
Spanien – 1,4
Schweiz 0,9
China 7,8
Brasilien 1,0
Quelle: IWF, Bloomberg, teilweise vorläufige Schätzungen.
Stahlproduktion und Absatz auf der Distributionsstufe
Die weltweite Stahlproduktion stieg 2012 um 1,2% und erreichte ein Rekordvolumen von 1.547,8Mio. t Rohstahl, allerdings
weiterhin mit erheblichen regionalen Unterschieden. Während die Produktion in der EU laut Angaben des Weltstahlverbands
(World Steel Association) im Jahr 2012 um 4,7% zurückging, konnte in Nordamerika ein Wachstum von 2,5% verzeichnet
werden. Die Distributionsstufe in Europa war aufgrund des Abbaus der Lager bei den Kunden laut Eurometal mit einem Rückgang
von 9% noch stärker von dieser Entwicklung betroffen. In den USA legte der Absatz in der Distribution laut dem Metals Service
Center Institute (MSCI) hingegen um 1,3% zu, jedoch mit wesentlich mehr Dynamik im ersten als im zweiten Halbjahr.
Problematisch sind trotz des Wachstums in einigen Regionen die global bestehenden Produktionskapazitäten. Vor allem in China,
aber auch in Europa und Amerika gibt es enorme Überkapazitäten, so dass Angebot und Nachfrage kein Gleichgewicht finden. In
Europa und den USA lag die Auslastung der Stahlproduzenten daher Ende Dezember bei nur noch knapp 70% bzw. bei 74%. Auch
auf der Distributionsstufe bestehen erhebliche Überkapazitäten, die einer Bereinigung bedürfen.
30 Konzernlagebericht Geschäft und Rahmenbedingungen
(in Mio. t) 2012 2011 Veränderung
Frankreich 15,6 15,8 – 1,1 %
Deutschland 42,6 44,3 – 3,7 %
Spanien 13,6 15,5 – 12,1 %
Großbritannien 9,8 9,5 +2,9 %
EU (27), gesamt 169,4 177,6 – 4,7 %
Übriges Europa 37,9 37,2 + 1,9 %
GUS-Staaten 111,2 112,5 – 1,2 %
USA 88,6 86,4 + 2,5 %
Übriges Nordamerika 33,3 32,5 + 2,5 %
Nordamerika, gesamt 121,9 118,9 + 2,5 %
Südamerika, gesamt 46,9 48,4 – 3,0 %
Afrika 15,7 15,7 +0,3 %
Mittlerer Osten 24,2 23 + 5,3 %
China 716,5 694,8 + 3,1 %
Übriges Asien 296,2 291,7 + 1,5 %
Asien, gesamt 1.012,7 986,5 + 2,6 %
Ozeanien, gesamt 5,8 7,2 – 19,9 %
Übrige Länder 2,1 2,2 – 4,5 %
Gesamt 1.547,8 1.529,2 + 1,2 %
Quelle: World Steel Association (Stand: Januar 2013).
3.4 BRANCHENUMFELD
Der Umsatzanteil der Bauindustrie lag im vergangenen Geschäftsjahr bei 36%, gefolgt vom Maschinen- und Anlagenbau, der um
2-Prozentpunkte ausgebaut werden konnte auf 26%. Dies lag auch an der vollen Integration der auf Flachstahl fokussierten
Macsteel Service Centers USA. Die Automobilindustrie war mit einem Anteil von 10% die drittgrößte Abnehmerbranche im
26 % AnlagenbauAutomobilindustrie 10 %
Lokale Händler 12 %
Gebrauchsgüter 6 %
36 % BauindustrieAndere 10 %
Kundenbranchen der Klöckner & Co SE nach Umsatz
Tabimed - 1 informe coyuntura abril 2009