Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2010-01-28/vii-zr-174_08
Timestamp: 2017-09-22 17:26:02
Document Index: 31188937

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 697', '§ 204', '§ 270', '§ 697', '§ 211', '§ 204', '§ 211', '§ 697', 'BGH', 'BGH', '§ 204', 'BGH', 'BGH', '§ 204', '§ 204']

BGH, 28.01.2010 - VII ZR 174/08 - Nochmalige Aufforderung zur Anspruchsbegründung nach § 697 Abs. 1 S. 1 Zivilprozessordnung (ZPO) als letzte Verfahrenshandlung i.S.v. § 204 Abs. 2 S. 2 BGB bei fehlender Rücksendung des Empfangsbekenntnisses einer ersten Aufforderung | anwalt24.de
Urt. v. 28.01.2010, Az.: VII ZR 174/08
Referenz: JurionRS 2010, 11167
Aktenzeichen: VII ZR 174/08
LG Görlitz - 19.10.2007 - AZ: 1 O 2/05
OLG Dresden - 29.07.2008 - AZ: 9 U 1889/07
§ 270 S. 2 ZPO
§ 697 Abs. 1 S. 1, 2 ZPO
§ 211 Abs. 2 S. 1 BGB a.F.
BauR 2010, 776-778
IBR 2010, 306
JurBüro 2010, 387
JZ 2010, 193
MDR 2010, 516-517
Mitt. 2010, 257 "Nochmalige Aufforderung zur Anspruchsverkündung"
NJW 2010, 1662-1663
NJW 2010, 8-10
NZBau 2010, 366-367
VersR 2011, 813-814
ZfBR 2010, 366-367
Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des 9. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Dresden vom 29. Juli 2008 im Kostenpunkt und insoweit aufgehoben, als die Klage in Höhe von 4.394,86 EUR nebst Zinsen abgewiesen worden ist.
Die Ausführungen des Berufungsgerichts zur Länge der ursprünglichen Verjährungsfrist von vier Jahren, zu den Unterbrechungstatbeständen vor dem 1. Januar 2002, zum Lauf der dreijährigen Verjährungsfrist ab dem 1. Januar 2002 und zur Hemmung der Verjährung am 22. Dezember 2004 sind nicht zu beanstanden und werden von der Revision auch nicht angegriffen.
Nach dem 22. Dezember 2004 hat die Klägerin das Verfahren erst wieder durch Einreichung der Anspruchsbegründung am 19. August 2005, also nahezu neun Monate später, weiterbetrieben. Das Berufungsgericht geht zutreffend davon aus, dass die am 22. Dezember 2004 eingetretene Hemmung der Verjährung sechs Monate nach der letzten Verfahrenshandlung des Gerichts endete, § 204 Abs. 2 Satz 1 und 2 BGB. Rechtsfehlerhaft stellt es dabei allein auf die Aufforderung zur Anspruchsbegründung vom 5. Januar 2005 ab und misst der am 17. Februar 2005 verfügten und am 23. Februar 2005 förmlich zugestellten erneuten Aufforderung keine Bedeutung bei.
Unter einer Prozesshandlung im Sinne von § 211 Abs. 2 Satz 1 BGB a.F. wird jede Handlung verstanden, die zur Begründung, Führung und Erledigung des Rechtsstreits dient und vom Prozessrecht in ihren Voraussetzungen und Wirkungen geregelt ist (RGZ 77, 324, 329). Die Aufforderung nach § 697 Abs. 1 Satz 1 ZPO, den Anspruch zu begründen, ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs eine derartige Prozesshandlung (BGH, Urteile vom 20. Februar 1997 - VII ZR 227/96, BGHZ 134, 387 und vom 6. Juli 1995 - IX ZR 132/94, NJW-RR 1995, 1335).
Auch die zweite Aufforderung zur Anspruchsbegründung vom 17. Februar 2005 ist eine Verfahrenshandlung in diesem Sinne. Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts ist es nicht von Bedeutung, dass die Prozessbevollmächtigten der Klägerin bereits mit Verfügung vom 5. Januar 2005 aufgefordert worden waren, die Anspruchsbegründung einzureichen.
Da im Rahmen von § 204 Abs. 2 Satz 2 BGB bei einer gerichtlichen Verfügung auf deren Zugang abzustellen ist (vgl. BGH, Urteil vom 20. Februar 1997 - VII ZR 227/96, BGHZ 134, 387), hätte die durch die Verfügung vom 17. Februar 2005 ausgelöste Hemmung der Verjährung am 23. August 2005 geendet, § 204 Abs. 2 Satz 1 BGB. Vor diesem Zeitpunkt hat die Klägerin das Verfahren durch Einreichung der Anspruchsbegründung weiterbetrieben. Dadurch wurde die Verjährung erneut gehemmt, § 204 Abs. 2 Satz 3 BGB.