Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Diskriminierung_wegen_des_Geschlechts_aufgrund_von_Dienstkleidung_LAG_Koeln_5_Sa_549-11_u.html
Timestamp: 2017-01-19 04:34:51
Document Index: 215005697

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 4', '§ 64', '§ 66', '§ 519', '§ 4', '§ 7', '§ 1', '§ 46', '§ 256', '§ 256', '§ 256', '§ 4', '§ 7', '§ 1', '§ 7', '§ 1', '§ 7', '§ 3', '§ 3', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 1', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 64', '§ 91', '§ 72']

HENSCHE Arbeitsrecht: 5 Sa 549/11
Dienstkleidung, Diskriminierung: Geschlecht, Gleichbehandlung
1. Männ­li­che Pi­lo­ten können auch dann zum Tra­gen ei­ner Pi­lo­tenmütze ver­pflich­tet wer­den, wenn es Pi­lo­tin­nen frei­ge­stellt ist, ob sie die Pi­lo­tenmütze tra­gen.
2. Ei­ne der­ar­ti­ge in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­trof­fe­ne Re­ge­lung verstößt nicht ge­gen das AGG. Maßgeb­lich hierfür ist, dass die für Frau­en und Männer gel­ten­den Vor­schrif­ten zur Pi­lo­tenmütze nicht iso­liert be­trach­tet und mit­ein­an­der ver­gli­chen wer­den können. Zu berück­sich­ti­gen ist viel­mehr, dass die Be­triebs­par­tei­en für Frau­en und Männer un­ter­schied­li­che Re­ge­lun­gen zur Dienst­klei­dung ge­trof­fen ha­ben. Ein Ver­gleich des ge­sam­ten Re­gel­werks zur Dienst­klei­dung für Männer und Frau­en er­gibt, dass die Aus­ge­stal­tung der Dienst­klei­dung in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung für das je­wei­li­ge Ge­schlecht nicht zu ei­ner güns­ti­ge­ren oder ei­ne we­ni­ger güns­ti­gen, son­dern le­dig­lich zu ei­ner an­de­ren Be­hand­lung führt. Ei­ne le­dig­lich an­de­re Be­hand­lung, die nicht mit ei­ner Her­ab­set­zung ge­genüber dem an­de­ren Ge­schlecht ver­bun­den ist, stellt kei­ne vom AGG er­fass­te Be­nach­tei­li­gung dar.
Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 5.4.2011 - 12 Ca 8659/10Nachfolgend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 30.09.2014, 1 AZR 1083/12
1. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 05. April 2011 – 12 Ca 8659/10 – teil­wei­se ab­geändert:
Der Fest­stel­lungs­an­trag wird ab­ge­wie­sen.
2. Die Kos­ten des Rechts­streits tra­gen der Kläger zu 2/3 und die Be­klag­te zu 1/3.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob Pi­lo­ten im Ge­gen­satz zu Pi­lo­tin­nen ver­pflich­tet wer­den können, im Flug­ha­fen ei­ne Pi­lo­tenmütze zu tra­gen.
Der Kläger ist bei der be­klag­ten Flug­ge­sell­schaft seit dem 7. April 2006 als Flug­zeugführer beschäftigt.
Bei der Be­klag­ten gilt ei­ne „Be­triebs­ver­ein­ba­rung Dienst­be­klei­dung“. Zur Pi­lo­tenmütze sieht die­se für Frau­en vor, dass sie ge­tra­gen wer­den kann, aber nicht zur vollständi­gen Uni­form gehört. Für Männer ist ge­re­gelt, dass die Mütze zwin­gend in dem der Öffent­lich­keit zugäng­li­chen Flug­ha­fen­be­reich zu tra­gen ist.
Kon­kret be­stimmt § 4 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung:
„§ 4 Uni­form­tei­le für das Cock­pit­per­so­nal
(1) Uni­form­tei­le für Da­men
(1.1) An­zug
Der Bla­zer gehört zur vollständi­gen Uni­form und muss stets mit­geführt wer­den. Der Zwei­rei­her wird – aus­ge­nom­men sit­zen­de Tätig­keit – zu­ge­knöpft ge­tra­gen. Zur Uni­form­ho­se ist der Gürtel zu tra­gen, so­fern Gürtel­schlau­fen vor­han­den sind.
Bei ho­hen Tem­pe­ra­tu­ren kann der Bla­zer auf dem Weg vorn und zum Flug­zeug ab­ge­legt wer­den, vor­aus­ge­setzt, dass sich die Blu­se in ein­wand­frei­em Zu­stand be­fin­det. Das ein­heit­li­che Er­schei­nungs­bild ist zu gewähr­leis­ten.
(1.2) Blu­se
Die Blu­se kann mit den vor­ge­schrie­be­nen Ac­ces­soires ver­vollständigt wer­den. Die Ärmel dürfen nicht auf­ge­rollt wer­den. Die Blu­se wird mit nicht mehr als ma­xi­mal 2 Knöpfen von oben of­fen ge­tra­gen. Die Blu­se wird mit Schul­terstücken ge­tra­gen.
(1.3) Pull­over, Pul­lun­der, Da­men-Strick­ja­cke
Pull­over, Pul­lun­der und Strick­ja­cke sind zusätz­li­che wärmen­de Klei­dungsstücke, aber nicht Er­satz für die Uni­form­ja­cke. Im Cock­pit und in den Ru­he­zo­nen können die Strick­sa­chen oh­ne Uni­form­ja­cke ge­tra­gen wer­den.
(1.4) Cock­pit-Mütze
Die Cock­pitmütze kann ge­tra­gen wer­den, gehört aber nicht zur vollständi­gen Uni­form.
(1.5)Da­men-Out­door­man­tel/Bla­zer­man­tel/Out­door­ja­cke
Wenn der Out­door­man­tel/Bla­zer­man­tel oder die Out­door­ja­cke of­fen ge­tra­gen wird, muss der Uni­vorm­bla­zer dar­un­ter ge­schlos­sen sein. Zum Out­door­man­tel oder zur Out­door­ja­cke darf nur der dun­kel­blaue Woll­schal ge­tra­gen wer­den. Die Ka­pu­ze der Out­door­ja­cke darf nur bei Re­gen über den Kopf ge­zo­gen wer­den. In Gebäuden und bei tro­cke­nem Wet­ter darf sie nicht sicht­bar sein.
(1.6) Ac­ces­soires/Woll­schal
Zur Blu­se wird ge­ne­rell ein Ac­ces­soire ge­tra­gen.
Da­men­kra­wat­te, Her­ren­kra­wat­te (blau), Kra­wat­ten­tuch, Ni­cki­tuch oder Schal­tuch können zu al­len Ar­ti­keln, der Woll­schal je­doch nur zum Out­door­man­tel/Out­door­ja­cke oder zum Bla­zer­man­tel, ge­tra­gen wer­den.
(1.7) Hand­schu­he
Zur Dienst­be­klei­dung können die dun­kel­blau­en Hand­schu­he ge­tra­gen wer­den.
(1.8) Hand­ta­sche
Zur Uni­form kann die Luft­han­sa-Hand­ta­sche ge­tra­gen wer­den. Sie ist im­mer ge­schlos­sen zu hal­ten und soll nicht überfüllt wir­ken. Das Tra­gen von Pri­vat­hand­ta­schen zur Uni­form ist nicht ge­stat­tet.
(1.9) Strümp­fe
Zur Uni­form sind un­auffälli­ge Strumpf­ho­sen/Strümp­fe zu tra­gen. Sie müssen farb­lich zur Uni­form pas­sen und dürfen we­der Ver­zie­run­gen noch Nähte auf­wei­sen. Da­men­strümp­fe müssen ein­far­big dun­kel­blau bzw. schwarz sein.
(1.10) Schu­he
Zur Uni­form sol­len klas­si­sche dun­kel­blaue/schwar­ze, ge­schlos­se­ne Glatt­le­der­schu­he ge­tra­gen wer­den, die den Uni­form­cha­rak­ter nicht verfälschen und ein an­ge­mes­se­nes, äußeres Er­schei­nungs­bild gewähr­leis­ten. Pla­teau-Schu­he sind nicht er­laubt.
(1.11) Le­der­stie­fel
Glat­te, dun­kel­blaue oder schwar­ze Stie­fel/Stie­fe­let­ten oh­ne auffälli­ge Ver­zie­rung (kein Lack- oder Wild­le­der) sind un­ter der Ho­se zulässig, so­fern der Schaft sich nicht ab­zeich­net.
(2) Uni­form­tei­le für Her­ren
Erklärung zu den Uni­form­tei­len für Her­ren-Cock­pit­per­so­nal:
(2.1) An­zug
Das Sak­ko gehört zur vollständi­gen Uni­form und muss stets mit­geführt wer­den. Der Zwei­rei­her wird – aus­ge­nom­men sit­zen­de Tätig­keit – zu­ge­knöpft ge­tra­gen. Zur Uni­form­ho­se ist der Gürtel zu tra­gen. Sicht­bar ge­tra­ge­ne Ho­senträger sind nicht er­laubt. Bei ho­hen Tem­pe­ra­tu­ren kann das Sak­ko auf dem Weg vom und zum Flug­zeug ab­ge­legt wer­den, vor­aus­ge­setzt, dass sich das Uni­form­hemd in ein­wand­frei­em Zu­stand be­fin­det. Das ein­heit­li­che Er­schei­nungs­bild ist zu gewähr­leis­ten.
(2.2) Hemd, Kra­wat­te
Uni­form­hem­den wer­den nur mit Schul­terstücken und der kor­rekt sit­zen­den Kra­wat­te ge­tra­gen.
Lan­ge Ärmel dürfen nicht auf­ge­rollt wer­den.
(2.3) Pull­over, Pul­lun­der, Strick­ja­cke
Pull­over, Pul­lun­der und Strick­ja­cke sind zusätz­li­che wärmen­de Klei­dungsstücke, aber nicht Er­satz für das Uni­form­s­ak­ko.
Im Cock­pit und in den Ru­he­zo­nen können die Strick­sa­chen oh­ne das Uni­form­s­ak­ko ge­tra­gen wer­den.
(2.4) Cock­pit-Mütze
Die Cock­pit-Mütze ist in dem der Öffent­lich­keit zugäng­li­chen Flug­ha­fen­be­reich zu tra­gen.
(2.5) Her­ren-Out­door­man­tel/Out­door­ja­cke
Wenn der Out­door­man­tel oder die Out­door­ja­cke of­fen ge­tra­gen wird, muss das Uni­form­s­ak­ko dar­un­ter ge­schlos­sen sein. Zum Out­door­man­tel oder zur Out­door­ja­cke darf nur der dun­kel­blaue Woll­schal ge­tra­gen wer­den. Die Ka­pu­ze der Out­door­ja­cke darf nur bei Re­gen über den Kopf ge­zo­gen wer­den. In Gebäuden und bei tro­cke­nem Wet­ter darf sie nicht sicht­bar sein
(2.6) Woll­schal
Der Woll­schal darf nur zum Out­door­man­tel oder zur Out­door­ja­cke ge­tra­gen wer­den.
(2.7) Hand­schu­he
(2.8) Strümp­fe
Die Strümp­fe müssen farb­lich zur Uni­form pas­sen und dürfen kei­ne Ver­zie­run­gen auf­wei­sen.
Her­ren­strümp­fe müssen ein­far­big dun­kel­blau bzw. schwarz sein.
(2.9) Schu­he
(2.10) Le­der­stie­fel
Wet­ter­be­dingt können glat­te schwar­ze Stie­fel (kein Wild­le­der) oh­ne auffälli­ge Ver­zie­rung ge­tra­gen wer­den. Die Ho­se ist über den Stie­feln zu tra­gen, der Schaft darf sich nicht ab­zeich­nen. Sprin­ger­stie­fel sind nicht ge­stat­tet.“
Der Kläger war am 18. De­zem­ber 2009 für ei­nen Flug nach N Y ein­ge­teilt. Während der Flug­vor­be­rei­tung wur­de er von sei­nem Vor­ge­setz­ten ge­fragt, ob er sei­ne Pi­lo­tenmütze bei sich führe. Der Kläger ver­nein­te dies und be­rief sich un­ter Hin­weis auf das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) dar­auf, dass die Vor­schrift der Be­triebs­ver­ein­ba­rung nich­tig sei. Er wur­de dar­auf­hin von dem Flug ab­ge­setzt.
Der Kläger blieb in ei­nem am 29. Ja­nu­ar 2010 geführ­ten Per­so­nal­gespräch bei sei­ner Hal­tung. Er erklärte al­ler­dings, dass er künf­tig die Pi­lo­tenmütze tra­gen wer­de, so­lan­ge es kei­ne ab­wei­chen­de Kom­man­dan­ten­ent­schei­dung ge­be. Die­se Erklärung hat er in der Kam­mer­ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt da­hin­ge­hend präzi­siert, dass er nur so­lan­ge be­reit sei, die Pi­lo­tenmütze an­zu­zie­hen, bis ei­ne an­der­wei­ti­ge ge­richt­li­che Ent­schei­dung vor­lie­ge.
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, er wer­de we­gen sei­nes Ge­schlechts be­nach­tei­ligt, weil er die Pi­lo­tenmütze tra­gen müsse. Die Be­klag­te wol­le tra­dier­te Rol­len­bil­der fortführen, die durch das AGG ge­ra­de über­wun­den wer­den soll­ten.
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die ihm mit Schrei­ben vom 08.02.2010 er­teil­te Gesprächs­no­tiz zurück­zu­neh­men und aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen;
2. fest­zu­stel­len, dass er nicht ver­pflich­tet ist, sei­ne Cock­pit-Mütze in dem der Öffent­lich­keit zugäng­li­chen Flug­ha­fen­be­reichs zu tra­gen, so­lan­ge die Be­klag­te aus­sch­ließlich das männ­li­che Cock­pit­per­so­nal zum Tra­gen der Cock­pit-Mütze in dem der Öffent­lich­keit zugäng­li­chen Flug­ha­fen­be­reich ver­pflich­tet.
Sie hat dar­auf ver­wie­sen, dass bei den weib­li­chen Cock­pit­mit­ar­bei­tern die Mütze nicht Teil der Uni­form sei, son­dern le­dig­lich Ac­ces­soire. Die Uni­form ori­en­tie­re sich bis heu­te an der ers­ten Uni­form, die Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten ge­tra­gen hätten. Dem klas­si­schen und tra­dier­ten Außen­auf­tritt ent­spre­che es, dass nur männ­li­che Pi­lo­ten stets ei­ne Pi­lo­tenmütze zu tra­gen hätten. Da­durch wer­de der Kläger nicht be­nach­tei­ligt, weil die Re­ge­lung nicht Aus­druck ei­ner un­ter­schied­li­chen Wer­tig­keit der Ge­schlech­ter sei.
Zu­dem könne die Pi­lo­tenmütze von Pi­lo­tin­nen nicht mit je­der Fri­sur ge­tra­gen wer­den.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge mit Ur­teil vom 5. April 2011 statt­ge­ge­ben. Ge­gen das ihr am 6. Mai 2011 zu­ge­stell­te erst­in­stanz­li­che Ur­teil hat die Be­klag­te am 24. Mai 2011 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 17. Au­gust 2011 am 17. Au­gust 2011 be­gründet.
Die Be­klag­te ist nach wie vor der Auf­fas­sung, die un­ter­schied­li­che Aus­ge­stal­tung der Dienst­klei­dung sei recht­lich nicht zu be­an­stan­den. Es ge­he um ih­ren Außen­auf­tritt und ih­ren Wie­der­er­ken­nungs­wert, bei de­nen sie ge­sell­schaft­li­che Kon­ven­tio­nen zu berück­sich­ti­gen ha­be.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 5. April 2011 – 12 Ca 8659/10 – teil­wei­se ab­zuändern und den Fest­stel­lungs­an­trag ab­zu­wei­sen.
Er ver­weist dar­auf, dass es nicht um un­ter­schied­li­che Dienst­klei­dung für Männer und Frau­en ge­he. Die Pi­lo­tenmütze sei für Männer nicht an­ders aus­ge­stal­tet als für Frau­en. Da­her be­ste­he in Be­zug auf die Pi­lo­tenmütze der ein­zi­ge Un­ter­schied zwi­schen den Ge­schlech­tern dar­in, dass das ei­ne Ge­schlecht zum Tra­gen der Mütze ver­pflich­tet wer­de, während es dem an­de­ren Ge­schlecht frei ste­he, ob es die Mütze an­zie­he.
We­gen der Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils, die im Be­ru­fungs­ver­fah­ren ge­wech­sel­ten Schriftsätze, die ein­ge­reich­ten Un­ter­la­gen so­wie die Sit­zungs­nie­der­schrif­ten Be­zug ge­nom­men.
I. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist zulässig. Sie ist gemäß § 64 Abs. 1 und Abs. 2 ArbGG statt­haft und wur­de gemäß §§ 66 Abs. 1 Satz 1, 64 Abs. 6 Satz 1 und 5 ArbGG, §§ 519 und 520 ZPO frist- und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet.
II. Das Rechts­mit­tel hat auch in der Sa­che Er­folg. Der Fest­stel­lungs­an­trag ist zwar zulässig, aber un­be­gründet. Der Kläger ist nach § 4 Abs. 2.4 derBe­triebs­ver­ein­ba­rung Dienst­be­klei­dung ver­pflich­tet, sei­ne Pi­lo­tenmütze in dem der Öffent­lich­keit zugäng­li­chen Flug­ha­fen­be­reich zu tra­gen. Die­se Be­stim­mung ist wirk­sam. Sie verstößt nicht ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot we­gen des Ge­schlechts gemäß § 7 Abs. 1 i.V.m. § 1 AGG. Männ­li­che Pi­lo­ten wer­den ge­genüber weib­li­chen Pi­lo­ten nicht be­nach­tei­ligt, weil sie durch die Aus­ge­stal­tung der Dienst­klei­dung in derBe­triebs­ver­ein­ba­rung nicht ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge­re Be­hand­lung, son­dern le­dig­lich ei­ne an­de­re Be­hand­lung er­fah­ren, mit der sie ge­genüber dem an­de­ren Ge­schlecht nicht her­ab­ge­setzt wer­den.
1. Der Fest­stel­lungs­an­trag ist zulässig. Für die be­gehr­te Fest­stel­lung be­steht ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se.
a) Nach § 46 Abs. 2 Abs. 1 ArbGG i. V. m. § 256 Abs. 1 ZPO kann Kla­ge auf Fest­stel­lung des Be­ste­hens oder Nicht­be­ste­hens ei­nes Rechts­verhält­nis­ses er­ho­ben wer­den, wenn der Kläger ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an hat, dass das Rechts­verhält­nis durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung als­bald fest­ge­stellt wer­de.
Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ist nur dann ge­ge­ben, wenn durch die Ent­schei­dung über den Fest­stel­lungs­an­trag der Streit ins­ge­samt be­sei­tigt wird und das Rechts­verhält­nis der Par­tei­en ab­sch­ließend geklärt wer­den kann. Es fehlt, wenn durch die Ent­schei­dung kein Rechts­frie­den ge­schaf­fen wird, weil nur ein­zel­ne Ele­men­te ei­nes Rechts­verhält­nis­ses zur Ent­schei­dung des Ge­richts ge­stellt wer­den. Die Rechts­kraft der Ent­schei­dung muss wei­te­re ge­richt­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen über die zwi­schen den Par­tei­en strit­ti­gen Fra­gen um den­sel­ben Fra­gen­kom­plex aus­sch­ließen (st. Rspr., et­wa BAG 16. No­vem­ber 2011 – 4 AZR 839/09 – ju­ris; 21. April 2010 – 4 AZR 755/08 – EzA § 256 ZPO 2002 Nr. 9; 14. De­zem­ber 2005 - 4 AZR 522/04 - EzA § 256 ZPO 2002 Nr. 7; 29. No­vem­ber 2001 - 4 AZR 757/00 - BA­GE 100, 43).
b) Nach die­sen Grundsätzen be­steht für die be­gehr­te Fest­stel­lung ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se.
Dies er­gibt sich dar­aus, dass die Be­klag­te den Kläger für ver­pflich­tet hält, die Pi­lo­tenmütze zu tra­gen. Die Ver­let­zung ei­ner be­ste­hen­den Pflicht kann zu ar­beits­recht­li­chen Sank­tio­nen bis hin zu ei­ner Kündi­gung führen.
Der Kläger kann nicht dar­auf ver­wie­sen wer­den, vor ei­ner ge­richt­li­chen Klärung ar­beits­recht­li­che Maßnah­men der Be­klag­ten zu ris­kie­ren, die er dann ge­richt­lich an­grei­fen könn­te. Dies wäre dem Kläger nicht zu­mut­bar und würde nicht da­zu führen, ei­nen wei­te­ren Pro­zess zu ver­mei­den. Zu­dem ist zu berück­sich­ti­gen, dass in ei­nem der­ar­ti­gen Ver­fah­ren die hier zu ent­schei­den­de Fra­ge nur Vor­fra­ge wäre und so­mit zu ihr kei­ne in Rechts­kraft er­ge­hen­de Ent­schei­dung er­ge­hen könn­te.
2. Der Fest­stel­lungs­an­trag ist un­be­gründet. Der Kläger ist nach § 4 Abs. 2.4 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung Dienst­be­klei­dung ver­pflich­tet, sei­ne Pi­lo­tenmütze in dem der Öffent­lich­keit zugäng­li­chen Flug­ha­fen­be­reich zu tra­gen. Die in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung Dienst­be­klei­dung ge­trof­fe­ne Re­ge­lung ist wirk­sam. Sie verstößt nicht ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot we­gen des Ge­schlechts gemäß § 7 Abs. 1 i.V.m. § 1 AGG. Männ­li­che Pi­lo­ten wer­den ge­genüber weib­li­chen Pi­lo­ten nicht be­nach­tei­ligt. Maßgeb­lich hierfür ist, dass die Vor­schrif­ten zur Pi­lo­tenmütze nicht iso­liert be­trach­tet und mit­ein­an­der ver­glei­chen wer­den können. Zu berück­sich­ti­gen ist viel­mehr, dass die Be­triebs­par­tei­en für Frau­en und Männer un­ter­schied­li­che Re­ge­lun­gen zur Dienst­klei­dung ge­trof­fen ha­ben. Ein Ver­gleich des ge­sam­ten Re­gel­werks zur Dienst­klei­dung für Männer und Frau­en er­gibt, dass die Aus­ge­stal­tung der Dienst­klei­dung in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung für das je­wei­li­ge Ge­schlecht nicht zu ei­ner güns­ti­ge­ren oder ei­ne we­ni­ger güns­ti­gen, son­dern le­dig­lich zu ei­ner an­de­ren Be­hand­lung führt. Ei­ne le­dig­lich an­de­re Be­hand­lung, die nicht mit ei­ner Her­ab­set­zung ge­genüber dem an­de­ren Ge­schlecht ver­bun­den ist, stellt kei­ne vom AGG er­fass­te Be­nach­tei­li­gung dar.
a) Nach § 7 Abs. 1 AGG dürfen Beschäftig­te nicht we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des be­nach­tei­ligt wer­den. Ver­ein­ba­run­gen, die ge­gen die­ses Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot ver­s­toßen, sind nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam. Der Be­griff der Be­nach­tei­li­gung be­stimmt sich nach § 3 AGG. Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung liegt nach § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde.
Aus der in § 3 Abs. 1 AGG vor­ge­nom­me­nen Be­griffs­be­stim­mung, die nicht al­lein auf ei­ne un­glei­che Be­hand­lung, son­dern – darüber hin­aus­ge­hend – auf ei­ne „we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung“ ab­stellt, folgt, dass ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung al­lein noch kei­ne Be­nach­tei­li­gung be­gründet. Für das Dis­kri­mi­nie­rungs­merk­mal „Al­ter“ fol­gert das BAG dar­aus, dass ei­ne Be­nach­tei­li­gung nur bei ei­ner Un­gleich­be­hand­lung ge­ge­ben ist, die für den Be­trof­fe­nen ei­nen ein­deu­ti­gen Nach­teil be­wirkt. Die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung muss zu ei­ner Zurück­set­zung führen (BAG 25. Fe­bru­ar 2010 – 6 AZR 911/08 – BA­GE 133, 265).
Die­se Recht­spre­chung ist auf an­de­re vom AGG er­fass­te Dis­kri­mi­nie­rungs­merk­ma­le zu über­tra­gen. Hierfür spricht, dass der Ge­setz­ge­ber den Be­griff der Be­nach­tei­li­gung in § 3 Abs. 1 AGG für al­le Dis­kri­mi­nie­rungs­merk­ma­le gleich de­fi­niert hat. Darüber hin­aus ist auf den Zweck des Ge­set­zes zu ver­wei­sen. Die­ser be­steht nicht dar­in, ei­ne vollständi­ge Gleich­be­hand­lung (an­ders aus­ge­drückt: Gleich­ma­che­rei) in al­len Le­bens­be­rei­chen zu be­wir­ken. Viel­mehr sol­len nach § 1 AGG Be­nach­tei­li­gun­gen ver­hin­dert bzw. be­sei­tigt wer­den.
Dar­aus folgt kon­kret für ei­ne vor­ge­schrie­be­ne Dienst­klei­dung, dass das AGG un­ter­schied­li­chen Be­klei­dungs­vor­schrif­ten für Frau­en und Männern nicht ent­ge­gen­steht. Sie wur­den vor dem AGG all­ge­mein als zulässig er­ach­tet. Es war nicht Zweck der Einführung des AGG, dar­an et­was zu ändern. Da­her ist es et­wa auch dann zulässig, weib­li­che Mit­ar­bei­ter frei darüber ent­schei­den zu las­sen, ob sie ei­nen An­zug oder ei­nen Rock tra­gen wol­len, wenn Männer zum Tra­gen ei­nes An­zugs ver­pflich­tet wer­den. Et­was an­de­res gilt nur dann, wenn die Aus­ge­stal­tung der Dienst­klei­dungs­vor­schrif­ten ei­ne un­ter­schied­li­che Wertschätzung der Ge­schlech­ter er­ken­nen lässt (so zu­tref­fend Müko-BGB/Thüsing, 12. Aufl. 2012, § 3 AGG Rn. 2).
b) Nach die­sen Grundsätzen wird der Kläger durch die in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung Dienst­be­klei­dung vor­ge­se­he­ne Ver­pflich­tung, in dem der Öffent­lich­keit zugäng­li­chen Flug­ha­fen­be­reich ei­ne Pi­lo­tenmütze zu tra­gen, nicht we­gen sei­nes Ge­schlechts be­nach­tei­ligt. Er erfährt durch die Aus­ge­stal­tung der Dienst­klei­dung in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung nicht ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge­re Be­hand­lung als sei­ne weib­li­chen Kol­le­gen, son­dern le­dig­lich ei­ne an­de­re Be­hand­lung. Dies stellt kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen sei­nes Ge­schlechts dar. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass Männer die Pi­lo­tenmütze tra­gen müssen, während Frau­en die Wahl ha­ben, ob sie die Mütze an­zie­hen oder nicht. Die in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung zu der Pi­lo­tenmütze ge­trof­fe­nen Be­stim­mun­gen sind nicht iso­liert mit­ein­an­der zu ver­glei­chen. Ei­ne iso­lier­te Be­trach­tung würde nicht dem Um­stand ge­recht, dass die Be­triebs­par­tei­en de­tail­lier­te Re­ge­lun­gen hin­sicht­lich der Uni­form­tei­le für das Cock­pit­per­so­nal ge­trof­fen ha­ben, in de­nen sie ins­ge­samt und nicht nur für ein­zel­ne Klei­dungsstücke zwi­schen den Uni­form­tei­len für Da­men und den Uni­form­tei­len für Her­ren dif­fe­ren­zie­ren. Die­se für Da­men und Her­ren vor­ge­nom­me­ne Ge­samt­re­ge­lung enthält an meh­re­ren Stel­len un­ter­schied­li­che Vor­schrif­ten für die Ge­schlech­ter, oh­ne dass auch nur im An­satz die Zurück­set­zung des ei­nen ge­genüber dem an­de­ren Ge­schlecht er­kenn­bar wäre. So sieht § 4 Abs. 1.2 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vor, dass Da­men Blu­sen mit den vor­ge­schrie­be­nen Ac­ces­soires zu tra­gen ha­ben. Da­ge­gen ha­ben Männer nach § 4 Abs. 2.2 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung Hemd und Kra­wat­te zu tra­gen. Zu der für die Ge­schlech­ter un­ter­schied­lich aus­ge­stal­ten Dienst­be­klei­dung gehört bei Männern die Pi­lo­tenmütze, während die Be­triebs­ver­ein­ba­rung für Da­men aus­drück­lich vor­sieht, dass die Pi­lo­tenmütze nicht Be­stand­teil der vollständi­gen Uni­form ist.
III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG i. V. m. § 91 Abs. 1 ZPO.
IV. Die Kam­mer hat die Re­vi­si­on gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen, weil sie der Fra­ge, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen un­ter­schied­li­che Vor­schrif­ten zur Dienst­klei­dung für Frau­en und Männer zu ei­ner Be­nach­tei­li­gung führen, grundsätz­li­che Be­deu­tung bei­misst.	m.hensche.de
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