Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Auskunftsanspruch_Bonusregelung_Gleichbehandlungsgrundsatz_LAG_Niedersachsen_10Sa1574-08.html
Timestamp: 2017-02-28 00:57:55
Document Index: 305274427

Matched Legal Cases: ['§ 162', '§ 8', '§ 66', '§ 519', '§ 254', '§ 242', '§ 242', '§ 253', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 612', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 611', '§ 611', '§ 33', '§ 242', '§ 68', '§ 242', '§ 242', '§ 68', '§ 68', '§ 72']

HENSCHE Arbeitsrecht: 10 Sa 1574/08
Gleichbehandlung, Bonus, Auskunftsanspruch
1. Aus­kunfts­ansprüche können nach Treu und Glau­ben be­ste­hen, wenn die Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen den Par­tei­en es mit sich brin­gen, dass der Be­rech­tig­te in ent­schuld­ba­rer Wei­se über Be­ste­hen und Um­fang sei­nes Rechts im Un­ge­wis­sen ist und der Ver­pflich­te­te die zur Be­sei­ti­gung der Un­ge­wiss­heit er­for­der­li­che Aus­kunft un­schwer ge­ben kann. 2. Der von ei­ner Bo­nus­zah­lung aus­ge­nom­me­ne Ar­beit­neh­mer hat An­spruch auf Aus­kunft über die bei der Bo­nus­gewährung ver­wen­de­ten Re­geln, wenn es möglich er­scheint, dass er aus dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz eben­falls Bo­nus­zah­lung ver­lan­gen kann.
Arbeitsgericht Celle, Urteil vom 2.09.2008, 1 Ca 130/08
1. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Cel­le vom 2. Sep­tem­ber 2008 - 1 Ca 130/08 - teil­wei­se ab­geändert:
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, dem Kläger Aus­kunft darüber zu er­tei­len, in wel­che der Ein­stu­fun­gen (gra­des) des In­cen­ti­ve Com­pen­sa­ti­on Plan Bo­nus sie sämt­li­che bei ihr an­ge­stell­ten An­wen­dungs­in­ge­nieu­re und Werk­statt­mit­ar­bei­ter un­ter An­ga­be von de­ren Be­rufs­be­zeich­nun­gen und Tätig­keits­ge­bie­ten für das Ka­len­der­jahr 2005 ein­ge­reiht hat, und ob der In­cen­ti­ve Com­pen Plan Bo­nus für das Ka­len­der­jahr 2005, so­weit er sich bezüglich der bei ihr an­ge­stell­ten An­wen­dungs­in­ge­nieu­re und Werk­statt­mit­ar­bei­ter aus den Ein­stu­fun­gen (gra­des) 8 - 19 in Höhe von 90 Pro­zent und der bei ihr an­ge­stell­ten An­wen­dungs­in­ge­nieu­re und Werk­statt­mit­ar­bei­ter aus al­len an­de­ren Ein­stu­fun­gen (gra­des) in vol­ler Höhe nach den fi­nan­zi­el­len und/oder nicht fi­nan­zi­el­len Er­geb­nis­sen des Lan­des, der Re­gi­on und der Ab­tei­lung be­rech­ne­te,
a) in­ner­halb je­der Ein­stu­fung (gra­de) für die je­weils dort ein­ge­reih­ten
b) An­ge­stell­ten in glei­cher Höhe be­rech­net wur­de un­ter An­ga­be der
c) je­wei­li­gen Ge­samthöhe des In­cen­ti­ve Com­pen­sa­ti­on Plan Bo­nus
d) pro ein­zel­nem An­ge­stell­ten für sämt­li­che Ein­stu­fun­gen (gra­des), falls dies nicht der Fall ge­we­sen sein soll­te,
e) auf wel­che Ge­samthöhe sich der In­cen­ti­ve Com­pen­sa­ti­on Plan
f) Bo­nus für je­den die­ser An­ge­stell­ten be­lief und wie er sich zu­sam­men­setz­te, un­ter An­ga­be der von der Be­klag­ten für die je­wei­li­gen An­ge­stell­ten ver­wen­de­ten Ein­stu­fun­gen (gra­des) so­wie der für die­se zur Be­rech­nung her­an­ge­zo­ge­nen An­tei­le der fi­nan­zi­el­len und nicht fi­nan­zi­el­len Er­geb­nis­se des Lan­des, der Re­gi­on und der Ab­tei­lung an der Ge­samthöhe des In­cen­ti­ve Com­pen­sa­ti­on Plan Bo­nus.
2. So­weit es den Zah­lungs­an­spruch ab­ge­wie­sen hat, wird das Ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sa­che zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung, auch über die Kos­ten der Be­ru­fung, an das Ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen.
Der Kläger be­gehrt im We­ge der Stu­fen­kla­ge Aus­kunft über Zah­lun­gen ei­nes so­ge­nann­ten ICP-Bo­nus an an­de­re Ar­beit­neh­mer und in der zwei­ten Stu­fe die Gewährung ei­nes sol­chen Bo­nus an ihn un­ter dem Ge­sichts­punk­te des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes.
Der Kläger ist bei der Be­klag­ten auf der Grund­la­ge ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges vom 13. Sep­tem­ber 1995 (Bl. 54 bis 57 d. A.) beschäftigt und wird als so­ge­nann­ter Tool Spe­cia­list Tech­ni­ci­an/Field-Ser­vice-Tech­ni­ker ein­ge­setzt. Er ist hauptsächlich im Ölfeld­ein­satz tätig, ar­bei­tet je­doch an ca. 30 Ta­gen pro Jahr in der Be­triebs­werk­statt. Er erhält ei­ne Grund­vergütung von 48.575,00 Eu­ro brut­to pro Jahr zuzüglich Weih­nachts- und Ur­laubs­geld. Im Jah­re 2007 er­hielt er ei­ne Ge­samt­vergütung von 103.592,64 Eu­ro brut­to, von de­nen 46.200,00 Eu­ro brut­to auf den so­ge­nann­ten Feld­bo­nus ent­fie­len. Die­sen gewährt die Be­klag­te dem Kläger für je­den Ein­satz­tag im Ölfeld in Höhe von 300,00 Eu­ro brut­to.
Am Stand­ort A-Stadt der Be­klag­ten sind auch min­des­tens 15 Werk­statt­mit­ar­bei­ter beschäftigt; sie wer­den hauptsächlich in der Werk­statt und nur ge­le­gent­lich auf Ölfel­dern ein­ge­setzt. Bis zum Jah­re 2004 er­hiel­ten al­le Ar­beit­neh­mer im Be­trieb ei­nen so­ge­nann­ten Spe­cial Per­for­mance Bo­nus, des­sen Höhe al­lein vom Un­ter­neh­mens­er­geb­nis, al­so nicht von der in­di­vi­du­el­len Leis­tung, ab­hing. Im Jah­re 2005 wur­de die­ses Sys­tem durch ei­nen neu­en, ICP ge­nann­ten, Bo­nus­plan ab­gelöst. Des­sen Re­ge­lun­gen se­hen ei­nen An­spruch vor, wenn be­stimm­te Leis­tungs­gra­de auf Un­ter­neh­mens- oder Di­vi­si­ons­ebe­ne oder auch durch Er­rei­chung persönli­cher Ziel­ver­ein­ba­run­gen und -vor­ga­ben erfüllt wer­den. Für Ar­beit­neh­mer, die in die so­ge­nann­ten gra­des 8 bis 19 ein­ge­stuft sind, rich­ten sich 10 v. H. der Bo­nus­zah­lung nach der in­di­vi­du­el­len Leis­tungs­be­ur­tei­lung durch ei­nen Ma­na­ger. Für den Kläger und die an­de­ren Field-Ser­vice-Mit­ar­bei­ter ist der ICP-Bo­nus nicht vor­ge­se­hen.
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, sei­ne Her­aus­nah­me aus dem ICP-Bo­nus­sys­tem ver­s­toße ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, denn sie sei sach­lich nicht ge­recht­fer­tigt. Er be­stim­me das Jah­res­er­geb­nis der Be­klag­ten durch sei­ne Tätig­keit we­sent­lich mit. Die Werk­statt­mit­ar­bei­ter leis­te­ten die glei­che Ar­beit, wenn man von der un­ter­schied­li­chen zeit­li­chen Ge­wich­tung ab­se­he. Die im Ver­gleich zu den Werk­statt­mit­ar­bei­tern höhe­re Vergütung des Klägers recht­fer­ti­ge es nicht, ihm den ICP-Bo­nus zu ver­wei­gern, zu­mal zu­min­dest ein Werk­statt­mit­ar­bei­ter ein höhe­res Grund­ge­halt er­hal­te als er und der Bo­nus auch dem Per­so­nal­lei­ter ge­zahlt wer­de. Al­le Vergütungs­be­stand­tei­le ein­sch­ließlich des Feld­bo­nus würden auch den Werk­statt­mit­ar­bei­tern gewährt. Bezüglich des Feld­bo­nus tra­ge der Kläger das al­lei­ni­ge Ri­si­ko sei­nes Ein­sat­zes im Feld und da­mit für die Bo­nus­zah­lung. Außer­dem kom­me der Bo­nus nur zur Aus­zah­lung, wenn der Kun­de den Feld­ein­satz auch be­zah­le. Er ar­bei­te in 24-stündi­ger Ein­satz­be­reit­schaft und wer­de oh­ne Vor­lauf­frist, auch aus dem Ur­laub, ab­be­ru­fen. Der Kläger sei auch als so­ge­nann­ter Sa­les Su­per­vi­sor ein­ge­setzt, ha­be aber auch für die­sen Teil sei­ner Tätig­keit im Un­ter­schied zu an­de­ren Ar­beit­neh­mern kei­nen Bo­nus er­hal­ten.
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihm Aus­kunft über sämt­li­che Be­rech­nungs­grund­la­gen des In­cen­ti­ve Com­pen­sa­ti­on Plan Bo­nus für die Ein­stu­fun­gen (gra­des) 1 - 19 so­wie die Kri­te­ri­en für die Ein­rei­hung ih­rer An­ge­stell­ten in die Ein­stu­fun­gen (gra­des) 1 - 19 für das Ka­len­der­jahr 2005 ent­spre­chend den Richt­li­ni­en der Be­klag­ten gemäß ih­rem Schrei­ben " BOT Ad­den­dum to 2005 ICP Po­li­cy" zu er­tei­len;
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger ei­nen nach Er­le­di­gung der vor­her­ge­hen­den Stu­fen zu be­zif­fern­den In­cen­ti­ve Com­pen­sa­ti­on Plan Bo­nus für das Ka­len­der­jahr 2005 zu zah­len.
Sie hat aus­geführt, die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung der Werk­statt­mit­ar­bei­ter und An­wen­dungs­in­ge­nieu­re ei­ner­seits so­wie der Field-Ser­vice-Tech­ni­ker an­de­rer­seits sei sach­lich be­gründet. Ers­te­re hätten we­sent­lich ge­rin­ge­re Ent­gel­te und Ver­dienstmöglich­kei­ten. Die seit dem Jah­re 2005 gel­ten­de, über­dies für die Be­klag­te frei­wil­li­ge Re­ge­lung ha­be das Bo­nus­sys­tem klar­stel­lend neu struk­tu­rie­ren und es ermögli­chen sol­len, er­folgs­abhängi­ge Vergütungs­kom­po­nen­ten für al­le Beschäftig­ten ein­zuführen. Erst­mals ge­be es auf in­di­vi­du­el­le Leis­tun­gen zu­ge­schnit­te­ne Bo­ni. Auch persönli­che Ziel­ver­ein­ba­run­gen würden ermöglicht, was die Mo­ti­va­ti­on ver­bes­se­re. Die Kon­zern­mut­ter ha­be ent­schie­den, dass Außen­dienst­ler, die ei­nen tägli­chen Bo­nus bezögen, nicht an wei­te­ren Bo­nus­pro­gram­men teil­neh­men soll­ten. Die früher ge­zahl­ten Bo­ni sei­en frei­wil­lig ge­leis­tet wor­den. Ihr Weg­fall wer­de über­dies durch die Erhöhung des Feld­bo­nus um 6,00 Eu­ro pro Tag größten­teils kom­pen­siert. Ei­ne Dop­pel­gewährung bei­der Pro­vi­si­ons­ar­ten würde den Kläger un­ge­recht­fer­tigt bes­ser­stel­len als an­de­re Ar­beit­neh­mer. Er tra­ge prak­tisch kein Ri­si­ko, nicht ein­ge­setzt zu wer­den. Schon we­gen sei­ner ho­hen Grund­vergütung sei die Be­klag­te an sei­nem häufi­gen Ein­satz in­ter­es­siert. Während der vie­len "Be­reit­schafts­ta­ge", die bis auf die klei­ne Ein­schränkung te­le­fo­ni­scher Er­reich­bar­keit ei­ner Frei­zeit gleichkämen, er­hal­te der Kläger im Un­ter­schied zu den Werk­statt­mit­ar­bei­tern sein Grund­ge­halt wei­ter. Ar­beit­neh­mer, die nicht Field-Ser­vice-Tech­ni­ker sei­en, würden nur in Not- und Aus­nah­mefällen im Feld ein­ge­setzt. Je­ne Ar­beit­neh­mer sei­en mit dem Kläger nicht ver­gleich­bar. An­ders als im Ar­beits­ver­trag ge­re­gelt sei der Feld­bo­nus im­mer auch dann be­zahlt wor­den, wenn der Kun­de nicht ge­zahlt ha­be. Der Kläger sei nie­mals als Sa­les Su­per­vi­sor ein­ge­setzt wor­den.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Es hat aus­geführt, der Kläger ha­be kei­nen An­spruch auf die be­gehr­te Bo­nus­zah­lung, denn die Her­aus­nah­me der Field-Ser­vice-Mit­ar­bei­ter aus dem Bo­nus­sys­tem sei recht­lich nicht zu be­an­stan­den. Im Un­ter­schied zum Kläger ste­he den Werk­statt­mit­ar­bei­tern kein ein­satz­abhängi­ger Bo­nus zu. Auch beim Bo­nus nach dem ICP-Plan be­ste­he das Ri­si­ko, die ver­ein­bar­ten Zie­le zu ver­feh­len und kei­nen Bo­nus zu
er­hal­ten. Der be­wuss­te Nicht­ein­satz des Klägers würde sei­nen Bo­nus­an­spruch im Hin­blick auf § 162 BGB nicht berühren. Auch die Bo­nus­zah­lung an meh­re­re Mit­ar­bei­ter, die zu­gleich an dem ICP teilnähmen, führe nicht zu ei­ner sach­wid­ri­gen Un­gleich­be­hand­lung, denn sie hätten im Un­ter­schied zum Kläger nur an ein­zel­nen Ta­gen die Möglich­keit des Feld­ein­sat­zes ge­habt.
Ge­gen das ihm am 17. Sep­tem­ber 2008 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger am 16. Ok­to­ber 2008 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 17. No­vem­ber 2008 be­gründet.
Die Be­ru­fung führt aus: Das Ar­beits­ge­richt ha­be den Zweck des Bo­nus fehl­ge­deu­tet, in­dem es zu Un­recht von ei­ner leis­tungs­be­zo­ge­nen Prämie aus­ge­gan­gen sei. Für die Grup­pe, in die der Kläger ein­ge­reiht sei, be­ru­he die Bo­nus­zah­lung aus­sch­ließlich auf dem Un­ter­neh­mens­er­folg. Die Gewährung des Feld­bo­nus an den Kläger ma­che es nicht sach­ge­recht, ihm den ICP-Bo­nus zu ver­sa­gen, denn der Feld­bo­nus be­loh­ne aus­sch­ließlich den persönli­chen Ein­satz des Klägers und sei aus­sch­ließlich leis­tungs­abhängig. Nicht nach­voll­zieh­bar sei die Wer­tung, die Gewährung des ICP-Bo­nus ne­ben dem Feld­bo­nus für An­wen­dungs­in­ge­nieu­re sei sach­gemäß. Das Ar­beits­ge­richt sei zu Un­recht da­von aus­ge­gan­gen, die­se Ar­beit­neh­mer hätten nur an we­ni­gen Ta­gen im Feld ge­ar­bei­tet, ob­gleich das dies­bezügli­che Vor­brin­gen der Be­klag­ten nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert ge­we­sen sei.
Nach­dem der Kläger sei­nen An­trag auf Aus­kunft, wie vie­le ver­schie­de­ne Ein­stu­fun­gen es für das Ka­len­der­jahr 2005 im Rah­men der Be­rech­nung des ICP-Bo­nus ge­ge­ben ha­be, für er­le­digt erklärt hat, be­an­tragt er nun­mehr noch,
1. dem Kläger Aus­kunft darüber zu er­tei­len, in wel­che der Ein­stu­fun­gen (gra­des) des In­cen­ti­ve Com­pen­sa­ti­on Plan Bo­nus sie sämt­li­che bei ihr an­ge­stell­ten An­wen­dungs­in­ge­nieu­re und Werk­statt­mit­ar­bei­ter un­ter An­ga­be von de­ren Be­ru­fungs­be­zeich­nun­gen und Tätig­keits­ge­bie­ten für das Ka­len­der­jahr 2005 ein­ge­reiht hat, und
ob der In­cen­ti­ve Com­pen­sa­ti­on Plan Bo­nus für das Ka­len­der­jahr 2005, so­weit er sich bezüglich der bei ihr an­ge­stell­ten An­wen­dungs­in­ge­nieu­re und Werk­statt­mit­ar­bei­ter aus den Ein­stu­fun­gen (gra­des) 8 - 19 in Höhe von 90 Pro­zent und der bei ihr an­ge­stell­ten An­wen­dungs­in­ge­nieu­re und Werk­statt­mit­ar­bei­ter aus al­len an­de­ren Ein­stu­fun­gen (gra­des) in vol­ler Höhe nach den fi­nan­zi­el­len und/oder nicht fi­nan­zi­el­len Er­geb­nis­sen des Lan­des, der Re­gi­on und der Ab­tei­lung be­rech­ne­te,
a) in­ner­halb je­der Ein­stu­fung (gra­de) für die je­weils dort ein­ge­reih­ten An­ge­stell­ten in glei­cher Höhe be­rech­net wur­de, un­ter An­ga­be der je­wei­li­gen Ge­samthöhe des In­cen­ti­ve Com­pen­sa­ti­on Plan Bo­nus pro ein­zel­nem An­ge­stell­ten für sämt­li­che Ein­stu­fun­gen (gra­des),
falls dies nicht der Fall ge­we­sen sein soll­te, b) auf wel­che Ge­samthöhe sich der In­cen­ti­ve Com­pen­sa­ti­on Plan Bo­nus für je­den die­ser An­ge­stell­ten be­lief und wie sich die­ser je­weils zu­sam­men­ge­setzt hat, un­ter aus­drück­li­cher An­ga­be der von der Be­klag­ten für die je­wei­li­gen An­ge­stell­ten ver­wen­de­ten Ein­stu­fun­gen (gra­des) so­wie der für die­se zur Be­rech­nung her­an­ge­zo­ge­nen An­tei­le der fi­nan­zi­el­len und nicht fi­nan­zi­el­len Er­geb­nis­se des Lan­des, der Re­gi­on und der Ab­tei­lung an der Ge­samthöhe des In­cen­ti­ve Com­pen­sa­ti­on Plan Bo­nus;
2. an den Kläger ei­nen nach Er­le­di­gung der vor­her­ge­hen­den Stu­fe zu be­zif­fern­den In­cen­ti­ve Com­pen­sa­ti­on Plan Bo­nus für das Ka­len­der­jahr 2005 zu zah­len.
Sie macht gel­tend, die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung der Ar­beit­neh­mer­grup­pen sei durch sach­li­che Gründe ge­recht­fer­tigt. Bei­de Bo­nus­sys­te­me, nämlich ICP- und Feld­bo­nus, sei­en für al­le Ar­beit­neh­mer leis­tungs­be­zo­gen aus­ge­stal­tet. Eben­so be­deu­te der häufi­ge Ein­satz des Klägers im Feld den wirt­schaft­li­chen Er­folg der Be­klag­ten, so dass ei­ne Tren­nung zwi­schen Ein­satzhäufig­keit und Un­ter­neh­mens­er­folg nicht möglich sei. Der ICP-Bo­nus für Werk­statt­mit­ar­bei­ter ha­be im Jah­re 2005 durch­schnitt­lich 2.000,00 Eu­ro be­tra­gen, während der Kläger ei­nen Feld­bo­nus von 31.500,00 Eu­ro er­hal­ten ha­be. Der bis 2004 gewähr­te Bo­nus sei frei­wil­lig gewährt wor­den. Im Übri­gen sei der Kläger nicht mit den An­wen­dungs­in­ge­nieu­ren und den Werk­statt­mit­ar­bei­tern ver­gleich­bar. Die­se Ar­beit­neh­mer sei­en ar­beits­ver­trag­lich nicht ver­pflich­tet, Feld­einsätze zu leis­ten, so dass die im Fal­le ei­nes sol­chen Ein­sat­zes über­ob­li­ga­ti­onsmäßige Leis­tun­gen er­bräch­ten.
Die Be­ru­fung hat Er­folg. Der Kläger hat An­spruch auf die be­gehr­te Aus­kunft; nach de­ren Er­tei­lung wird das Ar­beits­ge­richt über den Zah­lungs­an­spruch zu ent­schei­den ha­ben.
Die gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1 und 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung des Klägers ist von ihm frist- und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§ 66 ArbGG, §§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO) und da­mit ins­ge­samt zulässig.
Die Be­ru­fung ist be­gründet. Der Kläger hat An­spruch auf die be­gehr­te Aus­kunft; das Ar­beits­ge­richt wird so­dann über den noch zu be­zif­fern­den Zah­lungs­an­trag zu be­fin­den ha­ben.
Der An­trag des Klägers ist zulässig. Ins­be­son­de­re han­delt es sich nicht um ei­nen so­ge­nann­ten Glo­balan­trag.
Der Kläger will an dem für das Jahr 2005 auf ei­ne Grup­pe von Ar­beit­neh­mern an­ge­wen­de­ten ICP-Bo­nus teil­neh­men.
Die Be­zif­fe­rung sei­nes Zah­lungs­an­spru­ches ist ihm nicht möglich, weil er nicht weiß, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Be­klag­te den Bo­nus in wel­cher Höhe gewährt hat. Die ver­lang­te Aus­kunft dient dem Zweck, ei­nen be­stimm­ten Leis­tungs­an­trag zu er­he­ben. Da­mit liegt ei­ne zulässi­ge Stu­fen­kla­ge gemäß § 254 ZPO vor. Der Kläger durf­te den auf Aus­kunft ge­rich­te­ten An­trag mit ei­nem un­be­stimm­ten Leis­tungs­an­trag auf Gleich­be­hand­lung ver­bin­den (vgl. BAG 1.12.2004 – 5 AZR 664/03 – BA­GE 113, 55 = AP BGB § 242 Nr. 38 = EzA BGB 2002 § 242 Nr. 5 mwN).
Der An­trag ist nicht zu weit­ge­hend. Der Kläger benötigt die be­an­trag­ten In­for­ma­tio­nen, um den ihm sei­ner Auf­fas­sung nach zu­ste­hen­den Bo­nus zu be­zif­fern.
Der An­trag ist hin­rei­chend be­stimmt im Sin­ne von § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Zwi­schen den Par­tei­en ist außer Streit, dass die Be­klag­te für die von ihr als be­rech­tigt an­ge­se­hen Ar­beit­neh­mer den Bo­nus nach ei­nem ge­ne­ra­li­sie­ren­den Prin­zip be­rech­net. Auch er­gibt die Aus­le­gung des An­trags zu c), dass es sich nicht um ei­nen un­zulässi­gen Al­ter­na­tiv­an­trag han­delt, son­dern um Haupt- und Hilfs­an­trag.
Der Aus­kunfts­an­spruch ist be­gründet.
Es ist an­er­kannt, dass Aus­kunfts­ansprüche nach Treu und Glau­ben be­ste­hen können, wenn die Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen den Par­tei­en es mit sich brin­gen, dass der Be­rech­tig­te in ent­schuld­ba­rer Wei­se über Be­ste­hen und Um­fang sei­nes Rechts im Un­ge­wis­sen ist und der Ver­pflich­te­te die zur Be­sei­ti­gung der Un­ge­wiss­heit er­for­der­li­che Aus­kunft un­schwer ge­ben kann (BAG 19.4.2005 – 9 AZR 188/04 – AP BGB § 242 Aus­kunfts­pflicht Nr. 39 = EzA BGB 2002 § 242 Aus­kunfts­pflicht Nr. 1; 1.12.2004 – 5 AZR 664/03 – aaO; 21.11.2000 – 9 AZR 665/99 – BA­GE 96, 274 = AP BGB § 242 Aus­kunfts­pflicht Nr. 35 = EzA BGB § 242 Aus­kunfts­pflicht Nr. 6; 7.9.1995 – 8 AZR 828/93 – BA­GE 81, 15 = AP BGB § 242 Aus­kunfts­pflicht Nr. 24 = EzA BGB § 242 Aus­kunfts­pflicht Nr. 4).
Ein Un­gleich­ge­wicht kann et­wa aus ei­ner wirt­schaft­li­chen Über­macht oder aus ei­nem er­heb­li­chen In­for­ma­ti­ons­gefälle re­sul­tie­ren. Ei­ne sol­che Si­tua­ti­on kann es er­for­dern, Aus­kunfts­ansprüche zu sta­tu­ie­ren, die ei­ne Ver­trags­par­tei zur Wahr­neh­mung ih­rer ma­te­ri­el­len Rech­te aus dem Ver­trag benötigt. Im Re­gel­fall setzt das ei­nen dem Grun­de nach fest­ste­hen­den Leis­tungs­an­spruch vor­aus (BAG 1.12.2004 – 5 AZR 664/03 – aaO; 27.6.1990 – 5 AZR 334/89 – BA­GE 65, 250 = AP BGB § 242 Aus­kunfts­pflicht Nr. 27 = EzA BGB § 242 Aus­kunfts­pflicht Nr. 2).
In­ner­halb ver­trag­li­cher Be­zie­hun­gen, ins­be­son­de­re bei Dau­er­schuld­verhält­nis­sen, kann der Aus­kunfts­an­spruch darüber hin­aus die Funk­ti­on ha­ben, dem Be­rech­tig­ten In­for­ma­tio­nen auch schon über das Be­ste­hen des An­spruchs dem Grun­de nach zu ver­schaf­fen (BAG 1.12.2004 – 5 AZR 664/03 – aaO). Aus dem Ar­beits­verhält­nis er­ge­ben sich spe­zi­fi­sche Rück­sicht­nah­me­pflich­ten auch aus ei­ner be­son­de­ren persönli­chen Bin­dung der Ver­trags­part­ner. Be­steht ein bil­li­gens­wer­tes In­ter­es­se an ei­ner Aus­kunft, kann sie ver­langt wer­den, so­weit die Ver­pflich­tung kei­ne übermäßige Be­las­tung des Ver­trags­part­ners dar­stellt und die ge­setz­li­che Ver­tei­lung der Dar­le­gungs- und Be­weis­last im Pro­zess berück­sich­tigt bleibt (BAG 1.12.2004 – 5 AZR 664/03 – aaO). Die Dar­le­gungs- und Be­weis­si­tua­ti­on darf al­ler­dings nicht durch die Gewährung ma­te­ri­ell­recht­li­cher Aus­kunfts­ansprüche un­zulässig verändert wer­den (BAG 1.12.2004 – 5 AZR 664/03 – aaO; 7.9.1995 – 8 AZR 828/93 – aaO).
Da­nach steht dem Kläger die be­gehr­te Aus­kunft zu. aa)
Er benötigt die Aus­kunft, um ei­nen be­zif­fer­ten Zah­lungs­an­spruch gel­tend zu ma­chen. An­de­re zu­mut­ba­re Möglich­kei­ten, sich die In­for­ma­ti­on zu be­schaf­fen, ste­hen ihm nicht zu Ge­bo­te. Da­ge­gen ist es der Be­klag­ten
un­schwer möglich, die Aus­kunft zu er­tei­len, da sie die maßgeb­li­chen Re­geln selbst ge­setzt hat. Ei­ne übermäßige Be­las­tung ist mit der Aus­kunfts­er­tei­lung nicht ver­bun­den. Nach Auf­fas­sung der Kam­mer war der Kläger auch nicht ge­hal­ten, sein Aus­kunfts­ver­lan­gen ent­we­der auf die Grup­pe der Werk­statt­mit­ar­bei­ter oder auf die­je­ni­ge der An­wen­dungs­in­ge­nieu­re zu be­schränken. Er hat nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt, dass ge­wis­se Schwie­rig­kei­ten be­ste­hen, bei­de Ar­beit­neh­mer­grup­pen von­ein­an­der ab­zu­gren­zen.
Die zwi­schen den Par­tei­en un­strei­ti­ge un­ter­schied­li­che Be­hand­lung der Feld­mit­ar­bei­ter ei­ner­seits so­wie der An­wen­dungs­in­ge­nieu­re und Werk­statt­mit­ar­bei­ter an­de­rer­seits in Be­zug auf Bo­nus­zah­lun­gen lässt ei­nen Zah­lungs­an­spruch des Klägers un­ter dem Ge­sichts­punkt der ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lung als möglich er­schei­nen.
Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ge­bie­tet dem Ar­beit­ge­ber, sei­ne Ar­beit­neh­mer oder Grup­pen sei­ner Ar­beit­neh­mer, die sich in ver­gleich­ba­rer La­ge be­fin­den, bei An­wen­dung ei­ner selbst ge­ge­be­nen Re­ge­lung gleich­zu­be­han­deln. Er ver­bie­tet nicht nur die willkürli­che Schlech­ter­stel­lung ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer in­ner­halb ei­ner Grup­pe, son­dern auch ei­ne sach­frem­de Grup­pen­bil­dung (BAG 1.12.2004 – 5 AZR 664/04 – aaO; 21.6.2000 – 5 AZR 806/98 – AP BGB § 612 Nr. 60 = EzA BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 83; 13.2.2002 – 5 AZR 713/00 – AP BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 184 = EzA BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 87).
Im Be­reich der Vergütung, al­so der Haupt­leis­tungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers, ist der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz trotz des Vor­rangs der Ver­trags­frei­heit an­wend­bar, wenn der Ar­beit­ge­ber die Leis­tun­gen nach ei­nem all­ge­mei­nen Prin­zip gewährt, in­dem er be­stimm­te Vor­aus­set­zun­gen oder Zwe­cke fest­legt. Das Ge­bot der Gleich­be­hand­lung greift im­mer dann ein, wenn der Ar­beit­ge­ber Leis­tun­gen nach ei­nem er­kenn­bar ge­ne­ra­li­sie­ren­den Prin­zip auf­grund ei­ner abs­trak­ten Re­ge­lung gewährt. Von ei­ner sol­chen Re­ge­lung darf er Ar­beit­neh­mer nur aus sach­li­chen Gründen aus­sch­ließen (BAG 29.9.2004 – 5 AZR 43/04 – AP BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 192 = EzA BGB 2002 § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 4; 21.3.2002 – 6 AZR 144/01 – EzA BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 88).
Die An­wen­dung die­ser Grundsätze lässt ei­ne sach­wid­ri­ge Un­gleich­be­hand­lung des Klägers möglich er­schei­nen.
Die Be­klag­te be­han­delt ver­schie­de­ne Ar­beit­neh­mer­grup­pen hin­sicht­lich der Bo­nus­gewährung un­ter­schied­lich. Sie nimmt die Grup­pe der Field-Ser­vice-Tech­ni­ker, der der Kläger an­gehört, von der Teil­nah­me am In­cen­ti­ve Cor­po­ra­ti­on Plan aus, gewährt die­sen Ar­beit­neh­mern al­so kei­nen ICP-Bo­nus. Darüber hin­aus exis­tiert ei­ne Grup­pe von Ar­beit­neh­mern, die so­wohl den ICP-Bo­nus als auch – bei Einsätzen auf Ölfel­dern – den Feld­bo­nus in glei­cher tägli­cher Höhe wie der Kläger erhält.
Die zur sach­li­chen Recht­fer­ti­gung der un­ter­schied­li­chen Be­hand­lung vor­ge­brach­ten Gründe rei­chen nicht aus.
Die Be­klag­te führt zwar aus, bei­de Bo­nus­ar­ten sei­en leis­tungs­be­zo­gen, erfüll­ten al­so den glei­chen Zweck.
Tatsächlich be­ste­hen aber er­heb­li­che Un­ter­schie­de in Vor­aus­set­zung und Ziel­rich­tung. Während der ICP-Bo­nus mul­ti­fak­t­o­ri­ell er­mit­telt wird, wo­bei über die Leis­tung des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers hin­aus­ge­hen­de Er­fol­ge größerer Ein­hei­ten ei­ne ent­schei­den­de Rol­le spie­len dürf­ten, kann der Feld­bo­nus nur ver­dient wer­den, so­weit dem be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer die Ar­beit auf dem Ölfeld zu­ge­wie­sen wird und er die­se auch tatsächlich durchführt. Im Übri­gen hat die Be­klag­te das Vor­brin­gen des Klägers nicht be­strit­ten, dass sich der ICP-Bo­nus zu­min­dest in der Vergütungs­grup­pe, in die der Kläger ein­ge­reiht ist, aus­sch­ließlich nach dem Un­ter­neh­mens­er­geb­nis, nicht je­doch nach der in­di­vi­du­el­len Leis­tung be­misst. Dann aber ist nicht er­sicht­lich, wes­halb der Kläger ei­ne un­ge­recht­fer­tig­te Bes­ser­stel­lung erführe, er­hiel­te er ne­ben dem ein­satz- und da­mit leis­tungs­be­zo­ge­nen Feld­bo­nus auch den ICP-Bo­nus.
Die von der Be­klag­ten be­haup­te­ten Vergütungs­un­ter­schie­de zwi­schen dem Kläger und den Werk­statt­mit­ar­bei­tern vermögen für sich ge­nom­men die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung nicht zu recht­fer­ti­gen. Hier­zu ist es er­for­der­lich, ein ob­jek­ti­ves, wirk­li­ches Bedürf­nis dar­zu­le­gen (BAG 12.10.2005 – BA­GE 116, 136 = AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 259 = EzA BGB 2002 § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 16). Die Grup­pen­bil­dung muss auf die An­for­de­run­gen im Be­trieb zu­ge­schnit­ten sein (BAG 18.11.2003 – 3 AZR 655/02 – EzA-SD 2004, Nr. 18, 15 = NZA 2004, 1296) und auf nach­voll­zieh­ba­ren, plau­si­blen Ge­sichts­punk­ten be­ru­hen (BAG 21.3.2001 – 10 AZR 444/00 – AP BAT § 33a Nr. 17 = EzA BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 84). Dem wird der Ver­weis auf Vergütungs­un­ter­schie­de nicht ge­recht. Das Vor­brin­gen lässt nicht er­ken­nen, wes­halb es sach­lich ge­recht­fer­tigt sein soll, Be­zie­her höhe­rer Vergütun­gen vom ICP-Bo­nus aus­zu­neh­men, zu­mal die­ser auch den­je­ni­gen Werk­statt­mit­ar­bei­tern gewährt wird, de­ren Grund­ge­halt sich von dem des Klägers kaum un­ter­schei­det, und auch die An­wen­dungs­in­ge­nieu­re den Bo­nus er­hal­ten.
Da­ge­gen, dass der ICP-Bo­nus le­dig­lich den feh­len­den Feld­bo­nus kom­pen­sie­ren soll, spricht der Um­stand, dass ei­ne Grup­pe von Ar­beit­neh­mern ei­ner­seits den ICP-Bo­nus, an­de­rer­seits aber auch den Feld­bo­nus erhält. Dass die­se
Ar­beit­neh­mer nach der Be­haup­tung der Be­klag­ten nur in Notfällen im Ölfeld ein­ge­setzt wer­den und die­se Tätig­keit über die ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung hin­aus­ge­hen soll, erklärt nicht hin­rei­chend, wes­halb sie in ex­akt der glei­chen Höhe wie der Kläger den Feld­bo­nus er­hal­ten. Die­se Fra­ge drängt sich um­so mehr auf, als der Feld­bo­nus nach dem Vor­brin­gen der Be­klag­ten um 6,00 Eu­ro täglich erhöht wur­de, um zu kom­pen­sie­ren, dass wei­te­re Bo­ni nicht mehr gewährt wer­den. Im Übri­gen be­an­stan­det die Be­ru­fung zu Recht, dass die Be­klag­te nicht dar­ge­legt hat, in wel­chem zeit­li­chen Um­fang sol­che Not­fal­leinsätze an­fal­len, son­dern nur die Wer­tung in den Raum ge­stellt hat, sie hätten kei­nen großen zeit­li­chen Um­fang.
Der Um­stand, dass der Kläger nicht in glei­cher Wei­se wie die An­wen­dungs­in­ge­nieu­re und die Werk­statt­mit­ar­bei­ter im Be­trieb an­we­send sein muss, ändert gleich­falls nichts am ge­fun­de­nen Er­geb­nis. Der ICP-Bo­nus ist kei­ne An­we­sen­heits­prämie oder Er­schwer­nis­zu­la­ge, son­dern knüpft an Er­fol­ge des Ein­zel­nen oder be­stimm­ter Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten an. Da­her ist nicht er­sicht­lich, wel­che Rol­le die An­we­sen­heits­pflicht für An­spruchs­grund und -höhe spie­len könn­te.
So­weit die Be­klag­te gel­tend macht, der ICP-Bo­nus wer­de frei­wil­lig ge­zahlt, ist dies un­be­hel­flich. Es be­darf kei­ner nähe­ren Dar­le­gung, dass der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz auch dann an­zu­wen­den ist, wenn an­de­re An­spruchs­grund­la­gen nicht ein­grei­fen.
Hin­sicht­lich des Zah­lungs­an­tra­ges war das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil auf­zu­he­ben und die Sa­che an das Ar­beits­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen. Die Vor­schrift des § 68 ArbGG ver­bie­tet die Zurück­ver­wei­sung nicht, wenn – wie vor­lie­gend – das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge hin­sicht­lich al­ler Stu­fen ab­weist und das Be­ru­fungs­ge­richt den Aus­kunfts­an­spruch zu­spricht (BAG 21.11.2000 – 9 AZR 665/99 – BA­GE 96, 274 = AP BGB § 242 Aus­kunfts­pflicht Nr. 35 = EzA BGB § 242 Aus­kunfts­pflicht Nr. 6; LAG Köln 11.8.1992 – 4 Sa 470/91 – NZA 1993, 864; Ger­mel­mann in Ger­mel­mann/Mat­thes/Prütting/Müller-Glöge, ArbGG, 7. Aufl., § 68 Rz. 21; Schwab in Schwab/Weth, ArbGG, 2. Aufl., § 68 Rz. 19).
Weil die Kos­ten­ent­schei­dung nur ein­heit­lich er­fol­gen kann, die zwei­te Stu­fe des Rechts­streits je­doch noch nicht er­le­digt ist, ist sie durch das Ar­beits­ge­richt zu tref­fen.
Die Re­vi­si­on war we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen zu­zu­las­sen, § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG. Klärungs­bedürf­tig sind ins­be­son­de­re die Fra­gen nach dem Um­fang des Aus­kunfts­an­spruchs und nach den An­for­de­run­gen, die an den sach­li­chen Dif­fe­ren­zie­rungs­grund zu stel­len sind.	m.hensche.de
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