Source: https://www.jusline.at/entscheidung/522250
Timestamp: 2020-08-09 09:29:27
Document Index: 291770603

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 10', '§ 7', '§ 8', '§ 8', '§ 51', '§ 53', 'Art. 8']

Entscheidung TE AsylGH Erkenntnis 2011/03/24 E5 308741-1/2008 - JUSLINE Österreich
E5 308.741-1/2008-14E
Der Asylgerichtshof hat durch die Richterin Dr. Kloibmüller als Vorsitzende und den Richter Mag. HABERSACK als Beisitzer über die Beschwerde des XXXX, StA. Türkei, vertreten durch RA Mag. REICHENVATER, gegen den Bescheid des Bundesasylamtes vom 15.12.2006, Zl. 05 21.942-BAG, nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 12.10.2010 zu Recht erkannt:
Die Beschwerde wird gemäß §§ 7, 8 Abs. 1 AsylG 1997 und § 10 Abs. 1 Z 2 AsylG 2005 als unbegründet abgewiesen.
I.1.1. Der Beschwerdeführer gab an, ein Staatsangehöriger der Türkei kurdischer Abstammung zu sein. Nach seiner illegalen Einreise in das österreichische Bundesgebiet am 12.12.2005 stellte der Beschwerdeführer am 14.12.2005 schriftlich gegenständlichen Asylantrag. Hiezu wurde er am 25.01.2006 sowie am 17.12.2006 niederschriftlich vor dem Bundesasylamt einvernommen.
Im Wesentlichen brachte der Beschwerdeführer als Grund für das Verlassen der Türkei vor, dass ein Gerichtsverfahren gegen ihn wegen der Unterstützung der PKK anhängig sei bzw würde es einen Haftbefehl seit 1991, 1992 oder 1993 geben. Des Weiteren werde der Beschwerdeführer in der Türkei gesucht, da er seinen Wehrdienst noch nicht abgeleistet habe.
Mit Bescheid des Bundesasylamtes vom 15.12.2006, Zl. 05 21.942-BAG, wurde der Antrag auf Gewährung von Asyl gemäß § 7 AsylG abgewiesen. Gemäß § 8 Abs. 1 AsylG wurde die Zurückweisung, Zurückschiebung oder Abschiebung des Beschwerdeführers in die Türkei für zulässig erklärt. Gemäß § 8 Abs. 2 AsylG wurde der Beschwerdeführer aus dem österreichischen Bundesgebiet in die Türkei ausgewiesen.
Im Wesentlichen wurde vom Bundesasylamt das Vorbringen des Beschwerdeführers als nicht glaubwürdig bzw nicht asylrelevant bewertet.
Dieser Bescheid wurde am 18.12.2006 dem rechtsfreundlichen Vertreter des Beschwerdeführers ordnungsgemäß zugestellt, wogegen mit Schriftsatz des rechtsfreundlichen Vertreters vom 01.01.2007 fristgerecht Berufung (nunmehr Beschwerde) erhoben wurde.
Im Wesentlichen wurde das erstinstanzliche Vorbringen des Beschwerdeführers wiederholt. Ergänzend wurde die Einholung von Amnesty International Länderberichten aus dem Jahr 2005/2006 über die allgemeine Menschenrechtslage in der Türkei sowie eine Anfrage bei der UNHCR-Zentrale in Wien, welche Sanktionen der Beschwerdeführer bei einer zwangsweisen Abschiebung in sein Heimatland zu gegenwärtigen hätte, beantragt.
I.1.2. Am 12.10.2010 führte der Asylgerichtshof in der Sache des Beschwerdeführers eine öffentlich mündliche Verhandlung durch. In dieser wurde dem Beschwerdeführer einerseits Gelegenheit gegeben, neuerlich seine Ausreisemotivation umfassend darzulegen sowie die aktuelle Lageentwicklung in der Türkei anhand vorliegender Länderdokumentationsunterlagen erörtert.
I.2.1. Der Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger der Türkei, Angehöriger der kurdischen Volksgruppe und sunnitischen Glaubens. Er wurde im Dorf XXXX, in der Provinz Gaziantep geboren, wo er fünf Jahre die Volksschule besuchte. Drei Jahre lang besuchte der Beschwerdeführer die Hauptschule in einem Nachbardorf und drei Jahre das Lyzeum in der Stadt Gaziantep, welches er im Jahr 1987 abschloss. Im Jahr 1989 bestand der Beschwerdeführer die Aufnahmeprüfung für die Universität, woraufhin er zu studieren begann. Der Beschwerdeführer wechselte die Studienrichtung, schloss jedoch niemals seine universitäre Ausbildung ab. Bis zur Beendigung der Hauptschule lebte der Beschwerdeführer bei seinen Eltern in einem eigenen Haus im Heimatdorf. Während des Lyzeums war der Beschwerdeführer bei seiner Schwester in Gaziantep wohnhaft. Während der Studienzeit lebte der Beschwerdeführer alleine in einer Mietwohnung. Der Beschwerdeführer arbeitete in der Zeit von 1989 bis 1995 in verschiedenen Branchen, wie zB in der Baubranche, und half in der familieneigenen Landwirtschaft mit.
In der Türkei sind nach wie vor der Vater des Beschwerdeführers, die Mutter ist bereits im Jahr 1989 verstorben, zwei Schwestern und drei Brüder, zwei davon sind Halbbrüder, aufhältig, zu welchen der Beschwerdeführer in telefonischem Kontakt steht. Der Vater und die Stiefmutter leben in der Türkei von Pistazienbäumen und von der eigenen Landwirtschaft. Der leibliche Bruder des Beschwerdeführers ist Hilfsarbeiter in Gaziantep. Die beiden Stiefbrüder des Beschwerdeführers besuchen derzeit die Schule. Die Schwestern des Beschwerdeführers sind bereits verheiratet und haben eigene Haushalte. Zwei weitere Schwestern des Beschwerdeführers sind legal in Deutschland aufhältig.
Der Beschwerführer reiste am 17.03.1996 nach Deutschland, wo er in der Folge einen Asylantrag stellte. Dieser Asylantrag wurde mit Bescheid des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge vom 28.06.1996 abgelehnt. Gleichzeitig wurde ausgesprochen, dass die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes hinsichtlich der Türkei vorliegen. Mit Urteil des Verwaltungsgerichtes Dresden vom 25.01.1999 wurde der Bescheid des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge vom 28.06.1996 in Ziffer 2 aufgehoben. Mit Bescheid des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge vom 06.01.2000 wurde in der Folge festgestellt, dass Abschiebungshindernisse nach § 53 des Ausländergesetzes nicht vorliegen. Der Beschwerdeführer wurde weiters aufgefordert, Deutschland innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe dieser Entscheidung zu verlassen, ansonsten er abgeschoben werde. Mit Urteil des Verwaltungsgerichtes Dresden vom 26.03.2002 wurde die gegen den Bescheid des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge vom 06.01.2000 erhobene Klage abgewiesen.
Am XXXX hat der Beschwerdeführer eine deutsche Staatsbürgerin geheiratet und entstammt dieser Ehe eine gemeinsame Tochter. Aufgrund der Eheschließung bekam der Beschwerdeführer eine Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitsbewilligung für Deutschland. Ab dem Jahr 2001 lebte der Beschwerdeführer von seiner Ehegattin getrennt und wurde er im Jahr 2004 von Deutschland in die Türkei abgeschoben. Die Ehe ist nach wie vor aufrecht.
Nach der Abschiebung von Deutschland in die Türkei war der Beschwerdeführer bei Verwandten oder in Hotels wohnhaft.
In Österreich lebt der Beschwerdeführer mit seiner türkischen Lebensgefährtin und den drei gemeinsamen Kindern, ebenso türkische Staatsangehörige, in einem gemeinsamen Haushalt. Sowohl die Lebensgefährtin, welche im Rahmen einer Familienzusammenführung nach Österreich kam, als auch die Kinder verfügen über Niederlassungsbewilligungen für das österreichische Bundesgebiet. Der Beschwerdeführer wird von seiner Lebensgefährtin unterstützt und ist bisher in Österreich noch keiner Arbeit nachgegangen. Der Freundeskreis des Beschwerdeführers setzt sich vorwiegend aus Kurden und ein kleiner Teil auch aus Türken zusammen. Der Beschwerdeführer vermag sich auf einfachem Niveau, ohne bisher einen Deutschkurs besucht zu haben, in der deutschen Sprache auszudrücken. Zu Hause wird innerhalb der Familie des Beschwerdeführers Deutsch, Türkisch und Kurdisch gesprochen. Er besucht weiters den Verein XXXX, ohne ein Mitglied zu sein.
Es kann nicht festgestellt werden, dass dem Beschwerdeführer in der Türkei eine asylrelevante - oder sonstige - Verfolgung oder Strafe maßgeblicher Intensität oder die Todesstrafe droht oder dem Beschwerdeführer in der Türkei die Existenzgrundlage völlig entzogen wäre. Es ergaben sich auch nach Prüfung gemäß Art. 8 EMRK im vorliegenden Fall keine gegen die vorgesehene Ausweisung bestehenden Hinderungsgründe.
Beweis wurde erhoben durch Einsichtnahme in den erstinstanzlichen Akt unter zentraler Berücksichtigung der niederschriftlichen Angaben des Beschwerdeführers vor der Erstbehörde, den bekämpften Bescheid, den Beschwerdeschriftsatz, die vorgelegten Dokumente, die Asylunterlagen betreffend das Asylverfahren in Deutschland sowie durch öffentlich mündliche Verhandlung der Beschwerdesache und durch
Berücksichtigung nachstehender Länderdokumentationsunterlagen:
Vortrag Eurasil-Workshop vom 24.6.2008 in Nürnberg, Bericht von Michael Bittner, BAMF
Die Feststellungen hinsichtlich der Staatsangehörigkeit, der Identität des Beschwerdeführers sowie hinsichtlich seiner illegalen Einreise in das Bundesgebiet und des Datums seiner Asylantragstellung ergeben sich aus dem Akteninhalt, insbesondere aus dem vom Beschwerdeführer im Verfahren vorgelegten türkischen Personalausweis, ausgestellt am XXXX durch das türkische Konsulat in Berlin (AS 31).
Die Feststellungen zur Volksgruppen- und Religionszugehörigkeit sowie zu den familiären und privaten Verhältnissen des Beschwerdeführers gründen sich auf dessen in diesen Punkten glaubwürdigen Angaben im Asylverfahren und den diesbezüglich in Vorlage gebrachten Unterlagen.
Die festgestellten Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers gründen sich auf die Wahrnehmungen des entscheidenden Senates in der Beschwerdeverhandlung.
Die Eheschließung mit einer deutschen Staatsbürgerin sowie die gemeinsame Tochter ergeben sich aus den glaubwürdigen Angaben des Beschwerdeführers und der deutschen Heiraturkunde vom XXXX.
Das Asylverfahren in Deutschland ergibt sich aus den diesbezüglich von den deutschen Behörden übermittelten Unterlagen.
Der Beschwerdeführer gab vor dem Bundesasylamt und in der mündlichen Beschwerdeverhandlung als Ausreisegrund an, dass gegen ihn ein Gerichtsverfahren in der Türkei wegen der Unterstützung der PKK laufen würde und dass er seinen Militärdienst noch nicht abgeleistet habe.
Hinsichtlich des Militärdienstes ist Folgendes auszuführen:
Zum Vorbringen des Beschwerdeführers, dass er im Falle einer Rückkehr in die Türkei seinen Wehrdienst ableisten müsse - was ob seines Alters, er ist mittlerweile 43 Jahre alt und die Wehrpflicht endet grundsätzlich mit 40 Jahren, mehr als zweifelhaft ist -, er jedoch den Wehrdienst nicht ableisten wolle, weil in der Türkei seit 30 Jahren Krieg geführt werden würde, ist vorweg auszuführen, dass auf die getroffenen Feststellungen zu verweisen ist, wonach vereinzelte Vorfälle bei der Ableistung des Wehrdienstes nicht ausgeschlossen werden können, jedoch nicht festgestellt werden kann, dass kurdischstämmige Wehrdienstleistende während des Wehrdienstes generell relevanten Nachteilen auf Grund ihrer ethnischen Zugehörigkeit ausgesetzt wären. Auch Diskriminierungen von Angehörigen ethnischer Minderheiten können im Einzelfall nicht ausgeschlossen werden. Ein gezieltes, systematisches Vorgehen ist hierin jedoch nicht erkennbar.
Darüber hinaus ist es dem Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang nicht gelungen, eine gezielt und konkret gegen ihn gerichtete, mit maßgeblicher Wahrscheinlichkeit eintretende, Asylrelevanz erreichende Verfolgung in Form von Misshandlungen oder Verwendungen im Rahmen der Ableistung des Militärdienstes oder des Strafvollzuges darzutun. Auch von Amts wegen existieren keine aufzugreifenden Anhaltspunkte dafür, dass gerade der Beschwerdeführer bei der Ableistung seines Militärdienstes oder der Abbüßung einer Haftstrafe mit maßgeblicher Wahrscheinlichkeit solchen Situationen ausgesetzt wäre.
Gemäß den getroffenen Länderfeststellungen ist jeder männliche Staatsbürger der Türkei zwischen 19 und 40 Jahren verpflichtet, für 15 Monate beim Militär einzurücken.
Der Umstand, dass der Beschwerdeführer den Militärdienst abzuleisten hat, ergibt sich aus seinem Vorbringen, seinem Geschlecht, seinem Alter und den Feststellungen zum Militärdienst in der Türkei.
Sofern der Beschwerdeführer in der mündlichen Beschwerdeverhandlung zum Ausdruck bringt, dass ihm wegen seiner behaupteten Zugehörigkeit zur kurdischen Volksgruppe Misshandlungen und Repressalien beim Militär drohen würden, so finden diese Ausführungen keine Deckung in der festgestellten Situation der Wehrdienstpflichtigen in der Türkei; eine systematische Diskriminierung von Kurden konnte nicht festgestellt werden. Insofern sich der Beschwerdeführer auf einen möglichen Kampfeinsatz allenfalls gegen eigene Volksgruppenangehörige berufen mag, ist ihm zu entgegnen, dass derzeit bewaffnete Kampfhandlungen nur in geringerem Umfang stattfinden und Rekruten überdies in der Regel abseits ihres Heimatgebietes eingesetzt werden. Eine maßgebliche Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdeführer zum Kampf gegen Kurden eingesetzt wird, ist demnach nicht gegeben (gemäß dem Bericht des Auswärtigen Amtes erfolgt in der Regel ein Einsatz für alle Wehrdienstleistenden in gewisser Entfernung vom Wohnort). Auch ergibt sich aus den nunmehr dem Verfahren zugrunde gelegten Feststellungen, dass die Auswahl des Einsatzortes per Computer nach dem Zufallsprinzip erfolgt und kann daher diesem Vorbringen kein Erfolg zukommen.
Nach ständiger Rechtssprechung des Verwaltungsgerichtshofes ist Furcht vor Verfolgung im Fall der Wehrdienstverweigerung oder Desertion jedoch nur dann als asylrechtlich relevant anzusehen, wenn der Asylwerber hinsichtlich seiner Behandlung oder seines Einsatzes während dieses Militärdienstes im Vergleich zu Angehörigen anderer Volksgruppen in erheblicher, die Intensität einer Verfolgung erreichender Weise benachteiligt würde oder davon auszugehen sei, dass dem Asylwerber eine im Vergleich zu anderen Staatsbürgern härtere Bestrafung wegen Wehrdienstverweigerung drohe (Verstärkter Senat des VwGH vom 29.06.1994, Slg Nr. 14.089/A; VwGH vom 21.08.2001, 98/01/0600; ). Bei der rechtlichen Beurteilung des zugrunde liegenden Sachverhaltes kommt es auf die Grundsätze an, die der Verwaltungsgerichtshof auf dem Boden der bestehenden Rechtslage insbesondere in dem Erkenntnis eines verstärkten Senates zur Zl. 93/01/0377 niedergelegt hat, wobei sich seine dabei zum Ausdruck kommende Rechtsansicht nur zum Teil mit der vom UNHCR (Handbuch über Verfahren und Kriterien zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft) vertretenen Auffassung deckt (VwGH 20.12.1995, 95/01/0104). Die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes entspricht der Entscheidungspraxis in Deutschland, welche aufgrund der notorisch bekannten Vergemeinschaftung nicht als gänzlich unbeachtlich angesehen werden kann (vgl. Übersicht zur deutschen und schweizerischen Rechtssprechung in hg. Erkenntnis vom 12.04.2010, E3 319.230).
Eine wegen der Verweigerung der Ableistung des Militärdienstes bzw. wegen Desertion drohende, auch strenge Bestrafung wird in diesem Sinne grundsätzlich nicht als Verfolgung im Sinne der Flüchtlingskonvention angesehen (VwGH vom 30. November 1992, Zl. 92/01/0718; 21. April 1993, Zlen. 92/01/1121, 1122). Der Verwaltungsgerichtshof hat diese Auffassung auch in Fällen vertreten, in denen in den betroffenen Heimatstaaten Bürgerkrieg, Revolten oder bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen stattgefunden haben (vgl. VwGH 30. November 1992, Zl. 92/01/0789, betreffend Somalia, und Zl. 92/01/0718, betreffend Äthiopien, vom 8. April 1992, Zl. 92/01/0243, vom 16. Dezember 1992, Zl. 92/01/0734, und vom 17. Februar 1993, Zl. 92/01/0784, alle betreffend die frühere Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien).
Allein die Furcht vor Ableistung des Militärdienstes stellt somit grundsätzlich keinen Grund für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft dar; ebenso wenig wie eine wegen der Verweigerung der Ableistung des Militärdienstes oder wegen Desertion drohende, auch strenge Bestrafung. In diesem Zusammenhang ist der Vollständigkeit halber noch festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer auch hinsichtlich eines möglichen Aufschubs des Militärdienstes in Unplausibilitäten verwickelte, die er nicht aufzuklären vermochte. Beispielsweise führte er aus, dass er bis zu seiner Ausreise nach Deutschland im Jahr 1996 mehrmals von der Polizei festgenommen und angehalten worden sei, jedoch in diesem Zusammenhang niemals den Militärbehörden vorgeführt worden sei. Ebenso habe es sich im Jahr 2004, nach seiner Abschiebung aus Deutschland, zugetragen. Er sei zwar für drei Tage angehalten worden, den Militärbehörden habe man ihn jedoch nicht vorgeführt.
Des Weiteren führt der Beschwerdeführer aus, dass gegen ihn in der Türkei aufgrund der unterstellten Unterstützung der PKK ein Gerichtsverfahren anhängig sei. Diesbezüglich verwickelte sich der Beschwerdeführer jedoch in massive Widersprüche, die er nicht aufzulösen vermochte, weshalb diesem Vorbringen keine Glaubwürdigkeit zuzuerkennen ist. Diese Unglaubwürdigkeit gründet sich auf mehrere Umstände. So ist es für den Asylgerichtshof nicht nachvollziehbar, wenn der Beschwerdeführer ausführt, dass seine Freunde im Jahr 1994 festgenommen und gegen diese ein Gerichtsverfahren eingeleitet worden sei, an dessen Ende einer zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe und der andere zu einer 19monatigen Haftstrafe verurteilt worden seien. Anlässlich dieses Gerichtsverfahrens sei der Name des Beschwerdeführers gefallen, weshalb auch gegen ihn, wie er im Zuge seiner Abschiebung von Deutschland in die Türkei erfahren habe, ein Gerichtsverfahren anhängig sei. Wenn man dieses Vorbringen einer Beurteilung zugrunde legen würde, so ist es nicht plausibel, weshalb man den Beschwerdeführer, er führte aus, dass er in der Zeit bis 1996 ein paar Mal von der Polizei angehalten und mitgenommen worden sei, nicht gleich einem Gericht überstellt habe. Es ist weiters nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer anlässlich seiner Abschiebung im Jahr 2004 nach drei Tagen Anhaltung und der Bezahlung von 8.000 ¿ Kaution wieder freigelassen und nicht einem Gericht überstellt worden sei, zumal er sich dem bisherigen Verfahren ja entzogen hätte, somit gute Gründe für eine Inhaftnahme zur Sicherung des Verfahrens bestanden hätten. Auch habe keine einzige Anhaltung, vor 1996 und nach 2004, für ihn irgendwelche Konsequenzen nach sich gezogen. Überhaupt vermochte der Beschwerdeführer hinsichtlich der behaupteten Gerichtsverhandlung keine genauen Details zu schildern - vielmehr erging er sich in oberflächlichen Ausführungen - noch vermochte er in diesem Zusammenhang irgendwelche Beweismittel in Vorlage zu bringen.
Des Weiteren ist es für den Asylgerichtshof auch nicht plausibel, dass der Beschwerdeführer wegen einer unterstellten Unterstützung der PKK in der Türkei gesucht werden sollte, zumal er sich hinsichtlich einer politischen Tätigkeit in derartige Widersprüche verwickelte, die nur den Schluss zulassen, dass das politische Engagement lediglich eine bloße Behauptung darstellt, um dem Asylantrag einen Begründung zu geben. Dies deshalb, da der Beschwerdeführer beispielsweise behauptete, dass er sich bis 1996 in der DEHAP und nach seiner Rückkehr im Jahr 2004 für die HADEP engagiert habe. Auf Vorhalt, dass dies nicht möglich sei, zumal die HADEP bereits im Jahr 2003 verboten worden sei, bestand der Beschwerdeführer darauf, dass diese im Jahr 2006 geschlossen worden sei. Nachdem der Beschwerdeführer darüber aufgeklärt wurde, dass es sich dabei um die DEHAP gehandelt habe, meinte er ausweichend, wenn er ein großes politisches Wissen gehabt hätte, wie Abdullah Öcalan, würde er heute nicht hier sein. Abgesehen von der Glaubwürdigkeit der Angaben des Beschwerdeführers ist dem deutschen Auswärtige Amt kein Fall bekannt geworden, in dem die einfache Mitgliedschaft in der HADEP oder in der DEHAP - ohne besondere, z.B. strafrechtlich relevante Verdachtsmomente - zu Repressalien gegen die Betreffenden geführt hätte.
Was das Vorbringen bezüglich der mehrmaligen Mitnahmen und Anhaltungen des Beschwerdeführers durch die Polizei bis zum Jahr 1996 anbelangt, so ist dazu festzuhalten, dass - abgesehen von der Glaubwürdigkeit - diesen Angaben der notwendige zeitliche Zusammenhang zur Ausreise des Beschwerdeführers im Jahr 2005 fehlt, zumal er selbst ausführte, dass er nach seiner Rückkehr im Jahr 2004, abgesehen von der dreitägigen Anhaltung, mit der Polizei keinen Kontakt mehr gehabt habe. Schließlich sind Umstände, denen es an einem entsprechenden zeitlichen Konnex zur Ausreise mangelt, nicht zur Glaubhaftmachung eines Fluchtgrundes geeignet; die wohlbegründete Furcht müsste vielmehr bis zur Ausreise andauern (VwGH 23.01.1997, 95/20/0221). Die oben angeführten behaupteten Anhaltungen sind - unabhängig von der Glaubwürdigkeit - per se nicht geeignet, einen zeitlichen Konnex zur Ausreise im Jahr 2005 herzustellen. Diese Vorfälle haben damit nicht dazu geführt, dass der Beschwerdeführer so große Angst vor weiteren Übergriffen auf sich selbst gehabt hätte, die einer begründeten Furcht entsprechen und es dem Beschwerdeführer unerträglich gemacht hätten, in seinem Heimatstaat zu bleiben.
Hinsichtlich der behaupteten Anhaltung anläßlich der Abschiebung des Beschwerdeführers von Deutschland in die Türkei ist noch anzumerken, dass er diesbezüglich keine Übergriffe oder dergleichen behauptete, die in irgendeiner Form eine Asylrelevanz entfalten könnten. Hinsichtlich der 8.000 ¿ führte der Beschwerdeführer selbst aus, dass es sich dabei um eine Kaution gehandelt habe, weshalb darauf nicht näher einzugehen war.
Soweit der Beschwerdeführer nun seinen Ausreisegrund auf seine kurdische Abstammung und die daraus resultierenden Schwierigkeiten in der Gesellschaft stützt, er habe Probleme auf der Universität gehabt, ist auszuführen, dass die schwierige allgemeine Lage einer ethnischen Minderheit oder der Angehörigen einer Religionsgemeinschaft für sich allein nicht geeignet ist, die für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft vorauszusetzende Bescheinigung einer konkret gegen den Asylwerber gerichteten drohenden Verfolgungshandlung darzutun. Die bloße Zugehörigkeit zur Volksgruppe der Kurden bildet daher noch keinen ausreichenden Grund für die Asylgewährung (vgl. VwGH vom 31.01.2002, 2000/20/0358).
Hinsichtlich der kurdischen Abstammung des Beschwerdeführers ist weiters auszuführen, dass sich entsprechend der Länderberichte die Situation für Kurden derart gestaltet, dass momentan keine aktuellen Berichte über die Lage der Kurden in der Türkei und damit keine von Amts wegen aufzugreifenden Anhaltspunkte dafür existieren, dass gegenwärtig Personen kurdischer Volksgruppenzugehörigkeit in der Türkei generell mit maßgeblicher Wahrscheinlichkeit allein aufgrund ihrer Volksgruppenzugehörigkeit einer asylrelevanten - sohin auch einer maßgeblichen Intensität erreichenden - Verfolgung ausgesetzt bzw. staatlichen Repressionen unterworfen sein würden. Gründe, warum die türkischen Behörden ein nachhaltiges Interesse gerade an der Person des Beschwerdeführers haben sollten, wurden von diesem nicht bzw nicht glaubwürdig vorgebracht.
Der Vollständigkeit halber soll noch festgehalten werden, dass ein weiteres Indiz für die Unglaubwürdigkeit des Vorbringens des Beschwerdeführers der U