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Timestamp: 2017-07-24 07:20:07
Document Index: 91873230

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 103', 'Art. 103', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 41', 'Art. 6', 'Art. 6', 'BGH', 'BGH', 'Art. 103', 'de lege lata', 'de lege ferenda', 'de lege lata', 'de lege ferenda', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Vorwort... V Inhaltsverzeichnis... IX Abkürzungsverzeichnis... XV Literaturverzeichnis... XXIII - PDF
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1 Inhaltsübersicht Vorwort... V Inhaltsverzeichnis... IX Abkürzungsverzeichnis... XV Literaturverzeichnis... XXIII Teil 1: Messverfahren... 1 A. Allgemeine Anforderungen an die Anwendung von technischen Messgeräten in der Verkehrsüberwachung... 9 I. Die Inanspruchnahme des Sachverständigen im Ordnungswidrigkeitenverfahren... 9 II. Zulassung durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt III. Die Eichung IV. Die Instandsetzung V. Die Lebensakte aus technischer Sicht VI. Ausblick: Das neue Eichgesetz B. Fachübergreifende Problematiken I. Die WVZ-Anbindung für Messgeräte II. Prinzipielle Probleme des Einsatzes von CAN-BUS Infrastruktur bei Messfahrzeugen mit Provida- oder ähnlichen Systemen III. Integrität, Authentizität und Datenschutz bei digitalen Messdaten C. Abstandsmessverfahren I. Historie II. Rechtsprechung III. Differenzierte Bußgeldandrohung, Abstand als zeitlicher Abstand IV. Einzelne Messverfahren V. Erforderliche Beweismittel/Unterlagen und Anforderungen bei Videoabstandsmessverfahren VI. Messverfahren der Marke»Eigenbau«, Abstandsüberwachungen mit nicht standardisierten Messverfahren D. Lasermessverfahren I. Einleitung II. Funktionsweise III. Prüfschema/Handlasermessgeräte im Rahmen der Anforderungen an ein standardisiertes Messverfahren IV. Fallbeispiele V. Lasermessverfahren»PoliScanspeed«(Firma Vitronic) IX _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :522 Inhaltsübersicht E. Lichtschrankenmessverfahren I. Lichtschranke»µP 80« II. Lichtschranke»LS4.0« III. Einseitensensormessverfahren»ES1.0« IV. Einseitensensormessverfahren»ES3.0« F. Stationäre Messgeräte mit piezoelektrischen oder faseroptischen Drucksensoren I. Geschwindigkeitsmesssystem Traffiphot S/Traffiphot S-digital II. Geschwindigkeitsüberwachungsgerät TraffiStar S III. TRUVELO Geschwindigkeitsüberwachungsanlage M4² IV. Geschwindigkeitsüberwachungsanlage VDS M V. Geschwindigkeitsmesssystem V-Control IIb mit Kamerasystem KA G. Geschwindigkeitsmessungen durch Nachfahren I. Messen durch Nachfahren mit nicht geeichtem Tachografen II. Messung durch Nachfahren mit geeichtem Tachografen III. Messbeispiele IV. Erforderliche Beweismittel/Unterlagen und Anforderungen bei Messungen durch Nachfahren V. Messen durch Nachfahren mit einem Polizeimotorrad H. Radarmessverfahren I. TRAFFIPAX Speedophot II. MULTANOVA 6F III. Fallbeispiele IV. Zur Streuung und Reflexion von Radarstrahlung an der Fahrbahnoberfläche I. Rotlichtüberwachung I. Allgemeines II. Stationäre Rotlichtüberwachungsanlagen J. Gewerblicher Personen- und Güterverkehr I. Sozialvorschriften II. Wägung bei Straßenfahrzeugen zur Verkehrsüberwachung III. Ladungssicherung Teil 2: Medizinische Aspekte A. Morphologische Bildgutachten I. Einleitung X _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :523 Inhaltsübersicht II. Allgemeine Grundlagen III. Gutachten B. Atemalkoholmessung I. Einleitung II. Physiologische Grundlagen III. Beweissichere AAK-Messgeräte IV. Wartezeit und Kontrollzeit V. Störfaktoren VI. Schlussbemerkung Teil 3: Rechtsfragen in Zusammenhang mit Geschwindigkeitsüberschreitung, Abstandsmessung, Rotlichtverstoß und Trunkenheitsfahrt A. Allgemeine Vorüberlegungen zur Verteidigung I. Allgemeines II. Verteidigung im OWi-Verfahren B. Videomessung im Straßenverkehr die Rechtsprechung des BVerfG und ihre Folgen I. Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung II. Folgerungen aus der Rechtsprechung des BVerfG III. Verfahrensfragen IV. Zusammenstellung der Rechtsprechung C. Geschwindigkeitsüberschreitung/-messung I. Allgemeine Fragen II. Standardisierte Messverfahren III. Geschwindigkeitsmessung in der Nähe der Geschwindigkeitsbeschränkung IV. Geschwindigkeitsmessung mit PPS/Videonachfahrsystemen V. Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren VI. Exkurs: Rechtfertigungsgründe bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung VII. Exkurs: Fahrlässigkeit/Vorsatz? D. Abstandsunterschreitung ( 4 StVO) I. Allgemeines II. Messverfahren III. Anforderungen an das tatrichterliche Urteil XI _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :524 Inhaltsübersicht E. Rotlichtverstoß ( 37 StVO) I. Grenzfälle II. Allgemeine tatsächliche Feststellungen III. Qualifizierter Rotlichtverstoß nach Nr BKat F. Trunkenheitsfahrt ( 24a Abs. 2 StVG) I. Tatbestandsvoraussetzungen bei einer Trunkenheitsfahrt ( 24a Abs. 1 StVG) II. Insbesondere: Atemalkoholmessung G. Ausgesuchte Verfahrensfragen I. Akteneinsicht II. Identifizierung des Betroffenen anhand eines Radarfotos III. Beweisaufnahme im OWi-Verfahren IV. Rechtsbeschwerde Teil 4: Arbeitshilfen A. Rechtsprechungslexikon Abstandsmessung Abstandsmessverfahren/Urteilsgründe Beweisverwertungsverbot Bildidentifikation/Täteridentifizierung Eichung ESO-Lichtschranke/Lichtschrankenmessverfahren Geschwindigkeitsmessung/Urteilsgründe Lasermessverfahren Messgeräte Messung durch Nachfahren Messung durch Nachfahren, Nachtzeit Messverfahren/Urteilsgründe Poliscan Speed Radarmessverfahren Rotlichtverstoß Standardisierte Messverfahren Trunkenheitsfahrt B. Richtlinien für die Geschwindigkeitsüberwachung der einzelnen Bundesländer I. Baden-Württemberg II. Bayern Richtlinie für die polizeiliche Verkehrsüberwachung (VÜ-Richtlinie VÜR) III. Berlin XII _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :525 Inhaltsübersicht IV. Brandenburg Überwachung der Einhaltung zulässiger Höchstgeschwindigkeiten und der Befolgung von Lichtzeichenanlagen im Straßenverkehr durch die Ordnungsbehörden im Land Brandenburg V. Bremen VI. Hamburg Leitlinie der Geschwindigkeitsüberwachung VII. Hessen Verkehrsüberwachung durch örtliche Ordnungsbehörden und Polizeibehörden VIII. Mecklenburg-Vorpommern Erlass zur Geschwindigkeitsüberwachung im öffentlichen Straßenverkehr in Mecklenburg-Vorpommern IX. Niedersachsen X. Nordrhein-Westfalen XI. Rheinland-Pfalz Richtlinie über die polizeiliche Geschwindigkeitsüberwachung (PolGeschwüRS) XII. Saarland Richtlinien für die polizeiliche Verkehrsüberwachung XIII. Sachsen XIV. Sachsen-Anhalt Grundsätze für die Verkehrsüberwachung durch Polizei und Kommunen (Verkehrsüberwachungserlass) XV. Schleswig-Holstein Richtlinie für die polizeiliche und die kommunale Geschwindigkeitsüberwachung XVI. Thüringen Verwaltungsvorschrift zur Verfolgung und Ahndung von Straßenverkehrsordnungswidrigkeiten durch die Polizei und die Gemeinden (VwV VA-StVOWi) Stichwortverzeichnis XIII _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :526 B. Fachübergreifende Problematiken Teil 1 Auch drängt sich die Frage auf, warum bei den Geschwindigkeitsmessgeräten und Rotlichtüberwachungsgeräten ein beachtlicher Aufwand betrieben wird um wenigstens den Versuch zu unternehmen Authentizität und Integrität sicherzustellen, während bei den Videouhren mit einer Ausnahme überhaupt keine Maßnahmen zur Sicherung der Aufzeichnungen zur Anwendung kommen. Dabei gelten für beide Geräte-Kategorien nahezu identische Anforderungen. 6. Reaktionen in der Praxis Die Untersuchung der Messgeräte im vorangegangenen Kapitel hat eine ganze Reihe von Problemen aufgezeigt: Messgeräte entsprechen nicht dem Stand der Technik, sie entsprechen nicht den Anforderungen der PTB, Aussagen in den Bauartzulassungen sind widersprüchlich oder schlicht in der Praxis unhaltbar. Doch wie reagieren Hersteller, Behörden, Gerichte und die PTB darauf? Überraschenderweise äußerten sich zur vorgebrachten Kritik bisher fast ausnahmslos Nicht-Informatiker und insbesondere keine Spezialisten für Informationssicherheit. Dafür nahmen Unfallsachverständige, Elektro-Ingenieure, Physiker, Vertriebsleiter und KfZ-Sachverständige umfassend zu der Problematik Stellung. Uns ist lediglich ein einziger Fall bekannt, in dem ein Gericht einen Informatiker als Sachverständigen mit der Frage nach dem Stand der Technik eines Messgeräts betraut hat. Offenbar wird bei der Betrachtung digitaler Verkehrsmesstechnik vernachlässigt, dass hier mehrere Disziplinen zusammenwirken. Die klassische Verkehrsmesstechnik ist nur noch ein Teil des gesamten Systems. Speziell die Verarbeitung und Sicherung digitaler Daten geht jedoch weit in den Bereich der Informatik. Den einen Experten für ein digitales Messsystem kann es daher nicht mehr geben. Das aus mangelnder Fachkenntnis resultierende Unverständnis der am Verfahren Beteiligten wird in den unterschiedlichen Reaktionen gegenüber kritischen Nachfragen deutlich. Bußgeldbehörden Bußgeldbehörden sind mit der Thematik oftmals überfordert. So sind sich Sachbearbeiter in manchen Fällen schon unsicher, was unter den Begriffen»Messdatei im herstellerspezifischen Format«oder»öffentlicher Schlüssel«überhaupt zu verstehen ist. Manche Sachbearbeiter geben offen zu, noch nie davon gehört zu haben. So führt die Anforderung dieser Beweismittel nicht nur zu Verwirrung, sondern bewirkt bisweilen sogar die Einstellung eines Verfahrens. Manche Behörden verweigern die Herausgabe von Messdateien auch grundsätzlich, oder es wird die Messdatei übersandt, aber man weigert sich, den öffentlichen Schlüssel zu übersenden. Falls überhaupt eine Begründung geliefert wird, wird häufig der Datenschutz angeführt. Dies ist jedoch in der Regel vollkommen unangebracht. Bei Geschwindigkeits- und Rotlichtüberwachungsgeräten existiert für jeden Einzelfall auch eine einzelne Messdatei, die ohne Probleme unabhängig von der gesamten Messreihe versendet werden kann. Auch ein öffentlicher Schlüssel kann wie der Name bereits sagt jedem zugänglich gemacht werden Backes/Lorenz/Pecina _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :527 Teil 1 Messverfahren Bildausdrucke sind, wie von PTB und manchen Herstellern bestätigt, kein verwertbarer Ersatz für die digitalen Messdateien. Einzig an ihnen lassen sich theoretisch Authentizität und Integrität prüfen Messgerätehersteller Lediglich von Jenoptik liegen uns bisher zwei Stellungnahmen zur Kritik an ihren Messgeräten vor. Daneben versenden manche Bußgeldbehörden Stellungnahmen, die den beiden Stellungnahmen von Jenoptik sowohl von der Argumentation, als auch von den Formulierungen her sehr ähnlich sind, jedoch von einem Mitarbeiter der jeweiligen Behörde unterschrieben wurden. In der ersten Stellungnahme wird die grundsätzliche Möglichkeit zur Veränderung von Messdateien zwar bestätigt, die dazu notwendigen Schritte jedoch als»irrwitzig«bezeichnet. Zur Frage nach dem Stand der Technik wird nichts ausgeführt. Die zweite Stellungnahme richtet sich primär an Bußgeldbehörden und enthält detaillierte Empfehlungen, wie mit Anfragen bezüglich Messdateien und zugehörigen öffentlichen Schlüsseln verfahren werden sollte. So wird bspw. gesagt, dass öffentliche Schlüssel der Geheimhaltung unterlägen und deswegen der Verteidigung nicht zur Verfügung gestellt werden sollten. Darüber hinaus sollte man lediglich JPEG-Dateien nach Außen geben, da eine Begutachtung der ursprünglichen Messdatei auch in den Räumen der Behörde möglich wäre. Diese Empfehlungen sind nicht nachzuvollziehen. Es bestehen keine technischen Gründe, eine Messdatei nicht nach Außen zu geben oder einen öffentlichen Schlüssel geheim zu halten. Warum solche Empfehlungen trotzdem ausgesprochen werden, ist fraglich. Gerichte Vor Gericht wird in der Regel auch für die Frage der Informationssicherheit vom standardisierten Messverfahren ausgegangen: Messdaten werden als unverfälscht angenommen, solange die Verteidigung keine Hinweise auf eine konkrete Manipulation vorbringt. Nur im konkreten Verdachtsfall werden weitere Untersuchungen vorgenommen. Allerdings ist eine entscheidende Voraussetzung, um von einem standardisierten Verfahren auszugehen, dass es dem Stand der Technik entsprechend und korrekt umgesetzt wird. Vereinfacht gesprochen muss das Verfahren sicher sein. Die PTB sollte dies im Rahmen der Zulassung prüfen. In der Informationssicherheit gilt ein Gesamtverfahren nur dann als sicher, wenn jedes Teilverfahren als sicher gilt und korrekt umgesetzt wurde. Soll ein Signaturverfahren Integrität und Authentizität garantieren, ist es nicht ausreichend, dass das Verfahren selbst als sicher gilt, sondern es müssen eine Vielzahl von Voraussetzungen erfüllt sein. So muss bspw. die Herkunft der öffentlichen Schlüssel informationstechnisch zweifelsfrei nachgewiesen werden. Ist nur eine Komponente im Gesamtverfahren fehlerhaft oder unvollständig, ist das Gesamtsystem nicht mehr sicher. Bei einem unsicheren System jedoch wird es abgesehen von offensichtlichen Veränderungen keinen technischen Hinweis auf eine Manipulation geben. 82 Backes/Lorenz/Pecina _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :528 B. Fachübergreifende Problematiken Teil 1 Sollten sich also Hinweise finden, dass die informationstechnische Absicherung eines Messsystems nicht dem Stand der Technik entsprechend umgesetzt wurde, muss zwangsläufig davon ausgegangen werden, dass Manipulationen möglich sind und nicht entdeckt werden können. Die Verteidigung ist folglich vor Gericht gar nicht in der Lage einen Hinweis auf eine Manipulation zu erbringen. Also muss in jedem Einzelfall der Nachweis erbracht werden, dass die Messdatei unverändert ist, falls dies technisch überhaupt möglich ist. Hinsichtlich der praktischen Möglichkeit von Manipulationen zeigt sich ein weiteres Missverständnis von Gerichten, aber auch von anderen Sachverständigen. Es wird angenommen, dass die Durchführung einer Manipulation hochkomplex ist und daher nur von Personen durchgeführt werden kann, die Experten auf dem Gebiet der Informationssicherheit und Kryptografie sind. Dies ist nicht der Fall. Die meisten Menschen können heutzutage einen Computer bedienen, da die entsprechende Software in weiten Teilen sehr einfach zu handhaben ist. Dies trifft leider auch auf Werkzeuge zur Ausnutzung von Sicherheitslücken zu. Diese sind oft kurz nach Bekanntwerden einer Sicherheitslücke im Internet verfügbar. Technisch wäre eine Manipulation ganzer Messreihen mithilfe einer solchen Software in Minuten per Mausklick möglich. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass eine solche Software nicht verfügbar ist. Wenn ein Gericht die Möglichkeit einer Manipulation anerkennt, wird dennoch häufig im Sinne des standardisierten Messverfahrens argumentiert. Dies führt zu der Frage, welche Motivation ein Messbeamter habe, eine Messdatei zu verändern. Doch warum sollten Manipulationen zwangsläufig von informationstechnischen Amateuren, wie z. B. von einem Messbeamten, durchgeführt werden? Manipulationen können auch von Hackern durchgeführt werden, die von Außen in das Netzwerk einer Bußgeldbehörde eindringen. Dass dies nicht völlig abwegig ist, zeigt bspw. ein Fall in Nordrhein- Westfalen. Dort ist Anfang 2012 ein Hacker in das landesweite Polizeinetz eingedrungen, was die temporäre Abschaltung dieses Netzes zur Folge hatte. Fatal dabei ist, dass ohne entsprechende Schutzmaßnahmen ein solcher Angriff nicht zwangsläufig auffällt. Um einen Angriff dennoch mit zumindest hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen zu können, muss eine Behörde in der Lage sein, ihre Sicherungsmaßnahmen darzulegen und zu erläutern. In der Praxis ist dies bislang nur in Ausnahmefällen überzeugend und nachvollziehbar geschehen. Daneben sind an der Auswertung einer einzelnen Messdatei häufig mehrere Personen beteiligt, oft ohne dass dies entsprechend vermerkt wird. Dies reicht bis zur Auswertung von Messdateien als Dienstleistung durch Privatunternehmen. Ein konkreter Fall wurde jüngst im Rahmen einer Verhandlung offenkundig (AG Euskirchen, AZ 31 OWi-227 Js 1997/11-32/12). Physikalisch-Technische Bundesanstalt Die PTB äußerte sich bereits 2008 im Rahmen einer Stellungnahme zur Problematik der Datensicherheit:»Dateien mit den Falldaten (Foto der Messsituation, Mess- und weitere Daten) [können] nur mit dem [!] von der PTB zugelassenen Programmen geöffnet und bearbeitet werden [...]« Backes/Lorenz/Pecina _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :529 Teil 1 Messverfahren Obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere digitale Messgeräte durch die PTB zugelassen waren, lässt diese Aussage an entsprechender Fachkenntnis zweifeln: Es ist im Allgemeinen technisch nicht möglich, das Öffnen von Dateien mit nicht zugelassenen Programmen zu unterbinden. Tatsächlich konnten bereits zum damaligen Zeitpunkt in Messdateien enthaltene Bilddaten mit frei verfügbaren Bildbetrachtungsprogrammen angezeigt werden. Weitere Stellungnahmen durch die PTB sind uns erst wieder aus der zweiten Jahreshälfte 2012 bekannt. Hierzu zählt einerseits eine Vielzahl von individuellen Schreiben an Gerichte, Staatsanwaltschaften und andere Sachverständige und andererseits eine allgemeine Stellungnahme vom Oktober 2012 mit dem Titel»Stellungnahme zur Frage der Manipulierbarkeit signierter Falldateien«. Die individuellen Schreiben enthalten Widersprüche, die die Zweifel an der Fachkenntnis der PTB im Bereich Informationssicherheit verstärken. So wird bspw. in einem Schreiben von Anfang September 2012 bzgl. des Messgeräts ES3.0 gesagt:»das Referenz-Auswerteprogramm [...] ermöglicht die Anzeige der Messdaten [...], vorausgesetzt die Signaturprüfung verläuft erfolgreich. Bei der Signaturprüfung werden mit Hilfe des in der Falldatei enthaltenen öffentlichen Schlüssels die Authentizität und Integrität der Falldatei verifiziert.«im selben Schreiben steht jedoch ein Absatz später:»wenn beide Schlüssel identisch sind und die oben beschriebene Signaturprüfung erfolgreich war, dann sind Integrität und Authentizität der Falldatei zweifelsfrei verifiziert.«hier drängt sich eine interessante Frage auf: Was ist der Unterschied zwischen»verifiziert«und»zweifelsfrei verifiziert«? Warum muss noch ein Schlüsselvergleich durchgeführt werden, wenn angeblich schon die reine Signaturprüfung dazu führt, dass Authentizität und Integrität verifiziert werden? In einem zweiten Schreiben in derselben Sache wird dann jedoch deutlich gemacht:»das Referenz-Auswerteprogramm [...] [kann] nicht selbstständig verifizieren, ob der [...] öffentliche Schlüssel zum betrachteten Messgerät gehört. Deshalb muss man im Zweifelsfall den [...] öffentlichen Schlüssel mit dem am Messgerät angezeigten öffentlichen Schlüssel vergleichen.«damit bestätigt die PTB, dass die in vielen innerstaatlichen Bauartzulassungen existierende Formulierung, die Software würde auf Integrität und Authentizität prüfen, sachlich falsch ist. Folglich hat die von der Software durchgeführte Überprüfung keinerlei Aussagekraft.»Im Zweifelsfall«muss ein Schlüsselvergleich durchgeführt werden. Wiederum stellt sich die Frage, wie ein Zweifelsfall zustande kommen soll. Bemerkenswert an der Aussage der PTB ist auch, dass gesagt wird, für einen Vergleich müsse der öffentliche Schlüssel am Messgerät abgerufen werden. Diese Aussage wird sich in später veröffentlichten Stellungnahmen noch ändern. Ein weiteres Schreiben, das häufig als»dienstliche Erklärung«bezeichnet wird und zumeist an Gerichte verschickt wird, liegt uns in verschiedenen, jeweils leicht 84 Backes/Lorenz/Pecina _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :5210 B. Fachübergreifende Problematiken Teil 1 abgewandelten Varianten vor. Darin geht die PTB konkret auf die Diskrepanz zwischen Anforderungen der PTB und der Wirklichkeit in Form von erteilten Zulassungen und zugelassenen Messgeräten ein. So wird über den WELMEC 7.2 gesagt:»er hat rein empfehlenden Charakter [...]«. Wieso ein Standard, auf den in allen relevanten PTB Anforderungen verwiesen wird und aus dem auch noch die Einhaltung einer spezifischen Risikoklasse gefordert wird, plötzlich nur noch einen»rein empfehlenden Charakter«haben soll, ist nicht nachvollziehbar. Weiterhin sagt die PTB in diesem Zusammenhang:»[...] Deshalb existieren interne Prüfanweisungen, in denen festgelegt wurde, wie die Softwareprüfungen [...] durchzuführen sind.«der WELMEC 7.2, ein öffentlich zugänglicher und prüfbarer Standard, wird also durch»interne Prüfanweisungen«ersetzt. Letztere sind nicht offen gelegt und können somit auch nicht überprüft werden. Die PTB Anforderungen werden auf diese Weise ad-absurdum geführt, denn letztendlich kann die PTB auf diese Weise jederzeit beliebige Angaben darin zu einer reinen Empfehlung abstufen und durch interne Prüfanweisungen ersetzen. Zur Einhaltung der durch das BSI ausgesprochenen Empfehlungen äußert sich die PTB in dem Schreiben wie folgt:»[...] weil bei jeder Erstzulassung eines Geschwindigkeitsüberwachungsgerätes geprüft wird, dass das vorgestellte Gerät dem aktuellen vom BSI definierten Stand der Technik entspricht.«die PTB zieht sich darauf zurück, den Stand der Technik bei der Erstzulassung geprüft zu haben. Manche Messgeräte haben ihre Erstzulassung bereits in den 1980er Jahren erhalten und wurden erst in den 2000er Jahren mit Digitaltechnik nachgerüstet. Folgt man der Logik der PTB, würden also die Anforderungen aus den 1980er Jahren gelten. Zu dieser Zeit hat das BSI noch gar nicht existiert. Davon unabhängig stellt sich die Frage, warum ein Messgerät nur zu einem Zeitpunkt der Erstzulassung dem Stand der Technik entsprechen muss. Wenn sich heute herausstellt, dass ein Messgerät unsicher ist, spielt es keine Rolle, ob es gestern irgendeinem Standard entsprach. Es ist unsicher und darf nicht länger eingesetzt werden. Am Beispiel eines Messgeräts, das erst vor wenigen Jahren zugelassen wurden, lässt sich darüber hinaus nachweisen, dass die Aussage der PTB nicht der Wahrheit entspricht. Die Video-Uhr DAKO-Timer2 LAN wurde am erstmalig zugelassen und verwendet das Hashverfahren MD5. Bereits am hat das BSI in einer Pressemitteilung eindringlich vor der Nutzung von MD5 gewarnt und betont, dass MD5 bereits seit 2004 als unsicher gilt. MD5 wurde darüber hinaus schon im Algorithmenkatalog von 1998 nicht empfohlen. Das Gerät DAKO-Timer2 LAN hat also auch zum Zeitpunkt der Erstzulassung nicht dem vom BSI definierten Stand der Technik entsprochen. Im Schreiben der PTB wird auch zu Softwareaktualisierungen Stellung genommen:»es wurden zur Gewährleistung der Sicherheit zusätzliche Schutzmaßnahmen in der Hardware und der Software umgesetzt, so dass keine regelmäßigen Softwareupdates benötigt werden.« Backes/Lorenz/Pecina _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :5211 Teil 1 Messverfahren Demnach wird Software eingesetzt um Software zu schützen. Dieses Vorgehen ist vielen Computeranwendern bekannt: Man setzt bspw. eine Anti-Virensoftware ein um einen Computer vor einem Befall durch Schadsoftware zu schützen. Jedoch muss gerade die Schutzsoftware sehr regelmäßig (mindestens täglich) mit Aktualisierungen versorgt werden, um wirksam zu sein. Warum die PTB der Meinung ist, dass die Software von Messgeräten oder die dafür eingesetzten Schutzmaßnahmen in der Software eine Ausnahme darstellen sollen, ist nicht nachvollziehbar. Letztendlich ist im Schreiben auch eine Äußerung zum Kerckhoffs schen Prinzip enthalten:»[...] das Kerckhoffs sche Prinzip [ist] Grundgedanke des Signaturkonzepts und der Bauartzulassung [...]: es [!] dürfen nur allgemein anerkannte Verfahren zum Einsatz kommen und diese werden in der Bauartzulassung genannt.«wie in Abschnitt 5 beschrieben, wurden Ende 2012/Anfang 2013 Neufassungen innerstaatlicher Bauartzulassungen sämtlicher digitaler Messgeräte der Firma Jenoptik Robot GmbH veröffentlicht. In allen diesen Neufassungen wurden jegliche Angaben hinsichtlich verwendeter kryptografischer Algorithmen entfernt. Angesichts dieser Entwicklung wirkt die Aussage der PTB beinahe zynisch. Falsch ist sie auf jeden Fall. Trotzdem wird diese Stellungnahme weiterhin verschickt. Dass sich die PTB des offensichtlichen Widerspruchs nicht bewusst ist, ist nicht anzunehmen. Denn der Unterzeichner besagter Stellungnahme ist zumindest in einigen Fällen auch Unterzeichner der entsprechenden Zulassungen. Was die PTB damit bezweckt, das Kerckhoffs sche Prinzip zum Grundgedanken ihrer Bauartzulassungen zu erheben aber gleichzeitig diesem Prinzip genau entgegenzuwirken, bleibt offen. Im Oktober hat die PTB die bereits Eingangs erwähnte allgemeine»stellungnahme zur Frage der Manipulierbarkeit signierter Falldateien«veröffentlicht. Diese beschäftigt sich ausschließlich mit der Frage, ob und wenn ja, wie veränderte Messdateien erkannt werden können. Konkret sagt die Stellungnahme:»Für die Signaturprüfung wird neben dem Referenz-Auswerteprogramm und der zu prüfenden Falldatei der [...] öffentliche Schlüssel benötigt. [...] In Zweifelsfällen kann daher ein Gutachter über das zuständige Eichamt rekonstruieren, welcher öffentliche Schlüssel tatsächlich zu dem betrachteten Messgerät gehört.«dies widerspricht dem oben diskutierten Schreiben der PTB. Dort wird gesagt, dass man den öffentlichen Schlüssel zum Vergleich am Messgerät abrufen muss. Offenbar ist man auch innerhalb der PTB nicht sicher, welches Vorgehen korrekt ist. Außerdem ist ein Schlüsselvergleich über das Eichamt aus den bereits genannten Gründen abzulehnen. Zum Stand der Technik wird nichts ausgeführt. 7. Fazit Digitale Medien liefern im Gegensatz zu analogen Medien von sich aus keinerlei Hinweis auf ihre Integrität oder Authentizität. Es ist problemlos möglich Kopien oder Veränderungen in beliebiger Zahl anzufertigen. Erst technische Maßnahmen wie 86 Backes/Lorenz/Pecina _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :5212 Teil 1 Messverfahren Aus der wie oben beschrieben gemessenen Zeit und den baulich gegebenen Abständen der Sensoren wird sodann die Geschwindigkeit bestimmt. Wie dies genau geschieht, wird vom Hersteller nicht offengelegt, es wird in der Gebrauchsanweisung zum einen auf eine Triggerschaltung und zum anderen auf eine Vormessung über 3 m und eine Korrelationsrechnung verwiesen, mit der die aufgezeichneten Signalverläufe»auf Deckung«gebracht werden. Anhand der durch die Triggerschaltung vorläufig bestimmten Geschwindigkeit, die im Nachhinein durch die Korrelationsanalyse überprüft wird, berechnet der Messrechner eine Zeitdauer, innerhalb derer sich der Punkt am Fahrzeug, auf den sich die Messung bezieht, 3 m vom mittleren Sensor aus gesehen weiterbewegt haben muss, an die sog. Fotoposition. Ein Foto wird gefertigt, wenn die vorläufige Geschwindigkeit den eingestellten Fotogrenzwert erreicht oder überschreitet und der vorläufige gemessene Seitenabstand innerhalb des eingestellten Abstandsbereiches liegt. Zwischen 1 und 3 digitale Messfotos werden dann zum Rechner übertragen, wo die Bilddaten und die bei der Messung entstandenen Werte bei einer gültigen Messung in einer Datei zusammengefasst, signiert, verschlüsselt und dann auf der Festplatte im Rechner gespeichert werden. Falls die Messung verworfen wurde, werden die Bilddaten gelöscht und die Messdaten nur zu statistischen Zwecken (Geschwindigkeitshistogramm) gespeichert. 3. Prüfschema/ES3.0 im Rahmen der Anforderungen an ein standardisiertes Messverfahren a) Handelt es sich um ein zugelassenes Messgerät? Beim Einseitensensor ES3.0 handelt es sich mit der Zulassung vom unter dem Zulassungszeichen 18.11/06.04 um ein zugelassenes Messgerät. b) War das Messgerät zum Tatzeitpunkt gültig geeicht? Gemäß 12 Abs. 1 i. V. m. Anhang B EichO, Ordnungsnummer 18.3 beträgt die Gültigkeitsdauer der Eichung 1 Jahr und beginnt gem. 12 Abs. 3 EichO mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem das Messgerät zuletzt geeicht wurde. Weiterhin erlischt die Eichung nach 13 Abs. 1 Satz 3 EichO vorzeitig, wenn»der Hauptstempel, ein Sicherungsstempel oder Kennzeichnungen nach 7m EichO unkenntlich, entwertet oder vom Messgerät entfernt sind«. Insofern sind der Hauptstempel und die eichamtlichen Sicherungen vor jeder Messung zu prüfen. Diese befinden sich auf der Vorderseite der Rechnereinheit (Hauptstempel, 1 Sicherung des Typenschildes und 2 Sicherungen gegen Öffnen), 238 H.-P. Grün/M. Grün _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :5213 E. Lichtschrankenmessverfahren Teil 1 auf der Rückseite des Anzeige-Bedienteils (1 Sicherung des Typenschildes, 2 Sicherungen gegen Öffnen), am Sensorkopf (1 Sicherung des Typenschildes, 4 Sicherungen gegen Öffnen), an jeder eichpflichtigen Fotoeinrichtung (FE3.0 und FE5.0: 1 Sicherung des Typenschildes, 2 Sicherungen gegen Öffnen) An dieser Stelle sei auch auf die Problematik der Wartung vor der Nacheichung verwiesen (s. Rdn. 172 ff.). c) Wurden die technischen Anforderungen aus Gebrauchsanweisung und innerstaatlicher Bauartzulassung eingehalten? Hierzu zählen die Dokumentation der Fotolinie, die Dokumentation der Fahrstreifenbreiten und des seitlichen Abstandes zwischen Sensor und Fahrbahnrand oder Rand eines im Messprotokoll festgelegten Fahrstreifens. Ebenso müssen die Hinweise zur Ausrichtung des Sensorkopfes befolgt werden. Insbesondere ist zu klären, ob die Fahrbahnneigung in Fahrtrichtung korrekt mit der Neigungswasserwaage auf den Sensorkopf übertragen und nach der Messung (zumeist mindestens noch zu Messende) überprüft worden ist. Zur Nachkontrolle heißt es unter Punkt 8.4. der Gebrauchsanweisung:»Der Sensorkopf ist bei Messende nochmals mit der Neigungswasserwaage zu prüfen. Geringfügige Abweichungen sind dabei vernachlässigbar. Sollte sich der Sensorkopf deutlich abgesenkt haben, dürfen die Messungen seit der letzten Überprüfung nicht verwendet werden.«dabei ist wieder nicht geklärt, was unter einem wesentlichen Absenken zu verstehen ist. Jedenfalls sollte die fehlende Nachkontrolle ein Problem darstellen. d) Fotolinie Mit der Funktion»Fotolinie«im Kameradialog des Bedienprogramms wird ein entsprechendes Foto zur Dokumentation der Fotolinie aufgenommen. Zur Visualisierung der Fotolinie kann deren Position mit Leitkegeln, Kreidestrichen, Reflexfolie, Nägeln etc. am Fahrbahnrand oder in der Fahrbahnmitte markiert werden. Wird ein Leitkegel oder eine Warnbake oft auch als»klemmfix«bezeichnet zur Markierung der Fotolinie verwendet, so muss dessen/deren Aufstandspunkt, bzw. -fläche im Foto zu sehen sein. Kritisch können an dieser Stelle Dokumentationsfotos werden, bei deren Fertigung die Kamera sehr niedrig positioniert war (vgl. Abbildung 30). Hier kommt es durch die schlechte Perspektive zu einer deutlichen Stauchung in Fahrtrichtung. Man sieht im Beispiel, dass ein Radstand von fast 3 m auf 4 Bildpunkte gestaucht wird. Umgemünzt auf die Fotolinie, bzw. Fotoposition bedeutet dies, dass die Fotoposition bedingt durch die Diskretisierung des Abstands in Form der Bildpixel nur in Schritten von 0,75 m bestimmt werden kann H.-P. Grün/M. Grün _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :5214 Teil 1 Messverfahren Zur Verdeutlichung ist die Situation hier noch einmal durch eine Simulation nachgestellt. Abbildung 31 a.) zeigt eine Aufstellung vergleichbar mit Abbildung 30. Im Gegensatz dazu zeigt Abbildung 31 b.) die gleiche Verkehrssituation, wie sie mit erhöht aufgestellter Kamera dokumentiert würde. Um eine zweifelsfreie Messwertzuordnung zu gewährleisten, muss die Position der Fotolinie für jede überwachte Fahrtrichtung nachzuvollziehen sein. Wurde die Fotolinie nicht fotografisch dokumentiert, so ist sie nur durch Auswertung der Bilddateien einer Messserie zu ermitteln. Da zwischenzeitlich im Messbetrieb Fahrzeugpositionen abweichend von der Fotolinie anzutreffen sind, ist ein Messfoto einer zweiten Messung zur Dokumentation der Fotolinie offensichtlich nicht ausreichend. Hier ist jeweils die Auswertung der gesamten Messsequenz einer Messörtlichkeit erforderlich. Abbildung 30 Fotolinie: schlecht auszuwertende Perspektive durch zu niedrig positionierte Kamera a.) b.) Abbildung 31 Fotolinie: Einfluss der Aufstellhöhe der Kamera auf die Perspektive 240 H.-P. Grün/M. Grün _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :5215 E. Lichtschrankenmessverfahren Teil 1 e) Dokumentation der Fahrstreifenbreiten Wird eine Messreihe auf einer mehrspurigen Straße durchgeführt, so muss der Abstand des Sensorkopfes zum Fahrbahnrand gemessen und im Messprotokoll vermerkt werden (Pkt Gebrauchsanweisung), um eine eindeutige Messwertzuordnung bei parallel fahrenden Fahrzeugen zu gewährleisten (vgl. Abbildung 32) Abbildung 32 Messwertzuordnung: das Fzg. auf dem 2. Fahrstreifen ist gemessen worden, wenn die Summe der Abstände bis zum 2. Fahrstreifen +/- 1 m gleich dem gemessenen Abstand zum Fzg. ist. Ebenso müssen die Fahrstreifenbreiten an einer Messstelle mit einer Auflösung von < 10 cm bekannt sein (Pkt Gebrauchsanweisung). Eine Veränderung des Abstandes während der Messung ist gegebenenfalls im Messprotokoll zu vermerken. f) Abbildung der Fahrstreifen Die Abstandsmessung ist nur auf +/- 1 m genau. D. h. ein Messwert von bspw. 10 m kann in einem Entfernungsbereich von 9 m bis 11 m gebildet worden sein. Als Folge davon ist darauf zu achten, dass ein ausreichend großer Bereich (je 2 m) auf beiden Seiten neben dem abgebildeten Fahrzeug zusätzlich abgebildet ist. Es kann sonst unter Umständen nicht ausgeschlossen werden, dass sich ein weiteres Fahrzeug im Messbereich befand, dem der Messwert ebenfalls zugeordnet werden könnte. Dies gilt nicht nur für die dem Sensorkopf zugewandte Seite des abgebildeten Fahrzeuges, denn wie in der Gebrauchsanweisung vom ausgeführt, kann es bei besonders niedriger Aufstellung des Sensorkopfes auch zu der Situation kommen, H.-P. Grün/M. Grün _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :5216 Teil 1 Messverfahren dass von einem Fahrzeug Messwerte auf der vom Sensor abgewandten Seite gebildet werden g) Ausrichtung des Sensorkopfes Damit jede Art von geometrisch bedingten Abweichungen bei der Messung ausgeschlossen werden können, ist die Ausrichtung des Sensorkopfes in drei Richtungen zu beachten. h) Ausrichtung parallel zur Fahrtrichtung»Verkürzung der Messbasis«Insbesondere ist zu klären, ob die Fahrbahnneigung in Fahrtrichtung korrekt mit der Neigungswasserwaage auf den Sensorkopf übertragen und nach der Messung (zumeist mindestens noch zu Messende) überprüft worden ist. Ist dies der Fall, so fallen etwaige Abweichungen der Neigungen von Fahrbahn und Sensorkopf unter die Verkehrsfehlergrenze. Ist dies nicht der Fall, so muss ein zusätzlicher Toleranzabzug von 1 km/h erfolgen, da durch den Kosinus-Effekt der Messwert zu hoch ausfällt. Der Effekt ist minimal. Die prozentuale Abweichung bei 1 Abweichung beträgt nur 0,015 %, jedoch sind grenzwertige Messwertbildungen nie auszuschließen. Gemäß PTB sind Abweichungen bis 2 tolerabel. Diese Annahme ist nur dann gültig, wenn sich diese Aussage auf Abweichungen bezieht, die bei der bestimmungsgemäßen Verwendung des Messgerätes auftreten. Dann fallen derartige Abweichungen unter die Verkehrsfehlergrenze. i) Ausrichtung senkrecht zur Fahrtrichtung Die zweite Ausrichtung ist diejenige in einem Winkel von 90 Grad queraxial zur Fahrtrichtung der gemessenen Fahrzeuge. Wird dieser Winkel nicht eingehalten, so hat das im Hinblick auf die Höhe des Messwertes zunächst keinen nachteiligen Einfluss für das gemessene Fahrzeug: durch die Schrägstellung außerhalb der 90 Grad wird zunächst die Messbasis verlängert, da das Fahrzeug die drei»lichtschranken«schräg durchfährt. j) Ausrichtung senkrecht zur Fahrtrichtung»Blickrichtung des Sensorkopfes«Die dritte Ausrichtung, die beachtet werden soll, ist die fahrbahnparallele Ausrichtung queraxial zur Fahrtrichtung (Längsneigung der Blickachse des Sensors), damit über die Fahrbahn hinweg. Insbesondere bei Messungen in der Dunkelheit soll dadurch bei richtiger Wahl der Aufstellhöhe der Scheinwerfer als messauslösender Helligkeitsimpuls genutzt werden können. Weiterhin kann über diese Ausrichtung der Gegenverkehr oder ein unruhiger Hintergrund»ausgeblendet«werden, indem der Sensorkopf auf einer erhöhten Stativposition aufgestellt und dann nach unten geneigt wird. 242 H.-P. Grün/M. Grün _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :5217 E. Lichtschrankenmessverfahren Teil 1 Die Einstellung der Längsneigung mit der Neigungswasserwaage ist also nicht zwingend erforderlich. k) Ist das Messergebnis unter den gegebenen Bedingungen mit den Erwartungen der Gebrauchsanweisung vereinbar? aktuelle Schwächen Sofern das offensichtlich gemessene Fahrzeug mit der Fahrzeugfront an der Fotolinie abgebildet ist und der Messwert auch über die seitliche Abstandsmessung nach der Gleichung Abstand = Abstand Straße + Fahrstreifenbreiten der zwischen Sensor und Fahrzeug freien Fahrstreifen + Abstand vom Rand des befahrenen Fahrstreifens bis zum Fahrzeug mit einer Genauigkeit von +/- 1 m diesem Fahrzeug zuzuordnen ist, ist eine Messung im Sinne des standardisierten Messverfahrens nicht zu beanstanden. Sollte jedoch die Fotoposition deutlich abweichen, so ist die Messung auf jeden Fall kritisch zu bewerten. Die Abweichung der Fotoposition kann auf mehrere verschiedene Situationen zurückgeführt werden. 1. eine fehlerhafte Messwertzuordnung bei der Auswertung. In dieser Situation fällt neben der abweichenden Fotoposition außerdem auf, dass der gemessene Abstand nicht dem seitlichen Abstand des abgebildeten Fahrzeuges zum Sensorkopf entspricht. 2. Die Messwertbildung erfolgte nicht durch die Front des abgebildeten Fahrzeuges. Eine derartige Situation war zu Beginn des Messbetriebes mit diesem Gerät nicht vorgesehen. Einen Erklärungsversuch gab der Hersteller mit der Einführung einer neuen Gebrauchsanweisung am ab: die vorläufige Messwertbildung könne auch durch Lichteffekte wie vorauseilende Schatten erfolgen. Im Gegensatz zu den Messverfahren µp80 und ES1.0, für die Kameraauslöseverzögerungen o. ä. bekannt waren, um die Messung im Nachhinein wenn nicht auf Genauigkeit, so doch wenigstens auf Plausibilität prüfen zu können, gibt der Hersteller beim ES3.0 keine wesentlichen Informationen mehr preis. Die einzige offensichtliche Möglichkeit, eine Messung mit ES3.0 auf Plausibilität prüfen zu können, stellt die Position des gemessenen Fahrzeugs relativ zur Fotolinie dar. In der Gebrauchsanweisung heißt es diesbezüglich jedoch, dass die Fotolinie nur der eindeutigen Messwertzuordnung bei mehr als einem abgebildeten Fahrzeug diene. Zudem werden mehr und mehr Erklärungen für Ausnahmesituationen in die Gebrauchsanweisung aufgenommen (Heckleuchte im Dunkeln, vorauseilende Schatten etc.), sodass es für annähernd jede Abweichung der Fotoposition eine mögliche, aber keinesfalls hinreichende Erklärung gibt. Im Rahmen der Untersuchung der Sicherheit von eso-dateien hat die VUT festgestellt, dass in diesen Dateien neben den offensichtlichen Informationen wie das Bild und Textinformationen auch die der Messung zu Grunde liegenden Messdaten der Sensoren gespeichert sind H.-P. Grün/M. Grün _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :5218 Teil 1 Messverfahren Das Funktionsprinzip der Geschwindigkeitsmessung basiert auf Helligkeitsverläufen, die mittels 5 nebeneinander montierten fotoelektrischen Sensoren gemessen werden. Bewegt sich ein Fahrzeug an der aufgestellten Sensoreinheit ES 3.0 vorbei, so entsteht durch eine nachgeschaltete Elektronik ein Messsignal, das dem Helligkeitsverlauf der installierten Sensoren entspricht. Das Messsignal wird anschließend digitalisiert und für die Auswertung mit einer Rechnereinheit aufbereitet und gespeichert. Zur Messwertbildung an sich ist nach offiziellen Angaben nur bekannt, dass zur Bestimmung des Zeitversatzes zwischen zwei Helligkeitsverläufen und deren Grad an Übereinstimmung eine Korrelationsrechnung zum Einsatz kommt. Bei einer theoretischen Betrachtung der internen Abläufe seien zunächst fünf identisch aufgebaute, wirkende und ideale Foto-Sensoren unterstellt. Werden auch die Unterschiede in der elektronischen Aufbereitung der Signale idealisiert müssten die resultierenden Helligkeitsverläufe sich an allen installierten Foto-Sensoren gleichartig darstellen. Bei dem bekannten Abstand zwischen den installierten Foto-Sensoren ergäbe sich demzufolge der Geschwindigkeitswert aus der Division von Wegstrecke (Abstand zwischen den Sensoren) und dem zeitlichen Abstand, der sich z. B. aus der Zeitdifferenz zwischen einzelnen Maxima/Minima der Signale von Sensor 1 und Sensor 2 ergibt (sog.»triggermessung«, vgl. Gebrauchsanweisung) oder aus einer Korrelationsrechnung (vgl. ebenfalls Gebrauchsanweisung). Da jedoch in einem realen Messgerät keine idealen Bauelemente vorhanden sind, ergeben sich aus einer Vielzahl von Einflüssen, wie zum Beispiel: Physikalische Unterschiede der Sensoren Änderung der gemessenen Helligkeit unabhängig vom gemessenen Fahrzeug (z. B. Schatten, Scheinwerfer, Lichtreflexe) Signallaufzeitunterschiede usw. unterschiedliche Signalverläufe, die u. U. nicht dem unmittelbar vorbeifahrenden und zu messenden Fahrzeug zuzurechnen sind. Gleichwohl ändert sich an dem physikalischen Funktionsprinzip nichts. Bei einem realen Messgerät wird gegenüber der theoretischen Betrachtung das Auffinden der identischen Helligkeitsverläufe jedoch wesentlich aufwendiger. Die durch die realen Bedingungen entstehenden Signalverläufe werden erwartungsgemäß eine Vielzahl von kleineren und größeren Helligkeitsunterschieden aufweisen, die durch die oben aufgeführten Einflüsse verursacht werden. Zur weiteren Vereinfachung für die anschließende Signalverarbeitung ist das grundsätzliche Verhalten der Sensoren nach wie vor als gleichartig anzusetzen. Demzufolge müssen die Signalverläufe (Helligkeitsverläufe) der einzelnen Sensoren sich grundsätzlich gleichartig verhalten. Bei der Signalanalyse durch die Korrelationsrechnung wird der Helligkeitsverlauf des Sensors 1 zum Beispiel mit dem Helligkeitsverlauf des Sensors 2 verglichen. Der zeitliche Versatz, bei dem das Maximum der Korrelation auftritt, wird anschließend wiederum zur Gewinnung der Geschwindigkeit herangezogen. 244 H.-P. Grün/M. Grün _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :5219 E. Lichtschrankenmessverfahren Teil 1 Im Bereich der Signalanalyse wird für den Vergleich zweier Signalverläufe die so genannte Korrelationsrechnung benutzt. Die Methode ist in weiten Bereichen der Wissenschaft anerkannt und in zahlreichen Fakultäten gängiges Handwerkszeug. In der Praxis bedeutet dies, dass ein digitalisiertes Signal über eine mathematische Funktion zeitlich verschoben wird. Im vorliegenden Fall wird das erste Signal solange zeitlich verschoben, bis die größte Korrelation (sprich Übereinstimmung) mit dem zweiten Sensorsignal erreicht wird. Der so ermittelte Zeitversatz entspricht der Zeit, die das die Signale verursachende Objekt benötigt, um sich von Sensor 1 zu Sensor 2 in unserem Beispiel zu bewegen. Diese Zeit kann für die Berechnung der Geschwindigkeit verwendet werden. Hierzu wird die Korrelation entsprechend normiert als Wert zwischen , wobei -1 einer gegenläufig gleichen Entwicklung der Signale und 1 einer identischen Entwicklung entspricht. Liegen zwei Signale vor, die gar nicht übereinstimmen (etwa weißes Rauschen), nimmt die Kreuzkorrelationsfunktion für alle Zeitverschiebungen den Wert 0 an. Alle realen Signale ergeben Kurven, die zwischen diesen beiden Extremen liegen. Da keine Informationen vorliegen, ob und ggf. wie eine Nachbearbeitung der Signale im Gerät erfolgt, wurde zur Bewertung der Messkurven die Kreuzkorrelationsfunktion zwischen zwei Signalen jeweils über die gesamte Aufzeichnungsdauer gebildet, ohne die Signale in irgendeiner Art zu verändern, insbesondere zu filtern. uu Hinweis: Die oben beschriebenen Unterschiede zwischen der theoretischen Analyse der Signale und der realen Bewertung im Gerät kann aufgrund der Hardwareeinflüsse und der nicht bekannten zusätzlichen Signalverarbeitung innerhalb des Gerätes zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, ohne dass dabei der theoretische Betrachtungsansatz fehlerhaft ist Eine reale Messung ist zunächst einmal umso weniger kritisch, je eindeutiger sich der Maximalausschlag der Kreuzkorrelationsfunktion vom Rest der Funktion abhebt. Eine Spezialform hiervon ist die reine Heckmessung, bei der lediglich ein Punkt (Heckleuchte) einen signifikanten Beitrag zur Messwertbildung liefert. Ein Maß für die Güte der Korrelation zwischen zwei Signalen ist der Korrelationskoeffizient. Bei Korrelationskoeffizienten über 0,7 wird die Korrelation zwischen zwei Signalen in der Literatur als hoch und über 0,9 als sehr hoch bezeichnet (vgl. etwa S. 18 in»multivariate Datenanalyse: für die Pharma-, Bio- und Prozessanalytik«, Wiley-VCH-Verlag). Vor diesem Hintergrund sollte ein Messwert, wenn er in die Berechnung der Geschwindigkeit eingeht, nicht auf einem Korrelationskoeffizienten von weniger als 0,7 basieren. uu Hinweis: Für einen Algorithmus zur reinen Suche des Maximums einer Funktion ist es unerheblich, wie hoch der Wert des absoluten Maximums ist. Damit ist zumindest H.-P. Grün/M. Grün _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :5220 Teil 1 Messverfahren theoretisch nicht auszuschließen, dass bei der Anwendung dieses Algorithmus auf die Kreuzkorrelationsfunktion zwar ein Zeitversatz für ein absolutes Maximum bestimmt wird, dieser aber nicht mit der zu bestimmenden tatsächlichen Geschwindigkeit des gemessenen Objektes übereinstimmt. Dies ist etwa dann der Fall, wenn das Gesamtsignal aus mehreren Anteilen besteht, die sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit fortbewegen. Der Wert von 0,7 wird allgemein als derjenige Wert angesetzt, ab dem von einer Gleichartigkeit der Signale ausgegangen werden kann. Bei der Untersuchung von Messdateien waren insbesondere vier verschiedene Situationen zu unterscheiden: 1. Messungen, bei denen das Fahrzeug eine plausible Position relativ zur Fotolinie einnimmt zudem der gemessene seitliche Abstand der Position im befahrenen Fahrstreifen im Rahmen der Messtoleranz entspricht und die Korrelationsrechnung keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten liefert. a.) Messfoto b.) in der Falldatei enthaltene Rohdaten c.) normierte Kreuzkorrelationsfunktion Abbildung 33 Auswertung einer eso-datei:»unauffällige«messung 1044 Im Rahmen der Untersuchung von vorliegenden Datensätzen wurde festgestellt, dass üblicherweise die Rohdaten einer Messung am Tag so aussehen, dass die jeweilige Kurve zu Beginn und zu Ende der Aufzeichnung»glatt«und ohne wesentliche Ausschläge verläuft. Der nächste Abschnitt der Aufzeichnung besteht aus einem»paket«246 H.-P. Grün/M. Grün _Burhoff_Gru n_messverfahren.indb :52 Mehr anzeigen
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