Source: https://www.mittelstands-anwaelte.de/Bundesgerichtshof-entscheidet-zum-Kuendigungsschutz-von-Studentenzimmern-06-2012/
Timestamp: 2019-11-14 04:27:21
Document Index: 365721011

Matched Legal Cases: ['§ 549', '§ 573', 'BGH', '§ 573', '§ 549', '§ 549', '§ 549']

Bundesgerichtshof entscheidet zum Kündigungsschutz von Studentenzimmern ( 06 / 2012 ) | DASV - Die Deutsche Anwalts- und Steuerberatervereinigung für die mittelständische Wirtschaft e.V.
Bun­des­ge­richts­hof ent­schei­det zum Kün­di­gungs­schutz von Stu­den­ten­zim­mern ( 06 / 2012 )
(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat soeben eine Ent­schei­dung dazu getrof­fen, wann ein Gebäu­de als Stu­den­ten­wohn­heim im Sin­ne des § 549 Abs. 3 BGB zu qua­li­fi­zie­ren ist, für das der sozia­len Kün­di­gungs­schutz des § 573 BGB nicht ein­greift.
Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein” der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 13.06.2012 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az.: VIII ZR 92/11.
Der Beklag­te mie­te­te im Febru­ar 2004 vom Klä­ger ein Zim­mer in einem als “Stu­den­ten­wohn­heim” bezeich­ne­ten Anwe­sen. Die Bau­ge­neh­mi­gung war 1972 für ein Stu­den­ten­wohn­heim erteilt wor­den. 63 der dar­in befind­li­chen Wohn­ein­hei­ten waren aus Lan­des­son­der­mit­teln zur För­de­rung von Stu­den­ten­wohn­hei­men öffent­lich geför­dert wor­den, wobei die Preis­bin­dung inzwi­schen abge­lau­fen ist. Das Anwe­sen ver­fügt über 67 Wohn­räu­me, von denen min­des­tens vier nicht an Stu­den­ten ver­mie­tet sind. Die möblier­ten Zim­mer sind etwa 12 m² groß, wobei Küche, Sani­tär­an­la­gen und Wasch­räu­me als Gemein­schafts­räu­me aus­ge­führt sind. Die gegen­wär­ti­ge monat­li­che Tei­lin­k­lu­siv­mie­te des Beklag­ten beträgt 190 €. Die Miet­ver­trä­ge sind regel­mä­ßig auf ein Jahr befris­tet und ver­län­gern sich um ein Semes­ter, wenn nicht drei Mona­te vor Semes­ter­en­de schrift­lich gekün­digt wird. Die Ver­weil­dau­er der Mie­ter ist sehr unter­schied­lich.
Am 27. Dezem­ber 2008 kün­dig­te der Klä­ger dem Beklag­ten schrift­lich unter Hin­weis auf “Het­ze­rei­en und Rei­be­rei­en gegen­über uns und Drit­ten” zum 31. März 2009. Der Klä­ger meint, die Kün­di­gung sei auch ohne Dar­le­gung eines berech­tig­ten Inter­es­ses gemäß § 573 BGB wirk­sam, da die­se Vor­schrift gemäß § 549 Abs. 3 BG nicht anwend­bar sei; es han­de­le sich um ein Stu­den­ten­wohn­heim.
Das Amts­ge­richt hat den Beklag­ten antrags­ge­mäß zur Räu­mung und Her­aus­ga­be ver­ur­teilt. Auf die Beru­fung des Beklag­ten hat das Beru­fungs­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen.
Die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ger­sei­te hat­te kei­nen Erfolg, so Klar­mann.
Der unter ande­rem für das Wohn­raum­miet­recht zustän­di­ge VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts, dass es sich bei dem Anwe­sen des Klä­gers nicht um ein Stu­den­ten­wohn­heim im Sin­ne des § 549 Abs. 3 BGB han­delt, bestä­tigt. Aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 549 Abs. 3 BGB ergibt sich, dass der Gesetz­ge­ber die in die­ser Norm ent­hal­te­ne Ein­schrän­kung des sozia­len Mie­ter­schut­zes nur vor dem Hin­ter­grund des als höher gewich­te­ten Ziels für gerecht­fer­tigt gehal­ten hat, mög­lichst vie­len Stu­die­ren­den das Woh­nen in einem Stu­den­ten­wohn­heim zu ermög­li­chen und dabei alle Bewer­ber gleich zu behan­deln.