Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Weisungsrecht_Ausgrenzung_LAG_Rheinland-Pfalz_8Sa26-09.html
Timestamp: 2017-06-29 15:51:18
Document Index: 326331359

Matched Legal Cases: ['§ 69', '§ 81', '§ 106', '§ 611', '§ 97', '§ 72', '§72']

Ak­ten­zei­chen:8 Sa 26/092 Ca 1180/08ArbG Kai­sers­lau­ternUr­teil vom 17.06.2009
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kai­sers­lau­tern vom 20.11.2008, Az.: 2 Ca 1180/08, wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen An­ord­nung, nach de­ren In­halt der Kläger sei­ne Ar­beits­leis­tung täglich in der Zeit von 4.00 Uhr bis 12.12 Uhr er­brin­gen soll.
Der am 31.03.1974 ge­bo­re­ne, ver­hei­ra­te­te und zwei Kin­dern zum Un­ter­halt ver­pflich­te­te Kläger ist seit dem 01.03.2003 bei der Dienst­stel­le W Com­mis­sa­ry der US-Sta­tio­nie­rungs­streit­kräfte als La­ger- und Ver­kaufs­an­ge­stell­ter beschäftigt. In die­ser Dienst­stel­le wird in zwei Schich­ten ge­ar­bei­tet. Die Tag­schicht be­ginnt zwi­schen 6.00 Uhr und 7.00 Uhr und en­det zwi­schen 15.00 Uhr und 16.00 Uhr; die Nacht­schicht be­ginnt um 21.30 Uhr und en­det um 5.42 Uhr.
Ursprüng­lich wur­de der Kläger durchgängig in der Tag­schicht ein­ge­setzt. Am 15.10.2006 kam es zwi­schen dem Kläger und sei­ner Ar­beits­kol­le­gin V zu ei­ner Aus­ein­an­der­set­zung. We­gen die­ses Vor­falls wur­de dem Kläger mit Schrei­ben vom 20.10.2006, hin­sicht­lich des­sen In­halt auf Bl. 107 f. d. A. Be­zug ge­nom­men wird, ei­ne Ab­mah­nung er­teilt. Nach dem Vor­fall vom 15.10.2006 ar­bei­te­te der Kläger zu­min­dest während der letz­ten bei­den Ok­to­ber­wo­chen auf­grund ei­ner An­ord­nung je­weils in der Zeit von 4.00 Uhr bis 12.12 Uhr. Wie sich sei­ne Ar­beits­zeit ab No­vem­ber 2006 ge­stal­te­te, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig. Während der Kläger dies­bezüglich vorträgt, er sei wie­der durchgängig in der Tag­schicht ein­ge­setzt wor­den, ar­bei­te­te er - nach Be­haup­tung der Be­klag­ten - wei­ter­hin täglich in der Zeit von 4.00 Uhr bis 12.12 Uhr.
Mit Schrei­ben vom 06.08.2007 kündig­ten die US-Streit­kräfte das Ar­beits­verhält­nis frist­los so­wie mit Schrei­ben vom 20.08.2007 vor­sorg­lich auch or­dent­lich zum 30.11.2007. Mit Ur­teil vom 15.11.2007 (AZ: 8 Ca 1158/07) hat das Ar­beits­ge­richt Kai­sers­lau­tern fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis des Klägers durch kei­ne die­ser bei­den Kündi­gun­gen auf­gelöst wor­den ist. Die ge­gen die­ses Ur­teil von der Be­klag­ten ein­ge­leg­te Be­ru­fung (LAG Rhein­land-Pfalz - 8 Sa 803/07 -) blieb er­folg­los. Mit Schrei­ben sei­ner Dienst­stel­le (oh­ne Da­tum) wur­de der Kläger dar­auf­hin auf­ge­for­dert, am 01.05.2008 sei­ne Ar­beit wie­der auf­zu­neh­men und fort­an täglich in der Zeit von 23.00 Uhr bis 7.12 Uhr zu ar­bei­ten. Auf die dies­bezüglich vom Kläger er­ho­be­ne Kla­ge hat das Ar­beits­ge­richt Kai­sers­lau­tern (AZ: 7 Ca 533/08) mit Ur­teil vom 03.07.2008 fest­ge­stellt, dass die US-Sta­tio­nie­rungs­streit­kräfte nicht be­rech­tigt sind, die Ar­beits­zei­ten des Klägers da­hin­ge­hend zu ändern, dass die­ser mit Wir­kung vom 01.05.2008 ver­pflich­tet ist, sei­ne Ar­beits­leis­tung täglich in der Zeit von 23.00 Uhr bis 7.12 Uhr zu er­brin­gen.
Dar­auf­hin er­ging ge­genüber dem Kläger die schrift­li­che An­wei­sung, sei­ne Ar­beits­leis­tung ab dem 25.08.2008 je­weils in der Zeit von 4.00 Uhr bis 12.12 Uhr zu er­brin­gen. Ge­gen die­se An­ord­nung rich­tet sich die vom Kläger am 27.08.2008 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­reich­te Kla­ge.
Von ei­ner wei­ter­ge­hen­den Dar­stel­lung des un­strei­ti­gen Tat­be­stan­des so­wie des erst­in­stanz­li­ches strei­ti­gen Par­tei­vor­brin­gens wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG ab­ge­se­hen. In­so­weit wird Be­zug ge­nom­men auf den Tat­be­stand des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Kai­sers­lau­tern vom 20.11.2008 (Bl. 54 f. d. A.).
fest­zu­stel­len, dass die US-Streit­kräfte nicht be­rech­tigt sind, die Ar­beits­zei­ten des Klägers da­hin­ge­hend zu ändern, dass die­ser mit Wir­kung zum 25.08.2008 ver­pflich­tet ist, sei­ne Ar­beits­leis­tung täglich in der Zeit von 4.00 Uhr bis 12.12 Uhr zu er­brin­gen.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge mit Ur­teil vom 20.11.2008 statt­ge­ge­ben. Zur Dar­stel­lung der maßgeb­li­chen Ent­schei­dungs­gründe wird auf die Sei­ten 4 f. die­ses Ur­teils (= Bl. 56 f. d. A.) ver­wie­sen.
Ge­gen das ihr am 19.12.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Be­klag­te am 14.01.2009 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 19.02.2009 be­gründet.
Die Be­klag­te macht im We­sent­li­chen Gel­tend, die ge­genüber dem Kläger er­gan­ge­ne An­ord­nung, sei­ne Ar­beits­leis­tung in der Zeit von 4.00 Uhr bis 12.12 Uhr zu er­brin­gen, sei vom ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Di­rek­ti­ons­recht ge­deckt und ent­spre­che auch bil­li­gem Er­mes­sen. Bei dem der Ab­mah­nung vom 20.10.2006 zu­grun­de lie­gen­den Vor­fall ha­be der Kläger die Mit­ar­bei­te­rin V im Rah­men ei­nes Streit­gespräches an­ge­schrien. Im Rah­men die­ser Aus­ein­an­der­set­zung ha­be der Kläger die be­tref­fen­de Mit­ar­bei­te­rin an der Na­se berührt. Frau V, die we­gen die­ses Vor­falls Straf­an­zei­ge ge­gen den Kläger ge­stellt ha­be, sei in­fol­ge der Aus­ein­an­der­set­zung für ca. 1½ Mo­na­te ar­beits­unfähig krank ge­we­sen. Die Mit­ar­bei­te­rin, die als schwer­be­hin­der­ter Mensch an­er­kannt sei, sei auch durch den Vor­fall vom 15.10.2006 trau­ma­ti­siert. Sie ha­be in der Fol­ge­zeit der Ar­beit­ge­be­rin mit­ge­teilt, dass es ihr aus ge­sund­heit­li­chen Gründen nicht mehr möglich sei, mit dem Kläger zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Dies wer­de auch durch ein ärzt­li­ches At­test vom 09.01.2009, dem ein ho­her Be­weis­wert zu­kom­me, bestätigt. Auf­grund des ab­ge­mahn­ten Vor­falls und der An­ga­be von Frau V, mit dem Kläger aus ge­sund­heit­li­chen Gründen nicht mehr zu­sam­men­ar­bei­ten zu können, sei­en die Ar­beits­zei­ten des Klägers und die­je­ni­gen von Frau V so fest­ge­legt wor­den, dass es zu kei­nen zeit­li­chen Über­schnei­dun­gen mehr kom­me. Hier­durch soll­te si­cher­ge­stellt wer­den, dass die bei­den Ar­beit­neh­mer sich in der Dienst­stel­le nicht mehr träfen. Bei der Fest­le­gung der Ar­beits­zeit sei zu berück­sich­ti­gen ge­we­sen, dass ein ärzt­li­ches At­test von Frau V vor­lie­ge, nach des­sen In­halt sie aus ge­sund­heit­li­chen Gründen nachts nicht ar­bei­ten dürfe. Sie wer­de des­halb in der Zeit von 12.30 Uhr bis 20.42 Uhr bzw. von 13.30 Uhr bis 21.42 Uhr beschäftigt. Der Kläger könne zahl­rei­che Ar­bei­ten be­reits ab 4.00 Uhr ausführen, z. B. die Be­stel­lung von Wa­ren. Auf Kun­den­ver­kehr sei er in­so­weit nicht an­ge­wie­sen. Es tref­fe nicht zu, dass der Kläger auch nach dem Vor­fall vom 15.10.2006 noch mit der Mit­ar­bei­te­rin V zu­sam­men­ge­ar­bei­tet ha­be. Zu berück­sich­ti­gen sei auch, dass die US-Streit­kräfte nach § 81 Abs. 4 SGB IX ver­pflich­tet sei­en, die Ar­beit­neh­me­rin V so zu beschäfti­gen, dass sie ih­re Ar­beitsfähig­keit weit­ge­hend ent­fal­ten könne.
Der Kläger ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil und macht im We­sent­li­chen gel­tend, für die streit­be­fan­ge­ne An­ord­nung ge­be es kei­nen Grund. Es sei be­reits nicht er­sicht­lich, wel­che Tätig­kei­ten er bei ei­nem Ar­beits­be­ginn um 4.00 Uhr mor­gens ausführen könne. Die Ar­beits­zeitände­rung sei auch nicht im Hin­blick auf ver­meint­li­che Pro­ble­me zwi­schen ihm und der Ar­beit­neh­me­rin V ge­recht­fer­tigt. Frau V sei auf­grund des Vor­falls vom 15.10.2006 kei­nen ein­zi­gen Tag ar­beits­unfähig ge­we­sen. Ge­ra­de­zu pa­ra­dox sei die Be­haup­tung, die be­tref­fen­de Mit­ar­bei­te­rin sei auf­grund des Vor­falls trau­ma­ti­siert und nicht mehr in der La­ge, mit ihm zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Ab No­vem­ber 2006 ha­be er wie­der durch­ge­hend zu sei­nen frühe­ren Ar­beits­zei­ten zwi­schen 7.00 Uhr und 15.42 Uhr ge­ar­bei­tet. Hier­bei sei er auch tagtäglich mit der Ar­beit­neh­me­rin V zu­sam­men­ge­trof­fen, oh­ne dass es da­bei zu den ge­rings­ten Pro­ble­men ge­kom­men sei. Bei ei­ner Ände­rung sei­ner Ar­beits­zei­ten ent­spre­chend der streit­ge­genständ­li­chen An­ord­nung wäre er der ein­zi­ge Mit­ar­bei­ter, der sei­ne Ar­beit früh mor­gens um 4.00 Uhr be­gin­ne und den Ar­beits­platz um 12.12 Uhr wie­der ver­las­se. Auch sei­ne Pau­sen­zeit wäre ei­ne an­de­re als die­je­ni­ge sämt­li­cher an­de­rer Ar­beit­neh­mer, was zu ei­ner nicht hin­nehm­ba­ren Aus­gren­zung in­ner­halb der Dienst­stel­le führen würde. Die Ar­beits­zeitan­ord­nung sei nach al­le­dem sach­grund­los, willkürlich und un­ter gro­ber Miss­ach­tung sei­ner be­rech­tig­ten In­ter­es­sen er­folgt.
Zur Dar­stel­lung al­ler Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en im Be­ru­fungs­ver­fah­ren wird auf die in zwei­ter In­stanz zu den Ak­ten ge­reich­ten Schriftsätze, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung wa­ren, Be­zug ge­nom­men. Der Ak­ten­in­halt der Ver­fah­ren des LAG Rhein­land-Pfalz, AZ: 8 Sa 803/07, und des Ar­beits­ge­richts Kai­sers­lau­tern, AZ: 7 Ca 533/08, wa­ren eben­falls Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung.
Das Ar­beits­ge­richt hat viel­mehr der Kla­ge zu Recht statt­ge­ge­ben.
II. Die zulässi­ge Fest­stel­lungs­kla­ge ist be­gründet. Die US-Streit­kräfte sind nicht be­rech­tigt, die Ar­beits­zeit des Klägers da­hin­ge­hend zu ändern, dass die­ser sei­ne Ar­beits­leis­tung täglich in der Zeit von 4.00 Uhr bis 12.12 Uhr zu er­brin­gen hat. Die be­tref­fen­de An­ord­nung der US-Streit­kräfte ist un­wirk­sam.
Nach § 106 Satz 1 Ge­wO kann der Ar­beit­ge­ber In­halt, Ort und Zeit der Ar­beits­leis­tung nach bil­li­gem Er­mes­sen be­stim­men, so­weit die­se Ar­beits­be­din­gun­gen nicht durch Ar­beits­ver­trag, Be­stim­mun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung, ei­nes an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­tra­ges oder ge­setz­li­che Vor­schrif­ten fest­ge­legt sind. Die Wei­sung der US-Streit­kräfte ge­genüber dem Kläger, sei­ne Ar­beits­leis­tung je­weils in der Zeit von 4.00 Uhr bis 12.12 Uhr zu er­brin­gen, wahrt nicht die Gren­zen bil­li­gen Er­mes­sens.
Ei­ne Leis­tungs­be­stim­mung ent­spricht bil­li­gem Er­mes­sen, wenn die we­sent­li­chen Umstände des Fal­les ab­ge­wo­gen und die bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen an­ge­mes­sen berück­sich­tigt wor­den sind. Bei der vor­zu­neh­men­den Abwägung ist auf die In­ter­es­sen­la­ge der Par­tei­en im Zeit­punkt der Ausübung des Di­rek­ti­ons­rechts ab­zu­stel­len (BAG vom 23.09.2004 - 6 AZR 567/03 - AP-Nr. 64 zu § 611 BGB Di­rek­ti­ons­recht).
Der Kläger hat ein schutzwürdi­ges In­ter­es­se dar­an, nicht ar­beitstäglich in der Zeit von 4.00 Uhr bis 12.12 Uhr und da­mit außer­halb der in der Dienst­stel­le all­ge­mein gel­ten­den Schicht­zei­ten ar­bei­ten zu müssen. Der Kläger macht dies­bezüglich zu Recht gel­tend, dass ei­ne sol­che Ar­beits­zeit zu sei­ner Aus­gren­zung in­ner­halb der Be­leg­schaft der Dienst­stel­le führen würde. So wäre et­wa sei­ne Pau­sen­zeit ei­ne an­de­re, als die­je­ni­ge sämt­li­cher an­de­rer Ar­beit­neh­mer, was ei­ne nicht un­er­heb­li­che Störung sei­nes Kon­tak­tes zu den Ar­beits­kol­le­gen zur Fol­ge hätte. Es ist von da­her auch durch­aus nach­voll­zieh­bar, dass der Kläger die streit­be­fan­ge­ne An­ord­nung als Straf­maßnah­me emp­fin­det, was wohl auch von der übri­gen Be­leg­schaft so ein­geschätzt würde. Darüber hin­aus müss­te der Kläger bei ei­nem aus­sch­ließli­chen Ein­satz zu den von Sei­ten der US-Dienst­stel­le vor­ge­se­he­nen Zei­ten ar­beitstäglich je­weils für zwei St­un­den während der Nacht­zeit ar­bei­ten, was zwei­fel­los ei­ne zusätz­li­che Be­las­tung dar­stellt.
Dem­ge­genüber sind schützens­wer­te In­ter­es­sen der Dienst­stel­le an der Um­set­zung der streit­be­fan­ge­nen An­ord­nung, wel­che den o. g. In­ter­es­sen des Klägers ent­ge­gen­ste­hen oder die­se gar über­wie­gen könn­ten, nicht ge­ge­ben. Die Be­klag­te stützt sich in­so­weit aus­sch­ließlich auf den Vor­fall vom 15.10.2006 so­wie auf des­sen Fol­gen und lei­tet dar­aus die Not­wen­dig­keit ab, durch die streit­be­fan­ge­ne Ar­beits­zeit­ver­tei­lung ein Zu­sam­men­tref­fen des Klägers mit der Ar­beit­neh­me­rin V zu ver­mei­den. Dies­bezüglich ist der Be­klag­ten zwar zu­zu­ge­ben, dass den Ge­sichts­punk­ten der Wah­rung des Be­triebs­frie­dens, der ge­deih­li­chen Zu­sam­men­ar­beit der Ar­beit­neh­mer und des Schut­zes ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer vor ge­sund­heit­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen im Rah­men der Er­mes­sens­ausübung re­gelmäßig ein nicht un­er­heb­li­ches Ge­wicht zu­kommt. Im Streit­fall er­wei­sen sich die­se Ge­sichts­punk­te je­doch als nicht durch­grei­fend. We­der der Vor­fall vom 15.10.2006 selbst noch des­sen Fol­gen be­gründen ein nen­nens­wer­tes In­ter­es­se der US-Streit­kräfte an der Durchführung der streit­ge­genständ­li­chen Maßnah­me. Der Vor­fall vom 15.10.2006, der auch zu ei­ner Ab­mah­nung des Klägers führ­te, stellt sich kei­nes­wegs als schwer­wie­gend dar. Während die Be­klag­te dem Kläger dies­bezüglich im Ver­fah­ren vor dem Ar­beits­ge­richt Kai­sers­lau­tern, AZ: 7 Ca 533/08, im Schrift­satz vom 03.07.2008 (dort S. 3 = Bl. 27 d. A.) noch vor­ge­wor­fen hat, die Mit­ar­bei­te­rin V se­xu­ell belästigt zu ha­ben und im vor­lie­gen­den Recht­streit in ers­ter In­stanz be­haup­tet hat, der Kläger ha­be die­se Mit­ar­bei­te­rin ge­schla­gen (Schrift­satz vom 23.10.2008, dort S. 3 = Bl. 25 d. A.), wur­den die­se Be­haup­tun­gen im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nicht mehr auf­recht er­hal­ten. Viel­mehr be­zieht sich die Be­klag­te bezüglich der Ein­zel­hei­ten des Vor­falls vom 15.10.2006 nun­mehr auf den In­halt des Ab­mah­nungs­schrei­bens vom 20.10.2006. Wie sich aus die­sem Ab­mah­nungs­schrei­ben er­gibt, kam es am 15.10.2006 zwi­schen dem Kläger und der Mit­ar­bei­te­rin V im We­sent­li­chen zu ei­ner le­dig­lich ver­ba­len Aus­ein­an­der­set­zung, in de­ren Ver­lauf der Kläger die Mit­ar­bei­te­rin an­schrie und mit den Fin­gern auf ihr Ge­sicht deu­te­te, wo­bei er "we­gen der En­ge des Rau­mes, bzw. we­gen ei­ner Be­we­gung, die ei­ner von bei­den mach­te", ih­re Na­se berühr­te. Das ab­ge­mahn­te Ver­hal­ten des Klägers (An­schrei­en; zufälli­ges, un­be­ab­sich­tig­tes Berühren ei­ner Mit­ar­bei­te­rin) ist - für sich be­trach­tet - kei­nes­falls so schwer­wie­gend, dass es zum Zeit­punkt der streit­be­fan­ge­nen Ar­beits­zeitan­ord­nung ei­ner zukünf­ti­gen Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen dem Kläger und der Mit­ar­bei­te­rin V ent­ge­gen­stand. Dies gilt ins­be­son­de­re im Hin­blick dar­auf, dass der Vor­fall bei Er­lass der be­tref­fen­den Maßnah­me be­reits fast zwei Jah­re zurück­lag. Der Vor­fall zei­tigt auch an­sons­ten kei­ne Fol­gen, die ein In­ter­es­se der US-Streit­kräfte an der Um­set­zung der Maßnah­me be­gründen könn­ten. Die Be­haup­tung der Be­klag­ten, die Ar­beit­neh­me­rin V sei in­fol­ge des Vor­falls trau­ma­ti­siert, ist im Hin­blick auf den tatsächli­chen, im Ab­mah­nungs­schrei­ben wie­der­ge­ge­be­nen Ge­sche­hens­ab­lauf nicht nach­voll­zieh­bar. Dies­bezüglich kommt auch dem ärzt­li­chen At­test vom 09.01.2009 (Bl. 109 d. A.) vor­lie­gend kein Be­weis­wert zu. In die­sem At­test wird der Ar­beit­neh­me­rin V be­schei­nigt, auf­grund ei­ner "tätli­chen Aus­ein­an­der­set­zung" im Jahr 2006 ge­sund­heit­li­che Schäden da­von­ge­tra­gen zu ha­ben und ei­ne er­neu­te Zu­sam­men­ar­beit mit dem Ver­ur­sa­cher des da­ma­li­gen Scha­dens könne zu "Ge­sund­heitsschäden, zum Teil schwe­ren und an­dau­ern­den" führen. Das be­tref­fen­de At­test geht je­doch er­kenn­bar von fal­schen Vor­aus­set­zun­gen aus, in­dem es mögli­che Aus­wir­kun­gen ei­ner "tätli­chen Aus­ein­an­der­set­zung" schil­dert. Ei­ne tätli­che Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen dem Kläger und der Kol­le­gin V hat - wie be­reits aus­geführt - nicht statt­ge­fun­den. In An­be-
tracht des Um­stan­des, dass es sei­ner­zeit le­dig­lich zu ei­ner ver­ba­len Aus­ein­an­der­set­zung ge­kom­men war, in de­ren Ver­lauf der Kläger sich - so­weit er­sicht­lich - nicht be­lei­di­gend geäußert hat und auch ins­be­son­de­re nicht tätlich ge­wor­den ist, er­scheint es we­der nach­voll­zieh­bar, dass die Ar­beit­neh­me­rin V ge­sund­heit­li­che Schäden da­von­ge­tra­gen hat, noch dass bei ei­ner wei­te­ren Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen ihr und dem Kläger mit dem Ein­tritt wei­te­rer Ge­sund­heitsschäden zu rech­nen ist. Darüber hin­aus hat die Ar­beit­neh­me­rin V, wie sich aus den Ak­ten­in­halt des Ver­fah­rens ArbG Kai­sers­lau­tern - 7 Ca 533/08 - (dort Bl. 72 d. A.) er­gibt, am 03.11.2006 bei der Po­li­zei­in­spek­ti­on Land­stuhl aus­drück­lich erklärt, sie sei in­fol­ge des sei­ner­zei­ti­gen Vor­falls nicht ar­beits­unfähig ge­wor­den. Auch dies spricht ge­gen die Rich­tig­keit des vor­ge­leg­ten ärzt­li­chen At­tes­tes und darüber hin­aus auch ge­gen die Rich­tig­keit der Be­haup­tung der Be­klag­ten, die Ar­beit­neh­me­rin sei we­gen des Vor­falls ca. 1,5 Mo­na­te ar­beits­unfähig ge­we­sen. Letzt­lich ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass sei­tens der US-Streit­kräfte - so­weit er­sicht­lich - nicht der Ver­such un­ter­nom­men wur­de, ei­nen et­wai­gen fort­be­ste­hen­den Kon­flikt zwi­schen dem Kläger und Frau V, bei­spiels­wei­se im Rah­men ei­nes Gespräches, zu entschärfen.
Aus all­dem er­gibt sich, dass bei der Ent­schei­dung der US-Streit­kräfte, die Ar­beits­zeit des Klägers in die Zeit von 4.00 Uhr bis 12.12 Uhr zu le­gen, die bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen nicht an­ge­mes­sen berück­sich­tigt wor­den sind. Die Maßnah­me ent­spricht da­her nicht bil­li­gem Er­mes­sen.
III. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten war da­her mit der sich aus § 97 Abs. 1 ZPO er­ge­ben­den Kos­ten­fol­ge zurück­zu­wei­sen.
Für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­stand im Hin­blick auf die in § 72 Abs. 2 ArbGG ge­nann­ten Kri­te­ri­en kei­ne Ver­an­las­sung. Auf die Möglich­keit, die Nicht­zu­las­sung der Re­vi­si­on selbständig durch Be­schwer­de an­zu­fech­ten (§72 a ArbGG) wird hin­ge­wie­sen.	m.hensche.de
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