Source: https://www.berliner-mieterverein.de/recht/bgh/gewerbemiete.htm
Timestamp: 2019-08-24 20:03:06
Document Index: 4497045

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 305', '§ 550', 'BGH', '§ 305']

Gewerbemiete - BGH-Leitentscheid v. 25.1.2017 - XII ZR 69/16 - | Berliner Mieterverein e.V.
Mietrecht / BGH-Entscheidungen / Gewerbemiete
Eine in einem Mietvertrag über Gewerberäume enthaltene sogenannte doppelte Schriftformklausel kann im Falle ihrer formularmäßigen Vereinbarung wegen des Vorrangs der Individualvereinbarung nach § 305 b BGB eine mündliche oder auch konkludente Änderung der Vertragsabreden nicht ausschließen.
Eine sogenannte doppelte Schriftformklausel enthält die Regelung, dass Vertragsänderungen einschließlich Änderungen der Schriftformklausel nur wirksam sein sollen, wenn sie schriftlich vereinbart sind.
Eine solche Klausel soll die Folge des § 550 BGB (Kündbarkeit wegen Schriftformverstoßes) ausschließen. Nach der BGH-Entscheidung ist dies jedoch wegen § 305 b BGB unmöglich, wonach vertragliche Vereinbarungen, die die Parteien für den Einzelfall getroffen haben, nicht durch davon abweichende Allgemeine Geschäftsbedingungen durchkreuzt, ausgehöhlt oder ganz oder teilweise zunichte gemacht werden können. Allgemeine Geschäftsbedingungen können und sollen nur insoweit Geltung beanspruchen, als die von den Parteien getroffene Individualabrede dafür Raum lässt. Vereinbaren die Parteien – wenn auch nur mündlich – etwas anderes, so kommt dem der Vorrang zu.
Eine nicht in schriftlicher Form erfolgte Vertragsänderung ist deshalb nicht wegen Verstoßes gegen die doppelte Schriftformklausel unwirksam. Das gilt selbst dann, wenn durch eine AGB-Schriftformklausel bestimmt wird, dass mündliche Abreden unwirksam sind.
Das Interesse des Klauselverwenders oder gar beider Vertragsparteien, nicht durch nachträgliche mündliche Absprachen die langfristige beiderseitige Bindung zu gefährden, muss gegenüber dem von den Parteien später übereinstimmend Gewollten zurücktreten. Es kommt – anders als bei einer individuell vereinbarten doppelten Schriftformklausel – auch nicht darauf an, ob die Parteien bei ihrer mündlichen Absprache an die entgegenstehende Klausel gedacht haben und sich bewusst über sie hinwegsetzen wollten.