Source: https://www.pvb.ch/coronavirus-de
Timestamp: 2020-06-05 23:39:30
Document Index: 329773157

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 328', 'Art. 10', 'Art. 328', 'Art. 324', 'Art. 327', 'Art. 10']

Coronavirus - Der PVB ist an Ihrer Seite - PVB Personalverband des Bundes - Rechts­beratung und Vertretung
Coronavirus - Der PVB ist an Ihrer Seite
In dieser sehr schwierigen Zeit tut der PVB alles was er kann, um seine Mitglieder zu unterstützen und sie über ihre Rechte zu informieren. Hier unten finden Sie viele Antworten auf Ihre Fragen, sowie alle nützlichen Informationen und Dokumente.
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Der PVB stellt seinen Mitgliedern eine Hotline zur Verfügung, bei der sie schnell und unkompliziert Antwort auf ihre Fragen in Zusammenhang mit ihrem Arbeitsplatz und dem Corona-Virus erhalten.
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"EIN GROSSES DANKESCHÖN" DIE BOTSCHAFT UNSERER PRÄSIDENTIN
"Ich danke Ihnen für Ihre Flexibilität und Ihr Engagement im Dienste der Bevölkerung zur Sicherstellung eines starken Service Public auf verschiedenen Ebenen in dieser ganz besonderen Zeit". Dies ist die Botschaft unserer Präsidentin, Nationalrätin Barbara Gysi. Lesen Sie ihren ausführlichen Brief weiter unten (pdf).
Barbara Gysi's Brief an die PVB-Mitglieder
Home Office als Präventionsmassnahme
Der Bundesrat und das BAG empfehlen in Zeiten der Pandemie dringend, wo immer technisch und arbeitsorganisatorisch möglich Home-Office, einzuführen. Dies aus zwei Gründen des Social Distancings:
So kann das Pendeln und die Verwendung des ÖV vermieden werden. Insbesondere der Gebrauchen des ÖV ist ein grosses Risiko für eine Ansteckung mit dem Corona-Virus und der entsprechenden Weiterverbreitung der Epidemie.
Weniger Personen sind am Arbeitsplatz, persönliche Kontakte und damit Risiken der Ansteckung am Arbeitsplatz werden minimiert. Vereinzelung in Grossraumbüros werden ermöglichst.
Das Epidemiegesetz (EpG) verpflichtet im Falle einer besonderen oder ausserordentlichen Lage (Art. 6 bzw. Art. 7 EpG) Betriebe zu einem aktiven Beitrag zur Eindämmung der Epidemie. Diese Massnahmen gehen über die nach Arbeitsgesetz und Art. 328 OR ohnehin bestehenden Verpflichtungen zum Schutz der Gesundheit der Arbeitnehmenden hinaus. Die Arbeitgeber müssen die von den Gesundheitsbehörden empfohlenen oder verordneten Massnahmen vorbereiten und durchführen und die Arbeitnehmenden informieren, anleiten und im betrieblichen Rahmen überwachen. Dazu gehört auch das Home Office: wo überall möglich ist der Arbeitgeber verpflichtet, Home Office einzuführen.
Hoheitliche Anordnung von Home Office für besonders gefährdete Arbeitnehmende
Der Bundesrat hat für besonders gefährdete Arbeitnehmende das Home Office als obligatorisch erklärt. Besonders gefährdete Personen arbeiten von zu Hause aus, so in Art. 10c COVID-19-Verordnung 2. Der Arbeitgeber beurlaubt besonders gefährdete Personen, falls eine Arbeit von zu Hause aus nicht möglich ist. Der Arbeitgeber muss den Lohn dann zu 100% weiterbezahlen.
Der besonders gefährdete Arbeitnehmende hat sich an diese zwingende Bestimmung zu halten, ebenso der Arbeitgeber.
Wie das Wort «insbesondere» signalisiert, ist diese Liste nicht abschliessend sondern nur beispielhaft. Die Entscheidung liegt beim Arzt, der das entsprechende Attest verfasst.
Wie oben geschrieben gilt das ArG vollumfänglich im Home Office. Homeoffice bedeutet für Arbeitnehmende ein hohes Mass an Eigenverantwortung, da berufliche Tätigkeiten in der privaten Umgebung ausgeführt werden. Der Arbeitgeber ist dabei nicht von seiner Pflicht entbunden, für den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmenden zu sorgen und entsprechende Massnahmen umzusetzen. Die Verantwortlichkeit des Arbeitgebers bezieht sich auf alle arbeitsbezogenen Faktoren, die sich auf die Gesundheit der Arbeitnehmenden auswirken. Der Arbeitgeber ist auf die aktive Beteiligung der Arbeitnehmenden angewiesen. Denn im Betrieb selbst kann der Arbeitgeber jederzeit überprüfen, inwiefern der zur Verfügung gestellte Arbeitsplatz den herrschenden Anforderungen des Gesundheitsschutzes Rechnung trägt, und ob die entsprechenden Massnahmen korrekt umgesetzt wurden. Im Homeoffice entfällt die unmittelbare Aufsicht des Arbeitgebers.
Die Arbeitnehmenden sind verpflichtet, die Vorgaben des Arbeitgebers in Bezug auf den Gesundheitsschutz auch bei der Homeoffice-Arbeit zu befolgen und die allgemein anerkannten Regeln zu berücksichtigen.
Jetzt wo wegen geschlossener Kinderkrippen und Schulen der Arbeitnehmer zu Hause bleiben muss, um Kinder zu betreuen, stellt sich die Frage, ob er auch gegenüber der Arbeitgeberin verlangen kann, seine Arbeit zu Hause zu verrichten. Dies ist mit Blick auf die Fürsorgepflicht der Arbeitgeber zu bejahen, soweit dies betrieblich möglich ist (Art. 328 OR). Verweigert die Arbeitgeberin dem Arbeitnehmer in einer solchen Situation Home-Office ohne hinl
ängliche betriebliche Gründe, ist sie im Annahmeverzug und es besteht eine Lohnzahlungspflicht auch ohne Arbeitsleistung (Art. 324 OR).
Die Arbeitgeberin ist selbstverständlich verpflichtet, für die zusätzlichen Kosten aufzukommen, welche durch die Arbeit zu Hause dem Arbeitnehmer entstehen (Art. 327 f. OR). Der Arbeitnehmende ist seinerseits verpflichtet, so gut es geht die ihm erteilte Arbeit zu erledigen und zur Verfügung des Arbeitgebers/Teams zu sein. Eine gewisse Kulanz von allen Seiten ist in diesem Fall angezeigt. Zielvorgaben sind der besonderen Situation entsprechend anzupassen.
Home Office Fazit
Da es sich beim Home Office um einen Bereich handelt, der unter dem ArG fällt, sind alle Vorgaben des Arbeitsgesetzes (Nacht- und Sonntagsarbeitsverbot, Ruhezeiten, Pausen) vollumfänglich einzuhalten.
Für besonders durch das Corona-Virus gefährdete Personen ist Home Office obligatorisch. Ist dieses nicht möglich, muss der Arbeitnehmende zuhause bleiben, der Arbeitgeber ist zur Bezahlung des vollen Lohns verpflichtet, so Art. 10c COVID-19-Verordnung 2.
Wichtig ist es, präzise Arbeitszeiten inkl. Bereitschafszeit und Zeiten, in denen keine Erreichbarkeit besteht (Ausschalten der Geräte), festzulegen.
Wenn gleichzeitig zum Home Office Kinder betreut werden müssen, weil wegen der Epidemie Krippen oder Schule geschlossen wurden, sind die Zielvorgaben entsprechend anzupassen.
Der soziale Austausch mit KollegInnen und Kollegen darf nicht verloren gehen: Austausch via Mails oder «virtuelle» Kaffeepausen via Kommunikations-Apps können helfen.
Die Arbeitnehmenden sind in Reglementen über die gesetzlichen Arbeits- und Ruhezeiten zu informieren und darauf hinzuweisen, dass diese im Home Office auch einzuhalten sind.