Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/haushaltsgegenstaende-im-alleineigentum-eines-ehegatten-330148?pk_campaign=feed&pk_kwd=haushaltsgegenstaende-im-alleineigentum-eines-ehegatten
Timestamp: 2019-08-21 07:13:38
Document Index: 385117886

Matched Legal Cases: ['§ 1568', '§ 1568', '§ 1568', '§ 9', '§ 985', 'BGH', '§ 1568', '§ 48', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1568', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1374', '§ 1568', '§ 1375', '§ 1568', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Haus­halts­ge­gen­stän­de, die im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten ste­hen, kön­nen im Haus­halts­ver­fah­ren nicht (mehr) dem ande­ren Ehe­gat­ten zuge­wie­sen wer­den und unter­lie­gen dem Zuge­winn­aus­gleich1.
Sie unter­fal­len auch dann dem Zuge­winn­aus­gleich, wenn die Haus­rats­ver­tei­lung noch nach der bis zum 31. August 2009 gel­ten­den Haus­rats­VO durch­ge­führt wur­de, sofern nicht aus­nahms­wei­se eine ander­wei­ti­ge Zuwei­sung im Haus­rats­ver­fah­ren vor­ge­nom­men wur­de2.
Durch das Gesetz zur Ände­rung des Zuge­winn­aus­gleichs- und Vor­mund­schafts­rechts3 ist zum 1. Sep­tem­ber 2009 die Haus­rats­ver­ord­nung auf­ge­ho­ben und § 1568 b BGB ein­ge­führt wor­den. Das neue – mate­ri­el­le – Recht kommt man­gels einer ent­spre­chen­den Über­gangs­re­ge­lung im vor­lie­gen­den Fall zur Anwen­dung4.
Nach der Neu­re­ge­lung in § 1568 b BGB besteht ein Anspruch auf Über­las­sung und Über­eig­nung von Haus­halts­ge­gen­stän­den, der sich allein auf die im gemein­sa­men Eigen­tum der Ehe­leu­te ste­hen­den Haus­halts­ge­gen­stän­de rich­ten kann. Die Haus­halts­ge­gen­stän­de im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten blei­ben hin­ge­gen nach den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers dem güter­recht­li­chen Aus­gleich vor­be­hal­ten5. Die­se Auf­fas­sung beruht auf der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, ins­be­son­de­re des Senats, nach wel­cher im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten ste­hen­de Haus­rats­ge­gen­stän­de grund­sätz­lich dem Zuge­winn­aus­gleich unter­lie­gen6. Die Gegen­stän­de sind dem­nach nicht nur im End­ver­mö­gen, son­dern not­wen­di­ger­wei­se auch im Anfangs­ver­mö­gen zu berück­sich­ti­gen.
Soweit die vor­ge­nann­te Recht­spre­chung – über­ein­stim­mend mit dem Beru­fungs­ge­richt – dahin kri­ti­siert wor­den ist, dass auch im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten ste­hen­de Gegen­stän­de nicht in den Zuge­winn­aus­gleich fie­len, son­dern von der Haus­rats­ver­tei­lung abschlie­ßend erfasst wür­den7, ist inso­weit die Abgren­zung zwi­schen Haus­rats­ver­tei­lung und Zuge­winn­aus­gleich jeden­falls nach der neu­en Rechts­la­ge nicht mehr zwei­fel­haft. Denn danach ist eine Über­tra­gung von im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten ste­hen­den Gegen­stän­den nicht mehr mög­lich8. Zwar ist auch gemäß § 1568 b BGB ent­spre­chend der frü­he­ren Rechts­la­ge auf Bil­lig­keits­kri­te­ri­en abzu­stel­len, ins­be­son­de­re dar­auf, wel­cher Ehe­gat­te unter Berück­sich­ti­gung des Wohls der im Haus­halt leben­den Kin­der und der Lebens­ver­hält­nis­se der Ehe­gat­ten in stär­ke­rem Maße auf die Nut­zung ange­wie­sen ist9. Wenn dem­nach im Ein­zel­fall in die Bil­lig­keits­be­trach­tung ein­flie­ßen kann, dass etwa bei einem Ehe­gat­ten bereits Gegen­stän­de vor­han­den sind, die in des­sen Allein­ei­gen­tum ste­hen, hat die­ser Umstand indes­sen unter­ge­ord­ne­te Bedeu­tung und kann nicht dazu füh­ren, dass die Gegen­stän­de im Zuge­winn­aus­gleich außer Ansatz gelas­sen wer­den dürf­ten.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat aller­dings zuletzt offen gelas­sen, ob die­se Grund­sät­ze auch unein­ge­schränkt gel­ten, wenn die Haus­rats­ver­tei­lung noch nach altem Recht durch­ge­führt wor­den ist10, wie es im vor­lie­gen­den Fall gesche­hen ist.
Die hier­ge­gen ange­führ­ten Grün­de geben zu einer abwei­chen­den Beur­tei­lung kei­nen Anlass. Denn die Haus­rats­ver­tei­lung nach der Haus­rats­VO ent­hielt eben­falls den Grund­satz, dass Gegen­stän­de im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten dem Eigen­tü­mer ver­blie­ben und dem­nach nicht Gegen­stand des Haus­rats­ver­tei­lungs­ver­fah­rens wur­den. Da es sich bei Haus­rats­ge­gen­stän­den – etwa bei Kunst­wer­ken – durch­aus um Gegen­stän­de von beträcht­li­chem Wert han­deln kann11, wäre es nicht ein­zu­se­hen, dass sol­che Gegen­stän­de weder im Haus­rats­ver­tei­lungs­ver­fah­ren noch im güter­recht­li­chen Aus­gleich Berück­sich­ti­gung fin­den soll­ten. Dass sich das Inter­es­se der Par­tei­en vor­wie­gend auf den Gegen­stand selbst rich­te und häu­fig das Affek­ti­ons­in­ter­es­se im Vor­der­grund ste­he, trifft jeden­falls in die­ser All­ge­mein­heit nicht zu. Das Glei­che gilt für das Argu­ment des Beru­fungs­ge­richts, dass der Wert des gesam­ten Haus­rats – also auch der im Allein­ei­gen­tum ste­hen­den Gegen­stän­de – bei der Haus­rats­ver­tei­lung berück­sich­tigt wür­de.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat aller­dings in sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung auf mög­li­che Aus­nah­men hin­ge­wie­sen, die im Ein­zel­fall zur Ver­mei­dung von Wider­sprü­chen zwi­schen bei­den Aus­gleichs­sys­te­men ange­zeigt sein kön­nen. Vom Grund­satz der Berück­sich­ti­gung im Zuge­winn­aus­gleich ist etwa abzu­wei­chen, wenn die Ehe­gat­ten sich über eine Ein­be­zie­hung von Gegen­stän­den in die Haus­rats­ver­tei­lung geei­nigt haben12. Ent­spre­chen­des muss gel­ten, wenn der Gegen­stand vom Fami­li­en­ge­richt im Rah­men der Haus­rats­ver­tei­lung gemäß § 9 Abs. 1 Haus­rats­VO dem ande­ren Ehe­gat­ten zuge­wie­sen wor­den ist. Dazu genügt es indes­sen nicht, dass nach einer im Rah­men eines Haus­rats­ver­fah­rens ergan­ge­nen Ent­schei­dung des Fami­li­en­ge­richts oder einer Eini­gung der Par­tei­en bestimm­te Gegen­stän­de an den Allein­ei­gen­tü­mer her­aus­ge­ge­ben wer­den müs­sen. Denn der­ar­ti­ge Rege­lun­gen beru­hen – ohne Rück­sicht auf ihre ver­fah­rens­recht­li­che Behand­lung – in der Sache auf dem Eigen­tums­recht (§ 985 BGB). Sie erfor­dern kei­ne Zuwei­sungs­ent­schei­dung des Fami­li­en­ge­richts und wider­spre­chen auch nicht der Berück­sich­ti­gung im Zuge­winn­aus­gleich.
Haus­halts­ge­gen­stän­de im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten Haus­halts­ge­gen­stän­de, die im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten ste­hen, kön­nen im Haus­halts­ver­fah­ren nicht (mehr) dem ande­ren Ehe­gat­ten zuge­wie­sen wer­den und unter­lie­gen dem Zuge­winn­aus­gleich ((im Anschluss an BGH, Urteil vom 17.11.2010 – XII…
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im Anschluss an BGH, Urteil vom 17.11.2010 – XII ZR 170/​09, Fam­RZ 2011, 183↩
im Anschluss an BGH, Urtei­le in BGHZ 89, 137 = Fam­RZ 1984, 144; in BGHZ 113, 325 = Fam­RZ 1991, 1166; sowie vom 24.10.1990 – XII ZR 101/​89, Fam­RZ 1991, 43↩
vom 06.07.2009, BGBl. I S. 1696↩
vgl. BGH, Urteil vom 17.11.2010 – XII ZR 170/​09, Fam­RZ 2011, 183 Rn. 62; vgl. BT-Drucks. 16/​10798 S. 25; OLG Schles­wig, Beschluss vom 24.03.2010 – 15 UF 166/​09, zur Anwen­dung von § 1568 a BGB↩
BT-Drucks. 16/​10798 S. 23↩
BGHZ 89, 137, 144 ff. = Fam­RZ 1984, 144, 146 f.; Senats­ur­tei­le BGHZ 113, 325, 333 = Fam­RZ 1991, 1166, 1168 f.; und vom 24.10.1990 – XII ZR 101/​89, Fam­RZ 1991, 43, 49↩
so etwa Schwab, Hand­buch des Schei­dungs­rechts, 5. Aufl., Rn. 28 m.w.N.↩
BGH, Urteil vom 17.11.2010 – XII ZR 170/​09, Fam­RZ 2011, 183 Rn. 62; Johannsen/​Henrich/​Jaeger Fami­li­en­recht, 5. Aufl. § 1374 Rn. 14; Staudinger/​Weinreich, BGB [2010], § 1568 b Rn. 53; Münch­Komm-BGB/­Koch, 5. Aufl., § 1375 Rn. 7; vgl. auch Schwab Hand­buch des Schei­dungs­rechts, 6. Aufl. Rn. 30↩
vgl. Münch­Komm-BGB/Wel­len­ho­fer, 5. Aufl. § 1568 b Rn. 11↩
BGH, Urteil vom 17.11.2010 – XII ZR 170/​09, Fam­RZ 2011, 183 Rn. 62↩
vgl. BGH, Beschluss vom 14.03.1984 – IVb ARZ 59/​83, Fam­RZ 1984, 575↩
Senats­ur­teil BGHZ 113, 325, 333 f. = Fam­RZ 1991, 1166, 1168 f.↩