Source: https://www.axel-voss-europa.de/startseite/themen/laermschutz/rechtsprechung/
Timestamp: 2019-03-20 11:44:00
Document Index: 72771247

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EuG', 'EGMR', 'EuG']

Rechtsprechung : Axel Voss
Die Pro­ble­ma­tik der Belas­tung durch Ver­kehrs­lärm hat schon mehr­fach zu Ver­fah­ren vor den euro­päi­schen Gerichts­hö­fen geführt. Hier­zu sei­en bei­spiel­haft eini­ge Ent­schei­dun­gen zur Ver­ein­bar­keit natio­na­ler Lärm­schutz­maß­nah­men mit dem Uni­ons­recht sowie zum Schutz vor Lärm­be­las­tung durch die Men­schen­rech­te genannt:
Euro­päi­scher Gerichts­hof (EuGH)
Im Fall European Air Trans­port hat der EuGH im Jahr 2011 ent­schie­den, dass die Mit­glied-staa­ten eigen­stän­dig Grenz­wer­te für den Lärm­pe­gel am Boden in der Umge­bung eines Flug­ha­fens fest­le­gen dür­fen. Eine sol­che Maß­nah­me stel­le kei­ne Betriebs­be­schrän­kun­gen da, da sie nicht den Zugang zum Flug­ha­fen ver­weh­re, und sei daher nicht durch die Richt­li­nie 2002/30/EG (sie­he oben im Abschnitt Flug­lärm) aus­ge­schlos­sen. Füh­re eine sol­che Rege­lung aber dazu, dass eine Flug­ge­sell­schaft wegen zu stren­ger Grenz­wer­te ihre Tätig­keit auf­ge­ben müs­se, stel­le die­se aber fak­tisch ein Zugangs­ver­bot dar und müs­se die Vor­aus­set­zun­gen der Richt­li­nie für Betriebs­be­schrän­kun­gen erfül­len.
Im Jahr 2013 hat der EuGH auf eine Kla­ge der Schweiz ent­schie­den, dass Deutsch­land Flü­ge zum und vom Flug­ha­fen Zürich mit gerin­ger Höhe über sei­nem Hoheits­ge­biet zur Nacht­zeit beschrän­ken darf. Dem ste­he das Uni­ons­recht und ins­be­son­de­re die Dienst­leis­tungs­frei­heit nicht ent­ge­gen. Der Flug­ha­fen Zürich liegt nur weni­ge Kilo­me­ter hin­ter der deut­schen Gren­ze und das deut­sche Luftfahrt¬bundesamt hat­te aus Grün­den des Lärm­schut­zes die Ver­le­gung von Flug­rou­ten ver­langt.
Euro­päi­scher Gerichts­hof für Men­schen­rech­te (EGMR)
Sowohl die EU als auch ihre Mit­glieds­staa­ten müs­sen die Grund- und Men­schen­rech­te der Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK) beach­ten. Die­se sind nach Arti­kel 6 Absatz 3 EU-Ver­trag Teil des Uni­ons­rechts. Die EMRK gewähr­leis­tet zwar kein aus­drück­li­ches Recht auf eine sau­be­re und ruhi­ge Umwelt. Arti­kel 8 EMRK garan­tiert aber die Ach­tung des Pri­vat- und Fami­li­en­le­bens sowie der Woh­nung.
Nach der Recht­spre­chung des EGMR kann die­ses Recht ver­letzt sein, wenn die Annehm­lich­kei­ten des Pri­vat­le­bens und der eige­nen Woh­nung unmit­tel­bar und ernst­lich durch Lärm beein­träch­tigt wer­den. Aller­dings ist der EGMR hier­bei recht zurück­hal­tend und bil­ligt den Ver­trags­staa­ten einen wei­ten Beur­tei­lungs­spiel­raum zu. Die natio­na­len Behör­den sei­en demo­kra­tisch legi­ti­miert und zudem bes­ser geeig­net, die ört­li­chen Umstän­de ein­zu­schät­zen, als ein inter­na­tio­na­les Gericht. Es sei aber ein gerech­ter Aus­gleich zwi­schen den Inter­es­sen des Ein­zel­nen und der Gemein­schaft her­zu­stel­len.
Im Fall Hat­ton hat der EGMR bei­spiels­wei­se eine Ver­let­zung von Arti­kel 8 EMRK durch Lärm­be­läs­ti­gung am Flug­ha­fen Heathrow in Lon­don ver­neint und den Beur­tei­lungs­spiel­raum der Behör­den als nicht über­schrit­ten ange­se­hen.
Fund­stel­len der Ent­schei­dun­gen:
European Air Trans­port, Vor­ab­ent­schei­dung, Urteil vom 08.09.2011, Rechts­sa­che C‑120/10
http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=109242&pageIndex=0&doclang=de&mode=lst&dir=&occ=first&part=1&cid=452022
Schweiz gegen Kom­mis­si­on, Urteil des EuGH vom 07.03.2013, Rechts­sa­che C-547/10 P
http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:62010CJ0547&from=DE
Hat­ton u.a. gegen Ver­ei­nig­tes König­reich, Urteil der Gro­ßen Kam­mer des EGMR vom 08.06.2003, EuGRZ 2005, S. 584, in eng­li­scher Spra­che unter http://hudoc.echr.coe.int/sites/fra/pages/search.aspx?i=001-61188