Source: https://www.peterlang.com/view/9783653961645/10_Chapter1.xhtml
Timestamp: 2018-07-17 19:21:37
Document Index: 353726161

Matched Legal Cases: ['§ 1', 'Art. 102', '§ 1', 'Art. 101', 'Art. 102', 'Art. 102']

§ 1 Einleitung : Die Anwendbarkeit des Konzernprivilegs im Rahmen von Art. 102 AEUV
§ 1 Einleitung : Die A...
Das europäische Wettbewerbsrecht kennt zwei zentrale Verbotstatbestände: das Kartellverbot in Art. 101 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union („AEUV“) und das in Art. 102 AEUV verankerte Verbot des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung. Während es beim Kartellverbot darum geht, wettbewerbswidrige Vereinbarungen und abgestimmte Verhaltensweisen zwischen mehreren Marktteilnehmern zu unterbinden, zielt Art. 102 AEUV auf einseitige Maßnahmen besonders marktstarker Unternehmen ab, die dazu geeignet sind, den freien Handel zu beeinträchtigen.
Beide Normen folgen dem übereinstimmenden Regelungsziel der Aufrechterhaltung eines wirksamen und unverfälschten Wettbewerbs innerhalb des Gemeinsamen Markts der Europäischen Union. Die Normadressaten beider Regelungen sind Unternehmen, ohne dass der Unternehmensbegriff jedoch im europäischen Kartellrecht legal definiert wäre. Der heute als nahezu allgemein anerkannt geltende funktionale Unternehmensbegriff hat sich aus der Entscheidungspraxis der Europäischen Kommission und der Rechtsprechung der Unionsgerichte entwickelt. Er gilt für alle Bereiche des europäischen Kartellrechts, also sowohl für Kartell- und Missbrauchsverbot als auch für die Fusionskontrolle nach der Verordnung (EG) Nr. 139/2004 („FKVO“).
Ein sich in diesem Zusammenhang zwangsläufig stellendes Problem ist der Umgang mit Unternehmensverbünden, die sich aus mehreren Einzelgesellschaften zusammensetzen. In einer Welt stetig fortschreitender Globalisierung nimmt die Entstehung großer Konzerne zu. Während die individuelle Ausgestaltung der gesellschaftsrechtlichen Verbundenheit unterschiedlichste Ausprägungen haben kann, stellt sich die generelle Frage, wie dieser Verbundenheit im Rahmen kartellrechtlicher Vorschriften Rechnung zu tragen ist.