Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=30.10.2009&Aktenzeichen=V%20ZR%2017/09
Timestamp: 2019-05-23 02:14:07
Document Index: 289055390

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 906', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 74', '§ 906', '§ 74', 'BGH', '§ 75', 'BGH', '§ 906', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 906', '§ 906', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 906', '§ 75', '§ 75', 'BGH', '§ 906', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 75', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 30.10.2009 - V ZR 17/09 - dejure.org
https://dejure.org/2009,899
BGH, 30.10.2009 - V ZR 17/09 (https://dejure.org/2009,899)
BGH, Entscheidung vom 30.10.2009 - V ZR 17/09 (https://dejure.org/2009,899)
BGH, Entscheidung vom 30. Januar 2009 - V ZR 17/09 (https://dejure.org/2009,899)
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Reichweite des Vorrangs der planfeststellungsrechtlichen Rechtsbehelfe
Zurücktreten eines zivilrechtlichen Entschädigungsanspruchs wegen Lärmbelästigungen hinter im Planfeststellungsverfahren gegebenen Rechtsbehelfen bei Nichteinhaltung von nachbarschützenden Planvorgaben
Sperrwirkung der Planfeststellung für nachbarrechtliche Ausgleichsansprüche wegen Lärmbelästigung; zivilrechtlicher Entschädigungsanspruch; Immissionen von Baustellen; Nichteinhaltung der nachbarschützenden Planvorgaben durch Vorhabenträger; Staubimmissionen; Zugangsbeschränkungen; öffentliche Bauvorhaben
Subsidiarität des nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruchs
Ausgleichsanspruch bei Planfeststellung
Großbauvorhaben: Keine zivilrechtlichen Entschädigungsansprüche bei Emissionen! (IBR 2010, 213)
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil vom 30.10.2009, Az.: V ZR 17/09 (Großbauvorhaben: Keine zivilrechtlichen Entschädigungsansprüche bei Emissionen!)" von RAin/FAin für Bau- und Architektenrecht Katharina Feddersen, LL.M., original erschienen in: IBR 2010, 213.
Kurznachricht zu "Praxishinweis zum Urteil des BGH vom 30.10.2009, Az.: V ZR 17/09 (Nachrang zivilrechtlichen Entschädigungsanspruchs)" von RA Dr. Tassilo Schiffer, original erschienen in: KommJur 2010, 194 - 195.
NJW 2010, 1141
MDR 2010, 142
NZBau 2010, 100
NZM 2010, 131
VersR 2010, 1320
BauR 2010, 451
Die durch den Planfeststellungsbeschluss begründete Duldungspflicht des Nachbarn umfasst daher auch die während der Bauphase entstehenden Immissionen (vgl. auch BGH, Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 17/09 - MDR 2010, 142 Rn. 18).
Auch für einen Anspruch aus § 906 Abs. 2 BGB bleibt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs neben den im Planfeststellungsverfahren eröffneten Rechtsbehelfen grundsätzlich kein Raum (BGH, Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 17/09 - MDR 2010, 142 ).
Es legt fest, auf welcher Grundlage das Betragsverfahren aufzubauen hat und welche Umstände bereits - für die Parteien bindend - abschließend im Grundverfahren geklärt sind (vgl. BGH, Urteile vom 17. Oktober 1985 - III ZR 105/84, ZIP 1986, 319, 320;… vom 20. Dezember 2005 - XI ZR 66/05, NJW-RR 2007, 138 Rn. 17; vom 30. Oktober 2009 - V ZR 17/09, VersR 2010, 1320 Rn. 9 mwN).
a) Nach inzwischen ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (…Urt. v. 10.12.2004, BGHZ 161, 323 = NJW 2005, 660 [juris Rn. 19];… Urt. v. 19.09.2008, BGHZ 178, 90 = NJW 2009, 762 [juris Rn. 25]; Urt. v. 30.10.2009, NJW 2010, 1141 [juris Rn. 15 ff]), welcher der Senat folgt, bleibt bei Vorhaben, für welche ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt worden ist, neben den im Planfeststellungsverfahren eröffneten Rechtsbehelfen (§ 74 Abs. 2, 75 Abs. 2 VwVfG) für einen Anspruch aus § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB grundsätzlich kein Raum.
Dem Eigentumsschutz des Nachbarn wird dadurch Genüge getan, dass die Behörde sich mit der Frage der erforderlichen aktiven oder passiven Schutzmaßnahmen (§ 74 Abs. 2 Satz 2 VwVfG) bezogen auf das benachbarte Eigentum umfassend auseinandersetzen und solche Maßnahmen oder eine solche Entschädigungspflicht anordnen muss, wenn unzumutbare Beeinträchtigungen zu erwarten sind (BGH, Urt. v. 30.10.2009, a.a.O., juris Rn. 15).
Er kann insbesondere im Wege der Verpflichtungsklage Planergänzungen durchsetzen oder, sofern sich nach Unanfechtbarkeit des Beschlusses nicht vorhersehbare Wirkungen des Vorhabens zeigen, gemäß § 75 Abs. 2 Satz 2 VwVfG nachträgliche Anordnungen verlangen (BGH, Urt. v. 30.10.2009, a.a.O., juris Rn. 16).
Ein Bedürfnis für die zusätzliche Anwendung des § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB bei planfestgestellten Vorhaben besteht nicht; denn durch diese Vorschrift wird ein höheres Schutzniveau als durch die Rechtsbehelfe des Planfeststellungsrechts nicht vermittelt (BGH, Urt. v. 30.10.2009, a.a.O., juris Rn. 17).
Das durch das Fachplanungsrecht zur Verfügung gestellte Instrumentarium erlaubt es vielmehr, schon bei der Baumaßnahme auftretende Konflikte einer interessengerechten Lösung zuzuführen (BGH, Urt. v. 30.10.2009, a.a.O., juris Rn. 18, 30).
Der Vorrang des Planfeststellungsverfahrens findet seine Grenze erst dort, wo die im Planfeststellungsverfahren zu Gebote stehenden Möglichkeiten nicht geeignet sind, dem berechtigten Interesse des benachbarten Grundstückseigentümers ausreichend Rechnung zu tragen, etwa weil sie Besonderheiten des Einzelfalls nicht erfassen können (…BGH, Urt. v. 10.12.2004, a.a.O., juris Rn. 15; Urt. v. 30.10.2009, a.a.O., juris Rn. 27).
Maßgeblich wird dabei darauf abgestellt, dass durch die Vorschrift des § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB ein höheres Schutzniveau als durch die im Planfeststellungsverfahren eröffneten Rechtsschutzmöglichkeiten nicht vermittelt werde, so dass ein Bedürfnis für die zusätzliche Anwendung des § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB bei planfestgestellten Vorhaben nicht bestehe (BGH, Urt. v. 30.10.2009, a.a.O., Rn. 17).
Außer-dem ist in den dort als Beleg zitierten Entscheidungen des Bundesgerichtshofs (…Urt. v. 21.09.1999, BGHZ 140, 285 = NJW 1999, 505 [juris Rn. 40 ff];… Urt. v. 10.12.2004, BGHZ 161, 323 = NJW 2005, 660 [juris Rn. 19]; Urt. v. 30.10.2009, MDR 2010, 142 = NJW 2010, 1141 [juris Rn. 15 ff]), des Oberlandesgerichts Stuttgart (…Urt. v. 05.04.2001, NJW-RR 2001, 1313 [juris Rn. 14 ff]) sowie des Oberlandesgerichts Hamm - 22. ZivSen.- (…NVwZ 2004, 1148 = OLGR 2003, 396 [juris Rn. 30 ff]) nirgendwo ein solch umfassender, auch Amtshaftungsansprüche einbeziehender Anspruchsausschluss ausgesprochen; alle diese Entscheidungen handeln allein vom Verhältnis von Entschädigungsansprüchen aus § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB oder aus enteignendem Eingriff zu den Rechtsschutzmöglichkeiten des Planfeststellungsrechts.
Lediglich bei im Zeitpunkt der Planung nicht vorhersehbaren Wirkungen des Vorhabens besteht die Möglichkeit, nach § 75 Abs. 2 Satz 2 VwVfG eine Planergänzung und unter den Voraussetzungen des § 75 Abs. 2 Satz 4 VwVfG eine Entschädigung in Geld zu verlangen, wobei dieser Anspruch im Verwaltungsrechtsweg durchzusetzen ist (vgl. Senat…, Urteil vom 21. Januar 1999 aaO S. 296 f; BGH, Urteil vom 30. Oktober 2009 aaO Rn. 31).
Gleiches gilt für den Anspruch aus § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB (BGH, Urteile vom 30. Oktober 2009 aaO Rn. 15 f und vom 10. Dezember 2004 - V ZR 72/04, BGHZ 161, 323, 330 f).
b) Indes sind auch Sachverhalte denkbar, in denen die im Planfeststellungsverfahren zu Gebote stehenden Möglichkeiten dem berechtigten Interesse des durch das Vorhaben betroffenen Anliegers ausnahmsweise nicht ausreichend Rechnung tragen können, weil sie die Besonderheiten des Einzelfalls nicht erfassen (BGH, Urteile vom 30. Oktober 2009 aaO Rn. 20 …und vom 10. Dezember 2004 aaO S. 330 f).
213 - vgl. hierzu BGH, Urteil vom 30.Oktober 2009 V ZR 17.09 -, UPR 2010, 191 - 214.
Das hätte zur Folge, dass der Planfeststellungsbeschluss bezogen auf den überschießenden Teil von vornherein nicht die ihm eigentümliche Gestaltungs- und Ausschlusswirkung (§ 75 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 VwVfG NRW) entfalten und nicht den sonst eintretenden Ausschluss von das Vorhaben betreffenden Rechtsschutzmöglichkeiten der Betroffenen auch vor den Zivilgerichten 194 vgl. hierzu BGH, Urteil vom 30.Oktober 2009 195 - V ZR 17.09 -, UPR 2010, 191 - 196 bewirken würde.
Es legt fest, auf welcher Grundlage das Betragsverfahren aufzubauen hat und welche Umstände bereits - für die Parteien bindend - abschließend im Grundverfahren geklärt sind (BGH, Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 17/09, VersR 2010, 1320, zitiert juris Rn. 9;… vom 20. Mai 2014, aaO; jeweils mwN).
Damit sind die Rechtspositionen der Kläger ausreichend geschützt und berücksichtigt, und zwar gerade auch im Hinblick auf die von den Klägern zitierte Rechtsprechung des BGH, Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 17/09 -, NJW 2010, 1141 (…1143, Rdnr. 28 f.).
vgl. Urteil vom 30. Oktober 2009 - V ZR 17/09 -, NJW 2010, 1141 (…1143, Rdnr. 28 f.).
OLG Hamm, 24.10.2012 - 11 U 100/12