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Timestamp: 2017-07-21 20:44:44
Document Index: 54875935

Matched Legal Cases: ['§ 119', '§ 40', '§ 40', '§ 40', 'BGH', 'BGH', '§ 119']

HENSCHE Arbeitsrecht: 5 StR 521/08
1. Zur Un­treu­e­straf­bar­keit von Zu­wen­dun­gen an Be­triebsräte.
2. Ist ei­ne Ak­ti­en­ge­sell­schaft straf­an­trags­be­rech­tig­ter Un­ter­neh­mer im Sin­ne des § 119 Abs. 2 Be­trVG, ist ei­ne Ver­tre­tung im Wil­len durch Pro­ku­ris­ten aus­ge­schlos­sen.
Landgericht Braunschweig, 22. Februar 2008, Az: 6 KLs 20/07 - 400 Js 8176/07, Urteil
vom 17. Sep­tem­ber 2009 in der Straf­sa­che
1. 2. we­gen Un­treue u. a.
Rich­ter Dr. Raum, Rich­ter Dr. Brau­se,Rich­te­rin Dr. Schnei­der,Rich­ter Dölp
Rechts­an­walt K. ,Rechts­anwältin Ku.
Rechts­an­walt S. ,Rechts­an­walt Bö.
Das Land­ge­richt hat im We­sent­li­chen fol­gen­de Fest­stel­lun­gen undWer­tun­gen ge­trof­fen:
Zur Fest­le­gung der Gehälter der frei­ge­stell­ten Be­triebsräte wur­de 1991 ei­ne Kom­mis­si­on ein­ge­setzt. Die­se be­stand aus zwei Ver­tre­tern des Un­ter­neh­mens, dar­un­ter dem als Ar­beits­di­rek­tor täti­gen Vor­stands­mit­glied, und zwei Mit­glie­dern des Ge­samt­be­triebs­rats, dem An­ge­klag­ten V. und des­sen Ver­tre­ter Su. . Die Vergütung des An­ge­klag­ten V. wur­de hier­nach mehr als ver­dop­pelt. Sie wur­de ei­nem in die zweithöchs­te Ge­halts­grup­pe (35) ein­grup­pier­ten Be­reichs­lei­ter – ei­nem „Top­ma­na­ger“ ent­spre­chend – fest­ge­setzt und be­lief sich 1993 auf – um­ge­rech­net – fast 200.000 Eu­ro, zu­sam­men­ge­setzt aus Fix­ge­halt und je­wei­li­gem Jah­res­bo­nus.Die Kom­mis­si­on setz­te die Vergütung des An­ge­klag­ten V. zum 1. Ju­ni 2001 ent­spre­chend der höchs­ten Ge­halts­grup­pe 36 fest.
Sie sind auch nicht lücken­haft, so­weit sich das Land­ge­richt nicht mit dem Um­stand aus­ein­an­der­ge­setzt hat, dass der Vor­stands­vor­sit­zen­de P. den An­ge­klag­ten we­gen des­sen Wunsch „nach ei­ner bes­se­ren Be­zah­lung der übri­gen VW-Führungs­kräfte und der An­he­bung sei­nes ei­ge­nen Ge­halts zuständig­keits­hal­ber an H. “ (UA S. 9) ver­wie­sen hat­te. Der An­ge­klag­te hat selbst nicht be­haup­tet, P. ha­be hier­durch sein grund­le­gen­des Ein­verständ­nis mit ei­ner Ge­halts­erhöhung erklärt. Das Land­ge­richt hat im Ge­gen­teil die wei­ter­ge­hen­de Ein­las­sung des An­ge­klag­ten V. ,P. ha­be ihm ei­ne Vergütung in Höhe der Bezüge ei­nes Mar­ken­vor­stands zu­ge­sagt, be­weiswürdi­gend wi­der­legt (UA S. 48 bis 51). Der Hin­weis des Zeu­gen P. konn­te sich aus Sicht des An­ge­klag­ten des­halb viel­mehr nur auf das von dem An­ge­klag­ten ver­tre­te­ne An­lie­gen nach Ge­halts­erhöhung der Führungs­kräfte be­zo­gen ha­ben, auf das ei­ge­ne Ar­beits­ent­gelt in­des nur in­so­weit, als H. in der zuständi­gen Kom­mis­si­on, in der der An­ge­klag­te Mit­glied war, für ei­ne Ge­halts­erhöhung hätte in­itia­tiv wer­den können.
Der An­ge­klag­te verfügte als Lei­ter der Ab­tei­lung, die sämt­li­che Rei­sen al­ler Be­triebsräte im Blick auf die sich aus § 40 Be­trVG er­ge­ben­de Kos­ten­tra­gungs­pflicht des Un­ter­neh­mens im Sin­ne ei­ner Dienst­leis­tung des Un­ter­neh­mens für die Be­triebsräte plan­te und ab­wi­ckel­te, über ei­ne Voll­macht, die hierfür not­wen­di­gen Rei­se­verträge für das Un­ter­neh­men ab­zu­sch­ließen. Dies setzt das vom Un­ter­neh­men gewähl­te und prak­ti­zier­te Ser­vice­mo­dell vor­aus, das an die Stel­le des von § 40 Be­trVG an sich vor­ge­se­he­nen Er­stat­tungs­sys­tems (vgl. Reichold in Hens­s­ler/Wil­lem­sen/Kalb aaO Be­trVG § 40 Rdn. 4 bis 6) ge­setzt wor­den ist. Die Voll­macht er­fasst darüber hin­aus auch die Bu­chung von Rei­sen Nicht­be­triebs­rats­an­gehöri­ger, in­des be­schränkt auf be­trieb­li­che Anlässe. Dies folgt aus der dem An­ge­klag­ten über­tra­ge­nen und von die­sem auch wahr­ge­nom­me­nen Auf­ga­be, jähr­lich statt­fin­den­de Rei­sen von An­gehöri­gen des Ma­nage­ments und des Ge­samt­be­triebs­rats­aus­schus­ses nebst Ehe­frau­en auf glei­che Wei­se zu pla­nen und ab­zu­wi­ckeln (UA S. 13). Durch die Bu­chung von Rei­sen für Nicht­be­triebs­rats­an­gehöri­ge undfür den An­ge­klag­ten V. – al­le­samt oh­ne je­den be­trieb­li­chen An­lass – hat der An­ge­klag­te G. die ihm ein­geräum­te, auf be­trieb­li­che Rei­sen be­schränk­te Be­fug­nis über­schrit­ten (vgl. BGHSt 5, 61, 63; 50, 299, 313), die VW AG ge­genüber der Fir­ma A. in­des gleich­wohl recht­lich wirk­sam ver­pflich­tet.
6. Die tat­ein­heit­li­chen Ver­ur­tei­lun­gen we­gen Be­triebs­rats­begüns­ti­gung und Begüns­ti­gung ei­nes eu­ropäischen Be­triebs­rats (An­ge­klag­ter G. ) und we­gen An­stif­tung hier­zu (An­ge­klag­ter V. ) müssen ent­fal­len. In­so­weit fehlt die Pro­zess­vor­aus­set­zung ei­nes wirk­sa­men Straf­an­trags (vgl. BGHSt 6, 155), was vom Re­vi­si­ons­ge­richt bei den hier um­fas­send er­ho­be­nen Sachrügen bei­der An­ge­klag­ter je­den­falls zu be­ach­ten ist (vgl. Mey­er-Goßner NStZ 2003, 169, 171 f. und St­PO 52. Aufl. Einl Rdn. 143 und 150). a) Die Vor­schrift des § 119 Abs. 2 Be­trVG ge­bie­tet ei­ne An­trag­stel­lung
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