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Timestamp: 2016-10-27 01:02:28
Document Index: 74124943

Matched Legal Cases: ['Art. 8', 'Art. 4', 'Art. 28', 'BGE', 'Art. 65', 'Art. 65', 'Art. 66']

9C_77/2015 (27.03.2015)
9C_77/2015 � � Urteil vom 27. M�rz 2015
A.________, Mutter von vier Kindern (geboren 1990, 1991, 1993 und 1995) war ab November 2006 in einem Pensum von 100 % in der Firma C.________ AG in der Logistik t�tig. Am 25. November 2011 meldete sie sich wegen rheumatischer Beschwerden bei der Invalidenversicherung zum Rentenbezug an. Aufgrund ihrer Erkrankung wurde das Arbeitsverh�ltnis auf den 21. M�rz 2012 gek�ndigt. Nach Abkl�rung der erwerblichen und gesundheitlichen Situation veranlasste die IV-Stelle des Kantons Aargau ein bidisziplin�res rheumatologisch-psychiatrisches Gutachten am Assessment-Center der Rehaklinik D.________ (vom 28. Oktober 2013). Mit Vorbescheid vom 15. November 2013 und Verf�gung vom 3. M�rz 2014 lehnte sie das Leistungsbegehren ab, da A.________ eine leichte bis mittelschwere T�tigkeit im Vollpensum zumutbar sei (Invalidit�tsgrad von 13 %).
A.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren. Sie beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben. Es seien ihr die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur erneuten Abkl�rung und zum anschliessenden Entscheid �ber den Anspruch an die IV-Stelle zur�ckzuweisen.
Das kantonale Gericht hat die gesetzlichen Bestimmungen und die von der Rechtsprechung entwickelten Grunds�tze, namentlich �ber den Begriff der Invalidit�t (Art. 8 Abs. 1 und 3 ATSG, Art. 4 Abs. 1 IVG), �ber den Umfang des Rentenanspruchs (Art. 28 Abs. 2 IVG), die Bemessung des Invalidit�tsgrades sowie den Beweiswert und zur Beweisw�rdigung �rztlicher Berichte und Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 mit Hinweis) richtig dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Die Vorinstanz erwog, im Gutachten des Assessment-Centers sei keine psychiatrische Diagnose gestellt worden. Auch habe man festgehalten, es h�tten kaum objektivierbare Befunde erhoben werden k�nnen, die den beklagten Beschwerdekomplex mit der subjektiv empfundenen Intensit�t erkl�ren w�rden. Es liege ein schwer chronifiziertes generalisiertes Schmerzsyndrom vor. Die R�ckenschmerzen seien teilweise durch die degenerativen Ver�nderungen der distalen lumbalen Segmente verursacht, wobei die subjektiv empfundene Schmerzintensit�t nicht mit den klinischen und radiologischen Befunden korreliere. Des Weitern leide die Beschwerdef�hrerin an einer Ansatztendinitis der Tibialis-posterior-Sehne (�berlastungsreaktion der Sehne an ihrem oss�ren Ansatz im Fuss), wobei die beobachtete komplette Entlastung des rechten Fusses eher als Teilmanifestation der generalisierten Schmerzproblematik einzuordnen sei. Der allgemeine internistische und neurologische Status sei, mit Ausnahme der muskul�ren Dekonditionierung, normal. Das klinische Bild imponiere durch eine ausgepr�gte Passivit�t, anamnestisch sozialen R�ckzug und stark verminderte Lebensqualit�t. Fachpsychiatrisch h�tte jedoch keine Diagnose erhoben werden k�nnen. Bez�glich der Arbeitsf�higkeit habe man ausgef�hrt, aus rheumatologischer Sicht k�nne die angestammte T�tigkeit einer Logistikmitarbeiterin nicht mehr ausge�bt werden. Hingegen k�nne rein theoretisch jegliche vorwiegend sitzende leichte bis mittelschwere k�rperliche T�tigkeit ohne anhaltende Zwangshaltung und ohne stereotype Bewegungsabl�ufe in einem vollen Arbeitspensum zugemutet werden.
5.1.�Die Beschwerdef�hrerin r�gt, indem die Vorinstanz dem Gutachten des Assessment-Center vom 28. Oktober 2013 Beweiswert zuerkannt habe, habe sie den Grundsatz der gen�genden Abkl�rung des rechtserheblichen Sachverhalts verletzt.
5.2.�Insbesondere wirft sie der untersuchenden Psychiaterin vor, das Gutachten sei in der Beurteilung widerspr�chlich und im Ton an verschiedenen Stellen deplatziert. Im Visier hat sie dabei die "Beurteilung/Diskussion" der psychiatrischen Gutachterin. Letztlich geht es jedoch nicht um die dort gemachten Aussagen an und f�r sich. Vielmehr vermisst die Beschwerdef�hrerin eine Auseinandersetzung mit den erhobenen Befunden wie Trauer, gemischt mit Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Schuldgef�hlen. Indes war ihr bereits vor Vorinstanz unerkl�rlich, wie bei einer Explorandin, die einen pessimistischen Eindruck macht, keine entsprechende Diagnose gestellt wird. Eine Auseinandersetzung mit der entsprechenden Antwort respektive Erw�gung der Vorinstanz fehlt jedoch. Soweit die Gutachterin explizit ausgef�hrt hat, die Beschwerdef�hrerin habe bei ihr starke Schuldgef�hle ausgel�st, l�sst dies nicht per se auf eine erhebliche emotionale Verstrickung der Gutachterin schliessen. Insbesondere bei Schmerzpatienten geh�rt es zur Aufgabe eines Gutachters, beobachtetes Verhalten zu beschreiben. Allein daraus kann nicht der Anschein der Befangenheit abgeleitet werden ( ULRICH MEYER/MARCO REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014, S. 400 mit Hinweisen).
5.3.�Zum Einwand, das psychiatrische Gutachten enthalte keine expliziten Ausf�hrungen zur Arbeitsf�higkeit und insbesondere werde der Widerspruch zu den objektiv erhobenen Befunden nicht thematisiert, ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdef�hrerin auf ihre Schmerzen und ihren�
subjektiv�hoffnungslosen, nicht ver�nderbaren Zustand eingeengt ist. Im �brigen wurde ausdr�cklich angegeben, in den vorhandenen Akten werde entweder unspezifisch auf eine�
psychosoziale�Problematik hingewiesen oder explizit das Verhalten der Versicherten als psychisch�
unauff�llig�beschrieben. Die Beschwerdef�hrerin vermag diese Aktenlage nicht zu widerlegen (vgl. auch E. 5.4). Mithin ist der Umstand, dass keine psychiatrische Diagnose gestellt wurde, hinreichend erkl�rt. Anzuf�gen ist zudem, dass die im Zeitpunkt der Begutachtung festgestellte mangelnde Vermittelbarkeit auf dem (damals) deutlich reduzierten Allgemeinzustand basierte und nicht aus psychischen Gr�nden erfolgte.
5.4.�Die R�ge, laut Privatgutachten der Frau Dr. med. E.________, Fach�rztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 15. Juni 2014, seien psychiatrisch relevante Diagnosen gestellt worden, ist zu relativieren. Denn die psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Sie er�ffnet dem begutachtenden Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen m�glich, zul�ssig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteile 9C_794/2012 vom 4. M�rz 2013 E. 4.2, 9C_935/2012 vom 16. September 2013 E. 5, I 676/05 vom 13. M�rz 2006 E. 2.4). Dabei hat die Vorinstanz f�r das Bundesgericht verbindlich festgehalten, dass im Wesentlichen die gleichen Erkenntnisse gegeben sind und der Gutachterin Dr. med. F.________ keine wesentlichen Punkte entgangen sind. Die Privatgutachterin hat denn auch selber festgehalten, dass sich weder durch das klinische Bild noch durch die Ergebnisse des verwendeten Selbstbeurteilungsinstruments die geforderten Kriterien f�r die im ICD-10 kategorial gefasste Diagnose einer depressiven St�rung im Sinne einer rezidivierenden depressiven St�rung mittelgradiger respektive schwerer Auspr�gung explorieren liessen. Entsprechend stellte sie lediglich die nicht ICD-10-kodifizierte Diagnose einer "Verbitterungsst�rung". Leichte bis mittelschwere psychische St�rungen sind rechtsprechungsgem�ss nicht invalidisierend (vgl. statt vieler Urteil 9C_726/2014 vom 25. Februar 2015 E. 3.2.1). Zum Einwand, es fehle im Administrativgutachten an einer Auseinandersetzung mit den Foerster-Kriterien, kann darauf hingewiesen werden, dass auch im Privatgutachten ein sozialer R�ckzug nur als "in mittlerer Auspr�gung vorhanden" eingestuft worden ist. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Kriterien auch sonst in gen�gender Auspr�gung gegeben sein sollten, damit die Somatisierungsst�rung dennoch ausnahmsweise als invalidisierend zu betrachten w�re.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 BGG). Die Gerichtskosten werden der unterliegenden Beschwerdef�hrerin auferlegt (Art. 65 Abs. 4 lit. a i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG).
Dieses Urteil wird den Parteien, der B.________, dem Versicherungsgericht des Kantons Aargau und dem Bundesamt f�r Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.