Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/grundsicherung-fuer-selbstaendige-und-die-berechnung-des-zu-beruecksichtigenden-einkommens-373706
Timestamp: 2020-08-11 01:55:31
Document Index: 347871989

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 7', '§ 9', '§ 20', '§ 19', '§ 11', '§ 11', '§ 4', '§ 11', '§ 3', '§ 3', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 11', '§ 3', '§ 3', '§ 41', '§ 11', '§ 11', '§ 3', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 2', '§ 13', '§ 11', '§ 11', '§ 3', '§ 3', '§ 11', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 18', '§ 18', '§ 3', '§ 2', '§ 3', '§ 18', '§ 18', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', 'Art 80', '§ 3', '§ 11', 'Art 1', 'Art 20', '§ 23', '§ 3', '§ 3', 'Art 1', 'Art 20', '§ 3', '§ 3', 'Art 3', '§ 45', '§ 2', '§ 3', '§ 3', '§ 13', '§ 11', '§ 3', '§ 11', '§ 11', '§ 2', '§ 11', '§ 2', '§ 2', '§ 11', '§ 45', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 13', '§ 13', '§ 11']

Grundsicherung für Selbständige - und die Berechnung des zu berücksichtigenden Einkommens | Rechtslupe
Grundsicherung für Selbständige - und die Berechnung des zu berücksichtigenden Einkommens
Grund­si­che­rung für Selb­stän­di­ge – und die Berech­nung des zu berück­sich­ti­gen­den Ein­kom­mens
Bei einem Selb­stän­di­gen ist die ver­ein­nahm­te Umsatz­steu­er ist zu berück­sich­ti­gen­des Ein­kom­men nach dem SGB II. Nur im Bewil­li­gungs­zeit­raum tat­säch­lich erfolg­te Umsatz­steu­er­zah­lun­gen kön­nen vom Ein­kom­men Selbst­stän­di­ger abge­setzt wer­den; Rück­stel­lun­gen für künf­ti­ge Umsatz­steu­er­zah­lun­gen füh­ren dage­gen nicht zu ent­spre­chen­den Abset­zun­gen.
Die Rege­lung, wonach die im Bewil­li­gungs­zeit­raum erziel­ten, um not­wen­di­ge Aus­ga­ben berei­nig­ten Ein­nah­men eines Selbst­stän­di­gen abwei­chend von ihrem tat­säch­li­chen Zufluss gleich­mä­ßig monat­lich auf­zu­tei­len sind (§ 3 Abs 4 Alg II-V), ist ermäch­ti­gungs­kon­form und ver­stößt nicht gegen höher­ran­gi­ges Recht.
Seit dem 1.01.2008 ver­weist die Alg II?V nicht mehr auf die Vor­schrif­ten des Steu­er­rechts. Daher ist die ver­ein­nahm­te Umsatz­steu­er wie die übri­gen Ein­nah­men bei der Berech­nung des Ein­kom­mens zu berück­sich­ti­gen. Ent­schei­dend ist des­halb auch für die Umsatz­steu­er, ob sie im Lau­fe des Bewil­li­gungs­ab­schnitts als not­wen­di­ge Betriebs­aus­ga­beim Sin­ne des § 3 Abs 2 Alg II?V gezahlt wur­de. Allein die künf­ti­ge Fäl­lig­keit einer Umsatz­steu­er führt nicht zu einem Absetz­be­trag im aktu­el­len Bewil­li­gungs­ab­schnitt.
Leis­tun­gen nach dem SGB II erhal­ten gemäß § 7 Abs 1 Satz 1 SGB II [1] Per­so­nen, die
das 15. Lebens­jahr voll­endet und das 65. Lebens­jahr noch nicht voll­endet haben (Nr 1),
die erwerbs­fä­hig (Nr 2) und
hil­fe­be­dürf­tig (Nr 3) sind und
ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land haben (Nr 4).
Nach § 9 Abs 1 SGB II ist hil­fe­be­dürf­tig, wer sei­nen Lebens­un­ter­halt, sei­ne Ein­glie­de­rung in Arbeit und den Lebens­un­ter­halt der mit ihm in einer Bedarfs­ge­mein­schaft leben­den Per­so­nen nicht oder nicht aus­rei­chend aus eige­nen Kräf­ten und Mit­teln, ua nicht aus dem zu berück­sich­ti­gen­den Ein­kom­men, sichern kann und die erfor­der­li­che Hil­fe nicht von ande­ren erhält. Bei Prü­fung der Hil­fe­be­dürf­tig­keit ist vor­lie­gend der durch die Regel­leis­tun­gen nach § 20 Abs 3 SGB II [2] für Part­ner einer Bedarfs­ge­mein­schaft aus­ge­drück­te Bedarf in Höhe von jeweils 316 € zugrun­de zu legen. Die Höhe der Bedar­fe für Unter­kunft und Hei­zung sind dage­gen für die Ent­schei­dung im vor­lie­gen­den Rechts­streit wegen der Rege­lung in § 19 Satz 3 SGB II [3] unbe­acht­lich.
Nach § 11 Abs 1 Satz 1 SGB II a.F. [4] sind als Ein­kom­men zu berück­sich­ti­gen Ein­nah­men in Geld oder Gel­des­wert mit Aus­nah­me der Leis­tun­gen nach die­sem Buch, der Grund­ren­te nach dem Bun­des­ver­sor­gungs­ge­setz (BVG) und nach den Geset­zen, die eine ent­spre­chen­de Anwen­dung des BVG vor­se­hen und der Ren­ten oder Bei­hil­fen, die nach dem Bun­des­ent­schä­di­gungs­ge­setz für Scha­den an Leben sowie an Kör­per oder Gesund­heit erbracht wer­den, bis zur Höhe der ver­gleich­ba­ren Grund­ren­te nach dem BVG. Die vom Selb­stän­di­gen erziel­ten Ein­nah­men aus der Ein­zel­fir­ma einer­seits und der KG ande­rer­seits unter­fal­len – wie auch die Ren­te der Selb­stän­di­gein – kei­ner der in § 11 Abs 1 Satz 1 SGB II aF benann­ten Aus­nah­men.
Bei den Ein­künf­ten, die dem Selb­stän­di­gen aus der KG zuge­flos­sen sind, han­delt es sich um Ein­künf­te aus einem Gewer­be­be­trieb und nicht um Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen (vgl § 4 Satz 2 Nr 3 Alg II‑V 2008), sodass bei ihrer Berech­nung (ergän­zend zu § 11 Abs 2 SGB II aF) § 3 Alg II‑V 2008 Anwen­dung fin­det. Zur Abgren­zung der Ein­kunfts­ar­ten von­ein­an­der ist das Steu­er­recht her­an­zu­zie­hen, schon weil die Alg II‑V 2008 inso­weit an die im Steu­er­recht defi­nier­ten Begrif­fe anknüpft [5]. Ledig­lich bei den von den Ein­nah­men vor­zu­neh­men­den Abset­zun­gen ist in § 3 Abs 2 Alg II‑V 2008 aus­drück­lich die Nicht­an­wend­bar­keit der steu­er­recht­li­chen Rege­lun­gen nor­miert.
Nach § 15 Abs 1 EStG sind ua die Gewinn­an­tei­le der Gesell­schaf­ter einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft und die Ver­gü­tun­gen, die der Gesell­schaf­ter von der Gesell­schaft für sei­ne Tätig­keit im Dienst der Gesell­schaft oder für die Hin­ga­be von Dar­le­hen oder für die Über­las­sung von Wirt­schafts­gü­tern bezo­gen hat, als Ein­künf­te aus einem Gewer­be­be­trieb anzu­se­hen. § 15 Abs 1 Satz 1 Nr 2 EStG erfasst dabei auch sol­che Ein­nah­men der Gesell­schaf­ter, die ohne die­se Vor­schrift als Ein­künf­te aus selb­stän­di­ger Arbeit zu erfas­sen wären [6]. Da der Selb­stän­di­ge die KG vor­lie­gend als Kom­man­di­tist und als Allein­ge­sell­schaf­ter und Geschäfts­füh­rer der Kom­ple­men­tär­ge­sell­schaft ohne jede Not­wen­dig­keit einer Abstim­mung mit ande­ren Gesell­schaf­tern geführt hat, steht sei­ne Selb­stän­dig­keit inso­weit nicht in Zwei­fel, wie das LSG im Ein­zel­nen aus­ge­führt hat.
Dabei sind sämt­li­che Umsatz­er­lö­se und die sons­ti­gen betrieb­li­chen Ein­nah­men der KG im Bewil­li­gungs­zeit­raum als Ein­nah­men des Selb­stän­di­gen anzu­se­hen. Soweit als Ein­künf­te in § 15 Abs 1 EStG nur der „Gewinn­an­teil“, der sich nach den all­ge­mei­nen Gewinn­ermitt­lungs­vor­schrif­ten des Steu­er­rechts ergibt, ange­se­hen wird, folgt das SGB II seit Neu­fas­sung der Alg II‑V zum 1.01.2008 in Ergän­zung zu § 11 SGB II aF aus­drück­lich ande­ren Rege­lun­gen. Bei der Berech­nung des Ein­kom­mens aus selb­stän­di­ger Arbeit, Gewer­be­be­trieb oder Land- und Forst­wirt­schaft ist nach § 3 Abs 1 Satz 1 Alg II‑V 2008 von den Betriebs­ein­nah­men aus­zu­ge­hen. Nach § 3 Abs 1 Satz 2 Alg II‑V 2008 sind Betriebs­ein­nah­men ua alle aus der selb­stän­di­gen Tätig­keit bzw dem Gewer­be­be­trieb erziel­ten Ein­nah­men, die im Bewil­li­gungs­zeit­raum (§ 41 Abs 1 Satz 4 SGB II) tat­säch­lich zuflie­ßen.
Ent­schei­dend für die Zuord­nung sämt­li­cher Zuflüs­se als Ein­nah­me des Selb­stän­di­gen ist danach allein, dass er auf­grund sei­ner Posi­ti­on in der KG und der Kom­man­dit­ge­sell­schaft unein­ge­schränkt über die zuge­flos­se­nen Mit­tel ver­fü­gen konn­te. Die Aus­übung des Gewer­bes in der Kon­struk­ti­on einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft führt für sich genom­men im Anwen­dungs­be­reich des § 11 SGB II aF nicht zu einer pri­vi­le­gier­ten Stel­lung gegen­über sons­ti­gen Selb­stän­di­gen. Was im Ein­zel­nen gilt, wenn wei­te­re Per­so­nen an einer KG betei­ligt sind, kann hier offen blei­ben; ein sol­cher Fall liegt nicht vor. Da von Selb­stän­di­gen im Anwen­dungs­be­reich des SGB II der Ver­brauch der zuge­flos­se­nen Mit­tel zur Deckung des Lebens­un­ter­halts nicht unein­ge­schränkt gefor­dert wird, son­dern die mit der Füh­rung des Unter­neh­mens ver­bun­de­nen tat­säch­li­chen not­wen­di­gen Aus­ga­ben (ins­be­son­de­re also aktu­el­le Ver­pflich­tun­gen den Gläu­bi­gern gegen­über) als Abset­zun­gen zu berück­sich­ti­gen sind, steht – anders als vom Selb­stän­di­gen im Beru­fungs­ver­fah­ren vor­ge­tra­gen – die Bege­hung von Insol­venz­straf­ta­ten wegen eines vom SGB II gefor­der­ten Ver­hal­tens nicht in Rede.
Auch die Ein­nah­men der KG, die in den im Bewil­li­gungs­zeit­raum erstell­ten Rech­nun­gen als Umsatz­steu­er aus­ge­wie­sen und ver­ein­nahmt wor­den sind, sind Ein­kom­menim Sin­ne des § 11 SGB II aF iVm § 3 Abs 1 Alg II‑V 2008. Zwar ist der Unter­neh­mer nicht der wirt­schaft­li­che Trä­ger der Umsatz­steu­er, die­se Steu­er trifft wirt­schaft­lich viel­mehr den End­ver­brau­cher. Für die Fra­ge, ob ein Zufluss als Ein­kom­menim Sin­ne des § 11 SGB II aF zu berück­sich­ti­gen ist, ist aber nicht allein eine wirt­schaft­li­che Betrach­tungs­wei­se maß­ge­bend. Ent­schei­dend für die Pri­vi­le­gie­rung von bestimm­ten Zuflüs­sen­im Sin­ne des § 11 SGB II aF ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts viel­mehr, dass in dem Zeit­punkt, in dem die Ein­nah­me als Ein­kom­men berück­sich­tigt wer­den soll, der Zufluss bereits mit einer (wirk­sa­men) Ver­pflich­tung zur Rück­zah­lung belas­tet ist. Jeden­falls sofern eine Ver­pflich­tung zur Rück­zah­lung einer lau­fen­den Ein­nah­me erst nach dem Zeit­raum ein­tritt, für den sie berück­sich­tigt wer­den soll (hier also nach Ablauf des Bewil­li­gungs­zeit­raums; dazu unter 5 und 6), besteht die Ver­pflich­tung des Hil­fe­be­dürf­ti­gen, den Zufluss als „berei­tes Mit­tel“ auch zu ver­brau­chen. Dies hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bereits für den Fall ent­schie­den, dass der Leis­tungs­emp­fän­ger eine ande­re öffent­lich-recht­li­che Sozi­al­leis­tung (für ihn erkenn­bar) zu Unrecht erhal­ten hat und er in der Fol­ge nach Auf­he­bung einer ent­spre­chen­den Bewil­li­gung zur Rück­zah­lung ver­pflich­tet sein wür­de [7].
Für Ver­kehrs­steu­ern wie die Umsatz­steu­er, die an den Steu­er­gläu­bi­ger wei­ter­ge­lei­tet wer­den müs­sen, gilt nichts ande­res. Auch wenn im Zeit­punkt des Zuflus­ses der zu ver­steu­ern­den Ein­nah­me die Steu­er­pflicht bereits abseh­bar ist, ent­steht die Pflicht zur Zah­lung und also die maß­geb­li­che Belas­tung erst mit der voll­stän­di­gen Ver­wirk­li­chung des Steu­er­tat­be­stan­des. § 11 Abs 1 SGB II aF geht im Grund­satz von einem Ein­kom­men im Sin­ne des unge­kürz­ten, nicht um Abga­ben und ähn­li­che Beträ­ge gemin­der­ten Brut­to­ein­kom­men aus (vgl aus­drück­lich auch § 2 Abs 1 Alg II‑V 2008). Für die Bewer­tung, ob Beträ­ge, die von Unter­neh­mern als Umsatz­steu­er aus­ge­wie­sen und ver­ein­nahmt wor­den sind, als Ein­kom­men Selb­stän­di­ger zu berück­sich­ti­gen sind, kommt es des­halb ent­schei­dend dar­auf an, wann die Steu­er tat­säch­lich ent­steht. Der Steu­er­an­spruch der Finanz­ver­wal­tung, auf den Zah­lun­gen zu leis­ten sind, ent­steht aber nicht mit der Ver­ein­nah­mung des Zuflus­ses, son­dern nach § 13 Abs 1 Nr 1 Buchst a und b UStG, die vor­lie­gend allein ein­schlä­gig sind, erst mit Ablauf des Vor­anmel­dungs­zeit­raums, in dem die Leis­tung erbracht bzw das Ent­gelt ver­ein­nahmt wird [8]. Damit ist der ent­spre­chen­de Zufluss (also die Ver­ein­nah­mung des Ent­geltsim Sin­ne des UStG) auch nicht von vorn­her­ein nach dem SGB II pri­vi­le­giert, son­dern gehört (als Brut­to­ein­nah­me vor Steu­er) zum Ein­kom­men.
Von dem Ein­kom­men Selb­stän­di­ger (hier aus­ge­drückt durch die Betriebs­ein­nah­men) sind in einem ers­ten Schritt die im Bewil­li­gungs­zeit­raum tat­säch­lich geleis­te­ten not­wen­di­gen Aus­ga­ben mit Aus­nah­me der nach § 11 Abs 2 SGB II aF abzu­set­zen­den Beträ­ge ohne Rück­sicht auf steu­er­recht­li­che Vor­schrif­ten abzu­set­zen. Die Bei­trä­ge, die sich aus § 11 Abs 2 SGB II aF erge­ben, wer­den (im Grund­satz) erst in einem abschlie­ßen­den Schritt auf das nach § 3 Abs 4 Alg II‑V 2008 monats­wei­se ver­teil­te Ein­kom­men abge­zo­gen.
Zunächst sind von den Betriebs­ein­nah­men die not­wen­di­gen Betriebs­aus­ga­be­nim Sin­ne des § 3 Abs 2 Alg II‑V 2008 abzu­set­zen. Die Kos­ten für Büro­räu­me und betriebs­be­ding­te Fahr­ten stel­len sich als not­wen­di­ge Aus­ga­ben dar. Die Fra­ge, ob die (im strei­ti­gen Bewil­li­gungs­zeit­raum tat­säch­lich ange­fal­le­nen) Bei­trä­ge zur Rechts­schutz­ver­si­che­rung und zur Haft­pflicht­ver­si­che­rung dem Grun­de und der Höhe nach als not­wen­di­ge betriebs­be­ding­te Aus­ga­be eines selb­stän­dig Erwerbs­tä­ti­gen anzu­se­hen sind (ggf anders als bei nicht­selb­stän­dig Erwerbs­tä­ti­gen [9]), kann offen blei­ben. Selbst wenn man zuguns­ten der Selb­stän­di­ge von Betriebs­aus­ga­ben aus­geht, ver­bleibt ein um die­se Aus­ga­ben berei­nig­tes Ein­kom­men, das zusam­men mit dem wei­te­ren Ein­kom­men zur Bedarfs­de­ckung aus­reicht.
Von den zuge­flos­se­nen Betriebs­ein­nah­men sind die aner­kann­ten Aus­ga­ben (neben gezahl­ten Hono­ra­ren die Kör­per­schafts­steu­er, Kos­ten für die Büro­ein­rich­tung und den Büro­be­darf, die Kos­ten für die Nut­zung eines über­wie­gend betrieb­lich genutz­ten Kraft­fahr­zeugs sowie für den öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr) abzu­set­zen. Es han­delt sich inso­weit um not­wen­di­ge betriebs­be­ding­te Aus­ga­ben. Ins­be­son­de­re die Hono­ra­re, die die KG der Ein­zel­fir­ma des Selb­stän­di­gen gezahlt hat und die dort als Ein­nah­men berück­sich­tigt wor­den sind, sind hier zutref­fend als Aus­ga­ben berück­sich­tigt, sodass es nicht zu einer dop­pel­ten Berück­sich­ti­gung von Ein­kom­men kommt. Dage­gen sind die vom Selb­stän­di­gen vor­ge­nom­me­nen Rück­stel­lun­gen in Höhe der für die Umsatz­steu­er ver­ein­nahm­ten Ent­gel­te nicht als not­wen­di­ge Betriebs­aus­ga­ben zu berück­sich­ti­gen.
Aller­dings han­delt es sich bei der Umsatz­steu­er nicht um eine Steu­er­im Sin­ne des § 11 Abs 2 Satz 1 Nr 1 SGB II aF, die nach § 3 Abs 4 Satz 3 Alg II‑V 2008 nur in dem Monat abge­setzt wer­den könn­te, in dem sie zu ent­rich­ten wäre, und die also der Höhe nach auf die dem jewei­li­gen Monat zuge­wie­se­nen Ein­nah­men begrenzt wäre. Inso­weit unter­fällt die Umsatz­steu­er nicht der Rück­aus­nah­me in § 3 Abs 2 Alg II‑V 2008, wovon auch der Beklag­te in sei­nen Hin­weis­blät­tern aus­geht. Mit den Rege­lun­gen in § 3 Abs 2 iVm Abs 4 Satz 2 Alg II‑V 2008 soll eine Gleich­stel­lung mit Nicht­selb­stän­di­gen erreicht wer­den. Damit sind nur sol­che Steu­ern von der Rück­aus­nah­me in § 3 Abs 2 Alg II‑V 2008 und der Rege­lung in § 3 Abs 4 Satz 3 Alg II‑V 2008 erfasst, die von den ver­steu­er­ba­ren Ein­künf­ten (also dem Gewinn) des Selb­stän­di­gen zu ent­rich­ten sind. Bei der Umsatz­steu­er han­delt es sich aber um eine Ver­kehrs­steu­er, nicht um eine Ein­kom­men­steu­er.
Vor­lie­gend ist aber im Bewil­li­gungs­zeit­raum Umsatz­steu­er nicht tat­säch­lich (auch nicht in einem ein­zel­nen Monat) zu ent­rich­ten gewe­sen und auch nicht ent­rich­tet wor­den, weil die KG von der vier­tel­jähr­li­chen Umsatz­steu­er­vor­anmel­dung befreit war (vgl § 18 Abs 2 Satz 3 UStG) und also die Pflicht zu Vor­aus­zah­lun­gen nach Ablauf eines vier­tel­jähr­li­chen Vor­anmel­dungs­zeit­raums (hier zum 10.01.2009 und zum 10.04.2009; vgl § 18 Abs 1 Satz 4 UStG) nicht bestand. Der Selb­stän­di­ge hat nach eige­nem Vor­brin­gen im Bewil­li­gungs­zeit­raum auch kei­ne Umsatz­steu­er­an­mel­dung für die KG ein­ge­reicht, die eine Umsatz­steu­er­pflicht hät­te ent­ste­hen las­sen. Ent­spre­chen­de Beträ­ge kön­nen aus die­sem Grund nicht abge­setzt wer­den. Anders als der Selb­stän­di­ge meint, ist die Befrei­ung von der Vor­anmel­dung der ent­schei­den­de Umstand, der dazu führt, dass von den ver­ein­nahm­ten Ent­gel­ten eine „zu ent­rich­ten­de Steu­er“ im Bewil­li­gungs­zeit­raum nicht abzu­set­zen ist.
Rück­stel­lun­gen, die der Unter­neh­mer vor­nimmt, kön­nen dage­gen nicht zu ent­spre­chen­den Abset­zun­gen füh­ren. Zwar sind selb­stän­dig Erwerbs­tä­ti­ge bei Anwen­dung der Ein­kom­mens­re­ge­lun­gen inso­fern pri­vi­le­giert, als aktu­el­le Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen (etwa gegen­über Lie­fe­ran­ten) von den Ein­nah­men (und zwar über den gesam­ten Bewil­li­gungs­zeit­raum hin­weg) abge­setzt wer­den kön­nen, soweit sol­che Aus­ga­ben für die Füh­rung des Gewer­bes not­wen­dig sind. Dem­ge­gen­über muss der nicht­selb­stän­di­ge Hil­fe­be­dürf­ti­ge sein Ein­kom­men auch dann zur Behe­bung einer gegen­wär­ti­gen Not­la­ge für sich ver­wen­den, wenn er sich dadurch außer­stan­de setzt, ander­wei­tig bestehen­de Ver­pflich­tun­gen zu erfül­len [10]. Auch im Rah­men des § 3 Abs 1 und 2 Alg II‑V 2008 knüpft der Ver­ord­nungs­ge­ber aus­drück­lich an das Zufluss­prin­zip an, das im SGB II vor­ge­ge­ben ist. Es wer­den einer­seits nur im Bewil­li­gungs­zeit­raum tat­säch­lich erziel­te Ein­nah­men berück­sich­tigt und ande­rer­seits nur in die­sem Zeit­raum tat­säch­lich erbrach­te Auf­wen­dun­gen abge­setzt. So wird gewähr­leis­tet, dass auch bei Selb­stän­di­gen die Ein­künf­te zur Bedarfs­de­ckung her­an­ge­zo­gen wer­den, die im Bewil­li­gungs­zeit­raum tat­säch­lich zur Ver­fü­gung stan­den. Dies hat der 4. Bun­des­so­zi­al­ge­richt für die Ermitt­lung des Ein­kom­mens Selb­stän­di­ger unter Gel­tung von § 2a Alg II‑V [11], der eng ans Steu­er­recht anknüpf­te, bereits ent­schie­den [12]. Für § 3 Abs 2 Alg II‑V 2008 gilt nichts ande­res.
Die­ses Ergeb­nis steht zu steu­er­recht­li­chen Grund­sät­zen nicht in Wider­spruch. Die Befrei­ungs­mög­lich­keit von der Umsatz­steu­er­vor­anmel­dung besteht nur für Kleinst­un­ter­neh­mer und ist nach § 18 Abs 2 Satz 3 UStG dar­an geknüpft, dass im vor­an­ge­gan­ge­nen Kalen­der­jahr eine Umsatz­steu­er von weni­ger als 1000 Euro abzu­füh­ren war. Dies hält das Insol­venz­ri­si­ko des Steu­er­gläu­bi­gers gering, das ent­steht, wenn ver­ein­nahm­te Ent­gel­te nur jähr­lich abge­führt wer­den müs­sen, und schützt den Unter­neh­mer aus­rei­chend vor zu hohen Nach­zah­lun­gen. Eines wei­ter­ge­hen­den Schut­zes durch eine zusätz­li­che Berück­sich­ti­gung von Rück­stel­lun­gen über das Jahr hin­weg zu Las­ten des Trä­gers der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de bedarf es nicht. Wenn – wie es § 18 Abs 2 Satz 3 UStG impli­ziert – die zu erwar­ten­de Umsatz­steu­er auch für das Fol­ge­jahr nicht wesent­lich mehr als 1000 Euro beträgt, führt die Abset­zung nach § 3 Abs 2 Alg II‑V 2008 in dem Bewil­li­gungs­zeit­raum, in dem die Steu­er tat­säch­lich zu ent­rich­ten ist, regel­mä­ßig nicht zu einer Beein­träch­ti­gung der wirt­schaft­li­chen Hand­lungs­fä­hig­keit des selb­stän­dig täti­gen Leis­tungs­emp­fän­gers. Schließ­lich steht es dem Unter­neh­mer auch bei rela­tiv gerin­gen Umsät­zen frei, im Fol­ge­jahr zu einer Umsatz­steu­er­vor­anmel­dung zurück­zu­keh­ren. Die ent­spre­chen­den Umsatz­steu­er­vor­aus­zah­lun­gen wären dann auch im Rah­men des § 3 Abs 2 Alg II‑V 2008 abzu­set­zen.
Die um die not­wen­di­gen Aus­ga­ben berei­nig­ten Ein­nah­men sind nach § 3 Abs 4 Alg II‑V 2008 – abwei­chend von ihrem tat­säch­li­chen Zufluss – gleich­mä­ßig monat­lich auf­zu­tei­len. Damit wer­den Ein­nah­men fik­tiv einem Monat zuge­ord­net, ohne dass zu über­prü­fen ist, ob sie in die­sem Monat tat­säch­lich zur Bedarfs­de­ckung zur Ver­fü­gung stan­den. § 3 Abs 4 Alg II‑V 2008 steht gleich­wohl mit der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge in § 13 Nr 1 SGB II [13] (nun­mehr § 13 Abs 1 Nr 1 SGB II) in Ein­klang und ver­stößt nicht gegen höher­ran­gi­ges Recht.
§ 13 Nr 1 SGB II ermäch­tigt den Ver­ord­nungs­ge­ber zum Erlass einer Ver­ord­nung, in der die Berück­sich­ti­gung und Berech­nung von Ein­kom­men näher gere­gelt wird. Hin­sicht­lich des Aus­ma­ßes der Ermäch­ti­gung ent­hält § 13 Nr 1 SGB II eine Rege­lung, die den hier ein­ge­räum­ten Gestal­tungs­spiel­raum jeden­falls in Zusam­men­hang mit den übri­gen Rege­lun­gen des SGB II hin­rei­chend ein­grenzt; die Ermäch­ti­gung des § 13 Nr 1 SGB II genügt dem Bestimmt­heits­ge­bot des Art 80 Abs 1 Satz 2 GG [14].
§ 3 Abs 4 Alg II‑V 2008 ver­stößt, soweit er bei der end­gül­ti­gen Bewil­li­gung von Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts Anwen­dung fin­det, auch nicht gegen höher­ran­gi­ges Recht. Grund­sätz­lich erfolgt bei der Berück­sich­ti­gung von Ein­kom­men nach dem SGB II zwar eine monats­wei­se Betrach­tung, was sich aus dem Gesamt­zu­sam­men­hang der Rege­lun­gen im Gesetz ergibt [15] und was nun­mehr § 11 Abs 2 Satz 1 SGB II [16] aus­drück­lich regelt. Eine modi­fi­zie­ren­de Anord­nung in Bezug auf die­ses monats­be­zo­ge­ne Zufluss­prin­zip durch die Alg II‑V 2008 ist im Grund­satz aber zuläs­sig [17]. Einer Berück­sich­ti­gung von „fik­ti­vem“ Ein­kom­men sind aller­dings Gren­zen gesetzt. Die Ver­wei­ge­rung exis­tenz­si­chern­der Leis­tun­gen auf­grund einer unwi­der­leg­li­chen Annah­me, dass die Hil­fe­be­dürf­tig­keit bei einem bestimm­ten wirt­schaft­li­chen Ver­hal­ten abzu­wen­den gewe­sen wäre, ist mit Art 1 iVm Art 20 GG nicht ver­ein­bar [18]. Zu berück­sich­ti­gen­des Ein­kom­men muss tat­säch­lich geeig­net sein, Hil­fe­be­dürf­tig­keit zu besei­ti­gen.
Auch Selb­stän­di­ge kön­nen des­halb (soweit nicht der Anwen­dungs­be­reich der Dar­le­hens­re­ge­lung (vgl § 23 Abs 4 SGB II aF) eröff­net ist) nur dann auf einen künf­tig zu erwar­ten­den Mit­tel­zu­fluss ver­wie­sen wer­den, wenn zumin­dest eine vor­läu­fi­ge Leis­tungs­be­wil­li­gung den aktu­el­len Lebens­un­ter­halt aus­rei­chend sichert. Wenn ein selb­stän­dig erwerbs­tä­ti­ger Leis­tungs­be­rech­tig­ter unter Hin­weis auf feh­len­de Mit­tel zur aktu­el­len Bedarfs­de­ckung einen Antrag auf Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts beim Job­cen­ter stellt, ist bei objek­tiv unkla­rer künf­ti­ger Ein­kom­mens­si­tua­ti­on – wie bei nicht­selb­stän­dig erwerbs­tä­ti­gen Leis­tungs­be­rech­tig­ten mit schwan­ken­dem Ein­kom­men auch [19] – der Trä­ger zu einer vor­läu­fi­gen Bewil­li­gung zur Abwen­dung aktu­el­ler Hil­fe­be­dürf­tig­keit ver­pflich­tet. Davon geht auch der Ver­ord­nungs­ge­ber aus, wie ins­be­son­de­re die Rege­lun­gen § 3 Abs 6 Alg II‑V 2008 zei­gen [20]. Zwar kön­nen bei einer vor­läu­fi­gen Bewil­li­gung künf­ti­ge Ein­nah­men geschätzt wer­den; in ers­ter Linie muss die vor­läu­fi­ge Bewil­li­gung aber die aktu­el­len und unab­weis­ba­ren exis­tenz­si­chern­den Bedar­fe des Leis­tungs­be­rech­tig­ten decken.
Im Zusam­men­spiel mit die­ser regel­mä­ßi­gen Ver­pflich­tung zu einer vor­läu­fi­gen Bewil­li­gung von Leis­tun­gen erwei­sen sich die in § 3 Abs 4 Alg II‑V 2008 gere­gel­ten Fol­gen als ver­fas­sungs­kon­form. Es ver­stößt nicht gegen Art 1 iVm Art 20 GG, wenn bei der end­gül­ti­gen Ent­schei­dung über die Leis­tun­gen eine Zuord­nung von berei­nig­tem Ein­kom­men gleich­mä­ßig auf sechs Mona­te vor­ge­nom­men wird; denn dies ent­spricht dem übli­chen Wirt­schaf­ten Selb­stän­di­ger und ver­langt kein Ver­hal­ten ab, das den Grund­sät­zen des Grund­si­che­rungs­rechts zuwi­der läuft. Die Not­wen­dig­keit, mit zuflie­ßen­den Ein­nah­men alle Aus­ga­ben, auch die Auf­wen­dun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts, län­ger­fris­tig als nur von Monat zu Monat decken zu müs­sen, ist typi­scher­wei­se mit jeder selb­stän­di­gen Tätig­keit ver­bun­den. Die Ver­tei­lung von im Bewil­li­gungs­zeit­raum erziel­ten Betriebs­ein­nah­men in § 3 Abs 4 Alg II‑V 2008 bringt in ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­si­ger Wei­se die Erwar­tung an einen Selb­stän­di­gen zum Aus­druck, dass er (auch wenn sei­ne Tätig­keit für sich genom­men nicht exis­tenz­si­chernd ist) über län­ger­fris­ti­ge Zeit­räu­me als einen Monat hin­weg mit den erziel­ten Ein­nah­men wirt­schaf­ten muss. Soweit der lau­fen­de Bedarf mit vor­läu­fi­gen Leis­tun­gen gedeckt und damit wirt­schaft­li­che Eng­päs­se soweit über­brückt wer­den, ist der Exis­tenz­si­che­rung aus­rei­chend Rech­nung getra­gen. Es bleibt auch für Selb­stän­di­ge nicht eine aktu­el­le Bedarfs­la­ge unge­deckt, son­dern es ent­steht nach Rück­for­de­rung nach end­gül­ti­ger Ent­schei­dung (nur) künf­tig eine Ver­bind­lich­keit gegen­über dem Trä­ger der Grund­si­che­rung [21].
Auch die unter­schied­li­che Behand­lung von selb­stän­di­gen und nicht­selb­stän­dig Erwerbs­tä­ti­gen im Anwen­dungs­be­reich des SGB II ist aus­rei­chend gerecht­fer­tigt; § 3 Abs 4 Alg II‑V 2008 ver­stößt nicht gegen Art 3 Abs 1 GG. Soweit bei abhän­gig beschäf­tig­ten Leis­tungs­emp­fän­gern durch den Zufluss eines Ein­kom­mens (das sich nicht als Ein­mal­zah­lung dar­stellt) Hil­fe­be­dürf­tig­keit für einen Monat über­wun­den wird und ver­blei­ben­des Ein­kom­men des­halb nach erneu­ter Antrag­stel­lung als Ver­mö­gen geschützt ist [22] und über­dies der Zufluss eines die Bedürf­tig­keit aus­schlie­ßen­den Ein­kom­mens kei­ne Aus­wir­kun­gen für die vor­an­ge­gan­ge­nen Mona­te eines Bewil­li­gungs­ab­schnitts haben kann, ist die teil­wei­se Schlech­ter­stel­lung von Selb­stän­di­gen, bei denen bezo­gen auf den Bewil­li­gungs­ab­schnitt der Zufluss eines die Hil­fe­be­dürf­tig­keit für einen Monat aus­schlie­ßen­den Ein­kom­mens nicht die­sel­ben Fol­gen hat, aus­rei­chend durch die Unter­schie­de in der Art der Erwerbs­tä­tig­keit gerecht­fer­tigt. Für eine selb­stän­di­ge Tätig­keit ist der – ua von der Auf­trags­la­ge abhän­gi­ge – unre­gel­mä­ßi­ge Zufluss von Ein­nah­men typisch. Die damit ver­bun­de­nen Risi­ken prä­gen die Ent­schei­dung des Ein­zel­nen, über­haupt selb­stän­dig am Markt tätig zu wer­den. Es ist von daher nicht zu bean­stan­den, wenn von selb­stän­di­gen Leis­tungs­emp­fän­gern nach nur vor­läu­fi­ger Bewil­li­gung von Arbeits­lo­sen­geld II regel­mä­ßig ein vor­aus­schau­en­des Wirt­schaf­ten erwar­tet wird, das zu einem gleich­mä­ßi­gen Ver­brauch von unre­gel­mä­ßi­gen Ein­nah­men führt. Schließ­lich ist des­halb auch nicht zu bean­stan­den, dass der Per­so­nen­kreis der nicht­selb­stän­di­gen Erwerbs­tä­ti­gen mit regel­mä­ßi­gem Ein­kom­men nach einer end­gül­ti­gen Leis­tungs­be­wil­li­gung (wegen der Not­wen­dig­keit ihrer Auf­he­bung ggf unter Berück­sich­ti­gung von Ver­trau­ens­schutz­ge­sichts­punk­ten; vgl § 45 SGB X) vor Rück­for­de­run­gen in stär­ke­rem Maße geschützt ist.
Wäh­rend schließ­lich § 2a Alg II‑V die Über­prü­fung not­wen­dig mach­te, ob der nach den Grund­sät­zen des Ein­kom­men­steu­er­rechts ermit­tel­te Gewinn des jewei­li­gen Steu­er­jahrs in die­sem Zeit­raum tat­säch­lich zur Bestrei­tung des Lebens­un­ter­halts zur Ver­fü­gung stand [23], ist mit der Ein­kom­mens­er­mitt­lung nach § 3 Abs 2 Alg II‑V 2008 bereits berück­sich­tigt, dass Anknüp­fungs­punkt für die Beur­tei­lung von Hil­fe­be­dürf­tig­keit nach dem SGB II die tat­säch­li­chen Ein­nah­men und Aus­ga­ben im Bewil­li­gungs­ab­schnitt sein müs­sen. Nach der Neu­fas­sung der Alg II‑V zum 1.01.2008 bedarf es des­halb die­ser wei­ter­ge­hen­den grund­si­che­rungs­recht­li­chen Ein­schrän­kung, wie sie noch bei Anknüp­fung an das Steu­er­recht erfor­der­lich war, nicht mehr.
Ob die Rege­lun­gen in § 3 Abs 5 Alg II‑V 2008, die in bestimm­ten Fäl­len abwei­chend von den dar­ge­leg­ten Grund­sät­zen eine Ein­be­zie­hung auch von außer­halb des Bewil­li­gungs­ab­schnitts erziel­ten Ein­kom­mens vor­se­hen, eben­falls ermäch­ti­gungs­kon­form sind [24], braucht vor­lie­gend nicht ent­schie­den zu wer­den.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt Urteil vom 22. August 2013 – B 14 AS 1/​13 R
idF der Norm durch das Kom­mu­na­le Opti­ons­ge­setz vom 30.07.2004, BGBl I 2014[↩]
idF des Geset­zes zur Ände­rung des SGB II und ande­rer Geset­ze vom 24.03.2006, BGBl I 558[↩]
idF des Geset­zes zur Fort­ent­wick­lung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de vom 20.07.2006, BGBl I 1706[↩]
idF, die die Norm mit dem Gesetz zur Ein­füh­rung des Eltern­gel­des vom 05.12.2006,BGBl I 2748, erhal­ten hat[↩]
vgl Mecke in Eicher, SGB II, 3. Aufl 2013, § 13 RdNr 54[↩]
zuletzt BFH Urteil vom 06.07.1999 – VIII R 46/​94, BFHE 189, 139 mwN[↩]
BSG Urteil vom 23.08.2011 – B 14 AS 165/​10 R, SozR 4–4200 § 11 Nr 43 RdNr 23[↩]
vgl BFH Urteil vom 29.01.2009 – V R 64/​07, BFHE 224, 24, RdNr 16[↩]
vgl inso­weit zum Recht der Arbeits­lo­sen­hil­fe BSGE 94, 109, SozR 4–4220 § 3 Nr 1, RdNr 31[↩]
vgl zuletzt BSG Urteil vom 29.11.2012 – B 14 AS 33/​12 R, BSGE 112, 229, SozR 4–4200 § 11 Nr 57, RdNr 14[↩]
idF der Ers­ten Ver­ord­nung zur Ände­rung der Arbeits­lo­sen­geld II/­So­zi­al­geld-Ver­ord­nung vom 22.08.2005, BGBl I 2499[↩]
BSGE 108, 258, SozR 4–4200 § 11 Nr 39, RdNr 29[↩]
in der bis zum 31.12.2007 gel­ten­den Fas­sung des Geset­zes zur Fort­ent­wick­lung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de, BGBl I 1706[↩]
vgl im Ein­zel­nen BSG Urteil vom 30.07.2008 – B 14 AS 43/​07 R[↩]
vgl bereits BSG SozR 4–4225 § 2 Nr 1 RdNr 14[↩]
idF des Geset­zes zur Ermitt­lung von Regel­be­dar­fen und zur Ände­rung des Zwei­ten und Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch vom 24.03.2011, BGBl I 453[↩]
vgl etwa BSGE 101, 291, SozR 4–4200 § 11 Nr 15, RdNr 20 ff zu den Rege­lun­gen über die Ein­mal­zah­lun­gen in § 2 Abs 4 Alg II‑V 2008; kri­tisch dage­gen Schwarz­los/­Sie­bel-Huff­mann, info also 2008, 51, 52 zu den Rege­lun­gen über schwan­ken­des Ein­kom­men in § 2 Abs 3 Alg II‑V 2008[↩]
vgl zuletzt BSGE 112, 229, SozR 4–4200 § 11 Nr 57, RdNr 14 unter Hin­weis auf BVerfG Beschluss vom 12.05.2005 – 1 BvR 569/​05, NVwZ 2005, 927, Breith 2005, 803 Nr 28[↩]
dazu BSG Urteil vom 29.11.2012 – B 14 AS 6/​12 R, BSGE 112, 221, SozR 4–1500 § 45 Nr 12, RdNr 18[↩]
vgl auch die nicht­amt­li­che Begrün­dung zum Ver­ord­nungs­ent­wurf (Novem­ber 2007) [↩]
ähn­lich bereits BSGE 112, 229, SozR 4–4200 § 11 Nr 57, RdNr 15[↩]
dazu BSGE 101, 291, SozR 4–4200 § 11 Nr 15, RdNr 31[↩]
BSGE 108, 258, SozR 4–4200 § 11 Nr 39, RdNr 30[↩]
zwei­felnd Hen­gel­haupt in: Hauck/​Noftz, SGB II, K § 13 RdNr 218; anders dage­gen Mecke in Eicher, SGB II, 3. Aufl 2013, § 13 RdNr 62; Gei­ger in Mün­der, SGB II, 4. Aufl 2011, § 11 RdNr 60[↩]
ALG IIAnrechenbares Einkommenergänzende Grundsicherungergänzendes ALG IISelbständigkeit