Source: http://www.apak-aoc.de/de/sonderuntersuchungen.html
Timestamp: 2018-04-26 06:00:56
Document Index: 279286918

Matched Legal Cases: ['§ 319', '§ 61', '§ 319', '§ 264', '§ 319', '§ 319', '§ 61']

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Anlassunabhängige Sonderuntersuchungen („Inspektionen“)
Anlassunabhängige Sonderuntersuchungen – auch Sonderuntersuchungen oder Inspektionen genannt – sind ein grundlegendes Instrument der präventiven Berufsaufsicht über Abschlussprüfer kapitalmarktorientierter Unternehmen. Sie dienen damit der Untersuchung und Verbesserung der Qualität der Abschlussprüfung. Damit vervollständigen sie auch das System zum Schutz des Kapitalmarktes und der an ihm Beteiligten. So wie die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) sich mit der Überprüfung der Rechnungslegung kapitalmarktorientierter Unternehmen befasst, werden auch deren Abschlussprüfer einer regelmäßigen Überprüfung unterzogen.
Sonderuntersuchungen werden regelmäßig in Stichproben und ohne besonderen Anlass bei Wirtschaftsprüfern und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften durchgeführt, die gesetzlich vorgeschriebene Abschlussprüfungen bei Unternehmen von öffentlichem Interesse nach § 319a Abs. 1 Satz 1 des Handelsgesetzbuchs durchgeführt haben (§§ 61a Satz 2 Nr. 2, 62b Abs. 1 WPO). Für die Organisation und Durchführung der anlassunabhängigen Sonderuntersuchungen ist Abschlussprüferaufsichtskommission (APAK) unmittelbar verantwortlich, die dazu einen entscheidungsbefugten Ausschuss eingerichtet hat (Ausschuss „Sonderuntersuchungen“).
Die Sonderuntersuchungen erfolgen nur bei den Praxen, die gesetzlich vorgeschriebene Abschlussprüfungen bei Unternehmen von öffentlichem Interesse im Sinne des § 319a Abs. 1 Satz 1 HGB durchführen. Unternehmen von öffentlichen Interesse sind dabei kapitalmarktorientierte Unternehmen (§ 264d HGB), d.h. börsennotierte Kapitalgesellschaften, deren Wertpapiere an einem organisierten Markt gehandelt werden.
Turnus, Auswahl der Praxen
Der Zeitraum, in dem mindestens eine Sonderuntersuchung durchzuführen ist, bemisst sich nach der Zahl der Prüfungen bei § 319a HGB-Unternehmen, die eine Praxis in dem der Sonderuntersuchung vorausgehenden Kalenderjahr durchgeführt hat. Bei Praxen mit mehr als 25 Mandaten werden sie jährlich durchgeführt. Bei allen übrigen Praxen wird innerhalb von drei Jahren mindestens eine Untersuchung durchgeführt. Häufigere Untersuchungen innerhalb des Turnus sind dadurch aber nicht ausgeschlossen.
Die Auswahl der zu untersuchenden Praxen orientiert sich auch an Risikoaspekten (z.B. Branchenschwerpunkte oder Börsensegmente der Prüfungsmandate, fachliche Schwerpunktthemen).
Zuständigkeit, Untersuchungsteams
Die Sonderuntersuchungen werden durch hauptamtliche Inspektoren durchgeführt, die ausschließlich dem Direktions- und Weisungsrecht der APAK unterstehen. Sie sind als Wirtschaftsprüfer qualifiziert und verfügen über langjährige praktische Erfahrungen in der Prüfung von großen Unternehmen, die nach nationalen und internationalen Rechnungslegungsnormen bilanzieren.
Untersuchungsziel, Untersuchungsgegenstand
Die Sonderuntersuchungen dienen der Feststellung, ob die betroffenen Praxen in den untersuchten Teilbereichen diejenigen Berufspflichten einhalten, die bei gesetzlich vorgeschriebenen Abschlussprüfungen von Unternehmen i. S. d. § 319a Abs. 1 Satz 1 HGB zu beachten sind.
Hierzu werden ausgewählte Teilbereiche des Qualitätssicherungssystems der Praxis sowie der Abwicklung von Aufträgen über gesetzlich vorgeschriebene Abschlussprüfungen untersucht. Teilbereiche des Qualitätssicherungssystems werden daraufhin untersucht, ob sie angemessen und wirksam sind. Die Untersuchung von Prüfungsaufträgen konzentriert sich auf die Einhaltung der Anforderungen an das prüferische Vorgehen (Beachtung der Berufspflichten) in einzelnen Teilbereichen.
Am Ende einer Sonderuntersuchung werden Einzelfeststellungen zu den untersuchten Teilbereichen getroffen. Ein Gesamturteil über die Abwicklung der Prüfungsaufträge oder das Qualitätssicherungssystem wird dagegen nicht abgegeben.
Berichterstattung über die Untersuchung
Das Ergebnis der Untersuchung wird in einem nicht-öffentlichen vorläufigen Bericht zusammengefasst. Dieser vorläufige Bericht wird der betroffenen Praxis mit der Möglichkeit zur Stellungnahme übersandt. Nach der Anhörung wird der abschließende Bericht gemeinsam mit den Stellungnahmen der betroffenen Praxis und des Untersuchungsleiters an die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) weitergeleitet.
Die WPK nimmt eine berufsrechtliche Würdigung der Feststellungen im Bericht vor. Die daraufhin durch die WPK getroffenen Entscheidungen unterliegen der Letztentscheidungsbefugnis der APAK. D.h. die APAK kann eine Entscheidung der WPK bestätigen, zur nochmaligen Prüfung an die WPK zurückverweisen oder bei Bedarf die Entscheidung aufheben und die WPK anweisen, die Entscheidung im Sinne der APAK zu treffen.
Wird keine Verletzung von Berufspflichten festgestellt, wird dies der Praxis mitgeteilt. Ergibt die Untersuchung objektive Verletzungen von Berufspflichten, werden der Praxis die erforderlichen Hinweise mitgeteilt. Geprüft wird zudem, ob zur Ahndung der festgestellten objektiven Berufspflichtverletzungen Maßnahmen gegen den Inhaber der Praxis oder den auftragsverantwortlichen Wirtschaftsprüfer getroffen werden müssen, insbesondere, ob ein Hinweis, eine Belehrung oder eine Rüge erteilt oder der Vorgang an die Berufsgerichtsbarkeit abgegeben werden muss. Wird eine nicht unwesentliche Verletzung von Berufspflichten im Zusammenhang mit dem Qualitätssicherungssystem der Praxis festgestellt, wird zudem die Kommission für Qualitätskontrolle der WPK unterrichtet.
Die Berichte über die Untersuchungen sind aufgrund gesetzlicher Bestimmungen durch die APAK und die WPK vertraulich zu behandeln und können nicht veröffentlicht werden. Die APAK veröffentlicht jedoch jährlich einen Tätigkeitsbericht, in dem über die Ergebnisse der Sonderuntersuchungen in allgemeiner Form berichtet wird.
Verfahrensordnung der APAK für die Durchführung der Untersuchungen nach §§ 61a Satz 2 Nr. 2, 62b Abs. 1 WPO
Mitteilung zum Arbeitsprogramm 2016 der Abteilung Sonderuntersuchungen