Source: http://docplayer.org/214414-307-der-beilagen-xxii-gp-regierungsvorlage-materialien-1-von-51.html
Timestamp: 2017-05-25 04:06:20
Document Index: 318790963

Matched Legal Cases: ['Art. 13', 'Art. 8', 'EuG', 'Art. 7', 'Art. 12', 'Art. 14', 'Art. 12', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 21', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'de lege lata', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 4', 'Art. 7', 'Art. 2', 'Art. 13', 'Art. 13', 'Art. 13', 'Art. 1', 'Art. 26', 'Art. 26', 'Art. 14', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 5', 'Art. 7', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 9', 'Art. 15', 'Art. 17', 'OGH', 'Art. 8', 'Art. 10', 'Art. 2', 'Art. 8', 'Art. 3', 'Art. 4', 'Art. 9', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 3', 'Art. 18', 'Art. 45', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 1']

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1 307 der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien 1 von 51 Vorblatt Probleme: Im Hinblick auf das EU-Recht ist eine Novellierung des Gleichbehandlungsgesetzes erforderlich. So sind die Richtlinie gemäß Artikel 13 EG-Vertrag 2000/43/EG des Rates zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft und die Richtlinie gemäß Artikel 13 EG-Vertrag 2000/78/EG des Rates zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf, die Diskriminierungen auf Grund der Religion oder einer Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung verbietet, durch die geltende österreichische Rechtslage nicht erfüllt. Weiters besteht hinsichtlich von Teilen der Richtlinie 2002/73/EG des Parlaments und des Rates zur Änderung der Richtlinie 76/207/EWG des Rates zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern und Frauen hinsichtlich des Zugangs zur Beschäftigung, zur Berufsbildung und zum beruflichen Aufstieg sowie in Bezug auf die Arbeitsbedingungen, worin unter anderem auch die Judikatur des Europäischen Gerichtshofes nachvollzogen wurde, Umsetzungsbedarf. Schließlich haben die Erfahrungen bei der Vollziehung des Gleichbehandlungsgesetzes gezeigt, dass auch sonstige Verbesserungen des materiellen Rechts und von Verfahrensvorschriften notwendig sind. Ziele: Anpassung des Gleichbehandlungsgesetzes an das EU-Recht, vor allem an die Richtlinie 2000/43/EG sowie die Richtlinie 2000/78/EG - ausgenommen der Diskriminierungstatbestand der Behinderung, der in einem eigenen Gleichstellungsgesetz geregelt wird - und die Richtlinie 2002/73/EG sowie Verbesserungen des Instrumentariums zur verstärkten Kontrolle und Durchsetzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes, soweit dem Bund die entsprechende Regelungskompetenz zukommt. Aus Gründen der Rechtssicherheit und Rechtsklarheit sowie um die Lesbarkeit zu gewährleisten, erfolgt die Umsetzung in zwei Gesetzen. Das bisherige Gleichbehandlungsgesetz wird in das Bundesgesetz über die Gleichbehandlungskommission und die Gleichbehandlungsanwaltschaft - GBK/GAW-Gesetz umbenannt und insoweit novelliert, als es nunmehr - unter Berücksichtigung des Anpassungsbedarfes auf Grund der Richtlinien - die Institutionen (Gleichbehandlungskommission und Anwaltschaft für Gleichbehandlung) sowie das Verfahren regelt. Darüber hinaus wird ein Bundesgesetz über die Gleichbehandlung (Gleichbehandlungsgesetz - GlBG) erlassen, das die materiellen Bestimmungen des bisherigen Gleichbehandlungsgesetzes übernimmt und um jene Regelungen erweitert wird, die sich aus dem Umsetzungsbedarf der Richtlinien ergeben. Schließlich werden geschlechtsneutrale Formulierungen verwendet. Inhalt: - Ausweitung des Geltungsbereiches des Gleichbehandlungsgesetzes und der Diskriminierungstatbestände in Anpassung an die geänderte EU-Gleichbehandlungsrichtlinie und die Antidiskriminierungsrichtlinien gemäß Artikel 13 EG-Vertrag, ausgenommen der Tatbestand der Diskriminierung auf Grund einer Behinderung, - Ausdehnung des Geltungsbereiches auf arbeitnehmerähnliche Personen, - Ausdehnung des Geltungsbereiches auf Entsendefälle in Umsetzung der EU-Entsenderichtlinie, - Aufnahme der ausdrücklichen Definition der Begriffe der unmittelbaren und mittelbaren Diskriminierung, - Einführung des Diskriminierungstatbestandes der geschlechtsbezogenen Belästigung sowie der Belästigung auf Grund eines Diskriminierungstatbestandes der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien und Beweismaßerleichterung bei allen diesen Formen der Belästigung, - Aufnahme der Zielbestimmung der aktiven Gleichstellung von Frauen und Männern, - Ausdehnung der Möglichkeit der Setzung von positiven Maßnahmen auf alle vom Entwurf erfassten Bereiche, - Ausdehnung der Verpflichtung zur Legung von Berichten an den Nationalrat auf alle vom Entwurf erfassten Bereiche, - Einführung von Maßnahmen zur Rechtsdurchsetzung inklusive Schadenersatzregelungen in Anpassung an die geänderte EU-Gleichbehandlungsrichtlinie und die beiden Antidiskriminierungsrichtlinien, 12 2 von der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien - Einführung eines Benachteiligungsverbotes als Maßnahme zur Verstärkung des Schutzes vor Diskriminierungen (auch für Zeug/inn/en) in Umsetzung der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie sowie der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien, - Ausweitung der Strafsanktion bei Verletzung des Gebotes der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung auf Arbeitgeber/innen (mit Verwarnung beim ersten Verstoß) sowie Einführung des Gebotes der diskriminierungsfreien Stellenausschreibung inklusive Strafsanktion, - Einführung besonderer mit der Gleichbehandlung befasster unabhängiger Stellen im Sinne des Art. 13 der Antirassismusrichtlinie und des Art. 8a der Änderungsrichtlinie 2002/73/EG durch entsprechende Ausgestaltung der Gleichbehandlungsanwaltschaft, - Absicherung der Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Anwältin für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern, der Regionalanwältin, des/der Anwalts/Anwältin für die Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung in der Arbeitswelt, des/der Anwalts/Anwältin für die Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft in sonstigen Bereichen sowie des/der Regionalvertreters/Regionalvertreterin, - Einführung der Parteistellung der Anwältin für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern, der Regionalanwältin, des/der Anwalts/Anwältin für die Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung in der Arbeitswelt, des/der Anwalts/Anwältin für die Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft in sonstigen Bereichen sowie des/der Regionalvertreters/Regionalvertreterin im Verfahren bei Verletzung des Gebotes der geschlechtsneutralen bzw. der diskriminierungsfreien Stellenausschreibung und eines Antragsrechtes der Regionalanwältinnen und Regionalvertreter/innen an die Gleichbehandlungskommission. Alternativen: Weitgehend keine, da die österreichische Rechtslage an das EU-Recht anzupassen ist. Ansonsten Beibehaltung des als unbefriedigend angesehenen gesetzlichen Zustandes. Auswirkungen auf die Beschäftigung und den Wirtschaftsstandort Österreichs: Die Verbesserung der Rechtslage auf dem Gebiet der Gleichbehandlung, die in der Praxis in erster Linie Frauen zu Gute kommen wird, wirkt sich positiv auf die Beschäftigung von Frauen aus. Dies trifft auch für die Ausweitung des Gleichbehandlungsgebotes im Gleichbehandlungsgesetz auf die Gründe der Rasse oder ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung hinsichtlich der betroffenen Bevölkerungsgruppen zu. Durch den Abbau von Diskriminierungen in Beschäftigung und Beruf wird wirtschaftliche und soziale Teilhabe gefördert und sozialer Ausgrenzung entgegengewirkt. Dies wird dem Wirtschaftswachstum unmittelbar zu Gute kommen - durch eine Reduzierung der öffentlichen Ausgaben für soziale Sicherung und soziale Unterstützung, durch die Erhöhung der Kaufkraft der einzelnen Haushalte und durch die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, die alle auf dem Arbeitsmarkt verfügbaren Ressourcen optimal nutzen können. Der Abbau von Diskriminierungen wird auch einer qualitativen Verbesserung der Beschäftigung förderlich sein. Mittelfristig kann infolge der höheren Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen mit einem höheren Beschäftigungsniveau gerechnet werden. Finanzielle Auswirkungen: Siehe dazu die finanziellen Auswirkungen im Allgemeinen Teil der Erläuterungen. Verhältnis zu Rechtsvorschriften der Europäischen Union: Ist gegeben; der Entwurf dient im Wesentlichen der Umsetzung zwingender Vorgaben des EU-Rechts.3 307 der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien 3 von 51 Erläuterungen I. Allgemeiner Teil Hauptgesichtspunkte des Entwurfes: Eine Novellierung des Gleichbehandlungsgesetzes ist im Hinblick auf die Anpassung an das EU-Recht (EU-Richtlinien und Judikatur des Europäischen Gerichtshofes) jedenfalls erforderlich. Die geltende Schadenersatzregelung des Gleichbehandlungsgesetzes, die bei Diskriminierung bei Begründung des Arbeitsverhältnisses und beim beruflichen Aufstieg generell Schadenersatzobergrenzen vorsieht, steht schon seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes in der Rechtssache Draehmpael (EuGH , Rs C-180/95, Slg. 1997, I ) für bestqualifizierte Bewerber/innen, dass heißt für jene, die bei diskriminierungsfreier Auswahl die zu besetzende Stelle erhalten hätten, nicht in Einklang mit dem EU-Recht. In die Richtlinie 2000/43/EG des Rates zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft und die Richtlinie 2000/78/EG des Rates zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf (Antidiskriminierungsrichtlinien) sowie in die Richtlinie 2002/73/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Richtlinie 76/207/EWG des Rates zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern und Frauen hinsichtlich des Zugangs zur Beschäftigung, zur Berufsbildung und zum beruflichen Aufstieg sowie in Bezug auf die Arbeitsbedingungen (geänderte EU-Gleichbehandlungsrichtlinie) wurde eine der Judikatur des Europäischen Gerichtshofes nachgebildete Regelung aufgenommen. Die Europäische Union hat im Jahr 2000 gemäß Artikel 13 EG-Vertrag zwei Antidiskriminierungsrichtlinien beschlossen, nämlich die Richtlinie 2000/43/EG des Rates zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft (Antirassismusrichtlinie) und die Richtlinie 2000/78/EG des Rates zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf, die Diskriminierungen auf Grund der Religion oder der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung verbietet (Rahmen-Gleichbehandlungsrichtlinie). Die Antirassismusrichtlinie umfasst neben den Bereichen Beruf und Beschäftigung auch die Bereiche Sozialschutz, soziale Vergünstigungen, Bildung und den Zugang zu und die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen; die Rahmen-Gleichbehandlungsrichtlinie umfasst nur den Bereich Beschäftigung und Beruf. Beide Richtlinien gelten sowohl für den privaten als auch für den öffentlichen Sektor. Die Antirassismusrichtlinie ist bis zum 19. Juli 2003, die Rahmen-Gleichbehandlungsrichtlinie ist bis zum 2. Dezember 2003 umzusetzen. Weiters hat die Europäische Union die Richtlinie 2002/73/EG des Parlaments und des Rates zur Änderung der Richtlinie 76/207/EWG des Rates zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern und Frauen hinsichtlich des Zugangs zur Beschäftigung, zur Berufsbildung und zum beruflichen Aufstieg sowie in Bezug auf die Arbeitsbedingungen verabschiedet (geänderte EU-Gleichbehandlungsrichtlinie). Die Richtlinie enthält vor allem Anpassungen an die beiden Antidiskriminierungsrichtlinien. Der ebenfalls in die geänderte EU-Gleichbehandlungsrichtlinie aufgenommene Diskriminierungstatbestand der sexuellen Belästigung wurde bereits durch die Novelle, BGBl. Nr. 833/1992, in das Gleichbehandlungsgesetz eingefügt. Die geänderte EU-Gleichbehandlungsrichtlinie ist nach den zeitlichen Vorgaben der Europäischen Union bis zum 5. Oktober 2005 umzusetzen. Eine Umsetzung der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie wäre daher zum gegenwärtigen Zeitpunkt zwar noch nicht notwendig, soll jedoch wegen des inhaltlichen Zusammenhanges mit den beiden Antidiskriminierungsrichtlinien schon jetzt vorgenommen werden. Mit dem vorliegenden Entwurf wird eine Anpassung an das EU-Recht vorgenommen. Außerdem erfolgt eine Verbesserung des Instrumentariums zur verstärkten Kontrolle und Durchsetzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes. Auf Grund der verfassungsrechtlichen Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern soll die Umsetzung der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien sowohl vom Bundes- als auch vom Landesgesetzgeber vorgenommen werden. Für den Bereich des Bundes soll die Umsetzung der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien sowie der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie in zwei Gesetzen erfolgen. Das bisherige Gleichbehandlungsgesetz, das für den privatwirtschaftlichen Bereich gilt und zur Zeit Diskriminierungen auf Grund des Geschlechts im Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis verbietet, soll in Bundesgesetz über die Gleichbehandlungskommission und die Gleichbehandlungsanwaltschaft - GBK/GAW-Gesetz umbenannt und insoweit novelliert werden, als es 34 4 von der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien nunmehr - unter Berücksichtigung des Anpassungsbedarfes auf Grund der Richtlinien - die Institutionen (Gleichbehandlungskommission und Anwaltschaft für Gleichbehandlung) sowie das Verfahren regelt. Darüber hinaus soll ein Bundesgesetz über die Gleichbehandlung (Gleichbehandlungsgesetz - GlBG) erlassen werden, das die materiellen Bestimmungen des bisherigen Gleichbehandlungsgesetzes übernimmt und um jene Regelungen erweitert wird, die sich aus dem Umsetzungsbedarf der Richtlinien ergeben, wobei hinsichtlich der Diskriminierungstatbestandes Rasse oder ethnische Herkunft auch Bereiche außerhalb des Arbeitsrechts erfasst werden sollen. Lediglich der Diskriminierungstatbestand der Behinderung soll nicht in das Gleichbehandlungsgesetz aufgenommen werden, da die dazu erforderliche Umsetzung in einem eigenen Behinderten-Gleichstellungsgesetz erfolgen soll. Die besonderen Regelungen für den öffentlichen Dienst sollen im Bundes-Gleichbehandlungsgesetz vorgenommen werden. Die Vorteile der Zusammenfassung eines Großteils der Diskriminierungstatbestände in einem Gesetz liegen vor allem in der Übersichtlichkeit und Rechtsklarheit für die Betroffenen, da alle Tatbestände in einem Gesetz geregelt sind. Die gesonderte Regelung der materiellrechtlichen und der verfahrensrechtlichen Bestimmungen in zwei Gesetzen entspricht der Systematik des allgemeinen Zivilrechts, das ebenfalls eine derartige Trennung vorsieht. Durch den vorliegenden Entwurf soll auch eine gemeinsame Anlaufstelle geschaffen werden, womit die Rechtsdurchsetzung für den/die Einzelne/n erleichtert wird. Weiters kann die Erfahrung und die Expertise der bereits bestehenden Gleichbehandlungsinstitutionen in Geichbehandlungsangelegenheiten genutzt werden. Schließlich können durch die Nutzung bereits bestehender Einrichtungen Synergieeffekte erzielt und somit Mehrkosten gering gehalten sowie der Aufbau von zusätzlichen Bürokratien vermieden werden. Hinsichtlich der gesonderten Regelung des Diskriminierungstatbestandes der Behinderung wird auf die Entschließung aller vier Parlamentsparteien vom 26. Februar 2003, 48/A(E) (XXII.GP), sowie auf das Regierungsprogramm verwiesen, wonach ein eigenes Behinderten-Gleichstellungsgesetz erarbeitet werden soll. Darüber hinaus erscheint eine gesonderte Umsetzung durch den Umstand gerechtfertigt, dass ein Großteil der Regelungen betreffend behinderte Arbeitnehmer/innen in der Arbeitswelt schon bisher in einer eigenen Rechtsquelle (Behinderteneinstellungsgesetz) erfolgte. Die vorgeschlagene Regelung ergänzt bereits bestehende Regelungen, die vor Diskriminierung schützen. Neben dem bundesverfassungsrechtlichen Gleichheitssatz des Art. 7 B-VG und dem Bundesverfassungsgesetz zur Durchführung des Internationalen Übereinkommens über die Beseitigung aller Formen rassischer Diskriminierung (BGBl. Nr. 390/1973) enthält die österreichische Rechtsordnung eine Reihe einfachgesetzlicher Regelungen, welche die gleiche Zielrichtung wie die beiden Antidiskriminierungsrichtlinien verfolgen (z.b. Art. IX Abs. 1 Z 3 des Einführungsgesetzes zu den Verwaltungsverfahrensgesetzen EGVG oder 87 Abs. 1 Z 3 der Gewerbeordnung). Art. IX Abs. 1 Z 3 des Einführungsgesetzes zu den Verwaltungsverfahrensgesetzen EGVG stellt die Benachteiligung einer Person auf Grund ihrer Rasse, ihrer Hautfarbe, ihrer nationalen oder ethischen Herkunft, ihres religiösen Bekenntnisses oder einer Behinderung unter Verwaltungsstrafsanktion. Gemäß 87 Abs. 1 Z 3 der Gewerbeordnung (GewO) ist die Gewerbeberechtigung zu entziehen, wenn der Gewerbeinhaber infolge schwerwiegender Verstöße gegen die in Zusammenhang mit dem betreffenden Gewerbe zu beachtenden Rechtsvorschriften und Schutzinteressen, insbesondere auch zur Wahrung des Ansehens des Berufsstandes, die für die Ausübung des Gewerbes erforderliche Zuverlässigkeit nicht mehr besitzt. Als Schutzinteressen werden unter anderem die Diskriminierungstatbestände des Art. IX Abs. 1 Z 3 EGVG genannt. Bei den genannten Bestimmungen handelt es sich vor allem um verfassungs- bzw. verwaltungsrechtliche Regelungen; die Reglungen des Entwurfes sind hingegen überwiegend zivilrechtlicher, insbesondere arbeitsrechtlicher Natur und stellen somit eine Präzisierung des zivilrechtlichen Verbotes der Sittenwidrigkeit dar. Dadurch werden die bereits bestehenden bundes(verfassungs)rechtlichen Bestimmungen ergänzt, wobei sie von den Regelungen des Entwurfes unberührt bleiben. In Artikel 1 ist das Bundesgesetz über die Gleichbehandlung (Gleichbehandlungsgesetz - GlBG) geregelt. Der I. Teil des Entwurfes regelt die Gleichbehandlung in der Arbeitswelt in der Privatwirtschaft und enthält Regelungen betreffend die Gleichbehandlung zwischen Frauen und Männern sowie zu den anderen Diskriminierungstatbeständen gemäß Artikel 13 EG-Vertrag. Der Geltungsbereich soll auch auf arbeitnehmerähnliche Personen ausgedehnt werden, weil die Richtlinien ausnahmslos alle unselbständigen und selbständigen Tätigkeiten erfassen. Außerdem wird die EU-Entsenderichtlinie, deren Frist zur Umsetzung bereits abgelaufen ist, auch für den Bereich der Gleichbehandlung umgesetzt. Der 1. Abschnitt regelt die Gleichbehandlung von Frauen und Männern und ist großteils bereits geltendes Recht.5 307 der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien 5 von 51 Der 2. Abschnitt befasst sich mit den neuen Diskriminierungstatbeständen, nämlich die Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung in der Arbeitswelt. Im 1. Abschnitt erfolgt eine Ausdehnung des Geltungsbereiches bzw. des Gleichbehandlungsgebotes - beim Zugang zur Berufsberatung, Berufsausbildung, beruflichen Weiterbildung und Umschulung außerhalb eines Arbeitsverhältnisses, - bei der Mitgliedschaft und Mitwirkung in einer Arbeitnehmer/innen/- oder Arbeitgeber/innen/organisation oder einer Organisation, deren Mitglieder einer bestimmten Berufsgruppe angehören, einschließlich der Inanspruchnahme der Leistungen solcher Organisationen und - bei den Bedingungen für den Zugang zu selbständiger Erwerbstätigkeit. Die Begriffe der unmittelbaren und mittelbaren Diskriminierung werden entsprechend den Bestimmungen der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien sowie der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie ausdrücklich definiert. Weiters wird das Gebot der aktiven Gleichstellung von Frauen und Männern als Zielbestimmung aufgenommen. Der Entwurf beinhaltet weiters eine Ausweitung der Strafsanktion bei Verletzung des Gebotes der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung auf Arbeitgeber/innen, wobei beim ersten Verstoß nur eine Verwarnung vorgesehen ist. Als Maßnahme zur Verbesserung des Instrumentariums zur verstärkten Kontrolle und Durchsetzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes soll der Anwältin für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt sowie der Regionalanwältin Parteistellung im Strafverfahren eingeräumt werden. Der 2. Abschnitt enthält ein Gleichbehandlungsgebot in Bezug auf Rasse oder ethnische Herkunft, Religion und Weltanschauung, Alter und sexuelle Orientierung - bei der Begründung des Arbeitsverhältnisses, - bei der Festsetzung des Entgelts, - bei der Gewährung freiwilliger Sozialleistungen, die kein Entgelt darstellen, - bei Maßnahmen der beruflichen Aus- und Weiterbildung, - beim beruflichen Aufstieg, insbesondere bei Beförderungen, - bei den sonstigen Arbeitsbedingungen, - bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses, - beim Zugang zur Berufsberatung, Berufsausbildung, beruflichen Weiterbildung und Umschulung außerhalb eines Arbeitsverhältnisses, - bei der Mitgliedschaft und Mitwirkung in einer Arbeitnehmer/innen/- oder Arbeitgeber/innen/organisation oder einer Organisation, deren Mitglieder einer bestimmten Berufsgruppe angehören, einschließlich der Inanspruchnahme der Leistungen solcher Organisationen und - bei den Bedingungen für den Zugang zu selbständiger Erwerbstätigkeit. Die Möglichkeit zur Setzung von positiven Maßnahmen zur Förderung der faktischen Gleichstellung ist auch für die Bereiche des 2. Abschnittes vorgesehen. Der Entwurf enthält auch die in den beiden Antidiskriminierungsrichtlinien vorgesehenen Ausnahmemöglichkeiten von den im 2. Abschnitt festgelegten Diskriminierungsverboten. Weiters ist die Einführung eines - dem Gebot der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung nachgebildeten - Gebotes der diskriminierungsfreien Stellenausschreibung einschließlich entsprechender Strafsanktionen vorgesehen. Als Maßnahme zur Verbesserung des Instrumentariums zur verstärkten Kontrolle und Durchsetzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes soll dem/der Anwalt/Anwältin für die Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung in der Arbeitswelt oder einem/einer Regionalvertreter/in auch in diesem Verfahren Parteistellung eingeräumt werden. In beiden Abschnitten des Entwurfes ist die Einführung des Diskriminierungstatbestandes der Belästigung (Mobbing) vorgesehen, der in die geänderte EU-Gleichbehandlungsrichtlinie sowie die beiden Antidiskriminierungsrichtlinien aufgenommen wurde. 56 6 von der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien Der 3. Abschnitt enthält gemeinsame Bestimmungen für Abschnitt 1 und 2. Geregelt sind darin die Rechtsfolgen der Verletzung des Gleichbehandlungsgebotes in Anpassung an die Judikatur des Europäischen Gerichtshofes sowie an das EU-Recht. Der Entwurf sieht auch eine Beweismaßerleichterung für alle Diskriminierungstatbestände vor. Weiters enthält der Entwurf ein Benachteiligungsverbot als Maßnahme zur Verstärkung des Schutzes vor Diskriminierungen. Demnach sollen die betroffenen Arbeitnehmer/innen und auch andere Personen, wie Zeug/inn/en und Kolleg/inn/en vor Benachteiligung durch den/die Arbeitgeber/in, die als Reaktion auf eine Beschwerde innerhalb des Unternehmens oder auf die Einleitung eines Verfahrens zur Durchsetzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes erfolgen, geschützt werden. Die Einführung einer derartigen Regelung, die auch in der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie sowie den beiden Antidiskriminierungsrichtlinien enthalten ist, steht schon seit langem zur Diskussion. Bei der Regelung betreffend Fristen für die Geltendmachung von Ansprüchen erfolgt eine Klarstellung hinsichtlich der Beendigung der Fristenhemmung. Der II. Teil des Entwurfes regelt die Gleichbehandlung außerhalb der Arbeitswelt für den Bereich Rasse oder ethnische Herkunft. Die Bestimmungen des 1. Abschnitts umfassen jene Bereiche, die in die unmittelbare Gesetzgebungskompetenz des Bundes fallen. Er enthält ein Gleichbehandlungsgebot - beim Sozialschutz, einschließlich der Sozialen Sicherheit und der Gesundheitsdienste, - bei sozialen Vergünstigungen, - bei der Bildung und - beim Zugang zu und Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, einschließlich von Wohnraum, einschließlich der Rechtsfolgen der Verletzung des Gleichbehandlungsgebotes sowie der in die Antirassismusrichtlinie aufgenommenen Ausnahmemöglichkeiten von den im II. Teil, 1. Abschnitt festgelegten Diskriminierungsverboten. Darüber hinaus enthält der Entwurf eine Definition der Begriffe der unmittelbaren und mittelbaren Diskriminierung sowie die Einführung des Diskriminierungstatbestandes der Belästigung, die Möglichkeit zur Setzung positiver Maßnahmen und die Einführung eines Benachteiligungsverbotes. Auch der II. Teil, 1 Abschnitt des Entwurfes sieht eine Beweismaßerleichterung für alle Diskriminierungstatbestände vor. Der 2. Abschnitt regelt Grundsatzbestimmungen betreffend die Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft in sonstigen Bereichen soweit jene Materien betroffen sind, die in die Grundsatzgesetzgebungskompetenz des Bundes gemäß Art. 12 Abs. 1 Z 1 bzw. Art. 14 B-VG fallen, wobei die einschlägigen Regelungen des 1. Abschnitts im Wesentlichen übernommen werden sollen. Der III. Teil des Entwurfes regelt im Rahmen der Grundsatzgesetzgebungskompetenz des Bundes die Gleichbehandlung in Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis von Arbeiter/innen/en in der Land- und Forstwirtschaft und enthält Grundsatzbestimmungen betreffend die Gleichbehandlung zwischen Frauen und Männern sowie alle Diskriminierungstatbestände gemäß Artikel 13 EG-Vertrag. Es sollen die einschlägigen Bestimmungen des I. Teils sowie des Bundesgesetzes über die Gleichbehandlungskommission und die Gleichbehandlungsanwaltschaft - GBK/GAW-Gesetz übernommen werden. Die Regelungskompetenz des Bundes hinsichtlich des Bereiches der Land- und Forstwirtschaft beschränkt sich auf Grund der Kompetenzbestimmung des Art. 12 Abs. 1 Z 6 B-VG auf die Regelung des Arbeitsverhältnisses. Eine Regelung der gesamten Arbeitswelt analog dem I. Teil unter Einbeziehung auch jener Diskriminierungstatbestände, die Sachverhalte außerhalb eines Arbeitsverhältnisses erfassen - wie z.b. die Mitgliedschaft und Mitwirkung in Interessenvertretungen - kann aus Gründen der bundesstaatlichen Kompetenzverteilung durch dieses Gesetz nicht erfolgen. Artikel 2 enthält eine Novelle zum Bundesgesetz über die Gleichbehandlung von Frauen und Männern im Arbeitsleben (Gleichbehandlungsgesetz), BGBl. Nr. 108/1979, das in Bundesgesetz über die Gleichbehandlungskommission und die Gleichbehandlungsanwaltschaft - GBK/GAW-Gesetz umbenannt wird. Es regelt die Institutionen (Gleichbehandlungskommission und Anwaltschaft für Gleichbehandlung) und das Verfahren für alle Bereiche. Die Gleichbehandlungskommission soll aus drei Senaten bestehen: - Senat I für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt,7 307 der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien 7 von 51 - Senat II für die Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung in der Arbeitswelt und - Senat III für die Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft in den sonstigen Bereichen. Bei Mehrfachdiskriminierungen in der Arbeitswelt soll Senat I zuständig sein. Der/die Vorsitzende des Senates I soll auch die Tätigkeit der Gleichbehandlungskommission koordinieren (vor allem Postzuteilung) Die gebotene Beteiligung der jeweils betroffenen privaten Einrichtungen, die sich der Vertretung von Diskriminierung bedrohter Personengruppen widmen im Verfahren vor der Gleichbehandlungskommission, soll dadurch sichergestellt werden, dass sich Antragsteller/innen durch eine Person ihres Vertrauens im Verfahren vor der Gleichbehandlungskommission vertreten lassen können. Dazu sind auch Vertreter/innen von Nichtregierungsorganisationen zu zählen. Auf Antrag der von einer Diskriminierung betroffenen Person hat der Senat eine/n Vertreter/in einer von der betroffenen Person namhaft gemachten Nichtregierungsorganisation hinzuzuziehen. Die Umsetzung der in den beiden Antidiskriminierungsrichtlinien sowie in der geänderten EU- Gleichbehandlungsrichtlinie vorgesehenen Verpflichtung zur Einbindung der Nichtregierungsorganisationen in das gerichtliche Verfahren fällt in den Zuständigkeitsbereich des/der Bundesminister/in für Justiz. Die Anwaltschaft für Gleichbehandlung soll ebenfalls in den genannten drei Bereichen gegründet werden. Diese Bereiche der Anwaltschaft für Gleichbehandlung sollen insbesondere für die Beratung und Unterstützung von Personen, die sich im Sinne dieses Gesetzes diskriminiert fühlen, zuständig sein und zu diesem Zweck Sprechstunden und Sprechtage im gesamten Bundesgebiet abhalten können. Die Anwältin für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt soll die Tätigkeit der Anwaltschaft für Gleichbehandlung koordinieren (vor allem Postzuteilung). Durch Verordnung können auch Regionalbüros der Anwaltschaft für Gleichbehandlung errichtet werden, um den faktischen Zugang zu den einzelnen Regionen zu erleichtern. Als Maßnahme zur Verbesserung des Instrumentariums zur verstärkten Kontrolle und Durchsetzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes soll auch den Regionalanwältinnen und Regionalvertreter/innen ein Antragsrecht an die Gleichbehandlungskommission eingeräumt werden. Der verfahrensrechtliche Teil regelt die Aufgaben der Gleichbehandlungskommission, die insbesondere die Erstellung von Gutachten und Einzelfallprüfungen beinhaltet, sowie die Geschäftsführung. Der Entwurf enthält schließlich eine Ausdehnung der Verpflichtung zur Legung von Berichten an den Nationalrat auf alle vom Entwurf erfassten Bereiche. In sprachlicher Hinsicht wird der Entwurf entsprechend den Beschlüssen der Bundesregierung betreffend den geschlechtergerechten Sprachgebrauch explizit geschlechtsneutral formuliert, indem sowohl die männliche als auch die weibliche Form in den einzelnen Gesetzesbestimmungen verwendet wird. Gerade bei einem Gesetz, dessen Adressat/inn/en in Bezug auf viele Regelungen Frauen sein können, sollten sich diese von diesem Gesetz auch konkret angesprochen fühlen. Finanzielle Auswirkungen: Es entstehen Personalkosten für - Personal für die Geschäftsführung und die Kanzleigeschäfte für die Senate II und III (2 Akademiker/innen, A/A1, und 3 Sekretariats- und Schreibkräfte, 2 C/c/A3 und 1 D/d/A4), - die Anwälte/Anwältinnen für die Senate II und III (2 Akademiker/innen, A/A1) und - ein/e Mitarbeiter/in der Anwaltschaft für Gleichbehandlung (1 Schreibkraft, D/d/A4), Kostenkalkulation: - 4 A-Beamt/inn/e/n/Vollzeit/Jahr (2 Geschäftsführungen für die Senate II und III sowie 2 Anwälte/Anwältinnen für die Anwaltschaft für Gleichbehandlung für die Senate II und III): Aufwand: ,--; Kosten: , C/c-Bedienstete/Vollzeit/Jahr (Sekretariatspersonal für die Gleichbehandlungskommission für die Senate II und III): Aufwand: ,--; Kosten: , D/d-Bedienstete/Vollzeit/Jahr (Schreibkräfte für die Senate II und III bzw. für die Anwaltschaft für Gleichbehandlung): Aufwand: ,--; Kosten: ,-- 78 8 von der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien Der Aufwand setzt sich zusammen aus Personalkosten, Sach-, Raum- und sonstigen Verwaltungskosten. Die höheren Kosten inkludieren Pensionsvorsorge für Beamt/en/innen bzw. Abfertigungskosten für Nicht-Beamt/en/innen. Gemäß 41 Abs. 2 steht der/dem Vorsitzenden unter Fortzahlung ihrer/seiner Dienstbezüge die zur Erfüllung ihrer/seiner Aufgaben notwendige freie Zeit zu. Von der Installierung von Stellvertreter/innen für die Vorsitzführung der Gleichbehandlungskommission für die Senate II und III sowie für die Anwälte/Anwältinnen für die Senate II und III kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch abgesehen werden. Sie soll entsprechend dem Arbeitsanfall erfolgen. Da der Gesetzentwurf lediglich die Ermächtigung zur Einrichtung der Regionalbüros durch Verordnung einräumt und die Einrichtung dieser Büros nicht zwingend vorgeschrieben ist, entstehen mit Inkrafttreten des Gesetzes keine Kosten für die Regionalbüros. Die einzelnen Regionalbüros können daher nur entsprechend der hiefür zur Verfügung stehenden Planstellen und Budgetmittel eingerichtet werden. Darüber hinaus erwachsen dem Bund unmittelbar keine Kosten, da Arbeitsverhältnisse zum Bund vom Geltungsbereich des Gleichbehandlungsgesetzes ausgenommen sind. Kompetenzgrundlage: In kompetenzrechtlicher Hinsicht stützt sich das im Entwurf vorliegende Bundesgesetz auf Artikel 10 Abs. 1 Z 6, 8, 11 und 12 Abs. 1 Z 1 und 6 B-VG sowie Artikel 14 BV-G.9 307 der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien 9 von 51 II. Besonderer Teil Zu Artikel 1 (Bundesgesetz über die Gleichbehandlung - Gleichbehandlungsgesetz - GlBG): Der I. Teil des Entwurfes regelt die Gleichbehandlung in der Arbeitswelt, bezogen auf die Privatwirtschaft, und enthält Regelungen betreffend und Gleichbehandlung zwischen Frauen und Männern sowie für alle Diskriminierungstatbestände gemäß Artikel 13 des EG-Vertrages, ausgenommen der Diskriminierungstatbestand der Behinderung. Zu 1: Bisher umfasste Abs. 1 des Geltungsbereiches des Gleichbehandlungsgesetzes Arbeitsverhältnisse aller Art, die auf privatrechtlichem Vertrag beruhen. In Umsetzung der jeweiligen Art. 3 der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien und der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie soll nunmehr eine Ausdehnung des Geltungsbereiches über den Bereich des Arbeitsverhältnisses hinaus auf den Zugang zu allen Formen und allen Ebenen der Berufsberatung, der Berufsbildung, der beruflichen Weiterbildung und der Umschulung einschließlich der praktischen Berufserfahrung, auf die Mitgliedschaft und Mitwirkung in einer Arbeitnehmer/innen/- oder Arbeitgeber/innen/organisation oder einer Organisation, deren Mitglieder einer bestimmten Berufsgruppe angehören, einschließlich der Inanspruchnahme der Leistungen solcher Organisationen sowie auf die Bedingungen für den Zugang zu selbständiger Beschäftigung erfolgen. Damit soll die gesamte Arbeitswelt diskriminierungsfrei gestellt werden. Umfasst sind Diskriminierungen auf Grund des Geschlechts, der Rasse oder ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung. Nicht erfasst sind gesetzliche Systeme der sozialen Sicherheit im Sinne der Verordnung 1408/71 (siehe Art. 3 Abs. 3 sowie Erwägungsgrund 13 der Rahmen-Gleichbehandlungsrichtlinie). Abs. 2 entspricht der bisherigen Rechtslage ( 1 Abs. 2). Gemäß Art. 21 Abs. 1 B-VG obliegt den Ländern die Gesetzgebung in Angelegenheiten des Dienstrechtes der Bediensteten der Länder, Gemeinden und Gemeindeverbände. Nicht erfasst von dieser Regelungskompetenz sind arbeitnehmerähnliche Rechtsverhältnisse. Aus diesem Grund sind die Bestimmungen des Entwurfes auch auf arbeitnehmerähnliche Rechtsverhältnisse zu den oben genannten Gebietskörperschaften anzuwenden. Abs. 3 soll nunmehr auch auf arbeitnehmerähnliche Personen ausgedehnt werden. Die Verpflichtung zur Einbeziehung dieses Personenkreises ergibt sich aus den jeweiligen Art. 3 der geänderten EU- Gleichbehandlungsrichtlinie sowie den beiden Antidiskriminierungsrichtlinien, die unselbständige und selbständige Tätigkeiten ausnahmslos erfassen. Die Formulierung orientiert sich an 51 Abs. 3 Z 2 ASGG, der arbeitnehmerähnliche Personen prozessual den Arbeitnehmer/innen gleichstellt. Arbeitnehmerähnliche Personen unterscheiden sich von (echten) Arbeitnehmer/innen vor allem dadurch, dass den Verpflichteten die persönliche Abhängigkeit gänzlich fehlt oder dass nur schwach ausgeprägte Merkmale derselben vorhanden sind. Sie sind weitgehend frei von Beschränkungen des persönlichen Verhaltens. Maßgeblich ist, inwieweit die Verpflichteten in die Organisation des Betriebes eingegliedert und weisungsgebunden sind. Dennoch sind Kriterien fremdbestimmter Arbeit in einem gewissen Umfang gegeben. Arbeitnehmerähnliche Personen sind trotz vorhandener persönlicher Unabhängigkeit wirtschaftlich unselbständig. In der Judikatur, die sich vielfach an den konkreten Fällen orientiert, ist die Auslegung des Begriffs der arbeitnehmerähnlichen Person nicht immer einheitlich. So ist für die Arbeitnehmerähnlichkeit das Merkmal der wirtschaftlichen - wenn auch nicht persönlichen - Abhängigkeit von einem oder mehreren bestimmten, nicht aber von einer unbegrenzten, ständig wechselnden Anzahl von Unternehmer/inne/n entscheidend; sie ist vor allem bei einer gewissen Regelmäßigkeit der Arbeitsleistung gegeben, sofern die betreffende Person zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes (jedenfalls auch) auf diese Entlohnung angewiesen ist und ihre Arbeit nicht in einem selbständigen eigenen Betrieb, sondern in wirtschaftlicher Unterordnung für die Zwecke eines anderen leistet. Die für und gegen die Annahme eines arbeitnehmerähnlichen Rechtsverhältnisses sprechenden Umstände sind nicht im Einzelnen, sondern in ihrer Gesamtheit zu beurteilen. Da in Grenzfällen eine Unterscheidung zu einem (echten) Arbeitsverhältnis oft schwer zu treffen ist, stellte sich in der Praxis häufig das Problem der Zuordnung, die für die Frage, ob das Gleichbehandlungsgesetz überhaupt zur Anwendung kommt, entscheidend ist. Mit der Einbeziehung der arbeitnehmerähnlichen Personen entfällt diese Problematik. Darüber hinaus erscheint die Einbeziehung dieser Personengruppe in jenen Fällen, die nicht vom persönlichen Abhängigkeitsverhältnis ausgehen sondern den sozial schwächeren Personenkreis schützen sollen, gerechtfertigt. Zur Vermeidung von Unklarheiten und zur Vereinheitlichung der Begrifflichkeit gelten Beschäftigungsverhältnisse gemäß Heimarbeitsgesetz und zu arbeitnehmerähnlichen Personen für den Anwendungsbereich des Entwurfes als Arbeitsverhältnisse. Stellt der Entwurf in seinen Bestimmungen 910 10 von der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien auf das Arbeitsverhältnis ab, so sind Beschäftigungsverhältnisse zu den oben genannten Personengruppen mit umfasst, womit aber keine Gleichsetzung von Arbeitsverhältnissen und Beschäftigungsverhältnissen im Sinne einer Vergleichbarkeit verbunden ist. Umfasst vom Anwendungsbereich des Gleichbehandlungsgebotes sind auch Diskriminierungen bei der Wahl des Vertragstyps, z.b. wenn echte Arbeitsverhältnisse nur mit Männern, arbeitnehmerähnliche Beschäftigungsverhältnisse nur mit Frauen abgeschlossen werden. Dies gilt natürlich auch für die Diskriminierungsverbote gemäß den beiden Antidiskriminierungsrichtlinien. Abgesehen davon ergibt sich aus dieser Bestimmung kein Gleichstellungsanspruch von arbeitnehmerähnlichen Personen mit Arbeitnehmer/innen. Der Grund dafür liegt in den systemimmanenten Unterschieden der jeweiligen Vertragsverhältnisse. Nach Art. 3 der EU-Entsenderichtlinie (96/71/EG) haben die Mitgliedstaaten dafür zu sorgen, dass den in ihr Hoheitsgebiet entsandten Arbeitnehmer/innen jene Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen von den Unternehmen garantiert werden, die in dem Mitgliedstaat, in dessen Hoheitsgebiet die Arbeitsleistung erbracht wird, festgelegt sind. Die Umsetzung der Entsenderichtlinie erfolgte in Österreich im Wesentlichen im Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (AVRAG). Da neben Mindestentgelt, Mindesturlaub unter anderem auch die Gleichbehandlung von Männern und Frauen gemäß Art. 3 Abs. 1 lit. g der EU-Entsenderichtlinie zu den Mindeststandards im Sinne der Entsenderichtlinie zählt, ist die Umsetzung der Entsenderichtlinie auch für den Bereich der Gleichbehandlung erforderlich und soll in Abs. 4 vorgenommen werden. Die Anpassung an die Entsenderichtlinie auch im Gleichbehandlungsgesetz hat im Wesentlichen nur formalen Charakter. Durch die vorgesehene Regelung, die eine Einbeziehung der Entsendefälle in den Geltungsbereich des Gleichbehandlungsgesetzes enthält, werden die materiellen Ansprüche für Entsendefälle im Gleichbehandlungsgesetz geschaffen. Die Regelung soll wie 7a Abs. 1 AVRAG auch für die Beschäftigung von Arbeitnehmer/innen, die von Unternehmen mit Sitz in einem Drittstaat entsandt werden, gelten. Die Schaffung eines eigenen Gerichtsstandes im Gleichbehandlungsgesetz ist nicht erforderlich, da die gerichtliche Durchsetzung von Ansprüchen nach dem Gleichbehandlungsgesetz in Österreich durch die Gerichtsstandregelung des Arbeits- und Sozialgerichtsgesetzes (ASGG) bereits de lege lata vorgesehen ist. Da das Gleichbehandlungsgesetz geschlechtsneutral formuliert ist, kann die Formulierung des bisherigen Abs. 4, der eine Generalklausel dahingehend enthält, dass bei allen personenbezogenen Bezeichnungen die gewählte Form für beide Geschlechter gilt, entfallen. Der 1. Abschnitt regelt die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt und ist großteils bereits geltendes Recht. Zu 2: Das in 2 als Ziel formulierte Gebot der aktiven Gleichstellung von Frauen und Männern dient der Umsetzung des Art. 1 Abs. 1a der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie. Dieses Ziel ist bei der Formulierung und Umsetzung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften, Politiken und Tätigkeiten in den im Teil I, 1. Abschnitt dieses Gesetzes genannten Bereichen zu berücksichtigen. Zu 3: Die Regelung entspricht im Wesentlichen dem bisherigen 2 Abs. 1 und enthält das Gleichbehandlungsgebot im Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis. In Umsetzung des Art. 2 Abs. 1 der geänderten Gleichbehandlungsrichtlinie wird ausdrücklich das Verbot der Bezugnahme auf den Eheoder Familienstand verankert. Danach dürfen z.b. das Bestehen oder Nichtbestehen einer Ehe bzw. der Umstand, ob man Kinder hat, bei Maßnahmen im Anwendungsbereich des Entwurfes nicht zum Anlass für eine Benachteiligung genommen werden. Die Neuformulierung der Z 4 soll in Anpassung an die Textierung des Art. 3 der EU-Gleichbehandlungsrichtlinie erfolgen und stellt keine Einschränkung des bisherigen Umfanges, sondern vielmehr eine Ausweitung durch die Einbeziehung von Umschulungsmaßnahmen dar. Zu 4: Im Hinblick auf die Ausdehnung des Geltungsbereiches des Gleichbehandlungsgesetzes soll hiemit das Gleichbehandlungsgebot um jene Tatbestände erweitert werden, die in keinem unmittelbaren Verhältnis zu einem Arbeitsverhältnis stehen, sondern zur sonstigen Arbeitswelt zu zählen sind. Aus systematischen Gründen soll diese Erweiterung in einer eigenen Bestimmung vorgenommen werden. Es sind dies der Zugang zu allen Formen und allen Ebenen der Berufsberatung, Berufsbildung, beruflichen Weiterbildung und Umschulung einschließlich der praktischen Berufserfahrung, die Mitgliedschaft und Mitwirkung in einer Arbeitnehmer/innen/- oder Arbeitgeber/innen/organisation oder einer Organisation, deren Mitglieder einer bestimmten Berufsgruppe angehören, einschließlich der Leistungen solcher Organisationen sowie die Bedingungen für den Zugang zu selbständiger Erwerbstätigkeit. Dabei handelt11 307 der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien 11 von 51 es sich um Tatbestände, die zwar nur einen indirekten Zugang zur Arbeitswelt haben und nicht direkt mit dem Arbeitsverhältnis selbst in Zusammenhang stehen, aber trotzdem entscheidend zur sozialen und wirtschaftlichen Integration beitragen. Die Gewährleistung der Gleichbehandlung bei der beruflichen Bildung und dem lebensbegleitenden Lernen ist etwa als Voraussetzung für die Sicherung der Chancengleichheit in Beschäftigung und Beruf anzusehen. Dies gilt auch für die Gleichbehandlung bei der Mitgliedschaft und Mitwirkung in einer Arbeitnehmer/innen/- oder Arbeitgeber/innen/organisation; zulässig ist jedoch die Einrichtung und die Beibehaltung von Organisationen von Personen desselben Geschlechts, wenn deren Zweck hauptsächlich darin besteht, die besonderen Bedürfnisse dieser Personen zu berücksichtigen und die Gleichstellung von Männern und Frauen zu fördern (Erwägungsgrund 15 zur geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie). Bei den sich aus dieser Bestimmung ergebenden Ansprüchen handelt es sich nicht nur um solche zwischen Privatpersonen, wie es beim Arbeitsverhältnis ( 3) der Fall ist. Vielmehr werden auch Ansprüche von Privaten gegenüber dem Staat begründet (Amtshaftung, vgl. auch Erläuterungen zu 30). Daraus ergibt sich auch, dass Privatpersonen nach den Bestimmungen dieses Entwurfes nur dann belangt werden können, wenn ihnen die Diskriminierung angelastet werden kann. Hat die Diskriminierung ihre Ursache in einer diskriminierenden behördlichen Maßnahme, an die sich die Privatperson, z.b. der/die Arbeitgeber/in, hält, so kann sie wegen der Diskriminierung nicht belangt werden. sondern muss der Anspruch gegen die Behörde gerichtet werden. Auch diese Bestimmung enthält ein ausdrückliches Verbot der Bezugnahme auf den Ehe- oder Familienstand Zu 5: Art. 2 Abs. 2 der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie definiert sowohl die unmittelbare als auch die mittelbare Diskriminierung. Die Formulierung entspricht auch den Definitionen in den beiden Antidiskriminierungsrichtlinien. Danach liegt eine unmittelbare Diskriminierung vor, wenn eine Person auf Grund ihres Geschlechts in einer vergleichbaren Situation eine weniger günstige Behandlung erfährt, als eine andere Person erfährt, erfahren hat oder erfahren würde, wobei hinsichtlich der vergleichbaren Situation ein zeitlicher Zusammenhang bestehen muss. Der Tatbestand der mittelbaren Diskriminierung ist dann erfüllt, wenn dem Anschein nach neutrale Vorschriften, Kriterien oder Verfahren Personen, die einem Geschlecht angehören, in besonderer Weise gegenüber Personen des anderen Geschlechts benachteiligen können, es sei denn, die betreffenden Vorschriften, Kriterien oder Verfahren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sachlich gerechtfertigt und die Mittel sind zur Erreichung dieses Ziels angemessen und erforderlich. In Abs. 1 und 2 sollen diese Definitionen, die auf die einschlägige Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofes zum Thema Freizügigkeit zurückgehen (Rechtssache C-237/94, O`Flynn gegen Adjudication Officer, Slg. 1996, I ), umgesetzt werden. Die Definition der unmittelbaren Diskriminierung erfordert es, dass jeweils eine Vergleichsperson gefunden wird; diese muss jedoch nicht dem anderen Geschlecht angehören; es genügt, wenn die diskriminierte Person auf Grund ihres Geschlechts anders behandelt wurde. Vom Verbot der Diskriminierung auf Grund des Geschlechts sind nach der Judikatur des Europäischen Gerichtshofes auch Transgender-Personen erfasst (vgl. Rechtssache C-13/94, Cornwall County Council). Nach der bisherigen Anwendung des Verbotes der mittelbaren Diskriminierung wegen des Geschlechts, die in der Richtlinie 97/80/EG (Beweislastrichtlinie) kodifiziert wurde, setzt eine mittelbare Diskriminierung zunächst voraus, dass eine merkmalsneutral formulierte Regelung tatsächlich überwiegend zum Nachteil von Frauen oder Männern wirkt (statistische Diskriminierung). Die erforderlichen statistischen Daten sind aber nicht immer verfügbar. Die verpflichtende Einhaltung dieses Kriteriums soll nunmehr entfallen. Die Gefahr einer Diskriminierung kann nunmehr durch entsprechende statistische Daten oder andere geeignete Mittel nachgewiesen werden, die belegen, dass sich eine Vorschrift ihrem Wesen nach nachteilig für die betreffende Person oder Personengruppe auswirken würde. Bei der Beurteilung, ob es sich um eine mittelbare Diskriminierung handelt oder ob eine unterschiedliche Behandlung als objektiv gerechtfertigt anzusehen ist, sind zwei Aspekte von entscheidender Bedeutung: zum einen muss das Ziel der betreffenden Vorschrift, Kriterien oder Verfahren, durch die eine Ungleichbehandlung begründet wird, schützenswert sein und wichtig genug, um Vorrang vor dem Gleichbehandlungsgrundsatz zu haben; zum zweiten müssen die zur Erreichung des Ziels angewandten Mittel geeignet und erforderlich sein. Abs. 3 sieht entsprechend Art. 2 Abs. 4 der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie vor, dass auch die Anweisung zur Diskriminierung als Diskriminierung gilt. Damit soll auch jene Person, die eine andere Person zur Diskriminierung eines/einer Dritten angestiftet hat, in den Kreis der Verpflichteten einbezogen und somit die Geltendmachung von Ansprüchen ihr gegenüber ermöglicht werden. 1112 12 von der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien Zu 6 und 7: Mit der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie wird der bisher in der Richtlinie nicht enthaltene Diskriminierungstatbestand der sexuellen Belästigung als Spezialtatbestand der allgemeinen geschlechtsbezogenen Belästigung eingeführt (Art. 2). Der Diskriminierungstatbestand der sexuellen Belästigung ist schon seit der Novelle BGBl. Nr. 833/1992, in Kraft getreten am 1. Jänner 1993, im Gleichbehandlungsgesetz enthalten. Die Bestimmung entspricht großteils dem bisherigen 2 Abs. 1a und 1b. Die Z 2 und 3 des 6 Abs. 1 sollen aus systematischen Gründen gegenüber der bisherigen Regelung umgestellt werden, um jene Tatbestände, die das Arbeitsverhältnis betreffen, zusammenzufassen. Während Abs. 1 Z 3 jene sexuellen Belästigungen durch Dritte erfasst, die in einem Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis stehen, soll Abs. 1 Z 4 klarstellen, dass der Tatbestand der Belästigung durch Dritte auch andere Belästigungen in der Arbeitswelt umfasst. In Abs. 2 Z 2 entfällt der Ausdruck nachteiligen. Es ist unerheblich, ob die Zurückweisung oder Duldung einer sexuellen Belästigung zu nachteiligen Auswirkungen auf das Beschäftigungsverhältnis führt. Gerade im Fall der Duldung ist durchaus der gegenteilige Fall denkbar. Der hinzugefügte Abs. 3 sieht entsprechend Art. 2 Abs. 4 der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie vor, dass auch die Anweisung zur Diskriminierung als Diskriminierung gilt. Sexuelle Belästigung ist aber nur ein Spezialfall der geschlechtsbezogenen Belästigung generell. In 7 soll auch die geschlechtsbezogene Belästigung, die auf Grund des Geschlechtes, aber ohne Bezug auf die sexuelle Sphäre erfolgt, als neuer Diskriminierungstatbestand in das Gleichbehandlungsgesetz aufgenommen werden. Geschlechtsbezogene Belästigung ist eine der möglichen Erscheinungsformen von Mobbing. Von der vorgesehenen Regelung ist nicht Mobbing insgesamt, sondern nur jener Teilaspekt, der auf Grund des Geschlechtes erfolgt, erfasst. Der Diskriminierungstatbestand der geschlechtsbezogenen Belästigung ist auch in der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie enthalten (Art. 2) und daher von Österreich umzusetzen. Entsprechende Verhaltensweisen können verschiedene Formen annehmen, angefangen bei sprachlichen Äußerungen und Gesten bis hin zum Verfassen, Zeigen und Verbreiten von schriftlichen Äußerungen, Bildern oder sonstigem Material. Sie müssen schwerwiegend sein und insgesamt eine störende oder feindselige Arbeitsumgebung bewirken. Belästigungen können eine erhebliche Beeinträchtigung der Rechte der Betroffenen im beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Leben bedeuten. Die Formulierungen des 7, die inhaltlich der EU- Gleichbehandlungsrichtlinie entsprechen, werden in sprachlicher Hinsicht der in der Praxis (Gericht, Gleichbehandlungskommission) bekannten und bewährten Terminologie des 6 nachgebildet, wobei in Abs. 2 im Hinblick darauf, dass bei der geschlechtsbezogenen Belästigung nicht auf die sexuelle Sphäre Bezug genommen wird, geringfügige Änderungen vorgenommen werden. Zu 8: Die Bestimmung entspricht in wesentlichen Teilen dem bisherigen 2 Abs. 3, wobei der Verweis auf Art. 4 der UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau durch jenen auf Art. 7 Abs. 2 B-VG ersetzt wird. Danach sind Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern insbesondere durch Beseitigung tatsächlich bestehender Ungleichheiten zulässig. Auch Art. 2 Abs. 8 der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie ermöglicht es den Mitgliedstaaten, positive Maßnahmen vorzusehen. Die Möglichkeit, positive Maßnahmen zu beschließen, ist als Ausnahme vom Gleichbehandlungsgrundsatz anzusehen, mit der Maßnahmen zugelassen werden sollen, die zwar dem Anschein nach diskriminierend sind, tatsächlich aber in der sozialen Wirklichkeit bestehende faktische Ungleichheiten beseitigen oder verringern sollen. Auch Kollektivverträge und Betriebsvereinbarungen können positive Maßnahmen zu Gunsten eines Geschlechts beinhalten. Gemäß 92b Arbeitsverfassungsgesetz ArbVG, BGBl. Nr. 22/1974, hat der Betriebsinhaber mit dem Betriebsrat in regelmäßigen Abständen Maßnahmen der betrieblichen Frauenförderung bzw. der Vereinbarkeit von Betreuungspflichten und Beruf zu beraten. Solche Maßnahmen betreffen insbesondere die Einstellungspraxis, Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung und den beruflichen Aufstieg, die auf den Abbau einer bestehenden Unterrepräsentation der Frauen an der Gesamtzahl der Beschäftigten bzw. an bestimmten Funktionen oder auf den Abbau einer sonst bestehenden Benachteiligung abzielen, sowie Maßnahmen, die auf eine bessere Vereinbarkeit der beruflichen Tätigkeit mit Familien- und sonstigen Betreuungspflichten abzielen. Maßnahmen der betrieblichen Frauenförderung sowie Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Betreuungspflichten und Beruf können in einer Betriebsvereinbarung gemäß 97 Abs. 1 Z 25 ArbVG geregelt werden. Ein automatischer Vorrang für Frauen beim Zugang zur Beschäftigung oder bei der Beförderung in Bereichen, in denen sie unterrepräsentiert sind, ist nichtzulässig. Quotenregelungen sind aber dann zulässig, wenn ihre Regelung nicht absolut und unabdingbar ist und automatisch erfolgt, sondern die besondere Berücksichtigung von in der Person des Mitbewerbers liegende Gründe im Einzelfall offen lassen (Öffnungsklausel). Als positive Maßnahme13 307 der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien 13 von 51 kann z.b. die Bevorzugung von Frauen bei Stellenausschreibungen angesehen werden in jenen Bereichen, in denen bisher überwiegend Männer beschäftigt sind. Zu 9: Die Bestimmung entspricht im Wesentlichen dem bisherigen 2c, wobei zur Herstellung der Kohärenz mit 10 das Gebot der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung für die unter Strafsanktion stehenden normunterworfenen Arbeitsvermittler/innen bereits in 9 verankert wird. Ein Verstoß gegen das Gebot der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung wird nachträglich nicht dadurch saniert, dass sich Frauen trotz männlich formulierten Inseraten bewerben. Zu 10: Nach geltender Rechtslage sind bei Verletzung des Gebotes der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung auf Antrag eines/einer Stellenwerbers/Stellenwerberin oder der Anwältin für Gleichbehandlungsfragen nur für private Arbeitsvermittler/innen sowie das Arbeitsmarktservice Verwaltungsstrafen vorgesehen. Nicht von der Strafsanktion erfasst sind die Arbeitgeber/innen selbst, obwohl sie die auch und primär Normadressat/inn/en des Gebotes der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung sind. Die vorgesehene Regelung des Abs. 2 enthält daher eine Ausweitung der Strafsanktion bei Verletzung des Gebotes der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung auf Arbeitgeber/innen. Um Härtefälle, vor allem bei Kleinbetrieben zu vermeiden, ist beim ersten Verstoß nur eine Verwarnung vorgesehen. Gemäß 21 Verwaltungsstrafgesetz 1991 (VStG) kann die Strafbehörde von der Verhängung einer Strafe absehen, wenn das Verschulden geringfügig ist und die Folgen der Übertretung unbedeutend: Sie kann den/die Beschuldigte/n jedoch gleichzeitig unter Hinweis auf die Rechtswidrigkeit seines/ihres Verhaltens ermahnen, sofern dies erforderlich ist, um den/die Beschuldigte/n von weiteren strafbaren Handlungen gleicher Art abzuhalten. Die Anwältin für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt sowie die Regionalanwältin haben nach der geltenden Rechtslage zwar ein Antragsrecht an die Bezirksverwaltungsbehörde, aber keine Parteistellung im Verwaltungsstrafverfahren. Mit der vorgesehenen Regelung des Abs. 3 wird eine Erweiterung der Kompetenzen der Gleichbehandlungsanwältin und der Regionalanwältin vorgenommen, indem der Gleichbehandlungsanwältin oder einer Regionalanwältin Parteistellung in dem auf ihren Antrag hin eingeleiteten Verwaltungsstrafverfahren und das Recht auf Berufung gegen Bescheide sowie Einspruch gegen Strafverfügungen eingeräumt wird. Der 2. Abschnitt befasst sich mit den neuen Antidiskriminierungstatbeständen, nämlich mit den Geboten zur Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung in der Arbeitswelt. Zu 11 und 12: Die Verpflichtung der Europäischen Union, die Menschenrechte und Grundfreiheiten zu schützen, wurde durch den Vertrag von Amsterdam verstärkt. Darin wird bekräftigt, dass die Achtung der Menschrechte einer der Grundsätze ist, auf denen die Europäische Union beruht. Mit Art. 13 des EG-Vertrages wurde eine solide Grundlage für eine umfassende Antidiskriminierungspolitik in Form Recht setzender oder anderer Maßnahmen auf Gemeinschaftsebene geschaffen. In Art. 13 heißt es: Unbeschadet der sonstigen Bestimmungen dieses Vertrages kann der Rat im Rahmen der durch den Vertrag auf die Gemeinschaft übertragenen Zuständigkeiten auf Vorschlag der Kommission und nach Anhörung des Europäischen Parlaments einstimmig geeignete Vorkehrungen treffen, um Diskriminierungen aus Gründen des Geschlechts, der Rasse oder der ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung bekämpfen. Es besteht ein allgemeiner Konsens, dass gesetzlichen Maßnahmen im Kampf gegen Rassismus und Intoleranz eine außerordentliche Bedeutung zukommt. Gesetze gewährleisten nicht nur, dass die Opfer geschützt werden und dass ihnen Rechtsbehelfe zur Verfügung stehen, sondern sind darüber hinaus Ausdruck dessen, dass sich die Gesellschaft dem Rassismus und der Intoleranz und Ausgrenzung entschieden entgegen stellt und dass die staatlichen Instanzen fest entschlossen sind, gegen Diskriminierung vorzugehen. Weiters ist es angesichts der demographischen Trends außerordentlich wichtig, sicherzustellen, dass ein möglichst hoher Prozentsatz an Personen im erwerbsfähigen Alter einer Beschäftigung nachgeht. Diskriminierungen aus den in Art. 13 des EG-Vertrags angeführten Gründen können insbesondere die Erreichung eines hohen Beschäftigungsniveaus und eines hohen Maßes an sozialem Schutz, die Hebung des Lebensstandards und der Lebensqualität, den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt sowie die Solidarität unterminieren. Beschäftigung und Beruf sind Bereiche, die für die Gewährleistung gleicher Chancen für alle und für die volle Teilhabe der Bürger am wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen 1314 14 von der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien Leben sowie für die individuelle Entfaltung von entscheidender Bedeutung sind. Es wird den Betroffenen ermöglicht, ihr wirtschaftliches Potential zu nutzen, so gut wie möglich für sich selbst und ihre Familie zu sorgen und weniger auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein. Die Europäische Union hat daher im Jahr 2000 zwei Richtlinien verabschiedet, nämlich die Richtlinie 2000/43/EG des Rates zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft (Antirassismusrichtlinie) und die Richtlinie 2000/78/EG des Rates zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf, die Diskriminierungen auf Grund der Religion oder einer Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung verbietet (Rahmen-Gleichbehandlungsrichtlinie). Damit wurde ein Bündel aufeinander abgestimmter Maßnahmen geschaffen, die darauf abzielen, Diskriminierungen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen zu bekämpfen; dies auch im Hinblick auf die Notwendigkeit der Schaffung günstiger Bedingungen für die Entstehung eines Arbeitsmarktes, der die soziale Integration fördert. Abs. 1 ist analog der Bestimmung des 3 gestaltet. In Umsetzung der jeweiligen Art. 1 der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien darf niemand auf Grund der Rasse oder ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung in der Arbeitswelt diskriminiert werden. Der Diskriminierungstatbestand der Behinderung soll in einem eigenen Gleichstellungsgesetz geregelt werden (siehe dazu Allgemeine Erläuterungen). Eine Definition der Begriffe Rasse oder ethnische Herkunft ist in der Antirassismusrichtlinie nicht enthalten. Zurückgewiesen werden jedoch Theorien, mit denen versucht wird, die Existenz verschiedener menschlicher Rassen zu belegen. Die Verwendung des Begriffs Rasse impliziert nicht die Akzeptanz solcher Theorien. Als Auslegungsmaßstab der insoweit offenen und weit auszulegenden Richtlinie kommen völkerrechtliche Normen in Betracht, insbes. das Abkommen zur Eliminierung jeder Form der rassischen Diskriminierung, CERD, ergänzend kann Art. 26 des Internationalen Paktes über zivile und politische Rechte, ICCPR, herangezogen werden. Das CERD erfasst jede Diskriminierung auf Grund der Rasse, der Hautfarbe, der Abstammung, des nationalen Ursprungs und des Volkstums ; Art. 26 ICCPR verpflichtet die ratifizierenden Staaten, Schutz vor Diskriminierungen unter anderem wegen der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion und der nationalen Herkunft zu gewähren. Als Auslegungshilfe wird weiters auf das ILO Übereinkommen (Nr. 111) über die Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf sowie auf Art. 14 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (MRK) und die dazu entwickelten Grundsätze hingewiesen. Auch Art. IX Abs. 1 Z 3 des Einführungsgesetzes zu den Verwaltungsverfahrensgesetzen EGVG stellt die Benachteiligung einer Person auf Grund ihrer Rasse, ihrer Hautfarbe, ihrer nationalen oder ethischen Herkunft, ihres religiösen Bekenntnisses oder einer Behinderung unter Verwaltungsstrafsanktion und kann daher für die Auslegung des Begriffes Rasse herangezogen werden. Die Verwendung des Begriffes Rasse in den oben genannten Instrumenten zeigt, dass dieser Ausdruck in der Rechtssprache durchaus gebräuchlich ist, wobei die Begriffe Rasse oder ethnische Herkunft - völkerrechtskonform ausgelegt - nicht im Sinne einer Abstammungslehre so verstanden werden dürfen, dass es auf biologische Verwandtschaftsverhältnisse ankomme, die zu einer bestimmten Volksgruppe bestünden. Die oben genannten Rechtsquellen können vielmehr als Unterstützung für eine Definition ethnischer Diskriminierung herangezogen werden, die sich stärker kulturell orientiert. Adressaten der Diskriminierung sind Personen, die als fremd wahrgenommen werden, weil sie auf Grund bestimmter Unterschiede von der regionalen Mehrheit als nicht zugehörig angesehen werden. Sie knüpft überwiegend an Unterschiede an, die auf Grund von Abstammungs- oder Zugehörigkeitsmythen als natürlich angesehen werden und die die betroffenen Personen nicht ändern können. Häufige Erscheinungsformen sind Diskriminierung wegen der Hautfarbe und anderer äußerer Merkmale sowie wegen einer als fremd angesehenen Muttersprache. Auch bei Ethnien handelt es sich um imaginierte Gemeinschaften, die durch Bekenntnis oder Fremdzuschreibung entstehen können und sich nicht allein auf biologische oder sonstige tatsächliche Unterscheidungen stützen können. Sie bezieht sich auf Gemeinsamkeiten von Menschen, die sich auf Grund ihrer Hautfarbe, Herkunft, Religion, Sprache, Kultur oder Sitten ergibt. Auch die Begriffe Religion oder Weltanschauung sind auf europarechtlicher Ebene nicht definiert. Wegen des Ziels der Rahmen-Gleichbehandlungsrichtlinie sind sie weit auszulegen. Insbesondere ist Religion nicht auf Kirchen und anerkannten Religionsgemeinschaften beschränkt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass für eine Religion zumindest ein Bekenntnis, Vorgaben für die Lebensweise und ein Kult vorhanden sein müssen. Religion umfasst jedes religiöse, konfessionelle Bekenntnis, die Zugehörigkeit zu einer Kirche oder Glaubensgemeinschaft. Brockhaus - die Enzyklopädie (20., überarbeitete und aktualisierte Auflage) definiert Religion formal als ein (Glaubens-)-System, das in Lehre Praxis und Gemeinschaftsformen die letzten (Sinn-)Fragen menschlicher Gesellschaft und Individuen aufgreift und zu beantworten sucht. Entsprechend den jeweiligen Heilsvorstellungen, die ihr zugrunde liegen und in15 307 der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien 15 von 51 Relation zur jeweiligen Unheils Erfahrung hat jede Religion ein Heilsziel und zeigt einen Heilsweg. Dieses steht in enger Beziehung zur jeweiligen Unverfügbarkeit, die als personale (Gott, Götter) und nichtpersonale (Weltgesetz, Erkenntnis, Wissen) Transzendenz vorgestellt wird. Auch das Tragen von religiösen Symbolen und Kleidungsstücken (z.b. Turbane) fällt in den Schutzbereich, da aus den Kleidungsstücken eine bestimmte Religionszugehörigkeit der Träger/innen abgeleitet bzw. diese als Ausdruck einer bestimmten Religion aufgefasst werden. Ein Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot liegt auch vor, wenn der/die Arbeitgeber/in die Wünsche einer spezifischen Gruppe berücksichtigt, die Wünsche der anderen Gruppe jedoch nicht. Der Begriff Weltanschauung ist eng mit dem Begriff Religion verbunden. Er dient als Sammelbezeichnung für alle religiösen, ideologischen, politischen, uä. Leitauffassungen vom Leben und von der Welt als einem Sinnganzen sowie zur Deutung des persönlichen und gemeinschaftlichen Standortes für das individuelle Lebensverständnis. Im hier verwendeten Zusammenhang sind mit Weltanschauung areligiöse Weltanschauungen gemeint, da religiöse Weltanschauungen mit dem Begriff Religion abgedeckt werden. Weltanschauungen sind keine wissenschaftliche Systeme, sondern Deutungsauffassungen in der Form persönlicher Überzeugungen von der Grundstruktur, Modalität und Funktion des Weltganzen. Sofern Weltanschauungen Vollständigkeit anstreben, gehören dazu Menschen- und Weltbilder, Wert-, Lebens- und Moralanschauungen (vlg. Brockhaus - die Enzyklopädie, 20., überarbeitete und aktualisierte Auflage). Es darf für den Abschluss eines Arbeitsvertrages z.b. keine Rolle spielen, welche Gesinnung (z.b. Atheismus) ein/e Arbeitnehmer/in hat, sofern nicht ein gesetzlicher Rechtfertigungsgrund gegeben ist. Zum Kriterium Alter ist auszuführen: alle Arbeitnehmer/innen sind unabhängig von einem Mindestoder Höchstalter geschützt, es sei denn, spezifische Ausbildungsanforderungen erfordern die Festsetzung eines Höchstalters für die Einstellung (siehe 14 Abs. 4). Ebenso sind Vorschriften unzulässig, welche insbesondere den Einstieg in eine bestimmte Laufbahn nur bis zu einem bestimmten Lebensalter gestatten. Der Diskriminierungstatbestand des Alters umfasst auch Diskriminierungen auf Grund des jugendlichen Alters. Nicht berührt sind jedoch Bestimmungen über die Festsetzung der Altersgrenzen für den Eintritt in den Ruhestand. Das Kriterium der sexuellen Orientierung entspricht dem in der Richtlinie verwendeten Begriff der sexuellen Ausrichtung, im Gesetzestext wird die gängigere und eingeführte Bezeichnung sexuelle Orientierung verwendet. Der Begriff ist weit auszulegen und wird allgemein als heterosexuell, homosexuell und bisexuell definiert und verstanden. Es soll vor allem ein Diskriminierungsschutz für schwule und lesbische Arbeitnehmer/innen geschaffen werden. Auch die Benachteiligung homosexueller Lebensgemeinschaften gegenüber unverheirateten heterosexuellen Paaren ist unzulässig, betriebliche Sozialleistungen z.b. dürfen entweder nur allen eheähnlichen Gemeinschaften zustehen oder nur an Ehepaare geleistet werden. Eine Privilegierung der Ehe bleibt aber weiter zulässig. Dies ergibt sich aus Erwägungsgrund 22 der Rahmen-Gleichbehandlungsrichtlinie, wonach die einzelstaatlichen Rechtsvorschriften über den Familienstand und davon abhängige Leistungen unberührt bleiben. Der Gleichbehandlungsgrundsatz gilt unabhängig davon, ob der Umstand, auf Grund dessen die Diskriminierung erfolgt (z.b. Rasse oder ethnische Herkunft, etc.), tatsächlich vorliegt oder vermutet ist. Die in den jeweiligen Art. 3 der Antidiskriminierungsrichtlinien aufgezählten Bereiche sollen in den 11 und 12 umgesetzt werden. Die Formulierung ist den 3 und 4 des Entwurfes nachgebildet. Zulässig sind die Einrichtung und die Beibehaltung von Organisationen von Personen einer bestimmten Rasse oder ethnischer Herkunft, mit einer bestimmten Religion oder Weltanschauung, einem bestimmten Alter oder einer bestimmten sexuellen Orientierung, wenn deren Zweck hauptsächlich darin besteht, die besonderen Bedürfnisse dieser Personen zu berücksichtigen und die Gleichstellung dieser Personen zu fördern. 11 Abs. 2 soll klarstellen, dass eine auf die Staatsangehörigkeit beruhende unterschiedliche Behandlung nicht untersagt ist, sofern eine solche aus sachlichen Gründen erfolgt und nicht, um z.b. eine rassistische Vorgangsweise zu verfolgen. Sie stellt somit keinen Rechtsfertigungsgrund für Diskriminierungen auf Grund der in 11 aufgezählten Tatbestände dar. Das Diskriminierungsverbot gilt auch für Drittstaatsangehörige. Unberührt bleiben die Vorschriften über die Einreise und den Aufenthalt von Drittstaatsangehörigen und ihren Zugang zu Beschäftigung und Beruf. Zu 13: Die Bestimmung ist 5 des Entwurfes nachgebildet und enthält die Definition der Begriffe unmittelbare und mittelbare Diskriminierung. Damit werden die jeweiligen Art. 2 Abs. 2 der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien umgesetzt. Abs. 3 sieht entsprechend Art. 2 Abs. 4 der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien vor, dass auch die Anweisung zur Diskriminierung als Diskriminierung gilt (siehe Erläuterungen zu 5). 1516 16 von der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien Zu 14: Art. 4 bzw. Art. 4 Abs. 1 der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien enthalten die Möglichkeit, in engen Grenzen Ausnahmen vom Gleichbehandlungsgebot vorzusehen. Da die Gleichbehandlung ein grundlegendes Prinzip darstellt, ist davon auszugehen, dass eine solche Ungleichbehandlung nur unter ganz besonderen, außergewöhnlichen Umständen gerechtfertigt ist. Nach Abs. 1 soll eine Ungleichbehandlung dann als gerechtfertigt anzusehen sein, wenn ein bestimmtes Merkmal eine spezifische berufliche Anforderung für eine bestimmte Tätigkeit darstellt. Diese spezifischen beruflichen Anforderungen sollen im engen Sinne verstanden werden, so dass sie nur solche berufliche Anforderungen abdecken, die unbedingt notwendig sind zur Ausführung der betreffenden Tätigkeit. Die Rechtfertigung bezieht sich auf die Art und die Rahmenbedingungen, in der bzw. unter denen die betreffende Tätigkeit ausgeübt wird. Hier wäre beispielsweise der Fall denkbar, dass aus Gründen der Authentizität ein/e Schauspieler/in benötigt wird, der/die einer bestimmten ethnischen Gruppe angehört. Umfasst von dieser Ausnahmebestimmung sind auch die Bereiche Gesundheit und Sicherheit. Darunter fallen insbes. auch Schutz- und Bekleidungsvorschriften, die aus Gründen der Sicherheit das Tragen von Uniformen oder Helmen vorsehen. Gemäß Art. 4 Abs. 2 der Rahmen-Gleichbehandlungsrichtlinie können in Bezug auf berufliche Tätigkeiten innerhalb von Kirchen und anderen öffentlichen oder privaten Organisationen, deren Ethos auf religiösen Grundsätzen oder Weltanschauungen beruht, Bestimmungen beibehalten oder vorgesehen werden, wonach eine Ungleichbehandlung wegen der Religion oder Weltanschauung keine Diskriminierung darstellt, wenn die Religion oder die Weltanschauung dieser Person nach der Art dieser Tätigkeiten oder der Umstände ihrer Ausübung eine wesentliche, rechtmäßige und gerechtfertigte berufliche Anforderung angesichts des Ethos der Organisation darstellt. Diese Bestimmung soll durch Abs. 2 verwirklicht werden. Es liegt auf der Hand und ist auch sachlich gerechtfertigt, dass in Organisationen, die bestimmte religiöse Werte vertreten, für bestimmte Arbeitsplätze oder Tätigkeiten nur Arbeitnehmer/innen mit der entsprechenden religiösen Überzeugung in Betracht kommen. Abs. 2 gestattet es den betreffenden Organisationen, berufliche Anforderungen zu stellen, die für die Erfüllung der mit einem bestimmten Arbeitsplatz verbundenen Pflichten erforderlich sind. Auch die Nutzung von eigenständigen Unternehmensformen in Ausführung der berechtigten Zwecke von den oben genannten Kirchen und Organisationen ist nicht von der Anwendung der Ausnahmebestimmung ausgeschlossen, wenn das Ethos untrennbar mit dem Unternehmenszweck verbunden ist. Art. 6 der Rahmen-Gleichbehandlungsrichtlinie sieht darüber hinaus die Möglichkeit vor, unter bestimmten Bedingungen Ungleichbehandlungen auf Grund des Alters als gerechtfertigt anzusehen. Die Umsetzung dieser Möglichkeit soll in Abs. 3 erfolgen. Danach soll keine Ungleichbehandlung auf Grund des Alters vorliegen, wenn sie objektiv und angemessen, durch bestimmte - demonstrativ aufgezählte - Ziele gerechtfertigt ist sowie die Mittel zur Erreichung dieses Zieles angemessen und erforderlich sind. Damit soll zum einen die Möglichkeit der Rechtfertigung einer unmittelbaren Diskriminierung auf ganz bestimmte Ausnahmefälle beschränkt werden, zum anderen soll sichergestellt werden, dass diese begrenzte Zahl von Ausnahmen den vom Europäischen Gerichtshof im Zusammenhang mit dem Begriff der mittelbaren Diskriminierung festgelegten Grundsätzen der Erforderlichkeit, der Verhältnismäßigkeit und der Legitimität genügen. Gründe, wie eine lange Ausbildungsdauer oder das Durchlaufen einer vorgesehenen gesamten Laufbahn können nicht als Ausnahme vom Grundsatz der Nichtdiskriminierung und somit als Rechtfertigung für die Festsetzung eines Maximalalters bei Begründung eines Arbeitsverhältnisses angesehen werden. Zulässig ist jedoch z.b. die Festsetzung einer Höchstdauer für die Geltung von Verträgen für selbständige und unselbständige Arbeit mit dem regulären gesetzlichen Pensionsantrittsalter, wenn und soweit diese dem notwendigen und sachliche begründeten Interesse von Patienten (Höchstalter für Vertragsärzte) oder sonstigen schutzwürdigen Personen dient. Ausschließlich an das (Lebens)Alter anknüpfende Lohn- oder Gehaltstafeln sind als unzulässige Diskriminierung zu werten. Die Anwendung anderer Kriterien - wie z.b. Berufserfahrung oder Betriebstreue - sind aber keinesfalls ausgeschlossen. Sowohl die Berufserfahrung, die für den/die Arbeitgeber/in durch die entsprechende Arbeitsleistung des/der Arbeitnehmers/Arbeitnehmerin wertvoll ist, als auch die Betriebstreue, die eine Bindung an den des/der Arbeitnehmers/Arbeitnehmerin an den Betrieb bedeutet und den/die Arbeitgeber/in davor schützt, ständig neue Arbeitnehmer/innen einstellen und einschulen zu müssen, sind zulässige Unterscheidungskriterien. Gelingt es darzulegen, dass sich die Lohn- und Gehaltstafeln an diesen Kriterien der Berufserfahrung oder Betriebstreue orientieren, so wäre dies eine zulässige Differenzierung, auch wenn diese im Ergebnis ältere Arbeitnehmer/innen gegenüber jüngeren bevorzugt.17 307 der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien 17 von 51 Abs. 4 enthält als Präzisierung des Abs. 3 eine demonstrative Aufzählung der gerechtfertigten Ungleichbehandlungen, wobei die Formulierungen des Art. 6 der Rahmen-Gleichbehandlungsrichtlinie übernommen werden. Abs. 5 dient der Umsetzung des Art. 6 Abs. 2 der Rahmen- Gleichbehandlungsrichtlinie und sieht bei betrieblichen Systemen der sozialen Sicherheit die Möglichkeit der Festsetzung von Altersgrenzen vor, solange dies nicht zu Diskriminierungen auf Grund des Geschlechts führt. Zu 15: Die Regelung ist weitgehend analog der Bestimmung des 7 gestaltet. Der Wortlaut des Abs. 2 ist den jeweiligen Art. 2 Abs. 3 der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien entnommen, entspricht jedoch inhaltlich 7 Abs. 2. Entsprechende Verhaltensweisen können verschiedene Formen annehmen, angefangen bei sprachlichen Äußerungen und Gesten bis hin zum Verfassen, Zeigen und Verbreiten von schriftlichen Äußerungen, Bildern oder sonstigem Material. Sie müssen schwerwiegend sein und insgesamt eine störende oder feindselige Arbeitsumgebung bewirken. Zu 16: Die Regelung dient der Umsetzung der Art. 5 bzw. 7 der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien und entspricht inhaltlich 8 des Entwurfes. Da Art. 7 Abs. 2 B-VG die in 11 aufgezählten Diskriminierungsgründe nicht umfasst, ist ein entsprechender Verweis und damit eine einheitliche textliche Gestaltung nicht möglich. Es wird daher die Formulierung der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien herangezogen. Hinsichtlich der inhaltlichen Determinanten wird auf die Erläuterungen zu 8 verwiesen. Zu 17 und 18: Das Gebot der diskriminierungsfreien Stellenausschreibung ist in den beiden Antidiskriminierungsrichtlinien zwar nicht ausdrücklich angeführt, eine sachlich nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung bei der Stellenausschreibung ist jedoch als Diskriminierung im Sinne der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien anzusehen. Gerade durch diskriminierende Stellenausschreibungen kann der Zugang zu Beruf und Beschäftigung auf Grund des Einflusses der Wortwahl auf das Bewerbungsverhalten potentieller Bewerber/innen und die damit verbundene allfällige Abstandnahme von einer Bewerbung wesentlich behindert werden. Dies widerspricht den Intentionen der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien. Durch die Bestimmung des 17 soll daher ein Gebot der diskriminierungsfreien Stellenausschreibung eingeführt werden, das analog der Bestimmung des 9 gestaltet ist. Art. 4 bzw. Art. 4 Abs. 1 der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien eröffnen den Mitgliedstaaten die Möglichkeit, von einer Ungleichbehandlung auf Grund eines der Merkmale der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien dann abzusehen, wenn das betreffende Merkmal auf Grund der Art einer bestimmten beruflichen Tätigkeit oder der Rahmenbedingungen ihrer Ausübung eine wesentliche und entscheidende berufliche Voraussetzung darstellt, sofern es sich um einen rechtmäßigen Zweck und eine angemessene Anforderung handelt. 18 regelt die 10 nachgebildeten Strafsanktionen sowie die Parteistellung des/der Anwalts/Anwältin für die Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung in der Arbeitswelt oder eines/einer Regionalvertreters/Regionalvertreterin in dem auf seinen/ihren Antrag eingeleiteten Verwaltungsstrafverfahren sowie das Recht auf sowie Einspruch gegen Strafverfügungen. Der 3. Abschnitt enthält jene Bestimmungen, die für den 1. und 2. Abschnitt gleichermaßen gelten. Zu 19: Die Bestimmung entspricht dem bisherigen 2 Abs. 2. Es handelt sich dabei um einen Sonderfall der mittelbaren Diskriminierung, der in keinem direkten Verhältnis zum Arbeitsvertrag steht. Mit dieser Bestimmung soll eine Verdeutlichung des Diskriminierungsverbotes bei der Entgeltfestsetzung durch Kollektivvertrag oder Betriebsvereinbarung herbeigeführt und erzielt werden, dass unterschiedliche Kriterien für die Arbeit der Frauen und die Arbeit der Männer angemessen berücksichtigt werden und so gelagert sein müssen, dass bei richtiger Anwendung der Kollektivverträge Diskriminierungen bei den Betrieben ausgeschlossen sind. Zu 20: Mit der vorgesehenen Regelung wird eine Anpassung des Schadenersatzrechtes an das EU-Recht vorgenommen. Der Europäische Gerichtshof hat in einem Erkenntnis zum deutschen Gleichbehandlungsrecht (Rs. C-180/95 vom 22. April 1997, Fall Draehmpael) entschieden, dass die Festsetzung einer Höchstgrenze für den Schadenersatz infolge von Diskriminierungen wegen des Geschlechtes bei der 1718 18 von der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien Einstellung in Widerspruch zur Gleichbehandlungsrichtlinie (76/207/EWG) steht, sofern nach der innerstaatlichen Regelung diese Höchstgrenze auch dann gilt, wenn der/die Bewerber/in bei diskriminierungsfreier Auswahl die zu besetzende Position erhalten hätte. Die Richtlinie steht hingegen einer innerstaatlichen Regelung nicht entgegen, die für den Schadenersatz eine Höchstgrenze vorgibt, wenn der/die Arbeitgeber/in beweisen kann, dass der/die Bewerber/in die zu besetzende Position wegen der besseren Qualifikation des/der eingestellten Bewerbers/Bewerberin auch bei diskriminierungsfreier Auswahl nicht erhalten hätte. Außerdem darf für den von mehreren bei der Einstellung diskriminierten Bewerber/inne/n geltend gemachten Schadenersatz keine Höchstgrenze von kumulativ festgelegten Monatsgehältern vorgesehen werden. Da das österreichische Gleichbehandlungsgesetz auch generelle Schadenersatzobergrenzen bei Verletzung des Diskriminierungsverbotes bei Begründung des Arbeitsverhältnisses und beim beruflichen Aufstieg vorsieht, ist im Hinblick auf die Judikatur des Europäischen Gerichtshofes Anpassungsbedarf an das EU-Recht gegeben. Die in der geänderten Gleichbehandlungsrichtlinie sowie in den beiden Antidiskriminierungsrichtlinien enthaltene Schadenersatzregelung ist der Judikatur des Europäischen Gerichtshofes nachgebildet. Sie umfasst neben dem Ersatz des materiellen Schadens auch einen immateriellen Schadenersatzanspruch. Nach Art. 6 Abs. 2 der geänderten Gleichbehandlungsrichtlinie haben die Mitgliedstaaten dafür zu sorgen, dass der einer Person entstandene Schaden tatsächlich und wirksam ausgeglichen und ersetzt wird, wobei dies auf eine abschreckende und dem erlittenen Schaden angemessene Art und Weise geschehen muss. Dabei darf ein solcher Ausgleich oder eine solche Entschädigung nur in den Fällen durch eine im Voraus höchstgelegte Höchstgrenze begrenzt werden, in denen der/die Arbeitgeber/in nachweisen kann, dass der einem/einer Bewerber/in durch die Diskriminierung entstandene Schaden allein darin besteht, dass die Berücksichtigung seiner/ihrer Bewerbung verweigert wird. Die einschlägigen Bestimmungen der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien (Art. 7 bzw. Art. 9) verpflichten die Mitgliedstaaten dazu, sicherzustellen, dass alle Personen, die sich durch die Nichtanwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes in ihren Rechten für verletzt halten, ihre Ansprüche aus dieser Richtlinie geltend machen können. Sanktionen, die auch Schadenersatzleistungen an die Opfer vorsehen können, müssen wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sein (Art. 15 bzw. Art. 17 der Antidiskriminierungsrichtlinien). Grundsätzlich wird das bewährte Rechtsfolgensystem des Gleichbehandlungsgesetzes beibehalten und an die geänderte Rechtslage angepasst. Die im Entwurf vorgesehene Regelung des Abs. 1 verpflichtet daher den/die Arbeitgeber/in bei Verletzung des Diskriminierungsverbotes bei Begründung des Arbeitsverhältnisses zum Ersatz des Vermögensschadens einschließlich einer Entschädigung für die erlittene persönliche Beeinträchtigung (immaterieller Schaden). Der Vermögensschaden umfasst sowohl den positiven Schaden als auch den entgangenen Gewinn. Ein positiver Schaden liegt dann vor, wenn ein schon vorhandenes Vermögensgut vermindert wird; entgangener Gewinn ist hingegen dann anzunehmen, wenn der Eintritt einer Vermögensvermehrung verhindert, also eine Erwerbschance vernichtet wird. Weiters soll klargestellt werden, dass die Rechtsfolgen lediglich an die Erfüllung des Tatbestandes der Diskriminierung anknüpft; schuldhaftes Handeln des/der Diskriminierenden ist nicht erforderlich. Bei der Höhe des Ersatzanspruches ist für den/die Stellenwerber/in, der/die bei diskriminierungsfreier Auswahl die Stelle erhalten hätte, ein Mindestbetrag von einem Monatsentgelt vorgesehen; für den/die Stellenwerber/in, dessen/deren durch die Diskriminierung erwachsene Schaden allein darin besteht, dass die Berücksichtigung seiner/ihrer Bewerbung verweigert wird, ist ein Höchstbetrag bis 500 Euro vorgesehen. In Abs. 2, Abs. 3, Abs. 4, Abs. 6 werden die Rechtsfolgen bei Verletzung des Gleichbehandlungsverbotes bei der Festsetzung des Entgelts, bei der Gewährung freiwilliger Sozialleistungen, bei Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung und bei den sonstigen Arbeitsbedingungen in Anpassung an das EU-Recht erweitert. Demnach gebührt die Herstellung des diskriminierungsfreien Zustandes oder des Ersatzes des Vermögensschadens. Zusätzlich gebührt bei beiden Varianten der Ersatz des immateriellen Schadens. Mit der vorgesehenen Regelung in Abs. 5 wird eine Anpassung des Schadenersatzrechtes beim beruflichen Aufstieg an das EU-Recht vorgenommen. Es ist eine analog zur Schadenersatzregelung bei der Begründung des Arbeitsverhältnisses gestaltete Neuregelung erforderlich. Abs. 7 regelt die Rechtsfolgen bei Verletzung des Gleichbehandlungsverbotes bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses und entspricht dem bisherigen 2a Abs. 8. Abs. 8 und Abs. 9 regeln die Rechtsfolgen bei Verletzung des Gleichbehandlungsverbotes beim Zugang zu allen Formen und allen Ebenen der Berufsberatung, der Berufsbildung, der beruflichen Weiterbildung und der Umschulung einschließlich der praktischen Berufserfahrung und bei der Mitgliedschaft und Mitwirkung in einer Arbeitnehmer/innen/- oder Arbeitgeber/innen/organisation oder einer Organisation, deren Mitglieder19 307 der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien 19 von 51 einer bestimmten Berufsgruppe angehören, einschließlich der Leistungen solcher Organisationen. Der Anspruch besteht auf Herstellung des diskriminierungsfreien Zustandes oder auf Ersatz des Vermögensschadens. Zusätzlich gebührt bei beiden Varianten der Ersatz des immateriellen Schadens. Abs. 10 sieht für die Verletzung des Gleichbehandlungsgebotes bei den Bedingungen für den Zugang zu selbständiger Beschäftigung den Ersatz des Vermögensschadens einschließlich des immateriellen Schadens vor. Mit der vorgesehenen Regelung des Abs. 11 werden Schadenersatzregelungen für den Diskriminierungstatbestand der sexuellen Belästigung sowie die neuen Diskriminierungstatbestände der Belästigung auf Grund des Geschlechts, der Rasse oder ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung normiert. Die Sanktionen bei Belästigung betragen mindestens 400 Euro bzw. bei sexueller Belästigung 720 Euro. Die Änderung der Umschreibung des immateriellen Schadens bei sexueller Belästigung erfolgt in Anpassung an die Schadenersatzregelungen bei den anderen Diskriminierungstatbeständen. Sie ist keine inhaltliche Änderung, sondern dient der sprachlichen Einheitlichkeit. Nach dem geltenden Wortlaut des 2a Abs. 9 erstreckt sich die Beweismaßerleichterung nur auf die Diskriminierungstatbestände des bisherigen 2 Abs. 1 Z 1 bis 7, nicht jedoch auf die bisherigen Abs. 1a und 1b, in denen die sexuelle Belästigung geregelt ist (vgl. OGH vom , 9 Ob A 2056/96). Das bedeutet, dass der/die Arbeitnehmer/in die sexuelle Belästigung - im Gegensatz zu den anderen Diskriminierungstatbeständen im gerichtlichen Verfahren nicht bloß glaubhaft zu machen, sondern zu beweisen hat. Da in der Praxis vor allem bei sexueller Belästigung oft nur Behauptung gegen Behauptung steht, ist die Erbringung des vollen Beweises äußerst schwierig. Die Nichtzitierung der Bestimmungen betreffend die sexuelle Belästigung dürfte auf ein redaktionelles Versehen bei der Novelle 1992 zurückzuführen sein, da der Diskriminierungstatbestand der sexuellen Belästigung erst später in den Gesetzentwurf aufgenommen wurde und offenbar auf die Adaptierung der Zitierungen vergessen wurde. Die beiden Antidiskriminierungsrichtlinien (Art. 8 bzw. Art. 10) und die Beweislastrichtlinie (RL 97/80/EG über die Beweislast bei Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts, ABl Nr. L 14 vom S. 6) sehen vor, dass die Richtlinien im Einklang mit ihrem nationalen Gerichtswesen zu gewährleisten haben, dass das Diskriminierungsopfer - die klagende Partei ihr Vorbringen glaubhaft zu machen hat und es der beklagten Partei obliegt, darzulegen, dass keine Diskriminierung erfolgt ist. Und genau dieses Beweissystem, das von den EU-Richtlinien gefordert wird, ist seit langem im österreichischen Gleichbehandlungsgesetz verankert und soll auch im neuen Gleichbehandlungsgesetz weiter gelten. Die klagende Partei hat die Diskriminierung zwar glaubhaft zu machen, aber die Klage ist nur dann vom Gericht abzuweisen, wenn bei Abwägung aller Umstände eine höhere Wahrscheinlichkeit dafür spricht, dass die von der beklagten Partei ihrerseits glaubhaft gemachten Tatsachen der Wahrheit entsprechen, also dieser der Entlastungsbeweis gelungen ist. Durch diese Regelung wird nicht nur das Beweismaß erleichtert, sondern tatsächlich die Beweislast umgekehrt: Im Gegensatz zu der sonst im österreichischen Zivilprozess geltenden Beweislastverteilung, wonach die klagende Partei ihre Behauptungen im vollen Umfang beweisen muss und die beklagte Partei zu keinerlei Rechtfertigung ihrer Motive verpflichtet ist, muss nach dem Entwurf nämlich umgekehrt die beklagte Partei aktiv werden und das Gericht vom Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen überzeugen, also beweisen, dass sie nicht diskriminiert hat, wenn sie eine Abweisung der Klage erzielen will. Durch die vorgesehene Regelung des Abs. 12 wird die Beweismaßerleichterung in der geltenden Fassung auch auf den Diskriminierungstatbestand der sexuellen Belästigung und auf den neuen Diskriminierungstatbestand der Belästigung sowie auf die Anweisung zur Diskriminierung ausgedehnt. Da es sich bei diesen Diskriminierungstatbeständen um kein Motiv, sondern eine Tatsache handelt, ist eine entsprechende Adaptierung der geltenden Beweislastregelung für diese Diskriminierungstatbestände erforderlich. Die Beweismaßerleichterung erstreckt sich auf alle Diskriminierungstatbestände des I. Teils. Die Beweismaßerleichterung hinsichtlich der Diskriminierungstatbestände der sexuellen Belästigung, der geschlechtsbezogenen Belästigung, sowie der neuen Diskriminierungstatbestände auf Grund des Geschlechts ( 4) ist durch die Aufnahme dieser Diskriminierungstatbestände in die geänderte EU- Gleichbehandlungsrichtlinie (Art. 2) und die dadurch bedingte Anwendbarkeit der EU- Beweislastrichtlinie auf diese Tatbestände erforderlich. Die Beweismaßerleichterung hinsichtlich der Diskriminierungstatbestände gemäß den beiden Antidiskriminierungsrichtlinien ( 11, 12 und 15) stützt sich auf Art. 8 bzw. 10 der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien, die sich in ihrem Wortlaut an die Bestimmungen der Art. 3 und Art. 4 der Beweislastrichtlinie anlehnen. Zu 21: In Umsetzung der Art. 9 bzw. 11 der beiden Antidiskriminierungsrichtlinien enthält 21 ein Benachteiligungsverbot. Nach diesen Artikeln haben die Mitgliedstaaten die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um den/die Einzelne/n vor Benachteiligungen zu schützen, die als Reaktion auf eine 1920 20 von der Beilagen XXII. GP - Regierungsvorlage - Materialien Beschwerde oder auf die Einleitung eines Verfahrens zur Durchsetzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes erfolgen. Ein wirksamer Rechtsschutz muss auch den Schutz vor Repressalien einschließen. Die Opfer können angesichts des Risikos von Repressalien davor zurückschrecken, ihre Rechte geltend zu machen. Da die Angst vor Entlassung im Allgemeinen eines der größten Hindernisse ist, die einer Individualklage im Wege stehen, ist es erforderlich, den/die Betroffene/n vor einer Entlassung oder anderen nachteiligen Behandlungen (z.b. Herabstufung oder anderen Zwangsmaßnahmen) - als Reaktion auf die Einleitung entsprechender Schritte - zu schützen. Die Einführung einer derartigen Regelung, die schon seit langem in Österreich zur Diskussion steht, ist auch in der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie (Art. 7) enthalten. Von diesem Schutz sind - nach der Intention der EU (Erwägungsgrund 17 zur geänderten Gleichbehandlungsrichtlinie) - nicht nur der/die beschwerdeführende Arbeitnehmer/in, sondern auch andere Arbeitnehmer/innen, wie Zeug/inn/en oder Kolleg/inn/en, die die Beschwerde unterstützen, erfasst. Unter Unterstützung ist eine qualifizierte Unterstützung in dem Sinn zu verstehen, dass sich der/die andere Arbeitnehmer/in als Zeuge/Zeugin oder durch sein/ihr aktives Verhalten gegenüber dem/der Arbeitgeber/in oder dem/der Vorgesetzten einem gewissen Risiko aussetzt. Außerdem muss ein sachlicher und zeitlicher Zusammenhang zwischen der der Diskriminierung bzw. der Beschwerde und der qualifizierten Unterstützung einerseits und der Reaktion des/der Arbeitgebers/Arbeitgeberin andererseits bestehen. Wird eine Person im Sinne dieser Bestimmung benachteiligt, kommen die Rechtsfolgen des 20 zur Anwendung. Die in Art. 7 der geänderten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie angeführten Arbeitnehmervertreter/innen werden in der vorgesehenen Regelung nicht angeführt, weil diese ohnehin nach dem Arbeitsverfassungsgesetz oder gleichartigen Rechtsvorschriften entsprechenden Schutz genießen. Zu 22: Die Bestimmung entspricht dem bisherigen 2b. Zu 23: Die Bestimmung ist im Wesentlichen analog dem bisherigen 10b gestaltet. Der Fristenlauf richtet sich nach den Grundsätzen des allgemeinen Schadenersatzrechtes (ab Kenntnis des Schadens). Die Fristenhemmung des Abs. 2 tritt nunmehr auch bei Einlangen eines Verlangens des/der Anwaltes/Anwältin für die Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse oder ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung in der Arbeitswelt, des/der Anwalts/Anwältin für die Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft in sonstigen Bereichen, einer Regionalanwältin oder eines/einer Regionalvertreters/Regionalvertreterin ein. Die im bisherigen Abs. 3 vorgesehene Ablaufhemmung, wonach die Hemmung der Fristen zur gerichtlichen Geltendmachung durch die Zustellung einer Mitteilung der Geschäftsführung der Kommission an den/die Arbeitnehmer/in, dass der/die Arbeitgeber/in dem Vorschlag zur Verwirklichung der Gleichbehandlung nicht fristgerecht nachgekommen ist, enden, hat sich in der Praxis nicht als praktikabel erwiesen und soll entfallen. Der bisherige Abs. 4 erfährt eine Klarstellung betreffend Beendigung der Fristenhemmung, wonach dem/der Arbeitnehmer/in nach der Zustellung zur Erhebung der Klage grundsätzlich zumindest noch eine Frist von drei Monaten offen steht. Die Änderung ist 54 Abs. 5 ASGG nachgebildet. Zu 24: Die Bestimmung entspricht dem bisherigen 10c. Der II. Teil des Entwurfes regelt die Gleichbehandlung außerhalb der Arbeitswelt für den Bereich Rasse oder ethnische Herkunft. Die Bestimmungen des 1. Abschnitts umfassen jene Materien, die in die unmittelbare Gesetzgebungskompetenz des Bundes fallen. Zu 25: Diese Bestimmung regelt den Geltungsbereich des II. Teiles, 1. Abschnitt. Im Gegensatz zur Rahmen- Gleichbehandlungsrichtlinie, die sich auf die Bereiche Beschäftigung und Beruf beschränkt, umfasst die Antirassismusrichtlinie auch einige wesentliche Aspekte der gebotenen Gleichbehandlung außerhalb der Arbeitswelt. In Umsetzung von Art. 3 Abs. 1 der Antirassismusrichtlinie sollen folgende Tatbestände in das Gleichbehandlungsgesetz aufgenommen werden: - Sozialschutz, einschließlich der sozialen Sicherheit und der Gesundheitsdienste, - soziale Vergünstigungen, - Bildung und Mehr anzeigen
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