Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Schenkung-Immobilienbeteiligung-in-Deutschland-fuer-Deutschen-mit-Schweizer-Wohnsitz--f223896.html
Timestamp: 2019-05-21 19:27:33
Document Index: 198821444

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 2', '§ 16', '§ 1', '§ 1', '§ 49', '§ 24']

www.frag-einen-anwalt.deErbrechtSchenkungSchenkung Immobilienbeteiligung in Deut...
| 11.05.2013 23:52 |
Sehr geehrte Anwalt/sehr geehrte Anwältin,
bei mir hat sich folgende Situation betreffs Erbrecht/Schenkung ergeben:
Ich bin Deutscher Staatsangehöriger mit Wohnsitz in der Schweiz (seit Anfang 2008) und habe inzwischen auch eine Niederlassungsbewilligung C erhalten
Meine Eltern wollen mir als vorgezogenes Erbe eine Immobilienbeteiligung an ihrer vermieteten Eigentumswohnung im Wert von ca. fünfzigtausend Euro schenken.
Frage A) Wo und wie muss die Schenkung versteuert werden?
Frage B) Werde ich durch die Annahme der Schenkung in Deutschland steuerpflichtig?
Wenn ja, was müsste in Deutschland versteuert werden, nur der Betrag aus den Mieteinnahmen und muss ich dabei meine Vermögensverhältnisse in der Schweiz offen legen? Bin ich gezwungen eine Deutsche Steuererklärung auszufüllen?
Frage C) Was ist, wenn effektiv kein Mieteinnahmen anfallen, weil die
Wohnungsverwaltung und Zinsen die Mieteinnahmen ausgleichen?
Die Wohnung wurde zumindest teilweise kreditfinanziert als Steuersparmodell
meiner Eltern angeschafft.
Schenkung Schenkung Deutschland Annahme
Nach §§ 1 Abs. 1 Nr. 2 iVm. 2 Abs. 1 Nr. 1 S. 1 des deutschen Erbschafts- und Schenkungssteuergesetzes (ErbStG) tritt die Steuerpflicht für Schenkungen unter Lebenden ein, wenn der Schenker zur Zeit der Ausführung der Schenkung oder der Erwerber zur Zeit der Entstehung der Steuer ein Inländer ist, für den gesamten Vermögensanfall (unbeschränkte Steuerpflicht).
Als Inländer gelten nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 S. 2 ErbStG
b) deutsche Staatsangehörige, die sich nicht länger als fünf Jahre dauernd im Ausland aufgehalten haben, ohne im Inland einen Wohnsitz zu haben.
Ihre Eltern gelten demnach als Inländer, da sie einen Wohnsitz in Deutschland haben. Wenn Sie seit Anfang 2008 Ihren Wohnsitz in der Schweiz haben, wären Sie nicht mehr als Inländer zu qualifizieren. Für die Steuerpflicht in Deutschland wäre es aber ausreichend, dass Ihre Eltern als die Schenkenden Inländer sind. Die Schenkung würde daher der deutschen Steuerpflicht unterliegen.
Nach dem Recht des Kantons Zürich wäre die Schenkung dort nicht steuerpflichtig. Denn eine Schenkungssteuerpflicht im Kanton Zürich besteht nur, wenn die Schenkerin oder der Schenker im Zeitpunkt der Zuwendung seinen Wohnsitz im Kanton Zürich hat oder im Kanton gelegene Grundstücke oder Rechte an solchen übergehen. Beides läge in Ihrem Falle nicht vor.
Nein. Zwar wäre die Schenkung grundsätzlich in Deutschland schenkungssteuerpflichtig, nach § 16 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG gilt für Schenkungen an Kinder aber ein Freibetrag von 400.000,- €. Dies bedeutet, dass Ihnen Ihre Eltern innerhalb von 10 Jahren insgesamt 400.000,- € schenkungsweise zuwenden könnten, ohne dass hierfür Schenkungssteuer anfallen würde. Wenn der Wert der Immobilienbeteiligung also nur 50.000,- € beträgt, ist keine Schenkungssteuer zu zahlen.
Bei der Bewertung der Immobilienbeteiligung sind natürlich auch die Kosten der Wohnung zu berücksichtigen. Die Bewertung der Schenkung wird durch die Finanzbehörden vorgenommen. Da die Schenkung einer Immobilie notariell beurkundet werden muss, ist der Notar anschließend verpflichtet, die Finanzbehörden über die Schenkung zu unterrichten.
Nachfrage vom Fragesteller	12.05.2013 | 15:06
vielen Dank für die überaus ausführliche Antwort,
in einem Punkt habe ich mich vielleicht ein bisschen unklar ausgedrückt, gestatten Sie deshalb die kurze Nachfrage:
Meine Hauptsorgen betreffs obiger Schenkung liegt in
Bezug auf die Zukunft: Die Wohnung wird auch nach der Schenkung
vermietet bleiben, so dass ich mich Frage, ob ich mit meinen anteiligen Mieteinnahmen zukünftig der deutschen Steuerpflicht unterliege und dazu neben meiner Schweizer Steuerklärung auch noch eine deutsche unter Offenlegung meiner Schweizer Finanzverhältnisse
leisten muss (was ich natürlich vermeiden will).
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 12.05.2013 | 16:24
Der obige Aspekt hat sich für mich in der Tat nicht aus Ihrer Fragestellung ergeben. Gerne beantworte ich aber auch Ihre Nachfrage.
Leider werden Sie die Mieteinkünfte aus der deutschen Immobilienbeteiligung in Deutschland versteuen müssen. Sie sind zwar mangels eines Wohnsitzes in Deutschland hier nicht unbeschränkt steuerpflichtig nach § 1 Abs. 1 EStG, aber unbeschränkt steuerpflichtig nach § 1 Abs. 4 EStG, da die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung nach §§ 49 Abs. 1 Nr. 6, 21 EStG der deutschen Steuerpflicht unterliegen. Dies führt dazu, dass Sie jährlich eine Steuererklärung in Deutschland zu Ihren Mieteinkünften werden abgeben müssen. Hierbei bleiben Ihre schweizer Einkünfte leider nicht völlig unberücksichtigt. Zwar werden die Einkünfte aus der Schweiz nach § 24 des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und der Schweiz nicht in Deutschland versteuert, Deutschland darf diese aber zur Bestimmung des Steuersatzes heranziehen, sog. Progressionsvorbehalt. Sie werden also bei der Steuererklärung in Deutschland auch Ihre Einkünfte in der Schweiz angeben müssen.
Natürlich werden bei der Ermittlung der Mieteinkünfte auch die mit diesen in Zusammenhang stehenden Ausgaben berücksichtigt.
Ich hoffe, ich konnte auch die Nachfrage zu Ihrer Zufriedenheit beantworten. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sonntag und verbleibe
Bewertung des Fragestellers 12.05.2013 | 14:46
"Vielen Dank nach Weikersheim für die überaus kompetente Antwort."