Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BeckRS%202010,%2029600
Timestamp: 2020-01-23 15:19:45
Document Index: 49190601

Matched Legal Cases: ['§ 156', '§ 86', '§ 89', '§ 86', '§ 89', '§ 156', '§ 19', '§ 86', '§ 86', '§ 156', '§ 86', '§ 86', 'BGH', '§ 81', '§ 81', '§ 17']

KG, 08.11.2010 - 19 WF 112/10 - dejure.org
https://dejure.org/2010,21329
KG, 08.11.2010 - 19 WF 112/10 (https://dejure.org/2010,21329)
KG, Entscheidung vom 08.11.2010 - 19 WF 112/10 (https://dejure.org/2010,21329)
KG, Entscheidung vom 08. November 2010 - 19 WF 112/10 (https://dejure.org/2010,21329)
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§ 156 Abs 2 FamFG, § 86 FamFG, § 89 FamFG
Ordnungsmittel: Auslegung einer Umgangsvereinbarung; Widerlegen der Verschuldensvermutung bei einer Zuwiderhandlung
FamFG § 86; FamFG § 89; FamFG § 156 Abs. 2
AG Berlin-Tempelhof/Kreuzberg, 05.07.2010 - 121 F 4585/09
FamRZ 2011, 588
BeckRS 2010, 29600
(bb) Dafür, dass die Mutter einem Verbotsirrtum unterlegen wäre, so dass ein Verschulden, soweit der Irrtum unvermeidbar gewesen wäre, entfallen würde (§ 19 StGB; vgl. KG, Beschluss vom 8. November 2010 - 19 WF 112/10, FamRZ 2011, 588 [bei juris Rz. 6]) ist nichts ersichtlich; aufgrund des tatsächlichen Verlaufs ist das vielmehr ausgeschlossen.
Die Billigung des Vergleiches, die nur nach Kindeswohlprüfung erfolgen darf, ist aber auch nach neuem Recht weiterhin die Grundlage der Vollstreckung (vgl. KG Berlin, FamRZ 2011, S. 588;… Prütting/Helms/Stößer, Rdnr. 15 zu § 86 FamFG).
Nach anderer Auffassung ist nicht der Vergleich, sondern die gerichtliche Billigung Grundlage der Vollstreckung (KG Berlin FamRZ 2011, 588 , juris Rn. 2;… OLG Frankfurt FamRZ 2012, 573 , juris Rn. 5;… Prütting/Helms/Hammer, a.a.O., § 86 Rn. 18 und § 156 Rn. 68;… Musielak/Borth, FamFG , 6. Auflage 2018, § 86 Rn. 3;… Bork/Jacoby/Schwab/Althammer, FamFG , 3. Auflage 2018, § 86 Rn. 4).
Die Vereinbarung hätte im Übrigen auch nicht gebilligt werden dürfen, weil im Hinblick auf die Vollstreckungsfähigkeit einer Umgangsregelung zwingend darauf zu achten ist, dass ein Umgangsvergleich hinreichend bestimmt ist und einen vollstreckungsfähigen Inhalt hat (BGH FamRZ 12, 533; KG FamRZ 11, 588; Hammer FamRZ 2011, 1268, 1270).
Wenn der Titel versehentlich unzureichend konkretisiert ist oder dies im Hinblick auf künftige Entwicklungen nicht in vollem Umfange möglich war, ist das jeweilige Vollstreckungsorgan berechtigt und verpflichtet, den Inhalt des Titels durch Auslegung festzustellen (vgl. KG Berlin, Beschluss vom 08. November 2010 - 19 WF 112/10 -, juris).
In Kindschaftssachen ist hinsichtlich der Auferlegung der Kostenerstattungspflicht auf einen Beteiligten Zurückhaltung geboten (…Keidel/Zimmermann, a.a.O., § 81 Rn. 48;… Prütting/Helms/Feskorn, a.a.O., § 81, Rn. 13; OLG Köln, FamRZ 2012, 1162; KG, FamRZ 2012, 1162, FamRZ 2011, 588 ; OLG Nürnberg, FamRZ 2010, 998 ).
In der Gesamtschau führen diese Grundsätze dazu, dass der Mutter ein schuldhafter, vorwerfbarer Verstoß gegen die eingegangene Verpflichtung nicht angelastet werden kann (vgl. auch KG, Beschluss vom 8. November 2010 - 19 WF 112/10, FamRZ 2011, 588 [bei juris Rz. 6]: unvermeidbarer Verbotsirrtum nach § 17 StGB).