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Timestamp: 2016-10-24 22:06:43
Document Index: 44809620

Matched Legal Cases: ['Art. 61', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 42', 'Art. 106', 'BGE', 'Art. 106', 'Art. 61', 'Art. 43', 'BGE']

9C_181/2016 (02.06.2016)
9C_181/2016 � � Urteil vom 2. Juni 2016
Der 1961 geborene A.________ meldete sich im Oktober 2012 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Bern holte im Rahmen der Abkl�rungen insbesondere das interdisziplin�re Gutachten der MEDAS Bern vom 24. Januar 2014 samt erg�nzender Stellungnahme des Dr. med. B.________, Facharzt f�r Neurologie, vom 4. April 2014 ein. Nach Durchf�hrung des Vorbescheidverfahrens ermittelte die Verwaltung einen Invalidit�tsgrad von 15 %. Folglich verneinte sie mit Verf�gung vom 5. August 2014 einen Rentenanspruch.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern mit Entscheid vom 1. Februar 2016 ab.
A.________ l�sst mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beantragen, unter Aufhebung des Entscheids vom 1. Februar 2016 sei ihm eine halbe Invalidenrente ab 1. M�rz 2012 auszurichten; eventualiter sei die Sache f�r weitere medizinische Abkl�rungen an die IV-Stelle zur�ckzuweisen.
Die Vorinstanz hat gest�tzt auf das MEDAS-Teilgutachten der Frau Dr. med. C.________, Fach�rztin f�r Neurochirurgie, festgestellt, der Versicherte sei in seiner angestammten T�tigkeit als kaufm�nnischer Angestellter in leitender Position um 15 % eingeschr�nkt. Bei einem Invalidit�tsgrad in gleicher H�he hat sie einen Rentenanspruch verneint.
3.1.2.�Im Rahmen der freien Beweisw�rdigung (Art. 61 lit. c ATSG [SR 830.1]; vgl. BGE 132 V 393 E. 3.2 und 4 S. 397 ff.; Urteil I 865/06 vom 12. Oktober 2007 E. 4 mit Hinweisen) darf sich die Verwaltung - und im Streitfall das Gericht - weder �ber die (den beweisrechtlichen Anforderungen gen�genden; vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352 mit Hinweis) medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sich die �rztlichen Einsch�tzungen und Schlussfolgerungen zur (Rest-) Arbeitsf�higkeit unbesehen ihrer konkreten sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen. Die rechtsanwendenden Beh�rden haben diesfalls mit besonderer Sorgfalt zu pr�fen, ob die �rztliche Einsch�tzung der Arbeitsunf�higkeit auch invalidit�tsfremde Gesichtspunkte (insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitber�cksichtigt, die vom invalidit�tsrechtlichen Standpunkt aus unbeachtlich sind (vgl. BGE 140 V 193; 130 V 352 E. 2.2.5 S. 355 f.; Urteil 9C_146/2015 vom 19. Januar 2016 E. 3.1).
3.2.�Bei den vorinstanzlichen Feststellungen zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsf�higkeit der versicherten Person handelt es sich grunds�tzlich um Entscheidungen �ber eine Tatfrage (BGE 132 V 393 E. 3.2 S. 397 ff.), welche das Bundesgericht seiner Urteilsfindung zugrunde zu legen hat (E. 2). Die konkrete Beweisw�rdigung stellt ebenfalls eine Tatfrage dar. Dagegen ist die Beachtung des Untersuchungsgrundsatzes und der Beweisw�rdigungsregeln Rechtsfrage (BGE 132 V 393 E. 3.2 und 4 S. 397 ff.; Urteil I 865/06 vom 12. Oktober 2007 E. 4 mit Hinweisen), die das Bundesgericht im Rahmen der den Parteien obliegenden Begr�ndungs- bzw. R�gepflicht (Art. 42 Abs. 2 BGG und Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.4.1 und 1.4.2 S. 254) frei �berpr�fen kann (Art. 106 Abs. 1 BGG).
3.3.1.�Das MEDAS-Hauptgutachten enth�lt Einsch�tzungen aus den Fachbereichen Psychiatrie, Neurologie, Innere Medizin, Neurochirurgie und Orthop�die. Das kantonale Gericht hat festgestellt, abgesehen vom Neurologen und der Neurochirurgin seien die Gutachter, insbesondere auch der Orthop�de, jeweils von einer uneingeschr�nkten Arbeitsf�higkeit ausgegangen. Interdisziplin�r sei die Einsch�tzung des Neurologen Dr. med. B.________, der eine Einschr�nkung von 50 % attestierte, �bernommen worden. Dieser habe vermutet, dass eine chronische Osteomyelitis (durch "fortgeleitete" MRSA [Multi-resistenter Staphylococcus aureus] Infektion) die Schmerzen verursachen k�nnte, weshalb er bis zum Ausschluss einer solchen die Symptomatik als "objektiv bestehend" betrachtet habe. Eine schl�ssige neurologische Diagnose als Grundlage der attestierten Arbeitsunf�higkeit liege indessen nicht vor. Der Neurologe habe die Auswirkungen des Schmerzes - ohne eigentliche neurologische Befunde - denn auch vornehmlich aufgrund der Angaben des Versicherten interpretiert.
Dass diese vorinstanzlichen Feststellungen offensichtlich unrichtig sein sollen, ist nicht ersichtlich und wird auch nicht geltend gemacht. Sie beruhen auch nicht auf einer Rechtsverletzung, weshalb sie f�r das Bundesgericht verbindlich bleiben (E. 1). Bei diesen Gegebenheiten hat das kantonale Gericht zu Recht (vgl. E. 3.1.2) die interdisziplin�re Arbeitsf�higkeitssch�tzung (resp. jene des Neurologen) nicht �bernommen, zumal eine Arbeitsunf�higkeit nicht mit einer blossen Verdachtsdiagnose begr�ndet werden kann.
3.4.�Im MEDAS-Hauptgutachten wie auch in der erg�nzenden Stellungnahme des Neurologen wurde nachvollziehbar dargelegt, dass beim Versicherten nach neu aufgetretenen R�ckenschmerzen MRSA-Bakterien nachgewiesen und eine Dekolonisation durchgef�hrt wurde, und dass dennoch Infektionsherde in wenig durchbluteten Skelettarealen, auch vertebral, persistieren und so eine chronische Ostitis resp. Osteomyelitis bewirken k�nnten. Weiter leuchtet ein, dass in diesem Fall die vom Versicherten geklagten Schmerzen objektivierbar w�ren. Dieser Auffassung stimmte im Wesentlichen auch der Regionale �rztliche Dienst zu (Stellungnahme vom 18. Juli 2014). Der MEDAS-Neurologe hielt in diesem Zusammenhang eine weiterf�hrende Diagnostik f�r notwendig; auf deren Durchf�hrung verzichtete er nur deshalb, weil dies den "Rahmen des Gutachtensauftrags sprengen" w�rde.
Fraglich ist, ob die Vorinstanz resp. die Verwaltung (in Anwendung des Untersuchungsgrundsatzes; Art. 61 lit. c und Art. 43 Abs. 1 ATSG) weitere Abkl�rungen h�tte treffen m�ssen oder ob sie (in antizipierender Beweisw�rdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236; 134 I 140 E. 5.3 S. 148; 124 V 90 E. 4b S. 94) darauf verzichten durfte, weil das MEDAS-Teilgutachten der Frau Dr. med. C.________ als Grundlage f�r die vorinstanzliche Feststellung betreffend die Arbeitsf�higkeit gen�gt.
3.5.�Die Vorinstanz hat weitere Abkl�rungen f�r entbehrlich gehalten, da sie "vorab aus diagnostischen/therapeutischen Gr�nden (im Hinblick auf eine allf�llige Ostitis) angeregt" worden seien und die MRSA-Problematik nach der erfolgreich abgeschlossenen Dekolonisationsbehandlung nicht mehr relevant sei. Dem kann nicht beigepflichtet werden. Einerseits ist die Diagnostik nicht nur f�r die Behandlung, sondern auch f�r die Objektivierung der Schmerzen und somit die Beurteilung der Arbeitsf�higkeit sowie des Rentenanspruchs von Bedeutung. Anderseits scheint die erfolgreiche Dekolonisationsbehandlung einer MRSA-induzierten Osteomyelitis nicht entgegenzustehen (E. 3.4).
Frau Dr. med. C.________, die als externe Gutachterin von der MEDAS beigezogen wurde, unterzeichnete das Hauptgutachten nicht. In diesem wurde festgehalten, dass der Versicherte nur in der internistischen Untersuchung vom MRSA-Befall berichtet habe. Es ist nicht ersichtlich, dass Frau Dr. med. C.________ um die MRSA-Problematik wusste und sie ber�cksichtigte. Diesbez�glich ist ihr Teilgutachten nicht �berzeugend. Der MEDAS-Neurologe schloss sich zwar grunds�tzlich ihrer Arbeitsf�higkeitssch�tzung an, aber nur unter dem Vorbehalt, dass die von ihm vorgeschlagene Abkl�rung unauff�llige Befunde erg�be.
Nach dem Gesagten gen�gt das MEDAS-Teilgutachten der Frau Dr. med. C.________ den Anforderungen an die Beweiskraft nicht in allen Punkten, weshalb die darauf beruhende vorinstanzliche Feststellung betreffend die Arbeitsf�higkeit nicht haltbar ist (E. 1). Die Verwaltung wird im Zusammenhang mit der MRSA-Problematik weitere Sachverhaltsermittlungen zu treffen, d.h. entsprechende Unterlagen �ber die behauptete Dekolonisierungsbehandlung einzuholen und gegebenenfalls die notwendigen medizinischen Untersuchungen anzuordnen haben. Insoweit ist die Beschwerde begr�ndet.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Februar 2016 und die Verf�gung der IV-Stelle Bern vom 5. August 2014 werden aufgehoben. Die Sache wird zu neuer Verf�gung an die IV-Stelle Bern zur�ckgewiesen. Im �brigen wird die Beschwerde abgewiesen.