Source: http://swissblawg.ch/2016/02/4a3402015-internationale-rechtshilfe-in.html
Timestamp: 2017-10-18 14:35:56
Document Index: 209970880

Matched Legal Cases: ['Art. 335', 'Art. 339', 'Art. 248', 'Art. 154', 'Art. 319', 'Art. 335', 'Art. 319', 'Art. 309', 'Art. 12', 'Art. 166', 'Art. 166', 'Art. 170', 'Art. 607', 'Art. 610', 'Art. 91', 'Art. 275']

4A_340/2015: Internationale Rechtshilfe in Zivilsachen; Bankkundengeheimnis (amtl. Publ.) - swissblawg
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Claudio Kerber	• 25. Februar 2016
Zivilprozess u. Schiedsgericht, Bank- u. Finanzmarktrecht, internat. Recht
Im Ent­scheid 4A_340/2015 (frz.; zur amtl. Publ. vor­ge­se­hen) hat­te das Bun­des­ge­richt Gele­gen­heit, sich zu grund­le­gen­den Fra­gen der inter­na­tio­na­len Recht­hil­fe in Zivil­sa­chen sowie zum Bank­kun­den­ge­heim­nis zu äussern.
Dem Ent­scheid lag das Ersu­chen eines spa­ni­schen Gerichts um inter­na­tio­na­le Rechts­hil­fe in Zivil­sa­chen gemäss Haa­ger Beweis­auf­nah­me­über­ein­kom­men (HBe­wU­e70) zugrun­de. Gegen­stand des Ersu­chens waren Aus­künf­te über Kon­to­be­zie­hun­gen bei einer Gen­fer Bank.
Aus den Erwä­gun­gen des Bun­des­ge­richts sind hier fol­gen­de her­vor­zu­he­ben:
Zur The­ma­tik Rechts­hil­fe­ver­fah­ren:
Die Behand­lung des Rechts­hil­fe­er­su­chens fällt grund­sätz­lich in den Anwen­dungs­be­reich von Art. 335 ff. ZPO (Voll­streckung von Ent­schei­den), wobei staats­ver­trag­li­che Rege­lun­gen vor­ge­hen, nament­lich das HBe­wU­e70 (E. 3.3.1).
Die ersuch­te Schwei­zer Behör­de ent­schei­det gestützt auf Art. 339 Abs. 2 ZPO im sum­ma­ri­schen Ver­fah­ren gemäss Art. 248 ff. ZPO. Dabei han­delt sich gemäss Bun­des­ge­richt um ein aty­pi­sches Sum­mar­ver­fah­ren (“une pro­cé­du­re som­mai­re aty­pi­que”), zumal der Ent­scheid end­gül­tig ist (E. 3.3.2).
Der Ent­scheid, mit wel­chem einem Rechts­hil­fe­er­su­chen statt­ge­ge­ben oder ein sol­ches ver­wei­gert wird, ist kei­ne Beweis­ver­fü­gung i.S.v. Art. 154 ZPO, gegen wel­che Beschwer­de nur bei Dro­hen eines nicht leicht wie­der­gut­zu­ma­chen­den Nach­teils geführt wer­den könn­te (Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO); viel­mehr han­delt es sich um eine Voll­streckungs­mass­nah­me i.S.v. Art. 335 ff. ZPO bzw. um einen End­ent­scheid. Als sol­cher kann er ohne wei­te­re Ein­schrän­kung gemäss Art. 319 lit. a i.V.m. Art. 309 lit. a ZPO mit Beschwer­de ange­foch­ten wer­den (E. 3.4.1).
Wei­ter äussert sich das Bun­des­ge­richt zur Beschwer­de­le­gi­ti­ma­ti­on. Gene­rell gilt, dass jede Per­son, die vom Rechts­hil­fe­er­su­chen berührt ist, beschwer­de­be­rech­tigt ist (E. 3.4.4). Dies gilt zunächst für die Par­tei­en des aus­län­di­schen Haupt­sa­chen­ver­fah­rens (indes unter Aus­schluss der­je­ni­gen Rügen, wel­che sie in jenem Ver­fah­ren gel­tend zu machen hat­ten; E. 3.4.2), sodann für die vom Rechts­hil­fe­er­su­chen direkt erfass­ten Per­so­nen, hier die Schwei­zer Bank (E. 3.4.3), und schliess­lich für Drit­te, wie betrof­fe­ne Bank­kon­to­in­ha­ber bzw. wirt­schaft­lich Berech­tig­te (E. 3.4.4).
Wei­ter äussert sich das Bun­des­ge­richt zu Art. 12 Abs. 1 lit. b BewÜ70 und weist auf die beson­de­re Bedeu­tung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör hin, wel­cher sowohl den Par­tei­en eines Zivil­ver­fah­rens sowie betrof­fe­nen Drit­ten zusteht (E. 3.2.). Im vor­lie­gen­den Fall ver­wei­ger­te das Bun­des­ge­richt die Rechts­hil­fe an das ersu­chen­de spa­ni­sche Gericht denn auch gera­de des­halb, weil dem betrof­fe­nen Dritt­kon­to­in­ha­ber das recht­li­che Gehör ver­sagt wor­den war (E. 3.5.2, 3.5.3 und 3.5).
Zur The­ma­tik Bank­kun­den­ge­heim­nis:
Die Aus­füh­run­gen erfolg­ten vor dem Hin­ter­grund, dass sich die vom Rechts­hil­fe­ge­such erfass­te Bank zunächst auf das Bank­kun­den­ge­heim­nis beru­fen hat­te.
Das Bun­des­ge­richt hält fest, dass die dem Bank­kun­den­ge­heim­nis unter­wor­fe­nen Per­so­nen sich nicht auf das Mit­wir­kungs­ver­wei­ge­rungs­recht gemäss Art. 166 Abs. 1 lit. b ZPO beru­fen kön­nen, son­dern als “Trä­ger ande­rer gesetz­lich geschütz­ter Geheim­nis­se” die Mit­wir­kung nur nach Mass­ga­be von Art. 166 Abs. 2 ZPO ver­wei­gern kön­nen, d.h. nur, sofern sie glaub­haft machen, dass ihr Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se das Inter­es­se an der Wahr­heits­fin­dung über­wiegt (E. 3.1.1).
Wei­ter erin­nert das Bun­des­ge­richt an die mate­ri­ell-recht­li­chen Schran­ken des Bank­kun­den­ge­heim­nis­ses, nament­lich im Ehe­recht (Art. 170 Abs. 3 ZGB), im Erbrecht (Art. 607 Abs. 3, Art. 610 Abs. 2 ZGB) sowie im SchKG (Art. 91 Abs. 4, Art. 275 SchKG) (E. 3.1.3).