Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=24.03.1999&Aktenzeichen=I%20R%2064/98
Timestamp: 2019-06-16 01:50:32
Document Index: 162607782

Matched Legal Cases: ['§ 38', '§ 42', 'Art. 10', '§ 38', '§ 42', '§ 1', '§ 38', '§ 39', '§ 38', 'BGH']

BFH, 24.03.1999 - I R 64/98 - dejure.org
https://dejure.org/1999,770
BFH, 24.03.1999 - I R 64/98 (https://dejure.org/1999,770)
BFH, Entscheidung vom 24.03.1999 - I R 64/98 (https://dejure.org/1999,770)
BFH, Entscheidung vom 24. März 1999 - I R 64/98 (https://dejure.org/1999,770)
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EStG § 38 Abs. 1 Satz 1 Nrn. 1, 2; § 42d Abs. 1, 6, 7; DBA-Niederlande Art. 10
Arbeitgeber - Abkommensrecht - Lohnsteuerrecht - Kapitalgesellschaft - Inländische Tochtergesellschaft - Erstattung von Lohnkosten - Haftung
§§ 38, 42d EStG
Einkommensteuer; Haftung bei Arbeitnehmerüberlassung im Konzern
Haftung des Entleihers
Entleiherhaftung gem. § 42d Abs. 6 und 7 EStG
BFHE 190, 74
BB 2000, 138
BStBl II 2000, 41
NZG 2000, 331
Denn jene Rechtsprechung bezieht sich nur auf den Arbeitgeberbegriff des Lohnsteuerrechts, der von dem abkommensrechtlichen Arbeitgeberbegriff abweichen kann (Senatsurteil vom 24. März 1999 I R 64/98, BFHE 190, 79, BStBl II 2000, 41).
So kann es sich bei Arbeitnehmerüberlassung oder bei sonstigen Formen des drittbezogenen Arbeitseinsatzes verhalten (vgl. BFH-Urteil vom 24. März 1999 I R 64/98, BFHE 190, 79, BStBl II 2000, 41).
In solchen Fällen wurde als Arbeitgeber im lohnsteuerlichen Sinne derjenige angesehen, der dem Arbeitnehmer den Lohn im eigenen Namen und für eigene Rechnung auszahlt (vgl. BFH-Urteil in BFHE 190, 79, BStBl II 2000, 41).
Ein solches Dienstverhältnis setzt jedoch nicht voraus, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen Arbeitsvertrag miteinander geschlossen haben (BFH-Urteil vom 24. März 1999 I R 64/98, BFHE 190, 74, BStBl II 2000, 41, m.w.N.).
Allerdings hat die Leasing KG nicht --wie im BFH-Urteil in BFHE 190, 74, BStBl II 2000, 41 gefordert-- den Lohn im eigenen Namen und für eigene Rechnung unmittelbar an die Arbeitnehmer ausgezahlt.
FG Niedersachsen, 03.07.2003 - 11 K 111/99
Abweichender Gewerbesteuermessbetrag - Zerlegungsmaßstab aus Billigkeitsgründen …
Ob diese Merkmale im Einzelfall vorliegen, ist unter Berücksichtigung der zivilrechtlichen Verträge und ihrer wirtschaftlichen Umsetzung zu beurteilen (vgl. BFH, Beschluss vom 11. Februar 1958 I B 23/57 U, BStBl III 1958, 182; vom 2. April 1982 VI R 34/79, BStBl II 1982, 503;… vom 1. April 1999 VII R 51/98, BFH/NV 2000, 46; vom 24. März 1999 I R 64/98, BStBl II 2000, 41).
Die Rechtsprechung misst dabei der Feststellung, wer mit dem Arbeitnehmer den Arbeitsvertrag geschlossen hat, für den Regelfall eine Vermutungswirkung zu, die allerdings widerlegbar ist (BFH, Urteile vom 21. Februar 1986 VI R 9/80, BStBl II 1986, 769; vom 17. Februar 1995 VI R 41/92, BStBl II 1995, 390; vom 24. März 1999 I R 64/98, BStBl II 2000, 41).
In den Fällen eines drittbezogenen Arbeitseinsatzes kann diese Vermutung z.B. dadurch widerlegt werden, dass der Arbeitnehmer im Arbeitsvertrag verpflichtet wird, seine Arbeitsleistung direkt gegenüber dem Dritten zu erbringen, allein unter seiner Leitung tätig zu werden und seinen Weisungen zu folgen, und der Arbeitgeber ihn im Gegenzug von der Arbeit ihm gegenüber freistellt (…BFH, Urteile vom 1. April 1999 VII R 51/98, BFH/NV 2000, 46; vom 24. März 1999 I R 64/98, BStBl II 2000, 41).
Zusätzlich wird in diesen Fällen von der Rechtsprechung aber verlangt, dass der formale Arbeitgeber entweder lediglich zu dem Zweck installiert wird, um die Gehaltszahlungen abzuwickeln (BFH, Beschluss vom 11. Februar 1958 I B 23/57 U, BStBl III 1958, 182;… Urteil vom 1. April 1999 VII R 51/98, a.a.O.) oder der Dritte den fälligen Lohn dem Arbeitnehmer im eigenen Namen und für eigene Rechnung unmittelbar auszahlt (…BFH, Urteile vom 26. Februar 1992 I R 16/90, BFH/NV 1992, 181 und vom 24. März 1999 I R 64/98, a.a.O.; vgl. ferner Urteil vom 12. September 1968 V 191/64, BStBl II 1968, 791).
Nach den Arbeitsverträgen konnten die Arbeitnehmer ihre Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis, z.B. auf Lohnzahlung oder Urlaubsgewährung, nur gegenüber der KG durchsetzen, sodass sie den gezahlten Lohn typischerweise als Frucht ihrer Arbeit für die KG empfunden haben (vgl. dazu BFH, Urteile vom 2. April 1982 VI R 34/79, BStBl II 1982, 502 und vom 24. März 1999 I R 64/98, BStBl II 2000, 41).
Nach der ständigen Rechtsprechung des BFH (Urteil vom 24.3.1999 I R 64/98, BStBl. II 2000, 41 m.w.N.) kann er auch nicht durch Rückgriff auf den arbeits- und sozialrechtlichen Arbeitgeberbegriff als definiert angesehen werden, da Steuerrecht einerseits und Arbeits- und Sozialrecht andererseits unterschiedlichen Zwecken folgen.
Als Arbeitgeber im lohnsteuerlichen Sinne wird in Umkehr zum Arbeitnehmerbegriff des § 1 Abs. 2 LStDV derjenige angesehen, dem der Arbeitnehmer die Arbeitsleistung schuldet, unter dessen Leitung er tätig wird oder dessen Weisungen er zu befolgen hat (Urteil des BFH vom 24.3.1999, I R 64/98, a.a.O.).
Ist dies der Entleiher, so kann davon ausgegangen werden, dass ein Arbeitgeberwechsel im lohnsteuerrechtlichen Sinne stattgefunden hat (BFH-Urteil in BFHE 190, 74, BStBl II 2000, 41).
Für diese Auffassung könnte sprechen, dass der BFH in seinem Urteil in BFHE 190, 74, BStBl II 2000, 41 als Arbeitgeber i.S. des § 38 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) nur denjenigen ansieht, der den Lohn im eigenen Namen und für eigene Rechnung unmittelbar an die Arbeitnehmer auszahlt.
FG Düsseldorf, 14.03.2001 - 17 K 2973/97
Lohnsteuerhaftung; Entsendung; GmbH-Geschäftsführer; Organstellung; …
Zur Stützung ihrer Rechtsauffassung verweist die Klägerin auf die Urteile des Finanzgerichts (FG) Düsseldorf vom 19.01.1995 - 14 K 506/90 H (L) -, Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 1995, 530 und 30.10.1997 - 17 K 245/95 H (L) -, Deutsches Steuerrecht Entscheidungsdienst (DStRE) 1999, 107 sowie auf das das Urteil des erkennenden Senats im Ergebnis bestätigende Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 24.03.1999 - I R 64/98 -, Bundessteuerblatt (BStBl) II 2000, 41).
Als Arbeitgeber sei derjenige anzusehen, der dem Arbeitnehmer den Lohn im eigenen Namen und für eigene Rechnung unmittelbar auszahlt (BFH-Urteil vom 24.03.1999, I R 64/98, BStBl II 2000, 41).
Eine Rechtsgrundlage zur Begründung steuerlicher Pflichten, wie der Verpflichtung zum Einbehalt und Abführung von Lohnsteuer, ergibt sich hieraus nicht (vgl. Urteil des 17. Senats des FG Düsseldorf vom 30.10.1997, DStRE 1999, 107; BFH-Urteil vom 24.03.1999, BStBl II 2000, 41 und R 146 LStR 2000 - hierin konstatiert die Finanzverwaltung erstmalig den Unterschied zwischen dem abkommens- und lohnsteuerrechtlichen Arbeitgeberbegriff).
Die Klägerin benötigt die begehrte Freistellungsbescheinigung gemäß §§ 39d Abs. 3 Satz 4, 39b Abs. 6 Satz 1 EStG für ihren in der Bundesrepublik Deutschland nur beschränkt steuerpflichtigen Arbeitnehmer J, um von dem Lohnsteuerabzug absehen zu können; andernfalls wäre sie zumindest gemäß § 38 Abs. 1 Nr. 2 EStG als ausländische Arbeitnehmerverleiherin zum Lohnsteuerabzug nach innerstaatlichem Recht verpflichtet (vgl. BFH, Urteil vom 24.03.1999 I R 64/98, BStBl II 2000, 41 ):.
Die übrigen Kriterien führen aufgrund der Splittung der Arbeitgeberfunktionen auf Verleiher und Entleiher zu keinem eindeutigen Ergebnis; insoweit ist die Problematik nicht anders gelagert als in den Fällen, in denen nach innerstaatlichem Recht der lohnsteuerliche Arbeitgeber zu bestimmen ist (vgl. BFH, BStBl II 2000, 41, 42).
BGH, 28.03.2007 - 5 StR 558/06
Steuerhinterziehung (Feststellungen der steuerlichen Tatsachen; Mittäterschaft)