Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BAG&Datum=20.08.2009&Aktenzeichen=2%20AZR%20499/08
Timestamp: 2019-05-27 08:43:48
Document Index: 37166075

Matched Legal Cases: ['§ 59', '§ 38', '§ 38', '§ 38', '§ 8', 'Art. 4', '§ 611']

BAG, 20.08.2009 - 2 AZR 499/08 - dejure.org
https://dejure.org/2009,1548
BAG, 20.08.2009 - 2 AZR 499/08 (https://dejure.org/2009,1548)
BAG, Entscheidung vom 20.08.2009 - 2 AZR 499/08 (https://dejure.org/2009,1548)
BAG, Entscheidung vom 20. August 2009 - 2 AZR 499/08 (https://dejure.org/2009,1548)
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Kopftuch (islamisch motiviertes Tragen) - Tragen einer Mütze
Diskriminierung: Religion
Arbeitsrecht - Abmahnung wegen religiöser Kopfbedeckung in der Schule
Muslimische Lehrerin darf auch Mütze als Kopftuch-Ersatz nicht in der Schule tragen - Abmahnung wegen Tragens religiöser Kopfbedeckung in der Schule zulässig
Länder dürfen Lehrerinnen auch Mütze verbieten // Kopftuchersatz ist ebenfalls "religiöse Bekundung"
Auch Haaransatz und Ohren bedeckende Mütze ist von nordrhein-westfälischem Kopftuchverbot erfasst
Abmahnung wegen islamischer Baskenmütze in der Schule rechtens
Mütze als Kopftuch-Ersatz in der Schule nicht erlaubt
BAGE 132, 1
MDR 2010, 394
NZA 2010, 227
Die Beschwerdeführerin zu I.) wird durch das Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 20. August 2009 - 2 AZR 499/08 -, das Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf vom 10. April 2008 - 5 Sa 1836/07 - und das Urteil des Arbeitsgerichts Düsseldorf vom 29. Juni 2007 - 12 Ca 175/07 - in ihrem Grundrecht aus Artikel 4 Absatz 1 und 2 des Grundgesetzes verletzt.
Das verbietet eine Differenzierung zwischen Kleidungsstücken, deren religiöse oder weltanschauliche Motivation offen zutage tritt, und solchen, deren Tragen in der Einrichtung einen entsprechenden Erklärungsbedarf auslöst (…zu gleichlautenden schulgesetzlichen Regelungen: Senat 10. Dezember 2009 - 2 AZR 55/09 - aaO; 20. August 2009 - 2 AZR 499/08 - Rn. 14 f., aaO;… BVerwG 24. Juni 2004 - 2 C 45.03 - Rn. 21 f., aaO;… 16. Dezember 2008 - 2 B 46.08 - Rn. 3 - 8, aaO) .
Der Landesgesetzgeber wollte ersichtlich darauf Bedacht nehmen, dass auch Kindertagesbetreuungseinrichtungen Orte sind, an denen unterschiedliche religiöse und politische Auffassungen unausweichlich aufeinandertreffen, deren friedliches Nebeneinander der Staat aber zu garantieren hat (…vgl. Senat in den Entscheidungen vom 10. Dezember 2009 - 2 AZR 55/09 - aaO und vom 20. August 2009 - 2 AZR 499/08 - aaO, zu den weitgehend inhaltsgleichen Normen des Schulgesetzes NRW) .
Im Gesetzeswortlaut kommt dies darin zum Ausdruck, dass religiöse Bekundungen bereits dann verboten sind, wenn sie "geeignet" sind, die genannten Schutzgüter zu gefährden (Senat 20. August 2009 - 2 AZR 499/08 - Rn. 18, NZA 2010, 227; für die insoweit inhaltsgleiche Vorschrift des § 59b Abs. 4 BremSchulG BVerfG 22. Februar 2006 - 2 BvR 1657/05 - zu III 2 b der Gründe mwN, BVerfGK 7, 320; zur gleichlautenden Vorschrift des § 38 Abs. 2 SchulG BW BVerwG 24. Juni 2004 - 2 C 45.03 - zu 2 b der Gründe, BVerwGE 121, 140).
Dazu kann das religiös bedeutungsvolle Erscheinungsbild des pädagogischen Personals Anlass geben (Senat 20. August 2009 - 2 AZR 499/08 - aaO;… BVerwG 24. Juni 2004 - 2 C 45.03 - aaO).
Der Landesgesetzgeber durfte die Pflichten der bei ihm beschäftigten Lehrkräfte konkretisieren und ihnen ua. das Tragen von solcher Kleidung oder Zeichen in der Schule untersagen, die ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft erkennen lassen (Senat 20. August 2009 - 2 AZR 499/08 - Rn. 21, NZA 2010, 227).
Der Gesetzgeber darf Gefährdungen des Schulfriedens auch dadurch vorbeugen, dass er Lehrern bereits das Tragen religiös bedeutsamer Kleidungsstücke oder Symbole verbietet und muss konfliktvermeidende Regelungen nicht an die konkrete Gefahr einer drohenden Auseinandersetzung knüpfen (Senat 20. August 2009 - 2 AZR 499/08 - Rn. 22, NZA 2010, 227;… BVerwG 16. Dezember 2008 - 2 B 46.08 - aaO;… 26. Juni 2008 - 2 C 22.07 - aaO).
Die gesetzliche Regelung erfasst jede Art religiöser Bekundung unabhängig von deren Inhalt (Senat 20. August 2009 - 2 AZR 499/08 - Rn. 23, NZA 2010, 227; zu § 38 Abs. 2 SchulG BW BVerwG 24. Juni 2004 - 2 C 45.03 - zu 4 c cc der Gründe, BVerwGE 121, 140).
Sie richtet sich nicht etwa speziell gegen das von Frauen getragene islamische Kopftuch oder entsprechende Kopfbedeckungen (Senat 20. August 2009 - 2 AZR 499/08 - Rn. 24, NZA 2010, 227; zu § 38 SchulG BW VGH Baden-Württemberg 14. März 2008 - 4 S 516/07 -).
Eine landesgesetzliche Bestimmung, die sich als verfassungsgemäßer Ausgleich widerstreitender Grundrechtspositionen erweist, ist zugleich angemessen im Sinne der bundesgesetzlichen Regelung des § 8 Abs. 1 AGG (Senat 20. August 2009 - 2 AZR 499/08 - Rn. 28, NZA 2010, 227).
Mit Urteil vom 20.08.2009 - 2 AZR 499/08 hat der 2. Senat des Bundesarbeitsgerichts die Revision der Klägerin zurückgewiesen.
Der 1. Senat des Bundesverfassungsgerichts hat mit Beschluss vom 27.01.2015 - 1 BvR 471/10 entschieden, dass die Klägerin durch das Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 20. August 2009 - 2 AZR 499/08 -, das Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf vom 10. April 2008 - 5 Sa 1836/07 - und das Urteil des Arbeitsgerichts Düsseldorf vom 29. Juni 2007 - 12 Ca 175/07 - in ihrem Grundrecht aus Artikel 4 Absatz 1 und 2 des Grundgesetzes verletzt wird.
Entscheidend ist der Verstoß gegen vertragliche Haupt- oder Nebenpflichten und der mit ihm verbundene Vertrauensbruch (BAG, NZA 2010, 227).
Der Anspruch besteht, wenn die Abmahnung entweder formell nicht ordnungsgemäß zustande gekommen ist, unrichtige Tatsachenbehauptungen enthält, auf einer unzutreffenden rechtlichen Bewertung des Verhaltens des Arbeitnehmers beruht, den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt oder kein schutzwürdiges Interesse des Arbeitgebers am Verbleib der Abmahnung in der Personalakte mehr besteht (vgl. BAG Urteil vom 20.08.2009 - 2 AZR 499/08 - Rd. 9 - AP Nr. 6 zu Art. 4 GG; BAG Urteil vom 27.11.2008 - 2 AZR 675/07 - Rd. 16 - AP Nr. 33 zu § 611 BGB Abmahnung, jeweils m.w.N.).
Ein Anspruch besteht, wenn die Abmahnung entweder inhaltlich unbestimmt ist, unrichtige Tatsachenbehauptungen enthält, auf einer unzutreffenden rechtlichen Bewertung des Verhaltens des Arbeitnehmers beruht, den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt oder gar ein schutzwürdiges Interesse des Arbeitgebers am Verbleib der Abmahnung in der Personalakte besteht (vgl. zuletzt BAG vom 20.08.2009 - 2 AZR 499/08 unter Verweis auf BAG vom 27.11.2008 - 2 AZR 675/07 Rdnr. 16 m.w.N.).