Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/umstellung-von-der-milcherzeugung-auf-andere-erzeugung-338116
Timestamp: 2020-01-20 15:01:52
Document Index: 68309270

Matched Legal Cases: ['Art. 23', '§ 17', '§ 17', 'Art. 33', 'Art. 37', 'Art. 38', 'Art. 42', 'Art. 23', '§ 5', '§ 5', '§ 17', 'Art. 23', '§ 5', '§ 17', '§ 17', '§ 15', 'Art. 23', '§ 17', 'Art. 23', 'Art. 23', '§ 17', 'Art. 62', '§ 5', 'Art. 95', 'Art. 96', '§ 2', 'Art. 95', 'Art. 37', '§ 5', 'Art. 23', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', 'Art. 23', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 173', '§ 139']

Umstel­lung weg von der Milch­er­zeu­gung | Rechtslupe
Umstellung weg von der Milcherzeugung
Eine Umstel­lung im Sin­ne des Art. 23 Abs. 2 Ver­ord­nung (EG) Nr. 795/​2004 und § 17 Abs. 1 BetrPräm­Durch­fV erfor­dert nicht, dass die für die Milch­er­zeu­gung ver­wen­de­ten Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten unmit­tel­bar für die ande­re (umge­stell­te) Erzeu­gung genutzt wer­den und damit eine Umnut­zung die­ser Kapa­zi­tä­ten gege­ben ist.
Die Höhe des betriebs­in­di­vi­du­el­len Betra­ges rich­tet sich im Fal­le der Umstel­lung des Betriebs nach § 17 Abs. 1 BetrPräm­Durch­fV nach der Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tät (Tier­art und ‑zahl) im Zwölf­mo­nats­zeit­raum nach Ein­stel­lung der Milch­lie­fe­rung.
Nach Art. 33 Abs. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1782/​2003 kön­nen Betriebs­in­ha­ber unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen die Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung in Anspruch neh­men. Anhang VI der Ver­ord­nung führt die­je­ni­gen (sek­to­ra­len) Direkt­zah­lun­gen auf, die von der Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung erfasst wer­den. Hier­zu zäh­len u.a. Prä­mi­en nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1254/​1999 des Rates vom 17. Mai 1999 über die gemein­sa­me Markt­or­ga­ni­sa­ti­on für Rind­fleisch (ABl. Nr. L 160 S. 21). Die Betriebs­prä­mie wird auf der Grund­la­ge eines Refe­renz­be­tra­ges ermit­telt, der nach Art. 37 Abs. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1782/​2003 im Grund­satz dem Drei­jah­res­durch­schnitt der Gesamt­be­trä­ge der Zah­lun­gen ent­spricht, die der Betriebs­in­ha­ber im Rah­men der Stüt­zungs­re­ge­lun­gen nach Anhang VI in den Jah­ren 2000, 2001 und 2002 (Bezugs­zeit­raum – Art. 38 der Ver­ord­nung) bezo­gen hat.
Die natio­na­le Reser­ve soll unter ande­rem dazu ver­wen­det wer­den, Refe­renz­be­trä­ge für Betriebs­in­ha­ber fest­zu­le­gen, die sich in einer beson­de­ren Lage befin­den (Art. 42 Abs. 4 der Ver­ord­nung). Nach Art. 23 Abs. 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 795/​2004 erhal­ten die­je­ni­gen Betriebs­in­ha­ber sol­che Zah­lungs­an­sprü­che, die im Bezugs­zeit­raum, spä­tes­tens bis 15. Mai 2004 von der Milch­er­zeu­gung auf eine ande­re Erzeu­gung eines Sek­tors gemäß Anhang VI der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1782/​2003 umge­stellt haben.
In der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wird der Refe­renz­be­trag der ein­heit­li­chen Betriebs­prä­mie gemäß § 5 BetrPräm­DurchfG für jeden Betriebs­in­ha­ber aus einem betriebs­in­di­vi­du­el­len Betrag und einem flä­chen­be­zo­ge­nen Betrag fest­ge­setzt. Der betriebs­in­di­vi­du­el­le Betrag für das Jahr 2005 setzt sich aus den in § 5 Abs. 2 BetrPräm­DurchfG genann­ten Direkt­zah­lun­gen zusam­men, die der Betriebs­in­ha­ber im o.a. Bezugs­zeit­raum erhal­ten hat, dar­un­ter nach Nr. 1 auch für die Pro­duk­ti­on von Rind­fleisch mit den Direkt­zah­lun­gen Son­der­prä­mie für männ­li­che Rin­der, Mut­ter­kuh­prä­mie ein­schließ­lich der Zah­lun­gen für Fär­sen, Schlacht­prä­mie für Käl­ber sowie Exten­si­vie­rungs­prä­mie in bestimm­ter Höhe.
Nach § 17 Abs. 1 Satz 1 BetrPräm­Durch­fV wird in Fäl­len der Umstel­lung von der Milch­er­zeu­gung auf eine ande­re Erzeu­gung im Sin­ne des Art. 23 Abs. 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 795/​2004 bei der Ermitt­lung des Refe­renz­be­tra­ges der betriebs­in­di­vi­du­el­le Betrag ent­spre­chend § 5 Abs. 2 Nr. 1 und 3 BetrPräm­DurchfG berech­net, wobei die für Direkt­zah­lun­gen im Sin­ne des Anhangs VI der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1782/​2003 „in Fra­ge kom­men­de Erzeu­gung des Betriebs“ in den zwölf Mona­ten nach Ein­stel­lung der Milch­er­zeu­gung maß­geb­lich ist. Nach § 17 Abs. 2 Satz 1 BetrPräm­Durch­fV wer­den Erhö­hun­gen des betriebs­in­di­vi­du­el­len Betra­ges bei der Fest­set­zung des Refe­renz­be­tra­ges nur berück­sich­tigt, wenn sich die­ser um ein gewis­ses Min­dest­maß erhöht. Gemäß § 17 Abs. 3 BetrPräm­Durch­fV wird ein betriebs­in­di­vi­du­el­ler Betrag nur dann berück­sich­tigt, wenn infol­ge der Umstel­lung der Erzeu­gung die ein­zel­be­trieb­li­che Milch­re­fe­renz­men­ge nach dem 31. März 2004 nicht mehr von die­sem Betriebs­in­ha­ber belie­fert und vor dem 31. März 2005 end­gül­tig abge­ge­ben wur­de (Nr. 1 der Vor­schrift) und min­des­tens 50 vom Hun­dert der in Absatz 1 Satz 2 genann­ten Erzeu­gung, ein­schließ­lich der erfor­der­li­chen Prä­mi­en­an­sprü­che, Lie­fer­rech­te oder Pro­duk­ti­ons­quo­ten, im Betrieb zum 15. Mai 2004 vor­han­den sind; hin­sicht­lich des Erwerbs von Prä­mi­en­an­sprü­chen gilt § 15 Abs. 5 Satz 2 BetrPräm­Durch­fV ent­spre­chend (Nr. 2 der Vor­schrift).
Eine Umstel­lung im Sin­ne des Art. 23 Abs. 2 Ver­ord­nung (EG) Nr. 795/​2004 und § 17 Abs. 1 BetrPräm­Durch­fV erfor­dert nicht, dass die für die Milch­er­zeu­gung ver­wen­de­ten Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten für die ande­re Erzeu­gung genutzt wer­den und damit eine Umnut­zung die­ser Kapa­zi­tä­ten gege­ben ist. Nach Art. 23 Abs. 2 Ver­ord­nung (EG) Nr. 795/​2004 sol­len nicht allein die Betriebs­in­ha­ber begüns­tigt wer­den, wel­che die vor­mals für die Milch­er­zeu­gung ver­wen­de­ten (vor allem bau­li­chen) Kapa­zi­tä­ten /​Pro­duk­ti­ons­mit­tel künf­tig auch für die ande­re Erzeu­gung eines der in dem Anhang VI der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1782/​2003 genann­ten Sek­to­ren nut­zen. Es besteht viel­mehr auch die Mög­lich­keit, im Zuge der Ein­stel­lung der Milch­er­zeu­gung eine ande­re – nach dem bis­he­ri­gen Sys­tem geför­der­te – Erzeu­gung auf­zu­neh­men, für wel­che die Ver­wen­dung der bis­he­ri­gen Pro­duk­ti­ons­mit­tel nicht erfor­der­lich ist. Es besteht kein Anlass anzu­neh­men, dass Betriebs­in­ha­ber, die von die­ser Mög­lich­keit Gebrauch gemacht haben, nicht eben­so auf den Fort­be­stand des bis­he­ri­gen Sys­tems der Direkt­zah­lun­gen haben ver­trau­en dür­fen. Aus dem Erwä­gungs­grund Nr. 17 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 795/​2004 ist abzu­lei­ten, dass die Rege­lung in Art. 23 der Ver­ord­nung dar­auf abzielt, den­je­ni­gen Betriebs­in­ha­bern Zah­lungs­an­sprü­che zuzu­tei­len, bei denen infol­ge der Umstel­lung ihrer Erzeu­gung im Bezugs­zeit­raum der Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung sowohl ihre bis­he­ri­ge (umge­stell­te) als auch die neue (ande­re) Erzeu­gung im Rah­men der Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den. Bestä­tigt wird dies in der Begrün­dung zu § 17 BetrPräm­Durch­fV 1, wonach gera­de Betriebs­in­ha­ber geschützt wer­den sol­len, bei denen weder die Milch­prä­mie noch die Direkt­zah­lung der neu­en Pro­duk­ti­on bei der Ermitt­lung des Refe­renz­be­tra­ges berück­sich­tigt wer­den. Dem liegt zu­grunde, dass nach Art. 62 UAbs. 1 Ver­ord­nung (EG) Nr. 1782/​2003 in Ver­bin­dung mit § 5 Abs. 2 Nr. 2 BetrPräm­DurchfG der Betrag der Milch­prä­mie nach Art. 95 und der Ergän­zungs­be­trag nach Art. 96 der vor­ge­nann­ten Ver­ord­nung dem betriebs­in­di­vi­du­el­len Betrag zur Bestim­mung des Refe­renz­be­trags hin­zu­ge­rech­net wird, wobei für die Ermitt­lung des Betrags der Milch­prä­mie auf die ein­zel­be­trieb­li­che Milch­re­fe­renz­men­ge, die dem Betrieb am 31. März des jewei­li­gen Kalen­der­jah­res – hier des Jah­res 2005, in wel­chem die ein­heit­li­che Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land erst­ma­lig ange­wen­det wur­de (§ 2 Abs. 1 BetrPräm­DurchfG) – zur Ver­fü­gung steht (Art. 95 Abs. 2 Ver­ord­nung (EG) Nr. 1782/​2003). Eine – wie hier – erst im Bezugs­zeit­raum auf­ge­nom­me­ne ande­re Erzeu­gung führt regel­mä­ßig nicht zu Direkt­zah­lun­gen in die­sem Zeit­raum, so dass bei der Ermitt­lung des Refe­renz­be­trags der ein­heit­li­chen Betriebs­prä­mie nach Art. 37 Abs. 1, 38 Ver­ord­nung (EG) Nr. 1782/​2003 in Ver­bin­dung mit § 5 Abs. 2 Nr. 1 BetrPräm­DurchfG die­se Erzeu­gung kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den kann.
Danach ist es nicht gerecht­fer­tigt, die Betriebs­in­ha­ber von der Begüns­ti­gung des Art. 23 Abs. 2 Ver­ord­nung (EG) Nr. 795/​2004 aus­zu­neh­men, wel­che die für die Milch­er­zeu­gung ver­wen­de­ten Stall­ka­pa­zi­tä­ten und ande­re Pro­duk­ti­ons­mit­tel nicht unmit­tel­bar für die ande­re (neue) Erzeu­gung ver­wen­det haben.
Dem gel­tend gemach­ten Anspruch auf Zutei­lung eines zusätz­li­chen betriebs­in­di­vi­du­el­len Betra­ges aus der natio­na­len Reser­ve wegen Umstel­lung der Erzeu­gung nach § 17 Abs. 1 BetrPräm­Durch­fV steht aber die Vor­schrift des § 17 Abs. 3 Nr. 2 BetrPräm­Durch­fV ent­ge­gen. Nach die­ser Vor­schrift wird ein betriebs­in­di­vi­du­el­ler Betrag nur dann berück­sich­tigt, wenn infol­ge der Umstel­lung der Erzeu­gung min­des­tens 50 vom Hun­dert der in § 17 Abs. 1 Satz 2 BetrPräm­Durch­fV genann­ten Erzeu­gung – ein­schließ­lich der erfor­der­li­chen Prä­mi­en­an­sprü­che – im Betrieb zum 15. Mai 2004 vor­han­den sind. Die­se Vor­aus­set­zung liegt im hier ent­schie­de­nen Fall nicht vor.
Da nach § 17 Abs. 1 Satz 2 BetrPräm­Durch­fV für die Ermitt­lung des Refe­renz­be­tra­ges des betriebs­in­di­vi­du­el­len Betrags die für Direkt­zah­lun­gen im Sin­ne des Anhangs VI der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1782/​2003 in Fra­ge kom­men­de Erzeu­gung des Betriebs in den zwölf Mona­ten nach Ein­stel­lung der Milch­er­zeu­gung maß­geb­lich ist, rich­tet sich die Höhe des betriebs­in­di­vi­du­el­len Betra­ges nach der Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tät (Tier­art und ‑zahl) nach Ein­stel­lung der Milch­lie­fe­rung (vgl. BR-Drs. 728/​04 S. 32). Im Fal­le der Erwei­te­rung einer im Zeit­punkt der Umstel­lung bereits vor­han­de­nen ande­ren Erzeu­gung von Art. 23 Abs. 2 Ver­ord­nung (EG) Nr. 795/​2004 und § 17 Abs. 1 BetrPräm­Durch­fV kann für die Ermitt­lung des betriebs­in­di­vi­du­el­len Betra­ges nach der letzt­ge­nann­ten Bestim­mung allein die in Fra­ge kom­men­de Erwei­te­rung der Erzeu­gung des Betriebs maß­geb­lich sein; daher kann die zu Beginn der Umstel­lung der Milch­er­zeu­gung vor­han­de­ne Kapa­zi­tät der ande­ren Erzeu­gung bei der Ermitt­lung des betriebs­in­di­vi­du­el­len Betrags nach § 17 BetrPräm­Durch­fV kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den.
Bei der Fra­ge, ob im Betrieb des Klä­gers min­des­tens 50 von Hun­dert der ande­ren Erzeugung(skapazität) bis zum 15. Mai 2004 tat­säch­lich vor­han­den war, blei­ben die weib­li­chen Rin­der, die für die Gewäh­rung von Mut­ter­kuh­prä­mi­en ein­schließ­lich der Zah­lun­gen für Fär­sen infra­ge kom­men könn­ten, außer Betracht. Zum einen hat der Klä­ger mit sei­nem Antrag vom April 2005 kei­ne Umstel­lung der Erzeu­gung auf Mut­ter­kuh­hal­tung, son­dern allein auf die Hal­tung männ­li­cher Rin­der (Bul­len-/Käl­ber­mast) gel­tend gemacht. Zum ande­ren ver­fügt der Klä­ger nach sei­nen Antrags­an­ga­ben über kei­ne Prä­mi­en­an­sprü­che auf Gewäh­rung von Mut­ter­kuh­prä­mi­en. Die­ser Umstand hat zur Fol­ge, dass er hin­sicht­lich der Hal­tung von Mut­ter­kü­hen kein Ver­trau­en auf einen Fort­be­stand der För­de­rung im die­sem Sek­tor begrün­den konn­te; inso­weit kann von einer Ernst­haf­tig­keit einer Umstel­lung von der Milch­er­zeu­gung auf die Mut­ter­kuh­hal­tung in Bezug auf die För­de­rung nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Dane­ben setzt auch § 17 Abs. 3 Nr. 2 BetrPräm­Durch­fV vor­aus, dass für die betref­fen­de Erzeu­gung die erfor­der­li­chen Prä­mi­en­an­sprü­che vor­han­den sein müs­sen. Da der Klä­ger nach sei­nen Antrags­an­ga­ben über kei­ne Prä­mi­en­an­sprü­che auf die Gewäh­rung von Mut­ter­kuh­prä­mi­en ver­füg­te, wirkt sich ein Außer­acht­las­sen die­ses Pro­duk­ti­ons­be­reichs bei der Ermitt­lung der Erzeu­gung im Sin­ne des § 17 Abs. 1 Satz 2 BetrPräm­Durch­fV mit Blick auf die Ein­hal­tung der Anfor­de­run­gen des § 17 Abs. 3 Nr. 2 BetrPräm­Durch­fV für den Klä­ger ohne­hin nicht nach­tei­lig aus.Aber auch die erwei­ter­te Erzeu­gung im Bereich der Hal­tung männ­li­cher Rin­der infol­ge der Umstel­lung von der Milch­er­zeu­gung genügt den Anfor­de­run­gen der letzt­ge­nann­ten Vor­schrift nicht. Denn am 15. Mai 2004 war die­se erwei­ter­te, ande­re Erzeugung(skapazität) nicht (mehr) zu min­des­tens 50 vom Hun­dert vor­han­den.
Auch ist es nicht aus­rei­chend, dass die erwei­ter­te ande­re Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tät zu min­des­tens 50 v. H. im Zeit­punkt der Ein­stel­lung der Milch­er­zeu­gung und damit zu Beginn des Zwölf-Monats-Zeit­raums vor­han­den war. § 17 Abs. 3 Nr. 2 BetrPräm­Durch­fV ist dahin aus­zu­le­gen, dass die (erwei­ter­te) ande­re Erzeu­gung in Höhe von min­des­tens 50 vom Hun­dert im Betrieb vor­han­den sein muss. Die Vor­schrift ent­hält in die­sem Sin­ne eine Stich­tags­re­ge­lung. Schon der Wort­laut spricht für die Annah­me einer Stich­tags­re­ge­lung. Die vor­ge­nann­te Vor­schrift ver­langt, dass die ande­re Erzeu­gung im beschrie­be­nen Maß vor­han­den sein muss, nicht dass sie bis zu die­sem Zeit­punkt zumin­dest ein­mal im Betrieb vor­han­den gewe­sen sein muss. Hier ist die Wahl des Prä­sens ein­deu­tig. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die ande­re Erzeu­gung „zum 15. Mai 2004“ statt „am 15. Mai 2004“ im Betrieb vor­han­den sein muss. Die Wen­dung „zum“ ergibt sich aus dem Umstand, dass die Umstel­lung der Erzeu­gung im Regel­fall nicht plötz­lich geschieht, son­dern sich – wie hier – als län­ger andau­ern­der Vor­gang dar­stel­len kann. Dass eine Stich­tags­re­ge­lung gewollt war, fin­det ihre Bestä­ti­gung in der Begrün­dung der – hier zur Anwen­dung kom­men­den – Ers­ten Ver­ord­nung zur Ände­rung der Betriebs­prä­mi­en­durch­füh­rungs­ver­ord­nung (BR-Drs. 170/​05 S. 12) zur Ände­rung des § 17 Abs. 3 Nr. 2 BetrPräm­Durch­fV. Hier­in wird aus­ge­führt, dass durch die neue Fas­sung der genann­ten Bestim­mung klar­ge­stellt wird, dass zu der „im Betrieb am 15. Mai 2004 vor­han­de­nen Min­dest­er­zeu­gung“ auch die ent­spre­chen­den Prä­mi­en­an­sprü­che gehö­ren. Mit der For­mu­lie­rung „am 15. Mai 2004 vor­han­de­nen Min­dest­er­zeu­gung“ macht der Ver­ord­nungs­ge­ber deut­lich, dass eine Stich­tags­re­ge­lung gewollt ist. Es lie­gen auch kei­ne Grün­de für eine ande­re Aus­le­gung vor. So ist es vor allem nicht sach­wid­rig, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber den Ver­trau­ens­schutz ver­sagt, wenn eine ein­mal bereits erhöh­te Erzeu­gung vor dem 15. Mai 2004 wie­der unter die 50-vom-Hun­dert-Gren­ze redu­ziert wor­den ist. In die­sen Fäl­len liegt eine auf Dau­er ange­setz­te Umstel­lung der Erzeu­gung des Betriebs nicht vor.
Vor der Umstel­lung des Betriebs des Klä­gers von der Milch­er­zeu­gung auf die (erwei­ter­te) Erzeu­gung von Rind­fleisch betrug die Erzeugung(skapazität) bereits 48 Ein­hei­ten (Ver­mark­tung männ­li­cher Rin­der in 2002). Die vom Klä­ger nach sei­nen Antrags­an­ga­ben (Erklä­rung des Klä­gers vom 11. Mai 2005) ange­streb­te Erzeugung(skapazität) soll­te mit einem Vieh­be­stand von 120 männ­li­chen Rin­dern geschaf­fen wer­den, so dass die­se bei einer durch­schnitt­li­chen Hal­tungs­dau­er von 22,4 Mona­ten im Zwölf-Monats-Zeit­raum nach Ein­stel­lung der Milch­er­zeu­gung 64,29 Ein­hei­ten betra­gen soll­te. Hier­nach wäre die Min­dest­er­zeu­gung der ande­ren Erzeu­gung im Sin­ne des § 17 Abs. 3 Nr. 2 BetrPräm­Durch­fV nur dann vor­han­den gewe­sen, wenn der Klä­ger am 15. Mai 2004 über eine Erzeugung(skapazität) von min­des­tens 56,15 Ein­hei­ten ver­fügt hät­te. Dies ist aber zu ver­nei­nen, weil die ande­re Erzeu­gung im Betrieb des Klä­gers mit einem Bestand von 67 männ­li­chen Rin­dern und unver­än­der­ter durch­schnitt­li­cher Hal­tungs­dau­er tat­säch­lich 35,89 Ein­hei­ten (67 Tie­re ./​. 22,4 Mona­te x 12 Mona­te) betra­gen hat.
Selbst wenn man zuguns­ten des Klä­gers abwei­chend hier­von die Jah­res­höchst­be­stän­de an männ­li­chen Rin­dern der Jah­re 2001 mit 54 Tie­ren einer­seits und des Jah­res 2003 mit 104 Tie­ren ande­rer­seits der Berech­nung zugrun­de legen woll­te, hät­te die ande­re Erzeu­gung im Betrieb infol­ge der Umstel­lung von der Milch­er­zeu­gung um 26,78 Ein­hei­ten erwei­tert wer­den sol­len ([104 Tie­re ./​. 22,4 Mona­te x 12 Mona­te = 55,71 Ein­hei­ten] – [54 Tie­re ./​. 22,4 Mona­te x 12 Mona­te = 28,93 Ein­hei­ten]). Am 15. Mai 2005 betrug die Erzeu­gung 35,89 Ein­hei­ten; abzüg­lich der vor der Umstel­lung nach die­ser Annah­me vor­han­de­nen Kapa­zi­tät von 28,93 Ein­hei­ten hät­te der Klä­ger die vor­han­de­ne Erzeu­gung männ­li­cher Rin­der ledig­lich um 6,96 Ein­hei­ten erwei­tert; dies ent­sprä­che nur rd. 26 v.H. (6,96 Ein­hei­ten ./​. 26,78 Ein­hei­ten x 100) der bei die­ser Annah­me erwei­ter­ten ande­ren Erzeu­gung.
Selbst wenn man den (gewich­te­ten) durch­schnitt­li­chen Bestand der männ­li­chen Rin­der im Zwölf-Monats-Zeit­raum vom 8. Juni 2003 bis 7. Juni 2004 mit 87,09 Tie­ren der Berech­nung der Erzeu­gung nach § 17 Abs. 1 Satz 2 BetrPräm­Durch­fV zugrun­de legen woll­te, läge die 50-vom-Hun­dert-Gren­ze des § 17 Abs. 3 Nr. 2 BetrPräm­Durch­fV unter Berück­sich­ti­gung eines Bestands von 54 männ­li­chen Rin­der vor der Umstel­lung bei rd. 37,8 Ein­heiten (dies hät­te einen Tier­be­stand von mehr als 70 Tie­ren erfor­dert); auch bei die­ser Annah­me reich­te der Bestand von 67 männ­li­chen Rin­dern im Betrieb des Klä­gers am 15. Mai 2005 nicht, um die vor­ge­nann­te Vor­aus­set­zung zu erfül­len.
Im Hin­blick auf das Nicht­vor­lie­gen der Vor­aus­set­zung des § 17 Abs. 3 Nr. 2 Halb­satz 1 BetrPräm­Durch­fV für den vom Klä­ger gel­tend gemach­ten Anspruch war es nicht gebo­ten, ihm inner­halb einer zu bestim­men­den Frist Gele­gen­heit zu geben, eine Erklä­rung hier­zu nach­rei­chen zu kön­nen (§ 173 Satz 1 VwGO in Ver­bin­dung mit § 139 Abs. 5 ZPO) und infol­ge­des­sen die münd­li­che Ver­hand­lung zu ver­ta­gen. Dem Klä­ger ist bereits vor der münd­li­chen Ver­hand­lung hin­rei­chend Gele­gen­heit gege­ben wor­den, sich zum Vor­lie­gen die­ser Anspruchs­vor­aus­set­zung zu äußern. Zum einen ist er bereits mit Schrift­satz sei­ner Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten vom 10. August 2010 auf die­se Vor­aus­set­zung inhalt­lich ein­ge­gan­gen. Zum ande­ren ist er sei­tens des Senats mit Ver­fü­gung vom 30. Dezem­ber 2011 unter Vor­la­ge der Auf­stel­lung über die Bestands­zah­len männ­li­cher Rin­der in den Jah­ren 2000 bis 2004 (Bl. 243 ff. der Gerichts­ak­te) aus­drück­lich auf die genann­te Bestim­mung hin­ge­wie­sen wor­den.
Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Ureil vom 17. Janu­ar 2012 – 10 LB 130/​10
BR-Drs. 728/​04 S. 32[↩]
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