Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Zeugnis_LAG_Nuernberg_7Sa641-08.html
Timestamp: 2017-09-21 06:46:56
Document Index: 198225640

Matched Legal Cases: ['§ 69', '§ 64', '§ 64', '§ 66', '§ 519', '§ 69', '§ 630', '§ 109', 'BGH', '§ 630', '§ 97', '§ 72', '§ 72']

HENSCHE Arbeitsrecht: 7 Sa 641/08
Schlag­worte: Zeugnis, Sittenwidrigkeit, Vergleich
Akten­zeichen: 7 Sa 641/08
Ent­scheid­ungs­datum: 16.06.2009
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Weiden, 31. Juli 2008, Az: 2 Ca 215/08, Urteil
2 Ca 215/08
(Ar­beits­ge­richt Wei­den)
Verkündet am: 16.06.2009
Rechts­anwälte Dr. R..., G..., S..., B...
Fir­ma P... e... GmbH
ver­tre­ten durch den Geschäftsführer W... S...
Rechts­an­walt W... R...
hat die 7. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nürn­berg auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16. Ju­ni 2009 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt Weißen­fels und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Hum­mer und Haas
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts Wei­den vom 31.07.2008 wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten um die Be­rich­ti­gung ei­nes Ar­beits­zeug­nis­ses.
Die Kläge­rin war vom 01.10.2004 bis 30.09.2007 bei der Be­klag­ten beschäftigt.
Von ei­ner wei­ter­ge­hen­den Dar­stel­lung des Tat­be­stands wird gemäß § 69 Ab­satz 2 ArbGG ab­ge­se­hen und auf das Ur­teil des Erst­ge­richts Be­zug ge­nom­men.
Das Erst­ge­richt hat der Kla­ge mit Ur­teil vom 31.07.2008 statt­ge­ge­ben. Das Ur­teil wur­de der Be­klag­ten am 06.08.2008 zu­ge­stellt.
Die Be­klag­te hat ge­gen das Ur­teil am 27.08.2008 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se gleich­zei-
Die Be­klag­te macht wei­ter­hin gel­tend, zwi­schen den Par­tei­en sei ei­ne ver­bind­li­che Ab­spra­che bezüglich des In­halts des Ar­beits­zeug­nis­ses nicht zu­stan­de ge­kom­men. Sie be­ruft sich fer­ner dar­auf, dass ehr­li­cher­wei­se kein Ver­trags­part­ner vom an­de­ren Teil ver­lan­gen könne, ei­ne auch nach außen wir­ken­de vorsätz­lich un­rich­ti­ge Erklärung ab­zu­ge­ben, die den Erklären­den zu­gleich dem Ri­si­ko aus­set­ze, we­gen der Un­rich­tig­keit der Erklärung in Haf­tung ge­nom­men zu wer­den.
Die Kläge­rin ha­be kei­nen klag­ba­ren An­spruch dar­auf, dass der Pas­sus „Ihr Ver­hal­ten ge­genüber Vor­ge­setz­ten, Kol­le­gen und Kun­den war je­der­zeit ein­wand­frei“ in das Zeug­nis auf­ge­nom­men wer­de. Das Zeug­nis wäre dann nicht nur grob un­rich­tig, es wäre in die­sem Punkt vollständig das Ge­gen­teil des­sen, was Sach­ver­halt ge­we­sen sei. Es läge mit dem ge­for­der­ten Ar­beits­zeug­nis ei­ne fal­sche und sit­ten­wid­ri­ge Be­haup­tung vor. Das Erst­ge­richt ha­be die Mess­lat­te für Sit­ten­wid­rig­keit zu hoch gehängt.
1. Das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts Wei­den vom 31.07.2008, Az. 2 Ca 215/08 wird auf­ge­ho­ben.
3. Die Kla­ge­par­tei trägt die Kos­ten des Ver­fah­rens.
Die Kläge­rin macht gel­tend, aus ih­rer Sicht sei das Zeug­nis, so wie es be­an­tragt sei, schlicht als rich­tig ge­schul­det. Selbst wenn dies nicht der Fall sein soll­te, hätten sich die Par­tei­en über den Wort­laut ge­ei­nigt. Die Ver­ein­ba­rung sei auch nicht sit­ten­wid­rig, da sie vom Be­ur­tei­lungs­spiel­raum des Ar­beit­ge­bers um­fasst sei.
Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist statt­haft, § 64 Ab­satz 1 ArbGG. Ins­be­son­de­re liegt die Be­schwer über 600,00 €, § 64 Ab­satz 2 b ArbGG.
Die Be­ru­fung ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, § 66 Ab­satz 1 Satz 1 und 2, 64 Ab­satz 6 Satz 1 ArbGG iVm den §§ 519, 520 ZPO.
Die Be­klag­te ist ver­pflich­tet, das Ar­beits­zeug­nis mit dem von der Kläge­rin be­an­trag­ten In­halt zu er­tei­len. Der In­halt, wie er von der Kläge­rin be­an­sprucht wird, ist von den Par­tei­en ver­ein­bart wor­den.
Das er­ken­nen­de Ge­richt ver­weist in­so­weit auf die zu­tref­fen­den und sorgfälti­gen Gründe des Erst­ur­teils, § 69 Ab­satz 2 ArbGG. Ih­nen ist nichts hin­zu­zufügen.
Im Hin­blick auf die Be­ru­fungs­be­gründung sind fol­gen­de Ausführun­gen ver­an­lasst:
Das von der Kläge­rin ver­lang­te Zeug­nis ist nicht sit­ten­wid­rig.
Ins­be­son­de­re macht al­lein der Um­stand, dass das Zeug­nis nach Auf­fas­sung der Be­klag­ten in­halt­lich un­rich­tig ist, das Zeug­nis nicht sit­ten­wid­rig.
Die Pflicht des Ar­beit­ge­bers, ein Zeug­nis zu er­tei­len, be­steht in ers­ter Li­nie ge­genüber dem aus­schei­den­den Ar­beit­neh­mer, vgl. § 630 BGB, § 109 Ge­wO. Da­bei muss nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts das Zeug­nis ei­ner­seits wahr sein, an­de­rer­seits darf es den Ar­beit­neh­mer in sei­nem be­ruf­li­chen Fort­kom­men nicht un­ge¬recht­fer­tigt be­hin­dern (vgl. Bun­des­ar­beits­ge­richt – Ur­teil vom 10.05.2005 - 9 AZR 261/04 = BA­GE 114/320 und NZA 2005/1237).
Da ein Ar­beits­zeug­nis da­zu be­stimmt ist, im Rechts­ver­kehr, nämlich bei der Be­wer­bung des Ar­beit­neh­mers auf ei­nen an­de­ren Ar­beits­platz, ver­wen­det zu wer­den, kann es sit­ten-
wid­rig sein, ein Ar­beits­zeug­nis aus­zu­stel­len, das gro­be Un­rich­tig­kei­ten enthält, die da­zu führen können, dass bei dem neu­en po­ten­ti­el­len Ar­beit­ge­ber ein völlig fal­scher Ein­druck bezüglich der Red­lich­keit und Zu­verlässig­keit des Be­wer­bers ent­steht. Die Sit­ten­wid­rig­keit er­gibt sich in die­sem Fall dar­aus, dass ein sol­ches Ar­beits­zeug­nis – mit - da­zu beiträgt, dem Be­wer­ber die Möglich­keit zu eröff­nen, Vermögen und/oder Ei­gen­tum des neu­en Ar­beit­ge­bers zu beschädi­gen (vgl. Bun­des­ge­richts­hof – Ur­teil vom 15.05.1979 – IV ZR 230/76 = BGHZ 74/281 und AP Nr. 13 zu § 630 BGB).
Die­se Ge­fahr be­steht nicht be­reits dann, wenn die Leis­tung des Ar­beit­neh­mers ob­jek­tiv falsch be­wer­tet wird, zu­mal ge­ra­de in die­sem Be­reich der neue Ar­beit­ge­ber selbst be­ur­tei­len kann, ob der neue Ar­beit­neh­mer sei­nen An­for­de­run­gen genügt. In­so­weit ist zu berück­sich­ti­gen, dass die An­for­de­run­gen an den neu­en Ar­beits­platz mit de­nen des bis­he­ri­gen nicht iden­tisch sein müssen und der neue Ar­beit­ge­ber selbst sei­ne An­for­de­run­gen fest­legt. Der neue Ar­beit­ge­ber hat darüber hin­aus aus­rei­chend Möglich­keit, den neu­en Ar­beit­neh­mer an­hand sei­ner ei­ge­nen Bedürf­nis­se zu be­ur­tei­len. So kann ei­ne Pro­be­zeit mit der Fol­ge der ab­gekürz­ten Kündi­gungs­frist ver­ein­bart wer­den. Un­abhängig da­von kann sich der neue Ar­beit­ge­ber oh­ne Schwie­rig­kei­ten vom Ar­beit­neh­mer tren­nen, da der neu ein­ge­stell­te Ar­beit­neh­mer die ers­ten 6 Mo­na­te kei­nen Kündi­gungs­schutz hat.
Da­zu kommt, dass die Leis­tungsfähig­keit und die Leis­tungs­be­reit­schaft ei­nes Ar­beit­neh­mers kei­ne fes­ten Größen dar­stel­len, son­dern sich in un­ter­schied­li­chen Ar­beits­verhält­nis­sen mit un­ter­schied­li­chen Auf­ga­ben un­ter­schied­lich ent­wi­ckeln können.
Vor­lie­gend stützt die Be­klag­te sich aus­sch­ließlich auf Leis­tungs­ge­sichts­punk­te. Ins­be­son­de­re macht sie kei­ne Ei­gen­schaf­ten oder Ver­hal­tens­wei­sen der Kläge­rin gel­tend, die auch nur an­satz­wei­se die Befürch­tung er­we­cken könn­ten, Vermögen oder Ei­gen­tum ei­nes neu­en Ar­beit­ge­bers könn­ten durch die Kläge­rin gefähr­det sein.
Die Ver­pflich­tung, die die Be­klag­te ge­genüber der Kläge­rin ein­ge­gan­gen ist, ist da­her nicht sit­ten­wid­rig. Viel­mehr ist die Be­klag­te an ih­re Zu­sa­gen ge­bun­den.
Die Be­ru­fung war da­her zurück­zu­wei­sen.
Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Ab­satz 1 ZPO.
Für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­stand kei­ne Ver­an­las­sung, § 72 Ab­satz 2 ArbGG.
Ge­gen die­se Ent­schei­dung ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben; auf § 72 a ArbGG wird hin­ge­wie­sen.
Weißen­fels
Vor­sit­zen­de Rich­te­rin
Hum­mer
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