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Timestamp: 2020-01-19 02:28:42
Document Index: 137583720

Matched Legal Cases: ['Art. 29', 'Art. 37', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 37', 'Art. 27', 'Art. 7', 'Art. 29', 'Art. 37', 'Art. 7', 'Art. 29', 'Art. 15', 'Art. 27', 'Art. 29', 'Art. 15', 'Art. 8', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 8', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 27', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 5', 'EuG', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 34', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 29', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 29', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 29', 'EuG', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 15', 'Art. 7', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 29', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Die dar­le­hens­fi­nan­zier­te liech­ten­stei­ni­sche Lebens­ver­si­che­rung – und der deut­sche Gerichts­stand für die Dar­le­hens­rück­zah­lung | Rechtslupe
Die darlehensfinanzierte liechtensteinische Lebensversicherung - und der deutsche Gerichtsstand für die Darlehensrückzahlung
Die dar­le­hens­fi­nan­zier­te liech­ten­stei­ni­sche Lebens­ver­si­che­rung – und der deut­sche Gerichts­stand für die Dar­le­hens­rück­zah­lung
Fällt ein Lebens­ver­si­che­rungs­ver­trag nicht in den Anwen­dungs­be­reich des Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF, weil er zu den in Art. 37 Satz 1 Nr. 4 aF genann­ten Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen gehört, unter­liegt auch ein des­sen Finan­zie­rung die­nen­der Dar­le­hens­ver­trag nicht Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF. Die neben der Ein­zah­lung in eine Lebens­ver­si­che­rung für deren Ver­wal­tung anfal­len­den Kos­ten sind unter­ge­ord­ne­te Neben­leis­tun­gen, die für die Ein­ord­nung des finan­zier­ten Ver­trags im Sin­ne von Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF kei­ne prä­gen­de Bedeu­tung besit­zen.
Das Dar­le­hen stellt in die­sem Fall kei­nen Ver­trag zur Finan­zie­rung einer Dienst­leis­tung im Sin­ne des Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF dar.
Ein Kre­dit- oder Dar­le­hens­ver­trag ist als Finan­zie­rungs­ver­trag im Sin­ne des Art. 29 EGBGB aF ein­zu­stu­fen, wenn zwi­schen ihm und einem Ver­trag über die Lie­fe­rung beweg­li­cher Sachen oder über die Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen eine Zweck­bin­dung besteht, er mit­hin der Finan­zie­rung eines sol­chen Lie­fer- oder Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges dient 1. Dabei ist der Begriff der "Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen" in Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF nach des­sen Schutz­zweck weit aus­zu­le­gen. Er umfasst tätig­keits­be­zo­ge­ne Leis­tun­gen auf­grund von Dienst, Werk, Werk­lie­fe­rungs- und Geschäfts­be­sor­gungs­ver­trä­gen 2. Maß­ge­bend ist, dass die geschul­de­te tätig­keits­be­zo­ge­ne Leis­tung für den Ver­trag prä­gen­de Bedeu­tung hat 3. Han­delt es sich hin­ge­gen bei der geschul­de­ten tätig­keits­be­zo­ge­nen Leis­tung nur um eine unter­ge­ord­ne­te Neben­leis­tung, liegt kein Ver­trag über die Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen im Sin­ne des Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF vor 4.
Das Dar­le­hen dien­te aus­weis­lich der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Zweck­be­stim­mung dem Auf­bau der Alters­vor­sor­ge. Gegen­über der C. gab der Kun­de als Anla­ge­ziel "Ver­mö­gens­zu­wachs" an. Zur Errei­chung die­ses Ziels inves­tier­te der Kun­de den Dar­le­hens­be­trag sowie das ein­ge­setz­te Eigen­ka­pi­tal in die Betei­li­gung an einem "S. Garan­tie Fonds". Das auf­ge­nom­me­ne Dar­le­hen dien­te somit der Finan­zie­rung des Erwerbs die­ser Kapi­tal­an­la­ge.
Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der Kun­de im Zusam­men­hang mit sei­ner Inves­ti­ti­on mit­tel­bar auch für die Ver­wal­tung anfal­len­de Kos­ten zu tra­gen hat­te.
Sol­che Gebüh­ren betref­fen unter­ge­ord­ne­te Neben­leis­tun­gen 5, die typi­scher Wei­se mit einer Betei­li­gung an einem Invest­ment­fonds ver­bun­den sind. Die­se Leis­tun­gen besit­zen schon ange­sichts des Ver­hält­nis­ses der hier­für übli­cher­wei­se ver­ein­bar­ten Ent­loh­nung von zwi­schen 0,3% und 2,0% des Rück­nah­me­prei­ses 6 zur Inves­ti­ti­ons­sum­me für den finan­zier­ten Ver­trag kei­ne prä­gen­de Bedeu­tung.
Dar­über hin­aus ist die gemäß Art. 29 EGBGB aF erfor­der­li­che Zweck­bin­dung zwi­schen dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Dar­le­hen und Ver­wal­tungs­leis­tun­gen der C. nicht gege­ben. Die lau­fen­den Ver­wal­tungs­kos­ten soll­ten nach dem Ver­trags­zweck, einen Ver­mö­gens­zu­wachs zu erzie­len, nicht aus dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Dar­le­hen finan­ziert wer­den, son­dern aus den mit der Inves­ti­ti­on erwirt­schaf­te­ten Erträ­gen. Zu einem Ver­mö­gens­zu­wachs beim Beklag­ten konn­te die Inves­ti­ti­on erwar­tungs­ge­mäß näm­lich nur dann füh­ren, wenn die mit ihr erziel­ten Erträ­ge min­des­tens die Fremd­ka­pi­tal­zin­sen sowie die lau­fen­den Ver­wal­tungs­kos­ten decken. Beson­de­re Ver­wal­tungs­kos­ten soll­ten wie das Beru­fungs­ge­richt unan­ge­grif­fen fest­ge­stellt hat ohne­hin vom Ver­si­che­rungs­neh­mer spä­ter an die C. nach­ge­schos­sen wer­den.
Abs. 1 EGBGB aF ist auf den streit­ge­gen­ständ­li­chen Kre­dit­ver­trag auch nicht des­we­gen anzu­wen­den, weil die­ser der Finan­zie­rung eines Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges und damit einer Dienst­leis­tung gedient habe.
Zwar trifft es zu, dass die Gewäh­rung von Ver­si­che­rungs­schutz als Dienst­leis­tung anzu­se­hen ist 7 und Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge dem­entspre­chend als Dienst­leis­tungs­ver­trä­ge im Sin­ne des Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF ein­ge­stuft wer­den kön­nen 8. Soweit Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge aber gemäß Art. 37 Satz 1 Nr. 4 EGBGB aF nicht den Rege­lun­gen der Art. 27 bis 36 EGBGB aF, son­dern den Art. 7 bis 15 EGVVG in der bis zum 16.12 2009 gel­ten­den Fas­sung 9 unter­wor­fen sind, bean­sprucht Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF kei­ne Gel­tung 10.
So lie­gen die Din­ge hier. Der Ver­si­che­rungs­schutz, der dem in Ham­burg wohn­haf­ten Beklag­ten für den Fall sei­nes Todes gewährt wur­de, deck­te nach Art. 37 Satz 1 Nr. 4 EGBGB aF in Ver­bin­dung mit Art. 7 Abs. 2 Nr. 4 Buchst. a EGVVG aF ein in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land bele­ge­nes Risi­ko. Fällt jedoch schon der Lebens­ver­si­che­rungs­ver­trag nicht in den Anwen­dungs­be­reich des Art. 29 EGBGB aF, gilt dies ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­ons­er­wi­de­rung erst recht nicht für den hier streit­ge­gen­ständ­li­chen Dar­le­hens­ver­trag, mit dem der Beklag­te die­sen Lebens­ver­si­che­rungs­ver­trag finan­ziert hat.
Vor­lie­gend recht­fer­tigt auch nicht die Ver­wei­sung in Art. 15 EGVVG aF auf die Art. 27 bis 36 EGBGB aF eine Anwen­dung des Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF zuguns­ten des Beklag­ten. Denn Art. 15 EGVVG aF fin­det auf Kre­dit­ver­trä­ge kei­ne Anwen­dung. Der sach­li­che Anwen­dungs­be­reich der Art. 8 bis 15 EGVVG aF wird durch Art. 7 Abs. 1 EGVVG aF bestimmt 11. Danach knüp­fen die­se Vor­schrif­ten an die in Art. 7 Abs. 1 EGVVG aF genann­ten Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge an, sodass sich die Art. 8 ff. EGVVG aF und damit auch Art. 15 EGVVG aF nicht auf Kre­dit­ver­trä­ge bezie­hen. Von der Rück­ver­wei­sung nach Art. 15 EGVVG aF auf die all­ge­mei­nen ver­trags­recht­li­chen Kol­li­si­ons­re­geln der Art. 27 bis 36 EGBGB aF wird daher der hier in Streit ste­hen­de Kre­dit­ver­trag nicht erfasst.
Der Kre­dit­ver­trag ist auch für sich genom­men nicht als Dienst­leis­tungs­ver­trag im Sin­ne des Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF anzu­se­hen. Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trä­ge fal­len näm­lich nicht all­ge­mein unter Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF 12. Nach Sys­te­ma­tik und Wort­laut erfasst Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF Kre­dit­ver­trä­ge nur dann, wenn sie der Finan­zie­rung einer Dienst­leis­tung oder der Lie­fe­rung einer beweg­li­chen Sache die­nen 13.
Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der Bun­des­ge­richts­hof in ande­rem Zusam­men­hang die Ver­ga­be von Bank­kre­di­ten als "Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen" ein­ge­ord­net hat 14. Ob die Gewäh­rung eines Dar­le­hens eine Dienst­leis­tung im Sin­ne des im dort ent­schie­de­nen Fall aus­zu­le­gen­den Art. 5 Nr. 1 Buchst. b 2. Spie­gel­strich EuGV­VO ist, war nach dem gemein­schafts­recht­lich auto­nom aus­zu­le­gen­den Wort­laut die­ser Norm zu ent­schei­den 15, der nicht mit dem des Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF über­ein­stimmt. Da in Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF aus­drück­lich nur bestimm­te Finan­zie­rungs­ver­trä­ge genannt wer­den, kann bei des­sen Aus­le­gung inso­weit nicht Recht­spre­chung über­nom­men wer­den, die zu Rege­lun­gen ergan­gen ist, die die­se Prä­zi­sie­rung nicht ent­hal­ten.
Nach den in der Recht­spre­chung aner­kann­ten Grund­sät­zen kommt weder eine ent­spre­chen­de Anwen­dung des Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF in Betracht 16 noch eine Anwen­dung der deut­schen Vor­schrif­ten über den Wider­ruf von Ver­brau­cher­kre­di­ten nach Art. 34 EGBGB aF 17.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Sep­tem­ber 2014 – XI ZR 78/​13
Staudinger/​Magnus, BGB, Bearb.2002, Art. 29 EGBGB Rn. 55; Münch­Komm-BGB/M­ar­ti­ny, 4. Aufl., Art. 29 EGBGB Rn. 21; Soergel/​von Hoff­mann, BGB, 12. Aufl., Art. 29 EGBGB Rn. 11[↩]
BGH, Urtei­le vom 26.10.1993 – XI ZR 42/​93, BGHZ 123, 380, 385; und vom 13.12 2005 – XI ZR 82/​05, BGHZ 165, 248, 253; BGH, Urteil vom 19.03.1997 – VIII ZR 316/​96, BGHZ 135, 124, 130 f.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 19.03.1997 – VIII ZR 316/​96, BGHZ 135, 124, 131; Staudinger/​Magnus, aaO, Art. 29 EGBGB Rn. 61[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 13.12 2005 – XI ZR 82/​05, BGHZ 165, 248, 253; BGH, Urteil vom 19.03.1997 – VIII ZR 316/​96, BGHZ 135, 124, 131; OLG Frank­furt am Main, WM 2014, 255, 259; Münch-KommBG­B/M­ar­ti­ny, aaO, Art. 29 EGBGB Rn.20[↩]
vgl. OLG Frank­furt am Main, WM 2014, 255, 257; OLG Hamm, Beschluss vom 15.11.2012 I34 U 83/​11, S. 8, n.v.[↩]
vgl. Förster/​Hertrampf, Das Recht der Invest­ment­fonds, 3. Aufl., Rn. 136[↩]
vgl. EuGH, NJW 1987, 572, 573; Münch-KommBG­B/M­ar­ti­ny, 4. Aufl., Art. 29 EGBGB Rn. 18; Soergel/​von Hoff­mann, BGB, 12. Aufl., Art. 29 EGBGB Rn. 7; Dör­ner, Inter­na­tio­na­les Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht, 1997, Art. 15 EGVVG Rn. 5[↩]
vgl. Arm­brüs­ter in Prölss/​Martin, VVG, 28. Aufl., Vor Art. 7 EGVVG Rn. 23[↩]
nach­fol­gend: aF[↩]
vgl. Staudinger/​Magnus, BGB, Bearb.2002, Art. 29 EGBGB Rn. 30 und 53; Münch­Komm-BGB/M­ar­ti­ny, aaO, Art. 29 EGBGB Rn. 18; Dör­ner, Inter­na­tio­na­les Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht, 1997, Vor­bem. Art. 7 EGVVG Rn. 17[↩]
Dör­ner, Inter­na­tio­na­les Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht, 1997, Art. 7 EGVVG Rn. 1; Bruck/​Möller/​Dörner, VVG, 9. Aufl., Einf. Int. VersR Rn. 23 f.[↩]
Staudinger/​Magnus, BGB, Bearb.2002, Art. 29 EGBGB Rn. 56 mwN; Münch­Komm-BGB/M­ar­ti­ny, 4. Aufl., Art. 29 EGBGB Rn. 22 mwN; Soergel/​von Hoff­mann, BGB, 12. Aufl., Art. 29 EGBGB Rn. 11[↩]
vgl. zutref­fend OLG Frank­furt am Main, WM 2014, 255, 259; Staudinger/​Magnus, aaO, Art. 29 EGBGB Rn. 54[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 28.02.2012 – XI ZR 9/​11, WM 2012, 747 Rn. 21[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 28.02.2012 – XI ZR 9/​11, WM 2012, 747 Rn. 16[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 13.12 2005 – XI ZR 82/​05, BGHZ 165, 248, 254 f.; und vom 19.03.1997 – VIII ZR 316/​96, BGHZ 135, 124, 133 ff.[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 13.12 2005 – XI ZR 82/​05, BGHZ 165, 248, 255 ff.; und vom 19.03.1997 – VIII ZR 316/​96, BGHZ 135, 124, 135 f.[↩]
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