Source: http://lexikon.jura-basic.de/aufruf.php?file=8&pp=4&art=6&find=UrhR_Bearbeitung
Timestamp: 2018-08-17 01:04:55
Document Index: 71927470

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 23', '§ 15', '§ 15', '§ 23', '§ 23', '§ 3']

jura-basic (Lexikon: UrhR Bearbeitung) - Grundwissen
a) Der Urheber kann selbst bestimmen, ob er sein Werk bearbeiten oder umgestalten will und ob das bearbeitende oder umgestaltete Werk veröffentlicht oder verwertet werden darf.
Ein Werk ist der geistige Gehalt, der wahrgenommen wird. Davon zu unterscheiden ist der Werkträger, z.B. Text auf Papier (Buch), Text auf Datenträger (ebook), Bild auf Papier (Foto).
b) Die Bearbeitung eines Werkes erfordert eine Veränderung des Werkes. Nicht jede Veränderung des Werks führt zu einer Bearbeitung (BGH, 16. Mai 2013 - I ZR 28/12, Tz. 37, Beuys-Aktion).
Für eine Bearbeitung oder sonstige Umgestaltung ist eine wesentliche Veränderung des Werkes erforderlich. In einer nur unwesentlichen Veränderung einer benutzten Vorlage ist nicht mehr als eine Vervielfältigung zu sehen (BGH aaO, Leitsatz und Tz. 37). Die Bearbeitung ist eine Sonderform der Vervielfältigung (BGH, 28. Juli 2016 - I ZR 9/15, Tz. 17).
Die Veränderung eines Werkes erfolgt in Anlehnung an das Original. Die Wiedererkennung des Originals in dem bearbeiteten Werk ist vom Bearbeiter gewollt, trotz Änderung des Gesamteindrucks.
Zum Gesamteindruck des Werkes gehört die konkrete Form des geschaffenen Werkes.
Eine Bearbeitung erfolgt regelmäßig, um das Original auch auf andere Art nutzen zu können. Das Original wird für weitere Nutzungsformen angepasst, z.B. Roman wird verfilmt und als Film verwertet.
c) Das Bearbeitungs- und Umgestaltungsrecht des Urhebers ist ein Verwertungsrecht. Die Bearbeitung oder Umgestaltung eines Werkes nach § 23 UrhG@ steht zwar nicht in der Auflistung der Verwertungsrechte des § 15 UrhG@, aber unter dem gleichen Abschnitt „Verwertungsrechte“, wie § 15 UrhG@.
d) Für die Veröffentlichung oder Verwertung des neu geschaffenen Werks ist die Zustimmung des Urhebers des Originals erforderlich (§ 23 UrhG@), d.h. zum Zeitpunkt des Beginns der Bearbeitung eines Werks ist ein Einwilligung des Urhebers noch nicht erforderlich.
Beispiel: Ein Text oder Foto darf verändert werden. Eine Einwilligung des Urhebers ist nicht erforderlich, solang das bearbeitete Werk im privaten Bereich verbleibt und der Öffentlichkeit nicht wahrnehmbar gemacht wird und nicht verwertet wird.
dem Nachbau eines Werkes der Baukunst (siehe Inhaltsübersicht, 13. Nachbau)
In diesen Fällen bedarf bereits der Beginn der Bearbeitung der Einwilligung des Urhebers (vgl. § 23 UrhG@).
Mit seiner Einwilligung willigt der Urheber in die Bearbeitung des Werkes ein. Die Einwilligung bedarf keiner besonderen Form, sie muss nicht ausdrücklich erfolgen, sie kann auch stillschweigend erteilt werden, insbesondere kann die Einwilligung sich aus den Gesamtumständen ergeben (siehe Inhaltsübersicht, 5. Einwilligung).
e) Bearbeitungen eines Werkes, die persönliche geistige Schöpfungen des Bearbeiters sind, werden wie selbständige Werke geschützt (vgl. § 3 UrhG@). Dies ist der Fall, wenn das neue Geschaffene so verändert worden ist, dass es als eine persönliche geistige Schöpfung des Bearbeiters anzusehen ist.
f) Von der Bearbeitung ist die Entstellung zu unterscheiden. Bei einer zu starken Veränderung des Werkes tritt eine Verzerrung oder eine Verfälschung des Werkes ein. In diesem Fall wird das Werk entstellt (siehe Entstellung).
g) Von der Bearbeitung eine Werkes ist die freie Benutzung eines Werkes zu unterscheiden (siehe freie Benutzung).