Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VIII%20ZR%2021/73
Timestamp: 2020-04-10 00:32:33
Document Index: 305510240

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 30', 'BGH', 'BGH', '§ 30', 'BGH', 'BGH', '§ 30', 'BGH', '§ 29', '§ 30', 'BGH', '§ 30', 'BGH', '§ 30', 'BGH', '§ 30', 'BGH', '§ 30', '§ 30']

BGH, 27.11.1974 - VIII ZR 21/73 - dejure.org
https://dejure.org/1974,1100
BGH, 27.11.1974 - VIII ZR 21/73 (https://dejure.org/1974,1100)
BGH, Entscheidung vom 27.11.1974 - VIII ZR 21/73 (https://dejure.org/1974,1100)
BGH, Entscheidung vom 27. November 1974 - VIII ZR 21/73 (https://dejure.org/1974,1100)
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Rechtmäßigkeit von Forderungsabtretungen im Konkursverfahren - Anforderungen an eine Zahlungseinstellung - Rechtliche Wertung der Hingabe ungedeckter Schecks - Anforderungen an den Beweis der Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens - Arrestpfändungen wegen der ...
Rechtmäßigkeit von Forderungsabtretungen im Konkursverfahren; Anforderungen an eine Zahlungseinstellung; Rechtliche Wertung der Hingabe ungedeckter Schecks; Anforderungen an den Beweis der Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens; Arrestpfändungen wegen der ...
WM 1975, 6
DB 1975, 147
Es kommt insbesondere nicht darauf an, ob sich der Schuldner die Zahlungsmittel auf redliche oder unredliche Weise beschafft hat (… BGH, Urt. v. 30. April 1959 - VIII ZR 179/58, WM 1959, 891, 892; Urt. v. 27. November 1974 - VIII ZR 21/73, WM 1975, 6, 7).
Dieser Beweis kann dadurch geführt werden, daß bereits das Fehlen einer Begünstigungsabsicht des Gemeinschuldners nachgewiesen wird (BGH, Urt. v. 27. November 1974 - VIII ZR 21/73, WM 1975, 6, 7 f).
Zwar sind an den Entlastungsbeweis strenge Anforderungen zu stellen, weil ein inkongruenter Erwerb besonders verdächtig erscheint (BGH, Urt. v. 27. November 1974 - VIII ZR 21/73, WM 1975, 6, 8; v. 28. März 1977 - VIII ZR 268/75, KTS 1977, 243, 244; v. 26. März 1984 - II ZR 171/83, WM 1984, 625, 631, insofern in BGHZ 90, 282 n. abgedr.; v. 15. November 1990 - IX ZR 92/90, WM 1991, 150, 151).
Die Rechtsprechung (vgl. RGZ 4, 435, 436; 40, 89, 91; 78, 331, 333; RG WarnRspr 1933 Nr. 30 S. 61;… BGH, Urt. v. 30. April 1959 - VIII ZR 179/58, WM 1959, 891, 892; v. 27. November 1974 - VIII ZR 21/73, WM 1975, 6, 7) war zwar aufgrund des Wortlauts des § 30 Nr. 2 KO bisher gegenteiliger Ansicht.
Geht man davon aus, daß auch eine gegen den Willen des Schuldners durchgeführte Vollstreckungsmaßnahme anfechtbar ist (…BGH, Urt. v. 26. Februar 1969 - VIII ZR 41/67, WM 1969, 374, 375;… anders: Urt. v. 30. April 1959 - VIII ZR 179/58, WM 1959, 891, 892; v. 27. November 1974 - VIII ZR 21/73, WM 1975, 6, 7), dann wäre diese Erweiterung des Anfechtungsrechts gegenstandslos, wenn es bei den subjektiven Merkmalen doch wieder auf den Willen des Gemeinschuldners ankäme.
Dabei sind an den Entlastungsbeweis - wie auch sonst (vgl. BGH, Urt. v. 27. November 1974 - VIII ZR 21/73, WM 1975, 6, 7 f; v. 26. März 1984 - II ZR 171/83, WM 1984, 625, 631; v. 15. November 1990 - IX ZR 92/90, WM 1991, 150, 151;… Kuhn/Uhlenbruck, § 30 KO Rdnr. 59 d) - strenge Anforderungen zu stellen, weil dem Gesetzgeber der inkongruente Erwerb besonders verdächtig erschien (Protokolle der Reichstagskommission, 2. Legislaturperiode, II. Session 1874 Motive S. 125 f).
Ihre Nachprüfung ist daher der Revision nur in beschränktem Umfange zugänglich (vgl. BGH, Urt. v. 27. November 1974 - VIII ZR 21/73, WM 1975, 6; v. 1. März 1984 - IX ZR 34/83, WM 1984, 1309, 1310; v. 11. Juli 1991 - IX ZR 230/90, WM 1991, 1570, 1573).
Ein Handeln der Schuldnerin durch Unterlassen kommt schon deshalb nicht in Betracht, weil nichts darauf hindeutet, daß ein Rechtsbehelf gegen die Pfändungs- und Einziehungsverfügung des Finanzamts hätte Erfolg haben können (vgl. in diesem Zusammenhang BGH, Urt. v. 27. November 1974 - VIII ZR 21/73, WM 1975, 6, 7).
Das Landgericht ist mit Recht davon ausgegangen, daß Arrestpfändungen als inkongruente Rechtshandlungen im Sinne von § 30 Nr. 2 KO anfechtbar sein können (BGH, Urt. v. 27. November 1974 - VIII ZR 21/73, WM 1975, 6 unter II m.N.;… Kuhn/Uhlenbruck aaO. § 29 Rdn. 16 und § 30 Rdn. 47 b; vgl. schon RGZ 10, 33, 35 f).
Dieser Zustand muß nach außen in Erscheinung treten, jedenfalls den beteiligten Verkehrskreisen erkennbar werden (BGH Urteile vom 30. April 1959 - VIII ZR 179/58 = LM KO § 30 Nr. 6; vom 3. April 1974 - VIII ZR 235/72 = WM 1974, 451; vom 27. November 1974 - VIII ZR 21/73 = WM 1975, 6).
Diese Auffassung entspricht ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung (…BGH, Urt. v. 3. März 1959 - VIII ZR 176/58, WM 1959, 470, 472; Urt. v. 30. April 1959 - VIII ZR 179/58, LM Nr. 6 zu § 30 KO, Urt. v. 27. November 1974 - VIII ZR 21/73, WM 1975, 6;… Urt. v. 10. Januar 1985 - IX ZR 4/84, NJW 1985, 1785) und wird von der Revision auch nicht angegriffen.
Zahlungseinstellung ist gegeben, sobald der Gemeinschuldner wegen eines nicht nur vorübergehenden Mangels an Zahlungsmitteln nicht mehr in der Lage ist, den wesentlichen Teil seiner fälligen Verbindlichkeiten zu erfüllen (…BGH, Urt. v. 30. April 1959 - VIII ZR 179/58, LM Nr. 6 § 30 KO;… Urt. v. 27. November 1968 - VIII ZR 204/66, WM 1969, 98, 100; Urt. v. 27. November 1974 - VIII ZR 21/73, WM 1975, 6;… Urt. v. 1. März 1984 - IX ZR 34/83, NJW 1984, 1953).
Dabei sind an den Nachweis strenge Anforderungen zu stellen (…BGH, Urt. v. 13. November 1961 - VIII ZR 158/60, LM Nr. 12 zu § 30 KO; Urt. v. 27. November 1974 - VIII ZR 21/73, WM 1975, 6;… Urt. v. 26. März 1984 - II ZR 171/83, NJW 1984, 1893, 1899); denn die besondere Konkursanfechtung des § 30 KO beruht auf dem Gedanken, vom Offenbarwerden der Krise an das Vermögen des Schuldners der Gesamtheit seiner Gläubiger zur Verfügung zu stellen.
BayObLG, 14.04.1987 - RReg. 4 St 34/87