Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/luftsicherheitsassistentin-in-der-fluggastkontrolle-und-der-tarifliche-lohnzuschlag-398984
Timestamp: 2020-04-08 09:44:31
Document Index: 96966942

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 3', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 8', '§ 5', '§ 8', '§ 5']

Luft­si­cher­heits­as­sis­ten­tin in der Flug­gast­kon­trol­le – und der tarif­li­che Lohn­zu­schlag | Rechtslupe
Luftsicherheitsassistentin in der Fluggastkontrolle - und der tarifliche Lohnzuschlag
Luft­si­cher­heits­as­sis­ten­tin in der Flug­gast­kon­trol­le – und der tarif­li­che Lohn­zu­schlag
Einer Luft­si­cher­heits­as­sis­ten­tin, die nicht über die Qua­li­fi­ka­ti­on als Luft­si­cher­heits­kon­troll­kraft zur Durch­füh­rung von Per­so­nal- und Waren­kon­trol­len iSv. § 8 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 Luft­SiG iVm. §§ 3 ff. Luft­si­cher­heits-Schu­lungs­ver­ord­nung (Luft­SiSchulV) ver­fügt und die aus­schließ­lich in der Flug­gast­kon­trol­le (§ 5 Luft­SiG) ein­ge­setzt wird, steht kein tarif­li­chen Lohn­zu­schlags in Höhe von 1,50 € brut­to pro Stun­de nach dem für all­ge­mein­ver­bind­lich erklär­ten Lohn­ta­rif­ver­trag für Sicher­heits­dienst­leis­tun­gen in Nord­rhein-West­fa­len vom 05.04.2013 (LTV NRW 2013) zu.
Nach Ziff. 2.1 LTV NRW 2013 beträgt der Lohn­zu­schlag "für den Sicher­heits­mit­ar­bei­ter in der Per­so­nen- und Waren­kon­trol­le an Ver­kehrs­flug­hä­fen gemäß EU-Ver­ord­nung 185/​2010 oder einer die­se Ver­ord­nung erset­zen­den Ver­ord­nung (Mit­ar­bei­ter, der in o. g. Bereich ein­ge­setzt wird und über die der Ver­ord­nung ent­spre­chen­de Aus­bil­dung ver­fügt)" 1,50 € brut­to pro Stun­de.
Die Luft­si­cher­heits­as­sis­ten­tin erfüll­te durch die von ihr aus­ge­üb­te Tätig­keit in der Flug­gast­kon­trol­le nach § 5 Abs. 1 Luft­SiG nicht die tarif­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Lohn­zu­schlag nach Ziff. 2.1 LTV NRW 2013. Sie war nicht als Mit­ar­bei­te­rin in der Per­so­nen- und Waren­kon­trol­le an Ver­kehrs­flug­hä­fen im Tarif­sinn ein­ge­setzt.
Nach Ziff. 2.1 LTV NRW 2013 erhal­ten Sicher­heits­mit­ar­bei­ter an Ver­kehrs­flug­hä­fen in der Per­so­nen- und Waren­kon­trol­le gemäß der VO (EU) Nr. 185/​2010 oder einer die­se erset­zen­den Ver­ord­nung zusätz­lich zu ihrem Stun­den­grund­lohn einen Lohn­zu­schlag iHv. 1, 50 Euro brut­to pro Stun­de. In der Per­so­nen- und Waren­kon­trol­le im Tarif­sinn tätig sind sol­che Sicher­heits­mit­ar­bei­ter, die (auch) ande­re Per­so­nen als Flug­gäs­te und die von die­sen Per­so­nen mit­ge­führ­ten Gegen­stän­de kon­trol­lie­ren. Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob es sich bei die­sen Sicher­heits­mit­ar­bei­tern um belie­he­ne Luft­si­cher­heits­as­sis­ten­ten iSv. § 5 Luft­SiG han­delt, die nach Lohn­grup­pe 18 bzw. seit dem 1.01.2014 nach Lohn­grup­pe 17 LTV NRW 2013 ver­gü­tet wer­den, oder um Luft­si­cher­heits­kon­troll­kräf­te iSv. §§ 8, 9 Luft­SiG (Lohn­grup­pe 17 bzw. seit dem 1.01.2014 Lohn­grup­pe 16 LTV NRW 2013). Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass im Rah­men der von der Beklag­ten zuge­wie­se­nen Tätig­kei­ten auch Kon­trol­len ande­rer Per­so­nen als Flug­gäs­te und der von die­sen mit­ge­führ­ten Gegen­stän­de erfol­gen. Die rei­ne Flug­gast­kon­trol­le nach § 5 Abs. 1 Luft­SiG löst die Zuschlags­pflicht hin­ge­gen eben­so wenig aus wie die allei­ni­ge Per­so­nal­kon­trol­le oder die allei­ni­ge Waren­kon­trol­le nach §§ 8, 9 Luft­SiG 1.
Neben der Tätig­keit in der Per­so­nen- und Waren­kon­trol­le im dar­ge­leg­ten Sinn erfor­dert Ziff. 2.1 LTV NRW 2013, dass der Sicher­heits­mit­ar­bei­ter, der den Lohn­zu­schlag bean­sprucht, über eine der VO (EU) Nr. 185/​2010 ent­spre­chen­de Aus­bil­dung ver­fügt. Die­se muss dem Mit­ar­bei­ter die Kennt­nis­se ver­mit­teln, die es ihm ermög­li­chen, die Kon­trol­le von ande­ren Per­so­nen als Flug­gäs­ten und der von die­sen mit­ge­führ­ten Gegen­stän­de nach den Anfor­de­run­gen der VO (EU) Nr. 185/​2010 (Anh. Ziff. 11.2) sach­ge­recht durch­zu­füh­ren. Da es sich um eine wei­te­re Tat­be­stands­vor­aus­set­zung des Anspruchs nach Ziff. 2.1 LTV NRW 2013 han­delt, ist der Sicher­heits­mit­ar­bei­ter, der einen sol­chen Lohn­zu­schlag begehrt, dar­le­gungs- und beweis­be­las­tet dafür, dass er über eine ent­spre­chen­de Schu­lung ver­fügt 2.
Nach die­sen Grund­sät­zen erfüll­te die Luft­si­cher­heits­as­sis­ten­tin im Streit­zeit­raum die tarif­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Anspruch auf einen Lohn­zu­schlag nach Ziff. 2.1 LTV NRW 2013 nicht.
Aller­dings gehör­te die Luft­si­cher­heits­as­sis­ten­tin als Sicher­heits­mit­ar­bei­te­rin an Ver­kehrs­flug­hä­fen grund­sätz­lich zum anspruchs­be­rech­ti­gen Per­so­nen­kreis. Allein der Umstand, dass sie als Belie­he­ne nach § 5 Luft­SiG tätig war und eine Ver­gü­tung nach Lohn­grup­pe 18b bzw. 17b LTV NRW 2013 erhielt, steht dem nicht ent­ge­gen.
Vor­lie­gend war die Luft­si­cher­heits­as­sis­ten­tin n der Flug­gast­kon­trol­le tätig. Mit der blo­ßen Flug­gast­kon­trol­le erfüll­te sie jedoch nicht das Tarif­merk­mal der "Per­so­nen- und Waren­kon­trol­le gemäß VO (EU) Nr. 185/​2010". Dass die Luft­si­cher­heits­as­sis­ten­tin dar­über hin­aus (auch) in der Kon­trol­le von ande­ren Per­so­nen und von die­sen mit­ge­führ­ten Gegen­stän­den beim Zugang zu sen­si­blen Flug­ha­fen­be­rei­chen tätig gewe­sen wäre, hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht fest­ge­stellt. Zwar hat die Luft­si­cher­heits­as­sis­ten­tin schrift­sätz­lich behaup­tet, dass sie auch Per­so­nal und Waren kon­trol­lie­re, und die Auf­fas­sung ver­tre­ten, es han­de­le sich "durch­ge­hend um eine Misch­kon­trol­le". Ent­spre­chen­der kon­kre­ter Tat­sa­chen­vor­trag für den Streit­zeit­raum fehlt aber. Im Übri­gen wür­de es kei­ne Per­so­nal­kon­trol­le im Tarif­sinn dar­stel­len, wenn bei­spiels­wei­se Flug­per­so­nal kon­trol­liert wür­de, wel­ches nicht in die­ser Funk­ti­on, son­dern als Flug­gast (zB im Rah­men sog. Dead-Head-Flü­ge)) die Flug­gast­kon­trol­le pas­siert. Soweit die Beklag­te ein­ge­räumt hat, dass gele­gent­lich Begleit­per­so­nal für allein rei­sen­de Flug­gäs­te, die auf einen Roll­stuhl ange­wie­sen sind, die Flug­gast­kon­trol­len pas­siert, wür­de auch dies für sich genom­men die Zuschlags­pflicht nicht aus­lö­sen. Zwar han­delt es sich dabei um Per­so­nal im Tarif­sinn; es fehlt jedoch jeg­li­cher Sach­vor­trag über die Kon­trol­le von Waren im Tarif­sinn. Vom Flug­gast mit­ge­führ­te Gegen­stän­de erfül­len die­se tarif­li­che Tat­be­stands­vor­aus­set­zung nicht.
Des­halb kann dahin­ste­hen, ob die Luft­si­cher­heits­as­sis­ten­tin über die von der Tarif­re­ge­lung ver­lang­te ent­spre­chen­de Aus­bil­dung für die Per­so­nen- und Waren­kon­trol­le nach der VO (EU) Nr. 185/​2010 ver­fügt.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 17. Juni 2015 – 10 AZR 524/​14
vgl. dazu im Ein­zel­nen BAG 17.06.2015 – 10 AZR 518/​14, Rn. 13 ff.[↩]
vgl. dazu BAG 17.06.2015 – 10 AZR 518/​14, Rn. 43[↩]
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