Source: http://de-lege-lata.blogspot.co.uk/2017/04/wo-steht-eigentlich-die-doppelte.html
Timestamp: 2017-08-20 09:33:25
Document Index: 254845946

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 40', '§ 4', '§ 40', '§ 29', '§ 29']

De lege lata: Wo steht eigentlich die doppelte Staatsbürgerschaft?
(Quelle: Bundesdruckerei)
Zum 1.1.2000 wurde teilweise das Geburtsortsprinzip (ius soli) in das StAG eingeführt. Nach § 4 Abs. 3 StAG erwerben nun Kinder ausländischer Eltern durch Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn sie in Deutschland geboren werden und zu diesem Zeitpunkt mindestens ein Elternteil sich seit acht Jahren rechtmäßig in Deutschland aufhält und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt. Unter den Voraussetzungen dieser Vorschrift erhalten demnach Kinder türkischer Eltern von Geburt an die deutsche Staatsangehörigkeit – und über ihre Eltern die türkische Staatsangehörigkeit. (Zudem konnte sich, wer am 1.1.2000 noch nicht zehn Jahre alt war, gemäß § 40b StAG bis Ende 2000 einbürgern lassen, wenn bei seiner Geburt diese Voraussetzungen vorlagen.)
Dieser ius-soli-Erwerb ist der politisch umstrittene Fall der doppelten Staatsbürgerschaft. Bei seiner Einführung wurde er mit einem sog. Optionsmodell verknüpft. Jemand, der nach § 4 Abs. 3 bzw. § 40b StAG die deutsche Staatsangehörigkeit erworben hatte, musste sich gemäß § 29 StAG a.F. zwischen seinem 18. und 23. Geburtstag für eine der beiden Staatsangehörigkeiten entscheiden (es sei denn, es lag ein Grund vor, aufgrund dessen bei einer Einbürgerung die Mehrstaatigkeit hingenommen wird [dazu sogleich bei 3.]). 2014 wurde diese Optionspflicht weitgehend abgeschafft. Sie besteht nach § 29 Abs. 1 und 1a StAG n.F. nicht mehr für Personen, die bis zur ihrem 21. Geburtstag acht Jahre in Deutschland gelebt, sechs Jahre in Deutschland die Schule besucht oder in Deutschland einen Schulabschluss erworben oder eine Berufsausbildung abgeschlossen haben (und unabhängig davon nicht für Bürger eines anderen EU-Mitgliedstaats und Schweizer). Danach dürfen nun in Deutschland geborene und hier aufwachsende Kinder türkischer Eltern ihre deutsche Staatsangehörigkeit behalten.
Eingestellt von Roman Kaiser am 23.4.17
Labels: Ausländer- und Asylrecht, Öffentliches Recht, Staatsangehörigkeitsrecht, Verwaltungsrecht, Wo steht eigentlich