Source: https://raheinemann.de/haben-erben-anspruch-auf-urlaubsabgeltung/
Timestamp: 2020-03-31 12:48:59
Document Index: 380475855

Matched Legal Cases: ['§ 26', '§ 125', '§ 7', '§ 1', 'EuG', 'Art. 7', 'EuG', '§ 1', '§ 1', '§ 125', '§ 26']

Haben Erben Anspruch auf Urlaubsabgeltung? - Anwaltskanzlei Heinemann
Am 22.01.2019 hat das BAG zu Az. 9 AZR 45/16 entschieden, dass Erben Anspruch auf Abgeltung des von dem Erblasser nicht genommenen Urlaubs haben.
Die Klägerin ist Alleinerbin ihres am 20.12.2010 verstorbenen Ehemanns (Erblasser). Dessen Arbeitsverhältnis mit der Beklagten endete durch seinen Tod. Dem Erblasser standen nach § 26 des auf das Arbeitsverhältnis anwendbaren Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) in jedem Kalenderjahr 30 Arbeitstage Urlaub zu. Mit Wirkung vom 18.08.2010 wurde der Erblasser als schwerbehinderter Mensch anerkannt. Danach hatte er gemäß § 125 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 SGB IX a.F. für das Jahr 2010 Anspruch auf anteiligen Zusatzurlaub von zwei Arbeitstagen. Dem verstorbenen Ehemann der Klägerin standen zum Zeitpunkt seines Todes für das Jahr 2010 noch insgesamt 25 Arbeitstage zu. Die Klägerin verlangt die Abgeltung dieses Resturlaubs.
Die Vorinstanzen, zuletzt LArbG Düsseldorf, Urt. v. 15.12.2015 – 3 Sa 21/15 -, hatten der Klage stattgegeben.
Vor dem BAG hatte die Revision der Beklagten hatte keinen Erfolg.
Die Beklagte hat nach Auffassung des BAG den nicht gewährten Urlaub des Erblassers mit einem Betrag i.H.v. 5.857,75 Euro brutto abzugelten. Nach § 7 Abs. 4 BUrlG sei Urlaub abzugelten, der wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht genommen werden kann. §§ 1, 7 Abs. 4 BUrlG seien nach dem europäischen Unionsrecht auszulegen. Danach sei der Resturlaub auch dann abzugelten, wenn das Arbeitsverhältnis durch den Tod des Arbeitnehmers endet. Der EuGH habe entschieden, dass der durch Art. 7 Abs. 1 der RL 2003/88/EG (Arbeitszeitrichtlinie) gewährleistete Anspruch auf bezahlten Mindestjahresurlaub nicht mit dem Tod des Arbeitnehmers im laufenden Arbeitsverhältnis untergehen dürfe, ohne dass ein Anspruch auf finanzielle Vergütung für diesen Urlaub bestehe, der im Wege der Erbfolge auf den Rechtsnachfolger des Arbeitnehmers überzugehen habe (EuGH, Urt. v. 06.11.2018 – C-569/16 und C-570/16 „Bauer und Willmeroth“).
Für die richtlinienkonforme Auslegung von §§ 1, 7 Abs. 4 BUrlG folge daraus, dass die Vergütungskomponente des Anspruchs auf den vor dem Tod nicht mehr genommenen Jahresurlaub als Bestandteil des Vermögens Teil der Erbmasse werde. Dabei umfasse der Abgeltungsanspruch der Erben nicht nur den Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub nach §§ 1, 3 Abs. 1 BUrlG von 24 Werktagen, sondern auch den Anspruch auf Zusatzurlaub für schwerbehinderte Menschen nach § 125 Abs. 1 Satz 1 SGB IX a.F. sowie den Anspruch auf Urlaub nach § 26 TVöD, der den gesetzlichen Mindesturlaub übersteige. Dass dem Erben das Verfallrisiko für den tariflichen Mehrurlaub bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch Tod des Arbeitnehmers zugewiesen sei, lasse sich dem TVöD nicht entnehmen.
Quellen: Pressemitteilung des BAG Nr. 1/2019 v. 22.01.2019 und Juris das Rechtsportal