Source: http://www.netinform.de/Vorschriften/TRBS/TRBS_1201_Teil_2.htm
Timestamp: 2016-10-25 22:37:08
Document Index: 124459436

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 14', '§ 3', '§ 10', '§ 3', '§ 10', '§ 12', '§ 14', '§ 15', '§ 15']

GMBl 2014 S. 950 (46)
Neben redaktionellen Änderungen wurden in der TRBS 1201 Teil 2 ein neues Kapitel 4.2 "Wiederkehrende Prüfungen von Rohrleitungen nach Prüfprogramm durch eine befähigte Person (§ 15 Abs. 11 BetrSichV)", ein Anhang zum Thema "Prüfungen von PLT-Schutzeinrichtungen (Begrenzungseinrichtungen) gegen Überschreitungen der zulässigen Betriebsgrenzen von Druckanlagen" sowie die entsprechenden Bezüge auf den neuen Anhang ergänzt.
Prüfungen von überwachungsbedürftigen Anlagen nach den §§ 14, 15 und 17 BetrSichV.
Hinweis: Die nachfolgenden Begriffe sind in der TRBS 2141 TRBS 2141 Teil 1 bzw. der TRBS 1201 bestimmt:
Die innere Prüfung umfasst:
Zur Festlegung des Sollzustandes ist für eine überwachungsbedürftige Druckanlage die bestimmungsgemäße Betriebsweise und für druckbeaufschlagte Arbeitsmittel die vorgesehene Benutzung zugrunde zu legen (siehe auch TRBS 1201 Nr. 3.2). Beispiel: Bei einem Behälter erfolgt fortschreitende Schädigung der druckbeaufschlagten Wandung durch flächenförmige Korrosion. Bei der Prüfung wird der Sollzustand für die Wanddicke ermittelt, sodass unter Berücksichtigung weiter andauernder Abzehrungen durch flächenförmige Korrosion die sichere Benutzung des Behälters bis zur nächsten Prüfung gewährleistet ist.
3.4.1.1 Prüfungen nach § 3 Abs. 3 BetrSichV durch unterwiesene Personen Sicht-/Sinnesprüfung im Rahmen periodischer Betriebsbegehungen zur Feststellung von Mängeln, die durch äußere Begutachtung ohne Eingriffe in Geräte, Einrichtungen, Installation oder Montage, ggf. unter Verwendung von Hilfsmitteln, z. B. einer Leiter, einer Prüflehre, erkannt werden können, wie z. B.:
Prüfung des Anschlusses einer Druckgasflasche an eine Verbrauchseinrichtung mit schaumbildenden Mitteln Funktionsprüfung von Ausrüstungsteilen zum Erkennen von Abweichungen von der ordnungsgemäßen Funktionsweise, wie z. B.:
Prüfung eines nicht überwachungsbedürftigen Druckbehälters nach Beschädigung durch Anfahren mit einem Gabelstapler, hierbei Prüfung auf sicherheitstechnisch bedenkliche Verformungen, Anrisse und Schäden an der Verankerung Prüfung von druckbeaufschlagten Arbeitsmitteln nach Instandsetzungsarbeiten, welche die Sicherheit der Arbeitsmittel beeinträchtigen können (§ 10 Abs. 3 BetrSichV). Beispiele hierfür sind:
Prüfung von Wasserstandsanzeigen bei Dampfkesselanlagen vor Ort an der Anlage und in der Messwarte durch eine unterwiesene Person (Prüfung nach § 3 Abs. 3 BetrSichV)
Funktionsprüfungen an Prozessleittechnik-Schutzeinrichtungen (PLT-Schutzeinrichtungen) gegen Druck- oder Temperaturüberschreitungen oder -unterschreitungen durch eine befähigte Person (Prüfung nach § 10 BetrSichV)
Prüfung von sicherheitsrelevanten Ausrüstungsteilen (Begrenzungseinrichtungen) auf anwendungsgerechte Auswahl, richtigen Einbau, Bemessung, Einstellung, Anordnung und Funktion, sofern dies nicht bereits vom Hersteller der Anlage bescheinigt ist; Prozessleittechnik-Schutzeinrichtungen (PLTSchutzeinrichtungen) bestehen aus Sensoren, Sicherheitslogik und Aktoren und sind in ihrer gesamten sicherheitsrelevanten Funktionskette zu betrachten (siehe Anhang)
Bei der Eigenherstellung von Druckanlagen bzw. Teilen davon durch den Arbeitgeber/Betreiber werden neben der Montage und Installation auch die im Zuge der Herstellung erforderlichen Prüfungen durch eine zugelassene Überwachungsstelle/befähigte Person durchgeführt. Hierbei gilt hinsichtlich der Beschaffenheitsanforderungen der Anhang I der Richtlinie 97/23/EG (Druckgeräterichtlinie) als Stand der Technik. Die Übereinstimmung der Druckanlage bzw. deren Teile mit den grundlegenden Sicherheitsanforderungen der Richtlinie 97/23/EG (Druckgeräterichtlinie) wird im Rahmen einer Prüfung – entsprechend § 12 Abs. 2 Nr. 2 BetrSichV – festgestellt. Bei der Eigenherstellung sind z. B. die nachfolgenden Prüfungen erforderlich:
3.4.2.1.2 Prüfung nach einer Änderung der überwachungsbedürftigen Druckanlage gemäß § 14 Abs. 2 BetrSichV Nach einer Änderung darf eine überwachungsbedürftige Druckanlage nur wieder in Betrieb genommen werden, wenn diese hinsichtlich des Betriebes auf ordnungsgemäßen Zustand durch eine zugelassene Überwachungsstelle/befähigte Person geprüft worden ist, soweit der Betrieb oder die Bauart der Anlage durch die Änderung beeinflusst wird. Als Änderung gilt auch jede Instandsetzung, welche die Sicherheit der Anlage beeinflusst.
Nach einer Änderung der Bauart oder einer Instandsetzung eines Druckgerätes/einfachen Druckbehälters, wodurch die Sicherheit der Anlage beeinflusst wird, stellt die zugelassene Überwachungsstelle/befähigte Person fest, ob sich das Druckgerät/der einfache Druckbehälter nach der Änderung/Instandsetzung in einem für die vorgesehene Betriebsweise ordnungsgemäßen Zustand befindet. Im Vorfeld von Änderungen ist zu empfehlen, diese mit der zugelassenen Überwachungsstelle/ befähigten Person abzusprechen. Die Sicherheit ist entsprechend dem bei der Auslegung und Herstellung angewandten Regelwerk zu gewährleisten.
Prüfung der Funktion übergeordneter sicherheitsrelevanter Ausrüstungsteile z. B. PLT-Schutzeinrichtungen (Begrenzungseinrichtungen) (siehe Anhang)
3.4.2.3 Wiederkehrende Prüfung der Anlagenteile gemäß den § 15 und 17 BetrSichV
Bei Durchlaufkesseln beträgt der Prüfdruck mindestens das 1,1-fache des dem zulässigen Betriebsdruck bei der höchsten Dampfleistung entsprechenden Wassereintrittsdruckes ( P'B). Ggf. werden die einzelnen Abschnitte des Durchlaufkessels mit einem Druck geprüft, der dem im Rahmen der Vorprüfung/ Entwurfsprüfung ermittelten Prüfdruck der einzelnen Teile entspricht.
Großwasserraumkessel > 1 bar Dampfdruck bzw. > 120 °C Heißwassertemperatur
In der Regel dürfen Prüfdrücke bei Altanlagen nicht höher sein als bei der erstmaligen Druckprüfung, es sei denn, es erfolgt eine Neuberechnung des zulässigen Prüfdruckes aufgrund der Gefährdungsbeurteilung/sicherheitstechnischen Bewertung unter Berücksichtigung des aktuellen Anlagenzustandes
Für besondere Druckgeräte nach Anhang 5 BetrSichV gelten die dort genannten Festlegungen. Bei der Prüffristermittlung ist zum einen die Beschaffenheit einer Anlage/eines Anlagenteils von Bedeutung, zum anderen müssen die Einflussparameter aus der vorgesehenen Verwendung berücksichtigt werden. Eine Beeinflussung der Prüffrist kann gegeben sein, wenn die beim Betrieb auftretenden Beanspruchungen nicht in ausreichendem Maße bei der Auslegung und Fertigung berücksichtigt wurden, oder wenn Beanspruchungen vorhanden sind, die eine nicht auslegungsgemäße zeitabhängige Schädigung bewirken können.
Werden zur Ermittlung der Prüffrist zusätzlich zu der Dokumentation, die nach der Verordnung über die Bereitstellung von einfachen Druckbehältern (6. ProdSV) oder die nach der Druckgeräteverordnung (14. ProdSV) beim Inverkehrbringen erforderlich ist, weitere technische Unterlagen und Berichte für die Ermittlung der Prüffristen als sinnvoll erachtet, so wird der Umfang dieser Unterlagen im Beschaffungsprozess z. B. über eine Bestellspezifikation bzw. einen Kaufvertrag festgelegt.
Der Betreiber hat in einem Prüfprogramm schriftlich festzulegen, wie bei der wiederkehrenden Prüfung von Rohrleitungen, die von den Nummern 6 bis 9 der Tabelle in § 15 Abs. 5 BetrSichV erfasst sind, vorzugehen ist, damit die Prüfung durch eine befähigtePersonen durchgeführt werden kann.
Bei der Gefährdungsbeurteilung für die Druckanlage ist zu ermitteln und festzulegen, welche Sicherheitseinrichtungen für den sicheren Betrieb der Druckanlage erforderlich sind. Maßnahmen zur Begegnung der ermittelten Gefährdungen können gemäß TRBS 2141 und deren Teile PLT-Schutzeinrichtungen sein. Für die PLTSchutzeinrichtungen muss der Betreiber die sicherheitstechnischen Anforderungen gemäß TRBS 1111 Abschnitt 3 ermitteln.
In diesem Schritt werden gemäß dem Stand der Technik die Gefährdungen für die Druckanlage ermittelt und bewertet. Dieses kann beispielsweise auf Basis einer „Gefährdungs- und Risikoanalyse“ nach DIN EN 61511-Reihe:2005 erfolgen.
Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gemäß TRBS 1111 Abschnitt 3 werden die Schutzfunktionen und der sichere Zustand der Druckanlage bestimmt sowie die Anforderungen an die PLT-Schutzeinrichtung und deren Komponenten festgelegt. Dabei sind unter anderem die umgebungs- und betriebsbedingten Einflüsse auf die PLT-Schutzeinrichtung bei der Spezifikation zu berücksichtigen. Die festgelegten sicherheitstechnischen Anforderungen definieren den Sollzustand und müssen bei der Bestimmung der Prüffristen und -inhalte für die PLTSchutzeinrichtungen beachtet werden.
Auf Basis der unter Abschnitt 1 ermittelten sicherheitstechnischen Anforderungen ist die PLT- Schutzeinrichtung zu planen und zu entwerfen. Es ist zu prüfen, ob der Entwurf (z. B. Funktionspläne, Redundanzen, Grenzwerte, Umgebungsbedingungen) diesen sicherheitstechnischen Anforderungen entspricht. Es wird davon ausgegangen, dass die einzelnen Komponenten der PLT-Schutzeinrichtung von den jeweiligen Herstellern schon sicherheitstechnisch auf die funktionale Sicherheit geprüft sind. Andernfalls sind die erforderlichen Nachweise zu erbringen.
Es ist die sichere Funktion der PLT-Schutzeinrichtung nach Installation aber vor Inbetriebnahme der Druckanlage zu prüfen. Die Überprüfung der sicheren Funktion bezieht sich auf die vollständige, sicherheitsrelevante Kette, bestehend aus Sensor (z. B. Druckaufnehmer), Signalverarbeitung (Logik) und Aktor (z. B. Ventil). Die Prüfung vor Inbetriebnahme der PLT-Schutzeinrichtung beinhaltet, ob diese nach Stand der Technik ausgeführt wurde. Dieses kann beispielsweise auf Basis der einschlägigen Normen für funktionale Sicherheit (DIN EN 61511-Reihe:2005, DIN EN 50156-1:2005) nachgewiesen werden.
Es ist zu prüfen, dass die ausgeführte PLT-Schutzeinrichtung dem Entwurf und den sicherheitstechnischen Anforderungen entspricht. In der Dokumentation müssen die erforderlichen Angaben über Auslegung, Zusammenwirken verschiedener Einrichtungen sowie Aufbau und räumliche Anordnung enthalten sein. Je nach Umfang der Schutzeinrichtung können dies sein:
Für die PLT-Schutzeinrichtung muss sichergestellt werden, dass sie während der gesamten Betriebsdauer der Druckanlage ihre vorgesehene Funktion erfüllt. Die Prüffristen und –inhalte werden dazu in der Gefährdungsbeurteilung ermittelt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ggf. Funktionen durch Diagnosesysteme kontinuierlich geprüft werden. Die Ergebnisse dieser Diagnosen können bei wiederkehrenden Prüfungen von Anlagenteilen oder der Druckanlage berücksichtigt werden. Die Prüfung erfolgt für die gesamte sicherheitsrelevante Kette (Sensor, Logik und Aktor) und kann nach Abstimmung mit der zugelassenen Überwachungsstelle/befähigten Person im Einzelfall auch in Teilschritten (Sensoren, Aktoren, etc.) erfolgen. Die Bewertung der vorstehenden Teilprüfungen und Diagnoseergebnisse muss den umfassenden Nachweis der sicheren Funktion der PLT-Schutzeinrichtung ergeben.