Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201988,%202300
Timestamp: 2020-02-26 07:43:06
Document Index: 101916394

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 322', '§ 847', '§ 253', '§ 322', '§ 322', 'BGH', '§ 253', '§ 322', '§ 322', '§ 322', 'BGH', 'BGH', '§ 322', '§ 322', '§ 322', 'BGH', '§ 847', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 24.05.1988 - VI ZR 326/87 - dejure.org
https://dejure.org/1988,272
BGH, 24.05.1988 - VI ZR 326/87 (https://dejure.org/1988,272)
BGH, Entscheidung vom 24.05.1988 - VI ZR 326/87 (https://dejure.org/1988,272)
BGH, Entscheidung vom 24. Mai 1988 - VI ZR 326/87 (https://dejure.org/1988,272)
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§ 322 Abs. 1 ZPO, § 847 BGB (seit 1.8.02: § 253 Abs. 2 BGB), Voraussetzungen einer Schmerzensgeldnachforderung nach rechtskräftiger Entscheidung, Vorhersehbarkeit nachträglicher Verletzungsfolgen, zur Frage des Verjährungsbeginns für Spätfolgen
Entgegenstehende Rechtskraft bei Schmerzensgeldansprüchen wegen nicht erkannter Unfallfolgen im Vorprozess - Rechtskraftfähigkeit und Umfang der Rechtskraft von Urteilen - Bestimmung des Streitgegenstands - Eigenständige Verjährungsfrist bei Spätfolgen von ...
Zur Reichweite der Rechtskraft von Entscheidungen über die Zuerkennung von Schmerzensgeld
NJW 1988, 2300
MDR 1988, 951
NZV 1988, 99
VersR 1988, 929
Ob Verletzungsfolgen im Zeitpunkt der Zuerkennung eines Schmerzensgeldes erkennbar waren, beurteilt sich nicht nach der subjektiven Sicht der Parteien oder der Vollständigkeit der Erfassung des Streitstoffes durch das Gericht, sondern nach objektiven Gesichtspunkten, das heißt nach den Kenntnissen und Erfahrungen eines insoweit Sachkundigen (vgl. Senat, Urteile vom 24. Mai 1988 - VI ZR 326/87 - …und vom 7. Februar 1995 - VI ZR 201/94 - beide aaO; OLG Köln, ZfS 1992, 82; OLG Oldenburg, VersR 1997, 1541; OLG Köln, VersR 1997, 1551, OLG Düsseldorf, OLGZ 1994, 546, 548 f.; OLG Koblenz, OLGR 2005, 120, 121;… Musielak/Musielak, ZPO, 4. Aufl., § 322 Rdn. 52).
Denn an einer erneuten Beurteilung dieser Frage ist das Zivilgericht aufgrund der Rechtskraft des im Adhäsionsverfahren ergangenen Urteils gehindert (vgl. Senatsurteil vom 24. Mai 1988 - VI ZR 326/87, aaO, 930 mwN;… Zöller/Vollkommer, ZPO, 30. Aufl. vor § 322 Rn. 49 mwN).
"Verlangt ein Kläger für erlittene Körperverletzungen uneingeschränkt ein Schmerzensgeld, so werden durch den zuerkannten Betrag alle diejenigen Schadensfolgen abgegolten, die entweder bereits eingetreten und objektiv erkennbar waren oder deren Eintritt jedenfalls vorhergesehen und bei der Entscheidung berücksichtigt werden konnte (ständige Rechtsprechung, vgl. Senat, Urteile vom 11. Juni 1963 - VI ZR 135/62 - VersR 1963, 1048, 1049; vom 8. Juli 1980 - VI ZR 72/79 - VersR 1980, 975 f.; vom 24. Mai 1988 - VI ZR 326/87 - VersR 1988, 929 f.; vom 7. Februar 1995 - VI ZR 201/94 - VersR 1995, 471, 472; vom 20. März 2001 - VI ZR 325/99 - VersR 2001, 876; vom 20. Januar 2004 - VI ZR 70/03 - VersR 2004, 1334, 1335; BGH, Urteil vom 4. Dezember 1975 - III ZR 41/74 - VersR 1976, 440, 441;… vgl. auch Staudinger/Schiemann, BGB, Neubearbeitung 2005, § 253 Rdn. 50;… Stein/Jonas/Leipold, ZPO, 21. Aufl., § 322 Rdn. 161;… Zöller/Vollkommer, ZPO, 25. Aufl., § 322 Rdn. 13; Diederichsen, VersR 2005, 433, 439; von Gerlach, VersR 2000, 525, 530; Heß, ZfS 2001, 532, 534;… kritisch MünchKommZPO/Gottwald, 2. Aufl., § 322 Rdn. 126).
Solche Verletzungsfolgen, die zum Beurteilungszeitpunkt noch nicht eingetreten waren und deren Eintritt objektiv nicht vorhersehbar war, mit denen also nicht oder nicht ernstlich gerechnet werden musste und die deshalb zwangsläufig bei der Bemessung des Schmerzensgeldes unberücksichtigt bleiben müssen, werden von der vom Gericht ausgesprochenen Rechtsfolge nicht umfasst und können deshalb Grundlage für einen Anspruch auf weiteres Schmerzensgeld sein (vgl. Senat, Urteile vom 11. Juni 1963 - VI ZR 135/62 - vom 8. Juli 1980 - VI ZR 72/79 - vom 24. Mai 1988 - VI ZR 326/87 - vom 20. März 2001 - VI ZR 325/99 - vom 20. Januar 2004 - VI ZR 70/03 - BGH…, Urteil vom 4. Dezember 1975 - III ZR 41/74 - alle a. a. O.; BGH(GS)Z 18, 149, 167;… MünchKommZPO/Gottwald, a. a. O., Rdn. 135, 143;… Stein/Jonas/Leipold, a. a. O., Rdn. 161;… Thomas/Putzo/Reichold, ZPO, 27. Aufl., § 322 Rdn. 23 a.E.;… Zöller/Vollkommer, a. a. O., Rdn. 13 und Vor § 322 Rdn. 49;… Diederichsen, a. a. O., 440; Prütting/Gielen, NZV 1989, 329, 330).
Ob Verletzungsfolgen im Zeitpunkt der Zuerkennung eines Schmerzensgeldes erkennbar waren, beurteilt sich nicht nach der subjektiven Sicht der Parteien oder der Vollständigkeit der Erfassung des Streitstoffes durch das Gericht, sondern nach objektiven Gesichtspunkten, das heißt nach den Kenntnissen und Erfahrungen eines insoweit Sachkundigen (vgl. Senat, Urteile vom 24. Mai 1988 - VI ZR 326/87 - …und vom 7. Februar 1995 - VI ZR 201/94 - beide a. a. O.; OLG Köln, ZfS 1992, 82; OLG Oldenburg, VersR 1997, 1541; OLG Köln, VersR 1997, 1551, OLG Düsseldorf, OLGZ 1994, 546, 548 f.; OLG Koblenz, OLGR 2005, 120, 121;… Musielak/Musielak, ZPO, 4. Aufl., § 322 Rdn. 52).
Maßgebend ist, ob sich bereits in jenem Verfahren eine Verletzungsfolge als derart nahe liegend darstellte, dass sie schon damals bei der Bemessung des Schmerzensgeldes berücksichtigt werden konnte (vgl. Senat, Urteile vom 8. Juli 1980 - VI ZR 72/79 - vom 24. Mai 1988 - VI ZR 326/87 - vom 7. Februar 1995 - VI ZR 201/94 - alle a. a. O.; siehe auch BGH…, Urteil vom 4. Dezember 1975 - III ZR 41/74 - a. a. O.; OLG Stuttgart, NJW-RR 1999, 1590, 1591;… Kreft in BGB-RGRK, 12. Aufl., § 847 Rdn. 51).".
Eine naheliegende Wahrscheinlichkeit der Verschlechterung wurde noch bei einem Wahrscheinlichkeitsgrad von 30%-40% angenommen (vgl. BGH NJW 1988, 2300 [2302] = VersR 1988, 929 f. = MDR 1988, 951; Senat, Beschl. v. 19.07.2007 - 10 U 1748/07).
13 aa) Wird, wie hier, für erlittene Körperverletzungen uneingeschränkt ein Schmerzensgeld verlangt, so werden durch den zuerkannten Betrag alle diejenigen Schadensfolgen abgegolten, die entweder bereits eingetreten und objektiv erkennbar waren oder deren Eintritt jedenfalls vorhergesehen und bei der Entscheidung berücksichtigt werden konnte (st. Rspr.; Großer Senat für Zivilsachen BGHZ 18, 149, 167; Senatsurteile vom 11. Juni 1963 - VI ZR 135/62 - VersR 1963, 1048, 1049; vom 8. Juli 1980 - VI ZR 72/79 - VersR 1980, 975 f und vom 24. Mai 1988 - VI ZR 326/87 - VersR 1988, 929 f).
Soweit der Kläger, wie sich aus der Fassung des Antrags ergibt, lediglich ein Schmerzensgeld begehrt, das nach den bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung eingetretenen Umständen zu bemessen ist, liegt zwar die Geltendmachung eines Teilschmerzensgeldes vor, weil das Schmerzensgeld grundsätzlich einheitlich zu bemessen ist, so dass alle diejenigen Schadensfolgen zu berücksichtigen sind, die entweder bereits eingetreten und objektiv erkennbar waren oder deren Eintritt jedenfalls vorhergesehen und die in die Entscheidung einfließen können (…vgl. BGH, Urteile vom 20. Januar 2004 - VI ZR 70/03 -, juris Rdn. 20; vom 11. Juni 1963 - VI ZR 135/62 - VersR 1963, 1048, 1049; vom 8. Juli 1980 - VI ZR 72/79 - VersR 1980, 975 f.; vom 24. Mai 1988 - VI ZR 326/87 - VersR 1988, 929 f. und vom 7. Februar 1995 - VI ZR 201/94 - VersR 1995, 471 f.; BGH, Urteil vom 4. Dezember 1975 - III ZR 41/74 - VersR 1976, 440, 441).
LG Coburg, 27.08.2004 - 23 O 829/03
OLG Schleswig, 21.03.2001 - 9 U 52/00
OLG Hamburg, 26.05.2000 - 14 U 146/99