Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/verjaehrungsunterbrechung-bei-unbekanntem-aufenthalt-des-schuldners-327602
Timestamp: 2019-12-06 20:16:12
Document Index: 236085850

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 10', '§ 5', '§ 10', '§ 212', '§ 209', '§ 217', '§ 5', '§ 10', '§ 5', '§ 10', '§ 212', '§ 5', '§ 1', '§ 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 212', '§ 212', '§ 212']

Ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chung bei unbe­kann­tem Auf­ent­halt des Schuld­ners | Rechtslupe
Ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chung bei unbe­kann­tem Auf­ent­halt des Schuld­ners
Bei unbe­kann­tem Auf­ent­halt des Schuld­ners muss kei­ne "Unbekannt"-Abmeldung vor­lie­gen, son­dern genü­gen für die Ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chung von Gerichts­kos­ten­for­de­run­gen durch die (mit Unbe­kannt-Ver­merk zurück­ge­kom­me­nen) Zah­lungs­auf­for­de­run­gen an die letz­te Mel­de­an­schrift auch Mit­tei­lun­gen der Post oder ande­re Erkennt­nis­se vor Ort (wie Gebäu­de­ab­riss), dass der Schuld­ner an der – für die Mobi­liar­voll­stre­ckung inter­es­sie­ren­den – Wohn­adres­se unbe­kannt ist.
Nach § 5 Abs. 1 Satz 1 GKG bzw. § 10 Abs. 1 GKG a. F. ver­jäh­ren Ansprü­che auf Zah­lung von Kos­ten in vier Jah­ren nach Ablauf des Kalen­der­jah­res, in dem das Ver­fah­ren durch rechts­kräf­ti­ge Ent­schei­dung über die Kos­ten, durch Ver­gleich oder in sons­ti­ger Wei­se been­det ist.
Gemäß § 5 Abs. 3 Satz 1 GKG bzw. § 10 Abs. 3 Satz 1 GKG a. F. wird die Ver­jäh­rung unter­bro­chen und beginnt sie neu zu lau­fen nach den Vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs; das heißt gemäß § 212 Abs. 1 Nr. 2 BGB in der Fas­sung der Schuld­rechts­re­form 2002 wie gemäß § 209 Abs. 2 Nr. 5 i. V. m. § 217 BGB a.F. in der Fas­sung bis 2001 unter ande­rem, wenn eine gericht­li­che oder behörd­li­che Voll­stre­ckungs­hand­lung vor­ge­nom­men oder bean­tragt wird.
Wei­ter setzt nach § 5 Abs. 3 Satz 2 GKG bzw. § 10 Abs. 3 Satz 2 GKG a. F. auch jede Zah­lungs­auf­for­de­rung die Ver­jäh­rungs­frist erneut in Gang.
Bei unbe­kann­tem Auf­ent­halt des Schuld­ners genügt zur Ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chung gemäß § 5 Abs. 3 Satz 3 GKG bzw. § 10 Abs. 3 Satz 3 GKG a. F. die Zustel­lung durch Auf­ga­be zur Post unter sei­ner letz­ten bekann­ten Anschrift.
Bei der Ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chung durch Bean­tra­gung oder Vor­nah­me gericht­li­cher oder behörd­li­cher Voll­stre­ckungs­hand­lun­gen, sei es in der Zustän­dig­keit einer Behör­de, eines Gerichts, eines Voll­zie­hungs­be­am­ten oder eines Gerichts­voll­zie­hers, beginnt auch bei Wie­der­ho­lung die Ver­jäh­rung nach jedem An- bzw. Auf­trag und jeder Voll­stre­ckungs­hand­lung bzw. ‑maß­nah­me neu, und zwar am fol­gen­den Tag und nicht erst mit Jah­res­ab­lauf 1; nur nicht bei Rück­nah­me oder Ableh­nung des Antrags oder bei Auf­he­bung einer Voll­stre­ckungs­hand­lung (§ 212 Abs. 2 – 3 BGB).
In Über­ein­stim­mung mit der Rege­lung des jeweils geson­der­ten Ver­jäh­rungs­neu­be­ginns kommt es im Übri­gen nicht dar­auf an, in wel­cher Zeit Voll­stre­ckungs­auf- oder ‑anträ­ge bear­bei­tet wer­den, ob oder wann sie zu Voll­stre­ckungs­maß­nah­men füh­ren und auch dem Schuld­ner zuge­hen und ob Voll­stre­ckungs­hand­lun­gen erfolg­los blei­ben 2.
Dass der an sei­ner Mel­de­adres­se nicht erreich­te oder sich an unbe­kann­tem Ort auf­hal­ten­de Schuld­ner ver­jäh­rungs­recht­lich nicht pri­vi­le­giert wird, ent­spricht zugleich der gesetz­li­chen Wer­tung des § 5 Abs. 3 Satz 3 GKG.
Des­glei­chen setzt die Ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chung durch Voll­stre­ckungs­an­trä­ge oder ‑hand­lun­gen bei den – wie hier – nach § 1 Abs. 2 JBei­trO ein­zu­zie­hen­den Gerichts­kos­ten­for­de­run­gen nicht den nach § 5 JBei­trO vor­ge­se­he­nen vor­he­ri­gen Zugang der Zah­lungs­auf­for­de­rung und Mah­nung vor­aus; auch bei einem dies­be­züg­li­chen Ver­stoß blei­ben die Ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chun­gen durch Voll­stre­ckungs­an­trä­ge und ‑hand­lun­gen unbe­rührt 3.
Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 21. Dezem­ber 2010 – 3 KO 192/​10
vgl. BGH vom 20.11.1997 – IX ZR 136/​97 BGHZ 137, 193; vom 29.04.1993 – III ZR 115/​91, BGHZ 122, 287; vom 18.01.1985 – V ZR 233/​83, BGHZ 93, 287; RG vom 04.04.1930 – VII 437/​29, RGZ 128, 76, 80[↩]
vgl. BVerwG vom 10.07.1996 – 1 KSt 2/​96; Schmidt-Räntsch in Ermann, BGB, 11. A., § 212 Rd. 14; Ellen­ber­ger in Palandt, BGB, 70. A., § 212 Rd. 9; Kes­se­ler in Prütting/​Wegen/​Weinreich, BGB, 5. A., § 212 Rd 5[↩]
vgl. Saar­län­di­sches OLG vom 18.03.2010 – 9 WF 25/​10, m. w. N.[↩]
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