Source: http://www.lgb-rlp.de/de/fachthemen-des-amtes/geothermie-in-rheinland-pfalz/oberflaechennahe-geothermie.html
Timestamp: 2018-01-16 19:40:46
Document Index: 45210825

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 6', '§ 51', '§127', '§ 51', '§ 4']

LGB-RLP.de | Oberflächennahe Geothermie
Oberflächennahe Geothermie für Heiz- und Kühlzwecke
Die Erdwärme in den oberflächennahen Bereichen des Untergrundes wird schon seit vielen Jahren auch in Rheinland-Pfalz für das Beheizen von Gebäuden genutzt. Hierfür stehen verschiedene Systeme zur Verfügung. Auf Grund des geringen Temperaturniveaus ist die Verwendung einer Wärmepumpe notwendig. Neben der Wärmeversorgung wird für Bauprojekte das geothermische Potenzial des Untergrundes zunehmend auch zur Kühlung der Gebäude erschlossen. Für die Errichtung der Anlagen und Gewinnung der Erdwärme ist das Wasserrecht sowie das Bergrecht zu beachten. Das LGB ist sowohl als Fach- als auch als bergrechtliche Genehmigungsbehörde bei der Erschließung der Oberflächennahen Geothermie beteiligt.
Wärmequellenanlagen
Erdwärme lässt sich anhand verschiedener Systeme zum Heizen und ggf. zum Kühlen von Gebäuden nutzen. Die gängigsten Systeme sind Erdwärmesonden, die Nutzung von Grundwasser über Förder- und Schluckbrunnen sowie Erdwärmekollektoren.
Erdwärmesonden (Einbau von mit Wärmeträgerflüssigkeit gefüllten Kunststoffrohrschleifen in vertikale Bohrungen und anschließender vollständiger abdichtender Verfüllung des Hohlraumes zwischen den Rohren und der Bohrlochwand) erfordern grundsätzlich keine besonderen Untergrundeigenschaften. Die für die Wärmebereitstellung erforderliche Sondenlänge und damit Bohrtiefe/Anzahl der Bohrungen ist von dem benötigten Wärmebedarf (Wärmebedarfsermittlung) und dem Wärmepotenzial des Untergrundes (spezifische Wärmeentzugsleistungen der anstehenden Gesteinsschichten, Wassergehalt und Wasserwegsamkeit) abhängig. Informationen zu dem wasserrechtlichen und bergrechtlichen Genehmigungsverfahren finden Sie unter der Rubrik Genehmigungsverfahren. Anhaltspunkte für die Dimensionierung (Wärmeleitfähigkeiten und Wärmeentzugsleistung) lässt sich aus der Karte "Wärmeleitfähigkeiten und Wärmeentzugsleistungen für Erdwärmesonden" entnehmen.
Wasser-Wasser-Wärmepumpen erschließen über Förderbrunnen Grundwasser, welches nach dem Wärmeentzug über Schluckbrunnen wieder dem Grundwasserleiter zugeführt wird. Notwendig sind geeignete hydrogeologische Verhältnisse, welche vorab durch hydraulische Tests sowie durch hydrochemische Analysen untersucht werden sollten.
Erdwärmekollektoren, d.h. oberflächennah und horizontal verlegte Sondensysteme, benötigen eine ausreichende Fläche (als Faustregel gilt: Doppelte Fläche der zu beheizenden Fläche). Wo diese vorhanden ist oder wo Erdwärmesonden aufgrund wasserrechtlicher Belange nicht genehmigungsfähig sind, können sie eine wirtschaftlich interessante Alternative zu den Vertikal-Erdwärmesondenanlagen darstellen.
Genehmigungsverfahren für Erdwärmesonden
Erdwärmesonden bedürfen grundsätzlich einer wasserrechtlichen Erlaubnis. Im Einzelfall ist ein bergrechtlicher Betriebsplan zu erstellen und/oder eine bergrechtliche Bewilligung notwendig.
Jede Erdwärmesondenbohrung bedarf nach dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) sowie dem Wassergesetz für das Land Rheinland-Pfalz (LWG) einer wasserrechtlichen Erlaubnis. Diese werden durch die unteren Wasserbehörden der Kreise und kreisfreien Städte erteilt. Sie entscheiden, ob eine wasserrechtliche Erlaubnis erteilt wird und welche Auflagen einzuhalten sind. Das Genehmigungsverfahren ist im Leitfaden „Nutzung von oberflächennaher Energie mit Erdwärmesonden“ geregelt.
Erfolgt die Erschließung und Nutzung von Erdwärme durch eine Erdwärmesondenanlage auf einzelnen oder auch benachbarten Grundstücken nicht nur aus Anlass oder in Zusammenhang mit dessen baulichen oder sonstigen städtebaulichen Nutzungen (§ 4 Abs. 2 Satz 1 BBergG), so ist für das Projekt eine Zulassung durch das LGB nach §§ 6 ff und §§ 51 ff BBergG erforderlich. Nach §127 Abs. 1 Satz 2 BBergG kann eine Erdwärmesondenbohrung mit einer Teufe von mehr als 100 m in Ausnahmefällen betriebsplanpflichtig sein. Die Betriebsplanpflicht wird durch das LGB dann festgestellt, wenn der Schutz Beschäftigter oder Dritter (u.a. Arbeitsschutz, Immissionsschutz) oder die besonderen Merkmale eines Erdwärmesondenprojektes (z.B. Bohrtiefe, maschinelle Ausrüstung) die Aufstellung eines bergrechtlichen Betriebsplanes nach §§ 51 ff BBergG erfordern.
Nach § 4 des Gesetzes über die Durchforschung des Reichsgebietes nach nutzbaren Lagerstätten (Lagerstättengesetz) sind Bohrungen vom Bohrunternehmen spätestens zwei Wochen vor Beginn der Arbeiten dem LGB anzuzeigen (Vordruck als PDF).
Nach Abschluss der Bohrung ist das Bohrergebnis dem LGB mitzuteilen.
Statistik Erdwärmesonden in Rheinland-Pfalz
Die Anzahl der angezeigten Erdwärmesondenanlagen in den verschiedenen Landkreisen von Rheinland-Pfalz für das Jahr 2015 können Sie der ersten Grafik entnehmen.
Einen Gesamtüberblick der angezeigten Anlagen seit 2006 finden Sie in der zweiten Grafik.
Leitfaden Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden in Rheinland-Pfalz
Flyer "Heizen & Kühlen mit Erdwärmesonden - Eine Empfehlung für Bauwillige"
Erstellung von Planungsgrundlagen für die Nutzung von Erdwärmekollektoren
Standardauflagen zum Bau von Erdwärmesonden in unkritischen Gebieten
Das LGB führt selbst Messungen von geothermischen Parametern (Wärmeleitfähigkeit, Wärmekapazität sowie Temperaturleitfähigkeit) durch. Hierzu stehen ein Thermoscanner sowie eine Messapparatur mit Sonden zur Verfügung.