Source: https://www.peterlang.com/view/9783653973341/20_Chapter5.html
Timestamp: 2018-07-22 00:02:07
Document Index: 291777330

Matched Legal Cases: ['§ 25', '§ 54', '§ 91', '§ 25', '§ 76', '§ 76', '§ 93', '§ 826']

Teil 5: Zusammenfassung der Ergebnisse : Die Pflicht zum Risikomanagement im Aktienrecht
Teil 5: Zusammenfassun...
Die Pflicht zum Risikomanagement im Aktienrecht
Der Erfolg unternehmerischer Entscheidungen ist ungewiss. Riskante Projekte versprechen häufig größeren Gewinn, bergen aber auch die Gefahr eines Fehlschlags bis hin zur Existenzgefährdung. Fehlerhafter Umgang mit den Unternehmensrisiken kann zur Haftung der Unternehmensverwaltung führen. Die Arbeit geht der Frage nach, ob der Vorstand einer Aktiengesellschaft eine bestimmte Risikoschwelle nicht überschreiten darf. Es wird ausführlich analysiert, ob die Anforderungen des Kreditwesengesetzes auf das Risikomanagement aller Aktiengesellschaften übertragbar sind. Der Autor legt seiner Arbeit einen interdisziplinären Ansatz zugrunde, der nicht nur für Juristen und Ökonomen, sondern auch für Organe von Kapitalgesellschaften von Interesse ist. Er zeigt, dass Vorstellungen aus der Bankenregulierung ungeeignet für eine Übernahme in das Aktienrecht sind, da sie riskante, aber sinnvolle Investitionen verhindern.
978-3-653-97334-1
https://doi.org/10.3726/978-3-653-05326-5
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. XLVI, 207 S., 6 Tab., 8 Graf.
Teil 5: Zusammenfassung der Ergebnisse
1. „Risiko“ bezeichnet die Möglichkeit der Zielverfehlung. Während nach engem Verständnis lediglich negative Zielabweichungen erfasst werden, betrachtet ein weites Verständnis die gesamte Streuung des Erfolgs um ihren Erwartungswert. Risiko ist danach die Möglichkeit, dass es sowohl schlechter als auch besser kommen kann als erwartet. Diese Definition beinhaltet nicht nur Verlustgefahren, sondern auch Gewinnchancen und berücksichtigt damit, dass unternehmerische Entscheidungen ungünstig aber auch günstig ausfallen können. Risiko und Chance sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille. Bestandsgefährdend ist ein Risiko, wenn es geeignet ist im Falle seiner Verwirklichung, die Überschuldung oder Illiquidität der Gesellschaft herbeizuführen.
2. Die Bestandserhaltung eines Unternehmens kann aus volkswirtschaftlicher Sicht kein Selbstzweck unternehmerischen Handelns sein. Das Ziel des Vorstands muss es vielmehr sein, den Wert des Unternehmens zu steigern. Die Geschäftsleitung sollte grundsätzlich jedes Projekt auswählen, das einen positiven Kapitalwert (net present value) aufweist. Stehen mehrere Projekte zur Auswahl, sollte das Projekt mit dem höchsten Kapitalwert gewählt werden. Diese Handlungsmaxime entspricht nicht nur dem rationalen Interesse der Eigenkapitalgeber, sondern führt auch dazu, dass die soziale Wohlfahrt insgesamt wächst. Die Vorgabe einer absoluten Risikogrenze ist aus ökonomischer Sicht abzulehnen. Auch kann es keine Pflicht zur Existenzsicherung geben. Das Eingehen von Risiken ist vielmehr jeder Wettbewerbsordnung immanent und volkswirtschaftlich geradezu angezeigt, um den sozialen Wohlstand zu mehren. Innovationen und Fortschritt verlangen oft Entscheidungen, die den Bestand von Unternehmen gefährden. In der englischsprachigen Literatur spricht man...
II. Untersuchungsmethodik
III. Aufbau der Arbeit
Teil 2: Grundlagen des betrieblichen Risikomanagements
A. Risiko als Volatilität
B. Methoden der Investitionsrechnung
I. Kapitalwertkriterium
II. Methode des internen Zinssatzes
C. Risikomanagement: Aufgaben, Träger und Prozess
I. Gründe für Risikomanagement
II. Der Regelkreislauf
1. Unternehmens- und Risikostrategie
3. Risikoanalyse und -bewertung
a) Die Wahrscheinlichkeit
b) Ermittlung von Wahrscheinlichkeiten
aa) Theoretische Herleitung
bb) Auswertung historischer Daten
(1) Lagemaße
(2) Typische Verteilungen
(a) Normalverteilung
(b) Fat-Tails
(c) Der Boxplot
cc) Subjektive Bestimmung
c) Statistische Risikomaße
aa) Messung der Streuung
(1) Spannweite
(2) Quartilsabstand
(3) Varianz bzw. Standardabweichung
bb) Messung des Ausfallrisikos
(2) Stresstests
4. Risikokommunikation
Teil 3: Ökonomische Einordnung des Risikomanagements
A. Die Aktiengesellschaft aus ökonomischer Sicht
I. Die Gesellschaft als Vertragsgeflecht
II. Bedeutung des Haftungsprivilegs
1. Publikumsgesellschaft
2. Geschlossene Gesellschaft
3. Negative Wirkungen
III. Märkte als Institution der Allokationseffizienz
1. Markt und Vertragsfreiheit
a) Transaktionen als Grundeinheit
b) Bedeutung von Verträgen
c) Was ist der Markt?
d) Markt oder Hierarchie
e) Anforderungen an das Recht
2. Externalitäten und Ineffizienz
a) Formen externer Effekte
aa) Negative Externalitäten
bb) Positive Externalitäten
cc) Pekuniäre Effekte
b) Herstellung einer optimalen Externalität
c) Instrumente der Internalisierung
aa) Ge-/Verbote und Auflagen
bb) Abgaben und Gebühren
cc) Handelbare Zertifikate
dd) Verhandlungen
B. Ökonomische Bewertung von Insolvenzrisiken
I. Schaffung neuer Güter und Technologien
1. Der Wettbewerbsdruck
a) Preiswettbewerb
b) Qualitätswettbewerb
c) Wem nützt der Wettbewerb?
d) IBMs System/360
2. Risikoeinstellungen der Stakeholder
a) Risikoaversion der Vorstände
b) Risikoaversion der Gläubiger
c) Risikoanreiz der Aktionäre
aa) Aktionäre als Residualberechtigte
bb) Begrenzung des Verlustrisikos
cc) Risikosenkung durch Diversifikation
II. Externalisierung von Ausfallrisiken
1. Das Kreditrisiko der Finanzgläubiger
a) Internalisierung bei Kenntnis
b) Asymmetrische Informationen
aa) Adverse Selektion
(1) Gefahr der Kreditrationierung
(2) Gegenstrategien
(b) Signaling
(c) Selbstselektion
(d) Anpassung des Zinssatzes
bb) Moral Hazard
(1) Anreiz zur Überinvestition
(2) Anreiz zur Unterinvestition
(3) Fortführung statt Liquidation
(4) Praktische Relevanz
c) Risikosteuerung durch Covenants
aa) Begriff und Rechtsnatur
(1) Anleihemarkt
(3) Projektfinanzierung
(4) Akquisitionsfinanzierung
(5) Venture-Capital-Finanzierung
cc) Zulässigkeit und Subordination
dd) Klassifizierung von Covenants
(1) Positive Covenants
(2) Negative Covenants
(3) Financial Covenants
(a) Net Worth Covenants
(b) Debt Equity Ratios
(c) Current Ratios
(d) Interest Coverage Ratios
ee) Rechtsfolgen: Events of Default
(1) Kreditkündigung
(2) Nachbesicherung
(3) Waiver Letter
(4) Cross Default-Klausel
2. Übervorteilung sonstiger Gläubiger
3. Externalisierung bei Zwangsgläubigern
III. Das Problem der Systemrisiken
1. Ansteckungsgefahr im Finanzsektor
2. Systemrisiken als negative Externalität
3. Messung der Systemrelevanz
Teil 4: Ökonomische Analyse von Rechtsvorschriften
A. Bankaufsichtsrechtliche Vorgaben
I. Relevanz der Banken
II. Die Organisationspflicht des § 25a KWG
1. Der Pflichteninhalt
2. Anwendungsbereich der MaRisk
3. Risikotragfähigkeit
III. Strafbarkeit nach § 54a KWG
1. Der Straftatbestand
2. Intention und Deliktsstruktur
3. Rechtliche Vorbehalte
B. Aktienrechtliche Vorgaben
I. Die Organisationspflicht des § 91 Abs. 2 AktG
a) Früherkennung von Entwicklungen
b) Bestandsgefährdung
aa) Gefährdung der dauerhaften Rentabilität
bb) Drohende Insolvenz
c) Geeignete Maßnahmen
d) Einrichtung eines Überwachungssystems
aa) Risikomanagementsystem
bb) Risikofrüherkennungssystem
cc) Früherkennungs- und Überwachungssystem
dd) Vermittelnde Ansicht
(1) Keine Pflicht zum Risikomanagement
(2) Keine Ausstrahlung des § 25a KWG
(3) Kein Risikostatus
2. Reichweite im Konzern
a) Konzernweite Früherkennung
b) Keine konzernweite Früherkennung
II. Risikomanagement nach §§ 76, 93 AktG
1. Die Leitungsaufgabe des Vorstands (§ 76 Abs. 1 AktG)
a) Leitung vs. Geschäftsführung
b) Eigenverantwortlichkeit
c) Leitungsgrundsätze
aa) Ausgleichsmodell
bb) Vermittelnde Ansicht
cc) Aktionärspriorität
2. Business Judgement Rule (§ 93 Abs. 1 Satz 2 AktG)
a) Tatbestandsmerkmale
aa) Unternehmerische Entscheidung
bb) Gesellschaftswohl
cc) Keine Interessenkonflikte
dd) Angemessene Information
ee) Gutgläubigkeit
b) Ökonomische Analyse von Fallgruppen
aa) „Übergroße“ Risiken
(1) Juristische Ansicht
bb) „Bestandsgefährdende“ Risiken
(1) Juristische Meinung
cc) „Klumpenrisiken“
(1) Juristische Auffassung
III. Haftung wegen Existenzvernichtung (§ 826 BGB)
a) Eingriff
b) Insolvenzverursachung
c) Sittenwidrigkeit
3. Ökonomische Analyse