Source: http://ihre-unfallgutachter.de/texte/wissenswertes.htm
Timestamp: 2019-08-19 08:17:09
Document Index: 114635307

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

WISSENSWERTE URTEILE ZUR SCHADENABWICKLUNG:
BGH-Urteil zur Schadensberechnung: Berlin, im Juni 2003:
Versicherungen müssen künftig die Reparaturkosten einer markengebundenen Fachwerkstatt erstatten, selbst wenn der Geschädigte sein Fahrzeug selber repariert. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) können Autofahrer frei entscheiden, ob sie ihr Fahrzeug in einer Fachwerkstatt herrichten lassen oder ob sie ihren Wagen beschädigt verkaufen und sich die potenziellen Reparaturkosten von der Versicherung ausbezahlen lassen.
Im aktuellen Fall wollte eine Versicherung die Schadenssumme kürzen, indem sie die von der Dekra ermittelten sogenannten mittleren Stundenverrechnungssätze zu Grunde legte. Der BGH untersagte dies jedoch mit der Begründung, der Autofahrer sei frei in der Wahl seiner Reparaturwerkstatt und könne ebenso frei entscheiden, ob er seinen Wagen reparieren lasse oder beschädigt verkaufen wolle. In jedem Fall müsse die Versicherung jene Kosten erstatten, die angefallen wären, wenn der Kunde die Reparatur in einer markengebundenen Fachwerkstatt in Auftrag gegeben hätte. Der abstrakte Marktwert der Dekra Stundenverrechnungssätze aller Werkstätten der Region repräsentiere als eine statistisch ermittelte Rechengröße nicht den zur Wiederherstellung tatsächlich erforderlichen Betrag, so der BGH
Auf Grund dieser Rechtsprechung sind Autofahrer gut beraten, wenn sie nach einem Verkehrsunfall unabhängige Kfz-Sachverständige mit der Schadenfeststellung beauftragen. Denn diese Experten kalkulieren mit den tatsächlichen Stundenverrechnungssätzen der Fachwerkstätten.
(BGH, Urteil vom 29.04.200, VI ZR 398/02)
BGH-Urteil zu Versicherungsleistungen:
Berlin, im Juni 2003:
Wer sein Auto nach einem Verkehrsunfall preiswerter repariert als etwa in einem Gutachten kalkuliert ist, hat dennoch Anspruch auf Erstattung der veranschlagten Gesamtkosten. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) jetzt entschieden. Und er hat bestätigt, dass die Reparaturkosten bis zur Höhe des Wiederbeschaffungswertes erstattet werden, ohne dass dabei der Fahrzeugwert berücksichtigt werden muss.
In dem vom BGH entschiedenen Fall hatte ein Karosseriebaumeister sein Auto nach einem Unfall verkehrssicher instandgesetzt. Ein Sachverständiger konnte dies im Prozess bestätigen. Die Versicherung hingegen wollte nur die Differenz zwischen dem Restwert und dem Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs erstatten, weil die Reparatur nicht fachgerecht, also von einer entsprechenden Werkstatt ausgeführt worden sei. Dieser Argumentation folgte der BGH nicht.
Dieses Urteil gibt Autofahrern nun die Sicherheit, dass sie Schadenersatz in voller Höhe beanspruchen können, wenn sie ihr Fahrzeug selber betriebs- und verkehrssicher reparieren, auch wenn die Reparatur nicht entsprechend dem Gutachten ausgeführt wird. Anspruch auf den vollen Reparaturkostenersatz hat jedoch nur, wer sein Fahrzeug tatsächlich repariert und auch weiter nutzt. Daher sind jene Autofahrer gut beraten, die sich im Schadenfall bei einem unabhängigen Sachverständigen informieren. Er kann am besten beurteilen, ob eine Eigenreparatur lohnt, wenn man seine Forderungen gegenüber einer Versicherung nicht gefährden möchte.
(BGH, Urteil vom 29.04.2003 H VI ZR 393/02)
AG Meinerzhagen, AZ 4 C281/99, Urteil vom 26.09.2001:
Hinsichtlich des Arbeitspreises ist von den Durchschnittswerten bei Vertragswerkstätten auszugehen. Es ist dem Geschädigten nicht zuzumuten, sein Fahrzeug nicht bei einer Vertragswerkstatt, sondern bei einer anderen Karosseriewerkstatt reparieren zu lassen. Dass die von dem Sachverständigen zugrundegelegten Verrechnungssätze von Vertragswerkstätten entsprechen, hat der Beklagte nicht dargelegt.
Auch die weiteren Aufwändungen, die für das vollständige lackieren der Tür vorne und hinten links und die damit verbundenen Arbeiten geltend gemacht werden, sind erforderlich. Hierzu hat der Sachverständige bei seiner mündlichen Anhörung nachvollziehbar ausgeführt, dass es den handwerklichen Normalfall darstellen würde, dass die Tür vollständig lackiert wird und nicht nur bis zur Türzierleiste. Nur ein Lackierer mit außergewöhnlich guten handwerklichen Fähigkeiten sei zudem in der Lage ohne erkennbaren Farbunterschied eine Teillackierung vorzunehmen. Der Geschädigte kann aber vom Schädiger verlangen, dass der übliche Reparaturumfang ausgeführt wird.
Geschuldet sind auch die geltend gemachten Verbringungskosten. Es stellt in der hiesigen Region eher die Ausnahme dar, dass eine Vertragswerkstatt über eine eigene Lackiererei verfügt, weshalb diese Verbringungskosten bei einer ordnungsgemäßen Wiederherstellung des Fahrzeuges regelmäßig entsteht.