Source: https://www.iww.de/bbp/bilanzierung/jahresabschluss-auswirkungen-der-corona-pandemie-auf-den-anhang-und-den-lagebericht-f128328
Timestamp: 2020-05-28 11:42:19
Document Index: 291126992

Matched Legal Cases: ['§ 284', '§ 284', '§ 285', '§ 285', '§ 264', '§ 289']

Jahresabschluss | Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Anhang und den Lagebericht
06.04.2020 ·Fachbeitrag ·Jahresabschluss
von Prof. Dr. Hanno Kirsch, Meldorf
| Bei der Erstellung der Jahresabschlüsse für die Geschäftsjahre 2019 und 2019/20 kommt es nicht nur auf die zutreffende Bewertung von Abschlussposten an, sondern auch auf die vollständige und zutreffende Darstellung in den Anhängen und Lageberichten. Der folgende Beitrag zeigt in Abhängigkeit des Abschlussstichtags die wichtigsten Punkte zur korrekten Erstellung der Anhänge und Lageberichte unter Berücksichtigung der Auswirkungen durch die Corona-Pandemie. |
Bei der Abschlusserstellung hat der Bilanzierende (bzw. die gesetzlichen Vertreter) eine Einschätzung zur Fähigkeit der Unternehmensfortführung im Regelfall für die Dauer von mindestens einem Jahr nach dem Abschlussstichtag abzugeben (IDW PS 270 n. F., Rz. 18). Für diese Einschätzung sind alle relevanten und im Rahmen der Abschlussprüfung bekannt gewordenen Erkenntnisse zu verwenden (IDW PS 270 n. F., Rz. 19). Dies schließt insbesondere auch „konkretisierbare und belastbare Aussagen der Bundesregierung bzw. der Landesregierungen zur Durchführung von Stützungsmaßnahmen bzw. Gewährung von öffentlichen Unterstützungsmaßnahmen … [ein; der Verf.], auch wenn hierfür zum Zeitpunkt der Erteilung des Bestätigungsvermerks noch erforderliche rechtliche Schritte ausstehen, da deren Umsetzung erwartet werden kann“ (IDW 25.3.20, Abschnitt 2).
Falls der Jahresabschluss auf einer anderen Annahme als der der Unternehmensfortführung aufgestellt wird, ergibt sich für den Anhang in jedem Fall eine Angabepflicht der auf die einzelnen Posten der Bilanz (und der GuV) angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden (§ 284 Abs. 2 Nr. 1 HGB). Zudem liegt eine ‒ zulässige ‒ Durchbrechung der Stetigkeit der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden vor. Diese ist nach § 284 Abs. 2 Nr. 2 HGB anzugeben und deren Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage gesondert darzustellen (IDW RS HFA 17, Rz. 40).
Kommen die gesetzlichen Vertreter zum Ergebnis, dass zwar weiterhin von einer Zugrundelegung der Going-Concern-Prämisse für den Abschluss ausgegangen werden kann, jedoch ‒ trotz Einbeziehung der bereits erwähnten öffentlichen Stützungsmaßnahmen ‒ „wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit Ereignissen oder Gegebenheiten [besteht; der Verf.], die … bedeutsame Zweifel an der Fähigkeit des Unternehmens zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können …“ (IDW PS 270 n. F., Rz. 9), müssen diese Tatsache und der geplante Umgang mit diesem Risiko im Anhang angegeben werden.
MERKE | Wird kein Anhang erstellt (z. B. Einzelkaufmann, reine Personenhandelsgesellschaft oder auch Kleinstkapitalgesellschaft), sind diese Angaben unter der Bilanz darzustellen (IDW PS 270 n. F., Rz. 9).
Obwohl es sich bei den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie um kein werterhellendes Ereignis handelt, können sich ‒ abgesehen von den dargestellten Auswirkungen unter Abschnitt 2 ‒ folgende Auswirkungen für den Anhang ergeben:
Im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus stellt das IDW fest, dass die Voraussetzungen des DRS 20.133 vorliegen können. Allerdings ist auch in diesen Fällen kein vollständiger Verzicht auf eine Prognoseberichterstattung zulässig (IDW 4.3.20, Abschnitt 2). Eine Unterlassung oder nicht angemessene Darstellung in der Prognoseberichterstattung ‒ trotz schwer abschätzbarer Folgen für das einzelne Unternehmen ‒ kann eine Modifizierung des Prüfungsurteils zum Lagebericht nach sich ziehen (IDW 4.3.20, Abschnitt 3).
Allerdings empfiehlt DRS 20.114 r‒ trotz der Verlagerung der Nachtragsberichterstattung durch das BilRUG in den Anhang ‒ auf den im Anhang enthaltenen Nachtragsbericht gemäß § 285 Nr. 33 HGB zu verweisen. Einige Autoren sehen ‒ unverändert ‒ den Nachtragsbericht als Bestandteil des Lageberichts an, da ohne eine Nachtragsberichterstattung als Bestandteil des Lageberichts keine zutreffende Darstellung der Lage des Unternehmens erreicht werden kann (stellvertretend Fink/Theile, DB 2015, 760).
Neben Angaben bzw. Erläuterungen zu einzelnen Abschlussposten, die wegen der Berücksichtigung der Pandemie in den Abschlüssen besondere Bedeutung erlangen können (vgl. IDW 25.3.20, Abschnitt 3.2.2 ‒ 3.2.4), sind vor allem diejenigen Angaben besonders herauszustellen, welche für die Beurteilung der Finanzlage erforderlich bzw. von Bedeutung sind (§ 285 Nr. 3 und Nr. 3a HGB). Die durch die Corona-Pandemie negativ beeinflusste Liquiditätslage kann eine Neubeurteilung der Relevanz dieser Angaben auslösen und damit verbunden die Berichtsschwelle herabsetzen (IDW 25.3.20, Abschnitt 3.2.5).
In Bezug auf die Lage ist dabei aufgrund des sachlich ‒ im Vergleich zu § 264 Abs. 2 S. 1 HGB ‒ umfassenderen Lagebegriffs des § 289 Abs. 1 HGB nicht allein auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage einzugehen. Vielmehr sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie auch in der Darstellung und Analyse der anderen betrieblichen Teillagen zu berücksichtigen (z. B. erwartete Absatz- und Umsatzeinbußen, Personalanpassungsmaßnahmen bis hin zu Werksschließungen, Auswirkungen auf die Lieferkette, Verschiebung geplanter Investitionen, mögliche Verletzungen von „Financial Covenants“).
Quelle: Ausgabe 04 / 2020 | Seite 105 | ID 46480920
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