Source: https://www.ebnerstolz.de/de/fg-muenster-ambulante-chemotherapien-im-krankenhaus-nicht-steuerpflichtig-12784.html
Timestamp: 2020-01-27 06:36:13
Document Index: 210184948

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 2', '§ 67', '§ 52', '§ 5', '§ 14', '§ 64', '§ 65', '§ 67', 'EuG']

FG Münster: Ambulante Chemotherapien im Krankenhaus nicht steuerpflichtig - Ebner Stolz
Urteil des FG Münster vom 24.10.2012 - 10 K 630/11 K
Die Klä­ge­rin ist eine katho­li­sche rechts­fähige Stif­tung des pri­va­ten Rechts. Nach ihrer Sat­zung und tat­säch­li­chen Geschäfts­füh­rung dient sie der För­de­rung der öff­ent­li­chen Gesund­heitspf­lege und ist nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der Kör­per­schaft­steuer bef­reit. Zur Ver­wir­k­li­chung ihrer gemein­nüt­zi­gen Zwe­cke unter­hält die Klä­ge­rin ein Kran­ken­haus i.S.d. § 2 Nr. 1 Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­ge­setz (KHG), das inn­er­halb der Gren­zen des § 67 AO tätig gewor­den ist und einen Zweck­be­trieb dar­s­tellt.
Zur Ver­sor­gung des Kran­ken­hau­ses mit Arzn­ei­mit­teln unter­hält die Klä­ge­rin eine Kran­ken­hau­s­a­po­theke. Neben Leis­tun­gen zur Ver­sor­gung der sta­tio­när unter­ge­brach­ten Pati­en­ten ver­kauft die Kran­ken­hau­s­a­po­theke Medi­ka­mente an Dritte, das Per­so­nal, andere Kli­ni­ken und andere Apo­the­ken. Außer­dem lie­fert die Kran­ken­hau­s­a­po­theke Zyto­sta­tika für die ambu­lante Che­mo­the­ra­pie im Kran­ken­haus. Der geschäfts­füh­r­ende Che­f­arzt des Kran­ken­hau­ses ist zur ambu­lan­ten ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung ein­sch­ließ­lich der Che­mo­the­ra­pie ermäch­tigt und führt diese Leis­tun­gen pri­vat- und ver­trags­ärzt­lich als Dienst­auf­gabe für das Kran­ken­haus durch.
Die Klä­ge­rin behan­delte die Abgabe der Medi­ka­mente zur Ver­sor­gung von sta­tio­när unter­ge­brach­ten Pati­en­ten und zur ambu­lan­ten Che­mo­the­ra­pie als dem Zweck­be­trieb Kran­ken­haus zuge­hö­rig. Das Finanz­amt behan­delte die Lie­fe­rung der Zyto­sta­tika durch die Kran­ken­hau­s­a­po­theke dage­gen als kör­per­schaft­steu­erpf­lich­tig und erließ ent­sp­re­chende Kör­per­schaft­steu­er­be­scheide.
Das FG gab der hier­ge­gen gerich­te­ten Klage statt. Die beim BFH anhän­gige Revi­sion wird unter dem Az. I R 82/12 geführt.
Das Finanz­amt hat den Gewinn aus der Lie­fe­rung von Zyto­sta­tika durch die Kran­ken­hau­s­a­po­theke zur ambu­lan­ten Behand­lung von Pati­en­ten zu Unrecht nicht dem Zweck­be­trieb Kran­ken­haus der Klä­ge­rin, son­dern einem wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trieb zuge­ord­net; dem­ent­sp­re­chend hat es das zu ver­steu­ernde Ein­kom­men der Klä­ge­rin auch zu Unrecht um diese Beträge erhöht.
Die Klä­ge­rin ist eine rechts­fähige Stif­tung des pri­va­ten Rechts, die nach ihrer Sat­zung und tat­säch­li­chen Geschäfts­füh­rung der För­de­rung der öff­ent­li­chen Gesund­heitspf­lege i.S.d. § 52 Abs. 2 Nr. 3 AO durch das Unter­hal­ten eines Kran­ken­hau­ses dient, was zwi­schen den Betei­lig­ten unst­rei­tig ist. Als Kör­per­schaft in die­sem Sinne ist sie gem. § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der Kör­per­schaft­steuer bef­reit, soweit sie nicht einen wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trieb (§ 14 AO) unter­hält. Im Umfang des wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­triebs ent­fällt gem. § 64 Abs. 1 AO die Bef­rei­ung der Ein­künfte des wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­triebs von der Kör­per­schaft­steuer, soweit die­ser kein Zweck­be­trieb i.S.d. §§ 65 - 68 AO ist.
Die Klä­ge­rin erfüllt mit der Abgabe der Zyto­sta­tika durch die Kran­ken­hau­s­a­po­theke an die ambu­lant behan­del­ten Pati­en­ten die Vor­aus­set­zun­gen eines wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­triebs. Gem. Mit der Abgabe der Zyto­sta­tika durch die Kran­ken­hau­s­a­po­theke an die ambu­lant behan­del­ten Pati­en­ten erzielt die Klä­ge­rin nach­hal­tig Ein­nah­men, die nicht Bestand­teil eines ein­heit­li­chen Kran­ken­haus­ent­gelts sind. Der dar­ge­s­tellte wirt­schaft­li­che Geschäfts­be­trieb ist aber steu­er­be­f­reit, da er einen Zweck­be­trieb dar­s­tellt. Die Abgabe der Zyto­sta­tika an die ambu­lant im Kran­ken­haus der Klä­ge­rin behan­del­ten Pati­en­ten ist Bestand­teil des Zweck­be­triebs Kran­ken­haus (§ 67 Abs. 1 AO), so dass die Gewinne inso­weit nicht der Kör­per­schaft­steuer unter­lie­gen.
Denn wie die sta­tio­näre Behand­lung stellt auch die ambu­lante Che­mo­the­ra­pie eine ein­heit­li­che Kran­ken­haus­leis­tung dar. Die Kran­ken­hau­s­a­po­theke der Klä­ge­rin gibt auf der Grund­lage der für den ein­zel­nen Pati­en­ten aus­ge­s­tell­ten Rezepte die Zyto­sta­tika zur aus­sch­ließ­li­chen Ver­wen­dung im Rah­men der ambu­lan­ten Kran­ken­haus­be­hand­lung ab. Diese ambu­lante Kran­ken­haus­be­hand­lung umfasst sowohl die ärzt­li­che Leis­tung als auch die not­wen­dige Ver­ab­rei­chung von Medi­ka­men­ten wäh­rend der ambu­lan­ten Behand­lung im Kran­ken­haus sowie die Nut­zung der sons­ti­gen Ein­rich­tun­gen, des Per­so­nals und der Mate­ria­lien des Kran­ken­hau­ses als ein­heit­li­che Leis­tung.
Deut­lich wird die Ein­heit­lich­keit der Gesamt­leis­tung auch daran, dass die ver­ab­reich­ten Zyto­sta­tika nach dem ein­zel­nen Krank­heits­bild auf den Pati­en­ten abge­stimmt indi­vi­du­ell ver­ord­net wer­den und nur unter ärzt­li­cher Über­wa­chung im Kran­ken­haus ver­ab­reicht wer­den kön­nen. Die ärzt­li­che Diag­nose und Behand­lung umfasst somit auch die indi­vi­du­elle Medi­ka­tion und ihre Anwen­dung und Ver­ab­rei­chung unter Kon­trolle und Über­wa­chung des Arz­tes. Die Ver­ab­rei­chung der Zyto­sta­tika ist damit ein not­wen­di­ger und unselbst­stän­di­ger Bestand­teil der ärzt­li­chen Behand­lung und der Kran­ken­haus­leis­tung Behand­lung der Kreb­s­er­kran­kung.
Zu dem­sel­ben Ergeb­nis wie der 10. Senat im vor­lie­gen­den Fall kam in einem ver­g­leich­ba­ren Fall bereits der 9. Senat des FG Müns­ter mit Urteil vom 23.2.2012 (9 K 4639/10 K,G). Dass Medi­ka­men­ten­ab­ga­ben im Rah­men ambu­lan­ter Che­mo­the­ra­pien umsatz­steu­er­f­rei sind, hatte der 5. Senat des FG Müns­ter mit Urteil vom 12.5.2011 (4 K 435/09 U) ent­schie­den. Hierzu ist der­zeit ein Ver­fah­ren am EuGH anhän­gig (C-366/12).