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Timestamp: 2016-10-25 15:42:53
Document Index: 242572240

Matched Legal Cases: ['Art. 106', 'Art. 34', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 606/06 (23.10.2007)
U 606/06
Bundesrichter Ursprung, Pr�sident
S.________, 1957, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch Rechtsanwalt Bernhard Zgraggen, Pilatusstrasse 58, 6003 Luzern,
Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug vom 2. November 2006.
Die 1957 geborene S.________ war ab August 1998 zun�chst als Kontrolleurin und sp�ter als Montageangestellte/Operateurin in der Firma X.________ AG t�tig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert. Am 24. August 2002 befand sie sich auf dem R�ckweg aus den Ferien, als in Italien der von ihr gelenkte, in einem Tunnel vor einem Rotlicht nach einer Kolonne weiterer Fahrzeuge angehaltene Ford Sierra durch einen Renault M�gane von hinten gerammt wurde. S.________ wurde mit der Ambulanz in ein Spital �berf�hrt, wo eine HWS-Distorsion diagnostiziert wurde. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung; Taggeld). Mit Verf�gung vom 28. Februar 2005 stellte der Versicherer die Leistungen mit der Begr�ndung, die noch geklagten Beschwerden st�nden nicht in einem ad�quaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom 24. August 2002, auf den 31. M�rz 2005 ein. Die vom obligatorischen Krankenpflegeversicherer von S.________ vorsorglich erhobene Einsprache wurde wieder zur�ckgezogen. Die Einsprache der Versicherten wies die SUVA ab (Einspracheentscheid vom 21. Juni 2005).
Die hiegegen von S.________ eingereichte Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Zug mit Entscheid vom 2. November 2006 ab.
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom 18. Dezember 2006 l�sst S.________, noch ohne Begr�ndung, die Aufhebung des kantonalen Entscheids beantragen.
Das Verwaltungsgericht des Kantons Zug schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde.
Am 31. Dezember 2006 reicht S.________ eine begr�ndete Verwaltungsgerichtsbeschwerde ein mit dem Rechtsbegehren, in Aufhebung des kantonalen Entscheids sei die SUVA zu verpflichten, die ihr aus dem Unfallereignis vom 24. August 2002 zustehenden Versicherungsleistungen auszurichten.
Die SUVA beantragt die Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, ohne sich weiter zur Sache zu �ussern. Von der Vorinstanz wurde keine weitere Vernehmlassung eingeholt. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf die Einreichung einer solchen.
Die zweite, begr�ndete Beschwerdeschrift ist noch innerhalb der gesetzlichen Rechtsmittelfrist (Art. 106 Abs. 1 OG; Fristenstillstand gem�ss Art. 34 Abs. 1 lit. c OG) eingereicht worden und daher zu ber�cksichtigen.
Streitig und zu pr�fen ist der Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung aus dem Unfall vom 24. August 2002 �ber den 31. M�rz 2005 hinaus.
Die Rechtsgrundlagen f�r die Beurteilung sind im angefochtenen Entscheid zutreffend dargelegt. Es betrifft dies zun�chst den f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers nebst anderem vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) mit den sich dabei stellenden Beweisfragen. Ebenfalls nicht zu beanstanden sind die Erw�gungen �ber den �berdies erforderlichen ad�quaten Kausalzusammenhang im Allgemeinen (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181 mit Hinweis) sowie bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall (BGE 115 V 133), bei Schleudertraumen der Halswirbels�ule (HWS) ohne organisch (hinreichend) nachweisbare Folgesch�den (BGE 117 V 359), bei dem Schleudertrauma �quivalenten Verletzungen (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2) und bei Sch�del-Hirntraumen (BGE 117 V 369) im Besonderen. Richtig ist sodann auch, dass in F�llen, in welchen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS geh�renden Beeintr�chtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zu einer ausgepr�gten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten, die Ad�quanzbeurteilung unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall vorzunehmen ist (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103, 123 V 98 E. 2a S. 99; vgl. auch RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437, U 164/01). An diesen Grunds�tzen hat sich mit dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) am 1. Januar 2003 nichts ge�ndert.
Das kantonale Gericht hat die Frage nach einem nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen den noch geklagten Beschwerden und dem Unfall vom 24. August 2002 nicht abschliessend beantwortet. Dies ist nicht zu beanstanden, wenn die streitige Leistungspflicht ohnehin mangels Ad�quanz zu verneinen ist (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 3c), zu welchem Ergebnis die Vorinstanz im Weiteren gelangt ist.
Hiebei ist zun�chst festzustellen, dass nach Lage der medizinischen Akten kein unfallbedingtes organisches Substrat gefunden werden konnte, welches die weiterhin geklagten Beschwerden zu erkl�ren verm�chte. Dies wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde auch nicht in Frage gestellt.
Vorgebracht wird hingegen in grunds�tzlicher Hinsicht, bei organisch nicht (hinreichend) nachweisbaren Beschwerden nach Unfall sei der ad�quate Kausalzusammenhang ohne n�here Pr�fung mit dem nat�rlichen Kausalzusammenhang zu bejahen. Das Eidgen�ssische Versicherungsgericht (seit 1. Januar 2007: Bundesgericht) hat indessen in steter Rechtsprechung, von der abzuweichen kein Anlass besteht, erkannt, dass bei organisch nicht (hinreichend) erkl�rbaren Beschwerden eine gesonderte Ad�quanzpr�fung stattzufinden hat (statt vieler: BGE 123 V 98 E. 3b S. 102 f. mit Hinweisen).
6.1 Umstritten ist sodann, ob die Ad�quanz gem�ss den bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall geltenden Grunds�tzen oder aber nach der Schleudertrauma-Praxis zu beurteilen ist. Dies ist von Belang, weil nach der letztgenannten Praxis, anders als im Falle einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall, bei der Pr�fung der abh�ngig von der Unfallschwere in die Ad�quanzbeurteilung einzubeziehenden unfallbezogenen Kriterien auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet wird, weil es hier nicht entscheidend ist, ob Beschwerden eher als organischer und/oder psychischer Natur beurteilt werden (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367 und 369 E. 4b S. 382 f.).
6.2 Die Vorinstanz ist mit guten Gr�nden zum Ergebnis gelangt, dass die Symptomatik schon bald nach dem Unfall vom 24. August 2002 in erheblicher Weise psychisch �berlagert war und deswegen die sog. Psycho-Praxis anzuwenden ist. Hervorzuheben ist zun�chst, dass bereits im Bericht des Dr. med. A.________, Neurologe FMH, vom 11. September 2002 ausgef�hrt wurde, es liege eine eindeutige psychische �berlagerung vor. Diese Aussage erscheint entgegen der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vertretenen Auffassung verl�sslich. Sodann wurden anl�sslich des am 27. November 2002 angetretenen Aufenthalts in der Rehaklinik Y.________ schon beim ersten Gespr�ch mit den berichterstattenden Psychosomatikern vom 4. Dezember 2002 nebst Symptomen einer depressiven Episode �ngstliche und depressive Anteile im Sinne einer spezifischen psychotraumatischen Symptomatik festgestellt (Psychosomatisches Konsilium vom 4./5. Dezember 2002). Diese Diagnosen fanden dann auch im Austrittsbericht der Klinik vom 23. Januar 2003 ihren Niederschlag, wo �berdies ausdr�cklich festgehalten wurde, die psychosomatische Situation stehe ganz im Vordergrund, weshalb sich eine Fokussierung auf die psychosomatische bzw. psychiatrische Weiterbehandlung der Patientin empfehle. Vor diesem Hintergrund ist der Beschwerdef�hrerin nicht zu folgen, wenn sie geltend machen l�sst, die psychische Problematik habe sich erst deutlich nach dem Unfall manifestiert. Es kann im �brigen, ohne dass die einzelnen Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde noch einzeln aufzuf�hren w�ren, auf die einl�ssliche Darstellung und W�rdigung der medizinischen Akten im angefochtenen Entscheid verwiesen werden.
6.3 Damit kann offen bleiben, ob die weiterhin geklagten Beschwerden nicht auch mit einer psychischen Erkrankung im Sinne einer von der Symptomatik einer HWS-Distorsionsverletzung zu trennenden selbstst�ndigen sekund�ren Gesundheitssch�digung erkl�rt werden k�nnten, was ebenfalls die Anwendung der Psycho-Praxis zur Folge h�tte (vgl. SVR 2007 UV Nr. 8 S. 27, U 277/04).
7.1 F�r die Beurteilung des ad�quaten Kausalzusammenhangs ist an das (objektiv erfassbare) Unfallereignis anzukn�pfen (BGE 115 V 133 E. 6 Ingress S. 139). SUVA und Vorinstanz haben den Unfall vom 24. August 2002 als mittelschwer qualifiziert, was in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde zu Recht nicht in Frage gestellt wird.
7.2 Von den weiteren, objektiv fassbaren und unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehenden oder als Folge davon erscheinenden Umst�nden, welche als massgebende Kriterien in die Gesamtw�rdigung einzubeziehen sind (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140), m�ssten demnach f�r eine Bejahung des ad�quaten Kausalzusammenhanges entweder ein einzelnes in besonders ausgepr�gter Weise oder aber mehrere in geh�ufter oder auffallender Weise gegeben sein (BGE 115 V 133 E. 6c/bb S. 140).
Dies trifft, wie die Vorinstanz zutreffend erkannt hat, nicht zu. Die erlittenen Verletzungen sind weder als schwer zu betrachten noch von besonderer Art. Die - hier einzig zu beachtenden - unfallkausalen k�rperlichen Gesundheitssch�den haben weder zu ungew�hnlich lange dauernder �rztlicher Behandlung gef�hrt noch Dauerschmerzen verursacht. Anzeichen f�r eine �rztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte, bestehen nicht. Der somatische Heilungsverlauf war nicht schwierig oder mit erheblichen Komplikationen verbunden. Eine l�nger dauernde physisch bedingte Arbeitsunf�higkeit lag nicht vor. Selbst wenn sodann und entgegen der Auffassung von Vorinstanz und Unfallversicherer das Kriterium der besonderen Eindr�cklichkeit des Unfalls bejaht w�rde, w�re dieses jedenfalls nicht in besonders ausgepr�gter Form erf�llt und l�gen die Ad�quanzkriterien auch nicht in geh�ufter oder auffallender Weise vor.
Unfallversicherer und Vorinstanz haben demnach zu Recht einen ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 24. August 2002 und den noch geklagten Beschwerden und damit einen weiteren Leistungsanspruch der Versicherten verneint. Hieran �ndert nichts, dass die IV-Stelle Zug der Beschwerdef�hrerin zwischenzeitlich mit Wirkung ab 1. August 2003 eine ganze IV-Rente zugesprochen hat. F�r die Invalidenversicherung als finale Versicherung ist nicht entscheidend, worauf eine invalidisierende Gesundheitssch�digung zur�ckzuf�hren ist (vgl. BGE 124 V 174 E. 3b S. 178 mit Hinweisen). Aus der Zusprechung der IV-Rente l�sst sich daher nicht der Schluss ziehen, dass die - einen nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zu einem versicherten Unfall erfordernde - Leistungspflicht des Unfallversicherers ebenfalls gegeben ist.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Zug und dem Bundesamt f�r Gesundheit zugestellt.