Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=FamRZ%201985,%20788
Timestamp: 2019-07-20 06:17:58
Document Index: 39070454

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1570', '§ 1585', '§ 1570', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', '§ 138', 'BGH', '§ 242', '§ 1570', 'BGH', '§ 1569', '§ 1570', '§ 1585', 'BGH', '§ 1585', 'Art. 6', '§ 1353', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 24.04.1985 - IVb ZR 22/84 - dejure.org
https://dejure.org/1985,454
BGH, 24.04.1985 - IVb ZR 22/84 (https://dejure.org/1985,454)
BGH, Entscheidung vom 24.04.1985 - IVb ZR 22/84 (https://dejure.org/1985,454)
BGH, Entscheidung vom 24. April 1985 - IVb ZR 22/84 (https://dejure.org/1985,454)
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Einwand des Rechtsmissbrauchs - Rechtsmissbrauch - Ein anlässlich der Eheschließung vereinbarter Unterhaltsverzicht für den Fall der Scheidung - Wirksamkeit eines Unterhaltsverzichts - Kernbereich der Ehe - Umfang der Privatautonomie im Bereich der Ehe - Wirtschaftliche und persönliche Abhängigkeit der Ehefrau - Herbeiführung einer Unterstützungsbedürftigkeit der Ehefrau zu Lasten der Sozialhilfe durch Ehevertrag
BGB § 1570, § 1585 c
NJW 1985, 1833
MDR 1985, 828
FamRZ 1985, 788
Der Verzicht auf nachehelichen Unterhalt berühre nicht einen Kernbereich der Ehe (Senatsurteil vom 24. April 1985 - IVb ZR 22/84 - FamRZ 1985, 788).
Einen Verzicht auf nachehelichen Betreuungsunterhalt gemäß § 1570 BGB hält der Bundesgerichtshof grundsätzlich nicht für sittenwidrig (vgl. BGH, FamRZ 1985, S. 788).
Unter Berücksichtigung des Kindeswohls könne es allerdings im Einzelfall einem Ehegatten verwehrt sein, sich auf den vereinbarten Verzicht zu berufen, wenn dies etwa auf Grund der späteren Entwicklung mit dem auch im Unterhaltsrecht geltenden Grundsatz von Treu und Glauben gemäß § 242 BGB unvereinbar sei (vgl. BGH, FamRZ 1985, S. 788 [789];… FamRZ 1987, S. 46;… FamRZ 1991, S. 306 f.).
Das kann für familienrechtliche Vereinbarungen nicht angenommen werden (Senatsurteile vom 24. April 1985 - IVb ZR 22/84 - FamRZ 1985, 788, 789 und vom 9. Juli 1992 - XII ZR 57/91 - FamRZ 1992, 1403, 1404).
a) Nach der Rechtsprechung des Senats kann eine Vereinbarung, durch die Verlobte oder Eheleute für den Fall ihrer Scheidung auf nachehelichen Unterhalt verzichten, nach deren von Inhalt, Beweggrund und Zweck bestimmtem Gesamtcharakter gegen die guten Sitten verstoßen, falls die Vertragschließenden dadurch zumindest grob fahrlässig eine Unterstützungsbedürftigkeit zu Lasten des Sozialleistungsträgers herbeiführen, auch wenn sie dessen Schädigung nicht beabsichtigen (vgl. etwa Senatsurteile BGHZ 86, 82, 88 = FamRZ 1983, 137 und vom 24. April 1985 - IVb ZR 22/84 - FamRZ 1985, 788, 790).
Auch wenn kein gesetzliches Verbot eingreift, können sich Unterhaltsvereinbarungen, die sich objektiv zu Lasten öffentlicher Einrichtungen auswirken oder sogar deren Schädigung bezwecken, in bestimmten Einzelfällen am Maßstab der zivilrechtlichen Generalklausel des § 138 BGB als sittenwidrig und damit als nichtig erweisen (…vgl. Senatsurteile vom 25. Oktober 2006 - XII ZR 144/04 - FamRZ 2007, 197 Rn. 22 und vom 24. April 1985 - IVb ZR 22/84 - FamRZ 1985, 788, 790).
Nach der Rechtsprechung des Senats kann eine Vereinbarung, durch die Verlobte oder Eheleute für den Fall ihrer Scheidung auf nachehelichen Unterhalt verzichten, nach deren von Inhalt, Beweggrund und Zweck bestimmten Gesamtcharakter gegen die guten Sitten verstoßen, falls die Vertragsschließenden dadurch bewusst eine Unterstützungsbedürftigkeit zu Lasten der Sozialhilfe herbeiführen, auch wenn sie eine Schädigung des Trägers der Sozialhilfe nicht beabsichtigen (vgl. etwa Senatsurteile BGHZ 86, 82, 88 = FamRZ 1983, 137 und vom 24. April 1985 - IVb ZR 22/84 - FamRZ 1985, 788, 790).
Allerdings kann eine Unterhaltsabrede dann sittenwidrig sein, wenn die Ehegatten damit auf der Ehe beruhende Familienlasten objektiv zum Nachteil der Sozialhilfe geregelt haben (Senatsurteil vom 24. April 1985 aaO).
Die dazu entwickelten Rechtsgrundsätze lassen sich auf familienrechtliche Verträge nicht übertragen (Senatsurteil vom 24. April 1985 - IVb ZR 22/84 - FamRZ 1985, 788, 789).
Die Belange des gemeinschaftlichen Kindes (vgl. dazu Senatsurteil vom 24. April 1985 - IVb ZR 22/84 - aaO. S. 790) werden unter 4. im Zusammenhang mit der Frage berücksichtigt, ob der Ehemann sich auf den Unterhaltsverzicht berufen kann.
Nach der Rechtsprechung des Senats ist dem auf Unterhalt in Anspruch genommenen geschiedenen Ehegatten die Berufung auf einen Unterhaltsverzicht des anderen unter Umständen nach § 242 BGB verwehrt, weil sie gegen Treu und Glauben verstößt (Senatsurteile vom 24. April 1985 - IVb ZR 17/84 - FamRZ 1985, 787; IVb ZR 22/84 - FamRZ 1985, 788.789;… zuletzt Urteil vom 28. November 1990 aaO.).
Er hat diese Rechtsprechung aber von vornherein nicht auf Sachverhalte beschränkt, in denen erst eine nachträgliche und unvorhergesehene Entwicklung ergibt, daß die Berufung auf den Unterhaltsverzicht mit Treu und Glauben nicht zu vereinbaren ist (vgl. Urteil vom 24. April 1985 - IVb ZR 22/84 - aaO.).
Mit seiner weiteren Erwägung, daß der Wegfall des Unterhaltsanspruchs zu Lasten des gemeinschaftlichen Kindes gehe, wenn die Ehefrau trotz ihrer Verpflichtung zur Pflege und Erziehung des Kindes einer Erwerbstätigkeit nachgehe, hat das Berufungsgericht aber mit Recht auf das Kindeswohl abgehoben, auf das auch der Senat sowohl in seinem Urteil vom 28. November 1990 (…aaO.) wie in den dort angezogenen Urteilen vom 24. April 1985 - IVb ZR 22/84 - und vom 15. Oktober 1986, jeweils aaO., hingewiesen hat.
Zum andern handelt es bei dieser Zustimmung nicht um eine Leistung von wirtschaftlichem Wert, wie sie der Wuchertatbestand für ein Austauschgeschäft notwendig voraussetzt, wenn er ein auffälliges Mißverhältnis zwischen dem - wie zu ergänzen ist: wirtschaftlichen - Wert der vom wucherisch handelnden Geschäftspartner zu erbringenden Leistung und dem ihm dafür versprochenen oder gewährten Vermögensvorteil verlangt (Senatsurteil vom 9. Juli 1992 - XII ZR 57/91 - FamRZ 1992, 1403, 1404; vgl. auch Senatsurteil vom 24. April 1985 - IVb ZR 22/84 - FamRZ 1985, 788, 789).
Soweit bei auf Austausch von Leistungen oder Gütern gerichteten Verträgen im Einzelfall bereits ein grobes Mißverhältnis von Leistung und Gegenleistung im Einzelfall die Annahme nahelegen mag, daß der dadurch begünstigte Vertragspartner dies zum Nachteil des andern bewußt ausgenutzt hat, lassen sich die hierzu entwickelten Rechtsgrundsätze jedenfalls auf familienrechtliche Verträge nicht übertragen (Senatsurteil vom 24. April 1985 aaO).
Der Senat hält daran fest, daß Verlobte oder Eheleute für den Fall der Scheidung ihrer (künftigen) Ehe auch auf einen Unterhaltsanspruch nach § 1570 BGB wirksam verzichten können (Bestätigung von Senat, NJW 1985, 1833 [BGH 24.04.1985 - IVb ZR 22/84] = LM § 1569 BGB Nr. 18 = FamRZ 1985, 788).
a) Nach der Rechtsprechung des Senats besteht für Vereinbarungen, durch die während der Ehe oder sogar schon vorher vorsorglich für den Fall der Scheidung der nacheheliche Unterhalt oder sonstige vermögensrechtliche Angelegenheiten geregelt werden, grundsätzlich volle Vertragsfreiheit, die auch einen Verzicht auf den Unterhaltsanspruch gemäß § 1570 BGB einschließt, § 1585c BGB (vgl. z.B. Senatsurteile vom 24. April 1985 - IVb ZR 22/84 - FamRZ 1985, 788, 789 und zuletzt vom 19. Dezember 1989 - IVb ZR 91/88 - BGHR BGB § 1585c, Scheidungsvereinbarung, vorsorgliche 1 = FamRZ 1990, 372, 373).
Das ist insbesondere für Fälle entschieden worden, in denen überwiegende schutzwürdige Interessen gemeinschaftlicher Kinder der Geltendmachung des Verzichts entgegenstanden (vgl. Urteile vom 24. April 1985 aaO. und vom 15. Oktober 1986 - IVb ZR 79/85 - FamRZT 1987, 46, 47).
Er berührt nicht einen Kernbereich der Ehe, in dem von der gesetzlichen Ausgestaltung abweichende Parteivereinbarungen als Verstoß gegen zwingendes Recht (etwa Art. 6 Abs. 1 GG oder § 1353 Abs. 1 BGB ) nicht anerkannt werden könnten (BGH, FamRZ 1985, 788 ).
Das gilt auch für eine vorsorgende Vereinbarung, selbst wenn sich wegen des zeitlichen Abstandes zu einer zunächst noch nicht beabsichtigten Scheidung dabei zusätzliche Gesichtspunkte ergeben (BGH, FamRZ 1985, 788 ).
Die zu derartigen, auf Austausch von Leistungen oder Gütern gerichteten Verträgen entwickelten Rechtsgrundsätze lassen sich jedoch auf familienrechtliche Verträge nicht übertragen (BGH, FamRZ 1985, 788 ; 1992, 1403).
Die Verhältnisse zwischen Ehegatten, die nach langer Ehezeit einen solchen Vertrag schließen, unterscheiden sich grundlegend von denen bei Verlobten, wenn einer die Eingehung der Ehe vom Abschluss eines vorsorgenden Vertrags abhängig macht (vgl. BGH, FamRZ 1992, 1403 ), oder bei Eheleuten, die sogleich nach der Eheschließung, ohne dass eheliche Probleme dazu Anlass geben, vorsorgend wechselseitige Verzichte erklären (vgl. BGH, FamRZ 1985, 788 ).
BSG, 30.09.1996 - 8 RKn 17/95
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