Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Sperrzeit_Betriebsuebergang_BSG_B11AL17-08R.html
Timestamp: 2017-07-20 12:34:24
Document Index: 179726571

Matched Legal Cases: ['§ 144', '§ 144', '§ 12', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 1']

HENSCHE Arbeitsrecht: B 11 AL 17/08 R
Sperrzeit, Betriebsübergang, Kündigung: Betriebsbedingt, Aufhebungsvertrag
B 11 AL 17/08 R
Sozialgericht Stuttgart, 7. Dezember 2004, Az: S 2 AL 2862/02, Urteil
Landessozialgericht Baden-Württemberg 8. Senat, 11. Mai 2007, Az: L 8 AL 271/05, Urteil
in dem Rechts­streit Verkündet am 8. Ju­li 2009
Az: B 11 AL 17/08 RL 8 AL 271/05 (LSG Ba­den-Würt­tem­berg) S 2 AL 2862/02 (SG Stutt­gart)
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: ....,
Bun­des­agen­tur für Ar­beit,Re­gens­bur­ger Straße 104, 90478 Nürn­berg,
Das So­zi­al­ge­richt (SG) hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen (Ur­teil vom 7. De­zem­ber 2004). Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG) hat die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen (Ur­teil vom 11. Mai 2007). Das LSG hat in den Ent­schei­dungs­gründen ua aus­geführt, ei­ne Sperr­zeit sei ein­ge­tre­ten. Ein wich­ti­ger Grund zur Auf­he­bung des Ar­beits­verhält­nis­ses ha­be nicht vor­ge­le­gen. Ein wich­ti­ger Grund könne nicht oh­ne wei­te­res dar­in ge­se­hen wer­den, dass der Ar­beit­neh­mer dem Aus­spruch ei­ner dro­hen­den Kündi­gung zu­vor ge­kom­men sei. Un­abhängig von der Rechtmäßig­keit ei­ner an­dern­falls aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung ha­be der Kläger durch sei­nen oh­ne An­ga­be von Gründen er­ho­be­nen Wi­der­spruch ge­gen den Über­gang des Be­triebs­teils I das drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis - 3 -
Der Kläger be­an­tragt,die Ur­tei­le des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg vom 11. Mai 2007 und des So­zi­al­ge­richts Stutt­gart vom 7. De­zem­ber 2004 so­wie den Be­scheid der Be­klag­ten vom 4. März 2002 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 10. Ju­ni 2002 auf­zu­he­ben, den Be­scheid vom 6. März 2002 ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, Ar­beits­lo­sen­geld auch für die Zeit vom 1. Fe­bru­ar bis 25. April 2002 zu gewähren.
a) Un­be­acht­lich ist in die­sem Zu­sam­men­hang al­ler­dings, dass der Kläger am 31. Mai 2001 dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses im Zu­sam­men­hang mit dem Über­gang des Be­triebs­teils I zum 5. Ju­ni 2001 wi­der­spro­chen hat. Nach der an­zu­stel­len­den wer­ten­den Ge­samt­be­trach­tung des tatsächli­chen Ge­sche­hens­ab­laufs (vgl BS­GE 92, 74 = SozR 4-4300 § 144 Nr 6 Rd­Nr 9 ff; BS­GE 99, 154 = SozR 4-4300 § 144 Nr 17 Rd­Nr 31 ff) wird kein Lösungs­sach­ver­halt be­gründet, wenn der Ar­beit­neh­mer von sei­nem Wi­der­spruchs­recht aus An­lass ei­nes Be­triebsüber­gangs Ge­brauch macht (eben­so Voelz­ke in Spell­brink/Ei­cher, Kas­se­ler Hand­buch des Ar­beitsförde­rungs­rechts, 2003, § 12 Rd­Nr 282; Nie­sel in Nie­sel, SGB III, 4. Aufl, § 144 Rd­Nr 15; - 5 -
a) Im Fal­le der Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses durch Auf­he­bungs­ver­trag hat das BSG sei­ne Recht­spre­chung da­hin­ge­hend kon­kre­ti­siert, dass sich ein Ar­beit­neh­mer auf ei­nen wich­ti­gen Grund be­ru­fen kann, wenn ihm der Ar­beit­ge­ber mit ei­ner nach Ar­beits­recht ob­jek­tiv rechtmäßigen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung zu dem Zeit­punkt droht, zu dem er das Ar­beits­verhält­nis löst, und ihm die Hin­nah­me die­ser Kündi­gung nicht zu­zu­mu­ten ist (BS­GE 89, 243, 246 ff = SozR 3-4300 § 144 Nr 8; BSG SozR 3-4300 § 144 Nr 12; BS­GE 92, 74 = SozR 4-4300 - 7 -
keit be­stand, da auch nach dem Über­gang des Teil­be­triebs, in dem der Kläger beschäftigt war, kei­ne Not­wen­dig­keit der Frei­stel­lung be­stand. Auch feh­len nach­voll­zieh­ba­re An­ga­ben des Ar­beit­ge­bers zur So­zi­al­aus­wahl und in die­sem Zu­sam­men­hang des Wei­te­ren Fest­stel­lun­gen zu den nähe­ren Umständen der Ab­fin­dung und der be­haup­te­ten Grund­la­ge im So­zi­al­plan der mit der Fir­ma E nicht iden­ti­schen Fir­ma J . Bei An­wend­bar­keit der So­zi­al­plan­re­ge­lun­gen dürf­te al­ler­dings ein von der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft nicht mehr zu to­le­rie­ren­der "Frei­kauf" aus­zu­sch­ließen sein (vgl BS­GE 99, 154 = SozR 4-4300 § 144 Nr 17 Rd­Nr 42).
Rich­tig ist al­ler­dings, dass nach frühe­rer, zur Rechts­la­ge bis 31. De­zem­ber 2003 er­gan­ge­ner Recht­spre­chung des BAG die Gründe für den Wi­der­spruch in die Prüfung der so­zia­len Aus­wahl­ge­sichts­punk­te mit ein­zu­be­zie­hen wa­ren, die So­zi­al­aus­wahl im In­ter­es­se dritt­be­trof­fe­ner Ar­beit­neh­mer al­so - ent­ge­gen den Vor­stel­lun­gen der Be­klag­ten durch­aus auch bei höhe­rem Le­bens­al­ter - zu Las­ten des Wi­der­spre­chen­den aus­fal­len konn­te, wenn die­ser kei­ne be­acht­li­chen Gründe für den Wi­der­spruch vor­zu­wei­sen hat­te (BA­GE 91, 129 = AP Nr 41 zu § 1 KSchG 1969 So­zia­le Aus­wahl). Für den hier strei­ti­gen Zeit­punkt der fik­ti­ven Ar­beit­ge­berkündi­gung zum 31. Ja­nu­ar 2002 hat da­nach die Prüfung der so­zia­len Schutzwürdig­keit aus­nahms­wei­se noch die Tat­sa­che zu berück­sich­ti­gen, dass der Ar­beit­neh­mer sei­nen bis­he­ri­gen Ar­beits­platz aus frei­en Stücken auf­ge­ge­ben und - mögli­cher­wei­se - erst da­durch ein drin­gen­des be­trieb­li­ches Bedürf­nis für die Kündi­gung - 10 -
zur Übersicht B 11 AL 17/08 R Kontakt