Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Anfechtung_Aufhebungsvertrag_Anfechtung_eines_Aufhebungsvertrags_ArbG_Trier_5Ca1537-14.html
Timestamp: 2017-06-24 14:03:25
Document Index: 117469741

Matched Legal Cases: ['§ 87', '§ 123', '§ 103', '§ 1', '§ 42', '§ 64']

HENSCHE Arbeitsrecht: 5 Ca 1537/14
Anfechtung, Aufhebungsvertrag
Verkündet am:22.07.2015.
Ak­ten­zei­chen: 5 Ca 1537/14 Jus­tiz­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le
1. Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.2. Die Kos­ten des Rechts­streits trägt der Kläger.3. Der Streit­wert wird auf 7.800 € fest­ge­setzt.4. Die Be­ru­fung wird nicht ge­son­dert zu­ge­las­sen.
Tat­be­stand - 2 -
Bei Räum­ung des Spinds des Klägers am 17.11. fand sich dort ein Six­pack Bier. Mit Schrei­ben vom 19.11.2014 focht der Kläger den Auf­he­bungs­ver­trag we­gen wi­der­recht­li­cher Dro­hung und Nöti­gung an. Er be­haup­tet, die Be­klag­te ha­be ihn, eben­so wie sei­ne Kol­le­gen J und K, un­ter ei­nem Vor­wand in das Per­so­nal­gespräch ge­lockt, ihm Ar­beits­zeit­be­trug vor­ge­wor- - 3 - fen, ihn mit um­fang­rei­chem Sach­ver­halts­ma­te­ri­al über­rum­pelt und ihm mit dem Aus­spruch ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung, Ein­schal­tung der Po­li­zei so­wie Er­stat­tung ei­ner Straf­an­zei­ge ge­droht, falls er den Auf­he­bungs­ver­trag nicht un­ter­schrei­be. Er ha­be nur ei­ne Über­le­gungs­frist von ei­ner Mi­nu­te er­hal­ten. Als er ha­be auf­ste­hen wol­len, um ein Be­triebs­rats­mit­glied hin­zu­zu­zie­hen, ha­be er nicht nur Hohn und Spott ge­ern­tet, son­dern Herr L ha­be sich zu­dem vor die Tür ge­stellt und ge­sagt, er ge­he nir­gend­wo hin. Nach­dem er sich wei­ter ge­wei­gert ha­be, den Ver­trag zu un­ter­schrei­ben, ha­be man ihm in verschärf­tem Ton zu ver­ste­hen ge­ge­ben, dass er mit ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung kei­ne Chan­cen mehr auf dem Ar­beits­markt ha­be, er er­hal­te kei­ne zwei­te Chan­ce, son­dern müsse den Ver­trag so­fort un­ter­zeich­nen. Hier­durch sei er so in Angst und Pa­nik ver­setzt wor­den, dass er der Si­tua­ti­on nur noch ha­be ent­flie­hen wol­len und den Ver­trag dann aus Angst um sei­ne be­ruf­li­che Zu­kunft un­ter­zeich­net ha­be. Tatsächlich sei­en die Vorwürfe un­zu­tref­fend, es sei nichts vor­ge­fal­len, die Be­klag­te ha­be kei­nen Scha­den er­lit­ten. Da er die Fülle an Vorwürfen nicht ha­be nach­voll­zie­hen können, ha­be er auch kein rechts­er­heb­li­ches Geständ­nis ab­ge­ge­ben. Die an­ge­ge­be­nen Ab­we­sen­heits­zei­ten re­sul­tier­ten dar­aus, dass er nicht durchgängig an sei­ner voll­au­to­ma­ti­schen Ma­schi­ne ha­be ste­hen müssen, son­dern auch sons­ti­ge Tätig­kei­ten zu ver­rich­ten ge­habt ha­be. So müsse er ein- bis zwei­mal pro St­un­de pro­du­zier­te Tei­le kon­trol­lie­ren und mes­sen, was zu Auf­ent­hal­ten im Mess­raum von durch­schnitt­lich 15-30 Mi­nu­ten, teil­wei­se von bis zu meh­re­ren St­un­den geführt ha­be. In das Werk­zeug­ma­ga­zin müsse er Werk­zeu­ge zurück­brin­gen und ein­sor­tie­ren bzw. für neue Auf­träge dort aus­su­chen und bei­schaf­fen, was bis zu ei­ne St­un­de dau­ern könne. In den Um­klei­de­raum ge­he er al­lein schon des­halb öfter, um von dem in sei­nem dor­ti­gen Spind auf­be­wahr­ten Spru­del­was­ser zu trin­ken, das deut­lich bil­li­ger sei als das aus dem Au­to­ma­ten der Be­klag­ten. Auch sei die dor­ti­ge Toi­let­te sei­nem Ar­beits­platz am nächs­ten. Die Be­ob­ach­tun­gen von Herrn M stamm­ten ein­deu­tig aus Film­auf­nah­men und sei­en nicht ver­wert­bar, da er ein ei­gens von der Be­klag­ten auf ihn an­ge­setz­ter De­tek­tiv sei, den sie un­ter Hin­ter­ge­hung des Be­triebs­rats und un­ter Ver­s­toß ge­gen § 87 Abs. 1 Be­trVG als an­geb­li­chen Mit­ar­bei­ter der CNC-Ab­tei­lung ein­ge­stellt ha­be. Bei der Be­haup­tung der Be­klag­ten, Herr M sei im We- - 4 - ge ei­ner Über­g­angs­beschäfti­gung zwi­schen sei­nem vor­he­ri­gen Ar­beits­verhält­nis und dem Be­ginn sei­ner Meis­ter­schu­le vorüber­ge­hend be­fris­tet ein­ge­stellt wor­den, hand­le es sich um ein du­bio­ses Märchen. Viel­mehr sei Herr M von der Be­klag­ten mit sei­nen hier er­folg­ten Fehl­einschätzun­gen und blödsin­ni­gen Ver­mu­tun­gen be­auf­tragt wor­den, da der Pro­ku­rist Herr Dr. I sich ha­be pro­fi­lie­ren wol­len. Das be­haup­te­te ge­mein­schaft­li­che Tun mit den Kol­le­gen J und K ha­be sich die Be­klag­te zu­sam­men­ge­reimt, Herr M ha­be von sei­nem Platz aus gar kei­nen ge­nau­en Über­blick ge­habt, da die­ser et­wa 150m bzw. min­des­tens 200m ent­fernt ge­we­sen sei. Al­len­falls hand­le es sich um ei­ne Ar­beits­bum­me­lei, die an­ge­sichts sei­ner langjähri­gen Be­triebs­zu­gehörig­keit erst hätte ab­ge­mahnt wer­den müssen, zu­mal das Ein­le­gen von Pau­sen nor­mal sei und so­gar die Pro­duk­ti­vität erhöhe.
1. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. zum Fol­gen­den stell­ver­tre­tend BAG 15.12.2005 NZA 2006, 841, 843 f.; 28.11.2007 NZA 2008, 348, 353; fer­ner BAG 09.03.1995 NZA 1996, 875, 876; 05.12.2002 AP Nr. 63 zu § 123 BGB; 03.07.2003 — 2 AZR 327/02) ist die Dro­hung mit ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung dann wi­der­recht­lich, wenn ein verständi­ger Ar­beit­ge­ber ei­ne sol- - 7 -
d) Da­mit ver­bleibt als An­satz­punkt für ei­ne wi­der­recht­li­che Dro­hung le­dig­lich, dass die Be­klag­te in dem Gespräch geäußert hat, wenn der Kläger den Auf­he­bungs­ver­trag nicht un­ter­schrei­be, zie­he sie den Aus­spruch ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung bzw. die Ein­lei­tung ei­nes Ver­fah­rens nach § 103 Be­trVG in Be­tracht. Dies genügt je­doch nicht. In­so­weit ist zunächst er­neut dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es sich um kei­nen fik­ti­ven Kündi­gungs­schutz­pro­zess han­delt, in des­sen Rah­men der Ar­beit­ge­ber gemäß § 1 Abs. 2 Satz 4 KSchG die Kündi­gungs­gründe dar­zu­le­gen und zu be­wei­sen hätte, son­dern um ei­nen An­fech­tungs­pro­zess, in dem es dem Kläger ob­liegt vor­zu­tra­gen, dass und aus wel­chem Grun­de der Ar­beit­ge­ber den Aus- - 10 -
bb) Zum ei­nen erklärt dies nicht sein (be­ob­ach­te­tes und nicht be­strit­te­nes) Zu­sam­men­sein mit Herrn J und/oder Herrn K. Zum an­de­ren erklärt es nicht, war­um sämt­li­che no­tier­ten Ab­we­sen­heits­zei­ten, die als sol­che un­strei­tig sind, aus­sch­ließlich nach dem Ar­beits­en­de der Ver­wal­tung der Be­klag­ten um 18:00 Uhr auf­tra­ten und sich nicht über die ge­sam­te Dau­er der Spätschicht ver­teil­ten. Es han­delt sich stets um die Abend­stun­den der Spätschicht ab 19:00 Uhr / 20:00 Uhr bis zum Fei­er­abend um 22:00 Uhr / 22:30 Uhr. Die Spätschicht be­ginnt aber be­reits um 14:00 Uhr. Wes­halb der Kläger al­so in den do­ku­men­tier­ten Wo­chen an­schei­nend nur in den Abend­stun­den Tei­le ver­maß, Werk­zeu­ge hol­te oder zurück­brach­te, die Toi­let- - 11 -
dd) Da­her durf­te die Be­klag­te da­von aus­ge­hen, dass sich der Kläger mit den Kol­le­gen J und K während der Spätschicht fort­ge­setzt und in die­sem Sin­ne "re­gelmä- - 13 -
C. Der Streit­wert wur­de in An­leh­nung an § 42 Abs. 2 Satz 1 GKG mit drei Brut­to­mo­nats­gehältern ver­an­schlagt.
D. Die Be­ru­fung war vor­lie­gend nicht ge­son­dert zu­zu­las­sen, da es hierfür an den Vor­aus­set­zun­gen des § 64 Abs. 3 ArbGG fehlt.
Hin­weis:Von der Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift wer­den zwei zusätz­li­che Ab­schrif­ten zur Un­ter­rich­tung der eh­ren­amt­li­chen Rich­ter er­be­ten. m.hensche.de
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