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Timestamp: 2016-10-28 14:19:40
Document Index: 112840063

Matched Legal Cases: ['Art. 99', 'BGE', 'Art. 14', 'Art. 95', 'Art. 105', 'Art. 19', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 117', 'Art. 190', 'Art. 8', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_317/2013 (16.08.2013)
8C_317/2013 � � Urteil vom 16. August 2013
Beschwerde gegen den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Z�rich vom 30. Januar 2013.
Die 1984 geborene S.________ war als Bez�gerin von Arbeitslosenentsch�digung bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen Unfallfolgen versichert, als sie am 4. Oktober 2007 als Lenkerin eines Personenwagens bei einem Heckauffahrunfall eine Distorsion der Halswirbels�ule (HWS) erlitt. Sie klagte im Folgenden auch �ber Beschwerden im lumbalen R�ckenbereich. Die SUVA gew�hrte Heilbehandlung und richtete Taggeld aus. Am 26. Januar 2008 st�rzte die Versicherte sodann zu Hause eine Treppe hinunter. Mit Verf�gung vom 26. Oktober 2010 stellte die SUVA ihre Leistungen per 15. November 2010 ein. Sie begr�ndete dies damit, die noch geklagten Beschwerden st�nden nicht mehr in einem ad�quaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom 4. Oktober 2007. Deshalb bestehe auch kein Anspruch auf eine Invalidenrente und auf eine Integrit�tsentsch�digung. Daran hielt der Unfallversicherer mit Einspracheentscheid vom 13. Mai 2011 fest.
Vor den Ereignissen von 2007 und 2008 hatte S.________ in den Jahren 2003 und 2005 bereits zwei nicht bei der SUVA versicherte Unf�lle erlitten.
Beschwerdeweise beantragte S.________, der Einspracheentscheid vom 13. Mai 2011 sei aufzuheben und die gesetzlichen Leistungen seien weiterhin zu gew�hren. Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich wies die Beschwerde hinsichtlich des Unfalles vom 4. Oktober 2007 ab und trat auf sie hinsichtlich des Treppensturzes vom 26. Januar 2008 mangels eines Anfechtungsobjektes nicht ein (Entscheid vom 30. Januar 2013).
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten l�sst S.________ beantragen, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben; evtl. sei ihr Anspruch auf Ersatz der Kosten der medizinischen Massnahmen festzustellen.
Mit Eingabe vom 7. August 2013 l�sst S.________ ein psychiatrisches Gutachten vom 5. April 2013 einreichen.
Die Beschwerdef�hrerin beantragt die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides. Sie begr�ndet aber nicht, weshalb dieser im Nichteintretenspunkt rechtswidrig sein soll. Auf die Beschwerde ist daher diesbez�glich nicht einzutreten.
Das nachtr�glich eingereichte psychiatrische Gutachten vom 5. April 2013 ist nach dem Erlass des angefochtenen Entscheides erstellt worden. Es stellt somit ein sog. echtes Novum dar. Da daf�r nicht erst der betreffende Entscheid Anlass gab, kann es nicht ber�cksichtigt werden (Art. 99 Abs. 1 BGG; BGE 135 I 221 E. 5.2.4 S. 229 f.; 135 V 194; aus j�ngster Zeit: Urteil 8C_231/2013 vom 18. Juli 2013 E. 3.2 mit weiterem Hinweis).
Streitig und zu pr�fen ist, ob die SUVA zu Recht ab 15. November 2010 einen Leistungsanspruch aus dem Unfall von 2007 verneint hat. Dabei erscheint fraglich, ob die Versicherte allenfalls einzig die weitere Gew�hrung von Heilbehandlung - mithin einer Sachleistung (Art. 14 ATSG) - geltend machen will. Dies h�tte zur Folge, dass die vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen, anders als bei Geldleistungen der Unfallversicherung, nur auf offensichtliche Unrichtigkeit und andere Rechtsverletzungen nach Art. 95 BGG �berpr�ft werden k�nnten (Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG; E. 1 hievor). Das muss aber nicht abschliessend beantwortet werden. Denn wie nachfolgend gezeigt wird, ist die Beschwerde auch bei voller Sachverhaltspr�fung abzuweisen.
Die Rechtsgrundlagen f�r die Beurteilung der Streitsache sind im angefochtenen Entscheid zutreffend dargelegt. Das betrifft namentlich den f�r den Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung nebst anderem erforderlichen nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem versicherten Unfall und dem eingetretenen Schaden, insbesondere auch im Lichte der sog. Schleudertrauma-Praxis, und die zu beachtenden Beweisregeln. Darauf wird verwiesen.
Das kantonale Gericht hat zun�chst erkannt, ein weiter bestehender nat�rlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall von 2007 und den nach diesem geklagten lumbalen R�ckenbeschwerden sei zu verneinen.
Diese Beurteilung beruht auf einer �berzeugenden W�rdigung der medizinischen Akten. Sie ber�cksichtigt auch die Rechtsprechung. zum Erreichen des status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und Lumboischialgien (mit und ohne stummen Vorzustand) und zum f�r die Annahme einer richtunggebenden Verschlimmerung erforderlichen Nachweis.
Was die Beschwerdef�hrerin unter Berufung auf die Berichte des Radiologen Dr. med. P.________ vom 29. M�rz 2012 und des Dr. med. Z.________, Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 21. April 2011 vorbringt, rechtfertigt keine andere Betrachtungsweise. Dr. med. P.________ hat sich �berhaupt nicht zur Kausalit�t der von ihm namentlich festgestellten leichten Protrusion L5/S1 ge�ussert und Dr. med. Z.________ hat in seiner sp�teren Stellungnahme vom 21. Dezember 2012 best�tigt, dass die von ihm anhand eines MRI erhobenen Befunde keine Unfallfolgen bewiesen. Sodann vermag auch der von der Versicherten weiter geltend gemachte Umstand, sie habe nach dem Unfall den bis dahin intensiv betriebenen Tanzsport nicht weiter betreiben k�nnen, keine Zweifel an der vorinstanzlichen Beurteilung zu begr�nden. Anzeichen f�r eine Verletzung des rechtlichen Geh�rs, eine Rechtsverweigerung, eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes oder eine rechtsungleiche Behandlung bestehen ebenfalls nicht. Namentlich konnte die Vorinstanz in antizipierter Beweisw�rdigung auf weitere Abkl�rungen verzichten, da von diesen kein entscheidrelevanter Aufschluss zu erwarten ist. Weitere Einw�nde sind zu wenig sachbez�glich gehalten, um den angefochtenen Entscheid in Frage stellen zu k�nnen.
Hinsichtlich des lumbalen Wirbels�ulenabschnitts wurde ein weiterer Leistungsanspruch somit zu Recht verneint.
Zu pr�fen bleibt, wie es sich bez�glich der HWS-Problematik verh�lt.
7.1.�Die Vorinstanz hat hiezu als erstes erwogen, f�r die geklagten Beschwerden im Nacken-/Kopfbereich bestehe kein unfallbedingtes organisch objektiv ausgewiesenes Substrat.
Diese Beurteilung ist nach Lage der Akten richtig. Sie wird auch nicht substantiiert in Frage gestellt.
7.2.�Das kantonale Gericht hat sodann erkannt, ob zwischen dem Unfall von 2007 und den noch geklagten Beschwerden ein nat�rlicher Kausalzusammenhang bestehe, m�sse nicht beantwortet werden. Denn selbst wenn dies bejaht w�rde, fehle es an der f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers zus�tzlich erforderlichen Ad�quanz des Kausalzusammenhangs. Dabei k�nne offen bleiben, ob die Ad�quanz nach der zu psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall erarbeiteten sog. sog. Psycho-Praxis oder nach der Schleudertrauma-Praxis zu beurteilen sei. Denn auch Letztere f�hre zur Verneinung des ad�quaten Kausalzusammenhangs.
7.3.�Die Beschwerdef�hrerin wendet ein, es gehe hier um vor�bergehende Leistungen und (noch) nicht um eine Invalidenrente. Die Psycho- wie auch die Schleudertrauma-Praxis seien daher nicht anwendbar.
7.3.1.�Vorab ist richtig zu stellen, dass die SUVA in der Verf�gung vom 26. Oktober 2010 und dem diese best�tigenden Einspracheentscheid vom 13. Mai 2011 den Fall unter Einstellung der vor�bergehenden Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) und gleichzeitiger Verneinung eines Anspruchs auf eine Invalidenrente und einer Integrit�tsentsch�digung abgeschlossen hat. Das wurde vom kantonalen Gericht best�tigt. Es ging also nicht nur um vor�bergehende Leistungen.
7.3.2.�Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vor�bergehenden Leistungen und Pr�fung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integrit�tsentsch�digung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der �rztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allf�llige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG; BGE 134 V 109 E. 3 und 4 S. 112 ff.).
Dass im vorliegenden Fall von einer Fortsetzung der �rztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung der Beschwerden im Nacken-/Kopfbereich zu erwarten war, kann aufgrund der medizinischen Akten verl�sslich verneint werden und wird auch nicht geltend gemacht. Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung stehen nicht zur Diskussion. Das Vorgehen der SUVA und der dieses best�tigende Entscheid des kantonalen Gerichts sind mithin nicht zu beanstanden. Das gilt auch f�r die hiebei vorgenommene Ad�quanzbeurteilung. Denn der Unfallversicherer war zweifellos befugt, im Zeitpunkt des Fallabschlusses auch die Ad�quanzfrage zu pr�fen (vgl. zum Ganzen: BGE 134 V 109). Dies hat die Vorinstanz zutreffend erkannt.
7.4.�Die Beschwerdef�hrerin macht weiter geltend, es sei bundesrechtswidrig, die Frage nach dem nat�rlichen Kausalzusammenhang zu �berspringen und gleich den ad�quaten Kausalzusammenhang zu pr�fen.
Auch dieser Einwand ist gem�ss konstanter Rechtsprechung unbegr�ndet (BGE 135 V 465 E. 5.1 S. 472 mit Hinweisen; aus j�ngster Zeit: Urteil 8C_101/2013 vom 31. Mai 2013 E. 7). In der Beschwerde wird nichts vorgebracht, was ein Abweichen von dieser Praxis rechtfertigen k�nnte. Insbesondere liegt auch kein Verstoss gegen Art. 117 und Art. 190 BV sowie Art. 8 EMRK vor.
Ergibt sich nachfolgend, dass die Vorinstanz die Ad�quanz zu Recht verneint hat, er�brigen sich somit auch Weiterungen zu den Einw�nden, welche die Beschwerdef�hrerin zu den Aussagen einzelner �rzte betreffend nat�rliche Kausalit�t vorbringt. Es bedarf auch keiner weiteren medizinischer Abkl�rungen hiezu.
7.5.�Die Beschwerdef�hrerin macht nicht geltend, es sei die Psycho-Praxis anstelle der - in der Regel f�r die versicherte Person g�nstigeren - Schleudertrauma-Praxis anzuwenden.
Nach letzterer ist f�r die Ad�quanzbeurteilung an das (objektiv erfassbare) Unfallereignis anzukn�pfen und sind abh�ngig von der Unfallschwere je nachdem weitere Kriterien (besonders dramatische Begleitumst�nde oder besondere Eindr�cklichkeit des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; fortgesetzt spezifische, belastende �rztliche Behandlung; erhebliche Beschwerden; �rztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; erhebliche Arbeitsunf�higkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen) in die Beurteilung einzubeziehen (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112, E. 10.1 S. 126 f. und E. 10.3 S. 130).
7.5.1.�Die Beschwerdef�hrerin postuliert, es sei ein zus�tzliches Kriterium einzubauen, welches der erlebten Unfallkadenz und dem damit verbundenen Martyrium Rechnung trage.
Dieses Vorbringen ist unbegr�ndet. Die Ad�quanzkriterien in ihrer seit BGE 134 V 109 geltenden Fassung gen�gen vollumf�nglich, um den relevanten Faktoren Rechnung zu tragen.
7.5.2.�Das kantonale Gericht hat den Unfall von 2007 als mittelschweren Unfall an der Grenze zu den leichten Unf�llen eingestuft. Die Beschwerdef�hrerin beanstandet dies nicht. Sie macht vielmehr geltend, in die Beurteilung der Unfallschwere seien auch die �brigen Unf�lle miteinzubeziehen.
Hat die versicherte Person mehrere Unf�lle mit Schleudertrauma der HWS oder gleichgestellter Verletzung erlitten, ist die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs grunds�tzlich f�r jeden Unfall gesondert zu beurteilen. Einer nachgewiesenermassen durch einen fr�heren Unfall verursachten erheblichen Vorsch�digung der HWS kann zwar im Rahmen der Pr�fung der Ad�quanzkriterien Rechnung getragen werden (vgl. SVR 2007 UV Nr. 1 S. 1, U 39/04 E. 3.3.2; Urteil 8C_593/2012 vom 19. Dezember 2012 E. 2.4.1 mit Hinweisen), nicht aber bei der Beurteilung der Unfallschwere. Letztere bestimmt sich nach Massgabe des augenf�lligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kr�ften beim konkret zur Diskussion stehenden Unfall. Begleitumst�nde, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugerechnet werden k�nnen, mithin auch andere Unf�lle, sind hier nicht zu ber�cksichtigen, sondern wie dargelegt allenfalls bei den einzelnen Ad�quanzkriterien (vgl. SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07 E. 5.3.1; Urteil 8C_51/2010 vom 21. Mai 2010 E. 7.1).
Der in diesem Zusammenhang erhobene Einwand, die medizinischen Akten gen�gten nicht, ist ebenfalls unbegr�ndet. Soweit sich bei der Ad�quanzbeurteilung medizinische Fragen stellen, lassen sich diese aufgrund der vorhandenen Akten verl�sslich beurteilen.
7.5.3.�Bei dem hier gegebenen Grenzfall zu den leichten Unf�llen w�ren vier Kriterien oder aber ein einzelnes in besonders ausgepr�gtes erforderlich, um den ad�quaten Kausalzusammenhang bejahen zu k�nnen (vgl. SVR 2010 UV Nr. 25 S. 100, 8C_897/2010 E. 4.5 mit Hinweis; BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f. mit Hinweisen).
Das kantonale Gericht ist zum Ergebnis gelangt, es seien h�chstens und jedenfalls nicht in besonders ausgepr�gter Weise die beiden Kriterien der erheblichen Beschwerden und der Arbeitsunf�higkeit erf�llt. Die Beschwerdef�hrerin macht geltend, bis auf die �rztliche Fehlbehandlung seien auch s�mtliche weiteren Ad�quanzkriterien gegeben.
Der Unfall von 2007 zeichnet sich nicht durch besonders dramatische Begleitumst�nde oder besondere Eindr�cklichkeit aus. Es bestehen keine Anhaltspunkte daf�r, dass eine fortgesetzt spezifische, belastende �rztliche Behandlung erforderlich war. Inwiefern sich der Heilungsverlauf schwieriger als bei Schleudertraumen der HWS �blich gestaltet haben soll oder erhebliche Komplikationen eingetreten sein sollen, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar und wird auch nicht weiter begr�ndet. Diese Kriterien sind damit nicht erf�llt. Erst recht liegen sie nicht in besonders ausgepr�gter Weise vor. Das alles gilt auch unter Ber�cksichtigung der �brigen Unf�lle, soweit diesen hier �berhaupt eine Bedeutung zukommen kann.
Zu pr�fen bleibt das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung. Dass es in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt w�re, kann auch unter Ber�cksichtigung der bei den Vorunf�llen erlittenen Verletzungen zuverl�ssig verneint werden. Selbst wenn das Kriterium demnach - ohne abschliessende Pr�fung seiner Begr�ndetheit - in der einfachen Form bejaht w�rde, w�ren h�chstens drei Kriterien erf�llt. Das gen�gt wie dargelegt nicht, um den ad�quaten Kausalzusammenhang bejahen zu k�nnen. Ein weiterer Leistungsanspruch wurde daher zu Recht verneint.