Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Nachtraegliche-Insolvenz-OHG-und-Verfahrenskosten--f121064.html
Timestamp: 2019-12-06 20:54:47
Document Index: 333230004

Matched Legal Cases: ['§250', '§ 131', '§ 145', '§ 157', '§ 146', '§ 148', '§ 12', '§ 129', '§ 129', '§ 154']

Nachträgliche Insolvenz OHG und Verfahrenskosten - frag-einen-anwalt.de
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| 28.10.2010 11:21 |
Meine Firma ist seit März 2009 geschlossen aber nicht zur Insolvenz angemeldet, da man mich damals wohl falsch beraten hat. Ich bin nach Schliessung der Firma nach England gegangen und habe nach 1 Jahr dort die Privatinsolvenz angemeldet. Das Verfahren läuft noch bis Dezember diesen Jahres.
Jedenfalls hat ein Gläubiger nicht aufgegeben und sein Verfahren weiter geführt, da das Verfahren nicht nach §250 ZPO eingestellt worden ist, da sich die OHG ja nicht in Insolvenz befindet.
Es kam jetzt zu einem Versäumnisurteil und zum Kostenfestsetzungsantrag auch auf die OHG und mich als pers. haftender Gesellschafter und gesetzl. Vertreter der OHG.
Meine Frage ist ob die Kosten des Verfahrens in die Insolvenzmasse meiner privaten Insolvenz fliesst und die Summe beim Versäumnissurteils ebenfalls, da diese Forderung bei meiner Privatinsolvenz mit angeben worden ist.
Oder muss ich mir dabei jetzt Gedanken machen ?
Meine zweite Frage ist ob es nicht sinnvoll ist die OHG noch in die Insolvenz zu schicken ? Meine Befürchtung ist nur, das dann noch ein Insolvenzverwalter bestellt wird und der noch alle Unterlagen und Bilanzen etc. haben will ?! Das ist fast nicht mehr möglich nach so langer Zeit. Oder gibt es da ein einfacheres Verfahren ?
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Alle Forderungen gegen Sie als Privatperson, die bereits bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens entstanden sind, sind Insolvenzforderungen.
Dazu gehören auch Forderungen, die aufgrund Ihrer Haftung als OHG-Gesellschafter bestehen.
Wenn das Verfahren bei Insolvenzeröffnung schon bei gericht anhängig war, dann wird sowohl die geltend gemachte Forderung als auch die im Kostenfestsetzungsbeschluss festgesetzte Forderung vom Insolvenzverfahren umfasst.
Wenn Sie die Restschuldbefreiung im englischen Verfahren erhalten haben, müssen Sie die Bescheinigung darüber übersetzen und apostillieren lassen. Die deutschen Gerichte und Behörden müssen die Restschuldbefreiung dann anerkennen.
Statt des Insolvenzverfahrens können Sie durch Gesellschafterbeschluss die OHG gemäß § 131 Abs.1 Satz 2 HGB auflösen und anschließend gemäß den §§ 145 HGB ff. liquidieren. Schließlich wird die Löschung der OHG im Handelsregister angemeldet gemäß § 157 HGB.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit der Beantwortung Ihrer Fragen weiterhelfen. Für eine Nachfrage stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Nachfrage vom Fragesteller	29.10.2010 | 10:00
vielen Dank für ihre Antwort. Das gibt mir erstmal Hoffnung.
Eine kurze Frage habe ich noch :
Ist für die Liquidierung der OHG zwingend ein Anwalt oder Notar notwendig oder geht das auch ohne bzw. durch entsprechende Anträge beim Amtsgericht etc.
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 04.11.2010 | 14:49
Zunächst bitte ich um Nachsicht, dass ich wegen einer Geschäftsreise erst jetzt hierzu gekommen bin.
Grundsätzlich sind im Falle einer Liquidation die Gesellschafter der OHG als Liquidatoren berufen, § 146 Abs.1 HGB. Durch Gesellschafterbeschluss können aber auch einzelne Gesellschafter oder auch andere Personen bestellt werden.
Gemäß § 148 HGB sind der oder die Liquidator/en in das Handelsregister anzumelden. Diese Anmeldung bedarf gemäß § 12 HGB der öffentlichen Beglaubigung nach § 129 BGB, welche in der Regel der Notar vornimmt. Sie kann aber auch durch eine notarielle Urkunde erfolgen, § 129 Abs.2 BGB.
Falls möglich, ist außerdem empfehlenswert, dass der Liquidator Kenntnisse in der Bilanzbuchhaltung hat, denn gemäß § 154 HGB haben die Liquidatoren bei Beginn sowie bei Beendigung der Liquidation eine Bilanz aufzustellen. Es aber auch möglich diese Bilanzen durch einen beauftragten Dritten, z.B. durch einen Steuerberater, erstellen zu lassen.
Bewertung des Fragestellers 06.11.2010 | 10:50
"Schnelle und sehr genaue Antworten. Danke"