Source: https://www.it-recht-kanzlei.de/e-commerce-griechenland.html
Timestamp: 2019-08-23 02:46:59
Document Index: 137810178

Matched Legal Cases: ['Art. 4', '§ 9', 'Art. 4', '§ 10', '§ 2', '§ 8']

Griechenland E-Commerce (AGB) ›
von Irini Garavela
News vom 26.08.2013, 13:55 Uhr | 1 Kommentar
1. Griechischer E-Commerce: Warum gerade jetzt so attraktiv für deutsche Onlinehändler?
1.1	Griechischer E-Commerce in Zahlen
1.2	Trend geht vermehrt zu Onlinekäufen – auch im traditionsbewuss-ten Griechenland
2. Ihre ersten Anlaufstellen: Support
3. Besonderheiten im griechischen E-Commerce: Was haben deutsche Online-Händler zu beachten?
3.1	Fernabsatz europäisch geregelt
3.2	Fernabsatz nach griechischem Recht
3.3	Widerrufsrecht (Δικαίωμα υπαναχώρησης)
3.4	Informationspflichten für Händler
3.5	Zahlungsart
3.6	Versandabwicklung
Neben Diskussionen zu Herabstufung von Bonitäten, Schuldenschnitten und Korruption wächst der E-Commerce im Land der Philosophen im Stillen.
Pressemitteilungen zu erneuten finanziellen Hilfestellungen der anderen EU-Staaten sorgen für multilateralen Konfliktstoff. Doch was oft vernachlässigt wird ist die Tatsache, dass die Wiege der Demokratie schon lange vor der Wirtschaftskrise einem Strukturwechsel unterworfen war. Seit nun mehr 40 Jahren vollzieht das Land einen Wandel von einem agrarwirtschaftlichen Land zu einer modernen Dienstleistungsnation. Eine Herausforderung für eine der innovativsten Branchen im Dienstleistungsbereich - der E-Commerce.
Laut der Datenauswertung für 2012 veröffentlichte die, von führenden nationalen E-Commerce-Verbänden in ganz Europa gegründete, Vereinigung „Ecommerce Europe“ Zahlen zur E-Commerce-Entwicklung der europäischen Staaten. Hierbei belief sich die gesamte E-Commerce-Wirtschaft der südeuropäischen Länder auf 32,4 Mrd. €. Ein Wachstum von 29,3 % im Vergleich zum Vorjahr 2011 konnte verzeichnet werden.
Griechenland ist eines der am schnellsten wachsenden Online-Märkte in Europa, so „Ecommerce Europe“. Die Zahl der Online-Käufer hat jetzt 1,9 Millionen erreicht, gegenüber 1,5 Millionen (27%) im Jahr 2011. Jeder Käufer tätigte im Durchschnitt 20 Einkäufe via Internet (14 - 15 Einkäufe im Vorjahr), monetär gemessen über 1.500 € im vergangenen Jahr, verglichen mit 1.200 € im Jahr 2011.
Aufgrund oder vielleicht sogar dank der Wirtschaftskrise verglichen viele griechische Kunden Preise und Waren online. Der stationäre Handel, der für den Griechen der Innbegriff für Kundennähe, Loyalität und das Traditionsbewusstsein geworden war, muss nun vermehrt wettbewerbsfähiger und vorteilhafterer Onlineangebote weichen und Platz für moderne Denkmuster und digitale Kaufentscheidungen schaffen. Rund 61 % der Internet-Bestellungen in Griechenland wird in ausländischen Onlineshops getätigt. Hier setzt der deutsche Onlinehändler an.
Die Deutsch-Griechische Industrie- und Handelskammer (AHK) übernimmt in Zusammenarbeit mit einem fähigen Team die Übersetzung der Website in Griechischer Sprache, wenn Sie sich für den Onlineauftritt Ihrer Website in Griechenland entscheiden sollten.
Die IT-Recht-Kanzlei bietet AGB für Ihren Onlineshop oder Internetplattfor-men an. Diese AGB sind für den deutschen Onlinehändler mit Sitz in Deutschland gedacht, der seine Marktchance nutzen und seine Produkte auch griechischen Verbrauchern anbieten will. Bei Anfrage kann die IT-Recht Kanzlei die AGB in griechischer Sprache abfassen. Das Fernabsatzrecht ist zwar europaweit über entsprechende EU-Richtlinien zu großen Teilen vereinheitlicht, aber es gilt nach wie vor, nationale griechische Besonderheiten zu beachten, die bei der Formulierung der AGB berücksichtigt werden.
Bei grenzüberschreitenden Rechtsbeziehungen, wie es im Fernabsatz der Fall ist, gilt nach wie vor das europäische Verbraucherrecht, das auf die EU-Richtlinie aus dem Jahre 1997 (97/7/EG; oδηγία 97/7/ΕΚ) zurückgeht. Für alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, so auch für Griechenland, wurde ein einheitlicher Rechtsrahmen für den elektronischen Geschäftsverkehr im europäischen Binnenmarkt geschaffen, um dadurch den Beteiligten mehr Rechtssicherheit zu geben.
Um die Frage nach dem anwendbaren Recht bei Fernabsatzverträgen zu umgehen, verfolgt die EU das Ziel den elektronischen Geschäftsverkehr eu-ropaweit zu vereinheitlichen und weitestgehend vollständig zu harmonisieren. Zur weiteren Vereinheitlichung des Verbraucherschutzes wurde als aktuellstes Beispiel eine neue Richtlinie erlassen. Die Europäische Verbraucherrechte-Richtlinie 2011/83/EU (οδηγία 2011/83/ΕΕ της Ευρωπαϊκής Ένωσης) vom 25. Oktober 2011, enthält vor allem im Bereich der Fernabsatzverträge neue Vorgaben. Die neue Richtlinie muss von allen Mitgliedstaaten bis zum 13.12.2013 in nationales Recht umgesetzt werden. Die neuen Vorschriften sollen dann für alle Verträge gelten, die nach dem 13.06.2014 abgeschlossen werden.
Griechenland regelt den Verbraucherschutz bei Vertragsabschlüssen im Fernabsatz in Artikel 4 seines Verbraucherschutzgesetzes 2251/94 (Νόμος 2251/94 Προστασία των καταναλωτών). Dort wird der Verkauf von Waren und Dienstleistungen im Fernabsatz außer Finanzdienstleistungen (Εμπορία από απόσταση αγαθών και υπηρεσιών, πλην των χρηματοοικονομικών υπηρεσιών ) festgesetzt.
Die oben genannte Verbraucherrechte-Richtlinie muss in Griechenland ebenfalls bis zum 13.12.2013 in nationales Recht umgesetzt werden. Die entsprechenden Änderungen des griechischen BGB (Α.Κ. Αστικός Κώδικας) werden vom griechischen Ministerium für Entwicklung, Wettbewerbsfähigkeit, Infrastruktur, Transporte und Netze (Υπουργείο Ανάπτυξης, Ανταγωνιστικότητας, Υποδομών Μεταφορών και Δικτύων) überwacht.
Auch in Griechenland wird Verbrauchern bei Fernabsatzverträgen im Rah-men des griechischen Verbraucherschutzgesetzes 2251/94 ein Widerrufs-recht eingeräumt. Das Widerrufsrecht gibt dem Verbraucher die Möglichkeit in bestimmten Fristen ohne Angaben von Gründen seine Vertragserklärung zu widerrufen und die Ware gegen Erstattung der geleisteten Zahlungen zurückzusenden.
Verbraucher können nach griechischem Recht innerhalb von 14 Kalendertagen nach Vertragsaushändigung widerrufen:
"Σε κάθε σύμβαση από απόσταση ο καταναλωτής έχει το δικαίωμα να υπαναχωρήσει αναιτιολογήτως εντός δεκατεσσάρων (14) ημερολογιακών ημερών […] (άρθρο 4 παρ. 10 Νόμος 2251/1994)."
Vorausgesetzt wird, dass der Händler seiner Informationspflicht (geregelt in Art. 4, § 9; Gesetz 2251/1994)
rechtzeitig (σε εύθετο χρόνο) nachgegangen ist, und dem Verbraucher somit die Widerrufsbelehrung spätestens vor Ein-gang der Ware zukommen hat lassen. Die Widerrufsfrist (προθεσμία υπαναχώρησης) beginnt laut griechischem Gesetz 2251/1994, ab Erhalt der Ware (Art. 4, § 10, Abs. 2) zu laufen:
"Για την άσκηση του δικαιώματος υπαναχώρησης η προθεσμία του προηγούμενου εδαφίου αρχίζει, για τα αγαθά, από την παραλαβή τους […] (άρθρο 4 παρ. 10 Νόμος 2251/1994)."
Für Händler gelten auch nach griechischem Recht Informationspflichten die es zu beachten gilt. Schon vor Vertragsabschluss muss der deutsche Onlinehändler dem griechischen Verbraucher unten aufgeführte Informationen zur Verfügung stellen. Artikel 4, § 2 des Gesetzes 2251/1994 gibt folgende Informationspflichten an:
Identität und Anschrift des Dienstleisters
Preis der Dienstleistung einschließlich aller Steuern sowie Lieferkos-ten, wenn diese nicht im Preis enthalten sind
Einzelheiten hinsichtlich Zahlung und Erfüllung/Lieferung
Bestehen eines Widerrufsrechts, sofern vorhanden
Kosten für den Einsatz der Fernkommunikationstechnik, sofern nicht nach Grundtarif berechnet
ggf. Mindestlaufzeit, wenn der Vertrag eine dauernde oder regelmäßig wiederkehrende Leistung beinhaltet
Sollten Sie sich also entscheiden Ihren Webshop auch auf griechischem Boden umzurüsten, sollten diese Informationen in Ihrem Impressum nicht fehlen dürfen.
Auch wenn der Versand in den EU-Mitgliedsstaat Griechenland ohne komplizierte Zollformalitäten möglich ist, bleibt vielen Onlinehändlern bei der Frage um die Höhe der Versandkosten oft der Atem weg. Die griechische Post, die “Hellenic Post” genannt wird, ist in staatlicher Hand und im Vergleich zu anderen Versandanbietern deutlich teurer. Hier gilt es Preise vergleichen und Versandhändler auswählen, die Abholungen in ihrer Produktpalette anbieten. Außerdem sollten Sie für den Versand eine Laufzeitorientierung von ungefähr zehn Tagen einplanen. Beachten Sie außerdem, dass die Ware laut griechischem Gesetzgeber spätestens nach 30 Tagen zugestellt werden darf:
"[…] ο προμηθευτής οφείλει να εκπληρώσει την παροχή της σύμβασης το αργότερο εντός τριάντα (30) ημερών από τη διαβίβαση σε αυτόν της παραγγελίας του καταναλωτή […] (άρθρο 4 παρ. 8 Νόμος 2251/1994)."
Anderenfalls kann sich der Verbraucher laut griechischen Recht, ebenfalls gemäß Artikel 4, § 8. Gesetz 2251/1994, das Recht auf Widerruf vorbehalten:
"Αν παρέλθει άπρακτη η προθεσμία αυτή, ο καταναλωτής έχει δικαίωμα υπαναχώρησης."
Auch wenn zahlreiche Experten befürchten, dass die strengen Sparauflagen der Europäischen Union die Wirtschaft in ihrem Wachstum bremsen könnten, wird dem griechischen E-Commerce großes Erfolgspotenzial zugeschrieben. Deutsche Onlinehändler sollten von diesem Potenzial profitieren und sich gleichzeitig an der in Frage gestellten Wirtschaft beteiligen. Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Finanzlage und politischen Diskrepanzen in Europa gilt es, wie es aktuell zu Zeiten der Wahlkampagnen so oft heißt, Vertrauen und Nähe innerhalb der EU-Staaten zu schaffen. Dies ist auch auf rationalem Boden und wirtschaftlicher Ebene möglich.
Der E-Commerce boomt. Auch in Griechenland.
Frau mit Zukunft
Kommentar von Lambros Kalivas
Sehr guter Artikel, endlich mal jemand der weiß wovon Sie schreibt. Super Autorin, ich denke man wird noch viel von Ihr hören, und lesen... P.S: weiter so..