Source: https://www.zielbar.de/umgang-kommentare-socialmedia-recht-6835/
Timestamp: 2017-03-24 00:06:21
Document Index: 164091619

Matched Legal Cases: ['§ 55', '§ 185', '§130', '§ 241', '§ 187', 'Art. 2']

Umgang mit Kommentaren in Blogs und sozialen Netzwerken
Grafiken und Symbole
Software, Tools und Apps
21 Kommentare Theorie Praxis
Anfänger Experte
Breit Tief
Ob Online-Zeitung, Corporate Blog oder eigene Website: Wer im Netz Texte zur Verfügung stellt, der muss sich auch etwas anderem stellen: der Diskussion. Aber stimmt das überhaupt? Müssen sich Blogger die Trolle, Pöbler und Besserwisser in den Kommentarspalten gefallen lassen?
Medienprofis finden darauf höchst unterschiedliche Antworten. Zeit daher, sich der Frage zu widmen, wie man am besten mit der Debatte um Debatten umgeht. Und wo es Grenzen gibt.
Sind wir mal ehrlich: Die meisten Medien stehen problematischen Kommentaren recht hilflos gegenüber. Kommunikationsstrategin Harriet Lemcke hat für ZIELBAR bereits eine hilfreiche Analyse der verschiedenen Typen von Kommentatoren vorgenommen. Jetzt geht es um die Frage, wie mit diesen Kommentartypen umgegangen werden muss.
Wann ist ein Kommentar überhaupt problematisch und wann nicht? Wer entscheidet das? Die Redaktion? Der Administrator? Oder gar die Community?
Die ZEIT zum Beispiel entfernt einzelne Kommentare und begründet dies mit kurzen Hinweisen. Ein Beispiel:
Entfernt. Bitte kommentieren Sie den Inhalt des Artikels. Die Redaktion
SPIEGEL ONLINE schaltet die Kommentarfunktion themenbezogen ab und bietet ähnlich wie die Süddeutsche Zeitung ein Forum zum Meinungsaustausch. Die Diskussion soll in die sozialen Netze verlegt werden, und damit liegt der Verdacht nahe, die Moderation der Kommentare und damit auch die Verantwortung dafür an externe Dienste abzugeben. Doch der SZ gehe es nach eigener Aussage darum, Trolle abzuwehren und das Niveau der Debatte zu heben.
Auch die ZEIT fordert ein bestimmtes Diskussionsniveau – was auch völlig legitim ist. Schließlich handelt es sich um eine freie Wochenzeitung. Warum sollte sich die Redaktion nicht erlauben dürfen, ungebührliche Kommentare nach Maßstab des gesunden Menschenverstandes zu entfernen?
Die Kommentarfunktion ist nicht selbstverständlich
Um mit einem weit verbreiteten Irrtum aufzuräumen: Die Funktion, Beiträge bzw. Artikel zu kommentieren, ist ein freiwilliges Angebot. Der Webseitenbetreiber entscheidet, ob und in welcher Form er Diskussionen zulässt. Hinzu kommt, und auch darauf kann gar nicht oft hingewiesen werden, dass „es ins Belieben des Seitenbetreibers gestellt ist, mehr Kommentare zu löschen, als nötig und auch missliebige Meinungen zu entfernen„, wie IT-Fachanwalt Ralf Möbius unlängst auf seinem Jura-Blog betonte. Sprich: Die Hoheit über alle Inhalte liegt einzig und allein beim Seitenbetreiber.
Gleichzeitig besteht aber auch eine redaktionelle Verantwortung, die im Impressum laut § 55 des Rundfunkstaatsvertrages angegeben werden muss. Zu dieser redaktionellen Verantwortung gehört es, sämtliche Inhalte (und damit auch Kommentare) im Rahmen der Gesetze regelmäßig zu überprüfen.
Demnach ist es keineswegs unverantwortlich, auf Kommentare zu reagieren, die einer Debatte schaden – sei es durch Abwesenheit jedweder sachlichen Argumentation oder durch persönliche Angriffe. Es wäre unverantwortlich, solch destruktive Botschaften in einer um konstruktive Ergebnisse bemühten Debatte ungefiltert stehen zu lassen.
Dabei sollten Blogbetreiber stets transparent agieren und die eigene Leserschaft über die Richtlinien für Kommentare in Kenntnis setzen. Denn weisen die Verantwortlichen nicht auf die Löschung hin und veröffentlichen nur positive Kommentare, könnte dies irreführend sein. Und auf solche Fehler folgt dann im schlimmsten Fall der tatsächliche Sturm.
So mancher User macht sich aus den ausufernden und zum Teil jenseits jeder Netiquette verlaufenden Diskussionen, die den Stammtischen in der Eckkneipe in nichts nachstehen, einen Spaß. „Habe mir schon das Popcorn aufgewärmt und warte auf die ersten Kommentare“ – ein typisches Beispiel ironischer Beobachter, wenn es um kontroverse Themen geht. Denn gerade diese Themen ziehen mitteilungsbedürftige Menschen mit gefährlichem Halbwissen anscheinend magisch an.
Das größte Problem liegt in der Wirkung, die solche Kommentare laut einer neuen Studie erzielen. Demnach schmälern negative Kommentare die wahrgenommene Qualität des Textes. Laut den Kommunikationswissenschaftlern der Studie verschlechtert schon das bloße Vorhandensein von Kommentaren die „wahrgenommene Inhaltsqualität des Beitrags“, aber auch die „wahrgenommene Vermittlungsqualität“. Der Autor dieses Beitrags geht das Risiko dennoch ein und freut sich über jeden Kommentar. Zwinker.
Aber die Meinungsfreiheit!
Das klassische Argument gegen eine Löschung/Sperrung /Streichung von Kommentaren lautet, dass es sich dabei um die Einschränkung der Meinungsfreiheit handelt, oder um das ganz böse Wort zu gebrauchen (üblicherweise mit mindestens drei hasserfüllten Ausrufezeichen am Ende): ZENSUR. Gern wird in diesem Zusammenhang das Grundgesetz bemüht, das sich die meisten Trolle wohl lediglich zur kostenlosen Wärmedämmung bei der Bundeszentrale für politische Bildung bestellt haben. Sehen wir nach, was dort unter Artikel 5 der Meinungsfreiheit steht:
Für unsere Diskussion ist besonders Absatz 2 interessant. Dort ist von Schranken die Rede, die sich in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze und weiteren Punkten finden. Bereits der englische Philosoph und Ökonom John Stuart Mill (1806–1873) hatte festgestellt: „Die Freiheit des Einzelnen darf sich nicht zu einer Belästigung für Andere entwickeln.“ Und Mill hatte damals keine Shitstorms unter seinen Schriften zu befürchten!
Übertragen auf das Thema „Online-Kommentare“ kommen wir zu einem Schluss, der dann stark in Richtung des deutschen Vorzeigephilosophen Immanuel Kant (1724–1804) geht: Die Vernunft. Respekt. In der haptischen Welt wie im Netz. Der wissenschaftlich anerkannte Online-Enthemmungseffekt darf keine Berechtigung dafür sein, ungestört und ohne Folgen beleidigende oder anderweitig prekäre Kommentare in den Äther zu senden.
Allerdings muss hier nach dem IT-Experten Professor Dr. Thomas Hoeren die Wechselbezüglichkeit zwischen Ehrschutz und dem Grundrecht der Meinungsfreiheit beachtet werden. Demnach sei vor allem die Durchsetzung des Ehrschutzes im Internet problematisch, da die Anonymität und die Infrastruktur des Webs eine Strafverfolgung schwierig machen.
Zu sicher sollten sich Pöbler und Trolle allerdings nicht fühlen. Beleidigung (§ 185), Volksverhetzung (§130), Bedrohung (§ 241), und Verleumdung (§ 187) sind nur einige Paragraphen des Strafrechts, die hier traurigerweise ihre Anwendung finden. Die Übeltäter müssen dann mit ernsten Folgen wie zum Beispiel einer Abmahnung wegen Persönlichkeitsrechtverletzung oder gar einer Strafanzeige rechnen. Und auch IP-Adressen lassen sich durch die Staatsanwaltschaft im Falle eines Ermittlungsverfahrens per Regel ermitteln. Unwahre Tatsachenbehauptungen fallen hingegen nicht unter das Meinungsrecht.
Kommentare abschalten?
Nein. Aber auch nicht: „Auf keinen Fall!“ Der Ton macht die Musik – das ist bei Kommentaren nicht anders. Kein Blogger und keine Zeitung sollten konstruktive, wenn auch kritische Kommentare sperren. Damit würden sich die Betreiber ins eigene Fleisch schneiden.
Wir reden von extremen Maßnahmen im Falle extremer Kommentare, sprich: Rassismus, jugendgefährdende Inhalte, Aufruf zu Straftaten oder den weiter oben erwähnten Straftaten. Immer dann, wenn die substanziellen Rechte anderer Menschen angegriffen werden, muss auf derartige Kommentare reagiert und im Sinne der Vernunft gehandelt werden.
Schließlich sollte auch Kritik in einer respektvollen Art kommuniziert werden. Bei sehr emotionalen Themen empfiehlt es sich daher, noch einmal durchzuatmen und nachzudenken, bevor du auf „Kommentar senden“ klickst.
Folgende Fragen helfen dir dabei, deine Motivation hinter dem Kommentieren zu ergründen:
Bereichert mein Kommentar die Diskussion?
Sind meine Behauptungen beweisbar/substanziell themennah?
Was will ich mit meinem Kommentar erreichen?
Will ich mich profilieren und die Diskussion beherrschen?
Gebe ich nützliche Hinweise?
Bin ich auf Likes und Shares aus?
Die Kommentarfunktion sollte stets so uneingeschränkt wie möglich sämtlichen Nutzern eines Online-Angebots zur Verfügung stehen. Gleichzeitig empfiehlt sich die gewissenhafte Moderation dieser Funktion. Wir bei ZIELBAR zum Beispiel prüfen jeden Kommentar VOR Erscheinen, ob er unseren Richtlinien für das Blogzine entspricht.
Kommentare vollständig zu verbannen, kann hingegen nicht die Lösung sein. Dies nimmt den in der Mehrheit befindlichen vernünftigen Usern jede Möglichkeit, eine gewinnbringende Diskussion zu führen. Blogger und Medienunternehmen tun also gut daran, einen transparenten, für jeden klar verständlichen und nachzulesenden Hinweis für Kommentare online zur Verfügung zu stellen und dessen Einhaltung zu prüfen.
Wie ist deine Haltung zu Kommentaren? Sollten diese moderiert werden? Und darf man „einfach so“ löschen …?
Soll ich’s lieber lassen? Über den Umgang mit Kommentaren Rating: 4.65/5 17 Votes Weitersagen ausdrücklich erwünscht ツ
Benjamin Brückner ist Schriftsteller, Journalist und Blogger. Nach Tätigkeiten in Hörfunk- und Fernsehredaktionen veröffentlichte er zwei Bücher und kooperiert mit anderen Unternehmern. Sein Blog umfasst Rezensionen, Lesetipps und Analysen zu gesellschaftlichen Themen.
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21 Reaktionen zu “Soll ich’s lieber lassen? Über den Umgang mit Kommentaren”
Tina 10. Dezember 2015 um 10:13
Ha, das kenne ich nur zu gut. In meinem Blog bat mich auch letztens jemand seinen Kommentar wieder zu entfernen. Ich hatte frecherweise vorher, das Recht gönne ich mir, von seinem ellenlangen Kommentar mit zig Verlinkungen zu ihm hin, die Links entfernt und nur noch den Link zu seiner Website erlaubt! Daraufhin bekam ich die Aufforderung, den Kommentar wieder zu löschen, weil er sich angeblich in seiner Kommentatorfreiheit bedrängt fühlte ( Die Leute werfen mit Begriffen um sich, deren Wörter erst noch erfunden werden müssen ;-) ) Sachen gibt´s ;-)
Ich bin dann seiner Aufforderung nachgekommen um einfach Ruhe zu haben.
Viele nutzen das Kommentarfeld einfach nur für Spam oder sonstigen Müll, nur um irgendwie gesehen zu werden.
Allerdings bin ich mir nicht sicher, wie es rechtlich aussieht, wenn man mich bittet, einen Kommentar wieder zu entfernen und ich würde nicht auf die Bitte eingehen. Käme da Ärger auf mich zu? Auch habe ich schon festgestellt, das viele meiner Kommentare bei einigen Bloggern gar nicht frei geschaltet werden, obwohl ich vernünftig und freundlich kommentiere. Ich finde diese Art nicht gerade ladylike und besuche diese Blogs auch schon gar nicht mehr. LG Tina
Antworten Benjamin Brückner 10. Dezember 2015 um 10:58
„Kommentatorfreiheit“ – nicht schlecht! Ich würde sagen, es kommt drauf an, was in dem Kommentar steht und wer dich dazu auffordert, diesen zu löschen.
Kommentare nicht freizuschalten, obwohl sie freundlich und im Rahmen der Blogbedingungen geschrieben sind, halte ich für sehr unhöflich und verkehrt. Dies sollte wirklich das letzte Mittel sein.
Antworten Florine Calleen 10. Dezember 2015 um 10:54
Ausgezeichnete Stellungnahme, so ähnlich diskutiere ich das auch immer mit den Teilnehmern meiner Kurse. Ein faires Maß an Kritik hinnehmen (und als Chance wertschätzen), Pöbeleien und Beleidigungen gegen wen auch immer nicht dulden!
Deswegen müssen Kommentare moderiert werden. In den Netzwerken kann man es so machen: Kann man nicht moderieren, dann der Community mitteilen, dass man den Post aus dem und dem Grund entfernen wird. In 99% aller Fälle finden das die anderen gut!
Antworten Benjamin Brückner 10. Dezember 2015 um 14:05
danke dir. Ich bin auch der Ansicht, dass Kritik mit einem Grundrespekt vorgetragen werden sollte. Die Moderation von Kommentaren regt oft diejenigen besonders auf, die diesen Grundrespekt in einer Debatte vermissen lassen.
Wichtig ist wie gesagt, dass die Moderation anhand transparenter und nachvollziehbarer Richtlinien erfolgt. Viele Grüße
Antworten Andreas Quinkert 10. Dezember 2015 um 15:19
Ja, äh … das sollten wir hier auf ZIELBAR dann aber auch mal offenlegen. :D Obwohl wir insgesamt ja eh schon total transparent sind, wie ich finde. Schönes To-do für dich, Benjamin! ;)
Antworten Benjamin Brückner 10. Dezember 2015 um 19:40
Vieles geht ja auch mit dem gesunden Menschenverstand einher, was die Richtlinien für Kommentare betrifft. Aber stimmt, wäre gut, das auch für Zielbar nochmal zu formulieren. ;)
Antworten Finanzwesir 17. Dezember 2015 um 16:05
„Wichtig ist wie gesagt, dass die Moderation anhand transparenter und nachvollziehbarer Richtlinien erfolgt.“
Das finde ich nicht. Mein Haus, meine Regeln. So halte ich es bei mir. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig und schalte nur das frei, was meiner Meinung nach zum Blog paßt.
Ich sehe mich da eher wie ein Türsteher, der jeden Abend dafür sorgen muß, dass die Mischung stimmt. Du schreibst:
„Laut den Kommunikationswissenschaftlern der Studie verschlechtert schon das bloße Vorhandensein von Kommentaren die „wahrgenommene Inhaltsqualität des Beitrags“, aber auch die „wahrgenommene Vermittlungsqualität“. Dann machen die Blogger-Kollegen da etwas falsch. Die Kommentare der Community müssen den Blog-Beitrag ergänzen oder fundiert kritisieren. Nur dann wird ein Besucher auch etwas davon haben.
Mein Artikel ist die Basis, die Kommentare meiner Leser und Leserinnen fügen wichtige Aspekte hinzu.
Spammer, Trolle, Link-Ablaicher fliegen raus. Nachteil: Ich schalte Kommentare nicht sofort frei und ich folge jedem Link, der gepostet wird, um sicherzustellen, dass er zum Thema paßt.
Damit wird das Kommentare freischalten zu einem zusätzlichen Arbeitsschritt.
Hat sich aber in meinen Augen bewährt. Gruß
Antworten Benjamin Brückner 17. Dezember 2015 um 17:05
ich fürchte, da hast du mich missverstanden. Was die Eigenverantwortung angeht, schreibe ich:
„Der Webseitenbetreiber entscheidet, ob und in welcher Form er Diskussionen zulässt.“
Das deckt sich mit deiner Aussage zu den intern aufgestellten Regeln. Natürlich kannst du deine Kommentarpolitik so führen, wie du willst. Doch je undurchsichtiger, je schwerer nachvollziehbar diese Politik ist, desto mehr Ablehnung riskierst du. Wenn Kommentare ohne ersichtliche Gründe einfach gelöscht werden, bekommen die User den Eindruck, unfair behandelt zu werden und einer willkürlichen Diskussion zu unterliegen. Daher ist die Transparenz sinnvoll.
In der Studie wurde nachgewiesen, dass selbst konstruktive Kommentare den Wert journalistischer Texte nicht steigern. Für diesen Effekt scheint es nicht relevant zu sein, wie gut dieser Text geschrieben wurde. Das ist eine verblüffende Erkenntnis, die mit Sicherheit kleine wie große Medien zum Nachdenken über den Nutzen einer Kommentarfunktion bringen wird. Auch wir behalten uns den Schritt einer Prüfung jedes Kommentars vor, bevor wir diesen veröffentlichen. Für uns ist das ein wichtiger Schritt, um der redaktionellen Sorgfaltspflicht nachzukommen.
Antworten Hans 10. Dezember 2015 um 15:49
Ich freue mich über Kommentare und, sie dürfen ruhig auch kritisch sein. Konstruktive Kritik zu löschen wäre ein Fehler. Wenn sich jemand die Zeit nimmt, sich Gedanken macht, warum soll ich denn das löschen? Allerdings sollten (wie schon angesprochen) demjenigen Tugenden wie Höflichkeit, Respekt und Achtung, nicht vollkommen fremd sein.
Sollten Beleidigungen oder Gesetzes-Grenzwertigkeiten im Spiel sein, dann wird der Kommentar nicht freigeschaltet. Ich habe die Kommentare so eingestellt, dass nach einer Moderation, weitere direkt online gehen. Habe bisher keine schlechten Erfahrungen damit.
Reine Werbe-Kommentare gehen in den Papierkorb. Es gibt in der Tat immer noch Menschen, die Vornamen haben wie: „Kredit, ***shop“ und was es sonst noch alles für keys gibt.
Antworten Benjamin Brückner 10. Dezember 2015 um 16:45
das hört sich nach einer sinnvollen und transparenten Moderation an. Konstruktive Kritik zu löschen wäre fatal. So würden Entwicklungspotenzial und natürlich auch die Fairness verloren gehen. Ich frage mich auch, warum heutzutage noch solche plumpen Werbekommentare geschrieben werden. Die schaden nur dem Image des Kommentators und letztendlich ist nichts damit gewonnen.
Antworten Steve Brattig 10. Dezember 2015 um 17:08
Hallo Hans, danke für deinen Kommentar. Wir schalten hier bei ZIELBAR auch bei mehreren Kommentaren nicht automatisch frei. Leider gibt es noch immer welche, bei denen die unliebsamen Kommentare erst nach den dritten oder vierten Kommentar losgehen. Manchmal sogar so subtil, dass man es selbst nicht oder zu spät mitbekommt. Daher haben wir uns für diese Vorgehensweise entschieden.
Ich hab gleich mal deinen Blog besucht. Sag mal, hast du nicht Lust bei unserer aktuellen Blogparade teilzunehmen? Infos findest Du hier …
http://www.zielbar.de/blogparade-online-tools-toolparade-6800/
Antworten Hans 10. Dezember 2015 um 20:01
Eure Blogparade hab ich natürlich schon gesichtet.
Da wird mir vermutlich auch was zu einfallen. Steht also auf meiner todo.;-)
Antworten Steve Brattig 10. Dezember 2015 um 17:27
Lieber Benjamin, Glückwunsch zu diesen sehr werthaltigen Artikel. Du hast mal wieder ins Wespennest gestochen und mich mit deinen Zeilen erneut zum Nachdenken gebracht. Zwinker
Oft lese ich mir, nach Lektüre eines sehr interessanten Beitrags, gezielt alle Kommentare durch. Gerade dann hoffe ich darauf, dass das Kernthema mit konstruktive Kritik weiter ausgeweitet wird. Sofern ich jedoch nur Spam und sinnfreie Meinungsäußerungen lese, verlasse ich die entsprechende Seite zeitgleich und denke mir: „Eigentlich schade…“. Ich halte es daher für unumgänglich, dass Administratoren ein gewisses Niveau sicherstellen und entsprechenden Aufwand betreiben. Zuviel Zensur war jedoch noch nie ein Erfolgsgarant!
Grüße quer durch die Stadt, Steve
Antworten Benjamin Brückner 10. Dezember 2015 um 19:36
vielen Dank. Das Thema ist in der Tat sehr komplex und vielschichtig. Deswegen war es mir besonders wichtig, hervorzuheben, dass eine Kommentarfunktion ein freiwilliges Angebot ist, das nicht dazu berechtigt, Beleidigungen oder diffamierende Äußerungen zu tätigen. Mit geht es bei spannenden Beiträgen ähnlich wie dir. Manchmal empfinde ich es aber auch wie der „Popcorn-Zuschauer“ in meinem Beispiel. Der ausufernde, teils völlig irrationale und polemische Schlagabtausch kann recht unterhaltsam sein. Trotzdem stimme ich dir zu, dass ein Administrator bzw. eine Redaktion einen gewissen Standard wahren muss. Zensur ist das nicht, wie Florian Freistetter gut darlegt:
Antworten Stephan 黒 11. Dezember 2015 um 0:18
Spannender Artikel. Das Spamproblem kennt wohl jeder Blogger.
Die Kommentare abzustellen finde ich auch falsch. Das nimmt einem Blogger die Möglichkeit sich mit seinen Lesern konstruktiv auszutauschen. (ob das auf den meisten Blogs der Fall ist steht auf einem anderen Blatt ;)
Kleine Anmerkung am Rande: ich denke nicht, dass man zur Besprechung der Kommentar-Frage gleich das Grundrecht heranziehen muss/sollte. Art. 2 GG hin oder her Grundrechte sind primär Abwehrrechte gegen den Staat. Wer die braucht, um eine Meinung zu begründen ist entweder das BverfG oder er bewegt sich meistens auf dünnem Eis. ( weil ihm die andere Argumente ausgegangen sind und er jetzt die große Keule Grundrechte hohlen muss.)
Auf mich wirkt das immer wie mit Kanonen auf Spatzen schießen.
Ich finde den Gedanken schon absurd, nur weil ein Kommentar gelöscht oder nicht zugelassen wird von Meinungsfreiheit anzufangen. Wenn jemand Spam schreibst oder unhöflich ist, dann muss sich die Person nicht wundern wenn der Kommentar nicht auftaucht. Der Blogbetreiber macht sich in der Regel mit seinem Blog viel Arbeit, da muss er sich nicht noch mit unliebsamen Kommentaren beschäftigen.
Nicht falsch verstehen: Ich lasse auf meinem Blog so ziemlich jeden Kommentar zu der eine Meinung zu einem Thema hat (auch wenn nur jemand seinen Link Posten möchte und das ganze irgendwie passt).
Die Grenzen liegen bei mir beim Spam. Das ist dann kein Kommentar den ich zulassen muss.
Antworten Benjamin Brückner 11. Dezember 2015 um 9:50
danke für dein Feedback. Ich kann deinen Eindruck nachvollziehen, sehe jedoch insbesondere bei diesem Thema die Notwendigkeit, das Grundgesetz heranzuziehen, denn nichts anderes tun viele Trolle in ihrer Argumentation. Da ist dann von der Beschneidung der Meinungsfreiheit, von Zensur und anderen Dingen die Rede. Und da hast du recht, das ist absurd.
Ich halte das für gefährlich, da hier Irrtümer vorliegen, die in aller Konsequenz das Vertrauen in den Sinn substanzieller Rechte schwächen und natürlich auch die Qualität der Kommunikation im Netz schmälern.
Insofern war es für mich besonders wichtig, ganz bewusst das Grundgesetz heranzuziehen, denn bereits dort wird klar, dass Meinungsfreiheit in Deutschland etwas anderes ist als z. B. die freedom of speech.
Darüber hinaus ist die (hochemotionale) Kommentar-Debatte ein Thema, das alle Medien betrifft, die sich online bewegen. Daher halte ich es für angemessen, in dieser Diskussion das GG als Fundament heranzuziehen.
Was genau ist für dich Spam? Das Aufdrängen von Produkten und / oder Dienstleistungen in den Kommentaren? Bei mir wäre es nämlich schon das von dir beschriebene reine Setzen von Links.
Antworten Andreas Quinkert 11. Dezember 2015 um 10:51
Da stimme ich Benjamin absolut zu, denn es sind in aller Regel die „problematischen“ Kommentatoren, die sich hier auf irgendwelche imaginierten Rechte berufen (vgl. den Kommentar von Tina Gallinaro weiter oben: „Kommentarfreiheit“). Deshalb war es uns wichtig, das Ganze am Rande auch mal in einem juristischen bzw. grundgesetzlichen Kontext zu diskutieren. Denn insbesondere in diesem Punkt geistern nun einmal viele Irrtümer durchs Netz.
Antworten Peter Ehrlich 11. Dezember 2015 um 10:20
Ein gut recherchierter Beitrag, der viele Fakten beinhaltet, vor allem das Recht betreffend. Was mir fehlt ist die Inspiration, wie man Pöblern wirklich begegnet. Im Abschnitt Shitstorm wurde über das schlechte Niveau der Eckkneipen-Diskussionen gesprochen. Ich gehe einmal zurück in DDR-Zeiten, denn heute gibt es das kaum noch. Die Kneipe war eine gemütliche Arena philosophischer Betrachtungsweisen. Nicht wissenschaftlich aber authentisch. Man kannte sich. Es gab eine ungeschriebene Netiquette, wie man heute sagen würde. Sie war raubeinig, eindeutig und versöhnend. Selbst der griechische Philosoph Sokrates ließ sich auf dem Athener Markt von Marktweibern, die ihre Waren feilbieten inspirieren. Hier lernte er auch seine spätere Frau Xanthippe kennen. Was ich damit sagen will, das sprachliche Niveau sollte nicht immer das Maß der Dinge sein. Verständnis, Respekt und Beachtung sollten in den Kommentaren vorherrschen. Wenn jemand nach seiner Ansicht etwas daneben liegt, sollte man das in einem höflichen Ton sagen. Genau das ist das Thema. Ein Pöbler beleidigt und niemand schreitet ein. Mit Gesetzlichen Bestimmungen ist das nicht zu regeln. Diese haben sowohl in der DDR die Meinungsfreiheit eingeschränkt und tun das auch im heutigen Deutschland. Ich will aber Meinungsfreiheit nicht thematisieren, das würde am Hauptthema vorbeigehen.
Antworten Benjamin Brückner 11. Dezember 2015 um 11:16
auch dir danke für deinen Kommentar und das Kompliment zum Beitrag.
Keinesfalls wollte ich Eckkneipen schlecht machen. Ich komme ursprünglich aus Ost-Berlin und da gab es bis vor wenigen Jahren noch eine rege Kneipenlandschaft. Leider sind die Lokale nach und nach weggebrochen und damit auch ein Stück Kiez-Charme.
Sprachlich muss eine Diskussion nicht immer hochvergeistigt und verspielt-verschachtelt ablaufen. Ich mochte schon im Studium (Philosophie) nicht die Art und Weise, einfache Sachverhalte verschwurbelt und überladen zu diskutieren. Je einfacher, desto verständlicher, desto besser – so sehe ich das.
Ja, Respekt ist das Stichwort und Höflichkeit die Kür. Deswegen gibt es auch nicht „die“ Anleitung, wie mit Kommentaren umgegangen werden sollte. Letztendlich muss der Betreiber eines Online-Angebots selbst abwägen, wann eine Sperrung sinnvoll ist und wann nicht. Die Gesetze und das Konzept von Respekt sind meiner Meinung nach da gute Ankerpunkte, an denen man sich bei der Entscheidung orientieren sollte.
Daher würde ich sagen: Pöblern selbstbewusst und konsequent, aber nicht dogmatisch begegnen. Man kann sich mit ihnen auf eine Diskussion einlassen, aber man muss es nicht.
Antworten Jessika 14. Januar 2016 um 8:04
Danke für diese komplexe und dennoch auf den Punkt gebrachte Abhandlung. Hat mir viele Denkanstöße gegeben. Ich hatte bisher erst einen Kommentar auf meinen Blog, der richtig unter die Gürtellinie ging. Da habe ich auch überlegt, ob ich ihn löschen soll. Dann kam mir aber der Gedanke: Wiegt ein schlechter Kommentar etwa so viel wie 10 gute? (Der Blogpost wurde allgemein positiv angenommen) Nein tut er nicht! Genau deswegen habe ich mich bewusst dafür entschieden, den Kommentar freizuschalten. Hat mich selbst sogar ein bisschen stolz gemacht, da ich manchmal recht sensibel auf Kritik reagieren. Für mich war das so wie „dem Feind ins Auge sehen“ :D
Jessika von
jf-texte.de/blog
Antworten Michelle 10. März 2016 um 4:39
Essentiell ist sicher, dass man sich um die vorhandenen Kommentare auch kümmert – gerade wenn auf der betreffenden Website heikle und kontroverse, z.B. politische, Themen besprochen werden. Nicht nur aus rechtlichen Gründen, sondern auch um Präsenz zu zeigen.
Gerade für „persönliche“ Blogger und Seitenbetreiber, die alleine oder in einem kleinen Team arbeiten, halte ich es für unabdingbar, auf Kommentare zu antworten. Spam und rein destruktive Kommentare kann man durchaus löschen finde ich – schließlich ist der eigene Blog ja wie ein „Wohnzimmer“, in dem sich alle Gäste wohlfühlen sollen und man nur Leute hinein lässt, die das auch respektieren. ;)
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