Source: https://www.jusmeum.de/urteil/bverwg/bverwg_1-WDS-VR-4-07
Timestamp: 2019-05-26 01:25:17
Document Index: 228745026

Matched Legal Cases: ['§ 33', '§ 123', '§ 3', '§ 51', '§ 3', '§ 123', '§ 28', '§ 17', '§ 18', '§ 23', '§ 18', '§ 17', '§ 17', '§ 21', '§ 123', '§ 123', '§ 17', '§ 21', '§ 1', '§ 6', '§ 7', '§ 7', '§ 23', '§ 12', '§ 16', '§ 6', '§ 51', '§ 2', '§ 17', '§ 20', '§ 21', '§ 4']

BVerwG, 1 WDS-VR 4.07: Weiterbildung, Neue Beweismittel, Klinikum, Dienstzeit
Urteil des BVerwG vom 26.06.2007, 1 WDS-VR 4.07
1 WDS-VR 4.07
Weiterbildung, Neue Beweismittel, Klinikum, Dienstzeit
Weiterbildung, Neue Beweismittel, Klinikum, Dienstzeit, Rechtsschutz, Verweigerung, Verfügung, Hauptsache, Begriff, Beschwerdefrist
BVerwG 1 WDS-VR 4.07
des Herrn Oberstabsarzt Dr. ..., ...,
am 26. Juni 2007 beschlossen:
1Der Antragsteller begehrt im Wege des vorläufigen Rechtsschutzes, das Bundesministerium der Verteidigung, Personalamt der Bundeswehr, zu verpflichten,
ihm vorläufig die Weiterführung der Weiterbildungsmaßnahme „Subspezialisierung Gefäßchirurgie“ zu gewähren.
2Der 1963 geborene Antragsteller ist Soldat auf Zeit mit einer auf zwölf Jahre
festgesetzten Dienstzeit, die mit Ablauf des 31. Dezember 2007 endet. Zum
Oberstabsarzt wurde er am 16. Februar 2003 ernannt. Derzeit wird er als Sanitätsstabsoffizier im Bundeswehrkrankenhaus B. verwendet.
3Der Antragsteller leistete vom 1. Juli 2003 bis zum 31. März 2007 Dienst als
Sanitätsstabsoffizier im Bundeswehrkrankenhaus L. Mit Verfügung vom 6. Juni
2003 wurde er für die Zeit vom 1. Juli 2003 bis zum 30. Juni 2004 an das Städtische Klinikum ... in L. kommandiert, um dort an einer Weiterbildung mit dem
Ziel der Subspezialisierung für Gefäßchirurgie teilzunehmen. Nach Ende des
Kommandierungszeitraums erkrankte der Antragsteller und wurde nach seiner
Genesung wieder als Arzt am Bundeswehrkrankenhaus L. eingesetzt. Da die
Weiterbildungsordnung der Sächsischen Ärztekammer für die Weiterbildung
„Subspezialisierung Gefäßchirurgie“ eine Dauer von zwei Jahren festlegt, war
geplant, den Antragsteller ab dem 1. Dezember 2006 für ein weiteres Jahr an
das Städtische Klinikum ... zu kommandieren.
4Am 23. Juni 2006 leitete der Wehrdisziplinaranwalt für den Bereich Sanitätskommando ... gegen den Antragsteller disziplinare Vorermittlungen ein. Im Juli
2006 wurde die Sache gemäß § 33 Abs. 3 WDO wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen an die Staatsanwaltschaft L. abgegeben (dort Az.: ...) und das Disziplinarverfahren bis zur Beendigung des
Strafverfahrens ausgesetzt. Dem Antragsteller wird vorgeworfen, einen Entlassungsbericht für einen Patienten unterzeichnet zu haben, in dem es u.a. heißt,
die laborchemischen Parameter lägen im Normbereich, obwohl dem Antragstel-
ler gleichzeitig ein Laborbefund vorgelegen habe, wonach erhöhte Laborwerte
auf einen pathologischen Befund hinwiesen, der den Antragsteller - neben weiteren beschuldigten Ärzten - dazu hätte veranlassen müssen, den Patienten u-
rologisch untersuchen zu lassen.
5Mit Schreiben des Personalamts der Bundeswehr vom 31. Juli 2006 wurde dem
Antragsteller mitgeteilt, dass in der bisherigen Planung seiner weiteren Verwendung eine Weiterbildung zum Schwerpunkt Gefäßchirurgie vorgesehen gewesen sei. Hierzu sei im Personalgespräch am 9. Dezember 2005 eine einjährige Kommandierung an eine zivile Klinik in die Planung aufgenommen worden.
Aufgrund der Ermittlungen wegen des Verdachts einer Straftat sei gemäß
Nr. 135 ZDv 20/7 von förderlichen Maßnahmen, zu denen auch eine Kommandierung zur zivilen Aus- und Weiterbildung zähle, zumindest bis zum Abschluss
der Untersuchungen abzusehen. Der Antragsteller werde auf dem bisherigen
Dienstposten in der bisherigen Verwendung weiter eingesetzt.
6Unter dem 12. Oktober 2006 wurde dem Antragsteller ein „Aktenvermerk über
eine Personalmaßnahme“ des Personalamts der Bundeswehr übersandt. In
dem Aktenvermerk wird u.a. ausgeführt, dass aufgrund des laufenden Vorgangs beim Wehrdisziplinaranwalt derzeit von jeder förderlichen Personalmaßnahme abzusehen sei, so dass die zunächst vorgesehene einjährige zivile Weiterbildung mit Beginn zum 1. Dezember 2006 nicht umgesetzt werden könne.
Es sei vorgesehen, den Antragsteller bis zum 31. März 2007 im Bundeswehrkrankenhaus L. zu belassen und zum 1. April 2007 an das Bundeswehrkrankenhaus B. zu versetzen.
7Mit Verfügung des Personalamts der Bundeswehr vom 17. Oktober 2006 wurde
der Antragsteller an das Bundeswehrkrankenhaus B. versetzt, wo er seit dem
2. April 2007 Dienst leistet.
8Mit Schriftsatz seiner Bevollmächtigten vom 4. Dezember 2006 forderte der Antragsteller das Personalamt der Bundeswehr auf, die Wehrbereichsverwaltung
Ost zu veranlassen, im Zusammenhang mit der mit dem Städtischen Klinikum
... in L. getroffenen Rahmenvereinbarung einen Vertrag zur Fortsetzung der
Weiterbildung „Gefäßchirurgie“ zu schließen.
9Mit Schreiben vom 19. Dezember 2006 an die Bevollmächtigten des Antragstellers wies das Personalamt der Bundeswehr nochmals auf die disziplinaren Vorermittlungen und auf die Abgabe der Sache an die Staatsanwaltschaft hin. Eine
Teilnahme an der Weiterbildung komme gemäß Nr. 135 ZDv 20/7 nicht in Betracht. Gründe für die Annahme eines Härtefalles seien nicht erkennbar.
10Mit Schriftsatz vom 15. Januar 2007 schlugen die Bevollmächtigten des Antragstellers vor, die Dienstzeit des Antragstellers zum 31. Januar 2007 einvernehmlich zu beenden. Mit Bescheid vom 17. Januar 2007 lehnte das Personalamt der Bundeswehr dieses Begehren, das es als Antrag auf Verkürzung der
Dienstzeit von SaZ 12 auf SaZ 11 Jahre und 1 Monat auslegte, mangels eines
dienstlichen Interesses an der Entlassung des Antragstellers ab.
11Unter dem 5. März 2007 beantragte der Antragsteller durch seine Bevollmächtigten beim Verwaltungsgericht L. den Erlass einer einstweiligen Anordnung mit
dem Ziel, das Personalamt der Bundeswehr zu verpflichten, ihm vorläufig die
Weiterführung der Weiterbildungsmaßnahme „Subspezialisierung Gefäßchirurgie“ zu gewähren.
12Mit Beschluss vom 23. April 2007 (Az.: ...) erklärte das Verwaltungsgericht L.
den Rechtsweg zu den Verwaltungsgerichten für unzulässig und verwies den
Rechtsstreit an das Bundesverwaltungsgericht - Wehrdienstsenate -.
13Zur Begründung seines vor dem Senat weiterverfolgten Begehrens trägt der
Antragsteller insbesondere vor:
Es sei fraglich, ob das ihm vorgeworfene Fehlverhalten tatsächlich strafrechtlich
zu sanktionieren sei. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand gehe er nur von einem geringen Mitverschuldensanteil aus, so dass auch seine strafrechtliche
Verantwortung als gering einzustufen sei. Die ZDv 20/7 könne nicht als Grundlage für die Verweigerung der Weiterbildung dienen. Nach der Vorbemerkung in
Nr. 1 ZDv 20/7 würden in dieser ausschließlich Regelungen über die Beförde-
rung, Einweisung in Planstellen, Einstellung und Übernahme sowie für die Zulassung zur Laufbahn der Laufbahngruppen der Mannschaften, Unteroffiziere
und Offiziere getroffen, nicht jedoch Regelungen über die Verweigerung einer
Weiterbildung. Zudem sei seine Weiterbildung keine „Förderung“ im Sinne von
Nr. 135 ZDv 20/7. Die ZDv 20/7 biete allenfalls die Grundlage dafür, den Beginn
einer Fördermaßnahme zu verhindern, nicht jedoch - wie hier - eine bereits begonnene Weiterbildung zu unterbrechen. Bei Nr. 135 ZDv 20/7 handele es sich
um eine Ermessensvorschrift; ein Ermessen habe das Personalamt jedoch
nicht ausgeübt. Die Weiterbildungsmaßnahme sei ihm, dem Antragsteller, verbindlich zugesagt worden, sodass er nun einen Rechtsanspruch auf deren Fortsetzung habe. Schließlich sei die Verweigerung der Weiterbildung auch willkürlich, da der Vorgesetzte des Antragstellers, Oberstarzt B., gegen den in derselben Strafsache ermittelt werde, während des laufenden Ermittlungsverfahrens
am 1. Oktober 2006 zum Chefarzt des Bundeswehrkrankenhauses L. ernannt
das Bundesministerium der Verteidigung, Personalamt der Bundeswehr, gemäß § 123 Abs. 1 Satz 2 VwGO zu verpflichten, ihm vorläufig die Weiterführung der Weiterbildungsmaßnahme „Subspezialisierung Gefäßchirurgie“ zu gewähren.
15Mit Schreiben vom 1. Juni 2007 teilte der Bundesminister der Verteidigung
- PSZ I 7 - dem Antragsteller mit, dass die Voraussetzungen zum Erlass einer
Entscheidung nach § 3 Abs. 2 WBO nicht vorlägen. Die Ablehnung der Fortsetzung der Weiterbildung sei bestandskräftig. Auch bestehe keine Veranlassung,
eine neue Entscheidung über die Fortführung der Weiterbildungsmaßnahme zu
treffen; Gründe im Sinne des § 51 VwVfG lägen nicht vor. Hinsichtlich des Antrags auf Erlass einer einstweiligen Anordnung beantragt der Bundesminister
der Verteidigung,
Dem Antrag fehle bereits das Rechtsschutzbedürfnis. Der Antragsteller hätte 16
eine Regelung entsprechend einer einstweiligen Anordnung auch gemäß § 3
Abs. 2 WBO erreichen können. Einen solchen Antrag habe er jedoch vor dem
Antrag auf Gewährung von vorläufigem Rechtsschutz durch die Gerichte nicht
gestellt. Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung sei außerdem unstatthaft. Anders als nach der Verwaltungsgerichtsordnung sei die Gewährung
von vorläufigem Rechtsschutz im Rahmen der Wehrbeschwerdeordnung immer
auch von der Einlegung des Hauptsacherechtsbehelfs in Form der Beschwerde
abhängig; diesen habe der Antragsteller jedoch nicht eingelegt. Der Antrag auf
Erlass einer einstweiligen Anordnung sei ferner auch deshalb unzulässig, weil
die Weiterführung der Weiterbildungsmaßnahme mittlerweile bestandskräftig
abgelehnt worden sei.
Der Antrag sei im Übrigen auch offensichtlich unbegründet. Gemäß Nr. 134 17
ZDv 20/7 könne jedes Dienstvergehen Auswirkungen auf eine mögliche Förderung, wozu ausdrücklich auch Verwendungsentscheidungen gehörten, haben.
Der Antragsteller sei entgegen seinem Vortrag auch nicht von einer laufenden
Weiterbildung abgelöst worden. Mit der Kommandierung an das Städtische Klinikum ... für die Zeit vom 1. Juli 2003 bis zum 30. Juni 2004 sei ein Teil der
Weiterbildung abgeschlossen gewesen. Die geplante Fortsetzung der Weiterbildung hätte einer entsprechenden neuen Entscheidung, nämlich einer weiteren Kommandierung, bedurft; diese Kommandierungsverfügung sei eine Verwendungsentscheidung im Sinne von Nr. 134 ZDv 20/7. Wegen der disziplinaren Ermittlungen gegen den Antragsteller habe das Personalamt der Bundeswehr daher zu Recht die Weiterbildung abgelehnt. Aufgrund der Soll-Vorschrift
der Nr. 135 ZDv 20/7 sei das Personalamt der Bundeswehr bei seiner Ermessensausübung gebunden gewesen; dass es im Übrigen sein Ermessen ausgeübt habe, zeigten die Aussagen zur Frage des Vorliegens eines Härtefalls im
Schreiben vom 19. Dezember 2006.
18Für den Erlass einer einstweiligen Anordnung fehle es schließlich auch an einem Anordnungsgrund, weil die vom Antragsteller begehrte Weiterbildung,
auch wenn diese sofort angetreten würde, nicht mehr vor dem Ausscheiden des
Antragstellers aus dem Dienstverhältnis zu Ende geführt werden könnte. Gründe dafür, warum die Maßnahme unbedingt noch in der aktiven Dienstzeit des
Antragstellers begonnen werden müsse, seien weder ersichtlich noch vorgetragen worden.
19Wegen des Vorbringens im Einzelnen wird auf den Inhalt der Schriftsätze der
Beteiligten und der Akten Bezug genommen. Die im Zusammenhang mit dem
Antrag auf Weiterführung der Weiterbildungsmaßnahme angefallenen Verwaltungsvorgänge, die Personalgrundakte des Antragstellers und die Akte des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht (Az.: ...) haben dem Senat bei der Beratung vorgelegen.
20Der Antrag auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes ist unzulässig.
21Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung ist in entsprechender Anwendung von § 123 VwGO auch im wehrdienstgerichtlichen Verfahren grundsätzlich statthaft (stRspr, vgl. Beschlüsse vom 17. Juni 1992 - BVerwG 1 WB
46.92 - DokBer B 1993, 197, vom 24. August 1993 - BVerwG 1 WB 56.93 -
BVerwGE 93, 389 <390>, vom 16. August 2004 - BVerwG 1 WDS-VR 4.04 -
und vom 30. Juni 2005 - BVerwG 1 WDS-VR 2.05 -).
22Der Senat ist zur Entscheidung über den Antrag berufen. Die - auch im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes zulässige (Beschluss vom 27. Mai 2004
- BVerwG 1 WDS-VR 2.04 - Buchholz 236.1 § 28 SG Nr. 4; anderer Ansicht
Böttcher/Dau, WBO, 4. Aufl. 1997, § 17 Rn. 137, § 18 Rn. 91) - Verweisung
durch das Verwaltungsgericht (§ 23 Abs. 7 i.V.m. § 18 Abs. 3 WBO) ist entsprechend § 17a Abs. 2 Satz 3 GVG hinsichtlich des Rechtswegs zu den Wehrdienstgerichten bindend. Das Bundesverwaltungsgericht - Wehrdienstsenate -
ist auch das sachlich zuständige Gericht. Zuständig für Anträge auf vorläufigen
Rechtsschutz ist das Gericht, das über den Hauptantrag zu entscheiden hat
bzw. - wenn die Hauptsache noch nicht anhängig ist - über den entsprechenden
Hauptsacherechtsbehelf zu entscheiden hätte (vgl. Böttcher/Dau, a.a.O., § 17
Rn. 146). Das ist hier das Bundesverwaltungsgericht, weil über Beschwerden
gegen Maßnahmen des Personalamts der Bundeswehr der Bundesminister der
Verteidigung entscheidet, gegen dessen Entscheidung wiederum der Antrag auf
gerichtliche Entscheidung unmittelbar zum Bundesverwaltungsgericht eröffnet
ist (§ 21 Abs. 1 WBO).
23Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung ist jedoch mangels
Rechtsschutzbedürfnisses unzulässig, weil das Begehren des Antragstellers,
die Weiterbildung „Subspezialisierung Gefäßchirurgie“ im Wege einer (zweiten)
Kommandierung an eine geeignete Klinik für die Dauer eines weiteren Jahres
fortführen (und abschließen) zu können, durch das Schreiben des Personalamts der Bundeswehr vom 31. Juli 2006 bestandskräftig abgelehnt worden ist
(vgl. Schoch, in: Schoch/Schmidt-Aßmann/Pietzner, VwGO, Stand 2006, § 123
Rn. 102; Redeker/von Oertzen, VwGO, 14. Aufl. 2004, § 123 Rn. 16). Da über
das Begehren in der Hauptsache bei summarischer Prüfung des Sachverhalts
bereits unanfechtbar entschieden ist, geht der Antrag auf eine vorläufige Regelung ins Leere.
24Das Schreiben des Personalamts der Bundeswehr vom 31. Juli 2006 stellt eine
Maßnahme dar, die zum Gegenstand einer Beschwerde gemacht werden kann
und gemacht werden muss, wenn sie nicht in Bestandskraft erwachsen soll. Der
Begriff der Maßnahme im Sinne des § 17 Abs. 3 Satz 1 (i.V.m. § 21 Abs. 2
Satz 1) WBO setzt eine dem öffentlichen Recht zugehörige Handlung eines
Vorgesetzten oder einer Dienststelle der Bundeswehr voraus, die im Verhältnis
der Über- und Unterordnung getroffen oder erbeten wird; dabei kommt es nicht
darauf an, ob sie auch auf die Herbeiführung von Rechtswirkungen abzielt
(stRspr, grundlegend: Beschlüsse vom 25. März 1976 - BVerwG 1 WB 105.75 -
BVerwGE 53, 160 <161> und vom 12. November 1986 - BVerwG 1 WB 127.83,
97.84 - BVerwGE 83, 242 <246>). Zum Begriff der Maßnahme rechnen insbesondere auch ablehnende Entscheidungen auf Anträge des Soldaten sowie
Kommandierungen bzw. deren Ablehnung (vgl. Böttcher/Dau, a.a.O., § 1
Rn. 106). Die Mitteilung in dem Schreiben vom 31. Juli 2006, wonach von förderlichen Maßnahmen zugunsten des Antragstellers, zu denen auch eine
Kommandierung zur zivilen Aus- und Weiterbildung zähle, zumindest bis zum
Abschluss der strafrechtlichen Untersuchungen abgesehen werde, stellt eine
solche Maßnahme dar. Ausdrücklich und unmissverständlich wurde dem Antragsteller erklärt, dass die bis dahin geplante Fortsetzung der Weiterbildungsmaßnahme „Subspezialisierung Gefäßchirurgie“ und die damit verbundene einjährige Kommandierung an eine zivile Klinik nicht erfolgen und der Antragsteller
stattdessen weiter auf dem bisherigen Dienstposten und in der bisherigen Verwendung eingesetzt werde.
25Es ist weder dargetan noch sonst ersichtlich, dass der Antragsteller rechtzeitig
gegen diese mit dem Schreiben vom 31. Juli 2006 getroffene Maßnahme Beschwerde eingelegt hat. Nach § 6 Abs. 1 WBO muss eine Beschwerde spätestens binnen zwei Wochen, nachdem der Beschwerdeführer von dem Beschwerdeanlass Kenntnis erhalten hat, eingelegt werden. Der Antragsteller hat
das - von ihm als Anlage AS 7 zum Antragsschriftsatz vom 5. März 2007 vorgelegte - auf den 31. Juli 2006 datierte Schreiben des Personalamts offenkundig
erhalten. Es ist vom Antragsteller weder vorgetragen noch gibt es sonst Anhaltspunkte dafür, dass es bei der Übermittlung des Schreibens wesentliche
Verzögerungen gegeben hätte. Das genaue, aus den vorliegenden Akten nicht
ersichtliche Datum der Kenntnisnahme durch den Antragsteller kann daher dahingestellt bleiben. Denn der Antragsteller hat jedenfalls in hinreichender zeitlicher Nähe zu der Mitteilung, dass von einer Fortsetzung der Weiterbildung abgesehen wird, keine Beschwerde eingelegt. Soweit man in der Weigerung des
Antragstellers, den „Aktenvermerk über eine Personalmaßnahme“ vom
12. Oktober 2006 in dem Feld „Zustimmend zur Kenntnis genommen“ zu unterzeichnen (Beiakte zu Az. 25-02-12 372/07 Bl. 19), oder in dem Schriftsatz der
Bevollmächtigten des Antragstellers vom 4. Dezember 2006 sinngemäß (auch)
eine Beschwerde gegen das Schreiben des Personalamts vom 31. Juli 2006
sehen wollte, wäre diese nach dem Ablauf der Beschwerdefrist und damit verspätet erhoben. Im Übrigen hat der Antragsteller auch gegen das - den Inhalt
der Verfügung vom 31. Juli 2006 - bekräftigende Schreiben des Personalamts
der Bundeswehr vom 19. Dezember 2006 keinen Rechtsbehelf eingelegt.
26Der Antragsteller war auch nicht durch einen unabwendbaren Zufall im Sinne
von § 7 WBO an der Einhaltung der Frist gehindert. Insbesondere kommt eine
Verlängerung der Beschwerdefrist gemäß § 7 Abs. 2 WBO wegen fehlender
Rechtsbehelfsbelehrung nicht in Betracht. Auf diese Vorschrift kann sich ein
Beschwerdeführer nach der ständigen Rechtsprechung des Senats nur berufen,
wenn eine gesetzliche Verpflichtung bestand, ihm eine Rechtsmittelbelehrung
zu erteilen, oder wenn eine solche im Hinblick auf eine nicht vorauszusetzende
Kenntnis der Frist verfassungsrechtlich geboten war (Beschluss vom
4. November 2004 - BVerwG 1 WB 36.04 - m.w.N.). Nach ständiger Rechtsprechung des Senats bedürfen indessen truppendienstliche Erstmaßnahmen - wie
die hier angefochtene Mitteilung des Personalamts der Bundeswehr - keiner
Rechtsbehelfsbelehrung (vgl. Beschlüsse vom 25. April 1974 - BVerwG 1 WB
47, 74.73 - BVerwGE 46, 251 und vom 20. Juli 2004 - BVerwG 1 WDS-VR
3.04 - Buchholz 311 § 23 WBO Nr. 1 jeweils m.w.N.). Die Wehrbeschwerdeordnung schreibt Rechtsbehelfsbelehrungen verpflichtend nur für ablehnende Beschwerdeentscheidungen in § 12 Abs. 1 Satz 4 und § 16 Abs. 4 WBO vor. Eine
darüber hinausgehende verfassungsrechtliche Verpflichtung ist nicht ersichtlich.
Den Antragsteller auf die Frist des § 6 Abs. 1 WBO hinzuweisen, bestand rechtlich keine Veranlassung, weil diese Frist bei allen Soldaten als bekannt vorausgesetzt werden kann. Gleiches gilt für die Frage, wer „nächster Disziplinarvorgesetzter“ ist, bei dem die Beschwerde eingelegt werden kann (Beschluss vom
20. Juli 2004 a.a.O.).
27Die Bestandskraft des Schreibens vom 31. Juli 2006, mit dem das Personalamt
die Fortsetzung der Weiterbildungsmaßnahme abgelehnt hat, ist schließlich
auch nicht im Wege des Wiederaufgreifens des Verfahrens durchbrochen worden (zur entsprechenden Anwendung von § 51 VwVfG vgl. Beschlüsse vom
16. Mai 2002 - BVerwG 1 WB 7.02 - Buchholz 402.8 § 2 SÜG Nr. 2 und vom
13. Juni 2004 - BVerwG 1 WB 12.04 - Buchholz 402.8 § 17 SÜG Nr. 2 =
NZWehrr 2007, 78 jeweils m.w.N.). Der Bundesminister der Verteidigung
- PSZ I 7 - hat dem Antragsteller mit Schreiben vom 1. Juni 2007 mitgeteilt,
dass keine Veranlassung bestehe, eine neue Entscheidung hinsichtlich der
Weiterbildungsmaßnahme zu treffen. Der Antragsteller habe weder neue Beweismittel vorgebracht noch habe sich die Sach- und Rechtslage nach Bestandskraft der Ablehnung geändert. Auch seien die disziplinaren Ermittlungen
weiterhin bis zu dem - noch offenen - Abschluss des Strafverfahrens ausgesetzt. Es begegnet keinen rechtlichen Bedenken, dass der Bundesminister der
Verteidigung unter diesen Umständen ein Wiederaufgreifen des unanfechtbar
abgeschlossenen Verfahrens abgelehnt hat.
28Von der Belastung des Antragstellers mit Verfahrenskosten sieht der Senat ab,
weil er die Voraussetzungen des § 20 Abs. 2 i.V.m. § 21 Abs. 2 WBO zwar für
gegeben erachtet, der Antrag aber nicht mutwillig erscheint. Dies gilt auch für
das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, weil dieses Teil des Verfahrens vor
dem Bundesverwaltungsgericht ist (§ 4 Abs. 1 GKG).