Source: http://brasilienfreunde.net/testament-beguenstigte-ist-brasileira-t19701.html
Timestamp: 2017-11-22 09:16:54
Document Index: 15421234

Matched Legal Cases: ['Art. 21', 'Art. 10', '§ 1', 'Art. 10', '§ 1', 'Art. 5', 'Art. 25', 'Art. 10', '§ 1', 'Art. 25']

Testament, Begünstigte ist Brasileira. : Familie: Heirat, Kinder & Scheidung :: Brasilienfreunde Forum
von GatoBahia » Do 1. Okt 2015, 08:39
Ich hab wieder mal einen knifflichen Fall vorzubringen. Ich möchte ein Testament aufsetzen, das Erbe zugunsten meiner Kinder. Eins hat den deutschen Pass und das andere einen blauen mit Sternen drauf (brasilianisch). Hatte jemand schonmal so einen Fall oder kann Tipps geben
Re: Testament, Begünstigte ist Brasileira.
von cabof » Do 1. Okt 2015, 11:11
Hallo Gato, ic h hatte 2 Erbschaftsfälle DE/BR - ist glimpflich verlaufen - da ohne Testament und ohne Nachkommen. Ich habe gesehen, wie die Augen überquollen... dann haken die Leute im Kopf aus, wäre es zu Streitigkeiten gekommen, - oh je.
Okay, ich rate Dir in jedem Falle, das Testament von einem Notar aufsetzen zu lassen, zumal Kinder im Spiel sind und evtl.
die Mutter noch ein Wörtchen mitreden will. Ich persönliche wurde das Erbe so stellen, das die Kinder erst ab Volljährigkeit darüber verfügen können... wünsche Dir viel Glück bei der Entscheidungsfindung.
von Brazil53 » Do 1. Okt 2015, 13:38
Einige Grundsätze für den Erbfall
Für Deutsche gilt beim Erbfall das Staatsangehörigkeitsprinzip unabhängig in welchen Land du deinen Wohnsitz hast, es wird immer das deutsche Erbrecht angewendet.
Für Brasilianer gilt beim Erben, das Wohnsitzprinzip. Wenn dein Wohnsitz in Brasilien liegt, gilt das brasilianische Erbrecht
Und da fängt es an kompliziert zu werden. Es kommt jetzt darauf an ob du beim Ableben deinen Wohnsitz in Deutschland oder Brasilien hast.
Solltest du einen brasilianischen Wohnsitz haben, kann es sein, dass das Enterben der brasilianischen Mutter (eheähnliches Verhältnis) mit deutschen Testament unwirksam ist, weil brasilianisches Erbrecht angewendet wird.
Brasilianisches Erbrecht ist bei Streitigkeiten der Horror, selbst unberechtigte Forderungen können ein Erbe verzögern.
Selbst wenn das deutsche Testament absolut wasserdicht ist, wenden die deutschen Gerichte das brasilianische Erbrecht an. Da gibt es Sondervereinbarungen zwischen Brasilien und Deutschland.
Wenn dein Wohnsitz in Deutschland ist, dann ist vieles einfacher.
Aber ohne einen Anwalt, welche sich im besonderen auch mit dem internationalen brasilianischen Erbrecht auskennt, solltest du kein Testament aufsetzen.
von Fudêncio » Do 1. Okt 2015, 14:15
GatoBahia hat geschrieben: Ich hab wieder mal einen knifflichen Fall vorzubringen. Ich möchte ein Testament aufsetzen, das Erbe zugunsten meiner Kinder. ...
Sowohl in BRA als auch in D sind Kinder ohnehin in der gestezlichen Erbfolge vorgesehen. Und die kann auch nicht mit einem Testament umgangen oder ausgesetzt werden.
Wozu denn unbedingt ein Testament ???
Übrigens, die Staatsangehörigkeit der Erben ist unerheblich, entscheidend dürfte sein in welchem Land der Erblasser verstirbt, bzw. wo er seinen Wohnsitz hatte. Danach richtet sich dann das Erbrecht.
von Fudêncio » Do 1. Okt 2015, 14:18
Brazil53 hat geschrieben: .... mit dem internationalen brasilianischen Erbrecht auskennt,...
Was soll das denn sein ??? Das gibt´s doch gar nicht !?!?!?!
Entweder ist es brasilianische oder internationales Recht !
von ESMERALDAS » Do 1. Okt 2015, 14:24
Hierzu ein Schreiben des Generalkonsulats Recife vom 11.08.2015
Änderungen im Erbrecht ab 17.08.2015
das deutsche Generalkonsulat Recife möchte Sie auf wichtige Änderungen hinsichtlich des auf Erbfälle anwendbaren Rechts hinweisen.
Ab dem 17. August 2015 unterliegt die gesamte Rechtsnachfolge von Todes wegen dem Recht des Staates, in dem der Erblasser zum Zeitpunkt seines Todes seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt hatte (Art. 21 EU-ErbVO). Ausländische Regelungen zur gesetzlichen Erbfolge können erheblich von den deutschen erbrechtlichen Regelungen abweichen.
Das Merkblatt Erbrecht mit weiteren Informationen zu diesem Thema finden Sie unter dem Link www.recife.diplo.de (Konsularische Angelegenheiten).
Wenn Sie sich fragen, wie Sie am besten eine Nachlassregelung erreichen, die Ihren Wünschen entspricht; wenn Sie unsicher sind, wo Ihr gewöhnlicher Aufenthalt ist, was die Neuregelung für Sie ganz konkret bedeutet, oder wenn Sie sonstige Fragen in Bezug auf die Regelung Ihres Nachlasses haben, lassen Sie sich unbedingt von spezialisierten Anwälten oder Notaren beraten!
http://www.brasil.diplo.de/contentblob/4245684/Daten/5722247/Merkblatt_Erbrecht.pdf
Cheesytom, GatoBahia, Regina15, Urs
von GatoBahia » Do 1. Okt 2015, 14:44
Oha ist das kompliziert. Und wenn ich da unten geheiratet werde wird's bestimmt nicht einfacher? Auf dem Papier wird mein Hauptwohnsitz in Deutschland bleiben, falls was passiert sollen die Kinder das Geld bekommen aber erst wenn sie erwachsen sind. Eventuell sind sie ja so vernünftig und stecken es in die Ausbildung! (obwohl wenns meine Kinder sind eher unwarscheinlich)
von Brazil53 » Do 1. Okt 2015, 17:21
Natürlich gibt es ein internationales brasilianisches Erbrecht. Das ist Teil des brasilianischen internationalen Privatrechts. (IPR)
Das internationale Privatrecht von Brasilien ist im Lei de introducao ao codigo civil Brasileiro Decreto – lei N 4.657, de Setemro de 1942 (nachfolgend „L I 1942“) geregelt. Außerdem finden sich Regeln in der Bundesverfassung.
Bei Auseinandersetzungen im Familien- und Erbrecht mit Auslandsbezug kommen immer das IPR der beteiligten Staaten zum tragen. Dabei werden die jeweiligen Gesetze der Länder kollisionsrechtlich überprüft.
Es ist gar nicht selten, dass bei familienrechtlichen Auseinandersetzungen vor dem inländischen Gericht, die Sachrechte eines ausländischen Staates zur Anwendung kommen.
In diesen Fällen müssen die fremden Sachrechte ermittelt und auf eine korrekte Anwendung der ausländischen Rechtsnormen durch das inländische Gericht geachtet werden.
Fudêncio, da sind schon so einige aus allen Wolken gefallen, die ganz sicher waren, dass man bei Familienauseinandersetzungen von den deutschen Gesetzen geschützt wird. Und viele haben auch Glück, weil viele brasilianische Richter nicht mit dem internationalen brasilianischen Privatrecht vertraut sind.
Wie kompliziert im Ernstfall die Materie nach internationalen Privatrecht (IPR) sein kann, nur mal ein Beispiel:
1. Trifft es zu, dass das brasilianische internationale Erbrecht nicht an die Staatsangehörigkeit anknüpft, sondern an den letzten Wohnsitz (Domizil)?
Gilt dieses Wohnsitzprinzip uneingeschränkt oder nur für bewegliches Vermögen?
Gilt für Immobilien möglicherweise das Recht des Staates, in dem sie belegen sind? Wird ein gemeinschaftliches Testament, das von einem deutschen Notar beurkundet wird, in Brasilien anerkannt?
Falls nein: Wird ein Erbvertrag anerkannt?
Das brasilianische IPR knüpft also grundsätzlich an das Wohnsitzrecht des Erblassers zum Zeitpunkt seines Todes an und zwar sowohl hinsichtlich der Zulässigkeit als auch hinsichtlich des Inhalts der letztwilligen Verfügung (Ferid/Firsching/Weishaupt, Internationales Erbrecht, Brasilien, Stand: 1.9.1997, Rn. 14).
Eine Ausnahme von diesem Grundsatz macht Art. 10 § 1 L.I. 1942. Eine dem Art. 10 § 1 L.I. 1942 im Wortlaut ähnliche und in der Zielsetzung vergleichbare Vorschrift enthält die brasilianische Verfassung vom 5.10.1988 in ihrem Art. 5 XXXI.
Diese Bestimmung schreibt vor, dass sich die Nachfolge in das in Brasilien belegene Vermögen eines Ausländers ,,zugunsten des (brasilianischen) Ehegatten und der brasilianischen Kinder" nach brasilianischem Recht richtet, sofern das ,,persönliche Gesetz" des Verstorbenen diese Personen nicht günstiger stellt (vgl. Staudinger/Dörner, Neubearb. 2000, Anh. zu Art. 25 f. EGBGB Rn. 97).
Im Gegensatz zu Art. 10 § 1 L.I. 1942 werden vom Schutz der Verfassungsnorm alle Kinder des Verstorbenen (und nicht nur die aus der betreffenden Ehe stammenden) umfasst.
Beide Vorschriften sind gleichwertig, wobei jeweils diejenige anzuwenden ist, welche für die brasilianischen Angehörigen günstiger ist (Staudinger/Dörner, Anh. zu Art. 25 f. EGBGB Rn. 97). I. Ü. gelten beide Vorschriften entgegen dem
http://www.dnoti.de/gutachten/index.html/brasilien-gemeinschaftliches-testamenterbvertrag-e/7980803d-d46b-4816-809a-ecd9bc4bc7c2?mode=detail
von Itacare » Do 1. Okt 2015, 19:24
GatoBahia hat geschrieben: ... Eventuell sind sie ja so vernünftig und stecken es in die Ausbildung!....
Oi Gato, steck Du es jetzt in die Ausbildung Deiner Kinder. Unterliegt keiner Inflation, keiner Erbschaftssteuer, die Rendite kannst Du in Prozenten gar nicht ausdrücken.
Und kein Rechtsverdreher kann sich um teures Geld drum streiten.
von GatoBahia » Do 1. Okt 2015, 22:18
Und ich hab gedach das ich der Witzbold im Forum bin
Aufgrund aktueller Ereignisse bin ich nachdenklich geworden, Unfall oder Krankheit grade wenn man viel reist. Ich möchte irgendwie verhindern das mein Geld dann schön breitgestreut oder in teuren Geschenken angelegt wird. Mit Ausbildung meinte ich Beruf oder Studium, dann wird es erst richtig teuer. Im Augenblick sorge ich ja für meine Kinder, auch finanziell