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Timestamp: 2019-06-18 17:37:49
Document Index: 282984628

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 312', '§ 312', '§ 355', '§ 312', '§ 312', 'Art. 245', '§ 1', 'BGH', '§ 1', '§ 312', '§ 312', '§ 355', '§ 356', '§ 355', '§ 312', '§ 355', '§ 355', '§ 356', '§ 1', 'Art. 246', '§ 1', '§ 312', '§ 357', '§ 312', 'BGH']

BGH bejaht Zulässigkeit der Angabe eines Postfachs als Widerrufsadresse bei Fernabsatzverträgen - Ebner Stolz
Urteil des BGH vom 25. Januar 2012 - VIII ZR 95/11
Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) hat am 25.01.2012 eine Ent­schei­dung zu der Frage getrof­fen, ob für eine ord­nungs­ge­mäße Wider­rufs­be­leh­rung bei einem Fern­ab­satz­ge­schäft die Angabe einer Post­fachadresse des Wider­rufsadres­sa­ten aus­reicht.
Der Klä­ger sch­loss mit der Rechts­vor­gän­ge­rin der Beklag­ten, einem Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, im Jahre 2008 im Wege des Fern­ab­sat­zes einen Son­der­ver­trag über den lei­tungs­ge­bun­de­nen Bezug von Erd­gas. Der Ver­trag sah für die Dauer der bis zum 31. August 2010 ver­ein­bar­ten Lauf­zeit einen Fest­preis vor und räumte dem Klä­ger ein Wider­rufs­recht ein. Die Wider­rufs­be­leh­rung ent­hielt als Anschrift des­je­ni­gen, gegen­über dem der Wider­ruf zu erklä­ren ist, die Post­fachadresse der Rechts­vor­gän­ge­rin der Beklag­ten.
Am 1. Oktober 2009 erklärte der Klä­ger den Wider­ruf sei­ner Ver­trag­s­er­klär­ung. Die Beklagte akzep­tierte den Wider­ruf nicht. Mit der Klage begehrt der Klä­ger die Fest­stel­lung, dass das Ver­trags­ver­hält­nis durch den Wider­ruf wirk­sam been­det wor­den sei. Die Klage hat in den Vor­in­stan­zen kei­nen Erfolg gehabt.
Die dage­gen gerich­tete Revi­sion des Klä­gers ist ohne Erfolg geb­lie­ben. Der unter ande­rem für das Kauf­recht zustän­dige VIII. Zi­vil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die Angabe eines Post­fachs als Wider­rufsadresse im Fern­ab­satz den zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses gel­ten­den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen genügte (§ 312d Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Satz 1**, § 312c Abs. 2*, § 355 Abs. 2 Satz 1 BGB aF***).
Bei Fern­ab­satz­ge­schäf­ten ist gemäß § 312c Abs. 2, § 312d Abs. 2 Satz 1, Art. 245 EGBGB****, § 1 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1, Abs. 1 Nr. 10 BGB-InfoV aF***** der Unter­neh­mer verpf­lich­tet, dem Ver­brau­cher das Beste­hen oder Nicht­be­ste­hen eines Wider­rufs- oder Rück­ga­be­rechts sowie die Bedin­gun­gen und die Ein­zel­hei­ten der Aus­übung, ins­be­son­dere Namen und Anschrift des­je­ni­gen, gegen­über dem der Wider­ruf zu erklä­ren ist, mit­zu­tei­len. Die Angabe einer Post­fachadresse als Wider­rufsadresse genügt, wie der Bun­des­ge­richts­hof vor Inkraft­t­re­ten der BGB-InfoV (BGH, Urteil vom 11. April 2002 – I ZR 306/99, NJW 2002, 2391 unter II – Post­fach­an­schrift) bereits ent­schie­den hat, den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen. Daran ist auch nach dem Inkraft­t­re­ten der BGB-InfoV fest­zu­hal­ten. Der Ver­brau­cher wird durch die Angabe einer Post­fachadresse in glei­cher Weise wie durch die Angabe einer Haus­an­schrift in die Lage ver­setzt, seine Wider­ruf­s­er­klär­ung auf den Post­weg zu brin­gen. Seine "ladungs­fähige" Anschrift musste der Unter­neh­mer bei einem Fern­ab­satz­ver­trag ohne­hin ange­ben (§ 1 Abs. 1 Nr. 3 BGB-InfoV aF*), was im zu ent­schei­den­den Fall auch unst­rei­tig gesche­hen war.
*§ 312c Unter­rich­tung des Ver­brau­chers bei Fern­ab­satz­ver­trä­gen (in der bis zum 10. Juni 2011 gel­ten­den Fas­sung)
(2) Der Unter­neh­mer hat dem Ver­brau­cher fer­ner die Ver­trags­be­stim­mun­gen ein­sch­ließ­lich der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen sowie die in der Rechts­ver­ord­nung nach Arti­kel 240 des Ein­füh­rungs­ge­set­zes zum Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­che bestimm­ten Infor­ma­tio­nen in dem dort bestimm­ten Umfang und der dort bestimm­ten Art und Weise in Text­form mit­zu­tei­len …
**§ 312d BGB: Wider­rufs- und Rück­ga­be­recht bei Fern­ab­satz­ver­trä­gen (in der bis zum 10. Juni 2011 gel­ten­den Fas­sung)
(1) Dem Ver­brau­cher steht bei einem Fern­ab­satz­ver­trag ein Wider­rufs­recht nach § 355 zu. Ans­telle des Wider­rufs­rechts kann dem Ver­brau­cher bei Ver­trä­gen über die Lie­fe­rung von Waren ein Rück­ga­be­recht nach § 356 ein­ge­räumt wer­den.
(2) Die Wider­rufs­frist beginnt abwei­chend von § 355 Abs. 2 Satz 1 nicht vor Erfül­lung der Infor­ma­ti­onspf­lich­ten gemäß § 312c Abs. 2 …
***§ 355 BGB: Wider­rufs­recht bei Ver­brau­cher­ver­trä­gen (in der bis zum 10. Juni 2011 gel­ten­den Fas­sung)
1.Inhalt und Gestal­tung der dem Ver­brau­cher gemäß § 355 Abs. 2 Sat­z 1, § 356 Abs. 1 Sat­z 2 Nr. 1 und den diese ergän­zen­den Vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs mit­zu­tei­len­den Beleh­rung über das Wider­rufs- und Rück­ga­be­recht fest­zu­le­gen …
*****§ 1 Infor­ma­ti­onspf­lich­ten bei Fern­ab­satz­ver­trä­gen (in der bis zum 10. Juni 2011 gel­ten­den Fas­sung, vgl. nun Art. 246 § 1 EG-BGB)
(1) Der Unter­neh­mer muss dem Ver­brau­cher gemäß § 312c Abs. 1 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs fol­gende Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung stel­len: …
3. die ladungs­fähige Anschrift des Unter­neh­mers …
10. das Beste­hen oder Nicht­be­ste­hen eines Wider­rufs- oder Rück­ga­be­rechts sowie die Bedin­gun­gen, Ein­zel­hei­ten der Aus­übung, ins­be­son­dere Namen und Anschrift des­je­ni­gen, gegen­über dem der Wider­ruf zu erklä­ren ist, und die Rechts­fol­gen des Wider­rufs oder der Rück­gabe, ein­sch­ließ­lich Infor­ma­tio­nen über den Betrag, den der Ver­brau­cher im Fall des Wider­rufs oder der Rück­gabe gemäß § 357 Abs. 1 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs für die erbrachte Dienst­leis­tung zu zah­len hat,
(4) Der Unter­neh­mer hat dem Ver­brau­cher gemäß § 312c Abs. 2 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs fol­gende Infor­ma­tio­nen in Text­form mit­zu­tei­len:
1. die in Absatz 1 genann­ten Infor­ma­tio­nen
Quelle: Pres­se­mit­tei­lung des BGH Nr. 14/2012 vom 25.01.2012