Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/tatseinheit-bei-btm-delikten-einfuhr-und-handeltreiben-373830
Timestamp: 2020-07-14 16:31:39
Document Index: 239047406

Matched Legal Cases: ['§ 30', '§ 29', '§ 132', '§ 29', '§ 30', '§ 30', '§ 29', '§ 38', '§ 29', '§ 29', '§ 30', '§ 30', '§ 29', '§ 30', '§ 29', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 14']

Tatseinheit bei BTM-Delikten: Einfuhr und Handeltreiben | Rechtslupe
Tats­ein­heit bei BTM-Delik­ten: Ein­fuhr und Han­del­trei­ben
Zur Fra­ge der Hand­lungs­ein­heit bei der Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge wird beim Bun­des­ge­richts­hof wohl der Gro­ße Senat für Straf­sa­chen ent­schei­den müs­sen. Nach­dem hier der 4. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs eine Ände­rung der Recht­spre­chung her­bei­füh­ren woll­te, wider­spricht nun der 3. Straf­se­nat und beharrt auf sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung.
Wor­um geht es? Der 4. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat über die Revi­si­on eines Ange­klag­ten zu ent­schei­den, der vom Land­ge­richt wegen uner­laub­ter Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge in Tat­ein­heit mit uner­laub­tem Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge in drei Fäl­len zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt wor­den war.
Der 4. Straf­se­nat möch­te den Schuld­spruch des ange­foch­te­nen Urteils dahin ändern, dass der Ange­klag­te des uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge in Tat­ein­heit mit drei Fäl­len der uner­laub­ten Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge schul­dig ist. Er ist der Auf­fas­sung, die objek­ti­ven Aus­füh­rungs­hand­lun­gen des drei­ma­li­gen Betäu­bungs­mit­tel­han­dels über­schnit­ten sich je in einem Teil­akt, da die Fahr­ten nach Rot­ter­dam jeweils sowohl dem Trans­port des Erlö­ses aus der vor­an­ge­gan­ge­nen Lie­fe­rung zum Lie­fe­ran­ten, als auch der Abho­lung der neu­en Lie­fe­rung gedient hät­ten. Der tat­ein­heit­li­chen Ver­knüp­fung der drei Han­dels­ge­schäf­te ste­he auch nicht ent­ge­gen, dass der Ange­klag­te durch die Ein­fuhr der Betäu­bungs­mit­tel in die Bun­des­re­pu­blik jeweils auch den Tat­be­stand des § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG (Straf­rah­men: Frei­heits­stra­fe von zwei bis 15 Jah­ren) erfüllt habe, der gegen­über dem Betäu­bungs­mit­tel­han­del in nicht gerin­ger Men­ge (Straf­rah­men gemäß § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG: Frei­heits­stra­fe von einem bis 15 Jah­ren) eine um ein Jahr höhe­re Min­dest­stra­fe vor­se­he; denn dies ände­re nichts an der annä­hern­den Wert­gleich­heit der bei­den Straf­tat­be­stän­de und kön­ne daher einer Ver­klam­me­rung der drei Ein­fuhr­ta­ten durch das Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln nicht ent­ge­gen­ste­hen.
Dem­ge­mäß beab­sich­tigt der 4. Straf­se­nat zu ent­schei­den:
"Eine – infol­ge tat­ein­heit­li­cher Ver­knüp­fung meh­re­rer Bewer­tungs­ein­hei­ten – ein­heit­li­che Tat des uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge ver­bin­det meh­re­re zu deren Ver­wirk­li­chung vor­ge­nom­me­ne Ein­fuh­ren von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge zu einer Tat der uner­laub­ten Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge."
Hier­an sieht er sich jedoch durch den Beschluss des 3. Straf­se­nats [1] gehin­dert. Er hat daher gemäß § 132 Abs. 3 Satz 1 GVG ange­fragt, ob die­ser an der dort geäu­ßer­ten Rechts­an­sicht fest­hält.
Der 3. Straf­se­nat hat in der genann­ten Ent­schei­dung aus­ge­führt, dass meh­re­re Fäl­le des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge, bei denen der Täter die vor­an­ge­gan­ge­ne Lie­fe­rung bei Abho­lung der nächs­ten Lie­fe­rung bezah­le, jeden­falls dann nicht zu Tat­ein­heit ver­knüpft wer­den, wenn der Täter die Betäu­bungs­mit­tel jeweils zu Han­dels­zwe­cken in die Bun­des­re­pu­blik ein­füh­re; denn die schwe­rer wie­gen­den Taten der Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge könn­ten nicht durch das min­der schwe­re Delikt des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge zu Tat­ein­heit ver­klam­mert wer­den. An die­ser Recht­spre­chung hält er fest.
Der 3. Straf­se­nat gibt zu erwä­gen, ob die Annah­me des 4. Straf­se­nats, die Anfahrt nach Rot­ter­dam stel­le einen iden­ti­schen Teil­akt sowohl des Han­del­trei­bens mit den Betäu­bungs­mit­teln der vor­an­ge­gan­ge­nen als auch des Han­del­trei­bens mit den Betäu­bungs­mit­teln der abzu­ho­len­den Lie­fe­rung dar, nicht zuletzt mit Blick auf die weit­rei­chen­den Fol­gen beim Straf­kla­ge­ver­brauch [2] Beden­ken begeg­nen müss­te.
Im Übri­gen weist der 3. Straf­se­nat dar­auf hin, dass es auch bedenk­lich erschie­ne, allein auf­grund des Umstands, dass der Ange­klag­te bei Abho­lung der Fol­ge­lie­fe­rung die vor­an­ge­gan­ge­ne Lie­fe­rung bezahl­te, Tat­ein­heit zwi­schen bei­den Taten über die Rechts­fi­gur der natür­li­chen Hand­lungs­ein­heit anzu­neh­men [3]. Dem mit­ge­teil­ten Sach­ver­halt lässt sich nicht ent­neh­men, ob über die ört­li­che und zeit­li­che Nähe von Bezah­lung der Alt­lie­fe­rung und Abho­lung der Neu­lie­fe­rung hin­aus eine der­ar­ti­ge inne­re Ver­knüp­fung der bei­den Vor­gän­ge gege­ben war, die eine ande­re Beur­tei­lung recht­fer­ti­gen könn­te.
Jeden­falls ver­mag der 3. Straf­se­nat die Rechts­auf­fas­sung des anfra­gen­den 4. Straf­se­nats nicht zu tei­len, zwi­schen den Tat­be­stän­den des uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge gemäß § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG und der uner­laub­ten Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge nach § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG lie­ge – ohne das Hin­zu­tre­ten von Beson­der­hei­ten im kon­kre­ten Fall – annä­hern­de Wert­gleich­heit vor, so dass eine Tat des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge in aller Regel meh­re­re von­ein­an­der unab­hän­gi­ge Taten der Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge zu einer Tat ver­klam­mern kön­ne. Das Ver­bre­chen der Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge nach § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG mit einer Min­dest­stra­fe von zwei Jah­ren Frei­heits­stra­fe stellt gegen­über dem – mit Gesetz zur Bekämp­fung des ille­ga­len Rausch­gift­han­dels und ande­rer Erschei­nungs­for­men der orga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät (OrgKG) vom 15.07.1992 [4] eben­falls als Ver­bre­chen aus­ge­stal­te­ten – Tat­be­stand des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge nach § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG, der eine Min­dest­stra­fe von ledig­lich einem Jahr vor­sieht, unge­ach­tet der glei­chen Ober­gren­ze des jewei­li­gen Straf­rah­mens (jeweils 15 Jah­re, vgl. § 38 Abs. 2 StGB) das schwe­rer wie­gen­de Delikt dar [5]. Die­se gesetz­ge­be­ri­sche Wer­tung wür­de nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt, lie­ße man das weni­ger schwer­wie­gen­de Delikt des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge meh­re­re selb­stän­di­ge Taten der Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge zu einer Tat ver­klam­mern.
Soweit der Bun­des­ge­richts­hof in meh­re­ren Ent­schei­dun­gen gleich­wohl davon aus­ge­gan­gen ist, eine Tat des Han­del­trei­bens kön­ne meh­re­re zur Erfül­lung des Han­dels­ge­schäfts durch­ge­führ­te Ein­fuh­ren zu einer Tat ver­bin­den, gilt Fol­gen­des: Der Fall, in dem der 2. Straf­se­nat erst­ma­lig so ent­schie­den hat [6], wies die Beson­der­heit auf, dass das Tat­ge­richt – vor der Ein­füh­rung des § 29a BtMG – das Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge als beson­ders schwe­ren Fall nach § 29 Abs. 3 Nr. 4 BtMG aF mit einer Min­dest­stra­fe von einem Jahr Frei­heits­stra­fe bewer­tet hat­te, die Ein­fuhr­ta­ten hin­ge­gen als min­der schwe­re Fäl­le im Sin­ne von § 30 Abs. 2 BtMG aF mit einem Straf­rah­men von drei Mona­ten bis zu fünf Jah­ren Frei­heits­stra­fe. Nur für die­sen Fall ist die Ver­gleich­bar­keit der sozi­al­ethi­schen Bewer­tung der bei­den Delik­te – tra­gend – ange­nom­men wor­den, auch wenn wei­ter aus­ge­führt wird, das fort­ge­setz­te Han­del­trei­ben in einem beson­ders schwe­ren Fall kön­ne zwei Ein­fuhr­ta­ten auch dann zu einer Tat ver­bin­den, wenn vom Regel­straf­rah­men des § 30 Abs. 1 BtMG aus­zu­ge­hen sei [7].
In spä­te­ren Ent­schei­dun­gen ist sodann ohne nähe­re Begrün­dung von einer sozi­al­ethi­schen Ver­gleich­bar­keit der Straf­tat­be­stän­de des § 29a und des § 30 BtMG aus­ge­gan­gen wor­den [8]. Die­se Auf­fas­sung ver­mag der 3. Straf­se­nat – wie dar­ge­legt – nicht zu tei­len und weist ergän­zend noch auf Fol­gen­des hin: Auch die Ansicht des anfra­gen­den 4. Straf­se­nats, es kom­me für die Ver­klam­me­rung der Ein­fuhr­ta­ten nicht auf die Umstän­de an, die zur tat­ein­heit­li­chen Ver­knüp­fung zu einer Tat des Han­del­trei­bens nach § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG geführt hät­ten, begeg­net Beden­ken: Soll – wie hier – allein die Fahrt zum Tat­ort in den Nie­der­lan­den die im Übri­gen von­ein­an­der unab­hän­gi­gen, geson­der­te Han­dels­men­gen betref­fen­den Betäu­bungs­mit­tel­ge­schäf­te zu einer Tat des Han­del­trei­bens ver­bin­den, darf aus Sicht des 3. Straf­se­nats nicht außer Acht gelas­sen wer­den, dass die Fahrt in die Nie­der­lan­de – bezo­gen allein auf die spä­te­re Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln – ledig­lich eine straf­lo­se Vor­be­rei­tungs­hand­lung dar­stel­len wür­de, was eben­falls dage­gen spricht, dass die­ser Teil­akt des Han­del­trei­bens die Kraft hat, auch die Ein­fuhr­ta­ten zu ver­klam­mern und damit alle began­ge­nen Ver­stö­ße gegen das Betäu­bungs­mit­tel­ge­setz ins­ge­samt zu einer Tat im Rechts­sin­ne zu ver­bin­den.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Febru­ar 2014 – 3 ARs 7/​13
BGH, Beschluss vom 13.04.1999 – 4 StR 42/​99, NStZ 1999, 411; vgl. etwa BGH, Beschluss vom 17.04.1996 – 5 StR 147/​96, StV 1996, 650; s. auch BGH, Urteil vom 01.10.1997 – 2 StR 520/​96, BGHSt 43, 252, 257[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 13.04.1999 – 4 StR 42/​99, NStZ 1999, 411; vom 27.06.2008 – 3 StR 212/​08, NStZ 2009, 392; anders bis­her BGH, Beschluss vom 22.01.2010 – 2 StR 563/​09, NStZ 2011, 97 mwN[↩]
BGBl. I S. 1302[↩]
BGH, Urteil vom 24.02.1994 – 4 StR 708/​93, BGHSt 40, 73, 74 f.; Beschluss vom 07.11.2007 – 1 StR 366/​07, NStZ-RR 2008, 88[↩]
BGH, Urteil vom 18.07.1984 – 2 StR 322/​84, BGHSt 33, 4, 6 ff.[↩]
BGH aaO, S. 8[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 05.11.1993 – 2 StR 534/​93, NStZ 1994, 135; und vom 22.10.1996 – 1 StR 548/​96, NStZ 1997, 136[↩]
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