Source: https://reisetopia.de/guides/fluggastrechte-bei-verspaetungen/
Timestamp: 2019-01-19 19:31:07
Document Index: 55846736

Matched Legal Cases: ['BGH', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Fluggastrechte bei Verspätungen - das steht Euch zu
Welche Fluggastrechte habe ich bei Verspätungen?
von Leo | 20. Oktober
Verspätungen bei einem Flug sind eine unangenehme Sache. Doch der Himmel über Europa ist einfach so voll und eng getaktet, dass es unweigerlich dazu kommen muss. Doch welche Rechte habe ich als Passagier in diesem Fall?
Auch wenn ich trotz meiner zahlreichen Flüge wirklich selten davon betroffen bin, erwischt es grundsätzlich jeden Vielflieger einmal. Damit Ihr dann nicht leer ausgeht, erfahrt Ihr in diesem Artikel, wie die Fluggastrechte aussehen und ob es eine Entschädigung bei Flugverspätungen gibt.
Fluggastrechte bei Verspätungen – Details
Fluggäste müssen bei Flugverspätungen geschützt sein, entschied das Europäische Parlament 2004 und erließ somit die Verordnung Nr. 261/2004. Diese schützt alle Passagiere, die entweder mit einer beliebigen Airline in der EU abfliegen oder mit einer Airline unterwegs sind, die Ihren Sitz innerhalb der Europäischen Union hat – unabhängig von Ziel- und Abflugort. Bei alle anderen Strecken findet diese Verordnung leider keine Anwendung und Ihr seid hier auf das jeweilige Landesgesetze oder die Kulanz der Airline angewiesen. Auch wenn Ihr aus eigenem Verschulden zu spät kommt oder auf einem so genannten Standby-Ticket für Airline-Angehörige unterwegs seid, gilt die EU-Verordnung für Euch nicht.
Doch was genau regelt die Verordnung eigentlich? Die Verordnung regelt genau, welche Rechte Ihr bei Nichtbeförderung gegen Euren Willen, Annullierung des Fluges oder eben auch bei Verspätung des Fluges habt und wann eine Ausgleichszahlung seitens der Airline gewährt werden muss. Wichtig ist, dass die Airline bei außergewöhnlichen Umständen keine Entschädigung leisten muss. Dieser Umstand liegt beispielsweise bei einem plötzlichen Streik (wilde Streiks sind ausgenommen), einem Notfall an Bord des Flugzeugs (zum Beispiel Vogelschlag) oder besonderen Wetterphänomenen, wie einem Vulkanausbruch oder plötzlichem Schneefall in unüblichen Regionen vor.
Wieviel Entschädigung gibt es für einen verspäteten Flug?
Ist Euer Flug mehr als drei Stunden verspätet und die Fluggesellschaft ist für die Verspätung verantwortlich, so steht Euch eine Entschädigung zu. Die Höhe der Zahlung ist dabei von der Flugdistanz abhängig und für die Flugverspätung ist die Zeit der Ankunft entscheidend. Seid Ihr also mit mehr als 3 Stunden Verspätung gestartet, es sind bei Ankunft allerdings nur noch 2 Stunden und 50 Minuten, so gibt es keinerlei Entschädigung. Zudem ist nicht der Zeitpunkt der Landung oder des Verlassen des Flughafens, sondern der Zeitpunkt der Öffnung der Flugzeugtüren relevant. Im Fall einer Verspätung solltet Ihr Euch also den Zeitpunkt der Türöffnung bestätigen lassen oder aber dokumentieren. Für jeden Passagier der seine rechtmäßigen Ansprüche innerhalb von drei Jahren anmeldet gibt es:
250 Euro, wenn die Strecke bis zu 1.500 Kilometer beträgt
400 Euro, wenn die Strecke nicht innerhalb der EU liegt oder bis zu 3.500 Kilometer beträgt
600 Euro, wenn die Strecke größer als 3.500 Kilometer ist und Start oder Ziel außerhalb der EU liegt
Diese Entschädigung muss in Bar ausgezahlt werden, ein Gutschein ist nicht ausreichend. Die Entschädigung steht immer dem Passagier zu. Sprich bei einer Dienstreise geht dieses Geld auch direkt an Euch und nicht etwa an den Arbeitgeber.
Gibt es noch zusätzliche Leistungen bei Verspätungen?
Meist seid Ihr ja noch am Boden, wenn Ihr von der Flugverspätung erfahrt. Doch Getränke und Mahlzeiten sind in Flughäfen nicht immer ganz günstig und nicht jeder kommt in den Genuss einer Lounge. Auch hier müssen Airlines bei größeren Verspätungen handeln. So gibt es nach einer bestimmten Zeit bereits bestimmte Versorgungsleistungen der Airline. Ihr erhaltet kostenlose Getränke, Mahlzeiten und die Möglichkeit kostenfrei zwei Telefonate zu führen oder Mails abzuschicken, wenn Euer Flug mit einer Distanz bis maximal 1.500 Kilometern mehr als zwei Stunden verspätet ist. Liegt Eure Flugdistanz zwischen 1.500 und 3.500 Kilometer gibt es diese Leistungen nach drei Stunden Wartezeit und bei Flügen mit mehr als 3.500 Kilometer erst ab vier Stunden Wartezeit.
Große Verspätung bei Eurem Flug? Dann könnt Ihr Euch eine Entschädigung sichern!
Wartet Ihr mehr als fünf Stunden, so könnt Ihr vom Beförderungsvertrag zurücktreten und Euch den Flugpreis erstatten lassen. Sollte der Flug sogar auf den nächsten Tag verschoben werden, so muss die Airline für eine Übernachtung im Hotel sowie den Transfer in dieses Hotel aufkommen.
Wie kann ich meine Entschädigung für eine Flugverspätung einfordern?
Grundsätzlich habt Ihr hier verschiedene Möglichkeiten. Ihr könnt Euch beispielsweise direkt an die Airline wenden. Hier solltet Ihr unbedingt auf die EU-Verordnung verweisen, eine angemessene Zahlungsfrist setzen und hartnäckig bleiben. Viele Airlines versuchen um die Ausgleichszahlungen herum zu kommen und werden Euch erst einmal vertrösten wollen oder direkt ignorieren. Durch das Setzen einer Frist habt Ihr die Möglichkeit, nach Ablauf dieser Frist, eine Mahnung zu versenden. Dies ist der Zeitpunkt, wo die meisten Airlines einknicken. Tut sie das nicht, wäre der nächste Schritt das Einreichen einer Klage. Wenn Ihr Euch den Aufwand sparen wollt, solltet Ihr Euer Geld dennoch nicht abschreiben. Hier empfehlen wir Euch, dass Ihr Euch mit dem Anliegen an Fluggastrecht-Portale wie Flightright wendet.
Das Praktische an Flightright: Ihr zahlt nur im Erfolgsfall. Ihr tragt online Eure Flugdaten ein und Euch wird sofort die Entschädigung angezeigt, die Ihr erzielen könnt. Den Rest erledigt nach Eingabe Eurer Daten Flightright für Euch, sodass Ihr nach einiger Zeit eine Entschädigung von Flightright ausgezahlt bekommt. Hiervon nimmt sich Flighright zwischen 20 und 30 Prozent der erzielten Entschädigung als Provision heraus, sodass Ihr aus einer ursprünglichen Entschädigung von 600 Euro am Ende 414 Euro ausgezahlt bekommt. Dies ist natürlich ein stattlicher Anteil, jedoch gebt Ihr mit dem Geld auch sämtliche Arbeit ab.
Fazit zu Fluggastrechten bei Verspätungen
Durch die EU-Verordnung wurden die Fluggastrechte bei Verspätungen wirklich gestärkt. Leider halten sich viele Airlines immer noch nicht daran und versuchen durch Ignoranz und Falschaussagen die Zahlung der Entschädigung bei Flugverspätung zu umgehen. Bleibt man jedoch hartnäckig oder nutzt Anbieter wie Flightright, so sind die Chancen auf eine Erstattung sehr gut!
“mit einer beliebigen Airline in der EU abfliegen oder in der EU landen” ist nicht korrekt. Schutz besteht nur bei nicht-EU Airlines beim Abflug innerhalb der EU, nicht wenn der Start außerhalb EU und nur Ankunft innerhalb EU ist.
4. November 2018 um 8:05 Uhr
Hallo Jens, danke für den Hinweis. Du hast völlig recht, die Verordnung gilt nur für EU-Airlines, unabhängig von Ziel- und Abflugort sowie für Nicht-EU-Airlines ausschließlich bei Abflug in der Europäischen Union. Ich habe den Artikel entsprechend stellvertretend für Leo korrigiert 🙂
Der BGH hat kürzlich entschieden, dass ein Streik des Bodenpersonals, infolgedessen ein Flug annulliert wird, zu Entschädigungsansprüchen führt. Voraussetzung ist wie immer das rechtzeitige Erscheinen am Gate.
Von großer Bedeutung ist die EuGH-Entscheidung gegen Royal Air Maroq. Demnach haftet die Airline auch nach der EU-Verordnung, wenn die Verspätung erst bei einem außereuropäischen Anschlussflug eintritt (in dem Fall ein Inlandsflug von Agadir nach Casablanca). Voraussetzung ist, dass der Anschluss Teil einer einheitlichen Verbindung war, deren erster Flug in Europa gestartet ist.
Das AG Hannover hatte ja aufgrund des Streiks bei Tuifly die Sache dem EuGH vorgelegt. Dieser hat mit Urteil vom 17.04.2018 (C 195/17) – könnt Ihr auf der Seite des EuGH abrufen – entschieden, dass ein Streik nicht zwingend ein außergewöhnlicher Umstand ist.
Der EuGH geht in seiner Entscheidung davon aus, dass außergewöhnliche Umstände als Einzelfallentscheidung zu betrachten sind. Vorliegend waren überraschend angekündigte Umstrukturierungsmaßnahmen Auslöser für spontane Krankmeldungen. Umstrukturierungen gehören aber zu normalen betriebswirtschaftlichen Maßnahmen. Die sich hieraus ergebenden Meinungsverschiedenheiten sind daher auch zum normalen Geschäftsbetrieb gehörend. Damit muss die Fluggesellschaft rechnen, und hätte entsprechende Maßnahmen treffen können.
Zwar wertet der EUGH Krankmeldungen als „wilden Streik“, stellt aber gleichermaßen fest, dass dieser zum einen auf konkrete Maßnahmen von TUfly aus dem regulären Geschäftsbetrieb herrühren. Zum anderen war diese Reaktion nach Ansicht des EuGH aber durch TUIfly beherrschbar. Er begründet dies interessanterweise damit, dass der Streik beendet wurde, nachdem eine Einigung gefunden wurde.
Dies finde ich persönlich gewagt, weil dies de facto auch die Rolle der Gewerkschaften stärkt und die Fluggesellschaft in eine deutlich schwächere Verhandlungsposition bringt. Es heißt schlicht, dass die Fluggesellschaft alles in die Wege setzen muss, eine Einigung zu erzielen. Dies stärkt nicht gerade ihre Verhandlungsposition.
Aber übertragen auf z.B. die Lufthansa und deren Tarifkonflikte, kann man das Urteil auch hier anwenden. Wird der Streik angekündigt, kann und muss die Airline reagieren.
Mit anderen Worten, die bislang ergangenen Entscheidungen zu Streik als Grund die Verordnung (EU) 261 / 2004 nicht anzuwenden, sind damit hinfällig. Aber – es wird jemand klagen müssen, um dies bestätigt zu bekommen.
Hi. Nun ja … das mit Europa stimmt leider nicht ganz, denn es geht hier um “die Gemeinschaft”, sprich EU und jene Staaten, die diese Europäische Verordnung in ihr (Rechts-)system aufgenommen haben … also bei weiten nicht ganz Europa.
dahingehend hast du absolut recht. Ich werde das im Artikel nochmal etwas klarer schreiben. Danke!