Source: http://m.hensche.de/Gewerkschaft_Klage_auf_Feststellung_falscher_Tarifanwendung_BAG_4AZR371-10.html
Timestamp: 2017-09-26 10:54:14
Document Index: 85799293

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 9', '§ 256', '§ 9', '§ 256', '§ 256', '§ 256', '§ 256', '§ 256', '§ 256', '§ 256', '§ 256', 'BGH', 'BGH', '§ 256', 'BGH', 'BGH', '§ 3', '§ 3', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 256', '§ 256', '§ 256', '§ 253', '§ 256', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 256', '§ 256', '§ 9', 'BGH', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 256', '§ 9', '§ 9', '§ 4', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 1', '§ 4', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 563', '§ 562', '§ 563', '§ 256', '§ 253', '§ 253', '§ 139', '§ 97', '§ 100']

HENSCHE Arbeitsrecht: 4 AZR 371/10
Schlag­worte: Tarifvertrag, Gewerkschaft, Eingruppierung, Haustarifvertrag, Firmentarifvertrag
Akten­zeichen: 4 AZR 371/10
Ent­scheid­ungs­datum: 18.04.2012
Leit­sätze: Geht es bei ei­ner sog. Ver­bands­kla­ge nach § 9 TVG um die Aus­le­gung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges, sind im An­trag der ein­schlägi­ge Ta­rif­ver­trag, die be­tref­fen­de Ta­rif­norm so­wie der um­strit­te­ne Ta­rif­be­griff zu be­nen­nen. Wei­ter­hin ist die zu ent­schei­den­de Rechts­fra­ge in abs­trak­ter fallüberg­rei­fen­der Wei­se zu for­mu­lie­ren. Aus der er­wei­ter­ten Bin­dungs­wir­kung ei­nes Ur­teils nach § 9 TVG er­gibt sich, dass sich der Te­nor der Ent­schei­dung nicht auf ein kon­kre­tes Rechts­verhält­nis be­zieht.
Vor­ins­tan­zen: Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 6.10.2009 - 7 Sa 36/09
Arbeitsgericht München, Endurteil vom 29.09.2008 - 2a Ca 246/08
Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger zu 1.,
Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger zu 2.,
hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 18. April 2012 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Be­p­ler, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Creutz­feldt und Dr. Tre­ber so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ste­ding und Rupp­recht für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­sio­nen der Kläge­rin­nen ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 6. Ok­to­ber 2009 - 7 Sa 36/09 - wer­den zurück­ge­wie­sen mit der Maßga­be, dass die Kla­gen als un­zulässig ab­ge­wie­sen wer­den.
2. Die Kos­ten der Re­vi­sio­nen ha­ben die Kläge­rin­nen zu glei­chen Tei­len zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten in der Re­vi­si­ons­in­stanz noch über die Zulässig­keit von Fest­stel­lungs­anträgen und in die­sem Zu­sam­men­hang über die kon­kre­te An­wen­dung der zwi­schen den kla­gen­den Ge­werk­schaf­ten und der Be­klag­ten (ei­ne Rund­funk­an­stalt des öffent­li­chen Rechts) ge­schlos­se­nen Haus­ta­rif­verträge, be­ste­hend aus Man­tel- und Ge­halts­ta­rif­ver­trag vom 14. Mai 1957/30. No­vem­ber 1977 (im Fol­gen­den: MTV und GTV).
Der zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­ne MTV enthält Re­ge­lun­gen zur Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen (Ta­rif­zif­fer - TZ 250 ff.), zu den ar­beits­ver­trag­li­chen Tätig­keits­be­zeich­nun­gen (TZ 311.1 f.), zu Grundsätzen der Ein­grup­pie­rung und der Um­grup­pie­rung (TZ 410 ff.) und zur Gewährung von Funk­ti­ons­zu­la­gen (TZ 434 f.). Im GTV sind die für die Ein­grup­pie­rung maßge­ben­den Tätig­keits­merk­ma­le und Vor­aus­set­zun­gen (TZ 720 ff.) so­wie sog. Richt­po­si­ti­ons­be­schrei­bun­gen ge­re­gelt, de­nen ins­ge­samt 18 Ge­halts­grup­pen zu­ge­ord­net sind. Seit dem Jahr 2003 überträgt die Be­klag­te Führungs­po­si­tio­nen, die den drei Ge­halts­grup­pen 16 bis 18 zu­ge­ord­net sind, bei in­ner­be­trieb­li­chen Be­set-
zun­gen zunächst nur be­fris­tet auf zwei bis fünf Jah­re. Die be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer wer­den da­bei nicht der maßge­ben­den Ge­halts­grup­pe zu­ge­ord­net, son­dern er­hal­ten für die­sen Zeit­raum ei­ne Funk­ti­ons­zu­la­ge in Höhe der Dif­fe­renz zu der ih­rer je­wei­li­gen Führungs­po­si­ti­on ent­spre­chen­den Ge­halts­grup­pe.
Die Kläge­rin­nen ha­ben die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die­se Pra­xis der Be­klag­ten wi­der­spre­che den ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen. Die Ein­grup­pie­rung der Ar­beit­neh­mer müsse nach den ta­rif­ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen viel­mehr ab Über­tra­gung der Auf­ga­be ent­spre­chend der ver­trag­lich fest­ge­leg­ten Tätig­keit er­fol­gen. Nach dem Ta­rif­ver­trag müsse ei­ne Neu­ein­grup­pie­rung mit Be­ginn der geänder­ten Tätig­keit vor­ge­nom­men wer­den, wenn die höher­wer­ti­ge Tätig­keit dau­ernd über­tra­gen wer­de (TZ 414 MTV). „Dau­ernd“ ent­spre­che nicht dem Be­griff „nicht nur vorüber­ge­hend“ aus der TZ 727.1 GTV, der ei­nen deut­lich kürze­ren Zeit­raum zum In­halt ha­ben könne. Zu­dem sei­en Art und Um­fang von Zu­la­gen ta­rif­lich ab­sch­ließend ge­re­gelt, was auch für die Funk­ti­ons­zu­la­ge in TZ 434 MTV gel­te. Der MTV se­he ei­ne Funk­ti­ons­zu­la­ge, wie sie die Be­klag­te zah­le, nicht vor. Zu­dem sei die be­fris­te­te Über­tra­gung höher­wer­ti­ger Tätig­kei­ten ta­rif­wid­rig. Die im MTV (TZ 250 bis 255) ver­ein­bar­ten Be­fris­tungsmöglich­kei­ten von Ar­beits­verhält­nis­sen sei­en auch auf die Be­fris­tung ein­zel­ner Ar­beits­be­din­gun­gen an­zu­wen­den. Die be­fris­te­te Über­tra­gung von Führungs­po­si­tio­nen für die Dau­er von zwei bis fünf Jah­ren zu Er­pro­bungs­zwe­cken sei nach dem Ta­rif­ver­trag nicht möglich.
Die Kläge­rin­nen ha­ben in der Re­vi­si­ons­in­stanz - je­weils ein­zeln und be­zo­gen auf ih­re je­wei­li­gen Mit­glie­der - noch be­an­tragt:
1. Es wird fest­ge­stellt, dass es nicht zulässig ist, Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen, die Mit­glie­der der Kläge­rin sind und de­ren von ih­nen aus­geübte Tätig­kei­ten den Richt­po­si­ti­ons­be­schrei­bun­gen 16, 17 oder 18 des bei der Be­klag­ten zur An­wen­dung kom­men­den Ge­halts­ta­rif­ver­tra­ges ent­spre­chen, le­dig­lich in die Ge­halts­grup­pen 14 oder 15 ein­zu­grup­pie­ren und die Vergütungs­dif­fe­renz zur rich­ti­gen Ge­halts­grup­pe über Funk­ti­ons­zu­la­gen aus­zu­glei­chen.
2. Es wird fest­ge­stellt, dass die Be­fris­tung der Über­tra­gung von Tätig­kei­ten, die nach den Richt­po­si­ti­ons­be­schrei­bun­gen den Ge­halts­grup­pen 16, 17 oder 18 des bei der Be­klag­ten zur An­wen­dung kom­men­den Ge­halts­ta­rif­ver­tra­ges zu­zu­ord­nen sind, bei den Mit­glie­dern der Kläge­rin nicht zulässig ist.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­gen ab­zu­wei­sen. Die Fest­stel­lungs­anträge sei­en zu un­be­stimmt und da­her un­zulässig, weil sie die Na­men der je­wei­li­gen be­trof­fe­nen Mit­glie­der der Kläge­rin­nen nicht ent­hiel­ten. Wei­ter­hin feh­le das er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se. Ei­ne Höher­grup­pie­rung von Ar­beit­neh­mern, de­nen höher­wer­ti­ge Tätig­kei­ten le­dig­lich be­fris­tet über­tra­gen wer­de, se­he der Ta­rif­ver­trag nicht vor. Ei­ne zwei- bis fünfjähri­ge Über­tra­gung von Auf­ga­ben er­fol­ge we­der „dau­ernd“ noch „nicht nur vorüber­ge­hend“ im ta­rif­li­chen Sin­ne. Der Ta­rif­ver­trag se­he für die be­fris­te­te Über­tra­gung ei­ner höher­wer­ti­gen Tätig­keit we­der ei­ne Höchst­dau­er vor noch sei­en die ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen des MTV (TZ 250 ff.) ein­schlägig. Die­se beträfen nur die Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen ins­ge­samt und nicht die­je­ni­ge ein­zel­ner Ar­beits­be­din­gun­gen. Sch­ließlich sei die Gewährung ei­ner Funk­ti­ons­zu­la­ge zulässig.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­gen ab­ge­wie­sen. Auf die Be­ru­fun­gen der Kläge­rin­nen hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Kla­gen als un­zulässig ab­ge­wie­sen. Mit den vom Bun­des­ar­beits­ge­richt hin­sicht­lich der noch ge­stell­ten Anträge zu­ge­las­se­nen Re­vi­sio­nen ver­fol­gen die Kläge­rin­nen ihr bis­he­ri­ges Kla­ge­ziel wei­ter. Die Be­klag­te be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Re­vi­sio­nen.
Die Re­vi­sio­nen der Kläge­rin­nen sind un­be­gründet. Die von den Kläge­rin­nen ge­stell­ten Anträge sind we­der als all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­anträge nach § 256 Abs. 1 ZPO (un­ter I) noch un­ter be­son­de­rer Berück­sich­ti­gung der Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Kla­ge nach § 9 TVG (un­ter II) zulässig.
I. Die Anträge sind nicht auf die Fest­stel­lung ei­nes von § 256 Abs. 1 ZPO vor­aus­ge­setz­ten Rechts­verhält­nis­ses ge­rich­tet. In der Fol­ge fehlt auch das nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che be­son­de­re Fest­stel­lungs­in­ter­es­se.
1. Nach § 256 Abs. 1 ZPO kann die ge­richt­li­che Fest­stel­lung des Be­ste­hens ei­nes Rechts­verhält­nis­ses be­an­tragt wer­den, wenn der Kläger ein recht­li­ches In­ter­es­se an ei­ner ent­spre­chen­den als­bal­di­gen rich­ter­li­chen Ent­schei­dung hat.
a) Rechts­verhält­nis iSv. § 256 Abs. 1 ZPO ist je­des durch die Herr­schaft ei­ner Rechts­norm über ei­nen kon­kre­ten Sach­ver­halt ent­stan­de­ne recht­li­che Verhält­nis ei­ner Per­son zu ei­ner an­de­ren Per­son oder zu ei­ner Sa­che (st. Rspr., s. nur BAG 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 501/09 - Rn. 76 mwN). Da­bei sind ein­zel­ne Rech­te und Pflich­ten eben­so Rechts­verhält­nis­se wie die Ge­samt­heit ei­nes ein­heit­li­chen Schuld­verhält­nis­ses. Kein Rechts­verhält­nis iSv. § 256 Abs. 1 ZPO sind da­ge­gen abs­trak­te Rechts­fra­gen, bloße Ele­men­te ei­nes Rechts­verhält­nis­ses oder recht­li­che Vor­fra­gen (BAG 21. April 2010 - 4 AZR 755/08 - Rn. 21 mwN, AP ZPO 1977 § 256 Nr. 101 = EzA ZPO 2002 § 256 Nr. 9; 24. April 2007 - 1 ABR 27/06 - Rn. 15 mwN, BA­GE 122, 121). Hier­zu gehört grundsätz­lich auch die recht­li­che Be­wer­tung ei­nes kon­kre­ten Ver­hal­tens der Ge­gen­sei­te. Na­ment­lich die Rechts­wid­rig­keit des geg­ne­ri­schen Ver­hal­tens kann nicht Ge­gen­stand ei­ner all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­kla­ge nach § 256 Abs. 1 ZPO sein (BGH 3. Mai 1977 - VI ZR 36/74 - BGHZ 68, 331; Mu­sielak/Fo­ers­te ZPO 9. Aufl. § 256 Rn. 2). Glei­ches gilt für die Un­wirk­sam­keit oder Wirk­sam­keit der Rechts­hand­lung ei­ner Par­tei (BAG 21. De­zem­ber 1982 - 1 AZR 411/80 - BA­GE 41, 209; BGH 4. Ju­li 1962 - V ZR 206/60 - BGHZ 37, 331, 333; s. auch BAG 8. No­vem­ber 1957 - 1 AZR 274/56 - BA­GE 5, 115: zur „Ta­rif­wid­rig­keit“ ei­nes Ar­beits­platz­be­wer­tungs­ver­fah­rens; 14. April 1966 - 2 AZR 503/63 - zu IV der Gründe, BA­GE 18, 223: zur „Rechts­wid­rig­keit“ ei­ner Nicht­an­rech­nung; 12. Sep­tem­ber 1984 - 1 AZR 342/83 - BA­GE 46, 322: zur „Rechts­wid­rig­keit“ ei­ner Ar­beits­kampf­maßnah­me).
b) Wei­ter­hin muss das fest­zu­stel­len­de Rechts­verhält­nis grundsätz­lich zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen. Geht es um die Fest­stel­lung ei­nes Rechts­verhält­nis­ses, an dem sie nicht be­tei­ligt ist, han­delt es sich um ein sog. Dritt­rechts­verhält­nis. Ein sol­ches kann zwar In­halt ei­nes Fest­stel­lungs­an­tra­ges sein. Dann wer­den aber von der Recht­spre­chung erhöhte An­for­de­run­gen an das be­son­de­re Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ge­stellt. Die be­gehr­te Fest­stel­lung muss ge­ra­de die Rechts­be­zie­hung zwi­schen den Par­tei­en berühren (BAG 9. De­zem­ber 2009 - 4 AZR 190/08 - Rn. 42 mwN, AP TVG § 3 Nr. 48 = EzA TVG § 3 Nr. 34). Ins­be­son­de­re muss der Kläger selbst von dem fest­ge­stell­ten Rechts­verhält­nis in sei­nem Rechts­kreis be­trof­fen sein und ein recht­li­ches In­ter­es­se an der als­bal­di­gen Klärung ha­ben (zB BGH 25. Fe­bru­ar 1982 - II ZR 174/80 - BGHZ 83, 122, 125 f.; 16. Ju­ni 1993 - VIII ZR 222/92 - BGHZ 123, 44; 2. Ju­li 2007 - II ZR 111/05 - NJW 2008, 69). Außer in den Fällen ei­ner Pro­zess­stand­schaft man­gelt es an­sons­ten an der Pro­zessführungs­be­fug­nis des Klägers (Münch­KommZ­PO/Be­cker-Eber­hard 3. Aufl. § 256 Rn. 34; Zöller/Gre­ger ZPO 29. Aufl. § 256 Rn. 3b).
2. Die be­gehr­ten Fest­stel­lun­gen be­tref­fen kein Rechts­verhält­nis iSv. § 256 Abs. 1 ZPO, son­dern er­stre­ben die Be­wer­tung ei­nes be­stimm­ten Ver­hal­tens der Be­klag­ten ge­genüber Ar­beit­neh­mern, die Mit­glie­der der Kläge­rin­nen sind, als „nicht zulässig“.
Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob der Fest­stel­lungs­an­trag nicht schon des­halb un­zulässig ist, weil die Anträge auf­grund des je­weils auf­ge­nom­me­nen Be­griffs „nicht zulässig“ nicht hin­rei­chend be­stimmt iSd. § 253 Abs. 2 Satz 2 ZPO sind. Mit ihm wird in der kon­kre­ten, von den Kläge­rin­nen ge­brauch­ten Form ein Un­wert­ur­teil oh­ne Ein­be­zie­hung oder gar den Aus­spruch mögli­cher recht­li­cher Fol­gen der Be­an­stan­dung für die Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen den Par­tei­en be­gehrt.
Die Be­an­stan­dung ei­ner be­stimm­ten be­trieb­li­chen Pra­xis ei­nes ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­bers ist kein Rechts­verhält­nis iSv. § 256 Abs. 1 ZPO, son­dern al­len­falls ei­ne Vor­fra­ge, auf die es für - kol­lek­tiv­recht­li­che oder in­di­vi­du­al-recht­li­che - Ansprüche an­kom­men mag. Ei­ne Sach­ent­schei­dung des Se­nats
über die ge­stell­ten Anträge würde auf die Er­stel­lung ei­nes Rechts­gut­ach­tens über die Fra­ge, ob ein be­stimm­tes Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers in ei­nem Rechts­verhält­nis zu ein­zel­nen Drit­ten den ta­rif­li­chen Vor­ga­ben ent­spricht, hin­aus­lau­fen, das für sich selbst oh­ne un­mit­tel­ba­re recht­li­che Fol­gen für die Rechts­be­zie­hung zwi­schen den Par­tei­en blie­be. Die Er­stel­lung von Rechts­gut­ach­ten ist den Ge­rich­ten in­des ver­wehrt (et­wa BAG 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 501/09 - Rn. 76; 3. Mai 2006 - 1 ABR 63/04 - Rn. 19 mwN, AP ArbGG 1979 § 81 Nr. 61; 20. Mai 2008 - 1 ABR 19/07 - Rn. 19, AP Be­trVG 1972 § 81 Nr. 4 = EzA ArbGG 1979 § 81 Nr. 19).
3. Die Anträge sind auch nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt der Fest­stel­lung ei­nes sog. Dritt­rechts­verhält­nis­ses zulässig.
a) Die Un­zulässig­keit der Anträge er­gibt sich aus den vor­ge­nann­ten Gründen (un­ter I 2) schon dar­aus, dass auch in Be­zug auf die von den Maßnah­men der Be­klag­ten be­trof­fe­nen ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer die recht­li­che Be­wer­tung ei­nes Ver­hal­tens be­an­tragt wird, nicht aber die Fest­stel­lung ei­nes zwi­schen die­sen und der Be­klag­ten be­ste­hen­den Rechts­verhält­nis­ses.
b) Wei­ter­hin ha­ben die Kläge­rin­nen auch kein be­son­de­res recht­lich geschütz­tes In­ter­es­se an der von ih­nen ver­lang­ten Fest­stel­lung dar­ge­tan. Die in den je­wei­li­gen kon­kre­ten Ein­zel­maßnah­men lie­gen­de - mögli­cher­wei­se feh­ler­haf­te - Ta­rif­ver­trags­an­wen­dung berührt le­dig­lich die Rechts­sphäre der be­trof­fe­nen ein­zel­nen ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer, de­nen selbst in­so­weit die In­an­spruch­nah­me ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes ob­liegt.
c) Ei­ne Pro­zess­stand­schaft der Kläge­rin­nen für die recht­li­chen In­ter­es­sen ih­rer Mit­glie­der schei­det un­ge­ach­tet der die Ar­beit­neh­mer nicht be­tref­fen­den Anträge aus. Ei­ne Ge­werk­schaft hat kei­ne Be­fug­nis, In­di­vi­dual­ansprüche ih­rer Mit­glie­der ein­zu­kla­gen. Geht es um Rech­te ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer, müssen die­se selbst tätig wer­den (BAG 20. April 1999 - 1 ABR 72/98 - zu B II 2 c der Gründe, BA­GE 91, 210).
4. Die Anträge sind auch kei­ner Aus­le­gung zugäng­lich, die ei­ne Sach­ent­schei­dung ermögli­chen würde (zu ei­ner sol­chen Ver­pflich­tung des Ge­richts vgl. nur BAG 14. De­zem­ber 2011 - 4 AZR 242/10 - Rn. 11 mwN; 21. April 2010 - 4 AZR 755/08 - Rn. 21 mwN, AP ZPO 1977 § 256 Nr. 101 = EzA ZPO 2002 § 256 Nr. 9).
a) Ei­ne Aus­le­gung des in den Anträgen je­weils ent­hal­te­nen Be­griffs „nicht zulässig“ durch ei­nen an­de­ren, das er­kenn­ba­re In­ter­es­se der Kläge­rin­nen vollständig, aber nicht über­schießend er­fas­sen­den Wort­laut ist nicht möglich. Nach dem Vor­brin­gen der Kläge­rin­nen ist ein Rechts­schutz­ziel, das mit der Fest­stel­lung ei­nes Rechts­verhält­nis­ses an­ge­strebt wer­den soll, nicht hin­rei­chend deut­lich er­sicht­lich.
Die Kläge­rin­nen rügen in der Sa­che ein ta­rif­wid­ri­ges Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers, oh­ne dass er­kenn­bar ist, wor­auf die­se an­ge­streb­te recht­li­che Be­wer­tung im Er­geb­nis ab­zielt. Bei der erst­ma­li­gen Er­he­bung der zu­letzt ge­stell­ten Anträge ha­ben sie aus­geführt, die Par­tei­en sei­en bei der An­wen­dung des Ta­rif­ver­tra­ges hin­sicht­lich der um­strit­te­nen be­fris­te­ten Über­tra­gung von Führungs­po­si­tio­nen un­ter­schied­li­cher An­sicht, was auf ei­ne un­ter­schied­li­che Aus­le­gung des Ta­rif­ver­tra­ges zurück­zuführen sei. Es sei trotz zahl­rei­cher Ver­hand­lun­gen seit dem Jahr 2003 nicht ge­lun­gen, die Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten hierüber in Gesprächen bei­zu­le­gen. Dies spricht dafür, dass es für die Kläge­rin­nen selbst um ei­ne abs­trak­te Aus­le­gungs­fra­ge des Ta­rif­ver­tra­ges geht. Ei­ne sol­che kann je­doch nur Ge­gen­stand ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge nach Maßga­be der be­son­de­ren Vor­aus­set­zun­gen des § 9 TVG sein (da­zu un­ter II). Ge­gen­stand der Anträge und Be­zugs­punkt des ge­sam­ten Sach­vor­tra­ges ist in­des die kon­kre­te An­wen­dungs­pra­xis der Be­klag­ten.
b) Ei­ne Aus­le­gung der Anträge iSd. Kläge­rin­nen kommt über­dies nicht in Be­tracht, weil über das im Wort­laut des An­tra­ges zu 1 be­schrie­be­ne Ver­hal­ten der Be­klag­ten kein Streit be­steht. Dass Tätig­kei­ten, die den Richt­po­si­ti­ons­be­schrei­bun­gen der Ge­halts­grup­pen 16, 17 und 18 ent­spre­chen, auch ei­ne ent­spre­chen­de Ein­grup­pie­rung und Vergütungs­ver­pflich­tung zur Fol­ge ha­ben, ist evi­dent und wird auch von der Be­klag­ten so ge­se­hen. Strei­tig ist al­lein die
Fra­ge, ob auch bei der be­fris­te­ten Über­tra­gung ei­ne Tätig­keit nach die­sen Richt­po­si­ti­ons­be­schrei­bun­gen vor­liegt. Die­se ist nach dem Wort­laut des An­tra­ges nicht Ge­gen­stand der be­gehr­ten Fest­stel­lung. Auch der Sach­vor­trag der Kläge­rin­nen zielt nicht auf die­se Fra­ge ab, son­dern auf die Be­an­stan­dung der dar­ge­stell­ten Pra­xis der Be­klag­ten.
c) Glei­ches gilt im Grund­satz für das im An­trag zu 2 be­an­stan­de­te Ver­hal­ten der Be­klag­ten. Sei­nem Wort­laut nach sind hier­von jeg­li­che vorüber­ge­hen­den - auch ganz kurz­fris­ti­ge - Über­tra­gun­gen von Tätig­kei­ten er­fasst. De­ren „Zulässig­keit“ be­zwei­feln selbst die kla­gen­den Ge­werk­schaf­ten nicht. Ei­ne Aus­le­gung des An­tra­ges durch das Ge­richt müss­te hier ei­ne zeit­li­che Gren­ze zie­hen. Dies ist an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass der Streit­ge­gen­stand von den Kläge­rin­nen be­stimmt wird, nicht möglich. Die ge­bo­te­ne Ein­schränkung lässt sich dem kläge­ri­schen Vor­trag nicht in hin­rei­chend kla­rer Wei­se ent­neh­men. Zwar tra­gen die Par­tei­en zu tatsächli­chen Be­fris­tun­gen zwi­schen zwei und fünf Jah­ren vor. Dass die kla­gen­den Ge­werk­schaf­ten ei­ne gleich­ar­ti­ge Be­fris­tung von bei­spiels­wei­se 18 Mo­na­ten für zulässig hiel­ten, er­gibt sich aus ih­rem Vor­brin­gen je­doch nicht. Im Übri­gen zeigt ihr Vor­trag, auch ei­ne Be­fris­tung von ein­zel­nen Ar­beits­be­din­gun­gen bedürfe ei­nes sie recht­fer­ti­gen­den Sach­grun­des, da es um die Aus­ge­stal­tung ein­zel­ner Ar­beits­verhält­nis­se geht, die kein Rechts­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en be­tref­fen.
d) Ei­ne Um­deu­tung der un­zulässi­gen Anträge (da­zu BGH 29. Sep­tem­ber 1999 - XII ZR 313/98 - zu 1 der Gründe, NJW 2000, 354) in Leis­tungs-, na­ment­lich Un­ter­las­sungs­anträge kommt vor­lie­gend nicht in Be­tracht. Ei­nen Un­ter­las­sungs­an­trag woll­ten die Kläge­rin­nen erklärter­maßen ge­ra­de mit den Fest­stel­lungs­anträgen nicht gel­tend ma­chen. Zu­dem ha­ben sie ge­genüber der Be­klag­ten in die­sem Rechts­streit in den Vor­in­stan­zen von ih­nen als Gel­tend­ma­chung des „Durchführungs­an­spruchs“ be­zeich­ne­te - und vom Lan­des­ar­beits­ge­richt rechts­kräftig ab­ge­wie­se­ne - Leis­tungs­anträge ge­stellt (et­wa auf Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten zur „Ein­grup­pie­rung“). Dies steht der An­nah­me ent­ge­gen, auch die Fest­stel­lungs­anträge be­inhal­te­ten ei­nen Leis­tungs­an­spruch, des­sen mögli­ches Rechts­schutz­ziel je­doch darüber hin­aus nicht er­kenn­bar wäre.
II. Die Anträge sind auch nicht un­ter Berück­sich­ti­gung der be­son­de­ren Zulässig­keits­vor­aus­set­zun­gen nach § 9 TVG zulässig.
1. Aus der in § 9 TVG vor­aus­ge­setz­ten Möglich­keit von Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, ei­nen Pro­zess zur Fest­stel­lung ei­nes abs­trak­ten Rechts­verhält­nis­ses zu führen, und der Bin­dungs­wir­kung der dar­auf er­ge­hen­den ge­richt­li­chen Ent­schei­dung, er­ge­ben sich be­stimm­te An­for­de­run­gen an die Zulässig­keit ei­nes in ei­nem sol­chen Rechts­streit ge­stell­ten An­tra­ges.
a) Nach § 9 TVG sind rechts­kräfti­ge Ent­schei­dun­gen der Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen, die in Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aus dem Ta­rif­ver­trag oder über das Be­ste­hen oder Nicht­be­ste­hen ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges er­gan­gen sind, in Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen ta­rif­ge­bun­de­nen Par­tei­en so­wie zwi­schen die­sen und Drit­ten für die Ge­rich­te und Schieds­ge­rich­te bin­dend. Da­mit setzt § 9 TVG die Möglich­keit vor­aus, dass Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­nen Rechts­streit über die Fest­stel­lung ei­nes klärungsfähi­gen und klärungs­bedürf­ti­gen abs­trak­ten Rechts­verhält­nis­ses führen (vgl. da­zu näher BAG 4. Ju­li 2007 - 4 AZR 491/06 - Rn. 18, BA­GE 123, 213). Die­se be­son­de­re und in­so­fern von der Zulässig­keits­vor­aus­set­zung ei­nes kon­kre­ten Rechts­verhält­nis­ses nach § 256 Abs. 1 ZPO ab­wei­chen­de Möglich­keit be­gründet kei­ne ei­genständi­ge Kla­ge­art ne­ben den in der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vor­ge­se­hen Kla­gen. Sie spe­zi­fi­ziert le­dig­lich die Zulässig­keits­vor­aus­set­zun­gen in ei­nem zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en über Be­stand oder In­halt des von ih­nen ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­tra­ges geführ­ten Pro­zess.
b) § 9 TVG hat vor­ran­gig den Zweck, die nor­ma­ti­ve Wir­kung des Ta­rif­ver­tra­ges mit ei­ner möglichst ein­heit­li­chen Aus­le­gung von Ta­rif­be­stim­mun­gen zu un­terstützen (BAG 4. Ju­li 2007 - 4 AZR 491/06 - Rn. 18, BA­GE 123, 213). Die Vor­schrift ord­net hin­sicht­lich der Wir­kung ei­ner Ent­schei­dung über den Be­stand oder die Aus­le­gung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges de­ren Ver­bind­lich­keit für Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen ta­rif­ge­bun­de­nen Par­tei­en so­wie zwi­schen die­sen und Drit­ten an. Da­mit ent­fal­tet die Ent­schei­dung in der Sa­che ei­ne im ge­setz­lich be­nann­ten Gel­tungs- und An­wen­dungs­be­reich ver­bind­li­che Wir­kung, die dem Gel­tungs­an­spruch der aus­zu­le­gen­den Norm selbst ent­spricht, un­abhängig da­von, ob man
dies auf ei­ne sub­jek­ti­ve Rechts­kraf­ter­stre­ckung zurückführt (so et­wa Wie­de­mann/Oet­ker TVG 7. Aufl. § 9 Rn. 10 ff.; Ja­cobs/Krau­se/Oet­ker Ta­rif­ver­trags­recht § 4 Rn. 213; s. auch noch BAG 30. Mai 1984 - 4 AZR 512/81 - BA­GE 46, 61, 64) oder sie un­mit­tel­bar als ma­te­ri­ell-recht­lich nor­ma­ti­ve Wir­kung gleich der­je­ni­gen der Ta­rif­norm selbst an­sieht (so Ga­mill­scheg Kol­lek­ti­ves Ar­beits­recht Bd. I S. 551; Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 9 Rn. 81 ff.; ähn­lich Kem-pen/Za­chert TVG 4. Aufl. § 9 Rn. 4).
c) Aus die­ser Funk­ti­on der auch als sog. Ver­bands­kla­ge be­zeich­ne­ten Möglich­keit ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge nach Maßga­be der Vor­aus­set­zun­gen des § 9 TVG er­ge­ben sich kon­kre­te An­for­de­run­gen an den ent­spre­chen­den Kla­ge­an­trag.
Für den Fall, dass es in ei­ner Ver­bands­kla­ge um die Aus­le­gung ei­ner Ta­rif­norm geht, sind im An­trag der frag­li­che Ta­rif­ver­trag, die be­tref­fen­de Ta­rif-norm so­wie um­strit­te­ne Ta­rif­be­grif­fe zu be­nen­nen. So­dann ist der von der kla­gen­den Ta­rif­ver­trags­par­tei als zu­tref­fend an­ge­se­he­ne Aus­le­gungs­schritt zu for­mu­lie­ren. Die zwi­schen den Par­tei­en - mit der in § 9 TVG ge­re­gel­ten wei­ter­rei­chen­den Bin­dungs­wir­kung - zu ent­schei­den­de Rechts­fra­ge hat die Ver­bin­dung ei­nes abs­trak­ten Ta­rif­be­griffs mit ei­nem - not­wen­dig we­ni­ger abs­trak­ten - aus­ge­leg­ten Ta­rif­be­griff zum Ge­gen­stand. Auch letz­te­rer muss je­doch abs­trakt sein und darf sich nicht auf ein kon­kre­tes Rechts­verhält­nis be­zie­hen (vgl. zB den Te­nor des Se­nats­ur­teils vom 15. De­zem­ber 2010 - 4 AZR 197/09 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Me­tall­in­dus­trie Nr. 215 = EzA TVG § 4 Me­tall­in­dus­trie Nr. 137). Das Ge­richt darf kei­ne Sub­sum­ti­on ei­nes kon­kre­ten Sach­ver­hal­tes un­ter die aus­le­gungs­bedürf­ti­ge Ta­rif­norm vor­neh­men müssen, um den Rechts­streit zu ent­schei­den.
Die er­wei­ter­te Bin­dungs­wir­kung ei­nes sog. Ver­bands­kla­ge­ur­teils nach § 9 TVG ist auf den Te­nor der Ent­schei­dung be­grenzt; die Ur­teils­gründe ent­fal­ten kei­ne Bin­dungs­wir­kung (s. nur Löwisch/Rieb­le § 9 Rn. 104). Dem­gemäß ist die von der kla­gen­den Ta­rif­ver­trags­par­tei gewähl­te For­mu­lie­rung von maßge­ben­der Be­deu­tung für die Be­stim­mung des Streit­ge­gen­stan­des und die Reich­wei­te der strei­ti­gen und zu klären­den Rechts­fra­ge. Ei­ne Aus­le­gung des An­tra-
ges darf nicht da­zu führen, dass über ei­ne an­de­re als die von der kla­gen­den Par­tei ge­stell­te Rechts­fra­ge mit er­wei­ter­ter Bin­dungs­wir­kung ent­schie­den wird.
2. Die­se An­for­de­run­gen erfüllen die Anträge nicht. Das er­gibt sich be­reits aus dem - hier­zu in bei­den Anträgen iden­ti­schen - Wort­laut. Die be­gehr­te Fest­stel­lung zielt nicht auf die im We­ge der Aus­le­gung ge­won­ne­ne Kon­kre­ti­sie­rung ei­nes Ta­rif­be­griffs ab, son­dern hat das kon­kre­te Ver­hal­ten der Be­klag­ten zum Ge­gen­stand. Da­mit geht es nicht um ei­ne abs­trak­te Aus­le­gungs­fra­ge aus dem Ta­rif­ver­trag.
3. Die Anträge können nicht in ei­ner Wei­se aus­ge­legt wer­den, die zu ih­rer Zulässig­keit un­ter dem Ge­sichts­punkt von § 9 TVG führt. So­weit sich die Kläge­rin­nen für die Zulässig­keit ih­rer Anträge aus­drück­lich auf die Be­stim­mung des § 9 TVG be­zie­hen, ver­ken­nen sie, dass sich die­se nach ih­rem Wort­laut nicht mit der Aus­le­gung ei­nes Ta­rif­be­griffs, son­dern mit der An­wen­dung ver­schie­de­ner Ta­rif­be­stim­mun­gen auf ei­nen kon­kre­ten Le­bens­sach­ver­halt be­fas­sen.
a) Die Kläge­rin­nen ha­ben noch in der Re­vi­si­ons­be­gründung aus­drück­lich aus­geführt, dass der An­trag zu 1 das „An­wen­dungs­er­geb­nis“ fest­stel­len sol­le, wo­nach „die Ein­grup­pie­rung der Ar­beit­neh­mer (in) die Ge­halts­grup­pen 14 oder 15 ... un­zulässig sein (soll)“, wenn höher­wer­ti­ge Tätig­kei­ten be­fris­tet über­tra­gen wer­den. Die an­ge­streb­te Fest­stel­lung, dass ei­ne be­stimm­te Maßnah­me „nicht zulässig“ sei, ist kein abs­trak­tes Aus­le­gungs­er­geb­nis ei­ner Ta­rif­ver­trags­norm, son­dern le­dig­lich ei­ne Be­wer­tung ih­rer kon­kre­ten An­wen­dung. Dem­ent­spre­chend hätte ei­ne Sach­ent­schei­dung über die ge­stell­ten Anträge auch ei­ne Sub­sum­ti­on des kon­kre­ten Ver­hal­tens der Be­klag­ten er­for­dert, was bei ei­ner Ver­bands­kla­ge nach § 9 TVG je­doch nicht statt­haft wäre.
b) Der Um­stand, dass dem Rechts­streit der Par­tei­en letzt­lich die Aus­le­gung von Ta­rif­be­grif­fen zu­grun­de liegt, kann nicht zu ei­ner An­trags­um­deu­tung führen, die die Kla­ge nach § 9 TVG zulässig macht.
Die Kläge­rin­nen ver­wei­sen noch in ih­rer Re­vi­si­ons­be­gründung dar­auf, die Ein­grup­pie­rungs- und Vergütungs­pra­xis der Be­klag­ten wi­der­spre­che den „im Streit ste­hen­den ta­rif­ver­trag­li­chen Ein­grup­pie­rungs­vor­schrif­ten des GTV im
Zu­sam­men­hang mit dem MTV“. Dies ver­deut­licht zwar, dass der vor­lie­gen­de Rechts­streit auf ei­ne un­ter­schied­li­che Aus­le­gung meh­re­rer Ta­rif­nor­men zurück­geführt wer­den kann. De­ren Aus­le­gung ist aber nicht zum Streit­ge­gen­stand er­ho­ben wor­den.
Ei­ne Aus­le­gung oder gar Um­deu­tung der ge­stell­ten Anträge in sol­che mit ei­nem zulässi­gen In­halt würde er­for­dern, dass sei­tens des Ge­richts die dem Rechts­streit zu­grun­de lie­gen­den Rechts­fra­gen über die Aus­le­gung der maßge­ben­den Ta­rif­be­stim­mun­gen in ei­nem ers­ten Schritt er­mit­telt wer­den müss­ten, um so­dann - in ei­nem wei­te­ren Schritt - den oder die kon­kre­ten Anträge über die für zu­tref­fend ge­hal­te­ne fallüberg­rei­fen­de abs­trak­te Aus­le­gung zu for­mu­lie­ren. An­ge­sichts der ins­be­son­de­re bei ei­nem Aus­le­gungs­rechts­streit nach § 9 TVG ge­bo­te­nen Bin­dung an die Par­tei­anträge ist dem Ge­richt ein sol­ches Vor­ge­hen ver­wehrt.
III. Der Se­nat ist - auch wenn sich sei­ne Be­gründung auf an­de­re Erwägun­gen stützt als die­je­ni­ge des Lan­des­ar­beits­ge­richts - nicht dar­an ge­hin­dert, nach § 563 Abs. 3 ZPO in der Sa­che selbst zu ent­schei­den. Ei­ne Auf­he­bung des Ur­teils des Lan­des­ar­beits­ge­richts nach § 562 Abs. 1 ZPO und die Zurück­ver­wei­sung der Sa­che nach § 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Be­ru­fungs­ge­richt ist nur dann ge­bo­ten, wenn die kla­gen­den Par­tei­en nach dem Ver­fah­rens­ver­lauf nicht aus­rei­chend Ge­le­gen­heit und Ver­an­las­sung ge­habt hat­ten, ei­nen An­trag zu stel­len, der den Er­for­der­nis­sen des § 256 Abs. 1 ZPO ent­spricht (vgl. BAG 11. No­vem­ber 2009 - 7 AZR 387/08 - Rn. 16, AP ZPO § 253 Nr. 50 = EzA ZPO 2002 § 253 Nr. 3). Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend nicht ge­ge­ben. Die Be­klag­te hat sich be­reits in den Tat­sa­chen­in­stan­zen auf die Un­zulässig­keit der Anträge be­ru­fen. Auf­grund die­ses Vor­tra­ges und ei­nes rich­ter­li­chen Hin­wei­ses nach § 139 Abs. 1 ZPO in der Be­ru­fungs­in­stanz hat­ten die kla­gen­den Par­tei­en aus­rei­chend An­lass, ih­re Anträge zu kor­ri­gie­ren (vgl. BAG 24. Ja­nu­ar 2007 - 4 AZR 28/06 - Rn. 37 ff. mwN, NZA-RR 2007, 495).
IV. Die Kläge­rin­nen ha­ben die Kos­ten der Re­vi­sio­nen zu tra­gen, weil sie er­folg­los blei­ben (§ 97 Abs. 1, § 100 Abs. 1 ZPO).
Der Vor­sit­zen­de Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Be­p­ler ist in den Ru­he­stand ge­tre­ten und da­her an der Un­ter­schrifts­leis­tung ge­hin­dert.
Ste­ding
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