Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/keine-gymnastikhalle-npd-3113530
Timestamp: 2020-02-26 05:48:30
Document Index: 373030847

Matched Legal Cases: ['Art. 3', 'Art. 21', 'Art. 3', 'Art. 8', 'Art.19', '§ 32', '§ 23', '§ 92', 'Art. 3', 'Art. 21', 'Art. 38', '§ 5', '§ 32', 'Art. 3', 'Art. 21']

Kei­ne Gym­nas­tik­hal­le für die NPD | Rechtslupe
Keine Gymnastikhalle für die NPD
Kei­ne Gym­nas­tik­hal­le für die NPD
Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt blieb aktu­ell ein Eil­an­trag des NPD-Kreis­ver­ban­des Ber­lin-Neu­kölln ohne Erfolg, das Land Berin zu ver­pflich­ten, ihr eine Gym­nas­tik­hal­le zur Durch­füh­rung einer poli­ti­schen Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung im Land­tags­wahl­kampf zu über­las­sen.
Die vom NPD-Kreis­ver­band bean­trag­te Über­las­sung eines Raums zur Durch­füh­rung einer poli­ti­schen Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung am 27.08.2016 lehn­te das Bezirks­amt Neu­kölln am 17.08.2016 mit der Begrün­dung ab, der von ihm ein­ge­reich­te Bestuh­lungs­plan sei nicht nach­voll­zieh­bar, so dass eine Prü­fung durch den Brand­schutz­be­auf­trag­ten nicht vor­ge­nom­men wer­den kön­ne. Somit erfül­le der NPD-Kreis­ver­band die Auf­la­ge, einen durch den bezirk­li­chen Brand­schutz­be­auf­trag­ten geneh­mig­ten Bestuh­lungs­plan vor­zu­le­gen, nicht. Außer­dem bestehe für das zur Durch­füh­rung der Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung beauf­trag­te Unter­neh­men kein aktu­el­ler Ver­si­che­rungs­schutz. Den dar­auf­hin im Ver­fah­ren der einst­wei­li­gen Anord­nung gestell­ten Antrag, das Land Ber­lin zur Über­las­sung der Gym­nas­tik­hal­le zu ver­pflich­ten, lehn­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin mit Beschluss vom 24.08.2016 ab. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beschwer­de wies das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg mit Beschluss vom 25.08.2016 zurück.
Mit dem vor­lie­gen­den Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung woll­te der NPD-Kreis­ver­band vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Ver­pflich­tung des Lan­des Ber­lin zur Über­las­sung der Gym­nas­tik­hal­le errei­chen, um die beab­sich­tig­te poli­ti­sche Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung durch­füh­ren zu kön­nen. Er sieht sich in sei­nen Grund­rech­ten aus Art. 3 in Ver­bin­dung mit Art. 21 Abs. 1 Satz 1 GG (Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en), Art. 3 Abs. 1 GG (Will­kür­ver­bot), Art. 8 Abs. 1 GG (Ver­samm­lungs­frei­heit) und Art.19 Abs. 4 GG (Recht auf effek­ti­ven Rechts­schutz) ver­letzt. Die Auf­la­ge zur Vor­la­ge eines durch den Brand­schutz­be­auf­trag­ten geneh­mig­ten Bestuh­lungs­plans sei in schi­ka­nö­ser Wei­se erlas­sen wor­den, um sei­nen ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­ten Zugangs­an­spruch ver­ei­teln zu kön­nen. Außer­dem sei ein den Erfor­der­nis­sen des Brand­schut­zes genü­gen­der Bestuh­lungs­plan vor­ge­legt wor­den. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt lehn­te den Antrag ab:
Der Antrag ist bereits unzu­läs­sig.
Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Streit­fall einen Zustand durch einst­wei­li­ge Anord­nung vor­läu­fig regeln, wenn dies zur Abwehr schwe­rer Nach­tei­le oder aus einem ande­ren wich­ti­gen Grund zum gemei­nen Wohl drin­gend gebo­ten ist. Dabei ist ein stren­ger Maß­stab anzu­le­gen. Eine einst­wei­li­ge Anord­nung darf jeden­falls dann nicht erge­hen, wenn sich das in der Haupt­sa­che ver­folg­te Begeh­ren von vorn­her­ein als unzu­läs­sig oder offen­sicht­lich unbe­grün­det erweist 1. Dies setzt einen hin­rei­chend sub­stan­ti­ier­ten und schlüs­si­gen Vor­trag des die Rechts­ver­let­zung ent­hal­ten­den Vor­gangs vor­aus, damit das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die genann­ten erfor­der­li­chen Prü­fun­gen selb­stän­dig vor­neh­men kann 2. Dabei kann dahin­ste­hen, ob oder in wel­chem Umfang der NPD-Kreis­ver­band eine den § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG genü­gen­de Begrün­dung vor­zu­le­gen hat, es muss aber – wie bei der Begrün­dung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de selbst – deut­lich wer­den, inwie­weit durch die ange­grif­fe­ne Maß­nah­me die bezeich­ne­ten Grund­rech­te ver­letzt sein sol­len 3. Der ver­fas­sungs­recht­li­che Bezug ist unter Rück­griff auf die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­wi­ckel­ten Maß­stä­be her­zu­stel­len 4.
Die­sen ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen wird der vor­lie­gen­de Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung nicht gerecht.
Das Grund­ge­setz gewähr­leis­tet durch Art. 3 GG in Ver­bin­dung mit Art. 21 und Art. 38 GG die Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en und sichert damit den frei­en Wett­be­werb der Par­tei­en und die Teil­nah­me an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung. § 5 Abs. 1 PartG setzt die­se ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben um, indem er bestimmt, dass bei der Gestat­tung der Nut­zung öffent­li­cher Ein­rich­tun­gen alle poli­ti­schen Par­tei­en gleich behan­delt wer­den sol­len. Das Recht auf Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en ist ver­letzt, wenn ein Trä­ger öffent­li­cher Gewalt die Nut­zung einer öffent­li­chen Ein­rich­tung einer Par­tei ver­wei­gert, obwohl er sie ande­ren Par­tei­en ein­räumt oder ein­ge­räumt hat 5.
Dabei ist es nicht Auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, Ent­schei­dun­gen der Gerich­te in jeder Hin­sicht auf die Rich­tig­keit der getrof­fe­nen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen, der Inter­pre­ta­ti­on der Geset­ze und der Anwen­dung des Rechts auf den kon­kre­ten Fall zu kon­trol­lie­ren. Viel­mehr ist im Ver­fas­sungs­be­schwer­de-ver­fah­ren und nicht zuletzt auch im Ver­fah­ren betref­fend den Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung nach § 32 BVerfGG nur zu prü­fen, ob das Gericht Grund­rech­te oder grund­rechts­glei­che Rech­te des Beschwer­de­füh­rers oder NPD-Kreis­ver­ban­des ver­letzt hat 6. Ein Ver­fas­sungs­ver­stoß, der zur Bean­stan­dung von Ent­schei­dun­gen führt, liegt vor, wenn über­se­hen wor­den ist, dass bei Aus­le­gung und Anwen­dung der jeweils in Rede ste­hen­den Vor­schrif­ten über­haupt Grund­rech­te zu beach­ten waren, wenn der Schutz­be­reich der zu beach­ten­den Grund­rech­te unrich­tig oder unvoll­kom­men bestimmt oder wenn ihr Gewicht unrich­tig ein­ge­schätzt wor­den ist 7. Dabei ist es nicht Auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, die Wür­di­gung der Beweis­auf­nah­me und die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen zu über­prü­fen, soweit hier­bei kei­ne Will­kür erkenn­bar ist 8.
Der NPD-Kreis­ver­band setzt sich mit den dar­ge­leg­ten Maß­stä­ben nicht aus­ein­an­der. Der ver­fas­sungs­recht­li­che Bezug unter Rück­griff auf die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­wi­ckel­ten Maß­stä­be wird nicht her­ge­stellt. Statt­des­sen behaup­tet er ledig­lich die Ver­let­zung sei­ner ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­ten Rech­te. Ins­be­son­de­re erschließt sich nicht, wor­in vor­lie­gend eine den Grund­satz der Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en gemäß Art. 3 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 21 Abs. 1 Satz 1 GG ver­let­zen­de Ungleich­be­hand­lung des NPD-Kreis­ver­ban­des im Ver­gleich zu ande­ren Par­tei­en lie­gen soll. Die blo­ße Behaup­tung, ande­ren Par­tei­en wür­den kei­ne Bestuh­lungs­plan­auf­la­gen erteilt, genügt inso­weit nicht, zumal das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt sich in dem ange­grif­fe­nen Beschluss mit die­ser Fra­ge aus­drück­lich befasst hat. Eben­so wenig erschließt sich aus dem Vor­trag des NPD-Kreis­ver­ban­des, dass die ange­grif­fe­nen Beschlüs­se hin­sicht­lich der Zuläs­sig­keit der Auf­la­ge und deren Nicht­er­fül­lung auf will­kür­li­chen, sach­lich schlech­ter­dings nicht mehr nach­voll­zieh­ba­ren Erwä­gun­gen beru­hen. Dem Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung konn­te daher kein Erfolg beschie­den sein.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 26. August 2016 – 2 BvQ 46/​16
vgl. BVerfGE 103, 41, 42; 111, 147, 152 f.; stRspr[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 31.08.2004 – 1 BvQ 36/​04 5; Beschluss vom 14.10.2010 – 2 BvR 1744/​10 1[↩]
vgl. BVerfGE 77, 170, 214 ff.; 99, 84, 87; 101, 331, 345 f.; 123, 186, 234[↩]
BVerfGK 10, 363, 364[↩]
vgl. BVerfGE 11, 343, 349; 79, 372, 376[↩]
vgl. BVerfGE 106, 28, 45[↩]
vgl. BVerfGE 4, 294, 297; 34, 384, 397; BVerfGK 10, 363, 364[↩]
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