Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?stammNr=115961
Timestamp: 2018-12-16 16:02:58
Document Index: 323311967

Matched Legal Cases: ['§ 279', '§ 278', '§ 250', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art. 11', 'Art. 132', '§ 279', '§ 2', '§ 2', 'Art. 13', '§ 2', '§ 2', '§ 147', 'Art. 13']

Österreichische Zuständigkeit für Familienleistungen? Haushaltszugehörigkeit oder überwiegende Unterhaltskostentragung? - Findok Internet
Bescheidbeschwerde – Einzel – Erkenntnis des BFG vom 08.08.2017, RV/7102590/2017
Österreichische Zuständigkeit für Familienleistungen? Haushaltszugehörigkeit oder überwiegende Unterhaltskostentragung?
RV/7102590/2017-RS1 Permalink
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter Dr. Rudolf Wanke über die Beschwerde des Al*****ar Ma***** (ал****** ма******), österreichische Anschrift *****Adresse_Ö*****, vom 1. 4. 2016 gegen den Bescheid des Finanzamts Wien 12/13/14 Purkersdorf, 1030 Wien, Marxergasse 4, vom 4. 3. 2016, wonach der Antrag vom 19. 10. 2015 auf Ausgleichszahlung für die im Oktober 1999 geborenen Zh***** (Jh*****) An*****a (жа***** ан*****ва) für den Zeitraum Oktober 2010 bis Dezember 2014 sowie ab Oktober 2015 abgewiesen wurde, Versicherungsnummer 7*****,
Die Beschwerde wird hinsichtlich des Zeitraums Oktober 2010 bis Oktober 2012 gemäß § 279 BAO als unbegründet abgewiesen.
Der Spruch des angefochtenen Bescheides bleibt insoweit unverändert, als er den Antrag vom 19. 10. 2015 auf Ausgleichszahlung für den Zeitraum Oktober 2010 bis Oktober 2012 abweist;
Im Übrigen, hinsichtlich der Zeiträume November 2012 bis Dezember 2014 sowie Oktober 2015 bis März 2016, werden der angefochtene Bescheid vom 4. 3. 2016 und die diesbezügliche Beschwerdevorentscheidung vom 29. 8. 2016 gemäß § 278 Abs. 1 BAO aufgehoben. Die Sache wird insoweit an das Finanzamt zurückverwiesen.
Antrag vom 28. 1. 2015
Mit offenbar am 28. 1. 2015 beim Finanzamt eingelangtem undatiertem Antrag beantragte der Beschwerdeführer (Bf) Al*****ar Ma*****, bulgarischer Staatsbürger, Familienbeihilfe für die im Oktober 1999 geborene Zh***** Al*****rova An*****a, ebenfalls bulgarische Staatsbürgerin.
Das Formular Beih 1 ist nur teilweise ausgefüllt. Diesem lässt sich entnehmen:
Der Antragsteller sei selbständig erwerbstätig und wohne in *****Adresse_Ö*****.
Seine Tochter gehe in Svishtov in eine allgemeinbildende Oberschule, wo sie im Schuljahr 2013/2014 die 9. Klasse besucht habe.
Beigeschlossen waren folgende Urkunden:
Bescheinigung des Amtsgerichts Svishtov
Das Amtsgericht Sviosthov bescheinigte am 1. 4. 2005 (beglaubigte Übersetzung), dass die zwischen Le***** Ad*****a Ma*****a und Al*****ar An***** Ma***** geschlossene Ehe aufgelöst wurde und die Ausübung der Elternrechte für das minderjährige Kind Zh***** Al*****rova An*****a dem Vater gewährt wird, wobei der Mutter ein näher ausgeführtes Besuchsrecht zukommt und die Mutter nach der Scheidung ihren vorehelichen Familiennamen M***** trägt.
Eine näher bezeichnete allgemeinbildende Oberschule in Svishtov bestätigte am 11. 12. 2013 (beglaubigte Übersetzung):
Die vorliegende Bescheinigung wird Zh***** Al*****rova An*****a, mit Personenkennzahl ... ausgestellt zur Bestätigung dessen, dass sie in 9. B Klasse als Schüler/in im Schuljahr 2013/2014 immatrikuliert ist und im Buch für Kinder, die bis Alter von 16 Jahren obligatorischer Ausbildung unterliegen, auf Seite 62, N° ... eingetragen ist.
Sie besucht den Unterricht regelmäßig.
Die vorliegende Bescheinigung wird ausgestellt, um vor der Direktion "Sozialhilfe" - Stadt Svishtov zu dienen.
Laut (beglaubigt übersetzter) Geburtsurkunde ist Zh***** Al*****rova An*****a im Oktober 1999 in Svishtov geboren, Eltern sind Le***** Ad*****a M***** und Al*****ar An***** Ma*****.
Anmeldebescheinigung für EWR-Bürger/-innen und Schweizer Bürger/innen
Das Amt der Wiener Landesregierung fertigte am 29. 7. 2014 eine Anmeldebescheinigung für EWR-Bürger/-innen und Schweizer Bürger/innen gemäß Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz (NAG) für den Bf aus. Dieser sei Selbständiger.
Laut Einkommensteuerbescheid für das Jahr 2013 vom 28. 11. 2014 hatte der Bf im Jahr 2013 (negative) Einkünfte aus Gewerbebetrieb von -3.689,82 €. Die Einkommensteuer wurde mit 0, 00 € festgesetzt.
Abweisungsbescheid vom 18. 5. 2015
Mit Bescheid vom 18. 5. 2015 wies das Finanzamt den Antrag des Bf vom 28. 1. 2015 "auf Ausgleichszahlung" für seine Tochter für den Zeitraum Jänner 2015 bis September 2015 ab:
Da Sie das Ersuchen um Ergänzung vom 24.3.2015 nicht beantwortet haben., war wie im Spruch zu entscheiden.
Der Bescheid wurde am 21. 5. 2015 hinterlegt (Beginn der Abholfrist 22. 5. 2015), er langte nicht behoben am Finanzamt zurück.
Antrag vom 19. 10. 2015
Mit am 19. 10. 2015 beim Finanzamt persönlich abgegebenen Antrag vom 15. 10. 2015 beantragte der Bf eine Differenzzahlung für die im Oktober 1999 geborenen Zh***** Al*****rova An*****a für den Zeitraum von Oktober 2010 bis laufend.
Der Antragsteller sei am 30. 11. 2009 nach Österreich eingereist, sei selbständig erwerbstätig und wohne in *****Adresse_Ö*****.
Seine Tochter gehe in Svishtov in eine allgemeinbildende Oberschule, wo sie die 10. Klasse besuche. Die Kindererziehung werde allein vom Bf vorgenommen.
Siehe Antrag vom 28. 1. 2015.
Die Stadt Svishtov bestätigte am 30. 4. 2015, dass Zh***** Al*****rova An*****a seit 13. 5. 2011 ihre ständige Anschrift in Svishtov, T*****-O*****-Str. 005, habe.
Schulbesuchsbescheinigung vom 11. 12. 2013
Schulbesuchsbestätigung vom 30. 9. 2015
Eine näher bezeichnete allgemeinbildende Oberschule in Svishtov bestätigte am 30. 9. 2015 (beglaubigte Übersetzung):
Die vorliegende Bescheinigung wird Zh***** Al*****ROVA An*****A, mit Personenkennzahl ... ausgestellt zur Bestätigung dessen, dass sie eine Vollzeitschülerin in täglicher Ausbildungsform ist.
Im Schuljahr 2014-2015 hat sie 10. Klasse erfolgreich abgeschlossen.
Die Dauer des Ausbildungskurses der allgemeinbildenden Schule ist 12 Jahre.
Die Schülerin ist die Schule in Juni 2017 abzuschließen.
Die vorliegende Bescheinigung wird ausgestellt, um vor der Familienkasse in Österreich zu dienen.
Bescheinigung der Anstalt für Sozialhilfe vom 30. 9. 2015
Die Republik Bulgarien, Anstalt für Sozialhilfe, Direktion "Sozialhilfe - Stadt Svishtov bestätigte am 30. 9. 2015 (beglaubigte Übersetzung):
Direktion "Sozialhilfe" - Stadt Svishtov bescheinigt hiermit, dass Herr Al*****ar An***** Ma*****, mit Personenkennzahl ... und ständiger Anschrift; Republik Bulgarien, Gebiet Veliko Tamovo, Gemeinde Svishtov, Stadf Svishtov, T*****-O*****-Straße № 5, Kinderzulage in Höhe von 35.00 BGN monatlich für das Kind Zh***** Al*****rova An*****a, mit Personenkennzahl ... auf Grund des Artikels 7, Absatz 1 des Gesetzes über Familiensozialhilfe für Kinder von der Direktion "Sozialhilfe" - Stadt Svishtov bekommen hat. In den letzten 5 Jahre hat er für die folgenden Zeiträume Kinderzulage bekommen:
- Vom 1. August 2010 bis 31. Juli 2011 - 35.00 BGN monatlich
- Vom 1. August 2011 bis 31. Juli 2012 - 35.00 BGN monatlich
- Vom 1. September 2013 bis 31. August 2014 - 35.00 BGN monatlich
- Vom 1. Oktober 2014 bis 31. März 2015 - 35.00 BGN monatlich
Die vorliegende Bescheinigung wird ausgestellt, um vor den Behörden in Österreich zu dienen.
Personalausweis Tochter
(Offenbar, die Kopie ist unvollständig) wurde der Personalausweis der Tochter vorgelegt.
Laut Meldebestätigung vom 30. 11. 2009 ist der Bf seit diesem Tag an der Adresse *****Adresse_Ö***** mit Hauptwohnsitz gemeldet.
Personalausweis Vater
Ferner wurde der Personalausweis des Vaters vorgelegt.
Ergänzungsersuchen vom 2. 12. 2015
In Beantwortung eines Ergänzungsersuchens des Finanzamts vom 2. 12. 2015
- vorzulegen seien
-- Kopie des Dienstvertrag bzw Werkvertrag ab 10/2010
-- Kopie des Gewerbeschein
--- Einkommensnachweis z.B.Honorarnoten etc von Ihnen ab 2010-lfd
-- Einzahlbestätigung der geleisteten Sozialversicherungsbeiträge £01$ f* °£Oi5
-- Einkommensnachweis Kopie der Unterhaltszahlungen an Ihre Tochter
-- EWR Anmeldebescheinigung von Ihnen -
legte der Bf am 14. 1. 2016 vor:
Erklärung der Großmutter vom 10. 1. 2016
Die Großmutter von Zh***** erklärte laut beglaubigter Übersetzung am 10. 1. 2016:
Ich, die Unterzeichnete Em***** A***** H***** erkläre, dass ich einen finanziellen Unterhalt von Al*****ar An***** Ma***** filr Zh***** Al*****rova An*****a in Höhe von 300 Lewa (150 Euro) jeden Monat für den Zeitraum vom Jahr 2010 bis zum Jahr 2015 erhalte.
Bulgarische Steuererklärung 2010
Vorgelegt wurde ein nicht übersetztes Formular des министерство на финансите (Finzanzministeriums), национална агенця 3а приходите (Staatliche Steuerverwaltung), betreffend Jahressteuererklärung (годишна данъчна декларация) offenkundig für den Zeitraum 1. 1. 2010 bis 31. 12. 2010, des Bf. Diese weist einen Gewinn (положителен) von in Summe (сума) 5899,07 bei Gesamteinnahmen (общо приходи) von 111.814,53 und Gesamtausgaben (общо ра3ходи) von 105.915,46 aus.
Bulgarische Steuererklärung 2011
Vorgelegt wurde ein nicht übersetztes Formular des министерство на финансите (Finzanzministeriums), национална агенця 3а приходите (Staatliche Steuerverwaltung), betreffend Jahressteuererklärung (годишна данъчна декларация) offenkundig für den Zeitraum 1. 1. 2011 bis 31. 12. 2011, des Bf. Diese weist einen Verlust (отрицателен) von in Summe (сума) 56,65 bei Gesamteinnahmen (общо приходи) von 98.471,30 und Gesamtausgaben (общо ра3ходи) von 98.527,95 aus.
Bulgarische Steuererklärung 2012
Vorgelegt wurde ein nicht übersetztes Formular des министерство на финансите (Finzanzministeriums), национална агенця 3а приходите (Staatliche Steuerverwaltung), betreffend Jahressteuererklärung (годишна данъчна декларация) offenkundig für den Zeitraum 1. 1. 2012 bis 31. 12. 2012, des Bf. Diese weist einen Verlust (отрицателен) von in Summe (сума) 1.435,17 bei Gesamteinnahmen (общо приходи) von 9.083,14 und Gesamtausgaben (общо ра3ходи) von 10.518,31 aus.
Einnahmen-Ausgabenrechnung 2013
Laut Einnahmen-Ausgabenrechnung 2013 standen im Jahr 2013 Erlösen (zu 0%, Kleinunternehmer) von 5.928,83 € Aufwendungen für Wareneinkauf (zu 0%) von 7.122,43 € sowie für sonstigen Ausgaben, darunter 1.719,52 € Pflichtbeiträge, von 2.496,22 €, insgesamt daher 9.618,65 € gegenüber, sodass der Verlust 3.689,82 € betrug. Die Art der Tätigkeit lässt sich der Einnahmen-Ausgabenrechnung nicht entnehmen.
Einnahmen-Ausgabenrechnung 2014
Laut Einnahmen-Ausgabenrechnung 2014 standen im Jahr 2014 Erlösen (zu 10%) von 11.137,89 € Aufwendungen für Wareneinkauf (zu 10% und zu 20%), Betriebsstoffverbrauch und AfA von 16.572,09 € sowie für sonstigen Ausgaben, darunter 1.890,36 € Pflichtbeiträge, von 2.7995,22 €, insgesamt daher 19.367,41 € gegenüber, sodass der Verlust 8.229,42 € betrug. Die Art der Tätigkeit lässt sich der Einnahmen-Ausgabenrechnung nicht entnehmen.
Einzahlung Pflichtversicherung
Am 28. 2. 2013 wurde vom Bf ein Betrag von 775,48 € auf sein Betragskonto bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft eingezahlt, am 20. 8. 2013 ein Betrag von 472,02 €, am 20. 11. 2013 ebenfalls 472,02 €, am 18. 2. 2011 472,59 €, am 21. 3. 2014 472,59 €, am 18. 8. 2014 472,59 €, am 1. 6. 2015 618,24 € (vorgelegt samt Kontoauszug der SVA der gewerblichen Wirtschaft), am 12. 8. 2016 618,24 € (vorgelegt samt Kontoauszug der SVA der gewerblichen Wirtschaft), am 17. 11. 2015 618,24 € (vorgelegt samt Kontoauszug der SVA der gewerblichen Wirtschaft).
Laut Auszug aus dem Gewerberegister vom 6. 11. 2012 hat der Bf am 1. 11. 2012 das Gewerbe "Handelsagent und Handelsgewerbe mit Ausnahme der reglementierten Handelsgewerbe, zu welchen insbesondere der Handel mit Medizinprodukten, Waffen und pyrotechnischen Artikeln zählen" angemeldet.
Abweisungsbescheid vom 4. 3. 2016
Mit dem angefochtenen Bescheid vom 4. 3. 2016 wies das Finanzamt den Antrag des Bf vom 19. 10. 2015 auf Ausgleichszahlung für die im Oktober 1999 geborenen An*****a Al*****rova Zh***** für den Zeitraum Oktober 2010 bis Dezember 2014 sowie ab Oktober 2015 ab und führte hierzu aus:
Für den Zeitraum Jänner bis September 2015 muss der Antrag zurückgewiesen werden, weil darüber bereits mit Abweisungsbescheid vom 18.5.2015 entschieden worden ist.
Diese Bescheide sind mittlerweile in Rechtskraft erwachsen, daher kann darüber nicht mehr abgesprochen werden.
Der Abweisungsbescheid wurde dem Bf laut Zustellnachweis am 8. 3. 2016 persönlich ausgefolgt.
Unter Verwendung eines internen Formulars des Finanzamts erhob der Bf am 1. 4. 2016 Beschwerde gegen den Abweisungsbescheid vom 4. 3. 2016.
Da dieses Formular einen Beschwerdeantrag (§ 250 Abs. 1 lit. c BAO) nicht vorsieht, wurde ein solcher vom Bf auch nicht ausdrücklich gestellt. Aus dem Gesamtzusammenhang ist jedoch ersichtlich, dass der Bf die Aufhebung des angefochtenen Bescheides beantragt.
Bei der erste Bestätigung wurde bei der Übersetzung falsch formuliert. Es handelt sich nicht um Alimente, sondern um finanzielle Unterstützung, die an die Oma bar 150 € pro Monat + an Konto wie ein Sicherung 1500 LV (= 750 €, 1 LV = € 1,95583) Familienbeihilfe bitte Rückwirkend ab 2011.
Beigefügt waren neben einer Kopie des Abweisungsbescheids folgende Unterlagen:
Erklärung der Großmutter
Die Großmutter gab am 4. 1. 2016 folgende Erklärung ab (beglaubigte Übersetzung):
Von Em***** A***** H***** (Großmutter von Zh*****) in Bezug auf die finanziele Unterstützung von Zh***** Al*****rova An*****a in Höhe von 300 Lewa (150 Euro) von Al*****ar An***** Ma***** für den Zeitraum vom Monat 01.2010 bis 31.12.2010; 01.2011 bis 31.12.2011; 01.2012 bis 31.12.2012.
Vorgelegt wurden verschiedene unübersetzte E-Mails in cyrillischer Schrift, aus denen sich laut handschriftlicher Anmerkung Energiekosten entnehmen lassen sollen.
Laut ebenfalls unübersetztem Beleg in cyrillischer Schrift dürfte am 18. 2. 2016 ein Betrag von 1.500,00 (Lewa?) auf ein Konto bei einer bulgarischen Bank eingezahlt worden sein.
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 29. 8. 2016 wies das Finanzamt die Beschwerde vom 1. 4. 2016 als unbegründet ab:
Vorrangig muss grundsätzlich jener Mitgliedsstaat die Familienleistungen gewähren, in dem eine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird.
Sind die Elternteile in verschiedenen Mitgliedsstaaten erwerbstätig, trifft die vorrangige Verpflichtung zur Gewährung der Familienleistungen jenen Mitgliedsstaat, in dessen Gebiet die Familienangehörigen wohnen.
Anspruch auf Familienbeihilfe besteht grundsätzlich nur für die Dauer einer Beschäftigung oder selbständigen Erwerbstätigkeit im Inland oder bei Bezug einer Geldleistung infolge dieser Beschäftigung oder selbständigen Erwerbstätigkeit. Kein Anspruch besteht jedoch, wenn die Beschäftigung gegen bestehende Vorschriften über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmerinnen verstößt.
Tätigkeiten, die sich als völlig unwesentlich darstellen, bleiben dabei außer Betracht.
Der Begriff des "familienangehörigen Kindes" wird im § 2 Abs. 3 des Familienlastenausgleichsgesetzes 1967 definiert; darunter zu verstehen sind leibliche Kinder, Enkel, Stiefkinder usw., allerdings immer unter der einschränkenden Voraussetzung, dass das Kind mit dem in Frage kommenden Eltemteil im gemeinsamen Haushalt lebt oder dieser Elternteil überwiegend die Unterhaltskosten für das Kind trägt (§ 2 Abs. 2 FLAG 1967).
Sie haben in Österreich ab November 2012 eine gewerblich selbständige Tätigkeit in der österreichischen Sozialversicherung angemeldet und ab dem Kalenderjahr 2013 dem Finanzamt zu versteuernde Einkünfte erklärt. Die für die Kalenderjahre 2013 und 2014 vorliegenden Einkommensteuererklärungen weisen allerdings nur negative Einkünfte (Verluste) aus.
Ihre Ehe mit der Mutter des Kindes Zh***** wurde im Februar 2005 geschieden und die Obsorge für das Kind wurde Ihnen übertragen, der Mutter wurden wöchentliche Aufenthalte an den Wochenenden zuerkannt. Tatsächlich lebt das Kind bei seinen Großeltern in Bulgarien.
Von der Großmutter wurde bestätigt, sie würde monatlich 300 Lewa (etwa 153 €) von Ihnen für den Unterhalt des Kindes erhalten.
Gemäß § 2 Abs. 5 FLAG 67 gehört ein Kind dann zum Haushalt einer Person, wenn es bei einheitlicher Wirtschaftsführung eine Wohnung mit dieser Person teilt. Die Haushaltszugehörigkeit gilt gemäß lit. c) nicht als aufgehoben, wenn sich das Kind wegen eines Leidens oder Gebrechens nicht nur vorübergehend in Anstaltspflege befindet und die Person zu den Kosten des Unterhalts mindestens in Höhe der Familienbeihilfe für ein Kind beiträgt.
Grundsätzlich besteht für in einem anderen EU-Mitgliedsstaat lebendes Kind nur für Zeiten einer Erwerbstätigkeit in Österreich Anspruch auf österreichische Familienleistungen (Familienbeihilfe bzw. Ausgleichszahlung). Sie haben aber erst ab November 2012 eine Erwerbstätigkeit in der österreichischen Sozialversicherung angemeldet, daher sind für den Zeitraum Oktober 2010 bis Oktober 2012 keinerlei Tatbestände für einen Anspruch auf österreichische Familienleistungen vorhanden.
Bezüglich der angegebenen Unterhaltszahlungen an die Großmutter von monatlich etwa 153 € muss einerseits festgestellt werden, dass diese eindeutig geringer als die österreichischen Familienleistungen (etwa 195 € mtl.) sind, andererseits ist auch nicht nachvollziehbar, dass diese tatsächlich geleistet wurden, zumal sie bis dato nur negative Einkünfte in Österreich erzielt haben.
Da eine Haushaltszugehörigkeit nicht vorliegt und die angegebenen Unterhaltsbeiträge weit unter den vorgesehenen Familienbeihilfenbeträgen liegen, können keine Ansprüche auf Familienleistungen (Ausgleichszahlung) erkannt werden, Ihre Beschwerde wird daher abgewiesen.
Der Zeitraum Jänner bis September 2015 wurde bereits mit Bescheid vom 18. Mai 2015 abgewiesen. Da dieser mittlerweile in Rechtskraft erwachsen ist, ist über diesen Zeitraum nicht mehr abzusprechen.
Am 22. 9. 2016 überreichte der Bf einen mit 20. 9. 2016 datierten Vorlageantrag beim Finanzamt:
Am 12.09.2016, 14.00 Uhr hat eine Bekannte von mir mit Ihnen bezüglich der o.a. Beschwerdevorentscheidung telefoniert und mir mitgeteilt, dass ich meine tatsächliche familiäre Situation darlegen soll.
Am 19. 10.2015 habe ich Familienbeihilfe beantragt. (Beilage 1)
Am 02.12.2015 habe ich ein Schreiben bekommen mit ersuche um Ergänzung. (Beilage 2)
Am 14.01.2016 habe ich alle Unterlagen mitgebracht. (Beilage 3)
Am 04.03.2016 habe ich einen negativen Bescheid darüber bekommen. (Beilage 4)
Meine Überraschung über diese Abweisung war sehr groß, da in der Absage angeführt ist, dass meine Tochter bei ihre Mutter (meine Exfrau) wohnt und ich Alimente zahle.In der Scheidungsurkunde (sieh Unterlagen) steht, dass ich erziehungsberechtigl bin und meine Tochter bei mir wohnt.
Daraufhin habe ich beim Finanzamt vorgesprochen und versucht, die Situation zu klären. Ich habe eine Vorlage zum ausfüllen erhalten. Außerdem sollte ich lt. Der Mitarbeiterin des FA eine bessere Übersetzung von meiner Mutter (Oma von Jh*****) beibringen. Zusätzlich sollte noch Unterlagen über die Kosten meiner Wohnung in Bulgarien (in der meine Tochter wohnt) vorlegen.
Am 01.04.2016 habe ich eine Beschwerde erhoben. Ich habe alle gewünschten Unterlagen vorgelegt. (Beilage 5)
Am 29.08.2016 bekam ich wieder eine negative Beschwerdevorentscheidung. Es wird angeführt, dass meine Tochter bei den Großeltern wohnt. Diese Annahme ist jedoch falsch. (Beilage 6)
Deswegen möchte ich versuchen, den Fall so gut wie möglich zu beschreiben:
alle Namen klar stellen:
1. Meine Tochter heißt; Jh***** Al*****rova An*****a
2. Meine Ex Frau heißt: Le***** Ad*****a Mu*****a
3. Meine Mutter (Oma von Jh*****) heißt: Em***** A***** H*****
Nach der Scheidung bin ich alleinig erziehungsberechtigt. Das sieht man in der Kopie Scheidungsurkunde. (Beilage 7)
Meine Tochter wohnt in meiner Wohnung - Kopie von Grundbuchauszug (Beilage 8.) Ich kann nachweisen die Wohnadresse von meiner Tochter - Kopie Urkunde über Ständige Anschrift (Beilage 9), Kopie Personalausweis meiner Tochter (Beilage 10), Kopie Personalausweis von mir (Beilage 11)
Meine Mutter wohnt in ihrer eigenen Wohnung, welche in der Nahe meiner Wohnung ist. Die Wohnadresse von Meine Mutter ist - Kopie Personalausweis. (Beilage 12)
Alle Kosten für die Wohnung, wie Strom, Wasser, Müllabfuhr, Grundsteuer, Instandhaltung, etc. werden von mir bezahlt. Kopie von Rechnungen habe ich schon vorgelegt.
Meine Mutter (Oma von Jh*****) bekommt 300 Iv.pro Monat (rd. 150 €) von mir, weil sie für meine Tochter kocht. Alle anfallenden Kosten und Aufwendungen meine Tochter betreffend werden ausschließlich von mir bezahlt (z.B. Gewand, Lehrbücher, usw.).
Ich habe 2012 entschieden, nach Österreich zu ziehen und mich selbständig zu machen. Die ersten Jahren waren sehr hart und es war sehr schwer für mich. Aber schön langsam habe ich das Gefühl, es zu schaffen. Ich denke, dass das, was ich pro Quartal für 2016 an FA an Umsatzsteuer zahle, ist ein Beweis dafür.
Meine Pläne und die meiner Tochter sind, dass sie ab September 2017 zu mir nach Wien kommt und hier ihr Ausbildung (Studium) fortsetzt.
Ich hoffe Sie werden alle Unterlagen noch einmal überprüfen. Wenn Sie weiter Information brauchen oder weitere Unterlagen stehe ich jederzeit zu Verfügung.
Beigefügt waren neben der Seite 1 des Antrags vom 19. 10. 2015 (Bgl. ./1), eines Ergänzungsersuchen des Finanzamts vom 2. 12. 2015 (2x, Blg. ./2 und Blg. ./3), des Abweisungsbescheids vom 4. 3. 2016 (Blg. ./4), der Beschwerde vom 1. 4. 2016 (Blg. ./5), der Beschwerdevorentscheidung vom 29. 8. 2016 (Blg. ./6):
Bescheinigung des Amtsgerichts Svishtov (Blg. ./7)
Das Amtsgericht Sviosthov bescheinigte am 1. 4. 2005, dass die zwischen Le***** Ad*****a Ma*****a und Al*****ar An***** Ma***** geschlossene Ehe aufgelöst wurde und die Ausübung der Elternrechte für das minderjährige Kind Zh***** Al*****rova An*****a dem Vater gewährt wird, wobei der Mutter ein näher ausgeführtes Besuchsrecht zukommt und die Mutter nach der Scheidung ihren vorehelichen Familiennamen M***** trägt.
Grundbuchsauszug (Blg. ./8)
Als Beilage 8 wurde ein unübersetztes Dokument in cyrillischer Schrift vorgelegt, laut Vorlageantrag ein Grundbuchsauszug.
Meldebestätigung (Blg. ./9)
Die Stadt Svishtov bestätigte am 30. 4. 2015, dass Al*****rova An*****a Zh***** seit 13. 5. 2011 ihre ständige Anschrift in Svishtov, T*****-O*****-Str. 005, habe.
Personalausweis Tochter (Blg. ./10)
Laut einem (offenbar, die Kopie ist unvollständig) Personalausweis der Tochter hat diese offenbar (unbeglaubigte Übersetzung) ihre Wohnanschrift in Svishtov, T*****-O*****-Str. 005.
Personalausweis Vater (Blg. ./11)
Laut einem Personalausweis des Vaters hat dieser offenbar (unbeglaubigte Übersetzung) seine Wohnanschrift in Svishtov, T*****-O*****-Str. 005.
Personalausweis Großmutter (Blg. ./12)
Laut einem Personalausweis der Großmutter Em***** A***** H***** hat diese offenbar (unbeglaubigte Übersetzung) ihrer Wohnanschrift in Svishtov, P***** A***** 2.
Laut Versicherungsdatenauszug für den Zeitraum 1. 5. 2012 bis 11. 4. 2017 ist der Bf seit 1. 11. 2012 bis laufend bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft versichert.
Laut Screenshot aus dem Abgabeninformationssystem erging der Einkommensteuerbescheid 2013 mit Datum 28. 11. 2014 erklärungsgemäß mit einem Verlust aus Gewerbebetrieb von -3.689,82 €.
Einkommensteuerbescheid 2014
Laut Screenshot aus dem Abgabeninformationssystem erging der Einkommensteuerbescheid 2014 mit Datum 9. 12. 2015 erklärungsgemäß mit einem Verlust aus Gewerbebetrieb von -8.229,42 €.
Einkommensteuerbescheid 2015
Laut Screenshot aus dem Abgabeninformationssystem erging der Einkommensteuerbescheid 2015 mit Datum 15. 12. 2016 erklärungsgemäß mit einem Verlust aus Gewerbebetrieb von -6.107,73 €.
Mit Bericht vom 19. 5. 2017 legte das Finanzamt die Beschwerde dem Bundesfinanzgericht vor und führte unter anderem aus:
1 Beschwerde 01.04.2016
2 Familienbeihilfe (Zeitraum: 10.2010-12.2014) 04.03.2016
3 Maksimow-RS 08.03.2016
4 Beschwerdevorentscheidung 29.08.2016
5 Vorlageantrag 22.09.2016
6 Antrag auf Zuerkennung Familienbeihilfe 28.01.2015
7 Abweisungsbescheid zum Antrag vom 28.01.2015 18.05.2015
8 Rückschein und Retourkuvert zum Abweisungsbescheid 22.05.2015
9 Antrag auf Zuerkennung Familienbeihilfe 19.10.2015
10 Nachreichung 14.01.2016
11 Versicherungsdatenauszug, ESt-Veranlagungen 2013-15 11.04.2017
VO (EU) 883/04 i.V.m. § 2 Abs. 3 u. 5 FLAG 67
Der Beschwerdeführer (Bf.) beantragte am 28. Jänner 2015 erstmals die Gewährung von österr. Familienleistungen für sein in Bulgarien aufhältiges Kind. Das am 24. März 2015 zu diesem Antrag erstellte Ergänzungsersuchen wurde nicht beantwortet, daher erfolgte die Abweisung dieses Antrages mit Bescheid vom 18. Mai 2015 ab Jänner 2015. Am 19. Oktober 2015 wurde erneut um Gewährung von österr. Familienleistungen, rückwirkend ab Oktober 2010, angesucht. Aufgrund eines Ergänzungsersuchens wurden im 14. Jänner 2016 ua. Einkommensnachweise übermittelt. Demnach wurden bis Oktober 2012 nur Einkünfte in Bulgarien erzielt, eine in Österreich ab November 2012 begonnene gewerbliche Tätigkeit erbrachte bis dato (E-Bescheide bis 2015) aber nur negative Ergebnisse. Der Antrag wurde daher am 4. März 2016 für die Zeiträume Oktober 2010 bis Dezember 2014 und ab Oktober 2015-lfd. abgewiesen. Dagegen wurde am 1. April 2016 ein Beschwerde eingebracht. Die nochmalige Prüfung des Sachverhalts, bis Oktober 2012 keine Erwerbstätigkeit in Österreich, ab November 2012 nur negative Einkünfte in österreich, Unterhaltszahlungen einerseits geringer als Beihilfenbeträge, andererseits nicht erwiesen, woher diese Beträge stammen bzw. ob Haushaltszugehörigkeit vorliegt, wurde die Beschwerde am 29. August 2016 abgewiesen. Am 22. September 2016 langte eine Beschwerde gegen diese Entscheidung ein.
Antrag vom 28.01.2015 Abweisungsbescheid vom 18.05.2015 Rückschein zur Abweisung vom 18.05.2015 Antrag vom 19.10.2015 Ergäzung zu diesem Antrag vom 14.01.2016 Abweisungsbescheid vom 04.03.2016 Rückschein zur Abweisung vom 08.03.2016 Beschwerde vom 01.04.2016 Beschwerdevorentscheidung vom 29.08.2016 Beschwerde gegen die Beschwerdevorentscheidung vom 22.09.2016
1. Da bis Oktober 2012 überhaupt keine Erwerbstätigkeit in Österreich im Sinne der VO(EU) 883/04 nachgewiesen wurde, steht für diesen Zeitraum die Beihilfe schon unter Zugrundelegung der angeführten Verordnung der EU nicht zu. In Ansehung des Zeitraumes bis Oktober 2012 wird Abweisung der Beschwerde beantragt.
2. Ab November 2015 erzielt der Bf. ausschließlich negative Einkünfte in Österreich. Es wurde in Ansehung der erklärten und bescheidmäßig festrgestellten negativen Einkünften der Jahre 2013-2015 in keinster Weise nachgewiesen, dass der Bf. überhaupt die finanziellen Mittel gehabt hat, um für seine Tochter überwiegende Unterhaltsleistungen zu tragen. Es wurde einerseits eine Hauszugörigkeit am angeblichen Wohnsitz in Bulgarien nicht nachgewiesen und liegt in Ansehung der negativen Einkünfte des Bf. eine überwiegende Kostentragung des Bf. für seine Tochter nicht vor, weswegen in Ansehung der Zeiträume November 2012 bis Dezember 2014 und ab November 2015 die Abweisung der Beschwerde beantragt wird.
3. Da über den Zeitraum Jänner bis Oktober 2015 bereits rechtskräftig entschieden worden ist, wird in Ansehung dieser Zeiträume die Zurückweisung der Beschwerde wegen entschiedener Rechtssache beantragt.
Auf Grund des Akteninhalts des Finanzamts steht vorerst fest:
Der Bf und seine im Oktober 1999 geborene Tochter жа***** (Zh***** bzw. Jh*****, Ja*****) sind bulgarische Staatsbürger. Der Bf verfügt über eine Wohnung in Svishtov, T*****-O*****-Str. 005. In dieser wohnt auch seine Tochter Zh*****.
Der Bf verfügt auch über eine Wohnung in Österreich, nämlich in *****Adresse_Ö*****. Seit wann der Bf auch über einen Wohnsitz in Österreich verfügt, steht bislang nicht fest. Der Bf ist seit 30. 11. 2009 an dieser Adresse gemeldet, die Anmeldebescheinigung für EWR-Bürger/-innen und Schweizer Bürger/innen wurde (erst) am 29. 7. 2014 ausgefertigt. Den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen hatte der Bf jedenfalls bis Oktober 2012 nicht in Österreich.
Der Bf war jedenfalls in den Jahren 2010, 2011 und 2012 in Bulgarien selbständig erwerbstätig, wobei die Einkünfte im Jahr 2010 5.899,07 Lewa betrugen und in den Folgejahren negativ waren (2011: -56,65 Lewa bzw. BGN, 2012: -1.435,15 BGN).
Der Bf hat am 1. 11. 2012 in Österreich das Gewerbe "Handelsagent und Handelsgewerbe mit Ausnahme der reglementierten Handelsgewerbe, zu welchen insbesondere der Handel mit Medizinprodukten, Waffen und pyrotechnischen Artikeln zählen" mit Standort *****Adresse_Ö***** angemeldet. Näheres zur Art der Tätigkeit des Bf ist bislang nicht bekannt.
Der Bf ist seit 1. 11. 2012 in Österreich bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft pflichtversichert, die vorgeschriebenen Sozialversicherungsbeiträge werden vom Bf entrichtet.
An Einkünften aus Gewerbebetrieb wurden vom Bf in Österreich erklärt (und vom Finanzamt erklärungsgemäß veranlagt):
2013: -3.689,82 €
2014: -8.229,42 €
2015: -6.107,73 €
Dass der Bf vor dem 1. 11. 2012 in Österreich erwerbstätig gewesen sei, kann nicht festgestellt werden.
Ob der Bf seit dem 1. 11. 2012 auch in Bulgarien erwerbstätig gewesen ist, steht derzeit noch nicht fest.
Dem Bf kommt seit dem Jahr 2005 die Obsorge für Zh***** zu. Zh***** besuchte im Beschwerdezeitraum eine allgemeinbildende Oberschule in Svishtov. Zh***** wohnte in der Wohnung des Bf in Svishtov. Der Bf kommt für die Kosten dieser Wohnung auf.
Während sich der Bf in Österreich aufhält, sorgt die Großmutter Em***** A***** H***** für ihre Enkelin Zh*****. Insbesondere bereitete die Großmutter das Essen zu. Hierfür erhält sie vom Bf einen Betrag von 300 BGN (ca. 150 €) monatlich. Die Großmutter wohnt nicht in der von Zh***** bewohnten Wohnung.
Wie häufig der Bf von Wien in seine Wohnung im von Wien mehr als 1.000 km entfernte Svishtov zurückkehrt, steht nicht fest.
Ebenso stehen die Unterhaltskosten von Zh***** und wer sie überwiegend trägt, nicht fest.
Der Bf erhielt im Beschwerdezeitraum von der zuständigen bulgarischen Stelle, der Anstalt für Sozialhilfe (република българия агенция 3а социално подпомагане), Familienleistungen wie folgt:
- Vom 1. Oktober 2014 bis 31. März 2015 - 35.00 BGN monatlich.
Die getroffenen Feststellungen gründen sich auf die oben wiedergegebene Aktenlage.
Dass der Bf vor November 2012 in Österreich erwerbstätig gewesen ist, kann das Gericht nicht feststellen.
Dass und bejahendenfalls welcher Erwerbstätigkeit der Bf vor November 2012 in Österreich nachgegangen sein soll, hat der Bf im Zuge des gesamten Verwaltungsverfahrens nie dargelegt.
Der Bf verfügt zwar offenbar seit 30. 11. 2009 über eine Wohnung in Wien.
Nachweise über eine Erwerbstätigkeit in Österreich bestehen aber erst ab November 2012:
Am 1. 11. 2012 wurde vom Bf in Österreich ein Gewerbe angemeldet, seit diesem Zeitpunkt ist der Bf bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft versichert.
Für die Jahre 2010 bis 2012 hat der Bf nur bulgarische Steuererklärungen vorgelegt, für die Jahre 2013 und 2014 nur österreichische. Auch daraus ist zu schließen, dass der Bf erst allenfalls ab November 2012 oder erst ab dem Jahr 2013 in Österreich erwerbstätig gewesen ist.
Es fehlt auch jeder Anhaltspunkt dafür, dass der Bf den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen bis Oktober 2012 in Österreich hatte.
Ob mittlerweile der Mittelpunkt seiner Lebensinteressen in Österreich besteht, ist für die gegenständliche Entscheidung nicht von Bedeutung. Dies wird im Rahmen der ergänzenden Ermittlungen für die Zeiträume ab November 2012 zu prüfen sein.
Zeitraum Jänner bis Oktober 2015
Sache des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens ist der Abweisungsbescheid vom 4. 3. 2016.
Dieser weist in seinem Spruch den Antrag des Bf vom 19. 10. 2015 auf Ausgleichszahlung für den Zeitraum Oktober 2010 bis Dezember 2014 sowie ab Oktober 2015 ab.
Daher ist Beschwerdezeitraum einerseits Oktober 2010 bis Dezember 2014 und andererseits Oktober 2015 bis März 2016 (Bescheid vom 4. 3. 2016).
Aus der oben wiedergegeben "Anmerkung" und dem vorgelegten Akt lässt sich nicht entnehmen, ob ein eigener Zurückweisungsbescheid hinsichtlich des Zeitraumes Jänner bis September 2015 ergangen ist.
Der angefochtene Bescheid bezieht sich jedenfalls nicht auf den Zeitraum Jänner bis September 2015.
Auch wenn die Begründung eines Bescheides zur Auslegung seines Spruches herangezogen werden kann, kann der mit Unterüberschrift "Anmerkung:" unterhalb der Hauptüberschrift "Begründung" versehene Text betreffend Zurückweisung den eindeutig abgegrenzten Spruch des Bescheides nicht über dessen Wortlaut hinaus ergänzen.
Wenn das Finanzamt in seinem Vorlagebericht unter anderem beantragt, das Bundesfinanzgericht möge betreffend den Zeitraum "Jänner bis Oktober 2015" (richtig wohl: bis September 2015") die Beschwerde zurückweisen, ist ihm zu sagen, dass das Verwaltungsgericht für eine erstmalige Entscheidung - sei es formell, sei es materiell - nicht zuständig ist.
Soweit sich der Antrag vom 19. 10. 2015 auch auf den Zeitraum Jänner bis September 2015 bezieht, ist dieser, wenn kein Zurückweisungsbescheid erlassen wurde, somit noch unerledigt.
Zeitraum Oktober 2010 bis Oktober 2012
Nach den getroffenen Sachverhaltsfeststellungen verfügte der Bf im Zeitraum Oktober 2010 bis Oktober 2012 über eine Wohnung in Svishtov, in der auch seine Tochter wohnte, und über eine Wohnung in Wien. Der Bf war in dieser Zeit in Bulgarien erwerbstätig. Dass der Bf in dieser Zeit auch in Österreich erwerbstätig gewesen sei, konnte das Gericht nicht feststellen, ebenso wenig, dass der Bf in diesem Zeitraum seinen Lebensmittelpunkt in Österreich gehabt hätte.
Ein Anspruch auf Familienbeihilfe nach nationalem Recht setzt unter anderem nach § 2 Abs. 8 FLAG 1967 voraus, dass der Antragsteller im Antragszeitraum den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen in Österreich gehabt hat.
Der Bf hat nicht vorgetragen, seinen Lebensmittelpunkt von Bulgarien nach Österreich verlegt zu haben. Die engeren persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen (§ 2 Abs. 8 FLAG 1967) bestanden im Zeitraum Oktober 2010 bis Oktober 2012 offenkundig zu Bulgarien, wo jedenfalls die Tochter und die Mutter des Bf lebt und der Bf einem Beruf nachging.
Ein Anspruch auf Familienbeihilfe nach Unionsrecht käme nach Art. 11 VO 883/2004 grundsätzlich in Betracht, wenn der Bf im Zeitraum Oktober 2010 bis Oktober 2012 in Österreich (selbständig oder unselbständig) erwerbstätig gewesen wäre.
Eine Erwerbstätigkeit in Österreich im Zeitraum Oktober 2010 bis Oktober 2012 wurde weder vom Bf konkret behauptet noch bestehen hierfür nach der Aktenlage irgendwelche Anhaltspunkte.
Der angefochtene Bescheid erweist sich daher hinsichtlich seines Spruches nicht als rechtswidrig (Art. 132 Abs. 1 Z 2 B-VG), soweit er den Antrag auf Familienbeihilfe für den Zeitraum Oktober 2010 bis Oktober 2012 abweist.
Die Beschwerde ist gemäß § 279 BAO hinsichtlich des Zeitraums Oktober 2010 bis Oktober 2012 als unbegründet abzuweisen.
Zeitraum November 2012 bis Dezember 2014 sowie Oktober 2015 bis März 2016
Für den Zeitraum November 2012 bis Dezember 2014 sowie Oktober 2015 bis März 2016 ist die Sache hingegen nicht entscheidungsreif:
Hat der Bf den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen in diesem Zeitraum nach Österreich verlagert, was zwar unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen ist, käme ein Anspruch auf Familienbeihilfe auf seine in Bulgarien, einem Mitgliedstaat der Europäischen Union, lebende und zur Schule gehende Tochter dann in Betracht, wenn diese in Bulgarien entweder dem Haushalt des Bf angehört (§ 2 Abs. 2 Satz 1 FLAG 1967) oder die überwiegenden Unterhaltskosten der Tochter vom Bf getragen werden (§ 2 Abs. 2 Satz 2 FLAG 1967).
Hatte der Bf weiterhin seinen Lebensmittelpunkt in Bulgarien, wovon bei der bisher gegebenen Sachverhaltskonstellation voraussichtlich auszugehen sein wird, kommt ein Anspruch auf Ausgleichszahlung bzw. Differenzzahlung zu den von der zuständigen bulgarischen Stelle erbrachten Familienleistungen dann in Betracht, wenn der Bf im Zeitraum November 2012 bis Dezember 2014 sowie Oktober 2015 bis März 2016 zum einen in Österreich tatsächlich erwerbstätig war und zum anderen in Bulgarien nicht oder nur zum unwesentlichen Teil erwerbstätig war (Art. 13 VO 883/2004).
Besteht eine grundsätzliche Zuständigkeit Österreichs zur Erbringung von Familienleistungen (zur Gänze oder als Ausgleichszahlung bzw. Differenzzahlung), dann setzt ein Anspruch des Bf voraus, dass er im Zeitraum November 2012 bis Dezember 2014 sowie Oktober 2015 bis März 2016 entweder einen gemeinsamen Haushalt mit seiner Tochter in Bulgarien (§ 2 Abs. 2 Satz 1 FLAG 1967) geführt (was eine häufige Rückkehr in diese Wohnung voraussetzt) oder die überwiegenden Unterhaltskosten seiner Tochter getragen (§ 2 Abs. 2 Satz 2 FLAG 1967) hat.
Um diese Fragen beurteilen zu können, sind ergänzende Ermittlungen geboten.
Sie hat sich etwa mit den Ausführungen im Vorlageantrag und den dort vorgelegten Beweismitteln nicht weiter auseinandergesetzt.
Richtig ist, dass der Bf bisher nicht nachgewiesen hat, dass er die überwiegenden Unterhaltskosten für seine Tochter getragen hat und diese angesichts seiner wirtschaftlichen Lage tragen konnte.
Die Behörde hat aber bisher nicht zielgerichtet versucht, die hier entscheidungswesentlichen Fragen zu klären.
Brauchbare Ermittlungsergebnisse, die im Zusammenhalt mit einer allenfalls durchzuführenden mündlichen Verhandlung bloß zu vervollständigen sind (vgl. etwa VwGH 9.9.2015, Ra 2014/04/0031 oder VwGH 16.10.2015, Ra 2015/08/0042), liegen im gegenständlichen Fall nicht vor. Das Finanzamt hat im gegenständlichen Fall, wie oben ausgeführt, den Sachverhalt nicht in einer Weise ermittelt, dass sich hierauf eine Entscheidung stützen lässt.
Das Finanzamt verweist zutreffend darauf, dass die vom Bf vorgelegten Unterlagen die Frage nach sich ziehen, wovon der Bf und seine Familie in den letzten Jahren überhaupt gelebt haben.
Das Finanzamt wird zweckmäßigerweise eine Außenprüfung (§ 147 BAO) beim Bf zu veranlassen haben.
Hierbei wäre zunächst zu klären, ob der Bf in Österreich im verbleibenden Beschwerdezeitraum tatsächlich einer Erwerbstätigkeit, und wenn ja, welcher konkret (womit wurde wie gehandelt), nachgegangen ist oder ob es sich um eine vorgetäuschte Tätigkeit, also eine Scheintätigkeit, handelt.
Bei Vorliegen einer tatsächlichen Erwerbstätigkeit wäre zu erheben, ob die vom Bf bekannt gegebenen Besteuerungsgrundlagen, die den erklärungsgemäß ergangenen Abgabenbescheiden zugrunde liegen, zutreffend sind.
In weiterer Folge wäre unter Einbeziehung der in den Vorjahren in Bulgarien erzielten Einkünfte bzw. Verluste zu prüfen, womit der Bf seinen Lebensunterhalt, den Lebensunterhalt seiner Tochter sowie die Ausgaben seines österreichischen Betriebs, insbesondere die Wareneinkäufe sowie offenbar die Anschaffung eines LKW, finanziert hat. Eine Kreditfinanzierung ist aus den Einnahmen-Ausgabenrechnungen nicht ersichtlich.
Entscheidungswesentlich ist ferner, ob der Bf im Beschwerdezeitraum auch in Bulgarien einer Erwerbstätigkeit nachgegangen ist und bejahendenfalls, ob es sich hierbei um den wesentlichen Teil seiner Erwerbstätigkeit (Art. 13 Abs. 2 Buchstabe a VO 883/2004) gehandelt hat.
Schließlich wäre zu erheben, wo der Bf im Beschwerdezeitraum den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen hatte, also ob Bulgarien Wohnmitgliedstaat i. S. d. VO 883/2204 war, ob der Bf im Beschwerdezeitraum einen Haushalt mit seiner Tochter in Bulgarien geführt hat und verneinendenfalls, wie hoch die Unterhaltskosten für Zh***** gewesen sind und wer diese jeweils in welchem Umfang getragen hat.
Diesbezüglich wäre, falls mit den Angaben des Bf und dem von ihm vorzulegenden Beweise nicht das Auslangen gefunden werden kann, auch Kontakt mit der zuständigen bulgarischen Behörde durch das Finanzamt aufzunehmen.
Wien, am 8. August 2017
ECLI:AT:BFG:2017:RV.7102590.2017
Findok-Nr: 115961.1, aufgenommen am: 05.09.2017 17:12:45, Dokument-ID: 4a8bf616-32e1-4ea5-a0fd-4561beba02b1, Segment-ID: 524ceddf-8290-450f-a7b4-25e067ef4a45