Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=2%20S%205.03
Timestamp: 2019-03-21 17:01:05
Document Index: 125156025

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 6', '§ 80', '§ 76', 'Art 3', '§ 28', '§ 37']

OVG Berlin, 09.04.2003 - 2 S 5.03 - dejure.org
Baurecht; Nutzungsuntersagung; bordellartiger Betrieb; Wohngebiet; Mischgebiet; Prostitution
Bordell in Wohn- und Mischgebieten zulässig?
Zulässigkeit von bordellartigen Betrieben in allgemeinen Wohngebieten und Mischgebieten; Einordnung eines Massagestudios als bordellartiger Betrieb; Öffnungszeiten des Massagestudios als Anhaltspunkt für die Einstufung; Formelle Genehmigungsbedürftigkeit von Nutzungsänderungen; Begriff der Prostitution
"Massagestudio" in allgemeinem Wohngebiet und Mischgebiet unzulässig! (IBR 2004, 47)
VG Berlin, 12.12.2002 - 13 A 404.02
BauR 2004, 713 (Ls.)
Bei der Charakterisierung eines bordellartigen Betriebs ist kein eng gefasster Begriff der Prostitution zugrunde zu legen (OVG Berlin, Beschluss vom 9. April 2003 - OVG 2 S 5.03 -, UPR 2003, 394).
Zu den typischen Umgebungsauswirkungen eines bordellartigen Betriebs gehören vor allem der Lärm des Zu- und Abfahrtsverkehrs (BVerwG, Urteil vom 25. November 1983 - 4 C 21.83 -, BVerwGE 68, 213; VGH Mannheim, Urteil vom 19. Oktober 1990 - 5 S 3103.89 -, BRS 52 Nr. 55), Belästigungen durch unzufriedene oder alkoholisierte Freier (OVG Koblenz, Beschluss vom 15. Januar 2004 - 8 B 11983.03 -, BauR 2004, 644) sowie gewalttätige und "milieubedingte" Begleiterscheinungen (VGH Mannheim, Urteil vom 24. Juli 2002 - 5 S 149.01-, GewArch 2003, 496; Urteil vom 13. Februar 1998 - 5 S 2570.96 -, DÖV 1998, 654, OVG Berlin, Beschlüsse vom 9. April 2003, - OVG 2 S 5.03 -, UPR 2003, 394 und OVG 2 N 5.03).
Die Größe und der Zuschnitt der Räumlichkeiten und damit verbunden die Beschränkung des Angebots auf sexuelle Dienstleistungen durch maximal drei Frauen zur gleichen Zeit erscheint keinesfalls atypisch, sondern entspricht von der Personalausstattung her durchaus den in der Rechtsprechung entschiedenen Fällen zur bauplanungsrechtlichen Unzulässigkeit eines bordellartiger Betriebs im allgemeinen Wohngebiet (VGH Mannheim, Urteil vom 19. Oktober 1990 - 5 S 3103.89 -, BRS 52 Nr. 55; BVerwG, Beschluss vom 28. Juni 1995, - 4 B 137.95 -, BauR 1996, 78; Beschluss vom 29. Oktober 1997 - 4 B 8.97 -, NVwz-RR 1998, 540; OVG Bremen, Beschluss vom 7. April 1999 - 1 B 25.99 -, NordÖR 1999, 374; OVG Berlin, Beschlüsse vom 9. April 2003, - OVG 2 S 5.03 -, UPR 2003, 394 und OVG 2 N 5.03).
Das allein genügt jedoch nicht, um einen atypischen Fall zu begründen, zumal die Öffnungszeiten - wie einige der vom Antragsgegner mit den zum Vergleich mit Kontaktanzeigen dokumentierten Fälle aus dem Bezirk und auch der vom Oberverwaltungsgericht Berlin entschiedene Fall im Verfahren OVG 2 S 5.03 belegen - nicht die Ausnahme bilden.
Entgegen der Auffassung des Antragstellers hat sich an der Beurteilung des Störungspotentials solcher Betriebe und ihrer generellen Gebietsunverträglichkeit im allgemeinen Wohngebiet auch durch das Inkrafttreten des Gesetzes zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten - Prostitutionsgesetz - vom 20. Dezember 2001 (BGBl. I S. 3983) nichts geändert (OVG Berlin, Beschluss vom 9. April 2003 - OVG 2 S 5.03 -, UPR 2003, 394.; VGH Mannheim, Urteil vom 24. Juli 2002 - 5 S 149.01 -, GewArch 2003, 496; OVG Koblenz, Beschluss vom 15. Januar 2004 - 8 B 11983.03 - BauR 2004, 644).
c) Weit überwiegend werden prostitutive Einrichtungen in der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung als gewerbliche Nutzungen bzw. Gewerbebetriebe im bauplanungsrechtlichen Sinne beurteilt (VGH Mannheim, Beschluss vom 9. August 1996 - 8 S 1987/96 -, zitiert nach Juris; Urteil vom 13. Februar 1998 - 5 S 2570/96 -, NVwZ-RR 1998, 550; VGH München, Beschluss vom 19. Mai 1999 - 26 ZB 99.770 -, GewArch 1999, 495; VG Stuttgart, Urteil vom 22. Oktober 2003 - 3 K 1019/03 - OVG Berlin, Beschluss vom 9. April 2003 - 2 S 5.03 - VG Osnabrück, Beschluss vom 7. April 2005 - 2 B 14/05 - VG Sigmaringen, Urteil vom 8. Juni 2005 - 9 K 302/04 - VG Berlin, Beschluss vom 21. April 2005 - 13 A 179.04 - OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. November 2005 - 10 S 3.05 - VGH München, Beschluss vom 26. Februar 2007 - 1 ZB 06.2296 - VG Berlin, Beschluss vom 28. September 2007 - VG 13 A 115.07 -, jeweils zitiert nach Juris; VG Berlin, Beschluss vom 19. September 2006 - 19 A 211.06 -).
Nach Maßgabe dieser Annahmen entspricht es ständiger Rechtsprechung, dass Bordelle und bordellartige Betriebe nicht nur in Wohngebieten, sondern auch in einem Mischgebiet als unzulässig angesehen werden (VGH Mannheim, Urteil vom 13. Februar 1998 - 5 S 2570/96 -, NVwZ-RR 1998, 550; VGH München, Beschluss vom 19. Mai 1999 - 26 ZB 99.770 -, BayVBl. 2000, 280; OVG Berlin, Beschluss vom 9. April 2003 - 2 S 5.03 - VG Stuttgart, Urteil vom 22. Oktober 2003 - 3 K 1019/03 - VGH München, Beschluss vom 16. Mai 2008 - 9 ZB 07.3224 - VG Würzburg, Urteil vom 23. Oktober 2007 - W 4 K 07.638 -, jeweils zitiert nach Juris).
So ist bei gewerblicher Prostitution bei der gebotenen typisierenden Betrachtung mit milieutypischen Begleiterscheinungen wie Belästigungen durch alkoholisierte oder unzufriedene Kunden, organisierter Kriminalität, Menschen- und Drogenhandel, ausbeutender Zuhälterei, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, Verstößen gegen das Waffenrecht, Gewaltkriminalität bis hin zu Tötungsdelikten zu rechnen (…OVG Berlin-Brandenburg, Urt. v. 29.1.2015, OVG 2 B 1.14, juris Rn. 32; OVG Bautzen, Beschl. v. 28.6.2010, 1 A 659/08, juris; VGH München, Beschl. v. 10.6.2010, 1 ZB 09.1971, juris;… OVG Koblenz, Urt. v. 11.5.2005, BRS 69 Nr. 35;… OVG Berlin-Brandenburg, Beschl. v. 14.11.2005, OVG 10 S 3.05, juris Rn. 10 m.w.N.; OVG Berlin, Beschl. v. 9.4.2003, 2 S 5.03, juris; zu Milieustraftaten: BGH, Beschl. v. 4.7.2013, NStZ 2013, 580; Beschl. v. 23.2.2010, NStZ 2010, 391; OLG Celle, Beschl. v. 24.1.2013, StV 2014, 420 ff.; aus der Presse: www.sueddeutsche.de v. 13.1.2014 "In der Hölle von Schweinfurt"; www.ntv.de v. 24.11.2010, "Zwangsprostituierte immer jünger"; www.der-westen.de v. 20.3.2015, "Bordell-Schlägerei in Duisburg"; www.morgenpost.de v. 18.8.2012, "Schießerei im Bordell A... ..."; www.ndr.de v. 14.11.1996 "Kiez-Krieg in Hamburg..." und v. 16.3.2015 "Schüsse in Bordell..."; www.abendblatt.de v. 3.3.2015 "Stinkbombe in Bordell G... geworfen").
Wie schon das Verwaltungsgericht zu Recht hervorgehoben hat, folgt dies aus der prinzipiellen Unvereinbarkeit mit den dem planungsrechtlichen Begriff des Wohnens und des Wohngebietes zugrunde liegenden städtebaulichen Ordnungszielen (s. auch OVG Berlin, Beschluss vom 9. April 2003, UPR 2003, 394 m.w.N.).
Selbst eine aus städtebaulichen Gründen nicht zu rechtfertigende Ausnahme von den Festsetzungen eines Bebauungsplanes zur Bebauungstiefe führt nur dann zu einer Verletzung von Nachbarrechten, wenn ein Verstoß gegen das drittschützende Gebot der Rücksichtnahme vorliegt (vgl. OVG Bln, Urteil vom 11. Februar 2003 - OVG 2 B 16.99 -, BauR 2004, 713, juris Rn. 24 m.w.N.).
OVG Rheinland-Pfalz, 09.02.2007 - 8 B 10019/07
Untersagung der bordellartigen Nutzung einer Wohnung im Mischgebiet
Die mit einer solchen bordellähnlichen Nutzung typischerweise verbundenen Auswirkungen ("milieubedingte Unruhe") führen zu einer das Wohnen im Sinne von § 6 Abs. 1 BauNVO wesentlich störenden Nutzung (…vgl. VGH BW, a.a.O., juris, Rn. 28; ebenso: OVG Berlin, GewA 2003, 498 und juris, Rn. 10).
VG München, 22.01.2008 - M 1 K 07.3499
Prostitution, Terminwohnung; gewerbliche Nutzung; störende Wirkung
Nach der weit überwiegenden Rechtsprechung (BVerwG v. 28.6.1995 NVwZ-RR 1996, 84, BayVGH v. 19.5.1999 BayVBl 2000, 280; VGH BW v. 13.2.1998 NVwZ-RR 1998, 550, OVG Berlin v. 9.4.2003 UPR 2003, 394) ist die Prostitution bauplanungsrechtlich als gewerbliche Nutzung zu bewerten.
Die bei der gebotenen typisierenden Betrachtung ausgehenden Störungen des Wohnens bestehen nicht nur vordergründig in der Beeinträchtigung der Wohnruhe, etwa durch verstärkten Kraftfahrzeugverkehr oder lautstarke Auseinandersetzungen, sondern ganz allgemein auch in den negativen "milieubedingten" Auswirkungen derartiger Einrichtungen (OVG Berlin v. 9.4.2003 UPR 2003, 394).
Auch aus einer dem Prostitutionsgesetz zugrunde liegenden generellen Änderung der sozial-ethischen Wertung dieses Gewerbes kann eine planungsrechtliche Gleichstellung mit anderen legalen Gewerbeausübungen nicht hergeleitet werden (OVG Berlin v. 9.4.2003 UPR 2003, 394).
OVG Hamburg, 10.06.2005 - 2 Bs 144/05
Nutzungsuntersagung an Mieter oder Eigentümer?
Dementsprechend wird bei unzulässigen bordellartigen bzw. vergleichbaren Nutzungen auch in der Rechtsprechung anderer Oberverwaltungsgerichte ein Einschreiten gegen den Grundstückseigentümer nicht beanstandet (…vgl. z.B. VGH Mannheim, Urt. v. 24.7.2002, GewArch 2003, S. 496 ff.; OVG Berlin Beschl. v. 9.4.2003, GewArch 2003, S. 498 f.); die vom Verwaltungsgericht zur Stützung seiner Auffassung herangezogenen Entscheidungen (OVG Münster, Beschl. v. 24.11.1988, 7 B 2677/88 - in Juris; VG Neustadt/W., Beschl.v. 23.7.2004, 4 L 1673/04 - in Juris -) zu unzulässigen Wohnnutzungen erfassen die damit verbundene Problematik nicht.
aa) In der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts und der Oberverwaltungsgerichte ist anerkannt, dass es sich bei Bordellen und bordellartigen Betrieben wegen ihrer Auswirkungen auf die Nachbarschaft ("milieubedingte Unruhe") typischerweise um Gewerbebetriebe handelt, die das Wohnen mehr als nur nicht wesentlich stören und die deshalb in einem Mischgebiet regelmäßig unzulässig sind (BVerwG vom 28.6.1995 …und vom 29.10.1997 jeweils a.a.O.; vom 25.3.2004 BRS 67 Nr. 70; BayVGH vom 19.5.1999 BayVBl 2000, 280; vom 16.5.2008 BayVBl 2009, 509;… OVG NRW vom 9.2.2010 a.a.O.; HessVGH vom 30.4.2009 UPR 2010, 104; OVG RhPf vom 9.2.2007 BRS 71 Nr. 191; OVG Berlin vom 9.4.2003 UPR 2003, 394; VGH BW vom 24.7.2002 GewArch 2003, 496; a.A. VG Sigmaringen vom 23.4.2009 Az. 6 K 2729/07 ; VG Berlin vom 6.5.2009 GewArch 2009, 322).
Auch wenn dieses Gesetz - über die dort getroffenen zivil- und strafrechtlichen Bestimmungen hinausgehend - zu einer anderen sozialethischen Bewertung der Prostitution beitragen sollte, hätte dies auf die bodenrechtliche Beurteilung solcher Betriebe keine Auswirkungen (vgl. BayVGH vom 13.2.2008 Az. 15 ZB 07.2200 ; OVG RhPf vom 15.1.2004 BauR 2004, 644; OVG Berlin vom 9.4.2003 UPR 2003, 394).
OVG Sachsen, 28.06.2010 - 1 A 659/08
Bordellartiger Betrieb, allgemeines Wohngebiet, Mischgebiet
Die davon bei der gebotenen typisierenden Betrachtung ausgehenden Störungen des Wohnens in einem planungsrechtlich dem Wohnen dienenden Gebiet bestehen nicht nur vordergründig in einer Beeinträchtigung der Wohnruhe, etwa durch verstärkten Kraftfahrzeugverkehr oder lautstarke Auseinandersetzungen, sondern ganz allgemein in den negativen "milieubedingten" Auswirkungen derartiger Einrichtungen auf das - das Wohnumfeld in dem betreffenden Gebiet prägende - soziale Klima (OVG Berlin, Beschl. v. 9.4.2003 - 2 S 5.03 -, zit. nach juris).
Die darin getroffenen zivil- und strafrechtlichen Bestimmungen haben keinen maßgebenden Einfluss auf die - an dem städtebaulichen Leitbild eines dem Wohnen dienenden Baugebiets orientierte - negative Einschätzung der Umgebungsauswirkungen von Bordellen und bordellartigen Betrieben (OVG Berlin, Beschl. v. 9.4.2003 - 2 S 5.03 -, zit. nach juris m. w. N.).
OVG Nordrhein-Westfalen, 24.06.2015 - 2 A 326/15
Rechtmäßigkeit der Versagung einer Baugenehmigung zur Nutzungsänderung eines …
VG Düsseldorf, 01.02.2012 - 25 K 2440/11
Stundenhotel allgemeines Wohngebiet
VG Arnsberg, 18.08.2008 - 14 K 2180/07
Wohnungsprostitution als Störfaktor
LG Hamburg, 03.06.2008 - 318 T 87/07
Wohnungseigentum: Unterlassungsanspruch bei bordellartigem Betrieb im …
OVG Berlin-Brandenburg, 17.12.2013 - 10 N 53.11
Klage eines Dritten gegen eine Ausnahme von den Festsetzungen eines …
VG Hamburg, 01.02.2010 - 11 E 3492/09
§ 80 VwGO, § 76 BauO HA, Art 3 GG, § 28 VwVfG HA, § 37 …
VG Regensburg, 14.07.2011 - RO 7 K 10.2261
Baurechtliche Nutzungsuntersagung für bordellartigen Betrieb
VG München, 13.02.2012 - M 1 S 12.520
Nutzungsuntersagung; bordellartiger Betrieb