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Timestamp: 2016-05-31 03:54:26
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Matched Legal Cases: ['§ 1002', '§ 1001', '§ 995', '§ 994', '§ 994', '§ 995', '§ 1002', '§ 1001', '§ 1000', '§ 995', '§ 995', 'BGH', 'BGH', '§ 1002', '§ 1002', '§ 1002', '§ 32', '§ 1002', '§ 1002', '§ 1002', '§ 1002', '§ 1002', '§ 1002', '§ 1002']

Herausgabevollstreckung des Eigentümers – und die Verwendungen des Besitzers | Rechtslupe
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Herausgabevollstreckung des Eigentümers – und die Verwendungen des Besitzers	7. Januar 2016 | ZivilrechtGeschätzte Lesezeit: 3 Minuten	Eine vorbehaltlose Herausgabe im Sinne von § 1002 Abs. 1, § 1001 Satz 3 BGB liegt auch vor, wenn der Eigentümer den Besitzer auf Herausgabe verklagt, der Besitzer in diesem Verfahren ein Zurückbehaltungsrecht wegen seiner Verwendungen nicht geltend macht, obwohl er es könnte, und wenn der Eigentümer den Besitz an der Sache durch Vollstreckung des in dem Verfahren erstrittenen Herausgabetitels wiedererlangt.
Gemäß § 995 Satz 1 BGB gehören zu den notwendigen Verwendungen im Sinne des § 994 BGB auch die Aufwendungen, die der Besitzer zur Bestreitung von Lasten der Sache macht. Lasten der Sache im Sinne dieser Vorschrift sind alle an der Sache bestehenden Verwertungsrechte Dritter und alle Zahlungspflichten des Eigentümers, die diesen gerade wegen seines Eigentums an der betreffenden Sache treffen1.
Nach § 994 Abs. 1, § 995 BGB erlischt der Anspruch auf Ersatz von Verwendungen bei einem Grundstück nach Maßgabe von § 1002 Abs. 1 BGB mit dem Ablauf von sechs Monaten nach der Herausgabe, wenn nicht vorher die gerichtliche Geltendmachung erfolgt oder der Eigentümer die Verwendungen genehmigt. Eine Herausgabe in diesem Sinne liegt nur vor, wenn die Sache unmittelbar von dem Besitzer an den Eigentümer oder einem von ihm Beauftragten2 herausgegeben wird und sich der Besitzer dabei – wie sich aus § 1001 Satz 3 BGB ergibt – die Geltendmachung seiner Ansprüche auf Verwendungsersatz nicht vorbehält. Dagegen genügt es für die Annahme einer Herausgabe nicht, wenn der Eigentümer die Sache auf anderem Weg – etwa durch eigenmächtige Wegnahme oder auf sonstige Weise ohne den Willen des Besitzers – wiedererlangt3.
Der Herausgabe der Sache durch den Besitzer an den Eigentümer wird im Anschluss an eine Entscheidung des Reichsgerichts4 der Fall gleichgestellt, dass die Sache dem Besitzer aufgrund eines in einem Vindikationsprozess ergangenen (vorläufig vollstreckbaren) Urteils weggenommen wird5. Die Vorschrift erfasst nach ihrem Zweck auch diesen Fall. Sie beruht auf dem Grundgedanken, dass der Besitzer bei dem Eigentümer den Eindruck erweckt, Verwendungsersatzansprüche bestünden nicht oder würden nicht geltend gemacht, wenn er das Zurückbehaltungsrecht nach § 1000 BGB nicht ausübt und die Sache vorbehaltslos herausgibt. Der Besitzer muss wegen des unterlassenen Vorbehalts hinsichtlich der von ihm getätigten Verwendungen schnell tätig werden, um den Anschein des Nichtvorliegens oder der Nichtgeltendmachung von Ersatzansprüchen zu begegnen6. Ein solcher Anschein kann auch entstehen, wenn der Eigentümer einen vorbehaltlosen Titel erstritten hat und er diesen vollstreckt.
Voraussetzung hierfür ist indessen, dass das Verfahren und die Vollstreckung der freiwilligen vorbehaltlosen Herausgabe durch den Besitzer qualitativ entsprechen. Das ist unter folgenden drei Bedingungen der Fall: Zunächst muss das gerichtliche Verfahren auf die Herausgabe der Sache durch den Besitzer an den Eigentümer gerichtet sein. Weiterhin muss es dem Besitzer in diesem Verfahren möglich sein, dem Herausgabeanspruch Verwendungsersatzansprüche entgegen zu setzen. Schließlich muss der Eigentümer gerade durch die Vollstreckung des Herausgabetitels wieder in den Besitz seiner Sache gekommen sein. Dann nämlich steht die Wiedererlangung der Sache durch den Eigentümer im Wege der Zwangsvollstreckung wertungsmäßig der freiwilligen Herausgabe der Sache durch den Besitzer gleich. Indem der Besitzer die mögliche Geltendmachung seiner Verwendungsansprüche in dem von dem Eigentümer betriebenen Vindikationsverfahren unterlässt, setzt er in zurechenbarer Weise einen Rechtsschein, dass solche Ansprüche entweder nicht bestehen oder nicht geltend gemacht werden, wenn er die Klagefrist verstreichen lässt.
Bundesgerichtshof, Urteil vom 2. Oktober 2015 – V ZR 221/14
Staudinger/Gursky, BGB [2012], § 995 Rn. 2; vgl. auch MünchKomm-BGB/Baldus, 6. Aufl., § 995 Rn. 2↩
BGH, Urteil vom 18.12 1968 – VIII ZR 214/66, BGHZ 51, 250, 253↩
MünchKomm-BGB/Baldus, 6. Aufl., § 1002 Rn. 1; Soergel/Stadler, BGB, 13. Aufl., § 1002 Rn. 2; Staudinger/Gursky, BGB [2012], § 1002 Rn. 2; Westermann/Gursky/Eickmann, Sachenrecht, 8. Aufl., § 32 Rn. 29↩
RGZ 109, 104, 107↩
Staudinger/Gursky, BGB [2012], § 1002 Rn. 2; MünchKomm-BGB/Baldus, 6. Aufl., § 1002 Rn. 6; Erman/Westermann, BGB, 14. Aufl., § 1002 Rn. 2; jurisPK-BGB/Ehlers, § 1002 Rn. 3; BeckOK BGB/Fritzsche, § 1002 Rn. 4; Palandt/Bassenge, BGB, 74. Aufl., § 1002 Rn. 2↩
MünchKomm-BGB/Baldus, 6. Aufl., § 1002 Rn. 1↩
Weitere Informationen:Eigentumsvermutung für den beschenkten BesitzerDie Nutzungen des bösgläubigen UntermietersEigentümer-Besitzer-Verhältnis – und der…Der vorläufig vollstreckbare Herausgabeanspruch des…Gutgläubiger Eigentumserwerb eines LeasinggebersDoe Weinkiste in den Geschäftsräumen, der Schlüssel des…	Weiterlesen auf der Rechtslupe:
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