Source: http://trennungmitkind.com/allgemein/eskalationsleiter-schlimmen-folgen-taktischer-fehler
Timestamp: 2017-07-27 18:33:34
Document Index: 200859941

Matched Legal Cases: ['§ 1628', '§ 114', '§ 1684', '§ 76', '§ 33', '§ 86']

Eskalationsleiter - schlimme Folgen taktischer Fehler - Trennung mit Kind	Ihr Thema?
Eskalationsleiter – schlimme Folgen taktischer Fehler
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Es geschieht immer wieder: Aus Umgangskonflikten oder einer Uneinigkeit über die Kindergartenwahl entspinnt sich ein Sorgerechtsverfahren, in welchem es plötzlich nicht mehr allein um die Frage des Kindergartes geht, sondern vielmehr grundsätzlich darum, ob und wie die Eltern zukünftig noch gemeinsam die Sorge für das Kind tragen können. So wird aus einer simplen Meinungsverschiedenheit schnell ein möglicher Eingriff in die Grundrechte der Eltern – dann nämlich, wenn das Gericht keinen anderen Weg sieht, als Teile des Sorgerechtes oder sogar das gesamte Sorgerecht einem Elternteil alleine zu übertragen – und damit dem anderen zu entziehen.
Kennen die betroffenen Eltern dann nicht das Prinzip der Eskalationsleiter, dem die Gerichte in ihren Maßnahmen und Entscheidungen folgen, können solche Prozesse subjektiv betrachtet schnell „außer Kontrolle“ geraten. Dann wollte man eigentlich nur, dass ein anderer Kindergarten besucht wird, weil dieser vielleicht näher an der eigenen Wohnung liegt – und steht plötzlich ohne Sorgerecht da.
Ganz besonders das Aufenthaltsbestimmungsrecht wird oft ohne jede Not regelrecht „drangegeben“, indem ohne Aussicht auf Erfolg die Übertragung auf einen Elternteil alleine beantragt wird. Ist es dann jedoch verloren, kann der andere Elternteil ohne Rücksprache tausende von Kilometern weit weg ziehen – ohne jede Absprache.
Über die großen Gefahren eines ganz einfachen Prinzips berichten wir in Die Eskalationsleiter – nach den Regeln spielen Related Posts:Die Eskalationsleiter – nach den…Alleiniges Sorgerecht nach TrennungAufenthaltsbestimmungsrecht10 Todsünden bei Trennung und ScheidungKein Sorgerecht – nichts zu melden?Sorgerecht – was darf man mit, was darf man ohne?Empfehlen	By trennungmitkind|2014-10-16T10:21:14+00:00Oktober 16th, 2014|Allgemein|5 Comments	Share This Story, Choose Your Platform!
16. Oktober 2014 at 15:02 - Reply	Aus einer „Uneinigkeit über die Kindergartenwahl“ entsteht bestenfalls ein Verfahren, indem das Familiengericht nach § 1628 BGB entscheidet und auch aus „Umgangskonflikte“ heraus „entspinnt“ sich kein Sorgerechtsverfahren!
Zur Sicherstellung des Umgangsrechtes ist die hier angesprochene Eskalationsleiter die denkbar schlechteste Vorgehensweise.
Wessen Umgang boykottiert wird, der verliert entscheidende Zeit, wer von Jugendamt oder sonstigen „Helfern“ Unterstützung erwartet. Von Müttern vorenthaltene Umgangsrechte müssen auf direktem Wege von Familiengerichten vollstreckbar beschlossen werden. Denn jeder Tag an dem kein Umgang stattfindet, benutz der sabotierende Elternteil rücksichtslos zu seinem Vorteil, indem er die Kinder entfremdet und gegen den – in der Regel – Vater einstellt.
In solchen Situationen helfen keine eskalationsverhindernden Maßnahmen.
Denn solche Situationen sind bereits eskaliert. Als Betroffener sollte man sofort im Wege des einstweiligen Rechtschutzes eine gerichtliche Entscheidung herbeiführen.
16. Oktober 2014 at 19:19 - Reply	Sehr geehrter Herr Emmermann,
es handelt sich nicht um einen juristischen Fachartikel und fokussiert sich entsprechend natürlich nicht auf innergerichtliche Entwicklungen, sondern auf typische Entwicklungen üblicher Trennungskonflikte. Und in diesem Kontext geschieht es regelmäßig, dass aufgrund von Umgangsboykotten ein Umgangsberechtigter das alleinige Sorgerecht beantragt oder ein Konflikt um eine Einzelentscheidung als Argumentationsgrundlage für ein vollständiges Sorgerechtsverfahren genutzt wird. Der sog. Umgangsdreisprung wird auch von Vätervereinen regelmäßig als Königsweg bei Umgangsproblemen vorgestellt. Hierzu gehört ganz selbstverständlich zunächst der außergerichtliche Versuch und ein Vermittlungsversuch schon deshalb, weil Gerichte sonst gerne zunächst einmal an außergerichtliche Ansätze verweisen und natürlich auch aufgrund der nicht unerheblichen Kosten, wenn ein Betroffener keine Verfahrenskostenhilfe in Anspruch nehmen kann oder sich als Jurist selbst vertritt.
17. Oktober 2014 at 18:12 - Reply	Verzeihung, wenn ich widerspreche.
Es wäre nützlicher, die Dinge und die Personen beim Namen zu nennen:
Umgang boykottiert üblicherweise die Mutter, bei der das Kind nach einer Trennung in der Regel wohnt.
Mit „ein Umgangsberechtigter“ ist deswegen der Trennungsvater gemeint.
Wenn Umgang boykottiert wird, dann kommt es mithin auf die auf die Motivation der Kindesmutter an. Die läßt sich aus den Erfahrungen solcher Verhalten herleiten: ganz überwiegend wird beabsichtigt, den unliebsam gewordenen Vater zu entsorgen. Wer einer solchen Entsorgung mit einem -wer immer diesen unsinnigen Begriff erfunden hat- Umgangsdreisprung begegnen will, geht ein unnötig großes Risiko ein, weil Jugendämter – auch das zeigt die Erfahrung – Väter in den meisten Fällen vertrösten und so den „Täterinnen“ einen Vorsprung verschaffen, der sich fatal auf die Rechtsverfolgung des Vaters auswirkt.
Eine außergerichtliche Einigung als Reaktion auf Umgangsboykotte anzustreben ist ein frommer Wunsch. Phrasen als Surrogat für Hilflosigkeit!
Übrigens sieht das das Oberlandesgericht Hamm ähnlich:
„Es ist nicht mutwillig im Sinne des § 114 ZPO, wenn ein Elternteil zur Regelung des Umgangs gem. § 1684 BGB das Familiengericht anruft, ohne vorher Beratung und Hilfe des Jugendamtes in Anspruch genommen zu haben (zum alten Recht: OLG Karlsruhe, FamRZ 2004, S. 1712; OLG Karlsruhe, FamRZ 2004, S. 1115; OLG Hamm, FamRZ 2004, S. 1116; zum neuen Recht: OLG Hamm, 8 WF 70/10, Beschluss vom 12.07.2010; Keidel-Zimmermann, FamFG 16. Aufl., § 76 Rz. 19). Es gibt keinen Erfahrungssatz des Inhalts, dass eine bemittelte Partei regelmäßig die außergerichtliche Streitschlichtung suchen werde. Es muss deshalb auch der bedürftigen Partei die Möglichkeit offen bleiben, sich nach eigenem Ermessen zwischen außergerichtlicher Streitschlichtung und gerichtlichem Verfahren zu entscheiden. Ist Letzteres gewählt, hat die Partei einen entsprechenden Rechtsgewährungsanspruch, auch wenn sie bedürftig ist……..
Das Gericht kann von jedem Elternteil jedenfalls zum Zweck der Herbeiführung einer erzwingbaren Gerichtsentscheidung mit dem Ziel der Verwirklichung eines schon vereinbarten Umgangsrechts angerufen werden. Denn auch wenn die Eltern in den vom Kindeswohl gezogenen Grenzen ihre Primärzuständigkeit zur Ausgestaltung des persönlichen Umgangs des nicht betreuenden Elternteils mit dem gemeinsamen Kind durch eine – im Laufe der Zeit durch Übung zustande gekommene – Vereinbarung ausgeübt haben, hat diese vertragliche Regelung gegenüber einer richterlichen Entscheidung den Nachteil, dass sie nicht unmittelbar als Grundlage für die Erzwingbarkeit nach § 33 FGG/§§ 86 ff. FamFG ausreicht“
Ich finde diese Internetseite bietet sehr nützliche und auch gut gemeinte Informationen.
Der Firlefanz mit dem „Dreisprung“ ist aber eine umso bedauerlichere Fehlleistung, von der ich mir wünschen würde, dass sie nicht weiter verbreitet werden würde.
17. Oktober 2014 at 19:26 - Reply	Sehr geehrter Herr Emmermann,
von allen Trennungs- und Scheidungsfällen mit involvierten Kindern sind nach belastbaren Schätzungen maximal 10% hochstrittig. In 9 von 10 Fällen kommen diese Fragen und diese Gerichtsverfahren also gar nicht auf oder die Situation löst sich nach einem klärenden Verfahren oder einer fundierten Mediation weitgehend auf. Die Zahl gilt allerdings als steigend. Wir führen das auch darauf zurück, dass viel Konflikt konstruiert wird, wo (noch) gar keiner ist, weil zumindest das Medium Internet deutlich von Betroffenen hochkonflikthafter Trennungen beherrscht wird. So entwickeln viele Betroffene, die selbst (noch) gar nicht in einer eskalierten Trennungssituation sind paranoid affektive Tendenzen und machen völlig vermeidbare Fehler – aus Ängsten vor unsichtbaren Feinden. Wir richten uns an alle von Trennung und Scheidung betroffene Eltern, also nicht nur jene, die sich in einer eskalierten Situation befinden. Und dort kann der sofortige Gang zum Gericht, „nur“ weil es nicht sofort alleine mit einer Einigung zum Umgang klappt, überzogen sein und unnötige Kosten und Umstände verursachen. Im schlechtesten Fall wird damit eine vermeidbare Eskalation angestoßen. Selbstverständlich ist die Situation eine andere, wenn wiederholt und hartnäckig boykottiert wird – so beginnt es jedoch nur in den seltensten Fällen. Wir erleben hier in der Beratungspraxis immer wieder Betroffene, die ohne jede Not das Aufenthaltsbestimmungsrecht verloren haben, weil sie es ohne Not beantragt hatten – als Reaktion auf Unstimmigkeiten. Und natürlich ist und die Grundsituation der Väter anhand statistischer Realität klar – aber wieder: die angebliche Väterfeindlichkeit diverser Stellen wird begründet mit den subjektiven Erfahrungen derer, die in die Verlegenheit kommen – also wieder die Hochstrittigen. Wir sprechen also von maximal 10% aller Trennungsfälle. Selbst wenn hier faktisch nachweisbar und flächendeckend ein Gefälle zu finden wäre – es gibt das Problem, das ist bekannt, jedoch sicher nicht per se in jedem Jugendamt, bei jeder Beratungsstelle etc. – dann wäre es anhand der Grundquote nicht repräsentativ. Grade im Familienrecht ist das Phänomen, Recht haben zu können, ohne irgendetwas erreicht zu haben, weit verbreitet. Grade bei den Vätern. Und wenn Sie am Ende des Tages zwar Recht haben aber keinen Kontakt mehr zum Kind, hat niemand gewonnen.
17. Oktober 2014 at 21:59 - Reply	„So entwickeln viele Betroffene, die selbst (noch) gar nicht in einer eskalierten Trennungssituation sind paranoid affektive Tendenzen und machen völlig vermeidbare Fehler – aus Ängsten vor unsichtbaren Feinden. “
Die „vermeidbaren Fehler“ werden ganz überwiegend von Verfahrensbeteiligten provoziert, die an den Auseinandersetzungen der Eltern ein profitables Interesse haben!!
Bei Streitigkeiten um Umgang (die ja nur dann relevant sind, wenn Umgang einseitig vorenthalten oder einseitig bestimmt wird) befinden die Eltern sich in einem Konflikt, der wegen einer Ungleichstellung, die der Elternteil ausnutzt, bei dem das Kind wohnt. keinen Aufschub duldet. Auch wenn eine umgangsgewährende Mutter „nur“ den Umgang gegen den Willen des Vaters auszugestalten versucht, rate ich dazu, die Umgangsrechte sofort gerichtlich klären zu lassen, damit es nicht erst zu eskalierenden Streitereien kommt. Es spricht im Übrigen auch aus Vernunftsgründen nichts dagegen, ein Gericht anzurufen, wenn die Parteien unterschiedliche Rechtsauffassungen vertreten. Die mir bekannten Vertreter des „Umgangsdreisprungs“ verkennen alle die Situation, weil sie davon ausgehen, dass eine aussergerichtliche Einigung wegen der drohenden Kosten erforderlich wäre, die entstehen würden, wenn sofort das Gericht angerufen wird. Hier im Familiengericht geht es aber nicht um die Notwendigkeit, den Antragsgegner aussergerichtlich zunächst in Verzug zu setzen, sondern um die Beachtung des Kindeswohls, das gefährdet ist, wenn es wegen Umgang zu Streit zwischen den Eltern kommt.
Nach unseren Erfahrungen geht es auch nicht nur um 10% der streitigen Umgangsverfahren. Das mag eine Zahl sein, die sich auf eine bestimmte Ausgangssituation bezieht.
Unserer Erfahrung nach eskalieren wenigsten drei Viertel der „harmlosen“ Fälle, in denen ein Elternteil meint, ein Bestimmungsrecht zu besitzen. Wer das nicht sofort korrigiert, der wird als umgangsberechtigter Elternteil Weihnachten, an Geburtstagen oder zu sonstigen Anlässen das Nachsehen haben. Ich kenne nicht einen einzigen Fall, in dem eine mit diesen Motiven den Umgang störende Mutter außergerichtlich eingelenkt hätte.
Nicht Dreisprung, sondern „wehret den Anfängen“ ist deswegen das Gebot!
Der sofortige Gang zum Gericht ist deeskalierend, weil es der kürzeste Weg ist, die Angelegenheit zu klären.