Source: http://m.hensche.de/Diskriminierung_Abfindung_keine_Diskriminierung_wegen_geringerer_Abfindung_bei_Bezug_von_Erwerbsminderungsrente_BAG_1AZR34-10-u.html
Timestamp: 2017-02-20 01:41:00
Document Index: 61852425

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 77', '§ 75', '§ 75', '§ 1', '§ 1', '§ 43', 'EuG', 'Art. 267']

HENSCHE Arbeitsrecht: 1 AZR 34/10
Sozialplan, Abfindung
Ar­beit­neh­mer können von So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­ge­nom­men wer­den, wenn sie we­gen des Be­zugs ei­ner be­fris­te­ten vol­len Er­werbs­min­de­rungs­ren­te nicht beschäftigt sind und mit der Wie­der­her­stel­lung ih­rer Ar­beitsfähig­keit auch nicht zu rech­nen ist.
Arbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 26.03.2009, 5 Ca 5101/08
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 21.12.2009, 16 Sa 577/09Nachgehend Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 25.03.2015, 1 BvR 2803/11
1 AZR 34/10 16 Sa 577/09
- 2 - Prof. Dr. Koch, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Spel­ge so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Münzer und Schus­ter für Recht er­kannt:
- 3 - Kündi­gung, ei­ne Ei­genkündi­gung oder durch Auf­he­bungs­ver­trag en­det. Leis­tun­gen aus die­sem So­zi­al­plan er­hal­ten auch Beschäftig­te, de­ren Ar­beits­verhält­nis ruht. Als Bei­spie­le hierfür sind El­tern­zeit, Mut­ter­schutz, Wehr- und Zi­vil­dienst ge­nannt. Die Höhe der Ab­fin­dung rich­tet sich grundsätz­lich nach der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit und dem Le­bens­al­ter. Die Ge­burts­jahrgänge 1951 und 1952 er­hal­ten 67 % und die Ge­burts­jahrgänge 1950 und älter 70 % des letz­ten Net­to­ent­gelts mul­ti­pli­ziert mit der An­zahl der Mo­na­te vom Aus­tritt bis zum En­de des Mo­nats, in dem der Beschäftig­te das 63. Le­bens­jahr voll­endet. Der so er­mit­tel­te Net­to­be­trag ist ent­spre­chend den ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten auf ei­ne ein­ma­li­ge Brut­to­ab­fin­dung hoch­zu­rech­nen und wird mit der letz­ten Ab­rech­nung zur Aus­zah­lung ge­bracht.
- 4 - § 1 - Ergänzung der Aus­schluss­gründe zur An­spruchs­be­rech­ti­gung
Nicht an­spruchs­be­rech­tigt sind des Wei­te­ren Ar­beit­neh­mer, die am 04.10.2006 un­ter Be­zug ei­ner be­fris­te­ten vol­len Er­werbs­min­de­rungs­ren­te nicht beschäftigt sind und - die nach Ab­lauf der be­fris­te­ten Er­werbs­min­de­rungs­ren­te be­rech­tigt sind, die ge­setz­li­che Re­gel­al­ters­ren­te - auch vor­ge­zo­gen un­ter Hin­nah­me von Ab­schlägen - zu be­an­spru­chen;
- 5 - Der Kläger hat gel­tend ge­macht, er ha­be ei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung aus dem So­zi­al­plan vom 13. März 2007. Der in der BV-Ergänzung ver­ein­bar­te An­spruchs­aus­schluss sei un­wirk­sam. Er be­nach­tei­li­ge be­hin­der­te Men­schen und ver­let­ze den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, da er nicht für al­le ru­hen­den Ar­beits­verhält­nis­se gel­te.
- 7 - ei­nem Zeit­punkt, zu dem der Kläger noch kei­nen An­spruch auf So­zi­al­plan­leis­tun­gen er­wor­ben hat­te. Oh­ne an­ders­lau­ten­de Be­stim­mung ent­ste­hen der­ar­ti­ge Ansprüche erst mit dem recht­li­chen En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses (BAG 2. Ok­to­ber 2007 - 1 AZR 815/06 - Rn. 21, EzA Be­trVG 2001 § 77 Nr. 20). Nach­dem die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis des Klägers erst am 10. De­zem­ber 2007 zum 31. Ju­li 2008 und da­mit nach Ab­schluss der BV-Ergänzung vom 10. Ok­to­ber 2007 gekündigt hat, kann of­fen­blei­ben, ob der So­zi­al­plan den Zeit­punkt der An­spruchs­ent­ste­hung be­reits auf den Aus­spruch der Kündi­gung vor­ver­la­gert hat. Im Zeit­punkt der Ver­ein­ba­rung der BV-Ergänzung hat­te der Kläger un­ter kei­nem recht­li­chen Ge­sichts­punkt ei­ne Rechts­po­si­ti­on in­ne, die ein schutzwürdi­ges Ver­trau­en in die Un­abänder­bar­keit der Re­ge­lun­gen vom 13. März 2007 hätte be­gründen können.
- 8 - li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz (§ 75 Abs. 1 Be­trVG), ver­ein­bar sind. Da­nach ha­ben Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat darüber zu wa­chen, dass je­de Be­nach­tei­li­gung von Per­so­nen aus den in die­ser Vor­schrift ge­nann­ten Gründen un­ter­bleibt. § 75 Abs. 1 Be­trVG enthält nicht nur ein Über­wa­chungs­ge­bot, son­dern ver­bie­tet zu­gleich Ver­ein­ba­run­gen, durch die Ar­beit­neh­mer auf­grund der dort auf­geführ­ten Merk­ma­le be­nach­tei­ligt wer­den. Der Ge­setz­ge­ber hat dar­in die in § 1 AGG ge­re­gel­ten Be­nach­tei­li­gungs­ver­bo­te über­nom­men (BAG 12. April 2011 - 1 AZR 764/09 - Rn. 10 f.). Da­zu gehört auch das Ver­bot der Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung.
- 9 - ge­nann­ten Grund steht (BT-Drucks. 16/1780 S. 32; da­zu auch BVerfG 28. April 2011 - 1 BvR 1409/10 - Rn. 54, ZTR 2011, 434).
- 10 - So­weit in § 1 3. Spie­gel­strich BV-Ergänzung auf den Be­zug ei­ner Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung ab­ge­stellt wird, müssen die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 43 Abs. 2 Satz 2 SGB VI erfüllt sein. Da­nach sind Ver­si­cher­te voll er­werbs­ge­min­dert, die we­gen Krank­heit oder Be­hin­de­rung auf nicht ab­seh­ba­re Zeit außer­stan­de sind, un­ter den übli­chen Be­din­gun­gen des all­ge­mei­nen Ar­beits­mark­tes min­des­tens drei St­un­den täglich er­werbstätig zu sein.
- 11 - 2004/113/EG). Die Si­tua­tio­nen müssen nicht iden­tisch, son­dern nur ver­gleich­bar sein. Dies ist nicht all­ge­mein und abs­trakt, son­dern spe­zi­fisch und kon­kret von den na­tio­na­len Ge­rich­ten im Ein­zel­fall an­hand des Zwecks und der Vor­aus­set­zun­gen für die Gewährung der frag­li­chen Leis­tun­gen fest­zu­stel­len (EuGH 10. Mai 2011 - C-147/08 - [Römer] Rn. 52; 1. April 2008 - C-267/06 - [Ma­ru­ko] Rn. 73, aaO). Da­nach ist uni­ons­recht­lich geklärt, dass ein letz­tent­schei­dungs­be­fug­tes na­tio­na­les Ge­richt un­ter Zu­grun­de­le­gung des vom Ge­richts­hof ent­wi­ckel­ten Ver­gleichs­maßstabs selbst zu prüfen hat, ob sich der Be­trof­fe­ne in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on mit an­de­ren be­fin­det. Die Durchführung ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens nach Art. 267 Abs. 3 AEUV war des­halb nicht ge­bo­ten.
- 12 - triebs­still­le­gung ver­ur­sach­ten wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fin­den.
- 13 - schließen. Maßgeb­lich für das Vor­lie­gen ei­nes die Bil­dung un­ter­schied­li­cher Grup­pen recht­fer­ti­gen­den Sach­grun­des ist vor al­lem der mit der Re­ge­lung ver­folg­te Zweck (BAG 14. De­zem­ber 2010 - 1 AZR 279/09 - Rn. 15, NZA-RR 2011, 182).
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