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Timestamp: 2016-10-20 19:50:41
Document Index: 136690556

Matched Legal Cases: ['Art. 82', 'Art. 95', 'Art. 105', 'Art. 97', 'Art. 95', 'Art. 105', 'BGE', 'BGE']

8C_701/2011 (17.02.2012)
8C_701/2011
Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. August 2011.
Die 1968 geborene M.________ meldete sich am 16. Januar 2006 wegen depressiver St�rungen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle des Kantons Bern nahm in der Folge verschiedene Abkl�rungen vor und verneinte mit Verf�gung vom 8. Januar 2009 einen Rentenanspruch. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Bern mit Entscheid vom 17. M�rz 2010 gut und wies die Sache zur weiteren Abkl�rung an die IV-Stelle zur�ck.
Dr. med. G.________ erstattete am 18. August 2010 im Auftrag der IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten und diagnostizierte eine rezidivierende depressive St�rung, gegenw�rtig mittelgradige Episode. Mit Verf�gung vom 4. April 2011 verneinte die IV-Stelle bei einem Invalidit�tsgrad von 31 % einen Anspruch auf eine Invalidenrente.
Die hiegegen eingereichte Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Bern mit Entscheid vom 11. August 2011 teilweise gut, hob die Verf�gung vom 4. April 2011 auf und sprach M.________ ab November 2005 eine Viertelsrente zu.
Mit Beschwerde beantragt die IV-Stelle des Kantons Bern die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides.
M.________ l�sst die Abweisung der Beschwerde und die Best�tigung des kantonalen Entscheides beantragen. Das Bundesamt f�r Sozialversicherungen schliesst sich in seiner Vernehmlassung der Beschwerde an und beantragt Gutheissung der Beschwerde.
Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (Art. 82 ff. BGG) kann wegen Rechtsverletzungen gem�ss Art. 95 f. BGG erhoben werden. Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann eine - f�r den Ausgang des Verfahrens entscheidende (vgl. Art. 97 Abs. 1 BGG) - Sachverhaltsfeststellung von Amtes wegen nur berichtigen oder erg�nzen, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder wenn sie auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG). Die Beweisw�rdigung durch das kantonale Gericht verletzt namentlich dann Bundesrecht, wenn es den Sinn und die Tragweite eines Beweismittels offensichtlich falsch eingesch�tzt, ohne sachlichen Grund ein wichtiges und f�r den Ausgang des Verfahrens entscheidendes Beweismittel nicht beachtet oder aus den abgenommenen Beweisen unhaltbare Schl�sse gezogen hat (BGE 129 I 8 E. 2.1 S. 9; Urteil 8C_874/2011 vom 20. Januar 2012 E. 2.2).
Streitig und zu pr�fen ist, ob die Vorinstanz Bundesrecht verletzte, indem sie der Beschwerdegegnerin ab November 2005 eine Viertelsrente der Invalidenversicherung zusprach.
2.1 Das kantonale Gericht kam in umfassender W�rdigung der verschiedenen medizinischen Beurteilungen zum Schluss, das psychiatrische Gutachten des Dr. med. G.________ vom 18. August 2010 entspreche den vom Bundesgericht an beweiskr�ftige medizinische Unterlagen gestellte Anforderungen und es l�gen keine Indizien gegen dessen Zuverl�ssigkeit vor. Es setzte sich auch mit davon abweichenden �rztlichen Beurteilungen auseinander und legte schl�ssig dar, weshalb nicht auf diese anderslautenden Einsch�tzungen abgestellt werden k�nne. Dies ist unbestritten. Gest�tzt auf das Gutachten von Dr. med. G.________ kam die Vorinstanz zum Schluss, es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdef�hrerin seit November 2005 in ihrer Erwerbst�tigkeit zu 50 % und im Haushaltsbereich zu 20 % eingeschr�nkt sei.
2.2 Das kantonale Gericht f�hrte weiter aus, der psychiatrische Gutachter setze die Arbeitsunf�higkeit von 50 % in Bezug zu einem vollen Arbeitspensum. Da der zwischen 0 und 100 % schwankenden Arbeitsunf�higkeit nur auf diese Weise angemessen Rechnung getragen werde, sei davon auszugehen, dass auch gemessen an einem (von der Versicherten bei guter Gesundheit hypothetisch ausge�bten) Pensum von 80 % eine um 50 % eingeschr�nkte Arbeitsf�higkeit vorliege (Arbeitsf�higkeit w�hrend zwei Tagen pro Woche). Eine Erwerbst�tigkeit w�hrend zweieinhalb Tagen pro Woche als zumutbar zu erkl�ren, bedeute faktisch, von einer Arbeitsf�higkeit von 62.5 % auszugehen.
2.3 Mit diesen Ausf�hrungen (Arbeitsunf�higkeit von 50 % auch in einem Pensum von 80 %) stellt sich die Vorinstanz in Widerspruch zur Beurteilung im Gutachten von Dr. med. G.________, der eine Arbeitsunf�higkeit von 50 % ausdr�cklich bezogen auf ein 100 % Pensum bescheinigte.
Das kantonale Gericht verweist f�r sein Abweichen vom psychiatrischen Gutachten auf die stark schwankende Arbeitsunf�higkeit, der nur auf diese Weise Rechnung getragen werde. Inwiefern allerdings eine schwankende Arbeitsunf�higkeit eine Reduktion der im Gutachten bescheinigten Arbeitsf�higkeit um 10 % zu begr�nden vermag, ist nicht nachvollziehbar und wird auch nicht weiter begr�ndet. Dr. med. G.________ gab dazu an, der Verlauf depressiver St�rungen sei naturgem�ss schwankend. �ber die Jahre gesehen sei jedoch eine mittelgradige depressive St�rung anzunehmen, sodass davon ausgegangen werden k�nne, dass ab November 2005 aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunf�higkeit von 50 % attestiert werden k�nne. Der Umstand einer schwankenden Arbeitsunf�higkeit ist bei der gutachterlichen Beurteilung einer Arbeitsunf�higkeit von 50 % bezogen auf ein 100 % somit bereits mitber�cksichtigt.
Dr. med. G.________ hatte gest�tzt auf die Anamnese, des ihm vorliegenden Haushaltsabkl�rungsberichts vom 6. Mai 2008 und aufgrund seiner Ausf�hrungen zu den Einschr�nkungen der Versicherten im Haushaltsbereich davon Kenntnis, dass die Bestimmung des Invalidit�tsgrades voraussichtlich nicht ausschliesslich aufgrund der Einschr�nkungen im erwerblichen Bereich bei einem 100 % Pensum erfolgen w�rde. In diesem Zusammenhang ist auch sein ausdr�cklicher Hinweis zu sehen, die von ihm bescheinigte Arbeitsunf�higkeit von 50 % beziehe sich auf ein 100 % Pensum, w�hrend in �rztlichen Berichten �blicherweise kein Ausf�hrungen dazu gemacht werden bzw. die Einschr�nkungen der Arbeitsf�higkeit in der Regel ohne Weiteres auf ein Vollzeitpensum bezogen werden (statt vieler: Urteil 9C_648/2010 vom 10. August 2011 E. 3.6.3 mit Hinweisen).
Im �brigen �berschreitet die Vorinstanz ihre Kompetenzen, wenn sie von der Arbeitsunf�higkeitsbeurteilung des Gutachtens mit der erw�hnten Begr�ndung abweicht. Die Beurteilung der Arbeitsunf�higkeit und deren Umfang ist ausschliesslich Aufgabe der �rzte und nicht die der rechtsanwendenden Beh�rden oder Gerichte (BGE 132 V 93 E. 4 S. 99; 125 V 256 E. 4 S. 261 f.; vgl. auch AHI 2002 S. 62, I 82/01 E. 4b/cc).
Das Vorgehen des kantonalen Gerichts steht im klaren Widerspruch zu den medizinischen Akten und ist damit offensichtlich unrichtig. Die unhaltbaren Schlussfolgerungen der Vorinstanz sind dahin gehend zu korrigieren, dass in �bereinstimmung mit dem eingeholten psychiatrischen Gutachten von einer Arbeitsunf�higkeit in s�mtlichen T�tigkeiten von 50 % bezogen auf ein 100 % Pensum auszugehen ist.
2.4 Die �brigen Ausf�hrungen der Vorinstanz zur Ermittlung des Invalidit�tsgrades, sind unbestritten. Dem vom kantonalen Gericht herangezogenen Valideneinkommen von Fr. 34'560.- ist ein Invalideneinkommen von Fr. 22'209.40 gegen�berzustellen (50 % des LSE-Tabellenlohns von Fr. 44'418.80, statt der von der Vorinstanz ber�cksichtigten 40 %). Damit resultiert ein Invalidit�tsgrad im erwerblichen Bereich von 35.74 %. Im Haushaltsbereich liegt eine Einschr�nkung von unbestritten 20 % vor. Unter Ber�cksichtigung der Gewichtung von Haushaltsbereich (20 %) und Erwerbsbereich (80 %) ergibt sich ein Gesamtinvalidit�tsgrad von gerundet 33 % (0.8 x 35.74 % + 0.2 x 20 %), womit in �bereinstimmung mit der Verf�gung der Beschwerdef�hrerin vom 4. April 2011 kein Rentenanspruch besteht. In Gutheissung der Beschwerde ist der vorinstanzliche Entscheid daher aufzuheben.
Die Beschwerde wird gutgeheissen und der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. August 2011 aufgehoben.