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Timestamp: 2020-06-01 08:43:39
Document Index: 387790206

Matched Legal Cases: ['§ 32', '§ 28', '§ 31', '§ 30', '§ 5', '§ 32', '§ 28', '§ 30']

Aktenzeichen: 13 MN 143/20
Normen: § 32 IfSG, § 28 IfSG, § 31 IfSG, § 30 IfSG
Corona-Pandemie: Grundsätzliche Quarantänepflicht für Einreisende gekippt
Das OVG Lüneburg hat die in der Niedersächsischen Verordnung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus geregelte grundsätzliche Quarantänepflicht für aus dem Ausland Einreisende einstweilig außer Vollzug gesetzt.
Der Antragsteller, der Eigentümer einer Ferienhausimmobilie in Südschweden ist, wandte sich mit einem Normenkontrolleilantrag gegen die Quarantänepflicht (§ 5 der Niedersächsischen Verordnung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona Virus vom 08.05.2020) und argumentierte, die Voraussetzungen, an die das Infektionsschutzgesetz die Möglichkeit der Anordnung einer Quarantäne anknüpfe, lägen auch bei typisierter Betrachtungsweise nicht bei allen Rückkehrern aus dem Ausland vor.
Das OVG Lüneburg hat dem Eilantrag entsprochen.
Nach Auffassung des Oberverwaltungsgerichts fehlt es bereits an der erforderlichen Ermächtigungsgrundlage für den Erlass einer derartigen Vorschrift. § 32 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) lasse eine Regelung durch Rechtsverordnung nur zu, wenn die Voraussetzungen vorlägen, die für den Erlass einer Einzelmaßnahme nach den §§ 28 bis 31 IfSG erfüllt sein müssten. § 30 IfSG sehe die Verhängung von Quarantänemaßnahmen nur für im Gesetz näher bestimmte Kranke, Krankheitsverdächtige, Ausscheider und Ansteckungsverdächtige vor. Im Hinblick auf die weltweiten Fallzahlen, die in Relation zur Weltbevölkerung zu setzen seien, könne auch bei Berücksichtigung einer hohen Dunkelziffer ein aus dem Ausland Einreisender nicht pauschal als Krankheits- oder Ansteckungsverdächtiger angesehen werden. Voraussetzung sei insoweit nach der Rechtsprechung des BVerwG, dass die Annahme, der Betroffene habe Krankheitserreger aufgenommen, wahrscheinlicher ist als das Gegenteil. Davon könne nicht unterschiedslos hinsichtlich aller Herkunftsregionen ausgegangen werden.
Quelle: Pressemitteilung des OVG Lüneburg Nr. 21/2020 v. 11.05.2020