Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/fristenkontrolle-und-die-ueberwachung-der-rechtsanwaltsfachangestellten-375787
Timestamp: 2020-04-04 02:09:59
Document Index: 213570311

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 85', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Fris­ten­kon­trol­le – und die Über­wa­chung der Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­ten | Rechtslupe
Fristenkontrolle - und die Überwachung der Rechtsanwaltsfachangestellten
Aktu­ell hat­te sich der Bun­des­ge­richts­hof im Rah­men einer Wie­der­ein­set­zungs­ent­schei­dung mit der Über­wa­chungs­pflicht zu befas­sen, die den Rechts­an­walts bei einer voll aus­ge­bil­de­ten Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­ten mit mehr­jäh­ri­ger Berufs­er­fah­rung trifft, die seit nahe­zu sechs Mona­ten in der Rechts­an­walts­kanz­lei tätig ist:
Zwar trägt der Rechts­an­walt die Ver­ant­wor­tung dafür, dass eine ein­wand­freie Rechts­mit­tel­schrift recht­zei­tig bei dem zustän­di­gen Gericht ein­geht 1. Zur Erfül­lung die­ser Pflicht darf der Anwalt aber ein­fa­che Auf­ga­ben einer zuver­läs­si­gen Ange­stell­ten über­tra­gen, ohne dass er die ord­nungs­ge­mä­ße Erle­di­gung im Ein­zel­nen über­wa­chen muss 2. Das gilt nicht nur für all­ge­mei­ne Wei­sun­gen, son­dern auch und erst recht für eine kon­kre­te münd­li­che Wei­sung im Ein­zel­fall 3.
Die Ver­sen­dung der Rechts­mit­tel­schrift per Tele­fax ist eine ein­fa­che Büro­tä­tig­keit, mit der im vor­lie­gen­den Fall eine Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­te mit acht­jäh­ri­ger Berufs­er­fah­rung, die seit nahe­zu sechs Mona­ten bei dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten tätig war, ohne dass ein Anlass bestan­den hät­te, an ihrer Zuver­läs­sig­keit zu zwei­feln, beauf­tragt wer­den durf­te 4. Beson­de­re Umstän­de, die eine beson­de­re Kon­trol­le der Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­ten hät­ten not­wen­dig machen kön­nen, etwa dass sie sich noch in der Pha­se der Ein­ar­bei­tung befun­den hät­te, hat das Beru­fungs­ge­richt nicht fest­ge­stellt.
Da es sich bei der Ange­stell­ten K. um eine aus­ge­bil­de­te Fach­kraft han­delt, lässt sich eine Kon­troll­pflicht des Rechts­an­walts dem Beschluss des BGH vom 11.09.2007 5 nicht ent­neh­men. Dem Fall lag zugrun­de, dass einer Aus­zu­bil­den­den zur Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­ten die Notie­rung und Über­wa­chung von Fris­ten über­tra­gen wor­den ist. Grund­sätz­lich darf nur voll aus­ge­bil­de­tes und sorg­fäl­tig über­wach­tes Per­so­nal hier­mit betraut wer­den, nicht dage­gen eine noch aus­zu­bil­den­de Kraft 6.
Der Rechts­an­walt muss eine eige­ne Kon­trol­le beim Ein­satz von geschul­tem und zuver­läs­si­gem Per­so­nal auch nicht jeden­falls bis zum Ablauf einer sechs­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit durch­füh­ren. Ein sol­ches Erfor­der­nis ergibt sich nicht aus dem Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs vom 13.01.2011 7. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dort viel­mehr für nicht erfor­der­lich erach­tet, dass der Rechts­an­walt nach Ablauf einer bean­stan­dungs­frei­en sechs­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit einer aus­ge­bil­de­ten Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­ten bei der Dele­gie­rung der Frist­be­rech­nung und notie­rung eine eigen­stän­di­ge Kon­trol­le durch­führt. Zu Erfor­der­lich­keit und Umfang einer anwalt­li­chen Kon­trol­le vor Ablauf einer Beschäf­ti­gungs­zeit von sechs Mona­ten sagt der Beschluss nichts. Beson­de­re Anfor­de­run­gen an die not­wen­di­ge Über­wa­chung von Fris­ten sind zwar beim Ein­satz von nur kurz­fris­tig geschul­tem und noch nicht wäh­rend eines län­ge­ren Zeit­raums erprob­tem Büro­per­so­nal zu stel­len 8. Doch traf dies für die Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­te im vor­lie­gen­den Fall nach den Anga­ben in den eides­statt­li­chen Ver­si­che­run­gen nicht zu.
Dem Rechts­an­walt war vor­lie­gend auch kein Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den vor­zu­wer­fen, das sich der Klä­ger nach § 85 Abs. 2 ZPO zurech­nen las­sen müss­te. Nach dem Inhalt der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung des Klä­gers und der Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­ten K. hat der Anwalt hin­rei­chen­de orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen getrof­fen, dass Fris­ten im Fris­ten­ka­len­der erst dann gestri­chen wer­den, wenn die frist­wah­ren­de Hand­lung auch tat­säch­lich erfolgt oder jeden­falls soweit gedie­hen ist, dass von einer frist­ge­rech­ten Vor­nah­me aus­zu­ge­hen ist. Er hat die Aus­gangs­kon­trol­le bei der Über­mitt­lung frist­wah­ren­der Schrift­sät­ze per Tele­fax orga­ni­sa­to­risch durch die Anwei­sung prä­zi­siert, dass der damit befass­te Mit­ar­bei­ter, bevor die ent­spre­chen­de Frist gestri­chen wird, einen Ein­zel­nach­weis über den Sen­de­vor­gang aus­druckt und prüft, ob die­ser eine ord­nungs­ge­mä­ße Über­mitt­lung anzeigt 9. Auch hat der Rechts­an­walt des Klä­gers die Zuver­läs­sig­keit sei­nes Per­so­nals in der Behand­lung von Frist­sa­chen gemäß sei­ner eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung stich­pro­ben­ar­tig über­wacht. Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de Über­wa­chung ist nicht gefor­dert, wenn der Anwalt von der Zuver­läs­sig­keit der Mit­ar­bei­te­rin aus­ge­hen durf­te.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. März 2014 – VI ZB 45/​13
vgl. BGH, Beschluss vom 10.02.1982 – VIII ZB 76/​81, VersR 1982, 471[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 11.02.2003 – VI ZB 38/​02, VersR 2003, 1462; BGH, Beschlüs­se vom 10.02.1982 – VIII ZB 76/​81, aaO sowie vom 04.11.1981 – VIII ZB 59/​81 und – VIII ZB 60/​81, VersR 1982, 190[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 29.04.1994 – V ZR 62/​93, VersR 1994, 1494; Beschluss vom 03.09.1998 – IX ZB 46/​98, VersR 1999, 1170, 1171[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 27.02.2002 – I ZB 23/​01, NJW-RR 2002, 1070, 1071; vom 06.12 1995 – VIII ZR 12/​95, VersR 1996, 910, 911; und vom 14.07.1994 – VII ZB 7/​94, VersR 1995, 238, 239[↩]
BGH, Beschluss vom 11.09.2007 – XII ZB 109/​04, NJW 2007, 3497, 3498[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 11.09.2007 – XII ZB 109/​04, aaO[↩]
BGH, Beschluss vom 13.01.2011 – VI ZB 95/​08, NJW 2011, 1080[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 17.02.2009 – VI ZB 75/​08, Scha­den-Pra­xis 2010, 30; BGH, Urteil vom 23.09.1977 – V ZR 39/​77, VersR 1978, 139[↩]
vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 10.09.2013 – VI ZB 61/​12, MDR 2013, 1303; BGH, Beschluss vom 23.10.2003 – V ZB 28/​03, NJW 2004, 367, 368; vom 09.02.1995 – V ZB 26/​94, VersR 1995, 1073, 1074[↩]
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