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Timestamp: 2020-07-07 13:40:59
Document Index: 161418095

Matched Legal Cases: ['Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 26', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 5', 'Art. 26', 'Art. 61', 'Art. 27', 'Art. 67', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 5', 'Art. 3', 'Art. 27', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 2', 'Art. 267', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 6', 'Art. 8', 'Art. 9', 'Art. 10', 'EuG', 'Art. 27', 'EuG', 'EuG', 'Art. 27']

Fleischhygienegebühren | Rechtslupe
Fleisch­hy­gie­ne­ge­büh­ren
Die gemäß Art. 27 Abs. 4 VO (EG) Nr. 882/​2004 zum Zwe­cke von amt­li­chen Fleisch­hy­gie­nekon­trol­len erho­be­nen Gebüh­ren dür­fen im Wege der Vor­aus­kal­ku­la­ti­on („ex ante“) ermit­telt wer­den.
Bei der Berech­nung von Gebüh­ren für amt­li­che Kon­trol­len nach Art. 27 Abs. 2, Abs. 4 i.V.m. Anhang VI VO (EG) Nr. 882/​2004 sind all­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­per­so­nal- und ‑sach­kos­ten berück­sich­ti­gungs­fä­hig, die im Zusam­men­hang mit der amt­li­chen Über­wa­chung anfal­len [1].
Ein Ver­stoß des Mit­glied­staa­tes gegen die Pflicht zur Ver­öf­fent­li­chung und Mit­tei­lung der Metho­de für die Berech­nung der Gebüh­ren nach Art. 27 Abs. 12 Satz 1 VO (EG) Nr. 882/​2004 führt nicht zur Rechts­wid­rig­keit der Gebüh­ren­fest­set­zung gegen­über dem ein­zel­nen Gebüh­ren­schuld­ner.
Ein­schlä­gig ist im vor­lie­gend vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall die Ver­ord­nung (EG) Nr. 882/​2004 vom 29.04.2004 über amt­li­che Kon­trol­len zur Über­prü­fung der Ein­hal­tung des Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­rechts sowie der Bestim­mun­gen über Tier­ge­sund­heit und Tier­schutz [2] i.d.F. der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1791/​2006 vom 20.11.2006 [3]. Art. 26 ff. der Ver­ord­nung regeln die Finan­zie­rung der amt­li­chen Kon­trol­len. Zu den Kon­trol­len im Sin­ne der Ver­ord­nung gehö­ren unter ande­rem Fleisch­hy­gie­neun­ter­su­chun­gen in Schlacht­be­trie­ben (vgl. Art. 2 Satz 2 Nr. 1, Anhang IV Abschnitt A Nr. 1 VO (EG) Nr. 882/​2004 i.V.m. Art. 1 und Anhang A Kap. I RL 85/​73/​EWG; Art. 5 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 854/​2004 vom 29.04.2004 mit beson­de­ren Ver­fah­rens­vor­schrif­ten für die amt­li­che Über­wa­chung von zum mensch­li­chen Ver­zehr bestimm­ten Erzeug­nis­sen tie­ri­schen Ursprungs [4]). Art. 26 ff. VO (EG) Nr. 882/​2004 erset­zen die Richt­li­nie 85/​73/​EWG vom 29.01.1985 über die Finan­zie­rung der vete­ri­när- und hygie­ne­recht­li­chen Kon­trol­len nach den Richt­li­ni­en 89/​662/​EWG, 90/​425/​EWG, 90/​675/​EWG und 91/​496/​EWG [5], die mit Wir­kung vom 01.01.2008 auf­ge­ho­ben wur­de (Art. 61 Abs. 1 Satz 2 VO (EG) Nr. 882/​2004)). Sie gilt ab dem 1.01.2006 mit Aus­nah­me der Art. 27 und 28, die ab dem 1.01.2007 anwend­bar sind (Art. 67 VO (EG) Nr. 882/​2004). Danach unter­liegt die Gebüh­ren­er­he­bung für die im Novem­ber 2007 im Betrieb der Klä­ge­rin durch­ge­führ­ten amt­li­chen Kon­trol­len dem sach­li­chen und zeit­li­chen Anwen­dungs­be­reich des Art. 27 VO (EG) Nr. 882/​2004.
In Über­ein­stim­mung mit Art. 27 Abs. 4 VO (EG) Nr. 882/​2004 durf­ten in die der Gebüh­ren­sat­zung zugrun­de­lie­gen­de Kal­ku­la­ti­on all­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­per­so­nal- und ‑sach­kos­ten ein­ge­stellt wer­den.
Art. 27 Abs. 2 VO (EG) Nr. 882/​2004 ver­pflich­tet die Mit­glied­staa­ten, Gebüh­ren zur Deckung der Kos­ten zu erhe­ben, die durch amt­li­che fleisch­hy­gie­ne­recht­li­che Kon­trol­len ent­ste­hen. Gemäß Art. 27 Abs. 4 VO (EG) Nr. 882/​2004 dür­fen die Gebüh­ren nicht höher sein als die von den zustän­di­gen Behör­den getra­ge­nen Kos­ten in Bezug auf die Aus­ga­ben gemäß Anhang VI; sie kön­nen auf der Grund­la­ge der von den zustän­di­gen Behör­den wäh­rend eines bestimm­ten Zeit­raums getra­ge­nen Kos­ten als Pau­scha­le fest­ge­setzt wer­den oder gege­be­nen­falls den in Anhang IV Abschnitt B bzw. Anhang V Abschnitt B fest­ge­leg­ten (Mindest-)Beträgen ent­spre­chen. Nach Anhang VI sind bei der Berech­nung der Gebüh­ren zu berück­sich­ti­gen:
Löh­ne und Gehäl­ter des für die amt­li­chen Kon­trol­len ein­ge­setz­ten Per­so­nals,
Kos­ten für das für die amt­li­chen Kon­trol­len ein­ge­setz­te Per­so­nal, ein­schließ­lich der Kos­ten für Anla­gen, Hilfs­mit­tel, Aus­rüs­tung und Schu­lung sowie der Rei­se- und Neben­kos­ten und
Kos­ten für Pro­benah­me und Labor­un­ter­su­chung.
In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist geklärt, dass zu den berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Kos­ten im Sin­ne von Art. 27 Abs. 4 i.V.m. Anhang VI VO (EG) Nr. 882/​2004 auch all­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­per­so­nal- und ‑sach­kos­ten gehö­ren, wenn und soweit sie der zustän­di­gen Behör­de im Zusam­men­hang mit der Durch­füh­rung der amt­li­chen Kon­trol­len ent­ste­hen [6]. Anhang VI knüpft an den Kos­ten­maß­stab des Art. 5 Abs. 1 RL 85/​73/​EWG an. Es ist nicht ersicht­lich, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber von den bis­he­ri­gen Grund­sät­zen abwei­chen woll­te und nur noch sol­che Kos­ten umla­ge­fä­hig sein soll­ten, die für das bei den amt­li­chen Kon­trol­len ein­ge­setz­te Unter­su­chungs­per­so­nal (Tier­ärz­te und Fach­as­sis­ten­ten) anfal­len. Gegen die­se Aus­le­gung spricht nament­lich, dass Aus­ga­ben für ver­wal­tungs­mä­ßi­ge Auf­ga­ben ansatz­fä­hig wären, wenn die Ver­wal­tungs­tä­tig­keit vom Unter­su­chungs­per­so­nal selbst wahr­ge­nom­men wür­de, wäh­rend die­se Kos­ten unbe­rück­sich­tigt blei­ben müss­ten, wenn dafür Ver­wal­tungs­per­so­nal ein­ge­setzt wür­de. Es liegt auf der Hand, dass ein sol­ches Ergeb­nis wider­sin­nig ist und das Ziel der Ver­ord­nung kon­ter­ka­riert, zur Gewähr­leis­tung effek­ti­ver Kon­trol­len eine kos­ten­de­cken­de Finan­zie­rung sicher­zu­stel­len. Der Ansatz all­ge­mei­ner Ver­wal­tungs­kos­ten steht auch weder im Wider­spruch zum Wort­laut des Anhangs VI VO (EG) Nr. 882/​2004 noch dazu, dass Art und Umfang der amt­li­chen Kon­trol­len nach Art. 3 Abs. 1 und Art. 27 Abs. 5 Buchst. a VO (EG) Nr. 882/​2004, Art. 4 Abs. 9 und Art. 5 Nr. 5 Buchst. b VO (EG) Nr. 854/​2004 von einer behörd­li­chen Risi­ko­be­wer­tung des betrof­fe­nen Unter­neh­mens abhän­gen [7].
Die hier­an geäu­ßer­te Kri­tik [8] gibt kei­ne Ver­an­las­sung zu einer Ände­rung der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts. Sie ver­mag ins­be­son­de­re nicht zu ent­kräf­ten, dass der Zweck der Gebüh­ren­er­he­bung, wie gezeigt, klar für eine Berück­sich­ti­gungs­fä­hig­keit all­ge­mei­ner Ver­wal­tungs­per­so­nal- und ‑sach­kos­ten strei­tet. Nicht über­zeu­gend sind auch die Schluss­fol­ge­run­gen, die die Klä­ge­rin aus dem Ver­gleich des Per­so­nal­be­griffs in Anhang VI mit Begriff­lich­kei­ten in ande­ren Vor­schrif­ten der Ver­ord­nung (EG) Nr. 882/​2004 ("Per­so­nal der zustän­di­gen Behör­de"; "Kon­troll­per­so­nal"; "Per­so­nal für die Durch­füh­rung amt­li­cher Kon­trol­len") zie­hen will. Hät­te der Ver­ord­nungs­ge­ber bezweckt, das Ver­wal­tungs­per­so­nal aus dem Kos­ten­maß­stab in Anhang VI aus­zu­klam­mern, hät­te es nahe­ge­le­gen, dies durch eine ent­spre­chen­de For­mu­lie­rung klar zu stel­len. Im Übri­gen spricht der Umstand, dass mit dem Begriff der amt­li­chen Kon­trol­le nach Art. 2 Satz 2 Nr. 1 VO (EG) Nr. 882/​2004 alle Tätig­kei­ten gemeint sind, die im Zusam­men­hang mit den Kon­troll­auf­ga­ben anfal­len [9], gera­de für eine wei­te Aus­le­gung des Per­so­nal­be­griffs in Anhang VI. Schließ­lich besteht auch nicht die von der Klä­ge­rin besorg­te Gefahr einer will­kür­li­chen Gebüh­ren­be­mes­sung. Die Behör­de darf all­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­per­so­nal- und ‑sach­aus­ga­ben nur inso­weit berück­sich­ti­gen, als sie durch die amt­li­chen Kon­trol­len antei­lig ent­ste­hen, das heißt ihnen zuge­rech­net wer­den kön­nen. Ob die behörd­li­che Gebüh­ren­be­rech­nung (Kal­ku­la­ti­on) dem ent­spricht, ist eine Fra­ge des Ein­zel­falls und im Streit­fall von den Tat­sa­chen­ge­rich­ten zu über­prü­fen. Dabei obliegt es der Behör­de, die in die Berech­nung ein­ge­stell­ten Kos­ten­po­si­tio­nen nach Art und Höhe plau­si­bel zu machen.
Der von der Klä­ge­rin ange­reg­ten Ein­ho­lung einer Vor­ab­ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs nach Art. 267 Abs. 3 AEUV bedarf es nicht. An der Umla­ge­fä­hig­keit all­ge­mei­ner Ver­wal­tungs­kos­ten bestehen – wie gezeigt – kei­ne ver­nünf­ti­gen Zwei­fel ("acte clair") [10].
Die Annah­me, dass die Gebüh­ren auf der Grund­la­ge einer Vor­aus­kal­ku­la­ti­on der zu decken­den Kos­ten erho­ben wer­den dür­fen, ist aus Sicht des Uni­ons­rechts eben­falls nicht zu bean­stan­den.
In Bezug auf die Gebühr nach Anhang A Kap. I Nr. 4 RL 85/​73/​EWG i.d.F. der Richt­li­nie 96/​43/​EG vom 26.06.1996 [11] hat der Senat bereits wie­der­holt ent­schie­den, dass deren Höhe auf der Basis im Vor­hin­ein kal­ku­lier­ter Kos­ten ermit­telt wer­den durf­te und es nicht etwa einer nach­träg­li­chen Kos­ten­ab­rech­nung jedes Ein­zel­falls bedurf­te [12]. Das wird bestä­tigt durch die Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs, der sich kei­ne Anhalts­punk­te für eine Unzu­läs­sig­keit der Gebüh­ren­vor­aus­kal­ku­la­ti­on ent­neh­men las­sen [13].
Für die Gebüh­ren­er­he­bung nach Art. 27 Abs. 4 VO (EG) Nr. 882/​2004 kann nichts Ande­res gel­ten. Wie die Vor­gän­ger­re­ge­lung der Richt­li­nie 85/​73/​EWG schließt Art. 27 VO (EG) Nr. 882/​2004 eine Fest­set­zung von Gebüh­ren­sät­zen, die auf einer Kal­ku­la­ti­on "ex ante" beruht, nicht aus. Das Uni­ons­recht macht den Mit­glied­staa­ten in die­ser Hin­sicht kei­ne Vor­ga­ben. Soweit Art. 27 Abs. 4 Buchst. b bestimmt, dass die Gebüh­ren "auf der Grund­la­ge der von den zustän­di­gen Behör­den wäh­rend eines bestimm­ten Zeit­raums getra­ge­nen Kos­ten" fest­ge­setzt wer­den kön­nen, lässt sich dar­aus kein Ver­bot der Vor­aus­kal­ku­la­ti­on der Gebüh­ren ablei­ten. Die For­mu­lie­rung knüpft an den Grund­satz der Kos­ten­de­ckung an (Art. 27 Abs. 1 und Erwä­gungs­grund 32 VO (EG) Nr. 882/​2004) und besagt nicht mehr, als dass sich die Gebühr an den Kos­ten aus­zu­rich­ten hat und es des­halb sach­ge­recht ist, die Gebüh­ren für den zukünf­ti­gen Erhe­bungs­zeit­raum anhand der fest­ste­hen­den Kos­ten der abge­schlos­se­nen Erhe­bungs­pe­ri­ode zu kal­ku­lie­ren. Dem Kos­ten­de­ckungs­grund­satz ent­spricht des Wei­te­ren, abseh­ba­re Kos­ten­stei­ge­run­gen oder ‑sen­kun­gen bei der Kal­ku­la­ti­on zu berück­sich­ti­gen.
Ist die uni­ons­recht­li­che Zuläs­sig­keit der Gebüh­ren­vor­aus­kal­ku­la­ti­on hier­nach nicht zwei­fel­haft, ist eine Vor­la­ge an den Euro­päi­schen Gerichts­hof nicht erfor­der­lich. Das­sel­be gilt für die Fra­ge zu dem Zeit­raum, auf den Art. 27 Abs. 4 Buchst. b VO (EG) Nr. 882/​2004 abstellt. Es ist offen­kun­dig, dass die Zeit­span­ne von zwölf Mona­ten, die der Beklag­te sei­ner Kal­ku­la­ti­on zugrun­de gelegt hat, uni­ons­rechts­kon­form ist. Der Ver­ord­nungs­ge­ber lässt den Mit­glied­staa­ten auch bei der Bestim­mung der geeig­ne­ten Kal­ku­la­ti­ons­pe­ri­ode zur Ermitt­lung der anfal­len­den Kos­ten freie Hand. Die Klä­ge­rin zeigt nicht ansatz­wei­se auf, dass der Zeit­raum eines Kalen­der­jah­res sach­wid­rig und des­halb von Art. 27 Abs. 4 VO (EG) Nr. 882/​2004 nicht mehr gedeckt sein könn­te.
Schließ­lich ist der ange­foch­te­ne Gebüh­ren­be­scheid nicht des­halb rechts­wid­rig, weil die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gegen die Ver­öf­fent­li­chungs- und Mit­tei­lungs­pflich­ten nach Art. 27 Abs. 12 Satz 1 VO (EG) Nr. 882/​2004 ver­sto­ßen hat.
Gemäß Art. 27 Abs. 12 VO (EG) Nr. 882/​2004 ver­öf­fent­li­chen die Mit­glied­staa­ten die Metho­de für die Berech­nung der Gebüh­ren und geben sie der Kom­mis­si­on bekannt (Satz 1). Die Kom­mis­si­on prüft, ob die Gebüh­ren den Anfor­de­run­gen der Ver­ord­nung ent­spre­chen (Satz 2). Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat Beden­ken, ob die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land der Ver­öf­fent­li­chungs- und Noti­fi­ka­ti­ons­pflicht hin­rei­chend nach­ge­kom­men ist. Es meint, die Publi­ka­ti­on der Gebüh­ren­sat­zung ohne die zugrun­de lie­gen­de Gebüh­ren­kal­ku­la­ti­on genü­ge nicht, weil sich anhand der Sat­zung nicht beur­tei­len las­se, ob die Vor­ga­ben des Art. 27 Abs. 4 i.V.m. Anhang VI VO (EG) Nr. 882/​2004 ein­ge­hal­ten sei­en. Eben­so wenig lie­ßen sich dem Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Ver­brau­cher­schutz vom 04.04.2008, mit dem der Kom­mis­si­on das Ergeb­nis einer Län­der­ab­fra­ge zur Metho­de der Gebüh­ren­be­rech­nung über­mit­telt wor­den sei, die erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen ent­neh­men; die Aus­sa­gen zur Gebüh­ren­er­he­bung in Nord­rhein-West­fa­len sei­en sehr all­ge­mein. Aller­dings ver­langt Art. 27 Abs. 12 Satz 1 VO (EG) Nr. 882/​2004 nicht die Bekannt­ga­be der kon­kre­ten Berech­nungs­grund­la­gen, son­dern beschränkt sich auf die Mit­tei­lung der Berech­nungs­me­tho­de. Zudem dürf­te es einen unver­hält­nis­mä­ßi­gen Auf­wand bedeu­ten, eine Viel­zahl ein­zel­ner Gebüh­ren­kal­ku­la­tio­nen zur Über­prü­fung zu stel­len. Auch wäre zu erwar­ten gewe­sen, dass die Kom­mis­si­on das Noti­fi­zie­rungs­schrei­ben vom 04.04.2008 als unge­nü­gend bean­stan­det, wenn sie die Anga­ben als nicht aus­rei­chend beur­teilt hät­te.
Die Fra­ge nach den Anfor­de­run­gen an die Ver­öf­fent­li­chungs- und Mit­tei­lungs­pflicht bedarf jedoch kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung. Selbst wenn von einem Ver­stoß gegen Art. 27 Abs. 12 Satz 1 VO (EG) Nr. 882/​2004 aus­zu­ge­hen sein soll­te, führt das nicht zur Rechts­wid­rig­keit der ange­grif­fe­nen Gebüh­ren­er­he­bung. Art. 27 Abs. 12 VO (EG) Nr. 882/​2004 betrifft aus­schließ­lich das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen Mit­glied­staat und Kom­mis­si­on und begrün­det kei­ne Rech­te des ein­zel­nen Gebüh­ren­schuld­ners. Das zeigt schon der Ver­gleich mit Art. 27 Abs. 6 VO (EG) Nr. 882/​2004. Dar­in wird für die Zuläs­sig­keit von nied­ri­ge­ren Gebüh­ren als den nach Anhang IV Abschnitt B und Anhang V Abschnitt B fest­ge­setz­ten Min­dest­be­trä­gen aus­drück­lich vor­aus­ge­setzt, dass der Mit­glied­staat der Kom­mis­si­on einen Bericht über­mit­telt, der über die Metho­de für die Berech­nung der redu­zier­ten Gebühr Aus­kunft gibt. Ver­gleich­ba­res sieht Art. 27 Abs. 4 VO (EG) Nr. 882/​2004 nicht vor.
Die Fol­gen­lo­sig­keit eines Ver­sto­ßes gegen Art. 27 Abs. 12 Satz 1 VO (EG) Nr. 882/​2004 für die Recht­mä­ßig­keit des Gebüh­ren­be­schei­des ergibt sich dar­über hin­aus aus der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs zur Ver­let­zung von Noti­fi­zie­rungs­pflich­ten. Die Nicht­ein­hal­tung einer den Mit­glied­staa­ten oblie­gen­den Ver­pflich­tung zur Unter­rich­tung der Kom­mis­si­on führt nur dann zur Rechts­wid­rig­keit oder Ungül­tig­keit einer natio­na­len Maß­nah­me, wenn der in Rede ste­hen­den uni­ons­recht­li­chen Vor­schrift die­se Rechts­fol­ge zu ent­neh­men ist. Das setzt vor­aus, dass die Wirk­sam­keit der inner­staat­li­chen Rege­lung vom Ein­ver­ständ­nis oder dem feh­len­den Wider­spruch der Kom­mis­si­on abhän­gig gemacht wird [14]. Hin­ge­gen zieht die Ver­let­zung der Noti­fi­zie­rungs­pflicht nicht die Rechts­wid­rig­keit der natio­na­len Maß­nah­me nach sich, wenn die Mit­tei­lungs­pflicht allein den Zweck hat, die Kom­mis­si­on zu infor­mie­ren und ihr die Prü­fung zu ermög­li­chen, ob das Uni­ons­recht ein­ge­hal­ten wird [15]. So liegt der Fall hier. Wie Art. 27 Abs. 12 Satz 2 VO (EG) Nr. 882/​2004 deut­lich macht, dient die Mit­tei­lungs­pflicht nach Satz 1 allein dazu, dass die Kom­mis­si­on die natio­na­len Gebüh­ren auf ihre Ver­ein­bar­keit mit den Anfor­de­run­gen der Ver­ord­nung über­prü­fen kann. Die Gebüh­ren­er­he­bung ist nicht an das Ein­ver­ständ­nis oder den feh­len­den Wider­spruch der Kom­mis­si­on geknüpft.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 25. April 2013 – 3 C 1.12
Bestä­ti­gung von BVerwG, Urteil vom 26.04.2012 – 3 C 20.11, Buch­holz 418.5 Fleisch­be­schau Nr. 31[↩]
ABl Nr. L 165 S. 1, ber. ABl Nr. L 191 S. 1[↩]
ABl Nr. L 363 S. 1[↩]
ABl Nr. L 139 S.206[↩]
ABl Nr. L 32 S. 14, zuletzt geän­dert durch die Richt­li­nie 97/​79/​EG vom 18.12.1997, ABl Nr. L 24 S. 31[↩]
BVerwG, Urteil vom 26.04.2012 – 3 C 20.11, Buch­holz 418.5 Fleisch­be­schau Nr. 31[↩]
vgl. im Ein­zel­nen BVerwG, Urteil vom 26.04.2012 a.a.O. Rn. 18 ff.[↩]
Zeitzmann/​Gräsel, LMuR 2012, 220 und LMuR 2013, 41[↩]
vgl. Art. 6 Buchst. a und Art. 8 Abs. 1 i.V.m. Anhang II Kap. I und Kap. II, Art. 9, Art. 10 VO (EG) Nr. 882/​2004[↩]
EuGH, Urteil vom 06.10.1982 – C-283/​81, Cil­fit u.a., Slg. 1982, 3415 Rn. 16; BVerwG, Urteil vom 26.04.2012 a.a.O. Rn. 32[↩]
ABl Nr. L 162 S. 1[↩]
BVerwG, Beschlüs­se vom 21.12.2010 – 3 B 64.10; und vom 31.08.2012 – 3 B 26.12; Urteil vom 20.12.2007 – 3 C 50.06, Buch­holz 418.5 Fleisch­be­schau Nr. 27 Rn. 28[↩]
vgl. z.B. Urtei­le vom 19.03.2009 – C‑270/​07 und C‑309/​07, Slg. 2009, I‑1983 und I‑2077; und vom 09.09.1999 – C‑374/​97, Slg. 1999, I‑5153, jeweils zur Richt­li­nie 85/​73/​EWG; Urteil vom 07.07.2011 – C‑523/​09 – LMuR 2011, 100 – zu Art. 27 VO (EG) Nr. 882/​2004[↩]
EuGH, Urteil vom 21.07.2011 – C‑2/​10, Azi­en­da Agro-Zoo­tec­ni­ca Fran­chi­ni u.a., Rn. 53 sowie Schluss­an­trä­ge des Gene­ral­an­walts vom 14.04.2011 Rn. 38; Urteil vom 30.04.1996 – C‑194/​94, CIA Secu­ri­ty Inter­na­tio­nal, Slg. 1996, I‑2201 Rn. 49 f.[↩]
EuGH, Urtei­le vom 13.07.1989 – C-380/​87, Eni­chem Base u.a., Slg. 1989, I‑2491 Rn.19 ff., vom 23.05.2000 – C‑209/​98, Syd­hav­nens Sten & Grus, Slg. 2000, I‑3743 Rn. 96 ff. und vom 06.06.2002 – C‑159/​00, Sapod Audic, Slg. 2002, I‑5031 Rn. 58 ff.[↩]
Fleisch­hy­gie­ne­ge­büh­ren Die gemäß Art. 27 Abs. 4 VO (EG) Nr. 882/​2004 zum Zwe­cke von amt­li­chen Fleisch­hy­gie­nekon­trol­len erho­be­nen Gebüh­ren dür­fen im Wege der Vor­aus­kal­ku­la­ti­on („ex ante“) ermit­telt…
Unter­su­chung von Schlacht­ge­flü­gel Die in der nie­der­säch­si­schen Ge­büh­ren­ord­nung für die Ve­te­ri­när­ver­wal­tung (i.d.F. vom 14. Sep­tem­ber 2004) ge­trof­fe­ne Re­ge­lung, für die Un­ter­su­chung von Schlacht­ge­flü­gel „zur De­ckung hö­he­rer Kos­ten eine…
FleischbeschauFleischhygienegebühr