Source: https://www.hensche.de/urteile-und-kommentare-zum-thema-verdachtskuendigung.html
Timestamp: 2019-05-24 01:01:23
Document Index: 378973157

Matched Legal Cases: ['§ 85', '§ 134', 'EGMR', 'EGMR', '§ 91', '§ 307']

Urteile und Kommentare: Verdachtskündigung - HENSCHE Arbeitsrecht
Ur­tei­le und Kom­men­ta­re: Ver­dachts­kün­di­gung
Ur­teil­s­an­mer­kun­gen zum The­ma Ver­dachts­kün­di­gung von 2006 bis heu­te: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht
Un­ser Rechts­an­walts­team kom­men­tiert seit 2001 lau­fend ak­tu­el­le Ur­tei­le und wich­ti­ge Ge­set­zes­än­de­run­gen zum Ar­beits­recht, un­ter an­de­rem zum The­ma Kün­di­gung - Ver­dachts­kün­di­gung.
18/094 LAG Kiel urteilt zu Verdachtskündigung
16.04.2018. Ei­ne An­hö­rungs­frist von zwei Werk­ta­gen vor ei­ner Ver­dachts­kün­di­gung ist zu kurz, wenn der Ar­beit­neh­mer krank und an­walt­lich ver­tre­ten ist, dem An­walt die An­hö­rung aber nicht zu­ge­lei­tet wird: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 13.04.2018, 3 Sa 398/17 (Pres­se­mel­dung des Ge­richts).
18/063 LAG Han­no­ver: Kei­ne Kün­di­gung we­gen des Ver­dachts der Nä­he zum mi­li­tan­ten Is­la­mis­mus
12.03.2018. Kei­ne Kün­di­gung we­gen des Ver­dachts der Zu­ge­hö­rig­keit zum mi­li­tan­ten „Ji­ha­dis­mus" und ei­nes Rei­se­pass-Ent­zugs: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 12.03.2018, 15 Sa 319/16 (Pres­se­mel­dung des Ge­richts).
13.09.2016. Die Ar­beit­neh­mer-Über­wa­chung durch ei­nen De­tek­tiv kann rech­tens sein, um den Ver­dacht ei­ner ver­bo­te­nen Kon­kur­renz­tä­tig­keit auf­zu­klä­ren: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 29.06.2017, 2 AZR 597/16.
23.01.2017. Im Fal­le ei­ner Kün­di­gung durch den Ar­beit­ge­ber kön­nen sich schwer­be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer nur auf ih­re Be­hin­de­rung bzw. auf § 85 SGB IX in Verb. mit § 134 BGB be­ru­fen, wenn sie die­se in­ner­halb von drei Wo­chen und ein bis zwei Ta­gen ge­gen­über dem Ar­beit­ge­ber an­zei­gen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 22.09.2016, 2 AZR 700/15.
14.02.2015. Will der Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­neh­mer vor ei­ner Ver­dachts­kün­di­gung an­hö­ren, muss er ihm das The­ma des Ge­sprächs nicht vor­ab mit­tei­len: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 12.02.2015, 6 AZR 845/13 (Pres­se­mel­dung des Ge­richts).
14/112 Keine Fristlose Kündigung bei Bagatelldelikt
31.03.2014. Frü­her galt vor den Ar­beits­ge­rich­ten die har­te Dau­men­re­gel: Wer klaut, der fliegt (und zwar frist­los). Seit gut drei­ein­halb Jah­ren ist das nicht mehr so, und zwar auf­grund des BAG-Ur­teils vom 10.06.2010, 2 AZR 541/09 ("Em­me­ly"). Wie sehr sich seit der Zeit vor dem Em­me­ly-Ur­teil der Wind mitt­ler­wei­le zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer ge­dreht hat, zeigt ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Schles­wig-Hol­stein: LAG Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 18.12.2013, 6 Sa 203/13.
14/090 Fristlose Kündigung wegen Löschung von Daten
15.03.2014. Wer Da­ten­sät­ze, E-Mail-Ver­kehr, Kun­den­da­ten oder in Pa­pier do­ku­men­tier­te Un­ter­la­gen sei­nes Ar­beit­ge­bers un­be­fugt ver­nich­tet, stiehlt oder trotz Auf­for­de­rung zur Her­aus­ga­be bei sich be­hält, ris­kiert ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Grün­den. Das hat das Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil be­stä­tigt: Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 05.08.2013, 7 Sa 1060/10.
14/088 Erstattung von Detektivkosten auf Verdacht?
14.03.2014. Nach bis­he­ri­ger Recht­spre­chung muss­ten Ar­beit­neh­mer De­tek­tiv­kos­ten nur tra­gen, wenn ih­nen da­durch ein Pflicht­ver­stoß be­wie­sen wer­den konn­te. Nach ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) soll künf­tig ein drin­gen­der Tat­ver­dacht ge­nü­gen: BAG, Ur­teil vom 26.09.2013, 8 AZR 1026/12.
14/065 Anfechtung eines Aufhebungsvertrags wegen Drohung mit Strafanzeige
25.02.2014. Wer als Ar­beit­neh­mer we­gen des Ver­dachts ei­ner straf­ba­ren Hand­lung ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag ab­schließt und die­sen spä­ter we­gen der vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­nen Dro­hung mit ei­ner Straf­an­zei­ge an­ficht, kommt mit der An­fech­tung meist nicht durch. Denn die Dro­hung mit ei­ner Straf­an­zei­ge kann so­gar dann rech­tens sein, wenn der Pflicht­ver­stoß nicht zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers, son­dern zu­las­ten ei­nes Drit­ten ver­übt wor­den sein soll: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Ur­teil vom 25.10.2013, 10 Sa 99/13.
14/053 Ordentliche fristgemäße Verdachtskündigung?
15.02.2014. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass sich Ver­dachts­kün­di­gun­gen auf ei­nen (wahr­schein­li­chen) Pflicht­ver­stoß be­zie­hen müs­sen, der - wenn er be­wie­sen wä­re - ei­nen "wich­ti­gen Grund" für ei­ne au­ßer­or­dent­li­che und frist­lo­se Kün­di­gung dar­stel­len wür­de. Wür­de der (wahr­schein­li­che) Pflicht­ver­stoß da­ge­gen nur ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung recht­fer­ti­gen (wenn er be­weis­bar wä­re), ist ei­ne dar­auf ge­stütz­te or­dent­li­che Ver­dachts­kün­di­gung nicht zu­läs­sig: BAG, Ur­teil vom 21.11.2013, 2 AZR 797/11.
13/359 Kündigung wegen Ehebruchs
04.12.2013. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm hat­te vor kur­zem zu ent­schei­den, ob die ka­tho­li­sche Kir­che als Ar­beit­ge­ber be­rech­tigt ist, ei­nen ver­hei­ra­te­ten Kir­chen­mu­si­ker aus ver­hal­tens­be­ding­ten Grün­den zu kün­di­gen, weil die­ser ein ehe­bre­che­ri­sches Ver­hält­nis mit ei­ner im Kir­chen­chor ak­ti­ven, eben­falls ver­hei­ra­te­ten Frau hat. Seit dem Ur­teil des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te (EGMR) vom 23.09.2010, Be­schwer­de Nr. 1620/03 (Schüth) ist die Zu­läs­sig­keit von Kün­di­gun­gen mit ei­nem sol­chen Hin­ter­grund schwer zu be­ur­tei­len, weil der EGMR in die­sem Ver­fah­ren dem be­trof­fe­nen Mu­si­ker Recht ge­ge­ben hat. Ent­spre­chend um­fang­reich ist die Ur­teils­be­grün­dung des LAG aus­ge­fal­len: LAG Hamm, Ur­teil vom 14.06.2013, 10 Sa 18/13.
13/323 Fristlose Kündigung wegen Wettbewerbs
07.11.2013. In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung muss­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düs­sel­dorf be­ur­tei­len, ob die frist­lo­se Kün­di­gung ei­nes Be­triebs­rats­mit­glieds aus ver­hal­tens­be­ding­ten Grün­den we­gen ei­ner ge­ring­fü­gi­gen Rei­ni­gungs­tä­tig­keit für ein Kon­kur­renz­un­ter­neh­men des Ar­beit­ge­bers zu­läs­sig wä­re. Da der Ar­beit­ge­ber selbst ei­ne Rei­ni­gungs­fir­ma war, war er über die­sen Ne­ben­job nicht amü­siert: LAG Düs­sel­dorf, Be­schluss vom 04.09.2013, 4 TaBV 15/13.
13/304 Begründung einer Verdachtskündigung mit nachträglich bekannt gewordenen Verdachtsmomenten
23.10.2013. In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass ei­ne er­neu­te for­mel­le An­hö­rung des Ar­beit­neh­mers nicht er­for­der­lich ist, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­ne Ver­dachts­kün­di­gung be­reits aus­ge­spro­chen hat und sich vor Ge­richt auf Ver­dachts­mo­men­te stützt, die zum Kün­di­gungs­zeit­punkt zwar vor­la­gen, ihm da­mals aber noch nicht be­kannt wa­ren: BAG, Ur­teil vom 23.05.2013, 2 AZR 102/12.
13/229 Fristlose Kündigung wegen Arbeit trotz Krankschreibung
09.08.2013. Kör­per­lich an­stren­gen­de Ar­bei­ten wäh­rend ei­ner Krank­schrei­bung, z.B. auf dem Bau, sind meist ein An­zei­chen da­für, dass ent­we­der die Krank­schrei­bung un­rich­tig war oder sich der Ar­beit­neh­mer nicht "ge­ne­sungs­för­der­lich" ver­hal­ten hat. Das kann ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung zur Fol­ge ha­ben: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 11.07.2013, 10 Sa 100/13.
13/004 Beweislast bei fristloser Kündigung
07.01.2012. Bei ei­ner frist­lo­sen, ver­hal­tens­be­ding­ten Kün­di­gung muss der Ar­beit­ge­ber dar­le­gen und be­wei­sen, dass er für sie ei­nen "wich­ti­gen Grund" hat­te. Trägt der Ar­beit­neh­mer im Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­ren Recht­fer­ti­gungs­grün­de für sein Ver­hal­ten vor, muss der Ar­beit­ge­ber sie wi­der­le­gen. Ge­lingt ihm das nicht, ist die Kün­di­gung un­wirk­sam: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 22.03.2012, 10 Sa 625/11.
08.08.2012. Ei­ne Ver­dachts­kün­di­gung kann un­ter an­de­rem auf den Ver­dacht ei­nes Ar­beits­zeit­be­tru­ges ge­stützt wer­den. Zu­vor muss der Ar­beit­ge­ber aber den Sach­ver­halt auf­klä­ren und den den ver­däch­tig­ten Ar­beit­neh­mer zu den Ver­dachts­mo­men­ten an­hö­ren. Bei der Ein­la­dung zum An­hö­rungs­ge­spräch wie­der­um muss der Ver­dacht bzw. Vor­wurf be­nannt wer­den und der Ar­beit­neh­mer muss die Mög­lich­keit ha­ben, ei­nen Rechts­an­walt oder Be­triebs­rat als Bei­stand hin­zu­zie­hen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 30.03.2012, 10 Sa 2272/11.
02.04.2012. Ei­ne wis­sent­lich un­be­rech­tig­te oder je­den­falls leicht­fer­tig fal­sche Straf­an­zei­ge ge­gen Vor­ge­setz­te und Kol­le­gen kann ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung zur Fol­ge ha­ben: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 26.10.2011, 8 Sa 1554/10.
19.03.2012. Dieb­stahls­ver­dacht - Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg seg­net die frist­lo­se Ver­dachts­kün­di­gung ei­nes Fi­li­al­lei­ters im Ein­zel­han­del we­gen drin­gen­den Dieb­stahls­ver­dachts ab: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 10.02.2012, 6 Sa 1845/11.
15.02.2012. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat in ei­nem ak­tu­el­len Fall die au­ßer­or­dent­li­che Ver­dachts­kün­di­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers der Ber­li­ner Ver­kehrs­be­trie­be (BVG) für rechts­wirk­sam er­klärt. Der ge­kün­dig­te Ar­beit­neh­mer stand in dem Ver­dacht, un­be­fugt Fahr­schei­ne her­zu­stel­len und zu ver­trei­ben: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 08.02.2012, 24 Sa 1800/11.
06.02.2012. Plant ein Ar­beit­ge­ber ei­ne Kün­di­gung we­gen Dieb­stahls oder Dieb­stahls­ver­dachts, muss er den Be­triebs­rat im Rah­men der Be­triebs­rats­an­hö­rung auch über den bis­he­ri­gen Ver­lauf des Ar­beits­ver­hält­nis­ses und die von ihm vor­ge­nom­me­ne In­ter­es­sen­ab­wä­gung un­ter­rich­ten. Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein. Ur­teil vom 10.01.2012, 2 Sa 305/11.
20.01.2012. Wer ei­nem Kun­den für ei­nen ver­ein­nahm­te Geld­be­trag kei­ne Quit­tung aus­stellt, setzt sich da­mit al­lein noch nicht dem drin­gen­den Ver­dacht der Un­ter­schla­gung des ver­ein­nahm­te Geld­be­trags aus. Ei­ne Ver­dachts­kün­di­gung ist auf ei­ner sol­chen dürf­ti­gen Grund­la­ge nicht mög­lich: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 17.01.2012, 17 Sa 252/11 -Pres­se­mit­tei­lung vom 17.01.2012.
13.01.2012. Auch das Ver­hal­ten nach der Tat kann für die Wirk­sam­keit der frist­lo­sen Kün­di­gung wich­tig sein: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 01.12.2011, 2 Sa 2015/11 und 2 Sa 2300/11.
11/038 LAG Hamm: Außerordentliche Verdachtskündigung wegen Straftat
23.02.2011. Ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung ist nicht nur mög­lich, wenn der Ar­beit­neh­mer zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers nach­weis­bar ei­ne Straf­tat be­gan­gen hat, son­dern auch dann, wenn hier­für nur ein drin­gen­der Ver­dacht be­steht. Ob­wohl die An­for­de­run­gen an ei­ne sol­che "Ver­dachts­kün­di­gung" stren­ger sind als an ei­ne "Tat­kün­di­gung", kann sie aus Ar­beit­ge­ber­sicht vor­zu­zie­hen sein, weil die Be­weis­la­ge meist nicht völ­lig ein­deu­tig ist. Ein Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm zeigt al­ler­dings, dass der Über­gang zwi­schen Tat­ver­dacht und Tat­nach­weis flie­ßend ist: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Ur­teil vom 26.08.2010, 17 Sa 537/10.
10/226 Anhörung des Betriebsrats vor Verdachtskündigung
18.11.2010. Nürn­ber­ger Ar­beits­rich­ter zum The­ma An­hö­rung des Per­so­nal­rats zu Ver­dachts­kün­di­gung: Ar­beit­ge­ber müs­sen den Per­so­nal­rat vor ei­ner Ver­dachts­kün­di­gung um­fas­send in­for­mie­ren. Die bei der An­hö­rung vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen dür­fen nicht be­wusst ir­re­füh­rend oder ein­sei­tig aus­ge­wählt sein: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg, Ur­teil vom 22.06.2010, 5 Sa 820/08.
10/153 Kündigung wegen angeblichem Spesenbetrug
09.08.2010. Kün­di­gun­gen we­gen Ba­ga­tell­de­lik­ten kön­nen als nach ei­ner An­hö­rung als Ver­dachts­kün­di­gung oder als Tat­kün­di­gung aus­ge­spro­chen wer­den. Ar­beit­ge­ber nei­gen da­zu, vor­schnell zu die­sen ar­beits­recht­li­chen Maß­nah­men zu grei­fen und über­se­hen da­bei häu­fig, dass ein of­fe­nes Wort kon­struk­ti­ver und kos­ten­spa­ren­der sein könn­te als ein ver­lo­re­ner Kün­di­gungs­schutz­pro­zess: Ar­beits­ge­richt Cott­bus, Ur­teil vom 27.01.2010, 7 Ca 868/09
10/077 Datenschutz in Betriebsvereinbarung: Verstoß kann Kündigung unwirksam machen
21.04.2010. Nach ei­ner Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg kann ein Ver­stoß des Ar­beit­ge­bers ge­gen da­ten­schutz­recht­li­che Re­ge­lun­gen in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung dann zur Un­wirk­sam­keit ei­ner Kün­di­gung füh­ren, die auf un­ter Ver­stoß ge­gen die Be­triebs­ver­ein­ba­rung er­lang­ten Tat­sa­chen be­ruht, wenn die Un­wirk­sam­keit "per­so­nel­ler Maß­nah­men" bei ei­nem Ver­stoß in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung aus­drück­lich ge­re­gelt ist. LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 09.12.2009, 15 Sa 1463/09
09/133 Emmely darf ein Revisionsverfahren durchführen.
29.07.2009. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de der Ber­li­ner Kai­ser´s-Kas­sie­re­rin Bar­ba­ra Em­me ("Em­me­ly"), der in­fol­ge der Un­ter­schla­gung zwei­er Leer­gut­bons im Wert von 1,30 EUR ge­kün­digt wor­den war, ab­ge­hol­fen und die Re­vi­si­on ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 24.02.2009 (7 Sa 2017/08) zu­ge­las­sen: BAG, Be­schluss vom 28.07.2009, 3 AZN 224/09.
04.05.2009. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Schles­wig-Hol­stein hat in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung die au­ßer­or­dent­li­che frist­lo­se Kün­di­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers für rech­tens er­klärt. Der ge­kün­dig­te Ar­beit­neh­mer hat­te au­ßer­halb der Ar­beits­zeit sei­ne im sel­ben Be­trieb be­schäf­tig­te Ex-Frau nie­der­ge­sto­chen und da­bei schwer ver­letzt, wo­für er zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe ver­ur­teilt wor­den war. Vor dem LAG half es dem Ar­beit­neh­mer auch nicht, dass er sich für sei­ne Tat spä­ter ent­schul­digt hat­te: LAG Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 06.01.2009, 5 Sa 313/08.
09/066 Urteilsgründe im Fall "Emmely" - Kündigung wegen 1,30 EUR
22.04.2009. Im Fall der we­gen ei­nes Dieb­stahls zwei­er Leer­gut­bons im Wert von 1,30 EUR frist­los ge­kün­dig­ten Kai­ser´s-Kas­sie­re­rin "Em­me­ly", der im Fe­bru­ar und März 2009 bun­des­weit für Auf­se­hen sorg­te, liegt mitt­ler­wei­le die schrift­li­che Ur­teils­be­grün­dung vor. Die Ur­teils­grün­de ma­chen deut­lich, dass der Fall auf­grund sei­ner Be­son­der­hei­ten trotz der teil­wei­se hef­ti­gen Ur­teils­kri­tik wohl rich­tig ent­schie­den wur­de: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 24.02.2009, 7 Sa 2017/08
09/053 Wahrung der Zweiwochenfrist bei der Kündigung schwerbehinderter Betriebsratsmitglieder
01.04.2009. Lei­tet der Ar­beit­ge­ber erst ei­ne Wo­che nach Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­am­tes zu ei­ner be­ab­sich­tig­ten au­ßer­or­dent­li­chen Kün­di­gung ei­nes schwer­be­hin­der­ten Be­triebs­rats­mit­glieds das ar­beits­ge­richt­li­che Ver­fah­ren der Zu­stim­mungs­er­set­zung ein, ist dies nicht mehr "un­ver­züg­lich" im Sin­ne von § 91 Abs.5 Neun­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IX). Das hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin in ei­nem vor kur­zem be­kannt ge­wor­de­nen Be­schluss ent­schie­den: Ar­beits­ge­richt Ber­lin, Be­schluss vom 03.12.2008, 20 BV 16185/08.
09/049 Arbeitgeber dürften bei verhaltensbedingter Kündigung nicht mit zweierlei Maß messen.
26.03.2009. Das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) hat ent­schie­den, dass der Ar­beit­ge­ber bei Aus­spruch ei­ner ver­hal­tens­be­ding­ten Kün­di­gung den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz be­ach­ten muss, d.h. er darf nicht ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer will­kür­lich stren­ger be­ur­tei­len als an­de­re: Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 10.09.2008, 6 Sa 384/08.
09/031 Der Fall „Emmely“ als Politikum
02.03.2009. Vor zwei Wo­chen hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg die Kla­ge der Kai­ser´s-Kas­sie­re­rin Bar­ba­ra „Em­me­ly“ Em­me ab­ge­wie­sen (Ur­teil vom 24.02.2009, 7 Sa 2017/08 - wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell 09/028: Frist­lo­se Kün­di­gung we­gen 1,30 EUR be­stä­tigt). Frau Em­me war we­gen ei­nes Ba­ga­tell­de­likts nach mehr als 30jähriger Be­schäf­ti­gung ge­kün­digt wor­den. Nun ist der Fall zum Po­li­ti­kum ge­wor­den. Wolf­gang Thier­se sprach von ei­nem "bar­ba­ri­schen Ur­teil" von "aso­zia­ler Qua­li­tät".
25.02.2009. We­gen des Be­trugs mit Hil­fe zwei­er un­ter­schla­ge­ner Leer­gut­bons wur­de die Kai­ser´s-Kas­sie­re­rin Bar­ba­ra "Em­me­ly" E. frist­los ge­kün­digt. In der ers­ten In­stanz wur­de ih­re Kün­di­gungs­schutz­kla­ge vom Ar­beits­ge­richt Ber­lin ab­ge­wie­sen. Mit ei­nem ges­tern be­kannt ge­wor­de­nen Ur­teil be­stä­tig­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg die Kla­ge­ab­wei­sung. Bei der Be­ur­tei­lung des Vor­gangs spiel­te der ge­rin­ge Wert der miss­brauch­ten Leer­gut­bons (1,30 EUR) kei­ne Rol­le. Denn die Kas­sie­re­rin hat­te, so das LAG, durch ihr ge­sam­tes Ver­hal­ten, ins­be­son­de­re auch durch be­stän­di­ges Leug­nen nach Ent­de­ckung der Tat, das Ver­trau­en ih­res Ar­beit­ge­bers zer­stört: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 24.02.2009 (7 Sa 2017/08).
08/043 Anhörung "light" genügt bei Vorkenntnissen des Arbeitnehmers bei Verdachtskündigung.
23.04.2008. Oh­ne vor­he­ri­ge An­hö­rung zu den Ver­dachts­mo­men­ten, auf die ei­ne Ver­dachts­kün­di­gung ge­stützt wer­den soll, ist ei­ne sol­che Kün­di­gung un­wirk­sam. Da­her muss der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner sol­chen An­hö­rung die Kar­ten auf den Tisch le­gen. Al­ler­dings muss er da­bei nicht un­be­dingt die ihm be­kann­ten In­hal­te ei­ner Er­mitt­lungs­ak­te der Staats­an­walt­schaft of­fen­le­gen, d.h. er muss dem Ar­beit­neh­mer nicht den ge­nau­en Sach­stand ei­ner sol­chen Er­mitt­lungs­ak­te mit­tei­len, wenn der Ar­beit­neh­mer die von Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft er­ho­be­nen Vor­wür­fe schon aus ei­ner an­de­ren Quel­le kennt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.03.2008, 2 AZR 961/06.
11.09.2007. Ver­zich­tet der Ar­beit­neh­mer nach Er­halt ei­ner Kün­di­gung oh­ne Ge­gen­leis­tung in ei­nem vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­leg­ten For­mu­lar auf die Er­he­bung ei­ner Kün­di­gungs­schutz­kla­ge, so liegt im all­ge­mei­nen ei­ne recht­lich un­zu­läs­si­ge "un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung" im Sin­ne von § 307 Abs.1 Satz 1 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) vor: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 06.09.2007, 2 AZR 722/06.
06/17 LAG Schleswig-Holstein: Fristlose Kündigung wegen sexueller Belästigung
13.10.2006. Auch lang­jäh­rig be­schäf­tig­te Ar­beit­neh­mer kön­nen in gra­vie­ren­den Fäl­len se­xu­el­ler Be­läs­ti­gun­gen au­ßer­or­dent­lich ge­kün­digt wer­den: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 27.09.2006, 3 Sa 163/06.
Wenn man Ih­nen ei­ne Ver­dachts­kün­di­gung und/oder ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung in Aus­sicht ge­stellt hat oder wenn Ih­nen ei­ne sol­che Kün­di­gung be­reits aus­ge­spro­chen wur­de und Sie da­her vor der Ent­schei­dung ste­hen, ei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge zu er­he­ben oder sich auf ei­ne au­ßer­ge­richt­li­che (Ab­fin­dungs-)Lö­sung ein­zu­las­sen, be­ra­ten wir Sie je­der­zeit ger­ne.
Vi­deo: In­for­ma­tio­nen zum The­ma Ver­dachts­kün­di­gung
Hier fin­den Sie ein Mus­ter­schrei­ben: An­hö­rung des Be­triebs­rats zu ei­ner frist­lo­sen Kün­di­gung.
18/063 Kei­ne Ent­las­sung we­gen Is­la­mis­mus-Ver­dachts (LAG Nie­der­sach­sen)
15/045 Auf­for­de­rung zur An­hö­rung bei Ver­dachts­kün­di­gung
14/088 Er­stat­tung von De­tek­tiv­kos­ten auf Ver­dacht?