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Timestamp: 2020-03-29 01:24:00
Document Index: 343230717

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 73', 'BGH', '§ 354']

BGH 2 StR 6/19 - 19. November 2019 (LG Aachen) · hrr-strafrecht.de
BGH 2 StR 6/19 - 19. November 2019 (LG Aachen) [= HRRS 2020 Nr. 19]
BGH 2 StR 6/19:
HRRS-Nummer: HRRS 2020 Nr. 19
Zitiervorschlag: BGH, 2 StR 6/19, Beschluss v. 19.11.2019, HRRS 2020 Nr. 19
BGH 2 StR 6/19 - Beschluss vom 19. November 2019 (LG Aachen)
a) Das Landgericht hat der Anordnung zugrunde gelegt, dass der Angeklagte sämtliche von den Geschädigten vereinnahmten Gelder durch die Taten i.S.d. § 73 StGB erlangt habe. Es hat dabei nicht berücksichtigt, dass bei jedem Tatbeteiligten grundsätzlich nur das eingezogen werden kann, was der jeweilige Beteiligte selbst tatsächlich erlangt hat, was also in irgendeiner Phase des Tatablaufs in seine tatsächliche oder wirtschaftliche Verfügungsmacht übergegangen und ihm so aus der Tat unmittelbar messbar zugute gekommen ist (st. Rspr., vgl. etwa BGH, Urteil vom 4. Oktober 2018 - 3 StR 251/18, juris Rn. 21).
b) Zwar ist die Strafkammer zu Recht davon ausgegangen, dass der Angeklagte die in den Fällen 1 und 9 der Urteilsgründe überwiesenen Beträge und die im Fall 7 der Urteilsgründe an ihn erfolgten Barzahlungen vollständig erlangt hat. Der Einziehung der gesamten Taterträge in den Fällen 2 bis 6 sowie 8 der Urteilsgründe steht jedoch entgegen, dass sich den Feststellungen nicht entnehmen lässt, dass der Angeklagte zu irgendeinem Zeitpunkt die tatsächliche oder wirtschaftliche Verfügungsmacht über die vollständigen, von den Geschädigten jeweils gezahlten Geldbeträge hatte. Die Gelder wurden in diesen Fällen entweder auf das Konto des gesondert Verfolgten Mittäters E. (Fall 2 der Urteilsgründe) oder auf das Firmenkonto der Firma E. L. GmbH (Fälle 3 bis 6 und Fall 8 der Urteilsgründe) überwiesen, über das der Angeklagte nicht verfügungsbefugt war. Durch wen die jeweils zeitnah nach Eingang der Gelder durchgeführten Barabhebungen erfolgten, konnte nicht festgestellt werden. Auch sonst lässt sich den Feststellungen nicht entnehmen, dass dem Angeklagten in diesen Fällen abweichend von der Vereinbarung mit dem Mittäter E. mehr als die Hälfte des Tatertrages unmittelbar zugeflossen wäre.
c) Demnach unterliegt der Einziehung insgesamt nur der Betrag von 40.158 Euro. Der Senat ändert die Einziehungsentscheidung dahingehend analog § 354 Abs. 1 StPO selbst ab. Soweit das Landgericht davon ausgegangen ist, der Angeklagte hafte lediglich in Höhe von 1.648 Euro alleine, weil es übersehen hat, dass eine gesamtschuldnerische Haftung in den Fällen 1, 7 und der Urteilsgründe nur hinsichtlich des hälftigen Beuteanteils des Mittäters E. in Höhe von 5.074 Euro in Frage kommt, ist diese Entscheidung aufrechtzuerhalten, weil der Angeklagte hierdurch nicht beschwert ist.