Source: https://www.arbeitsrechte.de/saisonarbeit/
Timestamp: 2018-06-22 05:02:51
Document Index: 258198137

Matched Legal Cases: ['§ 22', '§ 4', '§ 5', '§ 3', '§ 1', '§ 622', '§ 622', '§ 40']

Saisonarbeit & Saisonjobs in Deutschland - Arbeitsrecht 2018
Home Saisonarbeit: Rechte und Pflichten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Ganzjährige Arbeitsverhältnisse sind in gewissen Branchen schlichtweg nicht möglich, da die betriebliche Auslastung enorm variiert. Mal ist kaum Arbeit da, zu anderen Zeiten ist hingegen so viel zu tun, dass sogar zusätzliche Arbeitskräfte für bestimmte Jobs benötigt werden.
Kurz & knapp: Saisonarbeit
Bei der Saisonarbeit ist das Beschäftigungsverhältnis grundsätzlich befristet.
Eine Sozialversicherungspflicht besteht für Saisonarbeitskräfte normalerweise nicht. Sie erhalten jedoch ebenfalls den gesetzlichen Mindestlohn.
Saisonarbeiter haben einen Anspruch auf Urlaub und unter gewissen Umständen auch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit. Zudem darf eine kürzere Kündigungsfrist als die gesetzliche vereinbart werden.
Spezifische Informationen zur Saisonarbeit:
Welche Vorteile bringt die Saisonarbeit im Ausland mit sich? Hier erhalten Sie wichtige Tipps für Saisonjobs im Ausland.
Erhalten Saisonarbeiter in der Landwirtschaft den gesetzlichen Mindestlohn? Hier erfahren Sie es.
Lesen Sie, welche Vorschriften bei der Saisonarbeit in der Gastronomie in Deutschland Anwendung finden.
Saisonarbeit in der Tourismus-Branche
Hier klären wir unter anderem, ob Saisonarbeitern in der Tourismus-Branche der Mindestlohn gezahlt wird.
In der Landwirtschaft oder der Gastronomie wird aus diesem Grund immer häufiger auf die sogenannte Saisonarbeit gesetzt. Es handelt sich dabei meist um befristete Arbeitsverhältnisse, die zu einem bestimmten Datum oder beim Eintreten anderweitiger Gegebenheiten (in der Landwirtschaft z. B. sobald der erste Schnee fällt) automatisch wieder beendet sind.
Variiert die betriebliche Auslastung, setzen viele Arbeitgeber auf Saisonarbeit.
So praktisch solche Saisonjobs für Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch sein mögen – arbeitsrechtstechnisch sowie in Bezug auf die Sozialversicherung sind einige spezielle Regeln zu beachten. Wie diese genau aussehen und was es sonst über saisonale Jobs zu wissen gibt, lesen Sie in diesem Ratgeber.
Was ist ein Saisonarbeiter? Eine Definition
In manchen Branchen sind Arbeitgeber auf Saisonkräfte angewiesen, da sie das Mehr an Arbeit sonst nicht bewältigen könnten. Ist die „heiße Phase“ dann vorbei, haben sie allerdings keine Verwendung mehr für die zusätzlichen Arbeiter. Daher handelt es sich bei der Saisonarbeit grundsätzlich um ein zeitlich befristetes Beschäftigungsverhältnis.
Deutsche Arbeitnehmer können der Saisonarbeit im Ausland oder in ihrer Heimat nachgehen. Es werden nicht nur Saisonjobs in Deutschland, sondern beispielsweise auch in der Schweiz, in Italien oder in Österreich angeboten. Auf der anderen Seite ist die Saisonarbeit in Deutschland für Ausländer ebenfalls unter gewissen Voraussetzungen möglich.
Saisonarbeitnehmer werden besonders häufig in der Gastronomie, der Tourismusbranche oder der Landwirtschaft gesucht. Gerade zur Erntezeit bzw. zur Hochsaison im Sommer ist der Bedarf an Arbeitskräften in diesen Branchen um einiges höher. Wer zeitweise als Erntehelfer, Servicekraft oder Promoter arbeiten möchte, wird dort in jedem Fall fündig.
Doch auch die Saisonarbeit im Winter sollte nicht unterschätzt werden. Vor allem auf Winter- oder Weihnachtsmärkten werden Helfer benötigt, die Glühwein, selbstgestrickte Mützen, Holzspielzeug oder Waffeln verkaufen. In Skigebieten werden ebenfalls zusätzliche Arbeitskräfte im Winter für die Saisonarbeit gesucht. Diese werden dann beispielsweise als Koch, Service- oder Reinigungskraft eingesetzt.
Saisonarbeitskräfte: Besteht eine Sozialversicherungspflicht?
Saisonjobs sind im Winter ebenfalls gefragt, etwa wenn die Zeit der Weihnachtsmärkte beginnt.
Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei der Saisonarbeit um eine kurzfristige Beschäftigung. Eine solche ist sowohl versicherungs- als auch beitragsfrei.
Demzufolge müssen Saisonarbeiter in puncto Sozialversicherung nichts einbezahlen. Es müssen jedoch folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
Bei einer Fünf-Tage-Woche darf die Tätigkeit nicht länger als drei Monate ausgeübt werden.
Wird ein Arbeitnehmer an weniger als fünf Tagen in der Woche eingesetzt, so ist die Saisonarbeit auf 70 Arbeitstage begrenzt.
Der kurzfristige Job darf nicht allein aus dem Grund ausgeübt werden, um den Lebensunterhalt zu bestreiten (Berufsmäßigkeit).
Um festzustellen, ob der jeweiligen Tätigkeit berufsmäßig nachgegangen wird, bedarf es einer genauen Überprüfung. Handelt es sich bei dem Saisonarbeiter z. B. um eine arbeitslose Person, gilt die Berufsmäßigkeit als erwiesen. In diesem Fall würde eine Versicherungspflicht bestehen. Weiterhin müssen alle kurzfristigen Jobs in dem jeweiligen Kalenderjahr zusammengerechnet werden.
Meist nutzen Arbeitgeber bei der Saisonarbeit dafür einen besonderen Fragebogen. Die Gefahr liegt hier darin, dass nach dem Zusammenrechnen aller Beschäftigungen die Vorgaben von drei Monaten bzw. 70 Arbeitstagen im Kalenderjahr überschritten werden. In diesem Fall müssten auch Saisonarbeitskräfte in die Sozialversicherung einbezahlen.
Daher empfiehlt es sich, zu Beginn jegliche Angaben zu Vorbeschäftigungen zu dokumentieren, um sich sowohl als Arbeitgeber als auch als Arbeitnehmer abzusichern und festzustellen, ob eine Versicherungspflicht oder -freiheit besteht.
Voraussetzungen der Saisonarbeit für ausländische Arbeitskräfte
Besonders oft werden Saisonkräfte in der Gastronomie eingesetzt.
Nicht nur deutsche Arbeitnehmer entscheiden sich, der Saisonarbeit im Ausland nachzugehen. Genauso bewirbt sich jedes Jahr eine Vielzahl von Saison­arbeitern aus dem Ausland, um als Erntehelfer in Deutschland zu arbeiten. Spezielle gesetzliche Voraussetzungen gibt es jedoch auch in diesem Fall.
Unter anderem muss zunächst einmal überprüft werden, ob der Saisonarbeit-Interessierte in seinem Heimatland bereits selbstständig ist oder generell einer Beschäftigung nachgeht. Wenn dies nicht zutrifft, greift das in Deutschland geltende Recht. Trifft es hingegen zu, finden die Vorschriften aus seinem Heimatland Anwendung. Um dies nachzuweisen, bedarf es der Bescheinigung „A1“.
Der deutsche Arbeitgeber ist in diesem Fall der Saisonarbeit von seinen sozialversicherungs­rechtlichen Pflichten entbunden. Dies ist darin begründet, dass die Sozialversicherungsbeiträge ebenfalls von den Vorschriften im Heimatland abhängig sind. Gegebenenfalls muss er diese Beiträge nach geltendem Recht im Heimatland entrichten.
Weitere Informationen zur Saisonarbeit:
Voraussetzungen für Saisonarbeit
In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Voraussetzungen bei Saisonarbeit vorliegen müssen.
Saisonarbeit und Rechte
Hier erfahren Sie, welche Rechte die Saisonarbeitskräfte haben, trotz der sehr kurz befristeten Anstellung.
Dürfen Flüchtlinge in der Saisonarbeit tätig sein?
Die Antwort auf diese Frage richtet sich nach dem jeweiligen Aufenthaltsstatus des Flüchtlings. Um generell arbeiten zu dürfen, ist es zum einen nötig, dass die Ausländerbehörde dies genehmigt und zum anderen, dass die Agentur für Arbeit dem ebenfalls zustimmt.
Erfüllen Flüchtlinge diese Anforderungen, steht der Saisonarbeit nichts mehr im Wege. Die versicherungsrechtlichen Vorschriften unterscheiden sich generell nicht von denen, die für andere Arbeitnehmer gültig sind.
Saisonarbeit in Deutschland: Wird der Mindestlohn gezahlt?
Die gesetzliche Lohnuntergrenze gilt in Deutschland seit dem 1. Januar 2015 und liegt aktuell bei 8,84 Euro brutto in der Stunde (Stand: 2017). In der Regel erhalten alle Arbeitnehmer den Mindestlohn, wobei folgende Berufsgruppen bzw. Branchen gemäß § 22 des Mindestlohngesetzes (MiLoG) davon ausgenommen sind:
Auch bei Saisonarbeit muss der Mindestlohn gezahlt werden.
Daraus ergibt sich: Auch bei Saisonarbeit wird der Mindestlohn gezahlt. Zudem gilt dies nicht nur für deutsche Arbeitnehmer, sondern für alle Arbeitnehmer, die in Deutschland tätig sind. Aus diesem Grund haben auch Saisonkräfte aus dem Ausland ein Recht darauf, 8,84 Euro brutto pro Stunde für ihre Arbeit zu erhalten. Erntehelfer bilden bis zum 1. Januar 2018 eine Ausnahme und erhalten bis dahin einen sogenannten Branchenlohn von 8,60 Euro brutto pro Stunde, was tarifvertragliche Gründe hat.
Wie sich der Anspruch auf Urlaub für Arbeitnehmer gestaltet, ist im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) definiert. Zwar ist zwischen Selbstständigen und Arbeitnehmern dem Gesetz zufolge zu unterscheiden, allerdings wird nicht differenziert, ob jemand in Teilzeit, Vollzeit, nebenberuflich oder geringfügig tätig ist. Demzufolge findet das BUrlG auch bei Saisonarbeit Anwendung.
In § 4 BUrlG heißt es, dass Arbeitnehmer erst ein Recht auf den vollen Urlaubsanspruch haben, nachdem das Arbeitsverhältnis sechs Monate bestanden hat. Da die Saisonarbeit entweder auf 70 Arbeitstage oder drei Monate beschränkt ist, wenn sie als kurzfristige Beschäftigung gelten soll, wird dieser Anspruch entsprechend niemals erworben.
Dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es bei Saisonarbeit im Arbeitsrecht keinen Anspruch auf Urlaub gibt. Dieser versteckt sich in § 5 BUrlG:
Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat des Bestehens des Arbeitsverhältnisses hat der Arbeitnehmer […] wenn er vor erfüllter Wartezeit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheidet […].“
Saisonarbeitskräfte haben genauso einen Anspruch auf Urlaub wie andere Arbeitnehmer.
Existiert ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit?
Erkrankt ein Arbeitnehmer unverschuldet und kann daher seinem Job nicht nachkommen, hat er normalerweise einen Anspruch darauf, dass ihm sein Gehalt bei andauernder Krankheit maximal sechs Wochen lang weiterhin gezahlt wird. Festgehalten ist dies in § 3 des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EntgFG):
Doch gilt dies auch bei Saisonarbeit? Ja – der Anspruch wird jedoch erst erworben, wenn das Arbeitsverhältnis länger als vier Wochen ununterbrochen Bestand hatte. Wer also lediglich einen Monat lang als Saisonarbeitskraft tätig ist, bekommt sein Gehalt im Krankheitsfall nicht weitergezahlt.
Kündigung als Saisonarbeiter: Welche Besonderheiten gibt es?
Das Kündigungsschutzgesetz (KSchG) besagt in § 1 KSchG, dass erst ein Kündigungsschutz besteht, wenn das Arbeitsverhältnis „ohne Unterbrechung länger als sechs Monate bestanden hat […]“. Bei der Saisonarbeit können sich Arbeitnehmer entsprechend nicht auf diesen Schutz bei einer Kündigung verlassen, da das Arbeitsverhältnis in der Regel maximal drei Monate lang andauern darf.
Bei Saisonarbeit können kürzere Kündigungsfristen vereinbart werden.
Spezielle Regelungen gelten jedoch hinsichtlich der Kündigungsfristen. In § 622 BGB heißt es:
wenn ein Arbeitnehmer zur vorübergehenden Aushilfe eingestellt ist; dies gilt nicht, wenn das Arbeitsverhältnis über die Zeit von drei Monaten hinaus fortgesetzt wird […]“
Eine Mindestkündigungsfrist existiert ebenfalls nicht. Es ist also möglich, beispielsweise eine Frist von einem Tag zu vereinbaren. Sobald die Saisonarbeit jedoch länger als drei Monate lang ausgeübt wird, sind automatisch die gesetzlichen Kündigungsfristen nach § 622 BGB maßgeblich.
Werden bei der Saisonarbeit Steuern fällig?
Grundsätzlich müssen auch Saisonarbeiter ihren Arbeitslohn versteuern. Oft liegt dieser jedoch unter dem Steuergrundfreibetrag. Aktuell beträgt das steuerfreie Einkommen 8.820 Euro pro Jahr (Stand: 2017). Verdienen Sie bei der Saisonarbeit weniger, müssen Sie keine Steuern zahlen. Sollte Ihr Gehalt diese Grenze überschreiten, wird Ihnen die Lohnsteuer wie jedem anderen Arbeitnehmer vom Lohn abgezogen.
Bei der Saisonarbeit hat der Arbeitgeber jedoch die Möglichkeit, das Ganze zu vereinfachen, indem er eine Lohnsteuerpauschale von 25 Prozent abführt. So muss er keine Lohnsteuerberechnung vornehmen und zahlt stattdessen eine Pauschale, die dem Betrag nahekommt, den er für einen normalen Arbeitnehmer auch gezahlt hätte.
Diese Option besteht jedoch gemäß § 40a des Einkommensteuergesetzes (EStG) nur, wenn die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:
Der Arbeitnehmer darf der Saisonarbeit bei dem Arbeitgeber nur gelegentlich und nicht regelmäßig nachgehen.
Bei der Saisonarbeit können unter Umständen Steuern fällig werden.
Die Beschäftigungsdauer darf nicht länger sein als 18 zusammenhängende Arbeitstage.
Der Arbeitslohn darf einen Betrag von im Durchschnitt 68 Euro pro Arbeitstag nicht überschreiten.
Die Saisonarbeit muss zu einem unvorhersehbaren Zeitpunkt und unverzüglich sofort nötig sein. In diesem Fall spielt es normalerweise keine Rolle, wie hoch der durchschnittliche Tageslohn ist.
Werden diese Bedingungen nicht erfüllt, muss der Arbeitgeber die reguläre Lohnsteuer abführen. Die Möglichkeit einer Lohnsteuerpauschale besteht bei der Saisonarbeit in diesem Fall entsprechend nicht.
Tipps für Saisonarbeit-Interessierte
Überlegen Sie beispielsweise, sich als Erntehelfer, Barkeeper oder Reinigungskraft zu bewerben und dies möglicherweise sogar im Ausland, gibt es gewisse Dinge, die Sie beachten sollten. Einige Tipps zur Saisonarbeit haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst:
Überlegen Sie sich im Vorfeld genau, für welches Land Sie sich entscheiden. Auch wenn Sie z. B. Italien für eine gute Option halten, werden Sie schnell bei der Umsetzung scheitern, wenn Sie kein Wort Italienisch beherrschen. Es handelt sich zwar lediglich um Saisonarbeit, trotzdem setzen viele Arbeitgeber – je nach Tätigkeit – gute Sprachkenntnisse voraus.
Möchte Ihr möglicherweise zukünftiger Arbeitgeber auf einen Saisonarbeitsvertrag verzichten, sollten Sie hellhörig werden. Davon abgesehen, dass Sie in einem solchen Fall illegal arbeiten, genießen Sie außerdem keinen Versicherungsschutz, sollte es zu einem Arbeitsunfall kommen.
Klären Sie im Vorfeld, ob es sich um Saisonarbeit mit oder ohne Unterkunft bzw. Verpflegung handelt. In Deutschland ist es beispielsweise vorgeschrieben, dass Arbeitgeber ihren Saisonarbeitern eine Unterkunft zur Verfügung stellen müssen.
Bevor Sie eine Tätigkeit in der Saisonarbeit annehmen, sollten Sie sich entsprechend informieren.
Bevor Sie das Angebot der Saisonarbeit letztendlich annehmen, sollten Sie sich über die Regelungen im Land Ihrer Wahl informieren. Innerhalb der EU reicht es, wenn Sie über eine Arbeitserlaubnis verfügen, wohingegen Sie in anderen Ländern eventuell ein Visum zusätzlich brauchen.
Übrigens: Wenn Sie in der Saisonarbeit tätig werden möchten, muss es sich dabei nicht in jedem Fall um ein kurzfristiges Beschäftigungsverhältnis handeln.
Sie haben andernfalls die Möglichkeit, eine beitragspflichtige geringfügig entlohnte Beschäftigung bzw. einen Minijob als Erwerbsform zu wählen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn das monatliche Gehalt eine Grenze von 450 Euro nicht überschreitet.