Source: http://encourage-ev.de/2018/04/06/musterbegruendung-auf-prozesskostenhilfe-im-asylrechtlichen-verfahren-fuer-die-vertretung-von-umf/
Timestamp: 2018-08-19 04:11:47
Document Index: 78811618

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§\u20091909', 'BGH', '§\u20091793', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Musterbegründung auf PKH im asylrechtlichen Verfahren von umF
Musterbegründung auf Prozesskostenhilfe im asylrechtlichen Verfahren für die Vertretung von umF
Zur Kenntnis und/ oder weiteren Verwendung eine Musterbegründung des erfahrenen Rechtsanwalts Dominik Bender/ Frankfurt a.M. auf PKH im asylrechtlichen Verfahren für die Vertretung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.
Problemaufriss: Leider hat die aktuelle Rechtsprechung der (zum Vormund ergänzenden) Bestellung eines Ergänzungspflegers/ Mitvormundes mit asylrechtlicher Fachkenntnis eine klare Absage erteilt. In der Rechtsprechung wird auf die Möglichkeit verwiesen, dass Vormünder ja Beratungs- und Prozesskostenhilfe in Anspruch nehmen könnten, wenn sie eine asylrechtlich fachkundigen Rechtsanwalt beauftragen.
Auszug aus einem Themengutachten des DIJuF (Vormundschaft für unbegleitete minderjährige Ausländer/innen/Flüchtlinge – Grundlagen und Grundsätze, Themengutachten TG-1034) zur Frage: 8 Welche Unterstützung erhält der Vormund, der über keine ausreichende Sachkunde im asyl- und aufenthaltsrechtlichen Verfahren verfügt?
8.1 Rechtssituation seit Entscheidung des BGH vom 29.5.2013
Randnummer 11Mit Beschluss vom 29.5.2013 hat der BGH (XII ZB 124/12, JAmt 2013, 426; Dürbeck ZKJ 2014, 266; Bienwald FamRZ 2013, 1208; krit. Hocks JAmt 2013, 429) der bis dahin vornehmlich in Hessen geübten Praxis, bei Amtsvormundschaften für unbegleitete minderjährige Ausländer/innen dem Amtsvormund für die Vertretung im asyl- und aufenthaltsrechtlichen Verfahren auf Grundlage von § 1909 Abs. 1 BGB eine/n Ergänzungspfleger/in an die Seite zu stellen, eine klare Absage erteilt. Der BGH vertritt die Rechtsansicht, der Amtsvormund habe aufgrund seiner umfassenden Vertretungsbefugnis gem. § 1793 BGB die fehlende Eignung durch Beauftragung eines/einer Rechtsanwalts/-anwältin (wenn nötig) auf Beratungs- und Prozesskostenhilfebasis auszugleichen (BGH 4.12.2013 – XII ZB 57/13, JAmt 2014, 161; Dürbeck ZKJ 2014, 266; krit. González Méndez de Vigo JAmt 2014, 164). Trotz Verabschiedung des sog. Asylpakets im Juni 2013, welches aus der Neufassung von zwei Richtlinien und einer Verordnung bestand (Richtlinie 2013/33/EU [Aufnahmerichtlinie nF], Richtlinie 2013/32/EU [Verfahrensrichtlinie nF] und Verordnung [EU] Nr. 604/2013), die zur ordnungsgemäßen rechtlichen Vertretung von unbegleiteten minderjährigen Ausländer/innen im ausländerrechtlichen Verfahren konkrete Standards vorsahen, ist der BGH von dieser Rechtsprechung nicht abgerückt (BGH 4.12.2013 – XII ZB 57/13, JAmt 2014, 161).
Die in der Folge vornehmlich in juristischen Kreisen entfachte Diskussion (DIJuF-Rechtsgutachten JAmt 2014, 144; BAG Landesjugendämter 2014, 22; für eine grundsätzliche Verortung der Verantwortung einer sachkundigen Vertretung beim Familiengericht überzeugend Heiß NZFam 2014, 806; Dürbeck ZKJ 2014, 266; insg. Riegner NZFam 2014, 150) um eine praxistaugliche Umsetzung der BGH-Rechtsprechung und der europarechtlichen Vorgaben hat zur Bildung eines regionalen Flickenteppichs an gerichtlichen Vorgehensweisen geführt: Ob dem Vormund von den Gerichten ein/e Ergänzungspfleger/in oder ein Mitvormund an die Seite gestellt wird, hängt momentan maßgeblich davon ab, welche Rechtsansicht das jeweils zuständige Gericht vertritt (bejahend AG Gießen 21.8.2013 – 249 F 1635/13 VM, 249 F 1717/13 PF; OLG Frankfurt a. M. 28.1.2014 – 6 UF 289/13, JAmt 2014, 166; OLG Frankfurt a. M. 19.2.2014 – 6 UF 28/14; OLG Bamberg 7.1.2015 – 7 UF 261/14; AG Heidelberg JAmt 2015, 578; aA OLG Frankfurt a. M. 2.12.2013 – 5 UF 310/13, JAmt 2014, 170; OLG Frankfurt a. M. 10.9.2014 – 1 UF 211/14; OLG Nürnberg 7.12.2015 – 9 UF 1276/15; OLG Frankfurt a. M. 8.11.2013 – 2 UF 320/13, JAmt 2014, 165; OLG Frankfurt a. M. 23.1.2015 – 3 UF 341/14; OLG Bamberg 13.8.2015 – 2 UF 140/15).
Folgt er der aktuellen Rechtsauffassung des BGH, so hat der (Amts-)Vormund zum Zweck einer ordnungsgemäßen Vertretung und Beratung einen Antrag zur Gewährung von Beratungs-/Prozesskostenhilfe zu stellen und eine/n fachkundige/n Anwalt/Anwältin hinzuzuziehen (insg. vgl auch Tiedemann/Gieseking/Hocks 74 f).
Zur Musterbegründung als pdf: 2018 Musterbegründung umF_Antrag auf PKH
Redaktion Veröffentlicht in Allgemein, Asylverfahren, Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge	Hinterlasse einen Kommentar
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