Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20110/96
Timestamp: 2020-05-27 05:32:55
Document Index: 124988421

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 828', '§ 276', '§ 828', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 828', '§ 373', '§ 402', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 828', '§ 828', '§ 828', 'BGH', 'BGH', '§ 828', 'BGH', '§ 276', '§ 828', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 29.04.1997 - VI ZR 110/96 - dejure.org
https://dejure.org/1997,1739
BGH, 29.04.1997 - VI ZR 110/96 (https://dejure.org/1997,1739)
BGH, Entscheidung vom 29.04.1997 - VI ZR 110/96 (https://dejure.org/1997,1739)
BGH, Entscheidung vom 29. April 1997 - VI ZR 110/96 (https://dejure.org/1997,1739)
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Insekt im Kindergarten
§ 828 Abs. 2 BGB, § 276 BGB, Fahrlässigkeit bei Kindern, Siebeneinhalbjähriger
Minderjährigenhaftung - Wespe - Abwehrbewegung mit Messer
Fahrlässigkeit eines Kindes - Gefahr einer Abwehrbewegung mit dem Messer - Sorgfaltsmaßstab bei Kindern - Haftungsfreistellung für Kindergartenkinder - Deliktsfähigkeit eines Kindergartenkindes - Handlungseigenschaft von Körperbewegungen eines Kindergartenkindes - ...
Zur Haftung eines Kindes wegen Verursachung einer Verletzung bei Abwehr eines Insekts mit einem Messer
NJW-RR 1997, 1110
MDR 1997, 739
FamRZ 1997, 933 (Ls.)
VersR 1997, 834
Auf die individuelle Fähigkeit, sich dieser Einsicht gemäß zu verhalten, kommt es insoweit nicht an (vgl. Senatsurteile vom 28. Februar 1984 - VI ZR 132/82 - VersR 1984, 641, 642 m.w.N. und vom 29. April 1997 - VI ZR 110/96 - VersR 1997, 834, 835).
Die Darlegungs- und Beweislast für das Fehlen der Einsichtsfähigkeit trägt der in Anspruch genommene Minderjährige; ab dem Alter von 7 Jahren wird deren Vorliegen vom Gesetz widerlegbar vermutet (vgl. Senatsurteil vom 29. April 1997 - VI ZR 110/96 - aaO;… Baumgärtel/Strieder, 2. Aufl., § 828 BGB, Rn. 2 m.w.N.).
Es hätte der Beklagten zu 1) oblegen darzutun und gegebenenfalls zu beweisen, dass sie die zur Erkenntnis der Verantwortlichkeit erforderliche Einsicht nicht hatte (vgl. BGH, Urteil vom 29. April 1997 - VI ZR 110/96 -, Rn. 9, juris).
Entscheidend ist, ob ein altersgerecht entwickeltes Kind im Alter der Beklagten zu 1) hätte voraussehen können und müssen, dass die an den Tag gelegte Fahrweise auf der Promenade befindliche Fußgänger verletzen konnte und ob von ihm bei Erkenntnis der Gefährlichkeit seines Handelns in der konkreten Situation die Fähigkeit erwartet werden konnte, sich dieser Erkenntnis gemäß zu verhalten, oder ob ein Mangel an Verstandesreife Kinder dieser Altersgruppe an einem solchen Verhalten hindert (vgl. BGH, Urteil vom 29. April 1997 - VI ZR 110/96 -, Rn. 10, juris m.w.N.; BGH…, Urteil vom 27. Januar 1970 - VI ZR 157/68 -, Rn. 21, juris).
Die Darlegungs- und Beweislast für das Fehlen der Einsichtsfähigkeit trägt der in Anspruch genommene Minderjährige; ab dem Alter von 7 Jahren wird deren Vorliegen vom Gesetz widerlegbar vermutet (vgl. Senatsurteile vom 29. April 1997 - VI ZR 110/96 - aaO;… Baumgärtel/Strieder, 2. Aufl., § 828 BGB, Rn. 2 m.w.N.).
OLG Hamm, 03.02.2006 - 9 U 117/05
Schadensersatz, Strafanzeige, Glaubwürdigkeit, aussagepsychologisches Gutachten, …
Die Beurteilung der Glaubwürdigkeit von erwachsenen Aussagepersonen und der Glaubhaftigkeit ihrer Bekundungen ist in der Regel ureigene Aufgabe des Richters, die von ihm persönlich zu leisten ist und zum Wesen richterlicher Rechtsfindung gehört; vgl. nur Zöller/Greger, ZPO 25. Aufl. § 373 Rz. 10 a. E., § 402 Rz. 7. Die - auch stillschweigende - Ablehnung eines Antrags auf Einholung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens ist nur dann fehlerhaft, wenn etwa bei einem Zeugen dessen Persönlichkeit solche Besonderheiten aufweist, dass Zweifel an der Sachkunde des Gerichts zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit berechtigt sind; BGH NJW-RR 1997, 1110 = MDR 1997, 739 = VersR 1997, 834; BGH NJW 1998, 2753/4.
Vielmehr ist danach zu fragen, ob bei einer generalisierenden Betrachtung ein normal entwickelter Jugendlicher dieses Alters die Gefahr seines Tun hätte voraussehen und dieser Einsicht gemäß hätte handeln können und müssen (…BGH, Urt. v. 30.11.2004 - VI ZR 335/03, NJW 2005, 354, 356; vgl. Urt. v. 29. April 1997 - VI ZR 110/96, VersR 1997, 834, 835;… Urt. v. 28.2.1984 - VI ZR 132/82, VersR 1984, 641, 642;… Palandt/Sprau, aaO, § 828 Rdnr. 7;… aA. für subjektiven Maßstab: MünchKomm(BGB)/Wagner, 5. Aufl., § 828 Rdnr. 11;… Soergel/Spickhoff, BGB, 13. Aufl., § 828 Rdnr. 15).
Auf die individuelle Fähigkeit, sich dieser Einsicht gemäß zu verhalten, kommt es insoweit nicht an (BGH, Urteil vom 30.11.2004, IV ZR 335/03, Rn.15 mit Hinweis auf BGH Urteil vom 28.02.1984, VI ZR 132/82 sowie vom 29.04.1997, VI ZR 110/96).
Auch § 828 BGB und die an dem Alter eines Kindes orientierte Bestimmung des zur Feststellung eines Verschuldens anzulegenden Sorgfaltsmaßstabes (sog. "Gruppenfahrlässigkeit", vgl. BGH, NJW-RR 1997, 1110 m. w. N.) tragen dem Schutz des Persönlichkeitsrechts des Kindes im Rechtsverkehr Rechnung.
Die Prüfung der Einsichtsfähigkeit und die Frage, ob ein Kind im konkreten Fall schuldhaft gehandelt hat, sind voneinander zu trennen (…Heinrichs, in: Palandt, a. a. O., § 276 Rn. 6;… Sprau, in: Palandt, a. a. O., § 828 Rn. 6; BGH, JZ 1954, 297; NJW-RR 1997, 1110 ).
Bei einem Minderjährigen kommt es darauf an, ob Kinder bzw. Jugendliche seines Alters und seiner Entwicklungsstufe den Eintritt eines Schadens hätten voraussehen können und müssen und es ihnen bei Erkenntnis der Gefährlichkeit ihres Handelns in der konkreten Situation möglich und zumutbar gewesen wäre, sich dieser Erkenntnis gemäß zu verhalten (vgl. BGH NJW 2005, 354, 356; BGH VersR 1997, 834, 835).