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Timestamp: 2020-07-08 03:49:09
Document Index: 202514502

Matched Legal Cases: ['Art. 35', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 12', 'Art. 14', 'Art. 16', 'Art. 19', 'Art. 333', 'Art. 333']

Lawbrary | GUMG - Bundesgesetz über genetische Untersuchungen beim Menschen
Geltungsbereich, Zweck und Begriffe (1 - 3)
Allgemeine Grundsätze für genetische Untersuchungen (4 - 9)
Genetische Untersuchungen im medizinischen Bereich (10 - 20)
Genetische Untersuchungen im Arbeitsbereich (21 - 25)
Genetische Untersuchungen im Versicherungsbereich (26 - 28)
Genetische Untersuchungen im Haftpflichtbereich (29 - 30)
DNA-Profile zur Klärung der Abstammung oder zur Identifizierung (31 - 34)
Expertenkommission für genetische Untersuchungen beim Menschen (35 - 35)
Strafbestimmungen (36 - 41)
Schlussbestimmungen (42 - 44)
1Die­ses Ge­setz be­stimmt, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen beim Men­schen durch­ge­führt wer­den dür­fen:
im me­di­zi­ni­schen Be­reich;
im Ar­beits­be­reich;
im Ver­si­che­rungs­be­reich;
im Haft­pflicht­be­reich.
2Es re­gelt fer­ner die Er­stel­lung von DNA-Pro­fi­len zur Klä­rung der Ab­stam­mung oder zur Iden­ti­fi­zie­rung von Per­so­nen. Auf die Ver­wen­dung von DNA-Pro­fi­len im Straf­ver­fah­ren und zur Iden­ti­fi­zie­rung von un­be­kann­ten oder ver­miss­ten Per­so­nen ist das DNA-Pro­fil-Ge­setz vom 20. Ju­ni 20031 an­wend­bar.
3Die­ses Ge­setz ist auf ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen zu For­schungs­zwe­cken nicht an­wend­bar.2
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 des Hu­man­for­schungs­ge­set­zes vom 30. Sept. 2011, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 3215; BBl 2009 8045).
Die­ses Ge­setz bezweckt:
die Men­schen­wür­de und die Per­sön­lich­keit zu schüt­zen;
miss­bräuch­li­che ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen und die miss­bräuch­li­che Ver­wen­dung ge­ne­ti­scher Da­ten zu ver­hin­dern;
die Qua­li­tät der ge­ne­ti­schen Un­ter­su­chun­gen und der In­ter­pre­ta­ti­on ih­rer Er­geb­nis­se si­cher­zu­stel­len.
In die­sem Ge­setz be­deu­ten:
ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen: zy­to­ge­ne­ti­sche und mo­le­ku­lar­ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen zur Ab­klä­rung er­erb­ter oder wäh­rend der Em­bryo­nal­pha­se er­wor­be­ner Ei­gen­schaf­ten des Erb­guts des Men­schen so­wie al­le wei­te­ren La­bor­un­ter­su­chun­gen, die un­mit­tel­bar dar­auf ab­zie­len, sol­che In­for­ma­tio­nen über das Erb­gut zu er­hal­ten;
zy­to­ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen: Un­ter­su­chun­gen zur Ab­klä­rung der Zahl und der Struk­tur der Chro­mo­so­men;
mo­le­ku­lar­ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen: Un­ter­su­chun­gen zur Ab­klä­rung der mo­le­ku­la­ren Struk­tur der Nu­kle­in­säu­ren (DNA und RNA) so­wie des un­mit­tel­ba­ren Gen­pro­dukts;
prä­sym­pto­ma­ti­sche ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen: ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen mit dem Ziel, Krank­heits­ver­an­la­gun­gen vor dem Auf­tre­ten kli­ni­scher Sym­pto­me zu er­ken­nen, mit Aus­nah­me der Un­ter­su­chun­gen, die aus­sch­liess­lich zur Ab­klä­rung der Wir­kun­gen ei­ner ge­plan­ten The­ra­pie die­nen;
prä­na­ta­le Un­ter­su­chun­gen: prä­na­ta­le ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen und prä­na­ta­le Ri­si­ko­ab­klä­run­gen;
prä­na­ta­le ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen: ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen wäh­rend der Schwan­ger­schaft zur Ab­klä­rung von Ei­gen­schaf­ten des Erb­guts des Em­bryos oder des Fö­tus;
prä­na­ta­le Ri­si­ko­ab­klä­run­gen: La­bor­un­ter­su­chun­gen, die Hin­wei­se auf das Ri­si­ko ei­ner ge­ne­ti­schen An­oma­lie des Em­bryos oder des Fö­tus ge­ben, so­wie Un­ter­su­chun­gen des Em­bryos oder des Fö­tus mit bild­ge­ben­den Ver­fah­ren;
Un­ter­su­chun­gen zur Fa­mi­li­en­pla­nung: ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen zur Ab­klä­rung ei­nes ge­ne­ti­schen Ri­si­kos für künf­ti­ge Nach­kom­men;
Rei­hen­un­ter­su­chun­gen: ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen, die sys­te­ma­tisch der ge­sam­ten Be­völ­ke­rung oder be­stimm­ten Per­so­nen­grup­pen in der ge­sam­ten Be­völ­ke­rung an­ge­bo­ten wer­den, oh­ne dass bei der ein­zel­nen Per­son ein Ver­dacht be­steht, dass die ge­such­ten Ei­gen­schaf­ten vor­han­den sind;
ge­ne­ti­sche In-vi­tro-Dia­gno­s­ti­ka: ver­wen­dungs­fer­ti­ge Er­zeug­nis­se zum Nach­weis von Ei­gen­schaf­ten des Erb­guts;
DNA-Pro­fil: die für ein In­di­vi­du­um spe­zi­fi­sche In­for­ma­ti­on, die mit Hil­fe mo­le­ku­lar­ge­ne­ti­scher Tech­ni­ken aus den nicht-co­die­ren­den Ab­schnit­ten der DNA ge­won­nen wird;
ge­ne­ti­sche Da­ten: In­for­ma­tio­nen über das Erb­gut ei­ner Per­son, die durch ei­ne ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chung ge­won­nen wer­den, ein­sch­liess­lich des DNA-Pro­fils;
Pro­be: für ei­ne ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chung ge­sam­mel­tes bio­lo­gi­sches Ma­te­ri­al;
be­trof­fe­ne Per­son: Per­son, de­ren Erb­gut un­ter­sucht wird oder von der ein DNA-Pro­fil er­stellt wird und dement­spre­chend Pro­ben oder ge­ne­ti­sche Da­ten vor­lie­gen; bei prä­na­ta­len Un­ter­su­chun­gen die schwan­ge­re Frau.
Nie­mand darf we­gen sei­nes Erb­guts dis­kri­mi­niert wer­den.
1Ge­ne­ti­sche und prä­na­ta­le Un­ter­su­chun­gen, ein­sch­liess­lich Rei­hen­un­ter­su­chun­gen, dür­fen nur durch­ge­führt wer­den, so­fern die be­trof­fe­ne Per­son frei und nach hin­rei­chen­der Auf­klä­rung zu­ge­stimmt hat. Vor­be­hal­ten blei­ben die in ei­nem Bun­des­ge­setz vor­ge­se­he­nen Aus­nah­men.
2Ist die be­trof­fe­ne Per­son ur­teil­s­un­fä­hig, so er­teilt an ih­rer Stel­le der ge­setz­li­che Ver­tre­ter die Zu­stim­mung. Im me­di­zi­ni­schen Be­reich sind die Schran­ken von Ar­ti­kel 10 Ab­satz 2 zu be­ach­ten.
3Die Zu­stim­mung kann je­der­zeit wi­der­ru­fen wer­den.
Je­de Per­son hat das Recht, die Kennt­nis­nah­me von In­for­ma­tio­nen über ihr Erb­gut zu ver­wei­gern; Ar­ti­kel 18 Ab­satz 2 bleibt vor­be­hal­ten.
Die Be­ar­bei­tung ge­ne­ti­scher Da­ten un­ter­steht:
dem Be­rufs­ge­heim­nis nach den Ar­ti­keln 321 und 321bis des Straf­ge­setz­buchs1; und
den Da­ten­schutz­be­stim­mun­gen des Bun­des und der Kan­to­ne.
1Wer zy­to­ge­ne­ti­sche oder mo­le­ku­lar­ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen durch­füh­ren will, be­nö­tigt ei­ne Be­wil­li­gung der zu­stän­di­gen Bun­des­stel­le.
2Der Bun­des­rat:
be­zeich­net die zu­stän­di­ge Bun­des­stel­le;
re­gelt die Vor­aus­set­zun­gen und das Ver­fah­ren für die Er­tei­lung der Be­wil­li­gung;
um­schreibt die Pflich­ten der In­ha­be­rin oder des In­ha­bers der Be­wil­li­gung;
re­gelt die Auf­sicht und sieht ins­be­son­de­re die Mög­lich­keit un­an­ge­mel­de­ter In­spek­tio­nen vor;
legt die Ge­büh­ren fest.
3Der Bun­des­rat kann nach An­hö­rung der Ex­per­ten­kom­mis­si­on für ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen beim Men­schen (Art. 35):
ei­ne Be­wil­li­gungs­pflicht für wei­te­re ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen oder für prä­na­ta­le Ri­si­ko­ab­klä­run­gen vor­se­hen, wenn die­se glei­chen An­for­de­run­gen an die Qua­li­täts­si­che­rung und die In­ter­pre­ta­ti­on der Er­geb­nis­se wie zy­to- und mo­le­ku­lar­ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen ge­nü­gen müs­sen;
ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen, die kei­ne be­son­de­ren An­for­de­run­gen an die Durch­füh­rung und die In­ter­pre­ta­ti­on der Er­geb­nis­se stel­len, von der Be­wil­li­gungs­pflicht aus­neh­men.
4DNA-Pro­fi­le nach die­sem Ge­setz dür­fen nur von La­bo­ra­to­ri­en er­stellt wer­den, die vom Bund an­er­kannt sind. Der Bun­des­rat re­gelt die Vor­aus­set­zun­gen und das Ver­fah­ren für die An­er­ken­nung so­wie die Auf­sicht.
1Es ist ver­bo­ten, ge­ne­ti­sche In-vi­tro-Dia­gno­s­ti­ka an Per­so­nen für ei­ne Ver­wen­dung ab­zu­ge­ben, die nicht der be­ruf­li­chen oder ge­werb­li­chen Tä­tig­keit die­ser Per­so­nen zu­ge­rech­net wer­den kann.
2Der Bun­des­rat kann, nach An­hö­rung der Ex­per­ten­kom­mis­si­on für ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen beim Men­schen, Aus­nah­men von die­sem Ver­bot vor­se­hen, so­fern die Ver­wen­dung un­ter ärzt­li­cher Auf­sicht er­folgt und kei­ne Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on des Un­ter­su­chungs­er­geb­nis­ses mög­lich ist.
1Ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen dür­fen bei Per­so­nen nur durch­ge­führt wer­den, wenn sie ei­nem me­di­zi­ni­schen Zweck die­nen und das Selbst­be­stim­mungs­recht nach Ar­ti­kel 18 ge­wahrt wird.
2Bei ei­ner ur­teil­s­un­fä­hi­gen Per­son darf ei­ne ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chung nur durch­ge­führt wer­den, wenn sie zum Schutz ih­rer Ge­sund­heit not­wen­dig ist. Aus­nahms­wei­se ist ei­ne sol­che Un­ter­su­chung zu­läs­sig, wenn sich ei­ne schwe­re Erb­krank­heit in der Fa­mi­lie oder ei­ne ent­spre­chen­de An­la­ge­trä­ger­schaft auf an­de­re Wei­se nicht ab­klä­ren lässt und die Be­las­tung der be­trof­fe­nen Per­son ge­ring­fü­gig ist.
Es ist ver­bo­ten, prä­na­ta­le Un­ter­su­chun­gen durch­zu­füh­ren, die dar­auf ab­zie­len:
Ei­gen­schaf­ten des Em­bryos oder des Fö­tus, wel­che des­sen Ge­sund­heit nicht di­rekt be­ein­träch­ti­gen, zu er­mit­teln; oder
das Ge­schlecht des Em­bryos oder des Fö­tus zu ei­nem an­de­ren Zweck als der Dia­gno­se ei­ner Krank­heit fest­zu­stel­len.
1Rei­hen­un­ter­su­chun­gen dür­fen nur durch­ge­führt wer­den, wenn die zu­stän­di­ge Bun­des­stel­le das An­wen­dungs­kon­zept be­wil­ligt hat.
2Die Be­wil­li­gung kann er­teilt wer­den, wenn:
ei­ne Früh­be­hand­lung oder ei­ne Pro­phy­la­xe mög­lich ist;
die Un­ter­su­chungs­me­tho­de nach­weis­lich zu­ver­läs­si­ge Er­geb­nis­se lie­fert; und
die an­ge­mes­se­ne ge­ne­ti­sche Be­ra­tung si­cher­ge­stellt ist.
3Be­vor die zu­stän­di­ge Bun­des­stel­le die Be­wil­li­gung er­teilt, hört sie die Ex­per­ten­kom­mis­si­on für ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen beim Men­schen und, so­weit nö­tig, die na­tio­na­le Ethik­kom­mis­si­on im Be­reich der Hu­man­me­di­zin an.
4Der Bun­des­rat kann wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen vor­se­hen. Er be­zeich­net die zu­stän­di­ge Bun­des­stel­le und re­gelt das Ver­fah­ren für die Er­tei­lung der Be­wil­li­gung, die Auf­sicht und die Ge­büh­ren.
1Ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen dür­fen nur von Ärz­tin­nen und Ärz­ten ver­an­lasst wer­den, die zur selbst­stän­di­gen Be­rufs­aus­übung oder zur Be­rufs­aus­übung un­ter Auf­sicht be­fugt sind.
2Prä­sym­pto­ma­ti­sche und prä­na­ta­le ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen so­wie Un­ter­su­chun­gen zur Fa­mi­li­en­pla­nung dür­fen nur von Ärz­tin­nen und Ärz­ten ver­an­lasst wer­den, die über ei­ne ent­spre­chen­de Wei­ter­bil­dung ver­fü­gen oder die im Rah­men ih­rer Wei­ter­bil­dung un­ter Auf­sicht von Ärz­tin­nen oder Ärz­ten ar­bei­ten, die ent­spre­chend wei­ter­ge­bil­det sind.
3Ärz­tin­nen und Ärz­te, die ei­ne ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chung nach Ab­satz 2 ver­an­las­sen, sor­gen für die ge­ne­ti­sche Be­ra­tung.
1Prä­sym­pto­ma­ti­sche und prä­na­ta­le ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen so­wie Un­ter­su­chun­gen zur Fa­mi­li­en­pla­nung müs­sen vor und nach ih­rer Durch­füh­rung von ei­ner nicht­di­rek­ti­ven, fach­kun­di­gen ge­ne­ti­schen Be­ra­tung be­glei­tet sein. Das Be­ra­tungs­ge­spräch ist zu do­ku­men­tie­ren.
2Die Be­ra­tung darf nur der in­di­vi­du­el­len und fa­mi­li­ären Si­tua­ti­on der be­trof­fe­nen Per­son und nicht all­ge­mei­nen ge­sell­schaft­li­chen In­ter­es­sen Rech­nung tra­gen. Sie muss die mög­li­chen psy­chi­schen und so­zia­len Aus­wir­kun­gen des Un­ter­su­chungs­er­geb­nis­ses auf die be­trof­fe­ne Per­son und ih­re Fa­mi­lie be­rück­sich­ti­gen.
3Die be­trof­fe­ne Per­son oder, falls sie ur­teil­s­un­fä­hig ist, ihr ge­setz­li­cher Ver­tre­ter muss na­ment­lich in­for­miert wer­den über:
Zweck, Art und Aus­sa­ge­kraft der Un­ter­su­chung und die Mög­lich­keit von Fol­ge­mass­nah­men;
all­fäl­li­ge Ri­si­ken, die mit der Un­ter­su­chung ver­bun­den sind, so­wie Häu­fig­keit und Art der zu dia­gno­s­ti­zie­ren­den Stö­rung;
die Mög­lich­keit ei­nes un­er­war­te­ten Un­ter­su­chungs­er­geb­nis­ses;
mög­li­che phy­si­sche und psy­chi­sche Be­las­tun­gen;
Mög­lich­kei­ten der Über­nah­me der Un­ter­su­chungs­kos­ten und der Kos­ten für Fol­ge­mass­nah­men;
Mög­lich­kei­ten der Un­ter­stüt­zung im Zu­sam­men­hang mit dem Un­ter­su­chungs­er­geb­nis;
die Be­deu­tung der fest­ge­stell­ten Stö­rung so­wie die sich an­bie­ten­den pro­phy­lak­ti­schen oder the­ra­peu­ti­schen Mass­nah­men.
4Zwi­schen der Be­ra­tung und der Durch­füh­rung der Un­ter­su­chung muss ei­ne an­ge­mes­se­ne Be­denk­zeit lie­gen.
5Bei Rei­hen­un­ter­su­chun­gen ist die Be­ra­tung den Um­stän­den an­zu­pas­sen.
1Die schwan­ge­re Frau ist vor und nach ei­ner prä­na­ta­len ge­ne­ti­schen Un­ter­su­chung aus­drück­lich über ihr Selbst­be­stim­mungs­recht zu in­for­mie­ren.
2Er­öff­net die vor­ge­schla­ge­ne Un­ter­su­chung mit ho­her Wahr­schein­lich­keit kei­ne the­ra­peu­ti­sche oder pro­phy­lak­ti­sche Mög­lich­keit, so ist die Frau im Vor­aus dar­auf hin­zu­wei­sen; sie muss zu­dem auf die In­for­ma­ti­ons- und Be­ra­tungs­stel­len für prä­na­ta­le Un­ter­su­chun­gen auf­merk­sam ge­macht wer­den.
3Wird ei­ne schwer­wie­gen­de un­heil­ba­re Stö­rung fest­ge­stellt, so ist die Frau auch über Al­ter­na­ti­ven zum Schwan­ger­schafts­ab­bruch zu in­for­mie­ren und auf Ver­ei­ni­gun­gen von El­tern be­hin­der­ter Kin­der so­wie Selbst­hil­fe­grup­pen auf­merk­sam zu ma­chen.
4Der Ehe­gat­te oder der Part­ner der Frau ist nach Mög­lich­keit in die ge­ne­ti­sche Be­ra­tung ein­zu­be­zie­hen.
Vor der Durch­füh­rung ei­ner La­bor­un­ter­su­chung, die Hin­wei­se auf das Ri­si­ko ei­ner ge­ne­ti­schen An­oma­lie des Em­bryos oder des Fö­tus gibt, oder ei­ner prä­na­ta­len Un­ter­su­chung mit bild­ge­ben­dem Ver­fah­ren muss die schwan­ge­re Frau in­for­miert wer­den über:
den Zweck und die Aus­sa­ge­kraft der Un­ter­su­chung;
mög­li­che Fol­ge­un­ter­su­chun­gen und -ein­grif­fe; und
In­for­ma­ti­ons- und Be­ra­tungs­stel­len nach Ar­ti­kel 17.
1Die Kan­to­ne sor­gen da­für, dass un­ab­hän­gi­ge In­for­ma­ti­ons- und Be­ra­tungs­stel­len für prä­na­ta­le Un­ter­su­chun­gen be­ste­hen, die über das er­for­der­li­che fach­kun­di­ge Per­so­nal ver­fü­gen.
2Sie kön­nen sol­che Stel­len ge­mein­sam er­rich­ten oder de­ren Auf­ga­ben den an­er­kann­ten Schwan­ger­schafts­be­ra­tungs­stel­len (BG vom 9. Okt. 19811 über die Schwan­ger­schafts­be­ra­tungs­stel­len) über­tra­gen.
3Die Stel­len in­for­mie­ren und be­ra­ten in all­ge­mei­ner Wei­se über prä­na­ta­le Un­ter­su­chun­gen und ver­mit­teln auf Wunsch Kon­tak­te zu Ver­ei­ni­gun­gen von El­tern be­hin­der­ter Kin­der oder zu Selbst­hil­fe­grup­pen.
1Nach hin­rei­chen­der Auf­klä­rung ent­schei­det die be­trof­fe­ne Per­son frei:
ob ei­ne ge­ne­ti­sche oder ei­ne prä­na­ta­le Un­ter­su­chung und ge­ge­be­nen­falls ei­ne Fol­ge­un­ter­su­chung durch­ge­führt wer­den soll;
ob sie das Un­ter­su­chungs­er­geb­nis zur Kennt­nis neh­men will; und
wel­che Fol­ge­run­gen sie aus dem Un­ter­su­chungs­er­geb­nis zie­hen will.
2Die Ärz­tin oder der Arzt muss die be­trof­fe­ne Per­son un­ver­züg­lich über das Un­ter­su­chungs­er­geb­nis in­for­mie­ren, wenn für sie oder für den Em­bryo oder den Fö­tus ei­ne un­mit­tel­bar dro­hen­de phy­si­sche Ge­fahr be­steht, die ab­ge­wen­det wer­den könn­te.
3Für prä­sym­pto­ma­ti­sche oder prä­na­ta­le ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen so­wie für Un­ter­su­chun­gen zur Fa­mi­li­en­pla­nung muss die Zu­stim­mung schrift­lich er­teilt wer­den, nicht je­doch für Rei­hen­un­ter­su­chun­gen.
4Ist die be­trof­fe­ne Per­son ur­teil­s­un­fä­hig, so ent­schei­det der ge­setz­li­che Ver­tre­ter.
1Die Ärz­tin oder der Arzt darf das Er­geb­nis ei­ner ge­ne­ti­schen Un­ter­su­chung nur der be­trof­fe­nen Per­son oder, falls die­se ur­teil­s­un­fä­hig ist, ih­rem ge­setz­li­chen Ver­tre­ter mit­tei­len.
2Mit aus­drück­li­cher Zu­stim­mung der be­trof­fe­nen Per­son darf die Ärz­tin oder der Arzt das Un­ter­su­chungs­er­geb­nis den Ver­wand­ten, der Ehe­gat­tin oder dem Ehe­gat­ten, der Part­ne­rin oder dem Part­ner mit­tei­len.
3Wird die Zu­stim­mung ver­wei­gert, so kann die Ärz­tin oder der Arzt bei der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Be­hör­de nach Ar­ti­kel 321 Zif­fer 2 des Straf­ge­setz­buchs1 die Ent­bin­dung vom Be­rufs­ge­heim­nis be­an­tra­gen, so­fern dies zur Wah­rung über­wie­gen­der In­ter­es­sen der Ver­wand­ten, der Ehe­gat­tin oder des Ehe­gat­ten, der Part­ne­rin oder des Part­ners not­wen­dig ist. Die Be­hör­de kann die Ex­per­ten­kom­mis­si­on für ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen beim Men­schen um Stel­lung­nah­me er­su­chen.
1Ei­ne Pro­be darf nur zu den Zwe­cken wei­ter­ver­wen­det wer­den, de­nen die be­trof­fe­ne Per­son zu­ge­stimmt hat.
2und 3 …1
1 Au­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 3 des Hu­man­for­schungs­ge­set­zes vom 30. Sept. 2011, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 3215; BBl 2009 8045).
Bei der Be­grün­dung oder wäh­rend der Dau­er des Ar­beits­ver­hält­nis­ses dür­fen der Ar­beit­ge­ber und sei­ne Ver­trau­en­särz­tin oder sein Ver­trau­ens­arzt:
kei­ne prä­sym­pto­ma­ti­schen ge­ne­ti­schen Un­ter­su­chun­gen ver­lan­gen;
we­der die Of­fen­le­gung von Er­geb­nis­sen aus frü­he­ren prä­sym­pto­ma­ti­schen ge­ne­ti­schen Un­ter­su­chun­gen ver­lan­gen noch sol­che Er­geb­nis­se ver­wer­ten;
kei­ne ge­ne­ti­schen Un­ter­su­chun­gen ver­lan­gen, mit de­nen per­sön­li­che Ei­gen­schaf­ten ei­ner Ar­beit­neh­me­rin oder ei­nes Ar­beit­neh­mers er­kannt wer­den sol­len, die nicht die Ge­sund­heit be­tref­fen.
Bei der Be­grün­dung oder wäh­rend der Dau­er des Ar­beits­ver­hält­nis­ses dür­fen so­wohl die Ar­beits­me­di­zi­ne­rin oder der Ar­beits­me­di­zi­ner als auch die be­auf­trag­te Ärz­tin oder der be­auf­trag­te Arzt ei­ne prä­sym­pto­ma­ti­sche ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chung ver­an­las­sen, wenn die fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind:
Der Ar­beits­platz ist durch Ver­fü­gung der SU­VA der ar­beits­me­di­zi­ni­schen Vor­sor­ge un­ter­stellt, oder auf Grund an­de­rer bun­des­recht­li­cher Vor­schrif­ten muss für die be­tref­fen­de Tä­tig­keit ei­ne me­di­zi­ni­sche Eig­nungs­un­ter­su­chung durch­ge­führt wer­den, weil die Ge­fahr ei­ner Be­rufs­krank­heit oder ei­ner schwer­wie­gen­den Um­welt­schä­di­gung oder schwer­wie­gen­de Un­fall- oder Ge­sund­heits­ge­fah­ren für Dritt­per­so­nen be­ste­hen.
Mass­nah­men am Ar­beits­platz im Sin­ne von Ar­ti­kel 82 des Bun­des­ge­set­zes vom 20. März 19811 über die Un­fall­ver­si­che­rung oder an­de­ren ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen rei­chen nicht aus, um die­se Ge­fah­ren aus­zu­sch­lies­sen.
Nach dem Stand der Wis­sen­schaft hän­gen die Be­rufs­krank­heit, die Ge­fahr der Um­welt­schä­di­gung oder die Un­fall- oder Ge­sund­heits­ge­fah­ren für Dritt­per­so­nen mit ei­ner be­stimm­ten ge­ne­ti­schen Ver­an­la­gung der Per­son, die den Ar­beits­platz in­ne­hat, zu­sam­men.
Die Ex­per­ten­kom­mis­si­on für ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen beim Men­schen hat die­sen Zu­sam­men­hang be­stä­tigt und die Un­ter­su­chungs­art als zu­ver­läs­sig be­zeich­net, um die ent­spre­chen­de ge­ne­ti­sche Ver­an­la­gung zu er­ken­nen.
Die be­trof­fe­ne Per­son hat der Un­ter­su­chung schrift­lich zu­ge­stimmt.
1Die Un­ter­su­chung muss sich auf die be­stimm­te ge­ne­ti­sche Ver­an­la­gung be­schrän­ken, die am Ar­beits­platz re­le­vant ist. Nach wei­te­ren ge­ne­ti­schen Da­ten darf nicht ge­forscht wer­den.
2Vor und nach der Un­ter­su­chung muss die ge­ne­ti­sche Be­ra­tung nach Ar­ti­kel 14 durch­ge­führt wer­den.
3Nach Ab­schluss der Un­ter­su­chung ist die Pro­be zu ver­nich­ten.
1Die Ärz­tin oder der Arzt teilt das Er­geb­nis der Un­ter­su­chung der be­trof­fe­nen Per­son mit. Dem Ar­beit­ge­ber wird le­dig­lich mit­ge­teilt, ob die be­trof­fe­ne Per­son für die vor­ge­se­he­ne Tä­tig­keit in Fra­ge kommt.
2Wird die ar­beits­me­di­zi­ni­sche Vor­sor­ge ge­stützt auf ei­ne Ver­fü­gung der SU­VA durch­ge­führt, so trägt die­se die Kos­ten, in den üb­ri­gen Fäl­len der Ar­beit­ge­ber.
Stel­len die Durch­füh­rungs­or­ga­ne des Ar­beits­ge­set­zes vom 13. März 19641 oder des Bun­des­ge­set­zes vom 20. März 19812 über die Un­fall­ver­si­che­rung Ver­stös­se ge­gen die Ar­ti­kel 21-24 fest, so müs­sen sie von Am­tes we­gen ein­schrei­ten.
Ver­si­che­rungs­ein­rich­tun­gen dür­fen als Vor­aus­set­zung für die Be­grün­dung ei­nes Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­ses we­der prä­sym­pto­ma­ti­sche noch prä­na­ta­le ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen ver­lan­gen.
1Ver­si­che­rungs­ein­rich­tun­gen dür­fen von der an­trag­stel­len­den Per­son bei fol­gen­den Ver­si­che­run­gen we­der die Of­fen­le­gung von Er­geb­nis­sen aus frü­he­ren prä­sym­pto­ma­ti­schen oder prä­na­ta­len ge­ne­ti­schen Un­ter­su­chun­gen oder Un­ter­su­chun­gen zur Fa­mi­li­en­pla­nung ver­lan­gen noch sol­che Er­geb­nis­se ver­wer­ten:
Ver­si­che­run­gen, auf die das Bun­des­ge­setz vom 6. Ok­to­ber 20001 über den All­ge­mei­nen Teil des So­zi­al­ver­si­che­rungs­rechts ganz oder teil­wei­se an­wend­bar ist;
be­ruf­li­che Vor­sor­ge im ob­li­ga­to­ri­schen und im über­ob­li­ga­to­ri­schen Be­reich;
Ver­si­che­run­gen be­tref­fend die Lohn­fort­zah­lungs­pflicht im Krank­heits­fall oder bei Mut­ter­schaft;
Le­bens­ver­si­che­run­gen mit ei­ner Ver­si­che­rungs­s­um­me von höchs­tens 400 000 Fran­ken;
frei­wil­li­ge In­va­li­di­täts­ver­si­che­run­gen mit ei­ner Jah­res­ren­te von höchs­tens 40 000 Fran­ken.
2Schliesst ei­ne Per­son meh­re­re Le­bens- oder In­va­li­di­täts­ver­si­che­run­gen ab, so darf der Höchst­be­trag nach Ab­satz 1 Buch­sta­be d oder e nur ein­mal aus­ge­schöpft wer­den. Die an­trag­stel­len­de Per­son muss der Ver­si­che­rungs­ein­rich­tung die ent­spre­chen­den Aus­künf­te er­tei­len.
1Vor dem Ab­schluss ei­ner Pri­vat­ver­si­che­rung, die nicht un­ter Ar­ti­kel 27 fällt, dür­fen Ver­si­che­rungs­ein­rich­tun­gen von der an­trag­stel­len­den Per­son die Of­fen­le­gung von Er­geb­nis­sen aus frü­he­ren prä­sym­pto­ma­ti­schen ge­ne­ti­schen Un­ter­su­chun­gen ge­gen­über der be­auf­trag­ten Ärz­tin oder dem be­auf­trag­ten Arzt nur ver­lan­gen, wenn:
die be­tref­fen­de Un­ter­su­chung tech­nisch und in der me­di­zi­ni­schen Pra­xis zu­ver­läs­si­ge Er­geb­nis­se lie­fert; und
der wis­sen­schaft­li­che Wert der Un­ter­su­chung für die Prä­mi­en­be­rech­nung nach­ge­wie­sen ist.
2Die be­auf­trag­te Ärz­tin oder der be­auf­trag­te Arzt teilt der Ver­si­che­rungs­ein­rich­tung le­dig­lich mit, in wel­che Ri­si­ko­grup­pe die an­trag­stel­len­de Per­son ein­zu­tei­len ist.
3Die be­auf­trag­te Ärz­tin oder der be­auf­trag­te Arzt darf die Un­ter­su­chungs­er­geb­nis­se nur auf­be­wah­ren, wenn die­se für den Ver­trags­ab­schluss re­le­vant sind.
4Die Un­ter­su­chungs­er­geb­nis­se dür­fen aus­sch­liess­lich für den Zweck ver­wen­det wer­den, für den sie bei der an­trag­stel­len­den Per­son er­ho­ben wor­den sind.
1Es ist ver­bo­ten, prä­sym­pto­ma­ti­sche ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen zum Zweck der Scha­dens­be­rech­nung oder der Scha­den­er­satz­be­mes­sung durch­zu­füh­ren, aus­ser es geht um die Ab­klä­rung ei­ner wäh­rend der Em­bryo­nal­pha­se er­wor­be­nen ge­ne­ti­schen Schä­di­gung, für die Scha­den­er­satz oder Ge­nug­tu­ung ver­langt wird.
2Zum Zweck der Scha­dens­be­rech­nung oder der Scha­den­er­satz­be­mes­sung darf we­der die Of­fen­le­gung von Er­geb­nis­sen aus frü­he­ren prä­sym­pto­ma­ti­schen oder prä­na­ta­len ge­ne­ti­schen Un­ter­su­chun­gen oder Un­ter­su­chun­gen zur Fa­mi­li­en­pla­nung ver­langt noch dür­fen sol­che Er­geb­nis­se ver­wer­tet wer­den.
Zum Zweck der Scha­dens­be­rech­nung oder der Scha­den­er­satz­be­mes­sung dür­fen ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen zur Fest­stel­lung, ob ei­ne Krank­heit vor­liegt oder nicht, nur mit schrift­li­cher Zu­stim­mung der be­trof­fe­nen Per­son oder auf An­ord­nung des Ge­richts durch­ge­führt wer­den.
1Bei der Er­stel­lung von DNA-Pro­fi­len zur Klä­rung der Ab­stam­mung oder zur Iden­ti­fi­zie­rung darf nach dem Ge­sund­heits­zu­stand oder an­de­ren per­sön­li­chen Ei­gen­schaf­ten der be­trof­fe­nen Per­so­nen mit Aus­nah­me des Ge­schlechts nicht ge­forscht wer­den.
2Das La­bo­ra­to­ri­um, wel­ches das DNA-Pro­fil er­stellt, oder auf sei­ne An­ord­nung ei­ne Ärz­tin oder ein Arzt muss den be­trof­fe­nen Per­so­nen die Pro­ben ent­neh­men. Die­se Per­so­nen müs­sen sich über ih­re Iden­ti­tät aus­wei­sen.
3Die Pro­ben dür­fen nicht für an­de­re Zwe­cke wei­ter­ver­wen­det wer­den.
1In ei­nem Zi­vil­ver­fah­ren darf bei Par­tei­en und Dritt­per­so­nen ein DNA-Pro­fil nur auf An­ord­nung des Ge­richts oder mit schrift­li­cher Zu­stim­mung der be­trof­fe­nen Per­son er­stellt wer­den.
2Das La­bo­ra­to­ri­um muss die Pro­ben, die im Rah­men des Ver­fah­rens ent­nom­men wor­den sind, auf­be­wah­ren. Das Ge­richt, das die Un­ter­su­chung an­ge­ord­net hat, sorgt da­für, dass die Pro­ben un­mit­tel­bar nach Rechts­kraft des End­ur­teils ver­nich­tet wer­den, so­fern ei­ne be­trof­fe­ne Per­son nicht schrift­lich die wei­te­re Auf­be­wah­rung ih­rer Pro­be ver­langt.
1Be­ste­hen in ei­nem Ver­wal­tungs­ver­fah­ren be­grün­de­te Zwei­fel über die Ab­stam­mung oder die Iden­ti­tät ei­ner Per­son, die sich auf an­de­re Wei­se nicht aus­räu­men las­sen, so kann die zu­stän­di­ge Be­hör­de die Er­tei­lung von Be­wil­li­gun­gen oder die Ge­wäh­rung von Leis­tun­gen von der Er­stel­lung von DNA-Pro­fi­len ab­hän­gig ma­chen.
2Die DNA-Pro­fi­le dür­fen nur er­stellt wer­den, so­fern die be­trof­fe­nen Per­so­nen schrift­lich zu­stim­men.
3Das La­bo­ra­to­ri­um muss die Pro­ben auf­be­wah­ren. Die Be­hör­de sorgt da­für, dass die Pro­ben, un­mit­tel­bar nach­dem die Ver­fü­gung in Rechts­kraft er­wach­sen ist, ver­nich­tet wer­den.
1Aus­ser­halb ei­nes be­hörd­li­chen Ver­fah­rens dür­fen DNA-Pro­fi­le zur Klä­rung der Ab­stam­mung er­stellt wer­den, so­fern die be­trof­fe­nen Per­so­nen schrift­lich zu­stim­men; ein ur­teil­s­un­fä­hi­ges Kind, des­sen Ab­stam­mung von ei­ner be­stimm­ten Per­son ge­klärt wer­den soll, kann von die­ser nicht ver­tre­ten wer­den.
2Das La­bo­ra­to­ri­um, das die DNA-Pro­fi­le er­stellt, muss die be­trof­fe­nen Per­so­nen vor der Un­ter­su­chung schrift­lich über die Be­stim­mun­gen des Zi­vil­ge­setz­bu­ches1 be­tref­fend die Ent­ste­hung des Kin­des­ver­hält­nis­ses in­for­mie­ren und auf die mög­li­chen psy­chi­schen und so­zia­len Aus­wir­kun­gen der Un­ter­su­chung auf­merk­sam ma­chen.
3Über Auf­be­wah­rung oder Ver­nich­tung ih­rer Pro­be ent­schei­det die be­trof­fe­ne Per­son oder, falls die­se ur­teil­s­un­fä­hig ist, ihr ge­setz­li­cher Ver­tre­ter.
4Prä­na­ta­le Va­ter­schafts­ab­klä­run­gen dür­fen von ei­ner Ärz­tin oder ei­nem Arzt nur ver­an­lasst wer­den, nach­dem ein ein­ge­hen­des Be­ra­tungs­ge­spräch mit der schwan­ge­ren Frau statt­ge­fun­den hat, in dem ins­be­son­de­re de­ren Grün­de für die Ab­klä­rung, die Ri­si­ken, die mit der Ent­nah­me der Pro­be ver­bun­den sind, die psy­chi­schen, so­zia­len und recht­li­chen Fra­gen im Zu­sam­men­hang mit der Schwan­ger­schaft, all­fäl­li­ge Fol­ge­mass­nah­men nach der Ab­klä­rung und die Mög­lich­kei­ten der Un­ter­stüt­zung be­spro­chen wor­den sind. Das Be­ra­tungs­ge­spräch ist zu do­ku­men­tie­ren.
8. Abschnitt: Expertenkommission für genetische Untersuchungen beim Menschen
1Der Bun­des­rat be­stellt ei­ne Ex­per­ten­kom­mis­si­on für ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen beim Men­schen.
2Die Ex­per­ten­kom­mis­si­on hat ins­be­son­de­re die Auf­ga­be:
Mass­stä­be für die Qua­li­täts­kon­trol­le ge­ne­ti­scher Un­ter­su­chun­gen im Hin­blick auf die Be­wil­li­gungs­er­tei­lung zu er­ar­bei­ten (Art. 8 Abs. 2) und zu­han­den des Bun­des­ra­tes Emp­feh­lun­gen ab­zu­ge­ben, ob be­stimm­te ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen von der Be­wil­li­gungs­pflicht aus­zu­neh­men oder die­ser zu un­ter­stel­len sind (Art. 8 Abs. 3);
auf An­fra­ge der zu­stän­di­gen Bun­des­stel­le zu Be­wil­li­gungs­ge­su­chen Stel­lung zu neh­men und bei In­spek­tio­nen mit­zu­wir­ken (Art. 8 Abs. 1 und 2);
Emp­feh­lun­gen ab­zu­ge­ben, ob be­stimm­te ge­ne­ti­sche In-vi­tro-Dia­gno­s­ti­ka vom Ver­bot nach Ar­ti­kel 9 Ab­satz 1 aus­zu­neh­men sind;
An­wen­dungs­kon­zep­te für Rei­hen­un­ter­su­chun­gen zu be­gut­ach­ten (Art. 12);
so­weit er­for­der­lich Emp­feh­lun­gen zur Wei­ter­bil­dung nach Ar­ti­kel 13 Ab­satz 2 ab­zu­ge­ben;
Emp­feh­lun­gen für die ge­ne­ti­sche Be­ra­tung (Art. 14 und 15) und die In­for­ma­ti­on bei prä­na­ta­len Ri­si­ko­ab­klä­run­gen (Art. 16) ab­zu­ge­ben;
die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Be­hör­de bei Ge­su­chen um Ent­bin­dung vom Be­rufs­ge­heim­nis (Art. 19 Abs. 3) auf An­fra­ge zu be­ra­ten;
Be­stä­ti­gun­gen nach Ar­ti­kel 22 Buch­sta­be d ab­zu­ge­ben;
Emp­feh­lun­gen für die Er­stel­lung von DNA-Pro­fi­len ab­zu­ge­ben;
die wis­sen­schaft­li­che und prak­ti­sche Ent­wick­lung der ge­ne­ti­schen Un­ter­su­chun­gen zu ver­fol­gen, Emp­feh­lun­gen da­zu ab­zu­ge­ben und Lücken in der Ge­setz­ge­bung auf­zu­zei­gen.
3Sie ist bei der Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben un­ab­hän­gig.
Wer vor­sätz­lich oh­ne die nach die­sem Ge­setz er­for­der­li­che Zu­stim­mung der be­trof­fe­nen Per­son ei­ne ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chung ver­an­lasst oder durch­führt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.1
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 333 des Straf­ge­setz­bu­ches (SR 311.0) in der Fas­sung des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979).
Wer vor­sätz­lich ei­ne ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chung bei ei­ner Dritt­per­son durch­führt, oh­ne über die nach Ar­ti­kel 8 er­for­der­li­che Be­wil­li­gung zu ver­fü­gen, wird mit Bus­se be­straft.1
1Wer vor­sätz­lich ent­ge­gen Ar­ti­kel 9 Ab­satz 1 ge­ne­ti­sche In-vi­tro-Dia­gno­s­ti­ka an Per­so­nen für ei­ne Ver­wen­dung ab­gibt, die nicht der be­ruf­li­chen oder ge­werb­li­chen Tä­tig­keit die­ser Per­so­nen zu­ge­rech­net wer­den kann, wird mit Bus­se be­straft.1
2Wird die Tat ge­werbs­mäs­sig be­gan­gen, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.2
2 Fas­sung ge­mä­ss Art. 333 des Straf­ge­setz­bu­ches (SR 311.0) in der Fas­sung des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979).
Mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe wird be­straft, wer im Ar­beits­be­reich ent­ge­gen Ar­ti­kel 21 vor­sätz­lich:1
ei­ne prä­sym­pto­ma­ti­sche ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chung oder ei­ne ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chung zur Ab­klä­rung per­sön­li­cher Ei­gen­schaf­ten, die nicht die Ge­sund­heit be­tref­fen, ver­langt; oder
die Of­fen­le­gung von Er­geb­nis­sen aus frü­he­ren prä­sym­pto­ma­ti­schen ge­ne­ti­schen Un­ter­su­chun­gen ver­langt oder im Rah­men ei­ner ver­trau­en­s­ärzt­li­chen Un­ter­su­chung da­nach fragt oder sol­che Er­geb­nis­se ver­wer­tet.
Mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe wird be­straft, wer im Ver­si­che­rungs­be­reich vor­sätz­lich:1
ent­ge­gen Ar­ti­kel 26 prä­sym­pto­ma­ti­sche oder prä­na­ta­le ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen ver­langt; oder
ent­ge­gen Ar­ti­kel 27 die Of­fen­le­gung von Er­geb­nis­sen aus frü­he­ren prä­sym­pto­ma­ti­schen oder prä­na­ta­len ge­ne­ti­schen Un­ter­su­chun­gen oder Un­ter­su­chun­gen zur Fa­mi­li­en­pla­nung ver­langt oder im Rah­men ei­ner ärzt­li­chen Ri­si­ko­ab­klä­rung da­nach fragt oder sol­che Er­geb­nis­se ver­wer­tet.
1Die Ver­fol­gung und die Be­ur­tei­lung von Straf­ta­ten nach die­sem Ge­setz ob­lie­gen den Kan­to­nen.
2Die Ar­ti­kel 6 und 7 (Wi­der­hand­lun­gen in Ge­schäfts­be­trie­ben) so­wie 15 (Ur­kun­den­fäl­schung, Er­schlei­chen ei­ner falschen Be­ur­kun­dung) des Bun­des­ge­set­zes vom 22. März 19741 über das Ver­wal­tungs­straf­recht sind an­wend­bar.
1Wer ei­ne Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 8 be­nö­tigt, muss das Ge­such in­ner­halb von drei Mo­na­ten nach In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes bei der zu­stän­di­gen Bun­des­stel­le ein­rei­chen.
2Wer das Ge­such nicht frist­ge­recht stellt, muss die Tä­tig­keit ein­stel­len.
An­wen­dungs­kon­zep­te für Rei­hen­un­ter­su­chun­gen, die beim In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes be­reits durch­ge­führt wer­den, be­dür­fen kei­ner Be­wil­li­gung.