Source: http://m.hensche.de/Keine_Altersdiskriminierung_Juengerer_durch_ratierliche_Kuerzung_von_Versorgungsanwartschaft_bei_vorzeitigem_Ausscheiden_LAG_Koeln_9Sa1-09-u.html
Timestamp: 2017-08-21 00:56:46
Document Index: 185790726

Matched Legal Cases: ['§ 2', 'Art 2', '§ 1', '§ 6', '§ 2', '§ 9', '§ 11', '§ 7', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 7', '§ 2', '§ 11', '§ 2', 'Art. 3', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 7', 'Art. 4', '§ 33', '§ 7', '§ 33', 'Art. 18', 'Art. 13', 'EuG', 'EuG', '§ 2', 'Art. 2', 'EuG', 'EuG', '§ 2', 'Art. 3']

Schlag­worte: Altersdiskriminierung, Betriebsrente
Akten­zeichen: 9 Sa 1/09
Leit­sätze: So­weit die ra­tier­li­che Kürzung der Ver­sor­gungs­an­wart­schaft ei­nes vor­zei­tig aus­ge­schie­de­nen Ar­beit­neh­mers nach § 2 Abs 1 S 1 Be­trAVG mit­tel­bar zur Fol­ge hat, dass jünge­re Ar­beit­neh­mer un­ter im Übri­gen glei­chen sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen ei­ne ge­rin­ge­re An­wart­schaft er­lan­gen als älte­re Ar­beit­neh­mer, ist die­se Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne des Art 2 Abs 2 lit. i Richt­li­nie 2000/78/EG (ju­ris EGRL 78/2000) durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt und sind die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 20.08.2008, 3 Ca 4640/07
Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 9 Sa 1/09
1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 20.08.2008 – 3 Ca 4640/07 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Be­rech­nung der vom be­klag­ten P als Träger der ge­setz­li­chen In­sol­venz­si­che­rung (P ) zu si­chern­den Ver­sor­gungs­an­wart­schaft des Klägers.
Der Kläger, ge­bo­ren am 26. Ju­li 1952, war vom 1. No­vem­ber 1982 bis zum 31. De­zem­ber 2007 bei der I GmbH & Co. KG (im Wei­te­ren: Ar­beit­ge­be­rin) beschäftigt.
Bei der Ar­beit­ge­be­rin be­stand ei­ne Ver­sor­gungs­ord­nung (Ver­sor­gungs­werk 2) vom 1. Ja­nu­ar 1979. Die­se lau­tet aus­zugs­wei­se:
§ 1 Art der Fir­men­ren­ten
Nach Auf­nah­me in das Ver­sor­gungs­werk und nach Erfüllung der je­wei­li­gen An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen wer­den als Ver­sor­gungs­leis­tun­gen gewährt:
a. Al­ters­ren­ten an Be­triebs­an­gehöri­ge, die nach Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze in den Ru­he­stand tre­ten...
§ 6 Höhe der Fir­men­ren­te
Als Al­ters­ren­te .... erhält der Mit­ar­bei­ter vor­be­halt­lich der Son­der­re­ge­lun­gen in § 2 Abs. 2, 5 Abs. 4 und § 9 b
für die ers­ten 10 an­re­chen­ba­ren Dienst­jah­re pro Jahr 0,15 %
vom 11. bis 15. an­re­chen­ba­ren Dienst­jahr pro Jahr 0,25 %
vom 16. bis 20. an­re­chen­ba­ren Dienst­jahr pro Jahr 0,30 %
vom 21. bis 25. an­re­chen­ba­ren Dienst­jahr pro Jahr 0,35 %
vom 25. bis 30. an­re­chen­ba­ren Dienst­jahr pro Jahr 0,40 %,
höchs­tens je­doch 8 % des ru­he­geldfähi­gen Ein­kom­mens bis zur je­wei­li­gen Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung nach 30 an­re­chen­ba­ren Dienst­jah­ren.
§ 11 Un­ver­fall­ba­re An­wart­schaf­ten bei vor­zei­ti­gem Aus­schei­den
(1) Auch vor Ein­tritt des Ver­sor­gungs­fal­les aus­ge­schie­de­ne Mit­ar­bei­ter er­hal­ten ih­re An­wart­schaf­ten auf Ver­sor­gungs­leis­tun­gen, so­fern sie bei ih­rem Aus­schei­den min­des­tens das 35. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben und die Ver­sor­gungs­zu­sa­ge für sie min­des­tens 10 Jah­re be­stan­den hat...
(3) Die Höhe der Ver­sor­gungs­leis­tun­gen wird aus der Leis­tung er­mit­telt, die den Mit­ar­bei­tern ... im Ver­sor­gung­fall zustände, wenn die Mit­ar­bei­ter nicht vor­zei­tig aus­ge­schie­den wären. Von die­ser Leis­tung wird der Teil als Ren­te ge­zahlt, der dem Verhält­nis der Dau­er der tatsächli­chen Be­triebs­zu­gehörig­keit zu der Zeit von Be­ginn der Be­triebs­zu­gehörig­keit bis zur Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res ent­spricht....
Am 1. Sep­tem­ber 2005 wur­de das In­sol­venz­ver­fah­ren über das Vermögen der Ar­beit­ge­be­rin eröff­net.
Der Be­klag­te er­teil­te dem Kläger am 7. Fe­bru­ar 2007 ei­nen An­wart­schafts­aus­weis, wo­nach er für die si­chern­de un­ver­fall­ba­re Ren­ten­an­wart­schaft mit ei­nem An­teil von 65,3206 % ein­tritts­pflich­tig ist und sich ei­ne zu si­chern­de Leis­tung in Höhe von EUR 229,54 er­gibt. We­gen der Ein­zel­hei­ten der Be­rech­nung wird auf Bl. 14 – 15 d. A. ver­wie­sen.
Da­ge­gen wen­det sich der Kläger mit der vor­lie­gen­den Kla­ge, die am 18. Mai 2007 ein­ge­gan­gen ist.
Der Kläger meint, die Be­rech­nung der zu si­chern­den Leis­tung ent­spre­chend § 7 Abs. 2 S. 3 Be­trAVG i. V. m. § 2 Abs. 1 S. 1 Be­trAVG und 11 Abs. 3 der Ver­sor­gungs­ord­nung stel­le ei­ne nach
eu­ro­pa­recht­li­chen Vor­schrif­ten un­zulässi­ge Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung dar, weil sich für die jünge­ren Ar­beit­neh­mer bei der Be­rech­nung des Zeit­wert­fak­tors die Dau­er ih­rer mögli­chen Be­triebs­zu­gehörig­keit bis zur Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res nach­tei­lig im Ver­gleich zu älte­ren Ar­beit­neh­mern aus­wir­ke.
Das Ar­beits­ge­richt Köln hat durch Ur­teil vom 20. Au­gust 2008 die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
Das Ur­teil ist dem Kläger am 29. De­zem­ber 2008 zu­ge­stellt wor­den. Er hat hier­ge­gen am 2. Ja­nu­ar 2009 Be­ru­fung ein­le­gen und die­se am 21. Ja­nu­ar 2009 be­gründen las­sen.
Er ver­weist auf erst­in­stanz­li­che Ver­gleichs­bei­spie­le, aus de­nen sich er­ge­be, dass durch die ra­tier­li­che Be­rech­nung nach § 2 Abs. 1 S. 1 Be­trAVG vor­zei­tig aus­schei­den­de jünge­re Ar­beit­neh­mer bei glei­cher Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit be­nach­tei­ligt würden ge­genüber älte­ren Ar­beit­neh­mern. Da sich für ei­nen (fik­ti­ven) Ar­beit­neh­mer, der am 31. Ok­to­ber 1947 ge­bo­ren sei, und der – wie er – am 1. No­vem­ber 1982 bei der Be­klag­ten ein­ge­tre­ten sei, bei glei­chen Ent­gelt­be­din­gun­gen ei­ne vom Be­klag­ten zu si­chern­de Ren­ten­an­wart­schaft in Höhe von EUR 296,34 er­ge­be, ver­lan­ge er Fest­stel­lung, dass der Be­klag­te sei­ne Ren­ten­an­wart­schaft in glei­cher Höhe zu si­chern ha­be.
un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Köln vom 20. Au­gust 2008 – 3 Ca 4640/07 –
1. fest­zu­stel­len, dass er bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­fal­les mit Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res An­spruch auf ei­ne Be­triebs­ren­te von EUR 296,34 mo­nat­lich hat,
2. hilfs­wei­se fest­zu­stel­len, dass bei der Be­rech­nung sei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ein Zeit­wert­fak­tor von 0,761110 zu­grun­de zu le­gen ist.
Er ver­tei­digt mit Rechts­ausführun­gen die Kla­ge­ab­wei­sung durch das erst­in­stanz­li­che Ge­richt.
Ins­be­son­de­re weist er dar­auf hin, dass die nach § 2 Abs. 1 S. 1 Be­trAVG vor­zu­neh­men­de Be­rech­nung jünge­re Ar­beit­neh­mer bei der Er­mitt­lung der Ver­sor­gungs­leis­tung begüns­ti­ge, die dem Ar­beit­neh­mer oh­ne das vor­zei­ti­ge Aus­schei­den zu­ge­stan­den hätte.
Im Er­geb­nis hat das Ar­beits­ge­richt Köln zu Recht die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
Bei der Be­rech­nung der vom Be­klag­ten zu si­chern­den Leis­tung ist zu­tref­fend ein Zeit­wert­fak­tor von 0,589530 zu­grun­de ge­legt wor­den, so dass sich bei ei­ner Quo­te von un­strei­tig 65,3206 % ei­ne zu si­chern­de Leis­tung in Höhe von EUR 229,54 er­gibt.
1. Zwi­schen den Par­tei­en be­steht kein Streit darüber, dass der Be­klag­te nach den Vor­schrif­ten des Be­triebs­ren­ten­ge­set­zes (§ 7 Abs. 2 S. 3 i. V. m. § 2 Abs. 1 S. 1 Be­trAVG) und in Übe­rein­stim­mung mit den Be­stim­mun­gen der Ver­sor­gungs­ord­nung (§ 11 Abs. 3 Ver­sor­gungs­werk 2) den Zeit­wert­fak­tor und die Höhe der zu si­chern­den Leis­tung rich­tig be­rech­net hat. Ver­fas­sungs­recht­li­che Be­den­ken ge­gen ei­ne Ver­ein­bar­keit von § 2 Abs. 1 Be­trAVG mit Art. 3 Abs. 1 GG be­ste­hen nicht (vgl. da­zu: BVerfG, Be­schluss vom 15. Ju­li 1998 – 1 BvR 1554/89 u. 1 BvR 963, 964/94 - ).
2. Ein An­spruch er­gibt sich auch nicht nach den Be­stim­mun­gen des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes vom 14. Au­gust 2006.
a. Zwar gilt das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz trotz der in § 2 Abs. 2 S. 2 AGG ent­hal­te­nen Ver­wei­sung auf das Be­triebs­ren­ten­ge­setz auch für die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung. Die­se Vor­schrift des AGG hat viel­mehr als Kol­li­si­ons­re­gel Be­deu­tung. Wenn und so­weit das Be­trAVG Aus­sa­gen hin­sicht­lich be­stimm­ter Un­ter­schei­dun­gen enthält, die ei­nen Be­zug zu den in § 1 AGG erwähn­ten Merk­ma­len ha­ben, hat das AGG ge­genüber die­sen älte­ren Be­stim­mun­gen kei­nen Vor­rang. Viel­mehr bleibt es bei den Re­ge­lun­gen im Be­triebs­ren­ten­ge­setz, ins­be­son­de­re auch hin­sicht­lich der an das Merk­mal "Al­ter" an­knüpfen­den Vor­schrif­ten zur ge­setz­li­chen Un­ver­fall­bar­keit, § 1 b Be­trAVG, und im Hin­blick dar­auf, dass das Be­triebs­ren­ten­ge­setz ei­ne fes­te Al­ters­gren­ze vor­aus­setzt, § 2 Abs. 1 Be­trAVG (vgl. da­zu: BAG, Ur­teil vom 11. De­zem­ber 2007 – 3 AZR 249/06 - ).
Ge­ra­de die mögli­che Be­triebs­zughörig­keit bis zu die­ser fes­ten Al­ters­gren­ze als Be­rech­nungs­größe bei der zeit­an­tei­li­gen Quo­tie­rung der Ver­sor­gungs­an­wart­schaft nach § 2 Abs. 1 Be­trAVG be­an­stan­det aber der Kläger.
b. Es ist zu­dem frag­lich, ob der Si­che­rungs­an­spruch des Klägers ge­gen den Be­klag­ten nach § 7 Abs. 2 Be­trAVG un­ter die zeit­li­che Gel­tung des AGG fällt.
Nach Art. 4 des Ge­set­zes zur Um­set­zung eu­ropäischer Richt­li­ni­en zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung, das am 17. Au­gust 2006 verkündet wur­de, trat das AGG am 18. Au­gust 2006 in Kraft. Über­g­angs­be­stim­mun­gen fin­den sich in § 33 AGG. Da­nach ist neu­es Recht nicht auf Sach­ver­hal­te an­zu­wen­den, die am 18. Au­gust 2006 be­reits ab­ge­schlos­sen wa­ren, wo­bei die Be­nach­tei­li­gungs­hand­lung maßgeb­lich ist (vgl. da­zu: BAG, Ur­teil vom 14. Ja­nu­ar 2009 – 3 AZR 20/07 - ).
Mit Ein­tritt des Si­che­rungs­fal­les am 1. Sep­tem­ber 2005 hat der Kläger ei­nen be­ding­ten An­spruch ge­gen den Be­klag­ten er­hal­ten, der im Ver­sor­gungs­fall zum Leis­tungs­an­spruch wird. Die Be­mes­sung der Leis­tun­gen des Be­klag­ten be­misst sich aus­sch­ließlich nach den bis zum Si­che­rungs­fall zurück­ge­leg­ten Zei­ten der Be­triebs­zu­gehörig­keit, auch dann wenn - wie im vor­lie­gen­den Fall – der Ar­beit­neh­mer nach Ein­tritt des Si­che­rungs­fal­les wei­ter im Un­ter­neh­men bleibt (vgl. ErfK-St­ein­mey­er, 8. Aufl., § 7 Be­trAVG Rdn. 59). Dies spricht dafür, dass nach § 33 AGG das neue Recht nicht an­zu­wen­den
3. Der gel­tend ge­mach­te An­spruch er­gibt sich auch nicht aus eu­ro­pa­recht­li­chen Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000.
a. Nach den Ge­mein­schafts­verträgen gel­ten Richt­li­ni­en grundsätz­lich nicht un­mit­tel­bar, son­dern erst nach Um­set­zung in das na­tio­na­le Recht durch die Mit­glieds­staa­ten. Ei­ne Ver­pflich­tung des Mit­glieds­staa­tes, Richt­li­ni­en un­mit­tel­bar an­zu­wen­den, be­steht aus­nahms­wei­se dann, wenn die Um­set­zungs­frist ab­ge­lau­fen ist und die Richt­li­nie so ge­nau for­mu­liert ist, dass aus ihr oh­ne Um­set­zungs­spiel­raum Rech­te ab­ge­lei­tet wer­den können. Die Um­set­zungs­frist war hin­sicht­lich des Ver­bots der Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters am 1. Sep­tem­ber 2005 noch nicht ab­ge­lau­fen, da die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land von der in Art. 18 Abs. 2 RL 2000/78/EG ein­geräum­ten Möglich­keit Ge­brauch ge­macht hat­te, die Um­set­zungs­frist bis zum 2. De­zem­ber 2006 zu verlängern. Ei­ne Bin­dung an die Richt­li­ni­en vor Ab­lauf die­ser Um­set­zungs­frist er­gab sich auch nicht durch Art. 13 EG (vgl. EuGH, Ur­teil vom 23. Sep­tem­ber 2008 – C – 427/06 – Bartsch; BAG, Ur­teil vom 14. Ok­to­ber 2008 – 9 AZR 511/07 - ).
b. Da der Si­che­rungs­fall be­reits vor der Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78/EG ein­ge­tre­ten war und we­der die Ver­sor­gungs­ord­nung ei­ne Maßnah­me zur Um­set­zung der Richt­li­nie dar­stell­te (vgl. da­zu: EuGH, Ur­teil vom 23. Sep­tem­ber 2008 – C – 427/06 -), noch die für die ra­tier­li­che Be­rech­nung der Ver­sor­gungs­an­wart­schaft be­stim­men­den Vor­schrif­ten des Be­trAVG in­so­weit geändert wor­den wa­ren, ist be­reits zwei­fel­haft, ob Ge­mein­schafts­recht über­haupt be­trof­fen ist.
c. Aber selbst wenn die Richt­li­nie an­wend­bar ist, liegt kein Ver­s­toß ge­gen Ge­mein­schafts­recht vor.
aa. Zwar ist dem Kläger zu­zu­ge­ben, dass die ra­tier­li­che Kürzung nach § 2 Abs. 1 Be­trAVG mit­tel­bar zur Fol­ge hat, dass jünge­re Ar­beit­neh­mer un­ter im Übri­gen glei­chen sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen ei­ne ge­rin­ge­re An­wart­schaft er­lan­gen als älte­re Ar­beit­neh­mer (vgl. da­zu auch: Rolfs NZA 2008, S. 553, 555; Adom­eit/Mohr, ZfA 2008, S. 449, 465). Sie wer­den hin­sicht­lich der Dau­er ih­rer mögli­chen Be­triebs­zu­gehörig­keit bis zur fes­ten Ren­ten­al­ters­gren­ze be­nach­tei­ligt.
bb. Je­doch ist die­se Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne des Art. 2 Abs. 2 lit. i Richt­li­nie 2000/78/EG durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt. Zu­dem sind die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich.
Zweck der Be­rech­nungs­wei­se ist es, ei­ne all­ge­mein gülti­ge, vom In­halt des kon­kre­ten Ver­sor­gungs­ver­spre­chens un­abhängi­ge Re­gel zu sta­tu­ie­ren, die die Be­triebs­treue als ei­nen ent­schei­den­den ty­pi­schen Be­rech­nungs­fak­tor ho­no­riert. Ihr An­wen­dungs­be­reich ist auf leis­tungs­ori­en­tier­te Ver­sor­gungs­zu­sa­gen be­schränkt. Sie geht nicht über das Er­for­der­li­che hin­aus. Im Er­geb­nis er­weist sie sich auch als an­ge­mes­sen, weil bei ei­nem Ar­beit­neh­mer, der den Be­trieb in jünge­ren Jah­ren verlässt, die in der auf das Er­rei­chen des Ren­ten­al­ters aus­ge­leg­ten Ver­sor­gungs­ord­nung zum Aus­druck kom­men­de Er­war­tung vollständi­ger Be­triebs­treue in größerem Aus­maß be­ein­träch­tigt wird als bei ei­nem älte­ren Ar­beit­neh­mer (vgl. da­zu: Rolfs a. a. O., S. 556 m. w. N., Adom­eit/Mohr a. a. O., S. 465).
Da­bei ist auch zu be­ach­ten, dass nach der Recht­spre­chung des EuGH den Mit­glied­staa­ten ein wei­ter Er­mes­sens­spiel­raum bei der Wahl zur Er­rei­chung ih­rer Zie­le im Be­reich der Ar­beits- und So­zi­al­po­li­tik zu­steht (vgl. EuGH, Ur­teil vom 22. No­vem­ber 2005 – C – 144/04 – Man­gold). Es muss zu­dem be­ach­tet wer­den, dass es hier nicht um die Leis­tun­gen des Ar­beit­ge­bers geht, der die Ver­sor­gungs­zu­sa­ge er­teilt hat, son­dern (nur) um die Aus­ge­stal­tung des ge­setz­li­chen In­sol­venz­schut­zes für be­trieb­li­che Ru­he­gel­der. Die­ser Schutz wird durch Zwangs­beiträge gewähr­leis­tet.
cc. Sch­ließlich weist der Be­klag­te zu­tref­fend dar­auf hin, dass nach der hier maßgeb­li­chen Ver­sor­gungs­ord­nung jünge­re Ar­beit­neh­mer zwar bei der Be­rech­nungs­größe "mögli­che Be­triebs­zu­gehörig­keit" be­nach­tei­ligt wer­den können, dafür aber bei der Be­rech­nungs­größe "des oh­ne das vor­zei­ti­ge Aus­schei­den er­reich­ba­ren Ver­sor­gungs­an­spruchs" ei­ne Be­vor­zu­gung er­hal­ten. Denn die Erhöhung des pro­zen­tua­len Stei­ge­rungs­be­tra­ges pro Dienst­jahr von 0,15 % bis auf 0,40 % ab dem 25. an­re­chen­ba­ren Dienst­jahr begüns­tigt die Ar­beit­neh­mer, die noch ei­ne lan­ge Be­triebs­zu­gehörig­keit bis zum Er­rei­chen der fes­ten Ren­ten­al­ters­gren­ze zurück­zu­le­gen hat­ten. Ge­ra­de der vor­lie­gen­de Fall zeigt, dass die ra­tier­li­che Kürzung nach § 2 Abs. 1 Be­trAVG nicht nur ein prak­ti­ka­bles und bewähr­tes Be­rech­nungs­mo­dell bei der Er­mitt­lung der zu si­chern­den Ren­ten­an­wart­schaf­ten ist, son­dern auch grundsätz­li­chen Ge­rech­tig­keits­erwägun­gen genügt. Sie berück­sich­tigt an­ge­mes­sen die Höhe der je­weils er­dien­ten be­trieb­li­chen Zu­satz­ver­sor­gung und ist für al­le Ver­sor­gungs­sys­te­me ein­sch­ließlich der
Ge­samt­ver­sor­gungs­zu­sa­gen glei­cher­maßen ge­eig­net (so BVerfG, Be­schluss vom 15. Ju­li 1998 - 1 BvR 1554/89 und 1 BvR 963, 964/94 zur Ver­ein­bar­keit mit Art. 3 Abs. 1 GG).
Die Re­vi­si­on war we­gen der grundsätz­li­chen Be­deu­tung des Rechts­streits für das Be­triebs­ren­ten­recht zu­zu­las­sen.
R e c h t s mit t e l b e l e h r u n g :
Hes­ter
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