Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/notanwalt-2-3102445
Timestamp: 2020-02-26 11:14:48
Document Index: 85840938

Matched Legal Cases: ['§ 78', '§ 48', '§ 72', '§ 78', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 7']

Not­an­walt | Rechtslupe
Not­an­walt
Nach § 78b ZPO kann einer Par­tei ein Rechts­an­walt bei­geord­net wer­den, wenn sie einen zu ihrer Ver­tre­tung berei­ten Rechts­an­walt nicht fin­det und die Rechts­ver­fol­gung nicht mut­wil­lig oder aus­sichts­los erscheint.
Hat die Par­tei – wie hier – zunächst einen zu ihrer Ver­tre­tung berei­ten Rechts­an­walt gefun­den und man­da­tiert, kommt im Fall einer spä­te­ren Man­dats­nie­der­le­gung die Bestel­lung eines Not­an­walts nur in Betracht, wenn sie die Been­di­gung des Man­dats nicht zu ver­tre­ten hat 1.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann des­halb kei­ne Bei­ord­nung eines Not­an­walts ver­langt wer­den, wenn der bei ihm zuge­las­se­ne und an sich zur Ver­tre­tung berei­te Rechts­an­walt nicht wil­lens war, eine Revi­si­ons­be­grün­dung nach den Vor­stel­lun­gen oder Vor­ga­ben der Par­tei zu fer­ti­gen. Denn es lie­fe dem Zweck der Zulas­sungs­be­schrän­kung für Rechts­an­wäl­te beim Bun­des­ge­richts­hof zuwi­der, wenn die Par­tei einen Anspruch dar­auf hät­te, ihre Rechts­an­sicht gegen die des – auf das Revi­si­ons­recht spe­zia­li­sier­ten – Rechts­an­walts durch­zu­set­zen 2.
Ob an die­ser Recht­spre­chung 3 ohne jede Ein­schrän­kung fest­zu­hal­ten ist, kann hier offen blei­ben. Jeden­falls in den Fäl­len, in denen eine Par­tei auf der Auf­nah­me von Aus­füh­run­gen in die Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­schrift besteht, die für die Ent­schei­dung des Revi­si­ons­ge­richts offen­kun­dig ohne Bedeu­tung sind, ist eine dadurch ver­ur­sach­te Man­dats­be­en­di­gung durch die Par­tei zu ver­tre­ten. In die­sen Fäl­len ver­bie­tet sich die Bei­ord­nung eines beim Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Rechts­an­walts. Die­ser könn­te sogleich sei­ne Ent­pflich­tung aus wich­ti­gem Grund (§ 48 Abs. 2 BRAO) ver­lan­gen, weil ihm die Auf­nah­me von evi­dent uner­heb­li­chen Aus­füh­run­gen in sei­nen Begrün­dungs­schrift­satz nicht zuzu­mu­ten ist.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Sep­tem­ber 2015 – V ZR 292/​14
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BGH, Beschluss vom 12.03.2014 – V ZR 253/​13 1; BGH, Beschluss vom 18.12 2013 – III ZR 122/​13, WM 2014, 425 Rn. 9 mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 13.09.2013 – V ZR 136/​13, AnwBl.2013, 826; Beschluss vom 12.03.2014 – V ZR 253/​13 2; BGH, Beschluss vom 18.12 2013 – VIII ZR 239/​12, NJW 2013, 1011 Rn. 4; Beschluss vom 24.07.2014 – III ZR 81/​14 2; Beschluss vom 17.09.2014 – VII ZR 82/​14 3; Beschluss vom 20.05.2015 – IX ZR 116/​14 2[↩]
kri­tisch dazu Baum­ert, MDR 2014, 1181 ff.; Voll­kom­mer, MDR 2014, 569 f.; Stem­pf­le, AnwBl.2014, 301 ff.; vgl. aber auch Nass­all, AnwBl.2014, 498 f.[↩]
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