Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Leher_Muslimbruderschaft_nahestehend_Beamtenverhaeltnis_Verwaltungsgericht_Muenchen_M5K10.2856_u.html
Timestamp: 2020-07-05 20:05:31
Document Index: 320892508

Matched Legal Cases: ['§ 113', '§ 114', '§ 7', 'Art. 33', '§ 7', '§ 154', '§ 167', '§ 708']

Verwatlungsgericht München, Urteil vom 01.11.2012, M 5 K 10.2856 - HENSCHE Arbeitsrecht
Ver­wat­lungs­ge­richt Mün­chen, Ur­teil vom 01.11.2012, M 5 K 10.2856
Schlagworte: Beamtenverhältnis, Diskriminierungsverbot: Religion
Gericht: Verwatlungsgericht München
Aktenzeichen: M 5 K 10.2856
VG München, Ur­teil v. 11.01.2012 – M 5 K 10.2856
Der Kläger hat die Kos­ten des Ver­fah­rens zu tra­gen.
Die Kos­ten­ent­schei­dung ist vorläufig voll­streck­bar.
Der Kläger darf die Voll­stre­ckung durch Si­cher­heits­leis­tung oder Hin­ter­le­gung in Höhe des voll­streck­ba­ren Be­trags ab­wen­den, wenn nicht die Be­klag­te vor­her Si­cher­heit in glei­cher Höhe leis­tet.
Der Kläger ab­sol­vier­te von Ju­li 2007 bis Au­gust 2009 den Vor­be­rei­tungs­dienst für das Lehr­amt an Re­al­schu­len und be­fand sich während die­ser Zeit im Be­am­ten­verhält­nis auf Wi­der­ruf in Diens­ten des Frei­staa­tes Bay­ern.
Nach er­folg­rei­chem Ab­schluss des Vor­be­rei­tungs­diens­tes be­warb sich der Kläger mit Schrei­ben vom ... April 2009 um Ein­stel­lung in das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be bei der Be­klag­ten.
Mit Schrei­ben vom ... Ju­ni 2009 wur­de ihm vom Schul- und Kul­tus­re­fe­rat der Be­klag­ten mit­ge­teilt, dass vor­be­halt­lich der Erfüllung der be­am­ten­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen sei­ne Ein­stel­lung in das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be bei der Be­klag­ten zum ... Sep­tem­ber 2009 be­ab­sich­tigt sei.
Im Rah­men des Ein­stel­lungs­ver­fah­rens wur­de von Sei­ten des Schul- und Kul­tus­re­fe­ra­tes mit Schrei­ben vom ... Au­gust 2009 der staat­li­che Per­so­nal­akt zur Ein­sicht­nah­me an­ge­for­dert. Die­ser ent­hielt ei­nen Be­richt des Baye­ri­schen Lan­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz vom ... Ju­li 2007 (Behörden­ak­te/BA Bl. 2).
Nach Zu­stim­mung des Klägers zur Ein­ho­lung der er­for­der­li­chen Auskünf­te beim Baye­ri­schen Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz, leg­te der Ver­fas­sungs­schutz ei­nen Be­richt vom ... No­vem­ber 2009 mit 20 An­la­gen vor (Ver­fas­sungs­schutz­be­richt vom 10. No­vem­ber 2009, BA Ord­ner 2 un­num­me­riert). In die­sem Be­richt wer­den die Bezüge des Klägers zur Is­la­mi­schen Ge­mein­schaft Deutsch­lands (IGD), zum Is­la­mi­schen Zen­trum M. (IZM) und zur Mus­li­mi­schen Ju­gend Deutsch­lands (MJD) dar­ge­stellt so­wie die im Rah­men ei­nes Straf­ver­fah­rens si­cher­ge­stell­ten Do­ku­men­te auf dem Lap­top des Klägers erörtert. In den An­la­gen fin­den sich u. a. fol­gen­de auf dem Lap­top des Klägers si­cher­ge­stell­te Do­ku­men­te: Nach­richt an An­gehöri­ge der Ju­gend­grup­pe (An­la­ge S); Über­set­zung des ISB-Pro­gramms „Trai­ning for Ac­tion“ (An­la­ge Sch), ein Power­point­vor­trag, der das Lo­go der IGD trägt (An­la­ge St) und ein Vor­trag von Ka­mal Hel­ba­wi (An­la­ge X-Z).
Nach er­folg­ter Anhörung mit Schrei­ben vom ... De­zem­ber 2009 nahm der Be­vollmäch­tig­te des Klägers mit Schrei­ben vom ... Ja­nu­ar 2010 zu den Er­kennt­nis­sen aus dem Ver­fas­sungs­schutz­be­richt Stel­lung (BA Bl. 75 ff). Der Kläger sei nie Mit­glied der IGD, son­dern nur ei­ni­ge Mo­na­te - ent­we­der im Jahr 2003 oder im Jahr 2004 - Mit­glied im IZM ge­we­sen, ha­be die­se Mit­glied­schaft al­ler­dings nach ei­ni­ger Zeit wie­der auf­gekündigt. Auf dem Lap­top ha­be der Kläger al­les Deutsch­spra­chi­ge (manch­mal auch Eng­lisch­spra­chi­ge) über den Is­lam ge­sam­melt, da es in Deutsch­land ei­nen großen Man­gel an deutsch­spra­chi­ger is­la­mi­scher Li­te­ra­tur ge­be. Da­bei sei kei­ne ein­zi­ge kon­kre­te Äußerung des Man­dan­ten selbst fest­stell­bar.
Mit Schrei­ben vom ... März 2010 teil­te die Kri­mi­nal­po­li­zei der Be­klag­ten im Rah­men ei­nes Aus­kunfts­er­su­chen ih­re über den Kläger ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se mit (Schrei­ben des Kri­mi­nal­fach­de­zer­nats 4 mit 14 An­la­gen, BA Bl. 198). Dort kommt das Kri­mi­nal­fach­de­zer­nat zu dem Fa­zit, dass der Kläger auf­grund der vor­lie­gen­den Er­kennt­nis­se die Ideo­lo­gie der Mus­lim­bru­der­schaft (MB) ver­tre­te und mus­li­mi­sche Ju­gend­li­che in de­ren Sinn schu­le. In der An­la­ge 12 zu die­sem Schrei­ben be­fin­det sich ein Gut­ach­ten von Frau Dr. S., der Is­lam­wis­sen­schaft­le­rin des Po­li­zei­präsi­di­ums M. (Gut­ach­ten vom ... März 2009), in dem die auf dem Lap­top ge­fun­de­nen Do­ku­men­te be­wer­tet wer­den. In der An­la­ge 14 ist ein Schriftstück mit dem Ti­tel „SWOT Ana­ly­se für Mu­wahi­dun“ ent­hal­ten.
Mit Schrei­ben vom ... Fe­bru­ar 2010, vom ... Ja­nu­ar 2010 und vom ... April 2010 ga­ben je­weils Herr Schm., Herr Schr., und Frau Sche. zu ih­rer Zu­sam­men­ar­beit und dem vom Kläger da­bei ge­won­ne­nen Ein­druck ei­ne Stel­lung­nah­me ab.
Mit Schrift­satz vom 14. Ju­ni 2010, bei Ge­richt ein­ge­gan­gen am 15. Ju­ni 2010, hat der Kläger Untätig­keits­kla­ge er­ho­ben und be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, den Kläger in ein Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be zu über­neh­men, hilfs­wei­se die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, über den An­trag des Klägers auf Über­nah­me in ein Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be un­ter Berück­sich­ti­gung der Rechts­auf­fas­sung des Ge­richts zu ent­schei­den. Die Kla­ge sei als Untätig­keits­kla­ge zulässig, da die Be­klag­te seit mehr als ei­nem Jahr nicht über den An­trag des Klägers ent­schie­den ha­be. Nach­dem das ge­gen den Kläger geführ­te straf­recht­li­che Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ab­ge­schlos­sen sei, ste­he ei­ner Über­nah­me in das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be nichts mehr ent­ge­gen. Ei­ne wei­te­re Verzöge­rung der Ent­schei­dung sei dem Kläger nicht zu­mut­bar.
Mit Schrift­satz vom ... Ju­li 2010 teil­te die Be­klag­te mit, dass auf­grund der Schwie­rig­keit der Sach­ver­halts­er­mitt­lung und Sach­ver­halts­aufklärung zu­rei­chen­de Gründe vor­han­den sei­en, die ei­ne ab­sch­ließen­de Sach­ent­schei­dung zum jet­zi­gen Zeit­punkt aus­sch­ließen würden. Die von Ge­set­zes we­gen ver­an­lass­ten Er­mitt­lun­gen der Be­klag­ten sei­en zum jet­zi­gen Zeit­punkt noch nicht ab­ge­schlos­sen. Die Be­klag­te wol­le erst nach Ein­gang der von ihr bei dem Baye­ri­schen Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz an­ge­for­der­ten Über­mitt­lung der we­sent­li­chen In­hal­te der den Kläger be­tref­fen­den Tei­le der
Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­onsüber­wa­chungs­pro­to­kol­le (TKÜ-Pro­to­kol­le) über die Über­nah­me in das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be ent­schei­den. Das Ver­fah­ren sei des­halb bis zum Ab­schluss der Er­mitt­lun­gen aus­zu­set­zen.
Mit Schrei­ben vom ... Ju­ni 2010 leg­te das Baye­ri­sche Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz ei­nen zwei­ten Be­richt über den Kläger mit 11 An­la­gen vor (Ver­fas­sungs­schutz­be­richt vom ... Ju­ni 2010, BA Ord­ner 2 un­num­me­riert).
Mit Be­schlüssen vom 17. Ju­li 2010, 20. Au­gust 2010 und 30. Sep­tem­ber 2010 setz­te das Ge­richt das Ver­fah­ren letzt­lich bis 20. Ok­to­ber 2010 aus.
Nach Anhörung des Klägers lehn­te die Be­klag­te sei­nen An­trag auf Über­nah­me in das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be mit Be­scheid vom ... Ok­to­ber 2010 ab. Es bestünden be­gründe­te Zwei­fel an der zwin­gen­den Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zung der Ver­fas­sungs­treue des Klägers. Die Ge­samt­heit der ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se recht­fer­ti­ge die An­nah­me, dass sich der Kläger die Ideo­lo­gie der Mus­lim­bru­der­schaft zu Ei­gen ma­che, die mit der frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung nicht zu ver­ein­ba­ren sei. Der Kläger sei seit meh­re­ren Jah­ren für ei­ne mus­li­mi­sche Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on (MJD) tätig, die der IGD zu­zu­ord­nen sei und die­ser zur Nach­wuchs­ge­win­nung die­ne. Außer­dem neh­me er in­ner­halb des IZM, das der IGD nach­ge­ord­net sei, ei­ne be­son­de­re Ver­trau­ens­po­si­ti­on ein. Dies zei­ge sich dar­an, dass er un­ter an­de­rem im Auf­trag des IZM Ha­l­al-Zer­ti­fi­zie­run­gen vor­neh­me und im IZM bei Aus­fall ei­nes Über­set­zers die Frei­tags­pre­dig­ten über­set­ze. Im Übri­gen sei der Kläger Gründungs­mit­glied und bis zu des­sen Auflösung ak­ti­ves Mit­glied im Vor­stand des DIBW (Deutsch-Is­la­mi­schen Bil­dungs­werk e.V.) ge­we­sen, das das Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz als ei­ne Tarn­ver­ei­ni­gung der IGD ein­geschätzt ha­be.
Die IGD sei ei­ne ex­tre­mis­ti­sche Or­ga­ni­sa­ti­on aus dem Be­reich des po­li­ti­schen Is­la­mis­mus, die ei­ne Dop­pel­stra­te­gie ver­fol­ge. Während sie sich nach außen of­fen, to­le­rant und dia­log­be­reit ge­be, ver­fol­ge sie das Ziel ei­ner is­la­mi­schen Par­al­lel­ge­sell­schaft in Deutsch­land mit ei­ge­ner Rechts­kom­pe­tenz und un­ter all­um­fas­sen­dem Gel­tungs­vor­rang der Scha­ria. Da­bei sei es für die Is­la­mis­ten kein Wi­der­spruch, sich vor­der­gründig zum Grund­ge­setz zu be­ken­nen, da sie über das Grund­recht auf Re­li­gi­ons­frei­heit den Ein­stieg zur Um­set­zung ih­rer Pläne sähen. Ideo­lo­gi­scher Hin­ter­grund für die Tätig­kei­ten der IGD, des IZM und der MJD sei das Ge­dan­ken­gut der Mus­lim­bru­der­schaft. Die sun­ni­ti­sche Mus­lim­bru­der­schaft sei 1928 aus ei­ner Grup­pe von Männern um den Grund­schul­leh­rer Has­san al-Ban­na her­vor ge­gan­gen. Für den Gründer al-Ban­na ha­be die Bru­der­schaft deut­lich po­li­ti­sche Züge ge­tra­gen. Der Is­lam sei ei­ne un­trenn­ba­re Ein­heit zwi­schen Po­li­tik und Re­li­gi­on. Er re­präsen­tie­re ein um­fas­sen­des Sys­tem, das sich auf je­den Le­bens­be­reich be­zie­he und Lösungs­we­ge für al­le po­li­ti­schen, ge­sell­schaft­li­chen und öko­no­mi­schen Pro­ble­me an­bie­te. Grund­la­ge ei­ner sol­chen po­li­ti­schen und ge­sell­schaft­li­chen Ord­nung sei al­lei­ne die Scha­ria. Die Gren­zen der Mei­nungs­frei­heit set­ze in die­sem Sys­tem das is­la­mi­sche Recht. Das Prin­zip der Volks­sou­veränität ha­be in die­sem Sta­tus­mo­dell kei­nen Platz. Pau­schal wer­de der west­li­che Le­bens­stil und die zu­grun­de lie­gen­de po­li­ti­sche Ord­nung als Ur­sprung al­len Übels und als ver­ab­scheu­ens­wert ver­ur­teilt. Der Großteil des dort ver­tre­te­nen Ge­dan­ken­guts sei mit den im Grund­ge­setz ver­an­ker­ten Prin­zi­pi­en der De­mo­kra­tie, des Rechts­staats und ei­ner auf der Men­schenwürde ba­sie­ren­den Rechts­ord­nung nicht ver­ein­bar. Die von der Mus­lim­bru­der­schaft an­ge­streb­te Ord­nung wei­se deut­li­che Züge ei­nes dik­ta­to­ri­schen bzw. to­ta­litären Herr­schafts­sys­tems auf, das die Prin­zi­pi­en von Frei­heit und Gleich­heit der Men­schen in Fra­ge stel­le und auch die Tren­nung von Staat und Kir­che ab­leh­ne. Die IGD sei die mit­glie­derstärks­te Or­ga­ni­sa­ti­on von Anhängern der Mus­lim­bru­der­schaft in Deutsch­land und ha­be ei­nen ih­rer Haupt­sit­ze im IZM. Die ideo­lo­gi­sche Nähe der IGD zu den An­sich­ten der Mus­lim­bru­der­schaft wer­de in ih­ren Veröffent­li­chun­gen of­fen­sicht­lich.
Auch die im Rah­men ei­nes Straf­ver­fah­rens si­cher­ge­stell­ten Da­tei­en auf dem Lap­top des Klägers spie­gel­ten sei­ne Nähe zu ei­nem ex­tre­mis­ti­schen Is­la­mis­mus wi­der, ins­be­son­de­re zur Ideo­lo­gie der Mus­lim­bru­der­schaft. Die Ideo­lo­gie der Mus­lim­bru­der­schaft wer­de in al­len Do­ku­men­ten über­deut­lich. Un­ter den ge­fun­de­nen 12 Do­ku­men­ten sei­en u. a. ein Power­point-Vor­trag mit dem Ti­tel „Das ABC der Is­la­mi­schen Be­we­gung“, der das Lo­go der IGD tra­ge und ein Power­point-Vor­trag mit dem Schu­lungs­the­ma „das Töten auf dem Weg Got­tes“, die Über­set­zung ei­nes Vor­trags von Ka­mal Hel­ba­wi, der nach Aus­kunft
der Is­lamex­per­tin ein „Ex-Spre­cher der Mus­lim­bru­der­schaft im Wes­ten“ sei, so­wie ein ra­di­ka­les Trai­nings­pro­gramm der ISB, in das statt des ursprüng­li­chen eng­li­schen Or­ga­ni­sa­ti­ons­na­mens der Na­me MJD ein­gefügt wor­den sei. Die ein­deu­ti­ge Aus­rich­tung (ideo­lo­gi­sche Ho­mo­ge­nität) die­ser Do­ku­men­te las­se auf ein ge­ziel­tes Su­chen, Spei­chern und Ver­wen­den schließen. Dass sich der Kläger In­hal­te der Mus­lim­bru­der­schaft zu Ei­gen ma­che, zei­ge sich auch an­hand zwei­er Tex­te, die der Kläger selbst ver­fasst ha­be. Die in der „SWOT Ana­ly­se für Mu­wahi­dun“ ver­wen­de­ten Stich­wor­te „Re­kru­tie­rung“, „ef­fek­ti­ve Aus­bil­dung“, „Stärken“: „viel Po­ten­ti­al bei klei­nen Kin­dern durch DIS“, „Möglich­kei­ten“: „Re­kru­tie­rung und ef­fek­ti­ve Aus­bil­dung und Bin­dung der DIS Kin­der“. „Ge­fah­ren: Dis­kre­di­tie­rung bei Auf­de­ckung von HA­Bi­bi Ge­dan­ken­gut.“ ver­deut­lich­ten die Stoßrich­tung der Ak­ti­vitäten des Klägers, die mit den mi­litäri­schen Be­grif­fen um­schrie­be­ne Be­ein­flus­sung von Kin­dern und Ju­gend­li­chen mit dem Ge­dan­ken­gut der Mus­lim­bru­der­schaft. Die ex­pli­zi­te Großschrei­bung der ers­ten drei Buch­sta­ben HAB neh­me da­bei ein­deu­tig auf den Gründer der Mus­lim­bru­der­schaft Be­zug. Da­durch zei­ge sich, dass der Kläger Ge­dan­ken­gut der Mus­lim­bru­der­schaft pro­pa­gie­re und in den MJD-Kur­sen ver­brei­te. Darüber hin­aus wer­de deut­lich, dass sich der Kläger der Un­ver­ein­bar­keit der von ihm ver­brei­te­te­ten is­la­mis­ti­schen Ideo­lo­gie und der ver­fas­sungsmäßigen Ord­nung be­wusst sei. In der vom Kläger ver­fass­ten Nach­richt an die Mit­glie­der der MJD-Grup­pe in M. heiße es u. a.: „zur Zeit gäbe es in Deutsch­land kei­nen Kampf mit Waf­fen“, es gäbe aber „das Prin­zip der vollständi­gen Auf­op­fe­rung“. In der Dik­ti­on der Nach­richt kom­me die ex­tre­mis­ti­sche Sicht­wei­se zum Aus­druck, die in den Do­ku­men­ten auf dem Lap­top an­ge­legt sei. Das Prin­zip der „Auf­op­fe­rung“ mei­ne in die­sem Zu­sam­men­hang ge­ra­de den Kampf auch mit Waf­fen­ge­walt zur Er­rich­tung ei­nes is­la­mi­schen Got­tes­staa­tes. Die For­mu­lie­rung „zur Zeit“ wer­de der Kampf oh­ne Waf­fen geführt, las­se dar­auf schließen, dass ei­ne Ver­wen­dung von Waf­fen nicht aus­ge­schlos­sen, son­dern so­gar künf­tig zu er­war­ten sei. Der dar­aus ge­won­ne­ne Ge­samt­ein­druck wer­de bestätigt durch die Or­ga­ni­sa­ti­on von Ver­an­stal­tun­gen im Jahr 2010 un­ter Ein­la­dung von der IGD und der MB na­he­ste­hen­den Per­so­nen, Herrn E. und Herrn I., als Re­fe­ren­ten. Er­schwe­rend kom­me hin­zu, dass der Kläger be­reits in ei­nem Be­am­ten­verhält­nis ge­stan­den und bis in das Jahr 2010 Vorträge und Kur­se auf der Grund­la­ge des Ge­dan­ken­guts der Mus­lim­bru­der­schaft er­teilt und sich auch während des lau­fen­den Prüfungs­ver­fah­rens nicht deut­lich von der Ideo­lo­gie der Mus­lim­bru­der­schaft ent­fernt ha­be. Der sich aus die­ser Ge­samt­schau er­ge­ben­de Ein­druck wie­ge so schwer, dass er er­heb­li­che Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­treue des Klägers be­gründe und auch nicht durch die po­si­ti­ven Be­geg­nun­gen mit Ver­tre­tern an­de­rer Re­li­gio­nen aus­geräumt wer­den könne. Es bestünden er­heb­li­che Be­den­ken, dass er sei­ne Ver­trau­ens­stel­lung als Leh­rer ausnützen wer­de, um Ju­gend­li­che mit mus­li­mi­schem Hin­ter­grund an­zu­spre­chen und mit dem Ge­dan­ken­gut der Mus­lim­bru­der­schaft be­kannt zu ma­chen.
Darüber hin­aus bestünden auch Zwei­fel an der cha­rak­ter­li­chen Eig­nung des Klägers, da er bei Ausfüllen des Per­so­nal­fra­ge­bo­gens ge­gen die Wahr­heits­pflicht ver­s­toßen ha­be, in­dem er die ehe­ma­li­ge Mit­glied­schaft im IZM nicht an­ge­ge­ben ha­be. In dem nicht ab­sch­ließen­den Ver­zeich­nis ex­tre­mis­tisch und ex­tre­mis­tisch be­ein­fluss­ter Or­ga­ni­sa­tio­nen, das dem Fra­ge­bo­gen an­gehängt ist, sei­en so­wohl die IGD und die IZM ge­nannt.
Dar­auf­hin stell­te der Be­vollmäch­tig­te des Klägers mit Schrift­satz vom 20. Ok­to­ber 2010 klar, dass sich die am 15. Ju­ni 2010 er­ho­be­ne Kla­ge nun­mehr ge­gen den Be­scheid vom ... Ok­to­ber 2010 rich­te.
Mit Schrift­satz vom 29. De­zem­ber 2010 erklärte die Be­klag­te, dass sie die im Be­scheid vom 18. Ok­to­ber 2010 ge­trof­fe­nen Aus­sa­gen und Wer­tun­gen über Herrn I. nicht auf­recht­er­hal­te und der Be­scheid nicht mehr dar­auf gestützt wer­de, dass der Kläger Herrn I. als Re­fe­rent zum „Win­ter­mee­ting“ sei­ner Ju­gend­grup­pe ein­ge­la­den ha­be. Gleich­zei­tig teil­te sie mit, dass dies die Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­treue des Klägers un­berührt las­se.
Mit Schrift­satz vom 13. Ja­nu­ar 2011, bei Ge­richt ein­ge­gan­gen am sel­ben Tag, erklärte die Re­gie­rung von ..., sich als Ver­tre­ter des öffent­li­chen In­ter­es­ses am Ver­fah­ren zu be­tei­li­gen.
Die Be­vollmäch­tig­ten des Klägers ha­ben zu­letzt be­an­tragt,
1. die Be­klag­te un­ter Auf­he­bung ih­res Be­scheids vom ... Ok­to­ber 2010, zu ver­pflich­ten, den Kläger in ein Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be zu über­neh­men,
2. so­wie hilfs­wei­se, die Be­klag­te un­ter Auf­he­bung ih­res Be­scheids vom ... Ok­to­ber 2010 zu ver­pflich­ten, über den An­trag des Klägers auf Über­nah­me in das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be un­ter Berück­sich­ti­gung der Rechts­auf­fas­sung des Ge­richts neu zu ent­schei­den.
Der Kläger ha­be we­der ge­gen die Wahr­heits­pflicht ver­s­toßen, noch lägen be­gründe­te Zwei­fel an sei­ner Ver­fas­sungs­treue vor. Zum ei­nen wer­de die Mit­glied­schaft und Mit­ar­beit des Klägers in der MJD voll­kom­men falsch be­wer­tet. Zum an­de­ren ver­lie­re die In­di­zi­en­ket­te vollständig an Wert, weil mit Aus­klam­me­rung der Ein­la­dung von Herrn I. als Re­fe­rent ein maßgeb­li­ches Glied ent­fal­len sei. Was die auf dem Lap­top des Klägers ge­fun­de­nen Da­tei­en an­ge­he, müsse dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, dass dort ins­ge­samt 3.031 Text­do­ku­men­te ge­fun­den wor­den sei­en, wo­von ca. 248 von dem Kläger über­setzt, be­ar­bei­tet, mit­ge­schrie­ben oder ver­fasst wor­den und nur ca. 35 von dem Kläger ei­genhändig ver­fasst wor­den sei­en. Die „SWOT Ana­ly­se“ und die „Nach­richt an An­gehöri­ge“ sei­en pri­va­te Tex­te des Klägers. Der Ver­fas­sungs­schutz ha­be da­von ein­sei­tig ein­zel­ne anstößige Stel­len oder Wor­te her­aus­ge­sucht und aus dem Ge­samt­zu­sam­men­hang ge­ris­sen. Dies gel­te für ein­zel­ne For­mu­lie­run­gen wie „Re­kru­tie­rung“, „ef­fek­ti­ve Aus­bil­dung“, „Kampf“ und „vollständi­ge Auf­op­fe­rung“. Die­se könne man auch in ei­nem an­de­ren Sin­ne ver­ste­hen. Die Einschätzun­gen des Ver­fas­sungs­schut­zes hiel­ten ei­ner kri­ti­schen Über­prüfung da­her ins­ge­samt nicht stand. Die Be­klag­te ha­be die In­for­ma­tio­nen des Ver­fas­sungs­schut­zes un­kri­tisch und un­ge­prüft über­nom­men und we­der die po­si­ti­ven Stel­lung­nah­men über den Kläger ein­ge­hend berück­sich­tigt, noch die Tätig­keit des Klägers als Re­fe­ren­dar in ir­gend­ei­ner Wei­se gewürdigt. So­weit die Be­klag­te zu­dem auf den Kon­takt des Klägers zu Dr. E. ab­stel­le, sei an­zu­mer­ken, dass die­ser auch An­sprech­part­ner für Pro­jek­te des städti­schen Ju­gend­am­tes ge­we­sen sei.
Die Ver­tre­ter der Be­klag­ten ha­ben zu­letzt be­an­tragt,
Der Kläger sei auch wei­ter­hin - trotz des lau­fen­den Ge­richts­ver­fah­rens - in ei­ner her­aus­ge­ho­be­nen und ver­trau­ens­vol­len Lei­tungs­po­si­ti­on in der Ju­gend­ar­beit für das IZM tätig. Die­sem Um­stand kom­me be­son­de­re Re­le­vanz bei der recht­li­chen Be­wer­tung des kläge­ri­schen An­lie­gens zu, da der Kläger ge­ra­de ei­ne Ein­stel­lung als Re­al­schul­leh­rer mit zahl­rei­chen Kon­tak­ten zu min­derjähri­gen Ju­gend­li­chen be­geh­re. Außer­dem be­le­ge sei­ne Po­si­ti­on als An­sprech­part­ner und Lei­ter der Ju­gend- und Nach­wuchs­ar­beit des IZM die be­son­de­re Ver­trau­ens­stel­lung, die der Kläger in­ner­halb des IZM ge­nieße. Hin­sicht­lich der Be­wer­tung ei­ner Tätig­keit für das IZM wer­de auf ein Ur­teil des VG München vom 15. Sep­tem­ber 2008 (M 25 K 06.4713) und hin­sicht­lich der The­ma­tik IGD und Mus­lim­bru­der­schaft auf das Ur­teil des VG Ans­bach vom 17.1.2007 (AN 15 K 06.02023) ver­wie­sen.
Die Ver­tre­te­rin des öffent­li­chen In­ter­es­ses hat zu­letzt be­an­tragt,
Die Einschätzung der Be­klag­ten ba­sie­re auf ei­ner Viel­zahl von Ein­zel­er­kennt­nis­sen des Ver­fas­sungs­schut­zes und der Po­li­zei, die bei ei­ner wer­ten­den Ge­samt­schau ein schlüssi­ges Bild ergäben. Der Kläger sei vie­le Jah­re in her­aus­ge­ho­be­nen Funk­tio­nen für die is­la­misch-ex­tre­mis­ti­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen IGD und MJD tätig ge­we­sen, die bei­de in den Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­ten des Bun­des und der Länder als ex­tre­mis­tisch auf­geführt sei­en. Die­se Or­ga­ni­sa­tio­nen sei­en von den ideo­lo­gi­schen Grundsätzen der Mus­lim­bru­der­schaft ge­prägt und würden ein Verständ­nis des Is­lam ver­fol­gen, das über die Re­li­gi­on hin­aus ein po­li­ti­sches und ge­sell­schaft­li­ches Ord­nungs­prin­zip dar­stel­le. Als End­ziel wer­de die Er­rich­tung ei­nes is­la­mi­schen Staa­tes und die Wie­der­er­lan­gung des Ka­li­fats for­mu­liert. Da­mit wi­dersprächen die Zie­le die­ser Or­ga­ni­sa­tio­nen der ver­fas­sungsmäßigen Ord­nung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Be­reits die Mit­glied­schaft in ei­ner ex­tre­mis­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on recht­fer­ti­ge Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­treue ei­nes Be­wer­bers. Die­se Zwei­fel würden vor­lie­gend noch da­durch verstärkt, dass der Kläger ver­ant­wort­li­che und ko­or­di­nie­ren­de Po­si­tio­nen in die­sen Or­ga­ni­sa­tio­nen wahr­ge­nom­men ha­be und sie ak­tiv un­terstütze. Die­se
Einschätzung wer­de durch die auf dem Lap­top des Klägers ge­fun­de­nen Do­ku­men­te be­legt. In­halt, Be­ar­bei­tung und Spei­che­rung der Do­ku­men­te las­se den Rück­schluss zu, dass der Kläger sich die­se Ideo­lo­gie zu Ei­gen und auch zur Grund­la­ge sei­ner Schu­lungstätig­keit in der Ju­gend­bil­dung ma­che. Die Zwei­fel würden auch we­der durch die Ein­las­sun­gen des Klägers noch durch die po­si­ti­ven Stel­lung­nah­men Drit­ter, die le­dig­lich sub­jek­ti­ve Be­wer­tun­gen über de­ren äußere Wahr­neh­mun­gen dar­stell­ten, zer­streut. Was die Er­kennt­nis­se mit Be­zug zu Herrn I. an­ge­he, sei­en die­se in der Be­wer­tung nur nach­ran­gig. Ins­ge­samt kom­me man auf­grund der zum Kläger vor­lie­gen­den Er­kennt­nis­se zu dem Schluss, dass er is­la­misch-ex­tre­mis­ti­sches Ge­dan­ken­gut ver­tre­te und die Ju­gend­ar­beit hierfür als Platt­form zur Ver­brei­tung nut­ze.
Das Ge­richt hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 11. Ja­nu­ar 2012 zu den Umständen der Ver­fas­sungs­treue des Klägers Be­weis er­ho­ben durch Ver­neh­mung von Herrn Schr., Herrn Schm. und Frau Sche. als Zeu­gen.
Bezüglich wei­te­rer Ein­zel­hei­ten wird auf die Ge­richts- und vor­ge­leg­ten Behörden­ak­ten, so­wie ins­be­son­de­re hin­sicht­lich des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me auf die Nie­der­schrift vom 11. Ja­nu­ar 2012 ver­wie­sen.
Die zulässi­ge Ver­pflich­tungs­kla­ge ist un­be­gründet.
Dem Kläger steht der gel­tend ge­mach­te An­spruch, die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, ihn in ein Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be zu über­neh­men bzw. hilfs­wei­se über den An­trag auf Über­nah­me in das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be un­ter Berück­sich­ti­gung der Rechts­auf­fas­sung des Ge­richts neu zu ent­schei­den, nicht zu. Der Be­scheid der Be­klag­ten vom ... Ok­to­ber 2010 ist rechtmäßig und ver­letzt den Kläger nicht in sei­nen Rech­ten (vgl. § 113 Abs. 5 der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung/Vw­GO).
Der Kläger hat grundsätz­lich kei­nen un­mit­tel­ba­ren Rechts­an­spruch auf Ein­stel­lung in das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be (vgl. VG Ber­lin vom 30.11.2004, 26 A 265.03).
Die Ent­schei­dung über die Be­ru­fung in das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be steht viel­mehr im Er­mes­sen der Be­klag­ten. Vor­lie­gend ist je­doch selbst für ei­ne sol­che Er­mes­sens­ent­schei­dung kein Raum. Denn ein Ein­stel­lungs­er­mes­sen, des­sen feh­ler­haf­te Ausübung (§ 114 Vw­GO) die Neu­be­schei­dungs­pflicht al­lein auslösen könn­te, ist nicht eröff­net, weil der Kläger be­reits ei­ne der zwin­gend er­for­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die von ihm er­streb­te Be­gründung ei­nes Be­am­ten­verhält­nis­ses auf Pro­be nicht erfüllt.
Die Be­klag­te ist zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass der Kläger nicht die Gewähr dafür bie­tet, je­der­zeit für die frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung ein­zu­tre­ten.
1. Aus­gangs­punkt der recht­li­chen Be­ur­tei­lung ist § 7 Abs. 1 Nr. 2 des Ge­set­zes zur Re­ge­lung des Sta­tus­rechts der Be­am­tin­nen und Be­am­ten in den Ländern (Be­am­ten­sta­tus­ge­setz/Be­am­tStG). Nach die­ser Vor­schrift darf in das Be­am­ten­verhält­nis nur be­ru­fen wer­den, wer Gewähr dafür bie­tet, dass er je­der­zeit für die frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung im Sin­ne des Grund­ge­set­zes ein­tritt.
a) Die Pflicht des Be­am­ten zur Ver­fas­sungs­treue ist ein her­ge­brach­ter Grund­satz des Be­rufs­be­am­ten­tums im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 des Grund­ge­set­zes (GG). Sie ist Aus­fluss der um­fas­sen­den Treue­pflicht des Be­am­ten und for­dert von dem Be­am­ten, sich mit der Idee der frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen, rechts- und so­zi­al­staat­li­chen Ord­nung des Staa­tes zu iden­ti­fi­zie­ren, dem er als Be­am­ter die­nen soll. Da­zu gehört, dass sich der Be­am­ten­be­wer­ber - trotz ei­ner durch­aus erwünsch­ten kri­ti­schen Ein­stel­lung - zu der gel­ten­den Ver­fas­sungs­ord­nung be­kennt und dass er sich durch Wort und sons­ti­ges Ver­hal­ten in äußer­lich er­kenn­ba­rer Wei­se - ak­tiv - für die frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung ein­setzt. Die po­li­ti­sche Treue­pflicht for­dert mehr als nur ei­ne for­mal kor­rek­te, im Übri­gen un­in­ter­es­sier­te kühle, in­ner­lich dis­tan­zier­te Hal­tung ge­genüber dem Staat und der Ver­fas­sung; sie for­dert vom Be­am­ten ins­be­son­de­re, dass er sich ein­deu­tig von Grup­pen und Be­stre­bun­gen dis­tan­ziert, die die­sen Staat, sei­ne ver­fas­sungsmäßigen Or­ga­ne und die gel­ten­de Ver­fas­sungs­ord­nung an­grei­fen, bekämp­fen und dif­fa­mie­ren (VG Ber­lin vom 30.11.2004, a. a. O., m. w. N.). Ein Be­am­ten­be­wer­ber, der die­sen Er­for­der­nis­sen nicht Rech­nung trägt, erfüllt un­abhängig von sei­nen Mo­ti­ven sei­ne Treue­pflicht nicht.
b) „Gewähr bie­ten“ im Sin­ne von § 7 Abs. 1 Nr. 2 Be­am­tStG be­deu­tet nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung, dass kei­ne Umstände vor­lie­gen dürfen, die nach der Über­zeu­gung der Er­nen­nungs­behörde die künf­ti­ge Erfüllung die­ser Pflicht zur Ver­fas­sungs­treue mit dem auf­ge­zeig­ten In­halt durch den Be­am­ten­be­wer­ber zwei­fel­haft er­schei­nen las­sen.
Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­treue in die­sem Sin­ne lie­gen be­reits dann vor, wenn der für die Ein­stel­lung Ver­ant­wort­li­che im Au­gen­blick sei­ner Ent­schei­dung nach den ihm zu die­sem Zeit­punkt zur Verfügung ste­hen­den Er­kennt­nis­mit­teln nicht über­zeugt ist, dass der Be­wer­ber sei­ner Persönlich­keit nach die Gewähr bie­tet, nach Be­gründung ei­nes Be­am­ten­verhält­nis­ses je­der­zeit für die frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung ein­zu­tre­ten. Die Fest­stel­lung, dass der Be­am­ten­be­wer­ber „Ver­fas­sungs­feind“ ist, und dass er dar­auf aus­geht, die frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung zu be­ein­träch­ti­gen oder zu be­sei­ti­gen, ist zur Ver­nei­nung der Gewähr der Ver­fas­sungs­treue nicht er­for­der­lich. Da be­reits be­rech­tig­te Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­treue die Ab­leh­nung ei­nes Be­am­ten­be­wer­bers recht­fer­ti­gen, reicht es in der Re­gel aus, dass der Dienst­herr sie auf fest­stell­ba­re und fest­ge­stell­te äußere Ver­hal­tens­wei­sen stützt und wer­tend auf ei­ne mögli­cher­wei­se dar­in zum Aus­druck kom­men­de in­ne­re Ein­stel­lung zur frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung schließt. Aus­drück­li­che Fest­stel­lun­gen über die tatsächli­che in­ne­re Ein­stel­lung des Be­wer­bers sind in der Re­gel nicht er­for­der­lich (grund­le­gend: BVerwG vom 27.11.1980, BVerw­GE 61,176).
Die Prüfung der Gewähr er­for­dert ein Ur­teil der Ein­stel­lungs­behörde über die Persönlich­keit des Be­am­ten­be­wer­bers, das zu­gleich ei­ne Pro­gno­se enthält. Ge­gen­stand die­ses Ur­teils sind nicht ein oder meh­re­re be­stimm­te Vorgänge, son­dern die in ei­ner zu­sam­men­fas­sen­den Be­wer­tung die­ser Vorgänge of­fen­bar wer­den­de Persönlich­keit des Be­am­ten­be­wer­bers im Be­zug auf die Gewähr der Ver­fas­sungs­treue. Die­ser auf die Persönlich­keit des Be­wer­bers be­zo­ge­nen Eig­nungs­pro­gno­se ist ei­ne Be­ur­tei­lungs­ermäch­ti­gung des Dienst­herrn im­ma­nent. Sie un­ter­liegt ähn­lich wie an­de­re persönlich­keits­be­ding­te Wert­ur­tei­le des Dienst­herrn nicht in vol­lem Um­fang der ge­richt­li­chen Kon­trol­le. Die ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Kon­trol­le be­schränkt sich dar­auf, zu kon­trol­lie­ren, ob die Ver­wal­tung den an­zu­wen­den­den Be­griff oder den ge­setz­li­chen Rah­men, in dem sie sich frei be­we­gen kann, ver­kannt hat, oder ob sie von ei­nem un­rich­ti­gen Sach­ver­halt aus­ge­gan­gen ist, all­ge­meingülti­ge Wert­maßstäbe nicht be­ach­tet, sach­frem­de Erwägun­gen an­ge­stellt oder ge­gen Ver­fah­rens­vor­schrif­ten ver­s­toßen hat (BVerwG vom 27.11.1980, a. a. O.; VGH BW vom 13.3.2007, ZBR 2008, 260 ff.). Dem Ge­richt ist es da­mit ver­sagt, die Eig­nung des Be­wer­bers auf­grund ei­nes ei­ge­nen pro­gnos­ti­schen Wert­ur­teils über die Persönlich­keit des Be­wer­bers ab­wei­chend vom Dienst­herrn selbst fest­zu­stel­len.
Grund­la­ge für die Be­ur­tei­lung der Gewähr der Ver­fas­sungs­treue müssen tatsächli­che Umstände sein, die ein­zeln oder in ih­rer Ge­samt­heit (sog. „Sum­men­ef­fekt“) von hin­rei­chen­dem Ge­wicht und bei ob­jek­ti­ver Be­trach­tungs­wei­se ge­eig­net sind, erns­te Be­sorg­nis­se an der künf­ti­gen Erfüllung der Ver­fas­sungs­treue­pflicht aus­zulösen, wo­bei der Dienst­herr die ma­te­ri­el­le Be­weis­last trägt. Ein feh­len­der Nach­weis bis­he­ri­gen ak­ti­ven Ein­tre­tens für die frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung so­wie das bloße Ha­ben ei­ner Über­zeu­gung, die bloße Mit­tei­lung, dass man die­se ha­be, das kri­ti­sche In­for­mie­ren, et­wa das Le­sen ex­tre­mis­ti­scher (rechts­ex­tre­mis­ti­scher oder kom­mu­nis­ti­scher) Li­te­ra­tur oder die An­we­sen­heit bei ei­ner De­mons­tra­ti­on für mit der Ver­fas­sung nicht oh­ne Wei­te­res ver­ein­ba­re Ziel­set­zun­gen gehören für sich al­lein nicht zu der­ar­ti­gen Umständen. Auch die Mit­glied­schaft in ei­ner Par­tei oder Or­ga­ni­sa­ti­on mit Zie­len, die mit der frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung nicht ver­ein­bar sind, schließt nicht zwin­gend ein ver­fas­sungs­treu­es Ver­hal­ten aus. Sie kann aber bei der ge­bo­te­nen Berück­sich­ti­gung der Ein­zel­umstände gleich­wohl Schlüsse auf ei­ne feh­len­de Ver­fas­sungs­treue recht­fer­ti­gen (vgl. BVerwG vom 27.11.1980, a. a. O.).
c) Hat der Dienst­herr im Ein­zel­fall Umstände dar­ge­legt, die be­rech­tig­te Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­treue des Be­am­ten­be­wer­bers be­gründen, so ob­liegt es die­sem, Umstände dar­zu­le­gen und zu be­wei­sen, die die fest­ge­stell­ten Be­ur­tei­lungs­ele­men­te und die dar­auf gestütz­te Eig­nungs­pro­gno­se in ei­nem an­de­ren Licht er­schei­nen las­sen. Da­bei bedürfen die ei­ge­nen Erklärun­gen des Be­am­ten­be­wer­bers ei­ner ab­ge­wo­ge­nen Be­wer­tung un­ter Be­ach­tung des Grund­sat­zes der Verhält­nismäßig­keit. Außer­dem müssen vor al­lem bei jun­gen Men­schen Un­er­fah­ren­heit, So­li­da­ri­sie­rungs­bedürf­nis­se etc. an­ge­mes­sen berück­sich­tigt wer­den (vgl. BVerwG vom 27.11.1980, a. a. O.). Ge­lingt es ihm nicht, die be­gründe­ten Zwei­fel des Dienst­herrn zu
zer­streu­en, muss der Be­wer­ber, der in­so­weit die ma­te­ri­el­le Be­weis­last trägt, im Rechts­streit un­ter­lie­gen (VG Ber­lin vom 30.11.2004, a. a. O.).
d) Maßgeb­li­cher Ent­schei­dungs­zeit­punkt ist - ab­wei­chend von dem sonst für Ver­pflich­tungs­kla­gen maßgeb­li­chen Zeit­punkt - der Zeit­punkt der letz­ten Behörden­ent­schei­dung. Denn wie den vor­an­ge­hen­den Erörte­run­gen zu ent­neh­men ist, ist das Ge­richt auf die Über­prüfung der zu je­nem Zeit­punkt vom Dienst­herrn ge­trof­fe­nen Be­ur­tei­lung be­schränkt. Ob sie sich zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt als un­zu­tref­fend er­weist, kann al­len­falls in ei­nem neu­en, wei­te­ren Ein­stel­lungs­ver­fah­ren von Be­deu­tung sein (BVerwG vom 27.11.1980, a. a. O.)
2. Ge­mes­sen an die­sen Grundsätzen ist die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung der Be­klag­ten, den Kläger we­gen Zwei­feln an sei­ner Ver­fas­sungs­treue nicht in ein Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be zu über­neh­men, nicht zu be­an­stan­den.
Die Be­klag­te hat ih­rer Be­ur­tei­lung ei­nen zu­tref­fen­den Sach­ver­halt zu­grun­de ge­legt und ist oh­ne Rechts­feh­ler im Rah­men ei­ner Eig­nungs­pro­gno­se zu der Einschätzung ge­langt, dass die Ver­hal­tens­wei­sen des Klägers Rück­schluss auf ei­ne in­ne­re Ein­stel­lung zu­las­sen, die mit der frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung nicht zu ver­ein­ba­ren ist.
a) Ih­re Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­treue des Klägers hat die Be­klag­te im We­sent­li­chen dar­auf gestützt, dass der Kläger der Ideo­lo­gie der Mus­lim­bru­der­schaft na­he ste­he. Die­se Einschätzung be­ruht auf ei­nem zu­tref­fen­den Sach­ver­halt. Der Kläger hat bestätigt, dass er im Jahr 2003 oder 2004 für ei­ni­ge Mo­na­te Mit­glied im IZM ge­we­sen sei, die­ses nach wie vor re­gelmäßig be­su­che und dort seit 2006 bis zum jet­zi­gen Zeit­punkt bei Ab­we­sen­heit von Herrn E. die Frei­tags­pre­digt vom Ara­bi­schen ins Deut­sche über­set­ze. Auch der In­halt der auf dem Lap­top ge­fun­de­nen ex­tre­mis­ti­schen Tex­te wur­de vom Kläger nicht be­strit­ten, ge­nau­so we­nig wie die Ur­he­ber­schaft der „SWOT Ana­ly­se“ und der „Nach­richt an An­gehöri­ge“. Außer­dem hat der Kläger in der münd­li­chen Ver­hand­lung klar ge­stellt, dass er hin­ter den Ge­dan­ken von Ha­san al-Ban­na, dem Gründer der Mus­lim­bru­der­schaft ste­he, so­weit die­ser re­li­giöse Grundsätze für das Verständ­nis des Is­lam auf­ge­stellt ha­be. In­so­weit bestätigt dies die da­ma­li­ge Einschätzung der Be­klag­ten, dass sich der Kläger das Ge­dan­ken­gut der Mus­lim­bru­der­schaft zu Ei­gen ma­che.
b) Oh­ne Rechts­feh­ler ist die Be­klag­te da­von aus­ge­gan­gen, dass die Ge­samt­heit der bei Be­scheid­ser­lass vor­lie­gen­den Hin­wei­stat­sa­chen die An­nah­me recht­fer­tigt, dass der Kläger nicht die Gewähr dafür bie­tet, je­der­zeit für die frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung ein­zu­tre­ten.
Schon die da­ma­li­ge Mit­glied­schaft und das bis heu­te an­dau­ern­de En­ga­ge­ment des Klägers für das IZM so­wie die auf dem Lap­top ge­fun­de­nen, teils selbst ver­fass­ten Tex­te mit ein­deu­tig ra­di­ka­ler Dik­ti­on, sind in ih­rer Ge­samt­heit („Sum­men­ef­fekt“) mit Blick auf die er­for­der­li­che Evi­denz und Dich­te ge­eig­net, Zwei­fel an sei­ner Ver­fas­sungs­treue auf­zu­wer­fen.
Die Einschätzung der Be­klag­ten, dass das in der MB, in der IGD und dem ihr nach­ge­ord­ne­ten IZM ver­tre­te­ne Ge­dan­ken­gut mit den im Grund­ge­setz ver­an­ker­ten Prin­zi­pi­en der De­mo­kra­tie, des Rechts­staats und ei­ner auf der Men­schenwürde ba­sie­ren­den Rechts­ord­nung un­ver­ein­bar ist, ist nicht zu be­an­stan­den. Sie stützt sich auf die In­for­ma­tio­nen des Nie­dersäch­si­schen Mi­nis­te­ri­ums für In­ne­res und Sport (In­ter­net-Quel­le: http://www.ver­fas­sungs­schutz.nie­der­sach­sen.de /li­ve/li­ve.php?na­vi­ga­ti­on_id=12328&ar­ti­cle_id=54221&_ps­mand=30, ab­ge­ru­fen am 26.8.2010 um 9.09 Uhr), die In­for­ma­tio­nen des Lan­des­amts für Ver­fas­sungs­schutz Ba­den-Würt­tem­berg (In­ter­net-Quel­le: http://www.ver­fas­sungs­schutz-bw.de/in­dex.php? op­ti­on=com_con­tent&view=ar­ti­cle&id=310&Ite­mid=214, ab­ge­ru­fen am 30.8.2010 um 15.26 Uhr), die In­for­ma­tio­nen des Ver­fas­sungs­schut­zes des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len (In­ter­net-Quel­le: http://www.im.nrw.de/sch/688. htm##19, down­load am 30.8.2010 um 15.30 Uhr) so­wie auf den Ver­fas­sungs­schutz­be­richt Bay­ern 2009. Hin­sicht­lich die­ser Be­wer­tung schließt sich das Ge­richt aus den in den Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­ten im Ein­zel­nen dar­ge­leg­ten Gründen den Ver­fas­sungs­schutz­behörden und der Recht­spre­chung an (vgl. VG München vom 15.9.2008, M 25 K 06.4713 - zum IZM; BayVGH vom 25.7.2007, 5 C 07.637 zu IZN, IGD und MB; VG Ans­bach vom 17.1.2007, AN 15 K 06.02023).
Vor die­sem Hin­ter­grund ist die ehe­ma­li­ge Mit­glied­schaft und das bis heu­te an­dau­ern­de En­ga­ge­ment im IZM ein Um­stand, der bei der Be­ur­tei­lung der Ver­fas­sungs­treue berück­sich­tigt wer­den kann. Der Kläger kann sich im vor­lie­gen­den Fall auch nicht dar­auf be­ru­fen, le­dig­lich sei­ne Grund­rech­te, ins­be­son­de­re sein Recht auf Re­li­gi­ons­ausübung, wahr­ge­nom­men zu ha­ben. Denn zu­min­dest mit der wie­der­holt wahr­ge­nom­me­nen Tätig­keit als Über­set­zer der Frei­tags­pre­digt im IZM bei Ab­we­sen­heit von Herrn E. hat sich der Kläger mit ei­ner über das ak­ti­ve und öffent­li­che Be­kennt­nis zum mus­li­mi­schen Glau­ben hin­aus­ge­hen­den Ziel­stre­big­keit ak­tiv und zweck­ge­rich­tet in den Dienst des IZM und da­mit letzt­lich von IGD und MB ge­stellt (vgl. VG München vom 15.9.2008, a. a. O.). Die­se be­son­de­re Stel­lung als Über­set­zer der Frei­tags­pre­digt bei Ab­we­sen­heit des Funk­ti­onärs der IGD, Herrn E., lässt auf ei­ne ge­wis­se Gleich­rich­tung mit dem im IZM ver­tre­te­nen Ge­dan­ken­gut schließen. In die­ses Bild fügt sich auch die Ein­la­dung von Herrn E. als Re­fe­rent zu ei­ner Ver­an­stal­tung sei­ner Ju­gend­grup­pe.
Auch die auf dem Lap­top des Klägers ge­fun­de­nen ra­di­kal for­mu­lier­ten Tex­te hat die Be­klag­te in recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se für die Pro­gno­se des zukünf­ti­gen Ver­hal­tens des Klägers her­an­ge­zo­gen.
Zwar ist das bloße Ha­ben ei­ner Über­zeu­gung, die bloße Mit­tei­lung, dass man die­se ha­be, das kri­ti­sche In­for­mie­ren, das Le­sen und Spei­chern ex­tre­mis­ti­scher Li­te­ra­tur noch von der Mei­nungs- und In­for­ma­ti­ons­frei­heit ge­deckt und recht­fer­tigt für sich al­lein nicht der­ar­ti­ge Zwei­fel (vgl. BVerwG vom 27.11.1980, a. a. O.). Al­ler­dings be­steht hier die Be­son­der­heit, dass im Stil ra­di­kal - im Sin­ne ei­ner Un­ver­ein­bar­keit mit der frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung - ge­hal­te­ne Tex­te vom Kläger for­mu­liert wur­den. Auch der Na­me der Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on, für die er tätig ist, ist in ei­nem auf sei­nem Lap­top ge­spei­cher­ten Trai­nings­pro­gramm zu fin­den.
Die vom Kläger selbst ver­fass­ten Tex­te ha­ben aus Sicht ei­nes neu­tra­len Be­trach­ters ei­ne ra­di­ka­le Dik­ti­on. In der „Nach­richt an An­gehöri­ge“, die der Kläger nach sei­nen An­ga­ben an 2 bis 3 Ju­gend­li­che sei­ner Ju­gend­grup­pe adres­siert hat­te, heißt es u. a.: „Zur Zeit gibt es in Deutsch­land kei­nen Kampf mit der Waf­fe, des­halb ha­ben wir un­se­re ge­sam­ten An­stren­gun­gen auf ei­nen an­de­ren Be­reich zu len­ken:“ Die­se For­mu­lie­rung lässt dar­auf schließen, dass das Pos­tu­lat der Ge­walt­frei­heit nicht un­ter al­len Umständen ge­ach­tet wird.
In der „SWOT Ana­ly­se“ für sei­ne Ju­gend­grup­pe, die der Kläger nach ei­ge­nen An­ga­ben für sich selbst er­stellt hat, schreibt er un­ter dem Stich­punkt Ge­fah­ren „Dis­kre­di­tie­rung bei Auf­de­ckung von HA­Bi­bi Ge­dan­ken­gut“. Dies recht­fer­tigt den Schluss, dass der Kläger nicht nur selbst dem Ge­dan­ken­gut der MB na­he steht, son­dern die­ses im Rah­men sei­ner Ju­gend­grup­pe lehrt und wei­ter­gibt. Die­se An­nah­me hat der Kläger in der münd­li­chen Ver­hand­lung bestätigt, in­dem er an­ge­ge­ben hat, dass er hin­ter den Ge­dan­ken von Ha­san al-Ban­na von der MB ste­he, so­weit die­ser re­li­giöse Grundsätze für das Verständ­nis des Is­lam auf­ge­stellt ha­be. Auch wenn er vorträgt, dass er die Tex­te heu­te so nicht mehr for­mu­lie­ren würde, fehlt im Zeit­punkt der Be­ur­tei­lung durch die Be­klag­te ei­ne ein­deu­ti­ge Dis­tan­zie­rung von der ra­di­kal auf­zu­fas­sen­den For­mu­lie­rung.
Zum an­de­ren ist auch der Kon­text des „ISB-Pro­gramms Trai­ning for Ac­tion“ ein­deu­tig ex­tre­mis­ti­schen In­halts. In die­sem nur teil­wei­se ins Deut­sche über­setz­ten Trai­nings­pro­gramm, des­sen Ur­he­ber­schaft vom Kläger be­strit­ten wird, wird auf Sei­te 6 auf die Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on Be­zug ge­nom­men, de­ren Ju­gend­grup­pe der Kläger in M. lei­tet und für die er In­ten­siv­kur­se an­bie­tet. Dort heißt es: „Es wird er­war­tet, dass das Pro­gramm in sei­nen bei­den Tei­len, wis­sens­ver­mit­teln­der und prak­ti­scher Teil, um­ge­setzt wird. Ein Kreis wird nicht als MJD-In­ten­siv­kreis be­trach­tet, wenn nicht bei­de Tei­le ent­spre­chend den hier auf­ge­stell­ten Re­geln und Vor­ga­ben um­ge­setzt wer­den“. In dem sich hier­an an­sch­ließen­den Trai­nings­pro­gramm fin­den sich Aus­sa­gen wie: „Die Teil­neh­mer sol­len am En­de die­ses Kur­ses er­ken­nen, dass Al­lah die bes­te An­lei­tung zu den Prin­zi­pi­en, ei­ne Re­gie­rung zu führen, zur Verfügung ge­stellt hat, dass Säku­la­ris­mus im Is­lam kei­nen Platz hat und die Mus­li­me sich da­her bemühen müssen, Al­lahs An­lei­tun­gen in al­len Be­lan­gen um­zu­set­zen“; „Die Teil­neh­mer sol­len am En­de die­ses Kur­ses die Weis­heit der Scha­ria schätzen (...). Die­se Umstände ge­ben vor­lie­gend An­lass zu der erns­ten Be­sorg­nis, dass der Kläger nicht nur ei­ne mit der frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung un­ver­ein­ba­re in­ne­re Ein­stel­lung ver­tritt, son­dern auch be­reit ist, die­se im Rah­men sei­ner Tätig­keit als Lei­ter ei­ner Ju­gend­grup­pe bzw. ggf. nach sei­ner Be­ru­fung in das
Be­am­ten­verhält­nis als Leh­rer an sei­ne Schüler wei­ter­zu­ge­ben. Denn der Kläger ver­an­stal­tet als Lei­ter der Ju­gend­grup­pe der MJD in M. In­ten­siv­kur­se hin­sicht­lich ei­ner am Is­lam aus­ge­rich­te­ten Le­bens­ge­stal­tung. Da sich auf dem Lap­top des Klägers das mit der ver­fas­sungsmäßigen Ord­nung nicht in Ein­klang zu brin­gen­de ISB-Pro­gramm be­fin­det, in das be­reits der Na­me MJD ein­gefügt ist, für die der Kläger tätig ist, ist zu be­sor­gen, dass der Kläger die­sen Text in sei­nen In­ten­siv­kur­sen ein­setzt. Dem kann nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, dass der Text nicht vom Kläger ver­fasst wor­den sei. Denn der Text be­fand sich je­den­falls ein­satz­be­reit auf dem Lap­top. Auch der Um­stand, dass die dar­ge­stell­ten Tex­te ge­genüber der Ge­samt­zahl der auf dem PC ge­spei­cher­ten Da­tei­en von über 3.000 nicht ins Ge­wicht fal­len, führt zu kei­ner an­de­ren Be­ur­tei­lung. Denn für die erns­te Be­sorg­nis, dass der Kläger nicht die Gewähr dafür bie­tet, je­der­zeit für die frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung ein­zu­tre­ten, kommt es nicht dar­auf an, dass die Do­ku­men­te, aus de­nen sich ei­ne sol­che Be­sorg­nis er­gibt, von ei­ner Viel­zahl von neu­tral zu be­ur­tei­len­den Do­ku­men­ten um­rahmt wer­den.
In das in­so­weit vom Kläger ge­won­ne­ne Ge­samt­bild fügen sich auch die an­de­ren ra­di­kal for­mu­lier­ten Tex­te, die nach dem Gut­ach­ten der Is­lamex­per­tin ei­nen ein­deu­ti­gen Rück­schluss auf die Ideo­lo­gie der MB zu­las­sen. Da die­se Tex­te vom Kläger nicht ver­fasst sind bzw. er des­sen Ur­he­ber­schaft be­strei­tet, kann ih­nen un­mit­tel­bar we­nig Aus­sa­ge­kraft über sei­ne in­ne­re Ein­stel­lung bei­ge­mes­sen wer­den. Im Zu­sam­men­hang bestäti­gen sie je­doch den Ein­druck im Sin­ne ei­ner „Sum­men­wir­kung“, dass der Kläger die Ideo­lo­gie der MB ver­tritt und wei­ter­ge­ben will.
Für die von der Be­klag­ten ge­trof­fe­ne Be­wer­tung, dass der Kläger nicht die Gewähr dafür bie­tet, je­der­zeit für die frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung ein­zu­tre­ten, sind da­her das Tätig­wer­den des Klägers für die MJD, die Durchführung von Ha­l­al-Zer­ti­fi­zie­run­gen im Zu­sam­men­hang mit dem IZM und sein da­ma­li­ges En­ga­ge­ment für das DIBW nicht mehr von Be­lang.
c) Im Rah­men ih­rer Eig­nungs­pro­gno­se hat die Be­klag­te die ein­zel­nen Be­ur­tei­lungs­ele­men­te oh­ne Ver­s­toß ge­gen all­ge­meingülti­ge Be­wer­tungs­maßstäbe ge­wich­tet und ge­gen­ein­an­der ab­ge­wo­gen.
Ins­be­son­de­re hat sie in recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se die wei­ter in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­den Tat­umstände - die bis ins Jahr 2003/2004 zurück­lie­gen­de Mit­glied­schaft im IZM und die teils 2003/2004 ver­fass­ten oder ge­spei­cher­ten Tex­te auf dem Lap­top des Klägers - für die Pro­gno­se des künf­ti­gen Ver­hal­tens her­an­ge­zo­gen.
Vor­aus­set­zung für die Berück­sich­ti­gung sol­cher Tat­umstände ist, dass sie für die Pro­gno­se künf­ti­gen Ver­hal­tens noch von Be­deu­tung sein können und mit­hin nicht über­holt sind, bei­spiels­wei­se weil der Be­wer­ber sich zu­verlässig er­kenn­bar von den früher ver­folg­ten Zie­len ab­ge­wandt hat (vgl. BVerwG vom 26.3.1975, BVerw­GE 47,365). Dies ist vor­lie­gend der Fall, denn an­ge­sichts der bis heu­te an­dau­ern­den ak­ti­ven Tätig­keit des Klägers für das IZM, des­sen Ge­dan­ken­gut der MB zu­zu­ord­nen und mit der frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung nicht ver­ein­bar ist (sie­he oben), war zum Zeit­punkt der Behörden­ent­schei­dung kei­ne zu­verlässi­ge Ab­kehr des Klägers von sei­ner da­ma­li­gen Ein­stel­lung er­kenn­bar. Die­se Einschätzung wird letzt­lich auch durch die Ein­las­sung des Klägers in der münd­li­chen Ver­hand­lung bestätigt. Dort hat er an­ge­ge­ben, dass er aus dem IZM nur aus­ge­tre­ten sei, weil er gehört ha­be, dass je­der, der dort Mit­glied sei, als Ver­fas­sungs­feind gel­te und er später ein­mal Leh­rer wer­den woll­te. Von den dort ver­tre­te­nen Grund­ide­en ha­be er sich al­ler­dings nicht dis­tan­ziert.
Die­ser schon während des Vor­be­rei­tungs­diens­tes vor­han­de­nen und bis zum Ent­schei­dungs­zeit­punkt an­dau­ern­den Nähe des Klägers zu ex­tre­mis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen hat die Be­klag­te er­kenn­bar das ent­schei­den­de Ge­wicht bei­ge­mes­sen. Dies wird dar­aus er­sicht­lich, dass die Be­klag­te das an­dau­ern­de En­ga­ge­ment des Klägers als be­son­ders ge­wich­ti­gen Um­stand berück­sich­tigt hat.
Aus die­sem Grund ist es auch nicht feh­ler­haft, dass die Be­klag­te im Be­scheid nicht näher auf die Bewährung des Klägers während des Vor­be­rei­tungs­diens­tes ein­ge­gan­gen ist. Die Nicht­berück­sich­ti­gung bzw. nicht aus­rei­chen­de Berück­sich­ti­gung des ab­ge­leis­te­ten Vor­be­rei­tungs­diens­tes kann nur dann ei­nen Ver­s­toß ge­gen all­ge­mein gülti­ge Wert­maßstäbe dar­stel­len, wenn der Dienst­herr die jünge­re mehrjähri­ge ta­dels­freie Führung ge­genüber den zurück­lie­gen­den, be­reits ab­ge­schlos­se­nen Ver­hal­tens­wei­sen
hin­ten­an­set­zen will (vgl. BVerwG vom 9.6.1983, ZBR 1984, 40; VG Darm­stadt vom 2.8.2007, 1 E 1247/06). Ei­ne sol­che Kon­stel­la­ti­on liegt hier nicht vor, da sich im vor­lie­gen­den Fall das pro­ble­ma­ti­sche Ver­hal­ten durchgängig bis heu­te fort­setzt.
Sch­ließlich ist die Be­klag­te be­ur­tei­lungs­feh­ler­frei da­von aus­ge­gan­gen, dass den Aus­sa­gen der Zeu­gen zur Ver­fas­sungs­treue des Klägers kein be­son­de­res Ge­wicht zu­kommt. Bei den Einschätzun­gen der Zeu­gen han­delt es sich um sub­jek­ti­ve Ein­drücke über den Kläger, die grundsätz­lich hin­ter ob­jek­ti­ven, nach außen sicht­ba­ren Ver­hal­tens­wei­sen zurück­tre­ten müssen. Un­ter­stri­chen wird dies im vor­lie­gen­den Fall noch da­durch, dass die Zeu­gen kei­ne kon­kre­ten Si­tua­tio­nen be­nen­nen konn­ten, die Auf­schluss über die Hal­tung des Klägers ge­genüber der frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung ge­ben könn­ten. Die Zeu­gen - an de­ren Glaub­haf­tig­keit kein An­lass zu zwei­feln be­steht - ha­ben übe­rein­stim­mend an­ge­ge­ben, dass sie sich mit dem Kläger über Ge­sichts­punk­te, die ei­nen An­halt zur Be­ur­tei­lung der Ver­fas­sungs­treue lie­fern könn­ten - ins­be­son­de­re Tren­nung von Staat und Kir­che, Grund­rech­te, De­mo­kra­tie, Rechts­sys­tem - nicht aus­ein­an­der ge­setzt ha­ben.
d) Die Be­klag­te ist fer­ner zu Recht zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass es dem Kläger nicht ge­lun­gen ist, sei­ne Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­treue zu zer­streu­en. Die von ihm ins­ge­samt vor­ge­brach­ten Einwände las­sen die vor­ste­hend erörter­ten äußeren Ge­scheh­nis­se nicht zwin­gend in ei­nem an­de­ren Licht er­schei­nen.
Wie oben dar­ge­stellt, gehört zum In­halt der be­am­ten­recht­li­chen Treue­pflicht nicht nur, sich ak­tiv für die frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung ein­zu­set­zen, son­dern auch, sich ein­deu­tig von Grup­pen und Be­stre­bun­gen zu dis­tan­zie­ren, die die­sen Staat, sei­ne ver­fas­sungsmäßigen Or­ga­ne und die gel­ten­de Ver­fas­sungs­ord­nung an­grei­fen, bekämp­fen und dif­fa­mie­ren. In die­sem Zu­sam­men­hang trifft den Be­am­ten­be­wer­ber ei­ne be­son­de­re Mit­wir­kungs­last. Ihm ob­liegt es, Mo­ti­ve für das bis­he­ri­ge Ver­hal­ten dar­zu­tun, die für die Be­ur­tei­lung sei­ner Ver­fas­sungs­treue von Be­deu­tung sein können. So kann das Vor­brin­gen des Be­am­ten­be­wer­bers ent­schei­dend sein, dass in ei­ner Ver­ei­ni­gung mit über­wie­gend der Ver­fas­sungs­ord­nung wi­der­strei­ten­den Ziel­set­zun­gen ge­ra­de er für ei­ne ver­fas­sungs­kon­for­me Ziel­set­zung ein­tritt oder dass er aus ei­ner sol­chen Or­ga­ni­sa­ti­on aus­ge­tre­ten ist und sich nun­mehr in an­de­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen für ver­fas­sungs­kon­for­me Ziel­set­zun­gen ein­setzt (vgl. BVerwG vom 27.11.1980, a. a. O.)
Sol­che Umstände hat der Kläger nicht in über­zeu­gen­der Wei­se vor­ge­bracht. Er hat sich dar­auf be­schränkt, die Vorwürfe pau­schal zu be­strei­ten, oh­ne sich im Rah­men des Prüfungs- und Anhörungs­ver­fah­rens ein­deu­tig von der Ideo­lo­gie der Mus­lim­bru­der­schaft zu dis­tan­zie­ren.
Der al­lei­ni­ge Ver­weis dar­auf, dass er aus dem IZM nach re­la­tiv kur­zer Mit­glied­schaft wie­der aus­ge­tre­ten sei, recht­fer­tigt noch nicht die An­nah­me, dass der Kläger sich von den dort ver­tre­te­nen An­sich­ten dis­tan­ziert ha­be. An­ge­sichts der ideo­lo­gi­schen Nähe von IGD und IZM zur MB hätte es hierfür zusätz­lich der Be­nen­nung von Gründen und ei­ner nach außen er­kenn­ba­ren Dis­tan­zie­rung be­durft. Im Wi­der­spruch da­zu steht je­doch das wei­te­re En­ga­ge­ment des Klägers für das IZM, auch wenn es - wie der Kläger ein­wen­det - nicht re­gelmäßig er­folgt sei. Auch der Ein­wand des Klägers, er ha­be nicht er­ken­nen können, dass die­se Or­ga­ni­sa­ti­on ex­tre­mis­tisch-fun­da­men­ta­lis­ti­sche Be­stre­bun­gen ver­fol­ge, führt zu kei­ner an­de­ren Be­ur­tei­lung. Da dem Kläger je­den­falls mit Be­ginn des Ein­stel­lungs­ver­fah­rens be­kannt war, dass das IZM kri­tisch ge­se­hen wer­de, hätte er ge­ra­de mit Blick auf die späte­re Ein­stel­lung als Leh­rer auch bei dem bloßen Ver­dacht hier­von er­kenn­bar in ir­gend­ei­ner Wei­se Ab­stand neh­men oder für die de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung ein­tre­ten müssen. Da­zu hat der Kläger nichts Stich­hal­ti­ges vor­ge­tra­gen. Das Vor­brin­gen des Klägers in der münd­li­chen Ver­hand­lung, er ha­be ei­nen Vor­trag zum The­ma „De­mo­kra­tie und Is­lam“ im IZM an­ge­dacht, genügt hierfür nicht, da er die­se Idee je­den­falls nicht um­ge­setzt hat.
Auch für die selbst ver­fass­ten Tex­te mit ra­di­ka­ler Dik­ti­on konn­te der Kläger kei­ne plau­si­blen Gründe und Mo­ti­ve be­nen­nen. Der Vor­trag des Klägers erschöpft sich dar­in, ein­zu­wen­den, dass die Tex­te le­dig­lich für den pri­va­ten Ge­brauch be­ab­sich­tigt und der dort gewähl­te Wort­laut nicht krie­ge­risch ge­meint ge­we­sen sei. Ei­ne Erklärung, wie ins­be­son­de­re der Wort­laut der „SWOT Ana­ly­se“ „Ge­fah­ren: Dis­kre­di­tie­rung bei Auf­de­ckung von HA­Bi­bi Ge­dan­ken­gut“ zu ver­ste­hen sei und aus wel­chen Gründen er die­se For­mu­lie­rung gewählt ha­be, ist er bis zum Be­scheid­ser­lass schul­dig ge­blie­ben. An­ge­sichts des ein­deu­ti­gen Wort­lauts
hätte es je­doch auch dies­bezüglich ei­ner aus­drück­li­chen Ab­stand­nah­me von den der frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung ent­ge­gen­ste­hen­den ideo­lo­gi­schen Ele­men­ten der Mus­lim­bru­der­schaft be­durft.
Ei­ne sol­che Dis­tan­zie­rung hat der Kläger selbst in der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht er­ken­nen las­sen. Viel­mehr hat er an­ge­ge­ben, dass er hin­ter den Ge­dan­ken von Ha­san al-Ban­na ste­he, so­weit die­ser re­li­giöse Grundsätze für das Verständ­nis des Is­lam auf­ge­stellt ha­be. In die­sem Sin­ne sei auch die da­ma­li­ge For­mu­lie­rung „Dis­kre­di­tie­rung bei Auf­de­ckung von HA­Bi­bi-Ge­dan­ken­gut“ ge­meint ge­we­sen. Die­se Aus­sa­ge bestätigt, dass die­ser Text auch heu­te noch Ak­tua­lität be­sitzt und dass ge­ra­de kei­ne Ab­kehr von der da­ma­li­gen Ein­stel­lung vor­liegt. Da Ha­san al-Ban­na auch po­li­ti­sche Zie­le ver­folg­te (s.o.) und ins­be­son­de­re nach des­sen Ideo­lo­gie der Is­lam ei­ne un­trenn­ba­re Ein­heit zwi­schen Po­li­tik und Re­li­gi­on dar­stellt und sich auf al­le Le­bens­be­rei­che be­zieht, er­scheint es pro­ble­ma­tisch, strikt zwi­schen den re­li­giösen und po­li­ti­schen Ansätzen der MB tren­nen zu können. Je­den­falls müss­te ei­ne sol­che Tren­nung und Ab­leh­nung der mit der frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung nicht in Ein­klang ste­hen­den Ele­men­te der Ideo­lo­gie nach außen er­sicht­lich ge­wor­den sein. Ei­ne sol­che nach außen er­kenn­ba­re aus­drück­li­che Dis­tan­zie­rung hat der Kläger - wie dar­ge­legt - nicht ge­zeigt. Sein Vor­brin­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung ist da­her nicht ge­eig­net, die sei­ner­zeit von der Be­klag­ten ge­trof­fe­ne Einschätzung in Fra­ge zu stel­len, dass der Kläger nicht die Gewähr dafür bie­tet, je­der­zeit für die frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung ein­zu­tre­ten.
3. Auf die Fra­ge, ob die cha­rak­ter­li­che Eig­nung für die Über­nah­me in das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be beim Kläger ge­ge­ben ist, kommt es ent­schei­dungs­er­heb­lich nicht mehr an.
4. Die Kla­ge war mit der Kos­ten­fol­ge des § 154 Abs. 1 Vw­GO ab­zu­wei­sen.
Der Aus­spruch über die vorläufi­ge Voll­streck­bar­keit der Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 167 Abs. 2 Vw­GO i. V. m. §§ 708 ff. der Zi­vil­pro­zess­ord­nung (ZPO).
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