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Timestamp: 2016-10-24 05:15:06
Document Index: 253117807

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'Art. 4', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 43', 'Art. 61', 'Art. 35', 'Art. 29', 'Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 19', 'BGE', 'BGE', 'Art. 19', 'BGE', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 68']

8C_454/2014 (02.09.2014)
8C_454/2014 � � Urteil vom 2. September 2014
vertreten durch Rechtsanwalt Christoph Schneeberger,
Der 1974 geborene A.________ war Bauarbeiter bei der Firma B.________ AG und damit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch unfallversichert. Am 26. November 2011 rutschte er bei der Arbeit auf einem schneebedeckten Ger�st aus und verletzte sich am linken Knie. Es wurde eine mediale Meniskusl�sion und ein grosser Knorpeldefekt medialer Femurkondylus links diagnostiziert; der Versicherte wurde am 27. Mai und 25. November 2011, am 26. und 30. Juni 2012 sowie am 20. August 2013 am linken Knie operiert. Die SUVA kam f�r die Heilbehandlung und das Taggeld auf. Im Entlassungsbericht des Krankenhauses C.________ (E) vom 30. Januar 2013 wurde als Hauptdiagnose eine Temporalraumforderung links angegeben. Die Nebendiagnosen lauteten: posttraumatische frontale Enzephalomalazie links; psychotisches Vorkommnis m�glicherweise organischen Ursprungs und �berdosieren von Tramadol als Faktor von zus�tzlicher Dekompensation. Die SUVA zog weitere Arztberichte bei. Mit Verf�gung vom 7. Juni 2103 verneinte sie ihre Leistungspflicht f�r die akustischen Halluzinationen und die frontale Enzephalomalazie, da �berwiegend wahrscheinlich eine Kausalit�t zum Unfall vom 26. Januar 2011 fehle. Die Einsprache des Versicherten wies sie mit Entscheid vom 20. September 2013 ab.
Die hiegegen gef�hrte Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern ab, soweit es darauf eintrat (Entscheid vom 8. Mai 2014).
Mit Beschwerde beantragt der Versicherte, in Aufhebung des kantonalen Entscheides sei die Sache zur erg�nzenden Sachverhaltsabkl�rung und zu neuem Entscheid an die SUVA, eventuell an die Vorinstanz, zur�ckzuweisen.
Die Vorinstanz hat die Grundlagen �ber den f�r die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers (Art. 6 Abs. 1 UVG) erforderlichen nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall (Art. 4 ATSG) und dem Gesundheitsschaden (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111, 115 V 133), den Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 138 V 218 E. 6 S. 221) und den Beweiswert von Arztberichten (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) richtig dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Die Vorinstanz erwog, Anfechtungsobjekt bilde der Einspracheentscheid vom 20. September 2013. Streitig und zu pr�fen sei der Anspruch auf Leistungen bez�glich der strukturellen Hirnver�nderungen und dabei insbesondere, ob die damit zusammenh�ngenden Beschwerden - haupts�chlich die akustischen Halluzinationen - in einem nat�rlichen Kausalzusammenhang zum Ereignis vom 26. Januar 2011 st�nden. F�r weitere Behandlungen der Kniebeschwerden anerkenne die SUVA ihre Leistungspflicht. Hingegen habe sie bis anhin noch nicht �ber die ebenfalls geltend gemachten psychischen Beschwerden, insbesondere die Depression entschieden, sondern werde zu gegebener Zeit dar�ber beim Fallabschluss befinden. Ein allf�lliger Anspruch auf diesbez�gliche Leistungen sei deshalb nicht Streitgegenstand, weshalb auf den in Rechtsbegehren 2 gestellten Feststellungsantrag nicht einzutreten sei.
Der Versicherte r�gt als Erstes, die Vorinstanz habe ausser Betracht gelassen, ob die strukturellen Hirnver�nderungen und die damit zusammenh�ngenden Beschwerden - haupts�chlich die akustischen Halluzinationen - durch die bei der �rztlichen Behandlung verordnete Einnahme von Tramadol bzw. Tramol verursacht worden seien. Die SUVA sei auch leistungspflichtig f�r Sch�den, die ihm bei der Heilbehandlung zugef�gt worden seien (Art. 6 Abs. 3 UVG). Trotz seiner diesbez�glichen vorinstanzlichen Vorbringen h�tten sich dazu weder SUVA noch Vorinstanz ge�ussert. Damit h�tten sie den Untersuchungsgrundsatz und den Grundsatz der freien Beweisw�rdigung verletzt (Art. 43, Art. 61 lit. c ATSG). Die Vorinstanz habe zudem die aus dem Anspruch auf rechtliches Geh�r fliessende Begr�ndungspflicht verletzt (Art. 35 Abs. 1 VwVG; Art. 29 Abs. 2 BV). Eine R�ckweisung der Sache zur erg�nzenden Sachverhaltsabkl�rung an die SUVA sei daher unumg�nglich.
Dem ist entgegenzuhalten, dass eine Leistungspflicht der SUVA nach Art. 6 Abs. 3 UVG im Einspracheverfahren nicht substanziiert geltend gemacht und auch nicht im Einspracheentscheid vom 20. September 2013 gepr�ft wurde. Damit fehlt es diesbez�glich an einem Streit- und Anfechtungsgegenstand, weshalb in diesem Punkt auf die Beschwerde nicht einzutreten ist (BGE 131 V 164 E. 2.1).
5.1.�Die Vorinstanz hat mit einl�sslicher Begr�ndung - auf die verwiesen wird - erkannt, aufgrund der echtzeitlichen Dokumente und der Stellungnahme der Neurologin Frau Dr. med. D.________, SUVA Versicherungsmedizin, vom 16. April 2013 k�nne nicht davon ausgegangen werden, dass der Versicherte beim Unfall vom 26. Januar 2011 den Kopf angeschlagen oder gar ein Bewusstseinsverlust und nachfolgende Bewusstseinsst�rungen stattgefunden h�tten. Demnach sei nicht �berwiegend wahrscheinlich erstellt, dass die geklagten akustischen Halluzinationen und die frontale Enzephalomalazie nat�rlich kausal auf diesen Unfall zur�ckzuf�hren seien.
5.2.�Der Versicherte bringt im Wesentlichen vor, er sei beim Unfall vom 26. Januar 2011 mit dem Kopf am Boden aufgeschlagen und kurze Zeit bewusstlos gewesen. Angesichts seiner starken Knieschmerzen seien die gelegentlichen Kopfschmerzen sowie Ged�chtnis- und Konzentrationsprobleme klar im Hintergrund gestanden. Er habe gedacht, es handle sich um tempor�re Beschwerden, die mit der Zeit selber verschw�nden und keiner �rztlichen Behandlung bed�rften. Die Kopfbeschwerden seien erst bedeutsam geworden, als ab Sommer 2012 akustische Halluzinationen und Albtraumattacken und eine eigentliche Pers�nlichkeitsver�nderung eingetreten seien. Deshalb habe er sich im Dezember 2012 in psychiatrische Behandlung begeben und im Januar 2013 in Spanien neurologisch untersuchen lassen. Die Sprachbarriere - er habe weder Deutsch noch Franz�sisch gesprochen - sowie die anf�nglich untergeordnete Natur der Kopfbeschwerden erkl�rten plausibel, weshalb er die am 26. Januar 2011 erlittene Kopfverletzung den �rzten anf�nglich nicht mitgeteilt habe.
Diese Einw�nde sind unbehelflich. In der Unfallmeldung vom 30. Januar 2011 wurde eine Verletzung am Knie links (Prellung) angegeben. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Sprachprobleme den immerhin Spanisch sprechenden Versicherten - der ja in der Lage war, die Knieverletzung zu beschreiben - daran gehindert haben sollen, die SUVA oder die �rzte auf eine erlittene Kopfverletzung bzw. damit einhergehende Beschwerden hinzuweisen. Am 11. Dezember 2012 suchte der Versicherte den Psychiater Dr. med. E.________ auf; aber selbst dieser diagnostizierte im Bericht vom 17. Mai 2013 lediglich einen Status nach Knietrauma im Jahr 2011; auf eine damals erlittene Kopfverletzung verwies er nicht. Erst in den Berichten des Krankenhauses C.________ (E) vom 29. und 30. Januar 2013 wurde von einer posttraumatischen frontalen Enzephalomalazie links gesprochen; weiter wurde ausgef�hrt, der Versicherte leide an einem seit 6 Monaten aufgetretenen Halluzinationsbild und selbstaufl�senden Gedankenbildungen. Und erstmals im Bericht vom 26. Februar 2013 diagnostizierte Dr. med. F.________ eine am 26. Januar 2011 erlittene Commotio cerebri/Hirnkontusion frontal. Im Lichte dieser langen Latenzzeit bis zur entsprechenden Dokumentierung kann mit der Vorinstanz eine Kopfverletzung beim Unfall vom 26. Januar 2011 nicht als �berwiegend wahrscheinlich erstellt gelten, weshalb die strukturellen Hirnver�nderungen und die damit einhergehenden gesundheitlichen Beschwerden nicht unfallkausal sind. Diesbez�glich ist die SUVA somit nicht leistungspflichtig. In diesem Lichte er�brigen sich entgegen dem Versicherten weitere Abkl�rungen zur Frage, inwieweit die von ihm angegebenen Beschwerden - akustische Halluzinationen, Psychose und Albtraumattacken - objektiv physisch nachweisbar seien (vgl. E. 8 hienach).
6.1.�Die Vorinstanz erwog weiter, die akustischen Halluzinationen w�ren, selbst wenn sie nicht auf die strukturelle Hirnver�nderung zur�ckzuf�hren w�ren, nach der Praxis zu den psychischen Unfallfolgen nicht ad�quat kausal zum Unfall vom 26. Januar 2011, da es sich um ein banales bzw. leichtes Ereignis gehandelt habe (BGE 129 V 177 E. 4.1 S. 183, 115 V 133 E. 6a S. 139).
6.2.�Die Versicherte wendet ein, die SUVA habe im Einspracheentscheid vom 20. Dezember 2013 den Unfall vom 26. Januar 2011 h�chstens als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen qualifiziert. Demgegen�ber sei die Vorinstanz ohne weitere Begr�ndung von einem banalen Unfall ausgegangen. Aber selbst bei banalen Unf�llen sei eine Ad�quanzpr�fung erforderlich, wenn sich die zu ber�cksichtigenden Umst�nde kumulierten und spezielle Wichtigkeit erlangten. Bei ihm seien dies die ungew�hnlich lange Dauer der �rztlichen Behandlung, k�rperliche Dauerschmerzen, eine �rztliche Fehlbehandlung durch die �berm�ssige Anwendung und Verschreibung von Tramadol, der schwierige Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen sowie der hohe Grad und die lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunf�higkeit. Indem sich die Vorinstanz mit diesen R�gen nicht auseinandergesetzt habe, habe sie die Begr�ndungspflicht, den Untersuchungsgrundsatz und den Grundsatz der freien Beweisw�rdigung verletzt, da die Ad�quanzkriterien nicht umfassend gepr�ft worden seien und angesichts des fehlenden Fallabschlusses auch noch nicht gepr�ft werden k�nnten. Stossend erscheine, dass durch das Vorgehen der SUVA, lediglich einen Teilaspekt des Falles - strukturelle Hirnver�nderungen und akustische Halluzinationen - zu beurteilen, eine Gesamtbetrachtung verunm�glicht werde. Eine Ad�quanzbeurteilung sei nicht m�glich, bevor die unfallbezogenen Ad�quanzkriterien (wie z.B. Dauer der physisch bedingten Arbeitsunf�higkeit) festst�nden. Dies werde erst bei Fallabschluss (u.a. bez�glich der Knieverletzung) der Fall sein. Er habe Anspruch auf eine rechtsgen�gliche Abkl�rung des Sachverhalts und eine Gesamtw�rdigung all seiner Beschwerden, die seit dem Unfall aufgetreten seien, was eine polydisziplin�re Begutachtung erfordere.
6.3.�Die Pr�fung der Ad�quanz eines Kausalzusammenhangs ist bei Anwendung der Praxis zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) in jenem Zeitpunkt vorzunehmen, in dem von der Fortsetzung der auf die somatischen Leiden gerichteten �rztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des unfallbedingten Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG; BGE 134 V 109 E. 6.1 S. 116; Urteil 8C_691/2013 19. M�rz 2014 E. 7.1). Vorliegend ist indessen Folgendes festzuhalten: Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass der Unfall des Versicherten vom 26. Januar 2011 - Ausrutschen und Sturz auf einem schneebedeckten Ger�st - aufgrund des augenf�lligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kr�ften (SVR 2013 UV Nr. 3 S. 7 E. 5.2 Ingress) als leicht einzustufen ist. Ein Grund, die Ad�quanzbeurteilung ausnahmsweise in Anwendung der von der Rechtsprechung f�r mittelschwere Unf�lle entwickelten Kriterien vorzunehmen, ist nicht gegeben (vgl. BGE 115 V 133 E. 6a und 6c/aa S. 139 f.; RKUV 1998 Nr. U 297 S. 243; Urteil 8C_232/2012 vom 27. September 2012 E. 6.2). In diesem Lichte durfte die SUVA die Unfallad�quanz der akustischen Halluzinationen - soweit sie nicht auf strukturellen Hirnver�nderungen beruhen - und ihre diesbez�gliche Leistungspflicht verneinen, ohne den Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG abzuwarten und die weiteren Gesundheitssch�den des Versicherten mitzubeurteilen (E. 3 hievor). Von einer Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes oder des Grundsatzes der freien Beweisw�rdigung kann nicht gesprochen werden. Selbst wenn eine vorinstanzliche Verletzung der Begr�ndungspflicht vorl�ge, w�re von einer R�ckweisung der Sache an sie abzusehen, da dies zu einem formalistischen Leerlauf f�hren w�rde, der nicht zu rechtfertigen ist, zumal dem Bundesgericht die volle Kognition zusteht (E. 1 hievor; BGE 135 V 98 E. 1 S. 99, 133 I 201 E. 2.2 S. 204; Urteil 8C_23/2014 vom 26. M�rz 2014 E. 5).
6.4.�Unbehelflich ist der Einwand des Versicherten, vor dem Unfall vom 26. Januar 2011 habe er keine hirnbedingten Probleme gehabt, weshalb sie darauf zur�ckzuf�hren seien. Diese Argumentation l�uft n�mlich auf einen unzul�ssigen "post hoc, ergo propter hoc"-Schluss hinaus (BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 341 f.; SVR 2012 UV Nr. 5 S. 17 E. 4.5.1 [8C_310/2011]).
Der unterliegende Versicherte tr�gt die Verfahrenkosten (Art. 66 Abs. 1, Art. 68 Abs. 2 BGG).