Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F29-08-2012-9C_444-2012
Timestamp: 2016-10-26 19:24:50
Document Index: 18664563

Matched Legal Cases: ['Art. 107', 'BGE', 'BGE', 'Art. 105', 'Art. 105', 'Art. 97', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 49', 'BGE']

9C_444/2012 (29.08.2012)
9C_444/2012
Beschwerde gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 5. April 2012.
R.________ wurde am ........ am R�cken operiert (Diagnose: Lumbale Diskushernie L5/S1 linksseitig mit Wurzelreizsyndrom vom Typ S1 links). Am ........ 2009 erlitt sie bei einem Sturz eine Schenkelhalsfraktur links, die durch eine geschlossene Reposition und Schraubenosteosynthese behandelt wurde. Die obligatorische Unfallversicherung erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld bis Ende 2010, Integrit�tsentsch�digung von 10 %). Im Juli 2009 meldete sich R.________ (ein zweites Mal nach Juli 2008) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Nach Abkl�rungen und durchgef�hrtem Vorbescheidverfahren verneinte die IV-Stelle mit Verf�gung vom 14. Juli 2011 den Anspruch auf eine Invalidenrente.
Die Beschwerde der R.________, der zwei �rztliche Berichte vom 2. September 2011 (Frau Dr. med. N.________, FMH f�r Allgemein Innere Medizin und Rheumatologie) und 8. September 2011 (Dr. med. E.________, Chefarzt Orthop�die Spital X.________) beigelegt waren, wies das Versicherungsgericht des Kantons Aargau mit Entscheid vom 5. April 2012 ab.
R.________ f�hrt Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Rechtsbegehren, der Entscheid vom 5. April 2012 und die Verf�gung vom 14. Juli 2011 seien aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung und Einholung einer umfassenden medizinischen Begutachtung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
Die Beschwerde an das Bundesgericht ist ein reformatorisches Rechtsmittel (Art. 107 Abs. 2 BGG). Ein blosser Antrag auf R�ckweisung ist somit nur zul�ssig, wenn ohnehin nicht reformatorisch entschieden werden k�nnte (BGE 134 III 379 E. 1.3 S. 383). Bei Beschwerden in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten wird ein (an sich unzul�ssiger) reiner R�ckweisungsantrag als reformatorisches Begehren interpretiert, wenn sich aus der Begr�ndung hinreichende Elemente dazu finden (BGE 136 V 131 E. 1.2 S. 135 f.; SVR 2011 BVG Nr. 40 S. 151, 9C_120/2010 E. 1). Dies trifft hier zu. Die beantragte R�ckweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung bezweckt, den nicht als rechtsgen�glich abgekl�rt ger�gten Sachverhalt durch Einholung eines umfassenden (orthop�dischen und rheumatologischen) medizinischen Gutachtens zu vervollst�ndigen.
2.1 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz auf R�ge hin oder von Amtes wegen berichtigen oder erg�nzen, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Artikel 95 beruht, und wenn die Behebung des Mangels f�r den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 105 Abs. 2 BGG und Art. 97 Abs. 1 BGG). Das Vorliegen dieser Voraussetzungen hat die Beschwerde f�hrende Person genau darzulegen. Dazu gen�gt es nicht, einen von den tats�chlichen Feststellungen der Vorinstanz abweichenden Sachverhalt zu behaupten oder die eigene Beweisw�rdigung zu erl�utern (BGE 137 II 353 E. 5.1 S. 356; SVR 2012 BVG Nr. 11 S. 44, 9C_779/ 2010 E. 1.1.2 [nicht publ. in: BGE 137 V 446]).
2.2 Einem �rztlichen Bericht kommt Beweiswert zu, wenn er f�r die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden ber�cksichtigt und in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, wenn die Beschreibung der medizinischen Situation und Zusammenh�nge einleuchtet und die Schlussfolgerungen begr�ndet sind (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352). Der Arzt muss �ber die notwendigen fachlichen Qualifikationen verf�gen (Urteil 9C_736/2009 vom 26. Januar 2010 E. 2.1). Untersuchungsberichte regionaler �rztlicher Dienste k�nnen, sofern sie diesen Anforderungen gen�gen, einen vergleichbaren Beweiswert wie ein Gutachten haben (Art. 49 Abs. 2 IVV; BGE 137 V 210 E. 1.2.1 S. 219; 135 V 254 E. 3.3.2 S. 257; Urteil 9C_999/2010 vom 14. Februar 2011 E. 5.1.2).
Auch reine Aktengutachten k�nnen beweiskr�ftig sein, sofern ein l�ckenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fach�rztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte �rztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund r�ckt (SVR 2010 IV Nr. 46 S. 143, 9C_ 1063/2009 E. 4.2.1; Urteil 8C_119/2012 vom 30. M�rz 2012 E. 4 mit Hinweis). Dies gilt grunds�tzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen regionaler �rztlicher Dienste (SVR 2011 IV Nr. 2 S. 7, 9C_904/2009 E. 2.2 mit Hinweisen).
Die Vorinstanz ist in W�rdigung der medizinischen Akten zum Ergebnis gelangt, mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit sei der Beschwerdef�hrerin eine angepasste leichte wechselbelastende T�tigkeit, teils sitzend, teils stehend, ohne dauerndes Gehen auf unebenem Gel�nde, ohne dauerndes Begehen von Treppen, ohne Arbeiten in Zwangshaltungen oder in kauernder Stellung ab dem fr�hest m�glichen Zeitpunkt des Rentenbeginns im Februar 2010 zu 100 % zumutbar. Dabei hat sie im Wesentlichen auf die Aktenbeurteilung des Dr. med. H.________, FMH f�r Orthop�dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom regionalen �rztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle vom 17. Dezember 2009, 10. Dezember 2010 und 21. Mai 2011 abgestellt.
Die Beschwerdef�hrerin r�gt eine willk�rliche Sachverhaltsfeststellung und Beweisw�rdigung durch die Vorinstanz. Ihre Begr�ndung ist indessen nicht stichhaltig:
4.1 Vorab hat die Vorinstanz nicht festgestellt, der Bericht des Dr. med. H.________ vom 17. Dezember 2009 stelle eine umfassende Beurteilung des aktuellen medizinischen Sachverhalts dar. Vielmehr stellte das kantonale Versicherungsgericht auf alle Stellungnahmen des RAD-Arztes ab, insbesondere diejenigen vom 10. Dezember 2010 und 21. Mai 2011.
4.2 Im Weitern �bt die Beschwerdef�hrerin appellatorische Kritik an der vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung und Beweisw�rdigung, soweit sie vorbringt, der RAD-Arzt w�rdige lediglich die Folgen der Schenkelhalsfraktur vom ........ 2009 ohne Einbezug der Folgen der Diskushernienoperation vom ........ wie auch der behandelnde Orthop�de Dr. med. E.________ einzig und allein die H�ftproblematik beurteile (vorne E. 2.1). Das kantonale Versicherungsgericht hat festgestellt, Dr. med. H.________ seien die Berichte betreffend das R�ckenleiden (insbesondere auch in Bezug auf den Eingriff ........) vorgelegen. Sodann habe Dr. med. E.________ im Bericht vom 8. September 2011 (erstmals) explizit eine Gesamteinsch�tzung des Gesundheitsschadens bzw. der Auswirkungen auf die Arbeitsf�higkeit unter Ber�cksichtigung des lumbospondylogenen und radikul�ren Reizsyndroms S1 links abgegeben. Die Beschwerdef�hrerin legt nicht dar, inwiefern diese Feststellungen offensichtlich unrichtig sein sollen. Sie sind somit f�r das Bundesgericht verbindlich.
Wie die Vorinstanz sodann festgestellt hat und was unbestritten ist, wurde die Aktenbeurteilung des RAD-Arztes durch die Einsch�tzung des Dr. med. E.________ best�tigt. Der Umstand, dass sie diese unter Einbezug der �brigen Akten als plausibler erachtet hat als diejenige der Rheumatologin Dr. med. N.________ vom 2. September 2011, die bei im Wesentlichen gleichen Diagnosen lediglich von einer Arbeitsf�higkeit von 50 % in angepassten T�tigkeiten ausging, l�sst nicht schon den Schluss auf willk�rliche Beweisw�rdigung zu (vorne E. 2.1).
Schliesslich hat die Vorinstanz, entgegen den Vorbringen in der Beschwerde, der Versicherten nicht vorgeworfen, sie sei ihrer Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen. Gegenteils hat sie mit Bezug auf eine m�gliche H�ftoperation ausdr�cklich festgehalten, dass eine solche Massnahme die Zumutbarkeit aus �rztlicher Sicht voraussetze. Abgesehen davon beruhte die Einsch�tzung der Arbeitsf�higkeit gem�ss Dr. med. H.________ und Dr. med. E.________ auf dem Gesundheitszustand vor einem allf�lligen Eingriff, der immerhin eine Verbesserung der Schmerzsituation bringen k�nnte.
Die vorinstanzliche Invalidit�tsbemessung ist weiter nicht bestritten. Es besteht kein Anlass zu einer n�heren Pr�fung.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons Aargau, dem Bundesamt f�r Sozialversicherungen und der Sammelstiftung Y.________ schriftlich mitgeteilt.