Source: https://bolapla-sh.de/verfahren/c0e2b843-ba7a-11e8-bf30-0050568a04d7/public/paragraph/b7444726-bd5d-11e8-bf30-0050568a04d7?draftStatementId=&r_limit=3&page=6
Timestamp: 2020-04-06 07:35:39
Document Index: 258748149

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 44', '§ 73', '§ 76', '§ 73', 'Art. 6']

Das Küstengewässer erstreckt sich entweder von der Küstenlinie oder der Basislinie bis zur 12-Seemeilengrenze, an die sich die ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) anschließt. Die deutsche AWZ in der Ostsee umfasst rund 4.500 km² (BSH, 2009). Das schleswig-holsteinische Küstengewässer der Ostsee nimmt eine Fläche von rund 3.030 km² ein.
Meeresschutz ist Teil des Natur- und Umweltschutzes und bezieht neben dem Schutz mariner Lebensräume und Arten auch den Zustand der gesamten abiotischen und biotischen Meeresumwelt mit ein. Die Aktivitäten der Helsinki-Kommission zum Schutz der Meeresumwelt der Ostsee (HELCOM) hinsichtlich des Umganges mit menschlichen Nutzungen werden vom Ökosystemansatz geleitet. Die Ostsee ist ein Binnenmeer, das über den Wasseraustausch mit der Nordsee von einem von West nach Ost abnehmenden Salzgehalt charakterisiert ist. Dies hat Einfluss auf die Zusammensetzung der in ihr vorkommenden Lebensgemeinschaften. Aufgrund des Wasseraustausches mit der Nordsee und der in sie mündenden Flüsse gilt die Ostsee als das größte Brackwassermeer der Welt.
Schadstoffe (Schwermetalle wie Cadmium, Quecksilber, Zink, Kupfer und Blei, chlorierte Kohlenwasserstoffe sowie synthetische Verbindungen wie Pestizide, Arzneimittel und Wuchshemmer), die über die Flüsse und die Atmosphäre, durch die Schifffahrt sowie durch Öl- und Gasanlagen, aber auch durch die Offshore Windkraftanlagen in die Meere gelangen, sind in ihren Wirkungen auf unterschiedlichste Weise persistent, bioakkumulativ und toxisch. So lassen sich heute in verschiedenen Organismengruppen die Auswirkungen der Schadstoffe (zum Beispiel Fischkrankheiten sowie Veränderungen im Gesundheitszustand mariner Säuger) nachweisen.
Tausende von Tonnen Müll befinden sich in der Nordsee, auf dem Meeresboden, auf der Wasseroberfläche und an der Küste. Rund drei Viertel des Mülles ist Kunststoff. Taue, Netze und Leinen (mit der Fischerei assoziierter Müll) machen an der deutschen Nordseeküste rund ein Drittel der an der Küste nachgewiesenen Müllteile aus.
Plastikmüll beeinträchtigt die Meeresumwelt auf vielfältige Weise. Meerestiere können sich in Müllteilen verfangen (zum Beispiel Baßtölpel in der Kolonie auf Helgoland), und sie können sie mit Nahrung verwechseln und verschlucken (zum Beispiel Eissturmvögel). Müllteile können Meeresorganismen bedecken und sie ersticken oder töten. Müll in der Meeresumwelt wird von Touristen und Strandbesuchern als störend empfunden und er verursacht finanzielle Schäden in beträchtlicher Höhe, die durch die notwendigen Reinigungsaktionen sowie die Reparatur von Schäden, zum Beispiel durch in Schiffsschrauben gefangenen Müll, entstehen. Der Einfluss von sehr kleinen Müllteilen, sogenanntem Mikromüll, auf die Meeresumwelt ist noch weitgehend unbekannt. Bei immer mehr Tierarten werden jedoch Mikroplastikteile im Magen nachgewiesen. Derartige Partikel sind inzwischen überall in der Meeresumwelt nachweisbar. Die Entfernung von Müll ist größtenteils ökologisch nicht verträglich, da beim Fischen nach Müll in der Wassersäule auch Lebewesen mit gefangen werden. Der auf den Meeresboden absinkende Müll ist nicht effizient rückholbar, da großflächiges und mechanisches Sammeln zu einer Zerstörung des Lebensraumes am Meeresboden führt. Umso wichtiger sind die Vermeidung land- wie seebasierter Einträge, die Substitution von Plastik bereits zu Beginn des Kreislaufes sowie eine diesbezügliche Bewusstseinsbildung.
Die Fischerei gehört zu den traditionellen Nutzungsformen im Meer, deren Erhalt ausdrückliches Ziel der Landesregierung ist. Sie wird unmittelbar im Rahmen der EU-Fischereipolitik (GFP) geregelt. Seit der Reform 2013 steht das Gebot der Nachhaltigkeit bei der GFP an erster Stelle. Bis 2020 sollen alle Bestände nach den Prinzipien des maximal nachhaltigen Dauerertrages bewirtschaftet werden. Dabei werden auch die Umweltauswirkungen der jeweiligen Fischerei betrachtet und bewertet. Die Fischerei übt einen maßgeblichen Einfluss auf Bestandsgrößen, Längen- und Altersstrukturen genutzter Fischarten aus. Neben den Zielarten werden durch die Fischerei auch andere Arten und Lebensräume beeinflusst. In der Stellnetzfischerei kommt es beispielsweise zu unerwünschten Beifängen von Schweinswalen und Seevögeln. Die Grundschleppnetzfischerei sowie die Fischerei mit Baumkurren haben Auswirkungen auf benthische Lebensräume und ihre Lebensgemeinschaften. In der Folge kommt es zu einer Verschiebung (Verarmung) des ursprünglichen Artengefüges. Durch Beifang können auch Nicht-Zielarten beeinflusst werden.
In der Ostsee führt die Gewinnung von Steinen zu Veränderungen benthischer Lebensgemeinschaften. Je nach der Abbauart kann es zu einem vollständigen Verlust von Biotoptypen kommen, sofern keine ausreichenden Restmengen verbleiben, die eine Wiederbesiedlung möglich machen. In der Ostsee erfolgt kein Sand- und Kiesabbau.
Seeseitig bzw. im unmittelbaren Strandbereich kommt es durch Wassersportler und weitere Strandnutzungen immer wieder zu Störungen der Pflanzenwelt (Dünen- und Küstenvegetation, Unterwasserlebensräume wie Seegraswiesen) sowie zu Beeinträchtigungen der Tierwelt (insbesondere der Avifauna). Hier gilt es, Konflikte möglichst zu vermeiden, da viele Bereiche an den Küsten gleichzeitig als FFH- und Vogelschutzgebiet geschützt sind.
Klimawandel (Erwärmung / Versauerung)
Meere speichern und transportieren Wärme. Die durch den Klimawandel verursachte Erwärmung (von ein bis zwei Grad Celsius in den letzten 25 Jahren) ist bereits heute nachweisbar (“Quality Status Report“ OSPAR, 2011).
Die zunehmende Versauerung greift Kalkschalen von Muscheln, Krebsen und Seeigeln an. Auch das pflanzliche Plankton ist gefährdet. Wichtige Nahrungsquellen können so verloren gehen. Als Folge der zunehmenden Erwärmung wandern verschiedene Fischarten in kältere Gebiete ab. Zudem sinken mit der Erwärmung der Sauerstoffgehalt der Ozeane sowie die Bindungsfähigkeit für Kohlenstoffdioxid.
Insgesamt sind in Deutschland 1.169 Offshore Windkraftanlagen mit einer Leistung von 5.387 MW (rund 5.400 MW) in Betrieb (997 Offshore Windkraftanlagen mit 4.695 MW in der Nordsee und 172 Offshore Windkraftanlagen mit 692 MW in der Ostsee). In Schleswig-Holstein sind über das Umspannwerk in Büttel 1.778 MW an das Netz angeschlossen. Mit der Nutzung der Windenergie auf dem Meer sind Auswirkungen auf den Natur- und Artenschutz, die Schifffahrt sowie auf den Tourismus verbunden. Für die Avifauna können Nahrungs-, Brut- und Mausergebiete verloren gehen. Für Zugvögel können die Anlagen Hindernisse darstellen, die bei bestimmten Wetterlagen zu tödlichen Kollisionen führen können. Während der Errichtung der Anlagen werden durch Rammarbeiten der Gründungspfähle Schallemissionen erzeugt, die aufgrund ihrer Intensität in der Lage sind, marine Säuger (insbesondere Schweinswale und Seehunde) zu gefährden. Mit den festen Bauwerken entstehen zudem Havarierisiken, die sich auf die Küstengewässer auswirken können. Mit den Bauwerken im offenen Meer können weiterhin Beeinträchtigungen des freien Meereshorizontes verbunden sein. Im Küstengewässer der Ostsee ist über ein Raumordnungsverfahren aus dem Jahr 2003 die Offshore Windenergienutzung auf eine Fläche von 13,5 km² in der Mecklenburger Bucht (siehe Landesentwicklungsplan 2010, Ziffer 3.5.2 Absatz 16 Z) zugelassen worden.
Lärm unter Wasser kann impulsartig auftreten, wie beispielsweise beim Rammen von Offshore Windkraftanlagen, von Öl- und Gasplattformen, bei seismologischen Aktivitäten oder auch bei Sprengungen (beispielsweise Munitionsaltlasten) sowie im Rahmen militärischer Maßnahmen. Unterwasserlärm ist sowohl anhaltend (kontinuierlich) aus natürlichen Prozessen herrührend, sowohl als auch temporär verursacht durch Schiffsverkehr oder beim Sand- und Kiesabbau und anderen menschlichen Aktivitäten. Lärm unter Wasser hat eine große Reichweite und breitet sich nicht nur durch die Wassersäule, sondern auch über den Meeresboden aus.
Während impulsartige Schalleinträge zu Schädigungen mariner Arten führen (beispielsweise temporäre oder permanente Hörschwellenverschiebungen), führen anhaltende – in der Regel niedrigere – Schalleinträge zu Störungen der Tiere, wie Vertreibung (aus Lebensräumen) oder Maskierung biologisch wichtiger Signale (Einschränkung des Lebensraumes).
Für die Nordsee hat das damalige Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) ein „Konzept für den Schutz der Schweinswale vor Schallbelastungen bei der Errichtung von Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee (Schallschutzkonzept)“ veröffentlicht, in dem für impulsartige Rammungen Grenzwerte festgelegt sind. Auch für die Ostsee wird zurzeit seitens des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit ein Schallschutzkonzept entwickelt, das die Besonderheiten der räumlichen und ökologischen Situation der Ostsee berücksichtigt.
Der Schweinswal gehört als Anhang IV-Art (FFH-Richtlinie) zu den streng geschützten Arten gemäß § 7 Absatz 2 Nummer 10 BNatSchG. Die Tötung oder Verletzung sowie auch die Störung der Tiere durch Lärm fallen unter die Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG. Auch bei Fischen kann es in direkter Umgebung von sehr lauten Schallquellen zu Verletzungen und Hörschäden kommen, bei geringeren Schallpegeln zu Vergrämungen oder auch zu Maskierungen von relevanten Signalen (Orientierung, Beute, innerartliche Kommunikation). Fischlaich ist besonders gefährdet.
Die Vermeidung von Unterwasserschall gehört auch zu den qualitativen Deskriptoren der MSRL zur Erreichung eines guten Umweltzustandes. National ist daher vorgesehen, ein zentrales Schallregister zur Erfassung aller impulshaften Schalleinträge, die Genehmigungsverfahren unterliegen, sowie ergänzend dauerhaft anhaltende Lärmeinträge zu erfassen, um hieraus Belastungsschwerpunkte und in der Folge Maßnahmen zum Schutz der Meerestiere identifizieren zu können.
Rund 1,6 Millionen Tonnen Munition lagern in den deutschen Teilen von Nord- und Ostsee. Der größte Anteil stammt aus Versenkungen entbehrlich gewordener Waffen nach dem Krieg, die in dafür bestimmte Seegebiete eingebracht wurden oder auf dem Weg dahin über Bord gegeben wurden. Einen weiteren, erheblichen Anteil haben blind gegangene Granaten, Wasserbomben, Seeminen und andere Abwurfmunition. Auch nach der Räumung versunkene Seeminen und bezünderte Torpedos, die ihr Ziel verfehlt haben, liegen verstreut am Meeresboden von Nord- und Ostsee. Im Meer lagernde Munition unterliegt Korrosionsprozessen, soweit sie nicht von mächtigen, anaeroben Sedimenten überdeckt ist. Zeitpunkt und Rate der aus der Munition in die Wassersäule abgegebenen giftigen, krebserregenden und erbgutschädigenden chemischen Verbindungen der Explosiv- und Kampfstoffe sind nicht vorhersehbar. Eine räumlich breit gesteuerte und zeitlich sukzessive Freisetzung dieser Stoffe über Jahre oder Jahrzehnte hinweg ist jedoch als wahrscheinlich anzusehen.
Seit dem 01. Januar 2013 nimmt die gemeinsame Leitstelle der Wasserschutzpolizei im Maritimen Sicherheitszentrum Cuxhaven (MSZ) Meldungen über Ereignisse mit Fundmunition als „Zentrale Meldestelle für Munition im Meer“ entgegen. Eine Zusammenstellung der Meldungen ist Anhang der jährlich erscheinenden Berichte „Munitionsbelastung der deutschen Meeresgewässer – Entwicklungen und Fortschritt“ (www.munition-im-meer.de). Im Jahr 2016 wurden 264 Meldungen mit 1.428 Kampfmitteln aufgenommen, im Jahr 2015 waren es 218 Meldungen mit 8.098 Objekten.
Die internationale Zusammenarbeit wird über die HELCOM- und OSPAR Abkommen sowie über die Trilaterale Regierungskooperationen zum Schutz des Wattenmeeres, aber auch über die Beteiligungsverfahren nach der ESPOO-Konvention, möglich.
Seit dem 26. November 2007 ist die „Richtlinie 2007/60/EG über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken“ (HWRL) der EU in Kraft. Ziel der HWRL ist es, einen Rahmen für die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken zur Verringerung von hochwasserbedingten nachteiligen Folgen auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten zu schaffen. Die HWRL verfolgt damit den Zweck, durch einen grenzübergreifend abgestimmten Hochwasserschutz in den Flussgebietseinheiten, inklusive der Küstengebiete, die Hochwasserrisiken zu reduzieren und die Hochwasservorsorge sowie das Risikomanagement zu verbessern.
Als erster Umsetzungsschritt der Richtlinie wurden die Gebiete, bei denen davon auszugehen ist, „dass ein potenziell signifikantes Hochwasserrisiko besteht oder für wahrscheinlich gehalten werden kann“, bestimmt (Artikel 4 und 5 HWRL). Für diese Gebiete wurden im zweiten Umsetzungsschritt Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten (Artikel 6 HWRL) erstellt. Diese Karten sind im Internet unter: www.hochwasserkarten.schleswig-holstein.de einzusehen.
2018 die Überprüfung und erforderlichenfalls die Aktualisierung der Bewertung des Hochwasserrisikos
2019 die Überprüfung und erforderlichenfalls die Aktualisierung der Hochwassergefahren- und -risikokarten sowie
Um die Ziele für das Hochwasserrisikomanagement zu erreichen, werden für jede Flussgebietseinheit Maßnahmen benannt, die alle Aspekte des Hochwasserrisikomanagements berücksichtigen:
Regeneration und Überprüfung/ Erkenntnisse sowie
Im Sinne der Richtlinie bezieht ein nachhaltiges Hochwasserrisikomanagement alle Phasen des Hochwasserrisikomanagement-Zyklusses mit ein, also die Situation vor, während und nach einem Hochwasserereignis.
Die von Flusshochwasser und Küstenhochwasser bedrohten Gebiete (HQ 200) sind in Abbildung 9: Hochwasserrisikogebiete: Fluss- und Küstenhochwasser dargestellt.
Durch Rechtsverordnung werden die innerhalb der Risikogebiete oder der nach § 73 Absatz 5 Satz 1 Nummer 1 WHG zugeordneten Gebiete, mindestens die Gebiete, in denen ein Hochwasserereignis statistisch einmal in 100 Jahren zu erwarten ist und die zur Hochwasserentlastung und Rückhaltung beanspruchten Gebiete, festgesetzt.
Hierzu gehören die durch Rechtsverordnung festgesetzten Überschwemmungsgebiete und die Gebiete zwischen den oberirdischen Gewässern und Binnendeichen oder sonstigen Hochwasserschutzanlagen, die nach dem Wasserrecht per Legaldefinition als Überschwemmungsgebiet festgesetzt sind sowie die in § 76 Absatz 1 Satz 1 WHG bezeichneten sonstigen Gebiete.
Im Planungsraum liegen Überschwemmungsgebiete über die Legaldefinition vor.
Im Planungsraum leben zum Zeitpunkt des ersten Hochwasserrisikomanagements etwa 26.400 Menschen in 293 km2 potenziell signifikanten Küstenhochwasserrisikogebieten. Die von Flusshochwasser und Küstenhochwasser bedrohten Gebiete sind in Abbildung 9: Hochwasserrisikogebiete: Fluss- und Küstenhochwasser dargestellt (HW 200 (§§ 73, 74 WHG bzw. Art. 6 HWRL)).
Diese Gebiete werden unter anderem durch 19 Kilometer Landesschutzdeiche und 13 Kilometer Regionaldeiche vor Sturmfluten geschützt.
Deiche, Dämme und Vorlandarbeiten schützen Menschen, ihre Siedlungen und Wirtschaftsgüter vor Hochwasser und Sturmfluten. Dabei hat der Küstenschutz in der Abwägung Vorrang vor anderen Belangen. Die im „Generalplan Küstenschutz des Landes Schleswig-Holstein – Fortschreibung 2012“ vorgesehenen Schutzmaßnahmen an der Festlandküste und den vorgelagerten Inseln und Halligen stellen den Schutz der Küsten vor Hochwasser und Sturmfluten sicher.
Der Klimawandel führt zu einem beschleunigten Meeresspiegelanstieg. Im fünften Klimabericht des UNO Klimagremiums IPCC (2013) werden Werte zwischen etwa 0,3 Meter und 0,9 Meter für den zu erwartenden Meeresspiegelanstieg für den Zeitraum zwischen 2000 bis 2100 angegeben. Es existieren jedoch Veröffentlichungen, die einen wesentlich höheren Meeresspiegelanstieg prognostizieren. Aktuelle Projektionen liegen zwischen 0,5 Meter und 1,4 Meter bis zum Jahre 2100. In der Folge werden die Küsten und Küstenschutzanlagen künftig erhöhten hydrologischen Belastungen ausgesetzt sein.
Das Klima hat wesentliche Auswirkungen auf die natürliche Vegetation, die Verbreitung der Tier-und Pflanzenarten, die Gewässer, den Boden und seinen Wasserhaushalt. Das Klima in Schleswig-Holstein wird maßgeblich durch die Lage zwischen den zwei Meeren geprägt und ist als gemäßigtes, feucht-temperiertes, ozeanisches Klima zu bezeichnen. Klimadaten lassen trotz des vorherrschend atlantischen Einflusses im Planungsraum spezielle regional-klimatische Besonderheiten erkennen. Diese Klimabezirke lassen sich wie folgt grob einteilen:
Küstennahe Bereiche an der Ostsee,
den Raum Mittelholsteins und
die Hügellandschaften
Die Mitteltemperaturen5 im Planungsraum schwanken im Januar von plus 1,7 Grad Celsius an der Ostseeküste zwischen 1,1 – 1,4 Grad Celsius im Bereich Mittelholstein.
Im Juli betragen die monatlichen Mitteltemperaturen im Küstenbereich 15,5 Grad Celsius. Sie steigen im Landesinnern auf 17,6 Grad Celsius.
Bei den Niederschlägen sind ebenfalls regionale Unterschiede festzustellen. Von rund 890 Millimetern im Bereich der mittleren Geest und den Moränenzügen südlich des Selenter Sees sowie im Östlichen Hügelland sinken die Jahressummen kontinuierlich auf Werte von 650 bis 675 Millimetern im Bereich der Ostseeküste.
Darüber hinaus sind kleinklimatische, lokale Einflüsse wirksam, die sich insbesondere in Abhängigkeit der natürlichen und nutzungsbedingten Standortfaktoren ergeben. Sie üben einen besonderen Einfluss auf die Tier- und Pflanzenwelt aus.
Mesoklimatisch wirken sich im Planungsraum der Einfluss der Seeklimate, der Schutz der Höhenzüge des Östlichen Hügellandes sowie die Wassermassen von Nord- und Ostsee aus, so dass von einem ozeanisch bestimmten Klima mit teilweise kontinentalem Einfluss gesprochen werden kann.
extreme Windverhältnisse in der offenen Agrarlandschaft,
kleinräumige Land – See - Windsysteme in den Küstenbereichen bei Strahlungswetterlagen und in abgeschwächtem Maße im Uferbereich der größeren Binnengewässer
Der Fünfte Sachstandsbericht des IPCC – Synthesebericht6 kommt zu dem Schluss, dass die Erwärmung des Klimasystems eindeutig ist und der menschliche Einfluss die Hauptursache der beobachteten Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts war. Dabei sind insbesondere die so genannten Treibhausgase (THG) von Bedeutung, zu denen unter anderem Kohlenstoffdioxid (CO2) zählt. CO2 entsteht bei verschiedenen Verbrennungsprozessen und auch bei Freisetzungen zum Beispiel durch Entwässerungsmaßnahmen aus dem Kohlenstoffspeicher Boden.
In den Jahren von 1951 bis 2010 hat sich die durchschnittliche Temperatur in Schleswig-Holstein im Jahresmittel um etwa 1,3° Grad Celsius erwärmt. Im jahreszeitlichen Vergleich fällt die bisherige Erwärmung im Frühjahr und Winter am stärksten aus, wobei die winterliche Erwärmung nicht überall signifikant ist. Im Herbst ist die Erwärmung bisher am schwächsten. Die Sonnenscheindauer hat in Norddeutschland in diesem Zeitraum leicht zugenommen.
Für die Jahressummen des Niederschlages7 zeigt das Gebietsmittel für Schleswig-Holstein in den letzten Jahren einen ansteigenden Trend. Das höchste Flächenmittel für Schleswig-Holstein wurde 1998 mit 1.041 Millimetern (Liter/m²) ermittelt, während im Jahr 1959 mit 478 Millimetern der niedrigste Wert auftrat. Das 30-jährige Mittel 1961-1990 beträgt 788 Millimeter. Im Bezugszeitraum 1981 bis 2010 errechnet sich für Schleswig-Holstein ein Mittel von 823 Millimetern. Im Trend gibt es für das nördlichste Bundesland im Zeitraum 1881 bis 2014 einen Zuwachs in der Jahressumme von rund 120 Millimetern. Auf die Jahreszeiten bezogen tragen insbesondere der Winter und der Herbst zu dieser Zunahme bei, im Einzelnen etwa +55 Millimeter im Winter, +30 Millimeter im Herbst, +20 Millimeter im Sommer und +15 Millimeter im Frühjahr.
Für die Windgeschwindigkeiten konnte bislang kein eindeutiger Trend nachgewiesen werden, was unter anderen auf die starken Schwankungen zurückzuführen ist.
Für die zukünftige Entwicklung werden insbesondere zur Lufttemperatur eindeutige Aussagen getroffen. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen sehr deutliche Übereinstimmungen mit den bisher durchgeführten Trendberechnungen der unterschiedlichen Szenarien. Daraus kann geschlossen werden, dass die Erwärmung der letzten 30 Jahre als Vorzeichen für die zu erwartende zukünftige Erwärmung gewertet werden kann.
Bei der Entwicklung der Niederschläge bestehen hingegen Unterschiede zwischen den bisherigen Trends der letzten 30 Jahre und den Trends der Szenarien. Während die Szenarien auf eine sommerliche Niederschlagsabnahme hindeuten, zeigen die Trends der letzten 30 Jahre eine Niederschlagszunahme. Bei den Winterniederschlägen wird in den Szenarien mit einer weiteren Erhöhung gerechnet.
Auch wenn sich bei den bisher berechneten Trends und Prognosen für die Zukunft noch erhebliche Unsicherheiten zeigen, so ist nach dem derzeitigen Stand der Klimaforschung davon auszugehen, dass in allen drei Planungsräumen des Landes mittel- bis langfristig mit einer Veränderung des Klimas zu rechnen ist. Die gilt umso mehr, je deutlicher das weltweit gesteckte „Zwei-Grad-Ziel“ nicht erreicht werden kann. Der CO2- Ausstoß ist seit 1990 nahezu linear um 60 Prozent gestiegen. Damit wird es im Hinblick auf die möglichen Szenarien immer wahrscheinlicher, dass bis zum Jahr 2100 das „Worst-Case-Szenario“ eintreten wird Das bedeutet in den für Schleswig-Holstein:
Rückgang der Frosttage,
Die Abbildung 10: Temperaturveränderungen und Abbildung 11: Niederschlagsveränderung zeigt jeweils die projizierten Veränderungen auf der Basis des mittleren Emissionsszenarios (IPCC Szenario A1B) gegenüber dem Basiszeitraum von 2010 (WETTREG, 2010)8. So wird demnach der Sommer beispielsweise im Projektionszeitraum 2021 bis 2050 um rund ein Grad Celsius wärmer. Aufgrund der geringen Fläche und der vergleichsweise geringen Höhenunterschiede in Schleswig-Holstein gibt es keine großen Temperaturunterschiede im Land. Bis 2100 ist eine deutliche Steigerung der Temperaturen zu erkennen. Im Norden sind die Temperaturen geringfügig niedriger als im Süden Schleswig-Holsteins. Dieses Muster ist auch im Winter erkennbar. Die Niederschläge nehmen im Projektionszeitraum 2071 bis 2100 im Sommer deutlich ab, am stärksten im Norden von Schleswig-Holstein, während sie im Winter stärker zunehmen. Auch hier zeigt sich eine Differenzierung. An der Ostseeküste und in einem Streifen auf der Linie Kiel-Hamburg zeigen die Grafiken der Abbildung 11: Niederschlagsveränderung die deutlichsten Niederschlagsveränderungen.
Abbildung 10: Temperaturveränderungen (WETTREG, LLUR, 2010 auf Grundlage von Daten des Deutschen Wetterdienstes)
Abbildung 11: Niederschlagsveränderungen (WETTREG, LLUR, 2010 auf Grundlage von Daten des Deutschen Wetterdienstes)
Angesichts der Veränderungen, die auf Pflanzen und Tiere zukommen werden, sind räumliche Aspekte wie die Flächengröße von Schutzgebieten, der Lebensraumverbund aber auch die Qualität dieser Räume zur Entwicklung stabiler, und ausreichend großer Populationsgrößen von hoher Bedeutung.
Entscheidend ist auch die Rücknahme verschiedener (bisheriger) Stressfaktoren wie die Verkleinerung und Verinselung von Lebensräumen, die Eutrophierung der Landschaft einschließlich der Gewässer, die Anreicherung von Schadstoffen in Böden und Gewässern sowie Maßnahmen des Gewässerschutzes, durch welche Gewässer natürlich entwickelt werden und Wasser in den Talräumen zurückgehalte wird (beinhaltet auch Maßnahmen im Rahmen des Auenprogramms). Derartige Maßnahmen dienen dem Klimaschutz, bzw. vermindern die Folgen des Klimawandels.
Ein Beitrag zur Reduzierung des atmosphärischen CO2-Anteils ist dessen Festlegung durch die pflanzliche Assimilation. Da insbesondere die Vegetation feuchter und nasser Standorte in der Lage ist, verhältnismäßig große Mengen Kohlenstoff zu speichern, kommt der Erhaltung von Feuchtgebieten sowie der Wiederherstellung potenzieller Feuchtgebiete eine große Bedeutung zu. Als weitere Klimaschutzmaßnahme sind die Neuwaldbildung sowie der Erhalt und die funktionale Aufwertung des Knicknetzes anzusehen, siehe Kapitel 4.1.7: Klimaschutz und Klimafolgenanpassung.