Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=15.07.2016&Aktenzeichen=9%20A%2016.15
Timestamp: 2020-07-13 19:11:03
Document Index: 93363604

Matched Legal Cases: ['Art. 104', '§ 48', 'BGH', '§ 199', '§ 195', '§ 195', '§ 195', 'Art. 104', 'Art. 104', '§ 49', '§ 8', '§ 195']

Klageänderung; Klagebegehren; Auslegung; nichtverfassungsrechtliche Streitigkeit; Bundesauftragsverwaltung; Auftragsverhältnis; Prägung durch einfaches Recht; erstinstanzliche Zuständigkeit; Verweisung; Bindungswirkung; ordnungsgemäße Vertretung; Feststellungsklage; ...
Kostenerstattung für die Entwässerung von Bundesfernstraßen
Dabei ist nach dem Gesamtzusammenhang der für den jeweiligen Anspruch geltenden Rechtsvorschriften und der Interessenlage zu beurteilen, welche Verjährungsregelungen als die "sachnächsten" entsprechend heranzuziehen sind (…vgl. BVerwG, Urteile vom 15. März 2017 - 10 C 3.16 -, BVerwGE 158, 199 = juris Rn. 18, vom 15. Juli 2016 - 9 A 16.15 -, DVBl 2016, 1603 = juris Rn. 35, …und vom 24. Juli 2008 - 7 A 2.07 -, NVwZ 2009, 599 = juris Rn. 18).
Anerkannt ist etwa, dass der Erstattungsanspruch der Länder gegen den Bund gemäß Art. 104 Abs. 2 Grundgesetz - GG - strukturell mit dem bürgerlich-rechtlichen Auftragsrecht vergleichbar ist und für diesen nach dem Inkrafttreten des Schuldrechtsmodernisierungsgesetzes die neue regelmäßige dreijährige Verjährungsfrist Anwendung finden soll (vgl. BVerwG, Urteile vom 15. Juli 2016 - 9 A 16.15 -, NVwZ 2017, 56 = juris Rn. 36, …und vom 24. Juli 2008 - 7 A 2.07 -, a.a.O. Rn. 18).
In vergleichbarer Weise trägt gemäß § 48 Abs. 2 Satz 5 LKO a.F. das Land die Kosten, die dem Landkreis infolge der Aufgabenwahrnehmung der Kreisverwaltung als untere Behörde der Landesverwaltung entstehen (vgl. BVerwG, Urteil vom 15. Juli 2016 - 9 A 16.15 -, a.a.O. Rn. 36).
Im Übrigen hat die Rechtsprechung der Zivilgerichte Antworten auf die Frage gefunden, auf wessen subjektive Kenntnis es innerhalb einer Behörde ankommt (vgl. BVerwG…, Urteil vom 15. März 2017 - 10 C 3.16 -, ZOV 2017, 81 = juris Rn. 21; BGH…, Urteil vom 9. März 2000 - III ZR 198/99 -, NJW 2000, 1411 = juris Rn. 11 ff.) Dies gilt umso mehr, als in Fällen, in denen der Gläubiger ohne grobe Fahrlässigkeit keine Kenntnis erlangt hat, entsprechend § 199 Abs. 4 BGB der Anspruch erst in zehn Jahren von seiner Entstehung an verjährt (vgl. BVerwG, Urteil vom 15. Juli 2016 - 9 A 16.15 -, a.a.O. Rn. 37).
23 Dass das Bundesverwaltungsgericht für öffentlich-rechtliche Erstattungsansprüche vor Inkrafttreten des Schuldrechtsmodernisierungsgesetzes die objektive dreißigjährige Verjährungsfrist des § 195 BGB a.F. als zutreffende Konkretisierung der Grundsätze von Rechtssicherheit und Rechtsfrieden in Abwägung gegen den Grundsatz der gesetzmäßigen Verwaltung angesehen hat (vgl. BVerwG, Urteile vom 15. Juli 2016 - 9 A 16.15 -, a.a.O. Rn. 38, …und vom 24. Juli 2008 - 7 A 2.07 -, a.a.O. Rn. 18), steht der analogen Anwendung der jetzt geltenden §§ 195, 199 BGB auf den hier in Rede stehenden Erstattungsanspruch nicht entgegen.
Das dient einer zeitnahen Verwirklichung des Grundsatzes der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung hinsichtlich der Lastenverteilung zwischen Hoheitsträgern (vgl. BVerwG, Urteil vom 15. Juli 2016 - 9 A 16.15 -, a.a.O. Rn. 39).
Dies ist bei der Auswahl der sachnächsten Verjährungsregelung ebenfalls von Bedeutung vgl. (BVerwG, Urteile vom 15. Juli 2016 - 9 A 16.15 -, a.a.O. Rn. 41…, vom 24. Januar 2007 - 3 A 2.05 -, NVwZ 2007, 1315 = juris Rn. 43, …und vom 11. Dezember 2008 - 3 C 37.07 -, DVBl 2009, 445 = juris Rn. 7).
Dass weder mit dem Schuldrechtsmodernisierungsgesetz noch mit dem Gesetz zur Anpassung von Verjährungsvorschriften an dieses Gesetz eine Änderung der verjährungsrechtlichen Rechtslage herbeigeführt wurde, schließt jedoch eine entsprechende Anwendung des neuen Verjährungsrechts nicht aus (vgl. BVerwG, Urteile vom 15. Juli 2016 - 9 A 16.15 -, a.a.O. Rn. 43 f., …und vom 11. Dezember 2008 - 3 C 37.07 -, a.a.O. Rn. 10, 12 f.).
Diese - wenn auch nur sehr beschränkte - Anpassung von Verjährungsregelungen im öffentlichen Recht an die zivilrechtlichen Verjährungsvorschriften belegt, dass das neue Verjährungsrecht auch nach der Vorstellung des Gesetzgebers im Verwaltungsrecht Berücksichtigung finden kann (vgl. BVerwG, Urteil vom 15. Juli 2016 - 9 A 16.15 -, a.a.O. Rn. 44).
Der öffentlich-rechtliche Erstattungsanspruch unterliegt nach der ganz überwiegenden Auffassung in der Rechtsprechung der regelmäßigen dreijährigen Verjährungsfrist des § 195 BGB, vgl. BVerwG, Urteil vom 15. Juni 2006 - 2 C 10.05 -, NJW 2006, 3225, juris Rn. 19; für den Erstattungsanspruch gem. Art. 104a Abs. 5 Satz 1 GG: BVerwG, Urteil vom 15. Mai 2008 - 5 C 25.07 -, NVwZ 2008, 1369, juris Rn. 27; für den Ersatzanspruch gem. Art. 104a Abs. 2 GG: BVerwG, Urteil vom 15. Juli 2016 - 9 A 16.15 -, NVwZ 2017, 56, juris Rn. 34; für den Erstattungsanspruch gem. § 49a Abs. 1 Satz 1 VwVfG: BVerwG, Urteil vom 15. März 2017 - 10 C 3.16 -, BVerwGE 158, 199, juris Rn. 19; OVG NRW, Urteil vom 17. Dezember 2012 - 12 A 876/12 -, juris Rn. 45 ff. mit ausführlicher Darlegung des Streitstands; unter Hervorhebung der Besonderheiten des streitgegenständlichen Anspruchs nach § 8 Abs. 4 Satz 2 VZOG anders BVerwG, Urteil vom 11. Dezember 2008 - 3 C 37.07 -, BVerwGE 132, 324, juris Rn. 10, und Urteil vom 22. März 2012 - 3 C 21.11 -, BVerwGE 142, 219, juris Rn. 38: dreißigjährige Verjährungsfrist, denn er ist dem zivilrechtlichen Bereicherungsanspruch nachgebildet, für den nach Inkrafttreten des Schuldrechtsmodernisierungsgesetzes vom 26. November 2001 (BGBl. I S. 3138) die kurze dreijährige Verjährungsfrist des § 195 BGB gilt.
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