Source: https://www.dashoefer.de/dasfibuwissen/ias-ifrs-und-hgb-im-vergleich-ein-%C3%BCberblick-%28teil-1%29.html
Timestamp: 2018-10-21 12:11:10
Document Index: 115345924

Matched Legal Cases: ['§ 267', '§ 264', '§ 242', '§ 264', '§ 264', '§ 264', '§ 264', '§ 288', '§ 266', '§ 275', '§ 268', '§ 268', '§ 244']

IAS/IFRS und HGB im Vergleich – ein Überblick (Teil 1) | dasFiBuWissen - Fachwissen von Experten für Ihren Erfolg.
IAS/IFRS und HGB im Vergleich - ein Überblick (Teil 1)
Bilanzierung [ Stand: 03.08.2018 ]
In dieser Reihe geht Expertin Sabine Wienke auf die unterschiedlichen Rechnungslegungen nach IFRS und HGB ein und stellt sie im Vergleich gegenüber.
Im Folgenden wird ein erster Überblick über die IAS/IFRS anhand eines Abschlusses nach IAS/IFRS im Vergleich zum Jahresabschluss nach HGB dargestellt. Dieser Überblick hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll lediglich einen ersten Überblick bieten, um somit einen Eindruck der Unterschiede zu vermitteln.
Als Annahme wird daher von einer kleinen Kapitalgesellschaft i. S. d. § 267 Abs. 1 HGB mit Sitz in Deutschland ausgegangen, die keinerlei Anteile an anderen Unternehmen hält. Auf diese Weise können die wesentlichsten Bilanzposten dargestellt werden, die grds. erwartet werden können, wohl wissend, dass diese nicht vollständig sind. Der Fokus ist dabei primär auf den möglichen Abweichungen zwischen HGB und IAS/IFRS.
Es wird ferner angenommen, dass der Abschluss für das Geschäftsjahr ab den 01. Januar 2018 aufgestellt wird.
Umfang, Darstellung und Währung
Umfang des Jahresabschlusses nach HGB
Der handelsrechtliche Jahresabschluss einer Kapitalgesellschaft besteht gem. § 264 Abs. 1 Satz 1 HGB i. V. m. § 242 Abs. 3 HGB grundsätzlich aus
Neben dem Jahresabschluss hat die Kapitalgesellschaft grds. auch einen Lagebericht zu erstellen (§ 264 Abs. 1 Satz 1 HGB). Die kleine Kapitalgesellschaft ist hiervon befreit (§ 264 Abs. 1 Satz 4 HGB).
Weitere Ergänzungen des Jahresabschlusses ergeben sich bei kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaften, deren Jahresabschluss um eine Kapitalflussrechnung sowie um einen Eigenkapitalspiegel zu ergänzen ist, sofern diese Kapitalgesellschaft nicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses verpflichtet ist (§ 264 Abs. 1 Satz 2 HGB). Wahlweise können diese auch einen Segmentbericht ergänzen (§ 264 Abs. 1 Satz 2 HGB).
Je nach Größe der Gesellschaft können Erleichterungen hinsichtlich Umfang und Aufstellung in Anspruch genommen werden, so bestehen beispielsweise für kleine Kapitalgesellschaften Erleichterungsvorschriften hinsichtlich der Angaben im Anhang (§ 288 Abs. 1 HGB).
Umfang des Abschlusses nach IAS/IFRS
Der Abschluss nach IAS/IFRS besteht gem. IAS 1.10 hingegen unabhängig von der Unternehmensgröße oder Rechtsform aus
Darstellung von Gewinn oder Verlust und sonstigem Ergebnis bzw. Gesamtergebnisrechnung
Sofern die Schuld- oder Eigenkapitalinstrumente an einem öffentlichen Markt gehandelt werden oder der Abschluss zwecks einer Emission an einem öffentlichen Markt vorgelegt wird (IFRS 8.2 (a)), sind gesonderte Informationen zu den Geschäftssegmenten zu ergänzen (IFRS 8.11).
Die Gliederung der handelsrechtlichen Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung ist explizit vorgegeben (§ 266 HGB und § 275 HGB). Darüber hinaus sind noch weitere Sondervorschriften zu beachten wie beispielsweise Darstellungen bei Berücksichtigung der Gewinnverwendung (§ 268 Abs. 1 HGB), durch Verluste aufgebrauchtes Eigenkapital (§ 268 Abs. 3 HGB) u.v.m.
Der IAS 1 Tz. 54 sieht hingegen nur eine Mindestgliederung der Bilanz vor sowie eine Unterscheidung in kurz- und langfristig (IAS 1 Tz. 60).
Weitere Detaillierungen sind jedoch gefordert, sofern das für die Darstellung der Vermögens- und Finanzlage des Unternehmens relevant ist (IAS 1 Tz. 55).
Ebenso fehlt für die Gewinn- und Verlustrechnung ein detailliertes Gliederungsschema unter Berücksichtigung von Reihenfolge und Nummerierung, gleichwohl darauf verwiesen wird, welche Posten in der Gewinn- und Verlustrechnung auszuweisen sind (IAS 1 Tz. 82).
Der handelsrechtliche Jahresabschluss ist in Euro aufzustellen (§ 244 HGB).
Der Abschluss nach IAS/IFRS basiert auf der sogenannten funktionalen Währung. Dabei handelt es sich um eine unternehmensindividuelle Währung, die sich aus dem primären Wirtschaftsumfeld ergibt, in dem das Unternehmen tätig ist (IAS 21.8).
Bestimmt wird die funktionale Währung anhand des Einflusses auf die Verkaufspreise und Kosten (IAS 21.9).
Ein Unternehmen, das in einem Markt agiert, in dem die Abrechnungen ausschließlich in USD erfolgen, wird überwiegend Ein- und Ausgangsrechnungen in USD erfassen und demzufolge USD-beeinflusste Umsätze und Aufwendungen ausweisen. Die funktionale Währung wird dann sehr wahrscheinlich USD sein und der Abschluss nach IAS/IFRS wäre in USD zu erstellen, gleichwohl der Sitz in Deutschland ist.
Es ist eine Darstellung in Tausend- oder Millioneneinheiten nach IAS zulässig, sofern erläutert wird, wie weit gerundet wird und dadurch keine wesentlichen Informationen entfallen (IAS 1 Tz. 53).