Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F22-02-2012-8C_669-2011
Timestamp: 2016-10-28 10:10:04
Document Index: 35275096

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 11', 'BGE', 'BGE']

8C_669/2011 (22.02.2012)
Z�rich Versicherungs-Gesellschaft AG, Generaldirektion Schweiz, Postfach, 8085 Z�rich,
A.a Die 1979 geborene M.________ war seit August 2005 in der Gemeinde A.________ als Primarlehrerin t�tig und dadurch bei der Z�rich Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend Z�rich) obligatorisch gegen Unfallfolgen versichert. Gem�ss Unfallmeldung UVG der Arbeitgeberin vom 13. M�rz 2006 wurde M.________ am 7. M�rz 2006 anl�sslich eines Eishockeyturniers der Lehrermannschaft von einem Puck im Gesicht getroffen. Im Formular f�r Zahnsch�den gem�ss KVG hielt Dr. med. dent. C.________ als unfallbedingte Befunde unter "Kronenfraktur mit Pulpabeteiligung" Z�hne 2/1 und unter "Kieferknochen oder Weichteile" Oberlippe re RQW fest. Die Z�rich �bernahm die Behandlungskosten.
A.b Mit Schreiben vom 9. Mai 2008 ersuchte M.________ die Z�rich um R�ckerstattung von Behandlungskosten ab 19. Dezember 2007 als Folge des Unfalls vom 7. M�rz 2006. Die Z�rich verneinte mit Verf�gung vom 31. Juli 2008 eine Leistungspflicht mangels eines mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit erstellten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den gemeldeten Kiefer- und Zahnbeschwerden. Nach Einholung eines Gutachtens des Dr. med. dent. K.________, Spezialist f�r Kieferorthop�die SSO, vom 8. Februar 2010 hielt die Z�rich mit Einspracheentscheid vom 5. Mai 2010 an ihrem Standpunkt fest.
Die hiegegen erhobene Beschwerde, mit welcher M.________ beantragen liess, die Z�rich habe die im Zusammenhang mit dem Unfall vom 7. M�rz 2006 angefallenen Behandlungskosten in der H�he von Fr. 5'532.85, die anfallenden Kosten f�r die kieferorthop�dische Behandlung gem�ss Behandlungsorientierung des Dr. med. dent. K.________ vom 26. April 2010 sowie alle weiteren k�nftigen Behandlungskosten im Zusammenhang mit dem Unfall vom 7. M�rz 2006 zur�ckzuerstatten bzw. zu �bernehmen, wies das Obergericht des Kantons Uri, Verwaltungsrechtliche Abteilung, mit Entscheid vom 15. Juli 2011 ab.
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten l�sst M.________ die vorinstanzlich gestellten Antr�ge erneuern.
Aus der medizinischen Aktenlage ersichtlich und unbestritten ist, dass die heutigen Beschwerden der Versicherten von einer Okklusionsst�rung herr�hren. Streitig und zu pr�fen ist, ob die Beschwerdegegnerin aus dem versicherten Unfallereignis vom 7. M�rz 2006 f�r die diesbez�glich ab 19. Dezember 2007 geltend gemachten Behandlungskosten leistungspflichtig ist.
2.1 Im kantonalen Entscheid sind die nach der Rechtsprechung f�r den Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung (Art. 6 UVG) geltenden Voraussetzungen des nat�rlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (BGE 129 V 177 E. 3.1. S. 181), insbesondere bei R�ckf�llen und Sp�tfolgen (BGE 118 V 293 E. 2c S. 296) zutreffend dargelegt worden. Darauf wird verwiesen. Ebenfalls richtig sind die vorinstanzlichen Ausf�hrungen zum Nachweis des Vorliegens eines nat�rlichen Kausalzusammenhangs mit dem Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125) sowie zum Beweiswert und zur Beweisw�rdigung medizinischer Berichte und Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232, BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff., je mit Hinweisen).
2.2 Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien - wie die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat - in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zuungunsten jener Partei ausf�llt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unm�glich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweisw�rdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit f�r sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b S. 264). Bei der Leistungspflicht der obligatorischen Unfallversicherung gem�ss Art. 11 UVV f�r R�ckf�lle und Sp�tfolgen kann der Unfallversicherer nicht auf der Anerkennung des nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhanges beim Grundfall und bei fr�heren R�ckf�llen behaftet werden, weil die unfallkausalen Faktoren durch Zeitablauf wegfallen k�nnen. Es obliegt dem Leistungsansprecher, das Vorliegen eines nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhanges zwischen dem als R�ckfall oder Sp�tfolge geltend gemachten Beschwerdebild und dem Unfall nachzuweisen. Nur wenn die Unfallkausalit�t mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, entsteht eine erneute Leistungspflicht des Unfallversicherers; dabei sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis umso strengere Anforderungen zu stellen, je gr�sser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeintr�chtigung ist (SVR 2005 MV Nr. 1 S. 1, M 1/02 E. 1.2; RKUV 1997 Nr. U 275 S. 188, U 93/96 E. 1c am Ende; Urteil 8C_179/2009 vom 3. August 2009 E. 2.1).
Das kantonale Gericht hat die Auffassung der Z�rich best�tigt, wonach ein nat�rlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 7. M�rz 2006 und den �ber zwei Jahre sp�ter gemeldeten Behandlungskosten ab 19. Dezember 2007 nicht rechtsgen�glich nachgewiesen ist. Diese Beurteilung beruht auf einer sorgf�ltigen W�rdigung der Sach- und Rechtslage und ist nicht zu beanstanden. Daran verm�gen die Ausf�hrungen in der Beschwerde, die sich weitgehend auf eine Wiederholung des bereits vorinstanzlich Vorgetragenen beschr�nken, nichts zu �ndern.
3.1 Entgegen der Auffassung der Beschwerdef�hrerin ist sowohl im an sie gerichteten Schreiben vom 27. Mai 2008 wie auch in der Verf�gung vom 31. Juli 2008 festgehalten worden, dass die letzte von der Z�rich zu �bernehmende Konsultation bei Dr. med. dent. C.________ im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 7. M�rz 2006 am 14. September 2006 stattgefunden hatte und der Fall abgeschlossen werden konnte. Wie die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat, sind die ab 19. Dezember 2007 geltend gemachten Behandlungskosten unter dem Titel R�ckfall oder Sp�tfolgen zu pr�fen.
3.2 Soweit die Beschwerdef�hrerin erneut geltend macht, der Puck habe sie (auch) am Unterkiefer getroffen und deshalb eine unrichtige Sachverhaltsfeststellung r�gt, ist mit dem kantonalen Gericht auf die erh�hte Beweiskraft der "Aussagen der ersten Stunde" hinzuweisen, die in der Regel unbefangener und zuverl�ssiger sind als sp�tere Darstellungen, welche bewusst oder unbewusst von nachtr�glichen �berlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein k�nnen (BGE 121 V 45 E. 2a S. 47; vgl. auch Urteil 8C_364/2011 vom 11. Oktober 2011 E. 3.2). So hielt der am Unfalltag konsultierte Dr. med. F.________, Spital U.________, im Arztzeugnis UVG vom 22. M�rz 2006 unter Angaben des Patienten zum Unfallhergang fest, die Beschwerdef�hrerin habe beim Eishockeyspielen den Puck an die Oberlippe rechts bekommen, und erw�hnte unter Befund "1) diskret klaffende Wunde Oberlippe rechts, 2) m�glicherweise Fissur Zahn 12, l�ngs verlaufend (parallel zur Gingiva)". Auch im Formular f�r den nachbehandelnden Zahnarzt vom 7. M�rz 2006 hatte Dr. med. F.________ eine RQW Oberlippe rechts sowie eine Fissur Zahn OK rechts diagnostiziert und ausgef�hrt, die Patientin habe beim Eishockey den Puck an die Oberlippe rechts bekommen. Es liege eine diskret klaffende RQW Oberlippe rechts das ganze Lippenrot quer betreffend vor und der zweite Zahn rechts sei schmerzhaft mit l�ngs verlaufender Fissur. Im Formular Zahnsch�den gem�ss KVG, Befunde/Kostenvoranschlag schrieb der behandelnde Zahnarzt Dr. med. dent. C.________ am 8. M�rz 2006 zum Unfallhergang, es sei ein Eishockeypuck an die Oberlippe und Z�hne geworfen worden, und hielt als unfallbedingte Befunde unter "Kronenfraktur mit Pulpabeteiligung" Z�hne 2/1 und unter "Kieferknochen oder Weichteile" Oberlippe re RQW fest. Dasselbe f�hrte er im Frageblatt der Z�rich betreffend Zahnsch�den vom 8. M�rz 2006 aus und verneinte unter "Zustand der �brigen Z�hne" einen Schaden. Weder wurden Verletzungen am Unterkiefer festgestellt noch entsprechende Beschwerden der Patientin vermerkt. Im �berweisungsschreiben an Dr. med. et Dr. med. dent. E.________ vom 30. Januar 2008 f�hrte Dr. med. dent. C.________ dann jedoch aus, bei einem Unfall vor ca. zwei Jahren sei der Beschwerdef�hrerin ein Eishockeypuck an den Unterkiefer geschlagen, wobei sich seit dieser Zeit der Biss progredient ge�ffnet haben soll. Auf die �nderung bei der Beschreibung des Unfallhergangs ging er mit keinem Wort ein. Mit der Vorinstanz verm�gen weder dieses Schreiben, noch die Beschaffenheit des Pucks oder die beiden schriftlichen Zeugenaussagen diese Version als die wahrscheinlichere hinzustellen. Keiner der beiden Mitspieler, welche rund vier Jahre sp�ter ihre Wahrnehmung schriftlich festgehalten haben, konnte n�mlich best�tigen, dass der Puck den Unterkiefer getroffen h�tte. Vielmehr hielt N.________ am 30. Januar 2010 fest, der Puck sei ins Gesicht der Beschwerdef�hrerin geflogen und sie habe sich �ber Schmerzen im ganzen Kieferbereich, insbesondere aber an den Z�hnen des Oberkiefers und der Oberlippe (welche stark geblutet habe) beklagt. O.________ sodann hat gem�ss seinen Ausf�hrungen vom 9. Februar 2010 den Treffer ins Gesicht gar nicht sehen k�nnen. Lediglich aus der Schwellung im Gesicht, an die er sich jedoch sehr vage erinnere, habe er geschlossen, der Puck habe die Versicherte mit der flachen Seite getroffen.
Wenn die Z�rich und die Vorinstanz bei dieser Aktenlage zum Schluss gekommen sind, der Puck habe die Beschwerdef�hrerin mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit lediglich am Oberkiefer getroffen, l�sst sich dies nach Gesagtem nicht beanstanden.
3.3 Was den streitigen nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und der rund zwei Jahre sp�ter diagnostizierten Okklusionsst�rung anbelangt, hat die Z�rich diesen in ihrer Verf�gung vom 31. Juli 2008 im Wesentlichen gest�tzt auf den Bericht des Dr. med. und Dr. med. dent. H.________ vom 16. Juli 2008 verneint. Der Facharzt f�r Kiefer- und Gesichtschirurgie hat in seinem Bericht festgehalten, dass die offensichtlich beim Unfall mit einem Eishockeypuck getroffenen Z�hne 12 und 21 v�llig intakt und beschwerdefrei seien. Er wies zudem darauf hin, dass die Beschwerdef�hrerin seit Kindheit jahrelang in kieferorthop�discher Behandlung gestanden habe, und stellte fest, dass sie - nicht unfallbedingt - an einer immer noch nicht behobenen Okklusionsst�rung leide. Im Rahmen des Einspracheverfahrens liess die Z�rich die Beschwerdef�hrerin durch Dr. med. dent. K.________ begutachten. Das Gutachten des Spezialisten f�r Kieferorthop�die SSO vom 8. Februar 2010 erf�llt die von der Rechtsprechung gestellten Anforderungen (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352) und wird auch von der Beschwerdef�hrerin als Grundlage f�r die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts anerkannt. Dr. med. dent. K.________ best�tigt das Vorliegen eines zirkul�r offenen Bisses und h�lt es f�r naheliegend, dass diese Situation Beschwerden verursacht. Er w�rde den Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis als �berwiegend wahrscheinlich einsch�tzen, wenn der Hockeypuck den Unterkiefer getroffen h�tte. Davon ist nach obigen Ausf�hrungen indessen nicht auszugehen. Ebenfalls bejahen w�rde er den Kausalzusammenhang mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit, wenn der Puck den Unterkiefer zwar nicht getroffen h�tte, die durch eine Lagever�nderung der Frontz�hne hervorgerufene Okklusionsst�rung jedoch bei den Untersuchungen unmittelbar nach dem Unfall �bersehen worden w�re. Daf�r fehlen jegliche Anhaltspunkte. Wenn die Okklusionsst�rung im von der Beschwerdef�hrerin geschilderten Ausmass (mit Sprechbehinderungen, Kaubeschwerden, Schmerzen) durch den Unfall verursacht worden w�re, w�re sie nicht beinahe zwei Jahre lang unbemerkt geblieben, zumal die Versicherte in diesem Zeitraum - wie das Patientenblatt zeigt - Dr. med. dent. C.________ diverse Male konsultiert hat. Bei dieser Ausgangslage sch�tzt Dr. med. dent. K.________ den Kausalzusammenhang zwischen der Okklusionsst�rung und dem Unfallereignis als eher unwahrscheinlich ein. Als M�glichkeit erw�hnt der Spezialist noch eine allm�hliche Verschiebung der Frontz�hne nach dem Unfall, weist jedoch darauf hin, dass Frontzahnverschiebungen bei fehlender Abst�tzung auch ohne Trauma oft stattf�nden. Letztlich - so Dr. med. dent. K.________ - k�nnten f�r die Kiefer- und Zahnschmerzen auch degenerative Prozesse urs�chlich sein, welche durch einen Schlag auf den Kiefer ausgel�st oder verst�rkt w�rden. Auch diese Bedeutung des Unfallereignisses als Teilursache bezeichnet er jedoch lediglich als m�glich.
Nichts zu ihren Gunsten ableiten kann die Beschwerdef�hrerin schliesslich aus der Behauptung, sie habe vor dem Unfall nie Zahn- oder Kieferprobleme gehabt, liefe dies doch einerseits auf einen unzul�ssigen "post hoc, ergo propter hoc"-Schluss hinaus (SVR 2010 UV Nr. 10 S. 40 E. 3.2, 8C_626/2009) und widerspricht die Behauptung andrerseits der Aktenlage, welche aufzeigt, dass die Versicherte jahrelang in zahn�rztlicher und/oder kieferorthop�discher Behandlung stand. So zeigt nur schon das Patientenblatt des Dr. med. dent. C.________, dass ihn die Beschwerdef�hrerin in den beiden Jahren vor dem Unfallereignis mehrfach konsultiert hat, was wiederum seine in der Email vom 11. September 2009 gemachte Aussage, vor dem Unfall h�tte es keine Probleme oder Schmerzen gegeben, unglaubw�rdig macht.
3.4 Wenn Versicherer und Vorinstanz zusammenfassend bei dieser medizinischen Aktenlage zum Ergebnis gelangt sind, ein nat�rlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 7. M�rz 2006 und der Okklusionsst�rung sei nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, ist dies nicht zu beanstanden. Das kantonale Gericht hat die streitigen Leistungsanspr�che mithin zu Recht verneint.