Source: https://www.psychotherapie-hamburg-altona.de/kostenerstattung.html
Timestamp: 2017-08-24 01:00:01
Document Index: 278115024

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 13', '§11', '§13', '§11', '§12', '§13', '§75', '§75', '§2', '§11', '§13', '§11', '§15', '§13', '§ 13', '§ 6', '§ 6', '§ 6']

Kostenrückerstattung bei gesetzlich Versicherten
Sie brauchen hier nicht beten. Siehe das Patientenrechtegesetz.
Ich meiner nichtvertraglichen (= privaten) Praxis für Psychotherapie/ Verhaltenstherapie finanzieren viele gesetzlich Versicherte ihre Psychotherapie im Kostenerstattungsverfahren, wenn sie keinen Platz bei Vertragstherapeuten (Kassentherapeuten) bekamen.
In meiner Praxis kann man ohne Wartelisten SOFORT eine Verhaltenstherapie starten. Eine eventuelle Finanzierung bei der Versicherung wird so beantragt:
1.- Sie nehmen ein Erstgespräch in meiner Psychotherapiepraxis wahr. Kein Telefonat könnte dieses persönliches Gespräch ersetzen.
Die Terminvereinbarung zu diesem Erstgespräch sende ich Ihnen postalisch oder per E-Mail (wie Sie möchten), wenn Sie mir eine Anfrage senden.
2.- Wenn wir beide nach dem Kennenlernen zusammen arbeiten wollen und bei Ihnen eine psychische oder psychosomatische Störung besteht, dann schreiben wir mithilfe von Ihrem/einer Arzt/in einen Kostenerstattungsantrag an Ihre gesetzliche Krankenversicherung.
Innerhalb von maximal drei Wochen muss die gesetzliche Krankenversicherung antworten (Siehe Kostenerstattungsgesetz).
(Erklärung: Bevor Sie in meiner Praxis die Behandlungsphase starten, müssen Sie zuerst Ihre Kasse mit der dringlichen Beantragung eines Therapieplatzes konfrontieren. Das machen wir mit dem Kostenerstattungsantrag. Ihre Kasse muss prüfen können, ob sie Ihnen einen anderen Therapieplatz geben kann, bei dem Sie in maximal drei Wochen die Behandlung starten können).
Nach den drei (bzw. fünf Wochen wenn die Kasse Ihnen mitteilt, dass Ihr Antrag auf den Medizinischen Dienst zum Gutachten weitergeleitet wird), dürfen Sie kostenerstattungsfähige probatorische Stunden bei mir wahrnehmen.
Im gelungenen Falle dass die gesetzliche Krankenversicherung Ihren Antrag bewilligen würde, sagt das Kostenerstattungsgesetz:
".. sind dadurch Versicherten für die selbstbeschaffte Leistung Kosten entstanden, sind diese von der Krankenkasse IN DER ENTSTANDENEN HÖHE zu erstatten, soweit die Leistung notwendig war". Dies gilt seit dem Zeitpunkt, wann die Entscheidung der Krankenkasse gefallen ist. Vor diesem Zeitpunkt muss Ihnen die Kasse nichts zurückerstatten.
Da ich im Arztregister und in der Psychotherapeutenkammer als Nichtvertraglicher Psychologischer Psychotherapeut für Verhaltenstherapie eingetragen bin, unterliege ich gesetzmäßig der Gebührenordnung für Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten GOÄ/GOP. In meinen Rechnungen müssen deswegen folgende Gebührenziffer/ Honorare stehen. Ziffer, Faktor und Text sind standard festgelegt unveränderbar.
„Verhaltenstherapie, Einzelbehandlung 50 Minuten“: GOP Ziffer 870, Faktor 2,3 Betrag: 100,56.- EUR. Hier darf ich Hypnose / EMDR und alle Techniken der Verhaltenstherapie anwenden. Mit dieser Ziffer werden gemäß unserer Gebührenordnung GOÄ/GOP (Gebührenordnung für Ärzte und Psychotherapeuten) alle Einzelsitzungen abgerechnet.
Psychotherapie-Hamburg-Altona ist eine private Praxis und bekommt keine finanziellen Förderungen. Jede Leistung wird Ihnen als Kunde in Rechnung gestellt. Alle Patientinnen bekommen monatlich nach den Therapiesitzungen eine Rechnung. Unabhängig von der eventuellen Kostenerstattung durch Dritte (z.B. Krankenversicherung) schulden alle PatientInnen und inkl. Testungen und Berichte alle Honorare persönlich in voller Höhe gemäß Rechnungslegung der PVS gegenüber dem Psychotherapeuten. Wenn Ihre gesetzliche Krankenversicherung die Finanzierung bewilligt hat, dann können Sie diese Rechnungen bei Ihrer gesetzlichen Krankenversicherung einreichen, damit Sie die zurückerstattet bekommen.
Bundessozialgericht Aktenzeichen RKa 15/97: Eine Wartezeit von mehr als 3 Wochen ist unzumutbar. Im Einzelfall sind bis zu 3 Monate hinzunehmen, wenn dadurch keine Gesundheits- oder andere Beeinträchtigung des Patienten zu erwarten ist.
Zumutbar ist eine Fahrtzeit von maximal 30 Minuten Entfernung von der Arbeitsstelle.
Wenn die Krankenversicherung dem Patienten einen anderen Therapeuten benennt, würde dieser dann in Frage kommen, wenn er dem Patienten einen Therapieplatz in den nächsten Wochen anbieten kann.
Die Angestellten einer Krankenversicherung dürfen dem Patienten KEINEN Klinikaufenthalt als Alternative zum ambulanten Therapieplatz anbieten (obwohl manche es tun), weil diese es nicht beurteilen können. Die dürfen auch nicht beurteilen, ob die Therapie notwendig ist oder nicht. Denn diese Empfehlung darf nur durch approbierte Sachkundige ausgesprochen werden (Arzt und Psychotherapeut) und nie durch Angestellte der Versicherung. Dazu gilt im Gesetz das Wirschaftlichkeitsgebot des Gesetzes: ambulant gilt vor stationär. Die Indikation für eine ambulante Psychotherapie wird NUR durch Arzt und Psychotherapeut festgelegt und nicht durch eine Krankenversicherung.
Sie haben Recht auf Akteneinsicht bei der Begutachtung Ihres Antrages.
Das Gesetz zum Kostenerstattungsverfahren
das neue Gesetz zum Kostenerstattungsverfahren nach § 13 Absatz 3 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) Februar 2013
Vertragstherapeuten und nicht vertragliche Psychologische Psychotherapeuten?
Vertragstherapeuten sind Psychotherapeuten, die einen Vertrag mit der Kassenärztlichen Vereinigung KV unterschrieben haben.
So bekommen sie einen Kassensitz oder Kassenzulassung. Sie besitzen dann eine Kassenpraxis.
Dadurch verpflichten sie sich, nach der Gebührenordnung EBM der gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen.
Heute demonstrieren in Berlin die Psychoherapeuten aus ganz Deutschland gegen diese Honorare, weil sie zu niedrig sind. Sie können sich hier ein Video einer Demonstration anschauen: http://www.youtube.com/channel/UC0KTfoWl2zhKzPMEtzlvIEQ
Die Schere der Einkommen geht immer weiter auseinander. Während sich der durchschnittliche Jahresüberschuss aller Arztgruppen von 2011 bis 2014 inflationsbereinigt um 6,7 Prozent erhöhte, fiel der durchschnittliche Jahresüberschuss bei den Psychotherapeuten in diesem Zeitraum um 3,3 Prozent. Umgerechnet auf eine Stunde Arbeitszeit erzielen Psychotherapeuten einen Brutto-Überschuss von 35,40 Euro, während Hausärzte 68 Euro und Fachärzte durchschnittlich 69 Euro pro Stunde erreichen.
Vor 14 Jahren bekamen Vertragstherapeuten ihre Kassensitze gratis, als das Psychotherapeutengesetz verabschiedet wurde.
Heute muss man in der Regel einen Kassensitz von einem Vertragstherapeuten kaufen, der in Ruhestand geht. Der kann bis zu 60.000.- Euro kosten.
Nicht vertragliche Psychotherapeuten und Vertragstherapeuten sind alle die gleiche Berufsgruppe. Wir haben alle eine einzige Qualifikation als Psychologische Psychotherapeuten. Die Vertragstherapeuten haben einen Vertrag unterschrieben und sich dadurch an der KV in diesem finanziellen Sinne gebunden.
Wir haben alle ein Studium der Klinischen Psychologie. Danach haben wir alle die Zusatzausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt, die in der Regel 5 Jahre dauert. Dann haben wir alle ein Staatsexamen bei der Regierung bestanden, wodurch wir die Approbation bekamen, die uns zur eigenständigen Ausübung der Psychotherapie in eigener psychotherapeutischen Praxis befähigt. Dann wurden wir alle im Arztregister der Kassenärztlichen Vereinigung KV eingetragen. Manche von uns haben dann entschieden eine Kassenzulasung zu kaufen: diese heißen Vertragstherapeuten.
Es gibt auch Ärzte (Mediziner), die psychotherapeutisch ausgebildet sind und ausschließlich psychotherapeutisch tätig sind und entschieden haben als Vertragstherapeuten zu arbeiten. Diese Kollegen heissen ärztliche Psychotherapeuten im Unterschied zu den Psychologischen Psychotherapeuten (die Klinische Psychologie studiert haben) und üben den gleichen Beruf wie wir aus. Wir sind alle die Gruppe der Psychotherapeuten.
Bundespyschotherapeutenkammer: Information Kostenerstattung 2017
20170522 bptk-patienten-info kostenerstattung.pdf
Psychisch Kranke haben wie bisher Anspruch auf Kostenerstattung (Bundespsychotherapeutenkammer)
BPtK: Psychisch Kranke haben wie bisher Anspruch auf Kostenerstattung
Psychisch kranke Menschen haben weiterhin einen Anspruch auf Kostenerstattung nach § 13 Absatz 3 SGB. Mit dieser Klarstellung reagiert die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) auf die erneute Weigerung einiger gesetzlicher Krankenkassen, eine psychotherapeutische Behandlung auch in Privatpraxen zu bezahlen, wenn es keine Behandlungsmöglichkeit bei einem zugelassenen Psychotherapeuten gibt. Die Kassen lehnen diese Anträge ihrer Versicherten auf Kostenerstattung mit der Begründung ab, dass durch die neue psychotherapeutische Sprechstunde und Akutbehandlung, die am 1. April 2017 eingeführt wurden, jeder psychisch kranke Versicherte kurzfristig behandelt werden könne.
"Sprechstunde und Akutbehandlung sind grundsätzlich andere Leistungen als eine klassische Psychotherapie", erläutert BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz. "Die Krankenkassen handeln eindeutig rechtswidrig, wenn sie den grundsätzlichen Anspruch des Versicherten auf eine ambulante Psychotherapie einschränken. Auch nach Einführung der Sprechstunde und Akutbehandlung besteht weiterhin ein Anspruch auf eine Richtlinienpsychotherapie. Kann die Kasse eine solche Behandlung durch einen zugelassenen Psychotherapeuten nicht sicherstellen, muss sie die Kosten für die Behandlung in einer Privatpraxis übernehmen."
Die psychotherapeutische Sprechstunde dient der Diagnose und Beratung des Patienten. In der Sprechstunde erfährt der Patient insbesondere, ob er psychisch krank ist und welche Behandlung er benötigt. Die Sprechstunde ist für Patienten erst ab dem 1. April 2018 verbindlich, sie kann aber jetzt schon genutzt werden, um festzustellen, ob eine psychotherapeutische Behandlung notwendig und unaufschiebbar ist.
Dies kann sowohl eine Akutbehandlung als auch eine klassische Psychotherapie sein. Dabei handelt es sich allerdings um verschiedene Leistungen. Die Akutbehandlung dient der kurzfristigen Stabilisierung des Patienten. Sie wird angewandt, wenn der Patient sich in einer akuten psychischen Krise befindet. Eine Akutbehandlung soll verhindern, dass ein Patient in ein Krankenhaus eingewiesen werden muss oder arbeitsunfähig wird. Die Akutbehandlung ist aber keine umfassende Behandlung der psychischen Erkrankung. Ist nicht allein eine kurzfristige Stabilisierung erforderlich, ist eine klassische Psychotherapie als Kurz- oder Langzeittherapie die richtige Behandlung.
"Auch eine klassische Psychotherapie kann kurzfristig notwendig sein, weil sich sonst die psychische Erkrankung verschlimmert oder chronifiziert", erklärt BPtK-Präsident Munz. "Bei notwendigen und unaufschiebbaren Leistungen hat der gesetzlich Versicherte aber nach wie vor den Anspruch, sich in einer Privatpraxis behandeln zu lassen, wenn er keinen zugelassenen Psychotherapeuten findet."
Lesen Sie diese Informationen der Psychotherapeutenkammer unter diesem Link:
FAQ Kostenerstattung: Infos von der Hamburger Psychotherapeutenkammer
Bisher beurteilten die Krankenkassen die Dringlichkeit und damit das Merkmal "unaufschiebbar" in ihrer Verwaltungspraxis anhand einer sogenannten Dringlichkeitsbescheinigung von einem Hausarzt/einer Hausärztin oder Psychiater/Psychiaterin. Vor dem Hintergrund der neuen psychotherapeutischen Sprechstunden scheinen Krankenkassen Anträge auf Kostenerstattung grundsätzlich abzulehnen, wenn nicht zuvor eine psychotherapeutische Sprechstunde wahrgenommen wurde, aus der sich die Dringlichkeit und damit die Unaufschiebbarkeit ergibt. Wie ist eine solche Praxis rechtlich zu beurteilen? Kann die Krankenkasse damit die Beurteilung der Unaufschiebbarkeit weg vom Hausarzt/von der Hausärztin in die Sprechstunde verlagern?
a) Ab dem 01.04.2018 (nach der Übergangszeit)
Nach der sog. Übergangszeit ab dem 01.04.2018 ist davon auszugehen, dass es zulässig ist, dass die Durchführung einer unaufschiebbaren Richtlinientherapie durch eine/n Psychotherapeuten bzw. Psychotherapeutin in einer Privatpraxis daran geknüpft wird, dass der Patient/die Patientin zuvor mindestens eine psychotherapeutische Sprechstunde wahrgenommen hat.
Ab dem 01.04.2018 ist die Durchführung einer Richtlinientherapie (sowie probatorischer Sitzungen und psychotherapeutischer Akutbehandlungen) in der Regel davon abhängig, dass der/die Versicherte zuvor die psychotherapeutische Sprechstunde aufsucht(siehe §11 Abs. 1 Satz 3 PsychothRL).
Der Anspruch auf Kostenerstattung ist weiterhin in §13 Absatz 3 Satz 1 SGB V geregelt:
Da Versicherte im Rahmen der Kostenerstattung nicht bessergestellt werden dürfen als in einer regulären Behandlung innerhalb des GKV-Systems, ist vor der Durchführung einer Richtlinientherapie die Inanspruchnahme der psychotherapeutischen Sprechstunde auch im Rahmen der Kostenerstattung notwendig.
b) Bis zum 31.03.2018 (Übergangszeit)
In der sog. Übergangszeit bis zum 31.03.2018 ist davon auszugehen, dass es unzulässig ist, dass die Durchführung einer unaufschiebbaren Richtlinientherapie durch eine/n Psychotherapeuten bzw. Psychotherapeutin in Privatpraxis daran geknüpft wird, dass der Patient/die Patientin zuvor mindestens eine psychotherapeutische Sprechstunde wahrgenommen hat.
In dem vom Gemeinsamen Bundesausschuss in der PsychothRL eingeräumten Übergangszeitraum vom 01.04.2017 bis zum 31.03.2018 gilt, dass die Durchführung einer Richtlinientherapie nicht zwingend an die vorherige Inanspruchnahme einer psychotherapeutischen Sprechstunde geknüpft ist (§11 Abs. 1 Satz 4 PsychothRL). Somit wird man dies auch nicht für eine Psychotherapie im Wege der Kostenerstattung verlangen dürfen.
Sofern die Richtlinientherapie unaufschiebbar ist (§12 Abs. 3 Satz 1 alt. SGB V), kann der/die Versicherte nicht darauf verwiesen werden, vorher eine psychotherapeutische Sprechstunde in Anspruch genommen zu haben.
Kann es sich unter rechtlichen Gesichtspunkten bei einer regulären Richtlinienpsychotherapie (noch) um eine im Sinne von §13 Abs. 3 SGB V unaufschiebbare Leistung handeln, wenn der Gesetzgeber und der G-BA insbesondere mit der Akutversorgung Leistungen für akute Fälle eingeführt hat und die Partner des Bundesmantelvertrags die reguläre Psychotherapie nicht in die Vermittlung durch die Terminservicestellen (TSS), die zur Umsetzung einer angemessenen und zeitnahen Zurverfügungsstellung der fachärztlichen Versorgung dient, einbezogen haben?
Nach unserer Einschätzung liegt die Zuständigkeit der TSS in der Vermittlung von Terminen für ein Erstgespräch im Rahmen der psychotherapeutischen Sprechstunde und (soweit erforderlich) einer Akutbehandlung. Dies bedeutet nicht, dass eine Richtlinientherapie nicht mehr als unaufschiebbare Leistung angesehen werden kann.
Die Kassenärztliche Vereinigung hat zur "Vermittlung eines Termins für ein Erstgespräch im Rahmen der psychotherapeutischen Sprechstunde und der sich aus der Abklärung ergebenden zeitnah erforderlichen Behandlungstermine" sogenannte Terminservicestellen (TSS) eingerichtet (§75 Abs. 1a Satz 13 SGB V). Diese TSS sollen der Umsetzung einer "angemessenen und zeitnahen Zurverfügungstellung der fachärztlichen Versorgung" dienen (vgl. §75, Abs. 1a Satz 1 SGBV).
§2a Abs. 2 der Anlage 28 zum Bundesmantelvertrag Ärzte (BMV-Ä) regelt zudem:
"Die Terminservicestelle vermittelt auf Anfrage des Versicherten
1. Einen Termin für ein Erstgespräch im Rahmen der psychotherapeutischen Sprechstunde gemäß §11 der Psychotherapie-Richtlinie des G-BA
2. Einen Termin für die sich aus der Abklärung nach Nr. 1 ergebende zeitnah erforderliche Akutbehandlung gemäß §13 der Psychotherapie-Richtlinie des G-BA."
Demnach kann der/die Versicherte keine Richtlinientherapie über die TSS vermittelt bekommen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass eine Richtlinientherapie nicht mehr als unaufschiebbare Leistung angesehen werden kann.
Die Akutbehandlung und die Richtlinientherapie sind zwei unterschiedliche Behandlungsleistungen, die in der Psychotherapierichtlinie beschrieben werden. Demnach kann sich im Rahmen einer psychotherapeutischen Sprechstunde entweder die Indikation für eine Richtlinienpsychotherapie herausstellen (vgl. §11 Abs. 10 PsychothRL: "Sofern eine Behandlung nach §15 indiziert ist, […]") oder es kann eine Indikation für eine Akutbehandlung festgestellt werden (vgl. §13 Abs. 1 PsychothRL: "Die Akutbehandlung ist eine zeitnahe psychotherapeutische Intervention im Anschluss an die Sprechstunde zur Vermeidung von Fixierungen und Chronifizierungen psychischer Symptomatik"). Der /die Versicherte, der/die über eine Dringlichkeitsbescheinigung verfügt und eine Richtlinientherapie in Anspruch nehmen möchte, muss sich unserer Auffassung nach daher nicht auf eine vorrangige Inanspruchnahme einer Akutbehandlung verweisen lassen.
Besteht ein Anspruch auf Kostenerstattung in Bezug auf Sprechstunde und Akutbehandlung, wenn die Terminservicestelle (TSS) keinen Termin bei einem Vertragsarzt/einer Vertragsärztin oder Vertragspsychotherapeuten/Vertragspsychotherapeutin oder im Krankenhaus vermitteln bzw. anbieten oder sich die Vermittlung auf einen Termin an einem weit entfernten Ort bezieht?
Der Anspruch auf Kostenerstattung setzt voraus, dass die Krankenkasse eine unaufschiebbare Leistung nicht rechtzeitig erbringen konnte (siehe § 13 Abs. 3 Satz 1 SGB V). Soweit die TSS keinen Termin bei einem Vertragsarzt/einer Vertragsärztin bzw. einem Vertragspsychotherapeuten/einer Vertragspsychotherapeutin oder im Krankenhaus vermitteln können, kommt daher grundsätzlich ein Anspruch auf Kostenerstattung in Betracht.
Kann die TSS binnen vier Wochen keinen Termin vermitteln, so muss der/die Versicherte allerdings nach wie vor den sogenannten Beschaffungsweg einhalten. Er/sie muss sich also vor der erstmaligen Inanspruchnahme eines Psychotherapeuten/einer Psychotherapeutin in Privatpraxis mit der Krankenkasse in Verbindung setzen und diese mit seinem/ihren Leistungsbegehren (psychotherapeutische Versorgung) konfrontieren, damit die Krankenkasse prüfen kann, ob eine Versorgungslücke innerhalb des GKV-Systems besteht.
Gelten für die Frage der Erreichbarkeit die in Anlage 28 BMV-Ä genannten 30 Minuten in jedem Einzelfall oder welche Faktoren sind ggfls. In die Beurteilung einzubeziehen?
"Die Terminservicestelle hat einen Termin bei einem […] Psychotherapeuten in einer zumutbaren Entfernung zum Wohnort oder dem gewöhnlichen Aufenthaltsort des Versicherten zu vermitteln." (vgl. § 6 Abs. 1 Anlage 28 zum BMV-Ä). Für Arztgruppen der allgemeinen fachärztlichen Versorgung gilt hier die Regelung "erforderliche Zeit für das Aufsuchen des nächsten erreichbaren geeigneten Facharztes plus maximal 30 Minuten" (vgl. § 6 Abs. 1 Nr. 1 Anlage 28 zum BMV-Ä).
Bei der Vermittlung von Terminen sind auch die "individuelle Mobilität des Versicherten, die besonderen Verhältnisse sowie die öffentliche Verkehrsanbindung zu berücksichtigen" (vgl. § 6 Abs. 5 der Anlage 28 zum BMV-Ä).
Dies bedeutet nach unserer Auffassung, dass der Zeitbedarf von Fall zu Fall ermittelt werden muss.
Kann dem/der Versicherten unter diesen Voraussetzungen ein Termin von der TSS vermittelt werden, dürfte dies einem Anspruch auf Kostenerstattung entgegenstehen, da die Krankenkasse die erforderliche Leistung erbringen kann.
Welches Vorgehen ist zu empfehlen, um eine unaufschiebbare Leistung im Wege der Kostenerstattung zu erhalten?
Es bedarf einer bestimmten Vorgehensweise, wenn gesetzlich Versicherte keinen Behandlungsplatz bei einem zugelassenen Psychotherapeuten / einer zugelassenen Psychotherapeutin finden und sich daher von einem Psychotherapeuten / einer Psychotherapeutin in einer Privatpraxis behandeln lassen müssen. Diese Vorgehensweise können Sie in der Patienten-Info "Wenn kein zugelassener Psychotherapeut zu finden ist" der Bundespsychotherapeutenkammer nachlesen.
Wo gibt es weiterführende Informationen zur neuen Psychotherapierichtlinie?
Die Psychotherapeutenkammer Hamburg hat auf ihrer Homepage eine Rubrik "Die neue Psychotherapierichtlinie" eingerichtet, in welcher Sie aktuelle Informationen, Schnittstellen und weiterführende Links zur PsychothRL erhalten.
Inwieweit kümmert sich die PTK Hamburg um die aktuelle Situation der Kolleginnen und Kollegen, die im Kostenerstattungsverfahren tätig sind?
Die Kolleginnen und Kollegen in Privatpraxen, die in der Kostenerstattung arbeiten, leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung von gesetzlich Versicherten. Im Rahmen unserer in der Kammersatzung festgelegten Aufgaben unterstützen wir deshalb alle Kammermitglieder, auch diejenigen, die im Kostenerstattungsverfahren tätig sind. So werden z.B. regelmäßig Gespräche zur psychotherapeutischen Versorgung mit dem MDK, mit Krankenkassen und anderen Kostenträgern sowie mit Gesundheitspolitikerinnen und -politikern geführt. Weiterhin werden allgemeine Informationen und Hinweise zur Psychotherapie im Kostenerstattungsverfahren zur Verfügung gestellt.
*) Um die Auswirkungen der neuen Psychotherapierichtlinie auf die außervertragliche Behandlung im Wege des Kostenerstattungsverfahrens zu beurteilen, wurde von der BPtK eine rechtliche Stellungnahme eingeholt.
Die wesentlichen Aussagen haben wir hier in Form eines FAQ zusammengestellt.
BMV-Ä: Bundesmantelvertrag Ärzte
G-BA: Gemeinsamer Bundesausschuss
MDK: Medizinischer Dienst der Krankenversicherung
PsychothRL: Psychotherapierichtlinie
TSS: Termin Service Stelle(n)
http://www.ptk-hamburg.de/aktuelles/faq_kostenerstattung/index.html
Infos von der Psychotherapeutenkammer
bptkratgeberkostenerstattung.pdf
Infos von der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung
dptv faltblatt kosten.pdf