Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20293/88
Timestamp: 2019-11-17 18:16:57
Document Index: 16931770

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', '§ 847', '§ 1004', 'Art. 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 253', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 619', 'BGH', 'BGH', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 5', 'Art. 12', 'BGH', 'BGH', 'Art. 1', 'Art. 2', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', '§ 12', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', '§ 12', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 11.04.1989 - VI ZR 293/88 - dejure.org
https://dejure.org/1989,747
BGH, 11.04.1989 - VI ZR 293/88 (https://dejure.org/1989,747)
BGH, Entscheidung vom 11.04.1989 - VI ZR 293/88 (https://dejure.org/1989,747)
BGH, Entscheidung vom 11. April 1989 - VI ZR 293/88 (https://dejure.org/1989,747)
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Anspruch auf Schmerzensgeld und Widerruf eines ärztlichen Attests aufgrund einer fehlerhaften Diagnose - Entschädigung eines Patienten wegen eines Eingriffs in das Allgemeine Persönlichkeitsrecht durch ein Einweisungsattest - Bewertung einer ärztlichen Diagnose mit dem ...
BGB § 823, § 847, § 1004; GG Art. 1, 2, 5
Persönlichkeitsrecht (Geldentschädigung)
NJW 1989, 2941
NJW-RR 1989, 1367 (Ls.)
MDR 1989, 981
GRUR 1989, 536
FamRZ 1989, 831
VersR 1989, 628
Der Senat hat bereits entschieden, dass Sachverständigengutachten, ebenso wie Testberichte (…Senatsurteile vom 9. Dezember 1975 - VI ZR 157/73, BGHZ 65, 325 ff., juris Rn. 20 ff.;… vom 18. Oktober 1977 - VI ZR 171/76, VersR 1978, 229, 229 f., juris Rn. 16 ff.;… vom 21. Februar 1989 - VI ZR 18/88, VersR 1989, 521, juris Rn. 11 f.) und ärztliche Diagnosestellungen (vgl. Senatsurteil vom 11. April 1989 - VI ZR 293/88, VersR 1989, 628) sowohl Tatsachenbehauptungen als auch Werturteile enthalten können, und dass es sich bei dem Ergebnis der vorangegangenen Untersuchung in der Regel um ein Werturteil und nicht um die Behauptung einer Tatsache handelt, weil das Ergebnis, mag es auch äußerlich als Tatsachenbehauptung formuliert sein, auf Wertungen beruht (…Senatsurteil vom 18. Oktober 1977 - VI ZR 171/76, VersR 1978, 229, 229 f., juris Rn. 17).
Nach überkommenem Rechtsverständnis haftete der Sachverständige (nur) bei einem schwerwiegenden Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht oder sonst ein absolutes Rechtsgut bei einer leichtfertig unrichtigen, der Sachkunde völlig entbehrenden Begutachtung (vgl. BGH NJW 1989, 2941; OLG Schleswig NJW 1995, 791; OLG Frankfurt OLGR 2008, 300 Tz. 31; s. auch BVerfGE 49, 304, 316 ff.).
Ob im Einzelfall eine schwerwiegende Verletzung des Persönlichkeitsrechts vorliegt, die die Zahlung einer Geldentschädigung erfordert, hängt, insbesondere von der Bedeutung und der Tragweite des Eingriffs, also von dem Ausmaß der Verbreitung der verletzenden Aussage, von der Nachhaltigkeit und der Fortdauer der Interessen- und Rufschädigung des Verletzten, ferner von Anlass und Beweggrund des Handelnden sowie von dem Grad seines Verschuldens ab (vgl. BGH NJW 1989, 2941).
Der aus Artikel 1 I; 2 I Grundgesetz in Verbindung mit § 253 II BGB folgende Schmerzensgeldanspruch steht hierbei unter der Voraussetzung, dass die Schwere des Eingriffs in das allgemeine Persönlichkeitsrecht nach dem Grad des Verschuldens, Art und Schwere der Beeinträchtigung, Anlass und Beweggrund des Handelnden Genugtuung durch eine Geldentschädigung erfordert und die Rechtsgutverletzung sich nicht in anderer Weise insbesondere durch Unterlassung oder durch eine Gegendarstellung oder einen Widerruf befriedigend ausgleichen lassen (BGHZ 132 Seite 12 ­ ,,Lohnkiller"; BGHZ 128, Seite 1 ff. ­ ,,Caroline von Monaco"; BGH NJW 1989, 2941; BGH NJW 1985, 1617 ­ ,,Nacktfotos";… vgl. Erfurter Kommentar ­ Preis 4. Auflage 2004, § 619 a BGB Rz. 83).
Der Senat hat jedoch offengelassen, ob solches auch gegenüber Äußerungen von Sachverständigen in Gutachten gilt, die diese in gesetzlich geregelten Verfahren erstattet haben (vgl. Senatsurteil vom 11. April 1989 - VI ZR 293/88 - NJW 1989, 2941, 2942).
Mit der leichtfertigen Erstellung eines Gutachtens ist eine solche gemeint, durch die das Gutachten seinen Charakter als Werturteil verliert, weil es, ähnlich wie bei bloßer Vortäuschung der vom Sachverständigen angeblich aufgewendeten speziellen Kenntnisse und Fähigkeiten, einer auf Sachkunde beruhenden Beurteilung völlig entbehrt (vgl. Senatsurteil vom 11. April 1989 aaO).
Ein solcher Anspruch kommt allerdings nur in Betracht, wenn es sich um einen schwerwiegenden Eingriff in das Persönlichkeitsrecht handelt und die Beeinträchtigung des Betroffenen nicht in anderer Weise befriedigend ausgeglichen werden kann (…Senat aaO.; BGH Urteile vom 26. Januar 1971 - VI ZR 95/70 - NJW 1971, 698; 22. Januar 1985 - VI ZR 28/83 - NJW 1985, 1617, 1619;… 15. Dezember 1987 - VI ZR 35/87 - BGHR BGB § 823 Abs. 1 Persönlichkeitsrecht 6; 11. April 1989 - VI ZR 293/88 - BGHR aaO. Persönlichkeitsrecht 9).
Ob eine hinreichende schwer wiegende Verletzung des Persönlichkeitsrechts vorliegt, hängt nach der zivilrechtlichen Rechtsprechung von der Bedeutung und der Tragweite des Eingriffs ab, dabei insbesondere vom Anlass und Beweggrund sowie von dem Grad des Verschuldens des Handelnden (vgl. BGH, VersR 1988, 405 ; BGH, VersR 1989, S. 628 ; BGHZ 128, 1 ).
Eine unrichtige medizinische Diagnose kann einen entschädigungspflichtigen rechtswidrigen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Patienten darstellen, wenn der Arzt leichtfertig gehandelt hat (s. BGH NJW 1989, S. 2941, 2943) [BGH 11.04.1989 - VI ZR 293/88].
Da es sich bei den sachlich nicht hinreichend belegten Äußerungen des Beklagten (insbesondere: "psychotisches Verhalten mit paranoiden Zuständen") jedenfalls im Schwerpunkt um eine ärztliche Einschätzung (Diagnose) und somit um eine Meinungsäußerung handelt (s. BGH NJW 1989, S. 2941, 2942;… NJW 1999, S. 2736, 2737) [BGH 23.02.1999 - VI ZR 140/98], steht dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht der Klägerin (Art. 1 Abs. 1 und Art. 2 Abs. 1 GG) die Meinungs- und Berufsfreiheit des Beklagten (Art. 5 Abs. 1, Art. 12 Abs. 1 GG) gegenüber.
Ist die unzutreffende Diagnose "leichtfertig" abgegeben worden, so fallt die Abwägung zugunsten des Persönlichkeitsrechts aus und ist von einem rechtswidrigen Eingriff auszugehen (s. BGH NJW 1989, S. 2941, 2943) [BGH 11.04.1989 - VI ZR 293/88].
Aus dem Schutzauftrag von Art. 1 Abs. 1 und Art. 2 Abs. 1 GG hat die Rechtsprechung einen Anspruch auf Ersatz des immateriellen Schadens bei Verletzungen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts hergeleitet, der vor allem dem Zweck der Genugtuung und der Prävention dienen soll (…s. etwa BGHZ 132, S. 13, 27; BGH NJW 1989, S. 2941, 2943 [BGH 11.04.1989 - VI ZR 293/88];… BGH NJW 1995, S. 861, 864 f. [BGH 15.11.1994 - VI ZR 56/94];… NJW 1996, S. 984, 985 [BGH 05.12.1995 - VI ZR 332/94];… Palandt/Thomas, a.a.O., § 823 Rdn. 200;… Münch.Komm.-Schwerdtner, a.a.O., § 12 Rdn. 285 ff.).
Der Anspruch auf Ersatz des immateriellen Schadens setzt eine schwere Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts - also regelmäßig eine schwerwiegende Beeinträchtigung sowie ein besonderes Maß an Verschulden - voraus; er kommt (als "ultima ratio") auch nur dann zum Zuge, wenn ein unabwendbares Bedürfnis für eine immaterielle Entschädigung besteht und die Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts nicht in anderer Weise (z.B. durch Widerruf) befriedigend ausgeglichen werden kann (…s. etwa BGHZ 132, S. 13, 27; BGH NJW 1989, S. 2941, 2943 [BGH 11.04.1989 - VI ZR 293/88];… BGH NJW 1995, S. 861, 864 f. [BGH 15.11.1994 - VI ZR 56/94];… Senat, OLG-NL 1995, S. 73, 74 f.;… OLG-NL 1996, S. 274, 275 f.;… Palandt/Thomas, a.a.O., § 823 Rdn. 200;… Münch. Komm.-Schwerdtner, a.a.O., § 12 Rdn. 294 ff.).
Die einem Widerruf zugängliche Tatsachenbehauptung liegt in derartigen Fällen in der unwahren konkludenten Behauptung, das Gutachten oder die ärztliche Diagnose sei auf der in Wirklichkeit nicht in Anspruch genommenen fachlichen Grundlage erstellt (BGH, Urteil vom 11. April 1989 - VI ZR 293/88 - NJW 1989, 2941).
Eine schwerwiegende Verletzung des Persönlichkeitsrechts hängt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs insbesondere von der Bedeutung und der Tragweite des Eingriffs ab, etwa von dem Ausmaß der Verbreitung der verletzenden Aussagen, von der Nachhaltigkeit der Fortdauer der Interessen- und Rufschädigung des Verletzten, ferner von Anlass und Beweggrund des Handelnden sowie von dem Grad seines Verschuldens (vgl. BGH, NJW 1989, S. 2941 ; BGHZ 132, 13 ).
LAG Rheinland-Pfalz, 17.06.2011 - 7 Sa 2/11
Schmerzensgeld wegen diskreditierender Äußerungen über einen ehemaligen …