Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/58970,0.html
Timestamp: 2019-09-16 17:07:45
Document Index: 321934788

Matched Legal Cases: ['§ 263', '§ 186', '§ 186', '§ 194', '§ 186', '§ 186', '§ 186', '§ 153']

Zurückziehen einer Anzeige wegen Betruges?
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Verfasst am: 08 März 2006 - 21:04:28 Titel: Zurückziehen einer Anzeige wegen Betruges?
Ich habe Ende Dezember bei Ebay Waren bei einem seriös anmutendem Verkäufer bestellt. Nach dem Auktionsende meldete er sich und gab mir seine Bankverbindung und nannte mir den Gesamtbetrag. Ich überwies das Geld, doch bekam die Ware nie. Auf Emails antwortete er nie, ans Telefon ging er auch nicht. Nach einigen Wochen entschied ich mich, ihn anzuzeigen. Anfang März meldete sich der Herr auf einmal und wollte meine Bankverbindung um das Geld zurück zu überweisen. Ich gab sie ihm und einen Tag später war das Geld wieder auf meinem Konto.
Bin ich jetzt verpflichtet, die Anzeige zurückzuziehen? Oder wird das Verfahren so auf meine Kosten eingestellt?
Verfasst am: 09 März 2006 - 13:48:23 Titel: Hallo
hier käme eine Strafbarkeit Deines Geschäftspartners wegen Betrugs gem. § 263 StGB in Betracht. Da Betrug ein sog. Offizialdelikt ist, ist die Stellung und Aufrechterhaltung eines Strafantrags keine Strafverfolgungsvoraussetzung. D.h., daß Du das Verfahren nicht mehr beeinflussen kannst. In diesem Fall könnte es aber sein, daß die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellt. Das kostet Dich nichts.
(Wer Strafbarkeitsvorwürfe in die Welt setzt macht sich übrigens selbst strafbar gem § 186 StGB (Üble Nachrede), wenn die Behauptung nicht erweislich ist. § 186 StGB ist aber ein Antragsdelikt, die Verfolgung setzt gem. § 194 I 1 StGB einen eigens gestellten Strafantrag voraus. Aber das nur am Rande.)
Verfasst am: 09 März 2006 - 20:33:19 Titel:
Wer Strafbarkeitsvorwürfe in die Welt setzt macht sich übrigens selbst strafbar gem § 186 StGB (Üble Nachrede)
Wenn ich aus gutem Grunde das Gefühl habe, betrogen worden zu sein, kann ich doch wohl noch eine Anzeige wegen Betrugs erstatten, oder? Auch wenn das Ganze angeblich kein Betrug gewesen sein soll... Für mich sieht das aber nach einem Betrugsversuch aus: Der Typ hat wohl nicht damit gerechnet, dass ich ihn tatsächlich anzeige. Dann hat er es mit der Angst zu tun bekommen und mir das Geld zurücküberwiesen. Oder warum hat er mir nicht einfach die Ware zugeschickt?
Wenn ich als Nichtjurist dein Posting richtig verstanden habe, lasse ich das Verfahren jetzt einfach im Sande verlaufen.
Kann ich eigentlich von dem Typ Zinsen verlangen? Immerhin konnte der zwei Monate lang mit meinem Geld arbeiten! Ich bin doch keine Bank!
Verfasst am: 09 März 2006 - 22:19:04 Titel: Hallo,
ohne § 186 StGB könnte halt jeder über jeden herabwürdigende Tatsachenbehauptungen verbreiten. Von begründeten Strafanzeigen soll er natürlich nicht abschrecken, hier wäre ja gerade Deine Mitwirkung als Zeuge gefragt.
Ansonsten würde ich die Angelegenheit aber auf sich beruhen lassen. Alles andere scheint mir hier nicht wirtschaftlich zu sein. Wenn Du den Kollegen zu sehr gegen die Wand drückst, sitzt der vielleicht igendwann beim Anwalt . Und bei denen kann man dann nie wissen... (§ 186 StGB ist auch 'ne typische Anwaltsidee ).
Verfasst am: 14 März 2006 - 21:28:18 Titel:
Habe heute von der Staatsanwältin diesen Brief bekommen:
Sehr geehrter Herr Adonis84,
das Ermittlungsverfahren habe ich gemäß § 153 Absatz 1 der Strafprozessodnung aus folgenden Gründen eingestellt:
Der Beschuldigte ist bisher einschlägig nicht in Erscheinung getreten. Der entstandene Schaden ist von ihm durch Rücküberweisung am 28.2.06 an Sie wiedergutgemacht worden.
Unter diesen Umständen wäre das Verschulden als gering anzusehen. Ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung besteht in diesem Falle nicht.
Es kann erwartet werden, dass der Beschuldigte durch das bisherige Ermittlungsverfahren hinreichend beeindruckt und gewarnt ist.
Vor allem der letzte Absatz gefällt mir so richtig. Ich glaube, der wird so schnell keine krummen Dinger mehr bei Ebay drehen.
Verfasst am: 18 März 2006 - 14:40:33 Titel:
Es ist davon auszugehen, dass der das Geld nur wegen Deiner Anzeige und dem Ermittlungsverfahren gegen ihn an Dich zurücküberwiesen hat.
Du brauchst nun nix weiter zu unternehmen...
Ende, Aus - Applaus