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Timestamp: 2018-05-21 16:47:15
Document Index: 21733883

Matched Legal Cases: ['§ 705', '§ 105', '§ 1', '§ 238', '§ 1', '§ 708', '§ 722', '§ 705', '§ 1', '§ 121']

GbR gründen - was ist bei der Gründung zu beachten?
30.03.2017 14:21 von Beke Worthmann
Jedes Jahr werden zahlreiche neue Unternehmen gegründet. Eine beliebte Rechtsform in diesem Zusammenhang ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (§ 705–740 BGB). Hierbei handelt sich um eine Personengesellschaft, die durch Zusammenschluss von mindestens zwei Personen die gemeinsame Erreichung eines bestimmten Zwecks anstrebt. Was Sie bei diesem Unternehmensgerüst beachten müssen und wie eine GbR-Gründung abläuft, erfahren Sie in diesem Artikel.
Hier bieten wir ihnen ausführliche Informationen rund um das Thema GbR Gründung. Sie erfahren in diesem Artikel unter anderem was Sie beachten müssen, wenn Sie eine GbR gründen möchtem, sowie welche Vorteile, Risiken und Kosten die Gründung einer GbR mit sich bringt.
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1. GbR gründen – was zeichnet die GbR aus?
2. GbR gründen – die Anmeldung
3. Checkliste: In neun Schritten GbR gründen
4. GbR gründen – die Kosten
5. Vorteile der GbR
6. Risiken der GbR
7. Fortbestand der GbR
8. Umwandlung der GbR in eine andere Rechtsform
9. GbR gründen – Alternativen zur GbR
10. PRAXISTIPP: kostenlose Ersteinschätzung zur Gründung einer GbR
Neben bekannten Personengesellschaften wie der Offenen Handelsgesellschaft (§ 105 ff. HGB), dem Einzelunternehmen (§ 1–104 HGB) oder Kapitalgesellschaften wie der GmbH (§ GmbHG, § 238–342a HGB) ist die GbR eine unbekanntere, aber einfache Möglichkeit, sein unternehmerisches Vorhaben zu realisieren.
Eine GbR konstituiert sich, wenn Sie als Gründer nicht alleine in die Selbstständigkeit starten, sondern sich mindestens zu zweit zusammenschließen. Hier ist oberste Vorsicht geboten, da eine GbR schon dann entsteht, sobald Sie sich mit Ihrem Partner zwecks einer Geschäftstätigkeit vereinigen.
Die GbR stellt dennoch keine Rechtsform für eine unternehmerische Tätigkeit dar, da sie nicht auf das Betreiben eines kaufmännischen Handelsgewerbes (§ 1 HGB) abzielt. Sie wird jedoch automatisch zur Offenen Handelsgesellschaft (OHG), wenn durch die Gesellschaft ein Handelsgewerbe betrieben wird. Ein Jahresumsatz von mehreren 100.000,00 € kann z. B. die Einrichtung eines Handelsgewerbes erfordern. Umgangssprachlich wird die GbR häufig auch als Kleingewerbe bezeichnet. Es kann sich hierbei sowohl um einen Zusammenschluss von Freiberuflern als auch um jede erlaubte gewerbliche Tätigkeit handeln, die den gemeinsamen Zweck erfüllt.
Die GbR ermöglicht aufgrund geringer Gründungsformalitäten einen schnellen Start in die Existenzgründung und eignet sich hervorragend für ein unkompliziertes Geschäftsgerüst.
Die Geschäftsführung obliegt gemeinschaftlich allen Gesellschaftern der GbR. Auf diese entfallen Tätigkeiten wie die Vertretung des Geschäfts nach außen durch den Abschluss von beispielweise Kauf- oder Lieferverträgen, die Buchführung und z. B. die Kontrolle der Arbeitsprozesse im Unternehmen. Zur Erfüllung von Rechtsgeschäften bedarf es einer Zustimmung von allen Gesellschaftern. Individuelle Regelungen im sogenannten Gesellschaftsvertrag führen zu einer Auflockerung der Richtlinien, die für die Geschäftsführung gelten.
Wenn Sie eine GbR gründen wollen, brauchen Sie kein Mindestkapital.
Ein Gesellschafter hat bei der Erfüllung der ihm obliegenden Verpflichtungen nur für diejenige Sorgfalt einzustehen, welche er in eigenen Angelegenheiten anzuwenden pflegt (§ 708 BGB). Die Gesellschafter haften in Höhe ihres Privatvermögens. Es findet keine Trennung zwischen Privat- und Geschäftsvermögen statt. Wird nur ein Gesellschafter haftbar gemacht, kann dieser von anderen Gesellschaftern einen anteiligen Ausgleich verlangen.
Andere individuelle Regelungen lassen sich auch im Gesellschaftsvertrag festlegen. Eine Beschränkung der Haftung kann lediglich durch die Gründung zweier GmbHs zur GbR erreicht werden – allerdings ist ein Mindestkapital notwendig. Die im Vergleich zu anderen Rechtsformen spezielle Haftungsregelung schreckt viele potentielle Gründer im Vorfeld ab, doch durch erfolgreiche Geschäftsführung und wirtschaftliche und rechtliche Beratung lassen sich viele Risiken beschränken, sodass das GbR-Gründen kaum größere Risiken mit sich bringt als andere Rechtsformen.
Der Gewinn der GbR verteilt sich gem. § 722 BGB nach Köpfen, sodass jedem Gesellschafter der gleiche Anteil zugewiesen wird. Auch hier lassen sich individuelle Regelungen durch den Gesellschaftsvertrag veranlassen.
Durch den Gesellschaftsvertrag verpflichten sich die Gesellschafter gegenseitig, die Erreichung eines gemeinsamen Zweckes in der durch den Vertrag bestimmten Weise zu fördern, insbesondere die vereinbarten Beiträge zu leisten (§ 705 BGB). Gesellschafter, die eine GbR gründen wollen, können in diesem Fall sowohl natürliche als auch juristische Personen sein.
Da die formalen Anforderungen an eine GbR vergleichsweise gering sind, lässt sich ein Gründungsvertrag auch mündlich abschließen. Trotzdem ist eine schriftliche Vereinbarung empfehlenswert, da so Missverständnissen und Streitigkeiten vorgebeugt werden kann.
Mögliche Elemente, die im Vertrag festgehalten werden sollten, sind z. B. der Gesellschaftszweck der Tätigkeit, die Geschäftsführung, interne Haftungsverteilung sowie Gewinn- und Verlustbeteiligung der Gesellschafter. Bei vertragsrechtlichen Fragen ist es ebenso sinnvoll, sich durch einen Experten beraten zu lassen.
Der Firmenname:
Wenn Sie eine GbR gründen, sind Ihrem Firmennamen keine Grenzen gesetzt. So können Kleingewerbetreibende aus Fantasie-, Branchen- oder Tätigkeitsbezeichnungen für ihren Firmennamen wählen. Der Seriosität halber empfehlen die Industrie- und Handelskammern, den Vor- und Nachnamen im Namen einfließen zu lassen. Die namentliche Nennung sowie die ladungsfähige Anschrift im geschäftlichen Verkehr (Rechnungen, Briefe, Impressum usw.) sind verpflichtend anzugeben.
Mindestens zwei Gründer (Gesellschafter)
Unbeschränkte Haftung mit Privatvermögen
Gewinnverteilung nach Köpfen der Gesellschafter
Geschäftsführung obliegt allen Gesellschaftern
Wenn Sie eine GbR gründen, ist es neben der Einigung über vertragsrechtliche Grundlagen und Erstellung von Kapital- und Zeitplänen notwendig, seine Gesellschaft unter anderem beim zuständigen Gewerbeamt in der Stadt- oder Gemeindeverwaltung anzumelden. Es muss weiterhin eine Anmeldung beim Finanzamt erfolgen sowie eine Mitgliedschaft bei der Industrie- und Handelskammer beantragt werden.
Handelt es sich bei Ihrer GbR um eine freiberufliche Tätigkeit, entfällt der Gang zum Gewerbeamt – hier reicht die Steuernummer des Finanzamts für die Anmeldung aus. Wenn die GbR im Rahmen eines Gewerbes Mitarbeiter beschäftigen möchte, ist es unumgänglich, die Betriebsnummer beim Arbeitsamt einzuholen.
Schlussendlich dürfen eine Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft sowie die Meldung der Mitarbeiter bei der zuständigen Krankenkasse nicht fehlen. Nach allen erfolgreichen Eintragungen steht dem Start in die Geschäftstätigkeit nichts mehr im Weg. Denn laut § 1 HGB ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts kein Kaufmann, sodass die Eintragung im Handelsregister für diese Rechtsform entfällt.
3. Checkliste: In neun Schritten eine GbR gründen
Vergleichsweise geringe Kosten kommen auf Sie zu, wenn Sie eine GbR gründen wollen. Da kein Mindestkapital gesetzlich vorgeschrieben wird, können Sie sich theoretisch auch mit wenig finanziellen Mitteln zu einer Gesellschaft zusammenschließen. Empfohlen wird jedoch trotzdem Rücklagen zu bilden, bevor Sie ins Geschäft einsteigen – der Beginn der Selbstständigkeit ist für die meisten Gründer immer noch ein großes Hindernis.
Als weitere Gründungskosten können für Sie Gebühren bei Behörden wie dem Gewerbeamt sowie anwaltliche Kosten anfallen. Insgesamt belaufen diese sich jedoch auf wenige 100 €. Auch der Geschäftsverlauf innerhalb einer GbR ist weniger kostspielig als bei anderen Rechtsformen wie z. B. der GmbH.
5. Warum Sie eine GbR gründen sollten
Die Vorteile der GbR begründen sich vor allem in den minimalen Gründungskosten.
Wenn Sie Ihre Gesellschaft z. B. als Gewerbebetrieb anmelden und keine freiberufliche Tätigkeit ausüben, können durch den Freibeitrag innerhalb der Gewerbesteuer gleichermaßen Kosten gespart werden. Handelt es sich um eine Freiberufler-GbR, entfällt sogar die gesamte Gewerbesteuer.
Für viele Existenzgründer ist ebenso der schnelle und einfache Gründungsprozess durch die ausschließliche Anmeldung beim Gewerbeamt attraktiv, weswegen sie eine GbR gründen. Im Gegensatz zu Kapitalgesellschaften unterliegt auch der Gesellschaftsvertrag einer GbR geringen Formalitäten und enthält ein großes Mitbestimmungsrecht für alle Gesellschafter.
Weiterhin ist der bürokratische Aufwand vergleichsweise klein, wenn Sie eine GbR gründen – sie unterliegt kaum Berichtspflichten. Ein hohes Ansehen bei Institutionen wie Banken ist bei diesem Geschäftsmodell ebenso gegeben.
6. Welche Risiken eine GbR-Gründung mit sich bringt
Der größte geschäftliche Nachteil eines Gesellschafters liegt bei einer GbR darin, für alle Schulden der Gesellschaft – egal, wer diese verursacht hat – mit privatem Vermögen einzustehen. Die GbR ist zudem keine juristische Person, sodass jeder Gesellschafter für sich steuerpflichtig ist und seinen Anteil des Gewinns versteuern muss. Eine GbR, die ebenso als Kleingewerbe verstanden wird, wird aufgrund der Rechtslage der Gesellschaft nur für den Start in die Selbstständigkeit empfohlen.
Scheiden ein oder mehrere Gesellschafter aus, nachdem Sie die GbR gründen konnten, hat dies eine Auflösung der gesamten Gesellschaft zur Folge. Weil die meisten Gründer dies verhindern wollen, gibt es die Möglichkeit, entsprechend abweichende Regelungen zur Auflösung der Gesellschaft im Gesellschaftsvertrag festzuhalten. In diesem Fall können Abfindungsansprüche geltend gemacht werden.
Ebenso besteht für die ausscheidenden Gesellschafter weiterhin eine Haftungspflicht, da diese gesetzlich noch fünf Jahre nach ihrem Ausstieg für die Gesellschaft (für die vor ihrem Ausscheiden entstandenen Verbindlichkeiten) haften. Eine GbR kann ebenfalls aufgelöst werden, wenn der angestrebte Geschäftszweck der Gesellschafter erreicht wurde.
Die Aufnahme neuer Gesellschafter ist zugleich möglich. Dies erfordert die Zustimmung vom gesamten Unternehmen sowie einen zusätzlichen Vertrag zwischen den bisherigen und dem neu eintretenden Gesellschafter. Eine GbR kann auch entstehen, wenn sich ein Gesellschafter ohne Kapitalanteil neu in die Gesellschaft einbringt und dafür andere Gesellschafter Träger des Kapitals sind. Dies entschied am 06.04.1987 das OLG Frankfurt, nach dem einer damaligen Gesellschaft fälschlicherweise die Existenz abgesprochen wurde, weil nur ein Gesellschafter Kapitalanteile in das Unternehmen hineingebracht hatte. (Aktenzeichen II ZR 101/86) Diese Rechtsprechung beruft sich besonders auf den gemeinsamen Unternehmenszweck, der trotzdem erfüllt wird.
Die GbR wird von Experten nur für den Start in die eigene Existenz empfohlen, nicht aber für ein langjähriges Unternehmensgerüst. So passiert es häufig, dass die GbR in eine andere Rechtsform wie die GmbH oder die Unternehmergesellschaft (UG) umgewandelt wird. Innerhalb dieses Prozesses sollten Sie ganz besonders auf die Vorgaben des Umwandlungssteuergesetzes achten, um dem Risiko hoher Steuernachzahlungen aus dem Weg zu gehen. Absprachen mit Notar und Anwalt sind hier essenziell.
Da die Rechtslage für Gesellschafter der GbR zwar einfach und schnell zu überblicken ist, ist sie besonders durch die Haftung mit Privatvermögen nicht zu unterschätzen. Gerade den privaten Bereich gilt es zu schützen – deswegen ist zu empfehlen, Rechte gegen Pflichten abzuwägen und die richtige Geschäftsform zu finden. Neben der Möglichkeit, eine GbR gründen zu können, gibt es noch Alternativen, die einem ähnlichen Geschäftsmodell folgen wie z. B. OHG, UG oder GmbH:
Kein erforderliches Mindestkapital
Mindestens zwei natürliche oder juristische Personen
Mindestens ein Gründer (Gesellschafter)
Haftung voll mit Privat- und Gesellschaftsvermögen
Haftung beschränkt auf Gesellschaftsvermögen
Haftung beschränkt auf Gesellschaftsvermögen (nur wenn Zusatz „haftungsbeschränkt“ im Namen enthalten ist)
Gemäß § 121 HGB erhält jeder Gesellschafter 4 % seiner Einlage als Gewinn
Gewinnverteilung nach Anteilen am Stammkapital
Gewinne und Überschüsse müssen als Rücklagen gebildet werden bis GmbH-Stammkapital von 25.000,00 € erreicht ist
Einzelgeschäftsführung aller Gesellschafter (jeder kann alleine handeln)
10. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung zur Gründung einer GbR
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Immer aktuell – letzte Aktualisierung am 30.03.2017