Source: https://www.hausarbeiten.de/document/152373
Timestamp: 2019-08-26 02:32:38
Document Index: 158097088

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§113', '§114', '§ 113', '§ 113', '§ 117', '§ 114', '§ 113']

Sportpädagogische Maßnahmen in der Resozialisierung straffällig ... | Hausarbeiten publizieren
2 Jugend und Freizeit
2.1 Begriff der Jugend nach Schäfers
2.2 Entwicklungen im Jugendalter
3 Jugendkriminalität und gesetzliche Regelungen des Sports im Jugendstrafvollzug
4 Bedeutung des Sports im Jugendstrafvollzug
5 Sport und Behandlung in der Resozialisierung
6 Offener Jugendvollzug Göttingen/Leineberg
6.2 Der Sport- und Freizeitbereich
7 Kritische Stellungnahme und Auswertung des Interviews
Der Sport bewirkt und fördert u.a.: „Kommunikationsfähigkeit, soziale Integration, Kooperationsbereitschaft, Fairness, Selbstbestimmung.“
(Hessische Rahmenrichtlinien „Sport“)
„Chance zur Selbstverwirklichung, Gesundheit und Leistungsfähigkeit.“
(Sportprogramm der SPD)
„Soziale Lebenshilfe, gemeinschaftsbildend in einer auseinanderstrebenden Welt“
(Sportprogramm der CDU)
Sport ist in unserem Land ein Sozialsystem. Das heißt, es vereint soziale Werte, Normen und Rollen und schafft sich eine unverwechselbare Identität und Autonomie. Dabei steht es im fortwährenden Austausch mit anderen sozialen Systemen. Es ist unter sozialen und biologischen Aspekten ein immer wichtiger werdendes Teilsystem unserer Gesellschaft (vgl. Gesellschaftliche Funktionen des Sports 1984, S. 50).
„Es ist bekannt, dass dosiertes, sinnvolles Sporttreiben das Herz- Kreislaufsystem und die Stoffwechselvorgänge mobilisiert, Bewegungsmangel vorbeugt, physiochemische Vorgänge im Körper aktiviert, allgemein formuliert, den Menschen gesünder und leistungsfähiger hält“ (Schröder/Otte 1991, S. 26). Der Sport ist aber nicht nur unter dem medizinischen Aspekt zu betrachten, sondern kann auch sozial-erzieherisch eingesetzt werden, um bestimmte Effekte zu erzielen.
Justizvollzug stellt eine besondere Ausnahmesituation für den jungen Menschen dar. Nirgendswo herrscht so viel Konfliktpotential als in einer solchen Anstalt. Jeder ist in dieser Zwangssituation auf seinen eigenen Vorteil bedacht, um dieses unfreiwillige Zusammenleben zu überstehen (vgl. Tielking et al. 2003, S. 18). Der Jugendliche befindet sich in einer Stresssituation. Jeder geht damit anders um. Es kann zu Auseinandersetzungen und Gewalt kommen. Die jugendlichen Straftäter kommen schon mit einem gewissen aggressiven Potential in die Anstalt. Das soll nicht geschürt, sondern abgebaut werden. Sport kann dort eine helfende Arbeit leisten. Welchen Stellenwert der Sport im Jugendvollzug hat und welche Aufgaben ihm gesetzlich zukommen, ist im Justizvollzugsgesetz geregelt.
In den Siebzigern begann man das erste Mal, Sport in Justizvollzugsanstalten einzuführen. Die JVA Vechta arbeitete damals mit der Deutschen Sportjugend (DSJ) zusammen, um eine sinnvolle Freizeitgestaltung für die jugendlichen Straftäter zu schaffen. Es sind inzwischen fast 40 Jahre vergangen und der Sport ist aus den Justizvollzugsanstalten nicht mehr wegzudenken. Eine sinnvolle Freizeitgestaltung ist der Gedanke damals gewesen, denn die meisten kriminellen Taten entstehen in der Freizeit. Denn gerade bei jungen Straftätern haben Arbeit oder Partnerschaftsbeziehungen nicht den Stellenwert eines Erwachsenen. So ist der Freizeitbereich der zentrale Bereich im Leben eines Heranwachsenden. Hierüber erlebt er Selbstbestätigung und Statuszuweisung (vgl. Sohn 2006, S. 10). Diese freie Zeit gilt es sinnvoll zu füllen. Sport ist eine Möglichkeit. Inwieweit Sport in das Alltagsleben im Vollzug eingreifen und straffälligen Jugendlichen helfen kann, bleibt zu klären.
Sport allein ist nach sozial- und sportwissenschaftlichen Erkenntnissen nicht in der Lage, eine resozialisierende Wirkung zu erzielen. Sport kann einerseits zur Stabilisierung und Strukturierung der Freizeit im Vollzug dienen und andererseits ein therapeutisches Element in der Behandlung darstellen.
In dem Projekt „Sport im Justizvollzug“ mit Herrn Prof. Dr. Schröder bekam ich Anregungen, mich mit dem Thema meiner Hausarbeit zu beschäftigen. Untersuchungsgegenstand soll dabei die Justizvollzugsanstalt Rosdorf/Abteilung Offener Jugendvollzug Göttingen sein. Der Schwerpunkt dieser Arbeit soll sich mit der Fragestellung, wie Sport im Jugendvollzug eingesetzt wird, um positive Effekte in der Resozialisierung zu erreichen, beschäftigen. Dabei soll auch auf die Rolle des Sports, Eignung von Sportarten im Jugendvollzug und Wirkung des Sports auf jugendliche Strafgefangene eingegangen werden.
Für viele Jugendliche hat das Sporttreiben in der Freizeit eine zentrale Bedeutung und gehört wohl den wichtigsten Freizeitaktivitäten. Dabei ist das Sportverständnis der einzelnen Jugendlichen inhaltlich sehr unterschiedlich. Das ist unter anderem davon abhängig, welche Erfahrungen in der Vergangenheit im Sport gemacht worden (vgl. Brettschneider, 1990, S. 97). Sport wird bei den meisten Kindern durch Schulsport eingeführt. Dort gehört der Sportunterricht zu den beliebtesten Fächern. Es bietet sich die Möglichkeit des wettkampforientierten Vereinssports oder des selbstorganisierten Sports. Für andere bleibt aber Sport nur ein Ereignis im Fernsehen oder eine Kommunikationsmöglichkeit im Urlaub (vgl. Brettschneider 1990, S. 102). Sport stellt daher für die Entwicklungsförderung der Heranwachsenden eine wichtige Komponente dar (vgl. Neuber 2007, S. 145). Nur für 17 % der Jugendlichen spielt Sport keine oder eine nebensächliche Rolle (vgl. Baur & Burrmann, 2000, S. 73). Hier wird deutlich, welchen großen Stellenwert der Sport im Leben der Jugendlichen hat. Die Sportlichen Orientierungsmuster sind sehr unterschiedlich. Zum einen kann es ein emotionales Orientierungsmuster sein, welches auf Spaß und subjektives Wohlbefinden ausgerichtet ist und zum anderen um ein eher rational gesteuertes Muster, das auf Körper, Fitness und Gesundheit zentriert ist (vgl. Brettschneider 1990, S. 171).
Ich habe die Definition nach Schäfers gewählt, da sie den Begriff Jugend mehrdimensional betrachtet und deshalb besonders geeignet ist. Bevor man jedoch über Jugend sprechen kann, muss man zunächst die Bedeutung dieses Begriffes, der weder „(...)in der Alltagssprache noch in der Fachsprache der Soziologie, der Psychologie oder der Pädagogik(...)“ (Schäfers 2001, S.17) aus einem Inhalt besteht, klären. Man kann den Begriff anhand von einigen Tatsachen für den Bereich der Soziologie definieren. Zunächst einmal ist Jugend eine Altersphase die jeder Mensch auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen durchlaufen muss. Diese Phase ist durch die Pubertät biologisch vorgegeben, wird aber durch die Gesellschaft „(...)sozial und kulturell ‚überformt’(...)“ (Schäfers 2001, S.17), da in ihr der junge Mensch die Fähigkeiten zum Handeln als Erwachsener erwirbt. Des Weiteren ist Jugend eine, wie ich später noch erläutern werde, gesellschaftliche Teil- beziehungsweise Subkultur, die bestimmte Verhaltensweisen und Einstellungen besitzt (vgl. Schäfers 2001, S.17).
Jedoch kann nicht exakt abgesteckt werden, welchen Zeitraum das Jugendalter einnimmt. Die Jugendzeit vollzieht sich bei jedem Jugendlichen anders, z.B. beginnt die Zeit der Geschlechtsreife bei Jugendlichen unterschiedlich und sie haben heute mehr Möglichkeiten einer Ausbildung und so dauert die Zeit der Jugend heute länger. Das erklärt auch die unterschiedlichen gerichtlichen Entscheidungen bezüglich Jugendstrafrecht und Erwachsenenstrafrecht.
Betrachtet man die Einflüsse, die gerade im Jugendalter auf den Menschen einwirken, wird deutlich, wie vielseitig sie seien können. Auf der einen Seite steht die körperliche Veränderung und auf der anderen Seite die psychische Entwicklung. Beides geht aber meist nicht äquivalent einher. Phänotypisch ein Erwachsener, sind oft kognitive und soziale Entwicklungsstände noch auf dem Level eines Kindes (vgl. Oerter, S. 264). Das führt zu Problemen und Fehleinschätzungen der Gesellschaft. Es ist völlig individuell determiniert, wie Jugendliche die in ihrer jeweiligen Gesellschaft an sie herangetragenen sozialen Rollen, Vorbilder erfüllen und damit verbundene Aufgaben verarbeiten. Einerseits sollen sie schulische und berufliche Qualifikationen erwerben, um in Zukunft ein selbstorganisiertes und sinnvoll strukturiertes Leben führen zu können, andererseits sollen sie gleichzeitig die anerkannten gesellschaftlichen Werte und Normen übernehmen. Eine kritische Zeit kann beispielsweise der Übergangsprozess von der Schule in den Beruf sein. Dabei liegen Arbeitsmarktchancen, auch bei größten Bemühungen des Jugendlichen, oft nicht in dessen Gestaltungsbereich. Resultat ist meist Hilflosigkeit. Jugendliche sind mit den hohen Erwartungen überfordert und es entsteht Stress (vgl. Mansel, S. 49). Kann das soziale Gefüge des Jugendlichen ihm dann keinen Halt und Unterstützung in der Situation bieten, können sich für den Jugendlichen Probleme ergeben, die oft Auslöser sein können, um Straftaten zu begehen.
Jugendkriminalität liegt dann vor, wenn ein Jugendlicher oder Heranwachsender eine Verfehlung begeht, die nach den allgemeinen Vorschriften mit Strafe bedroht ist (JGG). Der Gesetzgeber versteht unter Jugendlichen Personen, die zum Zeitpunkt der Tat vierzehn, aber noch nicht achtzehn und unter Heranwachsenden Personen, die zur Zeit der Tat achtzehn, aber noch nicht einundzwanzig Jahre alt ist (§ 1 JGG). Ich möchte in folgendem Absatz nicht auf alle gesetzlichen Grundlagen des Vollzugs der Jugendstrafe eingehen, sondern nur solche heraussuchen, die ich als wichtig für meine Arbeit erachte.
§113 Vollzugsziele
Im Vollzug der Jugendstrafe sollen die Gefangenen vor allem fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen. Der Vollzug der Jugendstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten.
§114 Gestaltung und Mitwirkung
(1) Der Vollzug ist erzieherisch zu gestalten. Zur Erreichung des Vollzugszieles nach § 113 Satz 1 ist die oder der Gefangene in der Entwicklung von Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie der Bereitschaft zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Lebensführung in Achtung der Rechte anderer zu fördern. Die Förderung der oder des Gefangenen ist insbesondere auf soziales Lernen und die Ausbildung von Fähigkeiten und Kenntnissen, die einer künftigen beruflichen Integration dienen, auszurichten. Auf die besonderen altersbedingten Bedürfnisse und Empfindlichkeiten der oder des Gefangenen ist Rücksicht zu nehmen.
(2) Die oder der Gefangene ist verpflichtet, an der Erreichung des Vollzugszieles nach § 113 Satz 1 mitzuwirken und die ihr oder ihm zu diesem Zweck erteilten rechtmäßigen Anordnungen der Vollzugsbehörde zu befolgen.
(3) Die Rechte der Personensorgeberechtigten sind bei der Planung und Gestaltung des Vollzuges zu berücksichtigen. Die Vollstreckungsleiterin oder der Vollstreckungsleiter ist über die wesentlichen vollzuglichen Entscheidungen zu unterrichten.
§ 117 Erziehungs- und Förderplan
(1) Für die oder den Gefangenen ist ein Erziehungs- und Förderplan unter besonderer Berücksichtigung der Gestaltungsgrundsätze nach § 114 zu erstellen. Der Erziehungs- und Förderplan enthält mindestens Angaben über folgende Maßnahmen:
2. die Verlegung in eine sozialtherapeutische Anstalt oder Abteilung,
3. die Zuweisung zu Wohn- und anderen Gruppen, die der Erreichung des Vollzugszieles nach § 113 Satz 1 dienen,
V152373
9783640645084
9783640645251
Sportpädagogische Maßnahmen Resozialisierung Jugendlicher Beispiel Jugendanstalt Rosdorf
Tobias Isenhuth (Autor), 2009, Sportpädagogische Maßnahmen in der Resozialisierung straffällig gewordener Jugendlicher am Beispiel der Jugendanstalt Rosdorf, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/152373
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