Source: https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/eugh-c532-18-haftung-fluglinie-unfall-kaffee-flugspezifisches-risiko/
Timestamp: 2020-05-30 17:51:48
Document Index: 94778189

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

EuGH: Airline haftet für Kaffee-Unfall
EuGH: Air­line haftet für Kaffee-Unfall
Flugreisende haben nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) bei Verbrühungen durch im Flugzeug umgekippten heißen Kaffee Anspruch auf Entschädigung. Airlines haften, wenn Passagiere einen Schaden nicht selbst verursacht haben, befanden die Luxemburger Richter am Donnerstag (Urt. v. 19.12.2019, Az. C-532/18). Dabei sei es nicht erforderlich, dass eingetretene Unfälle mit einem "flugspezifischen Risiko" zusammenhängen.
Die Airline berief sich auf das Übereinkommen von Montreal, das die Haftung von Fluglinien bei Unfällen regelt, um zu begründen, warum sie nicht für den Vorfall hafte. Der Kaffee-Zwischenfall sei nämlich kein "Unfall" im Sinne des Übereinkommens. Der Begriff des Unfalls erfordere, dass sich ein flugspezifisches Risiko realisiere, woran es bei diesem Vorfall gefehlt habe. Tatsächlich konnte nicht festgestellt werden, ob der Kaffeebecher etwa wegen eines Defekts des ausklappbaren Abstellbretts oder zum Beispiel durch ein Vibrieren des Flugzeugs kippte.
Der EuGH folgte der Argumentation der Fluggesellschaft jedoch nicht. Der Begriff des Unfalls erfasse jeden an Bord eines Flugzeugs vorfallenden Sachverhalt, in dem ein bei der Fluggastbetreuung eingesetzter Gegenstand eine körperliche Verletzung eines Reisenden verursache. Ob der Sachverhalt auf ein luftfahrtspezifisches Risiko zurückgehe, muss nach Auffassung des EuGH dagegen schon gar nicht ermittelt werden. Das Gericht folgte damit den Schlussanträgen des Generalanwalts.
EuGH: Airline haftet für Kaffee-Unfall . In: Legal Tribune Online, 19.12.2019 , https://www.lto.de/persistent/a_id/39321/ (abgerufen am: 30.05.2020 )