Source: https://www.gew-nrw.de/ausbildung.html
Timestamp: 2019-07-18 03:30:30
Document Index: 274864174

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 11', '§ 11', '§10', '§ 10', '§ 10', '§13', '§ 13', '§ 13', '§ 16', '§ 10', '§11']

Ausbildung - GEW NRW
Die Ausbildung im Vorbereitungsdienst dauert 18 Monate. Sie findet i.d.R. in zwei Fächern der Masterprüfung oder der Ersten Staatsprüfung statt. Die Gesamtverantwortung für die Ausbildung wird gem. § 9 von der Leitung des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) getragen, die Verantwortung für die lehramtsbezogene Ausbildung tragen die Seminarleiter*innen. Die Schulleitung der Ausbildungsschule ist für den Unterricht der Lehramtsanwärter*innen (LAA) verantwortlich (ebd.). Diese Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten sind für die Ausbildung, v.a. dann, wenn es Probleme gibt, bedeutsam. ZfsL- und Schulleitung sollen im Interesse der Ausbildung zusammenarbeiten (ebd.). Das Interesse an einer qualifizierten und reibungslosen Ausbildung der LAA ist für die GEW oberste Prämisse.
Die schulpraktische Ausbildung findet an Schulen auf der Grundlage des gemeinsamen → Kerncurriculums statt. Die Ausbildung umfasst gem. § 11 (1) OVP Hospitationen und → Ausbildungsunterricht. Sie erstreckt sich auf alle Handlungsfelder des Lehrberufs, die im Kerncurriculum ausgeführt werden. Im Benehmen mit der Seminarleitung setzt die Schulleitung die Lehramtsanwärter*innen (LAA) im selbstständigen Unterricht ein. Dabei gibt die OVP (ebd.) vor, dass die Belange der Ausbildung und die Wünsche und Ausbildungsinteressen der LAA angemessen zu berücksichtigen sind. Nutze diese Einflussnahme!
Für die Unterrichtsbesuche müssen die Termine mit den Ausbilder*innen abgestimmt werden. Rechtzeitige Planung ist ratsam. In beiden Fächern sind insgesamt zehn Unterrichtsbesuche zu absolvieren, für die jeweils eine kurze schriftliche Planung vorgelegt werden muss. „Ein Unterrichtsbesuch bezieht in besonderer Weise Fragen der Medienkompetenz und des lernfördernden Einsatzes von modernen Informations- und Kommunikationstechniken ein.“ (§ 11(3) OVP)
Ausbildung am ZfsL
Für die Ausbildung am ZfsL stehen durchschnittlich sieben Stunden zur Verfügung, für die Ausbildungsveranstaltungen dort ist wöchentlich ein Tag reserviert. Lehramtsanwärter*innen (LAA) sind zur Teilnahme an den Ausbildungsveranstaltungen verpflichtet (§10 (1-3)). Die OVP macht auch Vorgaben zur Größe der Ausbildungsgruppen: „An den überfachlichen Ausbildungsgruppen eines Seminars nehmen in der Regel 20, im Durchschnitt des Seminars mindestens 15 Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter teil.“ (§ 10(3) OVP) Verpflichtender Bestandteil der Ausbildung ist die → personenorientierte Beratung (§ 10(4) OVP).
Zu den Aufgaben von Ausbildungsbeauftragten gehören laut OVP (§13) „die Unterstützung der Kooperation zwischen Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und Schulen“ und „die ergänzende Beratung und Unterstützung der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter“. Damit sind sie die wichtigsten Ansprechpartner*innen für die Lehramtsanwärter*innen (LAA) im Kollegium der Schule. Weitere Aufgaben der Ausbildungsbeauftragten, die von der Schulleitung im Benehmen mit der Schulkonferenz bestimmt werden (§ 13(1) OVP), sind „die Koordination von Lehrerausbildung innerhalb der Schulen“ (also nicht nur der Referendarausbildung, sondern der Ausbildung insgesamt, also z.B. auch des Praxissemesters) sowie „die Beratung der Schulleitungen“, die beide eher zu den erweiterten Schulleitungsaufgaben gehören. Das zeigt sich insbesondere bei der Beurteilung der LAA, denn Ausbildungsbeauftragte haben maßgeblichen Einfluss auf die Abschlussnote der Schulleitung: „Die Schulleiterin oder der Schulleiter soll vor abschließender Erstellung der Langzeitbeurteilung der oder dem Ausbildungsbeauftragten Gelegenheit zur Stellungnahme zum vorgesehenen Gesamtergebnis geben.“ (§ 13(2) OVP) Ausbildungsbeauftragte sollen regelmäßig selbst als → Ausbildungslehrer*innen tätig werden und an den Eingangs- und Perspektivgesprächen an ihrer Schule teilnehmen.
Ausbildungslehrer*innen
... werden manchmal auch Mentor*in genannt. Es sind diejenigen Lehrer*innen an der Ausbildungsschule, bei denen du zunächst hospitierst und anschließend auch selbst unterrichtest. Sie sind damit die wichtigsten kollegialen Unterstützer*innen im angeleiteten Ausbildungsunterricht. Versuche auf die konkrete Auswahl dieser Person Einfluss zu nehmen, indem du sie dir selbstständig aussuchst und dein Interesse vorbringst. Die Ausbildungslehrer*innen müssen ein Gutachten am Maßstab der „Standards“ der Ausbildung (Kompetenzen und Standards) erstellen, das in die Abschlussbeurteilung der Schulleitung (Langzeitbeurteilung, § 16 OVP) einfließt, aber nach wie vor (im Gegensatz zu den Beurteilungsbeiträgen der Fachleiter*innen) keine Note enthält. Zu jedem Gutachten (→ Beurteilungsbeitrag) hast du das Recht, dich schriftlich zu äußern (→ Widerspruch/Gegenäußerung).
Ausbildungsunterricht im Verständnis der OVP ist das schulpraktische Übungsfeld für Lehramtsanwärter*innen (LAA), das zunächst von den Ausbildungslehrer*innen verantwortet wird. Aber auch der von LAA allein verantwortete Bedarfsdeckende Unterricht (BdU) ist Ausbildungsunterricht. Der Gesamtumfang des Ausbildungsunterrichts beträgt 14 Stunden pro Woche, eine immense Belastung für die LAA. Im 18-monatigen Vorbereitungsdienst ist der Umfang des BdU bei jeweils 9 Stunden pro Schulhalbjahr gleich geblieben. Diese sind in den 14 Stunden Ausbildungsunterricht enthalten.
Mit der reformierten Lehrer*innenausbildung in NRW gibt es ein gemeinsames verbindliches und strukturierendes Kerncurriculum für die ZfsL und Ausbildungsschulen. Es verfolgt die Ziele: landesweite Vergleichbarkeit der Ausbildung, Verzahnung der Ausbildungsbereiche (fachliche und überfachliche Ausbildung sowie Ausbildungsschule), Gewährleistung nachhaltiger Ausbildungsqualität und Transparenz für die LAA. Es erstreckt sich über Handlungsfelder und konkretisiert diese durch praxisrelevante Handlungssituationen, von denen es heißt: „LAA haben gegenüber Schule und ZfsL den Anspruch, in allen Handlungssituationen ausgebildet zu werden.“ Dazu werden im Kerncurriculum die Handlungssituationen exemplarisch durch „Erschließungsfragen“ bearbeitet, die in der Ausbildung dann durch deine Fragen als LAA modifiziert, ergänzt, ersetzt werden sollen. Denen folgen die dazu gehörenden Ausbildungsinhalte („Inhaltliche Bezüge“) sowie die entsprechenden Kompetenzen und Standards. Damit soll dem Anspruch der individuellen Professionalisierung der LAA entsprochen werden.
Kompetenzen und Standards für die Ausbildung
Als Anlage 1 sind die „Kompetenzen und Standards für die Ausbildung im Vorbereitungsdienst und die Staatsprüfung“ obligatorischer Teil der OVP und definieren damit maßgeblich die Inhalte der Ausbildung in Schule und Seminar bis hin zur Prüfung. Sie korrespondieren mit dem verbindlichen Kerncurriculum, das die Ausbildung im Vorbereitungsdienst „konturiert und strukturiert“. Gemäß der OVP-Anlage konkretisiert sich der Erziehungs- und Bildungsauftrag der Lehrer*innen in sechs Handlungsfeldern, in denen elf professionelle Handlungskompetenzen (analog KMK-Beschluss v. 12.6.2014) erworben werden können. Besonders herausgestellt wird das Handlungsfeld „Vielfalt als Herausforderung annehmen und als Chance nutzen“, das als richtungsweisend für das Lehrer*innenhandeln definiert wird. Die „Kompetenzen und Standards“ prägen nicht nur das Ausbildungsprogramm von ZfsL und Schulen, sondern bieten auch vielfältige Chancen für kollektive Diskussionen im Seminar und darüber hinaus auch für eine selbstständige Reflexion der eigenen Ausbildung und der weiteren Entwicklung von Professionalität und individueller Persönlichkeit als Lehrer*in.
Den Seminarveranstaltungen wird durch die OVP (§ 10 (2)) wöchentlich ein Tag zur Verfügung gestellt. Die GEW NRW befürwortet den Seminartag z. B. wegen Austauschmöglichkeiten und Kooperation der Lehramtsanwärter*innen (LAA), sowie vermindertem Zeit- und Organisationsaufwand bei den LAA für die Ausbildung am Seminar.
Unterrichtsbesuche dienen sowohl der Anleitung, Beratung, Unterstützung als auch der Benotung durch die Ausbilder*innen. Benotet werden Unterrichtsbesuche nur durch die Fachleiter*innen, nicht durch die überfachlichen Ausbilder*innen. Die beiden Funktionen „Beratung“ und „Benotung“ sind nicht oder nur schwer zu trennen, und so wird eigentlich jeder Besuch in die Benotung der Fachleitung eingehen, egal, ob er als Beratungs- oder Benotungsbesuch tituliert worden ist. Lehrproben werden für viele Lehramtsanwärter*innen (LAA) sinnvoller, wenn es ermöglicht wird, andere LAA daran teilnehmen zu lassen und auch in der Nachbesprechung mit dieser Runde zu diskutieren. So lernen alle davon. Das Hinzuziehen von Ausbildungslehrer*innen ist in der Regel äußerst sinnvoll, denn nur sie kennen die Klasse gut genug, um etwas über das Umfeld der Unterrichtsstunde zu sagen. Es ist möglich, dass Ausbilder*innen zusammen eine Lehrprobe durchführen. Dies führt zu einer terminlichen Entlastung beider Seiten und ist in der Nachbesprechung häufig aufschlussreicher als die Sicht einer Einzelperson. „In den beiden Fächern finden, auch im Rahmen des selbstständigen Unterrichts, in der Regel insgesamt zehn Unterrichtsbesuche statt, zu denen die Lehramtsanwärterin oder der Lehramtsanwärter eine kurzgefasste Planung vorzulegen hat.“ „Die Seminarausbilderinnen und Seminarausbilder legen im Benehmen mit der Lehramtsanwärterin oder dem Lehramtsanwärter die Termine für die Besuche fest.“ (OVP §11(3)) Das heißt, sie werden nicht einseitig von den Ausbilder*innen festgelegt. Dasselbe gilt auch für Unterrichtsbesuche bei Seminarausbilder*innen und LAA-Kolleg*innen, beides sinnvolle und bewährte Elemente der Ausbildung. Ohnehin gilt: Plane deine Unterrichtsbesuche nach deinen Vorstellungen und Bedürfnissen und besprich das rechtzeitig mit deinen Ausbilder*innen. Verteile außerdem deine Unterrichtsbesuche frühzeitig (in Absprache mit den Ausbilder*innen) auf den in Frage kommenden Zeitraum, dann kommst du zur Prüfungszeit nicht unnötig in Stress.