Source: https://www.mietrechtsinfo.de/2005/04/bgh-mietspiegel-spanneneinordnung-orientierungshilfe-vs-gutachten/
Timestamp: 2018-07-18 14:09:09
Document Index: 259947738

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 287', 'BGH']

mietrechtsinfo.de / BGH – Mietspiegel, Spanneneinordnung, Orientierungshilfe vs. Gutachten
Sach­ver­halt: Der Ver­mie­ter ver­lang­te Zu­stim­mung zu ei­ner Miet­er­hö­hung im Be­reich der obe­ren Span­ne des Miet­spie­gels. Amts­ge­richt und Land­ge­richt wa­ren je­doch der Auf­fas­sung, dass bei An­wen­dung der Ori­en­tie­rungs­hil­fe zur Span­nen­ein­ord­nung (hier: zum Ber­li­ner Miet­spie­gel 2003) zwar das Er­hö­hungs­ver­lan­gen for­mell wirk­sam, je­doch un­be­grün­det sei. Hier­ge­gen wand­te sich er­folg­los die Re­vi­si­on des Ver­mie­ters.
Pro­blem­la­ge: Die so­ge­nann­te Ori­en­tie­rungs­hil­fe zur Span­nen­ein­ord­nung ist nicht Be­stand­teil des qua­li­fi­zier­ten Miet­spie­gels. Der BGH hat in äl­te­ren Ent­schei­dun­gen fest­ge­stellt, dass da­her ein Miet­zins in­ner­halb der Span­ne ei­nes qua­li­fi­zier­ten Miet­spie­gels je­den­falls durch Be­zug­nah­me auf den Miet­spie­gel in for­me­ller Hin­sicht aus­rei­chend be­grün­det ist.
Of­fen war noch, ob und wenn ja in wel­cher Wei­se die Ori­en­tie­rungs­hil­fe zur Span­nen­ein­ord­nung an­ge­wen­det wer­den kann. Der BGH stellt nun – wie schon zu­vor die Be­ru­fungs­kam­mern des LG Ber­lin – klar, dass bei der Be­grün­det­heits­prü­fung ein „punkt­ge­nau­er Wert“ für die orts­üb­li­che Ver­gleichs­mie­te fest­zu­stel­len ist. Dies kann durch Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ge­sche­hen. Zweck­mä­ßi­ger er­scheint dem BGH je­den­falls aber bei ei­nem nach wis­sen­schaft­li­chen Grund­sät­zen auf­ge­stell­ten Miet­spie­gel wie hier die Ver­wer­tung der Ori­en­tie­rungs­hil­fe zur Span­nen­ein­ord­nung. Die­se ist da­bei Grund­la­ge der durch § 287 ZPO zu­ge­las­se­nen rich­ter­li­chen Schät­zung.
Dies be­deu­tet im Er­geb­nis, dass die Ge­rich­te ge­hal­ten sind, die Ori­en­tie­rungs­hil­fe zur Span­nen­ein­ord­nung auch zu ver­wen­den. Die Ver­wen­dung muss je­doch – da es sich um ei­ne rich­ter­li­che Schät­zung han­delt – nicht „skla­visch“ er­fol­gen. Es reicht aus, wenn die Merk­ma­le ver­wen­det wer­den, um im Er­geb­nis ei­nen nach­voll­zieh­bar be­grün­de­ten und punkt­ge­nau­en Wert in­ner­halb der Span­ne des nach wis­sen­schaft­li­chen Grund­sät­zen er­stell­ten Miet­spie­gels zu fin­den.
Dieser Beitrag (permalink) wurde geschrieben am 20. April 2005 um 16:21 Uhr von Alexander Ziemann und gespeichert unter Mieterhöhung.
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