Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767?p=1286
Timestamp: 2019-02-19 13:16:43
Document Index: 260938332

Matched Legal Cases: ['§ 4164', '§ 4164', '§ 3418', '§ 4119', '§ 4164', '§ 3418', '§ 4119', '§ 4164']

halter-gelt.
Wenn nämlich der abkäufer, z. e. wegen vihes,
sich ausbedinget: daß es der verkäufer unterhal-
vom halfter
oder strickgelte
und weinkaufe.
Bei verkaufung des vihes, insonderheit der
pferde, ist es gebräuchlich: daß, wenn schon nichts
ausgedrucket ist, dem Knechte wegen eines pferdes
das halftergelt gezalet werden müsse, z. e. ein gul-
den etc. Denn der käufer bekömmt eine halfter mit,
um das pferd füren zu können; dergleichen ist es
auch bei kühen; doch kan er die kette nicht begeren;
sondern ein strick ist gut (§ 4164 des 2ten th.). Je-
weilen gibet es jochgelt. Ausgemästete ochsen
werden gejochet, und allso fortgefüret, z. e. die
mezger in Bonn kaufen fette ochsen zum Hermann-
steine bei Wezlar. Hirvon ist der weinkauf un-
terschiden. Die Riedesel zu Eisenbach fordern bei
den käufen, und verkäufen den zehnten pfennig, als
weinkaufsgelt von unbeweglichen gütern, zu Lau-
terdach (4426 fgg. des 2ten th.). Jm Fuldai-
schen wird das handlon (der ehrschaz) bei erbver-
teilungen, weinkaufsgelt genennet, welches auch
im Riedeselischen erleget werden muß. Jm Wal-
deckischen erheben die von Dalwigk zum Lichten-
feise etc. das sogenannte winnegelt, von den leihen.
Vom worte: winn sihe den Haltaus sp. 2119.
Der herrn-weinkauf, das leihegelt etc. sind guts
herrliche abgiften, weil dem bauer kein erbrecht
gebüret; sondern dasselbe von der gnade, und gü-
tigkeit des herrn abhänget: ihm die folge angedei-
en zu lassen. Die verwirrung, welche bei den
gerichten dißfalls obwaltet, ist aus der römischen
lehre vom laudemio entstanden, da nämlich 2 vom
100 bei der emphyteusi gegeben werden sollen.
Bei den Sachsen ist daher auch die lehnwaare gar
Wenn naͤmlich der abkaͤufer, z. e. wegen vihes,
ſich ausbedinget: daß es der verkaͤufer unterhal-
oder ſtrickgelte
Bei verkaufung des vihes, inſonderheit der
pferde, iſt es gebraͤuchlich: daß, wenn ſchon nichts
ausgedrucket iſt, dem Knechte wegen eines pferdes
das halftergelt gezalet werden muͤſſe, z. e. ein gul-
den ꝛc. Denn der kaͤufer bekoͤmmt eine halfter mit,
um das pferd fuͤren zu koͤnnen; dergleichen iſt es
auch bei kuͤhen; doch kan er die kette nicht begeren;
ſondern ein ſtrick iſt gut (§ 4164 des 2ten th.). Je-
weilen gibet es jochgelt. Ausgemaͤſtete ochſen
werden gejochet, und allſo fortgefuͤret, z. e. die
mezger in Bonn kaufen fette ochſen zum Hermann-
ſteine bei Wezlar. Hirvon iſt der weinkauf un-
terſchiden. Die Riedeſel zu Eiſenbach fordern bei
den kaͤufen, und verkaͤufen den zehnten pfennig, als
weinkaufsgelt von unbeweglichen guͤtern, zu Lau-
ſchen wird das handlon (der ehrſchaz) bei erbver-
im Riedeſeliſchen erleget werden muß. Jm Wal-
deckiſchen erheben die von Dalwigk zum Lichten-
feiſe ꝛc. das ſogenannte winnegelt, von den leihen.
Vom worte: winn ſihe den Haltaus ſp. 2119.
Der herrn-weinkauf, das leihegelt ꝛc. ſind guts
gebuͤret; ſondern daſſelbe von der gnade, und guͤ-
tigkeit des herrn abhaͤnget: ihm die folge angedei-
en zu laſſen. Die verwirrung, welche bei den
gerichten dißfalls obwaltet, iſt aus der roͤmiſchen
lehre vom laudemio entſtanden, da naͤmlich 2 vom
100 bei der emphyteuſi gegeben werden ſollen.
Bei den Sachſen iſt daher auch die lehnwaare gar
<pb facs="#f1286" n="1262"/>
<fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">III</hi> buch, <hi rendition="#aq">LIV</hi> haubt&#x017F;tu&#x0364;ck,</hi> </fw><lb/>
<head>§ 3418</head><lb/>
<note place="left">halter-gelt.</note>
<p>Wenn na&#x0364;mlich der abka&#x0364;ufer, z. e. wegen vihes,<lb/>
&#x017F;ich ausbedinget: daß es der verka&#x0364;ufer unterhal-<lb/>
<head>§ 4119</head><lb/>
<note place="left">vom halfter<lb/>
oder &#x017F;trickgelte<lb/>
und weinkaufe.</note>
<p>Bei verkaufung des vihes, in&#x017F;onderheit der<lb/>
pferde, i&#x017F;t es gebra&#x0364;uchlich: daß, wenn &#x017F;chon nichts<lb/>
ausgedrucket i&#x017F;t, dem Knechte wegen eines pferdes<lb/>
das halftergelt gezalet werden mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e, z. e. ein gul-<lb/>
den &#xA75B;c. Denn der ka&#x0364;ufer beko&#x0364;mmt eine halfter mit,<lb/>
um das pferd fu&#x0364;ren zu ko&#x0364;nnen; dergleichen i&#x017F;t es<lb/>
auch bei ku&#x0364;hen; doch kan er die kette nicht begeren;<lb/>
&#x017F;ondern ein &#x017F;trick i&#x017F;t gut (§ 4164 des 2ten th.). Je-<lb/>
weilen gibet es jochgelt. Ausgema&#x0364;&#x017F;tete och&#x017F;en<lb/>
werden gejochet, und all&#x017F;o fortgefu&#x0364;ret, z. e. die<lb/>
mezger in Bonn kaufen fette och&#x017F;en zum Hermann-<lb/>
&#x017F;teine bei Wezlar. Hirvon i&#x017F;t der weinkauf un-<lb/>
ter&#x017F;chiden. Die Riede&#x017F;el zu Ei&#x017F;enbach fordern bei<lb/>
den ka&#x0364;ufen, und verka&#x0364;ufen den zehnten pfennig, als<lb/>
weinkaufsgelt von unbeweglichen gu&#x0364;tern, zu Lau-<lb/>
terdach (4426 fgg. des 2ten th.). Jm Fuldai-<lb/>
&#x017F;chen wird das handlon (der ehr&#x017F;chaz) bei erbver-<lb/>
teilungen, weinkaufsgelt genennet, welches auch<lb/>
im Riede&#x017F;eli&#x017F;chen erleget werden muß. Jm Wal-<lb/>
decki&#x017F;chen erheben die von Dalwigk zum Lichten-<lb/>
fei&#x017F;e &#xA75B;c. das &#x017F;ogenannte winnegelt, von den leihen.<lb/>
Vom worte: <hi rendition="#fr">winn</hi> &#x017F;ihe den <hi rendition="#fr">Haltaus</hi> &#x017F;p. 2119.<lb/>
Der herrn-weinkauf, das leihegelt &#xA75B;c. &#x017F;ind guts<lb/>
herrliche abgiften, weil dem bauer kein erbrecht<lb/>
gebu&#x0364;ret; &#x017F;ondern da&#x017F;&#x017F;elbe von der gnade, und gu&#x0364;-<lb/>
tigkeit des herrn abha&#x0364;nget: ihm die folge angedei-<lb/>
en zu la&#x017F;&#x017F;en. Die verwirrung, welche bei den<lb/>
gerichten dißfalls obwaltet, i&#x017F;t aus der ro&#x0364;mi&#x017F;chen<lb/>
lehre vom laudemio ent&#x017F;tanden, da na&#x0364;mlich 2 vom<lb/>
100 bei der emphyteu&#x017F;i gegeben werden &#x017F;ollen.<lb/>
Bei den Sach&#x017F;en i&#x017F;t daher auch die lehnwaare gar<lb/>
[1262/1286] III buch, LIV haubtſtuͤck, § 3418 Wenn naͤmlich der abkaͤufer, z. e. wegen vihes, ſich ausbedinget: daß es der verkaͤufer unterhal- ten ſolle. § 4119 Bei verkaufung des vihes, inſonderheit der pferde, iſt es gebraͤuchlich: daß, wenn ſchon nichts ausgedrucket iſt, dem Knechte wegen eines pferdes das halftergelt gezalet werden muͤſſe, z. e. ein gul- den ꝛc. Denn der kaͤufer bekoͤmmt eine halfter mit, um das pferd fuͤren zu koͤnnen; dergleichen iſt es auch bei kuͤhen; doch kan er die kette nicht begeren; ſondern ein ſtrick iſt gut (§ 4164 des 2ten th.). Je- weilen gibet es jochgelt. Ausgemaͤſtete ochſen werden gejochet, und allſo fortgefuͤret, z. e. die mezger in Bonn kaufen fette ochſen zum Hermann- ſteine bei Wezlar. Hirvon iſt der weinkauf un- terſchiden. Die Riedeſel zu Eiſenbach fordern bei den kaͤufen, und verkaͤufen den zehnten pfennig, als weinkaufsgelt von unbeweglichen guͤtern, zu Lau- terdach (4426 fgg. des 2ten th.). Jm Fuldai- ſchen wird das handlon (der ehrſchaz) bei erbver- teilungen, weinkaufsgelt genennet, welches auch im Riedeſeliſchen erleget werden muß. Jm Wal- deckiſchen erheben die von Dalwigk zum Lichten- feiſe ꝛc. das ſogenannte winnegelt, von den leihen. Vom worte: winn ſihe den Haltaus ſp. 2119. Der herrn-weinkauf, das leihegelt ꝛc. ſind guts herrliche abgiften, weil dem bauer kein erbrecht gebuͤret; ſondern daſſelbe von der gnade, und guͤ- tigkeit des herrn abhaͤnget: ihm die folge angedei- en zu laſſen. Die verwirrung, welche bei den gerichten dißfalls obwaltet, iſt aus der roͤmiſchen lehre vom laudemio entſtanden, da naͤmlich 2 vom 100 bei der emphyteuſi gegeben werden ſollen. Bei den Sachſen iſt daher auch die lehnwaare gar ſehr
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/1286
Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 1262. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/1286>, abgerufen am 19.02.2019.