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Timestamp: 2018-07-21 23:23:46
Document Index: 333719724

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 260', '§ 279', 'Art. 133', 'Art. 133', '§ 25', '§ 4', '§ 13', '§ 12', 'Art. 76', 'Art. 79', 'Art. 10', 'Art. 73', 'Art. 10', 'Art. 73', 'Art. 74', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 3', '§ 15', '§ 260', '§ 260', '§ 262', '§ 278', '§ 245', '§ 260', '§ 260', '§ 288', '§ 9', '§ 85', '§ 113', '§ 299', '§ 299', '§ 243', '§ 293', '§ 303', '§ 308', '§ 113', '§ 243', '§ 299', '§ 303', '§ 303', '§ 207', '§ 304', '§ 303', 'Art. 132', '§ 243', '§ 279', '§ 85', '§ 10', '§ 11', '§ 11', '§ 13', '§ 85', 'Art. 75', 'Art. 68', '§ 4', '§ 53', 'Art. 10', 'Art. 68', 'Art. 10', 'Art. 68', 'Art. 73', 'Art. 10', 'EuG', 'EuG', 'Art. 76', 'Art. 76', 'EuG', 'Art. 68', '§ 53', '§ 166', '§ 115', 'Art. 76']

Ein als "Berufung" bezeichnetes Anbringen kann als Wiederaufnahmeantrag zu deuten sein - Findok Internet
Bescheidbeschwerde – Einzel – Beschluss des BFG vom 09.02.2016, RV/7104302/2015
Ein als "Berufung" bezeichnetes Anbringen kann als Wiederaufnahmeantrag zu deuten sein
RV/7104302/2015-RS2 Permalink
Hier: Als "Berufung" bezeichneter Wiederaufnahmeantrag.
RV/7104302/2015-RS3 Permalink
RV/7104302/2015-RS1 Permalink
wie RV/7102796/2014-RS1 (Hier: Als "Berufung" bezeichneter Wiederaufnahmeantrag.)
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter Dr. Rudolf Wanke in der Beschwerdesache Piotr Z******, *****Adresse*****, hinsichtlich des als "Berufung" bezeichneten Anbringens vom 28. 10. 2014, beim Finanzamt eingelangt am 31. 10. 2014, dort als Eingang verbucht am 4. 11. 2014, betreffend die als Differenzzahlungsbescheid oder als Ausgleichszahlungsbescheid bezeichneten Bescheide
des Finanzamtes Wien 8/16/17 vom 21. 12. 2010 betreffend "Differenzzahlung nach der Verordnung (bis 30. April 2010 Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 und Durchführungsverordnung (EWG) Nr. 574/72, ab 1. Mai 2010 Verordnung (EG) Nr. 883/2004 und Durchführungsverordnung (EG) Nr. 987/2009) inkl. Kinderabsetzbetrag" in Höhe von 6.419,65 € für den Zeitraum Jänner 2010 bis Dezember 2010
des Finanzamtes Wien 8/16/17 vom 11. 1. 2012 betreffend "Ausgleichszahlung gemäß § 4 Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376, inkl. Kinderabsetzbetrag" in Höhe von 6.392,21 € für den Zeitraum Jänner 2011 bis Dezember 2011 und
des Finanzamtes Wien 12/13/14 Purkersdorf vom 26. 4. 2013 betreffend "Ausgleichszahlung nach der Verordnung (bis 30. April 2010 Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 und Durchführungsverordnung (EWG) Nr. 574/72, ab 1. Mai 2010 Verordnung (EG) Nr. 883/2004 und Durchführungsverordnung (EG) Nr. 987/2009) inkl. Kinderabsetzbetrag" in Höhe von 6.353,36 € für den Zeitraum Jänner 2012 bis Dezember 2012,
sowie betreffend
offenbar die Leistung einer Ausgleichszahlung für den Zeitraum Jänner 2013 bis Dezember 2013 ohne bescheidmäßigen Abspruch,
alle zur Sozialversicherungsnummer 4*****, infolge Beschwerdevorlage durch das Finanzamt Wien 12/13/14 Purkersdorf, 1030 Wien, Marxergasse 4, vom 21. 8. 2015 den Beschluss gefasst:
I. Die Beschwerdevorentscheidung vom 12. 11. 2014, mit welcher eine Beschwerde des Piotr Z****** "vom 31. 10. 2014" gegen die Ausgleichszahlungsbescheide für die Kalenderjahre 2010, 2011 und 2012 gemäß § 260 BAO zurückgewiesen wird, wird gemäß § 279 BAO - ersatzlos - aufgehoben.
II. Das Beschwerdeverfahren betreffend eine Beschwerde des Piotr Z****** vom 12. 11. 2014 gegen Ausgleichszahlungsbescheide für die Kalenderjahre 2010, 2011 und 2012 wird eingestellt.
III. Gegen diesen Beschluss ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG und Art. 133 Abs. 9 B-VG i. V. m. § 25a VwGG eine Revision nicht zulässig.
Mit Bericht vom 21. 8. 2015 legte das Finanzamt Wien 12/13/14 Purkersdorf dem Bundesfinanzgericht eine Beschwerde des Piotr Z****** "vom 13.07.2015" gegen folgende Bescheide zur Entscheidung vor
Familienbeihilfe (Jahr: 2010) (Jahr: 2010) 21.12.2010
Familienbeihilfe (Jahr: 2011) (Jahr: 2011) 11.01.2012
Familienbeihilfe (Jahr: 2012) (Jahr: 2012) 26.04.2013
und führte hierzu unter anderem aus:
Der Beschwerdeführer (Bf.) hat für die Kalenderjahre 2010, 2011 und 2012 Ausgleichszahlungen für die in Polen lebenden Kinder beantragt.
Vom Finanzamt Wien 8/16/17 wurde für das Kalenderjahr 2010 mit Bescheid vom 21.12.2010, für das Kalenderjahr 2011 mit Bescheid vom 11.01.2012 und vom Finanzamt 12/13/14 Purkersdorf für das Kalenderjahr 2012 mit Bescheid vom 26.04.2013 Familienbeihilfe (Ausgleichszahlung) mit Anrechnung der in Polen vorgesehenen Familienleistungen zuerkannt.
Antrag für Zeitraum ab Jänner 2012 samt Beilagen, die Anträge betreffend KJ 2010 und 2011 sind archiviert bzw. wurden noch vom FA 8/16/17 erledigt, daher nicht beigefügt!
Ausgleichszahlungsbescheid 2010 vom 21.12.2010
Ausgleichszahlungsbescheid 2011 vom 11.01.2012 und
Ausgleichszahlungsbescheid 2012 vom 26.04.2013
Beschwerde mit Bestätigung über die Ansprüche in Polen
Vorlageantrag mit Bestätigung über die Ansprüche in Polen
Da die Beschwerde betreffend die Kalenderjahre 2010, 2011 und 2012 zweifellos nach Ablauf der Berufungs- bzw. Beschwerdefrist eingebracht wurde und selbst für den Fall, dass dieses Rechtsmittel zeitgerecht eingebracht worden wäre, bis dato keine eindeutigen Bestätigungen des polnischen Trägers hinsichtlich der Ansprüche in Polen vorgelegt wurden (vorgelegt wurden lediglich Bescheinigungen für Zeiträume, die nicht beschwerdegegenständlich sind) und weil bei Nichtbeantragung von Familienleistungen im Wohnsitzstaat die Anrechnung der ausländischen Familienleistungen auf die österreichische Familienbeihilfe nach sich ziehen, wird die Abweisung der Beschwerde beantragt.
Aus dem elektronisch vorgelegten Akt des Finanzamtes ergibt sich:
Gegenüber Piotr Z****** wurden von Finanzämtern in Sachen Familienbeihilfe und Kinderabsetzbetrag jedenfalls folgende Bescheide erlassen:
Bescheid des Finanzamtes Wien 8/16/17 vom 21. 12. 2010 betreffend "Differenzzahlung nach der Verordnung (bis 30. April 2010 Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 und Durchführungsverordnung (EWG) Nr. 574/72, ab 1. Mai 2010 Verordnung (EG) Nr. 883/2004 und Durchführungsverordnung (EG) Nr. 987/2009) inkl. Kinderabsetzbetrag" in Höhe von 6.419,65 € für den Zeitraum Jänner 2010 bis Dezember 2010
Bescheid des Finanzamtes Wien 8/16/17 vom 11. 1. 2012 betreffend "Ausgleichszahlung gemäß § 4 Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376, inkl. Kinderabsetzbetrag" in Höhe von 6.392,21 € für den Zeitraum Jänner 2011 bis Dezember 2011
Bescheid des Finanzamtes Wien 12/13/14 Purkersdorf vom 26. 4. 2013 betreffend "Ausgleichszahlung nach der Verordnung (bis 30. April 2010 Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 und Durchführungsverordnung (EWG) Nr. 574/72, ab 1. Mai 2010 Verordnung (EG) Nr. 883/2004 und Durchführungsverordnung (EG) Nr. 987/2009) inkl. Kinderabsetzbetrag" in Höhe von 6.353,36 € für den Zeitraum Jänner 2012 bis Dezember 2012.
Offenbar (siehe die Begründung der Beschwerdevorentscheidung vom 12. 11. 2014) erfolgte für den Zeitraum Jänner bis Dezember 2013 eine Ausgleichszahlung bzw. Differenzzahlung, ohne dass ein Bescheid erlassen wurde (§ 13 Satz 2 FLAG 1967). Eine entsprechende Mitteilung (§ 12 FLAG 1967) befindet sich jedoch nicht in dem elektronisch vorgelegten Akt.
Die im elektronisch vorgelegten Akt des Finanzamtes befindlichen Bescheide stellen jeweils Familienbeihilfe und Kinderabsetzbetrag in Höhe von 5.056,60 € und 2.102,40 € (2010) sowie von 5.049,20 € und 2.102,40 € (jeweils 2011 und 2012) einerseits einem Anspruch auf eine ausländische Beihilfe in Höhe von 739,35 € (2010), 759,39 € (2011) und 798,24 € (2012) andererseits gegenüber und gelangen so zu einem um die ausländische Beihilfe verringerten Auszahlungsbetrag von 6.419,65 € (2010), 6.392,21 € (2011) und 6.353,36 € (2012).
Abgesehen von der rechnerischen Darstellung und der Bezugnahme auf die Verordnungen VO 1408/71 und VO 883/2004 enthalten die Bescheide keine Begründung.
Die Bescheide dürften in Rechtskraft erwachsen sein.
Anbringen vom 28. 10. 2014
Mit Schreiben vom 28. 10. 2014 an das Finanzamt Wien 12/13/14 Purkersdorf, beim Finanzamt eingelangt am 31. 10. 2014, verbucht als Eingang am 4. 11. 2014, teilte Piotr Z****** unter Bezugnahme auf seine Sozialversicherungsnummer 4***** und mit der Überschrift "BERUFUNG" dem Finanzamt folgendes Anbringen mit:
Hiermit erhebe eine Berufung zu den Ausgleichzahlungsbescheiden
Jänner 2010 - Dezember 2010, Jänner 2011 - Dezember 2011, Jänner 2012 - Dezember 2012 und Jänner 2013 - Dezember 2013.
Von dem Auszahlungsbetrag wurde mein Anspruch auf eine ausländische Beihilfe in der jeweiligen Höhe abgezogen, obwohl ich in Polen keine Familienbeihilfe aufgrund der überschrittenen Einkommensgrenze, die zurzeit bei PLN 505,-- liegt, bezogen habe.
Der Berufung lege ich einen diesbezüglichen Ablehnungsbescheid der polnischen Behörde samt Übersetzung bei.
Beigefügt war die Kopie zweier Bescheide des Hauptmannes der Wojewodschaft Kleinpolen (Marszalek Województwa Malopolskiego):
Bescheid des Marszalek Województwa Malopolskiego vom 16. 12. 2009
Bescheid des Marszalek Województwa Malopolskiego vom 16. 12. 2009 an Monika Z****** im Original und teilweise in deutscher Übersetzung, wonach dieser Monika Z****** für die Zeit vom 1. 9. 2008 bis 31. 10. 2009 die Familienbeihilfe für folgende Kinder verweigert:
Magdalena Z******, geb. ...09.2000. - in Höhe von 64,00 Zloty monatlich -x-
Dominik Z******, geb. ...05.2003. - in Höhe von 64,00 Zloty monatlich -x-
Mateusz Z******, geb. ...08.2007. - in Höhe von 48,00 Zloty monatlich -x-
Mit Zuschüssen:
1) Wegen Schuljahrbeginn in Höhe von 100,00 Zloty einmalig, für das Kind: Magdalena Z******, geb. ...09.2000. -x-
2) Wegen Erziehung des Kindes in einer Großfamilie für die Zeit vom 01.09.2008. bis zum 31.10.2009. für das Kind: Mateusz Z******, geb. ...09.2007., in Höhe von 80,00 Zloty monatlich -x-
Dieser Bescheid wurde unter anderem (laut vom Bf vorgelegter Übersetzung) wie folgt begründet:
Sie sind eine beruflich aktive Person. Seit 08.01.2007 bis weiterhin sind Sie bei der landwirtschaftlichen Sozialversicherung KRUS in T***** versichert. Die Bezeichnung der beruflichen Aktivität wurde in dem Bescheid der EU-Verwaltungskommission für soziale Absicherung von migrierenden Mitarbeitern Nr. 207 vom 7.04.2006 über die Interpretierung von Art. 76 und Art. 79 Abs. 3 der EWG-Verordnung Nr. 1408/71 sowie Art. 10 Abs. 1 der Verordnung EWG Nr. 574/72 über die Kumulation von Leistungen und Familienleistungen (EU-Gesetzbuch Nr. 175 vom 29.06.2006., S.83) enthalten -x-
Polen ist das Land, in dem Sie sowie Ihre Familienmitglieder leben. -x-
Gemäß Art. 73 der Verordnung Nr. 1408/71 ein Lohnarbeiter oder eine Person, die eine Gewerbetätigkeit auf eigene Rechnung führt, die der Gesetzgebung eines Mitgliedstaates unterliegt, hat im Bezug auf seine Familienmitglieder den Anspruch auf Leistungen, die durch den ersten Staat vorgesehen werden, so als ob sie auf dem Gebiet dieses Staates leben würden. -x-
Gleichzeitig aber gemäß Art. 10 Abs. 1 b der Verordnung Nr. 574/72, wenn die Arbeit oder Gewerbetätigkeit auf dem Gebiet eines Staates geführt wird, in dem der Anspmch auf Leistungen oder Beihilfen nicht von der Versicherung, Beschäftigung oder der Führung von eigener Gewerbetätigkeit abhängig wird, im Falle von gebührender Leistungen, die mit der Landesgesetzgebung des anderen Mitgliedstaates oder Art. 73 oder Art. 74 der Verordnung übereinstimmen, wird das Recht auf Leistungen nur bis der in der Gesetzgebung des Mitgliedstaates vorgesehenen Höhe zugeteilt. Die Kosten für die Zuteilung der durch diesen Staat zugeteilten Leistungen trägt der zuteilende Mitgliedstaat. -x-
Infolge der Ermittlung stellte man fest, daß in dieser Angelegenheit diese Umstände existieren. Deshalb ist Polen das Land, das zu der Entscheidung über das Recht auf Leistung verpflichtet ist.
Gemäß der geltenden Vorschriften wird der Bescheid über die Zuteilung von Familienleistungen erst nach der Prüfung, ob alle gesetzlichen Bedingungen erfüllt wurden, ausgestellt -x-
In dieser Angelegenheit wurde festgestellt, daß das Familieneinkommen bei Umrechnung pro Familienmitglied die gesetzliche Grenze überschreitet, die im Art. 5 Abs. 1 des Gesetzes über Familienleistungen angegeben wurde, d.h. es beträgt mehr als 504,00 Zloty monatlich. Gleichzeitig stellte man fest, daß das Einkommen der Familie in Umrechnung pro Person den o.g. Betrag um einen Betrag, der höher als die die niedrigste gebührende Familienbeihilfe für den Zeitraum, für den der Bescheid ausgestellt wird, nicht übersteigt, dennoch hatten Sie in der Beihilfeperiode 2007/2008 keinen Anspmch auf Familienbeihilfe, weil über Ihren Antrag nicht entschieden wurde, worüber Sie mit dem Schreiben Nr. ROPS/451-2319/08 vom 10.07.2008. benachrichtigt wurden. Angesichts [...?] sowie aufgrund Art. 5 Abs. 3 des Gesetzes erfüllen Sie die zur Zuteilung der beantragten Familienleistungen notwendigen Bedingungen nicht -x-
Gemäß Art. 3 Ziff. 2) des genannten Gesetzes über Familienleistungen die Grundlage für die Entscheidung über die Familienbeihilfe bildeten die im Jahre 2007 erzielten Einkommen. -x-
Gemäß § 15 Ziff. 7 der genannten Verordnung vom 2.06.2005 für die Grundlage der Umrechnung des im Ausland erzielten Einkommens wurde der durchschnittliche Wechselkurs der NBP-Bank vom letzten Arbeitstag des berücksichtigten Kalenderjahres angewendet, -x-
Anzahl der Personen in der Familie: 5 -x-
Monatliche Einkunft der Familie: 2.722,25 Zloty -x-
Monatliche Einkunft pro Person: 544,45 Zloty -x-
Anzahl der Kinder in der Familie, für die keine Leistung zugeteilt wurde: 3 -x-
Deswegen wurde wie oben entschieden.
Bescheid des Marszalek Województwa Malopolskiego vom 2. 10. 2014
Bescheid des Marszalek Województwa Malopolskiego vom 2. 10. 2014 an Monika Z****** im Original und teilweise in deutscher Übersetzung, wonach dieser Monika Z****** für die Zeit vom 1. 2. 2014 bis zum 31. 10. 2014 Familienbeihilfe für folgende Kinder zuteilt:
- Magdalena Z******, geb. ...09.2000. - in Höhe von 106,00 Zloty monatlich -x-
- Dominik Ziecma, geb. ...05,2003. - in Höhe von 106,00 Zloty monatlich -x-
- Mateusz Z******, geb. ...08.2007. - in Höhe von 106,00 Zloty monatlich -x-
- Gabriela Z******, geb. ...02.2013. - in Höhe von 77,00 Zloty monatlich -x-
1) wegen Erziehung des Kindes in einer Großfamilie für das Kind:
- Mateusz Z******, geb. ...08.2007. - in Höhe von 80,00 Zloty monatlich -x-
- Gabriela Z******, geb. ...02.2013. - in Höhe von 80,00 Zloty monatlich -x-
2) wegen Schuljahrbeginn 2014/2015 für das Kind:
- Magdalena Z******, geb. ...09.2000. - in Höhe von 100,00 Zloty einmalig -x-
- Dominik Z******, geb. ...05.2003. - in Höhe von 100,00 Zloty einmalig -x-
- Mateusz Z******, geb. ...08.2007. - in Höhe von 100,00 Zloty einmalig -x-
Der - nicht übersetzten - Begründung lässt sich im Wesentlichen entnehmen, dass Voraussetzung für die Gewährung polnischer Familienleistungen sei, dass das Familieneinkommen pro Person 539,00 Złoty nicht überschreite. Da das Einkommen der Familie Z****** pro Familienmitglied 528,47 Złoty betrage (Piotr Z******: Jahreseinkommen 9.307,28 EUR * 4,0882 = 38.050,02 zł, monatliches Einkommen 3.170,83 zł; Monika Z******: Kein Einkommen, die Kinder Magdalena, Dominik, Mateusz und Gabriela ebenfalls kein Einkommen, Zahl der Familienmitglieder 6, Einkommen pro Familienmitglied 528,47 Złoty), stünde Familienbeihilfe in dem im Spruch angeführten Umfang zu.
Das Finanzamt holte am 10. 11. 2014 einen Versicherungsdatenauszug ein, wonach der Bf von 1. 5. 2004 bis 30. 9. 2009 selbständig erwerbstätig war und seit 25. 1. 2010 - mit einer kurzen Unterbrechung im Juni 2010 - als Arbeiter unselbständig erwerbstätig mit folgenden Beitragsgrundlagen ist:
2010 (Allgemein / Sonderzahlungen)
2.620,00 / 208,86 €
9.248,40 / 1.541,40 €
18.064,20 / 3.010,70 €
18.804,36 / 3.134,06 €
20.119,52 / 3.442,71 €
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 12. 11. 2014 ging das Finanzamt Wien 12/13/14 Purkersdorf davon aus, dass es sich bei dem beim Finanzamt am 31. 10. 20154 eingelangten Anbringen vom 28. 10. 2014 um eine Beschwerde handelt und wies diese als verspätet eingebracht zurück:
Es ergeht die Beschwerdevorentscheidung betreffend die Beschwerde vom 31.10.2014 von Herrn Z****** Piotr, *****Adresse***** gegen die Ausgleichszahlungsbescheide für die Kalenderjahre 2010, 2011 und 2012.
Ihre Beschwerde vom 31.10.2014 wird gemäß § 260 BAO zurückgewiesen.
Gem. § 260 Abs. 1 Bundesabgabenordnung (BAO) in der derzeit gültigen Fassung ist eine Bescheidbeschwerde mit Beschwerdevorentscheidung (§ 262) oder mit Beschluss (§ 278) zurückzuweisen, wenn sie nicht zulässig ist oder nicht fristgerecht eingebracht wurde.
Gem. § 245 Abs. 1 BAO beträgt die Beschwerdefrist einen Monat.
Die Ausgleichszahlungsbescheide wurden am 21.12. 2010 für das Kalenderjahr 2010, am 11.01.2012 für das Kalenderjahr 2011 und am 26.04.2013 für das Kalenderjahr 2012 erstellt, daher sind die Beschwerdefristen längst abgelaufen und muss daher spruchgemäß entschieden werden.
Ab dem Kalenderjahr 2013 wird über Anträge auf Ausgleichszahlung nicht mehr mit Bescheid abgesprochen, daher ist ein Rechtsmittel nicht zulässig.
Sie haben mit der obigen Beschwerde Bestätigungen des polnischen Trägers der Familienleistungen vorgelegt, diese betreffen aber für die Zeiträume September 2008 bis Oktober 2009 eine Abweisung und Februar bis Oktober 2014 eine Gewährung der polnischen Leistungen!
Es wäre daher betreffend die Kalenderjahre 2010, 2011, 2012 und 2013 eine Bestätigung des polnischen Trägers über die allfälligen Ansprüche in Polen vorzulegen, um eine allenfalls erforderliche Wiederaufnahme des Verfahrens zu prüfen.
Mit Schreiben vom 10. 12. 2014 stellte der Bf Vorlageantrag:
Antrag auf Entscheidung über die Beschwerde (Vorlageantrag) durch das Bundesfinanzgericht
Innerhalb der gesetzlichen Frist stelle ich einen Antrag auf Entscheidung über die Beschwerde (Vorlageantrag) durch das Bundesfinanzgericht.
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 12.11.2014 betreffend die Beschwerde vom 21.10.2014 gegen die Ausgleichzahlungsbescheide für die Kalenderjahre 2010, 2011 und 2012 wurde mein Antrag gemäß § 260 BAO zurückgewiesen.
In der Begründung wird angegeben, dass bei den gegenständlichen Ausgleichzahlungsbescheiden die Beschwerdefristen längst abgelaufen sind, daher konnte meinem Antrag nicht positiv entsprochen werden.
Da ich aber die Meinung vertrete, dass mir die Leistung von polnischer Behörde im Jahr 2009 abgesprochen wurde und in den darauffolgenden Jahren aus verwaltungsadministrativem Gründen nicht zweckmäßig war, einen erneuten Antrag auf Gewährung der Familienleistungen in Polen zu stellen (so wurde damals von der Behörde behauptet, da sich die Einkommensverhältnisse meiner Familie nicht im Wesentlichen verändert haben) und ich aus diesem Grund unterlassen habe einen erneuten Antrag bei der polnischen Behörde zu stellen, wurden die bei der Auszahlung der Ausgleichzahlungen für die gegenständlichen Jahre in Abzug gebrachten ausländischen Leistungen zu Unrecht durchgeführt.
In Anbetracht dieser Tatsache stelle ich einen Antrag auf Entscheidung über die Beschwerde (Vorlageantrag) durch das Bundesfinanzgericht.
Dem Antrag schließe ich Bescheinigung der Sozialhilfestelle in C***** bei und ersuche um positive Entscheidung in der gegenständlichen Angelegenheit.
Bestätigung vom 28. 11. 2014
Die Gemeindestelle für Sozialhilfe in C***** bestätigte am 28. 11. 2014 dass Monika Z****** in folgenden Zeiträumen keine Familienbeihilfe mit Zuschüssen für die Kinder Magdalena, geb. Februar 2000, Dominik, geb. Mai 2003, Mateusz, geb. August 2007 und Gabriela, geb. Februar 2013, bezogen hat:
vom 2010-01-01 bis zum 2010-12-31 -x
vom 2011-01-01 bis zum 2011-12-31 -x
vom 2012-01-01 bis zum 2012-12-31 -x
vom 2013-01-01 bis zum 2013-12-31 -x
Der weitere Akteninhalt betrifft, soweit auffindbar, Anträge auf Familienbeihilfe, Meldebescheinigungen, Bescheinigungen über die Höhe der Einkünfte in Polen, eine Bescheinigung vom 28. 6. 2012, dass Monika Z****** keine Familienbeihilfe für die Kinder Magdalena, Dominik und Mateusz Z****** bezieht, Schulbesuchs- und Kindergartenbesuchsbescheinigungen, ein Auszug aus dem Heiratseintrag sowie Auszüge aus den Geburtseintragungen.
Beim Finanzamt Wien 12/13/14 Purkersdorf langte am 31. 10. 2014 ein mit "Berufung" bezeichnetes Anbringen des Bf vom 28. 10. 2014 ein, dem sich entnehmen lässt:
Das Anbringen betrifft Verfahren betreffend Ausgleichszahlungen (Differenzzahlungen) zu Familienbeihilfe und Kinderabsetzbeträgen für die Zeiträume Jänner 2010 bis Dezember 2010, Jänner 2011 bis Dezember 2011, Jänner 2012 bis Dezember 2012 und Jänner 2013 bis Dezember 2013.
Diese Verfahren sollen mit Bescheiden ("Ausgleichszahlungsbescheide") abgeschlossen worden sein.
In den Verfahren sei ein Anspruch des Bf auf eine polnische Beihilfe von den österreichischen Familienleistungen abgezogen und nur die Differenz ausbezahlt worden.
Das Familieneinkommen habe die in den polnischen Rechtsvorschriften normierte Einkommensgrenze überschritten, weswegen der Bf in Polen keine Familienbeihilfe bezogen habe.
Der Bf strebt eine neue Ermittlung seiner Ansprüche auf österreichische Familienleistungen unter Zugrundelegung des Umstandes, dass er in Polen keinen Anspruch auf polnische Familienleistungen gehabt habe, an.
Zur Bescheinigung dieses Umstandes wurden die oben angeführten Bestätigungen der polnischen Behörden vorgelegt.
Fassung bis 2013:
Fassung ab 2014:
§ 260 BAO lautet (Fassung ab 2014):
(3) Der Bundesminister für Finanzen wird ermächtigt, durch Verordnung die für die Ermessensübung bedeutsamem Umstände zu bestimmen
Deutung des Anbringens vom 28. 10. 2014
Dem Finanzamt ist beizupflichten, dass das als "Berufung" bezeichnete Anbringen vom 28. 10. 2014 grundsätzlich als Beschwerde gegen im Anbringen genannte Bescheide gewertet werden könnte.
Handelt es sich bei der Eingabe vom 28. 10. 2014 um eine Beschwerde, ist diese, wie auch das Finanzamt ausführt, wegen der einmonatigen Beschwerdefrist hinsichtlich der Ausgleichszahlungsbescheide 2010 bis 2012 verspätet, hinsichtlich eines Ausgleichszahlungsbescheides 2013, wenn dieser, wie das Finanzamt angibt, nicht erlassen wurde, unzulässig.
Allerdings ist nach Ansicht des Bundesfinanzgerichts keineswegs klar, dass der Bf mit seiner Eingabe vom 28. 10. 2014 tatsächlich Beschwerde gegen einen der Abweisungsbescheide oder gegen beide dieser Bescheide erheben wollte.
Der Bf verwendet im Betreff seines Anbringens den Begriff "Berufung". Diesen Begriff kennt die Bundesabgabenordnung seit 2014 nur mehr im Bereich der Gemeindeabgaben (§ 288 BAO), nicht aber hinsichtlich der von den Finanzämtern zu vollziehenden Abgaben und Beihilfen.
Es finden sich auch im Text des Anbringens - anders als etwa in dem BFG 27. 7. 2015, RV/7103596/2015, entschiedenen Fall - keine Hinweise darauf, dass der Bf eine Beschwerde einbringen und keinen anderen Rechtsbehelf erheben wollte.
Aus der Bezeichnung "Berufung" kann ebenso wie aus im Bereich der BAO bisher nicht vorkommenden Bezeichnungen wie "Einspruch" oder "Rekurs" (nunmehr sieht § 9 Kontenregister- und Konteneinschaugesetz BGBl. I Nr. 116/2015 im Verfahren vor dem BFG auch einen Rekurs vor) lediglich geschlossen werden, dass der Einschreiter sich eines Rechtsbehelfs bedienen möchte. Um welchen Rechtsbehelf es sich handelt, ist aus dem Zusammenhang des Anbringens zu schließen. Bei verbleibenden Unklarheiten ist ein Mängelbehebungsverfahren (§ 85 Abs. 2 BAO) durchzuführen, in dessen Rahmen bei nicht rechtsfreundlich vertretenen Parteien diesen im Rahmen der Manuduktionspflicht (§ 113 BAO) die in Betracht kommenden Rechtsbehelfe näher zu erläutern wären.
Es ist allgemeiner Grundsatz des Abgabenverfahrensrechts, dass es nicht auf die Bezeichnung von Schriftsätzen und die zufälligen verbalen Formen ankommt, sondern auf den Inhalt, das erkennbare oder zu erschließende Ziel des Parteischritts (vgl. VwGH 20. 2. 1998, 97/15/0153; VwGH 23. 4. 2001, 99/14/0104).
So kann etwa die Deutung eines nach Ablauf der Berufungs- bzw. Beschwerdefrist eingereichten, als Berufung oder Beschwerde bezeichneten Antrags als Antrag auf Bescheidaufhebung nach § 299 BAO in Betracht kommen (vgl. Ritz, BAO5 § 299 TZ 29).
Die Bundesabgabenordnung kennt verschiedene Rechtsbehelfe. Das ordentliche Rechtsmittel war bis 2013 die Berufung und ist seit 2014 die Beschwerde (§ 243 BAO). Daneben sieht das Abgabenverfahrensrecht aber in §§ 293 ff. BAO eine Reihe von Maßnahmen zur Abänderung, Zurücknahme und Aufhebung von Bescheiden ebenso wie die Wiederaufnahme des Verfahrens (§ 303 BAO) und die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (§ 308 BAO) vor.
Der Bf ist kein berufsmäßiger Parteienvertreter. Es geht aus dem Akt nicht hervor, dass der Bf durch das Finanzamt eine verfahrensrechtliche Belehrung nach § 113 BAO erhalten hat.
Stehen dem Steuerpflichtigen mehrere verfahrensrechtliche Maßnahmen zur Bekämpfung von Bescheiden und zur Durchsetzung seines Rechtsstandpunkts zur Verfügung, ist davon auszugehen, dass der Steuerpflichtige nicht eine Maßnahme wählt, die infolge Fristversäumnis schon von vornhinein zum Scheitern verurteilt ist, sondern einen Antrag stellen möchte, der einer inhaltlichen Erledigung zugänglich ist (BFG 3. 11. 2014, RV/7102796/2014).
Im gegenständlichen Fall wären sowohl eine Beschwerde (§ 243 BAO) infolge Ablaufs der Monatsfrist als auch ein Aufhebungsantrag (§ 299 BAO) infolge Ablaufs der Jahresfrist hinsichtlich der Bescheide vom 21. 12. 2010, 11. 1. 2012 und 26. 4. 2013 verspätet.
Das Anbringen vom 28. 10. 2014 ist als jener verfahrensrechtliche Rechtsbehelf zu deuten, der am ehesten dem Rechtschutzinteresse des Bf Rechnung trägt. Das ist im gegenständlichen Fall nach Ablauf der Fristen für eine Bescheidbeschwerde oder einen Aufhebungsantrag die Wiederaufnahme des Verfahrens (§ 303 BAO).
Auch ein Wiederaufnahmeantrag ist nicht an besondere formale Regeln oder bestimmte Ausdrucksweisen oder Formulierungen gebunden (vgl. VwGH 5. 10. 1982, 81/14/0173).
Selbst das Finanzamt hat in der Beschwerdevorentscheidung eine - offenbar amtswegige - Wiederaufnahme in Betracht gezogen.
Das Anbringen vom 28. 10. 2014 erfüllt die in § 303 BAO genannten Voraussetzungen für eine inhaltliche Erledigung und erfolgt innerhalb der fünfjährigen (§ 207 BAO) Verjährungsfrist (§ 304 BAO):
Das Anbringen vom 28. 10. 2014 nennt die Verfahren, die wiederaufgenommen werden sollen (Familienbeihilfe bzw. Ausgleichszahlung für die Jahre 2010 bis 2013).
Das Anbringen nennt als neu hervorgekommene Tatsache (§ 303 Abs. 1 lit. b BAO) den Umstand, dass dem Bf keine polnischen Familienleistungen zustanden.
Ist dies zutreffend, wäre diese Tatsache geeignet, im Spruch anders lautende Bescheide herbeizuführen, da diesfalls Familienbeihilfe und Kinderabsetzbetrag nicht um polnische Familienleistungen zu kürzen wären.
Das Anbringen vom 28. 10. 2014 ist somit als Wiederaufnahmeantrag zu deuten.
Damit erweist sich der Zurückweisungsbescheid in Form der Beschwerdevorentscheidung vom 12. 11. 2014 als rechtswidrig (Art. 132 Abs. 1 Z 1 B-VG), da Gegenstand des Anbringens vom 28. 10. 2014 keine Beschwerde gemäß § 243 BAO ist.
Anlässlich des Vorlageantrags ist die Beschwerdevorentscheidung vom 12. 11. 2014 ersatzlos gemäß § 279 BAO aufzuheben und im übrigen das Beschwerdeverfahren einzustellen.
Das Finanzamt wird daher über den Wiederaufnahmeantrag inhaltlich abzusprechen haben.
Dass der Bf Kenntnis vom Wiederaufnahmegrund gehabt haben dürfte, steht seit 2014 einer beantragten Wiederaufnahme nicht entgegen (vgl. BFG 12. 3. 2015, RV/7100341/2011).
Soweit ein mit Bescheid abgeschlossenes Verfahren nicht vorliegt, ist das Anbringen (§ 85 Abs. 1 BAO) vom 28. 10. 2014 als Antrag (§ 10 FLAG 1967) um ungekürzte Auszahlung von Familienbeihilfe und Kinderabsetzbetrag (§ 11 FLAG 1967) zu werten und entweder durch Auszahlung (§ 11 FLAG 1967) oder durch Bescheid (§ 13 FLAG 1967) zu erledigen (§ 85a BAO).
Da im Beschwerdezeitraum der Vater, der Bf, in Österreich erwerbstätig war, ist Beschäftigungsstaat jedenfalls Österreich. Wohnsitzstaat ist Polen. Polen dürfte aber auch zumindest bis 2009 - Beschäftigungsstaat gewesen sein (vgl. Bescheid des Marszalek Województwa Malopolskiego vom 16. 12. 2009).
Das Finanzamt ist in den Ausgleichszahlungsbescheiden offenbar davon ausgegangen, dass Österreich nach Art. 75 f. VO 1408/71 und nach Art. 68 Abs. 2 VO 883/2004 zur Leistung (nur) einer Differenzzahlung verpflichtet sei, da ein Anspruch auf polnische Familienleistungen bestanden habe. Nach nationalem Recht besteht gemäß § 4 FLAG 1967 ein Anspruch auf Ausgleichszahlung, der § 53 FLAG 1967 zufolge nicht nur für österreichische Staatsbürger, sondern auch für Unionsbürger (und Bürger eines EWR-Mitgliedsstaates) gilt.
Wäre nur Österreich Beschäftigungsstaat, hätten gemäß der in Art. 10 Abs. 1 lit. a VO 574/72 (entspricht inhaltlich Art. 68 Abs. 1 lit. a VO 883/2004) aufgestellten Antikumulierungs-Regel die vom Beschäftigungsmitgliedstaat gezahlten Beihilfen Vorrang gegenüber den vom Wohnmitgliedstaat gezahlten, die infolgedessen ruhen (vgl. BFG 8. 6. 2015, RV/7100958/2015).
Wird jedoch im Wohnmitgliedstaat eine Erwerbstätigkeit ausgeübt, sieht Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. i VO 574/72 (entspricht inhaltlich Art. 68 Abs. 1 lit. b sublit. i VO 883/2004) die entgegengesetzte Lösung vor, d. h., dass der Anspruch auf die vom Wohnmitgliedstaat gezahlten Beihilfen dem vom Beschäftigungsmitgliedstaat gezahlten vorgehen, die somit ruhen (vgl. BFG 8. 6. 2015, RV/7100958/2015).
Der Anspruch auf die in Art. 73 VO Nr. 1408/71 vorgesehenen Leistungen ist diesfalls nach Art. 10 VO Nr. 574/72 bis zur Höhe der vom Wohnmitgliedstaat tatsächlich gezahlten Beihilfen gleicher Art auszusetzen, und zwar unabhängig davon, wen die Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaats als unmittelbaren Empfänger der Familienbeihilfen bestimmen. Vom zuständigen Träger des vom Wohnsitzstaat unterschiedlichen (ersten) Beschäftigungsstaates kann nur die Höhe des Unterschiedsbetrags in Höhe der Differenz zwischen den nach dem Recht des (ersten) Beschäftigungsstaates vorgesehenen Leistungen und den nach dem Recht des Wohnsitzstaates und (zweiten) Beschäftigungsstaates bezogenen Leistungen beansprucht werden (vgl. EuGH 8. 5. 2014, C-347/12, Ulrike und Markus Wiering).
So hat der EuGH entschieden, Art. 76 Abs. 2 VO 1408/71 in der durch die VO 118/97 geänderten und aktualisierten Fassung, zuletzt geändert durch die VO 1606/98, sei dahin auszulegen, dass er es dem Beschäftigungsmitgliedstaat erlaubt, in seinen Rechtsvorschriften vorzusehen, dass der zuständige Träger den Anspruch auf Familienleistungen ruhen lässt, wenn im Wohnmitgliedstaat kein Antrag auf Gewährung von Familienleistungen gestellt worden ist. Unter diesen Umständen ist der zuständige Träger, falls der Beschäftigungsmitgliedstaat in seinen innerstaatlichen Rechtsvorschriften ein solches Ruhenlassen des Anspruchs auf Familienleistungen vorsieht, bei Vorliegen der in diesen Rechtsvorschriften aufgestellten Voraussetzungen nach Art. 76 Abs. 2 verpflichtet, den Anspruch ruhen zu lassen, ohne dass er insoweit über ein Ermessen verfügt (EuGH 6. 11. 2014, C-4/13, Susanne Fassbender-Firman).
Gleiches gilt für die Rechtslage ab Mai 2010 nach Art. 68 Abs. 2 VO 883/2004 (vgl. BFG 13. 2. 2015, RV/7103505/2014; Czaszar in Csaszar/Lenneis/Wanke, FLAG § 53 Rz 195).
Nach polnischem Recht wird zasiłek rodzinny (Familienbeihilfe/Kindergeld) nur gewährt, wenn das monatliche Pro-Kopf-Nettoeinkommen der Familie einen bestimmten Betrag übersteigt (vgl. http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=1124&langId=de&intPageId=2771 und BFG 13. 2. 2015, RV/7103505/2014 m. w. N.).
Diese Pro-Kopf-Einkommensgrenze lag zunächst bei 504 zł (583 zł bei einem Kind mit einer Behinderung), stieg im November 2012 auf 539 zł (623 zł bei einem Kind mit einer Behinderung) und liegt seit November 2013 bei 574 zł (664 zł bei einem Kind mit einer Behinderung; http://polska.newsweek.pl/kryteria-dochodowe-zasilek-rodzinny-newsweek-pl,artykuly,351089,1.html).
Im Zuge des Vorlageantrags wurde eine Bestätigung der Gemeindestelle für Sozialhilfe in C***** vom 28. 11. 2014 vorgelegt, wonach für die Kinder Magdalena, geb. Februar 2000, Dominik, geb. Mai 2003, Mateusz, geb. August 2007 und Gabriela, geb. Februar 2013, von 1. 1. 2010 bis 31. 12. 2013 keine polnischen Familienleistungen bezogen wurden.
Das Einkommen des Bf, das sich den elektronisch vorgelegten Akten nicht entnehmen lässt, dürfte - so die Angaben des Bf, die sich mit den Ausführungen im Bescheid des Marszalek Województwa Malopolskiego vom 16. 12. 2009 für 2008/2009 decken - gemeinsam mit einem allfälligen Einkommen seiner Frau die damaligen Einkommensgrenzen überschritten haben.
Sollte das Finanzamt die inhaltliche Richtigkeit dieser Bestätigung, die gemäß § 166 BAO ein Beweismittel ist, bezweifeln, wäre im weiteren Verfahren von Amts wegen (§ 115 BAO) unmittelbar gemäß Art. 76 Abs. 2 VO 883/2004 eine Auskunft bei der zuständigen polnischen Behörde mittels des Formulars E 411 einzuholen.
Gegen diesen Beschluss ist eine Revision nicht zulässig. Es handelt sich um keine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung, da das Bundesfinanzgericht in rechtlicher Hinsicht den Leitlinien der in der Entscheidung dargestellten Judikatur folgt.
VwGH 05.10.1982, 81/14/0173
ECLI:AT:BFG:2016:RV.7104302.2015
Findok-Nr: 108989.1, aufgenommen am: 23.03.2016 16:20:03, Dokument-ID: 2e14c1e4-789c-40c8-b940-d8b53b42f6b2, Segment-ID: 76998a2d-61b6-49c9-9413-c52c4cd19149