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Timestamp: 2020-07-09 02:00:15
Document Index: 84380374

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 17', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 6', 'Art. 49', 'Art. 49', 'Art. 7', 'Art. 8', 'Art. 9', 'Art. 10', 'Art. 12', 'Art. 13', 'Art. 14', 'Art. 15', 'Art. 16', 'Art. 49', 'Art. 19', 'Art. 20', 'Art. 21', 'Art. 23', 'Art. 25', 'Art. 26', 'Art. 27', 'Art. 28', 'Art. 31', 'Art. 32', 'Art. 45', 'Art. 48', 'Art. 49']

Lawbrary | OHG - Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Straftaten
Allgemeine Bestimmungen (1 - 8)
Leistungen der Beratungsstellen
Beratungsstellen (9 - 11)
Hilfe der Beratungsstellen und Kostenbeiträge (12 - 16)
Straftat im Ausland (17 - 17)
Kostenverteilung zwischen den Kantonen (18 - 18)
Entschädigung und Genugtuung durch den Kanton
Entschädigung (19 - 21)
Genugtuung (22 - 23)
Gemeinsame Bestimmungen (24 - 29)
Befreiung von Verfahrenskosten (30 - 30)
Finanzielle Leistungen und Aufgaben des Bundes (31 - 33)
… (34 - 34)
Schlussbestimmungen (45 - 50)
vom 23. März 2007 (Stand am 1. Januar 2019)
gestützt auf die Artikel 123 und 124 der Bundesverfassung1, nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 9. November 20052,
1Je­de Per­son, die durch ei­ne Straf­tat in ih­rer kör­per­li­chen, psy­chi­schen oder se­xu­el­len In­te­gri­tät un­mit­tel­bar be­ein­träch­tigt wor­den ist (Op­fer), hat An­spruch auf Un­ter­stüt­zung nach die­sem Ge­setz (Op­fer­hil­fe).
2An­spruch auf Op­fer­hil­fe ha­ben auch der Ehe­gat­te oder die Ehe­gat­tin des Op­fers, sei­ne Kin­der und El­tern so­wie an­de­re Per­so­nen, die ihm in ähn­li­cher Wei­se na­he­ste­hen (An­ge­hö­ri­ge).
3Der An­spruch be­steht un­ab­hän­gig da­von, ob der Tä­ter oder die Tä­te­rin:
er­mit­telt wor­den ist;
sich schuld­haft ver­hal­ten hat;
vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig ge­han­delt hat.
Art. 2 Formen der Opferhilfe
Die Op­fer­hil­fe um­fasst:
Be­ra­tung und So­fort­hil­fe;
län­ger­fris­ti­ge Hil­fe der Be­ra­tungs­stel­len;
Kos­ten­bei­trä­ge für län­ger­fris­ti­ge Hil­fe Drit­ter;
Ent­schä­di­gung;
Ge­nug­tu­ung;
Be­frei­ung von Ver­fah­rens­kos­ten;
1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 10 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
Art. 3 Örtlicher Geltungsbereich
1Op­fer­hil­fe wird ge­währt, wenn die Straf­tat in der Schweiz be­gan­gen wor­den ist.
2Ist die Straf­tat im Aus­land be­gan­gen wor­den, so wer­den die Leis­tun­gen der Be­ra­tungs­stel­len un­ter den in die­sem Ge­setz ge­nann­ten be­son­de­ren Be­din­gun­gen ge­währt (Art. 17); Ent­schä­di­gun­gen und Ge­nug­tu­un­gen wer­den kei­ne ge­währt.
Art. 4 Subsidiarität der Opferhilfe
1Leis­tun­gen der Op­fer­hil­fe wer­den nur end­gül­tig ge­währt, wenn der Tä­ter oder die Tä­te­rin oder ei­ne an­de­re ver­pflich­te­te Per­son oder In­sti­tu­ti­on kei­ne oder kei­ne ge­nü­gen­de Leis­tung er­bringt.
2Wer Kos­ten­bei­trä­ge für die län­ger­fris­ti­ge Hil­fe Drit­ter, ei­ne Ent­schä­di­gung oder ei­ne Ge­nug­tu­ung be­an­sprucht, muss glaub­haft ma­chen, dass die Vor­aus­set­zun­gen nach Ab­satz 1 er­füllt sind, es sei denn, es sei ihm oder ihr an­ge­sichts der be­son­de­ren Um­stän­de nicht zu­mut­bar, sich um Leis­tun­gen Drit­ter zu be­mü­hen.
Art. 5 Unentgeltliche Leistungen
Die Be­ra­tung, die So­fort­hil­fe und die von den Be­ra­tungs­stel­len er­brach­te län­ger­fris­ti­ge Hil­fe sind für das Op­fer und sei­ne An­ge­hö­ri­gen un­ent­gelt­lich.
Art. 6 Berücksichtigung der Einnahmen bei den übrigen Leistungen
1An­spruch auf Kos­ten­bei­trä­ge für län­ger­fris­ti­ge Hil­fe Drit­ter und auf Ent­schä­di­gung be­steht nur, wenn die an­re­chen­ba­ren Ein­nah­men des Op­fers oder sei­ner An­ge­hö­ri­gen das Vier­fa­che des mass­ge­ben­den Be­trags für den all­ge­mei­nen Le­bens­be­darf nach Ar­ti­kel 10 Ab­satz 1 Buch­sta­be a des Bun­des­ge­set­zes vom 6. Ok­to­ber 20061 über Er­gän­zungs­leis­tun­gen zur Al­ters-, Hin­ter­las­se­nen- und In­va­li­den­ver­si­che­rung (ELG) nicht über­stei­gen.2
2Die an­re­chen­ba­ren Ein­nah­men der an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­son be­rech­nen sich nach Ar­ti­kel 11 ELG; mass­ge­blich sind die vor­aus­sicht­li­chen Ein­nah­men nach der Straf­tat.3
3Die Ge­nug­tu­ung wird un­ab­hän­gig von den Ein­nah­men der an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­son aus­ge­rich­tet.
2 Sie­he Art. 49 (Ko­or­di­na­ti­on mit dem ELG)
3 Sie­he Art. 49 (Ko­or­di­na­ti­on mit dem ELG)
Art. 7 Übergang von Ansprüchen auf den Kanton
1Hat ein Kan­ton ge­stützt auf die­ses Ge­setz Op­fer­hil­fe ge­leis­tet, so ge­hen die An­sprü­che für Leis­tun­gen glei­cher Art, die dem Op­fer oder des­sen An­ge­hö­ri­gen auf Grund der Straf­tat zu­ste­hen, im Um­fang der kan­to­na­len Leis­tun­gen von der an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­son auf den Kan­ton über.
2Die­se An­sprü­che ha­ben Vor­rang vor den ver­blei­ben­den An­sprü­chen der an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­son so­wie der Rück­griffs­an­sprü­che Drit­ter.
3Der Kan­ton ver­zich­tet dar­auf, sei­nen An­spruch ge­gen­über dem Tä­ter oder der Tä­te­rin gel­tend zu ma­chen, wenn da­durch schüt­zens­wer­te In­ter­es­sen des Op­fers oder sei­ner An­ge­hö­ri­gen oder die Wie­der­ein­glie­de­rung des Tä­ters oder der Tä­te­rin ge­fähr­det wür­den.
Art. 8 Information über die Opferhilfe und Meldung
1Die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den in­for­mie­ren das Op­fer über die Op­fer­hil­fe und lei­ten un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen Na­me und Adres­se an ei­ne Be­ra­tungs­stel­le wei­ter. Die ent­spre­chen­den Pflich­ten rich­ten sich nach der ein­schlä­gi­gen Ver­fah­rens­ord­nung.
2Ei­ne in der Schweiz wohn­haf­te Per­son, die im Aus­land Op­fer ei­ner Straf­tat ge­wor­den ist, kann sich an ei­ne schwei­ze­ri­sche Ver­tre­tung oder an die mit dem schwei­ze­ri­schen kon­su­la­ri­schen Schutz be­trau­te Stel­le wen­den. Die­se Stel­len in­for­mie­ren das Op­fer über die Op­fer­hil­fe in der Schweiz. Sie mel­den Na­me und Adres­se des Op­fers ei­ner Be­ra­tungs­stel­le, so­fern die­ses da­mit ein­ver­stan­den ist.
3Die Ab­sät­ze 1 und 2 fin­den auf An­ge­hö­ri­ge des Op­fers sinn­ge­mä­ss An­wen­dung.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 8 des Straf­be­hör­den­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 3267; BBl 2008 8125).
2. Kapitel: Leistungen der Beratungsstellen
1. Abschnitt: Beratungsstellen
Art. 9 Angebot
1Die Kan­to­ne sor­gen da­für, dass fach­lich selbst­stän­di­ge öf­fent­li­che oder pri­va­te Be­ra­tungs­stel­len zur Ver­fü­gung ste­hen. Da­bei tra­gen sie den be­son­de­ren Be­dürf­nis­sen ver­schie­de­ner Op­fer­ka­te­go­ri­en Rech­nung.
2Sie kön­nen ge­mein­sa­me Be­ra­tungs­stel­len be­trei­ben.
Art. 10 Akteneinsicht
1Die Be­ra­tungs­stel­len kön­nen Ein­sicht neh­men in Ak­ten von Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den und Ge­rich­ten aus Ver­fah­ren, an de­nen das Op­fer oder sei­ne An­ge­hö­ri­gen teil­neh­men, so­fern die­se ih­re Zu­stim­mung er­teilt ha­ben.
2Das Ak­ten­ein­sichts­recht darf den Be­ra­tungs­stel­len nur so weit ver­wei­gert wer­den, als dies ge­mä­ss mass­ge­ben­dem Pro­zess­recht auch ge­gen­über der ge­schä­dig­ten Per­son zu­läs­sig wä­re.
1Per­so­nen, die für ei­ne Be­ra­tungs­stel­le ar­bei­ten, ha­ben über ih­re Wahr­neh­mun­gen ge­gen­über Be­hör­den und Pri­va­ten zu schwei­gen. Die Schwei­ge­pflicht gilt auch nach Be­en­di­gung die­ser Mit­ar­beit. Vor­be­hal­ten blei­ben die Zeug­nis­pflich­ten nach der Straf­pro­zess­ord­nung1.2
2Die Schwei­ge­pflicht ist auf­ge­ho­ben, wenn die be­ra­te­ne Per­son da­mit ein­ver­stan­den ist.
3Ist die kör­per­li­che, psy­chi­sche oder se­xu­el­le In­te­gri­tät ei­ner min­der­jäh­ri­gen Per­son oder ei­ner Per­son un­ter um­fas­sen­der Bei­stand­schaft ernst­haft ge­fähr­det, so kann die Be­ra­tungs­stel­le die Kin­des- und Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de in­for­mie­ren oder bei der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de An­zei­ge er­stat­ten.3
4Wer die Schwei­ge­pflicht ver­letzt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder mit Geld­stra­fe be­straft.
2 Fas­sung zwei­ter und drit­ter Satz ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 10 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 des BG vom 15. Dez. 2017 (Kin­des­schutz), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 2947; BBl 2015 3431).
2. Abschnitt: Hilfe der Beratungsstellen und Kostenbeiträge
Art. 12 Beratung
1Die Be­ra­tungs­stel­len be­ra­ten das Op­fer und sei­ne An­ge­hö­ri­gen und un­ter­stüt­zen sie bei der Wahr­neh­mung ih­rer Rech­te.
2Er­hal­ten die Be­ra­tungs­stel­len ei­ne Mel­dung nach Ar­ti­kel 8 Ab­satz 2 oder 3, so neh­men sie mit dem Op­fer oder sei­nen An­ge­hö­ri­gen Kon­takt auf.
Art. 13 Soforthilfe und längerfristige Hilfe
1Die Be­ra­tungs­stel­len leis­ten dem Op­fer und sei­nen An­ge­hö­ri­gen so­fort Hil­fe für die drin­gends­ten Be­dürf­nis­se, die als Fol­ge der Straf­tat ent­ste­hen (So­fort­hil­fe).
2Sie leis­ten dem Op­fer und des­sen An­ge­hö­ri­gen so­weit nö­tig zu­sätz­li­che Hil­fe, bis sich der ge­sund­heit­li­che Zu­stand der be­trof­fe­nen Per­son sta­bi­li­siert hat und bis die üb­ri­gen Fol­gen der Straf­tat mög­lichst be­sei­tigt oder aus­ge­gli­chen sind (län­ger­fris­ti­ge Hil­fe).
3Die Be­ra­tungs­stel­len kön­nen die So­fort­hil­fe und die län­ger­fris­ti­ge Hil­fe durch Drit­te er­brin­gen las­sen.
Art. 14 Umfang der Leistungen
1Die Leis­tun­gen um­fas­sen die an­ge­mes­se­ne me­di­zi­ni­sche, psy­cho­lo­gi­sche, so­zia­le, ma­te­ri­el­le und ju­ris­ti­sche Hil­fe in der Schweiz, die als Fol­ge der Straf­tat not­wen­dig ge­wor­den ist. Die Be­ra­tungs­stel­len be­sor­gen dem Op­fer oder sei­nen An­ge­hö­ri­gen bei Be­darf ei­ne Not­un­ter­kunft.
2Ei­ne Per­son mit Wohn­sitz im Aus­land, die in der Schweiz Op­fer ei­ner Straf­tat wur­de, hat zu­dem An­spruch auf Kos­ten­bei­trä­ge an die Hei­lungs­kos­ten am Wohn­sitz.
Art. 15 Zugang zu den Beratungsstellen
1Die Kan­to­ne sor­gen da­für, dass das Op­fer und sei­ne An­ge­hö­ri­gen in­nert an­ge­mes­se­ner Frist So­fort­hil­fe er­hal­ten kön­nen.
2Die Leis­tun­gen der Be­ra­tungs­stel­len kön­nen un­ab­hän­gig vom Zeit­punkt der Be­ge­hung der Straf­tat in An­spruch ge­nom­men wer­den.
3Das Op­fer und sei­ne An­ge­hö­ri­gen kön­nen sich an ei­ne Be­ra­tungs­stel­le ih­rer Wahl wen­den.
Art. 16 Kostenbeiträge für längerfristige Hilfe Dritter
Die Kos­ten für län­ger­fris­ti­ge Hil­fe Drit­ter wer­den wie folgt ge­deckt:
ganz, wenn im Sin­ne von Ar­ti­kel 6 Ab­sät­ze 1 und 2 die an­re­chen­ba­ren Ein­nah­men der an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­son den dop­pel­ten mass­ge­ben­den Be­trag für den all­ge­mei­nen Le­bens­be­darf nicht über­stei­gen;
an­teils­mäs­sig, wenn im Sin­ne von Ar­ti­kel 6 Ab­sät­ze 1 und 2 die an­re­chen­ba­ren Ein­nah­men der an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­son zwi­schen dem dop­pel­ten und dem vier­fa­chen mass­ge­ben­den Be­trag für den all­ge­mei­nen Le­bens­be­darf lie­gen.
1 Sie­he Art. 49 (Ko­or­di­na­ti­on mit dem ELG)
3. Abschnitt: Straftat im Ausland
1Bei ei­ner Straf­tat im Aus­land ha­ben An­spruch auf Hil­fe nach die­sem Ka­pi­tel:
das Op­fer, wenn es im Zeit­punkt der Straf­tat und im Zeit­punkt der Ge­such­stel­lung Wohn­sitz in der Schweiz hat­te;
die An­ge­hö­ri­gen des Op­fers, wenn so­wohl sie als auch das Op­fer im Zeit­punkt der Straf­tat und im Zeit­punkt der Ge­such­stel­lung Wohn­sitz in der Schweiz hat­ten.
2Hil­fe wird nur ge­leis­tet, wenn der Staat, in dem die Straf­tat be­gan­gen wur­de, kei­ne oder kei­ne ge­nü­gen­den Leis­tun­gen er­bringt.
4. Abschnitt: Kostenverteilung zwischen den Kantonen
1Ein Kan­ton, der Leis­tun­gen nach die­sem Ka­pi­tel zu Guns­ten von Per­so­nen mit Wohn­sitz in ei­nem an­de­ren Kan­ton er­bringt, er­hält von die­sem ei­ne Ab­gel­tung.
2So­fern die­se Ab­gel­tun­gen nicht im Rah­men ei­ner in­ter­kan­to­na­len Re­ge­lung er­fol­gen, gel­ten fol­gen­de Grund­sät­ze: Der Wohn­sitz­kan­ton leis­tet Pau­schal­bei­trä­ge an den leis­tungs­er­brin­gen­den Kan­ton. Be­rech­nungs­ba­sis ist der ge­sam­te Auf­wand der Kan­to­ne für die Leis­tun­gen nach die­sem Ka­pi­tel im Ver­hält­nis zur Zahl der Per­so­nen, die die­se Op­fer­hil­fe­leis­tun­gen er­hal­ten ha­ben.
3. Kapitel: Entschädigung und Genugtuung durch den Kanton
1. Abschnitt: Entschädigung
Art. 19 Anspruch
1Das Op­fer und sei­ne An­ge­hö­ri­gen ha­ben An­spruch auf ei­ne Ent­schä­di­gung für den er­lit­te­nen Scha­den in­fol­ge Be­ein­träch­ti­gung oder Tod des Op­fers.
2Der Scha­den wird nach den Ar­ti­keln 45 (Scha­den­er­satz bei Tö­tung) und 46 (Scha­den­er­satz bei Kör­per­ver­let­zung) des Ob­li­ga­tio­nen­rechts1 fest­ge­legt. Vor­be­hal­ten blei­ben die Ab­sät­ze 3 und 4.
3Nicht be­rück­sich­tigt wer­den Sach­scha­den so­wie Scha­den, wel­cher Leis­tun­gen der So­fort­hil­fe oder der län­ger­fris­ti­gen Hil­fe nach Ar­ti­kel 13 aus­lö­sen kann.
4Haus­halt­scha­den und Be­treu­ungs­scha­den wer­den nur be­rück­sich­tigt, wenn sie zu zu­sätz­li­chen Kos­ten oder zur Re­duk­ti­on der Er­werbs­tä­tig­keit füh­ren.
Art. 20 Festsetzung
1Leis­tun­gen, wel­che die ge­such­stel­len­de Per­son von Drit­ten als Scha­den­er­satz er­hal­ten hat, wer­den für die Be­rech­nung der Ent­schä­di­gung auf den Scha­den an­ge­rech­net.
2Die Ent­schä­di­gung deckt den Scha­den:
ganz, wenn im Sin­ne von Ar­ti­kel 6 Ab­sät­ze 1 und 2 die an­re­chen­ba­ren Ein­nah­men der an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­son den mass­ge­ben­den Be­trag für den all­ge­mei­nen Le­bens­be­darf nicht über­stei­gen;
an­teils­mäs­sig, wenn im Sin­ne von Ar­ti­kel 6 Ab­sät­ze 1 und 2 die an­re­chen­ba­ren Ein­nah­men der an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­son zwi­schen dem ein­fa­chen und dem vier­fa­chen mass­ge­ben­den Be­trag für den all­ge­mei­nen Le­bens­be­darf lie­gen.1
3Die Ent­schä­di­gung be­trägt höchs­tens 120 000 Fran­ken; kei­ne Ent­schä­di­gung wird aus­ge­rich­tet, wenn sie we­ni­ger als 500 Fran­ken be­tra­gen wür­de.
4Die Ent­schä­di­gung kann in meh­re­ren Teil­zah­lun­gen aus­ge­rich­tet wer­den.
Art. 21 Vorschuss
Die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Be­hör­de ge­währt einen Vor­schuss, wenn:
die an­spruchs­be­rech­tig­te Per­son so­for­ti­ge fi­nan­zi­el­le Hil­fe be­nö­tigt; und
die Fol­gen der Straf­tat kurz­fris­tig nicht mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit fest­zu­stel­len sind.
2. Abschnitt: Genugtuung
1Das Op­fer und sei­ne An­ge­hö­ri­gen ha­ben An­spruch auf ei­ne Ge­nug­tu­ung, wenn die Schwe­re der Be­ein­träch­ti­gung es recht­fer­tigt; die Ar­ti­kel 47 und 49 des Ob­li­ga­tio­nen­rechts1 sind sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.
2Der An­spruch auf Ge­nug­tu­ung ist nicht ver­erb­lich.
Art. 23 Festsetzung
1Die Ge­nug­tu­ung wird nach der Schwe­re der Be­ein­träch­ti­gung be­mes­sen.
2Sie be­trägt höchs­tens:
70 000 Fran­ken für das Op­fer;
35 000 Fran­ken für An­ge­hö­ri­ge.
3Ge­nug­tu­ungs­leis­tun­gen Drit­ter wer­den ab­ge­zo­gen.
Wer An­spruch auf ei­ne Ent­schä­di­gung oder Ge­nug­tu­ung gel­tend ma­chen oder einen Vor­schuss auf Ent­schä­di­gung er­hal­ten will, muss bei der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Be­hör­de ein Ge­such stel­len.
Art. 25 Fristen
1Das Op­fer und sei­ne An­ge­hö­ri­gen müs­sen das Ge­such um Ent­schä­di­gung und Ge­nug­tu­ung in­nert fünf Jah­ren nach der Straf­tat oder nach Kennt­nis der Straf­tat ein­rei­chen; an­dern­falls ver­wir­ken die An­sprü­che.
2Das Op­fer kann bis zum vollen­de­ten 25. Le­bens­jahr ein Ge­such stel­len:
bei Straf­ta­ten nach Ar­ti­kel 97 Ab­satz 2 des Straf­ge­setz­bu­ches1 und Ar­ti­kel 55 Ab­satz 2 des Mi­li­tär­straf­ge­set­zes vom 13. Ju­ni 19272;
bei ver­such­tem Mord an ei­nem Kind un­ter 16 Jah­ren.
3Ha­ben das Op­fer oder sei­ne An­ge­hö­ri­gen in ei­nem Straf­ver­fah­ren vor Ab­lauf der Fris­ten nach Ab­satz 1 oder 2 Zi­vil­an­sprü­che gel­tend ge­macht, so kön­nen sie in­nert ei­nem Jahr ab end­gül­ti­gem Ent­scheid über die Zi­vil­an­sprü­che oder die Ein­stel­lung des Straf­ver­fah­rens ein Ge­such um Ent­schä­di­gung und Ge­nug­tu­ung stel­len.
Art. 26 Zuständiger Kanton
1Zu­stän­dig ist der Kan­ton, in wel­chem die Straf­tat be­gan­gen wor­den ist.
2Ist die Straf­tat an meh­re­ren Or­ten aus­ge­führt wor­den oder ist der Er­folg an meh­re­ren Or­ten ein­ge­tre­ten, so ist zu­stän­dig:
der Kan­ton, in dem die Stra­fun­ter­su­chung zu­erst an­ge­ho­ben wur­de;
falls kei­ne Stra­fun­ter­su­chung an­ge­ho­ben wur­de: der Wohn­sitz­kan­ton der an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­son;
falls kei­ne Stra­fun­ter­su­chung an­ge­ho­ben wur­de und die an­spruchs­be­rech­tig­te Per­son über kei­nen Wohn­sitz in der Schweiz ver­fügt: der Kan­ton, in dem das ers­te Ge­such um Ent­schä­di­gung oder Ge­nug­tu­ung ge­stellt wur­de.
Art. 27 Herabsetzung oder Ausschluss der Entschädigung und der Genugtuung
1Die Ent­schä­di­gung und die Ge­nug­tu­ung des Op­fers kön­nen her­ab­ge­setzt oder aus­ge­schlos­sen wer­den, wenn das Op­fer zur Ent­ste­hung oder zur Ver­schlim­me­rung der Be­ein­träch­ti­gung bei­ge­tra­gen hat.
2Die Ent­schä­di­gung und die Ge­nug­tu­ung von An­ge­hö­ri­gen des Op­fers kön­nen her­ab­ge­setzt oder aus­ge­schlos­sen wer­den, wenn die­se oder das Op­fer zur Ent­ste­hung oder zur Ver­schlim­me­rung der Be­ein­träch­ti­gung bei­ge­tra­gen ha­ben.
3Die Ge­nug­tu­ung kann her­ab­ge­setzt wer­den, wenn die an­spruchs­be­rech­tig­te Per­son Wohn­sitz im Aus­land hat und die Hö­he der Ge­nug­tu­ung auf Grund der Le­bens­hal­tungs­kos­ten am Wohn­sitz un­ver­hält­nis­mäs­sig wä­re.
Art. 28 Zinsen
Für die Ent­schä­di­gung und die Ge­nug­tu­ung wer­den kei­ne Zin­sen ge­schul­det.
1Die Kan­to­ne se­hen ein ein­fa­ches und ra­sches Ver­fah­ren vor. Ein Ge­such um Vor­schuss auf Ent­schä­di­gung wird auf Grund ei­ner sum­ma­ri­schen Prü­fung des Ent­schä­di­gungs­ge­suchs be­ur­teilt.
2Die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Be­hör­de stellt den Sach­ver­halt von Am­tes we­gen fest.
3Die Kan­to­ne be­stim­men ei­ne ein­zi­ge, von der Ver­wal­tung un­ab­hän­gi­ge Be­schwer­de­in­stanz; die­se hat freie Über­prü­fungs­be­fug­nis.
4. Kapitel: Befreiung von Verfahrenskosten
1Für ih­re Ver­fah­ren be­tref­fend die Ge­wäh­rung von Be­ra­tung, So­fort­hil­fe, län­ger­fris­ti­ger Hil­fe, Ent­schä­di­gung so­wie Ge­nug­tu­ung, er­he­ben die Ver­wal­tungs- und Ge­richts­be­hör­den vom Op­fer und sei­nen An­ge­hö­ri­gen kei­ne Kos­ten.
2Vor­be­hal­ten bleibt die Kos­ten­auf­la­ge bei mut­wil­li­ger Pro­zess­füh­rung.
3Das Op­fer und sei­ne An­ge­hö­ri­gen müs­sen die Kos­ten für einen un­ent­gelt­li­chen Rechts­bei­stand nicht zu­rück­er­stat­ten.
5. Kapitel: Finanzielle Leistungen und Aufgaben des Bundes
Art. 31 Ausbildung
1Der Bund ge­währt Fi­nanz­hil­fen zur För­de­rung der Fach­aus­bil­dung des Per­so­nals der Be­ra­tungs­stel­len und der mit der Op­fer­hil­fe Be­trau­ten.
2Er trägt den be­son­de­ren Be­dürf­nis­sen be­stimm­ter Op­fer­ka­te­go­ri­en Rech­nung, ins­be­son­de­re den Be­dürf­nis­sen min­der­jäh­ri­ger Op­fer von Straf­ta­ten ge­gen die se­xu­el­le In­te­gri­tät.
Art. 32 Ausserordentliche Ereignisse
1Er­wach­sen ei­nem Kan­ton in­fol­ge aus­ser­or­dent­li­cher Er­eig­nis­se be­son­ders ho­he Auf­wen­dun­gen, so kann der Bund ihm Ab­gel­tun­gen ge­wäh­ren.
2Im Fal­le aus­ser­or­dent­li­cher Er­eig­nis­se ko­or­di­niert der Bund in Zu­sam­men­ar­beit mit den Kan­to­nen so­weit nö­tig die Tä­tig­keit der Be­ra­tungs­stel­len und der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Be­hör­den.
Der Bun­des­rat sorgt da­für, dass Zweck­mäs­sig­keit, Wirk­sam­keit und Wirt­schaft­lich­keit der Mass­nah­men nach die­sem Ge­setz pe­ri­odisch über­prüft wer­den.
6. Kapitel: …
Art. 45 Rechtsetzungsbefugnisse des Bundesrates
1Der Bun­des­rat passt die Höchst- und Min­dest­be­trä­ge nach Ar­ti­kel 20 Ab­satz 3 pe­ri­odisch der Teue­rung an; er kann die Höchst­be­trä­ge nach Ar­ti­kel 23 Ab­satz 2 der Teue­rung an­pas­sen.
2Er er­lässt Vor­schrif­ten für die Be­rech­nung der kan­to­na­len Pau­schal­bei­trä­ge nach Ar­ti­kel 18 Ab­satz 2 und über die da­zu nö­ti­gen sta­tis­ti­schen Er­he­bun­gen.
3Er kann Vor­schrif­ten zur Aus­ge­stal­tung der Kos­ten­bei­trä­ge für län­ger­fris­ti­ge Hil­fe Drit­ter, der Ent­schä­di­gung und der Ge­nug­tu­ung er­las­sen und ins­be­son­de­re Pau­scha­len oder Ta­ri­fe für die Ge­nug­tu­ung fest­set­zen. Er kann da­bei von der Re­ge­lung im ELG1 ab­wei­chen, um der be­son­de­ren Si­tua­ti­on des Op­fers und sei­ner An­ge­hö­ri­gen Rech­nung zu tra­gen.
Das Op­fer­hil­fe­ge­setz vom 4. Ok­to­ber 19911 wird auf­ge­ho­ben.
1 [AS 1992 2465, 1997 2952 Ziff. III, 2002 2997, 2005 5685 An­hang Ziff. 20]
Art. 48 Übergangsbestimmungen
Das bis­he­ri­ge Recht gilt für:
An­sprü­che auf Ent­schä­di­gung oder Ge­nug­tu­ung für Straf­ta­ten, die vor In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ver­übt wor­den sind; für An­sprü­che aus Straf­ta­ten, die we­ni­ger als zwei Jah­re vor dem In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ver­übt wor­den sind, gel­ten die Fris­ten nach Ar­ti­kel 25;
hän­gi­ge Ge­su­che um Kos­ten­bei­trä­ge, die vor dem In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ein­ge­reicht wur­den.
Art. 49 Koordination des vorliegenden Gesetzes (neues OHG) mit dem Bundesgesetz vom
6.Oktober 2006 über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (neues ELG)
Un­ab­hän­gig da­von, ob das neue ELG oder das neue OHG zu­erst in Kraft tritt, lau­ten die nach­ste­hen­den Be­stim­mun­gen des neu­en OHG mit In­kraft­tre­ten des spä­ter in Kraft tre­ten­den Ge­set­zes so­wie bei gleich­zei­ti­gem In­kraft­tre­ten wie folgt:2
2 Das ELG trat am 1. Jan. 2008 in Kraft.