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Timestamp: 2017-11-22 20:28:23
Document Index: 79212105

Matched Legal Cases: ['§3', '§3', '§1', '§ 4', '§8', '§3', '§8', '§ 4', '§ 4']

Home / Forum / Allgemeine Foren / Grundlagen Rechnungswesen / Deutsche Firma, gekauft im Ausland, genutzt im 2. Ausland, UmsatzST?
Beiträge: 3 Punkte: 3 Registrierung: 14.11.2017
14.11.2017 09:14:38
folgende Konstellation, ein Schiff wird in Frankreich gebaut, von einer deutschen Firma A über die deutsche Werftvertretung B gekauft, die auch die Rechnung in Deutschland an Firma A ausstellt. Das Schiff, unter deutscher Flagge, wird direkt von Frankreich nach Kroatien überführt und dort von Firma A verchartert, ist also nie in Deutschland gewesen.
Wie muss die Rechnung aussehen die Firma B an A stellt und kann die Netto gestellt werden? Welche UmStIDs müssen genutzt werden? Braucht Firma A eine kroatische UmStID?
14.11.2017 19:50:15
Beiträge: 616 Punkte: 9634 Registrierung: 22.12.2009
14.11.2017 20:22:48
Das glaube ich nicht, denn der Sachverhalt lässt keine eindeutige Lösung zu. Die Bestimmung des Leistungsortes ist bei Lieferungen bzw. innergemeinschaftlichen Erwerben von Beförderungsmitteln regelmäßig ein Problem.
Der BFH hat mit Urteil vom 20.12.2006, V R 11/06, (klick!) über einen ähnlichen Fall entschieden. Überträgt man die Urteilsgrundsätze auf den obigen Sachverhalt spricht einiges für Kroatien als Ort des innergemeinschaftlichen Erwerbs. Allerdings würde ich mich nicht darauf festnageln lassen wollen.
Bearbeitet: gustav - 14.11.2017 20:23:33
14.11.2017 21:55:01
ich finde es gar nicht sooo schwer, zumindest meiner Ansicht nach.
Ich finde nur, das jemand der sich so ein richtig großes SChiff leisten kann für ein paar Millionen, auch einen Steuerberater zur USt fragen kann
Geht ja nicht um wenig Geld. Bzw wenn es eine Schulaufgabe wäre, dann sollte der Threadersteller auch Lösungsansätze bringen.
Aber jetzt hast du mich angestachelt mit deiner Antwort
Der einzigsten 2 Sachverhalte die für mich unklar sind -->
1. Gehört der deutschen Werfvertretung B das Schiff oder gibt es hier vorab noch einen "C". Aber ich unterstelle einmal das dieses Schiff B gehört, auch schon vor Rechnungsstellung und somit kein Reihengeschäft vorliegt.
2. Die genaueren Lieferbedingungen des Vertrages von B an A, ich unterstelle einmal das wahrscheinlichste, dass das Schiff nicht bewegt wird und direkt in dem Hafen bzw Werft die Verfügungsmacht übergeht. Und das wenn das SChiff dort losfährt dem A gehört und dieser es nach Kroatien befördert.
Nach §3(1) UStG liegt eine Lieferung vor, da dem A die Verfügungsmacht an dem Schiff verschafft wird.
Der Ort der Lieferung durch den Abnehmer im Abholungsfall ist dort, wo die Beförderung beginnt §3(6) Satz 1 UStG = Frankreich -->Die Lieferung ist somit nach deutschen Umsatzsteuerrecht nciht steuerbar.
Betrachtung aus französischer Sicht (nach deutscher Rechtslage):
Der Ort der Lieferung ist in Frankreich und somit ist die Lieferung steuerbar in Frankreich nach §1 (1) Nr. 1 Satz 1, aber aufgrund § 4 Nr.2 i.v.m. §8 (1) Nr.1 UStG steuerfrei, da Lieferung von einem Seeschiff, für den Erwerb in der Seeschifffahrt.
Im übrigen ist es auch egal, selbst wenn es eine ruhende Lieferung nach §3(7) UStG in Frankreich wäre, wäre diese steuerfrei nach §8.
Diese Vorschrift ist lex specialis gegenüber der innergemeisnchaftlichen Lieferung,die ggf greifen könnte im Fall Kroatien und geht somit der allgemeine Regelung vor.
Was sagst du dazu Gustav?
Bearbeitet: sroko - 14.11.2017 22:05:50
15.11.2017 10:35:37
vielen Dank für Eure Antworten, also es ist keine Schulaufgabe und das Schiff kostet auch keine Millionen und leider sind die Steuerberater sich nicht ganz einig, somit hoffe ich hier auf neue Denkansätze. So wie ich es verstanden habe wäre am einfachsten einmal nach DE und dann dort Rechnung inkl MwSt zu bekommen und diese wieder einzufordern. Leider liegt DE nicht auf dem Weg nach Kroatien und im Februar auch nicht unbedingt ein Traum Revier in der Nordsee 1.600 mls zusätzlich zu segeln. Und ich bin natürlich froh wenn ich nicht auch noch die MwSt vorstrecken muss, daher wäre es eleganter Weg wenn die MwSt nicht einmal im Kreis gereicht wird und ich direkt nach Kroatien starten kann.
Nur weil man ein Schiff kauft heißt das ja nicht, dass man unendlich Geld zur Verfügung hat, wenn man sich ein Auto kauft ist man doch auch froh wenn man Geld sparen kann.
vielen Dank für den Beitrag, ich gehe der Sache mal nach, wollte nur kurz eine Zwischenantwort geben.
15.11.2017 20:09:15
Srokos Ansatz ist mit Sicherheit ein sehr attraktiver, denn wenn die Steuerbefreiung für die Lieferungen von Seeschiffen greifen würde, wäre der Eigner aller Sorgen ledig. Die Steuerbefreiung gilt sowohl für Lieferungen (§ 4 Nr. 2 UStG) als auch für innergemeinschaftliche Erwerbe (§ 4b Nr. 1 UStG). Allerdings ist nicht jedes Schiff ein Wasserfahrzeug für die Seeschifffahrt, nur weil es auf dem Meer fährt. Die Steuerbefreiung gilt insbesondere für Seeschiffe der Handelsschifffahrt, seegehende Fahrgast- und Fährschiffe, Fischereifahrzeuge und Schiffe des Seeschifffahrtshilfsgewerbes, z.B. Seeschlepper und Bugsierschiffe. Nict begünstigt sind Umsätze mit Sportbooten, Wassersportfahrzeugen, Hochseemotorbooten, Hochseesegelyachten, Luxusyachten u. ä., selbst wenn diese hochseetauglich sind und verchartert werden (vgl. BFH-Urteile vom 13.2.1992, V R 140/90 und V R 141/90).
15.11.2017 21:25:32
klar bin noch jetzt von einem großen Schiff ausgegenagen, für Passagierfahrten usw. Wenn es "nur" einen Yacht ist, dann geht es wohl nicht.
So wie Timbo jetzt schreibt klingt es ja eher nach einer kleinen Yacht/Hochseemotorboot.
Der Sachverhalt oben klang für mich so nach einem riesigen Schiff.
16.11.2017 06:55:37
Ja, der Eingangsthread hatte das offen gelassen. Ganz allgemein hängt die Beurteilung dieses Sachverhalts in besonderem Maß von den tatsächlichen Umständen vor Ort ab.
16.11.2017 10:13:46
Vielen Dank für Eure Antworten, es ist ein 13m Katamaran, hätte ich tatsächlich dazu schreiben sollen, sorry.
Es wird wohl tatsächlich die Lösung werden mit der kroatischen UmStID. Ich werde nochmal berichten.
16.11.2017 21:45:27
Ja, wenn er 8er nicht greift mit der Befreiung, dann komme ich auch nur zur UStID und Erklärung des Erwerbs in Kroatien.
Du könntest die Lieferung auch steuerfrei bekommen über den 3d Satz 2 UStG und den i.g Erwerb in Deutschland erklären, aber dann darfst du dir in Deutschland keine kurzzeitig keine Vorsteuer ziehen. Aber zumindest wäre dann der Erwerb steuerfrei in Frankreich.
Dann könntest du dir evtl etwas Zeit verschafften bis du die ID hast und must dann den Erwerb in Kroatien erklären und darfst dann auch die VSt in Deutschland holen.
Bearbeitet: sroko - 16.11.2017 22:37:04