Source: https://urteile-gesetze.de/rechtsprechung/4-str-381-17
Timestamp: 2019-02-23 09:15:26
Document Index: 241053125

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 176', '§ 176', 'BGH', '§ 176', 'BGH', '§ 176', '§ 176', '§ 176']

4 StR 381/17 - Urteil BGH vom 14.09.2017
BGH 14.09.2017 - 4 StR 381/17
Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern: Voraussetzungen für eine Tateinheit zwischen Grunddelikt und Qualifikation
ECLI:DE:BGH:2017:140917B4STR381.17.0
vorgehend LG Dessau-Roßlau, 9. März 2017, Az: 1 KLs 443 Js 7535/16
b) Diese konkurrenzrechtliche Bewertung hält rechtlicher Überprüfung nicht stand. Der Tatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern (§ 176 Abs. 1 StGB) wird durch den Qualifikationstatbestand des vollendeten schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern (§ 176a Abs. 1 StGB) verdrängt (vgl. BGH, Beschluss vom 26. Mai 2004 - 4 StR 119/04, NStZ 2005, 90; Beschluss vom 4. Juni 2003 - 2 StR 144/03; Wolters in: SSW-StGB, 3. Aufl., § 176a Rn. 22). Tateinheit kann lediglich ausnahmsweise dann anzunehmen sein, wenn in der Verwirklichung des Grunddelikts ein gegenüber der Qualifikation selbständig zu berücksichtigender Unrechtsgehalt liegt, der den Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung des Opfers vertieft hat (vgl. BGH, Beschluss vom 16. Dezember 2015 - 2 StR 191/15, NStZ-RR 2016, 109; Folkers, JR 1997, 11, 17; Hörnle in: Leipziger Kommentar z. StGB, 12. Aufl., 2009, § 176a Rn. 93). Ein solcher Fall liegt hier aber nicht vor. Das zutreffend als sexueller Missbrauch gemäß § 176 Abs. 1 StGB bewertete Geschehen weist gegenüber den nachfolgenden, den Tatbestand des § 176a Abs. 2 Nr. 1 StGB erfüllenden sexuellen Handlungen eine nur vergleichsweise geringe Eingriffsintensität auf.