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Timestamp: 2016-10-22 19:56:46
Document Index: 70831469

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 61/01 (28.05.2002)
Pr�sidentin Leuzinger, Bundesrichter R�edi und Ferrari; Gerichtsschreiber Widmer
G.________, 1958, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Lorenzo Schmid, Vazerolgasse 2, 7000 Chur,
Winterthur-Versicherungen, General Guisan-Strasse 40, 8400 Winterthur, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt Reto Zanotelli, Weinbergstrasse 43, 8006 Z�rich,
A.- Der 1958 geborene G.________ arbeitete seit Juni 1987 als Leiter Zahlungsverkehr bei der Bank Q.________ und war bei den Winterthur-Versicherungen (im Folgenden: Winterthur) obligatorisch gegen Unf�lle versichert. Am 6. August 1988, um 00.30 Uhr, ging er zu Fuss am linken Strassenrand der Kantonsstrasse von S.________ in Richtung T.________. Dabei wurde er von einem �berholenden Personenwagen von hinten angefahren und 2,55 m ins angrenzende Wiesland geschleudert. Er wurde ins Spital X.________ eingeliefert, wo eine Commotio cerebri, eine Unterschenkelfraktur rechts mit beginnendem Compartmentsyndrom sowie multiple Prellungen und Kontusionen diagnostiziert wurden. Nach der operativen Versorgung der Fraktur wurde G.________ am 23. August 1988 aus dem Spital entlassen. Am 14. Oktober 1988 berichtete der Hausarzt Dr. med. A.________, dass beim Versicherten seit dem Unfall eine ausgepr�gte psychische St�rung vorliege. Laut Bescheinigung des gleichen Arztes bestand bis 11. Dezember 1988 vollst�ndige und anschliessend bis 2. Januar 1989 h�lftige Arbeitsunf�higkeit. Die Winterthur erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Am 28. September 1992 erstattete der Psychiater Dr. med. B.________ ein Gutachten zuhanden der Invalidenversicherung. Er diagnostizierte eine posttraumatische Anpassungsst�rung (als psychogene Unfallfolge) und attestierte eine Arbeitsunf�higkeit von �ber 70 %. Nach Beizug einer Stellungnahme ihres beratenden Psychiaters Dr. med. C.________ vom 3. Mai 1994 lehnte die Winterthur mit Verf�gung vom 17. Juni 1994 den Anspruch auf eine Invalidenrente f�r die Folgen des Unfalls vom 6. August 1988 ab, weil zwischen diesem und der psychischen Erkrankung kein nat�rlicher Kausalzusammenhang bestehe. Nachdem G.________ Einsprache erhoben hatte, holte die Winterthur eine Expertise des Dr. med. N.________, Chefarzt der Psychiatrischen Klinik Y.________ (vom 21. August 1995), ein, welche sie Prof. K.________ zur Stellungnahme unterbreitete (Aktengutachten vom 30. September 1995). Mit Entscheid vom 13. November 1995 wies die Winterthur die Einsprache ab. Die vom Versicherten hiegegen erhobene Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Graub�nden in dem Sinne teilweise gut, dass es den Einspracheentscheid aufhob und die Sache zu erg�nzenden Abkl�rungen in medizinischer Hinsicht an die Versicherungsgesellschaft zur�ckwies (Entscheid vom 27. September 1996). Die Winterthur beauftragte den Psychiater PD Dr. med. M.________ mit der erneuten Begutachtung des Versicherten. Die Expertise vom 4. Mai 1998 wurde wiederum Dr. C.________ unterbreitet. Am 17. M�rz/18. Mai 1999 erstattete schliesslich Dr. med. R.________, Facharzt f�r Psychiatrie, im Auftrag der Winterthur ein weiteres Aktengutachten. Mit Verf�gung vom 6. August 1999 er�ffnete die Winterthur G.________, f�r die Folgen des Unfalls vom 6. August 1988 bestehe ab 21. Dezember 1991 weder ein Anspruch auf Taggeld- noch auf Rentenleistungen der Unfallversicherung, woran sie mit Einspracheentscheid vom 23. M�rz 2000 festhielt.
B.- Die vom Versicherten eingereichte Beschwerde, mit welcher er beantragen liess, unter Aufhebung des Einspracheentscheides sei ihm eine Invalidenrente zuzusprechen, wies das Verwaltungsgericht des Kantons Graub�nden ab (Entscheid vom 7. Dezember 2000).
C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst G.________ das vorinstanzlich gestellte Rechtsbegehren erneuern. Er legt u.a. eine Stellungnahme des PD Dr. M.________ vom 2. Februar 2001 auf.
W�hrend die Winterthur auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliesst, verzichtet das Bundesamt f�r Sozialversicherung auf eine Vernehmlassung.
1.- Die Vorinstanz hat festgestellt, dass zwischen dem versicherten Unfall vom 6. August 1988 und der in der Folge einsetzenden, �ber den 21. Dezember 1991 hinaus andauernden psychischen Fehlentwicklung, welche die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit erheblich einschr�nkt, ein nat�rlicher Kausalzusammenhang (vgl. BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b) besteht. In W�rdigung der Arztberichte und psychiatrischen Gutachten, welche zwar hinsichtlich der Diagnose Differenzen aufweisen, mehrheitlich die Unfallkausalit�t des psychischen Leidens des Beschwerdef�hrers aber klar bejahen, ist der Beurteilung des kantonalen Gerichts beizupflichten. Streitig und zu pr�fen ist hingegen die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs.
2.- Die Vorinstanz hat die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der in der Folge einsetzenden psychischen Fehlentwicklung mit Beeintr�chtigung der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit (BGE 115 V 133) zutreffend wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden.
3.- a) Beim Unfall vom 6. August 1988 wurde der Beschwerdef�hrer, der am linken Strassenrand ging, von einem Personenwagen, der mit einer Geschwindigkeit von rund 80 km/h ein anderes Auto �berholte, erfasst und 2,55 m ins angrenzende Wiesland geschleudert. Gem�ss Bericht des Spitals X.________, wo er nach dem Unfall hospitalisiert war, erlitt der Versicherte nebst multiplen Prellungen und Kontusionen eine Commotio cerebri und eine Unterschenkelfraktur rechts mit beginnendem Compartmentsyndrom. Ausserdem bestand der Verdacht auf ein Schleudertrauma der Halswirbels�ule (HWS). Der R�ntgenbefund ergab weder Sch�delfrakturen noch oss�re L�sionen an der HWS. Angesichts des augenf�lligen Geschehensablaufs und der mit Ausnahme der multiplen Frakturen am rechten Unterschenkel geringf�gigen Verletzungen, die sich der Beschwerdef�hrer zuzog, ist der Unfall im Rahmen der Einteilung, wie sie f�r die Belange der Ad�quanzbeurteilung vorzunehmen ist (BGE 115 V 138 Erw. 6), dem mittleren Bereich zuzuordnen, wie die Vorinstanz unter Hinweis auf �hnlich gelagerte F�lle (vgl. BGE 117 V 368 Erw. 7b; RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122) richtig festgestellt hat. Damit die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs bejaht werden k�nnte, m�sste eines der f�r die Beurteilung heranzuziehenden unfallbezogenen Kriterien (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa) in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt oder es m�ssten mehrere Kriterien gegeben sein.
b) Dies trifft hier nicht zu. Der Beschwerdef�hrer wurde nachts als Fussg�nger von einem von hinten mit einer Geschwindigkeit von ca. 80 km/h herannahenden Personenwagen angefahren und rund 2,5 m weggeschleudert. Das Unfallereignis ist wohl als eindr�cklich zu bezeichnen. Dieses Kriterium ist indessen bei objektiver Betrachtung nicht in derart ausgepr�gter Weise erf�llt, dass deswegen der ad�quate Kausalzusammenhang zu bejahen w�re.
Die nach dem Unfall diagnostizierte Commotio cerebri kann nicht zu den Verletzungen gez�hlt werden, die erfahrungsgem�ss geeignet sind, eine psychische Fehlentwicklung auszul�sen. Soweit in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde unter Berufung auf das psychiatrische Gutachten des PD Dr. M.________ vom 4. Mai 1998 geltend gemacht wird, der Versicherte habe beim Unfall eine hirnorganische Sch�digung erlitten, ist dem entgegenzuhalten, dass eine solche Verletzung (Contusio cerebri) von den behandelnden �rzten nie in Betracht gezogen oder gar festgestellt wurde. Der knapp zehn Jahre nach dem Unfall von einem der Gutachter vertretenen These, der psychische Gesundheitsschaden des Versicherten sei die Folge einer hirnorganischen Sch�digung, kommt im Zusammenhang mit der Frage nach allf�lligen, beim Ereignis erlittenen besonderen Verletzungen kein Beweiswert zu. Dies gilt umso mehr, als die �brigen Psychiater, die den Beschwerdef�hrer untersucht und begutachtet oder auf Grundlage der Akten eine Expertise erstattet haben, zu anderen Folgerungen als PD Dr. M.________ gelangten. Des Weiteren wurde die unmittelbar nach dem Unfall gestellte Verdachtsdiagnose eines Schleudertraumas der HWS sp�ter nicht erh�rtet, und beim Versicherten lag in der ersten Zeit nach dem Unfall mit Ausnahme von Nackenschmerzen namentlich auch nicht das f�r Distorsionsverletzungen der HWS typische Beschwerdebild (vgl. dazu BGE 117 V 360 Erw. 4b) vor. Dass er beim Unfall ein Schleudertrauma der HWS erlitten hat, welches erfahrungsgem�ss geeignet w�re, eine psychische Fehlentwicklung auszul�sen, ist somit nicht erstellt. Selbst wenn jedoch das Kriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzung ebenfalls erf�llt w�re, w�rde sich am Ergebnis nichts �ndern, da die weiteren rechtsprechungsgem�ss in die Beurteilung miteinzubeziehenden Kriterien (ungew�hnlich lange Dauer der �rztlichen Behandlung; k�rperliche Dauerschmerzen; �rztliche Fehlbehandlung; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunf�higkeit) allesamt unbestrittenermassen nicht gegeben sind. Aufgrund einer Gesamtw�rdigung kommt dem Unfall damit f�r die psychische Fehlentwicklung und die damit verbundene Arbeits- und Erwerbsunf�higkeit keine massgebende Bedeutung zu. Das kantonale Gericht hat den ad�quaten Kausalzusammenhang daher zu Recht verneint, womit die Leistungspflicht der Winterthur �ber den 21. Dezember 1991 hinaus entf�llt.