Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/gesellschaftsrecht/beweislast-fuer-die-zahlung-der-stammeinlage-371513
Timestamp: 2020-08-09 12:25:11
Document Index: 298040298

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 362', '§ 19', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Beweislast für die Zahlung der Stammeinlage | Rechtslupe
Beweislast für die Zahlung der Stammeinlage
Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [1] ist in einem Rechts­streit um die Erfül­lung einer Ein­la­ge­schuld (§ 19 Abs. 1 GmbHG, § 362 BGB) grund­sätz­lich der Infe­rent dar­le­gungs- und beweis­pflich­tig dafür, dass die Ein­la­ge voll­stän­dig erbracht ist. Das gilt im Grund­satz auch bei einem län­ge­ren Zeit­ab­stand seit der behaup­te­ten Zah­lung und spä­te­rem Erwerb des Geschäfts­an­teils durch den nun­meh­ri­gen Gesell­schaf­ter, wie hier dem Beklag­ten zu 2 [2].
Dabei unter­liegt es der – revi­si­ons­recht­lich nur ein­ge­schränkt über­prüf­ba­ren – Ent­schei­dung des Tatrich­ters, ob der Nach­weis geführt wor­den ist. Steht die Ein­zah­lung – wie hier – fest, dann ist es nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs aus Rechts­grün­den nicht zu bean­stan­den, wenn der Tatrich­ter ver­langt, dass der Insol­venz­ver­wal­ter für einen aus­nahms­wei­se nicht zur Til­gung der Ein­la­ge­schuld füh­ren­den Umstand Vor­trag hält. Ins­be­son­de­re nach einem lan­gen Zeit­raum wäre es einem Gesell­schaf­ter schwer­lich mög­lich, alle denk­ba­ren, der Erfül­lungs­wir­kung ent­ge­gen­ste­hen­den Umstän­de als nicht vor­han­den dar­zu­le­gen.
Nichts ande­res folgt aus dem Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs vom 8. Novem­ber 2004 [3]. Dort ist nicht etwa ent­schie­den, dass der Insol­venz­ver­wal­ter die Beweis­last dafür trägt, dass ein Hin- und Her­zah­len tat­säch­lich statt­ge­fun­den hat. Viel­mehr äußert sich der Bun­des­ge­richts­hof in die­ser Ent­schei­dung ledig­lich zur Vor­trags­last des Insol­venz­ver­wal­ters, wenn er aus­führt, dass bei unstrei­ti­ger oder bewie­se­ner Ein­la­geleis­tung auf ein Kon­to der Gesell­schaft von der Erfül­lung der Ein­la­ge­schuld (als bewie­se­ner Haupt­tat­sa­che) jeden­falls solan­ge aus­zu­ge­hen sei, als nicht vom Insol­venz­ver­wal­ter kon­kre­te Anhalts­punk­te dafür dar­ge­tan sind, dass die Gesell­schaft dar­an gehin­dert war, über den ein­ge­zahl­ten Betrag zu ver­fü­gen [4]. Danach obliegt dem Insol­venz­ver­wal­ter ledig­lich eine gestei­ger­te Vor­trags­last. Mit dem Beweis ist der Insol­venz­ver­wal­ter in die­sen Fäl­len jedoch nicht belas­tet, viel­mehr ver­bleibt die Beweis­last bei dem Infe­ren­ten, wenn der Insol­venz­ver­wal­ter sei­ner gestei­ger­ten Vor­trags­last nach­ge­kom­men ist.
Auf den Fall des „Hin- und Her­zah­lens“ über­tra­gen bedeu­tet das, dass der Insol­venz­ver­wal­ter – ange­sichts der unstrei­ti­gen Ein­zah­lung der Stamm­ein­la­ge auf das Kon­to der Schuld­ne­rin – Anhalts­punk­te dafür auf­zei­gen muss, dass trotz der Ein­zah­lung der Wert der Stamm­ein­la­ge nicht in das freie Ver­mö­gen der GmbH gelangt ist. Kommt er dem nach, muss der Infe­rent (und/​oder der Erwer­ber) sei­ner­seits dar­le­gen und bewei­sen, dass der Betrag im Ver­mö­gen der GmbH ver­blie­ben und nur für eige­ne Auf­wen­dun­gen der GmbH ver­wen­det wor­den ist.
Im Übri­gen betrifft die Bestim­mung des § 19 Abs. 5 GmbHG nicht alle Fäl­le gegen­läu­fi­ger Zah­lun­gen, son­dern nur sol­che, bei denen die Gesell­schaft mit der Rück­zah­lung einen – dazu noch voll­wer­ti­gen und liqui­den – Anspruch gegen den Gesell­schaf­ter erwirbt [5]. Dies ist nicht der Fall, wenn eine rei­ne Schein­zah­lung vor­liegt, bei der die im Vor­aus abge­spro­che­ne Rück­zah­lung kei­nen außer­halb die­ser Abre­de lie­gen­den Rechts­grund hat [6].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2013 – II ZR 142/​12
sie­he nur BGH, Urteil vom 22.06.1992 – II ZR 30/​91, ZIP 1992, 1303, 1305; Urteil vom 13.09.2004 – II ZR 137/​02, ZIP 2005, 28, 29[↩]
BGH, Beschluss vom 09.07.2007 – II ZR 222/​06, ZIP 2007, 1755 Rn. 2[↩]
BGH, Beschluss vom 08.11.2004 – II ZR 202/​03, DStR 2005, 297[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 03.12 1990 – II ZR 215/​89, ZIP 1991, 445, 446 f.; s. auch Goe­t­te, DStR 2005, 297 f. sowie Leit­zen, RNotZ 2010, 254, 255 mwN[↩]
sie­he hier­zu BGH, Beschluss vom 10.07.2012 – II ZR 212/​10, ZIP 2012, 1857 Rn. 18; Urteil vom 20.07.2009 – II ZR 273/​07, BGHZ 182, 103 Rn. 11, 26 ff. – Cash­Pool II[↩]
vgl. inso­weit BGH, Urteil vom 18.02.1991 – II ZR 104/​90, BGHZ 113, 335, 347; Urteil vom 22.03.2004 – II ZR 7/​02, ZIP 2004, 1046, 1047[↩]
Der zeit­li­che Abstand zur Tat – und die über­lan­ge… Hat das Land­ge­richt im Rah­men der Straf­zu­mes­sung zuguns­ten des Ange­klag­ten ledig­lich berück­sich­tigt, dass „die Tat zum Zeit­punkt der Haupt­ver­hand­lung rund 5 Jah­re zurück­lag“, lässt dies…
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