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Timestamp: 2016-10-25 08:34:42
Document Index: 176145630

Matched Legal Cases: ['Art. 93', 'Art. 93', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 19', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 68']

8C_857/2014 (03.03.2015)
8C_857/2014 � � Urteil vom 3. M�rz 2015
AXA Versicherungen AG, General Guisan-Strasse 40, 8400 Winterthur, vertreten durch Advokatin Stefanie Stoll,
Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, vom 31. Juli 2014.
Die 1971 geborene A.________ war seit 5. Juli 2006 Gesch�ftsf�hrerin des Cabaret B.________ und damit bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend AXA) obligatorisch unfallversichert. Seit 15. April 2008 war sie beim Psychiater Dr. med. C.________ wegen depressivem Zustandsbild im Zusammenhang mit Arbeitsbelastung, Stress in ihrer Umgebung und Gewalt im Gesch�ft in Behandlung. Am 15. November 2008 wurde auf das Cabaret durch einen ehemaligen Freund der Versicherten ein Brandanschlag ver�bt. Dabei wurden drei ihrer Mitarbeiterinnen get�tet. Die Versicherte, ihre Mutter und der Buchhalter des Cabarets �berlebten. Die AXA holte Gutachten der Psychiater Dres. med. D.________ vom 28. Juni 2009 und E.________, Medizinische Abkl�rungsstelle F.________, vom 11. Oktober 2010 ein. Letzterer stellte folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsf�higkeit: Posttraumatische Belastungsst�rung (ICD-10 F43.1) mit mittelschwerem Auspr�gungsgrad; ohne Auswirkung auf die Arbeitsf�higkeit seien Angst und Depression gemischt (ICD-10 F41.2) mit Vermeidungsverhalten. Die AXA kam f�r die Heilbehandlung und das Taggeld auf. Vom 4. August 2011 bis 6. Januar 2012 liess sie die Versicherte privatdetektivlich observieren. Mit Verf�gung vom 22. Mai 2013 stellte sie die Leistungen per Ende Dezember 2012 ein und verneinte den Anspruch auf eine Rente und eine Integrit�tsentsch�digung. Die dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Entscheid vom 4. Oktober 2013 im Sinne der Erw�gungen ab.
Die hiegegen gef�hrte Beschwerde hiess das Kantonsgericht Basel-Landschaft in dem Sinne gut, als es den Einspracheentscheid aufhob und die Sache an die AXA zur�ckwies, damit sie nach erfolgter Abkl�rung im Sinne der Erw�gungen �ber den Leistungsanspruch der Versicherten neu verf�ge (Entscheid vom 31. Juli 2014).
Mit Beschwerde beantragt die AXA, der kantonale Entscheid sei insofern aufzuheben, als darin eine Pr�fung der ad�quaten Kausalit�t vorweggenommen und diese bejaht worden sei. Zudem sei die R�ckweisung der Vorinstanz dahin gehend zu erg�nzen, dass die Versicherte gerichtlich anzuweisen sei, die Erm�chtigung zur Herausgabe der Akten betreffend Vorzustand (Krankengeschichte) an den Psychiater Dr. med. C.________ zu erteilen, und dieser zur Herausgabe dieser Akten zu verpflichten sei. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
W�hrend die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde schliesst, soweit darauf einzutreten sei, verzichtet das Bundesamt f�r Gesundheit auf eine Vernehmlassung.
1.1.�Beim angefochtenen R�ckweisungsentscheid handelt es sich, da das Verfahren noch nicht abgeschlossen wird und die R�ckweisung auch nicht einzig der Umsetzung des oberinstanzlich Angeordneten dient, um einen selbstst�ndig er�ffneten Vor- oder Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 BGG. Die Zul�ssigkeit der Beschwerde setzt somit - alternativ - voraus, dass der Entscheid einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann (Abs. 1 lit. a) oder dass die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeif�hren und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten f�r ein weitl�ufiges Beweisverfahren ersparen w�rde (Abs. 1 lit. b).
1.2.�Unbestritten ist, dass es beim Brand des Cabarets vom 15. November 2008 um ein Schreckereignis handelte (hierzu vgl. E. 4 hienach). Die AXA stellte im streitigen Einspracheentscheid vom 4. Oktober 2013 die Leistungen per 31. Dezember 2012 ein, weil ihrer Ansicht nach der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen diesem Ereignis und den psychischen Beschwerden der Versicherten nicht mehr gegeben gewesen sei; die Frage der nat�rlichen Kausalit�t liess sie offen. Die Vorinstanz bejahte die ad�quate Kausalit�t zwischen dem Brand vom 15. November 2008 und den psychischen Beschwerden der Versicherten; bez�glich der Frage nach der nat�rlichen Kausalit�t wies sie die Sache zu weiteren medizinischen Abkl�rungen an die AXA zur�ck. Im Umstand, dass der vorinstanzliche Entscheid mit der Bejahung der ad�quaten Kausalit�t materiell verbindliche Feststellungen enth�lt, welche die AXA bei Vorliegen der �brigen Erfordernisse verpflichten, Leistungen zuzusprechen, und der darauf beruhende Endentscheid praktisch nicht angefochten und das Ergebnis nicht mehr korrigiert werden k�nnte, ist ein nicht wieder gutzumachender Nachteil im Sinne des Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG zu erblicken (nicht publ. E. 1 des Urteils BGE 135 V 279, in: SVR 2009 UV Nr. 40 S. 137 [8C_531/2008]; SVR 2013 UV Nr. 3 S. 7 E. 1 [8C_398/2012]). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
Auf den Antrag der AXA, die Versicherte sei gerichtlich anzuweisen, die Erm�chtigung zur Aktenherausgabe durch Dr. med. C.________ zu erteilen, und dieser sei zur Aktenherausgabe zu verpflichten, ist nicht einzutreten. Denn diese Frage bildete nicht Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens (vgl. auch Urteil 8C_258/2014 vom 15. Dezember 2014 E. 3.1 f.).
Die Vorinstanz hat die Grundlagen �ber den f�r die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem Gesundheitsschaden im Allgemeinen (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f.) sowie bei psychischer Sch�digung nach einem Schreckereignis - Pr�fung der Ad�quanz nach der allgemeinen Formel: "gew�hnlicher Lauf der Dinge und allgemeine Lebenserfahrung" - im Besonderen (BGE 129 V 177; nicht publ. E. 6.1 des Urteils BGE 140 V 356, in SVR 2014 UV Nr. 25 S. 81 [8C_51/2014]) zutreffend dargelegt. Gleiches gilt bez�glich der Voraussetzungen f�r den Fallabschluss unter Einstellung der vor�bergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Pr�fung des Anspruchs auf Invalidenrente und Integrit�tsentsch�digung (Art. 19 Abs. 1 UVG; BGE 134 V 109 E. 4 S. 113 ff.). Darauf wird verwiesen.
5.1.�Die Vorinstanz erwog, es k�nne nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass von einer Fortsetzung der �rztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des unfallbedingt beeintr�chtigten Gesundheitszustandes mehr zu erwarten gewesen w�re. Dr. med. C.________ habe im Bericht vom 30. August 2012 darauf hingewiesen, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten etwas gebessert h�tte, und er habe keine 100%ige Arbeitsunf�higkeit mehr bescheinigt. Weiter sei den Berichten der Klinik G.________ vom 27. M�rz und 16. Mai 2013 zu entnehmen, dass sich ihr Gesundheitszustand l�ngerfristig verbessern k�nnte. Unter diesen Umst�nden erscheine es fraglich, ob die AXA den Fall per 31. Dezember 2012 habe abschliessen d�rfen. Diese Frage k�nne aber offen bleiben.
Die AXA macht geltend, obwohl die Vorinstanz den Endzustand noch nicht als eingetreten erachtet habe, habe sie den ad�quaten Kausalzusammenhang gepr�ft. Dies sei rechtswidrig, da die Ad�quanzpr�fung erst nach Vorliegen des Endzustands beurteilt werden d�rfe.
5.2.�Im Bericht vom 30. August 2012 sch�tzte Dr. med. C.________ die Arbeitsf�higkeit der Versicherten auf etwa 10 %; sie k�nnte steigerbar sein. Im Zeugnis vom 27. M�rz 2013 attestierte die Klinik G.________ - wo die Versicherte vom 13. M�rz bis 8. Mai 2013 hospitalisiert war - eine 100%ige Arbeitsunf�higkeit. Im Bericht vom 15. April 2013 verneinte diese Klinik eine Leistungs- bzw. Arbeitsf�higkeit; angesichts der Chronifizierung der Beschwerden und des aktuellen Schweregrades sei die Prognose kurz und mittelfristig (kommende Monate) ung�nstig; bei erfolgreicher Therapie und auch sozialer Rehabilitation k�nnte l�ngerfristig die Belastbarkeit gebessert werden; in welchem Umfang dabei die Arbeitsf�higkeit gesteigert werden k�nnte, sei nicht abzusch�tzen. Im Bericht vom 16. Mai 2013 f�hrte diese Klinik aus, die Versicherte werde sich bei Dr. med. C.________ zur Weiterbehandlung melden; es werde darum gehen, das im station�ren Rahmen Erlernte zu festigen und zu vertiefen, damit sie aktiv bleibe und aus dem Hause gehen k�nne. Aufgrund dieser Aktenlage kann nicht gesagt werden, dass von der Fortsetzung der �rztlichen Behandlung �berwiegend wahrscheinlich eine namhafte, ins Gewicht fallende Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten war. Der Fallabschluss per 31. Dezember 2012 - den �brigens die AXA selber vornahm - ist daher nicht zu beanstanden.
6.1.�Beim Brandanschlag auf das Cabaret vom 15. November 2008 wurden drei Mitarbeiterinnen der Versicherten get�tet. Diese, ihre Mutter und der Buchhalter �berlebten Die Vorinstanz hat mit einl�sslicher Begr�ndung - auf die verwiesen wird - richtig erkannt, dass dieses Schreckereignis nach dem gew�hnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet war, psychische Beschwerden bei der Versicherten herbeizuf�hren, weshalb der ad�quate Kausalzusammenhang zu bejahen sei. Die AXA bringt nichts vor, was gegen dieses Ergebnis sprechen w�rde.
6.2.1.�Die AXA wendet im Wesentlichen ein, eine ordnungsgem�sse Ad�quanzpr�fung sei nur m�glich, wenn die endg�ltigen Beschwerden der Versicherten und deren Ursache bekannt seien. Psychische Beschwerden k�nnten zun�chst zumindest teilweise unfallkausal sein, sp�ter jedoch durch unfallunabh�ngige Ursachen, die bereits vorher vorgelegen h�tten (Status quo sine) oder sp�ter hinzugetreten seien (Status quo ante), abgel�st werden. Es sei durchaus wahrscheinlich, dass die Ursache der andauernden Beschwerden der Versicherten nicht mehr im Bereich der Brandnacht, sondern in den multiplen Gewalterfahrungen bereits vor dem Unfall und den danach eingetreten neuen Belastungsfaktoren (Arbeitsverlust, schwierige finanzielle Situation und berufliche Neuorientierung, erneute Beziehungsprobleme resp. mittlerweile eventuell sogar bestehende Einsamkeit) liege. Unter diesem Umst�nden sei die durch die Vorinstanz bereits vorgenommene Ad�quanzpr�fung vor Einholung eines neues Gutachtens unter Bekanntgabe der gesamten Krankengeschichte des die Versicherte behandelnden Psychiaters bundesrechtswidrig. Wenn die Vorinstanz die Ad�quanz vor den entsprechenden medizinischen Abkl�rungen zum psychischen Gesundheitszustand bzw. zur nat�rlichen Unfallkausalit�t der Beschwerden bejahe, beraube sie die AXA der M�glichkeit, zum Ergebnis dieser Abkl�rungen Stellung zu nehmen und diese insbesondere bei der Ad�quanzpr�fung zu ber�cksichtigen. Zudem habe die Vorinstanz das Ergebnis der �berwachung der Versicherten mit keinem Wort erw�hnt.
6.2.2.�Diese Einw�nde sind nicht stichhaltig. Die Ad�quanzbeurteilung ist n�mlich nicht medizinischer, sondern rechtlicher Natur (BGE 134 V 109 E. 6.2.1 S. 117). Ein Ereignis hat dann als ad�quate Ursache eines Erfolgs zu gelten, wenn es nach dem gew�hnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuf�hren, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das Ereignis allgemein als beg�nstigt erscheint (129 V 177 E. 3.2 S. 181). Die Krankengeschichte der Versicherten bzw. eine medizinische Abkl�rung verm�chten an der an das �ussere Ereignis ankn�pfenden Ad�quanzbeurteilung nichts zu �ndern. Gleiches gilt f�r das Ergebnis der privatdetektivlichen Observation der Versicherten; dieses kann zusammen mit einer �rztlichen Aktenbeurteilung geeignet sein, eine gen�gende Basis f�r Sachverhaltsfeststellungen betreffend den Gesundheitszustand und die Arbeitsf�higkeit der Versicherten zu bilden (BGE 137 I 327 E. 7.1 S. 337).
6.2.3.�Gerade weil die Rechtsfrage der Ad�quanz, wenn sie verneint wird, fallentscheidend ist, kann es sinnvoll sein, weitere (allenfalls aufwendige oder belastende) Abkl�rungen zur nat�rlichen Kausalit�t oder zur Arbeitsf�higkeit der versicherten Person zu unterlassen. H�tte die Vorinstanz dar�ber nicht entschieden, h�tte die AXA die weiteren Abkl�rungen ohne Anfechtungsm�glichkeit beim Bundesgericht vornehmen m�ssen, obwohl sie selber der Ansicht war, die Ad�quanz sei nicht gegeben.
6.3.�Unbehelflich ist die Berufung der AXA auf das Urteil BGE 140 V 356 E. 5.5.3.5, da es dort um die Pr�fung des Kriteriums der Schwere oder der besonderen Art der erlittenen Verletzung aufgrund der Ad�quanzpraxis zu den psychischen Unfallfolgen nach BGE 115 V 133 ging. Eine analoge Heranziehung dieser Kriteriumspr�fung im Rahmen der hier anwendbaren allgemeinen Ad�quanzformel ist nicht gerechtfertigt.
Bei der Kl�rung der Frage nach der nat�rlichen Unfallkausalit�t der gesundheitlichen Beschwerden der Versicherten - in deren Rahmen die �rztlichen Angaben massgebend sind (BGE 118 V 286 E. 1b S. 290; Urteil 8C_492/2013 vom 10. Februar 2014 E. 6.2) - ist der Beizug der Akten des behandelnden Psychiaters Dr. med. C.________ sinnvoll, weil eine rechtsgen�gliche Beurteilung ohne diese nicht ohne weiteres m�glich erscheint.
Die unterliegende AXA tr�gt die Verfahrenskosten (Art. 66 Abs. 1, Art. 68 Abs. 2 BGG).
Die Beschwerdef�hrerin hat die Beschwerdegegnerin f�r das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 3249.70 zu entsch�digen.