Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/fortwirkung-der-arbeitslosmeldung-bei-laengerer-unterbrechung-377790
Timestamp: 2019-08-23 02:46:52
Document Index: 337913215

Matched Legal Cases: ['§ 126', '§ 142', '§ 323', '§ 323', '§ 122', '§ 122', '§ 122', '§ 118', '§ 416', '§ 929', '§ 935', '§ 26', '§ 3', 'BGH', '§ 115', '§ 122', '§ 122', '§ 147', '§ 122', '§ 323', '§ 122', '§ 122', '§ 145', '§ 122']

Fort­wir­kung der Arbeits­los­mel­dung bei län­ge­rer Unter­bre­chung | Rechtslupe
Eine Arbeits­los­mel­dung wirkt bei einer mehr als sechs­wö­chi­gen Unter­bre­chung der Arbeits­lo­sig­keit nach zwi­schen­zeit­li­cher Teil­nah­me an einer medi­zi­ni­schen Reha-Maß­nah­me nicht fort, wenn der bei Ent­las­sung aus der Reha-Maß­nah­me wei­ter­hin arbeits­un­fä­hi­ge Arbeits­lo­se die Auf­he­bung der Bewil­li­gung von Arbeits­lo­sen­geld wegen ander­wei­ti­gen Leis­tungs­be­zugs bestands­kräf­tig wer­den lässt, er sich (damit) bewusst für den Bezug von Kran­ken­geld anstatt fort­ge­zahl­tem Arbeits­lo­sen­geld ent­schei­det und sich erst nach Ende der Arbeits­un­fä­hig­keit wie­der arbeits­los mel­det, um für die Zukunft erneut Arbeits­lo­sen­geld zu bean­tra­gen1.
Nach § 126 Abs 1 S 1 SGB III aF ver­liert ein Arbeits­lo­ser, der wäh­rend des Bezugs von Arbeits­lo­sen­geld infol­ge Krank­heit arbeits­un­fä­hig wird, ohne dass ihn ein Ver­schul­den trifft, oder er wäh­rend des Bezugs von Arbeits­lo­sen­geld auf Kos­ten der Kran­ken­kas­se sta­tio­när behan­delt wird, sei­nen Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld für die Zeit der AU oder der sta­tio­nä­ren Behand­lung bis zur Dau­er von sechs Wochen nicht (Leis­tungs­fort­zah­lung).
Im vor­lie­gend vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall stand der Ver­si­cher­ten zwar ab 1.12.2005 Arbeits­lo­sen­geld für eine Anspruchs­dau­er von 720 Tagen zu und die Zeit ihres sta­tio­nä­ren Kran­ken­haus­auf­ent­halts vom 11. bis 21.03.2007 unter­brach die Arbeits­lo­sen­geld-Gewäh­rung nicht. Wäh­rend der sich hier­an anschlie­ßen­den sta­tio­nä­ren Maß­nah­me zur medi­zi­ni­schen Reha­bi­li­ta­ti­on bezog die Ver­si­cher­te Über­gangs­geld von der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV), die zum Ruhen des Arbeits­lo­sen­geld-Anspruchs führ­te (§ 142 Abs 1 Nr 2 SGB III aF). Die Arbeits­agen­tur hob im Hin­blick hier­auf die Leis­tungs­be­wil­li­gung voll­stän­dig und nicht nur für die Zeit des Bezugs von Über­gangs­geld durch die DRV auf. Da die Ver­si­cher­te die­se Ent­schei­dung nicht anfocht, wur­de die Leis­tungs­auf­he­bung bestands­kräf­tig. Zwar wur­de die Ver­si­cher­te aus der Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me arbeits­un­fä­hig ent­las­sen. Auch war ihr Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld im strei­ti­gen Zeit­raum vom 12. bis 21.04.2007 noch nicht erschöpft. Es fehlt aber im strei­ti­gen Zeit­raum an einem für die Erbrin­gung der Leis­tung durch die Beklag­te erfor­der­li­chen Antrag der Ver­si­cher­ten auf Bewil­li­gung von Arbeits­lo­sen­geld.
Leis­tun­gen der Arbeits­för­de­rung wer­den nur auf Antrag erbracht (§ 323 Abs 1 S 1 SGB III aF). Zwar gilt Arbeits­lo­sen­geld mit der per­sön­li­chen Arbeits­los­mel­dung als bean­tragt, wenn der Arbeits­lo­se kei­ne ande­re Erklä­rung abgibt (§ 323 Abs 1 S 2 SGB III aF). Denn die per­sön­li­che Arbeits­los­mel­dung (vgl § 122 Abs 1 SGB III aF) führt nach die­ser Son­der­re­ge­lung zu der Fik­ti­on der Bean­tra­gung von Arbeits­lo­sen­geld. Die Ver­si­cher­te hat­te sich jedoch ledig­lich Ende 2005 arbeits­los gemel­det und einen sol­chen Antrag nach voll­stän­di­ger Auf­he­bung der Bewil­li­gung durch die Beklag­te mit Bescheid vom 02.04.2007 wegen des Ruhens von Arbeits­lo­sen­geld bei gleich­zei­ti­gem Bezug von Übg nicht erneu­ert. Für die hier strei­ti­ge Zeit besteht danach kein Anspruch der Ver­si­cher­ten auf Arbeits­lo­sen­geld.
Von einer Fort­wir­kung der frü­he­ren Arbeits­los­mel­dung kann unter den gege­be­nen Umstän­den nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Nach § 122 Abs 2 Nr 1 SGB III aF erlischt die Wir­kung der Arbeits­los­mel­dung – und damit auch der Bean­tra­gung von Arbeits­lo­sen­geld – zwar (erst) bei einer mehr als sechs­wö­chi­gen Unter­bre­chung der Arbeits­lo­sig­keit. Mel­det sich der Arbeits­lo­se in die­ser Frist erneut arbeits­los, bedarf es nicht eines erneu­ten Arbeits­lo­sen­geld-Antrags. Mit der Auf­recht­erhal­tung der mate­ri­el­len Wir­kung der Arbeits­los­mel­dung woll­te der Gesetz­ge­ber inso­weit eine Abkehr von der frü­he­ren, auf den jeweils ein­ge­tre­te­nen Ver­si­che­rungs­fall abstel­len­den Pra­xis ein­lei­ten2.
Erlischt die Wir­kung der Arbeits­los­mel­dung bei mehr als sechs­wö­chi­ger Unter­bre­chung der Arbeits­lo­sig­keit, ent­fällt wegen Nicht­er­fül­lung die­ser Anspruchs­vor­aus­set­zung (Arbeits­los­mel­dung) auch der Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld3. Nur wenn die vor­he­ri­ge Arbeits­los­mel­dung wirk­sam bleibt, muss auch die für den Leis­tungs­be­zug erfor­der­li­che Anspruchs­vor­aus­set­zung der Antrag­stel­lung nicht erneut erfüllt wer­den.
Zwar hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bei kurz­fris­tig ver­spä­tet erfolg­ter Kon­takt­auf­nah­me zur Arbeits­ver­wal­tung nach Maß­nah­me­en­de – aus­nahms­wei­se – eine „unschäd­li­che Unter­bre­chung” der Arbeits­lo­sig­keit ange­nom­men4. Ein sol­cher Aus­nah­me­fall liegt hier nicht vor. Die Ver­si­cher­te hat die Leis­tungs­auf­he­bung viel­mehr akzep­tiert und bewusst (nur) die Inan­spruch­nah­me der ande­ren Sozi­al­leis­tung (Kran­ken­geld) ver­folgt. § 122 Abs 2 Nr 1 SGB III aF schließt jedoch einen „ande­ren Grund” für eine Unwirk­sam­keit der Arbeits­los­mel­dung nicht aus5. Ein sol­cher liegt hier bereits in der Nicht­an­fech­tung der (voll­stän­di­gen) Leis­tungs­auf­he­bung durch die Beklag­te am 2.04.2007. Bis zur erneu­ten Arbeits­los­mel­dung ließ die Ver­si­cher­te eine Frist von 17 Wochen ver­strei­chen; ein Bezug zur Arbeits­los­mel­dung zum 1.12.2005 bestand daher nicht mehr.
Die Ver­si­cher­te hat sich vor­lie­gend auch bewusst für das Aus­schöp­fen ihres Kran­ken­geld-Anspruchs ent­schie­den und damit zugleich zu erken­nen gege­ben, dass sie dem Arbeits­markt der­zeit nicht zur Ver­fü­gung ste­he6. Damit war ihr Sta­tus als Arbeits­lo­se durch die Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me nicht nur für eine bestimm­ba­re Zeit „vor­aus­sicht­lich” unter­bro­chen7; die Ver­si­cher­te hat die Been­di­gung ihres Sta­tus als Arbeits­lo­se durch Auf­he­bung der Arbeits­lo­sen­geld-Bewil­li­gung bewusst hin­ge­nom­men. Sie hat damit eine Ent­schei­dung zu Guns­ten des Bezugs von Kran­ken­geld getrof­fen, der die Geset­zes­la­ge nicht ent­ge­gen­steht und auch von der beklag­ten Kran­ken­kas­se „zu respek­tie­ren” ist. Eine Gewäh­rung von Arbeits­lo­sen­geld gegen den Wil­len des Arbeits­lo­sen ist dem Arbeits­för­de­rungs­recht fremd (vgl auch § 118 Abs 2 SGB III aF).
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 11. März 2014 – B 11 AL 4/​14 R
Unbe­rech­tig­te Abbu­chun­gen – So reagie­ren Sie rich­tig Die Kre­dit­kar­te kommt ver­mehrt auch in Deutsch­land zum Ein­satz. Durch mas­si­ve Wer­bung sowie eine brei­te Aus­wahl ver­schie­de­ner Ange­bo­te ent­schei­den sich zahl­rei­che Haus­hal­te für die Nut­zung einer sol­chen Kar­te im Rah­men…
Die Beweis­kraft einer Pri­vat­ur­kun­de – und der Streit um ihre… Den „vol­len Beweis” gemäß § 416 ZPO für die Abga­be der in der Urkun­de ent­hal­te­nen Erklä­rung begrün­det nur die ech­te Urkun­de. Steht jedoch wie hier die Echt­heit der Urkun­de im…
Das abge­press­te Han­dy – und sein Wei­ter­ver­kauf Ein gut­gläu­bi­ger Eigen­tums­er­werb nach den §§ 929, 932 BGB ist gemäß § 935 Abs. 1 BGB aus­ge­schlos­sen, wenn die Sache dem frü­he­ren Eigen­tü­mer abhan­den­ge­kom­men war. Unter einem Abhan­den­kom­men in die­sem…
Besc hwer – und ihre Berech­nung bei der Fest­stel­lungs­kla­ge Die Wert­be­rech­nung im Rah­men des § 26 Nr. 8 Satz 1 EGZPO ist nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen der §§ 3 ff. ZPO vor­zu­neh­men ((vgl. BGH, Beschluss vom 23.07.2015 – XI…
Grün­dungs­zu­schuss für den nicht bezahl­ten (Ex-)Arbeitnehmer – und… Die für den Anspruchs­über­gang nach § 115 Abs. 1 SGB X gefor­der­te sach­li­che Kon­gru­enz ist stets gege­ben, wenn der Sozi­al­leis­tungs­trä­ger die Sozi­al­leis­tung „gleich­wohl” anstel­le des vom Arbeit­ge­ber nicht gezahl­ten Arbeits­ent­gelts…
Abgren­zung zu BSG vom 07.10.2004 – B 11 AL 23/​04 R, BSGE 93, 209, SozR 4 – 4300 § 122 Nr 2↩
BSG Urteil vom 07.10.2004 – B 11 AL 23/​04 R, BSGE 93, 209, SozR 4 – 4300 § 122 Nr 2 mit Hin­weis auf BT-Drs. 13/​4941 S 176; BSGE 95, 1, SozR 4 – 4300 § 147 Nr 4; Spell­brink in Eicher/​Schlegel, SGB III, § 122 RdNr 42, Stand Ein­zel­kom­men­tie­rung August 2004↩
vgl Leit­he­rer in Eicher/​Schlegel, SGB III, § 323 RdNr 36, Stand Ein­zel­kom­men­tie­rung Juli 2010↩
vgl BSG Urteil vom 07.10.2004 – B 11 AL 23/​04 R, BSGE 93, 209, SozR 4 – 4300 § 122 Nr 2↩
vgl BSG SozR 3 – 4300 § 122 Nr 1↩
zur Gestal­tungs­mög­lich­keit des Ver­si­cher­ten vgl Beh­rend in Eicher/​Schlegel, SGB III nF, § 145 RdNr 73 ff, 83, Stand Ein­zel­kom­men­tie­rung Juli 2013↩
vgl zu die­sem Begriff BSGE 93, 209, SozR 4 – 4300 § 122 Nr 2, RdNr 11↩
ArbeitslosengeldArbeitslosenversicherungArbeitslosmeldungArbeitsunfähigketReha-Maßnahme