Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/1/1249.htm
Timestamp: 2018-11-21 12:44:01
Document Index: 380596655

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 4', '§ 24', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 40', '§ 4', '§ 5', '§ 4', '§ 7', '§ 2']

1.249 Hessigheimer Felsengärten
Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet „Hessigheimer Felsengärten" vom 23. April 2002 (GBl. v. 10.06.2002, S. 201).
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Hessigheim, Landkreis Ludwigsburg, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung „Hessigheimer Felsengärten".
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 5 ha.
(2) Das Naturschutzgebiet umfasst nach dem Stand vom März 1999 auf dem Gebiet der Gemeinde Hessigheim, Gemarkung Hessigheim im wesentlichen das schmale Massiv der Felsengalerie nördlich der Kelter von Hessigheim inklusive des im Norden querenden Trockentals. Die Grenze im Westen bildet der hangparallel verlaufende Wirtschaftsweg.
Es umfasst folgende Gewanne und Teile von Gewannen: Hörnle, Lugäcker, Wurmberg, Felsen.
(3) Das Naturschutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. September 2001 im Maßstab 1:25000 flächig rot angelegt und mit einer durchgezogenen roten Linie umgrenzt sowie in einer Detailkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. September 2001 im Maßstab 1:2500 rot umgrenzt und angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Ludwigsburg in Ludwigsburg auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
Schutzzweck ist die Erhaltung und die Förderung eines für den Naturraum einzigartigen Felslebensraums und seiner Umgebung, insbesondere wegen
- der besonderen Entstehungsgeschichte der Felsengärten;
- der bizarren Felsgebilde, der Türme, der tiefen Felsspalten und Schluchten, der Geröllhalden und der Felsstürze unterhalb der Felsengärten;
- den für den Naturraum einmaligen Standorten der Felsen, ihrer Köpfe und Spalten mit ihrer hoch spezialisierten Fauna und Flora der Magerrasen und Felsbandgesellschaften;
- der aus der ehemaligen Bewirtschaftung resultierenden Pflanzendecke der blütenreichen Halbtrockenrasen, der wärmeliebenden, kräuterreichen Saum und Gebüschgesellschaften;
- des laubholzreichen Linden-Ahorn-Mischwäldchens im Zentrum der Schlucht;
- des Reliktstandorts für das Kalk-Blaugras, das hier ein isoliertes Vorkommen hat und
- des Vorkommens geschützter und bedrohter Tier- und Pflanzenarten;
- den in dem Gebiet vorkommenden FFH-Lebensraumtypen „Kalk-Pionierrasen"(6110), „Trespen-Schwingel-Kalk-Trockenrasen" (6210) sowie „Natürliche und naturnahe Kalkfelsen und ihre Felsspaltenvegetation" (8210) nach Anhang l der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mail 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen.
2. Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen,
Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;
1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fasssung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;
4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten,
1. ,die Wege und markierten Pfade zu verlassen;
2. das Gebiet zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang zu betreten oder sich dort aufzuhalten;
4. zu reiten;
7. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z. B. Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleichtflugzeuge, Sprungfallschirme) und Freiballonen sowie das Aufsteigenlassen von Flugmodellen;
8. zu klettern.
(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichend Lebensraum erhält. Unberührt bleibt auch die Tröpfchenbewässerung auf den bewirtschaftbaren Flächen. Voraussetzung ist weiter, dass
2. Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;
3. Weinbergbrachen nur wieder nutzbar gemacht werden, wenn keine anderen Regelungen (z.B. § 24a NatSchG) entgegenstehen;
5. Feldraine, ungenutztes Gelände, Hecken, Gebüsche, Bäume und die Halden von abgestürzten Felsen nicht beeinträchtigt werden.
(2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass Tothölzer, Höhlenbäume und Horstbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten werden, es sei denn, dass dies aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht nicht möglich oder eine Erhöhung des Risikos durch Insektenkalamitäten zu erwarten ist.
1. Hochsitze nur außerhalb von trittempfindlichen Bereichen, insbesondere Magerrasen, Halbtrockenrasen und Felsengärten und nur landschaftsgerecht aus naturbelassenen Hölzern im Anschluss an vorhandene, hochwüchsige Gehölze errichtet werden;
(4) Für das Klettern gelten die Verbote des § 4 nicht, unter der Voraussetzung dass
1. an den, dem Neckar zugewandten Wänden der freistehenden Felstürme das Klettern verboten ist;
2. keine anderen als die schon vorhandenen Kletterrouten benutzt werden;
3. keine Kletterrouten benutzt werden, die kurzfristig wegen Vogelbrut gesperrt werden;
4. keine neuen Kletterrouten erschlossen oder angelegt werden;
5. keine zusätzlichen Kletterhaken angebracht werden, ausgenommen sind einzelne Kletterhaken zur zusätzlichen Sicherheit mit vorheriger Erlaubnis der höheren Naturschutzbehörde;
6. Magnesia in allen Routen äußerst sparsam und nur im klettersportlich unerlässlichem Umfang eingesetzt wird;
7. auf den Felsköpfen nicht gelagert wird.
Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflege- und Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit dem Staatlichen Forstamt - festgelegt, soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde integriert sind. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.
(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 LJagdG handelt, wer
vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet entgegen § 4 und § 5 Abs.3 dieser Verordnung die Jagd ausübt.
(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Württ. Kultministers als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet „Hessigheimer Felsengärten" vom 06. Februar 1942, veröffentlicht im Regierungs-Anzeiger für Württemberg Nr. 11 vom 13. Februar 1942 für den Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft;
(3) Ebenso tritt mit Inkrafttreten dieser Verordnung die Verordnung des Landratsamtes Ludwigsburg über das Landschaftsschutzgebiet „Neckartal zwischen Großingersheim und Hessigheim mit Umgebung (insbesondere Beutenbachtal, Wurmberg, Kallenberg, Sälen, Hart und Bachwiesental)" vom 04. Januar 1989, veröffentlicht in der Ludwigsburger Kreiszeitung vom 27. Januar 1989, für den Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.
Stuttgart, den 23. April 2002
Durch VO vom 23.04.2002 ungültige VO:
Verordnung des Württ. Kultministers als höhere Naturschutzbehörde über das ”Naturschutzgebiet Felsengärten” in der Gemarkung Hessigheim, Landkreis Ludwigsburg vom 06.02.1942 (Regierungs-Anzeiger für Württemberg vom 13. Februar 1942).
Auf Grund der §§ 4, 12 Abs. 2, 13 Abs. 2, 15 und 16 Abs. 2 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26. Juni 1935 (RGBl. 1 S. 821) sowie des § 7 Abs. 1 und 5 der Durchführungsverordnung vom 31. Oktober 1935 (RGBl. 1 S. 1275) wird mit Zustimmung der obersten Naturschutzbehörde folgendes verordnet:
Die ”Felsengärten” auf der rechten Seite des Neckars zwischen Hessigheim und Besigheim in der Gemarkung Hessigheim, Landkreis Ludwigsburg, werden in dem im § 2 Abs. 1 näher bezeichneten Umfange mit dem Tage der Bekanntgabe dieser Verordnung in das Reichsnaturschutzbuch eingetragen und damit unter den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes gestellt.
Das Schutzgebiet hat eine Größe von 2,7328 Hektar und umfaßt in der Gemarkung Hessigheim, Kartenblatt (Flur) XLVII/8 und /9, die Parzellen Nr. 1952/1 und 2160.
Die Grenzen des Schutzgebietes sind in eine Karte 1:25000und eine Katasterhandzeichnung 1:2500 rot eingetragen, die bei der obersten Naturschutzbehörde in Berlin niedergelegt sind. Weitere Ausfertigungen dieser Karten befinden sich bei der Reichsstelle für Naturschutz in Berlin, bei der höheren Naturschutzbehörde in Stuttgart, der unteren Naturschutzbehörde in Ludwigsburg und dem Bürgermeister in Hessigheim.
Pflanzen (einschl. Büsche und Bäume) zu beschädigen, auszureißen, auszugraben oder Teile davon abzupflücken, abzuschneiden oder abzureißen,
freilebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, zu ihrem Fang geeignete Vorrichtungen anzubringen, sie zu fangen oder zu töten, oder Puppen, Larven, Eier oder Nester und sonstige Brut- und Wohnstätten solcher Tiere fortzunehmen oder zu beschädigen, unbeschadet der berechtigten Abwehrmaßnahmen gegen Kulturschädlinge und sonst lästige oder blutsaugende Insekten.
zu lärmen, Feuer anzumachen, Abfälle wegzuwerfen oder das Gelände auf andere Weise zu beeinträchtigen,
Bild- und Schrifttafeln abzubringen, soweit sie nicht auf den Schutz des Gebietes hinweisen,
an den vom Neckar aus sichtbaren Wänden der Felsen und Felstürme zu klettern,
Gebäude irgendwelcher Art zu erstellen oder vorhandene Verunstaltungen (z.B. Verfaulstände u. dergl.) auch nahe der Grenze des Schutzgebiets zu belassen.
die rechtmäßige Ausübung der Jagd
die Wegeunterhaltung bis zur Höhe,
die zur öffentlichen Sicherheit notwendigen Maßnahmen und Eingriffe in die Felsen, die jedoch meiner vorherigen Genehmigung bedürfen.
Stuttgart, den 06. Februar 1942