Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/keine-zwangsverwaltung-gegen-den-eigenbesitzer-313674
Timestamp: 2020-02-16 22:50:36
Document Index: 130210830

Matched Legal Cases: ['§ 147', 'BGH', '§ 147', '§ 147', '§ 147', '§ 146', '§ 17', '§ 147', '§ 10', '§ 147', '§ 10', '§ 147', '§ 765', '§ 147', '§ 704', '§ 808', '§ 17', '§ 147', '§ 147', 'BGH']

Kei­ne Zwangs­ver­wal­tung gegen den Eigen­be­sit­zer | Rechtslupe
Keine Zwangsverwaltung gegen den Eigenbesitzer
Kei­ne Zwangs­ver­wal­tung gegen den Eigen­be­sit­zer
Eine ana­lo­ge Anwen­dung von § 147 ZVG zur Durch­set­zung von Rech­ten, die nicht im Grund­buch ein­ge­tra­gen sind, schei­det aus. Mit die­ser Begrün­dung bestä­tig­te jetzt der Bun­des­ge­richts­hof eine Ent­schei­dung des Land­ge­richts Tübin­gen, das die Anord­nung der Zwangs­ver­wal­tung eines Grund­stücks wegen Ver­bind­lich­kei­ten abge­lehnt hat­te, die den zwar schon in der Eigen­tums­woh­nung woh­nen­den, aber noch nicht als Eigen­tü­mer im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen Käu­fer betra­fen 1.
Zu Recht legt das Land­ge­richt Tübin­gen nach Ansicht des BGH zugrun­de, dass § 147 ZVG sei­nem ein­deu­ti­gen Wort­laut nach die Anord­nung der Zwangs­ver­wal­tung gegen einen Eigen­be­sit­zer nur erlaubt, wenn aus einem ein­ge­tra­ge­nen Recht voll­streckt wird, und dass es sich bei der titu­lier­ten Haus­geld­for­de­rung nicht um ein sol­ches Recht han­delt. Nicht geprüft hat es aller­dings, ob die Vor­schrift – und dar­auf möch­te die Gläu­bi­ge­rin ersicht­lich hin­aus – ent­spre­chend anzu­wen­den ist. Da jede ana­lo­ge Anwen­dung eines Rechts­sat­zes dazu führt, dass der Norm­be­reich über den Wort­laut hin­aus aus­ge­wei­tet wird, greift die auf den sprach­li­chen Sinn­ge­halt bezo­ge­ne Argu­men­ta­ti­on des Beschwer­de­ge­richts inso­weit zu kurz. Jedoch schei­tert eine ent­spre­chen­de Her­an­zie­hung von § 147 ZVG dar­an, dass die für einen Ana­lo­gie­schluss erfor­der­li­che plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke nicht vor­liegt.
§ 147 ZVG pri­vi­le­giert zwar den Voll­stre­ckungs­zu­griff inso­fern, als die Anord­nung der Zwangs­ver­wal­tung auch gegen einen Eigen­be­sit­zer ermög­licht wird, lässt hier­für aber – anders als § 146 i.V.m. § 17 ZVG – nicht die Voll­stre­ckung aus einer per­sön­li­chen For­de­rung genü­gen, son­dern ver­langt, dass aus einem "ein­ge­tra­ge­nen Rech­te" voll­streckt wird. Mit der Erwei­te­rung des Voll­stre­ckungs­zu­griffs auf den mit dem Schuld­ner nicht iden­ti­schen Eigen­be­sit­zer hat der Gesetz­ge­ber dem Umstand Rech­nung getra­gen, dass der Inha­ber eines ein­ge­tra­ge­nen Rech­tes des­sen Befrie­di­gung gegen jeder­mann durch­set­zen und er sich damit auch einen Titel gegen einen sol­chen (Eigen-)Besit­zer ver­schaf­fen kann, der sich der Voll­stre­ckung aus einem gegen den Eigen­tü­mer gerich­te­ten Titel ent­ge­gen stellt 2. Mit der Ein­schrän­kung auf ein­ge­tra­ge­ne Rech­te wird vor allem das Anlie­gen ver­folgt, das Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren effi­zi­ent aus­zu­ge­stal­ten. Das Zwangs­voll­stre­ckungs­recht ist nicht nur bei den Voll­stre­ckungs­vor­aus­set­zun­gen, son­dern auch bei der For­mu­lie­rung der Zugriff­s­tat­be­stän­de von einer weit­ge­hen­den For­ma­li­sie­rung geprägt. Im Inter­es­se eines zügi­gen und unkom­pli­zier­ten Voll­stre­ckungs­ver­fah­rens knüpft das Gesetz an leicht über­schau­ba­re Merk­ma­le an, die den Voll­stre­ckungs­or­ga­nen eine Prü­fung tun­lichst ohne mate­ri­ell­recht­li­che Erwä­gun­gen ermög­li­chen sol­len 3. Das Voll­stre­ckungs­or­gan soll jeden­falls bei der Anord­nung der Zwangs­ver­wal­tung nicht in die Prü­fung ein­tre­ten müs­sen, ob es sich bei dem titu­lier­ten Anspruch um ein ding­li­ches Recht mit den oben genann­ten Wir­kun­gen han­delt. Das steht einer Erstre­ckung der Rege­lung des § 147 ZVG auf nicht ein­ge­tra­ge­ne ding­li­che Rech­te ent­ge­gen. Dem ent­spricht es, dass auch für die unter § 10 Nr. 3 ZVG fal­len­den (ding­li­chen) öffent­li­chen Las­ten kei­ne ent­spre­chen­de Anwen­dung von § 147 ZVG befür­wor­tet wird 4. Für Haus­geld­for­de­run­gen nach § 10 Nr. 2 ZVG 5.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Sep­tem­ber 2009 – V ZB 19/​09
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LG Tübin­gen, Beschluss vom 29.01.2009 – 5 T 13/​09[↩]
Denk­schrift in: Reichs­ge­setz über die Zwangs­ver­stei­ge­rung und Zwangs­ver­wal­tung vom 24. März 1897, S. 104 f.; vgl. auch Stö­ber, aaO, § 147 Rdn. 2.6[↩]
vgl. zum Gan­zen nur Gaul, Rpfle­ger 1971, 81, 90 f.; Zöller/​Stöber, ZPO, 27. Aufl., vor § 704 Rdn. 22 u. § 808 Rdn. 3; jeweils m.w.N.; zu § 17 ZVG vgl. auch Denk­schrift in: Reichs­ge­setz über die Zwangs­ver­stei­ge­rung und Zwangs­ver­wal­tung vom 24. März 1897, S. 61[↩]
Bött­cher, ZVG, aaO, § 147 Rdn. 4; Stö­ber, ZVG, 19. Aufl., § 147 Rdn. 2.5 m.w.N.[↩]
zur Rechts­na­tur vgl. BGH, Beschluss vom 12.02.2009, IX ZB 112/​06, NZM 2009, 439) kann nichts ande­res gel­ten ((Stö­ber, aaO[↩]
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