Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=FG%20M%C3%BCnster&Datum=11.06.1999&Aktenzeichen=4%20K%205776/98
Timestamp: 2019-05-25 14:30:43
Document Index: 291686535

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 17', 'Art. 3', 'Art. 100', '§ 17', '§ 17', 'Art. 1', '§ 17', '§ 17']

FG Münster, 11.06.1999 - 4 K 5776/98 E - dejure.org
FG Münster, 11.06.1999 - 4 K 5776/98 E
https://dejure.org/1999,1962
FG Münster, 11.06.1999 - 4 K 5776/98 E (https://dejure.org/1999,1962)
FG Münster, Entscheidung vom 11.06.1999 - 4 K 5776/98 E (https://dejure.org/1999,1962)
FG Münster, Entscheidung vom 11. Juni 1999 - 4 K 5776/98 E (https://dejure.org/1999,1962)
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Verfassungsmäßigkeit des § 17 Abs. 2 S. 4 EStG (Einkommensteuergesetz) i.d.F. von 1996; Zulässigkeit einer Vorlage an das Bundesverfassungsgericht (BVerfG); Ausschluss von Verlusten aus Veräußerung oder Aufgabe von Anteilen an Kapitalgesellschaft; Begründung einer wesentlichen Beteiligung erst durch Erwerb
BVerfG, 27.12.2000 - 2 BvL 7/99
EFG 1999, 977
VfGH (in ÖStZB 1998, 119) und dem Vorlagebeschluss des FG Münster (in EFG 1999, 977; Az. des BVerfG: 2 BvL 7/99) zu Grunde.
Die Vorlage des FG Münster an das Bundesverfassungsgericht vom 11. Juni 1999 4 K 5776/98 E (Entscheidungen der Finanzgerichte 1999, 977), auf die sich die Kläger berufen, lag vor der Entscheidung des BFH und betraf, worauf die Vorinstanz zu Recht hinweist, einen anderen Sachverhalt, nämlich den originären Erwerb einer relevanten Beteiligung.
Die insoweit vom FG Münster aufgezeigten Mängel der Gesetzesfassung für den Veranlagungszeitraum 1997 sind zudem mit dem StEntlG behoben worden; das FG Münster hat den Aussetzungs- und Vorlagebeschluss im Übrigen mit Beschluss vom 27. Dezember 2000 aufgehoben (4 K 5776/98 E, nicht veröffentlicht, juris).
(1) Das FG Münster hat § 17 Abs. 2 Satz 4 EStG 1996 insoweit für gleichheitswidrig gehalten, als Verluste aus der Veräußerung oder Aufgabe von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft eines an dieser Kapitalgesellschaft wesentlich beteiligten Steuerpflichtigen auch dann ausschlossen waren, wenn der Steuerpflichtige vor dem Erwerb noch nicht an der Kapitalgesellschaft beteiligt war und allein der Erwerb der Anteile zur Begründung einer wesentlichen Beteiligung geführt hat, sofern die Verluste aus innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Veräußerung entgeltlich erworbenen Anteilen herrühren (Vorlagebeschluss vom 11. Juni 1999 4 K 5776/98 E, EFG 1999, 977).
Hierzu nehmen sie Bezug auf den Vorlagebeschluss des Finanzgerichts Münster vom 11. Juni 1999 (4 K 5776/98, EFG 1999, 977) und tragen vor, sie machten sich die dortigen Ausführungen zu eigen.
Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus dem Vorlagebeschluss des Finanzgerichts Münster vom 11. Juni 1999 (a.a.O.).
Insoweit nehmen die Kläger Bezug auf den Vorlagebeschluss des FG Münster an das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) vom 11.06.1999, 4 K 5776/98 E.
Ob hierin ein Vorstoß gegen das Gleichheitsgebot gemäß Art. 3 des Grundgesetzes (GG) liegt, ist Gegenstand eines derzeit anhängigen Verfahrens gemäß Art. 100 Abs. 1 S. 1 GG (Vorlagebeschluss des FG Münster vom 11.06.1999, 4 K 5776/98 E, GmbHR 1999, 1155) vor dem BVerfG.
Dem Antrag, das Klageverfahren im Hinblick auf den Vorlagebeschluß des FG Münster vom 11. Juni 1999 4 K 5776/98 (Az des BVerfG 2 BvL 7/99) zum Ruhen zu bringen, hat der Kläger nicht zugestimmt, da die Sachverhaltsgestaltungen nicht vergleichbar seien.
FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 15. Dezember 1998, 2 K 2596/97, EFG 1999, 830 Rev. eingelegt (Az. des BFH VIII R 38/99); Schmidt/Weber-Grellet, EStG 17. Aufl. § 17 Rz. 197 jew. m.w.N.; vgl. auch FG Münster, Vorlagebeschluß vom 11. Juni 1999 4 K 5776/98 E, EFG 1999 977 (979).
Die weiteren Gründe, die das FG Münster in seinem Beschluss vom 11. Juni 1999, 4 K 5776/98 E bewogen hatten, die Regelung des § 17 Abs. 2 Satz 4 Buchstabe b) i.d.F. des Art. 1 Nr. 22 Buchstabe b) des Jahresteuergesetzes 1996 vom 11. Oktober 1995 (BGBl I 1995, 1250) dem BVerfG zur Prüfung vorzulegen, liegen nicht vor, abgesehen davon, dass der Gesetzgeber hierauf mit der Neufassung des Gesetzes im EStG 1999 reagiert hat.
Der Senat hält die Beschränkung des Verlustabzugs in § 17 Abs. 2 Satz 4 EStG nicht für verfassungswidrig (ebenso: FG Schleswig-Holstein Urteil vom 08.12.1999 V 94/99, EFG 2000, 1072, FG Baden-Württemberg Urteil vom 21.10.1998 5 K 193/98, EFG 1999, 68; anderer Ansicht: FG Münster, Vorlagebeschluss vom 11.06.1999 4 K 5776/98 E, EFG 1999, 977, FG Berlin Beschluss vom 13.10.1999 7 B 7187/99, EFG 2000, 76; verfassungskonforme Auslegung: FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 15.12.1998 2 K 2596/97, EFG 1999, 830, FG Münster Urteil vom 26.06.2000 4 K 2722/99 E, EFG 2000, 1322, FG Münster Urteil vom 27.04.2000 2 K 5717/99 E, EFG 2000, 864).
Unter diesen Umständen kommt es auf die verfassungsrechtliche Problematik zur Frage des Verlustausschlusses nach § 17 Abs. 2 Satz 4 EStG in der Fassung des Jahressteuergesetzes 1996, wie sie in dem Vorlagebeschluss des FG Münster vom 11.06.1999, 4 K 5776/98 E, diskutiert wird, nicht an.
Ein derartiger Mißbrauch ist im vorliegenden Fall nicht möglich, da der Kl. auch vor 1994 mit der bis dahin geltenden Höhe seiner Beteiligung steuerliche Verluste berücksichtigt erhielt, weil er wesentlich Beteiligter war (vgl. in diesem Sinne auch Vorlagebeschluß des Finanzgerichts Münster vom 11.06.1999, 4 K 5776/98 E, EFG 1999, 977 und Finanzgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 15.12.1998, 2 K 2596/97, EFG 1999, 830).