Source: http://linkszeitung.de/gencri180725liz.html
Timestamp: 2018-12-10 15:39:19
Document Index: 11591186

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Urteil des Europäischen Gerichtshofs: Gentechnik mit CRISPR-Cas ist Gentechnik_______________
Gentechnik mit CRISPR-Cas ist Gentechnik
Luxemburg (LiZ). Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat der Klage mehrerer französischer Anti-Gentechnik-Gruppen stattgegeben. Auch die Züchtung von Pflanzen-Konstrukten mit neuen gentechnischen Verfahren wie CRISPR-Cas fällt demnach unter das geltende - eher laxe - europäische Gentechnik-Recht. Lobby-Gruppen pro Gentechnik hatten damit argumentiert, solche Pflanzen- oder Tier-Konstrukte ließen sich nicht von solchen unterscheiden, die auf herkömmliche Art gezüchtet würden.
Nach den laxen europäischen Richtlinien für die Bio-Landwirtschaft wäre ohne diese Klarstellung des EuGH zukünftig auch der Anbau von Gentech-Konstrukten als "Bio-Lebensmittel" möglich geworden. Mehrere französische Anti-Gentechnik-Gruppen hatten vor einem französischen Gericht dagegen geklagt, daß Pflanzen-Konstrukte, die mit neuen gentechnischen Verfahren wie CRISPR-Cas erzeugt werden, mit herkömmlich gezüchteten Sorten gleichgestellt werden sollten. Das Gericht bat schließlich den EuGH um Hilfe. Die EuGH-RichterInnen folgten der Argumentation der französischen Anti-Gentechnik-Gruppen nun weitgehend. Mit den neuen Gentechnik-Verfahren erzeugte Produkte wiesen größere Risiken auf, die mit jenen älterer Gentech-Verfahren vergleichbar seien. Ziel der EU-Regelung sei es aber, grundsätzlich schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu vermeiden.
Mehr noch als bei der bereits weit verbreiteten Gentechnik, bei der mehr oder weniger blind in die DNA hineingeschossen wird, um durch Genmanipulation erwünschte Eigenschaften zu erzeugen, besteht bei neueren Methoden wie CRISPR-Cas das Risiko, daß sich künstlich erzeugte Genveränderungen über die gesamte Population einer Pflanzen- oder Tierart unkontrollierbar ausbreiten und den natürlichen Gen-Pool damit unwiederbringlich zerstören. Ein großer Teil der im Bereich der Gentechnik-Forschung arbeitenden WissenschaftlerInnen ist bereits durch die kapitalistische Profitgier angesteckt und ignoriert dieses Risiko. Die Argumentation dieser WissenschaftlerInnen zeigt klar, daß für sie Forschung nur dann interessant ist, wenn es für die Ergebnisse einen "Markt" gibt. Unverhohlen drohten sie im Falle eines aus ihrer Sicht negativen Urteils des EuGH, Deutschland zu verlassen.
Wie eng dieser Zweig der genetischen Forschung mit ökonomischen Interessen verflochten ist, zeigt sich daran, welche Ergebnisse mit den neuen Gentech-Verfahren wie CRISPR-Cas9, Talens oder ODM vorgelegt wurden: So wurden erneut genmanipulierte Saatgutsorten mit Resistenzen gegen ausgewählte Herbizide geschaffen. Der Anbau solcher Pflanzen-Konstrukte ist daher auf das Herbizid eines bestimmten Konzerns angewiesen. Mit diesem - selbstverständlich patentierten - Herbizid werden auf dem Feld alle Pflanzen außer dem angebauten genmanipulierten Pflanzen-Konstrukt abgetötet.
Noch in den 1990er-Jahren propagierten Gentechnik-WissenschaftlerInnen und LobbyistInnen von Pharma- und Chemie-Konzernen wie Monsanto und Bayer, Gentechnik arbeite mit "Vektoren" (so wurden die als Gen-Schleuser eingesetzten Viren bezeichnet) und daher präzise. Heute hingegen argumentieren sie, die Gentechnik der 1990-er Jahre sei veraltet und mit einer "Schrotflinte" zu vergleichen.
Doch die heute als "präzise wie ein Skalpell" propagierte Funktionsweise der Gen-Schere CRISPR-Cas wurde durch kritische WissenschaftlerInnen längst entzaubert:
So publizierte das Columbia University Medical Center bereits im Mai 2017 Untersuchungs-Ergebnisse, die beweisen, daß die Anwendung von CRISPR-Cas zwar an der gewünschten Stelle der DNA durchaus die vorgegebenen Veränderungen erzielen konnte, zugleich aber an anderen Stellen des Moleküls über 1.500 unerwünschte Mutationen auslöste. Unter diesen unvorhergesehenen Mutationen fanden sich mehr als hundert größere Veränderungen - dabei waren sowohl Gen-Abschnitte gelöscht als auch ergänzt worden. Und bekanntlich können selbst Veränderungen auf einem einzigen Nukleotid bereits große Folgen haben.
Es ist schlicht und einfach eine veraltete Sichtweise, die im Begriff "Genom-Editing" deutlich wird und in einem mechanistischen Verständnis meint, analog zu einem Computer-Programm seien in der DNA bestimmte Befehle lokalisierbar, mit denen bestimmte und eindeutig definierte Funktionen abgerufen werden könnten. In einem Computer-Programm lassen sich mit einem Editor bestimmte Befehle durch andere ersetzen - so funktioniert jedoch nicht die Natur.
Es ist daher ein schlechter Witz, wenn etwa die vermeintliche Wissenschafts-Redakteurin beim ehemaligen Nachrichten-Magazin 'spiegel', Julia Merlot, heute in ihrer Urteils-Schelte schreibt, das EuGH habe mit seinem aktuellen Urteil "das Ende faktenbasierter Entscheidungen" markiert. Es sei "trauriger Tag für Europa" und es öffne "Faktenleugnern in allen Bereichen Tür und Tor", so Merlot.
Ebenso gefährlich wie die unverdeckt agierenden Gentech-PropagandistInnen sind pseudo-grüne PolitikerInnen, denen wegen der "gentechnik-kritischen" Positionen in ihren Partei-Programmen von großen Teilen der Öffentlichkeit immer noch ein Vertrauensvorschuß gewährt wird. So hatten etwa 2017 der von den Mainstream-Medien zum Shootingstar hochgejubelte Pseudo-Grüne und schleswig-holsteinische Minister Robert Habeck, der im Januar zum Co-Bundesvorsitzenden seiner Partei gewählt worden war, kürzlich im Tandem mit seiner Co-Vorsitzenden Annalena Baerbock ein sogenanntes Impulspapier veröffentlich, mit dem beide die ablehnende Haltung ihrer Partei zur Gentechnik aufweichen wollten. Auch die pseudo-grüne baden-württembergische "Wissenschaftsministerin" Theresia Bauer setzt sich für die Durchsetzung von Gentechnik ein. Im Vorfeld des EuGH-Urteil veröffentlichte das Gentech-Propaganda-Organ 'spiegel' einen Gastbeitrag von Theresia Bauer unter der Überschrift: "Die Grünen dürfen die Chancen der Gentechnik nicht länger ignorieren". Das Elaborat, das inhaltlich nicht mit neuen Argumenten aufwarten kann, bezeichnet der 'spiegel' als "Plädoyer für einen reflektierten Einsatz der Gentechnologie".
Als die Pseudo-Grünen im Mai dieses Jahres auf einem Landesparteitag im schwäbischen Leinfelden ihre ablehnende Position zur Gentechnik bekräftigten, fühlte sich Ministerin Theresia Bauer nicht bemüßigt, ihren Standpunkt darzulegen. Der Beschluß gegen Gentechnik kam ohne Gegenstimmen zustande. Ein großer Teil der Basis in dieser Partei scheint solche Beschlüsse noch immer ernst zu nehmen.
EuGH-Rechtssache: C-528/16
Kampf gegen Gentechnik längst nicht entschieden
findet bei dem Traditionsunternehmen