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Timestamp: 2020-04-05 18:05:47
Document Index: 113665740

Matched Legal Cases: ['§ 41', '§ 92', '§ 71', '§ 71', '§ 45', '§ 45']

Kommunale Altenhilfe in Kassel Issue 2009 - intranda GmbH
Kommunale Altenhilfe in Kassel Issue 2009
Kommunale Altenhilfe in Kassel : Bericht ... / Hrsg.: Magistrat der Stadt Kassel, Sozialamt, Referat für Altenarbeit
Kommunale Altenhilfeplanung Kassel
Kassel. Sozialamt
Kassel: Magistrat der Stadt Kassel, Sozialamt, Ref. für Altenarbeit, 2007 - 2019
2006-2013/17
Haupttitel 2006-2010/2012: Kommunale Altenhilfeplanung Kassel
2766162-3
Kws 50,1 Alte Menschen: Allgemeines
urn:nbn:de:kobv:109-1-8316233
Kommunale Altenhilfe in Kassel
Issue 2013/17
Issue 2010/12
Altenhilfeplanung Kassel
– Bericht 2009 –
- Bericht 2009 Inhaltsverzeichnis
Prognosen der Altersentwicklung
Altersentwicklung im regionalen Vergleich
Altersverteilung nach Kasseler Stadtteilen
Einkommenssituation im Alter
Hilfe zur Pflege im Rahmen der Sozialhilfe
Angebote der Stadt Kassel
Altenhilfeplanung und Projektentwicklung
GRIPS – kompetent im Alter – ein kommunales Präventionsprojekt
Niedrigschwellige Seniorenführungen – kulturelle Teilhabe im Alter
Projekte im Rahmen des Prozesses „Demographischer Wandel“
Fachberatung der städtisch geförderten Angebote
Kommunal geförderte Angebote der offenen Altenarbeit
Stadtteilzentrum Agathof (Träger Verein Stadtteilzentrum Agathof e.V.)
Stadtteilzentrum Niederzwehren
Stadtteilbüro ÄLTER WERDEN Harleshausen
ZEDA – Zentrum für Menschen mit Demenz und Angehörige
Der Bericht 2009 zur kommunalen Altenhilfeplanung knüpft an die vorangehenden Berichte 2005, 2006 und 2007/2008 an; in Anbetracht des
umfangreichen Doppelberichts 2007/08 beschränkt er sich primär auf die
Darstellung von Veränderungen.
Während die Bevölkerungszahl Kassels seit 2000 nahezu konstant geblieben ist, sind Veränderungen in der Altersstruktur zu erkennen. So ist der Anteil der unter 20-Jährigen um
mehr als 5 % zurückgegangen, während der Anteil der über 65-Jährigen um gut 8 % zugenommen hat. Nahezu gleich geblieben ist der Anteil der Menschen im Erwerbsalter (von 20
bis 64 Jahren) mit 62 %.1
Tabelle 1: Altersgruppen in Kassel 2000–2009
bis unter 20
Quelle: Einwohnermelderegister der Stadt Kassel 31.12.2009
Mit steigendem Lebensalter nimmt der Anteil der Frauen zu; bei den über 85-Jährigen kommen auf einen Mann etwa drei Frauen.
Tabelle 2: Altersgruppen 2009 nach Geschlechtern
100,0 100.410
Betrachtet man die Entwicklungen innerhalb der älteren Bevölkerung im 5-Jahresschritt
über die letzten neun Jahre, ergibt sich ein heterogenes Bild.
Auf die Altersstruktur von Einwanderern wird im Bericht 2007/2008 auf S. 15f eingegangen.
Während die Gesamtgruppe der über 60-Jährigen nur um 1,1 % angewachsen ist, sind beträchtliche Steigerungen bei den 65- bis 69-Jährigen mit 19,1 % und den 80- bis
84-Jährigen mit 21,0 % zu verzeichnen.
Die Gruppe der 60- bis 64-Jährigen nahm um 16,1 % und die der 75- bis 79-Jährigen um
21,7 % ab.
Tabelle 3: Entwicklungen innerhalb der älteren Bevölkerung Kassels 2000 bis 2009
Quelle: Einwohnermelderegister der Stadt Kassel: 31.12.2000 und 31.12.2009
Die Tendenzen der letzten Jahre verstärken sich in den nächsten Jahrzehnten.
So weisen die Prognosen für die Verteilung der Altersgruppen bis 2050 hohe Zuwächse bei
der älteren Bevölkerung aus, während alle anderen Altersgruppen schrumpfen. Insbesondere
der Anstieg der über 80-Jährigen wirft unter dem Gesichtspunkt des erhöhten Risikos von
Hilfs- oder Pflegebedürftigkeit die Frage auf, wie zukünftig deren Versorgung zu sichern ist.
Abbildung 1: Entwicklung der Altersgruppen 2007 bis 2050
Verteilung der Altersgruppen in Kassel 2007 bis 2050
80 u. älter
Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt 2004, Prognose: Mittlere Variante
Über Jahrzehnte zählte Kassel zu den Städten im Bundesgebiet mit einem besonders hohen
Anteil älterer Menschen. Dies war typisch für Kernstädte und wurde verstärkt durch den besonderen Zuschnitt des Stadtgebietes. Besonders die jungen Familien wanderten in den
1970er Jahren in die Umlandgemeinden ab.
Inzwischen altert die Bevölkerung im Landkreis Kassel stärker als im Stadtgebiet, wie nachstehende Abbildung zeigt.
Abbildung 2: Bevölkerung 65 Jahre und älter – Vergleich Stadt und Landkreis Kassel 1975-2008
Einwohnerzahlen 65 Jahre und älter - Stadt und Landkreis Kassel
St - Kassel
LK - Kassel
Quelle: Statistikstelle der Stadt Kassel 2010
Die Prognose für die demographische Entwicklung im Regierungsbezirk Kassel bis 2025
geht neben einer Abnahme der Bevölkerung von einem steigenden Anteil Älterer aus, wobei
Kassel im Vergleich zu den Landkreisen mit 3,4 % die geringsten Einbußen2 hat und mit
23,6 % auch den niedrigsten Anteil über 65-Jähriger.
Tabelle 4: Bevölkerungsentwicklung Regierungsbezirk Kassel 2008 bis 2025
Bevölkerung Anteil 65 Jah- Bevölkerung Anteil 65 JahKreisfreie Stadt / Landkreis
re und älter
1.231.503
1.151.344
Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt. Ergebnisse der regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung auf Basis 01.01.2007 / Bericht vom Januar 2008 (obere Variante)
Allein für die Stadt Fulda wird ein Bevölkerungsanstieg von 0,5 % prognostiziert.
Nachstehende Abbildung verdeutlicht noch einmal die geringen Steigerungsraten, die Kassel
innerhalb des Regierungsbezirks bezogen auf die ältere Bevölkerung haben wird.
Abbildung 3: Anteil Einwohner 65 Jahre und älter in Nordhessen – Prognose 2025
Anteil Einwohner 65 Jahre und älter im Regierungsbezirk Kassel 2008-2025
Regierungsbezirk Kassel 2025
Regierungsbezirk Kassel 2008
Kassel, documentaStadt
Die demographische Entwicklung in Kassel kann allerdings nicht unabhängig vom regionalen
Kontext betrachtet werden, da etwa Fragen von Arbeitskräften, Infrastruktur und Kaufkraft
sich immer auch auf Kassel als Oberzentrum auswirken. Auch Fragen der Altenhilfe und der
pflegerischen Versorgung – etwa in Bezug auf die Gewinnung von Pflegekräften – sollten
verstärkt vor allem mit dem Landkreis Kassel abgestimmt werden.3
Hierfür bestehen bereits eine Reihe guter Beispiele, wie über punktuelle Kooperation die Abstimmung erfolgt. Beispiele: ZEDA, Herausgabe eines Wegweisers für Menschen mit Demenz,
die Zusammenarbeit der Seniorenbeiräte, die gemeinsamen Sitzungen mit Vertretern aus dem
Landkreis im Arbeitskreis Gerontopsychiatrie und zukünftig der Pflegestützpunkt (s. 4.1.1)
Auf Stadtteilebene unterscheiden sich die Anteile älterer Menschen an der Bevölkerung.
Tabelle 5: Stadtteile nach Anteil der über 65- und über 80-Jährigen (2009)
12 Philippinenhof/Warteberg
15 Wolfsanger/
07 Süsterfeld/ Helleböhn
Kassel gesamt
Quelle: Einwohnermelderegister Stadt Kassel: 31.12.2009
Dies ist eine Folge der unterschiedlichen Siedlungsstrukturen und der damit verbundenen
Frage, wie attraktiv bzw. bezahlbar Wohnraum etwa für junge Familien ist oder wann der
Erstbezug in bestimmten Gebieten erfolgte.
Vor allem auf der Ebene der Statistischen Bezirke wirkt sich auch die Ansiedlung größerer
Pflegeeinrichtungen aus.
Abbildung 4: Altersverteilung nach Kasseler Stadtteilen
Anteil älterer Menschen nach Stadtteilen
Quelle: Stadt Kassel – Statistikstelle 2009
Demographisch im Verhältnis zur Gesamtstadt sind die jungen Stadtteile die Nordstadt, das
Wesertor und Rothenditmold.4 In diesen Stadtteilen ist gleichzeitig der Anteil der Einwanderer überdurchschnittlich hoch.
In den genannten Stadtteilen sind zur Verbesserung der Lebenssituation der Bevölkerung
neben städtebaulichen Maßnahmen eine Reihe von sozialen Interventionen durchgeführt
worden bzw. sind in Vorbereitung.5 Stärker als bisher werden allerdings die Belange der älteren Menschen dabei zu berücksichtigen sein, die – selbst wenn ihr Anteil vergleichsweise
niedrig ist – in besonderer Weise auch von Benachteiligungen im Wohnumfeld tangiert sind.
Allerdings sollten entsprechende Programme möglichst integriert in Angebote für andere
Generationen entwickelt werden.6
Auch die Unterneustadt zählt hierzu, ist allerdings gesondert zu betrachten, da ein großer Teil der
Bewohner erst in den letzten Jahren zugezogen ist.
Gefördert von Programmen wie URBAN und Soziale Stadt.
Exemplarisch konnte dies bei dem Projekt Stadtteilmanagement ÄLTER WERDEN Wesertor von
2005 bis 2009 erprobt werden.
Die Zahl der Menschen, die im Alter Leistungen der Grundsicherung beziehen, kann als Indikator für die finanzielle Situation älterer Menschen insgesamt gesehen werden.
In Kassel stieg auch 2009 die Zahl der Leistungsbezieher an, bei den über 65-Jährigen – der
größten Gruppe – ist allerdings ein leichter Rückgang zu verzeichnen.
Tabelle 6: Bezieher von Leistungen der Grundsicherung 2005 bis 2009 – nach Alter
Empfänger/ innen
2.969 (100 %)
3.177 (100 %)
3.365 (100 %)
3.528 (100 %)
3.582 (100 %)
davon 65 Jahre
1.979 (66,7 %) 2.076 (65,3 %) 2.155 (64,0 %) 2.246 (63,7 %) 2.200 (61,4 %)
Quelle: Stadt Kassel – Sozialamt 2010
Abbildung 5: Bezieher von Leistungen der Grundsicherung 2005 bis 2009
Bezieher Grundsicherungsleistungen 2005- 2009 nach Alter
Empfänger GSiAE nach § 41 ff SGB gesamt
Empfänger GSiAE 65 Jahre und älter gesamt
Empfänger GSiAE unter 65 Jahre gesamt
Aufgrund ihrer ungünstigeren Berufsbiographien und ihrer längeren Lebenserwartung stellen
Frauen bei den über 65-Jährigen die Mehrzahl der Grundsicherungsleistungsbezieher, während die Männer bei den jüngeren Altersgruppen stärker vertreten sind.
Tabelle 7: Bezieher von Leistungen der Grundsicherung 2005 bis 2009 - Alter und Geschlecht
GrundBezieher gesamt
Bezieher 65 Jahre und älter
1.754 (59,1 %)
1.979 (100 %)
1.297 (65,5 %)
1.836 (57,8 %)
2.076 (100 %)
1.327 (64,0 %)
1.929 (57,3 %)
2.155 (100 %)
1.380 (64,0 %)
2.013 (57,1 %)
2.248 (100 %)
1.432 (63,7 %)
2.010 (56,1 %)
2.200 (100 %)
1.375 (62,5 %)
Seit 2007 kann beim Bezug von Leistungen der Grundsicherung nach Staatsangehörigkeit
unterschieden werden. Während in der Gesamtgruppe der Bezieher etwa ein Fünftel der
nicht-deutscher Nationalität sind, liegt der Anteil bei den über 65-Jährigen bei mehr als einem Viertel.
Tabelle 8: Leistungen der Grundsicherung 2007 bis 2009 nach Nationalität und Alter
GrundBezieher
717 (21,3 %)
562 (26,1%)
749 (21,2 %)
579 (25,8 %)
758 (21,1 %)
2.200,(100 %)
570 (28,5 %)
Die ungünstige materielle Situation von älteren Einwanderern wird noch deutlicher, betrachtet man den Anteil, den Leistungsbezieher jeweils an ihrer Gruppe stellen. Während 2009
nur 5,7 % aller Älteren in Kassel Grundsicherungsleistungen bezogen, waren es bei den
nicht-deutschen Älteren über ein Viertel, ein gegenüber 2008 allerdings leicht verringerter
Tabelle 9: Nicht-deutsche und deutsche Leistungsbezieher über 65 Jahre
Anteil an der jeweiligen Altersgruppe - 2005 bis 2009
Gesamtbevölkerung 65 und älter
Nicht Deutsch 65 und älter
Bezieher GSiG Anteil GSiG
Die Gruppe Älterer ohne deutsche Staatsangehörigkeit stellt nur etwa ein Drittel der älteren
Einwanderer (Menschen mit „Migrationshintergrund“) insgesamt. Ihre materielle Situation
verweist allerdings darauf, dass der Zugang zu Angeboten der Teilhabe bei älteren Einwanderern häufig bereits an den damit verbunden Kosten scheitert. Für Menschen mit geringem
Einkommen stellen etwa Fahrtkosten oder der fehlende Zugang zu Information eine oft nicht
zu überwindende Hürde dar.
3.1 Hilfsbedürfigkeit
Der Bedarf an Unterstützung im Alltag setzt oft schleichend ein und lange bevor sich Pflegebedürftigkeit im Sinne der Pflegeversicherung manifestiert.
Die 2005 im Auftrag der Bundesregierung erstellte „MuG III-Studie“7 liefert ein Instrument, mit
dem sich die Zahl der Hilfsbedürftigen in Abhängigkeit von der Altersstruktur regional berechnen lässt. In Kassel sind demnach gut 4,2 % der Bevölkerung als hilfsbedürftig einzustufen, was für 2009 eine Zahl von ca. 8 100 Personen ergibt. Die erforderliche Hilfe wird häufig
von Angehörigen oder Nachbarn geleistet, viele Ältere beschäftigen stundenweise Hilfen. Ein
Teil des Hilfebedarfs dürfte allerdings mangels Masse auch nicht gedeckt sein. Sei es, dass
die Betroffenen das Ausmaß ihres Unterstützungsbedarfs unterschätzen oder dass sie nicht
ausreichend in stabile Netzwerke eingebunden sind, die ihnen bei der Organisation von Hilfen beistehen. Die Folgen sind Isolation und gesundheitliche Gefährdung.
Werden die erforderlichen Hilfen demgegenüber rechtzeitig und in finanziell vertretbarem
Umfang organisiert, trägt dies zur Stabilisierung der Lebenssituation bei, sichert Teilhabe,
stärkt die individuellen Ressourcen und vermeidet damit Folgekosten.
Erhalten diese Personen Leistungen der Grundsicherung, stehen ihnen bei Bedarf auch Mittel zur Finanzierung hauswirtschaftlicher Hilfen zu. 2009 nahmen insgesamt 100 Personen
(ca. 5 % aller Leistungsbezieher) diese Hilfe in Anspruch.
Im Rahmen der Hilfe zur Pflege nach dem Sozialgesetzbuch XII (SGB XII) werden Hilfen bereits unterhalb der Leistungsgrenze der Pflegeversicherung gewährt, die bei einem Unterstützungsbedarf von 90 Minuten täglich liegt.
Leistungen dieser „Pflegestufe 0“ erhielten 2009 in ihrem Privathaushalt8 131 Personen.
Insgesamt sind dies weniger als 3 % der über 8 000 Menschen, die in Kassel in der Definition der MuG-Studie als hilfsbedürftig zu bezeichnen sind.
Die alle zwei Jahre erfolgende Auswertung der Pflegestatistik (Basis 2009) ist für Herbst
2010 zu erwarten. Dann wird man wissen, wie sich die Zahl der Empfänger von Leistungen
der Pflegeversicherung in Kassel seit 2007 entwickelt hat.9
Schneekloth, Ulrich; Hand Werner (Hrsg): Möglichkeiten und Grenzen der selbständigen Lebensführung in privaten Haushalten“ www.bmfsfj.de
Im Gegensatz zu einer kleinen Gruppe von 17 Personen, die in diesem Stadium des Unterstützungsbedarfs bereits stationäre Versorgung in Anspruch nehmen musste.
Zu den Zahlen der Empfänger der Leistungen der Pflegeversicherung in Kassel 1999 bis 2007 s.
Kommunale Altenhilfeplanung Bericht 2007/2008 S. 37f
3.3 Hilfe zur Pflege im Rahmen der Sozialhilfe
Die Daten für den Bezug der Hilfe zur Pflege nach dem SGB XII weisen 2009 einen leichten
Rückgang der Gesamtausgaben aus, wobei eine leichte Verschiebung hin zur ambulanten
Versorgung zu verzeichnen ist.
Tabelle 10: Gesamtausgaben Hilfen zur Pflege nach SGB XII
Ambulante Leistungen in €
5.938.535
7.552.254
6.104.043
7.557.927
7.744.658
Stationäre Leistungen in €
12.507.973
11.768.092
10.735.958
9.421.222
Gesamtausgaben in €
18.446.508
19.320.346
18.542.671
18.293.885
17.165.880
Die Zahl der Bezieher von Leistungen der Hilfe zur Pflege stieg 2009 nur geringfügig an; im
stationären Bereich ging sie leicht zurück.
Tabelle 11: Leistungsbezug Hilfe zur Pflege nach SGB XII nach Versorgungsform
Stichtag 31.12. Anzahl insgesamt
Anzahl ambulant
Anzahl stationär
(Steigerung pro Jahr)
1.335 (+ 4,1 %)
1.310 (- 1,8 %)
1.354 (+ 3,6%)
1.359 (+ 0,4%)
(+ 13,3 %)
(- 0,5 %)
Menschen, die stationär versorgt werden, stellen beim Leistungsbezug nach SGB XII – anders als bei der Pflegeversicherung10 – seit Jahren die Mehrzahl. Diese – wenn auch leicht
sinkende – Dominanz der Heimpflege lässt sich auch 2009 bei den Neubewilligungen ablesen:
Tabelle 12: Neuanträge Hilfe zur Pflege SGB XII nach Versorgungsform – 2005 bis 2009
Vgl. hierzu: Kommunale Altenhilfeplanung Kassel, Bericht 2007/2008, S. 37 ff
Abbildung 6: Neuanträge Hilfe zur Pflege SGB XII nach Versorgungsform – 2005 bis 2009
Neuanträge Hilfe zur Pflege (SGB XII) 2005 - 2009 nach Versorgungsform
Zahl der Antragssteller
Quelle: Stadt Kassel- Sozialamt 2010
Erst mit dem Heimeinzug werden die meisten Menschen also zu Empfängern von Sozialhilfeleistungen. Dies zeigt sich bereits an der geringen Zahl der Menschen, die vor Heimeinzug
Leistungen des SGB XII erhielten.
Tabelle 13: Neufälle in Einrichtungen - bisherige Finanzierung der Pflege – 2006 bis 2009
Vorangehender Leistungsbezug
Kein Bezug zum SGB XII
Bezüge des Landeswohlfahrtsverband
Über die Hälfte der Antragsteller/innen beantragt unmittelbar mit dem Heimeinzug Leistungen der Hilfe zur Pflege. Bei einem weiteren Viertel sind bereits nach bis zu einem halben
Jahr die Eigenmittel erschöpft, mit denen anfangs die Heimkosten bestritten werden.
Tabelle 14: Zeitspanne zwischen Heimeinzug und Sozialhilfebezug – 2006 bis 2009
Neufälle insgesamt
Abbildung 7: Zeitspanne zwischen Heimeinzug und Sozialhilfebezug – 2005 bis 2009
Zeitspanne zwischen Heimeinzug und Sozialhilfebezug
1- 6 Monaten
Der Wunsch der meisten Menschen ist es, möglichst lange in der eigenen Häuslichkeit versorgt zu werden, entsprechend hat der Gesetzgeber der ambulanten den Vorrang vor der
stationären Pflege eingeräumt.
Auch unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten liegt es im Interesse der Stadt Kassel als Sozialhilfeträger sich für den möglichst langen Verbleib von Menschen mit Pflegebedarf in ihrem vertrauten Umfeld einzusetzen.
Seit 2008 kann beim Leistungsbezug auch nach Staatsangehörigkeit unterschieden werden.
Entsprechend der -noch- geringen Zahl älterer Einwanderer ist die Zahl der Leistungsbezieher ohne deutsche Staatsangehörigkeit gering. Besonders niedrig sind - im Gegensatz zur
Gesamtgruppe - die Zahlen bei der stationären Unterbringung. Dies bestätigt den Eindruck,
dass Zuwanderer nur selten stationäre Unterbringung nutzen.
Tabelle 15: Nicht-deutsche Bezieher von Hilfe zur Pflege nach Versorgungsformen
alle Versorgungsformen
nicht- % nichtdeutsch deutsch
Quelle: Stadt Kassel – Sozialamt 2010 – Stichtag 31. 12. 2009
Diese nach „deutsch“ und „nicht-deutsch“ differenzierten Daten geben einen ersten Hinweis,
dass auch die Pflege zunehmend „bunter“ wird und sich auf eine heterogenere Nachfrage
Allerdings sind die Aussagen wie folgt zu relativen:
Da die Statistiken der Pflegeversicherung keine Daten zur Nationalität erheben, sind
derartige Aussagen nur für die Inanspruchnahme von SGB XII Leistungen möglich.
Zu vermuten ist allerdings, dass die Mehrheit der pflegeversicherten Nicht-Deutschen
(sofern sie Anspruch auf Leistungen haben) die Geldleistungen der Pflegeversicherung
in Anspruch nimmt, da die Versorgung primär über Personen im nahen Umfeld gesichert
wird.11 Damit entsteht – selbst bei geringem Haushaltseinkommen – kein Anspruch auf
ergänzende Leistungen der Sozialhilfe.
Die Daten sagen nichts aus über die pflegerische Situation von Menschen mit Migrationshintergrund insgesamt. So ist in der Gruppe der Aussiedler die Zahl der über 80Jährigen dreimal so hoch wie bei den Nicht-Deutschen12 und es ist anzunehmen, dass
bei ihnen inzwischen ein höherer Pflegebedarf besteht.
Vgl. die „Kasseler Studie“ mit ihren Aussagen zum Einfluss von „pflegekulturellen Milieus“: Blinkert, Baldo, Klie, Thomas: Solidarität in Gefahr. Hannover 2004
Vgl. Einwohnermelderegister der Stadt Kassel 2009, wie zitiert in Kommunale Altenhilfeplanung
Bericht 2007/2008, S. 16.
Die städtischen Angebote für ältere Menschen sind im Referat für Altenarbeit des Sozialamtes zusammengefasst und verfügen über folgende Personalausstattung:
1 Vollzeitstelle Leitung / Altenhilfeplanung
ca. 2/3 Vollzeitstelle Organisation Seniorenprogramm/ Geschäftsführung Seniorenbeirat
4 Vollzeitstellen Beratungsstelle ÄLTER WERDEN13
/2 Stelle Verwaltung
Angesiedelt im Referat für Altenarbeit ist ebenfalls die Geschäftsführung des Seniorenbeirats
mit einem Stellenkontingent von ca. 1/3 Vollzeitstelle.
2009 verfügte das Referat für Altenarbeit über Mittel in Höhe von insgesamt 120.000 € zur
Durchführung seiner Aufgaben. Die drei Aufgabenbereiche
Altenhilfeplanung und Projektentwicklung,
Beratungsstelle ÄLTER WERDEN und
werden in ihrer Entwicklung 2009 nachfolgend dargestellt:
Schwerpunkte im Bereich Altenhilfeplanung und Projektentwicklung waren neben der Vorbereitung der Schaffung des ersten Pflegestützpunktes Kassel die fachliche Begleitung und
Weiterentwicklung der offenen Altenhilfe.
Mit § 92 c Pflege-Weiterentwicklungsgesetz wurden die Pflege- und Krankenkassen
2008 beauftragt, Pflegestützpunkte einzurichten, und damit
umfassende und unabhängige Beratung zu den Leistungen und Angeboten zu erbringen;
die für die wohnortnahe Versorgung und Betreuung in Betracht kommenden Angebote
zu koordinieren,
die Vernetzung der Betreuungsangebote zu sichern.
Als Anschubfinanzierung stehen einmalig 45.000 € (bzw. 50.000 € bei der Einbindung von
Ehrenamt und Selbsthilfe) aus Mitteln der Pflegeversicherung zur Verfügung.
In Hessen erfolgt die Einrichtung eines ersten Pflegestützpunktes auf folgenden Grundlagen:
der gesetzlichen Vorgaben des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes;
der Allgemeinverfügung des Landes zur Einrichtung vom Pflegestützpunkten in Hessen
vom 8. Dezember 2008 und
der auf Landesebene zwischen Pflege- und Krankenkassen einerseits und den kommunalen Spitzenverbänden andererseits geschlossenen Rahmenvereinbarung vom
1. Mai 2009, der die Stadt Kassel beigetreten ist.
Seit 01.07.2010 ist die vierte Personalstelle der Beratungsstelle dauerhaft zugewiesen worden,
da die Wirtschaftlichkeit der Arbeit nachgewiesen werden konnte.
Das bedeutet, dass die Pflege- und Krankenkassen zunächst pro kreisfreier Kommune und
Landkreis einen Pflegestützpunkt einrichten. Dies erfolgt - wo möglich - in gemeinsamer Trägerschaft mit den Kommunen/Landkreisen, um vorhandene Beratungsstrukturen einzubinden und Doppelstrukturen zu vermeiden.
Beide Träger schließen einen Stützpunktvertrag ab, in dem Fragen der personellen und
sächlichen Ausstattung ebenso geregelt werden, wie die Aufgabengestaltung und die Öffentlichkeitsarbeit.
Um eine auf Landesebene vergleichbare Entwicklung zu gewährleisten,
wurde eine von Pflege- und Krankenkassen sowie kommunalen Spitzenverbänden paritätisch besetzte Steuerungsgruppe14 geschaffen;
arbeiten alle Pflegestützpunkte mit einem gemeinsamen Dokumentationssystem;
verwenden die Pflegestützpunkte ein einheitliches Logo und stimmen die Öffentlichkeitsarbeit ab und
finanzieren anteilig eine gemeinsame Koordinationsstelle für eine Anlaufphase von drei
Trotz entsprechender Vorstöße durch die Kommunalen Spitzenverbänden beteiligt sich das
Land Hessen - anders als andere Bundesländer - finanziell nicht am Aufbau der Pflegestützpunkte. Damit vergibt es die Chance, einen Beitrag zur einer nachhaltigen und über die Gebietskörperschaften hin vergleichbaren Beratungsstruktur zu leisten.15
In Auftrag gegeben hat das Land Hessen allerdings ein Forschungsprojekt,16 mit der die
Implementationsphase der Pflegestützpunkte wissenschaftlich begleitet wird.
c) Bedeutung der Pflegestützpunkte für die Kommunen
Die Aufgabe, gemeinsam mit den Pflege- und Krankenkassen einen Pflegestützpunkt einzurichten, stellt die Kommunen vor eine Reihe von Herausforderungen. So müssen Kommunen
und Landkreise, die bislang keine spezifischen Beratungsangebote für Ältere vorhalten bzw.
Freie Träger mit der Durchführung beauftragt haben, hierfür neue Personalressourcen schaffen.
Städte und Landkreise mit etablierten kommunalen Beratungsstrukturen, müssen Formen
finden, diese so in den Pflegestützpunkt einzubinden, dass die spezifischen kommunalen
Beratungsaufgaben im Sinne von § 71 Altenhilfe SGB XI weiterhin sicher gestellt sind und für
die Nutzer vertraute Anlaufstellen erhalten bleiben.
Als besondere Stärke der kommunalen Ebene ist dabei ihre lange Zusammenarbeit mit den
unterschiedlichen Anbietern zu sehen, verbunden mit den Gestaltungsmöglichkeiten der Altenhilfe.
Für die Pflege- und Krankenkassen und Kommunen als gleichberechtigte Träger des Pflegestützpunktes bedeutet dies,
ihre jeweiligen Aufgabenbereiche so miteinander abzugleichen, dass die Schnittstellen
gemeinsamer Tätigkeiten so groß wie möglich sind, die originären Verantwortlichkeiten
aber transparent bleiben.
Die Stadt Kassel (vertreten durch die Altenhilfeplanerin) arbeitet für den Hessischen Städtetag in
der Steuerungsgruppe mit.
Bei den Verhandlungen über den Rahmenvertrag wurde deutlich, wie unterschiedlich die regionalen Ausgangssituationen hinsichtlich der Altenhilfeberatung in Hessen sind – ein Resultat der bislang fehlenden Infrastrukturförderung durch die Landesebene.
Durchgeführt von IWAK – Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur, Zentrum der GoetheUniversität Frankfurt am Main.
die in den Pflegestützpunkt entsandten Mitarbeiter/innen mit ihren spezifischen Qualifikationen so einzubringen, dass das Ziel der „Beratung aus einem Guss“ möglichst
schnell realisiert wird;
den Pflegestützpunkt so zu positionieren, dass er wirksam dazu beiträgt, das Thema
Pflege in seiner gesamtgesellschaftlichen Bedeutung deutlich zu machen und die gesellschaftliche Verantwortung hierfür zu stärken.
Die Einrichtung eines ersten Pflegestützpunktes bedeutet in Kassel, die konsequente Weiterentwicklung der seit 2000 erfolgreich arbeitenden Beratungsstelle ÄLTER WERDEN. Mit
ihrer Erweiterung um die von der Pflegekasse zu leistende Pflegeberatung und die damit
verbundene Einbindung einer Fachkraft der Pflege- und Krankenkasse gewinnt das Beratungsangebot an Effektivität und Transparenz, für die Ratsuchenden wird sich der Zugang zu
Beratung und Leistungen weiter verbessern.
d) Stand der Umsetzung
Im Oktober 2009 wurden zwischen der Knappschaft als der für das Stadtgebiet einrichtungsbeauftragten Pflege- und Krankenkasse und der Stadt Kassel Verhandlungen mit dem Ziel
aufgenommen, den gemeinsamen Pflegestützpunkt im Sommer 2010 zu eröffnen. Beginnen
wird der gemeinsame Pflegestützpunkt seine Arbeit am jetzigen Standort der Beratungsstelle
ÄLTER WERDEN im Kasseler Rathaus.
Perspektivisch wird der Pflegestützpunkt Kassel gemeinsam mit dem Pflegestützpunkt des
Landkreises Kassel an dem vom Landkreis vorgeschlagenen Standort Kulturbahnhof untergebracht sein. Zuvor sind noch umfassende Baumaßnahmen zur barrierefreien Gestaltung
der Räumlichkeiten erforderlich.
Von dem gemeinsamen Standort mit dem Landkreis ist zu erwarten:
die Entwicklung eines einheitlichen Profils der Pflegeberatung in der Region,
die Vernetzung von Anbietern im Bereich Altenhilfe und Pflege;
ein abgestimmtes Vorgehen in Fragen der Pflegeinfrastrukturentwicklung einschließlich
der Stärkung bürgerschaftlichen Engagements für Pflege;
die einheitliche Ausgestaltung der Arbeit im Pflegestützpunkt (Öffentlichkeitsarbeit, Fortbildung, Erreichbarkeit, Koordination, Dokumentation etc.) und damit
ein sparsamer Ressourceneinsatz.
Damit entspricht die Entscheidung für einen gemeinsamen Standort für die Pflegestützpunkte dem Ziel, die der Regionalisierung von Leistungen der Verwaltungen von Stadt und Landkreis Kassel.17
e) Konsequenzen für die Beratungsstelle ÄLTER WERDEN18
Um Doppelstrukturen zu vermeiden, wird von Seiten der Stadt Kassel die Beratungsstelle
ÄLTER WERDEN mit ihrer gesamten Personalausstattung und ihrem Aufgabenfeld in den
Pflegestützpunkt eingebracht. Damit kann ein integriertes Beratungsangebot entstehen. Die
Bündelung der Beratungsaufgaben der Pflege- und Krankenkassen und der kommunalen
Altenhilfe soll den städtischen Mitarbeiterinnen einen stärkeren Stadtteilbezug bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben ermöglichen. Damit kann den fachlichen Forderungen nach einer
sozialraumorientierten Ausrichtung von Altenhilfe und Altenberatung verbessert Rechnung
Dies wird sich vor allem in der lokalen Vernetzung von Angeboten und der Einbindung bürgerschaftlichen Engagements niederschlagen.
Die beiden beteiligen Pflegekassen sind ohnehin über die kommunalen Grenzen hinweg organisiert und an der Zusammenarbeit sehr interessiert.
Über die Tätigkeitsentwicklung der Beratungsstelle ÄLTER WERDEN im Jahr 2009 s. 4.2
4.1.2 GRIPS – kompetent im Alter – ein kommunales Präventionsprojekt
Mit dem von der europäischen Kommission geförderten Vorhaben SenEmpower wurden
2007 bis Anfang 2009 an fünf Standorten ältere Freiwillige qualifiziert, um die Teilhabechancen hochaltriger und von sozialer Isolation bedrohter Menschen zu verbessern.
Am Projektort Kassel wurde unter dem Titel GRIPS – kompetent im Alter wie folgt vorgegangen.
Gewinnung und Qualifizierung von Freiwilligen:
15 engagierte Menschen (ca. 40 bis 70 Jahre) erhielten eine für sie kostenlose Ausbildung als SimA (Selbständig im Alter)-Trainer. Bei SimA handelt es sich um ein an der
Universität Erlangen Nürnberg wissenschaftlich erprobtes Training, mit dem Menschen
bis ins hohe Alter ihre Gedächtnisleistung, ihre motorischen Fähigkeiten und ihre Strategien der Alltagsbewältigung erhalten und verbessern können. Das SimA-Training wurde von Mitarbeitern der SimA-Akademie Nürnberg an drei Wochenenden in Kassel
durchgeführt.19
Aufbau von dezentralen GRIPS-Gruppen:
Mit fachlicher und organisatorischer Begleitung durch Projektmitarbeiter bauten die
Freiwilligen in zunächst sieben Stadtteilen insgesamt zehn Trainingsgruppen mit vier bis
12 Teilnehmern auf, für die die Gruppen bis auf einen kleinen Beitrag für Materialkosten
unentgeltlich war.
Das Referat für Altenarbeit arbeitete bei SenEmpower eng mit der Volunta gGmbH, der
Freiwilligenagentur des DRK Hessen, zusammen, die auch als Träger nach außen auftrat. Dies erwies sich als besonders hilfreich, da der Träger über umfassende Erfahrungen mit EU-finanzierten Projekten und der Werbung von Freiwilligen verfügt.20
Aufgrund des Erfolges21 wurde das Angebot vom Referat für Altenarbeit aus Mitteln der Altenhilfe ab Sommer 2009 fortgeführt. Nachdem im Herbst 2009 weitere 18 GRIPS-Trainer
nach der Methode SimA qualifiziert wurden, entstanden an weiteren Standorten im Stadtgebiet neun neue GRIPS-Gruppen.22
Partner des Referats für Altenarbeit ist inzwischen das Seniorenreferat der Evangelischen
Kirche Kassel, das aufgrund seiner engen Verbindung zu den Kirchengemeinden die Gewinnung von Freiwilligen erleichtert und zur Vernetzung in den Stadtteilen beiträgt.
Zu den Kooperationspartnern vor Ort, die GRIPS durch die Bereitstellung von Räumen, Material und Öffentlichkeitsarbeit erst möglich und erfolgreich machen, zählen neben unterschiedlichen Kirchengemeinden bislang zwei Wohnungsbaugesellschaften mit ihren Stadtteiltreffs, Stadtteilzentren für Ältere, ein Bürgerhaus und ein Pflegedienst.
GRIPS – kompetent im Alter leistet einen niedrigschwelligen Beitrag zur Gesunderhaltung
und Teilhabe im (hohen) Alter. Neben dem eigentlichen Training von Gehirnleistung, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Alltagswissen fördert das Projekt die soziale Integration auch be19
vg. www.sima-akademie.de
vgl. Magistrat der Stadt Kassel, Sozialamt, Referat für Altenarbeit: GRIPS – kompetent im Alter –
ein Lernprojekt für Senioren von Senioren. Kassel 2009
Die in Kassel besonders erfolgreiche Umsetzung von SenEmpower führte dazu, dass das Referat
für Altenarbeit mehrfach auf Fachtagungen eingeladen wurde.
Im Mai 2010 wurde eine weitere Gruppe von 16 Freiwilligen qualifiziert, die über den Sommer
weitere GRIPS-Trainingsgruppen aufbauen werden.
reits mobilitätsbehinderter älteren Menschen. Da für die Teilnehmer kaum Kosten anfallen,
werden auch Menschen mit geringem Einkommen erreicht.
Im Herbst 2009 wurde durch die Qualifizierung von vier GRIPS-Trainerinnen, deren Muttersprache russisch ist, das Angebot auf diese Einwanderergruppe ausgeweitet.23
Angesichts der steigenden Zahl älterer und hochaltriger Menschen sind die Kommunen neu
gefordert, sich an Maßnahmen der Gesunderhaltung zu beteiligen, um die selbstständige
Lebensgestaltung bis ins hohe Alter zu stärken.24 Dass die Stadtgesellschaft dabei auf das
Engagement der „jungen Alten“ rechnen kann, zeigt GRIPS eindrucksvoll.
4.1.3 Niedrigschwellige Seniorenführungen – kulturelle Teilhabe im Alter
Die im Winter 2008/09 erstmals von der Museumslandschaft Hessen Kassel mit dem Referat
für Altenarbeit25 erprobten „niedrigschwelligen Museumsführungen“ konnte dank des finanziellen Engagement des Museumsvereins Kassel 2009/2010 fortgesetzt werden. Dabei werden die Kosten für die Führungskraft hälftig vom Referat für Altenarbeit und dem Museumsverein getragen. Die Kosten pro Person liegen bei 4,50 € – das entspricht dem Betrag, der
inzwischen für das seit über zehn Jahren erfolgreiche Programm „Senioren im Museum“ anfällt. Anders als bei diesem „Selbstläufer“ (jährlich 24 offene Führungstermin mit insgesamt
ungefähr 500 Teilnehmern26), buchen hier ganze Gruppen, organisiert von einer Vertrauensperson, ihre eigenen Führungstermine. Damit steigt die Chance, für „museumsferne“ ältere
Menschen, Zugang zu kulturellen Angeboten zu finden.
4.1.4 Projekte im Rahmen des Prozesses „Demographischer Wandel“
Das Referat für Altenarbeit beteiligte sich 2009 an drei ämterübergreifenden Vorhaben, die
vom Zukunftsbüro zum Schwerpunkt demographischer Wandel initiiert wurden.
Im Auftrag des Oberbürgermeisters wurde 2009 die Projektgruppe „Bürgerschaftliches
Engagement“ eingerichtet. Auf Basis einer Ist-Analyse der Unterstützung, die von den
unterschiedlichen Bereichen der Stadtverwaltung bereits für das Bürgerengagement geleistet wird, entwickelte die Arbeitsgruppe Handlungsempfehlungen für zukünftiges
kommunales Vorgehen.
Da ältere Menschen inzwischen die am stärksten wachsende Gruppe der engagierten
Bürgerinnen und Bürger stellen, kommt der Altenhilfe mit ihrem Auftrag der Förderung
von Teilhabe und Engagement in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle zu. Das
Referat für Altenhilfe brachte seine Erfahrungen mit dem Engagement älterer Menschen
Demographischer Wandel im Stadtteil
In einer ämterübergreifenden Projektgruppe werden am Beispiel Harleshausen exemplarisch für einen vorwiegend aus Ein- und Zweifamilienbebauung bestehenden Stadtteil
Ab Sommer 2010 wird in Kooperation mit dem Frauentreff Brückenhof erprobt, ob das Konzept
übertragbar ist auf ältere Frauen aus Afghanistan.
vgl.: Gesundheit Berlin-Brandenburg (mit Förderung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung): Gesundheit im Alter fördern – eine Zukunftsaufgabe der Kommunen. Berlin 2009
vgl. Kommunale Altenhilfeplanung Kassel – Bericht 2007/2008 S. 53
s. unten Aufstellung der Veranstaltungen des Seniorenprogramms
Strategien entwickelt mit denen den Herausforderungen des demographischen Wandels
Bei Harleshausen handelt es sich um einen der demographisch ältesten Stadtteile Kassels. Vor allem die älteren Hauseigentümer stehen häufig vor der Frage, wie und ob sie
in ihren Häusern wohnen bleiben wollen/können. Als Möglichkeiten sind sowohl die Sanierung unter Gesichtspunkten von verbesserter Energieeinsparung und Barrierefreiheit
zu überprüfen. Andererseits geht es darum, Optionen für Umzug und Veräußerung zu
entwickeln. Daneben geht es um Fragen der Nahversorgung und Mobilität und der Bürgerbeteiligung insgesamt.
Dies sind Fragestellungen, mit denen sich das Referat für Altenarbeit seit langem befasst,27 die aber erstmals in einem ressortübergreifenden Kontext thematisiert werden.
Die Teilhabe älterer Einwanderer am gesellschaftlichen Leben und ihr Zugang zu den
Angeboten der Altenhilfe stellen eine immer wichtigere Aufgabe an die Kommune. Die
ressortübergreifende Diskussion von Integrationsfragen und die Entwicklung von vernetzten Projekten bieten hierbei eine große Chance. Das Referat für Altenarbeit kann
seine bisherigen Erfahrungen mit der Einbeziehung von älteren Einwanderern einbringen und an neuen Formen der Kooperation mitwirken.28
4.1.5 Fachberatung der städtisch geförderten Angebote
Bestandteil der Leistungsvereinbarung mit den Freien Trägern, die im Auftrag der Stadt Kassel offenen Angebote der Altenhilfe durchführen, ist ein Controlling, das im Rahmen einer
jährlich stattfindenden Fachkonferenz erfolgt. Darüber hinaus gibt es anlass- und projektbezogene Arbeitskontakte zu den einzelnen Einrichtungen sowie regelmäßige Treffen im Arbeitskreis offene Altenhilfe.
Auf die einzelnen Angebote wird unter 5. näher eingegangen.
4.2 Beratungsstelle ÄLTER WERDEN
Die Arbeit der Beratungsstelle ÄLTER WERDEN umfasst:
offene Beratung und Information,
intensive Beratung und Case Management,
Mitwirkung bei der Erbringung von Leistungen nach dem SGB XII,
Öffentlichkeitsarbeit, Erstellung von Informationsmaterial,
Förderung von Vernetzung und Kooperation von Anbietern.
Tabelle 16: Fallzahlen nach Zugangswegen – 2005 bis 2009
Anstieg pro Fälle gesamt
k. A. *)
Quelle: Stadt Kassel, Sozialamt – Referat für Altenarbeit 2010
*) erst seit 2007 gesonderte Aufführung, zuvor unter „sonstige Anlässe“ gezählt
vgl. Bundesmodellprogramm „Selbstbestimmt leben im Alter“ 1998-2001 und Projekt Stadtteilmanagement Älterwerden Harleshausen 2002 bis 2006
vgl. hierzu Kommunale Altenhilfe Kassel – Bericht 2007/2008 S. 15f
Abbildung 8: Fallzahlen nach Zugangswegen - 2005 bis 2009
Beratungsstelle ÄLTER WERDEN Fallzahlen 2005 - 2009
Beratung bei Hilfe zur Pflege
Beratung bei Grundsicherung
Der Anstieg der Fallzahlen ist zum einen auf die wachsende Zahl von älteren Menschen mit
Hilfebedarf zurück zu führen, lässt sich aber auch auf die weiter verbesserte Abstimmung
innerhalb des Sozialamtes zurückführen.29
Seit Herbst 2009 führt die Beratungsstelle ÄLTER WERDEN einmal monatlich eine gemeinsame Sprechstunde mit dem türkischsprachigen Verein EMEKDER in den Räumen des
Quartiersmanagement Nord durch. Hierdurch soll Einwanderern aus der Nordstadt der Zugang zur Beratung erleichtert werden.
Auf die Perspektiven, die sich durch die Schaffung des ersten Pflegestützpunktes in Kassel
für die Beratungsstelle ÄLTER WERDEN ergeben, wird unter 4.1.1 eingegangen.
Ab 2009 erfolgt alle drei Jahre die Wiederbegutachtung des hauswirtschaftlichen Bedarfs bei
Personen, die Grundsicherung erhalten. Ebenfalls werden inzwischen im zweijährigen Abstand
alle Bezieher von Pflegegeld nach SGB XII in Pflegestufe 0 begutachtet. Ziel ist, möglichst zeitnah veränderte Bedarfssituationen festzustellen und – auch unter dem Gesichtspunkt der Prävention – die Versorgung anzupassen. Ein ähnliches Vorgehen ist für den Personenkreis der
Nichtversicherten vorgesehen
4.3 Seniorenprogramm
Das städtische Freizeitprogramm für ältere Menschen bietet jährlich über 200 Veranstaltungen mit mehr als 10 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Programmschwerpunkte
liegen in den Bereichen Information, Gesundheitsförderung und Kultur. Damit ist das Seniorenprogramm im weitesten Sinne dem Bereich des lebenslangen Lernens zuzuordnen. In der
Regel kooperiert das Referat für Altenarbeit mit spezialisierten Anbietern und Vereinen und
stützt sich auf ein hohes Maß an freiwilligem Engagement – etwa der Mitglieder des Seniorenbeirats.
Tabelle 17: Veranstaltungen des Seniorenprogramms 2007 bis 2009
Partner / Partnerorga2007
TerTeilneh
HNA,VW-Werk etc.
Senioreneislaufgemeinschaft
Landkreise Kassel /
Internationaler Tag Seniorenbeirat
Kegeln (wöchentl.) Kasseler Kegler Verein
Mhk//Museen der Stadt
Sicherheitstraining Mädchenhaus
Staatstheater, Komödie
Weihnachtskonzert Seniorenbeirat
Zisselnachmittag
205 10.084
Quelle: Stadt Kassel, Sozialamt, Referat für Altenarbeit 2010
Zisselgilde
Insgesamt acht Einrichtungen erhielten 2009 gem. § 71 Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch
Zuwendungen der Stadt Kassel für ihre Angebote der offenen Altenarbeit.
Tabelle 18: Kommunale Zuwendungen an Freie Träger der Altenhilfe 2007 – 2010
Zuwendungen für Personal- und Sachkosten
Übernahme der Mietkosten (GWG)
Nebenkosten (2009 geschätzt)
30.254,16
9.590,61
111.851,77
9.562,85
111.825,01
32.283,96
113.852,96
Zuwendungen (Personal- und Sachkosten)
ZEDA – Zentrum für Demenz und Angehörige
Zuwendungen (Personal, Sachkosten und Miete)
Stadtteilzentrum Quellhof/Stadtteiltreff Mombach
Übernahme der Mietkosten bis 30.06.2007, da15.333,36
nach Nutzung städtischer Räume
Nebenkosten 2008, 2009 geschätzt
2.294,23
115.627,59
5.552,99
5755,12
2.877,56
9.349,56
3.513,56
9.268,68
9.080,56
Einrichtungen der offenen Altenhilfe insgesamt
Stadtteilz. Quellhof/Stadtteiltreff Mombach
Stadtteilbüro Älterwerden Harleshausen
378.701.69
357.542,52
350.993,24
Nebenkosten (2008 und 2009 Vorauszahlung)
Zuwendungen für Mietkosten (abzüglich Eigenbeitrag von 797,60 €)
Nebenkosten , 2009 Vorauszahlung
386.462,91
Generell lässt sich bei den von der Stadt Kassel im Rahmen der offenen Altenhilfe geförderten Angebote – ähnlich wie bei den Seniorenangeboten insgesamt – eine Entwicklung beobachten, die nachfolgend zusammengefasst dargestellt wird:
Neue Alte – neue Ressourcen
Die heute ins Seniorenalter tretenden Menschen (Stichwort Babyboomer) sind in der
Regel nicht nur gesünder und finanziell besser gestellt als früher, sondern auch weit
besser qualifiziert. Damit bilden sie eine gesellschaftliche Ressource, auf die die Stadtgesellschaft nicht verzichten kann. Gleichzeitig verknüpfen die „Neuen Alten“ mit ihrem
Engagement Erwartungen an Mitbestimmung, Fortbildung und Sinnstiftung. Dem müssen sich die Angebotsträger der Altenhilfe (und anderer Bereiche) stellen, wollen sie
dieses Engagement längerfristig einbinden.30
Angebotsorientierung statt Altersgruppenorientierung
Träger können sich nicht mehr darauf verlassen, dass die Bezeichnung „Seniorenangebot“ bereits Nachfrage generiert. Vielmehr sind die Themen, die Qualität und die Mitwirkungsmöglichkeiten bei den Angeboten entscheidend. Zudem nutzen ältere Menschen
zunehmend Angebote, die sich an altersheterogene Gruppen wenden (z. B. statt Seniorenstudium reguläres Studium nach der Berentung).
Kommerzielle Angebote eines sich ausdifferenzierenden Seniorenmarktes wenden sich
an finanziell entsprechend leistungsfähige Gruppen.
Gleichzeitig organisieren sich ältere Menschen außerhalb gewachsener Angebotsstrukturen und entwickeln eigene Formen der Freizeitgestaltung, der kulturellen Betätigung
und der Weiterbildung.31 Zahlreiche Organisationen der Kultur, des Sports und des politischen Lebens sind überdies „in die Jahre“ gekommen und werden inzwischen maßgeblich von älteren Akteuren gestaltet und genutzt.
Neue Herausforderungen für die Altenhilfe
Während hoch kompetente Gruppen Älterer ihr Leben und ihre Aktivitäten selbst organisieren und das breite Angebot generationsübergreifend nutzen und mitgestalten, bleibt
es die zentrale Aufgabe der kommunalen Altenhilfe, die Teilhabechancen für diejenigen
Älteren zu sichern, die besondere Zugangshindernisse erleben. Hierbei handelt es sich
• Menschen im hohen Alter,
• Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und in Pflegesituationen,
• ältere Einwanderer,
• Alleinlebende und
• ältere Menschen mit geringem Einkommen.
Diesen Gruppen stehen die allgemeinen Angebote der Teilhabe natürlich ebenso offen, wie
allen anderen älteren Menschen, doch führt die Kumulierung von Problemen schnell zu sozialer Ausgrenzung und Benachteiligung. Um Stigmatisierung zu vermeiden, sollten die Angebote für benachteiligte Ältere eingebunden sein in die bestehenden Programmstrukturen.
Sozialraumorientierung zur Vermeidung weiter Wege und unter Nutzung des Potenzials
an vertrauten Strukturen und Schlüsselpersonen (vgl. GRIPS);
Kooperation mit Multiplikatoren (etwa aus dem Bereich der ethnischen Community) oder
mit Dienstleistern (etwa Pflegediensten);
Das FreiwilligenZentrum setzt beispielhaft Impulse für die Motivierung zum bürgerschaftlichen
Engagement, bzw. unterstützt andere Träger hierbei.
Vgl. Akademie 55 Plus
fachliche Begleitung von Gruppen, damit sie erfolgreich auch „schwächere“ Mitglieder
integrieren können (vgl. Demenzgottesdienste der Unterneustädter Kirchengemeinde);
Empowerment-Ansätze, die bei den Stärken der Nutzer ansetzen (vgl. z. B. die Stadtteilzentren für Ältere);
Ermöglichung von generationsübergreifender Begegnung (vgl. z. B. die Stadtteiltreffs
der Wohnungswirtschaft).
Stadtteilzentrum Agathof (Träger Verein Stadtteilzentrum Agathof e. V.)
Das Stadtteilzentrum Agathof versteht sich als Begegnungs- und Bildungszentrum für Menschen in der Zweiten Lebenshälfte im Kasseler Osten. Die Angebote gliedern sich in die Bereiche Begegnung, Bewegung, Kreativität, Bildung/Kultur und Neue Medien.
Besondere Veranstaltungen, wie Sommer- und Weihnachtsfeste helfen, den Kontakt und
den Zusammenhalt der Nutzer insgesamt zu fördern und ihre gemeinsame Verantwortung
für die Einrichtung zu stärken. Nur auf dieser Basis lässt sich das hohe Niveau freiwilligen
Engagements bewahren.
Das Stadtteilzentrum Agathof öffnet sich seit längerem gezielt für russischsprachige Einwanderer. Da an allen Aktivitäten auch Menschen teilnehmen, die nicht Russisch sprechen, wird
die Kompetenz in der deutschen Sprache ebenso gefördert wie das gegenseitige kulturelle
Tabelle 19: Mitarbeiterstruktur
Hauptamtlich, Leitung (Vollzeitäquivalente)
Hauptamtlich, Verwaltung (Vollzeitäquivalente)
Reinigung (Vollzeitäquivalente)
Praktikanten 1 – 6 Monate (Personen)
Tabelle 20: Angebote und Nutzer/innen
Verteilung auf die Angebotsbereiche/pro Woche *)
Begegnung: Zahl der Gruppen/Teilnehmer
Bewegung: Zahl der Gruppen/Teilnehmer
Kreativität: Zahl der Gruppen/Teilnehmer
Bildung und Kultur: Zahl der Gruppen/Teilnehmer
Neue Medien: Zahl der Gruppen/Teilnehmer
Nutzer/innen insgesamt
Wohnort östliches Kassel
*) bei Angeboten, die im 14-tägigen oder vierwöchentlichen Rhythmus stattfinden, wurden die Teilnehmerzahlen entsprechend angepasst.
Der Stadtteiltreff Mombach besteht seit September 2007 als Nachfolgeeinrichtung des Stadtteilzentrums Quellhof. Seit dem Umzug entwickelt sich ein neues Profil, zu dem die gezielte
Einbeziehung von Einwanderern aus der Türkei, dem arabischen Raum und vom Balkan gehört. Dabei geht es immer um integrative Angebote, bei denen die Kommunikationssprache
Deutsch ist.32
Tabelle 21: Entwicklung der Nutzerzahlen
Weiterbildung (inkl. PC)
Quelle: DRK Kassel 2010
Der Bereich „Kommunikation und Geselligkeit“ mit seiner eher traditionellen Altenclubstruktur
ist aufgrund des steigenden Alters der Organisatoren und Nutzer rückläufig. Der Stadtteiltreff
Mombach begegnet dem durch neue Angebote wie Frühstückstreffen, jahreszeitliche Angebote, Dia-Nachmittage mit Kaffee-Kuchen.
Zum Bereich Weiterbildung gehören die PC-Kurse. 2009 wurden erstmals „LaptopWorkshops“ angeboten. Sie werden von Personen nachgefragt, die bislang keine Erfahrungen in der PC-Arbeit hatten und sich durch die Angebote der klassischen Bildungsträger
nicht angesprochen fühlen. Die Besonderheit der Workshops ist, dass die Teilnehmer/innen
ihre eigenen (meist neuen) Laptops mitbringen können, um im Kurs am eigenen Gerät zu
lernen, bzw. zu Hause aufgetretene Probleme zu besprechen.
Zusätzlich zu den regelmäßigen Gruppenangeboten organisiert der Stadtteiltreff Informationsveranstaltungen (etwa zum Thema Pflege), Besichtigungen (etwa in Kasseler Museen),
fördert die Begegnung mit Jugendlichen (z. B. über monatliche Handykurse für Senioren)
und erprobt projektbezoge neue Angebotsformen. Informationsveranstaltungen werden
durchschnittlich von 15 - 20 Interessierten besucht, die Veranstaltungen im Bereich „Kommunikation und Geselligkeit“ von durchschnittlich 50 - 60 Personen.
/3 der Nutzer kommen aus dem nördlichen Stadtbereich. Ihr Alter streut zwischen 50 und 92;
vor allem bei den Bewegungsangeboten ist der Altersdurchschnitt hoch.
Durch eher technikorientierte Angebote (PC, Digitalfotografie) fühlen sich zunehmend Männer angesprochen.
Der Stadtteiltreff Mombach setzt Impulse für die kultur- und generationsübergreifende Begegnung und Vernetzung im Stadtteil (vgl. Flohmarkt mit Kulturprogramm „Vielfalt statt Einfalt“ auf dem Vorplatz des Philipp-Scheidemann-Hauses.)
Feste Kooperationspartner sind inzwischen die JAFKA gGmbH, die Kinder- und Jugendförderung der Stadt Kassel und das Kulturzentrum Schlachthof.
Mit seinem PC-Angebot für ältere türkischsprachige Männer beteiligte sich der Stadtteiltreff
in Kooperation mit der Universität Kassel an einem EU-Projekt zur Erprobung von Zugangsund Lernformen im Bereich neue Medien (Leitung Prof. Dr. Fred Karl).
Kooperationspartner für die Einbeziehung der türkisch sprachigen Bevölkerung ist der Verein
Emekder; viele der Aktivitäten werden in Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat der Stadt Kassel durchgeführt.
5.3 Stadtteilzentrum Niederzwehren
Die inhaltlichen Schwerpunkte des Stadtteilzentrums Niederzwehren liegen im Bereich Literatur und Bewegung. Über die Jahre hat sich eine feste und relativ selbstständige Gruppe
von Menschen herausgebildet, die ihre literarischen Aktivitäten gemeinsam organisiert und
Weiterbildungsangebote gibt es in unterschiedlichen Leistungsstufen in Englisch und im Umgang mit dem PC.
Tabelle 22: Angebote und Nutzer
DurchTn / w
Tn / w
Literatur-Café und
–Agentur *)
Kreativität (Aquarell/Seidenmalen)
(Englisch/ PC)
Bewegung (Gymnastik/Walken)
Einzelveranstaltungen *)
Quelle: Bezirk Arbeiterwohlfahrt Hessen Nord 2010
*) monatlich
**) in Zusammenarbeit mit dem Stadtbad Süd/dem Hotel Gude
190 / 164
Die beiden jährlichen Großveranstaltungen des Stadtteilzentrums mit dem Offenen Kanal
Kassel erreichen 70 Teilnehmer/-innen (Literaturbörse) bzw. etwa 80 Teilnehmer/-innen (Lyrikfest). Die zehn Lesungen, die die Literaturagentur bei anderen Organisationen durchführt,
erreichen jeweils 10 - 25 Zuhörer.
Zu Sommerfest und Weihnachtsfeier kommen jeweils 40 - 50 Besucher.
5.4 Stadtteilbüro ÄLTER WERDEN Harleshausen
Die Angebote im Stadteilbüro Harleshausen werden von engagierten Stadtteilbewohnerinnen
organisiert, wobei die Stadt Kassel die Räume kostenlos stellt.33 An vier Tagen pro Woche
finden offene Sprechstunden statt; und pro Woche treffen sich mehrere Gruppen.
kamen 285 Bürger/-innen zur Sprechstunde,
nahmen 190 Personen telefonisch Kontakt auf und
wurde das Stadtteilbüro 2 948 Mal im Zusammenhang mit Kursbesuchen genutzt.
zum Entstehen vgl. Kommunale Altenhilfeplanung Bericht 2007/2008 S. 60
5.5 Wohnraumberatung
Die Wohnberatungsstelle der Caritas verzeichnete auch 2009 einen Anstieg der Anfragen.
Neben der Einzelfallarbeit leistet die Wohnberatungsstelle Multiplikatorentätigkeit und kooperiert eng mit der Wohnungswirtschaft. Besonders hervorzuheben ist die seit Sommer 2009
mit der GWH intensiviere Zusammenarbeit. Sie hat das Ziel, die Wohnberatung bei Mietern
der GWH systematischer anzugehen und dadurch die Zahl der barrierefreien bis barrierearmen Wohnangebote nicht nur zu erhöhen sondern auch nach und nach zu dokumentieren.
Aufgrund der gestiegenen Nachfrage und den damit verbundenen höheren Arbeitsanfall wird
die Zuwendung der Stadt Kassel ab 2010 auf 40.000 € erhöht.
Tabelle 23: Entwicklung der Nutzerzahlen, Anfragearten und Tätigkeitsfelder und
Beratungskontakte (direkte Ansprache durch Klienten)
Beratungskontakte (durch Vermittlung Dritter)
davon Ratsuchende mit erstmaligem Kontakte
durchgeführte Wohnraumanpassungen (abgeschlossen)
Suche nach barrierefreiem Wohnraum
Inanspruchnahme von Service Wohnen
321 (k. A.)
526 (k. A.)
Schriftlich (Brief und E-Mail)
Persönliches Aufsuchen in der Wohnberatungsstelle
Multiplikatorenkontakte
Vorträge bei Seniorengruppen (i. d. R. 10 bis 25 Teilnehmer/-innen)
Mitwirkung bei der Qualifizierung von Fachkräften (Hessische Fachstelle Wohnen, Ärztekammer, Fachschulen)
Quelle: Caritas Verband Nordhessen 2010
5.6 ZEDA – Zentrum für Menschen mit Demenz und Angehörige
Das „Zentrum für Menschen mit Demenz und Angehörige“ (ZEDA) ist die zentrale Anlauf-,
Betreuungs- und Vermittlungsstelle für Familien, die von Demenz betroffen sind.
ZEDA erfüllt die Anforderungen an ein niedrigschwelliges Angebot gem. § 45c Pflegeversicherungsgesetz und erhält daher eine Förderung durch die Pflegekassen, die sich an der
Höhe der Kommunalen Zuwendungen bemisst.
Die Zahl der Ratsuchenden und Nutzer ist 2009 weiter angestiegen, worin auch ein Zeichen
für die gute Vernetzung von ZEDA im Bereich von Altenhilfe und Pflege zu sehen ist.
ZEDA leistet seit 2007 die fachliche Begleitung und Koordination der ambulanten Pflegewohngemeinschaften in Kassel (WIB seit 2007 und WIR ab Anfang 2010). Durch dieses Angebot wird – auch in Abstimmung mit der Heimaufsicht – die ambulante Struktur dieses innovativen Versorgungsangebotes gewährleistet.
Tabelle 24: Entwicklung der Angebote und Nutzerzahlen
davon Erstgespräche
wöchentliche Betreuungsgruppen für Menschen mit
Demenz (je 8 - 12 Teilnehmer/-innen)
Themenspezifische Angehörigengruppen (je 8 - 10
Teilnehmer/-innen)
„Basisschulungen“ zur Gewinnung und Qualifikation
ehrenamtlicher Helfer/-innen (Teilnehmer/-innen) im
Sinne § 45c Pflegeversicherungsgesetz
Zahl der ehrenamtlich engagierten Kräfte insgesamt
durch ehrenamtliche Helferinnen betreute Familien
betreute Urlaubsreise für Menschen mit Demenz
und Angehörige (Zahl der Teilnehmer/-innen)
Fortbildungsangebot für alle freiwillig engagierten
Mitarbeiter/innen (Zahl der Teilnehmer/-innen)
Trainingsangebot für Menschen in der Frühphase
der Erkrankung (Teilnehmer/-innen)
Qualifizierungsmaßnahme Alltagsbegleiter in Kooperation mit der AFK und IQA Bad Arolsen (Teilnehmer/-innen)
Demenzgottesdienste in Kooperation mit der Ev.
Sonstige Unternehmungen (Dampferfahrt, Alzheimer-Tanzcafé)
Pflegekurse für Angehörige in Kooperation mit den
Ev. Diakoniestationen
Quelle: Diakonisches Werk Kassel 2010
Bei ZEDA ist nach Auslaufen der Modellphase das Projekt Pflegebegleiter angesiedelt, durch
das speziell qualifizierte freiwillige „Begleiter“ an Angehörige vermittelt werden, die in Pflegesituationen Entlastung suchen. Dabei geht es nicht um praktische Hilfen im Haushalt, sondern um einfühlsame Gesprächsangebote, die den Familien nicht nur bei der Organisation
der häuslichen Pflege zur Seite stehen, sondern auch in emotional belastenden Situationen
beistehen. Die meisten Pflegebegleiterinnen verfügen über eigene Pflegeerfahrung; alle haben eine fundierte Ausbildung im Bereich Pflege und treffen sich regelmäßig zu Austausch
und Fortbildung.
Mit der Ansiedlung bei ZEDA ist - eher ungewollt - die Begleitung von Familien mit demenziell
Erkrankten in den Vordergrund getreten. Zukünftig wird es darum gehen, den Pflegebegleitern – etwa in Abstimmung mit dem Pflegestützpunkt wieder Zugang zu einem erweiterten
Nutzerkreis zu ermöglichen.
5.7 Lebensabendbewegung
Aufgrund der seit Jahren sinkenden Mitgliederzahlen wurde 2009 mit der Organisation vereinbart, die Übernahme der Mietkosten für den seit Jahren am Stern (Weserstraße 1) betriebenen Seniorentreffpunkt einzustellen. Durch das steigende Alter der Nutzer ist eine Fortführung des Angebotes in dieser Form nicht mehr erforderlich. Die Leitung der Organisation
wurde vom Referat für Altenhilfe über die Angebote informiert, die von den bisherigen Nutzern zukünftig in Anspruch genommen werden können.
5.8 Wir Jungen Alten
„Wir Jungen Alten“ sind ein weitgehend selbst organisiertes Angebot in Trägerschaft des Caritasverbandes Nordhessen Kassel e. V., der hierfür zwei 1/2 Stellen (Psychologe und Schreiner) sowie zwei Honorarkräfte (Sozialarbeiterin und Schreiner) zur Verfügung stellt. Etwa
100 Personen nutzten auch 2009 regelmäßig die Angebote und beteiligten sich aktiv an der
Arbeit.34
Die vorangegangen Ausführungen lassen sich wie folgt zusammen fassen:
Alterung der Bevölkerung setzt sich fort
Die Bevölkerung Kassel wird älter, wobei die Alterung wellenförmig entsprechend der Stärke
einzelner Jahrgangsgruppen erfolgt. Die Prognosen der Bevölkerungsentwicklung weisen auf
beträchtliche Herausforderungen bei der Versorgung hochaltriger Menschen hin.
Regionenperspektive in der Altenhilfe
Wenn auch die Stadt Kassel innerhalb des Regierungsbezirks die - relativ - niedrigsten Zuwächse bei der älteren Bevölkerung zu verzeichnen hat, empfiehlt sich eine stärkere Zusammenarbeit in Fragen der Altenhilfe und Altenhilfeplanung.
Teilhabe von älteren Einwanderern
Erste Erfahrungen liegen auch in Kassel vor, wie Angebote der Altenhilfe verstärkt für unterschiedliche Gruppen älterer Einwanderer geöffnet werden können. Dabei sind vor allem Gesichtspunkte der Integration zu beachten.
Gesundheitliche Prävention als kommunaler Auftrag
Die Erhaltung von Gesundheit und Selbstständigkeit bis ins hohe Alter muss verstärkt in den
Fokus kommunaler Altenhilfe rücken. Dabei geht es vor allem um die Personen, die von den
gängigen Angeboten nicht erreicht werden.
Chance Pflegestützpunkt
Die Schaffung eines gemeinsamen Pflegestützpunktes mit den Pflege- und Krankenkassen
bietet für die bisherige kommunale Altenberatung der Beratungsstelle ÄLTER WERDEN die
Chance der Weiterentwicklung; den Ratsuchenden eine stärkere Transparenz und Bündelung von Leistungen.
Stärkung sozialräumlichen Denkens und Vorgehens
Wie in anderen Bereichen der Angebotsentwicklung ist auch in der Altenhilfe die sozialräumliche Orientierung zu stärken. Hierzu bedarf es der Intensivierung der Abstimmung mit Einrichtungen und Trägern vor Ort.
Generationsübergreifenden Perspektive
Die Belange älterer Menschen unterscheiden sich in der Regel kaum von den Interessen anderer Generationen. Daraus folgt, dass Fragen wie die Familienfreundlichkeit, lebenslanges
Lernen, Nahversorgung und gesundheitliche Prävention vernetzt und ressortübergreifend angegangen werden müssen.
weitere Informationen s. Kommunale Altenhilfeplanung Bericht 2007/2008 S. 65f
Sozialamt, Referat für Altenarbeit
angelika.trilling@stadt-kassel.de
© by Magistrat der Stadt Kassel, September 2010