Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=07.08.1990&Aktenzeichen=VIII%20R%20423/83
Timestamp: 2020-01-27 13:24:17
Document Index: 168878172

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 266', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8']

BFH, 07.08.1990 - VIII R 423/83 - dejure.org
https://dejure.org/1990,583
BFH, 07.08.1990 - VIII R 423/83 (https://dejure.org/1990,583)
BFH, Entscheidung vom 07.08.1990 - VIII R 423/83 (https://dejure.org/1990,583)
BFH, Entscheidung vom 07. August 1990 - VIII R 423/83 (https://dejure.org/1990,583)
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Umlaufvermögen - Anschaffung - Herstellung - Finanzierung durch Kredit - Tilgung durch Veräußerung - Objektgebundener Kredit - Dauerschuld
§ 6 EStG; § 266 Abs. 2 HGB
Einkommensteuer; Grundvermögen als Umlaufvermögen von Bauunternehmen
BFHE 162, 117
BB 1991, 396
BStBl II 1991, 23
a) Zum laufenden Geschäftsverkehr in diesem Sinne gehören insbesondere Geschäfte, die mit dem Erwerb und der Veräußerung von Umlaufvermögen in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen (ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteile vom 7. August 1990 VIII R 30/89, BFHE 162, 129, BStBl II 1990, 1081; vom 7. August 1990 VIII R 423/83, BFHE 162, 117, BStBl II 1991, 23; in BFHE 174, 174, BStBl II 1994, 664).
Dient ein Kredit der Beschaffung des eigentlichen Dauerbetriebskapitals, das der Betrieb nach seiner Eigenart und seiner speziellen Anlage oder Gestaltung ständig benötigt, so spricht dies für eine Dauerschuld (Senatsurteil vom 7. August 1990 VIII R 423/83, BFHE 162, 117, unter II.3.a der Gründe, m.w.N.).
Eine Hinzurechnung nach der ersten Tatbestandsgruppe scheidet schon deshalb aus, weil die erworbenen und weiterveräußerten Kfz nicht zum Anlagevermögen der KG gehörten (zu dieser Voraussetzung vgl. z. B. Urteile des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 15. November 1983 VIII R 179/83, BFHE 140, 96, BStBl II 1984, 213, und vom 7. August 1990 VIII R 423/83, BFHE 162, 117, BStBl II 1991, 23).
Demzufolge sind vorübergehende Verbindlichkeiten, die im gewöhnlichen Geschäftsverkehr des Unternehmens regelmäßig eingegangen und aus den laufenden Geschäftseinnahmen abgedeckt zu werden pflegen, keine Dauerschulden, sondern laufende Schulden, die nicht dem Gewerbekapital und deren Zinsen nicht dem Gewerbeertrag hinzuzurechnen sind (ständige Rechtsprechung, vgl. BFH in BFHE 162, 117, BStBl II 1991, 23, …und vom 31. Januar 1991 IV R 84/89, BFH/NV 1991, 821).
Denn ein solcher Kredit kann infolge seiner Objektgebundenheit nicht als Dauerkapital dienen, das der Betrieb seiner Eigenart und seiner besonderen Anlage und Gestaltung nach ständig zur Verfügung haben muß (ebenfalls ständige Rechtsprechung, vgl. zuletzt BFH-Urteil vom 18. April 1991 IV R 6/90, BFHE 164, 381, BStBl II 1991, 584, und in BFHE 162, 117, BStBl II 1991, 23).
Damit widerspreche die Vorentscheidung den Grundsätzen der Urteile des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 7. August 1990 VIII R 423/83 (BFHE 162, 117, BStBl II 1991, 23) und vom 17. Juni 1993 IV R 10/92 (BFHE 172, 106, BStBl II 1993, 843).
Der Zusammenhang muß grundsätzlich vertraglich begründet und bei der Abwicklung des Kredits auch tatsächlich gewahrt werden (BFH-Urteile vom 25. Juli 1961 I 54/60 U, BFHE 73, 427, BStBl III 1961, 422; in BFHE 162, 117, BStBl II 1991, 23; in BFHE 162, 350, BStBl II 1991, 246; in BFHE 172, 106, BStBl II 1993, 843).
Daher hat der BFH in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Reichsfinanzhofs zu Recht angenommen, daß die die Annahme einer Dauerschuld ausschließende objektive Bindung eines Kredits an den zum Verkauf bestimmten Grundbesitz auch dann nicht beseitigt wird, wenn sich der Verkauf infolge der konjunkturellen Verhältnisse verzögert und der Grundbesitz zwischenzeitlich vermietet wird (BFH-Urteil vom 7. August 1990 VIII R 423/83, BFHE 162, 117, BStBl II 1991, 23, m.w.N.; Hofbauer, Deutsche Steuer-Rundschau 1966, 225; Neuhäuser, Betriebs-Berater - BB - 1976, 125; Ott, BB 1978, 750, 752; anderer Ansicht: FG Hamburg vom 21. Dezember 1984 II 202/82, Entscheidungen der Finanzgerichte - EFG - 1985, 460;… Lenski/ Steinberg, Gewerbesteuergesetz, § 8 Nr. 1 Rdnr. 41 "Hypotheken";… Glanegger/Güroff, a.a.O., § 8 Nr. 1 Rdnr. 58 "Hypotheken").
Eine laufende Verbindlichkeit in diesem Sinne ist regelmäßig dann gegeben, wenn die Schuld mit nach der Art. des Betriebs immer wiederkehrenden Geschäftsvorfällen, insbesondere mit dem Erwerb oder der Veräußerung von Umlaufvermögen, in wirtschaftlichem Zusammenhang steht (vgl. BFH vom 4.Juli 1969, VI R 276/66, BStBl II 1969, 712; BFH vom 08.03.1993, VIII R 40/92, BFHE 174, 174, BStBl II 1994, 664 ; BFH vom 11.08.1959, I 197/57 S, BStBl III 1959, 428; vom 30.06.1971, I R 55/68, BStBl II 1971, 750 ; BFH vom 18.12.1986, I R 293/82, BStBl II 1987, 446 ; BFH vom 07.08.1990, VIII R 30/89, BFHE 162, 129, BStBl II 1990, 1081 ; BFH vom 07.08.1990, VIII R 423/83, BFHE 162, 117, BStBl II 1991, 23 ; in BFHE 174, 174, BStBl II 1994, 664 ).
j) Soweit die Beschwerde eine Abweichung vom Urteil des BFH vom 7. August 1990 VIII R 423/83 (BFHE 162, 117, BStBl II 1991, 23, 25) rügt, trägt sie nicht hinreichend vor, dass bei Anwendung dieses Urteils auf den Streitfall zumindest die Möglichkeit bestanden hätte, dass das angefochtene Urteil anders, d.h. im Sinne der Klägerin ausgefallen wäre.
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs - BFH - seien Immobilien, die dazu bestimmt seien, bebaut und veräußert zu werden, Bestandteile des Umlaufvermögens eines Unternehmens (Hinweis auf BFH-Urteil vom 7. August 1990 VIII R 423/83, Sammlung der amtlich veröffentlichten Entscheidungen des BFH - BFHE - 162, 117, Bundessteuerblatt - BStBl - II 1991, 23).
Werde die Anschaffung oder Herstellung eines bestimmten Wirtschaftsguts des Umlaufvermögens mit Hilfe eines Kredits finanziert und sei der Kredit aus dem bei der Veräußerung dieses Wirtschaftguts erzielten Erlös zu tilgen (objektgebundener Kredit), so sei der Kredit selbst dann nicht als Dauerschuld im Sinne von §§ 8 Nr. 1, 12 Abs. 2 Nr. 1 GewStG anzusehen, wenn sich die Veräußerung des Wirtschaftsguts infolge konjunktureller Umstände verzögere und das Wirtschaftsgut zwischenzeitlich vermietet werde (Hinweis auf BFH-Urteil in BFHE 162, 117, BStBl II 1991, 23). .
Werde die Anschaffung oder Herstellung eines bestimmten Wirtschaftsguts des Umlaufvermögens mit Hilfe eines Kredits finanziert und sei der Kredit aus dem bei der Veräußerung dieses Wirtschaftguts erzielten Erlös zu tilgen (objektgebundener Kredit), so sei der Kredit selbst dann nicht als Dauerschuld im Sinne von §§ 8 Nr. 1, 12 Abs. 2 Nr. 1 GewStG anzusehen, wenn sich die Veräußerung des Wirtschaftsguts infolge konjunktureller Umstände verzögere und das Wirtschaftsgut zwischenzeitlich vermietet werde (Hinweis auf BFH-Urteil in BFHE 162, 117, BStBl II 1991, 23).
Das gilt selbst dann, wenn sich die Veräußerung des Wirtschaftsguts - insbesondere eines Grundstücks - infolge konjunktureller Umstände verzögert und das Wirtschaftsgut zwischenzeitlich vermietet wird (BFH-Urteil vom 7. August 1990 VIII R 423/83, BFHE 162, 117, BStBl II 1991, 23).
Das gilt auch, wenn es sich bei den "Waren", deren Kauf kreditiert wird, um zum Verkauf bestimmte Grundstücke handelt (so wohl auch BFH-Urteil in BFHE 162, 117, BStBl II 1991, 23).
FG München, 09.04.1997 - 1 K 2017/95
Steuerbarkeit von Zuschlägen für Sonntagsarbeit, Feiertagsarbeit und Nachtarbeit