Source: http://flugrechte.eu/index.php?qa=2556&qa_1=reiseveranstalter-einfach-flughafen-%C3%A4ndern-umbuchen-rechte
Timestamp: 2018-11-19 08:08:49
Document Index: 173412418

Matched Legal Cases: ['§ 651', 'BGH', '§ 651', '§ 309', '§ 651', '§651', '§651', '§ 651', '§ 651', 'BGH', 'BGH']

Darf Reiseveranstalter einfach Flughafen ändern und Flug umbuchen? Rechte? - FLUGGASTRECHTE
Reiseänderung bei Rundreise: Darf Reiseveranstalter Flughafen und Reiszeit ändern
Wir haben über unser Reisebüro eine Reise in die Türkei gebucht und extra mehr bezahlt, weil der Hinflug am Nachmittag losgehen sollte und der Rückflug erst abends losging. Dann hatten wir vom Reisebüro 5 Tage vor Urlaubsbeginn einen Anruf bekommen, dass der Flug leider erst abends losgehen sollte und dann auch nicht von Düsseldorf, sondern von Hannover. Das war für uns überhaupt nicht hinnehmbar. Wir reisen mit zwei Kindern und haben sogar extra mehr bezahlt.
Das haben wir dem Reisebüro auch gesagt. Die haben dann immer wieder versucht, bei der Fluggesellschaft einen besseren Flug zu bekommen, was dann auch gelang, aber nur zu einem Aufpreis von 232 EUR pro Person. Wir hatten Urlaub genommen und wollten nicht zu Hause bleiben. Daher mussten wir das notgedrungen erstmal akzeptieren.
Was können wir hier machen? Welche Rechte haben wir? Es kann doch nicht sein, dass wir extra mehr für einen Flug mit günstigen Flugzeiten bezahlen und dann im Nachhinein nochmal zur Kasse gebeten werden und sogar einen anderen Flughafen akzeptieren müssen? Können wir Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude geltend machen? Wir mussten auch für die Bahntickets 92 EUR zahlen (mit Reservierung). Können wir die Kosten für die Bahnfahrkarten zurückverlangen?
abflug-flughafen-geändert
reisebüro-rechte
fluggesellschaft-flugzeitenänderung-rechte
Gefragt 4, Jan 2015 in Reisevertragsrecht von Anonym
Ihrer Beschreibung nach gehe ich davon aus, dass es sich bei Ihnen um eine Pauschalreise handelt. Demnach bildet der Reisevertragsrecht-Teil des BGB, § 651 a-m, Ihr Anspruchsgegner wäre der Reiseveranstalter.
Ich werde auf folgende Aspekte Ihrer Frage eingehen (1) Flugzeitenänderung, (2) Flugpreiserhöhung, (3) Erstattung des Aufpreises und der Bahntickets, (4) Entschädigung wegen entgangener Urlaubsfreude.
Seit 2013 (Vgl. BGH X ZR 24/13) sind Reiseveranstalter verpflichtet, sich an die in den Reiseunterlagen aufgeführten, voraussichtlichen Abflugzeit und –ort verbindlich zu halten. Klauseln in den Allgemeinen Geschäfts- oder Reisebedingungen, die eine Festlegung endgültiger Flugzeiten oder –orte vorbehalten, sind allesamt unwirksam. Eine Flugzeitenänderung stellt einen Reisemangel dar. Da für Sie ein besserer Flug gefunden wurde, wurde der Reisemangel damit behoben, Ihnen steht kein Anspruch auf eine Reisepreisminderung zu.
(2) Flugpreiserhöhung
§ 651 a, Abs. 4 BGB:
„[…]Eine Preiserhöhung, die ab dem 20. Tage vor dem vereinbarten Abreisetermin verlangt wird, ist unwirksam. § 309 Nr. 1 bleibt unberührt.“
§ 651 a, Abs. 5 BGB:
„[…]Im Falle einer Erhöhung des Reisepreises um mehr als fünf vom Hundert oder einer erheblichen Änderung einer wesentlichen Reiseleistung kann der Reisende vom Vertrag zurücktreten. Er kann stattdessen, ebenso wie bei einer Absage der Reise durch den Reiseveranstalter, die Teilnahme an einer mindestens gleichwertigen anderen Reise verlangen, wenn der Reiseveranstalter in der Lage ist, eine solche Reise ohne Mehrpreis für den Reisenden aus seinem Angebot anzubieten.[…]“
(3) Erstattung des Aufpreises
Da die Änderung der Flugzeiten und des Flughafens eine Abweichung von der zugesicherten Reiseeigenschaft darstellt und nicht früher, als 20 Tage vor Reisebeginn Ihnen mitgeteilt wurde, wären Sie zum Rücktritt berechtigt. Andernfalls muss der Reiseveranstalter Ihnen eine vergleichbare Reise ohne Aufpreis anbieten, die vor allem Ihren Erwartungen entspricht.
Wenn ich das richtig verstanden habe, haben Sie lediglich einen Flug zu besseren Abflugzeiten finden können, die Flughafenänderung blieb bestehen. Dann können Sie eine Reisepreisminderung nach §651 d, Abs. 1 BGB sowie Erstattung der Bahnfahrtkosten nach § §651 f, Abs. 1 BGB verlangen.
(4) Vertane Urlaubszeit/Entgangene Urlaubsfreude
Meines Erachtens steht Ihnen keine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit nach § 651 f, Abs. 2 BGB zu:
„Wird die Reise vereitelt oder erheblich beeinträchtigt, so kann der Reisende auch wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit eine angemessene Entschädigung in Geld verlangen.“
Weder wurde Ihre Reise vereitelt, noch war Sie derart erheblich beeinträchtigt, dass Sie sich gar nicht erholen konnten. Wie bereits erwähnt, Sie mussten die Änderungen sowie alternative Flugzeiten gegen Aufpreis nicht akzeptieren. Wären Sie vom Vertrag zurückgetreten, stünde Ihnen neben vollständiger Rückzahlung des Reisepreises auch eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit zu. Zwar stellt eine Änderung der Flugzeiten und des Flughafens einen Reisemangel dar, für den Sie auch eine anteilige Reisepreisminderung bekommen sollten, so ist dieser Reisemangel nicht dergestalt erheblich, dass der Urlaub grundsätzlich nutzlos wird.
Beantwortet 22, Jan 2015 von ER88 (4,900 Punkte)
Bei dem von Ihnen geschilderten Fall handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Pauschalreise. Dieses ist der Falle, wenn der Reiseveranstalter eine Vielzahl von Reiseleistungen erbringen muss. Ihre Schilderung klingt sehr danach, als wenn Sie am Reiseziel auch weitere Leistungen (z.B. Hotel, Transport etc.) vom Reiseveranstalter in Anspruch nehmen. Dann sind die Regelungen aus dem Reiserecht des Bürgerlichen Rechts auf Ihren Fall anwendbar.
Beantwortet 10, Feb 2015 von GabrielE (4,580 Punkte)
ihrem Sachverhalt nach zu urteilen, handelt es sich bei der Reise um eine Pauschalreise. Ihnen stehen bei Pauschalreisen andere Ansprüche zu als aus der Fluggastrechteverordnung 261/2004. Bei einer Pauschalreise muss der Veranstalter weitere Leistungen erbringen, wie die Unterkunft im Hotel, gegebenenfalls der Transport zum Hotel.
Eine Pauschalreise ist geregelt in §§ 651 a-m BGB. Eine Flugänderung kann von den Reiseveranstaltern vorgenommen werden, jedoch hat dies eine Reisepreisminderung zumindest in dem Fall zur Folge, wenn Ihnen Urlaubstage "flöten" gehen oder Ihnen Urlaubsfreuden genommen werden.
BGH, Urteil vom 10.12.2013, X ZR 24/13
Demgegenüber ermöglicht die beanstandete Klausel dem Reiseveranstalter, die Flugzeiten beliebig und unabhängig davon zu ändern, ob hierfür ein sachlicher Grund vorliegt. Dies ist dem Reisenden, der berechtigterweise Sicherheit in der zeitlichen Planung der Reise erwartet, auch bei Beachtung der berechtigten Interessen des Reiseveranstalters, die vorgesehenen Flugzeiten veränderten oder bei Vertragsschluss nicht vorhersehbaren Gegebenheiten anpassen zu können, nicht zuzumuten. (einfach zu googlen "X ZR 24/13 reise-recht-wiki.de")
Bei Zusendung der Buchungen und der Unterlagen akzeptieren Sie die neuen Flugzeiten. Trotzdem bleibt der Anspruch auf Reiseminderung bestehen. Hierzu entnehmen Sie weitere Schritte der Frankfurter Tabelle.
BGH, Urteil vom 17.4.2012, X ZR 76/11
Auch bei Berücksichtigung des in den AGB enthaltenen Vorbehalts hat das Berufungsgericht in der Vorverlegung des Flugs um mehr als 10 Stunden zu Recht einen Reisemangel erkannt. Dieser berechtigte die Reisenden aber grundsätzlich auch zur Selbstabhilfe und zur Erstattung der mit dem selbst organisierten Rückflug entstandenen Kosten, wenn sie zuvor dem Reiseveranstalter eine Abhilfefrist gesetzt hatten oder eine solche Fristsetzung entbehrlich war. Letzteres kann sich bereits aus den Umständen ergeben, etwa wenn der Reiseveranstalter den Reisemangel bewusst vurursacht und ihn als unvermeidlich darstellt. (einfach zu googlen "X ZR 76/11 reise-recht-wiki.de")
Ihnen bleiben mithin mehrere Ansprüche gegenüber dem Reiseveranstalter, welche eine Reisepreisminderung zur Folge haben könnten. Anwaltliche Hilfe empfehle ich Ihnen trotzdem!
Bearbeitet 30, Mär 2015 von Kaktum