Source: https://www.deutsche-anwaltshotline.de/c/ebs/arbeitsrecht/lohnfortzahlung-nach-krankheitsbedingter-kuendigung-in-der-probezeit-592
Timestamp: 2020-06-02 16:46:27
Document Index: 142420066

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 23', '§ 1', '§ 36', '§ 3', '§ 8', '§ 622', '§ 4', '§ 7', '§ 23', '§ 38']

Lohnfortzahlung nach krankheitsbedingter Kündigung in der Probezeit | Deutsche Anwaltshotline
Am 01.07.2015 habe ich meinen Arbeitsplatz gewechselt.
Es wurde eine Probezeit von 3 Monaten vereinbart (bis 30.09.)
Nun musste ich mich am 28.08. krankschreiben lassen.
Die Krankenmeldung bis 12.09. habe ich gleich am selben Tag meinem Arbeitgeber gesandt.
Ich muss dazu sagen, dass ich voraussichtlich noch länger krank geschrieben werde, aber dies war meinem Arbeitgeber nicht bekannt.
Nun bekam ich am 01.09. per Einschreiben meine Kündigung zum 15.09.
Grund: Probezeit
Das Kündigungsschreiben war auf den 28.08. datiert.
Der Brief wurde allerdings erst am 31.08. auf der Post aufgegeben.
Somit ist doch offensichtlich, dass ich aufgrund meiner Krankenmeldung gekündigt wurde.
Habe ich nun Anspruch auf Lohnfortzahlung für 6 Wochen?
Wie muss ich mich nun weiterhin verhalten?
Sie haben nach §§ 3 1), 8 Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) 2) Anspruch auf Lohnfortzahlung für 6 Wochen. Der Anspruch entsteht schon nach vierwöchiger Dauer des Arbeitsverhältnisses, vgl. § 3 Absatz 3 EntgFG.
Unabhängig davon wird die Kündigung wirksam und beendet das Arbeitsverhältnis, sogar wenn sie nicht berechtigt war, wenn Sie nicht Kündigungsschutzklage gegen die Kündigung erheben.
Eine Kündigungsschutzklage muss binnen der bekannten Frist von 3 Wochen beim Gericht eingereicht sein, sonst wird auch eine unberechtigte Kündigung wirksam, vgl. dazu §§ 4 Kündigungsschutzgesetz (KSchG) 3), 7 KSchG 4).
Inhaltlich bestehen Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit der Kündigung, besonders da die Kündigung offensichtlich schon nach Ablauf der Probezeit zuging, es kommt natürlich nicht auf das Datum des Schreiben an, sondern auf den tatsächlichen Zugang der Kündigung bei Ihnen.
Allerdings bleibt die Frage, ob die Kündigung nicht in eine ordentliche Kündigung umgedeutet werden kann.
Bei kleineren Betrieben, i.d.R. mit Mitarbeiterzahlen unter 10, vgl. § 23 KSchG 5) muss eine ordentliche Kündigung auch nach Ablauf der Probezeit nicht weiter begründet werden, im Bereich des Kündigungsschutzgesetzes bestehen erhebliche Anforderung an die Begründungspflicht, es sind dabei grundsätzlich entweder verhaltensbedingte oder betriebsbedingte Gründe im Sinne von §§ 1, 1a KschG notwendig. Dauerkrankmeldungen können dabei auch ein Grund für verhaltensbedingte Kündigungen sein.
Schließlich ist in Ihrer Situation eine unverzügliche persönliche Kontaktaufnahme mit dem Arbeitsamt Pflicht, § 36 SGB III 6).
*1) § 3 EntgFZG
*2) § 8 EntgFG
*1) § 622 BGB Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen
*3) § 4 KSchG
*4) § 7 KSchG
*5) § 23 KSchG
http://www.aok-business.de/fachthemen/sozialversicherungsrecht/entgeltfortzahlung-und-ausgleichsverfahren/entgeltfortzahlung-bei-beendigung-des-arbeitsverhaeltnisses/
*6) § 38 SGB III Rechte und Pflichten der Ausbildung- und Arbeitsuchenden
http://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/mtay/~edisp/l6019022dstbai408090.pdf?_ba.sid=L6019022DSTBAI408094