Source: https://www.schulduebernahme.ch/uebernahme-vermoegen-geschaeft
Timestamp: 2019-06-20 19:57:40
Document Index: 204459241

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 181', 'OGH', 'Art. 181']

ÜBERNAHME VERMÖGEN / GESCHÄFT Schuldübernahme › Schuldübernahme
Mit der Übernahme eines Vermögens oder Geschäftes ist nur der Übergang der Aktiva, sondern auch der Passiva verbunden. Der bisherige Vermögens- bzw. Geschäftsinhaber haftet bis zum Uebergang, grundsätzlich längstens während einer Frist von 3 Jahren weiter.
Obwohl heute viele Privatpersonen und Unternehmer ihr Vermögen und insbesondere ihre Unternehmen im Rahmen eines separaten Rechtsträgers halten, entsprechen solche Übertragungen immer noch einem wirtschaftlichen Bedürfnis:
Verbindung der Elemente von Zession und Schuldübernahme
Nicht zu verhindernder Schuldübergang kraft Gesetzes stellt im Ergebnis eine Annäherung an die Universalsukzession dar
Die Übernahme eines Vermögens oder Geschäfts folgt eigenen Gesetzmässigkeiten und charakterisiert sich wie folgt:
Gesamtübernahme der einzelnen Schulden bei Übertragung eines Vermögens oder Geschäfts, von Gesetzes wegen
Eigentlich wäre die Norm von OR 181 dem kaufmännischen Unternehmensrecht zuzuordnen (OR 182 aufgehoben)
Abgrenzung zur Vermögensübertragung nach FusG
Bei der Vermögensübertragung nach FusG wird ein ganzes oder Teil-Vermögen von einem im Handelsregister eingetragenen Rechtsträger auf einen anderen Rechtsträger übertragen, wobei man sich hier für die Übertragung von Einzelgegenständen des Übertragungsvorgangs der Universalsukzession bedient (Handelsregistereintrag, HR und SHAB als Publizitätsmittel)
Voraussetzungen / Elemente
Vermögens- bzw. Geschäftsübertragungsvereinbarung
Mitteilung an die Gläubiger in Bezug auf das Vermögen oder das Geschäft, mit der Folge, dass die übernommenen Schulden von Gesetzes wegen auf den Erwerber übergehen
Weiterhaftung des bisherigen Schuldners noch während dreier Jahre solidarisch zusammen dem Übernehmer
Veräusserer
Schuldner des Veräusserers
Gläubiger des Veräusserers
Abrede, wonach sich der Veräusserer eines Vermögens oder Geschäftes zur Übertragung von Aktiven und Passiven auf den Erwerber verpflichtet (OR 181)
Der Vermögensübernahme-Tatbestand ist auch erfüllt, wenn die Parteien einzelne Aktiven von der Übertragung ausschliessen (vgl. BGE 79 II 290 f.)
Vertrags- und Dispositionsfreiheit
Sogar Zulässigkeit der Abrede, wonach die Passiva nicht oder nur zum Teil auf den Erwerber übertragen werden (vgl. auch BGE 79 II 291)
Im Falle einer Gläubigerschädigung bleiben die Artikel SchKG 285 ff. vorbehalten
Vgl. Paulianische Anfechtung | paulianische-anfechtung.ch
Keine Verkürzung der kumulativen dreijährigen Haftungsdauer des Altschuldners (vgl. OR 181 Abs. 2)
Schuldübergang von Gesetzes wegen auf den Erwerber (OR 181 Abs. 1)
Dauerschuldverhältnisse gehen grundsätzlich nicht auf den Übernehmer über
Arbeitsvertrag bei Betriebsübernahme (OR 333)
Die Verpflichtung zur Übertragung eines Vermögens oder Geschäfts ist formfrei zulässig.
Schenkungsversprechen (OR 243)
Verpfründung (OR 522)
Verpflichtung zur Grundstücksübertragung (ZGB 657 i.V.m. OR 216)
Die Zession von Forderungen bedarf eines schriftlichen Zessionsvertrags (vgl. OR 165 Abs. 19)
Die Übertragung von Fahrnisgegenständen bedarf zur ihrer Gültigkeit der Tradition (Übergabe) durch den Veräusserer an den Erwerber (vgl. ZGB 714 Abs. 1)
Haftung des Vermögens- oder Geschäfts-Erwerbers gegenüber den Gläubigern des Veräusserers nur, wenn diesen der Vermögens- bzw. Geschäftsübergang mitgeteilt wurde (vgl. BGE 49 II 250 ff.)
Vgl. OR 181 Abs. 2
Rechtsnatur der Mitteilung
Rechtsnatur dogmatisch unklar
Ergebnisbeschreibende Natur
Befristete kumulative Schuldübernahme von 3 Jahren, die bei Fristablauf dieser 3 Jahre von Gesetzes wegen automatisch zur externen Schuldübernahme durch den Neuschuldner mutiert
Mitteilung, die auch erkennen lässt, dass der Erwerber auch die Passiven eintreten will (vgl. BGE 79 II 154 f.)
Absender dieser Mitteilung
Erwerber / Schuldübernehmer
Ermächtigter Vertreter des Erwerbers / Schuldübernehmers
ev. auch der Schuldner wie bei der gewöhnlichen Schuldübernahme nach OR 176 Abs. 2 (vgl. BGE 75 II 304)
Wirkungen bei Ungültigkeit des Übernahmevertrags
Mitteilung für sich alleine bewirkt keine Schuldübernahme
Grund: Erfordernis eines gültigen Übernahmevertrags mit Mitteilung (vgl. BGE 60 II 107)
Keine besondere Form (Formfreiheit)
Üblicherweise durch Information bzw. Lieferanten- bzw. Kundenbrief
Keine sofortige Befreiung
Keine sofortige Befreiung des Altschuldners, sondern Fortbestehen seiner Haftung kumulativ neben der Verpflichtung des Übernehmers
Dauer der Weiterhaftung des Altschuldners
Rechtsnatur der 3 Jahres-Frist
= Verwirkungsfrist (vgl. BGE 108 II 109)
Beginn des Fristenlaufs für die 3 Jahres-Frist
für fällige Forderungen
mit der Mitteilung
bei auf eine Kündigung gestellten Forderungen
mit dem Tag, auf den erstmals hätte gekündigt werden können (vgl. BGE 63 II 16)
bei noch nicht fälligen Forderungen
mit Eintritt der Fälligkeit (vgl. BGE 63 II 16)
Wirkung der Mitteilung nach OR 181 Abs. 2
OR 181 Abs. 2 gibt dem Gläubiger ein Wahlrecht, den Altschuldner oder den Neuschuldner zu belangen
Vorkehren des Gläubigers, dass der Altschuldner nach Ablauf der 3-Jahresfrist nicht automatisch befreit wird?
Gesetz schweigt sich zur Thematik aus
u.E. Fälligstellung und Veranlassung der Schuldentilgung oder Erklärung des Altschuldners, dass er weiterhin hafte (= weiterer (fortgesetzter) Schuldbeitritt)
Wirkung der Gesamtschuldübernahme
Verweisung auf die Einzelschuldübernahme (vgl. OR 181 Abs. 3)
Gleichwohl gegen daher nur die einzelnen Schulden und Pflichten auf den Erwerber bzw. Neuschuldner über (kein Vertragsübergang / kein Vertragsbeitritt!)
Vereinigung von zwei Geschäften
exOR 182 (aufgehoben: durch Anhang Ziff. 2 des Fusionsgesetzes vom 3. Okt. 2003, mit Wirkung seit 1. Juli 2004 (AS 2004 2617; BBl 2000 4337)
Nach altem Recht wurde die Vereinigung von 2 Geschäften mit Aktiven und Passiven und die Einbringung Betriebes eines Einzelkaufmanns in eine Kollektivgesellschaft (KollG) oder Kommanditgesellschaft (KommG) den Wirkungen der Vermögensübernahme unterstellt (vgl. exOR 182 Abs. 1 und 3), sodass das neuen Unternehmen für alle Schulden haftbar wurde
Der Gesetzgeber stellt neu hiefür die Fusion oder die Vermögensübertragung zur Verfügung
BUCHLI G., Die Übernahme eines Vermögens oder eines Geschäftes nach Art. 181 OR, Diss. Zürich 1953
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HURNI, Die Vermögensübertragung im Spannungsfeld zwischen Vermögens- und Unternehmensrecht, Diss. Bern 2007
LOSER-KROGH, Die Vermögensübertragung, Kompromiss zwischen Strukturanpassungsfreiheit und Vertragsschutz im Entwurf des Fusionsgesetzes, AJP 2000, S. 1095 ff.
MEZGER R., Die Schuldübernahme kraft Mitteilung bei der Geschäfts- und Vermögensübernahme, Art. 181/II OR, Diss. Basel 1955
SCHUMACHER, Die Vermögensübertragung nach dem Fusionsgesetz, Diss. Zürich 2005
WATTER, Unternehmensübernahmen, Zürich 1990, S. 53 ff.
WATTER / KÄGI, Der Übergang von Verträgen bei Fusionen, Spaltungen und Vermögensübertragungen, SZW 2004, S. 231 ff.
ZÜLLIG R.E., Die internationale Fusion im schweizerischen Gesellschaftsrecht unter bes. Berücksichtigung des deutschen und italienischen Rechts, Diss. Basel 1973
Abgrenzungen Unternehmenskauf | unternehmenskauf.ch
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Abgrenzungen-Vertragsübertragung / Vertragsbeitritt
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