Source: http://www.experte24.de/versicherungen/pflegeversicherung/ratgeber/
Timestamp: 2019-01-24 13:41:01
Document Index: 59403055

Matched Legal Cases: ['§2', '§3', '§1', '§4', '§37', '§36', '§55', '§15', '§1901', '§1903', '§1908', '§2']

Der große Ratgeber zur Pflegeversicherung - Experte24
Ratgeber zur privaten Pflegeversicherung
Unser Pflegeversicherungs-Ratgeber wurde von unseren Experten in mühevoller Kleinstarbeit erstellt. Seit der Gründung von Experte24 haben wir hunderte Beratungsgespräche geführt, tausende Fragen beantwortet und viel dazu gelernt. Wir möchten Ihnen mit unserem Ratgeber nun ein Expertenwissen in die Hand geben, mit dem Sie selbst zum Experten werden können.
Sollten Fragen auftauchen, zögern Sie bitte nicht uns zu kontaktieren.
1. Was ist eine Pflegeversicherung?
2. Ist eine private Pflegezusatzversicherung sinnvoll?
3. Leistungen einer Pflegeversicherung
4. Kosten einer Pflegepflicht- sowie Pflegezusatzversicherung
5. Kündigung und Wechsel einer Pflegepflichtversicherung
5.1. Wechsel einer Pflegeversicherung
5.2. Kündigung von privaten Pflegezusatzversicherungsverträgen durch den Versicherungsnehmer
6. Wissenswertes zum Thema Pflegeversicherung
6.2. Varianten der Pflegeversicherung
6.3. Aktivierende Pflege
6.4. Gesetzliche Betreuung
6.5. Pflichten des Betreuers
6.6. Einwilligungsvorbehalt
6.7. Betreuung von Kindern
6.8. Pflegezeit
6.9. Pflegeantrag
6.10. Patientenverfügung
7. Pflegeversicherung für einzelne Berufsgruppen
7.1. Angestellte
7.2. Beamte
7.3. Rentner
7.4. Selbstständige
7.5. Soldaten
7.6. Studenten
Die Pflegeversicherung gehört zur Gruppe der Sozialversicherungen. Sie greift ab dem Zeitpunkt, an dem alle Voraussetzungen erfüllt sind, die einen Menschen als pflegebedürftig einstufen. Sie dient dazu, dem pflegebedürftigen Menschen die erforderlichen Leistungen zur Erfüllung seiner Grundbedürfnisse zu erbringen. Die Förderung der häuslichen Pflege steht hier immer an erster Stelle. Ziel der häuslichen Pflege ist es, dem pflegebedürftigen Menschen eine möglichst lange Aufrechterhaltung der Eigenständigkeit in der eigenen häuslichen Umgebung zu ermöglichen. Als weitere Optionen kommen zudem das sogenannte betreute Wohnen und auch die stationäre Pflege in Frage. Alle diese Formen werden durch eine Pflegeversicherung entsprechend gefördert. Gerade das betreute Wohnen hat sich dabei in letzter Zeit als die Wohnform herausgestellt, die von Senioren bevorzugt wird.1
Untersysteme der Pflegeversicherung
Der Bereich der Pflegeversicherung ist in verschiedene Untersysteme aufgeteilt. Die bekannteste Form ist dabei die Pflegepflichtversicherung die vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist und zusammen mit der Krankenversicherung erhoben wird. Sie wird prozentual vom jeweiligen Bruttolohn geleistet. Bei der Berechnung gibt es hierbei noch den Unterschied, ob die Person Kinder hat oder kinderlos ist. Kinderlose Personen bezahlen einen Aufschlag. Allerdings gibt es neben der Pflichtversicherung noch die Möglichkeit der privaten Absicherung. Hier besteht die Wahl zwischen einer privaten Pflegetagegeldversicherung und einer privaten Pflegekostenversicherung. Bei einer privaten Pflegetagegeldversicherung wird gegen Nachweis der Pflegebedürftigkeit ein vereinbarter fester Geldbetrag für jeden Pflegetag gezahlt. Die Leistungshöhe orientiert in der Regel an der festgelegten Pflegestufe. Die Pflegekostenversicherung zahlt jedoch nicht tageweise, sondern orientiert sich an den tatsächlich anfallenden Kosten für die Pflege (Sachleistungsprinzip). Es können, je nach abgeschlossenem Tarif, die verbleibenden Kosten nach Abzug der Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung zu 100 % oder anteilig erstattet werden.
Die gesetzliche Pflegeversicherung und ihre Leistung im Falle eines eintretenden Pflegefalles muss dabei immer als eine Art Teilabsicherung gesehen werden. Die erbrachte Leistung reicht bei Weitem nicht aus, um die gesamten Kosten zu decken. Sie ist somit eher als Ergänzung zu einer vom familiären Umfeld erbrachten Pflegeleistung zu sehen. Alle Kosten, die nicht abgedeckt sind, müssen somit vom Versicherungsnehmer selbst erbracht werden. Besteht diese Möglichkeit nicht, werden die nächsten Angehörigen bis zu einem individuellen Freibetrag zur Zahlung der Mehrkosten herangezogen. Eine Kombination aus gesetzlicher und privater Vorsorge ist daher empfehlenswert.
Ja, die Pflegeversicherung ist durchaus sinnvoll!
Das Thema Pflegeversicherung ist zumeist ein eher unbeliebtes Thema. Niemand möchte sich vorstellen, einmal als Pflegefall auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Oder aber einen Platz in einem Pflegeheim finanzieren zu müssen. Und doch kann es jeden treffen. Daher lohnt es sich, einmal genauer über die Sinnhaftigkeit einer Pflegeversicherung nachzudenken und zu schauen, wie es denn mit der eigenen Absicherung aussieht.
20052,1 Millionen Pflegebedürftige
2,1 Millionen Pflegebedürftige
20102,4 Millionen Pflegebedürftige
20202,9 Millionen Pflegebedürftige (Prognose)
2,9 Millionen Pflegebedürftige (Prognose)
20303,4 Millionen Pflegebedürftige (Prognose)
3,4 Millionen Pflegebedürftige (Prognose)
Quelle: Statistisches Bundesamt Destatis, 2013
Gesetzliche Pflegeversicherung zur Deckung der Grundversorgung
Da auch der Gesetzgeber aufgrund des fortschreitenden demografischen Wandels einen Handlungsbedarf bei dem Thema Pflege und steigender Pflegekosten sah, wurde vor einigen Jahren die gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt. Allerdings wird durch diese Absicherung immer nur eine Grundversorgung sichergestellt und eine Deckung der vollen Kosten einer Versorgung im Pflegefall ist bei Weitem nicht gewährleistet.2 Es wird daher immer eine Kombination aus gesetzlicher und privater Pflegevorsorge empfohlen, damit im eintretenden Pflegefall die Versorgung gesichert ist und zudem das eigene Vermögen und das der Angehörigen unangetastet bleibt.
Monatliche Finanzierungslücke durch einen Platz im Pflegeheim (Pflegestufe I)
Quelle: Statistisches Bundesamt, DBFK, Budesheimgesetz, AOK, 2015
Private Pflegeversicherung schließt Deckungslücke
Bei Eintritt einer Pflegebedürftigkeit können je nach Pflegeart sehr hohe Pflegekosten entstehen. So liegen die Kosten für eine Unterbringung in einem Pflegeheim im Schnitt bei ungefähr 3300 Euro. Durch die gesetzliche Pflegeversicherung würden davon bei einer Pflegestufe 3 ungefähr die Hälfte der Kosten übernommen werden. Zwischen diesen beiden Werten liegt nun eine nicht unerhebliche Deckungslücke. Diese Deckungslücke muss dann aus eigenen finanziellen Mitteln des Pflegebedürftigen erbracht werden. Reichen diese Mittel aus dem Privatvermögen dabei nicht aus, würden des Weiteren dann die Angehörigen bis auf einen gewissen Freibetrag zur Zahlung dieser Differenz herangezogen.
Eine zusätzliche private Vorsorge hilft, diese Lücke zu verkleinern oder aber auch ganz zu schließen. Im Bereich der privaten Pflegezusatzversicherungen gibt es dabei verschiedene Varianten der Absicherung, die von Übernahme der Pflegekosten bis hin zu Auszahlung von verschiedenen Tagessätzen ganz individuell auf den Versicherungsnehmer zugeschnitten sind. Eine Beschäftigung mit dieser Thematik ist in jedem Fall sehr zu empfehlen.
Eine Pflegeversicherung deckt im Fall einer entstandenen Pflegebedürftigkeit die entstehenden Kosten für die erbrachten Pflegeleistungen. Allerdings ist die gesetzliche Pflegeversicherung immer nur als eine Teilabsicherung anzusehen, da die entstehenden Pflegekosten immer wesentlich höher sind als die durch die gesetzliche Pflegeversicherung zugestandenen Leistungen. Es werden also anteilig Leistungen wie Pflegegeld, Sachleistungen, voll- und teilstationäre Pflege sowie Kurzzeit- und Ersatzpflege bezahlt. Im Rahmen der Pflegeversicherung besteht zudem für Angehörige die Möglichkeit, eine Pflegezeit von bis zu 6 Monaten mit anschließender Jobgarantie zu nehmen. Im Akutfall besteht für beschäftigte Angehörige des Weiteren die Möglichkeit, eine bis zu zehntägige unbezahlte Freistellung von der Arbeit zu nehmen, um alle wichtigen Aspekte zu einer optimalen Versorgung des Pflegebedürftigen zu organisieren.
Inanspruchname von Pflegegeld
Da Pflegebedürftige möglichst selbst entscheiden sollen, wie und von wem sie gepflegt werden wollen, besteht die Möglichkeit ein sogenanntes Pflegegeld in Anspruch zu nehmen. Allerdings müssen dazu im Vorwege einige Aspekte abgeklärt werden. Als Grundvoraussetzung der Auszahlung muss immer eine Sicherstellung der Pflege in der häuslichen Umgebung gewährleistet sein. Die Übernahme dieser pflegerischen Tätigkeiten kann sowohl von Angehörigen, Nachbarn oder aber auch von Ehrenamtlichen übernommen werden. Der Pflegebedürftige erhält das Pflegegeld dann direkt von der Pflegekasse und kann über die Verwendung selbstständig entscheiden. Er hat dadurch die Möglichkeit den Menschen, die ihn betreuen, individuell einen gewissen finanziellen Betrag als Dank auszuhändigen.3
Inanspruchnahme von Pflegesachleistungen
Die Pflegesachleistung ist innerhalb der Pflegeversicherung ein Faktor mit hohem Stellenwert, da sich sehr viele Menschen im Falle einer eingetretenen Pflegebedürftigkeit zu Hause pflegen lassen. Zumeist werden sie hier durch einen ambulanten Pflegedienst unterstützt. Zu diesen Leistungen, die in Anspruch genommen werden können gehören Hilfe bei der Körperpflege, bei der Ernährung, bei der hauswirtschaftlichen Versorgung und auch Hilfe bei der Mobilität. Für eine Inanspruchnahme dieser Leistungen muss immer im Vorwege ein Vertrag mit der Pflegekasse abgeschlossen werden, damit der Pflegedienst die Leistungen direkt abrechnen kann. Als Grundsatz gilt, dass Pflegebedürftige bei häuslicher Pflege sowohl Anspruch auf Körperpflege als auch auf hauswirtschaftliche Unterstützung haben.4
Bei den Kosten für eine Pflegeversicherung muss immer zwischen der gesetzlichen Absicherung und einer entsprechenden privaten Absicherung differenziert werden. Da zum Januar 2013 die neue Pflegereform in Kraft getreten ist, stiegen damit auch die Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung. Durch diese Beitragssteigerung sollen mehr finanzielle Mittel für demenziell erkrankte Menschen zur Verfügung gestellt werden können. Auch pflegende Angehörige sollen in einem größeren Maße entlastet werden.
Ein weiterer Punkt ist die Förderung von Pflegewohngruppen oder Pflegewohngemeinschaften durch eine größere finanzielle Unterstützung. Die Beiträge der gesetzlichen Pflegeversicherung steigen durch diese Reform von 1,95% auf 2,05% des jeweiligen Bruttolohns für Personen mit Kindern und entsprechend auf 2,30% für kinderlose Personen. Die Beiträge werden zusammen mit der gesetzlichen Krankenversicherung monatlich automatisch eingezogen. Die individuellen Kosten der gesetzlichen Pflegeversicherung und somit der eigene monatliche Beitrag sind also immer vom jeweiligen Bruttolohn und der Anzahl der eigenen Kinder abhängig.5
Die Kosten und Beiträge einer Pflegezusatzversicherung sind immer völlig unabhängig vom jeweiligen Einkommen. Hier können sowohl die monatlichen Prämien als auch die gewünschten Leistungen immer ganz individuell festgelegt werden. Entscheidend für die jeweilige Berechnung der Beiträge sind dabei Sachverhalte wie das Alter des Versicherungsnehmers am Tag des Vertragsabschlusses, der individuelle Gesundheitszustand und auch die gewünschten Leistungen innerhalb der einzelnen Pflegestufen. Gerade im Bereich der gewünschten Leistungen können Kostenunterschiede entstehen, da es natürlich ein großer Unterschied ist, ob die Leistungen erst ab einer Pflegestufe 3 abgerufen werden, oder aber auch schon bei einer Pflegestufe 1 und 2 Leistungen fällig werden sollen. Auch die Art der Absicherung kann bei der Berechnung der individuellen Prämie eine Rolle spielen. So gibt es verschiedene Möglichkeiten der Absicherung, wie etwa eine Pflegetagegeldversicherung oder auch eine Pflegekostenversicherung.
Manchmal kann es zu dem Wunsch kommen, die Pflegeversicherung wechseln zu wollen. Und dann stellt sich für die Betroffenen die Frage, ob dies denn überhaupt möglich sei. Hier kann ganz klar gesagt werden, ein Wechsel ist durchaus möglich. Es müssen allerdings einige Dinge im Vorwege beachtet werden.
Gesetzliche Pflegekasse immer an jeweilige Krankenkasse gekoppelt
Die gesetzliche Pflegeversicherung gibt es immer nur in Kombination mit der gesetzlichen Krankenversicherung. In der Praxis bedeutet ein Wechsel der Pflegeversicherung also immer auch einen Wechsel der Krankenkasse. Ein Wechsel der Pflegeversicherung mit gleichzeitigem Verbleib in der bisherigen Krankenkasse ist also nicht möglich. Bei einem Wechsel der Krankenkasse gilt es einige Sachverhalte zu berücksichtigen. So ist ein Wechsel erst möglich, wenn zuvor eine Mitgliedschaft von mindestens 18 Monaten bestanden hat. Ausnahmen gibt es allerdings, wenn die Krankenkasse zusätzliche Beiträge neu einführt. Hier besteht ein Sonderkündigungsrecht.
Sind alle Voraussetzungen für einen Wechsel erfüllt, kann der Versicherte sich entsprechend seiner individuellen Vorlieben eine neue Krankenkasse auswählen und dort einen Aufnahmeantrag stellen. Da die Krankenkassen niemanden ablehnen dürfen, besteht hier für den Versicherten absolutes Wahlrecht. Gleichzeitig mit dem Aufnahmeantrag bei der neuen Kasse, muss entsprechend die alte Kasse gekündigt werden. Die alte Krankenkasse muss danach unverzüglich eine Kündigungsbescheinigung ausstellen. Diese Bescheinigung wird dann bei der neuen Kasse vorgelegt, worauf diese dann unverzüglich eine Mitgliedsbescheinigung auszustellen hat. Nach dem Wechsel werden alle bisherigen Leistungen ohne Einschränkung weiter geleistet und entsprechend die Akte nur von der alten zur neuen Krankenkasse weitergeleitet. Somit wurde dann ein Wechsel sowohl der Krankenversicherung als auch der Pflegeversicherung durchgeführt.
Wechsel einer privaten Pflegezusatzversicherung
Im Unterschied zur gesetzlichen Pflegepflichtversicherung gilt es in der privaten Pflegezusatzversicherung noch einige zusätzliche Details zu beachten. Entscheidend sind hier immer die Kündigungsfristen und Vertragsbestandteile des jeweiligen Anbieters. Im Gegensatz zur gesetzlichen Pflegeversicherung besteht im Bereich der privaten Versicherungsanbieter immer auch die Möglichkeit, einen Antrag ablehnen zu können. Des Weiteren können die Anbieter privater Pflegeversicherungstarife immer auch eine Gesundheitsprüfung im Vorwege einfordern. Bei einem Wechsel der privaten Pflegezusatzversicherung sind also immer die genauen Vertragsbestandteile zu prüfen, damit ein Wechsel erfolgreich durchgeführt werden kann.
5.2. Kündigung einer Pflegeversicherung
Bei der gesetzliche Pflegeversicherung ist eine Kündigung in der Form nicht möglich, vielmehr ist es ein Wechsel, da eine Versicherungspflicht besteht. Ein Wechsel wird automatisch beim Wechsel der Krankenkasse oder der privaten Krankenversicherung vollzogen. Die Leistungen sind beiden Art identisch. Ein Wechsel allein auf Basis der Pflege-Leistungen ist daher nicht sinnvoll.
Existiert ein Wunsch nach besseren Leistungen, so ist ein Abschluss einer privaten Pflegeversicherung unumgänglich.
Kündigung von privaten Pflegezusatzversicherungsverträgen durch den Versicherungsnehmer
Bei einer privaten Pflegeversicherung oder auch Pflegezusatzversicherung wird der Vertrag immer unbefristet abgeschlossen. Bei einigen Anbietern gibt es hier allerdings Mindestvertragslaufzeiten, die eingehalten werden müssen. Eine Möglichkeit zur Kündigung des Vertrages besteht dann als Beispiel zum Ende des dritten oder fünften Versicherungsjahres. Es gibt allerdings auch Möglichkeiten einer außerordentlichen Kündigung. So kann ein Versicherungsnehmer beispielsweise den Versicherungsvertrag kündigen, wenn die Beiträge erhöht werden, die gewährten Leistungen dabei allerdings nicht mit erhöht werden, sondern gleich bleiben.
Kündigung von privaten Pflegezusatzversicherungsverträgen durch den Versicherer
Auch der Versicherer hat die Möglichkeit einer außerordentlichen Kündigung. Macht der Versicherungsnehmer beispielsweise bei Antragstellung bewusst falsche Angaben im Rahmen der Gesundheitsprüfung, hat der Versicherer hier die Möglichkeit, den Vertrag außerordentlich kündigen zu können. In einigen Fällen kann er sogar schon gewährte Leistungen entsprechend zurückfordern. Viele Gesellschaften verzichten bei ihrer Vertragsgestaltung oftmals auf ein ordentliches Kündigungsrecht, doch die Variante der außerordentlichen Kündigung bleibt hiervon unberührt.
Abhängig vom individuellen Hilfebedarf gibt es nach gesetzlichen Vorgaben drei Pflegestufen. Die Leistungen und ihre Höhe hängen somit von der jeweiligen Stufe ab. Die genaue Einstufung und Bescheinigung der Pflegestufe erfolgt durch ein MDK-Gutachten. Beim MDK handelt es sich um den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung.
Wie werden die einzelnen Pflegestufen definiert?
Personen, die bei Nahrungsaufnahme, Mobilität und Körperpflege für mindestens zwei Vorgänge mindestens einmal am Tag Hilfe benötigen und zusätzlich an mehreren Tagen in der Woche hauswirtschaftliche Hilfe benötigen. Der zeitliche Aufwand muss hier im Tagesschnitt wenigstens 90 Minuten betragen und diese 90 Minuten müssen mindestens 45 Minuten Grundpflege beinhalten.
Personen, die bei Nahrungsaufnahme, Mobilität und Körperpflege mindestens dreimal am Tag zu unterschiedlichen Zeiten Hilfe benötigen und zusätzlich an mehreren Tagen in der Woche hauswirtschaftliche Hilfe benötigen. Der zeitliche Aufwand muss hier im Tagesschnitt wenigstens 3 Stunden betragen und diese 3 Stunden müssen mindestens 2 Stunden Grundpflege beinhalten.
Personen, die bei Nahrungsaufnahme, Mobilität und Körperpflege den gesamten Tag und auch die gesamte Nacht Hilfe benötigen und zusätzlich an mehreren Tagen in der Woche hauswirtschaftliche Hilfe benötigen. Der zeitliche Aufwand muss hier im Tagesschnitt wenigstens 5 Stunden betragen und diese 5 Stunden müssen mindestens 4 Stunden Grundpflege beinhalten.
Zusätzlich gibt es bei sehr schweren Fällen von Pflegebedürftigkeit auch eine sogenannte Härtefallregelung mit Anspruch auf weitere Leistungen. Dieses liegt beispielsweise vor, wenn der Grad der Pflegebedürftigkeit die Stufe III stark übersteigt.
Seit der Pflegereform besteht des Weiteren in der sogenannten Pflegestufe 0 die Möglichkeit, einen Betreuungsbetrag im Rahmen der Pflegeversicherung zu erhalten. Hierbei ist entscheidend, dass die Alltagskompetenz der betreffenden Person erheblich eingeschränkt ist ohne dass die Voraussetzungen für Pflegestufe I erfüllt sind. Dieses betrifft beispielsweise Personen mit Demenz oder auch geistig Behinderte und psychisch kranke Menschen.6,7
Leistungen der Pflegeversicherung in den einzelnen Pflegestufen
Bei den Leistungen aus der Pflegeversicherung ist außer der Pflegestufe zudem die jeweilige Pflegeart entscheidend. Hier wird zwischen Pflege in einem Heim oder aber im häuslichen Umfeld unterschieden. Weiterhin gibt es Unterschiede bei der Ausführung der häuslichen Pflege. Es wird dabei unterschieden zwischen Pflege durch die Angehörigen oder der Nutzung eines mobilen Pflegedienstes.
Monatliche gesetzliche Leistungen in den Pflegestufen im Jahr 2013
Die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung decken nur einen Teil der tatsächlichen Kosten. So erhält ein pflegebedürftiger Mensch bei Pflegestufe III und einer Unterbringung in einem Heim beispielsweise 1550 Euro. Die tatsächlichen Kosten liegen je nach Bundesland zumeist um die 3000 Euro. Diese Lücke zwischen Kosten für eine Heimunterbringung und die dafür erbrachten Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung müssen dann aus eigenen Mitteln erbracht werden.
6.2. Varianten der privaten Pflegezusatzversicherung
In der privaten Pflegeversicherung bestehen verschiedene Möglichkeiten für den Eintritt einer Pflegebedürftigkeit und damit entstehenden Finanzierungslücken Vorsorge zu tragen.
Mit dem Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung wird für den Fall vorgesorgt, dass bei einem Eintritt von Pflegebedürftigkeit die gesetzlichen Leistungen die entstehenden Pflegekosten nicht vollständig abdecken. Da die gesetzliche Pflegeversicherung immer nur als eine Art Teilkasko-Versicherung gesehen werden muss, sind also die tatsächlichen Kosten so gut wie nie gedeckt. In diesem Fall wird immer das private Vermögen oder aber die Kostenübernahme durch die Angehörigen beansprucht. Eine private Pflegezusatzversicherung sorgt dafür, dass diese Lücke entsprechend geschlossen wird. So bleibt das eigene Vermögen geschützt und ein Eintritt von Pflegebedürftigkeit wird nicht gleichzeitig zu einer finanziellen Belastung für die Angehörigen.
Als Variante einer privaten Pflegezusatzversicherung gehört die Pflegetagegeldversicherung zu den bekanntesten. Die Höhe des bei Eintritt einer Pflegebedürftigkeit auszuzahlenden Tagessatzes kann hier individuell vom Versicherungsnehmer gewählt werden. Die tatsächliche Höhe des ausgezahlten Tagessatzes hängt hierbei allerdings immer vom jeweiligen Grad der Pflegebedürftigkeit ab. Eine volle Auszahlung des Tagessatzes gibt es nur bei einer Pflegestufe 3. In den unteren Pflegestufen wird dieser Satz jeweils anteilig ausgezahlt. Des Weiteren gibt es immer auch einen Unterschied im Zusammenhang mit dem Ort der ausgeführten Pflege. So wird beispielsweise bei der Auszahlung zwischen ambulanter und stationärer Pflege unterschieden. Sind die anfallenden Kosten durch die gesetzlichen Leistungen abgedeckt, steht das Pflegetagegeld zur freien Verfügung und kann somit für andere Dinge verwendet werden.
Eine weitere Variante der privaten Pflegezusatzversicherung ist die Pflegekostenversicherung. Diese Art der Absicherung und vor allem die Art der Auszahlung hängen dabei immer von den tatsächlich entstehenden Kosten der erbrachten Pflegeleistungen ab und wird nicht tageweise ausgezahlt. Hier ist entscheidend, welche Lücke zwischen den tatsächlich anfallenden Pflegekosten und den gesetzlichen Leistungen besteht. Als Versicherungsnehmer kann bei Abschluss frei gewählt werden, ob diese Lücke zu 100% oder nur anteilig gedeckt werden soll. Eine Auszahlung der Leistungen einer Pflegekostenversicherung und somit die Möglichkeit der freien Verwendung ist nicht möglich. Diese Form der Pflegezusatzversicherung ist eine reine Sachleistung.
Bei diesem Pflegeansatz steht die Pflegekraft dem pflegebedürftigen Menschen bewusst nur durch Anleitung und Motivation zur Seite. Diese Art der Pflege ist mittlerweile ein anerkannter Grundsatz in der Pflegepraxis und viele Einrichtungen haben diesen Grundsatz auch in ihrem Leitbild verankert. Dieser Pflegeansatz erfordert dabei viel Geduld und auch Energie von der Pflegekraft und auch der Zeitfaktor ist entsprechend höher. Das Pflegeziel eines Wiedererlangens der eigenen Pflegefähigkeit des Betroffenen ist bei dieser Art der Pflege allerdings weitaus höher als bei einer Abnahme der kompletten Aktivitäten durch die Pflegekraft. Wichtig ist immer darauf zu achten, dass die pflegebedürftige Person weder über- noch unterfordert wird.
Pflegeansatz Mobilisation
Bei der Mobilisation geht es darum, dem Betroffenen wieder die Möglichkeit eines selbstständigen Aufstehens nach dem Sitzen oder Liegen zu ermöglichen. Des Weiteren soll die Fähigkeit gestärkt werden, den Weg beispielsweise zur Toilette und zurück eigenständig vollziehen zu können. Die Pflegekraft versucht dieses, durch verschiedene Übungen zu erreichen. Durch spezielle Maßnahmen wird besonders die Muskulatur aufgebaut und einzelne Gelenke werden in ihrer Beweglichkeit gestärkt. Als Unterstützung bei ersten Gehversuchen werden immer auch diverse Hilfsmittel eingesetzt. Hier stehen beispielsweise Gehstöcke oder Rollatoren zur Verfügung. Auch die Pflegekraft selbst kann dabei als Begleitung ohne weitere Hilfsmittel fungieren.
Pflegeansatz Bewegung
Um verloren gegangene Fähigkeiten bei Pflegebedürftigen zurückzugewinnen, ist Bewegung von ganz entscheidender Bedeutung. Bewegung hilft, den Stoffwechsel zu verbessern und die Muskulatur aufzubauen und zu stärken. Verschlechterungen des Allgemeinzustandes und vor allem auch Folgeerkrankungen können durch Bewegung erfolgreich verhindert oder aber verlangsamt werden.
Aktivierende Pflege als Pflegeleitbild
Aktivierende Pflege ist ein ganz entscheidender Aspekt in der Pflegepraxis. Der Betroffene kann durch diese Pflegemaßnahme verloren gegangene Fähigkeiten zurück erlangen und somit ein großes Stück Eigenständigkeit wiedergewinnen.
Für Menschen, die aufgrund von Krankheit, Alter oder Behinderung nicht mehr eigenständig für ihre Angelegenheiten sorgen können, wird von einem Gericht ein gesetzlicher Betreuer bestellt. Dieses geschieht allerdings nur, wenn keine anderen Bestimmungen, beispielsweise durch Vorsorgevollmachten, vom Betroffenen im Vorwege festgelegt wurden. Des Weiteren darf ein gesetzlicher Betreuer auch nur für Aufgabengebiete bestellt werden, in denen eine jeweilige Betreuung von Nöten ist.
Ein gesetzlicher Betreuer vertritt den Betroffenen in dem vorher festgelegten Aufgabengebiet sowohl gerichtlich als auch außergerichtlich. Dabei muss der Betreuer bei allen Angelegenheiten stets das Wohl des Betroffenen wahren. Insbesondere muss dem Betroffenen weiterhin die Möglichkeit gelassen werden, sein Leben nach individuellen Vorstellungen gestalten zu können. Der Betreuer muss, soweit dies möglich ist, alle wichtigen Angelegenheiten mit dem zu Betreuenden besprechen und entsprechend seine Wünsche und Vorstellungen berücksichtigen. Des Weiteren müssen alle Möglichkeiten genutzt werden, Krankheiten oder Behinderungen des Betroffenen zu bessern oder aber auch zu beseitigen.
Verfügungen müssen berücksichtigt werden
Liegen dem Betreuer Dokumente oder im Vorwege schriftlich geäußerte Betreuungswünsche des Betroffenen vor, sind diese stets auf die aktuelle Lebenssituation zu prüfen. Im Falle einer Behandlungssituation und einem entsprechenden Dokument, etwa einer Patientenverfügung, hat der Betreuer dem Willen des Betroffenen Geltung zu verschaffen.
Rechtzeitige Vorsorge ist entscheidend
Jeder Mensch kann schon im Vorwege einer eventuell eintretenden Betreuungssituation festlegen, ob eine bestimmte Person als Betreuer gewünscht ist. Es können sowohl Personen bestimmt oder aber auch abgelehnt werden. Diese Wünsche müssen allerdings immer schriftlich in einer Betreuungsverfügung festgelegt werden. Eine schriftliche Festlegung ist in jedem Falle zwingend notwendig, da bei einem Eintritt einer Betreuungssituation diese Festlegung des Betroffenen vor einem Amtsgericht nachgewiesen werden muss.
Beendigung einer gesetzlichen Betreuung
Eine Betreuung kann durch beide Seiten beendet werden. Grund hierfür kann der Wunsch des Betroffenen nach einem Wechsel des Betreuers oder aber auch der Wunsch einer Niederlegung der Betreuung durch den Betreuer aus wichtigen Gründen sein. Hierbei muss allerdings immer das zuständige Betreuungsgericht informiert werden. Im Falle des Todes des Betroffenen endet die rechtliche Betreuung mit sofortiger Wirkung.
Alle Pflichten eines gesetzlichen Betreuers ergeben sich aus den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Bei einer Pflichtverletzung übernimmt der gesetzliche Betreuer somit immer auch eine zivilrechtliche Haftung. Ein gesetzlicher Betreuer muss stets das Wohl des Betreuten wahren. Im Vordergrund stehen hier also immer die Wünsche und Bedürfnisse des Betroffenen und keinesfalls das Selbstbestimmungsrecht des Betreuers. Auch etwaige Wünsche von Dritten werden bei einer Betreuung nicht berücksichtigt.
Grundsätze einer Betreuung
In der Betreuung gibt es feste Grundsätze, nach denen die Betreuer ihre Tätigkeit ausrichten müssen. Entscheidungen eines Betreuers im Namen seines Betreuten werden nur in den Lebenslagen getroffen, in denen der Betroffene sich selbst nicht äußern kann. Bei allen Entscheidungen, in denen der Betreute geistig in der Lage ist, eine Entscheidung treffen zu können, darf der Betreuer nicht einfach selbst entscheiden. Bei allen Entscheidungen ist zudem grundsätzlich der Wille des Betreuten entscheidend. Alle Sachverhalte sollten also, soweit dies möglich ist, mit dem Betroffenen selbst oder aber den Angehörigen besprochen werden. Ausnahmen bestehen bei Wünschen und Entscheidungen des Betreuten, die ihn selbst oder andere Personen in Gefahr bringen würden. Hier darf der Betreuer auch gegen den Willen des Betroffenen entscheiden.
Aufgabengebiete und Pflichten
Gesetzliche Betreuer werden vom Gericht entsprechend für bestimmte Aufgabenkreise bei der Übernahme einer Betreuung eingesetzt. Diese verschiedenen Aufgabengebiete können jederzeit von dem zuständigen Richter anhand bestimmter Notwendigkeiten angepasst werden. Zu diesen Aufgabenbereichen gehört der gesamte Bereich der Gesundheitsfürsorge und auch der Vermögensfürsorge. Aber auch Bereiche der Aufenthaltsbestimmung und die Vertretung gegenüber Behörden gehören dazu. Zu den Pflichten eines Betreuers gehört immer auch die Einbeziehung des jeweiligen Betreuungsgerichtes bei bestimmten Fällen im Rahmen dieser Aufgabenbereiche. Der Betreuer kann bei Sachverhalten, die schwerwiegende Folgen für den Betreuten haben können, nicht allein entscheiden, sondern benötigt immer auch eine Genehmigung des zuständigen Gerichts. Ganz konkrete Sachverhalte sind beispielsweise Operationen, die erhebliche Folgen nach sich ziehen können oder aber auch eine Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung.8
Unter dem Begriff Einwilligungsvorbehalt wird eine Anordnung eines Vormundschaftsgerichts verstanden, die bei Vorliegen von unterschiedlichen Voraussetzungen die Geschäftsfähigkeit eines Betreuten einschränkt. Bei der Anordnung eines Einwilligungsvorbehaltes muss der Betreute bei jeder Willenserklärung im Bereich dieser Anordnung zusätzlich die Einwilligung des zuständigen Betreuers einholen. Dieser Einwilligungsvorbehalt darf dabei allerdings nicht als Entmündigung angesehen werden, da diese nicht mehr gelten. Ein unter Einwilligungsvorbehalt stehender Betreuter kann dabei sehr wohl noch geschäftsfähig sein, er erhält allerdings in den jeweils festgelegten Bereichen den Status eines Minderjährigen.9
Wann wird ein Einwilligungsvorbehalt angeordnet?
Ein Einwilligungsvorbehalt kann immer dann angewendet werden, wenn durch den Betreuten eine erhebliche Gefahr für sich selbst oder aber sein Vermögen ausgeht. Entscheidend ist hierbei die sogenannte Gefahr einer Selbstschädigung an eigenen wirtschaftlichen und persönlichen Gütern. Eine ganz besondere Gefahr besteht hierbei im Bereich von Rechtsgeschäften, durch die erhebliche Schäden angerichtet werden können. Der größte Teil von Anordnungen auf Einwilligungsvorbehalt liegt daher auch auf dem Gebiet der Sorge um das Vermögen. Es gibt hier natürlich aber auch andere Bereiche, wie etwa Angelegenheiten rund um das Wohnen. Ein Einwilligungsvorbehalt wird zumeist bei Betreuten angewendet, die aufgrund von psychischen Erkrankungen keinen freien Willen bestimmen können.
Dauer eines Einwilligungsvorbehalts
Ein Einwilligungsvorbehalt gilt immer nur so lange, wie die dafür notwendigen Voraussetzungen existieren. Genau wie bei einer Betreuung allgemein gilt auch bei einem Einwilligungsvorbehalt, dass diese Situation nicht länger als notwendig aufrechterhalten werden soll. Beide Seiten, sowohl der Betreuer als auch der Betreute haben jederzeit die Möglichkeit dem Gericht den Wegfall des Einwilligungsvorbehaltes mitzuteilen, um somit auf eine Aufhebung der Betreuung hinzuarbeiten. In jedem Falle muss aber das Gericht als letzte Instanz den Wegfall der Notwendigkeit einer Betreuung überprüfen und gegebenenfalls bestätigen. Schon bei der gerichtlichen Entscheidung zu einer Betreuung wird ein genaues Datum zur Überprüfung dieser Situation festgelegt und in spätestens 7 Jahren nach einer solchen Entscheidung muss diese automatisch überprüft werden.
Auch Kinder können von der Thematik Pflege und Betreuung betroffen sein. Gründe hierfür sind zumeist Unfälle, aus denen heraus eine dauerhafte Pflegebedürftigkeit oder Betreuung des Kindes resultiert. Aber auch körperliche und geistige Behinderungen können dazu führen, dass Kinder dauerhaft auf entsprechende Betreuung angewiesen sind.
Wer kommt für die Betreuung des Kindes in Frage?
Zuerst einmal sind es natürlich die Eltern des Kindes, die sich mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob sie selbst für alle notwendigen Entscheidungen die Verantwortung übernehmen wollen oder aber bereit sind, gewisse Verantwortlichkeiten an eine vom zuständigen Vormundschaftsgericht bestellte Person abzugeben. Der Zeitaufwand und sowohl die körperliche und psychische Belastung sind dabei nicht unerheblich und so ist es keine Seltenheit, dass die Eltern einen entsprechenden Betreuer über das zuständige Gericht beantragen. Gerade bei alleinerziehenden Personen kann diese Option eine erhebliche Entlastung bedeuten, da im Zusammenspiel zwischen Berufstätigkeit und der Belastung durch das Schicksal des eigenen Kindes nicht selten eine Überbelastung zutage tritt. Gerade auch im Hinblick auf wichtige rechtliche Aspekte ist es manchmal einfacher, die Verantwortung abgeben zu können. Bei einer Anfrage an das zuständige Gericht werden dann alle diese Elemente bei einer Beurteilung der Situation immer genau berücksichtigt.10
Welche Formalien müssen bei einem Antrag auf Betreuung beachtet werden?
Bei allen Anträgen ist es immer wichtig, diese in schriftlicher Form einzureichen. Des Weiteren muss ein Antrag natürlich immer auch gut begründet werden und wenn möglich immer auch Meinungen von Experten, beispielsweise ärztliche Gutachten, mit beigefügt werden. Anhand dieser eingereichten Unterlagen wird das Gericht entsprechend über eine gesetzliche Betreuung entscheiden. Es werden dabei genaue Zuständigkeiten festgelegt und auch die konkreten Bereiche benannt, in denen der Betreuer Entscheidungen zu treffen hat. Natürlich wird auch der Betreuer selbst vom Gericht ernannt und mit der Wahrnehmung seiner Aufgaben betraut. Dies kann dann sowohl ein Elternteil als auch ein vom Gericht ausgewählter gesetzlicher Betreuer sein.
Wird ein Mensch in Folge einer Erkrankung plötzlich zu einem Pflegefall, ist es für das familiäre Umfeld oftmals sehr schwer kurzfristig eine professionelle Unterstützung zu bekommen. Es ist zumeist sehr problematisch, in kurzer Zeit einen Pflegedienst oder einen Platz in einer stationären Einrichtung zu organisieren. Die einzige Möglichkeit in diesem Falle ist also eine Lösung innerhalb des familiären Umfeldes zu finden. Um den Angehörigen hier eine Freistellung von der beruflichen Tätigkeit zu ermöglichen, hat der Gesetzgeber das Pflegezeitgesetz beschlossen. Ziel dieses Gesetzes ist es, den Beschäftigten eine Möglichkeit zu bieten, pflegebedürftige Angehörige in der häuslichen Umgebung pflegen zu können. Dabei sollen die familiäre Betreuung und die berufliche Tätigkeit optimal kombiniert werden. Nach der Inanspruchnahme einer Pflegezeit ist dann eine uneingeschränkte Rückkehr in die berufliche Tätigkeit jederzeit gewährleistet.
Nach dem Pflegezeitgesetz besteht nach §2 für Beschäftigte die Möglichkeit einer kurzfristigen Freistellung bei Eintritt eines akuten Pflegefalles innerhalb des nahen familiären Umfeldes. Der Arbeitnehmer hat in diesem Fall einen Anspruch auf eine Freistellung von bis zu zehn Arbeitstagen am Stück. Diese Zeit soll dazu genutzt werden entsprechend notwendige Pflegemaßnahmen zu organisieren, beispielsweise einen Pflegedienst zu beauftragen oder aber einen Pflegeplatz in einer stationären Einrichtung zu finden. Bei dieser Art der Freistellung hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch auf eine Lohnzahlung. Hierbei gibt es allerdings Unterschiede, da in einigen Tarifverträgen eine Lohnfortzahlung geregelt ist.
Möglichkeit der langfristigen Freistellung
Die Möglichkeit einer längerfristigen Freistellung zur Pflege eines Angehörigen ist in den §3-8 des Pflegezeitgesetzes geregelt. Hier können sich Arbeitnehmer für einen festgelegten Zeitraum vollständig oder teilweise von ihrer jeweiligen Tätigkeit freistellen lassen. Die Art und der Zeitraum dieser Freistellung sind dabei immer schriftlich festzuhalten. Die Absicht einer längerfristigen Freistellung muss dem Arbeitgeber spätestens zehn Arbeitstage vor Eintritt dieser Pflegezeit mitgeteilt werden. In dieser Mitteilung müssen sowohl die Art und auch die Dauer der Freistellung benannt werden.
Möglichkeit der Familienpflegezeit
Als Angehöriger eines pflegebedürftigen Menschen besteht nach dem Familienpflegegesetz zudem die Möglichkeit, die reguläre Arbeitszeit auf bis zu 15 Wochenstunden für maximal zwei Jahre zu reduzieren. Der Vorteil liegt darin, dass diese nicht mit den vollen Gehaltseinbußen stattfinden muss. Der Arbeitgeber zahlt hierbei zwar nur die anteilige Vergütung, erhält allerdings zur Aufstockung ein zinsloses Bundesdarlehen in Höhe der Hälfte der Differenz zwischen regulärem und reduziertem Lohn. Bei einer Reduzierung des Arbeitnehmers um 50 Prozent erhält dieser somit trotzdem 75 Prozent seiner regulären Vergütung. Nach Beendigung der Familienpflegezeit arbeitet der Arbeitnehmer dann wieder regulär auf 100 Prozent, allerdings dann weiterhin bei einer Vergütung von 75 Prozent, bis das Darlehen zurückgezahlt ist.11,12
Für pflegebedürftige Menschen besteht die Möglichkeit, im Rahmen der Pflege eine Geld- oder Sachleistung in Anspruch zu nehmen. Um diese Leistungen jedoch zu erhalten, ist es notwendig, im Vorwege einen Pflegeantrag zu stellen.
Bei vielen Menschen nimmt sowohl die geistige als auch die körperliche Leistungsfähigkeit im Alter ab. Aufgrund dieser Tatsache benötigen diese Menschen dann die Hilfe Dritter, um ihren Alltag bestreiten zu können. Diese Hilfen können sich auf die Bereiche Körperpflege, Nahrungszubereitung und Nahrungsaufnahme aber auch auf allgemeine hauswirtschaftliche Bereiche beziehen. Zumeist werden diese Hilfen durch die Angehörigen erbracht. Besteht diese Möglichkeit nicht oder nicht in ausreichendem Maße, wird entsprechend Pflegepersonal benötigt. Die Kosten für diese Leistungen können zum Teil sehr hoch sein und sind mit eigenen Mitteln meist nur schwer oder aber gar nicht zu erbringen. Für diesen Sachverhalt gibt es den sogenannten Pflegeantrag. Mit diesem Antrag können bei der Pflegekasse Sach- oder Geldleistungen beantragt werden.
Der Pflegeantrag muss stets von der pflegebedürftigen Person eigenständig gestellt werden. Es ist also wichtig, dies im eigenen Namen zu tun und nicht die Angehörigen damit zu beauftragen. Eine Antragstellung durch Angehörige ist allerdings im Rahmen einer Betreuung und mit Vorlage einer Betreuungsurkunde möglich. In Inhalt und Aufbau können in Pflegeanträgen gewisse Unterschiede herschen, da die Gestaltung von Krankenkasse zu Krankenkasse variiert.
Entscheid über Leistungen
Die zuständige Krankenkasse prüft nach Einreichung der Unterlagen, ob alle Angaben korrekt und vollständig sind. Für eine zeitnahe Bearbeitung sind immer Basisdaten wie Vor- und Zuname, Geburtsdatum, Anschrift und auch die Versichertennummer anzugeben. Sind diese Angaben alle vollständig, bekommt der Medizinische Dienst der Krankenkassen den Auftrag die Pflegebedürftigkeit entsprechend zu überprüfen. Der Pflegebedürftige wird dann direkt in seiner häuslichen Umgebung anhand eines vorgegebenen Fragenkataloges von einem MDK-Mitarbeiter überprüft. Auf Basis dieser Daten wird dann ein Pflegegeldentscheid erstellt. Wichtig für den Pflegebedürftigen ist es, immer den genauen Sachverhalt bei dieser Überprüfung anzugeben und nichts zu beschönigen. Sollte der Pflegeantrag dann doch abgelehnt werden, hat der Antragsteller die Möglichkeit einen Widerspruch einzulegen. Auch eine erneute Antragstellung zu einem zukünftigen Zeitpunkt ist möglich.13
Durch eine Patientenverfügung können volljährige Menschen Vorsorge betreiben, wie sie im Falle einer eigenen Entscheidungsunfähigkeit ärztlich behandelt werden möchten. Wichtig ist, dass diese Verfügung immer schon rechtzeitig und zu Zeiten der vollen Einsichtsfähigkeit verfasst wird. In dieser Patientenverfügung werden genaue Wünsche und Anweisungen festgehalten, für den Fall, dass sich der Betroffene nicht mehr selbst dazu äußern kann. In diesem Dokument sollte genau aufgeführt sein, in welchem Umfang und ob überhaupt intensivmedizinische Behandlungen im Falle einer medizinischen Notlage getätigt werden sollen. Alle Details in Bezug auf künstliche Ernährung oder Beatmung oder aber auch Organersatz sollten hier genau aufgeführt sein, damit die behandelnden Ärzte im Krisenfall die genauen Wünsche des Betroffenen optimal berücksichtigen können. Diese Patientenverfügung ist dann für den behandelnden Arzt rechtsverbindlich. Eine detaillierte und sehr präzise formulierte Verfügung ist dabei äußerst wichtig, da ein unklares Dokument immer infrage gestellt werden kann.
Ärzte dürfen ohne eine Patienteneinwilligung nicht behandeln. Ein Arzt würde in diesem Fall immer das Risiko eingehen, wegen Körperverletzung strafrechtlich belangt werden zu können. Ist der Patient in einer medizinischen Krisensituation nun nicht mehr in der Lage seine eigenen Wünsche zu artikulieren, wird immer der mutmaßliche Wille ermittelt. In besonders schweren Fällen wird zudem vom Gericht ein Betreuer bestellt, der dann im Sinne des Patienten entscheiden muss. Eine Patientenverfügung ist somit also immer eine direkte Anweisung an den behandelnden Arzt und das jeweilige Pflegepersonal.
Eine Patientenverfügung ist immer nur rechtlich bindend, wenn der behandelnde Arzt aus ihr den eindeutigen Willen des Patienten erkennen kann. Es ist also empfehlenswert, immer sehr genaue medizinische Situationen zu beschreiben und seinen Willen und seine Wünsche in Bezug auf diese direkte Situation wiederzugeben. Themen wie Beatmung, künstliche Ernährung, Dialyse und vor allem das Thema Sterbephase sollten immer detailliert angegeben werden. Auch die Felder Schmerzempfindlichkeit und Behinderung sollten explizit mit aufgeführt werden, da sie im Bereich der intensivmedizinischen Behandlung eine wichtige Rolle spielen.
Gültigkeit und Wiederruf einer Patientenverfügung
Eine Patientenverfügung ist unbefristet gültig und muss auch nicht regelmäßig aktualisiert werden. Zudem ist es jederzeit möglich, diese Verfügung formlos zu widerrufen. Das bedeutet sowohl ein mündlicher Widerruf als auch ein Widerruf ohne Worte, also durch ein eindeutiges Verhalten, ist möglich. Hierbei muss nur eine klare Wunschänderung des Patienten erkennbar sein.
7. Pflegeversicherung für die einzelnen Berufsgruppen
7.1 Angestellte
Angestellte sind aufgrund des festen Beschäftigungsverhältnisses immer auch automatisch in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung pflichtversichert. Genau wie bei der Krankenversicherung wird auch für die Pflegeversicherung ein prozentualer Anteil des Bruttolohns monatlich abgezogen. Entscheidend bei der Höhe dieses Abzugs ist dabei die Frage der Anzahl der Kinder, da kinderlose Personen einen höheren Anteil zahlen müssen als Angestellte mit Kindern.
Kombination aus gesetzlich und privat auch bei Angestellten wichtig
Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt die Pflegekosten im Falle einer eintretenden Pflegebedürftigkeit. Allerdings ist dieser gesetzliche Leistungsanspruch immer nur als eine Absicherung von Teilen der tatsächlich entstehenden Kosten anzusehen. Eine Gesamtdeckung aller Pflegekosten ist durch die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht gewährleistet. Daher ist auch für Angestellte eine Kombination aus gesetzlicher und privater Absicherung absolut notwendig, um im Fall der Fälle optimal versorgt zu sein. Eine fehlende private Vorsorge würde immer das Risiko einer finanziellen Belastung durch die Deckung der entstehenden Lücke zwischen Pflegekosten und den Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung bedeuten.
Deckungslücke zwischen Pflegekosten und gesetzlicher Leistung
Je nach Schweregrad der Pflegebedürftigkeit und der Art der Unterbringung kann eine sehr große Finanzierungslücke entstehen. Bei einer Unterbringung in einem Pflegeheim und einer Kostenbelastung von ungefähr 3000-3500 Euro im Monat würde die gesetzliche Pflegeversicherung bei einer Pflegestufe 3 gerade einmal die Hälfte der Kosten übernehmen. Die andere Hälfte müsste der Pflegebedürftige dann selbst aus eigenen finanziellen Mitteln erbringen. Sollte er dies nicht leisten können, werden immer die Angehörigen zur Zahlung dieser Differenz herangezogen. Um also dieses finanzielle Risiko zu umgehen, sollte immer rechtzeitig über eine zusätzliche private Absicherung nachgedacht werden.
Leistungen einer Pflegeversicherung im Allgemeinen
Eine Pflegeversicherung, ob nun die gesetzliche oder die private, bietet immer eine Absicherung, um im Falle einer Pflegebedürftigkeit die entstehenden Kosten bezahlen zu können. Es gibt hierbei verschiedene Leistungen, die sowohl eine häusliche als auch eine stationäre Pflege decken. Des Weiteren gibt es Unterschiede in der Art der Auszahlung. Bei einigen Tarifen in der privaten Pflegeversicherung ist es möglich, individuell zu entscheiden, ob die Leistungen im Pflegefall direkt an den Pflegebedürftigen ausgezahlt werden oder ob diese Leistungen in einer reinen Sachleistung erbracht werden. Sachleistung bedeutet hierbei eine genaue Abrechnung mit den Trägern, die diese Pflegeleistungen erbringen.
Eigene Überlegungen immer in Kombination mit guter Beratung
Im Vorwege sollte als immer eine individuelle Analyse stattfinden, wie im Fall einer Pflegebedürftigkeit die Versorgung gesichert ist. Präferenzen bezüglich der Art und Weise sollten festgelegt werden, also der Wunsch nach einer Pflege in der häuslichen Umgebung oder aber einer gewünschten Unterbringung in einer stationären Einrichtung. Auf Basis dieser Erkenntnisse sollten dann die unterschiedlichen Möglichkeiten einer Absicherung bewertet werden. Eine gute Beratung steht zudem bei der Wahl einer optimalen Versicherungspolice immer im Vordergrund.
7.2 Beamte
Eine Pflegeversicherung ist auch für Beamte ein ganz entscheidender Faktor zur Absicherung einer entstehenden Pflegebedürftigkeit. Zwar haben Beamte in puncto sozialer Absicherung immer eine Sonderstellung, da ihr Dienstherr für einen Großteil der sozialen Absicherung aufkommt. Allerdings gibt es bei Beamten einige Unterschiede in der Zuständigkeit der einzelnen Bereiche. Während der Bereich der Rentenvorsorge vom Dienstherrn organisiert und bezahlt wird, ist der Beamte für einen Teil seiner Krankenversicherung und den Bereich Pflegeversicherung selbst verantwortlich. Daher sollten sich auch Beamte immer frühzeitig mit dem Thema Pflegeversicherung beschäftigen.
Besonderheiten für Beamte bei der Pflegeversicherung
Eine private Pflegeversicherung für Beamte muss immer genau die Leistungen erbringen, die auch eine gesetzliche Pflegeversicherung erbringt. Bei Beamten gilt hier die Besonderheit, dass dies immer in Kombination mit den Beihilfezahlungen des Dienstherrn stattfindet. Der Dienstherr übernimmt hierbei im Fall der Pflegebedürftigkeit einen gewissen prozentualen Anteil der entstehenden Kosten. Dieser Anteil variiert dabei immer zwischen den einzelnen Dienstherrn. Eine private Pflegeversicherung schließt dann die Lücke zwischen der Zahlung durch die Beihilfe und den Mindestanforderungen an die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung.
Pflegeversicherung und Pflegezusatzversicherung für Beamte
Es gibt mittlerweile viele Angebote im Bereich der Beihilfe konformen Pflegeversicherungen. Wichtig ist hierbei immer zu bedenken, dass diese private Pflegeversicherung immer nur Leistungen auf Basis der gesetzlichen Pflegeversicherung erbringt. Also hat der Beamte mit der Kombination aus Beihilfe und privater Pflegeversicherung immer nur eine Grundversorgung. Damit der Schutz erhöht und die Leistung erweitert wird, ist es auch für Beamte ratsam, eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen. Hier besteht die Auswahl zwischen einer Pflegetagegeldversicherung und einer Pflegekostenversicherung. Der Unterschied zwischen diesen beiden Formen der zusätzlichen Absicherung liegt darin, dass eine Pflegekostenversicherung eine reine Sachleistung erbringt und für die tatsächlich entstehenden Kosten direkt aufkommt. Eine Auszahlung an den Pflegebedürftigen ist hierbei nicht vorgesehen. Bei der Pflegetagegeldversicherung hingegen wird ein bestimmter Tagessatz bei Vertragsabschluss festgelegt und im Fall einer Pflegebedürftigkeit direkt an den Betroffenen zur freien Verfügung ausgezahlt.
7.3 Rentner
Eine Pflegeversicherung soll Rentner davor schützen, im Falle einer eintretenden Pflegebedürftigkeit in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Die Pflicht zur Pflegeabsicherung besteht dabei für alle versicherungspflichtigen Personen der gesetzlichen Krankenversicherung. Aber auch alle in einer privaten Krankenversicherung versicherten Personen müssen zusätzlich eine Pflegeversicherung abschließen. Im Falle einer Pflegebedürftigkeit werden dann Sach- oder Geldleistungen ausgezahlt, die sich immer nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit richten. Bei diesen Leistungen der Pflegeversicherung wird immer auch nach der Art der Unterbringung unterschieden. So ist es entscheidend, ob der Pflegebedürftige in häuslicher Umgebung und durch Angehörige oder professionelles Pflegepersonal gepflegt wird. Auch eine Unterbringung in einer stationären Einrichtung, die wiederum in einen kurzzeitigen oder aber langfristigen Aufenthalt unterschieden wird, entscheidet über die Höhe der tatsächlich ausgezahlten Leistungen.
Tritt der Fall einer Pflegebedürftigkeit ein, sind sehr viele Sachverhalte zu organisieren. Für die Angehörigen ist es zumeist mit einem großen Aufwand verbunden, die richtige Art der Pflege zu finden. Die Überlegung, was eventuell selbst geleistet werden kann steht dabei im Raum und bei fehlender Möglichkeit der Eigenleistung muss entsprechend ein ambulanter Pflegedienst organisiert werden. Ist eine Pflegeleistung in der häuslichen Umgebung nicht zu gewährleisten, müssen zudem verschiedene Einrichtungen besucht und ein entsprechender Pflegeplatz für den Angehörigen organisiert werden. Da die Inanspruchnahme von professioneller Pflege immer mit einem großen Kostenaufwand verbunden ist, stellt eine private Pflegeversicherung eine wichtige Säule zur Finanzierung dieser Pflegeleistung dar. So gibt es verschiedene Staffelungen der Leistung je nach Pflegeart und Grad der Pflegebedürftigkeit. Gäbe es keine Absicherung durch die private Pflegeversicherung, müssten immer die eigenen Ersparnisse oder finanzielle Leistungen der Angehörigen zur Sicherstellung der Pflege verwendet werden.
Sind alle Kosten durch die gesetzliche Pflegeversicherung abgedeckt?
Bei der gesetzlichen Pflegeversicherung handelt es sich nur um eine teilweise absichernde Leistung für den Fall einer eintretenden Pflegebedürftigkeit. Je nach Pflegegrad werden bis zur Hälfte der entstehenden Kosten übernommen. Da die restlichen Kosten immer vom Pflegebedürftigen selbst oder aber von den nächsten Angehörigen aufgebracht werden müssen, ist eine zusätzliche Absicherung durch eine private Pflegeversicherung auch für Rentner sinnvoll. Allerdings müssen die Beiträge für eine solche Absicherung immer genau verglichen werden, da mit zunehmendem Alter die monatlichen Beiträge für eine Versicherungspolice stark ansteigen.
7.4 Selbstständige
Selbstständige Personen gehören genau wie Freiberufler zu einer Berufsgruppe, für die es am wichtigsten ist, eine private Vorsorge zu betreiben. Diese Vorsorge betrifft dabei nicht nur das Thema Rentenversicherung und finanzielle Absicherung im Alter, sondern auch das Thema Pflegeversicherung. Selbstständige können immer frei entscheiden, ob sie eine private Krankenversicherung wählen oder aber in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben möchten. Hier liegt auch der Unterschied im Bereich der Pflegeversicherung, da die gesetzliche Pflegeversicherung immer in Kombination mit der gesetzlichen Krankenversicherung automatisch greift. Besteht also keine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung, muss entsprechend privat im Bereich der Pflegeversicherung vorgesorgt werden.
Absicherung durch eine Pflegeversicherung ist für Selbstständige ein Muss
Als Selbstständiger kann man frei über die Möglichkeiten einer Absicherung im Bereich der Pflegeversicherung entscheiden. Wichtig ist hierbei allerdings immer zu bedenken, dass es sich bei dieser privaten Pflegeversicherung nicht, wie bei anderen Berufsgruppen, nur um eine Absicherung zur Kostendeckung einer bestehenden Lücke zwischen gesetzlichen Leistungen und tatsächlichen Pflegekosten handelt. Bei Selbstständigen muss diese private Pflegeversicherung die vollen Kosten im Falle einer Pflegebedürftigkeit decken, da eine Einzahlung in die gesetzliche Pflegeversicherung zumeist nicht stattfindet.
Die Leistungen, die im Falle einer Pflegebedürftigkeit in Anspruch genommen werden, hängen immer vom Grad der Pflegebedürftigkeit ab. Hierbei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten sowohl in der Hilfestellung selbst als auch in der Form der Unterbringung. Die Pflege- und Betreuungsleistungen können dabei von Angehörigen aber auch von professionellen Pflegekräften im Rahmen einer Einzelpflege oder durch Beauftragung eines ambulanten Pflegedienstes abgerufen werden. Ist eine Pflege in der häuslichen Umgebung nicht gewährleistet, besteht die Möglichkeit einer Unterbringung in einer stationären Einrichtung. Für beide Varianten, egal ob Pflege zu Hause oder Pflege in einem Heim, können Leistungen aus der Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden.
Unterschiedliche Formen der Absicherung im Rahmen einer privaten Pflegeversicherung
Bei der Auswahl der richtigen privaten Pflegeversicherung kommt es immer auf die individuelle Situation im Alter an. Besteht die Möglichkeit einer Pflege durch Angehörige oder ist eine Unterbringung in einer stationären Einrichtung eher wahrscheinlich. Genau hier setzen die verschiedenen Formen der Absicherung an. Es gibt Varianten, in denen ein Pflegetagegeld zur Auszahlung und zur freien Verfügung an den Pflegebedürftigen geleistet wird. Aber auch eine Abdeckung der gesamten entstehenden Pflegekosten als Sachleistung ist möglich. Hier sollte immer eine gute Beratung zur Entscheidungsfindung beitragen.
7.5 Soldaten
Besteht für einen Soldaten, der sich auf Zeit bei der Bundeswehr verpflichtet hat, keine private Absicherung für den Bereich der Pflege, so bewegt sich dieser auf einem gefährlich dünnen Ast. Eine private Pflegeversicherung und deren Nachweis ist eine strikte Forderung der Bundeswehr und wird bei Nichtbeachtung durch den Soldaten sogar als Ordnungswidrigkeit mit einem hohen Bußgeld belegt.
Warum benötigen Soldaten eine Pflegeversicherung?
Der Bereich der Pflegeversicherung gehört in Deutschland zu den Pflichtversicherungen. Das bedeutet, dass jeder Bürger eine entsprechende Absicherung für den Fall des Eintritts einer Pflegebedürftigkeit nachweisen muss. Bei Angestellten und Arbeitern ist dieses automatisch über den Bereich der Sozialversicherung geregelt und Beamte und selbstständige Personen sind über ihre privat abgeschlossene Krankenversicherung abgesichert. Da ein Soldat weder zu der einen noch zu der anderen Gruppe zählt, hat er selbst für eine entsprechende Absicherung Sorge zu tragen. Gerade für Soldaten ist eine private Pflegeversicherung eine besonders wichtige Angelegenheit, da sie zwar Staatsdiener, aber nicht verbeamtet sind und somit im Fall einer längerfristigen Dienstunfähigkeit wesentlich schlechtergestellt sind, da sie schneller entlassen werden können. Der Abschluss einer privaten Pflegeversicherung ist für den Soldaten somit auch immer ein Schutz vor dem finanziellen Ruin.
Was gilt es beim Abschluss einer Pflegeversicherung zu beachten?
Soldaten sollten immer direkt nach dem Abschluss einer privaten Pflegeversicherung einen entsprechenden Nachweis bei der Bundeswehr einreichen. Dieses kann eine Bescheinigung der Versicherung oder aber auch eine Kopie der Urkunde der abgeschlossenen Versicherung sein. Dieser Nachweis wird dann in der Personalakte abgelegt und der Soldat hat seine Pflicht erfüllt. Er ist somit vor einer Ordnungswidrigkeit geschützt und gleichzeitig optimal für den Fall des Eintritts einer Pflegebedürftigkeit abgesichert. Bei der Wahl einer privaten Pflegeversicherung gibt es verschiedene Möglichkeiten für Soldaten, sich zu informieren. So hat beispielsweise der Bundeswehrverband gute Verbindungen zu verschiedenen Versicherern, die für den Personenkreis der Soldaten entsprechend spezielle Tarife im Angebot haben.
7.6 Studenten
Die gesetzliche Pflegeversicherung ist eine Absicherung für alle pflichtversicherten sowie freiwillig versicherten Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung. Auch Privatversicherte müssen zusätzlich zu einer Krankenversicherung immer eine Pflegeversicherung abschließen. Somit besteht für alle Personen die krankenversichert sind immer auch eine Pflegeversicherungspflicht.
Besonderheiten der Pflegeversicherung bei Studenten
Für alle an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule eingeschriebenen Personen besteht neben der Pflicht der Absicherung durch eine Krankenversicherung auch eine Pflicht zur Absicherung im Bereich der gesetzlichen Pflegeversicherung. Diese Pflicht besteht für Studenten bis zum Abschluss des vierzehnten Fachsemesters, allerdings nur bis zur Vollendung des dreißigsten Lebensjahres. Hier können allerdings im Einzelfall durchaus auch Ausnahmen bestehen. Als beitragspflichtige Einkünfte werden bei Studenten, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen, die Einnahmen des festgelegten BAföG-Satzes angesehen. Des Weiteren sind auch alle freiwillig Krankenversicherten in der gesetzlichen Pflegeversicherung versicherungspflichtig. Auf Antrag besteht hier die Möglichkeit der Befreiung, wenn eine entsprechende private Pflegeversicherung nachgewiesen werden kann. Bei Studenten, die im Rahmen einer Familienversicherung bei ihren Eltern oder Lebenspartnern krankenversichert sind, gilt diese Absicherung auch für den Bereich der gesetzlichen Pflegeversicherung.
Besonderheiten bei Studenten, die einer Beschäftigung nachgehen
Alle Studierende, die abhängig beschäftigt sind, sind zumeist nicht versicherungspflichtig in der gesetzlichen Pflegeversicherung. Dieses gilt im Rahmen einer Tätigkeit als ordentlich Studierender (Werkstudent) sowie bei kurzzeitiger Beschäftigung und einer Tätigkeit auf geringfügiger Basis. Für abhängig beschäftigte Studenten, die keine der oben genannten Bedingungen erfüllen, gelten hingegen dieselben Bedingungen wie für alle abhängig Beschäftigten. Sie sind dann als Arbeitnehmer beschäftigt und zahlen regulär in die Sozialversicherung ein.
Private Pflegeversicherung für Studenten
Im Bereich der privaten Absicherung gibt es auch für Studenten verschiedene Möglichkeiten der privaten Vorsorge. Da die gesetzliche Absicherung bei einem Eintritt einer Pflegebedürftigkeit nur zum Teil die anfallenden Pflegekosten deckt, ist es auch für Studenten sinnvoll, eine zusätzliche private Pflegeversicherung abzuschließen. Diese Absicherung schließt dann die Lücke zwischen Pflegekosten und staatlichen Leistungen, sodass bei einem Eintritt des Pflegefalles das private Vermögen geschützt ist und auch die Angehörigen nicht für etwaige Zahlungen aufkommen müssen. Gerade in jungen Jahren sind zudem die Beiträge für eine private Absicherung im Bereich der Pflegeversicherung noch sehr günstig.
Leiter Krankenzusatz
“Statistisch gesehen wird jeder zweite Mensch im Laufe seines Lebens irgendwann pflegebedürftig. Durch eine professionelle ambulante oder stationäre Hilfe entstehen hohe Kosten und eine große finanzielle Lücke die von einer privaten Pflegeversicherung übernommen wird. Die private Pflegeversicherung ist daher eine sehr gute Ergänzung”
Seit mehr als 7 Jahren arbeite ich in der Versicherungsbranche und leite seit 2 Jahren das Team Vorsorge bei Experte24.
Gerne beantworte ich Ihnen diese telefonisch unter 089 / 452 067 920 oder per Email.
Vgl. §1 SGB XI Soziale Pflegeversicherung
Vgl. §4 SGB XI ARt und Umfang der Leistungen
Vgl. §37 SGB XI Pflegegeld für selbst beschaffte Pflegehilfen
Vgl. §36 SGB XI Pflegesechleistungen
Vgl. §55 SGB XI Beitragssatz, Beitragsbemessungsgrenze
Vgl. §15 SGB XI Stufen der Pflegebedürftigkeit
Vgl. Dingeldein/Wahlers/Frank (2012), S. 60ff
Vgl. §1901 BGB Umfang der Betreuung, Pflichten des Betreuers
Vgl. §1903 BGB EInwilligungsvorbehalt
Vgl. §1908a BGB Vorsorgliche Betreuerbestellung und Anordnung des EInwilligungsvorbehlats für Minderjährige
Vgl. §2,3,4,5 FPfZG
Vgl. Dingeldein/Wahlers/Frank (2012), S. 53
Vgl. Dingeldein/Wahlers/Frank (2012), S. 145
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), in: http://www.gesetze-im-internet.de/bgb, zuletzt aufgerufen am 28.05.2015
Dingeldein, Günther/Wahlers, Martin/Frank, Peer (2012): Pflegeversicherung – Meine Ansprüche auf alle Leistungen. ARD Ratgeber, 1. Auflage, in: http://www.ratgeber-verbraucherzentrale.de/DE-HE/pflegeversicherung-1, zuletzt aufgerufen am 28.05.2015
Familienpflegezeitgesetz (FPfZG), in: http://www.gesetze-im-internet.de/fpfzg/index.html, zuletzt aufgerufen am 28.05.2015
Sozialgesetzbuch (SGB) – Elftes Buch (XI) – Soziale Pflegeversicherung, in: http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/index.html, zuletzt aufgerufen am 28.05.2015