Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/die-betriebliche-endgehaltsbezogene-gesamtzusage-im-versorgungsausgleich-361465
Timestamp: 2020-07-12 07:08:14
Document Index: 296183833

Matched Legal Cases: ['§ 23', '§ 19', '§ 19', '§ 23', '§ 23', '§ 1587', '§ 20', '§ 24', '§ 23', '§ 19', '§ 19', '§ 19', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 23', '§ 23', '§ 24', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 24', 'BGH']

Die betriebliche endgehaltsbezogene Gesamtzusage im Versorgungsausgleich | Rechtslupe
Die betriebliche endgehaltsbezogene Gesamtzusage im Versorgungsausgleich
Die betrieb­li­che end­ge­halts­be­zo­ge­ne Gesamt­zu­sa­ge im Ver­sor­gungs­aus­gleich
Eine limi­tier­te, end­ge­halts­be­zo­ge­ne Gesamt­zu­sa­ge ist nicht aus­gleichs­reif, soweit sie der Höhe nach noch nicht unver­fall­bar ist (hier: Zusa­ge für Beschäf­tig­te des Süd­west­rund­funks, die vor dem 1. Janu­ar 1993 beim frü­he­ren Süd­west­funk ein­ge­tre­ten sind). Über den Abfin­dungs­an­spruch nach §§ 23 f. VersAus­glG kann bereits bei der Schei­dung ent­schie­den wer­den. Vor­aus­set­zung einer Abfin­dung ist jedoch, dass es sich um ein dem Grund und der Höhe nach gesi­cher­tes Anrecht han­delt.
Gemäß § 19 Abs. 1 VersAus­glG fin­det, wenn ein Anrecht nicht aus­gleichs­reif ist, inso­weit ein Wert­aus­gleich bei der Schei­dung nicht statt. Nicht aus­gleichs­reif ist ein Anrecht ins­be­son­de­re, wenn es dem Grund oder der Höhe nach nicht hin­rei­chend ver­fes­tigt ist (§ 19 Abs. 2 Nr. 1 VersAus­glG). Hin­rei­chend ver­fes­tigt ist ein Anrecht inso­weit, als der Ver­sor­gungs­wert dem Grund und der Höhe nach durch die künf­ti­ge betrieb­li­che oder beruf­li­che Ent­wick­lung des Arbeit­neh­mers nicht mehr beein­träch­tigt wer­den kann und somit bereits end­gül­tig gesi­chert ist [1].
Im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall ist das vom Ehe­mann beim Süd­west­rund­funk erwor­be­ne Anrecht der Höhe nach noch nicht end­gül­tig gesi­chert. Denn gemäß Abschnitt B Zif­fer 11.1, 12.1 TVV-SWR ist die Ver­sor­gung auf eine dienst­zeit­ab­hän­gi­ge Gesamt­ober­gren­ze unter Anrech­nung bestimm­ter sons­ti­ger Ver­sor­gungs­leis­tun­gen limi­tiert. Die Höhe der vom Süd­west­rund­funk zu bean­spru­chen­den Ver­sor­gungs­leis­tung hängt mit­hin davon ab, wel­che wei­te­ren Ver­sor­gungs­an­rech­te der Ehe­mann künf­tig noch erwirbt und wel­che sons­ti­gen Ver­sor­gungs­leis­tun­gen er künf­tig bezieht. Soweit die Leis­tungs­pflicht des Süd­west­rund­funks noch durch zu erwer­ben­de sons­ti­ge Ver­sor­gungs­an­rech­te gemin­dert wer­den kann, ist Unver­fall­bar­keit der Höhe nach nicht ein­ge­tre­ten. Auf den Grad der Wahr­schein­lich­keit, mit der der wei­te­re Erwerb sons­ti­ger Ver­sor­gungs­leis­tun­gen zu erwar­ten ist, kommt es für die Fra­ge der Unver­fall­bar­keit der Anwart­schaft nicht an [2]. Nach der ein­ge­hol­ten Aus­kunft des Ver­sor­gungs­trä­gers ist das Anrecht auf­grund des noch mög­li­chen Erwerbs sons­ti­ger Ver­sor­gungs­leis­tun­gen und deren Anrech­nung auf die Gesamt­ver­sor­gung ins­ge­samt noch nicht ver­fes­tigt.
Eine Auf­tei­lung der Anwart­schaft in einen der Höhe nach bereits unver­fall­ba­ren und einen wei­te­ren, noch ver­fall­ba­ren Anteil ist nicht mög­lich.
Eine Auf­tei­lung der Anwart­schaft käme zwar in Betracht, wenn unab­hän­gig von einem noch nicht unver­fall­ba­ren Teil der Alters­ren­te wenigs­tens eine hin­rei­chend ver­fes­tig­te Min­dest­ren­te zuge­sagt ist [3]. In der Ver­sor­gungs­ord­nung wird eine sol­che Min­dest­ren­te jedoch nur den­je­ni­gen Beschäf­tig­ten zuge­sagt, die vor dem 1. Janu­ar 1992 beim Süd­deut­schen Rund­funk ein­ge­tre­ten sind (Abschnitt A Zif­fer 1.2 i.V.m. Abschnitt C Zif­fer 11.2 TVV-SWR). Die Min­dest­ren­te gilt hin­ge­gen nicht für die ursprüng­lich beim Süd­west­funk Beschäf­tig­ten, zu denen der Ehe­mann gehört (vgl. Abschnitt A Zif­fer 1.1 i.V.m. Abschnitt B TVV-SWR).
Eben­falls zutref­fend hat das Ober­lan­des­ge­richt ent­schie­den, dass eine Abfin­dung des noch nicht aus­gleichs­rei­fen Anrechts gemäß §§ 23 f. VersAus­glG nicht in Betracht kommt.
Zwar kann über eine schuld­recht­li­che Abfin­dung eines Anrechts bereits bei der Schei­dung ent­schie­den wer­den. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Anspruchs­grund­la­ge (§ 23 Abs. 1 VersAus­glG) in einem Geset­zes­ab­schnitt gere­gelt ist, der sich mit Aus­gleichs­an­sprü­chen nach der Schei­dung befasst. Denn ent­ge­gen der sys­te­ma­ti­schen Ein­ord­nung will die Vor­schrift, die dem frü­he­ren § 1587 l Abs. 1 BGB nach­ge­bil­det ist, eine Mög­lich­keit zum Aus­gleich ent­we­der in der Anwart­schafts­pha­se oder in der Leis­tungs­pha­se schaf­fen [4]. Anders als bei der schuld­recht­li­chen Aus­gleichs­ren­te (§ 20 VersAus­glG) ist der tat­säch­li­che Ren­ten­be­zug daher kein Anknüp­fungs­punkt (Hop­penz Fami­li­en­sa­chen § 24 VersAus­glG Rn. 2). Lei­tet sich die Abfind­bar­keit aus der Art des Anrechts und sei­ner feh­len­den inter­nen oder exter­nen Aus­gleichs­rei­fe bei der Schei­dung her und lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen für eine schuld­recht­li­che Abfin­dung bereits bei der Schei­dung vor, kann der Abfin­dungs­an­spruch wie nach frü­he­rem Recht [5] bereits im Schei­dungs­ver­bund gel­tend gemacht wer­den [6].
Vor­aus­set­zung eines Abfin­dungs­an­spruchs nach § 23 VersAus­glG ist jedoch, dass es sich bei dem noch nicht aus­ge­gli­che­nen Anrecht um ein dem Grund und der Höhe nach gesi­cher­tes Anrecht han­delt [7]. An der nöti­gen Unver­fall­bar­keit fehlt es hin­ge­gen aus den dar­ge­leg­ten Grün­den.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. April 2013 – XII ZB 371/​12
FAKomm-Fam­R/­Wick 5. Aufl. § 19 VersAus­glG Rn. 11; Johannsen/​Henrich/​Holzwarth Fami­li­en­recht 5. Aufl. § 19 VersAus­glG Rn. 5; Hop­penz Fami­li­en­sa­chen 9. Aufl. § 19 VersAus­glG Rn. 5; vgl. auch BGH, Beschluss vom 12.04.1989 – IVb ZB 146/​86 FamRZ 1989, 844, 845 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 18.12.1985 – IVb ZB 113/​83 FamRZ 1986, 341, 343[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 26.05.1982 – IVb ZB 718/​81 FamRZ 1982, 899, 902 f.; und vom 12.04.1989 – IVb ZB 146/​86 FamRZ 1989, 844, 845 mwN[↩]
BTDruck. 16/​10144 S. 65[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 29.02.1984 – IVb ZB 915/​80 FamRZ 1984, 668, 669[↩]
Johannsen/​Henrich/​Holzwarth Fami­li­en­recht 5. Aufl. § 23 VersAus­glG Rn. 1; FAKomm-Fam­R/­Wick 5. Aufl. § 23 VersAus­glG Rn. 13; Borth Ver­sor­gungs­aus­gleich 6. Aufl. Rn. 797; Hop­penz Fami­li­en­sa­chen 9. Aufl. § 24 VersAus­glG Rn. 2[↩]
FAKomm-Fam­R/­Wick 5. Aufl. § 23 VersAus­glG Rn. 4; Borth Ver­sor­gungs­aus­gleich 6. Aufl. Rn. 706; Münch­Komm-BGB/­Glock­ner 6. Aufl. § 23 VersAus­glG Rn. 2; Johannsen/​Henrich/​Holzwarth Fami­li­en­recht 5. Aufl. § 23 VersAus­glG Rn. 1; Hop­penz Fami­li­en­sa­chen 9. Aufl. § 24 VersAus­glG Rn. 10; vgl. auch BGH, Beschluss vom 29.02.1984 IVb ZB 915/​80 FamRZ 1984, 668, 669[↩]
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