Source: http://www.shopbetreiber-blog.de/2007/10/04/bgh-lockert-pflicht-zum-hinweis-auf-umsatzsteuer-und-versandkosten/
Timestamp: 2016-06-30 17:45:19
Document Index: 214465443

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH lockert Pflicht zum Hinweis auf Umsatzsteuer und Versandkosten - shopbetreiber-blog.de
5 Dr. Carsten Föhlisch
| 4.10.2007 | Abmahnungen, Neue Urteile Die Preisangabenverordnung verpflichtet Online-Händler, darauf hinzuweisen, dass in den genannten Preisen die Umsatzsteuer enthalten ist, und ob Versandkosten anfallen. Strittig war bislang, an welcher Stelle im Online-Shop diese Angaben zu machen sind. Vor allem das OLG Hamburg legte einen sehr strengen Maßstab an und meinte, ein Hinweis müsse unmittelbar neben jedem Preis vorhanden sein. Da viele Shop-Systeme dies technisch nicht hergaben, löste das OLG Hamburg damit mehrere beispiellose und teilweise rechtsmissbräuchliche Abmahnwellen aus. Dem hat der Bundesgerichtshof heute die Grundlage entzogen. Der BGH entschied, dass der Hinweis auf Umsatzsteuer und Versandkosten nicht neben jedem Preis erfolgen muss (Urteil v. 4.10.2007, I ZR 143/04).
In dem der Entscheidung zugrunde liegenden Fall hatte die Firma Mindfactory ihren Internetauftritt so gestaltet, dass die Angaben zur Umsatzsteuer und zu den Liefer- und Versandkosten weder auf der ersten sich öffnenden Internetseite mit der Abbildung und Beschreibung der beworbenen Produkte noch auf einer anderen Seite mit näheren Angaben zu den jeweiligen Produkten zu finden waren, sondern nur unter den Menüpunkten „Allgemeine Geschäftsbedingungen“ und „Service“ sowie nach dem Einlegen der Ware in den virtuellen Warenkorb. Wollte ein Internetnutzer sich vor Einleitung des Bestellvorgangs über die von der Preisangabenverordnung vorgeschriebenen Angaben informieren, musste er von sich aus die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie die Angaben unter „Service“ durchsuchen. Die Elektronikkette Media-Markt hatte dies beanstandet und das Handelsunternehmen auf Unterlassung, Auskunft und Schadensersatz verklagt. Landgericht und Oberlandesgericht Hamburg hatten der Klage mit der Begründung stattgegeben, die Angaben zur Umsatzsteuer und zu den Liefer- und Versandkosten müssten auf derselben Internetseite wie der Preis unmittelbar bei der Abbildung oder Beschreibung der angebotenen Waren stehen. Diese Rechtsprechung löste 2004 eine erste Abmahnwelle aus, und auch Media-Markt mahnte regelmäßig eine Vielzahl von Händlern wegen angeblicher Verstöße gegen die Preisangabenverordnung ab.
Demnach ist es nun möglich, den Hinweis „inkl. Mwst zzgl. Versandkosten“ („Versandkosten“ verlinkt auf die Versandkostentabelle) erst auf einer Produktdetailseite zu platzieren, wenn der Kunde diese Seite aufrufen muss, bevor er ein Produkt in den Warenkorb legt. Es ist nicht mehr zwingend erforderlich, dass die Angaben neben jedem Preis auf jeder Produktübersichtsseite vorhanden sind, wie dies noch vom OLG Hamburg gefordert wurde. Damit setzt der I. Zivilsenat des BGH seine äußerst begrüßenswerte Rechtsprechung zum Internetversandhandel fort. Doch Vorsicht: die Angaben müssen gemacht werden, bevor der Bestellvorgang eingeleitet wird, d.h. bevor Ware in den Warenkorb gelegt wird. Kann der Kunde von einer Übersichtsseite aus direkt bestellen, müssen die Angaben auch hier vorhanden sein. Eine Platzierung auf Produktdetailseiten reicht dann nicht aus, wenn der Kunde diese Seite nicht zunächst aufrufen muss, um einen Artikel in den Warenkorb zu legen.
Unklar ist auch noch, ob der Angaben dem Preis „unmittelbar zugeordnet“ sein müssen, wie dies der Wortlaut der Preisangabenvorordnung nahe legt, oder ob es ausreicht, wenn die Angaben „leicht erkennbar und gut wahrnehmbar“ sind, wie es in der Pressemeldung des BGH heißt. Dieser Transparenzmaßstab stammt aus der europäischen E-Commerce-Richtlininie, welche die Grundlage für die Pflicht zum Hinweis auf Mwst und Versand im deutschen Recht ist. Würde der letztgenannte Maßstab gelten, könnten die Angaben z.B. auch in einer Fußzeile platziert werden und müssten nicht mehr direkt neben dem Preis vorhanden sein. (cf)
„Der BGH hat zwar die Auffassung des Berufungsgerichts bestätigt, dass nach § 1 Abs. 2 PAngV in der Werbung des Versandhändlers der Hinweis, dass die Umsatzsteuer enthalten ist, der Preisangabe eindeutig zuzuordnen, leicht erkennbar und deutlich lesbar sein muss. Der Hinweis müsse aber – anders als das OLG Hamburg meinte – nicht unmittelbar neben dem angegebenen Preis stehen. Vielmehr reiche es im Falle einer Anzeigenwerbung aus, wenn der Hinweis auf die Umsatzsteuer eindeutig dem Preis zugeordnet sei. Dies könne auch durch einen klaren und unmissverständlichen Sternchenhinweis geschehen.“
OLG Hamburg: Umsatzsteuer und Versandkosten bei Preisangaben
Themen dieses Beitrags: Abmahnungen, Neue Urteile, 5 Reaktionen zu “BGH lockert Pflicht zum Hinweis auf Umsatzsteuer und Versandkosten”
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