Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=10.02.2009&Aktenzeichen=3%20StR%20372/08
Timestamp: 2020-02-19 15:46:42
Document Index: 31358962

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 283', '§ 14', '§ 266', '§ 14', '§ 266', '§ 283', 'BGH', '§ 283', '§ 14', '§ 6', 'BGH', '§ 14', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 266', 'BGH', '§ 283', '§ 30', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 30', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 283', '§ 266', '§ 14', 'BGH', 'BGH', '§ 283', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 10.02.2009 - 3 StR 372/08 - dejure.org
https://dejure.org/2009,454
BGH, 10.02.2009 - 3 StR 372/08 (https://dejure.org/2009,454)
BGH, Entscheidung vom 10.02.2009 - 3 StR 372/08 (https://dejure.org/2009,454)
BGH, Entscheidung vom 10. Februar 2009 - 3 StR 372/08 (https://dejure.org/2009,454)
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§ 283 StGB; § 14 StGB; § 266 StGB
Bankrott (Ankündigung der beabsichtigten Aufgabe der Interessentheorie); Schuldnereigenschaft (Tätigwerden im Geschäftskreis des Vertretenen); Untreue (tatbestandsausschließendes Einverständnis bei der GmbH)
Strafbarkeit des Geschäftsführers einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung wegen Bankrotts durch Beiseiteschaffen von Gesellschaftsvermögen; Verhältnis von Bankrott und Vermögensdelikten bzw. Eigentumsdelikten; Anknüpfungspunkte für die Zurechnung der ...
Abkehr von der Interessentheorie bei Strafbarkeit des GmbH-Geschäftsführers wegen Bankrotts
Bankrott-Strafbarkeit eines GmbH-Geschäftsführers - "Interessentheorie"
StGB § 14; StGB § 266; StGB § 283 Abs. 1
Strafbarkeit des Geschäftsführers einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung wegen Bankrotts durch Beiseiteschaffen von Gesellschaftsvermögen; Verhältnis von Bankrott und den Vermögensdelikten bzw. Eigentumsdelikten; Anknüpfungspunkte für die Zurechnung der ...
Bankrott, Geschäftsführer, Vermögensbetreuungspflicht, Vermögensübertragung
Die Aufgabe der Interessenformel des BGH - Alte Besen kehren gut? (Alexandra Schwarz; HRRS 8/2009, S. 341 ff.)
StGB § 283 Abs. 1, § 14 Abs. 1 Nr. 1; GmbHG § 6 Abs. 2 Satz 2
Bankrott und Untreue; Abkehr von der Interessentheorie
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Beschluss des BGH vom 10.02.2009, Az.: 3 StR 372/08 (Abschied von der Interessentheorie - und was nun?)" von Dr. iur. Christian Brand, original erschienen in: NStZ 2010, 9 - 13.
Kurznachricht zu "Die strafrechtliche Organ- und Vertreterhaftung (§ 14 StGB) vor der Neuausrichtung? - zugleich Besprechung von BGH v. 10.2.2009 - 3 StR 372/08" von RiOLG Prof. Dr. Henning Radtke, original erschienen in: JR 2010, 233 - 238.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 10.2.2009, Az.: 3 StR 372/08 (Bankrottstrafbarkeit eines GmbH-Geschäftsführers)" von RA FAStR Gunter Mühlhaus und Sona Aghdasi, original erschienen in: GmbH-StB 2009, 191 - 192.
Kurznachricht zu "Kommentar zum Beschluss des BGH vom 10.02.2009, Az.: 3 StR 372/08 (Geschäftsführer: Strafbarkeit wegen Beihilfe zum Bankrott - Aufgabe der Interessentheorie durch den BGH?)" von Prof. Dr. Henning Radtke, original erschienen in: GmbHR 2009, 875 - 876.
Kurznachricht zu "Praxishinweis zum BGH-Beschluss v. 10.2.2009, Az.: 3 StR 372/08, Bankrottdelikte und "Interessentheorie"" von StA Dr. Jost Schützeberg, original erschienen in: StRR 2009, 351 - 353.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Beschluss des BGH v. 10.2.09 - 3 StR 372/08 (Bankrott-Strafbarkeit eines GmbH-Geschäftsführers - Interessentheorie)" von RA Holger Link, original erschienen in: NJW 2009, 2228 - 2229.
Kurznachricht zu "Das Ende der Interessentheorie - Folgen auch für § 266 StGB? - Zugleich Anmerkung zu BGH, wistra 2009, 275 ff. -" von Ltd. OStA Folker Bittmann, original erschienen in: wistra 2010, 8 - 10.
Zusammenfassung von "Zur Abkehr von der Interessentheorie bei Insolvenzstraftaten (§§ 283 - 283c StGB)" von Dr. Jan Helmrich, original erschienen in: ZInsO 2009, 1475 - 1478.
Kurznachricht zu "Vermögensverschiebung des GmbH-Geschäftsführers in der Krise - Bankrott oder Untreue?" von RA Dr. Klaus Leipold und RA Dr. Torsten Schaefer, LL.M., original erschienen in: NZG 2009, 937 - 939.
NJW 2009, 2225
ZIP 2009, 959
DB 2009, 2032
JR 2010, 267
NZG 2009, 673
Das Landgericht hat die Angeklagten wegen Beihilfe zur Untreue in Tateinheit mit Beihilfe zum Bankrott zu Geldstrafen verurteilt, nachdem der Senat (mit Beschluss vom 10. Februar 2009 - 3 StR 372/08, NJW 2009, 2225) eine in derselben Sache zuvor ergangene Verurteilung wegen Beihilfe zum Bankrott aufgrund unzureichender Feststellungen aufgehoben hatte.
Dieses Urteil hat der Senat wegen unzureichender Feststellungen aufgehoben (Beschluss vom 10. Februar 2009 - 3 StR 372/08, NJW 2009, 2225).
Ein Einverständnis der Gesellschafter ist allerdings unwirksam und die Vermögensverfügung des Geschäftsführers deshalb missbräuchlich, wenn - wie hier - unter Verstoß gegen Gesellschaftsrecht die wirtschaftliche Existenz der Gesellschaft gefährdet wird, etwa durch Beeinträchtigung des Stammkapitals entgegen § 30 GmbHG, durch Herbeiführung oder Vertiefung einer Überschuldung oder durch Gefährdung der Liquidität (BGH, Urteil vom 13. Mai 2004 - 5 StR 73/03, BGHSt 49, 147, 157 ff.; Beschluss vom 10. Februar 2009 - 3 StR 372/08, NJW 2009, 2225, 2227; Beschluss vom 31. Juli 2009 - 2 StR 95/09, BGHSt 54, 52, 57 ff.; Beschluss vom 30. August 2011 - 3 StR 228/11).
Bei Beachtung dieser Grundsätze kann die trotz gleichartiger Verhaltensweisen mit der Interessentheorie verbundene Ungleichbehandlung zwischen Einzelkaufleuten und GmbH-Geschäftsführern ebenso vermieden werden (…vgl. Radtke aaO) wie Strafbarkeitslücken bei Verstoß gegen Buchführungs- und Bilanzierungspflichten, wodurch der Gläubigerschutz verbessert wird (vgl. Schwarz, HRRS 2009, 341, 343; Floeth, EWiR 2009, 589, 590; Link, NJW 2009, 2228; Bittmann, wistra 2010, 8).
Ein Einverständnis der Gesellschafter ist allerdings unwirksam und die Vermögensverfügung des Geschäftsführers deshalb missbräuchlich, wenn unter Verstoß gegen Gesellschaftsrecht die wirtschaftliche Existenz der Gesellschaft gefährdet wird, etwa durch Beeinträchtigung des Stammkapitals entgegen § 30 GmbHG, durch Herbeiführung oder Vertiefung einer Überschuldung oder durch Gefährdung der Liquidität (BGH, Urteil vom 13. Mai 2004 - 5 StR 73/03, BGHSt 49, 147, 157 ff.; Beschluss vom 10. Februar 2009 - 3 StR 372/08, NJW 2009, 2225, 2227; Beschluss vom 31. Juli 2009 - 2 StR 95/09, BGHSt 54, 52, 57 ff.).
Der Senat neigt weiter dazu, die Abgrenzung zwischen den Insolvenzdelikten der §§ 283 ff. StGB und der Untreue nach § 266 StGB nicht mehr nach der Interessenformel vorzunehmen, sondern maßgeblich daran anzuknüpfen, ob der Vertreter im Sinne des § 14 StGB im Geschäftskreis des Vertretenen tätig geworden ist (BGH, Beschluss vom 10. Februar 2009 - 3 StR 372/08, NJW 2009, 2225, 2227 f.;… Beschluss vom 1. September 2009 - 1 StR 301/09, BGHR StGB § 283 Abs. 1 Geschäftsführer 4).
Der 3. Strafsenat hatte bereits mit Beschluss vom 10. Februar 2009 im Verfahren 3 StR 372/08 gewichtige Argumente angeführt, die für ein Abweichen der Rechtsprechung von der "Interessentheorie" sprechen könnten (BGH NStZ 2009, 437, 439).
Mit Beschluss vom 10. Februar 2009 im Verfahren 3 StR 372/08 hat nun der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs gewichtige Argumente angeführt, die für ein Abweichen der Rechtsprechung von der "Interessentheorie" sprechen könnten (BGH NStZ 2009, 437, 439).
Bankrott (Feststellung der Zahlungsunfähigkeit)
Wird eine Gegenüberstellung gewählt, muss die Darstellung der Liquiditätslage zu ausgewählten Stichtagen so aussagekräftig sein, dass dem Revisionsgericht die Kontrolle möglich ist, ob das Landgericht von zutreffenden Voraussetzungen ausgegangen und einen nachvollziehbaren Rechenweg gewählt hat (BGH, Beschluss vom 10. Februar 2009 - 3 StR 372/08, NJW 2009, 2225, 2226 mwN).
b) Für die Beurteilung der drohenden Zahlungsunfähigkeit erweist sich die - zwar generell mögliche - Heranziehung wirtschaftskriminalistischer Beweisanzeichen ohne jegliche (Mindest-)Feststellungen zu einem Liquiditätsstatus, d. h. zu kurzfristig fällig werdenden Verbindlichkeiten der A. GmbH und den zu ihrer Tilgung vorhandenen oder herbeizuschaffenden Mitteln (vgl. BGH, Beschluss vom 10. Februar 2009 - 3 StR 372/08, NJW 2009, 2225, 2226), entsprechend den Darlegungen zur Untreue als unzureichend.
Vielmehr ist anerkannt, dass das Einverständnis der Gesamtheit der Gesellschafter als oberstem Willensorgan der GmbH und wirtschaftlichem (nicht rechtlichem) Inhaber des zu betreuenden Vermögens die Pflichtwidrigkeit des Handelns als Merkmal des Untreuetatbestands ausschließt, wenn es wirksam ist (vgl. BGH, Urteil vom 27.08.2010 - 2 StR 111/09; Urteil vom 10.02.2009 - 3 StR 372/08; Urteil vom 18.06.2003 - 5 StR 489/02, bei juris).