Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BeckRS%202015,%2005737
Timestamp: 2019-03-18 14:33:44
Document Index: 178969141

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 208', '§ 212', '§ 214', '§ 208', 'Art. 229', '§ 6', '§ 242', '§ 212', '§ 286', '§ 208', '§ 212', '§ 286', '§ 212', '§ 208', '§ 212', '§ 212', '§ 208', 'BGH', '§ 212', 'BGH', 'BGH', '§ 212', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 212', 'BGH', 'BGH', '§ 212']

BGH, 27.01.2015 - VI ZR 87/14 - dejure.org
BGB § 208 a. F., § 212 Abs. 1 Nr. 1 n. F.
§ 214 Abs. 1 BGB, § 208 BGB, Art. 229 §§ 6, 12 EGBGB, § 242 BGB, § 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB, § 286 ZPO
§ 208 aF BGB, § 212 Abs 1 Nr 1 BGB vom 02.01.2002, § 286 ZPO
Verjährung von Ansprüchen eines Verkehrsunfallverletzten gegen eine Kfz-Haftpflichtversicherung: Teilzahlungen des Versicherers während des Laufs eines Verjährungsverzichts als verjährungsunterbrechendes Anerkenntnis
Zu den Voraussetzungen eines Anerkenntnisses durch Zahlungen der Haftpflichtversicherung
Voraussetzungen eines Anerkenntnisses im Sinne von § 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB
Verzicht auf die Einrede der Verjährung - Vorbehaltslose Zahlungen des Haftpflichtversicherers - verjährungsunterbrechendes Anerkenntnis - um-fassende Würdigung des Einzelfalles - revisionsrechtlich eingeschränkt Überprüfbarkeit - Nichtberücksichtigung vorgerichtlicher Korrespondenz der Parteien
Wann liegt ein zum Neubeginn der Verjährung führendes Anerkenntnis vor?
Verjährungsunterbrechung durch Anerkenntnis - und die Teilzahlung
Zu den Voraussetzungen eines Anerkenntnisses i.S.v. § 208 BGB a.F. bzw. § 212 Abs. 1 Nr. 1 n.F.
Wann liegt ein zum Neubeginn der Verjährung führendes Anerkenntnis vor? (IBR 2015, 284)
LG Köln, 31.05.2013 - 25 O 9/13
MDR 2015, 707
NZV 2015, 328
VersR 2015, 636
BauR 2015, 1019
BeckRS 2015, 5737
aa) Zwar kann in der vorbehaltlosen Ersatzleistung auf einzelne Schadenspositionen ein Anerkenntnis im Sinne des § 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB liegen (vgl. Senatsurteile vom 29. Oktober 1985 - VI ZR 56/84, VersR 1986, 96, 97;… vom 2. Dezember 2012 - VI ZR 312/07, VersR 2009, 230 Rn. 22 [jeweils zu § 208 BGB aF]; vom 27. Januar 2015 - VI ZR 87/14, VersR 2015, 636 Rn. 8).
Es bedarf allerdings einer umfassenden Würdigung der Umstände des jeweiligen Einzelfalls (BGH, Urteil vom 27. Januar 2015 - VI ZR 87/14, NJW 2015, 1589 Rn. 7).
Ob eine Erklärung des Schuldners die Voraussetzungen eines verjährungsunterbrechenden Anerkenntnisses im Sinne des § 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB erfüllt, ist als Frage der tatrichterlichen Auslegung im Einzelfall revisionsrechtlich nur beschränkt auf die Verletzung von Auslegungsregeln, Denkgesetzen, Erfahrungssätzen und Verfahrensvorschriften überprüfbar (BGH, Urteil vom 27. Januar 2015, aaO Rn. 9).
aa) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs genügt für einen Neubeginn der Verjährung durch Anerkenntnis jedes - auch ein rein tatsächliches - Verhalten des Schuldners gegenüber dem Gläubiger, aus dem sich das Bewusstsein vom Bestehen des Anspruchs - wenigstens dem Grunde nach - unzweideutig ergibt und das deswegen das Vertrauen des Gläubigers begründet, dass sich der Schuldner nicht nach Ablauf der Verjährungsfrist alsbald auf Verjährung berufen wird (vgl. nur BGH, Urteile vom 20. Juni 2002 - IX ZR 444/00, WM 2002, 930, 931…, vom 9. Mai 2007 - VIII ZR 347/06, WM 2007, 1982 Rn. 12 und vom 27. Januar 2015 - VI ZR 87/14, NJW 2015, 1589 Rn. 8 mwN; ähnlich BT-Drucks. 14/6040, S. 120).
Bei der Frage, ob der Verpflichtete einen Anspruch im Sinne des § 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB anerkannt hat, sind die gesamten Umstände des Streitfalls zu berücksichtigen (vgl. nur BGH, Urteil vom 27. Januar 2015 aaO Rn. 9).
Zuletzt kann die kommentarlose Erbringung von Teilleistungen für sich allein, obgleich unstreitig, ebenso wenig eine förmliche Entscheidung ersetzen oder entbehrlich machen (BGH NJW-RR 1996, 474 = VersR 1996, 369; OLG Köln, Beschl. v. 10.07.2014 - 19 U 19/14 [juris] = [BeckRS 2015, 01547]; OLG Rostock r + s 2011, 490 [dort zusätzlich ein Abfindungsvergleich]), wie der mit Schreiben vom 11.04.2005 vereinbarte, bis 31.12.2012 befristete Verzicht auf die Einrede der Verjährung (…Prölss/Martin/Knappmann, a. a. O., Rn. 35; BGH, Urt. v. 27.01.2015 - Aktenzeichen VI ZR 87/14 [juris] = [BeckRS 2015, 05737: für die Anerkenntniswirkung von (Teil-)Zahlungen, die durch die Vereinbarung über die Verjährung nicht beseitigt wird]), oder die bloße Untätigkeit der Parteien (…Prölss/Martin/Knappmann, a. a. O.; EU 5 = Bl. 44 d. A., vorl. Abs.).
Die Anerkenntniswirkung entfällt wiederum auch nicht durch den für diesen Zeitraum vereinbarten Verzicht auf die Verjährungseinrede (BGH Urt. v. 27.01.2015 - Aktenzeichen VI ZR 87/14 [juris]).
Anerkenntnis im Sinn der Vorschrift ist ein Verhalten des Schuldners, aus dem sich das Bewusstsein des Bestehens des Anspruchs unzweideutig ergibt und das deswegen das Vertrauen des Gläubigers begründet, dass sich der Schuldner nicht nach Ablauf der Verjährungsfrist alsbald auf Verjährung berufen wird (BGH NJW 2005, 1044, MDR 2015, 707).
Denn nach dem Wortlaut des § 212 Abs. 1 Nr. 1 beginnt die Verjährung insbesondere dann erneut, wenn der Schuldner dem Gläubiger gegenüber den Anspruch durch Abschlagszahlung anerkennt (BGH, Urteil vom 27.11.2015 - VI ZR 87/14 - NJW 2015, 1589-1590 Vorbehaltlose Zahlung).
Der Gläubiger muss berechtigter Weise darauf vertrauen dürfen, der Schuldner werde sich nicht auf den Ablauf der Verjährungsfrist berufen (BGH, Urteil vom 27.01.2015 - VI ZR 87/14 - NJW 2015, 1589, zitiert nach BeckRS 2015, 05737;… BeckOGBGB Bamberger/Roth/Hau/Poseck-Henrich, 46. Edition Stand 01.05.2018, BGB § 212 Rn. 2).