Source: https://www.flugrechte.eu/11907/flug%C3%A4nderung-fuerteventura-flughafenumbuchung-vorhandenem
Timestamp: 2020-01-18 21:11:20
Document Index: 60213971

Matched Legal Cases: ['§ 651', '§ 651', '§651', '§ 651', '§651', '§651', '§651', '§651']

Germania Flugänderung von Düsseldorf nach Fuerteventura Flughafenumbuchung trotz vorhandenem Flug am gebuchten Flughafen. - FLUGGASTRECHTE
Wir wollen am 17.5. nach Fuerteventura fliegen ursprünglich von Düsseldorf aus mit Germania. Jetzt hat und der Reiseveranstalter unserer Pauschalreise mitgeteilt dass der Flug seitens der Airline gestrichen wurde und uns auf Münster/Osnabrück umgebucht mit deutlich schlechteren Flugzeiten und einer erheblich längeren Anfahrt (2 1/2 Stunden) im Vergleich zu 45 Minuten bei Düsseldorf. Nach einem 4 1/2 Std Flug finde ich es eine Zumutung dann noch 2 1/2 Std mit dem Auto nach Hause fahren zu müssen bzw zum Flughafen hin, da ich schwanger bin. Es gibt allerdings noch Flüge von Düsseldorf an den gleichen Tagen von Düsseldorf von Condor. Haben wir das Recht, dass der Veranstalter uns auf diese Flüge umbucht oder müssen wir diese Zumutung von höheren Aufwand, die schlechteren Flugzeiten und höheren Kosten missbilligend hinnehmend nehmen für den weiter entfernten Flughafen?
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Gefragt 27, Apr 2018 in Europäische Fluggastrechte von Verena
Sie haben eine Pauschalreise von Düsseldorf nach Fuerteventura gebucht. Nun wurden Sie darüber unterrichtet, dass der Flughafen von Düsseldorf nach Münster/Osnabrück verlegt wurde.
Sie haben eine Pauschalreise im Sinne des § 651 a BGB gebucht, sodass sich sämtliche Ansprüche aus dem Reisevertragsrecht des BGB ergeben. Diese sind in den §§ 651 a-m BGB geregelt und werden gegen den Reiseveranstalter geltend gemacht. Damit Ansprüche geltend gemacht werden können, müssen die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt worden sein. Dies verlangt zunächst, dass die Reise mit einem Reisemangel behaftet ist.
Die wesentliche Pflicht des Reiseveranstalters besteht darin, die Reise so zu erbringen, dass sie die zugesicherten Eigenschaften besitzt und nicht mit Mängeln behaftet ist (§651c Abs. 1 BGB). Ein Reisemangel im Sinne von § 651 c BGB liegt demnach vor, wenn eine wesentliche Reiseleistung einen Fehler aufweist oder nicht die zugesicherten Eigenschaften enthält. Eine Flugbeförderung stellt eine wesentliche Reiseleistung dar, deren Abweichungen unter Umständen zu einer Reisepreisminderung führen oder andere Ansprüche begründen können. Dies wird darauf zurückgeführt, dass der Transport in der Regel einen der wichtigen Bestandteile eines Pauschalreisevertrages ausmacht.
Beantwortet 27, Apr 2018 von Stephan (16,210 Punkte)
da es sich um eine Änderung des Flughafens im Rahmen einer Pauschalreise handelt, greifen in erster Linie wohl die Vorschriften des deutschen Pauschalreiserecht, also den §§651 a ff. BGB. Anspruchsgegner ist insoweit auch der Reiseveranstalter.
Man müsste also prüfen, ob diese Verlegung einen Reisemangel im Sinne von §651 c I BGB darstellt. Demnach muss der Reiseveranstalter die Reise frei von erheblichen Mängel erbringen. Ist die Reise mit Fehlern behaftet, so kommen verschiedene Gewährleistungsrechte in Betracht.
Sollten Sie die Reise mit der Änderung antreten, so kommt ein Anspruch auf eine Reisepreisminderung gem. §651 d I BGB in Betracht.
Dahingehend einige Beispielsurteile:
AG Düsseldorf, Urteil vom 31.07.1997; Az: 53 C 7069/97
(einfach zu finden, wenn Sie bei Google eingeben: AG Düsseldorf AZ.: 53 C 7069/97 reise-recht-wiki.de)
Minderung von 100 % bezogen auf Tagespreis, da die Ortsänderung des Zielflughafens bei der Rückreise eintägigen Transfer erforderte.
AG Gifhorn, Urteil vom 28.09.2004; Az: 2 C 655/04
(einfach zu finden, wenn Sie bei Google eingeben: AG Gifhorn AZ.: 2 C 655/04 reise-recht-wiki.de)
Hier wurde eine 5-prozentige Minderung des Gesamtpreises bejaht, da die Landung auf einem anderweitige Flughafen und eine Weiterbeförderung mit einem Bus zum eigentlichen Flughafen statt fand.
(einfach zu finden, wenn Sie bei Google eingeben: AG Kleve AZ.: 3 C 564/98 reise-recht-wiki.de)
(einfach zu finden, wenn Sie bei Google eingeben: AG Düsseldorf AZ.: 25 C 7283/98 reise-recht-wiki.de)
Es kommt im Ergebnis immer darauf an, wie erheblich der Mangel ist bzw. ob er überhaupt als solcher qualifiziert werden kann oder eine bloße Unannehmlichkeit darstellt. In der Regel ist allerdings bei schwangeren Frauen auch besondere Rücksichtnahme geboten, so dass die Chancen dahingehend besser aussehen.
Ist endgültig von einem Reisemangel auszugehen und der Reiseveranstalter bietet Ihnen keine vernünftige Alternative an, so können Sie theoretisch auch gem. §651 a V BGB kostenlos von der gesamten Reise zurücktreten. Es ist trotzdem immer ratsam im Voraus mit einem Fachanwalt zu sprechen, der nicht nur wie ich laienhafte Ahnung hat.
Beantwortet 27, Apr 2018 von Bugrad (24,540 Punkte)