Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=14.03.2006&Aktenzeichen=VI%20ZR%20279%2F04
Timestamp: 2019-05-26 04:28:33
Document Index: 229348567

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', 'BGH', '§ 287', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 630', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 630', 'BGH', '§ 823', '§ 252', '§ 287', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 630', 'BGH', 'BGH']

BGH, 14.03.2006 - VI ZR 279/04 - dejure.org
https://dejure.org/2006,202
BGH, 14.03.2006 - VI ZR 279/04 (https://dejure.org/2006,202)
BGH, Entscheidung vom 14.03.2006 - VI ZR 279/04 (https://dejure.org/2006,202)
BGH, Entscheidung vom 14. März 2006 - VI ZR 279/04 (https://dejure.org/2006,202)
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BGB §§ 823 Abs. 1
Umfang der Risikoaufklärung bei fremdnützigen Blutspenden; Notwendigkeit einer ausführlichen und eindringlichen Information bei Fehlen eines medizinisch gebotenen Eingriffs; Eintritt chronifizierter neuropathischer Schmerzen auf Grund einer Blutspende ; Anspruch auf Schmerzensgeld, Schadensersatz und Feststellung der Ersatzpflicht für zukünftige Schäden
Fremdnützige Blutspenden - Umfang der Risikoaufklärung - Kein Haftungsausschluss
Risikoaufklärung bei ärztlichem Eingriff: Voraussetzungen und Umfang der ärztlichen Aufklärungspflicht bei fremdnützigen Eingriffen (Blutspende)
VI. Zivilsenat des BGH entscheidet unter Mitwirkung des Bundesrichters Wellner am 14.3.2006 - VI ZR 279/04 - zu konkret dargelegtem Schaden im Sinn und Zweck des § 287 ZPO.
Anforderungen an die Risikoaufklärung bei Blutspenden
Aufklärung für Blutspender
Blutspender sind auch über seltene mit der Blutspende spezifisch verbundene Gefahren aufzuklären; Arzthaftungsrecht, Medizinrecht
Ausführliche Aufklärung: Information des Blutspendedienstes reichte nicht aus
Blutspende: ärztliche Aufklärungspflicht
123recht.net (Pressemeldung, 14.3.2006)
Blutspender müssen über Risiken aufgeklärt werden // Bundesgerichtshof gibt Schadenersatzklage statt
Zusammenfassung von "Aufklärungsumfang und Aufklärungsweg bei fremdnützigen Blutspenden - zugleich Besprechung des Urteils des BGH vom 14.3.2006 - VI ZR 279/04 -" von Ri Dr. Patrick Gödicke, original erschienen in: MedR 2006, 568 - 571.
Zusammenfassung von "Gesetzliche Unfallversicherung - kein Haftungsausschluss für Blutspendedienste?" von Dr. Konrad Leube, original erschienen in: VersR 2007, 31 - 35.
LG Kaiserslautern, 13.02.2004 - 3 O 71/01
BGHZ 166, 336
NJW 2006, 2108
MDR 2006, 1286
VersR 2006, 838
JR 2007, 191
Anderes ergibt sich aufgrund des gesonderten Aufklärungsregimes des Transplantationsgesetzes auch nicht aus dem zur ebenfalls fremdnützigen Blutspende ergangenen Senatsurteil vom 14. März 2006 (VI ZR 279/04, BGHZ 166, 336 Rn. 17).
Die wirksame Einwilligung des Patienten setzt dabei dessen ordnungsgemäße Aufklärung voraus (…vgl. nur Senatsurteile vom 11. Oktober 2016 - VI ZR 462/15, NJW-RR 2017, 533 Rn. 8;… vom 30. September 2014 - VI ZR 443/13, NJW 2015, 74 Rn. 6;… vom 7. November 2006 - VI ZR 206/05, BGHZ 169, 364 Rn. 7; vom 14. März 2006 - VI ZR 279/04, BGHZ 166, 336 Rn. 6; jetzt § 630d BGB).
Es genügt vielmehr, den Patienten "im Großen und Ganzen" über Chancen und Risiken der Behandlung aufzuklären und ihm dadurch eine allgemeine Vorstellung von dem Ausmaß der mit dem Eingriff verbundenen Gefahren zu vermitteln, ohne diese zu beschönigen oder zu verschlimmern (…vgl. Senatsurteile vom 11. Oktober 2016 - VI ZR 462/15, aaO, Rn. 10;… vom 6. Juli 2010 - VI ZR 198/09, NJW 2010, 3230 Rn. 11; vom 14. März 2006 - VI ZR 279/04, BGHZ 166, 336 Rn. 13;… vom 7. April 1992 - VI ZR 192/91, NJW 1992, 2351, 2353, juris Rn. 19;… vom 7. Februar 1984 - VI ZR 174/82, BGHZ 90, 103, 106, 108, juris Rn. 18, 22).
Dem Patienten muss aber eine allgemeine Vorstellung von dem Ausmaß der mit dem Eingriff verbundenen Gefahren vermittelt werden, ohne diese zu beschönigen oder zu verschlimmern (…vgl. Senatsurteile vom 6. Juli 2010 - VI ZR 198/09, VersR 2010, 1220 Rn. 11; vom 14. März 2006 - VI ZR 279/04, BGHZ 166, 336 Rn. 13; vom 7. April 1992 - VI ZR 192/91, VersR 1992, 960, 961; vom 7. Februar 1984 - VI ZR 174/82, BGHZ 90, 103, 106, 108).
Hingegen genügt jedenfalls im Falle einer fremdnützigen Blutspende der bloße Hinweis auf "Schädigungen von Nerven" - anders als ein Hinweis auf eine "Lähmung" als mögliche Folge einer Nervschädigung - wegen des breiten Spektrums solcher Schädigungen nicht (Senatsurteil vom 14. März 2006 - VI ZR 279/04, BGHZ 166, 336 Rn. 15).
Der erkennende Senat hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, dass über die Erfolgsaussichten einer Behandlung jedenfalls dann aufzuklären ist, wenn das Misserfolgsrisiko hoch und die Indikation zweifelhaft ist (Senatsurteile vom 3. Dezember 1991 - VI ZR 48/91, VersR 1992, 358, 359; vom 6. November 1990 - VI ZR 8/90, VersR 1991, 227, 228; vom 23. September 1980 - VI ZR 189/79, VersR 1980, 1145, 1146; ohne die genannte Einschränkung: Senatsurteile vom 14. März 2006 - VI ZR 279/04, BGHZ 166, 336 Rn. 6, 8; vom 8. Mai 1990 - VI ZR 227/89, VersR 1990, 1010, 1011 f.; vom 14. Februar 1989 - VI ZR 65/88, BGHZ 106, 391, 394;… ferner Senatsurteile vom 22. Mai 2007 - VI ZR 35/06, BGHZ 172, 254 Rn. 24; vom 14. Juni 1994 - VI ZR 178/93, VersR 1994, 1235, 1236;… vgl. auch Geiß/Greiner, Arzthaftpflichtrecht, 7. Aufl., C Rn. 8 f.;… Steffen/Pauge, Arzthaftungsrecht, 12. Aufl., Rn. 433 f.; für den Behandlungsvertrag jetzt auch § 630e Abs. 1 Satz 2 BGB).
OLG Hamm, 07.09.2016 - 3 U 6/16
Organentnahme zur Nierenlebendspende trotz Verfahrensmängel nach dem …
Es genügt die plausible Behauptung der Klägerin, dass sie in ihrer damaligen persönlichen Situation im Fall einer hinreichenden Aufklärung über die oben genannten Risiken von der Organspende abgesehen hätte (vgl. BGH, Urteil vom 14.03.2006 - VI ZR 279/04;… Staudinger/Hager, BGB-Komm., Std. 2009, § 823 Rnr. I 121).
Es entspricht ständiger Rechtsprechung des erkennenden Senats, dass für die Schadensschätzung nach § 252 BGB, § 287 ZPO greifbare Tatsachen vorgetragen werden müssen, weil sich nur anhand eines bestimmten Sachverhalts sagen lässt, wie sich die Dinge ohne das Schadensereignis weiterentwickelt hätten, wobei der Kläger die Tatsachen, die seine Gewinnerwartung wahrscheinlich machen, im Einzelnen darlegen und beweisen muss; eine völlig abstrakte Berechnung eines Erwerbsschadens, auch in Form der Schätzung eines "Mindestschadens", ist nicht zulässig (vgl. Senatsurteile BGHZ 54, 45, 53 ff.; 166, 336, 346; vom 16. März 2004 - VI ZR 138/03 - VersR 2004, 874, 875 m.w.N.).
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs bedürfen ärztliche Heileingriffe grundsätzlich der Einwilligung des Patienten, um rechtmäßig zu sein, und kann diese Einwilligung nur wirksam erteilt werden, wenn der Patient über den Verlauf des Eingriffs, seine Erfolgsaussichten, seine Risiken und mögliche Behandlungsalternativen mit wesentlich anderen Belastungen, Chancen und Gefahren im großen und ganzen aufgeklärt worden ist, um das Selbstbestimmungsrecht des Patienten und sein Recht auf körperliche Unversehrtheit zu wahren (beispielsweise BGHZ 166, 336).
Dass eine Nervbeschädigung nicht nur - unter Umständen dauerhafte - Funktionsbeeinträchtigungen nach sich ziehen kann, wovon die Klägerin bei Unterstellung einer formblattgemäßen Aufklärung unterrichtet worden ist, sondern auch dauerhafte und erhebliche Schmerzen erzeugen kann, kann nicht als allgemein bekannt vorausgesetzt werden; andererseits bedeutet die Chronifizierung von Schmerzen mit der Folge der Notwendigkeit dauernder Medikamenteneinnahme eine erhebliche Belastung des Betroffenen in seiner Lebensführung (BGHZ 166, 336).
Sie habe auf Grund ihres Zustandes im Kreißsaal auch nicht mehr über die mit der PDA verbundenen Risiken aufgeklärt werden und damit ihr Selbstbestimmungsrecht nicht ausüben können (vgl. zur notwendigen Risikoaufklärung BGH NJW 1992, 754, 755; 1989, 1533; 2006, 2108 f.; Borgmann NJW 2010, 3190 m.w.N.).
Für die Aufklärungspflicht kommt es nicht darauf an, wie oft ein bestimmtes Risiko eintritt, sondern maßgeblich sind das dem Eingriff spezifisch anhaftende nicht außerhalb jeder Wahrscheinlichkeit liegende Risiko und die Schwere der damit verbundenen Folgen für die weitere Lebensführung der Klägerin und des Kindes (BGH NJW 1984, 1395, 1396; 2006, 2108, 2109 m.w.N.; 2010, 3230, 3231 ; 2011, 375 ;… Palandt/Weidenkaff, § 630e Rdn. 3;… Martis/Winkhart, Arzthaftungsrecht, 3. Aufl., Rdn. A 521; Borgmann NJW 2010, 3190, 3191).
Hinzu kommt, dass die Prüfungs- und Aufklärungspflicht umso weiter geht, je weniger der Eingriff aus Sicht eines vernünftigen Patienten vordringlich oder geboten erscheint (BGH NJW 2006, 2108 m.w.N.).
OLG Hamm, 05.07.2017 - 3 U 172/16
Nierenlebendspende; Organspende; Aufklärung; hypothetische Einwilligung
a) An die Aufklärung eines Organspenders sind wegen des fehlenden medizinischen Nutzens der Spende für den Spender besonders strenge Anforderungen zu stellen (vgl. BGH VersR 2006, 838 Rn. 7-9 zur ebenfalls fremdnützigen Blutspende).
OLG Düsseldorf, 25.08.2016 - 8 U 115/12
Anforderungen an die Risikoaufklärung des Spenders vor einer Organspende
OLG Frankfurt, 13.01.2015 - 8 U 141/13
Aufklärung vor chiropraktischer Behandlung an der Halswirbelsäule
Vorgehen bei widersprüchlichen Positionen zweier gerichtlicher Sachverständiger
OLG Dresden, 27.03.2018 - 4 U 1457/17
Umfang der ärztlichen Risikoaufklärung vor einer relativ indizierten Operation
OLG München, 26.11.2009 - 1 U 2283/09
Amtshaftung für Erkrankung eines Probanden nach einer Impfstudie an einer …
OLG Hamm, 19.11.2013 - 26 U 25/13
Haftung des Trägers eines Krankenhauses der Grund- und Regelverweisung wegen …
LG Essen, 01.10.2012 - 1 O 154/11
Ansprüche aufgrund Behandlungsfehlers bei Reizergussbildung mit …
OLG München, 24.04.2008 - 1 U 4364/07
Arzthaftung: Schadenersatz- und Schmerzensgeldanspruch wegen unterlassener …
OLG Stuttgart, 04.10.2011 - 1 U 20/11
Arzt- und Krankenhaushaftung: Aufklärungspflichtverletzung und Behandlungsfehler …
LG Essen, 02.07.2015 - 1 O 151/14