Source: https://b-ok.org/book/1005224/1f083b
Timestamp: 2019-09-16 21:27:22
Document Index: 366259487

Matched Legal Cases: ['§ 122', '§ 133', '§ 170', '§ 179', '§ 242', '§ 280', '§ 823', '§ 892', '§ 2366', '§ 15', '§ 312', '§ 312', '§ 292', '§ 15', '§ 36', 'EuG', '§ 1', '§ 90', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 202', '§ 3', '§ 3', '§ 202', '§ 2', '§ 2', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', '§ 307', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', '§ 9', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 312', '§ 312', '§ 307', 'Art. 4']

Vertrauensschutzmechanismen im Internet, insbesondere im E-Commerce German | Christian Kau | download
Main Vertrauensschutzmechanismen im Internet, insbesondere im E-Commerce German
ISBN 10: 3866440367
ISBN 13: 9783866440364
Vertrauensschutzmechanismen im Internet,
insbesondere im E-Commerce
Schriften des Zentrums für angewandte Rechtswissenschaft
ZAR │ Zentrum für angewandte Rechtswissenschaft
Herausgeber der Schriftenreihe: Prof. Dr. Thomas Dreier M.C.J.
Prof. Dr. Jürgen Kühling LL.M.
Prof. Dr. Peter Sester Dipl.-Kfm.
Vertrauensschutzmechanismen
im Internet, insbesondere im
Dissertation an der Universität Freiburg i. Br., Rechtswissenschaftliche Fakultät
Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät Freiburg i.Br.:
Prof. Dr. jur. Andreas Voßkuhle
Prof. Dr. jur. Thomas Dreier, MCJ, Institut für Informationsrecht,
Prof. Dr. Hanno Merkt, LLM, Institut für ausländisches und internationales Privatrecht,
Ort und Tag der mündlichen Prüfung:
Freiburg i. Br., am 30. November 2005
Die Dissertation wurde am Institut für Informationsrecht der Universität
Karlsruhe (TH) geschrieben. Stand Dezember 2005.
ISSN 1860-8744
ISBN 3-86644-036-7
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but not all people have discovered the responsibilities which accompany publishing.
„Vertrauensmechanismen im Internet, insbesondere im E-Commerce“ - ein solcher Titel öffnet ein
weites Feld, in dem nicht nur gesetzte Rechtsdogmatik verankert werden kann, sondern auch andere,
progressive Denkansätze ihren Platz finden sollen.
Vertrauen ist zunächst einmal die emotionale Sicherheit, einem anderen Menschen offen
gegenübertreten zu können. Es geht als ursprüngliche Haltung von der Verlässlichkeit der Umstände
und anderer Menschen sowie von deren guten Absichten aus.
Wege, Vertrauen zu untersuchen, gibt es viele. Das liegt daran, dass das Vertrauen ein ambivalentes
Phänomen ist, so dass sich gleich mehrere Wissenschaftsdisziplinen mit ihm beschäftigen. Vertrauen
hat nicht nur eine juristische, sondern etwa auch eine psychologische und soziologische Komponente.
Diese verschiedenen Aspekte aufzugreifen, soll in dieser Arbeit zumindest zum Teil erfolgen wenngleich eine Dissertation an einer rechtswissenschaftlichen Fakultät sicherlich weit überwiegend
rechtliche Fragen behandelt.
Bei einer Untersuchung, die die Juristerei und die Netzwerktechnik miteinander verbindet, ist es
wesentlich, bei der Behandlung des einen stets auch die Vorgaben des anderen zu berücksichtigen. So
würde eine rechtliche Prüfung ohne Einbeziehung der technischen Grundlagen des Internet an seinen
tatsächlichen Bedürfnissen vorbeigehen. Umgekehrt steht bei von der Internetpraxis entwickelten
Ansätzen zur Vertrauensstärkung stets auch deren „juristische Machbarkeit“ im Raum.
In der Tat zeigt sich bei der Bearbeitung eines solchen Themas, dass die Ergänzung der reinen
Rechtsdogmatik durch interdisziplinäre Ansätze ein mitunter lohnenswerter Weg ist, der auch der
Erweiterung des rechtlichen Horizontes dient. Für diese Möglichkeit des Erkenntnisgewinns und für
sämtliche wertvollen Hinweise und Anregungen möchte ich meinem Doktorvater, Herrn Prof. Dr.
Thomas Dreier, M.C.J., ebenso sehr danken wie für die Aufnahme dieser Arbeit in die Schriftenreihe
des ZAR.
Vertrauensschutzmechanismen im Internet
Herrn Prof. Dr. Hanno Merkt, LL.M., möchte ich für die zügige Erstellung des Zweitgutachtens
Zu großem Dank verpflichtet bin ich darüber hinaus meinen lieben Freunden und Kollegen, die mich
in der Dissertationszeit fachlich und geistig unterstützt haben - insbesondere der Doktorandenraum C
mit den Herren Thomas Huber, Christian Morawetz, André Nourbakhsch, Bastian Reissinger und
Sheng-Wei Tsai. Ebenso herzlich danken möchte ich Herrn Dr. Tobias Paul für die stets motivierende
Unterstützung und die überaus hilfreichen Korrekturvorschläge in den letzten Tagen vor Abgabe der
Arbeit, sowie nicht zuletzt Herrn Götz Münchow für fortwährenden internet- und
computertechnischen Beistand .
Ich widme diese Arbeit meinen lieben Eltern, die mich nicht nur während des Studiums und der
Promotion stets in jeder Hinsicht unterstützt haben.
Die Arbeit wurde im Wintersemester 2005/2006 von der rechtswissenschaftlichen Fakultät der AlbertLudwigs-Universität Freiburg als Dissertation angenommen. Rechtsprechung und Literatur sind
berücksichtigt bis Ende des Jahres 2005. Einige Auflagen des Jahres 2006 konnten ebenfalls noch
einbezogen werden. Alle im Text angegebenen Websites wurden zuletzt am 07.04.2006 besucht.
Wenn diese Arbeit dazu dient, die momentan immer noch bestehenden Vorbehalte gegenüber dem gar nicht mehr so neuen - Medium, wenn auch nicht komplett auszuräumen, so doch ihnen zumindest
in gewissem Umfang zu begegnen, ist ihr Ziel erreicht.
Düsseldorf, im April 2006
Christian Michael Kau
Einführung ................................................................................................................... 1
I. Informationen und Internet ..................................................................................... 1
II. Die Situation im Internet ........................................................................................ 1
III. Die wirtschaftliche Komponente des Vertrauens ................................................. 2
IV. Misstrauensgründe sind häufig unspezifiziert ..................................................... 3
V. Ausblick auf den Gang der Untersuchung ........................................................... 4
VI. Ziel der Arbeit ...................................................................................................... 5
1. Kapitel - Gegenstand der Untersuchung .............................................................. 7
I. Gründe für die Unsicherheit im Internet ................................................................. 7
II. Begrifflichkeiten .................................................................................................... 10
III. Die Besonderheiten des Internets in Bezug auf die verschiedenen Vertrauensschutzmechanismen ............................................................................................. 18
IV. Die Atmosphäre im Internet - besteht Bedarf nach Rechtssicherheit? ................ 24
2. Kapitel - Unverbindlichkeit im Internet und Beständigkeit von Informationen
(Gedanken zu einer allgemeinen Vertrauenshaftung) ............................ 27
I. Die Haftung aufgrund Vertrauensschutzes ............................................................ 27
II. Vertrauensschutz in seinen verschiedenen Ausformungen .................................. 28
III. Der Kern des Vertrauensschutzprinzips .............................................................. 39
IV. Die Anwendbarkeit des allgemeinen Vertrauenstatbestandes im Internet .......... 48
V. Fazit: Der Vertrauensschutz als Weg zur Sicherheit? .......................................... 64
3. Kapitel - Das Internet als Informationsquelle ....................................................... 67
I. Zweck der Haftung ................................................................................................ 67
II. Information als Hauptleistung ............................................................................... 68
III. Fazit ...................................................................................................................... 104
4. Kapitel - Das Internet als Handelsplattform .......................................................... 105
I. Die E-Commerce-Richtlinie/Information als Nebenleistung ................................... 105
II. 1. Phase: Die Kontaktaufnahme ............................................................................ 106
III. 2. Phase: Vor Vertragsschluss ............................................................................. 112
IV. 3. Phase: Nach Vertragsschluss .......................................................................... 127
V. Fazit ...................................................................................................................... 133
5. Kapitel - Die Abgabe von Informationen ............................................................... 135
I. Abgabe und Zugang von Willenserklärungen ........................................................ 135
II. Die rechtliche Behandlung von Zugangshindernissen .......................................... 141
III. Beweisbarkeit des Zugangs? ............................................................................... 143
IV. Zur Wiederholung: Die Bindung des Absenders an eine Willenserklärung ......... 145
V. Fazit ...................................................................................................................... 145
6. Kapitel - Datenschutzrechtliche Grundlagen ........................................................ 147
I. Ausgangspunkt und Entwicklung des Datenschutzes ............................................ 148
II. Grundlagen des Datenschutzes im Internet .......................................................... 149
III. Die stetige Weiterentwicklung des Datenschutzes ............................................... 152
IV. Ansätze zur Modernisierung des Datenschutzes ................................................. 153
V. Fazit: Datenschutz als Wettbewerbsfaktor ............................................................ 157
7. Kapitel - Mechanismen der Selbstregulierung ......................................................159
I. Modelle der Regulierung ........................................................................................ 159
II. Ansatzpunkte der Selbstregulierung ..................................................................... 163
III. Bewertung der Selbstregulierung im Internet ....................................................... 190
8. Kapitel - Ergebnisse und Ausblick ........................................................................ 193
I. Auf dem Weg zu einem globalen Internetrecht? .................................................... 194
II. Bestehender Regulierungsrahmen ....................................................................... 194
III. Selbstregulierung als Modell für die Zukunft? ...................................................... 196
IV. Gefahren der Selbstregulierung ........................................................................... 197
V. Regulierung durch Technik? ................................................................................. 199
VI. Rechtliche Sicherheit im Internet, insbesondere im E-Commerce ...................... 201
Literaturverzeichnis ....................................................................................................... 203
Inhaltsübersicht ............................................................................................................. iii
Inhaltsverzeichnis .......................................................................................................... v
Abkürzungsverzeichnis ................................................................................................. xi
Einführung ...................................................................................................................
I. Informationen und Internet ....................................................................................
II. Die Situation im Internet .......................................................................................
III. Die wirtschaftliche Komponente des Vertrauens .................................................
IV. Misstrauensgründe sind häufig unspezifiziert .....................................................
V. Ausblick auf den Gang der Untersuchung ...........................................................
VI. Ziel der Arbeit ......................................................................................................
II. Begrifflichkeiten ..................................................................................................... 10
1. Die Information .................................................................................................. 10
Exkurs: Das Verhältnis von Daten zu Informationen ........................................ 12
2. Das Verhältnis von Vertrauen und rechtlicher Sicherheit .................................. 13
a. Inhalt der Erwartung ......................................................................................14
b. Grund der Erwartung .................................................................................... 15
3. Der Hintergrund des Transparenzprinzips und dessen Auswirkungen im
Internet .............................................................................................................. 16
III. Die Besonderheiten des Internets in Bezug auf die verschiedenen Vertrauensschutzmechanismen ........................................................................................ 18
1. Das Grundprinzip des Internets ........................................................................ 19
2. Was passiert bei der Datenübertragung? ......................................................... 19
3. Die nötige Hardware ......................................................................................... 20
4. Die Funktion der Protokolle .............................................................................. 21
a. Das Transfer Control Protocol (TCP) ........................................................... 21
b. Das Internet Protocol (IP) ............................................................................. 21
5. Administration ................................................................................................... 22
6. Anwendungen im Internet ................................................................................. 23
(Gedanken zu einer allgemeinen Vertrauenshaftung) .......................... 27
II. Vertrauensschutz in seinen verschiedenen Ausformungen ................................. 28
1. Vertrauensschutz im BGB ................................................................................ 29
2. Untersuchung der Vertrauenstatbestände ....................................................... 29
a. § 122 BGB ................................................................................................... 30
b. §§ 133, 157 BGB .......................................................................................... 30
c. §§ 170 - 173 BGB ......................................................................................... 31
aa. Duldungsvollmacht ................................................................................. 31
bb. Anscheinsvollmacht ............................................................................... 31
cc. Voraussetzungen für eine allgemeine Rechtsscheinsvollmacht ............ 32
(1) Rechtsscheinstatbestand ................................................................... 32
(2) Zurechnung ........................................................................................ 32
(3) Schutzwürdigkeit des anderen ........................................................... 32
(4) Kausalität ............................................................................................ 33
d. § 179 BGB .................................................................................................... 33
e. § 242 BGB .................................................................................................... 33
aa. Schrankenfunktion ................................................................................. 34
(1) venire contra factum proprium ........................................................... 34
(2) Verwirkung ......................................................................................... 34
bb. Korrekturfunktion ................................................................................... 35
f. §§ 280 Abs. 1 i.V.m. 311 Abs. 2 und 3 BGB (c.i.c.) ...................................... 35
g. § 823 BGB .................................................................................................... 36
h. §§ 892 f., 932 ff. BGB ................................................................................... 36
i. § 2366 BGB ................................................................................................... 38
j. § 15 HGB ....................................................................................................... 38
1. Die Voraussetzungen des normativen Vertrauens ........................................... 39
a. Vertrauensveranlassender Kontakt .............................................................. 39
b. Durch ein Verhalten veranlasster Rechtsscheinstatbestand ........................ 40
c. Kenntnis des Verhaltens durch den Vertrauenden ....................................... 42
d. Vertrauensinvestition/Disposition ................................................................. 43
e. Schutzwürdigkeit .......................................................................................... 43
2. Kernvoraussetzungen eines allgemeinen Vertrauenstatbestandes .................. 44
3. Vergleich der gefundenen Prinzipien mit dem allgemeinen
Vertrauenstatbestand ....................................................................................... 45
4. Die Rechtsfolgen des normativen Vertrauens .................................................. 46
IV. Die Anwendbarkeit des Vertrauensschutzes im Internet ..................................... 48
1. Gegenüberstellung der hinter dem Vertrauensschutz stehenden
allgemeinen Prinzipien mit der rechtlichen Struktur des Internets ................... 48
a. Der Hintergrund des Vertrauensschutzprinzips ........................................... 48
b. Die rechtliche Struktur des Internets ............................................................ 50
2. Vereinbarkeit der Struktur des Internets mit dem Vertrauensschutz
und seinen dahinterstehenden Prinzipien ........................................................ 50
a. Allgemeiner Umstand: Vertrauensveranlassender Kontakt .......................... 51
b. Seite des Vertrauensveranlassers: Durch ein bestimmtes Verhalten
veranlasster Rechtsscheinstatbestand ................................................................. 51
c. Seite des Vertrauenden: Kenntnis dieses Verhaltens .................................. 52
d. Seite des Vertrauenden: Vertrauensinvestition/Disposition ......................... 52
e. Seite des Vertrauenden: Schutzwürdigkeit .................................................. 52
3. Ergebnis der Untersuchung ............................................................................. 52
4. Die Anonymität im Netz als Problem des Vertrauensschutzes? ...................... 53
a. Haftung durch Rechtsscheinsvollmacht? ..................................................... 54
b. Die Zweifel der Gerichte bezüglich der Sicherheit von Passwörtern ........... 55
c. Mehr Sicherheit durch Technik? - Die digitale Signatur ............................... 57
d. Authentifizierung über die IP-Adresse? ........................................................ 60
e. Authentifizierung über PIN und TAN? .......................................................... 61
f. Identifizierung mittels sonstiger Trägermedien ............................................. 61
5. Die Beständigkeit von Informationen als Problem des Vertrauensschutzes?... 62
I. Zweck der Haftung ................................................................................................. 67
II. Information als Hauptleistung ................................................................................ 68
1. Spezialgesetzliche Regelungen? ...................................................................... 68
2. Die entgeltliche Weitergabe von Informationen ................................................ 69
a. Zugang zur Information ................................................................................. 69
aa. Der Vertragsschluss ............................................................................... 69
bb. Die vertragliche Qualifizierung ................................................................ 71
(1) Eine Beurteilung anhand von Softwareüberlassungsverträgen .......... 72
(2) Eine Beurteilung anhand der Datenbanknutzung ............................... 73
(3) Eine Beurteilung bei individualisierten Informationen ......................... 73
(4) Die Beurteilung nach der Schuldrechtsreform .................................... 74
cc. Informationsverträge als Verbrauchsgüterkauf? ..................................... 76
dd. Fernabsatz und E-Commerce ................................................................ 77
b. Inhalt der Information ................................................................................... 79
aa. Die mangelhafte Information .................................................................. 79
(1) Der Einfluss von Werbeäußerungen .................................................. 81
(2) IKEA-Klausel auch bei Software? ...................................................... 82
(3) Rechtsmangel bei Informationen? ..................................................... 82
bb. Die Gewährleistungsrechte beim Informationskauf ............................... 85
(1) Nacherfüllung ..................................................................................... 85
(2) Rücktritt und Minderung ..................................................................... 86
(3) Schadensersatz bei behebbaren Mängeln ......................................... 87
(4) Gewährleistungsrechte bei unbehebbaren Mängeln, insbesondere
Schadensersatz ................................................................................. 90
cc. Ausschluss und vertragliche Gestaltung der Gewährleistung ................ 90
Exkurs: Ausschluss durch Allgemeine Geschäftsbedingungen .............. 91
dd. Garantien ................................................................................................ 92
ee. Mitverschulden des Nutzers ................................................................... 93
3. Die unentgeltliche Weitergabe von Informationen ............................................ 94
a. Zugang zur Information ................................................................................. 94
aa. Der Vertragsschluss ............................................................................... 94
bb. Die vertragliche Qualifizierung ............................................................... 96
b. Inhalt der Information .................................................................................... 97
aa. Die Gewährleistungsrechte bei unentgeltlichen Informationen .............. 97
bb. Ausschluss der Gewährleistung durch Allgemeine
Geschäftsbedingungen .......................................................................... 98
4. Statuierung einer Vertrauenshaftung? .............................................................. 99
5. Deliktische Ansprüche bei mangelhaften Informationen ................................... 99
6. Produzentenhaftung bei fehlerhaften Informationen ......................................... 102
7. Produkthaftung bei fehlerhaften Informationen? ............................................... 102
I. Die E-Commerce-Richtlinie /Information als Nebenleistung .................................. 105
II. Die 1. Phase: Die Kontaktaufnahme ..................................................................... 106
1. Werbung ............................................................................................................ 106
2. Anbieterkennzeichnung nach dem TDG/MDStV ............................................... 108
3. Anbieterkennzeichnung im Fernabsatzrecht ..................................................... 110
4. Angaben auch Geschäftsbriefen ....................................................................... 111
5. Nicht erforderliche Angaben .............................................................................. 111
III. Die 2. Phase: Vor Vertragsschluss ....................................................................... 112
1. Merkmale der Ware bzw. Dienstleistung ........................................................... 112
2. Angabe des Preises .......................................................................................... 113
3. Angaben beim Vertragsschluss ........................................................................ 115
4. Sonstige Begleitinformationen i.R.d. §§ 312 c ff. BGB ..................................... 117
5. Informationspflichten im Rahmen der Datenerhebung ..................................... 118
6. Zeitpunkt der Informationsabgabe .................................................................... 119
7. Erfüllung der Informationspflichten im Rahmen von Allgemeinen
Geschäftsbedingungen ..................................................................................... 119
8. Form der Informationspflichten vor Vertragsschluss ......................................... 120
9. Sanktionen bei einer Verletzung der Informationspflichten aus §§ 312 c
und e BGB ........................................................................................................ 122
a. Sanktionen aus dem UKlaG und UWG ......................................................... 122
b. Haftung aus c.i.c? ......................................................................................... 123
c. Beeinflussung der Wirksamkeit des Vertrags? ............................................. 124
d. Verschiebung des Beginns der Widerrufsfrist ............................................... 125
e. Bewertung der Sanktionsmöglichkeiten ........................................................ 126
10. Überforderung des Anbieters? ........................................................................ 126
IV. Die 3. Phase: Nach Vertragsschluss ....................................................................127
1. Inhalt und Form der Informationspflichten im Rahmen des Fernabsatzrechts... 127
2. Sanktionen bei Nichterfüllung der Informationspflichten ................................... 129
3. Informationspflichten als allgemeine Nebenpflichten ........................................ 129
a. Die Verletzung einer - sonstigen - leistungsbezogenen Nebenpflicht ...........129
b. Die Verletzung einer - sonstigen - nicht-leistungsbezogenen Nebenpflicht .. 130
4. Informationspflichten bei Übernahme einer Garantie im Rahmen des
Verbrauchsgüterkaufs ....................................................................................... 131
5. Mindestangaben auf Rechnungen .................................................................... 132
6. Informationspflichten des Nutzers ..................................................................... 132
1. Bestimmung des Machtbereichs für den Zugang ............................................. 136
2. Zeitpunkt des Zugangs ..................................................................................... 138
a. Einheitliche Betrachtung von Geschäfts- und Privatverkehr? ...................... 139
b. Längere Abwesenheit des Empfängers ........................................................ 141
II. Die rechtliche Behandlung bei Zugangshindernissen ........................................... 141
1. DSN-Erweiterung im Rahmen von SMTP ......................................................... 143
2. Empfangsbestätigung ....................................................................................... 143
3. „Internet-Einschreiben“ ..................................................................................... 144
4. Keine Anwendbarkeit von § 292 a ZPO ............................................................ 144
1. Staatliche Sanktionen und neue Ansätze ......................................................... 153
2. Datenschutz durch Eigenständigkeit der Nutzer ............................................... 154
3. Hilfe durch Verbände und Gütesiegel? ............................................................. 155
4. Datenschutz durch Hardware ........................................................................... 156
1. Auf der Suche nach dem geeigneten Regulierungsmodell ........................... .... 160
2. Sinn und Zweck der Selbstregulierung ............................................................. 161
3. Selbstregulative Sanktionierung ....................................................................... 161
1. Die Netiquette ................................................................................................... 163
2. Die Gütesiegel als Verhaltenskodizes .............................................................. 164
a. Gütesiegel in der Praxis ................................................................................ 165
b. Mittel zur Eindämmung der Siegelflut? ......................................................... 166
c. Rechtlicher Gehalt der Siegel ....................................................................... 168
aa. Gehalt der Siegel-Garantie? ................................................................... 169
bb. Alternative Streitbeilegung (ADR) im Internet ........................................ 172
(1) Idee und Entwicklung der ADR .......................................................... 172
(2) Prinzipien der ADR ............................................................................ 173
Exkurs: Das UDRP-Verfahren als Beispiel der ODR .......................... 175
(3) Die Durchsetzung des Verhandlungsergebnisses ............................. 175
(4) Das Verhältnis von ADR und Recht ................................................... 178
(a) § 15 a EGZPO .........................................................................…... 178
(b) § 36 a UrhG .........................................................................…....… 180
(c) Zwischenbewertung ........................................................................ 181
(5) Die weitere Entwicklung der ADR/ODR: Problem des Überangebots? ........................................................................................... 182
(6) Bewertung der ADR/ODR ................................................................... 182
cc. Die Bewertung von Gütesiegeln als Verhaltenskodizes ..........................183
3. Sonstige Verhaltenskodizes .............................................................................. 185
Exkurs: Die Robinson-Liste ............................................................................... 185
4. Die unternehmensinterne, individuelle Selbstregulierung ................................. 186
a. Das Bewertungsprofil .................................................................................... 187
b. Die Verschärfung des Bewertungsgedankens - Überwachung einer
Community durch die unternehmensinterne Aufsicht ................................... 188
c. Ein Bewertungsforum als Grundlage eines Internet-Gütesiegels ................. 188
5. Die Einbeziehung vertrauenswürdiger Dritter (TTP) ......................................... 189
6. Vertrauen durch Versicherung? ........................................................................ 190
8. Kapitel - Ergebnisse und Ausblick .........................................................................193
II. Bestehender Regulierungsrahmen ........................................................................ 194
1. Deterritorialisierung des Rechts ........................................................................ 195
2. Extemporalisierung des Rechts ........................................................................ 196
IV. Gefahren der Selbstregulierung ....................................................................... ... 197
ArchBürgR
Art(t).
Alternative/Appropiate Dispute Resolution
Binary Digit (Binärzeichen)
derselbe/dieselbe
Datenverarbeitung Wirtschaft
Verordnung über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und
Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft (Bezeichnung der von der EWG erlassenen
International Network Information Center
International Standardization Organization/Open Systems Interconnection
Lindenmaier-Möhring
TANachrichten
Neue Juristische Wochenschrift - Rechtsprechungs-Report
Gesetz über die Haftung für fehlerhafte Produkte (Produkthaftungsgesetz)
Transaction Number (Transaktionsnummer)
Schriftreihe des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse,
Karlsruhe (fortgeführt als TA-Datenbank-Nachrichten)
Transfer/Transmission Control Protocol
User Instruction Group (Benutzerbefehlsgruppe)
Gesetz über die Wahrnehmung von Urheberrechten und verwandten
Schutzrechten (Urheberrechtswahrnehmungsgesetz)
ZfRSoz
Im Massenphänomen Internet ist mangelndes Vertrauen nach wie vor das grundlegendste Hindernis
für eine Ausnutzung seiner Potentiale. Obwohl allerorten die Informationsgesellschaft1 proklamiert und
angesichts des sich global ausbreitenden Datenstromes das Entstehen einer Netzwerkgesellschaft vorhergesagt wird, stockt die Entwicklung des E-Commerce.2
I. Informationen und Internet
Dabei gewinnt der Handel mit und der Zugriff auf Informationen stetig an Relevanz. Der elektronische
Markt ist längst zum wirtschaftlichen Rückgrat des Internets geworden.3 Informationen sind häufig
entscheidend für Erfolg oder Misserfolg eines Geschäftes. Wer Informationen hat, hat Macht. Damit
geht eine Einteilung der Gesellschaft in zwei Klassen einher: diejenigen, die Informationen besitzen
und diejenigen, die keine haben. Informations-„Insider“ und -„Outsider“. Informationsasymmetrien
gab es allgemein schon immer. Allerdings könnte diese Ungleichverteilung durch die Struktur des Internets geändert worden sein. Denn mit der symmetrischen Eins-zu-eins-Kommunikation macht es den
Nutzer gleichzeitig zum Sender und zum Empfänger.4 Diese Sichtweise wäre jedoch zu einseitig. Vielmehr ist eine Ausdifferenzierung nach verschiedenen funktionalen Teilbereichen erforderlich, denn das
Internet bietet eine ganze Reihe von informationsspezifischen Diensten. In den meisten Teilen bleibt
der asymmetrische Charakter der Kommunikation durchaus erhalten. War früher der Umfang und der
Verbreitungsgrad von relevanten Informationen noch durch das räumlich recht enge Umfeld des Menschen begrenzt, hat sich dies in Zeiten der Globalisierung tiefgreifend geändert. Weltweit sind Informationen wichtiger denn je. Dabei kommt es aber zum einen darauf an, eine Information entsprechend
verwerten zu können und zum anderen auf die Rechtzeitigkeit der Information. Häufig ist sie nur dann
etwas wert, solange nicht auch der Konkurrent sie besitzt. Nicht nur der Inhalt der Information spielt
demnach eine Rolle, sondern auch, wer sie bekommt und wie schnell er sie bekommt. Ein wesentliches
Geschäft der Zukunft wird demnach der Handel und die Verwertung von Informationen sein. Dieser
Entwicklung entspricht die Regelung des Austausches von Informationen als eine der wichtigsten anstehenden Aufgaben des Rechts.
II. Die Situation im Internet
Als ein neues Medium zum relativ schnellen und umfassenden Austausch von Informationen hat sich
in den letzten Jahren mehr und mehr das Internet etabliert und dadurch einen immer größeren Einfluss
als Informationsquelle gewonnen. Die Anzahl der im Internet geschlossenen Rechtsgeschäfte wächst
stetig - auch wenn sich nach der anfänglichen Euphorie in den 1990er Jahren die Zahlen nicht mehr
Der Begriff „Informationsgesellschaft“ steht für eine Wirtschafts- und Gesellschaftsform, in der der produktive Umgang
mit der Ressource „Information“ und die wissensintensive Produktion eine herausragende Rolle spielen; Waldner, S. 4
mwN. Zu den Prinzipien einer humanen und sozialen Informationsgesellschaft vgl. Rolf H. Weber, „From ‚Many Voices
One World’ to ‚Information Society’“, CRi 2004, S. 97 - 104. Vgl. ansonsten nur Eggs, S.1; Corsten, S.1; Weck, S. 222 ff.
Kelly, S. 22; vgl. auch Thome/Schinzer/Hepp, S. 1 f.
Ruess, S. 2 mwN. Zur Begrifflichkeit unter wirtschaftswissenschaftlichen Aspekten s. Corsten, S. 11 f.
Debatin/Funiok/Bohlken, S. 46.
ganz so erwartungsgemäß entwickeln5. Die technologische Grundlage des E-Commerce, das Internet,
wächst dagegen noch immer doppelt so schnell wie die übrige Wirtschaft und schneller als jede andere
Technologie.6 Daher steigt der Wert des Internets als Informationssystem mit jedem Internetzugang,
mit jeder Schnittstelle, die neu eingerichtet wird. Je mehr Teilnehmer durch den Anstieg der Gesamtnutzerzahl erreicht werden können, desto größer ist die Steigerung des Nutzens für den einzelnen.7
Und je mehr Nutzer es gibt, desto größer ist auch der Bedarf des Austausches von Informationen. Da
verwundert es nicht, dass vom Internet als Marktplatz der Zukunft gesprochen wird.
Die abgerufenen Informationen sind häufig die Grundlage für das spätere Verhalten der Nutzer.8 Dabei
ist es unerheblich, zu welchem Zweck das Internet genutzt wird. Ob als Datenbank zur Suche nach
einer bestimmten Auskunft oder als virtuelles Kaufhaus zum Erwerb eines bestimmten Gegenstandes stets ist der Nutzer auf eine korrekte und vollständige Information angewiesen. Im Internet besteht
demnach ein Informationsgefälle zwischen den jeweiligen Kommunikationspartnern. Der eine Teil
stellt die Information zur Verfügung; der andere Teil begehrt sie. „Insider“ und „Outsider“. Eine solche Beziehung birgt die Gefahr, dass der Insider seinen Informationsvorsprung gegenüber dem Outsider missbraucht und diesen - auf welche Weise auch immer - ausbeutet.
Dieser Entwicklung entspricht die Notwendigkeit einer rechtlichen Regelung. Wer Informationen von
einem anderen erwirbt, muss sich darauf verlassen können, dass diese Informationen seinen Bedarf
tatsächlich befriedigen, dass die Informationen also auch die jeweils richtigen Spezifikationen enthalten.
Das bedeutet, dass sie diejenigen sein müssen, die verlangt wurden und dass sie inhaltlich richtig zu sein
haben. Wer keine Information(en) besitzt, muss mangels anderer Möglichkeiten auf die Angaben seines
Gegenübers vertrauen.9 Dies ist ein Grundsatz des Vertrauens. Wer die gewünschte Information schon
hat und weiß, dass sie richtig ist, ist nicht mehr auf Vertrauen angewiesen. Inwiefern das Vertrauen auf
die Richtigkeit und Vollständigkeit von Informationen geschützt werden kann, soll im Rahmen dieser
Arbeit untersucht werden.
III. Die wirtschaftliche Komponente des Vertrauens
Vor allem die wirtschaftswissenschaftliche Literatur, die sich mit dem Internethandel beschäftigt, weist
immer wieder darauf hin, dass das Vertrauen von Internetnutzern gegenüber dem Anbieter Grundbedingung für seinen Erfolg darstellt.10 Vertrauen hängt allerdings von vielen psychologischen Faktoren
und Begleitumständen ab.11 Dies gilt selbstverständlich nicht nur für den Bereich des Online-Handels;
Ruess, S. 3.
Eggs, S. 1. Nach einer Prognose der GfK Medienforschung wird die Nutzung des Internets schon mittelfristig für mindestens die Hälfte der europäischen Gesellschaft zu einem alltäglichen Verhalten werden; GfK, S. 39.
Ökonomen sprechen hier vom Netzeffekt. Die Menge erzeugt den Wert. Kelly, S. 61; Latzer/Schmitz, S. 68 ff.; Timmers,
Weck, S. 4. Damit korrespondiert das Bestreben, den Nutzer vor mangelhaften, manipulierten Informationen zu schützen, vgl. auch Tinnefeld, DuD 2005, S. 328.
Luhmann, Vertrauen, S. 31. Vgl. auch Tinnefeld/Schuster, DuD 2005, S. 78.
Vgl. nur die von der OECD-Konferenz 1998 zum Thema „Elektronischer Geschäftsverkehr“ vertretene Ansicht. Materialien hierzu unter <http://www.ottawaoecdconference.org> sowie als Kurzartikel im DSB 1998, S. 3 f. Weiterhin
Grzebiela, S. 27.
Klietmann/Klietmann, S. 21.
auch bei der Nutzung des Internets als Informationsquelle herrscht eine Unsicherheit der Nutzer hinsichtlich der rechtlichen Abwicklung und der Sicherheit der Übertragungswege. Sie ist ein wesentliches
Hemmnis für deren Vertrauensbildung.
Aus wirtschaftlicher Sicht stehen zwei Begriffe im Vordergrund: Kundenorientierung und Prozessoptimierung.12 Dies sind zentrale Begriffe aus dem Qualitätsmanagement. Die Zugrundelegung und Einhaltung von Qualitätsmaßstäben dient zur Schaffung eines effizienten elektronischen Handels. Dass die
Kunden - gerade in Europa - die Online-Geschäftsmöglichkeiten zurückhaltend nutzen, ist ein Zeichen, dass in Sachen Qualitätsmanagement noch Potenzial für Verbesserungen besteht. Auch wenn
sich viele Nutzer über entsprechende Angebote im Netz informieren, nutzen es bislang jedoch nur
wenige als Handelsplattform.13
IV. Misstrauensgründe sind häufig unspezifiziert
Qualitätsmanagement betrifft nicht nur systematische oder logistische Lösungsansätze, sondern vor
allem auch den rechtlichen Bereich. Vertrauensschutz durch Rechtssicherheit ist eines der Schlagworte.14 Allzu häufig werden die rechtlichen Unwägbarkeiten und die damit verbundenen Risiken vom
Kunden höher bewertet als die Aussicht auf erfolgreiche Geschäfte.15 Berechtigtes Vertrauen in abgerufene Informationen und in die Möglichkeiten des Internets ist daher von dem Gefühl des Kunden abhängig, sich in rechtlich ausgebauten und erprobten Bahnen zu bewegen.
Daher werden bei Umfragen zu Hindernissen des E-Commerce oftmals unbestimmt „Sicherheitsprobleme“ angegeben; es sei sicherer und mache mehr Spaß, im Geschäft einzukaufen. Schließlich wisse
man nicht, was man beim Online-Kauf tatsächlich bekomme.16 Diese Unsicherheit betrifft sowohl
Verbraucherkunden als auch Geschäftskunden. Hinzu kommt die Angst vor Betrug, sei es hinsichtlich
des „herkömmlichen“ Betrugs, z.B. die Nichtlieferung von Produkten trotz Bezahlung, sei es hinsichtlich eines Missbrauchs im Internet, z.B. bezüglich der Kundendaten.17
Ursprung der unspezifischen Vorbehalte sind die gegenüber dem klassischen Ladenbesuch völlig geänderten Einkaufsbedingungen. Vor diesem Hintergrund verwundern auch nicht die bereits während des
E-Commerce-Booms zu hörenden kritischen Töne. „Das Internet, trotz aller Wunder, über die in den
Medien berichtet wird, ist ein schrecklicher Platz, um ein T-Shirt zu kaufen.“, hieß es im Jahre 1997.18
Anders als in einem realen Ladengeschäft sind die Daten, Bilder und sonstigen Informationen, die über
den Bildschirm des Nutzers flimmern, nicht greifbar. Ein reales Geschäft vermittelt dem Kunden die
Sicherheit, einen bestandsfesten Anlaufpunkt zu haben, an den man sich im Falle von Problemen wen12
Merx/Tandler/Hahn/Luhmer, 3.2. Vgl. auch Corsten, S. 210 ff. und Klietmann/Riemer/Totz, S. 183 ff. Zum „Beziehungsmanagement im Internet“ ausführlich Marc Alexandre Ludwig unter dem gleichnamigen Titel, Lohmar/Köln 2000. Als empirischen Beitrag zur Kundenzufriedenheit vgl. Dieter Ahlert/Heiner Evanschitzky/Josef Hesse, „Konsumentenverhalten im Internet: Die E-Zufriedenheit“, in: Klaus-Peter Wiedmann et al., S. 119 ff.
Rieß, TA-Datenbank-Nachrichten 2001, S. 65 ff.
Merx/Tandler/Hahn/Luhmer, 3.3; vgl. auch Gassen, S. 22.
Zum Endowment-Effekt im E-Commerce vgl. Bizer, DuD 2004, S. 69 ff. Allg. Merx/Wierl in Hermanns/Sauter, S. 95.
Ergebnisse einer Studie von Taylor Nelson Sofres (Jahr 2001), vgl. hierzu Rieß, TA-Datenbank-Nachrichten 2001, S. 65 ff.
Rieß, TA-Datenbank-Nachrichten 2001, S. 65 ff.; Latzer/Schmitz, S. 121f.
Krause, 1.2, S. 17. Zitat von Christopher Anderson, CEO Netscape, in einer Sonderausgabe des Economist von 1997.
den kann. Diese Sicherheit geht in der virtuellen Welt verloren.19 Verständlich, bei Betrachtung der Internet-Nutzung in der Praxis: Hat sich ein Nutzer gerade eben noch auf einer Versandwebsite eines
ausländischen Anbieters aufgehalten und in dessen Angebot herumgestöbert - ein Druck auf die Resettaste am Computer, und er befindet sich unmittelbar wieder im heimischen Wohnzimmer, in seiner
eigenen Privatsphäre. Diese Nähe von Privatleben und Geschäftswelt ist mitunter praktisch, erzeugt
aber auch große Unsicherheit bei demjenigen, der im Internet ein Geschäft abschließen und sich damit
rechtlich binden will. Wer weiß, ob das, was er gerade auf dem Bildschirm hatte, beim nächsten Internet-Besuch noch besteht.20
Daneben sorgt eine weitere Besonderheit des Internets für Unsicherheit: Die Tendenz hin zur Kostenfreiheit von Informationen. Informationen können verkauft werden und somit kostenpflichtig sein; sie
können aber auch von Anfang an kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Generell kann allerdings
beobachtet werden, dass Informationen mit zunehmendem Zeitablauf immer günstiger werden - bis
hin zur Kostenfreiheit.21 Informationen sind im Internet frei verfügbar und somit keine knappe Ressource mehr.22 Häufig besteht bei den Nutzern jedoch der Glaube, dass nur das etwas wert sei, wofür
man tatsächlich bezahlen müsse. Ein Beispiel für die Verbilligungstendenz sind EchtzeitAktiennotierungen: Anfänglich waren sie als Informationen direkt vom Insider teuer. Mittlerweile stehen sie so allgemein zur Verfügung, dass sie einem Standard entsprechen müssen, damit Web-Browser
sie einheitlich interpretieren können.23
Die Anbieter sind deshalb gut beraten, sich den Vorbehalten zu stellen und sie auszuräumen. Dies kann
durch Eigenleistung geschehen, aber auch die Legislative und Judikative sind gefordert. Entsprechend
hat sich in den letzten Jahren auf dem Gebiet des Internet-Rechts einiges getan.
V. Ausblick auf den Gang der Untersuchung
Um die verschiedenen Ansätze verfolgen zu können, ist es notwendig, die unterschiedlichen Misstrauensgründe zusammenzutragen und kapitelweise abzuarbeiten. Im ersten Kapitel dieser Arbeit werden
grundsätzliche Begrifflichkeiten geklärt und eine Einteilung der Vorbehalte in verschiedene Problembereiche vorgenommen. Diese Bereiche werden ab dem zweiten Kapitel näher betrachtet.
Um den Anforderungen der Praxis gerecht zu werden, kann es allerdings nicht lediglich bei einer Beschreibung der juristischen Ansätze bleiben, sondern die gefundenen Möglichkeiten müssen sich auch
in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen halten. Daher ist es wichtig, auf die Umsetzbarkeit der
juristischen Lösungen in der Praxis zu achten. Andersherum müssen aber auch bereits bestehende vertrauensbildende Maßnahmen im Rahmen der Selbstregulierung auf ihren juristischen Gehalt hin unter-
Tinnefeld/Schuster, DuD 2005, S. 78.
Vgl. hierzu auch Klietmann/Riemer/Totz, S. 180.
Vgl. Latzer/Schmitz, S. 107 ff.
Klietmann/Piller, S. 90.
Kelly, S. 79.
sucht werden. Bei alledem müssen stets die strukturellen Besonderheiten des Internets und daraus folgend etwaige technische Sicherungsmaßnahmen beachtet werden.24
Den gestellten Fragen nähert sich diese Arbeit auf der Grundlage des deutschen Rechts unter Berücksichtigung der europäischen und weltweit geltenden Regelungen, soweit sie im deutschen Recht beachtet werden müssen. Rechtliche Sicherheit ist grundlegend für die reibungslose Abwicklung des einzelnen Rechtsgeschäfts, gleichzeitig aber auch eines der Grundprinzipien einer jeden Rechtsordnung. Es
würde den Umfang der Arbeit allerdings übersteigen, wenn in die Untersuchung auch Aspekte anderer
Rechtsordnungen einfließen sollten. In Ergänzung mit weiteren Arbeiten auf der Basis anderer Rechtskulturen lässt sich jedoch ein Gesamtbild entwickeln. Ausgehend vom deutschen Rechtsverständnis
sollen daher Grundtendenzen und Lösungsansätze vorgestellt werden, um diese - unter Umständen in
der Entwicklung hin zu einem globalen Recht des Internets25 - zur Diskussion zu stellen.
Mit der Frage des im Einzelfall anwendbaren Rechts beschäftigt sich eingehend die einschlägige Literatur. Denn den Betroffenen interessiert zunächst, ob er ein ihm zustehendes Recht auch gerichtlich
durchsetzen kann. Die vorliegende Arbeit begnügt sich in diesem Zusammenhang nur mit einer Faustregel und verweist ansonsten auf die entsprechende Literatur26: Aufgrund des Schutzgedankens wird
der Streitfall bei Verbraucherverträgen nach dem Recht des Verbrauchers geklärt, während bei Verträgen zwischen Geschäftsleuten oder Verbrauchern untereinander i.d.R. das Recht des Lieferanten Anwendung findet.
VI. Ziel der Arbeit
Mechanismen zur Vertrauensgewinnung - damit beschäftigt sich die vorliegende Arbeit.
Wenn sich auch die Rechtswissenschaft einig ist, dass das Internet keinen rechtsfreien Raum27 darstellt,
so steht doch seine rechtliche Durchdringung noch am Anfang. Daher bewegen sich viele Fälle in der
rechtlichen Grauzone.28 Noch immer wird das Internet als Spielwiese angesehen, auf der sich der Stärkere durchsetzt. Die Einschränkung dieser Fälle durch ein juristisches Bearbeiten des Bodens ist Voraussetzung dafür, die Stellung des Internets als Marktplatz der Zukunft zu festigen. Dazu will die vorliegende Arbeit ein Stück beitragen.
Angedeutet bei Roßnagel, MMR 2002, S. 69 f.
Dieser Gedanke wird im Kapitel „Ergebnisse und Ausblick“, unter I. weitergeführt.
Instruktiv Pfeiffer, JuS 2004, S. 282 ff. sowie Helmut Rüßmann, „Verbraucherschutz im Internet“, K&R 1998, S. 129 ff.
Explizit mit der internationalen Zuständigkeit aufgrund der EuGVVO beschäftigen sich Nina Wernicke/Vera Hoppe,“Die
neue EUGVVO - Auswirkungen auf die internationale Zuständigkeit bei Internetverträgen“, MMR 2002, S. 643 ff.
Z.B. Schwerdtfeger, S. 8; Merx/Tandler/Hahn/Luhmer, 3.3.
Entsprechend negativ fällt eine Analyse diverser Rechtspraktiken bei Online-Shops aus, Merx/Tandler/Hahn/Luhmer, 3.3.
1. Kapitel - Gegenstand der Untersuchung
Hatten die ersten Großrechner noch experimentellen Charakter und konnten nur einfache Befehle ausführen, ergaben sich mit ihrer Weiterentwicklung und geschäftlichen Nutzung mehr und mehr Möglichkeiten, Informationen zu speichern, zu nutzen und zu verarbeiten. Mit der Einführung des „Personal Computer“ für den privaten Haushalt Mitte der siebziger Jahre haben sich diese Möglichkeiten exponentiell gesteigert. Die breite Vernetzung der PCs durch das Internet war ein weiterer entscheidender
Schritt für einen schnellen und unkomplizierten Datenaustausch. Das Volumen des Informationsaustausches hat sich damit sprunghaft erhöht. Die zunehmende Verfeinerung der Netzwerktechnik trägt
ihr übriges zur fortlaufenden Entwicklung bei. Das Internet hält die verschiedensten Möglichkeiten der
Informationsbeschaffung bereit, von einfachen Gratisinformationen bis hin zu kostenpflichtigen Informationsdiensten für einen fachkundigen Nutzerkreis. In den meisten Fällen besteht ein Bedarf nach
zeitgemäßen und zügig bereitgestellten Informationen, denn mit fortschreitendem Zeitablauf verlieren
Informationen an Aktualität und damit an Wert. Durch seine Geschwindigkeit läuft das Internet langsameren Informationsquellen, wie Zeitungen oder Auskunftsdiensten, den Rang ab. Es ist ein neues
Feld wirtschaftlicher Betätigung.1
I. Gründe für die Unsicherheit im Internet
Die Skepsis der Nutzer dem neuen Medium gegenüber ist ein Produkt mehrerer Faktoren. Entsprechend stellen sich die Gründe der Unsicherheit bezüglich dem Internet und seiner geschäftlichen Möglichkeiten undifferenziert dar. Aufgabe ist es daher, die unterschiedlichen Faktoren zusammenzutragen
und in sinnvolle Einheiten aufzuteilen, die dann in den folgenden Kapiteln näher betrachtet werden.
Die folgende Zusammenstellung gibt demnach zugleich den Gang der Arbeit wieder. Dies gewährleistet
eine systematische Aufarbeitung der verschiedenen Problembereiche.
Dabei lassen sich allerdings nicht alle Faktoren berücksichtigen. Häufig spielen in den Motivbündeln
der Nutzer auch Umstände eine Rolle, die keiner rechtlichen Untersuchung zugänglich sind, wie das
Image der handelnden Akteure oder das Markenimage der Produkte. In dieser Arbeit werden jedoch
nur diejenigen Faktoren behandelt, die mit der Sicherheit von Geschäften und damit verbundener
Transaktionen zusammenhängen.2
- Im Internet besteht eine Atmosphäre der Unverbindlichkeit, sei es beim Abschluss oder der Erfüllung von Geschäften, sei es bezüglich der Richtigkeit oder der Vollständigkeit von Informationen.
Ein Verhalten im Internet scheint nicht unbedingt rechtliche Auswirkungen zu haben. Das Internet
Vgl. Rauschning, S. 132. Von Kelly wird Kommunikation - der Austausch von Informationen - sogar mit der Wirtschaft
gleichgesetzt, S. 14. In diese Richtung auch Brin, S. 178 ff.: „All the world is a digital marketplace“.
In der einschlägigen Literatur wird dieses Schlagwort häufig auch als Misstrauensgrund per se angegeben, vgl. Rieß, TADatenbank-Nachrichten 2001, S. 65 ff.; Merx/Tandler/Hahn/Luhmer, 3.2; Klietmann/Klietmann, S. 20.
stellt sich als „rechtsfreier Raum“ dar.3 „Rechtsfrei“ wird in diesem Kontext also „folgenlos“
gleichgesetzt.4
Dieser Unverbindlichkeit ließe sich mit einer Vertrauenshaftung begegnen. Gemäß dem Titel dieser
Arbeit, „Vertrauensschutzmechanismen im Internet“, werden daher im zweiten Kapitel Gedanken zu
einer allgemeinen Vertrauenshaftung im Internet angestellt. Eine solche Haftung könnte auch
die Lösung für weitere Misstrauensgründe darstellen. Denn Vorbehalte haben die Nutzer auch wegen
der Flüchtigkeit der Daten, die jederzeit scheinbar willkürlich verändert oder gelöscht werden können, ohne dass dies erkennbar ist. Dies betrifft mithin die Beständigkeit von Informationen. Mittels
einer Vertrauenshaftung könnte der Nutzer u.U. vor der missbräuchlichen Änderung von Daten geschützt werden. Die Unverbindlichkeit im Internet rührt auch von einer generellen Anonymität her.
„On the Internet, nobody knows you’re a dog“ lautet denn auch ein bekannter Satz unter einer Karikatur, die einen Hund beim Internet-Surfen vor dem Computerbildschirm zeigt. Tatsächlich kann jeder Nutzer seine „Web-Identität“ nach Belieben ändern. Dies führt dazu, dass sich im Internet die
Wenigsten festlegen und für ihr Verhalten einstehen wollen. Werden an ein bestimmtes Verhalten
Rechtsfolgen geknüpft, wird dem oft entgegengesetzt, es sei doch alles gar nicht so gemeint gewesen.
Jedoch ist ein Nutzer, der sich im Netz ernsthaft rechtsgeschäftlich binden will, darauf angewiesen,
dass sein Gegenüber nach der gleichen Maßgabe handelt. Insofern muss untersucht werden, unter
welchen Umständen nicht auf die Unverbindlichkeit des Netzes verwiesen werden kann.
- Wer das Internet als Informationsquelle nutzt, möchte Gewissheit darüber haben, ob abgerufene
Informationen auch inhaltlich richtig sind, und zwar unabhängig davon, ob sie kostenpflichtig oder
kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Daher müssen die damit einhergehenden Rechte - und im
Falle des Abrufs „mangelhafter“ Informationen entstehenden Schadensersatzansprüche betrachtet
werden. Dementsprechend geht es im dritten Kapitel um den rechtlichen Schutz des Nutzers hinsichtlich der Richtigkeit und Vollständigkeit von Informationen.
- Wer das Internet als Handelsplattform nutzt, braucht bestimmte Informationen im Hinblick auf
einen evtl. Vertragsschluss. Dies betrifft zunächst die Identität des Geschäftspartners, um so einen
Missbrauch virtueller Identitäten ausschließen zu können. Hierbei könnten auch technische Besonderheiten des Internets eine Erleichterung bringen, wenn z.B. mittels Benutzerregistrierung die Teilnehmer zweifelsfrei festgestellt werden können.
Ebenso betrifft es alle weiteren Informationen, die für einen Vertragsschluss wichtig sind. Eine vom
Nutzer nicht zu erkennende Änderung von Informationen auf einer Website kann zu Irrtümern und
damit zum Abschluss eines so nicht gewollten Geschäftes führen. Hinzu kommt das Problem, dass
bestimmte Tatsachen nicht mehr bewiesen werden können, wenn die betreffenden Daten gelöscht
wurden. Zur Sicherung der Beständigkeit könnte neben der zunächst angedachten Vertrauenshaftung
eine Verpflichtung zur Vorhaltung von bestimmten Mindestinformationen entgegengesetzt werden.
Vgl. nur Schwerdtfeger, S. 8; Merx/Tandler/Hahn/Luhmer, 3.3.
Waldner, S. 40 mwN.
Auch Orientierungsprobleme sind ein Grund für den Nutzer, ein Online-Angebot nicht wahrzunehmen. Wer zu viel Zeit mit der Suche nach dem gewünschten Produkt verbringt, wird sich schnell
wieder vom E-Commerce abwenden.5 Alle in diesem Zusammenhang auftretenden Probleme werden im vierten Kapitel behandelt.
- Seinerseits möchte der Nutzer bei der Abgabe von Informationen sichergehen, dass diese den
Empfänger auch erreichen. Dies betrifft im Rahmen rechtsgeschäftlichen Handelns häufig die Abgabe von Willenserklärungen. Dabei stellt sich auch die Frage, ob der Nutzer den Zugang einer Willenserklärung beweisen kann. Das wird im fünften Kapitel geklärt.
- Die Eigenheiten des Internets können durchaus gegensätzliche Vorbehalte auslösen. Verunsichert
die generelle Anonymität bezüglich der Identität des Gegenübers, möchten dennoch die wenigsten
ihre Kontaktdaten gerne unmittelbar preisgeben. Zu groß ist die Befürchtung, dass der Nutzer zum
gläsernen Menschen werden könnte. Daher sind viele Nutzer besonders empfindlich, was den
Schutz ihrer persönlichen Daten angeht.6 Auch bei der Übertragung können Daten ausgespäht
werden. Wenn es auch mittlerweile technische Möglichkeiten gibt, ungebetenen Zugriff auf den eigenen Computer abzuwehren, ist damit noch nicht das Problem der Spuren beseitigt, die der Nutzer
beim Surfen u.U. hinterlässt und die wertvolle Hinweise über seine Person liefern können. Wie die
Übertragungswege gesichert werden können, ist nicht nur eine Frage des Rechts, sondern auch eine
Frage der Technik und wird im sechsten Kapitel näher ausgeführt.
- Wenn auch die Anbieter der Erforderlichkeit eines Qualitätsmanagements gewahr wurden, vergessen
sie doch häufig, dass es sich beim E-Commerce v.a. um eine Technologie handelt, die jedoch nicht
unbedingt immer kundenorientiert eingesetzt wird.7 Die Virtualität und räumliche Trennung erschwert die Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit des Anbieters.8 Versäumnisse bei der Kundenorientierung sollen durch eigene Initiativen im Rahmen einer Selbstregulierung aufgeholt werden.
Die Zugrundelegung und Einhaltung von Qualitätsmaßstäben dient der Schaffung eines effizienten
elektronischen Handels. Qualitätskriterien werden durch neue Ansätze wie beispielsweise Gütesiegel
für Online-Shops bewiesen.9 Dies ist Thema des siebten Kapitels.
- Im achten Kapitel schließlich werden die Ergebnisse der vorangegangenen Problembereiche nochmals kurz zusammengefasst und ein Ausblick auf die weitere Entwicklung im Internet gegeben.
Insgesamt zeigt sich, dass die Sicherheit der Geschäftstransaktionen maßgeblich von Verbindlichkeit
und Verlässlichkeit durch transparente Regeln beeinflusst wird.10 Vor allem bei Verbraucherverträgen
besteht seitens der Verbraucher-Kunden noch Unsicherheit über die rechtlichen Bestimmungen. Dabei
ist es unerheblich, welche Rolle die Information im Rahmen des rechtsgeschäftlichen Handelns spielt,
Puchert, S. 12; Klietmann/Klietmann, S. 27 und 37.
Puchert, S. 12.
Klietmann/Schögel, S. 212
Klietmann/Riemer/Totz, S. 176.
Merx/Tandler/Hahn/Luhmer, 3.2.
Hoeren/Queck/Hahn, S. 146.
ob sich das Geschäft mithin im Abruf der Information erschöpft oder ob sie als Begleitinformation einem anderen, darüber hinausgehenden Geschäftszweck dient.
Mittlerweile sind im Text schon einige Male die Begriffe „Information“, „Vertrauen“, „rechtliche Sicherheit“ und „Transparenz“ gefallen. Um sie sachgerecht verwenden zu können, ist es wichtig, vorab
die genauen Begrifflichkeiten und ihren Zusammenhang zu klären. Scheint dies auch müßig zu sein,
weil es sich bei diesen Begriffen um keine Fachtermini handelt und sie daher allgemein bekannt sind, ist
es gleichwohl schwierig, solch abstrakte Ausdrücke in umschreibende Worte zu fassen. Dies umso
mehr, wenn es um eine präzise Anwendung im Recht geht und diese Begriffe quasi technisch verwendet werden.
Das Internet ist Beziehungstechnologie, ein Medium der Kommunikation.11 Kommunikation dient
dabei zunächst einmal dem Austausch von Informationen.12 Dieser Austausch muss durch Sicherungsmechanismen geschützt werden, um so Vertrauen bei den Nutzern zu erzeugen. Schutzmechanismen können dabei entweder beim Nutzer selbst oder bei der ausgetauschten Information ansetzen.
Ob sich einer dieser Ansätze alleine durchsetzt oder beide nebeneinander stehen, wird in den folgenden
Kapiteln untersucht. Zu diesem Zweck müssen zunächst die Besonderheiten der Information betrachtet werden.
Als in den 1970-er Jahren erste Überlegungen zum Gegenstand eines Informationsrechts gemacht wurden, versuchte man, die Information als Begriff abzugrenzen. So entstand eine Fülle von Definitionen,
die jedoch allesamt die Information in ihrer Gesamtheit nicht zu erfassen vermochten, sondern lediglich verschiedene Situationen des Informationsaustauschs behandelten.13 Teilweise wurde Information
auch nur in ihrer Auswirkung beschrieben.14 Mit der Zeit kam die Erkenntnis, dass die Information als
solche juristisch nicht zu definieren sei. „Niemand weiß, was Information ist“.15 Folglich kann auch
niemand benennen, was Information darstellt. Informationen existieren aber trotzdem; sie sind allgegenwärtig. Versuche, eine Definition möglichst weit zu fassen, münden in konturlose Begrifflichkeiten.
Daraus folgt auch die Erkenntnis, dass eine umfassende Beschreibung der Information als jede
„Kenntnisbeziehung zu jedem realen und irrealen Gegenstand der Welt“16 nicht weiterführt.17
Vgl. nur Kelly, S. 190; Ruess, S. 1.
Daher auch die Bezeichnung „Informationsübermittlungssystem“ von Rauschning, S. 129.
Beispielhaft sollen hier nur die Bemühungen von Wersig genannt werden, der entsprechend dem Erscheinen der Information 16 verschiedene Definitionen zusammenstellte, Wersig S. 28 ff.; vgl. auch die Anm. von Gaigl, DSWR 1978, S. 39
ff. sowie Weck, S. 3 mwN. Kloepfer spricht von den verschiedenen „Dimensionen“ der Information, § 1, Rn. 53 ff.
Information als „nationaler Rohstoff“, Pietsch, IBM-Nachrichten 1961, S. 1338.
Hoeren, JuS 2002, S. 947.
Welp, IuR 1988, S. 445.
Hoeren, JuS 2002, 948.
Immerhin muss es möglich sein, sich diesem Phänomen durch Beschreibung seiner Eigenschaften zumindest anzunähern. Auch wenn die „Information“ einer Bestimmung nicht zugänglich ist, muss ihr
jedoch - in ihrer Funktion als Rechtsgut18 - der für die rechtliche Behandlung erforderliche Inhalt gegeben werden.
- Die bloße Information an sich ist nicht körperlich. Folglich ist sie nach Wertung des Bürgerlichen
Rechts, § 90 BGB, keine Sache.19 Sie ist auch kein Recht, da sie niemanden unmittelbar in die Lage
versetzt, von einem anderen etwas verlangen zu können oder etwas im Rahmen der objektiven
Rechtsordnung zu verändern. Das BGB ist hingegen auf diese klassische Dichotomie ausgelegt.20 Information lässt sich also nicht so einfach in den Kanon der „Gegenstände“ im Sinne des BGB einordnen.
- Informationen können von einer Person auf die andere übertragen werden. Gegenüber einer Sache
oder einem Recht gibt es jedoch einen wesentlichen Unterschied. Die Information steht nach der
Übertragung nicht ausschließlich dem Erwerber zur Verfügung, sondern verbleibt gleichzeitig beim
Veräußerer.21 Denn dieser besaß die Information und besitzt sie auch nach Weitergabe. Eine Besonderheit der Information ist demnach ihre beliebige Reproduzierbarkeit.22 Das hat zur Folge, dass sich
nur schlecht Ausschließlichkeitsrechte an einer Information begründen lassen.23 Zu untersuchen ist
demnach stets, wem eine Information zugeordnet werden kann.
- Anders als bei einer Sache können verschiedene Personen an verschiedenen Orten dieselbe Information zeitgleich nutzen, ohne sich dabei gegenseitig in der Nutzung der Information, d.h. im Konsum
des Gutes, zu behindern.24
- Informationen können wertvoll oder wertlos sein. Der Wert einer Information hängt von drei Faktoren ab. Zum ersten kommt es darauf an, wer die Information besitzt. Eine fachliche Information
nutzt einem Laien weniger als einem Experten, da er diese nicht umsetzen kann. Insofern ist der
Wert der Information vom Hintergrundwissen abhängig.25 Zum zweiten ist entscheidend, wie viele
Menschen diese Information besitzen.26 Für die Weitergabe einer raren, u.U. geheimen Information
werden höhere Preise bezahlt als für einfacher zu erlangende Informationen. Je öfter eine Information weitergegeben wird, desto mehr Personen besitzen sie und umso weniger ist sie auch wert. Wenn
schließlich jeder sie kennt, ist niemand mehr bereit, dafür zu zahlen. Durch ihre unbegrenzte Reproduzierbarkeit hat die Information also eine Tendenz hin zur Kostenlosigkeit. Zum dritten muss der
Zeitfaktor beachtet werden. Eine Information, die zu spät kommt, nützt weniger als eine rechtzeitige.
Dass Information ein Rechtsgut darstellen kann, darüber besteht Einigkeit, vgl. beispielsweise die nur nebensächliche
Erwähnung bei Kloepfer, § 1, Rn. 55 sowie bei Debatin/Funiok/Weber, S. 98.
Daher werden - wie auch in den anderen Rechtsordnungen - bezüglich Informationen überwiegend nicht die Vorschriften zur Regelung einer Sache angewandt; Sieber, NJW 1989, S. 2574 f.
Spindler/Klöhn, CR 2003, S. 82; ähnlich Hoeren, NJW 1998, S. 2849.
Mehrings, NJW 1993, S. 3103.
Sieber, NJW 1989, S. 2577.
Mehrings, NJW 1993, S. 3102.
Luft, S. 73.
Vgl. Hoeren, JuS 2002, S. 948.
Es wird deutlich, dass Informationen ein anderes Gut darstellen als Sachen oder Rechte. Informationen scheinen nur dann greif- und damit regelbar, wenn sie an einen stofflichen Informationsträger
gebunden sind.27 Die Rechtswissenschaft hat Schwierigkeiten bei der Beurteilung von reinen Informationen und den Fragen ihrer Übertragung. Dies verstärkt das Erfordernis, den Austausch von Informationen zu regeln. Sicher ist zumindest, dass Informationen weitergegeben werden können.
Beim Erwerb von Informationen stellt sich die Frage nach der Vertragstypisierung, ob Informationen
beispielsweise ein dem Gesetz nach zulässiger Kaufgegenstand sind. Wenn das BGB von Sachen und
Rechten als Kaufgegenstand ausgeht, erscheint es schwierig, hier auch Informationen mit einzubeziehen. Tatsächlich hat sich der BGH auch nur in wenigen Fällen für eine kaufrechtliche Mängelgewährleistung ausgesprochen, die zumindest mittelbar Informationen betraf.28 Daher besteht die Notwendigkeit, diesbezügliche Rechtsfragen zu klären. Denn häufig werden in diesem Bereich Vorschläge gemacht, die schlichtweg unrealistisch, weil undurchführbar sind.29 Um eine rechtlich korrekte Behandlung von Informationen zu gewährleisten, werden Überlegungen bezüglich einer eigenen Informationsrechtsordnung angestellt.30 Nach Vorstellung der Befürworter soll in Zukunft ein eigenständiges Informationsgesetzbuch (InfoGB) entstehen.31 Auch wenn diese Überlegungen auf dem Datenschutzrecht
gründen32 und daher nicht unmittelbar die soeben genannten rechtlichen Fragen behandeln, ist doch
deutlich eine Tendenz hin zur rechtlichen Emanzipierung der Information spürbar.33
Nach alledem lässt sich jedenfalls feststellen, dass Informationen aufgrund ihres besonderen Charakters
anders als Sachen oder Rechte behandelt werden müssen. Daher wird zu prüfen sein, inwiefern aufgrund dieser Besonderheiten bestehende Regelungen differenziert oder Analogien vorgenommen werden müssen.
Exkurs: Das Verhältnis von Daten zu Informationen
Der Austausch von Informationen zwischen Computern geschieht durch Datenversand auf elektronischem Wege. Dabei werden elektrische Impulse versandt, die sich auf unterster Ebene auf „Strom
fließt“ oder „Strom fließt nicht“, auf 1 oder 0 reduzieren lassen. Ob der Zustand 1 oder 0 besteht, ist
für den Computer eine Art von Information. Daher stellt sich die Frage, wie sich Daten und Informationen zueinander verhalten. Der Datenbegriff ist in diversen Kontexten gesetzlich definiert worden.
Vgl. hierzu die Rspr. zum Stichwort „Software als Sache“. Mehr dazu im Kapitel „Das Internet als Informationsquelle“,
unter II. 2. a. bb. (1).
BGH NJW 1958, 138 ff.: Ein tendenziöses Geschichtsbuch wurde als nur eingeschränkt verwertbar beurteilt. BGH
NJW 1970, 1973 ff.: Ein Medizinbuch war mit besonders vielen Druckfehlern behaftet. Bei beiden Entscheidungen
konnte der BGH jedoch gedanklich insoweit auf die Sacheigenschaft abstellen, als die fehlerhafte Information als
Druckwerk und damit als Sache vorlag.
So zum Thema Sperrung und Filterung ausdrücklich Schneider, MMR 2004, S. 18.
Vgl. den Vorschlag von Ingwer Ebsen, „Öffentlich-rechtliche Rahmenbedingungen einer Informationsordnung“,
DVBl. 1997, S. 1039 ff. Natürlich werden solche Erfordernisse auch bestritten, hier nur Druey, S. 106.
Beschluss des 62. Deutschen Juristentages in Bremen 1998, Abteilung Öffentliches Recht Nr. 4, DVBl. 1998, S. 1218;
Kloepfer, K&R 1999, S. 241 ff.
Vgl. Kapitel „Datenschutzrechtliche Grundlagen“, unter IV.
Vgl. hierzu auch das am 01.01.2006 in Kraft getretene „Informationsfreiheitsgesetz des Bundes“ und der gleichnamige
Aufsatz von Dieter Kugelmann, NJW 2005, S. 3609 - 3613.
Nach § 202 a Abs. 2 StGB sind Daten „elektronisch, magnetisch oder sonst nicht unmittelbar wahrnehmbar gespeichert“. Daten sind nach diesem Verständnis Informationen, die nicht unmittelbar zugänglich sind. Die Formulierung des Gesetzes legt jedoch nahe, dass insoweit nur der Anwendungsbereich der Norm, nicht jedoch der Datenbegriff als solcher eingeschränkt werden sollte.34 Insofern existieren auch andere Legaldefinitionen: Nach § 3 Abs. 1 BDSG sind Daten „Einzelangaben über persönliche oder sachliche Verhältnisse“. Bei einer solchen Definition besteht wiederum die Gefahr der Uferlosigkeit. Es entsteht der Verdacht, dass sich Daten und Informationen begrifflich nicht sauber voneinander trennen lassen.35 So wird denn auch versucht, sich den Daten - ebenso wie den Informationen durch Herausarbeitung ihrer Eigenschaften zu nähern.36 Eine hilfreiche und insoweit auch akzeptable
Charakterisierung wird durch die DIN 44300 Nr. 19 vorgenommen. Hiernach sind Daten „Gebilde aus
Zeichen oder kontinuierliche Funktionen, die aufgrund bekannter oder unterstellter Abmachung Informationen darstellen“.37 Dies führt zumindest insofern weiter, als deutlich wird, dass Informationen
und Daten fest voneinander abhängen. § 3 Abs. 2 UIG bestätigt dies, wonach (Umwelt-)Informationen
„alle in Schrift, Bild oder auf sonstigen Informationsträgern vorliegenden Daten“ sind. Entsprechend
führt die Kommentierung aus, dass „Information [...] jedes gespeicherte Datum“ ist.38 Eine Trennung
der beiden Begriffe ist demnach nicht möglich. Daten stellen nichts anderes dar als digitalisierte Informationen. Bei der Betrachtung von Daten und Informationen müssen also gleichermaßen deren entsprechende Besonderheiten berücksichtigt werden.39
2. Das Verhältnis von Vertrauen und rechtlicher Sicherheit
Auch „Vertrauen“ ist als Begriff schwer zu fassen. Das liegt daran, dass Vertrauen ein solch weitgreifendes Phänomen ist, dass sich gleich mehrere Wissenschaftsdisziplinen mit ihm beschäftigen. Je nachdem, aus welcher Perspektive das Vertrauen betrachtet wird, stehen andere Eigenschaften im Vordergrund. Wenn auch im Rahmen dieser Arbeit v.a. rechtswissenschaftliche Aspekte behandelt werden,
genügt es dennoch nicht, den Begriff rein juristisch zu bestimmen. Denn die Frage des Vertrauens der
Nutzer im Internet lässt sich nicht nur mit juristischen Ansätzen erfassen. Vertrauen ist hier vielschichtiger. Daher ist es wichtig, vorab die Zusammenhänge des Entstehens von Vertrauen zu erläutern.
Wie schwierig es ist, Vertrauen zu erklären, zeigt sich in den vielen Versuchen, das Phänomen zu umschreiben. Vertrauen wird als elementarer Bestandteil des sozialen Lebens40 beschrieben. Es zielt auf
Sicherheit im zwischenmenschlichen Umgang41 ab und bezeichnet daher vor allem eine innere Einstellung gegenüber anderen. Gerade weil Vertrauen von der individuellen Einstellung des einzelnen ab34
Schönke/Schröder/Lenckner, § 202 a, Rn. 3; Welp, IuR 1988, S. 444.
Beispielhaft sei hier Rauschning genannt, der die „Computer-Kommunikation“ als „Informationssystem“ und Information als „im Binärcode gespeichert“ bezeichnet, S. 129 ff.
Vgl. Luft, S. 73, der Daten aufgrund ihrer Eigenschaften als spezielle Informationen ansieht.
Müller/Pfitzmann/Dierstein, S. 36.
Turiaux, §§ 2,3, Rn. 37.
Zur begrifflichen Unterscheidung von „Computerrecht“, „Internetrecht“, „IT-Recht“ und „Telekommunikationsrecht“
Schulte/Dreier/Würfel, S. 525 ff.
Luhmann, Vertrauen, S. 1; Schwarz, S. 31.
Schottlaender, S. 19.
hängt, ist es eine persönlichkeitsspezifische Variable42, die mithin eine von Person zu Person unterschiedliche Intensität erfährt. Im Cyberspace ist es ein knappes Gut, das weder gekauft noch heruntergeladen werden kann. Denn Vertrauen entsteht nicht unmittelbar. Vielmehr bildet es sich nur langsam, ist u.U. jedoch schnell wieder zerstört.43 Das liegt daran, dass Vertrauen eine bestimmte Erwartung
gegenüber dem anderen beinhaltet.44 Was Inhalt und Grund dieser Erwartung ist, ist die Kernfrage, der
in den verschiedenen Wissenschaften nachgegangen wird.
a. Inhalt der Erwartung
Wer einem anderen vertraut, verlässt sich auf ihn.45 Denn Vertrauen begründet die Erwartung, der andere werde sich an das Vereinbarte halten. Andersherum gesagt: Der andere wird mit seinem Verhalten
den Erwartungen des Vertrauenden gerecht.46 Daher wird Vertrauen allgemein beschrieben als „Erwartung gegenüber einer Person [...], daß diese sich hinsichtlich eines bewußtgemachten Ereignisses dem
Vertrauenden gegenüber zumindest nicht opportunistisch“47 verhält. Vertrauen ist hiernach die berechtigte Erwartung, dass sich der andere nicht eigennützig verhält. Wer eigennützig handelt, handelt zu
seinem eigenen Vorteil. Wieso sollte sich der andere also gerade nicht so verhalten? Dies liegt an der
Interessenabwägung im Verkehr: Wer vertraut, gibt ein Stück seiner Sphäre preis. Vertrauen birgt aus
diesem Grund stets die Gefahr der Verletzlichkeit und beinhaltet damit Konfliktpotenzial. Wer sich auf
einen anderen verlässt, geht automatisch das Risiko eines Vertrauensbruches ein.48 Prägnant formuliert
ist Vertrauen „riskante Vorleistung“49. Vertrauen beinhaltet damit stets die Gefahr einer Fehlentscheidung.50
Der Vertrauende ist somit zumindest zum Teil vom anderen abhängig. Dies führt zu einem Gefälle
zwischen Vertrauendem und Vertrautem und ist dem gemäß ein Grund für die Herleitung von Verhaltensregeln innerhalb der Gesellschaft.51 Auf juristischer Ebene wird der Schutzbedürftigkeit des Vertrauenden insoweit Rechnung gezollt, als das Vertrauen von der Rechtsordnung in gewissem Umfang
gesichert wird.52 Das ist der Ursprung des gesetzlichen Vertrauensschutzes. Folge dieses gesetzlichen
Schutzes ist es, das an sich so unerzwingbare Naturell des Vertrauens in rechtliche und damit auch gerichtlich durchsetzbare Bahnen zu lenken.53 Erzwingbar ist dabei allerdings stets nur das, was die Folge
Plötner, S. 61.
Plötner, S. 117. Vertrauen ist demnach ein sehr „fragiles Gut“, Lihotzky, S. 129 mwN.
Schwarz, S. 31 und S. 35 mwN; Eichler, S. 4.
Vgl. insoweit die begriffliche Gleichsetzung bei Eichler, S. 16; ebenso Wolf/Larenz, § 2, Rn. 32.
Vgl. die Ausführungen von Plötner, S. 41.
Plötner, S. 36; Eggs, S. 72 f. mwN; Hladjk, DuD 2002, S. 598; ähnlich Grzebiela, S. 97.
Schottlaender, S. 31. Eine Risikosituation als Voraussetzung des Vertrauens ist in der soziologischen Literatur weit verbreitet, vgl. Luhmann, Vertrautheit, S. 148; Hartmann/Offe/Hartmann, S. 19, wenn auch nicht völlig unumstritten, vgl. Hartmann/Offe/Lagerspetz, S. 102 ff. (der aber letztlich nur das Risiko als Ausformung der Ethik bezeichnet und daher anders
verortet, S. 112); Hartmann/Offe/Endreß, S. 173.
Luhmann, Vertrauen, S. 27. Im Rahmen eines synallagmatischen Vertrages ist diese Idee auch schon in Hobbes’ Leviathan
angeklungen: Erbringt eine Partei ihre Leistung vor der anderen, so muss sie ihr in der Zwischenzeit Vertrauen entgegenbringen, Kapitel XIV.
Plötner, S. 11 mwN; ähnlich Hladjk, DuD 2002, S. 598.
Luhmann, Vertrauen, S. 1.
Vgl. Eichler, S. 1; Luhmann, Vertrauen, S. 29.
Schottlaender, S. 32.
des Vertrauens darstellt. Das Vertrauen selbst bleibt nur Auslöser des rechtlichen Schutzes, kann aber
niemals selbst gerichtlich erzwungen werden.54
b. Grund der Erwartung
Neben der Frage, was die Erwartung beinhaltet, ist entscheidend, was überhaupt der Grund für den
Vertrauenden ist, sich auf eine andere Person zu verlassen.
Vertrauen entsteht meist über einen langen Zeitraum hinweg und über vielfache Vertrauensbeweise.55
Gründe für die Entstehung von Vertrauen gibt es viele. Neben einfacher menschlicher Zuneigung56
kommen Erfahrungswerte in Betracht. Wer vertrauen übt, tut dies aufgrund seiner Erfahrung, die er im
Umgang mit dem anderen gesammelt hat. Allgemein sucht der Vertrauende objektive Anhaltspunkte
dafür, ob sein Vertrauen gerechtfertigt ist oder nicht.57 Dafür braucht er allerdings bereits vorher Informationen, auch wenn diese noch nicht vollständig oder zuverlässig sind. Beim Vertrauensakt werden
diese Informationen „überzogen“58. Insofern entsteht Vertrauen in einem Zustand, der sich zwischen
umfassender und Nicht-Informiertheit seitens des Vertrauenden bewegt.59 Daher ist Ziel des Vertrauens stets das Erreichen eines hohen Informationsstandes.60
Dabei können verschiedene Faktoren für das erforderliche Mindestmaß an Informationen sorgen. Zunächst kann das System selbst, in dem es zum Vertrauen kommt, seine Entstehung veranlassen.61 Dies
geschieht durch die Kontrolle, die das System ausübt, m.a.W. im Rahmen des Rechts durch rechtliche
Sicherheit.62 Auch im wirtschaftlichen Bereich wird aus dem Blickwinkel des Qualitätsmanagements auf
die rechtliche Sicherheit als unabdingbare Voraussetzung für Vertrauen verwiesen.63 Die Behebung
mangelnder rechtlicher Sicherheit ist daher ein Ansatzpunkt zur Schaffung käuferzentrierter Systeme.
Grund hierfür ist die Umwandlung des klassischen Verkäufermarktes in einen Käufermarkt64 aufgrund
des generellen Übersteigens der Nachfrage durch das Angebot65. Doch nicht nur dem Kunden kommt
rechtliche Sicherheit bei der Geschäftstransaktion zugute, auch der Anbieter profitiert hiervon. Neben
der gewonnenen Planungssicherheit bewirkt sie eine Reduzierung der Kosten durch die Erleichterung
der Auftragsabwicklung.
So wird der Rechtsschutz nicht ausgelöst mit der Argumentation, jemand sei vom anderen dazu gezwungen worden, ihm
gegenüber Vertrauen auszuüben.
Kelly, S. 184.
Dieser Vertrauensgrund mag für die Psychologie interessant sein, spielt in rechtlicher Hinsicht jedoch keine Rolle und
soll daher außer Betracht bleiben.
Luhmann, Vertrauen, S. 40.
Luhmann, Vertrauen, S. 47. Ähnlich Hladjk, DuD 2002, S. 597 f.
Luhmann, Vertrauen, S. 112.
Nach Luhmann ist Vertrauen darauf angewiesen, dass die Risikoneigung unter Kontrolle gehalten und damit die Enttäuschungsquote nicht zu groß wird, Vertrauen, S. 118.
Backhaus, S. 1.
Vgl. Nieschlag/Dichtl/Hörschgen, Marketing, S. 8.
Daneben stellt die Reputation des anderen einen weiteren relevanten vertrauensbildenden Faktor
dar. Reputation ergibt sich aus der Summe der Einzelerwartungen von Vertrauenswürdigkeit und
Kompetenz.66 Dabei ist es grundsätzlich unerheblich, ob Quelle der Reputation der andere selbst oder
ein Dritter ist. Wenn die Reputation durch den anderen geäußert wird, ist ein Mindestmaß von Offenheit und Kommunikationsbereitschaft notwendig.67 Solchermaßen verbreitete Informationen müssen
dabei für die Vertrauensbildung geeignet sein. Beispielsweise kommt es für die vertrauenskonstituierende Wirkung eines Verhaltens des anderen darauf an, ob es freiwillig erbracht oder durch besondere
äußere Umstände ausgelöst wurde.68 Ist Quelle der Reputation dagegen ein Dritter, so z.B. bei InternetGütesiegeln69, bedarf es einer entsprechenden Reputation des Dritten, d.h. die Attestierungs-Instanz
muss selbst vertrauenswürdig sein70. Dem Nutzer kann nicht faktisch verordnet werden, wem er zu
vertrauen hat. Vielmehr bedarf es einer Vertrauenswürdigkeits-Kette. Grund der vertrauensbildenden
Eigenschaft der Reputation ist der potenzielle Schaden des anderen durch den Verlust seiner Reputation - je größer der mögliche Schaden, desto größer ist seine Glaubwürdigkeit.71
Ähnlich der Reputation durch den anderen stellt sich die bereits gewonnene persönliche Erfahrung des
Vertrauenden mit dem anderen dar. Quelle der Reputation ist in diesem Fall quasi der Vertrauende
selbst. Wer vertraut, projiziert seine positiven Erfahrungen in die Zukunft. Vertrauen kann demnach
auch aufgrund der „Extrapolation von Erfahrungen“72 entstehen. Die Erfahrungen der Vergangenheit
stellen die Basis für die zukünftigen Erwartungen gegenüber dem anderen dar.
So lassen sich zwei relevante Faktoren für die Bildung der Erwartung - und damit des Vertrauens - herausarbeiten: rechtliche Sicherheit und die Kommunikation von vertrauensbegründenden Informationen. Diese beiden Faktoren werden denn auch in den nächsten Kapiteln wiederholt Ausgangspunkt der
Überlegungen zur Erzeugung des Vertrauens(schutzes) im Internet sein.
3. Der Hintergrund des Transparenzprinzips und dessen Auswirkungen im Internet
Im Zusammenhang mit der Weitergabe von Informationen kommt es grundlegend auf deren Gestaltung an. Ob der Empfänger eine ihm übermittelte Information tatsächlich bewusst zur Kenntnis
nimmt, hängt davon ab, wie sich diese Information ihm - im wahrsten Sinne des Wortes - präsentiert.
Schlagwort hierfür ist die „Transparenz“ der Information. Dabei ist es unerheblich, ob sich das Gebot
zur Transparenz auf die einzelne Information oder auf ein Informationsbündel, wie eine gesamte Website, bezieht.73
Plötner, S. 43.
Plötner, S. 68. Dies klingt auch an bei Lihotzky, S. 98.
Plötner, S. 73. Ein Beispiel für ein solches erzwungenes Verhalten ist die Erbringung von Zusatzleistungen an den Kunden, die allerdings gerichtlich erstritten wurden. Die an sich vertrauenskonstituierende Information der Erbringung von
Zusatzleistungen verliert damit an „Wert“.
Zu diesen Qualitäts-Zertifikaten vgl. das Kapitel „Mechanismen der Selbstregulierung“, unter II. 2.
Am Beispiel von TCG - vgl. dazu das Kapitel „Datenschutzrechtliche Grundlagen“ unter IV. 3. - Dix/Pfitzner,
DuD 2003, S. 562.
Latzer/Schmitz, S. 120 mwN.
Plötner, S. 47 mwN; vgl. auch Lihotzky, S. 128.
Vgl. Puchert, S. 12, wonach Orientierungsprobleme auf einer Website den Nutzer abschrecken.
Das Transparenzgebot in seinem heute verstandenen Sinne - Klarheit und Verständlichkeit einer Information - wurde durch zwei BGH-Urteile im Jahr 1989 begründet.74 Der BGH entschied in diesem
Zusammenhang, dass eine AGB-Klausel auch dann unwirksam sein kann, wenn sie zwar inhaltlich den
gesetzlichen Vorgaben entspricht, aber für den Vertragspartner unübersichtlich gestaltet ist. Zuvor war
der Transparenzgedanke zwar schon im Rahmen von Billigkeitserwägungen erörtert worden, wurde
jedoch noch nicht als allgemeines Prinzip verstanden.75 Nicht allgemein gesetzlich normiert, wurde das
Transparenzgebot vom BGH in Ergänzung zum damaligen § 9 AGBG, jetzt § 307 Abs. 1 S. 1,
Abs. 2 BGB entwickelt.76 Grundaussage des Transparenzgebotes war und ist es, dass die Rechte und
Pflichten des Vertragspartners möglichst klar und durchschaubar dargestellt werden sollen bzw. umgekehrt, dass sie nicht durch eine unklare oder schwer verständliche Darstellung verschleiert werden sollen.77 Das Gebot zur Transparenz soll denjenigen, der eine Information weitergibt, nach Ansicht des
BGH allerdings nicht über alle Maßen vereinnahmen. Vielmehr genügt es, wenn es möglich und zumutbar ist, eine für den Durchschnittskunden verständliche Darstellung zu gewährleisten.78 Problematisch ist in diesem Zusammenhang das Leitbild, das der Gesetzgeber insbesondere vom VerbraucherKunden hat. Dies betrifft vor allem die grafische Gestaltung eines Online-Shops und damit Fragen im
Zusammenhang mit der Erfüllung von Informationspflichten mittels Links, der Zumutbarkeit des
Scrollens etc. So erfolgt eine Unterrichtung allgemein dann nicht „klar und verständlich“, wenn sie in
kleiner Schrift an versteckter Stelle erscheint und der Kunde keine Veranlassung hat, nach weiteren
Angaben zu suchen, weil er annimmt, die vollständigen Informationen bereits erhalten zu haben.79 Auf
diesbezügliche Einzelfragen wird in den folgenden Kapiteln einzugehen sein.
Ebenfalls Bestandteil des Transparenzgebotes ist die Verpflichtung, Aussagen möglichst bestimmt zu
gestalten.80 Hinter all dem steckt der Hauptzweck des Transparenzgebotes, wonach der Vertragspartner
den Sinn und die Tragweite einer Regelung durchschauen und bewerten können muss.81 Die Transparenz erfordert vor diesem Irreführungsverbot auch eine Vollständigkeit der Aussage.82 Eine Intransparenz kann vom Informationsgeber u.U. durch mündliche oder schriftliche „Nachleistung“ ausgeräumt
Aufgrund der Vielgestaltigkeit des Inhalts des Transparenzgebotes und der damit verbundenen Unsicherheit über dessen konkrete Reichweite und Umsetzung wurde in der Literatur Kritik geübt.84 Die
Situation änderte sich zumindest teilweise dadurch, dass in der „Richtlinie 93/13/EWG über miss-
BGH NJW 89, 222 und 530.
Zur Entwicklung des Transparenzgebots sehr ausführlich Kreienbaum, 31 ff.
BGH, NJW 89, 222 und 530. Hierzu Kreienbaum, S. 229 ff. Kritisch zur dogmatischen Einordnung Hansen, WM 1990,
S. 1522 ff.; Koller, „Das Transparenzgebot als Kontrollmaßstab Allgemeiner Geschäftsbedingungen“, FS Steindorff,
S. 667 ff.; Pflug, „ABG und Transparenzgebot“, AG 1992, 1 ff.; weiterhin BGH, BB 1988, 2410 [2412]; NJW 1990, 2383;
BB 1996, 1402 [1404].
BGHZ 106, 42 [49]. Vgl. auch Hansen, WM 1990, S. 1522 mwN.
BGH, BB 1990, 1656 [1657]; Thamm/Pilger, § 9 AGBG, Rn. 13; Kreienbaum, S. 263 ff.
Schmittmann, K&R 2004, S. 364.
Thamm/Pilger, § 9 AGBG, Rn. 13.
BGH BB 1988, 2410 [2412]; BB 1990, 1656 [1657]; BB 1994, 885 [888]. Ähnlich BGHZ 106, 259 [264].
BGH BB 1985, 694 [694].
BGH BB 1995, 1503 [1504].
Taupitz spricht vom „wenig transparenten Charakter des Transparenzgebots“, EWiR 1990, S. 1043.
bräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen“ der Transparenzgedanke aufgegriffen wurde.85 Die
Richtlinie wurde im Jahre 1996 von Deutschland umgesetzt, womit das AGBG die stärkste Veränderung seit seiner Entstehung erfahren hat.86 Jedoch blieb das Transparenzgebot der Richtlinie inhaltlich
hinter den Anforderungen des deutschen Rechts zurück.87 Mit der Schuldrechtsreform hat das Transparenzprinzip Eingang ins BGB gefunden. § 312 c Abs. 1 S. 1 BGB und § 312 e Abs. 1 S. 1 Nr. 2 BGB
verweisen darauf, dass die erforderlichen Informationen „klar und verständlich“ mitgeteilt werden müssen und greifen damit die Formulierung des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB auf. Die Normen haben im Transparenzgebot die gleichen Wurzeln.88 Insofern liegt es auch nahe, die Aussagen bezüglich des Transparenzgebotes im Rahmen des AGB-Rechts auf den des Fernabsatzrechts und des elektronischen Geschäftsverkehrs zu übertragen.
Transparenz ist nicht nur eine rechtliche Pflicht, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor zur Gewinnung des Kundenvertrauens. Obwohl der Nutzer beim Surfen bewusst den Cyberspace als Informationsmedium gewählt hat, besteht in der virtuellen Welt das Problem des mangelnden „haptischen Eingangskanals“. Dieses Problem betrifft die Wahrnehmungspsychologie: Der Mensch will etwas in der
Hand haben, anfassen, be-„greifen“89. Die bloße Bildschirmanzeige befriedigt sein Bedürfnis der Wahrnehmung nicht vollständig. Diesem Manko lässt sich entgegenwirken, wenn Informationen besonders
übersichtlich präsentiert und Geschäftsabläufe besonders nachvollziehbar gestaltet werden. Die
Schnittstellentechnologie sollte in ihrer Bedienung also bereits aus diesen Gründen klar und einfach
III. Die Besonderheiten des Internets in Bezug auf die verschiedenen Vertrauensschutzmechanismen
Bei der Suche nach Vertrauensmechanismen im Internet müssen vor allem dessen strukturelle Möglichkeiten berücksichtigt werden. Technische Vorrichtungen können mit herkömmlichen Ansätzen
verknüpft und so die Sicherheit für den Nutzer vergrößert werden. Mit solch technischen Möglichkeiten90 lässt sich z.B. sicherstellen, dass die Akteure authentifiziert und damit Handlungen - mit deren
Folgen - zugerechnet werden können. So kann der Nutzerkreis durch eine Registrierungskontrolle eingeschränkt und die Identifizierung sichergestellt werden. Oder Daten werden bei ihrer Übertragung
durch Verschlüsselungsprogramme geschützt.
Dabei soll zugunsten der Praxisnähe darauf geachtet werden, ob sich solche Vorrichtungen auch tatsächlich durchsetzen lassen oder nur theoretische Möglichkeiten sind. So werden von den Juristen teilweise Lösungsvorschläge entwickelt, die an der informationstechnischen Realität vorbeigehen.91 Das ist
Art. 4 Abs. 2 und 5 der Richtlinie bestimmen, dass schriftlich niedergelegte Klauseln „klar und verständlich“ abgefasst
Thamm/Pilger, Einl., S. 41; ausführliche Darstellung bei Heinrichs, FS Trinkner, S. 168 ff.
Heinrichs, FS Trinkner, S. 173 f.; Kreienbaum, S. 311.
Vgl. Mankowski, CR 2001, 770; Roth, JZ 2000, 1016.
Puchert, S. 14.
Eggs nennt sie „harte Sicherheitsmechanismen“, S. 69.
Schneider, MMR 2004, S. 18.
nicht nur ärgerlich, sondern für die Anbieter steigt dadurch die Rechtsunsicherheit beträchtlich. Daher
ist im Zusammenspiel von Rechtswissenschaft und Technik eine gewisse Grundkenntnis der Struktur
und der Funktionsweise des Internets erforderlich. Im Rahmen der verschiedenen Problembereiche
wird dann auf die jeweiligen technischen Möglichkeiten zurückzukommen sein. Daher werden nun die
Prinzipien des Internets und die Möglichkeiten seiner Anwendung näher betrachtet. Um die technischen Vorgänge nicht unnötig zu verkomplizieren, werden zugunsten der Verständlichkeit die Abläufe
teilweise vereinfacht dargestellt. Für eine detailliertere Erklärung sei an geeigneter Stelle auf die entsprechende Fachliteratur verwiesen.92
1. Das Grundprinzip des Internets
Das Internet wurde entwickelt als ein Datenübermittlungsnetz, bei dem Technologie und Infrastruktur
besonders gut für die darauf aufsetzende Rechnerkommunikation geeignet sind.93 Die Verantwortung
für die Datenübertragung liegt bei den beiden Endpunkten der Kommunikation, Sender und Empfänger. Der Grundgedanke eines solchen verteilten Systems ist die Ausführung von Teilaufgaben auf mehreren unabhängigen Rechnern.
Das Internet funktioniert nach dem Client-Server-Prinzip. Das ist ein Mechanismus, mit dem Informationen und Daten zwischen zwei Kommunikationspartnern, Client und Server, ausgetauscht werden
können. Der Client richtet die anwendungsspezifischen Anforderungen an den Server. Dieser nimmt
die Anfrage entgegen, bearbeitet sie und liefert dann ein Ergebnis an den Client zurück. Der Client
nimmt die zurückgelieferten Ergebnisse entgegen und bereitet sie ggf. weiter auf.
Die Begriffe Client und Server sind im Hardware- und im Softwarebereich gleichermaßen gebräuchlich.
Ein Client ist i.d.R. ein normaler PC mit Internetzugang. Ein Server ist ein Computer, der entsprechend
seines Einsatzzwecks, nämlich Clientanfragen zu bearbeiten, mit besonderen Leistungsmerkmalen ausgestattet ist. So haben Server-Rechner besonders große Arbeitsspeicher, spezielle Betriebssysteme, Notstromversorgung, Klimatisierung usw. Da sich mittlerweile auch normale PCs durch eine hohe Performance auszeichnen, können auch sie generell als Server verwendet werden. Prinzipiell kann jeder Rechner gleichzeitig als Client und Server betrieben werden.
2. Was passiert bei der Datenübertragung?
Das Internet ist ein typischer Vertreter der sog. Maschen-Topologie. Das bedeutet, dass jeder Netzteilnehmer mit jedem anderen Netzteilnehmer verbunden sein kann. Das muss nicht ein direktes Kabel
zwischen den beiden Rechnern sein, sondern kann über viele Zwischenstationen gehen. Ein Rechner ist
Eine erste Einführung gewähren Federrath/Pfitzmann in Moritz/Dreier, Teil A, Rn. 1 ff. sowie Börner, S. 24 ff.; Köhler,
Rn. 8 ff.; Hoeren/Queck/Roessler, S. 1 ff; Börner, S. 24; Corsten, S. 2 ff. Zur vertieften Darstellung der Funktionsweise von
Netzwerken sei auf die Bücher von Olbrich (im Literaturverzeichnis) und Douglas E. Comer, Computernetzwerke und Internets, 3. Aufl., München 2002 (orig.: Computernetworks and internets, 3. ed., New York 2001) verwiesen.
Schneider, MMR 2004, S. 20. Eine ausführliche Darstellung zur Geschichte des Internets findet sich bei Géczy-Sparwasser,
Kap. 1. Kurze geschichtliche Abrisse finden sich bei Börner, S. 23 ff.; Waldner, S. 23 ff.; Neumann, S. 5 ff.; Corsten, S. 2 ff.;
Weck, S. 94 ff.
somit über mehrere Verbindungswege erreichbar. Der Vorteil einer solchen Topologie ist die Ausfallsicherheit des Netzes. Wenn eine Verbindung zwischen zwei Netzteilnehmern - etwa wegen einer
Beschädigung eines Kabels - unterbrochen ist, kann eine neue Verbindung auf anderem Wege aufgebaut werden. Innerhalb des ISO/OSI-Schichtenmodells, welches den gesamten Datenübertragungsprozess hardware-unabhängig in sieben Schichten hierarchisch darstellt, sind Protokolle dafür zuständig, den Datenstrom in einzelne Pakete zu zerlegen, die dann einzeln über verschiedene Wege - je nach
Auslastung und Schnelligkeit der einzelnen Verbindungen - vom Sender zum Empfänger gelangen.
Einerseits können zwar alle Stationen zu jeder Zeit Daten versenden, andererseits kann aber immer nur
jeweils ein Datenpaket über die Leitung übertragen werden. Eine übergeordnete Synchronisation, die
die Sendeabläufe koordiniert, ist nicht vorhanden. Daher müssen in den Stationen selbst allgemeingültige feste Regelungen getroffen werden, um ein wildes Durcheinandersenden bestmöglich zu vermeiden
und eine geordnete Kommunikation zu gewährleisten. Dies wird durch die Festlegung bestimmter konstanter Übertragungs- und Zeitparameter erreicht.
Die Datensätz