Source: http://www.hensche.de/Kuendigungsschutzklage_Klagefrist_Kuendigungsschutzklage_nach_Ablauf_der_Klagefrist_Kuendigungsschutzklage_Hessisches_LAG_12Sa673-11.html
Timestamp: 2018-03-24 00:35:51
Document Index: 218013575

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 7', '§ 5', '§ 6', '§ 5', '§ 6', '§ 5']

ARBEITSRECHT AKTUELL // 12/278
Wer ei­ne Kün­di­gung er­hält und kla­gen möch­te, muss sich be­ei­len
13.08.2012. Ar­beit­neh­mer, die vom Ar­beit­ge­ber ei­ne Kün­di­gung er­hal­ten ha­ben, dür­fen sich ge­mäß § 4 Satz 1 Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) mit ei­ner Kün­di­gungs­schutz­kla­ge nur drei Wo­chen Zeit las­sen, denn nach Ab­lauf die­ser Kla­ge­frist ist die Kün­di­gung als rechts­wirk­sam an­zu­se­hen, und zwar end­gül­tig (§ 7 KSchG).
Die Mög­lich­keit, ei­ne ver­spä­te­te Kla­ge nach­träg­lich zu­zu­las­sen, be­steht nach § 5 KSchG nur dann, wenn der Ar­beit­neh­mer trotz al­ler ihm zu­zu­mu­ten­den Sorg­falt an der Ein­hal­tung der Kla­ge­frist ge­hin­dert war. Das kommt aber prak­tisch kaum vor.
Wann kann man ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge auch noch nach Ab­lauf der dreiwöchi­gen Kla­ge­frist er­he­ben?
Der Streit­fall: Kran­ken­pfle­ger erhält zwei außer­or­dent­li­che Kündi­gun­gen und klagt nur ge­gen ei­ne
LAG: Die Kla­ge ge­gen ei­ne von zwei zeit­gleich aus­ge­spro­che­nen Kündi­gun­gen verlängert die Kla­ge­frist ana­log § 6 KSchG
Ver­späte­te Kla­gen können da­her öfter als auf § 5 KSchG auf § 6 KSchG gestützt wer­den. Über sei­nen Wort­laut hin­aus lässt sich die­sem Pa­ra­gra­phen das all­ge­mei­ne Prin­zip ent­neh­men, dass Kündi­gungs­schutz­kla­gen noch „rech­zei­tig“ sein sol­len, wenn der gekündig­te Ar­beit­neh­mer vor Ab­lauf von drei Wo­chen zwar nicht ge­gen die Kündi­gung klagt, aber in an­de­rer Wei­se deut­lich macht, dass er die Kündi­gung bzw. die dar­aus fol­gen­de Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nicht ak­zep­tie­ren will.
Es ist al­ler­dings frag­lich, ob auch ei­ne recht­zei­tig er­ho­be­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge die Frist für ei­ne Kla­ge wahrt, die der Ar­beit­neh­mer ge­gen ei­ne an­de­re Kündi­gung hätte er­he­ben müssen.
Ein Kran­ken­pfle­ger, der auf 20 Jah­re Beschäfti­gung zurück­schau­en konn­te, er­hielt an ei­nem Tag im De­zem­ber 2010 zwei außer­or­dent­li­che Kündi­gun­gen mit iden­ti­scher Be­gründung. Ei­ne der Kündi­gun­gen war frist­los erklärt wor­den, die an­de­re ent­hielt ei­ne Aus­lau­f­rist von sechs Mo­na­ten und soll­te das Ar­beits­verhält­nis da­her erst per En­de Ju­ni 2011 be­en­den. Weil die Kündi­gun­gen an­sons­ten gleich wa­ren, gab der Ar­beit­neh­mer sei­nem An­walt nur die Kündi­gung mit Aus­lauf­frist.
Der An­walt er­hob ge­gen die­se Kündi­gung Kündi­gungs­schutz­kla­ge und er­fuhr dann im Güte­ter­min En­de Ja­nu­ar 2011 von der an­de­ren (frist­lo­sen) Kündi­gung. Ob­wohl die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist zu die­sem Zeit­punkt schon lan­ge ab­ge­lau­fen war, klag­te der An­walt auch ge­gen die frist­lo­se Kündi­gung. Da­bei be­an­trag­te er die nachträgli­che Zu­las­sung der Kla­ge gemäß § 5 KSchG und hat­te da­mit vor dem Ar­beits­ge­richt Mar­burg Er­folg (Ur­teil vom 14.04.2011, 1 Ca 39/11).