Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2012-03-15/ix-zr-35_11
Timestamp: 2019-12-06 01:11:29
Document Index: 243583151

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 1', 'BGH', '§ 286', '§ 288', '§ 286', '§ 286', '§ 14']

BGH, 15.03.2012 - IX ZR 35/11 - Anspruch eines Gläubigers auf Verzugszinsen nach Erwirkung eines rechtskräftigen Berufungsurteils bei Zurückweisung der ihm zur Abwendung der Zwangsvollstreckung angebotenen Zahlung des Schuldners | anwalt24.de
Urt. v. 15.03.2012, Az.: IX ZR 35/11
Referenz: JurionRS 2012, 12328
Aktenzeichen: IX ZR 35/11
LG Karlsruhe - 15.12.2009 - AZ: 2 O 183/09
OLG Karlsruhe - 15.02.2011 - AZ: 17 U 151/09
AnwBl 2012, 665-666
DGVZ 2013, 93-95
FoVo 2012, 92-93
JurBüro 2012, 607-608
JurBüro 2012, 445
JZ 2012, 344
MDR 2012, 604-605
NJW 2012, 1717-1718
WM 2012, 754-756
ZIP 2012, 2131-2132
den Richter Vill, die Richterin Lohmann,
aa) Die Beklagte wollte mit der Vorbehaltsleistung erreichen, dass sie keine Verzugszinsen mehr zu zahlen hatte. Obwohl die Leistung unter Vorbehalt keine Erfüllung der titulierten Forderung bewirkt und nicht die geschuldete Leistung darstellt, hat der Bundesgerichtshof dieses Interesse in früheren Entscheidungen nicht von vornherein für unbeachtlich gehalten. Nach gefestigter höchstrichterlicher Rechtsprechung (BGH, Urteil vom 24. Juni 1981 - IVa ZR 104/80, NJW 1981, 2244; vom 7. Oktober 1982 - VII ZR 163/81, WM 1983, 21; vom 26. Juni 1984 - VI ZR 232/82, VersR 1984, 868; vom 21. September 1989 - III ZR 15/88, BGHR GG vor Art. 1/enteignungsgleicher Eingriff Verzögerungsschaden 1; BAGE 126, 198 Rn. 16; offen gelassen allerdings von BGH, Urteil vom 30. Januar 1987 - V ZR 220/85, ZZP 102, 366, 367 f), die in der instanzgerichtlichen Rechtsprechung (OLG Karlsruhe VersR 1992, 370) und in der Literatur (MünchKomm-BGB/Ernst, 5. Aufl., § 286 Rn. 94, § 288 Rn. 17; Staudinger/ Löwisch/Feldmann, BGB, 2009, § 286 Rn. 120; Erman/Hager, BGB, 13. Aufl., § 286 Rn. 73; kritsch etwa Braun, AcP 184 [1984], 152, 161 ff; Krüger, NJW 1990, 1208, 1211; Kerwer, Die Erfüllung in der Zwangsvollstreckung [1996], S. 163 ff; Gaul/Schilken/Becker-Eberhard, Zwangsvollstreckungsrecht, 12. Aufl., § 14 Rn. 71) überwiegend Zustimmung gefunden hat, vermag eine Leistung des Schuldners, die zur Abwendung der Zwangsvollstreckung aus einem vorläufig vollstreckbaren Urteil erfolgt, den Verzug des Schuldners zu beenden, obwohl sie keine Erfüllung bewirkt. Grund dafür ist, dass auch eine im Wege der Zwangsvollstreckung aus einem für vorläufig vollstreckbar erklärten Urteil beigetriebene Leistung die Beendigung des Schuldnerverzuges zur Folge hat. Die Zahlung zur Abwendung der Zwangsvollstreckung soll die nämlichen Folgen nach sich ziehen.
Verkündet am: 15. März 2012