Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/der-aufhebungsvertrag-und-die-sperre-des-arbeitslosengeldes-344304
Timestamp: 2020-01-23 09:11:04
Document Index: 307782957

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 128', '§ 103', '§ 144', '§ 86', '§ 163', '§ 118', '§ 144', '§ 159', '§ 144', '§ 144', '§ 1', '§ 163', '§ 1', '§ 1', '§ 4', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', 'Art 3', '§ 144', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 428', '§ 1', '§ 23', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 626', '§ 626', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 91', '§ 163', '§ 143', '§ 144', '§ 143', '§ 143', '§ 144', '§ 144', '§ 119', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 119', '§ 119', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 1', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 1', '§ 144', '§ 1', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 626', '§ 626', '§ 143', '§ 143']

Der Auf­he­bungs­ver­trag und die Sper­re des Arbeits­lo­sen­gel­des | Rechtslupe
Beim Abschluss eines Auf­he­bungs­ver­trags bei dro­hen­der betriebs­be­ding­ter Kün­di­gung des Arbeit­ge­bers auch bei Ver­ein­ba­rung einer Abfin­dung tritt wegen Annah­me eines wich­ti­gen Grun­des kei­ne Sperr­zeit für den Bezug von Arbeits­lo­sen­geld ein. Dabei ist es ohne Belang, ob die dro­hen­de Arbeit­ge­ber­kün­di­gung recht­mä­ßig ist.
So die Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Streits über eine Sperr­zeit nach Abschluss eines Auf­he­bungs­ver­tra­ges. Die am 26. April 1947 gebo­re­ne schwer­be­hin­der­te Klä­ge­rin war von 1966 bis Ende Novem­ber 2005 bei der I. GmbH als Sachbearbeiterin/​Sekre­tä­rin ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäf­tigt. Am 10. Mai 2004 schloss sie mit ihrer Arbeit­ge­be­rin einen Auf­he­bungs­ver­trag, der das bestehen­de Arbeits­ver­hält­nis "auf Ver­an­las­sung des Unter­neh­mens zur Ver­mei­dung einer ordent­li­chen betriebs­be­ding­ten Kün­di­gung unter Ein­hal­tung der tarif­li­chen bzw ein­zel­ver­trag­li­chen Kün­di­gungs­fris­ten zum 30.11.2005" been­de­te. Als Grund wur­de der ersatz­lo­se Weg­fall des Arbeits­plat­zes infol­ge von Umstruk­tu­rie­rungs­maß­nah­men ange­ge­ben; ein ande­rer Arbeits­platz ste­he nicht zur Ver­fü­gung, weil die Ein­satz­mög­lich­kei­ten der Klä­ge­rin auf­grund gesund­heit­li­cher Beein­träch­ti­gun­gen begrenzt sei­en. Sie erhielt eine Abfin­dung in Höhe von 47 000 Euro.
Die Klä­ge­rin mel­de­te sich arbeits­los und bean­trag­te Arbeits­lo­sen­geld. Laut der Arbeits­be­schei­ni­gung galt für die Klä­ge­rin eine Kün­di­gungs­frist von 18 Mona­ten. In einer wei­te­ren Beschei­ni­gung der Arbeit­ge­be­rin vom 16.11.2004 bestä­tig­te die­se, dass der Klä­ge­rin ent­spre­chend der Sozi­al­aus­wahl gekün­digt wor­den wäre, wenn sie den Auf­he­bungs­ver­trag nicht unter­schrie­ben hät­te. Eine Sozi­al­aus­wahl sei ent­spre­chend § 1 Abs 3 KSchG durch­ge­führt wor­den. Die Beklag­te stell­te den Ein­tritt einer Sperr­zeit von zwölf Wochen sowie das Ruhen des Arbeits­lo­sen­geld-Anspruchs vom 1.12.2005 bis 22.2.2006 fest und ver­min­der­te die Dau­er des Leis­tungs­an­spruchs um 240 Tage. Zur Begrün­dung führ­te sie aus, die Klä­ge­rin habe ihr Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis durch den Abschluss eines Auf­he­bungs­ver­trags ohne wich­ti­gen Grund selbst gelöst. Dage­gen hat die Klä­ge­rin nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren Kla­ge erho­ben. Das Sozi­al­ge­richt Karls­ru­he hat die Beklag­te unter Auf­he­bung des Bescheids vom 11.11.2005 in der Gestalt des Wider­spruchs­be­scheids vom 29.11.2005 ver­ur­teilt, der Klä­ge­rin bereits ab 1.12.2005 Arbeits­lo­sen­geld in gesetz­li­cher Höhe zu bewil­li­gen 1. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg hat die Beru­fung der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen 2 , da sich die Klä­ge­rin auf einen wich­ti­gen Grund beru­fen kön­ne. Mit der – vom Lan­des­so­zi­al­ge­richt zuge­las­se­nen – Revi­si­on rügt die Beklag­te die Ver­let­zung von Ver­fah­rens­vor­schrif­ten (§ 128 Abs 1 S 1 SGG; sinn­ge­mäß auch § 103 S 1 SGG) sowie von mate­ri­el­lem Recht (§ 144 Abs 1 S 2 Nr 1 SGB III aF). Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt habe die Recht­mä­ßig­keit einer dro­hen­den ordent­li­chen betriebs­be­ding­ten Kün­di­gung im Ergeb­nis zu Unrecht offen­ge­las­sen.
Nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts ist Gegen­stand des Rechts­streits – wie bereits das Lan­des­so­zi­al­ge­richt zutref­fend aus­ge­führt hat – nicht nur der Sperr­zeit­be­scheid vom 11.11.2005 in der Gestalt des Wider­spruchs­be­scheids vom 29.11.2005, son­dern auch der Bewil­li­gungs­be­scheid vom 4.1.2006 (inso­weit ist der Maß­ga­be­te­nor des Urteils des LSG vom 16.2.2011 zu ergän­zen) und der Ände­rungs­be­scheid vom 16.3.2006 in der Gestalt des Wider­spruchs­be­scheids vom 29.8.2006 3. Dass die Nicht­be­rück­sich­ti­gung des ursprüng­li­chen Bewil­li­gungs­be­scheids vom 4.1.2006 durch das Lan­des­so­zi­al­ge­richt im Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht als Ver­fah­rens­feh­ler gerügt wor­den ist, ist des­halb ohne Bedeu­tung, weil durch die Ein­be­zie­hung des Ände­rungs­be­scheids vom 16.3.2006 (nach § 86 SGG) auch der Aus­gangs­be­scheid Gegen­stand des Ver­fah­rens gewor­den ist.
Nach den unan­ge­grif­fe­nen und damit bin­den­den (§ 163 SGG) Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts lagen bei der Klä­ge­rin im strei­ti­gen Zeit­raum vom 1.12.2005 bis zum 22.2.2006 die Vor­aus­set­zun­gen für einen Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld vor, weil sie in die­ser Zeit arbeits­los war, sich bei der Agen­tur für Arbeit arbeits­los gemel­det und die Anwart­schaft erfüllt hat (vgl § 118 Abs 1 SGB III).
Rechts­grund­la­ge einer – allein in Betracht kom­men­den – Sperr­zeit wegen Arbeits­auf­ga­be ist § 144 SGB III (in der hier maß­geb­li­chen, bis zum 31.3.2012 gel­ten­den Fas­sung, jetzt: § 159 SGB III). Nach § 144 Abs 1 S 1 SGB III aF ruht der Anspruch für die Dau­er einer Sperr­zeit, wenn sich ein Arbeit­neh­mer ver­si­che­rungs­wid­rig ver­hal­ten hat, ohne dafür einen wich­ti­gen Grund zu haben. Ver­si­che­rungs­wid­ri­ges Ver­hal­ten liegt nach § 144 Abs 1 S 2 Nr 1 SGB III aF ua vor, wenn der Arbeits­lo­se das Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis gelöst und dadurch vor­sätz­lich oder grob fahr­läs­sig die Arbeits­lo­sig­keit her­bei­ge­führt hat (Sperr­zeit bei Arbeits­auf­ga­be).
Zutref­fend ist das Lan­des­so­zi­al­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, dass die Klä­ge­rin das Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis dadurch gelöst hat, dass sie mit ihrer Arbeit­ge­be­rin am 10.5.2004 mit Wir­kung zum 30.11.2005 einen Auf­he­bungs­ver­trag geschlos­sen hat 4. Damit hat sie ihre Arbeits­lo­sig­keit auch zumin­dest grob fahr­läs­sig her­bei­ge­führt. Löst ein Arbeit­neh­mer sein Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis, führt er nach der Rspr des BSG sei­ne Arbeits­lo­sig­keit jeden­falls grob fahr­läs­sig her­bei, wenn er nicht min­des­tens kon­kre­te Aus­sich­ten auf einen Anschluss­ar­beits­platz hat 5. Eine sol­che Aus­sicht hat­te die Klä­ge­rin, wie vom LSG fest­ge­stellt, nicht.
Auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts hat­te die Klä­ge­rin für ihr Ver­hal­ten einen wich­ti­gen Grund. Unter Berück­sich­ti­gung des Ziels der Sperr­zeit­re­ge­lung steht der Abschluss eines Auf­he­bungs­ver­trags bei dro­hen­der betriebs­be­ding­ter Kün­di­gung des Arbeit­ge­bers auch bei Ver­ein­ba­rung einer Abfin­dung der Annah­me eines wich­ti­gen Grunds nicht ent­ge­gen. Dabei ist in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 1a KSchG nicht zu prü­fen, ob die dro­hen­de Arbeit­ge­ber­kün­di­gung recht­mä­ßig ist. Inso­weit ent­wi­ckelt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung wei­ter. Aller­dings bleibt bei Abschluss eines Auf­he­bungs­ver­trags mit Abfin­dung zu prü­fen, ob Anhalts­punk­te für eine Geset­zes­um­ge­hung zum Nach­teil der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft vor­lie­gen.
Nach der stRspr des Bun­des­so­zi­al­ge­richts ist über das Vor­lie­gen eines wich­ti­gen Grunds unter Berück­sich­ti­gung des Ziels der Sperr­zeit­re­ge­lung zu ent­schei­den. Die­se soll die Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft vor Risi­ko­fäl­len schüt­zen, deren Ein­tritt der Ver­si­cher­te selbst zu ver­tre­ten hat; eine Sperr­zeit soll nur ein­tre­ten, wenn dem Ver­si­cher­ten unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls und unter Abwä­gung sei­ner Inter­es­sen mit den Inter­es­sen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ein ande­res Ver­hal­ten zuge­mu­tet wer­den kann. Dies ist nicht nach den sub­jek­ti­ven Vor­stel­lun­gen des Arbeits­lo­sen zu beur­tei­len, son­dern ein wich­ti­ger Grund im Sin­ne des Sperr­zeit­rechts muss objek­tiv gege­ben sein 6.
Einen wich­ti­gen Grund für den Abschluss eines Auf­he­bungs­ver­trags hat der Arbeit­neh­mer nach der bis­he­ri­gen Rspr dann, wenn der Arbeit­ge­ber mit einer objek­tiv recht­mä­ßi­gen ordent­li­chen Kün­di­gung gedroht hat und dem Arbeit­neh­mer die Hin­nah­me die­ser Kün­di­gung nicht zuzu­mu­ten war 7.
Nach den nicht mit Revi­si­ons­rügen ange­grif­fe­nen und daher bin­den­den (§ 163 SGG) Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts hat der Klä­ge­rin eine betriebs­be­ding­te Kün­di­gung zum glei­chen Been­di­gungs­zeit­punkt gedroht. Die Recht­mä­ßig­keit der dro­hen­den betriebs­be­ding­ten Kün­di­gung, wie sie in der bis­he­ri­gen Rspr des Bun­des­so­zi­al­ge­richts stets als Vor­aus­set­zung für einen wich­ti­gen Grund gefor­dert wor­den ist 8, brauch­te das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hin­ge­gen nicht zu prü­fen.
Nach § 1a Abs 1 S 1 und Abs 2 S 1 KSchG hat ein Arbeit­neh­mer einen Anspruch auf eine Abfin­dung in Höhe von 0,5 Monats­ver­diens­ten für jedes Jahr des Bestehens des Arbeits­ver­hält­nis­ses, wenn der Arbeit­ge­ber das Arbeits­ver­hält­nis unter Beru­fung auf betrieb­li­che Erfor­der­nis­se nach § 1 Abs 2 S 1 KSchG kün­digt, der Arbeit­ge­ber in der schrift­li­chen Kün­di­gungs­er­klä­rung dar­auf hin­weist, dass der Arbeit­neh­mer beim Ver­strei­chen­las­sen der Kla­ge­frist die Abfin­dung bean­spru­chen kann, und der Arbeit­neh­mer die Kla­ge­frist des § 4 S 1 KSchG tat­säch­lich hat ver­strei­chen las­sen. Dies führt – arbeits­recht­lich – dazu, dass der Arbeit­ge­ber dem Arbeit­neh­mer bei einer betriebs­be­ding­ten Kün­di­gung sei­nen Arbeits­platz nach fes­ten Sät­zen "abkau­fen" kann und die Kün­di­gung des Arbeit­ge­bers nicht auf ihre mate­ri­el­le Recht­mä­ßig­keit hin (ins­be­son­de­re in Bezug auf das Merk­mal "wegen drin­gen­der betrieb­li­cher Erfor­der­nis­se" iS des § 1 Abs 3 KSchG) zu über­prü­fen ist 9.
Nach den Geset­zes­ma­te­ria­li­en 10 woll­te der Gesetz­ge­ber mit die­ser neu­ar­ti­gen kün­di­gungs­schutz­recht­li­chen Rege­lung den Arbeits­ver­trags­par­tei­en im Fall einer betriebs­be­ding­ten Kün­di­gung eine ein­fa­che, effi­zi­en­te und kos­ten­güns­ti­ge vor­ge­richt­li­che Klä­rung der Vor­aus­set­zun­gen der Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses anbie­ten. Zu § 1a Abs 1 KSchG heißt es wei­ter: "Der gesetz­li­che Abfin­dungs­an­spruch kommt nur bei betriebs­be­ding­ten Kün­di­gun­gen in Betracht, weil hier der Kün­di­gungs­grund der Sphä­re des Arbeit­ge­bers zuzu­rech­nen ist. Der Abfin­dungs­an­spruch ist auf ordent­li­che Kün­di­gun­gen beschränkt". Zwar hat der Gesetz­ge­ber mit § 1a KSchG unmit­tel­bar nur das Kün­di­gungs­recht geän­dert; die­se Ände­rung hat jedoch Aus­wir­kun­gen auch auf das Arbeits­för­de­rungs­recht. Dass der Gesetz­ge­ber die­ses wäh­rend des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens erkannt hat, wird dar­an deut­lich, dass im Blick auf das Sperr­zeit­recht von einer aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Klar­stel­lung des­halb abge­se­hen wor­den ist, weil nach der Rspr des Bun­des­so­zi­al­ge­richts die blo­ße Hin­nah­me einer Arbeit­ge­ber­kün­di­gung kei­ne Sperr­zeit aus­lö­se 11. Dem­ge­mäß hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in sei­ner bereits erwähn­ten Ent­schei­dung vom 12.7.2006 12, die eine Fall­ge­stal­tung vor Inkraft­tre­ten des § 1a KSchG am 1.1.2004 zum Gegen­stand hat­te, aus­drück­lich erwo­gen, dass die unmit­tel­bar nur auf das Arbeits­recht bezo­ge­ne "Öff­nung" für eine Been­di­gung von Arbeits­ver­hält­nis­sen "Ver­an­las­sung dafür geben (könn­te), künf­tig einen wich­ti­gen Grund bei Abschluss eines Auf­he­bungs­ver­trags ohne die aus­nahms­lo­se Prü­fung der Recht­mä­ßig­keit der dro­hen­den Arbeit­ge­ber­kün­di­gung anzu­er­ken­nen". Die­se Aus­sa­ge hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung vom 8.7.2009 13 – eben­so wenig ent­schei­dungs­tra­gend – wie­der­holt.
Die­se Ankün­di­gungs-Recht­spre­chung, die in der Lite­ra­tur weit­ge­hend Zustim­mung gefun­den hat 14 und der auch die Beklag­te ansatz­wei­se Rech­nung getra­gen hat 15, wird – unter gleich­zei­ti­ger Berück­sich­ti­gung der in der Bun­des­so­zi­al­ge­richts­ent­schei­dung vom 17.10.2007 16 genann­ten Maß­stä­be – dahin­ge­hend vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt wei­ter­ent­wi­ckelt, dass bei einem Auf­he­bungs­ver­trag mit Abfin­dungs­ver­ein­ba­rung in den Gren­zen des § 1a Abs 2 KSchG die Prü­fung der Recht­mä­ßig­keit der dro­hen­den Arbeit­ge­ber­kün­di­gung ent­fällt und sich der Arbeit­neh­mer auf einen wich­ti­gen Grund beru­fen kann, wenn kei­ne Anhalts­punk­te (zB offen­kun­dig rechts­wid­ri­ge Kün­di­gung) für eine Geset­zes­um­ge­hung zu Las­ten der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft vor­lie­gen.
Gegen die ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 1a KSchG kann nicht mit Erfolg ein­ge­wandt wer­den, der Gesetz­ge­ber habe mit die­sem Modell nur den sich bei einer Kün­di­gung pas­siv ver­hal­ten­den Arbeit­neh­mer pri­vi­le­gie­ren wol­len und auf eine Rege­lung im Arbeits­för­de­rungs­recht – wie sich aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en 17 ent­neh­men las­se – auch nur des­halb ver­zich­tet, weil nach der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richt nur die akti­ve Ver­ur­sa­chung der Arbeits­lo­sig­keit eine Sperr­zeit wegen Arbeits­auf­ga­be aus­lö­sen kön­ne; eine akti­ve Betei­li­gung des Arbeit­neh­mers sei jedoch jeden­falls bei einer nicht dem gesetz­li­chen Abfin­dungs­an­spruch ent­spre­chen­den Abfin­dungs­an­ge­bot erfor­der­lich. Denn die­ser Ein­wand trägt dem Gesichts­punkt der Gleich­be­hand­lung (Art 3 Abs 1 GG) und einer sach­ge­rech­ten Abwä­gung der Inter­es­sen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft einer­seits und der Inter­es­sen des Ver­si­cher­ten ande­rer­seits nicht hin­rei­chend Rech­nung.
So hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bereits in sei­nem Urteil vom 17.10.2007 (BSG, Urteil vom 17.10.2007 – B 11a AL 51/​06 R – BSGE 99, 154 = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 17, RdNr 36 f)) ent­schie­den, dass es einem Arbeit­neh­mer grund­sätz­lich nicht zum Nach­teil gerei­chen kann, wenn er nach Erhe­bung einer Kün­di­gungs­schutz­kla­ge im arbeits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren einen gericht­li­chen Ver­gleich schließt 18. In die­sem Fall ist der Fra­ge nach der objek­ti­ven Recht­mä­ßig­keit der Kün­di­gung nicht wei­ter nach­zu­ge­hen, vor­aus­ge­setzt, es lie­gen kei­ne Anhalts­punk­te für eine Geset­zes­um­ge­hung zu Las­ten der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft vor. Eben­so wie dort die akti­ve Betei­li­gung des Arbeit­neh­mers an der Lösung des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses nicht von vorn­her­ein der Annah­me eines wich­ti­gen Grunds ent­ge­gen­steht, kann es einem Arbeit­neh­mer, der mit sei­nem Arbeit­ge­ber bereits vor der Kün­di­gung ein Ver­fah­ren nach § 1a KSchG und die Zah­lung einer Abfin­dung in den Gren­zen des § 1a Abs 2 KSchG ver­ein­bart, nicht zum Nach­teil gegen­über dem­je­ni­gen gerei­chen, bei dem § 1a KSchG unmit­tel­bar zur Anwen­dung kommt. Auch einem sol­chen Arbeit­neh­mer muss des­halb ein wich­ti­ger Grund für die aus einer sol­chen Ver­ein­ba­rung resul­tie­ren­den Lösung des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses zuge­stan­den wer­den 19. Offen­blei­ben kann hier, ob dies auch dann gel­ten soll, wenn der Auf­he­bungs­ver­trag nicht anstel­le einer bereits aus­ge­spro­che­nen oder dro­hen­den Kün­di­gung des Arbeit­ge­bers geschlos­sen wird, son­dern schon im Vor­feld eine Ver­ein­ba­rung über die Been­di­gung des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses gegen Zah­lung einer Abfin­dung getrof­fen wird 20.
Anders als die Beklag­te in ihrer Revi­si­ons­be­grün­dung gel­tend macht, kann die ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 1a KSchG bei Abschluss eines Auf­he­bungs­ver­trags nicht auf bestimm­te Fall­grup­pen beschränkt wer­den und erfor­dert dies auch nicht der Schutz des schwer­be­hin­der­ten Leis­tungs­emp­fän­gers. Denn des­sen Schutz wird durch die Prü­fung gewähr­leis­tet, wie im Fall einer – hypo­the­ti­schen – Kün­di­gung des Arbeit­ge­bers das Inte­gra­ti­ons­amt zu ent­schei­den hät­te. Eben­so kann im Anwen­dungs­be­reich des § 1a KSchG nicht auf das Alter des Leis­tungs­emp­fän­gers und des­sen beruf­li­ches Fort­kom­men abge­stellt wer­den. Inso­fern bedarf es auch kei­nes wei­te­ren Ein­ge­hens auf die Fra­ge, ob und inwie­weit bei Auf­he­bungs­ver­trä­gen eine Dif­fe­ren­zie­rung bei dem Per­so­nen­kreis der 58jährigen im Hin­blick auf die Rege­lung des § 428 SGB III aF ange­zeigt sein könn­te 21.
Wie bereits durch die – zur Rechts­fra­ge vor Inkraft­tre­ten der Rege­lung des § 1a KSchG ab 1.1.2004 ergan­ge­ne – Rspr des Bun­des­so­zi­al­ge­richts geklärt ist 22, steht der Umstand, dass der Auf­he­bungs­ver­trag mit einer Abfin­dungs­re­ge­lung ver­knüpft wor­den ist, grund­sätz­lich der Annah­me eines wich­ti­gen Grunds nicht ent­ge­gen. Zwar kann das Inter­es­se am Erhalt der Abfin­dung für sich allein einen wich­ti­gen Grund nicht recht­fer­ti­gen, jedoch schließt umge­kehrt eine Abfin­dung die­sen nicht aus. Viel­mehr kann auch das Inter­es­se schüt­zens­wert sein, sich bei einer ohne­hin nicht zu ver­mei­den­den Beschäf­ti­gungs­lo­sig­keit wenigs­tens eine Abfin­dung zu sichern 23.
Die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung erfor­dert inso­weit kei­ne ande­re recht­li­che Bewer­tung. Zutref­fend ist das Lan­des­so­zi­al­ge­richt von der Anwen­dung des KSchG aus­ge­gan­gen, weil mehr als zehn Arbeit­neh­mer im Beschäf­ti­gungs­be­trieb der Klä­ge­rin arbei­te­ten (vgl § 23 Abs 1 S 3 KSchG). Zwar unter­schrei­tet die der Klä­ge­rin gezahl­te Abfin­dung in Höhe von 47 000 Euro deut­lich den sich erge­ben­den Abfin­dungs­an­spruch nach § 1a Abs 2 KSchG in Höhe von rund 74 000 Euro. Die gesetz­li­che Rege­lung der Abfin­dung in § 1a KSchG schließt indes die Ver­ein­ba­rung von höhe­ren oder nied­ri­ge­ren Abfin­dun­gen nicht aus 24. Anders als bei Ver­ein­ba­rung der gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Abfin­dungs­hö­he kann aller­dings bei frei ver­ein­bar­ter Abfin­dungs­sum­me, nament­lich dann, wenn die Abfin­dungs­sum­me die Gren­zen des § 1a Abs 2 KSchG deut­lich über­schrei­tet, ein Anhalts­punkt für einen "Frei­kauf" gege­ben sein 25. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat jedoch inso­weit zu Recht auf den nied­ri­ge­ren Abfin­dungs­an­spruch der Klä­ge­rin hin­ge­wie­sen.
Eben­so wenig liegt eine Geset­zes­um­ge­hung zu Las­ten der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft des­we­gen vor, weil die für den Fall des Nicht­ab­schlus­ses des Auf­he­bungs­ver­trags dro­hen­de Kün­di­gung der Klä­ge­rin offen­kun­dig rechts­wid­rig gewe­sen wäre.
Bereits in sei­ner Ent­schei­dung vom 17.10.2007 26 hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung dahin­ge­hend wei­ter­ent­wi­ckelt, dass der Fra­ge nach der objek­ti­ven Recht­mä­ßig­keit der Kün­di­gung (dort: arbeit­ge­ber­sei­ti­ge außer­or­dent­li­che Kün­di­gung mit sozia­ler Aus­lauf­frist) dann nicht wei­ter nach­zu­ge­hen ist, ein wich­ti­ger Grund also auch dann vor­lie­gen kann, wenn die Betei­lig­ten im Rah­men eines arbeits­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens die Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses/​Beschäftigungsverhältnisses ein­ver­nehm­lich außer Streit stel­len und kei­ne Anhalts­punk­te dafür vor­lie­gen, dass mit dem abge­schlos­se­nen Ver­gleich zu Las­ten der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft mani­pu­liert wer­den soll. Ein Anhalts­punkt für eine Geset­zes­um­ge­hung kann danach bei­spiels­wei­se eine offen­kun­dig rechts­wid­ri­ge Kün­di­gung sein. Die­sen Prü­fungs­maß­stab hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt zu Recht auch auf den vor­lie­gen­den Fall über­tra­gen. Es ist von einer – bereits im Wider­spruchs­be­scheid der Beklag­ten vom 29.11.2005 ange­spro­che­nen – tarif­li­chen Unkünd­bar­keit der Klä­ge­rin, jedoch im Hin­blick auf die ein­schlä­gi­ge Rspr des Bun­des­ar­beits­ge­richts von der Berech­ti­gung der Arbeit­ge­be­rin zur außer­or­dent­li­chen betriebs­be­ding­ten Kün­di­gung mit sozia­ler Aus­lauf­frist aus­ge­gan­gen. Durch die Rspr des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist die­se Kün­di­gung weit­ge­hend der ordent­li­chen betriebs­be­ding­ten Kün­di­gung ange­nä­hert wor­den, sodass zur Ver­mei­dung von Wer­tungs­wi­der­sprü­chen, aber auch im Hin­blick auf die beson­de­re Schutz­be­dürf­tig­keit der betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer, § 1a KSchG ent­spre­chend anzu­wen­den ist 27. Dabei ist das Lan­des­so­zi­al­ge­richt im Wege einer Plau­si­bi­li­täts­kon­trol­le rechts­feh­ler­frei zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass die der Klä­ge­rin in Aus­sicht gestell­te Kün­di­gung auch in Anse­hung ihrer Schwer­be­hin­de­rung nicht offen­sicht­lich rechts­wid­rig gewe­sen wäre und dem­zu­fol­ge inso­weit kein Anhalts­punkt für eine Geset­zes­um­ge­hung zu Las­ten der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft gege­ben ist.
Dies ergibt sich aus sei­nen Erwä­gun­gen hin­sicht­lich der gel­ten­den Kün­di­gungs­frist, zur Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keit, sowie zur Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft der Klä­ge­rin.
Wie bereits das Lan­des­so­zi­al­ge­richt zutref­fend aus­ge­führt hat, ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­spre­chend § 626 BGB die außer­or­dent­li­che Kün­di­gung eines tarif­lich unkünd­ba­ren Arbeit­neh­mers aus betriebs­be­ding­ten Grün­den aus­nahms­wei­se unter Ein­hal­tung der ordent­li­chen Kün­di­gungs­frist zuläs­sig, wenn der Arbeits­platz des Arbeit­neh­mers weg­ge­fal­len ist und der Arbeit­ge­ber den Arbeit­neh­mer auch unter Ein­satz aller zumut­ba­ren Mit­tel nicht wei­ter beschäf­ti­gen kann 28. Der Arbeit­ge­ber hat auch bei einer danach zuläs­si­gen außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung die gesetz­li­che oder tarif­li­che Kün­di­gungs­frist ein­zu­hal­ten, die gel­ten wür­de, wenn die ordent­li­che Kün­di­gung nicht aus­ge­schlos­sen wäre 29. Der Auf­he­bungs­ver­trag ist unter Ein­hal­tung der für die Klä­ge­rin gel­ten­den ordent­li­chen Kün­di­gungs­frist von 18 Mona­ten am 10.5.2004 mit Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses zum 30.11.2005 geschlos­sen wor­den. Dass der Auf­he­bungs­ver­trag sei­nem Wort­laut nach zur Ver­mei­dung "einer ordent­li­chen betriebs­be­ding­ten Kün­di­gung" geschlos­sen wor­den ist, obwohl nur eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung mit Aus­lauf­frist mög­lich gewe­sen wäre, steht sei­ner Wirk­sam­keit nicht ent­ge­gen 30.
Die Wei­ter­be­schäf­ti­gung der Klä­ge­rin war der Arbeit­ge­be­rin ent­spre­chend § 626 Abs 1 BGB unzu­mut­bar 31. Denn nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts ist der dama­li­ge Bereich Ver­triebs­tech­nik, in dem die Klä­ge­rin als Sachbearbeiterin/​Sekretärin beschäf­tigt war, im Zuge von weit­rei­chen­den Umstruk­tu­rie­rungs­maß­nah­men weg­ge­fal­len und war kei­ne ander­wei­ti­ge Beschäf­ti­gung der Klä­ge­rin im Unter­neh­men mög­lich.
Zwar ist auch bei der nur aus­nahms­wei­se zuläs­si­gen außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung tarif­lich unkünd­ba­rer Arbeit­neh­mer der Arbeit­ge­ber zu einer sozia­len Aus­wahl ent­spre­chend § 1 Abs 3 KSchG ver­pflich­tet 32. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat jedoch zu Recht Anhalts­punk­te für eine offen­sicht­lich unzu­tref­fen­de Sozi­al­aus­wahl der Arbeit­ge­be­rin, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft der Klä­ge­rin, ver­neint. Aller­dings weist die Beklag­te zutref­fend dar­auf hin, dass durch das Gesetz vom 24.12.2003 33 nicht nur § 1a KSchG ein­ge­führt ist, son­dern gleich­zei­tig in § 1 Abs 3 S 1 KSchG die Schwer­be­hin­de­rung des Arbeit­neh­mers aus­drück­lich bei den Basis­da­ten für die Sozi­al­aus­wahl auf­ge­führt wor­den ist. Dar­aus folgt aber kein abso­lu­tes Kün­di­gungs­ver­bot. Viel­mehr ist zu prü­fen, ob im Fal­le einer Kün­di­gung die Zustim­mung des Inte­gra­ti­ons­amts für die ordent­li­che bzw hier die außer­or­dent­li­che Been­di­gungs­kün­di­gung erteilt wor­den wäre. Nach der ein­schlä­gi­gen Vor­schrift des § 91 Abs 4 SGB IX soll das Inte­gra­ti­ons­amt die Zustim­mung ertei­len, wenn die Kün­di­gung aus einem Grund erfolgt, der nicht im Zusam­men­hang mit der Behin­de­rung steht. Einen sol­chen Zusam­men­hang zwi­schen der – hypo­the­ti­schen – Kün­di­gung und der Schwer­be­hin­de­rung der Klä­ge­rin hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt ver­neint. Die­se Fest­stel­lung ist von der Beklag­ten nicht mit zuläs­si­gen Ver­fah­rens­rügen ange­grif­fen wor­den und dem­zu­fol­ge für das Revi­si­ons­ge­richt bin­dend (§ 163 SGG). Gemes­sen an den Recht­mä­ßig­keits­vor­aus­set­zun­gen für die außer­or­dent­li­che betriebs­be­ding­te Kün­di­gung mit sozia­ler Aus­lauf­frist ist dem­zu­fol­ge das Ergeb­nis des Lan­des­so­zi­al­ge­richts nicht zu bean­stan­den, der Klä­ge­rin habe ein wich­ti­ger Grund für den Abschluss des Auf­he­bungs­ver­trags zur Sei­te gestan­den.
Schließ­lich ruht der Anspruch der Klä­ge­rin auf Arbeits­lo­sen­geld in der Zeit vom 1.12.2005 bis 22.2.2006 nicht wegen der erhal­te­nen Abfin­dung (§ 143a Abs 1 S 1 SGB III aF).
Wie das LSG zutref­fend aus­ge­führt hat, ist das Ruhen eines Anspruchs auf Arbeits­lo­sen­geld nicht nur im Hin­blick auf die Sperr­zeit­re­ge­lung in § 144 SGB III aF zu über­prü­fen, son­dern auch anhand der Ruhens­vor­schrift nach § 143a Abs 1 S 1 SGB III aF. Danach ruht der Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld von dem Ende des Arbeits­ver­hält­nis­ses an bis zu dem Tag, an dem das Arbeits­ver­hält­nis bei Ein­hal­tung die­ser Frist geen­det hät­te, wenn der Arbeits­lo­se wegen der Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses eine Abfin­dung, Ent­schä­di­gung oder ähn­li­che Leis­tung (Ent­las­sungs­ent­schä­di­gung) erhal­ten oder zu bean­spru­chen hat und das Arbeits­ver­hält­nis ohne Ein­hal­tung der ordent­li­chen Kün­di­gungs­frist des Arbeit­ge­bers ent­spre­chen­den Frist been­det wur­de. Gemäß § 143 Abs 1 S 3 Nr 2 Alter­na­ti­ve 2 SGB III aF gilt die ordent­li­che Kün­di­gungs­frist – als fik­ti­ve Kün­di­gungs­frist – auch dann, wenn die ordent­li­che Kün­di­gung des Arbeit­neh­mers durch den Arbeit­ge­ber aus­ge­schlos­sen ist, jedoch die Vor­aus­set­zun­gen für eine frist­ge­bun­de­ne Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund vor­lie­gen 34. Die­se Frist ist aber, wie oben dar­ge­stellt, im Fall der Klä­ge­rin ein­ge­hal­ten wor­den.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 2. Mai 2012 – B 11 AL 6/​11 R
SG Karls­ru­he, Urteil vom 18.12.2008 – S 11 AL 5322/​05[↩]
LSG Baden-Württ., Urteil vom 16.02.2011 – L 3 AL 712/​09[↩]
vgl BSG SozR 4 – 4300 § 144 Nr 10 RdNr 12 mwN[↩]
vgl ua BSGE 99, 154 = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 17, RdNr 31; BSGE 89, 250, 252 = SozR 3 – 4100 § 119 Nr 24, mwN[↩]
vgl BSG SozR 4 – 4300 § 144 Nr 10 RdNr 14 mwN[↩]
vgl zuletzt BSG SozR 4 – 4300 § 144 Nr 21 RdNr 12; BSGE 99, 154 = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 17, RdNr 35[↩]
vgl ua BSGE 97, 1, 3 f = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 13, RdNr 13 ff; BSGE 89, 243, 248 = SozR 3 – 4100 § 119 Nr 24[↩]
vgl ua BSGE 89, 243, 246 = SozR 3 – 4100 § 119 Nr 24; zuletzt BSGE 104, 57 = BSG SozR 4 – 4300 § 144 Nr 20[↩]
vgl Eisemann in Kütt­ner, Per­so­nal­buch 2011, 18. Aufl 2011, 1 Abfin­dung, RdNr 3[↩]
BT-Drucks 15/​1204 S 9; vgl auch BT-Drucks 15/​1587 S 27[↩]
vgl BT-Drucks 15/​1587 S 27[↩]
BSGE 97, 1, 5 f = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 13, RdNr 19 bis 20[↩]
BSG, Urteil vom 08.07.2009 – B 11 AL 17/​08 R – BSGE 104, 57 = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 20, RdNr 19[↩]
vgl ua Wink­ler in Gagel, SGB III, § 144 RdNr 56, Stand Juli 2009; Cose­riu in Eicher/​Schlegel, SGB III, § 144 RdNr 141, Stand Juni 2010[↩]
vgl Durch­füh­rungs­an­wei­sun­gen, DA, der BA, Stand 11/​2011 zu § 144 SGB III, Ziff 9.1.2, RdNr 144.103[↩]
BSG, Urteil vom 17.10.2007 – B 11a AL 51/​06 R – BSGE 99, 154, 161 = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 17, RdNr 42 und 43[↩]
BT-Drucks 15/​1587 S 27[↩]
eben­so DA der BA, Stand 11/​2011 zu § 144 SGB III, Ziff 1.2.1, RdNr 144.19[↩]
vgl Eicher, SGb 2005, 553, 558; Gagel, NZA 2005, 1328, 1329 f; ders ZIP 2005, 332, 334; Voelz­ke NZS 2005, 281, 287; Cose­riu in Eicher/​Schlegel, SGB III, § 144 RdNr 141, Stand Juni 2010[↩]
vgl dazu Peters-Lan­ge/Ga­gel, NZA 2005, 740, 741, 744; Voelz­ke, NZS 2005, 281, 287; kri­tisch Cose­riu, aaO, RdNr 141; Eicher, SGb 2005, 553, 558 – unter Hin­weis auf das Modell "§ 1a KSchG" und des­sen Gren­zen[↩]
vgl zuletzt BSGE 104, 57 = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 20, RdNr 19 mwN zu Streit­fäl­len vor dem 1.1.2004[↩]
vgl ua BSG, Urteil vom 17.10.2007 – B 11a AL 51/​06 R – BSGE 99, 154, 160 = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 17, RdNr 38; Urteil vom 12.07.2006 – B 11a AL 47/​05 R – BSGE 97, 1, 3 = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 13, RdNr 15 mwN[↩]
vgl BSGE 97, 1, 4 = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 13, RdNr 15[↩]
vgl BAG, Urteil vom 10.07.2008 – 2 AZR 209/​07 – AP Nr 8 zu § 1a KSchG 1969; Eisemann in Kütt­ner, Per­so­nal­buch 2011, 18. Aufl 2011, 1 Abfin­dung, RdNr 5; auch nach den DA der BA, Stand 11/​2011, zu § 144 SGB III, Ziff 9.1.2, RdNr 144.103 steht eine Abfin­dung von 0,25 Monats­ge­häl­tern für jedes Jahr des Arbeits­ver­hält­nis­ses der ent­spre­chen­den Anwen­dung des § 1a KSchG nicht ent­ge­gen[↩]
vgl BSGE 104, 57 = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 20, RdNr 19; BSGE 99, 154, 161 = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 17, RdNr 42; BSGE 97, 1 = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 13, RdNr 19[↩]
BSG, Urteil vom 17.10.2007 – B 11a AL 51/​06 R – BSGE 99, 154, 160 = SozR 4 – 4300 § 144 Nr 17, RdNr 39[↩]
vgl Wenn­ma­cher, Das refor­mier­te Arbeits­recht, 2005, zu D II 2, S 13 mwN[↩]
BAG, Urteil vom 05.02.1998 – 2 AZR 227/​97 – BAGE 88, 10[↩]
vgl Mül­ler-Glö­ge in Erfur­ter Kom­men­tar zum Arbeits­recht, 12. Aufl 2012, 230 § 626 BGB RdNr 237 mwN[↩]
vgl zuletzt BAG, Urteil vom 18.03.2010 – 2 AZR 337/​08 – AP Nr 228 zu § 626 BGB[↩]
BAG, Urteil vom 05.02.1998 – 2 AZR 227/​97 – BAGE 88, 10; Mauer/​Schüßler, BB 2001, 466, 468[↩]
BGBl I 3002[↩]
vgl Hen­ke in Eicher/​Schlegel, SGB III, § 143a RdNr 124, Stand Juni 2006; Düe in Niesel/​Brand, SGB III, 5. Aufl 2010, § 143a RdNr 19 und 21[↩]
ArbeitslosengeldAufhebungsvertragBetriebsbedingte KündigungSperre des ArbeitslosengeldesSperrzeit