Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20195/83
Timestamp: 2019-11-12 02:54:59
Document Index: 232502929

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 847', '§ 256', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 847', 'BGH', 'BGH', '§ 322', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 05.03.1985 - VI ZR 195/83 - dejure.org
https://dejure.org/1985,1103
BGH, 05.03.1985 - VI ZR 195/83 (https://dejure.org/1985,1103)
BGH, Entscheidung vom 05.03.1985 - VI ZR 195/83 (https://dejure.org/1985,1103)
BGH, Entscheidung vom 05. März 1985 - VI ZR 195/83 (https://dejure.org/1985,1103)
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Feststellungsurteil, das zum Ersatz "jeden weiteren Schadens" verpflichtet - Eine von den Parteien und dem Gericht gewollte Beschränkung des Streitgegenstandes auf materielle Schäden - Gesundheitsschaden als "jeder weiterere Schaden" - Immaterieller Schaden als "jeder ...
Feststellungsurteil: Tragweite umfasst "jeden weiteren Schaden" in der Zukunft
BGB § 847; ZPO §§ 256, 322 Abs. 1
Gesundheitsschaden - Festellungsurteil - Immaterielle Schäden - Urteilstenor - Einschränkung - Parteivorbringen - Streitgegenstand
NJW 1985, 2022
MDR 1985, 661
VersR 1985, 663
JR 1985, 422
Sie ist auch auslegungsfähig, denn wie stets kann ein Feststellungsantrag ausgelegt werden (BGH, Urteil vom 5. März 1985 - VI ZR 195/03, NJW 1985, 2022, unter II 1 a, zum Antrag auf Feststellung der Ersatzpflicht für "jeden weiteren Schaden").
Eine solche Auslegung ist jedoch nur begrenzt möglich; sie hat sich im Interesse der Rechtssicherheit allein an das zu halten, was der Richter erkennbar zum Ausdruck gebracht hat (st. Rspr.; vgl. Senatsurteile vom 24. Mai 1988 - VI ZR 326/87, VersR 1988, 929; vom 5. März 1985 - VI ZR 195/83, VersR 1985, 663, 664; vom 15. Juni 1982 - VI ZR 179/80, VersR 1982, 877, 878;… BGH, Urteile vom 30. September 2009 - VIII ZR 29/09, NJW-RR 2010, 19 Rn. 15;… vom 14. Februar 2008 - I ZR 135/05, NJW 2008, 2716 Rn. 13; jeweils mwN).
Nur dort, wo über seinen Inhalt Zweifel möglich sind, dürfen Tatbestand, Entscheidungsgründe und das zugrunde liegende Parteivorbringen zur Ermittlung dessen, worüber rechtskräftig entschieden worden ist, herangezogen werden (vgl. BGHZ 34, 337 (339); 36, 365 (367); BGH, NJW 1979, 1046 (1047); BGH, NJW 1985, 2022).
Die Feststellung der Verpflichtung zum Schadensersatz bei Gesundheitsschäden umfasst mangels einer besonderen Einschränkung stets auch den Ersatz immaterieller Schäden (vgl. RG, Recht 1914, Nr. 2452; RG, HRR 1932, Nr. 122; BGH, LM § 847 BGB Nr. 3; BGH, NJW 1985, 2022).
Lediglich dann, wenn die Urteilsformel einer Auslegung zugänglich ist und sich auf Grund von Tatbestand, Entscheidungsgründen und/oder Parteivorbringen eine eindeutige Einschränkung auf materielle Schäden ergibt, ist dies anders zu beurteilen (vgl. BGH, NJW 1985, 2022;… OLG Zweibrücken, Urt. v. 21.09.2000 - 4 U 214/99, JURIS-Dokument, Rdnr. 2;… Geigel-Kolb, aaO., 39. Kap., Rdnr. 23).
Jedenfalls ist für den Inhalt der Entscheidung und damit für die Reichweite ihrer materiellen Rechtskraft nach § 322 Abs. 1 ZPO in erster Linie der Wortlaut des Tenors maßgebend (vgl. BGH, Urteil vom 5. März 1985 - VI ZR 195/83 - NJW 1985, 2022).
Dies würde nämlich voraussetzen, daß "aus den Entscheidungsgründen klar und unzweifelhaft zu entnehmen wäre, der Richter habe die Absicht gehabt, den in Frage stehenden Anspruch, soweit er ihn nicht zusprach, sofort abzuweisen" (RGZ 5, 389, 390, Hervorhebung durch das RG; vgl. auch BGH, Urteil vom 5. März 1985 aaO a.E.).
Da aus dem Urteilstenor sich für den Umfang der Rechtskraftwirkung die Reichweite des Begriffs "Aufwendung" nicht eindeutig ergibt, kann der Senat in seiner Auslegung ergänzend Tatbestand, Entscheidungsgründe sowie andere zur Verfügung stehende Erkenntnisquellen (vgl. Senatsurteile vom 5. März 1985 - VI ZR 195/83 = VersR 1985, 663, 664 und vom 21. Januar 1986 - VI ZR 63/85 = VersR 1986, 565) heranziehen.
Anerkanntermaßen dürfen aber dort, wo über den Inhalt eines Tenors Zweifel möglich sind, Tatbestand, Entscheidungsgründe und das zugrunde liegende Parteivorbringen zur Ermittlung dessen, worüber entschieden worden ist, herangezogen werden (st. Rspr., vgl. Senatsurteil vom 5. März 1985 - VI ZR 195/83 - NJW 1985, 2022 = VersR 1985, 663).
Im Falle eines Gesundheitsschadens bezieht ein Feststellungsurteil, das zum Ersatz "jeden weiteren Schadens" verpflichtet, sich auch auf immaterielle Schäden; anders ist es nur, wenn die Urteilsformel ausdrücklich Einschränkungen enthält oder sich sonst aus dem Parteivorbringen und dem Urteil eindeutige Hinweise auf eine von den Parteien und dem Gericht gewollte Beschränkung des Streitgegenstandes auf materielle Schäden ergibt (BGH Urteil v. 5. März 1985 - VI ZR 195/83 - VersR 1985, 663).
Der Kläger hat seine Klage auch ausdrücklich auf unerlaubte Handlung gestützt (vgl. BGH Urteil v. 5. März 1985 a.a.O. S. 664; auch Senatsurteil vom 15. Oktober 1953 - III ZR 34/52 - VersR 1953, 497).
OLG Zweibrücken, 21.09.2000 - 4 U 214/99
Zulässigkeit negativer Feststellungsklage - kein Ersatzanspruch für bestimmte …
Im Interesse der Rechtssicherheit und der Rechtsklarheit unterliegt eine hiervon abweichende, einschränkende Auslegung engen Grenzen: Nur dort, wo der Inhalt des Tenors interpretationsfähig ist, dürfen Tatbestand, Entscheidungsgründe und das zugrunde liegende Parteivorbringen zur Ermittlung dessen, worüber rechtskräftig entschieden worden ist, herangezogen werden (vgl. BGH NJW 1985, 2022 m.w.N.).