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Timestamp: 2016-10-22 16:21:37
Document Index: 358419301

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'Art. 4', 'Art. 6', 'Art. 198', 'Art. 243', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 5', 'Art. 55', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 5', 'Art. 6', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'BGE', 'Art. 257', 'Art. 273', 'Art. 200', 'Art. 243', 'Art. 198', 'Art. 243', 'Art. 243', 'Art. 198', 'Art. 243', 'Art. 6', 'Art. 243', 'Art. 243', 'BGE', 'Art. 243', 'Art. 243', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 243', 'Art. 198', 'Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'Art. 200', 'Art. 274', 'Art. 243', 'Art. 243', 'Art. 239', 'Art. 6', 'Art. 243', 'Art. 6', 'BGE', 'Art. 243', 'Art. 198', 'Art. 243', 'Art. 243', 'Art. 244', 'Art. 246', 'Art. 247', 'Art. 243', 'Art. 247', 'Art. 153', 'Art. 247', 'Art. 229', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 243', 'Art. 4', 'Art. 243', 'Art. 243', 'Art. 243', 'Art. 271', 'Art. 271', 'Art. 243', 'BGE', 'Art. 271', 'Art. 271', 'Art. 272', 'Art. 248', 'Art. 257', 'Art. 243', 'Art. 243', 'Art. 243', 'Art. 273', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 273', 'Art. 210', 'Art. 211', 'Art. 243', 'Art. 210', 'Art. 243', 'Art. 6', 'Art. 243', 'Art. 6', 'Art. 198', 'Art. 243', 'Art. 243', 'Art. 200', 'Art. 198', 'Art. 247', 'Art. 244', 'Art. 246', 'Art. 229', 'Art. 271', 'Art. 271', 'Art. 271', 'Art. 272', 'Art. 248', 'Art. 257', 'Art. 273', 'Art. 273', 'Art. 210', 'Art. 211']

139 III 45765. Auszug aus dem Urteil der I. zivilrechtlichen Abteilung i.S. X. SA gegen Y. AG (Beschwerde in Zivilsachen)
Art. 6 et 243 CPC; d�limitation de la comp�tence du tribunal de commerce de celle du tribunal des baux. Notion d'"activit� commerciale" selon l'art. 6 al. 2 let. a CPC (consid. 3). Le tribunal de commerce n'est pas comp�tent pour conna�tre des litiges relevant de la proc�dure simplifi�e selon l'art. 243 al. 2 let. c CPC; le r�gime de la proc�dure applicable a la priorit� sur la comp�tence mat�rielle du tribunal de commerce (consid. 4). Notion de "protection contre les cong�s" selon l'art. 243 al. 2 let. c CPC (consid. 5). Consid�rants � partir de page 457
3. Die Beschwerdef�hrerin r�gt eine Verletzung von Art. 4 Abs. 1, Art. 6 Abs. 2, Art. 198 lit. f sowie Art. 243 Abs. 2 lit. c und Abs. 3 ZPO. Sie macht geltend, es handle sich nicht um eine handelsrechtliche Streitigkeit, weshalb entgegen der Ansicht der Vorinstanzen BGE 139 III 457 S. 458nicht das Handelsgericht, sondern das Mietgericht f�r die vorliegende Streitsache sachlich zust�ndig sei.
3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 ZPO k�nnen die Kantone ein Fachgericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz f�r handelsrechtliche Streitigkeiten zust�ndig ist (Handelsgericht). Gem�ss Art. 6 Abs. 2 ZPO gilt eine Streitigkeit als handelsrechtlich, wenn: die gesch�ftliche T�tigkeit mindestens einer Partei betroffen ist (lit. a); gegen den Entscheid die Beschwerde in Zivilsachen an das Bundesgericht offen steht (lit. b); und die Parteien im schweizerischen Handelsregister oder in einem vergleichbaren ausl�ndischen Register eingetragen sind (lit. c). Diese drei Voraussetzungen m�ssen nach dem Gesetzeswortlaut kumulativ gegeben sein, damit eine handelsrechtliche Streitigkeit im Sinne von Art. 6 Abs. 1 ZPO vorliegt.
Die Vorinstanz hat sowohl die zweite (Beschwerdem�glichkeit an das Bundesgericht) als auch die dritte Voraussetzung (Eintrag der Parteien im schweizerischen Handelsregister) bejaht, was von den Parteien nicht in Frage gestellt wird. Umstritten ist einzig, ob die "gesch�ftliche T�tigkeit" mindestens einer Partei betroffen ist (lit. a).
3.2 Was die "gesch�ftliche T�tigkeit" ist, bestimmt allein das Bundesrecht. Die Lehre unterscheidet dabei zwischen Grundgesch�ften (z.B. Verkauf von selbst fabrizierten oder erworbenen G�tern, Erbringung eigener Dienstleistungen) und Hilfs- oder Nebengesch�ften, welche dazu bestimmt sind, die Gesch�ftst�tigkeit zu f�rdern oder zu unterst�tzen. Die Frage, ob die "gesch�ftliche T�tigkeit" nur die Kerngesch�ftst�tigkeit oder auch die Hilfs- bzw. Nebengesch�fte betrifft, wurde mit BGE 138 III 471 nicht entschieden. Die Lehre geht davon aus, dass Art. 6 Abs. 2 lit. a ZPO sowohl Grundgesch�fte wie auch Hilfs- und Nebengesch�fte erfasst (VOCK/NATER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 2. Aufl. 2013, N. 8 zu Art. 6 ZPO; HAAS/SCHLUMPF, in: ZPO, Oberhammer [Hrsg.], 2010, N. 6 zu Art. 6 ZPO;THEODOR H�RTSCH, in: Schweizerische Zivilprozessordnung [ZPO], Baker & McKenzie[Hrsg.], 2010, N. 9 f. zu Art. 6 ZPO; JACQUES HALDY, in: CPC, Code de proc�dure civile comment�, Bohnet und andere [Hrsg.], 2011, N. 5zu Art. 6 ZPO; BERNHARD BERGER, in: Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 2012, N. 22 zu Art. 6 ZPO; derselbe, Verfahren vor dem Handelsgericht: ausgew�hlte Fragen, praktische Hinweise, ZBJV 148/2012 S. 467 f.; TOYLAN SENEL, Das BGE 139 III 457 S. 459handelsgerichtliche Verfahren nach der neuen Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2011, Rz. 241 f. und 244).
Der Botschaft des Bundesrates zur Schweizerischen Zivilprozessordnung kann entnommen werden, dass sich die Umschreibung der Kriterien in Art. 6 Abs. 2 ZPO an den fr�heren kantonalen Regelungen orientiert (Botschaft vom 28. Juni 2006 zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], [nachfolgend: Botschaft ZPO], BBl 2006 7221 ff., insb. 7261 zu Art. 6). Auch wenn dabei nur auf die jeweiligen Regelungen (Art. 5 ZPO/BE i.V.m. Art. 55 GOG/BE; � 404 ZPO/AG; � 62 GVG/ZH; Art. 14 ZPO/SG) verwiesen wurde und nicht direkt auf die gest�tzt darauf ergangene kantonale Praxis, welche ebenfalls sowohl die Grund- wie auch die Hilfs-/Nebengesch�fte erfasste (LEUENBERGER/UFFER-TOBLER, Kommentar zur Zivilprozessordnung des Kantons St. Gallen, 1999, N. 4a zu Art. 14 ZPO; KELLERHALS/STERCHI, Die Zivilprozessordnung f�r den Kanton Bern, 5. Aufl. 2000, N. 2c/bb zu Art. 5 ZPO; HAUSER/SCHWERI, Kommentar zum z�rcherischen Gerichtsverfassungsgesetz [...], 2002, N. 21 f. zu � 62 GVG; B�HLER/EDELMANN/KILLER, Kommentar zur aargauischen Zivilprozessordnung, 2. Aufl. 1998, N. 9 zu � 404 ZPO), ist der hiervor zitierten Lehre zuzustimmen. Es bestehen keine Anhaltspunkte, dass der Gesetzgeber die diesbez�gliche kantonale Praxis einschr�nken wollte. Vielmehr wurde festgehalten, die sachliche Zust�ndigkeit sei "bewusst sehr weit gefasst" (Botschaft ZPO, a.a.O., 7261 zu Art. 6; vgl. auch BGE 138 III 694 E. 2.9 S. 700 f.). Im Ergebnis ist der Vorinstanz somit zuzustimmen, dass der Abschluss von Mietvertr�gen �ber Gesch�ftsliegenschaften und damit grunds�tzlich auch Streitigkeiten aus solchen Vertr�gen unter den Begriff "gesch�ftliche T�tigkeit" gem�ss Art. 6 Abs. 2 lit. a ZPO f�llt (ebenso explizit betreffend Mietvertr�ge �ber Gesch�ftsliegenschaften: JACQUES HALDY, a.a.O., N. 5 zu Art. 6 ZPO; BERNHARD BERGER, ZBJV 148/2012 S. 478; THEODOR H�RTSCH, a.a.O., N. 10 zu Art. 6 ZPO; B�HLER/EDELMANN/KILLER, a.a.O., N. 9 zu � 404 ZPO/AG; TOYLAN SENEL, a.a.O., Rz. 242). Die streitgegenst�ndlichen Mietvertr�ge betreffen denn auch nach der eigenen Darstellung der Beschwerdef�hrerin Gesch�ftsr�umlichkeiten.
4. 4.1 Die Beschwerdef�hrerin macht geltend, selbst wenn von einem weiten Begriff der handelsrechtlichen Streitigkeit auszugehen w�re und damit allgemein auch Streitigkeiten aus einem Mietvertrag darunter fielen, w�re jedenfalls die vorliegend konkrete Streitigkeit BGE 139 III 457 S. 460eine mietrechtliche und nicht eine handelsrechtliche. Streitgegenstand sei die G�ltigkeit der am 24. Juli 2012 wegen Zahlungsr�ckstand des Mieters (Art. 257d OR) ausgesprochenen K�ndigung; es handle sich somit um ein K�ndigungsschutzverfahren. F�r solche Streitigkeiten sei gem�ss Art. 273 Abs. 1 OR i.V.m. Art. 200 ZPO ein Schlichtungsverfahren zwingend; ebenso gelange zwingend das vereinfachte Verfahren zur Anwendung (Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO). Sowohl die vorg�ngige Schlichtung wie auch das vereinfachte Verfahren werden aber durch Art. 198 lit. f bzw. Art. 243 Abs. 3 ZPO f�r Verfahren vor dem Handelsgericht ausgeschlossen, womit f�r K�ndigungsschutzverfahren zwingend auch die Zust�ndigkeit des Handelsgerichts ausgeschlossen sei.
4.2 Die Vorinstanz erwog, die Bestimmungen der ZPO �ber das vereinfachte Verfahren und das Schlichtungsverfahren k�nnten nur dort gelten, wo das Bundesrecht selbst diese Bestimmungen nicht ausschliesse, was aber mit Art. 243 Abs. 3 und Art. 198 lit. f ZPO gerade der Fall sei. Die gesetzliche Ausnahme k�nne nicht gleichsam umgedreht und als Argument gegen die Zust�ndigkeit des Handelsgerichts verwendet werden.
4.3 In der Lehre wird diese Frage kontrovers beurteilt, soweit sie sich dazu �berhaupt �ussert. Dabei wird die Auffassung vertreten, bei den in Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO enthaltenen Materien, die zum Kernbereich des Mietrechts geh�rten, k�nne das Handelsgericht in keinem Fall angerufen werden, weil es seine Prozesse nicht im vereinfachten Verfahren durchf�hren d�rfe (THEODOR H�RTSCH, a.a.O., N. 17 zu Art. 6 ZPO; BERNHARD BERGER, ZBJV 148/2012 S. 478). Demgegen�ber geht DENIS TAPPY (in: CPC, Code de proc�dure civile comment�, 2011, N. 27 i.V.m. N. 23 zu Art. 243 ZPO) davon aus, Kantone mit Handelsgerichten k�nnten die in Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO genannten Materien, die in den �brigen Kantonen im vereinfachten Verfahren durchgef�hrt w�rden, im ordentlichen Verfahren beurteilen. Schliesslich wird auch die Auffassung vertreten, bei typisch mietrechtlichen Streitigkeiten dr�nge sich die Zust�ndigkeit des Mietgerichts auf. Trete jedoch das Handelsgericht an die Stelle des Mietgerichts, so m�sse es f�r den Miet- und Pachtprozess die entsprechenden Verfahrensbestimmungen beachten, wozu im Besonderen die vorg�ngige Anrufung der Schlichtungsbeh�rde geh�re (HAUSER/SCHWERI/LIEBER, GOG, Kommentar zum z�rcherischen Gesetz �ber die Gerichts- und Beh�rdenorganisation im Zivil- und Strafprozess, 2012, N. 38 zu � 3 GOG). BGE 139 III 457 S. 461
Auch die kantonale Praxis ist nicht einheitlich. Im Gegensatz zur grunds�tzlichen Auffassung der Vorinstanz, erachtete sich das Handelsgericht des Kantons Aargau f�r die Anfechtung von Mietzinserh�hungen und damit verbundenen Streitigkeiten als nicht zust�ndig, da es keine parit�tisch zusammengesetzte Schlichtungsbeh�rde sei und f�r solche Streitigkeiten das vereinfachte Verfahren gem�ss Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO gelte (Urteil vom 29. November 2011, in: Zeitschrift f�r kantonale Rechtsprechung [CAN] 2012 Nr. 3 S. 23; zustimmend: CHRISTIAN OETIKER, ius.focus 4/2013 S. 23). Demgegen�ber entschied das Handelsgericht des Kantons Bern in einem Urteil vom 3. Mai 2013, Art. 243 ZPO schr�nke die sachliche Zust�ndigkeit des Handelsgerichts nicht ein. Die Regelung �ber die sachliche Zust�ndigkeit gehe mithin der Bestimmung �ber die Verfahrensart vor.
4.4 Das Gesetz muss in erster Linie aus sich selbst heraus, das heisst nach dem Wortlaut, Sinn und Zweck und den ihm zu Grunde liegenden Wertungen auf der Basis einer teleologischen Verst�ndnismethode ausgelegt werden. Die Gesetzesauslegung hat sich vom Gedanken leiten zu lassen, dass nicht schon der Wortlaut die Norm darstellt, sondern erst das an Sachverhalten verstandene und konkretisierte Gesetz. Gefordert ist die sachlich richtige Entscheidung im normativen Gef�ge, ausgerichtet auf ein befriedigendes Ergebnis der ratio legis. Dabei befolgt das Bundesgericht einen pragmatischen Methodenpluralismus und lehnt es namentlich ab, die einzelnen Auslegungselemente einer hierarchischen Priorit�tsordnung zu unterstellen. Insbesondere bei j�ngeren Gesetzen sind auch die Gesetzesmaterialien zu beachten, wenn sie auf die streitige Frage eine klare Antwort geben und dem Richter damit weiterhelfen (BGE 138 III 694 E. 2.4 S. 698 mit Hinweisen).
4.4.1 Der Gesetzeswortlaut als solcher ist nicht schl�ssig. "Gesch�ftliche T�tigkeit" gem�ss Art. 6 Abs. 2 lit. a ZPO erfasst wie dargelegt auch den Abschluss von Mietvertr�gen �ber Gesch�ftsliegenschaften und damit grunds�tzlich auch Streitigkeiten aus solchen Vertr�gen (vgl. E. 3.2). Gleichzeitig betrifft Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO Streitigkeiten aus Miete und Pacht auch von Gesch�ftsr�umen. Diese Bestimmungen �berschneiden sich also.
4.4.2 Auch aus den Materialien l�sst sich keine klare Abgrenzung ableiten, insbesondere auch nicht daraus, dass bei Art. 198 lit. f ZPO im Rahmen der parlamentarischen Beratungen der Hinweis auf Art. 6 BGE 139 III 457 S. 462ZPO eingef�gt wurde. Die Erg�nzung wurde namentlich damit begr�ndet, bei Streitigkeiten vor Handelsgericht sei es sinnvoll, wenn direkt der Fachrichter und nicht zuerst noch ein Friedensrichter einen Vergleichsvorschlag unterbreite; das notwendige Fachwissen (f�r einen Vergleichsvorschlag) k�nne bei der nicht spezialisierten Schlichtungsbeh�rde nicht vorausgesetzt werden (AB 2008 N 947 ff.; vgl. auch BGE 138 III 558 E. 4.3 S. 563). Die Abgrenzung erfolgte also gegen�ber der allgemeinen Schlichtungsbeh�rde, nicht gegen�ber der spezialisierten parit�tischen Schlichtungsstelle f�r Streitigkeiten aus Miete und Pacht (Art. 200 ZPO). Ebenso wie die Handelsgerichte wegen deren besonderen Fachkompetenz in handelsrechtlichen Streitigkeiten beibehalten wurden, geschah dies bei den parit�tischen Schlichtungsbeh�rden in Miete und Pacht (aArt. 274a OR) wegen deren besonderen Fachkompetenz in Mietstreitigkeiten (vgl. STAEHELIN/STAEHELIN/GROLIMUND, Zivilprozessrecht, 2. Aufl. 2013, S. 44 f.). Im bereits erw�hnten Entscheid des Handelsgerichts des Kantons Bern (vgl. E. 4.3 a.E.) erwog dieses, Art. 243 Abs. 3 ZPO mache nur einen Sinn, wenn Verfahren, die gem�ss Art. 243 Abs. 1 ZPO grunds�tzlich im vereinfachten Verfahren abzuwickeln sind, vor Handelsgericht �berhaupt zul�ssig sein k�nnen. Diese Argumentation ist zwar nicht von der Hand zu weisen; doch ergeben sich aus den Materialien keine Hinweise, dass ein derartiger systematischer Zusammenhang bedacht worden w�re. Absatz 3 war im Vorentwurf der Expertenkommission noch nicht enthalten. In der Botschaft wird dazu nur angef�hrt, das vereinfachte Verfahren eigne sich nicht f�r Prozesse vor Handelsgericht, da die dortigen Streitigkeiten und Verfahren meist ohnehin zu komplex seien (Botschaft ZPO, a.a.O., 7347 zu Art. 239 a.E.).
4.4.3 Massgeblich ist vielmehr die Bedeutung der Bestimmungen im normativen Gef�ge.
4.4.3.1 F�r Streitigkeiten vor dem Handelsgericht gem�ss Art. 6 ZPO findet das vereinfachte Verfahren nach dem eindeutigen Wortlaut von Art. 243 Abs. 3 ZPO keine Anwendung. Abzulehnen ist daher jedenfalls jene Lehrmeinung (vgl. E. 4.3), wonach das Handelsgericht, wenn es anstelle der Mietgerichte (bzw. der ordentlichen Gerichte in Kantonen ohne spezialisiertes Mietgericht) entscheidet, die f�r den Miet- und Pachtprozess geltenden Verfahrensregeln anzuwenden habe. Vielmehr kann die Abgrenzung zwischen Art. 6 und BGE 139 III 457 S. 463Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO nur so erfolgen, dass entweder das Handelsgericht zust�ndig ist und dieses im ordentlichen Verfahren und ohne vorg�ngige Schlichtung (Art. 198 lit. f ZPO) entscheidet, oder dass die spezifischen Mietstreitigkeiten von den ordentlichen Gerichten (bzw. in Kantonen mit Mietgericht von diesen) im vereinfachten Verfahren und mit vorg�ngiger Schlichtung durch die parit�tische Schlichtungsbeh�rde entschieden werden.
4.4.3.2 In mietrechtlichen Streitigkeiten gilt das vereinfachte Verfahren unabh�ngig vom Streitwert bei den besonderen Streitigkeiten gem�ss Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO und ausserdem bei allen �brigen mietrechtlichen Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von 30'000 Franken (Art. 243 Abs. 1 ZPO). Das vereinfachte Verfahren unterscheidet sich vom ordentlichen namentlich durch vereinfachte Formalien (Art. 244 ZPO), k�rzere Verfahrensdauern (Bestreben der Verfahrenserledigung am ersten Termin, Art. 246 ZPO) und verst�rkte Mitwirkung des Gerichts bei der Feststellung des Sachverhalts (Art. 247 ZPO). Es kann offenbleiben, ob die angestrebte k�rzere Verfahrenserledigung im Vergleich zu den Handelsgerichten nicht ins Gewicht f�llt, wie die Vorinstanz meint. Jedenfalls kann der Unterschied in den Prozessmaximen von erheblicher Bedeutung sein. In den mietrechtlichen Streitigkeiten gem�ss Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO und bei Streitwerten bis 30'000 Franken hat das Gericht den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (Art. 247 Abs. 2 ZPO). Es gilt also die soziale Untersuchungsmaxime. Namentlich bedeutet dies, dass das Gericht nicht an die Beweisantr�ge der Parteien und deren Tatsachenbehauptungen gebunden ist (FABIENNE HOHL, Proc�dure civile, Bd. II, 2010, Rz. 1407; FRAN�OIS BOHNET, Le droit du bail en proc�dure civile suisse, in: 16e s�minaire sur le droit du bail, 2010, Rz. 165 und 168; PETER GUYAN, in: Basler Kommentar, a.a.O., N. 3 ff. zu Art. 153 ZPO; CHRISTIAN FRAEFEL, in: ZPO, Oberhammer [Hrsg.], 2010, N. 8 ff. zu Art. 247 ZPO). Im Gegensatz zum ordentlichen Verfahren kann das Gericht sodann auch neue Tatsachen und Beweismittel bis zur Urteilsberatung ber�cksichtigen (Art. 229 Abs. 3 ZPO).
4.4.3.3 Zivilprozessrecht hat eine dienende Funktion. Es ist darauf ausgerichtet, dem materiellen Recht zum Durchbruch zu verhelfen. Seine dienende Funktion bestimmt auch die Auslegung des Prozessrechts (BGE 116 II 215 E. 3 S. 218 f.; best�tigt in BGE 127 III 461 E. 3d S. 466 und BGE 123 III 140 E. 2c S. 144). W�ren die Verfahrensarten f�r die gleichen Streitigkeiten unterschiedlich, weil diese von BGE 139 III 457 S. 464unterschiedlichen Gerichten beurteilt werden k�nnten, so w�re die mit der vereinheitlichten Zivilprozessordnung angestrebte einheitliche Verwirklichung des materiellen Rechts (Botschaft ZPO, a.a.O., 7236 Ziff. 2.2), angesichts der soeben dargestellten Unterschiede der anzuwendenden Verfahren, in Frage gestellt. Die Abgrenzung zwischen der Zust�ndigkeit der Handelsgerichte und jener der ordentlichen Gerichte (bzw. in gewissen Kantonen der Mietgerichte) kann daher nicht derart sein, dass dadurch in die von der Zivilprozessordnung vorgegebenen Verfahrensarten eingegriffen w�rde. Dieser Grundsatz ist in Bezug auf die Kompetenz der Kantone zur Regelung der sachlichen und funktionellen Zust�ndigkeit ihrer Gerichte gem�ss Art. 4 ZPO anerkannt: Danach k�nnen die Kantone eine Abgrenzung der Zust�ndigkeiten nach der Verfahrensart treffen, jedoch nicht in die von der ZPO vorgegebenen Verfahrensarten eingreifen (BERNHARD BERGER, a.a.O., N. 14 und 16 zu Art. 4 ZPO; VOCK/NATER, a.a.O., N. 5 zu Art. 4 ZPO; DENIS TAPPY, a.a.O., N. 27 zu Art. 243 ZPO; wohl auch ALEXANDER BRUNNER, in: Schweizerische Zivilprozessordnung [ZPO], Kommentar, Brunner und andere [Hrsg.], 2011, N. 3 zu Art. 4 ZPO.
Entgegen der Vorinstanz ist somit auch f�r die vorliegend strittige Abgrenzung davon auszugehen, dass die Regelung der Verfahrensart jener �ber die sachliche Zust�ndigkeit der Handelsgerichte vorgeht.
5. Demzufolge ist abschliessend zu pr�fen, ob die vorliegende Streitigkeit einen Anwendungsfall von Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO darstellt, denn angesichts des Streitwerts f�llt sie offensichtlich nicht unter Art. 243 Abs. 1 ZPO.
5.1 Die Beschwerdef�hrerin macht wie bereits vor der Vorinstanz geltend, der Begriff "K�ndigungsschutz" in Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO sei weit auszulegen und erfasse nicht nur die Anfechtbarkeit, sondern auch die Feststellung der Unwirksamkeit bzw. Nichtigkeit einer K�ndigung.
5.2 Die Frage, ob sich der Begriff "K�ndigungsschutz" nur auf die Anfechtbarkeit der K�ndigung gem�ss Art. 271 und Art. 271a OR bezieht oder auch die Unwirksamkeit oder Nichtigkeit einer K�ndigung einschliesst, wird in der vornehmlich franz�sischsprachigen Literatur kontrovers diskutiert. Die Begrenzung wird damit begr�ndet, "K�ndigungsschutz" gem�ss Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO entspreche der �berschrift des dritten Abschnitts des 8. Titels des OR BGE 139 III 457 S. 465(Art. 271 bis 273c OR) und k�nne sich daher nur auf die in diesem Abschnitt geregelte Anfechtung (Art. 271 und 271a OR) und die Erstreckung des Mietverh�ltnisses (Art. 272 ff. OR) beziehen. Immerhin wird anerkannt, dass die G�ltigkeit oder Nichtigkeit der K�ndigung als Vorfrage im Rahmen eines Anfechtungsverfahrens gepr�ft werden kann. Das ordentliche Verfahren gelange dagegen zur Anwendung, wenn in einem selbstst�ndigen Verfahren, namentlich im Rahmen eines Ausweisungsverfahrens (das mangels liquider Verh�ltnisse die Anforderungen von Art. 248 lit. b und Art. 257 Abs. 1 ZPO nicht erf�llt), auf Feststellung der G�ltigkeit der K�ndigung geklagt wird und der Streitwert 30'000 Franken �bersteigt (DAVID LACHAT, Proc�dure civile en mati�re de baux et loyers, 2011, S. 133 Rz. 2.2.3 und Fn. 37; FRAN�OIS BOHNET, a.a.O., Rz. 112, 141 und 143; BOHNET/CONOD, Bail et proc�dure civile suisse: premiers d�veloppements, in: 17e s�minaire sur le droit du bail, 2012, Rz. 58 ff.). Ein anderer Teil der Lehre geht von einem weiten Verst�ndnis des Begriffs "K�ndigungsschutz" in Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO aus, der jeden Fall der Bestreitung der G�ltigkeit der K�ndigung erfasse, sei es wegen Anfechtbarkeit, Unwirksamkeit oder Nichtigkeit (FABIENNE HOHL, a.a.O., Rz. 1329; JEAN-LUC COLOMBINI, Note sur quelques questions li�es � la proc�dure d'expulsion, JdT 2011 III S. 85; BOHNET/CONOD, a.a.O., Rz. 58 ff.; STEPHAN MAZAN, in: Basler Kommentar, a.a.O., N. 19a zu Art. 243 ZPO). Das Bundesgericht hat in seinem Urteil 4A_451/2011 vom 29. November 2011 E. 2 den Begriff "K�ndigungsschutz" gem�ss Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO ohne weitere Begr�ndung weit verstanden und das vereinfachte Verfahren in einem von den Vermietern angestrengten Ausweisungsverfahren angewendet. In seinem Urteil 4A_87/2012 vom 10. April 2012 E. 3 hat es die Frage unter Bezugnahme auf die einschl�gige (franz�sischsprachige) Literatur jedoch offengelassen.
Das Bundesgericht hatte schon unter altem Recht gest�tzt auf Art. 273 Abs. 4 OR entschieden, jedenfalls vorfrageweise sei die Nichtigkeit bzw. Ung�ltigkeit im Rahmen eines Anfechtungs- (BGE 132 III 65 E. 3.2 S. 68 f.) oder eines Erstreckungsbegehrens (Urteil 4C.135/2001 vom 4. September 2001 E. 1b) zu pr�fen. Erkl�re die Schlichtungsbeh�rde im Rahmen eines solchen Verfahrens eine K�ndigung f�r ung�ltig, unwirksam oder nichtig, sei der Vermieter berechtigt, im K�ndigungsschutzverfahren auf Feststellung der G�ltigkeit der K�ndigung zu klagen (BGE 132 III 65 E. 3.2 ff. S. 68 ff. mit Hinweisen; zustimmend: ROGER WEBER, in: Basler Kommentar, BGE 139 III 457 S. 466Obligationenrecht, Bd. I, 5. Aufl. 2011, N. 6 zu Art. 273 OR; THOMAS KOLLER, ZBJV 143/2007 S. 853 ff.; in Bezug auf die vorfrageweise �berpr�fbarkeit auch FABIENNE BYRDE, JdT 2007 I S. 274). 5.3 Daran ist auch unter neuem Recht festzuhalten. Vorliegend hat die Beklagte die K�ndigungen bei der Schlichtungsstelle innert Frist angefochten und beantragt, es sei deren Unwirksamkeit, Ung�ltigkeit und Nichtigkeit festzustellen, eventuell seien sie wegen Missbr�uchlichkeit aufzuheben. Die Schlichtungsstelle hatte daher auf jeden Fall als Vorfrage der eventualiter geltend gemachten Anfechtung wegen Missbr�uchlichkeit die G�ltigkeit der K�ndigung zu pr�fen. Entsprechend war sie auch befugt, dazu einen Urteilsvorschlag gem�ss Art. 210 Abs. 1 lit. b ZPO zu unterbreiten. Die Kl�gerin ihrerseits war in der Folge gezwungen, gegen den abgelehnten Urteilsvorschlag Klage einzureichen, ansonsten diesem die Wirkungen eines rechtskr�ftigen Entscheids zugekommen w�re (Art. 211 Abs. 3 ZPO). Es handelt sich daher um einen Fall von "K�ndigungsschutz" gem�ss Art. 243 Abs. 2 lit. c und Art. 210 Abs. 1 lit. b ZPO.
Weiter offengelassen werden kann die Frage, ob auch ein Fall von "K�ndigungsschutz" im Sinne dieser Bestimmungen vorliegt, wenn nur die Feststellung der Nichtigkeit bzw. Unwirksamkeit der K�ndigung verlangt wird.
132 III 65,
138 III 558 suite... ,
116 II 215,
127 III 461,
Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO,
Art. 6 et 243 CPC,
art. 6 al. 2 let. a CPC suite... ,
Art. 243 Abs. 3 ZPO,
Art. 6 Abs. 2, Art. 198 lit. f sowie Art. 243 Abs. 2 lit. c und Abs. 3 ZPO,
� 404 ZPO,
Art. 243 Abs. 1 ZPO,
� 62 GVG,
Art. 200 ZPO,
Art. 198 lit. f ZPO,
Art. 247 ZPO,
Art. 244 ZPO,
Art. 246 ZPO,
Art. 229 Abs. 3 ZPO,
Art. 271 und Art. 271a OR,
Art. 271 und 271a OR,
Art. 272 ff. OR,
Art. 248 lit. b und Art. 257 Abs. 1 ZPO,
Art. 273 Abs. 4 OR,
Art. 273 OR,
Art. 210 Abs. 1 lit. b ZPO,
Art. 211 Abs. 3 ZPO