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Timestamp: 2018-09-21 16:26:57
Document Index: 291676809

Matched Legal Cases: ['§ 650', '§ 650', '§ 650', '§ 356', '§ 650', '§ 648', '§ 648', '§ 648', '§ 321', '§ 632']

Kündigung eines Handwerker Werkvertrages - frag-einen-anwalt.de
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27.01.2018 18:55 |
Zusammenfassung: Zu Voraussetzungen und Rechtsfolgen der Kündigung eines Werkvertrages durch den Besteller
Ich plane die Renovierung eines Einfamilienhauses.
Ein Handwerksbetrieb hat die Immobilie besichtigt, einen Kostenvoranschlag und eine schriftliche Auftragsbestätigung an mich per email geschickt.
Ich habe die email beantwortet, dass ich den Auftrag, wie in der Anlage bestätige. Das Formular Auftragsbestätigung habe ich allerdings nicht unterschrieben.
Der Auftragswert für die gesamte Renovierung beträgt Netto 130.000,€. Hierbei entfallen ca. 50.000,-€ auf Dritte "Sublieferanten", die vom Generalunternehmer direkt beauftragt werden (Installateur, Elektriker, Fensterbauer). Ca. 80.000,-€ der Auftragssumme erfolgen also mit eigenen Mitarbeitern (Arbeite- und Materialkosten)
Der Handwerksbetrieb hat vor drei Tagen die Arbeit aufgenommen.
Da auf eine Anzahlung von 50% der Gesamtauftragssumme bestanden wurde, habe ich mir eine Auskunft der creditreform eingeholt. Das Ergebnis war erschreckend: Das Handwerksunternehmen hat verschiedene Negativeinträge, der Bonitätsindex weist mit 600 Punkten den maximal schlechtesten Wert auf, die Zusammenfassung sagt aus: "Kredite werden abgelehnt. Von einer Geschäftsverbindung wird abgeraten."
Auf Basis dieser Informationen habe ich mt dem Handwerker besprochen, dass ich keinerlei Anzahlung leisten werde und die jeweiligen Bauabschnitte jeweils nach Fertigstellung zahlen werde. Dem hat der Auftragnehmer zugestimmt.
Neben der Bonitätsauskunft haben sich weitere Parameter geändert: Der Subdienstleister zur IBad- und Heizungsinstallation hat wohl wegen anderer Aufträge abgesagt. Der Generalauftragnehmer will jetzt einen anderen Installateur auftreiben. Diesen kenne ich allerdings nicht. Qualität und Professionalität des neuen Installateurs kann ich nicht einschätzen.
Ebenso ist der Fensterbauer wohl nicht mehr bereit, aufgrund der schlechten Bonität mit dem Generalunternehmer zusammenzuarbeiten. Auch hier wird wohl ein Ersatzunternehmen einspringen müssen.
Aufgrund der verschiedenen Themen, sehe ich das Vertrauensverhältnis als grundlegend zerstört. Ich habe grösste Bedenken, dass meine Renovierungsarbeiten nicht in der erforderlichen Zeit, Qualität oder überhaupt zu Ende geführt werden.
Daher habe ich mir ein Alternativangebot von einem anderen Handwerksunternehmen erstellen lassen.
Dieses liegt vergleichbar ungefähr 40% unter dem Angebot meines aktuellen Auftragnehmers.
Kann ich den Werkvertrag aus wichtigem Grunde fristlos kündigen? Oder kann ich nur ordentlich kündigen?
Die bisher geleistete Arbeit würde ich selbstverständlich zahlen, mich sogar gerne "grosszügig" zeigen.
Hinsichtlich der noch ausstehenden Arbeit sehe ich die Gefahr, dass ich bei einer ordentlichen Kündigung den Vergütungsanspruch des Auftragnehmers erfüllen muss.
Hier habe ich von einer 5%-Regelung gelesen.
Ist diese auf den Gesamtauftrag anzuwenden oder nur auf die Eigenleistung des Auftragnehmers, also exklusive der Subdienstleister wie Installateure und Fensterbauer, mit denen ich ja keine direkte Beauftragung vereinbart habe?
Wenn der Auftrag nach dem 01.01.2018 von Ihnen per E-Mail bestätigt wurde, dann sind die neu ins Gesetz eingefügten
Vorschriften über den Verbraucherbauvertrag (§§ 650i - 650n BGB ) anwendbar.
Nach § 650i Absatz 1 BGB liegt ein Verbraucherbauvertrag vor, wenn ein Unternehmer von einem Verbaucher zum Bau eines Gebäudes oder zu erheblichen Umbaumaßnahmen an einem bestehenden Gebäude verpflichtet wird.
Erhebliche Umbaumaßnahmen sind solche, die dem Bau eines neuen Gebäudes vergleichbar sind, z.B. Neubau hinter der Fassade. Maßgeblich sind Umfang und Komplexität des Eingriffs und das Ausmaß des Eingriffs in die bauliche Substanz. Der bloße Einbau einer Heizungsanlage oder neuer Fenster und Türen reicht hierzu nicht aus.
Wenn der Vertrag hiernach als Verbraucherbauvertrag anzusehen ist, dann haben Sie als Verbraucher ein 14-tägiges Widerrufsrecht des Vertrages, über das der Unternehmer den Verbraucher bei Vertragsschluss zu belehren hat (§ 650l BGB ). Hat er die Belehrung unterlassen, beginnt die 14-tägige Widerrufsfrist nicht zu laufen, so dass ein Widerruf noch bis ein Jahr und 14 Tage nach Vertragsschluss möglich ist (§ 356e BGB ).
Hier besteht allerdings die Unsicherheit, ob nach dem Vertrag wesentliche Umbaumaßnahmen im Sinne von § 650i Absatz 1 BGB vereinbart wurden. Kommt ein Gericht in einem eventuellen späteren Rechtsstreit zu dem Ergebnis, dass dies nicht der Fall war, geht ein von Ihnen erklärter Widerspruch ins Leere und der Unternehmer kann von ihnen Erfüllung des Vertrages verlangen, oder seinerseits den Vertrag aus wichtigem Grund wegen Vertragsbruchs mit Ihnen kündigen und Schadenersatz verlangen.
Nach § 648a Absatz 1 BGB können beide Vertragsparteien einen Werkvertrag aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen. Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn der kündigenden Partei die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses bis zur Fertigstellung des Werks unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen nicht zugemutet werden kann.
Kündigt eine Vertragspartei aus wichtigem Grund, ist der Unternehmer nur berechtigt, die Vergütung zu verlangen, die auf den bis zur Kündigung erbrachten Teil des Werkes entfällt (§ 648a Absatz 3 BGB ).
Wichtige Kündigungsgründe sind erhebliche Vertragsverstöße des Unternehmers, dessen Insolvenz oder Geschäftseinstellung oder ein grober Vertrauensbruch. Bloße schlechte Bonität, die schon bei Vertragsschluss bestand, fällt nicht hierunter, solange der Unternehmer noch zur Erbringung des Werkes in der Lage ist. Der Unternehmer ist auch nicht verpflichtet, den Besteller vor Vertragsschluss über seine Bonität zu informieren, zumal es dem Besteller freisteht, von sich aus Auskünfte einzuholen.
Die Auskunft von Creditreform dürfte vorliegend nicht als wichtiger Kündigungsgrund ausreichen.
Fehlt ein wichtiger Kündigungsgrund, kann der Besteller den Vertrag jederzeit auch ohne einen besonderen Grund kündigen (§ 648 BGB ). In diesem Fall bleibt jedoch dem Unternehmer grundsätzlich der volle vertragliche Vergütungsanspruch erhalten. Er muss sich seine ersparten Aufwendungen auf den Vergütungsanspruch anrechnen lassen (z.B. ersparte Material- und Subunternehmerkosten), so dass er im Ergebnis seinen kalkulierten Gewinn und Fixkosten als Vergütung verlangen kann. Der Unternehmer muss seine ersparten Aufwendungen nachvollziehbar darlegen und nachweisen. Kann oder tut er dies nicht, kann der Unternehmer 5% der Vergütung für den noch nicht erbrachten Teil des Werkes verlangen. Die Vergütung abzüglich ersparter Aufwendungen kann im Einzelfall auch erheblich höher als 5% sein und bei Bauwerkverträgen bis zu 20 - 25% der Auftragssumme umfassen.
Diese Regelung ist auf alle noch nicht erbrachten Vertragsleistungen anzuwenden. Bereits erbrachte Leistungen sind voll zu vergüten.
Nach § 321 BGB kann, wer aus einem gegenseitigen Vertrag vorzuleisten verpflichtet ist, die ihm obliegende Leistung verweigern, wenn nach Abschluss des Vertrags erkennbar wird, dass sein Anspruch auf die Gegenleistung durch mangelnde Leistungsfähigkeit des anderen Teils gefährdet wird. Hierunter fällt auch eine Verschlechterung der Vermögensverhältnisse. Wenn diese bereits bei Beginn des Vertragsverhältnisses vorlagen, sind sie nur zu berücksichtigen, wenn sie der Vorleistungspflichtige bei der gebotenen Überprüfung der Leistungsfähigkeit des anderen Teils nicht erkennen konnte. Eine Creditreform-Auskunft hätten Sie jedoch auch schon vorher einholen können.
Im Übrigen sind Sie als Besteller bei einem Werkvertrag nicht vorleistungspflichtig.
Der Unternehmer darf immer nur für bereits erbrachte (Teil)leistungen (Abschlags)zahlungen verlangen (§ 632a BGB ).
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