Source: http://dedocz.com/doc/417586/fuhrer-stephan---prof.-dr.-iur.-stephan-fuhrer
Timestamp: 2017-01-17 15:00:34
Document Index: 146349093

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGE', 'BGH', 'BGH', 'BGE', 'Art. 412', 'BGE', 'Art. 412', 'Art.\n394', 'Art. 394', 'Art. 363', 'BGE', 'Art. 394', 'Art. 363', 'Art. 404', 'Art. 377', 'Art. 376', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 394', 'Art. 394', 'BGE', 'Art. 394', 'Art.\n412', 'Art.\n412', 'Art. 412', 'Art. 377', 'Art. 394', 'BGE', 'BGE', 'Art. 394', 'Art. 394', 'Art. 394', 'BGE', 'Art. 394', 'BGH', 'Art.\n412', 'Art. 412', 'BGE', 'BGE', 'BGH', 'Art. 415', 'Art. 394', 'BGE', 'Art. 415', 'Art. 415', 'Art. 412', 'BGE', 'BGH', 'BGE', 'BGH', 'Art. 412', 'BGer', 'Art. 187', 'Art. 41', 'BGE', 'in casu', 'BGE', 'Art 394', 'Art. 394', 'Art. 394', 'Art. 112', 'Art. 176', 'Art.\u2009112', 'BGE', 'BGE', 'Art. 112', 'Art. 112', 'Art. 112', 'Art. 112', 'Art. 176', 'Art. 112', 'Art. 18', 'Art.\n414', 'Art. 112', 'Art. 394', 'Art. 394', 'Art. 394', 'Art. 394', 'Art. 400', 'Art. 398', 'BGer', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 48', 'BGH', 'Art. 400', 'BGE', 'BGE', 'BGH', 'BGer', 'Art. 404', 'Art. 62', 'Art. 24']

Fuhrer Stephan - Prof. Dr. iur. Stephan Fuhrer
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Gebt dem Makler, was des Maklers ist, und dem Kunden,
was des Kunden ist*
Zur Entsch&auml;digung des Versicherungsmaklers im Lichte der Retrozessionsrechtsprechung des
Bundesgerichts**
Stephan Fuhrer***
Der Makler ist Beauftragter des Versicherungsnehmers. Der Versicherer verpflichtet sich gegen&uuml;ber dem Versicherungsnehmer, f&uuml;r das Honorar des Maklers aufzukommen. Soweit der
Versicherer die (zwischen Makler und Versicherungsnehmer) vereinbarte oder eine markt&uuml;bliche Verg&uuml;tung bezahlt, stellt dies keine Leistung eines Dritten dar, da der Versicherer die
Honorarforderung des Versicherungsnehmers
und damit des Vertragspartners des Maklers begleicht. In diesem Umfang muss der Makler die
Zahlungen des Versicherers nicht dem Versicherungsnehmer abliefern. Vereinbaren Makler und
Versicherer jedoch die Entrichtung von Zusatzcourtagen und Sonderverg&uuml;tungen, so handelt
es sich dabei um nach der Retrozessions-Praxis
des Bundesgerichts ablieferungspflichtige Drittleistungen.
Le courtier est le mandataire du preneur
d’assurance. L’assureur s’engage &agrave; prendre en
charge les honoraires du courtier &agrave; l’&eacute;gard du
preneur d’assurance. Tant que l’assureur paye la
r&eacute;tribution convenue (entre le courtier et le preneur d’assurance) ou une r&eacute;tribution conforme
au march&eacute;, cela ne repr&eacute;sente pas la prestation
d’un tiers car l’assureur r&egrave;gle la pr&eacute;tention du
preneur au paiement des honoraires et, par
l&agrave;, la pr&eacute;tention du partenaire contractuel du
courtier. Dans cette mesure, le courtier ne doit
pas restituer au preneur les paiements effectu&eacute;s
par l’assureur. En revanche, si le courtier et
l’assureur conviennent du paiement de courtages
suppl&eacute;mentaires ou de r&eacute;tributions particuli&egrave;res,
il s’agit alors de prestations de tiers soumises &agrave;
r&eacute;trocession selon la jurisprudence du Tribunal
[1] Die Untersuchung der Relevanz der Retrozessionsrechtsprechung f&uuml;r die Ver&shy;siche&shy;rung&shy;smakler
erfordert vorweg einige Ausf&uuml;hrungen zur Rechtsnatur des Maklervertrages und zu den Besonderheiten der Maklerverg&uuml;tung.
Spezialist. Der BGH2 und mit ihm die herrschende
deutsche Lehre3 sprechen vom ihm als dem treu&shy;
h&auml;nderischen Sachwalter des Versicherungsnehmers,
eine treffende Umschreibung, die auch Eingang ins
schweizerische Recht finden k&ouml;nnte.
Abhandlungen / Articles de fond
[2] Der Makler1 ist der vom Versicherungsnehmer
mit der Beschaffung, Ausgestaltung und &Uuml;berwachung seines Versicherungsschutzes beauftragte
Auf die Frage, ob es erlaubt sei, Steuern zu bezahlen, antwortete
J&shy; esus: &laquo;So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist&raquo; (Lukas 20,25).
BGE 132 III 460, 137 III 393, 138 III 755.
Prof. Dr. iur., Rodersdorf.
Oft wird statt vom Makler auch vom Broker gesprochen. Entgegen
Studer (Helmut Studer [2000] 12), der im Broker einen besonders qualifizierten Makler erblickt, sind die beiden Begriffe inhaltlich identisch. &laquo;Broker&raquo; ist lediglich die englische &Uuml;bersetzung des deutschsprachigen &laquo;Makler&raquo;. Auch H&ouml;sly/Sieber (Balz H&ouml;sly/Philipp Sieber
[2009] 189) gehen davon aus, dass die beiden Begriffe synonym verwendet werden k&ouml;nnen, sind jedoch der Auffassung, dass &laquo;Broker&raquo;
der in der Schweiz gel&auml;ufige Begriff sei.
HAVE/REAS 2/2013
Grundlegend ist die ber&uuml;hmte Sachwalterentscheidung des BGH
(BGHZ 94, 356). Von der Homepage des Autors kann das Urteil im
Volltext sowie in einer Zusammenfassung heruntergeladen werden
(www.stephan-fuhrer.ch  Versicherungsrecht  Rechtsprechung
 D Bundesgerichte). Leitsatz: Der Versicherungsmakler ist f&uuml;r den
Bereich der Versicherungsverh&auml;ltnisse des von ihm betreuten Versicherungsnehmers dessen Sachwalter; deshalb trifft ihn die Beweislast daf&uuml;r, dass der Schaden auch bei vertragsgerechter Erf&uuml;llung
seiner Aufkl&auml;rungs- und Beratungspflichten eingetreten w&auml;re.
MK-Reiff (2010) &sect; 59 N 41; Annemarie Matusche-Beckmann, in: Beckmann/Matusche-Beckmann (2009) &sect; 5 N 196; Roland Rixecker, in: R&ouml;mer/
Langheid/Rixecker (2012) &sect; 59 N 8; Hans-Peter Schwintowski, in: Bruck/
M&ouml;ller (2010) &sect; 59 N 65.
[3] In der Regel bieten die Makler folgende
Dienstleistungen an (wobei im Einzelfall nicht immer alle Leistungen vereinbart werden m&uuml;ssen)4:
[4] Die Qualifikation des Rechtsverh&auml;ltnisses
zwischen Makler und Versicherungsnehmer (Mak&shy;
lervertrag) ist umstritten.
– Risikoermittlung und -analyse;
– Pr&uuml;fung des vorhandenen Versicherungsschutzes;
– &Uuml;bersicht &uuml;ber die Produktangebote des Marktes;
– Umsetzung des Deckungskonzeptes5;
– Laufende &Uuml;berwachung und Optimierung des
Versicherungsportefeuilles6;
– Begleitung der Schadenregulierung7.
[6] In der Literatur werden folgende Meinungen
– Studer10 und ihm folgend H&ouml;sly/Sie&shy;ber11, Moritz Kuhn12, Rolf Kuhn13, M&uuml;ller-Chen/
Uhlmann14 sowie Nigg15 qualifizieren den Maklervertrag als Innominatvertrag mit Elementen
des Werkvertrages, des M&auml;klervertrages, des einfachen Auftrages und sogar des Agenturvertrages16.
[5] Das Bundesgericht liess im Unicon-Entscheid8
die Frage offen. Immerhin hielt es in Erw. 2 b fest,
dass die Vorinstanz den Vertrag als Auftrag qualifiziert hatte. Baumann ist der Auffassung, dass das
Bundesgericht in BGE 84 I 140 von einem Auftrag
ausging9. In dieser Klarheit geht dies allerdings aus
dem ver&ouml;ffentlichten Text des Urteils nicht hervor.
– Entwicklung von Deckungskonzepten;
Mario Zinnert (2008) 166; Helmut Studer (2000) 43 ff. Illustrativ: &sect; 28
&Ouml;-MaklerG (das in &sect; 26 ff. besondere Bestimmungen f&uuml;r den Versicherungsmakler vorsieht):
&sect; 28. Die Interessenwahrung gem&auml;ss &sect; 3 Abs. 1 und Abs. 3 und gem&auml;ss &sect; 27 Abs. 1 umfasst die Aufkl&auml;rung und Beratung des Versicherungskunden &uuml;ber den zu vermittelnden Versicherungsschutz sowie
insbesondere auch folgende Pflichten des Versicherungsmaklers:
1. Erstellung einer angemessenen Risikoanalyse und eines angemessenen Deckungskonzeptes sowie Erf&uuml;llung der Dokumentationspflicht gem&auml;&szlig; &sect; 137g GewO 1994;
2. Beurteilung der Solvenz des Versicherers im Rahmen der zug&auml;nglichen fachlichen Informationen, soweit dies bei der Auswahl des
Versicherers zur sorgf&auml;ltigen Wahrung der Interessen des Versicherungskunden im Einzelfall notwendig ist;
3. Vermittlung des nach den Umst&auml;nden des Einzelfalls bestm&ouml;glichen Versicherungsschutzes, wobei sich die Interessenwahrung
aus sachlich gerechtfertigten Gr&uuml;nden auf bestimmte &ouml;rtliche
M&auml;rkte oder bestimmte Versicherungsprodukte beschr&auml;nken kann,
sofern der Versicherungsmakler dies dem Versicherungskunden
ausdr&uuml;cklich bekanntgibt;
4. Bekanntgabe der f&uuml;r den Versicherungskunden durchgef&uuml;hrten
Rechtshandlungen sowie Aush&auml;ndigung einer Durchschrift der
Vertragserkl&auml;rung des Versicherungskunden, sofern sie schriftlich
erfolgte; Aush&auml;ndigung des Versicherungsscheins (Polizze) sowie
der dem Vertrag zugrundeliegenden Versicherungsbedingungen einschlie&szlig;lich der Bestimmungen &uuml;ber die Festsetzung der Pr&auml;mie;
5. Pr&uuml;fung des Versicherungsscheins (Polizze);
6. Unterst&uuml;tzung des Versicherungskunden bei der Abwicklung des
Versicherungsverh&auml;ltnisses vor und nach Eintritt des Versicherungsfalls, namentlich auch bei Wahrnehmung aller f&uuml;r den Versicherungskunden wesentlichen Fristen;
7. laufende &Uuml;berpr&uuml;fung der bestehenden Versicherungsvertr&auml;ge
sowie gegebenenfalls Unterbreitung geeigneter Vorschl&auml;ge f&uuml;r eine
Verbesserung des Versicherungsschutzes.
Dazu geh&ouml;rt auch die Vermittlung des Abschlusses von Versicherungsvertr&auml;gen, bei zeitlicher Dringlichkeit auch die Beschaffung
von vorl&auml;ufigem Versicherungsschutz (Kollhosser [2004] N 5). Wie
Studer (2000) 45, zu Recht hervorhebt, ist diese Aufgabe aber wesentlich breiter angelegt. So k&ouml;nnen bestehende Versicherungsvertr&auml;ge optimiert oder umplatziert werden oder es k&ouml;nnen CaptiveGesellschaften errichtet werden.
Dazu geh&ouml;ren: Kontrolle der Versicherungsdokumente, &Uuml;berwachung der Bonit&auml;t der Versicherer (Karle [2001] 826), Erneuerung von
Versicherungsvertr&auml;gen, Beratung bei Ver&auml;nderungen der Risikolage beim Versicherungsnehmer, Berichterstattung (Helmut Studer
[2000] 46 ff.).
Zur Problematik der &Uuml;bertragung von Schadenregulierungskompetenzen an Makler: unten N 43.
Rechtsverh&auml;ltnis Makler / Versicherungsnehmer
– Koenig17, Maurer18 und Gautschi19 unterstellen den Vertrag zwischen Makler und Versicherungsnehmer dem in den Art. 412 ff. OR gesetzlich geregelten M&auml;klervertrag20. Schaer21 folgt
dieser Meinung, h&auml;lt jedoch einschr&auml;nkend fest,
dass in Bezug auf die Hauptverpflichtung des
Maklers zur Beratung und Betreuung des Versicherungsnehmers die Sorgfaltsanforderungen
nach Auftragsrecht im Vordergrund stehen.
BGE 124 III 481.
Hannes Baumann (1996) 62.
Ausf&uuml;hrlich: Helmut Studer (2000) 86 ff.
Balz H&ouml;sly/Philipp Sieber (2009) 190 (ohne Begr&uuml;ndung).
Moritz Kuhn (2010) N 477 (ohne Begr&uuml;ndung).
Rolf Kuhn (2010a) 160 (ohne Begr&uuml;ndung); allerdings kommt dies in
seinem n&auml;chsten Aufsatz (Rolf Kuhn [2013] N 14 ff.) nicht mehr klar
Markus M&uuml;ller-Chen/Felix Uhlmann (2005) 225 (ohne Begr&uuml;ndung).
Hans Nigg (2007) FN 1 (ohne Begr&uuml;ndung).
Hauptleistungspflichten des Maklers sind nach diesen Autoren: Erstellen einer Risikoanalyse, Erarbeiten einer Risiko- und Versicherungspolitik, deren Umsetzung einschliesslich der Vermittlung von
Versicherungsvertr&auml;gen, die laufende Portefeuillebetreuung sowie
die Begleitung im Schadenfall. Helmut Studer (2000) 89 f.
Willy Koenig (1967) 60.
Alfred Maurer (1995) 206.
BK-Gautschi (1964) Art. 412 OR N 1 b.
Offenbar ging in fr&uuml;heren Auflagen seines Lehrbuches auch Kuhn
von dieser Qualifikation aus. Nachweis bei Baumann (1996) 47.
Roland Schaer (2007) &sect; 14 N 35.
2/2013 HAVE/REAS
– Brulhart22, Stauffer23, Baumann24 sowie der
Schreibende25 gehen demgegen&uuml;ber davon aus,
dass der Maklervertrag dem Auftragsrecht (Art.
394 ff. OR) untersteht. Jaeg
&shy; er geht zwar auch
von der Anwendbarkeit des Auftragsrechts aus,
schr&auml;nkt dies aber dahingehend ein, dass dessen Regeln nur anwendbar sind, soweit sie mit
der Natur der Pflichten des Maklers kompatibel
sind26.
Diese Meinung konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Sowohl das Bundesgericht30 als auch die herrschende Lehre31 lassen heute Innominatvertr&auml;ge auf
Arbeitsleistung zu. Art. 394 Abs. 2 OR steht somit
Studers These vom Maklervertrag als Innominatvertrag nicht entgegen.
[9] Gauch32 betont zu Recht, dass jede menschliche Handlung zielgerichtet ist, weshalb nicht immer
mit Bestimmtheit gesagt werden kann, ob nur die
Arbeit oder auch der Arbeitserfolg geschuldet sei.
Aus diesem Grunde sind – neben dem Kriterium der
Garantierbarkeit des Erfolges33 – f&uuml;r die Abgrenzung zwischen Auftrag und Werkvertrag zus&auml;tzliche
Abgrenzungskriterien zu beachten. Solche sind:
B.Innominatvertrag
[7] Die bedeutendste Differenz zwischen den zitierten Lehrmeinungen stellt die Frage der Anwendbarkeit des Werkvertragsrechts auf wesentliche
Hauptleistungspflichten des Maklers dar. Die sich
daf&uuml;r aussprechenden Autoren beziehen sich alle
ohne einl&auml;ssliche Begr&uuml;ndung auf die Dissertation
von Studer. Dieser geht von den von ihm herausgearbeiteten berufstypischen Dienstleistungen des
Maklers aus. Von diesen k&ouml;nnen ihm zufolge die
Erstellung einer Risikoanalyse und die Vermittlung von Versicherungsvertr&auml;gen Werke i.S. des
Art. 363 OR sein. Dies leitet er in erster Linie aus
der das Werkvertragsrecht charakterisierenden Erfolgsgebundenheit dieser beiden Dienstleistungen
ab. Warum ein Erfolg und nicht bloss ein sorgf&auml;ltiges T&auml;tigwerden geschuldet ist, l&auml;sst der Autor
allerdings offen27. Da der Werkvertrag den einzigen
Nominatver&shy;trag mit einer Verpflichtung zu einem
Arbeitserfolg darstelle, das Bundesgericht seit BGE
109 II 34 den Geistwerkvertrag zulasse und alle &uuml;brigen Merk&shy;male des Werkvertrages (Entgeltlichkeit,
pers&ouml;nliche Ausf&uuml;hrung etc.) erf&uuml;llt seien, ist f&uuml;r
Studer die Anwendbarkeit des Werkvertragsrechts
erstellt28.
[8] Zur Pr&uuml;fung von Studers These ist vorweg
zu kl&auml;ren, ob Vertr&auml;ge auf Arbeitsleistung &uuml;berhaupt Gegenstand eines Innominatvertrages sein
k&ouml;nnen. Nach Art. 394 Abs. 2 OR stehen Vertr&auml;ge
&uuml;ber Arbeitsleistung, die keiner besonderen Vertrags&shy;
art dieses Gesetzes unterstellt sind, … unter den Vor&shy;
schriften &uuml;ber den Auftrag. Aus dieser Bestimmung
schloss Gautschi, dass das schweizerische Recht
einen numerus clausus der Arbeitsvertr&auml;ge vorsieht
und deshalb Innominatvertr&auml;ge nicht zul&auml;ssig sind29.
Vincent Brulhart (2008) N 378.
Hans-Ulrich Stauffer (2009) 456.
Hannes Baumann (1996) 54 ff.
Stephan Fuhrer (2011) N 7.77.
Bernard Jaeger (1998) 100.
F&uuml;r das deutsche Recht sieht Zinnert (Mario Zinnert [2008] 131), in
Anlehnung an Schmidt (Reimer Schmidt [1967] 77), das Erfolgselement
des Maklervertrages darin, dass die Courtage eine Erfolgsverg&uuml;tung
Helmut Studer (2000) 60 ff. und 88 ff.
BK-Gautschi (1967) Vorbem. zu Art. 363-379 OR N 7.
–Vertrauensverh&auml;ltnis: &laquo;Je pers&ouml;nlicher […] die
geschuldete Arbeit und je ausgepr&auml;gter nach der
Natur des konkreten Vertrages das vorausgesetzte
Vertrauensverh&auml;ltnis der Parteien ist, desto eher
liegt ein Auftrag […] vor34.&raquo; Mit dem gesteigerten
Vertrauensverh&auml;ltnis wird z.B. das jederzeitige
und beidseitige K&uuml;ndigungsrecht beim Auftrag
(Art. 404 Abs. 1 OR) begr&uuml;ndet. Der Werkvertrag kann demgegen&uuml;ber nur vom Besteller und
auch nur gegen volle Schadloshaltung vorzeitig
gek&uuml;ndigt werden (Art. 377 OR)35.
–Dauer: Werkvertr&auml;ge sind keine Dauerschuldverh&auml;ltnisse36, selbst wenn zwischen Vertragsabschluss und Vertragserf&uuml;llung eine l&auml;ngere Zeitspanne liegt37.
Entsch&auml;digung des Versicherungsmaklers
Pr&uuml;fungsm&ouml;glichkeit: Nach Art. 376 OR hat der Besteller nach Ablieferung des Werkes dessen Beschaffenheit zu pr&uuml;fen und allf&auml;llige M&auml;ngel zu
r&uuml;gen. Wie Fellmann &uuml;berzeugend darlegt, setzt
deshalb die Anwendung des Werkvertragsrechts
voraus, dass sich der Erfolg einer geistigen T&auml;tigkeit in einem k&ouml;rperlichen Ergebnis niederschl&auml;gt,
das f&uuml;r sich allein wieder verwertbar ist38.
[10]Zum Vergleich – Qualifikation anderer Vertr&auml;ge:
In seiner alten Rechtsprechung liess das Bundesgericht Innominatvertr&auml;ge auf Arbeitsleistung zu (vgl. BGE 60 II 335, 336; 83 II 525,
530). In sp&auml;teren Entscheiden folgte es der Lehre Gautschis und anerkannte einen numerus clauses der Vertr&auml;ge auf Arbeitsleistung (BGE
98 II 305, 310 ff., 104 II 108 und 106 II 157). Seit 109 II 466 l&auml;sst es
gemischte Vertr&auml;ge auf Arbeitsleistung zu (vgl. auch BGE 112 II 41, 46
und 115 II 108).
BK-Fellmann (1992) Art. 394 OR N 284 ff.; Josef Hofstetter (2000) 26 f.; Peter
Gauch (2011) N 17; Vischer (2005) 28, und BSK-Weber (2011) Art. 394 OR N 23.
Peter Gauch (2011) N 22.
Mario M. Pedrazzini (1977) 503 f.
Mario M. Pedrazzini (1977) 503.
BGE 106 II 224.
Frank Vischer (2005) 22.
BK-Fellmann (1992) Art. 394 OR N 329 f.
nicht garantierbar ist, da neben dem Versicherungsnehmer auch der Versicherer dem Vertragsabschluss
zustimmen muss. Der Strauss der verschiedenen
Aufgaben des Maklers l&auml;sst sich zwangslos mit jenen z.B. eines Liegenschaftenverwalters vergleichen.
Dies f&uuml;hrt zum Schluss, dass der Maklervertrag kein
Element des Werkvertragsrechts enth&auml;lt53.
Werkvertr&auml;ge sind:
– Herstellung von Werbefotos39,
–Planungsvertrag40 (Erstellen von Baupl&auml;nen)41,
–Software-Herstellung42.
Auftr&auml;ge sind:
– Ausarbeitung eines Kostenvoranschlages43
C.M&auml;klervertrag
–Gutachtervertrag44; Sachverst&auml;ndigenvertrag45
[13]Zu pr&uuml;fen ist auch die ebenfalls postulierte
Anwendbarkeit des M&auml;klervertragsrechts nach Art.
412 ff. OR. Vorweg ist festzuhalten, dass nach Art.
412 Abs. 2 OR der M&auml;klervertrag unter den Vor&shy;
schriften &uuml;ber den einfachen Auftrag steht. Die im
Zusammen&shy;hang mit dem Versicherungsmakler vor
allem interessierenden auftragsrechtlichen Bestimmungen sind deshalb unabh&auml;ngig davon anwendbar,
ob der M&auml;klervertrag als einfacher Auftrag oder
als M&auml;klervertrag i.S. von Art. 412 ff. OR angesehen wird. Nach der hier vertretenen Auffassung ist
aus folgenden Gr&uuml;nden jedoch die Qualifikation als
Auftrag vorzuziehen54:
– Baubetreuungsvertrag (auch ManagementVertrag)46
– F&uuml;hrung einer fremden Buchhaltung
(Buchhaltervertrag)47
–Liegenschaftsverwaltungsvertrag48.
[11] Der Makler ist zur Wahrung fremder Interessen verpflichtet49. Dies setzt ein qualifiziertes Vertrauensverh&auml;ltnis zu seinen Kunden voraus. Die nur
einseitige Aufl&ouml;sungsm&ouml;glichkeit nach Art. 377 OR
passt nicht zum Maklervertrag. Die Betreuung des
Versicherungsporte&shy;feuilles ist eine auf Dauer angelegte Pflicht des Maklers, was den Maklervertrag
als Dauerschuldverh&auml;ltnis ausweist50. Dies spricht
alles f&uuml;r die Qualifikation des Maklervertrages als
[12] Studer qualifiziert die Risikoanalyse und
die Vermittlung von Versicherungsvertr&auml;gen als
Werke51. Man k&ouml;nnte auf den ersten Blick die Risikoanalyse mit Baupl&auml;nen vergleichen. Sie unterscheiden sich jedoch in einem wesentlichen Punkt:
W&auml;h&shy;rend die Nutzung des Bauplans zum Bau eines
Hauses dessen Materialisierung erfordert, ist dies
bei einer Risikoanalyse nicht erforderlich. Sie ist
auch brauch&shy;bar, wenn der Kunde des Maklers auf
andere Weise als durch Niederschrift von den Erkenntnissen des Analysten erf&auml;hrt52. Die Erstellung
der Risikoanalyse ist deshalb – wie jene eines Gutachtens – als Auftrag anzusehen. Dies gilt a forti&shy;
ori f&uuml;r die Vermittlung von Versicherungsvertr&auml;gen,
einer T&auml;tigkeit, bei der ein Erfolg zum Vorneherein
Mario M. Pedrazzini (1977) 504.
BK-Fellmann (1992) Art. 394 OR N 180.
BGE 119 II 428.
Peter Gauch (2011) N 334 ff.
BGE 134 III 361. Kritisch: Gauch (2011) N 52a.
Peter Gauch (2011) N 330 ff. (mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
BK-Fellmann (1992) Art. 394 OR N 161 ff.
Peter Gauch (2011) N 352 ff.
BK-Fellmann (1992) Art. 394 OR N 157 ff.
BK-Fellmann (1992) Art. 394 OR N 167 ff.
Er ist treuh&auml;nderischer Sachwalter der Interessen des Versicherungsnehmers. Oben N 2.
BGE 124 III 481. Hannes Baumann (1996) 50 f.
Oben N 7.
So die zutreffende Argumentation von Fellmann (BK-Fellmann [1992]
Art. 394 OR N 330).
–Die Vermittlung von Versicherungsvertr&auml;gen
stellt nur einen kleinen Teil der umfassenden
Pflichten des Versicherungsmaklers dar55.
– Der Versicherungsmaklervertrag ist ein Dauerschuldverh&auml;ltnis, w&auml;hrend dem der M&auml;klervertrag grunds&auml;tzlich mit der abgeschlossenen Vermittlung endet56, 57.
In Deutschland gilt der Versicherungsmakler als Handelsmakler i.S.v.
&sect; 93 HGB (BGH IVa ZR 68/84). Der M&auml;klervertrag des BGB, dessen
Bestimmungen erg&auml;nzend auf den Handelsmakler anwendbar sind
(Palandt/Sprau [2013] Einf. v. &sect; 652 N 3), stellt einen Gesch&auml;ftsbesorgungsvertrag mit Elementen des Dienst- und des Werkvertrages dar
(Heinrich D&ouml;rner, in Pr&ouml;lss/Martin [2010] &sect; 59 N 48; Annemarie Matusche-Beckmann, in: Beckmann/Mat&shy; usche-Beckmann [2009] &sect; 5 N 270;
Mario Zinnert [2008] 134). Durch diese Stellung als Arbeitsvertrag sui
generis zwischen Werkvertrag und Auftrag (BSK-Amman [2011] Art.
412 OR N 17) unterscheidet sich die deutsche Konzeption des M&auml;klervertrages wesentlich von der schweizerischen, nach welcher der
M&auml;klervertrag ein qualifiziertes Auftragsverh&auml;ltnis darstellt. Aussagen zum deutschen M&auml;klerrecht d&uuml;rfen deshalb nicht unbesehen
ins schweizerische Recht &uuml;bertragen werden (BK-Gautschi [1967]
Art. 412 OR N 4c). Ein werkvertragliches Element im schweizerischen
Versicherungsmaklervertrag l&auml;sst sich somit auch nicht mit rechtsvergleichenden &Uuml;berlegungen begr&uuml;nden.
Vgl. auch Markus M&uuml;ller-Chen / Felix Uhlmann (2005) 225, wonach die
alleinige Anwendung des M&auml;klervertrages fragw&uuml;rdig sei.
Oben N 9. BGE 75 II 53, 54.
Um die Qualifikation als Dauerschuldverh&auml;ltnis zu vermeiden (vgl. &sect;
93 Abs. 1 d-HGB), wird in Deutschland teilweise angenommen, beim
Maklervertrag handle es sich um einen Rahmenvertrag, in dem die
einzelnen Vermittlungsvorg&auml;nge &laquo;von Fall zu Fall&raquo; vorgenommen
w&uuml;rden (Helmut Kollhosser [2004] N 4 m.w.Nw.). Aus schweizerischer
Sicht ist eine solche Konstruktion abzulehnen. Sie steht einerseits
im Widerspruch zur Rechtsprechung des Bundesgerichts zu den
Pflichten des Maklers (BGE 124 III 481) und vermag andererseits an
der auch aus anderen &Uuml;berlegungen (d.h. unabh&auml;ngig vom Charak-
– &laquo;Dem M&auml;kler obliegt im Normalfall eine auf den
Gegenstand des M&auml;klervertrages ausgerichtete,
im Vergleich zum gew&ouml;hnlichen Beauftragten eingeschr&auml;nkte Treue- und Sorgfaltspflicht&raquo;58 Eine
solche reduzierte Treue- und Sorgfaltspflicht ist
f&uuml;r den Versicherungsmaklervertrag abzulehnen.
Dies bringt der deutsche BGH mit dem Bild des
treuh&auml;nderischen Sachwalters anschaulich zum
Ausdruck59. Es charakterisiert die besondere Intensit&auml;t der Interessenwahrnehmungspflicht des
Maklers gegen&uuml;ber dem Versicherungsnehmer60.
dass der Makler vom Versicherer bezahlt wird
(Courtagen) und h&auml;ufig mit diesem auch einen Vertrag abgeschlossen hat, sollen Loyalit&auml;tspflichten
des Maklers gegen&uuml;ber dem Versicherer abgeleitet
werden67. Deren Bestand soll durch den Begriff des
Doppelrechtsverh&auml;ltnisses zum Ausdruck gebracht
werden. Dieser Betrachtung liegt das Bild des ehrlichen, zwischen den Parteien stehenden Maklers
zugrunde68. Das Bild und damit auch der Begriff
des Doppelrechtsverh&auml;ltnisses f&uuml;hren allerdings in
die Irre. Beides suggeriert, dass der Makler beiden
Parteien (Versicherungsnehmer und Versicherer) in
gleicher Weise vertraglich verpflichtet ist. Dies trifft
gerade nicht zu. Der Makler ist einzig dem Versiche&shy;
rungsnehmer verpflichtet69. Auf die Verwendung des
Begriffs des Doppelrechtsverh&auml;ltnisses im Zusammenhang mit der Rechtsstellung des Maklers sollte
deshalb verzichtet werden, da er die Rechtslage
unzutreffend charakterisiert70. Zwischen Versiche&shy;
rungsnehmer und Versicherer besteht ein Interessen&shy;
gegensatz (wie zwischen K&auml;ufer und Verk&auml;ufer)71.
Wer treuh&auml;nderischer Sachwalter des einen ist, kann
sich nicht in den Dienst des andern stellen, ohne seine
– Der M&auml;klervertrag ist (dispositiv) nur einseitig
verpflichtend. Dies unterscheidet den M&auml;kler von
allen anderen Beauftragten61. Die Ausgestaltung
der Ausf&uuml;hrungspflicht als blosse die Entsch&auml;digung sichernde Obliegenheit steht in diametralem Gegensatz zu den umfassenden Pflichten des
Versicherungsmaklers62. Zu Recht geht Baumann
davon aus, dass den Versicherungsmakler eine
T&auml;tigkeitspflicht trifft63.
– Die Usanz, wonach der Versicherungsmakler seine Entsch&auml;digung in Form von durch den Versicherer bezahlten Courtagen erh&auml;lt, passt nur
schlecht zur Regelung von Art. 415 OR.
Fazit: Auftrag
[14]Aus den bisherigen Ausf&uuml;hrungen folgt: Der
Vertrag zwischen Makler und Versicherungsnehmer
untersteht den Be&shy;
mungen &uuml;ber den einfachen
Auftrag nach Art. 394 ff. OR.
Rechtsverh&auml;ltnis Makler / Versicherer
Kein Doppelrechtsverh&auml;ltnis
[15]Im tradierten Gesch&auml;ftsmodell wird die
Rechtsstellung des Maklers in Deutschland64 und
teilweise auch in der Schweiz65 als sog. Doppel&shy;
rechtsverh&auml;ltnis beschrieben66. Aus dem Umstand,
ter des Maklervertrags als Dauerschuldverh&auml;ltnis) folgenden Ablehnung der Anwendbarkeit des M&auml;klervertragsrechts nicht zu &auml;ndern.
BGE 124 III 481, 483. Vgl. auch BSK-Ammann (2011) Art. 415 OR N 2;
BK-Gautschi (1967) Art. 415 N 1a.
Oben N 2.
Annemarie Matusche-Beckmann, in: Beckmann/Matusche-Beckmann
(2009) &sect; 5 FN 406.
Josef Hofstetter (2000) 124 f.; BSK-Ammann (2011) Art. 412 OR N 7.
Dazu BGE 124 III 481.
Hannes Baumann (1996) 51 f.
Zur Rechtslage in Deutschland: Annemarie Matusche-Beckmann, in:
Beckmann/Matusche-Beckmann (2009) &sect; 5 N 369 ff.; BerlK-Gruber (1999)
Anhang zu &sect; 48 N 15 ff.; Heinrich D&ouml;rner, in: Pr&ouml;lss/Martin (2010) &sect; 59
N 65 ff.; Hans-Peter Schwintowski, in Bruck/M&ouml;ller (2010) &sect; 59 N 118 ff.
Markus M&uuml;ller-Chen / Felix Uhlmann (2005) 227.
Der Begriff stammt aus Deutschland. Er bringt das dem Handelsmakler zugrunde liegende Verst&auml;ndnis des ehrlichen Maklers zum Ausdruck. Vgl. Sven Deckers (2003) 25 f.; Annemarie Matusche-Beckmann,
in: Beckmann/Matusche-Beckmann (2009) &sect; 5 N 373; Heinrich D&ouml;rner, in:
Pr&ouml;lss/Martin (2010) &sect; 59 N 65; Mario Zinnert (2008) 53 ff. Vgl. auch
BGH IV ZR 39/94. Helmut Studer (2000) 182 stellt fest, dass im Gegensatz zu Deutschland in der Schweiz unbestritten sei, dass zwischen
Versicherungsbroker und Versicherer mit der erfolgreichen Vermittlung eines Versicherungsvertrages eine vertragliche Bindung
entsteht. Im Ergebnis ist dies wohl so zu interpretieren, dass seiner
Meinung nach auch der schweizerische Makler in einem Doppelrechtsverh&auml;ltnis steht. Vgl. auch Hannes Baumann (1996) 79 ff.
So soll der Makler z.B. verpflichtet sein, dem Versicherer von sich
aus besondere Risikoumst&auml;nde, die f&uuml;r die Annahmeentscheidung
von Bedeutung sind, mitzuteilen (Mario Zinnert [2008] 55). Eine solche Pflicht ist mit Nachdruck abzulehnen, da ihre Erf&uuml;llung den Interessen des Versicherungsnehmers schaden kann (weil z.B. der Versicherer aufgrund der Intervention des Maklers einen Vertrag ablehnt,
den er ohne diese Intervention abgeschlossen h&auml;tte). Gl.M. Stephan
Michaelis, in: Schwintowski/Br&ouml;mmelmeyer (2011) &sect; 59 N 14.
Der sprichw&ouml;rtliche Begriff des ehrlichen Maklers stammt aus einer Rede des F&uuml;rsten Bismarck im Reichs&shy;tag am 19.2.1878. Er pr&auml;zisierte dabei Deutschlands Stellung in der orientalischen Frage
und dem zu ihrer Re&shy;gelung in Berlin zu veranstaltenden Kongress
dahin, dass das Deutsche Reich nicht die Rolle des Schieds&shy;
richters, sondern vielmehr die des Vermittlers bei dem Gesch&auml;ft zu
spielen habe (Quelle: http://www. ret&shy;robibliothek.de/retrobib/seite.
html?id=104746; besucht: 18.1.2013).
F&uuml;r die Schweiz: BGE 124 III 481. F&uuml;r Deutschland: BGHZ 94, 356.
Dies wurde auch in der deutschen Lehre erkannt, die den ungl&uuml;cklichen Begriff des Doppelrechtsverh&auml;ltnisses zunehmend abschw&auml;cht. Illustrativ die Ausf&uuml;hrungen von Zinnert (2008) 54: &laquo;Das
Doppelrechtsverh&auml;ltnis befindet sich daher nicht […] in einem
ausgewogenen Zustand, der den Interessen von Klienten und Versicherer gleichermassen Rechnung tr&auml;gt; es wird vielmehr dominiert
durch die prim&auml;re Verpflichtung des Versicherungsmaklers auf die
Interessen der ihm vertraglich verbundenen Kunden.&raquo;
Interessant ist auch die Bemerkung von Erwin Migsch (1989) Ziff. III,
welcher (aus &ouml;sterreichischer Sicht) der Theorie des Doppelrechtsverh&auml;ltnisses entgegen h&auml;lt, dass sie den Eindruck eines Versuchs
zur Rettung der vertraglichen Grundlage des Courtagenanspruchs
Vgl. auch unten N 43.
bezahlt werden und dass zwischen den beiden regelm&auml;ssig Vertr&auml;ge abgeschlossen werden. Wie diese zu
qualifizieren sind und ob sie als Grundlage f&uuml;r die
Pflicht zur Courtagenzahlung &uuml;berhaupt in Frage
kommen, bedarf der Kl&auml;rung. Das Bundesgericht
lehnte die Anwendung des M&auml;klerrechts (Art. 412
ff. OR) auf diese Vertr&auml;ge ab, hat aber die Frage,
welches Recht an dessen Stelle anwendbar ist, offen
gelassen79. Auch in der Literatur konn&shy;te sich bisher
keine Meinung durchsetzen. Studer geht von einem
Innominatkontrakt aus80, Baumann spricht von einem Entgeltversprechen sui generis81. Kennzeichnend ist, dass beide Autoren von einer vertraglichen
Bindung des Maklers an den Versicherer ausgehen
und in dieser Bindung die Grundlage f&uuml;r die Pflicht
des Versicherers zur Bezahlung von Courtagen erblicken. Studer sieht den Makler dem Versicherer
gegen&uuml;ber sogar in der Pflicht, einen Erfolg zu bewirken. Ferner soll er dem Versicherer umfassende
Sorgfalt und Treue schulden. Dies ist, wie bereits
ausgef&uuml;hrt, mit der Natur des Maklervertrages (=
Vertrag zwischen Makler und Versicherungsnehmer) unvereinbar. Nachfolgend ist zun&auml;chst die
Frage der Grundlage der Pflicht des Versicherers
zur Bezahlung der Courtage zu kl&auml;ren. Anschliessend kann die Rechtsnatur des Vertrages zwischen
Makler und Versicherer untersucht werden.
vertraglichen Pflichten dem Ersten gegen&uuml;ber in gro&shy;
ber Weise zu verletzen72.
[16]Daran &auml;ndert nichts, dass das Aufsichtsrecht
eine Doppelt&auml;tigkeit der Vermittler f&uuml;r den Versicherer (als Agent) und den Versicherungsnehmer
(als Makler) in gewissen Grenzen zul&auml;sst73 (und
die Aufsichtsbeh&ouml;rde nicht einmal diese Grenze
durchsetzt und dadurch de facto eine umfassende
Doppelt&auml;tigkeit toleriert74). Die fragw&uuml;rdige Regelung in der AVO und die dem Zweck der Vermittleraufsicht zuwiderlaufende Verwaltungspraxis h&auml;tten
mit der nun leider gescheiterten Totalrevision des
VVG korrigiert werden sollen75. Da aufsichtsrechtlich somit alles beim Alten bleibt, erscheint es umso
wichtiger, klarzustellen, dass dies nichts am privatrechtlichen Verbot der Doppelt&auml;tigkeit76 &auml;ndert.
Allerdings ist die Optik von Privat- und Aufsichtsrecht eine andere: Das Privatrecht betrachtet das
einzelne Vertragsverh&auml;ltnis. Hier ist der Vermittler
entweder Agent oder Makler. Mit einer Doppelt&auml;tigkeit verletzt er seine Loyalit&auml;tspflichten. Das
Aufsichtsrecht betrachtet die gesamte Berufst&auml;tigkeit und sagt nichts zum Einzelfall. Daraus folgt aus
privatrechtlicher Sicht: Gegen&uuml;ber dem gleichen
Versicherungsnehmer darf ein Vermittler nicht als
Agent und als Makler t&auml;tig sein77. Bei verschiedenen
Versicherungsnehmern ist es jedoch zul&auml;ssig (wenn
auch nicht sonderlich glaubw&uuml;rdig), dem einen gegen&uuml;ber als Vertreter des Versicherungsnehmers
(Makler) und dem andern gegen&uuml;ber als Vertreter
des Versicherers (Agent) aufzutreten78.
[18] Auszugehen ist vom Umstand, dass die Courtage aus der Pr&auml;mienzahlung des Versicherungsnehmers finanziert wird. Bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise ist es stets der Versicherungsnehmer,
der f&uuml;r die Honorierung des Maklers aufkommt82.
Dagegen ist nichts einzuwenden, denn er profitiert auch von den in seinem Interesse erbrachten
Dienstleistungen. Es muss dem Versicherungsnehmer auch klar sein, dass der Makler f&uuml;r seine T&auml;tigkeit einen Anspruch auf ein Honorar hat83. Dies gilt
umso mehr, als Versicherungsmakler ihre T&auml;tigkeit
grossmehrheitlich auf das Segment der Firmenkunden und des gehobenen Privatkundengesch&auml;fts
[17] Trotz des Verbots der Doppelt&auml;tigkeit besteht
die Usanz, dass die Makler von den Versicherern
Zur Unzul&auml;ssigkeit der Doppelvertretung bei Interessenkollisionen:
BGer 4A_360/2012 vom 3.12.2012.
Nach Art. 187 Abs. 2 AVO kann ein Vermittler sowohl als gebundener als auch ungebundener Vermittler t&auml;tig sein, allerdings nicht im
gleichen Versicherungszweig. Vgl. Martin A. Kessler (2009) N 146 und
So scheint es Vermittler zu geben, die im Unternehmensgesch&auml;ft als
Makler und im Privatkundengesch&auml;ft als Agent t&auml;tig sind. Obwohl
dies der Verordnung klar widerspricht, scheint die FINMA (jedenfalls in ihrer publizierten Aufsichtspraxis) gegen solche Praktiken
nicht einzuschreiten. Es kommt durchaus auch vor, dass der gleiche
Vermittler im gleichen Marktsegment und im gleichen Versicherungszweig in beiden Funktionen t&auml;tig ist. Kaschiert werden solche
hybride T&auml;tigkeiten typischerweise durch Dazwischenschalten einer
Nach dem Vorschlag des Bundesrates h&auml;tten im Anhang zum totalrevidierten VVG einige Bestimmungen des VAG ebenfalls ge&auml;ndert
werden sollen. Der vorgeschlagene Art. 41 Abs. 1 rev-VAG hatte folgenden Wortlaut: Ungebundene Versicherungsvermittlerinnen und
-vermittler d&uuml;rfen nicht auch als gebundene Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler t&auml;tig sein und umgekehrt.
Vgl. dazu auch unten N 43.
Auch einem (ebenfalls auftragsrechtlich) t&auml;tigen Rechtsanwalt ist
es unbenommen, in einem Fall den Versicherer und im anderen den
Versicherten zu vertreten.
Grundlage des Courtagenanspruchs des
BGE 124 III 481, 483 f. Explizit sagt das Bundesgericht, dass die Annahme eines (in casu vom Makler behaupteten) selbst&auml;ndigen M&auml;klervertrag zwischen dem Versicherungsmakler und dem Versicherer
in einem unvereinbaren Widerspruch zu den vom Makler dem Versicherungsnehmer geschuldeten vertraglichen Treuepflichten st&uuml;nde.
Helmut Studer (2000) 1999, 182 ff.
Hannes Baumann (1996) 76.
So auch das Bundesgericht, das in BGE 124 III 481, 484, festh&auml;lt, dass
die Courtagenzahlung ein Entgelt f&uuml;r die Beratungst&auml;tigkeit des
Maklers darstellt.
Vgl. Art 394 Abs. 3 OR. Die Lehre geht &uuml;bereinstimmend davon aus,
dass heute eine faktische Vermutung f&uuml;r die Entgeltlichkeit des Auftrags spricht (BSK-Weber [2011] Art. 394 OR N 35; BK-Fellmann [1992]
Art. 394 OR N 388).
konzentrieren, mithin also eine Kundengruppe mit
&uuml;berdurchschnittlicher Gesch&auml;ftserfahrung.
sind aufgrund des diesbez&uuml;glich offenkundigen
Koppelungswillens der Parteien derart miteinander
verbunden, dass von einem einheitlichen Vertrag, einem Kombinationsvertrag90, auszugehen ist.
[19]Grundlage der Pr&auml;mienzahlung des Versicherungsnehmers ist der Versicherungsvertrag. Der
Makler wird, wie ausgef&uuml;hrt, aufgrund eines Auftragsverh&auml;ltnisses zum Versicherungsnehmer t&auml;tig.
Unbestritten ist ferner, dass der Makler gegen&uuml;ber
dem Versicherer &uuml;ber ein eigenes Recht auf Zahlung der Courtage verf&uuml;gt84. Die Pflicht des Versicherungsnehmers, dem Versicherer das dem Makler
auszuzahlende Geld zur Verf&uuml;gung zu stellen, kann
ihre Grundlage somit nur im Versicherungsvertrag
Die Schuld&uuml;bernahme (Befreiungsverspre[23]
chen) ist ein typischer Vertrag zugunsten Dritter91.
Da der Vertrag zwischen Versicherungsnehmer und
Versicherer abgeschlossen wird, bewirkt er zun&auml;chst
lediglich eine interne, den Makler nicht bindende
(wohl aber berechtigende) Schuld&uuml;bernahme. Angestrebt wird jedoch eine privative Schuld&uuml;bernahme,
die der Mitwirkung des Maklers bedarf. Die Pflicht
des Versicherers aus der Vereinbarung mit dem Versicherungsnehmer geht deshalb auch dahin, &laquo;sich
durch eine vertragliche Abrede mit dem Gl&auml;ubiger
[Makler] an Stelle des bisherigen Schuldners [Versicherungsnehmer] zu dessen Schuldner zu machen&raquo;92.
Die Pflicht zur Abgabe eines Angebots zur externen
Schuld&uuml;bernahme kann im Rahmen von Art. 112
OR zum Inhalt der Leistungspflicht des Versicherers zugunsten des Maklers gemacht werden93. Zur
Erf&uuml;llung dieser Verpflichtung gen&uuml;gt grunds&auml;tzlich die Mitteilung der internen Schuld&uuml;bernahme
durch den Versicherer an den Makler (Art. 176 Abs.
2 OR)94. Die ohne Weiteres zu unterstellende95 Annahme der externen Schuld&uuml;bernahme durch den
Makler f&uuml;hrt zur Befreiung des Versicherungsnehmers. Das Forderungsrecht des Maklers entsteht
bereits durch den Vertrag zwischen dem Versicherer
und dem Versicherungsnehmer96.
[20] Daraus folgt, dass ein Dreiecksverh&auml;ltnis vorliegt, bei dem jede Partei nach zwei Seiten hin rechtliche Beziehungen eingegangen ist85. Im Ergebnis
l&auml;sst sich die Rechtslage wie folgt zusammenfassen:
1.Der Versicherungsnehmer ist verpflichtet, dem
Versicherer das f&uuml;r die Courtagezahlung ben&ouml;tigte Geld zur Verf&uuml;gung zu stellen;
2.Der Versicherer muss dem Makler f&uuml;r die von
diesem zugunsten des Versicherungsnehmers erbrachten Dienstleistungen Courtagen bezahlen86;
3. Der Makler verf&uuml;gt &uuml;ber ein selbst&auml;ndiges Forderungsrecht gegen&uuml;ber dem Versicherer.
[21]Dies setzt voraus, dass der Versicherungsvertrag neben dem entgeltlichen Risikotransfer auch
einen echten Vertrag zugunsten Dritter nach Art. 112
OR87 beinhaltet. Im Dreiecksverh&auml;ltnis zwischen
Makler, Versicherer und Versicherungsnehmer
stellt der Versicherungsvertrag das Deckungs-, der
Maklervertrag (d.h. der Vertrag zwischen Makler und Versicherungsnehmer) das Valuta- und die
Rechtsbeziehung (deren Natur noch zu kl&auml;ren ist)
zwischen Makler und Versicherer das Zuwendungsoder Vollzugsverh&auml;ltnis dar.
[22]Essentialia des Versicherungsvertrages sind
Risikotransfer und Pr&auml;mienzahlung88. Darin findet
die Vereinbarung zur Courtagezahlung keinen Platz.
Grundlage der &Uuml;bernahme der Verpflichtung zur
Honorarzahlung ist deshalb eine vom Risikotransfer zu unterscheidende Vertragsleistung89. Diese
ist – wie noch zu zeigen sein wird – als Schuld&uuml;bernahmevertrag zu qualifizieren. Die beiden Hauptleistungen, Risikotransfer und Schuld&uuml;bernahme,
Solange sowohl der Versicherungsvertrag als auch das Maklermandat in Kraft sind (BGE 124 III 481).
BGE 124 III 481, 485.
Oben FN 79. BK-Weber (2002) Art. 112 OR N 38.
BK-Weber (2002) Art. 112 OR N 21.
Stephan Fuhrer (2011) N 2.6 ff.
Ablehnend: Hannes Baumann (1996) 50, dem eine solche Konstruktion
&laquo;zu weit&raquo; geht. Er begr&uuml;ndet allerdings seine Meinung nicht weiter.
Stephan Fuhrer (2011) N 2.91 ff.
Patrick Krauskopf (2000) N 357.
BK-Weber (2002) Art. 112 OR N 77. Patrick Krauskopf (2000) N 359.
BK-Weber (2002) Art. 112 OR N 77.
Vgl. BSK-Tsch&auml;ni (2011) Art. 176 OR N 8. Angesichts der grossen Verbreitung der Entsch&auml;digung der Makler durch die Versicherer darf
unterstellt werden, dass mit der Zustellung der Annahmeerkl&auml;rung
oder der Police durch den Versicherer an den den Versicherungsnehmer vertretenden Makler gleichzeitig die Mitteilung der internen
Schuld&uuml;bernahme erfolgt ist. Das Gleiche folgt aus dem Umstand,
dass die Makler regelm&auml;ssig beim Abschluss des Vertrages mit dem
Versicherungsnehmer diese darauf hinweisen, dass sie f&uuml;r ihren
Aufwand aus der Abwicklung des Maklervertrages mit einer Courtagenzahlung durch die Versicherer entsch&auml;digt werden.
Daf&uuml;r spricht einerseits die Markt&uuml;blichkeit dieses Gesch&auml;ftsmodells,
die Zustimmung l&auml;sst sich andererseits auch aus der Information der
Versicherungsnehmer beim Abschluss des Maklervertrages (soweit
darin explizit durch die Entsch&auml;digung des Maklers durch den Versicherer hingewiesen wird) ableiten. Zudem ber&auml;t der Makler den
Versicherungsnehmer beim Abschluss des Versicherungsvertrages.
Er hat deshalb notwendigerweise Kenntnis von der zwischen dem
Versicherer und dem Versicherungsnehmer abgeschlossenen Vereinbarung &uuml;ber die interne Schuld&uuml;bernahme.
Das selbst&auml;ndige Forderungsrecht des Dritten kann sich aus dem
Parteiwillen oder der &laquo;&Uuml;bung&raquo; ergeben (Art. 112 Abs. 2 OR). Beides
trifft zu. In den Versicherungsvertr&auml;gen wird zunehmend darauf hingewiesen, dass der Versicherer Zahlungen an den Makler erbringt.
Daraus l&auml;sst sich auf die Vereinbarung eines selbst&auml;ndigen Forderungsrechts des Maklers schliessen. Es entspricht ferner der – von
den Gerichten gesch&uuml;tzten – Marktusanz, dass die Makler (solange
Versicherungs- und Maklervertrag in Kraft sind; oben FN 81) einen
[24]Die Rechtsfolge der Schuld&uuml;bernahme ist die
Pflicht des Versicherers, die Courtagen an den Makler zu bezahlen, und das Recht des Maklers, diese
vom Versicherer zu fordern. Die Leistungspflicht
dauert, solange sowohl der Versicherungs- als auch
der Maklervertrag in Kraft sind97, 98.
dalit&auml;ten der Courtagenzahlung, allf&auml;llige Zusatzverg&uuml;tungen102 sowie besondere Vereinbarungen zur
Abwicklung des Versicherungsvertrages103. Gewollt
ist mit diesen Vertr&auml;gen regelm&auml;ssig die Gestaltung
der Rechtslage im oben104 beschriebenen Sinne 105.
27] Fraglich ist, welche rechtliche Bedeutung der
Zusammenarbeitsvereinbarung106 zwischen Makler
und Versicherer zukommt. Dies ist nachfolgend zu
kl&auml;ren. Zuvor ist noch kurz auf die Frage der Bemessung der Courtagen einzugehen.
[25] In der Praxis sind sich die Parteien der dargestellten Zusammenh&auml;nge regelm&auml;ssig nicht bewusst.
Dies &auml;ndert jedoch nichts an der Rechtslage. Entscheidend ist, dass die Parteien &uuml;bereinstimmend
einen Gesch&auml;ftswillen99 haben, die beschriebene
Rechtslage100 herbeizuf&uuml;hren. Dass sie sich des
Rechtskleides, dessen es dazu bedarf, nicht bewusst
sind, &auml;ndert nichts an der Bindungswirkung des
&uuml;bereinstimmenden Parteiwillens (Art. 18 OR).
[28]Die Bemessung der Courtagen richtet sich
nach dem Vertrag zwischen Makler und Versicherungsnehmer. H&auml;ufig, wenn nicht sogar im Regelfall, enthalten die Maklervertr&auml;ge jedoch keine Bestimmungen zur Bemessung der Courtagen. Solche
finden sich vielmehr in den Zusammenarbeitsvereinbarungen zwischen den Maklern und den Versicherern. Diese k&ouml;nnen aber keine Vereinbarung
&uuml;ber die von einem Dritten (dem Versicherungsnehmer) zu finanzierende Courtage treffen. Eine solche
Vereinbarung w&auml;re ein unzul&auml;ssiger Vertrag zu Lasten eines Dritten. Massgebend f&uuml;r die Bemessung
der Courtagen ist deshalb einzig das Auftragsverh&auml;ltnis zwischen Makler und Versicherungsnehmer.
Wie Fellmann ausf&uuml;hrlich und &uuml;berzeugend darlegt, erfolgt die Bestimmung der H&ouml;he des Honorars des Beauftragten bei Fehlen einer vertraglichen
Bestimmung durch analoge Anwendung von Art.
414 OR107. Von den dort genannten drei Varianten
(Vertrag, Taxe und &Uuml;bung) kommt nur die Letztere
in Frage, da sowohl eine vertragliche Vereinbarung
als auch eine Taxe (= beh&ouml;rdlich festgesetzter Tarif108) fehlen. Massgeblich ist somit die den Verkehr
tats&auml;chlich beherrschende &Uuml;bung (Verkehrssitte)109.
In vielen F&auml;llen besteht eine solche &Uuml;bung110. Sie
muss vom Makler nachgewiesen werden111. Gelingt
dies nicht, so wird der Makler auf der Grundlage
[26]&Uuml;blicherweise wird in den Maklervertr&auml;gen
lediglich vereinbart, dass der Makler dem Versicherungsnehmer kein Honorar verrechnet, sondern
durch Courtagenzahlungen des Versicherers entsch&auml;digt wird101. In den Versicherungsvertr&auml;gen wird
zur Rechtsstellung des Maklers und zu seiner Entsch&auml;digung h&auml;ufig gar nichts gesagt. Und die ebenfalls &uuml;blichen Zusammenarbeitsvertr&auml;ge zwischen
den Maklern und den Versicherern regeln die Mo-
Anspruch auf Courtagezahlung durch die Versicherer haben. Vgl.
BK-Weber (2002) Art. 112 OR N 44 ff. Vgl. auch Patrick Krauskopf (2000)
N 949 ff.
In Deutschland wurde die vorliegend vertretene Qualifikation v.a.
von Helmut Kollhosser ((2004) N 28 ff., vertreten, blieb aber eine Minderheitsmeinung.
Rechtsfolgewillen / vertraglicher Bindungswille. J&ouml;rg Schmid, in:
Gauch/Schluep/Schmid (2008) N 171 f.
Oben N 20.
Beispiel: &laquo;Der Versicherungsbroker stellt der Auftraggeberin kein
Honorar in Rechnung, sondern wird durch die Courtage der Versicherungsgesellschaften aus der Vermittlung der Versicherungsvertr&auml;ge entsch&auml;digt.&raquo; Quelle: Helmut Studer (2000) 228. Solche oder
&auml;hnliche Klauseln sind immer noch weit verbreitet. Als Folge der
durch die Retrozessionsentscheide des Bundesgerichts sowie den
Vorschl&auml;gen zur Totalrevision des VVG ausgel&ouml;sten Diskussionen
haben die Makler versucht, in Bezug auf die Regelung ihrer Entsch&auml;digung f&uuml;r mehr Transparenz zu sorgen. So erl&auml;utert der Branchenverband der Industrieversicherungsmakler (SIBA) in seinem Code of
Conduct (www.siba.ch/berufsbild.html, besucht: 24.1.2013) die Regelung der Maklerentsch&auml;digung wie folgt:
&laquo;Der Versicherungsbroker ist nicht unentgeltlich t&auml;tig. Die Entsch&auml;digung des Versicherungsbrokers bildet Teil der Versicherungspr&auml;mie
bzw. ist in diese als Bestandteil der Kosten eingerechnet; die Auszahlung erfolgt durch den Versicherer an den Versicherungsbroker.
&Uuml;ber das System der vom Versicherer zu leistenden Entsch&auml;digungen, Courtagen und Provisionen muss der Versicherungsbroker den
Kunden beim ersten Kontakt informieren.
Die Entsch&auml;digung des Versicherungsbrokers f&uuml;r seinen Einsatz im
Interesse des Versicherungsnehmers umfasst in der Regel einen bestimmten Prozentsatz der Versicherungspr&auml;mien, Spareinlagen oder
Versicherungssummen. Ihre H&ouml;he wird in aller Regel in der Zusammenarbeitsvereinbarung mit dem Versicherer festgelegt. Ist &uuml;ber die
H&ouml;he der Entsch&auml;digung ausnahmsweise nichts vereinbart, so hat
der Versicherungsbroker Anspruch auf die &uuml;bliche oder eine angemessene Honorierung. […].&raquo;
Bemessung der Courtagen
Dazu unten N 31 ff.
Dazu unten N 41 ff.
Vorbehalten bleiben Maklermandate auf Honorarbasis (unten N 47 ).
So der von Studer (Helmut Studer [2000] 132) verwendete Begriff. Die
Terminologie ist jedoch nicht einheitlich. So spricht z.B. Baumann
(Hannes Baumann [1996] 11) von Courtagenvertrag.
BK-Fellmann (1992) Art. 394 OR N 395 ff.
BK-Fellmann (1992) Art. 394 OR N 406.
BK-Fellmann (1992) Art. 394 OR N 409.
Massgebend ist dabei allerdings eine Gesamtmarktbetrachtung.
Wenn ein grosser Makler regelm&auml;ssig eine &uuml;ber dem Marktdurchschnitt liegende Courtage f&uuml;r sich beansprucht, so wird diese erh&ouml;hte Courtage im Rahmen der Schuld&uuml;bernahme nur dann vom
Versicherer &uuml;bernommen, wenn der gegen&uuml;ber der Marktusanz
erh&ouml;hte Satz im Vertrag zwischen Makler und Versicherungsnehmer
BK-Fellmann (1992) Art. 394 OR N 423 ff.
der offenzulegenden Bem&uuml;hungen die H&ouml;he des geforderten Honorars rechtfertigen m&uuml;ssen.
menarbeitsvereinbarung) keine selbst&auml;ndige Bedeutung zu.
[33]Wird zwischen Makler und Versicherer eine
(im Vergleich zur markt&uuml;blichen oder zur zwischen
Makler und Versicherungsnehmer vereinbarten)
tiefere Courtage vereinbart, so muss der Versicherer
die Differenz zwischen der markt&uuml;blichen oder der
vereinbarten, zu deren Bezahlung er sich gegen&uuml;ber
dem Versicherungsnehmer verpflichtet hat, und
der effektiv ausgerichteten Courtage dem Versicherungsnehmer zur&uuml;ckerstatten. Solche F&auml;lle d&uuml;rften
aber wohl die absolute Ausnahme sein.
Zusammenarbeitsvereinbarungen zwischen
Makler und Versicherer
[29]Zun&auml;chst einmal folgt aus den vorstehenden
Ausf&uuml;hrungen, dass die Pflicht des Versicherers zur
Bezahlung der Courtagen sowie deren Bemessung
ihre Grundlagen gerade nicht in der Zusammenarbeitsvereinbarung zwischen Makler und Versicherer haben. Rechtsgrund der Zahlung ist die
Schuld&uuml;bernahme durch den Versicherer. Diese hat
der Versicherer nicht dem Makler, sondern dem
Versicherungsnehmer versprochen. Der Umstand,
dass die interne Schuld&uuml;bernahme dem Makler
angezeigt, von diesem genehmigt und dadurch zur
privativen wurde, macht sie nicht zum Bestandteil
der Vereinbarung zwischen Makler und Versicherer. Daraus folgt z.B., dass der Versicherer sich durch
eine K&uuml;ndigung der Zusammenarbeitsvereinbarung
nicht von der Pflicht zur Courtagenzahlung befreien
kann. Diese besteht vielmehr, solange der Versicherungs- und der Maklervertrag in Kraft sind112.
[34]Wird eine h&ouml;here Courtage (Zusatzcourtage)
und/oder die Ausrichtung von volumen-, wachstums- oder ertragsabh&auml;ngigen Sonderverg&uuml;tungen
vereinbart, so wird mit dem Vertrag zwischen Makler und Versicherer in Bezug auf die Zusatzcourtage
sowie auf die Sonderverg&uuml;tungen eine Leistungspflicht des Versicherers begr&uuml;ndet. Mit dem Begriff
der Zusatzcourtage wird im vorliegenden Zusammenhang jener Teil der vom Versicherer bezahlten
Grundcourtage (= Courtage ohne Sonderverg&uuml;tung) verstanden, der die markt&uuml;bliche Courtage
bzw. die zwischen Makler und Versicherungsnehmer vereinbarte &uuml;bersteigt und die der Makler einzig gest&uuml;tzt auf die Zusammenarbeitsvereinbarung
mit dem Versicherer fordern kann.
[30]Als m&ouml;gliche Inhalte der Vereinbarung zwischen Makler und Versicherer verbleiben somit:
Die Ausrichtung von Zusatzcourtagen und andern
Sonderverg&uuml;tungen, die &uuml;ber den vom Versicherer
&uuml;bernommenen Honoraranspruch des Maklers hinausgehen (nachfolgend Ziff. 1) sowie die Regelung
der administrativen und organisatorischen Zusammenarbeit (nachfolgend Ziff. 2). In der Praxis finden sich in solchen Vertr&auml;gen zum Teil auch &Uuml;bertragungen von Aufgaben des Versicherers an den
Makler (nachfolgend Ziff. 3).
[35]L&auml;sst sich ein Makler solche Zusatzcourtagen oder Sonderverg&uuml;tungen versprechen, so bleibt
dies nicht ohne Auswirkung auf das zwischen ihm
und dem Versicherungsnehmer bestehende Auftragsverh&auml;ltnis. Nach Art. 400 Abs. 1 OR hat der
Beauftragte auf Verlangen jederzeit nicht nur &uuml;ber
seine Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung Rechenschaft abzulegen,
sondern auch alles, was ihm im Zusammenhang mit
der Erf&uuml;llung des Auftrages aus irgendeinem Grund
als Vorteil zugekommen ist, abzuliefern113. Diese
Pflicht zur Ablieferung ist – wie die Rechenschaftspflicht – ein zentrales Element der Fremdn&uuml;tzigkeit
des Auftrages. Sie l&auml;sst sich als Konkretisierung der
Treuepflicht nach Art. 398 Abs. 2 OR verstehen114.
Vorliegend stellt sich die Frage, ob Zusatzcourtagen
und Sonderverg&uuml;tungen solche aus der Erf&uuml;llung
des Auftrags resultierende und damit herausgabepflichtige Vorteile darstellen115.
Zusatzcourtagen und Sonderverg&uuml;tungen
[31] In der Praxis wird in den Vertr&auml;gen zwischen
Makler und Versicherer sehr h&auml;ufig die Bemessung
der Entsch&auml;digung des Maklers geregelt. Da f&uuml;r den
vom Versicherer &uuml;bernommenen Honoraranspruch
ausschliesslich das Vertragsverh&auml;ltnis zwischen
Makler und Versicherungsnehmer massgebend ist,
stellt sich die Frage, welche rechtliche Bedeutung
der diesbez&uuml;glichen Vereinbarung zwischen Makler
und Versicherer zukommt.
[32]Soweit f&uuml;r die Bemessung der Courtagen im
Vertrag zwischen Versicherer und Makler entweder
auf die markt&uuml;bliche H&ouml;he der Courtagen (= Verkehrs&uuml;bung) abgestellt oder auf eine im Vertrag zwi&shy;
schen Makler und Versicherungsnehmer (Maklervertrag) vereinbarte H&ouml;he verwiesen wird, kommt dem
Vertrag zwischen Makler und Versicherer (Zusam112
Oben N 24.
Zur Abgrenzung von Rechenschafts- und Herausgabepflicht: BGer
4A_13/2012 vom 19.11.2012, E. 4.1.
BGE 138 III 755, 762 f., E. 5.3.
Das Bundesgericht hat in mehreren Grundsatzentscheidungen (sog.
Retrozessionspraxis) die Leitplanken festgelegt: Mit BGE 132 III 460
(2006) qualifizierte es Retrozessionen und &auml;hnliche Entsch&auml;digungen
als herausgabepflichtige Leistungen und umschrieb die Voraussetzungen, unter denen auf die Herausgabe verzichtet werden kann.
Das Urteil l&ouml;ste ein breites Echo aus. Urteilsbesprechungen: Manuel
Arroyo (ZBJV 2006, 625), Rolf Kuhn / Deborah Schlumpf (ZBJV 2012,
[36] Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
betrifft die Ablieferungspflicht &laquo;nicht nur diejenigen
Verm&ouml;genswerte, die der Beauftragte direkt vom Auf&shy;
traggeber zur Erf&uuml;llung des Auftrags erh&auml;lt, sondern
auch indirekte Vorteile, die dem Beauftragten infolge
der Auftragsausf&uuml;hrung von Dritten zukommen. Der
Beauftragte soll durch den Auftrag – abgesehen von
einem allf&auml;lligen Honorar – weder gewinnen noch
verlieren; er hat daher alle Verm&ouml;genswerte heraus&shy;
zugeben, die in einem inneren Zusammenhang zur
Auftragsausf&uuml;hrung stehen. Behalten darf der Beauf&shy;
tragte nur, was er lediglich bei Gelegenheit der Auf&shy;
tragsausf&uuml;hrung, ohne inneren Zusammenhang mit
dem ihm erteilten Auftrag von Dritten erh&auml;lt […]. Zu
den indirekten Vorteilen, die der Herausgabepflicht
unterstehen, z&auml;hlen etwa Rabatte, Provisionen oder
Schmiergelder. Ob die Zuwendung nach dem Willen
des Dritten ausschliesslich dem Beauftragten zugute
kommen soll oder nicht, spielt dabei keine Rolle.&raquo;116
richtet sind. F&uuml;r den Makler entsteht damit ein Zielkonflikt zwischen seiner Einkommensoptimierung
und der umfassenden Wahrung der Interessen des
Versicherungsnehmers. Deshalb besteht zwischen
Zusatzcourtagen und Sonderverg&uuml;tungen ein innerer Zusammenhang zur Auftragsausf&uuml;hrung119. Daran &auml;ndert auch nichts, dass solche Zusatzcourtagen
und Sonderverg&uuml;tungen markt&uuml;blich sein k&ouml;nnen.
Zu beurteilen ist n&auml;mlich nicht, ob die zwischen
Versicherer und Makler vereinbarte Verg&uuml;tung zul&auml;ssig, angemessen, marktgerecht oder &uuml;berm&auml;ssig
ist. Massgebend ist im Hinblick auf die Herausgabepflicht nicht dieses Vertragsverh&auml;ltnis, sondern
dasjenige zwischen Makler und Versicherungsnehmer: Anhand der zwischen den Parteien des Maklervertrages vereinbarten Interessenwahrungspflicht
des Maklers ist zu beurteilen, ob angesichts der von
den Zusatzcourtagen und Sonderverg&uuml;tungen ausgehenden finanziellen Anreizen – jedoch unabh&auml;ngig von deren Rechtsgrundlage – ein innerer Zusammenhang zur Auftragsausf&uuml;hrung besteht. Dabei
vermag die Markt&uuml;blichkeit solcher Entsch&auml;digungen die Herausgabepflicht nicht auszuschliessen120.
Daraus folgt: Zusatzcourtagen und Sonderverg&uuml;tungen unterliegen grunds&auml;tzlich der auftragsrechtlichen Ablieferungspflicht.
[37] &Uuml;ber den Honoraranspruch des Maklers hinausgehende Zusatzcourtagen und Sonderverg&uuml;tungen stellen solche indirekten Vorteile dar. Zu pr&uuml;fen
ist deshalb, ob ihre Ausrichtung in einem inneren
Zusammenhang zur Auftragsausf&uuml;hrung steht. Da
mit der Herausgabepflicht die Vorbeugung von
Interessenkonflikten zur Sicherung der Fremdn&uuml;tzigkeit des Auftrags angestrebt wird, ist bei Zuwendungen117 Dritter ein innerer Zusammenhang nach
der Rechtsprechung schon dann zu bejahen, wenn
die Gefahr besteht, der Beauftragte k&ouml;nnte sich dadurch veranlasst sehen, die Interessen des Auftraggebers nicht ausreichend zu ber&uuml;cksichtigen118. Der
Makler &uuml;bernimmt eine umfassende Interessenwahrungspflicht. Mit Zusatzcourtagen und Sonderverg&uuml;tungen schafft der Versicherer Anreize, die in
erster Linie auf den Absatz seiner Produkte ausge-
339) und Stephan Fuhrer (Have 2006, 357). In BGE 137 III 393 (2011)
best&auml;tigte es diese Rechtsprechung. Auch dieses Urteil fand grosse
Beachtung. Es wurde besprochen von Kuhn / Schlumpf (a.a.O.), Corinne Zellweger-Gutknecht / Christoph Brunner (Weblaw 27.10.2011),
Christian Koller (NZZ 28.11.2011) und Stephan Fuhrer (Have 2012, 55).
Mit BGE 138 III 755 (2012) hat das Bundesgericht klargestellt, dass
seine Rechtsprechung nicht nur f&uuml;r die Verm&ouml;gensverwaltung,
sondern f&uuml;r alle Auftragsverh&auml;ltnisse gilt. Der Entscheid ist sehr
sorgf&auml;ltig und ausf&uuml;hrlich begr&uuml;ndet. Er wurde kommentiert von:
Peter Nobel (Jusletter 19.11.2012 und NZZ 20.11.2012), Martin Schubarth (Jusletter 17.12.2012), Werner Grundlehner (NZZ 23.11.2012,
2.12.2012, 8.12.2012 und 30.1.2013), Corinne Zellweger-Gutknecht /
Christoph Brunner (Weblaw 28.11.2012), Jusletter 5.11.2012, Claudio
Kerber (swissblawg 5.11.2012 und 02.12.2012), Markus Felber (NZZ
02.11.2012) Vito Roberto (NZZ 6.11.2012).
BGE 138 III 755, 759 f., E. 4.2.
Das Bundesgericht hat diese Praxis zwar im Rahmen seiner Retrozessionsrechtsprechung entwickelt, es h&auml;lt aber ausdr&uuml;cklich fest,
dass den dabei entwickelten Regeln nicht nur Retrozessionen unterstehen, sondern ganz allgemein indirekte Vorteile (unabh&auml;ngig von
ihrer Bezeichnung), die dem Beauftragten infolge der Auftragsausf&uuml;hrung von Dritten zukommen. BGE 138 III 755, 763 f., E. 5.4.
[38]Klarzustellen ist, dass diese Rechtslage nicht
bedeutet, dass die Einkommen der Makler in der
H&ouml;he der markt&uuml;blichen Courtagen plafoniert
sind. Vor allem gr&ouml;ssere Makler k&ouml;nnen dank ihrer Marktmacht h&auml;ufig Courtagen durchsetzen, die
h&ouml;her als die markt&uuml;blichen sind. Nach den vorstehenden Aussagen unterliegen solche Zusatzleistungen des Versicherers der Ablieferungspflicht. Dies
gilt jedoch dann nicht, wenn auch diese Zusatzleistungen zwischen Makler und Versicherungsnehmer
vereinbart werden. Sie werden dann Bestandteil des
dem Makler vom Versicherungsnehmer geschuldeten Honorars, das zu bezahlen sich mit dem Schuld&uuml;bernahmevertrag der Versicherer verpflichtet hat.
Der Makler, der seine Leistungen zu einem h&ouml;heren
als dem markt&uuml;blichen Preis verkaufen will, muss
dies somit im Maklervertrag mit dem Versicherungsnehmer explizit vereinbaren121. Mit anderen
Worten: Der Preis f&uuml;r &uuml;berdurchschnittliche Honorareinnahmen ist volle Transparenz. Das Bundesgericht stellt damit keine neuen Regeln auf, sondern
verschafft lediglich dem seit Jahrzehnten geltenden
Recht Nachachtung.
BGE 138 III 755, 765 f., E. 5.6.
So das Bundesgericht in BGE 138 III 755, 766 f., E. 5.7, in Bezug auf die
analoge Problematik bei Verm&ouml;gensverwaltungen durch Banken.
Die andere Alternative w&auml;re ein Verzicht des Versicherungsnehmers,
der jedoch nur g&uuml;ltig ist, wenn dieser &uuml;ber die H&ouml;he des Betrages, auf
dessen Ablieferung er verzichtet, informiert worden ist. Unten N 40.
[39] Anzumerken bleibt, dass Art. 48k BVV 2 f&uuml;r
den Bereich der beruflichen Vorsorge die Ausrichtung von Sonderverg&uuml;tungen generell verbietet122.
der Versicherungsnehmer an den Makler halten,
der nach auftragsrechtlichen Grunds&auml;tzen haftet127.
Sieht man von den Aufkl&auml;rungspflichten ab, so
f&uuml;hrt eine fehlerhafte Ausf&uuml;hrung einer dem Makler vom Versicherer &uuml;bertragenen Aufgabe prim&auml;r
zu einer Sch&auml;digung des Versicherers und nicht des
Versicherungsnehmers. F&auml;lle der Haftung des Versicherers f&uuml;r ein Fehlverhalten des Maklers d&uuml;rften
nach schweizerischem Recht deshalb immer noch
sehr unwahrscheinlich bleiben.
[40]Die Herausgabepflicht ist schliesslich nicht
zwingend. Der Versicherungsnehmer kann darauf
verzichten. Allerdings nicht voraussetzungslos und
pauschal. Eine solche Vereinbarung setzt voraus,
dass &uuml;ber die zu erwartenden Leistungen hinreichend informiert wurde. Der Versicherungsnehmer
muss ihren Umfang und ihre Berechnungsgrundlagen kennen123. Ohne eine solche Verzichtserkl&auml;rung
bleibt es bei der Herausgabepflicht. Auch diesbez&uuml;glich gilt somit die Regel: Transparenz oder Ablie&shy;
&Uuml;bertragung von Aufgaben des Versicherers
[43] Es kommt in der Praxis immer wieder vor, dass
sich Makler vom Versicherer Underwriting- oder
Schadenregulierungskompetenzen einr&auml;umen lassen. Solche Regelungen sind unzul&auml;ssig. Es wurde
bereits ausgef&uuml;hrt, dass zwischen Versicherer und
Versicherungsnehmer ein klarer Interessengegensatz
besteht128. Der Versicherer will eine m&ouml;glichst hohe
Pr&auml;mie f&uuml;r die gew&auml;hrte Deckung und der Versicherungsnehmer das Gegenteil. Der Makler kann
in dieser Situation nicht den Einkauf f&uuml;r den Versicherungsnehmer und gleichzeitig den Verkauf f&uuml;r
den Versicherer &uuml;bernehmen. Gleiches gilt mutatis
mutandis f&uuml;r die Schadenregulierung. Da der Makler dem Versicherungsnehmer Treue schuldet, verletzt er mit der &Uuml;bernahme von Under&shy;writing- oder
Schadenregulierungskompetenzen129 seine Pflichten
dem Versicherungsnehmer gegen&uuml;ber130.
Regelung der administrativen und
organisatorischen Zusammenarbeit
[41]Unproblematisch ist, wenn der Makler f&uuml;r
den Versicherer im administrativen und/oder organisatorischen Bereich Dienstleistungen ausf&uuml;hrt
und daf&uuml;r honoriert wird (Beispiele: Ausf&uuml;llen
von Versicherungsnachweisen, Erstellen von Dokumentationen124 und Pr&auml;mienabrechnungen, Inkasso der Pr&auml;mie oder Identifikationen nach dem
Geldw&auml;schereigesetz)125. Die Zusammenarbeitsvereinbarung ist der richtige Ort zur Regelung solcher
Dienstleistungen und ihrer Entsch&auml;digung.
[42]Soweit ein Makler aufgrund einer solchen
Vereinbarung f&uuml;r den Versicherer Dienstleistungen
gegen&uuml;ber Dritten (namentlich gegen&uuml;ber dem Versicherungsnehmer) erbringt, wird er zur Hilfsperson
des Versicherers. F&uuml;hrt ein Fehler des Maklers zu
einer Sch&auml;digung des Versicherungsnehmers, so
haftet der Versicherer f&uuml;r diesen Schaden. Diesen
aufgrund von Aufgabe und Stellung des Maklers
auf den ersten Blick irritierenden, aber letztlich
logischen Schluss hat k&uuml;rzlich auch der deutsche
BGH gezogen126. Im zu beurteilenden Fall liess der
Versicherer ihm obliegende Aufkl&auml;rungspflichten
durch den Makler erf&uuml;llen. Nach schweizerischem
Recht w&auml;re in diesen F&auml;llen eine andere L&ouml;sung naheliegender: Der Versicherungsnehmer muss sich
das Wissen seines Maklers anrechnen lassen. In der
Regel folgt daraus, dass der Versicherungsnehmer
die Inhalte der vom Versicherer geschuldeten Aufkl&auml;rung bereits kennt. In diesem Umfang ist der
Versicherer nicht mehr aufkl&auml;rungspflichtig. Sind
die Erl&auml;uterungen des Maklers falsch, so muss sich
[44]Die Grenze zwischen der zul&auml;ssigen &Uuml;bernahme von administrativen oder organisatorischen
Dienstleistungen und der unzul&auml;ssigen Delegation
von Aufgaben des Versicherers ist einfach zu ziehen.
Solange mit der Ausf&uuml;hrung von Dienstleistungen
keine Interessen des Versicherungsnehmers verletzt
werden, d.h., solange in Bezug auf eine konkrete
T&auml;tigkeit keine Interessengegens&auml;tze bestehen, steht
einer &Uuml;bertragung an den Makler nichts entgegen.
Mangels Vereinbarung im Maklervertrag
steht dem Makler eine markt&uuml;bliche Courtage zu.
Diesbez&uuml;glich verf&uuml;gt er &uuml;ber ein direktes Forderungsrecht gegen&uuml;ber dem Versicherer. Die Honorarzahlung des Versicherers stellt keine der Herausgabepflicht nach Art. 400 Abs. 1 OR unterstellte
Zuwendung eines Dritten dar, da der Versicherer
diesbez&uuml;glich die Honorarzahlungspflicht des Ver127
Vgl. zu den besonderen Problemen der beruflichen Vorsorge: HansUlrich Stauffer (2009) passim.
BGE 137 III 393.
Christian Schneider (2012) passim.
BGE 138 III 755, 766 f., E. 5.7.
BGH IV ZR 71/11 vom 26.9.2012, r+s 2013, 117–119.
Stephan Fuhrer (2011) N 6.36 und 6.69 (mit Hinweisen zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung).
Oben N 15 f.
Selbstverst&auml;ndlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn der Makler in Vertretung und zur Wahrung der Interessen des Versicherungsnehmers die Schadenregulierung des Versicherers begleitet.
BGer 4A_127/2012 vom 30.10.2012, E. 6.2.
sicherungsnehmers &uuml;bernommen hat. Als Zuwendung eines Dritten sind jedoch Zusatzcourtagen
und Sonderverg&uuml;tungen zu qualifizieren, weshalb
die vom Bundesgericht im Rahmen seiner Retrozessionsrechtsprechung entwickelten Regeln darauf
anwendbar sind. Unproblematisch sind Verg&uuml;tungen des Versicherers f&uuml;r vom Makler &uuml;bernommene
administrative und organisatorische Arbeiten. Mit
der Stellung des Maklers als treuh&auml;nderischer Sachwalter des Versicherungsnehmers nicht vereinbar ist
hingegen die Annahme von Auftr&auml;gen des Versicherers, bei denen zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer ein Interessengegensatz besteht (insbesondere die &Uuml;bertragung von Underwriting- oder
Schadenregulierungskompetenzen).
basis arbeitende f&uuml;hren133. Selbstverst&auml;ndlich hindert – auch ohne Schaffung einer neuen Vermittlerkategorie – niemanden einen Makler, bereits heute
auf Honorarbasis zu arbeiten und seinen Kunden
auf Nettobasis tarifierte Versicherungsvertr&auml;ge zu
vermitteln134. In diesen F&auml;llen gilt es allerdings zu
beachten, dass bei einem allf&auml;lligen Wechsel des
Maklers der neue Makler keinen Anspruch auf
Courtagenzahlung hat, da der Versicherungsvertrag keine &Uuml;bernahme der Honorarzahlungspflicht
durch den Versicherer vorsieht135.
Basler Kommentar zum schweizerischen Privatrecht,
hrsg. von Honsell/Vogt/Wiegand, Basel ab 1996, unterschiedliche Auflagen, die Nachweise beziehen sich jeweils
auf die laufende Auflage, zit. BSK-Bearbeiter
IV.Maklerwechsel
Baumann Hannes: Die Courtage des Versicherungsmaklers, Diss. Z&uuml;rich 1996
[46]Der Versicherungsnehmer kann den Maklervertrag jederzeit k&uuml;ndigen (Art. 404 Abs. 1 OR).
In diesem Fall endet der Anspruch des Maklers
auf Courtagenzahlung131. Beauftragt der Versicherungsnehmer einen neuen Makler, so muss der Versicherer (die vom Versicherungsnehmer finanzierte)
Courtage dem neuen Makler ausbezahlen. Wird
kein neuer Makler beauftragt, so ist der Versicherer
durch den Umstand, dass er keine Courtagen mehr
bezahlen muss, diese aber weiterhin in der Pr&auml;mie
eingerechnet sind, ohne Rechtsgrund bereichert
(Art. 62 ff. OR). Diese Bereicherung muss er dem
Versicherungsnehmer zur&uuml;ckerstatten. Abzurechnen ist in analoger Anwendung von Art. 24 Abs. 1
VVG pro rata temporis.
Beckmann / Matusche-Beckmann (Hrsg.): Versicherungsrechts-Handbuch, 2. Aufl., M&uuml;nchen, 2009, zit. Bearbeiter, in: Beckmann/Matusche-Beckmann
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Bruck / M&ouml;ller (Begr&uuml;nder): Versicherungsvertragsgesetz, Grosskommentar, hrsg. von Baumann/Beck&shy;mann/
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zit. Bearbeiter, in: Bruck/M&ouml;ller
Brulhart Vincent: Droit des assurances priv&eacute;es, unter Mitarbeit von Fagone Malik und L&uuml;thi Jonathan,
T&auml;tigkeit auf Honorarbasis
[47]Die mit der Vorbereitung der Totalrevision
des Versicherungsvertragsgesetzes beauftragte Expertenkommission hat vorgeschlagen, das System
der Courtagenzahlung durch die Versicherer durch
ein solches der sog. Nettoquotierungen zu ersetzen. Der Versicherer w&uuml;rde in seinen Pr&auml;mien keine
Courtagen mehr einrechnen (Nettopr&auml;mien) und
der Makler verrechnete dem Versicherungsnehmer
f&uuml;r seine T&auml;tigkeit ein Honorar. Die Reaktionen der
Makler auf diesen Vorschlag waren durchwegs sehr
negativ132. Da der vorgeschlagene Systemwechsel
offensichtlich politisch nicht mehrheitsf&auml;hig ist, hat
Peter Pfund vorgeschlagen, eine dritte, auf Honorarbasis arbeitende Vermittlerkategorie zu schaffen.
Dies w&uuml;rde zu einer Zweiteilung der Makler in nach
dem tradierten Courtagensystem und auf Honorar-
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Oben N 29 .
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