Source: https://www.weka.ch/themen/personal/personalfuehrung-und-personalentwicklung/gesundheitsmanagement/article/mobbing-im-unternehmen-so-verhalten-sie-sich-richtig/
Timestamp: 2020-08-03 23:37:25
Document Index: 127017258

Matched Legal Cases: ['Art. 328', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 10', 'Art. 173']

Gemobbt wird in vielen Unternehmen. Viele Führungskräfte erkennen aber nicht rechtzeitig, was da läuft, bis die Eskalation da ist und der Schaden nicht mehr verhindert werden kann: ein vergiftetes Klima, Produktivitätsverluste, teure Krankheitstage, Prozesse oder gar eine Imageschädigung Ihres Unternehmens. Was ist Mobbing überhaupt? Und wie erkennen Sie Mobbing im Unternehmen rechtzeitig? Und was können Sie gegen Mobbing am Arbeitsplatz unternehmen? Wir zeigen Ihnen, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen.
Schritt 1 – Sie informieren sich, was Mobbing im Unternehmen ist
Die relativ junge Wortschöpfung «Mobbing» ist zwar ein altes Thema, aber im neudeutschen Sprachgebrauch mittlerweile zu einem festen Begriff geworden - leider. Das Wort stammt vom englischen Verb «to mob» = pöbeln, über jemanden herfallen, sich auf jemanden stürzen. Mobbing ist mehr als hier und da ein vereinzelt auftretender Konflikt. Erst wenn jemand regelmässig schikaniert, drangsaliert oder benachteiligt wird, dann spricht man von Mobbing. Das kann in Form von fortgesetzten entwürdigenden Bemerkungen sein, dem Ignorieren des Anderen im Alltag, durch Hinnehmen sexueller Grenzüberschreitungen wie beispielsweise anzügliche Reden oder auch durch unberechtigte Kritik und falsche Arbeitsbewertungen. Die Attacken - das ist das wesentliche Merkmal - werden systematisch und über einen längeren Zeitraum durchgeführt. Ein ganz typisches Bild ist, Sie kommen ins Büro und keiner erwidert Ihren Gruss.
Schritt 2 - Sie sind mit den geltenden rechtlichen Grundlagen bei Mobbing vertraut
Verschiedene Gesetze – das Gleichstellungsgesetz (GlG), das Arbeitsgesetz (ArG), das Obligationenrecht (OR) und das Strafgesetzbuch (StGB) – regeln den Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Mobbing am Arbeitsplatz:
Art. 328 OR: Schutz der Persönlichkeit des Arbeitnehmers im Allgemeinen
Arbeitsgesetz und Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz:
Art. 2 Abs. 1 Bst. d ArGV 3
Art. 3: Diskriminierungsverbot
Art. 6: Beweislasterleichterung
Art. 10: Kündigungsschutz
Strafbestimmungen nach dem Schweizerischem Strafgesetzbuch
In Frage kommt ferner unabhängig von Verfahren nach Arbeitsgesetz, OR, ZGB usw. eine Strafanzeige wegen
Übler Nachrede (Art. 173 StGB)
Schritt 3 – Sie kennen die Ursachen und Folgen von Mobbing am Arbeitsplatz
Der Begriff «Mobbing» ist relativ unscharf und unterstellt, dass es «Mobber» und «Mobbingopfer» gibt – die Wirklichkeit ist ein bisschen komplizierter. Die Ursachen für Mobbing im Unternehmen sind vielfältig. Hohe Arbeitsbelastung und Stress am Arbeitsplatz spielen jedoch eine zunehmende Rolle. Die immer grösser werdenden Anforderungen, zum Beispiel durch neue Technologien und Umstrukturierungen in den Betrieben führen zu Verunsicherung und lösen einen negativen Konkurrenzdruck aus. Dieser Druck wiederum belastet das Klima in den Unternehmen und gibt dem Mobbing den Nährboden.
Schritt 4 – Sie erkennen Mobbing am Arbeitsplatz in Ihrem Unternehmen
Mobbing im Unternehmen ist ein langwieriger Prozess, der oft zu spät erkannt wird. Systematisch fortgesetzt, bringt der ständige Druck Betroffene an ihre physischen und psychischen Grenzen - ihr Selbstwertgefühl schwindet, die Energiereserven auch – die Betroffenen beginnen, auszubrennen.
Bis der Gang zur Arbeit zur Qual, der Montag zum Alptraum wird, durchlaufen die Kollegen mehrere Stufen. Zunächst sehen sie bei Konflikten mit Mitarbeitern oder dem Vorgesetzten Schwächen in der eigenen Person. Selbstzweifel machen sich breit. Halten die Feindseligkeiten an, setzen sich Angstzustände fest. Symptome wie Schlafstörungen, Bluthochdruck und Denkblockaden treten auf.
Schritt 5 – Sie wissen wie Sie bei Mobbing im Unternehmen handeln können
Die Vorbeugung von Mobbing im Unternehmen ist eine Führungsaufgabe, aber auch eine alltägliche interkollegiale Aufgabe. Für die Personalführung gilt, für ein gutes, motivierendes und den Einzelnen förderndes und forderndes Arbeitsklima zu sorgen. Da Mobbing nicht die offene Kommunikation sucht, sind transparente Kommunikationswege, die für alle Beteiligten gelten, ein wichtiger Schritt zur Vorbeugung. Dazu gehört auch: klare Regeln des Umgangs definieren, regelmässige Mitarbeitergespräche durchführen und eine Vertrauensperson bzw. einen Mobbingbeauftragten benennen.
Falls es dennoch zu einem Mobbing-Fall kommt, ist es wichtig, nicht wegzuschauen. Bei Mobbing sollte rasch gehandelt und interveniert werden. Da Mobbing immer die Folge eines ungelösten Konfliktes ist, besteht in der Anfangsphase die Chance, mit einem offenen Gespräch das Problem zu beenden. Sprechen Sie den Mobber direkt auf den Konflikt und die Spannungen an. In speziellen Schulungen können Personalverantwortliche für dieses Thema sensibilisiert werden.
Sprechen Sie das Problem nicht vor versammelter Mannschaft an - da wird niemand etwas sagen. Holen Sie sich die betreffenden Mitarbeiter unter vier Augen ins Gespräch. Fragen Sie ganz unverfänglich: «Wie geht es Ihnen denn so mit Ihrer Arbeit? Gefällt es Ihnen hier? Wenn Sie an meiner Stelle wären: Gibt es da etwas, was Sie anders machen würden?»
So gehen Sie als Vorgesetzter richtig vor.
Merkblatt Mobbing erkennen und bekämpfen