Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Elterngeld_Zwillinge_beide_Eltern_in_Elternzeit_BSG_B10EG8_12R.html
Timestamp: 2017-02-27 13:37:36
Document Index: 63689158

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 4', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 2', '§ 1', '§ 2', 'Art 3', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art 3', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art 3', '§ 2', '§ 10', '§ 2', 'Art 3', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 3', '§ 10', '§ 11', '§ 3', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 4', 'Art 3', '§ 2', '§ 4', '§ 2', '§ 3', '§ 2', '§ 54', '§ 153', '§ 96', '§ 2', '§ 96', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 9', '§ 2', 'Art 100', 'Art 3', 'Art 3', 'Art 3', 'Art 3', 'Art 3', 'Art 3', 'Art 3', 'Art 3', 'Art 3', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art 3', '§ 2', '§ 2', 'Art 140', 'Art 137', 'Art 3', '§ 10', '§ 2', '§ 2', '§ 4', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 2', '§ 3', '§ 1', '§ 4', '§ 1', '§ 1', '§ 4', '§ 4', '§ 2', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 4', '§ 3', '§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 193']

HENSCHE Arbeitsrecht: B 10 EG 8/12 R
B 10 EG 8/12 R
Sozialgericht Bayreuth - S 10 EG 15/07 Bayerisches Landessozialgericht - L 12 EG 26/08
BUN­DESSO­ZIAL­GERICHT
27. Ju­ni 2013
in dem Rechts­streit Az: B 10 EG 8/12 R
L 12 EG 26/08 (Baye­ri­sches LSG) S 10 EG 15/07 (SG Bay­reuth)
...........,
Kläger, Re­vi­si­ons­be­klag­ter und Re­vi­si­onskläger,
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: ............,
Frei­staat Bay­ern,ver­tre­ten durch das Zen­trum Bay­ern Fa­mi­lie und So­zia­les, He­gel­s­traße 2, 95447 Bay­reuth,
Be­klag­ter, Re­vi­si­onskläger und Re­vi­si­ons­be­klag­ter.
Der 10. Se­nat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 27. Ju­ni 2013 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter Prof. Dr. L o y t v e d , die Rich­ter K r u s c h i n s k y und O t h m e r so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter C o s s m a n n und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Theo­bald für Recht er­kannt: - 2 -
Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird der Be­klag­te un­ter ent­spre­chen­der Ände­rung des Ur­teils des Baye­ri­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 23. No­vem­ber 2011 ver­ur­teilt, das El­tern­geld des Klägers - so­weit noch nicht ge­sche­hen - gemäß § 2 Abs 6 Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz um mo­nat­lich 300 Eu­ro zu erhöhen.
Im Übri­gen wer­den die Re­vi­sio­nen des Klägers und des Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen.
Der Be­klag­te hat dem Kläger auch für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren zwei Drit­tel der außer­ge­richt­li­chen Kos­ten zu er­stat­ten.
Die Be­tei­lig­ten strei­ten über Be­zugs­dau­er und Höhe des dem Kläger zu­ste­hen­den El­tern­gel­des nach dem Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz (BEEG).
Der Kläger und sei­ne Ehe­frau (Kläge­rin im Rechts­streit B 10 EG 3/12 R) sind El­tern der am 9.2.2007 ge­bo­re­nen Zwil­lin­ge E. und R. . Bei­de wa­ren bis zur Ge­burt der Kin­der als Be­am­te voll er­werbstätig. Die Ehe­frau des Klägers be­fand sich in der Zeit vom 9.2.2007 bis 22.6.2007 in Mut­ter­schutz und er­hielt hier­bei Bezüge nach be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten. Sie nahm vom 25.6.2007 bis 11.4.2008, der Kläger vom 12.3.2007 bis 20.3.2008 El­tern­zeit. Seit dem 21.3.2008 ar­bei­te­te der Kläger wie­der voll­schich­tig.
Mit Schrei­ben vom 12.4.2007 be­an­trag­ten bei­de El­tern­tei­le El­tern­geld. Der Kläger be­gehr­te hier­bei El­tern­geld für den zwei­ten bis zwölf­ten Le­bens­mo­nat sei­nes Soh­nes R. so­wie für die Le­bens­mo­na­te 13 und 14 sei­ner Toch­ter E. . Die Ehe­frau des Klägers be­an­spruch­te El­tern­geldfür den ers­ten bis zwölf­ten Le­bens­mo­nat von E. so­wie für die Le­bens­mo­na­te 13 und 14 von R. . Nach­dem der Be­klag­te dar­auf hin­ge­wie­sen hat­te, dass bei Mehr­lings­ge­bur­ten El­tern­geld nur ein­mal gewährt wer­de, hiel­ten der Kläger und sei­ne Ehe­frau in ers­ter Li­nie an der be­gehr­ten Auf­tei­lung des El­tern­geld­be­zu­ges fest, erklärten je­doch hilfs­wei­se, dass der Kläger für den zwei­ten bis neun­ten Le­bens­mo­nat und des­sen Ehe­frau für den ers­ten bis sechs­ten Le­bens­mo­nat der Zwil­lin­ge El­tern­geld er­hal­ten sol­le.
Mit Be­scheid vom 21.6.2007 be­wil­lig­te der Be­klag­te dem Kläger vorläufig El­tern­geld für den zwei­ten bis neun­ten Le­bens­mo­nat bei­der Kin­der ein­sch­ließlich ei­nes mo­nat­li­chen Erhöhungs­be­tra­ges von 300 Eu­ro für das Zwil­lings­kind, und zwar für den zwei­ten Le­bens­mo­nat in Höhe von 1714,66 Eu­ro und ab dem drit­ten Le­bens­mo­nat in Höhe von 1812,26 Eu­ro mo­nat­lich. Die vorläufi­ge Be­wil­li­gung be­gründe­te der Be­klag­te da­mit, dass der Kläger während des Be­zu­ges - 3 -
von El­tern­geld an zwei Ta­gen (9. und 10.3.2007) Ein­kom­men er­zielt ha­be. Mit Be­scheid vom sel­ben Ta­ge gewähr­te er der Ehe­frau des Klägers El­tern­geld für den ers­ten bis sechs­ten Le­bens­mo­nat der Kin­der un­ter An­rech­nung der während des Mut­ter­schut­zes er­hal­te­nen Bezüge. Den Wi­der­spruch des Klägers ge­gen den ihn be­tref­fen­den Be­scheid wies der Be­klag­te mit Wi­der­spruchs­be­scheid vom 4.10.2007 zurück.
Das So­zi­al­ge­richt (SG) Bay­reuth hat die Kla­ge mit Ge­richts­be­scheid vom 14.4.2008 ab­ge­wie­sen. Nach Ein­le­gung der Be­ru­fung des Klägers beim SG (13.5.2008) hat der Be­klag­te dem Kläger mit Be­scheid vom 14.5.2008 das El­tern­geld für den zwei­ten Le­bens­mo­nat in un­veränder­ter Höhe endgültig be­wil­ligt. Das Baye­ri­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG) hat den Ge­richts­be­scheid so­wie die an­ge­grif­fe­nen Be­schei­de ab­geändert und den Be­klag­ten zur Be­wil­li­gung von ei­nem wei­te­ren Mo­nat El­tern­geld für das Kind R. so­wie von zwei wei­te­ren Mo­na­ten El­tern­geld für das Kind E. (13. und 14. Le­bens­mo­nat) an den Kläger ver­pflich­tet. Im Übri­gen hat es die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen (Ur­teil vom 23.11.2011). Es hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen auf fol­gen­de Erwägun­gen gestützt:
So­weit der Kläger El­tern­geld für drei wei­te­re Le­bens­mo­na­te des Kin­des R. be­geh­re, sei die Kla­ge nur teil­wei­se be­gründet. Die Ehe­frau des Klägers ha­be während des Mut­ter­schut­zes vom 9.2. bis 22.6.2007 Dienst­bezüge nach be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten er­hal­ten. Nach § 4 Abs 3 S 2 BEEG gälten da­her die ers­ten fünf Le­bens­mo­na­te bei­der Zwil­lin­ge - und da­mit auch des Kin­des R. - als Mo­na­te, für die sie El­tern­geld be­zie­he. Die­se Fik­ti­on er­fas­se im Hin­blick auf das im El­tern­geld­recht gel­ten­de Le­bens­mo­nats­prin­zip je­weils auch dann den gan­zen Le­bens­mo­nat des Kin­des, wenn wie hier nicht für den gan­zen Mo­nat Mut­ter­schafts­geld bzw die ent­spre­chen­den Dienst­bezüge zustünden. Dem­ent­spre­chend könne der Kläger in­so­weit über die be­reits be­wil­lig­ten acht Be­zugs­mo­na­te hin­aus nur El­tern­geld für ei­nen wei­te­ren Mo­nat be­an­spru­chen.
So­weit der Kläger die Gewährung von El­tern­geld für den 13. und 14. Le­bens­mo­nat der Toch­ter E. be­geh­re, sei die Be­ru­fung be­gründet, da die Ehe­frau des Klägers in­so­weit die Gewährung von El­tern­geld für die Le­bens­mo­na­te eins bis zwölf be­an­tragt ha­be.
Der An­spruch des Klägers auf wei­te­re Mo­nats­beträge sei nicht we­gen der be­reits sei­ner Ehe­frau be­wil­lig­ten El­tern­geld­zah­lun­gen aus­ge­schlos­sen. Denn El­tern­geld ste­he den El­tern für den Fall, dass bei­de Part­ner auf Er­werbstätig­keit ver­zich­te­ten, für je­den der bei­den Zwil­lin­ge zu. Dem ste­he der Wort­laut des § 1 Abs 1 BEEG nicht ent­ge­gen, der von "ei­nem" Kind re­de. Un­abhängig da­von, ob das Wort "ei­nem" als Zahl­wort oder als un­be­stimm­ter Ar­ti­kel ge­braucht wer­de, sei § 1 Abs 1 BEEG so aus­zu­le­gen, dass das El­tern­geld bei Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen für ein be­stimm­tes, na­ment­lich zu be­nen­nen­des Kind zu gewähren sei.
Unschädlich sei, dass im BEEG ei­ne dem § 3 Abs 1 S 2 Ge­setz zum Er­zie­hungs­geld und zur El­tern­zeit (BErzGG) ent­spre­chen­de Re­ge­lung feh­le. Denn dar­aus könne nur der Schluss ge­zo- - 4 -
gen wer­den, dass ei­ner be­treu­en­den Per­son nicht für bei­de Zwil­lin­ge je­weils El­tern­geld zu­ste­he. Dies sei aber nicht die hier strei­ti­ge Fra­ge.
Die von dem Be­klag­ten ver­tre­te­ne Auf­fas­sung, El­tern­geld ste­he bei ei­nem gleich­zei­ti­gen Ver­zicht bei­der El­tern­tei­le auf Er­werbstätig­keit nicht für je­den ein­zel­nen Zwil­ling, son­dern für den zwei­ten Zwil­ling nur in Höhe des Erhöhungs­be­tra­ges nach § 2 Abs 6 BEEG zu, sei dem Wort­laut des § 1 Abs 1 BEEG iVm § 2 Abs 6 BEEG nicht zu ent­neh­men und ver­s­toße zu­dem ge­gen Art 3 Abs 1 Grund­ge­setz (GG). Denn für den Fall, dass ein wei­te­res Ge­schwis­ter­kind in­ner­halb des Be­zugs­zeit­raums von El­tern­geld für ein Kind ge­bo­ren wer­de, ha­be der an­de­re El­tern­teil für das zwei­te Ge­schwis­ter­kind An­spruch auf El­tern­geld nach den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen. Glei­ches gel­te für den Fall, dass kurz nach der Ge­burt ei­nes Kin­des ein wei­te­res Kind ad­op­tiert wer­de. Mehr­lings­ge­bur­ten un­ter­schie­den sich von die­sen Kon­stel­la­tio­nen nur durch ei­nen kürze­ren Zeit­raum zwi­schen der Ge­burt bzw Auf­nah­me des ers­ten und des wei­te­ren Kin­des. Die­ser Un­ter­schied recht­fer­ti­ge ge­mes­sen am Ziel des BEEG, ei­ne Ein­kom­mens­min­de­rung durch die Be­treu­ung des Kin­des im ers­ten Le­bens­jahr zu ver­hin­dern, ei­ne un­glei­che Be­hand­lung bei­der Grup­pen nicht.
Dem ste­he auch nicht § 2 Abs 6 BEEG ent­ge­gen, der für Mehr­lings­ge­bur­ten ei­nen mo­nat­li­chen Zu­schlag von 300 Eu­ro vor­se­he. Die­se Re­ge­lung sol­le nach der Ge­set­zes­be­gründung (BT-Drucks 16/1889 S 21) ähn­lich dem Ge­schwis­ter­bo­nus nach § 2 Abs 4 S 1 BEEG den zusätz­li­chen Be­treu­ungs­auf­wand ab­gel­ten, der bei ei­ner be­rech­tig­ten Per­son auf­tre­te, die gleich­zei­tig zwei oder mehr Kin­der glei­chen Al­ters be­treue. So­fern wie im vor­lie­gen­den Fall bei­de El­tern­tei­le für je­weils ein Kind El­tern­geld be­an­trag­ten, ent­fal­le die­se Mehr­be­las­tung, so­dass der Mehr­lings­zu­schlag ent­ge­gen dem An­trag des Klägers nicht zu gewähren sei. In­so­fern sei da­her die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.
Die Be­rech­nung des El­tern­gel­des un­ter Berück­sich­ti­gung der Kir­chen­steu­er sei rechtmäßig. Der Ab­zug der Kir­chen­steu­er von dem Ein­kom­men aus nicht­selbstständi­ger Ar­beit er­ge­be sich aus § 2 Abs 7 S 1 und 3 BEEG. Bei der El­tern­geld­be­rech­nung sol­le das Ein­kom­men berück­sich­tigt wer­den, dass der an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­son zu­letzt tatsächlich mo­nat­lich zur Verfügung ge­stan­den ha­be und das nun we­gen der Un­ter­bre­chung oder Ein­stel­lung der Er­werbstätig­keit nicht mehr zur Verfügung ste­he. Ei­nen Ver­s­toß ge­gen Art 3 Abs 1 GG se­he der Se­nat nicht.
Ge­gen die­ses Ur­teil ha­ben so­wohl der Kläger als auch der Be­klag­te die vom LSG zu­ge­las­se­ne Re­vi­si­on ein­ge­legt.
Zur Be­gründung sei­ner Re­vi­si­on macht der Kläger im We­sent­li­chen gel­tend: Er ha­be An­spruch auf El­tern­geld für zwei wei­te­re Le­bens­mo­na­te sei­nes Soh­nes R. . In­so­fern ha­be das LSG ge­gen § 3 Abs 1 und § 4 Abs 1 bis 3 BEEG ver­s­toßen. Nach dem Ge­set­zes­wort­laut in § 4 Abs 1 und 2 BEEG könn­ten die El­tern für die ers­ten 14 Le­bens­mo­na­te ei­nes Kin­des El­tern­geld be­an­spru­chen; dies sei hier der Sohn R. . Für die­sen ha­be er, der Kläger, für den zwei­ten bis - 5 -
zwölf­ten Le­bens­mo­nat El­tern­geld be­an­tragt. Da­her sei auch er für die ers­ten zwölf Le­bens­mo­na­te die­ses Kin­des die be­rech­tig­te Per­son iS des § 4 Abs 3 S 2 BEEG. Sei­ne Ehe­frau ha­be zwar während des Mut­ter­schut­zes Leis­tun­gen nach be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten er­hal­ten, ihr ha­be aber für das Kind R. in die­ser Zeit kein El­tern­geld zu­ge­stan­den. Zu­dem ha­be das LSG in­so­weit ge­gen § 3 Abs 1 S 4 BEEG ver­s­toßen, als es bei der An­wen­dung der Fik­ti­on des § 4 Abs 3 S 2 BEEG das Le­bens­mo­nats­prin­zip an­ge­wen­det ha­be; rich­ti­ger­wei­se hätte es den Zeit­raum, für den sei­ne Ehe­frau während des Mut­ter­schut­zes Leis­tun­gen er­hal­ten ha­be, nur auf den ent­spre­chen­den Teil des El­tern­geld­be­zu­ges "an­rech­nen" dürfen.
Fer­ner ha­be ihm das LSG zu Un­recht die Gewährung des Mehr­lings­zu­schla­ges nach § 2 Abs 6 BEEG ver­sagt. Aus § 2 Abs 6 BEEG las­se sich die vom LSG vor­ge­nom­me­ne ein­schränken­de Aus­le­gung, dass die­ser Zu­schlag ent­fal­le, wenn bei­de El­tern El­tern­geld er­hiel­ten, nicht ent­neh­men. Viel­mehr sei die­ser Zu­schlag bei je­der Mehr­lings­ge­burt zu gewähren. Zu­dem be­ste­he bei El­tern von Zwil­lin­gen häufig selbst dann, wenn bei­de El­tern­geld er­hiel­ten, ei­ne be­son­de­re Be­las­tung, zB bei ei­ner aufwändi­gen und be­son­de­ren Be­hand­lung der Kin­der. So sei es auch bei sei­nen Kin­dern ge­we­sen.
Sch­ließlich wer­de da­durch, dass nach § 2 Abs 7 S 3 BEEG bei der Be­rech­nung des El­tern­gel­des die Kir­chen­steu­er berück­sich­tigt wer­de, ge­gen Art 3 Abs 1 und 3 GG ver­s­toßen. Denn die Kir­chen­steu­er un­ter­schei­de sich von den übri­gen in § 2 Abs 7 BEEG ge­nann­ten Ab­ga­ben in­so­fern, als es sich bei ihr nicht um ei­ne Ab­ga­be han­de­le, die dem Ein­zel­nen als Staatsbürger oder als Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger auf­er­legt wer­de, son­dern um ei­ne Steu­er, die ei­ne Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft von ih­ren Mit­glie­dern er­he­be. Die Ent­schei­dung, ei­ner Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft an­zu­gehören, wer­de durch die Re­li­gi­ons­frei­heit geschützt. Zu­dem sei die Kir­chen­steu­er kei­ne Steu­er im ei­gent­li­chen Sin­ne, son­dern wer­de nur aus his­to­ri­schen Gründen als Steu­er be­zeich­net. Viel­mehr han­de­le es sich um ei­ne Son­der­aus­ga­be (§ 10 Abs 1 Nr 4 Ein­kom­men­steu­er­ge­setz <EStG>). Ziel des El­tern­gel­des müsse es sein, den Fa­mi­li­en oh­ne Berück­sich­ti­gung der kon­kre­ten Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit bei glei­chen Ab­ga­ben an den Staat und glei­cher Be­darfs­si­tua­ti­on glei­che Leis­tun­gen zu gewähren. Die An­wen­dung des § 2 Abs 7 S 1 und 3 BEEG ver­s­toße ge­gen Art 3 Abs 1 und 3 GG, weil das El­tern­geld aus­sch­ließlich bei den Mit­glie­dern der kir­chen-steu­er­er­he­ben­den Glau­bens­ge­mein­schaf­ten ge­min­dert wer­de, während bei Per­so­nen, die Mit­glied ei­ner an­de­ren Glau­bens­ge­mein­schaft sei­en oder die kei­nen Glau­ben hätten, ein sol­cher Ab­zug nicht er­fol­ge.
Der Kläger be­an­tragt,1. das Ur­teil des Baye­ri­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 23. No­vem­ber 2011 so­wie den Ge­richts­be­scheid des So­zi­al­ge­richts Bay­reuth vom 14. April 2008 zu ändern und den Be­klag­ten un­ter Ände­rung des Be­schei­des vom 21. Ju­ni 2007 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 4. Ok­to­ber 2007 so­wie in der Fas­sung des Be­schei­des vom 14. Mai 2008 zu ver­ur­tei­len, ihm El­tern­geld auch für den elf­ten und zwölf­ten Le­bens­mo­nat sei­nes am 9. Fe­bru­ar 2007 ge­bo­re­nen Soh­nes R. zu gewähren, sein El­tern­geld ins - 6 -
ge­samt oh­ne Berück­sich­ti­gung des Kir­chen­steu­er­ab­zu­ges zu be­rech­nen und es - so­weit noch nicht ge­sche­hen - durch ei­nen Mehr­lings­zu­schlag zu erhöhen,2. die Re­vi­si­on des Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.
Der Be­klag­te be­an­tragt,1. das Ur­teil des Baye­ri­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 23. No­vem­ber 2011 auf­zu­he­ben, so­weit es die Gewährung von wei­te­ren Mo­na­ten El­tern­geld be­trifft, und die Be­ru­fung des Klägers ge­gen den Ge­richts­be­scheid des So­zi­al­ge­richts Bay­reuth vom 14. April 2008 vollständig zurück­zu­wei­sen,2. die Re­vi­si­on des Klägers zurück­zu­wei­sen.
Er rügt ei­ne Ver­let­zung der §§ 1 bis 4, 10 und 11 BEEG. Da­zu trägt er ua vor:
Die Auf­fas­sung des LSG, dass El­tern­geld den El­tern von Zwil­lin­gen für den Fall, dass bei­de El­tern­tei­le auf Er­werbstätig­keit ver­zich­te­ten, für je­den der bei­den Zwil­lin­ge zu­ste­he, sei nicht zu­tref­fend. Aus dem Ge­set­zes­wort­laut des § 1 Abs 1 BEEG er­ge­be sich kein Hin­weis dar­auf, dass bei mehr­fa­cher Erfüllung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen meh­re­re Ansprüche entstünden. Die Ent­schei­dung des LSG ste­he auch mit der Ge­set­zes­sys­te­ma­tik nicht im Ein­klang. Die Be­stim­mung des § 1 BEEG ent­hal­te kei­ne Re­ge­lung über den An­spruchs­um­fang; die­ser sei viel­mehr in den §§ 2 bis 4 BEEG ge­re­gelt. Für Mehr­lings­ge­bur­ten sei ei­ne ein­deu­ti­ge Re­ge­lung in § 2 Abs 6 BEEG vor­ge­se­hen, die kei­ne Grund­la­ge mehr ha­be, wenn bei­de El­tern­tei­le für je­den Zwil­ling ei­nen ei­genständi­gen An­spruch auf El­tern­geld hätten. Aus § 2 Abs 6 BEEG er­ge­be sich ein­deu­tig und zwin­gend ei­ne Erhöhung des El­tern­gel­des bei Mehr­lings­ge­bur­ten für das zwei­te und je­des wei­te­re Kind; ei­ne Aus­le­gung, wo­nach die­se Erhöhung nicht zu gewähren sei, wenn sich bei­de El­tern­tei­le um die Mehr­lin­ge kümmer­ten, sei an­ge­sichts des kla­ren Wort­lauts nicht möglich. Fer­ner hätte das LSG nach sei­ner Ar­gu­men­ta­ti­on die Gewährung des Ge­schwis­ter­bo­nus nach § 2 Abs 4 BEEG be­ja­hen müssen. Zu­dem ver­weh­re das LSG den El­tern mit sei­ner Aus­le­gung die Vergüns­ti­gun­gen nach § 3 Abs 2 S 1 Halbs 2, § 10 Abs 4 und § 11 S 3 BEEG und ver­let­ze auch die­se Vor­schrif­ten.
Das LSG set­ze sich mit § 3 Abs 1 S 2 BErzGG aus­ein­an­der, über­se­he hier­bei je­doch, dass für den Be­reich der El­tern­zeit in § 15 Abs 2 S 3 BEEG - wie be­reits zu­vor in § 15 Abs 2 S 3 BErzGG - ei­ne aus­drück­li­che Re­ge­lung er­folgt sei, wo­nach bei meh­re­ren Kin­dern für je­des Kind An­spruch auf El­tern­zeit be­ste­he. Ei­ner sol­chen Re­ge­lung hätte es nicht be­durft, wenn sich be­reits aus § 15 Abs 1 BErzGG bzw BEEG, der dem § 1 Abs 1 BEEG ent­spre­che, bei Mehr­lin­gen ein An­spruch auf El­tern­zeit für je­den Mehr­ling ergäbe. Zu­dem las­se sich aus dem Um­stand, dass die Be­stim­mung des § 3 Abs 1 S 2 BErzGG nicht in das BEEG über­nom­men wor­den sei, al­lein der Schluss zie­hen, dass ge­ra­de nicht für je­den Mehr­ling je­weils ein An­spruch auf El­tern­geld zu­ste­hen sol­le. Das LSG las­se hier­bei auch un­be­ach­tet, dass Er­zie­hungs­geld nach § 3 Abs 1 S 1 und Abs 2 S 1 BErzGG nur ei­ner be­rech­tig­ten Per­son ge­zahlt wor­den sei. - 7 -
Fer­ner er­ge­be sich aus der Ge­set­zes­be­gründung zu § 4 BEEG ein­deu­tig ei­ne Be­schränkung des El­tern­geld­be­zugs auf 14 Mo­nats­beträge; ei­ne Ver­viel­fa­chung bei Mehr­facherfüllung ei­ner An­spruchs­vor­aus­set­zung sei da­mit aus­ge­schlos­sen. Dies wer­de durch den Ge­set­zes­zweck bestätigt, wo­nach das BEEG in ers­ter Li­nie die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on der El­tern in den ers­ten 14 Mo­na­ten nach der Ge­burt si­chern sol­le. Bei Mehr­lin­gen sei der Ein­kom­mens­ver­lust nicht größer. Für die­se Sicht­wei­se spre­che auch § 4b BEEG idF des Ge­set­zes vom 15.2.2013, wo­nach das Be­treu­ungs­geld für je­des Kind 150 Eu­ro pro Mo­nat be­tra­ge; es wer­de da­zu in der Be­gründung aus­geführt, dass beim El­tern­geld kei­ne mehr­fa­che Gewährung, son­dern nur der Mehr­lings­zu­schlag vor­ge­se­hen sei.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des LSG lie­ge kein Ver­s­toß ge­gen Art 3 Abs 1 GG vor, da die vom LSG ge­bil­de­ten Grup­pen be­reits nicht mit­ein­an­der ver­gleich­bar sei­en. Maßstab hierfür sei das Ziel des BEEG, El­tern bei der Si­che­rung der Le­bens­grund­la­ge in den ers­ten 14 Le­bens­mo­na­ten des Kin­des zu un­terstützen. Ab­ge­stellt wer­de da­her auf die Frühpha­se des neu­ge­bo­re­nen Kin­des. Der Zeit­raum der Frühpha­se bei ei­ner Mehr­lings­ge­burt un­ter­schei­de sich vom Zeit­raum der Frühpha­sen bei kur­zen Ge­bur­ten­fol­gen. Denn bei ei­ner Mehr­lings­ge­burt lie­ge ei­ne ge­mein­sa­me Frühpha­se vor, während bei Ge­bur­ten­fol­gen meh­re­re Frühpha­sen bestünden. Da­her bestünden ge­wich­ti­ge Un­ter­schie­de zwi­schen die­sen Grup­pen, die de­ren Un­gleich­be­hand­lung recht­fer­tig-ten. Auch das Ge­setz un­ter­schei­de zwi­schen die­sen Grup­pen, da es in § 2 Abs 4 S 2 BEEG ei­nen Ge­schwis­ter­bo­nus vor­se­he, auf den bei ei­nem Fol­ge­kind ein An­spruch be­ste­he. Ein wei­te­rer Un­ter­schied be­ste­he hin­sicht­lich des Ver­brauchs von Mo­nats­beträgen durch den Be­zug von Mut­ter­schafts­geld nach § 4 Abs 3 S 2 BEEG, da sich die­se Zeiträume bei kur­zen Ge­bur­ten­fol­gen ad­dier­ten, bei Mehr­lings­ge­bur­ten hin­ge­gen ein ein­heit­li­cher Zeit­raum vor­lie­ge. El­tern, die gleich­zei­tig Kin­der mit dem Ziel der An­nah­me als Kind in den Haus­halt auf­ge­nom­men hätten, würden nicht bes­ser ge­stellt, da auf sie § 2 Abs 6 BEEG ent­spre­chend an­zu­wen­den sei.
Sch­ließlich ha­be sich das LSG nicht mit dem Ur­teil des BSG vom 16.2.1989 (4 REg 6/88 - BS­GE 64, 296 = SozR 7833 § 3 Nr 1) zum An­spruch auf Er­zie­hungs­geld nach dem BErzGG (idF vom 6.12.1985) bei Mehr­lin­gen aus­ein­an­der ge­setzt. In die­sem Ur­teil ha­be das BSG fest­ge­stellt, die Ver­fas­sung ge­be we­der ei­nen An­spruch auf ein zwei­tes oder drit­tes usw Er­zie­hungs­geld oder auf Er­zie­hungs­geld für ei­nen verlänger­ten Be­zugs­zeit­raum noch ver­pflich­te sie den Ge­setz­ge­ber, ei­ne sol­che Re­ge­lung zu tref­fen. Die­se Grundsätze könn­ten auf den vor­lie­gen­den Fall über­tra­gen wer­den.
Die Re­vi­sio­nen der Be­tei­lig­ten sind zulässig. Die­je­ni­ge des Klägers ist auch teil­wei­se be­gründet. Im Übri­gen sind die Re­vi­sio­nen un­be­gründet. - 8 -
Der Be­klag­te hat dem Kläger El­tern­geld nebst Mehr­lings­zu­schlag (§ 2 Abs 6 BEEG) für den zwei­ten bis neun­ten Le­bens­mo­nat der Zwil­lin­ge gewährt. Das LSG hat die­se Be­wil­li­gung - ent­spre­chend dem An­trag des Klägers - auf das Kind R. be­zo­gen und dem Kläger El­tern­geld oh­ne Mehr­lings­zu­schlag für den zehn­ten Le­bens­mo­nat von R. so­wie für den 13. und 14. Le­bens­mo­nat von E. zu­ge­spro­chen. Mit sei­ner Re­vi­si­on be­gehrt der Kläger auch El­tern­geld für den elf­ten und zwölf­ten Le­bens­mo­nat von R. , Mehr­lings­zu­schläge für die vor dem LSG er­strit­te­nen und jetzt noch be­an­spruch­ten Mo­nats­beträge so­wie ei­ne Be­rech­nung sei­nes El­tern­gel­des ins­ge­samt oh­ne Ab­zug der Kir­chen­steu­er bei der Be­stim­mung des Be­mes­sungs­ent­gel­tes. Da­mit kann er nicht in vol­lem Um­fang durch­drin­gen. Der An­griff des Be­klag­ten ge­gen das Be­ru­fungs­ur­teil hat kei­nen Er­folg.
1. Die Kla­ge ist als kom­bi­nier­te An­fech­tungs- und Leis­tungs­kla­ge zulässig (§ 54 Abs 1 S 1 und Abs 4 SGG). Zu­tref­fend hat das LSG nicht nur über den Be­wil­li­gungs­be­scheid vom 21.6.2007 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 4.10.2007 ent­schie­den, son­dern auch über den Be­scheid vom 14.5.2008, der ei­ne endgülti­ge Ent­schei­dung über das El­tern­geld des Klägers für den zwei­ten Le­bens­mo­nat der Kin­der be­trifft. Da der Be­scheid vom 14.5.2008 den zu­vor er­gan­ge­nen - in­so­weit vorläufi­gen - Be­wil­li­gungs­be­scheid teil­wei­se er­setzt hat, ist er nach § 153 Abs 1 iVm § 96 Abs 1 SGG kraft Ge­set­zes Ge­gen­stand des zum da­ma­li­gen Zeit­punkt vor dem LSG be­reits anhängi­gen Ver­fah­rens ge­wor­den. An­ders als es im Aus­spruch des Be­ru­fungs­ur­teils zum Aus­druck kommt, hätte das LSG al­ler­dings über die­sen Be­scheid auf Kla­ge, nicht auf Be­ru­fung ent­schei­den müssen (BSG Ur­teil vom 23.9.2003 - B 4 RA 54/02 R - SozR 4-8855 § 2 Nr 1 Rd­Nr 11; Ur­teil vom 20.7.2005 - B 13 RJ 37/04 R - Ju­ris Rd­Nr 22; Leit­he­rer in Mey­er-La­de-wig/Kel­ler/Leit­he­rer, SGG, 10. Aufl 2012, § 96 Rd­Nr 7).
2. Der An­spruch des Klägers auf El­tern­geld rich­tet sich nach den am 1.1.2007 in Kraft ge­tre­te­nen Vor­schrif­ten des BEEG vom 5.12.2006 (BGBl I 2748). So­weit die späte­ren Ände­run­gen des BEEG (erst­mals durch das Ge­setz vom 19.8.2007 - BGBl I 1970) über­haupt die den strei­ti­gen An­spruch berühren­den Be­stim­mun­gen der §§ 1, 2 und 4 BEEG be­tref­fen, sind sie im vor­lie­gen-den Ver­fah­ren nicht an­wend­bar. Die durch das Ge­setz vom 19.8.2007 er­folg­te Ände­rung be­traf den hier nicht ein­schlägi­gen Abs 7 des § 1 BEEG. Bei der ers­ten Ände­rung der §§ 2 und 4 BEEG durch das Ge­setz vom 17.1.2009 (BGBl I 61) mit Wir­kung zum 24.1.2009 war der El­tern-geld­zah­lungs­zeit­raum be­reits ab­ge­schlos­sen (vgl BSG Ur­teil vom 18.8.2011 - B 10 EG 5/11 R - SozR 4-7837 § 2 Nr 11 Rd­Nr 27 mwN), so­dass die­se Neu­re­ge­lung den vor­lie­gend zu be­ur­tei­len­den An­spruch des Klägers nicht er­fasst.
3. Nach § 1 Abs 1 BEEG hat An­spruch auf El­tern­geld, wer ei­nen Wohn­sitz oder sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in Deutsch­land hat (Nr 1), mit sei­nem Kind in ei­nem Haus­halt lebt (Nr 2), die­ses Kind selbst be­treut und er­zieht (Nr 3) und kei­ne oder kei­ne vol­le Er­werbstätig­keit ausübt (Nr 4). - 9 -
Die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt der Kläger. Dass bei ihm die in­so­weit be­deut­sa­men Tat­sa­chen für den strei­ti­gen Zeit­raum (zwei­ter bis 14. Le­bens­mo­nat der Kin­der) vor­lie­gen, hat das LSG fest­ge­stellt. Auch der Be­klag­te hat dies für un­strei­tig erklärt. Selbst wenn der Kläger nur bis zum 20.3.2008 El­tern­zeit ge­nom­men und an­sch­ließend wie­der voll ge­ar­bei­tet hat, er­gibt sich nach der Be­rech­nung des Be­klag­ten für den 14. Le­bens­mo­nat ei­ne durch­schnitt­li­che Wo­chen­ar­beits­zeit von 25,74 St­un­den, die im Rah­men des nach § 1 Abs 1 Nr 4, Abs 6 BEEG Zulässi­gen liegt.
4. Für die Höhe des El­tern­geld­an­spruchs des Klägers ist § 2 BEEG (idF vom 5.12.2006) maßge­bend.
a) Nach § 2 Abs 1 S 1 BEEG wird El­tern­geld in Höhe von 67 % des in den zwölf Ka­len­der­mo­na­ten vor dem Mo­nat der Ge­burt des Kin­des durch­schnitt­lich er­ziel­ten mo­nat­li­chen Ein­kom­mens aus Er­werbstätig­keit bis zu ei­nem Höchst­be­trag von 1800 Eu­ro mo­nat­lich für vol­le Mo­na­te ge­zahlt, in de­nen die be­rech­tig­te Per­son kein Ein­kom­men aus Er­werbstätig­keit er­zielt. Als Ein-kom­men aus Er­werbstätig­keit ist nach § 2 Abs 1 S 2 BEEG die Sum­me der po­si­ti­ven Einkünf­te aus Land- und Forst­wirt­schaft, Ge­wer­be­be­trieb, selbstständi­ger Ar­beit und nicht­selbstständi­ger Ar­beit iS von § 2 Abs 1 S 1 Nr 1 bis 4 EStG nach Maßga­be der Abs 7 bis 9 zu berück­sich­ti­gen.
Da beim Kläger al­lein Einkünf­te aus nicht­selbstständi­ger Ar­beit in Be­tracht kom­men, rich­tet sich die Er­mitt­lung des Ein­kom­mens wei­ter nach § 2 Abs 7 BEEG. Des­sen Satz 1 be­stimmt, dass als Ein­kom­men aus nicht­selbstständi­ger Ar­beit der um die auf die­ses Ein­kom­men ent­fal­len­den Steu­ern und auf die auf­grund die­ser Er­werbstätig­keit ge­leis­te­ten Pflicht­beiträge zur So­zi­al­ver­si­che­rung in Höhe des ge­setz­li­chen An­teils der beschäftig­ten Per­son ein­sch­ließlich der Beiträge zur Ar­beitsförde­rung ver­min­der­te Über­schuss der Ein­nah­men in Geld oder Gel­des­wert über die mit ei­nem Zwölf­tel des Pausch­be­tra­ges nach § 9a Abs 1 S 1 Nr 1 Buchst a EStG an­zu­set­zen­den Wer­bungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen ist. Satz 3 legt fest, dass als auf die Ein­nah­men ent­fal­len­de Steu­ern die ab­geführ­te Lohn­steu­er ein­sch­ließlich So­li­da­ritäts­zu­schlag und Kir­chen­steu­er gel­ten, im Fal­le ei­ner Steu­er­vor­aus­zah­lung der auf die Ein­nah­men ent­fal­len­de mo­nat­li­che An­teil.
b) Ge­mes­sen an die­ser Re­ge­lung sind die vom Kläger an­ge­foch­te­nen Ver­wal­tungs­ak­te hin­sicht­lich der Höhe des El­tern­gel­des re­vi­si­ons­ge­richt­lich nicht zu be­an­stan­den. § 2 Abs 7 S 1 und 3 BEEG re­gelt ins­be­son­de­re aus­drück­lich, dass bei der Be­rech­nung des vor­ge­burt­li­chen Ein­kom­mens aus nicht­selbstständi­ger Ar­beit ua die Kir­chen­steu­er von den Brut­to­ein­nah­men ab­zu­zie­hen ist. Der ein­deu­ti­ge Wort­laut der Norm steht ei­ner Aus­le­gung im Sin­ne der Auf­fas­sung des Klägers ent­ge­gen.
Der Se­nat ist nicht da­von über­zeugt (vgl Art 100 Abs 1 GG), dass der Ab­zug der Kir­chen­steu­er bei der Er­mitt­lung des für das El­tern­geld maßgeb­li­chen Ein­kom­mens aus Er­werbstätig­keit ge­gen Art 3 Abs 1 oder Abs 3 S 1 GG verstößt. - 10 -
Ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung des Klägers we­gen sei­nes re­li­giösen Be­kennt­nis­ses oder der Mit­glied­schaft in der evan­ge­li­schen Kir­che und da­mit ein Ver­s­toß ge­gen den spe­zi­el­len Gleich­heits­satz des Art 3 Abs 3 S 1 GG ist nicht ge­ge­ben. Nach Art 3 Abs 3 S 1 GG darf nie­mand we­gen sei­nes Glau­bens be­nach­tei­ligt oder be­vor­zugt wer­den. Die­se Ver­fas­sungs­norm verstärkt den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art 3 Abs 1 GG, in­dem sie der dem Ge­setz­ge­ber dar­in ein­geräum­ten Ge­stal­tungs­frei­heit en­ge­re Gren­zen zieht. Die in Art 3 Abs 3 S 1 GG ge­nann­ten Merk­ma­le dürfen grundsätz­lich nicht als An­knüpfungs­punkt für ei­ne recht­li­che Un­gleich­be­hand­lung her­an­ge­zo­gen wer­den. Das gilt auch dann, wenn ei­ne Re­ge­lung nicht auf ei­ne nach Art 3 Abs 3 S 1 GG ver­bo­te­ne Un­gleich­be­hand­lung an­ge­legt ist, son­dern in ers­ter Li­nie an­de­re Zie­le ver­folgt (vgl BVerfG Ur­teil vom 28.1.1992 - 1 BvR 1025/82 ua - BVerfGE 85, 191, 206; Be­schluss vom 27.11.1997 - 1 BvL 12/91 - BVerfGE 97, 35, 43). Die­ses Grund­recht ist ins­be­son­de­re ein­schlägig, wenn be­stimm­te re­li­giöse Ge­mein­schaf­ten oder de­ren An­gehöri­ge be­vor­zugt wer­den, wes­halb Art 3 Abs 3 S 1 GG die welt­an­schau­lich-re­li­giöse Neu­tra­lität des Staa­tes si­chert. Ei­ne Un­gleich­be­hand­lung iS des Art 3 Abs 3 S 1 GG liegt auch vor, wenn be­stimm­te Grup­pen von Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, et­wa sol­che mit öffent­lich-recht­li­chem Sta­tus, an­ders als an­de­re Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten be­han­delt wer­den (Ja­rass in Ja­rass/Pie­roth, GG, 12. Aufl 2012, Art 3 Rd­Nr 128).
Der Ab­zug der Kir­chen­steu­er bei der El­tern­geld­be­rech­nung stellt kei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Glau­bens dar. Aus dem Zweck des El­tern­gel­des, das in den zwölf Mo­na­ten vor der Ge­burt des Kin­des er­ziel­te Net­to­ein­kom­men - teil­wei­se - zu er­set­zen, er­gibt sich, dass ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers kei­ne sach­wid­ri­ge Be­nach­tei­li­gung von Mit­glie­dern der Kir­chen­steu­er er­he­ben­den Glau­bens­ge­mein­schaf­ten ge­genüber Per­so­nen vor­liegt, die sol­chen Glau­bens­ge­mein­schaf­ten nicht an­gehören. Nach § 2 Abs 7 BEEG wer­den vom Ein­kom­men die­je­ni­gen ge­setz­li­chen Pflicht­ab­ga­ben ab­ge­zo­gen, die mit dem Ein­kom­men selbst au­to­ma­tisch ent­fal­len. Da die­se die be­rech­tig­ten Per­so­nen während der El­tern­geld­be­zugs­zeit nicht be­las­ten, hat der Ge­setz­ge­ber in­so­weit kei­nen Be­darf für ei­nen Ein­kom­mens­er­satz ge­se­hen (vgl da­zu BSG SozR 4-7837 § 2 Nr 15 Rd­Nr 29). Dem­ent­spre­chend berück­sich­tigt § 2 Abs 7 S 3 BEEG mit dem Kir­chen­steu­er­ab­zug le­dig­lich in sach­ge­rech­ter Wei­se die durch die­se ein­kom­mens­abhängi­ge Pflicht­ab­ga­be ge­prägte fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on der be­rech­tig­ten Per­son. An­ders als Kir­chen­steu­ern ent­fal­len frei­wil­li­ge Spen­den, die Glau­bens­ge­mein­schaf­ten zu­ge­wen­det wer­den, nicht oh­ne Wei­te­res mit dem Weg­fall von Ar­beits­ent­gelt.
Auch ein Ver­s­toß ge­gen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art 3 Abs 1 GG liegt nicht vor. Der Se­nat hat be­reits mehr­fach ent­schie­den, dass der Ge­setz­ge­ber durch das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot nicht ge­hin­dert war, bei der Be­mes­sung des El­tern­gel­des über­haupt an das vor der Ge­burt er­ziel­te Er­werbs­ein­kom­men an­zu­knüpfen. Das El­tern­geld ist über den Ba­sis­be­trag von 300 Eu­ro und den Ba­sis­ge­schwis­ter­bo­nus von 75 Eu­ro hin­aus als Leis­tung aus­ge­stal­tet, die das vor der Ge­burt lie­gen­de Er­werbs­ein­kom­men des Be­rech­tig­ten bis zum Höchst­be­trag von 1800 Eu­ro (§ 2 Abs 1 BEEG) er­setzt (vgl et­wa BSG Ur­teil vom 17.2.2011 - B 10 EG 20/09 R - SozR 4-7837 § 2 Nr 8 Rd­Nr 38 mwN). Je­der be­treu­en­de El­tern­teil, der sei­ne Er­werbstätig­keit un­ter­bricht oder - 11 -
re­du­ziert, soll durch das El­tern­geld ei­nen an sei­nem in­di­vi­du­el­len Ein­kom­men ori­en­tier­ten Aus-gleich für die fi­nan­zi­el­len Ein­schränkun­gen im ers­ten Le­bens­jahr des Kin­des er­hal­ten (vgl BT-Drucks 16/1889 S 2, 15; BT-Drucks 16/2454 S 2).
Das El­tern­geld soll so­mit das vor der Ge­burt lie­gen­de Er­werbs­ein­kom­men - teil­wei­se - er­set­zen. In dem Zeit­raum vor der Ge­burt, al­so dem Be­mes­sungs­zeit­raum, hat der Kläger ein Net­to­er­werbs­ein­kom­men er­zielt, bei dem der Dienst­herr des Klägers die Brut­to­bezüge um die Lohn­steu­er, den So­li­da­ritäts­zu­schlag so­wie die Kir­chen­steu­er (als die ge­setz­li­chen Abzüge) ver­min­dert hat. Aus­ge­hend von dem dar­ge­stell­ten Zweck des El­tern­gel­des ist ei­ne Gleich­be­hand­lung der Kir­chen­steu­er mit den an­de­ren ge­setz­li­chen Abzügen ge­recht­fer­tigt. Denn maßgeb­lich ist, dass die­se Abzüge im Be­mes­sungs­zeit­raum das Er­werbs­ein­kom­men zwangsläufig ver­min­dert ha­ben, der be­rech­tig­ten Per­son al­so nicht für den all­ge­mei­nen Le­bens­un­ter­halt zur Verfügung ge­stan­den ha­ben.
Zu­dem han­delt es sich bei der Kir­chen­steu­er ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers um ei­ne Steu­er im ei­gent­li­chen Sin­ne. Nach Art 140 GG iVm Art 137 Abs 6 Wei­ma­rer Ver­fas­sung sind die­je­ni­gen Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, die Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts sind, be­rech­tigt, nach Maßga­be der lan­des­recht­li­chen Be­stim­mun­gen Steu­ern zu er­he­ben. Die Steu­er­pflicht des Klägers, der sei­nen Wohn­sitz in Bay­ern hat und Mit­glied der evan­ge­li­schen Kir­che ist, er­gibt sich aus Art 3 Abs 2 Baye­ri­sches Ge­setz über die Er­he­bung von Steu­ern durch Kir­chen, Re­li­gi­ons- und welt­an­schau­li­che Ge­mein­schaf­ten (Kir­chen­steu­er­ge­setz - Kir­chStG) idF des Ge­set­zes vom 10.12.2005 (GVBl BY 584). Der Um­stand, dass die Kir­chen­steu­er nach § 10 Abs 1 Nr 4 EStG ei­ne Son­der­aus­ga­be dar­stellt, be­zieht sich nur dar­auf, dass die - auf­grund der Lohn­steu­er­pflicht be­reits ent­rich­te­te - Kir­chen­lohn­steu­er vom Ge­samt­be­trag der Einkünf­te ab­zieh­bar ist (vgl § 2 Abs 4 EStG). Auf die­se Wei­se wird al­so le­dig­lich das zu ver­steu­ern­de Ein­kom­men und da­mit die zu zah­len­de Ein­kom­men­steu­er ver­min­dert. Dies ändert je­doch nichts dar­an, dass sich die zu ent­rich­ten­de Kir­chen­ein­kom­men­steu­er aus­ge­hend von die­sem Ein­kom­men­steu­er­be­trag er­gibt.
c) Nach § 2 Abs 6 BEEG erhöht sich das nach den Abs 1 bis 5 zu­ste­hen­de El­tern­geld um je 300 Eu­ro für das zwei­te und je­des wei­te­re Kind. Die­ser sog Mehr­lings­zu­schlag steht dem Kläger in Höhe von 300 Eu­ro zu. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des LSG und in Übe­rein­stim­mung mit der An­sicht des Be­klag­ten ist der Zu­schlag ein­deu­tig und zwin­gend an das zu­ste­hen­de El­tern­geld ge­knüpft. Zwar mag es sinn­voll er­schei­nen, die Erhöhung, die zur Berück­sich­ti­gung der bei Mehr­lings­ge­bur­ten be­ste­hen­den be­son­de­ren Be­las­tung der El­tern ge­dacht ist (vgl BT-Drucks 16/1889 S 21), für je­den Le­bens­mo­nat der Kin­der nur ein­mal zu gewähren, ei­ne sol­che Aus­le­gung lässt der ein­deu­ti­ge Ge­set­zes­wort­laut je­doch nicht zu.
5. Der Um­fang des Leis­tungs­an­spruchs des Klägers er­gibt sich aus § 4 BEEG. Dar­in ist ge­re­gelt:
(1) El­tern­geld kann in der Zeit vom Tag der Ge­burt bis zur Voll­endung des - 12 -
14. Le­bens­mo­nats des Kin­des be­zo­gen wer­den. Für an­ge­nom­me­ne Kin­der und Kin­der iS des § 1 Abs 3 Nr 1 kann El­tern­geld ab Auf­nah­me bei der be­rech­tig­ten Per­son für die Dau­er von bis zu 14 Mo­na­ten, längs­tens bis zur Voll­endung des ach­ten Le­bens­jah­res des Kin­des be­zo­gen wer­den.(2) El­tern­geld wird in Mo­nats­beträgen für Le­bens­mo­na­te des Kin­des ge­zahlt. Die El­tern ha­ben ins­ge­samt An­spruch auf zwölf Mo­nats­beträge. Sie ha­ben An­spruch auf zwei wei­te­re Mo­nats­beträge, wenn für zwei Mo­na­te ei­ne Min­de­rung des Ein­kom­mens aus Er­werbstätig­keit er­folgt. Die El­tern können die je­wei­li­gen Mo­nats­beträge ab­wech­selnd oder gleich­zei­tig be­zie­hen.(3) Ein El­tern­teil kann höchs­tens für zwölf Mo­na­te El­tern­geld be­zie­hen. Le­bens­mo­na­te des Kin­des, in de­nen nach § 3 Abs 1 oder 3 an­zu­rech­nen­de Leis­tun­gen zu­ste­hen, gel­ten als Mo­na­te, für die die be­rech­tig­te Per­son El­tern­geld be­zieht. ...
a) Eben­so wie sich die An­spruchs­be­rech­ti­gung nach § 1 Abs 1 BEEG auf ein be­stimm­tes Kind be­zieht, ist der Be­zugs­zeit­raum auf Le­bens­mo­na­te des Kin­des aus­ge­rich­tet. Dar­aus er­gibt sich für den er­ken­nen­den Se­nat, dass je­der El­tern­teil für je­des Kind die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für El­tern­geld erfüllen kann und ihm dann grundsätz­lich - zu­sam­men mit dem an­de­ren El­tern­teil - für die ers­ten 14 Le­bens­mo­na­te des be­tref­fen­den Kin­des - un­ter Berück­sich­ti­gung von zwei Part­ner­mo­na­ten - bis zu 14 Mo­nats­beträge El­tern­geld zu­ste­hen. Da­bei kann er al­lein für die­ses Kind höchs­tens zwölf Mo­nats­beträge er­hal­ten. Für El­tern von Mehr­lin­gen gilt in­so­weit nichts an­de­res. § 2 Abs 6 BEEG sieht bei Mehr­lings­ge­bur­ten le­dig­lich ei­ne Erhöhung des El­tern­gel­des für das zwei­te und je­des wei­te­re Kind vor, ver­drängt je­doch nicht ei­nen auf Ein­kom­mens­er­satz ge­rich­te­ten El­tern­geld­an­spruch für Mehr­lings­kin­der. Ein mehr­fa­cher Ein­kom­mens­aus­gleich für den­sel­ben Be­rech­tig­ten wird durch § 3 Abs 2 BEEG aus­ge­schlos­sen. Für die­ses Ge­set­zes­verständ­nis sind fol­gen­de Erwägun­gen maßge­bend:
aa) We­der in § 1 noch in § 4 BEEG fin­den sich Son­der­re­ge­lun­gen für Mehr­lings­kin­der. Der Ge­set­zes­wort­laut be­zieht sich je­weils auf ein be­stimm­tes Kind (§ 1 Abs 1 Nr 2 BEEG: "mit sei­nem Kind in ei­nem Haus­halt"; § 1 Abs 1 Nr 3 BEEG: "die­ses Kind selbst be­treut"; § 4 Abs 1 S 1 BEEG: "bis zur Voll­endung des 14. Le­bens­mo­nats des Kin­des"; § 4 Abs 2 S 1 BEEG: "für Le­bens­mo­na­te des Kin­des"). § 2 Abs 6 BEEG be­trifft dem Wort­laut nach nur die Höhe des zu-ste­hen­den El­tern­gel­des.
bb) Auch aus der Ge­set­zes­ent­wick­lung ist nicht ab­zu­lei­ten, dass Zwil­lings­el­tern nur ei­nen El­tern­geld­an­spruch für höchs­tens 14 Le­bens­mo­na­te er­hal­ten sol­len.
Ab dem 1.1.2007 ist das Bun­des­el­tern­geld an die Stel­le des Bun­des­er­zie­hungs­gel­des ge­tre­ten, das von im We­sent­li­chen übe­rein­stim­men­den Vor­aus­set­zun­gen abhängig war (§ 1 Abs 1 Bun­des­er­zie­hungs­geld­ge­setz - BErzGG - vom 6.12.1985, BGBl I 2154). In der ursprüng­li­chen Fas­sung des § 3 Abs 1 BErzGG war un­ter der Über­schrift "Zu­sam­men­tref­fen von Ansprüchen" ge­re­gelt, dass Er­zie­hungs­geld - un­abhängig von der Zahl der be­treu­ten Kin­der - nur ein­mal an ei­ne Per­son gewährt wird (vgl da­zu BSG Ur­teil vom 16.2.1989 - 4 REg 6/88 - BS­GE 64, 296, 298 ff = SozR 7833 § 3 Nr 1 S 2 ff). Die­se Be­stim­mung lässt er­ken­nen, dass es der Ge­setz­ge­ber als er­for­der­lich an­ge­se­hen hat, die Leis­tungs­gewährung aus­drück­lich zu be­schränken,
weil sonst bei Erfüllung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen durch meh­re­re Per­so­nen für meh­re­re Kin­der auch ent­spre­chend vie­le Ansprüche be­ste­hen würden (vgl da­zu BT-Drucks 10/3926 S 2; BT-Drucks 10/3792 S 15 f; BT-Drucks 10/4039 S 2).
§ 3 Abs 1 S 2 BErzGG wur­de dann durch Ge­setz vom 30.6.1989 (BGBl I 1297) mit Wir­kung ab 1.7.1989 da­hin geändert, dass für je­des nach dem 30.6.1989 ge­bo­re­ne Kind Er­zie­hungs­geld gewährt wer­de, falls in ei­nem Haus­halt meh­re­re Kin­der be­treut und er­zo­gen würden (vgl da­zu BT-Drucks 11/4708 S 3 und 5; BT-Drucks 11/4776 S 3). Die­se Re­ge­lung war zwar nach der Grund­kon­zep­ti­on des BErzGG an sich ent­behr­lich, dien­te je­doch mit Blick auf die zu­vor be­ste­hen­de Ein­schränkung der Klar­stel­lung. Zu die­ser Vor­schrift hat das BSG ent­schie­den, dass es sich beim Er­zie­hungs­geld für Zwil­lings­kin­der nicht um ei­nen ein­heit­li­chen, son­dern um zwei ge­trenn­te Ansprüche han­delt, die für je­des Kind ein­zeln zu be­rech­nen sind (vgl BSG Ur­teil vom 30.3.2006 - B 10 EG 5/05 R - SozR 4-7833 § 3 Nr 1 Rd­Nr 15).
Den Ge­setz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en zum BEEG lässt sich ent­neh­men, dass je­der El­tern­teil ei­nen El­tern­geld­an­spruch für ein Kind er­hal­ten soll­te (vgl BT-Drucks 16/1889 S 15 f, 23). Die Ab­sicht ei­ner An­spruchs­be­gren­zung bei Mehr­lin­gen ist nicht er­kenn­bar. Viel­mehr soll­te bei Mehr­lings­ge­bur­ten die be­son­de­re Be­las­tung der El­tern berück­sich­tigt wer­den (vgl BT-Drucks 16/1889 S 21). Erst in der Be­gründung zur Einführung des Be­treu­ungs­gel­des (§§ 4a ff BEEG idF des Ge­set­zes vom 15.2.2013, BGBl I 254) kommt zum Aus­druck, dass die Ver­fas­ser da­von aus­ge­hen, beim El­tern­geld sei in Fällen von Mehr­lings­ge­bur­ten ein Mehr­lings­zu­schlag, je­doch kei­ne mehr-fa­che Leis­tungs­gewährung vor­ge­se­hen (vgl BT-Drucks 17/9917 S 10). Aus die­ser nicht näher be­gründe­ten Be­mer­kung las­sen sich nach Auf­fas­sung des Se­nats kei­ne zwin­gen­den Schlüsse auf die Aus­le­gung des Ge­set­zes zie­hen.
cc) Ei­ne sys­te­ma­ti­sche Be­trach­tung spricht eben­falls für das Aus­le­gungs­er­geb­nis des Se­nats.
Auch der Be­klag­te geht da­von aus, dass bei kur­zer Ge­bur­ten­fol­ge (auf­grund er­neu­ter Schwan­ger­schaft) und bei ei­ner während des El­tern­geld­be­zu­ges er­folg­ten Auf­nah­me ei­nes wei­te­ren Kin­des in den Haus­halt zum Zwe­cke der An­nah­me als Kind (§ 1 Abs 3 Nr 1 BEEG) grundsätz­lich ein neu­er El­tern­geld­an­spruch für zwölf bzw 14 Le­bens­mo­na­te des Kin­des ent­steht. Die Re­ge­lung des § 2 Abs 6 BEEG reicht nicht aus, um bei Mehr­lin­gen - oh­ne ein­deu­ti­ge Be­schränkung des An­spruchs­um­fangs - ei­ne ab­wei­chen­de Hand­ha­bung zu recht­fer­ti­gen. Denn die­se Vor­schrift be­trifft auch im Hin­blick auf ih­re Einfügung in § 2 BEEG al­lein die Höhe des An­spruchs. So­weit der Be­klag­te in Ad­op­ti­onsfällen die zeit­glei­che Erfüllung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für meh­re­re Kin­der ei­ner Mehr­lings­ge­burt gleich­be­han­deln will, fin­det dies im gel­ten-den Recht kei­ne hin­rei­chen­de Stütze.
Der Mehr­lings­zu­schlag eig­net sich schon des­halb nicht für ei­ne tragfähi­ge sys­te­ma­ti­sche Aus­le­gung, weil er als sol­cher eher ei­ne Fehl­kon­struk­ti­on ist. Sei­ne An­bin­dung an den El­tern­geld­an-
spruch führt da­zu, dass er in ei­nem Le­bens­mo­nat der Mehr­lin­ge dop­pelt gewährt wird, für den bei­de El­tern­tei­le El­tern­geld be­an­spru­chen, ob­wohl die el­ter­li­che Be­las­tung, die der Zu­schlag berück­sich­ti­gen soll, in die­sen Mo­na­ten si­cher nicht dop­pelt so groß ist wie in an­de­ren Le­bens­mo­na­ten. Ei­ne wort­laut­ge­treue An­wen­dung des § 2 Abs 6 BEEG führt auch zu ei­ner sach­wid­ri­gen Bes­ser­stel­lung von Mehr­lings­el­tern ge­genüber El­tern, die na­he­zu zeit­gleich meh­re­re Kin­der zum Zwe­cke der An­nah­me als Kind in den Haus­halt auf­neh­men (§ 1 Abs 3 Nr 1 BEEG) und ent­spre­chend eben­falls er­heb­li­che Be­las­tun­gen zu bewälti­gen ha­ben.
Zwar be­stimmt § 15 Abs 2 S 3 BEEG aus­drück­lich, dass bei meh­re­ren Kin­dern der An­spruch auf El­tern­zeit für je­des Kind be­steht, auch wenn sich die Zeiträume im Sin­ne des Sat­zes 1 (bis zur Voll­endung des drit­ten Le­bens­jah­res des Kin­des) über­schnei­den. Aus dem Feh­len ei­ner ent­spre­chen­den Re­ge­lung für das El­tern­geld kann nach Auf­fas­sung des Se­nats nicht der Schluss ge­zo­gen wer­den, dass bei meh­re­ren Kin­dern nicht gleich­zei­tig meh­re­re El­tern­geld­ansprüche be­ste­hen können. Ab­ge­se­hen da­von, dass der Be­klag­te die­se An­sicht oh­ne­hin nur bei Mehr­lin­gen, nicht aber bei kur­zer Ge­bur­ten­fol­ge ver­tritt, ob­wohl § 15 Abs 2 S 3 BEEG in­so­weit nicht un­ter­schei­det, kann die­se Vor­schrift zwang­los als klar­stel­len­de Re­ge­lung ver­stan­den wer­den. Sie trägt da­bei dem Um­stand Rech­nung, dass man Zeit an sich nicht mehr­fach gleich­zei­tig er­hal­ten kann, während dies bei Geld­leis­tun­gen oh­ne Wei­te­res möglich ist. Da­bei dient § 15 Abs 2 S 3 BEEG in ers­ter Li­nie da­zu, die Über­tra­gung von sich über­schnei­den­den El­tern­zeit­an­tei­len auf an­de­re Zeiträume zu ermögli­chen (vgl § 15 Abs 2 S 4 BEEG).
Mehr­fa­che El­tern­geld­ansprüche bei Mehr­lings­kin­dern wi­der­spre­chen auch sonst nicht der Sys­te­ma­tik des BEEG. Ein mehr­fa­cher Ein­kom­mens­er­satz für den­sel­ben Be­rech­tig­ten wird durch § 3 Abs 2 BEEG aus­ge­schlos­sen. Die­ser lau­tet :
So­weit Be­rech­tig­te an Stel­le des vor der Ge­burt des Kin­des er­ziel­ten Ein­kom­mens aus Er­werbstätig­keit nach der Ge­burt an­de­re Ein­nah­men er­zie­len, die nach ih­rer Zweck­be­stim­mung die­ses Ein­kom­men aus Er­werbstätig­keit ganz oder teil­wei­se er­set­zen, wer­den die­se Ein­nah­men auf das für das er­setz­te Ein­kom­men zu-ste­hen­de El­tern­geld an­ge­rech­net, so­weit letz­te­res den Be­trag von 300 Eu­ro über-steigt; die­ser Be­trag erhöht sich bei Mehr­lings­ge­bur­ten um je 300 Eu­ro für das zwei­te und je­des wei­te­re Kind. ...
Da­nach wird bei der be­rech­tig­ten Per­son auch das dem Ein­kom­mens­er­satz die­nen­de El­tern­geld für das ers­te Kind auf das El­tern­geld für das zwei­te Kind in der Wei­se an­ge­rech­net, dass in­so­weit nur der erhöhte Ba­sis­be­trag ver­bleibt. § 3 Abs 1 Nr 4, Abs 2 BEEG idF vom 10.9.2012 (BGBl I 1878) sieht dies jetzt auch aus­drück­lich vor. Mit­hin er­hal­ten El­tern von Dril­lin­gen, die bei­de zur Be­treu­ung der Kin­der ih­re Er­werbstätig­keit un­ter­bre­chen, ma­xi­mal nur je­weils ein El­tern­geld mit Ein­kom­mens­er­satz, während sie für die ers­ten 14 Le­bens­mo­na­te des drit­ten Kin­des zu­sam­men ma­xi­mal nur 14 Mo­nats­beträge in Höhe des erhöhten Ba­sis­be­tra­ges be­an­spru­chen können.
dd) Sch­ließlich ent­spricht die Auf­fas­sung des er­ken­nen­den Se­nats auch dem Sinn und Zweck des El­tern­gel­des. - 15 -
Ziel des El­tern­gel­des ist es vor al­lem, Fa­mi­li­en bei der Si­che­rung ih­rer Le­bens­grund­la­ge zu un­terstützen, wenn sich die El­tern vor­ran­gig um die Be­treu­ung ih­rer Kin­der kümmern (vgl BT-Drucks 16/1889 S 2; BT-Drucks 16/2454 S 2). Je­der be­treu­en­de El­tern­teil, der sei­ne Er­werbstätig­keit un­ter­bricht oder re­du­ziert, soll ei­nen an sei­nem in­di­vi­du­el­len Ein­kom­men ori­en­tier­ten Aus­gleich für die fi­nan­zi­el­len Ein­schränkun­gen im ers­ten Le­bens­jahr des Kin­des er­hal­ten (vgl BT-Drucks 16/1889 S 2, 15; BT-Drucks 16/2454 S 2). Durch die Be­treu­ung des Kin­des sol­len die El­tern kei­ne all­zu großen Ein­kom­mens­ein­bußen fürch­ten müssen (vgl BT-Drucks 16/10770 S 5 f). Das El­tern­geld soll in­so­weit die Wahl­frei­heit zwi­schen Fa­mi­lie und Be­ruf stärken und rich­tet sich im Kern an Er­werbstäti­ge, die durch die Be­treu­ung ei­nes Kin­des ei­nem Bruch in der Er­werbs­bio­gra­phie aus­ge­setzt sind bzw Ein­kom­mens­ein­bußen hin­zu­neh­men ha­ben (BSG Ur­teil vom 15.12.2011 - B 10 EG 1/11 R - SozR 4-7837 § 4 Nr 3 Rd­Nr 40).
Der An­spruch auf El­tern­geld setzt ins­be­son­de­re vor­aus, dass der je­wei­li­ge El­tern­teil ei­ne vor der Ge­burt aus­geübte vol­le Er­werbstätig­keit re­du­ziert oder auf­gibt und der Er­zie­hung und Be­treu­ung sei­nes Kin­des in­so­weit Vor­rang ge­genüber der Er­werbstätig­keit einräumt. Das El­tern­geld un­terstützt El­tern, die sich im ers­ten Le­bens­jahr des Neu­ge­bo­re­nen vor­ran­gig der Be­treu­ung ih­res Kin­des wid­men, bei der Si­che­rung ih­rer Le­bens­grund­la­ge. Denn die Ent­schei­dung, das ei­ge­ne Kind in ei­nem Maße zu be­treu­en, das über das hin­aus geht, das bei vol­ler Er­werbstätig­keit möglich ist, bringt El­tern in ei­ne be­son­de­re La­ge. Mütter und Väter, die der Be­treu­ung ih­res Kin­des ge­genüber der Er­werbstätig­keit Vor­rang einräum­en, ha­ben im Hin­blick auf ih­re in­di­vi­du­el­le wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on und späte­re Möglich­kei­ten der Da­seins­vor­sor­ge bei ty­pi­sie­ren­der Be­trach­tung schlech­te­re Chan­cen als wei­ter voll er­werbstäti­ge El­tern. Das El­tern­geld bie­tet des­halb be­treu­en­den El­tern für die Frühpha­se der El­tern­schaft ei­ne Leis­tung, die ih­nen ih­re ei­ge­ne wirt­schaft­li­che Ab­si­che­rung auch auf Dau­er er­leich­tert (BT-Drucks 16/1889 S 18).
Das El­tern­geld ist da­her in ers­ter Li­nie als Ein­kom­mens­er­satz­leis­tung aus­ge­stal­tet. Es ver­folgt das Ziel, das Ein­kom­men, das auf­grund der Be­treu­ung und Er­zie­hung des Kin­des ausfällt, zu er­set­zen. Bei der Be­mes­sung des El­tern­gel­des knüpft das BEEG an das in den zwölf Ka­len­der­mo­na­ten vor dem Mo­nat der Ge­burt des Kin­des durch­schnitt­lich er­ziel­te mo­nat­li­che Er­werbs­ein­kom­men an (hier­zu vgl BSG Ur­teil vom 18.8.2011 - B 10 EG 8/10 R - Ju­ris Rd­Nr 29 ff). Aus­nah­men von die­ser Ein­kom­mens­er­satz­funk­ti­on stel­len der Ba­sis­be­trag von 300 Eu­ro (§ 2 Abs 5 BEEG), der Ba­sis­ge­schwis­ter­bo­nus von 75 Eu­ro (§ 2 Abs 4 S 1 aE BEEG) so­wie der Mehr­lings­zu­schlag (§ 2 Abs 6 BEEG) dar (vgl da­zu BSG Ur­teil vom 15.12.2011 - B 10 EG 1/11 R - SozR 4-7837 § 4 Nr 3 Rd­Nr 39).
Es ist zwar rich­tig, wenn der Be­klag­te dar­auf hin­weist, dass bei meh­re­ren Kin­dern nur der Be­treu­ungs­auf­wand, aber nicht der Ein­kom­mens­ver­lust des ver­sor­gen­den El­tern­teils größer wird. Da­bei wird je­doch un­berück­sich­tigt ge­las­sen, dass das BEEG, an­ders als das BErzGG (vgl § 3 Abs 1 S 1 BErzGG), nicht nur ei­nem El­tern­teil, son­dern bei­den El­tern­tei­len die Möglich­keit bie­tet, ei­nen Aus­gleich für den durch Be­treu­ung der Kin­der ent­ste­hen­den Ein­kom­mens­ver­lust in
An­spruch zu neh­men. Ha­ben die El­tern zu­sam­men nur höchs­tens 14 Mo­nats­beträge zur Verfügung, ver­brau­chen sie die­se al­ler­dings bei gleich­zei­ti­ger In­an­spruch­nah­me ent­spre­chend schnel­ler. Können sie bei Zwil­lin­gen für je­des Kind grundsätz­lich 14 Mo­nats­beträge be­an­spru­chen, sind sie in der La­ge, den vom BEEG be­ab­sich­tig­ten Ein­kom­mens­aus­gleich ent­spre­chend länger zu nut­zen. Im Hin­blick auf die bei Zwil­lin­gen be­ste­hen­de stärke­re Be­las­tung steht die­se Aus­wir­kung mit dem Sinn und Zweck des El­tern­gel­des im Ein­klang.
Zwar mag man be­zwei­feln, ob bei die­ser Aus­ge­stal­tung die zusätz­li­che Gewährung ei­nes Mehr­lings­zu­schla­ges ge­bo­ten er­scheint. Der Se­nat hält es je­doch nicht für möglich, § 2 Abs 6 BEEG so aus­zu­le­gen, dass der Mehr­lings­zu­schlag le­dig­lich für Le­bens­mo­na­te zu zah­len ist, für die nur ei­nem El­tern­teil El­tern­geld zu­steht. Denn die Möglich­keit ei­ner dop­pel­ten Leis­tungs­er­brin­gung ist durch die aus­drück­lich ge­re­gel­te An­bin­dung an den El­tern­geld­an­spruch zwangsläufig be­dingt (vgl § 4 Abs 2 S 4 BEEG). Ei­ne Kor­rek­tur bleibt in­so­weit dem Ge­setz­ge­ber vor­be­hal­ten.
b) Ge­mes­sen an die­sem Verständ­nis des § 4 BEEG hat das LSG den zeit­li­chen Um­fang des Leis­tungs­an­spruchs des Klägers zu­tref­fend be­stimmt. Die da­ge­gen ge­rich­te­ten Re­vi­sio­nen der Be­tei­lig­ten sind in­so­weit un­be­gründet.
Da die Ehe­frau des Klägers für die ers­ten zwölf Le­bens­mo­na­te von E. El­tern­geld be­an­sprucht hat, steht dem Kläger El­tern­geld für den 13. und 14. Le­bens­mo­nat die­ses Kin­des zu (§ 4 Abs 1 S 1, Abs 2 BEEG). In Be­zug auf R. hat das LSG dem Kläger - über die vom Be­klag­ten be­wil­lig­ten acht Mo­nats­beträge (zwei­ter bis neun­ter Le­bens­mo­nat) hin­aus - zu Recht nur El­tern­geld für ei­nen wei­te­ren Le­bens­mo­nat zu­ge­spro­chen. Für die­ses Kind kann der Kläger höchs­tens neun Mo­nats­beträge er­hal­ten, weil sei­ner Ehe­frau gemäß § 4 Abs 3 S 2 BEEG be­reits fünf Mo­nats­beträge zwin­gend zu­zu­rech­nen sind. Die­ser ha­ben nämlich in den ers­ten fünf Le­bens­mo­na­ten der Kin­der nach be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten für die Zeit des Beschäfti­gungs­ver­bo­tes Dienst­bezüge zu­ge­stan­den (§ 3 Abs 1 BEEG). Wie der Se­nat be­reits ent­schie­den hat, kommt es - ent­ge­gen der An­sicht des Klägers - im Rah­men des § 4 Abs 3 S 2 BEEG nicht dar­auf an, ob die Ehe­frau des Klägers für die be­tref­fen­den Le­bens­mo­na­te von R. tatsächlich El­tern­geld be­an­sprucht hat; viel­mehr reicht die in­so­weit be­ste­hen­de An­spruchs­be­rech­ti­gung aus (vgl BSG Ur­teil vom 26.5.2011 - B 10 EG 12/10 R - SozR 4-7837 § 4 Nr 2 Rd­Nr 22 ff). Zwar er­folgt nach § 3 Abs 1 S 4 BEEG ei­ne tag­ge­naue An­rech­nung der Leis­tun­gen bei Mut­ter­schaft auf das El­tern­geld, die Zu­ord­nung von Mo­na­ten nach § 4 Abs 3 S 2 BEEG rich­tet sich je­doch nach dem Le­bens­mo­nats­prin­zip, be­trifft al­so gan­ze Le­bens­mo­na­te des Kin­des (vgl BSG aaO Rd­Nr 29 ff). Für Mehr­lin­ge hat der Ge­setz­ge­ber in­so­weit kei­ne ab­wei­chen­de Re­ge­lung ge­trof­fen.
6. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 193 SGG. Das LSG hat den Be­klag­ten zur Er­stat­tung von zwei Drit­teln der außer­ge­richt­li­chen Kos­ten des Klägers für das Kla­ge- und Be­ru­fungs­ver­fah­ren ver­pflich­tet. Nach dem Er­geb­nis des Be­ru­fungs­ver­fah­rens war die­se Kos­ten­quo­te nicht ge­recht­fer­tigt, da der Kläger in An­be­tracht der strei­ti­gen Beträge vor dem LSG nur et­wa zur Hälf­te ob­siegt hat. Un­ter Berück­sich­ti­gung der dem Kläger darüber hin­aus vom Se­nat zu­ge­spro- - 17 -
che­nen Beträge ist ei­ne Kos­ten­er­stat­tung zu zwei Drit­teln al­ler­dings an­ge­mes­sen, zu­mal der Kläger mit sei­nem Haupt­an­lie­gen er­folg­reich ge­we­sen ist.	m.hensche.de
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