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Timestamp: 2019-11-19 18:14:52
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Matched Legal Cases: ['§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 97']

Rückzahlung Witwenrente (Sozialrecht) - frag-einen-anwalt.de
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Rückzahlung Witwenrente
| 29.03.2006 23:27 |
Ich wurde im Januar 2002 Witwe und habe 2 Kinder. Bei der Witwenrentenbeantragung legte ich u.a. einen Ausbildungsvertrag meines Sohnes 1 vor. Der Sohn 2 ist noch Schüler. In den folgenden Monaten kamen packenweise Rentenberechnungen für 3 Personen, entweder Krankenkassenerhöhung oder Rentenerhöhung und Gott weiß noch was ins Haus geflattert. Ich habe dann nur noch die letzte Seite nachgesehen, wie hoch nun die Witwenrente ist.
Die Halbwaisenrentenzahlung des Sohnes 1 wurde ordnungsgemäß von der BfA zum Ende der Lehrzeit 1. Aug. 2002 eingestellt.
Was ich nicht beachtet habe ist folgendes: Die BfA hat weiterhin 2 halbwaisenberichtigte Kinder bei der Witwenrentenberechnung berücksichtigt.
Im Okt. 2005 erhielt ich ein Schreiben von der BfA zwecks Rückzahlung von ca. 2000 €uro. Daraufhin legte ich Widerspruch ein, mit der Begründung, dass die BfA den Fehler begangen hat, da sie ja von der Beendigung der Ausbildung von Sohn 1 wußte, da er ja keine Halbwaisenrente mehr bekam.
Die BfA schrieb dann, dass ich dann nur noch 1000 € zurückzahlen müßte.
Auch hier wurde ein Widerspruch eingereicht. Nach mehreren Monaten Überprüfung seitens der BfA teilte sie jetzt mit, dass der Widerspruch abgelehnt wurde und ich die Hälfte (also 1000 Euro zu zahlen haben, die BfA trägt die andere Hälfte) oder ich kann Widerspruch einlegen bei dem Sozialgericht.
Da ich das Geld ausgegeben habe (ist ja logisch)kann ich diesen Betrag nicht zurückzahlen. Die Bfa bietet auch Ratenzahlung an.
Die Frage: Wie stehen die Chancen vor dem Sozialgericht?
Nachdem die BfA versehentlich weiterhin zwei halbwaisenberichtigte Kinder bei der Witwenrentenberechnung berücksichtigt hat, obwohl die Voraussetzungen hierfür ab dem 01.08.2002 weggefallen sind, und deshalb zu Ihren Gunsten ein höherer Freibetrag angesetzt wurde, handelt es sich im vorliegenden Fall um die Rücknahme eines rechtswidrigen begünstigenden Verwaltungsaktes.
Dass die Behörde hier einen Fehler begangen hat, führt allerdings nicht automatisch dazu, dass Sie deswegen das Geld behalten dürfen. Vielmehr kommt es im Wesentlichen auf die Frage an, ob Sie auf den Bestand des Verwaltungsakts vertrauen durften.
Maßgeblich ist hier § 45 des zehnten Sozialgesetzbuchs (SGB X).
Nach dieser Vorschrift genießen Sie Vertrauensschutz insbesondere dann, wenn Sie als „Begünstigte erbrachte Leistungen verbraucht oder eine Vermögensdisposition getroffen“ haben, die Sie „nicht mehr oder nur unter unzumutbaren Nachteilen rückgängig machen“ können (§ 45 Abs. 2 Satz 2 SGB X).
Da von Ihnen nunmehr nur noch die Hälfte der Überzahlung zurückverlangt und Ratenzahlung in Aussicht gestellt wird, könnte es hier je nach Ihren Einkommens- Vermögens- und sonstigen Lebensumständen an der Unzumutbarkeit fehlen.
Für die Rücknahme des Verwaltungsakts für die Vergangenheit gilt ein strengerer Maßstab.
Gemäß § 45 Abs. 4 Satz 2 SGB X hätte die BfA bereits innerhalb eines Jahres seit Kenntnis der Tatsachen, welche „die Rücknahme eines rechtswidrigen begünstigenden Verwaltungsaktes für die Vergangenheit rechtfertigen“, tätig werden müssen. Der Wegfall der Halbwaisenrente des älteren Sohnes war der Behörde aber offensichtlich schon seit 2002 bekannt, so dass die Rücknahme nach dem Wortlaut dieser Vorschrift bereits aus diesem Grund unzulässig war.
Allerdings reicht die bloße Kenntnis der Tatsachen nach neuerer (allerdings uneinheitlicher) Rechtsprechung nicht aus, sondern es wird vielfach vertreten, dass die Behörde auch die fehlerhafte Rechtsanwendung erkennen muss, um den Lauf der Jahresfrist in Gang zu setzen (so BSG 60, 240; BSG 62, 108).
Gemäß § 45 Abs. 4 Satz 1 SGB X kann der Vertrauensschutz rückwirkend nur dann versagt werden, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen.
In Ihrem Fall kommt dabei nur die Alternative des § 45 Abs. 2 Satz 3 Nr. 3 SGB X in Betracht, nämlich wenn Sie „die Rechtswidrigkeit des Verwaltungsaktes kannte(n) oder infolge grober Fahrlässigkeit nicht kannten; grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn der Begünstigte die erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt hat.“
Diese Einschränkung beruht auf dem Gedanken, dass derjenige, der die Fehlerhaftigkeit eines Bescheides ohne besondere Mühe erkennen konnte, auch mit der Rücknahme rechnen muss.
Hierbei kommt es zum Einen auf die persönlichen Umstände und Fähigkeiten des Betroffenen an, zum Anderen auf die Nachvollziehbarkeit des Verwaltungsakts.
Sie schildern selbst, dass die Bescheide sehr umfangreich waren, weswegen der Fehler in der Berechnung eher schwer zu erkennen war, zumal es sich bei der Ermittlung des Freibetrags nach § 97 Abs. 2 Satz 2 SGB VI um eine sachlich untergeordnete, aber in der Berechnung komplizierte Angelegenheit handelt.
Zu einer umfassenden Überprüfung des Verwaltungsakts anhand der beigefügten Begründung oder unter Verwendung zusätzlicher Erkenntnismittel ist der Bürger aber in der Regel nur verpflichtet, wenn offensichtlicher Anlass zu Zweifeln besteht, etwa wenn ein zuerkannter Betrag ungewöhnlich hoch ist, was bei Ihnen so nicht der Fall ist.
Jedenfalls kann ich hier nicht erkennen, dass Sie Ihre Sorgfalt in besonders schwerer Weise verletzt hätten, bzw. einfachste, naheliegende Überlegungen nicht angestellt hätten.
Insgesamt schätze ich die Erfolgsaussichten für eine Klage vor dem Sozialgericht (beachten Sie die Frist von einem Monat ab Zustellung des Widerspruchsbescheids!) daher eher positiv ein.
"Herzlichen Dank für Ihre schnelle Hilfe. Ich kann leider nicht, aus welchen Gründen auch immer, Ihnen hier eine weitere Frage stellen. Deswegen habe ich Ihnen eine E-Mail geschickt. Danke. "