Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F22-06-2007-U_225-2006
Timestamp: 2016-10-28 23:48:53
Document Index: 292944277

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 137', 'BGE', 'Art. 137', 'BGE']

U 225/06 (22.06.2007)
U.________, 1955, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Dr. Reza Shahrdar, Rechtsberater & Treuh�nder, Dynamostrasse 2, 5400 Baden,
vom 29. M�rz 2006.
U.________, geboren 1955, war seit 1. April 2003 bei der Q.________ AG als Schreiner angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Im September 2003 versp�rte er beim Anheben einer Geschirrsp�lmaschine einen stechenden und einschiessenden Schmerz in der Lendenwirbels�ule. Danach begab er sich in �rztliche Behandlung und blieb der Arbeit zwei bis drei Tage fern. Am 14. November 2003 rutschte er auf dem untersten Tritt der Treppe aus und st�rzte, wobei er mit dem R�cken gegen die Tritte schlug und sich eine Prellung des R�ckens zuzog (Unfallmeldung vom 20. November 2003). In der Folge setzte er mit der Arbeit aus. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Die Q.________ AG k�ndigte das Arbeitsverh�ltnis am 27. Januar 2004 auf den 30. April 2004. Mit Verf�gung vom 8. Juli 2005 stellte die SUVA ihre Leistungen ein, da die Beschwerden nicht mehr unfallbedingt seien. Nebst U.________ erhob auch sein Krankenversicherer Einsprache, welche am 9. August 2005 zur�ckgezogen wurde. Mit Einspracheentscheid vom 18. August 2005 hielt die SUVA an ihrer Verf�gung fest.
Die hiegegen erhobene Beschwerde wies das Versicherungsgericht des Kantons Aargau mit Entscheid vom 29. M�rz 2006 ab.
U.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit dem Begehren, unter Aufhebung des kantonalen Entscheids sei ihm r�ckwirkend eine Rente zu gew�hren. Die SUVA schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Die Vorinstanz hat die Bestimmungen und Grunds�tze �ber die Leistungsvoraussetzungen des nat�rlichen (BGE BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) und des ad�quaten Kausalzusammenhangs (BGE BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181 mit Hinweisen) sowie den erforderlichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit bei Dahinfallen des Kausalzusammenhangs (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen) zutreffend dargelegt. Dasselbe gilt f�r die Anforderungen an einen �rztlichen Bericht (BGE 125 V 351 E. 3 S. 352 mit Hinweisen). Darauf wird verwiesen.
3.1 Mit nachtr�glicher Eingabe vom 20. Oktober 2006 r�gt der Versicherte, auf das Gutachten des Dr. med. A.________, Facharzt f�r Neurochirurgie, k�nne nicht abgestellt werden, da es sich bei diesem Arzt um einen mehrfach verurteilten Verbrecher handle. Allerdings spezifiziert er dessen angebliche Verfehlungen nicht weiter, sondern macht lediglich eine Verletzung der Abkl�rungs- und Sorgfaltspflicht seitens der SUVA durch unterlassene Abkl�rung der Integrit�t des Gutachters sowie weitere allgemeine Vorw�rfe bez�glich der Auswahl von Gutachterstellen und eine weit verbreitete Ausl�nderfeindlichkeit geltend. Seine Behauptungen belegt er mit dem Ausdruck zweier Eintr�ge einer Mailingliste. Mit Eingabe vom 27. November 2006 reicht er einen Zeitungsartikel ein, welcher sich allgemein kritisch �ber �rztliche Expertisen �ussert.
3.2 Nach Ablauf der Rechtsmittelfrist k�nnen - ausser im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels - keine neuen Akten mehr eingebracht werden. Vorzubehalten ist der Fall, dass solche Aktenst�cke neue erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel im Sinne von Art. 137 lit. b OG darstellen und als solche eine Revision des Gerichtsurteils rechtfertigen k�nnten (BGE 127 V 353; vgl. auch Urteil I 600/00 vom 10. Dezember 2001 E. 1b und seither ergangene Urteile).
3.3 Die vom Versicherten eingereichten Unterlagen sind nicht geeignet, seine Behauptungen zu belegen und damit eine allf�llige erhebliche Tatsache im Sinne von Art. 137 lit. b OG nachzuweisen. Insbesonders hat er auch nicht dargelegt, inwiefern es sich bei seinen Behauptungen um neue Tatsachen handelt, deren Geltendmachung ihm bei Erhebung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht m�glich war. Auf die Vorbringen gem�ss seinen Eingaben vom 20. Oktober und 27. November 2006 ist demnach nicht weiter einzugehen.
Das R�ntgeninstitut X.________ hielt am 26. April 1991 auf der H�he L4/5 eine m�ssiggradige konzentrische Bandscheibenprotrusion, linksseitig mediolateral im �bergangsbereich zu einer sehr kleinen Hernie und dadurch umschriebene geringf�gige ventrale Eindellung des Thekalsackes sowie eine geringf�gige Bandscheibeprotrusion L5/S1 fest.
Das Institut f�r diagnostische und interventionelle Radiologie, Spital Y.________, kam am 30. September 1998 zum Schluss, im Vergleich zu den Aufnahmen von 1991 bestehe eine deutliche Zunahme des Befundes. Aktuell sei eine ausgedehnte paramediane linksseitige Diskushernie mit Kompression des Spinalnerves S1 nachgewiesen.
Dr. med. T.________, Facharzt f�r Neurochirurgie, diagnostizierte am 30. Dezember 2003 ein lumbovertebrogenes und lumboradikul�res Schmerzsyndrom, die Wurzel L5 links betreffend, bei grosser medianer paramedianer Diskushernie L4/5 links. Seit ca. zehn Jahren klage der Versicherte �ber rezidivierende Lumbalgien, die seit f�nf Jahren zugenommen h�tten. Nach dem Sturz vom 14. November 2003 h�tten sich die Schmerzen verst�rkt mit Ausstrahlung �ber den Oberschenkel lateral bis in die Grosszehe links sowie Gef�hlsst�rungen und Schw�chegef�hl im linken Bein. Auf Grund der klinischen Befunde und des neuroradiologischen Befundes habe er eine Operation vorgeschlagen.
Die neurochirurgische Klinik, Spital Y.________, hielt am 16. Januar 2004 ein lumboradikul�res Schmerz- und sensomotorisches Ausfallsyndrom L5 links bei paramedianer linksgelegener Diskushernie L4/5 fest. Es seien seit Jahren Lumbalgien bekannt, die in den letzten 4 � Jahren zugenommen h�tten. Seit dem 14. November 2003 h�tten sich die lumbalen Schmerzen verst�rkt. Eine Woche sp�ter sei es zur Ausstrahlung in den dorsolateralen Oberschenkel sowie den lateralen Unterschenkel bis zur Grosszehe gekommen. Aktuell habe er keine Schmerzen in den Beinen. Es sei ihm auf Grund des neurologischen Befundes eine Operation empfohlen worden.
Dr. med. U.________, Facharzt f�r Innere Medizin, bei welchem er von August 1998 bis September 2003 in Behandlung war, berichtete am 5. M�rz 2004, der Versicherte sei im Mai 1999 wieder beschwerdefrei gewesen. Radikul�re Zeichen h�tten sich keine nachweisen lassen. Im M�rz 2001 habe er angegeben, nur wenig unter R�ckenbeschwerden zu leiden. Wegen einer akuten immobilisierenden Lumbago habe er am 14. September 2003 den Notfallarzt aufsuchen m�ssen. Erneut h�tten keine radikul�ren Zeichen festgestellt werden k�nnen.
Der Kreisarzt hielt am 19. April 2004 ein motorisches Ausfallsyndrom L5 und lumboischialgieforme Schmerzen bei paramedianer linksseitiger Diskushernie L4/5 links und schon lange belasteter Anamnese mit Exzerbation nach einem Kontusionstrauma des R�ckens am 4. (recte: 14.) November 2003 fest. Auf Grund des klaren klinischen Befundes sei die Indikation zur Operation gegeben. Im Zusammenhang mit dem versicherten Trauma sei es teilurs�chlich zu einer Verschlimmerung gekommen. Die SUVA �bernehme in solchen F�llen den Beschwerdeschub; nach einem Jahr stelle sich die Frage der Terminierung.
Die Rehaklinik Z.________, wo der Versicherte von 16. Juni bis 12. August 2004 z.T. station�r behandelt wurde, diagnostizierte in ihrem Austrittsbericht vom 27. August 2004 ein lumboradikul�res sensomotorisches Ausfallsyndrom L5 links bei Sturz mit LWS-Kontusion am 14. November 2003, Diskushernie paramedian L4/5 links und vorbestehenden degenerativen Ver�nderungen mit rezidivierenden Kreuzschmerzen. Die bisherige Arbeit sei nicht mehr zumutbar. F�r andere T�tigkeiten bestehe zur Zeit keine verwertbare Arbeitsleistung. Auch nach ausf�hrlicher Aufkl�rung unter Beizug von seiner Muttersprache sprechenden �rzten wolle er keine invasiven Massnahmen. Mit konservativen Massnahmen k�nne keine Verbesserung erreicht werden.
Am 20. Oktober 2004 ordnete der Kreisarzt eine Abkl�rung zur Zumutbarkeit der Operation an. Die SUVA stellte am 10. Februar 2005 dem Versicherten den Fragekatalog an den - zwischenzeitlich aus der SUVA ausgeschiedenen - Gutachter Dr. med. A.________ zu. Am 14. Februar 2005 liess dieser vier Zusatzfragen einreichen.
Am 28. April 2005 hielt Dr. med. P.________, Facharzt f�r Radiologie und diagnostische Neurologie, im Vergleich zu den Aufnahmen vom 2. Dezember 2003 fehlende Anhaltspunkte f�r eine segmentale Instabilit�t lumbal, eine eingeschr�nkte segmentale Beweglichkeit auf der H�he L4/5 und L5/S1, im Verlauf weitgehende Regredienz der bekannten medianen Diskushernie L4/5 mit nur noch diskreter, medianer Restprotrusion ohne neurokompressive Wirkung, eine im Verlauf leichte Regredienz der bereits vorbestehenden deutlichen Osteochondrosen mit Deck- und Bodenplattenver�nderungen auf der H�he L4/5 sowie eine Facettengelenkarthrose m�ssiger Auspr�gung auf den unteren beiden lumbalen Segementen fest.
Dr. med. A.________ diagnostizierte in seinem Gutachten vom 29. April 2005 ein chronifiziertes sensomotorisches distalbetontes lumboradikul�res Reiz- und Ausfallsyndrom L5 links bei nicht mehr nachweisbarer medianer Diskushernie L4/5 und Status nach radiologisch nachgewiesener mediolateraler Diskushernie L4/5 links mit entsprechendem klinischen Korrelat. Das Trauma vom 14. November 2003 sei zuwenig heftig gewesen, um eine traumatische Diskushernie auszul�sen. Die Beschwerden in Form einer Lumboischialgie seien nicht sofort, sondern erst sp�ter aufgetreten. Zudem sei der Versicherte vor dem Sturz beschwerdefrei gewesen, was bei seiner Vorgeschichte als stummer Vorzustand zu interpretieren sei. In der Regel w�rden die Beschwerden einer R�ckenprellung maximal sechs Wochen bis drei Monate bestehen. Sp�testens drei Monate nach dem Vorfall sei der status quo sine erreicht worden. Die anl�sslich eines geschilderten weiteren Ereignisses (Strecken im Bett) aufgetretene Symptomatik der bereits 1998 dargestellten Diskushernie habe jene der R�ckenprellung �berdeckt und sich chronifiziert. Ob die weiteren Begleitumst�nde (Ehe- resp. Scheidungs- und wirtschaftliche Probleme) mitgespielt h�tten, sei psychiatrisch abzukl�ren. Die Zumutbarkeit der Operation sei von wenig Relevanz, da der krankhafte Befund vorbestanden habe und der Sturz nicht geeignet gewesen sei, eine traumatische Diskushernie auszul�sen. Die Indikation f�r eine Operation bzw. der im Dezember 2003 beschriebene Befund stehe in keinem nat�rlichen Kausalzusammenhang mit dem Sturz vom 14. November 2003.
5.1 Der Versicherte macht in seiner Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend, die Ansicht des Dr. med. A.________ sei nur eine unter vielen. Der Gutachter gehe entgegen dem Ablauf nur von einem "wenig heftigen Sturz" aus und �bersehe, dass die Beschwerden sofort eingetreten seien. Im �brigen macht er sinngem�ss geltend, er sei weiterhin arbeitsunf�hig und die Vorinstanz habe seine Argumente kaum zur Kenntnis genommen, geschweige denn widerlegt. Abschliessend verlangt er weitere Abkl�rungen.
5.2 Das Gutachten des Dr. med. A.________ erf�llt die beweisrechtlichen Anforderungen an einen medizinischen Bericht: Es beruht auf s�mtlichen Vorakten, ber�cksichtigt die geklagten Beschwerden und die darin gezogenen Schl�sse sind nachvollziehbar und einl�sslich begr�ndet. Dabei ist anzumerken, dass sich Dr. med. A.________ nebst den eigenen auch auf die aktuellen Befunde des Dr. med. P.________ abst�tzte. Insbesondere legt Dr. med. A.________ �berzeugend dar, dass das Ereignis vom 14. November 2003 zu wenig heftig f�r die Verursachung einer traumatischen Diskushernie war und die am 14. November 2003 zugezogene Kontusion in der Folge durch die manifest gewordenen Auswirkungen der vorbestehenden Diskushernie �berlagert wurde. Seiner Schlussfolgerung, wonach die noch bestehenden Beschwerden nicht mehr auf den Sturz vom 14. November 2003 zur�ckzuf�hren seien, ist somit zu folgen. Daran �ndert auch die Tatsache nichts, dass sich die aktenkundigen R�ckenprobleme - mit Ausnahme des Vorfalles vom September 2003 - in den Jahren vor diesem Ereignis nicht auf die Arbeitsf�higkeit ausgewirkt haben und damit - wie Dr. med. A.________ zu Recht vermerkt - ein stummer Vorzustand gegeben war. Mit der Vorinstanz kann aus dieser beschwerdefreien Zeit nicht darauf geschlossen werden, s�mtliche R�ckenbeschwerden seien auf den Sturz vom 14. November 2003 zur�ckzuf�hren; denn dies k�me der - im unfallversicherungsrechtlichen Bereich untauglichen - Formel "post hoc ergo propter hoc", nach welcher eine gesundheitliche Sch�digung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist, gleich (BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 341; vgl. auch Urteile U 254/06 vom 6. M�rz 2007 E. 5.1 oder U 413/04 vom 29. M�rz 2005 E. 2.1). In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass der Beweis des Wegfalls des nat�rlichen Kausalzusammenhangs nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden muss. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (vgl. Urteil U 345/04 vom 18. Oktober 2005 E. 2.2 mit Hinweisen). Auch stellt die Ansicht des Dr. med. A.________ nicht nur eine Meinung unter vielen dar; vielmehr steht diese in Einklang mit den massgeblichen Einsch�tzungen der �brigen �rzte. Auch wurde der Versicherte seit dem 14. November 2003 mehrfach durch Neurochirurgen behandelt (Dr. med. T.________, Neurochirurgische Klinik des Spitals Y.________), sodass gegen die Begutachtung durch einen Neurochirurgen nichts einzuwenden ist. Schliesslich ging auch der Kreisarzt davon aus, dass die durch den Sturz vom 14. November 2003 teilweise verschlimmerten Beschwerden nach einer gewissen Zeit (1 Jahr) abklingen und der Fall abzuschliessen sei.