Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/kein-feststellungsinteresse-wegen-amtshaftung-317746
Timestamp: 2020-07-04 09:35:13
Document Index: 117411323

Matched Legal Cases: ['§ 131', '§ 99', '§ 19', '§ 116', '§ 131', '§ 131', '§ 131', '§ 78', '§ 78']

Kein Feststellungsinteresse wegen Amtshaftung | Rechtslupe
Kein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se wegen Amts­haf­tung
Die Absicht, eine Amts­haf­tungs­kla­ge gegen den beklag­ten Ver­si­che­rungs­trä­ger zu erhe­ben, kann ein berech­tig­tes Inter­es­se an der Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit eines erle­dig­ten Ver­wal­tungs­akts nicht begrün­den, wenn die Erle­di­gung bereits vor Kla­ge­er­he­bung ein­ge­tre­ten ist. In einem sol­chen Fall ist der Adres­sat des erle­dig­ten Ver­wal­tungs­akts gehal­ten, unmit­tel­bar den gege­be­nen Zivil­rechts­weg zu beschrei­ten [1]. Dies gilt nach einem Urteil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Baden-Würt­tem­berg auch im sozi­al­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren.
Nach § 131 Abs. 1 Satz 3 SGG spricht das Sozi­al­ge­richt auf Antrag durch Urteil aus, dass der Ver­wal­tungs­akt rechts­wid­rig ist, wenn er sich durch Zurück­nah­me oder anders erle­digt hat und der Klä­ger ein berech­tig­tes Inter­es­se an der Fest­stel­lung hat. Die Zulas­sung die­ser Kla­ge­art, die nicht den Vor­aus­set­zun­gen der Kla­ge­än­de­rung nach § 99 Abs. 1 SGG unter­liegt [2], dient der Pro­zess­öko­no­mie; damit soll ver­hin­dert wer­den, dass ein Klä­ger, der infol­ge eines erle­di­gen­den Ereig­nis­ses sei­nen ursprüng­li­chen, den Streit­ge­gen­stand kenn­zeich­nen­den Antrag nicht wei­ter­ver­fol­gen kann, um die Früch­te der bis­he­ri­gen Pro­zess­füh­rung gebracht wird [3]. In die­sem Rah­men geht es dem­nach um die (dekla­ra­to­ri­sche) Klä­rung der Fra­ge, ob der nicht mehr wirk­sa­me und auch nicht mehr rück­gän­gig zu machen­de Ver­wal­tungs­akt recht­mä­ßig oder rechts­wid­rig war [4].
Ein für die­se Fest­stel­lung vor­aus­ge­setz­tes schutz­wür­di­ges Inter­es­se kann recht­li­cher, wirt­schaft­li­cher oder auch ideel­ler Art sein. Ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se kommt damit in Betracht bei Prä­ju­di­zia­bi­li­tät, d. h., wenn die Ent­schei­dung in einem ande­ren strei­ti­gen Rechts­ver­hält­nis bedeut­sam sein kann [5], Scha­dens­in­ter­es­se, Reha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se sowie Wie­der­ho­lungs­ge­fahr [6].
Ein sol­ches Fest­stel­lungs­in­ter­es­se sah das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg im vor­lie­gen­den Fall jedoch nicht mehr als gege­ben an: Eine Wie­der­ho­lungs­ge­fahr schei­tert bereits dar­an, dass die Klä­ge­rin nicht mehr im Leis­tungs­be­zug der Beklag­ten steht, letz­te­re mit­hin für die Gewäh­rung noch zu bean­tra­gen­der Leis­tun­gen zur För­de­rung der beruf­li­chen Wei­ter­bil­dung nicht mehr zustän­dig wäre. Auch für das Vor­lie­gen eines Reha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­ses erge­ben sich kei­ne Anhalts­punk­te. Die Klä­ge­rin kann sich letzt­lich auch nicht mit Erfolg dar­auf beru­fen, die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge die­ne der Vor­be­rei­tung eines beab­sich­tig­ten Amts­haf­tungs­pro­zes­ses gegen die Beklag­te:
Hat sich der Ver­wal­tungs­akt – wie hier – bereits vor Kla­ge­er­he­bung erle­digt, genügt die Absicht, eine Amts­haf­tungs­kla­ge zu erhe­ben, nicht. In einem sol­chen Fall ist der Adres­sat des erle­dig­ten Ver­wal­tungs­akts gehal­ten, unmit­tel­bar den gege­be­nen Zivil­rechts­weg zu beschrei­ten, denn in die­sem Fall kommt der Grund­satz der Pro­zess­öko­no­mie wegen des Feh­lens eines bereits anhän­gi­gen Pro­zes­ses nicht zum Tra­gen [7].
Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg Urteil vom 24. März 2010 – L 13 AL 3303/​06
BVerw­GE 81,226[↩]
vgl. BSG, SozR 4100 § 19 Nr. 5; SozR 3 – 1500 § 116 Nr. 6[↩]
vgl. BVerw­GE 81, 226, 228; 89, 354, 355[↩]
vgl. BVerw­GE 26, 161, 166[↩]
vgl. hier­zu BSGE 42, 212, 218 m.w.N.; Kel­ler in Mey­er-Lade­wi­g/­Kel­ler/­Leit­he­rer, SGG, 9. Aufl. 2005, § 131 Rdnr. 10d ff.[↩]
vgl. zum Gan­zen BSG SozR 4 – 1500 § 131 Nr. 3 m.w.N.[↩]
Kel­ler in Mey­er-Lade­wi­g/­Kel­ler/­Leit­he­rer, SGG, 9. Aufl. 2005, § 131 Rdnr. 10h unter Hin­weis auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts [BVerw­GE 81, 226]; eben­so LSG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 12.02.2008 – L 12 AL 57/​05[↩]
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