Source: https://anwalt-kg.de/reiserecht/
Timestamp: 2019-11-14 11:10:48
Document Index: 65268834

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Reiserecht | KRAUS GHENDLER RUVINSKIJ
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Häufige Fragen zur Prüfung durch einen Reiseanwalt
Wenn Ihr Flug Verspätung hat, stehen Ihnen unter folgenden Voraussetzungen Entschädigungsansprüche zu:
Flug aus der EU /in die EU, wenn die Airline einen europäischen Sitz hat
Verspätung von drei Stunden oder mehr
Die Airline ist verantwortlich ( keine „außergewöhnlichen Umstände)
Sind diese Voraussetzungen gegeben, stehen Ihnen im Regelfall nicht nur Entschädigungs- sondern auch weitere Ansprüche zu. So können Sie bereits nach zwei Stunden die Bereitstellung von Verpflegung durch die Airline fordern. Dies kann im Falle einer Verschiebung auf den nächsten Tag also auch die Unterbringung in einem Hotelbedeuten. Ist Ihr Flug mehr als fünf Stunden verspätet, haben Sie zusätzlich die Möglichkeit, anstelle einer Beförderung den Ticketpreis zurückzuverlangen.
Der Entschädigungsanspruch berechnet sich je nach Entfernung der Flughäfen voneinander. Nutzen Sie unseren Entfernungsrechner, um die Höhe Ihres Anspruchs zu bestimmen.
Strecke ≤ 1500 km = 250 Euro pro Person
Strecke >1500 km – 3500 km = 400 Euro pro Person
Strecke < 5000 km = 600 Euro pro PersonIm Falle einer Flugverspätung von mehr als drei Stunden, können Sie folgende Schritte unternehmen, um eine Anspruchsdurchsetzung zu fördern:
Lassen Sie sich den Verspätungsgrund durch die Fluggesellschaft bescheinigen (möglichst noch vor Ort, nicht selten gibt es hierfür sogar Vordrucke der Airline)
Merken Sie sich Ihre Flugnummer und heben Sie entsprechende Belege auf (auch die der Ihnen entstandenen Kosten)
Tauschen Sie Kontaktdaten mit anderen betroffenen Passagieren aus (wird diesen oder Ihnen eine Entschädigung zugesprochen oder beruft die Airline sich gegenüber den anderen Passagieren auf andere „außergewöhnliche Umstände“, können Sie voneinander profitieren)
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Leider kommt es auch immer wieder vor, dass ein Flug ersatzlos gestrichen wird. In diesem Fall sitzt der Passagier auf dem Abflughafen fest. Die Airline ist verpflichtet, den Passagier schnellstmöglich über eine Annullierung zu informieren. Ist dies geschehen, so haben Sie als Fluggast zunächst ein Wahlrecht zwischen unterschiedlichen Optionen:
Alternative Beförderung zum Ziel (egal ob per Flugzeug oder durch ein anderes Verkehrsmittel)
Zeitnaher Rückflug zum Ausgangspunkt der gesamten Reise
Außerdem stehen Ihnen im Falle einer Information, die erst am Flughafen erfolgt ist, Ansprüche auf Versorgungsleistungen zu. Neben diesen Ansprüchen besteht zusätzlich der Entschädigungsanspruch von bis zu 600 Euro pro Person, wenn folgende Voraussetzungen vorliegen:
Flug aus der EU oder in die EU / Sitz der Fluggesellschaft in der EU
Information über die Annullierung weniger als 14 Tage vor Abflug
Pünktliches Erscheinen am Check-In
Verantwortlichkeit der Airline (Keine „außergewöhnlichen Umstände)
Wenn nur Ersatzflüge angeboten werden, die innerhalb der geläufigen Annullierungsfristen zu früh oder zu spät fliegen
Ansprüche entstehen damit nur, wenn der Ausfall 14 Tage oder weniger vor dem Abflug kommuniziert wurde. Bietet die Airline einen passenden Alternativflug an, muss dieser bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um eine Entschädigungszahlung zu begründen:
Annullierung und Benachrichtigung 7 -14 Tage vor Abflug
à mehr als 2 Stunden früher/ mehr als 4 Stunden später
Annullierung und Benachrichtigung weniger als 7 Tage vor dem Abflug
à mehr als 1 Stunde früher/ mehr als 2 Stunden später
Eine Vorverlegung des Fluges um mehrere Stunden entfaltet die gleichen Wirkungen wie eine Annullierung. Schließlich gebe die Airline damit ihre ursprüngliche Planung auf, was einer Annullierung gleich kommt, entschied der BGH (BGH-Urteil vom 9. Juni 2015, Az.: X ZR59/14).
Deswegen gelten auch hier die Zumessungskriterien für die Höhe des Entschädigungsanspruchs:
Strecke < 5000 km = 600 Euro pro Person
In jedem Fall können Sie Maßnahmen vornehmen, die es Ihnen und uns erleichtern, Ihre Ansprüche im Nachhinein geltend zu machen:
Fordern Sie eine schriftliche Bestätigung der Annullierung, sowie der zugrundeliegenden Gründe von der Fluggesellschaft (hierfür gibt es oft vorgefertigte Formulare)
Merken Sie sich Ihre Flugnummer, heben Sie Belege auf
Tauschen Sie gegebenenfalls mit anderen betroffenen Passagieren Kontaktdaten aus, deren Fortschritt in der Sache kann auch den Gang Ihres Verfahrens fördern
Gelegentlich kommt es vor, dass Reisende von der Fluggesellschaft oder dem Reiseanbieter unfreiwillig auf einen anderen Flug umgebucht werden. Grund hierfür können andere Flugausfälle, Überbuchungen oder anderweitige Verspätungen sein.
Auch hier entstehen Ihnen unter folgenden Voraussetzungen Entschädigungsansprüche, sofern die Umbuchung zu einer entsprechenden Verspätung führt. Dies wird als Nichtbeförderung verstanden.
Flug aus der EU oder in die EU, wenn der Sitz der Airline in der EU ist
Die Umbuchung ist der Grund dafür, dass sie drei oder mehr Stunden verspätet am Zielort ankommen
Rechtzeitiges Erscheinen am Check-In
Die Airline ist verantwortlich für die Umbuchung/die daraus resultierende Verspätung (keine „außergewöhnlichen Umstände“
KEIN kostenloser/reduzierter Tarif, der für die Öffentlichkeit weder mittel- noch unmittelbar verfügbar ist
Erfahren Sie erst am Flughafen von der Umbuchung, stehen Ihnen in diesem Fall zusätzlich Verpflegungsansprüche zu. Es ist nicht notwendig, pünktlich am Check-In-Schalter zu erscheinen, wenn die Airline bereits zuvor unmissverständlich deutlich gemacht hat, dass eine Beförderung auf diesem Flug nicht erfolgt. ( BGH Az.: X ZR 34/14) Wenn der für Sie gebuchte Alternativflieger mehr als fünf Stunden später als der von Ihnen ursprünglich gebuchte Flug geht, können Sie außerdem vom Flug zurücktreten und den Ticketpreis erstattet verlangen.
Auch hier sind die Entschädigungszahlungen nach Entfernung gestaffelt:
Ihre Rechte bei Geschäftsreisen
Sie haben eine Geschäftsreise gemacht? Ihr Flug wurde gestrichen, umgebucht oder sogar annulliert? Sie waren dadurch erheblichem Stress und Unannehmlichkeiten ausgesetzt?
Nun heißt es, etwaige Entschädigungsansprüche stehen wenn überhaupt Ihrem Unternehmen und nicht Ihnen zu?
Falsch! Wir klären Sie hier über Ihre Rechte auf und warum gerade Ihnen als Arbeitnehmer eine Entschädigungszahlung zusteht.
Hat Ihr Flug eine Verspätung von über drei Stunden oder wurde er gestrichen, gelten die Bestimmungen aus unseren Beiträgen zu Flugverspätung und Flugannullierung auch für Sie. Ihr Arbeitnehmer hat den Flug gebucht und bezahlt? Das spielt keine Rolle. Sie sind Berechtigter nach der Fluggästeverordnung. Sinn und Zweck dieser Verordnung, war es, den Passagier selbst zu schützen- nicht etwa das Unternehmen.
Außerdem haben Sie auch als Geschäftsreisender bereits ab einer zweistündigen Verspätung den obligatorischen Anspruch auf Versorgungsleistungen durch die Airline.
Wie bereits durch uns erläutert, ist Ihr Entschädigungsanspruch unabhängig davon, ob Sie den Flug separat oder im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben.
Insoweit können wir deswegen auf die Beiträge zu Flugverspätung, Flugannullierung und Flugumbuchungverweisen.
Jedoch stehen Ihnen als Pauschalurlauber noch andere Ansprüche zu als dem „normalen“ Flugpassagier.
Änderung der Flugzeiten durch den Veranstalter:
Hat der Pauschalreisende erst sein Gesamtpaket gebucht und ändert der Veranstalter dann im Nachhinein die Flugzeiten, steht dem Passagier ein Recht zu, auf die vertraglich vereinbarten Abflugzeiten zu bestehen ( BGH Urteil vom 10.12.2013, Az.: X ZR 24/13).
Der BGH hatte hier festgestellt, dass Klauseln in den AGB, die anderes behaupten, unzulässig sind.
à Notwendig ist es hier, der Änderung schriftlich zu widersprechen
à Wichtig ist es, deutlich zu machen, dass Sie – sofern Sie nicht zu den ursprünglich gebuchten Konditionen reisen können- Mehrkosten und Schadensersatz verlangen und den Preis mindern werden
à Sofern eine Anpassung nicht vorgenommen wird, können Sie
Dem Veranstalter daraus entstehende Kosten in Rechnung stellen ODER
Einen anderen Flug zu buchen und dem Veranstalter die Rechnung schicken
Berufen Sie sich bei der Geltendmachung Ihrer Rechte auf das Urteil des Bundesgerichtshofs (s.o.)
Sofern Sie als Passagier weniger als 14 Tage vor Ihrem Abflug über die Änderung informiert werden, können Sie außerdem Entschädigungsansprüche aus der EU-Richtlinie ( EG 261/2004) geltend machen. Zu den Voraussetzungen hierfür, lesen Sie unsere Informationen über Flugumbuchungen.
Sollte der Flieger, mit dem Sie Ihren Pauschalurlaub antreten, mehr als drei Stunden Verspätung haben oder sogar ausfallen, entstehen Ihnen die Entschädigungsrechte, die auch anderen Passagieren entstehen. (s. Hier Ihre Rechte bei Flugverspätung, Ihre Rechte bei Flugausfall)
Zusätzlich haben Sie als Pauschalreisender folgende Rechte gegenüber dem Veranstalter:
Minderung des Reisepreises anhand der „Frankfurter Tabelle“ ( ab der 5. Stunde 5% des anteiligen Tagespreises)
ACHTUNG: Die Minderung des Reisepreises kann nicht NEBEN einer Entschädigungszahlung durch die Fluggesellschaft geltend gemacht werden. Ist dies der Fall, wird der Betrag, den die Airline zahlt auf den Anspruch gegen den Reiseveranstalter angerechnet
Reiseveranstalter muss zusätzliche Kosten bis zu einer Höhe von 5.499 € übernehmen
Sie sollten den Reiseveranstalter – nicht die Airline – unverzüglich über die Verspätung informieren und sich eine schriftliche Bestätigung dieser geben lassen.
Reiserücktritt nach gravierender Flugverspätung
Wenn die Verspätung Ihres Fluges die gesamte Reiseleistung stark beeinträchtigt, haben Sie das Recht, von der Reise zurückzutreten. Wenn Sie zum Beispiel einen Flug haben, der Sie zu Ihrem Kreuzfahrtschiff bringen soll und das Schiff aufgrund Ihrer Verspätung ohne Sie ablegt, können Sie von der Reise zurücktreten.
Sollte Ihnen als Pauschalreisendem das Gepäck abhanden kommen, können Sie sich eine Grundausstattung auf Kosten des Reiseveranstalters zulegen. Hier gilt es, Bescheidenheit zu zeigen und die Belege zu verwahren, sowie Ihre Reklamation durch Dritte und schriftlich dokumentieren zu lassen. Außerdem können Sie einen Teil des Reisepreises zurückverlangen. Zwischen 5 und 30 % des Reisetagespreises können Sie pro Tag ohne Ihr Gepäck zurückverlangen.
Das Rail & Fly -Ticket
Viele Reiseunternehmer bieten an, dass in der gebuchten Reise auch die Anfahrt zum Flughafen mit der Bahn enthalten ist. Hat der Veranstalter ein solches Angebot gemacht, muss er sich auch die Verspätung der Bahn zurechnen lassen. Der BGH entschied hierzu, dass der Bahnhoftransfer im Einzelfall als eigene Leistung des Veranstalters zu sehen sei (Urteil vom 28.10.2010, Az.: Xa ZR 46/10). Deswegen muss der Veranstalter für Kosten aufkommen, die dadurch entstehen, dass der Zug zum Flug Verspätung hatte oder ausfiel, wodurch der Flieger verpasst wurde.
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