Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Inkassogesellschaft-Tech-Mediafinanz-will-mehrfache-Gebuehr-bei-gleichem-Hoster--f292353.html
Timestamp: 2018-03-18 13:44:43
Document Index: 58919554

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 2', '§ 280', '§ 4', '§ 2', '§ 280', '§ 11', '§ 4', '§ 2', '§ 280']

Zusammenfassung: Inkassokosten fallen nach RDGEG und RDG in Verbindung mit dem RVG an. Wer in Verzug gerät, hat spätestens ab der zweiten Mahnung auch die Kosten zu tragen.
Hallo ich habe zwischenzeitlich die Beträge nicht zahlen können, da ich meine Logindaten fürs Online Banking nicht zurHand hatte. Die ausstehenden Beträge sind nun alle beglichen.
Es wurde keine Adresse ermittelt, demnach scheint mir schon alleine die Wertgebühr von 66,90 Euro als zu hoch.
Ein Kostenschlüssel liegt nicht vor - auch nicht im Anhang der Mail.
Ich habe nun drei mal am 26.10.2016 folgendendes Schreiben erhalten (1 pro Rechnung):
wie wir Ihnen bereits per Brief vom 11.10.2016 mitgeteilt haben, hat uns die Firma netcup GmbH am 10.10.2016 mit dem Einzug einer offenen Forderung beauftragt. Sie schulden unserem Mandanten aus
Vertrag über Dienstleistung vom 22.02.2014, Rechnung vom 20.08.2016
einen Betrag in Höhe von 35,88 EUR. Die genaue Zusammensetzung der Grundforderung und Mahnkosten unseres Mandanten entnehmen Sie bitte der beigefügten Aufstellung. Leider haben Sie auf unsere Mahnung vom 11.10.2016 nicht reagiert. Um weitere Kosten zu vermeiden, fordern wir Sie auf, die ausstehende Summe zzgl. der aufgelaufenen Verzugskosten umgehend zu begleichen.
Grundforderung unseres Mandanten (Gegenstandswert f. Inkassogebühren): 35,88 EUR
bisherige Mahnkosten unseres Mandanten: 7,50 EUR
Direktzahlung an unseren Mandanten: -35,88 EUR
Inkassogebühren § 4 Abs. 5 RDGEG i.V.m. §§ 2, 13, Nr. 2300 VV RVG i.V.m. §§ 280, 286 BGB: 49,50 EUR
Inkassoauslagen § 4 Abs. 5 RDGEG i.V.m. §§ 2, 13, Nr. 7002 VV RVG i.V.m. §§ 280, 286 BGB: 9,90 EUR
noch offener Gesamtbetrag (Stand: 26.10.2016): 66,90 EUR
Der geltend gemachte Betrag in Höhe von 66,90 EUR ist innerhalb der nächsten 4 Tage unter Angabe des Aktenzeichens 411438453 auf unser unten stehendes Konto zu zahlen.
Tesch mediafinanz GmbH, Abteilung Mahnbescheid
Ich gehe davon aus, dass Sie die Gebührenrechnung zahlen müssen.
Dem von Ihnen mitgelieferten Schreiben nach zu urteilen, ist dies die zweite Mahnung nach Nichtzahlung. Die Forderung ist wohl fällig (Zeitablauf/Zahlungsaufforderung und zwei Wochen Frist). § 11a RDG enthält noch weitere Informationspflichten, die auf den ersten Blick aber ebenfalls eingehalten wurden.
Mit der Tätigkeit des Inkassodienstes fallen Gebühren an, die wie im Schreiben aufgeführt aus § § 4 Abs. 5 RDGEG i.V.m. §§ 2, 13, Nr. 2300 VV RVG i.V.m. §§ 280, 286 BGB resultieren. Gefordert wird hier das 1,1fache der Gebühr von 45 € oder 49,50 €. Die Gebühr liegt damit unter der Grenze der Nr. 2300 VV RVG (nämlich unter 1,3fach). Auch die Auslagen sind mit einer Pauschale von 20% aus 49,50 € oder 9,90 € nach Nr. 7002 VV zum RVG korrekt berechnet und zulässig.
Es tut mir leid, Ihnen keine andere Einschätzung geben zu können, aber Sie werden zahlen müssen oder Sie riskieren einen Prozess, den Sie hochwahrscheinlich verlieren würden.
Nachfrage vom Fragesteller	08.11.2016 | 00:13
Danke für Ihre Antwort Herr Pieperjohanns,
ich habe die erste, von der Inkasso erwähnte Mahnung nicht erhalten.
Der Betrag wurde, wie auch im obigen Inkassotext dargestellt, zwischenzeitlich beglichen.
Somit müssten hier Gebühren für einfache Schreiben gemäss RVG VV Nr. 2301 zum Tragen kommen, die sich wie folgt berechnen:
(Grundlage Wertgebühren: http://www.juraforum.de/ratgeber/gebuehrenrecht-der-rechtsanwaelte/rvg-rechtsanwaltsgebuehren-tabelle-ab-01082013 )
3 Verträge mal 0,3 Wertgebühr (13,50 €) = 40,50 Euro
+ (3 x 9,90 Inkassoauslage) = 29,70 Euro
1. Ist das korrekt oder muss ich die Wertgebühr nur einmalig mit 13,50 ansetzen, da es sich zwar um drei Verträge aber nur einen Gläubiger handelt,
der alle Rechnungen gleichzeitig gestellt hat?
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 08.11.2016 | 09:12
das einfache Schreiben der Nr. 2301 VV zum RVG ist ein als "Schreiben einfacher Art ohne schwierige rechtliche Ausführungen oder größere sachliche Auseinandersetzung" definiert. Eine Mahnung kann damit ein einfaches Schreiben sein. Es kommt darauf an, ob der Betreffende sich im Schreiben oder im Zusammenhang mit dem Schreiben mit sachlichen und rechtlichen Prüfungen beschäftigt hat.
Das ist also eine sehr offene Frage. Es gibt keinen Grundsatz, dass jede Mahnung ein einfaches Schreiben ist. Wie häufig im Recht ist das eine Frage des Einzelfalls und der Risikoabwägung.
Zur Frage der mehrfachen Berechnung: Die Geltendmachung von drei gleich gelagerten Forderungen gegen den selben Schuldner mit gleicher Grundlage dürfte als "eine Sache" im Sinne des RVG zu werten sein. Also nur einmal Gebühren.
Zusammengefasst: Wägen Sie ab, ob Sie sich wegen der Höhe streiten wollen und die Gebührenklage riskieren oder ob Ihnen Ihre Zeit und Ihre Nerven die Zahlung von einer Gebühr wert sind.
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