Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/anreizregulierungsverordnung-331023
Timestamp: 2019-10-21 05:46:47
Document Index: 228432398

Matched Legal Cases: ['§ 20', '§ 25', '§ 6', '§ 25', '§ 9', '§ 21', '§ 10', '§ 4']

Anreiz­re­gu­lie­rungs­ver­ord­nung | Rechtslupe
Anreiz­re­gu­lie­rungs­ver­ord­nung
In zwei Beschlüs­sen hat sich der Kar­tell­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs aktu­ell mit der Regu­lie­rung der Ent­gel­te für die Durch­lei­tung von Elek­tri­zi­tät durch frem­de Strom­net­ze aus­ein­an­der­ge­setzt. Hier­bei han­delt es sich um die ers­ten Ent­schei­dun­gen zur Anreiz­re­gu­lie­rungs­ver­ord­nung vom 29. Okto­ber 2007 (ARegV).
Den recht­li­chen Hin­ter­grund der Ver­fah­ren bil­den die Rege­lun­gen der §§ 20 ff. EnWG. Danach müs­sen Betrei­ber von Ener­gie­ver­sor­gungs­net­zen grund­sätz­lich jeder­mann Netz­zu­gang gewäh­ren, kön­nen hier­für aber ein Ent­gelt ver­lan­gen, des­sen Höhe der Regu­lie­rung durch die Bun­des­netz­agen­tur oder die nach Lan­des­recht zustän­di­gen Behör­den unter­liegt. Ab dem 1. Janu­ar 2009 wer­den die­se Ent­gel­te im Wege der Anreiz­re­gu­lie­rung bestimmt. Dies bedeu­tet, dass die Regu­lie­rungs­be­hör­den nicht mehr ein bestimm­tes Ent­gelt geneh­mi­gen, son­dern den Netz­be­trei­bern nur noch eine Ober­gren­ze für die Gesamt­erlö­se vor­ge­ben. Wenn es den Netz­be­trei­bern gelingt, ihre Kos­ten über die behörd­li­chen Vor­ga­ben hin­aus zu redu­zie­ren, dür­fen sie dar­aus resul­tie­ren­de Gewin­ne behal­ten. Für die Netz­be­trei­ber erge­ben sich dar­aus Anrei­ze zur Sen­kung der Kos­ten.
In den nun­mehr ent­schie­de­nen Fäl­len war es zu Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zwi­schen der Bun­des­netz­agen­tur und den Netz­be­trei­bern dar­über gekom­men, wie ein­zel­ne Vor­schrif­ten der Anreiz­re­gu­lie­rungs­ver­ord­nung über die Bestim­mung der Erlös­ober­gren­zen aus­zu­le­gen sind.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Berech­nun­gen der Bun­des­netz­agen­tur nur teil­wei­se gebil­ligt und ihr im Übri­gen auf­ge­ge­ben, über die Anträ­ge der Netz­be­trei­ber in eini­gen Punk­ten neu zu ent­schei­den.
Bestä­tigt wur­de die Berech­nung des pau­scha­lier­ten Inves­ti­ti­ons­zu­schlags nach § 25 ARegV in Höhe von jähr­lich 1%; das Begeh­ren der Netz­be­trei­ber, die­sen Zuschlag von Jahr zu Jahr anstei­gen zu las­sen (1% für das ers­te Jahr, 2% für das zwei­te Jahr usw.), ist erfolg­los geblie­ben. Als zutref­fend erach­tet wur­de auch die Höhe des ange­setz­ten Zins­sat­zes für Fremd­ka­pi­tal.
In ande­ren Punk­ten konn­ten sich dage­gen die Netz­be­trei­ber durch­set­zen. Ins­be­son­de­re ist bei der Bestim­mung des Aus­gangs­ni­veaus, für das gemäß § 6 Abs. 2 ARegV das Ergeb­nis der Kos­ten­prü­fung der letz­ten Ent­gelt­ge­neh­mi­gung her­an­zu­zie­hen ist, die in der Zwi­schen­zeit ergan­ge­ne höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung zu berück­sich­ti­gen, die ein­zel­ne Bestim­mun­gen über die Kos­ten­prü­fung anders aus­ge­legt hat als die Regu­lie­rungs­be­hör­den. Ent­spre­chen­des gilt bei der Berech­nung des pau­scha­lier­ten Inves­ti­ti­ons­zu­schlags nach § 25 ARegV. Einer Neu­be­rech­nung bedarf auch die Anpas­sung an die all­ge­mei­ne Geld­ent­wer­tung (Infla­ti­on). Hier­bei darf es zwar berück­sich­tigt wer­den, wenn die Ein­stands­prei­se für Netz­be­trei­ber eine ande­re Ent­wick­lung neh­men als die Ver­brau­cher­prei­se. Die nach § 9 Abs. 1 ARegV zusätz­lich vor­ge­se­he­ne Berück­sich­ti­gung eines netz­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­vi­täts­fort­schritts fin­det hin­ge­gen in der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung des § 21a EnWG kei­ne gesetz­li­che Grund­la­ge und ist daher unzu­läs­sig. Des Wei­te­ren ist der Erwei­te­rungs­fak­tor ent­spre­chend § 10 ARegV bereits im ers­ten Jahr der Regu­lie­rungs­pe­ri­ode zu berück­sich­ti­gen.
Schließ­lich hat der Bun­des­ge­richts­hof die – von der Bun­des­netz­agen­tur ange­grif­fe­ne – Rechts­auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf 1 bestä­tigt, dass die Netz­be­trei­ber im Rah­men der Här­te­fall­re­ge­lung des § 4 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 ARegV einen Anspruch auf Anpas­sung der Erlös­ober­gren­zen haben kön­nen, wenn ihre Kos­ten nach dem für die Kos­ten­prü­fung maß­geb­li­chen Jahr 2006 in uner­war­te­tem Aus­maß gestie­gen sind.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 28. Juni 2011 – EnVR 34/​10 und EnVR 48/​10
OLG Düs­sel­dorf, Beschlüs­se vom 24.03.2010 – VI-3 Kart 166/​09 (V), ZNER 2010, 277; und VI-3 Kart 200/​09 (V).[↩]
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