Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/der-abriss-einer-doppelhaushaelfte-318856
Timestamp: 2019-09-15 16:17:54
Document Index: 24026396

Matched Legal Cases: ['§ 903', '§ 903', '§ 10', '§ 907', '§ 16', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Der Abriss einer Dop­pel­haus­hälf­te | Rechtslupe
Der Abriss einer Dop­pel­haus­hälf­te
Dass der Abriss eines ent­lang der Gren­ze benach­bar­ter Grund­stü­cke errich­te­ten Gebäu­des es not­wen­dig macht, ein Gebäu­de auf dem angren­zen­den Grund­stück vor Wit­te­rungs­ein­flüs­sen zu schüt­zen, begrün­det kei­nen Aus­gleichs­an­spruch des Eigen­tü­mers des angren­zen­den Grund­stücks.
Ein Anspruch des Nach­barn gegen den "Abrei­ßer", die Kos­ten für eine Ver­voll­stän­di­gung des Wit­te­rungs­schut­zes der Außen­mau­er des Hau­ses zu tra­gen, besteht nicht. Nach § 903 BGB ist der Eigen­tü­mer einer Sache berech­tigt, mit die­ser nach Belie­ben zu ver­fah­ren. Die Rech­te aus dem Eigen­tum haben nur inso­weit zurück­zu­tre­ten, als das Gesetz oder Rech­te Drit­ter der Aus­übung der Rech­te aus dem Eigen­tum ent­ge­gen­ste­hen (§§ 903 Satz 1, 1004 Abs. 1, Abs. 2, 986 Abs. 1 Satz 1 BGB). Sol­che Rech­te kön­nen sich aus der Gemein­schaft­lich­keit einer Grenz­ein­rich­tung erge­ben1 oder aus dem nach­bar­li­chen Gemein­schafts­ver­hält­nis im wei­tes­ten Sin­ne her­zu­lei­ten sein2. Die Gemein­schaft­lich­keit einer Wand hin­dert nach der zitier­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kei­nen der betei­lig­ten Nach­barn an dem Abriss der Bebau­ung auf sei­nem Grund­stück. Der ein­sei­ti­ge Abriss begrün­det jedoch einen Anspruch auf Schutz der in dem gemein­schaft­li­chen oder nach dem Abriss ehe­mals gemein­schaft­li­chen Eigen­tum ste­hen­den Wand, § 10 Abs. 3 NNach­BG3.
Anders ist es, wenn es sich wie hier bei der Mau­er, um deren Schutz es geht, nicht um eine gemein­schaft­li­che Ein­rich­tung han­delt4. Eine an die Gren­ze gebau­te Mau­er wird von dem bür­ger­li­chen Recht und von dem nie­der­säch­si­schen Nach­bar­rechts­ge­setz nur in dem von §§ 907 ff. BGB, §§ 16 ff. NNach­BG erfass­ten Umfang geschützt. Hier­zu gehört die Bewah­rung des finan­zi­el­len Vor­teils nicht, der sich dar­aus ergibt, dass eine Grenz­wand auf einem Grund­stück so lan­ge kei­nes oder kei­nes voll­stän­di­gen Wit­te­rungs­schut­zes bedarf, wie die­ser Schutz von einer par­al­lel er-rich­te­ten Grenz­wand auf einem Nach­bar­grund­stück gebo­ten wird5.
BGH, Urteil vom 16. April 2010 – V ZR 171/​09
vgl. BGHZ 78, 396, 399, BGH, Urtei­le vom 21.04.1989 – V ZR 248/​87, NJW 1989, 2541; und vom 11.04.2008 – V ZR 158/​07, NJW 2008, 2032 [↩]
vgl. BGHZ 68, 350, 353 f. [↩]
vgl. BGHZ 78, 396, 399 f. [↩]
a.M. OLG Frank­furt MDR 1982, 848 [↩]
OLG Köln, NJW-RR 1987, 529 f. [↩]
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