Source: http://m.hensche.de/Bonuszahlung_billiges-Ermessen_Wahrung_billigen-Ermessens_bei_der_Festsetzung_einer_Bonuszahlung_ArbG_Duesseldorf_6Ca1450-11-u.html
Timestamp: 2017-01-20 18:04:47
Document Index: 1387927

Matched Legal Cases: ['§ 305', '§ 307', '§ 315', '§ 315', '§ 315', '§ 615', '§ 46', '§ 61']

HENSCHE Arbeitsrecht: 6 Ca 1450/11
Bonus, Billiges Ermessen
1. Der Ar­beit­ge­ber hat bei der ein­sei­ti­gen Fest­set­zung ei­ner Bo­nus­zah­lung bil­li­ges Er­mes­sen zu wah­ren. 2. Hat der Ar­beit­ge­ber bei der ein­sei­ti­gen Fest­set­zung ei­ner Bo­nus­zah­lung bil­li­ges Er­mes­sen nicht ge­wahrt, ist der An­spruch durch das Ge­richt zu schätzen.
T a t b e s t a n d : Die Par­tei­en strei­ten zu­letzt noch um die Zah­lung ei­ner va­ria­blen Vergütung für das Geschäfts­jahr 2010, das bei der Be­klag­ten vom 1.11.2009 bis zum 31.10.2010 dau­er­te.
Die Be­klag­te be­treibt als deut­sche Toch­ter­ge­sell­schaft des ame­ri­ka­ni­schen Kon­zerns I. ein Un­ter­neh­men der In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie. Der Kläger ist bei ihr seit dem 1.1.1994 im Be­trieb S., zu­letzt als Di­rek­tor beschäftigt. Er gehört da­mit der Ma­na­ge­r­e­be­ne 3 und der Vergütungs­grup­pe E4B (Pay­le­vel MG3) an. Mit­ar­bei­ter die­ser Ebe­ne neh­men an ei­nem Bo­nus­sys­tem "Pay for Re­sults (PfR)" teil. Der Kläger hat ei­ne Ver­zichts­erklärung un­ter­zeich­net, nach der er un­ter an­de­rem auf die Aus­zah­lung der hier strei­ti­gen Leis­tung zu Guns­ten ei­ner Zu­satz­ver­sor­gung ver­zich­tet (Bl. 26 d. A.).
Nach der vom Kläger vor­ge­leg­ten und von der Be­klag­ten nicht be­strit­te­nen Über­set­zung der eng­lisch­spra­chi­gen Grund­la­gen des Pay for Re­sults-Pro­gramms (Bl. 150 ff. d. A.) kann der tatsächli­che Bo­nus bis zum drei­fa­chen Ziel­bo­nus rei­chen. Der Ziel­bo­nus für den Kläger be­trug un­strei­tig 30 % des Fest­ge­hal­tes, hier 37.689,87 €
Die Be­klag­te stell­te den Kläger im Som­mer 2009 un­ter Fort­zah­lung der Vergütung frei. Der Kläger wand­te sich ge­gen die Frei­stel­lung, das ArbG Düssel­dorf erklärte die Su­s­pen­die­rung für rechts­wid­rig (Ur­teil vom 2.2.2010,7 Ca 6977/09). In der Fol­ge kam es zwi­schen den Par­tei­en zu ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Die Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis am 31.5.2010 frist­los. Die Kündi­gung wur­de zwi­schen­zeit­lich rechts­kräftig für un­wirk­sam erklärt (ArbG Düssel­dorf, 11 Ca 4181/10; LAG Düssel­dorf 16 Sa 83/11).
Der Kläger wur­de im ge­sam­ten Geschäfts­jahr 2010 von der Be­klag­ten nicht beschäftigt. Für ihn sind für das Geschäfts­jahr 2010 auch kei­ne Zie­le be­stimmt wor­den. Für das Geschäfts­jahr zahl­te die Be­klag­te dem Kläger schließlich auch kei­nen Bo­nus nach dem Pay for Re­sults-Pro­gramm.
Er ist der An­sicht, er ha­be An­spruch auf Zah­lung ei­nes Bo­nus für das Geschäfts­jahr 2010 in gel­tend ge­mach­ter Höhe aus dem Pay for Re­sults-Pro­gramm. Je­den­falls fol­ge die­ser An­spruch als Scha­dens­er­satz­an­spruch man­gels Ziel­fest­set­zun­gen durch die Be­klag­te.
Er be­an­tragt, zu er­ken­nen: Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger ei­nen Be­trag i.H.v. 37.689,87 € (brut­to) als Bo­nus für das Geschäfts­jahr 2010 auf Grund­la­ge des Pay for Re­sults-Pro­gramms (Pay for Re­sults Bo­nus) zu zah­len und die­sen Be­trag mit Wir­kung zum 30.11.2010 im We­ge der Ent­gelt­um­wand­lung für den Kläger in die von der Be­klag­ten geführ­te Al­ters- und Zu­satz­ver­sor­gung "Zu­satz­ver­sor­gungs­plan" ein­zu­zah­len und dafür zu ver­wen­den.
Die Be­klag­te be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen, Sie be­haup­tet, das Bud­get für das Pay for Re­sults-Pro­gramm wer­de je­des Jahr neu von der ame­ri­ka­ni­schen Kon­zern­mut­ter fest­ge­legt. Es lie­ge im Er­mes­sen des je­wei­li­gen Vor­ge­setz­ten, wie er das ihm zur Verfügung ste­hen­de Bud­get auf die zu­ge­wie­se­nen Mit­ar­bei­ter ver­tei­le. Der Vor­ge­setz­te ori­en­tie­re sich bei der Ver­tei­lung in ers­ter Li­nie an der persönli­chen Ziel­er­rei­chung im ab­ge­lau­fe­nen Geschäfts­jahr. Die Vor­ge­setz­te des Klägers ha­be ent­schie­den, ihm kei­nen Bo­nus zu­zu­wei­sen, weil 1. das Er­geb­nis im Geschäfts­be­reich nicht zu­frie­den stel­lend ge­we­sen sei, sie 2. un­zu­frie­den mit den persönli­chen Leis­tun­gen des Klägers ge­we­sen sei und 3. das Ver­trau­ens­verhält­nis zum Kläger er­heb­lich gestört ge­we­sen sei in­fol­ge ei­nes nicht zu er­war­ten­den Ver­hal­tens ge­genüber der Geschäfts­lei­tung. Da­bei sei es um ei­ne Nicht­ein­tra­gung von Ur­laubs­ta­gen ge­gan­gen, die auch zur Be­gründung der Kündi­gung her­an­ge­zo­gen wur­de.
Sie ist der An­sicht, dem Kläger ste­he kein Bo­nus­an­spruch zu. Er neh­me zwar an dem Pay for Re­sults-Pro­gramm teil, dies se­he je­doch kei­ne zwin­gen­de Aus­zah­lung ei­nes Bo­nus­be­tra­ges vor. An­spruch auf Aus­zah­lung be­ste­he da­her nicht.
E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e : Die zulässi­ge Kla­ge ist auch be­gründet. I. Der Kläger hat An­spruch auf Zah­lung ei­nes Bo­nus für das Geschäfts­jahr 2010 in gel­tend ge­mach­ter Höhe. Die­ser An­spruch folgt aus den Re­geln des Pay for Re­sults-Pro­gramms in Ver­bin­dung mit der Ent­schei­dung der Be­klag­ten über die Zah­lung die­ses Bo­nus an den Kläger.
1. Un­strei­tig zwi­schen den Par­tei­en ist, dass der Kläger an dem Pay for Re­sults-Pro­gramm der Be­klag­ten teil­nimmt und dies auch schon für das Geschäfts­jahr 2010 galt. Da­mit ist un­strei­tig zwi­schen den Par­tei­en, dass ein An­spruch aus die­sem Pro­gramm für den Kläger für das Geschäfts­jahr 2010 zunächst ge­ne­rell in Be­tracht kommt. Wei­ter ist zwi­schen­zeit­lich zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig, dass das Ar­beits­verhält­nis des Klägers während des ge­sam­ten Geschäfts­jah­res 2010 noch be­stan­den hat.
2. Der Kläger hat be­haup­tet, dass die Ba­sis die­ses Bo­nus 30 % sei­nes Fest­ge­hal­tes aus­macht und dass 30 % sei­nes Fest­ge­hal­tes den Kla­ge­be­trag er­ge­ben. Der Wert von 30 % er­gibt sich zwar nicht aus den von dem Kläger vor­ge­leg­ten und über­setz­ten Re­geln des Pro­gramms, die Be­klag­te ist die­ser Be­haup­tung des Klägers aber nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten. Da­mit ist auch un­strei­tig, dass die Ba­sis des kläge­ri­schen Bo­nus für das Geschäfts­jahr 2010 den Kla­ge­be­trag aus­macht.
3. Aus dem vom Kläger vor­ge­leg­ten Text des Bo­nus­pro­gramms so­wie des­sen eben­falls vom Kläger vor­ge­leg­ter Über­set­zung folgt, dass der kon­kret von der Be­klag­ten fest­zu­set­zen­de tatsächli­che Bo­nus zwi­schen 0 € und dem drei­fa­chen Ba­sis­be­trag be­tra­gen kann. Im Text des Pro­gramms ist zwar die Re­de von "Bo­nus tar­get", bzw. "Ziel­bo­nus". Die Be­klag­te ist aber auch der Dar­stel­lung des Klägers nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten, hier­mit sei­en die 30 % des Fest­ge­hal­tes ge­meint, die der Kläger selbst als Ba­sis be­zeich­net hat.
4. Aus all­dem folgt, dass der Bo­nus des Klägers für das Jahr 2010 zwi­schen 0 € und dem drei­fa­chen Kla­ge­be­trag zu lie­gen hat. Auch die­se Dar­stel­lung des Klägers hat die Be­klag­te nicht be­strit­ten.
a) Nach Dar­stel­lung der Be­klag­ten liegt es im Er­mes­sen des Vor­ge­setz­ten ei­nes Bo­nus­be­rech­tig­ten, ob und in wel­cher Höhe der Bo­nus für ein be­stimm­tes Geschäfts­jahr im Rah­men die­ser Vor­ga­be tatsächlich ge­zahlt wird. Hin­zu kom­me, dass die US-Mut­ter der Be­klag­ten zunächst ein Bud­get für sämt­li­che Bo­nus­zah­lun­gen fest­set­zen müsse. So­fern ein sol­ches Bud­get nicht zur Verfügung ge­stellt wer­de, schei­de ei­neBo­nus­zah­lung von vor­ne­her­ein aus. Der je­wei­li­ge Vor­ge­setz­te ori­en­tie­ren sich für die Fest­set­zung des in­di­vi­du­el­len Bo­nus ei­nes Be­rech­tig­ten an der persönli­chen Ziel­er­rei­chung des Ar­beit­neh­mers, ge­ge­be­nen­falls auch an der La­ge die­ses Ar­beit­neh­mers in­ner­halb ei­nes Ge­halts­ban­des so­wie zusätz­lich auch an so­zia­len Erwägun­gen. Für den Kläger ha­be des­sen Vor­ge­setz­te für das Geschäfts­jahr 2010 ent­schie­den, dass ein Bo­nus nicht ge­zahlt wer­de, weil das Er­geb­nis des Geschäfts­be­rei­ches des Klägers nicht zu­frie­den stel­lend ge­we­sen sei, weil die Be­klag­te un­zu­frie­den mit den persönli­chen Leis­tun­gen des Klägers ge­we­sen sei, und weil schließlich das Ver­trau­ens­verhält­nis zwi­schen dem Kläger und der Be­klag­ten er­heb­lich gestört wor­den sei.
b) Ob die der Bo­nus­ver­ein­ba­rung mit dem Kläger zu­grun­de lie­gen­den Re­geln des Pro­gramms Pay for Re­sults zulässig sind, ins­be­son­de­re ob sie mit den AGB-Vor­schrif­ten in §§ 305 ff. BGB in Übe­rein­stim­mung ste­hen, kann hier zwar be­zwei­felt wer­den, weil ins­be­son­de­re der wohl in eng­li­scher Spra­che ab­ge­fass­te Text nur we­nig kon­kret ist und in­so­fern schon Zwei­fel be­gründet sein könn­te, er sei hin­rei­chend klar und verständ­lich iSd. § 307 Abs. 1 S. 2 BGB. Hier­auf kommt es aber letzt­end­lich nicht an.
c) Denn je­den­falls ist die kon­kre­te Fest­set­zung des tatsächli­chen Bo­nus für den Kläger durch die Be­klag­te für das Geschäfts­jahr 2010 auf 0 € feh­ler­haft er­folgt.
aa) Die Be­klag­te kann sich für die Fest­set­zung des Bo­nus auf 0 € nicht dar­auf be­ru­fen, die US-Mut­ter ha­be ein Bud­get für Bo­nus­zah­lun­gen für das Geschäfts­jahr 2010 nicht zur Verfügung ge­stellt. Denn der Kläger hat un­be­strit­ten vor­ge­tra­gen, al­le an­de­ren Bo­nus­be­rech­tig­ten hätten Bo­nus­zah­lun­gen in dem frag­li­chen Geschäfts­jahr er­hal­ten. Die Be­klag­te hat zu die­sem Punkt an­de­res über­haupt nicht vor­ge­tra­gen. Wenn aber an­de­re Ar­beit­neh­mer ei­ne Bo­nus­zah­lung für das Geschäfts­jahr 2010 er­hal­ten ha­ben, so muss die US-Mut­ter auch ein Bud­get für der­ar­ti­ge Bo­nus­zah­lun­gen zur Verfügung ge­stellt ha­ben. Aus die­sem Bud­get hat­te die Be­klag­te auch ei­nen an­ge­mes­se­nen Bo­nus für den Kläger fest­zu­set­zen.
bb) Die Fest­set­zung durch die Be­klag­te durf­te nicht auf 0 € er­fol­gen. Die Be­klag­te hat je­den­falls im Ver­fah­ren kei­ner­lei Gründe vor­ge­tra­gen, die ei­ne der­ar­ti­ge Fest­set­zung recht­fer­ti­gen könn­ten.
(1) Während für den Fall, dass im Rah­men ei­ner Bo­nus­re­ge­lung auf­grund je­wei­li­ger Ziel­ver­ein­ba­run­gen die kon­kre­te Ziel­ver­ein­ba­rung un­ter­bleibt, strit­tig ist, ob die Vor­schrift des § 315 BGB An­wen­dung fin­den kann (vgl. da­zu LAG Düssel­dorf v. 18.8.2011, Az. 5 Sa 490/11, n.v., zit. nach ju­ris, Rn. 174), muss die Fest­set­zung des kon­kre­ten Be­tra­ges der aus­zu­zah­len­den va­ria­blen Vergütung an­hand der Ziel­ver­ein­ba­rung je­den­falls bil­li­gem Er­mes­sen ent­spre­chen (LAG Düssel­dorf, a.a.O., Rn. 175). Auch wenn je nach Aus­ge­stal­tung der Zie­le ein er­heb­li­cher Be­ur­tei­lungs­spiel­raum des Ar­beit­ge­bers be­ste­hen mag, muss dem Ar­beit­neh­mer aber das Recht auf ei­ne ge­richt­li­che Nach­prüfung zu­ste­hen (vgl. Kütt­ner-Grie­se, Per­so­nal­buch 2011, "Ziel­ver­ein­ba­rung", Rn. 15).
(2) Die Be­klag­te be­ruft sich zunächst dar­auf, das Er­geb­nis des Geschäfts­be­rei­ches CMS sei nicht zu­frie­den stel­lend ge­we­sen. Was die Be­klag­te mit "nicht zu­frie­den stel­lend" kon­kret meint, teilt sie nicht mit. Zu dem Er­geb­nis des Geschäfts­be­rei­ches, in dem der Kläger tätig ist oder war, verhält sich der Vor­trag der Be­klag­ten viel­mehr über­haupt nicht. We­der trägt sie vor, wel­che Er­geb­nis­se in frühe­ren Jah­ren er­zielt wur­den, noch trägt sie da­zu vor wel­ches Er­geb­nis für das Geschäfts­jahr 2010 zu er­war­ten oder zu er­hof­fen ge­we­sen sei, noch teilt sie mit, wel­ches Er­geb­nis tatsächlich er­reicht wor­den sei. Mit der über­schlägi­gen und durch nichts kon­kre­ti­sier­ten Be­haup­tung, das Er­geb­nis sei nicht zu­frie­den­stel­lend ge­we­sen, kann sie aber nicht be­gründen, dass die Fest­set­zung des Bo­nus für den Kläger auf 0 € bil­li­gem Er­mes­sen ent­spro­chen hätte.
(3) Die Be­klag­te be­ruft sich wei­ter dar­auf, die persönli­chen Leis­tun­gen des Klägers wären nicht zu ih­rer Zu­frie­den­heit er­folgt. Da­bei ist fest­zu­hal­ten, dass der Kläger im ge­sam­ten Geschäfts­jahr 2010 tatsächlich für die Be­klag­te nicht ge­ar­bei­tet hat, nach­dem die­se den Kläger (of­fen­bar un­zulässig) von der Ar­beits­leis­tung sus­pen­diert hat­te. Wenn der Kläger im ge­sam­ten Geschäfts­jahr 2010 nicht ge­ar­bei­tet hat, weil die Be­klag­te ihn nicht hat ar­bei­ten las­sen, ist aber nicht er­sicht­lich, wie ei­ne Un­zu­frie­den­heit hin­sicht­lich der persönli­chen Leis­tun­gen des Klägers auf Sei­ten der Be­klag­ten ein­ge­tre­ten sein könn­te (vgl. Kütt­ner-Grie­se, a.a.O., Rn. 16 f. für den Fall ei­ner Ar­beits­unfähig­keit mit Ge­halts­fort­zah­lung). Mit der aus­ge­blie­be­nen Ar­beits­leis­tung des Klägers kann die Be­klag­te die Fest­set­zung des Bo­nus­ses auf 0 € dem­nach eben­so we­nig be­gründen. Hin­zu kommt, dass auch zu die­sem Punkt die Be­klag­te in kei­ner Wei­se kon­kre­te Ausführun­gen macht. We­der teilt sie mit, mit wel­chen Leis­tun­gen kon­kret sie un­zu­frie­den ge­we­sen sei, noch teilt sie mit wel­che Leis­tun­gen der Kläger hätte er­brin­gen sol­len, aber nicht er­bracht hat.
(4) Sch­ließlich be­ruft die Be­klag­te sich dar­auf, das Ver­trau­ens­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en sei er­heb­lich gestört, weil der Kläger ein Ver­hal­ten ge­genüber der Geschäfts­lei­tung ge­zeigt ha­be, dass nicht zu er­war­ten ge­we­sen sei. Kon­kret teilt die Be­klag­te da­zu nur mit, es sei um die nicht er­folg­te Ein­tra­gung von Ur­laubs­ta­gen im Zeit­er­fas­sungs­sys­tem ge­gan­gen. Für die Kam­mer ist nicht er­sicht­lich, was die Be­klag­te hier­mit meint, und ins­be­son­de­re was dem Kläger hier kon­kret vor­ge­wor­fen wer­den soll. Die Be­klag­te führt zwar aus, dass die außer­or­dent­li­che Kündi­gung we­gen die­ser Vorfälle zwar vor der Ar­beits­ge­richts­bar­keit nicht ha­be stand­hal­ten können. Der Kam­mer ist al­ler­dings we­der der Vor­trag der Be­klag­ten in dem Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren, noch die ge­richt­li­che Ent­schei­dung be­kannt. Da für die Kam­mer schon nicht er­sicht­lich ist, was die Be­klag­te dem Kläger hier kon­kret vor­wirft und war­um da­durch das Ver­trau­ens­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en gestört wäre, ist die Fest­set­zung des Bo­nus auf 0 € auf­grund die­ser As­pek­te schon nicht mit Bil­lig­keits­erwägun­gen zu ver­ein­ba­ren. In­wie­weit das hier nicht ein­mal kon­kret be­haup­te­te Ver­hal­ten sei­ne persönli­che Ziel­er­rei­chung be­trifft, ist zu­dem nicht er­sicht­lich. Dass die Höhe des Bo­nus auch vom Maß des zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer be­ste­hen­den Ver­trau­ens abhängig wäre, lässt sich dem vor­ge­leg­ten Text schließlich eben­falls nicht ent­neh­men. Nach An­ga­ben der Be­klag­ten ist für die Bo­nu­ser­mitt­lung vor­dring­lich auf die persönli­chen Leis­tun­gen ab­zu­stel­len, ggf. noch auf die La­ge im Ge­halts­band und so­zia­le Erwägun­gen. Das Ver­trau­en fin­det sich auch in den Ausführun­gen der Be­klag­ten zu den Kri­te­ri­en der Be­stim­mung der Höhe des Bo­nus nicht wie­der.
(5) Wei­te­re Gründe, war­um die Fest­set­zung des Bo­nus für den Kläger für das frag­li­che Geschäfts­jahr auf 0 € bil­li­gem Er­mes­sen ent­spre­chen würde, hat die Be­klag­te nicht vor­ge­tra­gen. Oh­ne sach­li­che Gründe kann die Be­klag­te aber nicht den dem Kläger in Aus­sicht ge­stell­ten Bo­nus ins­ge­samt ver­wei­gern. Da­mit ist die von der Be­klag­ten er­folg­te Fest­set­zung je­den­falls un­ter Ver­s­toß von Bil­lig­keits­erwägun­gen im Sin­ne des § 315 BGB er­folgt.
d) Da es sich bei der Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers über die Höhe des Bo­nus um ei­ne Er­mes­sens­ent­schei­dung im Sin­ne des § 315 Abs. 3 S. 2, 1. Halb­satz BGB han­delt, hat­te das Ge­richt die Be­stim­mung des rich­ti­gen Bo­nus durch Ur­teil zu tref­fen. Da­bei ent­spricht ein Bo­nus in Höhe der Kla­ge­for­de­rung für den Kläger der Bil­lig­keit.
Das Ge­richt hat­te den Bo­nus zwi­schen 0 € und dem drei­fa­chen Ba­sis­be­trag fest­zu­set­zen. Die­ser Rah­men für den Bo­nus des Klägers ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig. Da­bei ent­spricht die Fest­set­zung in Höhe des ein­fa­chen Ba­sis­be­tra­ges hier bil­li­gem Er­mes­sen. Der Kläger hat in dem frag­li­chen Geschäfts­jahr ei­ne Ar­beits­leis­tung ge­genüber der Be­klag­ten tatsächlich nicht er­bracht, weil die­se ihn un­zulässi­ger Wei­se von der Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt hat. Ei­ne kon­kre­te Ar­beits­leis­tung des Klägers an der die Bo­nus­be­mes­sung aus­ge­rich­tet wer­den könn­te, liegt da­her tatsächlich nicht vor. Ba­sis ei­ner Fest­set­zung kann da­her nur ei­ne hy­po­the­ti­sche Ar­beits­leis­tung des Klägers sein. Da der Kläger in den Jah­ren zu­vor noch nicht am Bo­nus­pro­gramm teil­ge­nom­men hat, kann auch auf ei­ne frühe­re Be­mes­sung des Bo­nus­be­tra­ges durch die Be­klag­te nicht zurück­ge­grif­fen wer­den. Bei­de Par­tei­en ha­ben im Ver­fah­ren auch kei­ne sons­ti­gen An­halts­punk­te mit­ge­teilt, aus de­nen ein Rück­schluss ge­zo­gen wer­den könn­te, wie zu­frie­den die Be­klag­te mit den persönli­chen Leis­tun­gen des Klägers im Geschäfts­jahr 2010 ge­we­sen wäre, wenn sie ihn sei­ne Ar­beits­leis­tung hätte er­brin­gen las­sen. Da­her kann die Kam­mer le­dig­lich ei­ne Schätzung an­stel­len, in wel­chem Um­fang der Kläger den Bo­nus bei Er­brin­gung sei­ner Ar­beits­leis­tung er­reicht hätte. Da­bei er­scheint ein Be­trag von ei­nem Drit­tel des höchstmögli­chen Bo­nus­be­tra­ges je­den­falls nicht als un­an­ge­mes­sen hoch. Da­bei hat sich die Kam­mer auch von der Recht­spre­chung des BAG lei­ten las­sen, nach der ers­tens der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer nur sol­che Zie­le im Rah­men ei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung vor­schla­gen wird, die der Ar­beit­neh­mer auch er­rei­chen kann und zwei­tens grundsätz­lich da­von aus­zu­ge­hen ist, dass der Ar­beit­neh­mer ver­ein­bar­te Zie­le auch er­reicht hätte, wenn nicht be­son­de­re Umstände die­se An­nah­me aus­sch­ließen, die der Ar­beit­ge­ber dar­zu­le­gen und nach­zu­wei­sen hat (BAG v. 12.12.2007, Az. 10 AZR 97/07, NZA 2008, 409, Rn. 50; v. 10.12.2008, Az. 10 AZR 889/07, NZA 2009, 256, Rn. 22). Die un­rechtmäßige Su­s­pen­die­rung des Klägers durch die Be­klag­te, die zu ei­nem An­nah­me­ver­zugs­lohn­an­spruch des Klägers nach § 615 S. 1 BGB geführt hat, der wohl auch den Bo­nus­an­spruch mit um­fas­sen würde, kann je­den­falls ei­nen sol­chen "be­son­de­ren Um­stand" al­lein noch nicht be­gründen.
Da­mit steht dem Kläger als Bo­nus für das Geschäfts­jahr 2010 je­den­falls der hier ver­folg­te Be­trag zu. Un­strei­tig ist die­ser Bo­nus auf­grund der Ver­zichts­erklärung auch nicht an die­sen di­rekt aus­zu­zah­len, son­dern zu sei­nen Guns­ten in die bei der Be­klag­ten be­ste­hen­de Zu­satz­ver­sor­gung ein­zu­zah­len. Der Kla­ge war da­her in dem zu­letzt noch ver­folg­ten Um­fang statt­zu­ge­ben.
II. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus §§ 46 Abs. 2 ArbGG, 91 ZPO. Da die Be­klag­te das Ver­fah­ren ver­lo­ren hat, hat sie auch die Kos­ten zu tra­gen. So­weit über die Ansprüche nicht hier ent­schie­den wur­de, hat der Kläger die Kla­ge zurück­ge­nom­men, nach­dem die Be­klag­te die strei­ti­gen For­de­run­gen erfüllt hat­te. Da­her ist die Kos­ten­tra­gung ins­ge­samt durch die Be­klag­te an­ge­mes­sen. Die Streit­wert­fest­set­zung er­geht nach §§ 61 Abs. 1, 46 Abs. 2 ArbGG, 3 ff. ZPO. Der Rechts­mit­tel­wert war in Höhe des Wer­tes des An­tra­ges fest­zu­set­zen.
RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der be­klag­ten Par­tei Be­ru­fung ein­ge­legt wer­den. Für die kla­gen­de Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
Die Be­ru­fung muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf Lud­wig-Er­hard-Al­lee 21 40227 Düssel­dorf Fax: 0211-7770 2199 ein­ge­gan­gen sein. Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach des­sen Verkündung.
Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­te zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten. * Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den. gez. E.	m.hensche.de
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