Source: http://m.hensche.de/Arbeitszeit_Ruhezeit_Bereitschaftsdienst_EuGH_C-151-02-u.html
Timestamp: 2018-06-25 11:35:44
Document Index: 258636585

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 3', '§ 5', '§ 7', '§ 5', '§ 3', '§ 3', '§ 25', '§ 7', '§ 15', '§ 15', '§ 5', '§ 5', '§ 2', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5']

HENSCHE Arbeitsrecht: C-151/02
Schlag­worte: Bereitschaftsdienst, Arbeitszeit
Akten­zeichen: C-151/02
Ent­scheid­ungs­datum: 09.09.2003
1. Die Richt­li­nie 93/104/EG des Ra­tes vom 23. No­vem­ber 1993 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung ist da­hin aus­zu­le­gen, dass der Be­reit­schafts­dienst, den ein Arzt in Form persönli­cher An­we­sen­heit im Kran­ken­haus leis­tet, in vol­lem Um­fang Ar­beits­zeit im Sin­ne die­ser Richt­li­nie dar­stellt, auch wenn es dem Be­trof­fe­nen in Zei­ten, in de­nen er nicht in An­spruch ge­nom­men wird, ge­stat­tet ist, sich an sei­ner Ar­beits­stel­le aus­zu­ru­hen, so dass die Richt­li­nie der Re­ge­lung ei­nes Mit­glied­staats ent­ge­gen­steht, nach der Zei­ten, in de­nen ein Ar­beit­neh­mer während ei­nes Be­reit­schafts­diens­tes untätig ist, als Ru­he­zeit ein­ge­stuft wer­den.
2. Die Richt­li­nie 93/104 ist fer­ner da­hin aus­zu­le­gen, dass
- sie un­ter Umständen wie den­je­ni­gen des Aus­gangs­ver­fah­rens der Re­ge­lung ei­nes Mit­glied­staats ent­ge­gen­steht, die bei ei­nem in Form persönli­cher An­we­sen­heit im Kran­ken­haus ge­leis­te­ten Be­reit­schafts­dienst - ge­ge­be­nen­falls über ei­nen Ta­rif­ver­trag oder ei­ne auf­grund ei­nes Ta­rif­ver­trags ge­trof­fe­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung - ei­nen Aus­gleich nur der Be­reit­schafts­dienst­zei­ten zulässt, in de­nen der Ar­beit­neh­mer tatsächlich ei­ne be­ruf­li­che Tätig­keit aus­geübt hat;
- ei­ne Kürzung der tägli­chen Ru­he­zeit von elf zu­sam­menhängen­den St­un­den durch Ab­leis­tung ei­nes Be­reit­schafts­diens­tes, der zur re­gelmäßigen Ar­beits­zeit hin­zu­kommt, nur dann un­ter die Ab­wei­chungs­be­stim­mun­gen in Ar­ti­kel 17 Ab­satz 2 Num­mer 2.1 Buch­sta­be c Zif­fer i die­ser Richt­li­nie fällt, wenn den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern gleich­wer­ti­ge Aus­gleichs­ru­he­zei­ten im un­mit­tel­ba­ren An­schluss an die ent­spre­chen­den Ar­beits­pe­ri­oden gewährt wer­den;
- ei­ne sol­che Kürzung der tägli­chen Ru­he­zeit darüber hin­aus in kei­nem Fall zu ei­ner Über­schrei­tung der in Ar­ti­kel 6 der Richt­li­nie fest­ge­setz­ten Höchst­dau­er der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit führen darf.
9. Sep­tem­ber 2003(1)
„So­zi­al­po­li­tik - Schutz der Si­cher­heit und der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer - Richt­li­nie 93/104/EG - Be­grif­fe .Ar­beits­zeit‘ und .Ru­he­zeit‘ - Be­reit­schafts­dienst ei­nes Arz­tes in ei­nem Kran­ken­haus“
In der Rechts­sa­che C-151/02
be­tref­fend ein dem Ge­richts­hof nach Ar­ti­kel 234 EG vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein (Deutsch­land) in dem bei die­sem anhängi­gen Rechts­streit
Nor­bert Ja­e­ger
vor­ge­leg­tes Er­su­chen um Vor­ab­ent­schei­dung über die Aus­le­gung der Richt­li­nie 93/104/EG des Ra­tes vom 23. No­vem­ber 1993 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (ABl. L 307, S. 18), ins­be­son­de­re ih­rer Ar­ti­kel 2 Num­mer 1 und 3,
un­ter Mit­wir­kung des Präsi­den­ten G. C. Ro­dríguez Igle­si­as, der Kam­mer­präsi­den­ten M. Wa­the­let, R. Sch­int­gen (Be­richt­er­stat­ter) und C. W. A. Tim­mer­m­ans, der Rich­ter C. Gul­mann, D. A. O. Ed­ward, P. Jann und V. Skou­ris, der Rich­te­rin­nen F. Ma­cken und N. Col­ne­ric so­wie der Rich­ter S. von Bahr, J. N. Cun­ha Ro­d­ri­gues und A. Ro­sas,
Kanz­ler: H. A. Rühl, Haupt­ver­wal­tungs­rat,
- der Lan­des­haupt­stadt Kiel, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt W. Weißle­der,
- von Herrn Ja­e­ger, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt F. Schramm,
- der deut­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch W.-D. Ples­sing und M. Lum­ma als Be­vollmäch­tig­te,
- der däni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch J. Mol­de als Be­vollmäch­tig­ten,
- der nie­derländi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch H. G. Se­vens­ter als Be­vollmäch­tig­te,
- der Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs, ver­tre­ten durch P. Or­mond als Be­vollmäch­tig­te im Bei­stand von K. Smith, Bar­ris­ter,
- der Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten, ver­tre­ten durch A. Are­su und H. Krep­pel als Be­vollmäch­tig­te,
nach Anhörung der münd­li­chen Ausführun­gen der Lan­des­haupt­stadt Kiel, ver­tre­ten durch Rechts­anwälte W. Weißle­der, M. Bech­told und D. Seck­ler, von Herrn Ja­e­ger, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt F. Schramm, der deut­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch W.-D. Ples­sing, der französi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch C. Le­mai­re als Be­vollmäch­tig­ten, der nie­derländi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch N. A. J. Bel als Be­vollmäch­tig­ten, der Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs, ver­tre­ten durch P. Or­mond im Bei­stand von K. Smith, so­wie der Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch H. Krep­pel und F. Hoff­meis­ter als Be­vollmäch­tig­ten, in der Sit­zung vom 25. Fe­bru­ar 2003,
nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 8. April 2003
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein hat mit Be­schluss vom 12. März 2002, geändert durch Be­schluss vom 25. März 2002, bei­de beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 26. April 2002, gemäß Ar­ti­kel 234 EG vier Fra­gen nach der Aus­le­gung der Richt­li­nie 93/104/EG des Ra­tes vom 23. No­vem­ber 1993 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (ABl. L 307, S. 18), ins­be­son­de­re ih­rer Ar­ti­kel 2 Num­mer 1 und 3, zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt.
Die­se Fra­gen stel­len sich in ei­nem Rechts­streit zwi­schen der Lan­des­haupt­stadt Kiel (im Fol­gen­den: Be­klag­te) und Herrn Ja­e­ger (im Fol­gen­den: Kläger) über die De­fi­ni­ti­on der Be­grif­fe „Ar­beits­zeit“ und „Ru­he­zeit“ im Sin­ne der Richt­li­nie 93/104 im Rah­men des von ei­nem Arzt ge­leis­te­ten Be­reit­schafts­diens­tes in ei­nem Kran­ken­haus.
Die Ge­mein­schafts­re­ge­lung
Die Richt­li­nie 93/104 enthält, wie sich aus ih­rem Ar­ti­kel 1 er­gibt, Min­dest­vor­schrif­ten für Si­cher­heit und Ge­sund­heits­schutz bei der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung und fin­det An­wen­dung auf al­le pri­va­ten oder öffent­li­chen Tätig­keits­be­rei­che mit Aus­nah­me des Straßen-, Luft-, See- und Schie­nen­ver­kehrs, der Bin­nen­schiff­fahrt, der See­fi­sche­rei, an­de­rer Tätig­kei­ten auf See so­wie der Tätig­kei­ten der Ärz­te in der Aus­bil­dung.
Un­ter der Über­schrift „Be­griffs­be­stim­mun­gen“ heißt es in Ar­ti­kel 2 der Richt­li­nie:
Ab­schnitt II der Richt­li­nie 93/104 be­stimmt die Maßnah­men, die die Mit­glied­staa­ten tref­fen müssen, da­mit je­dem Ar­beit­neh­mer u. a. ei­ne tägli­che und ei­ne wöchent­li­che Min­destru­he­zeit gewährt wird, und re­gelt die wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit.
Ar­ti­kel 3 der Richt­li­nie 93/104 („Tägli­che Ru­he­zeit“) lau­tet:
„Die Mit­glied­staa­ten tref­fen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, da­mit je­dem Ar­beit­neh­mer pro 24-St­un­den-Zeit­raum ei­ne Min­destru­he­zeit von elf zu­sam­menhängen­den St­un­den gewährt wird.“
In Be­zug auf die wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit be­stimmt Ar­ti­kel 6 die­ser Richt­li­nie:
Ar­ti­kel 15 der Richt­li­nie 93/104 lau­tet:
Ar­ti­kel 16 die­ser Richt­li­nie be­stimmt:
Die Richt­li­nie sieht fer­ner auf­grund der Be­son­der­hei­ten be­stimm­ter Tätig­kei­ten un­ter ge­wis­sen Vor­aus­set­zun­gen ei­ne Rei­he von Ab­wei­chun­gen von meh­re­ren ih­rer Grund­re­geln vor. Hier­zu heißt es in ih­rem Ar­ti­kel 17:
iii) Pres­se-, Rund­funk-, Fern­seh­diens­ten oder ki­ne­ma­to­gra­phi­scher Pro­duk­ti­on, Post oder Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on, Am­bu­lanz-, Feu­er­wehr- oder Ka­ta­stro­phen­schutz­diens­ten,
Die Ab­wei­chun­gen gemäß den Un­terabsätzen 1 und 2 sind nur un­ter der Vor­aus­set­zung zulässig, dass die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer gleich­wer­ti­ge Aus­gleichs­ru­he­zei­ten oder in Aus­nah­mefällen, in de­nen die Gewährung sol­cher Aus­gleichs­ru­he­zei­ten aus ob­jek­ti­ven Gründen nicht möglich ist, ei­nen an­ge­mes­se­nen Schutz er­hal­ten.
Ar­ti­kel 18 der Richt­li­nie 93/104 be­stimmt:
„1. a) Die Mit­glied­staa­ten set­zen die er­for­der­li­chen Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten in Kraft, um die­ser Richt­li­nie spätes­tens am 23. No­vem­ber 1996 nach­zu­kom­men, oder sie ver­ge­wis­sern sich spätes­tens zu die­sem Zeit­punkt, dass die So­zi­al­part­ner mit­tels Ver­ein­ba­run­gen die er­for­der­li­chen Be­stim­mun­gen einführen; da­bei sind die Mit­glied­staa­ten ge­hal­ten, die er­for­der­li­chen Vor­keh­run­gen zu tref­fen, da­mit sie je­der­zeit gewähr­leis­ten können, dass die von der Richt­li­nie vor­ge­schrie­be­nen Er­geb­nis­se er­zielt wer­den.
Die na­tio­na­le Re­ge­lung
Das deut­sche Ar­beits­recht un­ter­schei­det zwi­schen „Ar­beits­be­reit­schaft“, „Be­reit­schafts­dienst“ und „Ruf­be­reit­schaft“.
Die­se drei Be­grif­fe sind in den hier ein­schlägi­gen na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten nicht de­fi­niert, doch er­ge­ben sich ih­re Merk­ma­le aus der Recht­spre­chung.
Ar­beits­be­reit­schaft liegt vor, wenn der Ar­beit­neh­mer dem Ar­beit­ge­ber am Ar­beits­platz zur Verfügung ste­hen und sich ständig be­reit­hal­ten muss, um im Be­darfs­fall von sich aus tätig wer­den zu können.
Während des Be­reit­schafts­diens­tes ist der Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet, sich in­ner­halb oder außer­halb des Be­trie­bes an ei­nem vom Ar­beit­ge­ber be­stimm­ten Ort auf­zu­hal­ten und sich auf An­for­de­rung des Ar­beit­ge­bers zur Ar­beits­auf­nah­me be­reit­zu­hal­ten, darf je­doch ru­hen oder sich an­der­weit beschäfti­gen, so­lan­ge sei­ne be­ruf­li­chen Leis­tun­gen nicht er­for­der­lich sind.
Die Ruf­be­reit­schaft ist da­durch ge­kenn­zeich­net, dass der Ar­beit­neh­mer sich nicht an ei­ner vom Ar­beit­ge­ber be­stimm­ten Stel­le be­reit­hal­ten muss, son­dern nur je­der­zeit er­reich­bar sein muss, um sei­ne be­ruf­li­chen Auf­ga­ben auf Ab­ruf un­verzüglich wahr­neh­men zu können.
Grundsätz­lich gilt nach deut­schem Recht nur die Ar­beits­be­reit­schaft in vol­lem Um­fang als Ar­beits­zeit. Be­reit­schafts­dienst und Ruf­be­reit­schaft wer­den da­ge­gen als Ru­he­zeit be­han­delt, mit Aus­nah­me des Teils der Dienst­zeit, in dem der Ar­beit­neh­mer tatsächlich sei­ne be­ruf­li­chen Auf­ga­ben wahr­ge­nom­men hat.
In Deutsch­land sind die Ar­beits­zeit und die Ru­he­zei­ten im Ar­beits­zeit­ge­setz (Arb­ZG) vom 6. Ju­ni 1994 (BGBl. 1994 I S. 1170) ge­re­gelt, das zur Um­set­zung der Richt­li­nie 93/104 er­las­sen wur­de.
Nach § 2 Ab­satz 1 Arb­ZG ist Ar­beits­zeit im Sin­ne die­ses Ge­set­zes die Zeit vom Be­ginn bis zum En­de der Ar­beit oh­ne die Ru­he­pau­sen.
§ 3 Arb­ZG be­stimmt:
„Die werktägli­che Ar­beits­zeit der Ar­beit­neh­mer darf acht St­un­den nicht über­schrei­ten. Sie kann auf bis zu zehn St­un­den nur verlängert wer­den, wenn in­ner­halb von sechs Ka­len­der­mo­na­ten oder in­ner­halb von 24 Wo­chen im Durch­schnitt acht St­un­den werktäglich nicht über­schrit­ten wer­den.“
§ 5 Arb­ZG lau­tet:
„(1) Die Ar­beit­neh­mer müssen nach Be­en­di­gung der tägli­chen Ar­beits­zeit ei­ne un­un­ter­bro­che­ne Ru­he­zeit von min­des­tens elf St­un­den ha­ben.
(2) Die Dau­er der Ru­he­zeit des Ab­sat­zes 1 kann in Kran­kenhäusern und an­de­ren Ein­rich­tun­gen zur Be­hand­lung, Pfle­ge und Be­treu­ung von Per­so­nen, in Gaststätten und an­de­ren Ein­rich­tun­gen zur Be­wir­tung und Be­her­ber­gung, in Ver­kehrs­be­trie­ben, beim Rund­funk so­wie in der Land­wirt­schaft und in der Tier­hal­tung um bis zu ei­ne St­un­de verkürzt wer­den, wenn je­de Verkürzung der Ru­he­zeit in­ner­halb ei­nes Ka­len­der­mo­nats oder in­ner­halb von vier Wo­chen durch Verlänge­rung ei­ner an­de­ren Ru­he­zeit auf min­des­tens zwölf St­un­den aus­ge­gli­chen wird.
(3) Ab­wei­chend von Ab­satz 1 können in Kran­kenhäusern und an­de­ren Ein­rich­tun­gen zur Be­hand­lung, Pfle­ge und Be­treu­ung von Per­so­nen Kürzun­gen der Ru­he­zeit durch In­an­spruch­nah­men während des Be­reit­schafts­diens­tes oder der Ruf­be­reit­schaft, die nicht mehr als die Hälf­te der Ru­he­zeit be­tra­gen, zu an­de­ren Zei­ten aus­ge­gli­chen wer­den.
§ 7 Arb­ZG hat fol­gen­den Wort­laut:
„(1) In ei­nem Ta­rif­ver­trag oder auf­grund ei­nes Ta­rif­ver­trags in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung kann zu­ge­las­sen wer­den,
a) die Ar­beits­zeit über 10 St­un­den werktäglich auch oh­ne Aus­gleich zu verlängern, wenn in die Ar­beits­zeit re­gelmäßig und in er­heb­li­chem Um­fang Ar­beits­be­reit­schaft fällt,
c) oh­ne Aus­gleich die Ar­beits­zeit auf bis zu 10 St­un­den werktäglich an höchs­tens 60 Ta­gen im Jahr zu verlängern,
(2) So­fern der Ge­sund­heits­schutz der Ar­beit­neh­mer durch ei­nen ent­spre­chen­den Zeit­aus­gleich gewähr­leis­tet wird, kann in ei­nem Ta­rif­ver­trag oder auf­grund ei­nes Ta­rif­ver­trags in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung fer­ner zu­ge­las­sen wer­den,
1. ab­wei­chend von § 5 Ab­satz 1 die Ru­he­zei­ten bei Be­reit­schafts­dienst und Ruf­be­reit­schaft den Be­son­der­hei­ten die­ser Diens­te an­zu­pas­sen, ins­be­son­de­re Kürzun­gen der Ru­he­zeit in­fol­ge von In­an­spruch­nah­men während die­ser Diens­te zu an­de­ren Zei­ten aus­zu­glei­chen,
3. die Re­ge­lun­gen der §§ 3, 4, 5 Ab­satz 1 und 6 Ab­satz 2 bei der Be­hand­lung, Pfle­ge und Be­treu­ung von Per­so­nen der Ei­gen­art die­ser Tätig­keit und dem Wohl die­ser Per­so­nen ent­spre­chend an­zu­pas­sen,
4. die Re­ge­lun­gen der §§ 3, 4, 5 Ab­satz 1 und 6 Ab­satz 2 bei Ver­wal­tun­gen und Be­trie­ben des Bun­des, der Länder, der Ge­mein­den und sons­ti­gen Körper­schaf­ten, An­stal­ten und Stif­tun­gen des öffent­li­chen Rechts so­wie bei an­de­ren Ar­beit­ge­bern, die der Ta­rif­bin­dung ei­nes für den öffent­li­chen Dienst gel­ten­den oder ei­nes im We­sent­li­chen in­halts­glei­chen Ta­rif­ver­trags un­ter­lie­gen, der Ei­gen­art der Tätig­keit bei die­sen Stel­len an­zu­pas­sen.
§ 25 Arb­ZG be­stimmt:
„Enthält ein bei In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes be­ste­hen­der oder nach­wir­ken­der Ta­rif­ver­trag ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen nach § 7 Absätze 1 oder 2 ..., die den in den ge­nann­ten Vor­schrif­ten fest­ge­leg­ten Höchst­rah­men über­schrei­ten, so blei­ben die­se ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen un­berührt. Ta­rif­verträgen nach Satz 1 ste­hen durch Ta­rif­ver­trag zu­ge­las­se­ne Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen gleich ...“
Der Bun­des­an­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT) sieht u. a. Fol­gen­des vor:
„§ 15 Re­gelmäßige Ar­beits­zeit
(1) Die re­gelmäßige Ar­beits­zeit beträgt aus­sch­ließlich der Pau­sen durch­schnitt­lich 38 1/2 St­un­den wöchent­lich. Für die Be­rech­nung des Durch­schnitts der re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit ist in der Re­gel ein Zeit­raum von acht Wo­chen zu­grun­de zu le­gen. ...
(2) Die re­gelmäßige Ar­beits­zeit kann verlängert wer­den
a) bis zu zehn St­un­den täglich (durch­schnitt­lich 49 St­un­den wöchent­lich), wenn in sie re­gelmäßig ei­ne Ar­beits­be­reit­schaft von durch­schnitt­lich min­des­tens zwei St­un­den täglich fällt,
b) bis zu elf St­un­den täglich (durch­schnitt­lich 54 St­un­den wöchent­lich), wenn in sie re­gelmäßig ei­ne Ar­beits­be­reit­schaft von durch­schnitt­lich min­des­tens drei St­un­den täglich fällt,
c) bis zu zwölf St­un­den täglich (durch­schnitt­lich 60 St­un­den wöchent­lich), wenn der An­ge­stell­te le­dig­lich an der Ar­beits­stel­le an­we­send sein muss, um im Be­darfs­fall vor­kom­men­de Ar­bei­ten zu ver­rich­ten.
(6a) Der An­ge­stell­te ist ver­pflich­tet, sich auf An­ord­nung des Ar­beit­ge­bers außer­halb der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit an ei­ner vom Ar­beit­ge­ber be­stimm­ten Stel­le auf­zu­hal­ten, um im Be­darfs­fal­le die Ar­beit auf­zu­neh­men (Be­reit­schafts­dienst). Der Ar­beit­ge­ber darf Be­reit­schafts­dienst nur an­ord­nen, wenn zu er­war­ten ist, dass zwar Ar­beit anfällt, er­fah­rungs­gemäß aber die Zeit oh­ne Ar­beits­leis­tung über­wiegt.
Zum Zwe­cke der Vergütungs­be­rech­nung wird die Zeit des Be­reit­schafts­diens­tes ein­sch­ließlich der ge­leis­te­ten Ar­beit ent­spre­chend dem An­teil der er­fah­rungs­gemäß durch­schnitt­lich an­fal­len­den Zeit der Ar­beits­leis­tung als Ar­beits­zeit ge­wer­tet und mit der Über­stun­den­vergütung ... vergütet. ...“
Zu § 15 Ab­satz 6a BAT ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en Son­der­re­ge­lun­gen für An­ge­stell­te in Kran­ken-, Heil-, Pfle­ge- und Ent­bin­dungs­an­stal­ten so­wie in sons­ti­gen An­stal­ten und Hei­men, in de­nen die be­treu­ten Per­so­nen in ärzt­li­cher Be­hand­lung ste­hen (im Fol­gen­den: SR 2a), ver­ein­bart. Die Son­der­re­ge­lun­gen für Ärz­te und Zahnärz­te an den in SR 2a ge­nann­ten An­stal­ten und Hei­men (im Fol­gen­den: SR 2c) lau­ten wie folgt:
Be­reit­schafts­dienst, Ruf­be­reit­schaft
(2) Zum Zwe­cke der Vergütungs­be­rech­nung wird die Zeit des Be­reit­schafts­diens­tes ein­sch­ließlich der ge­leis­te­ten Ar­beit wie folgt als Ar­beits­zeit ge­wer­tet:
Stu­fe Ar­beits­leis­tung in­ner­halb des Be­wer­tung als
Be­reit­schafts­diens­tes Ar­beits­zeit
Ein hier­nach der Stu­fe A zu­ge­ord­ne­ter Be­reit­schafts­dienst wird der Stu­fe B zu­ge­teilt, wenn der An­ge­stell­te während des Be­reit­schafts­diens­tes in der Zeit von 22 bis 6 Uhr er­fah­rungs­gemäß durch­schnitt­lich mehr als drei­mal dienst­lich in An­spruch ge­nom­men wird.
b) Ent­spre­chend der Zahl der vom An­ge­stell­ten je Ka­len­der­mo­nat ab­ge­leis­te­ten Be­reit­schafts­diens­te wird die Zeit ei­nes je­den Be­reit­schafts­diens­tes zusätz­lich wie folgt als Ar­beits­zeit ge­wer­tet:
Zahl der Be­reit­schafts­diens­te im Be­wer­tung als
Ka­len­der­mo­nat Ar­beits­zeit
1. bis 8. Be­reit­schafts­dienst 25 v. H.
9. bis 12. Be­reit­schafts­dienst 35 v. H.
13. und fol­gen­de Be­reit­schafts­diens­te 45 v. H.
(7) Im Ka­len­der­mo­nat dürfen
in den Stu­fen A und B nicht mehr als sie­ben,
in den Stu­fen C und D nicht mehr als sechs
Be­reit­schafts­diens­te an­ge­ord­net wer­den. Die­se Zah­len dürfen vorüber­ge­hend über­schrit­ten wer­den, wenn sonst die Ver­sor­gung der Pa­ti­en­ten nicht si­cher­ge­stellt wäre ...
Wie sich aus dem Vor­la­ge­be­schluss er­gibt, strei­ten die Par­tei­en darüber, ob der von der Be­klag­ten in dem von ihr be­trie­be­nen Kran­ken­haus an­ge­ord­ne­te Be­reit­schafts­dienst als Ar­beits­zeit oder als Ru­he­zeit zu wer­ten ist. Der bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­ge Rechts­streit berührt aus­sch­ließlich die ar­beits­schutz­recht­li­che Sei­te der Be­reit­schafts­zei­ten, nicht da­ge­gen die vergütungs­recht­li­che.
Der Kläger ist seit dem 1. Mai 1992 als As­sis­tenz­arzt in der chir­ur­gi­schen Ab­tei­lung des ge­nann­ten Kran­ken­hau­ses mit 3/4 der re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit (d. h. 28,875 St­un­den wöchent­lich) beschäftigt. Darüber hin­aus ist er durch Ne­ben­ab­re­de ver­pflich­tet, Be­reit­schafts­diens­te zu leis­ten, die der Stu­fe D der Num­mer 8 Ab­satz 2 der SR 2c zu­ge­wie­sen sind. Die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ha­ben im Ar­beits­ver­trag die An­wen­dung des BAT ver­ein­bart.
Der Kläger leis­tet im Mo­nat re­gelmäßig sechs Be­reit­schafts­diens­te, die teils durch Frei­zeit und teils durch zusätz­li­che Vergütung ab­ge­gol­ten wer­den.
Der Be­reit­schafts­dienst schließt sich an ei­nen nor­ma­len Dienst an und beträgt wo­chen­tags 16 St­un­den, sams­tags 25 St­un­den (8.30 Uhr Sams­tag­mor­gen bis 9.30 Uhr Sonn­tag­mor­gen) und sonn­tags 22 St­un­den 45 Mi­nu­ten (8.30 Uhr Sonn­tag­mor­gen bis 7.15 Uhr Mon­tag­mor­gen).
Die Be­reit­schafts­diens­te sind wie folgt or­ga­ni­siert: Der Kläger hält sich in der Kli­nik auf und er­bringt dort ge­ge­be­nen­falls sei­ne be­ruf­li­chen Leis­tun­gen. Für die Zei­ten, in de­nen er nicht her­an­ge­zo­gen wird, steht ihm im Kran­ken­haus ein Zim­mer zur Verfügung, in dem sich ein Bett be­fin­det, in dem er ge­ge­be­nen­falls schla­fen darf. Die An­ge­mes­sen­heit die­ser Un­ter­kunft ist strei­tig. Un­strei­tig ist da­ge­gen, dass die Zei­ten, in de­nen er zu ei­ner be­ruf­li­chen Auf­ga­be her­an­ge­zo­gen wird, durch­schnitt­lich bei 49 % des Be­reit­schafts­diens­tes lie­gen.
Der Kläger ist der Auf­fas­sung, dass die von ihm als As­sis­tenz­arzt so­wie als Not­arzt im Rah­men des notärzt­li­chen Diens­tes ge­leis­te­ten Be­reit­schafts­diens­te auf­grund der di­rek­ten An­wen­dung der Richt­li­nie 93/104 vollständig als Ar­beits­zeit im Sin­ne des Arb­ZG an­zu­se­hen sei­en. Die Aus­le­gung des Ar­beits­zeit­be­griffs im Ur­teil des Ge­richts­ho­fes vom 3. Ok­to­ber 2000 in der Rechts­sa­che C-303/98 (Si­map, Slg. 2000, I-7963) sei auf die vor­lie­gen­de Rechts­sa­che über­trag­bar, da die Aus­gangs­si­tua­ti­on im We­sent­li­chen ver­gleich­bar sei. Ins­be­son­de­re sei der in Spa­ni­en ab­zu­leis­ten­de Be­reit­schafts­dienst, um den es in der Rechts­sa­che Si­map ge­gan­gen sei, hin­sicht­lich der Be­an­spru­chung mit dem des Klägers ver­gleich­bar. § 5 Ab­satz 3 Arb­ZG sei da­her mit der Richt­li­nie 93/104 un­ver­ein­bar und so­mit nicht an­wend­bar. Der Kläger ergänzt, dass Ar­ti­kel 17 die­ser Richt­li­nie von der Be­klag­ten nicht als Aus­nah­me­vor­schrift her­an­ge­zo­gen wer­den könne, da er Aus­nah­men le­dig­lich bei der Ru­he­zeit­pra­xis vor­se­he, un­abhängig vom Ar­beits­zeit­be­griff.
Die Be­klag­te macht da­ge­gen gel­tend, Zei­ten der Untätig­keit während des Be­reit­schafts­diens­tes sei­en nach ständi­ger Aus­le­gung der na­tio­na­len Ge­rich­te und der herr­schen­den Mei­nung in der Li­te­ra­tur als Ru­he­zeit und nicht als Ar­beits­zeit an­zu­se­hen. Bei ei­ner an­de­ren Aus­le­gung lie­fen die §§ 5 Ab­satz 3 und 7 Ab­satz 2 Arb­ZG leer. Zu­dem gel­te das Ur­teil Si­map nicht für den vor­lie­gen­den Fall; die spa­ni­schen Ärz­te hätten nämlich im Rah­men der Diens­te zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in vol­lem Um­fang ih­re Tätig­kei­ten aus­geübt, wo­ge­gen die deut­schen Ärz­te durch­schnitt­lich während ma­xi­mal 49 % des Be­reit­schafts­diens­tes zur Wahr­neh­mung be­ruf­li­cher Auf­ga­ben her­an­ge­zo­gen würden. Sch­ließlich sei die na­tio­na­le Re­ge­lung, die Ab­wei­chun­gen von der Ar­beits­zeit vor­se­he, von Ar­ti­kel 17 Ab­satz 2 der Richt­li­nie 93/104 ge­deckt, und die Mit­glied­staa­ten hätten auf die­sem Ge­biet ei­nen wei­ten Spiel­raum. Ei­ne aus­drück­li­che Erwähnung von Ar­ti­kel 2 die­ser Richt­li­nie in de­ren Ar­ti­kel 17 sei ent­behr­lich ge­we­sen, da Ar­ti­kel 2 le­dig­lich De­fi­ni­tio­nen ent­hal­te.
Das Ar­beits­ge­richt Kiel gab der Kla­ge in ers­ter In­stanz mit Ur­teil vom 8. No­vem­ber 2001 statt und stell­te fest, dass die vom Kläger im Kran­ken­haus der Stadt Kiel ab­zu­leis­ten­den Be­reit­schafts­diens­te vollständig zur Ar­beits­zeit im Sin­ne von § 2 Arb­ZG zu rech­nen sei­en.
Die Be­klag­te leg­te ge­gen die­ses Ur­teil beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein Be­ru­fung ein.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt führt aus, dass der Be­griff des Be­reit­schafts­diens­tes im Arb­ZG nicht aus­drück­lich ge­re­gelt sei. Be­reit­schafts­dienst be­deu­te die Ver­pflich­tung, sich an ei­nem vom Ar­beit­ge­ber be­stimm­ten Ort auf­zu­hal­ten, ver­bun­den mit der Ver­pflich­tung, bei Be­darf un­verzüglich sei­ne be­ruf­li­chen Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men. „Wa­che Acht­sam­keit“ wer­de nicht ver­langt, und außer­halb der Zei­ten tatsäch­li­cher In­an­spruch­nah­me könne der Ar­beit­neh­mer ru­hen oder sich an­der­weit beschäfti­gen und müsse nicht von sich aus tätig wer­den, son­dern nur auf An­wei­sung des Ar­beit­ge­bers.
Die Tätig­keit des Klägers sei ein der­ar­ti­ger Be­reit­schafts­dienst, der nach deut­schem Recht nicht zur Ar­beits­zeit, son­dern zur Ru­he­zeit ge­rech­net wer­de, mit Aus­nah­me des Teils des Be­reit­schafts­diens­tes, während des­sen der Ar­beit­neh­mer tatsächlich sei­ne be­ruf­li­chen Leis­tun­gen er­bracht ha­be. Die­se Auf­fas­sung er­ge­be sich aus den §§ 5 Ab­satz 3 und 7 Ab­satz 2 Arb­ZG. Aus der Tat­sa­che, dass Kürzun­gen der Ru­he­zei­ten durch In­an­spruch­nah­me während des Be­reit­schafts­diens­tes zu an­de­ren Zei­ten aus­ge­gli­chen wer­den könn­ten, fol­ge nämlich, dass Be­reit­schafts­diens­te zur Ru­he­zeit zähl­ten, so­weit nicht ei­ne tatsächli­che In­an­spruch­nah­me er­fol­ge. Dies sei auch die An­sicht des na­tio­na­len Ge­setz­ge­bers ge­we­sen, da sich aus der Be­gründung des Arb­ZG er­ge­be, dass Ar­beits­leis­tun­gen im An­schluss an Be­reit­schafts­diens­te er­bracht wer­den könn­ten.
Im vor­lie­gen­den Fall müsse fest­ge­stellt wer­den, ob Be­reit­schafts­diens­te in vol­lem Um­fang als Ar­beits­zeit zu wer­ten sei­en, auch wenn der Be­trof­fe­ne tatsächlich nicht sei­nen be­ruf­li­chen Auf­ga­ben nach­ge­he, son­dern es ihm ge­stat­tet sei, während die­ser Diens­te zu schla­fen. Die­se Fra­ge sei in der Rechts­sa­che Si­map nicht ge­stellt ge­we­sen und da­her vom Ge­richts­hof auch nicht be­ant­wor­tet wor­den.
Soll­te die­se Fra­ge nicht ein­deu­tig be­ant­wor­tet wer­den können, hänge die Ent­schei­dung des Fal­les da­von ab, ob die Re­ge­lung in § 5 Ab­satz 3 Arb­ZG ge­gen Ar­ti­kel 2 Num­mern 1 und 2 der Richt­li­nie 93/104 ver­s­toße.
Sch­ließlich sei auf­grund des Hilfs­an­trags - auf Fest­stel­lung, dass der Kläger nicht ver­pflich­tet ist, im Rah­men sei­ner ver­trag­lich ge­schul­de­ten Tätig­keit Ar­beit und Be­reit­schafts­dienst ein­sch­ließlich Über­stun­den im Um­fang von mehr als zehn St­un­den werktäglich und mehr als durch­schnitt­lich 48 St­un­den pro Wo­che zu leis­ten - und an­ge­sichts des­sen, dass sich die Be­klag­te auf die §§ 5 Ab­satz 3 und 7 Ab­satz 2 Arb­ZG stütze, zu ent­schei­den, ob sich die­se Re­ge­lun­gen im Rah­men der Re­ge­lungs­spielräume hiel­ten, die die Richt­li­nie 93/104 den Mit­glied­staa­ten und So­zi­al­part­nern ha­be las­sen wol­len.
Soll­te nämlich Be­reit­schafts­dienst in vol­lem Um­fang Ar­beits­zeit sein und die na­tio­na­le Ge­stal­tung des Be­reit­schafts­diens­tes ge­gen Ar­ti­kel 3 der Richt­li­nie 93/104 ver­s­toßen, weil die un­un­ter­bro­che­ne Ru­he­zeit von elf St­un­den nicht nur verkürzt, son­dern auch un­ter­bro­chen wer­den könne, könn­te die deut­sche Re­ge­lung doch durch Ar­ti­kel 17 Ab­satz 2 die­ser Richt­li­nie ge­deckt sein.
Wenn auf­grund der gel­ten­den na­tio­na­len Re­ge­lung bzw. in dem gel­ten­den Ta­rif­ver­trag si­cher­ge­stellt wäre, dass die­se - trotz Be­wer­tung des Be­reit­schafts­diens­tes als Ru­he­zeit - den Ar­beit­neh­mern aus­rei­chen­de Aus­gleichs­zeiträume gewähr­ten, könn­te der Ziel­rich­tung der Richt­li­nie 93/104, Si­cher­heit und Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer in der Ge­mein­schaft zu gewähr­leis­ten, Rech­nung ge­tra­gen wer­den.
Da das Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein der Auf­fas­sung ist, dass die Ent­schei­dung des bei ihm anhängi­gen Rechts­streits un­ter die­sen Umständen ei­ne Aus­le­gung des Ge­mein­schafts­rechts er­for­der­lich ma­che, hat es be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
1. Han­delt es sich bei ei­nem Be­reit­schafts­dienst, den ein Ar­beit­neh­mer in ei­nem Kran­ken­haus ab­leis­tet, ge­ne­rell um Ar­beits­zeit im Sin­ne des Ar­ti­kels 2 Num­mer 1 der Richt­li­nie 93/104/EG, und zwar auch in­so­weit, als es dem Ar­beit­neh­mer in Zei­ten, in de­nen er nicht in An­spruch ge­nom­men wird, ge­stat­tet ist, zu schla­fen?
2. Verstößt ei­ne Re­ge­lung im na­tio­na­len Recht, mit der Be­reit­schafts­dienst als Ru­he­zeit be­wer­tet wird, so­weit nicht ei­ne In­an­spruch­nah­me er­folgt, der­ge­stalt, dass sich der Ar­beit­neh­mer in ei­nem Kran­ken­haus in ei­nem ihm zur Verfügung ge­stell­ten Raum aufhält und auf Auf­for­de­rung die Ar­beit auf­nimmt, ge­gen Ar­ti­kel 3 der Richt­li­nie 93/104/EG?
3. Verstößt ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung, die ei­ne Kürzung der tägli­chen Ru­he­zeit von elf St­un­den in Kran­kenhäusern und an­de­ren Ein­rich­tun­gen zur Be­hand­lung, Pfle­ge und Be­treu­ung von Per­so­nen der­ge­stalt zulässt, dass Zei­ten der In­an­spruch­nah­me während des Be­reit­schafts­diens­tes oder der Ruf­be­reit­schaft, die nicht mehr als die Hälf­te der Ru­he­zeit be­tra­gen, zu an­de­ren Zei­ten aus­ge­gli­chen wer­den, ge­gen die Richt­li­nie 93/104/EG?
4. Verstößt ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung, die es zulässt, dass in ei­nem Ta­rif­ver­trag oder auf Grund ei­nes Ta­rif­ver­trags in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung zu­ge­las­sen wer­den kann, dass Ru­he­zei­ten bei Be­reit­schafts­dienst und Ruf­be­reit­schaft den Be­son­der­hei­ten die­ser Diens­te an­ge­passt wer­den, ins­be­son­de­re Kürzun­gen der Ru­he­zeit in­fol­ge von In­an­spruch­nah­men während die­ser Diens­te zu an­de­ren Zei­ten aus­ge­gli­chen wer­den, ge­gen die Richt­li­nie 93/104/EG?
Vor­ab sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Ge­richts­hof im Rah­men ei­nes Ver­fah­rens nach Ar­ti­kel 234 EG zwar nicht über die Ver­ein­bar­keit in­ner­staat­li­cher Rechts­nor­men mit dem Ge­mein­schafts­recht oder über die Aus­le­gung na­tio­na­ler Vor­schrif­ten ent­schei­den kann, dass er aber be­fugt ist, dem vor­le­gen­den Ge­richt al­le Hin­wei­se zur Aus­le­gung des Ge­mein­schafts­rechts zu ge­ben, die es die­sem ermögli­chen, für die Ent­schei­dung der bei ihm anhängi­gen Rechts­sa­che über ei­ne sol­che Ver­ein­bar­keit zu be­fin­den (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 15. De­zem­ber 1993 in der Rechts­sa­che C-292/92, Hüner­mund u. a., Slg. 1993, I-6787, Rand­nr. 8, vom 3. Mai 2001 in der Rechts­sa­che C-28/99, Ver­donck u. a., Slg. 2001, I-3399, Rand­nr. 28, und vom 27. No­vem­ber 2001 in den ver­bun­de­nen Rechts­sa­chen C-285/99 und C-286/99, Lom­bar­di­ni und Man­to­va­ni, Slg. 2001, I-9233, Rand­nr. 27).
Dem­gemäß sind die bei­den ers­ten Fra­gen, die ge­mein­sam zu prüfen sind, da­hin zu ver­ste­hen, dass mit ih­nen geklärt wer­den soll, ob die Richt­li­nie 93/104 so aus­zu­le­gen ist, dass der Be­reit­schafts­dienst, den ein Arzt in Form persönli­cher An­we­sen­heit im Kran­ken­haus leis­tet, in vol­lem Um­fang Ar­beits­zeit im Sin­ne die­ser Richt­li­nie dar­stellt, auch wenn es dem Be­trof­fe­nen in Zei­ten, in de­nen er nicht in An­spruch ge­nom­men wird, ge­stat­tet ist, sich an sei­ner Ar­beits­stel­le aus­zu­ru­hen, so dass die Richt­li­nie der Re­ge­lung ei­nes Mit­glied­staats ent­ge­gen­steht, nach der Zei­ten, in de­nen ein Ar­beit­neh­mer während ei­nes Be­reit­schafts­diens­tes untätig ist, als Ru­he­zeit ein­ge­stuft wer­den.
Zur Be­ant­wor­tung der so um­for­mu­lier­ten Fra­gen ist zunächst fest­zu­stel­len, dass sich so­wohl aus Ar­ti­kel 118a EG-Ver­trag (die Ar­ti­kel 117 bis 120 EG-Ver­trag sind durch die Ar­ti­kel 136 EG bis 143 EG er­setzt wor­den), der die Rechts­grund­la­ge der Richt­li­nie 93/104 dar­stellt, als auch aus de­ren ers­ter, vier­ter, sieb­ter und ach­ter Be­gründungs­erwägung so­wie aus dem Wort­laut ih­res Ar­ti­kels 1 Ab­satz 1 er­gibt, dass durch die­se Richt­li­nie Min­dest­vor­schrif­ten fest­ge­legt wer­den sol­len, die da­zu be­stimmt sind, die Le­bens- und Ar­beits­be­din­gun­gen der Ar­beit­neh­mer durch ei­ne An­glei­chung na­ment­lich der in­ner­staat­li­chen Ar­beits­zeits­vor­schrif­ten zu ver­bes­sern (vgl. Ur­teil vom 26. Ju­ni 2001 in der Rechts­sa­che C-173/99, BEC­TU, Slg. 2001, I-4881, Rand­nr. 37).
Nach den ge­nann­ten Be­stim­mun­gen soll die­se ge­mein­schafts­wei­te Har­mo­ni­sie­rung der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung ei­nen bes­se­ren Schutz der Si­cher­heit und der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer durch die Gewährung von - u. a. tägli­chen und wöchent­li­chen - Min­destru­he­zei­ten und an­ge­mes­se­nen Ru­he­pau­sen so­wie die Fest­le­gung ei­ner wöchent­li­chen Höchst­ar­beits­zeit gewähr­leis­ten.
In die­sem Zu­sam­men­hang er­gibt sich aus der Ge­mein­schafts­char­ta der so­zia­len Grund­rech­te der Ar­beit­neh­mer, die auf der Ta­gung des Eu­ropäischen Ra­tes von Straßburg am 9. De­zem­ber 1989 ver­ab­schie­det wur­de, ins­be­son­de­re aus ih­ren in der vier­ten Be­gründungs­erwägung der Richt­li­nie 93/104 wie­der­ge­ge­be­nen Punk­ten 8 und 19 Ab­satz 1, dass je­der Ar­beit­neh­mer der Eu­ropäischen Ge­mein­schaft in sei­ner Ar­beits­um­welt zu­frie­den stel­len­de Be­din­gun­gen für Ge­sund­heits­schutz und Si­cher­heit vor­fin­den muss und dass er u. a. An­spruch auf die wöchent­li­che Ru­he­zeit hat, de­ren Dau­er gemäß den ein­zel­staat­li­chen Ge­pflo­gen­hei­ten auf dem We­ge des Fort­schritts in den ein­zel­nen Staa­ten ein­an­der an­zunähern ist.
Spe­zi­ell zum Be­griff „Ar­beits­zeit“ im Sin­ne der Richt­li­nie 93/104 ist dar­an zu er­in­nern, dass der Ge­richts­hof in Rand­num­mer 47 des Ur­teils Si­map fest­ge­stellt hat, dass die Richt­li­nie die­sen Be­griff als je­de Zeit­span­ne de­fi­niert, während de­ren ein Ar­beit­neh­mer gemäß den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten ar­bei­tet, dem Ar­beit­ge­ber zur Verfügung steht und sei­ne Tätig­keit ausübt oder sei­ne Auf­ga­ben wahr­nimmt, und dass die­ser Be­griff im Ge­gen­satz zur Ru­he­zeit zu se­hen ist, da bei­de Be­grif­fe ein­an­der aus­sch­ließen.
In Rand­num­mer 48 des Ur­teils Si­map hat der Ge­richts­hof für Recht er­kannt, dass der von den Ärz­ten der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in der Re­gi­on Va­len­cia ge­leis­te­te Be­reit­schafts­dienst in Form persönli­cher An­we­sen­heit in der Ge­sund­heits­ein­rich­tung die cha­rak­te­ris­ti­schen Merk­ma­le die­ses Be­grif­fes der Ar­beits­zeit auf­weist. Sei­ner Fest­stel­lung nach war nämlich in der Rechts­sa­che, die zu die­sem Ur­teil führ­te, un­strei­tig, dass bei die­ser Art Be­reit­schafts­dienst die bei­den ers­ten in der De­fi­ni­ti­on des Be­grif­fes der Ar­beits­zeit ent­hal­te­nen Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind; er hat wei­ter fest­ge­stellt, dass die Ver­pflich­tung der Ärz­te, sich zur Er­brin­gung ih­rer be­ruf­li­chen Leis­tun­gen am Ar­beits­platz auf­zu­hal­ten und verfügbar zu sein, als Be­stand­teil der Wahr­neh­mung ih­rer Auf­ga­ben an­zu­se­hen ist, auch wenn die tatsächlich ge­leis­te­te Ar­beit von den Umständen abhängt.
50 Der Ge­richts­hof hat in Rand­num­mer 49 des Ur­teils Si­map hin­zu­gefügt, dass die­se Aus­le­gung im Ein­klang mit dem Ziel der Richt­li­nie 93/104 steht, die Si­cher­heit und Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer zu gewähr­leis­ten, in­dem ih­nen Min­destru­he­zei­ten so­wie an­ge­mes­se­ne Ru­he­pau­sen zu­ge­stan­den wer­den, wo­hin­ge­gen die­ses Ziel ernst­haft gefähr­det würde, wenn der Be­reit­schafts­dienst in Form persönli­cher An­we­sen­heit nicht un­ter den Be­griff „Ar­beits­zeit“ im Sin­ne die­ser Richt­li­nie fie­le.
In Rand­num­mer 50 des Ur­teils Si­map hat der Ge­richts­hof fer­ner dar­auf hin­ge­wie­sen, dass et­was an­de­res gilt, wenn die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung Be­reit­schafts­dienst in der Wei­se leis­ten, dass sie ständig er­reich­bar sind, oh­ne je­doch zur An­we­sen­heit in der Ge­sund­heits­ein­rich­tung ver­pflich­tet zu sein (Ruf­be­reit­schaft). Selbst wenn sie ih­rem Ar­beit­ge­ber nämlich in dem Sin­ne zur Verfügung ste­hen, dass sie er­reich­bar sein müssen, können die Ärz­te in die­ser Si­tua­ti­on doch frei­er über ih­re Zeit verfügen und ei­ge­nen In­ter­es­sen nach­ge­hen so dass nur die Zeit, die für die tatsächli­che Er­brin­gung von Leis­tun­gen der me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung auf­ge­wandt wird, als „Ar­beits­zeit“ im Sin­ne der Richt­li­nie 93/104 an­zu­se­hen ist.
Nach­dem der Ge­richts­hof in Rand­num­mer 51 des Ur­teils Si­map fest­ge­stellt hat, dass Über­stun­den un­ter den Be­griff „Ar­beits­zeit“ im Sin­ne der Richt­li­nie 93/104 fal­len, ist er in Rand­num­mer 52 die­ses Ur­teils zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass der Be­reit­schafts­dienst, den die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in Form persönli­cher An­we­sen­heit in der Ge­sund­heits­ein­rich­tung leis­ten, ins­ge­samt als Ar­beits­zeit und ge­ge­be­nen­falls als Über­stun­den im Sin­ne die­ser Richt­li­nie an­zu­se­hen ist, während beim Be­reit­schafts­dienst in Form von Ruf­be­reit­schaft nur die Zeit, die für die tatsächli­che Er­brin­gung von Leis­tun­gen der me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung auf­ge­wandt wird, als Ar­beits­zeit an­zu­se­hen ist (vgl. in die­sem Sin­ne Be­schluss vom 3. Ju­li 2001 in der Rechts­sa­che C-241/99, CIG, Slg. 2001, I-5139, Rand­num­mern 33 f.).
Es ist zum ei­nen fest­zu­stel­len, dass ein Arzt, der Auf­ga­ben wie die­je­ni­gen, um die es im Aus­gangs­ver­fah­ren geht, wahr­nimmt, sei­nen Be­reit­schafts­dienst un­strei­tig in Form persönli­cher An­we­sen­heit in der Ge­sund­heits­ein­rich­tung leis­tet.
An­de­rer­seits wei­sen we­der der Rah­men noch die Na­tur der Tätig­kei­ten ei­nes sol­chen Arz­tes re­le­van­te Un­ter­schie­de ge­genüber de­nen in der Rechts­sa­che, die zum Ur­teil Si­map geführt hat, auf, die die vom Ge­richts­hof in die­sem Ur­teil vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung der Richt­li­nie 93/104 in Fra­ge stel­len könn­ten.
Ei­ne Un­ter­schei­dung zwi­schen die­sen bei­den Tätig­kei­ten kann nicht un­ter Hin­weis dar­auf vor­ge­nom­men wer­den, dass die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in der Rechts­sa­che, die zum Ur­teil Si­map geführt ha­be, ei­ne un­un­ter­bro­che­ne Ar­beits­zeit von bis zu 31 St­un­den oh­ne Nacht­ru­he ge­habt hätten, während bei ei­nem Be­reit­schafts­dienst wie dem­je­ni­gen des Aus­gangs­ver­fah­rens die maßgeb­li­che na­tio­na­le Re­ge­lung gewähr­leis­te, dass die Zei­ten, während de­ren der Be­trof­fe­ne zur Wahr­neh­mung ei­ner be­ruf­li­chen Auf­ga­be her­an­ge­zo­gen wer­de, nicht mehr als 49 % der Be­reit­schafts­dienst­zeit ins­ge­samt betrügen, so dass er während mehr als der Hälf­te die­ser Zeit nicht tätig zu wer­den brau­che.
Wie nämlich der Ge­ne­ral­an­walt in Fußno­te 3 sei­ner Schluss­anträge aus­geführt hat, er­gibt sich aus der spa­ni­schen Re­ge­lung, die zum Ur­teil Si­map geführt hat, nicht, dass die Ärz­te, die im Kran­ken­haus Be­reit­schafts­dienst leis­ten, während des ge­sam­ten Diens­tes präsent und ak­tiv sein müssen. Die­sel­be Schluss­fol­ge­rung lässt sich auch aus den Num­mern 15, 31 und 33 der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Rechts­sa­che Si­map zie­hen.
Im Übri­gen be­zieht sich der An­teil von 49 %, wie er sich aus der im Aus­gangs­ver­fah­ren maßgeb­li­chen na­tio­na­len Re­ge­lung er­gibt, zwar auf den für ei­nen be­stimm­ten Zeit­raum er­mit­tel­ten Durch­schnitt der für die tatsächli­che Er­brin­gung von Leis­tun­gen während des Be­reit­schafts­diens­tes auf­ge­wand­ten Zeit, doch kann ein Arzt gleich­wohl während die­ser Zeit so oft und so­lan­ge zur Ar­beits­leis­tung her­an­ge­zo­gen wer­den, wie dies er­for­der­lich ist, oh­ne dass die­se Re­ge­lung in­so­weit Gren­zen setzt.
Je­den­falls dürfen die Be­grif­fe „Ar­beits­zeit“ und „Ru­he­zeit“ im Sin­ne der Richt­li­nie 93/104 nicht nach Maßga­be der Vor­schrif­ten der Re­ge­lun­gen der ver­schie­de­nen Mit­glied­staa­ten aus­ge­legt wer­den, son­dern sie stel­len ge­mein­schafts­recht­li­che Be­grif­fe dar, die an­hand ob­jek­ti­ver Merk­ma­le un­ter Berück­sich­ti­gung des Re­ge­lungs­zu­sam­men­hangs und des Zwe­ckes die­ser Richt­li­nie zu be­stim­men sind, wie der Ge­richts­hof dies in den Rand­num­mern 48 und 50 des Ur­teils Si­map ge­tan hat. Nur ei­ne sol­che au­to­no­me Aus­le­gung kann die vol­le Wirk­sam­keit die­ser Richt­li­nie und ei­ne ein­heit­li­che An­wen­dung der ge­nann­ten Be­grif­fe in sämt­li­chen Mit­glied­staa­ten si­cher­stel­len.
Der Um­stand, dass die De­fi­ni­ti­on des Be­grif­fes Ar­beits­zeit auf die „ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten“ ver­weist, be­deu­tet da­her nicht, dass die Mit­glied­staa­ten den In­halt die­ses Be­grif­fes ein­sei­tig fest­le­gen können. Die Mit­glied­staa­ten dürfen den An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf ord­nungs­gemäße Berück­sich­ti­gung der Ar­beits­zei­ten und dem­ent­spre­chend der Ru­he­zei­ten so­mit kei­ner­lei Be­din­gun­gen un­ter­wer­fen, da die­ser An­spruch sich un­mit­tel­bar aus den Vor­schrif­ten die­ser Richt­li­nie er­gibt. Je­de an­de­re Aus­le­gung würde dem Ziel der Richt­li­nie 93/104 zu­wi­der­lau­fen, den Schutz der Si­cher­heit und Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer zu har­mo­ni­sie­ren (vgl. Ur­teil vom 12. No­vem­ber 1996 in der Rechts­sa­che C-84/94, Ver­ei­nig­tes König­reich/Rat, Slg. 1996, I-5755, Rand­nrn. 45 und 75).
Der Um­stand, dass der Ge­richts­hof sich im Ur­teil Si­map nicht aus­drück­lich zu der den Ärz­ten, die ei­nen Be­reit­schafts­dienst in Form persönli­cher An­we­sen­heit im Kran­ken­haus leis­ten, ge­ge­be­nen Möglich­keit geäußert hat, sich während der Zei­ten, in de­nen sie nicht zur Ar­beits­leis­tung her­an­ge­zo­gen wer­den, aus­zu­ru­hen oder zu schla­fen, ist in­so­weit oh­ne Be­deu­tung.
Sol­che Zei­ten be­ruf­li­cher Untätig­keit sind Teil des Be­reit­schafts­diens­tes, den die Ärz­te in Form persönli­cher An­we­sen­heit im Kran­ken­haus leis­ten, da - im Un­ter­schied zur nor­ma­len Ar­beits­zeit - die Not­wen­dig­keit drin­gen­der Einsätze von den Umständen abhängt und nicht im Vor­aus ge­plant wer­den kann.
Der Ge­richts­hof hat übri­gens im letz­ten Satz der Rand­num­mer 48 des Ur­teils Si­map aus­drück­lich auf die­sen Um­stand hin­ge­wie­sen, wor­aus sich zwin­gend er­gibt, dass er da­von aus­ge­gan­gen ist, dass die im Kran­ken­haus an­we­sen­den Be­reit­schafts­dienstärz­te ih­re be­ruf­li­chen Tätig­kei­ten nicht während des ge­sam­ten Be­reit­schafts­diens­tes tatsächlich und un­un­ter­bro­chen ausüben.
Ent­schei­dend für die An­nah­me, dass der von den Ärz­ten im Kran­ken­haus ge­leis­te­te Be­reit­schafts­dienst die cha­rak­te­ris­ti­schen Merk­ma­le des Be­grif­fes „Ar­beits­zeit“ im Sin­ne der Richt­li­nie 93/104 auf­weist, ist nach Auf­fas­sung des Ge­richts­ho­fes, dass sie sich an ei­nem vom Ar­beit­ge­ber be­stimm­ten Ort auf­hal­ten und die­sem zur Verfügung ste­hen müssen, um ge­ge­be­nen­falls so­fort ih­re Leis­tun­gen er­brin­gen zu können. Wie sich nämlich aus Rand­num­mer 48 des Ur­teils Si­map er­gibt, sind die­se Ver­pflich­tun­gen, auf­grund de­ren die be­trof­fe­nen Ärz­te ih­ren Auf­ent­halts­ort während der War­te­zei­ten nicht frei be­stim­men können, als Be­stand­teil der Wahr­neh­mung ih­rer Auf­ga­ben an­zu­se­hen.
Der bloße Um­stand, dass der Ar­beit­ge­ber dem Arzt ei­nen Ru­he­raum zur Verfügung stellt, in dem er sich auf­hal­ten kann, so­lan­ge kei­ne be­ruf­li­chen Leis­tun­gen von ihm ver­langt wer­den, ändert nichts an die­sem Er­geb­nis.
Zu­dem un­ter­liegt, wie der Ge­richts­hof be­reits in Rand­num­mer 50 des Ur­teils Si­map fest­ge­stellt hat, ein Arzt, der sei­nem Ar­beit­ge­ber an dem von die­sem be­stimm­ten Ort während der ge­sam­ten Dau­er sei­ner Be­reit­schafts­diens­te zur Verfügung ste­hen muss, im Ver­gleich zu ei­nem Arzt, der im Rah­men der Ruf­be­reit­schaft tätig ist, während de­ren er nur ständig er­reich­bar sein muss, oh­ne je­doch zur An­we­sen­heit in der Ge­sund­heits­ein­rich­tung ver­pflich­tet zu sein, er­heb­lich stärke­ren Ein­schränkun­gen, da er sich außer­halb sei­nes fa­mi­liären und so­zia­len Um­felds auf­hal­ten muss und über die Zeit, in der er nicht in An­spruch ge­nom­men wird, we­ni­ger frei verfügen kann. Un­ter die­sen Umständen können bei ei­nem Ar­beit­neh­mer, der an dem vom Ar­beit­ge­ber be­stimm­ten Ort zur Verfügung steht, die Zei­ten sei­nes Be­reit­schafts­diens­tes, in de­nen er tatsächlich kei­ne be­ruf­li­che Tätig­keit ausübt, nicht als Ru­he­zei­ten an­ge­se­hen wer­den.
Die von den fünf Mit­glied­staa­ten, die gemäß Ar­ti­kel 20 der EG-Sat­zung des Ge­richts­ho­fes schrift­li­che Erklärun­gen ab­ge­ge­ben ha­ben, er­ho­be­nen Einwände be­tref­fend die wirt­schaft­li­chen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Aus­wir­kun­gen, die sich aus ei­ner Er­stre­ckung der im Ur­teil Si­map ge­trof­fe­nen Ent­schei­dung auf ei­nen Fall wie den­je­ni­gen des Aus­gangs­ver­fah­rens er­ge­ben würden, können die­se Aus­le­gung nicht in Fra­ge stel­len.
Im Übri­gen heißt es in der fünf­ten Be­gründungs­erwägung der Richt­li­nie 93/104: „Die Ver­bes­se­rung von Si­cher­heit, Ar­beits­hy­gie­ne und Ge­sund­heits­schutz der Ar­beit­neh­mer bei der Ar­beit stel­len Ziel­set­zun­gen dar, die kei­nen rein wirt­schaft­li­chen Über­le­gun­gen un­ter­ge­ord­net wer­den dürfen.“
Aus al­le­dem folgt, dass das Er­geb­nis, zu dem der Ge­richts­hof im Ur­teil Si­map ge­langt ist, nämlich dass der Be­reit­schafts­dienst, den die Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung in Form persönli­cher An­we­sen­heit in der Ge­sund­heits­ein­rich­tung leis­ten, ins­ge­samt als Ar­beits­zeit im Sin­ne Richt­li­nie 93/104 an­zu­se­hen ist, un­abhängig von den tatsächlich von den Be­trof­fe­nen er­brach­ten Ar­beits­leis­tun­gen, auch für Be­reit­schafts­diens­te gel­ten muss, die in der­sel­ben Form von ei­nem Arzt wie dem Kläger in dem Kran­ken­haus er­bracht wer­den, in dem er beschäftigt ist.
Da­her steht die Richt­li­nie 93/104 ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der­je­ni­gen des Aus­gangs­ver­fah­rens ent­ge­gen, nach der die Pha­sen des Be­reit­schafts­diens­tes, während de­ren der Arzt nicht tatsächlich zur Erfüllung ei­ner be­ruf­li­chen Auf­ga­be her­an­ge­zo­gen wird und sich aus­ru­hen kann, sich je­doch an dem vom Ar­beit­ge­ber be­stimm­ten Ort auf­hal­ten und verfügbar sein muss, um sei­ne Leis­tun­gen zu er­brin­gen, falls dies er­for­der­lich ist oder er hier­zu auf­ge­for­dert wird, als Ru­he­zeit be­han­delt wer­den.
Die­se Aus­le­gung ent­spricht nämlich als ein­zi­ge dem Ziel der Richt­li­nie 93/104, ei­nen wirk­sa­men Schutz der Si­cher­heit und Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer da­durch zu gewähr­leis­ten, dass ih­nen tatsächlich Min­destru­he­zei­ten gewährt wer­den. Ei­ne sol­che Aus­le­gung ist um­so mehr ge­bo­ten, wenn es sich um Ärz­te han­delt, die in Ge­sund­heits­ein­rich­tun­gen Be­reit­schafts­dienst leis­ten, da die Zeiträume, in de­nen sie nicht zu Not­fall­diens­ten her­an­ge­zo­gen wer­den, je nach Ein­zel­fall womöglich kurz sind und/oder häufig un­ter­bro­chen wer­den und da im Übri­gen nicht aus­zu­sch­ließen ist, dass die Be­trof­fe­nen - ab­ge­se­hen von den Notfällen - zur Über­wa­chung des Zu­stands der ih­rer Auf­sicht un­ter­lie­gen­den Pa­ti­en­ten oder zur Erfüllung ad­mi­nis­tra­ti­ver Auf­ga­ben her­an­ge­zo­gen wer­den.
Auf Grund all die­ser Erwägun­gen ist auf die ers­te und die zwei­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass die Richt­li­nie 93/104 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass der Be­reit­schafts­dienst, den ein Arzt in Form persönli­cher An­we­sen­heit im Kran­ken­haus leis­tet, in vol­lem Um­fang Ar­beits­zeit im Sin­ne die­ser Richt­li­nie dar­stellt, auch wenn es dem Be­trof­fe­nen in Zei­ten, in de­nen er nicht in An­spruch ge­nom­men wird, ge­stat­tet ist, sich an sei­ner Ar­beits­stel­le aus­zu­ru­hen, so dass die Richt­li­nie der Re­ge­lung ei­nes Mit­glied­staats ent­ge­gen­steht, nach der Zei­ten, in de­nen ein Ar­beit­neh­mer während ei­nes Be­reit­schafts­diens­tes untätig ist, als Ru­he­zeit ein­ge­stuft wer­den.
Mit der drit­ten und der vier­ten Fra­ge, die ge­mein­sam zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt im We­sent­li­chen wis­sen, ob die Richt­li­nie 93/104 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass sie der Re­ge­lung ei­nes Mit­glied­staats ent­ge­gen­steht, die - ge­ge­be­nen­falls über ei­nen Ta­rif­ver­trag oder ei­ne auf­grund ei­nes Ta­rif­ver­trags ge­trof­fe­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung - ei­ne Kürzung der tägli­chen Ru­he­zeit von elf St­un­den der­ge­stalt zulässt, dass „Zei­ten der In­an­spruch­nah­me während des Be­reit­schafts­diens­tes ... zu an­de­ren Zei­ten“ aus­ge­gli­chen wer­den.
Aus dem Zu­sam­men­hang, in dem die drit­te und die vier­te Fra­ge ge­stellt wur­den, er­gibt sich, dass das vor­le­gen­de Ge­richt Zwei­fel an der Ver­ein­bar­keit der §§ 5 Ab­satz 3 und 7 Ab­satz 2 Un­ter­ab­satz 1 Arb­ZG mit der Richt­li­nie 93/104 hat.
In­so­weit ist zunächst fest­zu­stel­len, dass na­tio­na­le Vor­schrif­ten wie die vom vor­le­gen­den Ge­richt an­geführ­ten da­nach un­ter­schei­den, ob der Ar­beit­neh­mer während des Be­reit­schafts­diens­tes tatsächlich zu Ar­beits­leis­tun­gen her­an­ge­zo­gen wird oder nicht, da nur für Zei­ten tatsäch­li­cher Tätig­keit während ei­nes sol­chen Diens­tes ein Aus­gleich vor­ge­se­hen ist, während die Pha­sen die­ses Diens­tes, in de­nen der Ar­beit­neh­mer untätig ist, als Ru­he­zeit an­ge­se­hen wer­den.
Wie sich aus der Ant­wort auf die ers­ten bei­den Fra­gen er­gibt, sind Be­reit­schafts­diens­te, die ein Arzt in dem Kran­ken­haus leis­tet, in dem er beschäftigt ist, in vol­lem Um­fang als Ar­beits­zeit an­zu­se­hen, un­abhängig da­von, dass der Ar­beit­neh­mer während die­ses Diens­tes kei­ne un­un­ter­bro­che­ne tatsächli­che Tätig­keit ausübt. Die Richt­li­nie 93/104 steht al­so ei­ner Re­ge­lung ei­nes Mit­glied­staats ent­ge­gen, die Zei­ten der Untätig­keit ei­nes Ar­beit­neh­mers während des Be­reit­schafts­diens­tes, den er in der Ge­sund­heits­ein­rich­tung leis­tet, als Ru­he­zeit im Sin­ne die­ser Richt­li­nie be­han­delt und da­her ei­nen Aus­gleich nur für die Zei­ten vor­sieht, während de­ren der Be­trof­fe­ne tatsächlich ei­ne be­ruf­li­che Tätig­keit aus­geübt hat.
Um dem vor­le­gen­den Ge­richt ei­ne sach­dien­li­che Ant­wort zu ge­ben, müssen fer­ner die An­for­de­run­gen der Richt­li­nie 93/104 be­tref­fend die Ru­he­zeit geklärt wer­den; ins­be­son­de­re muss ge­prüft wer­den, ob und ge­ge­be­nen­falls in­wie­weit na­tio­na­le Vor­schrif­ten wie die §§ 5 Ab­satz 3 und 7 Ab­satz 2 Un­ter­ab­satz 1 Arb­ZG un­ter die in die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Ab­wei­chungsmöglich­kei­ten fal­len.
Ar­ti­kel 3 der Richt­li­nie räumt in­so­weit je­dem Ar­beit­neh­mer pro 24-St­un­den-Zeit­raum ei­nen An­spruch auf ei­ne Min­destru­he­zeit von elf zu­sam­menhängen­den St­un­den ein.
Ar­ti­kel 6 der Richt­li­nie ver­pflich­tet die Mit­glied­staa­ten, die er­for­der­li­chen Maßnah­men zu tref­fen, da­mit nach Maßga­be der Er­for­der­nis­se des Schut­zes der Si­cher­heit und der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer die durch­schnitt­li­che Ar­beits­zeit pro Sie­ben­ta­ges­zeit­raum 48 St­un­den ein­sch­ließlich der Über­stun­den nicht über­schrei­tet.
Aus dem Wort­laut der bei­den vor­ge­nann­ten Vor­schrif­ten er­gibt sich, dass ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung wie die­je­ni­ge des Aus­gangs­ver­fah­rens, nach der die Ar­beits­zeit un­gefähr 30 St­un­den hin­ter­ein­an­der be­tra­gen kann, wenn ein Be­reit­schafts­dienst ei­nem nor­ma­len Dienst un­mit­tel­bar vor­aus­geht oder an die­sen an­sch­ließt, oder - ein­sch­ließlich der Be­reit­schafts­diens­te - mehr als 50 St­un­den in der Wo­che, mit ih­nen nicht ver­ein­bar ist. Et­was an­de­res würde nur gel­ten, wenn die­se Re­ge­lung un­ter die in der Richt­li­nie 93/104 vor­ge­se­he­nen Ab­wei­chungsmöglich­kei­ten fie­le.
Wie sich in­so­weit aus dem durch die­se Richt­li­nie ein­geführ­ten Sys­tem er­gibt, lässt Ar­ti­kel 15 der Richt­li­nie zwar grundsätz­lich die An­wen­dung oder Einführung na­tio­na­ler Vor­schrif­ten zu, die für den Schutz der Si­cher­heit oder Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer güns­ti­ger sind, doch dürfen die Mit­glied­staa­ten oder die So­zi­al­part­ner nach Ar­ti­kel 17 der Richt­li­nie Ab­wei­chun­gen nur von ei­ni­gen - ab­sch­ließend auf­gezähl­ten - Richt­li­ni­en­be­stim­mun­gen vor­se­hen.
Be­zeich­nen­der­wei­se gehört, ers­tens, Ar­ti­kel 2 der Richt­li­nie 93/104 nicht zu den Vor­schrif­ten, von de­nen die Richt­li­nie aus­drück­lich Ab­wei­chun­gen zulässt.
Dies bestätigt die in den Rand­num­mern 58 und 59 die­ses Ur­teils ge­trof­fe­ne Fest­stel­lung, dass die in Ar­ti­kel 2 ent­hal­te­nen Be­griffs­be­stim­mun­gen von den Mit­glied­staa­ten nicht frei aus­ge­legt wer­den können.
Ar­ti­kel 6 der Richt­li­nie 93/104 wird, zwei­tens, nur in ih­rem Ar­ti­kel 17 Ab­satz 1 erwähnt, und die letzt­ge­nann­te Vor­schrift be­zieht sich un­strei­tig auf ganz an­de­re Tätig­kei­ten, als sie ein Arzt während der Be­reit­schafts­diens­te ausübt, die er in Form persönli­cher An­we­sen­heit im Kran­ken­haus ab­leis­tet.
Ge­wiss ist es den Mit­glied­staa­ten nach Ar­ti­kel 18 Ab­satz 1 Buch­sta­be b Zif­fer i der Richt­li­nie 93/104 frei­ge­stellt, Ar­ti­kel 6 nicht an­zu­wen­den, so­fern sie die all­ge­mei­nen Grundsätze des Schut­zes der Si­cher­heit und der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer ein­hal­ten und be­stimm­te in die­ser Vor­schrift auf­geführ­te ku­mu­la­ti­ve Vor­aus­set­zun­gen ein­hal­ten.
Un­strei­tig hat die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land je­doch, wie die deut­sche Re­gie­rung in der münd­li­chen Ver­hand­lung aus­drück­lich bestätigt hat, von die­ser Ab­wei­chungsmöglich­keit kei­nen Ge­brauch ge­macht.
Ar­ti­kel 3 der Richt­li­nie 93/104 da­ge­gen wird, drit­tens, in ver­schie­de­nen Absätzen des Ar­ti­kels 17 der Richt­li­nie erwähnt, u. a. in des­sen Ab­satz 2 Num­mer 2.1, ei­ner Vor­schrift, die für das Aus­gangs­ver­fah­ren ein­schlägig ist, da sie gemäß Buch­sta­be c Zif­fer i „ins­be­son­de­re bei ... Auf­nah­me-, Be­hand­lungs- und/oder Pfle­ge­diens­ten von Kran­kenhäusern oder ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen ...“ An­wen­dung fin­det.
Die Richt­li­nie 93/104 er­kennt so­mit die Be­son­der­hei­ten, die mit der Or­ga­ni­sa­ti­on der Be­reit­schafts­diens­te in Kran­kenhäusern oder ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen ver­bun­den sind, an, da sie hierfür in ih­rem Ar­ti­kel 17 Ab­wei­chungsmöglich­kei­ten vor­sieht.
Ent­spre­chend hat der Ge­richts­hof in Rand­num­mer 45 des Ur­teils Si­map aus­geführt, dass die Tätig­keit der Ärz­te der Teams zur me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung un­ter die in die­sem Ar­ti­kel vor­ge­se­he­nen Ab­wei­chun­gen fal­len kann, wenn der Tat­be­stand die­ser Vor­schrift erfüllt ist (vgl. Be­schluss CIG, Rand­nr. 31).
In­so­weit ist fest­zu­stel­len, dass die in Ar­ti­kel 17 der Richt­li­nie 93/104 vor­ge­se­he­nen Ab­wei­chun­gen als Aus­nah­men von der Ge­mein­schafts­re­ge­lung über die Ar­beits­zeit­ge­stal­tung so aus­ge­legt wer­den müssen, dass ihr An­wen­dungs­be­reich auf das zur Wah­rung der In­ter­es­sen, de­ren Schutz sie ermögli­chen, un­be­dingt Er­for­der­li­che be­grenzt wird.
Aus­drück­li­che Vor­aus­set­zung für ei­ne sol­che Ab­wei­chung - ins­be­son­de­re von der Dau­er der tägli­chen Ru­he­zeit nach Ar­ti­kel 3 der Richt­li­nie 93/104 - ist im Übri­gen nach Ar­ti­kel 17 Ab­satz 2 die­ser Richt­li­nie, dass die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer gleich­wer­ti­ge Aus­gleichs­ru­he­zei­ten oder in Aus­nah­mefällen, in de­nen die Gewährung sol­cher gleich­wer­ti­ger Aus­gleichs­ru­he­zei­ten aus ob­jek­ti­ven Gründen nicht möglich ist, ei­nen an­ge­mes­se­nen Schutz er­hal­ten. Die­sel­ben Vor­aus­set­zun­gen gel­ten nach Ar­ti­kel 17 Ab­satz 3 für Ab­wei­chun­gen von dem ge­nann­ten Ar­ti­kel 3 im We­ge von Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den So­zi­al­part­nern auf na­tio­na­ler oder re­gio­na­ler Ebe­ne oder, bei zwi­schen den So­zi­al­part­nern ge­trof­fe­nen Ab­ma­chun­gen, im We­ge von Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen So­zi­al­part­nern auf nied­ri­ge­rer Ebe­ne.
Zum ei­nen er­laubt Ar­ti­kel 17 der Richt­li­nie 93/104 es je­doch - wie be­reits in Rand­num­mer 81 des vor­lie­gen­den Ur­teils fest­ge­stellt - nicht, von den De­fi­ni­tio­nen der Be­grif­fe „Ar­beits­zeit“ und „Ru­he­zeit“ in Ar­ti­kel 2 die­ser Richt­li­nie ab­zu­wei­chen und Zei­ten der Untätig­keit ei­nes Arz­tes, der sei­nen Be­reit­schafts­dienst im Kran­ken­haus selbst ab­leis­ten muss, als Ru­he­zeit an­zu­rech­nen, ob­wohl sol­che Zei­ten in vol­lem Um­fang der Ar­beits­zeit im Sin­ne die­ser Richt­li­nie zu­zu­rech­nen sind.
Zum an­de­ren ist dar­an zu er­in­nern, dass die Richt­li­nie 93/104 den Zweck ver­folgt, die Si­cher­heit und Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer wirk­sam zu schützen. In An­be­tracht die­ses we­sent­li­chen Zie­les müssen je­dem Ar­beit­neh­mer an­ge­mes­se­ne Ru­he­zei­ten zur Verfügung ste­hen,die nicht nur ef­fek­tiv sein müssen, in­dem sie es den Be­tref­fen­den er­lau­ben, sich von der durch ih­re Ar­beit her­vor­ge­ru­fe­nen Ermüdung zu er­ho­len, son­dern auch vor­beu­gen­den Cha­rak­ter ha­ben müssen, in­dem sie die Ge­fahr ei­ner Ver­schlech­te­rung der Si­cher­heit und Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer, die in der Ku­mu­lie­rung von Ar­beits­pha­sen oh­ne die er­for­der­li­che Ru­he­pau­se lie­gen kann, so weit wie möglich ver­rin­gern.
In­so­weit er­gibt sich aus Rand­num­mer 15 des Ur­teils Ver­ei­nig­tes König­reich/Rat vom 12. No­vem­ber 1996, dass die Be­grif­fe „Si­cher­heit“ und „Ge­sund­heit“ im Sin­ne des Ar­ti­kels 118a EG-Ver­trag, auf den die Richt­li­nie 93/104 gestützt ist, in der Wei­se weit aus­ge­legt wer­den müssen, dass sie sämt­li­che körper­li­chen und sons­ti­gen Fak­to­ren, die die Ge­sund­heit und die Si­cher­heit der Ar­beit­neh­mer in ih­rem Ar­beits­um­feld un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar berühren, ins­be­son­de­re be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung, er­fas­sen. In der­sel­ben Rand­num­mer die­ses Ur­teils hat der Ge­richts­hof fer­ner fest­ge­stellt, dass ei­ne sol­che Aus­le­gung sich zu­dem auf die Präam­bel der Sat­zung der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on stützen kann, der sämt­li­che Mit­glied­staa­ten an­gehören; die­se de­fi­niert Ge­sund­heit als den Zu­stand des vollständi­gen körper­li­chen, geis­ti­gen und so­zia­len Wohl­be­fin­dens und nicht nur als das Frei­sein von Krank­hei­ten und Ge­bre­chen.
Nach al­le­dem müssen „gleich­wer­ti­ge Aus­gleichs­ru­he­zei­ten“ im Sin­ne von Ar­ti­kel 17 Absätze 1, 2 und 3 der Richt­li­nie 93/104 - um so­wohl den da­mit auf­ge­stell­ten Kri­te­ri­en als auch dem Ziel die­ser Richt­li­nie, wie es in Rand­num­mer 92 des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­stellt ist, zu ent­spre­chen - da­durch ge­kenn­zeich­net sein, dass der Ar­beit­neh­mer während die­ser Zei­ten ge­genüber sei­nem Ar­beit­ge­ber kei­ner Ver­pflich­tung un­ter­liegt, die ihn dar­an hin­dern kann, frei und oh­ne Un­ter­bre­chung sei­nen ei­ge­nen In­ter­es­sen nach­zu­ge­hen, um die Aus­wir­kun­gen der Ar­beit auf sei­ne Si­cher­heit und Ge­sund­heit zu neu­tra­li­sie­ren. Sol­che Ru­he­zei­ten müssen sich da­her un­mit­tel­bar an die Ar­beits­zeit an­sch­ließen, de­ren Aus­gleich sie die­nen, um ei­ne Ermüdung oder Über­las­tung des Ar­beit­neh­mers durch die Ku­mu­lie­rung auf­ein­an­der­fol­gen­der Ar­beits­pe­ri­oden zu ver­hin­dern.
Um ei­nen wirk­sa­men Schutz der Si­cher­heit und Ge­sund­heit des Ar­beit­neh­mers zu gewähr­leis­ten, muss so­mit grundsätz­lich vor­ge­se­hen wer­den, dass ei­ne Ar­beits­pe­ri­ode re­gelmäßig von ei­ner Ru­he­pe­ri­ode ab­gelöst wird. Um sich tatsächlich aus­ru­hen zu können, muss der Ar­beit­neh­mer sich nämlich für ei­ne be­stimm­te An­zahl von St­un­den, die nicht nur zu­sam­menhängen, son­dern sich auch un­mit­tel­bar an ei­ne Ar­beits­pe­ri­ode an­sch­ließen müssen, aus sei­ner Ar­beits­um­ge­bung zurück­zie­hen können, um sich zu ent­span­nen und sich von der mit der Wahr­neh­mung sei­ner Auf­ga­ben ver­bun­de­nen Ermüdung zu er­ho­len. Die­ses Er­for­der­nis ist um­so dring­li­cher, wenn die re­gelmäßige tägli­che Ar­beits­zeit ab­wei­chend von der all­ge­mei­nen Re­gel durch die Ab­leis­tung ei­nes Be­reit­schafts­diens­tes verlängert wird.
Da­ge­gen kann die Ab­leis­tung ei­ner Rei­he von Ar­beits­pe­ri­oden oh­ne Zwi­schen­schal­tung der er­for­der­li­chen Ru­he­zeit ge­ge­be­nen­falls zu ei­ner Schädi­gung des Ar­beit­neh­mers führen oder zu­min­dest des­sen körper­li­che Fähig­kei­ten über­stei­gen und da­mit sei­ne Ge­sund­heit und Si­cher­heit gefähr­den, so dass ei­ne erst nach die­sen Pe­ri­oden gewähr­te Ru­he­zeit nicht ge­eig­net ist, den Schutz der frag­li­chen Be­lan­ge ord­nungs­gemäß zu gewähr­leis­ten. Wie in Rand­num­mer 70 die­ses Ur­teils fest­ge­stellt, ist die­se Ge­fahr bei dem Be­reit­schafts­dienst, den ein Arzt in ei­ner Ge­sund­heits­ein­rich­tung leis­tet, noch größer, zu­mal wenn ein sol­cher Dienst zur re­gelmäßigen Ar­beits­zeit hin­zu­kommt.
Un­ter die­sen Umständen muss die Verlänge­rung der tägli­chen Ar­beits­zeit, die die Mit­glied­staa­ten oder die So­zi­al­part­ner nach Ar­ti­kel 17 der Richt­li­nie 93/104 vor­neh­men können, in­dem sie die Dau­er der dem Ar­beit­neh­mer während ei­nes ge­ge­be­nen Ar­beits­ta­ges gewähr­ten Ru­he­pau­se, na­ment­lich in Kran­kenhäusern und ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen, verkürzen, grundsätz­lich durch die Gewährung gleich­wer­ti­ger Aus­gleichs­ru­he­zei­ten aus­ge­gli­chen wer­den, die aus ei­ner An­zahl zu­sam­menhängen­der St­un­den ent­spre­chend der vor­ge­nom­me­nen Kürzung be­ste­hen und die dem Ar­beit­neh­mer gewährt wer­den müssen, be­vor die fol­gen­de Ar­beits­pe­ri­ode be­ginnt.
Ar­ti­kel 17 lässt nämlich nur un­ter ganz außer­gewöhn­li­chen Umständen zu, dass ein Ar­beit­neh­mer „ei­nen an­de­ren an­ge­mes­se­nen Schutz“ erhält, weil die Gewährung gleich­wer­ti­ger Aus­gleichs­ru­he­zei­ten aus ob­jek­ti­ven Gründen nicht möglich ist.
Vor­lie­gend wird je­doch nicht vor­ge­tra­gen oder auch nur an­ge­deu­tet, dass es sich bei ei­ner Re­ge­lung wie der­je­ni­gen des Aus­gangs­ver­fah­rens um ei­nen sol­chen Fall han­deln könn­te.
Zu­dem darf die durch die Richt­li­nie 93/104 un­ter be­stimm­ten Umständen und bei Ein­hal­tung ver­schie­de­ner Vor­aus­set­zun­gen zu­ge­las­se­ne Kürzung der tägli­chen Ru­he­zeit von elf zu­sam­menhängen­den St­un­den in kei­nem Fall zu ei­ner Über­schrei­tung der in Ar­ti­kel 6 der Richt­li­nie fest­ge­setz­ten Höchst­dau­er der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit führen, in­dem ein Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet wird, sei­ne Tätig­kei­ten durch­schnitt­lich länger als 48 St­un­den pro Sie­ben­ta­ges­zeit­raum ein­sch­ließlich der Über­stun­den aus­zuüben, selbst wenn hier­un­ter Be­reit­schafts­diens­te mit Zeiträum­en fal­len, in de­nen der Ar­beit­neh­mer zwar an sei­nem Ar­beits­platz verfügbar ist, je­doch nicht tatsächlich be­ruf­li­che Tätig­kei­ten ausübt.
Wie nämlich be­reits in Rand­num­mer 83 die­ses Ur­teils fest­ge­stellt, lässt Ar­ti­kel 17 für Tätig­kei­ten wie die­je­ni­gen, um die es im Aus­gangs­ver­fah­ren geht, kei­ne Ab­wei­chung von Ar­ti­kel 6 zu.
Al­le die­se Erwägun­gen führen zu dem Er­geb­nis, dass na­tio­na­le Vor­schrif­ten wie die­je­ni­gen der §§ 5 Ab­satz 3 und 7 Ab­satz 2 Un­ter­ab­satz 1 Arb­ZG nicht un­ter die in der Richt­li­nie 93/104 vor­ge­se­he­nen Ab­wei­chungsmöglich­kei­ten fal­len können.
Da­her ist auf die drit­te und die vier­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass die Richt­li­nie 93/104 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass
Die Aus­la­gen der deut­schen, der däni­schen, der französi­schen und der nie­derländi­schen Re­gie­rung, der Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs so­wie der Kom­mis­si­on, die Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof ab­ge­ge­ben ha­ben, sind nicht er­stat­tungsfähig. Für die Be­tei­lig­ten des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Ver­fah­ren; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts.
auf die ihm vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein mit Be­schluss vom 12. März 2002, geändert durch Be­schluss vom 25. März 2002, vor­ge­leg­ten Fra­gen für Recht er­kannt:
Sch­int­gen
Tim­mer­m­ans
Skou­ris
Ma­cken
Col­ne­ric
Cun­ha Ro­d­ri­gues
Verkündet in öffent­li­cher Sit­zung in Lu­xem­burg am 9. Sep­tem­ber 2003.
1: Ver­fah­rens­spra­che: Deutsch.
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