Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/die-formunwirksame-mietvertrag-und-die-hierdurch-trotzdem-gewahrte-schriftform-396249
Timestamp: 2019-12-15 20:37:15
Document Index: 18602539

Matched Legal Cases: ['§ 126', '§ 550', '§ 550', '§ 550', '§ 550', '§ 126', '§ 550', '§ 550', '§ 550', '§ 550', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Ent­spricht der Ver­trags­schluss nicht den Anfor­de­run­gen des § 126 Abs. 2 BGB, ist aber eine von bei­den Par­tei­en unter­zeich­ne­te Miet­ver­trags­ur­kun­de vor­han­den, die inhalt­lich voll­stän­dig die Bedin­gun­gen eines spä­ter münd­lich oder kon­klu­dent abge­schlos­se­nen Miet­ver­trags ent­hält, ist die Schrift­form nach § 550 Satz 1 BGB gewahrt 1.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits für den ähn­lich gela­ger­ten Fall der ver­spä­te­ten Annah­me eines Ange­bots auf Abschluss eines Miet­ver­trags für die Ein­hal­tung der Schrift­form des § 550 Satz 1 BGB ent­schie­den, dass die Ein­hal­tung der blo­ßen Schrift­lich­keit der Erklä­run­gen (äuße­re Form) zur Wah­rung der Schrift­form des § 550 BGB aus­reicht 2. Ein Miet­ver­trag genügt danach auch dann der Schrift­form des § 550 BGB, wenn er inhalts­gleich mit den in der äuße­ren Form des § 126 BGB nie­der­ge­leg­ten Ver­trags­be­din­gun­gen nur münd­lich oder kon­klu­dent abge­schlos­sen wor­den ist. Die Aus­le­gung von § 550 BGB führt unter Berück­sich­ti­gung sei­nes Schutz­zwecks und sei­ner Rechts­fol­ge zu dem Ergeb­nis, dass § 550 BGB über die Ein­hal­tung der äuße­ren Form hin­aus nicht vor­aus­setzt, dass der Ver­trag durch die schrift­lich abge­ge­be­nen Erklä­run­gen zustan­de gekom­men ist 3. § 550 BGB dient in ers­ter Linie dem Infor­ma­ti­ons­be­dürf­nis des Erwer­bers, dem durch die Schrift­form die Mög­lich­keit ein­ge­räumt wer­den soll, sich von dem Umfang und Inhalt der auf ihn über­ge­hen­den Rech­te und Pflich­ten zuver­läs­sig zu unter­rich­ten. Die­sen Schutz­zweck erfüllt eine nur der äuße­ren Form genü­gen­de Miet­ver­trags­ur­kun­de, in der die von bei­den Par­tei­en unter­zeich­ne­ten Bedin­gun­gen des spä­ter kon­klu­dent abge­schlos­se­nen Ver­tra­ges ent­hal­ten sind. Eine sol­che Urkun­de infor­miert den Erwer­ber über die Bedin­gun­gen des Miet­ver­tra­ges, in die er, wenn der Miet­ver­trag mit die­sem Inhalt zustan­de gekom­men ist und noch besteht, ein­tritt. Auch die zusätz­lich mit der Schrift­form des § 550 BGB ver­folg­ten Zwe­cke, die Beweis­bar­keit lang­fris­ti­ger Abre­den sicher­zu­stel­len und die Ver­trags­par­tei­en vor der unbe­dach­ten Ein­ge­hung lang­fris­ti­ger Bin­dun­gen zu war­nen 4, wer­den durch die blo­ße Ein­hal­tung der äuße­ren Form gewahrt 5.
Schrift­form – und die Unter­schrift eines Ver­tre­ters Für die Ein­hal­tung der Schrift­form ist es erfor­der­lich, dass alle Ver­trags­par­tei­en die Ver­trags­ur­kun­de unter­zeich­nen 6 ist die Schrift­form des…
im Anschluss an BGH, Urteil vom 24.02.2010 – XII ZR 120/​06 NJW 2010, 1518[↩]
BGH, Urteil vom 24.02.2010 – XII ZR 120/​06 NJW 2010, 1518 Rn. 23 ff.[↩]
BGH, Urteil vom 24.02.2010 – XII ZR 120/​06 NJW 2010, 1518 Rn. 24[↩]
vgl. BGH, Urteil BGHZ 176, 301 = NJW 2008, 2178 mwN Rn. 17[↩]
BGH, Urteil vom 24.02.2010 – XII ZR 120/​06 NJW 2010, 1518 Rn. 27[↩]
Die Über­nah­me eines befris­te­ten Miet­ver­tra­ges Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ((BGH, Urteil vom 30.01.2013 – XII ZR 38/​12 , NJW 2013, 1083 Rn. 22 f. mwN[↩]