Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=ZIP%201988,%20165
Timestamp: 2019-05-23 18:17:45
Document Index: 135253975

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 123', '§ 6', '§ 276', '§ 278', 'BGH', 'BGH', '§ 305', 'BGH', '§ 133', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 278', '§ 311', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 305', 'BGH', 'BGH', '§ 4', 'BGH', 'BGH', '§ 278', '§ 278', 'BGH', 'BGH', '§ 278', 'BGH', '§ 166', '§ 166']

BGH, 04.11.1987 - VIII ZR 313/86 - dejure.org
https://dejure.org/1987,1301
BGH, 04.11.1987 - VIII ZR 313/86 (https://dejure.org/1987,1301)
BGH, Entscheidung vom 04.11.1987 - VIII ZR 313/86 (https://dejure.org/1987,1301)
BGH, Entscheidung vom 04. November 1987 - VIII ZR 313/86 (https://dejure.org/1987,1301)
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Verpflichtung des Leasinggebers zum Schadensersatz - Auseinanderfallen von Vertragsinhalt und Erklärungstatbestand des vom Leasinggeber beauftragten Lieferanten - Voraussetzungen einer arglistigen Täuschung im Sinne des § 123 BGB - Anwendung des Abzahlungsgesetzes
Haftung des Leasinggebers gegenüber dem Leasingnehmer für ein vom Lieferanten entgegen dem schriftlichen Vertrag angebotenes Erwerbsrecht
AbzG § 6; BGB § 276, § 278
Finanzierungs-Leasingvertrag - Erwerbsrecht - Leasingnehmer - Umgehungsvertrag - Erfüllungsgehilfe - Käuferbenennungsrechts - Vertragsauflösung
NJW-RR 1988, 241
ZIP 1988, 165
MDR 1988, 310
WM 1988, 84
Dem Autohaus war damit aber nur die Betreuung der notwendigen Vertragsvorbereitung (vgl. hierzu Senatsurteile vom 4. November 1987 - VIII ZR 313/86, NJW-RR 1988, 241 unter II 2 c aa;… vom 28. September 1988 - VIII ZR 160/87, aaO), nicht dagegen die Aufgabe übertragen worden, durch die Vermittlung von Geschäften mit Dritten Anreize für den Abschluss von Leasingverträgen zu schaffen.
Diese Umstände führen aber nicht dazu, dass daraus eine Rechtsscheinvollmacht abgeleitet werden könnte (s. BGH, Urteil vom 04. November 1987 - VIII ZR 313/86 -, Rn. 37, juris; OLG Dresden…, Urteil vom 8. März 2000 - 8 U 3010/99 -, Rn. 4, juris; OLG Koblenz, Urteil vom 29. Juli 2004 - 5 U 174/04 -, BB 2004, 2099 f.; OLG Hamm…, Urteil vom 28. November 2012 - 12 U 105/12 -, Rn. 30, juris;… Stoffels in Staudinger, BGB , Neubearbeitung 2014, Leasing, Rn. 99;… Assies in Graf v. Westphalen, Der Leasingvertrag, 7. Aufl., D, Rn. 77).
Gerade die Tatsache, dass die Lieferantin den Leasingantrag erst an die potentielle Leasinggeberin weiterleitet, macht dem Leasingnehmer deutlich, dass die Lieferantin nicht selbst, d.h. als Vertreterin der Leasinggeberin, über das Zustandekommen des Leasingvertrags entscheiden kann, sondern sich vielmehr die Leasinggeberin den bindenden Vertragsabschluss selbst vorbehalten will (s. BGH, Urteil vom 4. November 1987 - VIII ZR 313/86 -, Rn. 37, juris;… Urteil vom 3. Juli 1985 - VIII ZR 102/84 -, Rn. 15, juris;… Reinking/Eggert, Der Autokauf, 13. Aufl., L275).
Zwar kann eine Kaufoption dann Bestandteil des Leasingvertrags (als vorrangig zu beachtende Individualabrede gem. § 305b BGB , vgl. hierzu BGH, Urteil vom 4. November 1987 - VIII ZR 313/86 -, Rn. 36, juris) sein, wenn die Klägerin dem ihr zugegangenen, von der Lieferantin und dem Beklagten ausgefüllten Leasingantrag oder sonstigen Umständen gem. §§ 133, 157 BGB entnommen hätte oder hätte entnehmen müssen, dass sie als Vertragspartnerin des Beklagten entgegen ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen ein direktes Erwerbsrecht des Beklagten am Ende der Leasingzeit einräumen solle (vgl. BGH…, Urteil vom 28. September 1988 - VIII ZR 160/87 -, Rn. 23, juris).
Schlussfolgerungen aus dem Umstand, dass der Leasingnehmer grundsätzlich darauf vertrauen darf, die bei den Verhandlungen mit dem Lieferanten erörterten Abmachungen würden auch zur Grundlage des Leasingvertrags gemacht, ergeben sich nur im Rahmen der Erörterung eines Anspruchs aus Verschulden bei Vertragsschluss, nicht aber im Zusammenhang mit der Feststellung des vertraglichen Leistungsumfangs (so ausdrücklich BGH…, Urteil vom 28. September 1988 - VIII ZR 160/87 -, Rn. 24; vgl. auch BGH, Urteil vom 4. November 1987 - VIII ZR 313/86 -, Rn. 39, juris;… nicht eindeutig Reinking/Eggert, Der Autokauf, 13. Aufl., L276 und L277;… s.a. Röhricht/Graf v. Westphalen/Haas, HGB , 4. Aufl., Leasing, Rn. 42 f.;… eher ablehnend Assies in Graf v. Westphalen, Der Leasingvertrag, 7. Aufl., D, Rn. 77, 90 ff.).
(1) Zwar kann in einer Konstellation wie der vorliegenden, in der sich die Leasinggeberin bei der Vertragsanbahnung eines Vermittlers bedient, die Verletzung von Aufklärungspflichten der Vermittlungsperson über § 278 BGB im Rahmen eines Schadensersatzanspruches aus § 311 Abs. 2 BGB der Leasinggeberin zuzurechnen sein (vgl. BGH, Urteil vom 4. November 1987 - VIII ZR 313/86 -, Rn. 39 ff.).
Ob einer solchen Klausel allerdings - wie das Berufungsgericht annimmt - jegliche Wirksamkeit abzusprechen wäre, braucht hier nicht entschieden zu werden (vgl. dazu BGH, Urteile vom 3. Juli 1985 - VIII ZR 102/84, BGHZ 95, 170, 173 f.; vom 4. November 1987 - VIII ZR 313/86, WM 1988, 84 unter II 2 b; vom 1. Juli 1987 - VIII ZR 117/86, WM 1987, 1131 unter I 3 b; vom 14. Juli 1994 - VII ZR 186/93, NJW-RR 1995, 80 unter 1;… ferner Ulmer/Schäfer in Ulmer/Brandner/Hensen, AGB-Recht, 11. Aufl., § 305b BGB Rn. 42, 44 mwN).
Für eine Zurechnung des Lieferantenverhaltens ist es deshalb im vorliegenden Fall unerheblich, dass die Beklagte im vorformulierten Vertragstext darauf hinweist, der Lieferant oder sonstige Dritte seien nicht berechtigt, vom Vertragstext abweichende Vereinbarungen oder Zusagen zu treffen oder den Leasinggeber in anderer Weise zu vertreten (…vgl. Senatsurteile vom 3. Juli 1985 - VIII ZR 102/84, aaO S. 181 ff.; vom 4. November 1987 - VIII ZR 313/86, aaO unter II 2 c aa).
b) Nach gefestigter Rechtsprechung des erkennenden Senats kommt es für das Vorliegen eines Umgehungsgeschäfts bei Leasingverträgen entscheidend darauf an, ob sie die Übertragung der Sachsubstanz auf den Leasingnehmer zum Endziel haben, ob also das Leasingobjekt bei störungsfreiem Vertragsablauf dem Leasingnehmer endgültig verbleiben soll (BGHZ 94, 195 [BGH 24.04.1985 - VIII ZR 95/84]; Senatsurteil vom 4. November 1987 - VIII ZR 313/86 = WM 1988, 84).
Im Falle eines Formularvertrages folgt das aus dem Vorrang einer solchen Individualabrede gemäß § 4 AGBG und aus der Freiheit der Vertragschließenden, die im Formularvertrag vorgesehene Schriftformklausel insoweit außer Kraft zu setzen (BGHZ 94, 195, 205 f. [BGH 24.04.1985 - VIII ZR 95/84]; Senatsurteil vom 4. November 1987 aaO unter II 2 a).
Dazu ist im Urteil vom 4. November 1987 (aaO) ausgeführt worden, daß eine solche Zusage den Leasinggeber binde, wenn der Lieferant zur Abgabe entsprechender rechtsgeschäftlicher Erklärungen bevollmächtigt gewesen sei oder vom Vorliegen einer Duldungs- oder Anscheinsvollmacht ausgegangen werden müsse.
Fehle es daran, könne eine Haftung des Leasinggebers aus Verschulden des mit der Vorbereitung des Vertragsschlusses betrauten Lieferanten gemäß § 278 BGB in Betracht kommen, und zwar insbesondere dann, wenn der Lieferant es unterlassen habe, den Leasingnehmer darüber aufzuklären, daß im Text des Leasingvertrages ein Erwerbsrecht ausgeschlossen sei (Senatsurteil vom 4. November 1987 aaO unter II 2 b und c).
a) Es entspricht zwar ständiger Rechtsprechung des Senats, dass der Leasinggeber nach § 278 BGB haftet, wenn der Verkäufer/Lieferant der Leasingsache schuldhaft den Leasingvertrag betreffende Aufklärungs- oder Hinweispflichten gegenüber dem Leasingnehmer verletzt, sofern der Verkäufer/Lieferant mit Wissen und Willen des Leasinggebers Vorverhandlungen mit dem Leasingnehmer über den Abschluss eines Leasingvertrages führt (…Senatsurteile vom 15. Juni 2011 - VIII ZR 279/11, NJW 2011, 2877 Rn. 19; vom 3. Juli 1985 - VIII ZR 102/84, BGHZ 95, 170, 179 f.; vom 4. November 1987 - VIII ZR 313/86, NJW-RR 1988, 241 unter II 2 c aa).
Dies folgt daraus, dass der Leasinggeber im Interesse der Vereinfachung der Vertragsanbahnung und Vertragsabwicklung einen Dritten - den Verkäufer/Lieferanten - mit Aufgaben betraut, die in seinem Verantwortungsbereich liegen (…Senatsurteile vom 15. Juni 2011 - VIII ZR 279/11, aaO; vom 4. November 1987 - VIII ZR 313/86, aaO).
BGH, 15.06.2011 - VIII ZR 279/10
Haftung des Leasinggebers für die Verletzung von Aufklärungspflichten des …
Dabei hängt die Zurechnung der Pflichtverletzung nicht von einer ständigen Geschäftsverbindung von Lieferant/Verkäufer und Leasinggeber ab, sondern von der Tatsache, dass sich der Leasinggeber zum Abschluss des Leasingvertrags der Hilfe des Verkäufers/Lieferanten bedient (…Senatsurteile vom 3. Juli 1985 - VIII ZR 102/84, aaO; vom 4. November 1987 - VIII ZR 313/86, NJW-RR 1988, 241 unter II 2 c aa).
Der erkennende Senat hat zwar im Urteil vom 4. November 1987 (VIII ZR 313/86 = WM 1988, 84) ausgesprochen, der Leasinggeber könne nach § 278 BGB zum Schadensersatz verpflichtet sein, wenn der von ihm mit der Vorbereitung des Leasingvertrages betraute Lieferant oder dessen Vertreter dem Leasingnehmer entgegen dem schriftlichen Vertragsinhalt und damit unter Verletzung von Aufklärungspflichten erklärt habe, nach Ablauf der Leasingzeit könne die Leasingsache käuflich erworben werden.
Das von der Revision herangezogene Urteil des Bundesgerichtshofs vom 4. November 1987 (VIII ZR 313/86 = WM 1988, 84) kann in diesem Zusammenhang nicht verwertet werden, weil es einen Sachverhalt betrifft, bei dem sich der Leasinggeber des Lieferanten noch als seines Verhandlungsgehilfen bedient hatte.
Die Bejahung arglistiger Verletzung der Offenbarungspflicht hängt allerdings weiter davon ab, ob der Zweitbeklagte selbst Kenntnis von den Knochenabsplitterungen und ihrer Bedeutung hatte oder sich dieser Kenntnis bewußt verschlossen hat oder aber die Beklagten sich Kenntnis und Verschweigen Dr. M... anrechnen lassen müssen, wenn und soweit der Tierarzt im Verhältnis zum Kläger in die Auktionsvorbereitungen unmittelbar einbezogen war (vgl. zu dieser Erwägung die Senatsurteilevom 3. Juli 1985 - VIII ZR 102/84 - BGHZ 95, 170 ff - undvom 4. November 1987 - VIII ZR 313/86 = ZIP 1988, 165 = WM 1988, 84 unter II 2 c); das kann auch in Betracht kommen, wenn Dr. M... nicht Verhandlungsbevollmächtigter, sondern nur mit der Überprüfung und Verlautbarung des Gesundheitszustandes der Pferde beauftragt war (…analog § 166 BGB, vgl. dazu Palandt/Heinrichs, BGB, 47. Aufl. § 166 Anm. 2 b und 3 b).
OLG Dresden, 08.03.2000 - 8 U 3010/99
Abzahlungsgesetz: Widerrufsrecht des Rechtsanwalts trotz eigenen Entwurfs der …