Source: https://www.juraforum.de/forum/t/urheber-recht-am-bild.443884/
Timestamp: 2018-05-22 06:15:14
Document Index: 30151639

Matched Legal Cases: ['§59', '§13', '§59', '§59', '§59', '§59', '§59', '§24']

ᐅ Urheber/Recht am Bild ? - Urheberrecht - JuraForum.de
JuraForum.de Foren > Spezielle Juraforen > Urheberrecht > Urheber/Recht am Bild ? >
Urheber/Recht am Bild ?
Dieses Thema "ᐅ Urheber/Recht am Bild ? - Urheberrecht" im Forum "Urheberrecht" wurde erstellt von dalija, 23. Juni 2013.
dalija Aktives Mitglied 23.06.2013, 10:28
A fotografiert an einer öffentlich zugänglich und einsehbaren, aber engen Straße ein vorhandenes Bild an einer Hauswand,möchte evtl. das Foto für einen Fotowettbewerb verwenden. Dürfte A das oder nicht?
TomRohwer V.I.P. 23.06.2013, 12:19
AW: Urheber/Recht am Bild ?
Zitat von dalija: ↑
§59 UrhG - Werke an öffentlichen Plätzen.
Wenn das Bild dauerhaft ("bleibend") angebracht ist, wenn die Aufnahme von öffentlichem Grund aus erfolgte und ohne besondere Hilfsmittel (z.B. Hubsteiger), ist es zulässig.
Aber: der Urheber des Bildes hat einen Anspruch auf Anerkennung seiner Urheberschaft und Urhebernennung. (§13 UrhG) A dürfte das abfotografierte Bild insofern nicht als sein eigenes ausgeben.
dalija Aktives Mitglied 23.06.2013, 17:56
Bild wurde ohne jegliche Hilfsmittel wie Leiter oder... aufgenommen. Sehe ich das richtig,Urheber ist nicht der Fotograf -also der das Bild abfotografierte, müsste die Erlaubnis zur Weiterverwendung wie im Beispiel Fotowettbewerb einholen?
TomRohwer V.I.P. 23.06.2013, 20:34
Sehe ich das richtig,Urheber ist nicht der Fotograf
Der Urheber des Fotos ist der Fotograf.
Nur hat eben sein Werk das Werk eines anderen Urhebers zum Inhalt, und dieser Urheber muß m.E. genannt werden.
also der das Bild abfotografierte, müsste die Erlaubnis zur Weiterverwendung wie im Beispiel Fotowettbewerb einholen?
Nein, siehe §59 UrhG. Er darf nur nicht einfach das fremde Werk 1:1 reproduzieren und als eigenes ausgeben.
dalija Aktives Mitglied 23.06.2013, 20:50
Gute Info und erledigt.
Gerd aus Berlin V.I.P. 25.06.2013, 00:01
Wirklich? Und wenn das Bild gar nicht "dauerhaft ("bleibend") angebracht" ist an dieser Hauswand?
Dann greift nämlich das Christo-Prizip!
dalija Aktives Mitglied 25.06.2013, 09:28
Die Beantwortung wäre letztendlich nur durch den Hausbesitzer möglich,ob er irgendwann die angebrachte Malerei oder gar Skulptur entfernt würde oder nicht.
Demnach müsste der Fotograf keine Erlaubnis einholen, wäre Panorama-Freiheit - so Umhüllungskünstler Christo?
Nehmen wir mal an,Hausbesitzer hätte teils Malerei mit Skulptur verbunden, Haus befindet sich wie erwähnt an einer öffentlich zugänglichen Straße,demnach wäre der § nicht eindeutig mit JA oder NEIN zu beantworten?
TomRohwer V.I.P. 25.06.2013, 09:58
"Wenn meine Tante Eier hätte, wäre sie mein Onkel."
Bei "Bild an Hauswand" denke ich als erstes an ein Wandgemälde. Und ein solches ist im Regelfall dauerhaft angebracht. "Dauerhaft" im Sinne des §59 UrhG: es ist nicht von vornherein terminiert, und steht bei der Installation nicht bereits ein Termin für die Entfernung fest. Für die Ewigkeit ist nichts, aber trotzdem ist vieles "dauerhaft" im Sinne des §59 UrhG...
TomRohwer V.I.P. 25.06.2013, 10:00
So funktioniert die Definition von "dauerhaft" im Sinne des §59 UrhG nicht, siehe oben.
Ob Malerei oder Skulptur ist völlig egal, §59 UrhG spricht von "Werken", die an öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen angebracht sind.
Zu diesen Werken zählen Wandgemälde genau wie Skulpturen und übrigens auch die Häuser selbst, deren "Design" in den meisten Fällen ja auch urheberrechtlichen Schutz genießt.
Die Frage ist immer: "dauerhaft angebracht oder nicht?" Und diese Frage ist in der Praxis bemerkenswert leicht zu beantworten, die Streitfälle halten sich da durchaus in Grenzen.
dalija Aktives Mitglied 25.06.2013, 10:24
Par 59 UrhG erlaubt demnach die Verbreitung unter der Vorsetzung öffentliche Wege,Str., Plätze,bei dauerhafte angebrachte Werke.
Bei dauerhaften Verbleib bliebe jedoch irgendwann ein Fragezeichen,obwohl man vom Verbleib ausgehen könnte.
Fotowettbewerb beinhaltet Risiken
TomRohwer V.I.P. 25.06.2013, 13:39
So groß ist das Fragezeichen nicht.
Etwas vereinfacht gesagt: "dauerhaft angebracht" ist alles, bei dem nicht bereits bei der Anbringung schon feststeht, wann in etwa es wieder demontiert werden soll bzw. klar ist, daß es nur eine begrenzte Zeitspanne halten wird (Pflastermalerei...).
Davon mal völlig abgesehen ist es unter einem künstlerischen bzw. kreativen Gesichtspunkt völlig abwegig, sich mit der mehr oder minder 1:1-Reproduktion eines fremden Kunstwerks an einem Fotowettbewerb zu beteiligen...
Ein fremdes Kunstwerk in ein eigenes Werk einbauen, im Wege der "freien Benutzung" (§24 UrhG), ist wiederum völlig unabhängig von der "Dauerhaftigkeit" sowieso zulässig.
dalija Aktives Mitglied 25.06.2013, 15:49
Demnach wäre ebenso abwegig,einsehbare Gärten,Parkanlagen,Blumen, Schlösser, Tiere aus dem Zoo usw... abzulichten,diese evtl. unter dem Aspekt eines Wettbewerbs zu nutzen.
Dennoch danke für die interessanten Meinungen und Hinweise.
Damit kann das Thema abgeschlossen werden!
TomRohwer V.I.P. 25.06.2013, 16:02
Weder Tiere noch Blumen sind urheberrechtlich geschützte Werke. Gärten, Schlösser etc. können dies zwar sein, es wird aber beim Erstellen eines Fotos ein neues Werk ganz anderer Art geschaffen, insofern ist das nicht vergleichbar.
Vergleichbar wäre es, für einen Gartenwettbewerb genau das Gartendesign nachzupflanzen, das sich vorher schon ein anderer ausgedacht hat.
Davon ganz abgesehen wird man bei einem Fotowettbewerb kaum mit einem Foto punkten, das erkennbar ein abfotografiertes Kunstwerk zeigt.
Gerd aus Berlin V.I.P. 25.06.2013, 20:46
Ich habe Christo erwähnt, weil sich damals viele Fotografen gewundert haben. Und dann gab es kürzlich ein Urteil über Grafiti an Hauswänden - die soll definitiv nicht auf Dauer angelegt sein, wenn sie nicht die Zustimmung des Hauseigentümers oder -besitzers hatte.