Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/gesellschafterwechsel-bei-der-grundstuecks-gbr-und-das-grundbuch-327359?pk_campaign=feed&pk_kwd=gesellschafterwechsel-bei-der-grundstuecks-gbr-und-das-grundbuch
Timestamp: 2020-07-10 02:53:07
Document Index: 302435972

Matched Legal Cases: ['§ 1148', '§ 727', '§ 1148', '§ 1148', '§ 1148', '§ 17', '§ 47', '§ 82', '§ 899', '§ 1148']

Gesellschafterwechsel bei der Grundstücks-GbR und das Grundbuch | Rechtslupe
Die­se Eigen­tü­mer­fik­ti­on des § 1148 Satz 1 BGB ist auf die ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ter einer GbR auch dann ent­spre­chend anwend­bar, wenn einer davon ver­stor­ben ist. Einer Rechts­nach­fol­ge­klau­sel ana­log § 727 ZPO bedarf es nicht, wenn die aus dem Titel aus­ge­wie­se­nen Gesell­schaf­ter einer GbR bei Anord­nung der Zwangs­ver­stei­ge­rung mit den im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen über­ein­stim­men [1].
Nach die­sen Vor­schrif­ten gilt bei der Ver­fol­gung des Rechts aus einer Hypo­thek oder Grund­schuld zuguns­ten des Gläu­bi­gers der­je­ni­ge, der im Grund­buch als Eigen­tü­mer ein­ge­tra­gen ist, als der Eigen­tü­mer. Die­se unwi­der­leg­li­che Fik­ti­on [2] wen­det der Bun­des­ge­richts­hof auf den hier vor­lie­gen­den Fall ent­spre­chend an, dass die im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ter einer GbR in Wirk­lich­keit nicht mehr deren Gesell­schaf­ter sind [3]. Dage­gen wird ein­ge­wandt, die Vor­schrift des § 1148 BGB set­ze schon in ihrem unmit­tel­ba­ren Anwen­dungs­be­reich die Exis­tenz des ein­ge­tra­ge­nen Eigen­tü­mers vor­aus und ermög­li­che kei­ne "Voll­stre­ckung gegen einen Toten"; das schlie­ße eine ent­spre­chen­de Anwen­dung der Vor­schrift bei Tod eines ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ters aus. In die­sem Fall bedür­fe es einer neu­en Rechts­nach­fol­ge­klau­sel [4]. Dem­ge­gen­über wird, über die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs hin­aus­ge­hend, gefor­dert, § 1148 Satz 1 BGB ent­spre­chend auch auf die Exis­tenz einer GbR und auf die Befug­nis der ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ter anzu­wen­den, die Zustel­lung der Hypo­the­ken­kla­ge ent­ge­gen­zu­neh­men [5].
Es ist zwar rich­tig, dass § 1148 Satz 1 BGB dem Gläu­bi­ger nicht die Mög­lich­keit ver­schafft, eine Hypo­the­ken- (oder Grund­schuld-) Kla­ge gegen den Erb­las­ser zu erhe­ben [6]. Im vor­lie­gen­den Fall geht es aber weder um eine Grund­schuld­kla­ge gegen den ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ter noch über­haupt um eine Voll­stre­ckung in des­sen Ver­mö­gen. Die Gläu­bi­ge­rin betreibt die Voll­stre­ckung viel­mehr in das Gesell­schafts­ver­mö­gen der GbR, der der ver­stor­be­ne Gesell­schaf­ter ange­hör­te. Es geht auch nicht (mehr) dar­um, ob die all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen für eine Voll­stre­ckung in das Gesell­schafts­ver­mö­gen (Titel, Voll­stre­ckungs­klau­sel und Titel­zu­stel­lung) gege­ben sind. Die­se lie­gen viel­mehr vor.
Zu beant­wor­ten ist allein die Fra­ge, ob anhand der von der Gläu­bi­ge­rin vor­ge­leg­ten Voll­stre­ckungs­un­ter­la­gen die nach § 17 Abs. 1 Fall 1 ZVG zusätz­lich erfor­der­li­che Fest­stel­lung getrof­fen wer­den kann, dass der aus dem Voll­stre­ckungs­ti­tel aus­ge­wie­se­ne Schuld­ner als Eigen­tü­mer des zu ver­stei­gern­den Grund­stücks im Grund­buch ein­ge­tra­gen ist. Die­se Prü­fung hat bei dem Merk­mal anzu­set­zen, anhand des­sen die Iden­ti­tät des Schuld­ners mit dem ein­ge­tra­ge­nen Eigen­tü­mer fest­ge­stellt wer­den kann. Das ist bei einer GbR, um die es hier geht, nicht deren eige­ner Name; es sind viel­mehr die Namen ihrer Gesell­schaf­ter. Unter deren Anga­be ist die GbR nach § 47 Abs. 2 Satz 1 GBO in das Grund­buch ein­zu­tra­gen. Eine Ver­än­de­rung des Gesell­schaf­ter­be­stands ist nach § 82 Satz 3 GBO im Grund­buch nach­zu­voll­zie­hen. Das Ver­trau­en des Rechts­ver­kehrs auf die Rich­tig­keit die­ser iden­ti­täts­stif­ten­den Ein­tra­gung wird bei Rechts­ge­schäf­ten durch § 899a BGB geschützt. Die­se Funk­ti­on über­nimmt im Voll­stre­ckungs­recht die Vor­schrift des § 1148 Satz 1 BGB, die dem Gläu­bi­ger die Durch­set­zung sei­nes ding­li­chen Anspruchs erleich­tern soll und dazu die Ein­tra­gung des Eigen­tü­mers als rich­tig fin­giert, auch wenn sie es nicht ist [7]. Das recht­fer­tigt es, die Vor­schrift nicht nur auf die Ein­tra­gung der GbR als Eigen­tü­me­rin, son­dern auch auf die Ein­tra­gung ihrer Gesell­schaf­ter anzu­wen­den. Denn den erfor­der­li­chen Nach­weis, dass sein Schuld­ner auch Eigen­tü­mer des Grund­stücks ist, in das er voll­stre­cken möch­te, kann der Gläu­bi­ger, wenn der Schuld­ner eine GbR ist, nur füh­ren, wenn die Gesell­schafter­lis­te des Grund­buchs mit der des Voll­stre­ckungs­ti­tels über­ein­stimmt. Dafür ist es ohne Bedeu­tung, aus wel­chem Grund ein ein­ge­tra­ge­ner Gesell­schaf­ter einer GbR es jetzt nicht mehr ist und ob er noch lebt. Denn es geht nicht um den Abschluss von Rechts­ge­schäf­ten mit der GbR, für den es auch auf die Ver­tre­tungs­be­fug­nis ankommt, son­dern allein um deren Iden­ti­tät. Dafür kommt es auf die fort­be­stehen­de Ein­tra­gung des Gesell­schaf­ters im Grund­buch, nicht auf sei­ne Exis­tenz an (sofern nur – wie hier – die GbR selbst exis­tiert).