Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20M%FCnchen&Datum=21.03.2013&Aktenzeichen=23%20U%203344%2F12
Timestamp: 2019-04-22 21:07:05
Document Index: 296849663

Matched Legal Cases: ['§ 46', '§ 43', '§ 15', '§ 43', '§ 64', '§ 43', '§ 43', '§ 18', 'BGH', '§ 131', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 131', '§ 18', '§ 66', '§ 43']

OLG München, 21.03.2013 - 23 U 3344/12 - dejure.org
Zur Haftung des Geschäftsführers einer Komplementär-GmbH bei Insolvenzantragstellung für die KG
Anfechtungsgründe, Anstellungsvertrag, Auflösung, Beschlussmängel, Bestellung, Business Judgement Rule, Darlegungs- und Beweislast, drohende Zahlungsunfähigkeit, Ermessensentscheidung, Ermessensspielraum, Fortführungsprognose, Geschäftsleiterpflichten, Gesellschafterbeschluss, Gesellschafterbeschluss nach § 46 Nr. 8 GmbHG, Gesellschaftsorgan, Gesellschaftszweck, GmbH & Co. KG, Grundlagengeschäft, Haftung nach § 43 GmbHG, Haftung wegen Insolvenzverschleppung gemäß § 15a Abs. 1 Satz 1 InsO, Insolvenz, Insolvenzantrag, Insolvenzverfahrensverschleppung, Insolvenzverschleppung, Insolvenzverwalter, Klagefrist, Kosten des Insolvenzverfahrens, Liquidation, Nichtigkeitsfeststellungsklage/Nichtigkeitsklage, Nichtigkeitsgründe, Notgeschäftsführer, ordentlicher und gewissenhafter Geschäftsleiter, Organhaftung, Personengesellschaftsrecht, Pflichtverletzung nach § 43 Abs. 2 GmbHG, Sanierungsversuche, Schadensersatz Umfang, Schadensersatzanspruch, Schutzwirkung Anstellungsvertrag Dritte, Überschuldung, unternehmerische Entscheidungen, Vergütung, vorsätzliche Insolvenzverschleppung, Zahlungsunfähigkeit, § 64 Satz 1 GmbHG
Haftung des Geschäftsführers einer Komplementär-GmbH nach § 43 Abs. 2 GmbHG für die Stellung eines Insolvenzantrags
Haftung des Geschäftsführers der Komplementär-GmbH einer Publikums-KG
GmbHG § 43 Abs. 2; InsO § 18
Kurznachricht zu "Gesellschafterbeschluss für Insolvenzantrag bei drohender Zahlungsunfähigkeit?" von Prof. Dr. Johannes Wertenbruch, original erschienen in: DB 2013, 1592 - 1596.
BGH - II ZR 152/13 (anhängig)
ZIP 2013, 1121
MDR 2013, 621
NZI 2013, 542
DB 2013, 1596
NZG 2013, 742
Die Beantragung der Insolvenzeröffnung wegen drohender Zahlungsunfähigkeit ist hingegen keine unternehmerische Entscheidung, sondern ein gesellschaftsrechtliches Grundlagengeschäft, das im Verantwortungsbereich der Gesellschafter liegt (OLG München, Urt. v. 21.03.2013, 23 U 3344/12, zit. n. juris, Rdnr. 49).
Bei einer von Zahlungsunfähigkeit bedrohten Gesellschaft sei das antragsberechtigte Organ jedoch zur Einholung eines entsprechenden Beschlusses verpflichtet, da es sich nicht um eine Geschäftsführungsmaßnahme, sondern um ein den Gesellschaftszweck änderndes - mit Verfahrenseröffnung ende die werbende Tätigkeit der Gesellschaft (…Hopt, in Baumbach/Hopt, a.a.O., § 131 Rn. 29) - Grundlagengeschäft handele (so für die GmbH auch Leinekugel/Skauradszun, GmbHR 2011, 1121, 1124 f.) (OLG München, Urt. v. 21.03.2013, 23 U 3344/12, a.a.O., Rdnr. 55).
Welche Stellung die Rechte der Gesellschafter in der Insolvenz eines Unternehmens und insbesondere dann, wenn die Insolvenz nicht auf Abwicklung, sondern auf Sanierung ausgerichtet ist, einnehmen, wird in der Literatur (vgl. Bitter, Sanierung in der Insolvenz - Der Beitrag von Treue- und Aufopferungspflichten zum Sanierungserfolg, ZGR 2010, 147-200; Haas, Mehr Gesellschaftsrecht im Insolvenzplanverfahren - Die Einbeziehung der Anteilsrechte in das Insolvenzverfahren, NZG, 2012, 961-968;… Carsten Schäfer, "Girmes" wiedergelesen: Zur Treuepflicht des Aktionärs im Sanierungsfall, Festschrift für Peter Hommelhoff, 2012, 939-959; Hölzle, Die "erleichterte Sanierung von Unternehmen" in der Nomenklatur der InsO - ein hehres Regelungsziel des RefE-ESUG, NZI 2011, 124-131; Uhlenbruck, Von der Notwendigkeit eines eigenständigen Sanierungsgesetzes, NZI 2008, 201-206) und Rechtsprechung (…BGH, Urt. v. 01.02.1988, II ZR 75/87 (Linotype), BGHZ 103, 184-197;… BGH, Urt. v. 20.03.1995, II ZR 205/94 (Girmes), BGHZ 129, 136-177;… BGH, Urt. v. 19.10.2009, II ZR 240/08 (Sanieren oder Ausscheiden), BGHZ 183, 1-13; OLG München, Urt. v. 21.03.2013, 23 U 3344/12, NZG 2013, 742-745) intensiv diskutiert.
Die Beantragung der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit ist keine unternehmerische Entscheidung, sondern ein gesellschaftsrechtliches Grundlagengeschäft, das im Verantwortungsbereich der Gesellschafter liegt (OLG München, Urt. v. 21.03.2013, 23 U 3344/12, zit. n. juris, Rdnr. 49).
Im Innenverhältnis einer von Zahlungsunfähigkeit bedrohten Gesellschaft sei das antragsberechtigte Organ jedoch zur Einholung eines entsprechenden Beschlusses verpflichtet, da es sich nicht um eine Geschäftsführungsmaßnahme, sondern um ein den Gesellschaftszweck änderndes - mit Verfahrenseröffnung ende die werbende Tätigkeit der Gesellschaft (…Hopt, in: Baumbach/Hopt, HGB, 35. Aufl. 2012, § 131 Rn. 29) - Grundlagengeschäft handele (so für die GmbH auch Leinekugel/Skauradszun, GmbHR 2011, 1121, 1124 f.) (OLG München, Urt. v. 21.03.2013, 23 U 3344/12, a.a.O., Rdnr. 55).
Ein Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit setzt zudem nach jüngster Rechtsprechung (vgl. OLG München, Urteil vom 21.3.2013, Az. 23 U 3344/12 ...) ausdrücklich die Zustimmung der Gesellschafter voraus.
Bei lediglich drohender Zahlungsunfähigkeit kann umgekehrt der Geschäftsführer selbst gefahrlos nur dann - trotz § 18 InsoO - Insolvenzantrag stellen, wenn die Gesellschafter dem zustimmen, da ersieh anderenfalls schadensersatzpflichtig machen würde (vgl. OLG München NZI 2013, 542 ff).
Dies ist unter anderem dann anzunehmen, wenn das streitige Rechtsverhältnis vorgreiflich für das rechtliche Verhältnis des Nebenintervenienten zu einer Partei des Rechtsstreits ist, insbesondere wenn der Intervenient einen Regressanspruch behauptet oder befürchtet (…Vollkommer, in: Zöller, ZPO, 31. Aufl., § 66 Rdnr. 13, OLG München, Urteil vom 21.03.2013, NZG 2013, 742).
Im Rahmen der Haftung nach § 43 Abs. 2 GmbHG ist es an ihm, darzulegen und gegebenenfalls zu beweisen, dass er seinen Sorgfaltspflichten als Geschäftsführer nachgekommen ist und ihn kein Verschulden trifft (statt aller: OLG München, Urt. v. 21.3.2013 - 23 U 3344/12, zitiert nach juris, Tz. 47 m.w.N.).