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Timestamp: 2018-01-22 02:20:21
Document Index: 48511911

Matched Legal Cases: ['§ 123', '§ 80', '§ 88', '§ 305', '§ 929', '§ 935']

Beitrag von Kazmann erstellt am: 14. Mär 2013, 21:51 Uhr
jasi hat geschrieben:
Das einzige, was einen unter den Strich bringt (bei Bekannten erlebt): Kardinalfehler. Wenn man im ZR schreibt: "Er ist durch den Abschluss des Kaufvertrags Eigentümer geworden.", oder im Strafrecht: "X könnte vom vollendeten Delikt strafbefreiend zurückgetreten sein." Sowas kann einen den Kragen kosten. Finde ich aber verständlich.
angestoßen von jasis Beitrag kam mir die Idee, zwei kleine Sammlungen gemeinsam anzulegen und zu vergrößern.
Dabei soll es einerseits um die oben schon genannten "Kardinalfehler" in der Klausur gehen, die einen so großen Bock darstellen, dass man sie besser nicht in der Klausur schießen sollte, weil unter Umständen sogar das Bestehen der Klausur daran scheitern könnte.
Andererseits gibt es aber auch in der mündlichen Prüfung Fragen, die vielleicht ziemlich unerwartet kommen oder tendenziell sogar bloßstellend wirken könnten, wenn man mit der Antwort richtig danebengreift. Es soll dabei auch nicht in erster Linie um die Antwort gehen, die kann ja dann jeder selbst für sich finden.
Eine große Beteiligung wäre natürlich schön, letztlich profitiert ja die vermutlich überwiegende Mehrzahl der Examenskandidaten davon. Nach Möglichkeit würde ich den Eröffnungsbeitrag hier aktuell halten. Ich versuch mich mal an einem Anfang.
Einträge mit einem "?" sind vermutlich schon eher verzeihlich bzw. diskussionswürdig, ob sie in diese Liste gehören.
Kapitale Fehler in der Klausur
Missachtung des Abstraktionsprinzips
Missachtung der Prüfungsreihenfolge eventueller Ansprüche im BGB und damit verbundener Sperrwirkungen
Rücktritt vom vollendeten Delikt
Prüfung eines Toten
Nebentäter vor Haupttäter?
unerwartete Fragen in der mündlichen Prüfung
Wann ist das GG in kraft getreten?
In welcher Stadt steht das ... (hier ein oberstes Gericht einsetzen)?
Was besagt das Kreuzberg-Urteil?
Beitrag von jasi erstellt am: 15. Mär 2013, 08:45 Uhr
Meine beiden Beispiele stammen übrigens aus Originalklausuren von Bekannten. In den jeweiligen Klausuren sind sie durchgefallen. Natürlich kann ich nicht sagen, ob es alleine an diesen Fehlern lag. Bzgl Strafrecht hat der eine Korrektor geschrieben:"Böser Fehler, aber Definitionen schön gewusst. Deshalb 3 Pkt." Der andere: "Nein, wer diesen Fehler macht: 1 Pkt".
Im Übrigen ergänze ich mal frech die Liste.
Missachtung der Prüfungsreihenfolge eventueller Ansprüche im BGB und damit verbundener Sperrwirkungen mE nicht ein Totschussfehler (Bsp 993), aber die ganze Prüfung hinkt halt dann
Rücktritt vom vollendeten Delikt Jep, definitiv
Prüfung eines Toten würd ich auch unterlassen
Hmm, schwierig. Im Examen selbst hab ich da keinen Erfahrungswert. Aber in einer Uni-Probeklausur ist mir das am Anfang mal passiert. Da stand zwar fett TÄTER VOR TEILNEHMER deneben, die Klausur war aber trotzdem bestanden
- Ich füge hinzu: Abspulen von Wissen, ohne Klausurbezug. Wenn im SV steht: Vertrag wurde geschlossen, lange zu Angebot und Annahme zu schwafeln.
[*]Wann ist das GG in kraft getreten?
[*]Wann ist das BGB in kraft getreten?
[*]Was ist Recht?
[*]In welcher Stadt steht das ... (hier ein oberstes Gericht einsetzen)? Diese Frage ist äußerst relevant und wird oft abgefragt- so auch in meiner Mündlichen. Stellt euch auf jeden Fall eine Liste der obersten Gerichte mit Sitz und der europäischen Institutionen mit Sitz zusammen!
[*]Was besagt das Kreuzberg-Urteil? Hatte das nicht was mit Polizeirecht zu tun?
Zur Mündlichen generell: Die Mündliche ist ne echte Chance, da wird in der Regel gut bewertet. Ich würde mir die Protokolle besorgen und die Prüfungssituation simulieren.
Beitrag von jasi erstellt am: 15. Mär 2013, 08:48 Uhr
Im Schriftlichen wie im Mündlichen: Basiswissen sollte schon vorhanden sein. Wenn ein Prüfling die GbR stur als Kapitalgesellschaft bezeichnet, ist das nicht wirklich gut.
Beitrag von s.b. erstellt am: 15. Mär 2013, 08:52 Uhr
Für die Mündliche z.B.: Jus 2009, 738
Möllers, Juristische Arbeitstechnik und wissenschaftliches Arbeiten – Klausur, Hausarbeit, Seminararbeit, Staatsexamen, Dissertation, 3. Aufl. 2005;
Schnapp, Stilfibel für Juristen, 2004 oder ders. auch in JZ 2004, 473;
Kerbein, JuS 2002, 353;
...allein zur Verwendung des Konjunktivs: JuS 2004, 174.
Man muss das Rad nicht neu erfinden ...du findest überall Aufsätze von Prüfern, die auf "kapitale Fehler" hinweisen. Das Problem ist nur, dass die Leute alles fertig vorgelegt bekommen wollen.
Beitrag von CeCe erstellt am: 15. Mär 2013, 11:37 Uhr
Eingriff in die Menschenwürde rechtfertigen (wobei bestanden hatte ich damals auch, wenn ich mich recht erinnere)
Fürs Mündliche:
Wann ist Rücktritt vom vollendeten Delikt dann doch mal möglich ?
Wann die Prüfung eines Toten ?
zur Prüfung des Teilnehmers an der Tat kann inzidente Prüfung nötig werden
Beitrag von Alexander erstellt am: 15. Mär 2013, 13:48 Uhr
Bei der Ablehnung einer Baugenehmigung nur Anfechtungsklage erheben.
Habe ich im Klausurenkurs im 1. Stex mal gemacht und noch gnädige 4 Punkte bekommen, mit dem Hinweis, dass ich die eigentlich nicht verdient hätte.
Was heißt "Jura"? --> lat. Plural von ius, also "die Rechte". Warum? na, weil man früher beiderlei Rechte, nämlich weltliches und kanonisches (kirchliches) Recht (codex iuris canonici) studierte.
Beitrag von Kazmann erstellt am: 15. Mär 2013, 14:07 Uhr
Ich seh gerade, dass ich meinen Beitrag nicht mehr editieren kann. Vielleicht führt dann einfach jeder die Liste weiter, indem er sie aus dem neusten Beitrag zitiert.
unnötiges Abspulen von Wissen an falscher Stelle
Prüfung eines Toten (aber kann u.U. inzident nötig sein)
Rechtfertigung eines Eingriffs in die Menschenwürde?
Angriff einer Entscheidung im Verwaltungsrecht mittels falscher oder unzureichender Klage(n)
Was heißt "Jura?"
Bestimmt hab ich was übersehen. Fühlt Euch frei, die Liste eigenhändig fortzuführen.
Beitrag von jasi erstellt am: 15. Mär 2013, 14:09 Uhr
Ich denke wir haben eine schöne Liste geschaffen
Beitrag von jasi erstellt am: 15. Mär 2013, 14:11 Uhr
Kazmann hat geschrieben:
- was ist "Digestenexegese"?
- wie kann die StA ein Verfahren einstellen?
Beitrag von Alexander erstellt am: 16. Mär 2013, 02:53 Uhr
Selias hat geschrieben: Was verdanken wir Heinrich Schönfelder?
Die Gesetzessammlung, die nach ihm benannt ist? oder meinst du etwas anderes?
Mein Cousin x-ten Grades ist im 2. Stex gefragt worden, wo denn Altbundeskanzler Adenauer gelebt habe. Er wusste die Antwort sogar (Röhndorf/Bad Honnef), Trivial Pursuit sei dank.
Bei solchen Fragen gehe ich allerdings davon aus, dass sie nicht "kriegsentscheidend" sind.
Warum beginnen im Schönfelder die Gesetze mit der Ordnungsnummer 20?
(1-19 waren früher die Notstandsgesetze; zeitweise wurde das GG später unter Nr. 1 einsortiert, dann aber wieder rausgenommen, weil der Platz für andere Gesetze gebraucht wurde.)
Immer wieder schön: Was ist heute für ein Jahrestag?
Bei hemmer wurde mal behauptet, dass man (v. a. für POR-Fälle) ein paar Daten wie z.B. 27. Januar (Befreiung Auschwitz, Nazi-Opfer-Gedenktag), 30. Januar (Machtergreifung) etc. draufhaben sollte. Ich würde allerdings eher damit rechnen, dass auf die Bedeutung solcher Daten im Sachverhalt hingewiesen wird.
Beitrag von Alexander erstellt am: 16. Mär 2013, 16:31 Uhr
Ach so, aber nur indirekt, denn als gesetzliche Überschriften eingeführt wurden sie doch mit der Neuverkündung anlässlich der Schuldrechtsreform, oder?
Beitrag von caleb82 erstellt am: 17. Mär 2013, 16:28 Uhr
Prüfung eines Anspruchs auf Genehmigung (ggf. iRd § 123 VwGO)
einer Versammlung, anstelle einer Anfechtung der "Verbots-Vfg. / Auflage usw." (ggf. iRd § 80 V VwGO). Dies wird manchmal im SV (bewusst) unpräzise vorgegeben.
"X begehrt, dass er eine Genehmigung für ... erhält".
Hier muss man dann auslegen -> § 88 VwGO
und wegen des Grds. der Genehmigungsfreiheit von Versammlungen
zu einer Anfechtungssituation kommen, da nur so dem Begehren Rechnung getragen werden kann.
Wenn man dies verkennt oder missachtet, ist die Klausur eigentlich immer unbrauchbar:
- Wahl eines nicht zielführenden Rechtbehelfs
- Verstoß gegen den Grds. der Versammlungsfreiheit (wichtiges Grundrecht!)
- Eine Anspruchsgrundlage dürfte man ebenfalls nicht finden, d.h. man prüft hier nochmal irgendeinen Unsinn
Beitrag von Wizard of Law erstellt am: 17. Mär 2013, 19:15 Uhr
Otto Palandt war Präsident des (reichseinheitlichen) Justizprüfungsamtes, als in vorkonstitutioneller Zeit die Juristenausbildung mal kurz von den Ländern auf das Reich übergegangen war... *
Aber zurück zum Thema. Das Problem mit den ganz kapitalen Fehlern ist, dass sie oft so abwegige Gedanken sind, dass man im Vorfeld gar nicht drauf kommt. Ich habe mal erlebt, dass jemand in einem Fall, in dem es um die Änderung von AGB ging nicht die §§ 305 ff. BGB geprüft hat, sondern das AGG (weil die neuen AGB eine Diskriminierung von Neukunden gegenüber den Altkunden sind ).
Der Referendar eines Kollegen hat eine unstreitig nicht abgegebene Gestaltungserklärung einfach mal unterstellt, damit die schöne Lösung zum blöden Sachverhalt passt...
Es sind diese Sachen, bei denen man einfach nur 'Aaaaaaaaargh!' schreit.
* der gute Kandidat kann sich sofort denken, in welche Periode der deutschen Geschichte eine solche Zentralisierung wohl fällt.
Beitrag von Wizard of Law erstellt am: 17. Mär 2013, 21:04 Uhr
Nein, das war nicht gespickt, sondern Rest-Wissen aus der Zwangsbeglückung mit Vergangenheitsbewältigung. Heute meint doch jeder dahergelaufene Hanswurst, er könne sich moralisch aufwerten, wenn er mit dem Finger auf Tote zeigt und laut schreit: "Der Carl Schmitt/Karl Larenz/Otto Palandt/Heinrich Schönfelder/Theodor Maunz/Ernst Forsthoff/Ernst Rudolf Huber/Irgendwer war doch ein gaaaanz böser Nazi!"
Beitrag von juraner erstellt am: 23. Jun 2013, 10:18 Uhr
Wenn ich in einer Examensklausur gutgläubigen Erwerb einer abhanden gekommenen Sache nach §§ 929,932 bejahe und (mit totalem Brett vorm Kopf!!!!) einfach völlig vergesse, § 935 zu prüfen oder überhaupt zu erwähnen (!)...kann ich dann noch 3 Punkte bekommen, wenn der Rest ok ist und die Probleme gesehen wurden oder werden es in jedem Fall 0?
Lohnt es sich überhaupt noch, weiter zu schreiben?