Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Betriebsratsmitglied_Kuendigung_LAG_Niedersachsen_10Sa424-09.html
Timestamp: 2018-05-22 02:32:38
Document Index: 290233205

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 66', '§ 519', '§ 69', '§ 103', '§ 15', '§ 103', '§ 103']

LAG Niedersachsen, Urteil vom 22.01.2010, 10 Sa 424/09 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 22.01.2010, 10 Sa 424/09
Schlagworte: Betriebsratsmitglied, Kündigung, Zustimmungsverweigerung
Aktenzeichen: 10 Sa 424/09
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Osnabrück, Urteil vom 25.02.2009, 4 Ca 520/08
die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Frau Brock­haus,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Ih­len­feld
Die gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1 und 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung der Be­klag­ten ist von die­ser frist­gemäß und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§ 66 Abs. 1 und 2 ArbGG, §§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO) und da­mit ins­ge­samt zulässig.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge hin­sicht­lich des Kündi­gungs­schutz­an­tra­ges zu Recht und mit durch­weg zu­tref­fen­der Be­gründung statt­ge­ge­ben. Das Be­ru­fungs­ge­richt macht sich die Gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils zu ei­gen und schließt sich ih­nen nach ei­ge­ner Prüfung aus­drück­lich an (§ 69 Abs. 2 ArbGG).
Die Ausführun­gen der Be­ru­fung ge­ben kei­nen An­lass, zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis zu ge­lan­gen.
Der Ar­beit­ge­ber kann ei­nem Be­triebs­rats­mit­glied erst dann wirk­sam ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung aus­spre­chen, wenn der Be­schluss über die Er­set­zung der vom Be­triebs­rat ver­wei­ger­ten Zu­stim­mung (§ 103 Abs. 2 Be­trVG) rechts­kräftig bzw. un­an­fecht­bar ist, § 15 Abs. 1 KSchG. Ei­ne vor die­sem Zeit­punkt erklärte Kündi­gung ist nicht nur schwe­bend un­wirk­sam, son­dern un­heil­bar nich­tig (BAG 9.7.1998 – 2 AZR 142/98 – BA­GE 98, 220 = AP Be­trVG 1972 § 103 Nr. 36 = EzA Be­trVG 1972 § 103 Nr. 39; 24.10.1996 – 2 AZR 3/96
Den Lauf der Frist zur Ein­le­gung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de hat die Be­klag­te nicht ab­ge­war­tet, son­dern be­reits am Ta­ge nach Zu­stel­lung des Be­schlus­ses des Lan­des­ar­beits­ge­richts die Kündi­gung aus­ge­spro­chen. Da­mit hat sie den Ein­tritt der for­mel­len Rechts­kraft nicht ab­ge­war­tet.
Je­den­falls vor­lie­gend kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die grundsätz­li­che Be­deu­tung ei­ner ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­ge of­fen­sicht­lich nicht vor­ge­le­gen hätte. Zu Recht weist die Be­schwer­de­er­wi­de­rung dar­auf hin, dass et­wa die Fra­ge des Mit­ver­ur­sa­chungs­bei­tra­ges an­de­rer Ar­beit­neh­mer oder der Be­klag­ten (durch die Zu­wei­sung von Ak­kord­ar­beit) als klärungs­bedürf­tig an­ge­se­hen wer­den könn­ten. Glei­ches könn­te un­ter dem Ge­sichts­punk­te des Ul­ti­ma-Ra­tio-Prin­zips für die Fra­ge gel­ten, ob dem Kläger vor Kündi­gungs­aus­spruch Schu­lun­gen hätten an­ge­bo­ten wer­den müssen.
Brock­haus
Ih­len­feld
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