Source: https://knuthenkel.de/Glossar/BilMoG_Neuerungen-Finanzinstrumente/
Timestamp: 2020-08-07 17:37:40
Document Index: 88210836

Matched Legal Cases: ['§ 340', '§ 256', '§ 254', '§ 340', '§ 254', '§ 340', '§ 256']

Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz BilMoG Neuerungen für Finanzinstrumente
BiLMoG - Neuerungen für Finanzinstrumenten
Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) vom 03.04.2009 soll das HGB u.a. für IFRS „fit gemacht“ werden. Die Änderungen betreffen auch die Rechnungslegung von Finanzinstrumenten. Die verpflichtend erstmalige Anwendung gilt ab 01.01.2010 erfolgen.
Mit den für Finanzinstrumente relevanten Vorschriften zur „Fair Value Bewertung von Handelsbeständen bei Kreditinstituten“, „Bildung von Bewertungseinheiten“ und „Fremdwährungsumrechung“ erhalten die bisher bereits als GoB in der Praxis angewendeten Regelungen nun Gesetzescharakter, so dass sich an der bisherigen Bilanzierungspraxis jedoch materiell kaum etwas ändert.
Die Neuerung zur Fair Value Bewertung gem. § 340e Abs. 3 HGB n.F. sieht vor, dass Kreditinstitute ihre Handelsbestände zum beizulegenden Zeitwert (Fair Value) – und damit auch über die Anschaffungskosten hinaus - zu bewerten haben. Ursprünglich war die Bewertung zum beizulegenden Zeitwert auch für Nicht-Kreditinstitute vorgesehen, wurde im Rahmen der Gesetzesberatungen u.a. aufgrund der Erfahrungen aus der Finanzkrise (HGB) wieder fallen gelassen.
Die Vorschriften zur Währungsumrechnung befinden sich nun im § 256a HGB n.F. und die zur Bildung von Bewertungseinheiten in § 254 HGB.
Die Abbildung gibt einen Überblick über die anzuwendenden Bewertungsmethoden für Finanzinstrumente nach den neuen Vorschriften. Sowohl bei Derivaten als auch originären Finanzinstrumenten ist zu nächst zu differenzieren, ob diese Gegenstand einer Bewertungseinheit sind. Stand Alone-Derivate sind bei Kreditinstituten Gegenstand des Handelsbestandes und unterliegen damit der neu eingeführten Fair Value-Bewertung des § 340e Abs. 3 HGB n.F. Bei Nicht-Kreditinstituten werden Stand Alone-Derivate – wie bisher – imparitätisch bewertet. Sind die Derivate Gegenstand einer Bewertungseinheit, so können – wie bisher im Rahmen von Mikro-, Makro oder Portfolio-BWE schon praktiziert – die unrealisierten Gewinne und Verluste gem. § 254 HGB n.F. innerhalb der Bewertungseinheit verrechnet werden und lediglich der Saldo ist imparitätisch zu behandeln. Bei den originären Finanzinstrumenten, die nicht Gegenstand einer Bewertungseinheit sind, ist zunächst zu unterscheiden, ob sie zu Handelszwecken erworben wurden oder nicht (non-trading). Bei Kreditinstituten sind die zu Handelszwecken erworbenen Finanzinstrumente nach der neu eingeführten Fair Value Methode zu bewerten (§ 340e Abs. 3 HGB n.F.). Dies war ursprünglich auch für Handelsbestände von Nicht-Kreditinstituten, die auf einem aktiven Markt gehandelt werden, vorgesehen. Diese Absicht wurde dann aber doch nicht umgesetzt. Somit werden die zu Handelszwecken erworbenen Finanzinstrumente von Nicht-Kreditinstituten genauso wie die non-trading-Bestände gemäß den für das Anlagevermögen bzw. Umlaufvermögen geltenden Bewertungsmethoden bewertet.
Im Rahmen der Fremdwährungsbewertung von Finanzinstrumenten sind diese gem. § 256a HGB n.F. grundsätzlich mit dem Stichtagskurs imparitätisch zu bewerten, d.h. unrealisierte Verluste aus der Fremdwährungsbewertung sind zu berücksichtigen, wohingegen unrealisierte Gewinne aus der Fremdwährungsbewertung nicht berücksichtigt werden dürfen. Bei Fremdwährungsbewertungseinheiten werden unrealisierte Gewinne und Verluste aus der Fremdwährungsbewertung miteinander verrechnet (kompensatorische Bewertung). Lediglich die verbleibende „Spitze“ ist imparitätisch zu behandeln. Ausnahmen von der imparitätischen Behandlung stellen Fremdwährungsbestände mit einer Restlaufzeit von unter einem Jahr sowie „besonders gedeckte“ Fremdwährungsbestände (nur Kreditinstitute) dar. Hier werden auch die unrealisierten Fremdwährungsgewinne vereinnahmt.
Bei Kreditinstituten sind zu Handelszwecken gehaltene Finanzinstrumente mit dem Fair Value zu bilanzieren. Dieses gilt auch bezogen auf das Fremdwährungsrisiko. Somit sind sowohl unrealisierte Verluste als auch unrealisierte Gewinne GuV-wirksam zu erfassen.
Quelle: Knut Henkel
Semianr zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten