Source: https://www.neustart.at/at/de/unsere_angebote/nach_verurteilung/bewaehrungshilfe.php
Timestamp: 2019-08-17 11:12:36
Document Index: 317078231

Matched Legal Cases: ['§ 201', '§ 203', '§ 83', '§ 282', '§ 11', '§ 203']

NEUSTART hat bisher rund 270.000 Klientinnen und Klienten betreut. 70 % der Klientinnen und Klienten bleiben innerhalb von drei Jahren nach Betreuungsende straffrei (Studie Legalbiografien von NEUSTART Klientinnen und Klienten, Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie, Hofinger/Peschak 2017)
Die Bewährungshelferin oder der Bewährungshelfer nimmt an der Hauptverhandlung oder der Haftverhandlung teil, bietet Unterstützung bei der Entlassungsvorbereitung an, interveniert bei Krisen und sucht die Klientin oder den Klienten im Bedarfsfall in ihrem oder seinem sozialen Umfeld auf. Über den Aufbau einer Arbeitsbeziehung wird Unterstützung bei der selbstständigen Lebensführung und der Erfüllung der Weisungen angeboten. Familiäre Konfliktsituationen werden bearbeitet. Die Klientin oder der Klient wird in finanziellen Angelegenheiten beraten, gegebenenfalls wird die Schuldenregulierung vorbereitet. Die Bewährungshelferin oder der Bewährungshelfer berät, betreut und vermittelt in Wohnungs-, Arbeits- und Ausbildungsangelegenheiten. Beratungstätigkeit wird auch bei Suchtproblemen (unterstützt von eigenen NEUSTART Suchtspezialistinnen und Suchtspezialisten) geleistet.
Die Bewährungshelferin oder der Bewährungshelfer leistet stützende Kontrolle, insbesondere in der Betreuung psychiatrisch auffälliger Klientinnen und Klienten und bei Sexualstraftätern.
Bei bedingter Verurteilung beziehungsweise bedingter Entlassung aus Strafhaft oder Maßnahmenvollzug kann das Gericht über einen Beschluss Bewährungshilfe anordnen. Die Anordnung von Bewährungshilfe kann auch nachträglich mittels Beschluss erfolgen.
Auch wenn das Strafverfahren eingestellt wurde, muss die beziehungsweise der Beschuldigte jederzeit mit einer neuen Anzeige rechnen, wenn sie oder er zum Opfer Kontakt aufnimmt. Vor einer möglichen Einsichtnahme in den Gerichtsakt oder Akt der Staatsanwaltschaft durch die oder den Beschuldigten oder ihre / seine Rechtsvertretung ist sicherzustellen, dass der Akt keine Daten enthält, die der oder dem Beschuldigten möglicherweise nicht bekannt sind (Wohn- oder Arbeitsadresse, Telefonnummer). Solche Informationen sind für die Einsicht unkenntlich zu machen. Am Ende der Probezeit wird mit dem Opfer ein Evaluierungsgespräch geführt, in dem resümiert wird über positive und negative Veränderungen und weitere Unterstützungsmöglichkeiten.
Personen mit Sexualdelikten nach §§ 201 bis 220 Strafgesetzbuch, aber auch Sexualstraftäterinnen und Sexualstraftäter, die wegen eines anderen Anlassdelikts in Betreuung der Bewährungshilfe stehen, aber zusätzlich ein Sexualdelikt aufweisen oder Klientinnen beziehungsweie Klienten mit anderen Delikten, die während der Betreuung eine strafrechtlich relevante sexuelle Auffälligkeit aufweisen, werden nach den speziellen Regelungen, die NEUSTART für spezifische Problemlagen von Sexualtäterinnen und Sexualtätern hat, betreut.
Einschlägige Verurteilung beziehungsweise Beschuldigung (bei § 203 StPO-Zuweisungen) nach den §§ 83-87, 91 StGB sowie 105-107 StGB sowie auch nach den §§ 282, 283 StGB, Verbotsgesetz und nach dem Waffengesetz §§ 11, 12, 13).
Eine zweite Bewährungshelferin oder ein zweiter Bewährungshelfer (keinesfalls die oder der die Täterin oder den Täter betreuende) nimmt schriftlich Kontakt mit dem Opfer auf, in dem dieses über die Bewährungshilfe-Betreuung informiert wird. Dem Opfer wird ein Gespräch angeboten, in dem es über die Möglichkeit der Prozessbegleitung informiert wird und entscheiden kann, ob es diese annehmen möchte. Weiters erhält das Opfer Informationen über Beratungs- und Therapieeinrichtungen, wie es bei neuerlichem Stalking reagieren soll, ob es in der Zukunft Kontaktnotwendigkeiten gibt (etwa wegen gemeinsamer Kinder) und wie mit zu erwartenden Schwierigkeiten umgegangen werden soll. Bei Kontaktnotwendigkeit ist zwischen Täterin oder Täter und Opfer eine Vereinbarung zu treffen, die aber nicht direkt, sondern nur über die Bewährungshelferin oder den Bewährungshelfer, die Anti-Stalking-Begleiterin oder die Prozessbegleiterin oder den Prozessbegleiter erstellt wird. Auch allfällige Schadenersatz- oder Schmerzengeldzahlungen sollten nur über ein Ausgleichskonto und nicht direkt erfolgen.
Im Anti-Gewalt-Training wird das Delikt intensiv bearbeitet um eine weitereDelinquenz zu verhindern (Prävention). Zu destruktiven Wahrnehmungsmustern, Kommunikationsmustern und destruktiven Handlungsmustern werden alternative Muster erarbeitet. Es werden ebenso Alternativen zu gewalttätigen Lösungsstrategien entwickelt. Auch ein Krisenplan mit persönlichen Deeskalationsstrategien zur Vermeidung zukünftiger Gewalttaten wird ausgearbeitet. Kommunikative Kompetenzen sowie das Konfliktlösungspotential werden erweitert. Eigene und fremde Grenzen werden erkannt, auch die Auseinandersetzung mit der Opferseite erfolgt (Perspektivenwechsel, Opferempathie, Schuldfrage). Risikosituationen, innere und äußere Auslöser für die Straftat werden erkannt. Neben der Erreichung all dieser Ziele ist das Ziel die endgültige Verfahrenseinstellung (bei § 203 StPO-Klientinnen und -Klienten) und die Erfüllung der Weisung oder Verpflichtungserklärung.
Auch wenn das Strafverfahren eingestellt wurde, muss die oder der Beschuldigte jederzeit mit einer neuen Anzeige rechnen, wenn sie oder er zum Opfer Kontakt aufnimmt. Vor einer möglichen Einsichtnahme in den Gerichtsakt oder Akt der Staatsanwaltschaft durch die Beschuldigte oder den Beschuldigten, ihre oder seine Rechtsvertreterin / Rechtsvertreter ist sicherzustellen, dass der Akt keine Daten enthält, die der oder dem Beschuldigten möglicherweise nicht bekannt sind (Wohn- oder Arbeitsadresse, Telefonnummer). Solche Informationen sind für die Einsicht unkenntlich zu machen. Am Ende der Probezeit wird mit dem Opfer ein Evaluierungsgespräch geführt, in dem resümiert wird über positive und negative Veränderungen und weitere Unterstützungsmöglichkeiten.
Das Anti-Gewalt-Training wird von zwei Sozialarbeiterinnen oder Sozialarbeitern durchgeführt (wenn möglich gemischtgeschlechtlich), die eine Qualifizierung zur Gruppenarbeit und / oder Gewaltarbeit haben. Gearbeitet wird mit Gruppen von acht bis 14 Personen in einem Zeitraum von mindestens einem halben bis zu maximal einem Jahr. Die Gruppen dauern zwischen 37,5 bis 45 Stunden, das sind etwa 50 bis 60 Trainingseinheiten zu 45 Minuten.
Das zuweisende Gericht wird nach Abschluss des Anti-Gewalt-Trainings über das Ergebnis informiert.