Source: https://www.filmproduktion-berlin.com/blog/filmproduktionsfirma-als-gbr-gruenden-176/
Timestamp: 2020-07-10 06:42:06
Document Index: 216066486

Matched Legal Cases: ['§ 705', 'BGH', '§ 705', '§ 705', '§ 727', '§ 18', '§ 1']

Filmproduktionsfirma als GbR gründen
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Filmproduktionsfirma als GbR gründen - Übersicht, Tipps & Anleitung
Kurz zum Autor: Ich (Roman Rögner) studierte von 2010 bis 2015 Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig, wobei ich das Studium mit dem 1. Staatsexamen als Diplom-Jurist erfolgreich abgeschlossen habe. Mein Schwerpunkt lag im Unternehmensrecht. Seit 2012 arbeite ich nun schon als professioneller Filmemacher und habe alle relevanten Unternehmensformen durchlaufen. Vom Einzelunternehmer, über die GbR, bis zur heutigen GmbH. Ich spreche daher nicht nur aus der Theorie eines Juristen, sondern auch aus der Praxis eines Filmemachers.
Wer davon träumt, eine eigene Filmproduktion zu gründen, steht gleich zu Beginn vor einer wichtigen Frage: Wie geht das überhaupt? Neben all den gewerblichen und steuerrechtlichen Voraussetzungen, die mit mehreren Gängen zu öffentlichen Ämtern zu tun haben, möchte ich vor allem auf die Frage eingehen, welche Unternehmensform sich für welchen Personenkreis am besten für eine Zusammenarbeit bzw. Gründung eignet.
Die Thematik ist in einer Blog-Serie angelegt und beinhaltet folgende Unterteilungen:
Mögliche relevante Kooperations- oder Unternehmensformen für eine Gruppe von Filmemachern:
1. Der Rahmenvertrag
2. Die GbR
3. Die UG
4. Die GmbH
Mögliche relevante Unternehmensformen für Einzelkämpfer:
1. Einzelunternehmer
2. UG & GmbH
Schon in meinem ersten Beitrag zum Rahmenvertrag machte ich deutlich, dass jede wirtschaftliche Zusammenarbeit mit einem schriftlichen Vertragsverhältnis zwischen den Beteiligten einhergehen sollte. Mündliche Absprachen sind in den meisten Fällen zwar auch rechtlich verbindlich und können eingeklagt werden. Doch um die Beweiskraft sieht es immer schlecht aus.
Daher meine wichtigste Empfehlung: Sobald eure Zusammenarbeit das Hobby verlässt und sich mit zahlenden Kunden professionalisiert, muss ein schriftlicher Vertrag geschlossen bzw. ein Unternehmen offiziell gegründet werden.
Doch was für Unternehmensformen bieten sich für eine Gruppe von Filmemachern eigentlich an, die langfristig und verbindlich zusammenarbeiten wollen? Hier empfiehlt sich als erstes die wohl schnellste und kostengünstigste Variante: Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
Die GbR ist eine sogenannte Personengesellschaft und findet ihre Regelungen in den §§ 705 ff. BGB. Sie ist laut dem Bundesgerichtshof (BGH) teilrechtsfähig und kann somit als Gesellschaft sowohl Rechte und Vermögen erwerben, als auch klagen und verklagt werden. Wichtigste Grundlage einer GbR ist der Gesellschaftsvertrag. Bereits in § 705 BGB wird deutlich, was dieser beinhalten muss, um wirksam zu sein: Es müssen sich mindestens zwei Gesellschafter dazu verpflichten, einen bestimmten Zweck zu fördern indem sie hierfür Beiträge leisten.
Auf Filmemacher runtergebrochen heißt das: Es müssen mindestens zwei Filmemacher zusammenkommen (z.B. ein Kameramann und ein Regisseur, oder drei Cutter, oder oder oder), sie müssen den Zweck verfolgen Filme zu produzieren (egal was für welche und wie viele) und sie müssen alle mit anpacken (z.B. der eine besorgt den Auftrag, der andere produziert den Film, oder der eine schneidet und der andere komponiert den Sound, oder oder oder).
Das Besondere an der GbR ist, dass der Gesellschaftsvertrag keiner bestimmten Form bedarf. Das heißt, er kann auch mündlich geschlossen werden. Er kann sogar allein durch die gemeinsamen Tätigkeiten, einen Film zu produzieren, geschlossen werden, ohne dass man jemals über einen Vertrag gesprochen hat. Ergo: Viele Filmcrews könnten bereits eine GbR sein, ohne dass sie es wissen. Und für diese Crews gelten die Vorschriften der §§ 705 ff. BGB automatisch.
Ich möchte allerdings nicht auf die Gründung einer GbR eingehen, die praktisch ausversehen entsteht. Ich möchte darüber schreiben, wie und warum man eine GbR offiziell gründen sollte. Eine GbR, die im Rechtsverkehr für alle Teilnehmer gewollt sichtbar ist und als Unternehmen auftritt.
Warum und wie gründet man eine GbR?
Ganz grundsätzlich bietet sich eine GbR immer für mindestens zwei Filmemacher an, die wirklich verbindlich und langfristig zusammenarbeiten wollen. Hier geht es um Team-Player, die gemeinsam ein großes Ziel erreichen möchten. Es geht aber auch um diejenigen, die sich darauf verlassen wollen, dass der Geschäftspartner am gleichen Strang zieht. Denn auch wenn die GbR schnell und mit einfachen Mitteln gegründet werden kann, sie stellt auch Pflichten auf, die zur Not eingeklagt werden können. Man sollte sich daher die Gründung einer GbR immer gut überlegen. Man sollte sich immer vorher fragen, ob man wirklich Teil eines festen Teams sein will (im Vergleich zu einem Leben als Freelancer) und ob es auch die richtigen Partner sind, an die man sich bindet.
Wenn ihr aber zweifellos ein funktionierendes Team seid, dann steht der Gründung einer GbR nicht sehr viel im Weg. Folgende Schritte sind zu gehen:
Als erstes muss der Gesellschaftsvertrag aufgesetzt werden. Da es keine Formvorschriften gibt, könnt ihr diesen auch einfach selbst schreiben. Egal ob mit Kuli, Bleistift, auf einem Bierdeckel oder auf einem weißen A4-Blatt – prinzipiell egal. Vernünftig wären allerdings zwei Möglichkeiten: Die erste ist, ihr geht zum Anwalt. Er berät euch, schreibt einen ordentlichen Vertrag und schließt die Sache ordnungsgemäß mit euch ab. Die zweite Variante wäre, eine Vorlage aus dem Internet zu nutzen und diese auf euch anzupassen. Letzteres ist zwar kostenlos, kann im Zweifel aber extrem gefährlich werden, wenn man sich im deutschen Recht nicht auskennt.
Beispiel: Gemäß § 727 Abs. 1 BGB wird die GbR automatisch aufgelöst, wenn einer der Gesellschafter stirbt. Außer, der Gesellschaftsvertrag bestimmt etwas Anderes. Eine GbR muss immer mindestens aus zwei Personen bestehen. Stirbt einer von zwei, wird die GbR zwangsweise aufgelöst. Dagegen kann kein Vertrag etwas unternehmen. Problematisch wird es aber, wenn es zum Beispiel drei oder vier Gesellschafter gibt und nun einer von diesen verstirbt. Dann ist die GbR, sofern der Gesellschaftsvertrag nicht das Gegenteil vorsieht, ebenfalls automatisch aufgelöst. Sie existiert dann einfach nicht mehr. Das Vermögen der Gesellschaft wird aufgeteilt und das war‘s dann. Stellt euch vor, eure GbR gibt es schon seit einigen Jahren und ihr habt Angestellte. Wäre ein ungünstiges Ergebnis.
Es gibt noch viele weitere, ähnliche Probleme, auf die euch eine Internet-Vorlage nicht wirklich vorbereiten kann. Daher empfehle ich immer, einen Anwalt aufzusuchen, der euch den Vertrag nach euren Wünschen und Bedürfnissen aufsetzt. Der vor allem auch die möglichen Probleme in der Zukunft rechtlich absichert, an die man zum Zeitpunkt der Gründung noch gar nicht denkt. Es kann am Ende, nach vielen Jahren, um richtig viel Geld und eure Lebensgrundlage gehen. Da ist die Gebühr des Anwalts dagegen praktisch geschenkt.
Habt ihr den Vertrag geschlossen, am besten mit Unterschrift, dann heißt es "herzlichen Glückwunsch": Eure GbR ist gegründet.
Die Rechtsprechung hat der GbR in den letzten Jahren einige Vorteile verschafft. Eine davon betrifft auch die Namensgebung. Früher bestand der Name einer GbR in der Regel aus den Namen der Gesellschafter. (Einige Ämter gehen auch heute noch so vor, so hieß unsere GbR beim Finanzamt „Weiner & Rögner GbR“ und nicht „Picmention Medienproduktion GbR“, wie eigentlich bestimmt). Heute aber, ist alles anders. Die Gesellschafter können ihrer GbR nun auch einen fiktiven Namen verpassen. Der Fantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Zu beachten ist jedoch, dass der Name nicht vom Zweck der Gesellschaft ablenken oder täuschen darf (Filmemacher sollten sich also nicht „Metzger GbR“ nennen), er darf auch nicht geschützt sein („Apple GbR“) oder zur Verwechslung mit anderen Wirtschaftsteilnehmern führen.
Wichtig: Der Name der GbR ist nicht automatisch gegen jede Fremdnutzung geschützt. Ihr solltet den Namen bzw. die Marke auch immer als Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt schützen lassen.
Die GbR und ihre Gesellschafter müssen bei öffentlichen Ämtern auch angemeldet werden, wenn sie wirtschaftlich tätig werden wollen. Als erstes empfehle ich, das Finanzamt aufzusuchen. Dort beantragt man nicht nur die Steuernummer, sondern auch die Feststellung zum sog. Freiberufler. Wer als Freiberufler gilt, ist in § 18 EStG definiert. Dort ist unter anderem auch die Rede von "künstlerische Tätigkeiten". Künstler sind demnach Freiberufler, was für Filmemacher also auch gelten sollte. Leider nicht richtig.
Für den Beruf des "Künstlers" gibt es keine feste Definition oder einen bestimmten Abschluss, im Gegensatz zu Änwälten, Ärzten oder Architekten. Ob man Künstler ist oder nicht, bestimmt daher das Finanzamt im Einzelfall und mit Blick auf die konkreten Tätigkeiten, die man als Filmemacher ausübt. Regisseure und Kameramänner /-frauen werden in der Regel als Freiberufler anerkannt. Produzenten hingegen nicht, da diese überwiegend Verwaltungs- und Planungsaufgaben ausüben. Bei Cuttern, Animatoren und Grafikern ist es sehr strittig und immer vom Einzelfall abhängig.
Was macht das für einen Unterschied, ob man als Freiberufler gilt oder nicht? Da gibt es leider ganz schön große Unterschiede. Eine GbR, die nur von Freiberuflern gegründet ist, muss sich nicht beim Gewerbeamt anmelden und auch keine Gewerbesteuer zahlen. Eine nur aus Freiberuflern bestehende GbR kann sich auch nie zu einer OHG automatisch wandeln und als "Kaufmann" nach § 1 HGB gelten.
Ihr solltet also nach der GbR-Gründung zum Finanzamt gehen und klären, ob es sich bei euch Gesellschaftern um Freiberufler im Sinne des Gesetzes handelt oder nicht. Wenn auch nur einer von euch Gründern kein Freiberufler ist, müsst ihr euch zusätzlich beim entsprechenden Gewerbeamt anmelden.
Jetzt ist das Wichtigste getan, um wirtschaftlich tätig zu werden. Ich persönlich empfehle noch die Eröffnung eines Geschäftskontos, die Beratung eines Steuerberaters, sowie die Erstellung einer Homepage. Der Rest ergibt sich dann im Laufe der Zusammenarbeit.
Vorteile einer GbR:
- Die GbR kann ziemlich unbürokratisch, schnell und fast kostenlos gegründet werden (Ämter verlangen ja immer Gebühren, eine kostenpflichtige Beratung durch einen Anwalt ist auch empfehlenswert).
- Der Gesellschaftsvertrag kann extrem individuell ausgestaltet werden und von vielen gesetzlichen Regelungen auch abweichen.
- Im Vergleich zu Kapitalgesellschaften (z.B. GmbH und UG), muss kein Kapital für die Gründung eingebracht werden. Es muss auch keine Körperschaftssteuer gezahlt werden und es gibt (bis auf die unten genannte Ausnahme) keine doppelte Buchführungspflicht.
- Jeder Gesellschafter hat grundsätzlich weitreichende Mitbestimmungsrechte bei der Unternehmensführung.
Nachteile einer GbR:
- die Gesellschaft löst sich automatisch auf, wenn von zwei Gesellschaftern einer kündigt oder stirbt.
- die GbR kann sich ab einem bestimmten Umsatz (man geht aktuell von ca. 250.000 € aus) automatisch zu einer OHG wandeln, wenn die Gründer nicht ausschließlich Freiberufler sind. Wenn das geschieht, gelten zusätzlich die Regeln des Handesgesetzbuchs (HGB), was u.a. beinhaltet, dass die Gesellschaft im Handelsregister eingetragen werden muss und die doppelte Buchführungspflicht gilt.
- Die Gesellschafter haften gegenüber Dritten gemeinsam, zu gleichen Teilen unbeschränkt. Und das ist das mit Abstand größte Problem bei einer Personengesellschaft, wie die GbR eine ist: Es gibt keine Beschränkung der Haftung. Begeht ein Gesellschafter einen Fehler, der beispielsweise einen Schadensersatz zu Gunsten eines Dritten begründet, stehen alle Gesellschafter dafür gerade – mit ihrem privaten Vermögen. Hat ein Gesellschafter keine finanziellen Mittel, müssen die Übrigen gegenüber dem Gläubiger dafür aufkommen und das Defizit ausgleichen.
Aus diesem Grund eignet sich die GbR nur für Filmemacher, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen, wo die Projekt-Budgets übersichtlich bleiben. Je größer die Projekte werden, je größer wächst auch das Haftungsrisiko und damit zugleich die Summe möglicher Schadensersatzzahlungen, wenn ein Film mal nicht wie vereinbart fertiggestellt wird.
Ein einziger Fehler von nur einem Gesellschafter, könnte alle Gesellschafter zusammen unmittelbar in die Privatinsolvenz treiben.
Beispiel: Eure GbR besteht aus zwei Gesellschaftern und ihr habt den Auftrag einen TV-Spot zu produzieren. Der Kunde besteht auf einen prominenten Schauspieler, der euch für den Drehtag 90.000 € berechnet. Dem Kunden habt ihr das Projekt für einen Festpreis verkauft. Nur ein Drehtag ist mit dem Schauspieler im Festpreis inbegriffen. Nun findet der Dreh statt und ihr merkt, dass einer von euch bei der Vorproduktion einige Fehler gemacht hat. Ihr schafft eure geplanten Szenen nicht an einem Tag. Um den Film wie vereinbart fertigzustellen, müsst ihr den Schauspieler noch einen weiteren Tag buchen. Das kostet euch weitere 90.000 €. Der Auftraggeber verweigert die Mehrkosten zu bezahlen, mit Hinweis auf den Festpreis und dem selbst verschuldeten Planungsfehler. Um die Gage zu bezahlen, können 30.000 € vom Geschäftskonto verwendet werden. Für die restlichen 60.000 € nimmt euch der Schauspieler mit eurem privaten Vermögen in Anspruch. Kann einer von euch nicht zahlen, weil er gerne im Casino zockt, steht der zweite Gesellschafter gegenüber dem Schauspieler für die offene Schuld erstmal alleine ein.
Daher zwei wichtige Hinweise zum Abschluss:
- überlegt euch sehr gut, mit wem ihr eine GbR (oder überhaupt ein Unternehmen) gründet und
- sobald eure Projekte größer werden oder von Anfang an sehr groß sind, ist eine GbR aufgrund der fehlenden Haftungsbeschränkung zu riskant und damit ungeeignet. In Betracht zu ziehen ist dann eine UG oder GmbH.
Last but not least: Alle oben genannten Ausführungen basieren auf dem rechtlichen Stand ihrer Veröffentlichung. Ich übernehme keine Gewähr oder Haftung für die Richtigkeit aller Aussagen, die ich mit besten Wissen und Gewissen verfasst habe. Es empfiehlt sich außerdem immer einen Anwalt zu konsultieren, wenn es um das Aufsetzen von Verträgen oder eine nähere Beratung geht.
Roman Rögner, am 16.05.2017
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