Source: https://de.scribd.com/document/403080180/Fach-Sprache
Timestamp: 2020-08-15 02:25:29
Document Index: 378206491

Matched Legal Cases: ['§ 305', 'BGE', '§ 1589', '§ 1587', '§ 1587', '§ 1587', '§ 1587', '§ 1587', '§ 1587', '§ 1813', '§ 250', '§ 310', '§ 305', '§ 306', '§ 308', '§ 320', '§ 306', '§ 307', '§ 308', '§ 305', '§ 145', '§ 11', '§ 146', '§ 308']

Fachsprache Deutsch - Theorie
speichernFach Sprache für später speichern
15 Ansichten84 Seiten
Schlick AE (1925)
wolf_erlebnis.pdf
Martin Lišaník
Analyse einiger linguistischer Merkmale der deutschen Rechtssprache anhand der §§ 305 – 310 des BGBs : Gestaltung rechtsgeschäftlicher Schuldverhältnisse durch Allgemeine Geschäftsbedingungen
The Analysis of Specific Language Features of German Legal Language Based on Section 305 – 310 German Civil Code, Book 2 – Law of Obligations, Title 2:
Drafting contractual obligations by means of standard business terms
Vedoucí bakalářské práce: prof. PhDr. Libuše Spáčilová, Dr.
Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Bachelorarbeit selbständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt habe.
Olomouc, den 20. April 2013
An dieser Stelle möchte ich mich bei all denjenigen bedanken, die mich während der Anfertigung dieser Bachelor-Arbeit unterstützt und motiviert haben.
Ganz besonders gilt dieser Dank Frau Prof. PhDr. Libuše Spáčilová, Dr., die meine Arbeit und somit auch mich betreut hat. Nicht nur, dass Sie mir immer wieder durch kritisches Hinterfragen wertvolle Hinweise gaben, auch Ihre moralische Unterstützung und Motivation waren unschlagbar.
1.1. DER BEGRIFF FACHSPRACHE
1.2. ABGRENZUNG DER FACHSPRACHE
1.3. BEDEUTUNG DER FACHSPRACHE
2. EIGENSCHAFTEN DER FACHSPRACHEN
2.1. DIE FUNKTIONALEN EIGENSCHAFTEN VON FACHSPRACHEN
2.1.1. Deutlichkeit
2.1.2. Verständlichkeit
2.1.3. Ökonomie
2.1.4. Anonymität
2.1.5. Identitätsstiftung
3.1.1. Horizontale Gliederung nach Fluck
3.1.2. Horizontale Gliederung nach Roelcke
3.2. VERTIKALE GLIEDERUNG
3.2.1. Vertikale Gliederung nach Fluck
3.2.2. Vertikale Gliederung nach Roelcke
3.3. TEXTSORTENGLIEDERUNG
4.1. DEFINITION EINES FACHWORTS
4.2. FACHWORT UND NICHTFACHWORT
4.3. FACHWORT VS. TERMINUS
4.4. EIGENSCHAFTEN VON FACHWÖRTERN
4.5. GLIEDERUNG DES FACHSPRACHWORTSCHATZES
4.6. TERMINOLOGISIERUNG
5. GRAMMATISCHE EIGENSCHAFTEN DER FACHSPRACHEN
5.2. MORPHOLOGIE DER FACHSPRACHEN
5.3. WORTBILDUNGSMORPHOLOGIE
5.3.1. Komposition
5.3.2. Derivation
5.3.3. Wortkürzung
5.3.4. Konversion
5.4. FLEXIONSMORPHOLOGIE
Gebrauch von Person und Numerus
5.4.2.1. Modus
5.4.2.2. Tempus
5.4.2.3. Genus Verbi
5.4.2.3.1. Aktiv
5.4.2.3.2. Passiv
5.4.2.3.3. Passivparaphrasen
5.4.2.3.3.1.
Passivparaphrasen ohne Modalfaktor
5.4.2.3.3.2.
Passivparaphrasen mit Modalfaktor
5.4.2.3.3.3.
5.4.2.4. Infinitivkonstruktionen
5.4.3. Deklination
5.4.3.1. Kasus
5.4.3.2. Numerus
6.1. SATZARTEN
6.1.1. Aussagesatz
6.2. TYPEN DER NEBENSÄTZE
6.2.1. Relativsätze
6.3. ATTRIBUTE UND ATTRIBUTREIHUNGEN
6.4. NOMINALISIERUNG
6.5. FUNKTIONSVERBGEFÜGE
6.6. PRÄPOSITIONEN
7. SPEZIFIKA DER RECHTSSPRACHE
7.1. RECHTSSPRACHE ALS FACHSPRACHE
7.2. SEMANTIK
7.3. GEMEINSPRACHLICHES WORT ALS TERMINUS?
7.4. SYNONYME
7.5. METAPHORISIERUNG IN DER RECHTSSPRACHE
7.6. STILISTIK DER RECHTSSPRACHE
7.6.1. Syntaktische Merkmale
7.6.2. Genitivkonstruktion
7.6.3. Hauptsatz in einer Rahmenfunktion
7.6.4. Hauptsatz mit Aufzählung von möglichen Nebensätzen
7.6.5. Nominalstil
8.1. MORPHOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
8.1.1. Wortbildungsmorphologie
8.1.1.1. Komposition
8.1.1.2. Derivation
8.1.1.3. Kürzung
8.1.1.4. Konversion
8.2.2. Modus
8.2.3. Tempus
8.2.4. Genus Verbi
8.2.5. Passivparaphrasen
8.3. PARTIZIPIEN
8.3.1. Partizip I
8.3.2. Partizip II
8.4. GENITIVREIHUNGEN
8.5. SYNTAKTISCHE MERKMALE
8.5.1. Typen der Nebensätze
8.5.2. Attribute. Attributivreihungen
8.5.3. Präpositionen
8.5.4. Relativsätze
8.5.5. Nominalisierung
8.5.6. Funktionsverbgefüge
8.5.7. Sekundäre Präpositionen / Präpositionalkonstruktionen
8.6. ZU DEN TYPISCHEN ZÜGEN DER JURISTISCHEN SPRACHE IN UNSEREM TEXT
8.6.1. Lexik
8.6.2. Synonyme
8.6.3. Hauptsätze in der Rahmenfunktion
8.6.4. Länge der Sätze
8.6.5. Die unbestimmten oder wertausfüllungsbedürftigen Rechtsbegriffe
11. INTERNETQUELLEN:
12. ANHANGVERZEICHNIS
15. ANOTACE
Diese Arbeit sollte die Problematik der Fachsprachenforschung und Fachsprachenbeschreibung behandeln und dabei werden mehrere damit zusammenhängende Probleme angeschnitten. Als erstes Problem ergibt sich allerdings schon der Begriff Fachsprache selbst und seine Definition. Wenn das Wort Fachsprache näher angeschaut wird, ist es klar, dass es sich um eine Zusammensetzung aus den Wörtern Fach und Sprache handelt. Eine klare Definition des Begriffes Sprache ist äußerst schwierig, und bis jetzt umstritten. Wenn wir aber von diesem Problem abstrahieren, und uns sowohl an einer Definition des Begriffes „Sprache“ als auch an der Definition des Begriffes „Fach / fachlich“ einigen werden, stoßen wir gleich an ein nächstes Problem, und zwar an die Abgrenzung der Fachsprache zu einem eben nicht klar definierten Terminus – Gemeinsprache.
Diese Fragestellung wurde schon in den 60er und 70er Jahren in der Fachsprachenforschung behandelt, und obwohl es schon mehrere Versuche dieser Abgrenzung gibt, ist die Lösung dieses Problems nicht befriedigend gelungen. Aus diesem Grund wird von der strengen Abgrenzung abstrahiert und stattdessen wird es versucht „lediglich innersprachliche Merkmale zu bestimmen, die für verschiedene außersprachliche, genauer funktionale Bedingungen charakteristisch sind (Roelcke, 2010, S. 18). Trotzdem wird es im Folgenden auf mehrere Standpunkte und Versuche einer Abgrenzung eingegangen.
Es ist von Anfang an klar, dass es sich bei Fachsprachen um keine einzeln existierenden Sprachen handelt und der Übergang zwischen Fachsprache und Gemeinsprache fließend ist. Die Frage, was für eine Stelle die Fachsprache innerhalb des Systems der Sprache einnimmt, aber bleibt. Die Fachsprache könnte als eine besondere Varietät der Standardsprache betrachtet werden. Diese Vermutung unterstützt auch K. Adamczik mit ihrer These: „Die Varietäten sind keineswegs strikt voneinander abgegrenzt, da sie miteinander in Kontakt treten und sich miteinander beeinflussen können“ (Adamczik, 2001, str. 9) Die Fachsprache ist also ein Bestandteil der Gemeinsprache und kann ohne die Gemeinsprache nicht existieren, andersherum – wird aber die Funktion der Gemeinsprache nicht beeinträchtigt sein, wenn die Fachsprache nicht vorhanden ist.
Bei der Abgrenzung der Fachsprache kann also der soziolinguistische Aspekt eine wesentliche Rolle spielen, weil sich die Fachsprache tatsächlich auf „einen Umkreis von Personen beschränkt und zugleich die Zugehörigkeit zu diesem Personenkreis demonstriert“ (Drozd & Seibicke, 1973, str. 79) Wie noch später erwähnt wird, dient diese Sprache als Verständigungsmittel zwischen bestimmten Personen, die durch einen bestimmten Fachbereich miteinander verbunden werden – der soziologischer Aspekt ist deshalb vorhanden.
Aus dieser Vermutung könnte allerdings eine Definition der Fachsprache erschlossen werden, laut der die Fachsprache eine Menge von Sprachmitteln ist, die „in einem bestimmten Bereich der menschlichen Tätigkeit zweckgebunden und für eine spezifische Stilsphäre kennzeichnend sind und sich von anderen Stilschichten und Stiltypen abheben“ (Drozd & Seibicke, 1973, str. 81).
Nichtsdestotrotz weist die Fachsprache bestimmte Besonderheiten auf, die zwar in der Gemeinsprache vorkommen können, aber in der Fachsprache in bestimmter Weise verstärkt, hervorgehoben oder eben im Vergleich zu der Gemeinsprache vernachlässigt werden. Oder wie das Adamczik definiert: „generell gegebene Möglichkeiten des Sprachsystems in spezifischer Weise (u.a. mit bestimmter Häufigkeit) ausgenutzt werden“ (Adamczik, 2001, S. 28) Die Fachsprache überlappt sich, wie gesagt, in vielen Merkmalen mit der Gemeinsprache, und manche „Möglichkeiten des Sprachsystems“ finden eine besondere Anwendung.
Es handelt sich zwar um mehrere Ebenen des Sprachsystems, aber eine sehr wichtige Rolle nimmt besonders die Ebene der Lexik ein. In der bisherigen Forschung wurde diese Ebene stark betont. Es ist vor allem das Vorkommen des speziellen, Laien oft unverständlichen Wortschatzes, was oft als erstes Signal dafür dient, dass es sich nicht um eine allgemeinsprachliche Äußerung handelt. Dieser Wortschatz – auch Termini genannt – bildet oft den Kern der fachlichen Äußerung und ohne Kenntnis der Problematik des Fachbereichs, aus dem der Wortschatz stammt, wird Fachsprache auch für Muttersprachler unverständlich. Die Problematik der Terminologie / des Fachwortschatzes sollte in einem einzelnen Kapitel näher erklärt werden.
Obwohl die Stellung der Fachwörter nicht bezweifelt werden will, könnte die Fachsprache nicht als eine Sprache bezeichnet werden, wenn es – unter anderem – z. B. keine Syntax vorhanden wäre. Obwohl noch nicht viele Forschungen zu der fachsprachlichen Syntax vorliegen, sind die oft sehr komplizieren syntaktischen Konstruktionen ein nächstes
Zeichen dafür, dass es sich um eine Art besonderer, von der Gemeinsprache abweichender Sprache handelt. Eine nächste, wichtige sprachliche Ebene, die in der Fachsprachenforschung in Betracht gezogen werden sollte, ist die Ebene der Semantik.
Eine mögliche Lösung der Frage nach der Unterscheidung / Grenzen zwischen Gemein- und Fachsprache bietet R. Fluck, wobei er sich folgende Frage stellt: „Wie hoch muss der fachsprachliche Anteil (Lexik und / oder Syntax) in einem Text oder in einer Rede sein, um diese als fachsprachlich charakterisieren und einer bestimmten Fachsprache, einem bestimmten Funktionalstil zuordnen zu können“ (Fluck, 1991, S. 15)? Er vermutet also, dass es eher der Grad der Fachlichkeit ist, der einen Fachtext ausmacht, oder besser zu sagen – nach diesem Grad kann bestimmt werden, ob ein Text in einer Gemeinsprache oder in einer Fachsprache produziert wurde. Damit ist aber die Frage gar nicht beantwortet. Die Wissenschaftler haben sich bis jetzt auf keinen objektiven Kriterien geeinigt, die als maßgebend gelten. Es tauchen sogar mehr Fragen auf. Wir sind nämlich immer noch zu keiner klaren Definition der Fachsprache gekommen. Allgemein kann aber festgestellt werden, dass diese Abgrenzung und Definierung der Fachsprache noch nicht sehr gut gelungen ist Es sind aber mehrere Definitionen vorhanden, die bis jetzt eine allgemeine Anerkennung in wissenschaftlichen Kreisen gefunden haben.
Als die bekannteste Definition gilt allerdings die Definition von Lothar Hoffmann, die in der Mitte der 70er Jahre veröffentlicht wurde und lautet: „Fachsprache – das ist die Gesamtheit aller sprachlichen Mittel, die in einem fachlich begrenzbaren Kommunikationsbereich verwendet werden, um die Verständigung zwischen den in diesem Bereich tätigen Menschen zu gewährleisten.“ (Hoffmann, 1985, S.26. zitiert in Roelcke, 2010, S. 15) Diese Definition bringt allerdings wieder weitere Fragen mit sich, die in den nächsten Kapiteln erklärt werden.
Es sollte zuerst die Frage gestellt werden, wem und wozu eigentlich die Fachsprachen dienen – was eigentlich ihre Stellung in dieser Welt ist. Obwohl es für manche paradoxerweise klingen darf, ist die Aufgabe dieser Sprachen die Kommunikation zu vereinfachen. Es handelt sich aber nicht um den Kommunikationsprozess auf dem allgemeinsprachlichen Niveau, sondern um den Informationsaustausch zwischen Fachleuten und Wissenschaftlern, wo der höchste Grad an Genauigkeit verlangt wird.
Eine spezielle Sprache – Fachsprache entstand und funktioniert bis jetzt nur deshalb, weil es an dieser Sprache Bedarf gab und noch immer gibt. Die Gemeinsprache, die wir von der Fachsprache abzugrenzen versuchten, verfügt nämlich nicht über ausreichende sprachliche Mittel, die zur Fachkommunikation ausreichend wären.
Die Aufgabe einer Fachsprache besteht darin, eine möglichst genaue Kommunikation / den Informationstransfer zu ermöglichen. Es mag einfach klingen, aber tatsächlich kann dies eine große Herausforderung sein. Die Schwierigkeit liegt nämlich in der verschiedenen Interpretation von Parole-Akten und in Anlehnung an das saussurerische Konzept könnte man sagen – in der möglichen und sehr oft vorkommenden Uneinheitlichkeit zwischen signifiant und signifie. Die Fachsprachen bemühen sich zu gewährleisten, dass mit einem signifiant immer nur ein signifie verbunden wird. Genau dadurch – und nur dann – kann eine erfolgreiche Kommunikation vollgezogen werden. Für eine Kommunikation müssen also immer zumindest zwei Akteure vorhanden sein – ein Produzent und ein Rezipient und die Aufgabe der Fachsprachen ist, zwischen diesen zwei Personen ein gemeinsames, möglichst genaues Zeichensystem zu bilden, mit anderen Worten – eine Übereinstimmung zwischen signifiant und signifie.
Vielleicht schon anhand dieses Beispiels könnte deutlich werden, wie interdisziplinär eigentlich der Bereich der Fachsprachenforschung ist. Sie gehört in vielen Punkten selbstverständlich in den Bereich der Sprachwissenschaft, berührt aber auch die Kommunikationswissenschaften (Problem der Abgrenzung der Pragmatik), Soziologie usw.
Die Fachsprachen nützen die generell gegebenen Möglichkeiten eines Sprachsystems in besonderer Weise und dadurch gewinnen sie bestimmte Eigenschaften. In diesem Abschnitt sollte vor allem an die funktionellen Eigenschaften der Fachsprachen angegangen werden, die sie so deutlich markieren.
Roelcke führt fünf grundlegende funktionale Eigenschaften von Fachsprachen an, und zwar (Roelcke, 2010, S. 25): Deutlichkeit, Verständlichkeit, Ökonomie, Anonymität und Identitätsstiftung. Das Ziel aller diesen, in Fachsprachen gewöhnlich vorhandenen Funktionen, ist die Darstellungsfunktion zu unterstützen oder auszumachen.
Dieses Merkmal wird den Fachsprachen am meisten zugeschrieben und das im
weitesten Sinne. Aufgabe der Deutlichkeit in FS besteht darin, einen „möglichst adäquaten
Bezug zu den fachlichen Gegenständen und Sachverhalten sowie Abläufen und Verfahren“
(Roelcke, 2010, S. 25)herzustellen. Im weiteren Sinne geht es genau um die
Übereinstimmung zwischen signifiant und signifie. Um die Deutlichkeit – und allgemein alle
funktionalen Eigenschaften von FS – zu erzielen, werden bestimmte sprachliche Mittel
verwendet; eine besondere Rolle spielt in diesem Fall aber der Bereich des Wortschatzes.
Im weiteren Sinne geht es vor allem um die Distribution der Kenntnisse für einen
Leser oder allgemein für einen Rezipienten einer Fachsprache und eine möglichst fehlerfreie
Übermittlung der vorgesehenen Informationen. Zu einer solchen fehlerfreien Distribution
behilft vor allem die Lexik, aber auch die Syntax, die die Beziehungen zwischen einzelnen zu
übermittelnden Informationen definiert und festlegt.
Diese Eigenschaft sollte eine ökonomische/sparsame Verwendung einer Sprache
bezeichnen. Es heißt aber keinesfalls, dass ihr Ziel minimalistische Ausdrucksweise mit
einem möglichst komprimierten Inhalt ist. Es geht um eine Art Gleichgewicht zwischen dem
sprachlichen Aufwand und dem kommunikativen Ergebnis, das ein Ziel der fachlichen
Kommunikation darstellt.
Diese Eigenschaft spielt wieder eine wichtige Rolle bei der Darstellungsfunktion der
Fachsprachen und das insofern, dass sie vor allem die beschriebenen Gegenstände,
Verhältnisse und Fakten in den Vordergrund rückt, und die Person des Autors spielt insofern
nicht eine wichtige Rolle. Die Anonymität wird durch mehrere Sprachmittel ausgedrückt, die
noch angesprochen werden.
Es wurde schon angedeutet, dass die Fachsprache aus einer soziolinguistischen Sicht
eine Art Gruppensprache ist. Die Sprache, die in solchen Gruppen als Ausdrucksmittel
verwendet wird, kann allerdings auch zur Hervorrufung eines Gefühls der Zugehörigkeit zu
einer bestimmten Gruppe dienen. In diesem Fall könnten wir die Sprache / Fachsprache als
eine unvermeidliche Bedingung verstehen, die erfüllt sein muss, um die Zugehörigkeit zu
Gliederung von Fachsprachen
Es bietet sich wieder die Frage, welche Kriterien für die Einteilung der Fachsprachen
berücksichtigt werden sollten und welche Modelle und Konzeptionen sich als wichtig in der
Fachsprachenforschung erwiesen. In Anlehnung an die Gliederung von Fluck (Fluck, 1991,
S.16) und Roelcke (Roelcke, 2010, S. 29) sollte hier nur auf die wichtigsten Gliederungen
eingegangen werden und manche werden im Rahmen dieser Arbeit außer Acht gelassen.
Im Grunde genommen könnte gesagt werden, dass dieser Gliederung eine Zuordnung
einer bestimmten Fachsprache zu einem bestimmten Fachbereich zugrunde liegt. Fluck ist der
Meinung, dass es in diesem Fall so viele Fachsprachen gäbe, wie Fachbereiche selbst, weil
schon jedes Handwerk, geschweige denn eine wissenschaftliche Disziplin, über eine
bestimmte Ausdrucksweise verfügt, die einigermaßen von den anderen abweicht. Allerdings
muss aber auch erwähnt werden, dass unter einem Fachbereich in solcher Sichtweise nicht
solche großen komplexen Wissenschaften wie z. B. Medizin verstanden werden, sondern eher
schon ihre Teilbereiche, wobei es sich z. B. im Fall der Medizin um solche Bereiche wie etwa
Ophthalmologie, Immunologie usw. handelte.
Die horizontale Gliederung der Fachsprache ist allerdings bei Roelcke ausführlicher
behandelt. Er sieht die Aufgabe der Einteilung vor allem in der Funktion eines bestimmten
Ausgangspunktes für die Suche nach weiteren, vor allem innersprachlichen, Merkmalen.
Allgemein könnten wir sagen, dass es sich um eine Gliederung innerhalb nur eines
Faches handelt, und die davon ausgeht, dass auch nur ein Fach mehrere kommunikative
Ebenen beinhalten kann, die sich in ihrer – vor allem sprachlichen – Struktur unterscheiden.
Fluck erklärt diese Gliederung an zwei verschiedenen Modellen, die wir hier zu
veranschaulichen versuchen. Das erste ist ein zweisichtiges Modell, das vom Prager
Linguistenkreis entworfen wurde.
Grundsätzlich können wir in diesem Modell zwei Schichten unterscheiden, und zwar:
1. Fachstil der Fachprosa und 2. den theoretischen, wissenschaftlichen Fachstil. Der
Unterschied besteht vor allem in der verschiedenen kommunikativen Funktion und sozusagen
verschiedenen „Zielnutzern“ der genannten Stile.
Als die zweite mögliche Gliederung bietet Fluck die von W. v. Hahn (Hahn, S.283,
zitiert nach Fluck, 1991, S. 21), die die Fachsprache in drei Schichten unterteilt: 1.
Theoriesprache (auch Wissenschaftssprache genannt) – ist sozusagen die strengste Form der
Fachsprache die ausschließlich zwischen den Wissenschaftlern verwendet wird. Diese Form
der Fachsprache realisiert sich vor allem in der schriftlichen Form. 2. Die fachliche
Umgangssprache dient auch der Kommunikation zwischen Fachleuten, wobei sie auch die
mündliche Form beinhaltet, die Form ist nicht mehr so streng und ist auch durch persönliche
kommunikative Züge geprägt, was sich auch darin zeigt, dass sie oft mit den Umgangs- oder
gruppenspezifischen Sprachen gemischt wird. 3. Die Verteilersprache ist dagegen die
Sprache, die zur Kommunikation zwischen Fachleuten und „geschäftlichem“ Bereich dient
(Bereich der Produktion, Verwaltung, Verkauf). Es könnte allgemein gesagt werden, dass das
wichtigste Kriterium für die vertikale Gliederung der Fachsprache der (Fach)Wortschatz ist.
Die Gliederung von Roelcke überlappt sich gerade darin mit der von Fluck
entworfenen Gliederung, dass er in diesem Fall auch verschiedene kommunikative Ebenen
eines Faches betrachtet, und dann sozusagen mehrere kommunikative Abstraktionsstufen der
Fachsprache dieses Faches bildet. Wie er selbst besagt: „dabei erfahren innersprachliche
Merkmalle zumindest eine stärkere Berücksichtigung“ (Roelcke, 2010, S. 35). Um eine
bestimmte Verbindung mit Fluck zu erreichen, wollen wir ein von ihm angeführtes
Kommunikationsmodell vorstellen, das bestimmte Ähnlichkeiten vor allem mit dem
dreischichtigen Modell von v. Hahn aufweist. Roelcke präsentiert also ein Modell, nach dem
sich eine Fachsprache in drei Abstraktionsstufen unterteilen lässt: 1. obere Abstraktionsstufe –
das ist im Prinzip nur die „reine“ Wissenschaftssprache, die eine strenge Form aufweist 2.
mittlere Abstraktionsstufe – ist sozusagen die fachliche Umgangssprache und die dritte ist die
3. unterste Abstraktionsstufe – auch „Werkstattsprache“ genannt, bei der sich wieder um eine
Vermittlung der Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und den sozusagen von
Wissensgrad ein bisschen niedriger gestellten Fachleuten handelt.
Textsortengliederung
In diesem Fall werden wir uns nur auf die im Buch von Roelcke präsentierte Theorie halten, weil sie aus unserer Sicht von Fluck nicht ausreichend genug bearbeitet wurde. Wie Roelcke allgemein besagt, sind die Fachtextsorten „Typen oder Klassen von Fachtexten“ (Roelcke, 2010, S. 40) Die ursprüngliche Idee dieses Konzepts war, von der Einteilung und Gliederung nach einzelnen Fächern zu abstrahieren und ein fachübergreifendes Muster zu schaffen, nach dem Texte aus verschiedenen Fachbereichen klassifiziert werden könnten. Diese Texte verbindet aber miteinander die Tatsache, dass sie „bestimmte funktionale und formale Gemeinschaften“ (Roelcke, 2010, S. 41) aufweisen. Als besonders aussagenswert betrachten wir die Definition von Gläser:
Die Fachtextsorte ist ein Bildungsmuster für die geistig- sprachliche Verarbeitung eines tätigkeitsspezifischen Sachverhalt, das in Abhängigkeit vom Spezialisierungsgrad von kommunikativen Normen bestimmt, die einzelsprachlich
unterschiedlich ausgeprägt sein können. (Gläser, 1990, S.29, zitiert bei
Roelcke, 2010, S.41.)
Diese sehr komprimierte Definition beinhaltet aber das Wesentlichste. Wir versuchen das anhand der Textsorte Vertrag zu illustrieren, mit der wir uns teilweise in dieser Arbeit beschäftigen wollen. Laut dieser Definition sollte ein Vertrag „einen tätigkeitsspezifischen Sachverhalt“ verarbeiten, was in diesem Falle eine Art Verabredung zwischen zwei Personen sein könnte. Eine solche „Abhängigkeit von kommunikativen Normen“ heißt, dass die Art und Weise, wie ein Vertrag gemacht wird, vor allem konventionell und kulturell festgelegt ist. Ein Vertrag kann ebenso „unterschiedlich ausgeprägt sein“, was wieder damit im Zusammenhang steht, dass die Verträge „den Traditionen einer bestimmten Sprechergemeinschaft unterliegen“ (Roelcke, 2010, S. 41) und von dieser Gemeinschaft ihre Züge geprägt sein werden.
Auch in diesem Fall haben sich die Wissenschaftler nicht an einer einzigen Gliederung geeignet. Wir möchten aber trotzdem auf mehrere eingehen, weil sie vor allem für unseren Forschungsfokus – juristische Texte – von Bedeutung sein können. Es wurde eine Einteilung nach den verschiedenen (kommunikativen) Funktionen der einzelnen Textsorten vorgenommen. Nach diesem Kriterium wurden drei wichtigste Grundtypen unterschieden:
Grundtyp,
deskriptiven Funktion ist. (Darstellung);
2. der instruktive Grundtyp, dessen Aufgabe eine Art von Instruktion ist (Anleitung);
3. der direktive Grundtyp, der eine direktive / vorschriftliche Funktion (Vorschrift)
Diese Einteilung stellt also vereinfacht die Einteilung nach den Funktionen dar. Für unsere Zwecke scheint aber noch eine, von Göpferich vorgeschlagene Gliederung, sogenannte „fachbezogene systematisch-historische Textsortengliederung“ (Göpferich, 1995, S.119 – 135, zitiert bei Roelcke, 2010, S.44) von Bedeutung, weil sie sich gründlicher mit den juristischen Texten als einem einheitlichen spezifischen Bereich beschäftigt. Sie unterscheidet in dieser Gliederung also vier Fachtexttypen:
1.juristisch-normative Texte
2.fortschritts-orientiert-aktualisierende Texte
3.didaktisch-instruktive Texte
4.wissens-zusammengestellte Texte
Diese Gliederung beschreibt dann näher die Funktionen jeder solchen Texte und gliedert sie wieder in auch sogenannte Primärtextsorten, die in unserem Fall juristisch- normative Texte die Norm, Spezifikation und Patentschrift sind.
An dieser Stelle möchten wir die Textsortengliederung abschließen. Wir möchten in bestimmter Weise zusammenfassend anmerken, dass es sich in diesem Zusammenhang sozusagen um eine Art Prototypikalisierung von Fachtextsorten handelt und aufgrund dieser Prototypikalisierung dann die Untersuchung vorgenommen wird.
Wir haben schon im einleitenden Kapitel darauf hingewiesen, dass die Lexik in den Fachsprachen eine prominente Stelle einnimmt und gerade die Auswahl des Wortschatzes, der in einer Äußerung vorkommt, fast regelmäßig als erstes Signal dafür dient, dass es sich um eine fachsprachliche Äußerung handelt. Die Wichtigkeit dieses Bereichs kann man auch daran illustrieren, dass in der früheren Forschung oft die Begriffe Fachsprache und Fachwortschatz gleichgesetzt wurden und obwohl diese Ansicht, dass eine Fachsprache gleich einem
Fachwortschatz ist, längst überwunden wurde, kann man immer noch sagen, dass die
Fachwörter „die Aussage tragen und eigentlich die Fachsprache konstruieren“ (Fluck, 1991,
S. 47). In diesem Kapitel wollen wir also auf die Problematik und das Wesen des
Fachwortschatzes eingehen und ihn näher im Allgemeinen beschreiben.
Als eine geeignete Definition eines Fachwortes, die uns als Grundlage dienen kann,
scheint uns die (zumindest sprachlich) einfachste: „Terminus ist ein definiertes Wort“
(Kocourek, 1965, S. 1 – 25, zitiert bei Drozd & Seibicke, 1973, S. 44). Das heißt, das der
Unterschied zwischen einem Wort und einem Fachwort – auch Terminus genannt – gerade
darin besteht, das dem Terminus eine möglichst feste Definition zugeordnet wird. Man könnte
also sagen, dass sich ein Terminus im Vergleich mit den gemeinsprachlichen Wörtern relativ
einfach und klar definieren lässt, obwohl er eine sehr komplexe Sache vorstellt. So ist für uns
z. B. tatsächlich leichter, das Wort Morphem (das als Terminus gilt) als den Begriff Sprache
Das Wort Sprache zeigt sich auch als ein geeignetes Beispiel, an dem eine weitere
Eigenschaft von Fachwörtern veranschaulicht wird. Der Duden definiert Sprache 1 als:
1. Fähigkeit des Menschen zu sprechen; das Sprechen als Anlage, als Möglichkeit des
Menschen sich auszudrücken
2. das Sprechen; Rede
3. Art des Sprechens; Stimme, Redeweise
4. Ausdrucksweise, Stil
5. (historisch entstandenes und sich entwickelndes) System von Zeichen und Regeln,
das einer Sprachgemeinschaft als Verständigungsmittel dient; Sprachsystem
6. System von Zeichen (das der Kommunikation o.Ä. dient)
Sprachsystem; Sprachsilbe“ 2 definiert wird.
„kleinste
An diesem Beispiel sollte veranschaulicht werden, dass ein Merkmal für Fachwort
gerade seine Monosemantik sein sollte, oder möglichst wenige Definitionen. Es ist gerade das
1 http://www.duden.de/rechtschreibung/Sprache (Zugriff am 15.04.2013)
2 http://www.duden.de/rechtschreibung/Morphem (Zugriff am 22.04.2013)
Streben nach der Eindeutigkeit, was man als die Aufgabe eines Fachwortes bezeichnen kann. Prinzipiell geht es darum, dass mit einem Wort genau nur eine Definition, und dadurch gewöhnlich nur eine Vorstellung verbunden wird. 3
Zusammenfassend könnten wir die Definition eines Fachworts von Roelcke einführen:
„Ein Fachwort ist die kleinste bedeutungstragende und zugleich frei verwendbare sprachliche Einheit, die innerhalb der Kommunikation eines bestimmten menschlichen Tätigkeitsbereichs gebraucht wird“ (Roelcke, 2010, S. 55). Und in diesem Zusammenhang kann ebenfalls von einem Fachsprachwortschatz gesprochen werden, was in einer vereinfachten Betrachtung eine Menge von solchen sprachlichen Einheiten darstellen würde.
An dieser Stelle könnte in bestimmter Weise auf die vorherigen Kapitel hingewiesen werden, weil gerade, wie bestimmte Unterschiede zwischen den großen Systemen wie Gemeinsprache und Fachsprache bestehen, sich die Unterschiede auch auf sozusagen – ihren Bausteinen – Wörtern zeigen. Wir möchten an dieser Stelle erläutern, welche grundlegenden Unterschiede zwischen einem gemeinsprachlichen Wort und einem Fachwort bestehen. Einerseits wurde schon darauf angedeutet, dass sehr viele von den gemeinsprachlichen Wörter polysemantisch sind (siehe das Beispiel Sprache). In der Fachsprache geht es aber um eine möglichst genaue Beschreibung eines Sachverhaltes und deshalb sollte die Polysemie nicht vorkommen.
Roelcke definiert das folgend: „Fachwörter sollten in ihrer Bedeutung durch Definition so festgelegt sein, dass sie in jedem beliebigen Kontext hinreichend exakt und eindeutig sind und so keine kommunikativen Missverständnisse zulassen“ (Roelcke, 2010, S. 74). Aus diesem Grund werden die Fachwörter präziser definiert. Wenn also erreicht wird, dass mit einem Fachwort eine feste Definition verbunden wird, heißt das für den Gebrauch eine Art von Autonomität und das heißt wieder, dass ein solches Wort nicht mehr kontextgebunden ist.
Dagegen gewinnen die Wörter der Gemeinsprache oft den eigentlichen Sinn erst durch ihren Gebrauch im Kontext. Deshalb können wir einen großen Unterschied darin sehen, dass
3 In Anlehnung an das Konzept von de Saussure geht es wieder darum, ein signifiant mit einem signifie innerhalb eines Fachbereichs zu verbinden.
ein Fachwort „kontextresistent“ und ein Nichtfachwort „kontextexistiv“ ist. 4 (Drozd & Seibicke, 1973, S. 53)
Wir haben bis jetzt zwei Wörter synonym gebraucht – Fachwort und Terminus. Die Frage aber bleibt, ob diese Wörter tatsächlich synonym verwendet werden können. R. Fluck schlägt eine Art Einteilung dieser Wörter vor, durch die er auch die Termini von den Fachwörtern abzugrenzen versucht. Er beruft sich in seinem Buch in diesem Fall auf die Definition von Filipec, in der für die Fachwörter gilt: „Fachausdrücke oder spezialisierte Bezeichnungen aufgefasst [werden können] insofern sie in einem Sachgebiet eindeutig bestimmbare Dinge bezeichnen“ (Filipec, S.408, zitiert bei Fluck, 1991, S.47). Nun besteht das Problem bei dieser Definition darin, dass man darunter eigentlich alle Fachwörter als Termini auffassen könnte. Die zweite Möglichkeit der Definition ist die Definition im engeren Sinne, die wir bei Beneš finden. Die Aufgabe des Terminus ist es „einen im betreffenden Fach exakt definierten Begriff oder Gegenstand eindeutig und einnamig zu bezeichnen“ (Beneš, S.130, zitiert bei Fluck, 1991, S. 47). Diese Definition bezeichnet gründlicher die Aufgabe eines Terminus und im Vergleich mit der ersten Definition kommt auch die Bedingung der Monosemie (in einem Fachbereich) zum Ausdruck, was uns als wichtig und grundlegend scheint.
Grundsätzlich könnte man sagen, dass die Aufgabe der Fachwörter unter anderem ist, alle Funktionen der Fachsprachen zu unterstützen und vor allem zu ihrer Deutlichkeit, Verständlichkeit und Ausdruckökonomie einen Beitrag zu leisten. Wir versuchen uns einige von diesen Eigenschaften näher anzuschauen. An den vorigen Absatz anknüpfend, kann man sagen, dass die erste wichtige Eigenschaft eines Fachwortes seine Autonomie ist, was Roelcke genauer als „Fachwortunabhängigkeit von Kontext und Kotext fachsprachlicher Äußerung im Hinblick auf die Exaktheit und Eindeutigkeit“ (Roelcke, 2010, S. 74) definiert. Diese Definition fasst im Prinzip vieles zusammen, was hier schon zur Rede gebracht wurde,
4 Diese Definition scheint uns einerseits als sinnvoll, andererseits aber aus unserer Sicht fraglich bleibt, ob es sich manchmal auch ein Fachbereich nicht als eine bestimmte Art von Kontext betrachten kann. Es sind nämlich auch solche Termini vorhanden, die in mehreren Fachbereichen existieren (Beispiel: Wurzel – in der Zahnmedizin, in der Linguistik) und in jedem Bereich eine andere Bedeutung haben. In solchem Fall wäre auch ein Terminus kontextabhängig.
außer einem Wort, das uns wichtig scheint, und zwar der Exaktheit. Darunter sollten wir uns
nach Roelcke „einen möglichst adäquaten Bezug fachsprachlicher Ausdrücke zu den
Gegenständen, Sachverhalten, Vorgängen des betreffenden menschlichen Tätigkeitsbereichs“
(Roelcke, 2010, S. 69) vorstellen. Nun wurde in diesem Kontext schon mehrmals auch auf die
Eigenschaft Eindeutigkeit 5 (siehe 1.2.) hingewiesen. Genau diese Eigenschaft wurde in der
Fachsprachenforschung „zum Ideal erhoben“ (Roelcke, 2010, S. 71). Diesen Eigenschaften
könnte auch die schon ebenfalls erwähnte Kontextresistenz zugezählt werden.
Dass manche Eigenschaften und problematische Stellen des ganzen Systems schon an
den kleineren Teilen illustriert werden können, zeigt sich auch in diesem Fall. Wir haben uns
mit der Problematik der Abgrenzung der Fachsprache und der Gemeinsprache beschäftigt und
festgestellt, dass man nicht von einer strengen Abgrenzung Fach- vs. Gemeinsprache, sondern
vom fließenden Übergang sprechen kann. Es wurde vom Grad an Fachlichkeit gesprochen. So
ist das auch im Bereich des fachlichen Wortschatzes. In den fachsprachlichen Äußerungen
kommen Wörter aus allen Ebenen des gemein- und fachsprachlichen Systems vor und aus
diesem Grund schlägt Roelcke (Roelcke, 2010, S. 57) folgende Gliederung vor:
1. intrafachlicher Fachsprachwortschatz besteht aus denjenigen Fachsprachwörtern, die ausschließlich der betreffenden Fachsprache angehören,
2. interfachlicher Fachsprachwortschatz umfasst solche Fachwörter, die sowohl in dem
betreffenden als auch in anderen fachsprachlichen Systemen erscheinen,
3. extrafachlicher Fachsprachwortschatz besteht aus Fachwörtern, die anderen fachsprachlichen Systemen angehören,
4. nichtfachlicher Fachsprachwortschatz besteht aus der Menge von deren allgemeinen
und fachlich nicht weiter geprägten Wörtern.
An dieser Stelle scheint uns auch als geeignet zu bemerken, dass es nicht nur deutsche
Wörter oder Wörter der jeweiligen beschriebenen modernen Sprache sind, die den Eingang in
das System des fachsprachlichen Wortschatzes gefunden haben. In hohem Maße sind das
5 Es wird aber lediglich vom Ideal gesprochen, weil – Roelcke nach – auch in empirischen Forschungen gezeigt wurde, dass in den fachsprachlichen Äußerungen viele synonyme Wörter vorkommen und so bleibt ein solches Postulat von der Eindeutigkeit in der Fachsprache tatsächlich nur als Ideal betrachtet. Wir wollen uns in diesem Fall aber lieber an der präskriptiven Methode halten und diese Ausnahmen werden wir mehr oder weniger außer Acht lassen. Mehr zu dieser Problematik in Roelcke, 2010, S. 71.
auch fremdsprachige Wörter 6 und Entlehnungen aus den klassischen Sprachen (Griechisch, Latein), die als kennzeichnend für eine fachsprachliche Äußerung gelten. Man kann aber im heutigen Deutsch einen sehr großen Einfluss des englischsprachigen Raums feststellen und aus diesem Grund kommen immer mehr Fachwörter englischen/amerikanischen Ursprungs vor.
Wir haben bis jetzt die wesentlichsten Unterschiede zwischen einem Terminus und einem der Gemeinsprache zugehörigen Wort beschrieben. Trotz ihrer (funktionalen) Verschiedenheit stehen diese Wörter sozusagen nur in einem sprachlichen System und haben mehr oder weniger nur beschränkte Menge von sprachlichen Mitteln zur Verfügung. Deshalb ist es klar, dass die Fachsprache die Mittel der Gemeinsprache nutzt, aus denen sie dann Termini bildet. Es kann durchaus vorkommen, dass ein Wort den Eingang in die Fachsprache findet und zu einem Terminus wird. Das können wir am folgenden Beispiel illustrieren:
einfache Arbeit. Diese Nominalgruppe kommt in unseren gemeinsprachlichen Äußerungen normal vor, ohne dass wir das Wort als einen Terminus wahrnehmen. Die Nominalgruppe einfache Arbeit ist aber in der marxistischen Arbeitslehre zum Terminus geworden, hat also eine feste Definition gewonnen und ist zum Gegensatz der komplizierten Arbeit geworden. Sie ist gerade dadurch terminologisiert geworden, dass sie fest definiert wurde. (Drozd & Seibicke, 1973, S. 52)
Um aber den Prozess der Terminologisierung näher beschreiben und erklären zu können, müssen wir in die Antike – und zwar zu Aristoteles zurückgreifen. Aristoteles unterscheidet bei der Definition eines Wortes drei Glieder:
∑ das Definiendum – der sprachliche Ausdruck, dessen fachliche Bedeutung festgelegt werden soll (zukünftiger Terminus)
∑ das Definiens – der sprachliche Ausdruck, mit dem diese Festlegung vorgenommen wird. Dieser unterteilt sich wieder in zwei Teilen:
1. genus proximus – Angabe der Gattung
2. differentia specifica – Angabe der artspezifischen Merkmalle
6 Die Entlehnungen aus den modernen Sprachen werden aber fast immer dem deutschen Sprachsystem hinsichtlich der Flexion angepasst.
∑ der
Das alles erklären wir an einem Beispiel. Wir haben uns einen Terminus Sozialversicherung aus dem Rechtswörterbuch (Creifelds Rechtswörterbuch, 1997, S.1153) ausgewählt. In unserem Wörterbuch steht der folgende Eintrag: „Sozialversicherung ist die gesetzliche Zwangsversicherung mit dem Ziel der Leistungsgewährung insbes. bei Krankheit, Arbeitsunfall, Berufskrankheit, Berufs- und Erwerbsunfähigkeit, Mutterschaft, Pflegebedürftigkeit, Alter und Tod.“ Wenn wir diese sprachliche Äußerung / Festlegung der Bedeutung / Definition anschauen, und sie in eine aristotelische Struktur zergliedern wollen, bekommen wir folgende Struktur:
die gesetzliche Zwangsversicherung
mit dem Ziel der Leistungsgewährung insbes. bei Krankheit, Arbeitsunfall, Berufskrankheit, Berufs- und Erwerbsunfähigkeit, Mutterschaft, Pflegebedürftigkeit, Alter und Tod.“
Wie auch Roelcke sagt, bildet die aristotelische Art der Bedeutungsfestlegung/Definition der Wörter bis jetzt „durchaus prototypisches Vorbild fachlicher Definition“ (Roelcke, 2010, S. 66). Es ist also wichtig zu bemerken, dass durch solches Verfahren jedes gemeinsprachliche Wort terminologisiert werden kann, wie das im Fall der marxistischen einfachen Arbeit der Fall war. Man muss sich aber dessen bewusst sein, dass durch eine solche Terminologisierung der ursprüngliche Sinn verloren geht. Bei der Terminologisierung handelt es sich schließlich sehr oft um volle „Aufhebung der Motiviertheit“ (Drozd & Seibicke, 1973, S. 54) und „in inhaltlicher Sicht haben die terminologisierte Lexeme mit den nichtterminologisierten gar nichts Gemeinsames mehr“ (Drozd & Seibicke, 1973, S. 53)
Durch dieses Verfahren wollten wir veranschaulichen, wie (einfach) ein gemeinsprachliches Wort zu einem Terminus werden kann. Obwohl sich mit dem Bereich der
Terminologie mehrere Probleme verbinden (auf manche wird im Kapitel von den Spezifika der juristischen Fachsprache eingegangen werden) und das Thema der fachsprachlichen Lexik sehr umfangreich ist, hoffen wir, dass sich der Leser eine möglichst klare Vorstellung vom Wesen der fachsprachlichen Lexik bilden könnte.
Die Fachsprache weist vor allem Besonderheiten auf der Ebene der Lexik auf und man kann nicht bestreiten, dass genau diese Ebene eine prominente Stelle einnimmt. Die große Bedeutung des fachsprachlichen Wortschatzes – auch Terminologie genannt – soll nicht bezweifelt werden, nichtsdestotrotz weist diese Form der Sprache auch Abweichungen im Bereich der Grammatik auf. Es muss klargemacht werden, dass es sich in diesem Fall keinesfalls um eine Art neuer grammatischer Eigenschaften handelt, vielmehr ist die Rede vom Vorziehen bestimmter grammatischer Muster, die in der Gemeinsprache zwar vorkommen und präsent sind, aber allerdings nicht häufig gebraucht werden. Roelcke spricht in diesem Fall von einer Selektion grammatischer Muster und betont, dass es sich im grammatischen Bereich ausschließlich um quantitative, nicht qualitative Unterschiede handelt (Roelcke, 2010, S. 78). Genau auf diese quantitativen Unterschiede wird in diesem Teil Arbeit eingegangen, wobei der Fokus auf dem Bereich der Morphologie 7 und Syntax liegen sollte und unser Vorhaben hat zu zeigen, welche Unterschiede in der Fachsprache im Vergleich mit der Gemeinsprache 8 vorkommen.
Als besonders produktiv scheint uns in diesem Fall eine kontrastive Sicht. Deshalb wird es versucht, anhand eines Vergleichs die Unterschiede zwischen Fachsprache und Gemeinsprache zu illustrieren und zu verdeutlichen. Für die folgende Beurteilung solcher festgestellten Unterschiede haben wir wieder mehrere Kriterien ausgewählt, im Allgemeinen halten wir aber vor allem an der sprachtypologischen Klassifikation der Sprache und dem Beitrag, die eine Fachsprache zu der Bauweise leistet, andererseits scheint uns wichtig zu sein, diese verschiedene grammatische Kategorien in funktionaler Hinsicht der Fachsprachen zu betrachten.
7 Es wird auch auf die Erscheinungen im Bereich der Wortbildung eingegangen. Obwohl die Wortbildung manchmal schon als ein eigenständiger Teil der Morphologie betrachtet wird, behandeln wir sie immer im Bereich der Morphologie.
Morphologie der Fachsprachen
Roelcke bietet als eines der möglichen Unterscheidungskriterien die sprachtypologische Unterscheidung der Sprache 9 und wendet diese Unterscheidung auch auf die Bauweise im Deutschen an, besser gesagt auf die gewöhnliche Produktion der sprachlichen Äußerungen in der deutschen Fachsprache. Als Beispiel kann die durchaus oft benutzte Genitivform als Kennzeichnung eines Attributs verwendet werden. So ist es in der Fachsprache üblicher, die Genitivform anstelle von einer Präpositionalkonstruktion mit von, zu verwenden. Diese Tendenz scheint uns vor allem heutzutage als sehr wichtig zu sein, weil die heutige deutsche Gemeinsprache allmählich auf die Verwendung der Genitivformen verzichtet. 10 und so bleiben diese Formen – und damit auch die synthetische Bauweise für die Fachsprache noch vielmehr kennzeichnet wie es frühen die Tatsache war. Beispiel: Gebrauch der Konjunktive / Gebrauch von den Konjunktiven. Wir stellen also fest, dass in der deutschen Fachsprache vor allem die synthetischen Konstruktionen vorherrschen, da sie zur Sprachökonomie beitragen. An problematische Stellen dieser fachsprachlichen Erscheinung wird hier später hingewiesen.
Das Deutsche bietet ein sehr entwickeltes und vielfältiges System von Wortbildungsmöglichkeiten und diese Tatsache wird auch im Bereich der Fachsprachen sehr oft berücksichtigt und angewendet. Diese Möglichkeiten werden in der deutschen Fachsprache aus mehreren klaren Gründen ausgenutzt. Es trägt nämlich zu den Eigenschaften der Fachsprache bei – zu der Sprachökonomie und der damit verbundenen möglichst klaren kommunikativen Funktion. Es ist durchaus klar, dass zum Beispiel ein durch Komposition entstandenes Wort die Ausdrucksökonomie besser unterstützt als ein Satz, der aus Bestandteilen des Wortes besteht. Allerdings bleiben aber die Eigenschaft der Verständlichkeit und damit auch die Funktion der
9 Unter einer solchen Unterscheidung versteht man solche Klassifizierung von Sprachen, die auf der Analyse der grammatischen Merkmale beruht. Eine der frühesten Typologien dieses Typs stammt von August Wilhelm Schlegel und Wilhelm von Humboldt und unterscheidet zwischen synthetischen und analytischen Sprachen. Unter einer synthetischen Sprache versteht man Sprache, die grammatische Merkmale und syntaktische Verhältnisse im Satz gewöhnlich durch Affixe ausdrückt. Demgegenüber stehen die analytischen Sprachen, die die syntaktische Funktion durch den Gebrauch von Wortstellungsregularitäten oder nicht gebundenen Funktionswörter ausdrücken. Im Gegensatz steht die genetische Klassifikation, die die Sprachen anhand ihrer Ursprache in Sprachfamilien einordnet. 10 Mehr zu dieser Problematik bei: Sick, Bastian: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache. Köln 2004.
kommunikativen Leistung fraglich, weil im Falle mancher Wörter semantische
Mehrdeutigkeit vorkommen können. So ist das zum Beispiel auch bei dem Worte
Holzschraube. Es fraglich, ob es um eine Schraube aus Holz oder für Holz geht.
In folgenden Abschnitten sollten die wichtigsten Wortbildungsmöglichkeiten in der
deutschen Fachsprache vorgestellt werden. Es wird auch versucht, diese wieder in einer
kontrastiven Hinsicht zu betrachten.
Dieser Typ stellt ohne Zweifel eine der wichtigsten Weiterbildungsmöglichkeiten im
Deutschen. Unter der Komposition versteht man „ein Wortbildungsmuster, bei dem
lexikalische Wörter gebildet werden, deren Stamm aus zwei Stämmen anderer lexikalischer
Wörter zusammengesetzt ist, die die Glieder des Kompositums genannt werden. Das gebildete
Wort erhält seine grammatischen und semantischen Merkmale auf produktive oder zumindest
transparente Weise von den beiden Glieder-Wörtern“ (Schäfer, 2013, S. 187). Die
Komposition stellt ein ganz übliches Verfahren der deutschen Sprache dar und gilt für die
deutsche Gemeinsprache als typisch und gekennzeichnet.
Im Vergleich mit der Gemeinsprache zeigt aber die Fachsprache noch viel häufigeres
Vorkommen der durch Komposition entstandenen Wörter und diese Wörter sich auch aus
mehreren Kompositionsgliedern zusammengelegt. Mit dieser Tatsache kann auch die These
unterstützt werden, dass es sich bei dem Deutschen um ein Merkmal der synthetischen
Sprache handelt. (Wobei sich die Fachsprache in dieser Hinsicht als noch synthetischer zeigt.)
Schon früher haben wir erwähnt, dass die Wortbildung mehrere Funktionen der Fachsprache
unterstützt und so vermutet auch Roelcke, dass die Komposita „eine ausdrückliche
Spezifikation von Bezeichnungen auf der Wortebene“ (Roelcke, 2010, S. 80) gestatten und
deshalb die längeren Ausdruckmöglichkeiten wie attributive Nominalkomplexe und
Relativkonstruktionen vermeiden werden können.
Im Rahmen der Komposition gibt es typische Muster, die selbstverständlich auch in
Fachsprachen oft vorkommen. Als die wichtigsten, die auch bei der Analyse im praktischen
Teil angewendet werden sollten, gelten (Auflistung nach Roelcke, Roelcke 2010, S.80):
1. Zusammensetzung von Substantiven, im Fall der FS zum Teil mit einer hohen Anzahl
von Gliedern, z.B. Geschäftsbedingungen;
2. Bildung von sog. Zwilingsverben durch Zusammensetzung zweier Verben, z.B.
kennenlernen, spritzgießen;
3. Zusammensetzung von Verbstamm und Substantiv, z.B. Sehror, Rechenanlage.
4. Zusammensetzung aus Substantiv oder Adjektiv und einem Verb als Infinitiv oder
Partizipialkonstruktion, z.B. tiefkühlen, kugelgelagert, farbabweisend;
5. Zusammensetzung aus Substantiv und Adjektiv oder Adverb, oftmals mit der Bildung
von Antonymenverbunden, z.B. Großhirn, Hochbau;
6. Zusammensetzung unter Verwendung von Abkürzungen oder Zahlen, z.B. ADAC –
Schutzbrief;
7. Zusammensetzung, die aus der Übersetzung fremdsprachlicher Bildungen
hervorgegangen sind, z.B. Überschallgeschwindigkeit aus supersonic velocity.
Wie schon erwähnt, sind diese Typen von Komposition nicht nur für die deutsche
Fachsprache typisch, sondern auch für die deutsche Sprache allgemein. Allerdings werden
solche Muster vielmehr im fachsprachlichen Kontext angewandt.
Es scheint noch wichtig zu erwähnen, dass es im Deutschen auch sogenannte
periphrastische Mehrwortbenennungen vorkommen. Diese Wörter scheinen eindeutig durch
die Komposition zu entstehen, was aber nicht stimmt, weil es sich eigentlich nicht um
Wortbildungen handelt. Sie treten als einheitliche lexikalische Einheiten auf. Zu solchen
gehören zum Beispiel Wörter wie generative Transformationsgrammatik usw.
Die Komposita zeigen sich für die Fachsprachen insofern wichtig, dass sie zu einem
besseren Benennungsbedarf beitragen können. Durch die Komposita können durchaus
komplexere Sachverhalte dargestellt werden. Als ein weiterer Beitrag scheint uns der zu der
sprachlichen Ausdrucksökonomie.
Ein weiteres Verfahren, das nicht nur für die deutsche Wissenschaftssprache, sondern
auch für das Deutsche als solche typisch ist, ist die Derivation. Roland Schäfer definiert sie
als „Wortbildungsprozesse, bei denen ein neuer Stamm unter Affigierung eines Affixes an
einen anderen Stamm gebildet wird, wobei das Resultat zu einem neuen lexikalischen Wort
gehört und die Wortklasse des Resultats durch das Affix bestimmt wird“ (Schäfer, 2013, S.
226). In der deutschen Fachsprache spielen vor allem die deverbativen Ableitungen, die
Personen oder Geräte bezeichnen, eine wichtige Rolle. Als besonders produktiv zeigt sich im
Deutschen z.B. das Suffix -er, das an die sowohl deutsche als auch entlehnte Basis angehängt
werden kann. So kommen zum Beispiel Wörter wie Bohrer oder Rekorder vor. Eine
besondere Leistung dieses Wortbildungsverfahrens kann man im Bereich der sprachlichen
Ökonomie sehen, weil durch diese Wortverbindungen ein Kompositum aus Verbstamm und
Substantiv ersetzt werden kann. Wie aber schon früher angedeutet wurde, kann dieses
Verfahren Probleme im Bezug auf die Eindeutigkeit mit sich bringen, und zwar semantische
Ambiguität. So muss z. B. im Falle des Wortes Bohrer nicht klar sein, ob es sich um eine
Maschine oder um eine Person handelt. Diese Mehrdeutigkeiten werden aber gewöhnlich
durch einen passenden Kontext aufgehoben.
Die Derivation stellt aber ein komplexes System innerhalb der Sprache dar, es handelt
sich um viele Affixe, die zu diesem Zweck verwendet werden können. Wir erwähnen noch oft
vorkommende Suffixe wie etwa: -ung, -heit, -keit, - bar, -los, aber auch Präfixe wie miss-, un-
,nicht-. Es könnte eine ganze Menge der deutschen Affixe aufgelistet werden, allerdings ist
das nicht Ziel dieser Arbeit.
In diesem Absatz sollte schlicht illustriert werden, wie die Derivation zu den
Eigenschaften der Fachsprache beiträgt. Es handelt sich vor allem um den Beitrag zu der
Eigenschaft der sprachlichen Ökonomie – Komprimierung – und aus der Sicht der
typologischen Einordnung der Sprache ist auch die synthetische Funktion zu beachten. Es ist
aber auch nötig zu sagen, dass dieses Wortbildungsverfahren keine Seltenheit im Deutschen
Wortkürzung
Die Wortkürzung bezeichnet den „Prozess der Kürzung längerer Vollformen (einfache
und komplexe Lexeme, Syntagmen) sowie das Resultat dieses Prozesses“ (Altmann &
Kemmerling, 2005, S. 40) und dieser Prozess zeigt sich sowohl in der Gemein- als auch in der
Fachsprache als besonders produktiv. Obwohl uns das System mehr Möglichkeiten der
Wortkürzung anbietet, wollen wir in der Hinsicht auf die Fachsprache vor allem diese Typen
erwähnen Auflistung nach Altmann/Kemmerling. 11 (Altmann & Kemmerling, 2005):
11 Aus der Auflistung wurden nur zwei Vertreter der Wortkürzung ausgewählt, die unserer Meinung nach als die wichtigsten gelten. Wir haben allerdings auf die Kurzwörter, Wortkürzungen auf -i und Lückenbildungen verzichtet, weil sie uns für die fachsprachliche Verwendung nicht relevant scheinen. Solche Wortkürzungen kommen eher in der Gemeinsprache, oder sogar in der Umgangssprache vor (vgl. Altmann/Kemmerling 2005).
1. Acronyme (Initialwörter), die aus den graphischen und lautlichen Anfängen der
Konstituenten der Vollform gebildet werden. z. B. BGB
2. Abkürzungen: sie existieren nur graphisch, werden also nicht als solche
ausgesprochen. z.B. u.a.
In der Hinsicht auf die Fachsprache lässt sich konstatieren, dass die Wortkürzungen
oft vorkommen, und der Grund dafür beruht in ihrem Beitrag zu der Sprachökonomie.
Als Konversion kann ein Wortbildungsprozess bezeichnet werden, bei dem ein
„Übertritt von einer Wortart in eine andere“ (Roelcke, Fachsprachen, 2010, S. 82) vorkommt.
Es ist vor allem die Substantivierung vom Infinitiv zu erwähnen (z. B. Bohren, Schmelzen).
Dies ist vor allem bei der Beschreibung der verschiedenen Prozesse wichtig, weil der Agens
nicht erwähnt werden muss, und so rückt das tatsächliche Wichtige in den Vordergrund – der
Prozess. Die Konversion – Substantivierung von Verben – ist deshalb eines der Verfahren,
durch welches die Anonymität der fachlichen Texte erzielt wird. Eine weitere wichtige Form,
in der die Konversion in fachlichen Texten vorkommt, sind die substantivierten Namen, wie
z. B. Parkinson. Wir sprechen in diesem Fall nicht nur von einer Person, nach der eine
Maßeinheit genannt wurde – in diesem Fall eine Krankheit –, sondern vielmehr von einer
Maßeinheit selbst. Diese Konversionen werden allerdings weiter durch verschiedene
Wortbildungsprozesse transformiert und unser Beispiel, das ursprünglich eine Person
bezeichnet hat, kommt heutzutage unter anderem auch als präfigiertes Adjektiv parkinsonsch
(z.B. eine parkinsonsche Krankheit) vor. So kann man aus hier dargestellten Beispielen der
Wortbildung erschließen, dass solche durch Konversion gebildete Wörter einen festen und
sehr prominenten Platz im Rahmen der Fachsprachen einnehmen und die Tendenz, viele
Verben zu substantivieren, zeigt sich als ein weiteres Merkmal der Fachsprache. Dieser Fakt
ist auf die informative Aufgabe der Fachsprachen zurückzuführen, und zwar deshalb, weil die
Nomina einen allgemein höheren Informationsinhalt besitzen.
Eine funktionierende Sprache – was die Fachsprache auf jeden Fall sein sollte –
könnte aber nicht ohne Verben auskommen. Obwohl wir gezeigt haben, dass die
Zurückdrängung der Verben 12 als eine allgemeine Tendenz der Fachsprachen zu bezeichnen
12 In diesem Kontext ist es wichtig, zwischen den Vollverben und Hilfswerben zu unterscheiden. So kann man tatsächlich feststellen, dass die Vollverben zurückgedrängt werden und gewöhnlich nominalisiert werden. Die
ist, sollte im nächsten Abschnitt auch auf diese Problematik der Stellung der Verben in den
Fachsprachen eingegangen werden – vor allem hinsichtlich der Konjugation.
Wie in allen Bereichen der Grammatik, beweist sich auch auf der Ebene der
Flexionsmorphologie eine Tendenz zur „Selektion grammatischer Muster“ (Roelcke,
Fachsprachen, 2010, S. 82), in diesem Fall genauer gesagt, zu einer
„flexionsmorphologischen Paradigmenselektion“ (Roelcke, 2010, S. 82). Das heißt, dass
manche Möglichkeiten des sprachlichen Systems bevorzugt werden, wobei die anderen
vernachlässigt werden. Man kann vermuten, dass diese Tatsache, auf die gleich eingegangen
wird, eher mit der historischen Entwicklung der Fachsprachen zu tun hat und so ist dieser
Fakt eher auf eine Konvention zurückzuführen. 13 Es kann aber eine Frage gestellt werden, ob
eine solche Auswahl – Bevorzugung bestimmter grammatischen Kategorien tatsächlich zu der
Deutlichkeit der Fachsprachen beiträgt. Es ist nämlich klar, dass geringere
Differenzierungsmöglichkeiten – was eine Verringerung bestimmter Flexionsmöglichkeiten
zweifellos ist – die Deutlichkeit verringern können. So lässt sich feststellen, dass durch diese
Selektion bestimmter grammatischen Mustern eher das Merkmal der Anonymisierung und
Objektivierung hervorgehoben wird.
5.4.1. Gebrauch von Person und Numerus
Moderne Fachsprachen zeigen in diesem Bereich bestimmte Tendenzen auf. Es
handelt sich vor allem um die Vermeidung der ersten Person Singular. Diesem Fakt liegen
mehrere Tatsachen zugrunde: die 1. P. Sg. ist deutlich markiert und durch ihre Verwendung
würde die Person – gewöhnlich der Autor – in den Vordergrund rücken und die ganze
Aussage würde so als eher subjektiv wirken, was aber dem Objektivitätsanspruch der
Fachsprachen widersprechen würde. Das Vermeiden der ersten Person Singular ist zu einer
grundlegenden stilistischen Anforderung bei der Produktion der fachsprachlichen Texte
geworden. Es sind im System der deutschen Sprache viele Möglichkeiten vorhanden, durch
die die erste Person Singular ersetzt werden kann und ersetzt wird. So handelt es sich vor
allem um unbestimmte Pronomina und Verbformen im Singular (man, es), die Verwendung
von Pronomina und Verbformen im Plural (Beneš, 1981, S. 195), um sogenannten
, d. h. der Autor und der
Autorenplural (wir), teils auch sog. adjunktiven (Betrachten wir
Hilfsverben kommen demgegenüber aber häufiger vor. Einerseits sind das Hilfsverben bei der Bildung verschiedene Tempora, andererseits sind die semantisch leeren Verben in Funktionsverbgefügen. 13 In diesem Fall wird an die Regeln gedacht, die vor allem in der Stilistik der Fachsprachen gelten.
Leser) oder inkorporativen Plural (wir als Soziologen
und lexikalische Stellvertreter (der
Autor, der Verfasser) usw.
Eine weitere interessante Erscheinung in der Hinsicht auf Numerus zeigt sich in
Pluralbildungen bei manchen spezifischen Wörtern, wobei manche im Vergleich mit der
Gemeinsprache ungewöhnliche Pluralbildungen den Fachsprachen zu zuzählen sind (vgl.
Mütter/Muttern, Bänder/Bande). Als eine mögliche Erklärung der Differenzierung zwischen
Gemein- und Fachsprache könnte ein Bedarf an der Abgrenzung und Markierung
fachsprachlicher Ausdrücke sein.
Wir sprechen also von einer Paradigmenselektion und genau in diesem Fall lässt sich
wieder feststellen, dass es sich um eine reine Konvention handelt, für die keine genügende
Erklärung existiert.
Auf der Ebene der Konjugation des finiten Verbs können wir auch manche
Besonderheiten feststellen – es kann wieder von einer bestimmten Bevorzugung gesprochen
werden. Wir möchten uns in diesem Abschnitt die fachsprachlichen Abweichungen im Bezug
auf Modus, Tempus, Genus Verbi näher anschauen und auch die infiniten Verbformen sollten
Im Deutschen unterscheiden wir drei Tempora: Indikativ, Imperativ und Konjunktiv,
wobei im System der Sprache am meisten der Indikativ vorkommt. So ist das auch im Falle
der Fachsprache. Der Indikativ nimmt vor allem deshalb eine prominente Stelle ein, weil er
zur Produktion allgemeiner sprachlicher Äußerungen dient, und eine informative Funktion
hat. Der Imperativ dient dem Ausdruck verschiedener Formen der Aufforderung und deshalb,
wie auch Roelcke behauptet, wird vor allem in Gebrauchs- oder Konstruktionsanweisungen
verwendet. Der dritte Modus ist der Konjunktiv, der auch in der Fachsprache in der Form der
indirekten Rede benutzt wird. (Vor allem Konjunktiv I.) Laut Beneš ist der
Konjunktivgebrauch in Fachsprachen ausschließlich nur auf die Bezeichnung der Zitation
oder Subjektivität beschränkt und damit können wir einen weiteren wichtigen Unterschied
zwischen Fachsprachen und Gemeinsprache feststellen – Ausdrucksmitteln, die in der
Gemeinsprache variationsreich verwendet werden können, werden im fachsprachlichen
Gebrauch gewöhnlich nur manche – klar definierte – Funktionen zugeordnet und das trägt zu
der Klarheit der fachsprachlichen Äußerungen bei. Als ein wichtiger Hinweis im Bereich der
Modalität der Fachsprachen scheint auch die „Tendenz zu einer Verlagerung modaler Inhalte
auf lexikalische Mittel“ (Beneš, 1981, S. 197) zu sein. Diese Problematik wurde aber schon
an mehreren Stellen in dieser Arbeit angesprochen (siehe Kapitel 2.3.2.3.3.2. und 3.5.), bedarf
aber einer gründlicheren Analyse, was aber nicht die Aufgabe dieser Arbeit ist.
Im System der sechs deutschen Tempora nimmt die wichtigste Stelle das Präsens ein,
das gewöhnlich ein aktuelles Geschehen beschreibt. Die anderen Tempora tauchen in der
Fachsprache zwar auch auf, im Vergleich mit Präsens aber nicht so häufig. Es ist dadurch
verursacht, dass man Präsens auch im atemporalen, allgemeingültigen Gebrauch verwenden
kann und so bleibt die Äußerung möglichst neutral und unmarkiert. Präsens trägt auch zu dem
synthetischen Aufbau der fachsprachlichen Texte bei.
Wir unterscheiden im Deutschen drei Genera, und zwar Aktiv, Vorgangspassiv, auch
werden-Passiv genannt, und Zustandspassiv, oder auch sein-Passiv. Es ist schwer zu
bestimmen, welches Genus Verbi die wichtigste Rolle in den fachsprachlichen Äußerungen
spielt, allerdings kann man aber im Vergleich mit der Gemeinsprache eine höhere
Vorkommenshäufigkeit des Passivs beobachten, die allerdings auch als ein Merkmal der
Fachsprache bezeichnet werden kann.
Das Problem der Anwendung des Aktivs in fachsprachlichen Äußerungen besteht
darin, dass Aktiv das Vorhandensein eines Agens erfordert. Der Täter / Urheber des
Geschehens wird also zum Ausgangspunkt, was aber allerdings nicht der Eigenschaft der
Objektivität und möglichst unpersönlichen Äußerungen entspricht.
Wir haben schon erwähnt, dass dieses Genus Verbi innerhalb der fachsprachlichen
Äußerungen eine prominente Stelle einnimmt. Das kann vor allem auf seine semantische
Beschreibung zurückgezogen werden. Die Aufgabe des Passivs ist, das Subjekt – gewöhnlich
also den Täter – Agens – in den Hintergrund zu rücken und das Objekt, auf dem der Fokus
eigentlich liegt, hervorzuheben.
Wir unterscheiden im Deutschen zwei Typen vom Passiv, und zwar das Vorgangs-
und Zustandspassiv. Der Unterschied besteht aus der strukturellen und grammatischen Sicht
in ihren Hilfsverben. Das Zustandspassiv wird mit sein, wobei das Vorgangspassiv mit
werden gebildet. Für ihre Verwendung sowohl in der Gemein- als auch in der Fachsprache
sind vor allem ihre semantischen Unterschiede zu beachten. „Das Zustandspassiv drückt
einen – statischen – Zustand aus, der das Resultat eines vorhergehenden – dynamischen –
Vorgang ist“ (Helbig & Buscha, 2001, S. 155). Hier können wir also eine Beziehung
zwischen diesen zwei Typen vom Passiv beobachten und zugleich feststellen, dass der
Unterschied in ihrem unterschiedlichen resultativen Charakter besteht. Das Zustandspassiv
drückt einen erreichten Zustand oder eine unveränderliche Gegebenheit aus, wobei das
Vorgangspassiv, wie schon aus dem Namen hervorgeht, ein immer noch verlaufendes
Geschehen ausdrückt.
5.4.2.3.3.
Die Passiv Paraphrasen können auch Konkurrenzformen des Passivs genannt werden.
Diese Formen von Passiv sind in der deutschen Fachsprache häufig vertreten und deshalb für
uns von Bedeutung. Ihre Besonderheit besteht darin, dass durch eine aktivische grammatische
Form eine passivische Bedeutung ausgedrückt wird oder nach Helbig / Buscha „solche
Formen, bei denen das Subjekt nicht das Agens ausdrückt und denen eine reguläre Passivform
entspricht “ (Helbig & Buscha, 2001, S. 163). Aufgrund der modalen Nuancen, die diese
Formen mit sich manchmal bringen, können wir die passivischen Paraphrasen in zwei
Kategorien unterteilen und uns sie hier näher anschauen.
In Anlehnung an die Einteilung von Helbig / Buscha, können wir die Paraphrasen
ohne Modalfaktor folgend einteilen (Helbig & Buscha, 2001, S. 163):
1. Konstruktionen mit bekommen/erhalten/kriegen + Partizip II (auch Adressatenpassiv,
Rezipientenpassiv oder indirektes Passiv genannt).
2. Konstruktionen mit bekommen/erhalten/erfahren/finden/gehen/gelangen/kommen
u.a. + Nomen Actionis (meist auf -ung.) Das Agens kann zumeist angeschlossen
werden, aber in der Regel nur mit durch. 14
3. Reflexive Verbformen, bei denen sich das obligatorische Reflexivpronomen auf ein
syntaktisches Subjekt bezieht, das nicht Agens 15 , sondern Patiens des Verbalgeschehens
ist und dem syntaktischen Objekt des aktivischen Satzes entspricht. (Agens kann in
beschränkter Weise angeschlossen werden, aber nur mit durch.)
14 Es handelt sich in diesem Fall um Funktionsverbgefüge, wo das Nomen Actionis die ganze Bedeutung trägt und das Hilfsverb semantisch leer ist. 15 Für die reflexiven Verben ist nämlich typisch, dass sich das sich auf das Subjekt - Agens - des Satzes zurückbezieht, und mit ihm identisch ist.
Im Vergleich mit den vorigen Paraphrasen drücken diese eine Art Modalität aus und
Helbig/Buscha unterteilen die Paraphrasen mit Modalfaktor noch aufgrund zwei Kriterien,
und zwar, ob es sich um solche Paraphrasen handelt, die nezessative Komponente (müssen,
sollen) oder potentioniale Komponente enthalten.
Konstruktionen mit sein + zu + Infinitiv
Konstruktionen mit sein + Adjektiv (auf -bar, -lich, -fähig)
Konstruktionen mit es gibt + zu + Infinitiv
Konstruktionen mit bleiben + zu + Infinitiv
Konstruktionen mit gehen + zu + Infinitiv
Reflexive Form bestehend aus Sn + lassen + sich + Infinitiv + Modalbestimmung
Lokal/Temporalbestimmung + Modalbestimmung
In diesem Falle kann es strittig sein, ob es sich um eine Passivparaphrase oder um eine
eigenständige Form des Passivs neben dem Vorgangs- und Zustandspassiv handelt. Das
Problem besteht im Folgenden: das Rezipientenpassiv bildet eine Konstruktion mit
bekommen/ erhalten/ kriegen/ + Partizip II. Die erwähnten Verben gelten zwar als
Vollverben, allerdings verlieren sie in solcher passivischer Verbindung ihren semantischen
Gehalt und werden zu Auxiliaren / Hilfsverben – genau so, wie das die Tatsache im Falle des
Vorgangs- und Zustandspassivs ist.
Abschließend zum Thema Konjugation sollten auch die infiniten Verbformen erwähnt
werden. Roelcke sieht diese als eine eigenständige Gruppe, wir haben sie aber vor allem in
Kapitel 2.3.2.3.3. – unter den Passivparaphrasen behandelt. Allgemein kann man auch für die
Fachsprachen ein häufiges Vorkommen der Passiv Paraphrasen feststellen.
Zusammenfassend zu dem Abschnitt Konjugation sollte erwähnt werden, dass fast alle
Besonderheiten der fachtextuellen Produktion auf einer Konvention beruhen. Wie Roelcke
sagt, sie „tragen zu einer stilistisch geforderten, nicht aber funktional begründeten
Anonymisierung fachsprachlicher Äußerungen bei“ (Roelcke, 2010, S. 83). Typologisch
betrachtet lässt sich in Hinsicht auf Tempus ein häufigeres Vorkommen des Präsens
feststellen und in Hinsicht auf Genus Verbi zeigt sich eine prominente Stellung des Passivs,
was allerdings nicht zu dem synthetischen Sprachaufbau beiträgt.
Eine andere Art der Infinitivkonstruktionen sind auch die Partizipkonstruktionen,
deren Bedeutung man vor allem in ihrem Beitrag zu der Sprachökonomie und Ermöglichung
der Komprimierung sehen kann. Die zwei wichtigsten Typen der Partizipien im Deutschen
sind Partizip I und Partizip II, die vor allem adjektivisch gebraucht werden.
Im Falle der Deklination bestätigt sich wieder die These, dass in den Fachsprachen
eine bestimmte Selektion der grammatischen Muster zu finden ist.
Eine solche Selektion grammatischer Muster zeigt sich zum Beispiel in einem sehr
häufigen Gebrauch von Genitiv und attributiven Genitiven. (Wir haben schon früher erwähnt,
dass die Umschreibungsform mit von wegen der Mühen um den synthetischen Aufbau der
deutschen Fachsprache, vermiedet wird.) Das System der deutschen Sprache erlaubt auch
Reihungen von Genitiven, die wir Genitivreihungen nennen. Diese Erscheinung verfolgt vor
allem Deutlichkeit einer Äußerung und „zunehmende Spezifizierung sprachlicher Ausdrücke“
(Roelcke, 2010, S. 84). Roelcke deutet wieder darauf hin, dass diese Formen von Genitiven
auch als eine bestimmte Art Umformung der Relativsätze verstanden werden können und in
diesem Falle die Genitive einen deutlichen Beitrag zu der sprachlichen Ökonomie leisten
Der Genitiv trägt also auch zu der synthetischen Bauweise der Fachsprache und
scheint uns als ein geeignetes Mittel der fachsprachlichen Kommunikation, in Hinsicht auf die
Sprachökonomie und manchmal auf die Darstellung des Sachverhaltes zu sein was nicht
bestritten werden soll, allerdings sollte aber auch die kommunikative Funktion einer solchen
fachsprachlichen Äußerung in Betracht gezogen werden, und man sollte sich auch
klarmachen, dass eine lange Genitivreihung zu Verständigungsproblemen führen kann.
Dass der Nominativ ebenfalls eine feste Stelle in der deutschen Sprache hat, muss
nicht besonders besprochen werden, weil der Nominativ als Kennzeichnung des Subjekts
auftritt, das in den meisten Sätzen vorkommt. Die übrigen zwei Kasus – Dativ und Akkusativ
– kommen aber im Vergleich mit der Gemeinsprache nicht so oft vor, sie scheinen zurzeit
aber als kein besonderes Merkmal der Fachsprachen zu sein und werden ähnlich wie in der
Gemeinsprache verwendet.
In diesem Bereich ist eine Besonderheit der fachsprachlichen Äußerungen
festzustellen, und zwar in der Pluralkennzeichnung, die im Vergleich mit der Gemeinsprache
differenziert (vgl. Mütter und Muttern). Roelcke sieht in dieser Tatsache einen Beitrag zu der
Deutlichkeitsfunktion, obwohl er vermutet, dass man das auch in Hinsicht auf die
synthetische Bauweise interpretieren kann. (Roelcke, 2010, S. 84)
Um dieses Kapitel, in dem wir uns mit morphologischen Eigenschaften beschäftigt
haben, abzuschließen, fügen wir eine übersichtliche Tabelle, die diese Eigenschaften
zusammenfasst, hinzu (Roelcke, 2010, S. 85.).
Grammatische Besonderheit
Großzahl an Komposita und Kompositionsgliedern
Erhöhung der Syntheseausprägung
Deckung des erhöhten Benennungsbedarfs, Deutlichkeit und Ausdrucksökonomie
Großzahl an Derivata
Deckung des erhöhten Benennungsbedarfs, Ausdrucksökonomie
Großzahl an Kürzungen
Ausdrucksökonomie
Großzahl an Konversionen
Verstärkung der Anonymisierung
Bevorzugung der 3. Person
Dominanz des Präsens
Verstärkung der Anonymisierung, Objektivierung
Großzahl an Passiv – und Reflexivkonstruktionen
Erhöhung der Analyseausprägung
Großzahl an Genitivformen
Deutlichkeit und Ausdrucksökonomie
Verringerung an Akkusativ- und Dativformen
Verringerung der Syntheseausprägung
(Erhöhung der Syntheseausprägung)
Spezifische Pluralformen
Nicht nur in den Bereichen der Morphologie und der Flexion zeigen sich bestimmte
Merkmale, die für die Fachsprachen typisch sind. Charakteristische Züge kann man auch auf
der Ebene der Syntax finden, und obwohl die Funktion der Syntax lange Zeit in der
fachsprachlichen Forschung unbeachtet blieb, ist sie in den neueren Forschungen von großem
Belang. Wenn wir von der inneren Struktur absehen und uns einen fachsprachlichen Text
anschauen, sind das schließlich genau die langen Satzkonstruktionen und die Termini, nach
denen man schon dem ersten Anschein feststellen kann, dass es sich um eine fachsprachliche
Äußerung handelt. Wir wollen uns aber näher anschauen, was außer der Satzlänge für die
fachsprachliche Syntax typisch ist. Nun scheint sich wieder eine Bemerkung nötig, und zwar,
dass es sich – genau wie im Falle der Morphologie – um keine spezielle, eigenständige Syntax
im System der deutschen Sprache handelt, sondern vielmehr um Bevorzugung bestimmter
syntaktischer Konstruktionen und im Vergleich mit der Gemeinsprache um einen
vielfältigeren Nutzen der reichen syntaktischen Möglichkeiten der deutschen Sprache. So
wollen wir uns in diesem Abschnitt vor allem mit folgenden syntaktischen Kategorien des
Deutschen beschäftigen: Satzarten, Attributivreihungen, Nominalisierungen 16 ,
Funktionsverbgefügen, Satzkomplexität und einigen weiteren. Als methodologisches
Vorgehen haben wir uns wieder für einen Vergleich mit der Gemeinsprache entschieden und
folgende syntaktische Merkmale sollten auch unter sprachtypologischem Hinsicht betrachtet
werden. Als weiteres Kriterium wurde der Beitrag zu der Erfüllung der Funktionen der
Fachsprache gewählt.
Die Funktion der Fachsprache liegt in ihrem informativen Charakter und deshalb ist es
nicht schwer abzuleiten, welcher Satzart in der Fachsprache am häufigsten vorkommt. Es sind
das fast prominent die Aussagesätze, die ihres informativen Gehalts wegen, die bedeutendste
Schauen wir uns nun den Aussagesatz ein bisschen näher an. Für ihn ist eine relativ
feste Satzgliedstellung Subjekt – Verb – Objekt typisch. Roelcke stellt fest (Roelcke, 2010, S.
86), dass diese Satzgliedstellung im Vergleich mit der Gemeinsprache allgemein häufiger
16 Diese Problematik wird in dieser Arbeit noch an mehreren Stellen behandelt. Siehe auch Kapitel 6.4, 7.6.5 und 8.6.1.
vorkommt, und vermutet, dass das zur Darstellungsfunktion und zum Streben nach der Anonymität beiträgt.
Den übrigen Satzarten werden wir allerdings keinen eigenständigen Absatz widmen, weil sie, wie wir festgestellt haben, sich für die Fachsprachen als nicht besonders relevant erweisen. Sie kommen nur in manchen Textsorten, wie z. B. Fragebogen vor – wo man ein häufiges Vorkommen der Fragesätze feststellen kann, oder in verschiedenen Anweisungen, die eine appellative Funktion haben und zu diesem Zweck Aufforderungssätze nutzen.
Roelcke stellte fest, dass zu den beliebtesten Typen der Nebensätze die Konditionalsätze mit oder ohne Konjunktion und die Finalsätze ebenfalls mit oder ohne Konjunktion gehören. Zu der späteren syntaktische Analyse einer fachsprachlichen Äußerung scheint uns aber eine kurze Beschreibung und Anmerkung zu jedem Typ der Nebensätze im Deutschen vernünftig zu sein. Wir werden uns dabei an folgende Einteilung festhalten (Vollmert, 2005, S. 147).
1. Temporalsätze: Angabe eines Zeitpunktes oder einer Zeitdauer und dabei die Zeitverhältnisse der Vorzeitigkeit, Gleichzeitigkeit oder Nachzeitigkeit von Nebensatz- und Hauptsatzgeschehen wiedergeben. Diese Sätze erscheinen vor allem bei verschiedenen Anweisungen, bei denen der Zeitfaktor und die Reihenfolge eine Rolle spielen.
2. Kausalsätze: Angabe eines Grundes oder einer Ursache einer Handlung.
3. Konditionalsätze: Angabe einer Voraussetzung oder Bedingung für die Handlung des Hauptsatzes.
4. Finalsätze: Bezeichnung des Zwecks oder des Zieles einer Handlung.
5. Konzessivsätze: Einräumung, welche zugleich einen Gegensatz zu dem im Hauptsatz
formulierten Sachverhalt ausdrückt.
6. Konsekutivsätze: Ausdruck einer Folge und Wirkung des im Hauptsatz formulierten
7. Modalsätze: Bezeichnung einer Art und Weise des Hauptsatzgeschehens.
Als eine eigenständige Kategorie werden die „konstrastbezeichnenden Sätze mit während“ angeführt: – „im Allgemeinen in einer gegenüber der Allgemeinsprache erhöhten
Expliziertheit und logischen Folgerichtigkeit und somit letztlich in der Optimierung von
Darstellung und Verständlichkeit gesehen“ (Roelcke, 2010, S. 86).
Relativsätze 17
Vereinfacht geäußert, definiert Schäfer den Relativsatz als „ein Attribut zu einem
nominalen Kopf, dem Bezugsnomen“ (Schäfer, 2013, S. 385). Es geht um eine Erweiterung,
Spezifizierung eines Nomens. Schon aus dieser Definition kann einem klar sein, dass dieses
syntaktische Mittel in der Fachsprache oft eine Anwendung findet. Um eine möglichst klare
und informative Äußerung zu produzieren, wird die Spezifizierung durch ein Attribut und
Partizip I, oft auch durch den Relativsatz ergänzt. Das trägt nicht nur zu der
Darstellungsfunktion bei, sondern auch zu der fachsprachlichen Deutlichkeit. Dazu können
durch die Relativsätze auch Relationen – Verhältnisse – ausgedrückt werden, was zu der
Kohärenz beiträgt.
Eine weitere Art und Möglichkeit der Informationshäufung und Komprimierung sind
die auch in der Gemeinsprache oft vorkommenden Attribute und Attributreihungen. Im Falle
der Fachsprachen handelt es sich aber wieder um eine intensivere Nutzung dieser
Möglichkeiten des Sprachsystems. Es werden normalerweise vor allem diese Attribute
1. Adjektivattribute
2. Partizipialattribute
3. Präpositionalattribute
4. attributive Genitive
Attributivreihung kann wieder als eine weitere Art Komprimierung betrachtet werden.
So kommen in den fachsprachlichen Äußerungen mehrere Attribute im verschiedenen Kasus
nacheinander vor und bilden zusammen eine Einheit (sehr oft auch nur eine Nominalphrase):
der geringere Verbrauch moderner, Benzin sparender Kleinkraftwagen.
17 In diesem Zusammenhang verweisen wir wieder auf Kapitel 2.3.3.1. Kasus, in dem diese Problematik schon angeschnitten wurde. Wir haben ebenfalls festgestellt, dass die Relativsätze sehr oft durch Genitivkonstruktionen ersetzt werden. Wir möchten erklären, dass es nicht im Widerspruch mit Vorkommen der Relativsätze steht, sondern wieder eine Art Komprimierung vorstellt, wobei manche Relativsätze, die sich auf ein Nomen beziehen, erhalten bleiben und manche – aus verschiedenen sprachlichen Gründen – in Genitivattribute verwandelt werden.
So lässt sich feststellen, dass die Fachsprachen eine vielmehr höhere „Tendenz zur Reihung der Satzglieder“ (Beneš, 1981, S. 202) aufweisen.
Dieses Thema haben wir schon in Kapitel 2.2.4. Konversion behandelt, wobei wir uns vor allem auf die morphologischen Merkmale konzentriert haben. Wir haben festgestellt, dass die wichtigste Art der Konversion in der deutschen Fachsprache die Substantivierung, auch Nominalisierung genannt, ist. Wir verzichten deshalb auf eine nähere morphologische Beschreibung (siehe 2.2.4.) und widmen uns einer syntaktischen. Versuchen wir es nun an einem Beispiel darzustellen. In diesem Fall geht es um die Nominalisierung der Verben, die für die Fachsprachen typisch ist.
Die Mitarbeiter des Unternehmens fordern ein Lohnerhöhung (Sub – Att G – Präd - Obj A ) Die Forderung der Mitarbeiter nach einer Lohnerhöhung (Sub – Att G - Obj P )
Aus diesem einfachen Beispiel ist klar geworden, dass der Ausfall eines finiten Verbes in syntaktischer Hinsicht das Ziel ist, und diese Tatsache zu der Reduktion der Satzglieder, nicht aber unbedingt der Wortarten beiträgt. (In unserem Beispiel bleibt die Zahl gleich, weil das Akkusativobjekt durch ein Präpositionalobjekt ersetzt wurde.) Deshalb kann in diesem Fall von einer ausdruckökonomischen Funktion nicht die Rede sein. Den Beitrag der Nominalisierung sieht Roelcke aber vor allem in ihrer Anonymität, da „die Nominalisierung eine Abstraktion von denjenigen Personen oder Gegenständen bedingt, auf die mit den betreffenden fachsprachlichen Äußerungen jeweils Bezug genommen wird“ (Roelcke, 2010, S. 87).
Gehen wir von der allgemeinen Struktur eines Funktionsverbgefüges aus:
Funktionsverb + nominaler Bestandteil (gewöhnlich Substantiv im Akkusativ oder Präpositionalgruppe). Das Verb in einem solchen Gefüge trägt keine eigentliche Semantik und ist einfach eine Art auxiliares Verb, wobei den semantischen Inhalt macht nur der Nomen aus. Wir illustrieren das wieder an einem Beispiel.
untersuchen / Untersuchungen anstellen
Das Vollverb untersuchen kann durch das Funktionsgefüge Untersuchungen anstellen ersetzt werden. Die Semantik (im weiteren Sinne betrachtet) bleibt unverändert, der Unterschied zeigt sich allerdings auf der syntaktischen Ebene darin, dass die Zahl der Komponenten gestiegen ist, die Zahl der Satzglieder aber unverändert bleibt. Eine solche Beziehung ist in diesen Fällen festgebunden. Ein Funktionsverbgefüge ist sozusagen eine Paraphrase eines Vollverbs und in solcher Weise wird aber in den Fachsprachen die analytische Bauweise gestärkt. Die Funktion können wir also wieder nicht in der Ausdrucksökonomie und ihrem Beitrag zu der synthetischen Bauweise sehen, sondern vor allem in der Anonymität einer solchen Aussage. Nach Beneš erfüllen die Funktionsverbgefüge noch eine wichtige Funktion, und zwar „betonen die Offizialität oder Organisiertheit eines Vorgangs (eine Reform vollziehen, Experimente durchführen)“ (Beneš, 1981, S. 193).
Eine weitere Bedeutung solcher Funktionsverbgefüge besteht auch in ihrer Modalität. Roelcke gibt folgendes Beispiel an: konstruieren gegenüber eine Konstruktion durchführen / durchdenken / vornehmen / veranlassen usw. Genau aus diesem Grunde haben wir hinzugefügt, dass die Semantik nur im weiteren Sinne unverändert bleibt. Es geht nämlich um die sprachlichen Nuancen und Aspekt- und Modalitätskennzeichnung, die durch verschiedene Funktionsverben ausgedrückt werden können. Die Modalitätskennzeichnung in fachsprachlichen Texten erfolgt also gewöhnlich durch dieses syntaktische Mittel, was gleich ein weiteres Merkmal der Fachsprachen zeigt, und zwar, im Vergleich mit der Gemeinsprache, sehr schwache Nutzung der Modalpartikeln.
An dieser Stelle taucht allerdings eine Frage auf. Einerseits wurde festgestellt, dass die Funktionsverbgefüge nicht zu der synthetischen Bauweise und Ausdrucksökonomie beitragen, aber andererseits – versucht man sich vorzustellen, dass jeder Aspekt oder semantische Nuance, die in den Auxiliaren zur Geltung kommt, durch ein zusätzliches syntaktisches Mittel ausgedrückt werden sollte, bleibt es fraglich, ob es sich bei Funktionsverbgefügen doch nicht um eine Art Sprachökonomie – Beitrag zu der synthetischen Bauweise – handelt.
Zusammenfassend für die letzten zwei genannten Konstruktionsweisen – Nominalisierung und Funktionsverbgefüge, lässt sich sagen, dass sie zu einer Satzkomplexität, die für die deutsche Fachsprache ebenfalls als charakteristisch gilt, beitragen. Wie Roelcke sagt: „dies gilt zum Einen für die Satzkomplexität im Bezug auf die Anzahl und Verbindung von Teilsätzen“ (Roelcke, 2010, S. 88). Vereinfacht gesagt, handelt
es sich gerade um die komplizierten Satzverbindungen im Deutschen und um die Schachtelsätze. Und gerade das zeigt sich im Vergleich mit der Gemeinsprache als ein weiteres Merkmal der deutschen Fachsprache.
Die Komprimierung der Informationen ist also für diese Satzkonstruktionen wesentlich und diese Funktion kann nicht bestritten werden, auf der anderen Seite sollten wir auch in Betracht ziehen, ob solche komplexe Satzverbindungen auch tatsächlich zu der kommunikativen Funktion – und damit verbundenen Klarheit und Verständlichkeit – der Fachsprache beitragen. Und genau in dieser Hinsicht betrachten wir die syntaktische Komplexität der deutschen Fachsprachenäußerungen als teilweise problematisch.
Als eine der primären Eigenschaften der Fachsprache wurde auch die Deutlichkeit und Klarheit genannt, und wenn ein Text diese Funktion erfüllen soll, müssen die Informationen in logischer Reihenfolge aufeinander knüpfen und der Text, beziehungsweise jede sprachliche Äußerung, muss kohärent sein. Dies wird durch verschiedene grammatische Mittel erreicht und als eines der wichtigsten Mittel gelten die Präpositionen.
Wir unterscheiden zwei wichtigste Typen von Präpositionen – primäre und sekundäre Präpositionen, wobei der bedeutendste Unterschied darin besteht, dass die primären Präpositionen „nicht als Ableitungen und Zusammensetzungen erkennbar sind, und eine relativ geschlossene Klasse bilden“ (Helbig & Buscha, 2001, S. 353), dagegen sind die sekundären Präpositionen gewöhnlich durch Wortbildung entstanden (Komposition, Derivation, Konversion.). Im Vergleich mit der Gemeinsprache kommen in der Fachsprache die sekundären Präpositionen häufiger vor. Beneš sieht die Aufgabe der sekundären Präpositionen in ihrer Funktion als „spezialisierte, fein differenzierte Sprachmittel; sie bezeichnen explizit eine bestimmte, genau abgegrenzte semantische Schattierung“ (Beneš, 1981, S. 201). Er vermutet, dass das durch die primären Konjunktionen nur schwer zu erreichen ist und wir damit ihre Aufgabe wieder im Ausdruck der Modalität sehen. Sie tragen sowohl zu der Funktion der Deutlichkeit als auch zu dem synthetischen Aufbau der Fachsprache bei.
Abschließend und zusammenfassend zu diesem Thema führen wir eine Tabelle der dargestellten syntaktischen Besonderheiten in Fachsprachen ein: „Übersicht über syntaktische Besonderheiten der deutschen Fachsprachen“ (Roelcke, 2010, S. 89).
Dominanz von
Stärkung der Stellung Subjekt – Verb – Objekt
Erhöhung von Deutlichkeit, Anonymität
Dominanz von Konditional- und Finalsätzen
Stärkung der Stellung Subjekt – Objekt – Verb
Erhöhung der Expliziertheit durch logische Verknüpfung
(tendenziell kompensiert)
Großzahl von Relativsätzen
Stärkung der Stellung
Erhöhung von Deutlichkeit
Subjekt – Objekt – Verb, Erhöhung der Gliedsatzkomplexität
Großzahl an Attributierungen
Erhöhung der Satzgliedkomplexität
Großzahl an Funktionsverbgefügen
Erhöhung der analytischen Bauweise, Erhöhung der Satzgliedkomplexität
Erhöhung von Deutlichkeit, Kennzeichnung von Modalität, Anonymisierung
Großzahl an Präpositionalkonstruktionen
Erhöhung von Deutlichkeit, Kennzeichnung von Modalität
Daran, dass die deutsche Rechtssprache in mehreren Hinsichten von der Gemeinsprache abweicht, und dass es sich um keine neuzeitige Erscheinung handelt, wurde schon in vielen Belegen aus der Geschichte angedeutet. So kritisiert z. B. auch Goethe den „abstrusen Stil“ der deutschen Kanzleisprache und ähnliche Anstellungen zu dieser Problematik finden wir auch schon in der früheren Geschichte.
Wir wollen uns in diesem Absatz manchen spezifischen Zügen der deutschen Rechtssprache widmen und erklären, welche Gründe dazu beitragen, dass die Sprache des Rechts als abstrus bezeichnet wird, was ihre Spezifika sind und was solchen unpopulären Ruf dieser Fachsprache bewirkt hat. Dabei sollte aber nur auf manche Spezifika eingegangen werden, die uns für diese Sprache als wichtig scheinen. Wir werden uns aber nicht mehr detailliert den grammatischen Eigenschaften widmen, denn diese stimmen im großen Teil damit überein, was in den Kapiteln zu der fachsprachlichen Morphologie und Syntax behandelt wurde. Es tauchen aber trotzdem manche Anmerkungen zu der juristischen Syntax auf, weil man diese Merkmale als sehr spezifisch für die „Sprache der Gesetze“ betrachtet.
Ganz am Anfang dieser Arbeit haben wir eine bis jetzt anerkannte Definition der Fachsprache von Lothar Hoffmann angeführt, die die Fachsprache als ein Kommunikationsmittel „zwischen den in diesem Bereich tätigen Menschen“ definiert. Wenn wir also auf dieser Definition bestehen wollten, könnten wir sagen, dass die Rechtssprache ein Mittel zur Verständigung der Rechtspersonen ist. Und hier stoßen wir im Vergleich mit den anderen Fachsprachen an ein grundlegendes Problem, denn Ignorantia legis non excusat. 18 Das heißt, dass die Vorschriften und Gesetze für alle, nicht nur für Fachleute gelten und deshalb allen verständlich sein sollen. Allerdings zeigt sich gerade der Übergang aus der fachlichen Sphäre in die nicht-fachliche / Laien-Sphäre als besonders problematisch. Dieses Merkmal zeigt sich aber besonders prägend für die Rechtssprache und schon von Anfang an hat sich die Rechtssprache bemüht, sich – des Kontakts mit den Nichtfachleuten wegen – an der Gemeinsprache zu halten. Dieses Prinzip hat die Sprache des Rechtes zumindest darin eingehalten, dass sie „Mittel der natürlichen Sprache, der Primärsprache, und keine Formelsprache“ (Oskaar, 1988, S. 87) gebraucht und so einigermaßen verständlich sein kann. Obwohl es in dieser Arbeit keinen Platz für genaue Beschreibung aller spezifischen Merkmale dieser Fachsprache gibt, werden wir im Folgenden auf manche eingehen.
18 Eines der grundlegenden Prinzipien des römischen Rechts. Im deutschsprachigen Raum unter „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ bekannt.
Aus funktionaler Sicht zeigt sich gerade die Ebene der Semantik als die wichtigste, weil es im juristischen Bereich um die Auslegung der Gesetze und um ihre Bedeutung geht, und mit jeder solchen Auslegung werden weitere Rechtsfolgen verbunden. Aus diesem Grund besteht das Bedürfnis, die Gesetze – in unserer Betrachtung sprachliche Äußerungen, Texte – möglichst klar zu definieren, oder wieder in Anlehnung an die saussuresche Terminologie zu gewährleisten, dass gerade ein signifikant mit einem signifie verbunden wird und das Gemeinte richtig verstanden wird. Wie einfach es klingen mag, besteht darin eine problematische Aufgabe. Die Wörter einer natürlichen Sprache – die die Rechtssprache für Grundlage hat – beinhaltet viele Wörter, die in unserem Gedächtnis als mehrdeutig ausgelegt werden können. Ein anderes Problem zeigt sich darin, dass die Aufgabe der Rechtssprache fast ausschließlich in ihrer kommunikativen Aufgabe besteht. Wenn wir in Betracht ziehen, dass zu einer Kommunikation normalerweise zumindest zwei Personen nötig sind, ist es fraglich, wie man erreichen kann, dass mit einem Ausdruck bei zwei verschiedenen Menschen nicht zwei verschiedene Konnotationen verbunden werden. Wir möchten zeigen, was die tatsächlichen typischen semantischen Probleme sind, welche Schwierigkeiten sie verursachen und was die Mittel sind, durch welche diese Probleme bewältigt werden können.
Dass die Gemeinsprache als Grundlage der Rechtssprache dient, hat zu Folge, dass in der Rechtssprache viele Wörter auftauchen, die zwar allgemein zu dem gemeinsprachlichen Wortschatz gehören, die sich allerdings in der Sprache des Rechtes als Termini etablieren. Dies wäre ohnehin in Ordnung, als problematisch zeigt es sich allerdings dann, wenn sich solche zwei Ebenen der Sprache – und zwei verschiedene Verwendungsweisen und Bedeutungen – treffen. Nehmen wir fürs Beispiel das Wort Verwandtschaft (§ 1589 des Bürgerlichen Gesetzbuches, im Weiteren BGB). Mit diesem, auch in der Gemeinsprache üblich verwendeten Wort wird in der Rechtssprache etwas ein bisschen anderes gemeint, als das in dem Bürgerlichen Gesetzbuch definiertes Verhältnis. An diesem Beispiel könnte illustriert werden, dass das, was mit demselben Wort im BGB gemeint wird, oft nicht damit übereinstimmt, was sich ein Sprachbenutzer darunter vorstellen kann. Ein anderes Beispiel der Nicht-Übereinstimmung ist das Wort Besitz. In der Rechtssprache wird unterschieden, ob es sich um Inbegriffen der Gegenstände oder um
tatsächliche Sachherrschaft handelt, wobei für einen Laien beide Begriffe unter ein Wort, und zwar Besitz fallen. Es sind aber gerade diese Unterschiede, die zu großen Problemen führen, wenn ein Terminus den juristischen Bereich verlässt.
Die Aufgabe der Rechtssprache ist also solche Wörter, die zu termini technici werden, möglichst semantisch festzuhalten. Allerdings ist es fraglich, ob es eigentlich möglich ist. Nehmen wir aber ein weiteres Beispiel, das uns klarmacht, dass eine Normierung des Sinngehalts bedeutungsvoll ist. „Wie alt dürfen z. B. Eier sein, um als legefrisch zu gelten? Das Lebensmittelgesetz verbietet, wie bekannt, irreführende Lebensmittelbezeichnungen. Ein bundesdeutsches Gericht hatte diese Frage zu entscheiden, da ein Eierhändler angeklagt worden war, Eier als legefrisch anzubieten, obwohl sie vom Standpunkt des Verbrauchers schon als alt bezeichnet werden konnten“ (Oskaar, 1988, S. 108). Aus diesem Beispiel kann uns klar werden, dass eine genaue Normierung und Zuordnung einer festen Bedeutung dem Wort legerisch im juristischen Bereich von elementarer Bedeutung sein kann, weil genau aufgrund einer solchen Definition entschieden wird, wer in einem solchen Fall in Recht war.
Es könnte der Eindruck entstehen, dass die Aufgabe der Rechtssprache ist, eine feste und verbindliche Definition für jedes Wort zu suchen. Teilweise ist das wirklich die Tatsache, aber trotzdem kommen in der Rechtssprache viele unbestimmte, inexakte Wörter vor. Oskaar schreibt zu dieser Erscheinung folgendes: „Ein Mittel, das die Rechtssprache unexakt macht, das aber für sie notwendig ist: die unbestimmten oder wertausfüllungsbedürftigen Rechtsbegriffe“ (Oskaar, 1988, S. 120). Wir sprechen vor allem von solchen Wörtern, wie z. B. Treu, Glauben. Was aber diese Wörter heißen sollen, bleibt fraglich, weil es mit der Moral jedes einzelnen Menschen verbunden ist und es ist die Aufgabe der Rechtssprache, es näher zu erläutern.
Wir können aber dieses Merkmal – das Vorkommen inexakter Ausdrücke – auch als ein der Merkmale der deutschen Rechtssprache bezeichnen.
Wie schon angeführt wurde, bemüht sich die Rechtssprache, einem Wort einen festen Sinn zuzuordnen. Deshalb ist für die Rechtssprache das Vermeiden von Synonymen typisch, „denn dasselbe Zeichen soll in der juristischen Fachsprache immer dieselbe Funktion haben,
immer den gleichen Sachverhalt kennzeichnen“ (Oskaar, 1988, S. 99). Im Vergleich mit der
Stilistik der Gemeinsprache, die in einem Text Variationen von Wörtern mit derselben
Bedeutung und das Vermeiden der Wiederholung ein und desselben Wortes fördert, zeigt sich
das als ein weiteres Merkmal der juristischen Sprache.
Obwohl es dem ersten Anschein nach paradoxerweise klingen mag, sind Metaphern
auch ein weiteres Merkmal der Rechtssprache. Das kommt auf mehreren Ebenen dieser
Sprache zum Ausdruck. Veranschaulichen wir uns das wieder an einem Beispiel. Schauen wir
uns schon nur manche Namen der deutschen Gesetzte an – Verletzung des Briefgeheimes,
Erlöschen des Anspruchs, Untergang der Mietsache usw. Es muss uns klar sein, dass die
Metapher eine feste Stelle auch in solchen, möglichst klar aufgebauten Systemen von Texten
wie das BGB hat. Oskaar sieht aber im Gebrauch der Metaphern auch einen möglichen
Beitrag zu der Klarheit der Rechtssprache, denn sie führt an: „ein Bild kann sogar der
Exaktheit dienen, indem es abstrakte Tatbestände veranschaulicht und dies häufig mit
Eindeutigkeit verbunden sein kann“ (Oskaar, 1988, S. 91). Die Metaphern verbessern in
dieser Weise die kommunikative Aufgabe einer Fachsprache. Eine weitere mögliche
Erklärung für das Vorkommen der Metaphern in der Rechtssprache ist ihre Grundlage und so
auch die Verbindung mit der Gemeinsprache, die auf sie Einfluss übte.
In diesem Absatz möchten wir uns mit einigen Fragen und Bereichen beschäftigen, die
zu der finalen stilistischen Seite eines juristischen Texts beitragen. Darunter soll nicht nur die
Stilistik im heutigen Sinne, sondern auch der Bereich der Syntax und Morphologie verstanden
werden. Die Sprache des Rechts teilt aber fast alle Merkmale auf der Ebene der Syntax und
Morphologie mit den anderen Fachsprachen, mit denen wir uns im vorigen Kapiteln
beschäftigt haben, deshalb wird im Folgenden nur auf die wichtigsten Merkmale der
deutschen Rechtssprache eingegangen.
Es wurde schon in den vorangehenden Kapiteln angedeutet, dass die Kompliziertheit
der syntaktischen Strukturen als ein syntaktisches Merkmal wahrgenommen werden kann.
Das zeigt sich auch in der Rechtssprache besonders deutlich, allerdings hat das mit der
inhaltlichen Seite der juristischen Äußerung zu tun. In der Sprache des Rechts müssen fast in
der Regel sehr komplexe Sachverhalte dargestellt werden, was sich schwer durch andere
Mittel als Nebensätze und andere Mittel der syntaktischen Komprimierung erreichen kann.
Oskaar sagt, dass es im Falle der juristischen Texte „nicht die überlangen Schachtelsätze
allein, sondern die Komplexität der Darstellungsweise“ (Oskaar, 1988, S. 120) ist, was
Probleme beim Verstehen solcher Texten verursacht. Nehmen wir also die „Komplexität der
Darstellungsweise“ für das funktionale Ziel der juristischen Texte.
Zu einer solchen Darstellungsweise trägt in juristischen Texten auch die
Genitivkonstruktion und solchen Konstruktionen hat auch die neuere Fassung des BGBs
Vorzug gegeben. Durch solche Konstruktion kann nämlich das tatsächlich Wichtige in den
Vordergrund rücken: ein typisches Gefüge besteht in solchem Fall aus Verbalabstraktum +
Genitiv. Das Thema der fachlichen Aussage wird also schon am Anfang eines Satzes
ausgedrückt. Das scheint besonders nützlich erst dann zu sein, wenn man sich
vergegenwärtigt, dass in typischen deutschen Satzgefügen die Mitglieder mit höchstem
Mitteilungswert erst am Ende des Satzes stehen (Oskaar, 1988, S. 120). Durch eine
Genitivkonstruktion kann die Verbletztstellung vermieden und die Darstellungsweise
Als ein weiteres Merkmal, das erwähnt werden muss, ist der Hauptsatz in einer
Rahmenfunktion, in den eine Aufzählung von mehreren Fällen – aus syntaktischer Sicht
Nebensätzen – eingeklammert wird. Das veranschaulicht folgendes Beispiel: § 1587f BGB 19
1. die Begründung von Rentenanwartschaften in einer gesetzlichen Rentenversicherung mit Rücksicht auf die
Vorschrift des § 1587b Abs. 3 Satz 1 zweiter Halbsatz nicht möglich ist,
2. die Übertragung oder Begründung von Rentenanwartschaften in einer gesetzlichen Rentenversicherung mit
Rücksicht auf die Vorschrift des § 1587b Abs. 5 ausgeschlossen ist,
3.der ausgleichspflichtige Ehegatte die ihm nach § 1587b Abs. 3 Satz 1 erster Halbsatz auferlegten Zahlungen zur Begründung von Rentenanwartschaften in einer gesetzlichen Rentenversicherung nicht erbracht hat,
4.in den Ausgleich Leistungen der betrieblichen Altersversorgung auf Grund solcher Anwartschaften oder Aussichten einzubeziehen sind, die im Zeitpunkt des Erlasses der Entscheidung noch nicht unverfallbar waren,
5.das Familiengericht nach § 1587b Abs. 4 eine Regelung in der Form des schuldrechtlichen Versorgungsausgleichs getroffen hat oder die Ehegatten nach § 1587o den schuldrechtlichen Versorgungsausgleich vereinbart haben,
19 http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/
1587f.html
(Zugriff am 24.04.2013)
Aus funktionaler Sicht verbessert diese Art der Reihung von Nebensätzen die
komplexe Darstellungsweise der Rechtssprache. Die einzelnen Nebensätze werden dazu
untereinander gereiht, und grafisch mit einer Zahl abgetrennt, was zu der Übersichtlichkeit
Wie das folgende Beispiel § 1813 BGB 20 , ist für die Sprache des Rechtes eine
Aufzählung der Nebensätze – also der Fälle, in denen der erste Satz zur Geltung kommen
kann – typisch.
(1) Der Vormund bedarf nicht der Genehmigung des Gegenvormunds zur Annahme einer geschuldeten
1.wenn der Gegenstand der Leistung nicht in Geld oder Wertpapieren besteht, 2.wenn der Anspruch nicht mehr als 3.000 Euro beträgt, 3.wenn Geld zurückgezahlt wird, das der Vormund angelegt hat, 4.wenn der Anspruch zu den Nutzungen des Mündelvermögens gehört, 5.wenn der Anspruch auf Erstattung von Kosten der Kündigung oder der Rechtsverfolgung oder auf sonstige Nebenleistungen gerichtet ist.
Solche Sätze stellen keinesfalls eine Ausnahme in der schriftlichen Form der
juristischen Fachsprache dar. Es scheint uns wichtig zu bemerken, dass die letzten zwei Arten
von Sätzen (2.1.2 und 2.1.3) vor allem dann vorkommen, wenn es sich um eine Art Kondition
handelt. Solche Darstellungsweise trägt auch zu der Funktion der Deutlichkeit bei und
gewährleistet bestimmt auch erhöhte Verständlichkeit.
Obwohl sich diese Typen von Sätzen eine genauere Untersuchung verdienen, möchten
wir an dieser Stelle mit der Beschreibung der reinen syntaktischen Merkmallen abschließen
und uns noch manche Figuren und sprachlichen Mittel anschauen, die ebenso für die
Rechtssprache von Bedeutung sind.
Der Nominalstil wird schon seit langem in der Rechtssprache kritisiert; er ist ohne
Zweifel einer der Gründe dafür, warum die juristischen Texte oft schwer zu verstehen sind. Es
gab bis jetzt zahlreiche Bemühungen, den Nominalstil in der Rechtssprache zu verdrängen
20 http://dejure.org/gesetze/BGB/1813.html (Zugriff am 24.04.013)
und ihn durch den Verbalstil zu ersetzen, diese Versuche blieben aber unerfolgreich. Die Stellung des Nominalstils zeigt sich in der Rechtssprache als berechtigt, weil durch ihn die semantischen Nuancen zum Ausdruck kommen können, was in der Sprache des Rechts von elementarer Bedeutung ist. Das wollen wir an einem klaren Beispiel StGB § 250 Abs. 1 Nr. 2 F 21 veranschaulichen:
Das, was in der Gemeinsprache als rauben ausgedruckt wurde, kommt in dieser Aussage mit Wörtern Begehung von Raub, Ausführung des Raubes zum Ausdruck und diese semantischen Nuancen, die durch Nominalisierung ausgedrückt werden, spielen vor allem im Recht eine wichtige Rolle, weil mit jeder sprachlichen Nuance, jedem Bedeutungsunterschied, eine andere Strafe verhängt werden kann. (Oder allgemeiner gesagt – andere Rechtsfolgen.)
Als letzte Anmerkung zu dem Stil der juristischen Texte möchten wir die Beliebtheit und hohe Produktivität des -ung Suffix, das in diesen Texten sehr oft vorkommt, erwähnen.
Wir haben in diesem Kapitel nur auf manche Spezifika der deutschen Rechtssprache eingegangen und sind uns im Klaren, dass es noch Eigenschaften gibt, die erwähnt werden sollten (Stellung der FVG, Verhältnis zu anderen FS, Gewinn des semantischen Inhalts durch Kontext, wertbeladene Wörter mit neutralem Inhalt, Perspektivisierung usw.), trotzdem solle an dieser Stelle die Problematik abgeschlossen werden und wir hoffen, dass für den Leser eine kleine Einführung in die Problematik dieses komplexen Themas verschafft wurde.
In den vorgegangenen Kapiteln haben wir eine theoretische Grundlage dieser Arbeit geschaffen, an die wir jetzt in einer praktischen Analyse eines juristischen Textes anknüpfen wollen. Die Merkmale, die wir bis jetzt bestimmt haben und von denen wir vermuten, dass sie als typisch für die Fachsprache oder Rechtssprache gelten, werden uns als eine Stütze in
21 http://www.servat.unibe.ch/dfr/bs046138.html (Zugriff am14.04.2013)
diesem Teil dienen. Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass nicht unsere Absicht ist, all die theoretischen und funktionalen Eigenschaften der beschriebenen Merkmale noch einmal beschreiben zu wollen und deshalb ist es manchmal nötig, auf den theoretischen Teil zurückzugreifen. Die Aufgabe dieses Teils ist aber festzustellen, ob, und wenn, dann in welchem Maße diese Merkmale in unserem Korpus auftreten. Anhand dieses Korpus sollten die Merkmale an konkreten Beispielen illustriert werden.
Als unser Korpus wurde eine Menge von Gesetzen ausgewählt. Es handelt sich konkret um das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), wobei wir das zweite Buch – Recht der Schuldverhältnisse, Abschnitt 2 Gestaltung rechtsgeschäftlicher Schuldverhältnisse durch Allgemeine Geschäftsbedingungen auswählten. Es handelt sich also um die Paragraphen 305 – 310 des BGBs. Wie schon aus dem Namen hervorgeht, liegt der Fokus auf den Allgemeinen Geschäftsbedingungen und unsere Absicht ist es, auch näher die Verbrauchsverträge zu behandeln, die im BGB im Paragraphen § 310 geregelt werden. Auf diese Absicht wurde aber im Rahmen dieser Arbeit verzichtet, weil das Thema an sich – und vor allem ihre juristische Seite zu komplex ist – und wir vermuten, dass wir mit unserem jetzigen Kenntnisgrad nicht im Stande wären, das ganze Thema zu bewältigen. Es ist aber unsere Absicht, uns mit diesem Thema in der Zukunft zu beschäftigen.
Als ein Anreiz für Auswahl dieses Themenbereichs galten vor allem die Informationen über die Probleme und Fehler, die bei der Übersetzung solcher Gesetze in Fremdsprache entstehen können. Deshalb ist unsere Absicht, diese Gesetze aus der linguistischen Sicht näher zu untersuchen, um fähig zu sein, die Komplexität und Problematik dieses Themas besser zu verstehen und an diese Kenntnisse in der Zukunft anzuknüpfen.
In unserem theoretischen Teil wurde an mehrere morphologische Eigenschaften hingewiesen, die für die Fachsprachen als typisch gelten sollen und es wurde auch begründet, welche Funktion solche morphologische Erscheinungen haben können und zu welchen Funktionen sie beitragen oder sie sogar rechtfertigen. Wir möchten in diesem Teil anhand konkreter Beispiele aus unserem untersuchten Korpus illustrieren, welche Eigenschaften das eigentlich sind und wir werden auch herausfinden, ob alle – und wenn nicht, dann welche – Eigenschaften und inwieweit vorkommen. Für uns war ebenfalls die These von der Auswahl
bestimmter grammatischen Mustern von großer Bedeutung. Diese These möchten wir
bestätigen oder widerlegen. Unser Ziel ist zu zeigen, ob eine solche Auswahl auf der
morphologischen Ebene tatsächlich vorkommt.
Die durch Wortbildung entstandenen Wörter kommen in unserem Korpus sehr oft vor.
So enthält schon nur die Überschrift, die aus sechs Wörtern besteht Gestaltung
rechtsgeschäftlicher Schuldverhältnisse durch Allgemeine Geschäftsbedingungen 5 Wörtern,
die durch Wortbildung entstanden sind. Obwohl dieses Beispiel mehrere Wortbildungstypen
vorstellt, wollen wir und anhand anderen Beispielen diese Prozesse illustrieren.
Wie wir festgestellt haben, zeigt sich die Komposition im Deutschen als besonders
produktiv, und für die Fachsprachen ist noch stärkeres Vorkommen von Komposita
charakteristisch. Wir haben schon anhand der Überschrift gezeigt, dass die Komposita in
unserem Text – und wie sich zeigt auch in der ganzen Rechtssprache – eine wichtige Stelle
einnehmen. Wir stellen hier nur eine kurze Auswahl der analysierten Wörter vor, die durch
Komposition entstanden sind. Von allen erwähnten Mustern der Komposition bilden einen
großen Teil die Zusammensetzungen von Substantiven, die aus zwei Komponenten bestehen.
Solche Komposita kommen tatsächlich am häufigsten vor. Der Grund kann vor allem ihre
relativ leichte Verständlichkeit sein. Wir listen folgende auf, unter denen sich auch Komposita
aus mehreren als zwei Gliedern finden.
Geschäftsbedingungen, Vertragspartei, Schuldverhältnisse, Vertragsschluss,
Nichteinbeziehung, Vertragspartner, Wertungsmöglichkeit, Annahme- und Leistungsfrist,
Änderungsvorbehalt, Rücktrittvorbehalt, Klauselverbote, Dauerschuldverhältnisse,
rechtsgeschäftliche, Personenbeförderungsgesetz.
Es scheint noch interessant zu bemerken, dass im Falle, dass eine Reihung von
Determinativkomposita 22 vorkommt, die dasselbe Stammwort haben (Annahme- und
22 In Anlehnung an das Modell von Roelcke (Roelcke, 2010, S. 80) handelte sich in diesem Fall um die Zusammensetzungen von Substantiven, für die die „Subordination der ersten unmittelbaren Konstituenten unter die zweite unmittelbare Konstituente“ (Altmann & Kemmerling, 2005, S. 51) gekennzeichnet ist. „Das Determinatum (Grundwort) ist der wortsyntaktische und semantische Kern der Konstruktion, der die Bezeichnungsleistung erbringt, das Determinants (Bestimmungswort) ist morphosyntaktisch und semantisch untergeordnet.“ (Altmann & Kemmerling, 2005, S. 51)
Leistungsfrist / in diesem Falle ist Frist das Grundwort), nicht die Grundwörter sondern nur
die Bestimmungswörter wiederholt werden, die dann mit einem Bindestrich oder mit der
Konjunktion und Komma voneinander getrennt werden. Dieses Verfahren trägt zu einer
Komprimierung des Textes bei.
Als die wichtigste Form der Derivation scheint uns in unserem Korpus gerade die
Ableitung von verbalen Basen zu sein. Wir haben im theoretischen Teil u.a. von einem
besonders produktiven Suffix -er (bei deverbativen Ableitungen) geschrieben. Dieses Suffix
kommt tatsächlich vor, aber nicht in zu großen Mengen. Der Grund dafür ist wahrscheinlich
auch das Thema, das analysiert wurde. Da es im Prinzip nur um die geschäftlichen
Bedingungen weniger Leute geht und zwar um Verwender und eine meist juristische Person,
kommt eigentlich nur das Wort Verwender häufiger zum Ausdruck. Die anderen -er
Endungen kommen wieder nur im Zusammenhang mit dem Verwender vor, und zwar als
Leute, die ihn entweder vertreten oder im Geschäft als der / die Dritte auftreten. Dank dem
klaren Kontext unseres Textes kommen die möglichen semantischen Probleme wie bei
manchen -er Derivaten nicht vor. Hier folgt die Auflistung der -er Derivate.
Verwender, Vertreter, ein Dritter, Abnehmer
Es kommen aber selbstverständlich auch viele andere Derivate vor, wie z.B. Geltung,
Nichteinbeziehung, Wertungsmöglichkeit usw. vor, wir wollen sie aber in diesem Fall nicht
als besonders charakteristisch für unseren Text bezeichnen, weil wir der Meinung sind, dass
sie für das ganze System der deutschen Sprache als charakteristisch gelten. Auf manche
Typen der Derivation werden wir allerdings noch eingehen.
In unserer Korpus kommen die Abkürzungen fast ausschließlich dann vor, wenn es
sich um Hinweise auf andere Paragraphen und Gesetze / Gesetzbücher handelt. Es kommen
keine sprachlichen Abkürzungen (wie z.B. z.B., usw. etc.)vor. So hat sich unsere Vermutung
nicht bestätigt 23 , wenn wir erwartet haben, dass die Wortkürzungen ein wichtiges und häufig
vorkommendes Komprimierungsmittel der Rechtssprache sein wird. Es hat aber mit dem
klaren Benennungsbedarf des Themas zu tun. Solche Abkürzungen würden sehr
23 Wir haben in unserem Fall einige Gesetze aus dem BGB untersucht und wir haben festgestellt, dass die Wortkürzungen nicht sehr oft vorkommen. Wir wollen aber darauf hinweisen, dass man nicht allgemein für die Sprache des Rechts feststellen kann, dass die Wortkürzungen nicht vorkommen würden. Wenn wir nämlich den Kommentar zum BGB anschauen, stellen wir fest, dass in diesem Fall die Wortkürzung eine Anwendung findet und ist ein wichtiges Mittel der Komprimierung.
wahrscheinlich zu der Unklarheit beitragen und aus diesem Grund werden sie in unserem
Korpus vermieden. Wir listen aber die Verkürzungen, die in unserem Text vorkommen:
(ABl. EG Nr. L 95 S. 29)
93/13/EWG, § 305 Abs.2 Nr.1 (öfter)
In unserem Text kommen nicht viele rein durch Konversion entstandene Wörter vor.
Aus den reinen Konversionen sind das folgende:
der/die Dritte, das Festhalten, der Kauf, das Darlehen, der Vorbehalt
Die Konversion ist für uns aber trotzdem von großer Bedeutung vor allem in Hinsicht
auf die Nominalisierung, der wir uns in einem anderen Absatz widmen werden. Wir haben im
theoretischen Teil festgestellt, dass die „reine“ Konversion zu der Anonymität beiträgt, was
wir nicht bestreiten wollen, sie scheint uns aber in unserem Fall nicht von großer Bedeutung
zu sein. An dieser Stelle möchten wir im Rahmen der Konversion noch auf die Konversion
von Wortgruppen hinweisen, wie das z.B. im Falle von Nichteinbeziehung, Inanspruchnahme
die Tatsache ist. Wir sehen in solcher Art der Wortbildung einen Betrag zur Spezifizierung
der Darstellungsweise.
An dieser Stelle kann aber behautet werden, dass von den allen hier erwähnten
Wortbildungsprozessen, uns vor allem die Komposition als wichtigste scheint, was auch die
hohe Vorkommenshäufigkeit der Zusammensetzungen der Wörter in unserem Text bestätigt.
In diesem Fall können wir wirklich auf die sprachliche Ökonomie hinweisen.
Unsere These war, dass es sich im Falle der Fachsprachen um eine „Selektion der
grammatischen Muster“ (Roelcke, 2010, S. 78) handelt und diese These scheint insofern
bestätigt zu sein, dass manche Fälle tatsächlich vorgezogen werden. Wir deuten vor allem den
häufigen Gebrauch von Genitiv an. Es wurde im theoretischen Teil darauf hingewiesen, worin
seine Bedeutung liegt, deshalb verzichten wir an dieser Stelle an seine genaue funktionelle
Beschreibung. Er kommt in mehreren Formen - Genitivobjekt, aber auch als näher behandelte Genitivreihungen vor. Wir führen folgende Beispiele an:
Begrenzung der Haftung, Beginn der Frist als Genitivobjekt,
die Vereinbarung der Änderung oder Abweichung unter Berücksichtigung – als eine Reihung von Genitiven.
Anhand der Vorkommenshäufigkeit in unserem Korpus können wir feststellen, dass die Umschreibungsform mit von in unserer Korpus nicht oft vorkommt und die Verwendung des Genitivs findet dagegen sehr oft Anwendung. Wir vermuten, dass es damit vor allem die Funktionalität und Komprimierung der Aussage unterstützt werden, die im theoretischen Teil näher beschrieben wurden.
Aus weiteren Beispielen listen wir noch folgende auf:
Verwenders, Zahlung des vollständigen Entgelts
Die Umschreibungsform des Genitivs mit von kommt zwar vor, aber nicht in solchem Maße, wie der Genitiv. Wir könnten im Falle von von Verbindungen feststellen, dass sie in unserem Korpus vor allem dann vorkommen, wenn es sich um feste Verbindungen handelt und das Wesen des Wortes die Präposition von aus stilistischen Gründen fördert.
aufgrund von, außerhalb von Geschäftsräumen, Geboten von Treu
An diesen Beispielen wurde illustriert, dass in präpositionalen Genitivrektionen der Genitiv durch eine von Phrase ersetzt wurde. Wir vermuten, dass diesem grammatischen Merkmal wieder eine funktionale Eigenschaft zugrunde liegt, und zwar die Erhöhung der Klarheit und der Genitiv wird vor allem dann durch eine Präpositionalphrase mit von ersetzt, wenn der Genitiv nicht ausreichend markiert ist. Dies kann aber nicht als Regel festgestellt werden – eher als eine Art Tendenz.
Es kommen nämlich auch durchaus Präpositionalverbindungen mit von wie in folgenden Fällen. Den Unterschied kann man aber schon gleich darin sehen, dass die Substantive, die in den folgenden Phrasen stehen, im Plural sind. Es handelt sich wieder um einen Genitiversatz ohne Artikel und der Genitiv ist nicht gekennzeichnet. Die Präpositionalverbindung mit von bleibt also die einzige Möglichkeit:
Einsatz von Fernkommunikationsmitteln, Vielzahl von Verträgen, Ersatz von Aufwendungen
8.2.1. Person, Numerus
Es hat sich bestätigt, dass die 1. Person Singular in fachsprachlichen Äußerungen
keinen Platz findet, so ist das auch in unserem Fall. Dieses Personalpronomen kommt nicht
vor, und die anderen Pronomen werden stark reduziert und durch andere Mittel ersetzt. Von
den Bezeichnungen der Personen und Agens führen wir folgende an:
der Dritte, der Verwender, die Vertragspartei
Diese klare Benennung des Agens hat aus unserer Sicht mit dem Benennungsbedarf
dieses Faches zu tun; es sollte eine Art Klarheit gewährleisten. Wir wollen aber trotzdem auf
die Fälle hinweisen, in denen die Personalpronomen vorkommen:
Gleichgültig ist, ob die Bestimmungen einen äußerlich gesonderten Bestandteil des Vertrags
bilden oder in die Vertragsurkunde selbst aufgenommen werden, welchen Umfang sie haben,
in welcher Schriftart sie verfasst sind und welche Form der Vertrag hat.
In diesem Fall trägt das Personalpronomen zu der Kohärenz des Textes bei und wird
als ein rückbezogener – anaphorischer Hinweis im Text benutzt. Merken wir aber auch die
klare Struktur des angeführten Satzes: Der Subjekt – in diesem Fall die Bedingungen steht
klassisch am Anfang des Satzes und das Personalpronomen kommt dann folgend
ausschließlich im Nominativ, in jedem folgenden Nebensatz. So ist es immer ohne Probleme
klar, worauf sich das Personalpronomen bezieht.
Es wurde ebenfalls festgestellt, dass aus dem Bereich des Modus für die Fachsprache
der Indikativ vorherrschend ist. Diese These hat sich insofern bestätigt, dass in unserem
Korpus zum Beispiel keine, durch Fragezeichen oder Ausrufezeichen markierte Sätze
vorkommen. Das hängt auch damit zusammen, dass diese Zeichen eine bestimmte Art der
Expressivität andeuten und auf die Expressivität in den rechtssprachlichen Texten verzichtet
Obwohl es in unserem Korpus um die Bedingungen geht, die aus unserer Sicht mit
einer bestimmten Konditionalität verbunden sein sollten, kommen die Konjunktive – durch
die im Deutschen oft die Konditionalität / Bedingung ausgedrückt wird – nicht oft vor. So
taucht die würde Form – also die Umschreibung des Konjunktivs – nur einmal auf. Wir sehen
darin eine funktionale Bedeutung, weil im Fall der Umschreibungsform des Konjunktivs mit der Form des Indikativs Präteritum übereinstimmen könnte und dadurch manche Uneindeutlichkeiten entstehen könnten, was aber in der Rechtssprache zu vermeiden ist.
Der Vertrag ist unwirksam, wenn das Festhalten an ihm auch unter Berücksichtigung der nach Absatz 2 vorgesehenen Änderung eine unzumutbare Härte für eine Vertragspartei darstellen würde
Es wurde ebenfalls vermutet, dass der Konjunktiv I in fachsprachlichen Äußerungen vor allem dann vorkommt, wenn die indirekte Rede wiedergegeben werden sollte. In unserer Korpus kommt aber der Konjunktiv I nicht in diesem Gebrauch.
dem Vertrag ergebenden Rechte und Pflichten eintritt oder eintreten kann, es sei denn, in der Bestimmung wird
Zweimal handelt es sich sozusagen um fest gebrauchte Verbindung es sei denn. In diesem Fall handelte sich tatsächlich um eine Art Konditionalität, die Aufgabe des Konjunktivs I ist in diesem Fall aber auch, eine Ausnahmevoraussetzung auszudrücken. Allgemein können wir aber feststellen, dass der Konjunktiv in unserem Korpus nicht sehr oft vorkommt. Im Prinzip sind das nur vier Fälle. Obwohl es sich in unserem Fall oft um Konditionen – Bedingungen – handelt, geht es um die realen Konditionalsätze / reales Geschehen, die durch Indikativ markiert werden. Aus semantischer Hinsicht zeigt sich das aber als begründet, weil in Gesetzen nur solche Bedingungen, Konditionen, festgelegt werden sollten, die real zu erfüllen sind.
Beispiel für einen Satz mit realer Kondition:
die andere Vertragspartei ausdrücklich oder, wenn ein ausdrücklicher Hinweis wegen der
Art des Vertragsschlusses nur unter unverhältnismäßigen Schwierigkeiten möglich ist, durch
deutlich sichtbaren Aushang am Ort des Vertragsschlusses auf sie hinweist und
2. der anderen Vertragspartei die Möglichkeit verschafft, in zumutbarer Weise, die auch eine
für den Verwender erkennbare körperliche Behinderung der anderen Vertragspartei
angemessen berücksichtigt, von ihrem Inhalt Kenntnis zu nehmen,
Es handelt sich also in diesem Beispiel um eine Art reales Geschehens, reale
Kondition und das grammatische System der deutschen Sprache ermöglicht, die Kondition
auszudrücken, ohne dass der Konjunktiv verwendet sein müsste. Dies ermöglichen auch die
konditionalen Präpositionen, die in unserem Falle vorhanden sind.
Wir können allerdings die Dominanz des Präsens feststellen, vor allem in der
atemporalen Funktion, durch die ein aktuelles, nicht an die Zeit gebundenes Geschehen
gekennzeichnet wird. Das zeigt sich insofern begründet, als die Gesetze eine allgemeine –
sozusagen attemporale – Gültigkeit haben sollten. Wir führen folgendes Beispiel an:
Allgemeine Geschäftsbedingungen sind alle für eine Vielzahl von Verträgen vorformulierten
Vertragsbedingungen, die eine Vertragspartei (Verwender) der anderen Vertragspartei bei
Abschluss eines Vertrags stellt.
Als die dominante Form der Genera lässt sich neben dem Indikativ, ohne Zweifel das
Passiv bestätigen und zwar die beiden Formen des Passivs – das Vorgangs- oder
Zustandspassiv, und ihre Verwendung trägt zu den funktionalen Zügen der Fachsprachen bei,
mit denen wir uns im Kapitel 2.3.2.3.2. Passiv beschäftigt haben. Wir wollen nur manche
Beispiele auflisten:
an eine strengere Form als die Schriftform oder an besondere Zugangserfordernisse
gebunden werden. - Vorganspassiv
wesentliche Rechte oder Pflichten, die sich aus der Natur des Vertrags ergeben, so
einschränkt, dass die Erreichung des Vertragszwecks gefährdet ist – Zustandspassiv
Anhand unserer Untersuchung lässt sich ebenfalls bestätigen, dass das Passiv – im
Vergleich mit dem Gebrauch in der Gemeinsprache – in einem höheren Maße vorkommt. Zu
einer genaueren funktionalen Beschreibung des Gebrauchs des Passivs, siehe Kapitel
5.4.2.3.2. Passiv.
Es hat sich ebenfalls das Vorkommen von Passivparaphrasen bestätigt. Einerseits trägt
das zu einer bestimmten Variation auf der stilistischen Ebene, andererseits kommen andere
Funktionen zum Ausdruck, wie z.B. die Modalität. Hier wollen wir aber wieder auf den
theoretischen Teil hinweisen und listen folgende Beispiele auf:
die nach den Umständen, insbesondere nach dem äußeren Erscheinungsbild des Vertrags, so
ungewöhnlich sind, dass der Vertragspartner des Verwenders mit ihnen nicht zu rechnen
mit wesentlichen Grundgedanken der gesetzlichen Regelung, von der abgewichen wird, nicht
zu vereinbaren ist oder
die Pauschale den in den geregelten Fällen nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge zu
erwartenden Schaden oder die gewöhnlich eintretende Wertminderung übersteigt oder
Form von Anzeigen und Erklärungen)
eine Bestimmung, durch die Anzeigen oder Erklärungen, die dem Verwender oder einem
Dritten gegenüber abzugeben sind,
In unserer Korpus kommt kein Rezipientenpassiv vor. Es sollte aber noch einmal
bemerkt werden, dass das Passiv als eines der meist vorgekommenen Genera in Fachsprachen
gilt und das hat sich auch in unserer Untersuchung bestätigt.
Wir haben ebenfalls festgestellt, dass die Partizipien zu den Merkmalen der
Fachsprachen gehören, aber des beschränkten Platzes wegen, könnten wir uns ihnen nicht so
gründlich widmen. Es scheint uns aber notwendig, an das sehr häufige Vorkommen der
Partizipien hinzuweisen, was vor allem zur Inhaltkomprimierung und zur Rechtfertigung der
logischen Verbundenheit beiträgt. Wir möchten aus unserer Korpus an folgende Beispiele
ein dem Vertragspartner des Verwenders zustehendes Zurückbehaltungsrecht
Abschluss eines Vertrags stellt. /
die mit Genehmigung der zuständigen Verkehrsbehörde oder auf Grund von internationalen
Übereinkommen erlassenen Tarife und Ausführungsbestimmungen
Dies stellt aber nur eine sehr kurze Auswahl vor und wie wir schon angedeutet haben,
anhand unseres Korpus stellen wir fest, dass Partizip zu den prominenten grammatischen
Mustern gehört.
Genitivreihungen
Es wurde ebenfalls vermutet, dass der Genitiv und seine grammatischen
Möglichkeiten genutzt werden – und das vor allem für die Fachsprache typische
Genitivreihungen. Wir können ebenfalls feststellen, dass die Genitivreihungen ein weiteres
grammatisches Merkmal unserer Korpus sind.
Maßgabe des Personenbeförderungsgesetzes genehmigten Beförderungsbedingungen und
Tarifvorschriften der Straßenbahnen, Obusse und Kraftfahrzeuge im Linienverkehr, eine
Erklärung des Vertragspartners des Verwenders bei Vornahme oder Unterlassung einer
bestimmten Handlung
Wenn wir also unser Korpus als hinreichend dafür halten, dass wir anhand seiner die
Merkmale für Fachsprache feststellen können, scheint uns das Merkmal der Genitivreihungen
als ebenfalls bestätigt.
Am Anfang möchten wir mit einer grundlegenden Teilung der Sätze anfangen und
bemerken, dass die wichtigste und am häufigsten vorkommende Satzart der Aussagesatz ist.
Dies geht aus dem informativen Charakter unseres Korpus– oder allgemein der Mehrheit der
rechtsprachlichen Texten – hervor. Wir werden auf die Problematik der Länge noch einmal
hinweisen, aber als eine erste einführende Bemerkung scheint uns als begründet festzustellen,
dass die, im Vergleich mit der Gemeinsprache, langen Satzkonstruktionen als ein Merkmal
unserer Korpus zu bezeichnen sind.
Wir haben im theoretischen Teil anhand der Aussage von Roelcke festgestellt, dass zu
den beliebtesten Typen der Nebensätze in den Fachsprachen die Konditionalsätze mit oder
ohne Konjunktion und die Finalsätze ebenfalls mit oder ohne Konjunktion gehören. (Roelcke,
2010, S. 86) Die Konditionalsätze kommen in unserem Korpus sehr oft vor und gehören zu
dem vorherrschenden Typ der Nebensätze in diesem Korpus. Wir listen folgenden Paragraph
§ 306, der uns als sehr geeigneter Vertreter scheint, weil er mehrere Arten des Ausdruckes der
Kondition veranschaulicht.
Der Konditionalsatz kommt also sehr oft vor, allerdings vermuten wir, dass es auch
mit der Semantik unseres Textes zu tun hat. Die Wichtigkeit des Finalsatzes hat sich in
unserer Korpus nicht bestätigt.
Attribute. Attributivreihungen
Wir haben ebenfalls besagt, dass ein mögliches Mittel der Inhaltskomprimierung die
Attribute, und für die Fachsprache typische Attributivreihungen, sind. So wollen wir an
folgenden Beispielen zeigen, inwiefern dieses Merkmal in unserem Korpus vorkommt. Es ist
dazu nötig auch zu bemerken, dass obwohl wir, ihrer besonderen Stellung wegen, die
Partizipien an einer anderen Stelle behandelt werden, gehören die Partizipien ebenfalls zu den
∑ Adjektivattribut
ausdrücklicher Hinweis, erkennbare körperliche Behinderung
∑ Partizipialattribut
durch die von Rechtsvorschriften abweichende oder diese ergänzende Regelungen
∑ Präpositionalattribut
Übereinkommen erlassenen Tarife und Ausführungsbestimmungen der Eisenbahnen und die
nach Maßgabe des Personenbeförderungsgesetzes genehmigten Beförderungsbedingungen
der Straßenbahnen, Obusse und Kraftfahrzeuge im Linienverkehr in den
Verpflichtung zur Erfüllung des Vertrags bei Nichtverfügbarkeit der Leistung
∑ attributiver Genitiv
Abschluss eines Vertrags stellt. Diese kommt vor allem in der Form von Partizipien vor.
Kurz zusammenfassend zeigt sich das Attribut und die Attributivreihungen tatsächlich
als wichtiges syntaktisches Mittel der Fachsprachen und ihre Funktionen, die im theoretischen
Teil erwähnt wurden, wie Ausdruckökonomie und Beitrag zum logischen Zusammenhang
zeigten sich ebenfalls als bestätigt.
Wir wollen uns hier nicht näher mit der Funktion der Präpositionen beschäftigen, weil
es schon aus dem Gebrauch der Gemeinsprache klar ist, dass ein kohärenter Text ohne diese
Konnektoren nicht auskommen kann. So ist das auch der Fall unseres Korpus. Wir wollen
aber auf einen relativ häufigen Gebrauch der Präposition durch hinweisen.
Wir möchten auch auf den Teil unserer Korpus § 308 Klauselverbote mit
Wertungsmöglichkeit hinweisen, wo wir ein sehr häufiges Vorkommen des Konnektors durch
festgestellt haben. Dies hat aber wieder einen funktionalen Sinn, der in der Finalität der
Aussagen liegt.
eine Bestimmung, durch die das Leistungsverweigerungsrecht, das dem Vertragspartner des Verwenders nach § 320 zusteht,
eine Bestimmung, durch die dem Vertragspartner des Verwenders die Befugnis genommen wird
eine Bestimmung, durch die der Verwender von der gesetzlichen Obliegenheit freigestellt wird
Ein anderes grammatisches Mittel, mit dem wir uns beschäftigt haben, sind die
Relativsätze, die einerseits zur inhaltlichen Komprimierung, andererseits zur logischen
Informationsreihenfolge beitragen. Das zeigt sich auch in unserem Korpus.
bei einem Vertragsverhältnis, das die regelmäßige Lieferung von Waren oder die regelmäßige
Erbringung von Dienst- oder Werkleistungen durch den Verwender zum Gegenstand hat
In diesem Zusammenhang scheint uns noch wichtig zu bemerken, dass in unserem Korpus oft
Relativsätze auftreten, die auch noch weitere Mittel der syntaktischen Komprimierung
beinhalten. Sehr oft sind das Partizipien, und so wird die Komprimiertheit noch im stärkerem
Maße geprägt.
Mit der Nominalisierung – Substantivisierung haben wir uns schon auch im Rahmen
der Wortbildungsmorphologie beschäftigt. Weil wir im theoretischen Teil unserer Arbeit
mehrmals auf die Funktion der Nominalisierungen hingewiesen und dabei festgestellt haben,
dass es ein sehr wichtiges Merkmal der Fachsprachen ist, wollen wir an folgenden Beispielen
zeigen, in welchem Maß die Nominalisierungen vorkommen.
§ 306 Rechtsfolgen bei Nichteinbeziehung und Unwirksamkeit Vorrang der Individualabrede
Beschränkung auf Nacherfüllung)
wenn die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der anderen Vertragspartei nur unter
unverhältnismäßigen Schwierigkeiten vor dem Vertragsschluss zugänglich gemacht werden
Die Vorschriften dieses Abschnitts finden auch Anwendung, wenn sie durch anderweitige
Gestaltungen umgangen werden.
die nach Nummer 3 zulässige Vereinbarung eines Vorbehalts des Verwenders, sich von der
Verpflichtung zur Erfüllung des Vertrags bei Nichtverfügbarkeit der Leistung zu lösen, wenn
sich der Verwender nicht verpflichtet
Die Bildung der Nomina durch -ung beobachten wir auch in unseren Beispielen relativ
oft, es sind aber auch andere Suffixe, die sich als sehr produktiv bewiesen. Wir haben ohne
Zweifel bestätigt, dass die Nominalisierung ein unabdenkbares Merkmal der Fachsprachen ist.
In unserem untersuchten Text kommt auch eine Reihe von Funktionsverbgefügen vor,
wobei sich als das am häufigsten vorkommende Funktionsverbgefüge eine Anwendung finden
zeigt. Wir vermuten, dass die Aufgabe dieses Ausdruckes die Offizialität zu betonen (wie
auch Beneš angedeutet hat) ist. Auch aus diesem Grund muss auch die semantische Nuance
zwischen anwenden und Anwendung finden in Betracht gezogen werden. Unter anderem
kommen aber auch Funktionsverbgefügen wie Befugnis nehmen, eine Frist setzen, Einfluss
nehmen, Recht zustehen, Kenntnis nehmen, im Zweifel annehmen, Rücksicht nehmen vor. An
dieser Stelle möchten wir wieder auf das Kapitel des theoretischen Teils hinweisen, in dem
wir uns mit den Funktionen der Funktionsverbgefüge beschäftigt haben.
Wir haben in unserem Korpus ein relativ niedriges Vorkommen der sekundären
Präpositionen festgestellt, von unseren Beispielen führen wir aber folgende an:
eine Bestimmung, wonach bei Kauf-, Darlehens-, Dienst- oder Werkverträgen ein Dritter
anstelle des Verwenders in die sich aus dem Vertrag ergebenden Rechte und Pflichten eintritt
oder eintreten kann
§ 307 Abs. 1 und 2 findet in den Fällen des Satzes 1 auch
insoweit Anwendung, als dies zur Unwirksamkeit von in den §§ 308 und 309 genannten
Vertragsbestimmungen führt;
Aus diesem Grund können wir sagen, dass sich die Vermutung vom häufigen Vorkommen der
sekundären Präpositionen nicht bestätigt, was aber nicht unbedingt heißt, dass dieses Merkmal
für andere Fachsprachen nicht als charakterisch gilt.
Wir haben im Kapitel zum Fachwortschatz und zum Rechtswortschatz festgestellt,
dass manche Wörter, die in der Gemeinsprache als üblich genutzte Wörter vorkommen, durch
bestimmte feste Festlegung der Bedeutung zu Termini werden können. Das zeigt sich aber vor
allem in der Rechtssprache, weil sie im Vergleich mit den anderen Fachsprachen seines
Charakters und Gegenstandes wegen, näher zu den Leuten steht. Dies haben wir aber im
Kapitel zur Zügen der Rechtssprache näher behandelt.
Wir wollen in diesem Abschnitt auf manche Wörter eingehen, die in beiden Varietäten
– Rechtssprache und auch Gemeinsprache vorkommen, aber in beiden ein bisschen anderen
Sinn haben, oder ist der Sinn festgelegt und klarer angegrenzt. Ob das wirklich stimmt,
werden wir ein Definitionen der Wörter, die einerseits als Termini in der Rechtssprache
gelten, andererseits auch gemeinsprachlich verwendet werden. Wir wollen dabei eine
komparative Methode anwenden und die Definitionen aus einem sozusagen
gemeinsprachlichen Wöterbuch Duden und einem Fachwörterbuch Creifelds vergleichen.
1.Der Begriff Vetrag im Duden 24 :
1. [schriftliche] rechtsgültige Abmachung zwischen zwei oder mehreren Partnern; Kontrakt
2. Schriftstück, in dem ein Vertrag niedergelegt ist
24 http://www.duden.de/rechtschreibung/Vertrag (Zugriff am 21.4.2013, 11:11)
2.Der Begriff Vetrag im Creifelds Rechtswörterbuch: (Rechtswörterbuch, 1997, S. 1407)
1. Die Begründung eines Schuldverhältnisses durch Rechtsgeschäft geschieht regelmäßig durch V. (§ 305 BGB). Ein V. ist ein i.d.R. zweiseitiges Rechtsgeschäft, bei dem durch mindestens zwei übereinstimmende Willenserklärungen ein rechtlicher Erfolg erzielt werden soll (Vertragswille). Der V. kommt demnach grundsätzlich durch den Antrag (Angebot)der einen Seite – Vertragsantrag, Offerte – und durch die (vorbehaltslose, s.u. ) Annahme dieses Antrags durch den anderen Beteiligen – Vertragsnahme, Akzept – zustande. Ein V. Antrag liegt in jedem genügend bestimmten Angebot einer Leistung, dem der erforderliche rechtliche rechtliche Bindungswille zugrundeliegt (z.B. Aufstellung eines Automaten, Zusendung unbestellter Waren zum Kauf). Zu unterscheiden hiervon ist die bloße Aufforderung,
seinerseits ein V.angebot abzugeben – sog. invitatio ad offerendum –, bei der wegen fehlenden Bindungswillens ein Antrag noch nicht vorliegt (z.B. Inserat in einer Zeitung). Der Anbietende ist an seinen V.antrag gebunden, sofern er nicht die Gebundenheit durch die Freizeichnungsklausel o.dgl. – z.B. „Lieberung freibleibend“, „ohne Obligio“ – ausgeschlossen hat (§ 145 BGB; Grenze für kurzfristige Preiserhöhungen: § 11 Nr. 1 ABG- Ges.; Bindung aber, wenn die anfragende Seite das „freibleibende“ Angebot angenommen hat). Der Antrag erlischt, wenn er dem Anbietenden gegenüber angelehnt oder nicht rechtzeitlich – s.u. – angenommen wird (§ 146 BGB)
Es handelt sich nur um einen kurzen Ausschnitt aus der Definition eines Vertrages aus
dem Creifelds Rechtswörterbuch. Der Eintrag zu diesem Wort erstreckt sich insgesamt auf 4
Seiten, und man kann davon ableiten, dass diese rechtssprachliche Definition im Vergleich
mit der „Duden - Definition“ vielmehr ausführlicher und fester ist. Anhand dieses Beispiels
sollte aber praktisch gezeigt werden, worin der Unterschied im gemeinsprachlichen und
juristischen Gebrauch dieses Wortes besteht und wie sich diese Definitionen unterscheiden.
Gleichzeitig ist das auch ein Beispiel für eine Art Terminologisierung. Als andere Beispiele
aus unserer Korpus könnten wir z.B. Geschäft, der Dritte usw. verwenden.
Als ein der typischen Zügen der Rechtssprache wurde auch Vermeiden von
Synonymen festgestellt und so kommt in der Rechtssprache sehr oft vor, dass sich die Wörter
wiederholen, obwohl das in der Gemeinsprache aus stilistischen Gründen nicht empfohlen
wird. Wir wollen aber am folgenden ein Beispiel zeigen, dass das Vermeiden von Synonymen
in der Rechtssprache tatsächlich vorkommt und so kann eine Reihe von gleichklingenden
Wörtern entstehen. Als geeignetes Beispiel zeigt sich § 308 Klauselverbote mit
Wertungsmöglichkeit.