Source: https://www.vdaa.de/Arbeitsgericht-Stuttgart-Keine-mehrmalige-Inanspruchnahme-von-Pflegezeit-pro-pflegebeduerftigen-nahen-Angehoerige/
Timestamp: 2019-11-20 20:25:19
Document Index: 24970949

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 16', '§ 4', '§ 4', '§ 16']

Arbeitsgericht Stuttgart: Keine mehrmalige Inanspruchnahme von Pflegezeit pro pflegebedürftigen nahen Angehörigen | Verband deutscher ArbeitsrechtsAnwälte e.V.
Arbeits­ge­richt Stutt­gart: Kei­ne mehr­ma­li­ge Inan­spruch­nah­me von Pfle­ge­zeit pro pfle­ge­be­dürf­ti­gen nahen Ange­hö­ri­gen
(Stutt­gart) Das Arbeits­ge­richt Stutt­gart hat es am 24.09.2009 ent­schie­den, dass die Pfle­ge­zeit nach § 3 Pfle­geZG pro pfle­ge­be­dürf­ti­gen nahen Ange­hö­ri­gen nur ein­mal unun­ter­bro­chen bis zu einer Gesamt­dau­er von längs­tens 6 Mona­ten bean­sprucht wer­den kann.
Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf ein Urteil des Arbeits­ge­richts Stutt­gart (ArbG) vom 24.09..2009, Az.: 12 Ca 1792/09.
Der Klä­ger hat­te am 19.02.2009 der Beklag­ten die Pfle­ge sei­ner pfle­ge­be­dürf­ti­gen Mut­ter für den Zeit­raum vom 15.06. bis 19.06.2009 mit­ge­teilt, was die Beklag­te ihm bestä­tigt hat­te. Mit Schrei­ben vom 09.06.2009 zeig­te der sodann an, dass er sei­ne pfle­ge­be­dürf­ti­ge Mut­ter vom 28.12.2009 bis zum 29.12.2009 pfle­gen wer­de, was der Arbeit­ge­ber nicht bestä­tig­te, da der Klä­ger bereits von sei­nem Recht auf Frei­stel­lung zur Pfle­ge sei­ner Mut­ter bereits ein­mal Gebrauch gemacht habe. Statt­des­sen wur­de für den Zeit­raum 28./29.12.2009 eine unbe­zahl­te Frei­stel­lung des Klä­gers ange­bo­ten.
Dage­gen wand­te sich der Klä­ger. Er ist der Auf­fas­sung, dass der Anspruch auf Pfle­ge­zeit für höchs­tens 6 Mona­te bestehe und zwar für jeden pfle­ge­be­dürf­ti­gen nahen Ange­hö­ri­gen. Die­ser Anspruch sei noch nicht erschöpft. Die­ser kön­ne auch mehr­mals bis zur Errei­chung der Pfle­ge­höchst­dau­er gel­tend gemacht wer­den.
Dies ver­nein­te das Arbeits­ge­richt Stutt­gart jedoch, betont Henn.
Der Klä­ger kön­ne nicht ein zwei­tes Mal Pfle­ge­zeit — dies­mal für den Zeit­raum 28.12.2009 bis 29.12.2009 — nach § 3 Pfle­ge­zeit­ge­setz bean­spru­chen, da er die­sen Anspruch nur ein­mal gel­tend machen kön­ne und die­sen bereits für die­sen Zeit­raum vom 15.06. bis 19.06.2009 ver­braucht habe.
Die Bestim­mung in § 4 Abs. 1 Pfle­ge­zeit­ge­setz sei § 16 Abs. 3 Satz 4 BEEG nach­ge­bil­det. § 4 Abs. 1 Satz 1 und Satz 3 Pfle­ge­zeit­ge­setz regel­ten aus­drück­lich nur die Ver­län­ge­rung der Pfle­ge­zeit, jedoch nicht die Auf­tei­lung auf meh­re­re Zeit­ab­schnit­te, zwi­schen denen eine Unter­bre­chung liegt. Inso­fern wei­che die Rege­lung des Pfle­ge­zeit­ge­set­zes von der ent­spre­chen­den Rege­lung der Eltern­zeit ab. Auch deu­te der Wort­laut des § 4 Abs. 1 Satz 1 („längs­tens 6 Mona­te”) auf einen ein­heit­li­chen, unun­ter­bro­che­nen Zeit­raum hin. Das Pfle­ge­zeit­ge­setz habe im Unter­schied zu den Rege­lun­gen der Eltern­zeit die Bestim­mung nach dem Rege­lungs­vor­bild des § 16 Abs. 1 Satz 5 BEG nicht über­nom­men, wonach die Eltern­zeit auf meh­re­re Zeit­ab­schnit­te ver­teilt wer­den kön­ne.