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Timestamp: 2017-04-24 02:24:07
Document Index: 194345426

Matched Legal Cases: ['Art. 34', 'Art. 34', 'Art. 1', 'Art. 27', 'Art. 6', 'Art. 35', 'Art. 36', 'Art. 35', 'Art. 36', 'Art. 35', 'Art. 36', 'Art. 27', 'Art. 12', 'Art. 14', 'Art. 15', 'Art. 17', 'Art. 29', 'Art. 19', 'Art. 24', 'Art. 16', 'Art. 35', 'Art. 12', 'Art. 9', 'Art. 6', 'Art. 24', 'Art. 19', 'Art. 12', 'Art. 9', 'Art. 6', 'Art. 24', 'Art. 19', 'Art. 6', 'Art. 19']

ZUSAMMENFASSUNG DER DEUTSCHEN STAATENBERICHTSPRÜFUNG VOR DEM UN-FACHAUSSCHUSS Kristina Kurazova Vortrag im Rahmen der Veranstaltung des Landesbehindertenbeauftragten. - ppt herunterladen
Veröffentlicht von:Christin Albrecht
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ZUSAMMENFASSUNG DER DEUTSCHEN STAATENBERICHTSPRÜFUNG VOR DEM UN-FACHAUSSCHUSSKristina Kurazova Vortrag im Rahmen der Veranstaltung des Landesbehindertenbeauftragten der Freien Hansestadt Bremen „Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention auf Bundes- und Landesebene – Was kommt nach der deutschen Staatenberichtsprüfung vor dem UN-Fachausschuss in Genf?“ 20. Juli 2015 in Bremen Sehr geehrter Herr Präsident Weber, sehr geehrte Frau Bentele, sehr geehrter Herr Landesbehindertenbeauftragter Dr. Steinbrück, sehr geehrter Herr Dr. Palleit, sehr geehrter Herr Mletzko, sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter von Organisationen von Menschen mit Behinderungen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen, meine Damen und Herren, mein Name ist Kristina Kurazova. Ich bin Studentin an der juristischen Fakultät der Universität Bremen. Ich habe mich mit dem Völkerrecht an der Universität Bremen, University of Sussex, National University of Ireland und The Hague Academy of International Law befasst und unterstütze Frau Professorin Theresia Degener bei ihrer Mitgliedschaft im UN-Behindertenrechtsausschuss am Sitz der Vereinten Nationen in Genf. Mein Vortrag widmet sich der Zusammenfassung der deutschen Staatenberichtsprüfung vor dem UN-Behindertenrechtsausschuss. Der UN-Behindertenrechtsausschuss, der die Einhaltung der Verpflichtungen aus der UN-Behindertenrechtskonvention überwacht, hat den ersten Bericht der Bundesrepublik Deutschland überprüft. Der Abschluss der Staatenberichtsprüfung markiert den Beginn für die weitere Umsetzung der UN-BRK in der Bundesrepublik Deutschland. Dies wird auch in den Abschließenden Bemerkungen des Ausschusses deutlich. Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der Erarbeitung des Bundesteilhabegesetzes und der anstehenden Weiterentwicklung des Nationalen Aktionsplans der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-BRK. Damit kam die Staatenberichtsprüfung zum richtigen Zeitpunkt. Die Abschließenden Bemerkungen des Ausschusses haben eine Orientierung darüber gegeben, wie weit die Umsetzung der UN-BRK tatsächlich ist und die Empfehlungen des Ausschusses zeigen die Richtung für die Behindertenpolitik der nächsten vier Jahre auf. Jetzt kommt es darauf an, dass die in den Abschließenden Bemerkungen enthaltenen Empfehlungen des Ausschusses von Bund, Ländern und Kommunen umgesetzt werden. Im ersten Teil des Vortrags gehe ich summarisch auf den Ausschuss ein. Dabei beleuchte ich seine Zusammensetzung und seine wesentlichen Aufgaben. Im zweiten Teil des Vortrags gehe ich auf die Staatenberichtsprüfung, als eine der vier wesentlichen Aufgaben des Ausschusses ein und gebe darüber zunächst einen Überblick, bevor ich dann konkret auf die Staatenberichtsprüfung der Bundesrepublik Deutschland zu sprechen komme. Dabei werde ich die einzelnen Schritte erläutern und insbesondere auf die Abschließenden Bemerkungen des Ausschusses, die den Abschluss der Staatenberichtsprüfung bilden, eingehen. In diesem Rahmen gehe ich auch auf die Folgemaßnahmen ein, die der Ausschuss in den Abschließenden Bemerkungen festgelegt hat. Abschließend stelle ich die Allgemeinen Bemerkungen des Ausschusses vor, die bei der weiteren Umsetzung der UN-BRK unter Einbeziehung der Abschließenden Bemerkungen zu berücksichtigen sind.
Un-Behindertenrechtsausschuss – ZusammensetzungArt. 34 UN-BRK (Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen) 18 Sachverständige Vorsitzende des Ausschusses: Prof. Dr. Maria Soledad Cisernas Reyes Vizevorsitzende des Ausschusses: Prof. Dr. Theresia Degener, LL.M. (Berkeley) Zunächst möchte ich Ihnen einen Überblick über die Zusammensetzung des Ausschusses geben, bevor ich dann die vier wesentlichen Aufgaben des Ausschusses erläutern werde. Der Ausschuss hat seine Grundlage in Art. 34 der UN-BRK. Dieser wurde im November 2008 erstmalig gewählt und hat seine Arbeit im Februar 2009 aufgenommen. Der Ausschuss setzt sich mittlerweile aus 18 unabhängigen Sachverständigen zusammen. Im Ausschuss vertreten sind 6 weibliche Sachverständige. Die geografische Verteilung sieht wie folgt aus: 7 Sachverständige aus Europa. 5 Sachverständige aus Asien. 3 Sachverständige aus Afrika und 3 Sachverständige aus Südamerika. Die Sachverständigen werden von dem Organ der Vertragsstaatenkonferenz zur UN-BRK für vier Jahre gewählt. Ihre einmalige Wiederwahl ist zulässig. Die Vorsitzende des Ausschusses ist das chilenische Mitglied Frau Professorin Maria Soledad Cisternas Reyes. Im Ausschuss befindet sich seit September 2010 mit Frau Professorin Theresia Degener ein deutsches Mitglied. Sie ist Vizevorsitzende des Ausschusses.
UN-Behindertenrechtsausschuss – AufgabenStaatenberichtsprüfung Allgemeine Bemerkungen Individualbeschwerdeverfahren Untersuchungsverfahren Der Ausschuss hat im Wesentlichen die folgenden vier Aufgaben: Der Ausschuss prüft Staatenberichte, erarbeitet Allgemeine Bemerkungen, nimmt Individualbeschwerden entgegen und prüft diese und leitet Untersuchungsverfahren ein. Staatenberichtsprüfung/Allgemeine Bemerkungen Auf die Staatenberichtsprüfung und die Allgemeinen Bemerkungen werde ich sogleich näher eingehen. Die nachfolgenden zwei Aufgaben des Ausschusses ergeben sich aus dem Fakultativprotokoll zur UN-BRK. Das Fakultativprotokoll ist ein separates Instrument, das gesondert ratifiziert werden kann. Bislang wurde das Fakultativprotokoll von 87 Staaten ratifiziert. Die Bundesrepublik Deutschland hat das Fakultativprotokoll am 24. Februar 2009 vorbehaltlos und ohne Interpretationserklärung ratifiziert. Am 26. März 2009 ist das Fakultativprotokoll in Kraft getreten. Individualbeschwerdeverfahren Das Individualbeschwerdeverfahren ist in Art. 1 Abs. 1 des Fakultativprotokolls geregelt. Dieses ermöglicht einem Individuum oder einer Gruppe von Individuen, die behaupten, in ihren Rechten aus der UN-BRK verletzt worden zu sein, eine Beschwerde gegenüber einem Vertragsstaat. Über 10 Individualbeschwerden hat der Ausschuss bereits abschließend entschieden. Davon richtete sich eine Individualbeschwerde gegen die Bundesrepublik Deutschland. Das war die Individualbeschwerde Gröninger gegen Deutschland. Diese Individualbeschwerde thematisierte die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen in Bezug auf den Zugang zum offenen Arbeitsmarkt. Der Ausschuss hat der deutschen Regierung vorgeworfen, keine hinreichenden Integrationshilfen anzubieten, die die Einstellung von Menschen mit Behinderungen im privaten und öffentlichen Bereich effektiv befördern würden und u.a. eine Verletzung von Art. 27 der UN-BRK festgestellt. Untersuchungsverfahren Ein weiteres Verfahren ist das Untersuchungsverfahren. Dieses ist in Art. 6 des Fakultativprotokolls geregelt. Hier besteht die Möglichkeit, durch Meldung bzw. Anzeige schwerwiegender und systematischer Menschenrechtsverletzungen, auf ein Untersuchungsverfahren des Ausschusses hinzuwirken. Dieses Verfahren ermöglicht dem Ausschuss, bei Vorliegen zuverlässiger und begründeter Hinweise, im jeweiligen Land Untersuchungen vor Ort durchzuführen. Bislang hat der Ausschuss kein solches Untersuchungsverfahren durchgeführt.
Staatenberichtsprüfung – überblickArt. 35 UN-BRK (Berichte der Vertragsstaaten) Erstbericht/Folgeberichte Art. 36 UN-BRK (Prüfung der Berichte) Nachfolgend möchte ich einen Überblick über die Staatenberichtsprüfung geben. Die Verpflichtung der Vertragsstaaten, und ihre Anzahl beträgt zurzeit 157, zur Vorlage von Berichten ergibt sich aus Art. 35 Abs. 1 der UN-BRK. Danach legt jeder Vertragsstaat dem Ausschuss innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten der UN-BRK für den betreffenden Vertragsstaat einen sogenannten Erstbericht über die Maßnahmen, die er zur Erfüllung seiner Verpflichtungen aus der UN-BRK getroffen hat, und über die dabei erzielten Fortschritte vor. Danach legen die Vertragsstaaten alle vier Jahre sogenannte Folgeberichte vor. Eine Anleitung bezüglich der Form und des Inhalts der Berichte geben die sogenannten Leitlinien für die Berichterstattung. Diese erleichtern die Erstellung der Berichte und gewährleisten, dass sie umfassend sind und von den Vertragsstaaten in einheitlicher Form vorgelegt werden. Die Berichtsprüfung durch den Ausschuss ist in Art. 36 Abs. 1 der UN-BRK normiert. Dem Ausschuss wurden bislang 81 Erstberichte vorgelegt. Davon wurden 28 Erstberichte vom Ausschuss abschließend geprüft. Darunter 7 Berichte von den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und zwar von Spanien, Ungarn, Österreich, Schweden, Belgien, Dänemark und zuletzt von der Bundesrepublik Deutschland. Der Ausschuss prüft aber nicht nur Vertragsstaaten, sondern mit der Europäischen Union zum ersten Mal auch eine supranationale Organisation. Der Konstruktive Dialog mit der Europäischen Union wird im Rahmen der 14. Sitzung des Ausschusses am 27. und 28. August 2015 stattfinden. 5
Staatenberichtsprüfung – Bundesrepublik DeutschlandVorlage des ersten Staatenberichts durch die Bundesrepublik Deutschland Fragenliste Ergänzung der Informationen durch die Bundesrepublik Deutschland auf Grundlage der Fragenliste Konstruktiver Dialog mit der Bundesrepublik Deutschland Verabschiedung der Abschließenden Bemerkungen Informationen über die Umsetzung der Folgemaßnahmen Nunmehr möchte ich auf die erste Staatenberichtsprüfung der Bundesrepublik Deutschland zur UN-BRK eingehen. Dabei werde ich die einzelnen Schritte der Staatenberichtsprüfung erläutern und auch die Beteiligung von deutschen Organisationen von Menschen mit Behinderungen und anderen deutschen zivilgesellschaftlichen Organisationen summarisch thematisieren. Die Bundesrepublik Deutschland gehört zu den mehr als achtzig Vertragsstaaten, die die UN-BRK und das Fakultativprotokoll bereits am ersten Tag der Auslegung zur Unterzeichnung, am 30. März 2007 unterzeichnet haben. Die Bundesrepublik Deutschland hat auch die UN-BRK am 24. Februar 2009 vorbehaltlos und ohne Interpretationserklärung ratifiziert. Am 26. März 2009 ist die UN-BRK in Kraft getreten. Wie bereits erläutert, ergibt sich die Verpflichtung zur Vorlage des Erstberichts aus Art. 35 Abs. 1 der UN-BRK und die Prüfung durch den Ausschuss aus Art. 36 Abs. 1 der UN-BRK. Als Länderberichterstatterin für die Bundesrepublik Deutschland wurde die Ausschusssachverständige Diane Kingston aus dem Vereinigten Königreich benannt. Die Aufgaben eines Länderberichterstatters bestehen unter anderem darin, einen Entwurf für die Fragenliste und für die Abschließenden Bemerkungen zu erarbeiten. Schritt Im ersten Schritt wurde der Staatenbericht der Bundesrepublik Deutschland vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales am 19. September 2011 vorgelegt. Es ist zu erwähnen, dass die unabhängige Monitoringstelle, die am Deutschen Institut für Menschenrechte eingerichtet ist, die BRK-Allianz und die Enthinderungsselbsthilfe von Autisten für Autisten sogenannte Alternativberichte eingereicht haben. Unter Alternativberichten werden Informationen von Organisationen von Menschen mit Behinderungen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen verstanden, die sich in der Regel kritisch mit dem zu prüfenden Staatenbericht und der Menschenrechtssituation in dem betreffenden Vertragsstaat auseinandersetzen. 2. Schritt Im zweiten Schritt wurde vom Ausschuss am 17. April 2014 eine sogenannte Fragenliste vorgelegt, die zuvor von der tagungsvorbereitenden Arbeitsgruppe des Ausschusses in einer geschlossenen Sitzung vorbereitet wurde. Mit der Verabschiedung einer Fragenliste begann der Überprüfungsprozess des ersten Staatenberichts Deutschlands. Mit einer Fragenliste soll der Staatenbericht durch zusätzliche Informationen von dem Vertragsstaat ergänzt werden. In den 25 Fragen an die deutsche Regierung werden Themen wie Zwangsbehandlung und Schutz vor Folter, Inklusion im deutschen Bildungssystem oder im Bereich Wohnen und Arbeit angesprochen. Auch hier ist zu erwähnen, dass sich unter anderem die unabhängige Monitoringstelle, die BRK-Allianz, die Enthinderungsselbsthilfe von Autisten für Autisten und Autistische Minderheit International in einer gemeinsamen Stellungnahme und der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen, im Vorfeld der Erarbeitung der Fragenliste durch den Ausschuss beteiligt und dazu ihre Vorschläge eingereicht haben. 3. Schritt Im dritten Schritt erfolgte am 29. August 2014 die Beantwortung der Fragen durch die Bundesrepublik Deutschland. Auch hier gab es unter anderem eine Beteiligung der BRK-Allianz und des Bundesverbands Psychiatrieerfahrener. 4. Schritt Im vierten Schritt fand im Rahmen der 13. Sitzung des Ausschusses am 26. und 27. März 2015 der Konstruktive Dialog mit der Bundesrepublik Deutschland am Sitz der Vereinten Nationen in Genf in einer öffentlichen Sitzung statt. Ursprünglich sollte der Dialog im Rahmen der 12. Sitzung des Ausschusses im September 2014 stattfinden. Grund für die Verschiebung waren Vorgaben von Seiten der Vereinten Nationen an die Ausschüsse, die im Zusammenhang mit der Reform des Systems der Vertragsorgane stehen. Die Bundesrepublik Deutschland hat dem Dialog eine große Bedeutung beigemessen. Denn die Bundesrepublik hat eine große und hochrangige Delegation entsendet. Der Delegation gehörten zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der einschlägigen Bundes- und Landesministerien wie auch die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen an. Auch die unabhängige Monitoringstelle, und die BRK-Allianz haben an dem Konstruktiven Dialog teilgenommen. Der Sinn und Zweck des Konstruktiven Dialogs ist es im Allgemeinen, die Vertragsstaaten bei der Umsetzung der UN-BRK zu unterstützen. Im Rahmen des Konstruktiven Dialogs hat die deutsche Delegation zunächst ihren Staatenbericht vorgestellt. Daran anknüpfend äußerte sich die Länderberichterstatterin Diane Kingston. Danach folgten Fragen und Kommentare von den Ausschusssachverständigen zu den einzelnen Bestimmungen der UN-BRK, worauf die Delegation die Möglichkeit hatte Antworten zu formulieren. Abschließend folgte das Schlusswort der deutschen Delegation und die Schlussbemerkungen der Länderberichterstatterin Diane Kingston. 5. Schritt Den fünften Schritt der Staatenberichtsprüfung der Bundesrepublik Deutschland bildete die Verabschiedung der sogenannten Abschließenden Bemerkungen durch den Ausschuss in einer geschlossenen Sitzung am 17. April 2015. Abschließende Bemerkungen, die den Konstruktiven Dialog wiederspiegeln, fassen Fortschritte und Mängel bei der Umsetzung der UN-BRK in einem Vertragsstaat zusammen. Sie formulieren schließlich Empfehlungen, sind aber rechtlich nicht verbindlich. In den, an die Bundesrepublik Deutschland gerichteten, Abschließenden Bemerkungen legte der Ausschuss auch sogenannte Folgemaßnahmen fest. Auf die konkreten Inhalte der Abschließenden Bemerkungen und zu dem Begriff und den Inhalten der Folgemaßnahmen werde ich sogleich näher eingehen. Beim Betrachten der Abschließenden Bemerkungen wird deutlich, dass zahlreiche Empfehlungen Vorschläge reflektieren, die unter anderem von der unabhängigen Monitoringstelle als auch von der BRK-Allianz an den Ausschuss im Rahmen der genannten Beteiligung herangetragen wurden. Die benannten Schritte stellen insgesamt die erste Staatenberichtsprüfung der Bundesrepublik Deutschland dar. Die Staatenberichtsprüfung ist als ein Kontinuum zu verstehen. Der zweite und dritte Staatenbericht muss dem Ausschuss bis zum 24. März 2019 vorgelegt werden. Diese kombinierten Staatenberichte sollen nach dem neuartigen Vereinfachten Berichterstattungsverfahren des Ausschusses eingereicht werden. Damit ändern sich die bisherigen Schritte der Staatenberichtsprüfung. Der Ausschuss erstellt dann nunmehr mindestens ein Jahr vor dem Vorlagetermin für die kombinierten Berichte eine Liste der zu behandelnden Punkte. Die Antworten auf diese Fragenliste stellen den nächsten Bericht dar. Damit ändern sich auch die Beteiligungsmöglichkeiten für Organisationen von Menschen mit Behinderungen und zivilgesellschaftliche Organisationen.
Abschließende Bemerkungen – Eine AuswahlArbeit (Art. 27 UN-BRK) – Ziffer 50 der Abschließenden Bemerkungen Betreuung (Art. 12 UN-BRK) – Ziffer 26 Psychiatrie (Art. 14, Art. 15 und Art. 17 UN-BRK) – Ziffern 30, 34, 38 Wahlrechtsausschluss (Art. 29 UN-BRK) – Ziffer 54 Wohnen (Art. 19 UN-BRK) – Ziffer 42 Bildung (Art. 24 UN-BRK) – Ziffer 46 Nachfolgend stelle ich kursorisch die in den Abschließenden Bemerkungen enthaltenen Empfehlungen des Ausschusses zu den Bereichen Arbeit, Betreuung, Psychiatrie, Wahlrechtsausschluss, Wohnen und Bildung vor. Diese und andere Empfehlungen des Ausschusses werden im Rahmen der heutigen Veranstaltung und insbesondere in der Podiumsdiskussion näher betrachtet. Arbeit Im Bereich der Arbeit hat der Ausschuss unter anderem empfohlen, die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen zugunsten einer Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt schrittweise abzuschaffen (Ziffer 50 lit. b) der Abschließenden Bemerkungen ). Betreuung Im Bereich der Betreuung hat der Ausschuss unter anderem empfohlen, alle Formen der ersetzten Entscheidung abzuschaffen und an ihre Stelle die unterstützte Entscheidung treten zu lassen (Ziffer 26 lit. a)). Psychiatrie Im Bereich der Psychiatrie hat der Ausschuss unter anderem empfohlen, die Zwangsunterbringung (Ziffer 30 lit. a)) und die Verwendung körperlicher und chemischer Freiheitseinschränkungen in Einrichtungen zu verbieten (Ziffer 34 lit. b)) . Der Ausschuss fordert zudem, psychiatrische Behandlungen und Dienstleistungen nur auf der Grundlage der freien und informierten Einwilligung durchzuführen (Ziffer 38 lit. b)). Wahlrechtsausschluss Im Bereich des Wahlrechtsausschlusses fordert der Ausschuss, alle Gesetze und sonstigen Vorschriften aufzuheben, durch die für Menschen mit Behinderungen das Wahlrecht vorenthalten wird (Ziffer 54). Wohnen Im Bereich des Wohnens empfiehlt der Ausschuss, ausreichende Finanzmittel verfügbar zu machen, um die Deinstitutionalisierung zu erleichtern und die unabhängige Lebensführung zu fördern (Ziffer 42 lit. b)). Bildung Im Bereich der Bildung fordert der Ausschuss unter anderem, eine Strategie zu entwickeln, um in allen Bundesländern den Zugang zu einem inklusiven Bildungssystem herzustellen und im Interesse der Inklusion das segregierte Schulwesen zurückzubauen, und dass Regelschulen mit sofortiger Wirkung Kinder mit Behinderungen aufnehmen. Und dafür Sorge zu tragen, dass auf allen Bildungsebenen angemessene Vorkehrungen bereitgestellt werden (Ziffer 46 lit. a) – c)).
Abschließende Bemerkungen - FolgemaßnahmenWirksamen Gewaltschutz für Frauen und Mädchen mit Behinderungen gewährleisten Unabhängige Stelle/unabhängige Stellen zur Untersuchung von Gewalt und Missbrauch an Menschen mit Behinderungen in- und außerhalb von Einrichtungen schaffen oder bestimmen Unabhängige Bearbeitung von Beschwerden in Einrichtungen sicherstellen Wie bereits angekündigt, werde ich nachfolgend auf den Begriff und die Inhalte der Folgemaßnahmen eingehen, die der Ausschuss in den Abschließenden Bemerkungen festgelegt hat. Der Ausschuss ersucht die Vertragsstaaten regelmäßig, Informationen zu der Umsetzung der Abschließenden Bemerkungen in den nächsten Bericht aufzunehmen. Um jedoch die Umsetzung einiger Empfehlungen, die der Ausschuss als dringlich, prioritär oder besonders protektiv einstuft, genauer überwachen zu können, legt er sogenannte Folgemaßnahmen fest. In den Abschließenden Bemerkungen zur deutschen Staatenberichtsprüfung legte der Ausschuss Folgemaßnahmen zu Art. 16 der UN-BRK (Freiheit von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch) fest. Das ergibt sich aus der Ziffer 63 der Abschließenden Bemerkungen. Danach ersucht der Ausschuss die Bundesrepublik Deutschland, innerhalb von 12 Monaten und damit bis April 2016 und im Einklang mit Art. 35 Abs. 2 der UN-BRK Informationen über die Maßnahmen vorzulegen, die die Bundesrepublik Deutschland getroffen hat, um die in der Ziffer 36 enthaltenen Ausschussempfehlungen umzusetzen. Diese lauten: Eine Strategie aufzustellen, um einen wirksamen Gewaltschutz für Frauen und Mädchen mit Behinderungen zu gewährleisten; Die Schaffung oder Bestimmung von einer oder mehrerer unabhängigen Stellen zur Untersuchung von Gewalt und Missbrauch an Menschen mit Behinderungen in- und außerhalb von Einrichtungen und Die Sicherstellung einer unabhängigen Bearbeitung von Beschwerden in Einrichtungen. Die Berichterstatterin für die Folgemaßnahmen wird dem Ausschuss innerhalb von zwei Monaten nach dem Erhalt weiterer Informationen von der Bundesrepublik Deutschland zur Umsetzung der genannten Ausschussempfehlungen einen Bericht über die Folgemaßnahmen vorlegen. Auch in diesem Rahmen besteht die Möglichkeit für Organisationen von Menschen mit Behinderungen und andere zivilgesellschaftliche Organisationen, sich an der Arbeit des Ausschusses zu beteiligen. Es ist zu erkennen, dass die Beteiligung an dieser Praxis der Ausschüsse regelmäßig ungenutzt bleibt. Dabei bietet eine solche Beteiligung für Organisationen von Menschen mit Behinderungen und andere zivilgesellschaftliche Organisationen eine besonders effektive Möglichkeit, Änderungen im jeweiligen Vertragsstaat anzustoßen.
Abschließende Bemerkungen im Lichte der Allgemeinen BemerkungenArt. 12 UN-BRK (Gleiche Anerkennung vor dem Recht) Art. 9 UN-BRK (Zugänglichkeit) Art. 6 UN-BRK (Frauen mit Behinderungen) Art. 24 UN-BRK (Bildung) Art. 19 UN-BRK (Unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft) Nachfolgend möchte ich kursorisch auf die Allgemeinen Bemerkungen und ihre Bedeutung für die Abschließenden Bemerkungen eingehen. Bei den Allgemeinen Bemerkungen handelt es sich um autoritative Interpretationshilfen für die vertraglichen Bestimmungen der UN-BRK. Sie werden vom Ausschuss erarbeitet und ergeben sich aus der Expertise des Ausschusses, insbesondere aus der Staatenberichtsprüfung und dem Individualbeschwerdeverfahren. Allgemeine Bemerkungen sind jedoch rechtlich nicht verbindlich. Der Ausschuss hat im letzten Jahr seine ersten zwei Allgemeinen Bemerkungen verabschiedet: Die Allgemeine Bemerkung zu Art. 12 der UN-BRK (Gleiche Anerkennung vor dem Recht) und die Allgemeine Bemerkung zu Art. 9 der UN-BRK (Zugänglichkeit). Eine Allgemeine Bemerkung zu Art. 6 der UN-BRK (Frauen mit Behinderungen) befindet sich in der Vorbereitung. Dazu hat die Arbeitsgruppe, zu der auch Frau Professorin Theresia Degener angehört, einen Entwurf vorbereitet und Organisationen für Menschen mit Behinderungen und andere zivilgesellschaftliche Organisationen aufgerufen zu dem Entwurf bis zum 24. Juli 2015 Stellung zu nehmen. In seiner 13. Sitzung hat der Ausschuss einen Allgemeinen Diskussionstag zu Art. 24 der UN-BRK (Bildung) abgehalten. Auch zu Art. 19 der UN-BRK (Unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft) soll demnächst ein Allgemeiner Diskussionstag abgehalten werden. Anlass ist die Entscheidung, zu diesen beiden Artikeln ebenfalls Allgemeine Bemerkungen zu erarbeiten. Bezogen auf die deutsche Staatenberichtsprüfung verweist der Ausschuss in den Abschließenden Bemerkungen an einigen Stellen auf die Allgemeinen Bemerkungen. Nicht zuletzt deshalb erfordert die weitere Umsetzung der UN-BRK unter Einbeziehung der Abschließenden Bemerkungen auch die Berücksichtigung der Allgemeinen Bemerkungen des Ausschusses.
„I could not have a clear appreciation of the human rights of persons with disabilities in the state party without the input from non-State actors. And for that I am very grateful.” Diane Kingston Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass im Rahmen der Impulsvorträge der heutigen Veranstaltung unter anderem die Auswirkungen auf die Bundespolitik beleuchtet werden und näher untersucht wird, was die Staatenberichtsprüfung bewirkt hat und wie Bund, Länder sowie Kommunen reagieren müssen. Somit möchte ich meinen heutigen Vortrag damit beenden, die Ausschusssachverständige und Länderberichterstatterin Diane Kingston zu der herausragenden Rolle von Organisationen von Menschen mit Behinderungen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen im Rahmen der deutschen Staatenberichtsprüfung zu zitieren: „I could not have a clear appreciation of the human rights of persons with disabilities in the state party without the input from non-State actors. And for that I am very grateful.“ Daran anknüpfend möchte ich Organisationen von Menschen mit Behinderungen und andere zivilgesellschaftliche Organisationen bestärken, sich an der weiteren Arbeit des UN-Behindertenrechtsausschusses zu beteiligen. Sei es im Rahmen der Bereitstellung von Informationen zur Umsetzung der Folgemaßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland, sei es im Rahmen der aktuellen Erarbeitung der Allgemeinen Bemerkung zu Art. 6 der UN-BRK (Frauen mit Behinderungen), oder sei es im Rahmen der Abhaltung des Allgemeinen Diskussionstages zu Art. 19 der UN-BRK (Unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft). Zur Orientierung, wie eine solche Beteiligung ausgestaltet sein kann, möchte ich schließlich auf die Richtlinien für die Beteiligung von Organisationen von Menschen mit Behinderungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen an der Arbeit des Ausschusses verweisen, die der Ausschuss im letzten Jahr verabschiedet hat. Auch im Rahmen der Arbeit von anderen UN-Fachausschüsse, wie dem UN-Kinderrechtsausschuss und dem UN-Frauenrechtsausschuss ist eine Beteiligung wünschenswert um das Thema Behinderung als Querschnittsthema zu verankern. Vielen Dank (für Ihre Aufmerksamkeit)!
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