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Timestamp: 2020-08-07 09:09:10
Document Index: 70378428

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 35', '§ 291', '§ 287', '§ 248', '§ 308', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 50']

Der Anwalt in der Insolvenz | Anwaltslupe
Der Anwalt in der Insol­venz
Nach § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO ist die Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft zu wider­ru­fen, wenn der Rechts­an­walt in Ver­mö­gens­ver­fall gera­ten ist, es sei denn, dass dadurch die Inter­es­sen der Recht­su­chen­den nicht gefähr­det sind. Ein Ver­mö­gens­ver­fall wird kraft Geset­zes unter ande­rem dann ver­mu­tet, wenn ein Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen des Rechts­an­walts eröff­net wor­den ist.
Die anschlie­ßen­de Frei­ga­be der selb­stän­di­gen Tätig­keit des Rechts­an­walts nach § 35 Abs. 2 InsO durch den Insol­venz­ver­wal­ter ist inso­weit ohne Bedeu­tung. Viel­mehr ist die gesetz­li­che Ver­mu­tung des Ver­mö­gens­ver­falls im Fall eines Insol­venz­ver­fah­rens erst dann wider­legt bezie­hungs­wei­se kön­nen die Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se wie­der als geord­net ange­se­hen wer­den, wenn dem Schuld­ner ent­we­der durch Beschluss des Insol­venz­ge­richts die Rest­schuld­be­frei­ung ange­kün­digt wur­de (§ 291 InsO a.F. bzw. § 287a InsO n.F.) oder ein vom Insol­venz­ge­richt bestä­tig­ter Insol­venz­plan (§ 248 InsO) oder ange­nom­me­ner Schul­den­be­rei­ni­gungs­plan (§ 308 InsO) vor­liegt, bei des­sen Erfül­lung der Schuld­ner von sei­nen übri­gen For­de­run­gen gegen­über den Gläu­bi­gern befreit wird [1].
Maß­geb­li­cher Zeit­punkt für die Beur­tei­lung ist inso­weit der Abschluss des behörd­li­chen Wider­rufs­ver­fah­rens [2].
Lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO vor, muss die Rechts­an­walts­kam­mer die Zulas­sung im Inter­es­se der Recht­su­chen­den wider­ru­fen. Hier­bei spielt es kei­ne Rol­le, wel­che Grün­de zum Ver­mö­gens­ver­fall geführt haben, ins­be­son­de­re auch nicht, ob der Rechts­an­walt sei­nen Ver­mö­gens­ver­fall ver­schul­det hat [3].
Nach der in § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO zum Aus­druck kom­men­den gesetz­ge­be­ri­schen Wer­tung ist mit dem Ver­mö­gens­ver­fall eines Rechts­an­walts grund­sätz­lich eine Gefähr­dung der Inter­es­sen der Recht­su­chen­den ver­bun­den.
Im vor­ran­gi­gen Inter­es­se der Recht­su­chen­den kann die­se nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len ver­neint wer­den, wobei den Rechts­an­walt die Fest­stel­lungs­last trifft [4].
Die Annah­me einer der­ar­ti­gen Son­der­si­tua­ti­on setzt jedoch zumin­dest vor­aus, dass der Rechts­an­walt sei­ne anwalt­li­che Tätig­keit nur noch für eine Rechts­an­walts­so­zie­tät aus­übt und mit die­ser recht­lich abge­si­cher­te Maß­nah­men ver­ab­re­det hat, die eine Gefähr­dung der Man­dan­ten effek­tiv ver­hin­dern [5]. Selbst auf­er­leg­te Beschrän­kun­gen des in Ver­mö­gens­ver­fall gera­te­nen Rechts­an­walts sind nicht geeig­net, eine Gefähr­dung der Recht­su­chen­den aus­zu­schlie­ßen [6].
Eine Gefähr­dung der Inter­es­sen Recht­su­chen­der wird auch durch die Frei­ga­be der selb­stän­di­gen Tätig­keit durch den Insol­venz­ver­wal­ter weder aus­ge­schlos­sen noch ver­min­dert [7].
Abge­se­hen davon erfor­dert die Annah­me eines Aus­nah­me­tat­be­stands neben dem Vor­lie­gen der ange­spro­che­nen – hier nicht gege­be­nen – Vor­aus­set­zun­gen auch, dass der Rechts­an­walt sei­nen Beruf bis­her ohne jede Bean­stan­dung („tadel­los“) geführt hat [8].
Die gesetz­li­che Rege­lung des § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO steht im Ein­klang mit dem Grund­ge­setz und dem Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz [9]. Da der Wider­ruf der Zulas­sung die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO erfüllt, stellt auch der kon­kre­te Ent­zug der Zulas­sung des Rechts­an­walts kei­ne Grund­rechts­ver­let­zung dar.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Juni 2015 – AnwZ (Brfg) 11/​15
st. Bun­des­ge­richts­hofsrspr.; vgl. nur Beschlüs­se vom 04.04.2012 – AnwZ (Brfg) 62/​11 4 ; vom 21.05.2012 – AnwZ (B) 6/​11 6 ; vom 11.06.2012 – AnwZ (Brfg) 20/​12 4 ; und vom 16.03.2015, aaO Rn. 4 ; jeweils m.w.N.[↩]
sie­he hier­zu BGH, Beschlüs­se vom 29.06.2011 – AnwZ (Brfg) 11/​10, BGHZ 190, 187 Rn. 9 ff.; und vom 04.04.2012, aaO[↩]
st. Bun­des­ge­richts­hofsrspr.; vgl. nur Beschlüs­se vom 31.05.2010 – AnwZ (B) 54/​09 10 ; und vom 04.07.2014 – AnwZ (Brfg) 23/​14 7 ; jeweils m.w.N.[↩]
vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 05.09.2012 – AnwZ (Brfg) 26/​12, NJW-RR 2013, 175 Rn. 5 ; vom 04.01.2014 – AnwZ (Brfg) 62/​13 5 f.; und vom 16.03.2015, aaO Rn. 5[↩]
st. Bun­des­ge­richts­hofsrspr.; vgl. nur Beschlüs­se vom 04.04.2012, aaO Rn. 6 ; vom 05.09.2012, aaO ; und vom 16.03.2015, aaO Rn. 6 ; jeweils m.w.N.[↩]
vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 31.05.2010, aaO Rn. 8 ; vom 04.01.2014, aaO Rn. 6 ; und vom 16.03.2015, aaO Rn. 6[↩]
st. Bun­des­ge­richts­hofsrspr.; vgl. nur Beschlüs­se vom 04.01.2014, aaO Rn. 8 ; und vom 16.03.2015, aaO Rn. 7[↩]
vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 18.10.2010 – AnwZ (B) 21/​10 13 ; und vom 04.04.2012, aaO Rn. 6 und 8 ; jeweils m.w.N.[↩]
st. Bun­des­ge­richts­hofsrspr.; vgl. nur Beschlüs­se vom 11.02.2014 – AnwZ (Brfg) 79/​13 2 f.; und vom 22.05.2014 – AnwZ (Brfg) 15/​14 7 ; sie­he auch BVerfG, NJW 2005, 3057 zur Par­al­lel­re­ge­lung in § 50 Abs. 1 Nr. 6 BNo­tO[↩]
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