Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=09.02.2006&Aktenzeichen=IX%20ZR%20121/03
Timestamp: 2019-07-19 15:38:05
Document Index: 68467001

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 96', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 96', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 09.02.2006 - IX ZR 121/03 - dejure.org
https://dejure.org/2006,1035
BGH, 09.02.2006 - IX ZR 121/03 (https://dejure.org/2006,1035)
BGH, Entscheidung vom 09.02.2006 - IX ZR 121/03 (https://dejure.org/2006,1035)
BGH, Entscheidung vom 09. Februar 2006 - IX ZR 121/03 (https://dejure.org/2006,1035)
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Voraussetzungen einer Insolvenzanfechtung; Vorliegen einer kongruenten oder inkongruenten Herstellung einer Aufrechnungslage; Aufrechnung einer Gesellschaft gegen einen Kaufpreisanspruch mit Aufwendungsersatzansprüchen aus abgetretenem Recht ihres Geschäftsführers; Anforderungen an eine die Aufrechnungsbefugnis begründende Verknüpfung zwischen der vertraglichen Forderung und dem Anspruch des Geschäftsführers auf Aufwendungsersatz
Keine Aufrechnung des Insolvenzgläubigers mit einem abgetretenen Anspruch aus einem Vertrag zwischen Zedent und Schuldner
Aufrechnung des Gläubigers aus inkongruent erlangter Aufrechnungslage mit einer ihm abgetretenen Forderung eines Dritten
Aufrechnung des Insolvenzgläubigers mit abgetretenem Anspruch
Inkongruente Herbeiführung der Aufrechnungslage nach Abtretung
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 09.02.2006, Az.: IX ZR 121/03 (Insolvenzanfechtung des Erwerbs einer Aufrechnungslage)" von MinRat Dr. Ulf Gundlach und RA Dr. Nikolaus Schmidt, original erschienen in: NZI 2006, 347.
LG Oldenburg, 05.06.2002 - 5 O 3547/01
OLG Oldenburg, 04.04.2003 - 6 U 116/02
NJW-RR 2006, 1062
ZIP 2006, 818
MDR 2006, 1314
NZI 2006, 345
WM 2006, 816
DB 2006, 1208
Ob sie eine kongruente oder inkongruente Rechtshandlung darstellt, richtet sich nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs danach, ob der Aufrechnende einen Anspruch auf Abschluss der Vereinbarung hatte, welche die Aufrechnungslage entstehen ließ, oder ob dies nicht der Fall war (BGHZ 147, 233, 240; 159, 388, 395 f; BGH, Urt. v. 9. Februar 2006 - IX ZR 121/03, ZIP 2006, 818, 819).
b) Da § 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO eine anfechtbar herbeigeführte Aufrechnung für insolvenzrechtlich unwirksam erklärt, besteht die Forderung, die andernfalls durch Aufrechnung erloschen wäre, für die Dauer und die Zwecke des Insolvenzverfahrens fort (BGH, Urt. v. 9. Februar 2006 - IX ZR 121/03, NZI 2006, 345, 347).
Ist hierdurch nach den Feststellungen auch keine künstliche Aufrechnungslage geschaffen worden, die nach der ständigen Rechtsprechung des Senats insolvenzrechtlich nicht schützenswert wäre (vgl. BGHZ 160, 1, 7; 160, 107, 110 f;… BGH, Urt. v. 14. Juli 2005 - IX ZR 142/02, ZIP 2005, 1559, 1561; Urt. v. 9. Februar 2006 - IX ZR 121/03, ZIP 2006, 818, 819), so hat die Schuldnerin doch die mit Abschluss des Gesellschaftsvertrages begründete Verrechnungsbefugnis mit ihren in der kritischen Zeit erbrachten Leistungen zugunsten der Mitgesellschafter und zu Lasten der späteren Masse wirtschaftlich aufgewertet.
c) Da § 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO eine anfechtbar herbeigeführte Aufrechnung (oder Verrechnung) insolvenzrechtlich für unwirksam erklärt, besteht die Forderung, die durch die Aufrechnung erloschen ist, für die Zwecke des Insolvenzverfahrens fort (BGH, Urt. v. 9. Februar 2006 - IX ZR 121/03, ZIP 2006, 818, 820;… v. 28. September 2006 aaO S. 2180).
Das der Insolvenzmasse zustehende Recht verkörpert einen selbständigen, im Kern geschützten Vermögenswert (BGH, Urteil vom 5. April 2001 - IX ZR 216/98, BGHZ 147, 233, 239; vom 2. Juni 2005 - IX ZR 181/03, ZIP 2005, 1651, 1652; vom 9. Februar 2006 - IX ZR 121/03, ZIP 2006, 818 Rn. 16; entsprechend für den Fall einer Sicherungsübereignung: BGH, Urteil vom 9. Oktober 2003 - IX ZR 28/03, ZIP 2003, 2370, 2372;… vom 29. März 2007 - IX ZR 27/06, ZIP 2007, 1126 Rn. 26).
Ergibt sich der Anspruch zur Auf- oder Verrechnung nicht aus dem zuerst zwischen den Parteien geschlossenen Rechtsgeschäft, ist die Aufrechnungslage inkongruent erlangt (vgl. BGH, Urteil vom 9. Februar 2006 - IX ZR 121/03, NZI 2006, 345 Rn. 14).
Ob die Begründung der Aufrechnungslage zu einer kongruenten oder einer inkongruenten Deckung führt, richtet sich nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs danach, ob der Aufrechnende einen Anspruch auf Abschluss der Vereinbarung hatte, welche die Aufrechnungslage entstehen ließ, oder ob dies nicht der Fall war (Urteil vom 09.02.2006 IX ZR 121/03, NJW-RR 2006, 1062).