Source: https://www.koenigsfeld.de/de/Leben,-Wohnen-Arbeiten/Aktuelles/Gemeindenachrichten/Gemeindenachricht?view=publish&item=article&id=1301
Timestamp: 2020-04-07 23:03:03
Document Index: 354205506

Matched Legal Cases: ['§ 28', '§ 1', '§ 35', '§ 6', '§ 23', '§ 71', '§ 73', '§ 74', '§ 28', '§ 16', '§ 28']

Gemeinde Königsfeld im Schwarzwald | Allgemeinverfügung über Maßnahmen zum Schutz besonders gefährdeter Personen durch Zutrittsverbote für Krankenhäuser, Alten- und Pflegeeinrichtungen in Königsfeld
Allgemeinverfügung über Maßnahmen zum Schutz besonders gefährdeter Personen durch Zutrittsverbote für Krankenhäuser, Alten- und Pflegeeinrichtungen in Königsfeld
Die Gemeinde Königsfeld erlässt auf der Grundlage des § 28 Abs. 1 Satz 1 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) in Verbindung mit § 1 Abs. 6 der Verordnung des Sozialministeriums über Zuständigkeiten nach dem Infektionsschutzgesetz (ZustV), § 35 Satz 2 des Landesverwaltungsverfahrensgesetzes und § 6 der Corona-Verordnung der Landesregierung vom 17. März 2020 folgende Allgemeinverfügung:
1. a) Einrichtungen nach § 23 Abs. 3 Nr. 1 und 3 IfSG (Krankenhäuser sowie Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, in denen eine den Krankenhäusern vergleichbare medizinische Versorgung erfolgt) und
b)vollstationäre Einrichtungen der Pflege gem. § 71 Abs. 2 des Elften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XI) einschließlich der Kurzzeitpflege
dürfen grundsätzlich nicht mehr zu Besuchszwecken betreten werden. Die Einrichtungen können den Zutritt zu Besuchszwecken erlauben, wenn geeignete Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen getroffen werden können.
2. Der Zutritt von externen Personen zu den in Absatz 1 genannten Einrichtungen aus sonstigen, insbesondere beruflichen Gründen, ist nur in Ausnahmefällen und mit Zustimmung der Leitung der Einrichtung gestattet. Im Falle der Gewährung des Zutritts sind geeignete Vorkehrungen zum Infektionsschutz zu treffen.
3. Personen, die in den vorausgegangenen 14 Tagen in Kontakt zu einer infizierten Person standen, und Personen mit Anzeichen für Atemwegserkrankungen oder mit erhöhter Temperatur ist der Zutritt zu den in Absatz 1 genannten Einrichtungen untersagt. Wenn diese Personen eine Einrichtung zum Zweck der Behandlung oder Aufnahme betreten wollen, ist vorab das Einverständnis der Einrichtung einzuholen. Hiervon darf nur in Notfällen abgewichen werden. Soweit möglich, sind auch in diesen Fällen Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen zu ergreifen.
4. Zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung und des Pflegebetriebs können in der Einrichtung tätige Personen, denen nach Absatz 3 der Zutritt untersagt wäre, nach Abwägung die berufliche Tätigkeit in der Einrichtung unter Beachtung von Schutzmaßnahmen fortsetzen. Die Entscheidung über die Fortsetzung der Tätigkeit und die erforderlichen Schutzmaßnahmen trifft die Einrichtung.
5. Ausnahmen von den Nummern 1, 2 und 4 können durch die Einrichtungen für nahestehende Personen im Einzelfall, beispielsweise im Rahmen der Sterbebegleitung unter Auflagen zugelassen werden. In Fällen nach Nummer 3 sind zwingend geeignete Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen zu ergreifen.
6. Über die Zutrittsverbote nach den Nummern 1 bis 4 ist durch die Einrichtungen in einer vor Zutritt gut sichtbaren Weise, beispielsweise durch einen auffälligen Aushang an den Zugangstüren, zu informieren.
7. Auf die Bußgeldvorschrift des § 73 Abs. 1 a Nr. 6 IfSG sowie die Strafvorschrift des § 74 IfSG wird hingewiesen.
8. Diese Allgemeinverfügung tritt am 21. März 2020 in Kraft und am 15. Juni 2020 außer Kraft. Die Gemeinde Königsfeld behält sich vor, den Termin des Außerkrafttretens zu ändern. Diese Anordnung ist gemäß § 28 Abs. 3 in Verbindung mit § 16 Abs. 8 IfSG sofort vollziehbar.
Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 hat sich in kurzer Zeit weltweit verbreitet. Es muss alles dafür getan werden, eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Deshalb sind erhöhte Schutzmaßnahmen für vorerkrankte, ältere und im weitesten Sinne pflegebedürftige Menschen notwendig. Nach § 28 Abs. 1 Satz 1 IfSG trifft die zuständige Behörde die notwendigen Schutzmaßnahmen, wenn Kranke, Krankheitsverdächtige, Ansteckungsverdächtige oder Ausscheider festgestellt werden oder es sich ergibt, dass ein Verstorbener krank, krankheitsverdächtig oder Ausscheider war, soweit und solange es zur Verhinderung der Verbreitung übertragbarer Krankheiten erforderlich ist. Aktuell erhöhen sich täglich die Zahlen derer, die nachweislich am neuen Coronavirus erkrankt sind und auch die Zahl der begründeten Verdachtsfälle steigt an. Personen mit einem Kontakt zu einem bestätigten Fall von COVID-19 können bereits vor Auftreten der ersten Symptome die Erreger weitergeben. Ihnen wird grundsätzlich nahegelegt, Kontakte zu anderen Personen zu meiden. Es ist daher davon auszugehen, dass die zugrundeliegenden Infektionsketten weit verzweigt sind und es auch eine größere Zahl infizierter Personen gibt, die asymptomatisch sind, da man eine Ansteckung oft gar nicht bemerkt, weil diese ohne Symptome verläuft. Die häufigen Symptome können auch für eine Erkältung oder einen grippalen Infekt gehalten werden. Es ist daher möglich, dass externe Personen oder Besucher, die gar nicht wissen, dass sie krank sind oder ihre Symptome nicht in den Zusammenhang mit dem Coronavirus bringen bzw. verharmlosen, besonders vulnerable Personen anstecken können.
Es besteht damit eine konkrete Gefahr für diesen Personenkreis, durch den Zutritt von externen Personen und Besucher angesteckt zu werden. Bei unbeschränktem Zugang von externen Personen und Besuchern würden bei dem aktuell erhöhten Risiko, dass die externen Personen und Besucher an dem Coronavirus erkrankt sind, mit hinreichender Wahrscheinlichkeit eine Verletzung eines geschützten Rechtsguts, hier die Gesundheit bzw. das Leben von deutlich gefährdeten Personengruppen, geschehen, wenn weiterhin ohne Beschränkungen alle externen Personen und Besucher zugelassen werden. Die Verbreitung des Virus würde zudem vorangetrieben werden.
In den vollstationären medizinischen Einrichtungen werden vielfach Personen betreut, die durch eine Infektion mit dem neuen Erreger in besonders schwerer Weisegesundheitlich gefährdet wären. Zum Schutz dieser besonders vulnerablen Personengruppen stellt die Beschränkung des Zugangs eine geeignete und erforderliche Schutzmaßnahme dar. Neben der Vermeidung von Einträgen des Erregers wird auch die medizinische Versorgung unterstützt. Das Erkrankungsrisiko des betreuenden und medizinischen Personals wird verringert. Dadurch tragen die Maßnahmen für die erfassten medizinischen Einrichtungen auch zur Aufrechterhaltung der Versorgungskapazitäten bei. Damit die medizinische Versorgung weiterhin gewährleistet werden kann, kann nach Abwägung die berufliche Tätigkeit in der Einrichtung unter Beachtung von Schutzmaßnahmen fortgesetzt werden.
Um besonderen Situationen, z. B. im Notfall, palliative Situation oder in der Versorgung von Sterbenden, Rechnung tragen zu können, können die Einrichtungen Ausnahmen zulassen. Hierbei können sie Auflagen besonders hinsichtlich Hygiene oder Besuchszeiten zulassen.
Die Anordnung tritt an dem auf die Bekanntmachung folgenden Tag in Kraft und ist vorerst bis 15. Juni 2020 befristet.
Gegen diese Verfügung kann innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe bei der Gemeinde Königsfeld, Rathausstraße 2, 78126 Königsfeld Widerspruch eingelegt werden.