Source: https://www.wko.at/branchen/tourismus-freizeitwirtschaft/hotellerie/umsatzsteuersenkung-auf-naechtigungen-faqs.html
Timestamp: 2019-11-18 12:23:20
Document Index: 125115175

Matched Legal Cases: ['§ 28', '§ 10', '§ 10', '§ 28', '§ 10', '§ 10', '§ 28', '§ 10', '§ 28']

Am 1. November 2018 ist die Mehrwertsteuersenkung auf Nächtigungsleistungen von 13% auf 10% in Kraft getreten und war erstmals auf Umsätze und sonstige Sachverhalte anzuwenden, die nach dem 31. Oktober 2018 ausgeführt wurden bzw. sich ereignet haben (§ 28 Abs 45 UStG idF BGBl. I Nr. 12/2018) . Die Änderung betrifft § 10 Abs 2 Z 3 lit c bzw. lit d Umsatzsteuergesetz 1994 (UStG). Demnach ermäßigt sich die Umsatzsteuer (USt) auf 10% unter anderem auch für folgende (Beherbergungs-) Leistungen:
§ 10 Abs 2 Z 3 lit d: die Vermietung (Nutzungsüberlassung) von Grundstücken für Campingzwecke und die regelmäßig damit verbundenen Nebenleistungen, soweit hiefür ein einheitliches Benützungsentgelt entrichtet wird.
Die Umsatzsteuer von 10% (§ 28 Abs 45 UStG idF BGBl. I Nr. 12/2018) gilt für Beherbergungsumsätze (auch Camping) inkl. regelmäßig damit verbundene Nebenleistungen, die seit dem 31. Oktober 2018 realisiert werden.
1.2. Wie war die Nacht von 31. Oktober 2018 auf 1. November 2018 zu besteuern?
Eine Übernachtung gilt mit dem Ende der Nacht als ausgeführt. Daher hat auch bereits die Nacht von 31. Oktober auf 1. November 2018 dem reduzierten Steuersatz von 10% unterlegen.
Änderungen des Steuersatzes und Anzahlungen sind in den Umsatzsteuerrichtlinien unter Punkt 10.4. „Änderung des Steuersatzes und Anzahlungen“ in Rz 1476 geregelt (UStR-Wartungserlass Fassung 1.11.2018).¹ Für Anzahlungen bestand vor dem 31. Oktober 2018 die Möglichkeit der Besteuerung nach der bisherigen Rechtslage (13%) als auch nach der neuen Rechtslage (10%). Bei der Senkung der Umsatzsteuer ist die Besteuerung nach „alter“ Rechtslage (13% USt) samt nachträglicher Rechnungskorrektur im ersten Voranmeldezeitraum nach Inkrafttreten der Änderung möglich, als auch eine Besteuerung (der Anzahlung) mit dem Steuersatz, der zum Zeitpunkt der Leistungserbringung gilt (10% Ust) - in diesem Fall war bei Inkrafttreten der Steuersatzänderung keine Rechnungsberichtigung erforderlich.
2.1. Variante 1 (Besteuerung nach alter Rechtslage)
Werden Anzahlungen geleistet, sind diese zunächst grundsätzlich nach der Rechtslage zum Zeitpunkt der Vereinnahmung zu versteuern. Ändert sich bis zum Leistungszeitpunkt die steuerrechtliche Lage, ist die Besteuerung der Anzahlung nach Maßgabe der Rechtslage zum Zeitpunkt der Leistung zu korrigieren. Diese Korrektur erfolgt im ersten Voranmeldungszeitraum nach Wirksamwerden der Änderung. Es hat eine Berichtigung bereits ausgestellter Anzahlungsrechnungen zu erfolgen, die Ausstellung der Schlussrechnung richtet sich in jedem Fall nach der Rechtslage zum Zeitpunkt der Leistungserbringung.
Beispiel: Ein Gast hat im April 2018 ein Zimmer in einem österreichischen Hotel für zwei Nächte von 1. November 2018 bis 3. November 2018 um EUR 600 gebucht. Der Gast hat bereits bei Buchung im April 2018 eine Anzahlung von 50%, dh EUR 300 geleistet.
Lösung nach Variante 1: Der Hotelier hat dem Gast für die Anzahlung 13% USt (§ 10 Abs 3 Z 3 lit a UStG) verrechnet und eine Vorauszahlungsrechnung ausgestellt. Der Gast hat die Anzahlung von EUR 300 mit 13% USt (dh EUR 34,51) im April 2018 geleistet.
Der Hotelier hat in der UVA 4/2018 den Umsatz von der Anzahlung mit einem Steuersatz von 13% erklärt.
Mit November 2018 ist es zur Minderung des Steuersatzes für Beherbergungsleistungen (inkl. Nebenleistungen/ortsüblichen Frühstück) auf 10% gekommen (§ 10 Abs 2 Z 3 lit c iVm § 28 Abs 45 UStG idF BGBl. I Nr. 12/2018). Daher erfolgt eine Korrektur der USt aus der erhaltenen Anzahlung in der monatlichen UVA im ersten Voranmeldungszeitraum nach Wirksamwerden der Änderung, dh in der UVA 11/2018.
Gegenüber dem Gast hat eine Berichtigung bereits ausgestellter Anzahlungsrechnungen zu erfolgen. Die Ausstellung der Schlussrechnung richtet sich in jedem Fall nach der Rechtslage zum Zeitpunkt der Leistungserbringung. Die Berichtigung der Anzahlungsrechnung hatte in diesem Beispiel mit 1. November 2018 zu erfolgen, ansonsten schuldet der Hotelier die zu hoch ausgewiesene Steuer (EUR 7,24) weiterhin aufgrund der Rechnung.
2.2. Variante 2 (Inrechnungstellung der Anzahlung nach neuer Rechtslage)
Davon abweichend konnte der Unternehmer aus Praktikabilitätsgründen die Anzahlung in der Rechnung bereits mit jenem Steuersatz ausweisen und versteuern, der zum Zeitpunkt der Leistungserbringung gilt (10%). Diesfalls war bei Inkrafttreten der Steuersatzänderung keine Rechnungsberichtigung erforderlich.
Lösung nach Variante 2: Der Hotelier hat dem Gast für die Anzahlung von EUR 300 die USt von 10% verrechnet (§ 10 Abs 2 Z 3 lit c iVm § 28 Abs 45 UStG idF BGBl. I Nr. 12/2018) und eine Vorauszahlungsrechnung über EUR 300 inklusive 10% USt ausgestellt. Der Gast hat die Anzahlung von EUR 300 mit 10% USt (dh EUR 27,27) im April 2018 geleistet.
2.3. Wie ist ein Weihnachtspackage für Winter 2018 zu versteuern, wenn es zur Gänze im Juli 2018 bezahlt wurde?
Da die Umsätze für diese Packages zur Gänze nach dem 1. November 2018 realisiert werden, konnte dafür bereits im Juli 2018 eine Rechnung mit 10 % USt ausgestellt werden (siehe Variante 2 unter Pkt. 2.2.). In diesem Fall ist keine Korrektur der Steuererklärung bzw. keine Rechnungsberichtigung erforderlich.
2.4. Ein Silvesterarrangement für Winter 2018/19 kostet brutto 1.100 Euro. 50 % wurden bereits im Juli 2018 angezahlt. Welche Steuer weist die Anzahlungsrechnung und welche die Endrechnung aus?
Da die Umsätze zur Gänze nach dem 1. November 2018 realisiert werden, konnte bei der Anzahlung im Juli 2018 eine Rechnung mit 10 % USt ausgestellt werden (siehe Variante 2 unter Pkt. 2.2.).
Ja, Leistungen die gemäß den Umsatzsteuerrichtlinien Pkt. 10.3.3.3. „All-Inclusive“ Rz 1373 (Fassung UStR-Wartungserlass 1.11.2018) als regelmäßig mit der Beherbergung verbundene Nebenleistungen angesehen werden (z.B. Begrüßungstrunk, Verleih von Sportgeräten, Zurverfügungstellung von Sauna, Solarium, Dampf- und Schwimmbad, Fitnessräume, etc.), teilen weiterhin die Steuer der Beherbergung (dh 10% USt).
3.2. Ein Hotel bietet ein Package mit Kinderbetreuung und Thermeneintritt an. Einerseits wird das Package zu einem Gesamtpreis angeboten (All-Inclusive), andererseits werden die Kinderbetreuung und der Thermeneintritt separat verkauft. Welcher USt-Satz kommt in beiden Fällen zur Anwendung?
Im ersten Fall, wo das Package mit Kinderbetreuung und Thermeneintritt zu einem Gesamtpreis verkauft wird, unterliegen alle Leistungen (seit November 2018) dem 10%-USt-Satz, da es sich bei Kinderbetreuung und Thermeneintritt um regelmäßig mit der Beherbergung verbundene Leistungen handelt. Im zweiten Fall, wo Kinderbetreuung und Thermenleistungen separat verrechnet werden, werden diese Leistungen nicht als regelmäßig mit der Beherbergung verbundene Leistungen angesehen und fallen somit unter den für diese Leistungen anwendbaren Steuersatz.
In Kombination mit einer Übernachtung ist ein ortsübliches Frühstück auch seit dem 1. November 2018 weiterhin mit 10% zu versteuern. Wird das Frühstück als Einzelleistung angeboten, so sind die Speisen grundsätzlich mit 10% und die Getränke mit 20% zu versteuern. In der Praxis ist allerdings der Frühstückpreis inkl. Getränke wie folgt zu splitten: 80 % des Gesamtpreises werden mit 10 % USt versteuert und der Rest mit 20 % USt.
¹ Dieser Punkt wurde durch den UStR-Wartungserlass 2015 anlässlich der Einführung des 13%-igen Umsatzsteuersatzes eingefügt und behandelt sowohl den Fall der Erhöhung als auch den Fall der Senkung des Umsatzsteuersatzes.