Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/feststellung-der-begrenzten-dienstfaehigkeit-von-dienstordnungsangestellten-und-die-mitbestimmung-384380
Timestamp: 2020-08-15 03:58:20
Document Index: 39575949

Matched Legal Cases: ['§ 72', '§ 72', '§ 74', '§ 73', '§ 74', '§ 73']

Feststellung der begrenzten Dienstfähigkeit von Dienstordnungsangestellten - und die Mitbestimmung | Rechtslupe
Feststellung der begrenzten Dienstfähigkeit von Dienstordnungsangestellten - und die Mitbestimmung
Fest­stel­lung der begrenz­ten Dienst­fä­hig­keit von Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten – und die Mit­be­stim­mung
Der öffent­li­che Arbeit­ge­ber bedarf für die Ent­schei­dung über die Fest­stel­lung der auf die Hälf­te der regel­mä­ßi­gen Arbeits­zeit begrenz­ten Dienst­fä­hig­keit eines Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten nicht der Mit­wir­kung des Per­so­nal­rats.
Maß­geb­lich für die Ent­schei­dung sind die Mit­be­stim­mungs- und Mit­wir­kungs­rech­te des Per­so­nal­rats nach dem Nord­rhein-West­fä­li­schen Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz in der Fas­sung, die es im Dezem­ber 2009 auf­grund des Geset­zes vom 09.10.2007 [1] hat­te. Durch die­ses Gesetz wur­den im Ver­gleich zur vor­an­ge­gan­ge­nen Fas­sung des Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes [2] die Mit­be­stim­mungs- und Mit­wir­kungs­rech­te des Per­so­nal­rats deut­lich ein­ge­schränkt. Nach die­ser vor­an­ge­gan­ge­nen Fas­sung hat­te der Per­so­nal­rat nach § 72 Abs. 1 Satz 1 Nr. 9 LPVG NW ein vol­les Mit­be­stim­mungs­recht bei der „Fest­stel­lung der begrenz­ten Dienst­fä­hig­keit“, dane­ben hat­te die­se Fas­sung auch ein Mit­be­stim­mungs­recht bei „vor­zei­ti­ger Ver­set­zung in den Ruhe­stand“ vor­ge­se­hen. Fer­ner hat­te es nach § 72 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 letz­te Alter­na­ti­ve LPVG NW auch ein Mit­be­stim­mungs­recht des Per­so­nal­rats bei „wesent­li­chen Ände­run­gen des Arbeits­ver­tra­ges“ gege­ben. Auf­grund der Geset­zes­än­de­rung ent­fiel das Mit­be­stim­mungs­recht bei „Fest­stel­lung der begrenz­ten Dienst­fä­hig­keit“ voll­stän­dig. Ledig­lich bei vor­zei­ti­ger Ver­set­zung von Beam­ten in den Ruhe­stand ver­blieb dem Per­so­nal­rat ein Mit­wir­kungs­recht, wenn der Beam­te einen Antrag auf Betei­li­gung des Per­so­nal­rats stell­te (§ 74 Abs. 3 LPVG NW in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung). Das bis­he­ri­ge Mit­be­stim­mungs­recht bei wesent­li­chen Ände­run­gen des Arbeits­ver­tra­ges wur­de ledig­lich als Mit­wir­kungs­recht auf­recht­erhal­ten (§ 73 Nr. 2 LPVG NW in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung). Den Weg­fall der Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats bei der Fest­stel­lung der begrenz­ten Dienst­fä­hig­keit begrün­de­te der Gesetz­ge­ber damit, die detail­lier­ten gesetz­li­chen Rege­lun­gen im Beam­ten­recht lie­ßen für eine Mit­be­stim­mung kei­nen Raum [3].
Wie sich daher aus der Sys­te­ma­tik des Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes und der Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te ergibt, woll­te der Gesetz­ge­ber mit der hier maß­geb­li­chen Fas­sung des Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes ein Mit­be­stim­mungs­recht des Per­so­nal­rats bei der Fest­stel­lung der begrenz­ten Dienst­fä­hig­keit abschaf­fen, ohne auch nur ein Mit­wir­kungs­recht vor­zu­se­hen. Er war der Auf­fas­sung, inso­weit ergä­ben sich hin­rei­chen­de Vor­ga­ben aus dem Beam­ten­recht. Auf die hier für Beam­te gel­ten­de maß­geb­li­che Fas­sung des § 74 Abs. 3 LPVG NW kann des­halb ein Mit­wir­kungs­recht des Per­so­nal­rats bei die­ser Fest­stel­lung nicht unter dem Gesichts­punkt der Ver­set­zung von Beam­ten in den Ruhe­stand gestützt wer­den. Es wäre aber auch ein Wer­tungs­wi­der­spruch, woll­te man § 73 Nr. 2 LPVG NW in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung, der für wesent­li­che Ände­run­gen des Arbeits­ver­tra­ges ein Mit­wir­kungs­recht des Per­so­nal­rats vor­sieht, für den Son­der­fall der Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten so aus­le­gen, dass die­se Rege­lung sich auch auf die Fest­stel­lung der begrenz­ten Dienst­fä­hig­keit bezieht. Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­te, deren Rechts­stel­lung nur durch Ver­wei­sung auf das Beam­ten­recht gere­gelt ist [4], stün­den sich dann bes­ser als Beam­te. Dafür ist kein Grund ersicht­lich.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 28. Mai 2014 – 7 AZR 276/​12
GVBl. NW S. 394, berich­tigt S. 460 und berich­tigt GVBl. NW 2008 S. 186[↩]
Gesetz vom 03.12 1974, GVBl. NW S. 1514, vor­her zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 29.03.2007, GVBl. NW S. 140[↩]
LT-Drs. 14/​4239 S. 98[↩]
zur Rechts­stel­lung der Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten: BAG 21.01.2014 – 3 AZR 860/​11, Rn.20[↩]
Amts­ärzt­li­che Unter­su­chung wegen Dienst­fä­hig­keit Liegt zum Zeit­punkt der beab­sich­tig­ten Begut­ach­tung ein Sach­ver­halt vor, der aus objek­ti­ver Sicht Zwei­fel an der Dienst­fä­hig­keit des Beam­ten recht­fer­tigt, und ist für eine will­kür­li­che…
Begrenz­te Dienst­fä­hig­keit von Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten Erkrankt ein Beam­ter mit der Fol­ge der Dienst­un­fä­hig­keit, so ist er von der Ver­pflich­tung zur Arbeits­leis­tung befreit, ohne sei­nen Anspruch auf Besol­dung zu ver­lie­ren. Ist…
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