Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/keine-kostenerstattung-fuer-die-finanzbehoerde-und-die-kosten-des-prozessbevollmaechtigten-3104583
Timestamp: 2020-05-31 01:57:54
Document Index: 258940488

Matched Legal Cases: ['§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139', 'Art. 108', '§ 1', 'Art. 108', '§ 139', '§ 1', '§ 16', '§ 12', '§ 1', 'Art. 108', '§ 33', '§ 33', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 2', '§ 139', '§ 62', '§ 316', '§ 159', '§ 162', '§ 130', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139', 'Art. 108', 'Art. 108', 'Art. 105', 'Art. 105', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139']

Keine Kostenerstattung für die Finanzbehörde - und die Kosten des Prozessbevollmächtigten | Rechtslupe
Keine Kostenerstattung für die Finanzbehörde - und die Kosten des Prozessbevollmächtigten
Kei­ne Kos­ten­er­stat­tung für die Finanz­be­hör­de – und die Kos­ten des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten
Dass nach der Vor­schrift des § 139 Abs. 3 FGO gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Gebüh­ren von Bevoll­mäch­tig­ten stets erstat­tungs­fä­hig sind, stellt kei­ne Rück­aus­nah­me von der Vor­schrift des § 139 Abs. 2 FGO dar, wonach Auf­wen­dun­gen der Finanz­be­hör­den nicht zu erstat­ten sind; es han­delt sich bei Absatz 3 nur um eine Rege­lung zur Erstat­tung der Höhe nach.
Das Haupt­zoll­amt – wie auch das Finanz­amt – hat daher kei­nen Anspruch auf Erstat­tung von Auf­wen­dun­gen für Rechts­an­wäl­te.
Die Erstat­tungs­fä­hig­keit von Kos­ten rich­tet sich nach der Rege­lung des § 139 FGO. Nach Absatz 1 die­ser Vor­schrift zäh­len zu den erstat­tungs­fä­hi­gen Kos­ten die zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen der Betei­lig­ten ein­schließ­lich der Kos­ten des Vor­ver­fah­rens.
Von die­sem Grund­satz wird gemäß § 139 Abs. 2 FGO eine Aus­nah­me für die Finanz­be­hör­de gemacht. Danach sind deren Auf­wen­dun­gen nicht zu erstat­ten.
Dem­ge­mäß kön­nen Finanz­be­hör­den nach stän­di­ger Recht­spre­chung kei­ne Erstat­tung von Aus­la­gen ver­lan­gen 1.
Die Lite­ra­tur hat sich die­ser Recht­spre­chung ange­schlos­sen 2.
Finanz­be­hör­den im Sin­ne des § 139 Abs. 2 FGO sind alle Behör­den, denen die Ver­wal­tung der Steu­ern in Bund und Län­dern zuge­wie­sen ist, Art. 108 GG, §§ 1, 2 FVG 3. Die Vor­schrif­ten des FVG sind die von Art. 108 GG gefor­der­te ein­fach­ge­setz­li­che Rege­lung zum Auf­bau der Finanz­be­hör­den 4. Unter den Begriff der Steu­ern fal­len auch Zöl­le 5.
Finanz­be­hör­den, die kei­ne Erstat­tung von Auf­wen­dun­gen ver­lan­gen kön­nen, sind nach der Recht­spre­chung:
Finanz­äm­ter 6;
jede steu­er­ver­wal­ten­de Behör­de, die einen Ver­wal­tungs­akt, der den Gegen­stand eines Kla­ge­ver­fah­rens vor dem Finanz­ge­richt bil­det, erlas­sen hat 7;
Kir­chen­steu­er­be­hör­de 8;
Kir­chen­steu­er­äm­ter und die ihnen über­ge­ord­ne­ten Stel­len 9;
Kir­chen­ge­mein­den in steu­er­ver­wal­ten­der Funk­ti­on 10.
Auch das Haupt­zoll­amt zählt nach der Recht­spre­chung des BFH zu den Finanz­be­hör­den im Sin­ne des § 139 Abs. 2 FGO 6.
Das beklag­te Haupt­zoll­amt ist mit der Ver­wal­tung einer Steu­er, näm­lich der Kern­brenn­stoff­steu­er, beauf­tragt (§ 1 Abs. 1 Satz Kern­brStG i. V. m. §§ 16, 23 AO, § 12 Abs. 2 FVG) und nach der Vor­schrift des § 1 Nr. 4 FVG eine Finanz­be­hör­de im Sin­ne des Art. 108 GG 11.
Von dem Grund­satz, dass Finanz­be­hör­den kei­ne Erstat­tung von Auf­wen­dun­gen ver­lan­gen kön­nen, sind auch die Ent­schei­dun­gen getra­gen, die eine Kos­ten­er­stat­tung beja­hen nach der Abgren­zung, dass der Betei­lig­te kei­ne Finanz­be­hör­de ist. Erstat­tung kön­nen ver­lan­gen:
Bun­des­amt für Ernäh­rung und Forst­wirt­schaft 12;
Bun­des­land bei Kla­gen wegen über­lan­ger Ver­fah­rens­dau­er 13;
Lan­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um in berufs­recht­li­chen Strei­tig­kei­ten i. S. von § 33 Abs. 1 Nr. 3 FGO 14;
Minis­te­ri­um der Finan­zen in Berufs­sa­chen der Steu­er­be­ra­ter 15;
Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on in berufs­recht­li­chen Streit­ver­fah­ren i. S. d. § 33 Abs. 1 Nr. 3 FGO 16;
Gemein­den im Gewer­be­steu­er-Zer­le­gungs­ver­fah­ren 17;
Ein­fuhr- und Vor­rats­stel­len (jetzt Bun­des­an­stalt für land­wirt­schaft­li­che Markt­ord­nung) 7.
Dem­entspre­chend folgt aus dem Wort "stets" in Absatz 3 der Vor­schrift des § 139 FGO kei­ne Rück­aus­nah­me von der Nicht­erstat­tung von Auf­wen­dun­gen für Finanz­be­hör­den.
Die Recht­spre­chung lässt bei der Vor­schrift des § 139 Abs. 2 FGO kei­ne Aus­nah­men zu, auch aus­drück­lich kei­ne Aus­nah­men für Rechts­an­walts­kos­ten von Finanz­be­hör­den 18.
Dem hat sich die Lite­ra­tur ange­schlos­sen 19.
Die Vor­schrift des § 139 Abs. 3 bezieht sich nur auf die Erstat­tungs­fä­hig­keit von bestimm­ten Auf­wen­dun­gen der Betei­lig­ten, die nicht Finanz­be­hör­de sind 20.
Dem­entspre­chend bezieht sich die For­mu­lie­rung "stets" in Absatz 3 auch nicht auf eine Erstat­tung dem Grun­de nach, son­dern nur der Höhe nach 21.
Im Übri­gen ist eine Beschrän­kung des § 139 Abs. 2 FGO – wie das Haupt­zoll­amt meint – auf eige­ne Kos­ten des Haupt­zoll­amt nicht mit dem Wort­laut ver­ein­bar. Der Wort­laut der Vor­schrift des § 139 Abs. 2 FGO, wonach Auf­wen­dun­gen – hier Rechts­an­walts­kos­ten – nicht zu erstat­ten sind, ist aus sich her­aus ein­deu­tig; er lässt kei­ne Aus­nah­me oder Ein­schrän­kung zu.
Nach der Bedeu­tungs­über­sicht im Duden fällt unter den Begriff der "Auf­wen­dung"
das Auf­wen­den und
die Aus­ga­be; für etwas Bestimm­tes auf­zu­wen­den­der Betrag.
Syn­ony­me sind unter ande­rem "Aus­ga­be" und "Aus­la­ge". Auf­wen­dung umfasst auch Auf­wen­dun­gen, Aus­ga­ben oder Aus­la­gen für die Man­da­tie­rung eines Rechts­an­walts.
Eine wei­te­re Aus­le­gung hät­te einen Zusatz im Wort­laut der Vor­schrift erfor­dert. Ent­spre­chen­de For­mu­lie­run­gen, wie etwa "die eige­nen Kos­ten der Finanz­be­hör­de sind nicht zu erstat­ten" wären mög­lich gewe­sen, wur­den indes aber nicht gewählt.
Die vor­ste­hen­de Aus­le­gung nach Wort­laut und Sys­te­ma­tik ent­spricht dem Sinn und Zweck der Vor­schrift des § 139 Abs. 2 FGO.
Die Finanz­be­hör­den sind gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 GKG von der Zah­lung von Gerichts­kos­ten befreit. Die Vor­schrift des § 139 Abs. 2 FGO ent­hält das Gegen­stück zu die­ser Pri­vi­le­gie­rung 22.
Es wird den Finanz­be­hör­den zuge­mu­tet, unter Aus­nut­zung ihres eige­nen pro­fes­sio­nel­len und spe­zi­el­len Sach­ver­stands einen Pro­zess ohne exter­ne Hil­fe zu bewäl­ti­gen; alter­na­tiv kön­nen sie nach § 62 Abs. 2 Nr. 1 FGO Beschäf­tig­te ande­rer Behör­den als Bevoll­mäch­tig­te bestel­len.
Da das finanz­ge­richt­li­che Ver­fah­ren häu­fig beson­ders kom­pli­ziert und kom­plex ist, soll dem Klä­ger nach der gesetz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dung neben sei­nem eige­nen außer­ge­richt­li­chen Kos­ten­ri­si­ko nicht auch noch das Risi­ko auf­er­legt wer­den, für die Auf­wen­dun­gen der Finanz­be­hör­de auf­zu­kom­men 23.
Die­se Aus­le­gung deckt sich schließ­lich mit der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Vor­schrift, die die inten­dier­te Abwei­chung von Kos­ten­er­stat­tungs­re­ge­lun­gen ande­rer Pro­zess­ord­nun­gen ver­deut­licht.
Die Erstat­tung von Auf­wen­dun­gen der Finanz­be­hör­den wur­de mit der Rege­lung des § 316 RAO ab 1953 abge­schafft 24. Nach Absatz 1 die­ser Vor­schrift waren fort­an nur einem Betei­lig­ten, der nicht Finanz­be­hör­de ist, die zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung not­wen­di­gen Aus­la­gen zu erstat­ten, soweit ihm die Kos­ten nicht auf­er­legt wer­den.
Auch in den FGO-Ent­wür­fen aus 1955 25 und 1958 26 wur­den die Finanz­be­hör­den bei der Erstat­tung von Kos­ten aus­drück­lich aus­ge­nom­men. Im Rah­men einer grund­sätz­lich geplan­ten, teil­wei­se wört­li­chen Anleh­nung an die Ent­wür­fe zur VwGO wur­de von § 159 VwGO-Ent­wurf 27, dem heu­ti­gen § 162 VwGO, abge­wi­chen.
Bei der tat­säch­lich 1965 in Kraft getre­te­nen Fas­sung der FGO war zwar eine weit­ge­hen­de Gleich­ge­stal­tung mit den ande­ren Gerichts­ver­fah­rens­ge­set­zen ange­strebt 28. Der Ent­wurf (§ 130 FGO im Ent­wurf, jetzt § 139 Abs. 1 FGO) wur­de aber am 06.09.1965 um die Rege­lung des heu­ti­gen Absatz 2 der Vor­schrift ergänzt 29.
Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 12. Novem­ber 2015 – 3 KO 152/​15
BFH, Beschlüs­se vom 25.03.2015 – X K 8/​13, m. w. N.; vom 06.02.2007 – I B 88/​05; vom 25.02.1975 – VII B 80/​73; vom 31.07.1974 – I B 32/​74; vom 31.10.1972 – VII B 134/​70; FG Bran­den­burg, Beschluss vom 06.09.1999 – 1 Ko 997/​99 KF[↩]
Ziemer/​Birkholz, FGO, 3. Aufl., § 139 Rn. 10; Brandt in Beermann/​Gosch, AO/​FGO, § 139 Rn. 170, 181; Stap­per­fend in Grä­ber, AO/​FGO, 7. Aufl., § 139 Rn. 14; Schwarz in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, FGO, § 139 Rn.200; Beer­mann in Ziemer/​Haarmann/​Lohse/​Beermann, Rechts­schutz in Steu­er­sa­chen, Rn. 10726[↩]
BFH, Beschluss vom 31.07.1974 – I B 32/​14[↩]
Siek­mann in Sachs, GG, 7. Aufl., Art. 108 Rn. 16, 26 ff.; Heun in Drei­er, GG, 2. Aufl., Art. 108 Rn. 21[↩]
Siek­mann in Sachs, GG, Art. 105 Rn. 15; Heun in Drei­er, GG, 2. Aufl., Art. 105 Rn. 31[↩]
BFH, Beschluss vom 31.10.1972 – VII B 134/​70, BFHE 107, 352, BStBl II 1973, 243; FG Köln, Beschluss vom 11.07.2005 – 10 Ko 223/​05, EFG 2005, 1647[↩][↩]
BFH, Beschluss vom 31.10.1972 – VII B 134/​70, BFHE 107, 352, BStBl II 1973, 243[↩][↩]
FG Mün­chen, Beschluss vom 07.08.1970 – VII 37/​70, EFG 1971, 35[↩]
FG Köln, Beschlüs­se vom 11.07.2005 – 10 Ko 223/​05, DSt­RE 2006, 124; vom 15.08.1984 – X 329/​82 EK, EFG 1985, 39[↩]
FG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 26.10.1987 V/​I Ko 4/​87, EFG 1988, 246[↩]
Ziemer/​Haarmann/​Lohse/​Beermann, Rechts­schutz in Steu­er­sa­chen, Rn. 10727/​2[↩]
BFH, Beschluss vom 25.02.1975 – VII B 80/​73, BFHE 115, 182, BStBl II 1975, 489[↩]
BFH, Beschlüs­se vom 19.08.2014 – X K 2/​12, Jur­Bü­ro 2015, 312; vom 20.10.2014 – X K 3/​13, RPfle­ger 2015, 427[↩]
FG Hes­sen, Beschlüs­se vom 15.12.2004 12 Ko 3205/​02, Juris; vom 28.07.1998 12 Ko 3483/​98, EFG 1998, 1423[↩]
FG Bran­den­burg, Beschluss vom 06.09.1999 1 Ko 997/​99 KF[↩]
FG Nie­der­sach­sen, Beschluss vom 10.02.2004 6 KO 26/​03[↩]
BFH, Beschluss vom 31.07.1974 – I B 32/​74; FG Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 06.12.1968 – II 22 – 23/​67, EFG 1969, 191[↩]
BFH, Beschlüs­se vom 17.03.2009 – IV B 102/​08; vom 06.03.1990 – VII E 9/​89, BFHE 160, 133, BStBl II 1990, 584; vom 07.05.1975 – II B 51/​73, BFHE 115, 424, BStBl II 1975, 672; vom 25.02.1975 – VII B 80/​73, BFHE 115, 182, BStBl II 1975, 489; Hes­si­sches FG, Beschluss vom 15.12.2004 – 12 Ko 3205/​02[↩]
Schwarz in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, FGO, § 139 Rn. 185; Brandt in Beermann/​Gosch, AO/​FGO, § 139 Rn. 170[↩]
BFH, Beschlüs­se vom 07.05.1975 – II B 51/​73, BFHE 115, 424, BStBl II 1975, 672; vom 25.02.1975, – VII B 80/​73, BFHE 115, 182, BStBl II 1975, 489; vom 19.06.1970 – II B 27/​68, BFHE 99, 446, BStBl II 1970, 724[↩]
Brandt in Beermann/​Gosch, AO/​FGO, § 139 FGO Rn. 187; Bran­dis in Tipke/​Kruse, AO/​FGO, § 139 FGO Rn. 36 f., 41; Beer­mann in Ziemer/​Haarmann/​Lohse/​Beermann, Rechts­schutz in Steu­er­sa­chen, Rn. 10730/​1 f.[↩]
Ziemer/​Haarmann/​Lohse/​Beermann, Rechts­schutz in Steu­er­sa­chen, Rn. 10710/​2[↩]
Schwarz in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, FGO, § 139 Rn. 2[↩]
BGBl1953 I, 512[↩]
BT-Drs. II/​1716[↩]
BT-Drs. III/​127[↩]
BT-Drs. I/​4278[↩]
Schrift­li­cher Bericht des Rechts­aus­schus­ses vom 06.09.1965 zu BT-Drs. IV/​3523[↩]
BT-Drs. IV/​3525[↩]
FinanzgerichtsverfahrenKostenerstattungProzessbevollmächtigter