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Timestamp: 2019-03-25 03:46:40
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Matched Legal Cases: ['in dubio', 'in dubio', 'in dubio', '§449', '§13', '§ 14']

Logbuchpflicht [Archiv] - YACHT-FORUM
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adler198
11.03.2009, 00:07
Weiss jemand, aus welchen konkreten Rechtsvorschriften sich für Sportboote eine Logbuchpflicht ergibt?
Die Frage wird von Hr. Dreyer in seinem Blog (über google zu finden) behandelt. Er zitiert eine SOLAS-Rechtsnorm, aus der sich eine Logbuchpflicht für Auslandsfahrten ergeben soll. Die Frage, woraus sich eine Logbuchpflicht im Inland ergeben sollte, wird nicht beantwortet. Dies ist umso seltsamer, als wohl teilweise behauptet wird, dass das ein Verstoss gegen eine Logbuchpflicht mit einem Bußgeld geahndet wird (und das geht, zumindest in Deutschland, nur mit klarer gesetzlicher Grundlage, die sich auch nicht aus der SOLAS-Norm ergibt (sog. Bestimmtsgrundsatz)).
Zur Klarstellung: Ich möchte keine Diskussion über Sinn oder Unsinn von Logbüchern in der Sportschifffahrt auslösen (auch wenn mir scheint, dass die Hoffnung, ein Logbuch würde einen Skipper vor Gericht entlasten können, falsch ist. Ein Logbuch ist in einem theoretischen Prozess gegen einen Skipper eine Privaturkunde, die die gleiche Beweiskraft hat wie die Aussage des Skippers vor Gericht "nicht ich war schuld, sondern der andere, weil...". Auch die Aussage von Dreyer, Logbucheinträgen käme eine Richtigkeitsvermutung zu, ist aus meiner Sicht durch nichts zu belegen).
Fleitjepiepen
11.03.2009, 01:59
http://www.bootswelt.de/merkblattseetagebuchneu.pdf
http://www.bluewater.de/zips/seetagebuch.pdf
eine rechtliche Grundlage kenne ich nicht. Ich habe auch bisher noch nie gehört, das ein nicht geführtes Logbuch mit einem Bußgeld belegt werden kann. Es war immer nur die Rede davon, das man dem Skipper mangelnde Seemanschaft vorwerfen kann, wenn kein Logbuch geführt wurde. Was bei Streitigkeiten mit der Versicherung evtl. einen Einfluß haben würde.
Auf der anderen Seite hat mir mal ein Skipper geraten, das Logbuch nach einem Seeunfall als erstes über Bord zu schmeißen. Dann gibt es zur Klärung einer evtl. Schuldfrage nur noch meine Aussage. Und fehlende/falsche oder überhaupt alle Einträge im Logbuch können einem nicht schaden. (was sie wohl könnten.)
Sie dazu folgenden Link (http://www.elwis.de/Freizeitschifffahrt/verkehrsvorschriften-hinweise-wassersportler/allgemein/Seetagebuecher/index.html) zur Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes.
Auf der anderen Seite hat mir mal ein Skipper geraten, das Logbuch nach einem Seeunfall als erstes über Bord zu schmeißen. Dann gibt es zur Klärung einer evtl. Schuldfrage nur noch meine Aussage. Und fehlende/falsche oder überhaupt alle Einträge im Logbuch können einem nicht schaden. (was sie wohl könnten)
Das habe ich nicht nur auch gehört, sondern meine, es auch irgendwo an seriöser Stelle gelesen zu haben.
Ein ähnliches Problem, dürfte wohl die - "Raffgier nach Scheinen" - sein.
Dei einem bedauerlicherweise von einem selbst verschuldeten Seeunfall soll angeblich der Richter immer "ungnädiger" sein, je höher die "scheinmäßige" Qualifikation ist, z. B. SSS, und er würde milder urteilen bei nur einem SBF SEE :
......Hätten Sie zwar wissen müssen, konnten Sie aber nicht wissen, aufgrund ihrer geringen Qualifikation
Und damit wären wir wieder bei diesem Thread (http://forum.yacht.de/showpost.php?p=776005&postcount=10)
Wer weiß, ob die "Freistelllung" auch für Spanien gilt? Das würde mich sehr interessieren?
Ergänzend zu Charly möchte ich noch hinzufügen, daß in unserem Rechtssystem ein Beschuldigter dann die Aussage verweigern kann, wenn er sich selbst damit belasten würde. Allein schon aus diesem Grund kann es Sinn machen, das Logbuch zu "verlieren".
http://sportbootfuehrerschein.de/blog/2009/01/27/logbuchpflicht-in-der-sportschifffahrt/
Nein das sind die schon zitierten Merkblätter der Obrigkeit, sondern eine
recht nette Abhandlung eines Lehrbuchautors zum Thema. Der sieht das
ganze auch etwas anders als irgendwelche Merkblätter.
11.03.2009, 12:14
Es macht sich vor Gericht besonders gut, wenn einer der mitsegelnden Kollegen später erklärt, dass der Skipper das Logbuch über Borg geworfen hat! Prima!
Ich weiß nicht, was Ihr Bedenkenträger immer zu kackeln habt?
Es ist doch selbstverständlich, dass man Vorkommnisse dokumentiert, um sich für spätere Eventualitäten abzusichern. Wenn z.B. in der Nacht das Navigationslicht ausfällt, oder das Funkgerät usw. ist es gut, wenn ich das dokumentiert habe. Wenn ich natürlich den Ausfall des Lichtes bereits vor 3 Tagen niedergeschrieben habe und 3 Nächte später eine Kollosion mit einem anderen Boot habe, dann ist es sicher besser, das Buch über Bord zu schmeißen. Aber halten Deine Kumpels alle die Klappe? Außerdem bist Du dann ein saumäßiger Skipper, wenn Du den Ausfall vor 3 Tagen festgestellt hast und dann trotzdem eine Nachtfahrt unternimmst.
Ich bin immer froh wenn ich auf dem Wasser so ziemlich allein bin - dann habe ich die Gewißheit, dass die unter Verfolgungswahn leidenden sich hier im Forum aufhalten und nicht in meiner Nähe sind!
Kann es sein, das die Logbuchpflicht an das Flaggenrecht geknüpft ist?
Vorschrift hin, Vorschrift her.
Im Falle eines Falles muss der Vorsitzende der Seerechtsverhandlung oder der Richter sich ein Bild machen, ob der Skipper mit der Sorgfalt eines ordentlichen Schiffers gehandelt hat.
Liegt nicht mal ein Schiffstagebuch vor, könnten Zweifel aufkommen.
Beim Durchlesen alter Logbücher kann man leicht feststellen, wie sehr die eigene Erinnerung trügt.
Das ist halt alles theoretisch! Bei schönem Wetter trage ich regelmäßig ein, mein Kartenplotter registriert alle 30 Minuten Position, Kurs und Geschwindigkeit. Muß ich viele Manöver fahren, habe ich in der Zeit (bzw. in den 2 Stunden bis zum nächsten Logbucheintrag) 7 Wenden oder Halsen gefahren, oder mehr, 12 Mal den Kurs geändert.
Dabei navigiert, Segel bedient, Echolot (!!!) beobachtet. Auch mal Toilette und was gegessen/getrunken. Bei Nacht ein Auge geschlossen (Dann fahre ich zum Glück Kurs ohne Manöver).
Soweit so gut. Das Ganze jetzt bei Seegang 4 m und 7 - 8 Bft. Immer naß! Werde hin unbd hergeschmissen, daß kein Logbuch auf der Navi liegenbleibt. Brauche außerdem die Hände zum Festhalten und selbst, wenn ich ein Papier mit Tesa auf der Navi festklebe und zu schreiben versuchen, braucht jeder Buchstabe eine viertel seite, weil die Hand total verwackelt. Wie soll ich da ein Logbuch führen?
Alles Theoretiker. Richtlinien für die Gorch Fock oder Seacloud!
Bei Ruhe und Schönwetter oder in Buchten dagegen macht ein seemännisches Tagebuich freude. Kann man hinterher nachlesen. Aber was soll ich da schreiben? Segel verstaut, schwoje vor Anker?
Fehlen da mal´n paar Stunden, wird das nicht so tragisch sein. Wenn man zeitnah nachträgt kann man sich erinnern
....Wie soll ich da ein Logbuch führen?
Stimmt, wenns zur Sache geht, ist mir auch nicht danach :)
Die Männer vom Rettungskreuzer machen das mit einem Diktiergerät, jedes Handy hat das eingebaut.
es wird nicht gefordert jede Wende oder Halse einzutragen - sondern lediglich Vorkommnisse zu dokumentieren.
z.B. Habe ich einen Notruf gehört? Wann? Was habe ich unternommen? Habe ich Wassereinbruch? Ist die Elektrik ausgefallen? usw. Man kann sich da ruhig auf das Notwendigste beschränken, dazu hat man immer Gelegenheit!
Außerdem trägt man doch auch aus eigenem Interesse die Motorstunden ein, den Verbrauch, den Ölwechsel, die Segelreparatur usw., das mache ich doch nicht für Behörden oder andere Leute sondern ganz allein für mich!
.... Kann man hinterher nachlesen. ...
Lesen das besonders gerne die Erben hinterher -- oder wer? :confused:
Schon erstaunlich und symptomatisch wie hier diskutiert wird, besonders aus Sicht von jemandem der auch schon mal auf der anderen Seite des Tisches bei Seerechtverhandlungen sitzt...
1. Es gibt eine Verpflichtung zum seemännisch korrekten Dokumentieren der Vorkommnisse an Bord und das ist bewusst keine überreglementierte Verordnung sondern aus Tradition geboren.
2. Diese Freiheit wird offenbar von einer größeren Anzahl von "Freizeitskippern" ausgenutzt, um sich vor sinnvollen Pflichten zu drücken.
3. Wenn ich nun diese grob fahrlässigen und typisch rechtsvermeidenden Kommentare lese, dann bin ich der Überzeugung, dass es nicht lange dauern darf, bis es eine verbindliche Pflicht für das Logbuchführen gibt. Die Entscheidung V/1.4 SOLAS für Sportboote in Deutschland nicht umzusetzen, sollte also revidiert werden.
Ein Logbuch hat gewisse Freiheiten und dient als ein Teil des Bildes über die Sorgfalt und die Ernsthaftigkeit der Schiffsführung durch den Skipper. Nur mal als Einwurf aus der Praxis der Begutachtung:
* Ist ein Logbuch schlecht geführt, ist dies ein Hinweis auf schlechte Seemannschaft, aber zumindest gilt die Anfangsvermutung, es gäbe überhaupt so etwas wie einen Ansatz zur Seemannschaft und das Bewusstsein für die Verantwortung eines Schiffsführers.
* Ist ein Logbuch nicht vorhanden ist das der Anfangsverdacht für das Fehlen jeglicher Kenntnisse guter Schiffsführung.
Es gilt nun in bundesdeutscher Rechtssprechung in dubio pro reo, so dass man sich tatsächlich ein wenig besser gestellt fühlen könnte, wenn denn keinerlei Fakten begutachtet werden können - wegen des Fehlens eines Logbuchs, aber damit lautet der Verdachtsmoment nicht "hat in kritischer Situation schlecht geführt" sondern "hat überhaupt keine Ahnung von Schiffsführung".
Also als persönliches Resümee:
Wer Verantwortung fühlen kann, der führt lieber ein schlechtes Logbuch als gar keines, hofft auf Verständnis bei einer dokumentierten Situation der Überforderung und lebt seine Fähigkeit ehrlich und transparent,
Wer Zuständigkeit fühlen kann, der führt kein Logbuch, hofft darauf das niemals herauskommt was für eine Niete er/sie ist und lebt weiterhin in Unehrlichkeit.
mag alles sein, aber im Ergebnis verbessert ein Logbuch nicht die Sicherheit, sondern dient vor allem Beweiszwecken. Diese können für den Skipper positiv oder negativ sein.
Wenn im Schadenfall eine Versicherung das Logbuch in die Hände bekommt, wird sie garantiert Sorgfaltspflichtverletzungen finden können, z.B. Wetterbericht nicht laufend gehört, Auslaufkontrolle des Schiffes nicht umfassend, Crew nicht richtig eingewiesen, Sicherheitsausrüstung nicht volständig oder überaltertet usw.
Warum muß im Straßenverkehr eigentlich kein Logbuch geführt werden? Dort gibt in Deutschland 100mal mehr Tote pro Jahr, aber kein Bundesamt zur Straßenverkehrsunfalluntersuchung.
PS: W. Erdmanns erste Weltumsegelung sollte zunächst nicht anerkannt werden, weil er keinen Segelschein (Sportbootführerschein) hatte.
....... wird sie garantiert Sorgfaltspflichtverletzungen finden können, z.B. Wetterbericht nicht laufend gehört....
Das werden sie Dir auch sowieso vorwerfen, wenn die Wettervorhersagen entsprechend schlecht waren - gerade weil Du es nicht dokumentiert hast setzt man bei Dir schlechte Seemannschaft voraus - in diesem Falle völlig zu Recht!
Zu Langfahrts Beitrag. U.a.
. Es gibt eine Verpflichtung zum seemännisch korrekten Dokumentieren der Vorkommnisse an Bord und das ist bewusst keine überreglementierte Verordnung sondern aus Tradition geboren.
Ist es nicht auch eine Revierfrage, ein Buch zu führen? Wenn ich von Hamburg nach Glückstadt segele: Was soll ich denn da konkret eintragen? Die Uhrzeit, wann ich in Wedel vorbeigekommen bin? Die Windrichtung? Daß ich meinen Außenborder vorher gefüllt habe? Wenn jemand wochenlang auf Törn geht oder auf große Fahrt, dann ist es sicher sinnvoll ein Buch zu führen. Aber sonst? Bei dem Geschippere am Wochenende? Travemünde-Neustadt und zurück? WAS soll man da notieren? Das wäre meine Frage in die Runde.
11.03.2009, 16:30
Nennen nicht manche diese "Notizen"
"Lügenbuch"
..... V/1.4 SOLAS für Sportboote in Deutschland ... umzusetzen, .....* Ist ein Logbuch schlecht geführt, ist dies ein Hinweis auf schlechte Seemannschaft, ....eines Schiffsführers.
Es gilt nun in bundesdeutscher Rechtssprechung in dubio pro reo, ...... "hat überhaupt keine Ahnung von Schiffsführung".
...... eine Niete er/sie ist und lebt weiterhin in Unehrlichkeit.
Nun lass mal die Kirche im Dorf, langfahrt.
Dieser Beitrag ist ein schönes Beispiel für das fehlen jeder Verhältnismäßigkeit.
Der nächste Schritt wäre, einem Sportboot die gleiche Dokumentationspflicht aufzuhalsen wie einem Berufsschiff. Kennen unsere Offiziellen nur Pelzmantel oder Badehose?
Über den Sinn eines Logbuchs / Schiffstagebuch brauchen wir nicht zu streiten, da sind wir einer Meinung, jedoch ist es nicht einzusehen, für einen Schlag von Kiel nach Damp zwei Seiten Logbuch zu führen wie es die tollen Vordrucke in den ledergebundenen Prachtbänden verlangen. Ein Tagebuch zu führen mit den sinnvollen Dokumentationen (Kontrollen, Sichtprüfungen, Wetter, Besonderheiten, Schiffsbewegungen,....) sollte reichen.
In diesem Fall ist der Gesetzgeber bisher mit Augenmaß vorgegangen.
Es gilt nun in bundesdeutscher Rechtssprechung in dubio pro reo, .......
Das ist in jedem Rechtsstaat so, und wir wollen nichts daran ändern.
TomJoel
11.03.2009, 16:51
Zwischen hören und dokumentieren liegen aber Welten... die schlechte Seemanschaft ergibt sich meiner Meinung nach nur aus "Wetterbericht nicht gehört/gelesen" - unabhängig davon, ob der Vorgang dokumentiert wurde.
Das geht aber nur mit bestandener Logbuchführungsprüfung zum Logbuchführerschein, ebenso in L-A für binnen, L-BR für Küste und LBS für See eingeteilt. Siehe BGS §§449a ff.
Na ja, eher nicht! Ich werde also den Mädels und Knaben heute abend im SBF-See-Kurs erzählen, dass es nicht so ganz klar ist, ob auf Sportbooten ein Logbuch geführt werden muss oder nicht, es aber von guter Seemannschaft zeugt, wenn man es tut.
Ich habe immer ein Logbuch geführt auf meinen Törns als Skipper und wir haben auch immer die erwähnenswerten und die lustigen Ereignisse notiert, die nichts mit der Schiffsführung zu tun hatten. Das ist dann Jahre später oft eine sehr vergnügliche Lektüre an langen Winterabenden.
Klar ist : Auf Deutschen Sportbooten MUSS ein Logbuch geführt werden. Nur, die Form, also das WIE ist nicht klar geregelt und wird es auch hoffentlich nicht !!!
(siehe das entsprechende Rundschreiben/Infoblatt des Bundesverkehrsministeriums).
27.10.2010, 12:14
Wenn ich von Lelystad nach Urk ein Familientürchen machen, das sind 12 Meilen, also 2 Stunden, dann führe ich kein Logbuch. Das ist lächerlich darauf zu bestehen. Nur tiefdeutsche Michel und Gartenzwerge glauben wirklich, dass für so ein Schlägchen man ein Logbuch führen muss. Im Falle eines Falles mag ein Logbuch ein Dokument sein, dass beim Schadensfall eine kleine Rolle spielt (hatte den Fall bei einem Mastbruch mal) aber viel wichtiger ist vernünftiges Handeln. Läuft man bei 7 Windstärken aus und die Chance besteht, dass es mehr werden, handelt man grob fahrlässig. Das hilft auch ein Logbuch in dem steht, dass der Wind nur 33.9 Knoten hatte, nichts.
Auf längeren Strecken ist so eine Tagebuch eine nette Sache, aber auch nur wenn persönliche Dinge drin stehen. Nur Kurs, Geschwindigkeit, Position und Wetter sind für eine spätere Lektüre etwas zu frugal. Für Salzbuckel mag das was anderes sein.
Ich stimme Dir zu, leider ist der Gesetzgeber nicht Deiner Meinung und damit hast Du ein Logbuch (wie auch immer) zu führen.
Um es mit Schröders-Worten zu sagen : BASTA !
http://www.bmvbs.de/cae/servlet/contentblob/29424/publicationFile/11140/sicherheit-auf-dem-wasser-leifaden-fuer-wassersportler.pdf
27.10.2010, 12:41
Hier irrt der Schreiber. Das Merkblatt Seetagebücher und Reiseplanung in der Sportschifffahrt des Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen ist da ganz klar und eindeutig. Ein Seetagebuch MUSS nach internationalen Richtlinien geführt werden und alle IMO Staaten haben die entsprechenden Regelungen auch in nationale Gesetze umgesetzt. Nur die Form wie das zu erfolgen hat wurde nicht in Deutschland festgelegt. Es heisst in dem Merkblatt sogar explizit, dass die deutsche Gesetzgebung davon Abstand genommen hat die Sportschifffahrt von der Pflicht auszunehmen - was möglich gewesen wäre!
Da nirgendwo drinsteht, wie das Logbuch geführt werden soll, vermerke ich bei Kurzstrecken nur Abfarts- und Ankunftszeit, sowie die Orte, aber wenn es besondere Vorkommnisse gegeben hat, auch diese. Bei Langstrecken habe ich ein eigenes Interesse daran, das zu dokumentieren, weil man sich mit der Lektüre die langen Winterabende verkürzen und außerdem etwaige Fehler nochmals durchdenken kann.
27.10.2010, 14:07
Ich plotte eigentlich nur Zweck der fahrt, Betriebstunden, Spritverbrauch/nachgetankte Menge und Personen an Bord mit... :rolleyes:
Ich habe mal gelernt, man müsse "Aufzeichnungen in geeigneter Form" führen.
Ich sehe das so, daß es eben jeweils ganz darauf ankommt.
Schwimm ich auf der Luftmaratze allein in meiner Badewanne oder mit 20 Leuten um Kap Horn?
IJsselmeer und Waddenzee gehören eindeutig zum Binnenbereich. Insofern brauch ich dort kein Schiffstagebuch zu führen, lies nach.
Zitat: Grundsätzlich müssen Sie auf einem Sportboot, das auf den Seeschifffahrtsstraßen und der Hohen See fährt, ein Schiffstagebuch führen.
Ja sicher. Du hast bestimmt recht. Aber wie immer im Leben gelten die Sätze: Wo kein Kläger, da kein Richter und nichts wird so heiss gegessen wie es gekocht wird.
Ich bin schon mehrmals von Waschpofreunden besucht worden. Die habe Hunde aufs Boot geschickt, den Funk überprüft, nach Alkohol gefragt, aber noch nie ein Logbuch sehen wollen.
Wir leben ein einem Rechtsstaat, aber in keinem Polizeistaat. Vieles ist Ermessenssache, vor allen Dingen bei so Kleinigkeiten wie ein Logbuch. Das das Logbuchführen so hochgehalten wird, liegt doch nur daran, dass es jede Menge Hobbysegler gibt, die eine grosse Freude an Dingen wie Seemannssprache, Lichterführungswinkeln und Fahnenlehre haben, die dazu geeignet sind interessierte Anfänger von dieser schönen Freizeitbeschäftigung abzuschrecken, weil sie denken sie haben es mit einen hochkompetenten Geheimbund zu tun. Das erhöht für solche Seemannschaftler die eigene, vermeintliche Kompetenz. Man stelle sich mal vor, wie der SBF Neuling dann mit seinem Boot losfährt um, sagen wir nach Urk zu fahren und alle halbe Stunde Position, Wetter und Geschwindigkeit in sein Ledergebundenes Logbuch einträgt, obwohl er die ganze Zeit genau weiss, wo er ist und auf Sicht den Ort sogar ohne Karte finden würde.
Der Sinn eines Logbuches ist doch in erster Linie eine brauchbare Grundlage fürs Koppeln zu haben und evtl. eine Wetteränderung besser nachzuvollziehen zu können. Das alles trifft bei strandnahen Kurztürchen nicht zu und das weiss auch die Waschpo.
Ein Logbuch auf längerer Fahrt macht natürlich Sinn und wird auch von mir auch geführt, aber nicht weil's gesetzt ist, sondern weil's Sinn macht. Durch übermässiges Gesetzgeben und Regeln in allen Lebenslagen werden wir Bürger langsam aber sicher immer unselbständiger. Ein typische Beispiel ist dafür die Logbuchpflicht für Sportboote - so als ob wir professionelle Spediteure sind.
Da macht das ja auch Sinn. Auch ohne Gesetz.
Wir leben ein einem Rechtsstaat, aber in keinem Polizeistaat. Vieles ist Ermessenssache, vor allen Dingen bei so Kleinigkeiten wie ein Logbuch.
Das Führen eines Logbuchs ist keine Ermessenssache, sondern eine eindeutige gesetzliche
Pflicht. Festgelegt ist diese Pflicht in der Schiffssicherheitsverordnung (§13 (2) Ziff.11) (http://www.gesetze-im-internet.de/schsv_1998/__13.html),
Details dazu in Anlage 1 dieser Verordnung (http://www.gesetze-im-internet.de/schsv_1998/anlage_1_21.html). Man beachte Abschnitt B.II und dort auch
Ziffer 8 zur Frage der Vereinfachungen u.a. für die Sportbootschifffahrt. Die Ahndung als
Ordnungswidrigkeit bei einem Verstoß gegen die Pflicht zur Logbuchführung ist in § 14 (http://www.gesetze-im-internet.de/schsv_1998/__14.html)
27.10.2010, 20:24
in welchen ländern gilt den die logbuchplicht
in welchen ländern gilt denn die logbuchplicht
Die Schiffssicherheitsverordnung gilt für Schiffe unter deutscher Flagge, weltweit.
27.10.2010, 20:38
Alles richtig. Trotzdem wird Dir an einem schönen Sommertag in der dänischen Südsee keine Waschpo ein Strick draus drehen. Die Ermessenssache bezieht sich auf die Ordnungshüter.
Trotzdem wird Dir an einem schönen Sommertag in der dänischen Südsee keine Waschpo ein Strick draus drehen.
Die Ermessenssache bezieht sich auf die Ordnungshüter.
und was ist das überhaupt:confused:
in allen!
- SOLAS Regel V /28
in Verb. mit
-SOLAS Regel V/2.3
Schon richtig, aber die SOLAS-Konvention verpflichtet nur die Vertragsstaaten, für
ihre jeweilige Schifffahrt gesetzliche Regelungen zu treffen. In Deutschland stehen
die Umsetzungen der SOLAS-Regeln u.a. im Schiffssicherheitsgesetz (http://www.gesetze-im-internet.de/schsg/index.html#BJNR286010998BJNE000201305) und in der
Schiffssicherheitsverordnung (http://www.gesetze-im-internet.de/schsv_1998/index.html#BJNR302300998BJNE000102305). Erst diese Umsetzung entfaltet Wirkung gegenüber
Schiffseignern, Schiffsführern und anderen Beteiligten.
27.10.2010, 23:29
Ich bin Charterer und weiß deswegen, dass die Charterfirmen die Führung eines Logbuchs verlangen. Dafür bekommt man von denen Vordrucke, die man ausfüllen muss.
Ich habe das Prozedere nie hinterfragt und fleißig meine Eintragungen gemacht, obwohl ich das Gefühl nie loswurde, es würde sich ohnehin niemand dafür interessieren.
Ich habe immer gedacht, bei Charteryachten sei das Pflicht.
Früher habe ich jeden Mist dokumentiert: Abgelegt , wann, wo, wielange unter Motor, wann Segel gesetzt und wieviel, wann gewendet, Kurs geändert usw.
Heute beschränke ich mich auf die wesentlichen Angaben:
1. Generell (nur einmal pro Törn):
Wieviel Leute sind an Bord und Sicherheitseinweisung wurde gemacht, gegebenfalls noch Segeltraining.
2. Täglich:
2a: Wann Wetterbericht eingeholt, woher und mit welcher Vorhersage?
2b: Startzeit und geplante Route
2c. Wind-und Wellenbedingungen
2d. Ankunftszeit.
Besondere Vorkommnisse werden separat notiert, z.b. "Mantel der Vorschot bei plötzlich einfallender Böe von 43 Knoten gebrochen, Vorsegel konnte deswegen nicht rechtzeitig eingerollt werden und infolge dessen Riss im Vorsegel bedingt durch starkes Killen." Aber wann hat man das oder ähnliches schon mal? Bei mir ist das erst einmal vorgekommen.
Das Ganze mache ich meistens erst, wenn ich angekommen bin. Kostet nicht einmal 10 Minuten, in der Regel weniger als 5.
Ist also kein großer Akt. Oftmals deligiere ich dieses Aufgabe auch an Crewmitglieder, die Lust dazu haben (erstaunlicherweise gibt es solche) und unterschreibe dann nur noch.
Seit Jahren verzichte ich darauf, diese Banalitäten als Kopie von den Vercharterern mit nach hause zu nehmen. Brauch' ich nicht.
Logbuchführen ist also keine wirkliche Arbeit. Aber es ist wie mit vielen Dingen: Man muss seinen inneren Schweinehund überwinden, pro Tag ein paar Minuten investieren und das Ankerbier mal ein wenig warten lassen, während die Crew das Schiff aufklart. Mehr ist das normalerweise eigentlich nicht.
Aber zugegeben: Ich find es häufig auch als extrem lästig, eine lästige Pflicht sozusagen.
Ich bin Charterer und .......
deligiere dieses Aufgabe an Crewmitglieder
Logbuchführen ist also keine wirkliche Arbeit. Mehr ist das normalerweise eigentlich nicht.
na ja geht ja einfach
Genauso sehe ich das auch. Darum bleibt für mich das IJsselmeer logbuchfreie Zone. Auf unserem 3 Monatstörn haben wir alles sauber dokumentiert, ausser auf der Schlei. Das war mir zu doof, eine Langfahrt von Schleimünde nach Kappeln zu dokumentieren.
Den Quatsch über Rechtsstaatlichkeit oder nicht davor lasse ich unkommentiert, das gehört nicht ins Yachtforum.
Das Logbuch dient im Zweifelsfall dazu in einer Seefalluntersuchung Einblick in die seemännische Führung des Wasserfahrzeugs zu geben -> kein Logbuch = deutlich schlechtere Möglichkeit sich gegen ungerechtfertigte Unterstellungen Dritter wehren zu können. Das manch Logbuch eher besser nicht existent wäre, ist wieder eine ganz andere Geschichte.
bajou hat`s erfasst.
Das Logbuch dient v. a. dazu, damit Dritte sich ein Bild über die Art und Qualität der Schiffsführung machen können.
Entweder eine Versicherung bzw. die Obrigkeit (BSU...) im Schadensfall oder auch der Eigentümer (Vercharterer, Segelverein, aber auch Eignergemeinschaft), wenn er sein Schiff hergibt.
Deshalb bringt eine Logbuchführung a la "9.00 abgelegt"/"16.00 in xyz angekommen" auch so ziemlich gar nichts.
Um seemännische Entscheidungen nachvollziehen zu können, gehören relevante Wetteränderungen, Manöver, Positionen und Kursänderungen mit hinein. Ein Außenstehender muss die Möglichkeit haben, anhand des Logbuchs einen Törnverlauf in etwa nachzeichnen zu können.
Und wenn es von Schleimünde nach Kappeln geht, dann reicht ein
9.00 bewölkt SW5 Ableger unter Motor in Schleimünde, vor dem Hafen Groß und G3 gesetzt, im Fahrwasser nach Sicht in die Schlei gesegelt,
um 9.30 bei Tonne xyz Motor an und Groß und Genua weggenommen,
10.00 unter Motor fest in Box in xyz-Marina Kappeln
so ziemlich aus.
Der Aufwand tendiert gegen Null, eigentlich nicht der Rede wert.
Gedacht ist es aber doch wohl eher für die Berufsschifffahrt und da macht es auch Sinn.
Als Vergleich ist etwa der Fahrtenschreiber bei LKWs zu sehen oder das Fahrtenbuch bei gewerblicher Nutzung des PKW. Da kann halt gesehen werden, ob die Lenk- und Ruhezeiten eingehalten wurden und wie es um die Geschwindigkeit bestellt war oder halt erkennen, wer wann wohin gefahren ist.
Man stelle sich mal vor, künftig müsste genau wie beim Logbuch jeder Privatfahrer ein Fahrtenbuch führen...:eek:
Aber als privater Bootsnutzer bin ich gesetzlich verpflichtet, ein Logbuch zu führen :mad:
Hätten Sie die Broschüre (Zitat weiter oben) des Verkehrsministeriums gelesen UND verstanden, dann ist es in der Tat so, dass wir (auf See und auf SeeSchstr.) ein Logbuch führen MÜSSEN. Nur die Form ist uns freigestellt.
Entweder Bayou oder firsty haben den entsprechenden Gesetzestext zitiert, aus dem klar hervorgeht, dass ein Verstoss gegen die Pflicht ein Logbuch zu führen, eine Ordnungswidrigkeit ist (ob sie jedoch geahndet wird, ist eine ganz andere Geschichte).
Was wir gedacht (gesagt)haben, was wir denken(sagen) oder in Zukunft denken(sagen) werden ist unerheblicht - der Gesetgeber hat für uns das alles schon erledigt. :mad::D
Hättest DU verstanden, was ich geschrieben habe, hättest du dir deine Antwort ersparen können :p
Genau daher der Verweis auf das entsprechende Merkblatt des BMVBW: der Gesetzgeber in Deutschland hätte nach den SOLAS Vereinbarungen die Möglichkeit gehabt die Logbuchpflicht für "Pleasurecraft" auszusetzen, hat sich aber nach eingehender Beratung explizit dagegen entschieden! Es wurde also nichts ausgelassen, sondern im vollen Bewusstsein eben keine Befreiung ausgesprochen. Ein schlagendes Argument dürfte dabei auch die potentielle Schadenshöhe im Fall eines Seeunfalls sein - im KFZ Bereich ist da vielleicht mal ein Laster mit 20 Tonnen Öl beteiligt, im Seebereich kann das schon mal schnell ein Tanker mit 20.000 Tonnen sein.
Privatfahrer können übrigens durchaus zur Führung eines Fahrtenbuchs verpflichtet werden und es gibt nicht wenige bei denen das jedes Jahr verordnet wird - z.B. durch die Finanzbehörden bei Geltendmachung von Fahrtkosten.
Ja, können sie, aber halt nicht sofort und jeder zu jeder Zeit!
Und mein Text war doch wohl eindeutig:
Ich halte die Logbuchpflicht für unsinnig - spielt aber keine Rolle, was ich denke, denn gesetzlich bin ich zur Führung verpflichtet oder ich begehe eine Ordnungswidrigkeit...:cool:
29.10.2010, 11:10
Die Diskussion erinnert mich an das Thema FLAGGENPARADE und FUNKGERÄT.
Bei meiner Ausbildung (2007) habe ich gelernt, dass es eine Logbuchpflicht gibt. Die Form der Logbuchführung ist frei wählbar.
Jetzt kann das ja jeder halten wie er will.
Für mich gehört die Logbuchführung zur Seemannschaft (im vernünftigen Rahmen) und im Winter lese ich gerne die zusätzlichen Erinnerungen, die ich festgehalten habe.
29.10.2010, 12:11