Source: https://swissblawg.ch/2019/08/5a_488-2018-der-britische-personal-representative-in-der-betreibung-einer-erbschaft-art-49-schkg-amtl-publ-frz.html
Timestamp: 2019-09-20 19:01:28
Document Index: 222531313

Matched Legal Cases: ['Art. 49', 'BGE', 'Art. 49', 'Art. 593', 'Art. 49', 'Art. 517', 'Art. 593', 'Art. 49']

5A_488/2018: Der britische Personal Representative in der Betreibung einer Erbschaft (Art. 49 SchKG; amtl. Publ., frz.) - swissblawg
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Lukas Wiget	• 29. August 2019
Erb- und Ehegüterrecht, Zwangsvollstreckung
Im Zuge ein­er Betrei­bung hat­te sich das Bun­des­gericht im amtlich pub­lizierten Urteil 5A_488/2018 (= BGE 145 III 205) mit der Frage zu befassen, welche Rolle der Per­son­al Rep­re­sen­ta­tive bzw. Admin­is­tra­tor nach englis­chem Recht innehat, um zu ermit­teln, ob die Bestel­lung eines solchen Per­son­al Rep­re­sen­ta­tive die Fort­set­zung der Betrei­bung nicht auf­grund von Art. 49 SchKG hin­dert, weil dessen Rolle als amtlich­er Liq­uida­tor gemäss Art. 593 f. ZGB ver­standen wer­den kön­nte.
Hin­ter­grund des Ver­fahrens stellte die Ver­ar­restierung von bei ein­er Schweiz­er Bank angelegten Ver­mö­genswerten in der Höhe von rund CHF 774 Mio. eines ver­stor­be­nen britis­chen Staats­bürg­ers dar. Für die Abwick­lung der Erb­schaft hat­te der britis­che High Court of Jus­tice (Fam­i­ly Divi­sion) den Beschw­erde­führer als Per­son­al Rep­re­sen­ta­tive bestellt. Der Entscheid wurde von den Schweiz­er Vorin­stanzen anerkan­nt und auch von kein­er Partei bestrit­ten. Der Beschw­erde­führer machte gel­tend, dass es sich beim Per­son­al Rep­re­sen­ta­tive um ein der amtlichen Liq­ui­da­tion ver­gle­ich­bares Rechtsin­sti­tut han­dle, weswe­gen die Betrei­bung auf­grund von Art. 49 SchKG nicht hätte ein­geleit­et und die Ver­mö­genswerte nicht hät­ten ver­ar­restiert wer­den dür­fen. Ker­nele­ment des vor­liegen­den Bun­des­gericht­sentschei­ds war dem­nach die Einord­nung des britis­chen Per­son­al Rep­re­sen­ta­tive im Schweiz­er Erbrecht (E. 4. und 4.1.).
Das Bun­des­gericht stellte in diesem Zusam­men­hang fest, dass nach englis­chem Recht die Erben ihre Erb­schaft­san­teile durch einen Inter­mediär, den Per­son­al Rep­re­sen­ta­tive, erhal­ten. Dessen Auf­gaben bestün­den im Wesentlichen darin, die Ver­mö­genswerte des Erblassers aufzunehmen und sicherzustellen, zu inven­tarisieren und sie im Inter­esse der Erben zu ver­wal­ten (ins­beson­dere auch mit Gläu­bigern zu ver­han­deln und Schulden zu begle­ichen) (E. 4.4.1.). Er nimmt daher auch die Rolle des Treuhän­ders ein­er Erbenge­mein­schaft ein (E. 4.3.2.).
Im Schweiz­er Erbrecht sind dies­bezüglich der Wil­lensvoll­streck­er (Art. 517 f. ZGB) und die amtliche Liq­ui­da­tion (Art. 593 f. ZGB) von Bedeu­tung. Der Wil­lensvoll­streck­er führt die let­ztwillige Ver­fü­gung aus, ver­wal­tet die Erb­schaft, begle­icht Schulden, richtet Ver­mächt­nisse aus und bere­it­et die Teilung vor. Die amtliche Liq­ui­da­tion hinge­gen wird durch die zuständi­ge Behörde oder in deren Auf­trag von Erb­schaftsver­wal­tern durchge­führt und hat zum Ziel, die Erb­schaft zu ver­wal­ten und zu liq­ui­dieren. Der beauf­tragte Liq­uida­tor han­delt im Gegen­satz zum Wil­lensvoll­streck­er in eigen­em Namen und auch im Inter­esse der Gläu­biger ein­er Erb­schaft (E. 4.4.2.2.).
Wen­ngle­ich die Bestel­lung des Per­son­al Rep­re­sen­ta­tive dur­chaus mit dem durch die zuständi­ge Behörde in der Schweiz beze­ich­neten bzw. beauf­tragten amtlichen Liq­uida­tor ver­gle­ich­bar ist, ist gemäss Bun­des­gericht im vor­liegen­den Fall auf die inhaltlichen Aspek­te des Auf­trags an den Per­son­al Rep­re­sen­ta­tive abzustellen, die mehrheitlich jenen des Wil­lensvoll­streck­ers gle­ichen (E. 4.4.3.):
“(…) la désig­na­tion d’un admin­is­tra­tor du droit anglais doit être assim­ilée en Suisse à celle d’un liq­ui­da­teur offi­ciel (art. 595 al. 1 CC), amené à procéder à la liq­ui­da­tion offi­cielle de la suc­ces­sion (art. 593 ss CC) […]. En revanche, dans l’exécution de sa mis­sion, l’ admin­is­tra­tor aurait des prérog­a­tives assez sim­i­laires à celles de l’exécuteur tes­ta­men­taire […].”
Da im vor­liegen­den Fall der Entscheid des High Court of Jus­tice fes­tlegt, dass der Per­son­al Rep­re­sen­ta­tive im Rah­men seines Auf­trages die Inter­essen der Erben ver­tritt, ist der Per­son­al Rep­re­sen­ta­tive ana­log dem Rechtsin­sti­tut des Wil­lensvoll­streck­ers zu ver­ste­hen (E. 4.4.5.):
“Dans le con­tenu de sa mis­sion — tel que cela ressort explicite­ment des Let­ters of admin­is­tra­tion du 20 mai 2015 — l’ admin­is­tra­tor doit agir au prof­it des héri­tiers de la suc­ces­sion, par­tant est assim­i­l­able à cet égard à un exé­cu­teur tes­ta­men­taire du droit suisse […] De sur­croît, la per­son­ne choisie comme admin­is­tra­tor, en tant qu’il lui appar­tient de représen­ter les héri­tiers et agir en leur faveur, est l’avocat de l’un des héri­tiers, en sorte que, de ce point de vue égale­ment, la posi­tion de l’ admin­is­tra­tor s’apparente davan­tage au man­dat de l’exécuteur tes­ta­men­taire qu’à celui du liq­ui­da­teur offi­ciel, qui peut être l’autorité elle-même, à qui il incombe de pro­téger tant les créanciers que les héri­tiers.”
Fol­glich standen der Betrei­bung keine Hin­dernisse im Sinne von Art. 49 SchKG ent­ge­gen und die Erb­schaft kon­nte an dem Ort betrieben wer­den, wo der Erblass­er zur Zeit seines Todes betrieben wer­den kon­nte.