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Timestamp: 2019-11-20 21:37:05
Document Index: 157580473

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§8', '§ 12', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8']

Update: Finaler Gesetzesentwurf zur Neuregelung der Störerhaftung: Deutschland bleibt ein WLAN-Entwicklungsland › Freifunk statt Angst
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Update: Finaler Gesetzesentwurf zur Neuregelung der Störerhaftung: Deutschland bleibt ein WLAN-Entwicklungsland
12. März 2015 von Christian Heise
Der finale Entwurf für die Neuregelung des Telemediengesetzes (TMG-E) aus dem SPD-geführten Bundesministerium für Wirtschaft und Energie wurde soeben veröffentlicht. Er ist laut SPD als Kompromiss mit dem CDU-geführten Bundesministerium des Innern zu verstehen, weicht aber kaum von dem uns seit ein paar Wochen vorliegenden Referentenentwurf ab, den wir und andere Verbände bereits seit August 2014 regelmäßig stark (aber dennoch konstruktiv) kritisiert haben.
Update 12.3.15, 15:10: Mittlerweile entwickelt sich der Entwurf für die Bundesregierung zu einem Desaster mit realsatirischen Zügen, so distanzierte sich bereits der netzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thomas Jarzombek, in Teilen von dem Entwurf aus dem SPD-geführten Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und das CSU-geführte Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur startet fast zeitgleich ein offenes WLAN am Berliner Ministeriumssitz ohne die im dem Entwurf vorgesehenen „zumutbaren Maßnahmen“ zu berücksichtigen (auch zukünftig nicht).
Update 13.3.15, 20:10: Lies auch „Gesetzesentwurf zur Neuregelung der #Störerhaftung: Wie es jetzt weitergeht…“
Aber zurück zum heute vorgestellten Entwurf: Die Bundesregierung und das SPD-geführte Ministerium behindern damit weiter den Ausbau von öffentlichen WLAN-Netzen und Internetzugangspunkten in Deutschland. Anstatt dass öffentliche WLAN-Netze der Gesamtgesellschaft zu Gute kommen, benachteiligt der Entwurf fundamental private Anbieter von W-LANs gegenüber den geschäftlichen Anbietern. Doch auch die Hürden für geschäftliche und öffentliche Anbieter werden durch den Entwurf steigen und definitiv nicht zu einem „Schub für kostenloses WLAN“ führen. Insgesamt führt der Entwurf zu mehr Rechtsunsicherheit als bisher und behindert klar den digitalen Wandel in Deutschland.
Folgende 6 Punkte stehen dabei weiterhin im Zentrum der Kritik:
Mittels § 8 Abs. 4 TMG-E werden kommerzielle Anbieter aufgefordert, verschlüsselte Netzwerke aufzubauen. Verschlüsselung ist aber genau das Gegenteil von öffentlichen WLANs. Verschlüsselung behindert die Verbreitung öffentlicher WLANs! Wir fragen uns, wie das bei öffentlichen Hotspot-Lösungen technisch und praktisch umgesetzt werden soll? Wie sollen Nutzer_Innen einen Hotspot (beispielsweise bei der Bahn oder in einem Flüchtlingsheim) nutzen, wenn der Nutzer auf ein verschlüsseltes WLAN gar nicht zugreifen kann, um sich anzumelden. Darüber hinaus ist die Verschlüsselung des Netzzugangs derzeit technisch mit lediglich einem Schlüssel möglich, der doch wieder allen potentiellen Nutzern bekannt gemacht werden müsste. Damit ist sie wirkungslos. Entscheidend im Sinne der IT-Sicherheit ist allein die Sicherung der Einstellungen des Routers mittels Passwort und die Verschlüsselung seitens der Nutzer.
Auch mit §8 Abs. 5 TMG-E wird lediglich ein Placeboeffekt erzeugt. Die Nutzer_Innen sollen einen beliebigen Namen eingeben und versichern, keine rechtswidrigen Handlungen vorzunehmen. Diese Maßnahmen im Rahmen des Entwurfs sind weder zur Abschreckung noch zur Aufklärung möglicher Straftaten geeignet und werfen rechtsmethodisch ungewollte datenschutzrechtliche Herausforderungen auf. Dieser Absatz würde für weitere Unsicherheit (auch bei der Bereitstellung von WLANs z.B. in Flüchtlingsheimen) sorgen, da weder der Umfang dieser Erhebung, noch die rechtliche Absicherung im Entwurf er- oder geklärt wird. Abgesehen davon ist auch unklar, ob die Erhebung des Namens überhaupt stattfinden darf? § 12 Abs. 1 TMG sieht vor, dass personenbezogene Daten (wie der Name!) nur erhoben werden dürfen, wenn dieses Gesetz es erlaubt. Es stellt sich aber die Frage, ob § 8 Abs. 5 TMG-E diesem Erfordernis gerecht wird.
Eine Einschränkung ergibt sich bei § 8 Abs. 4 TMG-E (gegenüber § 8 Abs. 5 TMG-RefE): Hier werden nur diejenigen Betreiber privilegiert, die „anlässlich einer geschäftsmäßigen Tätigkeit oder als öffentliche Einrichtung“ ihr WLAN zur Verfügung stellen. Geschäftsmäßig im Wortsinne wäre in diesem Zusammenhang aber auch das von einer Privatperson dauerhaft angebotene WLAN. Das scheint der Gesetzgeber nicht zu wollen, wie man § 8 Abs. 5 TMG-E mit Phantasie entnehmen kann. Damit bleibt aber § 8 Abs. 4 TMG-E sinnfrei.
Im Entwurf wird der Erfüllungsaufwand und die wirtschaftliche Auswirkungen mit “keine” bewertet. Das ist nachweislich falsch, denn Betreiber von WLANs müssten nach dem vorliegenden Gesetzesentwurf ihre WLANs komplett neu konfigurieren. Gerade kleinere Betreiber haben derzeit auch gar nicht die Möglichkeit, die Einwilligung einzuholen. Sie müssten sich also neue Anlagen kaufen. Das ist ein erheblicher wirtschaftlicher Faktor, der möglicherweise sogar zum WLAN-Sterben führen könnte. Das gilt darüber hinaus auch für WLANs der öffentlichen Hand.
An dieser Stelle sei auch noch einmal explizit auf die Stellungnahme „Regierungsentwurf zur WLAN-Störerhaftung: Verharren in der digitalen Steinzeit“ des Digitale Gesellschaft e.V. verwiesen, der wir uns ebenfalls anschließen.
Noch ist der Entwurf nicht im Kabinett verabschiedet, helft uns und kontaktiert vor allem eure SPD und CDU/CSU Abgeordneten! Hier erfahrt ihr wie.
Wenn ihr fragen habt, fragt in den Kommentaren oder via kontakt.freifunk.net.
Tags: Stellungnahmen, Störerhaftung
Dieser Eintrag wurde am Donnerstag, 12. März 2015 um 10:38 erstellt und ist abgelegt unter Allgemein, Initative.	Mit dem RSS 2.0 Feed kannst du den Antworten zu diesem Artikel folgen. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder einen Trackback von deiner eigenen Seite senden.
« Wir brauchen eure Hilfe – Helft mit die Störerhaftung für WLANs zu stürzen!
Gesetzesentwurf zur Neuregelung der #Störerhaftung: Wie es jetzt weitergeht… »
13 Antworten zu “Update: Finaler Gesetzesentwurf zur Neuregelung der Störerhaftung: Deutschland bleibt ein WLAN-Entwicklungsland”
Bundesregierung schützt Abmahnindustrie: Keine Abschaffung der Störerhaftung für Bürger | netzpolitik.org sagt:
März 12, 2015 um 11:30 Uhr
[…] Die Freifunk-Community sieht wieterhin massive Rechtsunsicherheit für lokale Funknetzwerke und sagt: Deutschland bleibt ein WLAN-Entwicklungsland. […]
WLAN-Störerhaftung geht alle an! | sagt:
März 12, 2015 um 20:15 Uhr
[…] Update: Finaler Gesetzesentwurf zur Neuregelung der Störerhaftung: Deutschland bleibt ein WLAN-Entw… […]
Internet: Was sich bei öffentlichen WLAN-Hotspots ändern soll | Neues Münchener Tagblatt sagt:
März 13, 2015 um 01:12 Uhr
[…] Stellungnahme der Freifunker zum Gesetzentwurf […]
Peter Geher sagt:
März 13, 2015 um 08:41 Uhr
Netzpolitik hat den Entwurf mal „Zerlegt“:
https://netzpolitik.org/2015/bundesregierung-schuetzt-abmahnindustrie-keine-abschaffung-der-stoererhaftung-fuer-buerger/
Kostenloses Internet bald überall? -Bundesregierung legt Gesetzentwurf für öffentliches WLAN vor | For..Net sagt:
März 13, 2015 um 09:25 Uhr
[…] Ebenso übte der Verein Freie Netze Kritik, indem er der Bundesregierung vorwirft, durch den Entwurf… […]
Zementierung statt Abschaffung der Störerhaftung: Leider keine Überraschung | Simon Weiß sagt:
März 13, 2015 um 15:07 Uhr
[…] Lage wird durch den Gesetzentwurf eher verschlechtert als verbessert. Entsprechend fallen auch die Stellungnahmen aus der Freifunk-Community zu diesem Gesetz […]
WLAN-Störerhaftung geht alle an! | Ringelberger.de sagt:
März 14, 2015 um 02:50 Uhr
[…] Der finale Entwurf wurde veröffentlicht, bitte lesen Sie hier weiter. […]
März 15, 2015 um 12:48 Uhr
Passwort in die SSID. Ist doch wie öffentlicher Aushang.
März 15, 2015 um 14:43 Uhr
[…] Entwurf zielen jedoch auch das Gegenteil ab. Freifunk Hamburg schliesst sich vollumfänglich der Argumentation des Fördervereins Freie Netzwerke e.V. […]
Interview mit Christian Heise vom Förderverein Freie Netzwerke zur WLAN-Störerhaftung | UdL-Digital sagt:
März 23, 2015 um 09:47 Uhr
[…] erfordert mehr Beratungsbedarf und ist nicht mit gängigen EU-Richtlinien vereinbar. In einer aktuellen Stellungnahme zum finalen Entwurf auf freifunkstattangst.de erläutern wir in sechs ganz konkreten Punkten, warum […]
April 10, 2015 um 10:57 Uhr
Die Störhaftung gibt es überall und insofern muss sie auch in DE bleiben. Offene WLANs schaffen Platz für Kriminelle, Terroristen, Raubkopierer und andere unseriöse Subjekte. Daher ist es wichtig offene WLANs zu verbieten und die Störhaftung auszuweiten!
Abgeordnete zum Entwurf der Änderung des TMG | hamburg.freifunk.net sagt:
Mai 15, 2015 um 14:12 Uhr
[…] beworben wird, zielen die Formulierungen (selbst im überarbeiteten Entwurf) auf das Ende freier Netze ab. Das ist nicht nur die Interpretation von Freifunk, sondern auch von den Netzpolitikern aller […]
Freifunk – Internet für alle sagt:
September 7, 2015 um 14:56 Uhr
[…] zu umgehen. Denn damit findet der letzte Zugriff auf ein Angebot im Netz aus dem Ausland statt. Neue Gesetzesvorhaben könnten diese rechtliche Lücke jedoch schließen. Ähnlich problematisch kann das Thema […]
Hinterlasse eine Antwort zu Abgeordnete zum Entwurf der Änderung des TMG | hamburg.freifunk.net