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Timestamp: 2019-04-23 22:04:55
Document Index: 86074316

Matched Legal Cases: ['§ 50', '§ 8', '§ 1', '§ 18', 'Art. 14', 'Art. 14', '§ 50', '§ 50', 'EuG']

Unterschiedliche DBA-Anwendung – und der Besteuerungsrückfall | Rechtslupe
Die der Anwendung des § 50d Abs. 9 Satz 1 Nr. 1 EStG 2002/2007 rechtssystematisch vorgehende Beurteilung des Streitfalles nach Maßgabe des Einkommensteuergesetzes und des DBA-Belgien durch das Finanzgericht war daher frei von Rechtsfehlern. Dies gilt zunächst dafür, dass der Kläger in den Streitjahren seinen (einzigen) Wohnsitz i.S. des § 8 der Abgabenordnung in Deutschland hatte und er deshalb mit seinem Welteinkommen der unbeschränkten Einkommensteuerpflicht gemäß § 1 Abs. 1 EStG unterlag. Nach Maßgabe des EStG waren somit die Aufwendungen für das Büro Brüssel bei der Ermittlung seiner Einkünfte aus selbständiger Arbeit (§ 18 EStG) zu berücksichtigen. Das Finanzgericht hat weiterhin zu Recht angenommen, dass nach abkommensrechtlichen Maßstäben das Besteuerungsrecht für die dem Büro Brüssel zuzurechnenden (negativen oder positiven) Einkünfte dem Königreich Belgien zustand.
Der auf Berücksichtigung der auf das Büro Brüssel entfallenden Verluste gerichteten Klage kann auch nicht mit Rücksicht auf die unionsrechtliche Niederlassungsfreiheit und der hieraus9 bestehenden Verpflichtung, sog. finale Verluste des Tätigkeitsstaats auch im Falle abkommensrechtlicher Freistellung im Ansässigkeitsstaat zum Betriebsausgabenabzug zuzulassen, stattgegeben werden. Hierauf ist im Streitfall deshalb nicht einzugehen, weil ein solcher Verlust nicht bereits im Jahr seiner Entstehung, sondern erst im Jahr der “Finalität” berücksichtigt wird10. Eine “Finalität” i.S. der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs ist im hier maßgeblichen Streitzeitraum11 nicht eingetreten. Das Büro Brüssel wurde erst Jahre später aufgegeben.
vgl. BFH, Urteil vom 25.11.2015 – I R 50/14, BFHE 253, 52, BStBl – II 2017, 247, zum Erfordernis der persönlichen Arbeitsausübung eines Freiberuflers in der ständigen Einrichtung [↩]
zum Streitstand vgl. z.B. Hagemann, Internationales Steuerrecht IStR2017, 589; Tcherveniachki in Schönfeld/Ditz, DBA, Art. 14 a.F. Rz 45 f.; Wassermeyer in Wassermeyer, MA Art. 14 Rz 68 [↩]
z.B. BFH, Urteile vom 09.06.2010 – I R 107/09, BFHE 230, 35, BFH/NV 2010, 1744; vom 05.02.2014 – I R 48/11, BFHE 244, 371, BFH/NV 2014, 963 [↩]
BFH, Urteil vom 24.08.2011 – I R 46/10, BFHE 234, 339, BStBl – II 2014, 764; vgl. auch BFH, Urteil vom 21.01.2016 – I R 49/14, BFHE 253, 115, BStBl – II 2017, 107 [↩]
BFH, Beschluss vom 19.05.2010 – I B 191/09, BFHE 229, 322, BStBl – II 2011, 156 [↩]
vgl. BFH, Urteil vom 15.04.2015 – I R 54/13, BFHE 254, 519, BStBl – II 2017, 136 [↩]
gl.A. z.B. Gosch in Kirchhof, EStG, 17. Aufl., § 50d Rz 41b; Schmidt/Loschelder, EStG, 37. Aufl., § 50d Rz 56; Hagemann, IStR 2017, 588; vgl. auch Entwurf eines Jahressteuergesetzes 2007, BT-Drs. 16/2712, S. 61 f.: “Daraus folgt, dass im Fall von Verlusten die allgemeinen Vorschriften des deutschen Steuerrechts gelten.” [↩]
1991 bis 2004 [↩]
EuGH, Urteil Bevola vom 12.06.2018 C650/16, EU:C:2018:424, GmbHRundschau 2018, 741 [↩]
BFH, Urteile in BFHE 230, 35, BFH/NV 2010, 1744; in BFHE 244, 371, BFH/NV 2014, 963 [↩]
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