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Timestamp: 2020-04-03 23:19:26
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Matched Legal Cases: ['§ 244', '§ 242', '§ 244', '§ 243', '§ 73', '§ 244', '§ 12', '§ 244', '§ 242', '§ 224', '§ 244', '§ 224', '§ 244', '§ 244', '§ 28', '§ 243', '§ 244', '§ 244', '§ 23', '§ 244', '§ 78', '§ 247', '§ 248', '§ 244', '§ 244', '§ 73', '§ 73', '§ 245', '§ 244', '§ 244', '§ 244', '§ 244', '§ 244', '§ 244', '§ 123', '§ 243', '§ 244', '§ 244', '§ 244', '§ 244', '§ 244']

Als Diebstahl mit Waffen; Bandendiebstahl; Wohnungseinbruchdiebstahl ist eine Norm des deutschen Strafrechts überschrieben. Sie ist im 19. Abschnitt des Strafgesetzbuchs (StGB) in § 244 normiert. Die Norm ist eine Qualifikation des in § 242 StGB geregelten Diebstahls und bedroht besondere Begehungsweisen dieses Delikts mit höherer Strafe. Hierzu zählen das Stehlen unter Mitführen einer Waffe oder eines Werkzeugs, das bandenmäßige Stehlen sowie der Wohnungseinbruchdiebstahl. In ihrer gegenwärtigen Fassung geht die Norm auf das erste und auf das sechste Strafrechtsreformgesetz aus den Jahren 1969 und 1998 sowie auf das 24. und das 55. Strafrechtsänderungsgesetz aus den Jahren 2011 und 2017 zurück.
Die absolute Zahl der registrierten Fälle der Diebstahlsqualifikation betrug 2015 gemeinsam mit den übrigen Strafschärfungsgründen des Diebstahls, zwischen denen die polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts grundsätzlich nicht unterscheidet, über 1,1 Millionen. Allerdings geht diese Zahl seit mehreren Jahren zurück. Umgekehrt verhält es sich beim gesondert erfassten Wohnungseinbruchdiebstahl. Auf den entfielen zwar 2015 nur knapp 150.000 Fälle, jedoch stieg die Anzahl der registrierten Taten seit 2006 deutlich an.
§ 244 StGB wurde mit Inkrafttreten des Strafgesetzbuchs am 1. Januar 1872 eingeführt. Die Norm sanktionierte anfänglich den Rückfalldiebstahl. Bestraft wurde, wer bereits wegen eines Diebstahls, eines Raubs, einer räuberischen Erpressung oder einer Hehlerei verurteilt wurde und daraufhin erneut eine dieser Taten beging. Am 1. April 1970 wurde dieser Rückfalldiebstahl im Rahmen des 1969 beschlossenen ersten Strafrechtsreformgesetzes aus der Norm entfernt und durch differenzierte Qualifikationstatbestände ersetzt. Zu diesen zählten das Mitführen von Schusswaffen, das Beisichführen von Waffen, gefährlichen Werkzeugen und sonstigen Mitteln zur Überwindung eines entgegenstehenden Opferwillens sowie das Begehen eines Diebstahls als Mitglied einer Bande.[1] Ähnliche Vorschriften waren zuvor im § 243 enthalten.
Am 22. September 1992 wurde die Norm um einen Absatz 3 ergänzt, der im Fall des Bandendiebstahls als Sanktionen Vermögensstrafe und erweiterten Verfall anordnete. Durch das sechste Strafrechtsreformgesetz wurde die Norm am 1. April 1998 um die Qualifikation des Wohnungseinbruchdiebstahls ergänzt. Der Tatbestand des Mitführens von Schusswaffen wurde dahingehend erweitert, dass das Mitführen von Waffen aller Art und von gefährlichen Werkzeugen qualifizierend wirkt. Am 5. November 2011 wurde der erweiterte Verfall vom dritten in den neu geschaffenen vierten Absatz verschoben. Dabei wurde der Verweis auf die inzwischen vom Bundesverfassungsgericht für nichtig erklärte Vermögensstrafe entfernt. An die Stelle der Sanktionsregelungen trat in Absatz 3 der minderschwere Fall der Qualifikation als Strafzumessungsregelung.[1] Der Hinweis auf den erweiterten Verfall ist am 1. Juli 2017 entfallen, da dieser nun allgemein im § 73a geregelt ist. Am 22. Juli 2017 wurde der neue Absatz 4, der den Einbruch in eine dauerhaft genutzte Privatwohnung höher bestraft, eingeführt.
Die Diebstahlsqualifikationen sind in § 244 StGB normiert und lauten seit seiner letzten Veränderung am 22. Juli 2017 wie folgt:
(3) In minder schweren Fällen des Absatzes 1 Nr. 1 bis 3 ist die Strafe Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.
(4) Betrifft der Wohnungseinbruchdiebstahl nach Absatz 1 Nr. 3 eine dauerhaft genutzte Privatwohnung, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.
Da die Mindeststrafe des Absatzes 1 unterhalb eines Jahres Freiheitsstrafe liegt, handelt es sich bei dem Delikt nach § 12 Absatz 2 StGB um ein Vergehen. Dagegen ist die Tat nach Absatz 4 ein Verbrechen. Geschützte Rechtsgüter des § 244 StGB sind wie beim Grundtatbestand des Diebstahls (§ 242 StGB) das Eigentum und der Gewahrsam.[2] Daneben verfolgen die einzelnen Tatbestände zusätzliche individuelle Schutzzwecke.
Ein Tatmittel stellen Waffen dar. Hierzu zählen Gegenstände, die zum Verletzen eines Menschen bestimmt sind, etwa Schuss-, Hieb- oder Stoßwaffen.[6][7] Einschlägig sind daneben Sportwaffen.[8][3] Ebenfalls als Waffe ordnet die Rechtsprechung geladene Schreckschusspistolen ein. Zwar fehlt es diesen an einer Verletzungsfunktion, sie seien aber mit der Gefährlichkeit von Druckluftwaffen vergleichbar.[9] Letztere behandelt die Rechtsprechung schon lange als Waffen im Sinne der Qualifikation.[3] Die Mechanik der Schreckschusswaffe entspreche im Wesentlichen der einer echten Schusswaffe. Erhebliche Verletzungen können auch durch das Verschießen von Knallkartuschen herbeigeführt werden.[9][10]
Die Waffen stellen im Tatbestand eine besondere Form der gefährlichen Werkzeuge dar.[11] Hierunter fallen alle beweglichen Gegenstände, die zur Herbeiführung erheblicher Verletzungen geeignet sind.[12] Diese vom Gesetzgeber intendierte[13] Klassifizierung deckt sich mit dem Begriff des gefährlichen Werkzeugs des § 224 StGB, bei dem beinahe jeder bewegliche Gegenstand ein tatbestandsmäßiges Werkzeug sein kann, sofern er in einer gefährlichen Weise verwendet wird.[14][15]
Im Falle des § 244 StGB wird diese Auslegung in der Wissenschaft jedoch als zu weitgehend kritisiert: Die Norm bestraft, anders als die Körperverletzungsqualifikation des § 224 StGB, bereits das Mitführen des Werkzeugs und nicht erst dessen Verwendung. Da der Täter stets Gegenstände mit sich führt, die er zu Verletzungshandlungen nutzen könnte, verliere die Qualifikation ihren Sinn als Strafschärfung für erhöhtes Unrecht.[16] Erschwert wird die Bestimmung eines Gegenstands als Werkzeug darüber hinaus dadurch, dass bei einer Verwendung desselben in der Regel bereits ein schwerer Raub vorliegt, der den qualifizierten Diebstahl auf Konkurrenzebene verdrängt.[17][18] Daher besteht weitgehende Einigkeit darin, dass der Qualifikationstatbestand des § 244 Absatz 1 Nummer 1a StGB dem Gesetzgeber missglückt ist und einer eigenständigen Auslegung bedarf.[19][20] Umstritten ist, auf welche Weise diese Auslegung erfolgen soll. Hierbei gibt es im Wesentlichen zwei Richtungen: die eine stellt auf den Willen des Täters, den Gegenstand zu verwenden, ab (subjektiver Ansatz), die andere auf die Beschaffenheit des Gegenstands und die Tatsituation (objektive Ansätze).
Die Anhänger des subjektiven Auslegungsansatzes fordern einen Verwendungsvorbehalt des Täters. Hiernach werde ein Gegenstand, der keine Waffe darstellt, erst durch die Entscheidung des Täters, den Gegenstand bei Tatbegehung gegen einen Menschen zur Herbeiführung von Verletzungen einzusetzen, zu einem gefährlichen Werkzeug.[21][22][23] Hiergegen wird eingewandt, dass dieser Ansatz durch das Abstellen auf subjektive Elemente mit erheblichen Beweisproblemen verbunden sei. Darüber hinaus überschneide sich die Norm bei dieser Auslegung mit der Nummer 1b, der Verwendung eines sonstigen Werkzeugs.[24][25]
Nach einer Ansicht ist das Gefährdungspotential, das vom Gegenstand ausgeht, für die Einordnung als gefährliches Werkzeug maßgeblich.[26][27] Dem wird entgegengehalten, dass dies zu unbestimmt sei und zu keiner Restriktion des Tatbestands führe, da beispielsweise ein bei einem Ladendiebstahl mitgeführtes Taschenmesser, das der Täter allein zur Entfernung von Sicherheitsetiketten nutzen will, den Tatbestand der Qualifikation erfüllen würde, obwohl die Tat lediglich das Gewicht eines Bagatelldelikts habe.[28]
Andere bauen auf der These des Verwendungsvorbehalts auf und fordern, dass ein objektiver Anhaltspunkt für diesen bestehen muss.[29][30] Dagegen wird vorgebracht, dass nach dem Willen des Gesetzgebers bereits das Mitführen des Gegenstands die Strafschärfung begründen sollte, auf einen Verwendungswillen des Täters sollte es nicht ankommen.[31]
Eine weitere, restriktive Sichtweise stellt darauf ab, ob das Besitzen des Gegenstands grundsätzlich verboten ist und einer expliziten behördlichen Erlaubnis bedarf.[32] Hiergegen wird eingewandt, dass auch dies zu einer vom Gesetzgeber nicht gewollten Verkürzung des Anwendungsbereichs der Norm führe.[33][34]
Eine andere Ansicht stellt auf eine mit Waffen vergleichbare Gefährlichkeit des mitgeführten Gegenstands ab.[35] Einige ergänzen dieses Kriterium dahingehend, dass zusätzlich aus Sicht eines Dritten die Möglichkeit bestehen muss, dass der Täter den Gegenstand bei der Tatbegehung einsetzt. Ausgenommen werden hiermit insbesondere Gegenstände, deren Mitführen sozial üblich ist oder die nur der Durchführung des Diebstahls dienen.[36][37][38][39] Eingewandt wird auch gegen diesen Ansatz die geringe Bestimmtheit.[40]
Unter diesen Qualifikationstatbestand fallen Gegenstände, die nicht als Waffe oder gefährliches Werkzeug gelten. Dieser noch weiter als bei Nummer 1a gefasste Kreis tauglicher Tatmittel wird dadurch eingeschränkt, dass der Täter den Gegenstand zur Nötigung eines Menschen einsetzen wollen muss.[41] Wegen des großen Anwendungsbereichs der Nummer 1a fallen unter den Tatbestand der Nummer 1b insbesondere Scheinwaffen. Dies sind Gegenstände, deren Gefährlichkeit nur vorgetäuscht wird, etwa Spielzeugwaffen.[42][43] Diese sind allerdings nicht uneingeschränkt taugliche Tatobjekte. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs sind solche Gegenstände nicht tatbestandmäßig, die offensichtlich ungefährlich sind. Exemplarisch sind ein Labello-Stift, der dem Opfer in den Rücken gepresst und vom Täter als Waffe beschrieben wird[44] oder ein Metallrohr, das dem Opfer wie eine Schusswaffe an den Hals gedrückt wird.[45] Ebenfalls als offensichtlich harmlose Gegenstände nicht tatbestandsmäßig sind ein als Bombe ausgegebener Maggiwürfel und eine erkennbare Wasserpistole.[46] Anders entschied das Gericht bei einem Täter, der eine Sporttasche mitführte und behauptete, dass diese eine Bombe enthalte, da die Ungefährlichkeit hier nicht offensichtlich gewesen sei.[47] Als unerheblich erachtet das Gericht, dass das Opfer um die Ungefährlichkeit des Tatmittels weiß, da der Schwerpunkt der Norm darauf liegt, dass der Täter den Gegenstand zur Bedrängung des Opfers einsetzen will. Nicht notwendig sei deswegen, dass das Opfer sich tatsächlich bedroht fühlt.[48]
Das Tatmittel muss der Täter mitführen. Dies ist der Fall, wenn er es derart bei sich führt, dass er während der Tatbegehung ohne großen Aufwand darauf zugreifen kann.[49][50] Dies ist beispielsweise nicht der Fall, wenn das Tatmittel im in einiger Entfernung geparkten Fluchtwagen verbleibt[51] oder sich in einem verschlossenen Rucksack auf dem Rücken des Täters befindet.[52]
Teilweise wird gefordert, bei Berufswaffenträgern eine Ausnahme zu machen, da diese ansonsten regelmäßig die Qualifikation erfüllen würden, auch wenn sie keinen Gebrauch der Waffe planen. Dem wird entgegengehalten, dass die Gefahr, die von einem Berufswaffenträger ausgeht, nicht geringer als bei einer anderen Person ist.[53][54][55]
Die erhöhte Strafbarkeit des Bandendiebstahls beruht darauf, dass eine Bande effektiver und in größerem Umfang operieren kann als ein Einzeltäter. Auch bestehe bei einer Bande die hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich die Täter gegenseitig zur Begehung von Delikten antreiben.[56][57] Daneben dient der Tatbestand wie andere Strafnormen, deren Tatbestandsvoraussetzung eine Bande ist, der Bekämpfung der organisierten Kriminalität.[58][59]
Eine Bande erfordert einen Zusammenschluss von mindestens drei Personen.[60] Die notwendige Mindestzahl der Bandenmitglieder war lange Zeit in Rechtsprechung und Rechtswissenschaft umstritten. Das Reichsgericht und der Bundesgerichtshof ließen anfänglich noch zwei Personen genügen.[61][62] Unter Berücksichtigung der Motive des Gesetzgebers erhöhte der Bundesgerichtshof dieses Minimum nach der Neufassung des § 244 StGB durch das sechste Strafrechtsreformgesetz auf drei Personen. Denn erst ab einer solchen Personenzahl liege das Bestehen von organisierter Kriminalität nahe. Außerdem führe erst eine solche Anzahl an Tätern zur erhöhten Gefahr, die die Qualifikation sanktioniert. Darüber hinaus erschwerte die frühere Rechtsprechung die Abgrenzung zwischen mittäterschaftlichem Diebstahl und Bandendiebstahl.[60][63] Es ist nicht notwendig, dass die an einer Tat beteiligten Bandenmitglieder vergleichbare Tatbeiträge erbringen. Es genügt nach der Rechtsprechung bereits, wenn nur ein Mitglied einen Beitrag leistet, der als täterschaftlich bewertet werden kann. Soweit die übrigen Bandenmitglieder Beiträge erbringen, die zumindest geringes Gewicht haben, ist der Tatbestand des Bandendiebstahls erfüllt.[64]
Der Zusammenschluss muss sich für die künftige Begehung von im Einzelnen noch ungewissen Diebstahls- oder Raubtaten auf eine nicht unerhebliche Dauer verbunden haben. Diese Verbindung wird als Bandenabrede bezeichnet.[65][66] Sie kann ausdrücklich oder durch schlüssiges Verhalten zustandekommen.[67] Die Abrede muss hinsichtlich der Ausgestaltung der Taten offen gehalten sein, da sich ansonsten die Gefahr der Gruppendynamik einer Bande nicht realisiert. Daher ist die Vereinbarung zur Begehung einer bestimmten Anzahl von Taten oder einer Reihe weitgehend fertig geplanter Taten nicht ausreichend.[68][69] Soweit die Voraussetzungen eines Bandendiebstahls vorliegen, kann bereits die erste Tat der Bande den Tatbestand der Qualifikation erfüllen.[70]
Damit eine Tat einen Bandendiebstahl darstellt, müssen weiterhin wenigstens zwei Bandenmitglieder an dieser Tat mitwirken.[71] Die Mitwirkung kann dabei beliebiger Natur sein. Nicht erforderlich ist nach gegenwärtiger Rechtsprechung, dass beide Bandenmitglieder am Tatort anwesend sind, da die erhöhte Gefahr, die von einer bandenmäßigen Organisation ausgeht, von der Anzahl der am Tatort Anwesenden nicht berührt wird.[72]
Die Bandenmitgliedschaft stellt als täterbezogenes Merkmal ein besonderes persönliches Merkmal im Sinne von § 28 Absatz 2 StGB dar. Daher können Personen, die an einem Bandendiebstahl beteiligt sind, selbst allerdings keine Bandenmitglieder sind, sich nur der Teilnahme an einem Bandendiebstahl strafbar machen.[73]
Das frühere Regelbeispiel des Wohnungseinbruchdiebstahls wurde wegen des erheblichen Eingriffs in die Privatsphäre des Opfers durch den Täter im Rahmen des sechsten Strafrechtsreformgesetzes von 1998 zu einer Qualifikation aufgestuft.[74] Die Norm stellt einen Sonderfall des § 243 Absatz 1 Nummer 1 StGB dar, der den Einbruchdiebstahl regelt.[75]
Die Norm qualifiziert das widerrechtliche Betreten der Wohnräume des Opfers. Einen Wohnraum stellt nach allgemeiner Definition ein überdachter Gebäudeteil dar, der Menschen als Unterkunft dient.[76] Hierzu zählen auch Nebenräume, die sich in unmittelbarer Nähe zum Wohnraum befinden, sowie Hotelzimmer.[77][78] Nicht einschlägig sind dagegen mangels schützenswerter Privatsphäre leerstehende Wohnräume.[79] Abgrenzungsschwierigkeiten ergeben sich bei Gebäuden, die sowohl zu Wohn- als auch zu anderen Zwecken dienen. Dringt der Täter in einen Geschäftsraum ein, liegt ein Wohnungseinbruchdiebstahl vor, wenn er von dort aus ungehindert in den Wohnraum eindringen kann. Ist der Wohnraum dagegen von den Geschäftsräumen derart baulich getrennt, dass der Täter erst ein weiteres Hindernis überwinden muss, um diesen zu betreten, ist das Einsteigen in den Geschäftsraum noch nicht tatbestandsmäßig.[80]
Die Tathandlungen stimmen mit dem des Einbruchdiebstahls überein: Ein Einbrechen liegt vor, wenn der Täter durch Einsatz von Gewalt in eine verschlossene Räumlichkeit hineingelangt, beispielsweise durch das Aufbrechen einer Tür.[81] Beim Einsteigen verzichtet der Täter dagegen auf die Gewaltanwendung und gelangt stattdessen unter Einsatz von Geschicklichkeit auf einem unüblichen Weg in die Wohnung. Dies liegt etwa beim Steigen durch ein Dachfenster vor.[82][83] Als weitere Tathandlung nennt die Norm das Eindringen mit einem falschen Schlüssel. Dies liegt vor, wenn der Täter entweder einen gefälschten Schlüssel oder einen echten Schlüssel, zu dessen Verwendung er nicht berechtigt ist, nutzt.[84][85] Schließlich kann sich der Täter in der Wohnung verborgen halten.
Der am 22. Juli 2017 in Kraft getretene Absatz 4 bestraft den Wohnungseinbruchdiebstahl in einer dauerhaft genutzten Privatwohnung höher, sodass Absatz 1 Nr. 3 nur noch bei vorübergehend genutzten Wohnungen (z. B. Hotelzimmer) zur Anwendung kommt.
Der Täter muss mit Vorsatz bezüglich aller objektiver Tatbestandsmerkmale handeln. Hierbei genügt jede Vorsatzform. Der Täter muss daher zumindest Kenntnis von der qualifizierten Begehungsweise haben und den Eintritt des Taterfolgs in Kauf nehmen.[86] Beispielsweise muss er bei Nummer 1a im Bewusstsein handeln, einen Gegenstand mitzuführen, der einen Menschen verletzen kann. Der subjektive Tatbestand ist daher nicht erfüllt, wenn der Täter bei Tatbegehung nicht daran denkt, dass er einen verletzungstauglichen Gegenstand mitführt.
Bei § 244 Absatz 1 Nummer 1b StGB muss der Täter allerdings neben dem Vorsatz bezüglich aller objektiven Tatbestandsmerkmale über eine Gebrauchsabsicht verfügen, also den Willen haben, das Tatmittel zur Erzwingung einer Wegnahme einzusetzen.[87]
Der Versuch der Diebstahlsqualifikation ist strafbar. Zwar stellt § 244 Absatz 1 StGB nur ein Vergehen dar, so dass sich die Strafbarkeit des Versuchs noch nicht aus § 23 Absatz 1 Variante 1 StGB ergibt. § 244 Absatz 2 StGB ordnet die Versuchsstrafbarkeit jedoch ausdrücklich an.
Die Tat wird als Offizialdelikt von Amts wegen verfolgt. Die Zeitpunkte der Vollendung und der Beendigung richten sich nach dem Grunddelikt. Der qualifizierte Diebstahl ist mit Abschluss der Wegnahme vollendet. Die Beendigung des Qualifikationstatbestands tritt ein, sobald der Täter seinen Gewahrsam an der Sache abgesichert hat, etwa durch Fortbringen der Beute vom Tatort.[88] Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Verjährung, die gemäß § 78 Absatz 3 Nummer 3 StGB zehn Jahre beträgt. Das Strafantragserfordernis des § 247 StGB (Schädigung eines Nahestehenden) ist auf den qualifizierten Diebstahl anwendbar, allerdings nicht das des § 248a (Geringwertigkeit des Tatobjekts).[89]
§ 244 Absatz 3 StGB normiert einen minderschweren Fall, der ein Strafmaß von drei Monaten bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe vorsieht. Diese Regelung soll vor allem der Werkzeugproblematik des Absatz 1 Nummer 1 begegnen.[90] Diese Regelung wird als unzulänglicher Versuch des Gesetzgebers kritisiert, den misslungenen Tatbestand der Nummer 1 auf Rechtsfolgenseite zu korrigieren. Es liege näher, den systematischen Fehler des Tatbestands durch Umformulierung der problematischen Variante zu korrigieren.[91] § 244 Absatz 4 StGB verwies bis 30. Juni 2017 auf § 73d StGB a. F., der die Möglichkeit des erweiterten Verfalls regelte. Dieser erlaubt es einem Gericht, Gegenstände des Täters einzuziehen. Anders als der einfache Verfall beschränkt sich der erweiterte Verfall nicht auf Gegenstände, die aus der abgeurteilten Tat stammen, sondern erstreckt sich auch auf andere rechtswidrige Taten. Seit 1. Juli 2017 ist der erweiterte Verfall allgemein im § 73a StGB geregelt, sodass ein Verweis nicht mehr nötig ist. Als weitere Sanktion ermöglicht § 245 StGB die Anordnung von Führungsaufsicht.[92]
Der einfache und der besonders schwere Diebstahl werden durch das speziellere Delikt des § 244 StGB verdrängt.[93] Idealkonkurrenz besteht bei einem Versuch des § 244 StGB und einem vollendeten (besonders schweren) Diebstahl zur Klarstellung des Unrechtsgehalts der Tat. Gleiches gilt im Regelfall bei versuchtem schweren Raub und vollendetem § 244 StGB.[94]
Wegen der verschiedenen Schutzzwecke der einzelnen Qualifikationstatbestände des § 244 StGB und deren unterschiedlichem Unrechtsgehalt besteht bei Verwirklichung mehrerer Tatbestände Tateinheit.[95] Dies gilt allerdings nicht bei den Nummern 1a und 1b, die sich gegenseitig ausschließen.[96][97] Hinter den schweren Bandendiebstahl sowie hinter Raub- und Erpressungstaten tritt § 244 Absatz 1 bis 3 StGB zurück.[98] Zwischen § 244 Absatz 1 Nummer 3 StGB und dem Hausfriedensbruch aus § 123 StGB besteht meist Tateinheit.[99]
Erfasste Fälle des Diebstahls unter erschwerenden Umständen in den Jahren 1987–2015
Das Bundeskriminalamt gibt jährlich eine Statistik über alle in Deutschland gemeldeten Straftaten heraus. Seit 1993 wird das gesamte Bundesgebiet erfasst. In den Statistiken von 1991 und 1992 wurden die alten Bundesländer und das gesamte Berlin erfasst. Ältere Statistiken erfassen nur die alten Bundesländer. Die Statistik fasst den besonders schweren Fall des Diebstahls aus § 243 StGB, die Nummern 1 und 2 des § 244 StGB und seit 1993 auch die Qualifikation des schweren Bandendiebstahls aus § 244a StGB unter dem Begriff des Diebstahls unter erschwerenden Umständen zusammen.[100] Dafür unterscheidet die Statistik zwischen der Begehung mit und ohne Schusswaffe sowie zwischen Versuch und Vollendung.
Die Zahl der registrierten Delikte stieg nach der Wiedervereinigung deutlich an. Der Höhepunkt wurde 1993 mit der erstmaligen Erfassung der neuen Bundesländer erreicht. In den folgenden Jahren sank die Anzahl deutlich ab. Seit 2010 steigt die Zahl der erfassten Taten allerdings wieder an. Diesen Anstieg führen das Innenministerium und das Bundeskriminalamt auf die steigende Anzahl von Banden zurück. Dies sei eine Ausprägung der zunehmenden organisierten Kriminalität. Bei den Diebesbanden falle auf, dass ihre Mitglieder zunehmend Ausländer sind.[101][102] Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen beim Diebstahl unter erschwerenden Umständen verdoppelte sich im Zeitraum zwischen 2009 und 2015. Im Jahr 2015 betrug dieser Anteil 44,6 %.[103]
Erfasste Fälle des Wohnungseinbruchdiebstahls in den Jahren 1999–2015
Gesondert erfasst die Kriminalstatistik seit 1999 den in § 244 Absatz 1 Nummer 3 StGB geregelten Wohnungseinbruchdiebstahl. Die Zahl der unter diesem Begriff erfassten Delikte ging zwischen 1999 und 2006 zurück. Seitdem steigt sie beinahe dauerhaft wieder an. 2015 wurden bislang die meisten Taten registriert. Der Wohnungseinbruchdiebstahl entwickelt sich damit in eine entgegengesetzte Richtung als übrige Eigentumsdelikte, die in den letzten Jahren zurückgehen. Als mögliche Ursachen werden hierfür die zunehmende Videoüberwachung im öffentlichen Raum sowie das gesteigerte Sicherheitsbewusstsein der Bürger, etwa im Bereich der Kfz-Sicherheit, gesehen. Die Wohnung sei dagegen überwiegend vergleichsweise schlecht gegen Einbruch geschützt.[104]
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Urs Kindhäuser: § 244. In: Urs Kindhäuser, Ulfrid Neumann, Hans-Ullrich Paeffgen (Hrsg.): Strafgesetzbuch . 4. Auflage. Nomos, Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-8329-6661-4.
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↑ a b c PKS-Zeitreihen 1987 bis 2015. Bundeskriminalamt, 23. Mai 2016, abgerufen am 16. Juni 2016.