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Timestamp: 2019-06-20 22:13:25
Document Index: 209255271

Matched Legal Cases: ['§223', '§224', '§164', '§223', '§229', '§224', '§223', '§229', '§22', '§229', '§229', 'BGH', '§224']

Strafrecht Hausarbeit für Anfänger! Probleme mit Tatkomplex2
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Verfasst am: 20 Sep 2008 - 13:10:55 Titel: Strafrecht Hausarbeit für Anfänger! Probleme mit Tatkomplex2
derzeit schreibe ich die Hausarbeit Strafrecht für Anfänger.Dabei haben sich mir im zweiten Tatkomplex einige Probleme ergeben.Hier zunächst mal der Komplex :
Am folgenden Abend betritt A erneut die Kneipe und sieht B am Tresen stehen. In ruhigem Ton verlangt er die Herausgabe seiner (A's) Brieftasche.
Als dies nicht fruchtet droht er mit Hinzuziehung der Polizei. Dies will B angesichts seines Vorstrafenregisters unbedingt vermeiden. Rasch zieht B seine mitgeführte Schusswaffe und feuert auf die Beine des A. Der Schuss verfehlt sein Ziel und streift - von B unvorhergesehen - Gast G, der leichte Verletzungen erleidet.
Also ich habe mir den Aufbau so gedacht :
I.Versuchter Totschlag an A
Dies habe ich verneint , da B keinen konkreten Tötungsvorsatz bezüglich A hat.
II.Versuchte gefährliche Körperverletzung an A
Dies bejahe ich
Und nun habe ich dann eben den Fall das er den G ausversehen trifft.
Es müsste ja eigentlich ein ''aberratio ictus'' vorliegen. Nur wo prüfe ich diesen und vor allem wie gestalte ich den Prüfungsaufbau bezüglich G ??
Ich dachte ich prüfe zunächst den §223 und die Qualifikation mit §224 an.
Da es B ja an Vorsatz mangelt, scheiden diese beiden ja aus und führen mich zu einer fahrlässigen gefährlichen Körperverletzung. Allerdings habe ich bisher nur fälle mit einer ganz normalen fahrlässigen Körperverletzung gehabt. Wie prüfe ich denn eine gefährliche fahrlässige Körperverletzung ??
Verfasst am: 20 Sep 2008 - 15:01:18 Titel:
Ich glaube der Fall ist umfangreicher als Du glaubst.
Zur Einordnung des aberratio ictus bei gleichwertigen Tatobjekten gibt es diverse Theorien.
Nach der formellen Äquivalenz Theorie ist der Irrtum unerheblich. Der Täter wollte einen Menschen treffen und hat das auch geschaft. Also verwirklichte er vorsätzlich ein Delikt.
Die materielle Theorie zieht diesen Grundsatz nur dann heran wenn keine höchstpersönlichen Rechtsgütern betroffen. Bei höchstpersönlichen Rechtsgütern käme es den Täter gerade darauf an einen bestimmten Menschen zu treffen, der Vorsatz sei also an das Tatobjekt gebunden. Also kommt ein versuchtes und ein fahrlässig verwirklichtes Delikt in Frage.
Die Adequanz Theorie weist darauf hin das es sich um einen Irrtum im Kausalverlauf handele. Bei einem unvorhersehbaren Kausalverlauf kommt sie zum gleichen Ergebnis wie die materielle Äquivalenz Theorie. Ist der eingetretene Kausalverlauf wahrscheinlich, dann ist der aberratio ictus unerheblich und es wurde folgerichtig ein vorsätzlich verwirklichtes Delikt begangen.
Die Konkretisierungstheorie und unbestrittene hM meint das der Täter durch seinen Vorsatz ein Ziel konkretisiert hatte, jenes aber nicht traf. Insofern scheidet ein vollendetes vosätzliches Delikt aus. Es kommt nur ein versuchtes in Kombination mit einem fahrlässig vollendeten in betracht. Mir bekannte Ausnahmen kommen z.B. nur bei §164 oder 316a StGB in Frage, also wenn auch überindividuelle Rechtsgüter durch die Norm geschützt werden aber der Täter durch die Tatabweichung nur individualrechtsgüter verletzt. Ist nur nice to know aber unerheblich. Solche irrelevanten Abweichung werden gern mit Punktabzug bestraft.
Welche Theorie jetzt am folgenswertesten ist musst Du selbst entscheiden und vor allem vertretbar begründen, da liegen die Punkte!
Da die Diskusion auf den Vorsatz fußt gehört sie auch genau da hin, in den subjektiven Tatbestand. Du musst natürlich beide Delikte Prüfen. Das fahrlässige und das versuchte. Beim versuchten Delikt kannst Du dann auch einbringen das es sich möglicherweise um ein vorsätzlich begangenes Delikt handelt, wenn man den Äquivalenz Theorieen oder der Adequanz Theorie bei vorhersehbarem Kausalverlauf folgt. Das kann man vertreten, muss man aber nicht. Aber zunächst würde ich auf jeden Fall einen Versuch prüfen. Vom Versuch auf Vorsatz umzusteigen finde ich immer eleganter als andersherum ... aber das hängt auch ganz vom Fall ab ... und vor allem auch von Dir ... Du kannst es schaffen, Tschaka
Ach Du hast ja noch mehr Fragen gestellt, die habe ich ganz vergessen.
Den Prüfungsaufbau bei G? Der hängt von Deinen Ergebnissen bei A ab, also Deiner rechtlichen Einordnung des aberratio ictus, welche im subjektiven Tatbestand des ersten Deliktes erfolgt welches mit dem aberratio ictus zusammenhängt. Wenn Du bei A der formellen Äquivalenz Theorie folgst kannst Du natürlich bei G kein Fahrlässigkeitsdelikt mehr prüfen weil Du Dich sonst selbst wiedersprechen würdest.
Zur fahrlässigen gefährlichen KV;
Der Begriff der KV des §223 StGB ist identisch mit dem des §229 StGB, zumindest in Bezug auf die objektiven Tatbestandsmerkmale. Der Unterschied liegt hier im subjektiven Tatbestand, Stichwort Vorsatz!!! Folgerichtig ist §224 StGB lediglich eine Qualifikation des §223 StGB (beide benötigen einen Vorsatz!!!) nicht des §229 StGB !!! (der keinen benötigt) Also hast Du, indem Du noch nie eine fahrlässige Gefährliche KV geprüft hast, nichts falsch gemacht! Wie würde das denn auch aussehen? Der Täter hat das Opfer fahrlässig verletzt indem er vorsätzlich ein gefährliches Werkzeug zur fahrlässigen Tatausführung benutzte??? Pfui!
Verfasst am: 21 Sep 2008 - 13:47:40 Titel: .....
danke erstmal für die Tips. Aber die Frage ist ja ob ich das Fehlgehen der Tat dann im Rahmen des versuchten Delikts prüfe? Und vor allem im Rahmen des versuchten Totschlages oder der versuchten gefährlichen Körperverletzung
I §§22,23,212
1.Tatentschluss :
Hier dann die Vorsatzprüfung inklusive aberratio ictus und Theorien abhandeln ??
Sich dann einer anschließen und dann einfache Fahrlässige KV §229 an G prüfen und bejahen oder ?
Oder eben den versuchten Totschlag an A verneinen, dann versuchte gefährliche KV prüfen und im Rahmen dieser Prüfung dann den aberratio ictus abhandeln und bei G auf einfache fahrlässige KV §229 abstellen ??
Ich bin etwas verwirrt , da ich Tötungsvorsatz in Bezug auf A verneint hätte , da der B dem A ja explizit auf die Beine zielt....
by the way : in welchem Lehrbuch oder Kommentar finde ich die Theorien die du nanntest samt Vertreter sprich Literaturnachweis, so schön erklärt?
Sucht man sowas besser in einem Kommentar oder doch in den Lehrbüchern ?
Verfasst am: 21 Sep 2008 - 15:00:33 Titel:
Nun, das kann man halten wie ein Dachdecker.
Wenn man zunächst einen versuchten Totschlag anprüfen möchte fliegt man ziemlich schnell im subjektiven Tatbestand raus weil kein Tötungsvorsatz vorliegt. Der Theorienstreit spielt an dieser Stelle doch gar keine Rolle. Vorsatz und Verletzungshandlung können bei fehlendem Vorsatz nicht auseinanderfallen ...
Dann könnte man eine vollendete Körperverletzung prüfen. Hier kommt man völlig überraschend zu dem Schluss das sich der Tatvorsatz und die Verletzungshandlung auf unterschiedliche Rechtsgüter beziehen, sprich B wollte A verletzen, verletze aber G. Dann kommt der Streit. Je nach dem wie man ihn entscheidet geht die Prüfung dann weiter. Man kann dann jene angeprüfte vollendete KV bejahen oder zur versuchten in Kombination mit einer fahrlässigen KV umschwenken, sollte aber die eventuell verwirklichten Qualifikationen nicht vergessen.
Der aberratio ictus ist ein standard Problemchen im Strafrecht. Man findet dazu in jedem StGB AT Lehrbuch was. Zum Beispiel in Wessels, AT, Rn. 250. Die hM zu diesem Thema findet man in der Rechtssprechung wie BGHSt 34, 53, 55, wobei die mM von Loewenheim Jus 1966, 310 m.w.N vertreten wird. Wenn Du die Literatur zu diesem Thema durchforstest findest Du sehr schnell was. Vor allem wird dir vielleicht auffallen das es noch mehr Theorien gibt ...
Du solltest auch daran denken den aberratio ictus vom error in persona abzugrenzen, ist im vorliegenden Fall allerdings so offensichtlich das es auch weggelassen werden könnte. Aber vielleicht sollte man das ganz kurz erwähnen weil der Prüfer drauf warten könnte.
Verfasst am: 22 Sep 2008 - 14:07:12 Titel:
Da schreibt wohl jemand die gleiche Hausarbeit wie ich
ich prüf da den 224 im Versuch an A (+) und im Anschluss den 229 an G. Allerdings bin ich am überlegen, ob ich das nicht zusammenfüg und im obj Tb beide Normen mach und im Subjektiven dann die aberatio ictus mach. Sozusagen zu dem gesamtergebnis komm:
So nach dem Motto: B könnte sich gem. §224 und 229 strafbar gemacht haben, indem er auf A geschossen, aber G getroffen hat...
Das weicht dann zwar bisle vom allgemeinen Prüfungsschema ab aber der meint doch immer, man soll nicht bloßes Lehrbuchwissen abhandeln
1. Tathandlung an A
2. Tathandlung an G
Vorsatz. aberratio ictus --> den dann bejahen (klar)
B hat sich ja wegen versuchter Begehung am anvisierten A und wegen fahrlässiger Begehung am getroffenen Opfer G strafbar gemacht.
DEr Waffe würd ich gar nicht viel aufmerksam schenken sonden direkt vom 224 ausgehen. Das wirkt sich dann ja nicht auf die Fahrlässigkeit aus.
Wie kommst du sonst vorran?
Ach ja, wie baust du den Tatkomlex bez der wechselseitigen Straftaten B und A auf? Erst alle von A und dann von B oder wechselst du mehr oder weniger ab ums überschaubar zu halten?
serhat_g
Verfasst am: 29 Sep 2008 - 20:54:02 Titel:
Ist es denn bei der fahrlässigen KV und da bei der subjektiven Vorhersehbarkeit nicht problematisch, dass der tatbestandliche Erfolg bzgl. Gast G von B unvorhergesehen war?
Verfasst am: 11 Apr 2012 - 10:09:56 Titel: Fussnoten
Hallo! Ich suche händeingend zitierfähige Quellen für die genannten Theorien (formelle und materielle Äquivalenz, Adäquanz, Konkretisierungs.