Source: https://www.bag-urteil.com/18-06-2015-8-azn-881-14/
Timestamp: 2019-09-19 23:51:13
Document Index: 284024176

Matched Legal Cases: ['BVerG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 97', 'Art. 97', 'Art. 92']

﻿ ﻿ BAG – 8 AZN 881/14 | bag-urteil.com
Ordnungswidrige Besetzung des Gerichts – Abordnung eines Richters
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 18.06.2015, 8 AZN 881/14
Auf die Beschwerde der Beklagten wird das Urteil des Sächsischen Landesarbeitsgerichts vom 29. August 2014 – 7 Sa 121/14 – aufgehoben.
Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung – auch über die Kosten des Nichtzulassungsbeschwerdeverfahrens – an eine andere Kammer des Landesarbeitsgerichts zurückverwiesen.
Der Wert des Beschwerdegegenstands wird auf 188.838,20 Euro festgesetzt.
8 AZN 881/14 > Rn 1
8 AZN 881/14 > Rn 2
8 AZN 881/14 > Rn 3
8 AZN 881/14 > Rn 4
8 AZN 881/14 > Rn 5
a) Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG 13. November 1997 – 2 BvR 2269/93 -; 23. Januar 1996 – 1 BvR 1551/95 -; 8. Juli 1992 – 2 BvL 27/91, 2 BvL 31/91 – zu C III 2 a der Gründe mwN, BVerfGE 87, 68; 3. Juli 1962 – 2 BvR 628/60, 2 BvR 247/61 – zu B I der Gründe, BVerGE 14, 156), des Bundesgerichtshofs (ua. BGH 16. März 2005 – RiZ (R) 2/04 – zu II 2 b der Gründe, BGHZ 162, 333; 13. Juli 1995 – V ZB 6/94 – zu III 1 b aa der Gründe, BGHZ 130, 304; 5. Juni 1985 – VIII ZR 135/84 – zu II 2 der Gründe, BGHZ 95, 22; 15. November 1956 – III ZR 84/55 – BGHZ 22, 142, 145), des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG 23. August 1996 – 8 C 19.95 – BVerwGE 102, 7) und des Bundesarbeitsgerichts (BAG 6. Juni 2007 – 4 AZR 411/06 – Rn. 34, BAGE 123, 46; 25. März 1971 – 2 AZR 187/70 -) sehen das Grundgesetz und die Gerichtsverfassung im Interesse der sachlichen und persönlichen Unabhängigkeit der Richter vor, dass ihr Amt grundsätzlich von bei dem betreffenden Gericht planmäßig und auf Lebenszeit ernannten Richtern ausgeübt wird. Richter sind nach Art. 97 Abs. 1 GG weisungsunabhängig; ihre sachliche Unabhängigkeit wird durch die Garantie der persönlichen Unabhängigkeit in Art. 97 Abs. 2 GG institutionell gesichert. Auch Art. 92 GG setzt als Normalfall Richter voraus, die unversetzbar und unabsetzbar sind (BVerfG 3. Juli 1962 – 2 BvR 628/60, 2 BvR 247/61 – zu B I der Gründe, BVerfGE 14, 156).
8 AZN 881/14 > Rn 6
Der Einsatz von nicht planmäßigen Richtern bei einem Gericht ist deshalb auf das zwingend gebotene Maß zu beschränken. Die Notwendigkeiten, die eine solche Verwendung rechtfertigen, können in den einzelnen Gerichtszweigen, bei den einzelnen Gerichten und bei ihren Kammern oder Senaten örtlich und zeitlich verschieden sein; daher hängt es von den jeweiligen besonderen Umständen ab, ob und in welchem Maß im Einzelfall die Besetzung der erkennenden Gerichte mit nicht planmäßigen Richtern zulässig ist. In jedem Fall muss es sich um unumgängliche Bedürfnisse der Rechtspflege handeln. Das Grundgesetz beschränkt eine solche Verwendung auf das zwingend gebotene Maß (BVerfG 3. Juli 1962 – 2 BvR 628/60, 2 BvR 247/61 – zu B I der Gründe, BVerfGE 14, 156).
8 AZN 881/14 > Rn 7
Ein zwingender Grund für den Einsatz planmäßiger Richter unterer Gerichte in Abordnung an obere Gerichte ist die Eignungserprobung (BVerfG 22. Juni 2006 – 2 BvR 957/05 – Rn. 7 mwN; 3. Juli 1962 – 2 BvR 628/60, 2 BvR 247/61 – zu B I 1 der Gründe, BVerfGE 14, 156). Die Notwendigkeit, Nachwuchs heranzubilden oder Beurteilungsgrundlagen für ein richterliches Beförderungsamt zu schaffen, erlaubt die Heranziehung auch solcher Richter an ein Gericht, die nicht planmäßige Richter dieses Gerichts sind (BVerfG 22. Juni 2006 – 2 BvR 957/05 – Rn. 7 mwN; 13. November 1997 – 2 BvR 2269/93 -; 23. Januar 1996 – 1 BvR 1551/95 -; 9. November 1955 – 1 BvL 13/52, 1 BvL 21/52 – zu IV 2 b der Gründe, BVerfGE 4, 331).
8 AZN 881/14 > Rn 8
Zudem liegen zwingende Gründe für einen Einsatz nicht planmäßiger Richter an oberen Gerichten vor, wenn vorübergehend ausfallende planmäßige Richter, deren Arbeit von den im Geschäftsverteilungsplan bestimmten Vertretern neben den eigenen Aufgaben nicht bewältigt werden kann, vertreten werden müssen oder wenn ein zeitweiliger außergewöhnlicher Arbeitsanfall aufzuarbeiten ist. Auch in solchen Fällen ist die Verwendung von nicht planmäßigen Richtern nicht gerechtfertigt, wenn die Arbeitslast des Gerichts deshalb nicht bewältigt werden kann, weil es unzureichend mit Planstellen ausgestattet ist, oder weil die Justizverwaltung es verabsäumt hat, offene Planstellen binnen angemessener Frist zu besetzen (BVerfG 3. Juli 1962 – 2 BvR 628/60, 2 BvR 247/61 – zu B I 1 der Gründe, BVerfGE 14, 156).
8 AZN 881/14 > Rn 9
8 AZN 881/14 > Rn 10
8 AZN 881/14 > Rn 11
8 AZN 881/14 > Rn 12
8 AZN 881/14 > Rn 13
8 AZN 881/14 > Rn 14
8 AZN 881/14 > Rn 15
8 AZN 881/14 > Rn 16
8 AZN 881/14 > Rn 17
8 AZN 881/14 > Rn 18
8 AZN 881/14 > Rn 19
(c) Ein aufzuarbeitender – also bereits tatsächlich bestehender – zeitweiliger außergewöhnlicher Arbeitsanfall ist nicht dargelegt worden.
8 AZN 881/14 > Rn 20
8 AZN 881/14 > Rn 21
Das Urteil BAG – 8 AZN 881/14 wird zitiert in: