Source: http://www.argedaten.at/php/cms_monitor.php?q=PUB-TEXT-ARGEDATEN&s=66680239
Timestamp: 2018-04-20 16:18:40
Document Index: 186217389

Matched Legal Cases: ['Art 6', '§ 6', '§ 107', 'Art 6', '§ 6', 'Art 6', '§107']

Welche Konsequenz hat es, wenn Mails so verschickt werden, dass jeder Empfänger die Mailadressen aller anderen Empfänger erhält?
DSGVO Art 6, DSG § 6, TKG § 107
Die Übermittlung von E-Mail-Adressen Dritter in einem Mail kommt in der Praxis häufig vor. Die rechtliche Einordnung ist von den genauen Umständen abhängig.
Vielfach werden - durch Unwissenheit oder auch durch Bedienungsfehler - Mails so verschickt, dass für alle Empfänger erkennbar ist, wer die anderen Empfänger dieser Nachricht sind. In diesem Fall stellt sich die Frage, ob eine Datenschutzverletzung des Senders vorliegt bzw. ob ein einzelner Empfänger diese Mailadressen benutzen darf.
Entscheidend für die Beantwortung dieser Fragen ist, ob das Anführen der Mailadressen Absicht war oder irrtümlich erfolgte.
Wenn die Mailadressen absichtlich lesbar angeführt wurden und die Weitergabe gemäß Art 6 Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zulässig war, dann dürfen die Empfänger diese Information auch benutzen. Dies wird etwa in Firmen oder bei der Koordination von gemeinsamen Projekten der Fall sein, wo der Absender sicherstellen will, dass allfällige Antworten auf das ursprüngliche Mail wiederum alle Personen erreichen.
Wurden andere Mailadressen bloß irrtümlich übermittelt, etwa durch einen Bedienungsfehler oder einen Softwarefehler, dann ist der Absender verpflichtet, sobald er davon Kenntnis erlangt, die Empfänger von der irrtümlichen Offenbarung der Daten zu informieren und auch darüber, dass diese Daten nicht verwendet werden dürfen.
Erfolgte das Anführen rechtswidrig, nicht bloß irrtümlich, dann liegt beim Absender zusätzlich eine Datenschutzverletzung gemäß § 6 Datenschutzgesetz (Bruch der Geheimhaltung) vor. Der Absender würde in einem solchen Fall für verursachte Schäden haften.
Erfolgte die Nennung der Mailadressen jedoch irrtümlich oder unrechtmäßig gemäß Art 6 DSGVO, dann sind die Daten nicht rechtlich wirksam übermittelt bzw. veröffentlicht worden und dürfen daher auch nicht vom Empfänger für eigene Zwecke verwendet werden.
Sollten die Daten dann trotzdem verwendet werden oder verwendet sie der Empfänger, obwohl er eigentlich erkennen müsste, dass diese Daten irrtümlich veröffentlicht wurden, dann begeht er eine Datenschutzverletzung.
Die Verwendung von Mailadressen für Werbezwecke wäre jedenfalls nach §107 Telekommunikationsgesetz (TKG) unzulässig.