Source: https://www.leuphana.de/portale/gender-diversity-portal/studium-beeintraechtigung/nachteilsausgleiche.html
Timestamp: 2020-05-30 12:21:59
Document Index: 31820101

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 7', '§15', '§9', '§7', '§15', '§ 3', '§ 6', '§ 15']

Leuphana Universität Lüneburg: Nachteilsausgleiche
Auf dieser Seite finden Sie Informationen rund um das Thema Nachteilsausgleiche an der Leuphana Universität. Wer diese wie beantragen kann, welche Nachweise notwendig sind und was es bei der Beantragung zu beachten gibt.
Studierende mit Behinderungen oder chronischen (physischen oder psychischen) Erkrankungen können in ihrem Studium auf ganz unterschiedliche Art und Weise eingeschränkt sein: durch eine geminderte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, zeitaufwendige Behandlungen und Klinikaufenthalte, bauliche Barrieren und ein eingeschränktes Zeitbudget. Das hat zu Folge, dass zeitliche und formale Vorgaben im Studium und bei Prüfungen häufig nicht wie vorgesehen erfüllt werden können. Deswegen gibt es so genannte Nachteilsausgleiche. Sie sollen gewährleisten, dass die individuellen Bedürfnisse von Studierenden mit Beeinträchtigungen berücksichtigt werden und diese entsprechend studieren können, soweit dies zur Wahrung ihrer Chancengleichheit möglich und erforderlich ist. Nachteilsausgleiche stellen keine "Vergünstigungen" dar, sondern gleichen individuell und situationsbezogen Benachteiligungen aus, die durch eine Behinderung, oder chronische (physische oder psychische) Erkrankung entstehen. Die Inanspruchnahme von Nachteilsausgleichen darf nicht im Zeugnis vermerkt werden.
Beantragen können einen Nachteilsausgleich alle Studierende mit längerfristigen (in der Regel mehr als sechs Monate andauernden) gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die sich auf ihr Studium auswirken. Das können Beeinträchtigungen psychischer Art, wie zum Beispiel Depressionen oder Essstörungen, Autismus, chronische Erkrankungen wie Diabetes, Morbus Chron, Reizdarmsyndrom und Schmerzerkrankungen, Seh- und Hörbeeinträchtigungen, Beeinträchtigungen motorischer Art, Sprachbeeinträchtigungen oder auch Teilleistungsstörungen wie Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Störung) und Dyskalkulie (Rechnungsstörung) und andere länger andauernden Beeinträchtigungen sein. Eingeschlossen sind auch chronische Erkrankungen mit episodischem Verlauf zum Beispiel Rheuma, Epilepsie oder Multiple Sklerose. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Beeinträchtigung amtlich anerkannt ist (Schwerbehindertenausweis) oder nicht.
Der Anspruch auf Nachteilsausgleich für Studierende mit Behinderungen oder chroni­schen Krankheiten ist im Grundgesetz, im Hochschulrahmengesetz, in den Landeshochschulgesetzen, in den Prüfungsordnungen der Hochschulen und in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert.
Im Niedersächsischen Hochschulgesetz (NHG) § 3 Abs. 1 Nr. 7 heißt es:
Aufgaben der Hochschulen sind [...] die Mitwirkung an der sozialen Förderung der Studierenden unter Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von Studierenden mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen und Studierenden mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen, wobei die Hochschulen dafür Sorge tragen, dass Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen in ihrem Studium nicht benachteiligt werden und die Angebote der Hochschule möglichst ohne fremde Hilfe in Anspruch nehmen können [...]
Die Berücksichtigung der besonderen Belange von Studierenden mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen in Prüfungsordnungen wird in § 7 Abs. 3 S. 5 NHG gefordert:
Prüfungsordnungen müssen die besonderen Belange von Studierenden mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen zur Wahrung ihrer Chancengleichheit berücksichtigen.
Den rechtlichen Rahmen für Nachteilsausgleiche an der Leuphana Universität Lüneburg bilden §15 der Rahmenprüfungsordnungen (RPO) der Bachelor- und Masterprogramme, §9 der RPO für berufsbegleitende Bachlorprogramme sowie §7a der RPO für die Masterprogramme an der Professional School. Weitere Informationen zu den gesetzlichen Grundlagen für Nachteilsausgleiche hier.
§15 Nachteilsausgleich
(1) Machen Studierende glaubhaft, dass sie z. B. wegen länger andauernder physischer oder psychischer Einschränkungnicht in der Lage sind, Prüfungsleistungen ganz oder teilweise in der vorgesehenen Form abzulegen, so muss ihnen die Möglichkeit eingeräumt werden, die Prüfungsleistungen in einer verlängerten Bearbeitungszeit oder gleichwertige Prüfungsleistungen in einer anderen Form zu erbringen. Die Entscheidung trifft der zuständige Prüfungsausschuss.
(2) Soweit die Einhaltung von Fristen für die Meldung zu Prüfungen, die Wiederholung von Prüfungen, die Gründe für das Versäumen von Prüfungen und die Einhaltung von Bearbeitungszeiten für Prüfungsarbeiten betroffen sind, steht der Krankheit der Studierenden die Krankheit und dazu notwendige alleinige Betreuung einer oder eines nahen Angehörigen gleich. Nahe Angehörige sind Kinder, Eltern, Großeltern, Geschwister, Ehe-und Lebenspartner.
(3) Berücksichtigung finden ebenfalls die Inanspruchnahme der Schutzfristen des § 3 Abs. 2 und des § 6 Abs. 1 des Mutterschutzgesetzes (MuSchG) sowie die Regelungen zur Elternzeit in §§ 15 und 16 des Gesetzes zum Erziehungsgeld und zur Elternzeit (BerzGG). Ein entsprechender Antrag ist an den zuständigen Prüfungsausschuss zu richten.
(4) Aus der Beachtung der Vorschriften nach Abs. 1 bis 3 dürfen den betreffenden Studierenden keine Nachteile erwachsen. Die Erfüllung der Voraussetzungen nach den Abs. 1 bis 3 sind durch geeignete Unterlagen, wie z.B. fachärztliches Attest, ggf. amtsärztliches Attest, Geburtsurkunden, Bescheinigungen des Einwohnermeldeamtes etc. nachzuweisen.
Grundsätzlich ist es sinnvoll, sich im Vorfeld der Antragstellung an den Beauftragten für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen zu wenden, um das persönliche Anliegen zu besprechen. Bitte stellen Sie den Antrag auf Nachteilsausgleich rechtzeitig.
Anträge sind über die zuständige Sachbearbeiter*in in der Prüfungsadministration des Studierendenservice an den jeweiligen Prüfungsausschuss zu stellen und mit geeigneten Nachweisen zu belegen. Sie stellen schriftlich einen formlosen Antrag, in dem Sie erläutern, wie sich die Behinderung bzw. die chronische (physische oder psychische) Erkrankung konkret auf das Erbringen von Studien- oder Prüfungsleistungen auswirkt und machen Lösungsvorschläge, wie ein geeigneter Nachteilsausgleich aussehen könnte. Dabei sind Angaben zur Krankheit notwendig. Die Nennung einer Diagnose kann zur Beurteilung hilfreich sein, sie ist aber nicht zwingend. Wichtig ist, dass aus dem Antrag auch für medizinische Laien nachvollziehbar wird, welche Einschränkungen in Bezug auf das Studium vorliegen.
Bitte fügen Sie dem Antrag geeignete Nachweise bei. Auch in diesem Fall ist maßgeblich letzlich nicht die Diagnose, sondern der Zusammenhang zwischen gesundheitlicher Beeinträchtigung und der Studienerschwernis.
Der Antrag wird beim Studierendenservice eingereicht.
Dieser wird weiter an den zuständigen Prüfungsausschuss geleitet.
Gegen eine Ablehnung kann Widerspruch eingelegt werden.
Der Antrag kann ggf. auch für mehrere vergleichbare Prüfungen gestellt werden.
Als Nachweise eignen sich vor allem ein oder mehrere der folgenden Belege:
(fach-)ärztliche Atteste bzw. Stellungnahmen von approbierten psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und/oder
Behandlungsberichte von Krankenhaus- und Reha-Aufenthalten und/oder
Stellungnahmen von Reha-Trägern oder Bewilligungsbescheide von Trägern der Eingliederungshilfe,
Diagnostische Tests wie z. B. bei Legasthenie oder Dyskalkulie sollten in der Regel nicht älter als fünf Jahre sein,
Schwerbehindertenausweis bzw. Feststellungsbescheid des Versorgungsamtes,
Stellungnahme der oder des Beauftragten für Studierende mit Behinderung der Universität
Amtsärztliche Gutachten sind nur erforderlich, wenn Sie zu deren Vorlage durch die Leuphana Universität ausdrücklich aufgefordert werden.
Sowohl der Studierendenservice als auch der Prüfungsausschuss sind zur Verschwiegenheit gegenüber Dritten verpflichtet.
Ein Antrag auf Nachteilsausgleich wird vertraulich behandelt.
Wie kann ein Nachteilsausgleich aussehen?
Ein Nachteilsausgleich bei Prüfungen kann nur gewährt werden, wenn er geeignet, erforderlich und angemessen ist, um die durch die Behinderung oder chronische (physische oder psychische) Erkrankung verursachte Beeinträchtigung bei der Leistungserbringung zu beseitigen. Deshalb ist ein Nachteilsausgleich ausgeschlossen, wenn die Beeinträchtigung nicht ausgleichsfähig ist, weil sie gerade die durch die Prüfung zu ermittelnde Leistungsfähigkeit betrifft. Zur Wahrung der Chancengleichheit aller Prüflinge dürfen die Leistungsanforderungen und Bewertungsmaßstäbe nicht verändert werden.
Die folgende Auflistung gibt Ihnen erste Orientierung über mögliche und bewährten Maßnahmen zum Nachteilsausgleich. Welcher Nachteilsausgleich im Einzelfall angebracht ist, hängt immer von der konkreten Beeinträchtigung und den jeweiligen Prüfungsanforderungen ab.
Schreibzeitverlängerung bei Klausuren und Verlängerung von Vorbereitungszeiten bei mündlichen Prüfungen
Verlängerung der Bearbeitungszeit um tatsächlich anfallende Pausenzeiten
Verlängerung der Bearbeitungsfristen von Haus- und Abschlussarbeiten
Modifikation praktischer Prüfungen durch andere Leistungen
Erlaubnis zur Nutzung technischer Hilfsmittel und personeller Assistenz
Bereitstellung adaptierter Prüfungsunterlagen
Entzerren von Prüfungsballungen/Verschieben von Prüfungsterminen