Source: http://www.kostenlose-urteile.de/BFH_III-R-1816_Kein-Kindergeldanspruch-bei-Bezug-von-Arbeitslosengeld-II-und-Erwerbstaetigkeit-des-anderen-Elternteils-im-EU-Ausland.news25032.htm
Timestamp: 2018-03-18 19:25:18
Document Index: 209288954

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 118', 'Art. 68', '§ 65', 'Art. 11', '§ 7', 'Art. 70']

Urteil > III R 18/16 | BFH - Kein Kindergeldanspruch bei Bezug von Arbeitslosengeld II und Erwerbstätigkeit des anderen Elternteils im EU-Ausland < kostenlose-urteile.de
Im zugrunde liegenden Streitfall wohnte die Klägerin mit ihrer minderjährigen Tochter seit Juli 2013 in der Bundesrepublik Deutschland. Sie erhielt Grundsicherungsleistungen für erwerbsfähige Leistungsberechtigte nach §§ 7 Abs. 1, 19 Abs. 1 des Sozialgesetzbuchs (SGB) II (Arbeitslosengeld II), nicht aber anwartschaftsbezogene Leistungen nach §§ 118, 142, 143 SGB III (Arbeitslosengeld I). Der Kindsvater wohnte in Frankreich und war dort erwerbstätig. Er erhielt eine dem Kindergeld vergleichbare höhere französische Familienleistung. Die Familienkasse hob daher die Festsetzung des Kindergeldes auf.
FG gibt Klage auf Erhalt von Kindergeld in Deutschland statt
Das Finanzgericht gab der Klage statt, da zum einen der Kindsvater nach dem vom Finanzgericht überprüfbaren französischen Recht keinen Anspruch auf Kindergeld gehabt habe. Zudem würde selbst ein Kindergeldanspruch des Vaters nach französischem Recht den Anspruch auf deutsches Kindergeld nach Art. 68 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (VO Nr. 883/2004), der § 65 des Einkommensteuergesetzes vorgeht, nicht ausschließen.
BFH: Familienkasse und Finanzgericht sind nicht zur Überprüfung der Richtigkeit der positiven ausländischen Entscheidung befugt
Der Bundesfinanzhof hob das Urteil auf und wies die Klage ab. Die positive Entscheidung, mit der die zuständige ausländische (hier: französische) Behörde einen Kindergeldanspruch nach ihrem Recht bejaht hat, ist für die Familienkasse bindend, soweit die Auslegung von Unionsrecht nicht betroffen ist. Die Familienkasse und das Finanzgericht sind daher nicht befugt, die Richtigkeit dieser positiven ausländischen Entscheidung zu überprüfen und selbst das ausländische Recht festzustellen und anzuwenden.
Arbeitslosengeld II hat keine an bisherigen Verdienst anknüpfende Entgeltersatzfunktion
Des Weiteren entschied der Bundesfinanzhof, dass das Arbeitslosengeld II als Leistung zur Sicherung des Lebensunterhalts für Arbeitsuchende nach dem SGB II keine Leistung bei Arbeitslosigkeit im Sinne der europarechtlichen Bestimmung ist (Art. 11 Abs. 2, Abs. 3 Buchst. c der VO Nr. 883/2004). Das Arbeitslosengeld II hat keine an einen bisherigen Verdienst anknüpfende Entgeltersatzfunktion. Der Empfänger von Arbeitslosengeld II erhält seine Leistung nicht aufgrund oder infolge seiner vorherigen Beschäftigung. Anspruchsvoraussetzung sind nur die Anforderungen des § 7 Abs. 1 SGB II (Altersgrenze, Erwerbsfähigkeit, Hilfebedürftigkeit und gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland). Das Arbeitslosengeld II ist daher eine beitragsunabhängige Geldleistung i.S. des Art. 70 der VO Nr. 883/2004.
Bundesfinanzhof, Entscheidung vom 25.10.2017 [Aktenzeichen: III R 18/16]
Urteile zu den Schlagwörtern: Arbeitslosengeld | Arbeitslosengeld II | ALG II | Ausland | erwerbstätig | Erwerbstätigkeit | Frankreich | französisch | Franzose | Französin | Kindergeld | Kindergeldansprüche
Dokument-Nr. 25032
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