Source: https://www.barnboox.de/pferdewissen/gesundheit/alternative-therapien/anwendung-und-abgabe-von-tierarzneimitteln-durch-tierheilpraktiker/
Timestamp: 2019-08-23 21:52:16
Document Index: 384193885

Matched Legal Cases: ['§ 50', '§ 60', '§ 58', '§ 13', '§ 58', '§ 58', '§ 57', '§ 47']

Anwendung und Abgabe von Tierarzneimitteln durch Tierheilpraktiker | barnboox.de | Pferdewissen online
Freiverkäufliche Arzneimittel dürfen abgegeben werden, sofern eine Person mit der erforderlichen Sachkenntnis nach § 50 AMG vorhanden ist. Ein Sachkundenachweis ist gemäß § 60 Abs. 1 AMG nicht erforderlich bei Abgabe freiverkäuflicher Arzneimittel, die ausschließlich zur Anwendung bei den dort genannten Heimtieren bestimmt sind.
Gelten für Pferde, welche nicht als Schlachttier deklariert sind und damit nicht der Lebensmittelgewinnung dienen, die gleichen Grundlagen bei der Anwendung von Arzneimitteln wie für Kleintiere?
Sofern Pferde über einen vollständig ausgefüllten Equidenpass verfügen, in dem in Kapitel IX Teil II das Pferd verbindlich als nicht zum menschlichen Verzehr bestimmt erklärt ist, gelten die besonderen arzneimittelrechtlichen Bestimmungen für Lebensmittel liefernde Tiere nicht, das heißt es gelten die arzneimittelrechtlichen Bestimmungen wie für andere nicht der Gewinnung von Lebensmitteln dienenden Tierarten beispielsweise Hunde oder Katzen.
Dürfen Bachblüten, welche freiverkäuflich erworben werden, bei Tieren, welche der Lebensmittelgewinnung dienen, angewendet werden?
Dürfen homöopatische Einzelmittel ab einer Potenz von D6 bei Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen, angewendet werden? Ist eine solche Anwendung erlaubt, wenn Sie entsprechend im Bestandsbuch dokumentiert wird?
Die Anwendung von apothekenpflichtigen Homöopathika bei Lebensmittel liefernden Tieren unterliegt ebenfalls den Regelungen des § 58 AMG, das heißt Tierhalter oder Tierheilpraktiker dürfen solche Homöopathika nur gemäß einer tierärztlichen Behandlungsanweisung oder für die in der Kennzeichnung oder Packungsbeilage bezeichneten Tierarten und entsprechend der angegebenen Dosierung und Anwendungsdauer anwenden. Zu freiverkäuflichen Homöopathika siehe die nächste Antwort.
Ist die Eigenbluttherapie eine Herstellung eines Arzneimittels? Bei der Eigenbluttherapie wird zum Beispiel das Blut des Tieres entnommen, mit einem homöopathischen Mittel versetzt und dann sofort in das Tier re-injiziert. Oder das Blut wird in einem Gerät zur so genannten Autonosode aufbereitet, dabei wird es dem Licht eines bestimmten elektrischen Spannungsfeldes ausgesetzt; Arzneimittel werden nicht zugefügt.
Bei der oben beschriebenen Eigenbluttherapie handelt es sich um eine Arzneimittelherstellung. Gemäß § 13 AMG bedarf die Arzneimittelherstellung keiner Herstellungserlaubnis, sofern das Arzneimittel nicht abgegeben wird. Erlaubnisfrei ist die Herstellung somit nur, wenn der Tierheilpraktiker oder die Tierheilpraktikerin das hergestellte Arzneimittel selbst am Patienten anwendet. Eine Zulassungspflicht besteht ebenfalls nicht, sofern das Arzneimittel nicht in den Verkehr gebracht wird. Für die Anwendung bei Lebensmittel liefernden Tieren ist jedoch im Hinblick auf das verwendete Homöopathikum § 58 AMG (siehe oben) zu beachten.
Dürfen frei verkäufliche ätherische Öle im Zuge der Behandlung zur Inhalation auch bei Tieren angewendet werden, welche der Lebensmittelgewinnung dienen?
Freiverkäufliche Arzneimittel dürfen bei Lebensmittel liefernden Tieren angewendet werden, sie unterliegen nicht den einschränkenden Vorschriften des § 58 AMG. Zu beachten sind allerdings die Vorschriften der unmittelbar geltenden EU-Verordnung (EWG) Nr. 2377/90, nach der bei Lebensmittel liefernden Tieren nur pharmakologisch wirksame Stoffe angewendet werden dürfen, die in Anhang I, II oder III der Verordnung aufgeführt sind.
Tierheilpraktiker fallen unter § 57 Abs. 1 Satz 2 AMG („andere Personen, die in § 47 Abs. 1 nicht genannt sind“).
Ralph Brockhaus (mit freundlicher Genehmigung von www.pferde-sport-zeitung.de)