Source: http://www.qualimedic.de/organtransplantation_gesetz.html
Timestamp: 2018-11-18 03:48:09
Document Index: 62165696

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 10', '§ 11', '§ 12', '§ 3', '§ 5', '§ 2', '§ 4', '§ 11', '§ 12', '§ 7']

Transplantations-Gesetz (TPG), Koordinierungsstelle (DSO) und Vermittlungsstelle (ET) - Gesundheit und Medizin auf QualiMedic
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Transplantations-Gesetz (TPG), Koordinierungsstelle (DSO) und Vermittlungsstelle (ET)
In dem 1997 verabschiedeten Transplantationsgesetz (TPG) ist die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen und Geweben einschließlich der Voraussetzungen für eine Lebendspende eindeutig geregelt. Außerdem stellt es den Organhandel unter Strafe.
Das Transplantationsgesetz fördert ein Höchstmaß an Transparenz bei der Dokumentation der Organspenden und Gerechtigkeit bei der Verteilung der Spenderorgane. Außerdem garantiert es Spendern wie Empfängern ein Höchstmaß an Datenschutz.
Das Transplantationsgesetz enthält unter anderem folgende Kernpunkte:
lebenswichtige Organe (Herz, Niere, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse, Darm) dürfen nur in dafür zugelassenen Transplantationszentren übertragen werden (TPG § 9 und § 10).
Die Bereiche Organentnahme, -vermittlung und -transplantation sind organisatorisch und personell voneinander zu trennen (Koordinierung TPG § 11, Vermittlung TPG § 12).
Organe dürfen erst entnommen werden, nachdem der Tod des Organspenders festgestellt wurde (Ausnahme: Lebendspende). Immer ist auch der Hirntod des Spenders festzustellen (TPG § 3).
Den Tod des Spenders müssen zwei Ärzte unabhängig voneinander feststellen (TPG § 5).
Entscheidung schriftlich formulieren
Seine Entscheidung zur Organspende sollte jeder schriftlich (zum Beispiel in einem Organspendeausweis) festhalten (TPG § 2). Kommt im Todesfall eine Organspende aus medizinischer Sicht in Betracht, sind die nächsten Angehörigen zu befragen, ob sich der Verstorbene zu Lebzeiten für oder gegen eine Spende erklärt hat. Ist ihnen darüber nichts bekannt, werden sie nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen gefragt und gebeten, in seinem Sinne zu entscheiden (TPG § 4).
Das Transplantationsgesetz (TPG) vom 5.11.1997 sieht eine strikte Trennung von Organentnahme und -transplantation einerseits und der Organvermittlung andererseits vor. Das Bundesgesundheitsministerium hat inzwischen auch die Zusatzverträge zum TPG über die neue Koordinierungsstelle (TPG § 11) und Vermittlungsstelle (TPG § 12) genehmigt. Diese sind mit Wirkung vom 16. Juli 2000 in Kraft getreten.
Die Spitzenverbände der Krankenkassen, die Bundesärztekammer und die Deutsche Krankenhausgesellschaft haben durch diese Verträge nun auch offiziell nachfolgende zwei Institutionen mit der Abwicklung der Organtransplantation in Deutschland betraut:
die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) in Neu-Isenburg zur Koordination
die Eurotransplant International Foundation (ET) in Leiden/Niederlande zur Vermittlung.
Beide gemeinnützige Stiftungen sind bereits seit etlichen Jahren für die Abwicklung der Organtransplantation zuständig. Die DSO fungiert seit dem 16. Juli 2000 als sogenannte Koordinierungsstelle, die ET als Vermittlungsstelle für Organspenden in Deutschland. In den Verträgen wurden die Aufgaben beider Stellen eindeutig festgelegt und konkretisiert.
Die gesetzliche Vorgabe vom Juli 2000 soll hauptsächlich eine schnellere und gerechtere Vermittlung der Spenderorgane bewirken. Demnach hat die ET als Vermittlungsstelle u. a. künftig für jedes Organ die nach den medizinischen Verteilungskriterien am besten geeigneten Empfänger in einer Rang- bzw. Warteliste aufzuführen.
Nach Angaben der DSO bedeuten die Verträge vor allem eine Stabilisierung der Strukturen für das Organspenden an sich: die DSO erhofft sich von den Neuerungen auf diese Weise eine deutliche Steigerung beim Organspendeaufkommen.
Die neue Gesetzgebung regelt auch die Umsetzung der Richtlinien der Bundesärztekammer zur Organvermittlung:
für Niere und Bauchspeicheldrüse ist hierbei ein Übergangszeitraum von einem Monat vorgesehen,
für Herz, Lunge und Leber drei Monate.
Die DSO setzt die Richtlinien für die Vermittlung dieser Organe vollständig um. Sie werden regelmäßig von der Bundesärztekammer überprüft und dem Stand der medizinischen Wissenschaft angepasst.
Koordinierungsstelle (DSO)
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) wurde 1984 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Neu-Isenburg. Die DSO organisiert mit fünf Zentralen und 45 Büros bundesweit flächendeckend die Organentnahme als gemeinschaftliche Aufgabe der Transplantationszentren und der rund 1.400 Krankenhäuser, die laut Gesetz zur Meldung verstorbener möglicher Organspender verpflichtet sind (TPG § 7, Abs. 2), um
alle vorhandenen Möglichkeiten der Organspende wahrzunehmen und
durch Entnahme und Bereitstellung geeigneter Spenderorgane für Transplantationen die gesundheitlichen Risiken der Organempfänger so gering wie möglich zu halten.
In den Verträgen zum Transplantationsgesetz ist ausdrücklich eine regionale Struktur der Organspende in Deutschland vorgesehen. Deshalb hat die DSO in Abstimmung mit der Deutschen Transplantationsgesellschaft sieben Regionen gebildet, in denen die Organspende unabhängig voneinander organisiert wird. Die Regionen orientieren sich an den Bundesländern.
Aufteilung der 7 Regionen:
1. Nord: Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein
2. Nord-Ost: Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern
3. Ost: Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
4. Mitte: Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland
Aufgaben Die DSO als Koordinierungsstelle hat folgende Aufgaben:
Organisation der Entnahme und Konservierung der Organe.
Organisation der Transporte der Entnahmeteams und der Organe.
Unterstützung der Krankenhäuser bei der Feststellung des Todes des Spenders.
Sicherstellung notwendiger Untersuchungen (z.B. Organfunktion, Immunologie, Blutgruppenbestimmung oder Pathologie).
Gewährleistung des Austausches der für die Organvermittlung notwendigen Spenderdaten.
Übermittlung der Begleitpapiere nach Entscheidung der Organvergabe an das Zentrum, in dem transplantiert wird.
Meldung der Organe, Kenn-Nummern und weiteren Angaben an die Vermittlungsstelle (ET).
Einhaltung des Datenschutzes (Verschlüsselung der Spender- und Empfängerdaten).
Unterstützung der Transplantationszentren bei Führung der Warteliste.
Einwirken auf Krankenhäuser, damit diese ihrer Meldepflicht nachkommen.
Erfahrungsaustausch mit Transplantationszentren und Vermittlungsstelle.
Unterstützung bei Aufklärung der Bevölkerung über das Organspenden, die Voraussetzungen dafür und die Bedeutung des Organspendens.
Jährliche Berichtspflicht über die Tätigkeit der deutschen Transplantationszentren.
Die Verantwortung für die Organe bleibt bis zur Übergabe an das Transplantationszentrum bei der Koordinierungsstelle.
Vermittlungsstelle (ET)
Die gemeinnützige Stiftung Eurotransplant International Foundation (ET) mit Sitz in Leiden (Niederlande) vermittelt seit mehr als 30 Jahren den internationalen Austausch von Spenderorganen in einer Region mit 118 Millionen Einwohnern.
Vermittlung europaweit
Sie stellt ihre Dienste den Transplantationszentren und kooperierenden Krankenhäusern sowie den angeschlossenen Typisierungslaboratorien in folgenden Ländern zur Verfügung:
Slowenien (seit Januar 2000).
Vorteile dieser gemeinsamen Organvermittlung für die in diesen Ländern lebenden Patienten:
In dringenden Fällen konnten rascher Spenderorgane gefunden werden.
Durch die Vermittlung passender, gewebeverträglicher Organe verbesserte sich vor allem die Erfolgsrate gelungener Nierentransplantationen deutlich.
Aufgaben Alle Organe, die in Deutschland bei Verstorbenen zur Transplantation entnommen werden, müssen von der Koordinierungsstelle (DSO) an Eurotransplant als Vermittlungsstelle gemeldet werden.
Dort werden für die verschiedenen Organe (Herz, Niere, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse) einheitliche Patienten-Wartelisten geführt.
Anhand der medizinischen Daten des Organspenders ermittelt Eurotransplant eine Rangliste der geeigneten Empfänger. Auch Organe, die in anderen Ländern entnommen und in Deutschland transplantiert werden, müssen von Eurotransplant nach den gesetzlich vorgegebenen Regeln vermittelt werden.
Für die patientenbezogene Organzuteilung werden Richtlinien zugrunde gelegt, die - gemäß dem Transplantationsgesetz - von der Bundesärztekammer erstellt worden sind. Sie streben eine weitgehende Chancengleichheit für alle wartenden Patienten an. Dabei orientieren sie sich vor allem an der Erfolgsaussicht und der Dringlichkeit einer Transplantation sowie an der Wartezeit des Patienten.