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Timestamp: 2020-03-30 07:41:02
Document Index: 12378738

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 259', 'BGH', '§ 16', 'BGH', '§ 259', '§ 257', '§ 264', '§ 264', '§ 264', '§ 259', '§ 259', 'BGH', '§ 259']

﻿ ﻿ BAG – 5 AZR 731/12 | bag-urteil.com
Klage auf zukünftige Leistung – ERA-Ausgleichs- und Überschreiterzulage – Klageänderung – Mitbestimmung – Betriebsrat
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.10.2014, 5 AZR 731/12
Die Revision der Klägerin gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Nürnberg vom 13. Juni 2012 – 2 Sa 675/11 – wird zurückgewiesen.
5 AZR 731/12 > Rn 1
5 AZR 731/12 > Rn 2
5 AZR 731/12 > Rn 3
5 AZR 731/12 > Rn 4
5 AZR 731/12 > Rn 5
5 AZR 731/12 > Rn 6
5 AZR 731/12 > Rn 7
5 AZR 731/12 > Rn 8
Mit ihrer am 18. April 2011 eingereichten, mehrfach erweiterten Klage begehrt die Klägerin ab Februar 2011 die Zahlung von monatlich weiteren 41,60 Euro brutto. Sie ist der Ansicht, die durch die Höhergruppierung bewirkte individuelle Erhöhung ihres Entgelts sei zunächst auf die Ausgleichszulage anzurechnen gewesen. Der Tarifvertrag sehe keine lediglich temporäre Sicherung des Besitzstands vor. Die Reihenfolge „Ausgleichszulage vor Überschreiterzulage“ sei in § 5.4 ERA-ETV mit Bedacht gewählt worden, um die Rangfolge der Anrechnung vorzugeben. Die unterschiedliche Wertigkeit der Zulagen – in Gestalt einer flüchtigen Ausgleichszulage und einer perspektivisch angelegten Überschreiterzulage – sei auch bei der Anrechnung individueller Entgelterhöhungen zu berücksichtigen. Die von der Beklagten vorgenommene Anrechnung könne zudem wegen fehlender Beteiligung des Betriebsrats nicht aufrechterhalten bleiben.
5 AZR 731/12 > Rn 9
5 AZR 731/12 > Rn 10
5 AZR 731/12 > Rn 11
Das Arbeitsgericht hat die Klage als unbegründet abgewiesen. Das Landesarbeitsgericht hat die Berufung der Klägerin, mit der Maßgabe, der auf künftige Leistung gerichtete Klageantrag sei unzulässig und die Klage im Übrigen unbegründet, zurückgewiesen. Die Klägerin verfolgt mit der vom Landesarbeitsgericht zugelassenen Revision ihr Klagebegehren weiter. Sie beantragt nunmehr, die Beklagte zu verurteilen, an sie für die Monate Februar 2011 bis September 2012 monatlich 41,60 Euro brutto sowie künftig – unter den im Berufungsverfahren genannten Bedingungen, hilfsweise ergänzt um den Ausnahmetatbestand Arbeitskampfrisiko – beginnend ab 1. Oktober 2012 monatlich 41,60 Euro brutto jeweils nebst Zinsen zu zahlen.
5 AZR 731/12 > Rn 12
5 AZR 731/12 > Rn 13
5 AZR 731/12 > Rn 14
1. Die Anträge sind zulässig. Hinsichtlich der Monate Dezember 2011 bis Mai 2012 ist die Umstellung des Antrags in der Revision zulässig, weil die Klage insoweit schon in der Berufungsinstanz, was das Landesarbeitsgericht – im Übrigen zu Recht von einer unzulässigen Klage auf künftige Leistung ausgehend – übersehen hat, nicht auf künftige Leistung gerichtet war. Auf die Erfüllung der Voraussetzungen nach § 259 ZPO kommt es – bezogen auf diese Monate – nicht an.
5 AZR 731/12 > Rn 15
a) Maßgeblicher Zeitpunkt für die Beurteilung der Zulässigkeit der Klage durch das Berufungsgericht ist der der letzten mündlichen Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht (BGH 4. Mai 2005 – VIII ZR 5/04 – zu II 1 der Gründe mwN). Am 13. Juni 2012, dem Termin der Berufungsverhandlung, war die Klage für den Zeitraum Dezember 2011 bis Mai 2012 nicht mehr auf eine zukünftige Leistung gerichtet. Die Vergütungsansprüche der Klägerin, deren Zahlung nach § 16.1 (II) MTV am Schluss des Kalendermonats für den laufenden Monat erfolgt, waren bereits fällig. Das Berufungsgericht hätte über diese bereits fälligen Ansprüche entscheiden können, ohne dass es einer Änderung des Antrags bedurfte (vgl. BAG 28. Januar 2009 – 4 AZR 904/07 – Rn. 40; BGH 4. Mai 2005 – VIII ZR 5/04 – aaO; Zöller/Greger ZPO 30. Aufl. § 259 Rn. 4, § 257 Rn. 7).
5 AZR 731/12 > Rn 16
5 AZR 731/12 > Rn 17
5 AZR 731/12 > Rn 18
5 AZR 731/12 > Rn 19
5 AZR 731/12 > Rn 20
5 AZR 731/12 > Rn 21
5 AZR 731/12 > Rn 22
5 AZR 731/12 > Rn 23
5 AZR 731/12 > Rn 24
5 AZR 731/12 > Rn 25
5 AZR 731/12 > Rn 26
5 AZR 731/12 > Rn 27
5 AZR 731/12 > Rn 28
5 AZR 731/12 > Rn 29
5 AZR 731/12 > Rn 30
5 AZR 731/12 > Rn 31
5 AZR 731/12 > Rn 32
5 AZR 731/12 > Rn 33
5 AZR 731/12 > Rn 34
5 AZR 731/12 > Rn 35
5 AZR 731/12 > Rn 36
5 AZR 731/12 > Rn 37
5 AZR 731/12 > Rn 38
Ein Fall des § 264 Nr. 2 ZPO liegt nicht vor. Die Klägerin hat, indem sie bezogen auf diese Monate erstmals in der Revision sofortige statt künftige Leistung beantragt, nicht lediglich bei gleichbleibendem Klagegrund eine qualitative Änderung des Klageantrags iSv. § 264 Nr. 2 ZPO vorgenommen (vgl. Zöller/Greger ZPO 30. Aufl. § 264 Rn. 3b mwN für den Fall der Umstellung von sofortiger auf künftige Leistung bei gleichbleibendem Klagegrund). Der Klagegrund und die Höhe eines möglicherweise bestehenden Anspruchs wären vielmehr erstmals festzustellen. Das Landesarbeitsgericht hat für den Zeitraum Juni bis September 2012 – die Klage auf künftige Leistung zu Recht als unzulässig durch Prozessurteil abweisend – keine tatsächlichen Feststellungen getroffen. Die geänderten Zahlungsanträge können auch nicht auf unstreitiges tatsächliches Vorbringen der Parteien gestützt werden. Weder den Feststellungen des Berufungsgerichts noch dem Vortrag der Parteien ist zu entnehmen, ob die Klägerin in den genannten Monaten (durchgehend) gearbeitet hat oder ob sonstige Tatsachen vorliegen, aus denen sich ein Entgeltanspruch der Klägerin ohne Arbeitsleistung ergeben könnte. Der bisherige Antrag auf künftige Leistung und die in der Revision gestellten Anträge auf sofortige Leistung unterliegen damit unterschiedlichen Prüfprogrammen (zur Zulässigkeit der Antragsänderung auf sofortige Leistung bei Abweisung des Antrags auf künftige Leistung in den Vorinstanzen als unbegründet und unstreitigem Sachverhalt vgl. BAG 12. Juni 2002 – 10 AZR 503/01 – zu II 2 der Gründe). Der Beklagten würde zudem die Möglichkeit entzogen, etwaige Einwendungen und Einreden gegen den Entgeltanspruch vorzubringen (vgl. BAG 25. Januar 2012 – 4 AZR 147/10 – Rn. 16, BAGE 140, 291; 5. Dezember 2012 – 7 AZR 698/11 – Rn. 63, BAGE 144, 85).
5 AZR 731/12 > Rn 39
5 AZR 731/12 > Rn 40
1. Ein auf die Vornahme einer künftigen Handlung gerichteter Antrag ist nach § 259 ZPO zulässig, wenn den Umständen nach die Besorgnis gerechtfertigt ist, der Schuldner werde sich der rechtzeitigen Leistung entziehen (vgl. BAG 6. Mai 2003 – 1 ABR 13/02 – zu B II 2 b der Gründe, BAGE 106, 111). Die Besorgnis der Leistungsverweigerung kann sich auf einen bedingten Anspruch beziehen, sofern abgesehen vom Eintritt der Bedingung die Verpflichtung des Schuldners zur Erbringung der künftigen Leistung in ihrem Bestand gewiss ist. § 259 ZPO ermöglicht aber nicht die Verfolgung eines erst in der Zukunft entstehenden Anspruchs. Er setzt vielmehr voraus, dass der geltend gemachte Anspruch bereits entstanden ist (BAG 27. Oktober 2010 – 7 ABR 36/09 – Rn. 13; BGH 12. Juli 2006 – VIII ZR 235/04 – Rn. 11; zukünftige Vergütungsansprüche als künftige Leistungen iSv. § 259 ZPO ansehend, ohne tragend auf die Frage der Anspruchsentstehung abzustellen BAG 20. August 2002 – 9 AZR 710/00 – zu A I der Gründe, BAGE 102, 225; 6. Mai 2009 – 10 AZR 390/08 – Rn. 15; die Zulässigkeit des Antrags bereits wegen der fehlenden Aufnahme der für den Vergütungsanspruch maßgeblichen Bedingungen in den Antrag verneinend BAG 13. März 2002 – 5 AZR 755/00 – zu I 1 und 2 der Gründe; 9. April 2008 – 4 AZR 104/07 – Rn. 28; 28. Januar 2009 – 4 AZR 904/07 – Rn. 42).
5 AZR 731/12 > Rn 41
5 AZR 731/12 > Rn 42
5 AZR 731/12 > Rn 43
5 AZR 731/12 > Rn 44
5 AZR 731/12 > Rn 45
5 AZR 731/12 > Rn 46
5 AZR 731/12 > Rn 47
5 AZR 731/12 > Rn 48
ERA-Ausgleichs- und Überschreiterzulage,
Klage auf zukünftige Leistung,
Klageänderung,
Das Urteil BAG – 5 AZR 731/12 wird zitiert in:
> BAG, 27.06.2017 – 9 AZR 120/16