Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/vollstreckung/isolierte-drittauskuenfte-im-zwangsvollstreckungsverfahren-3174050
Timestamp: 2019-12-15 10:17:39
Document Index: 54043781

Matched Legal Cases: ['§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 93', '§ 93', '§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 802', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 766', '§ 766', '§ 766', '§ 766', '§ 294', 'BGH', 'BGH']

Iso­lier­te Dritt­aus­künf­te im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren | Rechtslupe
Isolierte Drittauskünfte im Zwangsvollstreckungsverfahren
Der Gläu­bi­ger, der im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren iso­liert die Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten bean­tragt, hat vor­zu­tra­gen, nach wel­cher der Alter­na­ti­ven des § 802l Abs. 1 Satz 1 ZPO die Berech­ti­gung zur Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten besteht. Der all­ge­mei­ne Vor­trag, dass Ein­tra­gun­gen im Schuld­ner­ver­zeich­nis vor­han­den sei­en, reicht hier­für nicht aus.
Gemäß § 802l Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO darf der Gerichts­voll­zie­her, wenn der Schuld­ner sei­ner Pflicht zur Abga­be der Ver­mö­gens­aus­kunft nicht nach­kommt oder bei einer Voll­stre­ckung in die dort auf­ge­führ­ten Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de eine voll­stän­di­ge Befrie­di­gung des Gläu­bi­gers vor­aus­sicht­lich nicht zu erwar­ten ist, bei den Trä­gern der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung den Namen, die Vor­na­men oder die Fir­ma sowie die Anschrif­ten der der­zei­ti­gen Arbeit­ge­ber eines ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses des Schuld­ners erhe­ben. Außer­dem darf der Gerichts­voll­zie­her gemäß § 802l Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern ersu­chen, gemäß § 93 Abs. 8 AO bei den Kre­dit­in­sti­tu­ten die in § 93b Abs. 1 AO bezeich­ne­ten Daten abzu­ru­fen. Die Erhe­bung und das Ersu­chen sind nach § 802l Abs. 1 Satz 2 ZPO nur zuläs­sig, soweit dies zur Voll­stre­ckung erfor­der­lich ist. Die in § 802l Abs. 1 Satz 2 ZPO in der vom 01.01.2013 bis zum 25.11.2016 gül­ti­gen Fas­sung vor­ge­se­he­ne Wert­gren­ze, nach der die Erhe­bung von Aus­künf­ten nach § 802l Abs. 1 ZPO nur zuläs­sig war, soweit die zu voll­stre­cken­den Ansprü­che unter Außer­acht­las­sung der Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung und Neben­for­de­run­gen min­des­tens 500 € betra­gen, ist mit der am 26.11.2016 in Kraft getre­te­nen Ände­rung des § 802l ZPO ohne Über­gangs­re­ge­lung ent­fal­len 1.
Der Gläu­bi­ger, der gemäß § 802a Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 ZPO den Voll­stre­ckungs­auf­trag erteilt, gemäß § 802l ZPO Aus­künf­te Drit­ter über das Ver­mö­gen des Schuld­ners ein­zu­ho­len, muss nicht selbst gemäß § 802a Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 ZPO einen eige­nen Antrag gestellt haben, eine Ver­mö­gens­aus­kunft des Schuld­ners gemäß § 802c ZPO ein­zu­ho­len 2.
Aller­dings obliegt es dem Gläu­bi­ger, das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des § 802l Abs. 1 ZPO dar­zu­le­gen.
Im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren ist der Tat­sa­chen­stoff nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen der Dar­le­gungs­und Beweis­last von den Par­tei­en bei­zu­brin­gen und gege­be­nen­falls zu bewei­sen 3. Eine Glaub­haft­ma­chung genügt dage­gen ent­ge­gen der Ansicht des Beschwer­de­ge­richts nicht, weil das Gesetz sie nicht aus­drück­lich genü­gen lässt 4. Es obliegt des­halb dem Gläu­bi­ger, zu den Vor­aus­set­zun­gen einer bean­trag­ten Voll­stre­ckungs­maß­nah­me vor­zu­tra­gen. Umge­kehrt ist es grund­sätz­lich Sache des Schuld­ners, Ein­wen­dun­gen vor­zu­brin­gen, die eine Zwangs­voll­stre­ckungs­maß­nah­me unzu­läs­sig machen 5. Weder das Voll­stre­ckungs­ge­richt noch der Gerichts­voll­zie­her sind zu wei­te­ren Nach­for­schun­gen ver­pflich­tet 6.
Danach muss der Gläu­bi­ger, der iso­liert einen Antrag auf Ertei­lung von Dritt­aus­künf­ten gestellt hat, vor­tra­gen, nach wel­cher der Alter­na­ti­ven des § 802l Abs. 1 Satz 1 ZPO die Berech­ti­gung zur Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten bestehen soll. Der Ansicht, dem Fol­ge­gläu­bi­ger oblä­gen bei einem iso­lier­ten Antrag auf Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten nach § 802l ZPO kei­ne beson­de­ren Dar­le­gun­gen, wenn Ein­tra­gun­gen im Schuld­ner­ver­zeich­nis vor­han­den sei­en, kann nicht zuge­stimmt wer­den.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Mai 2019 – I ZB 79/​18
vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 21.06.2017 – VII ZB 17/​14, DGVZ 2017, 174 5][↩]
BGH, 20.09.2018 – I ZB 120/​17, Fam­RZ 2019, 384 Rn. 15[↩]
vgl. zum Erin­ne­rungs­ver­fah­ren: BGH, Beschluss vom 26.07.2018 – I ZB 78/​17, ZUM 2019, 253 Rn. 31; Zöller/​Herget, ZPO, 32. Aufl., § 766 Rn. 27; MünchKomm-.ZPO/Schmidt/Brinkmann, 5. Aufl., § 766 Rn. 45; BeckOK.ZPO/Preuß, 32. Edi­ti­on [Stand: 1.03.2019], § 766 Rn. 37; Ster­nal in Kindl/​MellerHannich/​Wolf, Gesam­tes Recht der Zwangs­voll­stre­ckung, 3. Aufl., § 766 ZPO Rn. 48[↩]
vgl. Zöller/​Geimer aaO § 294 Rn. 1[↩]
BGH, Beschluss vom 17.09.2014 – VII ZB 21/​13, NJW 2015, 157 Rn. 15; Beschluss vom 26.07.2018 – I ZB 78/​17, Rpfle­ger 2019, 98 Rn. 31[↩]
vgl. BGH, NJW 2015, 157 Rn. 15; Rpfle­ger 2019, 98 Rn. 31[↩]
DrittauskünfteSchuldnerverzeichnisZwangsvollstreckung