Source: https://ifsbr.de/bgh-keine-agb-inhaltskontrolle-bei-rangruecktritt/
Timestamp: 2020-04-09 19:28:50
Document Index: 19903910

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 19', '§ 39', '§ 39', '§ 5', '§ 307', '§ 5', '§ 307', '§ 307', '§ 307', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 5', '§ 307', '§ 488', '§ 488', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 307', 'BGH', 'BGH', '§ 5', '§ 307', '§ 32', '§ 32', '§ 39', '§ 38', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 490', '§ 13', '§ 49', '§ 92', 'BGH', '§ 306', '§ 32', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 307', '§ 307', 'BGH', '§ 307', '§ 307', 'BGH', 'BGH', '§ 307', 'BGH', '§ 305', 'BGH', 'BGH', '§ 2', 'BGH', 'BGH', '§ 8']

BGH: Keine AGB-Inhaltskontrolle bei Rangrücktritt - IfSBR
Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) sorgt für Klar­heit: Nach­ran­g­ab­re­den unter­lie­gen nicht der AGB-recht­li­chen Inhalts­kon­trol­le.
AGB-Kon­­­trol­­­le von Rang­rück­tritts­ver­ein­ba­run­gen
Nach­ran­g­ab­re­den spie­len eine gro­ße Rol­le
Rang­rück­trit­te spie­len in der Finan­zie­rungs­pra­xis eine erheb­li­che prak­ti­sche Rol­le. Ein wesent­li­cher Fak­tor hier­für ist, dass Nach­rang­d­ar­le­hen mit einem qua­li­fi­zier­ten Rang­rück­tritt unter Beach­tung der von der BaFin auf­ge­stell­ten Anfor­de­run­gen kein erlaub-nis­pflich­ti­ges Kre­dit­ge­schäft nach dem Kre­dit­we­sen­ge­setz dar­stel­len. Vor­aus­set­zung für die Aus­nah­me von der Erlaub­nis­pflicht ist aller­dings die zivil­recht­li­che Wirk­sam­keit der Nach­ran­g­ab­re­de. Dane­ben bil­den Nach­rang­d­ar­le­hen aber auch einen wesent­li-chen Bau­stein zur Sanie­rung in die Kri­se gera­te­ner Unter­neh­men.
Ins­be­son­de­re spie­len Rang­rück­trit­te eine ent­schei­den­de Rol­le zur Ver­mei­dung einer Insol­venz­an­trags­pflicht (vgl. § 19 Abs. 2 Satz 2 InsO):
Über­schul­dung liegt vor, wenn das Ver­mö­gen des Schuld­ners die bestehen­den Ver­bind­lich­kei­ten nicht mehr deckt, es sei denn, die Fort­füh­rung des Unter­neh­mens ist nach den Umstän­den über­wie­gend wahr­schein­lich. For­de­run­gen auf Rück­ge­währ von Gesell­schaf­ter­dar­le­hen oder aus Rechts­hand­lun­gen, die einem sol­chen Dar­le­hen wirt­schaft­lich ent­spre­chen, für die gemäß § 39 Abs. 2 zwi­schen Gläu­bi­ger und Schuld­ner der Nach­rang im Insol­venz­ver­fah­ren hin­ter den in § 39 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 bezeich­ne­ten For­de­run­gen ver­ein­bart wor­den ist, sind nicht bei den Ver­bind­lich­kei­ten nach Satz 1 zu berück­sich­ti­gen.
Doch unzu­läs­si­ge AGB? Die OLG-Ent­schei­dun­gen aus dem Jahr 2018
2018 hat­te eine Ent­schei­dung des OLG Mün­chen im Markt für gro­ße Ver­un­si­che­rung gesorgt (Urteil vom 25. April 2018, 13 U 2823/17). Die­ses ent­schied im Leit­satz: „Die in AGB ent­hal­te­ne Ver­ein­ba­rung eines qua­li­fi­zier­ten Rang­rück­tritts für einen Dar­le­hens-rück­zah­lungs­an­spruch kann als unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung unwirk­sam sein.“ In der Fach­welt wur­de das Urteil mit gro­ßer Besorg­nis auf­ge­grif­fen. Teil­wei­se war von einer „Zäsur für die Gestal­tung von Mez­za­ni­ne-Finan­zie­run­gen“ zu lesen.
Das OLG Mün­chen führ­te fol­gen­des aus:
Die Rege­lung des qua­li­fi­zier­ten Rang­rück­tritts in § 5 des Ver­trags vom 10.5.2012 stellt jeden­falls eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des Kl. iSd § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB dar. Die­se Rege­lung ist des­halb unwirk­sam.
Die in § 5 ent­hal­te­ne qua­li­fi­zier­te Rang­rück­tritts­ab­re­de ist nicht als Beschrei­bung der Haupt­leis­tung gem. § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB anzu­se­hen und des­halb der Inhalts­kon­trol­le ent­zo­gen. Die Inhalts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB ist gem. § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB auf sol­che Klau­seln beschränkt, durch die von Rechts­vor­schrif­ten abwei­chen­de oder die­se ergän­zen­de Rege­lun­gen ver­ein­bart wer­den. Der Inhalts­kon­trol­le ent­zo­gen sind Abre­den, die ihrer Art nach nicht der Rege­lung durch Gesetz oder durch ande­re Rechts­vor­schrif­ten unter­lie­gen, son­dern von den Ver­trags­part­nern fest­ge­legt wer­den müs­sen. Damit schei­den als Prü­fungs­ge­gen­stand ua Abre­den aus, die Art und Umfang der ver­trag­li­chen Leis­tungs­pflich­ten unmit­tel­bar regeln (BGH, NJW 2010, NJW Jahr 2010 Sei­te 150 = MMR 2010, MMR Jahr 2010 Sei­te 90 Rn. MMR Jahr 2010 Sei­te 90 Rand­num­mer 22). Klau­seln, an deren Stel­le bei Unwirk­sam­keit dis­po­si­ti­ves Geset­zes­recht oder durch ergän­zen­de Aus­le­gung gefun­de­nes Ver­trags­recht tre­ten kann, weil sie das Haupt­leis­tungs­ver­spre­chen abwei­chend vom Gesetz oder der nach Treu und Glau­ben und nach der Ver­kehrs­sit­te geschul­de­ten Leis­tung ver­än­dern oder aus­höh­len, ja sogar nur aus­ge­stal­ten oder modi­fi­zie­ren, gehö­ren dage­gen nicht zur Leis­tungs­be­schrei­bung und unter­lie­gen des­halb auch der Inhalts­kon­trol­le. Damit bleibt für die der Über­prü­fung ent­zo­ge­ne Leis­tungs­be­schrei­bung nur der enge Bereich der Leis­tungs­be­zeich­nun­gen, ohne deren Vor­lie­gen man­gels Bestimmt­heit oder Bestimm­bar­keit des wesent­li­chen Ver­trags­in­halts ein wirk­sa­mer Ver­trag nicht mehr ange­nom­men wer­den kann (BGH, BGHZ 127, 35; Gehr­lein, WM 2017, 1385).
Vor­lie­gend ist die qua­li­fi­zier­te Nach­rang­klau­sel in § 5 nicht als Abre­de über den Gegen­stand der Haupt­leis­tung gem. § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB der Inhalts­kon­trol­le ent­zo­gen. Denn sie modi­fi­ziert bei der Gewäh­rung von Fremd­ka­pi­tal in Form eines Dar­le­hens den Rück­zah­lungs­an­spruch, für wel­chen als gesetz­li­che Grund­la­ge die schuld­recht­li­chen Vor­schrif­ten der §§ 488 Abs. 1 Satz 2, 490 BGB gel­ten. Da an die Stel­le der bean­stan­de­ten Klau­sel mit­hil­fe des Rück­griffs auf §§ 488 Abs. 1 Satz 2, 490 BGB dis­po­si­ti­ves Geset­zes­recht tre­ten kann, liegt kei­ne blo­ße Leis­tungs­be­schrei­bung vor. Als Zah­lungs­be­din­gung und Fäl­lig­keits­klau­sel ist die Nach­ran­g­ab­re­de des­halb kon­troll­fä­hig (BGH, BGHZ 93,358). Von der für die Rück­zah­lung eines Dar­le­hens gel­ten­den gesetz­li­chen Fäl­lig­keits- und Kün­di­gungs­re­ge­lung weicht die Klau­sel ab, weil sie den Rück­zah­lungs­an­spruch des Dar­le­hens­ge­bers ins­be­son­de­re bei einem Ver­mö­gens­ver­fall des Dar­le­hens­neh­mers ein­schränkt. Auch ohne die Rege­lung liegt ein wirk­sa­mer Ver­trag vor, des­sen wesent­li­cher Inhalt bestimm­bar ist. Da die Nach­rang­klau­sel den Cha­rak­ter des Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­spruchs grund­le­gend umge­stal­tet, kann von einer nicht kon­troll­fä­hi­gen blo­ßen Pro­dukt­be­schrei­bung kei­ne Rede sein (Gehr­lein, WM 2017, 1385; Poel­zig, WM 2014, 917).
Nach der Recht­spre­chung des BGH ist eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung im Sinn des § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB erst dann gege­ben, wenn der Ver­wen­der durch ein­sei­ti­ge Ver­trags­ge­stal­tung miss­bräuch­lich Eigen­in­ter­es­sen auf Kos­ten sei­nes Ver­trags­part­ners durch­zu­set­zen ver­sucht, ohne von vorn­her­ein auch des­sen Belan­ge hin­rei­chend zu berück­sich­ti­gen und ihm einen ange­mes­se­nen Aus­gleich zuzu­ge­ste­hen (BGH, NJW 2010, 57). Zur Beur­tei­lung, ob eine sol­che unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung vor­liegt, bedarf es einer umfas­sen­den Wür­di­gung, die die Art des kon­kre­ten Ver­trags, die typi­schen Inter­es­sen bei­der Par­tei­en, die Anschau­ung der betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se und die sich aus der Gesamt­heit der Rechts­ord­nung erge­ben­den Bewer­tungs­kri­te­ri­en ein­zu­be­zie­hen hat (BGH, NJW 2010, 2793).
Die umfas­sen­de Wür­di­gung des Senats führt dazu, dass vor­lie­gend die Rege­lung des qua­li­fi­zier­ten Rang­rück­tritts in § 5 des streit­ge­gen­ständ­li­chen Ver­trags den Kl. unan­ge­mes­sen gem. § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB benach­tei­ligt.
Die­se Rege­lung ermög­licht es der Dar­le­hens­neh­me­rin und Klau­sel­ver­wen­de­rin Kapi­tal ohne Erlaub­nis der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (BaFin) ein­zu­sam­meln, da ein erlaub­nis­pflich­ti­ges Ein­la­gen­ge­schäft nach § 32 Abs. 1 Satz 1 KWG man­gels eines unbe­dingt rück­zahl­ba­ren Anspruchs nicht gege­ben ist (Gehr­lein, WM 2017, 1385). Zugleich dient der qua­li­fi­zier­te Rang­rück­tritt dem Zweck, dem Ein­tritt der Über­schul­dung vor­zu­beu­gen. Bei einer for­mu­lar­mä­ßi­gen Ver­ein­ba­rung eines qua­li­fi­zier­ten Rang­rück­tritts wird der durch §§ 32 Abs. 1 Satz 1, 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Var. 2 KWG bewirk­te Schutz des Publi­kums vor Ver­lus­ten von Ver­mö­gens­an­la­gen aus­ge­höhlt (Gehr­lein, WM 2017, 1385).
Aller­dings ist auch zu sehen, dass die Vor­schrift des § 39 Abs. 2 InsO eine pri­vat­au­to­no­me Ver­ein­ba­rung über den Rang­rück­tritt von For­de­run­gen gestat­tet. Mit einer sol­chen Ver­ein­ba­rung wird eine von den all­ge­mei­nen insol­venz­recht­li­chen Bestim­mun­gen abwei­chen­de Rege­lung hin­sicht­lich des Anspruchs auf Dar­le­hens­rück­zah­lung getrof­fen. Die ange­mel­de­ten For­de­run­gen sind gem. §§ 38, 174 Abs. 1 InsO im Grund­satz gleich­ran­gig und damit gleich­mä­ßig zu befrie­di­gen. Damit weicht die vor­lie­gen­de Nach­ran­g­ab­re­de zum Nach­teil des Kl. von dem gesetz­li­chen Leit­bild der Gläu­bi­ger­gleich­be­hand­lung ab (BGH, NJW-RR 2014, 937).
Durch den vor­lie­gend ver­ein­bar­ten qua­li­fi­zier­ten Nach­rang erlei­det der Kl. schwer­wie­gen­de Nach­tei­le: Die For­de­rung tritt bereits in einer Kri­se der Dar­le­hens­neh­me­rin vor­insol­venz­lich hin­ter die For­de­rung ande­rer Gläu­bi­ger zurück (BGH, BGHZ 204, 231). Der Nach­rang kann dazu füh­ren, dass die Rück­zah­lung des Dar­le­hens in Fol­ge der unüber­wind­ba­ren wirt­schaft­li­chen Kri­se der Dar­le­hens­neh­me­rin auf Dau­er nicht ver­langt wer­den kann. Solan­ge sich die Dar­le­hens­neh­me­rin in der Kri­se befin­det, kann die Nach­ran­g­ab­re­de wegen der den übri­gen Gläu­bi­gern ver­mit­tel­ten Rechts­po­si­ti­on nicht ohne deren Mit­wir­kung rechts­ge­schäft­lich auf­ge­ho­ben wer­den. Zugleich wird das selbst dem Gesell­schaf­ter in der Kri­se sei­nes Unter­neh­mens nicht ver­wehr­te außer­or­dent­li­che Kün­di­gungs­recht des Dar­le­hens­ge­bers gem. § 490 Abs. 1 BGB beein­träch­tigt, weil eine Kün­di­gung nicht mehr zur Fol­ge hat, dass der Rück­zah­lungs­an­spruch auch fäl­lig und durch­setz­bar wird (Bit­ter, ZIP 2015, 345). Da ein mit einem qua­li­fi­zier­ten Rang­rück­tritt ver­se­he­nes Dar­le­hen nicht die Insol­venz des Dar­le­hens­neh­mers aus­lö­sen darf, ist der Dar­le­hens­ge­ber auch gehin­dert gegen den Dar­le­hens­neh­mer einen Insol­venz­an­trag gem. §§ 13, 14 InsO zu stel­len. Damit wird das Nach­rang­d­ar­le­hen einer gesell­schafts­recht­li­chen Betei­li­gung ange­nä­hert, ohne dass dem Dar­le­hens­ge­ber die einem Gesell­schaf­ter bei einer Ver­schlech­te­rung der wirt­schaft­li­chen Lage des Unter­neh­mens eröff­ne­ten Infor­ma­ti­ons­rech­te gem. § 49 Abs. 3 GmbHG, § 92 Abs. 1 AktG zuste­hen (Poel­zig, WM 2014, 917; Gehr­lein, WM 2017, 1385).
Die vor­ge­nann­ten Nach­tei­le wer­den auch nicht dadurch aus­rei­chend kom­pen­siert, dass der Kl. für die Gewäh­rung des mit dem qua­li­fi­zier­ten Nach­rang ver­bun­de­nen Dar­le­hens eine beson­ders hohe Ver­gü­tung erhal­ten soll. Eine unbil­li­ge Klau­sel kann nicht mit Rück­sicht auf beson­de­re „Gewinn­chan­cen“ gerecht­fer­tigt wer­den (BGH, NJW-RR 1996, 1009).
Die Rechts­fol­ge: Die Nach­ran­g­ab­re­de ist unwirk­sam, wäh­rend die rest­li­che Dar­le­hens­ve­ri­en­ba­rung wirk­sam bleibt (§ 306 BGB). Damit besteht ein nicht-nach­ran­gi­ges Dar­le­hen – der worst-case für die Erlaub­nis­pflicht nach § 32 KWG und Insol­venz­an­trags­pflich­ten.
Die BGH-Ent­schei­dung vom 6. Dezem­ber 2018
Am 25. März 2019 wur­de auf der Home­page des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) ein weg­wei­sen­des Urteil ver­öf­fent­licht (Urteil vom 6. Dezem­ber 2018, IX ZR 143/17 [zum Voll­text hier kli­cken]).
Die ent­schei­den­den Leit­sät­ze des BGH:
Eine in all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen eines Nach­rang­d­ar­le­hens gere­gel­te vor­insol­venz­li­che Durch­set­zungs­sper­re (qua­li­fi­zier­ter Rang­rück­tritt), nach wel­cher Rück­zah­lungs- und Zins­an­sprü­che des Dar­le­hens­ge­bers ins­be­son­de­re bei einem Ver­mö­gens­ver­fall des Dar­le­hens­neh­mers bereits außer­halb eines Insol­venz­ver­fah­rens ein­ge­schränkt sind, ist als Abre­de über den unmit­tel­ba­ren Gegen­stand der Haupt­leis­tung des Nach­rang­d­ar­le­hens der Inhalts­kon­trol­le ent­zo­gen.
In all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen gegen­über Ver­brau­chern ist eine qua­li­fi­zier­te Nach­rang­ver­ein­ba­rung nur dann hin­rei­chend trans­pa­rent, wenn aus ihr die Rang­tie­fe, die vor­insol­venz­li­che Durch­set­zungs­sper­re, deren Dau­er und die Erstre­ckung auf die Zin­sen klar und unmiss­ver­ständ­lich her­vor­ge­hen. Knüpft eine sol­che Klau­sel die vor­insol­venz­li­che Durch­set­zungs­sper­re an das Ent­ste­hen von Insol­venz­eröff­nungs­grün­den, muss sie die erfass­ten Insol­venz­eröff­nungs­grün­de klar und unmiss­ver­ständ­lich bezeich­nen.
Die zen­tra­le Aus­sa­ge des BGH:
[…] ist – soweit die Bestim­mung eine vor­insol­venz­li­che Durch­set­zungs­sper­re und einen qua­li­fi­zier­ten Rang­rück­tritt regelt – als Abre­de über den unmit­tel­ba­ren Gegen­stand der Haupt­leis­tung des Nach­rang­d­ar­le­hens gemäß § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB der Inhalts­kon­trol­le ent­zo­gen. Ent­hält ein Nach­rang­d­ar­le­hen eine in all­ge­mei­nen Ge-schäfts­be­din­gun­gen gere­gel­te vor­insol­venz­li­che Durch­set­zungs­sper­re (qua­li­fi­zier­ten Rang­rück­tritt), stellt dies nicht schon des­halb eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 BGB dar, weil dies Rück­zah­lungs- und Zins­an­sprü­che des Dar­le­hens­ge­bers ins­be­son­de­re bei einem Ver­mö­gens­ver­fall des Dar­le­hens­neh­mers bereits außer­halb eines Insol­venz­ver­fah­rens ein­schränkt.
Im Ent­schei­dungs­fall hielt der BGH die ver­wen­de­te Klau­sel aller­dings für intrans­pa­rent und damit nach § 307 Abs. 1 BGB unwirk­sam, „weil die Bestim­mung nicht hin­rei­chend klar und ver­ständ­lich“ war. „Nach § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB“, so der BGH, „kann sich eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des Ver­trags­geg­ners auch dar­aus erge­ben, dass eine Bestim­mung nicht klar und ver­ständ­lich ist. Der Ver­wen­der All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist nach den Grund­sät­zen von Treu und Glau­ben ver­pflich­tet, Rech­te und Pflich­ten sei­ner Ver­trags­part­ner mög­lichst klar und durch­schau­bar dar­zu­stel­len.“
Anfor­de­run­gen an Nach­rang­klau­seln als AGB
Der BGH betont aber: Nach­rang­klau­seln kön­nen wegen Intrans­pa­renz (§ 307 Abs. 1 S. 2 BGB) unwirk­sam sein, wenn sie nicht klar bestimmt und ver­ständ­lich sind. Dane­ben darf eine Nach­ran­g­ab­re­de, das Urteil des BGH erwäht dies anders als das OLG Mün­chen nicht expli­zit, nicht über­ra­schend sein (§ 305c BGB).
Nicht die all­ge­mei­ne Zuläs­sig­keit von Nach­rang­klau­seln in AGB ist abzu­wä­gen. Zu prü­fen ist statt­des­sen nur, ob die Klau­sel aus­rei­chend trans­pa­rent ist. Um die­se Hür­de zu über­sprin­gen, muss der Ver­wen­der der AGB in den Ver­trags­klau­seln und gege­be­nen­falls auch in beglei­ten­den Infor­ma­tio­nen (z.B. Pro­spek­ten, Anle­ger-Infor­ma­ti­ons­blät­tern) Rech­te und Pflich­ten sei­ner Ver­trags­part­ner mög­lichst klar und durch­schau­bar dar­stel­len. Die Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen müs­sen so genau beschrie­ben wer­den, dass kei­ne unge­recht­fer­tig­ten Beur­tei­lungs­spiel­räu­me ent­ste­hen. Der Ver­trags­part­ner muss ohne frem­de Hil­fe mög­lichst klar und ein­fach sei­ne Rech­te fest­stel­len kön­nen, damit er nicht von deren Durch­set­zung abge­hal­ten wird. Die blo­ße Bezei­chung als „nach­ran­gig“ und „qua­li­fi­zier­ter Rang­rück­tritt“ in einer Nach­ran­g­ab­re­de genügt hier­zu nicht.
Der BGH stellt vier Kri­te­ri­en auf, um dem Trans­pa-renz­ge­bot gerecht zu wer­den. Die Nach­rang­klau­sel muss
• die Rang­tie­fe,
• die vor­insol­venz­li­che Durch­set­zungs­sper­re,
• deren Dau­er und
• die Erstre­ckung auf die Zin­sen
klar und unmiss­ver­ständ­lich regeln.
Ein­schät­zung
Die Ent­schei­dung des BGH schafft mehr Klar­heit und gibt Unter­neh­men, die Nach­rang­klau­seln zur Fin­an-zie­rung ver­wen­den, einen ver­läss­li­chen Rah­men vor. Das Urteil deckt sich auch mit dem Wil­len des Gesetz­ge­bers im Crowd­fun­ding-Bereich. Dort wur­de aus­drück­lich fest­ge­legt, dass die Crowd­fun­ding-Finan­zie­rung mit­tels Nach­rang­d­ar­le­hen als Ver­mö-gens­an­la­ge für Ver­brau­cher auf­sichts­recht­lich zuläs-sig ist (vgl. §§ 2 Abs. 1 Nr. 3, 2a Ver­mAn­lG).
Künf­ti­ge For­mu­lie­rung von Nach­ran­g­ab­re­den
Das Urteil des BGH ist ein Befrei­ungs­schlag und besei­tigt die durch die OLG-Recht­spre­chung ver­ur­sach­te Rechts­un­si­cher­heit. Sofern dies nicht bereits erfolgt ist, soll­ten Anbie­ter von Nach­rang­d­ar­le­hen die Ent­schei­dung aber zum Anlass neh­men, ihre bis­lang ver­wen­de­te For­mu­lie­rung mit dem Kri­te­ri­en­ka­ta­log des BGH abzu­glei­chen und gege­be­nen­falls zu ergän­zen.
Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zu Sanie­rungs­ge­win­nen
Wei­te­re Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen fin­den Sie auf unse­rer Son­der­sei­te zum Rang­rück­tritt.
Kategorie: Allgemein Stichworte: AGB, Nachrangabrede, Nachrangdarlehen, Rangrücktritt
«Sanie­rungs­klau­sel» kei­ne ver­bo­te­ne Bei­hil­fe
26. Januar 2020 By Raoul Kreide
AGB Beherrschungsvertrag Beihilfe BFH Bilanzrichtlinie BilRUG BilRUG Bilanzrichtlinie Buchführungspflichten Bugwellentheorie Bundesrat Bundestag Ergebnisabführungsvertrag EU-Kommission Geschäftsführer Gesetzentwurf GmbH GoB GoBD Haftung Handbuch IDW immaterielle Vermögensgegenstände Kreditderivate Nachrangabrede Nachrangdarlehen Neuerscheinung Passivierungsverbot Rangrücktritt RS BFA1 Sanierung Sanierungserlass Sanierungsgewinn Sanierungsgewinne Sanierungsmanagement Sanierungssteuern selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände Sonderprüfung Steuerbilanz verbotene Beihilfe Verlustverrechnung Verlustvorträge Verlustübernahme Vermittlungsausschuss Zahlungsunfähigkeit § 8d KStG
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