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Timestamp: 2016-10-22 03:41:28
Document Index: 208705286

Matched Legal Cases: ['Art. 28', 'Art. 16', 'Art. 2', 'Art. 1', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 132']

I 755/03 (10.05.2004)
I 755/03
Pr�sidentin Leuzinger, Bundesrichter R�edi und Kernen; Gerichtsschreiberin Amstutz
F.________, 1946, Beschwerdegegner, vertreten durch F�rsprecher Marc F. Suter, Zentralstrasse 47, 2502 Biel
(Entscheid vom 6. November 2003)
Der 1946 geborene, seit 1972 als Sekundarlehrer am Oberstufenzentrum A.________ t�tig gewesene F.________ meldete sich am 30. November 1998 unter Hinweis auf psychosomatische Beschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an, nachdem ihn die Bernische Lehrerversicherungskasse per 1. November 1998 aus gesundheitlichen Gr�nden vorzeitig hatte pensionieren lassen. Nach Durchf�hrung des Vorbescheidverfahrens sprach ihm die IV-Stelle Bern im Wesentlichen gest�tzt auf das Gutachten des Dr. med. H.________, Spezialarzt FMH f�r Psychiatrie und Psychotherapie, vom 12. November 2002 sowie den Bericht des Dr. med. Z.________, Spezialarzt FMH f�r Psychiatrie und Psychotherapie, Spitalzentrum Q.________, vom 12. Juli 2002 r�ckwirkend ab 1. November 1998 eine halbe Invalidenrente bei einem Invalidit�tsgrad 60 % zu (Verf�gung vom 12. M�rz 2003). Dies best�tigte sie mit Einspracheentscheid vom 2. Juni 2003.
Die von F.________ dagegen erhobene Beschwerde mit dem Antrag auf Zusprechung einer ganzen Invalidenrente ab 1. November 1998 hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Bern mit Entscheid vom 6. November 2003 gut.
Die IV-Stelle Bern f�hrt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit dem Rechtsbegehren, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben.
F.________ schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Bundesamt f�r Sozialversicherung hat auf eine Vernehmlassung verzichtet.
Im angefochtenen Entscheid werden die Bestimmungen �ber die Voraussetzungen und den Umfang des Rentenanspruchs (Art. 28 Abs. 1 und 1bis IVG) und die Invalidit�tsbemessung bei Erwerbst�tigen nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 2 ATSG und Art. 1 Abs. 1 IVG; BGE 128 V 30 Erw. 1, 104 V 136 Erw. 2a und b) zutreffend dargelegt. Richtig wiedergegeben hat das kantonale Gericht namentlich auch die Rechtsprechung, wonach bei der Ermittlung des - nach Durchf�hrung allf�lliger Eingliederungsmassnahmen - bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage trotz Gesundheitsschadens zumutbarerweise erzielbaren Einkommens (Invalideneinkommen) nur dann auf das nach Eintritt der Invalidit�t tats�chlich erzielte Einkommen abzustellen ist, wenn die versicherte Person eine T�tigkeit aus�bt, bei der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverh�ltnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsf�higkeit in zumutbarer Weise voll aussch�pft, sowie das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint (BGE 129 V 475 Erw. 4.2.1, 117 V 18, mit Hinweisen). Darauf wird verwiesen. Zu erg�nzen ist, dass die Bestimmungen der auf den 1. Januar 2004 in Kraft getretenen 4. IVG-Revision im hier zu beurteilenden Fall nicht anwendbar sind, da nach dem massgebenden Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verf�gung (hier: 12. M�rz 2003) eingetretene Rechts- und Sachverhalts�nderungen vom Sozialversicherungsgericht nicht ber�cksichtigt werden (BGE 129 V 4 Erw. 1.2 mit Hinweisen).
Streitig und zu pr�fen ist letztinstanzlich einzig das f�r die Ermittlung des Invalidit�tsgrades massgebende Invalideneinkommen.
2.1 Ausser Frage steht, dass der Beschwerdegegner infolge einer protrahiert verlaufenden Anpassungsst�rung (ICD-10: F.43.25) im Sinne einer reaktiven St�rung von Gef�hlen und Sozialverhalten bei seit Jahren persistierender Belastungssituation (mit Symptomen wie Schlafst�rungen, Albtr�umen, sozialem R�ckzug) in seinem angestammten Beruf als Lehrer nicht mehr einsetzbar ist, ihm dagegen ein 50 %iges Arbeitspensum in leidensangepassten T�tigkeiten - namentlich solchen ohne hohe Stressbelastung, ohne Lehrerfunktion und ohne hierarchisch strukturierte Teamarbeit - zumutbar ist.
2.2 Seit 1999 arbeitet der Beschwerdegegner im Rahmen des Projekts "Regionales Ged�chtnis" insgesamt zu rund 20 % in der Firma G.________ AG. Die Parteien sind sich darin einig, dass die Restarbeitsf�higkeit von 50 % (Erw. 2.1 hievor) damit nicht voll ausgesch�pft wird. Obwohl es sich um eine geeignete Nischent�tigkeit handelt, ist - was letztinstanzlich nicht bestritten wird - eine Steigerung des Arbeitspensums im Rahmen dieses Anstellungsverh�ltnisses unwahrscheinlich. Wie das kantonale Gericht zutreffend erwogen hat und nunmehr auch von der Beschwerdef�hrerin anerkannt wird, ist bei der Ermittlung des Invalideneinkommens daher nicht auf den nach Invalidit�tseintritt tats�chlich erzielten, auf ein 50 %-Pensum aufgerechneten Verdienst bei der Firma G.________ AG abzustellen (vgl. Erw. 1 hievor), sondern von den Tabellenl�hnen gem�ss der vom Bundesamt f�r Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung (LSE) auszugehen (BGE 129 V 475 Erw. 4.2.1, 126 V 76 Erw. 3b mit Hinweisen).
2.3 Als statistischer Ausgangswert f�r die Bestimmung des Invalideneinkommens hat die Vorinstanz den von M�nnern mit Berufs- und Fachkenntnissen (= Anforderungsniveau 3) im Dienstleistungssektor erzielten (Brutto-)Durchschnittslohn gem�ss TA1/LSE 1998 (Privater Sektor) herangezogen und unter Ber�cksichtigung der bloss 50 %igen Arbeitsf�higkeit, einer betriebs�blichen w�chentlichen Arbeitszeit von 41,9 Stunden sowie eines sog. leidensbedingten Abzugs von 15 % (BGE 126 V 78 ff. Erw. 5; AHI 2002 S. 67 ff. Erw. 4) f�r das Jahr 1998 - dem massgebenden Zeitpunkt des Rentenbeginns (vgl. BGE 129 V 223 f. Erw. 4.1 und 4.2 [= SVR 2003 IV Nr. 24 S. 73] - ein zumutbares Jahreseinkommen von Fr. 27'235.- ermittelt. Die IV-Stelle h�lt dem unter Verweis auf die bei der Firma G.________ AG tats�chlich ausge�bte T�tigkeit entgegen, der Beschwerdegegner sei durchaus in der Lage, im Dienstleistungssektor selbstst�ndige und qualifizierte T�tigkeiten zu verrichten. Das Invalideneinkommen sei daher auf der Basis der Durchschnittsl�hne f�r T�tigkeiten mit Anforderungsniveau 1 und 2 zu berechnen. Ferner rechtfertige es sich in W�rdigung der Umst�nde nicht, einen leidensbedingten Abzug vorzunehmen.
2.4.1 Mit Vorinstanz und Verwaltung ist davon auszugehen, dass der Beschwerdegegner seine verbleibende Arbeitskraft im Produktionssektor erwerblich kaum voll auszusch�pfen vermag und f�r ihn angesichts seiner F�higkeiten und Kenntnisse sowie seiner langj�hrigen Erfahrung im Bildungsbereich daher praktisch nur T�tigkeiten im Dienstleistungssektor in Betracht fallen. Dabei besteht kein Anlass, den m�glichen Wirkungsbereich auf den privaten Sektor zu beschr�nken. Entgegen den vorinstanzlichen Erw�gungen ist daher nicht von den Durchschnittsl�hnen gem�ss Tabelle TA1/LSE 1998, sondern von den monatlichen Bruttol�hnen (Zentralwert) f�r die in �ffentlichen und privaten Dienstleistungen besch�ftigten M�nner gem�ss Tabelle TA7/LSE 1998 auszugehen.
2.4.2 Hinsichtlich des in Betracht fallenden Anforderungsniveaus ist der Beschwerdef�hrerin beizupflichten, dass das universit�re Ausbildungsniveau des Versicherten, seine intellektuellen F�higkeiten und sein Erfahrungsreichtum ihm - objektiv betrachtet - die Verrichtung einer Vielzahl selbstst�ndiger und qualifizierter T�tigkeiten im Dienstleistungssektor (Anforderungsniveau 2) erlauben w�rden, selbst wenn nicht verkannt wird, dass (etwa) bestimmte B�ro- oder andere kaufm�nnische Arbeiten mitunter besondere Kenntnisse im Gesch�ftsverkehr, Computerwesen, in Buchhaltungsangelegenheiten oder sonstigen administrativen Belangen voraussetzen. Das vorinstanzlich nicht n�her begr�ndete Abstellen auf das Anforderungsniveau 3 (= berufliche und fachliche Kenntnisse vorausgesetzt) l�sst sich daher nur mit der als krankheitswertig anerkannten psychischen Verfassung des Beschwerdegegners rechtfertigen. Der Versicherte leidet an tiefer innerpsychischer Verunsicherung und kann sich nach seinen eigenen, glaubhaften Angaben selbst im Rahmen seiner aktuellen Nischent�tigkeit bei der Firma G.________ AG nicht vorstellen, seine Arbeit "nach aussen" zu vertreten. Da besondere psychische Druck- und Stresssituationen nach �rztlicher Einsch�tzung generell zu vermeiden sind, kann nicht angenommen werden, dass der Beschwerdegegner den auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt herrschenden Anforderungen einer qualifizierten und selbstst�ndigen Arbeit - mit erh�htem individuellem Verantwortungsbereich und entsprechenden Effizienzerwartungen - mittel- und l�ngerfristig psychisch standzuhalten verm�chte. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird das Abstellen auf das Anforderungsniveau 2 denn auch einzig mit dem Verweis auf die vom Beschwerdegegner seit Eintritt des Gesundheitsschadens tats�chlich ausge�bten T�tigkeiten im kulturellen Bereich (nebst der Besch�ftigung in der Firma G.________ AG eine vor�bergehende T�tigkeit im Kunsthaus Y.________) begr�ndet, wo er aufgrund einer nebenberuflich absolvierten Ausbildung zum Museologen sowie seiner Erfahrungen in Projektarbeit spezifische Qualifikationen ausweist und f�r ihn aufgrund geringer Stressbelastung optimal geeignete Nischenfunktionen �bernehmen konnte. Mit Blick auf die verlangte volle Aussch�pfung der Restarbeitsf�higkeit sowie im Lichte der Schademinderungspflicht kann und muss dem Beschwerdegegner aber zugemutet werden, dass er sein verbleibendes Leistungsverm�gen auch im weiteren Dienstleistungssegment erwerblich verwertet.
Ist unter Mitber�cksichtigung der psychischen Beeintr�chtigungen des Beschwerdegegners bei der Bestimmung des Invalideneinkommens das Abstellen auf die Durchschnittsl�hne gem�ss Anforderungsniveau 3 (= Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt) nicht zu beanstanden, ergibt sich bei einer betriebs�blichen w�chentlichen Arbeitszeit im Dienstleistungssektor von 42 Stunden im Jahre 1998 (vgl. TA B9.2, in: Die Volkswirtschaft 2002/Heft12, S. 88) f�r den Zeitpunkt des Rentenbeginns ein Invalideneinkommen von Fr. 34'253.10 (Fr. 5437.- [= LSE 1998/TA7 [S. 33]/Zentralwert M�nner) x 42/40 x 12 x 0.5).
2.4.3 Nach dem unter Erw. 2.4 hievor Gesagten wird dem Umstand, dass der Beschwerdef�hrer nur T�tigkeiten ohne erh�hte Stressbelastung (einschliesslich Vermeidung hierarchischer Strukturen) verrichten sollte und daher die fachlichen und pers�nlichen Anforderungen an den Arbeitsplatz gemessen an den beruflichen Qualifikationen des Beschwerdegegners eher bescheiden ausfallen m�ssen, mit der Bezugnahme auf das Anforderungsniveau 3 des statistischen Ausgangslohnes Rechnung getragen. Daneben bleibt kein Raum, die - auch bei einem 50 %igen Arbeitspensum gegebene - Stressempfindlichkeit und verminderte Belastbarkeit des Versicherten im Rahmen eines leidensbedingten Abzugs vom statistischen Durchschnittslohn (vgl. Erw. 2.3) ein weiteres Mal zu ber�cksichtigen. Soweit das kantonale Gericht die Gew�hrung eines leidensbedingten Abzugs von 15 % (ausdr�cklich) mit den gesundheitlichen Einschr�nkungen begr�ndet, ist damit ein hinreichend triftiger Grund (BGE 126 V 81 Erw. 6, 123 V 152 Erw. 2) f�r eine letztinstanzliche Korrektur der Ermessensaus�bung (Art. 132 lit. a und 104 lit. a OG) gegeben. Da von den rechtsprechungsgem�ss zugelassenen Abz�gen mit Einfluss auf das Invalideneinkommen (siehe AHI 2002 S. 70 Erw. 4b/cc) einzig die bloss teilzeitliche Einsatzf�higkeit als lohnmindernder Umstand ins Gewicht f�llt, muss ein Abzug von 5 % (vgl. LSE 1998, Tabelle 6*, S. 20) als angemessen gelten. Entsprechend ist das Invalideneinkommen auf Fr. 32'540.40 festzusetzen (Fr. 34'253.10 x 0.95).
2.5 Mit der Vorinstanz er�brigt sich eine Anpassung des sich im Jahre 1996 nach den unbestritten gebliebenen Erw�gungen der Vorinstanz auf Fr. 118'149.- belaufenden Valideneinkommens an die Lohnentwicklung bis 1998, zumal bereits aus dem Vergleich dieses Betrages mit dem Invalideneinkommen von Fr. 32'540.40 ein Invalidit�tsgrad von rund 72 % (vgl. zur Publikation in der Amtlichen Sammlung bestimmtes Urteil R. vom 19. Dezember 2003 [U 27/02] Erw. 3.3) resultiert. Aus der Lohnentwicklung bis 2003 (Verf�gungszeitpunkt) geht keine rechtserhebliche �nderung des Invalidit�tsgrades hervor, womit die vorinstanzliche Zusprechung einer ganzen Invalidenrente ab 1. November 1998 standh�lt.