Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VII%20B%20268/06
Timestamp: 2019-02-20 04:17:28
Document Index: 253676596

Matched Legal Cases: ['§ 41', '§ 64', '§ 26', '§ 380', '§ 41', '§ 38', '§ 69', '§ 380', '§ 64', '§ 64', '§ 130', '§ 69', '§ 64', '§ 64', '§ 15', '§ 130', '§ 69', '§ 130']

BFH, 04.07.2007 - VII B 268/06 - dejure.org
Haftungsrechtliche Berücksichtigung der sich aus § 41a Abs. 1a EStG und § 64 Abs. 1 GmbHG ergebenden Pflichtenkollision
Wenn der Geschäftsführer einer GmbH - auch nach Eintritt der Insolvenzreife - fällige Umsatzsteuer und Umsatzsteuervorauszahlungen, ebenso wie einbehaltene Lohnsteuer, nicht an das Finanzamt abführt, begeht er eine mit einer Geldbuße bedrohte Ordnungswidrigkeit nach § 26b UStG oder § 380 AO i.V.m. § 41a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, § 38 Abs. 3 Satz 1 EStG und setzt sich außerdem der persönlichen Haftung gemäß §§ 69, 34 Abs. 1 AO aus (vgl. BFH…, Urteil vom 27. Februar 2007 - VII R 67/05, ZIP 2007, 1604 Rn. 16 ff.; Beschluss vom 4. Juli 2007 - VII B 268/06, BFH/NV 2007, 2059 Tz. 6; Urteil vom23. September 2008 - VII R 27/07, ZIP 2009, 122, jeweils zur Lohnsteuer; KG, Beschluss vom 22. September 1997 - 2 Ss 250/97, juris;… Senge in Erbs/Kohlhaas, Strafrechtliche Nebengesetze, Stand: Juni 2004, § 380 AO Rn. 3 ff., jeweils zum Bußgeldtatbestand;… Haas in Baumbach/Hueck, GmbHG, 19. Aufl., § 64 Rn. 77).
Zu Recht hat das FG geurteilt, dass sich die Kläger im Hinblick auf die Haftung nach § 64 GmbHG und eine etwaige Anfechtung nach § 130 InsO nicht auf eine entschuldigende Pflichtenkollision berufen können (vgl. Senatsentscheidungen vom 27. Februar 2007 VII R 67/05, BFHE 216, 491, BStBl II 2009, 348, und vom 4. Juli 2007 VII B 268/06, BFH/NV 2007, 2059).
Diese Rechtsprechung steht in Übereinstimmung auch mit der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs, der annimmt, dass die Pflicht zur Abführung der Steuern und die bei Nichterfüllung dieser Pflicht aus §§ 69, 34 AO folgende persönliche Haftung des Geschäftsführers grundsätzlich auch im Stadium der Insolvenzreife - jedenfalls nach Ablauf der Insolvenzantragsfrist - besteht (…Urt. v. 27. Februar 2007 - VII R 67/05, ZIP 2007, 1604, Tz. 16 ff.; Beschl. v. 4. Juli 2007 - VII B 268/06, BFH/NV 2007, 2059).
In seinem Urteil vom 27. Februar 2007 (VII R 67/05, BFHE 216, 491, BStBl II 2009, 348; bestätigt durch Beschluss vom 4. Juli 2007 VII B 268/06, BFH/NV 2007, 2059) zur Lohnsteuer entschied er, dass eine die Haftung ausschließende Pflichtenkollision der (anteiligen) Steuerentrichtungspflicht zur Massesicherungspflicht des § 64 Abs. 1, 2 GmbHG a.F. (heute § 64 GmbHG n.F. i.V.m. § 15a InsO) bestehen kann.
Eine insolvenzrechtliche Anfechtbarkeit von Zahlungen innerhalb der Dreimonatsfrist gemäß § 130 Abs. 1 Insolvenzordnung (InsO) ist als hypothetischer Kausalverlauf ebenfalls bedeutungslos (…vgl. BFH vom 4. Dezember 2007 VII R 18/06, BFH/NV 2008, 521; vom 4. Juli 2007 VII B 268/06, BFH/NV 2007, 2059;… vom 5. Juni 2007 VII R 30/06, BFH/NV 2008, 1; VII R 65/05, BFHE 217, 233, BStBl II 2008, 273).
Wie der Senat wiederholt entschieden hat, schließen die Funktion und der Schutzzweck des in § 69 AO normierten Haftungstatbestands die Berücksichtigung hypothetischer Kausalverläufe aus, so dass die Haftung nicht dadurch entfällt, dass der Steuerausfall unter Annahme einer hypothetischen, auf § 130 Abs. 1 InsO gestützten Anfechtung gedachter Steuerzahlungen durch den Insolvenzverwalter ebenfalls entstanden wäre (…BFH-Entscheidungen vom 5. Juni 2007 VII R 65/05, BFHE 217, 233, BStBl II 2008, 273, und VII R 30/06, BFH/NV 2008, 1; vom 4. Juli 2007 VII B 268/06, BFH/NV 2007, 2059;… vom 19. September 2007 VII R 39/05, BFH/NV 2008, 18, …und vom 4. Dezember 2007 VII R 18/06, BFH/NV 2008, 521).