Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Missbrauch_Tankkarte_Arbeitnehmer_Straftat_Betrug_OLG_Celle_1Ws277-10.html.html
Timestamp: 2017-01-19 15:00:11
Document Index: 348399627

Matched Legal Cases: ['§ 266', '§ 263', '§ 263', '§ 263', '§ 24', '§ 210', '§ 76', '§ 76', '§ 465']

HENSCHE Arbeitsrecht: 1 Ws 277/10
1. Die miss­bräuch­li­che Ver­wen­dung ei­ner so­ge­nann­ten Tank­kar­te, die dem Kraft­fah­rer von sei­nem Ar­beit­ge­ber zur Be­tan­kung der Ar­beits­fahr­zeu­ge über­las­sen wird, stellt kei­ne Un­treue im Sin­ne des § 266 StGB dar.
2. Die oh­ne Hin­weis auf die miss­bräuch­li­che Ver­wen­dung er­fol­gen­de Ein­rei­chung der die Tank­vorgänge do­ku­men­tie­ren­den Be­le­ge beim Ar­beit­ge­ber, um die­sem die Möglich­keit der Ab­glei­chung mit den ein­ge­hen­den Rech­nun­gen der den Kraft­stoff zur Verfügung stel­len­den Un­ter­neh­men zu ermögli­chen, stellt in­des­sen ei­ne Täuschung dar. Ver­zich­tet der Ar­beit­ge­ber in­fol­ge der Un­kennt­nis der miss­bräuch­li­chen Ver­wen­dung auf die Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen ge­gen den Ar­beit­neh­mer, ver­mag dies ei­nen For­de­rungs­be­trug im Sin­ne des § 263 StGB zu be­gründen.
1 Mit der An­kla­ge vom 27. Ok­to­ber 2009 legt die Staats­an­walt­schaft Hil­des­heim den nun­mehr An­ge­klag­ten zur Last, in der Zeit vom 3. De­zem­ber 2007 bis zum 26. Sep­tem­ber 2008 in C., D. und L. die ih­nen durch Rechts­geschäft ein­geräum­te Be­fug­nis, ei­nen an­de­ren zu ver­pflich­ten, ver­letzt und da­durch dem, des­sen Vermögens­in­ter­es­sen sie zu be­treu­en hat­ten, Nach­teil zu­gefügt zu ha­ben, wo­bei die An­ge­klag­ten mit Aus­nah­me des An­ge­klag­ten S. ge­werbsmäßig ge­han­delt hätten. Hier­zu sol­len sie - in verkürz­ter Dar­stel­lung - mit­tels ih­nen von der Fir­ma B. T. L. (B.) GmbH in L. über­las­se­ner Tank­kar­ten ab­re­de­wid­rig die Möglich­keit aus­ge­nutzt ha­ben, durch Tank­vorgänge an Tank­stel­len der Fir­ma S. bzw. A. für die B. GmbH Ver­bind­lich­kei­ten ein­zu­ge­hen, oh­ne den hierfür er­hal­te­nen Kraft­stoff für die von ih­nen geführ­ten Fahr­zeu­ge der B. GmbH zu nut­zen, son­dern frem­den Lkw-Fah­rern ge­gen Zah­lung von - 2 -
a. Ei­nen Com­pu­ter­be­trug nach § 263a StGB stellt das Ver­hal­ten der An­ge­klag­ten, so­weit sie die Tank­vorgänge an ei­nem Tank­au­to­ma­ten vor­ge­nom­men ha­ben, nicht dar. Auch wenn sich das Ver­hal­ten (Be­tan­ken frem­der Fahr­zeu­ge) - 3 -
nicht in­ner­halb der zwi­schen der B. GmbH und den An­ge­klag­ten ge­trof­fe­nen ar­beits­recht­li­chen Ver­ein­ba­rung ge­hal­ten hat, wa­ren die Tank­kar­ten doch mit Ein­verständ­nis der B. GmbH den An­ge­klag­ten zum Ge­brauch über­las­sen wor­den. Die nur im In­nen­verhält­nis ab­re­de­wid­rig er­folg­te Be­nut­zung der im Außen­verhält­nis wirk­sam über­las­se­nen Tank­kar­te stellt kei­ne für § 263a StGB er­for­der­li­che täuschungs­glei­che Hand­lung dar (vgl. LG Bonn NJW 1999, 3726).b. Auch ist in den Fällen, in de­nen die An­ge­klag­ten die Tank­vorgänge nicht an ei­nem Tank­au­to­ma­ten vor­ge­nom­men ha­ben, kein hin­rei­chen­der Tat­ver­dacht für ei­nen Be­trug zum Nach­teil der Tank­stel­len­be­trei­ber ge­ge­ben. Da die­se auf­grund der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung mit der B. GmbH bei Ein­satz der Tank­kar­ten auf je­den Fall An­spruch auf ent­spre­chen­de Be­zah­lung hat­ten, ist aus­zu­sch­ließen, dass sie sich Ge­dan­ken darüber ge­macht ha­ben, ob die An­ge­klag­ten nun ih­re ei­ge­nen Lkw oder die von Frem­den be­tan­ken woll­ten. Zu­dem ist der von den An­ge­klag­ten er­streb­te Vor­teil auch nicht stoff­gleich mit dem bei der B. GmbH ein­ge­tre­te­nen Scha­den ge­we­sen. Die An­ge­klag­ten ha­ben ih­ren ei­ge­nen Vor­teil viel­mehr aus dem Vermögen der frem­den Lkw-Fah­rer er­hal­ten.
aa. In­dem die An­ge­klag­ten die er­hal­te­nen bzw. selbst er­stell­ten Be­le­ge bei der B. GmbH ein­ge­reicht ha­ben, oh­ne dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sich dar­un­ter Ab­rech­nun­gen für Tank­vorgänge be­fin­den, die außer­halb der ver­trag­li­chen An­wei­sun­gen er­folgt sind und da­her ei­nen For­de­rungs­an­spruch des Un­ter­neh­mens ge­gen die An­ge­klag­ten be­gründet ha­ben, ha­ben sie die Zeu­gin Z.-J., die für die Ab­rech­nun­gen in­ner­halb des Be­triebs ver­ant­wort­lich war, über Tat­sa­chen getäuscht. Zwar erfüll­ten die An­ge­klag­ten mit der Vor­la­ge der Be­le­ge in ers­ter Li­nie ih­re - 4 -
ge­gen den An­ge­klag­ten R. noch zwei Ta­ten, nämlich1.) die Ein­rei­chung der Tank­be­le­ge für die in der An­kla­ge un­ter V 1 und2.) un­ter V 2 bis 5 dar­ge­stell­ten Tank­vorgänge,ge­gen den An­ge­klag­ten K. noch fünf Ta­ten, nämlich1.) die Ein­rei­chung der Tank­be­le­ge für die in der An­kla­ge un­ter I 1 bis 4,
2.) un­ter I 5 bis 10,3.) un­ter I 11 bis 14,4.) un­ter I 15 bis 20 und5.) un­ter I 21 bis 27 dar­ge­stell­ten Tank­vorgänge,ge­gen den An­ge­klag­ten K. noch drei Ta­ten, nämlich1.) die Ein­rei­chung der Tank­be­le­ge für die in der An­kla­ge un­ter IV 1,2.) un­ter IV 2 bis 7 und3.) un­ter IV 8 bis 9 dar­ge­stell­ten Tank­vorgänge,ge­gen den An­ge­klag­ten S. noch ei­ne Tat, nämlich die Ein­rei­chung der Tank­be­le­ge für die in der An­kla­ge un­ter VI 1 und 2 dar­ge­stell­ten Tank­vorgänge und ge­gen den An­ge­klag­ten L. noch vier Ta­ten, nämlich1.) die Ein­rei­chung der Tank­be­le­ge für die in der An­kla­ge un­ter III 1 bis 5,2.) un­ter III 6,3.) un­ter III 7 bis 8 und4.) un­ter III 9 bis 13 dar­ge­stell­ten Tank­vorgänge.
We­gen der be­son­de­ren Be­deu­tung des Fal­les (vgl. § 24 Abs. 1 Nr. 3 GVG) war das Haupt­ver­fah­ren vor ei­ner großen Straf­kam­mer des Land­ge­richts zu eröff­nen. Da­bei hat der Se­nat da­von ab­ge­se­hen, von der Möglich­keit des § 210 Abs. 3 St­PO Ge­brauch zu ma­chen. Be­son­de­re Gründe, die ei­ne ent­spre­chen­de Ent­schei­dung ver­an­lasst hätten (vgl. BVerfG StV 2000, 537), wa­ren nicht er­sicht­lich. Ins­be­son­de­re be­stand auf­grund der nur an­ders vor­ge­nom­me­nen recht­li­chen Würdi­gung des Se­nats nicht die Er­war­tung, dass die bis­lang zuständi­ge Kam­mer sich die Auf­fas­sung des Se­nats in­ner­lich nicht voll zu ei­gen ma­chen wird. Ei­ne Eröff­nung vor der 9. großen Straf­kam­mer kam je­doch nach der dem Se­nat be­kann­ten Ände­rung der Geschäfts­ver­tei­lung beim Land­ge­richt Hil­des­heim nicht mehr in Be­tracht. Viel­mehr muss es dem Land­ge­richt Hil­des­heim über­las­sen blei­ben, die nun­mehr zuständi­ge Kam­mer zu be­stim­men. Die­ser bleibt so­dann die Ent­schei­dung nach § 76 Abs. 2 GVG darüber, ob sie in der Haupt­ver­hand­lung mit zwei oder drei Be­rufs­rich­tern be­setzt ist, vor­be­hal­ten (vgl. da­zu Mey­er-Goßner, § 76 GVG, Rn. 4 m.w.N.). IV.
Die Ent­schei­dung über die Kos­ten be­ruht auf § 465 St­PO ent­spre­chend. m.hensche.de
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