Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/faelligkeit-einer-werklohnforderung-und-die-einwendungsfrist-326923
Timestamp: 2020-07-11 17:52:26
Document Index: 272365956

Matched Legal Cases: ['§ 16', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 925']

Fälligkeit einer Werklohnforderung und die Einwendungsfrist | Rechtslupe
Fälligkeit einer Werklohnforderung und die Einwendungsfrist
Fäl­lig­keit einer Werk­lohn­for­de­rung und die Ein­wen­dungs­frist
Ist eine Werk­lohn­for­de­rung des Auf­trag­neh­mers fäl­lig gewor­den, weil der Auf­trag­ge­ber inner­halb einer Frist von zwei Mona­ten kei­ne Ein­wen­dun­gen gegen die Prüf­bar­keit der Schluss­rech­nung erho­ben hat, kann die Vor­la­ge wei­te­rer, nicht prüf­ba­rer Schluss­rech­nun­gen an der bereits ein­ge­tre­te­nen Fäl­lig­keit der Werk­lohn­for­de­rung nichts ändern. Es fin­det eine Sach­prü­fung statt, ob die For­de­rung berech­tigt ist.
Nach § 16 Nr. 3 Abs. 1 Satz 1 VOB/​B (2002) kann die Werk­lohn­for­de­rung des Auf­trag­neh­mers grund­sätz­lich nur unter der Vor­aus­set­zung fäl­lig wer­den, dass dem Auf­trag­ge­ber eine prüf­ba­re Schluss­rech­nung vor­ge­legt wor­den ist. Eine Werk­lohn­kla­ge ist des­halb als der­zeit unbe­grün­det abzu­wei­sen, wenn eine dem Auf­trag­ge­ber erteil­te Schluss­rech­nung nicht prüf­bar ist [1]. Etwas ande­res gilt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs jedoch unter ande­rem dann, wenn der Auf­trag­ge­ber inner­halb einer Frist von zwei Mona­ten nach Vor­la­ge der Schluss­rech­nung kei­ne Ein­wen­dun­gen gegen deren Prüf­bar­keit erho­ben hat. Dann wird die Werk­lohn­for­de­rung nach Treu und Glau­ben auch dann fäl­lig, wenn die vor­ge­leg­te Rech­nung nicht prüf­bar ist. In die­sem Fall kann die Werk­lohn­kla­ge nicht als der­zeit unbe­grün­det abge­wie­sen wer­den. Viel­mehr muss das Gericht eine Sach­prü­fung vor­neh­men und ent­schei­den, inwie­weit die For­de­rung besteht und die Kla­ge des­halb begrün­det oder unbe­grün­det ist [2]. Die Prü­fung umfasst auch die­je­ni­gen Ein­wen­dun­gen, die gegen die Prüf­bar­keit erho­ben wor­den sind und gleich­zei­tig die sach­li­che Berech­ti­gung in Fra­ge stel­len. Mit die­sen Ein­wen­dun­gen ist der Auf­trag­ge­ber nach Ablauf der Frist von zwei Mona­ten nicht aus­ge­schlos­sen [3].
Ist eine Werk­lohn­for­de­rung des Auf­trag­neh­mers nach die­sen Grund­sät­zen fäl­lig gewor­den, kann die Vor­la­ge wei­te­rer Schluss­rech­nun­gen dar­an nichts ändern. Die Fäl­lig­keit der Werk­lohn­for­de­rung kann nicht dadurch besei­tigt wer­den, dass neue nicht prüf­ba­re Schluss­rech­nun­gen gelegt wer­den und der Auf­trag­ge­ber ent­spre­chen­de Ein­wen­dun­gen inner­halb einer Frist von zwei Mona­ten nach Ertei­lung der Schluss­rech­nung erhebt. Das hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits sei­ner Ent­schei­dung vom 22. April 2010 [4] zugrun­de gelegt. Es gibt kei­ne Grund­la­ge dafür, die ein­mal ein­ge­tre­te­ne Fäl­lig­keit einer Werk­lohn­for­de­rung rück­wir­kend zu besei­ti­gen. Das ist nicht mög­lich und wür­de im Übri­gen einer Beschleu­ni­gung der Abrech­nung ent­ge­gen­ste­hen [5].
Der Auf­trag­neh­mer erfährt hier­durch kei­ne unbil­li­gen Nach­tei­le. Rich­tig ist aller­dings, dass der Auf­trag­neh­mer, des­sen Kla­ge des­halb abge­wie­sen wird, weil sein Vor­trag man­gels prüf­ba­rer Schluss­rech­nung unschlüs­sig ist, grund­sätz­lich nicht die Mög­lich­keit hat, eine wei­te­re Kla­ge unter Vor­la­ge einer neu­en Schluss­rech­nung zu erhe­ben. Dem steht in aller Regel die Rechts­kraft des die Kla­ge abwei­sen­den Urteils ent­ge­gen. Das ist jedoch kein unbil­li­ger Nach­teil, son­dern ein Umstand, der jedem Klä­ger wider­fährt, der sei­nen Anspruch im Pro­zess nicht schlüs­sig begrün­det. Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Auf­trag­neh­mer kei­nen Anspruch dar­auf hat, dass sei­ne Kla­ge als der­zeit unbe­grün­det abge­wie­sen wird, wenn sei­ne Rech­nung nicht den ver­trag­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ent­spricht [6]. Die Rege­lun­gen der VOB/​B bezwe­cken inso­weit nicht sei­nen Schutz. Er ist nicht dadurch unbil­lig benach­tei­ligt, dass er nun­mehr so gestellt wird, wie er nach dem Bür­ger­li­chen Gesetz­buch stün­de, das die Ertei­lung einer prüf­ba­ren Schluss­rech­nung als Fäl­lig­keits­vor­aus­set­zung nicht for­dert.
Dem Werk­un­ter­neh­mer wird hier­durch auch nicht nicht die Mög­lich­keit abge­schnit­ten, im Pro­zess eine nicht prüf­ba­re Schluss­rech­nung durch eine prüf­ba­re Schluss­rech­nung zu erset­zen. Die Schluss­rech­nung ist, soweit es um die Schlüs­sig­keit geht, Vor­trag, der die Berech­ti­gung der Werk­lohn­for­de­rung bele­gen soll. Der Auf­trag­neh­mer ist grund­sätz­lich nicht gehin­dert, sei­nen Vor­trag zu ver­deut­li­chen, zu erläu­tern oder sogar zu ändern. Eine neue Schluss­rech­nung ist des­halb grund­sätz­lich von den Gerich­ten zu berück­sich­ti­gen [7]. Soweit eine neue Schluss­rech­nung nicht nur den bis­he­ri­gen Vor­trag ver­deut­licht oder erläu­tert, kann sie aller­dings neu­en Vor­trag ent­hal­ten, des­sen pro­zes­sua­le Berück­sich­ti­gung nach den all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung für das Erkennt­nis­ver­fah­ren unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen aus­ge­schlos­sen sein kann. Die­se nach­tei­li­ge Fol­ge muss der Auf­trag­neh­mer hin­neh­men. Inso­weit steht er nicht schlech­ter als ande­re Klä­ger, die ihren Vor­trag im Lau­fe eines Pro­zes­ses ändern. In die­sem Zusam­men­hang ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die schein­bar gegen­läu­fi­gen Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs [8] die Mög­lich­keit der Vor­la­ge einer neu­en Schluss­rech­nung im Beru­fungs­ver­fah­ren betref­fen, die die Fäl­lig­keit der Werk­lohn­for­de­rung erst noch begrün­den soll. Inwie­weit die­se Ent­schei­dun­gen auch her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen, wenn die Werk­lohn­for­de­rung bereits im erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­ren fäl­lig gewe­sen ist, bedarf der Über­prü­fung, spielt für die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs in die­ser Sache jedoch kei­ne Rol­le.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Janu­ar 2011 – VII ZR 41/​10
BGH, Urteil vom 11.02.1999 – VII ZR 399/​97, BGHZ 140, 365, 368[↩]
BGH, Urtei­le vom 23.09.2004 – VII ZR 173/​03, BauR 2004, 1937, 1939 = NZBau 2005, 40 = ZfBR 2005, 56; und vom 08.12.2005 – VII ZR 50/​04, BauR 2006, 517, 519 = NZBau 2006, 179 = ZfBR 2006, 239[↩]
BGH, Urteil vom 27.11.2003 – VII ZR 288/​02, BGHZ 157, 118, 126[↩]
BGH, Urteil vom 22.04.2010 – VII ZR 48/​07, BauR 2010, 1249 Rn. 22[↩]
vgl. dazu BGH, Urteil vom 27.11.2003 – VII ZR 288/​02, BGHZ 157, 118, 125 f.[↩]
BGH, Beschluss vom 14.06.2007 – VII ZR 230/​06, BauR 2007, 1577 = NZBau 2007, 637 = ZfBR 2007, 676[↩]
vgl. Kniffka/​Koeble, Kom­pen­di­um des Bau­rechts, 3. Aufl., 5. Teil Rn. 152, 154[↩]
BGH, Urtei­le vom 20.08.2009 – VII ZR 205/​07, BGHZ 182, 158, 186; und vom 06.10.2005 – VII ZR 229/​03, BauR 2005, 1959 = NZBau 2005, 692 = ZfBR 2006, 34[↩]
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