Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/kuendigung-nach-italienischem-recht-und-der-schwerbehinderte-arbeitnehmer-3107345
Timestamp: 2020-03-28 14:35:51
Document Index: 41242181

Matched Legal Cases: ['§ 85', '§ 2', '§ 2', 'Art. 13', '§ 85', 'EuG', 'Art. 66', 'Art. 1', 'EuG', 'Art. 60', 'EuG', 'Art. 24', 'EuG', 'Art. 22', 'EuG', '§ 4', '§ 4', 'Art. 27', 'Art. 28', 'Art. 3', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 30', 'Art. 30', 'Art. 30', 'Art. 92', 'Art. 91', 'Art. 30', '§ 21', 'EuG', 'Art. 30', 'Art. 30', 'Art. 30', 'Art. 30', '§ 30', 'Art. 13', 'Art. 14', 'Art. 11', 'Art. 13', 'Art. 13', 'Art. 30', 'Art. 34', '§ 1', '§ 4', 'Art. 2110', 'Art. 2110', 'Art. 2110', '§ 73', '§ 293', '§ 286', '§ 293', 'Art. 2110', 'Art. 32', '§ 5', '§ 286', '§ 286', 'Art. 2110', '§ 561', 'Art. 1464', 'Art. 1464', 'Art. 2110', '§ 563', '§ 85', '§ 134', '§ 85', '§ 2', '§ 85', '§ 86', '§ 68', '§ 2', '§ 73', '§ 85', 'Art 44', '§ 2', '§ 1', '§ 85', '§ 85', '§ 90', '§ 85', '§ 1', '§ 1', '§ 91', '§ 626', '§ 85', '§ 85', '§ 134', '§ 85', '§ 134', '§ 85', '§ 85', 'Art. 27', 'Art. 3', '§ 85', '§ 85', '§ 85', 'Art. 27', 'Art. 3', '§ 85', 'Art. 27', 'Art. 3', 'Art. 30', 'Art. 8', '§ 85', '§ 134', '§ 2', '§ 85', 'Art. 34', '§ 85', '§ 87', '§ 4', '§ 114', '§ 13', '§ 84', '§ 84', '§ 1', '§ 626', '§ 84', '§ 1', '§ 84', '§ 84', '§ 84', 'Art. 27', 'Art. 3', 'Art. 30', 'Art. 8', 'Art. 34', 'Art. 9', '§ 2', '§ 84', '§ 81', '§ 2', 'Art. 6', 'Art. 2110', '§ 563', 'Art. 2110', 'Art. 2110', 'Art. 2', 'Art. 2110', 'Art. 1', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art. 34', 'Art. 9', '§ 2', 'Art. 34', 'Art. 9', 'Art. 24', 'EuG', 'BGH', 'EuG', 'Art. 6', 'Art. 30', '§ 9', 'Art. 8', 'Art.19', 'EuG', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 13', 'EuG', 'Art. 11', 'EuG', 'EuG', 'Art. 6', 'EuG', 'Art. 6', 'BGH', 'EuG', 'Art. 6', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'Art. 1', '§ 12', '§ 85', '§ 89', 'EuG', '§ 85', '§ 90', '§ 15', 'Art. 3', 'Art. 8', '§ 20', '§ 114', '§ 114', '§ 1', '§ 2', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 12', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 21', 'Art. 9', 'EuG', 'Art. 3', 'Art. 7', 'BGH']

Kün­di­gung nach ita­lie­ni­schem Recht – und der schwer­be­hin­der­te Arbeit­neh­mer | Rechtslupe
Kündigung nach italienischem Recht - und der schwerbehinderte Arbeitnehmer
Kün­di­gung nach ita­lie­ni­schem Recht – und der schwer­be­hin­der­te Arbeit­neh­mer
Die Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses eines schwer­be­hin­der­ten Men­schen bedarf nur dann der vor­he­ri­gen Zustim­mung des Inte­gra­ti­ons­amts gemäß § 85 SGB IX, wenn eine der Vari­an­ten des § 2 Abs. 2 SGB IX vor­liegt und das Arbeits­ver­hält­nis dem deut­schen Ver­trags­sta­tut unter­fällt.
In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ging es um den Schiffs­in­ge­nieur eines Kreuz­fahrt­schif­fes: Der 1962 gebo­re­ne Schiffs­in­ge­nieur war bei der Ree­de­rei, einer Gesell­schaft ita­lie­ni­schen Rechts mit Sitz in Genua, seit Mai 2006, zunächst als Second Engi­neer und dann als Chief Engi­neer – für den Ein­satz an Bord von Kreuz­fahrt­schif­fen beschäf­tigt. Bei Abschluss der in deut­scher Spra­che gehal­te­nen arbeits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen der Par­tei­en wur­de die Ree­de­rei von ihrer Zweig­nie­der­las­sung in Ros­tock ver­tre­ten. Die­se war – neben der Ree­de­rei – berech­tigt, dem Schiffs­in­ge­nieur Wei­sun­gen im Rah­men sei­ner Ein­sät­ze auf den Schif­fen zu ertei­len. Die Par­tei­en hat­ten die Gel­tung ita­lie­ni­schen Rechts und bestimm­ter ita­lie­ni­scher Tarif­ver­trä­ge sowie den Sitz der Ree­de­rei als Gerichts­stand ver­ein­bart. Die­se ent­rich­te­te für den Schiffs­in­ge­nieur von der Brut­to­heu­er die Bei­trä­ge zur ita­lie­ni­schen Sozi­al­ver­si­che­rung und führ­te für ihn in Ita­li­en nach den dor­ti­gen gesetz­li­chen Rege­lun­gen Lohn­steu­er ab. Die Kreuz­fahrt­schif­fe, auf denen der Schiffs­in­ge­nieur ver­trags­ge­mäß ein­ge­setzt wur­de, lie­fen alle­samt unter ita­lie­ni­scher Flag­ge.
Im Okto­ber 2009 trenn­te der Schiffs­in­ge­nieur sich bei einem Unfall im pri­va­ten Bereich einen Unter­arm ab. Mit Wir­kung ab Dezem­ber 2009 wur­de ihm ein Grad der Behin­de­rung von 60 zuer­kannt. Bis ein­schließ­lich zum 24.09.2010 leg­te er der Ree­de­rei fort­lau­fend Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gun­gen vor.
Die Berufs­ge­nos­sen­schaft ver­wei­ger­te dem Schiffs­in­ge­nieur unter Hin­weis auf Ziff.20 der Anla­ge 1 zu § 2 Abs. 1 Satz 2 der bis zum 20.08.2014 gül­ti­gen See­dienst­taug­lich­keits­ver­ord­nung (SeeD­TauglV) die Ertei­lung eines See­dienst­taug­lich­keits­zeug­nis­ses. In einem von ihm ange­streng­ten Eil­ver­fah­ren ver­pflich­te­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt sie am 3.09.2010, dem Schiffs­in­ge­nieur für die Dau­er eines Jah­res, längs­tens jedoch bis zur rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che mit bestimm­ten Ein­schrän­kun­gen hin­sicht­lich der Zahl und Qua­li­fi­ka­ti­on der ihm unter­stell­ten Besat­zungs­mit­glie­der ein sol­ches Zeug­nis zu ertei­len. Nach­dem das Ver­wal­tungs­ge­richt durch Beschluss vom 22.09.2010 die Maß­ga­ben zu sei­nen Guns­ten geän­dert hat­te, teil­te der Schiffs­in­ge­nieur der Ree­de­rei das Ergeb­nis der Eil­ver­fah­ren mit Tele­fax vom 23.09.2010 mit.
Mit Schrei­ben vom 24.09.2010 kün­dig­te die Ree­de­rei das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en unter Zugrun­de­le­gung der in Art. 13 des Man­tel­ta­rif­ver­trags für EU Mit­ar­bei­ter Deck und Maschi­ne der AIDA Club­schif­fe vom 20.08.2004 für Offi­zie­re vor­ge­se­he­nen Kün­di­gungs­frist von 15 Tagen zum 10.10.2010.
Unter dem 30.09.2010 erteil­te die Berufs­ge­nos­sen­schaft dem Schiffs­in­ge­nieur ein bis zum 30.09.2011 befris­te­tes See­dienst­taug­lich­keits­zeug­nis.
Mit der vor­lie­gen­den, am 14.10.2010 beim Arbeits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat der Schiffs­in­ge­nieur sich gegen die Kün­di­gung gewandt. Er hat gemeint, sie sei sowohl nach dem deut­schen Kün­di­gungs­schutz­ge­setz als auch nach ita­lie­ni­schem Kün­di­gungs­recht unwirk­sam. Dazu hat er behaup­tet, sein Haus­arzt habe ihn – ent­spre­chend einer Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en – aus­schließ­lich im Hin­blick dar­auf krank­ge­schrie­ben, dass die Berufs­ge­nos­sen­schaft ihm ein See­dienst­taug­lich­keits­zeug­nis ver­wei­gert habe. Aus ärzt­li­cher Sicht hät­ten, nach­dem – unstrei­tig – Ende Febru­ar 2010 eine myo­elek­tri­sche Pro­the­se ange­passt wor­den sei, kei­ne Beden­ken dage­gen bestan­den, dass er sei­ne Tätig­keit als Chief Engi­neer wie­der auf­neh­me. Mit der Kün­di­gung habe die Ree­de­rei sich wider­sprüch­lich ver­hal­ten. Sie habe ihm zuge­sagt, ihn wie­der zu beschäf­ti­gen, wenn die Berufs­ge­nos­sen­schaft ihm ein See­dienst­taug­lich­keits­zeug­nis ertei­le. Die Kün­di­gung stel­le sich zudem als dis­kri­mi­nie­rend dar. Er sei wegen sei­ner Behin­de­rung ent­las­sen wor­den. Jeden­falls sei die Kün­di­gung nich­tig, weil sie ohne vor­he­ri­ge Zustim­mung des Inte­gra­ti­ons­amts erklärt wor­den sei. § 85 SGB IX fin­de Anwen­dung. Bei ihrer Zweig­nie­der­las­sung in Ros­tock han­de­le es sich um einen Betrieb der Ree­de­rei im räum­li­chen Gel­tungs­be­reich des BetrVG. Die­sem inlän­di­schen Betrieb sei er ua. des­halb zuge­ord­net, weil von dort sei­ne Ein­sät­ze geplant wür­den.
Anders als in der Vor­in­stanz das Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern 1 gab das Bun­des­ar­beits­ge­richt dem Schiffs­in­ge­nieur Recht:
Die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te für das am 14.10.2010 anhän­gig gemach­te Ver­fah­ren bestimmt sich nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 44/​2001 des Rates vom 22.12 2000 über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen (EuGV­VO). Deren Neu­fas­sung in Form der Ver­ord­nung (EU) Nr. 1215/​2012 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 12.12 2012 über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung in Zivil- und Han­dels­sa­chen ist nach ihrem Art. 66 nur auf Ver­fah­ren anzu­wen­den, die am oder nach dem 10.01.2015 ein­ge­lei­tet wor­den sind. Bei einem Arbeits­rechts­streit han­delt es sich um eine zivil­recht­li­che Strei­tig­keit iSv. Art. 1 Abs. 1 EuGV­VO 2. Die Ree­de­rei hat ihren Sitz iSd. Art. 60 EuGV­VO in einem Mit­glied­staat, näm­lich in Ita­li­en. Die Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te folgt jeden­falls aus Art. 24 EuGV­VO, weil die Ree­de­rei sich in der strei­ti­gen Ver­hand­lung vor dem Arbeits­ge­richt auf das Ver­fah­ren ein­ge­las­sen hat und eine ander­wei­ti­ge aus­schließ­li­che Zustän­dig­keit gemäß Art. 22 EuGV­VO nicht besteht 3.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat ange­nom­men, der Antrag nach § 4 Satz 1 KSchG sei allein des­halb abzu­wei­sen, weil das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz kei­ne Anwen­dung fin­de.
Das hält einer revi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung nicht stand. Der Kün­di­gungs­schutz­an­trag nach § 4 Satz 1 KSchG ist nicht schon des­halb unbe­grün­det, weil das Arbeits­ver­hält­nis nicht dem – deut­schen – Kün­di­gungs­schutz­ge­setz unter­fällt.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist aller­dings ohne Rechts­feh­ler davon aus­ge­gan­gen, dass das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en ita­lie­ni­schem Ver­trags­sta­tut unter­liegt.
Das anwend­ba­re mate­ri­el­le Recht bestimmt sich nach Art. 27 ff. EGBGB (aF). Die Ver­ord­nung (EG) Nr. 593/​2008 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 17.06.2008 über das auf ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se anzu­wen­den­de Recht (Rom I‑VO) fin­det kei­ne Anwen­dung, weil der Arbeits­ver­trag der Par­tei­en vor dem 17.12 2009 "geschlos­sen" 4 wur­de (Art. 28 Rom I‑VO). Im Übri­gen stell­te sich die Rechts­la­ge im Streit­fall gemäß Art. 3, 8 und 9 Rom I‑VO nicht anders dar als nach Art. 27 ff. EGBGB (aF).
Dem Ver­trags­sta­tut unter­liegt auch der pri­vat­recht­li­che Kün­di­gungs­schutz nach dem Kün­di­gungs­schutz­ge­setz 5.
Die Par­tei­en haben in Ziff. 22 des Anstel­lungs­ver­trags vom 12.05.2006 aus­drück­lich die Gel­tung ita­lie­ni­schen Rechts ver­ein­bart (Art. 27 Abs. 1 EGBGB [aF]).
Die Rechts­wahl der Par­tei­en konn­te nicht iSv. Art. 30 Abs. 1 EGBGB (aF) dazu füh­ren, dass dem Schiffs­in­ge­nieur der Schutz ent­zo­gen wür­de, der ihm durch die zwin­gen­den Bestim­mun­gen des Rechts gewährt wird, das nach Art. 30 Abs. 2 EGBGB (aF) man­gels einer Rechts­wahl anzu­wen­den wäre. Das Arbeits­ver­hält­nis unter­lag nach letzt­ge­nann­ter Vor­schrift auch objek­tiv ita­lie­ni­schem Ver­trags­sta­tut.
Nach Art. 30 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB (aF) ist auf Arbeits­ver­trä­ge und Arbeits­ver­hält­nis­se das Recht des Staa­tes objek­tiv anwend­bar, in dem der Arbeit­neh­mer in Erfül­lung des Ver­trags gewöhn­lich sei­ne Arbeit ver­rich­tet, selbst wenn er vor­über­ge­hend in einen ande­ren Staat ent­sandt ist. Das Kri­te­ri­um des Staa­tes, in dem die Arbeit gewöhn­lich ver­rich­tet wird, bezieht sich auf den Ort, an dem oder von dem aus der Arbeit­neh­mer sei­ne beruf­li­chen Tätig­kei­ten tat­säch­lich aus­übt, und, in Erman­ge­lung eines Mit­tel­punkts sei­ner Tätig­kei­ten, auf den Ort, an dem der Arbeit­neh­mer den größ­ten Teil sei­ner Tätig­kei­ten ver­rich­tet 6.
Der Schiffs­in­ge­nieur war ver­trags­ge­mäß aus­schließ­lich auf Kreuz­fahrt­schif­fen tätig, so dass ein gewöhn­li­cher Arbeits­ort iSe. fes­ten Ein­rich­tung nicht vor­lag. Aller­dings lie­fen alle Schif­fe, auf denen er zum Ein­satz kam, unter ita­lie­ni­scher Flag­ge.
Zumin­dest auf Hoher See unter­ste­hen Schif­fe, die unter der Flag­ge eines ein­zi­gen Staa­tes fah­ren, nach Art. 92 Abs. 1 Satz 1 des See­rechts­über­ein­kom­mens der Ver­ein­ten Natio­nen vom 10.12 1982 (SRÜ) aus­schließ­lich der Hoheits­ge­walt die­ses Staa­tes. Gemäß Art. 91 Abs. 1 Satz 2 SRÜ besit­zen sie jeden­falls dann, wenn – wie hier – eine "ech­te Ver­bin­dung" (genui­ne link) zu die­sem besteht, die Staats­zu­ge­hö­rig­keit des Staa­tes, des­sen Flag­ge zu füh­ren sie berech­tigt sind. Auch wenn "Hoheits­ge­walt" nicht mit "Hoheits­ge­biet" gleich­zu­set­zen ist 7, liegt es nahe, die Flag­ge als maß­geb­li­ches Kri­te­ri­um für den gewöhn­li­chen Arbeits­ort anzu­se­hen. Hier­durch wür­de eine ein­deu­ti­ge Zuord­nung zu einem Staat mög­lich 8. Die Anknüp­fung an die Flag­ge böte dem Arbeit­neh­mer ein hohes Maß an Rechts­si­cher­heit 9. Der Gefahr, das anwend­ba­re Recht durch "Aus­flag­gung" mani­pu­lie­ren zu kön­nen 10, wür­de durch Art. 30 Abs. 2 Halbs. 2 EGBGB (aF) begeg­net 11. Danach wäre das Recht des "Flag­gen­staa­tes" nicht beru­fen, wenn der Arbeits­ver­trag oder das Arbeits­ver­hält­nis nach der Gesamt­heit der Umstän­de enge­re Ver­bin­dun­gen zu einem ande­ren Staat auf­wie­se. Gegen das Abstel­len auf die Flag­ge könn­te nicht § 21 Abs. 4 Satz 1 FlRG ange­führt wer­den, wonach das Heu­er­ver­hält­nis auf einem sog. Zweit­re­gis­ter­schiff nicht schon dann deut­schem Recht unter­liegt, wenn das Schiff unter der Bun­des­flag­ge fährt. Dabei han­delt es sich allen­falls um eine nega­ti­ve ein­sei­ti­ge Kol­li­si­ons­norm, nicht um eine umfas­sen­de Rege­lung der Bedeu­tung der Flag­ge 12.
Indes stel­len weder das EGBGB noch das EVÜ aus­drück­lich dar­auf ab, unter wel­cher Flag­ge ein Schiff fährt 13. Der EuGH hat die­ses Kri­te­ri­um bis­lang eben­falls nicht zur Bestim­mung des gewöhn­li­chen Arbeits­orts iSd. EVÜ her­an­ge­zo­gen 14.
Könn­te, weil eine Anknüp­fung an die Flag­ge der "Ein­satz­schif­fe" nicht in Betracht käme, kein Ort fest­ge­stellt wer­den, an dem der Schiffs­in­ge­nieur gewöhn­lich sei­ne Arbeit ver­rich­tet hat, ist nach den unan­ge­foch­te­nen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts auch kein Ort ersicht­lich, von dem aus er den größ­ten Teil sei­ner Tätig­keit aus­ge­übt hat.
Um den Ort zu ermit­teln, von dem aus die Arbeit aus­ge­übt wird, sind bei Arbeits­ver­hält­nis­sen in der See­fahrt alle Umstän­de zu berück­sich­ti­gen, die die Tätig­keit des Arbeit­neh­mers kenn­zeich­nen, ins­be­son­de­re in wel­chem Staat sich der Ort befin­det, von dem aus er Anwei­sun­gen erhält, oder der Ort, an dem er sich mel­den muss, bevor er sei­ne Fahr­ten antritt 15.
Der Schiffs­in­ge­nieur mag zwar Anwei­sun­gen aus der Nie­der­las­sung der Ree­de­rei in Ros­tock erhal­ten haben. Jedoch hat er nicht behaup­tet, sei­ne Fahr­ten stets von Deutsch­land aus ange­tre­ten zu haben. Das lässt sich auch dem Arbeits­ver­trag der Par­tei­en nicht ent­neh­men. Viel­mehr gin­gen sie aus­weis­lich der Rege­lung zur Erstat­tung von Rei­se­kos­ten in Ziff. 7 des Anstel­lungs­ver­trags vom 12.05.2006 davon aus, dass sich die "Ein­satz­or­te" durch­aus auch in ande­ren Län­dern befin­den kön­nen und die betref­fen­den Schif­fe kei­nes­wegs immer in deut­schen Häfen lie­gen müs­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat nicht fest­ge­stellt, dass der Schiffs­in­ge­nieur sich vor sämt­li­chen Ein­sät­zen – auch vor sol­chen, die im Aus­land began­nen – in der deut­schen Nie­der­las­sung der Ree­de­rei habe mel­den müs­sen.
Wenn der Arbeit­neh­mer sei­ne Arbeit gewöhn­lich nicht in ein und dem­sel­ben Staat ver­rich­tet, bestimmt sich das objek­tiv anwend­ba­re Recht gemäß Art. 30 Abs. 2 Nr. 2 EGBGB (aF) danach, wo sich die Nie­der­las­sung befin­det, die ihn ein­ge­stellt hat 16. Da der Schiffs­in­ge­nieur von der Nie­der­las­sung der Ree­de­rei in Ros­tock ein­ge­stellt wur­de, gelän­ge hier­nach deut­sches Recht zur Anwen­dung.
Gemäß Art. 30 Abs. 2 Halbs. 2 EGBGB (aF) gilt die nach Art. 30 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 2 EGBGB (aF) "an sich" zu tref­fen­de Zuord­nung dann aus­nahms­wei­se nicht, wenn sich aus der Gesamt­heit der Umstän­de ergibt, dass der Arbeits­ver­trag oder das Arbeits­ver­hält­nis enge­re Ver­bin­dun­gen zu einem ande­ren Staat auf­weist. In die­sem Fall ist das Recht die­ses ande­ren Staa­tes anzu­wen­den.
Um zu klä­ren, ob "enge­re Ver­bin­dun­gen" zu einem ande­ren Staat iSd. Aus­nah­me­re­ge­lung vor­lie­gen, ist nach dem Geset­zes­wort­laut auf die "Gesamt­heit der Umstän­de" abzu­stel­len. Dabei ist nicht allein die Anzahl der für eine Ver­bin­dung zu dem einen oder dem ande­ren Staat spre­chen­den Kri­te­ri­en maß­ge­bend. Viel­mehr müs­sen die Anknüp­fungs­mo­men­te gewich­tet wer­den. Zu berück­sich­ti­gen sind ua. der Arbeits­ort, der Sitz des Arbeit­ge­bers, die Staats­an­ge­hö­rig­keit der Ver­trags­par­tei­en und der Wohn­sitz des Arbeit­neh­mers. Ver­trags­im­ma­nen­te Gesichts­punk­te wie die Ver­trags­spra­che, die Wäh­rung, in der die Ver­gü­tung gezahlt wird, oder die Bezug­nah­me auf Rechts­vor­schrif­ten eines bestimm­ten Staa­tes haben nach­ran­gi­ge Bedeu­tung. Andern­falls hät­te es der Arbeit­ge­ber in der Hand, das vom Gesetz­ge­ber vor­ge­se­he­ne Güns­tig­keits­prin­zip durch die Ver­trags­ge­stal­tung und ent­spre­chen­de Abre­den zu unter­lau­fen. Eine der­ar­ti­ge Dis­po­si­ti­on über den zwin­gen­den Arbeit­neh­mer­schutz soll Art. 30 Abs. 1 EGBGB (aF) gera­de ver­hin­dern. In sei­nem Rah­men kommt es auf davon unab­hän­gi­ge, objek­ti­ve Umstän­de an 17. Ein wesent­li­ches Kri­te­ri­um ist dabei der Ort, an dem der Arbeit­neh­mer sei­ne Steu­ern und Abga­ben ent­rich­tet und der Sozi­al­ver­si­che­rung ange­schlos­sen ist 18. Sol­len die Ein­zel­um­stän­de auf enge­re Ver­bin­dun­gen zu einem ande­ren Staat ver­wei­sen, müs­sen sie ins­ge­samt das Gewicht der ein­schlä­gi­gen Regelan­knüp­fung deut­lich über­stei­gen 19. Die Wür­di­gung des Beru­fungs­ge­richts ist revi­si­ons­recht­lich nur ein­ge­schränkt über­prüf­bar, soweit sie auf tat­säch­li­chem Gebiet liegt 20. Inner­halb der auf­ge­zeig­ten Gren­zen kommt dem Beru­fungs­ge­richt zudem ein Spiel­raum bei der Gewich­tung der von ihm fest­ge­stell­ten Anknüp­fungs­mo­men­te zu. Es muss alle Gesichts­punk­te berück­sich­ti­gen, die das Arbeits­ver­hält­nis kenn­zeich­nen, und den- oder die­je­ni­gen wür­di­gen, der bzw. die sei­ner Ansicht nach "am maß­geb­lichs­ten" ist bzw. sind 21.
Nach die­sen Grund­sät­zen ist die Annah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den, das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en wei­se nach der Gesamt­heit der Umstän­de enge­re Ver­bin­dun­gen zu Ita­li­en als zu Deutsch­land auf.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zutref­fend erkannt, dass die nach­ran­gi­ge Regelan­knüp­fung des § 30 Abs. 2 Nr. 2 EGBGB (aF) nach Deutsch­land weist und der Schiffs­in­ge­nieur aus der ein­stel­len­den Nie­der­las­sung in Ros­tock auch Anwei­sun­gen erhal­ten hat. Dass die ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen der Par­tei­en in deut­scher Spra­che gehal­ten sind und ihm An- und Abrei­se­kos­ten nicht erstat­tet wur­den, wenn das Schiff in einem deut­schen Hafen lag, muss­te es dage­gen nicht als maß­geb­lich anse­hen. Es han­del­te sich um ver­trags­im­ma­nen­te Umstän­de. Der Tat­sa­che, dass der Schiffs­in­ge­nieur deut­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger mit Wohn­sitz im Bun­des­ge­biet ist, steht – gleich­sam "neu­tra­li­sie­rend" – gegen­über, dass es sich bei der Ree­de­rei um eine Gesell­schaft ita­lie­ni­schen Rechts mit Sitz in Ita­li­en han­delt. Zudem hat­ten die Par­tei­en – was frei­lich von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung ist – ita­lie­ni­sche Tarif­ver­trä­ge in Bezug genom­men und als Gerichts­stand für Strei­tig­kei­ten aus ihrem Arbeits­ver­hält­nis den Sitz der Ree­de­rei bestimmt.
Bei die­ser Sach­la­ge durf­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt maß­geb­lich dar­auf abstel­len, dass für den Schiffs­in­ge­nieur Lohn­steu­er in Ita­li­en abge­führt wur­de und für sein Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis gemäß Art. 13 Abs. 2 Buchst. b und Art. 14 Abs. 2 Buchst. c der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 1408/​71 (bis zum 30.04.2010) bzw. nach Art. 11 Abs. 4 und Art. 13 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 883/​2004 (ab dem 1.05.2010) das ita­lie­ni­sche Recht der sozia­len Sicher­heit galt, weil er aus­schließ­lich an Bord von Schif­fen tätig war, die unter ita­lie­ni­scher Flag­ge fuh­ren und er durch ein Unter­neh­men mit Sitz in Ita­li­en ver­gü­tet wur­de, ohne dass er – so die Ein­schrän­kung in Art. 13 Abs. 1 Buchst. b der Ver­ord­nung (EG) Nr. 883/​2004 – einen "wesent­li­chen Teil sei­ner Tätig­keit" im Gebiet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aus­ge­übt hät­te.
Unter­fiel das Arbeits­ver­hält­nis jeden­falls nach Art. 30 Abs. 2 Halbs. 2 EGBGB (aF) ita­lie­ni­schem Ver­trags­sta­tut, folgt die Gel­tung des – deut­schen – Kün­di­gungs­schutz­ge­set­zes auch nicht aus Art. 34 EGBGB (aF). Die §§ 1 bis 14 KSchG stel­len kei­ne "Ein­griffs­nor­men" iSd. Vor­schrift dar 22.
Die sich nach dem Recht der lex fori rich­ten­de Aus­le­gung des Haupt­an­trags 23, die das Revi­si­ons­ge­richt selbst vor­neh­men kann 24, ergibt, dass er nicht schon des­halb abzu­wei­sen ist, weil ita­lie­ni­sches mate­ri­el­les Recht beru­fen ist.
Nach deut­schem Pro­zess­recht ist die Unwirk­sam­keit einer Kün­di­gung grund­sätz­lich – unab­hän­gig von der Anwend­bar­keit des Kün­di­gungs­schutz­ge­set­zes – mit einem Antrag gemäß § 4 Satz 1 KSchG gel­tend zu machen. Eben dies hat der Schiffs­in­ge­nieur getan. Dabei ist aus der Kla­ge­be­grün­dung deut­lich gewor­den, dass er die Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung unab­hän­gig vom maß­geb­li­chen Ver­trags­sta­tut – mit­hin ggf. auch nach ita­lie­ni­schem Recht – gel­tend machen möch­te 25.
Der Schiffs­in­ge­nieur hat nicht des­halb den "fal­schen" Antrag gewählt, weil nach ita­lie­ni­schem mate­ri­el­len Recht auch eine unwirk­sa­me Kün­di­gung das Arbeits­ver­hält­nis auf­lös­te. Genießt der Arbeit­neh­mer den sog. rea­len Kün­di­gungs­schutz (tut­e­la rea­le), weil – wie ver­mut­lich bei der Ree­de­rei – im Unter­neh­men mehr als 60 Arbeit­neh­mer beschäf­tigt sind, ist eine vom Arbeit­ge­ber unbe­rech­tigt erklär­te Kün­di­gung ex tunc unwirk­sam. Das Arbeits­ver­hält­nis besteht fort. Der Arbeit­neh­mer hat einen Anspruch auf "Wie­der­ein­glie­de­rung" 26. Wird gel­tend gemacht, das Arbeits­ver­hält­nis sei durch eine bestimm­te Kün­di­gung nicht auf­ge­löst wor­den, bestehe also fort, umfasst dies die im ita­lie­ni­schen Recht vor­ge­se­he­ne "Wie­der­ein­glie­de­rung".
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt durf­te auf der Grund­la­ge der bis­her von ihm getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen nicht anneh­men, die Kün­di­gung der Ree­de­rei vom 24.09.2010 sei nach Maß­ga­be des ita­lie­ni­schen mate­ri­el­len Rechts wirk­sam.
Gemäß Art. 2110 Codi­ce civi­le ist eine Kün­di­gung, die im Hin­blick auf eine Krank­heit erklärt wird, nicht zuläs­sig, wenn der Arbeit­neh­mer nicht eine gewis­se Min­dest­zeit arbeits­un­fä­hig erkrankt ist ("tem­po cosid­det­to di com­por­to"). Nach Ablauf des sog. com­por­to ist eine frist­ge­rech­te Kün­di­gung – vor­be­halt­lich der even­tu­ell bestehen­den Not­wen­dig­keit des Ange­bots einer ander­weit mög­li­chen Beschäf­ti­gung – ohne wei­te­re Recht­fer­ti­gung begrün­det, wenn die Krank­heit fort­dau­ert. Die Über­win­dung des com­por­to stellt dann einen selbst­stän­di­gen Kün­di­gungs­grund dar 27. Die Dau­er des com­por­to ist in Art. 2110 Codi­ce civi­le nicht fest­ge­legt. Für See­ar­beits­ver­hält­nis­se exis­tie­ren nach dem vom Arbeits­ge­richt ein­ge­hol­ten Gut­ach­ten auch sonst kei­ne dies­be­züg­li­chen gesetz­li­chen oder tarif­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen, sodass sich die Län­ge des com­por­to nach der betrieb­li­chen Übung bzw. nach Bil­lig­keits­er­wä­gun­gen rich­tet 28.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat ange­nom­men, die Kün­di­gung sei nach Art. 2110 Codi­ce civi­le wirk­sam. Der Schiffs­in­ge­nieur sei auf­grund des Unfalls im Okto­ber 2009 erkrankt und des­halb solan­ge arbeits­un­fä­hig gewe­sen, bis die Ree­de­rei die Kün­di­gung erklärt habe. Das sei durch die von ihm bei der Ree­de­rei für die Zeit bis ein­schließ­lich 24.09.2010 ein­ge­reich­ten Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gun­gen belegt. Der den Schiffs­in­ge­nieur behan­deln­de Arzt habe nicht als Zeu­ge ver­nom­men wer­den dür­fen. Damit wäre eine unzu­läs­si­ge Aus­for­schung betrie­ben wor­den. Eine bewuss­te Täu­schung der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger und der Ree­de­rei habe die Kam­mer aus­ge­schlos­sen. Damit sei der com­por­to von 180 Tagen über­wun­den wor­den. Im Kün­di­gungs­zeit­punkt sei der Schiffs­in­ge­nieur nach wie vor arbeits­un­fä­hig gewe­sen. Dar­an ände­re der Umstand nichts, dass ihm bereits Ende Febru­ar 2010 eine myo­elek­tri­sche Pro­the­se ange­passt wor­den sei. Ein Ers­ter Offi­zier auf einem Kreuz­fahrt­schiff müs­se see­dienst­taug­lich sein. Hier­für müs­se er über alle Glied­ma­ßen ver­fü­gen.
Die­se Aus­füh­run­gen hal­ten einer revi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung nicht stand. Das gilt unab­hän­gig davon, ob die Anwen­dung aus­län­di­schen Rechts als sol­che im Ver­fah­ren vor den Gerich­ten für Arbeits­sa­chen nach § 73 ArbGG revi­si­bel 29 oder ob auch nach Maß­ga­be des Arbeits­ge­richts­ge­set­zes bei unzu­rei­chen­der oder feh­ler­haf­ter Ermitt­lung von Bestehen und Inhalt des aus­län­di­schen mate­ri­el­len Rechts ledig­lich die Ver­fah­rens­rüge eröff­net ist 30. Der Schiffs­in­ge­nieur hat drei durch­grei­fen­de Ver­fah­rens­rügen erho­ben. Mit einer davon moniert er gemäß § 293 ZPO, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt den Inhalt des ita­lie­ni­schen Rechts nicht umfas­send ermit­telt habe. Die bei­den ande­ren Rügen stüt­zen sich ohne­hin auf die der lex fori zuzu­ord­nen­de Vor­schrift des § 286 Abs. 1 ZPO.
Zum einen bean­stan­det der Schiffs­in­ge­nieur nach § 293 ZPO zu Recht, das Lan­des­ar­beits­ge­richt habe nicht unter­sucht, wel­chen Beweis­wert das ita­lie­ni­sche Recht einer – deut­schen – Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung für das Vor­lie­gen einer "malat­tia" iSv. Art. 2110 Codi­ce civi­le bei­misst.
Gemäß Art. 32 Abs. 3 Satz 1 EGBGB (aF) ist das für den Ver­trag maß­geb­li­che Recht inso­weit anzu­wen­den, wie es für ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se gesetz­li­che Ver­mu­tun­gen auf­stellt oder die Beweis­last ver­teilt. Danach ist die Fra­ge des Beweis­werts einer Urkun­de nicht nach dem Ver­fah­rens­recht, son­dern nach dem mate­ri­el­len Recht zu beant­wor­ten.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat nicht fest­ge­stellt, wie der für das Vor­lie­gen von Kün­di­gungs­grün­den beweis­be­las­te­te Arbeit­ge­ber 31 nach ita­lie­ni­schem Recht die Krank­heit des Arbeit­neh­mers nach­zu­wei­sen hat. Es hat nicht auf­ge­klärt, ob das ita­lie­ni­sche Recht eine § 5 EFZG ver­gleich­ba­re Rege­lung ent­hält und wel­cher Beweis­wert einer Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung im Rah­men eines "Kün­di­gungs­schutz­pro­zes­ses" zukommt. Es hat viel­mehr die Grund­sät­ze des deut­schen Ent­gelt­fort­zah­lungs­rechts ange­wandt.
Zum ande­ren rügt der Schiffs­in­ge­nieur gemäß § 286 Abs. 1 ZPO, das Lan­des­ar­beits­ge­richt habe selbst dann, wenn den Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gun­gen nach ita­lie­ni­schem Recht die von ihm – dem Beru­fungs­ge­richt – ange­nom­me­ne Wir­kung einer tat­säch­li­chen Ver­mu­tung zukom­men soll­te, den durch ihn – den Schiffs­in­ge­nieur – dazu ange­bo­te­nen Beweis erhe­ben müs­sen, dass aus ärzt­li­cher Sicht seit Ende Febru­ar 2010 "eigent­lich" kei­ne Beden­ken mehr gegen eine Wie­der­auf­nah­me sei­ner Tätig­keit bestan­den hät­ten. Auch die­se Rüge greift durch.
Das Ange­bot, den behan­deln­den Arzt zu die­sem Punkt als Zeu­gen zu ver­neh­men, durf­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht mit der Begrün­dung unbe­ach­tet las­sen, es hät­te ande­ren­falls einen Aus­for­schungs­be­weis erho­ben. Der Vor­trag des Schiffs­in­ge­nieurs ist aus­rei­chend sub­stan­ti­iert.
Eine Par­tei genügt ihrer Dar­le­gungs­last, wenn sie Tat­sa­chen vor­trägt, die in Ver­bin­dung mit einem Rechts­satz geeig­net sind, das gel­tend gemach­te Recht als in ihrer Per­son ent­stan­den erschei­nen zu las­sen. Uner­heb­lich ist dabei, wie wahr­schein­lich die Dar­stel­lung ist und ob sie auf eige­nem Wis­sen oder einer Schluss­fol­ge­rung aus Indi­zi­en beruht. Es ist dann Sache des Tatrich­ters, in die Beweis­auf­nah­me ein­zu­tre­ten und hier­bei gege­be­nen­falls die Zeu­gen nach wei­te­ren Ein­zel­hei­ten zu befra­gen 32.
Danach hät­te der Beweis­an­tritt nur dann unbe­ach­tet blei­ben dür­fen, wenn die ihm zugrun­de lie­gen­de Behaup­tung als gänz­lich sub­stanz­los, will­kür­lich, aus der Luft gegrif­fen oder ins Blaue hin­ein auf­ge­stellt erschie­ne. Der Schiffs­in­ge­nieur hat indes nicht bloß vor­ge­tra­gen, er sei ent­ge­gen den anders­lau­ten­den ärzt­li­chen Beschei­ni­gun­gen arbeits­fä­hig gewe­sen. Viel­mehr hat er dar­ge­legt, sein Arzt habe die Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gun­gen allein des­halb aus­ge­stellt, weil ihm – dem Schiffs­in­ge­nieur – kein See­dienst­taug­lich­keits­zeug­nis mehr erteilt wor­den sei. Aus ärzt­li­cher Sicht hät­ten, nach­dem ihm Ende Febru­ar 2010 eine myo­elek­tri­sche Pro­the­se ange­passt wor­den sei, "eigent­lich" kei­ne Beden­ken dage­gen bestan­den, dass er die Tätig­keit auf See wie­der auf­neh­me. Da der Schiffs­in­ge­nieur medi­zi­ni­scher Laie ist, konn­te von ihm nicht ver­langt wer­den, wei­te­re Details vor­zu­tra­gen. Er durf­te sich dar­auf beschrän­ken, die Ein­schät­zung sei­nes Arz­tes mit­zu­tei­len und die­sen als – sach­ver­stän­di­gen – Zeu­gen zu benen­nen.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt durf­te, ohne den behan­deln­den Arzt als Zeu­gen ver­nom­men zu haben, auch nicht davon aus­ge­hen, die­ser wer­de den Vor­trag des Schiffs­in­ge­nieurs nicht zu sei­ner – des Lan­des­ar­beits­ge­richts – vol­len Über­zeu­gung iSv. § 286 Abs. 1 ZPO bestä­ti­gen kön­nen. Ob eine Behaup­tung wahr ist, kann im All­ge­mei­nen erst beur­teilt wer­den, wenn der für sie ange­bo­te­ne Beweis erho­ben wor­den ist 33. Ande­ren­falls nimmt das Gericht eine Beweis­wür­di­gung unzu­läs­si­ger­wei­se vor­weg 34. So lag es auch hier.
Die von der Revi­si­on auf­ge­zeig­ten Ver­fah­rens­feh­ler sind ent­schei­dungs­er­heb­lich. Soll­te das Vor­lie­gen von Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gun­gen dem Arbeit­neh­mer nach ita­lie­ni­schem Recht nicht den Vor­trag abschnei­den, er sei "in Wahr­heit" arbeits­fä­hig gewe­sen, und soll­te der behan­deln­de Arzt "eigent­lich" davon über­zeugt gewe­sen sein, dass der Schiffs­in­ge­nieur spä­tes­tens seit Anpas­sung der myo­elek­tri­schen Pro­the­se Ende Febru­ar 2010 wie­der imstan­de war, die geschul­de­te Arbeits­leis­tung zu erbrin­gen, müss­te die Ree­de­rei im Ein­zel­nen dar­le­gen und ggf. bewei­sen, dass der Schiffs­in­ge­nieur tat­säch­lich über einen nach Art. 2110 Codi­ce civi­le erheb­li­chen Zeit­raum vor Zugang der Kün­di­gung sowie noch im Kün­di­gungs­zeit­punkt arbeits­un­fä­hig war.
Die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, den Haupt­an­trag abzu­wei­sen, stellt sich nicht aus ande­ren Grün­den als rich­tig dar (§ 561 ZPO). Es steht nicht fest, dass die Kün­di­gung der Ree­de­rei vom 24.09.2010 wirk­sam ist.
Es kann dahin­ste­hen, ob es sich bei der nach ita­lie­ni­schem Recht ein­zu­hal­ten­den Wider­spruchs­frist von 60 Tagen 35 um eine mate­ri­el­le oder pro­zes­sua­le Anfor­de­rung han­delt. Der Schiffs­in­ge­nieur hat die vor­lie­gen­de Kla­ge alle­mal frist­ge­recht erho­ben.
Selbst wenn das ita­lie­ni­sche Recht vor­se­hen soll­te, dass ein Schlich­tungs­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren ist, bevor Kla­ge gegen eine Kün­di­gung erho­ben wird 36, wäre der Schiffs­in­ge­nieur dazu nicht ver­pflich­tet gewe­sen. Die Vor­schal­tung eines Schlich­tungs­ver­fah­rens ist dem Ver­fah­rens­recht zuzu­ord­nen. Lex fori ist hier nicht das ita­lie­ni­sche, son­dern das deut­sche Recht 37.
Die Kün­di­gung ist nicht nach Art. 1464 Codi­ce civi­le wirk­sam.
Bedarf der Arbeit­neh­mer einer behörd­li­chen Erlaub­nis, um die ver­trag­lich geschul­de­te Tätig­keit zu ver­rich­ten, und wird ihm die­se Erlaub­nis ent­zo­gen oder nicht mehr erteilt, wird ihm die Erbrin­gung der Arbeits­leis­tung unmög­lich. In die­sem Fall kann der Arbeit­ge­ber das Arbeits­ver­hält­nis wegen Unmög­lich­keit gemäß Art. 1464 Codi­ce civi­le been­den 38.
Es ist frag­lich, ob die Ree­de­rei sich auf die­sen Kün­di­gungs­grund noch beru­fen könn­te. Im Kün­di­gungs­schrei­ben hat­te sie erklärt, die Kün­di­gung wer­de auf Art. 2110 Codi­ce civi­le und die – ver­meint­li­che – lan­ge Arbeits­un­fä­hig­keit des Schiffs­in­ge­nieurs gestützt. Nach die­ser Mit­tei­lung könn­te es ihr ver­wehrt sein, die Kün­di­gung auf einen ande­ren als den – ein­zig – genann­ten Grund zu stüt­zen ("immu­ta­bi­li­tà dei moti­vi di licen­zia­men­to") 39.
Jeden­falls stand im Kün­di­gungs­zeit­punkt auf­grund der Beschlüs­se des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ham­burg vom 03.09.2010 und des Ver­wal­tungs­ge­richts Ham­burg vom 22.09.2010 fest, dass der Schiffs­in­ge­nieur bis min­des­tens zum 30.09.2011 über ein See­dienst­taug­lich­keits­zeug­nis ver­fü­gen wür­de. Dar­an ändert der Umstand nichts, dass die Ree­de­rei die gericht­li­chen Ent­schei­dun­gen für falsch hält. Eben­so wenig hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt, dass ihr ein Ein­satz des Schiffs­in­ge­nieurs auf AIDA-Kreuz­fahrt­schif­fen auf­grund der vom Ver­wal­tungs­ge­richt gemach­ten Ein­schrän­kun­gen zu Zahl und Qua­li­fi­ka­ti­on der ihm unter­stell­ten Besat­zungs­mit­glie­der unmög­lich gewe­sen wäre.
Soweit die Ree­de­rei vor­trägt, sie habe mit den "Eig­nern in Genua" ver­ein­bart, dass jeder Arbeit­neh­mer neben einem See­dienst­taug­lich­keits­zeug­nis eine Beschei­ni­gung durch den Betriebs­arzt benö­ti­ge, um auf ihren Schif­fen tätig zu wer­den, kann dies zur Begrün­dung der Kün­di­gung nicht her­an­ge­zo­gen wer­den. Eine sol­che Abre­de ist mit dem Schiffs­in­ge­nieur nicht getrof­fen wor­den. Es ist auch kei­ne gesetz­li­che Vor­ga­be ersicht­lich, die zu einer der­ar­ti­gen Vor­ge­hens­wei­se ver­pflich­ten wür­de.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt kann dem Haupt­an­trag nicht statt­ge­ben (§ 563 Abs. 3 ZPO). Es steht nicht etwa umge­kehrt fest, dass die Kün­di­gung der Ree­de­rei vom 24.09.2010 unwirk­sam ist.
Die Kün­di­gung ist nicht nach § 85 SGB IX iVm. § 134 BGB nich­tig. Die Ree­de­rei muss­te kei­ne Zustim­mung des Inte­gra­ti­ons­amts ein­ho­len, weil das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en – wie gezeigt – nicht dem deut­schen Ver­trags­sta­tut unter­fiel.
§ 85 SGB IX fin­det nur dann Anwen­dung, wenn der betref­fen­de Arbeit­neh­mer eine der Vor­aus­set­zun­gen des § 2 Abs. 2 SGB IX erfüllt und das Arbeits­ver­hält­nis deut­schem Ver­trags­sta­tut unter­liegt.
Die §§ 85 ff. SGB IX ent­hal­ten zwar zuguns­ten der schwer­be­hin­der­ten Arbeit­neh­mer Rege­lun­gen, die – wie § 86 SGB IX – ihrer Natur nach dem Pri­vat­recht zuzu­ord­nen sind. Der dem Zivil­recht zuzu­rech­nen­de Kün­di­gungs­schutz wird jedoch über­la­gert durch öffent­li­ches Recht. Die Wirk­sam­keit einer pri­vat­recht­li­chen Wil­lens­er­klä­rung wird von der Zustim­mung einer inlän­di­schen Behör­de abhän­gig gemacht. Wann sie ein­greift, bestimmt jede öffent­lich-recht­li­che Norm selb­stän­dig. Sie kann an räum­li­che, per­sön­li­che und/​oder sach­li­che Kri­te­ri­en anknüp­fen 40. Das SGB IX hat inso­fern – min­des­tens – zwei Anknüp­fungs­punk­te gewählt.
Die §§ 68 ff. SGB IX gel­ten, soweit es sich um Vor­schrif­ten des öffent­li­chen Rechts han­delt, nur dann, wenn eine Vari­an­te des § 2 Abs. 2 SGB IX erfüllt ist. Der schwer­be­hin­der­te Mensch muss ent­we­der sei­nen Wohn­sitz, sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt oder sei­nen Arbeits­platz iSv. § 73 SGB IX im räum­li­chen Gel­tungs­be­reich des Geset­zes haben. Dabei han­delt es sich für die Fra­ge, ob ein Arbeit­neh­mer beson­de­ren Kün­di­gungs­schutz genießt – anders als für sei­ne "arbeits­ver­trags­un­ab­hän­gi­ge" Aner­ken­nung als Schwer­be­hin­der­ter 41 – inso­weit ledig­lich um eine not­wen­di­ge, nicht schon um eine hin­rei­chen­de Bedin­gung.
Es muss – ihrer­seits als not­wen­di­ge, aber für sich genom­men erneut nicht hin­rei­chen­de Bedin­gung 42 – hin­zu­tre­ten, dass das zu kün­di­gen­de Arbeits­ver­hält­nis deut­schem Ver­trags­sta­tut unter­fällt 43. Die Zustim­mung des Inte­gra­ti­ons­amts muss nicht ein­ge­holt wer­den, wenn das Arbeits­ver­hält­nis – wie hier – weder objek­tiv noch kraft Rechts­wahl dem deut­schen Ver­trags­recht unter­liegt. Das ergibt die Aus­le­gung der §§ 85 ff. SGB IX.
Die Zustim­mung des Inte­gra­ti­ons­amts ist ein pri­vat­rechts­ge­stal­ten­der Ver­wal­tungs­akt. Ihre Ertei­lung ist eine öffent­lich-recht­li­che Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung prä­ven­ti­ver Art 44, die die Aus­übung des Kün­di­gungs­rechts durch den Arbeit­ge­ber einer vor­he­ri­gen staat­li­chen Kon­trol­le unter­wirft 45. Die­se Kon­trol­le kann und soll nach der Vor­stel­lung des Gesetz­ge­bers nur erfol­gen, wenn das Arbeits­ver­hält­nis nicht bloß einen "Inlands­be­zug" iSv. § 2 Abs. 2 SGB IX auf­weist, son­dern auch dem deut­schen Ver­trags­sta­tut unter­liegt.
Zwar fin­det eine "vol­le" arbeits­recht­li­che Prü­fung durch das Inte­gra­ti­ons­amt grund­sätz­lich nicht statt 46. Jedoch kann die­ses sei­ne Zustim­mung ver­wei­gern, wenn die Kün­di­gung nach arbeits­recht­li­chen Vor­schrif­ten offen­sicht­lich unwirk­sam ist 47. In jedem Fall hängt sein Prüf­pro­gramm davon ab, ob die Kün­di­gung aus per­so­nen, ver­hal­tens- oder betriebs­be­ding­ten Grün­den iSv. § 1 Abs. 2 KSchG erklärt wer­den soll 48. Bereits dies legt es nahe, dass aus­schließ­lich Kün­di­gun­gen dem Zustim­mungs­er­for­der­nis unter­lie­gen sol­len, deren pri­vat­recht­li­che Wirk­sam­keit sich nach dem – dem Inte­gra­ti­ons­amt bekann­ten – deut­schen Recht beur­teilt.
In den §§ 85 ff. SGB IX fin­den sich meh­re­re Anhalts­punk­te für die­sen Wil­len des Gesetz­ge­bers. § 85 SGB IX stellt für sei­nen per­sön­li­chen Anwen­dungs­be­reich auf den deut­schen – nicht auf den uni­ons­recht­li­chen 49 – Arbeit­neh­mer­be­griff ab 50. Gemäß § 90 Abs. 1 Nr. 1 SGB IX gel­ten die §§ 85 ff. SGB IX nicht für schwer­be­hin­der­te Men­schen, deren Arbeits­ver­hält­nis bei Zugang der Kün­di­gungs­er­klä­rung ohne Unter­bre­chung noch nicht län­ger als sechs Mona­te bestan­den hat. Die­se Frist lehnt sich an die des § 1 Abs. 1 KSchG an 51. Sie bewirkt inso­weit einen Gleich­lauf mit der – sich nach dem Ver­trags­sta­tut ent­schei­den­den – Gel­tung der §§ 1 bis 14 KSchG. Für außer­or­dent­li­che Kün­di­gun­gen nimmt § 91 Abs. 5 SGB IX aus­drück­lich auf § 626 BGB Bezug. Über­haupt ken­nen vie­le ande­re Rechts­ord­nun­gen die sowohl im Neun­ten Buch des Sozi­al­ge­setz­buchs als auch im Bür­ger­li­chen Gesetz­buch und im Kün­di­gungs­schutz­ge­setz ver­wen­de­ten Kate­go­ri­en "ordent­li­che" und "außer­or­dent­li­che" Kün­di­gung nicht begriff­lich, son­dern allen­falls der Sache nach (so für das ita­lie­ni­sche Recht das vom Arbeits­ge­richt ein­ge­hol­te Gut­ach­ten).
Es kommt ent­schei­dend hin­zu, dass § 85 SGB IX den pri­vat­recht­li­chen Unwirk­sam­keits­be­fehl nicht "in sich trägt". Die Nich­tig­keit einer Kün­di­gung, die ohne die erfor­der­li­che vor­he­ri­ge Zustim­mung des Inte­gra­ti­ons­amts erklärt wur­de, folgt nicht aus § 85 SGB IX selbst, son­dern "erst" aus der – dem deut­schen Ver­trags­sta­tut zuge­hö­ri­gen – Vor­schrift des § 134 BGB 52. Es bedarf einer zivil­recht­li­chen Norm, um einen Ver­stoß gegen die öffent­lich-recht­li­che Vor­schrift des § 85 SGB IX im – deut­schen – Pri­vat­recht zu sank­tio­nie­ren. Fän­de aus­län­di­sches Ver­trags­recht Anwen­dung und kenn­te dies ent­we­der kei­ne § 134 BGB ver­gleich­ba­re Norm oder wäre die­se nicht dazu beru­fen, Vor­schrif­ten des deut­schen öffent­li­chen Rechts Gel­tung zu ver­schaf­fen, blie­be § 85 SGB IX inso­weit fol­gen­los und stell­te sich das Erfor­der­nis, die Zustim­mung des deut­schen Inte­gra­ti­ons­amts ein­zu­ho­len, als blo­ße För­me­lei dar.
Die Beschrän­kung des Zustim­mungs­er­for­der­nis­ses auf Kün­di­gun­gen von Arbeits­ver­hält­nis­sen, die deut­schem Ver­trags­sta­tut unter­lie­gen, bedeu­tet kei­ne Ver­mi­schung von pri­va­tem und öffent­li­chem Recht. Die Gel­tung des § 85 SGB IX bestimmt sich nicht unmit­tel­bar nach Art. 27 ff. EGBGB (aF) oder Art. 3, 8 und 9 Rom I‑VO. Dem Ver­trags­sta­tut kommt für die Anwend­bar­keit der Norm nur inso­fern – mit­tel­ba­re – Bedeu­tung zu, als § 85 SGB IX sei­ne eige­ne Gel­tung von der Anwend­bar­keit deut­schen Arbeits­ver­trags­rechts abhän­gig macht.
Dem Schutz­zweck der §§ 85 ff. SGB IX ist auch so Genü­ge getan. Der (aus­län­di­sche) Arbeit­ge­ber könn­te nicht etwa "ein­fach" das objek­tiv gel­ten­de deut­sche Recht mit der Fol­ge "abwäh­len", dass das Zustim­mungs­er­for­der­nis nach § 85 SGB IX ent­fie­le.
Hät­te das Arbeits­ver­hält­nis abge­se­hen von der Rechts­wahl und ggf. einer die­se flan­kie­ren­den Gerichts­stands­ver­ein­ba­rung kei­ner­lei Aus­lands­be­zug, schei­ter­te ein Umge­hungs­ver­such bereits an Art. 27 Abs. 3 EGBGB (aF) bzw. Art. 3 Abs. 3 Rom I‑VO. Liegt ein sog. Bin­nen­sach­ver­halt iSd. Vor­schrif­ten vor, berührt die Rechts­wahl der Par­tei­en nicht die Anwen­dung der­je­ni­gen Bestim­mun­gen des deut­schen Rechts, von denen nicht durch Ver­ein­ba­rung abge­wi­chen wer­den kann. Eine sol­che – ein­fach – zwin­gen­de Norm ist auch § 85 SGB IX.
Han­del­te es sich dage­gen um einen Sach­ver­halt, der sol­cher Art Aus­lands­be­zü­ge auf­weist, dass er von Art. 27 Abs. 3 EGBGB (aF) bzw. Art. 3 Abs. 3 Rom I‑VO nicht erfasst ist, dh. wäre der Sach­ver­halt im Zeit­punkt der Rechts­wahl nicht nur mit einem Staat ver­bun­den 53, wür­de einem Umge­hungs­ver­such durch Art. 30 Abs. 1 EGBGB (aF) bzw. Art. 8 Abs. 1 Satz 2 Rom I‑VO begeg­net. Nach die­sen Vor­schrif­ten darf eine Rechts­wahl der Par­tei­en nicht dazu füh­ren, dass dem Arbeit­neh­mer der Schutz ent­zo­gen wird, der ihm durch die – ein­fach – zwin­gen­den Bestim­mun­gen des objek­tiv anwend­ba­ren – im hie­si­gen Zusam­men­hang: deut­schen – Rechts gewährt wird. Ob dem Arbeit­neh­mer durch eine Rechts­wahl der Schutz der zwin­gen­den arbeits­recht­li­chen Bestim­mun­gen des objek­tiv, dh. des ohne Rechts­wahl maß­geb­li­chen Rechts ent­zo­gen wird, ist durch einen Ver­gleich der bei­den Rechts­ord­nun­gen zu ermit­teln. Bei die­sem Güns­tig­keits­ver­gleich ist jeweils auf die Ergeb­nis­se abzu­stel­len, zu denen die Rechts­ord­nun­gen in dem betref­fen­den Teil­be­reich im Ein­zel­fall gelan­gen 54. Dabei ist gleich­gül­tig, ob die "abge­wähl­ten" Nor­men dem pri­va­ten oder dem öffent­li­chen Recht ange­hö­ren 55. Im Ver­hält­nis zum ita­lie­ni­schen Recht grif­fe bei­spiels­wei­se das Zustim­mungs­er­for­der­nis nach § 85 SGB IX iVm. § 134 BGB, weil ers­tes aus­weis­lich des vom Arbeits­ge­richt ein­ge­hol­ten Gut­ach­tens kei­nen Son­der­kün­di­gungs­schutz für Schwer­be­hin­der­te in Gestalt eines Kün­di­gungs­ver­bots mit Erlaub­nis­vor­be­halt kennt und es des­halb für die­sen Teil­be­reich bei der Gel­tung des für den Arbeit­neh­mer güns­ti­ge­ren deut­schen Rechts ver­blie­be.
Es begeg­net kei­nen uni­ons­recht­li­chen Beden­ken, den Gel­tungs­be­reich des SGB IX in der dar­ge­stell­ten Wei­se zu begren­zen. Das Uni­ons­recht – ein­schließ­lich des Über­ein­kom­mens der Ver­ein­ten Natio­nen über die Rech­te von Men­schen mit Behin­de­run­gen 56 – ver­langt nicht nach einem Kün­di­gungs­ver­bot mit Erlaub­nis­vor­be­halt für die Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses eines schwer­be­hin­der­ten Men­schen 50.
Der Schiffs­in­ge­nieur hat zwar iSv. § 2 Abs. 2 SGB IX zumin­dest sei­nen Wohn­sitz im Gel­tungs­be­reich des SGB IX. Sein Arbeits­ver­hält­nis unter­liegt jedoch – objek­tiv und sub­jek­tiv – ita­lie­ni­schem und nicht deut­schem Recht. Damit fin­det § 85 SGB IX kei­ne Anwen­dung. Hier­an ver­mag Art. 34 EGBGB (aF) nichts zu ändern. Es kann dahin­ste­hen, ob öffent­lich-recht­li­che Vor­schrif­ten über­haupt Ein­griffs­nor­men dar­stel­len kön­nen 57. Das SGB IX grenzt sei­nen Gel­tungs­be­reich – wie gezeigt – jeden­falls auf sol­che Arbeits­ver­hält­nis­se ein, die deut­schem Ver­trags­sta­tut unter­lie­gen. Es han­delt sich gera­de nicht um eine Bestim­mung des deut­schen Rechts, die einen Sach­ver­halt ohne Rück­sicht auf das auf den Ver­trag anwend­ba­re Recht zwin­gend regelt.
Nach alle­dem kann offen­blei­ben, ob der Anwen­dungs­be­reich des § 85 SGB IX mit Blick auf § 87 SGB IX und die dor­ti­ge Fest­le­gung des ört­lich zustän­di­gen Inte­gra­ti­ons­amts eine wei­te­re Ein­schrän­kung der­ge­stalt erfährt, dass der Arbeit­ge­ber einen Betrieb oder wenigs­tens einen selb­stän­di­gen Betriebs­teil iSv. § 4 BetrVG im Gebiet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land unter­hal­ten und die­ser Betrieb(steil) – wofür frei­lich wenig spricht – in sach­li­cher Hin­sicht dem Gel­tungs­be­reich des Betriebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes unter­fal­len muss. Ins­be­son­de­re bedarf kei­ner Ent­schei­dung, ob das BetrVG – abwei­chend vom "Ter­ri­to­ria­li­täts­prin­zip" – nach sei­nem § 114 selbst auf den Land­be­trieb eines See­schiff­fahrts­un­ter­neh­mens kei­ne Anwen­dung fin­det, wenn die­ses sei­nen Sitz im Aus­land hat und in Deutsch­land ledig­lich eine Zweig­nie­der­las­sung iSv. §§ 13d bis f HGB unter­hält 58, und ob der Schiffs­in­ge­nieur dem "Land­be­trieb" der Ree­de­rei in Ros­tock zuge­ord­net war.
Es kann dahin­ste­hen, ob die Ree­de­rei ein Prä­ven­ti­ons­ver­fah­ren gemäß § 84 Abs. 1 SGB IX und ein betrieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (bEM) nach § 84 Abs. 2 SGB IX hät­te durch­füh­ren müs­sen. Das Durch­lau­fen die­ser Ver­fah­ren ist kei­ne for­mel­le Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung für eine Kün­di­gung 59. Viel­mehr han­delt es sich jeweils um Kon­kre­ti­sie­run­gen des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes im Rah­men der Prü­fung des § 1 Abs. 2 KSchG bzw. des § 626 Abs. 1 BGB. Unter­bleibt ein Prä­ven­ti­ons­ver­fah­ren oder bEM, kann dies nur dann Fol­gen für die Wirk­sam­keit einer ordent­li­chen Kün­di­gung haben, wenn das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz anwend­bar ist. Das zeigt sich ua. dar­an, dass § 84 Abs. 1 SGB IX an die Ter­mi­no­lo­gie des § 1 Abs. 2 KSchG ("per­so­nen, ver­hal­tens- oder betriebs­be­ding­te Schwie­rig­kei­ten") und § 84 Abs. 2 SGB IX mit dem Erfor­der­nis einer sechs­wö­chi­gen Arbeits­un­fä­hig­keit an die vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­wi­ckel­ten Vor­aus­set­zun­gen der sozia­len Recht­fer­ti­gung einer krank­heits­be­ding­ten Kün­di­gung anknüpft 60. Danach zei­tigt bei einer ordent­li­chen Kün­di­gung ein Ver­stoß des Arbeit­ge­bers gegen sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus § 84 Abs. 1 und Abs. 2 SGB IX grund­sätz­lich auch dann kei­ne Fol­gen für deren Wirk­sam­keit, wenn das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz des­halb nicht gilt, weil das gekün­dig­te Arbeits­ver­hält­nis – wie das­je­ni­ge des Schiffs­in­ge­nieurs – nicht dem deut­schen Ver­trags­sta­tut unter­lag. Anders stellt es sich nur dar, wenn eines der vor­ste­hend zu D I 1 c cc geschil­der­ten "Umge­hungs­sze­na­ri­en" vor­liegt. Bei § 84 Abs. 1 und Abs. 2 SGB IX han­delt es sich zwar um ein­fach zwin­gen­de Vor­schrif­ten iSv. Art. 27 Abs. 3 EGBGB (aF) bzw. Art. 3 Abs. 3 Rom I‑VO und iSv. Art. 30 Abs. 1 EGBGB (aF) bzw. Art. 8 Abs. 1 Satz 1 Rom I‑VO, aber nicht um inter­na­tio­nal zwin­gen­de Ein­griffs­nor­men iSv. Art. 34 EGBGB (aF) bzw. Art. 9 Abs. 2 Rom I‑VO. Ins­be­son­de­re sind die bei­den Rege­lun­gen – anders als zB die­je­ni­gen des SGB VII – kei­ne sol­chen des Arbeits­schutz­rechts iSv. § 2 Nr. 5 AEntG und ist § 84 Abs. 1 SGB IX – anders als etwa § 81 Abs. 2 SGB IX – kei­ne "Nicht­dis­kri­mi­nie­rungs­be­stim­mung" iSv. § 2 Nr. 7 AEntG 61.
Indem sie die Kün­di­gung erklärt hat, obwohl die Ertei­lung eines "vor­läu­fi­gen" See­dienst­taug­lich­keits­zeug­nis­ses auf­grund ent­spre­chen­der Gerichts­ent­schei­dun­gen unmit­tel­bar bevor­stand, hat die Ree­de­rei sich nicht selbst­wi­der­sprüch­lich ver­hal­ten.
Das Prin­zip von Treu und Glau­ben ist als über­ge­setz­li­cher Rechts­satz allen Rechts­ord­nun­gen – aus­weis­lich des vom Arbeits­ge­richt ein­ge­hol­ten Gut­ach­tens auch der ita­lie­ni­schen – imma­nent 62. Ein deut­sches Gericht hat den Ein­wand treu­wid­ri­gen Ver­hal­tens – unab­hän­gig vom anwend­ba­ren Recht, zudem gemäß Art. 6 EGBGB (aF) unter dem Gesichts­punkt des ord­re public von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen.
Der Schiffs­in­ge­nieur hat behaup­tet, die Ree­de­rei habe ihm zuge­si­chert, ihn wie­der als Chief Engi­neer zu beschäf­ti­gen, falls "die Berufs­ge­nos­sen­schaft" sei­ne See­dienst­taug­lich­keit fest­stel­le. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die­ses Vor­brin­gen dahin gewür­digt, dass die Ree­de­rei ihm mit­ge­teilt habe, er sol­le ein neu­es Taug­lich­keits­zeug­nis bean­tra­gen und sie "vor­erst wäh­rend der Erkran­kung bzw. Krank­schrei­bung nicht kün­di­gen" wer­de. Die­sem Ver­ständ­nis tritt die Revi­si­on nicht ent­ge­gen. Es deckt sich viel­mehr mit dem von ihr in Bezug genom­me­nen Vor­trag des Schiffs­in­ge­nieurs in der Beru­fungs­be­grün­dung, wonach die Par­tei­en am 8.04.2010 erneut über­ein­ge­kom­men sei­en, "dass zunächst abge­war­tet wer­den soll­te, ob die Beru­fungs­ge­nos­sen­schaft die See­dienst­taug­lich­keit wie­der bestä­ti­gen wür­de". Danach ist ein treu­wid­rig selbst­wi­der­sprüch­li­ches Ver­hal­ten der Ree­de­rei nicht ersicht­lich.
Nach dem eige­nen Vor­trag des Schiffs­in­ge­nieurs hat die­se ihm einen Ein­satz als Chief Engi­neer nur für den Fall in Aus­sicht gestellt, dass die Berufs­ge­nos­sen­schaft kraft eige­ner Über­zeu­gung zu der Ein­schät­zung gelan­ge, er sei trotz des Feh­lens eines Unter­arms see­dienst­taug­lich. Hin­ge­gen lässt sich sei­nem Vor­brin­gen nicht ent­neh­men, die Ree­de­rei habe ihr mög­li­ches – künf­ti­ges – Kün­di­gungs­recht nach Art. 2110 Codi­ce civi­le, zumal auf unbe­stimm­te Zeit – an den Aus­gang von Gerichts­ver­fah­ren "bin­den" wol­len, in denen es dar­um geht, die Beru­fungs­ge­nos­sen­schaft gegen ihre eige­ne Ein­schät­zung dazu zu ver­pflich­ten, dem Schiffs­in­ge­nieur ein – vor­läu­fi­ges – See­dienst­taug­lich­keits­zeug­nis zu ertei­len. Dem­entspre­chend ließ die Ree­de­rei dem Schiffs­in­ge­nieur, nach­dem die­ser ihr mit Schrei­ben vom 30.06.2010 mit­ge­teilt hat­te, dass er recht­li­che Schrit­te unter­neh­me, um das Zeug­nis zu erhal­ten, mit Anwalts­schrei­ben vom 15.07.2010 ant­wor­ten, dass sie davon aus­ge­hen müs­se, er sei dau­er­haft untaug­lich, an Bord eines ihrer Schif­fe ein­ge­setzt zu wer­den.
Nach dem vom Lan­des­ar­beits­ge­richt ohne Rechts­feh­ler zugrun­de geleg­ten Ver­ständ­nis ihrer "Zusi­che­rung" hat die Ree­de­rei das Arbeits­ver­hält­nis des Schiffs­in­ge­nieurs auch nicht des­halb "zur Unzeit" 63 gekün­digt, weil sie die Kün­di­gung unmit­tel­bar nach Erhalt sei­ner Mit­tei­lung von dem für ihn güns­ti­gen Aus­gang der Eil­ver­fah­ren vor den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten erklärt hat. Viel­mehr muss­te sie damit rech­nen, dass sei­ne "Krank­schrei­bung" enden und er sei­nen Ein­satz an Bord ver­lan­gen wür­de. Das galt es aus Sicht der Ree­de­rei – gemäß der Ein­schät­zung der von ihr gleich­sam als "Sach­ver­stän­di­ge" aner­kann­ten Berufs­ge­nos­sen­schaft – wegen der damit ver­meint­lich ver­bun­de­nen Risi­ken zu ver­hin­dern.
Nach der Zurück­ver­wei­sung (§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO) wird das Lan­des­ar­beits­ge­richts zunächst die Begründ­etheit des Haupt­an­trags zu prü­fen haben. Dafür gibt das Bun­des­ar­beits­ge­richt nach­ste­hen­de Hin­wei­se:
Es wird auf­zu­klä­ren sein, ob der Schiffs­in­ge­nieur auf­grund der Zahl der im Unter­neh­men der Ree­de­rei beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer (mehr als 60) den sog. rea­len Kün­di­gungs­schutz (tut­e­la rea­le) genießt. Soll­te dies – wider Erwar­ten – nicht der Fall sein, wäre zu ermit­teln, ob und ggf. mit wel­chen Fol­gen nach ita­lie­ni­schem Recht Kün­di­gungs­schutz für Arbeit­neh­mer klei­ne­rer Unter­neh­men besteht.
Jeden­falls dann, wenn dem Schiffs­in­ge­nieur der sog. rea­le Kün­di­gungs­schutz zukom­men soll­te, wird zu ermit­teln sein, wel­che Grund­sät­ze das ita­lie­ni­sche Recht zum Beweis einer "malat­tia" iSv. Art. 2110 Codi­ce civi­le auf­stellt. Ggf. wer­den die von den Par­tei­en zu der strit­ti­gen Fra­ge ange­bo­te­nen Bewei­se zu erhe­ben und zu bewer­ten sein, ob der Schiffs­in­ge­nieur für erheb­li­che Zeit arbeits­un­fä­hig war.
Soll­te sich nach einer mög­li­chen Beweis­auf­nah­me der Vor­trag des Schiffs­in­ge­nieurs bestä­ti­gen, er sei ent­ge­gen den anders­lau­ten­den ärzt­li­chen Beschei­ni­gun­gen aus der Sicht sei­nes behan­deln­den Arz­tes "in Wahr­heit" arbeits­fä­hig gewe­sen, wird die Ree­de­rei im Ein­zel­nen dar­le­gen und bewei­sen müs­sen, dass er für die Dau­er des com­por­to und über den Kün­di­gungs­zeit­punkt hin­aus auf­grund einer "malat­tia" nicht imstan­de war, die geschul­de­te Arbeits­leis­tung zu erbrin­gen.
Soll­te die Beweis­auf­nah­me erge­ben, dass der Schiffs­in­ge­nieur seit Okto­ber 2009 fort­lau­fend arbeits­un­fä­hig war, wäre die Kün­di­gung, weil der com­por­to abge­lau­fen war, mög­li­cher­wei­se wirk­sam.
Dann wird sich das Lan­des­ar­beits­ge­richt mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen müs­sen, ob die Ree­de­rei dem Schiffs­in­ge­nieur eine ander­wei­ti­ge Beschäf­ti­gung anbie­ten muss­te und ob sie dies ggf. in aus­rei­chen­der Wei­se getan hat 64.
Wenn sich die Kün­di­gung hier­nach als wirk­sam erwei­sen soll­te, wird das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu prü­fen haben, ob ein ande­res Ergeb­nis dar­aus folgt, dass der Schiffs­in­ge­nieur wegen sei­ner in dem Feh­len eines Unter­arms lie­gen­den Behin­de­rung dis­kri­mi­niert wur­de.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat in der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung nicht dar­ge­stellt, wie das ita­lie­ni­sche Recht zu die­ser Fra­ge aus­ge­stal­tet ist. Es hat ledig­lich apo­dik­tisch fest­ge­stellt, die­ses ent­hal­te kei­ne Vor­schrif­ten, die im Hin­blick auf eine Dis­kri­mi­nie­rung wegen der Behin­de­rung zu einem für den Schiffs­in­ge­nieur güns­ti­ge­ren Ergeb­nis füh­ren könn­ten als die Rege­lun­gen des – deut­schen – All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes. Dies trifft nicht die gesam­te Pro­ble­ma­tik.
Zum einen ist frag­lich, ob Art. 2110 Codi­ce civi­le – nebst ihn mög­li­cher­wei­se "flan­kie­ren­den" Bestim­mun­gen des ita­lie­ni­schen Rechts – den Vor­ga­ben der Richt­li­nie 2000/​78/​EG des Rates vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung eines all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäf­ti­gung und Beruf genügt 65. Falls dies zu ver­nei­nen sein soll­te, ist wei­ter frag­lich, ob den dort auf­ge­stell­ten Anfor­de­run­gen zumin­dest durch eine uni­ons­rechts­kon­for­me Aus­le­gung des ita­lie­ni­schen Rechts Gel­tung ver­schafft wer­den könn­te bzw. durch ita­lie­ni­sche Gerich­te bereits ver­schafft wor­den ist 66.
Zum ande­ren ist denk­bar, dass der Schiffs­in­ge­nieur durch die streit­be­fan­ge­ne Kün­di­gung wegen sei­ner Behin­de­rung (ver­deckt) unmit­tel­bar iSv. Art. 2 Abs. 2 Buchst. a RL 2000/​78/​EG bzw. der ent­spre­chen­den Vor­schrift des ita­lie­ni­schen Rechts dis­kri­mi­niert wor­den ist.
Eine Anknüp­fung an das Merk­mal der Behin­de­rung kommt zumin­dest in Betracht. Die Ree­de­rei sieht das Feh­len eines Unter­arms als Aus­schluss­kri­te­ri­um für einen Ein­satz als Chief Engi­neer an Bord ihrer Schif­fe an. Auch unbe­rech­tig­te Ste­reo­ty­pi­sie­run­gen kön­nen zu (unab­sicht­li­chen) Dis­kri­mi­nie­run­gen füh­ren. Dar­auf, ob die Ree­de­rei glaub­te, Art. 2110 Codi­ce civi­le iVm. der bis zum 20.08.2014 gel­ten­den SeeD­TauglV gebie­te die Kün­di­gung, kommt es nicht an 67.
Eine sog. ver­deck­te unmit­tel­ba­re Ungleich­be­hand­lung liegt vor, wenn nach einem schein­bar objek­ti­ven, nicht dis­kri­mi­nie­ren­den Kri­te­ri­um (dau­er­haf­te See­dienst­un­taug­lich­keit) unter­schie­den wird, das jedoch in untrenn­ba­rem Zusam­men­hang mit einem in Art. 1 RL 2000/​78/​EG genann­ten Grund (Behin­de­rung) steht und aus­schließ­lich Trä­ger die­ses Dis­kri­mi­nie­rungs­merk­mals trifft 68. Das könn­te hier der Fall sein. Kün­di­gungs­grund ist die ver­meint­li­che Unfä­hig­keit des Schiffs­in­ge­nieurs, die geschul­de­te Arbeits­leis­tung zu erbrin­gen. Die­se nach Auf­fas­sung der Ree­de­rei dau­er­haft bestehen­de Unfä­hig­keit ergab sich allein dar­aus, dass ihm ein Unter­arm fehlt. Nach ihrer Ansicht han­delt es sich dabei mit Blick auf Ziff.20 der Anla­ge 1 zu § 2 Abs. 1 Satz 2 SeeD­TauglV um einen abso­lu­ten und "irrepa­ra­blen" Aus­schluss­grund. Es erscheint mög­lich, dass eine Kün­di­gung, die wegen einer der dort auf­ge­führ­ten (chro­ni­schen) Erkran­kun­gen, gesund­heit­li­chen Schä­den und Schwä­chen erklärt wird, in allen Fäl­len wegen einer "Behin­de­rung" 69 erfolgt. Das wie­der­um könn­te bedeu­ten, dass das Arbeits­ver­hält­nis eines nicht behin­der­ten Chief Engi­neers in einer sonst mit der Situa­ti­on des Schiffs­in­ge­nieurs ver­gleich­ba­ren Lage nicht gekün­digt wor­den wäre 70.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt wird die Fra­ge nach einer Ungleich­be­hand­lung wegen der Behin­de­rung dahin­ste­hen las­sen kön­nen, wenn eine sol­che Benach­tei­li­gung jeden­falls gerecht­fer­tigt wäre. So dürf­te es, zumin­dest uni­ons­recht­lich – lie­gen, wenn die Ree­de­rei nicht imstan­de sein soll­te, eine bestehen­de Leis­tungs­un­fä­hig­keit des Schiffs­in­ge­nieurs durch ange­mes­se­ne Vor­keh­run­gen, dh. durch effek­ti­ve und prak­ti­ka­ble, sie nicht unzu­mut­bar belas­ten­de Maß­nah­men zu besei­ti­gen 71. Dabei wird zu beach­ten sein, dass § 2 Abs. 1 SeeD­TauglV die Ree­de­rei nicht von der Pflicht ent­band, im zumut­ba­ren Rah­men ange­mes­se­ne Vor­keh­run­gen zu tref­fen, um den Schiffs­in­ge­nieur als Chief Engi­neer an Bord eines ihrer Kreuz­fahrt­schif­fe beschäf­ti­gen zu kön­nen. Die SeeD­TauglV führ­te das Feh­len von Glied­ma­ßen nicht als Tat­be­stand, der die See­dienst­taug­lich­keit abso­lut und in jedem Fall aus­schloss. Viel­mehr kam es dar­auf an, ob der Betref­fen­de des­halb "den Anfor­de­run­gen sei­nes Dienst­zwei­ges nicht gewach­sen" war. Zudem lag gemäß § 2 Abs. 2 SeeD­TauglV See­dienst­taug­lich­keit nur dann vor, wenn unter Berück­sich­ti­gung des Lebens­al­ters, der Berufs­er­fah­rung und der Tätig­keit des Unter­such­ten nicht zu befürch­ten stand, dass er oder ande­re Per­so­nen an Bord oder die Schiffs­si­cher­heit gefähr­det wür­den. Soweit der Schiffs­in­ge­nieur ledig­lich mit bestimm­ten Maß­ga­ben hin­sicht­lich der Min­dest­zahl und der Qua­li­fi­ka­tio­nen des ihm unter­stell­ten Per­so­nals see­dienst­taug­lich sein soll­te, wird fest­zu­stel­len sein, ob die Ree­de­rei dem in zumut­ba­rer Wei­se hät­te Rech­nung tra­gen kön­nen.
Auf die kol­li­si­ons­recht­li­che Anwend­bar­keit des – deut­schen – All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes wird es nur in dem – unwahr­schein­li­chen – Fall ankom­men, dass die Kün­di­gung sich nach ita­lie­ni­schem "Kün­di­gungs- und Dis­kri­mi­nie­rungs­recht" allein des­halb als wirk­sam erweist, weil die­ses die Vor­ga­ben der RL 2000/​78/​EG – auch bei Aus­schöp­fung der Mög­lich­kei­ten einer uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung – nicht umge­setzt hat. Des­halb belässt das Bun­des­ar­beits­ge­richt es inso­fern bei fol­gen­den Hin­wei­sen:
Zwar spricht – nicht zuletzt mit Blick auf die Klar­stel­lung in § 2 Nr. 7 AEntG – vie­les dafür, dass die Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes Ein­griffs­nor­men iSv. Art. 34 EGBGB (aF) bzw. Art. 9 Abs. 2 Rom I‑VO dar­stel­len, die ohne Rück­sicht auf das auf den Ver­trag anzu­wen­den­de Recht den Sach­ver­halt inter­na­tio­nal zwin­gend regeln 72.
Auch dürf­te im Streit­fall der erfor­der­li­che, über die Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te hin­aus­ge­hen­de Bezug zur deut­schen Rechts­ord­nung bestehen 73. Der Schiffs­in­ge­nieur hat nicht nur sei­nen Wohn­sitz im Bun­des­ge­biet. Er wur­de zudem von der Nie­der­las­sung der Ree­de­rei in Ros­tock ein­ge­stellt und erhielt Wei­sun­gen von die­ser. Frag­lich wäre allen­falls, ob er iSv. § 2 AEntG "im Inland beschäf­tigt" wur­de.
Soll­te das ita­lie­ni­sche Recht nicht den durch die RL 2000/​78/​EG vor­ge­schrie­be­nen Min­dest­stan­dard gewäh­ren, ist es uni­ons­recht­lich unbe­denk­lich, die der Umset­zung die­ser Richt­li­nie die­nen­den Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes über Art. 34 EGBGB (aF) bzw. Art. 9 Abs. 2 Rom I‑VO zur Gel­tung zu brin­gen 74.
Bei den wei­te­ren Ermitt­lun­gen zum Inhalt des ita­lie­ni­schen Rechts – ggf. unter Ein­ho­lung eines wei­te­ren Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens – wird zu beach­ten sein, dass die Ermitt­lung aus­län­di­schen Rechts sich nicht auf die Her­an­zie­hung der ein­schlä­gi­gen Rechts­quel­len beschrän­ken darf, son­dern auch deren kon­kre­te Aus­ge­stal­tung in der aus­län­di­schen Rechts­pra­xis, ins­be­son­de­re in der aus­län­di­schen Recht­spre­chung zu berück­sich­ti­gen hat. Inso­fern muss das Beru­fungs­ge­richt die ihm zugäng­li­chen Erkennt­nis­quel­len aus­schöp­fen 75.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 22. Okto­ber 2015 – 2 AZR 720/​14
LAG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 03.04.3014 – 4 Sa 57/​13[↩]
BAG 24.09.2009 – 8 AZR 306/​08, Rn. 27, BAGE 132, 182[↩]
zu den Vor­aus­set­zun­gen des Art. 24 EuGV­VO vgl. für das arbeits­ge­richt­li­che Ver­fah­ren BAG 24.09.2009 – 8 AZR 306/​08, Rn. 36 ff., aaO; für Zivil­ver­fah­ren im All­ge­mei­nen sie­he BGH 19.05.2015 – XI ZR 27/​14, Rn. 17 ff.[↩]
zu den mög­li­chen Bedeu­tun­gen die­ses Begriffs vgl. BAG 25.02.2015 – 5 AZR 962/​13 (A), Rn. 12[↩]
vgl. BAG 30.04.1987 – 2 AZR 192/​86, zu II 3 b der Grün­de, BAGE 55, 236; 19.06.1986 – 2 AZR 563/​85, zu B I der Grün­de[↩]
vgl. EuGH 15.12 2011 – C‑384/​10 – [Voogs­ge­erd] Rn. 37, Slg. 2011, I‑13275 zu Art. 6 Abs. 2 des Über­ein­kom­mens von Rom über das auf ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se anzu­wen­den­de Recht [EVÜ], der der Vor­schrift des Art. 30 EGBGB [aF] zugrun­de liegt[↩]
vgl. Dei­nert Inter­na­tio­na­les Arbeits­recht § 9 Rn. 163; sie­he auch Palandt/​Thorn 74. Aufl. Art. 8 Rom I‑VO Rn. 12, der auf Hoher See von staats­frei­em Gebiet aus­geht[↩]
vgl. BAG 24.09.2009 – 8 AZR 306/​08, Rn. 46 f., BAGE 132, 182 zu Art.19 Nr. 2 Buchst. a EuGV­VO; Block in Inter­na­tio­na­les Recht im Wan­del S. 45, 81; Staudinger/​Magnus Neu­be­ar­bei­tung 2011 Art. 8 Rom I‑VO Rn. 149; Wurm­nest EuZA 2009, 481, 497; Jun­ker FS Held­rich S. 719, 730 f.[↩]
Gräf ZfA 2012, 557, 585[↩]
vgl. Palandt/​Thorn 74. Aufl. Art. 8 Rom I‑VO Rn. 12[↩]
Fran­zen AR-Blat­tei SD 1450.2 Rn. 11[↩]
vgl. Dei­nert RdA 2009, 144, 147; Palandt/​Thorn 74. Aufl. Art. 8 Rom I‑VO Rn. 12[↩]
anders etwa Art. 13, 14 der Ver­ord­nung [EWG] 1408/​71 des Rates vom 14.06.1971 zur Anwen­dung der Sys­te­me der sozia­len Sicher­heit auf Arbeit­neh­mer und Selb­stän­di­ge sowie deren Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge, die inner­halb der Gemein­schaft zu- und abwan­dern [vgl. dazu EuGH 19.03.2015 – C‑266/​13, Rn. 56] und Art. 11 der Ver­ord­nung [EG] Nr. 883/​2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 29.04.2004 zur Koor­di­nie­rung der Sys­te­me der sozia­len Sicher­heit[↩]
vgl. EuGH 15.12 2011- C‑384/​10 – [Voogs­ge­erd] Slg. 2011, I‑13275[↩]
vgl. EuGH 15.12 2011 – C‑384/​10 – [Voogs­ge­erd] Rn. 40, Slg. 2011, I‑13275 zu Art. 6 Abs. 2 EVÜ[↩]
vgl. EuGH 12.09.2013 – C‑64/​12 – [Schle­cker] Rn. 32; 15.12 2011 – C‑384/​10 – [Voogs­ge­erd] Rn. 32, Slg. 2011, I‑13275 jeweils zu Art. 6 Abs. 2 EVÜ[↩]
offen­ge­las­sen von BAG 10.04.2014 – 2 AZR 741/​13 – aaO; 11.12 2003 – 2 AZR 627/​02, zu II 3 d der Grün­de; vgl. BGH 9.03.1977 – IV ZR 112/​76[↩]
so EuGH 12.09.2013 – C‑64/​12 – [Schle­cker] Rn. 40 zu Art. 6 Abs. 2 EVÜ[↩]
BAG 1.07.2010 – 2 AZR 270/​09, Rn. 31[↩]
vgl. BAG 16.12 2010 – 2 AZR 963/​08, Rn. 14[↩]
vgl. BAG 13.12 2007 – 2 AZR 818/​06, Rn.20[↩]
dazu, dass es sich bei § 4 Satz 1 KSchG um eine Norm des "for­mel­len Rechts" han­delt, vgl. BAG 18.04.1996 – 8 AZR 867/​93, zu B I 3 b der Grün­de, BAGE 83, 11[↩]
vgl. Boven­berg Kün­di­gung und Kün­di­gungs­schutz im Ita­lie­ni­schen Arbeits­recht S. 113; Radoc­cia in Henssler/​Braun Arbeits­recht in Euro­pa 3. Aufl. Ita­li­en Rn. 334 ff.; Hofmann/​Coslovich Arbeits­recht in Ita­li­en Rn. 128 ff.; Nog­ler AuR 2014, 93, 95; Piras Kün­di­gungs­schutz im Arbeits­recht S. 48 und 56; unklar das vom Arbeits­ge­richt ein­ge­hol­te Gut­ach­ten, dort S. 7[↩]
vgl. Boven­berg Kün­di­gung und Kün­di­gungs­schutz im Ita­lie­ni­schen Arbeits­recht S. 66[↩]
vgl. auch Hofmann/​Coslovich Arbeits­recht in Ita­li­en Rn. 112, 115[↩]
so BAG 24.08.1989 – 2 AZR 3/​89, zu A II 4 a der Grün­de, BAGE 63, 17[↩]
vgl. BGH 4.07.2013 – V ZB 197/​12 – BGHZ 198, 14; Roth NJW 2014, 1224 für die ZPO bzw. das FamFG[↩]
Nog­ler AuR 2003, 321, 322[↩]
vgl. BAG 1.07.2010 – 2 AZR 270/​09, Rn.19 mwN[↩]
BAG 5.11.2003 – 5 AZR 562/​02, zu I 2 d aa der Grün­de[↩]
BVerfG 22.01.2001 – 1 BvR 2075/​98, zu II 1 der Grün­de[↩]
vgl. Radoc­cia in Henssler/​Braun Arbeits­recht in Euro­pa 3. Aufl. Ita­li­en Rn. 326, 333[↩]
so wohl Radoc­cia in Henssler/​Braun Arbeits­recht in Euro­pa 3. Aufl. Ita­li­en Rn. 326, 333[↩]
vgl. BAG 16.12 2010 – 2 AZR 963/​08, Rn. 14; sie­he jetzt auch Art. 1 Abs. 3 Rom I‑VO[↩]
vgl. Boven­berg Kün­di­gung und Kün­di­gungs­schutz im Ita­lie­ni­schen Arbeits­recht S. 64 f.; Piras Kün­di­gungs­schutz im Arbeits­recht S. 53[↩]
vgl. Boven­berg Kün­di­gung und Kün­di­gungs­schutz im Ita­lie­ni­schen Arbeits­recht S. 67; Hofmann/​Coslovich Arbeits­recht in Ita­li­en Rn. 124[↩]
vgl. BAG 30.04.1987 – 2 AZR 192/​86, zu II 3 b bb der Grün­de, BAGE 55, 236[↩]
vgl. dazu BAG 23.09.2014 – 9 AZR 827/​12, Rn. 21[↩]
vgl. BAG 30.04.1987 – 2 AZR 192/​86, zu II 3 b der Grün­de, BAGE 55, 236[↩]
eben­so Dei­nert in Inter­na­tio­na­les Recht im Wan­del S. 95, 120 ff.[↩]
BAG 17.02.1982 – 7 AZR 846/​79, zu I 2 a der Grün­de, BAGE 38, 42; 16.10.1991 – 2 AZR 332/​91, zu B II 2 a der Grün­de, BAGE 68, 333; BVerwG 10.09.1992 – 5 C 39.88 – BVerw­GE 91, 7 jeweils zu § 12 SchwbG[↩]
ErfK/​Rolfs 15. Aufl. § 85 SGB IX Rn. 1[↩]
vgl. BVerwG 19.10.1995 – 5 C 24.93 – BVerw­GE 99, 336[↩]
vgl. BVerwG 11.11.1999 – 5 C 23.99 – BVerw­GE 110, 67; OVG Meck­len­burg-Vor­pom­mern 24.03.2015 – 1 L 19/​14, Rn. 45[↩]
vgl. ErfK/​Rolfs 15. Aufl. § 89 SGB IX Rn. 3[↩]
vgl. dazu EuGH 11.11.2010 – C‑232/​09 – [Dano­sa] Slg. 2010, I‑11405[↩]
vgl. ErfK/​Rolfs 15. Aufl. § 85 SGB IX Rn. 3[↩][↩]
vgl. BAG 24.01.2008 – 6 AZR 96/​07, Rn. 34; ErfK/​Rolfs 15. Aufl. § 90 SGB IX Rn. 1[↩]
vgl. BAG 16.03.1994 – 8 AZR 688/​92, zu II 1 der Grün­de, BAGE 76, 142; BVerwG 19.10.1995 – 5 C 24.93 – BVerw­GE 99, 336 jeweils zu § 15 SchwbG[↩]
vgl. dazu Palandt/​Thorn 74. Aufl. Art. 3 Rom I‑VO Rn. 5[↩]
BAG 10.04.2014 – 2 AZR 741/​13, Rn. 34[↩]
vgl. Palandt/​Thorn 74. Aufl. Art. 8 Rom I‑VO Rn. 9[↩]
vgl. Beschluss 2010/​48/​EG des Rates vom 26.11.2009 über den Abschluss des Über­ein­kom­mens der Ver­ein­ten Natio­nen über die Rech­te von Men­schen mit Behin­de­run­gen durch die Euro­päi­sche Gemein­schaft, ABl. L 23 S. 35 vom 27.01.2010; zur Geset­zes­kraft der VN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on in Deutsch­land sie­he BGBl. II 2008 S. 1419 und BGBl. II 2009 S. 812[↩]
vgl. dazu BAG 24.08.1989 – 2 AZR 3/​89, zu A II 6 der Grün­de, BAGE 63, 17; Dei­nert in Inter­na­tio­na­les Recht im Wan­del S. 95, 111 ff.; Mün­chArbR-Birk 2. Aufl. Bd. 1 § 20 Rn. 177; Neu­mann in Neu­man­n/Pah­len/­Ma­jer­ski-Pah­len SGB IX 12. Aufl. Einl. Rn. 28[↩]
für eine der­ar­ti­ge Selbst­be­schrän­kung des BetrVG Fran­zen GK-BetrVG 10. Aufl. Bd. 2 § 114 Rn. 4 unter Beru­fung auf BAG 26.09.1978 – 1 AZR 480/​76, zu 1 der Grün­de, BAGE 31, 77; dage­gen Richardi/​Thüsing BetrVG 14. Aufl. § 114 Rn. 11, 12[↩]
vgl. zuletzt BAG 13.05.2015 – 2 AZR 565/​14, Rn. 28 für das bEM[↩]
vgl. BAG 24.01.2008 – 6 AZR 96/​07, Rn. 31 ff. für Kün­di­gun­gen, auf die wegen Nicht­er­fül­lung der War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz kei­ne Anwen­dung fin­det[↩]
vgl. Däubler/​Lakies TVG 3. Aufl. § 2 AEntG Rn. 10 und 12[↩]
vgl. BGH 14.10.1992 – VIII ZR 91/​91, zu II 5 a der Grün­de, BGHZ 120, 10[↩]
vgl. LAG Bre­men 29.10.1985 – 4 Sa 151/​85[↩]
von einer der­ar­ti­gen Ver­pflich­tung gehen aus: Boven­berg Kün­di­gung und Kün­di­gungs­schutz im Ita­lie­ni­schen Arbeits­recht S. 65; Piras Kün­di­gungs­schutz im Arbeits­recht S. 53[↩]
vgl. dazu EuGH 11.04.2013 – C‑335/​11 und – C‑337/​11 – [HK Dan­mark] Rn. 65 ff.[↩]
zu Grund­la­ge, Ziel und Gren­zen der uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung vgl. EuGH 24.01.2012 – C‑282/​10 – [Dom­in­guez] Rn. 24 ff.[↩]
vgl. BAG 19.12 2013 – 6 AZR 190/​12, Rn. 44, BAGE 147, 60[↩]
vgl. BAG 19.12 2013 – 6 AZR 190/​12, Rn. 46, BAGE 147, 60[↩]
zum uni­ons­recht­li­chen Behin­der­ten­be­griff vgl. EuGH 11.04.2013 – C‑335/​11 und – C‑337/​11 – [HK Dan­mark] Rn. 47[↩]
vgl. BAG 19.12 2013 – 6 AZR 190/​12, Rn. 46 ff., BAGE 147, 60[↩]
vgl. BAG 20.11.2014 – 2 AZR 664/​13, Rn. 60 mwN[↩]
vgl. nur Dei­nert Inter­na­tio­na­les Arbeits­recht § 12 Rn. 88; ErfK/​Schlachter 15. Aufl. Vor­bem. zum AGG Rn. 7 jeweils mwN; soweit sie durch Art. 3 GG geson­dert ver­bürgt sind, wer­den die Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te teil­wei­se auch dem deut­schen ord­re public iSv. Art. 6 EGBGB [aF] bzw. Art. 21 Rom I‑VO zuge­rech­net; vgl. Bauer/​Krieger AGG 4. Aufl. Einl. Rn. 40[↩]
zur Pro­ble­ma­tik vgl. ErfK/​Schlachter 15. Aufl. Art. 9 Rom I‑VO Rn. 21 mwN[↩]
für den Fall, dass auf einen Ver­trag das Recht eines ande­ren Mit­glied­staa­tes der Euro­päi­schen Uni­on anzu­wen­den ist, das den durch eine Richt­li­nie vor­ge­schrie­be­nen Min­dest­stan­dard gewährt, vgl. dem­ge­gen­über EuGH 17.10.2013 – C‑184/​12 – [UNAMAR] Rn. 50 ff. zu Art. 3 und Art. 7 Abs. 2 EVÜ und der Richt­li­nie 86/​653/​EWG des Rates vom 18.12 1986 zur Koor­di­nie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten betref­fend die selb­stän­di­gen Han­dels­ver­tre­ter[↩]
vgl. BGH 14.01.2014 – II ZR 192/​13, Rn. 15; 23.06.2003 – II ZR 305/​01, zu II 2 a der Grün­de[↩]
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