Source: https://m.grin.com/document/338393
Timestamp: 2019-09-19 17:23:09
Document Index: 283643136

Matched Legal Cases: ['§ 630', '§630', '§ 104', '§ 1901', '§ 1904', '§ 1901', '§1896']

Pro- und Contraargumentation zur Entscheidungsfindung der Versorgung wachkomatöser Menschen
3. Pro- Argumentation
4. Contra- Argumentation
In der folgenden Hausarbeit werden eigene Erfahrungen mit dem Berufsbild Pflege beleuchtet und die Bedeutung des eigenen Handelns wird kritisch hinterfragt. Anschließend wird die eigene Einstellung dargestellt und mit entsprechender Literatur belegt.
Lebensverlängernde Maßnahmen: Behandlungsmethoden oder Therapien, die bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung Patienten am Leben erhalten oder ihre Lebensqualität am Lebensende erhöhen sollen. Sie können den Sterbeprozess aber auch qualvoll lange hinauszögern, obwohl Patienten bereit sind zu sterben (Ludewig 2015, 18). Dazu gehören: Künstliche Beatmung, das Legen einer PEG- Sonde zur künstlichen Ernährung, Reanimation, Katheter und Zugänge, Operationen, Medikamente, Infusionen zur Flüssigkeitszufuhr und jede intensivmedizinische Behandlung (Oehmichen, Pohl, Koschel 2012, 53ff).
Patientenautonomie: Die ausführliche und genaue Aufklärung über alle Vor- und Nachteile einer Behandlung, die gewünschte Heilung und mögliche Nebenwirkungen oder Risiken. Patienten sollen diese auch ohne medizinisches Fachwissen verstehen können. Sie sollen Nutzen und Risiko gegeneinander abwägen können und in Ruhe eine eigene Entscheidung treffen, die ihrem Willen entspricht (§ 630e BGB) (Stascheit 2014, 17). Das nennt man Informed Consent oder informierte Zustimmung (Artikel 5 et 8 Charta der Rechte) (vgl. BMFSFJ 2005, 6ff). Es reicht nicht aus den Patienten einen Aufklärungsbogen unterschreiben zu lassen. Für ein Verstehen der Behandlung ist ein Aufklärungsgespräch mit Ruhe und Zeit nötig. Wenn Patienten aufgrund einer gesundheitlichen Einschränkung (Koma, Demenz, psychische Erkrankungen) nicht mehr in der Lage sind, ihren Willen auszusprechen (nicht einwilligungsfähig) oder zu erkennen, was ihr Wille ist, müssen das behandelnde Fachpersonal und der Betreuer gemeinsam den mutmaßlichen Patientenwillen feststellen und umsetzen (§§630d, 1901 b BGB) (Stascheit 2014, 106). Einwilligungsfähigkeit setzt keine Geschäftsfähigkeit voraus (§ 104 BGB) (Stascheit 2014, 154). Nach der modernen Rechtsauffassung ist Patientenautonomie grundgesetzlich geschützt. Sie leitet sich aus der Menschenwürde und dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung ab (Artikel 2, GG) (Deutscher Bundestag 2015, 17). Sie beinhaltet aber auch ein Recht darauf, etwas nicht wissen zu wollen (vgl. Ludewig 2015, 14ff).
Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung: Die Gesundheitsvorsorgevollmacht oder Patientenverfügung soll auf die persönliche, gesundheitliche Situation zugeschnitten sein und den eigenen Willen für medizinische Notfälle, lebensbedrohliche Situationen, lebensverkürzende Erkrankungen oder das Lebensende festhalten. Nach dem Patientenrechtegesetz sind die Verfügungen für medizinisches Fachpersonal rechtlich bindend. Das gilt auch, wenn der Patient im Koma liegt, oder seinen Willen in einer lebensbedrohlichen Situation nicht mehr äußern kann (Ludewig 2015, 83). Liegt keine Patientenverfügung vor, ermittelt der Arzt und der Betreuer den mutmaßlichen Willen des Patienten (§§ 1901a, 1901b BGB) (Stascheit 2014, 165). Sind Arzt und Betreuer sich einig in Bezug auf den mutmaßlichen Willen des Patienten über die Durchführung oder den Abbruch einer medizinisch schwerwiegenden (Amputation oder Einstellung der Ernährung) Maßnahme, muss das Betreuungsgericht nicht eingeschaltet werden (§ 1904 BGB). Eine Vorsorgevollmacht ersetzt das Betreuungsverfahren (§ 1901c BGB). Besteht keine Vorsorgevollmacht und der Patient kann seinen Willen nicht äußern, muss das Betreuungsgericht eingeschaltet werden, welches dann das Betreuungs- verfahren in Gang bringt (§§1896, 1897 BGB) (Stascheit 2014, 114ff).
Wachkoma: Apallisches Syndrom (griech. Pallium= Mantel), also ohne Hirnmantel. Die Funktionen der Großhirnrinde (bildlich Mantel), welche alle anderen Hirnzentren, wie die des Hirnstamms und des Rückenmarks steuern sind geschädigt. Es wird unter apallisch somit ein Funktionsausfall des Großhirns verstanden (Kretschmer 1940, 577). Nach ca. einem Jahr gilt das traumatische Koma in medizinischen Kreisen als permanent und im angloamerikanischen Raum mündet dies in die Konsequenz, den Patienten Nahrung und Flüssigkeit vorenthalten zu können (Tolle 2004, 35). Symptome, welche ein Patient zeigt, können unter anderem kein Fixationspunkt der Augen, Schmatzen, herabgesetzte Fähigkeit mit anderen zu interagieren, keine freiwilligen akustischen, visuellen oder taktilen Reize sein (Multi- Society Task Force on PVS 1994, 1500). Patienten im Wachkoma werden auch der Phase F zugeordnet, d. h. zustandserhaltende Rehamaßnahmen werden gefördert. Unterteilung in F1= noch vorhandenes, latentes Rehabilitationspotential; F2=bleibende Fähigkeitsstörungen, geringes Rehabilitationspotential (vgl. Tolle 2004, 33).
- Vorbehalte, einen hilflosen, nicht ansprechbaren Patienten sterben zu lassen. Gewissenskonflikte und Berufsethos spielen eine Rolle und die Angst, sich strafbar zu machen, sowie der ärztlich abgelegte Eid des Hippokrates.
- Die Würde des Menschen ist unantastbar (Artikel 1 GG). Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Artikel 2 GG) (Deutscher Bundestag 2015).
- Es gibt keine Weltreligion, welche die Tötung Sterbender befürwortet. Sterben ist ein natürlicher Vorgang und gehört zum Leben dazu (Schekker 2015, 38f).
- Die Weiterentwicklung von Medikamenten kann vielleicht Patienten in Zukunft helfen, deren Krankheit, die bis dahin als unheilbar galt, zu heilen (Schekker 2015, 38).
- Das Hospizwesen und die Palliativmedizin müssen ausgebaut werden (BÄK 2015, 39f).
- Kostengründe sorgen für den Abbruch lebensverlängernder Maßnahmen. Der Patient will seinen Angehörigen nicht zur Last fallen, oder der Gesellschaft nicht auf der Tasche liegen (Schekker 2015, 28).
- Die aktive Tötung (schwerste Form der Sterbehilfe) wird je nach Sachlage als „Tötung auf Verlangen“ mit einem Freiheitsentzug zwischen sechs Monaten und fünf Jahren, oder als „Totschlag“ mit einem Freiheitsentzug von mindestens fünf Jahren bestraft. Suizid und Beihilfe zum Suizid sind nicht strafbar. Gleiches gilt für die Einstellung der lebenserhaltenden Maßnahmen bei erklärtem oder mutmaßlichem Willen des Patienten (passive Sterbehilfe) (Weiss-Motz 2005, 24).
- Verringerung von Leid, Erreichen von Schmerzfreiheit. Direkte Sterbehilfe bedeutet dem Patienten Schmerzen und Leid zu ersparen durch Medikamente, welche sich auf die Lebensdauer auswirken können (z.B. Morphine). Dies ist gängige Praxis und ethisch allgemein akzeptiert (Weiss-Motz 2005, 24).
- Pauschalisierte Patientenverfügungen sorgen für Unsicherheiten oder einen generell unreflektierten Abbruch der lebensverlängernden Maßnahmen. Sie sollten durch Aufklärung (Arztgespräch) gefestigt werden. Ärzte könnten durch Patienten.
9783668279148
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v338393
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main – Fachbereich Gesundheit und Soziales
Lebensverlängernde Maßnahmen Sondenkost Beatmung Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung Patientenautonomie Lösungsstrategien Wachkoma apallisches Syndrom coma vigile unresponsive wakefulness syndrome Syndrom reaktionsloser Wachheit vegetative state persistent vegetativ state permanent vegetativ state Aktive Sterbehilfe Passive Sterbehilfe Abbruch lebensverlängernder Maßnahmen Sondenernährung Euthanasie verhungern verdursten direkte Sterbehilfe indirekte Sterbehilfe Vorsorgevollmacht Betreuungsverfügung Patientenverfügung Betreuer mutmaßlicher Wille Angehörige gesetzlicher Betreuer Pflegepersonen Palliativ Palliativversorgung Palliativ Care Zwiespalt