Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/gesellschaftsrecht/zahlungen-nach-insolvenzreife-und-die-als-ausgleich-erhaltenen-gegenstaende-388107
Timestamp: 2020-06-03 07:15:59
Document Index: 381096104

Matched Legal Cases: ['§ 130', '§ 177', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 15', '§ 823', '§ 15', '§ 823', 'BGH', '§ 64', '§ 64', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 64', '§ 64', '§ 64', '§ 64', '§ 64', 'BGH', '§ 64', 'BGH', '§ 93', 'BGH']

Zahlungen nach Insolvenzreife - und die als Ausgleich erhaltenen Gegenstände | Rechtslupe
Die Ersatz­pflicht des Organs für Zah­lun­gen nach Insol­venz­rei­fe ent­fällt, soweit die durch die Zah­lung ver­ur­sach­te Schmä­le­rung der Mas­se in einem unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit ihr aus­ge­gli­chen wird. Der als Aus­gleich erhal­te­ne Gegen­stand muss nicht noch bei Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens vor­han­den sein. Maß­geb­lich für die Bewer­tung ist der Zeit­punkt, in dem die Mas­se­ver­kür­zung durch einen Mas­se­zu­fluss aus­ge­gli­chen wird.
Die Ersatz­pflicht des Organs für Zah­lun­gen nach Insol­venz­rei­fe nach § 130a Abs. 1 HGB i.V.m. § 177a Satz 1 HGB ent­fällt, soweit die durch die Zah­lung ver­ur­sach­te Schmä­le­rung der Mas­se in einem unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit ihr aus­ge­gli­chen wird. § 130a Abs. 1 HGB soll im Inter­es­se einer Gleich­be­hand­lung der Gläu­bi­ger eine Schmä­le­rung der Mas­se nach Ein­tritt der Insol­venz­rei­fe aus­glei­chen [1]. Der Erstat­tungs­an­spruch gegen das Organ muss fol­ge­rich­tig nicht nur bei Erfül­lung durch das Organ ent­fal­len, son­dern auch, wenn die Mas­se­kür­zung ander­wei­tig aus­ge­gli­chen und der Zweck der Ersatz­pflicht erreicht ist. Aus die­sem Grund besteht kein Erstat­tungs­an­spruch gegen das Organ mehr, soweit es dem Insol­venz­ver­wal­ter gelingt, durch die Insol­venz­an­fech­tung eine Rück­erstat­tung der Zah­lung zu errei­chen und so die Mas­se­schmä­le­rung wett­zu­ma­chen [2], oder wenn die Mas­se­kür­zung dadurch aus­ge­gli­chen wird, dass für die Zah­lung ein Gegen­wert in das Gesell­schafts­ver­mö­gen gelangt ist, und der Sache nach ledig­lich ein Aktiv­en­tausch vor­liegt [3].
Da der "Scha­den" bereits in dem Abfluss von Mit­teln aus der im Sta­di­um der Insol­venz­rei­fe der Gesell­schaft zuguns­ten der Gesamt­heit ihrer Gläu­bi­ger zu erhal­ten­den Ver­mö­gens­mas­se liegt [4], ist nicht jeder belie­bi­ge wei­te­re Mas­se­zu­fluss als Aus­gleich der Mas­se­schmä­le­rung zu berück­sich­ti­gen. Viel­mehr ist ein unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang mit der Zah­lung erfor­der­lich, damit der Mas­se­zu­fluss der Mas­se­schmä­le­rung zuge­ord­net wer­den kann. Auf eine Zuord­nung nach wirt­schaft­li­cher Betrach­tung zur ein­zel­nen mas­se­schmä­lern­den Zah­lung kann nicht ver­zich­tet wer­den, da der Ersatz­an­spruch nicht auf Erstat­tung eines Quo­ten­scha­dens gerich­tet ist [5].
Dage­gen ist es nach dem Zweck der Vor­schrift nicht erfor­der­lich, dass der Gegen­stand des Mas­se­zu­flus­ses auch bei Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens noch vor­han­den ist. Soll­ten die Ent­schei­dun­gen, in denen die Berück­sich­ti­gung eines "Aktiv­en­tau­sches" für mög­lich erach­tet wur­de, wenn die Gegen­leis­tung nicht nur ins Gesell­schafts­ver­mö­gen gelangt ist, son­dern auch dar­in ver­bleibt, anders zu ver­ste­hen sein [6], hält der Bun­des­ge­richts­hof dar­an nicht fest. Maß­geb­lich für die Bewer­tung ist der Zeit­punkt, in dem die Mas­se­ver­kür­zung durch einen Mas­se­zu­fluss aus­ge­gli­chen wird, nicht der Zeit­punkt der Insol­venz­eröff­nung [7]. Die Mas­se­ver­kür­zung ist aus­ge­gli­chen und die Haf­tung des Organs für die mas­se­ver­kür­zen­de Leis­tung ent­fällt, sobald und soweit ein aus­glei­chen­der Wert end­gül­tig in das Gesell­schafts­ver­mö­gen gelangt ist [8]. Wenn ein Gegen­stand oder eine Geld­leis­tung, die als Aus­gleich der Mas­se­schmä­le­rung in das Gesell­schafts­ver­mö­gen gelangt ist, danach wie­der aus­ge­ge­ben wird, führt dies ggf. zu einem neu­en Erstat­tungs­an­spruch nach § 130a Abs. 1 HGB. Wür­de dem­ge­gen­über der zuvor erfolg­te Aus­gleich der ers­ten Mas­se­ver­kür­zung nicht beach­tet, wür­de es ggf. sogar zu einer Ver­viel­fa­chung des zu erstat­ten­den Betrags kom­men, obwohl wert­mä­ßig die Mas­se nur ein­mal ver­kürzt wur­de. Das "Zah­lungs­ver­bot" soll aber nur eine Mas­se­ver­kür­zung ver­hin­dern, nicht einer Mas­se­be­rei­che­rung die­nen.
Eine dem Gesell­schafts­or­gan nicht zure­chen­ba­re, ins­be­son­de­re zufäl­li­ge Ver­schlech­te­rung des Gegen­stands des Aus­gleichs bei der Gesell­schaft bis zur Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens fällt schon nicht unter den Schutz­zweck § 130a Abs. 1 HGB. Das Organ ist nach die­ser Vor­schrift nicht für jede Mas­se­ver­kür­zung ver­ant­wort­lich. § 130a Abs. 1 HGB schützt nur vor Mas­se­kür­zun­gen, die das Organ ver­an­lasst hat [9], und erfasst nicht jeden Scha­den, der durch die Insol­venz­ver­schlep­pung ent­steht. Für Insol­venz­ver­schlep­pungs­schä­den, die nicht in einer Mas­se­schmä­le­rung durch Zah­lung bestehen, haf­tet das Organ nach § 15a Abs. 1 InsO i.V.m. § 823 Abs. 2 BGB.
Auch bei einer durch das Organ ver­an­lass­ten Ver­ar­bei­tung oder ähn­li­chen Fäl­len eines Ver­lusts eines als Aus­gleich in die Mas­se gelang­ten Gegen­stands ent­ste­hen kei­ne Schutz­lü­cken. Regel­mä­ßig bleibt dadurch der geschaf­fe­ne Wert im Ver­mö­gen der Gesell­schaft erhal­ten oder es wird eine Gegen­leis­tung erwirt­schaf­tet. Ist dies aus­nahms­wei­se nicht der Fall, kommt auch hier eine Haf­tung nach § 15a Abs. 1 InsO i.V.m. § 823 Abs. 2 BGB wegen Insol­venz­ver­schlep­pung in Betracht.
Ob die zurück­ge­führ­ten Mit­tel bei Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens noch vor­han­den waren, ist für die Ent­schei­dung ohne Bedeu­tung, da der Zeit­punkt des Mas­se­zu­flus­ses maß­geb­lich ist.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Novem­ber 2014 – II ZR 231/​13
st. Rspr., BGH, Urteil vom 03.06.2014 – II ZR 100/​13, ZIP 2014, 1523 Rn. 14; Urteil vom 26.03.2007 – II ZR 310/​05, ZIP 2007, 1006 Rn. 7; Beschluss vom 05.02.2007 – II ZR 51/​06, ZIP 2007, 1501 Rn. 4; vgl. zur Par­al­lel­vor­schrift § 64 Satz 1 GmbHG bzw. § 64 Abs. 2 GmbHG a.F. BGH, Urteil vom 08.01.2001 – II ZR 88/​99, BGHZ 146, 264, 275; Urteil vom 29.11.1999 – II ZR 273/​98, BGHZ 143, 184, 186; Urteil vom 18.12 1995 – II ZR 277/​94, BGHZ 131, 325, 328[↩]
BGH, Urteil vom 03.06.2014 – II ZR 100/​13, ZIP 2014, 1523 Rn. 14; Urteil vom 18.12 1995 – II ZR 277/​94, BGHZ 131, 325, 327[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 18.10.2010 – II ZR 151/​09, ZIP 2010, 2400 Rn. 21 – Fleisch­groß­han­del; Urteil vom 31.03.2003 – II ZR 150/​02, ZIP 2003, 1005, 1006; vgl. auch Beschluss vom 05.11.2007 – II ZR 262/​06, ZIP 2008, 72 Rn. 5[↩]
BGH, Urteil vom 26.03.2007 – II ZR 310/​05, ZIP 2007, 1006 Rn. 7[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 26.03.2007 – II ZR 310/​05, ZIP 2007, 1006 Rn. 7; Beschluss vom 05.02.2007 – II ZR 51/​06, ZIP 2007, 1501 Rn. 4[↩]
BGH, Urteil vom 18.10.2010 – II ZR 151/​09, ZIP 2010, 2400 Rn. 21 – Fleisch­groß­han­del; Urteil vom 31.03.2003 – II ZR 150/​02, ZIP 2003, 1005, 1006; Urteil vom 11.09.2000 – II ZR 370/​99, ZIP 2000, 1896, 1897; Urteil vom 18.03.1974 – II ZR 2/​72, NJW 1974, 1088, 1089[↩]
Münch-KommGmbHG/­Mül­ler § 64 Rn. 137; Ulmer/​Casper, GmbHG, § 64 Rn. 85; Habersack/​Foerster, ZHR 178 [2014], 387, 404; aA Baumbach/​Hueck/​Haas, GmbHG, 20. Aufl., § 64 Rn. 70b; Klein­diek in Lutter/​Hommelhoff, GmbHG, 18. Aufl., § 64 Rn. 7; Sand­haus in Gehrlein/​Ekkenga/​Simon, GmbHG, § 64 Rn. 27[↩]
vgl. RGZ 159, 211, 230[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 16.03.2009 – II ZR 32/​08, ZIP 2009, 956 Rn. 13; zu § 64 Satz 1 GmbHG BGH, Urteil vom 25.01.2011 – II ZR 196/​09, ZIP 2011, 422 Rn. 28; zu § 93 Abs. 3 Nr. 6 AktG BGH, Urteil vom 16.03.2009 – II ZR 280/​07, ZIP 2009, 860 Rn. 42[↩]
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