Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/der-versorgungsausgleich-und-die-auslandstaetigkeit-nach-der-trennung-361562
Timestamp: 2020-08-12 17:57:02
Document Index: 201058854

Matched Legal Cases: ['§ 20', '§ 5', '§ 40', '§ 39', '§ 45', '§ 40', '§ 5', '§ 45', '§ 20', '§ 20', 'BGH', 'BGH', '§ 20', 'BGH', 'BGH', '§ 20', 'BGH', '§ 20', '§ 20']

Der Versorgungsausgleich und die Auslandstätigkeit nach der Trennung | Rechtslupe
Der Ver­sor­gungs­aus­gleich und die Aus­lands­tä­tig­keit nach der Tren­nung
Die auf einer Berufs­tä­tig­keit des Aus­gleichs­pflich­ti­gen im Aus­land (hier: Korea) beru­hen­de Erhö­hung eines Ren­ten­an­rechts bleibt im Rah­men des Ver­sor­gungs­aus­gleichs unbe­rück­sich­tigt.
Nach § 20 Abs. 1 S. 1 VersAus­glG kann die im Ver­sor­gungs­aus­gleich aus­gleichs­be­rech­tig­te Per­son, die eine Alters­ver­sor­gung erhält, eine schuld­recht­li­che Aus­gleichs­ren­te ver­lan­gen, wenn die aus­gleichs­pflich­ti­ge Per­son ihrer­seits eine lau­fen­de Ver­sor­gung aus einem noch nicht aus­ge­gli­che­nen Recht bezieht.
Bei der Wert­ermitt­lung gilt grund­sätz­lich nach §§ 5 Abs. 5, 39 VersAus­glG i.V.m. § 40 Abs. 1 VersAus­glG der Vor­rang der unmit­tel­ba­ren Bewer­tung vor der zeitra­tier­li­chen Bewer­tung. Die unmit­tel­ba­re Bewer­tung bedeu­tet, dass der Wert des Ehe­zeit­an­teils dem Umfang der auf die Ehe­zeit ent­fal­len­den Bezugs­grö­ße ent­spricht (§ 39 Abs. 1 VersAus­glG). § 45 Abs. 2 VersAus­glG, der bei Anrech­ten der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung eine ande­re Bewer­tung zulässt, ist nicht her­an­zu­zie­hen, soweit lau­fen­de Ver­sor­gun­gen zu bewer­ten sind [1]. Auch bei Betriebs­ren­ten ist danach der Wert des Ehe­zeit­an­teils nach den Grund­sät­zen der unmit­tel­ba­ren Bewer­tung zu ermit­teln. Aus­nahms­wei­se ist jedoch die zeitra­tier­li­che Bewer­tung nach §§ 40f VersAus­glG maß­ge­bend, sofern u.a. end­ge­halts­be­zo­ge­ne Direkt­zu­sa­gen ohne kon­kre­ten Bezug zu der Dau­er der Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit, Anrech­te bei (kapi­tal­de­cken­den) Pen­si­ons­kas­sen oder Anrech­te mit einem Grund‑, Min­dest- oder Sockel­be­trag aus­zu­glei­chen sind [2]. Neben den zu berück­sich­ti­gen­den Ver­än­de­run­gen nach Ehe­zei­t­en­de, die auf den Aus­gleichs­wert wegen § 5 Abs. 2 VersAus­glG zurück­wir­ken, sind auch die all­ge­mei­nen Wert­an­pas­sun­gen des Anrechts zwi­schen Ehe­zei­t­en­de und Ent­schei­dungs­zeit­punkt über die Aus­gleichs­ren­te in die Bewer­tung ein­zu­be­zie­hen [3]. Berück­sich­ti­gungs­fä­hig sind nach­e­he­zeit­li­che Erhö­hun­gen und Ver­rin­ge­run­gen des Wer­tes einer Ver­sor­gung, soweit sie einem Anrecht bei Ehe­zei­t­en­de bereits latent inne­wohn­ten [4]. Dies ist bei einem Kar­rie­re­sprung oder bei einem zusätz­li­chen per­sön­li­chen Ein­satz des Aus­gleichs­pflich­ti­gen man­gels Bezugs zur Ehe­zeit nicht der Fall [5]. Bleibt ein nach­ehe­li­cher Auf­stieg danach unbe­rück­sich­tigt, ist die Ver­sor­gungs­leis­tung zu errech­nen, die sich ent­spre­chend der zum Ende der Ehe­zeit aus­ge­üb­ten Tätig­keit erge­ben wür­de [6]. Abzu­stel­len ist auf die Ver­hält­nis­se bei Ende der Ehe­zeit; fest­zu­stel­len ist, in wel­chem Umfang auf­grund einer Ein­kom­mens­an­pas­sung das Anrecht bei Bei­be­hal­tung der beruf­li­chen Stel­lung bei Ehe­zei­t­en­de bis zur Gel­tend­ma­chung der schuld­recht­li­chen Aus­gleichs­ren­te ange­stie­gen wäre [7]. Danach wird ins­be­son­de­re die Ein­kom­mens­dy­na­mik end­be­zü­ge­ab­hän­gi­ger betrieb­li­cher Ver­sor­gungs­an­rech­te in der Anwart­schafts­pha­se mit­be­rück­sich­tigt [8].
Hier­nach hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm im vor­lie­gen­den Fall eine Berück­sich­ti­gung der auf­grund der Aus­lands­tä­tig­keit in Korea erwor­be­nen höhe­ren Anrech­te nicht berück­sich­tigt: Die­se erheb­li­che Erhö­hung des Anrechts war nicht schon wäh­rend der Ehe der Betei­lig­ten latent vor­han­den. Erst nach Ende der Ehe­zeit hat sich der Antrags­geg­ner ent­schlos­sen, einer Aus­lands­tä­tig­keit mit bes­se­ren Ver­dienst­mög­lich­kei­ten nach­zu­ge­hen. Der Antrags­geg­ner hat im Rah­men sei­ner per­sön­li­chen Anhö­rung vor dem Fami­li­en­ge­richt am 31.01.2012 unwi­der­spro­chen bestä­tigt, dass sei­ne Ein­künf­te aus der Berufs­tä­tig­keit in Korea ab 1994 deut­lich höher waren. Die­se Anga­be des Antrags­geg­ners wird bereits durch die Höhe der tat­säch­lich bezo­ge­nen Betriebs­ren­te im Ver­gleich zu der ohne eine Aus­lands­tä­tig­keit fik­tiv berech­ne­ten Betriebs­ren­te bestä­tigt. Die tat­säch­lich bezo­ge­ne Betriebs­ren­te ist deut­lich höher. Die Aus­füh­run­gen des Fami­li­en­ge­richts zur Nicht­be­rück­sich­ti­gung des Aus­lands­auf­ent­hal­tes greift der Antrags­geg­ner mit sei­ner Beschwer­de nicht an. Sie sind für ihn güns­tig und aus den genann­ten Grün­den im Ergeb­nis nicht zu bean­stan­den. Auch die Antrag­stel­le­rin hat durch­grei­fen­de Ein­wän­de gegen die dies­be­züg­li­che Berech­nung des Fami­li­en­ge­richts nicht erho­ben. Es ergibt sich offen­sicht­lich bei der Berech­nung der Betriebs­ren­te eine zeit­li­che Zäsur auf­grund der Auf­nah­me der Tätig­keit in Korea. Nach dem der­zei­ti­gen Sach- und Streit­stand kann nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Antrags­geg­ner auch bei Fort­be­stand der Ehe ab 1994 bis zu sei­nem Ren­ten­be­zug in Korea berufs­tä­tig gewe­sen wäre. Für die gegen­tei­li­ge Pro­gno­se reicht jeden­falls nicht aus, dass die Betei­lig­ten wäh­rend der Ehe­zeit immer wie­der im Aus­land gelebt und gear­bei­tet haben. Erst die Tren­nung der Betei­lig­ten war offen­sicht­lich der Aus­lö­ser für den Antrags­geg­ner, für sei­nen Arbeit­ge­ber erneut im Aus­land tätig zu wer­den.
Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 22. April 2013 – 10 UF 159/​12
vgl. OLG Frank­furt, FamRZ 2012, 1727 bei juris Lang­text Rn 9[↩]
vgl. zu den Ein­zel­hei­ten: Holz­warth, in: Johannsen/​Henrich, Kom­men­tar zum Fami­li­en­recht, 5. Auf­la­ge 2010, § 45 VersAus­glG Rn 54, 56[↩]
vgl. OLG Bre­men, FamRZ 2012, 1723, 1724; Borth, Ver­sor­gungs­aus­gleich, 6. Auf­la­ge 2012, Rn 752; Holz­warth, in: Johannsen/​Henrich, a.a.O., § 20 VersAus­glG Rn 37; Palandt-Bru­der­mül­ler, Kom­men­tar zum BGB, 72. Auf­la­ge 2013, § 20 VersAus­glG Rn 7[↩]
vgl. BGH, FamRZ 2009, 1735, 1736f; BGH, FamRZ 2008, 1512, 1513; Borth, a.a.O., Rn 752; Palandt-Bru­der­mül­ler, a.a.O., § 20 VersAus­glG Rn 7[↩]
vgl. BGH, FamRZ 2009, 1735, 1736f; BGH, FamRZ 2008, 1512, 1513; OLG Bre­men, FamRZ 2012, 1723, 1724; Holz­warth, in: Johannsen/​Henrich, a.a.O., § 20 VersAus­glG Rn 38 m.w.N.[↩]
vgl. BGH, FamRZ 2008, 1512, 1514; OLG Hamm, FamRZ 2005, 810, 811f; OLG Bre­men, FamRZ 2004, 31, 32; Borth, a.a.O., Rn 753; Palandt-Bru­der­mül­ler, a.a.O., § 20 VersAus­glG Rn 7[↩]
vgl. Borth, a.a.O., Rn 753[↩]
vgl. OLG Bre­men, FamRZ 2012, 1723, 1724; OLG Köln, FamRZ 2004, 1728, 1729; Palandt-Bru­der­mül­ler, a.a.O., § 20 VersAus­glG Rn 7 m.w.N.[↩]