Source: http://www.hensche.de/unterrichtung-des-arbeitnehmers-ueber-die-vertragsaufloesung-wegen-erwerbsminderungsrente-bag-7azr622-15.html
Timestamp: 2019-02-23 06:45:15
Document Index: 359360343

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 168', '§ 178', '§ 2', '§ 173', '§ 175', '§ 92', '§ 21', '§ 15', '§ 33', '§ 92', '§ 4', '§ 17', '§ 92', '§ 92', '§ 175', '§ 90', '§ 173', '§ 92', '§ 175', '§ 21', '§ 15', '§ 33', '§ 92', '§ 175', '§ 167']

Unterrichtung des Arbeitnehmers über die Vertragsauflösung wegen Erwerbsminderungsrente - HENSCHE Arbeitsrecht
ARBEITSRECHT AKTUELL // 18/179
Un­ter­rich­tung des Ar­beit­neh­mers über die Ver­trags­auf­lö­sung we­gen Er­werbs­min­de­rungs­ren­te
Für die An­er­ken­nung als Schwer­be­hin­der­ter und die dann er­for­der­li­che Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amts kommt es nicht auf den Zeit­punkt des Ren­ten­be­scheids an, son­dern auf die Be­en­di­gungs­mit­tei­lung des Ar­beit­ge­bers: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.01.2018, 7 AZR 622/15
24.07.2018. Ar­beit­ge­ber brau­chen die vor­he­ri­ge Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­am­tes, wenn sie ei­nen schwer­be­hin­der­ten oder gleich­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer kün­di­gen wol­len. Ei­ne sol­che Zu­stim­mung ist auch dann er­for­der­lich, wenn das Ar­beits­ver­hält­nis auf­grund ta­rif­ver­trag­li­cher Vor­schrif­ten au­to­ma­tisch en­det, weil der Ar­beit­neh­mer ei­ne Ren­te we­gen Er­werbs­un­fä­hig­keit oder Er­werbs­min­de­rung be­zieht.
Für Kün­di­gun­gen ist da­bei an­er­kannt, dass die Schwer­be­hin­de­rung oder Gleich­stel­lung zum Zeit­punkt des Zu­gangs der Kün­di­gung an­er­kannt sein muss oder dass der Ar­beit­neh­mer zu­min­dest ei­nen sol­chen An­trag ge­stellt ha­ben muss, und zwar be­reits drei Wo­chen vor Zu­gang der Kün­di­gung.
In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass der Son­der­kün­di­gungs­schutz schwer­be­hin­der­ter Men­schen nicht be­reits zum Zeit­punkt des Zu­gangs des Ren­ten­be­schei­des vor­lie­gen muss, son­dern dass es aus­reicht, wenn er zum Zeit­punkt der Be­en­di­gungs­mit­tei­lung durch den Ar­beit­ge­ber ge­ge­ben ist: BAG, Ur­teil vom 16.01.2018, 7 AZR 622/15.
Setzt der er­wei­ter­te Be­en­di­gungs­schutz für Schwer­be­hin­der­te vor­aus, dass die­se be­reits zum Zeit­punkt des Er­werbs­min­de­rungs-Ren­ten­be­schei­des ei­nen An­trag auf An­er­ken­nung als Schwer­be­hin­der­ter bzw. auf Gleich­stel­lung ge­stellt ha­ben?
Der Streit­fall: Lan­ge er­krank­te er­werbs­ge­min­der­te Ba­de­meis­te­rin kann sich mit ih­rem Ar­beit­ge­ber über ei­ne lei­dens­ge­rech­te Beschäfti­gung nicht ei­ni­gen
BAG: Für ei­ne An­er­ken­nung als Schwer­be­hin­der­ter, ei­ne Gleich­stel­lung oder ei­ne An­trag­stel­lung und für die dann er­for­der­li­che Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amts kommt es nicht auf den Zeit­punkt des Ren­ten­be­schei­des an, son­dern auf die Be­en­di­gungs­mit­tei­lung des Ar­beit­ge­bers
Ar­beit­neh­mer mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung von 50 oder mehr sind schwer­be­hin­dert (§ 2 Abs.2 Neun­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch - SGB IX). Will der Ar­beit­ge­ber ih­nen kündi­gen, braucht er dafür die vor­he­ri­ge Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amt (§ 168 SGB IX) und muss zu­vor die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung anhören (§ 178 Abs.2 Satz 3 SGB IX). Die­ser be­son­de­re Kündi­gungs­schutz gilt bei al­len Kündi­gun­gen, d.h. bei or­dent­li­chen und bei außer­or­dent­li­chen Kündi­gun­gen.
Auch gleich­ge­stell­te Ar­beit­neh­mer sind in die­ser Wei­se geschützt. Das sind Ar­beit­neh­mer mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung von min­des­tens 30, bei de­nen die Ar­beits­agen­tur ent­schie­den hat, dass sie schwer­be­hin­der­ten gleich­ge­stellt sind (§ 2 Abs.3 SGB IX). Der be­son­de­re Kündi­gungs­schutz von schwer­be­hin­der­ten und gleich­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mern greift erst ab ei­ner Beschäfti­gungs­dau­er von mehr als sechs Mo­na­ten (§ 173 Abs.1 Nr.1 SGB IX).
Darüber hin­aus sieht § 175 Satz 1 SGB IX ei­nen so ge­nann­ten er­wei­ter­ten Be­stands­schutz vor. Die­se Re­ge­lung lau­tet:
„Die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nes schwer­be­hin­der­ten Men­schen be­darf auch dann der vor­he­ri­gen Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­am­tes, wenn sie im Fal­le des Ein­tritts ei­ner teil­wei­sen Er­werbs­min­de­rung, der Er­werbs­min­de­rung auf Zeit, der Be­rufs­unfähig­keit oder der Er­werbs­unfähig­keit auf Zeit oh­ne Kündi­gung er­folgt.“
Hin­ter­grund die­ser Vor­schrift, die vor dem 01.01.2018 in § 92 Satz 1 SGB IX (al­te Fas­sung) ent­hal­ten war, sind ta­rif­ver­trag­li­che Vor­schrif­ten, die die au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses für den Fall ei­ner Er­werbs­unfähig­keit- oder Er­werbs­min­de­rungs­ren­te vor­se­hen. Das Ar­beits­verhält­nis en­det in ei­nem sol­chen Fall nämlich nicht durch ei­ne Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers, son­dern au­to­ma­tisch, und zwar ent­spre­chend den Re­ge­lun­gen des Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­set­zes (Tz­B­fG) zu auflösend be­ding­ten Ar­beits­verhält­nis­sen, bei de­nen der Zweck, der der Be­fris­tung zu­grun­de liegt, er­reicht wor­den ist und da­her die auflösen­de Be­din­gung ein­ge­tre­ten ist.
In sol­chen Fällen muss der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer schrift­lich mit­tei­len, dass sein Ar­beits­verhält­nis demnächst au­to­ma­tisch, d.h. auf­grund ta­rif­ver­trag­li­cher Vor­schrif­ten über die Auflösung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses bei Be­zug ei­ner Er­werbs­min­de­rungs­ren­te, en­den wird. Da­zu sieht das Ge­setz ei­ne Gal­gen­frist von zwei Wo­chen vor, die mit der Be­en­di­gungs­mit­tei­lung des Ar­beit­ge­bers be­ginnt (§ 21 Tz­B­fG in Verb. mit § 15 Abs.2 Tz­B­fG).
In Fällen die­ser Art stellt sich die Fra­ge, zu wel­chem Zeit­punkt der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer die Vor­aus­set­zun­gen für den Son­derkündi­gungs­schutz als Schwer­be­hin­der­ter oder Gleich­ge­stell­ter erfüllen muss - be­reits zum Zu­gang des Ren­ten­be­schei­des oder erst dann, wenn der Ar­beit­ge­ber ihm schrift­lich die demnächst ein­tre­ten­de Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit­teilt?
Im Streit­fall konn­te ei­ne Ar­beit­neh­me­rin, die bei ei­nem Ren­ten­ver­si­che­rungs­träger als Mas­seu­rin und Ba­de­meis­te­rin an­ge­stellt war, auf­grund krank­heits­be­ding­ter Ar­beits­unfähig­keit seit Ju­li 2011 nicht mehr ar­bei­ten. Im Fe­bru­ar 2012 nahm sie an ei­ner Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­maßnah­me teil.
Im Zu­ge der Re­ha-Maßnah­me wur­de durch ärzt­li­ches At­test des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trägers fest­ge­stellt, dass sie ih­ren Be­ruf als Mas­seu­rin und Ba­de­meis­te­rin nur noch we­ni­ger als drei St­un­den pro Tag ausüben konn­te. Außer­dem wur­de fest­ge­stellt, dass sie über sechs St­un­den täglich körper­lich leich­te Tätig­kei­ten in wech­seln­der Ar­beits­hal­tung in Tag­schicht, Früh- oder Spätschicht ver­rich­ten konn­te.
Auf ih­ren An­trag vom 06.02.2012 hin be­wil­lig­te ihr der Ren­ten­ver­si­che­rungs­träger mit Be­scheid vom 18.09.2012 ei­ne Ren­te we­gen teil­wei­ser Er­werbs­min­de­rung, und zwar rück­wir­kend ab dem 01.02.2012 bis längs­tens zum Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze am 31.05.2018.
We­ni­ge Ta­ge nach Er­halt des Be­schei­des im Sep­tem­ber 2012 mel­de­te sich die Ar­beit­neh­me­rin beim Ar­beit­ge­ber und schlug ei­ne lei­dens­ge­rech­te Teil­zeit­beschäfti­gung vor. Et­was später leg­te sie dem Ar­beit­ge­ber auch die gut­ach­ter­li­chen Fest­stel­lun­gen des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trägers vor. Zu ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Re­ge­lung über ei­ne lei­dens­ge­rech­te Beschäfti­gung kam es nicht.
Am 19.10.2012 be­an­trag­te die Ar­beit­neh­me­rin bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit auf Ba­sis der bei ihr be­reits fest­ge­stell­ten Be­hin­de­rung ih­re Gleich­stel­lung. Hier­von wur­de der Ar­beit­ge­ber am 26.10.2012 un­ter­rich­tet. Mit Be­scheid vom 05.12.2012 wur­de die Ar­beit­neh­me­rin ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen mit Be­scheid der Bun­des­agen­tur für Ar­beit gleich­ge­stellt, und zwar rück­wir­kend zum 19.10.2012.
Mit Schrei­ben vom 05.04.2013 teil­te der Ar­beit­ge­ber der Ar­beit­neh­me­rin mit, dass ihr Ar­beits­verhält­nis auf­grund der Ren­ten­be­wil­li­gung zwei Wo­chen nach Zu­gang die­ses Schrei­bens, spätes­tens mit Ab­lauf des 22.04.2013, en­den wer­de. Hin­ter­grund die­ses Schrei­bens ist der auf das Ar­beits­verhält­nis an­wend­ba­re Ta­rif­ver­trag der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Knapp­schaft-Bahn-See (TV DRV KBS), vom 23.08.2006, der in § 33 Abs.2 fol­gen­de Re­ge­lun­gen enthält:
„(2) Das Ar­beits­verhält­nis en­det fer­ner mit Ab­lauf des Mo­nats, in dem der Be­scheid ei­nes Ren­ten­ver­si­che­rungs­trägers (Ren­ten­be­scheid) zu­ge­stellt wird, wo­nach die/der Beschäftig­te voll oder teil­wei­se er­werbs­ge­min­dert ist. Die/Der Beschäftig­te hat den Ar­beit­ge­ber von der Zu­stel­lung des Ren­ten­be­schei­des un­verzüglich zu un­ter­rich­ten. Be­ginnt die Ren­te erst nach der Zu­stel­lung des Ren­ten­be­scheids, en­det das Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf des dem Ren­ten­be­ginn vor­an­ge­hen­den Ta­ges. Liegt im Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne nach § 92 SGB IX er­for­der­li­che Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­am­tes noch nicht vor, en­det das Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf des Ta­ges der Zu­stel­lung des Zu­stim­mungs­be­scheids des In­te­gra­ti­ons­am­tes.“
Ge­gen die Be­en­di­gungs­mit­tei­lung des Ar­beit­ge­bers er­hob die Ar­beit­neh­me­rin recht­zei­tig in­ner­halb der ge­setz­li­chen Drei­wo­chen­frist (§§ 4 und 7 Kündi­gungs­schutz­ge­setz - KSchG, § 17 Tz­B­fG) Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge vor dem Ar­beits­recht Ful­da, das der Ar­beit­neh­me­rin recht gab (Ur­teil vom 29.11.2013, 1 Ca 195/13).
Das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) mein­te da­ge­gen, dass sich die Ar­beit­neh­me­rin nicht auf den er­wei­ter­ten Be­en­di­gungs­schutz gemäß § 92 Satz 1 SGB IX (al­te Fas­sung) be­ru­fen konn­te. Aus Sicht des LAG hätte die Ar­beit­neh­me­rin ih­ren An­trag auf Gleich­stel­lung be­reits zum Zeit­punkt der Zu­stel­lung des Ren­ten­be­schei­des ge­stellt ha­ben müssen (Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 17.07.2015, 3 Sa 1544/13).
Vor dem BAG hat­te die Ar­beit­neh­me­rin Er­folg. Das BAG hob das LAG-Ur­teil auf und wies die Be­ru­fung des Ar­beit­ge­bers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ful­da zurück. Zur Be­gründung heißt es in dem BAG-Ur­teil:
Gemäß § 92 Satz 2 SGB IX al­te Fas­sung (= § 175 Satz 2 SGB IX neue Fas­sung) gel­ten die Vor­schrif­ten über die Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amts zur or­dent­li­chen Kündi­gung ent­spre­chend für den er­wei­ter­ten Be­en­di­gungs­schutz. Der Son­derkündi­gungs­schutz ge­genüber Kündi­gun­gen gilt aber nach § 90 Abs.2a SGB IX al­te Fas­sung (= § 173 Abs.3 SGB IX neue Fas­sung) aus­nahms­wei­se nicht, wenn zum Zeit­punkt der Kündi­gung die Ei­gen­schaft als schwer­be­hin­der­ter Mensch nicht nach­ge­wie­sen ist oder die Fest­stel­lung ei­ner Schwer­be­hin­de­rung bzw. ei­ne Gleich­stel­lungs­ent­schei­dung we­gen feh­len­der Mit­wir­kung nicht in­ner­halb von drei Wo­chen nach An­trags­ein­gang ge­trof­fen wer­den konn­te.
Da­her setzt der be­son­de­re ge­setz­li­che Schutz schwer­be­hin­der­ter und gleich­ge­stell­ter Ar­beit­neh­mer ge­genüber Kündi­gun­gen nach der BAG-Recht­spre­chung vor­aus, dass zum Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung
ent­we­der die Schwer­be­hin­de­rung be­reits an­er­kannt war
oder ei­ne Gleich­stel­lung be­reits er­folgt ist
oder dass zu­min­dest ein ent­spre­chen­der An­trag be­reits ge­stellt wor­den ist, und zwar spätes­tens drei Wo­chen vor Zu­gang der Kündi­gung.
Über­tra­gen auf den Fall der au­to­ma­ti­schen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf der Grund­la­ge ta­rif­ver­trag­li­cher Vor­schrif­ten we­gen des Be­zugs ei­ner Er­werbs­min­de­rungs­ren­te ent­spricht da­bei, so das BAG, der Zeit­punkt der Kündi­gung dem Zeit­punkt der schrift­li­chen Mit­tei­lung des Ar­beit­ge­bers über die demnächst ein­tre­ten­de Be­en­di­gung. Auf den meist viel frühe­ren Zeit­punkt des Zu­gangs des Ren­ten­be­schei­des kommt es da­ge­gen nicht an.
Da­bei be­ruft sich das BAG (zu­recht) auf den Wort­laut von § 92 Satz 2 SGB IX al­te Fas­sung (= § 175 Satz 2 SGB IX neue Fas­sung). Da­nach ist für die „Be­en­di­gung“ des Ar­beits­verhält­nis­ses die vor­he­ri­ge Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­am­tes er­for­der­lich, und gemäß den zwin­gen­den ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten des Tz­B­fG (§ 21, § 15 Abs.2 Tz­B­fG) tritt die Be­en­di­gung frühes­tens zwei Wo­chen nach Zu­gang der schrift­li­chen Be­en­di­gungs­mit­tei­lung des Ar­beit­ge­bers ein (die ab­wei­chen­de Re­ge­lung in § 33 Abs.2 Satz 3 des hier gel­ten­den Ta­rif­ver­trags (TV DRV KBS) ist ge­set­zes­wid­rig und da­her un­wirk­sam).
Die­se Klar­stel­lun­gen des BAG gel­ten auch für die Neu­fas­sung des § 92 SGB IX al­te Fas­sung, d.h. für den ab dem 01.01.2018 gel­ten­den § 175 SGB IX neue Fas­sung.
Fa­zit: Nach wie vor se­hen vie­le Ta­rif­verträge und ar­beits­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen vor, dass ei­ne (be­fris­te­te oder un­be­fris­te­te, teil­wei­se oder vol­le) Er­werbs­min­de­rungs­ren­te zu ei­ner au­to­ma­ti­schen Be­en­di­gung oder zu­min­dest zu ei­nem vorüber­ge­hen­den au­to­ma­ti­schen Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses führt.
Die­se Re­ge­lun­gen sind nicht mehr zeit­gemäß und wur­den in den ver­gan­ge­nen Jah­ren durch die Recht­spre­chung teil­wei­se für un­wirk­sam erklärt oder we­sent­lich entschärft, so z.B. die ver­brei­te­te kur­ze Frist von nur zwei Wo­chen ab Zu­gang des Ren­ten­be­schei­des, in­ner­halb de­ren der Ar­beit­neh­mer vom Ar­beit­ge­ber sei­ne Wei­ter­beschäfti­gung ver­lan­gen muss (die­se Frist läuft erst ab der Be­en­di­gungs­mit­tei­lung durch den Ar­beit­ge­ber: BAG, Ur­teil vom 23.07.2014, 7 AZR 771/12).
An­statt sich Ge­dan­ken darüber zu ma­chen, wie man ei­nen schwer­be­hin­der­ten oder gleich­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer un­ter Be­ach­tung kom­pli­zier­ter for­mal­ju­ris­ti­scher Form- und Ver­fah­rens­vor­schrif­ten (Anhörung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung, Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­am­tes) aus dem Ar­beits­verhält­nis her­aus­drängen kann, soll­ten Ar­beit­ge­ber bes­ser ge­mein­sam mit dem Be­trof­fe­nen nach Möglich­kei­ten ei­ner lei­dens­ge­rech­ten (Teil­zeit-)Beschäfti­gung su­chen. Da­zu sind sie oh­ne­hin auf­grund der Vor­schrif­ten über das be­trieb­li­che Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (bEM) ge­setz­lich ver­pflich­tet (§ 167 Abs.2 SGB IX).
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.01.2018, 7 AZR 622/15
Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 17.07.2015, 3 Sa 1544/13
Ar­beits­recht ak­tu­ell: 17/026 Kündi­gung in Un­kennt­nis ei­ner Schwer­be­hin­de­rung