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Timestamp: 2017-11-19 15:48:03
Document Index: 278454708

Matched Legal Cases: ['§ 169', '§ 1591', '§ 1600', '§ 1598', 'Art. 19', '§ 169', 'BGH', '§ 1600']

FamRZ-Buch 33: Abstammungsrecht in der Praxis :: Gieseking Verlag
Prof. Dr. jur. Helms, Tobias
Richter am AG Kieninger, Jörg
Prof. Dr. med. Rittner, Christian
FamRZ-Buch 33: Abstammungsrecht in der Praxis
- Materielles Recht, Verfahrensrecht, Medizinische Abstammungsbegutachtung -
ISBN: 978-3-7694-1065-5
2010/03 | XXIII und 211 Seiten | Broschur
Das Problem: Das Abstammungsrecht ist kompliziert und hat in den letzten Jahren grundlegende Änderungen erfahren (u.a. behördliches Anfechtungsrecht / isolierte Abstammungsklärung - neues FamFG-Verfahren - GenDG seit 1.2.2010). Daneben sind die unverzichtbaren Grundlagen zur genetischen Abstammung eine für Juristen äußerst schwer zu durchdringende Materie.
Vaterschaft: Anerkennung/Feststellung/Anfechtung/Klärung ohne Statusfolgen mit Verfahrensteil einschl. Internationalem Recht sowie allen Nebenfragen (z.B. VKH, Kosten)
… praxisgerecht aufbereitet von einem interdisziplinären Expertenteam, das sowohl über fundierte wissenschaftliche als auch über langjährige praktische Erfahrung verfügt.
Für alle, die nach einer umfassenden und zuverlässigen Orientierung auf aktuellem Stand suchen: (Fach-)Anwälte, Richter, Mitarbeiter von Jugendämtern, medizinische Sachverständige.
Inhalt_Helms_Kieninger_Rittner.pdf
"Obgleich von außerordentlich hoher praktischer Relevanz mit Blick aufteilweise existenzielle Fragen für einen Mandanten, sowohl in persönlicher als auch wirtschaftlicher Hinsicht, wird das Abstammungsrecht bislang eher stiefmütterlich behandelt. Gesetzliche Modifikationen bzw. neue Tendenzen der Rechtsprechung sind unter dem Eindruck der Veränderungen, vor allem im Unterhaltsrecht, in den beiden letzten Jahren weitestgehend ohne wesentliche Beachtung geblieben.
Um so mehr ist das vorliegende Werk von Helms, Kieninger und Rittner zu begrüßen. Das Abstammungsrecht kann nie - gerade auch nicht in der familiengerichtlichen Praxis - losgelöst von medizinischen Erwägungen gesehen werden, wobei auf Seiten der Juristen mangelnde vertiefte medizinische Kenntnisse gerne als Fluchttür genutzt werden, um sich mit verschiedenen Problembereichen nicht auseinander setzen zu müssen. Gerade an dieser Stelle setzt das vorliegende Werk an und gibt ihm seine besondere Bedeutsamkeit. Erkennbar und wohl auch ganz bewusst liegt das Schwergewicht auf der juristischen Darstellung der Kernprobleme des Abstammungsrechts. Aus der Zusammenarbeit zweier Juristen folgend, deren Arbeitsbereiche einerseits strikt wissenschaftlich ausgerichtet und andererseits durch die richterliche Tätigkeit eng mit der Praxis des Familienrechts verknüpft sind, wird das Abstammungsrecht umfassend dargestellt. Nicht nur die Rechtsprechung findet umfassend Berücksichtigung. Erkennbar ist auch die Absicht der Autoren, orientiert an den gesetzgeberischen Motiven, d.h. dem regelmäßigen Rückgriff auf die Gesetzesbegründungen, Sachzusammenhänge dar- und herzustellen bzw. neue Denkanstöße zu geben.
Der juristische Teil des Werkes ist übersichtlich gegliedert nach den materiellrechtlichen sowie den verfahrensrechtlichen Grundlagen des Abstammungsrechts. Im materiellrechtlichen Rahmen, der auch Bezüge zum internationalen Abstammungsrecht herstellt, wird klar nach verschiedenen Lebenssachverhalten geordnet die Rechtslage dargestellt. Durch diese übersichtliche Gliederung bildet das vorliegende Werk nicht nur die für eine schnelle Recherche verlässliche Arbeitsgrundlage des bereits mit dem Familienrecht vertrauten Praktikers. Es bietet sich gleichermaßen als Grundlage an zur vertiefenden Recherche im Studium. Dass das vorliegende Werk in keiner hausinternen Bibliothek der Jugendämter fehlen sollte, ist eine Selbstverständlichkeit.
Der verfahrensrechtliche Teil des Werkes wird erkennbar von praxisrelevanten Themen bestimmt. Dies folgt bereits aus der Voranstellung der Verfahrensgrundsätze und den einzelnen Verfahrensgegenständen im Sinn des § 169 FamFG. Sodann wird nicht nur der Verfahrensablauf mit den wichtigen Bezügen etwa zur Frage der Verfahrensfähigkeit, aber auch den Besonderheiten der Beweisaufnahme, dargestellt, sondern auch die Problembereiche der Verfahrenskostenhilfe sowie der Kosten des Abstammungsverfahrens selbst. Gerade für die praktische Tätigkeit und die Beratung der Mandanten sind die letztgenannten Aspekte oft essentielles Kriterium.
Der dritte Teil des Werkes umfasst letztlich das aus medizinischer Sicht wesentliche Kriterium des Abstammungsverfahrens, d.h. das Gutachten selbst. Dargestellt werden zunächst die zur Abstammungsbegutachtung notwendigen medizinischen Grundlagen, bevor dann, orientiert an der historischen Entwicklung bis zur aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, die bei der Gutachtenerstellung einzuhaltenden Richtlinien präzisiert werden. Zu der praktisch häufigen Problematik der Verwertbarkeit von Privatgutachten wird ebenso ausgeführt wie zu den Kosten eines Abstammungsgutachtens.
Zusammenfassend handelt es sich bei dem Werk von Helms, Kieninger und Rittner um eine uneingeschränkt gelungene Darstellung eines praxisrelevanten Themas. Das Buch ist für die praktische Tätigkeit uneingeschränkt zu empfehlen."
(RAin/FAin FamR Monika Clausius in FF 2011, 379 f.)
"Die Feststellung der Abstammung oder Nichtabstammung eines Kindes gehört zu den verantwortungsvollsten und bisweilen heikelsten Aufgaben, die den Familiengerichten zugewiesen sind. Auf kaum einem anderen Gebiet haben Fehler so lebensprägende Folgen für die Verfahrensbeteiligten wie hier. Auch sind die Gerichte bei der Tatsachenfeststellung in noch stärkerem Maße als sonst auf die Sachkunde anderer Wissenschaftszweige angewiesen. Deshalb war das Erscheinen eines auf die Bedürfnisse der Praxis zugeschnittenen, gut lesbaren Werkes überfällig, welches über die verschiedenen Aspekte der Abstammungsfeststellung informiert und Berührungsängste mit anderen Fachdisziplinen vermindert. Es bedurfte des Zusammenwirkens von Universitätsprofessoren der Rechtswissenschaft und der Medizin sowie eines erfahrenen Familienrichters, um diese anspruchsvolle Aufgabe zu meistern.
Das Buch ist in drei Teile untergliedert. Der erste, von Helms geschriebene stellt das materielle Abstammungsrecht, welches in §§ 1591 bis 1600d BGB geregelt ist, in einer auf die wesentlichen Punkte konzentrierten Form dar. Neuere Vorschriften des Abstammungsrechts, wie etwa die Abstammungsanfechtung durch den potenziellen biologischen Vater und die Verwaltungsbehörde bei Erschleichung des Aufenthaltsrechts (§ 1600 I Nr. 2 und 5 BGB), sowie die anfechtungsunabhängige Klärung der Abstammung (§ 1598a BGB) werden in der gebührenden Weise herausgestellt. Daneben rückt Helms auch das Internationale Abstammungsrecht, welches für Deutschland in den Art. 19 und 20 EGBGB kodifiziert ist, ins Blickfeld. Dabei weist er zutreffend darauf hin, dass die Anwendung ausländischen Rechts durch die deutschen Gerichte in Abstammungsverfahren nur selten wegen Verstoßes gegen den hiesigen ordre public abgelehnt werden darf. Fälle der Ersatz- und Leihmutterschaft gehören allerdings dazu, weil derartige Fortpflanzungstechniken durch das Embryonenschutzgesetz untersagt sind.
Der zweite, von Kieninger verfasste Teil befasst sich mit dem in §§ 169 bis 185 FamFG enthaltenen Verfahrensrecht in Abstammungssachen. Daneben stellt er auch so praktisch bedeutsame Fragen wie die Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe für derartige Angelegenheiten, in Betracht kommende Rechtsmittel sowie die Anerkennung im Ausland ergangener Abstammungsentscheidungen dar. Ausführlich befasst sich Kieninger auch mit den Beweisschwierigkeiten, die insbesondere bei fehlender Mitwirkungsbereitschaft von Verfahrensbeteiligten entstehen können, sowie den Folgen einer Beweisvereitelung. Zutreffend weist er darauf hin, dass die zwangsweise Durchsetzung der Mitwirkung an der Abstammungsuntersuchung gegenüber der Anwendung der Grundsätze über die Folgen der Beweisvereitelung vorrangig ist. Nur durch erstgenannte kann die tatsächliche Abstammung des Kindes festgestellt werden, auf deren Kenntnis dieses einen Anspruch hat.
Der dritte, von Rittner verantwortete Teil trägt die Überschrift "Medizinische Abstammungsbegutachtung". Nach einer Hinführung zum Thema und kurzen Darstellung der Abstammungsbegutachtung in früherer Zeit wendet sich der Autor den genetischen Grundlagen der Abstammungslehre seit Gregor Mendel zu, wobei der Schwerpunkt auf deren Relevanz für die Abstammungsfeststellung liegt. Wer im Biologieunterricht gut aufgepasst hat, kann auch als Jurist diesen Ausführungen folgen. Die übrigen Leser werden dankbar sein, im nachfolgenden Abschnitt wichtige Informationen über die Arbeitsweise des Sachverständigen in Abstammungsverfahren zu erhalten sowie Hinweise zur Abfassung des entsprechenden Beweisbeschlusses und zur Würdigung gerichtlich oder privat in Auftrag gegebener Gutachten nach deren Vorlage. Auch die möglichen Fehlerquellen bei der Gewinnung des zu untersuchenden Genmaterials sowie die pränatale und postmortale Abstammungsfeststellung bleiben nicht unerwähnt. Eine Reihe farbiger Abbildungen und ein Glossar häufig verwendeter fachwissenschaftlicher Begriffe runden die gelungene Darstellung ab.
Das Werk ist ein hilfreicher, lesenswerter Ratgeber in erster Linie für Familienrichter und -anwälte, aber auch für andere Personen, die sich aus beruflicher Notwendigkeit oder persönlicher Betroffenheit mit dem Thema zu beschäftigen haben. Zu seinem Erfolg werden auch seine Handlichkeit und der günstige Preis beitragen. Selbst fundamentale Fragen werden nicht ausgespart. Wie Rittner zu berichten weiß, hat eine bestimmte Ameisenart das Problem der Abstammung schon lange dadurch gelöst, dass sie sich durch Klonierung der von ihrer Königin gelegten Eier vermehrt. Ihre genetisch identischen Nachkommen genießen daher ihr "zwar arbeitsreiches aber testosteron- und stressfreies" Leben. Dem schickt der Autor die Frage hinterher: "Oder fehlt ihnen doch etwas?" Der Verfasser dieser Zeilen ist geneigt, die Frage mit ja zu beantworten, zumal die Lektüre des vorliegenden Werks viele Zweifelsfragen über die biologische und rechtliche, nicht auf Klonierung beruhende Abstammung beantwortet."
(Vors. Richter am OLG Dr. Stefan Motzer in FamRZ 2010, 1719 f.)
"Die statusrechtliche Zuordnung hat tief greifende persönliche und erhebliche finanzielle Folgen. Der Gesetzgeber hat in den letzen Jahren versucht, das mit grundlegenden Änderungen zu berücksichtigen: Ein behördliches Anfechtungsrecht, die isolierte Abstammungserklärung und ein neues FamFG-Verfahren sind hier u. a. zu nennen. Daneben sind die unverzichtbaren Grundlagen zur genetischen Abstammung zu beachten, zweifellos "eine für Juristen äußerst schwer zu durchdringende Materie." Das interdisziplinäre Autorenteam hat kompetent diese materiell- und verfahrensrechtlichen Themen einschließlich der Nebenfragen (z. B. Verfahrenskostenhilfe, Kosten) sowie die medizinische Abstammungsbegutachtung praxisgerecht aufbereitet. Der Band - Bearbeitungsstand 1.2.2010 - bietet eine umfassende und zuverlässige Orientierung, er ist sehr zu empfehlen."
(Wolfgang Binschus in ZfF 2010, 143)
"Im Vorwort erklären die Autoren, dass es das besondere Anliegen dieses Buchs ist, sämtliche Facetten des Abstammungsrechts in einer Gesamtdarstellung zu behandeln: vom materiellen Recht über das Verfahrensrecht bis zu den Fragen der medizinischen Abstammung. Um dem Ergebnis vorzugreifen: Dieses Vorhaben ist bestens gelungen.
Es beginnt mit einem Inhaltsverzeichnis, das logisch aufgebaut ist und damit schon gute "Suchmöglichkeiten" bietet. Soweit der/die Leser/in hier nicht fündig werden sollte, hilft ihm/ihr das Stichwortverzeichnis auf jeden Fall weiter.
Schon in den ersten Abschnitten des ersten Kapitels zeigt sich eine auch für Nichtjuristen verständliche Sprache. Helms' regelmäßige Rückblicke in Form der "Fortgeltung alten Rechts" ist eine seltene Erinnerung an die in den einzelnen Rechtsgebieten entstandene Entwicklung im materiellen Recht. Eine ganz kleine Korrektur wäre für die nächste Auflage vorzumerken. Wenn in Rn. 47 davon die Rede ist, dass "die Mutter das Jugendamt als Beistand [...] bestellen lassen kann" - müsste künftig klargestellt werden, dass die Mutter die Beistandschaft mit einfacher schriftlicher Erklärung einrichtet.
Im Verfahrensrecht besonders erwähnenswert sind nicht nur die vollständigen Erläuterungen aller verfahrensrelevanten Fragen wie z.B. beginnend bei Verfahrensgrundsätzen, Zuständigkeiten, einzelne Verfahrensbeteiligte über die gerichtliche Entscheidung, Rechtsmittel bis hin zur Anerkennung ausländischer Abstammungsentscheidungen in Deutschland. Besonders Kieningers Abwägungen und Darstellungen bei noch nicht abschließend geklärten Rechtsproblemen sind hervorragend zu lesen.
Die Befürchtung eines Laien, im dritten Teil, in dem es um die medizinische Abstammungsbegutachtung geht, nur noch "Bahnhof" zu verstehen, ist in keiner Weise gerechtfertigt. Oft gehörte und gelesene, manchmal auch selbst verwendete Begriffe werden nachvollziehbar erklärt. Das Kapitel "Beweisbeschluss des Gerichts", in dem beginnend bei der Identifizierung über die Probenentnahmen bis zum Ergebnis des Gutachtens alles Wissenswerte erläutert wird, ist für alle Praktiker/innen ein Muss. Rittners Hoffnung, dass mit seinen Ausführungen "Nichtfachleute beim Lesen eines Abstammungsgutachtens in die Lage versetzt werden sollen zu prüfen, ob alle gesetzlichen Vorschriften sowie diejenigen Vorgaben der Richtlinien und Leitlinien des GenDG und der obersten Rechtsprechung eingehalten sind", wurde zweifelsfrei erfüllt. Wünschenswert wäre es, wenn auch die aktuellen Richtlinien für die Erstattung von DNA-Abstammungsgutachten im Buch abgedruckt würden."
(Diethelm Mauthe in JAmt 2011, 290)
"Das vorliegende Buch ist ein umfassendes Nachschlagewerk, welches sowohl die juristischen, als auch die medizinischen Facetten der Abstammungsbegutachtung beinhaltet. Der juristische Teil, der in die Abschnitte materielles Recht und Verfahrensrecht gegliedert ist, erläutert alle relevanten rechtlichen Aspekte der Abstammungsbegutachtung, zitiert die jeweiligen Gesetzesgrundlagen und nimmt ggf. Bezug auf aktuelle BGH-Entscheidungen. Die systematische Gliederung ermöglicht auch dem juristischen Laien schnellen Zugriff auf gezielte Information zu speziellen Fragestellungen. Der medizinische Teil gibt einen Überblick über die biologischen Grundlagen der Abstammungsbegutachtung und deren Historie, angefangen von den Regeln der genetischen Vererbung, über die Blutgruppensysteme, bis hin zu den neuesten molekularbiologischen Methoden. Richt- bzw. Leitlinien zur Gutachtenerstellung sowie neue gesetzliche Vorgaben, im Zusammenhang mit dem Gendiagnostikgesetz, werden erörtert. Aktuelle Qualitätsstandards werden detailliert dargestellt. Auch hier gelingt es des den Autoren, fachfremde Leser in die Lage zu versetzen, Abstammungsgutachten zu verstehen und ggf. Schwächen eines Gutachtens zu erkennen.
Bedingt durch neue Gesetzestexte bzw. die rasante Entwicklung im Bereich der Molekularbiologie haben sich in den letzten Jahren zahlreiche Änderungen in der Abstammungsbegutachtung ergeben. Das vorliegende Buch des interdisziplinären Autorenteams fasst alle diese Änderungen zusammen. Ein hilfreiches Buch für alle, die sich mit dem immer komplexer werdenden Gebiet der Abstammungsbegutachtung beschäftigen. Ein Buch, auf das viele gewartet haben."
(PD Dr. Katja Anslinger in Rechtsmedizin XX/2010)
"Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um einen Spezialtitel aus einem für die Praxis der Familiengerichte und Jugendämter höchst bedeutsamen Bereich, nämlich dem Abstammungsrecht. Um dieses Werk zu verfassen, haben sich Autoren aus drei, mit der Materie in der ihnen jeweils eigenen Weise befassten Professionen zusammengefunden: Tobias Helms, ordentlicher Professor für Rechtswissenschaft an der Philipps-Universität Marburg, beleuchtet die Thematik insbesondere unter dem Blickwinkel des materiellen Rechts, wohingegen Jörg Kieninger, Familienrichter am Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt die verfahrensrechtlichen Aspekte des Abstammungsrechts näher untersucht, während schließlich Christian Rittner, emeritierter Professor, Facharzt für Rechtsmedizin und langjähriger Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz die forensische Abstammungsbegutachtung ausführlich darstellt. Den drei Bearbeitern gelingt es, die einzelnen Aspekte des Themas zu einer eindrucksvollen Gesamtdarstellung zusammenzufügen, in der sämtliche Facetten des Abstammungsrechts behandelt werden: Der Bogen reicht vom materiellen Recht über das Verfahrensrecht bis hin zu den für den Juristen oftmals nur sehr schwer zugänglichen Fragen der medizinischen Abstammungsbegutachtung. Damit bietet das Werk Rechtsanwälten und Gerichten, den Jugendämtern sowie den medizinischen Sachverständigen eine umfassende, zuverlässige und, vor dem Hintergrund der zahlreichen gesetzlichen Änderungen in diesem Bereich, aktuelle Orientierung für den praktischen Umgang mit dem Abstammungsrecht.
Im ersten Teil des Bandes wird auf etwa 80 Seiten das materielle Abstammungsrecht dargestellt. Gegenstand der Untersuchung sind die Begründung der Mutterschaft, die Vater-Kind-Zuordnung kraft Ehe mit der Mutter, Vaterschaftsanerkennung und gerichtliche Vaterschaftsfeststellung, Vaterschaftsanfechtung sowie Internationales Abstammungsrecht und die Klärung der biologischen Abstammung ohne Statusfolgen. Die Ausführungen sind gut lesbar und leicht zu erfassen; die einschlägigen Fragen werden regelmäßig umfassend, also unter Einbeziehung der Grundlagen des Personenstands- und Beurkundungsrechts, sowie, soweit erforderlich, auch unter Bezugnahme auf ausländische Rechtsordnungen - vgl. beispielsweise Rn. 25 zum Problem eines präkonzeptionellen Anerkenntnisses oder Rn. 66 zum Ausschluss des Anfechtungsrechts bei heterologer künstlicher Befruchtung - erörtert. Aus Sicht der Praxis ist es sehr zu begrüßen, dass im Abschnitt zur Vaterschaftsanfechtung ausführlich auf die neu geschaffene Möglichkeit der Anfechtung eines Vaterschaftsanerkenntnisses durch die zuständige Behörde nach § 1600 Abs. 1 Nr. 5 BGB eingegangen wird und das hierbei zu beachtende Merkmal der fehlenden sozial-familiären Beziehung zwischen dem Kind und dem Mann, der rechtlich als Vater gilt (Rn. 61, 93, 122ff.). Gleiches gilt für die nach Inkrafttreten des FamFG relevant gewordene Frage nach der Notwendigkeit, inwieweit im Anfechtungsverfahren für das minderjährige Kind ein Ergänzungspfleger zu bestellen ist: Von den Autoren wird die Problematik ausführlich und kontrovers diskutiert - während nach der von Helms im materiellen Abschnitt vertretenen Auffassung die Bestellung eines Ergänzungspflegers entbehrlich ist (vgl. Rn. 77), spricht sich Kieninger im verfahrensrechtlichen Teil des Werkes für die Bestellung eines Ergänzungspflegers aus (vgl. Rn. 225ff.).
Vor dem Hintergrund des kürzlich in Kraft getretenen FamFG ist die Erörterung des Verfahrensrechts natürlich von besonderem Interesse, Und insoweit hat der Band auch einiges zu bieten: Es wird nicht nur ausführlich auf die Verfahrensgrundsätze in Abstammungssachen eingegangen, sondern auch auf Fragen im Zusammenhang mit der Bestellung eines Verfahrensbeistands in Abstammungssachen - diese wird eher skeptisch beurteilt (Rn. 234) - oder die Beweisaufnahme. Bei der Erörterung der Verfahrenskostenhilfe wird bereits die Frage nach der Notwendigkeit einer Anwaltsbeiordnung thematisiert; eine Problematik, die von der Rechtsprechung schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit aufgegriffen worden ist (vgl. OLG Frankfurt/M, ZKJ 2010, 162 m. Anm. Menne).
Ein echtes Highlight aus Sicht des Juristen ist schließlich der dritte Teil des Bandes, die Darstellung der medizinischen Grundlagen der Abstammungsbegutachtung: Die Nutzer des Werkes erhalten hier auf mehr als 70 Seiten einen profunden Überblick über die Grundlagen der forensischen Abstammungsbegutachtung, der sie in die Lage versetzt, "zumindest im Ansatz nachvollziehen zu können, auf welchen Voraussetzungen und Methoden" die medizinische Gutachtenerstellung beruht (Rn. 278). Dazu werden zunächst die verschiedenen erblichen Systeme erläutert, die für eine Abstammungsbegutachtung in Betracht kommen bzw. kamen; der Schwerpunkt sind hierbei natürlich die DNA-Systeme (Rn. 294ff.). In einem zweiten Schritt wird sodann Einzelaspekten der Begutachtung nachgegangen; etwa der Frage, ob das Gutachten anhand von Blutproben oder Mundschleimhautabstrichen erstellt werden soll (Rn. 317), nach den Grundlagen der Verwertbarkeit von privat eingeholten Abstammungsgutachten (Rn. 330ff.) oder zu den Einzelheiten der postmortalen Vaterschaftsfeststellung (Rn. 339ff.). Abgerundet wird die Darstellung durch einen Bildteil und ein hilfreiches Glossar, in dem die wichtigsten medizinischen Fachbegriffe erläutert werden.
Mit dem Werk von Helms, Kieninger und Rittner erhält der Nutzer im Ergebnis ein aktuelles, umfassendes und interdisziplinär angelegtes Kompendium, in dem die in der familiengerichtlichen Praxis auftauchenden Fragen des Abstammungsrechts, des Verfahrens in Abstammungssachen und der Abstammungsbegutachtung kurz, prägnant und sehr präzise dargestellt und praktisch verwertbar aufbereitet werden."
(RiKG Dr. Martin Menne in ZKJ 2010, 258 f.)
"Zwei Juristen, davon ein Familienrichter, und ein Mediziner widmen sich dem Abstammungsrecht in der Praxis. Dabei werden materielles und Verfahrensrecht beleuchtet sowie medizinische Fragen der Abstammungsbegutachtung. Insbesondere vor dem Hintergrund neu eingeführter materieller Regelungen, z.B. der Erlaubnis außergerichtlicher Abstammungsgutachten oder der behördlichen Einleitung von Statusverfahren und des neuen Familienverfahrensrechts kommt dieses Buch zum rechten Zeitpunkt.
Systematisch werden die verschiedenen Konstellationen der Vaterschaftsfeststellung bzw. Anfechtung der Vaterschaft dargestellt und Seitenblicke auf heterologe Insemination und Leihmutterschaft vorgenommen. Auch das internationale Abstammungsrecht findet seinen Platz. Zum Verfahrensrecht erfolgen zuverlässig die Beschreibung der neuen Regeln des FamFG sowie die für die Praxis notwendige Aufschlüsselung der Sorgerechtsfragen und die Handhabung der Ergänzungspflegschaft.
Der Part über die medizinische Begutachtung beginnt mit der Biologie einer südamerikanischen Ameise, was die Rezensentin bewog, tatsächlich ein wenig in die Welt der Kürzel, Gene und des Herrn Mendel einzutauchen. Dieses Kapitel hilft dem Praktiker, vielleicht doch noch etwas mehr von dem Abstammungsgutachten zu verstehen, als die regelmäßig am Ende fettgedruckte Wahrscheinlichkeit der Vaterschaft in Prozent.
Alles in Allem ein konkret verfasstes Handbuch mit einem guten Aufbau, engmaschigen Stichwortverzeichnis und dichter Informationsfülle."
(RAin/FAin FamR Dorothea Hecht in BerlAnwBl 2010, 489)
"Das Buch bezweckt, sämtliche Facetten des Abstammungsrechts in einer Gesamtdarstellung zu behandeln. Die Autoren, ein Jurist, ein Mediziner und ein Familienrichter, erläutern das materielle Recht (u.a. die Vaterschaftsanerkennung, -feststellung und -anfechtung), das Verfahrensrecht (Gegenstände, Grundsätze, Zuständigkeiten, Rechtsmittel, Kosten) und die medizinische Abstammungsbegutachtung (genetische Grundlagen, DNA-Systeme, Abstammungsgutachten). Es ist für Estate Planner interessant, die im Bereich der gesetzlichen Erbfolge, im Pflichtteilsrecht oder bei der Anfechtung letztwilliger Verfügungen die medizinische Feststellung und rechtliche Durchsetzung von Eltern-Kind-Zuordnungen begleiten. Das Buch stellt eine gelungene Einführung in diese Spezialmaterie dar, ist in allen Teilen auch für Nicht-Juristen bzw. Nicht-Mediziner verständlich geschrieben und durch zahlreiche Übersichten vorteilhaft aufgebaut. In einer komplexen Materie gelingt dem inderdisziplinären Autorenteam eine hervorragende Orientierung für die Klärung von Abstammungsfragen in der Praxis."
(aus: Estate Planning Insights 12/2010)