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Timestamp: 2016-10-27 03:09:15
Document Index: 253921846

Matched Legal Cases: ['Art. 18', 'BGE', 'Art. 18', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 152', 'Art. 135', 'BGE', 'Art. 152']

U 200/02 (20.05.2003)
U 200/02
M.________, 1958, Beschwerdef�hrerin, vertreten
durch Rechtsanwalt Andreas Hagmann, Obere Bahnhofstrasse 11, 9501 Wil,
(Entscheid vom 8. Mai 2002)
Die 1958 geborene M.________ war vom 1. Juni 1994 bis Ende September 1997 bei der Firma Q.________ AG als Hilfsschreinerin angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Am 22. April 1996 geriet sie w�hrend der Arbeit an einer Bands�ge mit der linken Hand unter ein sich drehendes Rad und zog sich ein schweres Quetschtrauma mit Amputation des Daumens, der Digiti II und III metacarpal sowie eine Tr�mmerfraktur der Grundphalanx mit Instabilit�t im Mittel- und Endfingergelenk des Digiti IV zu (Bericht der Klinik f�r orthop�dische Chirurgie, Kantonsspital St. Gallen, vom 7. Mai 1996). Es folgten verschiedene chirurgische Eingriffe. Seit dem Unfall war M.________ nicht mehr erwerbst�tig gewesen. Sie konsultierte ab Oktober 1996 regelm�ssig Dr. med. S.________, Psychiatrie und Psychotherapie, der eine posttraumatische Belastungsst�rung mit anhaltenden depressiven Verstimmungen und Angst diagnostizierte (Bericht vom 7. Oktober 1997). Vom 5. bis 23. Januar 1998 hielt sie sich in der Berufliche Abkl�rungsstelle (BEFAS) auf, wo eine w�hrend der Arbeitserprobungen erbrachte Leistung von 30 % bis 40 % beobachtet wurde (Bericht vom 20. Februar 1998). Dr. med. H.________, Orthop�de, verwies zur Frage der Arbeitsunf�higkeit auf die Ergebnisse der erfolgten beruflichen Abkl�rung (Gutachten vom 9. Juni 1998). Im Bericht der �rztlichen Abschlussuntersuchung vom 22. Juni 2000 legte Dr. med. C.________, Kreisarzt der SUVA, dar, dass der Versicherten als Einh�nderin, die die linke Hand als Zudienhand einsetzen k�nne, bei voller Pr�senz zumutbare Arbeiten zu leisten verm�ge. Der Psychiater, Dr. med. S.________, f�hrte aus, unter Ber�cksichtigung einer gewissen Besserung des psychischen Gesundheitszustandes bestehe ab sofort eine Arbeitsf�higkeit von 50 % in allen der k�rperlichen Behinderung angepassten T�tigkeiten (Bericht vom 25. August 2000).
Die SUVA sprach M.________ ab 1. November 2000 eine Invalidenrente bei einem Invalidit�tsgrad von 66 2/3 % auf der Basis eines versicherten Verdienstes von Fr. 34'081.- zu, sodann eine Integrit�tsentsch�digung auf der Grundlage einer Integrit�tseinbusse von 35 % (Verf�gung vom 26. Oktober 2000). Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 17. Juli 2001 fest.
Die hiegegen eingereichte Beschwerde, mit welcher M.________ die Rechtsbegehren stellen liess, es sei ihr eine Invalidenrente von 100 % und eine Integrit�tsentsch�digung auf der Basis einer Einbusse von 40 % zuzusprechen, wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ab (Entscheid vom 8. Mai 2002).
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst M.________ beantragen, unter Aufhebung des vorinstanzlichen und des Einspracheentscheids sei festzustellen, dass ihr eine Invalidenrente von 100 % zustehe; eventualiter sei die Streitsache zur Neubeurteilung an das kantonale Gericht zur�ckzuweisen. Gleichzeitig ersucht sie um Gew�hrung der unentgeltliche Rechtspflege.
1.1 Die Vorinstanz hat die Regeln �ber den Anspruch auf Invalidenrente und die Ermittlung des Invalidit�tsgrades (Art. 18 UVG), die Aufgabe des Arztes oder anderer Fachpersonen bei dessen Festsetzung (BGE 125 V 261 Erw. 4 mit Hinweisen), den Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes (Art. 18 Abs. 2 Satz 2 UVG; vgl. AHI 1998 S. 291 Erw. 3b mit Hinweisen) sowie die Schadenminderungspflicht der Versicherten (vgl. BGE 117 V 400 mit Hinweisen) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
1.2 Zu erg�nzen ist, dass das am 1. Januar 2003 in Kraft getretene Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 im vorliegenden Fall nicht anwendbar ist, da nach dem massgebenden Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheids (hier: 17. Juli 2001) eingetretene Rechts- und Sachverhalts�nderungen vom Sozialversicherungsgericht nicht ber�cksichtigt werden (BGE 127 V 467 Erw. 1, 121 V 366 Erw. 1b).
Streitig ist der Umfang des Rentenanspruchs und - als eine der Voraussetzungen daf�r - das Ausmass der Arbeitsunf�higkeit.
2.1 Das kantonale Gericht hat erwogen, gest�tzt auf die Berichte der Dres. med. C.________ vom 22. Juni 2000 und S.________ vom 25. August 2000 sei erstellt, dass die Versicherte eine Arbeitsleistung im Umfang von 50 % zu erbringen verm�ge. Demgegen�ber macht die Beschwerdef�hrerin geltend, der Kreisarzt der SUVA habe die Arbeitsf�higkeit nicht abschliessend beurteilt. Dr. med. S.________ habe von einem Tag auf den anderen die Arbeitsf�higkeit auf 50 % eingesch�tzt, obwohl er vor und nach dem Bericht vom 25. August 2000 in den Unfallscheinen stets eine vollst�ndige Arbeitsunf�higkeit angegeben habe. Die BEFAS und Dr. med. H.________ seien von einer nicht verwertbaren Arbeitsf�higkeit von 30 % bis 40 % ausgegangen.
2.2 Die BEFAS, die im Auftrage der Invalidenversicherung die beruflichen Eingliederungsm�glichkeiten abzukl�ren hatte, brach die Arbeitserprobungen vorzeitig ab, weil es in Anbetracht der psychischen Verfassung der Beschwerdef�hrerin nicht m�glich war, eine objektive Evaluation vorzunehmen. Dr. med. H.________ hat zur Frage des Umfanges der Arbeitsf�higkeit auf die Ergebnisse der BEFAS verwiesen mit der Bemerkung, es sei wichtig, die Versicherte psychisch zu f�hren, um die Akzeptanz der verletzten Hand zu verbessern. Sodann hat Dr. med. C.________ ausdr�cklich festgehalten, dass rein vom Lokalbefund her keine therapeutischen Massnahmen mehr angezeigt seien und von weiteren medizinischen Behandlungen keine Verbesserung der Funktionsf�higkeit der linken Hand mehr erwartet werden k�nne. Er kam zum Schluss, die Beweglichkeit des um ca. 4,5 cm verk�rzten Daumenstumpfes sei um etwa die H�lfte vermindert, die St�mpfe der Finger II und III seien gut gepolstert und die linke Hand k�nne als Zudienhand gebraucht werden. Wenig anspruchsvolle taktile Aufgaben k�nnten mit der erhaltenen Sensibilit�t an Ring- und Kleinfinger ausge�bt werden, auch sei es m�glich, kleinere und leichtere Gegenst�nde unter geringer Kraftentfaltung zwischen dem 4. und 5. Strahl zu stabilisieren. Als weitgehende Einh�nderin sei die Versicherte bei voller Pr�senz einsatzf�hig. Diese Angaben sind entgegen der Auffassung der Beschwerdef�hrerin schl�ssig und bed�rfen keiner weiteren Erg�nzung.
Was die psychische Seite anbelangt, sind auch die Vorbringen gegen den Bericht des Dr. med. S.________ vom 25. August 2000 nicht stichhaltig. Dieser Arzt stellte schon in der Stellungnahme vom 11. Mai 1999 fest, der psychische Zustand habe sich zwar nicht stabilisiert, aber immerhin gebessert, nachdem die famili�re und soziale Situation sich entspannt h�tte, ein Befund, der mit den Eintragungen des Dr. med. H.________ in der Krankengeschichte, der die Versicherte als Chirurg und Orthop�de betreute, �bereinstimmt (Auszug der Krankengeschichte zur Sprechstunde vom 25. Januar 2000). Der Psychiater empfahl, dass man sich um Zuweisung geeigneter Arbeit bem�hen solle. Ein bleibender psychischer Nachteil sei nicht zu erwarten. Diese Angaben stehen in Einklang mit der Einsch�tzung der Arbeitsf�higkeit von 50 % gem�ss Bericht des Dr. med. S.________ vom 25. August 2000. Kein Widerspruch ist zudem zu seinen Eintragungen in den Unfallscheinen auszumachen, beziehen sich doch diese einzig auf die Besch�ftigung als Hilfsschreinerin bei der Firma Q.________ AG, in welcher Funktion die Versicherte unbestrittenerweise nicht mehr einsatzf�hig ist.
Hinsichtlich der erwerblichen Auswirkungen hat die Vorinstanz erwogen, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ein breites Angebot an Arbeitsstellen vorhanden sei, die es der Beschwerdef�hrerin erlaubten, mit der weitgehend funktionsunt�chtig gewordenen linken und der vollst�ndig intakten rechten, dominanten Hand erwerbst�tig zu sein. In Frage k�men etwa die Bedienung von Maschinen, Sortier-, �berwachungs- und Pr�farbeiten oder im Bereich der Dienstleistungsbetriebe Boteng�nge und Empfangsarbeiten. Die Annahme der SUVA, sie verm�ge mit dem Gesundheitsschaden einen Verdienst zu erreichen, der dem um zwei Drittel reduzierten Valideneinkommen entspreche, lasse sich nicht beanstanden. Die Ermittlung des Invalideneinkommens anhand der statistischen L�hne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes f�r Statistik ergebe auch nach einem behinderungsbedingten Abzug von 25 % keinen �ber 66 2/3 % liegenden Invalidit�tsgrad. Auf diese zutreffenden Erw�gungen, denen nichts beizuf�gen ist, wird verwiesen.
3.1 Hinsichtlich der erwerblichen Auswirkungen hat die Vorinstanz erwogen, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ein breites Angebot an Arbeitsstellen vorhanden sei, die es der Beschwerdef�hrerin erlaubten, mit der weitgehend funktionsunt�chtig gewordenen linken und der vollst�ndig intakten rechten, dominanten Hand erwerbst�tig zu sein. In Frage k�men etwa die Bedienung von Maschinen, Sortier-, �berwachungs- und Pr�farbeiten oder im Bereich der Dienstleistungsbetriebe Boteng�nge und Empfangsarbeiten. Die Annahme der SUVA, sie verm�ge mit dem Gesundheitsschaden einen Verdienst zu erreichen, der dem um zwei Drittel reduzierten Valideneinkommen entspreche, lasse sich nicht beanstanden. Die Ermittlung des Invalideneinkommens anhand der statistischen L�hne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes f�r Statistik ergebe auch nach einem behinderungsbedingten Abzug von 25 % keinen �ber 66 2/3 % liegenden Invalidit�tsgrad. Auf diese zutreffenden Erw�gungen, denen nichts beizuf�gen ist, wird verwiesen.
3.2 Neu bringt die Beschwerdef�hrerin vor, ihr Wohnsitz und ihr Lebensmittelpunkt l�gen in X.________, wo es in der n�heren und weiteren Umgebung keine industriellen noch f�r sie in Betracht fallende Dienstleistungsbetriebe gebe. �ber die Zumutbarkeit, die Restarbeitsf�higkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu verwerten, ist im konkreten Einzelfall unter Ber�cksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten zu befinden (BGE 113 V 22 Erw. 4a mit Hinweisen). Es kann offen bleiben, ob der Versicherten ein Wechsel des Wohnortes zumutbar sei. Die gesundheitliche Beeintr�chtigung hindert sie jedenfalls nicht, mit den bestehenden �ffentlichen Verkehrsmitteln Arbeitsst�tten, die ausserhalb ihres Wohnortes oder seiner Umgebung liegen, zu erreichen. Der Umstand, dass sie einen schulpflichtigen Sohn zu betreuen hat, stellt einen invalidit�tsfremden Faktor dar, der sich auch im Gesundheitsfall erwerbseinkommensmindernd auswirken w�rde. Andere durch den Gesundheitsschaden bedingte Gr�nde, die die Verwertung der verbliebenen Arbeitsf�higkeit unzumutbar machen w�rden, werden nicht geltend gemacht und sind nicht zu ersehen.
Zusammengefasst ist der angefochtene Entscheid, mit welchem ein Anspruch auf Invalidenrente im Umfang von 66 2/3 % des (unbestrittenen) versicherten Verdiensts best�tigt wurde, nicht zu beanstanden. Nicht zu pr�fen ist der letztinstanzlich nicht mehr weiterverfolgte Anspruch auf eine h�here Integrit�tsentsch�digung als 35 %.
Dem Gesuch um unentgeltliche Verbeist�ndung kann stattgegeben werden (Art. 152 in Verbindung mit Art. 135 OG), da die Bed�rftigkeit aktenkundig ist, die Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht als aussichtslos zu bezeichnen ist und die Vertretung geboten war (BGE 125 V 202 Erw. 4a und 372 Erw. 5b, je mit Hinweisen). Es wird indessen ausdr�cklich auf Art. 152 OG aufmerksam gemacht, wonach die beg�nstigte Partei der Gerichtskasse Ersatz zu leisten haben wird, wenn sie sp�ter dazu im Stande ist.
Zufolge Gew�hrung der unentgeltlichen Verbeist�ndung wird Rechtsanwalt Andreas Hagmann, Wil, f�r das Verfahren vor dem Eidgen�ssischen Versicherungsgericht aus der Gerichtskasse eine Entsch�digung von Fr. 1500.- (einschliesslich Mehrwertsteuer) zugesprochen.