Source: https://www.duden-institute.de/Bad-Wildungen/7170_Das-Duden-Institut-fuer-Lerntherapie-Bad-Wildungen-Hessen-ist-Mitglied-im-Bundesverband-Legasthenie-und-Dyskalkulie-e-V-BVL.htm?nId=130
Timestamp: 2018-02-21 11:35:41
Document Index: 361346343

Matched Legal Cases: ['§ 35', '§ 35', '§ 35', '§ 91', '§ 36', '§ 10']

Das Duden Institut für Lerntherapie Bad Wildungen/Hessen ist Mitglied im Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. (BVL) | Duden Institute - Bad Wildungen
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Wenn Eltern erfahren, dass ihre Kinder von Legasthenie und/oder Dyskalkulie betroffen sind,gehen sie zunächst davon aus, dass ihr Kind in der Schule gefördert wird und eine darüber hinausgehende Therapie von den Krankenkassen übernommen wird. Ungläubig stellen viele dann fest, dass die Schulen nicht angemessen fördern (können) und dass die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen.
Viele außerschulische Legasthenie- /Dyskalkulie–Therapien werden über die
Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche gem. § 35 a SGB VIII
von verweisen, wenn dort eine Förderung präsent und auf die speziellen Belange des
betroffenen Kindes ausgerichtet ist.
• Zuständig für die Gewährung der Hilfe ist das Jugendamt des Wohnortes.
• Der Anspruch auf Eingliederungshilfe steht dem Kind oder Jugendlichen zu.
• Die Eltern müssen in Vertretung für das Kind einen entsprechenden Antrag beim
Jugendamt stellen. Der Antrag ist zwar auch formlos und mündlich möglich, sollte aber
auf jeden Fall schriftlich gestellt werden.
• Das Jugendamt ist dazu verpflichtet, Anträge anzunehmen und darüber zu entscheiden.
Die gesetzlichen Voraussetzungen ergeben sich aus § 35 a Absatz 1 SGB VIII, der lautet:
1. ihre seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von
2. daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist oder eine solche
Beeinträchtigung zu erwarten ist. Von einer seelischen Behinderung bedroht im Sinne
dieses Buches sind Kinder oder Jugendliche, bei denen eine Beeinträchtigung ihrer
Teilhabe am Leben in der Gesellschaft nach fachlicher Erkenntnis mit hoher
Es müssen also zwei Voraussetzungen erfüllt sein, um Anspruch auf Hilfe zu haben:
1. Die seelische Gesundheit des Kindes muss vom alterstypischen Zustand abweichen. Dies wird von medizinischen Fachkräften, etwa den Kinder- und Jugendpsychiatern, auf der Grundlage einer medizinischen Diagnostik (ICD 10) festgestellt.
2. Die Teilhabe am Leben muss durch die Störung beeinträchtigt sein oder eine solche
Beeinträchtigung muss mit hoher Wahrscheinlichkeit drohen. Das ist der Fall, wenn die
chronische Überforderung z. B. zu Folgeerscheinungen, wie Schulunlust oder
Schulverweigerung, Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörungen, Zurückgezogenheit,
Aggressivität, häufiges Kranksein, Schlafstörungen, Essstörungen, Ängsten, Depressivität bis hin zu Selbstmordversuchen und damit zu einer Gefährdung der sozialen Integration führt oder eine solche Gefährdung droht. Hierzu müssen sich die medizinischen Fachkräfte in ihrenBerichten äußern. Außerdem werden durch die Jugendämter meist auch die Lehrer, Eltern und sonstige Betreuer des Kindes zur sozialen Situation des Kindes befragt. Die Kompetenz zur Entscheidung dieser Frage liegt zwar beim Jugendamt, es muss sich aber mit allen Stellungnahmen, insbesondere den medizinischen, auseinandersetzen.
• Es reicht aus, wenn die Beeinträchtigung der sozialen Integration mit hoher
Wahrscheinlichkeit droht. Die Beeinträchtigung muss nicht schon vorliegen.
• Sind die Voraussetzungen des § 35 a SGB VIII gegeben, dann hat das Kind einen
Anspruch auf Hilfe (sog. gebundene Entscheidung). Dem Jugendamt steht kein Ermessen
dahingehend zu, ob es die Hilfegewährung für hilfreich, zweckmäßig, finanzierbar o. ä.
• Die Auswahl der im Einzelfall geeigneten und notwendigen Maßnahmen richtet sich
danach, was im Einzelfall geboten ist und damit nach dem jeweiligen konkreten
• In der Regel erhalten die Kinder ambulante Hilfen, meistens wöchentliche Einzeltherapie.
Eine Kostenbeteiligung der Eltern an ambulanten Maßnahmen sieht das Gesetz nicht vor
(§ 91 SGB VIII).
• Das Jugendamt muss die Kosten für eine Therapie oder andere Förderungen nach
grundsätzlich nur übernehmen, wenn ein entsprechender Antrag gestellt wurde und das
Jugendamt darüber entschieden hat (§ 36 a Abs. 3 SGB VIII – sog. Verbot der
Selbstbeschaffung).
• Die Schulen sind an sich vorrangig zur Förderung verpflichtet (§ 10 SGB VIII), allerdings
kann das Jugendamt die Eingliederungshilfe nur dann verweigern und auf die Schule
verweisen, wenn dort eine Förderung stattfindet.
Grundsätzlich geht man davon aus, dass das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen
primär eine Aufgabe der Schule ist. In der Praxis ist vielen Schulen jedoch aus finanziellen
und personellen Gründen eine individuelle Förderung der betroffenen Kinder nicht möglich.
Die schulische Förderung reicht darüber hinaus häufig nicht aus, um die besonderen
Schwierigkeiten der Kinder zu beheben.
Die gesetzliche Krankenversicherung ist für die Krankenbehandlung zuständig. Teilleistungsstörungen wie Legasthenie oder Dyskalkulie sind jedoch nicht als Krankheiten
anerkannt. Deshalb zahlen die Krankenkassen die Legasthenie-/Dyskalkulie-Therapien nicht. Sie übernehmen nur die Kosten, die durch weitere organische oder psychische Erkrankungen hinzukommen, wie motorische Störungen, Seh- oder Hörstörungen oder psychosomatische Beschwerden.
Üben mit Wortbausteinen
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