Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%2096,%201407
Timestamp: 2020-01-28 07:01:10
Document Index: 385076441

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 307', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', '§ 34', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 11', '§ 11', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 12.10.1995 - I ZR 172/93 - dejure.org
https://dejure.org/1995,740
BGH, 12.10.1995 - I ZR 172/93 (https://dejure.org/1995,740)
BGH, Entscheidung vom 12.10.1995 - I ZR 172/93 (https://dejure.org/1995,740)
BGH, Entscheidung vom 12. Januar 1995 - I ZR 172/93 (https://dejure.org/1995,740)
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Haftungsausschlußklausel - Unangemessene Benachteiligung - Begriff der Schadensdeckung - Unklarheit
Unzulässigkeit umfassender Haftungsfreizeichnung in AGB für Schwertransporte und Kranarbeiten
Formularmäßige Vereinbarung eines Haftungsausschlusses in den AGB der Bundesfachgruppe Schwertransporte und Kranarbeiten
NJW 1996, 1407
MDR 1996, 780
VersR 1996, 651
WM 1996, 1049
BB 1996, 656
DB 1996, 878
Darüber hinaus sind salvatorische Klauseln wie die von der Beklagten verwandte grundsätzlich ihrerseits nach § 307 Abs. 1 Satz 1 und 2 BGB unwirksam, weil sie gegen das Verständlichkeitsgebot verstoßen (BGH, Urteil vom 12. Oktober 1995 - I ZR 172/93, WM 1996, 1049, 1051;… Beschluss vom 20. November 2012 - VIII ZR 137/12, WuM 2013, 293 Rn. 3;… Urteil vom 4. Februar 2015 - VIII ZR 26/14, WM 2015, 695 Rn. 17).
Die Klausel hält einer Wirksamkeitskontrolle nach dem AGB-Gesetz jedenfalls deshalb nicht stand, weil sie die Rechtsposition des Vertragspartners in mehrfacher Hinsicht nicht hinreichend klar regelt und damit insgesamt gegen das Transparenzgebot verstößt (vgl. dazu bereits die Nachweise oben unter VII 2; ferner BGH, Urteil vom 12. Oktober 1995 - I ZR 172/93, WM 1996, 1049 = NJW 1996, 1407 unter II 1 c).
Die Klausel stellt damit nicht hinreichend klar, daß der Käufer seinen Schaden entweder vom Versicherer oder vom Verkäufer ohne weiteres ersetzt erhält (vgl. zur Unwirksamkeit einer vergleichbaren Klausel in den AGB eines Frachtführers: BGH, Urteil vom 12. Oktober 1995 aaO unter II 1 c).
d) Die Klausel ist insgesamt unwirksam und lässt sich infolge des dem AGB-Recht immanenten Verbots einer geltungserhaltenden Reduktion (vgl. BGH, Urteil vom 17. Mai 1982 - VII ZR 316/81, BGHZ 84, 109, 114 ff.; Urteil vom 12. Oktober 1995 - I ZR 172/93, NJW 1996, 1407;… Urteil vom 29. Mai 2008 - III ZR 59/07, ZIP 2008, 1481 Rn. 35;… Urteil vom 19. November 2009 - III ZR 108/08, BGHZ 183, 220 Rn. 16;… Urteil vom 27. Januar 2015 - XI ZR 174/13, ZIP 2015, 517 Rn. 18) auch nicht auf einen noch zulässigen Inhalt zurückführen.
Da es keinen Anhaltspunkt dafür gibt, daß auch der geltend gemachte Schadensersatzanspruch zum Gesellschaftsvermögen zählen soll, ist von Mitgläubigerschaft auszugehen (vgl. BGH, Urt. v. 12. Oktober 1995, I ZR 172/93, NJW 1996, 1407, 1409).
(2) Da die von der Klägerin zu 1 verwendeten Allgemeinen Geschäftsbedingungen in ihrer Struktur und ihrem Inhalt, ebenso wie die hier maßgebliche Klausel, weitgehend den AGB-BSK Kran und Transport 2008 entsprechen, begegnet die Annahme des Berufungsgerichts keinen rechtlichen Bedenken, professionelle Bau- und Abbruchunternehmen als Auftraggeber von Kranarbeiten müssten auf industriellen Großbaustellen mit der Verwendung entsprechender Klauseln rechnen (vgl. auch BGH, Urteil vom 12. Oktober 1995 - I ZR 172/93, TranspR 1996, 198 ff.).
In einem derartigen Fall ist nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes eine Rückführung unwirksamer Klauseln auf ihren zulässigen Inhalt auch im kaufmännischen Geschäftsverkehr grundsätzlich ausgeschlossen; dazu gehört insbesondere die Beschränkung ihrer Anwendbarkeit auf einen Bereich, in dem sie der Inhaltskontrolle standhalten würden (vgl. BGHZ 84, 109, 114 ff.; 92, 312, 315; 96, 18, 25; 106, 259, 267; BGH, Urt. v. 12.10.1995 - I ZR 172/93, TranspR 1996, 198, 199 = VersR 1996, 651).
Denn im Falle der leichten Fahrlässigkeit einfacher Erfüllungsgehilfen läßt sich selbst bei Verletzung sog. Kardinalpflichten eine die Maßstäbe des § 9 Abs. 2 Nr. 2 AGBG berücksichtigende wirksame Haftungseinschränkung des Kaibetriebs durch eine summenmäßige Haftungsbegrenzung und gleichzeitige Ermöglichung einer entgeltlichen Wertdeklaration seitens des Auftraggebers - ähnlich wie sie in § 34b Nr. 3 und 4 BO vorgesehen ist - erreichen (vgl. BGHZ 77, 126, 133 f.; ferner BGH, Urt. v. 12.10.1995 - I ZR 172/93, TranspR 1996, 198, 200 = VersR 1996, 651).
Freizeichnungsregelungen, die nicht nach der Schwere des Verschuldens differenzieren, sind in der Regel insgesamt unwirksam und können nicht auf ein zulässiges Maß - etwa die Anwendung von Haftungsobergrenzen bei leichter Fahrlässigkeit einfacher Erfüllungsgehilfen - zurückgeführt werden (vgl. BGHZ 84, 109, 114 ff.; 96, 18, 25 f.; 106, 259, 267; 120, 108, 122; BGH TranspR 1996, 198, 199 = VersR 1996, 651;… Hensen in: Ulmer/Brandner/Hensen, AGBG, 8. Aufl., § 11 Nr. 7 Rdn. 30 ff.;… Wolf in: Wolf/Horn/Lindacher, AGBG, 3. Aufl., § 11 Nr. 7 Rdn. 44 ff.).
Eine solche geltungserhaltende Reduktion der inhaltlich zu weitgehenden Klausel ist nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs unzulässig (BGHZ 84, 109, 115 f; 92, 312, 314 f; Urteil vom 12. Oktober 1995 - I ZR 172/93 = WM 1996, 1049 unter II 1 a m.w.Nachw.).
Die Ergänzung einer inhaltlich unangemessenen Klausel mit dem Ziel, deren Regelungsgehalt auf das zulässige Maß zurückzuführen, kommt indessen nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nicht in Betracht (BGHZ 92, 312, 314; 106, 19, 26; Urteile vom 6. April 1989 - III ZR 281/87 = WM 1989, 740 unter II 3 c und vom 12. Oktober 1995 aaO).
Solche Klauseln sind deshalb vom Bundesgerichtshof wiederholt für unwirksam erklärt worden (BGHZ 93, 29, 48; BGH, Urt. v. 12.10.1995 - I ZR 172/93, NJW 1996, 1407, 1408).
Die Revision weist zwar zutreffend darauf hin, daß auch im kaufmännischen Verkehr weder Branchenüblichkeit noch die Üblichkeit einer Versicherung die formularmäßige Freizeichnung von der Haftung auch für grobes Verschulden des Verwenders selbst oder seiner leitenden Angestellten rechtfertigen können (vgl. BGH, Urteile vom 29. November 1988 - X ZR 112/87 = NJW-RR 1989, 953, 955 f; vom 12. Oktober 1995 - I ZR 172/93 = NJW 1996, 1407).
OLG Oldenburg, 27.05.1998 - 5 W 87/98
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