Source: http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=fr&zoom=&type=show_document&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-II-94%3Afr
Timestamp: 2016-10-22 09:00:42
Document Index: 56911391

Matched Legal Cases: ['Art. 86', 'BGE', 'Art. 86', 'Art. 29', 'BGE', 'Art. 86', 'Art. 86', 'Art. 130', 'Art. 86', 'Art. 130', 'Art. 130', 'BGE', 'Art. 86', 'Art. 30', 'Art. 5', 'Art. 191', 'BGE', 'Art. 86', 'Art. 29', 'Art. 5', 'Art. 110', 'BGE', 'Art. 86', 'Art. 86', 'Art. 86', 'Art. 86', 'BGE', 'BGE', 'Art. 86', 'Art. 86', 'Art. 86', 'Art. 86', 'BGE', 'Art. 130', 'Art. 86', 'BGE', 'Art. 86', 'Art. 31', 'Art. 76', 'Art. 18', 'Art. 86', 'BGE', 'Art. 86', 'Art. 86', 'Art. 146', 'BGE', 'Art. 62', 'Art. 86', 'Art. 46', 'Art. 86', 'Art. 146', 'Art. 62', 'Art. 78', 'Art. 80', 'BGE', 'Art. 86', 'Art. 17', 'Art. 29', 'Art. 113', 'Art. 112', 'Art. 100', 'Art. 101', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 83', 'Art. 165', 'Art. 86', 'Art. 86', 'Art. 98', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 3', 'BGE', 'Art. 130', 'Art. 130', 'BGE', 'Art. 130', 'Art. 86', 'BGE', 'Art. 130', 'Art. 5', 'Art. 31', 'Art. 130', 'Art. 86', 'Art. 130', 'Art. 62', 'Art. 110', 'Art. 31', 'Art. 78', 'Art. 80', 'Art. 29', 'Art. 112', 'Art. 3', 'Art. 5', 'Art. 31']

135 II 9410. Auszug aus dem Urteil der II. �ffentlich-rechtlichen Abteilung i.S. X. gegen Migrationsdienst des Kantons Bern (Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten)
Art. 86 al. 2 et 3 LTF; tribunal sup�rieur statuant comme autorit� pr�c�dant imm�diatement le Tribunal f�d�ral en tant que condition de recevabilit� (� propos de la d�tention � fin d'expulsion en droit des �trangers). Le Tribunal de d�tention du cercle d'instruction de Berne-Mittelland ne remplit pas les exigences l�gales auxquelles doit r�pondre un tribunal sup�rieur. Les conditions qui permettent de s'�carter de ces exigences ne sont pas non plus remplies (consid. 3-5). Cons�quences attach�es au d�faut de tribunal sup�rieur statuant comme autorit� pr�c�dant imm�diatement le Tribunal f�d�ral (consid. 6). Faits � partir de page 95
Der aus dem Kosovo stammende X., geb. 1964, lebte seit 1985 mit einer Saisonnierbewilligung und seit 1992 mit einer Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz. Nachdem die Bewilligung nicht mehr verl�ngert und ein Asylgesuch von X. abgelehnt worden waren, wurden er und seine Familienangeh�rigen am 13. September 2001 vorl�ufig aufgenommen. Am 11. Dezember 2003 verurteilte das Kreisgericht IV Aarwangen-Wangen X. unter anderem wegen vors�tzlicher T�tung und der versuchten vors�tzlichen T�tung zu sieben Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Landesverweisung. Das Obergericht des Kantons Bern best�tigte dieses Urteil am 11. November 2004. Am 9. September 2003 hob das Bundesamt f�r Migration die vorl�ufige Aufnahme auf. Am 21. April 2008 erhielten die Ehefrau von X. und seine Kinder das Schweizer B�rgerrecht. Nachdem auf ein im Hinblick auf die Entlassung aus dem Strafvollzug eingereichtes Begehren um Erteilung der Aufenthaltsbewilligung an X. nicht eingetreten worden war, stellte dieser am 9. Oktober 2008 ein Asylgesuch. Am 12. Oktober 2008 wurde X. bedingt aus dem Strafvollzug entlassen und gleichentags in Vorbereitungshaft genommen. Die Haftrichterin 7 am Haftgericht III Bern-Mittelland pr�fte und best�tigte die Haft am 15. Oktober 2008. Am 27. Oktober 2008 wies das Bundesamt f�r Migration das Asylgesuch ab. Dagegen erhob X. Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht, die bis heute h�ngig ist.
Am 8. Januar 2009 wies die Haftrichterin 7 am Haftgericht III Bern- Mittelland einen Antrag des Ausl�nder- und B�rgerrechtsdienstes der Kantonspolizei Bern auf Umwandlung der Vorbereitungs- in Ausschaffungshaft ab, genehmigte jedoch gleichzeitig die Verl�ngerung der Vorbereitungshaft bis zum 11. April 2009. Auch dagegen erhob X. am 15. Januar 2009 Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht.
Mit Verf�gung vom 19. Januar 2009 setzte das pr�sidierende Mitglied der II. �ffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundesgerichts der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern eine Frist, um einen Bericht zur Frage der Qualifikation des BGE 135 II 94 S. 96Haftgerichts III Bern-Mittelland als oberes kantonales Gericht im Sinne von Art. 86 Abs. 2 BGG einzureichen.
Mit Eingabe vom 27. Januar 2009 h�lt die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern daf�r, dass beim Haftgericht III Bern-Mittelland ein Ausnahmefall vom Erfordernis eines oberen Gerichts als Vorinstanz vorliege, dass es sich aber selbst im Bedarfsfall um ein solches Gericht handle. Am 28. Januar 2009 reichte der Beschwerdef�hrer eine erg�nzende Stellungnahme ein.
Das Bundesgericht tritt auf die Beschwerde nicht ein und �berweist die Sache an das Obergericht des Kantons Bern zur weiteren Behandlung der Beschwerde im Sinne der Erw�gungen.
1. Das Bundesgericht pr�ft seine Zust�ndigkeit und die Eintretensvoraussetzungen von Amtes wegen und mit freier Kognition (Art. 29 Abs. 1 BGG; BGE 134 V 138 E. 1 Ingress S. 140 mit Hinweisen).
3. 3.1 Nach Art. 86 Abs. 2 BGG setzen die Kantone als unmittelbare Vorinstanzen des Bundesgerichts obere Gerichte ein, soweit nicht nach einem anderen Bundesgesetz Entscheide anderer richterlicher Beh�rden der Beschwerde an das Bundesgericht unterliegen. Gem�ss Art. 86 Abs. 3 BGG k�nnen die Kantone f�r Entscheide mit vorwiegend politischem Charakter anstelle eines Gerichts eine andere Beh�rde als unmittelbare Vorinstanz des Bundesgerichts einsetzen. Nach Art. 130 Abs. 3 BGG erlassen die Kantone innert zwei Jahren nach Inkrafttreten des Bundesgerichtsgesetzes unter anderem Ausf�hrungsbestimmungen �ber die Zust�ndigkeit, die Organisation und das Verfahren der Vorinstanzen im Sinne von Art. 86 Abs. 2 und 3 BGG. Bis zum Erlass der Ausf�hrungsgesetzgebung k�nnen die Kantone die Ausf�hrungsbestimmungen n�tigenfalls und vorl�ufig in die Form nicht referendumspflichtiger Erlasse kleiden (Art. 130 Abs. 4 BGG).
3.2 Das Bundesgerichtsgesetz ist am 1. Januar 2007 in Kraft getreten (vgl. AS 2006 1069). Die Frist nach Art. 130 Abs. 3 BGG lief damit am 31. Dezember 2008 ab. Die �bergangsregelung galt mithin vorliegend beim zweiten Haftverl�ngerungsentscheid vom 8. Januar 2009 nicht mehr. Bei der Frage, ob die gesetzlichen Anforderungen BGE 135 II 94 S. 97an die Vorinstanz erf�llt sind, handelt es sich um eine Eintretensvoraussetzung, die von Amtes wegen und mit freier Kognition zu pr�fen ist (vgl. E. 1). Konkret stellt sich damit die Frage, ob das Haftgericht III Bern-Mittelland den Anforderungen von Art. 86 Abs. 2 und 3 BGG gen�gt.
3.3 Nicht strittig und klarerweise erf�llt sind die allgemeinen Anforderungen an ein Gericht (vgl. Art. 30 Abs. 1 BV, Art. 5 EMRK, Art. 191c BV; BGE 134 I 125 E. 3.5 S. 135; THOMAS HUGI YAR, � 10 Zwangsmassnahmen im Ausl�nderrecht, in: Ausl�nderrecht, Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], 2009, Rz. 10.179; ESTHER TOPHINKE, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 2008, N. 13 zu Art. 86 BGG). Insbesondere verf�gt das Haftgericht III Bern-Mittelland grunds�tzlich �ber die notwendige institutionelle Unabh�ngigkeit und die erforderliche Kognition, namentlich die Befugnis, den Sachverhalt frei zu pr�fen und das massgebende Recht von Amtes wegen anzuwenden. Auch die grunds�tzlichen Verfahrensanforderungen (vgl. Art. 29 ff. BV, Art. 5 EMRK, Art. 110-112 BGG; BGE 134 II 318 E. 4.4 S. 323) sind erf�llt.
3.4 Von keiner Seite wird sodann behauptet, dass es sich bei der richterlichen �berpr�fung ausl�nderrechtlicher Administrativhaft um einen Entscheid mit vorwiegend politischem Charakter im Sinne von Art. 86 Abs. 3 BGG handelt. Vielmehr geht es um einen Rechtsakt, auf den der fragliche Ausnahmetatbestand nicht anwendbar ist. Abgesehen davon dispensiert die Bestimmung in erster Linie vom Erfordernis einer gerichtlichen Instanz. Im Vordergrund steht nicht die Ausnahme von der Voraussetzung, dass es sich um ein oberes Gericht handeln muss. Ob Art. 86 Abs. 3 BGG auch davon eine Ausnahme setzen k�nnte, kann hier aber offenbleiben, da bereits die Grundvoraussetzung eines politischen Entscheides nicht erf�llt ist. Zu pr�fen bleibt aber, ob das Haftgericht III Bern-Mittelland Art. 86 Abs. 2 BGG entspricht.
4. 4.1 Als obere kantonale Gerichte gem�ss Art. 86 Abs. 2 erster Halbsatz BGG, die als unmittelbare Vorinstanzen des Bundesgerichts eingesetzt sind, kommen sowohl die h�chsten kantonalen Gerichte in Verwaltungs-, Zivil- oder Strafsachen (Verwaltungs-, Kantons-, Appellationsgerichte usw.) als auch verwaltungsunabh�ngige besondere Justizbeh�rden (wie kantonale Rekurskommissionen oder -gerichte) in Frage. Ein doppelter Instanzenzug wird nicht verlangt; das BGE 135 II 94 S. 98obere Gericht braucht also nicht eine Rechtsmittelinstanz zu sein (BGE 134 II 318 E. 4.4 S. 323 f.; YVES DONZALLAZ, Loi sur le Tribunal f�d�ral, Commentaire, 2008, N. 3010; HUGI YAR, a.a.O., Rz. 10.179; HANSJ�RG SEILER, in: Bundesgerichtsgesetz, Seiler/von Werdt/G�ngerich [Hrsg.], 2007, Rz. 15 zu Art. 86 BGG; TOPHINKE, a.a.O., N. 16 zu Art. 86 BGG). Genauso wenig ist ein einheitliches Gericht f�r s�mtliche �ffentlich-rechtlichen Materien erforderlich; besonders geeignete Spezialgerichtsbeh�rden wie ein Haftgericht sind also nicht ausgeschlossen (DONZALLAZ, a.a.O., N. 3011; HUGI YAR, a.a.O., Rz. 10.179; LUGON/POLTIER/TANQUEREL, Les cons�quences de la r�forme de la justice f�d�rale pour les cantons, in: Les nouveaux recours f�d�raux en droit public, Bellanger/Tanquerel [Hrsg.], 2006, S. 114; SEILER, a.a.O., Rz. 17 zu Art. 86 BGG; TOPHINKE, a.a.O., N. 14 zu Art. 86 BGG). Hingegen setzt das Erfordernis eines oberen Gerichts voraus, dass die Justizbeh�rde f�r das ganze Kantonsgebiet zust�ndig und hierarchisch keiner anderen Gerichtsinstanz unterstellt ist (BGE 134 I 125 E. 3.5 S. 135; vgl. DENISE BR�HL-MOSER, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 2008, N. 18 zu Art. 130 BGG; HUGI YAR, a.a.O., Rz. 10.179). Diese Voraussetzung ist nicht erf�llt, wenn gegen die Entscheide der fraglichen Justizbeh�rde noch eine ordentliche Beschwerde an eine andere kantonale Instanz erhoben werden kann (vgl. DONZALLAZ, a.a.O., N. 3011; RUTH HERZOG, Auswirkungen auf die Staats- und Verwaltungsrechtspflege in den Kantonen, in: Berner Tage f�r die juristische Praxis [BTJP] 2006, 2007, S. 79 ff.; LUGON/POLTIER/TANQUEREL, a.a.O., S. 114 f.; TOPHINKE, a.a.O., N. 14 und 16 zu Art. 86 BGG; vgl. zur erforderlichen hierarchischen Unabh�ngigkeit auch ETIENNE POLTIER, Le recours en mati�re de droit public, in: La nouvelle loi sur le Tribunal f�d�ral, Urs Portmann [Hrsg.], 2007, S. 154 f.). Massgebend ist dabei nicht nur, dass der Gerichtsbeh�rde im gerade fraglichen Sachbereich Letztinstanzlichkeit zukommt, sondern dass ihre Entscheide allgemein, also auch in den �brigen Zust�ndigkeitsbereichen, nicht an eine h�here kantonale Instanz weitergezogen werden k�nnen (PIERRE MOOR, De l'acc�s au juge et de l'unification des recours, in: Les nouveaux recours f�d�raux en droit public, Bellanger/Tanquerel [Hrsg.], 2006, S. 168). Ob die erforderliche hierarchische Unabh�ngigkeit auch gegeben ist, wenn eine Spezialjustizbeh�rde der Aufsicht eines anderen kantonalen Gerichts unterliegt, ohne dass gegen ihre Entscheide ein kantonales Rechtsmittel offensteht, erscheint ebenfalls fraglich, kann hier aber offenbleiben (vgl. dazu BGE 135 II 94 S. 99DONZALLAZ, a.a.O., N. 3011; HERZOG, a.a.O., S. 81; POLTIER, a.a.O., S. 154 f.; TOPHINKE, a.a.O., N. 14 zu Art. 86 BGG).
4.2 Im Kanton Bern ist das Haftgericht der Untersuchungsregion Bern-Mittelland als einziges und letztinstanzlich urteilendes Gericht f�r ausl�nderrechtliche Administrativhaft eingesetzt (vgl. Art. 31 Abs. 1 des Gesetzes vom 6. Oktober 1940 betreffend die Einf�hrung des Schweizerischen Strafgesetzbuches [EG StGB; BSG 311.1]; Art. 76 Abs. 1 lit. e des Gesetzes vom 23. Mai 1989 �ber die Verwaltungsrechtspflege [in der Fassung vom 10. April 2008; VRPG; BSG 155.21]; Art. 18b der Verordnung vom 19. Juli 1972 �ber Aufenthalt und Niederlassung der Ausl�nder [BSG 122.21]; HERZOG/DAUM, Die Umsetzung der Rechtsweggarantie im bernischen Gesetz �ber die Verwaltungsrechtspflege, in: Bernische Verwaltungsrechtsprechung [BVR] 2009 S. 14). Diese Zust�ndigkeitsordnung soll offenbar durch das bernische Einf�hrungsgesetz zum Ausl�ndergesetz und Asylgesetz (EG AuG und AsylG) best�tigt werden, das sich derzeit im Gesetzgebungsprozess befindet. Mit dem Inkrafttreten der neuen kantonalen Justizreform soll das Haftgericht dereinst (voraussichtlich per 1. Januar 2011) durch ein kantonales Zwangsmassnahmengericht abgel�st werden.
4.3 Zwar handelt es sich beim Haftgericht der Untersuchungsregion Bern-Mittelland in seinem �brigen Aufgabenbereich um eine regional organisierte Beh�rde. Im Bereich der ausl�nderrechtlichen Administrativhaft entscheidet es jedoch als gesamtkantonal zust�ndiges Gericht. Die Voraussetzung der Zust�ndigkeit f�r das ganze Kantonsgebiet ist daher erf�llt. Fraglich erscheint hingegen die erforderliche justizielle Unabh�ngigkeit. Gewiss k�nnen die Entscheide �ber ausl�nderrechtliche Administrativhaft im Kanton nicht mit einem Rechtsmittel angefochten werden. In den �brigen Zust�ndigkeitsbereichen ist das Haftgericht jedoch nicht kantonal letztinstanzlich t�tig. Wie die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern in ihrem Bericht an das Bundesgericht einr�umt, entscheidet das Haftgericht der Untersuchungsregion Bern-Mittelland in seiner sonstigen Funktion auf dem Gebiet der Strafverfolgung als Vorinstanz des Obergerichts des Kantons Bern. Es hat damit nur in einzelnen Sachbereichen letztinstanzliche Entscheidkompetenz, weshalb ihm bereits deshalb und unabh�ngig von der aufsichtsrechtlichen Organisation nicht die Stellung eines oberen kantonalen Gerichts nach Art. 86 Abs. 2 erster Halbsatz BGG zukommt. BGE 135 II 94 S. 100
5. 5.1 Die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern beruft sich in ihrem Amtsbericht vorrangig auf den zweiten Halbsatz von Art. 86 Abs. 2 BGG und macht geltend, vorliegend sei jedenfalls dieser Ausnahmetatbestand erf�llt.
5.2 Nach Art. 86 Abs. 2 zweiter Halbsatz BGG m�ssen die Kantone kein oberes Gericht einsetzen, wenn ein Bundesgesetz vorsieht, dass eine untere richterliche Beh�rde unmittelbare Vorinstanz des Bundesgerichts sein kann. In der bundesr�tlichen Botschaft zum Bundesgerichtsgesetz wird als Beispiel Art. 146 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 �ber die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11) genannt (BBl 2001 4326 f.), wobei insofern freilich auch die sich aus dem Gebot der vertikalen Steuerharmonisierung ergebenden Besonderheiten zu beachten sind (vgl. BGE 130 II 65). In der Literatur wird �berdies auf Art. 62 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) verwiesen (vgl. etwa HERZOG, a.a.O., S. 82 f.; LUGON/POLTIER/TANQUEREL, a.a.O., S. 142 ff.; POLTIER, a.a.O, S. 155; TOPHINKE, a.a.O., N. 15 zu Art. 86 BGG). Dazu wird vereinzelt ausgef�hrt, dass es den Kantonen mit Blick auf ihre Gestaltungsfreiheit bei der Umsetzung von Bundesrecht (vgl. insbes. Art. 46 Abs. 2 BV) in jenen F�llen, in denen die Bundesgesetzgebung die Einrichtung einer einzelnen richterlichen Beschwerdeinstanz verlangt und deren Stellung in der Gerichtshierarchie nicht n�her definiert, freigestellt bleiben muss, eine untere Justizbeh�rde einzusetzen (vgl. etwa HERZOG, a.a.O., S. 83; TOPHINKE, a.a.O., N. 15 zu Art. 86 BGG).
5.3 Eine solche Ausnahme liegt hier aber nicht vor. Art. 146 DBG und Art. 62 Abs. 1 ATSG sehen ausdr�cklich die unmittelbare Beschwerdem�glichkeit an das Bundesgericht vor. Eine analoge Bestimmung fehlt zu den Zwangsmassnahmen im Ausl�nderrecht. Art. 78 Abs. 4 und Art. 80 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 �ber die Ausl�nderinnen und Ausl�nder (AuG; SR 142.20) schreiben - wie dies weitgehend schon im alten Ausl�nderrecht zutraf (vgl. BBl 2002 3817) - einzig die erstinstanzliche richterliche Haft�berpr�fung vor, ohne sich zu den Rechtsmitteln und schon gar nicht zur Beschwerdem�glichkeit an das Bundesgericht zu �ussern. Das Bundesrecht schliesst insbesondere ein kantonales Rechtsmittel, das der Beschwerde an das Bundesgericht vorgeschaltet wird, nicht aus (HUGI YAR, a.a.O., Rz. 10.178), und verschiedene, vor allem BGE 135 II 94 S. 101gr�ssere Kantone (so etwa seit geraumer Zeit der Kanton Waadt und seit kurzem der Kanton Z�rich) haben ein solches Rechtsmittelsystem eingerichtet. Das unterstreicht, dass das Bundesgesetz nicht unabh�ngig von der Eigenschaft des Haftrichters als oberes kantonales Gericht eine direkte Beschwerde an das Bundesgericht gegen Haftrichterentscheide vorschreibt. Es kann daher nicht geschlossen werden, der Bundesgesetzgeber habe vom grunds�tzlichen Erfordernis von Art. 86 Abs. 2 erster Halbsatz BGG dispensieren wollen.
5.4 Das Gegenteil ergibt sich entgegen der Auffassung der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion auch nicht aus der von dieser angerufenen Regelung von Art. 17 des alten Bundesgesetzes vom 4. Oktober 1991 �ber die Hilfe an Opfer von Straftaten (altOpferhilfegesetz, aOHG; AS 1992 2465, 2469). Darin wurde den Kantonen zwar die Einrichtung einer einzigen, von der Verwaltung unabh�ngigen Beschwerdeinstanz vorgeschrieben. Dieselbe Vorschrift findet sich heute �brigens in Art. 29 Abs. 3 des neuen Bundesgesetzes vom 23. M�rz 2007 �ber die Hilfe an Opfer von Straftaten (Opferhilfegesetz, OHG; SR 312.5), in Kraft seit dem 1. Januar 2009. Ob damit eine Ausnahme vom Erfordernis eines oberen Gerichts verbunden ist, kann hier offenliegen. Jedenfalls unterscheidet sich die opferhilferechtliche Verfahrensregelung nur schon deshalb wesentlich von derjenigen der ausl�nderrechtlichen Administrativhaft, weil f�r jene eine einzige kantonale Instanz vorgeschrieben ist, w�hrend f�r diese keine solche Beschr�nkung gilt (vgl. E. 5.3). Damit entf�llt jegliche Grundlage f�r irgendeine Analogie.
5.5 Im �brigen verzichtete der Gesetzgeber darauf, die Rechtsmittel im Ausl�nderrecht im Zusammenhang mit der neuen Bundesrechtspflege besonders zu regeln. Die entsprechenden Art. 113 f. AuG, die sich noch auf die alte Verfahrensordnung des Bundes bezogen, wurden im Gegenteil mit Inkraftsetzen des Bundes- und des Verwaltungsgerichtsgesetzes aufgehoben (vgl. AS 2006 5599). In Art. 112 Abs. 1 AuG wird demgegen�ber ausdr�cklich festgehalten, dass sich das Verfahren der Bundesbeh�rden nach den allgemeinen Bestimmungen der Bundesrechtspflege richtet. Das muss gleichermassen f�r die Zwangsmassnahmen im Ausl�nderrecht gelten. Obwohl es sich bei der ausl�nderrechtlichen Administrativhaft auch um die Vollziehungsvorkehr einer Entfernungsmassnahme handelt, ging das Bundesgericht (trotz Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 sowie Art. 101 lit. c OG) insbesondere aufgrund des schweren Eingriffs in die pers�nliche Freiheit des H�ftlings seit jeher davon aus, die BGE 135 II 94 S. 102Beschwerde an das Bundesgericht sei zul�ssig (vgl. BGE 125 II 369 E. 2b S. 371 mit Literaturhinweisen; BGE 119 Ib 193 E. 1 S. 195 ff.; HUGI YAR, a.a.O., Rz. 10.181). Die Beschwerde richtet sich aber ausschliesslich gegen den letztinstanzlichen kantonalen Gerichtsentscheid. Die Rechtsprechung zur alten Bundesrechtspflege �ber die Zust�ndigkeit des Bundesgerichts konnte insofern mangels Neuregelung (trotz Art. 83 lit. c Ziff. 4 BGG) auf die neue Gesetzesordnung �bertragen werden. Ein Dispens vom Erfordernis eines oberen kantonalen Gerichts bzw. die direkte Anfechtbarkeit auch von Hafturteilen unterer Gerichte beim Bundesgericht ergibt sich daraus aber nicht. Denn das Ausl�ndergesetz sagt gerade nichts dar�ber aus, wie viele kantonale Gerichtsinstanzen einzurichten sind und gegen welche Beh�rde Beschwerde beim Bundesgericht gef�hrt werden kann.
5.6 Daran �ndert schliesslich auch nichts, dass das Bundesrecht in anderen Spezialerlassen das Erfordernis eines oberen Gerichts ausdr�cklich vorschreibt. Das l�sst nicht den R�ckschluss zu, die Voraussetzung eines oberen Gerichts gelte nur dann, wenn sie in einem Spezialgesetz wiederholt wird. Ohnehin v�llig anders ist die Ausgangslage beim von der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern angerufenen Art. 165 Abs. 2 der Handelsregisterverordnung vom 17. Oktober 2007 (HRegV; SR 221.411). Abgesehen davon, dass es sich dabei um Verordnungs- und nicht um Gesetzesrecht handelt, wird darin den Kantonen eine bestimmte kantonale Rechtsmittelordnung vorgeschrieben, n�mlich die Einrichtung einer einzigen Beschwerdeinstanz als oberes Gericht. Inwiefern daraus abzuleiten w�re, dass dann, wenn ein Gesetz keine entsprechende Bestimmung enth�lt, einzig die direkte Beschwerde an das Bundesgericht offenst�nde, ist nicht ersichtlich. Damit bleibt es bei den grunds�tzlichen Anforderungen gem�ss Art. 86 Abs. 2 erster Halbsatz BGG.
6. 6.1 Erf�llt der Kanton Bern somit im Bereich der ausl�nderrechtlichen Administrativhaft die Voraussetzungen von Art. 86 Abs. 2 BGG nicht, fragt sich, welche Konsequenzen sich daraus f�r den vorliegenden Fall ergeben.
6.2 Bei der vergleichbaren Ausgangslage von Art. 98a OG, worin die Kantone unter der Geltung der alten Bundesrechtspflege verpflichtet wurden, gerichtliche Vorinstanzen in allen Streitigkeiten BGE 135 II 94 S. 103einzurichten, in denen das Bundesgericht angerufen werden konnte, verfolgte das Bundesgericht verschiedene L�sungsans�tze, wenn diese Voraussetzung nicht erf�llt war. Bestand f�r ein Rechtsgebiet in analogen Rechtsstreitigkeiten Klarheit dar�ber, welches kantonale Gericht zust�ndig war, so �berwies das Bundesgericht eine entsprechende Beschwerde direkt dieser Instanz. Das traf gerade etwa im Ausl�nderrecht zu f�r Beschwerden gegen Entscheide �ber Anwesenheitsbewilligungen, auf deren Erteilung ein Anspruch bestand (so etwa das Urteil 2A.281/1997 vom 2. September 1997). Gab es hingegen mehrere M�glichkeiten der Zust�ndigkeit einer kantonalen Gerichtsbeh�rde, so �berwies das Bundesgericht die Streitsache entweder an die zuletzt entscheidende Beh�rde (BGE 128 II 311 E. 6.3 S. 322 f.) oder an diejenige, die am ehesten zust�ndig erschien (BGE 123 II 231 S. 233 sowie E. 8c S. 240). Bei Bedarf verband das Bundesgericht die �berweisung mit dem Hinweis, der Zust�ndigkeitsentscheid sei in Absprache mit den anderen m�glichen Beh�rden zu treffen; das Bundesgericht d�rfe insoweit nicht in die Gestaltungsfreiheit der Kantone (nach Art. 3, 46 und 47 BV) eingreifen (vgl. etwa BGE 128 II 311 E. 6.3 S. 323). Bei der Umsetzung von Art. 130 BGG ist analog zu verfahren (dazu BR�HL-MOSER, a.a.O., N. 31 f. zu Art. 130 BGG).
6.3 Im vorliegenden Zusammenhang stehen verschiedene M�glichkeiten der Beh�rdenorganisation offen. Der Kanton kann ein g�nzlich unabh�ngiges Haftgericht als oberes Gericht f�r ausl�nderrechtliche Administrativhaft schaffen oder gegen die Hafturteile des bisherigen Haftgerichts die Beschwerde an das Obergericht oder an das Verwaltungsgericht �ffnen. Es steht dem Bundesgericht nicht zu, auch nicht auf provisorischer Grundlage, hier eine Regelung vorwegzunehmen. Dies ist aber auch nicht Sache des Haftgerichts. Vielmehr obliegt es dem Obergericht des Kantons Bern als Aufsichtsbeh�rde �ber das Haftgericht, eventuell in Zusammenarbeit mit dem Verwaltungsgericht und dem Regierungsrat des Kantons Bern, eine vorsorgliche Regelung f�r die bereits h�ngigen F�lle zu treffen. F�r eine kurze Zeit ist dies verfassungsrechtlich vertretbar (vgl. BGE 123 II 193 E. 5 S. 202 ff.). Im �brigen ist erg�nzend auf Art. 130 Abs. 4 BGG zu verweisen, wonach die Kantone bis zum Erlass der Ausf�hrungsgesetzgebung (unter anderem zu Art. 86 Abs. 2 BGG) die notwendigen Bestimmungen in den daf�r anwendbaren kantonalen Rechtsetzungsverfahren in die Form nicht referendumspflichtiger Erlasse kleiden k�nnen (vgl. dazu CHRISTOPH BGE 135 II 94 S. 104AUER, Auswirkungen der Reorganisation der Bundesrechtspflege auf die Kantone, ZBl 107/2006 S. 137 f.; BR�HL-MOSER, a.a.O., N. 28 ff. zu Art. 130 BGG).
6.4 F�r das vorliegende bundesgerichtliche Verfahren bedeutet dies, dass auf die beim Bundesgericht eingereichte Beschwerde nicht einzutreten und die Sache zur weiteren Behandlung im Sinne der Erw�gungen an das Obergericht des Kantons Bern zu �berweisen ist. Ein Exemplar des vorliegenden Urteils wird �berdies zuhanden des Regierungsrates der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern zugestellt. Da es sich um ein Beschwerdeverfahren handelt und eine erste gerichtliche Haftpr�fung gem�ss Art. 5 Abs. 4 EMRK bzw. Art. 31 Abs. 4 BV stattgefunden hat, rechtfertigt sich eine sofortige Haftentlassung des Beschwerdef�hrers nicht. Die Beh�rden des Kantons Bern werden aber daf�r zu sorgen haben, dass den bundesgesetzlichen Anforderungen an die kantonale Gerichtsorganisation umgehend in einer solchen Weise nachgekommen wird, dass das weitere Verfahren keine unrechtm�ssige Verz�gerung erleidet. Das Obergericht des Kantons Bern wird �berdies darum ersucht, das Bundesgericht im Hinblick auf m�gliche k�nftige Beschwerdeeing�nge umgehend �ber die getroffene vorsorgliche Regelung zu unterrichten.
134 II 318,
134 V 138 suite... ,
Art. 130 BGG,
Art. 86 al. 2 et 3 LTF suite... ,
Art. 130 Abs. 4 BGG,
Art. 62 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1),
Art. 110-112 BGG,
Art. 31 Abs. 1 des Gesetzes vom 6. Oktober 1940 betreffend die Einf�hrung des Schweizerischen Strafgesetzbuches [EG StGB; BSG 311.1],
Art. 78 Abs. 4 und Art. 80 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 �ber die Ausl�nderinnen und Ausl�nder (AuG; SR 142.20),
Art. 29 Abs. 3 des neuen Bundesgesetzes vom 23. M�rz 2007 �ber die Hilfe an Opfer von Straftaten (Opferhilfegesetz, OHG; SR 312.5),
Art. 112 Abs. 1 AuG,
Art. 3, 46 und 47 BV,
Art. 5 Abs. 4 EMRK,
Art. 31 Abs. 4 BV