Source: http://naturathlon.de/0302_ffh_rl.html
Timestamp: 2017-08-23 02:27:23
Document Index: 228242428

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'Art. 15', 'Art. 1', 'Art 12', 'Art. 14', 'Art. 16', 'Art. 16', '§ 45']

Die Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der Europäischen Gemeinschaft ( FFH -Richtlinie, 92/43/EWG) ist seit dem 5. Juni 1992 in Kraft und liegt seit dem 01.01.2007 in konsolidierter Fassung vor. Ziel ist die Sicherung der Artenvielfalt durch die Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen im europäischen Gebiet der Mitgliedstaaten. Sie bildet die Grundlage für den Aufbau des europäischen Schutzgebietssystems „Natura 2000“.
Gebietsschutz für die Lebensräume bestimmter Arten (Anhang II) mit Gebietsausweisung nach nationaler / gemeinschaftlicher Bewertung (Art. 4, Anhang III)
weitere Informationen hierzu finden Sie auf unseren Natura 2000 Seiten
Verbot von bestimmten Methoden und Mitteln des Fangs, der Tötung und Beförderung von Anhang-IV-Arten (Art. 15, Anhang VI)
In den Anhängen II, IV und V der FFH -Richtlinie werden Arten von gemeinschaftlichem Interesse mit Bezugsraum Europäische Union aufgeführt. Gemäß Art. 1 der Richtlinie sind dies:
Den Artenschutzregelungen nach Art 12 ff. der FFH -Richtlinie entsprechend, soll von den Mitgliedstaaten ein „strenges Schutzsystem“ für alle Anhang IV-Arten eingerichtet werden. Hierzu zählen bekannte Arten wie z.B. der Feldhamster (Cricetus cricetus), die Wildkatze (Felis silvestris) oder die Würfelnatter (Natrix tessellata). Maßnahmen für einen strengen Schutz beinhalten spezielle Verbote, die sich zum einen auf den direkten Zugriff (Fang, Tötung) und zum anderen auf Fortpflanzungs- und Ruhestätten beziehen.
Das Internethandbuch des BfN stellt Informationen zu den 134 in Deutschland vorkommenden Arten des Anhang IV der FFH -Richtlinie bereit und gibt Empfehlungen zur Bewirtschaftung und Pflege der Flächen, auf denen diese Arten vorkommen.
Anhang IV FFH -RL
Die Würfelnatter (Natrix tessellata) ist eine in Deutschland vom Aussterben bedrohte Schlangenart, die 1997 nur noch an den Flüssen Nahe, Lahn und Mosel in Rheinland-Pfalz vorkam. Bezüglich ihres Lebensraumes ist die Würfelnatter streng an Flussauen und naturnahe Ufer gebunden. Durch die Begradigung von Flussläufen und den fortschreitenden Uferverbau ist der Lebensraum dieser europäischen Schlangenart jedoch stark bedroht. Im Rahmen eines E+E -Vorhabens "Neugestaltung und Vernetzung von Lebensräumen bundesweit bedrohter Reptilien an Bundeswasserstraßen am Beispiel der Würfelnatter (Natrix tessellata) an den Flüssen Mosel, Lahn und Elbe" wurden von 1997 bis 2001 Maßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung der Würfelnatter und ihrer Lebensräume an drei Erprobungsstandorten (Elbe, Mosel, Lahn) umgesetzt. Neben der erfolgreichen Wiederansiedlung von nachgezüchteten Jungtieren wurden wasserbauliche Maßnahmen ergriffen, um Lebensräume zu verbessern und/oder miteinander zu vernetzen. Zudem wurden Leit- und Abwehrsysteme an nahegelegenen Verkehrswegen installiert, was die Mortalitätsrate durch Verkehrsunfälle erheblich senken konnte.
Anhänge II(*) und IV FFH -RL
Um die Erhaltung und Ausbreitung der Art sicherzustellen und möglichen Konflikten vorzubeugen, betreute das BfN im Rahmen eines F+E -Vorhabens die Erarbeitung eines Fachkonzeptes für ein Wolfsmanagement in Deutschland.
Anhänge II und IV FFH -RL
Die FFH -Richtlinie erlaubt die Nutzung von Arten des Anhangs V unter der Vorraussetzung, dass sie mit der Aufrechterhaltung eines günstigen Erhaltungszustandes vereinbar ist. Hierzu sind gegebenenfalls gemäß Art. 14 der Richtlinie besondere Maßnahmen zu ergreifen. Mögliche Maßnahmen im Sinne der Richtlinie können sein, die Festsetzung einer Entnahmequote, die Einführung eines entsprechenden Genehmigungssystems, zeitliche oder örtlich begrenzte Entnahmeverbote oder auch die Installation von Nachzuchtprogrammen in Gefangenschaft. Diese Maßnahmen beinhalten auch die Fortsetzung der Überwachung des günstigen Erhaltungszustandes gemäß Artikel 11.
Gemäß Art. 16 (1) der FFH -Richtlinie können die Mitgliedsstaaten von den Artenschutzregelungen der Artikel 12 ff. der FFH -Richtlinie unter strengen Voraussetzungen abweichen, sofern es keine anderweitige zufriedenstellende Lösung gibt und die Population trotz der Ausnahmeregelung ohne Beeinträchtigung in einem günstigen Erhaltungszustand verweilt. Über die Ausnahmen ist alle zwei Jahre zu berichten.
Der einheimische Biber (Castor fiber) wurde in Deutschland während des 19. Jhd. durch starke Bejagung an den Rand der Ausrottung gedrängt. Dank seiner Unterschutzstellung und verschiedener Wiederansiedlungsprojekte v.a. in Bayern, konnten sich die Bestände wieder erholen und gelten heute als stabil. Der Biber ist als Art der Anhänge II und IV FFH -Richtlinie streng geschützt.
Um mehr Akzeptanz für die Anwesenheit des Bibers in der Bevölkerung zu erreichen, wird in weiten Teilen seines Vorkommensgebietes intensive Öffentlichkeitsarbeit betrieben. wie in Bayern, wo professionelle Bibermanager als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. In besonderen Problemsituationen jedoch, etwa wenn eine Untertunnelung eines Hochwasserdeiches durch einen Biber droht oder größere Überschwemmungen verursacht werden können, kann Art. 16 der FFH -Richtlinie resp. § 45 BNatSchG zur Anwendung kommen. Hier gilt es, ernste Schäden und Gefahren etwa durch Hochwasser zu verhüten. Nach sorgfältiger Einzelfallprüfung ist das Abweichen von den allgemeineren Artenschutzregelungen in derartigen Ausnahmefällen erlaubt. Insbesondere das Einfangen zwecks Umsiedlung zu Orten mit weniger Konfliktpotential bietet sich im Problemfall an.
Vollständige Liste aller in Anhang IV gelisteten Arten der FFH -Richtlinie
Vollständige Liste aller in Anhang V gelisteten Arten der FFH -Richtlinie
Vollständige Liste verbotener Mittel, Einrichtungen und Methoden zum Fang oder zur Tötung von Arten der FFH -Anhänge