Source: https://www.kitaleitungswissen.de/recht/grundlagen-des-bildungs-und-erziehungsauftrags/sozialrecht-sgbviii/detail/foerdern-ja-aber-wie/
Timestamp: 2020-05-28 04:50:52
Document Index: 336126461

Matched Legal Cases: ['§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 13', '§ 22', '§ 22', '§ 9', '§ 9', '§ 13', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 7', '§ 8', '§ 22', '§ 54', '§ 35', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22']

Fördern – ja, aber wie? - KitaleitungsWissen.de Detail - KitaleitungsWissen.de
Abschnitt: Grundlagen des Bildungs- und Erziehungsauftrags → Sozialrecht - SGB VIII
Fördern – ja, aber wie?
Neben den oben beschriebenen Grundsätzen der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege nach § 22 SGB VIII werden in § 22a SGB VIII weitere Anforderungen speziell an die Förderung von Kindern in Kindertagesstätten formuliert. Die Sicherstellung dieser in § 22a Abs. 1 bis 4 SGB VIII formulierten Anforderungen an die Realisierung des Förderauftrages obliegt dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe im Rahmen seiner Gesamtverantwortung (§ 22a Abs. 5 SGB VIII).
Neben den Anforderungen an die Sicherstellung und Weiterentwicklung der Qualität der Förderung in den Tageseinrichtungen durch die Träger der öffentlichen Jugendhilfe (§ 22a Abs. 1 SGB VIII), sind insbesondere die Anforderungen an die Kooperation der Fachkräfte in den Einrichtungen mit unterschiedlichen Kooperationspartnern hervorzuheben (§ 22a Abs 2 SGB VIII). Die Jugendämter sind nach Abs. 1 für die Qualität der Förderung verantwortlich (Wendt, 2017; Grube, 2014). Ansatzpunkte wie dies zu gewährleisten ist, finden sich in § 22a Abs. 1 Satz 2 SGB VIII. Darin wird neben der pädagogischen Konzeption der Einrichtung auch der Einsatz von Instrumenten und Verfahren der Evaluation festgelegt. Die Landesgesetze füllen diese Anforderungen zum Teil weiter aus (z.B. §§ 13a, b KiBiz NRW).
Die Anforderungen an die Kooperation der Fachkräfte in den Einrichtungen mit anderen sind vielfältig (§ 22a Abs. 2 SGB VIII). Betont wird hier in der Nr. 1 wiederum die Erziehungspartnerschaft mit den Erziehungsberechtigten, in der Regel den Eltern. Diese werden als erster Kooperationspartner der Fachkräfte in den Einrichtungen benannt. Die Einbeziehung der Erziehungsberechtigten wird auch nochmals in § 22a Abs. 2 Satz 2 SGB VIII im Rahmen einer Informations- und Beteiligungspflicht betont. Auch diese Kooperation wird in den Ländergesetzen weiter geregelt und findet ihren Ausdruck in regelmäßigen Gesprächen (beispielsweise § 9 KiBiz NRW) und den Elterngremien in den Einrichtungen (beispielsweise § 9a KiBiz NRW; § 13 Brem KTG). Auch Tagespflegepersonen sind hier einzubeziehen. Die Fachkräfte der Tageseinrichtungen sind darüber hinaus aber auch aufgefordert mit anderen kinder- und familienbezogenen Institutionen und Initiativen im Gemeinwesen, insbesondere der Familienbildung und -beratung zusammenzuarbeiten (§ 22a Abs. 2 Nr. 2 SGB VIII). Dies ist Ausdruck eines zunehmend sozialraumorientierten, integrierten Angebots und der Notwendigkeit kommunaler Vernetzung, um Eltern und Kinder passend und umfassend zu unterstützen (Wendt, 2017). Andere Institutionen und Initiativen in diesem Sinne sind der ASD, Erziehungsberatungsstellen, Familienzentren in Kindertageseinrichtungen bzw. Eltern-Kind-Zentren, Mütterzentren, Mehrgenerationenhäuser und Familienbildungseinrichtungen (Wendt, 2017). Wenn auch erst an dritter Stelle stehend (§ 22a Abs. 2 Nr. 3) ist die Kooperation mit den Schulen von höchster Relevanz. Dies betrifft nicht nur den Übergang der Kinder in die Schule, sondern auch die Zusammenarbeit im Bereich der Hortkinder und altersgemischter Gruppen. Die Tageseinrichtungen bzw. die Fachkräfte in den Einrichtungen haben hierbei eine hohe Verantwortung bzgl. des gelingenden Zusammenspiels von Kindertageseinrichtung und Schule. Dies kann erschwert werden durch die zweigeteilte Zuständigkeit in diesem Bereich. Dies betrifft zum einen die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen als Aufgabe der öffentlichen Jugendhilfe und zum anderen Bildung und Erziehung in Schulen als Aufgabe der Schulverwaltung (Wendt, 2017). Die Verpflichtung zur Zusammenarbeit ist jedoch mehr als angebracht, betrachtet man die Sensibilität des Überganges von Kindern aus Kindertageseinrichtungen in die Schule.
Eine weitere Anforderung, die an die Tageseinrichtungen gestellt wird, betrifft die verpflichtende Orientierung an den Bedürfnissen der Kinder und deren Familien, § 22a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII. Dies betrifft sowohl die pädagogische Ausrichtung, z.B. ihrer Ziele, Inhalte, Methoden, Strukturen und ihre organisatorische Ausrichtung, z.B. bzgl. der Öffnungszeiten, Elternsprechzeiten (Wendt, 2017). Gerade in Bezug auf die Öffnungszeiten wird dies in § 22a Abs. 3 Satz 2 SGB VIII noch einmal konkretisiert und deutlich gemacht, dass der Träger der öffentlichen Jugendhilfe dafür zu sorgen hat, dass während der Ferienschließungszeiten der Einrichtung andere Möglichkeiten der Betreuung von Kindern, die in diesen Zeiten nicht von ihren Erziehungsberechtigten betreut werden können, zu schaffen sind. Ziel dieser Regelung ist die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Der Träger der öffentlichen Jugendhilfe hat insoweit sicherzustellen, dass ein entsprechendes Angebot besteht.1 Auch hier konkretisiert zum Teil das Landesrecht diese Verpflichtung (§ 7 Abs. 1 Brem KTG, der beispielsweise vorsieht, dass für Kinder, die auf andere Weise nicht angemessen betreut und gefördert werden können, in Tageseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren innerhalb der Schulferien der notwendige Feriendienst in der eigenen oder benachbarten Tageseinrichtung zu sichern ist, nach Abs. 6 regeln dies die Stadtgemeinden des Bundeslandes Bremen genauer; vgl. auch § 8 Abs. 3 KiTag Nds).
§ 22a Abs. 4 SGB VIII beinhaltet die Verpflichtung, Kinder mit und ohne Behinderung in Gruppen gemeinsam zu fördern, also eine inklusive Förderung. Gemeint ist die körperliche, geistige und seelische Behinderung. Die Grenze dieser Verpflichtung findet sich im Hilfebedarf des beeinträchtigten Kindes (Grube, 2014). Sofern der Hilfebedarf eine gemeinsame Förderung nicht zulässt, ist diese auch nicht durchzuführen. Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben mit dem Träger der Sozialhilfe zusammenzuarbeiten, da dieser in vielen Fällen, insbesondere bei Kindern mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen Leistungen nach §§ 54 ff. SGB XII – Eingliederungshilfe zu erbringen hat. Hat das Kind eine seelische Beeinträchtigung ist der Jugendhilfeträger selbst nach § 35a SGB VIII für die Eingliederungshilfe zuständig.
Grube, C. (2014): §§ 22 ff. SGB VIII. In: Hauck, K./Noftz, W. (Hrsg.): Sozialgesetzbuch VIII (Kommentar) – Loseblattsammlung, Stand: 2017. Berlin: Erich Schmidt Verlag.
Wendt, J. (2017): §§ 22 ff. SGB VIII. In: Möller, W. (Hrsg.): Praxiskommentar SGB VIII – Kinder- und Jugendhilfe. 2., aktualisierte Aufl. Köln: Bundesanzeiger Verlag.
Siehe hierzu insgesamt: Wendt, 2017, § 22a SGB VIII, Rn. 29 ff.; Grube, 2014, § 22a SGB VIII, Rn. 7.