Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/die-entscheidung-zulassung-3130626
Timestamp: 2019-12-08 13:02:50
Document Index: 116038604

Matched Legal Cases: ['§ 511', '§ 713', '§ 348', '§ 511', '§ 709', '§ 708', '§ 709', '§ 709', '§ 511', 'Art. 103', 'Art. 3', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 709', '§ 709', 'BGH', 'BGH']

Die nicht nach­ge­hol­te Ent­schei­dung über die Zulas­sung der Beru­fung | Rechtslupe
Die nicht nach­ge­hol­te Ent­schei­dung über die Zulas­sung der Beru­fung
Der Zugang zu einer an sich gege­be­nen Beru­fung wird dann unzu­mut­bar erschwert, wenn das Beru­fungs­ge­richt die gebo­te­ne Ent­schei­dung über die Zulas­sung der Beru­fung nicht nach­holt und ein Grund für die Zulas­sung der Beru­fung auch tat­säch­lich vor­liegt.
Die Ent­schei­dung über die Zulas­sung der Beru­fung ist nach § 511 Abs. 4 Satz 1 ZPO grund­sätz­lich dem Gericht des ers­ten Rechts­zugs vor­be­hal­ten. Hat – wie im Streit­fall – kei­ne Par­tei die Zulas­sung bean­tragt, ist eine aus­drück­li­che Ent­schei­dung ent­behr­lich; das Schwei­gen im Urteil bedeu­tet zumin­dest in die­sem Fall Nicht­zu­las­sung 1.
Ist das erst­in­stanz­li­che Gericht aller­dings davon aus­ge­gan­gen, dass die Beschwer der unter­le­ge­nen Par­tei 600 € über­steigt, und hat es des­we­gen die Zulas­sung der Beru­fung nicht geprüft, so hat das Beru­fungs­ge­richt, bevor es das Rechts­mit­tel man­gels aus­rei­chen­der Beschwer ver­wirft, grund­sätz­lich die­se Zulas­sungs­prü­fung nach­zu­ho­len 2.
Allein der Umstand, dass das erst­in­stanz­li­che Gericht die beklag­te Par­tei zur Ertei­lung einer Aus­kunft ver­ur­teilt und den Streit­wert der Aus­kunfts­kla­ge auf mehr als 600 € fest­ge­setzt hat, recht­fer­tigt nicht die Annah­me, das erst­in­stanz­li­che Gericht sei davon aus­ge­gan­gen, die Beschwer der unter­le­ge­nen Par­tei über­stei­ge 600 € und die Zulas­sung der Beru­fung müs­se daher nicht geprüft wer­den. Der Streit­wert der Aus­kunfts­kla­ge und die Beschwer der zur Aus­kunft ver­ur­teil­ten Par­tei fal­len häu­fig so erheb­lich aus­ein­an­der, dass kein Raum für die Annah­me ist, das erst­in­stanz­li­che Gericht habe auf­grund sei­ner Streit­wert­fest­set­zung kei­nen Anlass gehabt, über die Zulas­sung der Beru­fung zu befin­den. Das gilt ins­be­son­de­re dann, wenn das erst­in­stanz­li­che Gericht das Urteil ohne Sicher­heits­leis­tung und ohne Anord­nung der Abwen­dungs­be­fug­nis für vor­läu­fig voll­streck­bar erklärt und damit zum Aus­druck gebracht hat, dass nach sei­ner Auf­fas­sung die Vor­aus­set­zun­gen, unter denen ein Rechts­mit­tel gegen das Urteil statt­fin­det, unzwei­fel­haft nicht vor­lie­gen (§ 713 ZPO), oder wenn der Ein­zel­rich­ter den Rechts­streit ent­schie­den und ihn nicht nach § 348 Abs. 3 ZPO der Zivil­kam­mer zur Ent­schei­dung über eine Über­nah­me vor­ge­legt hat 3. In die­sen Fäl­len ver­bleibt es bei dem all­ge­mei­nen Grund­satz, dass das Schwei­gen im erst­in­stanz­li­chen Urteil die Nicht­zu­las­sung der Beru­fung bedeu­tet, wenn kei­ne Par­tei die Zulas­sung bean­tragt hat 4.
Nach die­sen Maß­stä­ben war im Streit­fall eine aus­drück­li­che Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts dar­über ange­zeigt, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Zulas­sung der Beru­fung nach § 511 Abs. 4 Satz 1 ZPO erfüllt waren.
Das Land­ge­richt hat sein Urteil nach § 709 Satz 1 ZPO gegen eine Sicher­heits­leis­tung in Höhe von 125.000 € für vor­läu­fig voll­streck­bar erklärt. Dies spricht dafür, dass es von einer Rechts­mit­tel­fä­hig­keit sei­ner Ent­schei­dung aus­ge­gan­gen ist und des­halb eine Prü­fung, ob die Beru­fung zuzu­las­sen ist, unter­las­sen hat 5. Im Streit­fall han­delt es sich um eine ver­mö­gens­recht­li­che Strei­tig­keit, weil Kla­ge­ziel eine Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung der vom Klä­ger gel­tend gemach­ten Pro­vi­si­on aus dem Ver­mitt­lungs­ver­trag ist. Bei der­ar­ti­gen Strei­tig­kei­ten rich­tet sich die Voll­streck­bar­keits­ent­schei­dung nach § 708 Nr. 11 ZPO, wenn der Gegen­stand der Ver­ur­tei­lung in der Haupt­sa­che 1.250 € nicht über­steigt. Liegt der Gegen­stand der Ver­ur­tei­lung in der Haupt­sa­che dar­über, ist eine Voll­streck­bar­keits­ent­schei­dung nach § 709 ZPO zu tref­fen. Die Höhe der Sicher­heit ist bei einer Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunft nach dem vor­aus­sicht­li­chen Auf­wand an Zeit und Kos­ten der Aus­kunfts­ver­ur­tei­lung zu bemes­sen 6. Setzt das erst­in­stanz­li­che Gericht bei einer Aus­kunfts­ver­ur­tei­lung eine Sicher­heits­leis­tung gemäß § 709 ZPO fest, spricht dies dafür, dass es von einer Beschwer von wenigs­tens 1.250 € und damit von einer Rechts­mit­tel­fä­hig­keit sei­ner Ent­schei­dung aus­ge­gan­gen ist und irr­tüm­lich eine Ent­schei­dung über die Zulas­sung der Beru­fung unter­las­sen hat 5.
Das Beru­fungs­ge­richt hät­te bei einer sol­chen Sach­la­ge die Ent­schei­dung über eine Zulas­sung der Beru­fung nach § 511 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 ZPO nach­ho­len müs­sen. Eine sol­che Ent­schei­dung hat das Beru­fungs­ge­richt nicht getrof­fen.
Die­ser Ver­fah­rens­feh­ler ver­hilft der Rechts­be­schwer­de aller­dings nicht zum Erfolg, weil eine Zulas­sung der Beru­fung – wie der Bun­des­ge­richts­hof selbst ent­schei­den kann 7 – ohne­hin nicht in Betracht gekom­men wäre. Es ist nicht ersicht­lich, dass die für die Ent­schei­dung des Land­ge­richts tra­gen­den Rechts­fra­gen grund­sätz­li­che Bedeu­tung haben oder die Fort­bil­dung des Rechts oder die Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung eine Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts erfor­dert. Ins­be­son­de­re ist kei­ne Ver­let­zung von Art. 103 Abs. 1 oder Art. 3 Abs. 1 GG (Will­kür­ver­bot) dar­ge­tan.
vgl. BGH, Urteil vom 10.02.2011 – III ZR 338/​09, NJW 2011, 926 Rn. 15; Beschluss vom 16.08.2012 – I ZB 2/​12, K&R 2012, 813 Rn. 8; Beschluss vom 13.07.2017 – I ZB 94/​16[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 14.11.2007 – VIII ZR 340/​06, NJW 2008, 218 Rn. 12; Beschluss vom 21.04.2010 – XII ZB 128/​09, NJW-RR 2010, 934 Rn. 18; BGH, K&R 2012, 813 Rn. 8; BGH, Beschluss vom 08.03.2017 – IV ZB 18/​16, ZEV 2017, 278 Rn. 11; Beschluss vom 13.07.2017 – I ZB 94/​16[↩]
vgl. BGH, NJW 2011, 926 Rn. 15 ff.; NJW 2011, 2974 Rn. 14 ff.; K&R 2012, 813 Rn. 9[↩]
BGH, K&R 2012, 813 Rn. 9[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 13.07.2017 – I ZB 94/​16 30[↩][↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 24.11.1994 – GSZ 1/​94, BGHZ 128, 85, 87 ff.; Saenger/​Kindl, ZPO, 7. Aufl., § 709 Rn. 2; Zöller/​Herget, ZPO, 32. Aufl., § 709 Rn. 6[↩]
vgl. BGH, K&R 2012, 813 Rn. 12; BGH, Beschluss vom 24.09.2013 – II ZB 6/​12, NZG 2013, 1258 Rn. 22, jeweils mwN[↩]