Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=16.11.1995&Aktenzeichen=5%20StR%20747/94
Timestamp: 2019-05-23 04:14:38
Document Index: 121212301

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 336', '§ 244', 'Art. 6', '§ 212', '§ 336', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 17', '§ 1', '§ 35', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'OGH', '§ 35', '§ 35', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 35', '§ 223', '§ 239', '§ 3', '§ 115', '§ 131', '§ 80', '§ 69', '§ 83', 'Art. 315', 'BGH', 'BGH', '§ 78', 'BGH', 'BGH', '§ 78', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 86', 'BGH', 'BGH', '§ 336', 'BGH', 'BGH', '§ 336', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 336', 'BGH', 'BGH', 'Art. 6', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 336', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 16.11.1995 - 5 StR 747/94 - dejure.org
https://dejure.org/1995,226
BGH, 16.11.1995 - 5 StR 747/94 (https://dejure.org/1995,226)
BGH, Entscheidung vom 16.11.1995 - 5 StR 747/94 (https://dejure.org/1995,226)
BGH, Entscheidung vom 16. November 1995 - 5 StR 747/94 (https://dejure.org/1995,226)
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Todesstrafen in der DDR
Rechtsbeugung, Totschlag
§ 336 StGB; § 244 StGB DDR; Art. 6 Abs. 2 DDR-Verfassung
Tatbestand der Rechtsbeugung bei Mitwirkung eines DDR-Strafrichters an Todesurteilen (Fallgruppen der durch Willkür gekennzeichneten offensichtlichen schweren Menschenrechtsverletzungen)
Rechtsbeugung eines Richters - DDR - Mitwirkung an Todesurteilen
Rechtsbeugung durch Richter der DDR
StGB § 212, § 336
LG Berlin, 17.06.1994 - 2 Js 283/92
BGHSt 41, 317
NJW 1996, 857
MDR 1996, 402
NStZ 1996, 389 (Ls.)
NJ 1996, 154
255 BGH v. 16.11.1995 - 5 StR 747/94, BGHSt 41, 317 (340).256 LK/Vogel § 17 Rn 105.257 2.Strafrechtsreformgesetz vom 04.07.1969 (BGBl. I S.717), in Kraft seit 01.01.1975 gem. § 1 des Gesetzes über das Inkrafttreten des Zweiten Gesetzes zur Reform des Strafrechts vom 30.07.1973 (BGBl. 1973 I S.909).258 Siehe oben B IV 6 d Seite 248 f., B V 3 Seite 250, C III 1 h Seite 269 f.259 LK/Hirsch § 35 Rn 18.260 BGH v. 12.10.1971 - 5 StR 103/71, NJW 1972, 832 (834).261 BGH v. 14.11.1952 [Richtig: 14.10.1952]- 1 StR 791/51, BGHSt 3, 271 (275); BGH v. 29.03.1963 - 4 StR 500/62, BGHSt 18, 311; OGHBZ v. 05.12.1949 - StS 88/49, NJW 1950, 234 (236); LK/Hirsch § 35 Rn 73; MK/Müssig § 35 Rn 36.262 BGH v. 29.03.1963 - 4 StR 500/62, BGHSt 18, 311 (312); BGH v. 16.09.1986 - 5 StR 51/86, BGHR § 35 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1.
bb) Soweit auf die Taten das Recht der DDR (§ 223, § 239 Abs. 1 in Verbindung mit § 3 RStGB, § 115 Abs. 1, § 131 Abs. 1 in Verbindung mit § 80 Abs. 1 StGB-DDR) Anwendung findet, hat die Verjährung in der DDR indes aufgrund eines quasigesetzlichen Verfolgungshindernisses bis zum 3. Oktober 1990 geruht (§ 69 Abs. 1 Satz 1 RStGB, § 83 Nr. 2 StGB-DDR), so daß Verfolgungsverjährung nach Art. 315a EGStGB ausgeschlossen ist (vgl. BGHSt 40, 48; 40, 113; 41, 247, 248; 41, 317, 320;… BGHR StGB § 78b Abs. 1 Verfolgungshindernis 2 - dazu bestätigend BVerfG, Kammer, Beschluß vom 13. November 1996 - 2 BvR 1130/95 - 1. - VerjährungsG vom 26. März 1993, BGBl I 392).
Dies hat der Bundesgerichtshof für die Strafverfolgung bei Schüssen an der innerdeutschen Grenze (BGHSt 40, 48; 40, 113), für die Verfolgung von Körperverletzungen an Gefangenen durch Strafvollzugsbedienstete der DDR (…BGHR StGB § 78b Abs. 1 Ruhen 2) und für die Haftung von Angehörigen der DDR-Justiz wegen Rechtsbeugung und damit tateinheitlich zusammentreffender Delikte (BGHSt 41, 247; 41, 317) ausgesprochen.
Bei diesem Verfassungsartikel handelte es sich nach der Entscheidung des Obersten Gerichts der DDR vom 4. Oktober 1950 (OGSt 1, 33 ff.) um ein "unmittelbar anzuwendendes Strafgesetz", das "Spionagehandlungen" mit dem Begriff der "Kriegshetze" erfassen sollte (vgl. BGHSt 41, 317, 322).
Hierzu hat der Senat in seinem Urteil vom 16. November 1995 folgende, auch vorliegend gültige Ausführungen gemacht (BGHSt 41, 317, 343 f.):.
Ein solcher Nachweis hat sich im vorliegenden Fall, zumal da er den Tatbeitrag eines nicht in maßgeblicher Position stehenden SfS-Angehörigen betrifft, ersichtlich nicht führen lassen (vgl. dazu auch BGHSt 41, 317, 347).
Auch im vorliegenden Zusammenhang ist kein Raum, systemimmanent indoktrinierten Tätern eine Exkulpation aus subjektiven Gründen zu gewähren (vgl. in anderem Zusammenhang BGHSt 41, 247, 276; 41, 317, 340).
Danach ist es verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, daß der Bundesgerichtshof angesichts der besonders hohen Anforderungen an den objektiven Rechtsbeugungstatbestand davon ausgeht, es erscheine von vornherein kaum vorstellbar, daß einem Berufsrichter die evidente Rechtswidrigkeit seiner Entscheidung in diesen Fällen verborgen geblieben sein könne (vgl. BGH, NJW 1996, S. 857 ).
Gleiches gilt für die Erwägung, daß ein möglicherweise vorliegender Verbotsirrtum nicht unvermeidbar sei und sich deshalb nicht der Strafrahmen verschiebt (vgl. BGH, NJW 1996, S. 857 ).
Diese auch zur Frage der Rehabilitierung bei Entscheidungen des Volksgerichtshofes und der Sondergerichte (vgl. BGHSt 41, 317 ) ohne Verfassungsverstoß vertretene Meinung muss im Falle der vorliegenden standgerichtlichen Verurteilung ebenfalls gelten.
Rechtsbeugung im Sinne von Willkür durch schwere Menschenrechtsverletzungen kann auch durch die Art und Weise der Durchführung von Verfahren begangen werden, namentlich wenn die Strafverfolgung und die Bestrafung überhaupt nicht der Verwirklichung von Gerechtigkeit (Art. 86 der DDR-Verfassung), sondern der Ausschaltung des politischen Gegners gedient hat (BGHSt 40, 30, 43; 41, 247, 254; 41, 317, 347; 42, 332, 341;… BGHR StGB § 336 DDR-Recht 25).
a) Insoweit hat der Bundesgerichtshof insbesondere an "Drehbuch-Fälle" gedacht (BGHSt 41, 317, 347;… BGHR StGB § 336 DDR-Recht 25;… Willnow aaO S. 267).
Zweifelsohne widersprach dieser Teil der Straf- und Strafzumessungspraxis in unerträglichem Maße den Grundsätzen der Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit (BSG, Urteil vom 11. September 1991 - 9a RV 11/90 - BSGE 69, 211 ; BGH, Urteil vom 16. November 1995 - 5 StR 747/94 - BGHSt 41, 317 ;… Dietz, a.a.O. S. 485).
Dies gilt um so mehr, als Anhaltspunkte für konkrete gewichtige Einflußmöglichkeiten des Verfolgten gar nicht erkennbar sind; die Strafe wurde mithin ganz vorrangig vom Ziel völlig überzogener plakativer Abschreckung bestimmt (vgl. BGHSt 41, 317, 336;… BGHR StGB § 336 DDR-Recht 15).
Etwa durchgreifende Bedenken gegen die Annahme des erforderlichen direkten Rechtsbeugungsvorsatzes, die einer Beanstandung des erfolgten Freispruchs im Ergebnis entgegenstehen könnten, sind im Falle eines markanten Unrechtsurteils, wie es hier nach den bislang getroffenen Feststellungen vorliegt, nicht ersichtlich (vgl. BGHSt 41, 247, 276 f.), und zwar auch nicht bezogen auf den - freilich besonders lange zurückliegenden - Tatzeitpunkt (vgl. BGHSt 41, 317, 337 ff.).
Dies gilt sowohl für die Heranziehung von Art. 6 Abs. 2 der DDR-Verfassung/1949 unmittelbar als Strafnorm als auch für die extensive Auslegung dieser Norm (vgl. BGHSt 41, 317, 321 ff.).
Namentlich im Blick auf die festgestellten Vorgaben durch das Oberste Gericht der DDR und auf die Tatzeit am Höhepunkt des "Kalten Krieges" (vgl. BGHSt 41, 317, 328) gilt aber auch nichts anderes für die Subsumtion des geahndeten Verhaltens der Verfolgten unter die "Verbrechens"- Merkmale der "Kriegs- und Boykotthetze" (vgl. BGH NStZ-RR 1997, 36).
Ungeachtet des Grundsatzes, daß angesichts der hohen objektiven Schranke für die Annahme von Rechtsbeugung in politischen Strafverfahren der DDR in vielen damit auch krassen Fällen die Annahme des direkten Rechtsbeugungsvorsatzes außer Frage steht (vgl. BGHSt 41, 247, 276 f.; 41, 317, 336 ff.), hat der Bundesgerichtshof gleichwohl in Einzelfällen, die nach besonders langem Zeitablauf, nach Begleitumständen oder Folgen weniger kraß erscheinen, eine Strafbarkeit wegen Rechtsbeugung auch aus subjektiven Gründen verneint (…vgl. BGHR StGB § 336 - DDR-Recht 10; BGH NStZ-RR 1997, 36) und Freisprüche häufiger - möglicherweise zuletzt unter gleichzeitiger gewisser Verschärfung der Grenzen für Rechtsbeugung aus objektiven Gründen - unter Billigung der Ablehnung des direkten Rechtsbeugungsvorsatzes nicht beanstandet.
a) das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 16. November 1995 - 5 StR 747/94 -,.
BGH, 26.07.1999 - 5 StR 219/99
Verurteilungen wegen DDR-Todesurteilen rechtskräftig
BGH, 23.05.2000 - 5 StR 181/00
Beihilfe zur Rechtsbeugung durch Hinwirken auf Haftbefehle durch Mitarbeiter des …
BGH, 15.06.1999 - 5 StR 614/98
Rechtsbeugung; DDR-Unrecht; Freiheitsberaubung; Tateinheit
BGH, 15.05.1997 - 5 StR 39/97
Ausschluss einer Verurteilung auf Bewährung nach dem Recht der DDR - …