Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=WM%202008,%201412
Timestamp: 2020-02-19 00:11:22
Document Index: 43697987

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 153', '§ 129', '§ 134', '§ 133', '§ 153', '§ 153', '§ 129', '§ 133', '§ 134', '§ 129', '§ 153', '§ 153', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 153', 'BGH', 'BGH', '§ 266', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 134', 'BGH', '§ 129', '§ 153', 'BGH', 'BGH', '§ 320', 'BGH', 'BGH', '§ 133', 'BGH', '§ 133', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 134', '§ 153', 'BGH', 'BGH', '§ 133', 'BGH', '§ 131', '§ 130', 'BGH', '§ 134', 'BGH', 'BGH', '§ 132', 'BGH']

BGH, 05.06.2008 - IX ZR 17/07 - dejure.org
https://dejure.org/2008,375
BGH, 05.06.2008 - IX ZR 17/07 (https://dejure.org/2008,375)
BGH, Entscheidung vom 05.06.2008 - IX ZR 17/07 (https://dejure.org/2008,375)
BGH, Entscheidung vom 05. Juni 2008 - IX ZR 17/07 (https://dejure.org/2008,375)
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§ 153a Abs. 1 Satz 2 Nr. 2, Abs. 2 Satz 2 StPO; § 129 InsO; § 134 Abs. 1 InsO; § 133 Abs. 1 InsO
Absprachen und Verfahrenseinstellung nach § 153a StPO (Grenze der Gläubigerbenachteiligung; insolvenzrechtliche Behandlung von Geldauflagen im Ermittlungsverfahren; unentgeltliche Leistung; Inkongruenz; Vorsatzanfechtung)
StPO § 153a Abs. 1 Satz 2 Nr. 2, Abs. 2 Satz 2; InsO § 129, § 133 Abs. 1, § 134 Abs. 1
Möglichkeit einer Strafverfahrenseinstellung gegen Zahlung einer Geldauflage an die Staatskasse im Fall einer Benachteiligung der Gläubiger des Angeschuldigten durch Erfüllung der Auflage; Erbringen einer unentgeltlichen Leistung durch die Entrichtung eines Geldbetrags ...
Anfechtbarkeit der Zahlung einer Geldauflage zur Einstellung eines Strafverfahrens
Gläubiger benachteiligende Zahlung einer Geldauflage an die Staatskasse
InsO §§ 129, 133, 134; StPO § 153a
Zahlung einer nach § 153a StPO angeordneten Geldauflage grundsätzlich keine unentgeltliche Leistung i.S.v. 134 InsO, jedoch nach 133 Abs. 1 InsO anfechtbar, wenn der Schuldner mit Gläubigerbenachteiligungsvorsatz handelt und die Staatsanwaltschaft die drohende ...
Strafverfahrenseinstellung Geldauflage und Gläubigerbenachteiligung
Anfechtbarkeit der Zahlung einer Geldauflage zum Zwecke der Einstellung eines Strafverfahrens
Anfechtung der Zahlungen zur Herbeiführung der Einstellung des Strafverfahrens durch InsO-Verwalter
Anfechtbarkeit einer Geldauflage
Kurznachricht zu "Anfechtung als Schnittstelle von Strafvollstreckungs- und Insolvenzrecht" von LOStA Folker Bittmann, original erschienen in: wistra 2011, 133 - 134.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 05.06.2008, Az.: IX ZR 17/07 (Insolvenzrechtliche Anfechtbarkeit der Erfüllung einer Auflage nach Einstellung eines Strafverfahrens)" von RiOLG Heinz Diehl, original erschienen in: ZfS 2008, 561 - 562.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 05.06.2008, Az.: IX ZR 17/07 (Keine Einstellung gegen Geldauflage bei bereits drohender Zahlungsunfähigkeit)" von RA Niels Hoffmann, original erschienen in: StRR 2008, 423 - 424.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 5.6.2008, Az.: IX ZR 17/07 (Gläubigerbenachteiligung durch Zahlung einer Geldauflage an die Staatskasse gemäß § 153 a StPO?)" von Dr. Sascha Ziemann, original erschienen in: JR 2009, 167 - 172.
Kurznachricht zu "Anmerkung zur Entscheidung des BGH v. 5.6.2008 - IX ZR 17/07 (Geldauflage als unentgeltliche Leistung?)" von RegDir Winfried Hartmann, original erschienen in: ErbStB 2008, 354.
AG Würzburg, 12.01.2006 - 30 C 2793/05
AG Würzburg, 09.02.2006 - 30 C 2793/05
LG Würzburg, 07.02.2007 - 43 S 541/06
NJW 2008, 2506
ZIP 2008, 1291
MDR 2008, 1064
NStZ 2009, 521
NZI 2008, 488
StV 2010, 554
WM 2008, 1412
JR 2009, 167
Der Strafcharakter rechtfertigt insofern keine Sonderbehandlung (BGH, Urteil vom 5. Juni 2008 - IX ZR 17/07, WM 2008, 1412 Rn. 19;… vom 14. Oktober 2010 - IX ZR 16/10, WM 2010, 2319 Rn. 6).
Der Strafdruck als Motiv gläubigerbenachteiligender Rechtshandlungen ist bei anfechtbarer Abführung von Arbeitnehmerbeiträgen an die Einzugsstelle der Sozialversicherung geradezu die Regel (vgl. § 266a StGB), ohne dass dies dem bedingten Vorsatz der Gläubigerbenachteiligung entgegensteht (BGH, Urteil vom 5. Juni 2008 - IX ZR 17/07, WM 2008, 1412 Rn. 19).
b) Der Benachteiligungswille wird - anders als das Berufungsgericht erwogen hat - im Allgemeinen nicht dadurch ausgeschlossen, dass es dem Schuldner allein darauf angekommen sein mag, mit Erfüllung der Auflage einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung zu entgehen (vgl. BGH, Urteil vom 5. Juni 2008 - IX ZR 17/07, ZIP 2008, 1291 Rn. 19).
Hierüber entscheidet grundsätzlich das objektive Verhältnis der ausgetauschten Werte (BGH, Urteil vom 5. Juni 2008 - IX ZR 17/07, WM 2008, 1412 Rn. 11).
Denn nur der Empfänger einer freigiebigen Zuwendung ist nach § 134 InsO weniger schutzwürdig als derjenige, der für die erhaltene Leistung oder durch diese eine eigene Rechtsposition aufgibt (BGH, Urteil vom 5. Juni 2008 - IX ZR 17/07, aaO Rn. 13).
Der Strafcharakter rechtfertigt insofern keine Sonderbehandlung (…MünchKomm-InsO/Kirchhof, 2. Aufl. § 129 Rn. 142; Rinjes, wistra 2008, 336, 337 f und wistra 2009, 16; Bittmann, wistra 2009, 15; für Geldauflagen gemäß § 153a StPO, die zur Einstellung eines Strafverfahrens gezahlt werden, auch BGH, Urt. v. 5. Juni 2008 - IX ZR 17/07, NJW 2008, 2506 Rn. 21).
Beiden Regelungen liegt die Wertung zugrunde, dass die Folgen strafbarer Handlungen des Schuldners diesen persönlich treffen und nicht den übrigen Insolvenzgläubigern aufgebürdet werden sollen (BGH, Urt. v. 5. Juni 2008 aaO).
Es muss sich dabei nicht um eine Gegenleistung im Sinne der §§ 320 ff BGB handeln (BGH, Urteil vom 5. Juni 2008 - IX ZR 17/07, ZIP 2008, 1291 Rn. 13;… vom 26. April 2012 - IX ZR 146/11, ZIP 2012, 1183 Rn. 39).
Hingegen kommt es auf das der Gegenleistung zugrunde liegende rechtliche Konstrukt nicht an (vgl. BGH…, Urteil vom 9. November 2006 - IX ZR 285/03, ZIP 2006, 2391 Rn. 15 ff zum Abschluss eines Vergleichsvertrags; vom 5. Juni 2008, aaO Rn. 13, 15 zur Bewährungsauflage;… vom 26. April 2012, aaO Rn. 39 ff zur Vertragsübernahme;… Uhlenbruck/Ede/Hirte, aaO).
Ein unlauteres Verhalten des Schuldners, ein unlauteres Zusammenwirken mit dem Anfechtungsgegner oder irgendeine Art von Treu- und Sittenwidrigkeit wird nach dem eindeutigen Wortlaut des § 133 InsO, der nur einen (bedingten) Benachteiligungsvorsatz voraussetzt, nicht verlangt (vgl. BGH 5. Juni 2008 - IX ZR 17/07 - Rn. 20; aA Jensen NZI 2013, 471) .
Der Vorsatz zur Gläubigerbenachteiligung gemäß § 133 Abs. 1 InsO setzt kein unlauteres Zusammenwirken von Schuldner und Gläubiger voraus (BGH, ZIP 2008, 1291; NZI 2003, 597, 598;… siehe auch Kirchhof, Festschrift für Gero Fischer S. 285, 291 f, 294 f) oder irgendeine Art von Treu- oder Sittenwidrigkeit (…Jaeger/Henckel, aaO Rn. 25 m.w.N.).
Der Vollstreckungsdruck als Motiv Gläubiger benachteiligender Rechtshandlungen ist bei Androhung oder Einleitung der Zwangsvollstreckung die Regel, ohne dass dies dem bedingten Vorsatz der Gläubigerbenachteiligung entgegensteht, BGH ZIP 2008, 1291 (19).
Hinzukommen muss, dass der Schuldner seine Zahlungsunfähigkeit kannte (BGH, Urt. v. 5. Juni 2008 - IX ZR 17/07, NZI 2008, 488, 489 Rn. 18 m.w.N.; vgl. Gero Fischer NZI 2008, 588, 592 f).
Kennt der Schuldner seine Zahlungsunfähigkeit, so hat er sich typischerweise bei Bewirkung einer Leistung auch die Benachteiligung seiner Gläubiger zumindest als möglich vorgestellt und in Kauf genommen, ohne sich durch die Vorstellung dieser Möglichkeit von seinem Handeln abhalten zu lassen (vgl. BGHZ 155, 75, 83 f; 162, 143, 153; 167, 190, 194 f.; BGH ZIP 2008, 1291).
Soweit die Zahlungsunfähigkeit allein noch kein Beweisanzeichen für einen Gläubigerbenachteiligungsvorsatz des Schuldners begründet, sondern hinzukommen muss, dass der Schuldner seine Zahlungsunfähigkeit kannte (BGH, Urt. v. 5. Juni 2008 - IX ZR 17/07, NZI 2008, 488, 489 Rn. 18 m.w.N.; vgl. Gero Fischer NZI 2008, 588, 592 f), ist auch diese Voraussetzung erfüllt.
Dieser Umstand spielt zwar keine Rolle für die Frage einer objektiven Gläubigerbenachteiligung, belegt aber, dass der Schuldner angesichts seiner Zahlungsunfähigkeit sich die Benachteiligung seiner weiteren Gläubiger zumindest als möglich vorgestellt und dies in Kauf genommen hat, ohne sich durch die Vorstellung dieser Möglichkeit von seinem Handeln abhalten zu lassen (vgl. BGHZ 155, 75, 83 f; 162, 143, 153; 167, 190, 194 f ; ZIP 2008, 1291).
Hierüber entscheidet grundsätzlich das objektive Verhältnis der ausgetauschten Werte ( BGH, Urt. v. 5. Juni 2008 - IX ZR 17/07, ZIP 2008, 1291, 1292 Rn. 11 mit zahlreichen Nachweisen;… HK-InsO/Kreft, 5. Aufl. § 134 Rn. 7).
Vielmehr korrespondiert mit der Erfüllung dieser Obliegenheit ein Verzicht auf den Strafverfolgungsanspruch der Strafverfolgungsbehörden, sofern es zur endgültigen Einstellung nach § 153a StPO kommt (vgl. BGH Urt. v. 05.06.2008 - IX ZR 17/07).
Dies führt vielmehr lediglich zur insolvenzrechtlichen Anfechtbarkeit der Zahlung (vgl. BGH Urt. v. 05.06.2008 - Az. IX ZR 17/07).
In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass die insolvenzrechtliche Anfechtbarkeit einer Geldauflage ohnehin allein im Wege einer Vorsatzanfechtung nach § 133 InsO möglich ist (Ziemann, Anm. zu BGH IX ZR 17/07).
Hinsichtlich einer Anfechtung nach § 131 InsO - wie auch einer solchen nach § 130 InsO - fehlt es bereits an der erforderlichen Stellung der Staatskasse als Insolvenzgläubigerin, da durch die Anordnung der Geldauflage kein Anspruch für diese, d.h. keine neue Verbindlichkeit zu Lasten der Insolvenzmasse, begründet wird (s.o.; vgl. auch BGH 05.06.2008 - Az. IX ZR 17/07).
Gegen die Anfechtbarkeit nach § 134 InsO spricht weiterhin, dass es sich bei der Zahlung nicht um eine unentgeltliche Zahlung handelt (BGH Urt. v. 05.06.2008 - Az. IX ZR 17/07).
Für die Entgeltlichkeit genügt eine freiwillige Leistung, die aufschiebende Rechtsbedingung einer Gegenleistung, hier der endgültigen Einstellung des Verfahrens, ist (BGH Urt. v. 05.06.2008 - Az. IX ZR 17/07).
Diese stellt auch keine nach § 132 Abs. 2 InsO anfechtbaren Rechtshandlung dar, weil sie keine der dort bezeichneten Folgen hat (BGH Urt. v. 05.06.2008 - Az. IX ZR 17/07).
LG Köln, 25.04.2016 - 17 O 69/15
Anfechtbarkeit unentgeltlicher Leistungen i.R. der Insolvenz
OLG Frankfurt, 10.03.2010 - 19 U 166/09
Rückgewähranspruch des Insolvenzverwalters gegen Anlagevermittler
LG Essen, 16.07.2018 - 32 KLs 3/17
Widerruf, Bewährung, Auflage, Schadenswiedergutmachung, Insolvenzverfahren, …
AG Bremen, 19.04.2012 - 9 C 344/11
Fristbeginn bei Insolvenzanfechtung
OLG Frankfurt, 17.02.2010 - 19 U 166/09