Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=70/83
Timestamp: 2019-01-21 04:44:18
Document Index: 229887536

Matched Legal Cases: ['EuG', 'Art. 101', 'Art. 177', 'Art. 100', 'Art. 5', 'Art. 177', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 23']

Rechtsprechung: 70/83 - dejure.org
Weitere Entscheidungen unten: FG Hamburg, 11.05.1984 | FG Hamburg, 18.12.1984 | Generalanwalt beim EuGH, 13.12.1983
Wirkung von Richtlinien - Rückwirkung einer Änderung
Rückwirkung der Änderung einer Richtlinie; Rechtliche Wirkung einer Richtlinie; Verschiebung des Zeitpunktes des Inkrafttretens eines Rechtsaktes der Europäischen Gemeinschaften; Umsatzsteuerbefreiung für Kreditvermittlungsgeschäfte; Vertrauen auf die Befreiung von einer Steuer bei bereits erfolgter Abwälzung der Steuer auf Kunden; Verlängerung der Frist für die Durchführung einer Richtlinie
1. GEMEINSCHAFTSRECHT - GRUNDSÄTZE - RECHTSSICHERHEIT
Wirkung von Richtlinien - Rückwirkung einer Änderung.
Der Verstoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG wird darin gesehen, daß der Bundesfinanzhof die auf Vorlage des Finanzgerichts im selben Verfahren ergangene Vorabentscheidung des Europäischen Gerichtshofs vom 22. Februar 1984 (RS 70/83, Slg. 1984, S. 1075) unberücksichtigt gelassen habe und dabei weder den Europäischen Gerichtshof mit den für maßgeblich gehaltenen Fragestellungen im Rahmen eines neuerlichen Vorabentscheidungsersuchens gemäß Art. 177 Abs. 3 EWGV befaßt noch dem Bundesverfassungsgericht die Frage nach Anwendbarkeit der einschlägigen Bestimmungen der Sechsten Umsatzsteuerrichtlinie gemäß Art. 100 Abs. 1 GG vorgelegt habe.
cc) Nach der einschlägigen Rechtsprechung des Gerichtshofs (…vgl. insbesondere Urteil vom 19. Januar 1982, RS 8/81, Slg. 1982, S. 53 und die diese Entscheidung zur Sechsten Umsatzsteuerrichtlinie bestätigenden Urteile vom 10. Juni 1982, RS 255/81, Slg. 1982, S. 2301 und vom 22. Februar 1984, RS 70/83, Slg. 1984, S. 1075;… für weitere Nachweise zur im Ergebnis gleichen Rechtsprechung zu anderen Richtlinien siehe Everling, a.a.O., S. 100 [Anm. 27]) ergibt sich mittlerweile folgendes Bild: Da die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, ihr innerstaatliches Recht den Richtlinien anzupassen, treffen im Regelfall die Wirkungen der Richtlinie den "Marktbürger" erst auf dem Wege der von dem jeweiligen Mitgliedstaat ergriffenen Vollzugsmaßnahmen; dabei ist die Richtlinie für die Auslegung der mitgliedstaatlichen Durchführungsregelung insoweit von Bedeutung, als die Gerichte entsprechend der aus Art. 5 EWGV folgenden Verpflichtung zur Gemeinschaftstreue diejenige Auslegung des nationalen Rechts zu wählen haben, die dem Inhalt der Richtlinie in der ihr vom Gerichtshof gemäß Art. 177 EWGV gegebenen Auslegung entspricht.
Diese Entscheidung, die durch Urteil vom 10. Juni 1982 Rs 255/81, Slg. 1982, S. 2301, bestätigt wurde, fand eine weitere Bestätigung und Ergänzung durch das Urteil des Gerichtshofs vom 22. Februar 1984 Rs 70/83, Slg. 1984, S. 1075, wonach die Berufung auf die Umsatzsteuerbefreiung bei Kreditvermittlungsgeschäften unter den genannten Voraussetzungen auch in der Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 1978 möglich war; dies gilt nicht für die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1978, weil der Bundesrepublik Deutschland durch Artikel 1 der 9. Richtlinie 78/583 des Rates vom 26. Juni 1978 (…ABl. L 194, S. 16) eine Fristverlängerung zur Umsetzung der 6. EG-Richtlinie bis spätestens 1. Januar 1979 eingeräumt worden war.
38 - Urteil vom 22. Februar 1984 in der Rechtssache 70/83 (Kloppenburg, Slg. 1984, 1075, Randnr. 11).
Dieses Gebot der Rechtssicherheit gilt in besonderem Masse, wenn es sich um einen Rechtsakt handelt, der finanzielle Konsequenzen haben kann, denn die Betroffenen müssen in der Lage sein, den Umfang der ihnen durch diesen Rechtsakt auferlegten Verpflichtungen genau zu erkennen (Urteile des Gerichtshofes vom 9. Juli 1981 in der Rechtssache 169/80, Gondrand Frères und Garancini, Slg. 1981, 1931, Randnr. 17, vom 22. Februar 1984 in der Rechtssache 70/83, Kloppenburg, Slg. 1984, 1075, Randnr. 11, und vom 15. Dezember 1987 in der Rechtssache 325/85, Irland/Kommission, Slg. 1987, 5041, Randnr. 18, sowie Urteil des Gerichts vom 7. Februar 1991 in den Rechtssachen T-18/89 und T-24/89, Tagaras/Gerichtshof, Slg. 1991, II-53, Randnr. 40).
FG Hamburg, 11.05.1984 - I 70/83
Zu den Wirtschaftsgütern, die Gegenstand eines Spekulationsgeschäftes sein können, zählen auch Devisenoptionen des Optionsnehmers (…BFH-Beschluss vom 31. Juli 1995 X B 167/94, BFH/NV 1996, 34; FG Hamburg-Urteil vom 11. Mai 1984 I 70/83, EFG 1985, 21; FG Düsseldorf-Urteil, DStRE 2002, 875).
Dies entspricht der Rechtsprechung der FG und der überwiegenden Ansicht in der Literatur (Urteil des FG Hamburg vom 11. Mai 1984 I 70/83, Entscheidungen der Finanzgerichte -- EFG -- 1985, 21, und des FG Baden-Württemberg vom 11. Februar 1993 8 K 113/91, EFG 1993, 582;… Crezelius in Kirchhof/Söhn, Einkommensteuergesetz, § 23 Rdnr. B 110; Jansen in Herrmann/Heuer/Raupach, Einkommensteuer- und Körperschaftsteuergesetz mit Nebengesetzen, Kommentar, § 23 EStG Anm. 250 "Wertpapieroptionsgeschäfte";… Schmidt/Heinicke, Einkommensteuergesetz, 14. Aufl. 1995, § 23 Rz. 6 unter Nr. 6 "Optionsrecht";… Wacker in Littmann/Bitz/Hellwig, Das Einkommensteuerrecht, § 23 EStG Rz. 36).
FG Hamburg, 18.12.1984 - V 70/83
Gerda Kloppenburg gegen Finanzamt Leer.