Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/vorsatzirrtum-und-die-auskunft-eines-fachkundigen-beraters-3174025
Timestamp: 2020-02-24 20:44:08
Document Index: 151382287

Matched Legal Cases: ['§ 73', '§ 73', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Vor­sat­zirr­tum – und die Aus­kunft eines fach­kun­di­gen Bera­ters | Rechtslupe
Vorsatzirrtum - und die Auskunft eines fachkundigen Beraters
Vor­sat­zirr­tum – und die Aus­kunft eines fach­kun­di­gen Bera­ters
Denn der Täter hat bereits dann aus­rei­chen­de Unrechts­ein­sicht, wenn er bei Bege­hung der Tat mit der Mög­lich­keit rech­net, Unrecht zu tun, und dies bil­li­gend in Kauf nimmt. Es genügt mit­hin das Bewusst­sein, die Hand­lung ver­sto­ße gegen irgend­wel­che, wenn auch im Ein­zel­nen nicht klar vor­ge­stell­te gesetz­li­che Bestim­mun­gen 2.
Unver­meid­bar ist ein Ver­bots­irr­tum erst dann, wenn der Täter alle sei­ne geis­ti­gen Erkennt­nis­kräf­te ein­ge­setzt und etwa auf­kom­men­de Zwei­fel durch Nach­den­ken oder erfor­der­li­chen­falls durch Ein­ho­lung ver­läss­li­chen und sach­kun­di­gen Rechts­rats besei­tigt hat. Dabei müs­sen sowohl die Aus­kunfts­per­son als auch die Aus­kunft aus der Sicht des Täters ver­läss­lich sein; die Aus­kunft selbst muss zudem einen unrechts­ver­nei­nen­den Inhalt haben.
Eine Aus­kunft ist in die­sem Sin­ne nur dann ver­läss­lich, wenn sie objek­tiv, sorg­fäl­tig, ver­ant­wor­tungs­be­wusst und ins­be­son­de­re nach pflicht­ge­mä­ßer Prü­fung der Sachund Rechts­la­ge erteilt wor­den ist. Bei der Aus­kunfts­per­son ist dies der Fall, wenn sie die Gewähr für eine die­sen Anfor­de­run­gen ent­spre­chen­de Aus­kunfts­er­tei­lung bie­tet. Hin­zu kommt, dass der Täter nicht vor­schnell auf die Rich­tig­keit eines ihm güns­ti­gen Stand­punkts ver­trau­en und sei­ne Augen nicht vor gegen­tei­li­gen Ansich­ten und Ent­schei­dun­gen ver­schlie­ßen darf. Maß­ge­bend sind die jeweils kon­kre­ten Umstän­de, ins­be­son­de­re sei­ne Ver­hält­nis­se und Per­sön­lich­keit; daher sind zum Bei­spiel sein Bil­dungs­stand, sei­ne Erfah­rung und sei­ne beruf­li­che Stel­lung zu berück­sich­ti­gen 3.
Der Bera­ten­de muss voll­stän­di­ge Kennt­nis von allen tat­säch­lich gege­be­nen, rele­van­ten Umstän­den haben. Ins­be­son­de­re bei kom­ple­xen Sach­ver­hal­ten und erkenn­bar schwie­ri­gen Rechts­fra­gen ist regel­mä­ßig ein detail­lier­tes, schrift­li­ches Gut­ach­ten erfor­der­lich, um einen unver­meid­ba­ren Ver­bots­irr­tum zu begrün­den 4.
Zigar­re­ten­schmug­gel als gewerbs­mä­ßi­ge Steu­er­heh­le­rei –… Der Steu­er­heh­ler erlangt im Sin­ne des § 73 StGB zunächst die Ziga­ret­ten, indem er sie ankauft oder sich sonst ver­schafft (§ 73 Abs. 1 StGB),…
vgl. BGH, Urteil vom 11.10.2012 – 1 StR 213/​10, BGHSt 58, 15 Rn. 63[↩]
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 23.12 2015 – 2 StR 525/​13, BGHSt 61, 110 Rn. 53; vom 11.10.2012 – 1 StR 213/​10, BGHSt 58, 15 Rn. 65; und vom 16.05.2017 – – VI ZR 266/​16 Rn. 22, jew. mwN; zur ver­fas­sungs­recht­li­chen Unbe­denk­lich­keit, vgl. BVerfG, Beschluss vom 16.03.2006 – 2 BvR 954/​02 Rn. 25 f.[↩]
BGH, Urtei­le vom 11.10.2012 – 1 StR 213/​10, BGHSt 58, 15 Rn. 69 ff.; und vom 04.04.2013 – 3 StR 521/​12 Rn. 10 f.[↩]
BGH, Urteil vom 11.10.2012 – 1 StR 213/​10, BGHSt 58, 15 Rn. 74 mwN[↩]
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