Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?stammNr=21136&fassungsNr=1
Timestamp: 2018-04-24 15:56:07
Document Index: 301068603

Matched Legal Cases: ['§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 239', '§ 215', '§ 216', '§ 216', '§ 16', '§ 16', '§ 16', 'OGH', '§ 46']

insolvenzrechtliche Einordnung einer Vorsteuerberichtigung gemäß § 16 Abs. 1 Z 2 UStG - Findok Internet
Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSW vom 28.02.2006, RV/0372-W/06
insolvenzrechtliche Einordnung einer Vorsteuerberichtigung gemäß § 16 Abs. 1 Z 2 UStG
RV/0372-W/06-RS1 Permalink
Für die konkursrechtliche Beurteilung einer Umsatzsteuerforderung, die auf Grund einer Vorsteuerberichtigung gemäß § 16 Abs. 1 Z 2 UStG entstanden ist, liegt der dafür maßgebliche Sachverhalt im ursprünglichen Leistungsaustausch, zumal auch die Bestimmung des § 16 Abs. 1 Z 2 UStG von der entsprechenden Berichtigung des für den Umsatz in Anspruch genommenen Vorsteuerabzuges spricht.
Guthaben, Aufrechnung, Konkursforderung, Masseforderung, Vorsteuerberichtigung, ursprünglichen Leistungsaustausch
Der unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung der A-GmbH, vertreten durch RK, gegen den Bescheid des Finanzamtes Wien 1/23 vom 26. September 2005 betreffend Rückzahlung und Abrechnung entschieden:
Mit Eingabe vom 11. August 2005 beantragte die Berufungswerberin (Bw.), das auf ihrem Abgabenkonto befindliche Guthaben in Höhe von zumindest € 2.733,49 auf das Masseanderkonto zu überweisen.
Das Finanzamt wies den Antrag mit Bescheid vom 26. September 2005 ab, da kein rückzahlbares Masseguthaben bestehe.
In der dagegen rechtzeitig eingebrachten Berufung führte die Bw. aus, dass über das Vermögen der Bw. am 8. August 2005 das Konkursverfahren eröffnet worden sei. Zum 11. August 2005 habe das Abgabenkonto der Bw. ein Guthaben in Höhe von € 2.733,49 ausgewiesen. Der Rückzahlungsantrag des Masseverwalters sei eine Masseforderung. Davon zu unterscheiden seien etwaige Forderungen der Republik Österreich bzw. des Finanzamtes für die Zeit vor Konkurseröffnung, die als Konkursforderungen bei Gericht anzumelden seien. Offensichtlich sei hier eine nicht zulässige Kompensation von Konkursforderungen mit Masseforderungen erfolgt.
Das Finanzamt wies die Berufung mit Berufungsvorentscheidung vom 13. Oktober 2005 als unbegründet ab.
In dem dagegen rechtzeitig eingebrachten Antrag auf Entscheidung über die Berufung durch die Abgabenbehörde zweiter Instanz brachte die Bw. ergänzend vor, dass im Juli 2005 keine Umsatzsteuerforderung entstanden sei.
Gemäß § 239 Abs 2 BAO kann die Abgabenbehörde den Rückzahlungsbetrag auf jenen Teil des Guthabens beschränken, der die der Höhe nach festgesetzten Abgabenschuldigkeiten übersteigt, die der Abgabepflichtige nicht später als drei Monate nach der Stellung des Rückzahlungsantrages zu entrichten haben wird.
Strittig ist, ob ein am Abgabenkonto der Bw. bestanden habendes Guthaben von € 2.733,49 antragsgemäß an die Bw. zurückzuzahlen ist. Da dieses Guthaben mit einem Betrag von € 437,00 mit der am Abgabenkonto der Bw. am 19. Juli 2005 verbuchten Vorauszahlung auf die Körperschaftsteuer für das dritte Kalendervierteljahr 2005 und das verbleibende Guthaben mit der am Abgabenkonto am 16. September 2005 verbuchten Umsatzsteuer 7/2005 verrechnet wurde und nach § 215 Abs. 4 BAO nur ein verbleibendes Guthaben zurückzuzahlen ist, wäre dem Rückzahlungsantrag schon mangels verbleibendem Guthabens der Erfolg zu versagen gewesen. Die Frage der Rechtmäßigkeit von Buchungen ist nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH 21.10.1993, 91/15/0077) nicht im Rückzahlungsverfahren, sondern auf Antrag des Abgabepflichtigen im Abrechnungsbescheidverfahren (§ 216 BAO) zu klären. In Wirklichkeit besteht daher Streit über die Richtigkeit der Verbuchung am Abgabenkonto. Entsprechend der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH 14.9.1993, 91/15/0103) ist der angefochtene Bescheid nach seinem materiellen Gehalt einer Deutung als Abrechnungsbescheid im Sinne des § 216 BAO zugänglich.
Entgegen der Meinung der Bw., dass im Juli 2005 keine Umsatzsteuerforderung entstanden sei, erfolgte für den genannten Monat - wie der Bw. bereits mit Berufungsvorentscheidung vom 13. Oktober 2005 vorgehalten wurde - die Berichtigung der Vorsteuer gemäß § 16 Abs. 3 UStG. Für die konkursrechtliche Beurteilung einer Umsatzsteuerforderung, die auf Grund einer Vorsteuerberichtigung gemäß § 16 Abs. 3 UStG entstanden ist, liegt der dafür maßgebliche Sachverhalt im ursprünglichen Leistungsaustausch, zumal auch die Bestimmung des § 16 Abs. 1 Z 2 UStG von der entsprechenden Berichtigung des für den Umsatz in Anspruch genommenen Vorsteuerabzuges spricht. Liegt der Leistungsaustausch - wie im gegenständlichen Fall - vor der Konkurseröffnung und führt die nachträgliche Entgeltsminderung zu einer Abgabenforderung, dann wird diese nicht nach dem - angenommenen - Zeitpunkt der Entgeltsminderung, sondern nach Maßgabe des Zeitpunktes der Ausführung des Umsatzes an den Gemeinschuldner als Konkursforderung einzustufen sein (vgl. Kristen, Anmerkung zur Entscheidung des OGH vom 27.11.1997, 8 Ob 2244/96z, ZIK 1998, 46).
Sähe man die strittigen Forderungen - entsprechend den Ausführungen in der Berufung, wonach der Rückzahlungsantrag des Masseverwalters eine Masseforderung sei - hingegen als Masseforderungen an (etwa weil der die Abgabenpflicht jeweils auslösende Sachverhalt im Sinne des § 46 Abs. 1 Z. 2 KO während des Insolvenzverfahrens verwirklicht worden wäre), stünde der Aufrechnung mit dem (vor Eintritt der Insolvenzwirkungen begründeten) Guthaben der Bw. nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH 26.4.1993, 92/15/0012) ebenfalls nichts im Wege, weil die Aufrechnung von Masseforderungen gegen Forderungen der Masse keiner insolvenzrechtlichen Sonderbestimmung unterliegt und sich bei einem solchen Fall auch aus den allgemeinen Vorschriften kein Aufrechnungsverbot ergibt.
Findok-Nr: 21136.1, aufgenommen am: 04.05.2006 16:37:49, Dokument-ID: 19ff4518-8099-4ee1-9024-f2c9d77858c0, Segment-ID: 831eae82-69c7-44b3-9506-b14734ee91f6