Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F13-02-2001-1P-638-2000
Timestamp: 2016-10-25 21:12:03
Document Index: 230577949

Matched Legal Cases: ['Art. 32', 'Art. 14', 'Art. 47', 'Art. 14', 'Art. 9', 'Art. 27', 'Art. 32', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 47', 'Art. 14', 'Art. 72', 'Art. 109', 'Art. 309', 'Art. 32', 'Art. 6', 'Art. 9', 'Art. 6', 'Art. 32', 'Art. 6', 'Art. 14', 'Art. 4', 'BGE', 'Art. 41', 'BGE', 'Art. 41', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 32', 'Art. 14', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 47', 'Art. 14', 'Art. 47', 'Art. 14', 'BGE', 'Art. 47', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 47', 'Art. 14', 'Art. 32', 'Art. 6', 'Art. 156', 'Art. 159']

1P.638/2000 (13.02.2001)
1P.638/2000/bie
Bundesrichter F�raud, Ersatzrichterin Pont Veuthey und Gerichtsschreiber Forster.
J.________, Muri, Beschwerdef�hrer, vertreten durch F�rsprecher Thomas Perler, Christoffelgasse 7, Postfach 6826, Bern,
Art. 32 Abs. 1 BV(Kostenauferlegung und Verweigerung der Parteientsch�digung
nach Freispruch und Verfahrenseinstellung), hat sich ergeben:
A.-Mit Urteil vom 31. Mai 2000 sprach der Gerichtspr�sident 13 des Gerichtskreises VIII Bern-Laupen J.________ von der Anklage der Anmassung eines akademischen Titels (Art. 14a des bernischen Einf�hrungsgesetzes zum Strafgesetzbuch) frei. Diesbez�glich wurden weder Verfahrenskosten ausgeschieden, noch dem Freigesprochenen eine Parteientsch�digung zugesprochen. Gleichzeitig verurteilte der Gerichtspr�sident den Angeklagten wegen Widerhandlung gegen Art. 47 i.V.m. Art. 14 Abs. 1 lit. a und c des bernischen Gesundheitsgesetzes (widerrechtliche Aus�bung einer bewilligungspflichtigen T�tigkeit auf dem Gebiet des Gesundheitswesens und Abgabe bzw. Anwendung von Heilmitteln, begangen zwischen ca. 1980 und 4. Juni 1998) zu einer Busse von Fr. 1'500.-- und zur �bernahme der erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 1'200.--.
B.-Gegen das erstinstanzliche Urteil erkl�rte J.________ am 8. Juni 2000 die Appellation. Mit Erkenntnis vom 1. September 2000 gab das Obergericht (1. Strafkammer) des Kantons Bern dem Strafverfahren betreffend Widerhandlung gegen das Gesundheitsgesetz wegen Eintritts der absoluten Strafverfolgungsverj�hrung keine weitere Folge. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 1'200.-- wurden J.________ auferlegt. Eine Parteientsch�digung f�r das erstinstanzliche Verfahren wurde ihm verweigert.
C.-Gegen den Entscheid des Obergerichtes gelangte J.________ mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 9. Oktober 2000 an das Bundesgericht. Er r�gt eine Verletzung der Bundesverfassung (Art. 9, Art. 27 und Art. 32 Abs. 1 BV) sowie der Europ�ischen Menschenrechtskonvention (Art. 6 Ziff. 2 und Art. 6 Ziff. 3 lit. a EMRK), und er beantragt die Aufhebung des angefochtenen Entscheides.
Das Obergericht und der Generalprokurator des Kantons Bern beantragen mit Stellungnahmen vom 26. Oktober bzw.
14. November 2000 die Abweisung der Beschwerde.
1.-Der Beschwerdef�hrer wurde von den kantonalen Beh�rden der Widerhandlung gegen Art. 47 i.V.m. Art. 14 Abs. 1 lit. a und c des bernischen Gesundheitsgesetzes vom 2. Dezember 1984 (GG/BE) angeklagt und erstinstanzlich verurteilt.
Das inkriminierte Verhalten (medizinische Berufsaus�bung bzw. Heilmittelabgabe ohne Bewilligung) habe gem�ss Anklage bis zum 4. Juni 1998 gedauert. Da es sich beim Straftatbestand um eine �bertretung handelt, welche nach zwei Jahren absolut verj�hrt (Art. 72 Ziff. 2 Abs. 2 i.V.m. Art. 109 StGB), stellte das Obergericht am 1. September 2000 das Verfahren wegen Eintritts der Strafverfolgungsverj�hrung ein (Art. 309 Abs. 2 StrV/BE). Dennoch wurden dem Beschwerdef�hrer die erstinstanzlichen Verfahrenskosten auferlegt und es wurde ihm eine Parteientsch�digung f�r das erstinstanzliche Verfahren verweigert.
Der Beschwerdef�hrer r�gt, in der Kostenauflage und Verweigerung der Parteientsch�digung liege "schlichtweg ein strafrechtlich motivierter Vorwurf". Dieser widerspreche der in Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Unschuldsvermutung.
Ausserdem verletze der angefochtene Entscheid das Willk�rverbot von Art. 9 BV und die in Art. 6 Ziff. 3 lit. a EMRK gew�hrleisteten Parteirechte.
2.-a) Gem�ss Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK (s. auch Art. 14 Ziff. 2 UNO-Pakt II) wird bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld vermutet, dass jeder Rechtsunterworfene unschuldig ist. Ein analoges prozessuales Grundrecht hat die bundesgerichtliche Rechtsprechung auch schon aus Art. 4 der alten Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 (aBV) abgeleitet (BGE 123 I 221 E. II/3f S. 238 f.; 120 Ia 31 E. 2b S. 35, 147 E. 3b S. 155, je mit Hinweisen).
aa) Nach der Praxis des Bundesgerichtes ist es mit dem verfassungsm�ssigen Grundsatz der Unschuldsvermutung nicht vereinbar, einem nicht verurteilten Angeschuldigten Verfahrenskosten aufzuerlegen oder ihm eine Parteientsch�digung zu verweigern, gest�tzt auf den - direkten oder indirekten - Vorwurf, er habe sich strafbar gemacht bzw. es treffe ihn ein strafrechtliches Verschulden. Dagegen ist es zul�ssig, dem Betroffenen die Kosten dann zu �berbinden, wenn er in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise (d.h. im Sinne einer analogen Anwendung der sich aus Art. 41 OR ergebenden Grunds�tze) gegen eine geschriebene oder ungeschriebene Verhaltensnorm, die aus der gesamten schweizerischen Rechtsordnung stammen kann, klar verstossen und dadurch das Strafverfahren veranlasst oder dessen Durchf�hrung erschwert hat (BGE 120 Ia 147 E. 3b S. 155; 119 Ia 332 E. 1b S. 334; 116 Ia 162 E. 2e S. 175; 115 Ia 309 E. 1a S. 310, je mit Hinweisen).
Widerrechtlich im Sinne von Art. 41 Abs. 1 OR ist ein Verhalten dann, wenn es gegen Normen verst�sst, die direkt oder indirekt Sch�digungen untersagen bzw. ein Sch�digungen vermeidendes Verhalten vorschreiben (BGE 119 Ia 332 E. 1b S. 334). Wird eine Kostenauflage oder die Verweigerung einer Parteientsch�digung wegen Verletzung des Grundsatzes der Unschuldsvermutung mit staatsrechtlicher Beschwerde angefochten, so pr�ft das Bundesgericht frei, ob sich aus dem Dispositiv oder aus den Erw�gungen des Kostenentscheides ein direkter oder indirekter Vorwurf einer strafrechtlichen Schuld ableiten l�sst (BGE 116 Ia 162 E. 2f S. 175; 115 Ia 309 E. 1b S. 310 f.; 112 Ia 371 E. 2b S. 374). Die Beweisw�rdigung und die Anwendung des kantonalen Strafverfahrensrechtes durch die kantonalen Beh�rden pr�ft das Bundesgericht nur unter Willk�rkognition (BGE 116 Ia 162 E. 2f S. 175 f.).
bb) Prozessuales Verschulden im "engeren" Sinne kann namentlich vorliegen, wenn der Angeschuldigte die Untersuchung durch wahrheitswidrige Angaben auf eine falsche F�hrte f�hrt oder das Verfahren erschwert oder verl�ngert, indem er z.B. nicht zu Verhandlungen erscheint. Soweit dadurch (zus�tzliche) Kosten kausal verursacht werden, k�nnen diese dem Verursacher auferlegt werden. Das blosse Wahrnehmen verfahrensm�ssiger Rechte (etwa des Schweigerechtes des Angeschuldigten) gen�gt f�r eine Kostenauflage hingegen nicht. Vielmehr m�sste der Angeschuldigte in einem solchen Fall ein hinterh�ltiges, gemeines oder krass wahrheitswidriges Benehmen an den Tag gelegt haben, das gegen prozessuale Verhaltensnormen klar verst�sst (BGE 116 Ia 162 E. 2d/aa S. 172, E. 2d/bb S. 174 f., mit Hinweisen).
b) Willk�r liegt nach st�ndiger Rechtsprechung des Bundesgerichtes vor, wenn der angefochtene kantonale Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tats�chlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderl�uft (BGE 125 II 10 E. 3a S. 15, 129 E. 5b S. 134; 124 I 208 E. 4a S. 211; 124 IV 86 E. 2a S. 88, je mit Hinweisen).
3.- Das Obergericht st�tzt die Kostenauflage zun�chst auf so genanntes "prozessuales Verschulden im engeren Sinne".
a) Laut angefochtenem Entscheid mute es "etwas eigenartig an, dass das vom Verteidiger am 27. M�rz 2000 in Aussicht gestellte Rekusationsgesuch erst einen Monat sp�ter, n�mlich am 25. April 2000 bei der Anklagekammer eingereicht" worden sei. "Dass sich der Verteidiger in einem Verfahren, das zu verj�hren droht, einen Monat Zeit liess, um das Ausstandsgesuch zu stellen", lege "den Schluss nahe, dass dies zum Zweck der Verfahrensverz�gerung" geschehen sei, "was gegen Treu und Glauben" verstosse "und somit widerrechtlich" sei. Der Hinweis der Verteidigung, "nicht das Rekusationsgesuch, sondern 'die unverst�ndliche Verfahrenspassivit�t des Untersuchungsrichters' sei f�r den Zeitablauf im Verfahren kausal gewesen", k�nne "nicht geh�rt werden". "Durch das lange Zuwarten mit der Einreichung des Rekusationsgesuches nach Vorank�ndigung" habe sich "das Verfahren unn�tigerweise verz�gert". "Dass dies einem Verstoss gegen Treu und Glauben" entspreche, ergebe sich "von selbst". "Aus diesen Gr�nden" sei "ein prozessuales Verschulden des Angeschuldigten im engen Sinne zu bejahen" (angefochtener Entscheid, S. 5 f.
Ziff. 2).
b) Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden.
Dem Beschwerdef�hrer bzw. seinem Verteidiger wird prozessual lediglich vorgeworfen, sie h�tten am 27. M�rz 2000 ein Ausstandsbegehren "in Aussicht gestellt", dieses aber "erst einen Monat sp�ter, n�mlich am 25. April 2000" eingereicht.
Es ist nicht ersichtlich und wird von den kantonalen Beh�rden nicht dargetan, inwiefern das Vorgehen der Verteidigung bei der Einreichung des Ausstandsgesuches den Prozessvorschriften widersprochen h�tte. Ebensowenig wird behauptet, die kantonalen Beh�rden h�tten den Verteidiger damals - angesichts der drohenden Verj�hrung - vergeblich zu besonderer Eile angehalten. Von Rechtsmissbrauch k�nnte allenfalls gesprochen werden, wenn es die Verteidigung mit systematischem prozessverschleppendem und tr�lerischem Verhalten darauf angelegt h�tte, die Verj�hrung herbeizuf�hren. Zwar wurde im Urteil des Gerichtspr�sidenten Bern-Laupen ausgef�hrt, der Verteidiger habe "in un�blicher und unw�rdiger Weise alles daran gesetzt, die Bem�hungen des urteilenden Gerichts, den Fall noch vor Eintritt der absoluten Verj�hrung mit einem Urteil abzuschliessen, zunichte zu machen".
Nach Intervention des Verteidigers vom 28. Juni 2000 zog der Gerichtspr�sident diesen Vorwurf jedoch mit Schreiben vom 30. Juni 2000 "vorbehaltlos zur�ck". Die entsprechende Korrespondenz wurde den Strafakten einverleibt. Der ausdr�cklich und "vorbehaltlos" zur�ckgenommene Vorwurf wurde im angefochtenen Entscheid nicht mehr erhoben.
c) Aber selbst wenn der Vorwurf aufrecht erhalten worden w�re und zudem begr�ndet erschiene, k�nnte noch fraglich erscheinen, ob damit ein "hinterh�ltiges, gemeines oder krass wahrheitswidriges Benehmen" des Angeklagten im Sinne der Rechtsprechung (BGE 116 Ia 162 E. 2d/aa S. 172) vorl�ge.
Jedenfalls w�re es Sache der verfahrensleitenden Beh�rden, die geeigneten Massnahmen zu ergreifen (z.B. Ansetzen von Notfristen, Ermahnungen an die Parteien zur Eile, z�gige Verfahrensleitung usw.), um eine rechtsmissbr�uchliche Prozessverschleppung durch die Parteien zu unterbinden. Auch in der Erkl�rung der Appellation durch den Beschwerdef�hrer ist kein widerrechtliches Vorgehen ersichtlich.
d) Ein klarer Verstoss gegen prozessuale Verhaltensnormen wird von den kantonalen Beh�rden nicht dargetan.
Hinzu kommt schliesslich, dass im angefochtenen Entscheid auch kein Kausalzusammenhang zwischen dem angeblichen "widerrechtlichen Verhalten" des Verteidigers und den eingetretenen Kostenfolgen aufgezeigt wird. Zwar wird ausdr�cklich auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtes hingewiesen, wonach die Haftung des Angeklagten nach Freispruch oder Verfahrenseinstellung "nicht weitergehen" d�rfe, "als der Kausalzusammenhang zwischen dem ihm vorgeworfenen fehlerhaften Verhalten und den Kosten verursachenden beh�rdlichen Handlungen reicht" (angefochtener Entscheid, S. 5 Ziff. 1). In der Folge wird jedoch nicht dargelegt, inwiefern das angeblich rechtswidrige Verz�gern des Rekusationsgesuches zu den "erstinstanzlichen Verfahrenskosten" in der H�he von Fr. 1'200.-- gef�hrt h�tte und weshalb der Beschwerdef�hrer wegen des verz�gerten Ausstandsbegehrens seine erstinstanzlichen Parteikosten (nach erstinstanzlichem Freispruch und zweitinstanzlicher Verfahrenseinstellung im verbleibenden Anklagepunkt) selber zu tragen h�tte. Im angefochtenen Entscheid wird an anderer Stelle (S. 7 Ziff. 4) sogar einger�umt, das Verz�gern des Ausstandsbegehrens k�nne jedenfalls "nur" f�r "die Kosten des Rekusationsverfahrens" einen Kausalzusammenhang nach sich gezogen haben; aus dem vorgeworfenen "prozessualen Verschulden im engeren Sinne" k�nne "keine Verfahrenskostenauflage erfolgen".
e) Nach dem Gesagten ist der Vorwurf eines prozessualen Verschuldens nicht begr�ndet. Eine darauf gest�tzte Auflage von Verfahrens- und Parteikosten nach Freispruch bzw. Verfahrenseinstellung hielte vor der Unschuldsvermutung von Art. 32 Abs. 1 BV nicht stand.
4.-a) Die Kostenauflage wird im angefochtenen Entscheid auch noch damit begr�ndet, das Verhalten des Beschwerdef�hrers sei diesem "zwar nicht unter strafrechtlichen, jedoch unter zivilrechtlichen Gesichtspunkten" vorwerfbar (angefochtener Entscheid, S. 6 Ziff. 3). Es sei "nicht ausgeschlossen, dem nicht verurteilten Angeschuldigten die Verfahrenskosten wegen eines Verhaltens aufzuerlegen, das in objektiver Hinsicht die Merkmale eines Straftatbestandes erf�llt" (Beschwerdeschrift, S. 4). Der Beschwerdef�hrer sei "in der Zeit von 1980 bis am 4. Juni 2000" (recte: 1998) "erwiesenermassen mit Methoden und Apparaturen der angewandten Biophysik und Bioenergetik therapeutisch und diagnostisch t�tig" gewesen. Ausserdem habe er "Medikamente an seine Patienten abgegeben, ohne �ber eine Bewilligung zu verf�gen". "Damit" habe er "gegen Art. 14 Abs. 1 lit. a und c des bernischen Gesundheitsgesetzes" verstossen, weshalb "ein prozessuales Verschulden im weiteren Sinne (...) ebenfalls zu bejahen" sei (angefochtener Entscheid, S. 6 Ziff. 3).
b) Zwar hat das Bundesgericht festgehalten, es sei nicht grunds�tzlich ausgeschlossen, dem nicht Verurteilten Verfahrenskosten wegen eines Verhaltens aufzuerlegen, das in objektiver Hinsicht die Merkmale eines Straftatbestandes erf�llt (BGE 116 Ia 162 E. 2d/bb S. 174). Die Kostenauflage wird jedoch an rechtsstaatliche Voraussetzungen gekn�pft.
aa) Zun�chst ist bei der Pr�fung der Gr�nde f�r die Kostenauflage an einen nicht Verurteilten "stets auch darauf zu achten", dass die verfassungsm�ssigen Rechte des Betroffenen nicht beeintr�chtigt werden (BGE 116 Ia 162 E. 2d/bb S. 174 mit Hinweisen). Zu denken ist insbesondere an die prozessualen Parteirechte des Betroffenen. Dieser wird durch die Kostenauflage wirtschaftlich in �hnlicher Weise beschwert wie durch das Ausf�llen einer Geldstrafe.
Als sanktions�hnlich k�nnte die Kostenauflage gerade dann empfunden werden, wenn - wie im vorliegenden Fall - eine Busse als Strafe zur Diskussion stand. Jedenfalls steht dem Betroffenen auch im Verfahren, welches zur Einstellung mit Kostenauflage f�hrt, ein Anspruch auf Wahrung des rechtlichen Geh�rs zu. Bis zur rechtskr�ftigen Einstellung des Verfahrens im Appellationsverfahren stand der Angeklagte im �brigen unter dem besonderen Schutz der verfassungsm�ssigen Verteidigungsrechte.
bb) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes ist es mit der Unschuldsvermutung unvereinbar, dem nicht Verurteilten Kosten aufzuerlegen mit der (direkten oder indirekten) Begr�ndung, er habe sich strafbar gemacht bzw.
es treffe ihn ein strafrechtliches Verschulden (BGE 116 Ia 162 E. 2e S. 175). Falls die Kostenauflage - wie im hier zu beurteilenden Fall - ausdr�cklich auf den objektiven Tatbestand einer Strafnorm (und nicht auf rein zivil- oder verwaltungsrechtliche Vorschriften) gest�tzt wird, k�nnte besonderer Grund zur Bef�rchtung erweckt werden, die Kostenauflage enthalte einen (verdeckten) strafrechtlichen Schuldvorwurf.
Das Bundesgericht pr�ft jedenfalls frei, ob sich aus der Begr�ndung des Kostenentscheides "direkt oder indirekt" der Vorwurf einer strafrechtlichen Schuld ergibt (BGE 116 Ia 162 E. 2d S. 171, E. 2f S. 175).
cc) Schliesslich wird die Kostenauflage auch noch durch den Vorbehalt eingeschr�nkt, dass es sich um einen "klaren" Verstoss gegen die fragliche Verhaltensnorm handeln m�sste (BGE 119 Ia 332 E. 1b S. 334; 116 Ia 162 E. 2f S. 175).
Voraussetzung der Kostenauflage ist daher, dass sie sich in tats�chlicher Hinsicht auf "unbestrittene oder bereits klar nachgewiesene Umst�nde" st�tzt (BGE 112 Ia 371 E. 2a S. 374).
Die Beweisw�rdigung der kantonalen Beh�rden pr�ft das Bundesgericht allerdings nur unter Willk�rkognition (BGE 116 Ia 162 E. 2f S. 175).
c) Nachfolgend ist zu pr�fen, ob die genannten Voraussetzungen im vorliegenden Fall erf�llt erscheinen.
5.-a) Wie sich aus den Akten ergibt, wurde das Appellationsverfahren nach Feststellung des Verj�hrungseintrittes (durch Verf�gung des Obergerichtes vom 6. Juli 2000) auf die Frage der Verj�hrung und der daraus resultierenden Verfahrens- und Kostenerledigung beschr�nkt (vgl. angefochtener Entscheid, S. 2). Weder wurden zur hier streitigen Frage der Tatbestandsm�ssigkeit Beweise erhoben, noch wurde vor Obergericht zu Tat- und Rechtsfragen (schriftlich oder m�ndlich) kontradiktorisch pl�diert. Der angeordnete Schriftenwechsel beschr�nkte sich auf die Frage der Folgen des Verj�hrungseintrittes.
Was die Frage der Tatbestandsm�ssigkeit (im Sinne von Art. 47 i.V.m. Art. 14 Abs. 1 lit. a und c GG/BE) betrifft, begn�gte sich das Obergericht mit einer summarischen rechtlichen Pr�fung der im erstinstanzlichen Verfahren und im erstinstanzlichen Urteil vorgebrachten Argumente.
Rechtliche und tats�chliche Einwendungen des Verurteilten gegen die Annahme des subjektiven und objektiven Straftatbestandes durch den Gerichtspr�sidenten Bern-Laupen h�rte das Obergericht nicht. Der Beschwerdef�hrer bedauerte im Schriftenwechsel (betreffend Verfahrenseinstellung wegen Verj�hrung) denn auch ausdr�cklich, dass er mangels Weiterf�hrung des Appellations- und Beweisverfahrens keine Gelegenheit erhalte, die restlichen strafrechtlichen Anklagepunkte zu widerlegen.
b) Bei dieser Sachlage kann keine Rede davon sein, dass der Tatbestand von Art. 47 i.V.m. Art. 14 Abs. 1 lit. a und c GG/BE "erwiesenermassen" erf�llt w�re (angefochtener Entscheid, S. 6 Ziff. 3). Diese Frage war vielmehr streitiger Gegenstand des h�ngigen Appellationsverfahrens, bevor dieses wegen absoluter Strafverfolgungsverj�hrung eingestellt wurde.
c) Die Kostenauflage gest�tzt auf den Vorwurf, der verj�hrte Straftatbestand sei erf�llt, w�rde bei der gegebenen Ausgangslage zum einen voraussetzen, dass �ber die Frage der Tatbestandsm�ssigkeit ein kontradiktorisches Verfahren durchgef�hrt worden w�re. Anders zu entscheiden hiesse, die Parteirechte des Angeklagten zu beschneiden. �berdies m�sste der Straftatbestand unbestritten oder klar nachgewiesen erscheinen (BGE 119 Ia 332 E. 1b S. 334; 112 Ia 371 E. 2a S. 374).
d) Wie es sich mit der Wahrung der Parteirechte im vorliegenden Fall genau verh�lt, kann offen bleiben. Jedenfalls kann nicht die Rede davon sein, dass der Straftatbestand aufgrund der Akten unstreitig bzw. liquide erstellt w�re.
aa) Wie im erstinstanzlichen Strafurteil (Seite 4 oben) ausdr�cklich festgehalten wurde, hat der Angeklagte den inkriminierten Sachverhalt "vollumf�nglich bestritten".
Gegen die dennoch erfolgte Verurteilung wegen Widerhandlung gegen Art. 47 i.V.m. Art. 14 Abs. 1 lit. a und c GG/BE und die angeordneten Kostenfolgen hat der Beschwerdef�hrer "die vollumf�ngliche Appellation" erkl�rt (angefochtener Entscheid, S. 1 Ziff. 2).
bb) Der Beschwerdef�hrer wendet gegen die Verurteilung (bzw. gegen die Annahme der Tatbestandsm�ssigkeit) insbesondere ein, es werde "aus den Strafakten gerade nicht ersichtlich, wen der Beschwerdef�hrer genau mit welchen Methoden behandelt oder wem er genau welche Medikamente h�tte �bergeben haben sollen". Aus dem Schreiben von Dr. med.
Z.________ ergebe sich nicht, dass die fraglichen Methoden ("bioenergetische Arbeit") unter die bewilligungspflichtigen T�tigkeiten von Art. 14 Abs. 1 lit. a und c GG/BE fallen w�rden. Im Gegenteil habe Dr. Z.________ ausdr�cklich ge�ussert, "dass er sich als Schulmediziner zu den geschilderten Praktiken nicht gen�gend kompetent �ussern k�nne".
Auch aus den Aussagen des Beschwerdef�hrers ergebe sich nicht, dass er selbst die Auffassung vertreten h�tte, seine T�tigkeit falle unter Art. 14 Abs. 1 lit. a und c GG/BE. Entsprechendes gehe weder aus den Akten noch aus dem erstinstanzlichen Urteil hervor. Die Beurteilung dururch die Zeugin Dr. S.________ werde bestritten. Sie sei "als Apothekerin kaum in der Lage, sich zu �rztlicher Diagnostik oder Methodik zu �ussern", zumal schon der anzeigende Arzt sich "die n�tige Zur�ckhaltung" auferlegt habe. Die von der Zeugin S.________ genannten "Chemikalien" seien nach den unwiderlegten Aussagen des Beschwerdef�hrers von diesem "nicht zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken, sondern zu Messzwecken verwendet" worden. "Ausser dem Medikament 'Propecia'" werde von den Beh�rden "kein Medikament genannt, welches nachweislich der Bewilligungspflicht unterliegen w�rde". "Aus den Verfahrensakten" ergebe sich jedoch, "dass dieses Medikament allein f�r den Beschwerdef�hrer selbst bestimmt" gewesen sei. Es habe sich dementsprechend in dessen "Privatb�ro" befunden und sei ihm "wegen eines Prostataleidens verschrieben worden" (Beschwerdeschrift, S. 3-7).
cc) �ber die rechtlichen und tats�chlichen Fragen der objektiven und subjektiven Tatbestandsm�ssigkeit wurde vor Obergericht (angesichts des Verj�hrungseintrittes) nicht verhandelt. Im angefochtenen Entscheid finden sich denn auch keine selbst�ndigen Erw�gungen zur Frage der objektiven Tatbestandsm�ssigkeit und zu einer diesbez�glichen Beweisw�rdigung.
Der angefochtene Entscheid beschr�nkt sich auf die lapidare Erw�gung, gem�ss Art. 47 i.V.m. Art. 14 Abs. 1 lit. a und c GG/BE ben�tige derjenige, eine Berufsaus�bungsbewilligung, der "u.a. Krankheiten oder St�rungen der k�rperlichen und seelischen Gesundheit feststellt und behandelt oder Heilmittel abgibt oder anwendet". Dies habe der Beschwerdef�hrer "zugegebenermassen auch getan" (angefochtener Entscheid, S. 7 Ziff. 3). Damit wird lediglich der objektive Gesetzestatbestand umschrieben und unzutreffend behauptet, dieser sei beweisrechtlich unbestritten.
dd) Die Auffassung, der objektive Straftatbestand sei unstreitig oder liquide erstellt, findet in den Akten keine St�tze.
e) Bei dieser Sachlage h�lt der angefochtene Entscheid vor der grundrechtlich gesch�tzten Unschuldsvermutung (Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 2 EMRK) nicht stand.
Es l�sst sich den Erw�gungen des Kostenentscheides nicht entnehmen, inwiefern der verj�hrte Straftatbestand offensichtlich erf�llt w�re und eine Kostenauflage an den nicht verurteilten Beschwerdef�hrer rechtfertigen w�rde.
Nach dem Gesagten braucht nicht zus�tzlich gepr�ft zu werden, ob der angefochtene Entscheid den Parteirechten des Beschwerdef�hrers gen�gend Rechnung tr�gt und ob er sich auf ausreichende willk�rfreie Tatsachenfeststellungen st�tzt.
6.-Daraus ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene Entscheid aufzuheben ist.
Gerichtskosten sind praxisgem�ss nicht zu erheben (Art. 156 Abs. 2 OG). Hingegen hat der Kanton Bern dem anwaltlich vertretenen Beschwerdef�hrer eine angemessene Parteientsch�digung zu entrichten (Art. 159 OG).
1.-Die staatsrechtliche Beschwerde wird gutgeheissen, und der angefochtene Entscheid des Obergerichtes (1. Strafkammer) des Kantons Bern vom 1. September 2000 wird aufgehoben.
3.-Der Kanton Bern hat dem Beschwerdef�hrer eine Parteientsch�digung von Fr. 2'000.-- zu entrichten.
4.- Dieses Urteil wird dem Beschwerdef�hrer sowie dem Generalprokurator und dem Obergericht des Kantons Bern schriftlich mitgeteilt.