Source: https://www.ebnerstolz.de/de/auskunftsanspruch-ueber-namen-und-anschriften-von-mitgesellschaftern-272833.html
Timestamp: 2020-07-10 13:27:10
Document Index: 137900232

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 242', '§ 226', 'BGH', 'BGH', '§ 28', 'Art. 6']

Auskunftsanspruch über Namen und Anschriften von Mitgesellschaftern - Ebner Stolz
Auskunftsanspruch über Namen und Anschriften von Mitgesellschaftern
Die Klä­ge­rin begehrte Aus­kunft über Namen, Anschrif­ten und Betei­li­gungs­höhe ihrer Mit­ge­sell­schaf­ter bzw. Mit­t­reu­ge­ber, die sich - wie die Klä­ge­rin - an der B. C. E. Immo­bi­lien GmbH & Co. S. Ö. KG (B. C. Öst­er­reich III) betei­ligt haben. Dabei han­delt es sich um einen im Jahr 2005 auf­ge­leg­ten gesch­los­se­nen Fonds in der Form einer Pub­li­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft, der in eine Büro­im­mo­bi­lie in Wien inves­tiert hatte. Die Firma B. C. Treu­hand GmbH war Grün­dungs- und Treu­hand­kom­man­di­tis­tin. Sie ist im Jahr 2008 mit der Beklag­ten ver­sch­mol­zen.
Die Beklagte war aller­dings der Ansicht, dass der Klä­ge­rin kein Aus­kunfts­an­spruch zustehe, da ein­zi­ges und aus­sch­ließ­li­ches Ziel der Klä­ge­rin nicht die Aus­übung von Gesell­schaf­ter­rech­ten sei, son­dern der Erwerb von Antei­len an der streit­ge­gen­ständ­li­chen Fonds­ge­sell­schaft von ande­ren Mit­ge­sell­schaf­tern. Dies sei rechts­miss­bräuch­lich.
Das LG hat die Klage abge­wie­sen. Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin hat das OLG das Urteil abge­än­dert und die Beklagte ver­ur­teilt, der Klä­ge­rin Name, Anschrift und die Höhe der Betei­li­gung der an der B. C. E. Immo­bi­lien GmbH & Co. S. O. Öst­er­reich KG betei­lig­ten unmit­tel­ba­ren, im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Kom­man­di­tis­ten und der indi­rekt über die Beklagte betei­lig­ten Treu­ge­ber der B.C. E. Immo­bi­lien GmbH & Co. S. O. Öst­er­reich KG schrift­lich mit­zu­tei­len.
Der Klä­ge­rin steht der gel­tend gemachte Aus­kunfts­an­spruch gegen die Beklagte zu.
Ein Anle­ger, der sich mit­tel­bar über eine Treu­hän­de­rin an einer Pub­li­kums­ge­sell­schaft betei­ligt hat, hat einen Anspruch dar­auf, dass ihm die Namen und die Anschrif­ten der (ande­ren) mit­tel­bar und unmit­tel­bar betei­lig­ten Anle­ger mit­ge­teilt wer­den, wenn er nach den ver­trag­li­chen Bestim­mun­gen, ins­be­son­dere der Ver­zah­nung des Gesell­schafts- und des Treu­hand­ver­tra­ges, im Innen­ver­hält­nis der Gesell­schaf­ter unte­r­ein­an­der und zur Gesell­schaft die einem unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ter ent­sp­re­chende Rechts­stel­lung erlangt hat (BGH-Urt. v. 5.2.2013, Az.: II ZR 134/11). Der Klä­ge­rin sind hier im Innen­ver­hält­nis zur Gesell­schaft und zu den Mit­ge­sell­schaf­tern durch den Gesell­schafts­ver­trag die glei­chen Rechte ein­ge­räumt wie den unmit­tel­bar Betei­lig­ten.
Das auf Kennt­nis sei­ner Mit­ge­sell­schaf­ter gerich­tete Aus­kunfts­be­geh­ren des Gesell­schaf­ters ist ledig­lich durch das Ver­bot der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung (§ 242 BGB) und das Schi­ka­ne­ver­bot gem. § 226 BGB beg­renzt. Inso­fern hat das LG aller­dings zu Unrecht einen Aus­kunfts­an­spruch wegen unzu­läs­si­ger Rechts­aus­übung vern­eint. Es liegt näm­lich auch dann keine unzu­läs­sige Rechts­aus­übung und kein Miss­brauch des Aus­kunfts­rechts vor, wenn das Aus­kunft­s­er­su­chen allein bzw. vor­ran­gig/wesent­lich dem Ziel dient, die Namen, Anschrif­ten und Betei­li­gungs­höhe der Mit­ge­sell­schaf­ter dazu zu ver­wen­den, um die­sen Mit­ge­sell­schaf­tern Kau­f­an­ge­bote hin­sicht­lich ihrer Anteile zu unter­b­rei­ten. In sei­ner Ent­schei­dung vom 11.1.2011, Az.: II ZR 187/09 hat der BGH aus­drück­lich fest­ge­s­tellt, dass der Anle­ger einer Pub­li­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft, um seine Mit­g­lied­schafts­rechte infor­miert aus­ü­ben zu kön­nen, wis­sen muss, wie die Stim­men und damit die Macht­ver­hält­nisse in der Gesell­schaft ver­teilt sind. Es macht näm­lich für seine Stel­lung als Gesell­schaf­ter einen ent­schei­den­den Unter­schied, ob der Treu­hand­kom­man­di­tist sein Stimm­recht auf­grund der Wei­sung von vie­len ver­schie­de­nen Klein­an­le­gern aus­übt oder ob er als "Sprach­rohr" eines oder weni­ger, ihre Indi­vi­dual­in­ter­es­sen ver­fol­gen­der Groß­an­le­ger fun­giert.
Letzt­lich ste­hen auch die Rege­lun­gen der DSGVO einem sol­chen Aus­kunfts­an­spruch nicht ent­ge­gen. Dies hat der BGH zum bis­he­ri­gen Daten­schutz­recht bereits ent­schie­den (Urt. v. 11.1.2011 - II ZR 187/09 und vom 22.2.2016 - II ZR 48/15). Nach § 28 Abs. 1 Nr. 1 BDSG a.F. war die Über­mitt­lung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten zuläs­sig, wenn dies zur Durch­füh­rung eines rechts­ge­schäft­li­chen Schuld­ver­hält­nis­ses erfor­der­lich ist. Auch nach Art. 6 Abs. 1 b DSGVO ist die Ver­ar­bei­tung und damit auch die Wei­ter­gabe von Daten recht­mä­ßig, wenn sie für die Erfül­lung eines Ver­tra­ges, deren Ver­trag­s­par­tei die betrof­fene Per­son ist, erfor­der­lich sind. Das ist anzu­neh­men, wenn der Aus­kunfts­be­rech­tigte bei ver­nünf­ti­ger Betrach­tung auf die Daten­ver­wen­dung zur Erfül­lung der Pflich­ten oder zur Wahr­neh­mung der Rechte aus dem Ver­trags­ver­hält­nis ange­wie­sen ist. So liegt es im vor­lie­gen­den Fall.