Source: https://www.hensche.de/arbeitsrecht-urteile-arbg-hagen-5-ca-1902-17-06.03.2018-anhoerung-schwerbehindertenvertretung-u.html
Timestamp: 2019-06-18 01:07:14
Document Index: 31973775

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 3', '§ 4', '§ 99', '§ 5', '§ 6', '§ 7', '§ 95', '§ 178', '§ 1', '§ 95', '§ 4', '§ 1', '§ 95', '§ 178', '§ 95', '§ 95', '§ 95', '§ 178', '§ 95', '§ 95', '§ 178', '§ 87', '§ 95', '§ 95', '§ 121', '§ 178', '§ 85', '§ 168', '§ 178', '§ 95', '§ 178', '§ 102', '§ 85', '§ 95', '§ 85', '§ 95', '§ 95', '§ 95', '§ 178', '§ 95', '§ 4', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 4', '§ 102', '§ 85', '§ 168', '§ 133', '§ 4', '§ 95', '§ 178', '§ 4', '§ 91', '§ 46', '§ 495', '§ 61', '§ 42', '§ 46', '§ 3', '§ 2']

Ar­beits­ge­richt Ha­gen, 5 Ca 1902/17
1. Es wird fest­ge­stellt, dass die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 16.10.2017 aus an­de­ren Gründen rechts­un­wirk­sam ist.
2. Der Be­klag­ten wer­den die Kos­ten des Rechts­streits auf­er­legt.
3. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird auf 10.659,02 Eu­ro fest­ge­setzt.
2 Die Par­tei­en strei­ten über die Rechts­wirk­sam­keit ei­ner von der Be­klag­ten un­ter Be­ru­fung auf be­triebs­be­ding­te Gründe ge­genüber der schwer­be­hin­der­ten Kläge­rin aus­ge­spro­che­nen or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gung.
3 Die 1972 ge­bo­re­ne, le­di­ge und mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung von 50 schwer­be­hin­der­te Kläge­rin (sie­he die Ko­pie des Schwer­be­hin­der­ten­aus­wei­ses auf Bl. 39 der Ak­te) wur­de von der Fir­ma C. W GmbH & Co. KG aus I mit dem An­stel­lungs­ver­trag vom 18.03.2010 (Bl. 31 bis 34 der Ak­te) ab dem 01.05.2010 als kaufmänni­sche Mit­ar­bei­te­rin für die Ab­tei­lung Ver­kauf ein­ge­stellt. Der Nach­trag vom 15.06.2012 (Bl. 35 und 36 bzw. Bl. 175 und 176 der Ak­te) zu die­sem Ar­beits­ver­trag sieht ab dem 01.08.2012 ein mo­nat­li­ches Brut­to­ge­halt „gemäß ERA Ent­gelt­grup­pe 12.1 zuzüglich ei­ner Leis­tungs­zu­la­ge in Höhe von der­zeit 10 %“ bei ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von min­des­tens 40 St­un­den bzw. 174 St­un­den pro Mo­nat vor. Im We­ge ei­nes Be­triebsüber­gangs ist dann mit Wir­kung zum 01.01.2014 auch das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin mit der Fir­ma C. W GmbH & Co. KG auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen, bei der ins­ge­samt knapp 800 Ar­beit­neh­mer beschäftigt sind. Im Un­ter­neh­men der Be­klag­ten kommt ein Haus­ta­rif­ver­trag zur An­wen­dung, der im We­sent­li­chen die Re­ge­lun­gen der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie Nord­rhein-West­fa­lens in Be­zug nimmt. Bei ei­ner Ein­stu­fung in die „EG 12/02“ des ERA er­hielt die Kläge­rin für den Mo­nat Ju­li 2017 ein Ge­sam­tent­gelt in Höhe von 5.329,51 Eu­ro brut­to (vgl. die Ko­pie der Ab­rech­nung auf Bl. 37 und 38 der Ak­te).
4 Mit Da­tum vom 13.12.2016 schloss die Be­klag­te mit dem Be­triebs­rat den „In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan zur Be­triebsände­rung zum 01. Fe­bru­ar 2017 (Re­or­ga­ni­sa­ti­on)“ (Ko­pie auf Bl. 90 bis 93 der Ak­te) ab. Nach der dor­ti­gen Re­ge­lung in § 1 Satz 1 gilt die­se Be­triebs­ver­ein­ba­rung für al­le Beschäftig­ten an al­len Stand­or­ten der Be­klag­ten, „die von der ge­plan­ten Einführung des ERP-Sys­tems SAP (Supp­ly-Chain-Mo­du­le) be­trof­fen sind und de­ren Ab­tei­lun­gen in die­sem Zu­ge zu re­or­ga­ni­sie­ren sind“. Es folgt in § 1 Satz 2 ei­ne Aufzählung der da­von be­trof­fe­nen Beschäftig­ten, dar­un­ter die „Kos­ten­stel­le 1020851 Ver­kauf 1“, bei dem es sich um den Be­reich han­delt, zu dem die Kläge­rin gehörte. Nach § 1 Satz 3 des In­ter­es­sen­aus­gleichs und So­zi­al­plans sind die be­trof­fe­nen Beschäftig­ten in An­la­ge 1 auf­geführt. In § 2 heißt es zu den Zie­len der Re­or­ga­ni­sa­ti­on wie folgt: „Der Ar­beit­ge­ber nimmt die Einführung des neu­en ERP-Sys­tems SAP zum An­lass, Geschäfts­pro­zes­se hin­sicht­lich der Ab­lauf­or­ga­ni­sa­ti­on so zu verändern, dass sie den Wertschöpfungs­pro­zess des Un­ter­neh­mens op­ti­mal un­terstützen und der SAP-In­fra­struk­tur bes­ser ent­spre­chen. Die neu­en Geschäfts­pro­zes­se er­for­dern ei­ne neue Auf­bau­or­ga­ni­sa­ti­on. Durch die Re­or­ga­ni­sa­ti­on sol­len die bis­he­ri­gen Struk­tu­ren in die neue Auf­bau­or­ga­ni­sa­ti­on überführt wer­den, so dass die Ar­beits­abläufe ab dem 01. Fe­bru­ar 2017 im Rah­men der neu­en Geschäfts­pro­zes­se An­wen­dung fin­den können. Die Einführung von SAP er­folgt vor­aus­sicht­lich zum 01. Au­gust 2017“. Nach der Re­ge­lung in § 3 ist ge­plant, die be­ste­hen­de Auf­bau­or­ga­ni­sa­ti­on zum 01. Fe­bru­ar 2017, un­abhängig vom tatsächli­chen Zeit­punkt der SAP-Einführung, in die in An­la­ge 2 (Ko­pie auf Bl. 94 der Ak­te) dar­ge­stell­te Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur zu überführen. Während es in § 4 um die „Überführung der Beschäftig­ten“ in die neue Auf­bau­or­ga­ni­sa­ti­on un­ter Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats gemäß § 99 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz geht, sieht § 5 die Ein­stel­lung und Überg­a­be der neu­en ERA-Auf­ga­ben­be­schrei­bun­gen an den Be­triebs­rat frühes­tens ab dem 01.09.2017 so­wie even­tu­ell er­for­der­li­che Um­grup­pie­run­gen frühes­tens ab dem 01.01.2018 vor. § 6 re­gelt im Ein­zel­nen die Ent­gelt­si­che­rung bei Ab­grup­pie­run­gen durch die Neu­fas­sun­gen von „ERA-Auf­ga­ben­be­schrei­bun­gen“, die über die ta­rif­ver­trag­li­che Ent­gelt­si­che­rung für die Dau­er von 12 Mo­na­ten deut­lich hin­aus­geht. Sch­ließlich be­stimmt § 7, dass für die in An­la­ge 1 ge­nann­ten Beschäftig­ten be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen bis zum 31.12.2020 aus­ge­schlos­sen wer­den. We­gen der wei­te­ren Re­ge­lun­gen in dem „In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan zur Be­triebsände­rung zum 01. Fe­bru­ar 2017 (Re­or­ga­ni­sa­ti­on)“ vom 13.12.2016 nebst der vor­ge­leg­ten An­la­ge 2 wird auf den In­halt der Ko­pi­en auf Bl. 90 bis 94 der Ak­te ver­wie­sen und Be­zug ge­nom­men.
5 Wie im In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan vor­ge­se­hen, bot die Be­klag­te der Kläge­rin ei­ne Ergänzungs­ver­ein­ba­rung zum Ar­beits­ver­trag (Ko­pie auf Bl. 95 der Ak­te) an, wel­che ab dem 01.08.2017 die Ver­set­zung der Kläge­rin in das „Auf­trags­zen­trum/Auf­trags­steue­rung“ vor­sah. Die­ses An­ge­bot vom 12.05.2017 lehn­te die Kläge­rin al­ler­dings ab. Dar­auf­hin be­an­trag­ten die Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten mit ih­rem Schrei­ben vom 27.06.2017 (Bl. 96 bis 100 der Ak­te) beim LWL-In­te­gra­ti­ons­amt West­fa­len die Zu­stim­mung zur be­ab­sich­tig­ten Ände­rungskündi­gung der Kläge­rin aus be­triebs­be­ding­ten Gründen un­ter Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist von zwei Mo­na­ten zum Mo­nats­en­de und der Un­ter­brei­tung des An­ge­bots, das Ar­beits­verhält­nis nach Ab­lauf der Kündi­gungs­frist in der „Auf­trags­steue­rung“ mit den auf­ge­lis­te­ten Tätig­kei­ten und zunächst der bis­he­ri­gen Vergütung „gemäß ERA Ent­gelt­grup­pe 12.1 zuzüglich der Leis­tungs­zu­la­ge“ fort­zu­set­zen. Mit dem Schrei­ben vom 29.06.2017 (Bl. 107 bis 111 der Ak­te) in­for­mier­te die Be­klag­te den Be­triebs­rat über die ge­genüber der Kläge­rin nach Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­am­tes be­ab­sich­tig­te Ände­rungskündi­gung und bat die­sen, bin­nen Wo­chen­frist schrift­lich Stel­lung zu neh­men. Eben­falls am 29.06.2017 wur­de dem stell­ver­tre­ten­den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den W1 ein in­halt­lich iden­ti­sches Schrei­ben vom 29.06.2017 (Bl. 196 bis 200 der Ak­te) zur Wei­ter­ga­be an die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung über­reicht. Während die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ei­ne ei­ge­ne Stel­lung­nah­me nicht ab­gab, wi­der­sprach der Be­triebs­rat der be­ab­sich­tig­ten Ände­rungskündi­gung mit sei­nem Schrei­ben vom 06.07.2017 (Bl. 113 der Ak­te) im We­sent­li­chen mit der Be­gründung, dass die Ände­rungskündi­gung überflüssig und nicht verhält­nismäßig sei, weil kei­ne tatsächli­che Ände­rung ge­genüber der bis­he­ri­gen Tätig­keit der Kläge­rin im Ver­trieb vor­lie­ge, son­dern es sich um ei­ne rein no­mi­nel­le Ver­set­zung in die neu ge­schaf­fe­ne Ab­tei­lung Auf­trags­zen­trum han­de­le.
6 Mit dem Be­scheid vom 22.09.2017 (Ko­pie auf Bl. 43 bis 48 bzw. Bl. 101 bis 106 bzw. Bl. 183 bis 188 der Ak­te) er­teil­te das LWL-In­te­gra­ti­ons­amt West­fa­len die Zu­stim­mung zur Ände­rungskündi­gung mit der Maßga­be, dass die Kläge­rin „als kaufmänni­sche Mit­ar­bei­te­rin im Auf­trags­zen­trum / in der Auf­trags­steue­rung mit den im An­trag be­schrie­be­nen Auf­ga­ben bei an­sons­ten un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen (ins­be­son­de­re glei­che Vergütung) wei­ter­beschäftigt wird“. In den Ent­schei­dungs­gründen ist u. a. aus­geführt wor­den, dass die von der Be­klag­ten be­an­trag­te Ände­rung des Ar­beits­ver­tra­ges an­ge­mes­sen sei, da die Kläge­rin zunächst wei­ter­hin die bis­he­ri­ge Vergütung er­hal­te; da die Be­klag­te aber im Jah­re 2018 die Ein­grup­pie­rung der Kläge­rin ent­spre­chend der im In­ter­es­sen­aus­gleich ab­ge­schlos­se­nen Ver­ein­ba­rung über­prüfen wol­le, könne das In­te­gra­ti­ons­amt nicht aus­sch­ließen, dass die Kläge­rin in Zu­kunft ei­ne ge­rin­ge­re Vergütung er­hal­te; falls die Vergütung dann um mehr als 15 % nied­ri­ger aus­fal­len würde, müss­te die Be­klag­te im Fal­le der Ab­leh­nung durch die Kläge­rin er­neut die Zu­stim­mung zu ei­ner Ände­rungskündi­gung be­an­tra­gen. We­gen des wei­te­ren In­halts des Zu­stim­mungs­be­scheids vom 22.09.2017, ge­gen den die sach­be­ar­bei­ten­de Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin mit dem Schrei­ben vom 17.10.2017 (Bl. 49 und 50 der Ak­te) Wi­der­spruch ein­ge­legt und die­sen mit dem Schrei­ben vom 03.01.2018 (Bl. 179 bis 181 der Ak­te) be­gründet hat, wird auf die Ko­pi­en auf Bl. 43 bis 48 bzw. Bl. 101 bis 106 bzw. Bl. 183 bis 188 der Ak­te ver­wie­sen und Be­zug ge­nom­men.
7 Mit dem der Kläge­rin am sel­ben Ta­ge zu­ge­gan­ge­nen (sie­he das „Überg­a­be­pro­to­koll“ auf Bl. 117 der Ak­te) Schrei­ben vom 16.10.2017 (Bl. 40 bis 42 bzw. Bl. 114 bis 116 der Ak­te) sprach die Be­klag­te die or­dent­li­che Ände­rungskündi­gung „un­ter Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist zum 31.12.2017, hilfs­wei­se zum zunächst zulässi­gen Ter­min“ aus und bot der Kläge­rin die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses ab dem 01.01.2018 als kaufmänni­sche Mit­ar­bei­te­rin im Auf­trags­zen­trum/Auf­trags­steue­rung mit den im Ein­zel­nen auf­ge­lis­te­ten Tätig­kei­ten an­sons­ten „bei den bis­he­ri­gen ar­beits­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen“ an. So­wohl mit ih­rem ei­ge­nen Schrei­ben vom 27.10.2017 (Bl. 52 der Ak­te) als auch mit dem Schrei­ben ih­rer sach­be­ar­bei­ten­den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 25.10.2017 (Bl. 51 der Ak­te) nahm die Kläge­rin das Ände­rungs­an­ge­bot un­ter dem Vor­be­halt, dass die­ses nicht so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt ist, an. Mit ih­rer am sel­ben Ta­ge vor­ab per Te­le­fax (Bl. 1 bis 4 der Ak­te) beim Ar­beits­ge­richt Ha­gen ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge vom 03.11.2017 (Bl. 27 bis 30 der Ak­te) wen­det sich die Kläge­rin ge­gen die­se Ände­rungskündi­gung.
8 Die Kläge­rin be­ruft sich auf die So­zi­al­wid­rig­keit der Ände­rungskündi­gung und sie be­strei­tet das Vor­lie­gen von drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen, die die Ände­rung ih­rer bis­he­ri­gen Ar­beits­be­din­gun­gen be­gründen würden. Die Rechts­un­wirk­sam­keit der Ände­rungskündi­gung er­ge­be sich be­reits dar­aus, dass de­ren Aus­spruch im Rah­men ei­nes „lang­wie­ri­gen Pro­zes­ses“ und los­gelöst da­von er­folgt sei, wann für den kon­kre­ten Ar­beits­platz ge­nau die ge­plan­te Um­or­ga­ni­sa­ti­on im Ein­zel­nen statt­fin­den würde. Außer­dem sei die Ände­rungskündi­gung oh­ne­hin überflüssig, weil es sich um ei­ne rein no­mi­nel­le Ver­set­zung in das „Auf­trags­zen­trum“ han­de­le und sie wei­ter­hin die glei­chen Tätig­kei­ten wie vor der Re­or­ga­ni­sa­ti­on ver­rich­ten würde, ins­be­son­de­re auch die bei­spiel­haft in ih­rem Schrift­satz vom 26.02.2018 auf Sei­te 5 (Bl. 163 der Ak­te) auf­ge­lis­te­ten Ar­beits­vorgänge. Letzt­lich ha­be die Be­klag­te le­dig­lich ei­ne räum­li­che Tren­nung zwi­schen Ver­trieb und Back­of­fice mit der Zu­ord­nung von neu­en Vor­ge­setz­ten durch­geführt, während von ei­ner tatsächli­chen Un­ter­schei­dung zwi­schen die­sen bei­den Be­rei­chen kei­ne Re­de sein könne. Ge­ra­de bei ho­hem Ar­beits­auf­kom­men und der er­for­der­li­chen Ver­tre­tung von er­krank­ten oder im Ur­laub be­find­li­chen Mit­ar­bei­tern wer­de die Tren­nung nicht streng durch­geführt.
9 Im Übri­gen sei der Zu­stim­mungs­be­scheid des LWL-In­te­gra­ti­ons­amts West­fa­len vom 22.09.2017 (Bl. 43 bis 48 bzw. Bl. 101 bis 106 bzw. Bl. 183 bis 188 der Ak­te) we­gen ih­res Wi­der­spruchs vom 17.10.2017 (Bl. 49, 50 der Ak­te) noch nicht rechts­kräftig. Es kom­me hin­zu, dass sich die Zu­stim­mungs­ent­schei­dung nicht auf al­le im Text des Ände­rungskündi­gungs­schrei­bens vom 16.10.2017 (Bl. 40 bis 42 bzw. Bl. 114 bis 116 der Ak­te) auf­ge­lis­te­ten Tätig­kei­ten er­stre­cken würde. Denn von der dort erwähn­ten „Durchführung der Kon­si-In­ven­tur“ sei im Zu­stim­mungs­be­scheid kei­ne Re­de. Darüber hin­aus führe zur Un­wirk­sam­keit der streit­ge­genständ­li­chen Ände­rungskündi­gung der Um­stand, dass die Be­klag­te den Be­triebs­rat nach Vor­lie­gen der Zu­stim­mung durch das LWL-In­te­gra­ti­ons­amt West­fa­len nicht noch­mals an­gehört ha­be, ob­wohl die­se Zu­stim­mung le­dig­lich mit der fragwürdi­gen Ein­schränkung, dass ins­be­son­de­re die Vergütung gleich­blei­ben müsse, er­teilt wor­den sei.
10 Sch­ließlich be­strei­tet die Kläge­rin die ord­nungs­gemäße Anhörung der im Be­trieb der Be­klag­ten be­ste­hen­den Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung vor Aus­spruch der Ände­rungskündi­gung mit Nicht­wis­sen. Aus dem Vor­trag im Schrift­satz der Be­klag­ten vom 29.01.2018 auf Sei­te 5 (Bl. 87 der Ak­te) un­ter I. 6. er­ge­be sich nicht, wann, durch wen und in wel­cher Form die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung be­tei­ligt wor­den sei. Oh­ne vor­he­ri­ge ord­nungs­gemäße Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung müsse die Ände­rungskündi­gung aber nach § 95 Abs. 2 Satz 3 SGB IX bzw. § 178 Abs. 2 Satz 3 SGB IX n. F. als un­wirk­sam an­ge­se­hen wer­den.
11 Die Kläge­rin be­an­tragt,
12 fest­zu­stel­len, dass die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 16.10.2017 so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt oder aus an­de­ren Gründen rechts­un­wirk­sam ist.
13 Die Be­klag­te be­an­tragt,
15 Sie macht gel­tend, dass die streit­ge­genständ­li­che Ände­rungskündi­gung durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se be­dingt sei. Das er­ge­be sich durch die ge­setz­li­che Ver­mu­tung nach § 1 Abs. 5 Kündi­gungs­schutz­ge­setz, weil der von den Be­triebs­par­tei­en ab­ge­schlos­se­ne „In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan zur Be­triebsände­rung zum 01. Fe­bru­ar 2017 (Re­or­ga­ni­sa­ti­on)“ vom 13.12.2016 (Bl. 90 bis 93 der Ak­te) auch den bis­he­ri­gen Ar­beits­platz der Kläge­rin im Be­reich Ver­kauf 1 (Kos­ten­stel­le 1020851) er­fas­se und über­dies de­ren Na­me in der An­la­ge 1 ent­hal­ten sei. Da­von ab­ge­se­hen ha­be sie sich da­zu ent­schie­den, die Be­triebs­abläufe im Rah­men ei­ner Re­or­ga­ni­sa­ti­on an­zu­pas­sen. Die Neu­or­ga­ni­sa­ti­on se­he ab dem 01.02.2017 die Ent­kop­pe­lung von Ver­trieb und Back­of­fice-Tätig­kei­ten vor, wo­bei die Sach­be­ar­bei­tung jetzt zum neu ge­bil­de­ten Auf­trags­zen­trum gehöre und sich im Be­reich Auf­trags­steue­rung be­fin­de. Ent­ge­gen der bis­he­ri­gen Struk­tur sei­en die Tätig­kei­ten zwi­schen dem neu­en Ver­triebs­be­reich und der Auf­trags­steue­rung klar ab­ge­grenzt. Auf­grund der Neu­zu­ord­nung und der da­durch not­wen­dig ge­wor­de­nen Neu­de­fi­ni­ti­on der ein­zel­nen Ar­beitsplätze ha­be sich auch das Tätig­keits­feld der Kläge­rin geändert, wo­bei ins­be­son­de­re der en­ge Kun­den­kon­takt, al­so die Be­ar­bei­tung von Kun­den­an­fra­gen, Re­kla­ma­tio­nen und Preis­fin­dun­gen ent­fal­le. In ih­rem In­ter­es­sen­aus­gleich hätten sich die Be­triebs­par­tei­en be­wusst da­zu ent­schie­den, die Or­ga­ni­sa­ti­onsände­rung be­reits zu ei­nem Zeit­punkt vor­zu­neh­men, zu dem das neue Pro­gramm noch nicht ab­sch­ließend im­ple­men­tiert ge­we­sen sei. Das ände­re je­doch nichts dar­an, dass ih­re Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung zu ei­ner veränder­ten Auf­ga­ben­be­schrei­bung für die Kläge­rin führe. So­weit die­se über­g­angs­wei­se an­de­re Mit­ar­bei­ter ver­tre­ten müsse oder aber im Rah­men des schwie­ri­gen Verände­rungs­pro­zes­ses zeit­wei­se an­der­wei­ti­ge Tätig­kei­ten zu­ge­wie­sen er­hal­te, spre­che dies nicht ge­gen die Wirk­sam­keit der aus­ge­spro­che­nen Ände­rungskündi­gung. Der Durchführung ei­ner So­zi­al­aus­wahl ha­be es nicht be­durft, weil al­le mit der Kläge­rin ver­gleich­ba­ren Mit­ar­bei­ter/-in­nen auf der Grund­la­ge von an­ge­pass­ten Ar­beits­verträgen in die Auf­trags­steue­rung ver­setzt wor­den sei­en.
16 Im Übri­gen könne die Ände­rungskündi­gung auch nicht aus an­de­ren Gründen be­an­stan­det wer­den. So­wohl der Be­triebs­rat als auch die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung sei­en je­weils ord­nungs­gemäß be­tei­ligt wor­den. Das In­te­gra­ti­ons­amt ha­be mit sei­nem Be­scheid vom 22.09.2017 (Bl. 43 bis 48 bzw. Bl. 101 bis 106 bzw. Bl. 183 bis 188 der Ak­te) der Ände­rungskündi­gung vom 16.10.2017 (Bl. 40 bis 42 bzw. Bl. 114 bis 116 der Ak­te) zu­vor zu­ge­stimmt.
17 We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf den In­halt der zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst de­ren An­la­gen, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung wa­ren, Be­zug ge­nom­men.
18 Im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung vor der Kam­mer am 06.03.2018 ist un­ter an­de­rem auch die im Schrift­satz der Kläge­rin vom 26.02.2018 (Bl. 159 bis 174 der Ak­te) pro­ble­ma­ti­sier­te Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung und da­mit die im Zeit­punkt des Kündi­gungs­zu­gangs am 16.10.2017 gel­ten­de Re­ge­lung des § 95 Abs. 2 SGB IX erörtert wor­den (sie­he das Sit­zungs­pro­to­koll vom 06.03.2018 auf Sei­te 1, Bl. 193 der Ak­te).
19 E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e
21 Dem von der Kläge­rin zur Ent­schei­dung ge­stell­ten Ände­rungs­schutz­an­trag war mit der Maßga­be statt­zu­ge­ben, dass die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen durch die Kündi­gung der Be­klag­ten am 16.10.2017 (Bl. 40 bis 42 bzw. Bl. 114 bis 116 der Ak­te) aus an­de­ren Gründen rechts­un­wirk­sam ist (§ 4 Satz 2 Al­ter­na­ti­ve 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz).
22 Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob sich die streit­ge­genständ­li­che Ände­rungskündi­gung be­reits als so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt im Sin­ne von § 1 Abs. 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz er­weist. Eben­falls of­fen blei­ben kann, ob der Zu­stim­mungs­be­scheid des LWL-In­te­gra­ti­ons­amts West­fa­len vom 22.09.2017 (Ko­pie auf Bl. 43 bis 48 bzw. Bl. 101 bis 106 bzw. Bl. 183 bis 188 der Ak­te) zu be­an­stan­den ist. Das­sel­be gilt für die Anhörung des Be­triebs­rats mit dem Schrei­ben vom 29.06.2017 (Bl. 107 bis 111 der Ak­te) und da­bei ins­be­son­de­re die Fra­ge, ob die Be­klag­te den Be­triebs­rat über die vom In­te­gra­ti­ons­amt bei sei­ner Zu­stim­mung vor­ge­nom­me­ne Ein­schränkung, dass die Vergütung sich nicht ändern dürfe, hätte in­for­mie­ren müssen.
23 Je­den­falls folgt die Rechts­un­wirk­sam­keit der Ände­rungskündi­gung vom 16.10.2017 (Bl. 40 bis 42 bzw. Bl. 114 bis 116 der Ak­te) aus § 95 Abs. 2 Satz 3 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung (§ 178 Abs. 2 Satz 3 SGB IX seit dem 01.01.2018). Es ist nämlich da­von aus­zu­ge­hen, dass die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nicht ord­nungs­gemäß be­tei­ligt wur­de. Die Be­klag­te hätte die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung be­reits vor der Stel­lung des Zu­stim­mungs­an­trags beim In­te­gra­ti­ons­amt un­ter­rich­ten und anhören müssen.
24 We­gen die­ses recht­li­chen Man­gels der Kündi­gungs­erklärung war der Kündi­gungs­schutz­kla­ge trotz der An­nah­me des Ände­rungs­an­ge­bots un­ter Vor­be­halt durch die Kläge­rin statt­zu­ge­ben.
26 Nach § 95 Abs. 2 Satz 1 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung hat der Ar­beit­ge­ber die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung in al­len An­ge­le­gen­hei­ten, die ei­nen ein­zel­nen oder die schwer­be­hin­der­ten Men­schen als Grup­pe berühren, un­verzüglich und um­fas­send zu un­ter­rich­ten und vor ei­ner Ent­schei­dung an­zuhören; er hat ihr die ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung un­verzüglich mit­zu­tei­len. Da­mit re­gelt § 95 Abs. 2 Satz 1 SGB IX ein drei­stu­fi­ges Ver­fah­ren (so Sch­mitt, BB 2017, 2293, 2296 un­ter IV. 3.).
27 Seit dem 30.12.2016 wur­de außer­dem als zusätz­li­ches Wirk­sam­keits­er­for­der­nis für die Kündi­gung schwer­be­hin­der­ter und gleich­ge­stell­ter Men­schen auch die Anhörung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung sta­tu­iert (Lin­ge­mann/St­ein­hau­ser, NJW 2017, 1369 un­ter II.). Der neu ein­geführ­te § 95 Abs. 2 Satz 3 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung be­stimmt, dass die Kündi­gung ei­nes schwer­be­hin­der­ten oder gleich­ge­stell­ten Men­schen, die der Ar­beit­ge­ber oh­ne ei­ne Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nach Satz 1 aus­spricht, un­wirk­sam ist. Die Un­wirk­sam­keits­fol­ge tritt auch bei ei­ner feh­ler­haf­ten Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ein, weil in die­sem Fall eben­falls kei­ne Be­tei­li­gung nach Satz 1 vor­liegt (so Klein, NJW 2017, 852, 856 un­ter III. 3. mit wei­te­ren Nach­wei­sen).
28 Weil die ar­beits­recht­lich re­le­van­te Neu­re­ge­lung als Teil der „Re­form­stu­fe 1“ be­reits zum 31.12.2016 am Tag nach Verkündung des Bun­des­teil­ha­be­ge­set­zes (BTHG) in Kraft ge­tre­ten ist (Lin­ge­mann/St­ein­hau­ser, NJW 2017, 1369 un­ter II. 2.), hat die Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung seit­dem im Kündi­gungs­schutz­pro­zess Re­le­vanz. Denn die in § 178 Abs. 2 Satz 3 SGB IX ab dem 01.01.2018 neu auf­ge­nom­me­ne in­di­vi­du­al­recht­li­che Sank­ti­ons­re­ge­lung gilt nach § 95 Abs. 2 Satz 3 SGB IX in der Fas­sung vom 23.12.2016 be­reits seit dem 30.12.2016 (Klein, NJW 2017, 852, 853 f. un­ter III.).
Auf die­ser Grund­la­ge er­gibt sich hier, dass die Be­klag­te die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nicht ord­nungs­gemäß be­tei­ligt hat, was zur Rechts­un­wirk­sam­keit der streit­ge­genständ­li­chen Ände­rungskündi­gung vom 16.10.2017 (Bl. 40 bis 42 bzw. Bl. 114 bis 116 der Ak­te) nach § 95 Abs. 2 Satz 3 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung führt.
32 Die Pflicht des Ar­beit­ge­bers zur Anhörung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung be­steht bei al­len Kündi­gun­gen und da­mit auch bei Ände­rungskündi­gun­gen schwer­be­hin­der­ter oder gleich­ge­stell­ter Ar­beit­neh­mer (vgl. Rolfs, in: Er­fur­ter Kom­men­tar zum Ar­beits­recht, 18. Auf­la­ge 2018, § 178 SGB IX, Rand­num­mer 8). Die­se Pflicht be­steht auch un­abhängig da­von, dass das In­te­gra­ti­ons­amt gemäß § 87 Abs. 2 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung ei­ne Stel­lung­nah­me der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ein­zu­ho­len hat. Ei­ne sol­che Stel­lung­nah­me im behörd­li­chen Zu­stim­mungs­ver­fah­ren er­setzt die Anhörung nicht (so Lin­ge­mann/St­ein­hau­ser, NJW 2017, 1369, 1371 un­ter II. 4.).
34 Vor­lie­gend hat die Be­klag­te das da­mit er­for­der­li­che Ver­fah­ren der Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nicht ord­nungs­gemäß im Sin­ne von § 95 Abs. 2 Satz 1 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung durch­geführt.
35 Nach dem ei­ge­nen Vor­brin­gen der Be­klag­ten in ih­rem Schrift­satz vom 29.01.2018 auf Sei­te 5 (Bl. 87 der Ak­te) un­ter I. 5. und 6. wur­de zunächst mit dem Schrei­ben ih­rer Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 27.06.2017 (Bl. 96 bis 100 der Ak­te) beim LWL-In­te­gra­ti­ons­amt West­fa­len die Zu­stim­mung zur be­ab­sich­tig­ten Ände­rungskündi­gung der Kläge­rin be­an­tragt und erst da­nach mit dem Schrei­ben vom 29.06.2017 (Bl. 196 bis 200 der Ak­te) die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung an­gehört so­wie um Stel­lung­nah­me ge­be­ten. Im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung vor der Kam­mer am 06.03.2018 ist die­ser Vor­trag da­hin­ge­hend ergänzt wor­den, dass die­ses Schrei­ben an die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung vom 29.06.2017 be­tref­fend der be­ab­sich­tig­ten Ände­rungskündi­gung ge­genüber der Kläge­rin am glei­chen Ta­ge dem stell­ver­tre­ten­den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den Herrn W1 zur Wei­ter­lei­tung an die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung über­reicht wor­den sei (sie­he das Sit­zungs­pro­to­koll vom 06.03.2018 auf Sei­te 1,Bl. 193 der Ak­te).
36 Mit die­ser Vor­ge­hens­wei­se hat sich die Be­klag­te je­doch nicht an die Vor­schrift des § 95 Abs. 2 Satz 1 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung ge­hal­ten. Da­nach muss die Un­ter­rich­tung „un­verzüglich und um­fas­send“ er­fol­gen. Die Un­verzüglich­keit for­dert vom Ar­beit­ge­ber, die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung oh­ne schuld­haf­tes Zögern (§ 121 Abs. 1 BGB) an­zuhören, so­bald er sei­nen Kündi­gungs­wil­len ge­bil­det hat. Die Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung muss da­her am Be­ginn der vom Ar­beit­ge­ber zu tref­fen­den Maßnah­men ste­hen. Die Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amts darf erst da­nach be­an­tragt wer­den (vgl. Rolfs, in: Er­fur­ter Kom­men­tar zum Ar­beits­recht, 18. Auf­la­ge 2018, § 178 SGB IX, Rand­num­mer 9 mit wei­te­ren Nach­wei­sen).
37 Des­halb ist die Un­ter­rich­tung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nach zu­tref­fen­der Auf­fas­sung nur dann un­verzüglich, wenn der Ar­beit­ge­ber die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung vor dem An­trag auf Zu­stim­mung zur Kündi­gung nach den §§ 85 ff. SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung (jetzt: §§ 168 ff. SGB IX) un­ter­rich­tet und anhört (Es­ser/Isen­hardt, in: Schle­gel/Voelz­ke, ju­risPK-SGB IX, 3. Auf­la­ge 2018, § 178 SGB IX, Rand­num­mer 26 mit wei­te­ren Nach­wei­sen). Dies er­gibt sich un­mit­tel­bar aus dem Wort­laut des § 95 Abs. 2 Satz 1 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung (jetzt: § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX) und wird durch des­sen Zweck, der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ei­ne Mit­wir­kung an der Wil­lens­bil­dung des Ar­beit­ge­bers zu ermögli­chen, un­ter­stri­chen. Da­mit stellt die­se Vor­schrift auf ei­nen frühe­ren Zeit­punkt ab als § 102 Abs. 1 Satz 1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz, der le­dig­lich ei­ne Anhörung „vor je­der Kündi­gung“ ver­langt. Auf­grund der nach § 85 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung er­for­der­li­chen Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amts fällt die Ent­schei­dung über die Kündi­gung al­ler­dings re­gelmäßig schon deut­lich vor dem Aus­spruch der Kündi­gung. Den An­for­de­run­gen des § 95 Abs. 2 Satz 1 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung ist da­her nicht be­reits da­mit Genüge ge­tan, dass die Anhörung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung vor dem Aus­spruch der Kündi­gung ab­ge­schlos­sen ist. Viel­mehr muss die Un­ter­rich­tung und Anhörung be­reits ab­ge­schlos­sen sein, be­vor der An­trag beim zuständi­gen In­te­gra­ti­ons­amt ge­stellt wird. Ist da­ge­gen der An­trag auf Zu­stim­mung schon ge­stellt, hat der Ar­beit­ge­ber sei­ne Wil­lens­bil­dung be­reits ab­ge­schlos­sen und sei­nen Wil­len nach außen er­kenn­bar ma­ni­fes­tiert. In die­sem Fall würde die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nicht mehr an der Wil­lens­bil­dung mit­wir­ken, son­dern könn­te nur noch dar­auf hin­wir­ken, dass der Ar­beit­ge­ber sei­ne be­reits ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung re­vi­diert (Klein, NJW 2017, 852, 854 un­ter III. 1. a)).
38 Nach al­le­dem ist es mit Blick auf die kon­gru­en­ten Norm­zwe­cke und den in­ne­ren Zu­sam­men­hang der §§ 85 und 95 Abs. 2 SGB IX zwin­gend, die Stel­lung­nah­me der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung vor der An­trag­stel­lung beim In­te­gra­ti­ons­amt ein­zu­ho­len (so Sch­mitt, BB 2017, 2293, 2298 un­ter IV. 5.). Dem­ge­genüber führt es zur Un­wirk­sam­keit des Be­tei­li­gungs­ver­fah­rens nach § 95 Abs. 2 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung, wenn der Ar­beit­ge­ber – wie hier die Be­klag­te – zu­erst den Zu­stim­mungs­an­trag beim In­te­gra­ti­ons­amt stellt und erst dann die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung anhört (vgl. Bay­reu­ther, NZA 2017, 87, 90 un­ter IV. am En­de).
39 c)
40 Die nachträgli­che Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung mit dem Schrei­ben der Be­klag­ten vom 29.06.2017 (Bl. 196 bis 200 der Ak­te) ändert hier­an nichts.
41 Würde die­se nachträgli­che Be­tei­li­gung im Rah­men der Sank­ti­ons­re­ge­lung des § 95 Abs. 2 Satz 3 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung berück­sich­tigt, blie­be die­se Neu­re­ge­lung wei­test­ge­hend oh­ne Fol­gen. An­lie­gen des Ge­setz­ge­bers war es je­doch, die Rech­te der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung zu stärken und de­ren Be­tei­li­gung zu si­chern (Klein, NJW 2017, 852, 855 un­ter III. 2. mit wei­te­ren Nach­wei­sen).
42 Vor die­sem Hin­ter­grund kann die Anhörung nicht nach­ge­holt wer­den (§ 95 Abs. 2 Satz 2 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung), da Satz 3 nur auf Satz 1 Be­zug nimmt (Rolfs, in: Er­fur­ter Kom­men­tar zum Ar­beits­recht, 18. Auf­la­ge 2018, § 178 SGB IX, Rand­num­mer 9 mit wei­te­ren Nach­wei­sen). Auch der Zweck des Un­ter­rich­tungs- und Anhörungs­rechts, der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ei­ne Mit­wir­kung an der Wil­lens­bil­dung des Ar­beit­ge­bers zu ermögli­chen, spricht ge­gen ei­ne Berück­sich­ti­gung der nachträgli­chen Be­tei­li­gung. Hat der Ar­beit­ge­ber be­reits ei­nen Zu­stim­mungs­an­trag ge­stellt, ist die Wil­lens­bil­dung ab­ge­schlos­sen und ei­ne Mit­wir­kung an der­sel­ben nicht mehr möglich. Wur­de aber – wie hier – die Kündi­gungs­ent­schei­dung oh­ne Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ge­trof­fen und der Zu­stim­mungs­an­trag ge­stellt, bleibt dem Ar­beit­ge­ber nur die Möglich­keit, den An­trag zurück­zu­neh­men und nach ord­nungs­gemäßer Un­ter­rich­tung und Anhörung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ei­nen er­neu­ten An­trag zu stel­len (so Klein, NJW 2017, 852, 856 un­ter III. 2. am En­de).
43 Da­mit hat die Nach­ho­lung der Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung mit dem Schrei­ben der Be­klag­ten vom 29.06.2017 (Bl. 196 bis 200 der Ak­te) nach Stel­lung des Zu­stim­mungs­an­trags vom 27.06.2017 (Bl. 96 bis 100 der Ak­te) beim LWL-In­te­gra­ti­ons­amt West­fa­len nicht zur Hei­lung der zu­erst un­ter­blie­be­nen bzw. feh­ler­haf­ten Be­tei­li­gung geführt. Viel­mehr ist es bei der Rechts­un­wirk­sam­keit der streit­ge­genständ­li­chen Ände­rungskündi­gung vom 16.10.2017 (Bl. 40 bis 42 bzw. 114 bis 116 der Ak­te) ge­blie­ben (vgl. Klein, NJW 2017, 852, 856 un­ter V. 3.).
45 Die nicht ord­nungs­gemäße Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung hat zur Fol­ge, dass ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge statt­zu­ge­ben ist (Söhn­gen, in: Däubler/Dei­nert/Zwan­zi­ger, KSchR-Kündi­gungs­schutz­recht, Kom­men­tar für die Pra­xis, 10. Auf­la­ge 2017, § 95 SGB IX, Rand­num­mer 11).
46 Et­was an­de­res er­gibt sich hier auch nicht dar­aus, dass es um ei­ne Ände­rungs­schutz­kla­ge gemäß § 4 Satz 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz geht und die Kläge­rin das Ände­rungs­an­ge­bot der Be­klag­ten so­wohl mit ih­rem ei­ge­nen Schrei­ben vom 27.10.2017 (Bl. 52 der Ak­te) als auch mit dem Schrei­ben ih­rer sach­be­ar­bei­ten­den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 25.10.2017 (Bl. 51 der Ak­te) un­ter Vor­be­halt an­ge­nom­men hat.
47 a)
48 Die Ände­rungskündi­gung im Sin­ne des § 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz ist ein aus zwei Wil­lens­erklärun­gen zu­sam­men­ge­setz­tes Rechts­geschäft. Zu der auf die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­rich­te­ten Kündi­gungs­erklärung tritt als zwei­tes Ele­ment das An­ge­bot zu sei­ner Fort­set­zung un­ter geänder­ten ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen hin­zu. Auch wenn die Ände­rungskündi­gung im Er­geb­nis le­dig­lich auf ei­ne Ände­rung der Ver­trags­be­din­gun­gen zielt, han­delt es sich bei ihr doch – we­gen der mit ihr ver­bun­de­nen Kündi­gungs­erklärung – um ei­ne „ech­te“ Kündi­gung. Die­se un­ter­liegt al­len for­ma­len An­for­de­run­gen, die an die Wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung zu stel­len sind. Die je­wei­li­gen Vor­ga­ben muss der Ar­beit­ge­ber vor Zu­gang der Kündi­gungs­erklärung und un­abhängig von ei­ner Ab­leh­nung oder (Vor­be­halts-) An­nah­me des Ände­rungs­an­ge­bots be­ach­ten. Wer­den die Vor­aus­set­zun­gen für die Wirk­sam­keit der Kündi­gung miss­ach­tet, ist dies auch bei An­nah­me des Ände­rungs­an­ge­bots recht­lich von Be­deu­tung, wenn die An­nah­me un­ter Vor­be­halt er­folgt. Auch der Ar­beit­neh­mer, der das An­ge­bot auf Ände­rung sei­ner Ar­beits­be­din­gun­gen gemäß § 2 Satz 1 Kündi­gungs­schutz­ge­setz un­ter Vor­be­halt der so­zia­len Recht­fer­ti­gung an­ge­nom­men hat, kann sich im Ände­rungs­schutz­pro­zess dar­auf be­ru­fen, die Ände­rung der Ver­trags­be­din­gun­gen sei schon aus ei­nem an­de­ren Grund als dem ih­rer So­zi­al­wid­rig­keit un­wirk­sam (so BAG, Ur­teil vom 20.02.2014 – 2 AZR 346/12 -, NZA 2014, 1069, 1072 un­ter B. II. 3. d) bb) der Gründe, Rand­num­mer 38 mit wei­te­ren Nach­wei­sen.
50 Die An­nah­me des Ände­rungs­an­ge­bots un­ter Vor­be­halt lässt zwar die Be­en­di­gungs­wir­kung der Kündi­gung ent­fal­len. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en soll in je­dem Fall – und sei es zu geänder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen – fort­ge­setzt wer­den. Da­mit wird je­doch der Um­stand, dass der Ar­beit­ge­ber ei­ne Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen mit Hil­fe ei­ner Kündi­gung durch­zu­set­zen ver­sucht hat, nicht be­deu­tungs­los. Ein Ar­beit­neh­mer, der die ihm „un­ter dem Druck“ ei­ner Kündi­gung an­ge­son­ne­ne Ver­tragsände­rung un­ter dem Vor­be­halt des § 2 Satz 1 Kündi­gungs­schutz­ge­setz an­nimmt, bringt da­mit in der Re­gel ge­ra­de nicht zum Aus­druck, er wol­le „an­de­re Gründe“ im Sin­ne des § 4 Satz 2 Al­ter­na­ti­ve 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz, die zur Un­wirk­sam­keit der Kündi­gungs­erklärung führen könn­ten, nicht gel­tend ma­chen. Er gibt re­gelmäßig nicht zu er­ken­nen, auf sons­ti­ge Rechtsmängel wie ei­ne feh­ler­haf­te Anhörung des Be­triebs­rats (§ 102 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz), das Feh­len ei­ner vor­he­ri­gen Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amts (§ 85 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gülti­gen Fas­sung; jetzt: § 168 SGB IX) oder das Feh­len ei­ner Zulässi­gerklärung durch die zuständi­ge Stel­le sol­le es nicht an­kom­men. Wenn bei Ab­leh­nung des Ände­rungs­an­ge­bots die Kündi­gung aus „an­de­ren Gründen“ un­wirk­sam wäre und das Ar­beits­verhält­nis schon des­halb un­verändert fort­bestünde, soll die­se Rechts­fol­ge auch dann ein­tre­ten, wenn der Ar­beit­neh­mer die ihn mit Hil­fe ei­ner Kündi­gung „auf­ge­zwun­ge­nen“ Ände­run­gen der Ar­beits­be­din­gun­gen vorläufig ak­zep­tiert (BAG, Ur­teil vom 22.10.2015 – 2 AZR 124/14 -, NZA 2016, 225, 227 f. un­ter A. II. 2. b) der Gründe, Rand­num­mer 30).
51 In die­sem Sinn muss ein Ar­beit­ge­ber, ge­dacht als sorgfälti­ger Erklärungs­empfänger, den Vor­be­halt in der Re­gel ver­ste­hen (§§ 133, 157 BGB). Ein Ver­zicht dar­auf, „an­de­re Gründe“ im Sin­ne von § 4 Satz 2 Al­ter­na­ti­ve 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz gel­tend zu ma­chen, müss­te aus­drück­lich oder doch nach den Umständen ein­deu­tig erklärt sein (vgl. BAG, Ur­teil vom 28.05.1998 – 2 AZR 615/97 -, NZA 1998, 1167, 1168 un­ter II. 3. b) der Gründe).
52 Von ei­ner sol­chen Erklärung der Kläge­rin kann hier aber kei­ne Re­de sein. Viel­mehr hat sie sich in ih­rem Schrift­satz vom 26.02.2018 auf Sei­te 12 (Bl. 170 der Ak­te) so­gar aus­drück­lich dar­auf be­ru­fen, dass die Ände­rungskündi­gung oh­ne vor­he­ri­ge ord­nungs­gemäße Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nach § 95 Abs. 2 Satz 3 SGB IX bzw. § 178 Abs. 2 Satz 3 SGB IX n. F. un­wirk­sam ist. Auch mit dem in der Kla­ge­schrift vom 03.11.2017 auf den Sei­ten 1 und 2 (Bl. 27 und 28 der Ak­te) un­ter Zif­fer 1. ent­hal­te­nen Fest­stel­lungs­an­trag hat die Kläge­rin klar zu er­ken­nen ge­ge­ben, dass sie die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 16.10.2017 so­wohl hin­sicht­lich ih­rer So­zi­al­wid­rig­keit als auch we­gen ih­rer Rechts­un­wirk­sam­keit „aus an­de­ren Gründen“ an­grei­fen will.
54 Da­mit war an­trags­gemäß fest­zu­stel­len, dass die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 16.10.2017 (Bl. 40 bis 42 bzw. Bl. 114 – 116 der Ak­te) aus an­de­ren Gründen rechts­un­wirk­sam ist (§ 4 Satz 2 Al­ter­na­ti­ve 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz). Denn ei­ner Kla­ge ge­gen die Wirk­sam­keit ei­ner Ände­rungskündi­gung ist bei ei­nem „Feh­ler“ in der Kündi­gungs­erklärung – wie er hier man­gels ord­nungs­gemäßer Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung vor­liegt - auch dann statt­zu­ge­ben, wenn der Ar­beit­neh­mer das „Ände­rungs­an­ge­bot“ un­ter Vor­be­halt an­ge­nom­men hat (vgl. BAG, Ur­teil vom 22.10.2015 – 2 AZR 124/14 -, NZA 2016, 225, 228 un­ter A. II. 2. d) der Gründe, Rand­num­mer 32).
55 II.
56 Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO in Ver­bin­dung mit § 46 Abs. 2 Satz 1 Ar­beits­ge­richts­ge­setz, § 495 Abs. 1 ZPO.
57 Der Be­klag­ten wa­ren die Kos­ten des Rechts­streits auf­zu­er­le­gen, weil sie bei dem zur Ent­schei­dung ge­stell­ten An­trag der Kläge­rin un­ter­le­gen ist und der im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung vor der Kam­mer am 06.03.2018 zurück­ge­nom­me­ne wei­te­re Fest­stel­lungs­an­trag aus der Kla­ge­schrift vom 03.11.2017 auf Sei­te 2 (Bl. 28 der Ak­te) un­ter Zif­fer 2. nicht zusätz­lich zu be­wer­ten war, wes­halb er sich auch bei den Kos­ten nicht aus­ge­wirkt hat.
59 Die im Ur­teil gemäß § 61 Abs. 1 Ar­beits­ge­richts­ge­setz zu tref­fen­de Ent­schei­dung über den Wert des Streit­ge­gen­stan­des ist nach § 42 Abs. 2 Satz 1 GKG so­wie § 46 Abs. 2 Satz 1 Ar­beits­ge­richts­ge­setz in Ver­bin­dung mit § 3 ZPO vor­ge­nom­men wor­den.
60 Die Höhe des fest­ge­setz­ten Streit­wer­tes für den zur Ent­schei­dung ge­stell­ten Ände­rungs­schutz­an­trag er­gibt sich aus dem zwei­fa­chen Be­trag des mo­nat­li­chen Ge­sam­tent­gelts der Kläge­rin in Höhe von 5.329,51 Eu­ro brut­to (vgl. die Ko­pie der Ab­rech­nung für Ju­li 2017 auf Bl. 37 und 38 der Ak­te). Denn im Ände­rungs­schutz­ver­fah­ren ist nach An­nah­me des Ände­rungs­an­ge­bots mit dem Vor­be­halt des § 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz der Ge­gen­stands­wert in der Re­gel auf zwei Mo­nats­vergütun­gen fest­zu­set­zen, wo­mit dem all­ge­mei­nen an­er­kann­ten Grund­satz, dass die Fest­set­zung des Streit­werts möglichst ein­fach und vor­aus­be­re­chen­bar sein soll, Rech­nung ge­tra­gen wird (so LAG Ber­lin, Be­schluss vom 29.05.1998 – 7 Ta 129/97 -, NZA – RR 1999, 45, 46 mit wei­te­ren Nach­wei­sen). Das ist auch mit dem Streit­wert­ka­ta­log für die Ar­beits­ge­richts­bar­keit ver­ein­bar, wo­nach der Streit um ei­ne Ände­rungskündi­gung bei An­nah­me un­ter Vor­be­halt mit ei­ner Mo­nats­vergütung bis zu ei­nem Vier­tel­jah­res­ver­dienst je nach dem Grad der Ver­tragsände­rung zu be­wer­ten ist (NZA 2016, 926, 928 un­ter I. 4. 1).
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