Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F23-11-2000-1P-631-2000
Timestamp: 2016-10-22 05:30:13
Document Index: 128196177

Matched Legal Cases: ['Art. 90', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 90', 'Art. 84', 'Art. 268', 'Art. 32', 'Art. 6', 'Art. 29', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 90', 'BGE', 'Art. 29', 'Art. 6', 'Art. 29', 'BGE', 'BGE', 'Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 32', 'BGE']

1P.631/2000 (23.11.2000)
Ersatzrichterin Pont Veuthey und Gerichtsschreiber Sass�li.
A.- X.________ wird vorgeworfen, am 2. Juli 1997 den zehnj�hrigen A.Y.________ gegen dessen Willen w�hrend �ber drei Stunden in ihrer Wohnung festgehalten zu haben. Mit Entscheid des Amtsstatthalteramts Hochdorf vom 25. September 1998 wurde sie deshalb wegen Entf�hrung eines Kindes zu 14 Tagen Gef�ngnis verurteilt, wobei ihr der bedingte Strafvollzug gew�hrt wurde. Diese Strafverf�gung nahm X.________ nicht an. Daraufhin wurde sie am 10. Juni 1999 vom Kriminalgericht des Kantons Luzern wegen Freiheitsberaubung zu derselben Strafe verurteilt. Auf Appellation der Verurteilten hin best�tigte das Obergericht des Kantons Luzern dieses Urteil am 4. April 2000. Im Laufe des Verfahrens wurde X.________ zun�chst von einem Privatverteidiger, sp�ter von einem Offizialanwalt vertreten. Antr�ge von X.________, ihr einen Wechsel des amtlichen Verteidigers zu bewilligen, wiesen das Kriminalgericht am 7. Juni 1999 und das Obergericht am 14. Dezember 1999 ab.
B.- Gegen das Urteil des Obergerichts vom 4. April 2000 f�hrt X.________ staatsrechtliche Beschwerde mit der R�ge, es verletze das Willk�rverbot, das Rechtsgleichheitsgebot sowie ihre Verteidigungsrechte. Sie beantragt daher eine Aufhebung des Urteils.
1.- a) aa) Das staatsrechtliche Beschwerdeverfahren f�hrt nicht das vorangegangene kantonale Verfahren weiter, sondern stellt ein selbstst�ndiges staatsgerichtliches Verfahren dar, das der Kontrolle kantonaler Hoheitsakte unter dem spezifischen Aspekt ihrer Verfassungsm�ssigkeit dient.
Das Bundesgericht pr�ft darin nach Art. 90 Abs. 1 lit. b OG nur klar und detailliert erhobene R�gen. Auf ungen�gend begr�ndete R�gen und rein appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid tritt es nicht ein (BGE 125 I 492 E. 1b S. 495 mit Hinweisen). Es gen�gt nicht, dass die Beschwerdef�hrerin ihre Version der ihr vorgeworfenen Ereignisse darstellt oder das Verhalten unterer kantonaler Instanzen kritisiert. Sie muss sich vielmehr mit dem angefochtenen Urteil auseinander setzen und erkl�ren, inwiefern die darin enthaltenen Feststellungen willk�rlich sind. Wird die Beweisw�rdigung als willk�rlich kritisiert, so ist darzulegen, inwiefern diese offensichtlich unhaltbar ist oder mit der tats�chlichen Situation in klarem Widerspruch steht (vgl.
bb) Obwohl die Anforderungen an die Begr�ndung von Laienbeschwerden grossz�giger gehandhabt werden k�nnen (vgl.
BGE 116 II 745 E. 2b S. 748), gen�gt die Beschwerdebegr�ndung den genannten Anforderungen in weiten Teilen nicht, weshalb auf die Beschwerde insoweit nicht einzutreten ist.
So wird der Vorwurf an die kantonalen Beh�rden, sie h�tten die Beschwerdef�hrerin wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert, mit keinem Wort substanziiert. Da das Obergericht der Beschwerdef�hrerin nicht vorwirft, A.________ an einen Stuhl gefesselt oder geschlagen zu haben, ist auch auf die Kritik an entsprechenden Aussagen von Zeugen in der Strafuntersuchung nicht einzugehen.
Die in der Beschwerde enthaltenen Vorw�rfe an das Amtsstatthalteramt und das Kriminalgericht sind somit unbeachtlich.
Sie bilden nicht Gegenstand des allein anfechtbaren obergerichtlichen Urteils. Das Gleiche gilt f�r die Kritik der Beschwerdef�hrerin an ihrem fr�heren Privatverteidiger.
Entgegen der vom Obergericht in seiner Vernehmlassung ge�usserten Auffassung ist die Beschwerdef�hrerin hingegen befugt, die Verweigerung eines Wechsels ihres amtlichen Verteidigers anzufechten. Diese Verweigerung erfolgte zwar in einem selbstst�ndigen Zwischenentscheid vom 14. Dezember 1999. Ein solcher Zwischenentscheid, der weder ein Ausstandsbegehren noch die Zust�ndigkeit betrifft, konnte nur dann selbstst�ndig angefochten werden, wenn er einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirkt. Dies ist bei einer Verweigerung eines Wechsels des amtlichen Verteidigers grunds�tzlich nicht der Fall (vgl. BGE 126 I 207 zur seit dem 1. M�rz 2000 g�ltigen Fassung von Art. 87 OG; die dort erl�uterten Praxis galt grunds�tzlich auch f�r die bis zum 29. Februar 2000 g�ltige Fassung von Art. 87 OG [vgl. AS 1944 295]). Daher kann die Beschwerdef�hrerin den entsprechenden Zwischenentscheid zusammen mit dem angefochtenen Endentscheid beanstanden, soweit sie sich mit dem Zwischenentscheid in der von Art. 90 Abs. 1 OG geforderten Weise auseinandersetzt.
c) Ob das der Beschwerdef�hrerin vorgeworfene Verhalten strafrechtlich als Freiheitsberaubung qualifiziert werden kann, ist im vorliegenden Verfahren nicht zu pr�fen (Art. 84 Abs. 2 OG). Entsprechende R�gen h�tte die Beschwerdef�hrerin mit eidgen�ssischer Nichtigkeitsbeschwerde in Strafsachen vorbringen m�ssen (vgl. Art. 268 ff. BStP).
2.- a) Die Beschwerdef�hrerin r�gt, die verweigerte Abl�sung des amtlichen Verteidigers verletze ihren Anspruch auf eine ausreichende Verteidigung (vgl. Art. 32 Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 3 lit. c EMRK). Sinngem�ss beruft sie sich auch auf ihren Anspruch auf unentgeltliche Verbeist�ndung (Art. 29 Abs. 3 BV). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist ein Begehren um Wechsel des amtlichen Verteidigers nur und immer dann zu bewilligen, wenn aus objektiven Gr�nden eine sachgem�sse Vertretung der Interessen der Angeschuldigten durch den bisherigen Anwalt nicht mehr gew�hrleistet ist (BGE 116 Ia 102 E. 4b/aa S. 105 mit Hinweisen).
Wird von den Beh�rden unt�tig geduldet, dass der Offizialverteidiger seine anwaltlichen Berufs- und Standespflichten zum Schaden der Angeschuldigten in schwerwiegender Weise vernachl�ssigt, kann darin eine Verletzung der in der Verfassung und der EMRK gew�hrleisteten Verteidigungsrechte liegen (BGE 120 Ia 48 E. 2b/bb S. 51 mit Hinweisen insbesondere auf die Praxis der Strassburger Rechtsprechungsorgane).
Pflichtverletzungen des Offizialanwalts k�nnen namentlich in krassen Frist- und Terminvers�umnissen, mangelnder Sorgfalt bei der Vorbereitung von Einvernahmen und anderen Prozesshandlungen oder mangelnder Vorsorge f�r Stellvertretungen liegen (vgl. BGE 120 Ia 48 E. 2c und d S. 52 f.). Der amtliche Verteidiger hat bei der Aus�bung seiner Aufgabe die n�tige Sorgfalt anzuwenden, es steht ihm aber in Bezug auf die Art und Weise der Verteidigung ein erheblicher Ermessensspielraum zu. Als Pflichtverletzung, welche eine Abberufung rechtfertigen w�rde, kann nur sachlich nicht vertretbares bzw. offensichtlich fehlerhaftes Prozessverhalten des Verteidigers in Frage kommen.
Dass die Angeschuldigte ihrem Offizialanwalt lediglich aus subjektiven Motiven das Vertrauen abspricht, reicht f�r einen verfassungsrechtlichen Anspruch auf Auswechslung des Offizialverteidigers nicht aus (BGE 116 Ia 102 E. 4b/aa S. 105; 114 Ia 101 E. 3 S. 104, je mit Hinweisen). Es darf insbesondere der gute Wille der Angeschuldigten vorausgesetzt werden, mit ihrem amtlichen Verteidiger konstruktiv zusammenzuarbeiten. Grunds�tzlich bestimmt dieser die Art und Weise der Verteidigung und ist jedenfalls nicht bloss unkritisches Sprachrohr seiner Mandantin (BGE 116 Ia 102 E. 4b/bb S. 105). Der Offizialverteidiger muss die Notwendigkeit von prozessualen Vorkehrungen im Interesse der Angeschuldigten sachgerecht und kritisch abw�gen. Gegen�ber dem Staat hat er auch die Pflicht, seinen Aufwand auf ein vern�nftiges Mass zu reduzieren (BGE 120 Ia 48 E. 2b/bb S. 51 mit Hinweisen).
b) In der Beschwerde werden zwar zahlreiche Vorw�rfe gegen den amtlichen Verteidiger erhoben, es fehlt aber an einer Auseinandersetzung mit dem obergerichtlichen Entscheid vom 14. Dezember 1999. Es kann offen bleiben, ob dieser �berhaupt angefochten ist, obwohl dessen Aufhebung nicht ausdr�cklich beantragt wird (vgl. Art. 90 Abs. 1 lit. a OG). Jedenfalls sind die Behauptungen der Beschwerdef�hrerin, wonach der amtliche Verteidiger die Akten nicht studiert habe und nicht bereit gewesen sei, ihren Fall mit ihr zu besprechen, unbelegt. Aus den Akten ergibt sich vielmehr, dass der Verteidiger sie immer wieder schriftlich zu Besprechungen aufforderte. Wenn er sich geweigert haben sollte, die Akten zusammen mit ihr zu studieren, entsprach dies seiner Pflicht, seinen Aufwand gering zu halten, solange die Beschwerdef�hrerin auch alleine Akteneinsicht nehmen konnte (vgl. hinten E. 3). Eine Angeschuldigte kann grunds�tzlich ihre Verteidigungsrechte auch dann selbst wahrnehmen, wenn sie verteidigt ist (BGE 126 I 26 E. 4b/aa S. 30 mit Hinweisen). Auch die Empfehlung, den Entscheid des Amtsstatthalters anzunehmen und der Hinweis auf das Risiko, dass andernfalls die Strafe erh�ht werden konnte, entsprachen der Pflicht des Anwalts als Fachmann, seine Klientin zu beraten. Als die Beschwerdef�hrerin seinem Rat nicht folgte, hat der amtliche Verteidiger den Willen seiner Mandantin respektiert und den Fall �ber zwei Instanzen weitergezogen.
Dass er nicht gegen den fr�heren Verteidiger der Beschwerdef�hrerin vorging, ist im vorliegenden Verfahren, in dem es um seine Pflichten als ihr amtlicher Strafverteidiger geht, unbeachtlich.
3.- Die Beschwerdef�hrerin r�gt ebenfalls eine Verletzung ihres aus Art. 29 Abs. 2 BV fliessenden Anspruchs auf Akteneinsicht. Sie behauptet jedoch nicht, dass ihr die Beh�rden je die Einsicht in die Strafakten verweigert h�tten. Sie wurde im Gegenteil mehrmals schriftlich auf ihr Akteneinsichtsrecht aufmerksam gemacht (vgl. etwa Schreiben des Obergerichts vom 4. November 1999), und sie hat wiederholt davon Gebrauch gemacht (vgl. etwa Aktennotizen des Amtsstatthalters vom 9. September 1997 und des Amtsschreibers vom 14. Januar 1998). Die Akteneinsicht war ihr auch ohne ihren Verteidiger m�glich und zwar selbst dann, wenn dieser eine solche nicht f�r n�tig hielt. Ihre Beschwerdeschrift beweist auch, dass sie mit den Akten bestens vertraut ist. Der Anspruch der Beschwerdef�hrerin auf rechtliches Geh�r wurde somit nicht verletzt.
4.- a) Die Beschwerdef�hrerin behauptet weiter, das Obergericht habe von ihr beantragte Entlastungszeugen nicht befragt. Ein Anspruch, die Ladung von Entlastungszeugen zu bewirken, ist in Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK vorgesehen. Aus dem in Art. 29 Abs. 2 BV verankerten Anspruch auf rechtliches Geh�r ergibt sich, dass Parteien mit rechtzeitig und formg�ltig angebotenen Beweisantr�gen geh�rt werden m�ssen, soweit diese erhebliche Tatsachen betreffen und nicht offensichtlich beweisuntauglich sind (BGE 124 I 241 E. 2 S. 242; 106 Ia 161 E. 2b S. 162, je mit Hinweisen). Das Beweisverfahren kann jedoch abgeschlossen werden, wenn die entscheidende Beh�rde auf Grund bereits abgenommener Beweise ihre �berzeugung gebildet hat und ohne Willk�r in vorweggenommener Beweisw�rdigung annehmen kann, dass ihre �berzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht ge�ndert w�rde (BGE 124 I 208 E. 4a S. 211). In diesem Fall besteht nach der Praxis des Bundesgerichtes, welche mit derjenigen der Strassburger Rechtsprechungsorgane zu Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK �bereinstimmt, kein Anspruch der Angeklagten auf Befragung von Entlastungszeugen (vgl. BGE 124 I 274 E. 5b S. 285; 115 Ia 97 E. 5b S. 101; 112 Ia 198 E. 2b S. 202).
b) Die Beschwerdef�hrerin wirft ihrem amtlichen Verteidiger vor, eine Ladung der von ihr gew�nschten Zeugen nicht beantragt zu haben. Auch deswegen ist es fraglich, ob ihr Antrag vom 9. November 1999 auf Bewilligung eines Wechsels ihres Verteidigers und ihre Reaktion vom 12. Januar 2000 auf die Verweigerung eines solchen Wechsels als formg�ltige Antr�ge angesehen werden k�nnen, weitere Zeugen zu befragen. Jedenfalls durfte das Obergericht die Befragung weiterer Zeugen in antizipierter Beweisw�rdigung ablehnen.
Die Beschwerdef�hrerin erw�hnt in den genannten Eingaben M.________, N.________ und O.________. Diese haben auch schriftlich best�tigt, dass es im Juni 1999, also zwei Jahre nach den strittigen Ereignissen, wegen der Tagesvorh�nge nicht m�glich gewesen sei, vom Balkon in die fr�here Wohnung der Beschwerdef�hrerin hineinzuschauen. Dies w�rde zwar bestimmten Angaben von Frau Y.________ und Z.________ widersprechen. Die Zeugen h�tten jedoch nicht best�tigen k�nnen, dass gerade am 2. Juli 1997 die Vorh�nge zugezogen waren. Die Beschwerdef�hrerin hat auch mehrfach den Polizeibeamten P.________ erw�hnt, der best�tigen k�nne, dass sich kein Stuhl in ihrer Wohnung befunden habe. Eine solche Aussage des Polizeibeamten h�tte zwar beil�ufigen Angaben der Zeuginnen Y.________ und Z.________ widersprochen, nicht jedoch den Vorwurf entkr�ftet, die Beschwerdef�hrerin habe A.________ drei Stunden festgehalten, zumal dieser immer aussagte, er sei am Boden gesessen. Angesichts der �brigen gegen einen freiwilligen Aufenthalt A.________ bei der Beschwerdef�hrerin sprechenden Indizien (vgl. hinten E. 5b/aa), h�tte selbst eine wahrheitswidrige Erw�hnung von St�hlen durch die Zeuginnen deren �brige, tatbestandsrelevanten Aussagen nicht als unglaubw�rdig erscheinen lassen. Somit h�tte das Obergericht die Befragung der von der Beschwerdef�hrerin erw�hnten Zeugen ohne Willk�r in antizipierter Beweisw�rdigung ablehnen k�nnen, wenn die Beweisantr�ge �berhaupt formg�ltig gestellt wurden.
5.- Die Beschwerdef�hrerin wirft dem Obergericht in zahlreichen Einzelfragen eine willk�rliche W�rdigung von Beweisen vor.
a) Den kantonalen Gerichten steht bei der Feststellung des Sachverhaltes und der W�rdigung des Beweisergebnisses ein weiter Ermessensspielraum zu. Bei der Beurteilung von Fragen der Beweisw�rdigung beschr�nkt sich das Bundesgericht auf eine Willk�rpr�fung. Sonst w�rde es selbst den Grundsatz der freien Beweisw�rdigung durch den Sachrichter verletzen. Die Beweisw�rdigung ist nicht schon dann willk�rlich, wenn vom Sachrichter gezogene Schl�sse nicht mit der Darstellung der Beschwerdef�hrerin �bereinstimmen.
Das Bundesgericht greift nur ein, wenn die tats�chlichen Feststellungen offensichtlich falsch sind oder auf einem offenbaren Versehen beruhen, wenn sie mit der tats�chlichen Situation in klarem Widerspruch stehen, wenn sie sich in entscheidende Widerspr�che verwickeln, oder wenn Feststellungen ohne jede Beweisgrundlage getroffen werden (vgl. zum Ganzen BGE 120 Ia 31 E. 4b S. 40 mit Hinweisen).
Willk�r liegt ausserdem nur vor, wenn nicht bloss die Begr�ndung eines Entscheides, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist (vgl. BGE 125 I 166 E. 2a S. 168 mit Hinweisen).
Sinngem�ss beruft sich die Beschwerdef�hrerin auch auf die Unschuldsvermutung (vgl. Art. 32 Abs. 1 BV) als Beweisw�rdigungsregel.
Diese erlaubt es dem Bundesgericht nur einzugreifen, wenn die Angeklagte verurteilt wurde, obgleich bei objektiver W�rdigung des ganzen Beweisergebnisses offensichtlich erhebliche und schlechterdings nicht zu unterdr�ckende Zweifel an deren Schuld fortbestanden (BGE 124 IV 86 E. 2a S. 88; 120 Ia 31 E. 2d S. 38).
b) aa) Aus der Sicht des Obergerichts war f�r die Verurteilung der Beschwerdef�hrerin entscheidend, dass diese A.Y.________ gegen dessen Willen festgehalten habe. Dies st�tzt das Obergericht auf die Aussagen des Opfers, von dessen Mutter und der Zeugin Z.________, die dies best�tigen.
Die Zeugin W.________ kann dies entgegen einer missverst�ndlichen Erw�gung im angefochtenen Urteil zwar nicht best�tigen, wohl aber wiederholte Bem�hungen der beiden Frauen, eine Freilassung von A.________ zu bewirken. Dass weitere Nachbarn nichts von diesen Bem�hungen bemerkt haben, ist unerheblich. Auch die Beschwerdef�hrerin best�tigt diese Bem�hungen, kann aber keine Erkl�rung f�r sie vorbringen.
Dass die Zeuginnen ihren Bem�hungen nicht mit Gewalt zum Erfolg verholfen haben, beweist nicht, dass solche nicht stattgefunden h�tten, selbst wenn es Gelegenheiten zu einer gewaltsamen Befreiung von A.________ gab. Unerkl�rbar w�re auch, warum sich A.________ w�hrend drei Stunden bei einer Frau h�tte aufhalten wollen, mit der er unbestrittenermassen Konflikte hatte. Wenn das Obergericht schreibt, der Polizist Q.________ habe die Beschwerdef�hrerin ersucht, den Knaben freizulassen, mag diese Zusammenfassung des protokollierten Gespr�chs missverst�ndlich sein. Der Polizist konnte am Telephon nat�rlich nicht beurteilen, ob die Beschwerdef�hrerin A.________ tats�chlich festhielt. Deren Angaben und Fragen veranlassten ihn jedoch dazu, sie darauf hinzuweisen, dass sie den Knaben nicht gegen dessen Willen festhalten d�rfe. Er erkl�rte ihr, dass ein solches Festhalten auch nicht bis zum Eintreffen des Vaters des Knaben zul�ssig w�re, wie die Beschwerdef�hrerin meinte. Dies durfte das Obergericht als ein Indiz daf�r ansehen, dass die Beschwerdef�hrerin den Knaben erst dessen Vater zur�ckgeben wollte.
Genau diese Absicht soll die Beschwerdef�hrerin gem�ss dem Protokoll der obergerichtlichen Verhandlung vor den Schranken best�tigt haben. Selbst wenn es sich dabei um einen Fehler im Protokoll handeln sollte, so hat die Beschwerdef�hrerin doch auch schon am 14. Januar 1998 vor dem Amtsstatthalteramt ausgesagt, sie habe Frau Y.________ gesagt, sie wolle ihren Gatten sprechen und dieser k�nne A.________ abholen.
bb) Die zahlreichen Argumente, welche die Beschwerdef�hrerin gegen die Glaubw�rdigkeit einzelner Aussagen der sie belastenden Zeuginnen vorbringt, betreffen nicht die entscheidwesentliche Frage, ob A.________ gegen dessen Willen festgehalten wurde. Angesichts des Vorstehenden k�nnen sie auch nicht ernsthafte Zweifel an der Glaubw�rdigkeit der Aussagen von A.________, seiner Mutter und von Z.________ im entscheidenden Punkt aufkommen lassen.
Dass Z.________ durch die Balkont�r den laufenden Fernseher nicht geh�rt habe, schliesst entgegen der Auffassung der Beschwerdef�hrerin nicht aus, dass Frau Y.________ sp�ter die Hilferufe von A.________ geh�rt haben soll.
Auch die �brigen gegen die Richtigkeit einzelner Aussagen der Zeuginnen Y.________ und Z.________ vorgebrachten Argumente sind nicht stichhaltig. So kann W.________, auch wenn sie keinen Hausschl�ssel gehabt haben sollte, den Einlass der beiden Zeuginnen entsprechend ihrer Aussage auch erm�glicht haben, indem sie eine andere Hausbewohnerin dazu aufforderte. Frau Y.________ behauptet nicht, auf dem Balkon der Beschwerdef�hrerin gewesen zu sein, als A.________ das Entweichen gelungen sei, sondern zu einem fr�heren Zeitpunkt. Ihre Aussage, immer auf dem Balkon gewesen zu sein, bezieht sich offensichtlich auf diesen fr�heren Zeitpunkt. Die Beschwerdef�hrerin wirft dem Obergericht vor, ohne Grundlage in den Akten zu behaupten, sie habe zugegeben, von Frau Y.________aufgefordert worden zu sein, A.________ herauszugeben. So durfte das Obergericht jedoch ihre Aussage zusammenfassen, Frau Y.________ habe sie gefragt, ob A.________ gefesselt sei, und ihr gesagt, er solle sich befreien.
Es ist schliesslich unerheblich, ob und wie oft das Telephon bei der Beschwerdef�hrerin l�utete, w�hrend A.________ bei ihr war. Ein telephonischer Kontakt fand jedenfalls unbestrittenermassen statt. Aus diesem konnte die Beschwerdef�hrerin schliessen, dass Frau Y.________ die R�ckkehr ihres Sohnes verlangte und annahm, dieser werde gegen seinen Willen festgehalten. �berdies schliesst die Tatsache, dass die neue Telephonnummer der Beschwerdef�hrerin nicht auf der Klassenliste der Schule stand, nicht aus, dass diese Frau Y.________ dennoch bekannt war. Die Beschwerdef�hrerin hat am 14. Januar 1998 im �brigen selbst ausgesagt, sie wisse nicht, ob am fraglichen Tag der bekannte B�roanschluss ihres Mannes auf denjenigen ihrer Wohnung umgestellt gewesen sei.
6.- Die Beschwerde ist somit als unbegr�ndet abzuweisen, soweit auf sie eingetreten werden kann. Die gesamten Umst�nde des Falles rechtfertigen es, dem Gesuch der Beschwerdef�hrerin um unentgeltliche Prozessf�hrung f�r die Gerichtskosten zu entsprechen.
2.- Der Beschwerdef�hrerin wird f�r die Gerichtskosten die unentgeltliche Rechtspflege gew�hrt.
4.- Dieses Urteil wird der Beschwerdef�hrerin und der Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern sowie dem Obergericht des Kantons Luzern (II. Kammer) schriftlich mitgeteilt.