Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Kuendigungsschutz_LAG_Berlin-Brandenburg_7Sa569-09.html
Timestamp: 2017-07-20 20:30:24
Document Index: 311292637

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', 'Art. 30', '§ 1', 'Art. 30', 'Art. 30', '§ 10', '§ 1', '§ 8', '§ 66', '§ 9', '§ 1', '§ 23', 'Art 30', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 90', '§ 1', '§ 53', '§ 53', '§ 53', '§ 36', '§ 53', '§ 1', 'Art. 30', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 23', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 23', '§ 23', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 23', '§ 23', '§ 1', '§ 23', '§ 1', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 4', '§ 17', '§ 91', '§ 72', '§ 46']

HENSCHE Arbeitsrecht: 7 Sa 569/09
Auf die War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG können auch sol­che Ar­beits­verhält­nis­se an­ge­rech­net wer­den, auf die Deut­sches Recht kei­ne An­wen­dung fin­det.
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 20.02.2009, 28 Ca 20634/08Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
Verkündet am 6. Ok­to­ber 2009 Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben) 7 Sa 569/09
28 Ca 20634/08Ar­beits­ge­richt Ber­lin H., VAals Ur­kunds­be­am­ter/in der Geschäfts­stel­le Im Na­men des Vol­kes
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 7. Kam­mer, auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 6. Ok­to­ber 2009durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt R. als Vor­sit­zen­de so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr W. und Herr W.für Recht er­kannt: I. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 20.02.2009 - 28 Ca 20634/08 - ab­geändert und fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten mit Schrei­ben vom 08. De­zem­ber 2008 nicht auf­gelöst wor­den ist. II. Der Auflösungs­an­trag der Be­klag­ten wird zurück­ge­wie­sen. III. Die Be­klag­te trägt die Kos­ten des Rechts­streits. IV. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung so­wie über ei­nen von der Be­klag­ten hilfs­wei­se ge­stell­ten Auflösungs­an­trag und in die­sem Zu­sam­men­hang ins­be­son­de­re darüber, ob der Kläger die War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG erfüllt hat.
Die P. b. AG ist ei­ne in Lett­land ansässi­ge Bank mit ei­ner im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Zweig­nie­der­las­sung in Ber­lin, in der mehr als 10 Ar­beit­neh­mer beschäftigt sind. Zum wei­te­ren Aus­bau ih­rer wirt­schaft­li­chen Ak­ti­vitäten eröff­ne­te sie am 12.06.2008 ei­ne Fi­lia­le in München mit zunächst fünf Mit­ar­bei­tern.
Der Kläger be­warb sich auf ein In­se­rat der P. b. AG für die Stel­le als Fi­li­al­lei­ter der Münch­ner Fi­lia­le und wur­de von die­ser zunächst auf der Grund­la­ge ei­nes in let­ti­scher Spra­che ab­ge­fass­ten Ar­beits­ver­tra­ges vom 7. April 2008 für ei­nen Ar­beits­platz in München ein­ge­stellt un­ter Ver­ein­ba­rung ei­ner Pro­be­zeit bis zum 4. Ju­li 2008. Für die Ein­zel­hei­ten des Ver­tra­ges wird auf die An­la­ge K2 (Bl. 38 ff d. A.) so­wie auf die Über­set­zung des Ver­tra­ges (An­la­ge B1, Bl. 102 – 109 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Un­ter dem Da­tum vom 12. Mai 2008 schloss der Kläger mit der P. b. AG ei­ne Ver­ein­ba­rung zu die­sem Ar­beits­ver­trag (Bl. 336 und 337 d.A.), wo­nach der Ein­satz­ort des Klägers so­wohl Ri­ga als auch München sein soll­te. Ob die­se Ver­ein­ba­rung tatsächlich im Mai 2008 – so die Be­klag­te – oder aber erst im Ju­ni 2008 nach Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges vom 9. Ju­ni 2008 ab­ge­schlos­sen wur­de – so der Kläger – ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig. Un­ter dem Da­tum vom 9. Ju­ni 2008 kam es zum Ab­schluss ei­nes auf die Dau­er von ei­nem Jahr be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges in deut­scher Spra­che mit ei­ner 6monatigen Pro­be­zeit, wo­nach der Kläger als Fi­li­al­lei­ter in der Münche­ner Fi­lia­le ein­ge­stellt wur­de. Un­ter den Schluss­be­stim­mun­gen ver­si­cher­te der Kläger aus­drück­lich, dass zwi­schen ihm und der Ar­beit­ge­be­rin bis­her noch kein Ar­beits­verhält­nis be­stan­den hat. Für die wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Ar­beits­ver­tra­ges wird auf die An­la­ge K 3 (Bl. 43 – 50 d. A.) Be­zug ge­nom­men. Mit Schrei­ben vom 8. De­zem­ber 2008 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis des Klägers mit der für die Pro­be­zeit vor­ge­se­he­nen Kündi­gungs­frist von zwei Wo­chen zum
23. De­zem­ber 2008, eben­so wie die Ar­beits­verhält­nis­se von zwei wei­te­ren in der Fi­lia­le in München beschäftig­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen. Das Kündi­gungs­schrei­ben wur­de von der Nie­der­las­sungs­lei­te­rin un­ter­zeich­net, die zum Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung nicht mehr bei der Be­klag­ten beschäftigt war. Mit der vor­lie­gen­den, beim Ar­beits­ge­richt Ber­lin am 15. De­zem­ber 2008 ein­ge­gan­ge­nen und der Be­klag­ten am 6. Ja­nu­ar 2009 zu­ge­stell­ten Kla­ge wen­det sich der Kläger ge­gen die­se Kündi­gung, die er für so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt und da­mit für rechts­un­wirk­sam hält. Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, auf sein Ar­beits­verhält­nis fin­de das Kündi­gungs­schutz­ge­setz An­wen­dung, weil er die War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG erfüllt ha­be. Für die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses sei der Ar­beits­ver­trag vom 7. April 2008 ein­zu­be­zie­hen, weil auch auf die­ses Ar­beits­verhält­nis deut­sches Recht an­zu­wen­den sei. Dar­aus fol­ge zu­gleich, dass die Be­klag­te mit der Kündi­gungs­frist von zwei Wo­chen die ihm nach dem Ge­setz zu­ste­hen­de Kündi­gungs­frist nicht ein­ge­hal­ten ha­be. Die Kündi­gung sei nicht auf­grund drin­gen­der be­trieb­li­cher Gründe so­zi­al ge­recht­fer­tigt. Sein Ar­beits­platz sei nicht weg­ge­fal­len.
fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 08.12.2008, zu­ge­gan­gen am 09.12.2008, nicht auf­gelöst wor­den ist.
Die Be­klag­te, die schon man­gels Erfüllung der War­te­zeit das Kündi­gungs­schutz­ge­setz nicht für an­wend­bar hält, hat zu den Kündi­gungs­gründen be­haup­tet, sie ha­be am 18. No­vem­ber 2008 u.a. die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung ge­trof­fen, die vor­han­de­ne Ar­beit durch Um­or­ga­ni­sa­ti­on auf we­ni­ger Fi­li­alei­ter/stell­ver­tre­ten­de Nie­der­las­sungs­lei­ter zu ver­tei­len. Da­durch sei ein Ar­beits­platz des Klägers als Fi­li­al­lei­ter weg­ge­fal­len. Des­sen Auf­ga­ben sei­en von der stell­ver­tre­ten­den Lei­te­rin der Zweig­nie­der­las­sung, Frau L., über­nom­men wor­den, die mit Aus­schei­den des Klägers nach München ver­setzt wor­den sei. Un­ter Berück­sich­ti­gung ei­ner So­zi­al­aus­wahl un­ter den ver­gleich­ba­ren Mit­ar­bei­tern sei dem Kläger zu kündi­gen ge­we­sen.
- 4 - Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin hat mit Ur­teil vom 20. Fe­bru­ar 2009, auf des­sen Tat­be­stand we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Par­tei­vor­brin­gens Be­zug ge­nom­men wird, die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, die Kündi­gung sei nicht auf ih­re so­zia­le Recht­fer­ti­gung hin zu über­prüfen, weil das Kündi­gungs­schutz­ge­setz kei­ne An­wen­dung fin­de. Der Kläger sei noch nicht mehr als sechs Mo­na­te bei der Be­klag­ten beschäftigt. Zwar hätten die Par­tei­en be­reits un­ter dem Da­tum des 7. April 2008 ein Ar­beits­verhält­nis ab­ge­schlos­sen; die­ses sei je­doch bei der Be­rech­nung der War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG nicht mit zu berück­sich­ti­gen, da die­ses Ar­beits­verhält­nis nicht deut­schem, son­dern let­ti­schem Recht un­ter­lie­ge. Da­bei könne da­hin­ste­hen, ob die Par­tei­en in die­sem Ver­trag nicht oh­ne­hin let­ti­sches Recht ver­ein­bart hätten. Je­den­falls aber sei auf das Ver­trags­verhält­nis nach Art. 30 EGBGB let­ti­sches Recht an­zu­wen­den, weil die­ses Ar­beits­verhält­nis en­ge­re Ver­bin­dun­gen zu Lett­land als zu Deutsch­land auf­wei­se. Dies fol­ge zum ei­nen aus der Ver­trags­spra­che, zum an­de­ren aus der Ver­ein­ba­rung ei­ner Vergütung in let­ti­scher Währung. Zu­dem sei der Kläger von den ins­ge­samt gu­ten zwei­ein­halb Mo­na­ten der Lauf­zeit des Ver­tra­ges vor sei­ner Aus­rei­se nach Deutsch­land die Hälf­te der Zeit noch in Lett­land tätig ge­we­sen. Im Rah­men ei­ner Kon­trollüber­le­gung sei außer­dem fest­zu­stel­len, dass der Ar­beit­ge­ber ei­nen et­wai­gen Er­satz für den Kläger als Fi­li­al­lei­ter in Lett­land und nicht in Deutsch­land ge­sucht hätte. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils Be­zug ge­nom­men (Bl. 251 – 267 d.A.). Ge­gen die­ses dem Kläger am 9. März 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich sei­ne Be­ru­fung, die er mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg am 24. März 2009 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz ein­ge­legt und mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg am 8. Mai 2009 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet hat.
Der Kläger hält un­ter Ergänzung und Ver­tie­fung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens die War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG für erfüllt. Auf das Ar­beits­verhält­nis vom 7. April 2008 sei nach Art. 30 EGBGB deut­sches Recht an­zu­wen­den, weil gewöhn­li­cher Ar­beits­ort München ge­we­sen sei. Die Aus­nah­me­vor­schrift nach Art. 30 Abs. 2. EGBGB sei als Aus­nah­me­vor­schrift eng aus­zu­le­gen und fin­de un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les vor­lie­gend kei­ne An­wen­dung. We­der der Spra­che des Ver­tra­ges noch der Staats­an­gehörig­keit der Ver­trags­par­tei­en kom­me ei­ne aus­schlag­ge­ben­de Be­deu­tung zu. Viel­mehr sei dem ver­ein­bar­ten Ar­beits­ort ein größeres Ge­wicht bei­zu­mes­sen. Er sei für die Münch­ner Fi­lia­le ein­ge­stellt wor­den, über­wie­gend in Deutsch­land tätig ge­we­sen und ha­be sei­nen Le­bens­mit­tel­punkt von Ri­ga nach München ver­la­gert. Der Ar­beits­ort ha­be sich auch nicht auf­grund der un­ter dem Da­tum vom 12. Mai 2008 ge­schlos­se­nen
Ver­ein­ba­rung geändert. Die­ser Ver­trag sei erst nach Ab­schluss des Ver­tra­ges vom 9. Ju­ni 2008 un­ter­zeich­net und auf den 12. Mai 2008 zurück­da­tiert wor­den. Er selbst ha­be die­sen Ver­trag nur un­ter­schrie­ben, weil die Be­klag­te ihm nur dann an­fal­len­den Rei­se­kos­ten und die zu­ge­sag­ten Ta­ges­gel­der aus­zah­len woll­te. We­gen des dau­er­haf­ten Ein­satz­or­tes München hätten die Zah­lun­gen an den Kläger an­dern­falls ver­steu­ert wer­den müssen und wären so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig ge­we­sen. Wei­ter­hin be­strei­tet der Kläger ein be­triebs­be­ding­tes Er­for­der­nis für die Kündi­gung, ins­be­son­de­re das Vor­lie­gen in­ter­ner Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dun­gen der Be­klag­ten. Schon aus der Num­me­rie­rung des von der Be­klag­ten zur Be­gründung der be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung her­an­ge­zo­ge­nen Be­schlus­ses vom 18. No­vem­ber 2008 sei er­kenn­bar, dass die­ses Do­ku­ment erst nachträglich, mögli­cher­wei­se erst im Lau­fe des Pro­zes­ses ers­ter In­stanz ge­ne­riert wor­den sei, da im Hau­se der Be­klag­ten Ent­schei­dun­gen und An­ord­nun­gen fort­lau­fend, nicht aber mit Buch­sta­ben num­me­riert würden. Auch die Chro­no­lo­gie der Vorgänge bei der Be­klag­ten würde ge­gen ei­nen ent­spre­chen­den Be­schluss zum da­ma­li­gen Zeit­punkt spre­chen. Die stell­ver­tre­ten­de Zweig­nie­der­las­sungs­lei­te­rin sei nicht befähigt, die Fi­li­al­lei­tung zu über­neh­men. Auflösungs­gründe sei­en je­den­falls zum Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung nicht ge­ge­ben. Der Kläger und Be­ru­fungskläger be­an­tragt,
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richt Ber­lin vom 20.02.2009, Az. 28 Ca 10634/08, auf­zu­he­ben und fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 08.12.2008 nicht auf­gelöst wor­den ist.
Hilfs­wei­se be­an­tragt sie, das Ar­beits­verhält­nis ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung nach Maßga­be von § 10 KSchG, de­ren Höhe in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt wird, zum 23.12.2008 auf­zulösen.
den hilfs­wei­se ge­stell­ten Auflösungs­an­trag zurück­zu­wei­sen.
Die Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te ver­tei­digt un­ter Ergänzung und Ver­tie­fung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil und hält auch in der Be­ru­fungs­in­stanz das Kündi­gungs­schutz­ge­setz schon des­halb nicht für an­wend­bar, weil
der Kläger nicht mehr als sechs Mo­na­te im Be­trieb oder Un­ter­neh­men der Be­klag­ten beschäftigt ge­we­sen sei, mit­hin die War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG nicht erfüllt ha­be.
Zur Be­gründung der Kündi­gung be­haup­tet die Be­klag­te auch in der Be­ru­fungs­in­stanz, die Lei­te­rin der Zweig­nie­der­las­sung Ber­lin ha­be vor dem Hin­ter­grund der Fi­nanz­kri­se gemäß der Ent­schei­dung/An­ord­nung vom 17. Ok­to­ber 2008 (Bl. 240 d. A.) die stell­ver­tre­ten­de Lei­te­rin der Zweig­nie­der­las­sung, Frau S., be­auf­tragt, zu prüfen, in­wie­weit es or­ga­ni­sa­to­risch möglich sei, ei­ne Stel­le auf der Ebe­ne der Lei­tung der Fi­lia­len in Deutsch­land ab­zu­bau­en und die Ar­beit in­ner­halb der Fi­lia­le oder in Zu­sam­men­ar­beit mit der Fi­lia­le in Ber­lin um­zu­ver­tei­len, um so­mit das Ziel der dau­er­haf­ten Per­so­nal­re­du­zie­rung zu er­rei­chen. Auf der Grund­la­ge die­ser Un­ter­su­chung sei mit Da­tum vom 18.No­vem­ber 2008 u.a. die Ent­schei­dung ge­trof­fen wor­den, die Auf­ga­ben im Be­reich der Lei­tung der Fi­lia­len von fünf Stel­len auf vier Stel­len zu ver­tei­len (vgl. An­la­ge B3, Bl. 241 d.A.). Die­se un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung sei auch durch die tatsächli­chen Umstände, wie den ge­rin­gen Kun­den­be­stand in München be­ein­flusst wor­den. Der stell­ver­tre­ten­den Lei­te­rin der Nie­der­las­sung/As­set ma­nage­ment, Frau L., sei der ehe­ma­li­ge Auf­ga­ben­be­reich des Klägers über­tra­gen wor­den. Die­se sei mit dem Kläger ver­gleich­bar und befähigt, die Auf­ga­ben des Klägers zu über­neh­men, wie sich schon aus der erst­in­stanz­lich be­reits zi­tier­ten Stel­len­be­schrei­bung (Bl. 237 und 238 d.A.) er­ge­be. Mit der Ent­las­sung des Klägers sei sie nach München ver­setzt wor­den und ver­wal­te dort die Fi­lia­le, ha­be al­le Auf­ga­ben über­nom­men und sei für die Ko­or­di­nie­rung der tägli­chen Abläufe in der Fi­lia­le zuständig. Die Be­rei­che des Kre­dit­geschäfts und der Auf­bau des Wert­pa­pier­geschäfts sei­en ein­ge­stellt wor­den. Die Not­wen­dig­keit der un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung sei durch den wei­te­ren Ver­lauf der Ent­wick­lung bestätigt wor­den. Mitt­ler­wei­le sei nun auch schon kein Fi­li­al­be­trieb mehr ge­ge­ben.
Je­den­falls aber sei der Auflösungs­an­trag be­gründet, weil der Kläger der Be­klag­ten ver­such­ten Pro­zess­be­trug vor­wer­fe und mit ei­ner Straf­an­zei­ge ge­droht ha­be. Das Ar­beits­verhält­nis sei außer­dem auf­grund der ver­schie­de­nen Pro­zes­se des Klägers ge­gen die Be­klag­te be­las­tet, mit de­nen der Kläger ver­su­che, die Be­klag­te be­wusst zu schädi­gen. Außer­dem ha­be der Kläger be­wusst un­zu­tref­fen­de Tat­sa­chen und Be­haup­tun­gen in den Pro­zess ein­geführt und mit der Ein­rei­chung der Vor­stands­vor­la­ge (KB 1) und de­ren Über­set­zung durch den Kläger (KB 2) ge­gen sei­ne ver­trag­li­che Ver­schwie­gen­heits­pflicht ver­s­toßen. Die­se Do­ku­men­te ha­be er of­fen­sicht­lich auch an Drit­te wei­ter­ge­reicht, weil sie in den Par­al­lel­ver­fah­ren eben­falls zu den Ak­ten ge­reicht wor­den sei­en.
- 7 - We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die Schriftsätze des Kläger und Be­ru­fungsklägers vom 08. Mai 2009 (Bl. 297 – 304 d. A.), vom 06.07.2007 (Bl. 338 – 350 d. A.), vom 04.08.2008 (Bl. 382 – 423 d. A.), und vom 23.09.2009 (Bl. 471 – 515 d. A.) so­wie auf die­je­ni­gen der Be­klag­ten und Be­ru­fungs­be­klag­ten vom 12.06.2009 (Bl. 320 – 333 d. A.), vom 26.06.2009 (Bl. 334 – 337 d. A.), vom 10.07.2009 (Bl. 367 – 369 d. A.), vom 10.08.2009 (Bl. 430 – 435 d. A.) und vom 03.09.2009 (Bl. 451 – 458 d. A.) Be­zug ge­nom­men. Ent­schei­dungs­gründe
1. Die gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1, Abs. 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung ist form- und frist­ge­recht i. S. vom §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG, 519, 520 ZPO ein­ge­legt und be­gründet wor­den.
Die Be­ru­fung des Klägers ist da­her zulässig. 2. Die Be­ru­fung hat in der Sa­che Er­folg. Das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis en­de­te nicht auf­grund der streit­ge­genständ­li­chen Kündi­gung, weil sich die­se Kündi­gung als so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt und da­mit als rechts­un­wirk­sam er­weist. Das Kündi­gungs­schutz­ge­setz fand für die Be­ur­tei­lung der Rechts­wirk­sam­keit der Kündi­gung An­wen­dung (2.1). Ein drin­gen­des be­trieb­li­ches Er­for­der­nis, das der Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers ent­ge­gen­ge­stan­den hätte, lag nicht vor (2.2). Das Ar­beits­verhält­nis war auch nicht auf den Hilfs­an­trag der Be­klag­ten nach § 9 KSchG auf­zulösen (3.). Grund­la­ge der Ent­schei­dung wa­ren die bis zur münd­li­chen Ver­hand­lung ein­ge­gan­ge­nen Schriftsätze der Par­tei­en. Der Schrift­satz der Be­klag­ten vom 6. Ok­to­ber 2009 konn­te nicht berück­sich­tigt wer­den, da er erst nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ein­ge­gan­gen ist. 2.1 Die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung war auf der Grund­la­ge des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes zu über­prüfen. Die­ses fand auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung, weil es mehr als 6 Mo­na­te in dem Be­trieb oder Un­ter­neh­men be­stan­den hat (§ 1 Abs. 1 KSchG) und die Be­klag­te in ih­rem Be­trieb mehr als 10 Ar­beit­neh­mer beschäftig­te (§ 23 Abs. 1 Satz 3 KSchG).
- 8 - 2.1.1 Auf das gekündig­te Ar­beits­verhält­nis ist deut­sches Ar­beits­recht an­zu­wen­den. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en im Ver­trag ei­ne ent­spre­chen­de Rechts­wahl ge­trof­fen ha­ben. Man­gels ei­ner Rechts­wahl un­ter­liegt die­ser Ver­trag nach Art 30 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB deut­schem Recht, weil der Kläger als Fi­li­al­lei­ter für die Münch­ner Fi­lia­le sei­ne Ar­beit gewöhn­lich in Deutsch­land ver­rich­tet hat. 2.1.2 Der Kläger hat für sei­nen, dem deut­schen Ar­beits­recht zu­zu­ord­nen­den Ver­trag, der al­lein Be­zugs­punkt für die Prüfung der An­wend­bar­keit des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes ist, die War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG erfüllt. Für die Erfüllung der War­te­zeit kam es nicht dar­auf an, ob auch der Ar­beits­ver­trag vom 7. April 2008 deut­schem Recht un­ter­lag. 2.1.2.1 Nach § 1 Abs. 1 KSchG muss das Ar­beits­verhält­nis in dem­sel­ben Be­trieb oder Un­ter­neh­men oh­ne Un­ter­bre­chung länger als 6 Mo­na­te be­stan­den ha­ben. Die Re­ge­lung der War­te­zeit in § 1 Abs. 1 KSchG hat den Sinn und Zweck, den Par­tei­en des Ar­beits­verhält­nis­ses die Möglich­keit ei­ner ge­wis­sen Zeit der Prüfung zu eröff­nen, ob sie sich auf Dau­er bin­den wol­len (BAG v. 24. 11. 2005 - 2 AZR 614/04 - BA­GE 116, 254). Die­ser Zweck gilt un­ge­ach­tet der Tat­sa­che, dass für die Be­rech­nung der War­te­zeit der recht­li­che Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses und nicht die Dau­er der tatsächli­chen Beschäfti­gung aus­schlag­ge­bend ist. Im Fal­le recht­li­cher Un­ter­bre­chun­gen sind auf die War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG Zei­ten ei­nes frühe­ren Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber an­zu­rech­nen, wenn das neue Ar­beits­verhält­nis in ei­nem en­gen sach­li­chen Zu­sam­men­hang mit dem frühe­ren Ar­beits­verhält­nis steht. Da­bei kommt es ins­be­son­de­re auf den An­lass und die Dau­er der Un­ter­bre­chung so­wie auf die Art der Wei­ter­beschäfti­gung an (vgl. BAG v. 28.08.2008 – 2 AZR 101/07 – (n.v; in ju­ris; BAG v. 19. Ju­ni 2007 - 2 AZR 94/06 - AP KSchG 1969 § 1 War­te­zeit Nr. 23 = EzA SGB IX § 90 Nr. 2). 2.1.2.2 Die­sen Maßga­ben ent­spricht das hier vor­lie­gen­de Ver­trags­verhält­nis. Der Kläger stand seit dem 7. April 2008 in ei­nem Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten, der P. b. AG. Dass die auf der Ba­sis der Verträge vom. 7. April 2008 und vom 9. Ju­ni 2008 ab­ge­schlos­se­nen Ver­trags­verhält­nis­se je­weils als Ar­beits­verhält­nis­se zu qua­li­fi­zie­ren sind, ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig. Die Kündi­gung ging dem Kläger am 8. De­zem­ber 2008, al­so nach Ab­lauf von 6 Mo­na­ten, zu. 2.1.2.3 Ei­ne Ände­rung der Ar­beit­ge­ber­stel­lung trat – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten - nicht mit der Un­ter­zeich­nung des Ver­tra­ges vom 9 Ju­ni 2008 ein. Die im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­ne Zweig­nie­der­las­sung der Be­klag­ten war kein an­de­res
Un­ter­neh­men i.S.v. § 1 Abs. 1 KSchG. Auch wenn die Re­ge­lun­gen in § 53 KWG der inländi­schen Zweig­stel­le ei­nes ausländi­schen Kre­dit­in­sti­tuts ei­ne ge­wis­se recht­li­che Ei­genständig­keit einräum­en, ver­bleibt die Zweig­stel­le Be­stand­teil des ausländi­schen Un­ter­neh­mens als ju­ris­ti­sche Per­son und Ar­beit­ge­ber. So spricht § 53 KWG aus­drück­lich von der inländi­schen Zweig­stel­le ei­nes ausländi­schen Un­ter­neh­mens. So­weit die Zweig­stel­le nach § 53 Abs. 2 a KWG als Toch­ter­un­ter­neh­men an­ge­se­hen wird, ist dies auf die Be­stim­mun­gen des KWG be­zo­gen, nicht aber auf die Fra­ge der Ar­beit­ge­ber­stel­lung im Rah­men des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes. Als ju­ris­ti­sche Per­son wird die Zweig­stel­le nur für die An­wen­dung von § 36 KWG an­ge­se­hen (§ 53 As. 1 Nr. 6 KWG). 2.1.2.4 Für die Erfüllung der War­te­zeit von 6 Mo­na­ten nach § 1 Abs. 1 KSchG kam es nicht dar­auf an, ob die Ar­beits­verträge vom 07. April 2008 und vom 12. Mai 2008 deut­schem Recht un­ter­la­gen. 2.1.2.4.1 Zunächst ist das Ar­beits­ge­richt zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass der Ar­beits­ver­trag vom 7. April 2008 nicht deut­schem son­dern let­ti­schem Recht un­ter­lag. Dies ent­sprach der Rechts­wahl der Par­tei­en im Ver­trag. Die Re­ge­lun­gen in Art. 30 Abs. 2 Nr. 1 und 2 EGBGB stan­den nicht ent­ge­gen, weil die­ses Ar­beits­verhält­nis ei­ne en­ge­re Ver­bin­dung zu dem let­ti­schen Staat auf­weist. Auf die dies­bezügli­chen Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts wird Be­zug ge­nom­men. 2.1.2.4.2 Die Zu­ord­nung die­ser Verträge zu let­ti­schem Recht hat in­des kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Erfüllung der War­te­zeit. Dies er­gibt ei­ne Aus­le­gung von § 1 Abs. 1 KSchG. Viel­mehr können auf die War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG auch sol­che Ar­beits­verhält­nis­se an­ge­rech­net wer­den, die ausländi­schem Recht un­ter­lie­gen. Dies er­gibt ei­ne Aus­le­gung von § 1 Abs. 1 KSchG. 2.1.2.4.2.1 Bei der Aus­le­gung von Ge­set­zen ist zunächst vom Wort­laut der Re­ge­lung aus­zu­ge­hen. Ab­zu­stel­len ist fer­ner auf den sys­te­ma­ti­schen Zu­sam­men­hang und den Norm­zweck, so­fern er im Ge­setz er­kenn­ba­ren Aus­druck ge­fun­den hat. Häufig kann nur bei Berück­sich­ti­gung des Ge­samt­zu­sam­men­hangs der Sinn und Zweck zu­tref­fend er­mit­telt wer­den. Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Aus­le­gung der Vor­zug, die zu ei­ner zweckmäßigen, vernünf­ti­gen und ge­rech­ten Re­ge­lung führt (BAG v. 17.01.2008 – 2 AZR 902/06 – AP nr 40 zu § 23 KSchG 1969).
- 10 - 2.1.2.4.2.2 Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze er­gibt sich, dass für die Erfüllung der War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG auch Ar­beits­verhält­nis­se mit ausländi­schem Ver­trags­sta­tut ein­be­zo­gen wer­den können, so­fern nur das der Prüfung un­ter­zo­ge­ne Ar­beits­verhält­nis deut­schem Recht un­terfällt. Nach dem Wort­laut die­ser Re­ge­lung ist zunächst nur der Be­stand ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses in dem­sel­ben Un­ter­neh­men oder Be­trieb von mehr als 6 Mo­na­ten er­for­der­lich. Ein sol­ches Ar­beits­verhält­nis kann aber – je­den­falls zunächst – so­wohl un­ter ausländi­schem als auch un­ter deut­schem Recht be­gründet wer­den. Wei­ter­hin dif­fe­ren­ziert § 1 Abs. 1 KSchG zwi­schen Be­trieb und Un­ter­neh­men und er­laubt mit dem Be­zug auf das Un­ter­neh­men ei­ne Ein­be­zie­hung vor­an­ge­gan­ge­ner Ar­beits­verhält­nis­se un­ter an­de­ren Rechts­ord­nun­gen. Es be­steht kein Zwei­fel, dass von die­sem Be­griff so­wohl inländi­sche als auch ausländi­sche Un­ter­neh­men er­fasst wer­den. In­so­fern ist schon in dem Wort­laut der Norm der Be­zug zu ausländi­schem Recht an­ge­legt. Sinn und Zweck der Re­ge­lung spre­chen eben­falls für die Ein­be­zie­hung von Ar­beits­verhält­nis­sen un­ge­ach­tet ih­res Rechts­sta­tuts. Die­ser be­steht bei der War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG dar­in, dass die Par­tei­en in ei­nem Ar­beits­verhält­nis als Dau­er­schuld­verhält­nis ei­ne ge­wis­se Zeit lang prüfen können, ob sie sich auf Dau­er bin­den wol­len (BAG v. 28.08.2008 – 2 AZR 101/07 – n.v.; v. 24.11.2005 – 2 AZR 614/04 – AP KSchG 1969 § 1 War­te­zeit Nr. 19). Der Ar­beit­neh­mer soll erst durch ei­ne ge­wis­se Dau­er der Zu­gehörig­keit zum Be­trieb oder Un­ter­neh­men das Recht auf ei­ne Ar­beits­stel­le er­wer­ben (BAG v. 20.08.1998 - 2 AZR 83/98 BA­GE 89, 307-316). Die­ser Zweck wird aber mit dem Be­stand ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses – un­abhängig von des­sen Rechts­wahl – er­reicht. Ein sach­li­cher Grund für den Ar­beit­ge­ber, die­se Prüfung auf ein Ar­beits­verhält­nis un­ter deut­schem Ver­trags­sta­tut zu be­gren­zen, be­steht nicht. Aus dem sys­te­ma­ti­schen Zu­sam­men­hang er­ge­ben sich kei­ne An­halts­punk­te für ei­ne an­der­wei­ti­ge Aus­le­gung. An­ders als § 23 KSchG, der nach der Recht­spre­chung des BAG (vgl. BAG v. 17.01.2008 – 2 AZR 902/06 – AP Nr 40 zu § 23 KSchG 1969) nur sol­che Be­trie­be er­fasst, die in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land lie­gen, stellt § 1 Abs. 1 KSchG wei­ter­ge­hend nicht nur auf den Be­trieb, son­dern auch auf das Un­ter­neh­men ab. Ei­ne un­zulässi­ge Aus­deh­nung des Gel­tungs­be­reichs deut­scher Vor­schrif­ten auf ausländi­sche Sach­ver­hal­te liegt in der An­rech­nung von Ar­beits­verhält­nis­sen nach ausländi­schem Recht für die War­te­zeit nicht. Der Gel­tungs­be­reich des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes wird erst da­durch eröff­net, dass der Ver­trag, um des­sen wirk­sa­me Be­en­di­gung es geht, - wie hier – deut­schem Recht un­terfällt. Ob die Vor­aus­set­zun­gen des deut­schen Kündi­gungs­rechts
aber erfüllt sind, weil auf die War­te­zeit auch sol­che Ar­beits­verhält­nis­se an­ge­rech­net wer­den können, die nach ih­rem Ver­trags­sta­tut un­ter ein an­de­res Recht fal­len, be­trifft nicht die Fra­ge der Durch­set­zung ei­ner inländi­schen Norm im Aus­land, son­dern nur die Fra­ge, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die­se inländi­sche Norm im In­land an­zu­wen­den ist (Strau­be, DB 2009, 1406; Gra­ven­horst RdA 2007, 283, 286). Aus die­sen Gründen können bei der Be­rech­nung der War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG auch sol­che Ar­beits­verhält­nis­se berück­sich­tigt wer­den, die un­ter ausländi­schem Recht ab­ge­schlos­sen wur­den. Der hier vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung von § 1 Abs. 1 KSchG steht die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zum be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes nach § 23 KSchG für in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land be­le­ge­ne Be­trie­be nicht ent­ge­gen (vgl. BAG v. 23.03.2009 – 2 AZR 883/07 – DB 2009, 1409 ff.; BAG v. 17.01.2008 – 2 AZR 902/06 – AP Nr 40 zu § 23 KSchG 1969). Ab­ge­se­hen da­von, dass der Ge­setz­ge­ber in § 1 Abs. 1 KSchG für die War­te­zeit oh­ne­hin zwi­schen Be­trieb und Un­ter­neh­men un­ter­schie­den hat, ver­bleibt es hier bei der in § 23 KSchG ge­re­gel­ten Be­triebs­be­zo­gen­heit des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes. An­knüpfungs­punkt für die­ses ist der Ver­trag vom 09. Ju­ni 2008, der un­zwei­fel­haft be­zo­gen auf den in Deutsch­land ge­le­ge­nen Be­trieb ab­ge­schlos­sen wur­de und in­so­fern den Re­ge­lun­gen des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes un­ter­liegt, so­fern des­sen sons­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen wie die er­for­der­li­che War­te­zeit erfüllt sind. Nur ergänzend ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Kläger für die­sen in Deutsch­land ge­le­ge­nen Be­trieb länger als 6 Mo­na­te tätig war, nämlich je­den­falls seit dem 20. Mai 2008. Dies wird auch von der Be­klag­ten ein­geräumt, auch wenn sie sei­nen Ein­satz auch ab die­sem Zeit­punkt noch als vorüber­ge­hend be­zeich­net, oh­ne dies al­ler­dings näher nach Zeiträum­en und Un­ter­bre­chun­gen näher dar­zu­le­gen. 2.1.2.5 Die recht­li­che Un­ter­bre­chung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund der un­ter­schied­li­chen Verträge war unschädlich. In die­sem Zu­sam­men­hang konn­te da­hin­ste­hen, ob die Ver­ein­ba­rung vom 12. Mai 2008 - wie vom Kläger be­haup­tet - erst nach Ab­schluss des Ver­tra­ges vom 9. Ju­ni 2008 un­ter­zeich­net wur­de. Ei­ne maßgeb­li­che Un­ter­bre­chung konn­te auf der Grund­la­ge die­ser Ver­ein­ba­rung nicht ein­tre­ten. Aus­weis­lich der Re­ge­lun­gen han­del­te es sich hier al­len­falls um ei­ne Mo­di­fi­ka­ti­on des Ar­beits­ver­tra­ges vom 07. April 2008, nicht um den Ab­schluss ei­nes neu­en Ar­beits­ver­tra­ges, zu­mal die­se Re­ge­lun­gen – den Vor­trag der Be­klag­ten als
zu­tref­fend un­ter­stellt – während der Lauf­zeit des Ar­beits­ver­tra­ges vom 07. April 2008 ge­trof­fen wur­de. Ei­ne recht­lich re­le­van­te Un­ter­bre­chung war auch nicht im Hin­blick auf die bei­den Verträge vom 7. April 2008 und vom 9. Ju­ni 2008 an­zu­neh­men. Nach dem Vor­trag des Klägers, dem die Be­klag­te nicht wi­der­spro­chen hat, lag zwi­schen bei­den Verträgen nur das Wo­chen­en­de vom 5. und 6. Ju­li 2008. Der Kläger ist nicht aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schie­den. Sei­ne Ar­beits­be­din­gun­gen in Be­zug auf die Art der Tätig­keit, ih­ren Um­fang und den Ar­beits­ort ha­ben sich nicht geändert. Der Kläger war von An­fang an als Fi­li­al­lei­ter für die zu gründen­de und später eröff­ne­te Fi­lia­le in München ein­ge­stellt wor­den. Auf die­se Stel­le hat­te sich der Kläger be­wor­ben. Die Ver­ein­ba­rung ei­ner an­de­ren Tätig­keit wird auch von der Be­klag­ten nicht sub­stan­ti­ell be­haup­tet. Schon im Ar­beits­ver­trag vom 7. April 2008 war als Ar­beits­ort München vor­ge­se­hen. Die­ser fand sich auch in dem nach­fol­gen­den Ar­beits­ver­trag. Der Um­stand, dass die Verträge un­ter­schied­li­ches Recht zur An­wen­dung brin­gen woll­ten, konn­te im Hin­blick auf die feh­len­de zeit­li­che Un­ter­bre­chung und die gleich blei­ben­de ver­trag­lich ver­ein­bar­te Tätig­keit als Fi­li­al­lei­ter der Münch­ner Fi­lia­le kei­ne Be­deu­tung ent­fal­ten. 2.1.2.6 Aus die­sen Gründen kam das Be­ru­fungs­ge­richt zu dem Er­geb­nis, dass das Ar­beits­verhält­nis des Klägers im Un­ter­neh­men der Be­klag­ten mehr als 6 Mo­na­te be­stan­den hat, mit­hin die War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG erfüllt ist. 2.1.3 Die Be­klag­te un­terfällt auch dem An­wen­dungs­be­reich nach § 23 Abs. 1 KSchG. Sie beschäftigt in ih­rem in Deutsch­land ge­le­ge­nen Be­trieb mehr als 10 Ar­beit­neh­mer (§ 23 Abs. 1 Satz 3 KSchG). Bei der Zahl der Beschäftig­ten wa­ren die Ar­beit­neh­mer der Fi­lia­le mit den Ar­beit­neh­mern der Zweig­stel­le zu­sam­men zu rech­nen, da die­se zu ei­nem ein­zi­gen Be­trieb der Be­klag­ten gehörten. 2.1.3.1 Ein Be­trieb ist die or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit, in­ner­halb de­rer der Ar­beit­ge­ber mit sei­nen Ar­beit­neh­mern durch Ein­satz tech­ni­scher und im­ma­te­ri­el­ler Mit­tel be­stimm­te ar­beits­tech­ni­sche Zwe­cke fort­ge­setzt ver­folgt, die sich nicht in der Be­frie­di­gung von Ei­gen­be­darf erschöpfen. Von Be­trie­ben zu un­ter­schei­den sind Be­triebs­tei­le, die ge­genüber dem Haupt­be­trieb or­ga­ni­sa­to­risch un­selbständig sind und ei­ne Teil­funk­ti­on von des­sen ar­beits­tech­ni­schem Zweck wahr­neh­men. Die­se zeich­nen sich da­durch aus, dass sie über ei­nen ei­ge­nen Ar­beit­neh­mer­stamm, ei­ge­ne tech­ni­sche Hilfs­mit­tel und ei­ne durch die räum­li­che und funk­tio­na­le Ab­gren­zung vom Haupt­be­trieb be­ding­te re­la­ti­ve Selbständig­keit verfügen. An­de­rer­seits fehlt ih­nen aber ein ei­genständi­ger
Lei­tungs­ap­pa­rat. Ein Be­trieb im kündi­gungs­schutz­recht­li­chen Sinn setzt kei­ne räum­li­che Ein­heit vor­aus (std. Rspr. vgl. z.B. BAG v. 15.03.2001 - 2 AZR 151/00 - EzA § 23 KSchG Nr 23; BAG v. 21.06.1995 - 2 AZR 693/94 - EzA § 23 KSchG Nr 14 je­weils m.w.N.). 2.1.3.2 Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze war die Fi­lia­le der Be­klag­ten in München nur als Be­triebs­teil an­zu­se­hen. Auch wenn ihr ein Fi­li­al­lei­ter vor­stand, fehl­te es dort an ei­nem ei­genständi­gen Lei­tungs­ap­pa­rat, um ins­be­son­de­re in per­so­nel­len und so­zia­len An­ge­le­gen­hei­ten die we­sent­li­che Ent­schei­dun­gen selbständig tref­fen zu können. Schon aus dem von der Be­klag­ten ein­ge­reich­ten Or­ga­ni­gramm er­gibt sich, dass die Lei­tung in Ber­lin ansässig war. Dies wird auch durch den Vor­trag der Be­klag­ten zur un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung, den be­haup­te­ten Um­or­ga­ni­sa­tio­nen, dem Be­schluss der Zweig­stel­len­lei­te­rin vom 18. No­vem­ber 2008 und den Ent­schei­dun­gen zur Kündi­gung des Klägers und von zwei wei­te­ren Mit­ar­bei­te­rin­nen der Fi­lia­le in München be­legt. Al­le die­se Ent­schei­dun­gen wur­den in Ber­lin ge­trof­fen. Dass bei ei­ner Zu­sam­men­rech­nung der Fi­lia­le in München mit der Zweig­stel­le in Ber­lin bei der Be­klag­ten mehr als 10 Ar­beit­neh­mer beschäftigt sind, ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig. 2.1.4 Die Vor­schrif­ten des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes fin­den mit­hin auf das Ar­beits­verhält­nis des Klägers An­wen­dung. 2.2 Die hier­nach auf ih­re so­zia­le Recht­fer­ti­gung zu über­prüfen­de streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung er­weist sich als so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt, weil ein drin­gen­des be­trieb­li­ches Er­for­der­nis, dass der Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers im Be­trieb der Be­klag­ten ent­ge­gen­ge­stan­den hätte, von die­ser nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt wur­de. 2.2.1 Drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se für ei­ne Kündi­gung iSv. § 1 Abs. 2 KSchG können sich aus in­ner­be­trieb­li­chen oder außer­be­trieb­li­chen Gründen er­ge­ben. Ei­ne Kündi­gung ist aus in­ner­be­trieb­li­chen Gründen ge­recht­fer­tigt, wenn sich der Ar­beit­ge­ber zu ei­ner or­ga­ni­sa­to­ri­schen Maßnah­me ent­schließt, bei de­ren in­ner­be­trieb­li­cher Um­set­zung das Bedürf­nis für die Wei­ter­beschäfti­gung ei­nes oder meh­re­rer Ar­beit­neh­mer entfällt. Von den Ar­beits­ge­rich­ten voll nach­zu­prüfen ist, ob ei­ne der­ar­ti­ge un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung tatsächlich vor­liegt und durch ih­re Um­set­zung das Beschäfti­gungs­bedürf­nis für ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer ent­fal­len ist. Da­ge­gen ist die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung nicht auf ih­re sach­li­che Recht­fer­ti­gung oder ih­re Zweckmäßig­keit zu über­prüfen, son­dern nur dar­auf, ob sie of­fen­bar un­sach­lich, un­vernünf­tig oder willkürlich ist (std. Rspr. des
BAG vgl. z.B. BAG v. 10.07.2008 – 2 AZR 1111/06 – NZA 2009, 312; vom 17.06.1999 – 2 AZR 522/98 – BA­GE 92, 61 ff. je­weils mwN). Die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung kann nicht nur in ei­ner (Um-) Ge­stal­tung der Ar­beits­abläufe, son­dern auch dar­in lie­gen, fest­zu­le­gen, mit wel­cher Stärke der Be­leg­schaft des Be­triebs zukünf­tig das Un­ter­neh­mens­ziel er­reicht wer­den soll bzw. wel­che Ka­pa­zität an ein­zu­set­zen­den Ar­beits­kräften und ih­rer Ar­beits­zeit vor­ge­hal­ten wer­den muss (vgl. da­zu BAG vom 02.06.2005 – 2 AZR 480/04 – AP Nr. 75 zu § 1 KSchG 1969 so­zia­le Aus­wahl). Den Ar­beits­ge­rich­ten ob­liegt es, nach­zu­prüfen, ob ei­ne un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung über­haupt ge­trof­fen wur­de und ob sie sich be­trieb­lich da­hin­ge­hend aus­wirkt, dass der Beschäfti­gungs­be­darf für den gekündig­ten Ar­beit­neh­mer ent­fal­len ist. Erschöpft sich die Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers im We­sent­li­chen dar­in, Per­so­nal­kos­ten ein­zu­spa­ren, so rückt sie na­he an den Kündi­gungs­ent­schluss her­an. Da die Kündi­gungs­ent­schei­dung selbst nach dem Ge­setz nicht frei, son­dern an das Vor­lie­gen von Gründen ge­bun­den ist, muss der Ar­beit­ge­ber in sol­chen Fällen sei­ne Ent­schei­dung hin­sicht­lich ih­rer or­ga­ni­sa­to­ri­schen Durchführ­bar­keit und hin­sicht­lich ih­rer Nach­hal­tig­keit („Dau­er“) ver­deut­li­chen, da­mit das Ge­richt prüfen kann, ob sie of­fen­bar un­sach­lich, un­vernünf­tig oder willkürlich, al­so rechts­miss­bräuch­lich aus­ge­spro­chen wor­den ist (vgl. BAG v. 18.09.2008 – 2 AZR 561/07 n.v.; v.22.05.2003 – 2 AZR 326/02 – AP Nr. 128 zu § 1 KSchG 1969 be­triebs­be­ding­te Kündi­gung). 2.2.2 Die­sen An­for­de­run­gen an die Dar­le­gungs­last genügt der Vor­trag der Be­klag­ten auch in der Be­ru­fungs­in­stanz nicht. Die Be­klag­te be­gründet zu­letzt ih­re Kündi­gung da­mit, sie ha­be die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung ge­trof­fen, die Auf­ga­ben der Fi­li­al­lei­tung von fünf Stel­len auf vier Stel­len zu ver­tei­len und die Fi­li­al­lei­tung in München der im Rah­men der So­zi­al­aus­wahl schutz­bedürf­ti­ge­ren stell­ver­tre­ten­den Zweig­nie­der­las­sungs­lei­te­rin Frau L. zu über­tra­gen. Die­se Ent­schei­dung ist na­he­zu iden­tisch mit der Kündi­gungs­ent­schei­dung selbst, oh­ne dass die Be­klag­te im Pro­zess hin­rei­chend zur or­ga­ni­sa­to­ri­schen Durchführ­bar­keit und Nach­hal­tig­keit vor­ge­tra­gen hätte. Die Be­klag­te legt schon nicht dar, wie sie die Auf­ga­ben im Be­reich der Fi­li­al­lei­tung bzw. stell­ver­tre­ten­den Zweig­nie­der­las­sungs­lei­tung auf die ver­blie­be­nen Mit­ar­bei­ter in die­ser Hier­ar­chie­ebe­ne ver­teilt hat. So­weit sich die Be­klag­te zum ei­nen auf den ge­genüber den an­de­ren Fi­lia­len ge­rin­gen Kun­den­be­stand der Fi­lia­le München so­wie die Post­ein- und -ausgänge be­ruft, konn­te dies schon des­halb nicht die Durchführ­bar­keit der un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung hin­rei­chend be­gründen, weil die Fi­li­al­lei­tung als sol­ches an­ge­sie­delt in München nach dem un­ter­neh­me­ri­schen Kon­zept der Be­klag­ten nicht ent­fal­len ist. Dies spie­gelt sich auch in dem Be­schluss der Be­klag­ten vom 17. No­vem­ber
2008 wie­der, wor­in es heißt, die Fi­li­al­lei­tung in München sei zur­zeit un­ent­behr­lich. Wie die Be­klag­te aber in­ner­halb des Fi­li­al­lei­ter­be­reichs die Auf­ga­ben im Ein­zel­nen über­tra­gen hat, er­gibt sich aus dem Vor­trag der Be­klag­ten nicht. We­der hat die Be­klag­te dar­ge­legt, dass Auf­ga­ben aus der Zweig­nie­der­las­sung Ber­lin nach München ver­la­gert wur­den, um die dor­ti­ge Fi­li­al­lei­te­rin aus­zu­las­ten, noch dass die an­de­ren Fi­li­al­lei­ter oder stell­ver­tre­ten­den Zweig­nie­der­las­sungs­lei­ter et­wa Auf­ga­ben der nach München ver­setz­ten Mit­ar­bei­te­rin über­nom­men ha­ben. Auch der Weg­fall des Be­reichs As­set ma­nage­ment er­laubt kei­ne hin­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen in Be­zug auf den Weg­fall von Ar­beitsplätzen. Denn die Be­klag­te nimmt für die der nach München wech­seln­den Mit­ar­bei­te­rin über­tra­ge­nen Auf­ga­ben auf ei­ne um­fang­rei­che Stel­len­be­schrei­bung Be­zug, die weit mehr Auf­ga­ben als die al­lei­ni­ge Be­treu­ung des Be­reichs As­set Ma­nage­ment enthält. Zu­dem wur­de aus dem Vor­trag der Be­klag­ten nicht deut­lich, in­wie­weit die von ihr in die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung ein­be­zo­ge­nen Ar­beits­auf­ga­ben mit­ein­an­der ver­gleich­ba­ren Ar­beitsplätzen zu­ge­ord­net wa­ren. Dies war im vor­lie­gen­den Fall aber schon für die Prüfung des be­triebs­be­ding­ten Er­for­der­nis­ses er­for­der­lich, da erst mit dem Weg­fall ei­nes Ar­beits­plat­zes auf der Ebe­ne des Klägers über­haupt ein be­triebs­be­ding­tes Er­for­der­nis in Be­zug auf den Kläger ein­tre­ten konn­te. Um­struk­tu­rie­run­gen auf ei­ner et­wa höhe­ren Ebe­ne wie z. B. der stell­ver­tre­ten­den Zweig­nie­der­las­sungs­lei­tung können nicht zwin­gend be­triebs­be­ding­te Aus­wir­kun­gen auf die Beschäfti­gungsmöglich­keit für den Kläger ent­fal­ten Da­bei ist fest­zu­stel­len, dass der Ar­beits­platz des Klägers ge­ra­de nicht weg­ge­fal­len ist, er al­so nur zur Kündi­gung an­stand, wenn es in sei­nem Be­reich auf­grund un­ter­neh­me­ri­scher Ent­schei­dun­gen und Um­struk­tu­rie­rungs­maßnah­men zu ei­nem Über­hang an Ar­beits­kräften ge­kom­men wäre, mit der Fol­ge, dass er im Rah­men ei­ner So­zi­al­aus­wahl als der­je­ni­ge hätte ge­hen müssen, der am we­nigs­ten so­zi­al­schutz­bedürf­tig ist. Dass dies un­ter Ein­be­zie­hung der stell­ver­tre­ten­den Zweig­nie­der­las­sungs­lei­ter möglich war, er­gab sich so oh­ne wei­te­res aus dem Vor­trag der Be­klag­ten nicht. Denn auch wenn die Be­klag­te auf­grund der von ihr an­ge­nom­me­nen Ver­set­zungs­klau­sel im Ver­trag die stell­ver­tre­ten­de Zweig­nie­der­las­sungs­lei­te­rin ein­sei­tig oh­ne wei­te­re Kündi­gung nach München ver­set­zen konn­te, war die­se im Hin­blick auf das von der Be­klag­ten ein­ge­reich­te Dia­gramm und die von ihr dar­ge­stell­ten Auf­ga­ben des stell­ver­tre­ten­den Zweig­stel­len­lei­te­rin nicht oh­ne wei­te­res der Ebe­ne des Fi­li­al­lei­ters zu­zu­ord­nen.
2.2.3 Man­gels ei­nes wei­ter­ge­hen­den Vor­trags der Be­klag­ten zu ei­nem drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis, er­weist sich die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung als so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt und da­mit als rechts­un­wirk­sam (§ 1 Abs. 1 KSchG).
3. Das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en war nicht auf An­trag der Be­klag­ten nach § 9 KSchG auf­zulösen, da die Be­klag­te ei­nen Auflösungs­grund i. S. von § 9 Abs. 1 Satz 2 KSchG nicht dar­ge­legt hat. 3.1 Nach § 9 Abs. 1 Satz 2 KSchG ist das Ar­beits­verhält­nis auf An­trag des Ar­beit­ge­bers auf­zulösen, wenn Gründe vor­lie­gen, die ei­ne den Be­triebs­zwe­cken dien­li­che wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer nicht er­war­ten las­sen. Nach der Grund­kon­zep­ti­on des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes führt ei­ne So­zi­al­wid­rig­keit der Kündi­gung zu de­ren Rechts­un­wirk­sam­keit und zum Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses. Das Kündi­gungs­schutz­ge­setz ist vor­ran­gig ein Be­stands­schutz- und kein Ab­fin­dungs­ge­setz. Die­ser Grund­satz wird bei ei­nem Auflösungs­an­trag des Ar­beit­ge­bers durch § 9 KSchG un­ter der Vor­aus­set­zung durch­bro­chen, dass ei­ne Ver­trau­ens­grund­la­ge für ei­ne sinn­vol­le Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr be­steht. Ei­ne Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses kommt hier­nach nur aus­nahms­wei­se in Be­tracht. An die Auflösungs­gründe sind stren­ge An­for­de­run­gen zu stel­len (st. Rspr., vgl. z.B. BAG v. 23.10.2008 – 2 AZR 483/07 – BB 2009, 1186 ff. m.w.N.) Maßgeb­li­cher Zeit­punkt für die Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob ei­ne den Be­triebs­zwe­cken dien­li­che wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer zu er­war­ten ist, ist der Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung in der Tat­sa­chen­in­stanz. Im Zeit­punkt der Ent­schei­dung über den An­trag ist zu fra­gen, ob in Zu­kunft noch mit ei­ner den Be­triebs­zwe­cken die­nen­den wei­te­ren Zu­sam­men­ar­beit der Par­tei­en zu rech­nen ist. Han­delt es sich um pro­zes­sua­les Ver­hal­ten, ist zu berück­sich­ti­gen, dass ge­ra­de Erklärun­gen im lau­fen­den Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren durch ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers ge­deckt sein können. In Be­tracht kommt dies vor al­lem für Rechts­ausführun­gen zur Un­wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung et­wa we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen Treu und Glau­ben und/oder der Sit­ten­wid­rig­keit der Kündi­gung. Sol­che Ausführun­gen können je­den­falls nicht oh­ne wei­te­res als Auflösungs­grund her­an­ge­zo­gen wer­den, selbst wenn sie recht­lich un­zu­tref­fend sind (BAG vom 23.06.2006 – 2 AZR 256/06 – NZA 2006, 1307 ff; BAG vom 07.03.2002 – 2 AZR 158/01 – EZA § 9 KSchG neue Fas­sung Nr. 45). 3.2 Die­se an den Auflösungs­grund zu stel­len­den stren­gen An­for­de­run­gen wa­ren im vor­lie­gen­den Fall (noch) nicht ge­ge­ben. 3.2.1 Die beim Ar­beits­ge­richt noch anhängi­ge An­nah­me­ver­zugs­kla­ge und Be­fris­tungs­kla­ge stel­len eben­so wie der zwi­schen den Par­tei­en geführ­te
Kündi­gungs­schutz­pro­zess als sol­ches kei­ne Gründe nach § 9 Abs. 1 Satz dar. An­dern­falls bedürf­te es der Re­ge­lung in § 9 Abs. 1 Satz 3 KSchG nicht. Zu­dem muss­te der Kläger schon im Hin­blick auf die ge­setz­li­chen Fris­ten nach § 4 KSchG und § 17 Tz­B­fG Kla­ge beim Ar­beits­ge­richt er­he­ben. Für ei­ne Schädi­gungs­ab­sicht des Klägers im Hin­blick auf den An­nah­me­ver­zugs­pro­zess hat die Be­klag­te kei­ne Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen. Schon aus den von der Be­klag­ten im be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag vor­ge­se­he­nen zwei­stu­fi­gen Aus­schluss­fris­ten er­gibt sich auch hier die Not­wen­dig­keit der recht­zei­ti­gen Kla­ge­er­he­bung vor Ab­schluss des Kündi­gungs­rechts­streits (vgl. da­zu BAG v. 26.04.2006 – 5 AZR 403/05 – BA­GE 118, 60 ff.) 3.2.2 Al­ler­dings dient die Dro­hung des Klägers mit ei­ner Straf­an­zei­ge eben­so we­nig wie der Vor­wurf des be­wusst fal­schen Vor­tra­ges und des Be­tru­ges ei­ner kon­struk­ti­ven Zu­sam­men­ar­beit der Par­tei­en im fort­be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis. In die­sem Zu­sam­men­hang war in­des zu berück­sich­ti­gen – und dies war für die Be­klag­te auch er­kenn­bar – dass die Schluss­fol­ge­run­gen des Klägers in Be­zug auf den Sach­vor­trag der Be­klag­ten dem Kündi­gungs­schutz­pro­zess als sol­ches ge­schul­det wa­ren, der pro­zes­sua­len Ver­tei­di­gung die­nen soll­ten und nicht auf die „Gold­waa­ge“ ge­legt wer­den konn­ten. Der Kläger, der für die Stel­le bei der Be­klag­ten in München er­heb­li­che fi­nan­zi­el­le Ver­pflich­tun­gen ein­ge­gan­gen ist und sich nach Aus­spruch der Kündi­gung der Rück­for­de­rung der Kau­ti­on aus­ge­setzt ge­se­hen hat, ob­wohl er die­se von sei­nem Ver­mie­ter noch gar nicht for­dern konn­te, fürch­te­te hier um sei­ne be­ruf­li­che Exis­tenz und hat da­her nicht al­le sei­ne Äußerun­gen mit der ge­bo­te­nen Sach­lich­keit ab­ge­wo­gen. Die vom Kläger geäußer­ten Wer­tun­gen des Pro­zess­vor­tra­ges der Be­klag­ten dien­ten mehr dem Ver­such, das Ge­richt von sei­nem Sach­vor­trag zu über­zeu­gen, als dass sie auf ei­ne Be­lei­di­gung ein­zel­ner Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten ab­ziel­ten. Dies galt auch für die an­ge­droh­te Straf­an­zei­ge. So­weit der Kläge­rin zum Teil die Zweig­nie­der­las­sungs­lei­te­rin als die für sei­ne Kündi­gung Ver­ant­wort­li­che be­zeich­net, ist die­se oh­ne­hin die mitt­ler­wei­le bei der Be­klag­ten aus­ge­schie­den. Die An­grif­fe ge­gen die Be­klag­te zie­len an­sons­ten auf kei­ne ein­zel­nen bei der Be­klag­ten beschäftig­ten Per­so­nen. Bei der Dro­hung mit der Straf­an­zei­ge war wei­ter­hin zu berück­sich­ti­gen, dass der Ar­beit­neh­mer, der ei­ne Straf­an­zei­ge stellt, zunächst nur ein staatsbürger­li­ches Recht ausübt. Wei­ter­ge­hen­de, die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses recht­fer­ti­gen­de Gründe hat die Be­klag­te in die­sem Zu­sam­men­hang nicht dar­ge­legt. 3.2.3 So­weit die Be­klag­te dem Kläger die Ver­let­zung sei­ner ver­trag­li­chen Ver­schwie­gen­heits­pflich­ten vor­wirft, weil er ei­ne Vor­stands­vor­la­ge mit Über­set­zung zur Ak­te ge­reicht hat, recht­fer­tig­te dies schon des­halb nicht den Auflösungs­an­trag, weil der
Kläger sich da­mit in sei­nem Kündi­gungs­schutz­pro­zess ver­tei­di­gen woll­te und in­so­weit be­rech­tig­te In­ter­es­se im Rah­men sei­nes Pro­zes­ses wahr­ge­nom­men hat. Dies gilt in glei­cher Wei­se für die Wei­ter­ga­be die­ser Un­ter­la­gen an die bei­den Kol­le­gin­nen des Klägers. Nur im Rah­men die­ser Rechts­strei­tig­kei­ten sind die Un­ter­la­gen be­kannt ge­wor­den. Ei­ner wei­ter­ge­hen­den Öffent­lich­keit wa­ren die­se Un­ter­la­gen hin­ge­gen nicht zugäng­lich. Außer­dem er­gab sich aus ih­nen nicht ei­ne be­son­de­re Ge­heim­nis­bedürf­tig­keit, die ein wei­ter­ge­hen­des In­ter­es­se der Be­klag­te an der Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses hätte be­gründen können.
4. Aus die­sen Gründen war auf die Be­ru­fung des Klägers das Ur­teil des Ar­beits­ge­rich­tes Ber­lin ab­zuändern und der Kla­ge un­ter Zurück­wei­sung des Auflösungs­an­trags statt­zu­ge­ben. Als un­ter­le­ge­ne Par­tei hat die Be­klag­te die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen (§ 91 ZPO).
Der Re­vi­si­on war im Hin­blick auf die Fra­ge der An­wend­bar­keit des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes gemäß § 72 Abs. 2 ArbGG zu­zu­las­sen. Rechts­mit­tel­be­leh­rung
Ge­gen die­ses Ur­teil kann von d. Be­klag­te bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt, Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt
schrift­lich zu be­gründen. Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung. Die Re­vi­si­ons­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­de. Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als sol­che sind außer Rechts­anwälten nur
fol­gen­de Stel­len zu­ge­las­sen, die zu­dem durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln müssen: • Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,• ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet. Der Schrift­form wird auch durch Ein­rei­chung ei­nes elek­tro­ni­schen Do­ku­ments i. S. d. § 46b ArbGG genügt. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts un­ter www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de. R.
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