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Timestamp: 2019-09-15 13:02:20
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Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 16', '§ 16', '§ 34', '§ 34', '§ 16', '§ 34']

Geschäftsauflösung - Steuer? (Steuerrecht) - frag-einen-anwalt.de
www.frag-einen-anwalt.deSteuerrechtSteuerGeschäftsauflösung - Steuer?
06.02.2008 19:53 |
da mein Geschäft nur Verluste einfährt, möchte ich es verkaufen.
Nun weiß ich nicht, wie es sich mit den Steuern verhält:
Muss ich das Geschäft (Ware, Einrichtung, Konzept, Kundenadressen, Design) zuzüglich Umsatzsteuer verkaufen?
Gehen wir davon aus, dass alles ca. 35.000 Euro wert ist, muss ich dann auf den Verkauf noch 19% Steuer aufschlagen, die ich dann abzuführen habe?
Und 2. Frage ist die Einkommenssteuer.
Von den 35.000 Euro müsste ich noch diverse Rechnungen, noch offener Ware, Mietauslösung, Auflösung des Leasingvertrages, sowie aber auch zwei Disokredite abbezahlen.
Von den 35.000 Euro würden dann vielleicht nur nur 2-3 Tausend Euro übrig bleiben, wenn ich alles bezahlt habe.
Muss ich auf die kompletten 35.000 Euro Einkommenssteuer zahlen? Mein bisheriger Verlust wurde ja immer steuerlich geltend gemacht. Oder gibt es da eine andere Möglichkeit?
Oder zahle ich nur auf den verbleibenden Betrag Steuern?
Wenn ich auf die kompletten 35.000 Euro Steuern zahlen müsste, dann würde ich ja mit Dickem Minus verkaufen.... ich würde aber gerne plus minus null raus kommen.
Steuer Steuer Umsatzsteuer Verkauf Einkommenssteuer
Entschuldigung, ich vergaß noch etwas:
wie sieht es aus, wenn ich jemanden finde, der den Laden einfach übernimmt d.h. Gewerbe, Mietvertrag, Leasingvertrag usw. einfach umgeschrieben wird???
Das wäre aber wirklich glück, daher bin ich froh, wenn Sie oben stehende Fragen beantworten...
zunächst danke ich Ihnen für Ihre Anfrage, die ich anhand Ihrer Angaben und Ihres Einsatzes wie folgt beantworte:
Nach § 1 Abs. 1a UStG unterliegen Umsätze im Rahmen einer Geschäftsveräußerung an einen anderen Unternehmer für dessen Unternehmen NICHT der Umsatzsteuer. Eine Geschäftsveräußerung liegt vor, wenn ein Unternehmen im Ganzen entgeltlich oder unentgeltlich übereignet wird. Voraussetzung dabei ist, dass eine organische Zusammenfassung von Sachen und Rechten übertragen wird, die dem Erwerber die Fortführung des Unternehmens ohne großen finanziellen Aufwand ermöglicht. (BFH - Urteil vom 28.11.2002 - BStBl. 2004 II S. 664)
Gem. § 16 Abs. 1 EStG gehören zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb auch Gewinne, die erzielt werden bei der Veräußerung des ganzen Gewerbebetriebs. Veräußerungsgewinn im Sinne des Abs. 1 ist der Betrag, um den der Veräußerungspreis nach Abzug der Veräußerungskosten den Wert des Betriebsvermögens übersteigt. Veräußerungskosten sind Aufwendungen, die in unmittelbarer sachlicher Beziehung zum Veräußerungsvorgang stehen (BFH-Urteil vom 26. März 1987 IV R 20/84, BStBl II 1987, 561, 563). Die Kosten für die Begleichung offener Forderungen (Waren, Miete, Leasing...) unterfallen nicht den Veräußerungskosten. Sie sind aber als laufende Kosten für den Geschäftsbetrieb zu berücksichtigen. Der Ausgleich der Dispokredite stellen ebenfalls keine Veräußerungskosten dar. Dagegen können die Kosten für die Mietvertragsauflösung bzw. der Auflösung des Leasingvertrages den Veräußerungskosten unterfallen. Als Veräußerungskosten werden üblicherweise Kosten für die rechtliche oder steuerliche Beratung zur Betriebsveräußerung angesehen.
Ein besonderes Privileg ergibt sich auf Antrag nach § 16 Abs. 4 EStG für Betriebsveräußerungen, wenn der Steuerpflichtige das 55. Lebensjahr vollendet hat oder er im sozialversicherungsrechtlichen Sinne dauernd arbeitsunfähig ist.
Ansonten zählt der Veräußerungsgewinn zu den außerordentlichen Einkünften nach § 34 Abs. 2 Nr. 1 EStG. Wenn Sie den Veräußerungsgewinn nach der Fünftelregelung (§ 34 Abs. 1 Satz 2 EStG) versteuern wollen, dann müssen Sie dies beantragen.
Ich hoffe, dass ich Ihnen einen ersten rechtlichen Einblick in Ihrer Angelegenheit geben konnte. Sollten noch Unklarheiten bestehen verweise ich Sie auf die kostenlose Nachfragefunktion.
Für eine weiterführende Interessensvertretung stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Nachfrage vom Fragesteller	06.02.2008 | 23:15
Ich habe im letzten Jahr ca. 6000 Euro Verlust gemacht.
Habe ich richtig gerechnet, dass bei der Fünftelregelung eine Steuer von 1650 Euro zu zahlen wären (bei einer Geschäftsveräußerung von 35.000 Euro)?
Fällt die Geschäftsveräußerung auf jeden Fall unter die Fünftel-Regel? Oder gibt es da Bedingungen? Und wann und wo beantrage ich es? Vor dem Verkauf?
Ich danke Ihnen - mit der Fünftel-Regel wäre ja alles gerettet! Sie wissen gar nicht, wie sehr Sie mir mit dem Tipp geholfen haben!
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 07.02.2008 | 10:24
die Berechnung des zu versteuernden Einkommens verhält sich leider etwas komplizierter. Zunächst ist festzuhalten, dass die Fünftelregelung in dem Veranlagungszeitraum zum Tragen kommt, in dem die außerordentlichen Einkünfte erzielt worden sind. D.h., wenn Sie dieses Jahr Ihren Betrieb veräußern, dann berechnet sich die Steuerschuld auf Grundlage der Einkünfte im Veranlagungszeitraum 2008.
Die Fünftelregelung unterliegt besonderen Voraussetzungen:
Die tarifbegünstigten Veräußerungsgewinne iSd § 16 EStG liegen dann vor, wenn die stillen Reserven in einem einheitlichen wirtschaftlichen Vorgang aufgedeckt werden. (Betriebsveräußerung im Ganzen!) Daher ist es für Sie auch steuerlich am besten, wenn der Unternehmenskäufer in die bestehenden Miet- und Leasingverträge eintritt.
Sodann sind die außerordentlichen Einkünfte grundsätzlich nur bis zur Höhe des zu versteuernden Einkommens tarifbegünstigt. Vereinfacht gesagt: wenn also in anderen Einkunftsarten Verluste geltend gemacht werden, dann sind diese Verluste von dem Veräußerungsgewinn abzuziehen und nur die Differenz unterliegt der Tarifbegünstigung.
Die Berechnung der Fünftelregelung vollzieht sich folgenderweise:
Zunächst ist für das betreffende Kalenderjahr die Einkommensteuer zu ermitteln, die sich ergibt, wenn die in dem zu versteuernden Einkommen enthaltenen außerordentlichen Einkünfte nicht in die Bemessungsgrundlage einbezogen werden. Sodann ist in einer Vergleichsberechnung die Einkommensteuer zu errechnen, die sich unter Einbeziehung eines Fünftels der außerordentlichen Einkünfte ergibt. Der Unterschiedsbetrag zwischen beiden Steuerbeträgen ist zu verfünffachen und der sich so ergebende Steuerbetrag der oben ermittelten Einkommensteuer hinzuzurechnen. Um eine genaue Berechnung machen zu können, ist die Kenntnis aller Einkünfte des Vz 2008 notwendig.
Eine Antragsstellung ist hierbei nicht notwendig, da die Fünftelregelung von Amts wegen zu berücksichtigen ist. Leider war das in meiner obigen Ausführung etwas unklar. Die Antragspflicht ergibt sich bei einer tariflichen Steuerermäßigung nach § 34 Abs. 3 EStG.
Schließlich ist noch darauf hinzuweisen, dass der Veräußerungsgewinn sich folgendermaßen berechnet. Der Veräußerungsgewinn ist der Betrag, der abzüglich der Veräußerungskosten den Wert des Betriebsvermögens übersteigt. Sollten Sie Ihr Unternehmen für EUR 35.000,00 veräußern, dann sind neben den Veräußerungskosten auch das bilanzierte Eigenkapital von dem Preis abzuziehen.
Ich hoffe, dass ich Ihnen einen weiteren rechtlichen Einblick für Ihre Angelegenheit geben konnte. Um allerdings konkrete Berechnungen anstellen zu können, sind umfassende Informationen unabkömmlich. Sollte ein Verkauf Ihres Unternehmens anstehen, so sollten Sie unbedingt auf das Wissen eines Steuerberaters oder eines Rechtsanwaltes zurückgreifen. Vor allem auch in gesellschaftsrechtlicher Hinsicht. Gerne können Sie sich hierfür auch an mich wenden.
Steuer nach Geschäftsauflösung