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Timestamp: 2020-06-07 09:59:16
Document Index: 58851466

Matched Legal Cases: ['§ 176', '§ 177', '§ 178', '§ 211', '§ 173', '§176', '§176', '§182']

(Maren Basfeld, März 2010)
Nach Artikel 34 der UN-Kinderrechtskonvention (1989) sind Kinder vor sexueller Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung zu schützen. So weit die Rechtstheorie. Die Wirklichkeit sieht hingegen anders aus:
- Jährlich werden allein in Deutschland 300.000 Minderjährige missbraucht, alle zwei Minuten ein Kind (Schätzung des Bundeskriminalamtes im Jahr 2009).
- Jeder zwölfte Berliner Junge hat mindestens einen sexuellen Übergriff durch Erwachsene erfahren (2007).
- 16.000 Fälle kommen jährlich zur Anzeige (2009), immerhin 80 Prozent der Fälle werden aufgeklärt (2008).
- In Deutschland leben 200.000 Männer mit pädophilen Neigungen (2007).
- 15 bis 30 Prozent aller Sexualtäter sind Kinder (2006), 40 Prozent von ihnen haben selbst sexuellen Missbrauch erfahren.
- 70 Prozent der Täter sind älter als 21 Jahre (2008).
- Das Alter der Missbrauchsopfer liegt bei etwa der Hälfte zwischen 0 und 11 Jahren (2009).
- In 95 Prozent der Fälle ist der Täter dem Opfer bekannt (2009).
- Geistig behinderte Menschen, vor allem Frauen und Mädchen, leben in erhöhtem Risiko, sexuell missbraucht zu werden.
- Kinderpornographie ist vor allem in Sri Lanka, Thailand, Indien, Tschechien, Rumänien, Bulgarien, Tunesien, Marokko und Portugal verbreitet.
- Zwischen 1990 und 2001 sind in Deutschland 900 Kinder verschwunden. Es ist anzunehmen, dass viele von ihnen noch am Leben sind und irgendwo als Sexsklaven in Bordellen ihr Leben fristen.
- Der Umsatz mit Kinderpornographie beträgt in Deutschland pro Jahr etwa eine Milliarde Euro.
Sexueller Missbrauch Minderjähriger liegt vor, „wenn ein Erwachsener seine Machtposition, seine körperliche und geistige Überlegenheit sowie die Unwissenheit, das Vertrauen oder die Abhängigkeit eines Mädchens oder Jungen zur Befriedigung der eigenen sexuellen Bedürfnisse benutzt und gleichzeitig mit der Verpflichtung zur Geheimhaltung das Kind in Sprach- und Hilflosigkeit hält" (Strafgesetzbuch, § 176. Vgl. hierzu Gallwitz und Paulus 2000, S. 85 sowie Karremann 2007, S. 27 und Coetzee, E./Findlay/Hawsley, H./Louw 2000, S. 91). Wer ein Kind sexuell missbraucht, missbraucht sein Urvertrauen. (Vgl. Karremann 2007, S. 30).
Der Begriff „sexuelle Gewalt" ist oft mit Unkenntnis verbunden, etwa mit der Vorstellung, die Gefahr gehe immer vom „fremden Mann" aus. Tatsächlich kommen die Täter meist aus dem unmittelbaren Umkreis des betroffenen Kindes. Sexueller Missbrauch ist eine „Beziehungstat" (vgl. Gallwitz und Paulus 2000, S. 84). Besonders gefährdet für Ausbeutung, Vergewaltigung und Prostitution sind Kinder, die in Armut leben, Mädchen, geistig behinderte Menschen, Kinder von aidskranken Eltern sowie Straßenkinder (vgl. u.a. http://www.tdh.de/content/themen/schwerpunkte/kinderprostitution/ueberblick.htm, 11.02.2010).
Sexuelle Übergriffe. Nach Angaben der Polizei werden in Deutschland Jahr für Jahr etwa 300.000 Kinder innerhalb wie außerhalb der Familie durch Inzest sowie durch Trieb- und Gewalttäter Opfer sexueller Gewalt. „Etwa neun von zehn Tätern sind Männer, drei Viertel aller Opfer Mädchen" (Karremann 2007, S. 30).
Vergewaltigung. Nach § 177 StGB ist Vergewaltigung ein vielschichtiger Prozess, bei dem Menschen von anderen zu etwas gezwungen und ausgenutzt werden, was deren Zwecken und Befriedigung dient (vgl. Däubler-Gmelin und Speck 1997, S. 274). Man schätzt, dass 25 Prozent aller Vergewaltigungen von Minderjährigen und jugendlichen Tätern begangen werden.
Sexuelle Nötigung (Verbot § 178 StGB) ist eine weitere strafbare Form des sexuellen Missbrauchs. Unter „date raping" versteht man Vergewaltigungen, die aus einem „date" heraus entstanden sind: Ein Mädchen verabredet sich mit einem Jungen, und es kommt zum erzwungenen Geschlechtsverkehr, ohne dass dies aus Sicht des Opfers durch die Verabredung beabsichtigt war. „Gang raping" ist die Vergewaltigung eines Opfers durch mehrere Täter in der Gruppe, zum Beispiel durch junge Männer, die hinter der Disko oder auf der Straße einem Mädchen nachstellen und es nacheinander vergewaltigen.
Bei Vergewaltigungen im Krieg werden meist Frauen und Kinder von feindlichen Soldatentrupps überfallen und geschändet. Neben der sexuellen Lust geht es hierbei vor allem um die Rache am Feind, also um politische Motive. Innerhalb der Ehe spricht man von Vergewaltigung, wenn der Ehepartner die Frau gegen ihren Willen penetriert und den Beischlaf gewaltsam vollzieht. Vergewaltigung ist auch innerhalb der Ehe strafbar. Machtausübung steht bei Vergewaltigung im Vordergrund, weniger die Befriedigung sexueller Lust (vgl. u.a. http://www.onmeda.de/lexika/sexualitaet/vergewaltigung-statistik%3A-taeter-und-opfer-2232-2.html, 11.02.2010). Einmalige Vergewaltigungen von Kindern sind seltener als sexueller Missbrauch über einen längeren Zeitraum hinweg.
Kindesmord. Bei Mördern von Kindern (§ 211 StGB) liegt meist eine Persönlichkeitsstörung vor. Der Mord löst bei ihnen sexuelle Erregungen und Fantasien aus. Mit Überredenskünsten und Tricks versuchen die Täter den Kindern näher zu kommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Mord an Kindern kommt auch als „Vertuschungs- oder Verdeckungstat" vor. Der Sexualtäter stellt das Kind nach getaner Tat „ruhig". Tot kann es bei der Identifikation des Täters nicht behilflich sein (vgl. Karremann 2007, S. 35).
Organisierte Formen von sexuellem Missbrauch. Organisierte Formen sexuellen Missbrauchs sind neben Kinderprostitution und Kinderpornographie (siehe Artikel Kinderprostitution und Kinderpornographie: http://www.strassenkinderreport.de/index.php?goto=287&user_name=) auch sog. „Kindertauschringe", bei denen Kinder zu sexuellen Zwecken von ihren Eltern oder anderen Erwachsenen Pädokriminellen „zur Verfügung gestellt" werden. Mitunter verkaufen Familien ihre eignen Kinder stunden- oder nächteweise an zahlende Kunden. In groß aufgezogenen Kinderbordellen und Tauschringen werden entführte Kinder als Sexsklaven gehalten und müssen in Verließen oder verlassenen Fabriken Freiern Tag und Nacht zur Verfügung stehen.
„Innocence in danger" zufolge waren 2002 weltweit 182.000 Internetseiten mit pädokriminellen Inhalten im Netz. 2003 wurden bei der „Operation Marcy" gegen 26.000 Tatverdächtige in 160 Ländern ermittelt (vgl. Karremann 2007, S. 147; S. 154-155). 2004 wurden die Gesetze gegen Kinderpornographie verschärft.
Inzesttäter (vgl. § 173 StGB) - Mütter, Väter oder Geschwister -, die sich sexuell an ihren Kindern oder Geschwistern vergehen, sind meist nicht pädophil veranlagt. Sie streben danach, ihr eingeschränktes Selbstwertgefühl durch Übergriff auf Schwächere zu kompensieren. Eheprobleme, Minderwertigkeitsgefühle, sexuelle Unzufriedenheit oder eine labile Persönlichkeit können dieses Verhalten begünstigen (vgl. Gallwitz und Paulus 2000, S. 9; auch Karremann 2007, S. 24 und 165). Beim Inzest sind die Rollen zwischen Vater, Mutter und Kindern von entscheidender Bedeutung. Oft dominiert ein Elternteil, und degradiert den Partner zum unmündigen, machtlosen Familienmitglied. Mitunter wird das Kind zum quasi erwachsenen Partner, der die Bedürfnisse des schwachen Elternteils befriedigen muss. Das Kind ist Elternersatz und Partner zugleich (vgl. Spies, G. M. 2006, S. 5).
Vater-Tochter-Inzest. 70 bis 80 Prozent der angezeigten Fälle sind Vater-Tochter-Inzests. Es wird vermutet, dass die Flucht vor einer überdominanten Mutter/Ehefrau ein Grund für den sexuellen Übergriff an der eignen Tochter sei. Das Mädchen fordert in der Regel wenig, hier kann der Vater Autorität zeigen, Befriedigung erleben und sein Gefühl der Machtlosigkeit überwinden (vgl. Spies, G. M. 2006, S. 6).
Mutter-Sohn-Inzest. Anders als beim Vater-Sohn-Inzest kann der sexuelle Missbrauch am eigenen Sohn durch die Mutter viel subtiler erfolgen. Ist die Frau erregt, muss das dem Kind nicht auffallen. Auch wenn Mutter-Sohn-Inzestfälle seltener vorkommen als der Vater-Tochter-Inzest, ist das Dunkelfeld hoch (vgl. Spies, G. M. 2006, S. 6). Die Suche nach einem erfüllten Sexualleben und einem „Partner", der ihr zuhört, sie versteht, den sie kontrollieren kann, ohne selbst kontrolliert zu werden, motiviert die Mutter, ihren Sohn zu missbrauchen (vgl. Marquart 2009, u.a. S. 95, 103, 194, 198). Meist wehrt sich das Inzestopfer mit Beginn der Pubertät gegen die Übergriffe. Scham und Wut steigen auf, der Übergriff wird zur Last (vgl. Marquardt 2009, S. 238 und 240).
Geschwister-Inzest. Man vermutet, dass der Geschwisterinzest die häufigste Form des Inzests ist, bei dem meist die Schwestern als Sexualpartner ihrer älteren Brüder oder Stiefbrüder herhalten müssen (vgl. Gallwitz und Paulus 2000, S. 87). Die am häufigsten zur Anzeige gebrachten Inzestfälle sind hingegen die zwischen Vater und Tochter (vgl. Spies, G. M. 2006, S. 6). Oft sind die Akteure des Geschwister-Inzests selbst noch Kinder. Dass das „Spielen" mit der Schwester zu Gewalt, Verletzung und zu einer kriminellen Tat mit massiven Folgen werden kann, ist Tätern lange Zeit nicht bewusst. Sind Täter und Opfer im gleichen Alter, muss der Inzest nicht schmerzhaft sein, er kann als „Liebesbeziehung" empfunden werden. Oft ist das Entdecktwerden durch die Eltern peinlicher als der Missbrauch selbst (vgl. Spies, G. M. 2006, S. 7). Je jünger und unerfahrener das Opfer ist, umso größer sind die Schuldgefühle. Minderwertigkeitsgefühle und Depressionen sind oft die Folge (vgl. Spies, G. M. 2006, S. 8).
Mutter-Tochter-Inzest. Diese Form des Inzests wird fast nie zur Anzeige gebracht und ist so gut wie nicht erforscht. Man vermutet, dass Mütter, die ihre eignen Töchter sexuell und emotional missbrauchen, selbst als Kinder sexuell missbraucht worden sind, aus einer zerrütteten Familie stammen und ihre traumatischen Erfahrungen auf die eigene Tochter übertragen. Mutter und Tochter sind gefangen in einer sie aneinander bindenden und erdrückenden Beziehung. Sobald die Tochter aus dieser Enge ausbrechen will, fühlt sie so, als würde sie sich selbst verlassen. Sie hasst ihre Mutter und damit gleichzeitig auch sich selbst (vgl. Spies, G. M. 2006, S. 10).
Funktioneller Inzest. Unter funktionellem Inzest versteht man sexuelle Übergriffe durch andere Verwandte wie Großeltern, Onkel, Tante, Cousin, aber auch Stiefväter, die bewusst eine allein stehende Frau mit Kind heiraten, um einfacher an das Kind heran zu kommen. Diese Inzesttäter handeln aufgrund pädophiler Neigungen (vgl. Spies, G. M. 2006, S. 9).
Folgen des Inzest. Weil der Täter dem Opfer nahe steht, es versorgt, dem Umfeld des Opfers bekannt ist und „nur" nachts zum Monster wird, fällt es Opfern von Inzesthandlungen schwer, über den Missbrauch zu sprechen (vgl. Karremann 2007, S. 170). Oft schweigen die Familienmitglieder, z. B. die Mütter, obwohl sie vom Missbrauch wissen, aus Angst, vor Strafe oder aus Angst, den Partner zu verlieren (vgl. Marquardt 2009, S. 10 und Karremann 2007, S. 179). Das Schweigen wird nicht selten mit Drohungen erpresst: Angst, Depression, Ausreißen aus der Familie, Misstrauen gegenüber anderen Erwachsenen, selbstverletzendes Verhalten, Einsamkeit und Aggressionen sind die gravierenden Folgen von Inzest.
Pädophilie ist nicht nur ein Sexualverbrechen, sondern eine Neigung, ein sexueller Hang zu Kindern, der durch Moral oder Therapie nicht auszutilgen ist (vgl. Karremann 2007, S. 24). Pädophile Erwachsene, meist Männer, fühlen sich sexuell zu Kindern, Mädchen oder Jungen hingezogen (vgl. C. Bezuidenhout und L. Campher, in: Spies 2006, S. 26). Pädophilie mit Kindern von 0 bis 12 Jahren kommt häufiger vor als Hebephilie, der Umgang mit Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren (vgl. C. Bezuidenhout und L. Campher, in: Spies 2006, S. 25). Bei Pädophilen, deren sexuelle Neigungen Mädchen gelten, spielt das Alter der Kinder zwischen drei und sechs Jahren eine besondere Rolle. Spätestens der Eintritt in die Pubertät beendet das sexuelle Interesse am Kind. Sogenannte „Kernpädophile", „Girllover" oder „Boylover", fühlen sich nur zu Minderjährigen hingezogen, mit erwachsenen Geschlechtspartnern können sie nichts anfangen.
In den letzten Jahren zeichnet sich ein Trend „zum Wickeltisch", zum „Babylover", ab (Karremann 2007, S.34). Die Opfer Pädokrimineller werden immer jünger. Menschen, die sich ihrer pädophilen Neigung bewusst sind, diese aber nur in ihrer Fantasie ausleben, werden in der Pädoszene „Edelpädos" genannt.
Zahlen und Fakten.Schätzungen der Polizei zufolge leben in der Bundesrepublik mehr als 60.000 Menschen mit pädophilen Neigungen, nicht alle werden zu Tätern. Doch überall dort, wo Kinder leben, lernen und spielen, sind sie anzutreffen, auf Spielplätzen, in Schwimmbädern, Schulen, Kindergärten und in Sportvereinen (vgl. C. Bezuidenhout und L. Campher, in: Spies 2006, S. 26, und Karremann 2007, S. 12).
75 Prozent der Opfer sind Mädchen, neunzig Prozent der Täter Männer (vgl. Karremann 2007, S. 59). Einige der Pädophilen leben in einer Kinderwelt, nicht nur, um sich Kindern zu näheren. Andere sind erfolgreiche Geschäftsmänner und begeben sich nur in ihrer Freizeit auf infantiles Niveau. In den USA soll jeder sechste Junge bis zum Alter von 16 Jahren durch Pädokrimnelle oder Hebephile sexuell missbraucht worden sein, jedes vierte Mädchen unter 14 Jahren schwebt in der Gefahr, sexuell belästigt zu werden. Fünf bis zehn Prozent der amerikanischen Männer sollen im Laufe ihres Lebens ihre pädophile Neigung aktiv ausgelebt haben (vgl. C. Bezuidenhout und L. Campher, in: Spies 2006, S. 27).
Fast alle Pädokriminellen gehen gewaltlos vor (vgl. Karremann 2007, S. 24). Sie sind Könner im behutsamen Umgang mit Kindern. Sie profitieren von einer hohen Sensibilität. Gleichzeitig erlaubt ihnen eine ausgeprägte soziale Intelligenz, familiäre Strukturen und Gegebenheiten schnell zu analysieren und sie zu ihren Gunsten zu nutzen. Die Gefahr geht nicht vom „fremden bösen Mann", sondern meist von liebevollen Nachbarn, umsorgenden Betreuern und befreundeten Bekannten aus (vgl. Karremann 2007, S. 12, 13, 15).
Internet. Pädophile organisieren sich und tauschen sich vor allem mit Hilfe des Internets aus. Seit Mitte der 90er Jahre eröffnete das neue Medium Internet Menschen mit pädophiler Neigung einen unbegrenzten Tummelplatz (vgl. C. Bezuidenhout und L. Campher, in: Spies 2006, S. 23 und 27). Das „Material", wie Kinderpornographie in der Szene genannt wird, reicht von einfachen Abbildungen und Filmen spielender Kinder über entblößte Kinderkörper bis hin zu brutalen und sadistischen Szenen der Vergewaltigung und des massiven sexuellen Missbrauchs. Jede Woche werden bis zu 4.000 kinderpornographische Bilder aus Newsgruppen gezogen. Allein in Deutschland soll es zwischen 30.000 und 50.000 Konsumenten kinderpornographischer Produkte geben (vgl. http://www.tdh.de/content/themen/schwerpunkte/kinderprostitution/ueberblick.htm, 11.02.2010).
Bei einer Umfrage, die 2001 in Großbritannien veröffentlicht wurde und bei der 2000 Probanden zur Nutzung von Internetchatrooms befragt wurden (vgl. Chat wise, street wise: http://www.internetcrimeforum.org.uk/chatwise_streetwise.html. Zugriff: 18.02.2010), gaben 29 Prozent an, ohne Weiteres ihre Adresse im Internet preiszugeben, 14 Prozent beschränkten sich auf die Mailadresse. Zwei Prozent der Befragten gaben an, aufgefordert worden zu sein, die Pädokriminellen persönlich zu treffen. 65 Prozent der Nutzer dieser Chatrooms wurden mit ähnlichen Interessen angeschrieben. 2001 existierten mehr als 30.000 Websites mit pädokriminellen Inhalten im Netz. Stichworte wie Pokemon, Toy, Action man, Little Pony etc. führen auf Links zu den einschlägigen Websites (vgl. C. Bezuidenhout und L. Campher, in: Spies 2006, S. 29). Seiten wie „Free spirits" plädieren für eine Wendung hin zur „freien Sexualität" des Kindes (vgl. C. Bezuidenhout und L. Campher, in: Spies 2006, S. 29).
Wenn es um Strafverfolgung geht, wird zwischen Triebtätern und Inzesttätern nicht unterschieden (nach §176 bis §176b und §182). Albträume, Schlaflosigkeit, Flashbacks, Unterleibskrämpfe, Panikattacken, Ekelgefühle etc. können physische Folgen des Missbrauchs sein, die mitunter Jahrzehnte anhalten (vgl. Karremann 2007, S. 176). Die Rückfallwahrscheinlichkeit eines Täters ist nach der Entlassung aus der Haft hoch, weshalb gerade bei Triebtätern eine therapeutische Begleitung wichtig ist. Den Opfern fällt es noch Jahre später schwer, über den Missbrauch vor Eltern, Therapeuten oder dem eigenen Partner zu sprechen.
Die moralische und kognitive Entwicklung eines Kindes wird durch sexuellen Missbrauch gestört und kann zu lebenslangen Beeinträchtigungen führen (vgl. C. Bezuidenhout und L. Campher, in: Spies 2006, S. 28). Jungen, die von Männern missbraucht wurden, haben Angst, homosexuelle Neigungen zu entwickeln. Das Selbstvertrauen missbrauchter Kinder ist beeinträchtigt. Viele Opfer spielen mit Selbstmordgedanken, leiden unter Depressionen, Drogenabhängigkeit oder driften in die Prostitution ab (vgl. Karremann 2007, S. 148-149.) Boderline-Symptomatik und Magersucht treten häufig bei Mädchen als Folge von Missbrauch auf.
Körperliche Wunden, Fissuren (Risse) im Intimbereich, Schläge etc. können neben den traumatischen Erfahrungen das Sexualleben des Opfers negativ beeinflussen. Mitunter werden Mädchen durch Missbrauch und Vergewaltigungen unfruchtbar. Viele Opfer können lebenslang keine befriedigende sexuelle Bindung eingehen. Anhaltender Missbrauch im Kindesalter kann die sexuelle Neigung vor allem von Jungen beeinflussen, so dass sie sich fortan zu anderen Männern hingezogen fühlen oder selbst eine pädophile Neigung entwickeln.
Opfer von Missbrauch, vor allem aus einer inzestuösen Beziehung, haben häufig massive Probleme, wenn sie selbst Eltern werden. Vor allem Jungen, die durch ihre Eltern oder einen Onkel missbraucht wurden, plagt die Soge, dasselbe nun mit ihrem eigenen Kind zu tun. Sie können die Angst vor Übergriffen von der Fantasie und Erinnerung an den erlebten Missbrauch nicht trennen. Dies schlägt sich in der Beziehung zum eigenen Kind und oft auch zum Partner, der Mutter oder dem Vater des Kindes, nieder.
Carr, Karin/Fulcher, Gill/Walls, Colleen: Explore Life Orientation. Life with skills. 2004.
Coetzee, E./Findlay/Hawsley, H./Louw, H.: Life orientation today. Cape Town: Maskew Miller Longman 2000.
Däubler-Gmelin/Speck, Dieter: Sexueller Missbrauch. Die Einsamkeit der Opfer. Die Hilflosigkeit der Justiz,. München: Knaur 1997.
Gallwitz, Adolf/Paulus, Manfred: Kinderfreunde, Kindermörder. Authentische Kriminalfälle, Fallanalysen, Vorbeugung. Düsseldorf: VDP 2000.
Karremann, Manfred: Es geschieht am hellichten Tage. Die verborgene Welt der Pädophilen und wie wir unsere Kinder vor dem Missbrauch schützen. Köln: Dumont 2007.
Marquardt, Andreas/Lemke, Jürgen: Härte. Mein Weg aus dem Teufelskreis der Gewalt, Berlin: Ullstein Taschenbuchverlag 2009.
Spies, G. M. (Hrsg.): Sexual abuse. Dynamics, assessment and healing. Pretoria: Van Schaik Publishers 2006.
Umfragen und Studien:
http://www.internetcrimeforum.org.uk/chatwise_streetwise.html, 18.01.2010
http://www.sternenstaub-hilft.net/2009/07/19/zahlen-und-fakten-sexueller-missbrauch/18.01.2010
http://gesundheitsnews.imedo.de/news/10179-sexueller-missbrauch-von-kindern-%E2%80%93-keine-einzelfalle, 11.02.2010
http://www.tdh.de/content/themen/schwerpunkte/kinderprostitution/ueberblick.htm, 11.02.2010
http://www.onmeda.de/lexika/sexualitaet/vergewaltigung-statistik%3A-taeter-und-opfer-2232-2.html, 11.02.2010
http://www.child-hood.com/
Film zu Andreas Marquardt:
http://www.myvideo.de/watch/5739771/Ohne_Skrupel_Die_Geschichte_eines_Zuhaelter_Andreas_Marquardt_3_3
Zahlen und Fakten Freier in Deutschland:
http://doku.cc/2007/09/22/ohne-skrupel-die-geschichte-eines-zuhalters/