Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/verbrauchssteuern/keine-steuerbefreiung-bei-flugbenzin-fuer-firmenflugzeuge-344066
Timestamp: 2020-01-26 06:51:45
Document Index: 113555215

Matched Legal Cases: ['Art. 14', 'EuG', '§ 4', '§ 50', '§ 20', '§ 21', '§ 4', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 14', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Kei­ne Steu­er­be­frei­ung bei Flug­ben­zin für Fir­men­flug­zeu­ge | Rechtslupe
Kei­ne Steu­er­be­frei­ung bei Flug­ben­zin für Fir­men­flug­zeu­ge
Die Steu­er­be­frei­ung für Flug­ben­zin steht nur Luft­fahrt­un­ter­neh­men für die gewerbs­mä­ßi­ge Beför­de­rung von Per­so­nen oder Sachen oder für die ent­gelt­li­che Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen zu. Setzt ein Unter­neh­men ein eige­nes Flug­zeug für Flü­ge zu ande­ren Fir­men und zu Mes­sen ein, hat es kei­nen Anspruch auf Befrei­ung von der Mine­ral­öl­steu­er für das in die­sem Zusam­men­hang ver­wen­de­te Mine­ral­öl.
In dem hier ent­schie­de­nen Fall hat­te der Bun­des­fi­nanz­hof bereits im Dezem­ber 2009 ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gerich­tet 1. Mit sei­nem jetzt ver­kün­de­ten Urteil setzt der Bun­des­fi­nanz­hof die Vor­ga­ben des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on aus des­sen dar­auf­hin ergan­ge­nem Urteil vom 1. Dezem­ber 2011 2 um.
Nach Art. 14 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/​96/​EG haben die Mit­glied­staa­ten Lie­fe­run­gen von Ener­gie­er­zeug­nis­sen zur Ver­wen­dung als Kraft­stoff für die Luft­fahrt mit Aus­nah­me der pri­va­ten nicht­ge­werb­li­chen Luft­fahrt von der Ener­gie­steu­er zu befrei­en. Von pri­va­ter nicht­ge­werb­li­cher Luft­fahrt ist nach der gemein­schafts­recht­li­chen Defi­ni­ti­on dann aus­zu­ge­hen, wenn das Flug­zeug zu ande­ren als kom­mer­zi­el­len Zwe­cken genutzt wird. Auf Vor­la­ge des erken­nen­den Senats hat­te der EuGH für die­sen Fall ent­schie­den, die im Uni­ons­recht fest­ge­leg­te Steu­er­be­frei­ung könn­ten nur zuge­las­se­ne Luft­fahrt­un­ter­neh­men oder sol­che Unter­neh­men in Anspruch neh­men, die Luft­fahrt-Dienst­leis­tun­gen erbrin­gen.
Nach § 4 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. a MinöStG 1993 i.V.m. § 50 Abs. 1 MinöStV wird eine steu­er­li­che Begüns­ti­gung nur für Luft­fahrt­be­triebs­stof­fe gewährt, die von Luft­fahrt­un­ter­neh­men für die gewerbs­mä­ßi­ge Beför­de­rung von Per­so­nen oder Sachen oder für die ent­gelt­li­che Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen ein­ge­setzt wer­den. Die Klä­ge­rin besitzt im vor­lie­gen­den Fall aber weder luft­ver­kehrs­recht­li­che Geneh­mi­gun­gen nach § 20 Abs. 1 i.V.m. § 21 Abs. 1 des Luft­ver­kehrs­ge­set­zes noch steht der Geschäfts­zweck des Unter­neh­mens der Klä­ge­rin in unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang mit dem Ein­satz von Flug­zeu­gen. Haupt­zweck ihrer gewerb­li­chen Betä­ti­gung ist die Ent­wick­lung und der Ver­trieb elek­tro­ni­scher Kom­po­nen­ten und Soft­ware für die Indus­trie­elek­tro­nik. Nach dem inso­weit ein­deu­ti­gen Wort­laut von § 4 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. a MinöStG 1993 kommt eine Steu­er­be­frei­ung somit nicht in Betracht.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des FG ergibt sich ein Anspruch auf die mine­ral­öl­steu­er­li­che Frei­stel­lung von Werk­flü­gen auch nicht aus der unmit­tel­ba­ren Anwen­dung von Uni­ons­recht.
Nach Art. 14 Abs. 1 Buchst. b Satz 1 Ener­gie­StRL sind die Mit­glied­staa­ten ver­pflich­tet, unter den Vor­aus­set­zun­gen, die sie zur Sicher­stel­lung der kor­rek­ten und ein­fa­chen Anwen­dung der Steu­er­be­güns­ti­gung und zur Ver­hin­de­rung von Steu­er­hin­ter­zie­hung und ‑ver­mei­dung oder Miss­brauch fest­le­gen, Lie­fe­run­gen von Ener­gie­er­zeug­nis­sen zur Ver­wen­dung als Kraft­stoff für die Luft­fahrt mit Aus­nah­me der pri­va­ten nicht­ge­werb­li­chen Luft­fahrt von der Steu­er zu befrei­en. Die Mit­glied­staa­ten kön­nen jedoch die Steu­er­be­frei­ung auf Lie­fe­run­gen von Flug­tur­bi­nen­kraft­stoff (KN-Code 2710 19 21) beschrän­ken (Art. 14 Abs. 1 Buchst. b Ener­gie­StRL).
Im vor­lie­gen­den Fall begehrt die Klä­ge­rin eine Befrei­ung für das von ihr auf Werk­flü­gen ein­ge­setz­te Flug­ben­zin (AVGAS 100 LL). Dabei han­delt es sich nicht um Flug­tur­bi­nen­kraft­stoff (Kero­sin) der Unter­pos. 2710 19 21 der Kom­bi­nier­ten Nomen­kla­tur, so dass die gemein­schafts­recht­li­chen Vor­ga­ben eine Steu­er­ver­scho­nung nicht erzwin­gen. Auf Flug­ben­zin oder leich­ten Flug­tur­bi­nen­kraft­stoff kann eine Steu­er erho­ben wer­den. Bereits aus die­sem Grund schei­tert die Annah­me, der von der Klä­ge­rin begehr­te Ver­gü­tungs­an­spruch las­se sich ohne wei­te­res unmit­tel­bar aus Art. 14 Abs. 1 Buchst. b Satz 1 Ener­gie­StRL ablei­ten. Da den Mit­glied­staa­ten ein steu­er­li­cher Gestal­tungs­spiel­raum zusteht, ist die­se Bestim­mung in Bezug auf Flug­ben­zin inhalt­lich nicht unbe­dingt und hin­rei­chend so genau, dass der Ein­zel­ne sich auf eine unmit­tel­ba­re Gel­tung des Uni­ons­rechts beru­fen könn­te 3.
Aber selbst wenn die­se Erwä­gung auf­grund der im Vor­la­ge­be­schluss auf­ge­zeig­ten Umset­zungs­de­fi­zi­te unbe­ach­tet gelas­sen wer­den könn­te und sich Deutsch­land auf­grund der nicht frist­ge­rech­ten Umset­zung der Ener­gie­StRL nicht auf sein Unter­las­sen beru­fen könn­te, um der Klä­ge­rin die Steu­er­be­frei­ung zu ver­weh­ren, schei­tert der Anspruch dar­an, dass die Klä­ge­rin kei­ne vom EuGH gefor­der­te ent­gelt­li­che Luft­fahrt-Dienst­leis­tung erbringt. Wie der EuGH aus­ge­führt hat, ver­langt der Begriff "Luft­fahrt", dass die ent­gelt­li­che Dienst­leis­tung unmit­tel­bar mit dem Flug des Luft­fahr­zeugs zusam­men­hängt. Dies ist jedoch bei Flü­gen eines unter­neh­mens­ei­ge­nen Flug­zeugs zu ande­ren Fir­men und Mes­sen nicht der Fall. Die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Befrei­ungs­vor­schrift sind somit nicht erfüllt.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 28. Febru­ar 2012 – VII R 9/​09
Schwer­öl zum Moto­ren­an­trieb Wer­den Ener­gie­er­zeug­nis­se im Rah­men der Ent­wick­lung von Kraft­stof­fen in grö­ße­ren Men­gen zum Antrieb von Schiffs­mo­to­ren ein­ge­setzt, kommt eine steu­er­freie Ver­wen­dung der in den Moto­ren ver­brann­ten…
BFH, Beschluss vom 01.12.2009 – VII R 9/​09 und VII R 10/​09[↩]
EuGH, Urteil vom 01.12.2011 – C‑79/​10[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 17.07.2008 – C‑226/​07, Slg. 2008, I‑5999[↩]
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