Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=13.03.2012&Aktenzeichen=I%20B%20111/11
Timestamp: 2019-05-24 12:28:28
Document Index: 309136114

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 69', '§ 8', '§ 69', '§ 8', '§ 8', '§ 4', '§ 69', '§ 69', '§ 8', '§ 69', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 4', '§ 8', '§ 8', '§ 4', '§ 8', '§ 8', '§ 8', 'in casu', '§ 69', '§ 69', '§ 69', '§ 238', '§ 69', '§ 69', '§ 69', '§ 69', '§ 69', '§ 4', '§ 8', '§ 64']

BFH, 13.03.2012 - I B 111/11 - dejure.org
https://dejure.org/2012,10003
BFH, 13.03.2012 - I B 111/11 (https://dejure.org/2012,10003)
BFH, Entscheidung vom 13.03.2012 - I B 111/11 (https://dejure.org/2012,10003)
BFH, Entscheidung vom 13. März 2012 - I B 111/11 (https://dejure.org/2012,10003)
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Ernstliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des § 8a Abs. 2 Alternative 3 KStG 2002 n. F. - AdV von Steuerbescheiden wegen verfassungsrechtlicher Bedenken - Interessenabwägung - Begriff der wesentlichen Nachteile i. S. des § 69 Abs. 2 Satz 8 FGO
Ernstliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des § 8a Abs. 2 Alternative 3 KStG 2002 n.F.; AdV von Steuerbescheiden wegen verfassungsrechtlicher Bedenken; Interessenabwägung; Begriff der wesentlichen Nachteile i.S. des § 69 Abs. 2 Satz 8 FGO
§ 8a KStG 2002 vom 14.08.2007, § 8a Abs 2 Alt 3 KStG 2002 vom 14.08.2007, § 4h EStG 2002 vom 14.08.2007, § 69 Abs 2 S 2 FGO, § 69 Abs 3 FGO
KStG 2002 § 8a Abs. 2 Alt. 3; FGO § 69 Abs. 2 S. 2
Ernstliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des § 8a Abs. 2 Alternative 3 KStG 2002 n.F.
Verfassungsrechtliche Fragen zur Zinsschranke
Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Zinsschranke
Rückausnahme von der sog. Standalone- Klausel in § 8a Abs. 2 Alt. 3 KStG 2002 n. F. verfassungswidrig?
Rückausnahme der Stand-alone-Klausel der Zinsschranke verfassungsgemäß?
Zinsschranke verfassungsmäßig?
Verfassungsmäßigkeit der Zinsschranke in Frage gestellt
Unternehmensbesteuerung, Zinsschranke
Zinsschranke - Gesellschaftersicherheit auf dem Prüfstand
gmbhr.de (Aufsatz mit Bezug zur Entscheidung)
Zinsschranke im Rechtsstreit
Anwendbarkeit der Zinsschranke auf gängige Inlandsfinanzierungen ernstlich zweifelhaft! (IMR 2012, 307)
Rückausnahme bei Gesellschafterfremdfinanzierung
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des BFH vom 13.03.2012, Az.: I B 111/11 (Rückausnahme von der sog. Stand-alone-Klausel in § 8a Abs. 2 Alt. 3 KStG 2002 n.F. verfassungswidrig?" von RA/StB Dr. Frank Tschesche, LL.M., original erschienen in: BB 2012, 2286 - 2292.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des BFH vom 13.03.2012, Az.: I B 111/11 (Ernstliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der sog. Zinsschranke)" von RA/StB Dr. Götz Tobias Wiese, original erschienen in: GmbHR 2012, 646 - 653.
Kurznachricht zu "Anmerkung zur Entscheidung des BFH vom 13.03.2012, Az.: I B 111/11 (Verfassungsmäßigkeit der Zinsschranke)" von RA/StB Harald Schwetlik, original erschienen in: EStB 2012, 195 - 196.
Kurznachricht zu "Verfassungsrechtliche Bedenken gegen die Zinsschranke" von StB Dr. Simone Rosen und StB Ann-Cathrin Hütig, original erschienen in: StuB 2012, 475 - 478.
FG München, 01.06.2011 - 7 V 822/11
BFHE 236, 501
BB 2012, 2286
DB 2012, 1071
BStBl II 2012, 611
NZG 2012, 635
Darüber hinaus ist für die Besteuerung der Kapitalgesellschaft (und damit im Streitfall) zu beachten, dass die tatbestandlichen Einschränkungen des § 4h Abs. 2 Satz 1 Buchst. b und c EStG 2002 n.F. (sog. stand-alone-Klausel bzw. sog. Eigenkapital-Escape) durch Rückausnahmen in § 8a Abs. 2, 3 KStG 2002 n.F. mit dem Anknüpfungspunkt einer (i.w.S.) Gesellschafterfremdfinanzierung wiederum modifiziert werden, was auch mit Blick auf den im Zuge der Unternehmensteuerreform 2008 außer Kraft gesetzten § 8a KStG 1990 n.F. zugleich verdeutlicht, dass zumindest insoweit im Hauptgewicht der Zweck der Missbrauchsabwehr gesetzesleitend ist (s. insoweit Senatsbeschluss vom 13. März 2012 I B 111/11, BFHE 236, 501, BStBl II 2012, 611;… Jehlin, a.a.O., S. 174 ff.;… Böwing-Schmalenbrock, a.a.O., S. 161;… s.a. ausdrücklich in dieser Weise zwischen § 4h EStG 2002 n.F. einerseits und § 8a KStG 2002 n.F. andererseits differenzierend Frotscher in Frotscher/Maas, a.a.O., § 8a KStG Rz 6).
Damit wird die Gesellschafterfremdfinanzierung (i.w.S.), soweit sie einen bestimmten (…nicht mit empirischen Erkenntnissen belegten, s. Jehlin, a.a.O., S. 175 f.) Prozentsatz des Nettozinsaufwands ausmacht (10 %), ohne Blick auf den wirtschaftlichen Hintergrund der Finanzierungssituation (s. insoweit zu § 8a Abs. 2 Alternative 3 KStG 2002 n.F. und der Rückgriffssituation bei branchentypischer Bankenfremdfinanzierung den Senatsbeschluss in BFHE 236, 501, BStBl II 2012, 611) und ohne Gegenbeweismöglichkeit als Missbrauch typisiert.
Zudem muss sich die Typisierung am allgemeinen Grundsatz der Verhältnismäßigkeit messen lassen (BVerfG-Beschluss vom 4. April 2001 2 BvL 7/98, BVerfGE 103, 310, unter B.I.2.b; Senatsbeschluss vom 13. März 2012 I B 111/11, BFHE 236, 501, BStBl II 2012, 611).
Ob dem uneingeschränkt beizupflichten ist, kann der Senat im Streitfall abermals (s. bereits Senatsbeschluss in BFHE 236, 501, BStBl II 2012, 611, m.w.N.; s. auch BFH-Beschluss in 236, 206, BStBl II 2012, 418, der auf eine solche Abwägung gänzlich verzichtet, dazu Gosch, BFH/PR 2012, 243) dahinstehen lassen; in casu liegt ein besonderes Aussetzungsinteresse vor, das den öffentlichen, vor allem haushalterischen Interessen vorgeht.
Das ist hier der Fall, da durch die sog. Zinsschranke insgesamt nur Mehreinnahmen von 697, 5 Mio. EUR p.a. erwartet werden (vgl. Stellungnahme des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin --DIW Berlin-- zum Gesetzentwurf Bürgerentlastungsgesetz Krankenversicherung [BTDrucks 16/12254 und BRDrucks 168/09], www.diw.de/documents/publikationen/73/96142/rn30.pdf sowie den dazu gegebenen Kurzbericht von Bach/Buslei, Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 17/2009, 283 ff.; s. auch bereits Senatsbeschluss in BFHE 236, 501, BStBl II 2012, 611).
Soweit der Senat bisher vorläufigen Rechtsschutz versagt hat, wenn zu erwarten ist, dass das BVerfG lediglich die Unvereinbarkeit eines Gesetzes mit dem GG aussprechen und dem Gesetzgeber eine Nachbesserungspflicht für die Zukunft aufgeben wird (vgl. BFH-Beschlüsse vom 11. Juni 1986 II B 49/83, BFHE 146, 474, BStBl II 1986, 782;… vom 11. September 1996 II B 32/96, BFH/NV 1997, 270; in BFHE 202, 380, BStBl II 2003, 807; vom 5. April 2011 II B 153/10, BFHE 232, 380, BStBl II 2011, 942;… vom 4. Mai 2011 II B 151/10, BFH/NV 2011, 1395), wird daran im Hinblick auf die geäußerte Kritik (…vgl. Seer, a.a.O., § 69 FGO Rz 96; derselbe, DStR 2012, 325, 328 f.;… Gosch, a.a.O., § 69 Rz 180.1;… Gräber/Koch, a.a.O., § 69 Rz 113; Anwendung offen gelassen: BFH-Beschlüsse in BFHE 236, 501, BStBl II 2012, 611, und in BFH/NV 2012, 1489) nicht mehr festgehalten.
Allerdings setzt nach - bisheriger - ständiger Rechtsprechung eine Aussetzung der Vollziehung, die mit ernstlichen Zweifeln an der Verfassungsmäßigkeit einer dem angefochtenen Steuerbescheid zugrunde liegenden Gesetzesvorschrift begründet wird, voraus, dass nach den Umständen des Einzelfalles ein besonderes berechtigtes Interesse des Antragstellers an der Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes besteht, dem der Vorrang vor dem öffentlichen Interesse am Vollzug des Gesetzes zukommt (vgl. z.B. BFH-Beschlüsse vom 21. November 2013 II B 46/13, BStBl II 2013, 263; vom 9. März 2012 VII B 171/11, BStBl II 2012, 418; vom 13. März 2012 I B 111/11, BStBl II 2012, 611; Erfordernis eines berechtigten Interesses offen gelassen: BFH-Beschlüsse vom 23. August 2007 VI B 42/07, BStBl II 2007, 799, und vom 25. August 2009 VI B 69/09, BStBl II 2009, 826).
Ist die Rechtslage nicht eindeutig, so ist im summarischen Verfahren nicht abschließend zu entscheiden, sondern im Regelfall die Vollziehung auszusetzen (…BFH-Beschlüsse vom 26.08.2010 I B 85/10, BFH/NV 2011, 220; vom 13.03.2012 I B 111/11, BStBl II 2012, 611).
aa) Wird die Verfassungswidrigkeit von Normen geltend gemacht - wie hier die Höhe des Zinssatzes gem. § 238 Abs. 1 AO - sind an die Zweifel hinsichtlich der Rechtmäßigkeit des angefochtenen Zinsbescheides keine strengeren Anforderungen zu stellen als im Fall der Geltendmachung fehlerhafter Rechtsanwendung (vgl. BFH-Beschluss vom 13.03.2012 I B 111/11, BStBl II 2012, 611).
Auf die zwischen den Beteiligten umstrittene (weitere) Frage danach, ob und unter welchen Voraussetzungen trotz ernstlicher Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit einer Rechtsnorm und damit der Rechtmäßigkeit eines darauf beruhenden Steuerbescheids --wie von der Vorinstanz im Streitfall angenommen-- von der Gewährung der AdV jenes Bescheids abgesehen werden kann (vgl. z.B. einerseits Senatsbeschluss vom 13. März 2012 I B 111/11, BFHE 236, 501, BStBl II 2012, 611, andererseits BFH-Beschlüsse vom 17. Juli 2003 II B 20/03, BFHE 202, 380, BStBl II 2003, 807; vom 5. April 2011 II B 153/10, BFHE 232, 380, BStBl II 2011, 942;… vom 4. Mai 2011 II B 151/10, BFH/NV 2011, 1395; vom 9. März 2012 VII B 171/11, BFHE 236, 206, BStBl II 2012, 418; s. auch z.B. Gosch in Beermann/Gosch, FGO, § 69 Rz 179 ff.; Gräber/Koch, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 69 Rz 113; Schallmoser, DStR 2010, 297 ff.; Seer in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 69 FGO Rz 97; Specker, Deutsche Steuer-Zeitung 2010, 800, 802 f.), braucht in Anbetracht dessen nicht mehr eingegangen zu werden.
Ernstliche Zweifel i.S. von § 69 Abs. 2 Satz 2 FGO liegen u.a. dann vor, wenn bei summarischer Prüfung des angefochtenen Verwaltungsakts neben für seine Rechtmäßigkeit sprechenden Umständen gewichtige Gründe zutage treten, die Unentschiedenheit oder Unsicherheit in der Beurteilung von Rechtsfragen bewirken (ständige Rechtsprechung des BFH seit dem Beschluss vom 10. Februar 1967 III B 9/66, BFHE 87, 447, BStBl III 1967, 182; z.B. Senatsbeschluss vom 13. März 2012 I B 111/11, BFHE 236, 501, BStBl II 2012, 611).
Denn ist --wie hier-- die Rechtslage nicht eindeutig, ist über die zu klärenden Fragen grundsätzlich nicht im summarischen Beschlussverfahren zu entscheiden; die Klärung muss vielmehr dem Hauptsacheverfahren vorbehalten bleiben (…vgl. BFH-Beschlüsse vom 14. Oktober 2002 V B 60/02, BFH/NV 2003, 87, unter II.3., Rz 17; vom 25. November 2005 V B 75/05, BFHE 212, 176, BStBl II 2006, 484, unter II.3.b, Rz 26; vom 13. März 2012 I B 111/11, BFHE 236, 501, BStBl II 2012, 611, Rz 22;… vom 12. Dezember 2013 XI B 88/13, BFH/NV 2014, 550, Rz 26;… vom 2. Juli 2014 XI S 8/14, BFH/NV 2014, 1601, Rz 31; jeweils m.w.N.).
An die Zweifel hinsichtlich der Rechtmäßigkeit des angefochtenen Verwaltungsakts sind, wenn die Verfassungswidrigkeit von Normen geltend gemacht wird, keine strengeren Anforderungen zu stellen als im Fall der Geltendmachung fehlerhafter Rechtsanwendung (grundlegend BFH-Beschluss vom 10. Februar 1984 III B 40/83, BFHE 140, 396, BStBl II 1984, 454; vgl. aktuell die BFH-Beschlüsse vom 26. August 2010 I B 49/10, BFHE 230, 445, BStBl II 2011, 826;… vom 30. März 2011 I B 136/10, BFHE 232, 395, BFH/NV 2011, 1042; vom 13. März 2012 I B 111/11, Deutsches Steuerrecht - DStR - 2012, 955; Seer in Tipke/Kruse, Abgabenordnung/ Finanzgerichtsordnung, Stand: Mai 2010, § 69 FGO Rz 96 m.w.N.).
Verschiedene Senate lassen die Frage, ob sie der bisherigen Rechtsprechung folgen wollen, dahingestellt, sofern bei der gleichwohl vorgenommenen Abwägung das individuelle Aussetzungsinteresse überwiegt (vgl. Beschluss des I. Senats in DStR 2012, 955; Beschluss des VI. Senats vom 25. August 2009 VI B 69/09, BFHE 226, 89, BStBl II 2009, 826).
Andere Senate des BFH lassen offen, ob sie dieser Argumentation folgen wollen (bspw. Beschluss des I. Senats in DStR 2012, 955) oder ziehen aus einer prognostizierten befristeten Fortgeltungsanordnung durch das BVerfG sogar den entgegengesetzten Schluss: So hat der VI. Senat in dieser Möglichkeit einen Grund dafür gesehen, die Aussetzung der Vollziehung zu gewähren, um dem Anspruch auf effektiven Rechtsschutz zu genügen (Beschlüsse in BStBl II 2009, 826 und in BStBl II 2007, 799).
FG Baden-Württemberg, 26.11.2012 - 6 K 3390/11
Verfassungsmäßigkeit der Zinsschranke
Prüfungsumfang des gerichtlichen AdV-Verfahrens: kein Löschen des Datenspeichers …
FG Berlin-Brandenburg, 26.01.2017 - 4 K 4106/16
Vereinbarkeit der Regelungen des § 4h EStG und des § 8a KStG mit dem Grundgesetz …
FG Hamburg, 10.01.2013 - 6 V 242/12
Kindergeld: Haushaltsaufnahme im Sinne des § 64 Abs. 2 Satz 1 EStG
FG Hamburg, 09.01.2013 - 6 V 248/12
Kindergeld: Darlegungs- und Beweislast für das rechtzeitige Eingehen eines …
FG Baden-Württemberg, 26.06.2017 - 12 V 913/17