Source: https://www.hausarbeiten.de/document/159418
Timestamp: 2020-02-20 01:22:39
Document Index: 227787910

Matched Legal Cases: ['§ 32', '§ 20', '§ 23', '§ 311', '§ 241', '§ 1']

Aktienanleihen und Discountzertifikate | Hausarbeiten publizieren
2. Funktionsweise von Discountzertifikaten
2.1. Vertragsparteien und rechtliche Rahmenbedingungen
2.2. Gewinn- / Verlustprofil
2.3. Preisbildung
3. Funktionsweise von Aktienanleihen
3.1. Vertragsparteien und rechtliche Rahmenbedingungen
3.2. Gewinn- / Verlustprofil
3.3. Preisbildung
4. Aktienanleihe / Discountzertifikat - eine Gegenuberstellung
4.1. Aus Sicht des Emittenten
4.2. Aus Sicht des Anlegers
5. Make or Buy
5.1. Verbriefte Optionsstrategie
5.2. Auslandische Borsenplatze
Verzeichnis verwendeter Vertrags-/Gesetzestexte
Verzeichnis wichtiger Internetadressen
Abb.1 Gewinn-/Verlustprofil eines Discountzertifikats bei Falligkeit
Abb. 2 Preisbildung beim Discountzertifikat mittels Covered Short Put
Abb. 3 Preisbildung beim Discountzertifikat mittels Covered Call Writing
Abb. 4 Gewinn-/Verlustprofil einer Aktienanleihe bei Falligkeit
Abb. 5 Preisbildung einer Aktienanleihe
Abb. 6 Gegenuberstellung der fairen Marktpreise
Tabelle 1 Ruckzahlung bei Falligkeit des Discountzertifikats
Aniagezertifikate erfreuen sich in Deutschland in den letzten Jahren einer wachsenden Beliebtheit. Mit aktuell ca. 170.000 Anlagezertifikaten und Aktien- anleihen1 ist zwar ein Ruckgang im Vergleich zur „Vor-Lehmann-Ara“ (ca. 200.000)2 zu verzeichnen, diese Wertpapiere stellen aber immer noch ein Viel- faches der Anzahl der gehandelten Underlyings dar. Aktienanleihen und Dis- countzertifikate stellen dabei den groBten Part dieser Finanzprodukte. Unabhangig von steuerlichen Gesichtspunkten, die einem steten Wandel unter- liegen3 und eher ordnungspolitischen als wirtschaftlichen Motiven folgen, stellt sich bei Discountzertifikaten und Aktienanleihen die Frage nach der Daseinsbe- rechtigung und damit eng verbunden die Frage nach den zugrundeliegenden Bausteinen und deren Bewertung. Ziel dieser Arbeit ist es somit, in einem ers- ten Schritt detailliert diese Wertpapiere zu charakterisieren und gegenuberzu- stellen und im Folgenden Beweggrunde des Emittenten und auch des Anlegers zu beleuchten und der Frage naher zu treten, ob es nicht einfacher ware, die in den Wertpapieren verbrieften Strategien selbst nachzubilden („Make“) oder einfach das verbriefte Know-How zu kaufen („Buy“).
Ein Discountzertifikat stellt ein durch Rechtsgeschaft entstandenes Schuldver- haltnis im Sinne des BGB dar.4 Die Verwendung des Begriffes „Zertifikat“5 deu- tet darauf hin, dass es sich um ein verbrieftes Schuldverhaltnis oder anders ausgedruckt, um eine Schuldverschreibung handelt.
Die Hauptleistung, die der Glaubiger eines Discountzertifikats aufgrund des Schuldverhaltnisses6 vom Schuldner verlangen kann, besteht dabei aus einer in den Zertifikatsbedingungen naher definierten Gegenleistung bei Falligkeit. Im Gegenzug hat der Glaubiger bei Erwerb des Zertifikats dem Schuldner einen Kaufpreis zu zahlen. Da es sich bei Discountzertifikaten im klassischen Sinne um Wertpapiere handelt, konnen auch die spezifischen Begrifflichkeiten aus diesem Bereich zur besseren Verdeutlichung eingefuhrt werden. Der Schuldner aus dem Zertifikat ist dabei der Emittent des Wertpapiers, der Glaubiger aus dem Zertifikat ist der Kapitalanleger (oder Anleger).
Seit Emission des ersten Discountzertifikats durch Trinkaus & Burkhardt7 im Jahr 19958 hat sich die Bezeichnung als Oberbegriff fur eine ganze Gattung von Wertpapieren mit ahnlichen Ausstattungsmerkmalen durchgesetzt. Die Verpflichtung zur Erstellung eines Wertpapierverkaufsprospektes nach dem Wertpapierprospektgesetz fur Wertpapiere, die offentlich angeboten oder zum Handel an einem organisierten Markt zugelassen werden sollen, hat dabei die Standardisierung dieser Wertpapiergattung unterstutzt.9 So ist auch der Gebrauch von Musterformulierungen bei der ublicherweise fortlaufenden Emis­sion von Discountzertifikaten keine Seltenheit mehr.10 Der Verkaufsprospekt besteht meist aus einem allgemeinen Vertragswerk11, in dem neben den All- gemeinen Bedingungen auch die speziellen Risiken der Discountzertifikate sowie die gattungstypischen Besonderheiten erlautert sind und einem Nach- trag12, der die endgultigen Detailbedingungen beinhaltet.
Folgende Parameter fur das Discountzertifikat werden dabei als gattungsty- pisch13 in dem allgemeinen Vertragswerk spezifiziert und in dem benannten Nachtrag konkretisiert:
Mit dem Basiswert ist das dem Discountzertifikat zugrunde liegende Wertpapier bzw. dessen Kursentwicklung gekennzeichnet. Als Basiswert kommen die ver- schiedensten Finanzinstrumente in Frage. Am gebrauchlichsten sind Discount­zertifikate auf Aktien und Indizes. Wie spater noch zu sehen sein wird, ist die Handelbarkeit des Basiswertes an einer Terminborse oder OTC zwischen den Finanzinstituten Voraussetzung fur dessen Eignung. Der Hochstbetrag stellt den maximal zu zahlenden Betrag am Einlosungstag dar.14
Die Ruckzahlung des Discountzertifikats am Einlosungstag ist immer davon abhangig, ob sich am Bewertungstag der Referenzkurs des Basiswerts an der ma&geblichen Borse uber oder unter dem Hochstbetrag befindet.
Durch die Koppelung der Ruckzahlung an die Kursentwicklung eines Basiswer- tes und die Definition eines Ruckzahlungshochstbetrages (Cap) ergibt sich fur Discountzertifikate ein spezifisches Gewinn- / Verlustprofil. In Abhangigkeit vom Referenzkurs des Basiswertes entsteht die in Abbildung 15 dargestellte Ergeb- nisverteilung.
Abb. 1 Gewinn-/Verlustprofil eines Discountzertifikats bei Falligkeit
Der Punkt C kennzeichnet den Hochstbetrag (Cap) der zur Auszahlung kommt. Weitere Anstiege des Aktienkurses (uber den Punkt C hinaus) schlagen sich nicht mehr in weiteren Gewinnsteigerungen nieder. Die schrag schraffierte Fla- che stellt somit die Zone des Gewinnmaximums (= Cap (C) - Kaufpreis (B)) dar. Befindet sich der Aktienkurs am Bewertungstag zwischen den Punkten B und C, befindet sich der Anleger in einer Zone des verminderten Gewinns16.
Der Punkt B kennzeichnet den sogenannten Break-Even-Punkt, also den Akti- enkurs bei dem weder Gewinn noch Verlust existiert. Der Break-Even-Punkt ist auBerdem der ursprungliche Kaufpreis des Anlegers fur das Discountzertifikat. Erst bei Aktienkursen unterhalb des Punktes B erleidet der Anleger einen Ver­lust17. Der maximal mogliche Verlust stellt den ursprunglich eingezahlten Be- trag dar. Er wird erreicht, wenn der Basiswert bei Falligkeit wertlos ist.
Um einen fairen Marktpreis fur ein Discountzertifikat zu ermitteln, ist eine Struk- turierung und Zerlegung in seine Einzelbestandteile hilfreich. Da es sich um einen bedingten Kauf des zugrundeliegenden Basiswertes auf Termin18 han- delt, sind zum einen der Erwerb des Basiswertes und zum anderen die Bedin- gung, die sich hier als Stillhalterposition des Zertifikateerwerbers darstellt, ge- sondert zu betrachten.
Der eigentliche Kauf des Basiswertes wird zum Cap am Einlosungstag erfol- gen, wenn der Basiswert unterhalb oder auf diesem Cap notiert. Die Bewertung dieser Komponente erfolgt durch eine einfache Abzinsung des Gegenwertes19 auf den Tag des Erwerbs des Discountzertifikats (vergleichbar mit einer Long- position in einem Zerobond20 ).
Die verbriefte Bedingung ist dagegen nach den einschlagigen Optionspreismo- dellen21 (Binomialmodell, Black/Scholes-Modell) zu bewerten. Da nicht der An­leger, sondern der Emittent des Zertifikats das Wahlrecht ausuben kann, geht der Anleger eine sogenannte Stillhalterposition ein. Da es sich um das Recht zum Verkauf des Basiswertes handelt, handelt es sich um eine Verkaufspositi- on (Put). Der Emittent des Zertifikats erhalt somit das Wahlrecht, den Basiswert zu einem in den Zertifikatsbedingungen festgelegten Preis (Cap) an den Er- werber des Discountzertifikats zu verauBern. Fur dieses Recht muss er dem Kaufer des Zertifikats eine Pramie zahlen. Diese Pramie wird mit der Long- Position des Zerobonds verrechnet.22 Als Ergebnis erhalt man damit den fairen Preis des Discountzertifikats zum Zeitpunkt des Erwerbs.
1 vgl. EUWAX Monatsbericht, 09/2009
2 vgl. EUWAX Monatsbericht, 08/2008
3 Seit Einfuhrung der sog. Abgeltungssteuer (vgl. § 32d i.V.m. § 20 und § 23 EStG) keine Un- gleichbehandlung der beiden Wertpapierformen mehr.
4 vgl. § 311 BGB
5 vgl. Duden(2000), Schlagwort: „Zertifikat“
6 vgl. § 241 BGB
7 jetzt HSBC Trinkaus & Burkhardt AG, Dusseldorf
8 Storn (2004); Erfinder war Dr. Thomas Zwirner
9 vgl. § 1 WpPG
10 Basierend auf den zitierten Basisprospekt wurden bspw. gleichzeitig uber 500 Discountzertifi­kate emittiert.
11 vgl. Basisprospekt Discountzertifikate
12 vgl. Endgultige Bedingungen Discountzertifikate
13 auf wertpapiertypische Parameter wurde verzichtet (z.B. WKN, ISIN etc.)
14 ein etwaiges Bezugsverhaltnis aulierhalb von 1:1 ist sowohl bei Barzahlung als auch bei Liefe- rung des Basiswertes zu berucksichtigen
15 Aus Grunden der Vereinfachung wurde als Basiswert eine Aktie gewahlt
16 Zone des verminderten Gewinns = Komplett ausgefullte Flache in Abb. 1
17 Verlustzone = waagerecht schraffierte Zone in Abb. 1
18 Termin = Falligkeit des Zertifikates
19 Gegenwert = zu entrichtender Kaufpreis fur den Basiswert am Einlosungstag
20 Zerobond, da nur eine Einzahlung und eine Auszahlung erfolgen.
21 vgl. Wiedemann (2007), S. 155-214
22 vgl. Wiedemann (2007), S. 236-238
V159418
9783640729036
Aktienanleihe Discountzertifikat Optionsstrategie Diskontzertifikat Discount-Zertifikat
Matthias Bohn (Autor), 2009, Aktienanleihen und Discountzertifikate, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159418