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Timestamp: 2016-10-21 21:54:43
Document Index: 327797689

Matched Legal Cases: ['BGE', 'Art. 4', 'Art. 28', 'Art. 28', 'BGE', 'Art. 40', 'Art. 19', 'Art. 95', 'Art. 113', 'BGE']

I 319/00 (17.11.2000)
I 319/00 Vr
H.________, 1954, Beschwerdef�hrer, vertreten durch den Verband X.________,
A.- Der 1954 geborene H.________ war nach dem Abschluss seines Theologiestudiums von 1987 bis 1992 vollzeitlich als Pfarrer f�r die Kirchgemeinde Y.________ t�tig. In den Jahren 1993 bis 1995 arbeitete er teilzeitlich als theologischer Mitarbeiter im Bildungszentrum Z.________ und 1995 bis 1997 war er ebenfalls teilzeitlich im Auftrag der evangelisch-reformierten Gesamtkirchgemeinde f�r ein Projekt verantwortlich. Seit der Scheidung im Jahre 1997 betreut er w�hrend zweieinhalb Tagen pro Woche die drei Kinder A.________ (geb. 1982), B.________ (geb. 1986) sowie C.________ (geb. 1990).
Am 8. Juli 1997 meldete sich H.________ bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Bern holte einen Bericht der Frau Dr. med. F.________, Spezial�rztin FMH f�r Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, vom 7. August 1997 und des Hausarztes Dr. med.
N.________, Spezialarzt f�r Innere Medizin FMH, vom 10. November 1997 ein. Zudem liess sie den Versicherten bei Dr. med. I.________ psychiatrisch und bei Dr. med.
O.________, neurologisch abkl�ren (Gutachten vom 27. April und 12. Juni 1998). Nach Durchf�hrung des Vorbescheidverfahrens, in welchem H.________ zwei neue Arztzeugnisse der Frau Dr. med. F.________ vom 14. November 1998 und des Dr.
med. N.________ vom 18. November 1998 zu den Akten geben liess, setzte die IV-Stelle den Invalidit�tsgrad auf 50 % fest und sprach dem Versicherten mit Verf�gungen vom 2. und
23. Juli 1999 r�ckwirkend ab 1. Juli 1996 eine halbe Invalidenrente zu.
B.- Die hiegegen erhobene Beschwerde, mit welcher H.________ die Zusprechung einer ganzen Invalidenrente ab
1. Juli 1996 beantragen liess, wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern mit Entscheid vom 5. April 2000 ab.
C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst H.________ den im vorinstanzlichen Verfahren gestellten Antrag erneuern und einen Bericht der Frau Dr. med. F.________ vom 23. Mai 2000 zu den Akten geben.
Massgebend f�r die Beurteilung der Gesetzm�ssigkeit der angefochtenen Verf�gung ist der Sachverhalt, der zur Zeit des Verf�gungserlasses gegeben war (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen; ARV 2000 Nr. 15 S. 74 Erw. 1). Im Rahmen der erweiterten Kognition sind auch neue Tatsachenbehauptungen und Beweismittel zul�ssig.
2.- Die Vorinstanz hat die massgebenden gesetzlichen Bestimmungen und Grunds�tze �ber den Invalidit�tsbegriff (Art. 4 Abs. 1 IVG), den Umfang des Rentenanspruchs (Art. 28 Abs. 1 und 1bis IVG) sowie die Ermittlung des Invalidit�tsgrades bei Erwerbst�tigen nach der Einkommensvergleichsmethode (Art. 28 Abs. 2 IVG) zutreffend dargelegt.
3.- a) Um den Invalidit�tsgrad bemessen zu k�nnen, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) - wie die Vorinstanz ebenfalls zutreffend ausgef�hrt hat - auf Unterlagen angewiesen, die �rztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verf�gung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der �rztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bez�glich welcher T�tigkeiten die versicherte Person arbeitsunf�hig ist. Im Weiteren sind die �rztlichen Ausk�nfte eine wichtige Grundlage f�r die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden k�nnen (BGE 115 V 134 Erw. 2, 114 V 314 Erw. 3c, 105 V 158 Erw. 1).
b) Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu w�rdigen sind. F�r das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweisw�rdigung (Art. 40 BZP in Verbindung mit Art. 19 VwVG; Art. 95 Abs. 2 OG in Verbindung mit Art. 113 und 132 OG). Danach haben Versicherungstr�ger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an f�rmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgem�ss zu w�rdigen. F�r das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabh�ngig davon, von wem sie stammen, objektiv zu pr�fen, und danach zu entscheiden hat, ob die verf�gbaren Unterlagen eine zuverl�ssige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu w�rdigen und die Gr�nde anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht f�r die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden ber�cksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der Zusammenh�nge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertinnen und Experten begr�ndet sind. Bestehen Zweifel an der Zuverl�ssigkeit und Schl�ssigkeit der �rztlichen Feststellungen, sind erg�nzende Abkl�rungen vorzunehmen. Dabei hat das Sozialversicherungsgericht grunds�tzlich die Wahl, ob es die Sache zur weiteren Beweiserhebung an die verf�gende Instanz zur�ckweisen oder die erforderlichen Instruktionen insbesondere durch Anordnung eines Gerichtsgutachtens selber vornehmen will (BGE 122 V 162 Erw. 1d mit Hinweisen; RKUV 1999 Nr. U 332 S. 193 Erw. 2a/bb und 1998 Nr. U 313 S. 475 Erw. 2a).
4.- Die IV-Stelle ging beim Erlass der Verf�gungen vom 2. und 23. Juli 1999 davon aus, dass der Versicherte aufgrund einer langdauernden Krankheit einen Invalidit�tsgrad von 50 % aufweise und als Theologe noch zu 50 % arbeitsf�hig sei, wobei es ihm zumutbar sei, ein h�lftiges j�hrliches Invalideneinkommen von Fr. 56'613. 85 zu erzielen.
Sie st�tzte sich dabei auf das psychiatrische Gutachten des Dr. med. I.________ vom 27. April 1998. Die Vorinstanz sah nach W�rdigung s�mtlicher medizinischer Berichte entgegen der Ansicht des Beschwerdef�hrers keinen Grund, nicht auf das erw�hnte psychiatrische Gutachten abzustellen und best�tigte die 50 % Arbeitsf�higkeit als Theologe. Ausgehend davon, dass der Versicherte mindestens einen Drittel, aber nicht mehr als die H�lfte des ohne Gesundheitsschaden zu erwartenden Einkommens als Pfarrer erzielen k�nne, best�tigt das kantonale Gericht auch die Zusprechung einer halben Invalidenrente.
Der Beschwerdef�hrer kritisiert die Invalidit�tsbemessung von Verwaltung und Vorinstanz und macht geltend, dass ihm gest�tzt auf die medizinischen Berichte eine ganze Rente zugesprochen werden m�sste.
5.- F�r die Beantwortung der vorliegend streitigen Frage, ob dem Beschwerdef�hrer eine halbe oder eine ganze Invalidenrente zusteht, sind zun�chst der Gesundheitszustand und die funktionelle Leistungsf�higkeit des Versicherten massgebend.
a) Im psychiatrischen Gutachten vom 27. April 1998, auf welches sich Verwaltung und Vorinstanz im Wesentlichen st�tzen, diagnostizierte Dr. med. I.________ einen neurasthenischen (psychophysischen Ersch�pfungs-)Zustand F48. 0 mit dysthymen Aspekten bei neurotisch (anal-sadistisch) bedingter gemischter Pers�nlichkeitsentwicklungsst�rung F61 [histrionisch, hypochondrisch (mit anhaltender somatoformer Schmerzst�rung F45. 4), schizoid, anankastisch, versteckt abh�ngig], �berhohem Leistungs-Anspruch bei sthenischen Pers�nlichkeits-Grundz�gen und k�nstlerischer Begabung auf dem Hintergrund einer narzisstischen Problematik sowie positive Immunserologie auf Epstein-Barr-Virus. Er bezeichnete das Problem als unabh�ngig von der Art der beruflichen T�tigkeit und konnte demzufolge keine die Arbeitsf�higkeit verbessernde Umschulungsmassnahme empfehlen. Sowohl als Theologe wie auch in einer anderen, dem Leiden angepassten T�tigkeit bezifferte er die Arbeitsf�higkeit mit 50 %, riet aber von jeder Art therapeutischer T�tigkeit ab, solange der Versicherte seine eigenen Probleme nicht weitgehend gel�st habe.
b) Der beigezogene Neurologe Dr. med. O.________ diagnostizierte in seinem Gutachten vom 12. Juni 1998 chronische Gef�sskopfschmerzen, Hypertonie und Ersch�pfungszustand.
Die Arbeitsf�higkeit bezifferte er mit h�chstens 50 % und f�hrte aus, wahrscheinlich sei dem Versicherten zur Zeit in der T�tigkeit als Theologe auch eine zeitlich beschr�nkte Arbeit nicht zumutbar.
c) Die behandelnde Psychiaterin Dr. med. F.________ hatte den Beschwerdef�hrer in ihrem Bericht vom 7. August 1997 ab 24. April 1997 als 100 % arbeitsunf�hig bezeichnet.
Sie stellte die Diagnose chronische multiple Schmerzsyndrome, Schleudertrauma, Dauerkopfschmerz, chron. Cervicalsyndrom und Schulter-Nackensyndrom, chronisches Ersch�pfungssyndrom CFS und neurotisch-depressive Entwicklung mit hohem Angstanteil. Im Schreiben vom 1. Juli 1998 nahm sie zu den von der IV-Stelle eingeholten psychiatrischen und neurologischen Gutachten Stellung und bezeichnete eine 50 %ige Arbeitsf�higkeit als wesentlich zu hoch, diese schwanke ihres Erachtens zwischen 10 % und 30 %. Am 14. November 1998 best�tigte sie diese Einsch�tzung. Im Schreiben vom 23. Mai 2000 f�hrte Frau Dr. med. F.________ im Rahmen einer Stellungnahme zum vorinstanzlichen Urteil sodann aus, der Beschwerdef�hrer leide nach wie vor unter einer erheblichen Ersch�pfungsdepression mit starken neurovegetativen St�rungen. Ein 50 %iges Arbeitspensum sei ihm nicht zumutbar, erst recht nicht im angestammten Beruf als Pfarrer, sei dies doch essenziell eine therapeutische T�tigkeit (Seelsorge), wovon das Gutachten Imboden abrate.
d) Der Hausarzt Dr. med. N.________ schliesslich hatte den Beschwerdef�hrer in seinem Bericht vom 10. November 1997 bereits ab November 1996 zu 100 % arbeitsunf�hig geschrieben und eine Ersch�pfungsdepression, chronische Kopfschmerzen sowie chronische M�digkeit nach Epstein-Barr-Virus-Infektion diagnostiziert. Er hielt weder die bisherige noch eine andere T�tigkeit als zumutbar. Am 18. November 1998 sah der Arzt noch keine Besserung des Ersch�pfungszustandes und bezifferte die effektive Arbeitsf�higkeit (unter Ber�cksichtigung der Kinderbetreuung) mit 20 % bis 30 %.
6.- Wie aus der geschilderten Aktenlage - unter Ber�cksichtigung des im Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahrens aufgelegten Schreibens der Frau Dr. med. F.________ vom 23. Mai 2000 nur, soweit die Arbeitsf�higkeit als Pfarrer im Verf�gungszeitpunkt betreffend - hervorgeht, sind sich die beteiligten �rzte bei unmassgebend voneinander abweichenden Diagnosen �ber den Gesundheitszustand des Versicherten weitgehend einig, sodass sich diesbez�glich, wie die Vorinstanz zutreffend darlegt, weitere Abkl�rungen er�brigen. Bez�glich der Frage, in welchem Ausmass und f�r welche T�tigkeitsbereiche eine Arbeitsunf�higkeit besteht, geben die Gutachten und Arztberichte jedoch kein klares Bild. Selbst wenn bez�glich Beweiswert mit dem kantonalen Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung getragen wird, dass �rztinnen und �rzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsf�llen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen und aus diesem Grund die Berichte des Hausarztes Dr. med.
N.________ und der behandelnden Psychiaterin Dr. med.
F.________ schw�cher gewichtet werden, bleiben noch entscheidende Divergenzen bez�glich Grad und Verwertungsm�glichkeit der Arbeitsf�higkeit in den von der IV-Stelle eingeholten Gutachten. Weder das psychiatrische noch das neurologische Gutachten verm�gen diese Fragen schl�ssig zu beantworten.
Der Psychiater Dr. med. I.________ h�lt als einziger der beteiligten Fachpersonen eine Arbeitsf�higkeit von 50 % als Theologe oder in einer andern, dem Leiden angepassten T�tigkeit als zumutbar, r�t jedoch gleichzeitig von jeglicher therapeutischen T�tigkeit ab. Unklar, f�r die Invalidit�tsbemessung aber entscheidend, ist dabei, welche T�tigkeiten als Theologe er als zumutbar erachtet, ob insbesondere auch die fr�her ausge�bte Arbeit als Pfarrer in Frage kommt. Diesbez�glich ist zu beachten, dass die Seelsorge als eine der Hauptt�tigkeiten eines Pfarrers - wie Frau Dr. med. F.________ zu Recht ausf�hrt - Ber�hrungspunkte zu therapeutischer Arbeit aufweist. Der Neurologe Dr. med. O.________ f�hrt demgegen�ber aus, wahrscheinlich sei dem Versicherten zur Zeit in der T�tigkeit als Theologe auch eine zeitlich beschr�nkte Arbeit nicht zumutbar. Die nachfolgend ge�usserten Bedenken beziehen sich dann auf den Pfarrerberuf, sodass fraglich ist, ob er nur die T�tigkeit als Pfarrer oder aber jegliche theologische Arbeit als unzumutbar erachtet.
Angesichts der geschilderten Widerspr�chlichkeit und Unbestimmtheit der medizinischen Berichte k�nnen die Auswirkungen des unbestrittenen Gesundheitsschadens auf die Erwerbsf�higkeit und somit der Invalidit�tsgrad nicht zuverl�ssig beurteilt werden. Insbesondere muss nach Festlegung der Arbeitsf�higkeit gepr�ft werden, ob und in welchen Bereichen die dem Versicherten attestierte Restarbeitsf�higkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwertet werden k�nnte.
Die Akten sind daher an die IV-Stelle zur�ckzuweisen, damit deren Berufsberatungsstelle die Arbeitsm�glichkeiten als Theologe n�her abkl�rt. Sie hat zun�chst den Gutachtern Dr. med. I.________ und Dr. med. O.________ unter Vorlage der verschiedenen T�tigkeitsbereiche eines Theologen die Frage der Arbeitsf�higkeit in den konkreten Berufsbildern zu unterbreiten und allenfalls, bei un�berbr�ckbarer Diskrepanz der Beurteilungen, ein Obergutachten einzuholen.
Gest�tzt auf die Ergebnisse dieser Abkl�rungen wird �ber das Vorliegen einer anspruchsrelevanten Invalidit�t sowie �ber die Zusprechung einer Rente neu zu befinden sein. Der Vollst�ndigkeit halber ist festzuhalten, dass gesundheitliche Beeintr�chtigungen, die durch �ussere Umst�nde wie �berforderung durch verschiedene T�tigkeiten (Ausbildung, Beruf o.�.) oder durch zus�tzliche Kinderbetreuung hervorgerufen werden, nicht invalidisierend sind. M�sste indessen die Belastung durch Hausarbeit und Kinderbetreuung bei der Festsetzung der Arbeitsf�higkeit mit ber�cksichtigt werden, w�re der Beschwerdef�hrer - wie dies die Vorinstanz ausf�hrt - allenfalls nicht mehr als ganzt�gig, sondern bloss noch als teilzeitlich erwerbst�tige Person zu qualifizieren, was die Invalidit�tsbemessung nach der gemischten Methode zur Folge h�tte.
des Kantons Bern vom 5. April 2000 und die Verf�gungen
der IV-Stelle Bern vom 2. und 23. Juli 1999 aufgehoben
und es wird die Sache an die IV-Stelle zur�ckgewiesen,
damit diese, nach erfolgter Aktenerg�nzung im Sinne
der Erw�gungen, �ber den Rentenanspruch neu verf�ge.
IV.Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern wird �ber eine Parteientsch�digung f�r das kantonale Verfahren entsprechend dem Ausgang des letztinstanzlichen Prozesses