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Timestamp: 2018-02-24 06:55:51
Document Index: 73650745

Matched Legal Cases: ['Art. 957', 'Art. 959', 'Art. 961', 'Art. 962', 'Art. 963', 'Art. 959', 'Art. 959', 'Art. 961', 'Art. 959', 'Art. 961', 'Art. 961', 'Art. 961', 'Art. 957', 'Art. 963', 'Art. 663', 'Art. 663', 'Art. 663', 'Art. 670', 'Art. 697', 'Art. 698', 'Art. 957', 'Art. 958', 'Art. 958', 'Art. 958', 'Art. 958', 'Art. 958', 'Art. 958', 'Art. 959', 'Art. 959', 'Art. 959', 'Art. 960', 'Art. 960', 'Art. 960', 'Art. 960', 'Art. 960', 'Art. 961', 'Art. 961', 'Art. 961', 'Art. 961', 'Art. 961', 'Art. 962', 'Art. 963']

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VON GRAFFENRIED treuhand DAS NEUE RECHNUNGSLEGUNGSRECHT STAND
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1 VON GRAFFENRIED treuhand DAS NEUE RECHNUNGSLEGUNGSRECHT STAND
2 VON GRAFFENRIED treuhand Das neue Rechnungslegungsrecht 32. Titel des Obligationenrechts: Kaufmännische Buchführung und Rechnungslegung Stand
3 VON GRAFFENRIED treuhand D er Bundesrat hat im Herbst 2012 das neue Rechnungs legungsrecht und die Verordnung über die anerkannten Standards zur Rechnungslegung auf den 1. Januar 2013 in Kraft gesetzt. Die neuen Bestimmungen finden erstmals Anwendung für das Geschäftsjahr 2015 beziehungsweise 2016 für die Bestimmungen im Bereich Konsolidierung. Als wesentlichste Änderungen kann wohl die Rechtsformneutralität betrachtet werden. Keine Änderungen gibt es hingegen im Bereich der stillen Reserven und des steuerlichen Massgeblichkeitsprinzips. Die Bildung von stillen Reserven ist einerseits durch zusätzliche Abschreibungen, Wertberichtigungen und Rückstellungen und andererseits durch das Nichtauflösen von nicht mehr benötigten Abschreibungen, Wertberichtigungen und Rückstellungen weiterhin möglich. Obwohl das Massgeblichkeitsprinzip der Handelsbilanz für die Besteuerung uneingeschränkt gilt, ist es selbstsprechend, dass sich die Steuer behörden an die steuerlichen Korrekturvorschriften halten werden. In der vorliegenden Broschüre finden Sie nebst den relevanten Gesetzes- und Verordnungstexten auch einen grafischen Entscheidungsbaum zur Überprüfung Ihrer Rechnungslegungspflicht sowie eine Gegenüberstellung vom alten zum neuen Recht. Weiter haben wir ein Kapitel zur Revisionspflicht und zu den Revisionsarten eingefügt.wir hoffen, Ihnen mit dieser Broschüre ein nützliches Arbeitsinstrument in die Hand zu geben. Selbstverständlich stehen wir Ihnen für weitere Auskünfte gerne zur Verfügung. Bern und Zürich, Januar 2013 Von Graffenried AG Treuhand 1
4 Inhaltsübersicht Geschichte 4 Das Gesetz in Kürze 6 Die Bilanz nach neuem Recht 8 Die Erfolgsrechnung nach neuem Recht 9 Der Anhang nach neuem Recht 10 Die Geldflussrechnung nach neuem Recht 12 Der Lagebericht nach neuem Recht 13 Wer ist vom neuen Rechnungslegungsrecht betroffen? 15 Überprüfung der Auswirkungen des neuen Gesetzes 16 Überprüfung der Konsolidierungspflicht 19 Gegenüberstellung neues Recht bisher geltendes Recht 21 Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) 25 Die Änderungen vom 23. Dezember 2011 Verordnung über die anerkannten Standards zur Rechnungslegung 49 Revisionspflicht und Revisionsart 54 Überprüfung der Revisionspflicht 56 Ordentliche Revision 59 Internes Konrollsystem (IKS) 60 Eingeschränkte Revision 62 Opting-out oder freiwillige Revision 63 Unsere Diensleistungen umfassend und individuell 64 2 VON GRAFFENRIED Treuhand 3
5 Geschichte Die Reise des neuen Rechnungslegungsgesetzes begann bereits im Jahr 1998 mit dem Entwurf des Bundesgesetzes über die Rechnungslegung und Revision (RRG). Während das Revisionsrecht per 1. Januar 2008 in Kraft gesetzt wurde und sich mittlerweile in der Praxis bei den Anwendern und Betroffenen gut etabliert hat, wurden die Arbeiten im Bereich Rechnungslegung sistiert. Der Vorentwurf zum Rechnungslegungsteil umfasste grob folgende Änderungen: rechtsformneutrale Rechnungslegung (Unterscheidung nur nach Grösse beziehungsweise wirtschaftlicher Bedeutung der Unternehmung) Grundsatz der Fair Presentation (empfängerorientierte Rechnungslegung) erweiterte Anforderungen für Einzelfirmen, Personengesellschaften und Genossenschaften rechnungslegungspflicht auch für Vereine und Stiftungen (falls die Grösse es erfordert) ausdehnung der Konsolidierungspflicht auf alle juristische Personen Verbesserung der Corporate Governance unter anderem durch Stärkung der Aktionärsstellung, Abschaffung der Depotstimmrechte und der Organvertretung sowie durch Festsetzung der jährlichen Wahl des Verwaltungsrates. Flexiblere Ausgestaltung der Kapitalstrukturen durch Einführung eines Kapitalbands. Mittels des Kapitalbands kann die Generalversammlung den Verwaltungsrat ermächtigen, das Aktienkapital innerhalb einer bestimmten Bandbreite wiederholt herauf- und herabzusetzen. Weiter wird auf einen festen Mindestnennwert verzichtet. Modernisierung der Generalversammlung. Den Unternehmen wird ermöglicht, bei der Vorbereitung und der Durchführung der Generalversammlung elektronische Mittel zu nutzen. Die Generalversammlung an mehreren Tagungsorten und die Durchführung im Ausland werden gesetzlich geregelt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann gänzlich auf einen räumlichen Tagungsort verzichtet werden (sogenannte elektronische oder virtuelle Generalversammlung). umfassende Revision des sachlich veralteten Rechnungslegungsrechts. Ein wesentlicher Kritikpunkt in den Stellungnahmen betraf das Verhältnis zwischen Rechnungslegung und Steuerrecht. Als Hauptgrund für die Sistierung des Rechnungslegungsteils des RRG wurde dann auch die Steuerproblematik aufgeführt. Im Dezember 2007 wurde die bundesrätliche Botschaft zur Revision des Aktien- und Rechnungslegungsrechts zuhanden des Parlaments verabschiedet. Dieser neue Entwurf verfolgte vier Hauptziele: Aufgrund der anfangs 2008 eingereichten Volksinitiative «gegen die Abzockerei» wurde im Sommer 2009 entschieden, das Aktienrecht vom Rechnungslegungsrecht zu trennen. Schliesslich wurde in der parlamentarischen Schlussabstimmung am 23. Dezember 2011 das neue Rechnungslegungsrecht angenommen (Nationalrat: 129 Ja zu 62 Nein; Ständerat: 44 Ja zu 0 Nein). Die Referendumsfrist ist am 13. April 2012 unbenutzt verstrichen. Die Inkraftsetzung durch den Bundesrat erfolgte auf den 1. Januar VON GRAFFENRIED Treuhand VON GRAFFENRIED Treuhand 5
6 Das Gesetz in Kürze Das neue Rechnungslegungsrecht ist grundsätzlich rechtsformneutral ausgestaltet. Der Umfang der Rechnungslegung wird nicht mehr durch die Rechtsform, sondern durch die wirtschaftliche Bedeutung der Organisation bestimmt. Das neue Gesetz fasst die bisher im Obligationenrecht in verschiedenen Teilen verstreuten Bestimmungen zur Rechnungslegung zusammen und ersetzt den 32. Titel im Obligationenrecht. Es umfasst fünf Teile: I. Allgemeine Bestimmungen (Art. 957 bis 958f OR): die Allgemeinen Bestimmungen regeln die Pflicht zur Buchführung und Rechnungslegung, bestimmen die Grundsätze der ordnungsmässigen Buchführung und Rechnungslegung, definieren den Zweck und die Bestandteile, die Darstellung und die Währung sowie die Sprache der Jahresrechnung. Weiter werden in den allgemeinen Bestimmungen auch die Offenlegung und Aufbewahrung der Geschäftsbücher geregelt. II. Jahresrechnung (Art. 959 bis 960e OR): In diesem Teil werden der Zweck der Bilanz, die Bilanzierungspflicht, die Bilanzierungsfähigkeit und die Bewertungsgrundlagen sowie die Mindestgliederungen und die Inhalte der Bilanz, der Erfolgsrechnung und des Anhangs festgelegt. III. Rechnungslegung für grössere Unternehmen (Art. 961 bis 961d OR): hier werden die zusätzliche Anforderungen an den Geschäftsbericht und an den Anhang der Jahresrechnung geregelt. Zudem werden die Geldflussrechnung und der Lagebericht definiert. Als Grössenkriterien gelten die gleichen Grenzwerte wie zur Unterscheidung der Revisionsart. IV. Abschluss nach einem anerkannten Standard zur Rechnungslegung (Art. 962 bis 962a OR) diese Bestimmungen regeln, wer unter welchen Bedingungen einen solchen Abschluss zu erstellen hat. V. Konzernrechnung (Art. 963 bis b OR): In diesem Teil wird festgelegt, wer zur Erstellung einer Konzernrechnung verpflichtet ist, das heisst einen konsolidierten Abschluss über alle kontrollierten Einheiten erstellen muss. Übergangsfristen: Die Vorschriften der Teile I. bis IV. des neuen Rechnungslegungsrechts finden erstmals Anwendung für das Geschäftsjahr, das zwei Jahre nach Inkrafttreten dieses Gesetzes beginnt, also das Geschäftsjahr Für die Umsetzung des V. Teils (Konzernrechnung) beträgt die Übergangsfrist sogar drei Jahre, also bis Eine frühere Anwendung der neuen Vorschriften ist möglich. Bei einer früheren Anwendung ist zu beachten, dass das ganze Rechnungslegungsrecht, mit Ausnahme der Konzernrechnung, wo eine längere Übergangsfrist besteht, als gesamtes Konzept umgesetzt wird. 6 VON GRAFFENRIED Treuhand VON GRAFFENRIED Treuhand 7
7 Die Bilanz nach neuem Recht Die Erfolgsrechnung nach neuem Recht Aktiven Umlaufvermögen Flüssige Mittel und kurzfristig gehaltene Aktiven mit Börsenkurs Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Übrige kurzfristige Forderungen Vorräte und nicht fakturierte Dienstleistungen aktive Rechnungsabgrenzungen Anlagevermögen Finanzanlagen Beteiligungen Sachanlagen Immaterielle Werte nicht einbezahltes Grund-, Gesellschafter- oder Stiftungskapital Passiven Kurzfristiges Fremdkapital Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen Kurzfristige verzinsliche Verbindlichkeiten Übrige kurzfristige Verbindlichkeiten Passive Rechnungsabgrenzungen Langfristiges Fremdkapital Langfristige verzinsliche Verbindlichkeiten Übrige langfristige Verbindlichkeiten rückstellungen sowie vom Gesetz vorge sehene ähnliche Positionen Eigenkapital Grund-, Gesellschafter- oder Stiftungskapital, gegebenenfalls gesondert nach Beteiligungskategorie Gesetzliche Kapitalreserve Gesetzliche Gewinnreserve Freiwillige Gewinnreserve oder kumulierte Verluste als Minusposten eigene Kapitalanteile als Minusposten Die Erfolgsrechnung ist als Produktions- (Gesamtkosten) oder als Absatzerfolgsrechnung (Umsatzkosten) darzustellen. Dabei verlangt Art. 959b OR die folgende Mindestgliederung. Produktionserfolgsrechnung (Gesamtkostenverfahren) nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen Bestandesänderungen an unfertigen und fertigen Erzeugnissen sowie an nicht fakturierten Dienstleistungen Materialaufwand Personalaufwand Übriger betrieblicher Aufwand abschreibungen und Wertberichtigungen auf Positionen des Anlagevermögens Finanzaufwand und Finanzertrag Betriebsfremder Aufwand und betriebsfremder Ertrag ausserordentlicher, einmaliger oder periodenfremder Aufwand und Ertrag direkte Steuern Jahresgewinn oder Jahresverlust Absatzerfolgsrechnung (Umsatzkostenverfahren) nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen anschaffungs- oder Herstellungskosten der verkauften Produkte und Leistungen Verwaltungsaufwand und Vertriebsaufwand Finanzaufwand und Finanzertrag ausserordentlicher, einmaliger oder periodenfremder Aufwand und Ertrag direkte Steuern Jahresgewinn oder Jahresverlust Bei Anwendung der Absatzerfolgsrechnung müssen im Anhang der Personalaufwand sowie die Abschreibungen und Wertberichtigung des Anlagevermögens separat ausgewiesen werden. 8 VON GRAFFENRIED Treuhand VON GRAFFENRIED Treuhand 9
8 Der Anhang nach neuem Recht Gemäss Art. 959c OR erläutert und ergänzt der Anhang die anderen Bestandteile der Jahresrechnung. Er enthält Folgendes: Grundsätzliche Angaben 1. angaben über die in der Jahresrechnung angewandten Grundsätze, soweit diese nicht vom Gesetz vorgeschrieben sind; 2. angaben, Aufschlüsselungen und Erläuterungen zu Positionen der Bilanz und der Erfolgsrechnung; 3. Gesamtbetrag der aufgelösten Wiederbeschaffungsreserven und der darüber hinausgehenden stillen Reserven, soweit dieser den Gesamtbetrag der neugebildeten derartigen Reserven übersteigt, wenn dadurch das erwirtschaftete Ergebnis wesentlich günstiger dargestellt wird; 4. weitere vom Gesetz verlangte Angaben. Weitere Angaben, sofern diese nicht bereits aus der Bilanz oder der Erfolgsrechnung ersichtlich sind: 1. Firma oder Name sowie Rechtsform und Sitz des Unternehmens; 2. erklärung darüber, ob die Anzahl Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt nicht über 10, über 50 beziehungsweise über 250 liegt; 3. Firma, Rechtsform und Sitz der Unternehmen, an denen direkte oder wesentliche indirekte Beteiligungen bestehen, unter Angabe des Kapital- und des Stimmenanteils; 4. anzahl eigene Anteile, die das Unternehmen selbst und die Unternehmen, an denen es beteiligt ist, halten; 5. erwerb und Veräusserung eigener Anteile und die Bedingungen, zu denen sie erworben oder veräussert wurden; 6. restbetrag der Verbindlichkeiten aus kaufvertragsähnlichen Leasinggeschäften und anderen Leasingverpflichtungen, sofern diese nicht innert zwölf Monaten ab Bilanzstichtag auslaufen oder gekündigt werden können; 7. Verbindlichkeiten gegenüber Vorsorgeeinrichtungen; 8. Gesamtbetrag der für Verbindlichkeiten Dritter bestellten Sicherheiten; 9. Je der Gesamtbetrag der zur Sicherung eigener Verbindlichkeiten verwendeten Aktiven sowie der Aktiven unter Eigentumsvorbehalt; 10. rechtliche oder tatsächliche Verpflichtungen, bei denen ein Mittelabfluss entweder als unwahrscheinlich erscheint oder in der Höhe nicht verlässlich geschätzt werden kann (Eventualverbindlichkeit); 11. anzahl und Wert von Beteiligungsrechten oder Optionen auf solche Rechte für alle Leitungs- und Verwaltungsorgane sowie für die Mitarbeitenden; 12. erläuterungen zu ausserordentlichen, einmaligen oder periodenfremden Positionen der Erfolgsrechnung; 13. Wesentliche Ereignisse nach dem Bilanzstichtag; 14. Bei einem vorzeitigen Rücktritt der Revisionsstelle: die Gründe, die dazu geführt haben. Unternehmen, die Anleihensobligationen ausstehend haben, müssen Angaben zu deren Beträgen, Zinssätzen, Fälligkeiten und zu den weiteren Konditionen machen. Unternehmen, die zu einer ordentlichen Revision verpflichtet sind, müssen zusätzliche Angaben im Anhang machen (Art. 961a OR): 1. angaben zu den langfristig verzinslichen Verbindlichkeiten, aufgeteilt nach Fälligkeit innerhalb von einem bis fünf Jahren und nach fünf Jahren; 2. angaben zum Honorar der Revisionsstelle je gesondert für Revisionsdienstleistungen und andere Dienstleistungen. Da die Rechnungsregelung noch den Vorschriften für grössere Unternehmen an die ordent liche Revision geknüpft ist, müssen Einzelunternehmen und Personengesellschaften generell keinen Anhang erstellen (Art. 959c Abs. 3 i.v. Art. 961 OR). 10 VON GRAFFENRIED Treuhand VON GRAFFENRIED Treuhand 11
9 Die Geldflussrechnung nach neuem Recht Der Lagebericht nach neuem Recht Unternehmen, die zu einer ordentlichen Revision verpflichtet sind müssen gemäss Art. 961b OR zusätzlich eine Geldflussrechnung als Teil der Jahresrechnung erstellen, welche die Veränderung der flüssigen Mittel aufgeteilt in Geschäftstätigkeit, Investitionstätigkeit, und Finanzierungstätigkeit darstellt. Nachfolgend zeigen wir Ihnen eine mögliche Darstellung: Jahresgewinn/-verlust + abschreibungen des Anlagevermögens +/ Bildung/Auflösung von Wertberichtigungen des Anlagevermögens +/ Verlust/Gewinn aus Verkauf von Anlagevermögen +/ Bildung/Auflösung von Rückstellungen +/ abnahme/zunahme der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und der übrigen kurzfristigen Forderungen +/ abnahme/zunahme der Vorräte und nicht fakturierten Dienstleistungen +/ abnahme/zunahme der aktiven Rechnungs abgrenzungen +/ Zunahme/Abnahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und der übrigen kurzfristigen Verbindlich keiten +/ Zunahme/Abnahme der passiven Rechnungsabgrenzungen Geldfluss aus Geschäftstätigkeit Der Lagebericht gemäss Art. 961c OR stellt den Geschäftsverlauf und die wirtschaftliche Lage des Unternehmens am Ende des Geschäftsjahres dar und darf der wirtschaftlichen Lage in der Jahresrechnung nicht widersprechen. Er ist von Unternehmen, die zu einer ordentlichen Revision verpflichtet sind, zu erstellen. Der Lagebericht muss namentlich Aufschluss geben über: 1. die Anzahl Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt; 2. die Durchführung einer Risikobeurteilung; 3. die Bestellungs- und Auftragslage; 4. die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit; 5. aussergewöhnliche Ereignisse; 6. die Zukunftsaussichten. Investitionen ins Anlagevermögen + desinvestition des Anlagevermögens Geldfluss aus Investitionstätigkeit +/ Erhöhung/Rückzahlung kurzfristig verzinsliche Verbindlichkeiten +/ Erhöhung/Rückzahlung langfristiges Fremdkapital +/ Erhöhung/Rückzahlung Eigenkapital dividenden Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit Netto-Veränderung Flüssige Mittel Liquiditätsnachweis + Flüssige Mittel zu Beginn des Geschäftsjahres Flüssige Mittel am Schluss des Geschäftsjahres Netto-Veränderung Flüssige Mittel 12 VON GRAFFENRIED Treuhand VON GRAFFENRIED Treuhand 13
10 Wer ist vom neuen Rechnungslegungs recht betroffen? Das neue Rechnungslegungsgesetz umfasst fünf Teile. Es sind jedoch nicht in jedem Fall sämtliche Teile für jede rechnungslegungspflichtige Organisation anwendbar. Beispielsweise hat die wirtschaftliche Bedeutung bzw. die Grösse einer Unternehmung einen Einfluss auf die Art und Weise der Rechnungslegung, die entsprechenden Bestandteile und die Detailvorschriften. Auf den nachfolgenden Seiten zeigen wir Ihnen auf, unter welchen Bedingungen für eine rechnungslegungspflichtige Organisation welche Teile des neuen Rechnungslegungsrechts relevant sind beziehungsweise wann eine Konzernrechnung zu erstellen ist. 14 VON GRAFFENRIED Treuhand VON GRAFFENRIED Treuhand 15
11 Überprüfung der Auswirkungen des neuen Gesetzes einzelunternehmen oder Personengesell schaft mit Umsatzerlös unter CHF ? Verein oder Stiftung, die nicht verpflichtet sind, sich ins Handelsregister einzutragen? Stiftung, die von der Pflicht eine Revisionsstelle zu bezeichnen, befreit ist? Nein In zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren zwei der folgenden Grössen unterschritten? Bilanzsumme CHF 20 Mio. (Verein CHF 10 Mio.) umsatzerlös CHF 40 Mio. (Verein CHF 20 Mio.) 250 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt (Verein 50) einzelunternehmen oder Personengesellschaften mit Umsatzerlös über CHF Nein Ist die rechnungslegungspflichtige Organisation eine Publikumsgesellschaft? Genossenschaft mit über Genossenschaftern? Stiftung, die von Gesetzes wegen der ordentlichen Revision untersteht? Ja Nein Ja Ja Gesellschafter, die mindestens 20 % des Kapitals vertreten 10 % der Genossenschafter 20 % der Vereinsmitglieder Gesellschaftern oder Mitglieder, die einer persönlichen Haftung oder einer Nachschusspflicht unterliegen verlangen einen Abschluss nach annerkantem Standard zur Rechnungslegung Ja Nein Ordnungsgemässe Buchführung nach Art. 957a OR Allgemeine Bestimmungen gemäss Art f OR Allgemeine Bestimmungen gemäss Art f OR Allgemeine Bestimmungen gemäss Art f OR Jahresrechnung gemäss Art e OR Jahresrechnung gemäss Art e OR Jahresrechnung gemäss Art e OR Rechnungslegung für grössere Unternehmen gemäss Art d OR Rechnungslegung für grössere Unternehmen gemäss Art d OR Abschluss nach anerkanntem Standard zur Rechnungslegung gemäss Art a OR 16 VON GRAFFENRIED Treuhand VON GRAFFENRIED Treuhand 17
12 Überprüfung der Konsolidierungspflicht Wird eine rechnungslegungspflichtige juristische Person gemäss Art. 963 OR kontrolliert? Entweder durch direkte oder indirekte Stimmenmehrheit im obersten Organ, direktes oder indirektes Recht, die Mehrheit der Mitglieder des obersten Leitungs- oder Verwaltungsorgans zu bestellen oder abzuberufen, oder ausüben eines beherrschenden Einflusses aufgrund Bestimmungen in Statuten, Stiftungskurkunden, Verträgen oder vergleichbaren Instrumenten. Nein Ja Ja In zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren zusammen mit den kontrollierten Unternehmen zwei der folgenden Grössen unterschritten? Bilanzsumme CHF 20 Mio. umsatzerlös CHF 40 Mio. 250 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt Nein Ja Die rechnungslegungspflichtige juristische Person wird von einem Unternehmen kontrolliert, dessen Konzernrechnung nach schweizerischen oder gleichwertigen ausländischen Vorschriften erstellt und ordentlich geprüft worden ist. Nein Ja Nur für Vereine, Stiftungen und Genossenschaften: Wurde die Pflicht zur Erstellung der Konzernrechnung an ein kontrolliertes Unternehmen übertragen, das sämtliche weitere Unternehmen unter einheitlicher Leitung zusammenfasst und die Beherrschung tatsächlich ausübt? Nein Auf Verlangen von Gesellschaftern, die mindestens 20 % des Grundkapitals vertreten oder 10 % der Genossenschafter oder 10 % der Vereinsmitglieder eines Gesellschafters oder eines Vereinsmitglieds, der oder das einer persönlichen Haftung oder einer Nachschusspflicht unterliegt der Stiftungsaufsichtsbehörde Nein Ja Keine Konsolidierungspflicht Konsolidierungspflicht 18 VON GRAFFENRIED Treuhand VON GRAFFENRIED Treuhand 19
13 Gegenüberstellung neues Recht bisher geltendes Recht Artikel NEU Randtitel NEU Artikel BISHER Randtitel BISHER Erster Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen Pflicht zur Buchführung 957 und Rechnungslegung Pflicht zur Führung und Aufbewahrung der Geschäftsbücher a Buchführung 958 Bilanzvorschriften; Bilanzpflicht 959 Bilanzgrundsätze; Bilanzwahrheit und -klarheit Unterzeichnung Rechnungslegung; Zweck und Bestandteile Geschäftsbericht; im Allgemeinen, 662 Inhalt Generalversammlung, Einberufung 699 und Traktandierung, Recht und Pflicht 958a Grundlagen der Rechnungs legung; Annahme der Fortführung 662a Ordnungsgemässe Rechnungslegung 958b Zeitliche und sachliche Abgrenzung 958 Bilanzvorschriften; Bilanzpflicht 958c 958d 958e 958f Grundsätze ordnungmässiger Rechnungslegung Darstellung, Währung und Sprache Offenlegung und Einsichtnahme Führung und Aufbewahrung der Geschäftsbücher 959 Bilanzgrundsätze; Bilanzwahrheit und -klarheit 662a Ordnungsgemässe Rechnungslegung 663h Schutz und Anpassung 960 Wertansätze 662a Ordnungsgemässe Rechnungslegung 697h Offenlegung von Jahresrechnung und Konzernrechnung 957 Pflicht zur Führung und Aufbewahrung der Geschäftsbücher 962 Dauer der Aufbewahrungspflicht 20 VON GRAFFENRIED Treuhand VON GRAFFENRIED Treuhand 21
14 Artikel Randtitel NEU NEU Zweiter Abschnitt: Jahresrechnung 959 Bilanz; Zweck der Bilanz, Bilanzierungspflicht und Bilanz ierungs fähigkeit Artikel BISHER 663a 664 Randtitel BISHER Bilanz, Mindestgliederung Bewertung; Gründungs-, Kapitalerhöhungs- und Organisationskosten Beteiligungen 665a 959a Mindestgliederung 663a Bilanz, Mindestgliederung 959b Erfolgsrechnung; Mindestgliederung 663 Erfolgsrechnung, Mindestgliederung 959c Anhang 663b Anhang 960 Bewertung; Grundsätze 960 Wertansätze 960 Wertansätze 665 Anlagevermögen; Im Allgemeinen 960a Aktiven; 666 Vorräte Im Allgemeinen 667 Wertschriften 669 Abschreibungen, Wertberichtigungen und Rückstellungen 960b Aktiven mit beobachtbaren Marktpreisen 667 Wertschriften Vorräte und nicht 666 Vorräte 960c fak tu rierte Dienstleistungen Abschreibungen, Wertberichtigungen 669 und Rückstellungen 960d Anlagevermögen 665a Beteiligungen 960e Verbindlichkeiten 669 Abschreibungen, Wertberichtigungen und Rückstellungen Artikel NEU Randtitel NEU Artikel BISHER Randtitel BISHER Dritter Abschnitt: Rechnungslegung für grössere Unternehmen Zusätzliche Anforderungen an Geschäfts 961 bericht Zusätzliche Angaben 961a im Anhang zur Jahresrechnung 961b Geldflussrechnung 961c Lagebericht 663d Jahresbericht 961d Erleichterung infolge Konzernrechnung Vierter Abschnitt: Abschluss nach anerkanntem Standard zur Rechnungslegung 962 Im Allgemeinen 962a Anerkannte Standards zur Rechnungslegung Fünfter Abschnitt: Konzernrechnung 963 Pflicht zur Erstellung 663e Konzernrechnung; Pflicht zur Erstellung 963a 963b Befreiung von der Pflicht zur Erstellung Anerkannte Standards zur Rechnungslegung 663e 663f 663g Konzernrechnung; Pflicht zur Erstellung Zwischengesellschaften Erstellung 22 VON GRAFFENRIED Treuhand VON GRAFFENRIED Treuhand 23
15 Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) Änderung vom 23. Dezember 2011 Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 21. Dezember , beschliesst: I 1. Der sechsundzwanzigste Titel des Obligationenrechts 2 wird wie folgt geändert: Art b Aufgehoben B. Geschäftsbericht I. Zusätzliche Angaben bei Gesellschaften mit kotierten Aktien 1. Vergütungen 2. Beteiligungen Art. 663b bis Randtitel Art. 663c Randtitel Art. 663d 669 Aufgehoben II. Bewertung. Aufwertung Art. 670 Randtitel Art. 697h Aufgehoben 1 BBl SR
16 Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) Art. 698 Abs. 2 Ziff. 3 2 Ihr stehen folgende unübertragbare Befugnisse zu: 3. die Genehmigung des Lageberichts und der Konzernrechnung; 2. Der zweiunddreissigste Titel des Obligationenrechts erhält folgende Fassung: A. Pflicht zur Buchführung und Rechnungslegung B. Buchführung Zweiunddreissigster Titel: Kaufmännische Buchführung und Rechnungslegung Erster Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen Art Der Pflicht zur Buchführung und Rechnungslegung gemäss den nachfolgenden Bestimmungen unterliegen: 1. Einzelunternehmen und Personengesellschaften, die einen Umsatzerlös von mindestens Franken im letzten Geschäftsjahr erzielt haben; 2. juristische Personen. 2 Lediglich über die Einnahmen und Ausgaben sowie über die Vermögenslage müssen Buch führen: 1. Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit weniger als Franken Umsatzerlös im letzten Geschäftsjahr; 2. diejenigen Vereine und Stiftungen, die nicht verpflichtet sind, sich ins Handelsregister eintragen zu lassen; 3. Stiftungen, die nach Artikel 83b Absatz 2 ZGB 3 von der Pflicht zur Bezeichnung einer Revisionsstelle befreit sind. 3 Für die Unternehmen nach Absatz 2 gelten die Grundsätze ordnungsmässiger Buchführung sinngemäss. Art. 957a 1 Die Buchführung bildet die Grundlage der Rechnungslegung. Sie erfasst diejenigen Geschäftsvorfälle und Sachverhalte, die für die Darstellung der Vermögens-, Finanzierungs- und Ertragslage des Unternehmens (wirtschaftliche Lage) notwendig sind. 2 Sie folgt den Grundsätzen ordnungsmässiger Buchführung. Namentlich sind zu beachten: 1. die vollständige, wahrheitsgetreue und systematische Erfassung der Geschäftsvorfälle und Sachverhalte; C. Rechnungslegung I. Zweck und Bestandteile II. Grundlagen der Rechnungslegung 1. Annahme der Fortführung 2. der Belegnachweis für die einzelnen Buchungsvorgänge; 3. die Klarheit; 4. die Zweckmässigkeit mit Blick auf die Art und Grösse des Unternehmens; 5. die Nachprüfbarkeit. 3 Als Buchungsbeleg gelten alle schriftlichen Aufzeichnungen auf Papier oder in elektronischer oder vergleichbarer Form, die notwendig sind, um den einer Buchung zugrunde liegenden Geschäftsvorfall oder Sachverhalt nachvollziehen zu können. 4 Die Buchführung erfolgt in der Landeswährung oder in der für die Geschäftstätigkeit wesentlichen Währung. 5 Sie erfolgt in einer der Landessprachen oder in Englisch. Sie kann schriftlich, elektronisch oder in vergleichbarer Weise geführt werden. Art Die Rechnungslegung soll die wirtschaftliche Lage des Unternehmens so darstellen, dass sich Dritte ein zuverlässiges Urteil bilden können. 2 Die Rechnungslegung erfolgt im Geschäftsbericht. Dieser enthält die Jahresrechnung (Einzelabschluss), die sich aus der Bilanz, der Erfolgsrechnung und dem Anhang zusammensetzt. Die Vorschriften für grössere Unternehmen und Konzerne bleiben vorbehalten. 3 Der Geschäftsbericht muss innerhalb von sechs Monaten nach Ablauf des Geschäftsjahres erstellt und dem zuständigen Organ oder den zuständigen Personen zur Genehmigung vorgelegt werden. Er ist vom Vorsitzenden des obersten Leitungs- oder Verwaltungsorgans und der innerhalb des Unternehmens für die Rechnungslegung zuständigen Person zu unterzeichnen. Art. 958a 1 Die Rechnungslegung beruht auf der Annahme, dass das Unternehmen auf absehbare Zeit fortgeführt wird. 2 Ist die Einstellung der Tätigkeit oder von Teilen davon in den nächsten zwölf Monaten ab Bilanzstichtag beabsichtigt oder voraussichtlich nicht abwendbar, so sind der Rechnungslegung für die betreffenden Unternehmensteile Veräusserungswerte zugrunde zu legen. Für die mit der Einstellung verbundenen Aufwendungen sind Rückstellungen zu bilden. 3 Abweichungen von der Annahme der Fortführung sind im Anhang zu vermerken; ihr Einfluss auf die wirtschaftliche Lage ist darzulegen. 3 SR
17 Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) 2. Zeitliche und sachliche Abgrenzung III. Grundsätze ordnungsmässiger Rechnungslegung IV. Darstellung, Währung und Sprache Art. 958b 1 Aufwände und Erträge müssen voneinander in zeitlicher und sachlicher Hinsicht abgegrenzt werden. 2 Sofern die Nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen oder die Finanzerträge Franken nicht überschreiten, kann auf die zeitliche Abgrenzung verzichtet und stattdessen auf Ausgaben und Einnahmen abgestellt werden. Art. 958c 1 Für die Rechnungslegung sind insbesondere die folgenden Grundsätze massgebend: 1. Sie muss klar und verständlich sein. 2. Sie muss vollständig sein. 3. Sie muss verlässlich sein. 4. Sie muss das Wesentliche enthalten. 5. Sie muss vorsichtig sein. 6. Es sind bei der Darstellung und der Bewertung stets die gleichen Massstäbe zu verwenden. 7. Aktiven und Passiven sowie Aufwand und Ertrag dürfen nicht miteinander verrechnet werden. 2 Der Bestand der einzelnen Positionen in der Bilanz und im Anhang ist durch ein Inventar oder auf andere Art nachzuweisen. 3 Die Rechnungslegung ist unter Wahrung des gesetzlichen Mindestinhalts den Besonderheiten des Unternehmens und der Branche anzupassen. Art. 958d 1 Die Bilanz und die Erfolgsrechnung können in Konto- oder in Staffelform dargestellt werden. Positionen, die keinen oder nur einen unwesentlichen Wert aufweisen, brauchen nicht separat aufgeführt zu werden. 2 In der Jahresrechnung sind neben den Zahlen für das Geschäftsjahr die entsprechenden Werte des Vorjahres anzugeben. 3 Die Rechnungslegung erfolgt in der Landeswährung oder in der für die Geschäftstätigkeit wesentlichen Währung. Wird nicht die Landeswährung verwendet, so müssen die Werte zusätzlich in der Landeswährung angegeben werden. Die verwendeten Umrechnungskurse sind im Anhang offenzulegen und gegebenenfalls zu erläutern. 4 Die Rechnungslegung erfolgt in einer der Landessprachen oder in Englisch. D. Offenlegung und Einsichtnahme E. Führung und Aufbewahrung der Geschäftsbücher A. Bilanz I. Zweck der Bilanz, Bilanzierungspflicht und Bilanzierungsfähigkeit Art. 958e 1 Jahresrechnung und Konzernrechnung sind nach der Genehmigung durch das zuständige Organ mit den Revisionsberichten entweder im Schweizerischen Handelsamtsblatt zu veröffentlichen oder jeder Person, die es innerhalb eines Jahres nach der Genehmigung verlangt, auf deren Kosten in einer Ausfertigung zuzustellen, wenn das Unternehmen: 1. Anleihensobligationen ausstehend hat; oder 2. Beteiligungspapiere an einer Börse kotiert hat. 2 Die übrigen Unternehmen müssen den Gläubigern, die ein schutzwürdiges Interesse nachweisen, Einsicht in den Geschäftsbericht und in die Revisionsberichte gewähren. Im Streitfall entscheidet das Gericht. Art. 958f 1 Die Geschäftsbücher und die Buchungsbelege sowie der Geschäftsbericht und der Revisionsbericht sind während zehn Jahren aufzubewahren. Die Aufbewahrungsfrist beginnt mit dem Ablauf des Geschäftsjahres. 2 Der Geschäftsbericht und der Revisionsbericht sind schriftlich und unterzeichnet aufzubewahren. 3 Die Geschäftsbücher und die Buchungsbelege können auf Papier, elektronisch oder in vergleichbarer Weise aufbewahrt werden, soweit dadurch die Übereinstimmung mit den zugrunde liegenden Geschäftsvorfällen und Sachverhalten gewährleistet ist und wenn sie jederzeit wieder lesbar gemacht werden können. 4 Der Bundesrat erlässt die Vorschriften über die zu führenden Geschäftsbücher, die Grundsätze zu deren Führung und Aufbewahrung sowie über die verwendbaren Informationsträger. Zweiter Abschnitt: Jahresrechnung Art Die Bilanz stellt die Vermögens- und Finanzierungslage des Unternehmens am Bilanzstichtag dar. Sie gliedert sich in Aktiven und Passiven. 2 Als Aktiven müssen Vermögenswerte bilanziert werden, wenn aufgrund vergangener Ereignisse über sie verfügt werden kann, ein Mittelzufluss wahrscheinlich ist und ihr Wert verlässlich geschätzt werden kann. Andere Vermögenswerte dürfen nicht bilanziert werden
18 Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) II. Mindestgliederung 3 Als Umlaufvermögen müssen die flüssigen Mittel bilanziert werden sowie andere Aktiven, die voraussichtlich innerhalb eines Jahres ab Bilanzstichtag oder innerhalb des normalen Geschäftszyklus zu flüssigen Mitteln werden oder anderweitig realisiert werden. Als Anlagevermögen müssen alle übrigen Aktiven bilanziert werden. 4 Als Passiven müssen das Fremd- und das Eigenkapital bilanziert werden. 5 Verbindlichkeiten müssen als Fremdkapital bilanziert werden, wenn sie durch vergangene Ereignisse bewirkt wurden, ein Mittelabfluss wahrscheinlich ist und ihre Höhe verlässlich geschätzt werden kann. 6 Als kurzfristig müssen die Verbindlichkeiten bilanziert werden, die voraussichtlich innerhalb eines Jahres ab Bilanzstichtag oder innerhalb des normalen Geschäftszyklus zur Zahlung fällig werden. Als langfristig müssen alle übrigen Verbindlichkeiten bilanziert werden. 7 Das Eigenkapital ist der Rechtsform entsprechend auszuweisen und zu gliedern. Art. 959a 1 Unter den Aktiven müssen ihrem Liquiditätsgrad entsprechend mindestens folgende Positionen einzeln und in der vorgegebenen Reihenfolge ausgewiesen werden: 1. Umlaufvermögen: a. flüssige Mittel und kurzfristig gehaltene Aktiven mit Börsenkurs, b. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, c. übrige kurzfristige Forderungen, d. Vorräte und nicht fakturierte Dienstleistungen, e. aktive Rechnungsabgrenzungen; 2. Anlagevermögen: a. Finanzanlagen, b. Beteiligungen, c. Sachanlagen, d. immaterielle Werte, e. nicht einbezahltes Grund-, Gesellschafter- oder Stiftungskapital. 2 Unter den Passiven müssen ihrer Fälligkeit entsprechend mindestens folgende Positionen einzeln und in der vorgegebenen Reihenfolge ausgewiesen werden: 1. kurzfristiges Fremdkapital: a. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, b. kurzfristige verzinsliche Verbindlichkeiten, B. Erfolgsrechnung; Mindestgliederung c. übrige kurzfristige Verbindlichkeiten, d. passive Rechnungsabgrenzungen; 2. langfristiges Fremdkapital: a. langfristige verzinsliche Verbindlichkeiten, b. übrige langfristige Verbindlichkeiten, c. Rückstellungen sowie vom Gesetz vorgesehene ähnliche Positionen; 3. Eigenkapital: a. Grund-, Gesellschafter- oder Stiftungskapital, gegebenenfalls gesondert nach Beteiligungskategorien, b. gesetzliche Kapitalreserve, c. gesetzliche Gewinnreserve, d. freiwillige Gewinnreserven oder kumulierte Verluste als Minusposten, e. eigene Kapitalanteile als Minusposten. 3 Weitere Positionen müssen in der Bilanz oder im Anhang einzeln ausgewiesen werden, sofern dies für die Beurteilung der Vermögensoder Finanzierungslage durch Dritte wesentlich oder aufgrund der Tätigkeit des Unternehmens üblich ist. 4 Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber direkt oder indirekt Beteiligten und Organen sowie gegenüber Unternehmen, an denen direkt oder indirekt eine Beteiligung besteht, müssen jeweils gesondert in der Bilanz oder im Anhang ausgewiesen werden. Art. 959b 1 Die Erfolgsrechnung stellt die Ertragslage des Unternehmens während des Geschäftsjahres dar. Sie kann als Produktionserfolgsrechnung oder als Absatzerfolgsrechnung dargestellt werden. 2 In der Produktionserfolgsrechnung (Gesamtkostenverfahren) müssen mindestens folgende Positionen je einzeln und in der vorgegebenen Reihenfolge ausgewiesen werden: 1. Nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen; 2. Bestandesänderungen an unfertigen und fertigen Erzeugnissen sowie an nicht fakturierten Dienstleistungen; 3. Materialaufwand; 4. Personalaufwand; 5. übriger betrieblicher Aufwand; 6. Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Positionen des Anlagevermögens; 7. Finanzaufwand und Finanzertrag;
19 Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) C. Anhang 8. betriebsfremder Aufwand und betriebsfremder Ertrag; 9. ausserordentlicher, einmaliger oder periodenfremder Aufwand und Ertrag; 10. direkte Steuern; 11. Jahresgewinn oder Jahresverlust. 3 In der Absatzerfolgsrechnung (Umsatzkostenverfahren) müssen mindestens folgende Positionen je einzeln und in der vorgegebenen Reihenfolge ausgewiesen werden: 1. Nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen; 2. Anschaffungs- oder Herstellungskosten der verkauften Produkte und Leistungen; 3. Verwaltungsaufwand und Vertriebsaufwand; 4. Finanzaufwand und Finanzertrag; 5. betriebsfremder Aufwand und betriebsfremder Ertrag; 6. ausserordentlicher, einmaliger oder periodenfremder Aufwand und Ertrag; 7. direkte Steuern; 8. Jahresgewinn oder Jahresverlust. 4 Bei der Absatzerfolgsrechnung müssen im Anhang zudem der Personalaufwand sowie in einer Position Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Positionen des Anlagevermögens ausgewiesen werden. 5 Weitere Positionen müssen in der Erfolgsrechnung oder im Anhang einzeln ausgewiesen werden, sofern dies für die Beurteilung der Ertragslage durch Dritte wesentlich oder aufgrund der Tätigkeit des Unternehmens üblich ist. Art. 959c 1 Der Anhang der Jahresrechnung ergänzt und erläutert die anderen Bestandteile der Jahresrechnung. Er enthält: 1. Angaben über die in der Jahresrechnung angewandten Grundsätze, soweit diese nicht vom Gesetz vorgeschrieben sind; 2. Angaben, Aufschlüsselungen und Erläuterungen zu Positionen der Bilanz und der Erfolgsrechnung; 3. den Gesamtbetrag der aufgelösten Wiederbeschaffungsreserven und der darüber hinausgehenden stillen Reserven, soweit dieser den Gesamtbetrag der neugebildeten derartigen Reserven übersteigt, wenn dadurch das erwirtschaftete Ergebnis wesentlich günstiger dargestellt wird; 4. weitere vom Gesetz verlangte Angaben. 2 Der Anhang muss weiter folgende Angaben enthalten, sofern diese nicht bereits aus der Bilanz oder der Erfolgsrechnung ersichtlich sind: 1. Firma oder Name sowie Rechtsform und Sitz des Unternehmens; 2. eine Erklärung darüber, ob die Anzahl Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt nicht über 10, über 50 beziehungsweise über 250 liegt; 3. Firma, Rechtsform und Sitz der Unternehmen, an denen direkte oder wesentliche indirekte Beteiligungen bestehen, unter Angabe des Kapital- und des Stimmenanteils; 4. Anzahl eigener Anteile, die das Unternehmen selbst und die Unternehmen, an denen es beteiligt ist, halten; 5. Erwerb und Veräusserung eigener Anteile und die Bedingungen, zu denen sie erworben oder veräussert wurden; 6. der Restbetrag der Verbindlichkeiten aus kaufvertragsähnlichen Leasinggeschäften und anderen Leasingverpflichtungen, sofern diese nicht innert zwölf Monaten ab Bilanzstichtag auslaufen oder gekündigt werden können; 7. Verbindlichkeiten gegenüber Vorsorgeeinrichtungen; 8. der Gesamtbetrag der für Verbindlichkeiten Dritter bestellten Sicherheiten; 9. je der Gesamtbetrag der zur Sicherung eigener Verbindlichkeiten verwendeten Aktiven sowie der Aktiven unter Eigentumsvorbehalt; 10. rechtliche oder tatsächliche Verpflichtungen, bei denen ein Mittelabfluss entweder als unwahrscheinlich erscheint oder in der Höhe nicht verlässlich geschätzt werden kann (Eventualverbindlichkeit); 11. Anzahl und Wert von Beteiligungsrechten oder Optionen auf solche Rechte für alle Leitungs- und Verwaltungsorgane sowie für die Mitarbeitenden; 12. Erläuterungen zu ausserordentlichen, einmaligen oder periodenfremden Positionen der Erfolgsrechnung; 13. wesentliche Ereignisse nach dem Bilanzstichtag; 14. bei einem vorzeitigen Rücktritt der Revisionsstelle: die Gründe, die dazu geführt haben. 3 Einzelunternehmen und Personengesellschaften können auf die Erstellung des Anhangs verzichten, wenn sie nicht zur Rechnungslegung nach den Vorschriften für grössere Unternehmen verpflichtet sind. Werden in den Vorschriften zur Mindestgliederung von Bilanz und Erfolgsrechnung zusätzliche Angaben gefordert und wird auf die
20 Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) D. Bewertung I. Grundsätze II. Aktiven 1. Im Allgemeinen 2. Aktiven mit beobachtbaren Marktpreisen Erstellung eines Anhangs verzichtet, so sind diese Angaben direkt in der Bilanz oder in der Erfolgsrechnung auszuweisen. 4 Unternehmen, die Anleihensobligationen ausstehend haben, müssen Angaben zu deren Beträgen, Zinssätzen, Fälligkeiten und zu den weiteren Konditionen machen. Art Aktiven und Verbindlichkeiten werden in der Regel einzeln bewertet, sofern sie wesentlich sind und aufgrund ihrer Gleichartigkeit für die Bewertung nicht üblicherweise als Gruppe zusammengefasst werden. 2 Die Bewertung muss vorsichtig erfolgen, darf aber die zuverlässige Beurteilung der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens nicht verhindern. 3 Bestehen konkrete Anzeichen für eine Überbewertung von Aktiven oder für zu geringe Rückstellungen, so sind die Werte zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Art. 960a 1 Bei ihrer Ersterfassung müssen die Aktiven höchstens zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten bewertet werden. 2 In der Folgebewertung dürfen Aktiven nicht höher bewertet werden als zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Vorbehalten bleiben Bestimmungen für einzelne Arten von Aktiven. 3 Der nutzungs- und altersbedingte Wertverlust muss durch Abschreibungen, anderweitige Wertverluste müssen durch Wertberichtigungen berücksichtigt werden. Abschreibungen und Wertberichtigungen müssen nach den allgemein anerkannten kaufmännischen Grundsätzen vorgenommen werden. Sie sind direkt oder indirekt bei den betreffenden Aktiven zulasten der Erfolgsrechnung abzusetzen und dürfen nicht unter den Passiven ausgewiesen werden. 4 Zu Wiederbeschaffungszwecken sowie zur Sicherung des dauernden Gedeihens des Unternehmens dürfen zusätzliche Abschreibungen und Wertberichtigungen vorgenommen werden. Zu den gleichen Zwecken kann davon abgesehen werden, nicht mehr begründete Abschreibungen und Wertberichtigungen aufzulösen. Art. 960b 1 In der Folgebewertung dürfen Aktiven mit Börsenkurs oder einem anderen beobachtbaren Marktpreis in einem aktiven Markt zum Kurs oder Marktpreis am Bilanzstichtag bewertet werden, auch wenn dieser über dem Nennwert oder dem Anschaffungswert liegt. Wer von diesem Recht Gebrauch macht, muss alle Aktiven der entsprechenden 3. Vorräte und nicht fakturierte Dienstleistungen 4. Anlagevermögen III. Verbindlichkeiten Positionen der Bilanz, die einen beobachtbaren Marktpreis aufweisen, zum Kurs oder Marktpreis am Bilanzstichtag bewerten. Im Anhang muss auf diese Bewertung hingewiesen werden. Der Gesamtwert der entsprechenden Aktiven muss für Wertschriften und übrige Aktiven mit beobachtbarem Marktpreis je gesondert offengelegt werden. 2 Werden Aktiven zum Börsenkurs oder zum Marktpreis am Bilanzstichtag bewertet, so darf eine Wertberichtigung zulasten der Erfolgsrechnung gebildet werden, um Schwankungen im Kursverlauf Rechnung zu tragen. Solche Wertberichtigungen sind jedoch nicht zulässig, wenn dadurch sowohl der Anschaffungswert als auch der allenfalls tiefere Kurswert unterschritten würden. Der Betrag der Schwankungsreserven ist insgesamt in der Bilanz oder im Anhang gesondert auszuweisen. Art. 960c 1 Liegt in der Folgebewertung von Vorräten und nicht fakturierten Dienstleistungen der Veräusserungswert unter Berücksichtigung noch anfallender Kosten am Bilanzstichtag unter den Anschaffungs- oder Herstellungskosten, so muss dieser Wert eingesetzt werden. 2 Als Vorräte gelten Rohmaterial, Erzeugnisse in Arbeit, fertige Erzeugnisse und Handelswaren. Art. 960d 1 Als Anlagevermögen gelten Werte, die in der Absicht langfristiger Nutzung oder langfristigen Haltens erworben werden. 2 Als langfristig gilt ein Zeitraum von mehr als zwölf Monaten. 3 Als Beteiligungen gelten Anteile am Kapital eines anderen Unternehmens, die langfristig gehalten werden und einen massgeblichen Einfluss vermitteln. Dieser wird vermutet, wenn die Anteile mindestens 20 Prozent der Stimmrechte gewähren. Art. 960e 1 Verbindlichkeiten müssen zum Nennwert eingesetzt werden. 2 Lassen vergangene Ereignisse einen Mittelabfluss in künftigen Geschäftsjahren erwarten, so müssen die voraussichtlich erforderlichen Rückstellungen zulasten der Erfolgsrechnung gebildet werden. 3 Rückstellungen dürfen zudem insbesondere gebildet werden für: 1. regelmässig anfallende Aufwendungen aus Garantieverpflichtungen; 2. Sanierungen von Sachanlagen;
21 Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) A. Zusätzliche Anforderungen an den Geschäftsbericht B. Zusätzliche Angaben im Anhang zur Jahresrechnung 3. Restrukturierungen; 4. die Sicherung des dauernden Gedeihens des Unternehmens. 4 Nicht mehr begründete Rückstellungen müssen nicht aufgelöst werden. Dritter Abschnitt: Rechnungslegung für grössere Unternehmen Art. 961 Unternehmen, die von Gesetzes wegen zu einer ordentlichen Revision verpflichtet sind, müssen: 1. zusätzliche Angaben im Anhang der Jahresrechnung machen; 2. als Teil der Jahresrechnung eine Geldflussrechnung erstellen; 3. einen Lagebericht verfassen. Art. 961a Im Anhang der Jahresrechnung müssen zusätzlich Angaben gemacht werden: 1. zu den langfristigen verzinslichen Verbindlichkeiten, aufgeteilt nach Fälligkeit innerhalb von einem bis fünf Jahren und nach fünf Jahren; 2. zum Honorar der Revisionsstelle je gesondert für Revisionsdienstleistungen und andere Dienstleistungen. E. Erleichterung infolge Konzernrechnung 4. die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit; 5. aussergewöhnliche Ereignisse; 6. die Zukunftsaussichten. 3 Der Lagebericht darf der Darstellung der wirtschaftlichen Lage in der Jahresrechnung nicht widersprechen. Art. 961d 1 Auf die zusätzlichen Angaben im Anhang zur Jahresrechnung, die Geldflussrechnung und den Lagebericht kann verzichtet werden, wenn das Unternehmen selbst oder eine juristische Person, die das Unternehmen kontrolliert, eine Konzernrechnung nach einem anerkannten Standard zur Rechnungslegung erstellt. 2 Es können eine Rechnungslegung nach den Vorschriften dieses Abschnitts verlangen: 1. Gesellschafter, die mindestens 10 Prozent des Grundkapitals vertreten; Prozent der Genossenschafter oder 20 Prozent der Vereinsmitglieder; 3. jeder Gesellschafter oder jedes Mitglied, das einer persönlichen Haftung oder einer Nachschusspflicht unterliegt. Vierter Abschnitt: Abschluss nach anerkanntem Standard zur Rechnungslegung C. Geldflussrechnung D. Lagebericht Art. 961b Die Geldflussrechnung stellt die Veränderung der flüssigen Mittel aus der Geschäftstätigkeit, der Investitionstätigkeit und der Finanzierungstätigkeit je gesondert dar. Art. 961c 1 Der Lagebericht stellt den Geschäftsverlauf und die wirtschaftliche Lage des Unternehmens sowie gegebenenfalls des Konzerns am Ende des Geschäftsjahres unter Gesichtspunkten dar, die in der Jahresrechnung nicht zum Ausdruck kommen. 2 Der Lagebericht muss namentlich Aufschluss geben über: 1. die Anzahl Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt; 2. die Durchführung einer Risikobeurteilung; 3. die Bestellungs- und Auftragslage; A. Im Allgemeinen Art Es müssen zusätzlich zur Jahresrechnung nach diesem Titel einen Abschluss nach einem anerkannten Standard zur Rechnungslegung erstellen: 1. Gesellschaften, deren Beteiligungspapiere an einer Börse kotiert sind, wenn die Börse dies verlangt; 2. Genossenschaften mit mindestens 2000 Genossenschaftern; 3. Stiftungen, die von Gesetzes wegen zu einer ordentlichen Revision verpflichtet sind. 2 Es können zudem einen Abschluss nach einem anerkannten Standard verlangen: 1. Gesellschafter, die mindestens 20 Prozent des Grundkapitals vertreten;
22 Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) Obligationenrecht (Rechnungslegungsrecht) B. Anerkannte Standards zur Rechnungslegung A. Pflicht zur Erstellung Prozent der Genossenschafter oder 20 Prozent der Vereinsmitglieder; 3. Gesellschafter oder Mitglieder, die einer persönlichen Haftung oder einer Nachschusspflicht unterliegen. 3 Die Pflicht zur Erstellung eines Abschlusses nach einem anerkannten Standard entfällt, wenn eine Konzernrechnung nach einem anerkannten Standard erstellt wird. 4 Das oberste Leitungs- oder Verwaltungsorgan ist für die Wahl des anerkannten Standards zuständig, sofern die Statuten, der Gesellschaftsvertrag oder die Stiftungsurkunde keine anderslautenden Vorgaben enthalten oder das oberste Organ den anerkannten Standard nicht festlegt. Art. 962a 1 Wird ein Abschluss nach einem anerkannten Standard zur Rechnungslegung erstellt, so muss dieser im Abschluss angegeben werden. 2 Der gewählte anerkannte Standard muss in seiner Gesamtheit und für den ganzen Abschluss übernommen werden. 3 Die Einhaltung des anerkannten Standards muss durch einen zugelassenen Revisionsexperten geprüft werden. Es ist eine ordentliche Revision des Abschlusses durchzuführen. 4 Der Abschluss nach einem anerkannten Standard muss dem obersten Organ anlässlich der Genehmigung der Jahresrechnung vorgelegt werden, bedarf aber keiner Genehmigung. 5 Der Bundesrat bezeichnet die anerkannten Standards. Er kann die Voraussetzungen festlegen, die für die Wahl eines Standards oder den Wechsel von einem Standard zum andern erfüllt sein müssen. Fünfter Abschnitt: Konzernrechnung Art Kontrolliert eine rechnungslegungspflichtige juristische Person ein oder mehrere rechnungslegungspflichtige Unternehmen, so muss sie im Geschäftsbericht für die Gesamtheit der kontrollierten Unternehmen eine konsolidierte Jahresrechnung (Konzernrechnung) erstellen. 2 Eine juristische Person kontrolliert ein anderes Unternehmen, wenn sie: 1. direkt oder indirekt über die Mehrheit der Stimmen im obersten Organ verfügt; B. Befreiung von der Pflicht zur Erstellung 2. direkt oder indirekt über das Recht verfügt, die Mehrheit der Mitglieder des obersten Leitungs- oder Verwaltungsorgans zu bestellen oder abzuberufen; oder 3. aufgrund der Statuten, der Stiftungsurkunde, eines Vertrags oder vergleichbarer Instrumente einen beherrschenden Einfluss ausüben kann. 3 Ein nach Artikel 963b anerkannter Standard kann den Kreis der zu konsolidierenden Unternehmen definieren. 4 Vereine, Stiftungen und Genossenschaften können die Pflicht zur Erstellung einer Konzernrechnung an ein kontrolliertes Unternehmen übertragen, wenn das betreffende kontrollierte Unternehmen durch Stimmenmehrheit oder auf andere Weise sämtliche weiteren Unternehmen unter einheitlicher Leitung zusammenfasst und nachweist, dass es die Beherrschung tatsächlich ausübt. Art. 963a 1 Eine juristische Person ist von der Pflicht zur Erstellung einer Konzernrechnung befreit, wenn sie: 1. zusammen mit den kontrollierten Unternehmen zwei der nachstehenden Grössen in zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren nicht überschreitet: a. Bilanzsumme von 20 Millionen Franken, b. Umsatzerlös von 40 Millionen Franken, c. 250 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt; 2. von einem Unternehmen kontrolliert wird, dessen Konzernrechnung nach schweizerischen oder gleichwertigen ausländischen Vorschriften erstellt und ordentlich geprüft worden ist; oder 3. die Pflicht zur Erstellung einer Konzernrechnung an ein kontrolliertes Unternehmen nach Artikel 963 Absatz 4 übertragen hat. 2 Eine Konzernrechnung ist dennoch zu erstellen, wenn: 1. dies für eine möglichst zuverlässige Beurteilung der wirtschaftlichen Lage notwendig ist; 2. Gesellschafter, die mindestens 20 Prozent des Grundkapitals vertreten oder 10 Prozent der Genossenschafter oder 10 Prozent der Vereinsmitglieder dies verlangen; 3. ein Gesellschafter oder ein Vereinsmitglied, der oder das einer persönlichen Haftung oder einer Nachschusspflicht unterliegt, dies verlangt; oder 4. die Stiftungsaufsichtsbehörde dies verlangt