Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Fahrtgeldzuschuss-des-Arbeitsgebers-in-Steuererklaerung-vergessen--f326118.html
Timestamp: 2020-07-04 19:20:17
Document Index: 271966910

Matched Legal Cases: ['§ 153', '§ 370', '§ 378', '§ 371', '§ 378', '§ 371']

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11.05.2019 15:12 |
Zusammenfassung: Steuerpflichtige müssen falsche Angaben in der Steuererklärung berichtigen.
Wurden falsche Angaben vorsätzlich (Steuerhinterziehung) oder leichtfertig (leichtfertige Steuerverkürzung) nicht angegeben, so muss außerdem eine strafbefreiende Selbstanzeige abgegeben werden.
beim Erstellen der Steuererklärung für das Vorjahr 2018 ist mir zufällig aufgefallen, dass ich in den Vorjahren 2017, 2016 und 2015 dummerweise vergessen habe, bei der Angabe der Entfernungspauschale den Fahrtgeldzuschuss meines Arbeitsgebers mit anzugeben. Für das Jahr 2017 handelt es sich hierbei um einen Betrag von 405€ (brutto).
Ich frage mich nun, wie ich hier vorgehen muss? In der Steuererklärung für 2018 gebe ich den Fahrtgeldzuschuss nun natürlich an. Aber muss ich das Versäumnis in 2017, 2016 und 2015 in irgendeiner Weise anzeigen um eine entsprechende Steuernachzahlung leisten zu können? Und wenn ja, in welcher Art und Weise mache ich das?
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1.	Berichtigungspflicht
Wenn Sie eine falsche Steuererklärung abgegeben haben und dies nachträglich feststellen, sind Sie nach § 153 Abs. 1 Nummer 1 Abgabenordnung verpflichtet, dem Finanzamt „dies unverzüglich anzuzeigen und die erforderliche Richtigstellung vorzunehmen."
Dies bedeutet für Ihren Fall, dass Sie dem Finanzamt mitteilen müssen, in welchem Jahr Sie welchen Betrag genau erhalten haben. Dies dürfte für Ihren sehr einfach gelagerten Fall ausreichen. Denn die Auswertung erfordert dann lediglich die Korrektur einer einzigen Position in der Steuererklärung. Eine vollständig neue Steuererklärung ist nicht erforderlich.
An Ihrer Stelle würde ich die Darstellung durch Belege plausibel machen, sodass keine Fragen offenbleiben.
Außerdem sollten Sie die Berichtigung möglichst bald („unverzüglich") vornehmen.
Sie werden dann vom Finanzamt geänderte Einkommensteuerbescheide erhalten, in denen eine entsprechende Steuernachzahlung ausgewiesen sein wird. Zu den Steuernachzahlung werden Zinsen kommen. Dies gilt jedenfalls für die Jahre 2015, 2016 und 2017.
2.	Steuerhinterziehung
Sollten Sie den Fahrtgeldzuschuss vorsätzlich nicht angegeben haben, so liegt für 2015 - 2017 einer Steuerhinterziehung (§ 370 Abgabenordnung) vor. Haben Sie den Ansatz nur grob fahrlässig nicht vorgenommen, so ist eine leichtfertige Steuerverkürzung gegeben (§ 378 Abgabenordnung).
Beider Vorwürfe (Steuerhinterziehung und leichtfertige Steuerverkürzung) können Sie sich durch eine strafbefreiende Selbstanzeige (§ 371 bzw. § 378 Abs. 3 Abgabenordnung) entledigen.
Voraussetzung für die Wirksamkeit einer strafbefreienden Selbstanzeige ist allerdings, dass sie alle Steuerhinterziehungstaten etc. berichtigen. Wenn Sie also zum Beispiel neben dem Fahrtgeldzuschuss Kapitaleinkünfte nicht angegeben haben, so genügt es nicht, nur den Fahrtgeldzuschuss nachzuerklären. Damit die Selbstanzeige wirksam ist, müssten Sie in dem Beispiel neben dem Fahrtgeldzuschuss auch die Kapitaleinkünfte mitteilen.
Bevor Sie also die Berichtigungen zum Fahrtgeldzuschuss dem Finanzamt übermitteln, fragen Sie sich bitte, ob Sie nicht weitere Angaben unterlassen haben. Erst wenn Sie alle Berichtigungen zusammengetragen haben, senden Sie diese bitte an das Finanzamt.
Sie sollten aber bei alldem recht zügig handeln, denn eine strafbefreiende Selbstanzeige ist auch dann nicht mehr möglich, wenn die Tat „ganz oder zum Teil bereits entdeckt war und der Täter dies wusste oder bei verständiger Würdigung der Sachlage damit rechnen musste" (§ 371 Abs. 2 Nummer 2 Abgabenordnung). Wenn das Finanzamt also auf anderem Weg (zum Beispiel Lohnsteuerprüfung) von dem Fahrgeldzuschuss erfährt und feststellt, dass er in ihrer Besteuerung nicht berücksichtigt wurde, so könnte eine strafbefreiende Selbstanzeige ausscheiden.
Sollte noch etwas unklar geblieben sein, sprechen Sie mich gerne nochmals an.
Ergänzung vom Anwalt 14.05.2019 | 10:05
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