Source: https://www.flugrechte.eu/7038/eurowings-flugversp%C3%A4tung-versp%C3%A4tung-ausruhen-wurden-flug
Timestamp: 2020-08-12 23:33:08
Document Index: 113876078

Matched Legal Cases: ['EuG', 'Art. 3', 'Art. 3', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 7', 'Art. 5', 'Art. 7', 'Art. 5', '§ 651', 'BGH', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§651', '§ 651']

Eurowings Flugverspätung Aus 6 Std. Verspätung (Crew muss sich ausruhen) wurden 25 1/2 Std. bei Flug EW 145. - FLUGGASTRECHTE
Eurowings Flugverspätung Aus 6 Std. Verspätung (Crew muss sich ausruhen) wurden 25 1/2 Std. bei Flug EW 145.
Am geplanten Abflugtag 07.05.2016 wurden wir im Hotel darauf hingewiesen, dass unser Rückflug ca 6 Std Verspätung ab Puerto Plata starten würde. Grund: Es käme eine kleinere Maschine und da keine Crew zum auswechseln vorhanden wäre, müsse diese sich erst ausruhen. Wir wurden dann um 23 Uhr, statt 16.30 Uhr vom Hotel zum FH Puerto Plata abgeholt. Dort angekommen, sollten wir sofort in einen anderen Bus umsteigen. Wir erfuhren erst auf der Fahrt von anderen Fahrgästen (die bekamen die Info über Handy von ein paar Kollegen, die kurz vor uns schon mit einem Kleinbus abgeholt wurden) wo die Fahrt nun hingehen sollte. Nämlich in einer 4stündigen Fahrt zum Flughafen Santo Domingo.
Dort um kurz vor 4 Uhr Früh angekommen, gimg die Fahrt unbekannt weiter, sodass man nicht mal die Chance auf ein WC hatte. Wir sollten nun wohl zu einem Hotel gebracht werden.Auf der Fahrt zum Hotel ein "Entschuldigungsschreiben" von Eurowings. Bis wir an der Reihe zum einchecken waren, hieß es, wir müssen wieder in den Bus steigen. Fahrt zu weiterem Hotel. Dort eingecheckt um 6;45 Uhr am 08.05.2016. Nach dem Frühstück war an Schlaf nicht zu denken. Man schob uns einen Zettel unter der Türe durch, dem wir entnahmen, dass wir um 15 Uhr abgeholt würden und der Abflug um 19 Uhr wäre. Tatsächlicher Abflug war dann um 21.15 Uhr. Diesmal war der Grund für die Verspätung wieder ein anderer: Das Wetter! Ankunft in Köln 08.05.16, statt 11.10 Uhr am 07.05.16. Unsere reservierten Komfort-Sitze (€ 60.- pP) haben wir nicht erhalten.
Während der ganzen Odyssee keine weiteren Informationen. Unser Flug war nicht mal auf dem Abflugbildschirm erwähnt. Der Rückflug wurde nicht von Sunexpress, sondern von euroAtlantik durchgeführt. 2 WC's waren defekt, sowie meine Rücklehne, die während des ganzen Fluges immer nach hinten kippte. Der Erholungseffekt war komplett vergangen. Rückenschmerzen und stark geschwollene Beine vom ständigen Sitzen und stehen.
Dies hier alles nur in Kurzform. Welche Rechte haben wir und mit wieviel Entschädigung dürfen wir pro Person rechnen?
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Gefragt 14, Mai 2016 in Flugverspätung von Anonym
Bearbeitet 14, Mai 2016 von admin
Guten Tag M. Kreittner,
bei Ihrem Rückflug mit Eurowings von Puerto Plata kam es zunächst zu einer Verspätung von 6 Stunden, weil die Crew sich ausruhen musste und keine Ersatzcrew gestellt wurde. Nach einer Änderung, einem Transport zu einem anderen Flughafen und Problemen mit dem Wetter kamen Sie schließlich stattdessen 25 1/2 Stunden später an. Außerdem haben Sie ihre reservierten Komfort-Sitze nicht erhalten.
Eine Verspätung von mehr als 25 Stunden am Zielort, wie auch der Wechsel Ihres Abflugflughafens, weist daraufhin, dass bereits eine Annulierung Ihres Fluges vorgelegen haben könnte.
A. Annulierung
Ihr Flug wurde nicht durchgeführt wie geplant, und bei einer Verspätung von knapp 26 Stunden wurde der geplante Start wahrscheinlich bereits aufgegeben. Es ist von einer Annulierung zu sprechen. Im Falle einer Annulierung können Ihnen Ansprüche gemäß Artikel 5 EU-VO zustehen.
Ihnen können gem. Artikel 5 der EU-Verordnung Ansprüche aus Artikel 7 und 9 derselben zukommen.
I. Anspruch auf Ausgleichszahlungen
Ihre möglichen Ausgleichszahlungen stellen sich dann, gemäß Artikel 7 EU-VO, wie folgt dar:
> Bei einer Verspätung von 2 Stunden auf einer Strecke von 1500km oder weniger > 250€
> Bei einer Verspätung von 3 Stunden bei allen innergemeinschaftlichen Flügen über eine Entfernung von mehr als 1.500 km und bei allen anderen Flügen über eine Entfernung zwischen 1.500 km und 3.500 km > 400 €
> Bei einer Verspätung von 4 oder mehr Stunden bei allen nicht unter Buchstabe a) oder b) fallenden Flügen > 600 €.
Ob der Entfernung und der Verspätung von knapp 26 Stunden, wären das dann wahrscheinlich 600 Euro pro Fluggast.
Aus Ihrer Nachricht geht hervor,
> Außergewöhnliche Umstände
Gemäß Artikel 5 Absatz 3 hat eine Airline die Möglichkeit sich von Ansprüchen auf Ausgleichszahlungen zu befreien:
Condor nannte Ihnen diesbezüglich zwei, in deren Augen, außergewöhnliche Umstände:
1. Ruhezeit der Crew
EuGH, Urteil vom 12.5. 2011 – Az.: C-294/10 (einfach zu finden über Google unter Az.: C-294/10 bei ”reise-recht-wiki.de”)
Amtsgericht Hannover, Urteil vom 31.01.2011, Az.: 426 C 12868/10 (einfach zu finden unter dem Aktenzeichen über Google bei ”reise-recht-wiki.de”)
Diesem Urteil folgend wäre das Luftverkehrsunternehmen verpflichtet gewesen im Falle der Verspätung eine Ersatz-Crew zu stellen. Fraglich ist natürlich, ob die Fluggesellschaft begründen kann, wieso keine Ersatz-Crew gestellt werden konnte. Man darf aber wohl davon ausgehen, dass eine Fluggesellschaft für solche Fälle eine Ersatz-Crew parat haben sollte, und es für diese schwierig sein könnte nachzuweisen, welche schwerwiegenden Gründe eine Bereitstellung verhindert haben.
Beantwortet 16, Mai 2016 von Zeta (7,340 Punkte)
Bearbeitet 15, Mai 2016 von Zeta
2. Schlechte Wetterbedingungen und Wettergefahren
Schwierige Wetterverhältnisse können eine Fluggesellschaft dazu befähigen sich von möglichen Ansprüchen auf Ausgleichszahlungen ob den damit zusammenhängenden Annulierungen zu befreien.
AG Wedding, Urt. v. 10.06.2006, Az: 14 C 672/05 (einfach für Sie zu finden, wenn Sie bei Google eingeben: Az.: 14 C 672/05 auf "reise-recht-wiki.de")
AG Geldern, Urteil vom 20.02.2008 – Az.: 4 C 241/07 (einfach für Sie zu finden, wenn Sie bei Google eingeben: Az.: 4 C 241/07 "reise-recht-wiki.de")
AG Paderborn, Urt. v. 15.03.2012, Az: 50 C 254/11 (einfach zu finden, wenn Sie bei Google eingeben: Az.: 50 C 254/11 "reise-recht-wiki.de")
Aus diesen Urteilen geht hervor, dass genaue Informationen von der Fluggesellschaft nötig sind, um sich aufgrund von widrigen Wetteverhältnissen von einem Anspruch auf Augsleichszahlungen exkulpieren zu können.
Dabei ist wichtig zu sagen, dass die Beweislast auf Seiten der Fluggesellschaft liegt.
> Die von Eurowings aufgeführten Umstände sind wahrscheinlich nicht dazu qualifziert Ansprüche auf Ausgleichszahlungen abzuschlagen. Natürlich ist dies aber nicht mit Sicherheit zu sagen, und wird im Einzelfall zu entscheiden sein.
II. Anspruch auf Betreuungsleistungen
Darüber hinaus können Sie der Fluggesellschaft gemäß Artikel 9 EU-VO verschiedene Dinge in Rechnung stellen, da Sie während Ihrer Fahrt mit dem Bus und auch im Hotel möglicherweise Leistungen in Anspruch genommen haben:
> Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit,
> Hotelunterbringung, falls
> Beförderung zwischen dem Flughafen und dem Ort der Unterbringung (Hotel oder Sonstiges).
C. Komfortsitze
Auf Ihrem Rückflug haben Sie die eigentlich von Ihnen gebuchten Komfortsitze, welche Sie 60 Euro pro Platz kosteten, nicht erhalten.
Dazu steht in Artikel 10 EU-VO eine mögliche Anspruchsgrundlage:
(2) Verlegt ein ausführendes Luftfahrtunternehmen einen Fluggast in eine niedrigere Klasse als die, für die der Flugschein erworben wurde, so erstattet es binnen sieben Tagen
Sie sind so gesehen möglicherweise in eine niedrigere Klasse entgegen dem was Sie gebucht haben verlegt worden, und es könnte Ihnen eine Reduzierung Ihres Flugscheins zustehen, welche Ihnen dann binnen 7 Tagen erstattet werden muss.
> Sie können folglich wahrscheinlich einerseits mit Ausgleichszahlungen rechnen, und andererseits außerdem mit einer Reduzierung Ihres Flugscheins und einer dergestalten Erstattung. Dazu ist Ihnen zu raten sich nochmals mit Eurowings in Verbindung zu setzen, und falls diese Ihnen diese Entschädigungszahlungen nicht zugestehen wollen möglicherweise einen Anwalt hinzuzuziehen.
Liebe Familie Kreittner,
Sie wollten mit der Fluggesellschaft Eurowings mit der Flugnummer EW 145 ihre Heimreise antreten. Leider war dies nicht so unproblematisch wie erhofft. Vielmehr gelangten sie zum einen erst unter erheblichen Strapazen zum Flughafen und mussten dann auch noch eine verspätete Ankunft hinnehmen, sodass sie erst über 25 Stunden später ihren Zielflughafen erreichten. Des Weiteren kam es zu einer Änderung der ausführenden Airline und sie haben die gebuchten Komfortsitze nicht erhalten. Sie fragen sich nun. Welche Ansprüche sie geltend machen können.
Ein Anspruch könnte sich aus der Fluggastrechte Verordnung ergeben. Diese dient dem Schutz der Fluggäste in Fällen der Nichtbeförderung, Annullierung und großen Verspätung.
Der Anwendungsbereich ist gemäß Art. 3 Abs. 1 a VO eröffnet, wenn es sich um Fluggäste, die auf Flughäfen im Gebiet eines Mitgliedstaats, das den Bestimmungen des Vertrags unterliegt, einen Flug antreten. Dies ist hier zu bejahen, da die Fluggesellschaft ihren Hauptsitz in einem Mitgliedstaat hat. Somit ist der Anwendungsbereich eröffnet.
Anspruchsgegener
Anspruchsgegner ist gemäß Art. 3 Abs. 5 VO immer das ausführende Luftfahrtunternehmen. Sie müssen also jenes Unternehmen kontaktieren, welches den Flug auch tatsächlich ausgeführt hat.
Die Ihnen entstandene Verspätung, könnte etwaige Zahlungsansprüche begründen. Sie geben an, dass der Flieger mit einer Verspätung von über 25 Stunden abflog. Auf Grund der Tatsache, dass die ausführende Airline, der Abflughafen, die Crew und die Flugzeit geändert wurden, würde auch ich von einer Annullierung ausgehen.
„(1) 1Wird auf diesen Artikel Bezug genommen, so erhalten die Fluggäste Ausgleichszahlungen in folgender Höhe:
Die Entfernung Ihres Abflugs-und Ankunftsflughafens übersteigt die Anzahl von 3500 km erheblich. Demnach können sie einen Anspruch auf 600 Euro pro Person geltend machen.
Nachzuprüfen unter folgendem Link:
http://www.entfernung.org/santo%20domingo/deutschland
Dies wäre dann der Fall, wenn für die Verzögerung ein außergewöhnlicher Umstand verantwortlich war, welchen die Fluggesellschaft auch dann nicht hätte vermeiden können, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären.
In Ihrem Fall wird auf die Crew Rest Time und die Wetterbedingungen verwiesen. Zunächst müsste die Airline den außergewöhnlichen Umstand darlegen und nachweisen:
Des Weiteren müssten die genannten Umstände außergewöhnlich sein. Ein außergewöhnlicher Umstand kann im Allgemeinen immer dann angenommen werden, wenn ein Vorkommnis nicht dem gewöhnlichen Lauf der Dinge entspricht, sondern sich außerhalb dessen bewegt, was üblicherweise mit dem Ablauf der Personenbeförderung im Luftverkehr verbunden ist oder verbunden sein kann. Dies ist bezüglich der Crew Rest Time abzulehnen. Diese Einhaltung ist gesetzlich geregelt und gehört zum Alltag des Flugbetriebes. Daher ist ein außergewöhnlicher Umstand hier abzulehnen. Schwerste Wetterbedingungen können unter bestimmten Umständen einen außergewöhnlichen Umstand darstellen.
Außergewöhnlich waren beispielsweise die Flugverbote aufgrund des Ausbruchs des Vulkans Eyjafjallajökull in Island im Jahr 2010.
Vgl. EuGH, Urteil vom 31.01.2013, Az. C 12/11 (ganz einfach zu finden, wenn Sie bei Google „Reise-Recht-Wiki EuGH C 12/11“ eingeben)
Hier hat der EuGH entschieden, dass die Schließung eines Teils des europäischen Luftraums nach Vulkanausbruch einen außergewöhnlichen Umstand im Sinne der Fluggastrechte Verordnung darstellt.
Des Weiteren kann auch ein Blitzschlag einen außergewöhnlichen Umstand darstellen.
AG Erding, Urteil vom 23.07.2012, Aktenzeichen 3 C 719/12 (auch einfach zu finden unter „Reise-Recht-Wiki AG Erding 3 C 719/12“)
Auch eine Nebelbildung am Zielflughafen kann einen außergewöhnlichen Umstand begründen.
Vgl. OLG Koblenz, Urteil vom 11. Januar 2008, Az. 10 U 385/0 (Das Urteil kann man wieder ganz einfach finden unter „OLG Koblenz Az. 10 U 385/0 reise-recht-wiki")
Hier konnte wegen Nebel der Zielflughafen nicht angeflogen werden. Die Klägerin konnte keine Ausgleichszahlungen verlangen, da ein außergewöhnlicher Umstand bejaht wurde.
Die Fluggesellschaft könnte wegen schlechter Wetterbedingungen also tatsächlich von Ausgleichszahlungen befreit sein. Dies hängt jedoch maßgeblich von den tatsächlichen Wetterverhältnissen im Einzelfall ab und muss daher, mangels genauer Angaben, zunächst offen bleiben.
Betrachtet man diese Urteile und vergleicht sie mit Ihrem Fall, lässt es meiner Ansicht nach den Schluss zu, dass ein außergewöhnlicher Umstand zu verneinen wäre. Die Fluggesellschaft hat weder präzise geschildert, inwiefern der außergewöhnliche Umstand nicht vermeidbar gewesen wäre, noch hat sie diesen nachgewiesen. Zudem wurde die Verspätung durch die Wetterbedingungen nur vergrößert. Es wäre jedoch auch bei guten Wetter zu einer Verspätung gekommen, welche auf der Crew Rest Time beruhte. Mithin ist ein Anspruch auf Ausgleichszahlung gemäß Art. 7 Abs. 1 VO meiner Meinung nach zu bejahen.
weiter gehts im nächsten Post...
Beantwortet 16, Mai 2016 von Kaktum (4,860 Punkte)
Bearbeitet 16, Mai 2016 von Kaktum
... die Fortsetzung...
Falls sich die Fluggesellschaft weigern sollte ihren Forderungen zu entsprechen, könnte ein anwaltlicher Rat sinnvoll sein. Oftmals besteht eine gewisse Abneigung tatsächlich einen Anwalt aufzusuchen, da dies mit finanziellen Kosten und einem nicht unbeachtlichen Zeitaufwand verbunden wird. Wenn Sie sich jedoch an einen spezialisierten Advokaten wenden, ist der Zeitaufwand kleiner als gedacht und bezüglich der finanziellen Hemmschwelle könnte folgendes Urteil interessant sein:
AG Frankfurt a.M., Urteil vom 10.05.2010, Az 31 C 2339/10(74) (zu finden über die Google-Suche „31 C 2339/10 (74) reise-recht-wiki“)
Hier hat das Gericht entschieden, dass die Anwaltskosten eines Passagiers im Streit mit einer Airline dann ersetzt werden müssen, wenn klar wird, dass der Passagier sein Recht andernfalls nicht durchsetzen kann. Dies ist etwa dann der Fall, wenn eine Airline eine Zahlung entweder endgültig verweigert oder sich nur auf einen Fluggutschein einlassen will.
Ich hoffe ich konnte Ihnen etwas weiterhelfen. Bitte beachten Sie, dass ich hier lediglich meine persönlichen Ansichten mit Ihnen geteilt habe und dies keinen Rechtsrat darstellen soll.
Sehr geehrte(r) Frau/Herr Kreittner,
Aus Ihrer Beschreibung kommt es nicht eindeutig hervor, ob Sie bei der erwähnten Fluggesellschaft nur einen Flug gebucht haben, oder ob der Flug im Rahmen einer Pauschalreise stattfand. Beide Möglichkeiten sind denkbar, deswegen muss auf beide eingegangen werden.
Sollten Sie den Flug unabhängig von anderen Reiseleistungen gebucht haben, so ist die ausführende Fluggesellschaft der alleinige Anspruchsgegner für Sie (Vgl. LG Köln, Urt. v. 4. November 2008, Az. 11 S 506/07).
Sie schreiben aber, dass der Rückflug tatsächlich von einer anderen Fluggesellschaft durchgeführt wurde. Das würde bedeuten, dass Ihr erster Flug annulliert wurde. Es wäre wichtig zu wissen, wann diese Annullierung stattfand, denn der zweite Abflug wand ebenfalls verspätet statt. Theoretisch könnten Sie sowohl die Eurowings wegen der Flugannullierung, als auch die Euroatlantic wegen Verspätung in Anspruch nehmen, sofern diese aufgrund von flugwidrigen Wetterbedingungen von der Zahlungspflicht nicht befreit ist. Ich bin mir aber diesbezüglich nicht sicher; um das korrekter beurteilen zu können, müsste man mehr Erfahrung und Detailkenntnis in Ihrem bestimmten Fall haben.
Mit größerer Sicherheit lässt sich hingegen sagen, dass Sie wegen der Flugannullierung gem. Art. 5, Abs. 1, li. c) Verordnung 261/2004 i. V. m. Art. 7, Abs. 1, li. c) VO 261/2004 einen Anspruch auf 600,- Euro pro Person haben können.
Die Fluggesellschaft kann sich voraussichtlich nicht wegen außergewöhnlicher Umstände nach Art. 5, Abs. 3 VO 261/2004 entlasten. Die Überschreitung der zulässigen Dienstzeit der Crew stellt regelmäßig keinen außergewöhnlichen Umstand dar, da solche Ereignisse direkt im Einflussbereich der Fluggesellschaft liegen und wohl kaum unvorhersehbar sind. Darüber hinaus muss die Fluggesellschaft nachweisen, dass die Verspätung nicht zu vermeiden war.
Den Aufpreis, den Sie für bessere Sitze gezahlt haben, muss die Fluggesellschaft zurückerstatten.
Sollten Sie eine Bündelung von Reiseleistungen inklusive Flug gebucht haben, so bezeichnet man solche negative Abweichungen von den vereinbarten Leistungen als Reisemängel. Man unterscheidet jedoch zwischen Reisemängeln und „bloßen Unannehmlichkeiten“. Letztere sind zwar auch Änderungen oder Abweichungen von den ursprünglichen Vereinbarungen, dessen Auswirkung auf den Erholungswert der Reise jedoch zu gering ist, um eine Reisepreisminderung zu verlangen.
In Ihrem Fall könnte man voraussichtlich Folgendes mindestens zu Unannehmlichkeiten zählen, die meiner Meinung nach auch sehr wahrscheinlich Reisemängel sind:
Annullierung des ersten Fluges
Fahrten zwischen mehreren Hotels und dadurch Wegfall der Nachtruhe
Verspätung des Zweitfluges
Änderung der Fluggesellschaft mit Wegfall der gebuchten Zusatzleistungen
Wegen dieser Mängel könnten Sie den Reisepreis pro Person mindern. Die genaue Höhe lässt sich im Rahmen dieser Bewertung nicht voraussagen, da zum einen weitere Details notwendig sind, zum anderen die Gerichte das unterschiedlich beurteilen. Sollten die Mängel so schwerwiegend sein, dass der gesamte Erholungseffekt der Reise erheblich beeinträchtigt wurde oder komplett wegfiel, wäre eine Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit möglich (m. E. Insbesondere bei kurzen Reisen und vergleichbaren Mängeln denkbar). Die erste Orientierung stellt die Frankfurter Tabelle dar.
Bei einer Pauschalreise haben Sie daran zu denken, dass Sie gem. § 651g, Abs. 1 BGB die Mängel innerhalb eines Monats nach Beendigung der Reise beim Reiseveranstalter schriftlich melden müssen (Vgl. BGH, Urt. v. 09. Juni 2009, Az. Xa ZR 99/06).
(3) Reisepreisminderung + Ausgleichszahlung
Es ist prinzipiell möglich, sowohl die Fluggesellschaft auf/wegen der Flugannullierung als auch den Reiseveranstalter auf/wegen Reisepreisminderung in Anspruch zu nehmen. Wie sich das genau gestaltet wurde in den ersten beiden Beiträgen zu dieser Frage bereits ausführlich beschrieben.
Beantwortet 16, Mai 2016 von pulang ambon (5,020 Punkte)
Hallo M. Kreittner,
zunächst einmal stimme ich den ausführlichen Beiträgen den anderen Forum Mitgliedern zu. Ergänzend möchte ich noch kurz auf das Reisevertragsrecht des BGB´s eingehen. Eine Reise in die Dominikanische Republik buchen viele Urlauber nicht separat, sondern als Pauschalreise. Falls dies auch bei Ihnen der Fall war, könnte sich neben dem Anspruch aus der Fluggastrechte Verordnung noch ein Anspruch auf Reisepreisminderung gemäß § 651 d BGB ergeben. Dies verlangt, dass Sie eine Pauschalreise gebucht haben, welche mit einem Reisemangel behaftet war. Dieser Mangel hätte unverzüglich angezeigt worden sein müssen und eine Abhilfe verlangt worden sein.
Zunächst müsste ein wirksamer Reisevertrag gemäß § 651 a BGB bestehen. Gegenstand des Reisevertrages ist die Reise, die durch § 651 a Abs. 1 BGB als 'Gesamtheit von Reiseleistungen' definiert wird. Gemeint ist damit die sogenannte Pauschalreise des modernen Tourismus, die aus einem 'Leistungspaket' zu bestehen pflegt. Es handelt sich um mindestens zwei Reiseleistungen, wobei keine dieser Leistungen nur untergeordneten Charakter haben darf. Falls Sie dies bejahen können, dürfte es jetzt interessant werden, falls nicht können Sie den Rest getrost ignorieren.
Des Weiteren müsste der Reisevertrag mangelbehaftet sein. Die wesentliche Pflicht des Reiseveranstalters besteht darin, die Reise so zu erbringen, dass sie die zugesicherten Eigenschaften besitzt und nicht mit Mängeln behaftet ist (§651c Abs. 1 BGB). Ein Reisemangel im Sinne von § 651 c BGB liegt demnach vor, wenn eine wesentliche Reiseleistung einen Fehler aufweist oder nicht die zugesicherten Eigenschaften enthält. Eine Flugbeförderung stellt eine wesentliche Reiseleistung dar, deren Abweichungen unter Umständen zu einer Reisepreisminderung führen oder andere Ansprüche begründen können. Dies wird darauf zurückgeführt, dass der Transport in der Regel einen der wichtigen Bestandteile eines Pauschalreisevertrages ausmacht. In Ihrem Fall kann sowohl die verspätete Ankunft, als auch die Zustände an Bord, als auch der Transport zum Flughafen einen Reisemangel darstellen. Die Zusammenkunft aller Umstände hat meiner Ansicht nach desaströse Ausmaße, sodass ich das Vorliegen eines Reisemangels zweifellos bejahen würde.
Hier ein zwei Beispiele aus der Praxis, welche Ihrem Fall ähneln:
Aufgrund der von Ihnen genannten Umstände und der Vergleichbarkeit mit den Urteilen ist das Vorliegen eines Reisemangels meiner Ansicht nach zu bejahen.
Es ist davon auszugehen, dass auch diese Voraussetzungen zu bejahen sind, da Sie sich in einer Art Zwangslage befanden, in welcher Ihnen weder eine Mängelanzeige, noch ein Abhilfeverlangen weitergeholfen hätte.
V. Anrechnung
Wichtig ist, dass etwaige Ansprüche erst gegenüber dem Reiseveranstalter und erst danach gegenüber der Fluggesellschaft geltend gemacht werden sollten, da dies zu erheblichen finanziellen Vorteilen führen kann. Laut der Rechtsprechung, kann sich der Reiseveranstalter Ausgleichzahlungen der Fluggesellschaften anrechnen lassen, nicht jedoch umgekehrt. Das bedeutet also, dass Sie von jedem eine Zahlung fordern können, was natürlich einen erheblichen finanziellen Vorteil bedeuten kann.
Folglich sollten etwaige Ansprüche immer erst gegenüber des Reiseveranstalters und erst im Anschluss gegenüber der Fluggesellschaft geltend gemacht werden.
Beantwortet 16, Mai 2016 von Kylie (9,480 Punkte)
Bearbeitet 16, Mai 2016 von Kylie