Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/verlaengerung-einer-bereits-abgelaufenen-begruendungsfrist-3122952
Timestamp: 2020-08-07 21:47:58
Document Index: 381602694

Matched Legal Cases: ['§ 114', '§ 112', '§ 236', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 117', '§ 522']

Verlängerung einer bereits abgelaufenen Begründungsfrist | Rechtslupe
Verlängerung einer bereits abgelaufenen Begründungsfrist
Ver­län­ge­rung einer bereits abge­lau­fe­nen Begrün­dungs­frist
Die Ver­län­ge­rung der Frist zur Begrün­dung eines Rechts­mit­tels durch den Vor­sit­zen­den des Rechts­mit­tel­ge­richts ist nicht wirk­sam, wenn im Zeit­punkt des Ein­gangs des Ver­län­ge­rungs­an­trags die Frist zur Rechts­mit­tel­be­grün­dung bereits abge­lau­fen war [1].
Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist bei der Prü­fung, ob eine feh­ler­haf­te Frist­ver­län­ge­rung wirk­sam ist, in ers­ter Linie auf den all­ge­mei­nen Grund­satz der Wirk­sam­keit ver­fah­rens­feh­ler­haf­ter gericht­li­cher Ent­schei­dun­gen sowie ins­be­son­de­re auf den Gesichts­punkt des Ver­trau­ens­schut­zes abzu­stel­len. Danach darf der Ver­fah­rens­be­tei­lig­te, dem eine bean­trag­te Ver­län­ge­rung der Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­frist gewährt wor­den ist, grund­sätz­lich dar­auf ver­trau­en, dass die betref­fen­de rich­ter­li­che Ver­fü­gung wirk­sam ist. Gren­zen erge­ben sich aller­dings aus dem Gebot der Rechts­si­cher­heit und der Rechts­klar­heit [2].
Ver­län­gert der Vor­sit­zen­de die Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­frist auf­grund eines vor deren Ablauf gestell­ten Antrags, ist sei­ne Ver­fü­gung auch dann wirk­sam, wenn der Ver­län­ge­rungs­an­trag ver­fah­rens­recht­lich nicht wirk­sam gestellt wor­den ist [3].
Dem­ge­gen­über ist die Ver­län­ge­rung der Frist zur Begrün­dung eines Rechts­mit­tels durch den Vor­sit­zen­den des Rechts­mit­tel­ge­richts nicht wirk­sam, wenn im Zeit­punkt des Ein­gangs des Ver­län­ge­rungs­an­trags die Frist zur Rechts­mit­tel­be­grün­dung bereits abge­lau­fen war [4].
Nach die­sen Grund­sät­zen war im hier ent­schie­de­nen Fall die dem Antrag­stel­ler gewähr­te Frist­ver­län­ge­rung nicht wirk­sam, weil sie erst auf den nach Frist­ab­lauf ein­ge­gan­ge­nen, ent­spre­chend § 114 Abs. 1 FamFG vom Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten des Antrag­stel­lers unter­zeich­ne­ten Antrag hin erfolgt ist. Auf den am 6.07.2016, dem letz­ten Tag der Frist, beim Ober­lan­des­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen, von der nicht pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Rechts­fach­wir­tin unter­schrie­be­nen Ver­län­ge­rungs­an­trag ist die Beschwer­de­be­grün­dungs­frist hin­ge­gen nicht ver­län­gert wor­den. Viel­mehr hat das Ober­lan­des­ge­richt den Antrag­stel­ler aus­drück­lich auf die Unwirk­sam­keit die­ses Gesuchs hin­ge­wie­sen und die Frist­ver­län­ge­rung erst auf den – ver­spä­te­ten – Antrag des Rechts­an­walts gewährt.
Dabei kommt es nicht dar­auf an, wann der Antrag­stel­ler­ver­tre­ter Kennt­nis von dem Hin­weis erhal­ten hat. Denn die ver­stri­che­ne Beschwer­de­be­grün­dungs­frist war unab­hän­gig von Ver­trau­ens­ge­sichts­punk­ten kei­ner Ver­län­ge­rung zugäng­lich. Bedeu­tung könn­ten sol­che allen­falls im Rah­men einer Wie­der­ein­set­zung erlan­gen, die der Antrag­stel­ler aber nicht bean­tragt hat und deren amts­we­gi­ge Gewäh­rung schon man­gels Nach­ho­lung der ver­säum­ten Ver­fah­rens­hand­lung nicht in Betracht kam (§§ 112 Nr. 3, 117 Abs. 1 Satz 1 und 2 FamFG, § 236 Abs. 2 Satz 2 Halb­satz 2 ZPO).
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. März 2017 – XII ZB 576/​16
im Anschluss an BGH, Beschluss vom 09.11.2005 – XII ZB 140/​05 , FamRZ 2006, 190; und vom 24.01.1996 – XII ZB 184/​95 , FamRZ 1996, 543; BGHZ 116, 377 = NJW 1992, 842 und BGH Beschluss vom 12.02.2009 – VII ZB 76/​07 , NJW 2009, 1149[↩]
vgl. BGH Beschluss vom 19.07.2016 – II ZB 3/​16 , NJW-RR 2016, 1529 Rn. 14 mwN[↩]
vgl. etwa BGH Beschlüs­se vom 18.11.2003 – VIII ZB 37/​03 , NJW 2004, 1460 f. mwN; und vom 08.10.1998 – VII ZB 21/​98 , NJW-RR 1999, 286, 287; BFH DB 2015, 2553 Rn. 17 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 09.11.2005 – XII ZB 140/​05 , FamRZ 2006, 190, 191; und vom 24.01.1996 – XII ZB 184/​95 , FamRZ 1996, 543, 544; BGHZ 116, 377 = NJW 1992, 842 und BGH Beschluss vom 12.02.2009 – VII ZB 76/​07 , NJW 2009, 1149 Rn. 13; Keidel/​Weber FamFG 19. Aufl. § 117 Rn. 36[↩]
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