Source: https://www.verbraucherbote.de/die-unionsrechtswidrige-muster-widerrufsbelehrung-beim-gebrauchtwagenkauf-63826
Timestamp: 2020-07-14 17:12:48
Document Index: 298662127

Matched Legal Cases: ['§ 358', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', '§ 492', 'Art. 247', '§ 6']

Bei dem Dar­le­hens­ver­trag und den bei­den Raten­schutz­ver­si­che­run­gen han­delt es sich um ver­bun­de­ne Ver­trä­ge nach § 358 Abs. 3 Satz 1 BGB 2. Das Dar­le­hen dien­te (teil­wei­se) der Finan­zie­rung der bei­den Raten­schutz­ver­si­che­run­gen. Sie bil­de­ten auch eine wirt­schaft­li­che Ein­heit. Das Dar­le­hen war zweck­ge­bun­den, indem der Dar­le­hens­ver­trag sei­ne Ver­wen­dung zur Bezah­lung der Prä­mi­en der am sel­ben Tag abge­schlos­se­nen Raten­schutz­ver­si­che­run­gen vor­sah. Dadurch wur­de dem Käu­fer die freie Ver­fü­gungs­be­fug­nis über die­sen Teil der Dar­le­hens­va­lu­ta genom­men. Im Dar­le­hens­ver­trag wur­den die Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge selb­stän­dig neben dem Net­to­kre­dit aus­ge­wie­sen.
Eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung des Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 3 EGBGB aF über­schrit­te indes ent­ge­gen sei­nem ein­deu­ti­gen Wort­laut, sei­nem Sinn und Zweck und der Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te die Befug­nis der Gerich­te. Die durch das Gesetz zur Ein­füh­rung einer Mus­ter­wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on für Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­ge, zur Ände­rung der Vor­schrif­ten über das Wider­rufs­recht bei Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen und zur Ände­rung des Dar­le­hens­ver­mitt­lungs­rechts vom 24.07.2010 14 in Art. 247 § 6 Abs. 2 EGBGB ein­ge­füg­te Gesetz­lich­keits­fik­ti­on trug der Ent­schlie­ßung des Deut­schen Bun­des­ta­ges im Rah­men der Beschluss­fas­sung zum Gesetz zur Umset­zung der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie, des zivil­recht­li­chen Teils der Zah­lungs­dienst­e­richt­li­nie sowie zur Neu­ord­nung der Vor­schrif­ten über das Wider­rufsund Rück­ga­be­recht 15 Rech­nung. Mit die­ser Ent­schlie­ßung hat­te der Deut­sche Bun­des­tag die Bun­des­re­gie­rung unter ande­rem auf­ge­for­dert, zu Beginn der 17. Legis­la­tur­pe­ri­ode einen Gesetz­ent­wurf mit einem Mus­ter für eine Infor­ma­ti­on über das Wider­rufs­recht bei Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trä­gen mit Gesetz­lich­keits­fik­ti­on in das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ein­zu­brin­gen. Durch die gesetz­li­che Rege­lung im EGBGB und die Schaf­fung eines (fakul­ta­ti­ven) Mus­ters soll­te Rechts­klar­heit und Rechts­si­cher­heit bei den Anwen­dern erzeugt und der Rechts­ver­kehr ver­ein­facht wer­den 6. Die­ses gesetz­ge­be­ri­sche Ziel wür­de ver­fehlt, wür­de man der Ver­wen­dung des Mus­ters die Gesetz­lich­keits­fik­ti­on abspre­chen, weil etwa der Ver­weis in der Wider­rufs­in­for­ma­ti­on auf § 492 Abs. 2 BGB in Kom­bi­na­ti­on mit der bei­spiel­haf­ten Auf­zäh­lung von Pflicht­an­ga­ben nach Art. 247 § 6 EGBGB nach dem Urteil des Gerichts­hofs vom 26.03.2020 7 nicht richt­li­ni­en­kon­form ist.