Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BStBl%20II%202001,%20381
Timestamp: 2019-10-17 12:01:48
Document Index: 16910982

Matched Legal Cases: ['§ 119', '§ 124', '§ 125', '§ 162', '§ 182', '§ 183', '§ 17', '§ 18', '§ 119', 'in dubio', '§ 125', '§ 162', '§ 79']

https://dejure.org/2000,140
BFH, 20.12.2000 - I R 50/00 (https://dejure.org/2000,140)
BFH, Entscheidung vom 20.12.2000 - I R 50/00 (https://dejure.org/2000,140)
BFH, Entscheidung vom 20. Dezember 2000 - I R 50/00 (https://dejure.org/2000,140)
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AO 1977 § 119 Abs. 1, § 124, § 125 Abs. 1, § 162 Abs. 1, § 182 Abs. 1, § 183 Abs. 1 Satz 1; AStG § 17 Abs. 2, § 18
Adressierung - Bekanntgabe - Feststellungsbescheid - Schätzungsfehler - Besteuerungsgrundlage - Rechtswidrigkeit - Nichtigkeit - Schätzungsbescheid
§§ 119, 124, 125, 162, 182, 183 AO
Schätzung; ausnahmsweise Nichtigkeit eines Schätzungsbescheids bei willkürlicher Schätzung
Kurznachricht zu "Wann ist ein Schätzungsergebnis nichtig? - Zur schwierigen Frage, ob ein Schätzungsbescheid nichtig oder nur rechtswidrig ist" von RA Prof. Dr. Arnold Müller, original erschienen in: AO-StB 2010, 240 - 243.
BFH, 28.06.2000 - I R 50/00
BFHE 194, 1
NVwZ 2001, 1326
BB 2001, 1020
DB 2001, 1130
BStBl II 2001, 381
Allerdings schließt es die Geltung des Grundsatzes "in dubio pro reo" hierbei aus, die Schätzung der hinterzogenen Steuern entsprechend den allgemeinen Grundsätzen im Falle der Verletzung von Mitwirkungspflichten im Besteuerungsverfahren an der oberen Grenze des für den Einzelfall zu beachtenden Schätzrahmens auszurichten (vgl. zu Letzterem BFH-Urteil vom 20. Dezember 2000 I R 50/00, BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381).
Ausnahmsweise kann eine fehlerhafte Schätzung die Nichtigkeit des auf ihr beruhenden Verwaltungsakts zur Folge haben, wenn sich das FA nicht an den wahrscheinlichen Besteuerungsgrundlagen orientiert, sondern bewusst zum Nachteil des Steuerpflichtigen geschätzt hat (…Senatsurteil vom 15. Mai 2002 X R 33/99, BFH/NV 2002, 1415; BFH-Urteile vom 26. April 2006 II R 58/04, BFHE 213, 207, BStBl II 2006, 793; vom 7. Februar 2002 VI R 80/00, BFHE 197, 554, BStBl II 2002, 438; vom 20. Dezember 2000 I R 50/00, BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381, jeweils m.w.N.).
Nichtigkeit ist selbst bei groben Schätzungsfehlern, die auf der Verkennung der tatsächlichen Gegebenheiten oder der wirtschaftlichen Zusammenhänge beruhen, regelmäßig nicht anzunehmen (BFH-Urteil in BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381).
Auch wenn das Schätzungsergebnis trotz vorhandener Möglichkeiten, den Sachverhalt aufzuklären und Schätzungsgrundlagen zu ermitteln, krass von den tatsächlichen Gegebenheiten abweicht und in keiner Weise erkennbar ist, dass überhaupt und ggf. welche Schätzungserwägungen angestellt wurden, wenn somit ein "objektiv willkürlicher" Hoheitsakt vorliegt, ist Nichtigkeit i.S. von § 125 Abs. 1 AO gegeben (BFH-Urteil in BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381).
Die Schätzung darf nicht dazu verwendet werden, "die Steuererklärungspflichtverletzung zu sanktionieren und den Steuerpflichtigen zur Abgabe der Erklärungen anzuhalten" (BFH-Urteil in BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381); "Strafschätzungen" eher enteignungsgleichen Charakters gilt es zu vermeiden.
Ob diese Voraussetzung erfüllt ist, muss anhand der jeweiligen für das Verhalten der Behörde maßgebenden Rechtsvorschrift beurteilt werden (Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 20. Dezember 2000 I R 50/00, BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381, m.w.N.).
Es ist dann davon auszugehen, dass die Schätzung nicht mehr mit der Rechtsordnung und den diese Ordnung tragenden Prinzipien in Einklang steht, da das FA grundsätzlich gehalten ist, diejenigen Erkenntnismittel, deren Beschaffung und Verwertung ihm zumutbar und möglich gewesen wäre, auszuschöpfen (BFH-Urteil in BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381).
Die Schätzung darf nicht dazu verwendet werden, "die Steuererklärungspflichtverletzung zu sanktionieren und den Kläger zur Abgabe der Erklärungen anzuhalten" (BFH in BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381); "Strafschätzungen" eher enteignungsgleichen Charakters gilt es zu vermeiden.
Ausnahmsweise kann eine fehlerhafte Schätzung sogar die Nichtigkeit des auf ihr beruhenden Verwaltungsakts zur Folge haben, wenn sich das FA nicht an den wahrscheinlichen Besteuerungsgrundlagen orientiert, sondern bewusst zum Nachteil des Steuerpflichtigen geschätzt hat (BFH-Urteile vom 20. Dezember 2000 I R 50/00, BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381; vom 1. Oktober 1992 IV R 34/90, BFHE 169, 503, BStBl II 1993, 259).
Ob es sich so verhält, muss anhand der jeweils maßgebenden Rechtsvorschriften beurteilt werden (BFH-Urteile vom 20. Dezember 2000 I R 50/00, BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381, und vom 7. Februar 2002 VI R 80/00, BFHE 197, 554, BStBl II 2002, 438, je m.w.N.).
BFH, 15.05.2002 - X R 34/99
Ob diese Voraussetzung erfüllt ist, muss anhand der jeweiligen für das Verhalten der Behörde maßgebenden Rechtsvorschriften beurteilt werden (Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 20. Dezember 2000 I R 50/00, BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381, m.w.N.).
Soweit sich die Schätzung innerhalb des Rahmens bewegt, den der durch die Finanzbehörde unter Mitwirkung des Steuerpflichtigen festgestellte Sachverhalt vorgibt, ist sie nicht zu beanstanden (BFH-Urteil vom 1. Oktober 1992 IV R 34/90, BStBl II 1993, 259; BFH-Beschluss vom 1. Dezember 1998 III B 78/97; BFH-Urteil vom 20. Dezember 2000 I R 50/00, BStBl II 2001, 381; BFH-Urteil vom 28. Juli 2015 VIII R 2/09, BStBl II 2016, 447).
Insofern werden die Grenzen der Schätzung durch das Willkürverbot gezogen (BFH-Urteil vom 1. Oktober 1992 IV R 34/90, BStBl II 1993, 259; BFH-Urteil vom 20. Dezember 2000 I R 50/00, BStBl II 2001, 381;… vgl. zum Ganzen Seer in: Tipke/Kruse, AO/FGO, § 162 AO, Rn. 44 m.w.N., Stand Oktober 2017).
Denn als nichtig kann ein Verwaltungsakt allenfalls dann angesehen werden, wenn er an einem besonders schwerwiegenden Fehler leidet und dies außerdem bei verständiger Würdigung aller in Betracht kommenden Umstände offenkundig ist (vgl. dazu Senatsurteil vom 20. Dezember 2000 I R 50/00, BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381, Rz 19, m.w.N.).
Damit sind die Feststellungsbescheide dem Kläger gegenüber wirksam geworden (vgl. auch BFH-Urteil vom 20. Dezember 2000 I R 50/00, BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381, unter II.2.a).
Anders verhält es sich nur, wenn das Finanzamt bewusst und willkürlich zum Nachteil des Steuerpflichtigen schätzt (ständige Rechtsprechung des BFH, vgl. z.B. Beschlüsse vom 12. Dezember 2013 X B 205/12, Juris;… vom 16. Mai 2003 II B 50/02, BFH/NV 2003, 1150 …und vom 20. Oktober 2005 IV B 65/04, BFH/NV 2006, 240; Urteile vom 20. Dezember 2000 I R 50/00, BStBl. II 2001, 381 und vom 15. Mai 2002 X R 34/99, Juris).
Strafschätzungen gilt es zu vermeiden (vgl. dazu nur BFH-Urteile vom 1. Oktober 1992 IV R 34/90, BStBl. II 1993, 259; vom 20. Dezember 2000 I R 50/00, BStBl. II 2001, 381;… vom 15. Mai 2002 X R 34/99, juris und X R 33/99, BFH/NV 2002, 1415;… vom 17. Juni 2004 IV R 45/03, BFH/NV 2004, 1618;… siehe auch BFH-Beschluss vom 20. Oktober 2005 - IV B 65/04, BFH/NV 2006, 240).
BFH, 12.12.2013 - X B 205/12
Beweiskraft einer Zustellungsurkunde; Nichtigkeit eines Schätzungsbescheids
Bedarfswertfeststellung bei Übertragung mehrerer Miteigentumsanteile; Einlegung …
FG Niedersachsen, 07.05.2013 - 6 K 392/12
Keine Nichtigkeit von Schätzungsbescheiden
FG Niedersachsen, 13.12.2005 - 13 K 427/05
BFH, 17.06.2004 - IV R 45/03
BFH, 13.07.2010 - V B 121/09
Nichtzulassungsbeschwerde - Beweiskraft der Buchführung - Schätzung von …
BFH, 20.10.2005 - IV B 65/04
FG Niedersachsen, 10.05.2016 - 8 K 175/15
Ges. Feststellung von Besteuerungsgrundlagen 2006 - 2012
BFH, 30.07.2003 - X B 152/02
BFH, 30.08.2007 - II B 90/06
Gradueller Unterschied zwischen einem besonders schwerwiegenden Fehler i.S. des § …
BFH, 24.03.2014 - X S 4/14
Ablehnung von PKH wegen Mutwillens nach der seit 1. Januar 2014 geltenden …
BFH, 03.08.2005 - I B 20/05
FG Hamburg, 08.06.2006 - 3 K 344/04
Hinzuschätzungen bei Einkünften aus Kapitalvermögen
BFH, 07.01.2002 - III B 61/01
FG München, 14.03.2005 - 10 K 1418/02
Ausnahmsweise Nichtigkeit eines Schätzungsbescheides bei willkürlicher Schätzung; …
BFH, 08.06.2004 - XI B 97/02
Unzureichende Sachaufklärungspflicht - unterlassene Zuziehung von Akten; …
BFH, 11.02.2009 - X B 206/08
BFH, 31.05.2005 - IX B 1/05
FG Hamburg, 24.07.2001 - VI 283/99
BFH, 14.11.2003 - V B 57/02
Unternehmereigenschaft einer GbR; Versagung des Vorsteuerabzugs für ein gemischt …
BFH, 29.07.2002 - XI B 219/01
FG Münster, 08.05.2012 - 1 K 602/09
Neue Tatsache bei nur rechnerisch geführter Kasse
FG Hamburg, 11.07.2008 - 8 K 44/08
Prozessrecht: Kostenentscheidung in Schätzungsfällen bei nachgereichter …
BFH, 22.09.2004 - III S 12/04
Nichtigkeit von Schätzungsbescheiden; Antrag auf PKH des nicht vertretenen Bf
FG Sachsen, 09.06.2010 - 8 K 43/10
Nichtigkeit eines geschätzten Einkommensteuerbescheids mit einer …
FG München, 09.12.2010 - 14 K 2836/09
Aufhebung von Schätzungsbescheiden
FG München, 23.09.2003 - 6 K 1779/02
Nichtigkeit von Steuerbescheiden bei Schätzung
FG München, 16.11.2018 - 7 K 1646/18
Einkommen, Bescheid, Feststellung, Gewerbesteuermessbetrag, Einspruch, …
FG Baden-Württemberg, 19.05.2008 - 6 K 526/07
Die Nichtbeifügung eines Vorbehalts der Nachprüfung bei einer …
FG Hamburg, 11.09.2006 - 2 V 124/06
Zusammenveranlagung zweier Unternehmer
FG München, 30.03.2007 - 14 K 2502/05
Rechtmäßigkeit der Ablehnung einer Aufhebung ergangener Schätzungsbescheide für …
FG Mecklenburg-Vorpommern, 26.05.2010 - 3 K 133/07
Schätzung der Besteuerungsgrundlagen und Ermittlungspflicht des Gerichts bei …
FG Saarland, 16.11.2001 - 1 K 167/01
Einspruchsverfristung eines Ausländers / ausreichende Fristsetzung nach § 79b …
FG Sachsen-Anhalt, 24.04.2003 - 2 K 212/98
Umsatzzuschätzung wegen nicht nachgewiesener Einlagen und nicht aufgeklärter …
FG Sachsen, 24.04.2003 - 2 K 212/98
Rechtswidrigkeit einer Schätzung des Finanzamts; Feststellung von Einlagen und …