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Timestamp: 2019-02-20 07:55:28
Document Index: 58630918

Matched Legal Cases: ['Art. 189', 'Art. 357', 'Art. 178', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 189', 'Art. 151', 'Art. 189', 'BGE', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'BGE', 'BGE', 'Art. 189', 'BGE', 'Art. 357', 'Art. 178', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 353', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 1', 'Art. 357', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'BGE', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 357', 'Art. 178', 'Art. 357', 'Art. 178', 'BGE', 'Art. 185', 'BGE', 'Art. 189', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'BGE', 'BGE', 'Art. 361', 'Art. 184', 'Art. 253', 'Art. 14', 'Art. 55', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 151', 'Art. 184', 'Art. 212', 'Art. 184', 'Art. 212', 'Art. 212', 'Art. 212', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 72', 'Art. 72', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 184', 'Art. 184', 'BGE', 'Art. 189', 'Art. 184', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 184', 'Art. 1', 'Art. 184', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 4', 'BGer', 'Art. 404', 'BGer', 'Art. 18', 'Art. 20', 'Art. 20', 'Art. 2', 'Art. 27', 'Art. 20', 'Art. 189', 'Art. 97', 'BGE', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 14', 'Art. 27', 'Art. 20', 'Art. 29', 'Art. 27', 'Art. 20', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 27', 'Art. 20', 'Art. 14', 'Art. 27', 'BGE', 'Art. 27', 'Art. 20', 'BGer', 'Art. 27', 'Art. 20', 'Art. 27', 'Art. 20', 'BGE', 'BGE', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 189', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 27', 'Art. 20', 'Art. 20', 'Art. 4', 'Art. 184', 'Art. 20', 'Art. 97', 'BGE', 'Art. 8', 'Art. 72', 'Art. 72', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 731', 'Art. 731', 'BGE', 'Art. 189', 'Art. 21', 'Art. 29', 'Art. 97', 'Art. 119', 'Art. 119', 'Art. 2', 'BGE', 'Art. 24', 'Art. 184', 'BGE', 'Art. 184', 'Art. 184', 'BGE', 'Art. 72', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 119', 'Art. 97', 'Art. 102', 'Art. 97', 'Art. 344', 'Art. 189', 'Art. 189', 'BGE', 'Art. 184', 'BGE', 'Art. 20', 'Art. 20', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 184', 'Art. 189', 'Art. 97', 'Art. 119', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 82', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 189', 'Art. 184', 'Art. 189', 'Art. 184', 'Art. 189', 'Art. 184', 'Art. 189', 'Art. 182', 'BGE']

«Schiedsgutachterklauseln» in M&A-Verträgen - National Academy of Distinguished Neutrals - Arbitration Newsstand - Powered by Lexology
Germany February 11 2019
GesKR4 2018
Dario Galli / Michael Kndig / Markus Vischer*
Schiedsgutachterklauseln in M&A-Vertrgen
Inhaltsbersicht I. Schiedsgutachterklauseln im Allgemeinen II. Schiedsgutachterklauseln in M&A-Vertrgen III. Definition der Schiedsgutachterklausel IV. Rechtsnatur von Schiedsgutachterklauseln in M&A-Vertrgen
1. Keine Schiedsgutachterklausel i.S.v. Art. 189 ZPO 2. Keine Schiedsklausel i.S.v. Art. 357 ZPO bzw. Art. 178 IPRG 3.Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln
i.S.v. Art. 184 Abs. 3 OR 3.1 Art. 184 Abs. 3 OR im Allgemeinen 3.2 Schiedsgutachterklauseln als A nwendungsfall von
Art. 184 Abs. 3 OR 3.3 Schiedsgutachterklauseln als
Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln 4. Konsequenzen der Qualifikation von Schiedsgutachter
klauseln als Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln i.S.v. Art. 184 Abs. 3 OR 4.1 Nichtanwendbarkeit von Art. 189 ZPO 4.2 Zustandekommen des M&A-Vertrags 4.3 Anwendbarkeit des allgemeinen Vertragsrechts auf
Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln 4.4 Zustandekommen, Auslegung und Lckenfllung der
Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln 4.5 Schranken fr Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln 4.6 Grundlagenirrtum, absichtliche Tuschung etc.
bei Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln 4.7 Abwicklungsprobleme bei Vertragspunkt-Bestimmungs-
klauseln 4.8 Im Einzelnen: Kognition des Richters in B ezug auf
Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln V. Wrdigung von Schiedsgutachterklauseln in M&A-Vertrgen
I.Schiedsgutachterklauseln im Allgemeinen
Viele Vertrge sehen vor, dass gewisse, von den Parteien im Vertrag einstweilen offengelassene Fragen spter endgltig von einem Dritten entschieden werden, wenn die Parteien sich nicht einigen knnen. Anzutreffen sind solche Klauseln etwa im Versicherungs- (z.B. Festlegung
*MLaw Dario Galli, MLaw Michael Kndig und Dr. iur. Markus Vischer, LL.M, sind Rechtsanwlte bei Walder Wyss AG, Zrich.
der Schadenshhe)1 oder im Baubereich (z.B. Geologie des Baugrunds, Mangelhaftigkeit oder Dauerhaftigkeit eines bestimmten Baustoffs).2
Solche Klauseln werden von den Parteien oft als Schiedsgutachterklauseln bezeichnet. Indem dieser Begriff in Anfhrungs- und Schlusszeichen gesetzt wird, wird angezeigt, dass es im vorliegenden Artikel darum geht, die Qualifikation solcher Klauseln kritisch zu hinterfragen.
II.Schiedsgutachterklauseln in M&A-Vertrgen
Anzutreffen sind solche Schiedsgutachterklauseln v.a. auch in M&A-Vertrgen,3 insbesondere in Unternehmenskaufvertrgen, und zwar unabhngig davon, ob diese nun einen Share oder Asset Deal bzw. Share oder Asset Purchase (Aktienkauf oder Aktiven- und Passiven-Kauf4) zum Gegenstand haben. Vereinbaren die Parteien in einem Unternehmenskaufvertrag z.B. eine Kaufpreisanpassung oder einen Earn Out,5 enthalten diese Vertrge i.d.R. eine Klausel, welche stipuliert, dass ein Dritter die Kaufpreisanpassung oder den Earn Out festlegt, wenn die Parteien
1 Tarkan Gksu, Schiedsgerichtsbarkeit, Zrich/St. Gallen 2014, Rz. 88.
2 Gksu (FN 1), Rz. 88. 3 Michael Schll, Rflexions sur l'expertise-arbitrage en droit
suisse, ASA 2006, 621646, 625. 4 Zu den Begriffen z.B. Arthur Meier-Hayoz/Peter Forstmo-
ser/Rolf Sethe, Schweizerisches Gesellschaftsrecht, 12. A., Bern 2018, 5 Rz. 19; Rudolf Tschni/Hans-Jakob Diem/Matthias Wolf, M&A-Transaktionen nach Schweizer Recht, 2. A., Zrich/ Basel/Genf 2013, 59 f., 83, 155 f.; Markus Vischer, Qualifikation des Geschftsbertragungsvertrages und anwendbare Sachgewhrleistungsbestimmungen, SZW 2003, 335340, 336. 5 Fr ein Beispiel eines Unternehmenskaufvertrags mit einer Kaufpreisanpassung: Urteil des Bundesgerichts 4A_428/2015 vom 1. Februar 2016; fr Beispiele eines Unternehmenskaufvertrags mit einem Earn Out: Urteil des Bundesgerichts 4A_401/2018 vom 2. November 2018; Urteil des Bundesgerichts 4A_536/2017 vom 3. Juli 2018; fr ein Beispiel eines Unternehmenskaufvertrags, in dem der Kaufpreis insgesamt und nicht nur ein Teil des Kaufpreises durch einen Dritten festgelegt wird: Urteil des Bundesgerichts 4A_307/2011 vom 16. Dezember 2011.
Dario Galli / Michael Kndig / Markus Vischer Schiedsgutachterklauseln in M&A-Vertrgen
GesKR 4 2018
sich nicht einigen knnen.6 Sehr selten sind Klauseln, welche die Festlegung nur einer Partei berlassen.7
Die meisten Kaufpreisanpassungsklauseln in Unternehmenskaufvertrgen sehen eine Kaufpreisanpassung nach dem Closing (Vollzug8) rckwirkend per Closing vor. Der gebruchlichste in diesen Klauseln verwendete Anpassungsmechanismus ist eine Anpassung gesttzt auf das am Closing vorhandene Net Debt (Nettoschulden) und/oder das am Closing vorhandene Net Working Capital (Nettoumlaufvermgen) des gekauften Unternehmens, also ein Net Debt Adjustment (Nettoschuldenausgleich) oder ein Net Working Capital Adjustment (Nettoumlaufvermgensausgleich).9 Zur Ermittlung der relevanten Parameter (wie Net Debt oder Net Working Capital) werden i.d.R. Closing Accounts (Jahresrechnung per Closing)10 des gekauften Unternehmens erstellt.11 Weiter wird i.d.R. festgehalten, dass ein Dritter definitiv ber die Kaufpreisanpassung entscheidet, wenn die Parteien sich nicht einigen knnen. Weil Kaufpreisanpassungsklauseln meist Know-how im Bereich der Buchhaltung voraussetzen, sind die von den Parteien bezeichneten Dritten oft Revisionsgesellschaften.12
Earn Out-Klauseln sind Klauseln, welche Kaufpreiszahlungen (bzw. im Ausnahmefall Kaufpreisrckzahlungen) aufgrund von nach dem Closing eintretenden bzw. nicht eintretenden Ereignissen vorsehen. Es handelt sich bei diesen Ereignissen rechtstechnisch um Bedingungen i.S.v. Art. 151 ff. OR. Entsprechend ist eine Earn Out-Klausel ein bedingtes Leistungsversprechen, nmlich das Versprechen, bei gewissen Ereignissen Kaufpreiszahlungen (bzw. Kaufpreisrckzahlungen) vorzu-
nehmen.13 Die gebruchlichsten Earn Out-Klauseln sehen Kaufpreiszahlungen abhngig von der zuknftigen wirtschaftlichen Leistung des gekauften Unternehmens vor. Diese Klauseln basieren entsprechend in der einen oder anderen Form auf gewissen zuknftigen Kennzahlen des gekauften Unternehmens, z.B. dem zuknftigen Umsatz oder dem zuknftigen Ertrag.14 Zur Festlegung der entsprechenden Parameter wird als Grundlage i.d.R. eine Jahresrechnung des gekauften Unternehmens vorgesehen. Weil Earn Out-Klauseln meist Know-how im Bereich der Buchhaltung voraussetzen, sind die von den Parteien bezeichneten Dritten wiederum oft Revisionsgesellschaften. Earn Out-Klauseln sind eine besondere Form von Kaufpreisanpassungsklauseln. Das ist nur dann nicht der Fall, wenn der ganze Kaufpreis aus einem Earn Out besteht, was jedoch selten vorkommt.15
Auch im Zusammenhang mit Unternehmenskaufvertrgen werden die beschriebenen Klauseln von den Parteien oft als Schiedsgutachterklauseln bezeichnet.
Seltener finden sich in Unternehmenskaufvertrgen Schiedsgutachterklauseln in Bezug auf die Feststellung von Mngeln.16
Schiedsgutachterklauseln finden sich aber nicht nur in Unternehmenskaufvertrgen, sondern hufig auch in Aktionrbindungsvertrgen17 und weiteren M&A-Vertrgen wie z.B. Investment-Agreements.
III. Definition der Schiedsgutachter klausel
6 Philip Carr/Markus Vischer, Sinn und Unsinn von Schiedsgutachten bei M&A-Streitigkeiten, dRSK vom 29. August 2016, Rz. 15, und Rudolf Tschni/Harold Frey/Dominique Mller, Streitigkeiten aus M&A-Transaktionen, Zrich/Basel/Genf 2013, Rz. 255 f., bezglich Kaufpreisanpassung.
7 S. dazu im Allgemeinen auch FN 93. 8 Zum Begriff z.B. Urs Schenker, Unternehmenskauf, Bern 2016,
256. 9 Z.B. Schenker (FN 8), 244 ff.; Tschni/Diem/Wolf (FN 4), 159 ff.;
Markus Vischer/Lucas Hnni, Lehren aus der M&A-Praxis fr den Immobilienkauf, AJP 2012, 613626, 618 f.; Markus Vischer, Schaden und Minderwert im Gewhrleistungsrecht beim Unternehmenskauf, SJZ 2010, 129141, 139; Louis Siegrist/Luise Kremer, Kaufpreisanpassungen bei Unternehmensakquisitionen, in: Oertle/ Wolf/Breitenstein/Diem (Hrsg.), M&A. Recht und Wirtschaft in der Praxis. Liber amicorum fr Rudolf Tschni, Zrich/St. Gallen 2010, 108 ff.; Hans-Jakob Diem/Stephan Erni, L ocked Box beim Unternehmenskauf, GesKR 3/2010, 354359, 354. 10 Auch Closing Balance Sheet genannt: Z.B. Tschni/Diem/Wolf (FN 4), 156, 160; Rolf Watter/Matthias Gstoehl, Preisanpassungsklauseln, in: Tschni (Hrsg.), Mergers & Acquisitions VI, Zrich/Basel/Genf 2004, 46. 11 Z.B. Schenker (FN 8), 242 f.; fr ein Beispiel: Urteil des Bundesgerichts 4A_428/2015 vom 1. Februar 2016. 12 Z.B. Schenker (FN 8), 248 f.; Tschni/Diem/Wolf (FN 4), 157; s. zur Motivation des speziellen Know-how der Dritten bei dessen Auswahl im Allgemeinen z.B. Tschni/Frey/Mller (FN 6), Rz. 264 ff.; Harold Frey/Dominique Mller, Preisanpassungsstreitigkeiten bei Unternehmenskufen, in: Oertle/Wolf/Breitenstein/Diem (Hrsg.), M&A. Recht und Wirtschaft in der Praxis. Liber amicorum fr Rudolf Tschni, Zrich/St. Gallen 2010, 208.
Art. 189 Abs. 1 und 3 ZPO definieren das Schiedsgutachten als verbindliche Feststellung streitiger Tatsachen durch einen Dritten.18 Eine Schiedsgutachterklausel ist demzufolge eine Klausel (also eine vertragliche Einigung),19 welche eine verbindliche Feststellung bestimmter streitiger Tatsachen durch einen Dritten in der Form eines Schiedsgutachtens vorsieht.
13 Zum Ganzen Markus Vischer, Earn out-Klauseln in Unternehmenskaufvertrgen, SJZ 2002, 509517, 509 ff.; auch Schenker (FN 8), 249 ff.
14 Z.B. Christoph Brunner/Dario Galli/Markus Vischer, Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Kaufvertragsrecht im Jahr 2017, Jusletter vom 24. September 2018, Rz. 6; Vischer (FN 13), 510 f.
15 Vischer (FN 13), 510. 16 Fr ein Beispiel einer Schiedsgutachterklausel betreffend Fest-
stellung von Mngeln, allerdings nicht in einem M&A-Vertrag: Urteil des Bundesgerichts 4A_105/2015 vom 1. Juni 2015. 17 Schll (FN 3), 624; fr Beispiele fr solche Klauseln in einem Aktionrbindungsvertrag: Urteil des Bundesgerichts 4A_611/2016 vom 20. Mrz 2017; BGE 141 III 274; Urteil des Bundesgerichts 4A_361/2012 vom 30. Oktober 2012. 18 BSK ZPO-Dolge, Art. 189 N 1; s. zur Funktion von Art. 189 ZPO als Richtschnur in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit z.B. BSK IPRG-Hochstrasser/Fuchs, Einl. 12. Kap. N 294a. 19 S. dazu Urteil des Bundesgerichts 4A_369/2011 vom 11. November 2011 E. 3.5.
426 Vor Inkrafttreten der Eidgenssischen ZPO am 1. Januar mente (Verschulden, Schaden)25 gemeint sein sollte, ist 2011 entsprach es verbreiteter, aber nicht unbestrittener dem zu entgegnen, dass es rechtliche Tatbestandselemen-
Rechtsauffassung, dass ein Schiedsgutachten nicht nur te nicht gibt. Tatbestandselemente sind immer nur Tatsa-
ber Tatsachen, sondern auch ber Rechtsfragen einge- chen, welche als Gegebenheiten der Sinneswelt zu defi-
holt werden knne.20 Ob sich ein Schiedsgutachten auch nieren sind, whrend Tatbestnde Bndel von Tatsachen
zu Rechtsfragen ussern kann, ist nach Inkrafttreten sind, an welche die Rechtsordnung Rechtswirkungen
der Eidgenssischen ZPO am 1. Januar 2011 noch um- knpft. Diese Rechtswirkungen liegen in der Begrn-
strittener.21 Der Wortlaut von Art. 189 Abs. 1 ZPO ist dung, nderung oder Aufhebung von Rechtsverhlt-
allerdings klar: Es werden nur Tatsachen, nicht aber auch nissen. Tatbestnde und Rechtsverhltnisse (und damit
Rechtsfragen erwhnt. Es muss deshalb davon ausgegan- auch Elemente von Tatbestnden und Rechtsverhltnis-
gen werden, dass sich ein Schiedsgutachten nur zu Tatsa- sen) sind im Unterschied zu Tatsachen Schpfungen der
chen ussern kann. Dafr spricht auch das systematische Rechtsordnung auf Anordnung dieser Rechtsordnung.26
Auslegungselement. Der Gesetzgeber regelt das Schieds- Wenn es keine rechtlichen Tatbestandselemente gibt, gibt
gutachten nmlich im 3. Kapitel (Beweismittel) bzw. im es auch keine rechtlichen Tatbestandselemente von un-
5. Abschnitt (Gutachten) der ZPO. Die Nichterwh- tergeordneter Bedeutung, zumal erneut offenbleibt, was
nung von Rechtsfragen in Art. 189 Abs. 1 ZPO ist daher unter rechtlichen Tatbestandselementen von unterge-
ein qualifiziertes Schweigen des Gesetzgebers.22
ordneter Bedeutung zu verstehen ist. Jedenfalls kann
Zudem bezieht sich die in Art. 189 Abs. 3 ZPO angeordnete Bindungswirkung nach dem expliziten Wortlaut dieser Bestimmung nur auf Tatsachen. Es bliebe folglich vllig unklar, wie es sich mit dieser Bindungswirkung verhalten wrde, wenn der Schiedsgutachter neben Tatauch Rechtsfragen beurteilt htte.
nicht gesagt werden, das Verschulden oder der Schaden seien in einem Rechtsverhltnis Elemente von untergeordneter Bedeutung. Letztlich verkennt die erwhnte Meinung, dass es das Verschulden, den Schaden, den Wert und den Mangel nicht per se, sondern nur auf Anordnung der Rechtsordnung bei Vorliegen bestimmter Tatsachen gibt.27 Alles andere ist ein Rckfall in die Be-
Entsprechend kann sich ein Schiedsgutachten nicht griffsjurisprudenz, soweit man damit die Rechtsgewin-
zu Rechtsfragen ussern und damit konsequenterwei- nung aus Begriffen meint.28 Denn es ist nicht so, dass die
se auch nicht zu Rechtsfragen von untergeordneter Begriffe Recht schaffen, sondern so, dass das Recht die
Bedeutung,23 zumal unklar ist, was unter Rechtsfragen Begriffe schafft.29
von untergeordneter Bedeutung zu verstehen ist.24 Soweit damit in Anknpfung an die Praxis zu 258 aZPO/ZH die Feststellung rechtlicher Tatbestandsele-
Echte Schiedsgutachterklauseln sind damit nur Klauseln, die eine verbindliche Feststellung von Tatsachen vorsehen. Das engt den Anwendungsbereich fr Schieds-
gutachten stark ein,30 ist aber wie ausgefhrt gesetzlich
durch Art. 189 ZPO vorgegeben.
20 Z.B. BGE 129 III 535 E. 2 S. 537; BGE 117 Ia 365 E. 5b S. 367 f. = Pra 1992 Nr. 153 S. 563; z.B. BSK ZPO-Dolge, Art. 189 N 12 m.w.H.;
Wollen die Parteien Rechtsfragen durch einen von den
Schll (FN 3), 626 ff. m.w.H.; s. auch bereits BGE 26 II 758 E. 2 S. 765: [...] eine Thatsache oder ein Element eines Rechtsverhltnisses dem arbitrium eines Dritten unterstellt [...]. 21 Carr/Vischer (FN 6), Rz 18.
staatlichen Gerichten unabhngigen Dritten beurteilt haben, so mssen sie mittels Schiedsvereinbarung bzw. Schiedsklausel i.S.v. Art. 357 ZPO bzw. Art. 178 IPRG
22 Z.B. BSK ZPO-Dolge, Art. 189 N 13; Alborz Tolou, La forfaitisation du dommage, Diss. Freiburg, Zrich/Basel/Genf 2017, 290 f.,
auf das Institut der Schiedsgerichtsbarkeit zurckgrei-
insb. Anm. 988 (= AISUF 372); DIKE Komm-ZPO-Mller,
Art. 189 N 16; DIKE Komm-ZPO-Stacher, Art. 353 N 6; Gk-
su (FN 1), Rz. 90; a.M. z.B. Frey/Mller (FN 12), 212 ff.; offen-
gelassen in der Rechtsprechung nach Inkrafttreten der ZPO: Z.B.
Urteil des Bundesgerichts 4A_296/2017 vom 30. November 2017 25 Richard Frank/Hans Struli/Georg Messmer, Kommentar
E. 1.2.2; BGE 141 III 201 E. 3.2.1 S. 205; Urteil des Bundesgerichts
zur zrcherischen Zivilprozessordnung, 3. A., Zrich 1997, 258
4A_254/2011 vom 5. Juli 2011 E. 4.1; unklarer BGE 141 III 274:
aZPO/ZH N 2; s. bereits BGE 26 II 758 E. 2 S. 765: [...] nicht den
Denn als Schiedsgutachtervertrag wird eine Vereinbarung be-
Rechtsstreit selbst, sondern nur eine Thatsache oder ein Element
zeichnet, mit der ein Dritter beauftragt wird, fr die Parteien eines
eines Rechtsverhltnisses dem arbitrium eines Dritten unterstellt
Rechtsverhltnisses verbindlich bestimmte tatschliche Feststel-
lungen zu treffen oder bestimmte Rechtsfragen zu beantworten 26 S. z.B. BSK ZGB II-Vischer, Art. 1 SchlT ZGB N 5 ff.
(E. 2.1 S. 276); Ein Schiedsgericht kann fr die Entscheidung einer 27 S. dazu Kapitel IV.1; zur Illustration der Gegenmeinung z.B. Max
bestimmten Streitigkeit eingesetzt werden (vgl. Art. 357 ZPO); mit
Guldener, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. A., Zrich 1979,
einem Schiedsurteil wird verbindlich ber streitige Ansprche der
598: Dem Schiedsgutachter kann die Aufgabe bertragen sein, den
Parteien entschieden, whrend ein Schiedsgutachten nach dem kla-
festgestellten Tatbestand unter Rechtsbegriffe zu subsumieren, z.B.
ren Wortlaut von Art. 189 Abs. 1 ZPO die Feststellung
unter den Begriff des Sachmangels oder des Schadens., was insinu-
Tatsachen> zum Gegenstand hat. Die systematische Einordnung im
iert, dass es frei ber konkreten Rechtsverhltnissen wie konkreten
Rahmen der Beweismittel zeigt denn auch, dass es beim Schiedsgut-
Vertrgen schwebende allgemein gltige Rechtsbegriffe gibt, was,
achten vorab um Tatsachenfeststellung geht. (E. 2.5 S. 279).
wie ausgefhrt, nicht der Fall ist.
23 A.M. z.B. BSK ZPO-Dolge, Art. 189 N 14, 40, 58; DIKE Komm- 28 Heinrich Honsell/Theo Mayer-Maly, Rechtswissenschaft,
ZPO-Mller, Art. 189 N 17.
7. A., Bern 2017, 162.
24 S. auch Thomas Rede/Reimer Hadenfeldt, Schweizerisches 29 Zur Ehrenrettung der Begriffsjurisprudenz neuerdings Joachim
Schiedsgerichtsrecht, 2. A., Zrich 1993, 22, welche von rechtli-
Rckert, Prinzipienjurisprudenz?!, recht 2017, 300312, 300 ff.
chen Vorfragen sprechen.
30 Z.B. Schll (FN 3), 628.
fen.31 Jedes andere Verstndnis von Art. 189 ZPO vermischt Schiedsgutachter- und Schiedsgerichtswesen.
IV. Rechtsnatur von Schiedsgutachterklauseln in M&A-Vertrgen
1. Keine Schiedsgutachterklausel i.S.v. Art. 189 ZPO
In den beschriebenen Schiedsgutachterklauseln in M&A-Vertrgen geht es i.d.R. nicht nur um die Feststellung von Tatsachen, sondern meist auch um die Beantwortung von Rechtsfragen. Diese Rechtsfragen beschlagen in aller Regel Fragen der Vertragsauslegung.32 So ist z.B. auszulegen, was die Parteien mit Begriffen wie Net Debt oder Net Working Capital (oder einzelnen Positionen, die zusammen Net Debt oder Net Working Capital ergeben, wie Cash [Barmittel] oder Long Term Interest Bearing Debt [langfristige zinstragende Verbindlichkeiten] etc.) gemeint haben. Auslegungsbedrftig knnen aber auch von den Parteien verwendete Begriffe wie Verkehrswert, Marktwert, Ertragswert, Substanzwert oder auch nur Wert (oder einzelnen Positionen, welche nach einer Formel oder anderswie zu einem Wert fhren, wie Cashflow, Umsatz, Ertrag, Diskontierungssatz, Multiple etc.) bzw. die entsprechenden Definitionen im M&AVertrag sein.33 Oder es stellen sich Auslegungsfragen in
31 So bereits Arthur Bachmann, Der Schiedsgutachter, Diss. Zrich 1948, 34: Im allgemeinen wird man sagen knnen, da die Entscheidungskompetenz des Schiedsgutachters nicht ber Tatfragen hinausreicht. Wenn schon die verbindliche Feststellung von Tatsachen durch die Gerichte anerkannt wird, darf man doch nicht so weit gehen, da dem Richter seine eigentliche Aufgabe, die auf Grund von Erfahrungsstzen festgestellten Tatsachen unter Rechtsstzen zu subsumieren, gekrzt wird. Denn die Prfung des gesetzmigen Verhaltens fllt allein in die richterliche oder schiedsgerichtliche Kompetenz..
32 Carr/Vischer (FN 6), Rz 19 f.; Frey/Mller (FN 12), 197, 212. 33 Carr/Vischer (FN 6), Rz. 20; s. auch Tobias Httche/Giorgio
Meier-Mazzucato, Anwaltsrevue 2018, 319324, 319, unter Hinweis auf Etienne Schn, Unternehmensbewertung im Gesellschafts- und Vertragsrecht, Diss. Zrich 2000, 237 ff. (= SSHW 196): Unternehmensbewertung ist auch eine Rechtsfrage; s. auch Schll (FN 3), 628, allerdings mit einer falschen Schlussfolgerung: En outre, cela reviendrait mconnatre le fait que lorsque l'expert-arbitre est appel dterminer [...], il exerce une activit impliquant forcment l'application de normes un tat de fait. La dtermination de la valeur relle d'actions peut en effet ncessiter l'application des dispositions contractuelles d'valuation ainsi que des directives contenues dans des manuels de comptabilit [...] ou encore de standards d'audit (tel que les GAAP); a.M. z.B. Nadja Erk, Streitbeilegungsmechanismen im Aktionrbindungsvertrag, REPRAX 2017, 146182, 154 f., nach der eine Wertbestimmung eine Tatfrage ist; gl.M. wie Erk z.B. BSK ZPO-Dolge, Art. 189 N 10 f.; s. auch Rolf Watter, Lessons learnt aus 20 Jahren M&A-Litigation, in: Tschni (Hrsg.), Mergers & Acquisitions XX, Zrich/Basel/Genf 2018, 12 f. zu den Abgrnden vermeintlicher klarer Begriffe wie Net Debt oder Project Losses; s. auch Urteil des Bundesgerichts 4A_86/2017 vom 7. Dezember 2017 E. 4, zum Begriff des (normalisierten) EBITDA im Zusammenhang mit der Bestimmung des Werts von Aktien und zur diesbezglich notwendigen Vertragsauslegung.
Bezug auf die Closing Accounts oder sonstige Jahresrechnungen inkl. fr anwendbar erklrte Rechnungslegungsregeln wie Swiss GAAP (OR), Swiss GAAP FER, IFRS oder US GAAP.34 Schliesslich knnen sich Auslegungsfragen auch betreffend das von den Parteien im M&A-Vertrag geregelte Verfahren, in dem die Closing Accounts oder sonstige Jahresrechnungen erstellt oder das Net Debt, das Net Working Capital oder ein Wert (oder einzelne Positionen davon) festgestellt werden sollen, ergeben.35 Oft geht es dabei indirekt auch um Gesetzesauslegung (z.B. im Zusammenhang mit der Erstellung der Closing Accounts oder von sonstigen Jahresrechnungen) oder um die Auslegung von Swiss GAAP und damit des OR, wenn die Parteien im M&A-Vertrag diese Rechnungslegungsregeln fr die Closing Accounts oder sonstige Jahresrechnungen fr anwendbar erklrt haben. Entgegen einer verbreiteten Meinung ist damit auch die Auslegung und Anwendung von Rechnungslegungsregeln keine Tat-, sondern eine Rechtsfrage, genauer eine Frage der Vertragsauslegung. Denn Rechnungslegungsregeln gelten fr einen M&A-Vertrag nicht per se, sondern nur qua vertraglicher Integration in den M&A-Vertrag durch bernahme. Es verhlt sich nicht anders als bei der SIA-Norm 118, ja bei Allgemeinen Geschftsbedingungen (AGB) berhaupt, die auch nicht per se, sondern nur nach Massgabe eines Vertrags infolge bernahme Gltigkeit haben36 und entsprechend wie Vertrge auszulegen sind.37
Erlutert werden kann die Unterscheidung von Tat- und Rechtsfrage auch am Beispiel des Mangels. Ob ein Mangel vorliegt oder nicht, ist nicht nur eine Tat-, sondern v.a. auch eine Rechtsfrage, d.h. in erster Linie eine Frage der Vertragsauslegung. Denn der Mangel im Kauf (und Werk- und Miet-)vertragsrecht ist das Fehlen einer vereinbarten Eigenschaft, d.h. eine Vertragsabweichung im Sinne einer negativen Abweichung der Ist- von der vertraglich vereinbarten Sollbeschaffenheit.38
Im Zusammenhang mit Art. 189 ZPO wird die Abgrenzung von Tat- und Rechtsfrage oft verkannt, auch von den Anhngern der auch hier vertretenen Meinung, dass ein Schiedsgutachten nach Art. 189 ZPO nur Tat- und nicht auch Rechtsfragen beschlagen kann.39 Das geht
34 Dazu im Allgemeinen z.B. Meier-Hayoz/Forstmoser/Sethe (FN 4), 8 Rz. 1 ff.
35 S. auch Watter (FN 33), 8 ff., zum rger mit Closing Balance Sheets etc.
36 Z.B. Urteil des Bundesgerichts 4A_106/2015 vom 27. Juli 2015 E. 5.1, bezglich SIA-Norm 118.
37 Z.B. BGE 135 III 1 E. 2 S. 6, bezglich AGB. 38 Z.B. Markus Vischer, Der Mangelbegriff im Kauf-, Miet- und
Werkvertragsrecht, recht 2015, 19, 1 ff.; Markus Vischer, Mngelrechte beim Kauf eines Stockwerkanteils, ZBGR 2015, 217228, 220. 39 Z.B. Gksu (FN 1), Rz. 88, welcher zu Unrecht folgende Fragen als Tatfragen qualifiziert: die Festlegung der Schadenshhe oder des Grads der Erwerbsfhigkeit im Versicherungsbereich, die Feststellung, ob eine Lieferung mangelhaft sei und welchen Minderwert sie gegebenenfalls hat, Bewertungsfragen etwa im Erbschafts-, Gesellschafts- oder Liegenschaftsrecht; richtig in Bezug auf Be-
428 letztlich auf die insgesamt verkannten Unterschiede auch wenn natrlich unter Umstnden beide Bezeichzwischen Tatsache, Tatbestand und Rechtsverhltnis zu- nungen als Teil einer pathologischen Schiedsklausel weg-
rck.40
diskutiert werden knnten.47
Die entsprechenden Schiedsgutachterklauseln in M&AVertrgen sind deshalb entgegen der fast einhelligen Lehre in aller Regel keine Schiedsgutachterklauseln i.S.v. Art. 189 ZPO,41 auch dann nicht, wenn sie die Parteien als solche bezeichnen. Denn eine falsche Qualifikation eines Vertrags bzw. einer Vertragsklausel ndert nichts an der Rechtsnatur des Vertrags bzw. der Vertragsklausel, gilt doch in Bezug auf die juristische Qualifikation von Vertrgen bzw. Vertragsklauseln der Grundsatz iura novit curia.42 Mit anderen Worten ist eine Klausel nicht deswegen eine Schiedsgutachterklausel i.S.v. Art. 189 ZPO, weil die Parteien sie als solche qualifizieren und evtl. sogar explizit Art. 189 ZPO fr anwendbar erklren.43 Entsprechend gilt auch hier, dass sich die Rechtsanwendung nicht aus einer vorgegebenen juristischen Qualifikation, sondern aufgrund der vertraglichen Regelung mit anschlies sender juristischer Qualifikation ergibt.44
2. Keine Schiedsklausel i.S.v. Art. 357 ZPO bzw. Art. 178 IPRG
In aller Regel qualifizieren die beschriebenen Schiedsgutachterklauseln in M&A-Vertrgen nicht als Schiedsklauseln i.S.v. Art. 357 ZPO bzw. Art. 178 IPRG, weil das nicht dem Parteiwillen entspricht.45 Das drckt sich u.a. dadurch aus, dass die entsprechenden M&A-Vertrge i.d.R. eine umfassende Schieds- oder Gerichtsstandsklausel enthalten und die Parteien mit einer Schiedsgutachterklausel bewusst einen anderen Rechtsweg whlen. Das drckt sich weiter dadurch aus, dass die Parteien i.d.R. keinen Sitz bezeichnen und keine natrliche, sondern eine juristische Person als Dritten bezeichnen,46
wertungsfragen z.B. Olivia Pelli, Beweisvertrge im Zivilprozess, Diss. Zrich, Zrich/St. Gallen 2012, 12 f. (= SSZ 14), mit Qualifikation der Wertbestimmung durch einen Dritten als VertragspunktBestimmung bzw., was hier terminologisch abgelehnt wird (s. Kapitel IV.3.3), als Schiedsgutachten im materiellrechtlichen Sinn. 40 S. Kapitel III. 41 Gl.M. Martin Beyeler/Tarkan Gksu, Adjudikation von Baustreitigkeiten in der Schweiz (Teil 3), BR 2018, 277281, 277 f.; a.M. z.B. Schenker (FN 8), 248; Tschni/Diem/Wolf (FN 4), 157; Frey/Mller (FN 12), 206 ff. 42 Z.B. Rainer Schumacher, Vertragsgestaltung, Zrich/Basel/Genf 2004, Rz. 203 ff. im Allgemeinen. 43 Z.B. BGE 117 Ia 365 E. 5b S. 368 = Pra 1992 Nr. 153 S. 563; z.B. BSK ZPO-Dolge, Art. 185 N 55; Bachmann (FN 31), 42 ff.; bezglich Unterscheidung von Schiedsgutachter- und Schiedsklausel. 44 Bezglich Aktionrbindungsvertrgen Markus Vischer, Der Aktionrbindungsvertrag: Einfache Gesellschaft oder Innominatvertrag?, SZW 2017, 425435, 430; s. bereits Kapitel III. zur Begriffsjurisprudenz. 45 Zu diesem Abgrenzungskriterium des Parteiwillens z.B. Urteil des Bundesgerichts 4A_254/2011 vom 5. Juli 2011 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 4A_438/2008 vom 17. November 2008 E. 3.2.1; BGE 117 Ia 365 E. 8 S. 370 f. = Pra 1992 Nr. 153 S. 565 f.; BSK ZPODolge, Art. 189 N 55, 60; Bachmann (FN 31), 39 ff. 46 S. Kapitel II.
3.Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln i.S.v. Art. 184 Abs. 3 OR
3.1 Art. 184 Abs. 3 OR im Allgemeinen
Art. 184 Abs. 3 OR statuiert, dass der Preis gengend bestimmt ist, wenn er nach den Umstnden bestimmbar ist. Art. 184 Abs. 3 OR gibt eine allgemeine Vertragsregel wieder, wonach der Vertragsinhalt in minimalen Umfang von den Parteien festgelegt werden muss.48 Die Parteien mssen sich mit anderen Worten auf die sogenannt objektiv wesentlichen Punkte (essentialia negotii) geeinigt haben. Was das bedeutet, ist umstritten.
Nach der hier vertretenen Meinung ist unter den objektiv wesentlichen Punkten eine Einigung ber den Geschftskern zu verstehen.49 Sind die typenwesentlichen Punkte des Kaufvertrags, also Kaufgegenstand50 und Kaufpreis,51 wobei beim Kaufpreis, aber auch beim Kaufgegenstand52 Bestimmbarkeit gengt, von der Einigung der Parteien ber den Geschftskern erfasst, ist dieser Vertrag als Kaufvertrag zu qualifizieren.53 Die Parteien mssen sich zudem auf die subjektiv wesentlichen Punkte geeinigt haben.
47 Zu pathologischen Schiedsklauseln im Allgemeinen z.B. Gksu (FN 1), Rz. 541 f.; zu bezglich Sitz pathologischen Schiedsklauseln z.B. Daniel Girsberger/Michael Mrz, Missglckte (pathologische) Schiedsvereinbarungen: Risiken und Nebenwirkungen, in: Sphler (Hrsg.), Internationales Zivilprozess- und Verfahrensrecht III, Zrich/Basel/Genf 2003, 143 ff.; zu bezglich (juristischer) Person pathologischen Schiedsklauseln z.B. BGE 117 III 57 E. 4b S. 60; BGE 107 Ia 318 E. 5 S. 320 ff.; s. auch zur Kontroverse, ob nur natrliche oder auch juristische Personen als Schiedsrichter eingesetzt werden knnen, z.B. BSK ZPO-Habegger, Art. 361 N 10 m.w.H.
48 Z.B. BSK OR I-Koller, Art. 184 N 44; BK-Giger, OR Art. 253 N 87 ff.; zur Regelung im CISG s. Art. 14 CISG, aber auch Art. 55 CISG; zur gesetzlichen Regelung in Deutschland 315319 BGB.
49 Z.B. Markus Vischer/Dario Galli, Nochmals zum Umfang des Formzwangs beim Grundstckkauf, Anwaltsrevue 2017, 473487, 474 f.
50 Z.B. BGE 127 III 248 E. 3d S. 254 = Pra 2002 Nr. 72 S. 417; s. auch Urteil des Bundesgerichts 4D_71/2017 vom 31. Januar 2018, in welchem Fall die Parteien den Kaufgegenstand mit 45 Aktien = 10% aller Aktien umschrieben hatten und das Bundesgericht feststellte, dass kein tatschlicher oder rechtlicher Konsens bezglich des Kaufgegenstands und damit kein Kaufvortrag vorlag, weil 10% aller Aktien nicht 45, sondern 25 Aktien entsprachen.
51 Z.B. BGE 114 II 127 E. 2b S. 130. 52 Z.B. BGE 127 III 248 E. 3d S. 254 = Pra 2002 Nr. 72 S. 417;
BGE 85 II 402 E. 2a S. 407 f.; BGE 84 II 266 E. 2a S. 273 f.; BGE 84 II 13 E. 2 S. 18 f.; BSK OR I-Koller, Art. 184 N 50; ZKSchnle, Art. 184 OR N 13. 53 S. ganz allgemein zur Bestimmung eines Vertragspunkts anhand der Bestimmung einer geschuldeten Geldsumme Peter Gauch/ Walter R. Schluep/Susan Emmenegger, Schweizerisches Obligationenrecht. Allgemeiner Teil, Band II, 10. A., Zrich/Basel/Genf 2014, Rz. 2330 ff.
Bestimmbar ist der Kaufpreis i.S.v. Art. 184 Abs. 3 OR, wenn er nach den Umstnden bestimmbar ist.54 I.d.R. verweisen die Parteien in Bezug auf die Preisbestimmung auf objektive Kriterien.55 Sie knnen die Preisbestimmung aber auch einem Dritten oder sogar einer der Parteien berlassen.56 Die Parteien knnen die Preisbestimmung aber nicht sich selber, d.h. einer spteren Einigung auf den Preis, berlassen.57
Das fr die Preisbestimmung Ausgefhrte gilt, wie bereits gesagt, auch wenn es um die Bestimmung anderer Vertragspunkte als die Preisbestimmung, also insbesondere um die Bestimmung des Kaufgegenstands, geht.
Bei der Bestimmung von Vertragspunkten durch einen Dritten ergnzt der Dritte rechtsgestaltend die Willenserklrungen der Parteien und damit den Vertragswillen bzw. den Vertragsinhalt.58 Die Vertragspunkt-Bestimmung wird so Teil des Vertrags. Der Dritte wird durch seine Ttigkeit jedoch nicht Partei des zwischen den Parteien abgeschlossenen Vertrags.59
Die Willenserklrungen der Parteien werden durch die ntige Intervention des Dritten nicht bedingte Willenserklrungen. Mit anderen Worten ist die erfolgreiche Vertragspunkt-Bestimmung keine Bedingung i.S.v. Art. 151 ff. OR. Generell stellt die Einigung aufgrund blosser Bestimmbarkeit i.S.v. Art. 184 Abs. 3 OR keine bedingte Einigung dar, auch wenn eine gewisse Wesensverwandtschaft mit einer bedingten Einigung nicht abzustreiten ist.60
Bei der Ttigkeit des Dritten handelt es sich nicht um eine Vertragsergnzung, weist der Vertrag doch mit den zwar nicht bestimmten, aber doch bestimmbaren Vertragspunkten, keine Lcke auf.61
54 Zum Sonderfall von Art. 212 OR z.B. BSK OR I-Koller, Art. 184 N 47, Art. 212 N 1 ff., wobei allerdings Art. 212 OR bei M&A-Vertrgen hchstens dann eine Rolle spielen kann, wenn es um kotierte Aktien geht, denn nicht kotierte Aktien bzw. Unternehmen haben keinen Marktpreis i.S.v. Art. 212 OR.
55 Z.B. BSK OR I-Koller, Art. 184 N 47. 56 Z.B. BSK OR I-Koller, Art. 184 N 47. 57 Z.B. BSK OR I-Koller, Art. 184 N 45; Peter Gauch/Walter R.
Schluep/Jrg Schmid, Schweizerisches Obligationenrecht. Allgemeiner Teil, Band I, 10. A., Zrich/Basel/Genf 2014, Rz. 346. 58 Beyeler/Gksu (FN 41), 277; Christian Grneberg, in: Beck'sche Kurz-Kommentare, Palandt, 77. A., Mnchen 2018, 319 BGB N 3, 5; Valentin Monn, Die Verhandlungsabrede, Diss. Freiburg, Zrich/Basel/Genf 2010, Rz. 1510 (= AISUF 301); Bachmann (FN 31), 29 f., 61. 59 Bachmann (FN 31), 29. 60 S. auch Grneberg (FN 58), 319 BGB N 9; s. auch BK-Weber, OR Art. 72 N 53, der beim Wahlrecht eines Dritten bei der Wahlobligation i.S.v. Art. 72 OR eine bedingte Einigung sieht. 61 Guldener (FN 27), 598, Anm. 16a, allerdings bezglich Schiedsgutachterttigkeit: Aufgabe des Schiedsgutachters ist nicht die Ergnzung eines unvollstndigen Vertragsinhalts, wie oft angenommen wird. Wenn z.B. in einem Unfallversicherungsvertrag festgelegt wird, die Versicherungssumme bemesse sich nach dem Grad der durch den Unfall bewirkten Erwerbsunfhigkeit, deren Hhe der Schiedsgutachter festzustellen habe, so hat der Vertrag einen ausreichenden Inhalt..
Irrelevant ist, ob bei der Preisbestimmung oder bei der Bestimmung anderer Vertragspunkte Tat- und Rechtsfragen zu beantworten sind. Geht es um Tatfragen, kann der Dritte durchaus als Schiedsgutachter i.S.v. Art. 189 ZPO amten, wenn dies dem Parteiwillen entspricht.
Die Bindungswirkung der Preisbestimmung oder Bestimmung anderer Vertragspunkte durch den Dritten ergibt sich aufgrund des vertraglichen Willens der Parteien, nicht aufgrund der Anordnung des Gesetzgebers wie beim Schiedsgutachten nach Art. 189 ZPO.
Der Dritte ist nicht verpflichtet, ttig zu werden, es sei denn, es komme ein entsprechender Vertrag zwischen den Parteien und ihm zustande. Ein solcher Vertrag qualifiziert als Mandatsvertrag bzw., wenn es nur um Tatfragen geht, als Schiedsgutachtervertrag.62
3.2 Schiedsgutachterklauseln als A nwendungsfall von Art. 184 Abs. 3 OR
Aufgrund des Ausgefhrten ist klar, dass Schiedsgutachterklauseln in M&A-Vertrgen i.d.R. Anwendungsflle von Art. 184 Abs. 3 OR sind.63 Denn die Parteien berlassen die Preisbestimmung bzw. Aspekte der Preisbestimmung wie Preisanpassungen oder Earn Out-Zahlungen bzw. die Bestimmung anderer Vertragspunkte einem Dritten, wenn sie sich nicht einigen knnen.
3.3 Schiedsgutachterklauseln als Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln
Weil es bei Schiedsgutachterklauseln in M&A-Vertrgen i.d.R. auch um die Beurteilung von Rechtsfragen geht, werden sie besser als Preisbestimmungsklauseln bzw. generell, insbesondere wenn es um andere Vertragspunkte als den Preis geht, als Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln bezeichnet.64
Die von der Literatur auch verwendeten Begriffe der Schiedsgutachterklausel im materiellrechtlichen Sinn (im Gegensatz zur Schiedsgutachterklausel im prozessrechtlichen Sinn65) oder der Klausel ber ein vertragsergnzendes Schiedsgutachten66 werden u.E. besser
62 Zur Qualifikation des Gutachtervertrags als Auftrag z.B. BGE 127 III 328; zur Qualifikation des Schiedsgutachtervertrags als Auftrag z.B. BSK ZPO-Dolge, Art. 189 N 28.
63 Gl.M. bezglich Kaufpreisanpassungsklauseln CR CO I-Venturi/ Zen-Ruffinen, Art. 184 N 57.
64 S. auch Monn (FN 58), Rz. 1511, welcher im Zusammenhang einer Vertragspunkt-Bestimmung durch einen Dritten bewusst den Begriff des Schiedsgutachters nicht verwendet; s. auch Grneberg (FN 58), 317 BGB N 3 mit dem Hinweis, dass die Bezeichnung Schiedsgutachten fr die Vertragspunkt-Bestimmung an sich nicht passt, auch wenn sie in der Praxis verwendet wird.
65 Z.B. Pelli (FN 39), 11 ff., s. auch 12, Anm. 52, wo sie erwgt, ob nicht der Begriff Vertragsergnzungsvereinbarung der bessere Begriff wre.
66 Z.B. Noemi Bhalla/Isaak Meier/Nicola Mller, Airbnb aus Sicht des schweizerischen Rechts, in: Grolimund/Koller/Loacker/ Portmann (Hrsg.), Festschrift fr Anton K. Schnyder, Zrich/Basel/Genf 2018, 525; DIKE Komm-ZPO-Mller, Art. 189 N 8, 19.
vermieden.67 Diese Begriffe sind durch Art. 189 ZPO bereits besetzt. Auch der Begriff des aufgrund solcher
4.3 Anwendbarkeit des allgemeinen Vertragsrechts auf Vertragspunkt-Bestimmungs
Klauseln durchgefhrten Verfahrens als freies oder
obligationenrechtliches Schiedsverfahren68 wird in diesem Zusammenhang besser vermieden, weil es sich um kein Schiedsverfahren im eigentlichen Sinne handelt.
Auf Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln i.S.v. Art. 184 Abs. 3 OR ist das allgemeine Vertragsrecht gemss Art. 1 ff. OR anwendbar.74
4. Konsequenzen der Qualifikation von Schiedsgutachterklauseln als Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln i.S.v. Art. 184 Abs. 3 OR
4.1 Nichtanwendbarkeit von Art. 189 ZPO
Weil Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln in M&AVertrgen i.d.R. keine Schiedsgutachterklauseln sind,69 ist Art. 189 ZPO auf diese Klauseln i.d.R. nicht direkt anwendbar.70 Fr diese Klauseln gelten damit i.d.R. weder die Formvorschriften gemss Art. 189 Abs. 2 ZPO noch sind Vertragspunkt-Bestimmungen, also z.B. Preisbestimmungen, durch Dritte keine fr das Gericht i.S.v. Art. 189 Abs. 3 ZPO verbindliche Schiedsgutachten.
4.2 Zustandekommen des M&A-Vertrags
Die blosse Bestimmbarkeit des Preises hindert das (unbedingte71 und lckenlose72) Zustandekommen von M&A-Vertrgen mit (lege artis formulierten) Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln nicht. Dies ist selbst dann der Fall, wenn die Vertragspunkt-Bestimmung spter nicht wie von den Parteien vorgestellt erfolgt, es also unter der Vertragspunkt-Bestimmungsklausel zu Abwicklungsproblemen kommt. Es liegt alsdann nicht ein Problem des Zustandekommens des Vertrags, sondern ein Problem der Erfllung bzw. Nichterfllung des Vertrags vor.73
67 Gl.M. bereits Bachmann (FN 31), 61: Die materiellrechtliche Auffassung hat selbstverstndlich dort ihre Berechtigung, wo dem Dritten die Aufgabe zufllt, eine Leistung inhaltlich zu bestimmen, d.h. konstitutiv auf ein Rechtsverhltnis einzuwirken. Nach unseren Begriffen ist der Dritte dann aber nicht Schiedsgutachter.; gl.M. wie Bachmann DIKE Komm-ZPO-Mller, Art. 189 N 19: Ebenso wenig ist ein rechtsgestaltendes, vertragsergnzendes Schiedsgutachten ein Schiedsgutachten i.S.v. Art. 189 ZPO. Derartige Schiedsgutachten, die durchaus vorkommen und auch nach schweizerischem Recht zulssig sind, sind i.S. der vor der ZPO ergangenen Rechtsprechung allein unter dem Gesichtspunkt des materiellen Rechtes zu beurteilen und nicht unter jenem von Art. 189 ZPO.; Thomas Weibel, in: Sutter-Somm/Hasenbhler/Leuenberger (Hrsg.), Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO), 3. A., Zrich/Basel/Genf 2016, Art. 189 N 6; Frank/Struli/Messmer (FN 25), vor 238258 aZPO/ZH N 8b.
68 Z.B. Beyeler/Gksu (FN 41), 277 f. 69 S. Kapitel IV.1. 70 S. zur indirekten Anwendung aber Kapitel IV.4.5 und Kapi-
tel IV.4.7. 71 S. Kapitel IV.3.1. 72 S. Kapitel IV.3.1. 73 Pierre Jolidon, Rflexion sur l'expertise-arbitrage en droit suisse,
in: Dessemontet/Piotet (Hrsg.), Mlanges Pierre Engel, Lausanne 1989, 172: [...] si les modalits selon lesquelles ce montant devra
4.4 Zustandekommen, Auslegung und Lckenfllung der Vertragspunkt-Bestimmungs klauseln
Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln unterstehen dem allgemeinen Vertragsrecht u.a. in Bezug auf das Zustandekommen, die Auslegung und die Lckenfllung. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist diesbezglich primr subjektiv und subsidir objektiv vorzugehen. Primr geht es entsprechend um das Feststellen eines tatschlichen Konsenses der Parteien und um eine subjektive Auslegung und Ergnzung nach dem wirklichen Willen der Parteien (Rekonstruktion des Parteiwillens). Ist dieser nicht feststellbar, geht es subsidir um das Feststellen eines rechtlichen Konsenses der Parteien und um eine objektive Auslegung und Ergnzung nach dem Vertrauensprinzip (Konstruktion des Parteiwillens). Massgebend beim rechtlichen Konsens und bei der objektiven Auslegung und Ergnzung ist der hypothetische Parteiwille, d.h. der Parteiwille, den die Parteien unter den gegebenen Umstnden als vernnftig und redlich handelnde Personen nach Treu und Glauben gehabt htten.75
Diese Regeln sind auch massgebend in Bezug auf das Ausmass der Bindungswirkung der Vertragspunkt-Bestimmung fr die Parteien76 und zur Eruierung der vertraglichen Pflichten der Parteien in Bezug auf die Vertragspunkt-Bestimmung untereinander und gegenber dem Dritten.
Bei Fehlen einer expliziten Regelung dieser Pflichten in Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln drfte i.d.R. (nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung) aufgrund des wirklichen oder hypothetischen Parteiwillens der Parteien davon auszugehen sein, dass den Parteien minimal die Pflicht zur aktiven Teilnahme am VertragspunktBestimmungsverfahren obliegt. Insbesondere drften
tre dtermin sont convenues, l'application des clauses y relatives ne relve pas de la conclusion, mais de l'excution du contrat.; s. dazu auch Kapitel IV.4.7. 74 S. die in FN 67 zitierten Autoren. 75 BK-Meier-Hayoz, ZGB Art. 4 N 25; zum Ganzen im Allgemeinen z.B. Vischer (FN 44), 432; zur Kritik der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach subjektiv-objektiv vorzugehen sei, z.B. Markus Vischer, BGer 4A_129/2017: Anwendbarkeit von Art. 404 OR auf den gemischten Vertrag mit auftragshnlichem Charakter, AJP 2018, 11511156, 1154, Anm 22; Markus Vischer, BGer 4A_451/2017: Die besondere Vereinbarung bezglich Nebenkosten, AJP 2018, 765771, 766 f.; Markus Vischer/Dario Galli, Teilungltigkeit eines mit Willensmngeln behafteten Geschftsbertragungsvertrags, GesKR 2/2018, 222229, 227 f.; neulich auch BK-Mller, OR Art. 18 N 70 ff. 76 S. bereits Kapitel IV.3.1.
die Parteien auch zur gegenseitigen Untersttzung und zur Untersttzung des Dritten z.B. durch die Lieferung der notwendigen Informationen an die andere Partei und an den Dritten oder durch die Tragung der notwendigen Kosten des Dritten verpflichtet sein.77 Nichtsdestoweniger tun die Parteien gut daran, diese Pflichten in Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln explizit zu regeln.78 I.d.R. geschieht dies in M&A-Vertrgen in Bezug auf die Lieferung der notwendigen Informationen an die andere Partei und an den Dritten und in Bezug auf die Tragung der Kosten des Dritten.79
Bei der Frage des Zustandekommens der VertragspunktBestimmungsklausel drfte in der Praxis bei Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln die anfngliche objektive Unmglichkeit fters eine Rolle spielen. Diese fllt unter Art. 20 OR.80 Sie liegt z.B. dann vor, wenn die Parteien die Ernennung des Dritten einem Richter vorbehalten, der dafr nicht zustndig ist.81
Im Falle der anfnglichen objektiven Unmglichkeit, ist i.d.R. von modifizierter Teilnichtigkeit i.S.v. Art. 20 Abs. 2 OR in Bezug auf den M&A-Vertrag bzw. die Vertragspunkt-Bestimmungsklausel auszugehen, auch weil im M&A-Vertrag i.d.R. eine Severability-Clause (salvatorische Klausel) vorhanden ist.82 Es liegt alsdann eine Vertragslcke im M&A-Vertrag vor, welche der Richter in Vertragsergnzung (nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung) aufgrund des wirklichen oder hypothetischen Parteiwillens zu fllen hat.83
4.5 Schranken fr Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln
Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln unterliegen den allgemeinen gesetzlichen Schranken,84 wie neben Art. 2 Abs. 2 ZGB85 insbesondere Art. 27 ZGB i.V.m. Art. 20 OR.86
77 S. auch Urteil des Bundesgerichts 4A_307/2011 vom 16. Dezember 2011 E. 3.2, zur angenommenen Nebenpflicht der Parteien zur Wahrung der Neutralitt des Dritten.
78 S. auch BSK ZPO-Dolge, Art. 189 N 32 f. bezglich Schiedsgutachterklauseln.
79 S. auch Kapitel IV.4.5 zu den prozeduralen Vorgaben in Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln.
80 Z.B. BSK OR I-Wiegand, Art. 97 N 12. 81 Fr ein Beispiel: BGE 141 III 274, bezglich Ernennung von
Schiedsgutachtern. 82 Zu dieser Klausel im Allgemeinen BSK OR I-Huguenin/Meise,
Art. 19/20 N 68; Sylvain Marchand, Clauses contractuelles, Basel 2008, 246. 83 Vischer/Galli (FN 75), 227 f.; s. dazu auch Kapitel IV.4.5. 84 S. Art. 19 OR; z.B. KUKO-Kikinis, Art. 184 OR N 5; ZK-Schnle, Art. 184 OR N 89. 85 Z.B. KUKO-Kikinis, Art. 184 OR N 5; ZK-Schnle, Art. 184 OR N 89. 86 Z.B. BSK OR I-Koller, Art. 184 N 47; KUKO-Kikinis, Art. 184 OR N 21; Gauch/Schluep/Schmid (FN 57), Rz. 345; Claire Huguenin/Eva Maissen, Bedingungsnderungsklauseln, in: Fuhrer/ Weber (Hrsg.), Allgemeine Versicherungsbedingungen, Zrich/ Basel/Genf 2011, 106 f.; ZK-Schnle, Art. 184 OR N 89; s. auch BGE 85 II 402 E. 2b S. 408 f., E. 4 S. 413; BGE 84 II 266 E. 4 S. 276; BGE 84 II 13 E. 4 S. 22; s. auch bezglich Art. 14 CISG Ulrich G.
Bei Generalklauseln wie Art. 27 ZGB i.V.m. Art. 20 OR knnen verfassungsrechtliche Regelungen im Sinne einer indirekten Drittwirkung bei der Auslegung herangezogen werden.87 Im Vordergrund stehen dabei im vorliegenden Zusammenhang Art. 29 BV und die darin enthaltenen Verfahrensgarantien.88
Im Lichte von Art. 27 ZGB i.V.m. Art. 20 OR ist deshalb diskutierbar, ob Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln mit Einbindung eines Dritten nichtig sind, wenn sie nicht minimale prozedurale Leitlinien fr das Vertragspunkt-Bestimmungsverfahren also das Verfahren, in dem die Vertragspunkt-Bestimmung erfolgt enthalten. Zu solchen minimalen prozeduralen Leitlinien gehrt wohl, dass der Dritte in einem Mindestmass von den Parteien unabhngig ist. Ferner muss das Verfahren wohl in einem Mindestmass fair sein.89 Insbesondere muss der Dritte die Parteien wohl minimal anhren, minimal sorgfltig vorgehen, z.B. bezglich Feststellung von Tatsachen, und evtl. auch seine Vertragspunkt-Bestimmung minimal begrnden.90 Art. 189 Abs. 3 ZPO (genauer Art. 189 Abs. 3 lit. a, lit. b und lit. c erster Satzteil ZPO) wre alsdann bis zu einem gewissen Grade indirekt anwendbar, auch wenn es im vorliegenden Kontext nach der hier vertretenen Auffassung i.d.R. nicht um Schiedsgutachterverfahren geht.91
Im Lichte von Art. 27 ZGB i.V.m. Art. 20 OR ist weiter diskutierbar, ob Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln mit Einbindung eines Dritten nichtig sind, wenn sie nicht minimale materielle Leitlinien fr die Vertragspunkt-Bestimmung mindestens im Sinne einer Vertragspunkt-Bestimmung durch den Dritten nach billigem Ermessen92 enthalten.93
Schroeter, in: Schlechtriem/Schwenzer (Hrsg.), Kommentar zum Einheitlichen UN-Kaufrecht, 6. A., Mnchen 2013, Art. 14 CISG N 14; zur Anwendung von Art. 27 ZGB auf die Wertdisparitt von Leistung und Gegenleistung im Allgemeinen z.B. BGE 115 II 232; zum Verhltnis von Art. 27 OR und Art. 20 OR im Allgemeinen z.B. Markus Vischer, BGer 4A_45/2017: Aktionrbindungsvertrag: bermssige Bindung, Qualifikation, AJP 2017, 11291135, 1132 f., wonach die Nichtigkeitsfolge nicht direkt aus Art. 27 ZGB, sondern aus Art. 20 OR ableitbar ist und entsprechend auch im Bereich von Art. 27 ZGB die Regeln ber die Teilnichtigkeit bzw. ber die modifizierte Teilnichtigkeit von Art. 20 Abs. 2 OR zum Zuge kommen. 87 Z.B. Urteil des Bundesgerichts 5A_384/2018 vom 21. September 2018 (zur amtlichen Publikation bestimmt) E. 3; BGE 143 I 217 E. 5.2 S. 218 f. = Pra 2018 Nr. 67 S. 572; BGE 137 III 59 E. 4.1 S. 61 f. 88 Zu Art. 29 BV z.B. BSK ZPO-Karlen/Hnni, Art. 29 BV N 1 ff. 89 Gl.M. Beyeler/Gksu (FN 41), 277. 90 Zu den diesbezglichen Anforderungen nach deutschem Recht z.B. Grneberg (FN 58), 319 BGB N 5a. 91 Gl.M. DIKE Komm-ZPO-Mller, Art. 189 N 19. 92 S. 319 Abs. 1 BGB. 93 S. z.B. KUKO-Kikinis, Art. 184 OR N 5, 21, und ZK-Schnle, Art. 184 OR N 89, welche nur eine Vertragspunkt-Bestimmung durch einen Dritten aufgrund nachprfbarer Massstbe fr zulssig halten; wohl gl.M. Gauch/Schluep/Schmid (FN 57), Rz. 345; Bachmann (FN 31), 29 f.; unklar Monn (FN 58), Rz. 1520; s. auch BSK OR I-Koller, Art. 184 N 47, KUKO-Kikinis, Art. 184 OR N 21, und ZK-Schnle, Art. 184 OR N 90, welche im Zweifelsfall analog 317 Abs. 1 BGB eine Vertragspunkt-Bestimmung durch einen Dritten nach billigem Ermessen verlangen; s. aber auch die
432 Bei Fehlen einer expliziten Regelung in Vertragspunkt- Bestimmung vorzunehmen hat und diese anschliessend Bestimmungsklauseln ist i.d.R. (nach der bundesgericht- entsprechend gleich selbst vornimmt.98
lichen Rechtsprechung) aufgrund des wirklichen oder hypothetischen Parteiwillens der Parteien davon auszugehen, dass die Parteien die genannten minimalen prozeduralen und materiellen Leitlinien vorgegeben haben. Nichtsdestoweniger tun die Parteien auch diesbezglich angesichts der rechtlichen Unsicherheiten und der dro-
Ob der Richter in Realerfllung einer VertragspunktBestimmungsklausel oder in Erfllung einer Ersatzregel einem Dritten, dessen Einverstndnis vorausgesetzt, den Auftrag zur Vertragspunkt-Bestimmung erteilen darf, ist ein zivilprozessuales Problem und wohl zu bejahen.99
henden Nichtigkeitsfolge gut daran, in Vertragspunkt- Eine Vertragsergnzung im beschriebenen Sinn scheitert
Bestimmungsklauseln klare prozedurale und materielle in Bezug auf eine Preisbestimmungsklausel nicht daran,
Leitlinien fr die Vertragspunkt-Bestimmung durch den dass in der Lehre und Rechtsprechung umstritten ist, ob
Dritten vorzugeben.94
und inwieweit eine Vertragsergnzung in einem objektiv
Das geschieht in M&A-Vertrgen i.d.R. in Bezug auf materielle Leitlinien,95 wie bereits ausgefhrt nicht jedoch in Bezug auf prozedurale Leitlinien. Vielmehr ist in den Vertrgen in Bezug auf Letztere meist lediglich der Start des Verfahrens, insbesondere das Verfahren fr die Bestimmung des Dritten geregelt.96 Evtl. sind auch noch ei-
wesentlichen Punkt (wie eben grundstzlich beim Kaufvertrag der Preis100) mglich ist.101 Denn es geht nicht mehr um die Frage, ob der Vertrag zustande gekommen ist,102 und damit auch nicht mehr um Vertragsergnzung in einem nicht ergnzungsfhigen objektiv wesentlichen Punkt.103
nige Fristen, z.B. bis wann der Dritte die VertragspunktBestimmung vornehmen muss, und die gegenseitige Untersttzung sowie die Untersttzung und die Tragung
4.6 Grundlagenirrtum, absichtliche Tuschung etc. bei Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln
der Kosten des Dritten durch die Parteien vereinbart.97
Aufgrund der Anwendbarkeit des allgemeinen Vertrags-
Liegt ein Fall der Anwendbarkeit von Art. 27 ZGB i.V.m. Art. 20 OR im beschriebenen Sinn vor, ist i.d.R. von Teilnichtigkeit des M&A-Vertrags bzw. der Ver-
rechts ist klar, dass sich die Parteien in Bezug auf die Vertragspunkt-Bestimmungsklausel, aber auch in Bezug auf die Vertragspunkt-Bestimmung, welche Teil des Vertrags
tragspunkt-Bestimmungsklausel i.S.v. Art. 20 Abs. 2 OR
auszugehen. Infolge dieser Teilnichtigkeit liegt eine Ver-
tragslcke vor, welcher der Richter in einer Vertragsergnzung (nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung) aufgrund des wirklichen oder hypothetischen Parteiwillens durch eine Ersatzregel zu fllen hat (sogenann-
98 So, und nur so, also ohne die Mglichkeit fr den Richter, andere Ersatzregeln zu definieren, die deutsche Regelung in 319 Abs. 1 BGB bei der Vorgabe der Vertragspunkt-Bestimmung nach billigem Ermessen, wenn die Vertragspunkt-Bestimmung des Dritten
te modifizierte Teilnichtigkeit). Der Richter kann diese Ersatzregel auch so festlegen, dass er die Vertragspunkt-
offenbar unbillig ist oder wenn der Dritte die [Vertragspunkt-] Bestimmung nicht treffen kann oder will [...]; fr eine Vertragspunkt-Bestimmung durch den Richter BK-Meier-Hayoz, ZGB
Art. 4 N 26; fr eine Vertragspunkt-Bestimmung durch den Richter
bei der Vorgabe der Vertragspunkt-Bestimmung nach billigem Er-
messen im Falle einer unbilligen Vertragspunkt-Bestimmung ZK-
Schnle, Art. 184 OR N 92, allerdings nicht gesttzt auf Art. 20
Abs. 2 OR, sondern gesttzt auf Art. 97 OR als Naturalrestitution;
deutsche Regelung in 319 Abs. 2 BGB, nach dem eine Vertrags-
s. auch BGE 85 II 402 E. 2b S. 409: Dem Beklagten wrde daher
punkt-Bestimmung durch einen Dritten nach freiem Belieben
das Recht zustehen, zu gegebener Zeit fr die definitive Preisbe-
zulssig ist; s. auch SHK-Probst, Art. 8 UWG N 321, Anm. 568,
stimmung ntigenfalls den Richter anzurufen.; s. auch BK-Weber,
zu den sogenannten carte blanche-Klauseln, d.h. Klauseln zur
OR Art. 72 N 53, zur Ausbung des Wahlrechts durch den Richter
Vertragspunkt-Bestimmung durch die andere Partei nach billigem
bei Nichtausbung des Wahlrechts durch den Wahlberechtigten bei
[oder sogar nach freiem] Ermessen, mit Verortung des Problems
der Wahlobligation i.S.v. Art. 72 OR; fr ein Beispiel einer Vertrags-
nicht bei Art. 27 ZGB, sondern beim fehlenden Konsens: Es gibt
punkt-Bestimmung durch den Richter anstelle des Dritten: Urteil
keinen vertraglichen nach Massgabe des
des Bundesgerichts 4A_282/2017 vom 2. Mai 2018, Sachverhalt Teil
messens der Gegenpartei> [...], und: Nota: Die Gltigkeitskon-
C.b; s. auch Kapitel IV.4.7.
trolle (insb. Art. 27 ZGB) tritt erst dann auf den Plan, wenn ein 99 Z.B. zu den entsprechenden Fragen im Zusammenhang mit der Er-
Rechtsbindungswille bzw. ein Konsens ber einen bestimmbaren
nennung eines Organs oder Sachwalters gemss Art. 731b OR z.B.
Vertragsinhalt nachgewiesen ist [...]; in die gleiche Richtung wie
Marcel Schnbchler, Die Organisationsklage nach Art. 731b
Probst wohl BGE 135 III 1 E. 2.5 S. 10: Damit Anpassungsklau-
OR, Diss. Zrich, Zrich/St. Gallen 2013, 436, Anm. 1780 (= SSHW
seln aber berhaupt gltig sind, mssen regelmssig sowohl das
erwartete Ereignis als auch der Umfang der Anpassung vertraglich 100 S. Kapitel IV.3.1.
bestimmt werden; [...].
101 Gauch/Schluep/Schmid (FN 57), Rz. 1270 ff.
94 Gl.M. fr den Schiedsgutachter z.B. BSK ZPO-Dolge, Art. 189 102 S. Kapitel IV.4.2.
N 35; Carr/Vischer (FN 6), Rz. 28; BSK IPRG-Hochstrasser/ 103 Gauch/Schluep/Schmid (FN 57), Rz. 1275; s. bereits K apitel IV.3.1;
Fuchs, Einl. 12. Kap. N 297.
anders die deutsche Regelung in 319 Abs. 2 BGB, wo angeordnet
95 Fr ein Beispiel: Urteil des Bundesgerichts 4A_361/2012 vom
wird, dass bei der Vorgabe der Vertragspunkt-Bestimmung nach
freiem Belieben der Vertrag dahinfllt, wenn der Dritte die Vertrags-
96 Fr ein Beispiel: Urteil des Bundesgerichts 4A_611/2016 vom
punkt-Bestimmung nicht treffen kann oder will. Dem liegt offenbar
20. Mrz 2017.
die Meinung zugrunde, dass bei der Vorgabe der Vertragspunkt-Be-
97 Fr ein Beispiel: Urteil des Bundesgerichts 4A_611/2016 vom
stimmung nach freiem Belieben eine Ergnzung durch den Richter
20. Mrz 2017; Urteil des Bundesgerichts 4A_428/2015 vom 1. Feb-
und insbesondere auch eine Vertragspunkt-Bestimmung durch den
ruar 2016; s. bereits Kapitel IV.4.4.
Richter selbst nicht mglich ist.
wird,104 auf Grundlagenirrtum oder absichtliche Tuschung berufen knnen.105 Ein Grundlagenirrtum in Bezug auf die Vertragspunkt-Bestimmung wirft allerdings die schwierige Frage auf, ob ein Irrtum in Bezug auf einen zuknftigen Sachverhalt vorliegt und wenn ja, ob und inwieweit ein solcher Irrtum rechtlich relevant ist.106
Ein Fall von Grundlagenirrtum oder sogar absichtlicher Tuschung knnte z.B. dann gegeben sein, wenn der Dritte entgegen den Vorstellungen einer Partei nicht von der anderen Partei unabhngig ist.
Selbstverstndlich knnen die Parteien bei gegebenen Voraussetzungen auch die anderen vertraglichen Unverbindlichkeitsgrnde anrufen, wie bervorteilung i.S.v. Art. 21 OR107 oder Furchterregung i.S.v. Art. 29 f. OR.
4.7 Abwicklungsprobleme bei VertragspunktBestimmungsklauseln
Nimmt der Dritte die Vertragspunkt-Bestimmung nicht bzw. nicht in der von den Parteien vorgegeben Zeit vor, z.B. weil er das entsprechende Mandat ablehnt, so gilt erneut das allgemeine Vertragsrecht.108 Generell liegt ein Nichterfllungsproblem des Vertrags vor.109 I.d.R. ist dieses Nichterfllungsproblem ein Fall der nachtrglich verschuldeten oder unverschuldeten Unmglichkeit i.S.v. Art. 97 OR oder Art. 119 OR.110 Bei verschuldeter Unmglichkeit ergeben sich je nachdem, ob objektive oder subjektive Unmglichkeit vorliegt, unterschiedliche Rechtsfolgen.111 Verschuldete Unmglichkeit kann dazu fhren, dass der Richter die eine Partei zur Realerfllung (z.B. zur Abgabe einer Willenserklrung gegenber dem Dritten, der die Vertragspunkt-Bestimmung vornehmen soll112) oder zur Zahlung von Schadenersatz verpflichtet. Bei unverschuldeter Unmglichkeit fllt die Ver-
tragspunkt-Bestimmungsklausel aufgrund von Art. 119 Abs. 1 OR dahin.113 Es liegt alsdann i.d.R. ein Fall einer modifizierten Teilunmglichkeit des M&A-Vertrags bzw. der Vertragspunkt-Bestimmungsklausel und damit eine Vertragslcke vor, welche der Richter in Vertragsergnzung (nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung) aufgrund des wirklichen oder hypothetischen Parteiwillens zu fllen hat, sofern dies mglich ist.114 Andernfalls fllt der M&A-Vertrag insgesamt dahin.115 Der Richter kann z.B. bei Nichtannahme des Mandats durch den von den Parteien in der Vertragspunkt-Bestimmungsklausel bezeichneten Dritten eine vertragliche Ersatzregel festlegen, wonach ein anderer Dritter oder ein durch eine bestimmte Institution bezeichneter Dritter der die Vertragspunkt-Bestimmung vornehmende Dritte ist. Er kann aber auch erneut die Vertragspunkt-Bestimmung gleich selbst vornehmen.116
Nimmt der Dritte die Vertragspunkt-Bestimmung zwar vor, aber entgegen den prozeduralen und/oder materiellen Vorgaben der Vertragspunkt-Bestimmungsklausel, also unrichtig und damit fehlerhaft, so liegt keine Vertragspunkt-Bestimmung im Sinne der VertragspunktBestimmungsklausel vor. Die unrichtige Vertragspunkt-Bestimmung ist rechtlich unwirksam. Denn die Vertragspunkt-Bestimmung soll nach dem Parteiwillen fr die Parteien nur bindend sein, wenn sie in bereinstimmung mit den prozeduralen und materiellen Vorgaben der Vertragspunkt-Bestimmungsklausel erfolgt.117 In Auslegung der Vertragspunkt-Bestimmungsklausel nach seiner ratio bzw. in Anwendung von Art. 2 Abs. 2 OR ist allerdings zu postulieren, dass die VertragspunktBestimmung nur im Wesentlichen vom Konsens der Parteien in der Vertragspunkt-Bestimmungsklausel gedeckt sein muss.118 Das bedeutet, dass nur eine qualifiziert un-
104 S. Kapitel IV.3.1. 105 S. auch 318 Abs. 2 BGB in Bezug auf die Vertragspunkt-Bestim-
mung; s. auch BGE 85 II 402 E. 5a S. 415 f. 106 Zur diesbezglichen Kontroverse z.B. BSK OR I-Schwenzer,
Art. 24 N 18; s. auch 319 Abs. 1 Satz 1 BGB, wonach eine offensichtlich unbillige Vertragspunkt-Bestimmung unabhngig von der Erfllung der Voraussetzungen zur Annahme eines Grundlagenirrtums unverbindlich ist. 107 CR CO I-Venturi/Zen-Ruffinen, Art. 184 N 56; s. auch BGE 85 II 402 E. 3 S. 412. 108 BSK OR I-Koller, Art. 184 N 51; KUKO-Kikinis, Art. 184 OR N 6; s. auch BGE 110 II 150 E. 1 S. 150 = Pra 1984 Nr. 173 S. 480, bezglich Nichtvornahme der Wahl durch den Wahlberechtigten bei der Wahlobligation i.S.v. Art. 72 OR. 109 S. bereits Kapitel IV.4.2. 110 BSK OR I-Koller, Art. 184 N 52; KUKO-Kikinis, Art. 184 OR N 6; CR OR I-Venturi/Zen-Ruffinen, Art. 184 N 55, bezglich Art. 119 OR. 111 Zum Meinungsstreit, ob die nachtrgliche subjektive Unmglichkeit unter Art. 97 OR oder Art. 102 ff. OR fllt z.B. BSK OR IWiegand, Art. 97 N 13. 112 S. Art. 344 ZPO; z.B. Adrien Gabellon/Ludivine Delaloye, Quelles solutions face l'chec d'une expertise-arbitrage?, AJP 2018, 617623, 620; BSK ZPO-Dolge, Art. 189 N 37; Schll (FN 3), 637 f., allerdings in Bezug auf die Bestellung eines Schiedsgutachters nach Art. 189 ZPO; fr ein Beispiel: BGE 129 III 535 Sachverhalt Teil B, erneut in Bezug auf einen Schiedsgutachter.
113 Gabellon/Delaloye (FN 112), 620, und Schll (FN 3), 638 f., in Bezug auf einen Schiedsgutachter.
114 KUKO-Kikinis, Art. 184 OR N 6 mit dem Hinweis auf die Mglichkeit der Vertragsergnzung; s. auch BGE 107 II 144 E. 3 S. 148 f., zur Vertragsergnzung bei Teilunmglichkeit, wo zwar die analoge Anwendung von Art. 20 Abs. 2 OR abgelehnt wird, aber trotzdem so verfahren wird, wie wenn Art. 20 Abs. 2 OR anwendbar wre.
115 Z.B. Gabellon/Delaloye (FN 112), 620; BSK OR I-Koller, Art. 184 N 52, KUKO-Kikinis, Art. 184 OR N 6; teilweise anders die bereits beschriebene deutsche Regelung in 319 BGB, wonach der Richter bei der Vorgabe der Vertragspunkt-Bestimmung nach billigem Ermessen die Vertragspunkt-Bestimmung selbst vorzunehmen hat, und der Vertrag nur bei der Vorgabe der Vertragspunkt-Bestimmung nach freiem Belieben dahinfllt, wenn der Dritte die [Vertragspunkt-]Bestimmung nicht treffen kann oder will..
116 BSK OR I-Koller, Art. 184 N 52, und KUKO-Kikinis, Art. 184 OR N 6, je mit dem richtigen Hinweis, dass dies nur mglich ist, wenn es die Vertragsergnzung hergibt, es insbesondere also den Parteien nicht wesentlich war, dass genau der von ihnen bestimmte Dritte die Vertragspunkt-Bestimmung vornimmt.
117 So Urteil des Bundesgerichts 4A_361/2012 vom 30. Oktober 2012 E. 3.2: Il en rsulte a contrario qu'un prix dtermin en violation de la Convention ne peut tre impos ni au vendeur ni l'acheteur..
118 S. auch Felix Buff, Vertragliche Anpassungsklauseln im schweizerischen Recht, Diss. Zrich, Zrich/Basel/Genf 2016, 189 (= ZStP 275).
434 richtige Vertragspunkt-Bestimmung unwirksam und fr sehr kompliziert und damit kostspielig und zeitaufwndie Parteien nicht bindend ist. In Bezug auf die materielle dig.127 Ein Grund dafr ist, dass die Parteien trotz allen
Richtigkeit wre alsdann Art. 189 Abs. 3 lit. c Satzteil 2 gegenteiligen Erklrungen im M&A-Vertrag oft nicht
ZPO (keine Bindung des Richters [und damit der Par- gewillt sind, die Vertragspunkt-Bestimmung des Dritten
teien] an das Schiedsgutachten nur bei offensichtlicher zu akzeptieren und bereits whrend dem laufenden Ver-
Unrichtigkeit119) bis zu einem gewissen Grade indirekt tragspunkt-Bestimmungsverfahrens oder sptestens bei
anwendbar, auch wenn es im vorliegenden Kontext nach Vorliegen der Vertragspunkt-Bestimmung an den Rich-
der hier vertretenen Auffassung i.d.R. nicht um Schieds- ter gelangen.128 Es stellen sich dann dem Richter oft kom-
gutachten geht.120
plexe Fragen, nmlich u.a. die Frage nach der Rechts-
Bei Unwirksamkeit der Vertragspunkt-Bestimmung liegt erneut ein Fall von Art. 97 OR oder Art. 119 OR vor.121
weggabelung, also danach, was er als Richter und was der Dritte zu entscheiden haben129 und wie das Gerichtsverfahren und das Vertragspunkt-Bestimmungsverfah-
4.8 Im Einzelnen: Kognition des Richters in B ezug auf Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln
ren zu koordinieren sind.130 An diesem Befund ndert auch dann nichts, wenn man die Schiedsgutachterklausel entgegen der hier vertretenen Meinung nicht nur als
Die Vertragspunkt-Bestimmung durch einen Dritten unterliegt nicht per se der berprfung durch den Rich-
ter. Insbesondere hat er die Vertragspunkt-Bestimmung
nicht auf die Einhaltung irgendwelcher prozeduraler
Vertragspunkt-Bestimmungsklausel, sondern auch als Schiedsgutachterklausel und die Lsung des Dritten nicht nur als Vertragspunkt-Bestimmung, sondern auch als Schiedsgutachten qualifiziert.
oder materieller Standards oder auf ihre prozedurale oder materielle Gerechtigkeit zu berprfen. Vielmehr hat der Richter in Bezug auf die Vertragspunkt-Bestimmungsklausel und die Vertragspunkt-Bestimmung nur diejenigen Kompetenzen, die er bei der berprfung eines jeden Vertrags hat. So kann er z.B. die Vertragspunkt-Bestimmung auf Grundlagenirrtum, absichtliche Tuschung etc.122 und auf die Einhaltung der prozeduralen und materiellen Vorgaben in der VertragspunktBestimmungsklausel (wie allenfalls in einer spteren Vereinbarung zwischen den Parteien przisiert123) berprfen.124
Zu erinnern ist, dass Art. 189 ZPO nicht direkt, sondern bis zu einem gewissen Grade indirekt zur Anwendung kommt.125
Sicher hilft es in diesem Zusammenhang nicht, dass bis heute nicht hchstrichterlich geklrt ist, ob ein Schiedsgutachter i.S.v. Art. 189 ZPO nur Tatfragen oder auch Rechtsfragen, und wenn ja, welche Rechtsfragen, klren darf. Vielmehr schafft das qualifizierte Schweigen zustzliche Rechtsunsicherheit, erffnet zustzliche Strmglichkeiten und verlngert und verteuert das Verfahren.131
Zur vorstehend geschilderten Problematik kommt dazu, dass verschiedene Sachverhalte sowohl unter die Schiedsgutachterklausel wie auch unter andere vertragliche Regelungen, insbesondere unter das Gewhrleistungsregime des M&A-Vertrags, fallen knnen.132 Es stellt sich diesfalls die Frage, ob ein bestimmter Sachverhalt im Rahmen des Vertragspunkt-Bestimmungs-
verfahrens (z.B. eine Kaufpreisbestimmung bzw. eine
V. Wrdigung von Schiedsgutachterklauseln in M&A-Vertrgen
In der Praxis erweisen sich die aufgrund von Schiedsgutachterklauseln in M&A-Vertrgen durchgefhrten Verfahren entgegen den Hoffnungen der Parteien126 als
119 S. dazu z.B. BSK ZPO-Dolge, Art. 189 N 53 f. 120 S. auch die deutsche Regelung in 319 Abs. 1 BGB, wonach eine
Vertragspunkt-Bestimmung mit der Vorgabe der (Vertragspunkt-) Bestimmung nach billigem Ermessen durch den Richter auf offenbare Unbilligkeit zu berprfen ist; s. bereits Kapitel IV.4.5 zur indirekten Anwendung von Art. 189 ZPO auf Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln in prozeduraler Hinsicht. 121 S. auch Urteil des Bundesgerichts 4A_361/2012 vom 30. Oktober 2012 E. 3.2, zur Anwendbarkeit von Art. 82 OR bei Unrichtigkeit der Vertragspunkt-Bestimmung. 122 S. Kapitel IV.4.6. 123 S. auch Kapitel V. 124 S. Kapitel IV.4.7. 125 S. Kapitel IV.4.1, Kapitel IV.4.5 und Kapitel IV.4.7. 126 Dazu z.B. Tschni/Frey/Mller (FN 6), Rz. 256; Frey/Mller (FN 12), 208.
127 Carr/Vischer (FN 6), Rz. 25. 128 Fr Beispiele: Urteil des Bundesgerichts 4A_611/2016 vom
20. Mrz 2017; Urteil des Bundesgerichts 4A_428/2015 vom 1. Februar 2016; Urteil des Bundesgerichts 4A_361/2012 vom 30. Oktober 2012. 129 Carr/Vischer (FN 6), Rz. 21 ff.; fr ein Beispiel betreffend durch den Richter zu bestimmende Anforderungen an eine notice of objection im Vertragspunkt-Bestimmungsverfahren: Urteil des Bundesgerichts 4A_428/2015 vom 1. Februar 2016. 130 Fr ein Beispiel der Sistierung des Gerichtsverfahren bis zur Erstellung des Schiedsgutachtens: Urteil des Bundesgerichts 4A_118/2016 vom 15. August 2016 Sachverhalt Teil B.b; fr ein Beispiel der Sistierung des Experten-Ernennungsverfahren bei der Zrcher Handelskammer bis zu einem Gerichtsurteil in einer strittigen Vertragsauslegungsfrage: Urteil des Bundesgerichts 4A_611/2016 vom 20. Mrz 2017 Sachverhalt Teil B.b. 131 Carr/Vischer (FN 6), Rz. 16. 132 Watter (FN 33), 10 f.; Vischer (FN 9), 139; Watter/Gstoehl (FN 10), 48; s. auch Peter Honegger/Danile Mller, Kaufpreisanpassung oder Gewhrleistung?, in: Tschni (Hrsg.), Mergers & Acquisitions XV, Zrich/Basel/Genf 2013, 41 ff., welche allerdings (zu Unrecht: s. Scarlett Schwarzenberger/Markus Vischer, Preisanpassungsklauseln und Gewhrleistungsansprche im Kaufvertrag, dRSK vom 7. August 2013, Rz. 15) die Meinung vertreten, Preisanpassung und Gewhrleistung liessen sich aufgrund rein formaler Regeln abgrenzen.
Kaufpreisanpassungsbestimmung) oder im Rahmen des Gewhrleistungsregimes abzuwickeln ist. Zu denken ist z.B. an einen nach dem Closing entdeckten, nicht offengelegten Streitfall, fr den keine Rckstellungen gemacht wurden und der einen Gewhrleistungsfall darstellt. Abermals stellen sich dann oft komplexe Fragen, u.a. erneut nach der Rechtsweggabelung.133 Auch hier ndert eine Qualifikation der Vertragspunkt-Bestimmungsklausel auch als Schiedsgutachterklausel nichts an diesem Befund.
So oder so muss fr die Vollstreckung der Vertragspunkt-Bestimmung bei nicht freiwilligem Akzept der Vertragspunkt-Bestimmung durch die Parteien der Richter angegangen werden.134 Das gilt auch fr eine Vertragspunkt-Bestimmung in Form eines Schiedsgutachtens, da ein Schiedsgutachten entgegen dem Schiedsurteil nicht per se vollstreckbar ist.135
So stellt sich insgesamt die Frage der Sinnhaftigkeit der Involvierung von Dritten im Rahmen von M&A-Vertrgen: Dem Vorteil des speziellen Know-how des Dritten, z.B. im Bereich der Buchhaltung, steht oft der Nachteil der fehlenden Rechtskenntnisse des Dritten gegenber. Denn wie aufgezeigt, geht es doch in den Verfahren aufgrund von Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln in aller Regel auch und v.a. um Rechtsfragen. Zudem wirft das Vertragspunkt-Bestimmungsverfahren wegen des einzuhaltenden Minimalstandards136 komplizierte prozedurale Rechtsfragen auf. Dies gilt auch dann, wenn die Vertragspunkt-Bestimmung in der Form des Schiedsgutachtens erfolgt.137 Oft berfordern diese prozeduralen Rechtsfragen ebenso wie die komplizierten materiellen Rechtsfragen (z.B. Abgrenzung eines Preisanpassungsverfahrens vom Gewhrleistungsverfahren) den Dritten, der darauf oft mit dem Beizug eigener Rechtsanwlte reagiert, was das Verfahren wiederum verteuert und verlngert. Erneut ndert eine Qualifikation der Vertragspunkt-Bestimmungsklausel auch als Schiedsgutachterklausel nichts an diesem Befund.
Der Vorteil des speziellen Know-how des Dritten ist zudem relativ, verfgen doch auch die staatlichen Gerichte wie Handelsgerichte oder Schiedsgerichte ber betrchtliches Know-how bzw. beschaffen es sich ber Gutachten.138
Die Praxis in M&A-Vertrgen, standardmssig Dritte fr Vertragspunkt-Bestimmungen, v.a. bei Preisbestimmungen, einzusetzen, ist deshalb kritisch zu beurteilen. In aller Regel sind die Parteien besser beraten, die Ver-
133 Zu diesem Problem Frey/Mller (FN 12), 197 ff. 134 Beyeler/Gksu (FN 41), 277 f. 135 Z.B. BSK ZPO-Dolge, Art. 189 N 42, 58 f.; Carr/Vischer (FN 6),
Rz. 24 f. 136 S. Kapitel IV.4.5. 137 S. Art. 189 Abs. 3 lit. b und c ZPO, dazu z.B. BSK ZPO-Dolge,
Art. 189 N 29 f., 48, 50 ff. und bereits Kapitel IV.4.5. 138 Carr/Vischer (FN 6), Rz. 27.
tragspunkt-Bestimmung unter der allgemeinen Streitbeilegungsklausel gleich dem Richter (bzw. dem Schiedsgericht) zu berlassen.139
Mindestens aber sollten die Parteien die VertragspunktBestimmung explizit Art. 184 Abs. 3 OR und nicht Art. 189 ZPO unterwerfen, mindestens solange nicht geklrt ist, ob ein Schiedsgutachter auch Rechtsfragen beantworten darf. Bejaht man Letzteres entgegen der hier vertretenen Auffassung, ist das Vertragspunkt-Bestimmungsverfahren i.S.v. Art. 184 Abs. 3 OR alsdann auch ein Schiedsgutachterverfahren i.S.v. Art. 189 ZPO. Die Vertragspunkt-Bestimmung i.S.v. Art. 184 Abs. 3 OR wird alsdann auch zum Schiedsgutachten i.S.v. Art. 189 ZPO, weswegen die Parteien in diesem Fall in der Vertragspunkt-Bestimmungsklausel/Schiedsgutachterklausel auch auf beide Bestimmungen hinweisen sollten.
Zudem sollten die Parteien dem Dritten in der Vertragspunkt-Bestimmungsklausel mindestens auch klare materielle und prozedurale Vorgaben fr die VertragspunktBestimmung machen.140 Wenn die Parteien sich noch einigen knnen, knnen sie diese Vorgaben spter, z.B. kurz vor Einleitung des Vertragspunkt-Bestimmungsverfahrens unter Mithilfe oder sogar Einbezug des Dritten in einer separaten Vereinbarung przisieren und vertiefen.141 Solche Vereinbarungen sind in der M&APraxis v.a. in Bezug auf die prozeduralen Vorgaben relativ hufig, weil solche in vielen Vertragspunkt-Bestimmungsklauseln fehlen142 und eine Einigung in Bezug auf diese im Interesse beider Parteien ist.143 Diese Vereinbarungen hneln alsdann den Terms of Reference144 bzw. den Procedural Timetables145 im Schiedsgerichtsbereich, wodurch sich das anschliessende VertragspunktBestimmungsverfahren in der Durchfhrung stark einem Schiedsverfahren annhert, ohne aber dass es im Regelfall dem Parteiwillen entspricht, dass es auch ein Schiedsverfahren ist.
139 Carr/Vischer (FN 6), Rz. 26. 140 S. bereits Kapitel IV.4.5. 141 S. auch Tschni/Frey/Mller (FN 6), Rz. 269, zu den zwi-
schen den Parteien und einem Schiedsgutachter geschlossenen sog. Terms of Engagement. 142 S. bereits Kapitel IV.4.4 und Kapitel IV.4.5. 143 S. Watter (FN 33), 9. 144 Dazu z.B. BSK IPRG-Schneider/Scherer, Art. 182 N 8; Franz Kellerhals/Bernhard Berger, Terms of Reference, Ihre Bedeutung fr das Schiedsverfahren, recht 2002, 2436, 24 ff.; s. auch BGE 134 III 186 fr einen Anwendungsfall; s. auch art. 23 ICC Rules of Arbitration (Stand: 1. Mrz 2017). 145 S. Urteil des Bundesgerichts 4A_236/2017 vom 24. November 2017 fr einen Anwendungsfall.
Walder Wyss - Dario Galli, Markus Vischer and Michael Kündig
EntscheidbesprechungenDiscussions d'arrts actuels *
Entscheidbesprechungen - Discussions d’arrêts actuels *
Die sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts *