Source: http://www.umsatzsteuerrecht.de/54181.htm
Timestamp: 2019-03-21 12:55:41
Document Index: 46526791

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 4', '§ 15', '§ 4', '§ 15', '§ 4', '§ 12', '§ 4']

FG Hamburg v. 11.10.2018 - 2 K 116/18
Kein Vorsteuerabzug fÃ¼r Lamborghini Aventador
Die Anschaffung eines Lamborghini Aventador berechtigt nicht zum Vorsteuerabzug, weil sie als ReprÃ¤sentationsaufwand dem Abzugsverbot des Â§ 15 Abs. 1a Satz 1 UStG i.V.m. Â§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 EStG unterfÃ¤llt. Der Unterhalt eines derartigen Fahrzeugs dient Ã¤hnlichen Zwecken wie Aufwendungen fÃ¼r Jagden, Segel- oder Motorjachten, weil er seiner Art nach geeignet ist, unangemessenen ReprÃ¤sentationsaufwand darzustellen.
Die KlÃ¤gerin betreibt ein GebÃ¤udereinigungsunternehmen. Sie hatte im November 2016 einen gebrauchten Lamborghini Aventator LP 700-4 (Kilometerstand 18.700) mit transparenter Motorhaube fÃ¼r 298.475 â‚¬ brutto erworben. Die Umsatzsteuer von 47.656,00 â‚¬ machte sie mit ihrer Umsatzsteuervoranmeldung fÃ¼r November 2016 als Vorsteuer geltend. Das Fahrzeug wurde vollstÃ¤ndig dem unternehmerischen Bereich zugeordnet; die Privatnutzung durch ihren Gesellschafter-GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer wurde nach der 1% Methode berechnet und lohnversteuert.
Nach einer UmsatzsteuersonderprÃ¼fung versagte das Finanzamt den begehrten Vorsteuerabzug entsprechend Â§ 15 Abs. 1a Satz 1 UStG i.V.m. Â§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 7 EStG. Das Fahrzeug stelle unangemessenen ReprÃ¤sentationsaufwand dar und diene der Vorliebe des GeschÃ¤ftsfÃ¼hrers fÃ¼r Sportwagen. Die KlÃ¤gerin hielt dagegen, dass es dem GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer in der Vergangenheit immer wieder gelungen sei, Ã¼ber seine Sportwagenkontakte neue Kunden zu gewinnen. Ãœberdies sei die Nutzung des Fahrzeugs lohnversteuert worden, sodass lediglich der Differenzbetrag von unter 1.000 â‚¬ zwischen monatlicher Afa und Lohnsteuer in Rede stehe. Jedenfalls mÃ¼sse ein Vorsteuerbetrag fÃ¼r ein angemessenes Fahrzeug, beispielsweise einen Mercedes Benz der S Klasse, berÃ¼cksichtigt werden.
Die Klage blieb vor dem FG erfolglos. Die Entscheidung ist rechtskrÃ¤ftig.
Das Finanzamt hat den Vorsteuerabzug aus der Rechnung Ã¼ber den Erwerb des PKW Lamborghini Aventator zu Recht versagt.
Der Vorsteuerabzug war bereits gem. Â§ 15 Abs. 1a Satz 1 UStG zu versagen. Danach sind VorsteuerbetrÃ¤ge nicht abziehbar, die auf Aufwendungen entfallen, fÃ¼r die das Abzugsverbot des Â§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 bis 4, 7 oder des Â§ 12 Nr. 1 EStG gilt. Der streitige Aufwand unterfiel dabei dem Abzugsverbot des Â§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 EStG.
Bei den Aufwendungen handelte es sich ihrer Art nach um unangemessenen ReprÃ¤sentationsaufwand. Der Lamborghini Aventador, bei seiner MarkteinfÃ¼hrung dargestellt als "Supersportwagen, unter dessen transparenter Motorhaube ein 6,5 Liter-V-12 Mittelmotor-Herz mit 515 kW/700 PS pocht, das den 1.575 Kilogramm schweren Italiener in nur 2,9 Sekunden auf Tempo 100 katapultiert", ist seinem Erscheinungsbild nach der Prototyp eines Sportwagens, der trotz serienmÃ¤ÃŸiger Herstellung im StraÃŸenbild Aufsehen erregt, der sportlichen BetÃ¤tigung dient und geeignet ist, ein Affektionsinteresse des Halters auszulÃ¶sen und typisierend den privaten Interessen des Gesellschafter-GeschÃ¤ftsfÃ¼hrers zu dienen.
Eine "Saldierung" der Afa-BetrÃ¤ge mit der Lohnsteuer des GeschÃ¤ftsfÃ¼hrers war ebenfalls abzulehnen. Denn dem Abzugsverbot unterliegt auch solcher unangemessener ReprÃ¤sentationsaufwand, den ein Steuerpflichtiger Ã¼ber seinen Arbeitnehmer im betrieblichen Interesse macht. Unter diesen UmstÃ¤nden kam es auch nicht darauf an, ob die Nutzung eines Luxussportwagens durch den GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer tatsÃ¤chlich erforderlich war, um Kunden zu akquirieren.
Verlag Dr. Otto Schmidt vom 07.01.2019 15:21