Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=AG%202011,%20554
Timestamp: 2019-06-27 05:24:02
Document Index: 90283450

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 280', '§ 311', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 17.05.2011 - II ZR 202/09 - dejure.org
https://dejure.org/2011,9087
BGH, 17.05.2011 - II ZR 202/09 (https://dejure.org/2011,9087)
BGH, Entscheidung vom 17.05.2011 - II ZR 202/09 (https://dejure.org/2011,9087)
BGH, Entscheidung vom 17. Mai 2011 - II ZR 202/09 (https://dejure.org/2011,9087)
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§ 280 Abs 1 BGB, § 311 Abs 2 Nr 1 BGB
Beteiligung an einem im sozialen Wohnungsbau tätigen Immobilienfonds: Haftung wegen unzutreffender Angaben über die Anschlussförderung im Beteiligungsprospekt
Prospektfehler liegt durch mangelnde Aufklärung über Haftung nach Wegfall einer Anschlussförderung für den sozialen Wohnungsbau wegen Beteiligung an einer Grundstücksgesellschaft vor; Annahme eines Prospektfehlers durch mangelnde Haftungsaufklärung für die Beteiligung an einer Grundstücksgesellschaft hinsichtlich einer versprochenen Anschlussförderung im sozialen Wohnungsbau
Geschlossener Immobilienfonds: Verantwortlichkeit eines Gründungsgesellschafters für Prospektmängel
Noch 17 Jahre nach Fondsbeitritt Schadensersatz geltend machen?
Zur Verantwortlichkeit eines Gründungsgesellschafters für Prospektmängel und zur Kausalität bei einem Entscheidungskonflikt
LG Berlin, 13.06.2007 - 36 O 26/07
KG, 08.07.2009 - 26 U 156/07
AG 2011, 554
(1) Zwar muss der Anleger nach der ständigen Rechtsprechung des Senats über alle Eigenschaften und Risiken der Anlage richtig und vollständig informiert werden, die für seine Entscheidung wesentliche Bedeutung haben oder haben können (siehe nur BGH, Urteil vom 6. Oktober 1980 - II ZR 60/80, BGHZ 79, 337, 344; Urteil vom 17. Mai 2011 - II ZR 202/09, AG 2011, 554 Rn. 9 m.w.N.).
a) Die Beklagte hatte als Gründungsgesellschafterin die Pflicht, einem Beitrittsinteressenten für seine Beitrittsentscheidung ein zutreffendes Bild über das Beteiligungsobjekt zu vermitteln und ihn über alle Umstände, die für seine Anlageentscheidung von wesentlicher Bedeutung sind oder sein können, insbesondere über die mit der angebotenen speziellen Beteiligungsform verbundenen Nachteile und Risiken zutreffend, verständlich und vollständig aufzuklären (st. Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 17. Mai 2011 - II ZR 202/09, AG 2011, 554 Rn. 9;… Urteil vom 31. Mai 2010 - II ZR 30/09, ZIP 2010, 1397 Rn. 9 m.w.N.).
Der Beklagte zu 1 hatte als Gründungsgesellschafter deshalb die Pflicht, einem Beitrittsinteressenten für seine Beitrittsentscheidung ein zutreffendes Bild über das Beteiligungsobjekt zu vermitteln und ihn über alle Umstände, die für seine Anlageentscheidung von wesentlicher Bedeutung sind oder sein können, insbesondere über die mit der angebotenen speziellen Beteiligungsform verbundenen Nachteile und Risiken zutreffend, verständlich und vollständig aufzuklären (vgl. BGH…, Urteil vom 9. Mai 2017 - II ZR 344/15, WM 2017, 1252 Rn. 17;… Urteil vom 21. Juni 2016 - II ZR 331/14, ZIP 2016, 1478 Rn. 13;… Urteil vom 9. Juli 2013 - II ZR 9/12, ZIP 2013, 1616 Rn. 33;… Urteil vom 14. Mai 2012 - II ZR 69/12, ZIP 2012, 1289 Rn. 10;… Urteil vom 23. April 2012 - II ZR 211/09, ZIP 2012, 1231 Rn. 13; Urteil vom 17. Mai 2011 - II ZR 202/09, AG 2011, 554 Rn. 9;… Urteil vom 31. Mai 2010 - II ZR 30/09, ZIP 2010, 1397 Rn. 9).
Wie der Bundesgerichtshof wiederholt (z.B. Urteil vom 17.5.2011, Az. II ZR 202/09) festgestellt hat, entschuldigt ein Rechtsirrtum nur dann, wenn der Irrende bei Anwendung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt mit einer anderen Beurteilung durch die Gerichte nicht zu rechnen brauchte (BGH, Urteil vom 25. Oktober 2006 - VIII ZR 102/06, NJW 2007, 428).
Den für diese Auffassung in Bezug genommenen Urteilen (BGH, Urteile vom 22. März 2010 - II ZR 193/08, juris, vom 31. Mai 2010 - II ZR 30/09, WM 2010, 1310 und vom 17. Mai 2011 - II ZR 202/09, AG 2011, 554; OLG Hamm, Urteil vom 2. April 2009 - 27 U 105/07, juris) lässt sich aber nichts dafür entnehmen, dass es für die Indizwirkung auf weiteren Vortrag, die erstrebte Steuerersparnis sei nur bei Kapitalanlagen mit vergleichbaren Rückvergütungen zu erzielen gewesen, ankommen könnte.
Auf ein solches Risiko sei nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 17.05.2011, II ZR 202/09, hinzuweisen gewesen.
Von einem Immobilienfonds erwartet der durchschnittliche Anleger daher vor allem Werthaltigkeit (vgl. BGH, Urteil vom 17.05.2011 - II ZR 202/09 -, Rdnr. 18, zitiert nach Juris).
Beim Beitritt zu einem geschlossenen Immobilienfonds stehen in der Regel Fragen der Sicherheit, Rentabilität und des Inflationsschutzes für eine Anlageentscheidung im Vordergrund, während mögliche Steuervorteile in der Regel eine geringere Rolle spielen (vgl. BGH, Urteil vom 17.05.2011 - II ZR 202/09 -, Rdnr. 18, zitiert nach Juris).
Dabei wird es zu beachten haben, dass für den Beginn der Verjährung maßgeblich ist, wann der Kläger von dem Beschluss des Berliner Senats vom 4. Februar 2003, von einer Anschlussförderung abzusehen, Kenntnis erlangt hat oder ohne grobe Fahrlässigkeit hätte Kenntnis erlangen müssen (vgl. BGH, Urteile vom 17. Mai 2011 - II ZR 202/09, AG 2011, 554 Rn. 29 und - II ZR 123/09, juris Rn. 30).
Als Anlageberaterin schuldete sie dem Kläger zwar ein zutreffendes Bild von dem Anlageobjekt; dazu musste sie ihn über alle für seine Entscheidung wesentlichen Umstände, insbesondere über die mit der angebotenen speziellen Anlageform verbundenen Nachteile und Risiken zutreffend, verständlich und umfassend aufklären (vgl. BGH, Urteil vom 17.05.2011 - II ZR 202/09, jurisRn. 9 m.w.N.;… NJW-RR 2004, 1407 f., jurisRn. 8).
Sie hat weder behauptet, die Berufungskläger seien auf andere Weise über die Altlastenproblematik informiert worden, noch hat sie dargelegt, dass die Berufungskläger einen entsprechenden Hinweis unbeachtet gelassen hätten (vgl. BGH, Urteile vom 17. Mai 2011 - II ZR 202/09 - juris Rn. 22, …und vom 15. Juli 2010 - III ZR 322/08 - juris Rn. 21, jew. mwN.).
LG Hamburg, 15.01.2016 - 318 O 66/14