Source: http://ungarisch-ubersetzer.at/ungarisch-gerichtsdolmetscher.html
Timestamp: 2020-02-23 20:56:05
Document Index: 255519817

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 184', '§ 114', '§ 61', '§ 113', '§ 62', '§ 60', '§ 29', '§ 67', '§ 114', '§ 12']

Das Gerichtsdolmetschen ist ein in der internationalen Fachliteratur intensiv geforschtes Thema, ungarische translationswissenschaftliche Forschungen auf diesem Gebiet gibt es jedoch erst seit einigen Jahren (Csörgő 2013; Farkasné Puklus 2016; Horváth 2013, 2014; Kállai-Mozsolits 2017). Parallel dazu wurde in Ungarn die Dolmetscher-Ausbildung in die Wege geleitet. Dies alles fügt sich gut in eine internationale Tendenz der Raumgewinnung sozialen Dolmetschens. Im Folgenden erörtere ich die Entwicklung des Rechts auf Verdolmetschung. Danach beschreibe ich die Eigenheiten dieses Dolmetschgebiets und das Gerichtsdolmetschen als Beruf. Zum Schluss gehe ich auf die Lage des Gerichtsdolmetschens in Ungarn ein.
2. DAS RECHT AUF VERDOLMETSCHUNG
Das Recht auf Verdolmetschung, bzw. Übersetzung gewinnt seit dem II. Weltkrieg ständig an Bedeutung. Die ersten Meilensteine dieser Entwicklung waren die Nürnberger Prozesse als Abschluss des II. Weltkriegs. Die Prozesse wurden zwischen dem 18.10.1945 und dem 1.10.1946 geführt. Artikel 16 (c) und 25 des Statuts des Internationalen Militärgerichtshofs sicherten den Angeklagten das Recht auf Verdolmetschung. Gegenstand der Tokioter Prozesse, d.h. das Verfahren des Internationalen Militärgerichtshofs des Fernen Ostens war die Verurteilung der Täter von Kriegsverbrechen an fern-östlichen Kriegsschauplätzen im II. Weltkrieg. Zu den Tokioter Prozessen kam es ab dem 5.5.1946 bis zum 6.4.1948. Das Statut des Internationalen Militärgerichtshofs des Fernen Ostens Artikel 9 (a) und (b) sichern den Angeklagten das Recht auf Verdolmetschung.
Ein Eckstein des Rechts auf Verdolmetschung ist die Europäische Menschenrechtskonvention des Europarats von 1950, dessen 6. Artikel als Teil eines Rechts auf anständige Verhandlung feststellt, dass jede ein Recht hat
(a) in kürzester Zeit auf der möglichst detaillierten Weise über die Natur der gegen ihn erhobenen Anklage und über deren Gründe aufgeklärt zu werden
auf einer Sprache, welchen er mächtig ist, bzw. das Recht darauf,
(e) dass ein kostenloser Dolmetscher ihm zu Verfügung steht, wenn er die auf der Verhandlung verwendete Sprache nicht versteht oder spricht.
Die gleichen Rechte werden in dem von der Generalversammlung der Vereinten Nationen erlassenen Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte festgesetzt. Artikel 14 Punkt 3 dieses Pakts besagt im Sinne der Gleichheit vor dem Gesetz:
Bei der Beurteilung der gegen ihm erhobenen Anklage hat jeder wenigstens das gleiche und vollständige Recht auf folgende Sicherheiten:
(a) über die Gründe und Natur der gegen ihn erhobene Anklage in kürzester Frist auf einer ihm verständlichen Sprache aufgeklärt zu werden; […]
(f) kostenfrei Dolmetscher in Anspruch zu nehmen, falls er die in der Verhandlung verwendeten Sprache nicht versteht oder spricht; […]
2.1. DAS RECHT AUF VERDOLMETSCHUNG AUSSERHALB EUROPAS
Das Recht auf Verdolmetschung wird außerhalb Europas an mehreren Stellen gewährleistet. Beispielsweise gewährt in den Vereinigten Staaten das Gesetz über die Gerichtsverdolmetschung von 1978 (Court Interpreters’ Act) das Recht des Angeklagten auf Verdolmetschung (Edwards 1995, Mikkelson 2000). Ähnliche Verfügungen gelten auch in Kanada. Bei Amerika muss man die Amerikanische Erklärung der Rechte und Pflichten des Menschen von 1969 erwähnen, welche von der Organisation Amerikanischer Staaten als Vertrag von 1978 angenommen hat, und dessen Artikel 8 Absatz 2 Punkt (a) das Recht des Angeklagten auf kostenfreie Verdolmetschung und Übersetzung sicherstellt.
In Asien unterzeichneten zwar mehrere Staaten das Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte, in der Praxis kommt jedoch das Recht auf Verdolmetschung nicht immer zur Geltung. In Australien verfügt die gerichtliche Verdolmetschung nicht über eine konstitutionelle oder gesetzliche Garantie, frühere Urteile erwähnen hingegen die Notwendigkeit der Verdolmetschung im Fall von Prozessparteien, welche des Englischen nicht mächtig sind. Afrikas Grunddokument ist die Afrikanische Charta der Menschen- und Völkerrechte von 1986, deren Grundlage das Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte ist. Die Afrikanische Charta hat einen ähnlichen Text wie die europäische und die amerikanische Menschenrechtskonventionen, beinhaltet jedoch keinen Hinweis auf ein Recht auf Verdolmetschung (Mikkelson 2000).
2.2. DAS RECHT AUF VERDOLMETSCHUNG IN DER EUROPÄISCHEN UNION
Die Europäische Union schuf mehrere sprachpolitisch relevante Rechtsakte. In dem Vertrag von Rom Artikel 217. geschieht die sprachliche Regelung der Einrichtungen der Europäischen Union aufgrund der Entscheidung des Ministerrats. Offizielle Sprache und Arbeitssprache der Union kann eine Staatssprache der Mitgliedstaaten sein. Die Rechtsgrundlage dieser Situation stammt aus der Verordnung des Rats vom 15. April 1958. Dies war Verordnung Nr. 1. des Rats, welche mit dem Anschluss neuer Mitgliedstaaten entsprechend geändert werden. Die Verordnung ist zugleich Charte der Sprachen der Europäischen Union. Die offiziellen Dokumente, verschiedene Vorschriften, Schriftsätze, bzw. gerichtliche Urteile erscheinen in allen Sprachen der Gemeinschaft, und die Verträge sind in allen Amtssprachen beglaubigt.
Das Beispiel der irischen Sprache zeigt zum Beispiel, dass Gerichtsverfahren auch in der EU eine besondere Rolle aus sprachpolitischer Sicht zukam. Irland verzichtete nämlich auf den Status Arbeitssprache der irischen Sprache, die wichtigsten Verträge wurden jedoch immer auch auf Irisch übersetzt, und auch an den Europäischen Gerichtshof konnte man sich auf Irisch wenden. Seit 2005 ist auch Irisch eine der amtlichen Arbeitssprachen der Europäischen Union, für die praktische Verwendung der irischen Sprache in den Instituten der Europäischen Union gilt bis 2021 eine mehrfach verlängerte Derogation [Verordnung 920/2005/EK des Rats, Verordnung 1257/2010/EU des Rats, Verordnung 2015/2264 des Rats (EU/Euratom)]. Dies hat praktische Gründe, weil nur wenige Übersetzer, Linguisten und Dolmetscher zu Verfügung stehen.
Die Sprachverwendung des Gerichtshofs der Europäischen Union wird von dessen Verfahrensregelung bestimmt. Danach ist „einer Sache eine Verfahrenssprache zugeordnet. In den unmittelbaren Gesuchen darf der Kläger diese Sprache aus den 23 offiziellen Sprachen der Union auswählen“. (Artikel 37. Punkt 1) Das Dolmetschen wird von der Direktion Dolmetschen organisiert.
Auf der Ebene der Mitgliedstaaten ist die neuste Errungenschaft in der EU, dass das Europäische Parlament die Richtlinie 2010/64/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20.10.2010 über das Recht auf Verdolmetschung und Übersetzung in einem Strafverfahren akzeptiert hat. Dies bedeutet, dass alle Bürger der Europäischen Union ein Recht auf die Verdolmetschung und Übersetzung auf ihre jeweilige Muttersprache im gegen ihn eingeleiteten Strafverfahren haben. Die Verdolmetschung und Übersetzung steht ihnen von der Mitteilung der Tatsache ihrer Verdächtigung bis zum Ende des Verfahrens zu, und sie erstreckt sich über den Verhör und die Absprache mit dem Rechtsanwalt bis zur Gerichtsverhandlung. Diese Richtlinie mussten die Mitgliedstaaten bis zum 27.10.2013 in ihrem Rechtssystem umsetzen.
2.3. DAS RECHT AUF VERDOLMETSCHUNG IN UNGARN
In Ungarn wird das Recht auf Verdolmetschung im III. Gesetz über die Zivilprozessordnung von 1952 erstmalig erwähnt. Dieses Gesetz geht auf die Nutzer der Zeichensprache und der Zeichensprachenverdolmetschung gesondert ein.
In § 6 Abs. (1) ist die Sprache von Zivilprozessen das Ungarische, und „wegen Nichtbeherrschen der Ungarischen Sprache sollte niemand benachteiligt werden“. Abs. (2) des gleichen Paragraphs besagt, dass
Im Gerichtsverfahren – in von internationalen Abkommen bestimmten Kreisen – sind alle berechtigt, ihre Muttersprachen, Regional- oder Nationalitätensprachen zu verwenden. Absatz (3) verfügt über das Recht auf Verdolmetschung: Das Gericht ist verpflichtet, einen Dolmetscher einzusetzen, wenn dies für die Erfüllung der Grundsätze in den Absätzen (1) und (2) nötig ist.
Im § 184 geht es um den Dolmetscher und Vorangehendes wird bekräftigt, dann wird in Absatz (2) festgesetzt, dass
Auf Antrag der hörgeschädigten Person soll man diese unter Mitwirkung eines Zeichensprachendolmetschers an- bzw. verhören, oder sie kann statt Anhörung bzw. Verhör auch eine schriftliche Erklärung machen.
Abs. (3) verleiht Dolmetschern den Status von Experten: „an den Dolmetscher müssen die Verfügungen des Gesetzes für Experten angewandt werden“.
Gegenwärtig schreibt das XIX. Gesetz von 1998 über das Strafverfahren den Einsatz des Dolmetschers vor, laut § 114. Abs. (1) muss man in Ungarn einen Dolmetscher in Anspruch nehmen, wenn der nicht-ungarische Muttersprachler während des Verfahrens seine Muttersprache aufgrund eines gesetzlich verkündeten internationalen Vertrags in einem dort bestimmten Kreis seine Regional- oder Nationalitätensprache verwenden möchte. Sollte die Verwendung der Muttersprache auf übermäßige Hindernissen stoßen, sollte man die Verwendung einer von der fremdsprachlichen Person angegebene Zweitsprache mittels Dolmetscher sichern.
Ähnlich zu bürgerlichen Streitverfahren bezieht sich Absatz (2) auch hier auf Dolmetscher der Zeichensprache, und Absatz (3) verleiht dem Dolmetscher auch im Strafverfahren den Expertenstatus. Des weiteren besagt er, dass man fallweise Dolmetscher oder „sonstige Person mit entsprechenden Sprachkenntnissen“ einbeziehen kann. Der letzte Satz in Absatz (3) lautet wie folgt: „Unter Dolmetscher ist auch der Fachübersetzer zu verstehen.“ Es ist ersichtlich, dass die Ungarische Regelung hinter der der Europäischen Union zurückbleibt, weil sie keinen Unterschied zwischen der schriftlichen und der mündlichen Vermittlung macht, bzw. die entsprechende Qualifizierung für Dolmetscher in Strafverfahren nicht vorschreibt.
Ein anderes Gesetz, welches das Recht auf Verdolmetschung erwähnt, ist das CXL. Gesetz über die allgemeinen Regeln der Verfahren bei Verwaltungsbehörden von 2004 (Két.).
Am 1. Januar 2018 tritt die neue Zivilprozessordnung in kraft (CXXX. Gesetz über Zivilprozessordnung). Überschrift 18. (Die Rolle des Dolmetschers und des Übersetzers im Verfahren) derselben beinhaltet unter § 61 – mit Referenz auf die Rechte der Sprachverwendung in § 113 – ähnliche Bestimmungen wie die aktuellen. § 62. behandelt die Übersetzung getrennt: „Im Fall der Notwendigkeit einer Übersetzung – ohne einen verbindlichen Rechtsakt der Europäischen Union bzw. einer anderweitigen Bestimmung einer internationalen Konvention – ist eine einfache Übersetzung anzuwenden. Sollten Zweifel bzgl. der Richtigkeit bzw. Vollständigkeit des übersetzten Textes aufkommen, ist eine beglaubigte Übersetzung anzuwenden.“
Laut § 60 Absatz (1):
Wenn der Sachbearbeiter der Fremdsprache des Kunden oder sonstigen Teilnehmers des Verfahrens nicht mächtig ist, ist ein Dolmetscher anzuwenden. Wenn der Sachbearbeiter die Fremdsprache nicht beherrscht, ist im Interesse der Kunden und anderen Teilnehmer ein Dolmetscher heranzuziehen, es sei denn, auch sie sprechen die jeweilige Sprache.
Dieses Gesetz formuliert schon nuancierter, weil man ja nur einen Dolmetscher heranziehen soll, wenn dies für die Kommunikation wirklich erforderlich ist. Absatz [2] bezieht sich auch hier auf Zeichendolmetscher, und Absatz [3] erklärt den Dolmetscher für Experten. Absatz [4] erlaubt auch hier, dass
Die Behörde für die Klärung des Sachverhaltes – sofern diese auf sonstiger Weise nicht möglich ist – eine die Fremdsprache sprechende Person am Schauort als Dolmetscher in Anspruch nehmen kann.
Also wird die Verwendung eines Fachmanns mit entsprechender fachlichen Qualifikation nicht vorausgesetzt. Die Definition „die Fremdsprache sprechende Person“ wird nicht näher bestimmt. Hingegen schreibt der gleiche Absatz vor, dass man
Den als Dolmetscher eingesetzte Person über die Rechte und Pflichten von Dolmetschern aufklären, und diese Tatsache und die Erklärung der als Dolmetscher eingesetzten Person im Protokoll der Kontrolle vor Ort festhalten sollte.
Am 1. Januar 2018 tritt das Gesetz über der Allgemeinen Verwaltungsordnung von 2016 (Akr.) anstelle vom Két. in kraft. Das Akr. schreibt über das Dolmetschen folgendes vor, in dessen Sinne auch seitens der Behörde Verdolmetschung verrichtet werden kann:
73. [Der Dolmetscher]
(1) Wenn der Sachbearbeiter der Fremdsprache des Kunden oder sonstigen Teilnehmers im Verfahren nicht mächtig ist, ist ein Dolmetscher anzuwenden.
(2) Eine in der Sache nicht verfahrendes Mitglied der verfahrenden Behörde, sowie – sofern es für die Klärung des Sachverhaltes unumgänglich ist – eine Person am Schauort der Kontrolle, die Fremdsprache sprechende Person kann als Dolmetscher herangezogen werden.
(3) Maßgeblich für den Dolmetscher sind die Bestimmungen für Experten.
Das Gesetz bestimmt auch über das Zeichendolmetschen (s. § 29 Abs. [3]) und über die allgemeinen Regeln der Sprachverwendung.
Darüber hinaus besagt das II. Gesetz über Regelübertretungen, Regelübertretungsverfahren und dessen Verwaltungssystem von 2012 § 67 Abs. (1), dass
Wenn die fremdsprachliche Person ihre Muttersprache im Verfahren verwenden möchte oder laut Regeln dieses Gesetzes die Verwendung einer anderen Sprache beantragt, ist ein Dolmetscher heranzuziehen.
Auch dieses Gesetz schreibt den Einsatz eines Zeichendolmetschers im Bedarfsfall vor. Der Dolmetscher ist auch hier Experte, und Fachübersetzer sind hier miteinbezogen.
Sonst ist über die Lage in Ungarn zu erwähnen, dass das ungarische Parlament die Richtlinie 2010/64/EU über das Recht auf Verdolmetschung und Übersetzung im Strafverfahren vom Europäischen Parlament und Rat (20. Oktober 2010) in November 2013 umgesetzt hat [siehe § 114 des XIX. Gesetzes von 1998 über Strafverfahren sowie § 12 des CCXL. Gesetzes von 2013 über die Durchführung von Strafen, Maßnahmen, einzelnen Zwangsmaßnahmen und das Regelübertrittsverfahren Abs. 1-2]. Das heißt, das Recht auf Verdolmetschung hat sich auch in Ungarn verstärkt.
Aus dem Obigen geht hervor, dass das Recht auf Verdolmetschung eng mit dem Gerichtsdolmetschen verbunden ist. Bei der Sicherung des Rechtes auf Verdolmetschung ist nämlich das Ziel, dass bei Strafverfahren bzw. bei bürgerlichen Streitverfahren das Recht auf eine anständige Verhandlung und die grundlegende Menschenrechte gesichert werden. Ein Grundsatz des Rechts auf anständige Verhandlung ist die „juristische Anwesenheit“ des Angeklagten an der Verhandlung. Die Anwesenheit im juristischen Sinne setzt auch die „sprachliche Anwesenheit“ vor (González 1994).
3. BERUFSBILD GERICHTSDOLMETSCHER
Die EU-Richtlinie 2010/64/EU ist unter fachgeschichtlichem Aspekt von bahnbrechender Bedeutung, weil sie in Artikel 5 die Qualität der Verdolmetschung und der Übersetzung eingehend behandelt. Punkt 2. des Artikels betont, dass „die Mitgliedstaaten bestrebt sind, ein Verzeichnis der unabhängigen Übersetzer und Dolmetscher mit entsprechender Qualifikation hervorzubringen.“ Dies ist nicht nur eine Anerkennung des Dolmetschens und des Gerichtsdolmetschens als Disziplin, sondern eine Betonung ihrer Bildung und Befähigung. Dieser Aspekt ist schon deswegen nicht zu vernachlässigen, weil die allgemeine Beschwerde seitens der Branche vorliegt, dass Dolmetschen vorm Gericht in der Praxis häufig nicht von entsprechend gebildeten Dolmetschern, bzw. von keinen Gerichtsdolmetschern ausgeübt wird.
Trotz dessen also, dass das Recht auf Verdolmetschung allgemeine Anerkennung gewann, ist in zahlreichen Staaten bis dato ungeklärt, welche Vorbildung und welches Können jemanden dazu eignet, Gerichtsdolmetscher zu werden. Eine negative Folge dessen ist, dass diese Aufgabe in sehr vielen Fällen von irgendjemand verrichtet wird und die Auswahl des Dolmetschers ad hoc aufgrund dessen erfolgt, wer gerade die jeweiligen Sprachen spricht, oder wer es behauptet, sie zu sprechen (Berk-Seligson 2008, Mikkelson 2000).
Im Zusammenhang damit ist ein häufig erwähntes Thema der internationalen Fachliteratur die Notwendigkeit der Bildung und der stetigen Weiterbildung von Gerichtsdolmetschern, bzw. immerhin das akute Fehlen derselben. Unter anderem argumentieren Edwards (1995) und Mikkelson (1998) für die Bildung, dass das Dolmetschen im juristischen Umfeld eine viel komplexere und schwierigere Aufgabe ist, als in anderen Umfeldern.
Mikkelson (1998) sieht die Komplexität des Gerichtsdolmetschens in dem Umstand, dass an diesem Gebiet verschiedene Kulturen und Sprachen in einem System aufeinandertreffen, welches schon immer ziemlich unflexibel war, und welches sich an Gesellschaften rapiden Wandels anpassen muss. Deswegen sollte man Gerichtsdolmetscher als Experten mit anerkanntem Fachwissen akzeptieren, welche Verantwortung für ihre Arbeit übernehmen.
3.1. DAS WISSEN UND KÖNNEN DES GERICHTSDOLMETSCHERS
Ein grundlegendes Merkmal des Gerichtsdolmetschens ist das hochspezifische Thema, welches angeeignet werden will. Ein zweites ist es, dass häufig viel auf dem Spiel steht, wenn es über eine Geldstrafe oder Freiheitsentzug oder über eine internationale Kinderplatzierung oder Asylgesuch entschieden wird. Folglich stehen menschliche Schicksale auf dem Spiel.
Nehmen wir noch die außersprachlichen Faktoren hinzu, wie das sehr schnelle Sprechen, den mehrfach unterbrochenen Redefluss und die hohe Zahl möglicherweise auftauchender Themen, sowie die emotionale Überhitzung. Erschwert wird das Gerichtsdolmetschen außerdem durch den Umstand, dass eine Vorbereitung im Vorfeld in den seltensten Fällen möglich ist.
Der Gerichtsdolmetscher muss folglich über ein sehr vielfältiges Wissen verfügen. Breites Hintergrundwissen ist also eines der Voraussetzungen, weil er während seiner Arbeit auf sehr unterschiedliche Themen trifft. Des Weiteren muss er über juristische Grundkenntnisse verfügen. Das bedeutet nicht, dass er ein ausgebildeter Jurist sein soll, weil er ja nicht als juristischer Experte in der Rechtsprechung mitwirkt, sondern als Kommunikationsfachmann. Das heißt, dass er juristische Kenntnisse braucht, welche ihm ermöglichen, sich in den Kommunikationssituationen im juristischen Umfeld zurechtzufinden, und dadurch die Kommunikation der Parteien reibungslos vermitteln kann. In diesem Sinne sollte er die zu den Arbeitssprachen gehörige Rechtssysteme, den Gang der Rechtssprechungsverfahren, die Aufgaben der Akteuren und ihre Beziehung zueinander, ihre Rechte und Pflichten, sowie die Protokollregeln des Verhandlungsraums kennen.
Für das Gerichtsdolmetschen sind ferner psychologische Grundkenntnisse nötig, denn in diesem Kontext trifft man häufig auf misshandelte Menschen, Frauen und Kinder, welche besonderen Umgang benötigen. Der Gerichtsdolmetscher trifft im Laufe seiner Arbeit außerdem gewalttätige Täter; der richtige Umgang mit ihnen ist für Linguisten auch nicht unbedingt eindeutig.
In Verbindung mit der Sprachkenntnis des Gerichtsdolmetschers ist zu erwähnen, dass sie ihre Muttersprache (Sprache A) einwandfrei, bzw. die jeweilige Fremdsprache (Sprache B) auf sehr hohem Niveau beherrschen. In Verbindung mit ihrem Fachsprachenkenntnis ist festzustellen, dass sie nicht nur gerichtliche und amtliche Verfahren kennen, sondern auch derer Sprachverwendung und Fachwortschatz, sowie die Eigenheiten der in Prozessen benutzten Textsorten.
Natürlich ist die genaue Verdolmetschung der verschiedenen gerichtlichen oder amtlichen Fachtexte mit Hinblick auf die kulturellen Unterschiede nicht ohne die entsprechenden prozeduralem Wissen, Dolmetscherfähigkeiten, Strategien möglich. Die Aufgabe des Gerichtsdolmetschers ist es, im gerichtlichen bzw. juristischem Kontext Reden in der Quellsprache in die Zielsprache zu übertragen. Ein Gerichtsdolmetscher arbeitet für gewöhnlich in zwei Richtungen, verrichtet also Retourdolmetschen. Dies kann er auf mehrere Art und Weise tun. Die meist verwendete Dolmetschart während des gerichtlichen Dolmetschens sind: Konsekutivdolmetschen kurzer Passagen, Konsekutivdolmetschen längerer Passagen, Flüsterdolmetschen (Chuchotage), Vom-Blatt-Lesen, Synchrondolmetschen. Von Letzterem wird an ungarischen Gerichten wenig Gebrauch gemacht. Es kommt vor, dass es in juristischem Kontext zu Ferndolmetschen kommt. In diesem Fall wird häufig statt Videokonferenzen Telefondolmetschen angewandt, z.B. bei dringender Zeugenvernehmung.
Aus dolmetschertechnischen Sicht ist ein grundsätzliches Merkmal, dass der Dolmetscher nicht in einer Dolmetschart arbeitet. Diese können innerhalb eines Ereignisses oft und schnell, plötzlich gewechselt werden. Es kann vorkommen, dass er die Anklagerede in konsekutiver Art mit langen Passagen, Befragungen in konsekutiver Art mit kurzen Passagen dolmetschen muss. Ist sein Klient kein Teil der Kommunikation, sondern folgt lediglich die Geschehnisse, wechselt er zum Flüsterdolmetschen, kurz darauf übersetzt er ein früheres Urteil vom Blatt, welches er zum ersten mal sieht, und so weiter.
Damit dies alles sich zu einem Ganzen zusammenstellt, sind außer Hintergrundwissen, Fachwissen und den konkreten Dolmetscherfähigkeiten eine hochentwickelte kognitive Flexibilität, die Fähigkeit kreativer Problemlösung und Entscheidungsfindung, sowie die Fertigkeit der schnellen Informationsverarbeitung und Erkenntnis des Wesentlichen von Nöten. Ein guter Gerichtsdolmetscher duldet Stress, ist ruhig und ausgewogen, und weiß seine Emotionen zu kontrollieren.
3.2 GRUNDPRINZIPIEN DES GERICHTSDOLMETSCHENS
Eines der wichtigsten Prinzipien des Gerichtsdolmetschers ist das Neutralitätsprinzip. Dieses Prinzip gilt natürlich auch bei allen anderen Dolmetscharten, aber beim Gerichtsdolmetschen ist sie gewichtiger, weil die Streitparteien von ihm erwarten, die sprachliche Form ihrer Reden keineswegs so zu übersetzen, dass sie für sie von Nachteil sein können, oder die andere Partei begünstigen. Damit verbunden ist auch die Frage der Loyalität des Dolmetschers zu seinen Kunden (Mikkelson 2000). Das Neutralitätsprinzip bedeutet auch, dass der Dolmetscher über keine Entscheidungsmacht in Verbindung mit den Inhalten des Ereignisses verfügt, d.h. dass seine Meinung den Ausgang des Prozesses nicht beeinflussen darf. Der Dolmetscher ist zu jeder Zeit als Kommunikationsexperte anwesend. Deswegen bringt er Entscheidungen bezogen auf die Kommunikationsaufgabe, für die Entschlüsselung der Sprechabsicht sowie die Gestaltung der zielsprachlichen Entsprechung (Horváth 2015). Der Dolmetscher muss also immer darauf achten, „sich aus der Sache raus zu halten“ (Edwards 1995).
Das nächste Grundprinzip ist die Verschwiegenheit. Es gehört mit zur Beschäftigung des Dolmetschers, dass er oft in Besitz von vertraulichen Informationen kommt. Bei Gerichtsdolmetschern ist dies ist in erhöhtem Maß der Fall. In dieser Hinsicht sind Dolmetscher ähnlich zu Anwälten, auch in der Hinsicht, dass man Anwälte nicht dazu zwingen kann, ihm anvertraute Informationen aufzudecken. Von Gerichtsdolmetschern wird häufig erwartet, selbst ihren Verwandten vorzuenthalten, in welchem Fall sie geraden dolmetschen.
Das professionelle Verhalten ist ein anderes Grundprinzip, welches bei Gerichtsdolmetscher sehr betont zur Geltung kommt, und welches in den Vereinigten Staaten verpflichtend für Gerichtsdolmetscher ist (Mikkelson 2000). Darunter ist zu verstehen, dass der Dolmetscher die Aufmerksamkeit weder mit seiner Bekleidung, noch mit seinem Verhalten auf sich ziehen darf. Das professionelle Verhalten bezieht sich auch auf die Beziehung zu Kollegen, etwa dass der Dolmetscher seine Meinung über die Fachkompetenz oder sonstige Eigenschaften von Kollegen nicht verlautbart. Wichtige Bestandteile professionellen Verhaltens sind außerdem Ehrlichkeit und Integrität.
Ein weiteres ethisches Grundprinzip ist die sprachliche Genauigkeit und Worttreue. Dementsprechend ist es die moralische und berufliche Pflicht, Gesagtes treu, genau und lückenlos, also mit Anspruch auf Vollständigkeit zu dolmetschen. Am Anfang von Strafverfahren muss der Dolmetscher oft ein Eid leisten, dass er treu, vollständig und genau (das genaue Wortlaut kann variieren) dolmetscht, bzw. die Richter fragen ihn für gewöhnlich, ob er über die Konsequenzen falscher Dolmetschung im Klaren ist.
3.3 AUFGABE UND ROLLE DES GERICHTSDOLMETSCHERS
Die Aufgabe des Gerichtsdolmetschers ist es ja, Parteien verschiedener Sprachen die Kommunikation im Streitverfahren zu ermöglichen. Da hilft er nicht nur, sprachliche und kulturelle Hürden zu überwinden, sondern die Unterschiede der Rechtssysteme zu überbrücken.
Eines der wichtigsten Themen des Übersetzungs- und Dolmetscherwissenschaft ist es, die kulturelle Vermittlung zu definieren und zu beschreiben. Was dies alles bedeutet, was die treue und vollständige Entsprechung eines Quelltexts auf der Zielsprache ist, ist eine sehr komplexe übersetzungswissenschaftliche Frage, welche über eine ansehnliche Fachliteratur verfügt. Vereinfacht gesagt ist die Aufgabe des Sprachvermittlers die Neuschaffung der quellsprachlichen Nachricht auf der Zielsprache ist. Die Bedeutung der Botschaft beinhalten zum einen die sprachliche Elemente (grammatische Struktur, Wörter, Wortkonstrukte, etc.) zum anderen paralinguistische (Tonfall, Lautstärke, Rhytmus, etc.) sowie Kommunikationsmerkmale (Teilnehmer, Schauort).
Der Gerichtsdolmetscher findet sich am ihm zugeteilten Gebiet in einer sehr komplexen Lage wieder. Laut dem Kanon von ethischen Kodizes und der Erwartung von Richter und anderen Juristen ist seine primäre Aufgabe, das auf der Quellsprache gesagte „wortwörtlich“ auf der Zielsprache wiederzugeben (Jacobsen 2012, Mikkelson 2000, Morris 1995).
Nach der Formulierung Morris‘ (1995) ist die Aufgabe des Gerichtsdolmetschers die wortwörtliche Übersetzung und nicht die Verdolmetschung (interpreting), weil immer wenn jemand im juristischen Kontext ein Gedanke, ein Argument oder die Botschaft des Textes dolmetscht, macht dies den Eindruck, als hätte er interpretiert. Nach der in angelsächsischen Systemen geführte Vermessung Morris‘ erwarten Juristen von Dolmetschern, dass sie das auf der Quellsprache Gesagte wortwörtlich wiedergeben.
Im Sinne der Vorangehenden ist die Übersetzung nach Meinung der Juristen ein objektiver, mechanischer und überschaubarer Prozeß, in welchem der Dolmetscher ein bloßes Sprechrohr ist. Das Dolmetschen (interpreting), das heißt interpretieren und erklären, also die Erschließung der Botschaft einer Rede, der Sprechabsicht ist also nicht die Aufgabe des Dolmetschers, sondern die des Rechtsexperten. Dies setzt für sie eine aktive Beteiligung im Kommunikationsprozess voraus, welche Richter und Anwälte, so scheint es, für sich selbst beanspruchen, und welche Dolmetschern vorenthalten bleibt.
Dies alles steht im krassen Widerspruch mit dem Stand der heutigen Dolmetscherwissenschaft. Danach ist Aufgabe des Dolmetschers die Ermöglichung der ohne ihn unmöglichen Kommunikation. Der Dolmetscher ist aktive Teilnehmer des Kommunikationsprozesses, seine Aufgabe ist die Vermittlung der Sprechabsicht und der von ihm interpretierten Botschaft und nicht die der Sprachelementen, mit Einsatz seiner bis anhin erworbenen Hintergrundwissen und Berufserfahrung. Dies setzt unter anderem kreative Problemlösung vor und die Fähigkeit, Situationen einzuschätzen (Horváth 2015). Garre (1999) bezeichnet dies als kreatives Dolmetschen, wenn der Dolmetscher nicht nur die Textelemente, sondern auch Faktoren außerhalb des Textes beachtet.
Mehrere Forschungen behandelten die Frage ob Dolmetscher wirklich wortwörtlich das Gesagte übersetzen, oder ihre sprachliche Vermittlungsrolle dynamisch interpretieren und dolmetschen. Laut Garre (1999) macht dies in dem dänischen System in der Praxis keine Probleme; in Dänemark übersetzen Dolmetscher nicht wortwörtlich. Martin und Ortega Herráez (2009) berichten mit einer Fallstudie davon, dass 19 Gerichtsdolmetscher laut einer Umfrage bekunden, während des Dolmetschens eine aktivere Rolle zu übernehmen, als man es von ihnen erwartet. Ein anderes Ergebnis der Erhebung war, dass Dolmetscher sich dessen bewusst sind, welche Entscheidung sie fällen, wenn sie von dem Modell einer „wortwörtlichen Übersetzung“ abweichen.
Dies alles unterstützt, dass Dolmetscher auch im gerichtlichen Umfeld nicht als bloße Übersetzungsautomaten funktionieren, und das Ideal des wortwörtlichen Dolmetschens in der Realität, in der Vermittlung der Kommunikation realer Personen nicht funktioniert (Mikkelson 1998). Das Dilemma von Gerichtsdolmetschern ist folglich, ob es akzeptabel ist, den Richter die kulturellen Implikationen der Antwort des Zeugen zu erklären (Morris 1995). Der Erfahrung nach sind Gerichtsdolmetscher meistens darüber im Klaren, wie sie solche Dilemmata in der Praxis lösen.
Mehrere Autoren merken an, dass dieser Fragenkreis eng mit dem Status des Dolmetschers im Prozess der Rechtsprechung verknüpft ist (Morris 1995, Mikkelson 2000), in den meisten Staaten ist es nämlich nicht geklärt, wer solche Arbeit verrichten darf, welche Vorbildung und Wissen er braucht, damit jemand Gerichtsdolmetscher wird.
Daraus folgt leider oft, dass die Qualität des Dolmetschens wirklich weder sprachlich, noch unter berufsethischen Gesichtspunkt zulänglich ist. Und dies beeinflusst den Status des Dolmetschers negativ, auch wenn er gesetzlich definiert ist, wie zum Beispiel in Ungarn, wo der Dolmetscher über einem Expertenstatus verfügt. Leider stellen viele fest, dass Juristen im Gerichtsverfahren oft negativ und misstrauisch gegenüber der Verdolmetschung und dem Dolmetscher stehen (Morris 1995). Trotz des offiziellen Status beziehen Juristen ihre negativen Erfahrungen nicht auf einzelne Personen, sondern projizieren sie auf die ganze Berufsbranche. Dies führt verständlicherweise zum allgemeinen Misstrauen. Ein besonders großes Problem ist das am Gebiet der wenig bekannten Sprachen, wie im Fall Ungarns der afrikanischen Sprachen. Auch in solchen Fällen kommt es vor, dass die Person, die der Sprache nicht mächtig ist, aufgrund Interessenkonflikt nicht als Vermittler in der Sache fungieren dürfte, weil er etwa mit der betroffenen Partei verwandt oder verschwägert ist, oder vielleicht selber in der Sache betroffen ist.
4. GERICHTSDOLMETSCHEN IN UNGARN
In Ungarn darf man gegenwärtig mit allen allgemeinen Dolmetscherqualifizierung an Gerichten dolmetschen. Eine Befähigung kann man sich zweierlei erwerben: nach Absolvierung einer Dolmetscherausbildung oder ohne Lehrgang direkt mit einer erfolgreichen Dolmetscherprüfung. In beiden Fällen trifft es zu, dass Kandidaten bezeugen, über die erforderlichen sprachlichen, kognitiven und Stressmanagements-Fähigkeiten zu verfügen (s. Horváth 2012), sowie über ein großes Allgemeinwissen und der nötigen Praxis zur selbständigen Arbeit.
Dolmetscherprüfungen, die nicht einer Ausbildung bedürfen, werden in der MM Verordnung 7/1986 (VI. 26.) über die Bedingungen der Erlangung von Fachübersetzer- und Dolmetscherbefähigungen geregelt. Im Sinne dieser Verordnung kann man Dolmetscher-, Fachübersetzer- oder auch Konferenzdolmetscher-Prüfungen ablegen. Nur im Fall von Fachübersetzer- und Dolmetscherprüfungen hat man die Wahl zwischen 4 Fachgebieten (Gesellschaftswissenschaften, Wirtschaft, Naturwissenschaften, Technik). Das spezielle Gebiet des Gerichtsdolmetschers ist nicht dabei, obwohl solche Prüfungen dringend nötig sind.
Im Augenblick kann man an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Hauptuniversität von Ungarn eine einschlägige akkreditierte Fachausbildung bekommen. Diese Ausbildung deckt das zum Gerichtsdolmetschen erforderliche Können und Gewandtheit ab: sie geht auf sprachliche, kulturelle, terminologische Elemente ein, zum anderen behandelt sie Fragen rund um behördliche Verfahren, sowie fachliche ethische, protokollarische Fragen, und entwickelt das berufliche Bewusstsein der Gerichtsdolmetscher. Zum Schluss der Ausbildung bezeugt die Prüfung die nötige Praxis und Kenntnis der einschlägigen Textarten und Terminologie sowohl in der Ausgangs- als auch in der Zielsprache. Ein Problem ist allerdings, dass Gerichte in Ungarn von Dolmetschern keine solche fachspezifische Befähigung fordern.
Ein weiteres Problem ist, das obwohl der Dolmetscher als Experte gilt (Kállai és Mozsolits 2017), trotzdem schwierig ist, in der Praxis Experten zugeteilte Rechte, wie etwa Akteneinsicht, durchzusetzen. Damit verbunden ist auch der Mangel, dass gegenwärtig in Ungarn kein Verzeichnis von Gerichtsdolmetschern, ähnlich wie von anderen Experten gibt.
Der Einsatz von Dolmetschern mit entsprechender Befähigung und Fachwissen an Gerichten ist von großer Tragweite, und deutet über die fachlichen Fragen des Dolmetschens. Fachgerechtes Dolmetschen sichert nämlich Vorteile für Staat und Bürger, wie Rechtssicherheit, Transparenz der Rechtsprechung, die Sicherung des Rechts auf ein anständiges Verfahren und die Datensicherheit. Außerdem würde eine solche Regelung die Verfahren beschleunigen, durch die Behebung von Hürden nicht fachkundlicher Dolmetschung.
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