Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/das-ausziehen-kindes-3114051
Timestamp: 2020-08-10 23:11:37
Document Index: 15953553

Matched Legal Cases: ['§ 176', '§ 176', '§ 184', '§ 184', '§ 176', '§ 184', 'BGH', 'BGH', '§ 178', '§ 178', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 179']

Das Aus­zie­hen eines Kin­des
Das Aus­zie­hen eines Kin­des stellt sich regel­mä­ßig nicht als sexu­el­le Hand­lung „an“ des­sen Kör­per dar, wenn nicht das Ent­blö­ßen sei­ner­seits mit einer sexu­el­len Hand­lung am Kör­per ver­bun­den ist.
Denn das blo­ße Ent­fer­nen der Klei­dung stellt nicht den kör­per­li­chen Kon­takt her, der für eine sexu­el­le Hand­lung im Sin­ne des § 176 Abs. 1 StGB erfor­der­lich ist [1].
Ob inso­weit etwas ande­res gilt, wenn der Täter sich schon mit dem Aus­zie­hen selbst sexu­ell erre­gen will [2], konn­te der Bun­des­ge­richts­hof hier dahin­ste­hen las­sen. Denn nicht sämt­li­che sexu­al­be­zo­ge­nen Hand­lun­gen, die auf Sin­nen­lust beru­hen oder ihr die­nen sol­len, sind tat­be­stands­mä­ßig im Sin­ne des § 176 Abs. 1 StGB. Aus­zu­schei­den sind viel­mehr kur­ze oder aus ande­ren Grün­den unbe­deu­ten­de Berüh­run­gen [3]. Dass es vor­lie­gend zu Kör­per­kon­tak­ten gekom­men ist, die über die beim Aus­zie­hen übli­chen hin­aus­ge­hen, erge­ben die Fest­stel­lun­gen nicht. Sol­che Berüh­run­gen von gerin­ger Inten­si­tät erfül­len aber das Erheb­lich­keits­merk­mal des § 184g Nr. 1 StGB aF bzw. § 184h Nr. 1 StGB nF nicht.
Im vor­lie­gen­den Fall kam der Bun­des­ge­richts­hof gleich­wohl zu einem Schuld­spruch wegen sexu­el­len Miss­brauchs eines Kin­des. Denn die Anwei­sun­gen an das Mäd­chen, mit gespreiz­ten Bei­nen auf dem Bett lie­gend ihre Schei­de zu zei­gen oder kniend ihm ihr nack­tes Gesäß ent­ge­gen­zu­stre­cken, erfüllt den Tat­be­stand des § 176 Abs. 4 Nr. 2 StGB, weil der Ange­klag­te damit das Kind zur Vor­nah­me einer sexu­el­len Hand­lung bestimmt hat. Bei­de Posen, zu deren Vor­nah­me er das Kind auf­ge­for­dert hat, ent­hal­ten eine – nicht uner­heb­li­che (§ 184g Nr. 1 StGB aF) – sexu­el­le Hand­lung, durch die der Betrach­ter sexu­ell pro­vo­ziert wer­den soll [4]. Damit hat der Ange­klag­te sich nach die­ser Vor­schrift wegen sexu­el­len Miss­brauchs eines Kin­des straf­bar gemacht
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Juni 2016 – 3 StR 72/​16
vgl. BGH, Urteil vom 17.08.1988 – 2 StR 346/​88, BGHR StGB § 178 Abs. 1 sexu­el­le Hand­lung 2; Beschlüs­se vom 19.04.1990 – 3 StR 87/​90, NStZ 1990, 490; vom 17.07.1991 – 5 StR 279/​91, NStE Nr. 8 zu § 178 StGB; Urteil vom 24.11.1993 – 3 StR 517/​93 17[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 31.10.1984 – 2 StR 392/​84[↩]
BGH, Beschluss vom 13.07.1983 – 3 StR 255/​83, NStZ 1983, 553 mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 17.12 1997 – 3 StR 567/​97, BGHSt 43, 366, 368[↩]
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