Source: https://www.ebnerstolz.de/de/kein-wechsel-degressive-afa-nutzungsdauer-250342.html
Timestamp: 2019-07-19 02:16:49
Document Index: 170470067

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7']

Kein Wechsel von degressiver zur AfA nach tatsächlicher Nutzungsdauer - Ebner Stolz
Kein Wechsel von degressiver zur AfA nach tatsächlicher Nutzungsdauer
Die Klä­ge­rin ist Eigen­tü­me­rin eines Grund­stücks. Das Grund­stück ist bebaut mit einem 1994 für den Betrieb eines Auto­hau­ses errich­te­ten Gebäude (Werk­statt und Ver­kaufs­räume) und Außen­an­la­gen. Die Klä­ge­rin ver­mie­tet das Grund­stück seit Fer­tig­stel­lung des Gebäu­des an das von ihrem Ehe­mann als Ein­zel­kauf­mann betrie­bene Auto­haus. Im Jahr 2009 errich­tete die Klä­ge­rin auf dem Grund­stück einen Anbau an das beste­hende Werk­statt­ge­bäude und über­dachte einen Teil der Frei­fläche. Dafür wandte sie Her­stel­lungs­kos­ten von ins­ge­s­amt rd. 85.000 € auf.
In den Jah­ren von 1994 bis 2008 machte die Klä­ge­rin bei ihren Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung degres­sive Abset­zun­gen für Abnut­zung (AfA) gem. § 7 Abs. 5 EStG auf die Gebäu­de­her­stel­lungs­kos­ten gel­tend. Diese belie­fen sich ursprüng­lich auf rd. 585.000 €. Der am 1.1.2009 noch nicht abge­schrie­bene Gebäu­de­rest­wert belief sich auf rd. 255.000 €. In ihrer Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung für das Streit­jahr machte die Klä­ge­rin AfA i.H.v. rd. 33.500 € gel­tend. Auf Nach­frage kor­ri­gierte sie den Betrag auf rd.34.000 €. Ent­ge­gen der bis­he­ri­gen Annah­men betrage die vor­aus­sicht­li­che Gesamt­nut­zungs­dauer des Gebäu­des nicht 50, son­dern nur 25 Jahre. Der am 1.1.2009 noch nicht abge­schrie­bene Gebäu­de­rest­wert von rd. 255.000 € müsse um die im Streit­jahr ange­fal­le­nen Her­stel­lungs­kos­ten von rd. 85.000 € auf rd. 340.000 € erhöht und auf die rest­li­chen zehn Jahre gleich­mä­ßig ver­teilt wer­den (§ 7 Abs. 4 S. 2 EStG).
Das Finanz­amt berück­sich­tigte dem­ge­gen­über als AfA nur 1,25 % der um die nach­träg­li­chen Her­stel­lungs­kos­ten erhöh­ten ursprüng­li­chen Bemes­sungs­grund­lage (585.000 € + 85.000 € = 670.000 € x 1,25 % = gerun­det rd. 8.370 €) und führte zur Erläu­te­rung aus, eine kür­zere als die bis­lang ange­nom­mene vor­aus­sicht­li­che Nut­zungs­dauer sei nicht dar­ge­legt wor­den.
Nach § 7 Abs. 4 S. 1 Nr. 2 Buchst. a EStG kön­nen bei Gebäu­den, die der Erzie­lung von Ein­künf­ten die­nen und nach dem 31.12.1924 fer­tig­ge­s­tellt wor­den sind, jähr­lich 2 % der Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten als Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den. Beträgt die tat­säch­li­che Nut­zungs­dauer des Gebäu­des weni­ger als 50 Jahre, kön­nen ans­telle die­ser Abset­zun­gen die der tat­säch­li­chen Nut­zungs­dauer ent­sp­re­chen­den AfA vor­ge­nom­men wer­den (§ 7 Abs. 4 S. 2 EStG). Bei Gebäu­den, die der Steu­erpf­lich­tige auf­grund eines vor dem 1.1.1995 ges­tell­ten Bau­an­trags her­ge­s­tellt hat, kön­nen abwei­chend von Abs. 4 degres­sive Absch­rei­bun­gen vor­ge­nom­men wer­den: in den ers­ten acht Jah­ren jeweils 5 %, in den dar­auf fol­gen­den sechs Jah­ren jeweils 2,5 % und in den dar­auf fol­gen­den 36 Jah­ren jeweils 1,25 % (§ 7 Abs. 5 S. 1 Nr. 2 EStG). Ein spä­te­rer Wech­sel von der in Anspruch genom­me­nen degres­si­ven AfA nach § 7 Abs. 5 EStG zur AfA nach § 7 Abs. 4 S. 2 EStG ist nicht mög­lich.
Bis­lang hatte der BFH offen gelas­sen, ob ein Wech­sel von der degres­si­ven AfA zur AfA nach der tat­säch­li­chen Nut­zungs­dauer (§ 7 Abs. 4 S. 2 EStG) mög­lich ist. Bei Gebäu­den mit einer tat­säch­li­chen Nut­zungs­dauer von weni­ger als 50 Jah­ren kann die AfA danach ent­sp­re­chend die­ser ver­kürz­ten Nut­zungs­dauer vor­ge­nom­men wer­den. Die von der Klä­ge­rin erst­rebte Kom­bi­na­tion von degres­si­ver AfA und AfA nach der tat­säch­li­chen Nut­zungs­dauer ist nicht mög­lich. § 7 Abs. 5 EStG typi­siert die Nut­zungs­dauer eines Gebäu­des und dient damit der Rechts­ve­r­ein­fa­chung. Bei Wahl der degres­si­ven AfA nach § 7 Abs. 5 EStG erüb­rigt sich die Fest­stel­lung der tat­säch­li­chen Nut­zungs­dauer des Gebäu­des. Der Steu­erpf­lich­tige ent­schei­det sich bei Wahl der degres­si­ven AfA bewusst, die Her­stel­lungs­kos­ten des Gebäu­des in 50 der Höhe nach fest­ge­leg­ten Jah­res­be­trä­gen gel­tend zu machen. Die Ver­ein­fa­chung tritt nur ein, wenn die Wahl über die gesamte Dauer der Absch­rei­bung bin­dend ist. Die Wahl der degres­si­ven AfA ist des­halb im Grund­satz unab­än­der­lich.
11.07.2018 nach oben