Source: https://www.lia.nrw.de/themengebiete/Arbeitsschutz-und-Gesundheit/Biostoffe/Infektionsgefaehrdung-im-Rettungsdienst/index.html?src=asp-cu&typ=dl&cid=6881
Timestamp: 2019-12-10 03:22:59
Document Index: 38321840

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 5', '§ 14', '§ 14', '§ 9', '§ 11', '§ 2', '§ 5', '§ 5', '§ 2', '§ 1', '§ 4', '§ 5', '§ 5', '§ 11', '§ 4', '§ 5', '§ 17', '§ 18', '§ 20', '§ 8', '§ 36', '§ 36']

Sie sind hier: Infektionsgefährdung im Rettungsdienst
Der Arbeitsschutz bei Krankentransport und Notfallrettung stellt das Personal der Krankentransport- und Rettungswagen immer wieder vor besondere Herausforderungen. Dies betrifft die Beschäftigten von Hilfsorganisationen ebenso wie die der öffentlichen und privaten Rettungsdienste.
Sowohl die Einsatzkräfte der technischen Rettung als auch die der medizinischen Versorgung sind dabei Gefährdungen ausgesetzt, die von Biostoffen ausgehen.
Physische und psychische Stresssituationen begünstigen ein Verhalten, das die Übertragung von Krankheitserregern fördern kann. Nacht- und Schichtarbeit, Wartezeiten, Zeitdruck und schwierige Bedingungen am Unfallort (Gelände, Witterung, eingeklemmte Unfallopfer) stellen erhebliche Belastungen bei Notfallfahrten dar. Da oft nur wenige Informationen vorliegen, was die Helferinnen und Helfer am Einsatzort erwartet, kann die Gefährdung für das Personal meist erst vor Ort beurteilt werden. In der konkreten Einsatzsituation spielen die Infektionsgefahren häufig eine untergeordnete Rolle, der Infektionsstatus der Patientin bzw. des Patienten ist in vielen Fällen unbekannt.
Auch beim qualifizierten Krankentransport, bei dem der bzw. die Kranke medizinisch-fachlich betreut wird, treten Belastungen durch Biostoffe auf: Beim Umsetzen oder Umlagern der Patientin bzw. des Patienten findet gegebenenfalls ein direkter Körperkontakt statt, bei Verschlechterung des Zustandes der Patientin bzw. des Patienten muss Erste Hilfe geleistet werden.
Infektionsgefahren im Rettungsdienst mit Beispielen
Bei der medizinischen Versorgung von Patientinnen und Patienten während des Transports herrschen Bedingungen, die zu einer erhöhten Gefährdung der Beschäftigten führen: Mehrere Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter hantieren gleichzeitig an der Patientin bzw. am Patienten, die Raumverhältnisse sind beengt und auch bei vorsichtiger Fahrweise ist im Rettungsfahrzeug nur ein unruhiges Arbeiten möglich. Aber auch Routinetätigkeiten wie Desinfektionsarbeiten und sonstige Hygienemaßnahmen am Rettungswagen oder in der Rettungswache bergen Gefährdungen durch Biostoffe.
Umso wichtiger ist es, mögliche Keimübertragungswege, Tätigkeitsabläufe und die notwendigen Maßnahmen zur Vermeidung von Infektionen im Voraus zu klären. Hygienisch korrektes und angemessenes Verhalten muss unabhängig vom Einsatz geschult und gelernt werden.
Was müssen Arbeitgebende tun?
Grundlage für das Erkennen von Gefahren im Rettungsdienst ist die Gefährdungsbeurteilung (§ 4 BioStoffV i.V.m. § 5 ArbSchG). Informationen zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung und deren Besonderheiten finden Sie auf unserer Schwerpunktseite "Gefährdungsbeurteilung".
Bei der Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung für den Rettungsdienst können neben Gefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe weitere Gefährdungen und Belastungen auftreten, die ebenfalls zu ermitteln sind, z. B. mechanische Gefährdungen (insbesondere Stich- und Schnittverletzungen), Gefahrstoffumgang (Desinfektionsmittel) oder Gefahr durch Druckbehälter (O2-Flaschen).
Psychische Belastungen spielen gerade im Rettungswesen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Schichtdienst, Zeitdruck oder hohe Arbeitsintensität können insbesondere zu Schnitt- und Stichverletzungen beitragen. Auch länger andauerndes Tragen von persönlichen Schutzausrüstungen kann eine psychische Belastung darstellen. Aus erlebten Unfällen, arbeitsbedingten Erkrankungen oder Betriebsstörungen können sich ebenfalls psychische Beanspruchungen für Beschäftigte ergeben, beispielsweise Ängste vor einer möglichen Übertragung von Krankheitserregern.
Betriebsanweisung und Arbeitsanweisung
Für Tätigkeiten, bei denen die Gesundheit der Beschäftigten gefährdet wird, muss die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Betriebs- und Arbeitsanweisungen zur Verfügung stellen. Für den Rettungsdienst können für diese Anweisungen die Vorgaben nach der BioStoffV verwendet werden. Mehr dazu finden Sie unter unserem Themenschwerpunkt "Biostoffe".
Arbeitsanweisungen sind etwa erforderlich für Tätigkeiten mit erhöhter Infektionsgefährdung wie Instandhaltungs-, Reinigungs-, Änderungs- oder Abbrucharbeiten in oder an kontaminierten Arbeitsmitteln, z. B. Rettungswagen, und bei Tätigkeiten, bei denen erfahrungsgemäß eine erhöhte Unfallgefahr besteht (§ 14 Abs. 4 BioStoffV). Eine Arbeitsanweisung regelt detailliert, wie bestimmte Arbeitsaufgaben durchzuführen sind. Arbeitsanweisungen sind an einen Arbeitsplatz oder einen bestimmten Prozess gebunden, sie enthalten verfahrenstechnische Angaben sowie bei Bedarf auch Sicherheitsanweisungen.
Auch im Rettungsdienst muss die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber gemäß § 14 Abs. 2 BioStoffV für eine mündliche Unterweisung der Beschäftigten Sorge tragen. Sie muss arbeitsplatzbezogen und auf der Grundlage der jeweils aktuellen Betriebsanweisungen durchgeführt werden. Wie das aussehen kann, haben wir auf der Seite "Biostoffe" für Sie zusammengefasst.
Hygieneplan und Rahmenhygieneplan
Bei Tätigkeiten mit Biostoffen in Einrichtungen des Gesundheitsdienstes müssen insbesondere folgende Hygienemaßnahmen eingehalten und im Hygieneplan berücksichtigt werden (§ 9 und § 11 BioStoffV, TRBA 250):
Arbeitsplätze und Arbeitsmittel sind in einem dem Arbeitsablauf entsprechenden sauberen Zustand zu halten und regelmäßig zu reinigen,
wirksame Desinfektions- und Inaktivierungsverfahren sowie die erforderlichen Maßnahmen zur Desinfektion, Inaktivierung oder Dekontamination sind festzulegen,
Waschgelegenheiten sind zur Verfügung zu stellen (gilt nicht für Rettungs- und Krankentransportfahrzeuge),
die Voraussetzungen für eine hygienische Händedesinfektion inklusive einer wirksamen Handpflege sind zu schaffen,
vom Arbeitsplatz getrennte Umkleidemöglichkeiten müssen vorhanden sein und genutzt werden,
persönliche Schutzausrüstung einschließlich Schutzkleidung muss sicher abgelegt und getrennt von anderen Kleidungsstücken aufbewahrt werden können,
zur Verfügung gestellte persönliche Schutzausrüstung einschließlich Schutzkleidung ist zu reinigen, zu warten, instand zu halten und sachgerecht zu entsorgen,
Maßnahmen zur sachgerechten und sicheren Entsorgung von Biostoffen, kontaminierten Gegenständen, Materialien und Arbeitsmitteln sind zu ergreifen,
Beschäftigte dürfen an Arbeitsplätzen, an denen die Gefahr einer Kontamination durch biologische Arbeitsstoffe besteht, keine Nahrungs- und Genussmittel zu sich nehmen oder lagern.
Die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber hat einen Hautschutzplan zur Auswahl von Präparaten zu erarbeiten, geeignete Mittel zur Verfügung zu stellen und bei der Unterweisung die Thematik Hautschutz zu berücksichtigen (TRBA 250 Nr. 4.1.3).
Die Empfehlung „Händehygiene“ der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut stellt die wichtigsten Maßnahmen zur Verhütung von Infektionen im Gesundheitsdienst, die durch die Hände übertragen werden, vor.
Die DGUV Information 212-017 „Allgemeine Präventionsleitlinie Hautschutz“ gibt Hinweise zur Auswahl, Bereitstellung und Benutzung von Hautschutzmitteln.
Wie werden Schutzmaßnahmen bei Patiententransporten festgelegt?
Die erforderlichen Schutzmaßnahmen bei Patiententransporten orientieren sich nach der jeweiligen Einstufung des zu transportierenden Patienten. Orientierung geben drei Einstufungskonzepte:
1. Patienteneinstufung nach RKI-Richtlinie
Die Patienteneinstufung nach RKI-Richtlinie wird anhand ihrer Erkrankung drei verschiedenen Patientengruppen zugeordnet (Anforderungen der Hygiene an den Krankentransport einschließlich Rettungstransport in Krankenkraftwagen – Anlage zu Ziffer 4.5.3 der „Richtlinie für die Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankenhausinfektionen“ – Bundesgesundheitsblatt 32/1989, H. 4, S. 169-170):
Patientinnen bzw. Patienten, bei denen kein Anhalt für das Vorliegen einer Infektionskrankheit besteht.
Patientinnen bzw. Patienten, bei denen zwar eine Infektion besteht und erkannt ist, die jedoch nicht durch die beim Transport üblichen Kontakte übertragen werden kann (z. B. Patientinnen bzw. Patienten mit Virushepatitis, HIV-positive Patientinnen bzw. Patienten ohne klinische Zeichen von AIDS, Patientinnen bzw. Patienten mit einer geschlossenen Lungentuberkulose).
Patientinnen bzw. Patienten, bei denen die Diagnose ätiologisch gesichert ist oder der begründete Verdacht besteht, an einer hochkontagiösen und gefährlichen Infektionskrankheit zu leiden (Anhang).
2. Patienteneinstufung nach Übertragungswahrscheinlichkeit der Infektionskrankheit
Eine andere Einteilung vor Transportübernahme nimmt die Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) in ihrer Leitlinie „Hygienemaßnahmen beim Patiententransport“ vor in fünf Kategorien mit der Zuteilung bestimmter Schutzmaßnahmen:
Kategorie A Patientinnen bzw. Patienten, bei denen kein Anhalt für das Vorliegen einer Infektionserkrankung besteht.
Kategorie B Patientinnen bzw. Patienten, bei denen zwar eine Infektion besteht und diagnostiziert wurde, diese jedoch nicht durch beim Transport übliche Kontakte übertragen werden kann (z. B. Virushepatitis).
Kategorie C-1 Patientinnen bzw. Patienten, bei denen die Diagnose gesichert ist oder der begründete Verdacht besteht, dass sie an einer kontagiösen Infektionskrankheit leiden (z. B. Methicillin-resistente Staphylococcus aureus).
Kategorie C-2 Patientinnen bzw. Patienten, bei denen auch nur der begründete Verdacht auf eine Infektionskrankheit mit besonders gefährlichen Erregern besteht (z. B. hämorrhagisches Fieber – Lassa , Ebola).
Patientinnen bzw. Patienten, die in besonderem Maße infektionsgefährdet sind, z. B. durch ausgedehnte Verbrennungen oder Immunsuppression.
Diese Einteilungen stimmen notwendige Hygienemaßnahmen auf mögliche Gefahrenpotentiale ab. Gleich welche Einstufung bevorzugt wird, bei allen Tätigkeiten mit Biostoffen im Gesundheitswesen müssen die allgemeinen Schutzmaßnahmen nach der TRBA 250 Beachtung finden.
3. Patienteneinstufung nach Biostoffverordnung
Bei Tätigkeiten mit Biostoffen regelt die Biostoffverordnung, welche Maßnahmen zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten notwendig sind.
Bei entsprechenden Tätigkeiten im Rettungsdienst handelt es sich in der Regel um sogenannte „nicht gezielte Tätigkeiten“, da sie nicht unmittelbar auf die Biostoffe ausgerichtet sind, die Biostoffe nicht unbedingt der Spezies nach bekannt sind und die Exposition der Beschäftigten im Normalbetrieb selten bekannt, wenn auch abschätzbar ist (BioStoffV § 2 Abs. 8). Diese Tätigkeiten müssen einer Schutzstufe zugeordnet werden (§ 5 Abs. 1 und Abs. 2).
Die Schutzstufenzuordnung richtet sich bei nicht gezielten Tätigkeiten, welche unter § 5 Abs. 2 fallen, nach der Risikogruppe des Biostoffs, der aufgrund
der Art der Tätigkeit und
Mindestschutzmaßnahmen, um einer möglichen Gefährdung der Beschäftigten entgegenzuwirken (ein seltener geringfügiger Kontakt mit potenziell infektiösen Erregern ist nicht auszuschließen):
Hygieneplan,
die hygienische Händedesinfektion,
Hautschutz und -pflege,
Beständigkeit der Oberflächen gegenüber verwendeten Desinfektionsmitteln,
Vorhandensein einer Umkleidemöglichkeit.
Alle Maßnahmen aus Schutzstufe 1.
Zusätzlich ist notwendige Schutzausrüstung – Schutzkleidung und Schutzhandschuhe – bereitzustellen.
Wenn mit dem Verspritzen oder Versprühen von infektiösen Flüssigkeiten zu rechnen ist, ist auch ein Augen- und Gesichtsschutz zu tragen.
Atemschutz (mindestens FFP2-Masken) ist erforderlich bei Tätigkeiten an Patienten, die mit luftübertragbaren Krankheitserregern infiziert sind.
Angaben zur persönlichen Schutzausrüstung im Rettungsdienst finden sich in der GUV-Regel 2106 „Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen im Rettungsdienst“.
Für den Rettungsdienst wichtige Vorgaben
Für den Rettungsdienst ist bei Einsatz spitzer und scharfer medizinischer Instrumente vorgeschrieben, Arbeitsgeräte mit Sicherheitsmechanismen zu verwenden (z. B. zur Vermeidung von Nadelstichverletzungen (TRBA 250, 4.2.5 Abs. 4).
Sog. Multiresistente Erreger (MRE), d.h. Erreger mit Antibiotikaresistenzen, unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Übertragungswege und krankmachenden Wirkungen nicht von den gleichen Erregern ohne Vorliegen einer Resistenz. Werden MRE-Patientinnen bzw- Patienten im qualifizierten Rettungsdienst und Krankentransport befördert, sind Basishygienemaßnahmen einzuhalten, so die „Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen (MRSA) in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen“ der KRINKO. Diese verweist auf den Beitrag zum „Hygienemanagement beim Transport von Patienten mit multiresistenten Erregern (MRE)“ der Landes Arbeitsgemeinschaft Resistente Erreger (LARE BAYERN).
Punktieren, Injizieren, Blutentnehmen
Legen von Gefäßzugängen
Absaugen respiratorischer Sekrete
Reinigen und Desinfizieren kontaminierter Flächen und Gegenstände
Umgang mit infektiösen bzw. potenziell infektiösen Abfällen
Alle Maßnahmen aus Schutzstufe 2
Die Technische Regel fordert außerdem u.a. die Minimierung der Gefährdung durch luftübertragene Krankheitserreger. Sind technische und organisatorische Maßnahmen nicht ausreichend, hat die Arbeitgeberin bzw. der Arbeitgeber deshalb geeignete Atemschutzmasken bereitzustellen. Dieses trifft auch zu bei der Behandlung einer Patientin bzw. eines Patienten mit offener Lungentuberkulose. Während der infektiösen Phase ist hier Atemschutz mindestens der Klasse FFP2 erforderlich. Die Technische Regel verweist in diesem Zusammenhang auf die Empfehlungen des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose „Infektionsprävention bei Tuberkulose“.
Im Anhang 7 der TRBA 250 finden sich Informationen zum korrekten Sitz, zur Tragedauer von FFP-Masken, zum Unterschied von MNS und FFP-Masken sowie zu Partikelgrößen in infektiösen Aerosolen.
Behandlung einer Patientin bzw. eines Patienten mit offener Lungentuberkulose während der infektiösen Phase
Alle Maßnahmen aus Schutzstufe 3
Die meisten Erreger von hochkontagiösen lebensbedrohlichen Erkrankungen (HKLE) stammen aus dem tropischen Ausland und stellen eine große Gefahr für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der medizinischen Einrichtungen dar. Sie gehören der Risikogruppe 4 an, die Behandlung und Pflege der Patientinnen bzw. Patienten erfolgt in einer Sonderisolierstation.
Mit der Sonderisolierstation des Behandlungszentrums am Leber- und Infektionszentrum (LIZ) in der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie in Düsseldorf steht eine hochspezialisierte Behandlungsmöglichkeit für HKLE-Patientinnen bzw. Patienten in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung.
Der Transport der Patientinnen bzw. Patienten zur Station erfolgt in speziellen Infektions-Rettungswagen (in Nordrhein-Westfalen z. B. bei den Feuerwehren Düsseldorf, Essen und Köln vorhanden). Die dabei entsprechend einzuhaltenden Arbeitsschutzmaßnahmen sind in der Technischen Regel 250 (Anhang 1 - Sonderisolierstationen) und im Beschluss 610 „Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten außerhalb von Sonderisolierstationen bei der Versorgung von Patienten, die mit hochpathogenen Krankheitserregern infiziert oder krankheitsverdächtig sind“ beschrieben.
Behandlung von Patientinnen bzw. Patienten mit hochkontagiösen lebensbedrohlichen Erkrankungen
In der Notfallrettung und im qualifizierten Krankentransport ist davon auszugehen, dass durch Handlungen an der Patientin oder am Patienten bzw. durch Kontakt zu Blut, Sekreten und Exkreten nicht gezielte Tätigkeiten mit Mikroorganismen der Risikogruppen 2 und/oder 3 durchgeführt werden. Bei Tätigkeiten mit erhöhter Infektionsgefährdung (z. B. Kontakt mit Körperflüssigkeiten. invasive Eingriffe, Blutentnahme, Verletzungsmöglichkeit durch spitze und scharfe Arbeitsmittel) sind mindestens Maßnahmen der Schutzstufe 2 (TRBA 250 Nr. 4.2) festzulegen. Ist zu vermuten, dass biologische Arbeitsstoffe einer höheren Risikogruppe vorliegen oder eine hohe Ansteckungsgefahr z. B. über Aerosole beim Transport besteht, sind weitergehende Schutzmaßnahmen erforderlich (TRBA 250 Nr. 4.3 und 4.4).
Können entsprechende Tätigkeiten bzw. Gefährdungen ausgeschlossen werden, so ist beim beruflichen Umgang mit Menschen die Schutzstufe 1 (TRBA 250 Nr. 4.1) ausreichend.
Weitere Schutzmaßnahmen nach der TRBA 250 im Rettungsdienst
Reinigung und Desinfektion des Einsatzfahrzeuges
Beim Patiententransport im Rettungsdienst ist eine Keimverschleppung über die Hände oder ein Keimaustrag über die Luft auch in die weitere Umgebung des Krankenwagens nicht auszuschließen. Eine (umfassende) Desinfektion ist daher nach jedem Patiententransport unerlässlich. In der Betriebsanweisung und im Hygieneplan sind die entsprechenden Maßnahmen - wann und wie häufig – festzulegen. Informationen an die „Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen“ hat die KRINKO zusammengestellt. Der erforderliche Arbeitsschutz bei der Desinfektion ist der DGUV Information 207-206 "Prävention chemischer Risiken beim Umgang mit Desinfektionsmitteln im Gesundheitswesen" zu entnehmen.
Die Auswahl von Desinfektionsmitteln sollte nur nach belegter Wirksamkeitsprüfung durch unabhängige Sachverständige erfolgen. Diese Kriterien erfüllen insbesondere die genannten Desinfektionsmittel der Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren und die Angewandte Desinfektionsmittel-Liste des Verbundes für Hygiene (VAH).
Bei den Desinfektionsmitteln muss bei der Anwendung das erforderliche Wirkspektrum im Zusammenhang mit der Anwendung beachtet werden. Entsprechende Angaben sind den Desinfektionsmittellisten zu entnehmen. Bei den Viren wird zudem unterschieden zwischen „begrenzt viruzid“ (wirksam gegen behüllte Viren, z. B. Hepatitis-B-Virus und Influenzaviren) und "begrenzt viruzid PLUS" und „viruzid“ (wirksam gegen unbehüllte Viren). Die viruzide Wirkung schließt die Wirkung gegenüber behüllten Viren ein (TRBA 250, 5.3).
Reinigung von Arbeits- und schutzkleidung
Die benutzte Wäsche ist bei Tätigkeiten mit Infektionsgefährdung unmittelbar im Arbeitsbereich in ausreichend widerstandfähigen und dichten sowie eindeutig gekennzeichneten Behältnissen zu sammeln. Die getragene Schutzkleidung darf keinesfalls zur Reinigung mit nach Hause genommen werden. Nach der Aufbereitung der Wäsche muss diese frei von Keimen sein, die Infektionen auslösen können (TRBA 250, 5.5).
Nähere Angaben zum "Umgang mit Wäsche aus Bereichen mit erhöhter Infektionsgefährdung" gibt die DGUV Information 203-084.
Die Aufbereitung von Medizinprodukten soll eine Infektionsgefährdung ausschließen. Sie umfasst im Sinne der TRBA die Vorbereitungen für Reinigung und Desinfektion (bzw. Sterilisation) und deren Umsetzung. Hinweise zu den grundsätzlichen Anforderungen sind in der Empfehlung der KRINKO „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten“ nachzulesen (TRBA 250, 5.4).
Vorgaben bei der Abfallentsorgung
Die Zuordnung und Entsorgung von Abfällen wird vorgegeben von der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall LAGA) mit der „Vollzugshilfe zur Entsorgung von Abfällen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes“ (TRBA 250, 5.6 und Anhang 8).
Die Unfallkasse NRW hat mit der Überschrift Arbeits- & Gesundheitsschutz im Rettungsdienst und Krankentransport eine schöne Übersicht zum Thema ins Internet gestellt.
Rechtliche Vorgaben für den Arbeitsschutz im Rettungsdienst
Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA 250)
Die TRBA 250 nennt in Nr. 1.4 explizit Rettungsdienste und Krankentransporte.
Die TRBA 250 konkretisiert die Vorgaben der BioStoffV. Hinsichtlich der Schutzstufenzuordnung führt sie aus: Liegen keine konkreten Kenntnisse zu vorhandenen Krankheitserregern vor, ist der mögliche Kontakt zu potenziell infektiösem Material, z. B. Körperflüssigkeiten, ausschlaggebend für die Zuordnung zu einer Schutzstufe (Nr. 3.4.1 (2)).
Hinweis: Krankenfahrten und Patientenfahrdienste einschließlich aller damit verbundenen Tätigkeiten an der Patientin bzw. am Patienten, bei denen unvorhergesehener Kontakt mit Körpersekreten, Blut oder infektiösen Aerosolen auftreten kann, unterliegen ebenfalls der TRBA 250 (Nr. 1.6), auch wenn diese Arbeitsbereiche außerhalb des Gesundheitswesens und der Wohlfahrtspflege liegen.
Beschäftigung von jugendlichen oder (werdenden) Müttern
Die Arbeitgeberin bzw. der Arbeitgeber darf Jugendliche, werdende oder stillende Mütter mit Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen nur beschäftigen, soweit dies mit den Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes und des Mutterschutzgesetzes vereinbar ist (TRBA 250, 4.1.11).
Die arbeitsmedizinische Vorsorge nach der ArbMedVV ist Teil der arbeitsmedizinischen Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz (mehr Informationen dazu auch in unserer Publikation Arbeitsmedizinische Vorsorge bei Tätigkeiten mit Biostoffen). Sie dient der Beurteilung der individuellen Wechselwirkungen von Arbeit und physischer und psychischer Gesundheit und der Früherkennung arbeitsbedingter Gesundheitsstörungen sowie der Feststellung, ob bei Ausübung einer bestimmten Tätigkeit eine erhöhte gesundheitliche Gefährdung besteht (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 und 2). Ziel der Verordnung ist es, durch Maßnahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge arbeitsbedingte Erkrankungen einschließlich Berufskrankheiten frühzeitig zu erkennen und zu verhüten (§ 1 Abs. 1).
Die ArbMedVV unterscheidet zwischen
Wunschvorsorge.
Regelungen zur Veranlassung bzw. dem Angebot arbeitsmedizinischer Vorsorge bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen sind in § 4 und § 5 ArbMedVV und im Anhang Teil 2 der ArbMedVV enthalten. Die Wunschvorsorge nach § 5a ArbMedVV muss den Beschäftigten im Sinne des § 11 ArbSchG unter gewissen Voraussetzungen ermöglicht werden.
Für die Beschäftigten im Notfall- und Rettungsdienst hat die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber nach Anhang Teil 2 Abs. 3 g. Pflichtvorsorge hinsichtlich Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Virus zu veranlassen bei Tätigkeiten, bei denen es regelmäßig und in größerem Umfang zu Kontakt mit Körperflüssigkeiten, Körperausscheidungen oder Körpergewebe kommen kann, insbesondere Tätigkeiten mit erhöhter Verletzungsgefahr oder Gefahr von Verspritzen und Aerosolbildung. Nach Ende der Tätigkeit muss eine Angebotsvorsorge angeboten werden.
Pflichtvorsorge muss vor Aufnahme der Tätigkeit und anschließend in regelmäßigen Abständen veranlasst werden. Die Tätigkeiten dürfen nur ausübt werden, wenn die oder der Beschäftigte an der Pflichtvorsorge teilgenommen hat (§ 4 Abs. 2).
Die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber muss arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten bei Tätigkeiten im Rettungsdienst, die der Schutzstufe 3 der BioStoffV zuzuordnen sind und bei Tätigkeiten der Schutzstufe 2, es sei denn, nach der Gefährdungsbeurteilung und auf Grund der getroffenen Schutzmaßnahmen ist nicht von einer Infektionsgefährdung auszugehen.
Die Teilnahme an der Angebotsvorsorge ist für die Beschäftigten grundsätzlich freiwillig. Das Ausschlagen des Angebots entbindet die Arbeitgeberin oder den Arbeitgeber nicht von der Verpflichtung, diese Vorsorge den Beschäftigten weiterhin regelmäßig anzubieten (§ 5 Abs. 1).
Mit dem "Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen" (Infektionsschutzgesetz) sollen Leben und Gesundheit der oder des Einzelnen wie auch der Bevölkerung vor den Gefahren einer Infektionskrankheit geschützt werden.
Der Rettungsdienst ist nicht explizit in den Geltungsbereich des Infektionsschutzgesetzes eingeschlossen (Infektionsschutzgesetz ohne Rettungsdienst). Gleichwohl sind die zutreffenden Bestimmungen aus dem Gesetz auch für diesen Arbeitsbereich anzuwenden. Z. B. kann die zuständige Behörde (Gesundheitsamt) nach § 17 IFSG besondere Maßnahmen zur Abwendung einer drohenden Infektionsgefahr auch für den Rettungsdienst treffen oder aber nach § 18 IFSG für die behördlich angeordnete Entseuchung besondere Desinfektionsmittel vorschreiben.
Eine empfehlende Maßnahme ergibt sich aus § 20 IFSG durch die beim Robert Koch-Institut eingerichtete Ständige Impfkommission (STIKO). Für den Rettungsdienst wird aufgrund eines erhöhten beruflichen Risikos die Impfung gegen Hepatitis A und Hepatitis B als sinnvoll erachtet.
Auch ist nach § 8 IFSG eine Meldepflicht für den Rettungsdienst nicht vorgesehen, wenn die Patientin bzw. der Patient unverzüglich in eine ärztlich geleitete Einrichtung gebracht wird.
Für Tätigkeiten im Rettungsdienst hat der Länder-Arbeitskreis zur Erstellung von Hygieneplänen nach § 36 IfSG den Rahmenhygieneplan für Rettungs- und Krankentransportdienste veröffentlicht. Dieser beinhaltet zahlreiche Informationen und kann als Grundlage (neben der TRBA 250) für den Hygieneplan und die Schutzmaßnahmen Verwendung finden.
Das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen berät und unterstützt den öffentlichen Gesundheitsdienst bei Fragen zum Infektionsschutzgesetz und in allen Fragen der Infektionshygiene.
Weitere Informationen und Hilfsmittel
Erbe R-D: Reduzierung negativer physikalischer Einflüsse beim Transport von Notfallpatienten. Dissertation (Medizinische Fakultät Charité – Universitätsmedizin Berlin) 2012.
Erpelding H: Methicillinresistenter Staphylococcus aureus (MRSA) – Evaluation der Rahmenbedin-gungen und Risiken im Umgang sowie Auswirkungen gegenwärtiger Konzepte, insbesondere unter rettungsdienstlichen Aspekten. Bachelorarbeit (Fachhochschule Köln) 2007.
Marcic A, Friege B: Hygiene-Rahmenplan für Rettungsdienste in Schleswig-Holstein, Juni 2015.
Lindner L M E: Ausbruch einer hochinfektiösen, lebensbedrohlichen Erkrankung in Nordrhein-Westfalen. Welche Erfahrungen der Pockenausbrüche in NRW können in die heutige Zeit übertragen werden? Dissertation (Medizinische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) 2016.
Schmidt J: Gewalt gegen Rettungskräfte. Bestandsaufnahme zur Gewalt gegen Rettungskräfte in Nordrhein-Westfalen. Abschlussbericht (Ruhr-Universität Bochum – Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft) 2012.
Wolf M: Nadelstichverletzungen im Rettungsdienst. Studienarbeit (Bergische Universität Wuppertal) 2006.
Weiteres Informationsmaterial (Kostenpflichtig)
Erk G-O, Brandt C, Heudorf U: Mikrobielle Belastung und multiresistente Erreger im qualifizierten und nichtqualifizierten Krankentransport. Hyg Med 2013, 38 – 1/2, S. 23 – 29
Haak J, Poldrack R: Rahmenhygieneplan für Rettungs- und Krankentransportdienste des „Länder-Arbeitskreises zur Erstellung von Hygieneplänen nach § 36 IFSG“. Hyg Med 2013, 38 – 1/2, S. 40 – 43
Klee P, Vogt M, Bent S: Schutz- und Hygienemaßnahmen bei Infektionstransporten in Rheinland-Pfalz. Hyg Med 2013, 38 – 1/2, S. 36 – 39
Knoche J, Schubert I, Witte P: Rettungsdienstkleidung als Streuquelle von Infektionserregern. Hyg Med 2013, 38 – 1/2, S. 30 – 35
Oberndörfer D, Ries R, Wilken V Wiese P, Gottschalk R, Spors J, Ross B, Popp W: Transport von hochkontagiösen lebensbedrohlichen Erkrankten im Rettungsdienst. Hyg Med 2013, 38 – 1/2, S. 44 – 48
Ross B, Spors J, Oberndörfer B, Engelberg H, Popp W: Hygiene im Krankentransport und Rettungsdienst – Empfehlungen unter besonderer Berücksichtigung des Personalschutzes. Hyg Med 2013; 38 – 1/2, S. 8 – 15
Wildermuth S, Stahl W, Dirks B, Hafner S, Wepler M, von Baum H: Die Ulmer SEKURE-Studie: Untersuchung der Erreger-Belastung im Rettungsdienst – eine Bestandsaufnahme. Hyg Med 2013, 38 – 1/2, S. 16 – 22
Flyer - Arbeitsmedizinische Prävention bei Tätigkeiten mit Biostoffen
Service Rechtsgrundlagen
Gentechnik-Sicherheitsverordnung
Service Praxishilfen
GESTIS Biostoffdatenbank
Leitlinien zur Biostoffverordnung (LV 23)