Source: https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=BGE-89-I-71
Timestamp: 2019-11-18 17:57:24
Document Index: 333810284

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', '§ 85', '§ 85', '§ 85', '§ 88']

BGE-89-I-71 - 1963-04-18 - BGE - Verfassungsrecht - Ka ntonales Zivilprozessrecht, Willkür, rechtsungleiche Behandlung. Kantonale Bestimmung, wonach...
Ka ntonales Zivilprozessrecht, Willkür, rechtsungleiche Behandlung. Kantonale Bestimmung, wonach die während der Gerichtsferien ablaufenden Fristen bis zum siebenten Tage nach dem Ende der Ferien verlängert werden. Wann endigen die in den ersten Tagen nach den Gerichtsferien ablaufenden Fristen?
Procédure civile cantonale, arbitraire, inégalité de traitement. Disposition cantonale d'après laquelle les délais échéant pendant les vacances judiciaires sont prolongés jusqu'au septième jour après la fin de celles-ci. Quand les délais expirant les premiers jours après les vacances judiciaires sont-ils terminés?
Procedura civile cantonale, arbitrio, disparità di trattamento. Disposizione cantonale secondo la quale i termini scadenti durante le ferie giudiziarie sono prorogati sino al settimo giorno dopo la fine di dette ferie. Quando scadono i termini spiranti i primi giorni dopo le ferie giudiziarie?
1. Die thurg. ZPO setzt die sömmerlichen Gerichtsferien auf die Zeit vom 15. Juli bis 31. August fest und bestimmt in § 85 Abs. 1 (Fassung vom 30. Juni 1961): "Fällt der Ablauf einer gesetzlichen oder durch den Richter gesetzten Frist in die Gerichtsferien, so gilt sie bis zum siebenten Tag nach deren Ende als verlängert".
2. Ernst und Hans von Bergen führten einen Zivilprozess vor dem Bezirksgericht Weinfelden und waren dabei durch Rechtsanwalt X. vertreten. Am 25. August 1962 wurde diesem das am 14. Juli gefällte Urteil zugestellt. Rechtsanwalt X. erklärte am 5. September 1962 die Berufung an das Obergericht. Als die Gegenpartei einwendete, dass die Berufungsfrist am 4. September geendet habe und die Berufung daher verspätet sei, stellte sich Rechtsanwalt X. auf den Standpunkt, die Berufungsfrist sei nach § 85 Abs. 1 ZPO erst am 7. September zu Ende gegangen; eventuell ersuchte er um Wiederherstellung der Frist. Das Obergericht des Kantons Thurgau beschloss am 12. Februar 1963, auf die Berufung wegen Verspätung nicht einzutreten und das Wiederherstellungsgesuch abzuweisen. Es nahm an, § 85 Abs. 1 ZPO sei nicht anwendbar auf Fristen, die erst nach Beendigung der Gerichtsferien ablaufen. Eine andere Auslegung lasse der klare Wortlaut der Bestimmung schlechterdings nicht zu, weshalb die Fristversäumnis nicht unverschuldet im Sinne von § 88 ZPO und das Wiederherstellungsbegehren abzuweisen sei.
Entscheid : 89 I 71
Datum : 18. April 1963
Status : 89 I 71
Regeste : Ka ntonales Zivilprozessrecht, Willkür, rechtsungleiche Behandlung. Kantonale Bestimmung, wonach...
88-I-202 • 89-I-71
gerichtsferien • frist • tag • ferien • rechtsanwalt • berg • bundesgericht • thurgau • zivilprozess • schweizerische zivilprozessordnung • grammatikalische auslegung • entscheid • staatsrechtliche beschwerde • fristwiederherstellung • regierungsrat • treffen • werktag • termin • minderheit