Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/vorsteuerabzug-unter-gutglaeubigkeitsgesichtspunkten-389799
Timestamp: 2020-08-15 05:30:02
Document Index: 287813312

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 14', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Vorsteuerabzug unter Gutgläubigkeitsgesichtspunkten | Rechtslupe
Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG kann der Unter­neh­mer die in Rech­nun­gen i.S. des § 14 UStG geson­dert aus­ge­wie­se­ne Steu­er für Lie­fe­run­gen oder sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von ande­ren Unter­neh­mern für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, als Vor­steu­er­be­trä­ge abzie­hen. Der Vor­steu­er­ab­zug ist jedoch zu ver­sa­gen, wenn auf­grund objek­ti­ver Umstän­de fest­steht, dass der Steu­er­pflich­ti­ge wuss­te oder hät­te wis­sen müs­sen, dass er sich mit sei­nem Erwerb an einem Umsatz betei­lig­te, der in eine Mehr­wert­steu­er­hin­ter­zie­hung ein­be­zo­gen war [1].
Dies steht im Ein­klang mit dem Uni­ons­recht [2].
Soweit es nach dem Uni­ons­recht nicht ver­ein­bar ist, einen Steu­er­pflich­ti­gen, der weder wuss­te noch wis­sen muss­te, dass der betref­fen­de Umsatz in eine vom Lie­fe­rer began­ge­ne Steu­er­hin­ter­zie­hung ein­be­zo­gen war oder dass in der Lie­fer­ket­te bei einem ande­ren Umsatz, der dem vom Steu­er­pflich­ti­gen getä­tig­ten Umsatz vor­aus­ging oder nach­folg­te, Mehr­wert­steu­er hin­ter­zo­gen wur­de, durch die Ver­sa­gung die­ses Rechts mit einer Sank­ti­on zu bele­gen [3], liegt die­ser Fall hier nicht vor. Denn die KG war nach den bin­den­den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt hin­sicht­lich des Vor­lie­gens der objek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen des Vor­steu­er­ab­zugs zwei Lie­fe­rer betref­fend jeden­falls nicht in gutem Glau­ben.
Etwas ande­res folgt zudem nicht aus der Recht­spre­chung des ESo­weit es nach dem Uni­ons­recht nicht ver­ein­bar ist, einen Steu­er­pflich­ti­gen, der weder wuss­te noch wis­sen muss­te, dass der betref­fen­de Umsatz in eine vom Lie­fe­rer began­ge­ne Steu­er­hin­ter­zie­hung ein­be­zo­gen war oder dass in der Lie­fer­ket­te bei einem ande­ren Umsatz, der dem vom Steu­er­pflich­ti­gen getä­tig­ten Umsatz vor­aus­ging oder nach­folg­te, Mehr­wert­steu­er hin­ter­zo­gen wur­de, durch die Ver­sa­gung die­ses Rechts mit einer Sank­ti­on zu bele­gen [3], liegt die­ser Fall hier nicht vor. Denn die KG war nach den bin­den­den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt hin­sicht­lich des Vor­lie­gens der objek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen des Vor­steu­er­ab­zugs zwei Lie­fe­rer betref­fend jeden­falls nicht in gutem Glau­ben.
Etwas ande­res folgt zudem nicht aus der Recht­spre­chung des EuGH, wonach die Steu­er­ver­wal­tung von dem Steu­er­pflich­ti­gen, der sein Recht auf Vor­steu­er­ab­zug aus­üben möch­te, nicht gene­rell ver­lan­gen kann, zu prü­fen, ob der Aus­stel­ler der Rech­nung über die Gegen­stän­de und Dienst­leis­tun­gen, für die die­ses Recht gel­tend gemacht wird, Steu­er­pflich­ti­ger ist, über die frag­li­chen Gegen­stän­de ver­füg­te und sie lie­fern konn­te und sei­nen Ver­pflich­tun­gen hin­sicht­lich der Erklä­rung und der Abfüh­rung der Mehr­wert­steu­er nach­ge­kom­men ist, um sich zu ver­ge­wis­sern, dass bei den Wirt­schafts­teil­neh­mern einer vor­ge­la­ger­ten Umsatz­stu­fe kei­ne Unre­gel­mä­ßig­kei­ten oder Steu­er­hin­ter­zie­hung vor­lie­gen, oder ent­spre­chen­de Unter­la­gen vor­zu­le­gen [4]. Denn lie­gen wie hier nach den bin­den­den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt inso­weit Anhalts­punk­te für Unre­gel­mä­ßig­kei­ten oder Steu­er­hin­ter­zie­hung vor, kann ein ver­stän­di­ger Wirt­schafts­teil­neh­mer nach den Umstän­den des kon­kre­ten Falls ver­pflich­tet sein, über einen ande­ren Wirt­schafts­teil­neh­mer, von dem er Gegen­stän­de oder Dienst­leis­tun­gen zu erwer­ben beab­sich­tigt, Aus­künf­te ein­zu­ho­len, um sich von des­sen Zuver­läs­sig­keit zu über­zeu­gen [5].uGH, wonach die Steu­er­ver­wal­tung von dem Steu­er­pflich­ti­gen, der sein Recht auf Vor­steu­er­ab­zug aus­üben möch­te, nicht gene­rell ver­lan­gen kann, zu prü­fen, ob der Aus­stel­ler der Rech­nung über die Gegen­stän­de und Dienst­leis­tun­gen, für die die­ses Recht gel­tend gemacht wird, Steu­er­pflich­ti­ger ist, über die frag­li­chen Gegen­stän­de ver­füg­te und sie lie­fern konn­te und sei­nen Ver­pflich­tun­gen hin­sicht­lich der Erklä­rung und der Abfüh­rung der Mehr­wert­steu­er nach­ge­kom­men ist, um sich zu ver­ge­wis­sern, dass bei den Wirt­schafts­teil­neh­mern einer vor­ge­la­ger­ten Umsatz­stu­fe kei­ne Unre­gel­mä­ßig­kei­ten oder Steu­er­hin­ter­zie­hung vor­lie­gen, oder ent­spre­chen­de Unter­la­gen vor­zu­le­gen [4]. Denn lie­gen wie hier nach den bin­den­den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt inso­weit Anhalts­punk­te für Unre­gel­mä­ßig­kei­ten oder Steu­er­hin­ter­zie­hung vor, kann ein ver­stän­di­ger Wirt­schafts­teil­neh­mer nach den Umstän­den des kon­kre­ten Falls ver­pflich­tet sein, über einen ande­ren Wirt­schafts­teil­neh­mer, von dem er Gegen­stän­de oder Dienst­leis­tun­gen zu erwer­ben beab­sich­tigt, Aus­künf­te ein­zu­ho­len, um sich von des­sen Zuver­läs­sig­keit zu über­zeu­gen [5].
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 19. Dezem­ber 2014 – XI B 12/​14
vgl. dazu z.B. BFH, Urteil in BFH/​NV 2010, 2132, Rz 29, m.w.N.[↩]
vgl. dazu EuGH, Urtei­le vom 31.01.2013 – C‑642/​11 ‑Stroy trans‑, UR 2013, 275, MwStR 2013, 125, Rz 47; vom 31.01.2013 – C‑643/​11 ‑LVK‑, UR 2013, 346, HFR 2013, 361, Rz 59, jeweils m.w.N.[↩]
vgl. dazu EuGH, Urtei­le ‑Stroy trans- in UR 2013, 275, MwStR 2013, 125, Rz 48; ‑LVK- in UR 2013, 346, HFR 2013, 361, Rz 60, jeweils m.w.N.[↩][↩]
vgl. dazu EuGH, Urtei­le vom 21.06.2012 – C‑80/​11 und – C‑142/​11 ‑Maha­gé­ben und Dávid‑, UR 2012, 591, HFR 2012, 917, Rz 61; ‑Stroy trans- in UR 2013, 275, MwStR 2013, 125, Rz 49; ‑LVK- in UR 2013, 346, HFR 2013, 361, Rz 61[↩][↩]
vgl. dazu EuGH, Urteil ‑Maha­gé­ben und Dávid- in UR 2012, 591, HFR 2012, 917, Rz 60[↩][↩]
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