Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/176631,0.html
Timestamp: 2019-12-14 13:50:58
Document Index: 212749433

Matched Legal Cases: ['§263', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242']

Verfasst am: 20 März 2008 - 09:42:36 Titel:
Also, zum Gewahrsamswechsel am Kassenband:
Habe einen Aufsatz gefunden, wonach der Gewahrsam durch die Kassiererin durch Schieben der Ware in den Stauraum übertragen wird.
Alle anderen gehen davon aus, dass der Gewahrsamswechsel erst durch Entnahme des Kunden vom Kassenband mit Einverständnis (Duldung) der Kassiererin geschieht.
Letzteres finde ich auch richtig, da durch das Scannen und Durchschieben der Verkäuferin der Gewahrsam erst gelockert wird und erst nach Zahlung des Kunden die Duldung der Entnahme gestattet werden soll.
Der einzige Unterschied im Ergebnis ist mittelbare/unmittelbare Täterschaft. Das ist aber wenn überhaupt nur bei der Fototasche relevant.
Ich muss also §263 und § 242 dahingehend abgrenzen, ob bei der Duldung der Entnahme der Sachen vom Kassenband durch H eine Wegnahme oder eine Verfügung (durch Duldung) der V vorliegt. Diese würde nach allen Theorien dem Ladeninhaber als Gewahrsamsinhaber zugerechnet. (Ausnahme evt.: Bösgläubigkeit bei Fototasche, hier wird der Streit evtl. relevant).
Bei den zugefügten Batterien komme ich mangels Verfügung zu § 242 (s. Rossmüller, Rohrer, Jura 94).
Beim Austausch hingegen habe ich eine Verfügung der V, die sich nur in einem "error in objecto" sozusagen befindet.
Problem jetzt noch: Fototasche.
Hier kommt es wohl darauf an, wie man den Gewahrsamswechsel ansieht: Ist H mittelbarer Täter oder unmittelbarer?
- Betrug scheitert schon am Irrtum
- Diebstahl wäre möglich, es sei denn TB-ausschließendes Einverständnis (Verfügung) der V, die dem Ladeninhaber zugerechnet wird oder vorherige Wegnahme durch V schon selbst!
Bei unmittelbarer Täterschaft des H (Gewahrsamserlangung durch Entnahme der Fototasche vom Band): V verfügt (duldet Entnahme bewusst). Zurechenbar zu Ladensinhaber? Problematisch bei wissentlicher Überschreitung der eigenen Befugnisse....
V strafbar nach § 242 kommt nicht in Betracht mangels eigener Wegnahme
V strafbar nach § 242, 27
Bei mittelbarer Täterschaft des H (Gewahrsamserlangung durch V!):
Diebstahl (-), weil V schon weggenommen hat
also nur noch § 242,22 (untauglicher Versuch des H) + evtl. Unterschlagung
V strafbar nach § 242 (-) keine Zueignungsabsicht
aber 242,22,27 und 246(, 27)
Untreue scheitert wohl immer, hab ich mir aber noch nicht genau angeschaut...
Hehlerei würde ich hier gar nicht prüfen.
Verfasst am: 25 März 2008 - 15:26:58 Titel:
Bist du sicher, dass es diese Gruppe im VZ gibt?
Verfasst am: 25 März 2008 - 20:15:59 Titel:
Mal was ganz anderes: Was prüft ihr, als H dem K die Kamera aus dem Wagen nimmt?
Meint ihr, der Prof will kurz die Abgrenzung Raub/räuberische Erpressung hören? Ist wohl nach beiden Ansichten Raub und der scheitert an der Wegnahme (kein Gewahrsamsbruch)??
Verfasst am: 30 März 2008 - 11:00:32 Titel:
@ baltus: Nebentäterschaft geht ja nur, wenn V auch das Delikt (§ 242) vollendet, oder?
Je nachdem, ob V den Gewahrsam durch "Durchschieben" an der Kasse überträgt oder der Gewarhsam erst später durch Nehmen des H vom Kassenband übergeht, komme ich zu einer Wegnahme der V (im 1. Fall), scheitere dann an der Zueignungsabsicht.
Dann hätte aber H keinen vollendeten Diebstahl begangen mangels Wegnahme durch V in mittelbarer Täterschaft, oder?
Je nachdem, wie ich den Gewahrsamsübergang begründe, komme ich zur Problematik der Zurechnung der Verfügung oder aber evtl zur Problematik von fehlender Zueignungsabsicht/absichtslos-doloses Werkzeug...
Verfasst am: 31 März 2008 - 21:01:56 Titel:
Ok, wenn ich im 263, 22 normalen und keinen untauglichen Versuch prüfe, dann fliege ich beim Tatentschluss bezüglich Vermögensverfügung ´raus mit der Begründung H wollte wegnehmen und nicht, dass die Kassiererin V selbst eine Vermögensverfügung für H vornimmt.
Hat irgend jemand untauglichen Versuch bezüglich 263,22 geprüft?
Leider ist nämlich der untaugliche Versuch nicht straflos.
Das führt leider zu einer Strafbarkeit des H aus 23 III (grober Unverstand, Trottelprivileg).
Wenn man dann aber weiterhin dananch 242 prüft und bejaht, kommt einem die Exklusivitätstheorie aus 41, 198 ff in die Quere oder bezieht sich das nur auf vollendete Delikt (vollendeter 242 und vollendeter 263)?
Falls jemand untauglichen Versuch hat: Bei den Konkurrenzen:
Konsumtion? oder nichtbestrafte Vortat oder sonstiger Humbug?
Oder untauglicher Versuch nicht mit grobem Unverstand begründbar???
Verfasst am: 01 Apr 2008 - 13:35:17 Titel:
Prüft ihr die Problematik Wegnahme, Duldung durch V, keine Vermögensverfügung, somit Abgrenzung 242 263 beim versuchten Betrug unter dem Prüfungspunkt: Tatentschluss, Vermögensverfügung oder erst später beim vorsätzlichen 242???
Tatentschluss = wollte der Täter die Vermögensverfügung, dann Frage: kann überhaupt eine vorliegen? Das wäre ja dann keine Versuchsprüfung mehr, sondern Prüfung eines Vorsatzdeliktes.
Tatentschluss bezieht sich ja nur auf das Wollen der Verwirklichung der Vermögensverfügung.
Verfasst am: 01 Apr 2008 - 14:32:19 Titel:
beim versuchten betrug prüfe ich bei Tatentschluss, Verfügung die Abgrenzungsfrage. Dann komme ich dazu, dass H Wegnahmevorsatz hatte, wie bei den hinzugefügten Batterien im Bilderrahmen. Also kein versuchter Betrug. Dann prüfe ich § 242 und komm dann zu einer vollendeten Wegnahme oder nicht, je nachdem wie ich den Gewahrsamsübergang konstruiere. Bei der Wegnahme könnte aber ein TB-ausschließendes Einverständnis der V vorliegen. Da sie aber ihre Befugnisse bewusst überschreitet, ist fraglich ob das auch dem Ladeninhaber zugerechnet werden kann.
Verfasst am: 01 Apr 2008 - 14:52:01 Titel:
Wenn du beim Tatentschluss die Abgrenzungsfrage in der Verfügung prüfst, was machst du dann mit der Tatsache, dass V gar nicht verfügungsberechtigt ist, da sie ihre Kompetenzen überschreitet und somit ihr Verhalten gar nicht dem Ladeninhaber zugerechnet werden kann?
Wenn der Kassierer sich strafrechtlich relevant verhält, ist es doch selbstverständlich, dass dieses Verhalten im Wege des Dreiecksbetrugs gar nicht dem Ladeninhaber zugerechnet werden kann und somit auch die Abgrenzung Verfügung gegen Wegnahme und Duldung ihre Relevanz verliert?
Oder drehe ich mich im Kreis???
Verfasst am: 01 Apr 2008 - 15:01:49 Titel:
da hast du schon recht mit der V... aber man prüft doch beim tatentschluss, dass was sich der H vorgestellt hat.. und der wußte nicht, dass die V ihre Befugnisse überschreitet. Insofern ist das an der Stelle doch egal?
Verfasst am: 03 Apr 2008 - 16:07:15 Titel:
Mal was ganz anderes: Prüft ihr bei V Untreue? Hab da eigentlich keinen Platz mehr...