Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F05-03-2003-I_761-2002
Timestamp: 2016-10-28 08:36:09
Document Index: 382907762

Matched Legal Cases: ['Art. 8', 'Art. 15', 'Art. 17', 'BGE', 'Art. 17', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE']

I 761/02 (05.03.2003)
I 761/02
Pr�sident Borella, Bundesrichter Lustenberger und nebenamtlicher Richter B�hler; Gerichtsschreiberin Bollinger
U.________, 1965, Beschwerdef�hrer,
Der 1965 geborene U.________, gelernter Bauspengler und seit 1990 als Selbstst�ndigerwerbender t�tig, leidet seit Fr�hjahr 2001 an Polyarthropathie, wahrscheinlich im Sinne einer �berlastungsarthropathie mit anamnestisch chronischem Panvertebralsyndrom bei leichter Fehlform/Fehlhaltung. Am 25. Januar 2002 meldete er sich wegen Gelenk- und R�ckenbeschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug (Berufsberatung, Umschulung auf eine neue T�tigkeit) an. Die IV-Stelle Schwyz kl�rte unter Beizug von Berichten des Hausarztes Dr. med. R.________ vom 28. Februar 2002, dem ein Bericht des Rheumatologen Dr. med. B.________ vom 14. Dezember 2001 beilag, sowie von Dr. med. E.________, Arzt f�r Allgemeine Medizin FMH, vom 3. M�rz 2002, dem Berichte des Instituts f�r medizinische Radiologie und Nuklearmedizin an der Klinik X.________ vom 3. November 1997, von Dr. med. Z.________, Arzt f�r Innere Medizin FMH, vom 12. Januar 1999, und diverse Laborberichte beigef�gt waren, die medizinischen Verh�ltnisse ab. In erwerblicher Hinsicht holte sie vom Versicherten auf einem Fragebogen schriftliche Ausk�nfte zu Art und Ausmass seiner Behinderung ein und zog einen Auszug aus dem individuellen Konto bei. Gest�tzt auf diese Abkl�rungen lehnte sie nach Durchf�hrung des Vorbescheidverfahrens das Leistungsbegehren mit Verf�gung vom 25. April 2002 ab.
Die von U.________ hiegegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz mit Entscheid vom 27. September 2002 ab.
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt U.________ unter Aufhebung des angefochtenen Entscheids die Zusprechung der gesetzlichen Leistungen, namentlich von Umschulungsmassnahmen; eventuell sei eine MEDAS-Abkl�rung durchzuf�hren.
Vorinstanz und IV-Stelle beantragen Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Bundesamt f�r Sozialversicherung hat sich nicht vernehmen lassen.
1.1 Die Vorinstanz hat die Bestimmungen und Grunds�tze �ber den Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen (Art. 8 Abs. 1 IVG), die Massnahmen beruflicher Art (Art. 15 bis 18 IVG), insbesondere den Begriff und den Anspruch auf Umschulung (Art. 17 IVG; BGE 124 V 110 Erw. 2a mit Hinweisen) sowie den Invalidit�tsbegriff im Sinne von Art. 17 IVG und die Erheblichkeit der Invalidit�t in Form einer bleibenden oder l�ngere Zeit dauernden Erwerbseinbusse von etwa 20 % (BGE 124 V 110 f. Erw. 2b mit Hinweisen; AHI 2000 S. 62 Erw. 1, 1997 S. 80 Erw. 1b) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Zu erg�nzen ist, dass in der Invalidenversicherung der Grundsatz der Schadenminderungspflicht gilt. Danach hat die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selbst vorzukehren, um die Folgen ihrer Invalidit�t bestm�glich zu mildern, weshalb kein Rentenanspruch besteht, wenn der Versicherte selbst ohne Eingliederungsmassnahmen zumutbarerweise in der Lage w�re, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (BGE 113 V 28 Erw. 4a mit Hinweisen).
Streitig und zu pr�fen ist der Anspruch auf Umschulung.
2.1 Die Vorinstanz erw�gt zutreffend, dass die Eingliederungsmassnahmen dem Versicherten eine seiner fr�heren ann�hernd gleichwertigen Erwerbsm�glichkeit vermitteln sollen. Zu erg�nzen ist, dass es f�r die Beurteilung der Gleichwertigkeit zwar in erster Linie auf die miteinander zu vergleichenden Erwerbsm�glichkeiten im urspr�nglichen und im neuen Beruf oder in einer dem Versicherten zumutbaren T�tigkeit ankommt. Dabei geht es jedoch nicht an, den Anspruch auf Umschulungsmassnahmen - gleichsam im Sinne einer Momentaufnahme - ausschliesslich vom Ergebnis eines auf den aktuellen Zeitpunkt begrenzten Einkommensvergleichs, ohne R�cksicht auf den qualitativen Ausbildungsstand einerseits und die damit zusammenh�ngende k�nftige Entwicklung der erwerblichen M�glichkeiten anderseits, abh�ngen zu lassen. Vielmehr ist im Rahmen der vorzunehmenden Prognose (BGE 124 V 111 Erw. 3b mit Hinweis) unter Ber�cksichtigung der gesamten Umst�nde nicht nur der Gesichtspunkt der Verdienstm�glichkeit, sondern der f�r die k�nftige Einkommensentwicklung ebenfalls bedeutsame qualitative Stellenwert der beiden zu vergleichenden Berufe mit zu ber�cksichtigen. Die ann�hernde Gleichwertigkeit der Erwerbsm�glichkeit in der alten und neuen T�tigkeit d�rfte auf weite Sicht nur dann zu verwirklichen sein, wenn auch die beiden Ausbildungen einen einigermassen vergleichbaren Wert aufweisen (BGE 124 V 111 Erw. 3b mit Hinweisen).
2.2 Das kantonale Gericht ist unter zutreffender W�rdigung der Akten und insbesondere der umfassenden �rztlichen Stellungnahmen zu Recht davon ausgegangen, dass der Versicherte in seiner angestammten T�tigkeit als Bauspengler gesundheitlich eingeschr�nkt, in einer leichten, wechselbelastenden T�tigkeit ohne Heben von schweren Lasten aber vollst�ndig arbeitsf�hig ist. Die medizinische Situation ist einl�sslich abgekl�rt und von weiteren Untersuchungen sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, sodass von der beantragten erg�nzenden MEDAS-Begutachtung abzusehen ist (antizipierte Beweisw�rdigung, BGE 124 V 94 Erw. b). Da f�r den streitigen Anspruch auf Umschulung vornehmlich die erwerbliche Einbusse ausschlaggebend ist, die der Versicherte ohne zus�tzliche berufliche Ausbildung in einer ihm noch zumutbaren Erwerbst�tigkeit dauernd oder �ber l�ngere Zeit mutmasslich erleidet (Erw. 2.1 hievor), kann offen bleiben, ob die Einsch�tzung von Dr. med. R.________, der ab dem 5. April 2001 f�r die Belange der Krankentaggeldversicherung eine Arbeitsunf�higkeit von 50 % bescheinigt, auch im Rahmen der Invalidenversicherung G�ltigkeit hat.
3.1 Vorinstanz und IV-Stelle haben einen anspruchsbegr�ndenden Einkommensverlust in einer angepassten T�tigkeit unter Beizug der Tabellenl�hne verneint, weil das von m�nnlichen Arbeitnehmern an Arbeitspl�tzen mit einfachen und repetitiven Arbeiten (Anforderungsniveau ) erzielbare Einkommen Fr. 54'100.‑ pro Jahr (Fr. 4509.23 pro Monat) betrage. Demgegen�ber habe der Beschwerdef�hrer in seinem angestammten Beruf als selbstst�ndiger Bauspengler in den Jahren 1991 bis 2000 durchschnittlich nur ein Einkommen von Fr. 29'935.‑ erzielt. Selbst wenn man die in den beiden letzten Jahren 2000 und 2001 erzielten Betriebsergebnisse von Fr. 67'970.‑ und Fr. 53'838.‑ mit ber�cksichtige, resultiere im Vergleich zum zumutbaren Invalideneinkommen kein anspruchsbegr�ndender invalidit�tsbedingter Minderverdienst von 20 %.
3.2 Dieser Betrachtungsweise kann nicht gefolgt werden. Zum einen wird dabei die k�nftige Entwicklung der erwerblichen M�glichkeiten des Beschwerdef�hrers v�llig ausser Acht gelassen (Erw. 2.1 hievor). Zum andern l�sst der Einkommensvergleich ausgehend von den im individuellen AHV-Konto verbuchten Einkommen der Jahre 1991 bis 2000 die invalidit�tsfremden Einfl�sse wie etwa die Konjunkturlage, die Konkurrenzsituation, Anfangsinvestitionen und entsprechende Abschreibungen sowie R�ckstellungen etc. ausser Betracht. Eine Gegen�berstellung der vor und nach Eintritt eines invalidenrechtlichen Versicherungsfalles in einem Gewerbebetrieb realisierten Betriebsergebnisse l�sst nach der Rechtsprechung zuverl�ssige Schl�sse auf die invalidit�tsbedingte Erwerbseinbusse aber nur dort zu, wo mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann, dass die Gesch�ftsergebnisse nicht durch solche invalidit�tsfremde Faktoren beeinflusst worden sind (AHI 1998 S. 254 Erw. 4a). Eine zuverl�ssige Ausscheidung der auf invalidit�tsfremde Faktoren zur�ckzuf�hrenden Einkommensanteile einerseits und der auf dem eigenen Leistungsverm�gen des Versicherten Einkommenssch�pfung anderseits ist aufgrund der Buchhaltungsunterlagen aber regelm�ssig - so auch hier - nicht m�glich, zumal die geringeren Betriebsgewinne in den ersten Jahren nach Aufnahme der selbstst�ndigen Erwerbst�tigkeit �blicherweise auf verschiedene damit zusammenh�ngende Faktoren (hohe Abschreibungsquote auf Neuinvestitionen etc.) zur�ckzuf�hren sind. Schliesslich darf das vom Beschwerdef�hrer in den ersten zehn Jahren seiner Gesch�ftst�tigkeit tats�chlich erzielte, AHV-rechtlich massgebende Einkommen nicht ohne Aufrechnung der pers�nlichen AHV/IV/EO-Beitr�ge (vgl. Art. 9 Abs. 2 lit. d 2. Satz AHVG) dem (Validen-)Einkommen eines gesunden selbstst�ndigen Bauspenglers gleichgesetzt werden.
3.3 Zu beachten ist weiter, dass es sich bei den f�r den Beschwerdef�hrer ohne Umschulung zumutbaren k�rperlich leichten, wechselbelastenden T�tigkeit (ohne Arbeiten auf D�chern und Leitern und ohne Heben und Tragen von Lasten) um unqualifizierte Hilfsarbeit handelt, die im Vergleich zur T�tigkeit als Bauspengler qualitativ nicht als "ann�hernd gleichwertig" bezeichnet werden kann. Soweit Vorinstanz und Verwaltung eine ann�hernde Gleichwertigkeit einzig unter dem Aspekt der Verdienstm�glichkeiten bejahen, kann ihnen deshalb nicht gefolgt werden. Zu ber�cksichtigen gilt es auch, dass gesundheitlich beeintr�chtigte Arbeitnehmer das durchschnittliche statistische Lohnniveau voll leistungsf�higer Hilfsarbeiter in der Regel nicht erreichen, welchem Umstand die Rechtsprechung beim Einkommensvergleich mit einer K�rzung der statistischen Tabellenl�hne um bis zu 25 % (sog. Behindertenabzug) Rechnung tr�gt (BGE 126 V 78 ff. Erw. 5). Dar�ber hinaus sind Hilfsarbeiter den konjunkturellen Risiken auf dem Arbeitsmarkt und strukturellen betrieblichen Anpassungen viel st�rker ausgesetzt als qualifizierte Mitarbeiter mit Berufsausbildung (BGE 124 V 112 Erw. 3b), wogegen die erwerblichen Aussichten eines selbstst�ndigen, gesunden Bauspenglers auf l�ngere Sicht zweifellos wesentlich besser sind. Dies gilt im vorliegenden Fall umso mehr, als es sich beim Beschwerdef�hrer um einen noch relativ jungen - im Zeitpunkt des Verf�gungserlasses 36-j�hrigen - Versicherten mit einer verbleibenden Aktivit�tsdauer von rund 30 Jahren handelt.
3.4 Im Lichte dieser Grunds�tze ist der Umschulungsanspruch des Beschwerdef�hrers zu bejahen. Die unqualifizierte Hilfsarbeit kann im Vergleich zum erlernten Beruf als Bauspengler qualitativ nicht als gleichwertig betrachtet werden, woran auch eine im momentanen Einkommensvergleich resultierende Verdiensteinbusse von weniger als 20 % nichts zu �ndern vermag.
In Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde werden der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Schwyz vom 27. September 2002 und die Verf�gung der IV-Stelle des Kantons Schwyz vom 25. April 2002 aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdef�hrer Anspruch auf Umschulungsmassnahmen hat.
Luzern, 5. M�rz 2003