Source: https://studylibde.com/doc/7038720/anlage-2.1--arten-anhang-ii-ffh-richtlinie---in-rheinland
Timestamp: 2019-08-21 04:03:31
Document Index: 130994694

Matched Legal Cases: ['Art 1166', 'Art 1163', 'Art 1134', 'Art 1096', 'Art 1061', 'Art 1059', 'Art 1060', 'Art 1037', 'Art 1044', 'Art 1032']

Anlage 2.1, Arten Anhang II FFH-Richtlinie - in Rheinland
Auflistung der Arten-Steckbriefe der im FFH-Gebiet
6814-302 „Erlenbach und Klingbach“ vorhandenen Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie
Steckbrief zur FFH-Art 1166
In der Landtracht ist die Oberseite des Kamm-Molches tiefschwarz. Im Laichgewässer ist der Rücken der Männchen schwarz bis dunkelbraun gefärbt mit schwarzen Flecken. Männliche Tiere tragen einen gezackten Hautkamm auf dem Rücken, der zur Paarungszeit über 15 mm hoch werden kann. An den Flanken befinden sich auf
der warzigen, rauen Haut zahlreiche weiße, bisweilen gelbliche Tupfen. Die Kehle ist schwarzgelb marmoriert,
durchsetzt mit kleinen weißen Flecken. Ein perlmutterfarbenes Längsband verläuft zu beiden Seiten des Schwanzes. Die Bauchseite ist hellgelb bis rotorange gefärbt. Auf ihr befinden sich verschiedene scharf abgegrenzte
schwarze Punkt- und Fleckenmuster, die für jedes Tier charakteristisch sind. Weibliche Tiere sind weniger intensiv gefärbt und tragen keinen so prägnant ausgebildeten Hautkamm.
Die Männchen werden 12-16 cm groß, die Weibchen können bis zu 18 cm erreichen.
Kamm-Molche bevorzugen größere (500-750 m²) stehende und tiefe Gewässer der offenen Landschaft im Flachund Hügelland. Altarme in Flussniederungen mit „feuchtwarmen Waldgebieten“ sind bedeutende Lebensräume.
Auch Abgrabungsgewässer in Kies-, Sand- und Tongruben sowie Steinbrüchen spielen als Lebensräume eine
Fortpflanzungsgewässer des Kamm-Molches besitzen eine ausgeprägte Ufer- und Unterwasservegetation (hier
vor allem Wasserhahnenfußarten, Wasserstern und Laichkräuter) und sind weitgehend unbeschattet. Wassertemperaturen von etwa 20° C im Frühjahr sind eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung der Eier und
Die Landlebensräume des Kamm-Molches sind bisher wenig bekannt. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand werden vorwiegend (lichte) Laub- und Mischwälder oder Hecken genutzt, aber auch Offenland wird besiedelt. Die
terrestrischen Lebensräume liegen meist in unmittelbarer Nähe des Gewässers. Derzeit ist davon auszugehen,
dass in einem ungefähr 300 bis 1000 m² großen Bereich alle Anforderungen an den Wasser- und Landlebensraum zum Erhalt einer Kamm-Molchpopulation erfüllt sein müssen. Die Molche überwintern an Land zum Teil in
der Laubschicht, unter Steinhaufen und in Kleinsäuger-Gängen, aber auch in Kellern und ähnlichen Hohlräumen.
Ein Teil der Kamm-Molche überwintert möglicherweise auch im Gewässer.
Kamm-Molche sind mit 2-3 Jahren geschlechtsreif. Die meisten Molche wandern nachts im Februar und März
zum Paarungsgewässer. Eiablagen erfolgen zwischen April und Juli. Das Weibchen legt etwa 200-400 Eier, die
es einzeln zwischen Pflanzenteile klebt. Die Eier werden dabei vollständig beispielsweise in Blätter eingewickelt.
Sie entwickeln sich in Abhängigkeit von der Wassertemperatur. In Mitteleuropa geht man bei ca. 10° C Wassertemperatur von einer 15-tägigen Entwicklungszeit aus.
Die Metamorphose der jungen Molche ist etwa nach 90 Tagen abgeschlossenen. Ab Mitte August, besonders
aber gegen Mitte September, verlassen die Molche das Gewässer.
Kamm-Molche werden in der Natur im Durchschnitt 4-5 Jahre alt, können aber auch mit 17 Jahren ein relativ
Der Kamm-Molch kommt bevorzugt in Höhenlagen unter 150 m über NN vor. In Rheinland-Pfalz liegt deshalb der
Verbreitungsschwerpunkt der Art in der Nördlichen Oberrheinebene. Aber auch im Westerwald und im SaarNahe-Bergland existieren einige bedeutende Vorkommen.
6814-302 - Erlenbach und Klingbach (neu)
Kamm-Molche benötigen größere Gewässer als Lebensraum. Mit zunehmender Größe eines Gewässers steigt
das Risiko, dass räuberische Fische im Gewässer existieren, die zum Beispiel durch Enten eingetragen oder
eingesetzt werden. Kamm-Molche sind an fischfreie Gewässer angepasst. Gegenüber Fischen haben sie unzureichende Feindvermeidungs- oder Fluchtstrategien entwickelt. In kleineren, fischfreien Gewässern dagegen sind
sie dem Risiko des Trockenfallens ausgesetzt.
Auch gegenüber einer Eutrophierung der Gewässer reagieren die Larven besonders empfindlich. Wenn Gülle
oder Pestizide ins Gewässer gelangen, kann der gesamte Larvenbestand absterben.
Hauptgefährdungsfaktor ist, neben dem unmittelbaren Verlust der Laichgewässer, der Besatz der Gewässer mit
Fischen. Es ist deshalb zwingend notwendig, Fischbesatzmaßnahmen in Kamm-Molchgewässern zu unterlassen
und – wo möglich – wieder rückgängig zu machen.
Steckbrief zur FFH-Art 1163
Die Groppe ist ein nachtaktiver, bodenlebender Süßwasserfisch. Sie kann 15 Zentimeter groß werden, ihr keulenförmiger Körper ist schuppenlos und glatt mit einem breiten Kopf mit großem endständigem Maul, Kiemendeckel
mit Dorn und auffällig großen Brustflossen. In ihrer Färbung passt sie sich dem Untergrund perfekt an. Die meist
grau-bräunliche bis olivgrünliche Oberseite des Körpers ist unregelmäßig dunkel marmoriert mit vier undeutlichen,
dunklen Querstreifen. Die Bauchseite ist heller gefärbt. Die grau gefleckten Flossen weisen eine strahlenförmige
Zeichnung auf. Die Groppe besitzt keine Schwimmblase. Daher ist sie ein schlechter Schwimmer. Charakteristisch ist ihre ruckartige Fortbewegungsweise bei gespreizten Brustflossen.
Die Groppe ist ein typischer Bewohner sommerkühler und sauerstoffreicher Bäche und Flüsse der Forellen- und
Äschenregion mit grobkiesigen bis steinigen Bodensubstraten. Aber auch stehende Gewässer werden besiedelt.
Günstig sind Temperaturen von 14-16° C. Die Ansprüche an die Wasserqualität und den Lebensraum sind hoch.
Das Wohngewässer muss eine abwechslungsreiche Morphologie aufweisen, da die einzelnen Altersklassen dieser Kleinfischart unterschiedliche Ansprüche an die Korngrößen des Bodens und an Fließgeschwindigkeiten
stellen. Wichtig sind auch ausreichende Versteckmöglichkeiten zwischen Steinen. In ausgebauten, strukturarmen
Gewässern verschwindet die Art.
Die Laichzeit der Groppe fällt je nach Temperaturverlauf in die Zeit von März bis Mitte Mai. Die Eiablage erfolgt
bei Wassertemperaturen zwischen 10° und 12,5 ° C. Das Männchen bereitet eine Laichgrube zwischen oder
unter Steinen vor. Die orangefarbenen Eier werden vom Weibchen dort in einem Schub in Ballen abgelegt und
meist in Hohlräume unter Steinen geklebt. Jedes Weibchen kann etwa 50 bis 1000 Eier legen. Das Männchen
bewacht die Eier während der Brutphase bis zum Schlüpfen der Larven und befächert sie mit Frischwasser. Die
Eier benötigen bei Temperaturen von 10° C etwa 4 Wochen bis zum Schlupf. Die Larven ernähren sich zunächst
von ihrem Dottersack, bei einer Wassertemperatur von 13° C 12 Tage lang, dann gehen sie zur aktiven Ernährung über. Nachts ernähren sich die Tiere vorwiegend von Insektenlarven Kleinkrebsen, die sie im Lückensystem
der Gewässersohle suchen.
Im Mai und Juni driften die Jungfische bachabwärts in strömungsberuhigtere Bereiche. So verbreiten sich die
Tiere. Driftverluste werden durch stromaufwärts gerichtete Wanderungen bis gegen Ende Juli wieder ausgeglichen.
Während sich die Jungfische tagsüber zwischen kleineren Steinen von 2-5 Zentimeter Korngröße und unter Wurzeln verstecken, benötigen die älteren Jahresklassen zunehmend gröbere Fraktionen bis zu 20-30 Zentimeter.
Wird die Groppe aufgeschreckt, huscht sie im Zickzack kurze Strecken über den Gewässergrund und versteckt
Die Geschlechtsreife erreicht die Groppe meist nach zwei Jahren. Ihre Lebenserwartung liegt zwischen 2 und 10
Jahren in Abhängigkeit von den Lebensbedingungen.
Von allen Fischarten der FFH-Richtlinie ist die Groppe die häufigste Art in Rheinland-Pfalz. Aktuell wird ihr Vorkommen nicht mehr als gefährdet angesehen. Vor allem die sommerkühlen Fließgewässer in den höheren Mittelgebirgslagen von Eifel, Hunsrück und Westerwald sowie der Pfälzerwald werden besiedelt. In den sommerwarmen Bächen des Oberrhein-Tieflandes dagegen fehlt diese Art.
Auf eine Versauerung ihres Lebensraums Wasser, auch durch den Anbau von Fichten in Gewässernähe, sowie
auf Gewässerverunreinigungen mit nachfolgender Verschlammung und Unterhaltungsmaßnahmen reagiert die
Groppe sehr empfindlich. Der Eintrag von Sedimenten und vor allem Nährstoffanreicherung generell und durch
Abtrag von angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzflächen im Besonderen führt zu einer zunehmenden Verschlammung des Lückensystems der Gewässersohle durch Schwebstoffdrift. Sedimente dringen in das Lückensystem der Sohle ein, Schlamm mit hohen organischen Anteilen überdeckt das Substrat. Hierdurch werden zum
einen unmittelbar die Versteck- und Ernährungsmöglichkeiten an der Gewässersohle beeinträchtigt, zum anderen
verschlechtert sich die Sauerstoffversorgung stark. Bereiche mit hohen Konzentrationen an gelöstem organischem Kohlenstoff aus Materialien verschiedenen Ursprungs werden von der Groppe gemieden.
Barrieren verhindern die das Gewässer aufwärts gerichteten Kompensationswanderungen vor allem der Jungfische und somit den genetischen Austausch zwischen den Teilpopulationen eines Fließgewässers. Schone kleine
Schwellen stellen unüberwindbare Hindernisse für diesen kleinen Fisch dar. Bereits Barrieren ab 15-20 Zentimeter Höhe sind für die Groppe unpassierbar. Aufstiegshindernisse bewirken einen so genannten „Ventileffekt“ zum
Gewässerunterlauf, der eine Population auf Dauer hochgradig in Existenznot bringen kann.
Eine weitere Gefährdung kann aus einem intensiven Besatz der Gewässer mit räuberisch lebenden Fischarten,
zum Beispiel der Forelle resultieren.
Besondere Bedeutung kommt den quellnahen Populationen der Groppe zu, die in einem Fließgewässersystem
eine „Konstante“ bilden, von der aus die quellfernen Bereiche immer wieder besiedelt werden können. Da eine
Rückwanderung von Groppen im Gewässer aufwärts schon bei niedrigen Hindernissen nicht mehr möglich ist,
müssen künstliche Barrieren auch für Kleinfische passierbar gemacht werden.
Zur nachhaltigen Sicherung der Lebensräume der Groppe müssen Gewässerabschnitte mit unterschiedlichen
Sedimentsortierungen zwischen 2 und 20 Zentimeter mit möglichst wenigen Schlammablagerungen und wechselnden Fließgeschwindigkeiten zwischen 0,2 und 1,2 m/s vorhanden sein. Solche Verhältnisse herrschen nur in
unbelasteten, naturnahen Bächen.
Die Gewässergüteklasse darf I-II (geringe Belastung) nicht überschreiten. Nährstoffanreicherungen in Fließgewässern sollten durch ausreichend breite Uferrandstreifen vermieden werden.
Steckbrief zur FFH-Art 1134
Der Bitterling ist ein kleiner, hochrückiger, seitlich abgeflachter Karpfenfisch von etwa 6 Zentimetern Größe. Selten wird er auch einmal bis zu 10 Zentimeter lang. Seine großen Schuppen wirken durch ihre dunkle Umrandung
wie ein Netz, die Seitenlinien sind unvollständig, sie reichen nur über die vorderen 5 bis 6 Schuppen. Der Rücken
ist graugrün, Seiten und Bauch schimmern silbrig. Von der Schwanzflosse bis zur Körpermitte verläuft eine blaugrüne Längsbinde. Im oberen Teil des Auges befindet sich ein roter Fleck.
In der Laichzeit nehmen die Männchen eine intensive Färbung an. Kehle, Brust und vordere Bauchseite werden
rötlich, Rücken und Hinterkörper schillern grün. An zwei Stellen über den Augen und dem Maul erscheinen
Laichwarzen und hinter den Kiemendeckeln je ein blauer Fleck. Die Weibchen bilden in dieser Zeit hinter der
Afteröffnung eine etwa 5 Zentimeter lange Legeröhre aus.
Der Bitterling bevorzugt stehende, flache und sommerwarme Kleingewässer, die Uferregion von Seen sowie
Buchten strömungsarmer Fließgewässer mit meist üppigem Pflanzenwuchs und sandig-schlammigem Grund.
Offene, lichtdurchlässige Stellen brauchen die geselligen Bitterlinge als Raum für ihre Imponierspiele bei Balz und
Revierverteidigung. Die kleinen Karpfenfische leben oft mit Stichlings- oder Schwärmen anderer karpfenartiger
Kleinfischarten vergesellschaftet. Es werden sowohl naturnahe als auch mäßig ausgebaute Gewässer besiedelt.
Entscheidend für die Vorkommen sind dagegen ausreichende Bestände an Fluss- und Teichmuscheln.
Für ihre Fortpflanzung sind die Bitterlinge auf Großmuscheln angewiesen. Ab Anfang Mai suchen sich die Männchen eine Muschel aus und legen ihr prächtig gefärbtes Hochzeitskleid an. Sie beginnen mit der Revierverteidigung. Ein geeignetes Revier ist 4 bis 10 m² groß und beherbergt 1 bis 3 Muscheln. Mit zunehmender Populationsdichte reduziert sich die Reviergröße. Die Männchen schwimmen regelmäßig zu „ihren“ Muscheln, um diese
zu konditionieren. Durch regelmäßiges leichtes Anstoßen der Einströmöffnung der Muschel mit der Schnauze
wird diese an den spezifischen Berührungsreiz gewöhnt und schließt die Schale nicht mehr. So wird das Einführen der Legeröhren für die Weibchen ermöglicht.
Bis Ende Juni lässt das Bitterling-Weibchen, das pro Laichperiode etwa 40 Eier produziert, jeweils 1 bis 2 der 3
Millimeter großen Eier über die Atemöffnung der vorbereiteten Muschel in deren Kiemenraum gleiten. Jedes
Weibchen verteilt seine Eier auf mehrere Muscheln und Männchen. Mit dem Atemwasser gelangen auch die
Spermien der Männchen in den Kiemenraum der Muschel und befruchten dort die Eier.
Günstige Temperaturen für die Eiablage sind 15-21° C. Die Entwicklungszeit der Eier dauert je nach Wassertemperatur 2 bis 3 Wochen. Die Larven zehren relativ lange von ihrem Dottersack und verlassen erst nach ungefähr
5 Wochen und mit einer Länge von etwa 11 Millimetern die Wirtsmuschel. Dadurch sind die Eier und die schlüpfenden Larven während ihrer Entwicklungszeit vor Fressfeinden sicher, und der Erhalt des Bitterlings ist trotz sehr
geringer Eizahlen gewährleistet. Im zweiten Lebensjahr sind die Tiere geschlechtsreif. Sie werden meist 3-4,
selten auch einmal bis 8 Jahre alt.
Die Nahrung des Bitterlings besteht als Jungtier überwiegend aus Zooplankton, Zuckmückenlarven und Würmern,
später nimmt er mehr pflanzliche Nahrung zu sich.
Der Bitterling galt 1997 in Rheinland-Pfalz als vom Aussterben bedroht, nach Untersuchungen im Jahr 2007 wird
er nun als stark gefährdet eingestuft. Aktuell sind nur sehr wenige Vorkommen aus dem Westerwald, zum Beispiel in Lahn und Wied, aus der Mosel, der Nahe und dem Oberrheingebiet bekannt. Schwerpunkte der Verbreitung sind das Flachland und die Flussniederungen, vor allem der Oberrheingraben.
Hauptursachen des Bestandsrückgangs des Bitterlings sind in der Zerstörung seiner Lebensräume durch Wasserbau- und Gewässerunterhaltungsmaßnahmen zu sehen, aber auch durch Verfüllung von Kleingewässern und
Beseitigung von Altarmen, Verlandung oder saisonales Trockenfallen.
Der Bitterling kann ohne ausreichend große Muschelbestände nicht überleben. Muscheln sind Filtrierer und reagieren auf Verschmutzungen besonders empfindlich. Wenn Gewässer innerhalb kurzer Zeit infolge Verschmutzung verschlammen, sind sie als Lebensraum für Muscheln nicht mehr geeignet. In den vergangenen Jahren
waren Muscheln in ihren Beständen stark rückläufig.
Da der Bitterling insbesondere in kleineren Gewässern der Konkurrenz durch andere Arten nur bedingt widerstehen kann, wirken vor allem Nahrungskonkurrenz und Fraßdruck durch eingesetzte Nutzfischarten wie Aal, Zander, Barsch oder Hecht gefährdend. Auch Bisamratten, die gerne Muscheln fressen, können diese Fischart
dadurch indirekt dezimieren.
Um den Bitterling zu erhalten und zu fördern, müssen seine Lebensräume geschützt und ein ausreichender Bestand an Großmuscheln sichergestellt werden. Altwässer müssen erhalten und gegebenenfalls wieder an den
Hauptstrom angebunden werden. Notwendige Gewässerunterhaltungsmaßnahmen sollten schonend durchgeführt werden. Grundräumungen sind, vor allem auch zur Erhaltung der Muschelbestände, zu vermeiden. In typischen Bitterlingsgewässern darf außerdem keine Veränderung des Arteninventars durch Fischbesatz erfolgen.
Vor allem bei direkt angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzflächen sollte durch die Errichtung großzügig dimensionierter Gewässerrandstreifen der Eintrag von Nähr- und Schadstoffen verringert werden.
Damit ein Austausch der isolierten Teilpopulationen sowie eine Neubesiedlung geeigneter Gewässer stattfinden
kann, sollten Lebensräume besser vernetzt werden. Längsdurchgängigkeit, Strukturreichtum und eine gute Wasserqualität müssen gewährleistet sein.
Steckbrief zur FFH-Art 1096
Das Bachneunauge zählt zu den Rundmäulern und ist eng verwandt mit dem Meer- und dem Flussneunauge.
Anders als bei den Knochenfischen besteht das Skelett aus Knorpel. Kiefer, paarige Flossen und Schwimmblase
fehlen. Charakteristisch sind der etwa 15 Zentimeter lange aalartige, schuppenlose Körper, das scheibenförmige
Saugmaul mit Hornzähnen und die beiden aneinander stoßenden Rückenflossen, deren hinterer Abschnitt mit
Schwanz- und Afterflosse einen Flossensaum bildet.
Die Körperoberseite des Bachneunauges ist graublau bis braungrün gefärbt, die Flanken sind gelblichweiß und
gehen in einen weißen Bauch über. Seinen Namen verdankt das Tier den scheinbar neun „Augen“ an den Körperseiten, die sich aus jeweils sieben Kiemenöffnungen, dem eigentlichen Auge und der Nasenöffnung zusammensetzen.
Das Bachneunauge führt im Gegensatz zu seinen größeren Verwandten nur kurze Laichwanderungen stromaufwärts durch und verbringt sein ganzes Leben stationär in Bächen und kleinen Flüssen. Mitunter werden auch
noch kleinste Bäche mit geringer Wasserführung besiedelt. Als Charakterart der Forellenregion der Fließgewässer ist das Bachneunauge oft mit der Bachforelle und der Groppe vergesellschaftet.
Die Wohngewässer müssen eine hohe Strukturvielfalt aufweisen, denn die augenlosen Larven, auch Querder
genannt, und die ausgewachsenen Tiere haben unterschiedliche Ansprüche an den Lebensraum. Die Larven sind
auf ruhig fließende Gewässerabschnitte mit sandigem Feinsubstrat, meist Flachwasserbereiche, angewiesen, die
erwachsenen Exemplare benötigen rascher fließende Gewässerbereiche mit kiesigen und steinigen Strecken
zum Ansaugen und zur Fortpflanzung.
Die meiste Zeit seines Lebens, nämlich 3 bis 6 Jahre, verbringt das Bachneunauge als blinde, zahnlose Larve
und bis auf den Kopf im Feinsediment eingegraben. Während dieser Zeit ernähren sich die Querder von Mikroorganismen, zum Beispiel Kieselalgen, und feinen organischen Partikeln (Detritus), die sie aus dem Atemwasser
Die Umwandlung zum erwachsenen, geschlechtsreifen Tier beginnt im Spätsommer und dauert 9 bis 10 Monate.
Während sich Geschlechtsorgane, Augen und Hornzähne herausbilden, degeneriert der Darm. Die erwachsenen
Tiere nehmen keine Nahrung mehr zu sich. Im darauf folgenden Frühjahr, etwa 2 Wochen vor der Eiablage, beginnen die Tiere überwiegend nachts stromaufwärts zu ihren Laichplätzen zu wandern. Dabei werden nur geringe
Distanzen bis zu wenigen Kilometern zurückgelegt. Wenn die Wassertemperatur 10-11° C erreicht hat, je nach
Region im April bis Juni, finden sich kleine Gruppen der Bachneunaugen im Flachwasser über sandig-kiesigem
Untergrund zusammen. Die Männchen heben 5 bis 10 Zentimeter tiefe Laichgruben aus und entfernen dabei
störende Kieselsteine mit dem Maul. Das Ablaichen erfolgt im Schwarm. Jedes Weibchen gibt etwa 500 bis 2000
Eier in die Gruben ab. Die Larven schlüpfen nach ungefähr 10 bis 20 Tagen und suchen ruhigere Gewässerabschnitte auf. Die Elterntiere sterben wenige Wochen nach dem Laichen.
Das Bachneunauge ist in ganz Mitteleuropa und in Deutschland vor allem im Bergland weit verbreitet. Schwerpunkte der Verbreitung in Rheinland-Pfalz sind Eifel und Pfälzerwald. Im Hunsrück und im Westerwald kommt die
Art eher selten vor. In den übrigen Mittelgebirgsregionen ist das Bachneunauge in nur sehr wenigen Bächen
Die jahrelange enge Bindung der Larven an saubere, durchströmte Sandbänke macht sie besonders empfindlich
gegenüber Eingriffen in geeignete Larvenlebensräume durch Gewässerunterhaltungs- oder -ausbaumaßnahmen.
Auch der Fraßdruck durch einen hohen Forellenbesatz und Gewässerverschmutzung gefährden das Bachneunauge.
Der Erhalt geeigneter Habitate, vor allem der Laichsubstrate und der Larvenlebensräume, ist zentrale Voraussetzung zur Sicherung der Populationen dieser Art in den Fließgewässern. Die Beseitigung von Barrieren und eine
schonende Durchführung oder Unterlassung von Unterhaltungsmaßnahmen unter Erhalt sedimentationsfördernder Strukturen, vor allem in Mühl- oder anderen Gräben, sind notwendig, um die Populationen dauerhaft sichern
zu können. Eine weitere Verbesserung der Wasserqualität und ein Verzicht auf Fischbesatz oder zumindest ein
ausgewogener Besatz sind gleichermaßen wichtig. Die bisher erfolgten Gewässerschutzmaßnahmen haben
bereits zu einer deutlichen Verbesserung des Bachneunaugenbestandes in Rheinland-Pfalz beigetragen.
Steckbrief zur FFH-Art 1061
Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, auch unter dem Namen Schwarzblauer Moorbläuling bekannt, erreicht
eine Flügelspannweite von etwa 3,5 Zentimetern. Beim Männchen ist die Flügeloberseite dunkelblau (bestäubt)
mit einem breiten dunklen Rand. Die Flügeloberseite des Weibchens ist einheitlich schwarzbraun gefärbt. Auf den
bei beiden Geschlechtern grau- bis hellbraun gefärbten Flügelunterseiten verläuft eine einzige geschwungene
Reihe brauner, weiß umrandeter Punkte.
Lebensraum von Maculinea nausithous sind vor allem wechselfeuchte, ein- bis zweischürige magere Wiesen in
Fluss- und Bachtälern sowie deren jüngere Brachestadien mit Vorkommen des Großen Wiesenknopfes (Sanguisorba officinalis) und Bauten der Rotgelben Knotenameise Myrmica rubra. Anders als der in den gleichen
Lebensräumen beheimatete Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius) besiedelt der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling auch kleinräumige, trockenere Saumbiotope wie Böschungen oder Säume an Wegen
und Gräben. Zu feuchte oder regelmäßig überflutete Standorte werden meist gemieden.
Die Eiablage erfolgt zur Flugzeit der Falter im Juli und August ausschließlich einzeln oder in kleinen Gruppen in
bereits rot gefärbte, ältere Blütenköpfe der Wirtspflanze Großer Wiesenknopf. Diese Blüten dienen als Balz- und
Schlafplatz, zur Eiablage und Nektaraufnahme.
Nach durchschnittlich 8 Tagen schlüpfen die Larven aus den Eiern, bohren sich in die Blütenköpfe und fressen
sie aus. Ab ungefähr Ende August verlassen die Raupen im 3. Larvenstadium ihre Wirtspflanze und werden am
Boden von Rotgelben Knotenameisen eingesammelt und in deren Nester getragen. Diese Ameisenart bildet keine Nesthügel wie die großen Waldameisen, sondern lebt im Boden.
In den Ameisennestern ernähren sich die Raupen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings bis zu ihrer Verpuppung im darauf folgenden Frühjahr parasitisch von der Ameisenbrut. Drüsensekrete der Raupe sorgen dafür,
dass sie von den Ameisen gepflegt wird. Raupen-Pheromone sorgen darüber hinaus für den richtigen Nestgeruch.
In jedem Ameisenbau können sich bis zu vier Schmetterlingsraupen entwickeln. Nach etwa 330 Tagen Larvenund 25 Tagen Puppenphase schlüpft der Falter. Dieser hat eine Lebenserwartung von circa 10 Tagen.
Die Falter ernähren sich nicht wie die jungen Raupen ausschließlich, aber doch überwiegend vom Großen Wie- 11 -
senknopf. Darüber hinaus wurden sie vereinzelt auch an Blutweiderich (Lythrum salicaria), Distelarten (Cirsium
spp.) oder Wasserdost (Eupatorium cannabinum) bei der Nektaraufnahme beobachtet.
Maculinea nausithous wird als standorttreue Art eingeschätzt. Auch auf relativ kleinen Wiesen kann der Falter
hohe Populationsdichten erreichen. Dabei wird die Größe der Population deutlich von der Anzahl der Ameisenbauten bestimmt. Finden die Ameisen keine günstigen Lebensbedingungen vor, wirkt sich dies auch auf die Vorkommen des Bläulings nachteilig aus.
Rheinland-Pfalz beherbergt wesentliche Anteile der europäischen Population des Dunklen WiesenknopfAmeisenbläulings. Schwerpunkte der Vorkommen sind der Westerwald und das Nordpfälzer Bergland. Größere
Vorkommen existieren außerdem in der Westpfälzer Moorniederung und im Oberrhein-Tiefland, kleinere Vorkommen im Ahrtal, im Brohlbachtal und im östlichen Hunsrück.
Hauptgefährdungsursachen für diese Schmetterlingsart sind der Verlust oder die Entwertung geeigneter Lebensräume. Neben Totalverlust durch Bebauung, Umbruch oder Aufforstung sind dies vor allem Nutzungsintensivierung oder längerfristige Nutzungsaufgabe des wechselfeuchten Grünlands. Alle Veränderungen, die die Verdrängung der Wirtspflanze Großer Wiesenknopf nach sich ziehen und die Wirtsameise der Möglichkeit berauben,
Bodennester anzulegen, führen auch zum Rückgang der Bläulingspopulationen.
Negative Einflüsse sind Trockenlegung, längere Überstauung, eine mehr als zweischürige Nutzung feuchter Wiesen und ungünstige Mahdzeitpunkte im Juli und August, intensive Beweidung, Bodenverdichtungen durch den
Einsatz schwerer Maschinen, zu tiefer Grasschnitt, Düngung und Herbizideinsatz sowie die Aufgabe der historischen Streuwiesennutzung. Gleiches gilt für die Unterhaltung beziehungsweise Sanierung von Graben- und Uferrändern, Deichen, Böschungen, Straßen- und Wegrändern. Eine Vergrößerung von Schlägen führt darüber hinaus zu einer Verringerung der Strukturvielfalt, wodurch die Rotgelbe Knotenameise die Möglichkeit zur Anlage
ihrer Erdnester verliert.
Wesentlich für Schutz und Förderung von Maculinea nausithous ist eine extensive Grünlandnutzung, welche die
Anforderungen der Art an ihren Lebensraum und ihren spezifischen Lebenszyklus berücksichtigt. Ein Wiesenma- 12 -
nagement in Zusammenarbeit mit den örtlichen Landwirten ist anzustreben. Nutzungsänderungen oder Flächeninanspruchnahmen durch konkurrierende Vorhaben sollten im Bereich von Bläulingsvorkommen unterbleiben.
Der Schlüsselfaktor zum Aufbau reproduktionsfähiger Populationen ist die Anzahl der verfügbaren Ameisennester
und deren Lage zu den Eiablagepflanzen, wobei eine große Anzahl von Ameisenbauten und eine enge räumliche
Verzahnung von Raupenfutterpflanze und Ameisenbau vorteilhaft ist. Um ausreichende Möglichkeiten zur Anlage
von Ameisenbauten zu garantieren, müssen Habitat sichernde Maßnahmen zu einer möglichst hohen Strukturvielfalt führen. Eine zeitlich versetzte Mahd von Teilabschnitten, verschieden hohe Niveaus des Mähbalkens, die
zu leichteren Bodenverwundungen führen sollen, die Anlage von Übergangsbereichen zu anderen Biotopen oder
unterschiedliche Geländeniveaus führen zu einem heterogenen Nutzungsmosaik. Dieses ermöglicht an unterschiedlichen Orten die Anlage von Ameisenbauten und eine differenzierte Verteilung der Bestände von Sanguisorba officinalis und sichert einen Lebensraumverbund.
Teile der Populationen dieser an sich standorttreuen Art sind bei Vorhandensein geeigneter Trittsteine und Verbundstrukturen zu Austauschbeziehungen mit wenige Kilometer auseinander liegenden Lebensräumen in der
Lage. Erschwert werden solche Austauschbeziehungen durch Barrieren wie sie beispielsweise durch Aufforstungen entstehen können.
Ebenso wichtig ist ein ausreichendes Angebot an Sanguisorba officinalis als Raupenfutter- und Nektarpflanze.
Dies bedeutet, dass der Mahdzeitpunkt in Lebensräumen der Art die Entwicklung dieser Pflanzenart optimal unterstützen und den Raupen ausreichend Entwicklungszeit für ihren Abtransport in die Ameisenbauten zugestehen
sollte. Eine späte Mahd nicht vor (Mitte) September ist daher günstig. Eine mögliche zweite frühe Mahd sollte vor
Anfang Juni erfolgen. Eine zeitlich versetzte Mahd von Teilabschnitten und Saumstrukturen sowie höherer Grasschnitt sind förderlich.
Eine Reduzierung von Nähr- und Schadstoffeinträgen, der Verzicht auf Biozide und ein stabiler Wasserhaushalt
sollten ebenfalls sichergestellt sein.
1 Reihe dunkler Punkte auf der
Flügelunterseite; dunkler gefärbt
als M. teleius
2 Reihen dunkler Punkte auf der
Flügelunterseite; deutlich heller
gefärbt als M. nausithous
Besiedelt auch kleinräumigere
Biotope und trockenere Lebensräume
Biotope stets großflächig und
Grüne, junge Blütenköpfe des
Großen Wiesenknopfes
Myrmica rubra; bis zu 4 Raupen je
Myrmica scabrinodis; meist
1 Raupe je Ameisenbau
Bebauung, Umbruch, Aufforstung, Trockenlegung, Intensivierung der
Nutzung, Nutzungsaufgabe
Steckbrief zur FFH-Art 1059
Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist auch unter dem Namen Großer Moorbläuling bekannt. Seine Flügelspannweite misst etwa 3,5 bis 4 Zentimeter. Die Flügeloberseite der Männchen ist silbrig hellblau gefärbt mit
einigen deutlichen schwarzen Flecken. Entlang der Flügelränder verläuft ein dunkles Band, das außen von weißen Fransen gesäumt wird. Die Flügeloberseite der Weibchen ist ähnlich, aber von schwarzbrauner Grundfärbung mit einer leicht graublauen Überstäubung. Bei beiden Geschlechtern sind die Unterseiten der Flügel hell
graubraun gefärbt. Das Erscheinungsbild von Maculinea teleius ähnelt dem des Dunklen WiesenknopfAmeisenbläulings (Maculinea nausithous), jedoch ist die Färbung von Maculinea teleius deutlich heller und die
dunklen, weiß umrandeten Punkte auf den Flügelunterseiten sind in zwei geschwungenen Reihen angeordnet,
während der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling nur eine Reihe Punkte trägt.
Maculinea teleius besiedelt großflächige, strukturreiche, extensiv genutzte Feucht- und Nasswiesen mit reichlichen Vorkommen des Großen Wiesenknopfes (Sanguisorba officinalis) und Nestern der TrockenrasenKnotenameise Myrmica scabrinodis, welche im Entwicklungszyklus dieser Schmetterlingsart eine wesentliche
Rolle spielt. Die Extensivnutzung der Wiesen ist bei dieser Falterart von noch grundlegenderer Bedeutung als
beim Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, der die gleichen Lebensräume bewohnt. Die Habitate dürfen außerdem feuchter sein.
Ein weiteres wichtiges Element im Lebensraum sind Saumstrukturen mit blütenreichen Vorkommen zum Beispiel
der Vogelwicke (Vicia cracca) als Nektarpflanze.
Maculinea teleius fliegt im Juli und August. Die Eiablage erfolgt ausschließlich einzeln tief in die jungen, noch
grünen Blütenköpfe des Großen Wiesenknopfs. Die Blütenköpfe dienen als Raupenfutterpflanze und den Faltern
als Balz- und Schlafplatz und zur Nektaraufnahme. Bis etwa Mitte September verlässt die Raupe die Blüten und
wird am Boden von ihrer Wirtsameise, der Knotenameisenart Myrmica scabrinodis „adoptiert“, bei der sie ab dem
4. Larvenstadium überwintert.
Einmal im Ameisennest untergebracht, wird sie von diesen wie die eigene Brut gepflegt und frisst Ameisenlarven
und -puppen. Auslöser des Pflegeverhaltens ist offenbar ein Sekret der Bläulingsraupen, das von den Ameisen
aufgeleckt wird. Darüber hinaus ist die Raupe in der Lage, den Nestgeruch der Ameisen zu imitieren.
Rheinland-Pfalz beherbergt wie auch bei Maculinea nausithous wesentliche Anteile der europäischen Population
von Maculinea teleius. Schwerpunkt seiner Verbreitung ist der Westerwald. Kleinere Vorkommen finden sich in
Süd- und Vorderpfalz. In Deutschland ist der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling deutlich seltener als sein Verwandter Maculinea nausithous. Große und bedeutende deutsche Vorkommen gibt es noch in BadenWürttemberg, Bayern und Hessen.
Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling reagiert noch empfindlicher auf Nutzungsänderungen des wechselfeuchten Grünlands als der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Verschlechtern sich die Existenzbedingungen für
die Wirtsameise, die die etwas trockeneren Standorte mit kurzrasiger, lückiger Vegetation und kleinräumigem
Relief, oft im Bereich der Säume, zur Anlage ihrer Bodennester bevorzugt, so ist auch die Existenz des Falters
gefährdet. Gleiches gilt für Veränderungen, welche die Verdrängung der Wirtspflanze Großer Wiesenknopf nach
Hauptgefährdungsursachen sind Trockenlegung, eine mehrschürige Nutzung feuchter Wiesen und ungünstige
Mahdzeitpunkte im Juli und August, eine intensive Beweidung, Bodenverdichtungen durch den Einsatz schwerer
Maschinen, zu tiefer Grasschnitt, Düngung und Herbizideinsatz sowie die Aufgabe der historischen Streuwiesennutzung.
Düngung beispielsweise führt zu einem dichten Wuchs der Vegetation. Wie auch bei einer Nutzungsaufgabe mit
nachfolgender Verbrachung wird die Wirtsameise wegen zunehmender Beschattung solche Flächen meiden und
keine Erdbauten mehr anlegen. Auch bei Bodenverdichtungen ist dies nicht möglich.
Nutzungsänderungen oder Flächeninanspruchnahmen durch konkurrierende Vorhaben sollten im Bereich von
Bläulingsvorkommen unterbleiben.
Zur Förderung von Maculinea teleius bedarf es eines großflächigen Nutzungsmosaiks von möglichst großer
Strukturvielfalt und mit ausreichenden Larven- und Falterhabitaten. Dies ist nur durch eine extensive Grünlandnutzung zu gewährleisten. Ein Wiesenmanagement in Zusammenarbeit mit den örtlichen Landwirten ist anzustreben.
Schlüsselfaktor zum Aufbau von reproduktionsfähigen Populationen des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings
ist die Anzahl der verfügbaren Ameisennester und deren Lage zu ausreichenden Vorkommen des Großen Wiesenknopfes als Eiablage- und Raupenfutterpflanze. Dabei ist eine große Anzahl von Ameisenbauten und eine
enge räumliche Verzahnung von Raupenfutterpflanze und Ameisenbau vorteilhaft.
Eine zeitlich versetzte Mahd von Teilabschnitten, unterschiedlich hohe Niveaus des Mähbalkens mit leichteren
Bodenverwundungen, die notwendig zur Anlage von Ameisenbauten sind, und die Anlage von Übergangsbereichen und Saumstrukturen zu anderen Biotopen oder unterschiedliche Geländeniveaus führen zu einem hetero- 15 -
genen Nutzungsmosaik, das an unterschiedlichen Orten die Anlage von Ameisenbauten ermöglicht und zu einer
differenzierten Verteilung der Bestände von Sanguisorba officinalis führt.
Zur Sicherstellung eines ausreichenden Angebotes an Vorkommen des Großen Wiesenknopfes und von Vogelwicke als weiterer Nektarpflanze muss der Mahdzeitraum so gelegt werden, dass sich diese von Juni bis August
blühenden Pflanzen optimal entwickeln können. Die Raupen brauchen dann Entwicklungszeit bis zu ihrem Abtransport in die Ameisenbauten. Eine frühe Mahd sollte daher vor Anfang Juni erfolgen, eine zweite nicht vor Mitte
September. Zumindest Teilbereiche der Säume sollten erst nach Ende der Flugzeit von Maculinea teleius ab
Mitte September gemäht werden.
Steckbrief zur FFH-Art 1060
Der Große Feuerfalter aus der Schmetterlingsfamilie der Bläulinge (Lycaenidae) erreicht eine Flügelspannweite
von 2,7 bis 4 Zentimetern. Männchen und Weibchen haben ein unterschiedliches Erscheinungsbild.
Die Flügeloberseiten des Männchens sind leuchtend orangerot mit jeweils einem feinen schwarzen strichförmigen
Fleck. Am schmalen schwarzen Flügelrand sitzen kurze weiße Fransen. Die Vorderflügel des größeren Weibchens sind ebenfalls orangerot gefärbt, aber weniger leuchtend und mit großen schwarzen Flecken versehen. Der
beim Weibchen breitere Flügelrand ist wie auch die Oberseite ihrer Hinterflügel dunkelbraun. Eine breite orangerote Binde verläuft nahe dem äußeren Hinterflügelrand.
Die Unterseiten der Flügel sind bei beiden Geschlechtern gleich. Die Hinterflügel sind blaugrau mit breiter orangefarbener Außenbinde, die Vorderflügel blass orange mit blaugrauer Außenbinde. Beide Flügelpaare weisen zahlreiche schwarze, hell umrandete Flecken auf.
Die grünen Raupen werden etwa 2,1 Zentimeter lang. Sie sind fein behaart mit zahlreichen kleinen weißen Punkten. Die Puppe ist eine gelbbräunliche Gürtelpuppe.
Lebensraum der Falter sind großflächige, strukturreiche Wiesenlandschaften, besonders Feuchtwiesen wie Binsen- und Kohldistelwiesen und Seggenrieder sowie deren Brachen. Die Tiere fliegen an Gräben mit Hochstaudenfluren, an Fließgewässern, in Mooren, Ton- und Kiesgruben. Voraussetzung ist ein Lebensraummosaik aus
Flächen mit reichen Vorkommen der Raupenfutterpflanzen und Nektarpflanzen für die Falter. Typische EiablageHabitate der Pfalz sind 2 bis 4 Wochen vor der Flugzeit genutzte Wiesen oder Intensiv-Weiden.
Die Raupen ernähren sich von oxalatarmen, also nicht sauer schmeckenden Ampferarten wie Fluss-Ampfer
(Rumex hydrolapathum), Krauser Ampfer (Rumex crispus) und Stumpfblättriger Ampfer (Rumex obtusifolius).
Das Nahrungsspektrum der Falter ist breiter gefächert. Sie scheinen Trichter- und Köpfchenblüten von violetter
oder gelber Farbe zu bevorzugen. Von besonderer Bedeutung sind Baldrian- und Blutweiderich-Fluren mit Kriechendem Arznei-Baldrian (Valeriana procurrens) und Blutweiderich (Lythrum salicaria). Beliebte Nektarpflanzen
sind außerdem Großes Flohkraut (Pulicaria dysenterica), Rossminze (Mentha longifolia), Acker- und SumpfKratzdistel (Cirsium arvense und Cirsium palustre), Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea) und andere mehr.
Die Männchen des Großen Feuerfalters zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten. Ihre Reviere heben sich äußerlich deutlich vom Umfeld ab, damit sie von den suchenden Weibchen leichter zu finden sind. Diese Funktion
erfüllen einheitlich aufgebaute Vegetationsbestände, so genannte Fazies, die durch deutlich andere Vegetation in
ihrer Umgebung leicht zu erkennen sind, zum Beispiel Seggenflächen oder Waldsimsenbestände.
Die Eier werden überwiegend einzeln oder zu zweit auf die Blattoberseite der Ampferarten abgelegt, die als Raupenfutterpflanze in Betracht kommen. Nach 5-11 Tagen schlüpft die Raupe, wechselt auf die Blattunterseite und
erzeugt dort ein charakteristisches Fensterfraßbild.
In Süddeutschland, auch in Rheinland-Pfalz, entwickelt sich der Große Feuerfalter in zwei Generationen. Die 1.
Generation fliegt bei uns von Ende Mai bis Ende Juni. Die Larvenzeit dieser Sommergeneration dauert nur circa
25 Tage bis zur Verpuppung. Die Gürtelpuppe klebt kopfüber meist im unteren Stängelbereich. Nach einer Puppenruhe von ungefähr 18 Tagen schlüpft der Falter. Die 2. und meist individuenstärkere Generation fliegt Ende
Juli bis August. Die jungen Raupen der 2. Generation überwintern in Blätter eingerollt und verpuppen sich erst im
darauf folgenden Frühjahr. Selten einmal kommt es zur Entwicklung einer 3. Generation, die dann im August/September anzutreffen ist.
Die Falter selbst leben etwa 25 Tage. Sie sonnen sich gerne auf Schilfrohren oder sonstigen erhöhten Stängeln.
Als guter Flieger schwärmt der Große Feuerfalter zur Paarung und Nektaraufnahme weit aus und kann dann
auch an völlig untypischen Standorten angetroffen werden.
Lycaena dispar kommt in Europa zerstreut in meist kleinen Populationen vor. In Rheinland-Pfalz werden vor allem
die Flusssysteme von Rhein, Saar und Sauer besiedelt. Weitere Verbreitungsschwerpunkte befinden sich im
Raum Trier und im südlichen Rheinland-Pfalz in der Oberrheinebene sowie westlich davon im Pfälzerwald bis
zum Zweibrücker Land.
Lycaena dispar ist in erster Linie sowohl durch eine zu intensive als auch eine großflächige einheitliche Wiesennutzung, Grünland-Umbruch und Bebauung gefährdet. Dies führt zur Entwertung beziehungsweise Vernichtung
der artspezifischen Lebensräume und beseitigt die Eiablage- und Raupenfutterpflanzen auf breiter Fläche. Eine
intensive, häufige und in die Fläche gehende Mahd, die Mahd von Graben- oder Fließgewässerrandstrukturen
und Grabenräumungen, Grundwasserabsenkungen beziehungsweise Entwässerungen sowie starke Verbuschung und Wiederbewaldung greifen in erheblichem Maße in den Lebensraum des Großen Feuerfalters ein.
Der Große Feuerfalter braucht ein großflächiges Wiesenmosaik mit einem ausreichenden Angebot an Raupenfutter- und Nektarpflanzen als Lebensraum. Da die Individuendichte der Art gering ist und Untersuchungen zufolge
unter einem Tier pro Hektar liegt, muss das Minimalareal einer überlebensfähigen Population relativ groß sein.
Um die Eiablage und Entwicklung der Raupen zu gewährleisten, sollten Flächen mit den entsprechenden Ampferarten in den Vorkommensgebieten der Falter nicht oder zumindest nicht großflächig beseitigt werden.
Bestände der Nektarpflanzen sollten zur Flugzeit der Falter nicht gemäht werden, um auch ihre Ernährung sicherzustellen. Eine Mahd und Unterhaltung von Grabensystemen sollte zeitlich und räumlich differenziert auf die
Entwicklung des Großen Feuerfalters abgestimmt sein. Wichtig ist der Erhalt stets ausgeprägter Säume der
feuchten Hochstaudenfluren, vor allem der Mädesüßfluren, entlang von Fließgewässern oder Gräben. Auf Dauer
kann diese Schmetterlingsart nur erhalten werden, wenn darüber hinaus Feuchtwiesen nicht trockengelegt und
bei bestehenden Entwässerungssystemen wieder vernässt werden. Entbuschungsmaßnahmen können zur Eindämmung des Gehölzaufkommens im Feuchtgrünland erforderlich sein.
Steckbrief zur FFH-Art 1037
Die Grüne Keiljungfer ist etwa 5 bis 5,5 cm groß mit einer Flügelspannweite von 6,5-7.5 cm. Sie ist an ihrem
leuchtend grünen Kopf und Thorax (Brust) zu erkennen. Der Hinterleib ist schwarz-gelb, wobei der hintere Bereich deutlich keilförmig verdickt ist.
Die Grüne Keiljungfer lebt an kühlen, mäßig rasch fließenden Bächen und Flüssen mit gleichmäßiger Strömung.
Sie bevorzugt geschützt liegende Abschnitte als Aufenthaltsorte, beispielsweise Bereiche, in denen das Gewässer Waldlichtungen durchquert oder Bereiche mit höherer Ufervegetation. Eine Beschattung der Gewässer bis zu
etwa einem Drittel wird toleriert, günstig sind jedoch gehölzarme Gewässer. In der Regel beträgt die Gewässertiefe in für die Grüne Keiljungfer günstigen Fließgewässerabschnitten etwa 30-40 cm. Wichtig für das Vorkommen
der Art ist, dass die sandige Gewässersohle zum Teil bis über den Wasserspiegel reicht. Hier erfolgt die Eiablage.
Die Eiablage erfolgt im Bereich rasch fließender Gewässerabschnitte. Dabei dippen die Weibchen ihre Eipakete
an seichte, sandige Stellen im Wasser, an denen es zu Lichtbrechungen kommt („Glitzereffekt“).
Die Larven leben meist mehrere hundert Meter flussabwärts der Stellen, die von den flugfähigen Libellen genutzt
werden. Es gibt also eine deutliche Trennung zwischen dem Lebensraum der Larven und dem der erwachsenen,
flugfähigen Individuen. Die Larve nutzt gut grabbare Substrate, wobei Schlamm meist gemieden und Feinsand
eher bevorzugt wird. Die Larvenentwicklungszeit dauert 2-4 Jahre.
Als Schlupfsubstrat werden Gräser, Kräuter und Stauden bevorzugt. Etwa 85% der Larven schlüpfen in einer
Höhe bis 30 cm über dem Wasserspiegel dicht am Ufer.
Der Reifungsflug erfolgt in die Fließgewässer begleitenden Wiesen. Kurze Zeit später fliegen die Tiere dann in die
angrenzenden Wälder.
Der Aktionsradius der Männchen beträgt am Fließgewässer ca. 400 m, wobei aber auch Strecken von über 3 km
zurückgelegt werden können. Die Tiere halten sich nicht den ganzen Tag über am Fließgewässer auf, sondern
nutzen u.a. auch mehrere hundert Meter weiter weg liegende, windgeschützte Wälder und reichstrukturierte Biotope in den an das Fließgewässer angrenzenden terrestrischen Bereichen als Nahrungsbiotop.
Die Grüne Keiljungfer kommt in der Pfalz aktuell an fast allen geeigneten Fließgewässern vor. Außerhalb der
Pfalz sind Funde am Rhein bekannt. Zurzeit scheint sich die Art weiter auszubreiten.
6616-301 - Speyerer Wald und Haßlocher Wald und Schifferstädter Wiesen (neu)
6715-301 - Modenbachniederung (neu)
Intensive Beschattung durch Ufergehölze, z.B. durch Anpflanzungen, reduziert die Eignung des Gewässers als
Lebensraum ebenso wie die intensive Nutzung der gewässerangrenzenden Bereiche das Nahrungsangebot für
die flugfähigen Tiere.
Zum Erhalt dieser Art ist der Schutz von größeren Abschnitten des Fließgewässersystems erforderlich. Bei der
Untersuchung und Bewertung von Vorkommen der Grünen Keiljungfer ist in besonderem Maße zu beachten,
dass die Lebensräume der Larven und flugfähigen Tiere räumlich stark voneinander getrennt sind. Es muss davon ausgegangen werden, dass ein Lebensraum der Grünen Keiljungfer mindestens 5 km lang sein sollte, um
geeignete Lebensbedingungen sowohl für die Imagines als auch die Larven zu bieten (Beobachtungen an der
Aurach in Bayern).
Steckbrief zur FFH-Art 1044
Der Name ist zurückzuführen auf eine Zeichnung auf dem zweiten Hinterleibssegment der Männchen in Form
eines Merkur-Helmes (Merkur: römischer Gott des Krieges und des Handels).
Die Helm-Azurjungfer besiedelt Quellschlenken und Quellrinnsale in kalkreichen Quellmooren, unter anderem
Davellseggenriede. Solche Gewässerbereiche sind zwischen 0,5 und 3 m² groß, sehr flach und schwach durchströmt. Sie werden nicht oder kaum beschattet, führen ganzjährig Wasser und frieren nicht zu.
Die aktuell bekannten Lebensräume der Helm-Azurjungfer in Rheinland-Pfalz sind grundwasserbeeinflusste,
meist flache, aber deutlich fließende Gräben und kleine Bäche (zwischen 1 und 10 cm/s) mit hohen Deckungsgraden an wintergrünen, krautigen Wasserpflanzen wie zum Beispiel Berle (Sium erectum), Brunnenkresse (Nasturtium officinale), Wasserminze (Mentha aquatica) oder Bachbunge (Veronica beccabunga). Die Gewässer sind
sauber (in der Regel Güteklasse I-II oder II). Von der Helm-Azurjungfer besiedelte Gräben werden in Teilabschnitten ausgemäht, aber nur selten geräumt, sind nicht oder nur locker mit Gehölzen bestanden und weisen eine
mehr oder weniger ausgeprägte Unter- und Überwasservegetation auf. Besonders geeignet sind Gewässer mit
einem Deckungsgrad der Überwasservegetation zwischen 30 und 60%. Von der Helm-Azurjungfer besiedelte
Gewässerabschnitte sind meist zu weniger als 20% beschattet.
Die (zumindest leichte) Durchströmung garantiert einen Mindestsauerstoffgehalt des Gewässers von ca. 2,5 mg
Sauerstoff pro Liter. Auch die ganzjährig sauerstoffproduzierende, wintergrüne Unterwasservegetation sichert
eine gute Sauerstoffversorgung. Durch Grundwasserbeeinflussung liegen die Wassertemperaturen auch im Winter bei ca. 5 bis 10° C. Dies verhindert ein Zufrieren der Lebensräume der Larven. Durch die geringe Wassertiefe
und meist volle Besonnung erwärmen sich die Gewässer im Frühjahr und Sommer jedoch schnell, trocknen aber
infolge des Quellwasserzutritts nicht aus.
Dem Landlebensraum kommt eine hohe Bedeutung als Reifungs-, Ruhe- und Jagdbiotop zu. Strukturreiche Bereiche mit einem hohen Beutetierangebot (kleine Insekten) sind wesentlicher Bestandteil des Gesamtlebensraumes. Als Landlebensraum werden die Gewässerböschungen, angrenzende Wiesen und lichtwüchsige Hochstaudenfluren genutzt. Meist halten sich die Libellen in einem Bereich von weniger als 10 m zu beiden Seiten des
Gewässers auf. Strukturarme Vegetationsbestände wie frisch gemähte Wiesen werden nicht genutzt.
Die Eiablage erfolgt in dichte Pflanzenbestände in Gewässerbereichen mit geringer Fließbewegung. Die Eier
werden in lebende Pflanzenteile abgelegt, die dicht über oder unter der Wasseroberfläche liegen.
Bei ca. 15-20° C Wassertemperatur schlüpfen nach ca. 21 Tagen die Larven aus den Eiern. Bei niedrigeren Wassertemperaturen dauert die Embryonalentwicklung länger.
Die Entwicklungszeit der Larven beträgt zwei Jahre, in Ausnahmefällen, vor allem in wärmebegünstigten Gewässern, auch ein Jahr. Die Larven leben dicht über dem Gewässergrund überwiegend zwischen Wasserpflanzen.
Bereiche mit dicken Schlammauflagen werden nicht als Larvenlebenraum akzeptiert. Daher ist anzunehmen,
dass der Anteil abgestorbener Feinpartikel (Detritus) im Bereich der Larvenlebensräume gering sein sollte.
Die adulten Tiere sind meist in der Ufervegetation oder auf den aus dem Wasser ragenden Teilen der Vegetation
zu finden. Die Männchen sitzen gerne, durch die Böschung und die Ufervegetation vor Wind geschützt, 20-30 cm
Sämtliche Vorkommen liegen im Oberrhein-Tiefland im Bereich der Fließgewässer-/Graben-Systeme zwischen
Bienwald und Bellheimer Wald. Die größte zusammenhängende Population findet sich im BruchbachOtterbachsystem. Diese Vorkommen sind in Deutschland von besonderer Bedeutung, da hier vor allem primäre
Fließgewässer-Lebensräume besiedelt werden. In anderen Bereichen Deutschlands werden schwerpunktmäßig
Gräben (sekundäre Lebensräume) genutzt.
Eine hohe Empfindlichkeit besteht besonders gegenüber unmittelbaren Eingriffen in den Lebensraum durch Verdolung, Maßnahmen zur Festigung von Ufer und Gewässersohle und Grundräumungen. Die Beseitigung von
Strukturen im Landlebensraum durch großflächige Mahd der Gewässerrandstreifen und Intensivierung der Nutzung im Umfeld der Fließgewässer und Gräben sind wesentliche Eingriffe, die zum Erlöschen der Populationen
führen können. Aufgrund der engen Bindung an die unmittelbar an die Gewässer angrenzenden Bereiche wirken
sich Maßnahmen in einem beidseitigen Abstand von ca. 10 m zum Gewässer besonders gravierend auf die Art
aus. Nährstoffeinträge in das Gewässer führen zu einem verstärkten Pflanzenwachstum (Verkrautung). Dadurch
kann die optimale Vegetationsdeckung so verändert werden, dass das Gewässer seine Eignung als Lebensraum
für die Helm-Azurjungfer verliert. Durch den dabei erhöhten Anfall von organischer Substanz im Gewässer können sich Schlammschichten bilden. Die Folge hiervon ist eine zunehmende Sauerstoffzehrung im Gewässer, das
dann auch strukturell nicht mehr als Larvenlebensraum geeignet ist.
Vordringlich ist die Sicherung der Fließgewässer gegenüber Nährstoffeinleitungen, Ausbaumaßnahmen und Trockenfallen. Unabdingbar zum nachhaltigen Erhalt der Populationen ist auch die Ausweisung von an die Lebensraumansprüche der Art angepassten Uferrandstreifen. Das Gewässernetz aus Fließgewässern und Gräben sowie
das Mosaik aus intensiv und extensiv genutztem Grünland und Grünlandbrachen in den Auen des BruchbachOtterbachsystems sind zum Erhalt der Art in Deutschland von zentraler Bedeutung. Auf die Helm-Azurjungfer
abgestimmte Nutzungskonzepte tragen wesentlich zur Sicherung der Populationen bei.
Steckbrief zur FFH-Art 1032
Die Gemeine Flussmuschel wird 6 bis 7 cm, selten bis 10 cm lang und ist gelbbraun bis dunkel-braunschwarz
gefärbt. Ihre Schale ist länglich-oval, meist nicht doppelt so lang wie breit. Im Wirbelbereich ist die dickwandige
Schale oft korrodiert.
Die Gemeine Flussmuschel, die auch unter den Namen Bachmuschel oder Kleine Flussmuschel bekannt ist, ist
eine Art der Niederungsbäche sowie der Flüsse und Ströme, dringt aber auch in kleinen Bächen bis in den Oberlauf vor. Sie benötigt klares, sauerstoffreiches Wasser der Gewässergüteklasse I-II über kiesig-sandigem Grund
mit geringem Schlammanteil. Da die Jungmuscheln besonders empfindlich auf Wasserverschmutzung reagieren,
benötigen sie ein gut durchströmtes, sauerstoffreiches Lückensystem im Sohlsubstrat als Lebensraum. Die erwachsenen Muscheln bewohnen die ufernahen Flachwasserbereiche mit etwas feinerem Sediment, insbesondere
zwischen Erlenwurzeln. Sie bevorzugen die gleichen Aufenthaltsorte wie die Fischarten, die ihnen als Wirte für
ihre Entwicklung dienen. Gemieden werden lehmige und schlammige Bereiche sowie fließender Sand.
Die Flussmuschel verträgt Schwankungen der Wassertemperatur etwas besser als die Flussperlmuschel. Die
Fortpflanzung der Art wird aber von Nitratgehalten im Wasser von durchschnittlich 10 mg/l deutlich beeinträchtigt.
In Bächen mit Nitratgehalten von über 25 mg/l kommen keine Flussmuscheln mehr vor.
Die Gemeine Flussmuschel ist getrenntgeschlechtlich. Im April/Mai lagert das Weibchen Eier in die Bruttaschen
an den Kiemen ein. Ein Weibchen kann 100 000 bis 250 000 Eier produzieren. Das Männchen gibt seine Spermien ins Wasser ab. Diese gelangen über das Atemwasser in die weiblichen Muscheln und befruchten die Eier.
Die sich entwickelnden 0,2 mm großen parasitären Larven (Glochidien) sind nur 1 bis 3 Tage lebensfähig. In
dieser Zeit müssen sie einen Wirtsfisch finden, sonst sterben sie ab. Bekannte Wirtsfischarten sind Döbel, Flussbarsch, Elritze, Rotfeder, Kaulbarsch, Dreistacheliger Stichling, Mühlkoppe und Groppe. Nur ein sehr geringer
Anteil der Glochidien findet einen Wirt.
Mittels Haftfäden mit Häkchen setzen sich die Larven in den Kiemen, aber auch an den Flossen der Wirtsfische
fest. Das Gewebe der Fische reagiert auf diese Fremdkörper mit einer Wucherung, die die Glochidien mit Zysten
umschließt. Nach einer 4 bis 6 Wochen dauernden Entwicklungszeit lösen sich die Jungmuscheln aus den Zysten. Sie fallen vom Wirtsfisch ab und graben sich tief im Sediment ein. Dort leben sie 2 bis 3 Jahre im Gewässer- 24 -
grund verborgen. Erst im Alter von 3 bis 5 Jahren sind sie fortpflanzungsfähig.
Die Gemeine Flussmuschel erreicht ein Alter von 15 bis 35, selten auch von bis zu 50 Jahren. Warme Gewässer
setzen die Lebenserwartung der Flussmuschel herab. An der Our zum Beispiel werden die Tiere wegen der hohen sommerlichen Temperaturen 17-22 Jahre alt.
Unio crassus war in Deutschland einst überall häufig und weit verbreitet, sie war die häufigste Großmuschel
überhaupt. Heute ist die Gemeine Flussmuschel, die in weiten Teilen Europas vorkommt, in ihrem gesamten
Verbreitungsgebiet in starkem Rückgang begriffen und vom Aussterben bedroht. Die Hauptvorkommen in
Deutschland befinden sich in Süddeutschland und im westlichen Teil Nordostdeutschlands. Die größte rheinlandpfälzische Population lebt in der oberen Our.
6715-302 - Bellheimer Wald mit Queichtal (neu)
Die Gemeine Flussmuschel reagiert sehr empfindlich auf Gewässerverschmutzungen. Nach Untersuchungen in
Bayern besteht ein Zusammenhang zwischen der Zunahme der Güllewirtschaft und dem Aussterben der Flussmuschel in den Bächen. Altlasten in den Substraten der Gewässersohle aus Zeiten, in denen die Wasserqualität
schlechter war, wirken bis heute nach.
Die Veränderung der Gewässerstruktur durch Gewässerausbau und -unterhaltung sowie die Entfernung natürlicher Ufergehölze vernichten Lebensräume und gefährden dadurch den Muschelbestand.
Weitere Gefährdungen gehen von einer zu geringen Dichte der Wirtsfische aus, von Besatzmaßnahmen mit nicht
heimischen Fischen wie Regenbogenforelle oder Bachsaibling sowie einer Gewässerversauerung wie sie durch
Aufforstung mit Fichten bis an den Gewässerrand entstehen kann. Zu nennen ist auch die Freizeit- und Erholungsnutzung an Muschelgewässern sowie Bisam, Waschbär und Fischotter als Fressfeinde. Aale können den
Jungmuscheln gefährlich werden.
Zum Schutz der Flussmuschelvorkommen sind vor allem Biotopschutzmaßnahmen, die das Gewässer selbst und
sein Einzugsgebiet als Lebensraum sichern, geeignet und erforderlich.
Die Erhaltung und Verbesserung der Wasserqualität, vor allem eine Reduzierung der Nitratfrachten, ist Voraussetzung für ein Überleben der Flussmuschel. Im unmittelbaren Einzugsgebiet der Fließgewässer ist die Reduzierung von Güllewirtschaft notwendig. Die Anlage von Uferrandstreifen zur Verringerung von Schadstoffeinträgen
sowie eine extensive Bodennutzung im Bereich von Muschelgewässern vermindert Einträge von Sedimenten und
Nährstoffen ins Gewässer.
Bei Unterhaltungs-, Pflege- und Baumaßnahmen im und am Gewässer sind die ökologischen Ansprüche der
Muscheln zu berücksichtigen. Da sich die Tiere in ufernahen Bereichen aufhalten, sind die Ufer an Muschelgewässern nicht durch Steinpackungen, sondern durch Gehölze, vorzugsweise Schwarzerlen und Weiden, zu sichern. Diese sorgen außerdem für Beschattung und ausgeglichene Wassertemperaturen im Sommer. Der Wechsel von lichten und mit Gehölzen bewachsenen Uferbereichen schafft Strukturreichtum.
Eine künstliche Infektion der Wirte mit Glochidien kann wie auch eine Konzentration verbliebener individuenarmer
Flussmuschelbestände an besonders günstigen Stellen zum Überleben der Art beitragen.
Anlage X + Gebietsname - in Rheinland
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Verschiedene Krankheitsbilder – ein Erreger!
Komödie in 3 Akten von Nathalie Portmann Im «Erlibacherhof» in