Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerfGE%2023,%20265
Timestamp: 2019-10-19 21:11:43
Document Index: 132585732

Matched Legal Cases: ['§ 366', 'Art. 103', 'Art. 104', 'Art. 103', 'Art. 103', 'Art. 103', 'Art. 104', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BVerfG, 07.05.1968 - 2 BvR 702/65 - dejure.org
https://dejure.org/1968,355
BVerfG, 07.05.1968 - 2 BvR 702/65 (https://dejure.org/1968,355)
BVerfG, Entscheidung vom 07.05.1968 - 2 BvR 702/65 (https://dejure.org/1968,355)
BVerfG, Entscheidung vom 07. Mai 1968 - 2 BvR 702/65 (https://dejure.org/1968,355)
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Verfassungsrechtliche Anforderungen an die Auslegung der Blankettnorm des § 366 Nr. 10 StGB
Bayrische Plakatverordnung - Polizeiverordnungen - Verordnungen zur Erhaltung der Sicherheit - Verordnungen zur Erhaltung Bequemlichkeit - Ruhe auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen
BayObLG, 22.11.1965 - RReg. 4a St 124/65
BVerfGE 23, 265
NJW 1968, 1515
DÖV 1968, 697
Dazu gehört, dass die Blankettstrafnorm die Regelungen, die zu ihrer Ausfüllung in Betracht kommen und die dann durch sie bewehrt werden, sowie deren möglichen Inhalt und Gegenstand genügend deutlich bezeichnet und abgrenzt (vgl. BVerfGE 23, 265 ).
Auch die ein Blankettstrafgesetz ausfüllende Vorschrift muss den Anforderungen des Art. 103 Abs. 2 GG - gegebenenfalls i.V.m. Art. 104 Abs. 1 Satz 1 GG - genügen (vgl. BVerfGE 23, 265, 270).
Es liegt in der Gestaltungsfreiheit des Bundesgesetzgebers, ob er Strafsanktionen für Verstöße gegen Bundesgesetze im jeweiligen Fachgesetz, d. h. im Nebenstrafrecht, oder etwa zur Betonung ihrer besonderen Bedeutung für das Wohl der Allgemeinheit (wie vorliegend) im Strafgesetzbuch vorsieht (vgl. BVerfGE 23, 113 [124 f.]; 23, 265 [269]).
Hierzu gehört, dass die Blankettnorm die Regelungen, die zu ihrer Ausfüllung in Betracht kommen und die dann durch sie bewehrt werden, sowie deren möglichen Inhalt und Gegenstand genügend deutlich bezeichnet und abgrenzt (vgl. BVerfGE 23, 265 ; BVerfGE 78, 374 ).
Dazu gehört, dass die Blankettvorschrift die Regelungen, die zu ihrer Ausfüllung in Betracht kommen und die dann durch sie bewehrt werden, sowie deren möglichen Inhalt und Gegenstand genügend deutlich bezeichnet und abgrenzt (vgl. BVerfG, Beschluss vom 07.05.1968 - 2 BvR 702/65 -, juris).
Dem in Art. 103 Abs. 2 GG verankerten Bestimmtheitsgebot genügen Blankettvorschriften nur dann, wenn sich die möglichen Fälle der Strafbarkeit bzw. Ordnungswidrigkeit (vgl. zu Letzterem BVerfG, Beschluss vom 29.11.1989 - 2 BvR 1491/87, 2 BvR 1492/87 -, juris, st. Rspr.;… Remmert, in: Maunz/Dürig, GG, Stand November 2018, Art. 103 Abs. 2 Rn. 56) schon aufgrund des Gesetzes voraussehen lassen, die Voraussetzungen der Strafbarkeit bzw. Ordnungswidrigkeit und die Art der Strafe bzw. die Höhe der Geldbuße also bereits entweder in der Blankettvorschrift selbst oder in einem in Bezug genommenen Gesetz hinreichend deutlich umschrieben sind (vgl. BVerfG, Urteil vom 03.07.1962 - 2 BvR 15/62 -, juris; Beschlüsse vom 07.05.1968, a.a.O., vom 08.05.1974 - 2 BvR 636/72 -, juris…, vom 06.05.1987, a.a.O., vom 22.06.1988 - 2 BvR 234/87, 2 BvR 1154/86, juris …und vom 21.09.2016, a.a.O.).
Zudem müssen neben der Blankettvorschrift auch die sie ausfüllenden Vorschriften die sich aus Art. 103 Abs. 2 GG ergebenden Anforderungen erfüllen (vgl. BVerfG, Beschlüsse vom 07.05.1968, a.a.O., vom 08.05.1974, a.a.O., vom 06.05.1987, a.a.O. …und vom 21.09.2016, a.a.O.).
Droht das Blankettstrafgesetz Freiheitsstrafe an, verlangt Art. 104 Abs. 1 GG darüber hinaus, dass Art und Maß der Strafe im förmlichen Gesetz festgelegt werden und dem Verordnunggeber auch auf tatbestandlicher Seite nur eine gewisse Spezifizierung des Straftatbestandes überlassen wird, was vor allem gerechtfertigt sein kann, wenn wechselnde und mannigfaltige Einzelregelungen erforderlich werden können (vgl. BVerfGE 14, 174 ; 14, 245 ; 22, 21 ; 23, 265 ; 75, 329 ).
Die Voraussetzungen der Strafbarkeit sowie Art und Maß der Strafe müssen in solchen Fällen allerdings für den Bürger schon aufgrund des Gesetzes, nicht erst aufgrund der hierauf gestützten Verordnung, voraussehbar sein (vgl. BVerfGE 14, 174 [185 ff.]; 14, 245 [251]; 22, 21 [25]; 23, 265 [269]; 75, 329 [342]).
Dem Verordnungsgeber dürfen lediglich gewisse Spezifizierungen des Straftatbestandes überlassen werden (vgl. BVerfGE 14, 174 ; 23, 265 ; 75, 329 ).
Die Voraussetzungen der Strafbarkeit müssen aber entweder im Blankettstrafgesetz selbst oder in einem anderen, in Bezug genommenen Gesetz hinreichend deutlich umschrieben sein (BVerfGE 23, 265, 269 [BVerfG 07.05.1968 - 2 BvR 702/65]; 37, 201, 208 f [BVerfG 08.05.1974 - 2 BvR 636/72]; 41, 314, 319) [BVerfG 11.02.1976 - 2 BvL 2/73].
Bei solcher Anwendung der Lieferungsbedingungen konnte das Berufungsgericht aber ohne Rechtsfehler annehmen, daß die Schuldnerin nicht in einer mit den guten Sitten nicht mehr zu vereinbarenden Weise in ihrer wirtschaftlichen Bewegungsfreiheit eingeengt worden war (BGHZ 26, 190 [BGH 16.12.1957 - VII ZR 49/57]; BGH NJW 1960, 1713 [BGH 30.05.1960 - VII ZR 257/59]; 1968, 1516) [BVerfG 07.05.1968 - 2 BvR 702/65].