Source: https://automobilgutachter.de/lexikon/
Timestamp: 2018-11-16 18:37:23
Document Index: 29833832

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 7', '§ 254', 'BGH', '§ 249', '§ 847', '§ 12', '§ 2', 'BGH']

Lexikon - Automobilgutachter.de
Lexikon des Schadengutachtens
Aus­fall­kos­ten
Aus­fall­zeit
Abtritts­er­klä­rung
Baga­tell­scha­den
Betriebs­ge­fahr
Betriebs­scha­den
Fik­tive Abrech­nung
Haf­tungs­quote
Hotel- und Über­nach­tungs­kos­ten
Pflich­ten: Nach­weis­pflicht
Pflich­ten: Scha­dens­min­de­rungs­pflicht
Über­le­gens­frist
Fahr­be­rei­tes Fahr­zeug
Werk­statt­über­las­tung
Not­re­pa­ra­tur
Rechte: Freie Wahl des Sach­ver­stän­di­gen
Rechte: Freie Wahl des Recht­an­walts
Rechte: Freie Werk­statt­wahl
Rechte: Wei­ter­be­nut­zung (unre­pa­riert)
Ver­kauf – Unfall­wa­gen
Kos­ten­er­stat­tung: Kos­ten­pau­schale
Kos­ten­er­stat­tung: Zulas­sungs­kos­ten
Kos­ten­er­stat­tung: Umbau­kos­ten
Kos­ten­er­stat­tung: Abschlepp­kos­ten
Kos­ten­er­stat­tung: Hotel-/ Über­nach­tungs­kos­ten
Kos­ten­er­stat­tung: Ausfallkosten/Gewinnentgang
Kos­ten­er­stat­tung: Sons­tige, unfall­be­dingte Kos­ten
Ist nach einem Ver­kehrs­un­fall Ihr Fahr­zeug nicht mehr fahr­fä­hig und muss mit frem­der Hilfe vom Unfall­ort ent­fernt wer­den, so sind die damit ver­bun­de­nen Kos­ten vom Unfall­geg­ner bzw. sei­ner Ver­si­che­rung zu erstat­ten. Aller­dings erhal­ten Sie grund­sätz­lich nur die Kos­ten erstat­tet, die für den Trans­port Ihres Wagens bis zur nächs­ten Ver­trags­werk­statt anfal­len. Bedeu­tend höhere Kos­ten für das Abschlep­pen zu einer wei­ter ent­fern­ten Werk­statt oder bis nach Hause sind nur dann erstat­tungs­fä­hig, wenn dort die Repa­ra­tur­kos­ten ent­spre­chend nied­ri­ger sind.
Kos­ten für ent­gan­ge­nen Gewinn oder durch Aus­fall eines Arbeit­neh­mers sind ersatz­pflich­tig, müs­sen aber im Ein­zel­fall nach­ge­wie­sen wer­den.
Zeit­ver­lust oder ent­gan­ge­ner Urlaub ist im Regel­fall nicht ersatz­pflich­tig.
Bei Haft­pflicht­schä­den kann, falls das eigene Fahr­zeug benö­tigt wird, aber nicht mehr ein­satz­fä­hig ist, wäh­rend der unfall­be­ding­ten Aus­fall­zeit ein Ersatz­fahr­zeug oder alter­na­tiv eine Nut­zungs­aus­fall­ent­schä­di­gung bean­sprucht wer­den.
Diese Aus­fall­zeit beginnt bei fahr­fä­hi­gen und noch ver­kehrs­si­che­ren Fahr­zeu­gen mit dem Beginn der Repa­ra­tur und endet mit dem Tag der Abho­lung vom Repa­ra­tur­be­trieb. Bei nicht mehr fahr­fä­hi­gen und nicht mehr ver­kehrs­si­che­ren Fahr­zeu­gen beginnt diese Aus­fall­zeit bereits am Unfall­tag. Bei Total­scha­den erhal­ten Sie eine Wie­der­be­schaf­fungs­dauer von max. 14 Kalen­der­ta­gen. Län­gere Aus­fall­zei­ten bedür­fen einer stich­hal­ti­gen Begrün­dung.
Da ein Auto­un­fall kos­ten­in­ten­siv ist und der Fahr­zeug­hal­ter die Kos­ten für den Kfz-Sach­ver­stän­di­gen, nicht immer aus eige­ner Tasche aus­le­gen möch­ten, hat der Fahr­zeug­hal­ter die Mög­lich­keit diese Kos­ten abzu­tre­ten. Zu beach­ten ist hier­bei, das diese Abtre­tung grund­sätz­lich ledig­lich einen Siche­rungs­zweck erfüllt.
Natür­lich ist grund­sätz­lich jeder Geschä­digte ver­pflich­tet, seine Ansprü­che gegen­über der Ver­si­che­rung selbst durch­zu­set­zen.
Im Regel­fall führt das Vor­lie­gen einer Siche­rungs­ab­tre­tung jedoch dazu, dass die geg­ne­ri­sche Ver­si­che­rung die Kos­ten für einen Kfz-Sach­ver­stän­di­gen jeweils direkt an dem Rech­nungs­stel­ler aus­gleicht. Hin­weis: Bei Mit­haf­tung des Geschä­dig­ten muss die­ser einen Teil der Rech­nungs­be­träge aus eige­ner Tasche zah­len.
Als Baga­tell­scha­den bezeich­net man einen Scha­den mit Instand­set­zungs­kos­ten von unter 700,00€ (BGH AZ: VI ZR 365/03). In die­sen Fäl­len kann die geg­ne­ri­sche Ver­si­che­rung wegen der sog. »Scha­den­min­de­rungs­pflicht« eine Erstat­tung der Kos­ten für das Gut­ach­ten ableh­nen. Bei Baga­tell­schä­den reicht ein Kos­ten­vor­anschlag einer KFZ-Werk­statt, bes­ser wäre natür­lich ein Kurz­gut­ach­ten eines KFZ-Sach­ver­stän­di­gen. Spre­chen Sie mich auch in sol­chen Fäl­len als KFZ-Sach­ver­stän­di­gen ihres Ver­trau­ens an.
Gemäß § 7 STVG (Stra­ßen­ver­kehrs­ge­setz) haf­ten Fah­rer und Hal­ter eines Kraft­fahr­zeu­ges für Gefah­ren, die sich aus des­sen Betrieb erge­ben, auch ohne eige­nes Ver­schul­den. Man begrün­det dies damit, dass ein Kraft­fahr­zeug eine gefähr­li­che Sache ist, die in Ver­kehr gebracht wird und auch ohne Ver­schul­den des Fah­rers Schä­den ver­ur­sa­chen kann. Dar­aus ergibt sich, dass grund­sätz­lich jeder Fahr­zeug­be­sit­zer für Schä­den durch den Betrieb sei­nes Fahr­zeu­ges haf­ten muss. Diese Haf­tung auf Grund der sog. „Betriebs­ge­fahr“ tritt nur dann in den Hin­ter­grund, wenn das Ver­schul­den eines wei­te­ren Unfall­be­tei­lig­ten gra­vie­rend über­wiegt oder der Ver­kehrs­un­fall für den Fah­rer des Fahr­zeu­ges auch bei größ­ter Vor­sicht nicht zu ver­mei­den war (unver­meid­ba­res Ereig­nis). Die Betriebs­ge­fahr kann bereits zu einer Mit­haf­tung füh­ren, wenn der Nach­weis der Unver­meid­bar­keit nicht erbracht wer­den kann, d. h. wenn nicht zu bele­gen ist, dass selbst ein „per­fek­ter“ Fah­rer bei größ­ter Umsicht den Unfall nicht ver­mei­den hätte kön­nen.
Der Geschä­digte kann den Betrag ver­lan­gen, der für die Repa­ra­tur auf­zu­wen­den wäre, um das Fahr­zeug wie­der in den ursprüng­li­chen Zustand zu ver­set­zen, bzw. für die Wie­der­be­schaf­fung eines gleich­wer­ti­gen Fahr­zeugs. Dabei ist es uner­heb­lich, ob repa­riert oder wie­der­be­schafft wird. Wer sein Fahr­zeug nicht repa­riert oder auch keine umsatz­steu­er­pflich­tige Ersatz­be­schaf­fung vor­nimmt, kann auch die im Scha­den­be­trag ent­hal­tene Mehr­wert­steuer nicht gel­tend machen. Ebenso wer­den Scha­den­po­si­to­nen wie Ver­brin­gung (Bewe­gung des Fahr­zeu­ges z.B. zur Lackie­re­rei) oder „Fahr­zeug­rei­ni­gung vor Lackie­rung“ erst dann bezahlt, wenn repa­riert wurde. Bei Total­scha­den wer­den die Kos­ten für „Ein-/Aus­bau“ z. B. einer guten Musik­an­lage und Kos­ten der An-/Ab­mel­dung nur bezahlt, wenn tat­säch­lich ein ande­res Fahr­zeug ange­schafft (zuge­las­sen) wurde.
Der Begriff „Grobe Fahr­läs­sig­keit“ ist in den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen (AKB) der meis­ten Ver­si­che­run­gen als Aus­schluss­grund ange­ge­ben. Der Ver­si­che­rer kann ins­be­son­dere bei gro­ber Ver­let­zung der im Stra­ßen­ver­kehr erfor­der­li­chen Sorg­falts­pflicht seine Leis­tun­gen in der Fahr­zeug­ver­si­che­rung ver­wei­gern. Hin­weis: Einige Ver­si­che­rer ver­zich­ten in ihren AKB auf den sog. „Ein­wand der gro­ben Fahr­läs­sig­keit“. Hier lohnt sich ein Ver­gleich.
Wurde ein Ver­kehrs­un­fall nicht durch allei­nige Schuld eines Unfall­be­tei­lig­ten ver­ur­sacht, so kommt es zu einer Auf­tei­lung der Haf­tung. Eine Haf­tungs­quote von 25 % für den Unfall­be­tei­lig­ten A bedeu­tet, dass der Unfall­be­tei­ligte B 75 % des bei A ent­stan­de­nen Scha­dens aus­zu­glei­chen hat, B erhält dage­gen 25 % des ent­stan­de­nen Scha­dens von A.
Kommt es auf einer Reise zu einem Unfall, kön­nen zusätz­li­che Kos­ten für Über­nach­tung der Fahr­zeug­in­sas­sen ent­ste­hen, die vom Schä­di­ger zu erset­zen sind.
Pflichten: Nachweispflicht
Der Anspruch­stel­ler muss den Scha­den gegen­über dem Unfallgegner/ Ver­si­che­rung nach­wei­sen (Gut­ach­ten).
Pflichten: Schadensminderungspflicht
Der Anspruch­stel­ler hat grund­sätz­lich die gesetz­li­che Scha­den­min­de­rungs­pflicht zu beach­ten (§ 254 BGB).
Die Ent­schei­dung über Weiterverwendung/Reparatur/Verkauf des Fahr­zeu­ges muss in einer ange­mes­se­nen Frist vom Anspruch­stel­ler gefällt wer­den.
Ist das Fahr­zeug des Anspruch­stel­lers nach dem Unfall fahr­be­reit, betriebs- und ver­kehrs­si­cher, kön­nen keine Abschlepp­kos­ten, Leih­wa­gen­kos­ten oder Nut­zungs­aus­fall bis zum Beginn der Repa­ra­tur oder Anschaf­fung eines Ersatz­fahr­zeu­ges gel­tend gemacht wer­den.
Wenn die Repa­ra­tur­firma mit der Repa­ra­tur wegen Über­las­tung erst ver­spä­tet begin­nen kann, muss der Anspruch­stel­ler ggf. eine andere Werk­statt beauf­tra­gen.
Kann ein Fahr­zeug mit ver­hält­nis­mä­ßig gerin­gen Mit­teln pro­vi­so­risch instand­ge­setzt wer­den, so muss die­ser Weg gewählt wer­den, wenn dadurch höhere Kos­ten ver­mie­den wer­den.
Rechte: Freie Wahl des Sachverständigen
Der Geschä­digte ist Herr des Gesche­hens und kann einen Sach­ver­stän­di­gen sei­nes Ver­trau­ens beauf­tra­gen, sein Fahr­zeug zu besich­ti­gen und den Scha­den zu ermit­teln.
Wenn die Ver­si­che­rung einen „eige­nen“ Sach­ver­stän­di­gen beauf­tragt, so ist die­sem die Besich­ti­gung zu ermög­li­chen, das ändert aber Nichts am o. g. Recht des Geschä­dig­ten.
Rechte: Freie Wahl des Rechtanwalts
Die Ein­schal­tung eines Rechts­an­walts bleibt ein­zig und allein deem Geschä­dig­ten über­las­sen. Um Rechts­gleich­heit zu erzie­len, ist die Ein­schal­tung eines Anwalts zu emp­feh­len, in jedem Fall bei Ver­letz­ten.
Rechte: Freie Werkstattwahl
Der Anspruch­stel­ler hat das Recht auf freie Wahl der Repa­ra­tur­firma. Abschlepp­kos­ten wer­den aller­dings nur bis zur dem Unfall­ort nächst­ge­le­ge­nen Fach­werk­statt ersetzt.
Rechte: Weiterbenutzung (unrepariert)
Der Anspruch­stel­ler kann bestim­men, ob er sein Fahr­zeug unre­pa­riert wei­ter­fah­ren will, vor­aus­ge­setzt, das Fahr­zeug ist ver­kehrs­si­cher.
Der Anspruch­stel­ler kann das Fahr­zeug unre­pa­riert ver­äus­sern.
Der Schä­di­ger oder des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rung haben die Kos­ten für ein neu­tra­les, vom Geschä­dig­ten ein­ge­hol­tes Gut­ach­ten eines unab­hän­gi­gen Sach­ver­stän­di­gen zu erset­zen.
Aus­nahme: Baga­tell­schä­den mit Repa­ra­tur­kos­ten unter 700,00 EUR
Dies gilt auch, wenn die Ver­si­che­rung selbst einen Sach­ver­stän­di­gen beauf­tragt. Ein Ver­stoß gegen die sog. Scha­den­min­de­rungs­pflicht kann dem Geschä­dig­ten auch nicht ange­las­tet wer­den, wenn er trotz eines »Ver­zichts« des Ver­si­che­rers einen unab­hän­gi­gen Sach­ver­stän­di­gen ein­schal­tet.
Kostenerstattung: Kostenpauschale
Für Kos­ten durch das Scha­den­er­eig­nis wie Tele­fo­nate, Fahr­ten, Schrift­wech­sel u. a. wird von der Recht­spre­chung regel­mä­ßig ein Betrag von pau­schal 15,00 bis 25,00 EUR je Scha­dens­fall zuge­stan­den. Ent­ste­hen höhere Kos­ten, so sind diese im Ein­zel­fall nach­zu­wei­sen.
Kostenerstattung: Zulassungskosten
Bei Total­scha­den wer­den Kos­ten für Stil­le­gung des Unfall­fahr­zeu­ges, Zulas­sung des Ersatz­fahr­zeu­ges und Kos­ten für die erfor­der­li­chen, amt­li­chen Kenn­zei­chen ersetzt.
Kostenerstattung: Umbaukosten
Soweit wirt­schaft­lich sinn­voll, wer­den bei Total­scha­den Umbau­kos­ten z. B. einer HiFi-Anlage, Frei­sprech­ein­rich­tung oder Funk­an­lage in ein Ersatz­fahr­zeug ersetzt, falls das Ersatz­fahr­zeug nicht über ver­gleich­bare Aus­rüs­tung ver­fügt. Glei­ches gilt für sons­tige Ein­bau­ten, z.B. behin­der­ten­ge­rechte Bedie­nungs­ein­rich­tun­gen. Diese sind durch Kos­ten­vor­anschlag oder Rech­nung nach­zu­wei­sen.
Kostenerstattung: Abschleppkosten
Die Kos­ten für Ber­gung des Unfall­fahr­zeu­ges und Abschlep­pen in eine Fach­werk­stätte in der Umge­bung wer­den ersetzt. Nicht ersatz­pflich­tig sind meist Kos­ten für Abschlep­pen über grö­ßere Ent­fer­nun­gen. Diese wer­den jedoch häu­fig von Schutz­brief­ver­si­che­run­gen bezahlt (z.B. Aus­lands­rück­ho­lung).
Kostenerstattung: Hotel-/ Übernachtungskosten
Kostenerstattung: Ausfallkosten/Gewinnentgang
Kos­ten für ent­gan­ge­nen Gewinn oder durch Aus­fall eines Arbeit­neh­mers sind ersatz­pflich­tig, jedoch im Ein­zel­fall nach­zu­wei­sen. Ein Aus­gleich für ent­gan­ge­nen Urlaub oder sons­ti­gen Zeit­ver­lust ist regel­mä­ßig nicht ersatz­pflich­tig.
Kostenerstattung: Sonstige, unfallbedingte Kosten
Sons­tige, unfall­be­dingte Kos­ten Wei­ter­hin ersatz­pflich­tig sind unfall­be­dingte Schä­den z. B. an Beklei­dung, Schutz­helm von Zwei­rad-fah­rern oder an im/am Fahr­zeug mit­ge­führ­ten Gegen­stän­den. Die Scha­den­höhe ist eben­falls durch Kauf­be­lege oder Kos­ten­vor­anschlag nach­zu­wei­sen.
Die obige Auf­stel­lung kann bei Bedarf durch wei­tere Scha­den­kos­ten ergänzt wer­den. Ersatz­pflich­tig sind grund­sätz­lich Kos­ten für alle unfall­be­ding­ten Schä­den.
(mer­kan­ti­ler) Min­der­wert
Mit­haf­tung
Quo­ten­vor­recht
Nach­weis der Repa­ra­tur
Repa­ra­tur­dauer
Repa­ra­tur­kos­ten
Repa­ra­tur­kos­ten-Über­nah­me­er­klä­rung
Rest­wert
Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten bei gering­fü­gi­gem Scha­den
Sach­ver­stän­di­gen­ver­fah­ren
Siche­rungs-Abtre­tungs­er­klä­rung
Sons­tige unfall­be­dingte Kos­ten
Total­scha­den
Vor­läu­fige Deckung der Fahr­zeug­ver­si­che­rung
Erheb­li­che Risi­ken
Wie­der­be­schaf­fungs­dauer
Wie­der­be­schaf­fungs­wert
Wild­scha­den: Ver­hal­ten nach dem Unfall
Wild­scha­den: Abd. d. d. Teil­kasko-Ver­si­che­rung
Wild­scha­den: Ersatz von »Ret­tungs­kos­ten«
Wild­scha­den: Abd. d. d. Voll­kasko-Ver­si­che­rung
Zulas­sungs­kos­ten
130% Regel / Opfer­grenze
Bei fik­ti­ver Abrech­nung (Abrech­nung auf Gut­ach­ten­ba­sis) wird nach neuer Recht­spre­chung die Mehr­wert­steuer auch für Pri­vat­fahr­zeuge nicht mehr erstat­tet.
Gehört das Fahr­zeug zum Betriebs­ver­mö­gen, so wird die Mehr­wert­steuer nicht erstat­tet, da sie Vor­steuer bei der Umsatz­steu­er­erklä­rung gel­tend gemacht wer­den kann.
Ein Fahr­zeug, das einen Ver­kehrs­un­fall hatte, wird in der Regel auch nach der Repa­ra­tur bei einem Ver­kauf nicht den­sel­ben Ver­kaufs­wert erzie­len, wie ein ver­gleich­ba­res Fahr­zeug ohne Vor­scha­den.
Für die­sen (mer­kan­ti­len) Min­der­wert gewährt die Recht­spre­chung dem Geschä­dig­ten einen Aus­gleichs­an­spruch gegen­über der Ver­si­che­rung, sofern das beschä­digte Fahr­zeug nicht älter als 60 Monate ist und eine Fahr­leis­tung unter 100.000 km hat.
In beson­de­ren Ein­zel­fäl­len besteht ein Anspruch auf Wert­min­de­rung auch dann, wenn die zuvor genannte 60-Monats­grenze nur unwe­sent­lich über­schrit­ten wird.
Wäh­rend der Repa­ra­tur oder der Wie­der­be­schaf­fung haben Sie Anspruch auf einen Miet­wa­gen. Die­ser darf nicht einer höhe­ren Typ­klasse ange­hö­ren als Ihr ver­un­fall­tes Fahr­zeug.
Frankfurt/Main (dpa) – Eine Auto­ver­mie­tungs­firma muss ihre Kun­den stets auf den güns­tigs­ten Tarif für einen Unfal­l­ersatz­wa­gen hin­wei­sen. Das geht aus einem Urteil des Amts­ge­richts Frank­furt her­vor.
Die Rich­ter wie­sen damit die Zah­lungs­klage einer Auto­ver­mie­tung gegen einen Kun­den zurück. Die Firma hatte auf Zah­lung des teu­re­ren Tari­fes geklagt (Az.: 30 C 2440/04–25). Nach dem Unfall hatte der Kunde für die Zeit der Repa­ra­tur sei­nes eige­nen Wagens ein Ersatz­auto zum so genann­ten Unfal­l­ersatz­ta­rif von rund 1300 Euro gemie­tet. Der ««Nor­mal­ta­rif»» der Ver­mie­tung hätte im glei­chen Zeit­raum jedoch nur 980 Euro betra­gen. Die Firma wies den Kun­den aber nicht auf diese Dif­fe­renz hin. Erst als sich seine Ver­si­che­rung wei­gerte, den in Rech­nung gestell­ten Betrag voll­stän­dig zu über­neh­men, wurde der Kunde auf die Dif­fe­renz auf­merk­sam und ver­wei­gerte sei­ner­seits die Zah­lung.
Laut Urteil hat das Ver­mie­tungs­un­ter­neh­men seine Sorg­falts­pflicht ver­letzt, indem es den Kun­den nicht über den güns­ti­ge­ren Nor­mal­ta­rif infor­mierte. Dar­über hin­aus sei »kein betriebs­wirt­schaft­li­cher Aspekt erkenn­bar, der einen sol­chen Preis­un­ter­schied bei Unfal­l­ersatz­wa­gen recht­fer­ti­gen würde«, heißt es im Urteil.
Ist ein Unfall­her­gang bezüg­lich der Schuld­frage nicht ein­deu­tig, so kommt es zur Mit­haf­tung bei­der oder meh­re­rer Unfall­ver­ur­sa­cher. In die­sem Fall wird der Scha­den­er­satz ent­spre­chend der Haf­tungs­quote auf­ge­teilt.
Bei Unfäl­len mit eige­nem Mit­haf­tungs­an­teil, kann im Ein­zel­fall eine Erhö­hung der Ent­schä­di­gung erreicht wer­den, wenn eine kom­bi­nierte Abrech­nung zwi­schen der eige­nen Voll­kas­ko­ver­si­che­rung und der geg­ne­ri­schen Haft­pflicht­ver­si­che­rung gewählt wird: Die soge­nannte Abrech­nung nach Quo­ten­vor­recht.
Dabei wer­den Repa­ra­tur­kos­ten oder Wie­der­be­schaf­fungs­wert von der eige­nen Fahr­zeug­ver­si­che­rung (Kasko) voll ersetzt.
Neben­kos­ten wie Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten, Wert­min­de­rung und Abschlepp­kos­ten ersetzt voll die geg­ne­ri­sche Haft­pflicht­ver­si­che­rung, soweit der Gesamt­be­trag den Betrag nicht über­steigt, den die Ver­si­che­rung auf­grund des Haf­tungs­an­teils zah­len müsste.
Nicht in den quo­ten­be­vor­rech­tig­ten Anteil der Scha­dens­kos­ten fal­len aller­dings Posi­tio­nen wie Schmer­zens­geld, Miet­wa­gen­kos­ten oder sons­tige Neben­kos­ten, die nicht direkt den rei­nen Fahr­zeug­scha­den betref­fen. Wegen der recht­lich kom­pli­zier­ten Zusam­men­hänge wird hier anwalt­li­che Bera­tung emp­foh­len.
Nach aktu­el­ler Rechts­lage darf aus­schließ­lich ein zuge­las­se­ner Rechts­an­walt oder Rechts­be­ra­ter im Ein­zel­fall bera­tend tätig wer­den oder in Ver­tre­tung eines Unfall­ge­schä­dig­ten des­sen For­de­run­gen gel­tend machen.
Die Abwick­lung von Unfall­schä­den von ande­ren Per­so­nen, bei­spiels­weise durch den Repa­ra­tur­be­trieb oder einen Ver­si­che­rungs­agen­ten, ist im Haft­pflicht­scha­den­fall recht­lich nicht zuläs­sig.
Nachweis der Reparatur
Viele Ver­si­che­rer ver­lan­gen vor Ersatz der Kos­ten für Miet­wa­gen oder Nut­zungs­aus­fall­ent­schä­di­gung den Nach­weis der Repa­ra­tur.
Als Repa­ra­tur­nach­weis kann eine Rech­nung des Repa­ra­tur­be­trie­bes die­nen.
Erfolgt eine Abrech­nung auf der Grund­lage eines Gut­ach­tens, kann die Repa­ra­tur auch durch eine Bestä­ti­gung des Sach­ver­stän­di­gen nach­ge­wie­sen wer­den.
Lag ein wirt­schaft­li­cher Total­scha­den vor (Repa­ra­tur­kos­ten bis 130 % des Wie­der­be­schaf­fungs­wer­tes), dann wird von der Recht­spre­chung für den Aus­gleich der vol­len Repa­ra­tur­kos­ten meist eine detail­lierte Repa­ra­tur­be­stä­ti­gung gefor­dert.
Hierzu hat der Sach­ver­stän­dige zu prü­fen, ob die Repa­ra­tur voll­stän­dig und fach­ge­recht erfolgt ist. Kann dies nicht nach­ge­wie­sen wer­den, so wird regel­mä­ßig auf Total­scha­den­ba­sis (Wie­der­be­schaf­fungs­wert abzüg­lich Rest­wert) abge­rech­net.
Die zu erwar­tende Repa­ra­tur­dauer wird bei Haft­pflicht­schä­den vom Sach­ver­stän­di­gen beur­teilt und fest­ge­legt. Die im Gut­ach­ten genannte Repa­ra­tur­dauer ist Grund­lage für die Dauer des, vom Geschä­dig­ten ange­mie­te­ten Ersatz­wa­gens.
Eine repa­ra­tur­be­dingte Über­schrei­tung die­ser vorab geschätz­ten Aus­fall­zeit kann auf­tre­ten bei uner­war­te­ten Verzögerungen,wie durch Lie­fer­schwie­rig­kei­ten von Ersatz­tei­len oder Stand­zei­ten bei der Lackie­rung.
Die Repa­ra­tur­dauer wird im Gut­ach­ten in Arbeits­ta­gen ange­ge­ben , dazwi­schen lie­gende Fei­er­tage oder Wochen­en­den sind zusätz­lich zu berück­sich­ti­gen.
In wel­cher Höhe wer­den sie gezahlt? Grund­sätz­lich hat die Ver­si­che­rung die tat­säch­lich ent­stan­de­nen Repa­ra­tur­kos­ten zu über­neh­men. Sie kön­nen die Repa­ra­tur­kos­ten aber auch fik­tiv abrech­nen, in dem Sie der Ver­si­che­rung ein Gut­ach­ten von einem KFZ-Sach­ver­stän­di­gen vor­le­gen.
Wann wer­den sie gezahlt? Die Ver­si­che­rung hat Repa­ra­tur­kos­ten für die Beschä­di­gung des Fahr­zeugs grund­sätz­lich in der tat­säch­lich anfal­len­den oder durch ein Gut­ach­ten zu ermit­teln­den Höhe zu zah­len.
Denn der Geschä­digte kann grund­sätz­lich ver­lan­gen, dass sein Fahr­zeug wie­der in den Zustand ver­setzt wird, in dem es sich vor dem Unfall befand.
Die Ver­si­che­rung muss aller­dings dann die Repa­ra­tur­kos­ten nicht mehr zah­len, wenn das Fahr­zeug durch den Unfall einen Total­scha­den erlit­ten hat.
Aus­nahme: 130%-Regel
Als Alter­na­tive zur Abtre­tung kann im Repa­ra­tur­be­trieb eine sog. Repa­ra­tur­kos­ten-Über­nah­me­er­kläh­rung unter­zeich­net wer­den, falls die Repa­ra­tur­kos­ten nicht sofort bei Abho­lung des Fahr­zeu­ges an den Repa­ra­tur­be­trieb bezahlt wer­den sol­len.
Die Kfz-Werk­statt über­sen­det diese Repa­ra­tur­kos­ten-Über­nah­me­er­klä­rung an die zu regu­lie­rende Ver­si­che­rung.
Diese bestä­tigt – ggf. nach Über­prü­fung der Haf­tungs­si­tua­tion oder der Ein­tritts­pflicht bei Kas­ko­schä­den – gegen­über dem Repa­ra­tur­be­trieb, die Kos­ten der Instand­set­zung direkt an die KFZ-Werk­statt aus­zu­glei­chen.
Zur Defi­ni­tion des Rest­wer­tes hat der BGH bereits am 04.06.1993 ent­schie­den, dass der Geschä­digte bei Aus­übung der Erset­zungs­be­fug­nis des § 249 Abs. 2 BGB sein beschä­dig­tes Kraft­fahr­zeug grund­sätz­lich zu dem­je­ni­gen Preis ver­kau­fen darf, den ein von ihm ein­ge­schal­te­ter unab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger als Wert auf dem all­ge­mei­nen Markt ermit­telt hat. Zwi­schen­zeit­lich geht die all­ge­meine Recht­spre­chung davon aus, das der qua­li­fi­zierte Sach­ver­stän­dige durch seine Info­ma­ti­ons­an­bin­dung im Zuge der Büro­or­ga­ni­sa­tion auch in der Lage ist, den erwei­ter­ten Markt spe­zi­el­ler Rest­wert­auf­käu­fer mit gerin­gem Auf­wand zu errei­chen und muß somit auch die evtl. höhe­ren Preise die­ser Berufs­gruppe mit berück­sich­ti­gen. Den Rest­wert ermit­telt dem­nach ein unab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger unter Berück­sich­ti­gung des kon­kre­ten Scha­den­bil­des mit Hilfe moder­ner Komu­ni­ka­ti­on­mit­tel und regio­na­ler Markt­ge­ge­ben­hei­ten.
Hin­weis: Bei Kas­ko­schä­den sollte man vor Ver­kauf des Unfall­fahr­zeu­ges mit der Ver­si­che­rung Kon­takt auf­neh­men, da von die­ser ein Ange­bot auch eines über­re­gio­na­len Auf­käu­fers (Rest­wert­börse) vor­ge­legt wer­den kann.
Die­ses Ange­bot kann auch dann der Abrech­nung zugrun­de­ge­legt wer­den, wenn das Fahr­zeug tat­säch­lich bil­li­ger ver­kauft wurde!
Grund­sätz­lich soll­ten Sie nach einem Unfall den an Ihrem Fahr­zeug ent­stan­de­nen Scha­den von einem KFZ-Sach­ver­stän­di­gen begut­ach­ten las­sen. Die hier­für anfal­len­den Kos­ten muss der Unfall­ver­ur­sa­cher tra­gen. Han­delt es sich um einen aner­kann­ten Sach­ver­stän­di­gen, dür­fen Sie sich dar­auf ver­las­sen, daß sein Gut­ach­ten rich­tig ist. Die Kos­ten sind dann auch zu erstat­ten, wenn sich nach­träg­lich her­aus­stellt, dass das Gut­ach­ten unrich­tig ist, es sei denn, Sie selbst haben den Sach­ver­stän­di­gen falsch infor­miert und des­halb ist auch sein Gut­ach­ten falsch.
Sachverständigenkosten bei geringfügigem Schaden
Wenn abseh­bar ist, dass es sich um einen gering­fü­gi­gen Scha­den han­delt, dür­fen Sie kei­nen Sach­ver­stän­di­gen mit der Begut­ach­tung beauf­tra­gen, denn dann wäre es unver­hält­nis­mäs­sig, Gut­ach­ter­kos­ten zu ver­ur­sa­chen. In die­sem Falle soll­ten Sie der Ver­si­che­rung den Kos­ten­vor­anschlag einer KFZ-Werk­statt vor­le­gen. Als gering­fü­gig wird jeder Scha­den unter 700,00 EUR ange­se­hen. Ist man sich über die evtl. Scha­den­höhe nicht sicher, sollte man das beschä­digte Fahr­zeuge einem KFZ-Sach­ver­stän­di­gen vor­stel­len.
Hin­weis: Es gibt immer wie­der Ver­si­che­run­gen, die diese Grenze höher ansetz­ten obwohl diese NICHT Rech­tens ist. Trotz­dem kann es sein, dass Sie auch bei einem Scha­den unter 700,00 EUR noch den Ersatz der Sach­ver­stän­di­gen­ge­büh­ren ver­lan­gen kön­nen. Hat Ihr Fahr­zeug z.B. einen Total­scha­den erlit­ten, dann wäre es über einen Kos­ten­vor­anschlag einer Werk­statt nicht mög­lich, den Wie­der­be­schaf­fungs- und den Rest­wert zu ermit­teln. In die­sem Falle bleibt nichts ande­res übrig, als einen Gut­ach­ter zu beauf­tra­gen.
Bei Strei­tig­kei­ten (z.B. über die Höhe der Ent­schä­di­gung) kann ein Sach­ver­stän­di­gen­ver­fah­ren ange­strengt wer­den.
Hier­bei wer­den von bei­den Par­teien ein drit­ter Sach­vestän­di­ger benannt, oder wenn sich die Par­teien nicht eini­gen kön­nen, wird vom zustän­di­gen Amts­ge­richt ein Sach­veständ­gier bestimmt.
Wer die Kos­ten des Sach­ver­stän­di­gen­ver­fah­rens trägt rich­tet sich nach des­sen Aus­gang: Wer im Unrecht ist muß zah­len.
Wenn Sie einen Unfall ver­ur­sacht haben oder die Schuld­frage strit­tig ist, mel­den Sie bitte den Unfall unver­züg­lich Ihrer Ver­si­che­rung. Ver­spä­te­tes oder nicht Mel­den eines Unfal­les kann zur Regu­lie­rungs­frei­heit der Ver­si­che­rung füh­ren.
Bei Kör­per­ver­let­zung steht dem Opfer eine »bil­lige Ent­schä­di­gung in Geld« zu (§ 847 BGB). Sie soll die Schmer­zen finan­zi­ell aus­glei­chen und dem Opfer zusätz­lich Genug­tu­ung gegen­über dem Ver­ur­sa­cher ver­schaf­fen, so der Gesetz­ge­ber. Wird ein Betrag fest­ge­setzt, müs­sen die Fol­gen des Scha­dens für das Opfer berück­sich­tigt wer­den: Wie lange behin­dert die Ver­let­zung oder ihre Fol­gen das Opfer? Wel­che sozia­len und psy­chi­schen Aus­wir­kun­gen hat die Ver­let­zung?
Da ein Auto­un­fall kos­ten­in­ten­siv ist und der Fahr­zeug­hal­ter die Kos­ten für den Kfz-Sach­ver­stän­di­gen, nicht immer aus eige­ner Tasche aus­le­gen möch­ten, hat der Fahr­zeug­hal­ter die Mög­lich­keit diese Kos­ten abzu­tre­ten.
Zu beach­ten ist hier­bei, das diese Abtre­tung grund­sätz­lich ledig­lich einen Siche­rungs­zweck erfüllt.
Im Regel­fall führt das Vor­lie­gen einer Siche­rungs­ab­tre­tung jedoch dazu, dass die geg­ne­ri­sche Ver­si­che­rung die Kos­ten für einen Kfz-Sach­ver­stän­di­gen jeweils direkt an dem Rech­nungs­stel­ler aus­gleicht.
Hin­weis: Bei Mit­haf­tung des Geschä­dig­ten muss die­ser einen Teil der Rech­nungs­be­träge aus eige­ner Tasche zah­len.
Ersatz­pflich­tig sind auch unfall­be­dingte Schä­den an Beklei­dung, Schutz­hel­men oder im Fahr­zeug mit­ge­führ­ten Gegen­stän­den.
Die Scha­den­höhe ist eben­falls durch Kauf­be­lege oder Kos­ten­vor­anschlag nach­zu­wei­sen.
Über­stei­gen die Repa­ra­tur­kos­ten den Wie­der­be­schaf­fungs­wert des Fahr­zeu­ges zum Zeit­punkt direkt vor dem Unfall, so liegt ein „wirt­schaft­li­cher Total­scha­den“ vor.
Soweit wirt­schaft­lich sinn­voll, wer­den bei Total­scha­den Umbau­kos­ten ersetzt (Musik­an­lage, Frei­sprech­ein­rich­tung) soweit das Ersatz­fahr­zeug nicht über gleich­wer­tige Ein­bau­ten ver­fügt. Glei­ches gilt für Behin­der­ten-, Fahr­schul- oder Taxi­aus­stat­tung.
Vorläufige Deckung der Fahrzeugversicherung
Stellt ein Ver­si­che­rungs­neh­mer einen ein­heit­li­chen Antrag auf Abschluss einer Kraft­fahr­zeug­haft­pflicht­ver­si­che­rung und einer Fahr­zeug­ver­si­che­rung und hän­digt der Ver­si­che­rer dar­auf­hin eine Ver­si­che­rungs­be­stä­ti­gung – so genannte Dop­pel­karte – aus, so gilt der vor­läu­fige Deckungs­schutz auch für die Fahr­zeug­ver­si­che­rung, wenn die Ver­si­che­rung nicht deut­lich dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass sie die vor­läu­fige Deckung nur für die Haft­pflicht­ver­si­che­rung gewäh­ren will.
Nach einem Unfall­scha­den kann sich der Geschä­digte den Repa­ra­tur­be­trieb selbst aus­su­chen
Gerade aber bei Unfäl­len ken­nen viele Auto­fah­rer ihre Rechte nicht. „Viele Haft­pflicht­ver­si­che­rer nut­zen diese Unkennt­nis aus und ver­su­chen direkt nach einem Unfall, Ein­fluss auf den Geschä­dig­ten zu neh­men, indem sie ihn bewusst in eine so genannte Part­ner­werk­statt der Ver­si­che­rung lot­sen oder abschlep­pen las­sen
Was sich auf den ers­ten Blick als kun­den­freund­li­che Dienst­leis­tung der Ver­si­che­rungs­bran­che dar­stellt, birgt nicht sel­ten erheb­li­che Risi­ken für den Geschä­dig­ten. Für den Ver­brau­cher ist es daher wich­tig, seine Rechte zu ken­nen. Die las­sen sich so zusam­men­fas­sen:
Jeder Auto­fah­rer hat das Recht auf Repa­ra­tur sei­nes Fahr­zeu­ges in der Werk­statt, die er kennt und beauf­tra­gen will.
Sofern kein Baga­tell­scha­den (Scha­dens­höhe nicht mehr als 700,00 Euro) vor­liegt, steht es dem Betrof­fe­nen grund­sätz­lich frei, einen Sach­ver­stän­di­gen sei­ner Wahl zur Beweis­si­che­rung und zur Ermitt­lung der Scha­dens­höhe zu beauf­tra­gen.
Zur Durch­set­zung der eige­nen Ansprü­che kann der betrof­fene Kraft­fah­rer einen Rechts­an­walt sei­nes Ver­trau­ens beauf­tra­gen.
Die zu erwar­tende Wie­der­be­schaf­fungs­dauer eines ver­gleich­ba­ren Ersatz­wa­gens wird bei Abrech­nung eines Unfall­scha­dens auf Total­scha­den­ba­sis vom KFZ-Sach­ver­stän­di­gen in sei­nem Gut­ach­ten fest­ge­legt.
Im Regel­fall wird eine Wie­der­be­schaf­fungs­dauer von 14 Kalen­der­ta­gen zuge­stan­den.
Der Wie­der­be­schaf­fungwert ist der­je­nige Geld­be­trag, den der Geschä­digte zur Anschaf­fung eines – ver­gli­chen mit dem Fahr­zeug des Geschä­dig­ten vor dem Unfall – gleich­wer­ti­gen Ersatz­fahr­zeu­ges bei einem seriö­sen Gebraucht­wa­gen­händ­ler unter Berück­sich­ti­gung aller wert­bil­den­den Fak­to­ren auf­wen­den muß.
Wildschaden: Verhalten nach dem Unfall
Zur Ver­mei­dung von Schwie­rig­kei­ten bei der Regu­lie­rung des Scha­dens durch die Ver­si­che­rung soll­ten Wild­schä­den unver­züg­lich bei der Poli­zei oder dem Jagd­päch­ter gemel­det wer­den. Wei­ter­hin ist es erfor­der­lich, daß die Poli­zei oder der Jagd­päch­ter eine sog. Wild­scha­dens­be­schei­ni­gung aus­stellt; nur bei Klein­schä­den kann dar­auf ver­zich­tet wer­den.
Aus die­sem Grund emp­fiehlt es sich auch dar­auf hin­zu­wir­ken, daß die Poli­zei einen Ver­kehrs­un­fall mit Wild nicht nur unge­prüft pro­to­kol­liert, son­dern am Unfall­ort und in sei­ner nähe­ren Umge­bung sowie am betrof­fe­nen Kfz selbst eine gründ­li­che Spu­ren­su­che durch­führt. Dies ist vor allem dann wich­tig, wenn das Wild nach der Kol­li­sion nur ver­letzt wurde und flüch­ten konnte. Auf­ge­fun­dene Spu­ren sind nach Mög­lich­keit pho­to­gra­phisch zu sichern und akten­kun­dig zu machen.
Die Aneig­nung von ange­fah­re­nem Wild erfüllt den Straf­tat­be­stand der Jagd­wil­de­rei und ist also nur dem Jagd­päch­ter gestat­tet. Aller­dings darf nach einer Kol­li­sion schwer lei­den­des Wild (um ihm wei­tere Qua­len zu erspa­ren) getö­tet wer­den, wenn der Jagd­päch­ter nicht recht­zei­tig zu errei­chen ist.
Wildschaden: Abd. d. d. Teilkasko-Versicherung
Der eigene Fahr­zeug­scha­den nach dem Zusam­men­stoß mit einem Haar­wild ist bei den meis­ten Fahr­zeug­ver­si­che­run­gen über die Teil­kas­ko­ver­si­che­rung abge­deckt.
In die­sem Rah­men wer­den gem. § 12 Abs. 1 Nr. 1 d der All­ge­mei­nen Bedin­gun­gen für die Kraft­fahrt­ver­si­che­rung (AKB) aller­dings nur Fahr­zeug­schä­den ersetzt, die durch einen Zusam­men­stoß des in Bewe­gung befind­li­chen Fahr­zeugs mit Haar­wild im Sinne von § 2 Abs. 1 Nr. 1 des Bun­des­jagd­ge­set­zes ent­stan­den sind. Zum Haar­wild gehö­ren bei­spiels­weise Wild­schwein, Reh, Hirsch, Fuchs oder Hase; Unfälle mit Feder­wild sind dage­gen nicht bei allen Ver­si­che­run­gen beinhal­tet.
Ande­rer­seits umfas­sen man­che Ver­si­che­run­gen zwi­schen­zeit­lich den unmit­tel­bar durch Mar­der­biss ent­stan­de­nen Scha­den.
Das Wild selbst muß sich dabei nicht unbe­dingt in Bewe­gung befin­den: Auch wenn ein Fahr­zeug ein auf der Fahr­bahn lie­gen­des Wild über­fährt, das nicht ledig­lich ein schon mehr­fach über­fah­re­nes Fahr­bahn­hin­der­nis dar­stellt, son­dern kurz zuvor in unmit­tel­ba­rem zeit­li­chem Zusam­men­hang von einem ande­ren Fahr­zeug über­fah­ren wurde, hat der Fahr­zeug­hal­ter einen Ersatz­an­spruch gegen seine Teil­kas­ko­ver­si­che­rung (vgl. OLG Nürn­berg, DAR 1994, 279; OLG Mün­chen, DAR 1986, 293).
Wildschaden: Ersatz von »Rettungskosten«
Ersatz von „Ret­tungs­kos­ten“ bei Aus­weich- oder Brems­ma­nö­vern
Wird der Scha­den nicht durch das Wild direkt ver­ur­sacht, son­dern ent­steht der Scha­den durch einen Aus­weich­ver­such ohne Berüh­rung mit dem Wild, so kann trotz­dem Ersatz von der Teil­kas­ko­ver­si­che­rung unter dem Aspekt »Ret­tungs­kos­ten« gefor­dert wer­den. Das glei­che gilt, wenn es zwar zu einem Zusam­men­stoß mit Wild gekom­men ist, jedoch eine dar­auf zurück­zu­füh­rende Schreck­re­ak­tion (z. B. Fah­ren in den Gra­ben) die letzt­lich ent­schei­dende Ursa­che für den Scha­den am Fahr­zeug ist.
Aller­dings muß der Geschä­digte den Nach­weis füh­ren, daß sich Wild auf der Fahr­bahn befun­den und damit die unmit­tel­bare Gefahr einer Kol­li­sion mit dem teil­kas­ko­ver­si­cher­ten Kfz bestan­den hatte. Dies setzt in der Pra­xis vor­aus, daß Zeu­gen für den Scha­dens­her­gang oder (im Falle einer Berüh­rung mit dem Wild) Spu­ren vor­han­den sind; lie­gen nur die Aus­sa­gen des Ver­si­che­rungs­neh­mers vor, kön­nen Ansprü­che meis­tens nicht durch­ge­setzt wer­den (vgl. OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 2. Mai 2000, Az. 4 U 99/99, ADAJUR Dok.-Nr. 41948; OLG Jena, Urt. v. 7. März 2001, Az. 4 U 893/00, ADAJUR Dok.-Nr. 45403).
Grund dafür ist, daß die „nor­male“ Beschä­di­gung eines Fahr­zeugs in der Teil­kas­ko­ver­si­che­rung grund­sätz­lich nicht mit­ver­si­chert ist – der Mani­pu­la­tion wäre damit Tür und Tor geöff­net. Daß des­we­gen der Geschä­digte in die­sen Fäl­len oft auto­ma­tisch in Beweis­not gerät, unter­liegt dem Lebens­ri­siko eines jeden Klä­gers, der vor Gericht einen in der Sache begrün­de­ten Anspruch aus ver­fah­rens­recht­li­chen Grün­den des­halb nicht durch­set­zen kann, weil der Beklagte den Vor­trag des Klä­gers (mit Nicht­wis­sen) bestrei­tet.
Dar­über hin­aus muß die Ret­tungs­hand­lung auch objek­tiv sinn­voll gewe­sen sein. Bei klei­ne­ren Tie­ren (z. B. Hase, Mar­der, Fuchs) ist der über­wie­gen­den Recht­spre­chung zufolge ein selbst­ge­fähr­den­des Aus­wei­chen nicht zuläs­sig (vgl. BGH, DAR 1997, 158; OLG Nürn­berg, Urt. v. 27. Februar 1997, Az. 8 U 3572/96, ADAJUR Dok.-Nr. 28045; OLG Karls­ruhe, Urt. v. 4. März 1999, Az. 12 U 264/98, ADAJUR Dok.-Nr. 37997): der Ver­si­che­rungs­neh­mer ver­kennt in die­sen Fäl­len nach Ansicht der Gerichte, daß es meist an der Erfor­der­lich­keit der Ret­tungs­hand­lung und des damit (durch die Gefahr des Fah­rens in den Gegen­ver­kehr oder gegen Bäume am Stra­ßen­rand) ver­bun­de­nen Auf­wands fehlt. Hier besteht dann kein Anspruch auf Ersatz des Scha­dens am Fahr­zeug.
Dage­gen kann eine Voll­brem­sung eines Auto­fah­rers wegen eines Fuch­ses unter Umstän­den nicht ohne wei­te­res als grob fahr­läs­sig ein­ge­stuft wer­den, da die­ses Ver­hal­ten (anders als im Falle des selbst­ge­fähr­den­den Aus­wei­chens) ver­si­che­rungs­recht­lich als Ret­tungs­hand­lung zuguns­ten des ver­si­cher­ten Fahr­zeugs zu wer­ten ist – auch dann, wenn das Brems­ma­nö­ver miß­glückte (vgl. OLG Nürn­berg, DAR 2001, 224).
Ver­sucht ein Motor­rad­fah­rer in einer Kurve die Kol­li­sion mit einem klei­ne­ren Tier durch ein Aus­weich- oder Brems­ma­nö­ver zu ver­mei­den und beschä­digt dadurch sein Motor­rad, ohne daß es zu einer Berüh­rung mit dem Tier gekom­men wäre, so kann ihm (anders als einem Pkw-Fah­rer) keine Fahr­läs­sig­keit oder Unver­hält­nis­mä­ßig­keit vor­ge­wor­fen wer­den.
Denn bei einem Motor­rad besteht in Schräg­lage die große Gefahr, daß das Vor­der­rad bei dem Zusam­men­stoß mit einem Klein­tier sofort weg­rutscht (vgl. OLG Hamm, DAR 2001, 403); in die­sem Fall steht der Scha­den, der durch Aus­wei­chen bzw. Brem­sen ent­stan­den ist, nicht außer jedem Ver­hält­nis zu dem Scha­den, der bei einer Kol­li­sion mit dem Wild ent­stan­den wäre.
Kommt ein Fahr­zeug jedoch nach­weis­lich aus ande­ren Grün­den ins Schleu­dern als durch einen Aus­weich­ver­such (z. B. durch über­höhte Geschwin­dig­keit) und erfaßt dabei ein Wild, so wird die­ser Scha­den nicht von der Teil­kas­ko­ver­si­che­rung über­nom­men (vgl. OLG Nürn­berg, Urt. v. 13. März 1980, Az. 8 U 116/79).
Zu beach­ten ist schließ­lich, daß im Rah­men der Teil­kas­ko­ver­si­che­rung zwi­schen Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft und Ver­si­che­rungs­neh­mer meist eine Selbst­be­tei­li­gung ver­ein­bart wird, um die Prä­mie nied­rig zu hal­ten. Eine Aus­wir­kung auf die Prä­mie hat ein Scha­dens­fall im Bereich der Teil­kas­ko­ver­si­che­rung dage­gen nicht, da es keine Scha­den­frei­heits­ra­batt­klas­sen gibt. Ein Wild­scha­den sollte des­halb bei bestehen­der Voll­kas­ko­ver­si­che­rung unbe­dingt als Teil­kasko-Scha­den gemel­det wer­den. Sollte die Selbst­be­tei­li­gung in der Voll­kas­ko­ver­si­che­rung höher als in der Teil­kas­ko­ver­si­che­rung sein, darf nur die nied­ri­gere Selbst­be­tei­li­gung abge­zo­gen wer­den.
Wildschaden: Abd. d. d. Vollkasko-Versicherung
Kommt ein Ersatz der Fahr­zeug­schä­den unter dem Aspekt »Ret­tungs­kos­ten« nicht in Betracht, kann der Scha­den ggf. im Rah­men der Voll­kas­ko­ver­si­che­rung regu­liert wer­den. Über­dies steht diese Ver­si­che­rung auch für Schä­den gerade, die durch andere Tiere (wie bei­spiels­weise Feder­wild) ver­ur­sacht wur­den.
Zu beach­ten ist jedoch, daß bei Inan­spruch­nahme der Fahr­zeug­voll­ver­si­che­rung zum einen eine Ein­stu­fung in eine für den Ver­si­cher­ten ungüns­ti­gere Scha­den­frei­heits­klasse erfolgt, zum ande­ren wie bei der Teil­kas­ko­ver­si­che­rung in vie­len Fäl­len eine Selbst­be­tei­li­gung ver­ein­bart ist.
Einige Ver­si­che­rer über­neh­men zwi­schen­zeit­lich Schä­den unab­hän­gig von dem sie ver­ur­sa­chen­dem Tier.
Bei einem Total­scha­den wer­den je nach Gesell­schaft die Über­füh­rungs­kos­ten des alten und/oder die Zulas­sungs­kos­ten für das neue Fahr­zeug über­nom­men.
Die Beträge sind unter­schied­lich.
Über­stei­gen die Repa­ra­tur­kos­ten den Wie­der­be­schaf­fungs­wert, kann man das Fahr­zeug, unter bestimm­ten Vorraus­set­zun­gen, den­noch repa­rie­ren las­sen. Sofern die vor­aus­sicht­li­chen Kos­ten gemäß Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten den Wie­der­be­schaf­fungs­wert nicht mehr als 30 Pro­zent über­stei­gen, das Fahr­zeug wei­ter genutzt wer­den soll und die Repa­ra­tur sach- und fach­ge­recht durch­ge­führt wird.