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Timestamp: 2020-01-28 22:04:29
Document Index: 112487104

Matched Legal Cases: ['§ 122', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 31', '§ 122', '§ 29', '§ 92', '§ 91', '§ 120', '§ 122', '§ 123', '§ 3', '§ 3', '§ 64', '§ 124', '§ 122']

Pro­zess­kos­ten­hil­fe und Pro­zess­ver­gleich | Rechtslupe
Pro­zess­kos­ten­hil­fe und Pro­zess­ver­gleich
Eine Par­tei, der Pro­zess­kos­ten­hil­fe bewil­ligt wur­de, kann auch im Fal­le einer ver­gleichs­wei­se ver­ein­bar­ten Kos­ten­auf­he­bung nicht als Über­nah­me­schuld­ne­rin von der Staats­kas­se auf Gerichts­kos­ten in Anspruch genom­men wer­den.
Nach § 122 Abs. 1 Nr. 1 a ZPO kön­nen die Gerichts­kos­ten gegen eine Par­tei, der Pro­zess­kos­ten­hil­fe bewil­ligt wur­de, nur nach den Bestim­mun­gen, die das Gericht trifft, gel­tend gemacht wer­den.
Zwar wird teil­wei­se ver­tre­ten, die Gebüh­ren­frei­heit als Fol­ge der Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe tref­fe nicht die Par­tei, die die Kos­ten infol­ge einer Über­nah­me­er­klä­rung gem. § 29 Nr. 2 GKG schul­de 1, weil die Befrei­ung nur wir­ke, soweit die Kos­ten durch gericht­li­che Ent­schei­dung auf­er­legt wur­den. Die­ser Ansicht ver­mag sich der Senat nicht anzu­schlie­ßen. Die Bezug­nah­me auf §§ 29, 31 GKG über­sieht, dass in § 29 GKG allein gere­gelt ist, wel­che Par­tei unab­hän­gig von der Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe als Kos­ten­schuld­ner in Anspruch genom­men wer­den kann, wäh­rend § 31 Abs. 3 GKG die Rei­hen­fol­ge der Inan­spruch­nah­me bei meh­re­ren Kos­ten­schuld­nern regelt.
Die unmit­tel­ba­ren Wir­kun­gen der Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe für die von der Bewil­li­gung begüns­tig­te Par­tei erge­ben sich aus­schließ­lich aus der Rege­lung in § 122 ZPO, die nicht zwi­schen Ent­schei­dungs- und Über­nah­me­schuld­ner unter­schei­det. Die­se Bestim­mung hin­dert die Staats­kas­se dar­an, den nach einem abge­schlos­se­nen Ver­gleich auf die durch die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe begüns­tig­te Par­tei ent­fal­len­den Gerichts­kos­ten­an­teil gegen die­se anzu­set­zen 2. Für die­se Inter­pre­ta­ti­on strei­tet im Übri­gen auch Nr.3.1 DB-PKHG/DB-InsO, wonach eine Kos­ten­rech­nung auf einen Kos­ten­schuld­ner nicht aus­ge­stellt wird, soweit und solan­ge die­ser nach den Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung von der Ent­rich­tung der Kos­ten des­halb befreit ist, weil ihm oder sei­nem Geg­ner Pro­zess­kos­ten­hil­fe ohne Zah­lungs­be­stim­mung bewil­ligt wur­de. Auch hier wird nicht zwi­schen den ver­schie­de­nen Kos­ten­schuld­nern des § 29 GKG unter­schie­den. Zwar ist die­se Durch­füh­rungs­be­stim­mung kei­ne ein Gericht unmit­tel­bar bin­den­de Vor­schrift, sie zeigt jedoch, wel­che ein­heit­li­che Hand­ha­bung sich der Ver­ord­nungs­ge­ber vor­stellt.
Im Übri­gen führt die abwei­chen­de Ansicht zu einer Benach­tei­li­gung von Par­tei­en, die ein Ver­fah­ren im Rah­men bewil­lig­ter Pro­zess­kos­ten­hil­fe durch­füh­ren. Denn die­se wür­den gehin­dert, das Ver­fah­ren ins­ge­samt durch Ver­gleich zu erle­di­gen, weil sie auch dann, wenn die ver­ein­bar­te Kos­ten­re­ge­lung dem Ver­hält­nis des Obsie­gens zum Unter­lie­gen ent­spricht (§ 92 ZPO), auf die ent­spre­chen­den Gerichts­kos­ten­an­tei­le von der Staats­kas­se in Anspruch genom­men wür­den. Sol­che Par­tei­en wären gezwun­gen, zur Ver­mei­dung die­ses Nach­teils nur die Haupt­sa­che ver­gleichs­wei­se zu regeln, den Rechts­streit dann für erle­digt zu erklä­ren und eine Ent­schei­dung nach § 91 a ZPO zu bean­tra­gen. In die­sem Fall wür­den aber zwei zusätz­li­che Gerichts­ge­büh­ren anfal­len (vgl. Nr. 1220, 1222 Nr. 4 des KV zum GKG). die mög­li­cher­wei­se auch tat­säch­lich zu bezah­len sind, nach­dem die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe noch vier Jah­re nach Ver­gleichs­ab­schluss geän­dert wer­den kann (§ 120 Abs. 4 ZPO).
Dass die Par­tei, der Pro­zess­kos­ten­hil­fe bewil­ligt wur­de, von der Gegen­par­tei im Rah­men des Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs auch auf Erstat­tung der ver­aus­lag­ten Gerichts­kos­ten in Anspruch genom­men wer­den kann und dass die­ser Anspruch der Gegen­par­tei unter Umstän­den auf die Staats­kas­se über­ge­hen kann, betrifft nicht das im vor­lie­gen­den Fall rele­van­te, in § 122 ZPO gere­gel­te Ver­hält­nis der Par­tei zur Staats­kas­se, son­dern aus­schließ­lich das hier bedeu­tungs­lo­se, in § 123 ZPO gere­gel­te Ver­hält­nis der Par­tei­en unter­ein­an­der.
Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 15. Juli 2011 – 11 UF 127/​10
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OLG Frank­furt, Beschluss vom 25.09.2008 – 14 W 85/​08; OLG Frank­furt, Beschluss vom 04.11.2010 – 18 W 226/​10; OLG Frank­furt am Main, Beschluss vom 18.03.2011 – 18 WF 42/​11; Schoreit/​Groß, Bera­tungs­hil­fe Pro­zess­kos­ten­hil­fe Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe, 10. Aufl., § 122 Rn. 10[↩]
OLG Köln Jur­Bü­ro 1992, 101; OLG Ros­tock Jur­Bü­ro 2010, 147 LS 1[↩]
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