Source: https://www.schermbeck.de/de/dienstleistungen/allgemeine-kulturpflege/
Timestamp: 2017-10-18 05:30:37
Document Index: 311191360

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 10', '§ 3', '§ 2', '§ 3', '§ 4', '§ 6', '§ 7', '§ 7', '§ 2']

Gemeinde Schermbeck | Allgemeine Kulturpflege
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Berthold Schmeing
Details zu Berthold Schmeing
Die Begrifflichkeit „Allgemeine Kulturpflege“ ist aus der Betrachtung der Verwaltung recht umfangreich. Einige Themen sind schon benannt worden (VHS, Bücherei, ..). Auch die Archivarbeit fällt unter der Allgemeinen Kulturpflege.
Gemeindearchiv Schermbeck
Was ist ein Archiv? Was ist Archivgut?
Ein Archiv ist ein Raum oder Gebäude, in den geordneten Sammlungen von Urkunden, Dokumenten
u. a. aufbewahrt werden.
Das Kulturgut, das in den Archiven auf Dauer bleibt, ist ein Beitrag zur Überlieferungsbildung. Daraus werden künftige Forscher ihre Erkenntnisse und Darstellungen zur Vergangenheit bilden. Unterbleibt eine kontinuierliche Abgabe an die Archive, kann man diese Lücke in der Geschichte nicht mehr schließen.
Wie vieles ist auch der Begriff „Archivgut“ gesetzlich definiert.
Auszug „Archivgesetz Nordrhein-Westfalen - ArchivG NW“
(1) Archivgut sind alle im Archiv befindlichen Unterlagen, die bei … genannten
Stellen entstanden und archivwürdig sind. Es umfasst
Akten, Schriftstücke, Drucksachen, Karteien, Dateien, Karten, Pläne,
Plakate, Siegel, Bild-, Film- und Tondokumente sowie sonstige
Informationsträger und die auf ihnen überlieferten Informationen
einschließlich der zu ihrer Auswertung erforderlichen Programme oder
Gesetzgebung, Regierung, Verwaltung oder Rechtsprechung oder zur
sind. Über die Archivwürdigkeit entscheiden die staatlichen Archive unter
fachlichen Gesichtspunkten. Archivwürdig sind auch Unterlagen, die nach
anderen Vorschriften dauernd aufzubewahren sind.
(3) Archivgut sind auch archivwürdige Unterlagen, die die staatlichen Archive
von anderen als den in § 1 Abs. 1 genannten Stellen oder von natürlichen
oder juristischen Personen des privaten Rechts übernommen oder erworben
(4) Zwischenarchivgut sind die von einem staatlichen Archiv zur vorläufigen
Aufbewahrung übernommenen Unterlagen, aus denen die archivwürdigen
Stücke noch nicht ausgewählt worden sind.
Was macht das Gemeindearchiv Schermbeck?
Auch dies wurde im o. g. Archivgesetz geregelt. Wobei die gesetzliche Lage den kommunalen Archiven gewisse Freiheiten bzw. eine Selbstverwaltung einräumt.
II. Kommunales Archivgut
§ 10 Kommunales Archivgut
Zuständigkeit Sorge, indem sie es insbesondere verwahren, erhalten,
erschließen und nutzbar machen.
c) Übergabe zur Verwahrung ihres Archivguts in einem anderen öffentlichen
Die Archive und archivischen Gemeinschaftseinrichtungen müssen den
archivfachlichen Anforderungen im Sinne des § 3 Abs. 6 Satz 6 genügen.
(3) Archivwürdige Unterlagen, die zur Aufgabenerfüllung nicht mehr benötigt
werden, sind in das Archiv zu übernehmen. § 2 und § 3 Abs. 2 gelten
(4) § 4 Abs. 7 und 8, §§ 6, 7 und 12 Abs. 2 gelten entsprechend. Über die
Verlängerung oder Verkürzung von Sperrfristen (§ 7 Abs. 4), über die
Einschränkung oder Versagung der Nutzung (§ 7 Abs. 5) sowie über den
Erlaß einer Benutzungsordnung und die Erhebung von Gebühren
entscheiden die Gemeinden und Gemeindeverbände in eigener
Zuständigkeit. Rechtsansprüche auf Nutzung, die sich aus
kommunalrechtlichen Bestimmungen oder anderen Rechtsvorschriften
ergeben, bleiben unberührt.
(5) Absätze 1 bis 4 gelten für örtliche und gleichgestellte Stiftungen (§ 2
Abs. 3 StiftGNW) 3 entsprechend.
Zum Aufgabengebiet des Gemeindearchivs gehört die Bildung, Erschließung, Verwaltung und Pflege der Bestände.
Dies bedeutet, dass das Archiv die ihm zur Verfügung gestellten Materialien sichtet und die archivwürdigen Informationsträger in seinen Bestand übernimmt.
Das Archivgut (Urkunden, Akten und Schriftgut, Fotos, Filme ...) stammt von Behörden, Wirtschaftsunternehmen, Vereinen und Privatpersonen und wird für den laufenden Geschäftsverkehr nicht mehr benötigt.
Allerdings kümmert sich das Archiv bzw. der Archivleiter/die Archivleiterin schon frühzeitig um mögliches Archivgut.
Jede Verwaltung ist den gesetzlichen Vorgaben oder speziellen Regelungen zur Aufbewahrung von sogenannten Akten (Vorgänge) unterworfen. Diese Aufbewahrungsfristen lassen nicht auf die Archivwürdigkeit schließen. Nicht jeder Vorgang der mindestens 30 Jahre aufbewahrt werden muss ist gleichzeitig nach den 30 Jahren ‚hochrangiges’ Archivgut.
Weitere wichtige Punkte in der Arbeit des Gemeindearchivs sind die Informations-, Beratungs- und Benutzerdienste. Dabei stehen besonders die archivarische Öffentlichkeitsarbeit und die Zusammenarbeit mit den städtischen, wissenschaftlichen, kulturellen und schulischen Einrichtungen im Vordergrund.
Letztendlich gehören auch die Forschung und die Vermittlung der Ergebnisse zu den Aufgaben des Gemeindearchivs. Hierunter zählt in erster Linie die Erforschung der örtlichen Geschichte und die Bereitstellung der gewonnen Information zur Nutzung.
Wie entsteht Archivgut? Wie hat sich das Archivgut entwickelt?
Seit Menschengedenken sind nach dem gesprochenen und überlieferten Wort/Erzählungen Schriftstücke angefallen. Diese mussten oder wurden (z. B. als Beweisführung) aufbewahrt.
Früher weniger heute umso mehr.
Der steigende Umfang hat mannigfaltige Gründe: es gab papierähnliche Blätter, es konnten immer mehr Menschen lesen, es wurde nicht nur aus Kommunikationsgründen (Beurkundungen u.v.m. kamen auf) mehr geschrieben, es mussten für die Obrigkeit (König, Herzog, etc.) Nachweise geführt werden, es gab Anweisungen oder gesetzliche Vorgaben. Seit geraumer Zeit ist z. B. der Arbeitsvertrag schriftlich abzufassen. In einer Kommune wird er dauerhaft aufbewahrt und sodann zu Archivgut.
Bemerkenswert: Die trotz der vorhandenen Technik aufgekommene/steigende Papierflut gab es in früheren Jahrhunderten nicht. Es war einfach nicht das Papier da (z. B. in Kriegszeiten) und dadurch wurde das eine Blatt Papier teilweise vom Antragssteller über die Kommune zur Aufsichtsbehörde und zurück genutzt und verwandt.
Zu den Schriftstücken kamen vermutlich zunächst Zeichnungen, handgezeichnet Karten und Pläne.
Die Entwicklung/Veränderung
Die Technisierung brachte dann Abdrucke, Fotoplatten, Negative, Fotos, Dias, 16 und 8 mm. Filme und Videos.
Dies sind teilweise hochrangige Archivalien für das Zeitgeschehen. Der Fortschritt der Technik hat auch in der Kommunalverwaltung Einzug gehalten. Daraus resultiert Archivgut auf 5 ¼ und 3,5 Zoll Disketten, Magnetbänder, CD’s, DVD’s sowie spezielle Dateien/Programme (Software) auf Rechner.
Im Prinzip handelt es sich immer um Vorgänge die anders aufbereitet oder abgespeichert sind als das altgediente Papier als Schriftstück.
Aufgrund dessen spricht man in der Verwaltung (Kommune) von Akten oder Vorgänge.
Wie ist das Archiv Schermbeck aufgebaut?
Beim Gemeindearchiv Schermbeck wird eine zeitliche Gliederung unterteilt nach Sachgruppen (-themen) bevorzugt.
Durch diese Aufteilung sind alle Archivbereiche stetig in Bewegung, werden erweitert und ergänzt.
Eine gute Archivarbeit fängt im Büro an.
Die laufenden Akten/Vorgänge müssen ständig geprüft werden, ob sie sich noch in der aktuellen Nutzung (Bearbeitung) befinden oder zur Aufgabenerfüllung benötigt werden. Nicht mehr benötigte Akten/Vorgänge müssen nach den einschlägigen Normen (Gesetze, Verordnungen, etc.) auf ihre Aufbewahrungsfrist und/oder auf ihre Archivwürdigkeit geprüft werden.
Die aussortierten Akten/Vorgänge werden sodann ins zugehörige Zwischenarchiv abgegeben.
Damit sind diese Akten/Vorgänge aus der laufenden Nutzung heraus und müssen durch gesetzliche Vorgaben weiter aufbewahrt werden oder könnten archivwürdig sein.
Bevor diese Akten/Vorgänge der Vernichtung zugeführt werden, erfolgt eine Sichtung des Materials/der Unterlagen. Über die Archivwürdigkeit entscheidet der Archivleiter/die Archivleiterin.
Nach einer entsprechenden Aufbereitung können diese Akten/Vorgänge oder anderes Material dem Archiv (in Schermbeck als Historisches Archiv bezeichnet) zugeführt werden.
Unter Aufbereitung ist zu verstehen, dass alle möglichen Verunreinigungen innerhalb und außerhalb des Archivgutes entfernt werden. Es werden sachfremde Abheftungen (Blätter, etc.) entfernt.
Das bereinigte Archivgut wird erfasst, einem Sachthema (z. B. Bauwesen) zugeordnet und einem Bestand (-Zeitraum) zugewiesen.
Das sogenannte „Historische Archiv“ ist derzeit in drei Beständen aufgeteilt:
Bestand I (vor 1908)
Bestand II (1908 – 1945)
Bestand III (1945 – 1975)
Vor 2020 wird es wohl notwendig sein, den zeitlichen Bestand um den Bestand IV zu erweitern. Hier ist von einer massiven Kastration der Zwischenarchive auszugehen. Der Bestand IV sollte den Bereich 1975 – 2000 abdecken.
Warum hat das Gemeindearchiv einen recht großen Archivbestand? Warum lagert von anderen Kommunen und deren Ortsteile Archivgut in Schermbeck?
Zuerst muss man wissen, dass die Gemeinde Schermbeck -wie fast alle Kommunen des Landes NRW- erst mit der Kommunalen Neugliederung 1975 entstanden ist.
Sie bildete sich aus acht selbständigen Gemeinden.
Gebiet des Amtsbezirkes Schermbeck (Amtsverwaltung Schermbeck) „vor 1975“
Gemeinden: Weselerwald, Dämmerwald, Damm, Drevenack,
Bricht, Brünen, Krudenburg, Overbeck und Schermbeck
Gebiet der Gemeinde Schermbeck (Gemeindeverwaltung Schermbeck) „nach 1975“
Weselerwald, Dämmerwald, Damm, Bricht, Overbeck (mit Flächenverlust an Raesfeld; Kreis Borken), Schermbeck, Altschermbeck (vorher: Amt Hervest-Dorsten; Kreis Recklinghausen; Bereich Emmelkamp ging an Dorsten, Kreis Recklinghausen) und Gahlen (vorher: Amt Gahlen-Hünxe; Kreis Dinslaken; Bereich Östrich ging an
Dorsten, Kreis Recklinghausen).
Die jeweiligen Unterlagen der ehemaligen Amtsverwaltung Schermbeck (neun selbständige Gemeinden) wurden von der „neuen“ Gemeindeverwaltung Schermbeck übernommen. Damit sollte die zeitliche und flächenmäßige (Gebietszugehörigkeit) auf Dauer gestützt werden. Aufgrund dessen verfügt die heutige Gemeinde Schermbeck über das Archivgut aus Drevenack, Krudenburg und Brünen. Demgegenüber liegen kaum Unterlagen aus Altschermbeck -zumindest vor 1975- vor. Dies begründet den recht großen Archivbestand.
In der Zeit des Zweiten Weltkrieges nahm die Bedrohung der deutschen Städte durch alliierte Bomberverbände immer mehr zu. Aus diesem Grund verfügte die damalige Regierung Anfang 1944 die Sicherstellung der deutschen Kulturgüter und wichtigen Akten. In bombensicheren Bergwerken oder Stollen begann man mit der Einlagerung dieser Güter.
Ein solcher Transport wurde auch für den damaligen Landkreis Rees angeordnet. Jede Behörde wurde aufgefordert, die ihr wichtig erscheinenden Sachen bereitzustellen. Ein Transport aus dem Landkreis Rees ist nachweislich im Salzbergwerk Volpriehausen bei Uslar (Niedersachsen) eingetroffen. Aus einer Aufstellung vom 19. Dezember 1944 geht hervor, dass insgesamt 82 Kisten aus dem Landkreis Rees nach Volpriehausen transportiert wurden.
In der Nacht vom 29. auf den 30. September 1945 ereignete sich im Bergwerk eine Grubenexplosion, vermutlich hervorgerufen durch Plünderer, die die bereits verlegten Sprengladungen zündeten. Infolge der dort befindlichen Munition ereigneten sich noch mehrere Explosionen und ein gewaltiges Feuer brach aus, dieses wütete mehrere Wochen. Als ein Einstieg wieder möglich war, fuhr man in die Anlage ein. Es stellte sich heraus, dass nicht alle eingelagerten Gegenstände durch die Folgen der Explosion vernichtet waren.
So begann man erneut mit der Bergung der Sachwerte. Es stellte sich aber schnell ein neues Problem ein. Durch den Ausfall der Pumpen stieg das Sumpfwasser immer weiter an. Zur Fortsetzung der Arbeiten errichtete man Dämme. Bis zum 22. Oktober 1946 brachte man Gegenstände von der 660-Meter-Sohle auf die 540-Meter-Sohle, dann überflutete das Wasser die tiefere Sohle.
Als Dr. v. Roden und Dr. Korn am 4. Dezember 1946 in die Grube einfuhren, stellten sie zu ihrem Erstaunen fest, dass nicht alle eingelagerten Bestände aus dem Landkreis Rees vernichtet waren. So begann man unverzüglich mit der Bergung der Archivalien.
Diese Arbeiten dauerten bis zum 14. Dezember 1947. Bei der Sichtung und Säuberung der Gegenstände stellte man fest, dass die Archivalien vor dem Transport auf die 540-Meter-Sohle aus den Kisten genommen wurden und dabei vollkommen durcheinander gerieten. Die Hälfte der geborgenen Gegenstände stammte aus dem Kreis Kleve, aber auch Archivalien aus anderen Gemeinden wurden gefunden und später diesen zurückgegeben.
Der Rücktransport der ausgelagerten Akten erfolgte mit einem Wagen sowie einem LKW mit Anhänger. In Wesel angekommen wurden die Gegenstände in drei große Schulräume der Berufsschule untergebracht. Wegen der Ausdünstungen des Azins Rohstoff zur Gewinnung von Tränengas, musste die Berufsschule vorübergehend geschlossen werden. Aus diesem Grund brachte man den historischen Bestand zur Restaurierung nach Gymnich. Die anderen Gegenstände, meist Verwaltungsakten, transportierte man u. a. zu folgenden Behörden:
Kreisverwaltung Rees
Nach bisheriger Recherche des Archivleiters Schmeing ist deren gesamter ausgelagerter Bestand wieder zurückgekommen. Diese Gegenstände sind nach der Grubenexplosion geborgen worden. Dies geht aus der Schilderung vom ehemaligen Amtsdirektor Kiel hervor. Er schreibt, dass die Restaurierung der durch eine Explosion im Salzbergwerk beschädigten Flurkarten durch die technische Abteilung des Staatsarchives in Schloß Kalkum bei Düsseldorf erfolgt sei.
Nützliche Links (z. B. für Recherchen nach den Archivbeständen)