Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=4%20StR%20344/62
Timestamp: 2020-01-18 15:26:06
Document Index: 173975693

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 356', 'BGH', '§ 356', '§ 356', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 356', '§ 356', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 356', 'BGH', '§ 45', '§ 45', '§ 43', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 356', '§ 17', '§ 356', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 16.11.1962 - 4 StR 344/62 - dejure.org
https://dejure.org/1962,188
BGH, 16.11.1962 - 4 StR 344/62 (https://dejure.org/1962,188)
BGH, Entscheidung vom 16.11.1962 - 4 StR 344/62 (https://dejure.org/1962,188)
BGH, Entscheidung vom 16. November 1962 - 4 StR 344/62 (https://dejure.org/1962,188)
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BGHSt 18, 192
NJW 1963, 668
Maßgebend dafür, ob die Rechtssache dieselbe ist, ist der sachlich-rechtliche Inhalt der anvertrauten Angelegenheit (BGH, Urteil vom 16. November 1962 - 4 StR 344/62, BGHSt 18, 192, 193; BayObLG, NJW 1989, 2903), auch wenn dasselbe materielle Interesse Gegenstand verschiedener Ansprüche oder Verfahren ist (BGH, Urteil vom 7. Oktober 1986 - 1 StR 519/86, BGHSt 34, 191; BayObLG, NJW 1989, 2903;… Fischer, StGB, 59. Aufl., § 356 Rn. 5; Hartung, AnwBl 2011, 679, 680).
Hierfür ist es ausreichend, dass der Mandant dem Anwalt den fraglichen Sachverhalt mitteilt und damit bezweckt, dass der Rechtsanwalt seine Interessen in dieser Sache wahrnimmt (vgl. RGSt 49, 342, 343; BGHSt 18, 192, 193;… Cramer/Heine in Schönke/Schröder, StGB 27. Aufl. § 356 Rdn. 8;… Fischer, StGB 55. Aufl. § 356 Rdn. 3a).
Denn die rechtliche Gebundenheit des Anwalts an seinen Auftraggeber dauert über die Beendigung des Auftrags hinaus fort (vgl. BGH, Urteil vom 20. November 1952 - 4 StR 850/51, BGHSt 4, 80, 83; Urteil vom 16. November 1962 - 4 StR 344/62, BGHSt 18, 192, 193; Urteil vom 7. Oktober 1986 - 1 StR 519/86, BGHSt 34, 190, 191;… MüKo-StGB/Dahs, 2. Aufl., § 356 Rn. 36).
Als Rechtssache i.S.d. § 356 Abs. 1 StGB sind alle Angelegenheiten zu verstehen, bei denen mehrere Beteiligte in entgegengesetztem Interesse einander gegenüber stehen können (BGHSt 18, 192; vgl. zum Interessengegensatz näher die nachfolgenden Ausführungen zum Tatbestandsmerkmal der Pflichtwidrigkeit).
Es besteht auch kein Zweifel, dass der Angeklagte mit dem an J.G. gerichteten Schriftsatz vom 22.01.1999 als anwaltlicher Vertreter der S.G. nun dieser in derselben Rechtssache (vgl. BGHSt 18, 192) durch Rat und Beistand diente, indem er gegenüber J.G. vorgerichtlich Unterhaltsansprüche geltend machte, wobei er zu deren Berechnung die Zahlen zugrundelegte, die ihm beide Eheleute bei der gemeinsamen Besprechung am 02.12.1998 mitgeteilt hatten.
Der Bundesgerichtshof stellt klar, dass selbst bei dieser Konstellation das Verhalten des Rechtsanwalts nicht unter allen Umständen gegen die Belange dieses letzteren Ehegatten gerichtet und damit pflichtwidrig ist (BGHSt 18, 192, 198 ff;… vgl. auch OLG Karlsruhe a.a.O.).
In der Rechtsprechung zum Begriff "dieselbe Rechtssache" zu § 356 StGB ist auch anerkannt, dass ein längerer Zeitablauf die Einheitlichkeit des Lebensverhältnisses nicht aufzuheben vermag (BGHSt 9, 341, 345; 18, 192, 198;… Feuerich/Weyland, BRAO aaO § 45 Rn. 7;… Kilian in Henssler/Prütting, aaO, § 45 Rn. 14, § 43a Rn. 200).
Anvertrauter Gegenstand eines Verfahrens ist grundsätzlich alles, was für den Ausgang dieses Verfahrens relevant sein kann, auch wenn der Rechtsanwalt (noch) nicht jede Einzelheit des Verfahrensstoffes kennt (BGHSt 9, 34l/345; 18, 192 f.).
Sobald und solange der anvertraute Verfahrensstoff bei einem anderen Auftragsverhältnis wieder rechtliche Bedeutung erlangen kann, darf der Rechtsanwalt nicht in eben dieser Rechtssache dem nunmehrigen Gegner seines früheren Auftraggebers Rat oder Beistand gewähren (…BGH NStE a.a.O.; BGHSt 18, 192/193 f.).
Etwas andere gilt nur, wenn die Einwilligung den Interessengegensatz und die Pflichtwidrigkeit völlig aufhebt (BGHSt 15, 332/335 f.; 18, 192/198;… LK/Hübner § 356 Rn. 91 m.w.Nachw.; Geppert S. 99 f.).
oder aber (was in der oben genannten hypothetischen Situation eher gegeben sein dürfte), ob er einem - ggf. schuldausschließenden, da unvermeidbaren - Verbotsirrtum i. S. v. § 17 S. 1 StGB unterlag, weil er sich bei Kenntnis dieser Umstände falsche Vorstellungen über diese beiden Begriffe machte oder er in seiner Vorstellung die ihm bekannten Umstände nicht in diese Begriffe einordnete (vgl. zur Abgrenzung von Tatbestands- und Verbotsirrtum im Rahmen von § 356 Abs. 1 StGB BGH NJW 1963, 668, 669).
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