Source: http://weg-verwalter.de/cms/Videoueberwachung_in_Wohnanlagen_beckerdo.html
Timestamp: 2017-08-22 22:29:45
Document Index: 260791139

Matched Legal Cases: ['BGH', 'Art. 1', '§ 535', '§ 21', '§ 15', '§ 22', '§ 6', '§ 823', '§ 6', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Videoüberwachung in Wohnanlagen - Becker & Döring GmbH
II. Die Person des „Beobachtenden" und die „Betroffenen"
Der BGH hat sich mehrfach dazu geäußert, dass (unabhängig von rechtlichen Sonderbeziehungen - wie Miete oder WEG) das wegen eines Eingriffs in das Recht am eigenen Bild als besonderer Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts (Art. 1, 2 GG) im Falle der Videoüberwachung grundsätzlich eine Rechtsverletzung vorliegt[97].
Für den Bereich des Mietrechts ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass eine Videoüberwachung grundsätzlich eine durch die Verletzung des Rechts am eigenen Bild indizierte Minderung der Gebrauchstauglichkeit der Mietsache mit den hieraus folgenden Mängelrechten des Mieters darstellt (§§ 535, 536 - 536d BGB).
Im Bereich des Wohnungseigentumsrechts ist zu beachten, dass die seitens der Wohnungseigentümergemeinschaft durchgeführte Videoüberwachung gegen die Grundsätze ordnungsmäßiger Verwaltung verstoßen kann (§ 21 Abs. 3 WEG) und die Ausübung hierauf bezogener Beschlusskompetenzen fraglich sein kann (§ 15 Abs. 2 WEG für Gebrauchsregelungen; § 22 WEG für bauliche Maßnahmen)
Da sich die öffentlich-rechtliche Regelung des einschlägigen § 6b BDSG zwar auch an Private richtet, nach dem Wortlaut der Norm aber nur öffentlich zugängliche Räume[101] betroffen sind, hat diese Bestimmung mit den aus § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 6b BDSG folgenden Ansprüchen bei der Videoüberwachung v! on Wohnanlagen nur indirekte Auswirkungen (so für die Beurteilung der Übereinstimmung eines Eigentümerbeschlusses mit den Grundsätzen ordnungsmäßiger Verwaltung sowie, siehe nachfolgend für die Güterabwägung)[102].
Typische Fälle sind vorangegangene Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Verletzungen der Ehre („eskalierender Nachbarstreit")[105].
Denn das allgemeine Persönlichkeitsrecht unterliegt, solange nicht die unantastbare Intimsphäre des Betroffenen berührt! ist, keinem schrankenlosen Schutz. Es tritt in Konflikt mit den u.U. ebenfalls berechtigten Interessen desjenigen, der die Videoaufzeichnungen angefertigt hat. Beide Belange sind - unter maßgeblicher Berücksichtigung der besonderen Umstände des konkreten Falls - bei der Prüfung der Rechtmäßigkeit des Vorgehens gegeneinander abzuwägen[107].
[96] OLG Zweibrücken, Beschl. v. 20.6.2003 - 3 W 126/03, NZM 2003, 719.
[97] grundlegend: BGH, Urt. v. 25.4.1995 - VI ZR 272/94, NJW 1995, 1955; hierzu ebenfalls sehr instruktiv: OLG Köln, Urt. v. 5.7.2005 - 24 U 12/05, NZM 2005, 758.
[99] BGH, Urt. v. 16.3.2010 - VI ZR 176/09, NJW 2010, 1533.
[100] LG Bonn, Urt. v. 16.11.2004 - 8 S 139/04; LG Darmstadt, Urt. v. 17.3.1999 - 8 O 42/99, NJW 2000, 360.
[102] BayObLG, Beschl. v. 27.10.2004 - 2Z BR 124/04, ZMR 2005, 299; KG, Beschl. v. 26.6.2002 - 24 W 309/01, ZMR 2002, 864, AG Lichtenberg, Urt. v. 9.12.2004 - 2 C 274/04.
[103] OLG Düsseldorf, Beschl. v. 5.1! .2007 - I-3 Wx 199/06, ZMR 2007, 290.
[104] OLG Karlsruhe, Urt. v. 8.11.2001 - 12 U 180/01, NZM 2002, 703.
[106] BGH, Urt. v. 25.4.1995 - VI ZR 272/94, NJW 1995, 1955.
[107] OLG Köln, Urt. v. 5.7.2005 - 24 U 12/05, NZM 2005, 758.
[108] OLG Düsseldorf, Beschl. v. 5.1.2007 - I-3 Wx 199/06, ZMR 2007, 290.
[109] OLG Karlsruhe, Urt. v. 8.11.2001 - 12 U 180/01, NZM 2002, 703.
[110] OLG München, Beschl. v. 11.3.2005 - 32 Wx 002/05, ZMR 2005, 474.
[111] OLG Köln, Urt. v. 5.7.2005 - 24 U 12/05, NZM 2005, 758; OLG Karlsruhe, Urt. v. 8.11.2001 - 12 U 180/01, NZM 2002, 703; AG Zerbst, Urt. v. 31.3.2003 - 6 C 614/02, NZM 2003, 897
Quelle: Rüdiger Fritsch, Rechtsanwalt Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht