Source: http://familienrechtszentrum.de/Rechtsgebiete/Erbrecht/Wer_wird_Erbe.html
Timestamp: 2018-02-19 10:12:56
Document Index: 58564538

Matched Legal Cases: ['§ 1922', '§ 1924', '§ 1929', '§ 1931', '§ 1930', '§ 1924']

Wer wird Erbe? - Erbe, Parentelsystem, Karlsruhe, Erbfolge
An sich ist es ganz einfach: Mit dem Tode einer Person (Erbfall) geht ihr Vermögen (Erbschaft) als Ganzes auf eine oder mehrere andere Personen (Erben) über, § 1922 Abs. 1 BGB.
Ist kein Testament oder Erbvertrag vorhanden, greift die so genannte "gesetzliche Erbfolge". Diese ist in den §§ 1924 ff. BGB geregelt.
- Gesetzliche Erben 1. Ordnung sind die Abkömmlinge des Erblassers.
- Gesetzliche Erben zweiter Ordnung in die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge.
- Gesetzliche Erben dritter Ordnung sind die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge.
- Und schließlich Erben 4. Ordnung sind die Urgroßeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge.
- Gesetzliche Erben der fünften Ordnung und der ferneren Ordnungen sind die entfernteren Voreltern des Erblassers und deren Abkömmlinge (§ 1929 Abs. 1 BGB).
Zur Verdeutlichung eine kurze graphische Übersicht:
[sog. „Parentelsystem – Erbfolge nach Ordnungen]
Aus der Grafik geht schön hervor, dass Ehegatten des Erblassers nicht gesetzliche Erben sind. Für die Ehegatten hat der Gesetzgeber in § 1931 BGB eine eigene Regelung geschaffen, das so genannte „gesetzliche Erbrecht des Ehegatten“ (vgl. hierzu die separate Information).
Bei Vorhandensein der Erben 1. Ordnung erben die Geschwister des Erblassers nichts. Das heißt Verwandte der Seitenlinie bekommen nichts, wenn Kinder oder Enkel oder Urenkel des Erblassers vorhanden sind. Die Geschwister des Erblassers sind Erben 2. Ordnung, soweit Eltern des Erblassers nicht mehr leben.
Sind Erben 1. Ordnung vorhanden, schließen diese die Angehörigen der entfernteren Ordnungen aus. Dies ergibt sich aus § 1930 BGB.
Die Angehörigen einer Ordnung erben jeweils zu gleichen Teilen.
Daneben ist das sog. Repräsentationsprinzip zu beachten. Innerhalb einer Ordnung schließt der noch lebende „Stammhalter“ die übrigen Abkömmlinge aus (z.B. das Kind die Enkel).
Erblasser E hat vier Kinder. Seine Ehefrau ist bereits gestorben. E hat noch zwei Geschwister, nämlich F und G. Ein Testament und ein Erbvertrag sind nicht vorhanden. Kind 4 (K 4) ist auch bereits gestorben und hinterlässt zwei Kinder X und Y. Wer erbt und wie hoch ist die Erbquote?
E - Geschwister F + G
K 1 - K 2 - K 3 - K 4 (verst.)
Die leiblichen Kinder des Erblassers E sind Erben der 1. Ordnung. Die Geschwister F und G sind Erben zweiter Ordnung. Da Erben der ersten Ordnung vorhanden sind, erhalten die Geschwister nichts.
Die Kinder erben jeweils zu gleichen Teilen, § 1924 Abs. 4 BGB. Dies bedeutet, dass K 1 bis K 4 jeweils 1/4 erben. Kind 4 hat zwei Kinder hinterlassen. Diese treten in die Stellung des Kindes Nr. 4 (K 4) ein. X und Y erben damit jeweils 1/8:
K 1 ¼
K 2 ¼
K 3 ¼
Y 1/8