Source: https://www.komnet.nrw.de/_sitetools/dialog/20327
Timestamp: 2020-07-02 10:26:21
Document Index: 219576459

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 6', '§ 19', '§ 18', '§ 20', '§1']

KomNet Dialog 20327
Ich bin schwanger und arbeite Vollzeit in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis. Da mein Mann, er ist Hauptverdiener, berufsbedingt in ein anderes Bundesland wechseln muss, wollen wir gemeinsam dort hin ziehen. Ich habe noch einen Urlaubsanspruch von 25 Tagen bis zum Beginn des Mutterschutzes. Somit könnte ich in den Urlaub mit anschließendem Mutterschutz und Elternzeit wechseln. Ich plane ein Jahr Elternzeit zu nehmen. Heute habe ich meinem Chef meine Situation geschildert und ihn darüber informiert, dass ich nach der Elternzeit nicht ins Unternehmen zurückkehren bzw. voraussichtlich mit Beginn meines Urlaubs umziehen werde. Er akzeptierte das, bot mir sogar an, in der Elternzeit weiterhin für das Unternehmen tätig zu sein. Allerdings will er mir jetzt im Mutterschutz meinen Lohn nicht weiter zahlen und möchte, dass ich die versäumten Stunden aus dem Mutterschutz nacharbeite, da ich ja nach der Elternzeit nicht mehr für das Unternehmen tätig sein werde. Zumindest nicht Vollzeit mit Anwesenheit im Büro. Meine Frage ist nun: Darf mein Arbeitgeber das? Kann er von mir verlangen, die fehlenden Stunden aus dem Mutterschutz unentgeltlich nachzuarbeiten?
Nein, Ihr Arbeitgeber kann nicht verlangen, dass Sie die Stunden aus dem Mutterschutz nacharbeiten.
Die Mutterschutzfristen ergeben sich aus dem Mutterschutzgesetz (MuSchG).
Nach § 3 MuSchG dürfen werdende Mütter in den letzten sechs Wochen vor der Entbindung nicht beschäftigt werden, es sei denn, dass sie sich zur Arbeitsleistung ausdrücklich bereit erklären. Nach der Entbindung dürfen Mütter bis zum Ablauf von acht Wochen, bei Früh- und Mehrlingsgeburten bis zum Ablauf von zwölf Wochen nach der Entbindung nicht beschäftigt werden (§ 6 MuSchG). Die Mutterschutzfristen stehen Ihnen somit gesetzlich zu.
Ihr Arbeitgeber muss Ihnen, sofern Sie kein Mutterschaftsgeld (§ 19 MuSchG) beziehen, bei einem Beschäftigungsverbot mindestens den Durchschnittsverdienst der letzten drei Monate vor Beginn des Monats, in dem die Schwangerschaft eingetreten ist, bezahlen (§ 18 MuSchG "Mutterschutzlohn").
Arbeitgeber, die infolge der Beschäftigungsverbote Mutterschutzlohn oder den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld (§ 20 MuSchG) zahlen müssen, haben Anspruch auf Erstattung dieser Aufwendungen. Regelungen hierzu enthält das Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG). Danach nehmen alle Arbeitgeber am Ausgleichsverfahren (U2) teil (§1 Abs. 2 AAG).
Ergänzende Informationen zum Mutterschutz finden Sie unter https://www.mags.nrw/mutterschutz