Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=7%20U%20111/12
Timestamp: 2020-01-21 19:31:12
Document Index: 139089140

Matched Legal Cases: ['§ 631', '§ 134', '§ 5', '§ 5', '§ 5', 'BGH', '§ 5', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH']

OLG Dresden, 19.02.2014 - 7 U 111/12 - dejure.org
https://dejure.org/2014,4392
OLG Dresden, 19.02.2014 - 7 U 111/12 (https://dejure.org/2014,4392)
OLG Dresden, Entscheidung vom 19.02.2014 - 7 U 111/12 (https://dejure.org/2014,4392)
OLG Dresden, Entscheidung vom 19. Februar 2014 - 7 U 111/12 (https://dejure.org/2014,4392)
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Einziehung abgetretener Forderungen auf Erstattung von Sachverständigenhonorar als erlaubnisfreie Rechtsdienstleistung
Zulässigkeit der Geltendmachung von Vergütungsforderungen eines Sachverständigen aus abgetretenem Recht eines Unfallgeschädigten gegenüber der Haftpflichtversicherung des Unfallschädigers
Mit kritisch zu betrachtender Begründung zu den Sachverständigenkosten nach unverschuldeten Verkehrsunfällen aus abgetretenem Recht
BGB § 631; BGB § 134; RDG § 5 Abs. 1
Forderungseinzug durch Sachverständige als erlaubnisfreie Rechtsdienstleistung
Nebenkosten müssen zum Grundhonorar passen - OLG Dresden begrenzt Höhe der Nebenkosten auf 25 Prozent
Kurznachricht zu "Der Regress des Haftpflichtversicherers gegen den Sachverständigen wegen Abrechnung eines überhöhten Sachverständigenhonorars" von Dr. David Ullenboom, original erschienen in: SVR 2016, 321 - 325.
LG Leipzig, 22.12.2011 - 5 O 4047/10
Für die Geltendmachung der an den Sachverständigen abgetretenen Forderung auf Erstattung der Sachverständigenkosten durch den Sachverständigen kann nichts anderes gelten (vgl. OLG Dresden, Urteil vom 19. Februar 2014 - 7 U 111/12, BeckRS 2014, 06732;… Deckenbrock/Henssler, RDG, 4. Aufl., § 5 Rn. 111;… Kleine-Kosack, Rechtsdienstleistungsgesetz, 3. Aufl., § 5 Rn. 168; vgl. ferner Begründung des Entwurfs eines Gesetzes zur Neuregelung des Rechtsberatungsgesetzes, BT-Drs. 16/3655, S. 53).
Die Berücksichtigung von derartigen Listen und Tabellen bei der Schadensschätzung ist anerkannt und grundsätzlich zulässig (vgl. BGH, Urteil vom 11.03.2008, Az.: VI ZR 164/07; OLG Dresden, Urteil vom 19.02.2014, Az.: 7 U 111/12).
Von anderer Seite ist dagegen befürwortet worden, dass in der Rechnung des Sachverständigen gesondert geltend gemachte Einzelpositionen auch getrennt zu prüfen sein sollen (so KG Berlin…, Urteil vom 30.04.2015 - 22 U 31/14, juris Rn. 47, MDR 2015, 825; OLG Dresden, Urteil vom 19.02.2014 - 7 U 111/12, juris Rn. 15 ff., Schaden-Praxis 2014, 201; LG Aachen…, Urteil vom 27.11.2015 - 6 S 106/15, juris Rn. 28;… Urteil vom 01.02.2016 - 5 S 112/15, juris Rn. 21; LG Arnsberg…, Urteil vom 16.03.2016 - 3 S 179/15, juris Rn. 39; LG Bielefeld…, Beschluss vom 17.04.2015 - 20 S 123/145, juris Rn. 22; LG Bremen, Beschluss vom 03.06.2016 - 6 S 296/15; Beschluss vom 03.06.2016 - 6 T 95/16;… Urteil vom 02.09.2016 - 3 S 289/15, juris Rn. 14; Urteil vom 30.06.2017 - 8 S 187/16; LG Coburg…, Urteil vom 05.05.2015 - 14 O 732/13, juris Rn. 43 f., Schaden-Praxis 2015, 274; LG Dortmund…, Urteil vom 21.01.2015 - 21 S 27/14, juris Rn. 10, Schaden-Praxis 2015, 376; LG Freiburg…, Urteil vom 24.11.2016 - 3 S 145/16, juris Rn. 21;… Urteil vom 24.11.2016 - 3 S 148/16, juris Rn. 30; LG Karlsruhe…, Urteil vom 23.12.2016 - 19 S 8/16, juris Rn. 37; LG Köln…, Urteil vom 28.02.2018 - 9 S 100/16, juris Rn. 31 ff.; AG Bremen…, Urteil vom 25.01.2018 - 9 C 199/17, juris Rn. 26; AG Dresden…, Urteil vom 03.04.2017 - 115 C 341/16, juris Rn. 31; AG Freiberg, Urteil vom 24.04.2018 - 5 C 39/18; AG Köln…, Urteil vom 16.02.2018 - 263 C 173/17, juris Rn. 11 f.; AG Siegburg…, Urteil vom 02.01.2016 - 113 C 191/15, juris Rn. 34).
(a) Häufig wird insbesondere wie nach der der hier vertretenen Auffassung - neben der generellen Verweisung auf die Werte aus dieser Honorarbefragung - spezifisch der HB III-Betrag als Bezugspunkt herangezogen (siehe KG Berlin…, Urteil vom 30.04.2015 - 22 U 31/14, juris Rn. 47, MDR 2015, 825; OLG Dresden, Urteil vom 19.02.2014 - 7 U 111/12, juris Rn. 13, Schaden-Praxis 2014, 201; OLG Naumburg…, Urteil vom 20.01.2006 - 4 U 49/05, juris Rn. 53, NJW-RR 2006, 1029; OLG Saarbrücken…, Urteil vom 22.07.2003 - 3 U 438/02, juris Rn. 56, Schaden-Praxis 2003, 436; LG Arnsberg…, Urteil vom 02.08.2017 - 3 S 198/16, juris Rn. 70, NJW-RR 2017, 1178; LG Baden-Baden…, Urteil vom 06.07.2012 - 1 S 56/11, juris Rn. 26, Schaden-Praxis 2013, 86; LG Coburg…, Urteil vom 05.05.2015 - 14 O 732/13, juris Rn. 43, Schaden- - 14 -.
Urteil vom 06.02.2015 - 13 S 185/14, juris Rn. 15, NJW-RR 2015, 1308; für ein Abstellen auf einen Prozentsatz von 25 % des Grundhonorars dagegen OLG Dresden, Urteil vom 19.02.2014 - 7 U 111/12, juris Rn. 17, Schaden-Praxis 2014, 201; ähnlich LG Bielefeld…, Beschluss vom 17.04.2015 - 20 S 123/145, juris Rn. 18; LG Fulda…, Urteil vom 24.04.2015 - 1 S 168/14, juris Rn. 28, Schaden-Praxis 2016, 127; siehe auch AG Frankenthal…, Urteil vom 18.07.2018 - 3a C 242/17, juris Rn. 26; für eine Beurteilung einer möglichen Überhöhung lediglich auf der Grundlage einer Gesamtbetrachtung der Nebenkosten siehe LG Halle (Saale)…, Urteil vom 16.11.2015 - 1 S 202/15, juris Rn. 20, Schaden-Praxis 2016, 99; AG Bremen, Urteil vom 17.02.2017 - 7 C 324/16; Urteil vom 31.05.2017 - 23 C 342/16).
So habe auch das OLG Dresden in einem Urteil vom 19.2.2014, Az. 7 U 111/12, entschieden.
Nach Auffassung der Kammer folgt nichts anderes aus den von dem Beklagten angeführten Entscheidungen des OLG Dresden (Az. 7 U 111/12, Urteil vom 19.2.2014 und Beschluss vom 3.6.2014, Anlage BB 1 = Bl 117 ff. d.A.) und des Amtsgerichts München (Az. 343 C 7578/14, Anlage BB 2 = Bl 123 ff. d.A.).
Eine Übertragung auf Kfz-Sachverständige erscheint nicht gerechtfertigt (a.A.: OLG Dresden, Urteil vom 19.2.2014, Az. 7 U 111/12, Rz. 19, zit.n.juris).
Insofern greift bereits aus diesem Grunde die "dolo-agit-Einrede", auf der die vom Beklagten angeführte Entscheidung des OLG Dresden (Urteil vom 19.2.2014, Az. 7 U 111/12, Rz. 19, zit.n.juris und Beschluss vom 4.6.2014 zu demselben Az., S. 5 = Bl 121 d.A.) beruhte, nicht ein.
Auch die Wechselwirkung zwischen den aufgeführten Nebenkosten bleibt offen (so auch OLG Dresden, Urteil vom 19.02.2014, Az. 7 U 111/12, BeckRS 2014, 06732).
Teilweise wird in der Rechtsprechung angenommen, in dieser Konstellation könne dahinstehen, ob der Geschädigte selbst hätte erkennen können und müssen, dass das Honorar des Sachverständigen überhöht ist (OLG Dresden, Urteil vom 19.02.2014, 7 U 111/12, OLG Dresden, Urteil vom 19.02.2014, Az. 7 U 111/12, BeckRS 2014, 06732).
Nach diesen Grundsätzen soll die Einziehung von Kundenforderungen, die einem Unternehmer erfüllungshalber abgetreten werden, grundsätzlich erlaubt sein, auch wenn sie eine rechtliche Prüfung erfordert, weil die Rechtsdienstleistung - die Einziehung der eigenen Vergütungsansprüche gegenüber einem Dritten - besonders eng mit der eigentlichen, den Vergütungsanspruch auslösenden Haupttätigkeit verbunden ist (OLG Dresden, Urteil v. 19.02.2014, 7 U 111/12).
Auch beim Sachverständigen ist der Forderungseinzug als Nebenleistung zum Berufs- oder Tätigkeitsbild des Sachverständigen anzusehen, wenn der Haftungsgrund unstreitig ist (OLG Dresden, Urteil v. 19.02.2014, 7 U 111/12;… LG Saarbrücken, Urt. v. 15.10.2010, 13 S 68/10;… LG Bonn, Urt. v. 28.9.2011, 5 S 148/11).
Demzufolge sind Direktabrechnungen nicht nur von Autovermietern mit den gegnerischen Haftpflichtversicherern, sondern auch von Sachverständigen weit verbreitet (OLG Dresden, Urteil v. 19.02.2014, 7 U 111/12).
Allein das regelmäßige Anbieten dieser Leistung führt mithin nicht dazu, dass die Nebenleistungen zur Hauptleistung wird (OLG Dresden, Urteil v. 19.02.2014, 7 U 111/12).
Nach den vorgenannten Grundsätzen ist der Forderungseinzug durch den Sachverständigen damit aber als Nebenleistung zu seinem Berufs- bzw. Tätigkeitsbild als Sachverständiger für Kfz-Schäden anzusehen und nach § 5 Abs. 1 RDG grundsätzlich erlaubt (…vgl. LG Saarbrücken, Urt. v. 15.10.2010, 13 S 68/10;… LG Bonn, Urt. v. 28.9.2011, 5 S 148/11; OLG Dresden, Urteil v. 19.02.2014, 7 U 111/12).
In der Rspr. ist diese Frage umstritten (…gegen die Heranziehung der BVSK-Befragung in dieser Hinsicht BGH, Urt. v. 11.02.2014 - VI ZR 225/13, Rn. 9 (zit. nach juris);… BGH, Urt. v. 22.07.2014 - VI ZR 357/13, Rn. 5, 20 (zit. nach juris) (dort allerdings unter den Besonderheiten der revisionsrechtlichen Überprüfung); für die Heranziehung der BVSK-Befragung dagegen bspw. OLG Dresden, Urt. v. 19.02.2014 - 7 U 111/12, Rn. 14 (zit. nach juris);… KG Berlin, Urt. v. 30.04.2015 - 22 U 31/14, Rn. 47 (zit. nach juris);… OLG München, Urt. v. 26.02.2016 - 10 U 579/15, Rn. 25 (zit. nach juris); LG Mannheim, Urt. v. 05.02.2016 - 1 S 119/15, Rn. 16 (zit. nach juris); LG Bochum, Urteil vom 31.05.2016 - 9 S 36/16, Rn. 19 (zit. nach juris); LG Hannover, Beschl. v. 07.06.2016 - 9 S 5/16, Rn. 9 (zit. nach juris)).
Es ist danach auch möglich, sich an den Ergebnissen der Befragung zur Höhe des üblichen Kfz-Sachverständigenhonorars durch den Bundesverbandes der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen e. V. (BVSK) zu orientieren (vgl. OLG Dresden, Urteil v. 19.02.2014 - 7 U 111/12, zit. nach juris, Rz. 13 m.w.Nw.).
Soweit in der Rechtsprechung die Auffassung vertreten wird, dass dem klagenden Sachverständigen bzw. dem Abrechnungsunternehmen - anders als dem Geschädigten - losgelöst von der subjektiven Betrachtungsweise ein tatsächlich überhöhtes Honorar nach § 242 BGB entgegenhalten werden könne, weil der klagende Sachverständige im Falle der Zahlung überhöhter Sachverständigenhonorare seitens der Beklagten das Geleistete sogleich als Schadensersatz zurückerstatten müsste ("dolo agit - Einrede"; vgl. OLG Dresden, Urteil v. 19.02.2014 - 7 U 111/12, zit. nach juris;… offengelassen von BGH, Urteil v. 19.07.2016 - VI ZR 491/15, zit. nach juris, Rz. 20), führt dies im Streitfall nicht zu einem abweichenden Ergebnis.
AG Jülich, 23.02.2015 - 4 C 453/14
AG Nettetal, 20.10.2014 - 19 C 134/14
AG Leipzig, 14.04.2016 - 111 C 1860/15
AG Leipzig, 18.09.2015 - 103 C 3255/15
AG München, 21.05.2015 - 315 C 29473/14
AG Halle/Saale, 08.04.2015 - 98 C 571/14
AG Hamburg, 19.11.2014 - 811b C 162/14