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Timestamp: 2018-07-17 21:04:37
Document Index: 378137776

Matched Legal Cases: ['§ 47', '§ 22', '§ 3', '§ 4', '§ 22', '§ 22', '§ 41']

Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSG vom 07.02.2007, RV/0335-G/04
Der unabhängige Finanzsenat hat über die Berufungen der Bw, vom 8. April 2004 gegen die Haftungs- und Abgabenbescheide des Finanzamtes Oststeiermark vom 19. März 2004 betreffend Dienstgeberbeitrag zum Ausgleichsfonds für Familienbeihilfe (DB) und Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag (DZ) für den Zeitraum 1998 bis 2002 im Beisein der Schriftführerin Frau Schmölzer nach der am 6. Feber 2007 in 8018 Graz, Conrad von Hötzendorf-Straße 14-18, durchgeführten Berufungsverhandlung entschieden:
Die Berufungen werden als unbegründet abgewiesen. Die angefochtenen Bescheide betreffend die Jahre 1999 bis 2002 bleiben unverändert.
Der angefochtene Bescheid betreffend das Jahr 1998 wird abgeändert. Die Bemessungsgrundlage und die Höhe der Abgaben sind dem als Beilage angeschlossenen Berechnungsblatt zu entnehmen und bilden einen Bestandteil dieses Bescheidspruches.
Im Zuge einer gemeinsamen Prüfung lohnabhängiger Abgaben stellte der Prüfer fest, dass für die Bezüge des mit 100% an der Berufungswerberin beteiligten Gesellschafter-Geschäftsführers kein DB und DZ abgeführt wurde. Das Finanzamt folgte den Feststellungen des Prüfers und erließ den nunmehr angefochtenen Bescheid. Begründend wurde auf den Bericht des Prüfers verwiesen, wonach auf Grund der geltenden gesetzlichen Bestimmungen die Geschäftsführerbezüge zur Bemessungsgrundlage für den DB und DZ hinzuzurechnen gewesen wären.
In der dagegen erhobenen Berufung wird zur Begründung ausgeführt, dass kein Dienstverhältnis im Sinne des § 47 Abs. 2 trotz Einkünfte im Sinne des § 22 Z 2 EStG 1988 vorliegen würde und insbesondere die Übernahme des Risikos sowohl einnahmen- als auch ausgabenseitig gegeben sei. Laut dem "Geschäftsführerwerkvertrag" sei Herr R zur Organisation der Unternehmensführung bestellt. Ausdrücklich ausgenommen sei aber, dass er dies durch seine eigene Arbeitsleistung erbringen müsse als auch sich selbst vertreten lassen könne. Tatsächlich sei es so, dass die Geschäftsführung im buchhalterischen Bereich als auch im Controllingbereich vom Gesellschafter-Geschäftsführer an eine dritte Person übergeben worden sei und er nur wie im Vertrag vereinbart, strategische Entscheidungen im Zusammenhang mit der Zukunft des Unternehmens und zum Wohle der Gesellschaft treffen würde.
Eine Eingliederung des Geschäftsführers in den Organismus des Unternehmens sei nicht gegeben. Dies sei zum einen im "Geschäftsführerwerkvertrag" im § 3 durch die allgemeine Rechtsstellung des Auftragnehmers normiert. Tatsächlich sei es auch so, dass der Geschäftsführer als Geschäftsführer einer weiteren GmbH tätig sei und im Betriebsablauf als auch in der Ablauforganisation des Reisebüros und Busunternehmens keine Funktion habe. Sämtliche für den laufenden Betrieb notwendigen Tätigkeiten würden von im Unternehmen angestellten Mitarbeitern getätigt werden. Der Geschäftsführer sei nicht einmal bei der Personalauswahl seiner Mitarbeiter im Unternehmen tätig. Seine zuständigen Mitarbeiter würden selbstständig in Zeitungen inserieren und Stellen ausschreiben. Die Diensteinteilung des Unternehmens werde ebenso von Mitarbeitern ausgeführt wie die Organisation der Reisen und deren Verkauf. Das tägliche Geschäft des Reisebüros als auch des Busunternehmens werde ohne die Geschäftsführerfunktion wahrgenommen. Der Geschäftsführer übernehme aber die volle wirtschaftliche Verantwortung aus seiner Geschäftsführertätigkeit. Laufend gleich bleibende Bezüge wären nicht zur Auszahlung gelangt. Eine Berechtigung zur Verrechnung der angefallenen Aufwendungen für die Geschäftsführertätigkeit bestehe nicht. Weder Reisekosten noch die Sozialversicherung würden von der Gesellschaft getragen werden.
Die Berufungen wurden ohne Erlassung einer Berufungsvorentscheidung vom Finanzamt dem UFS zur Entscheidung vorgelegt.
Der gegenständliche Gesellschafter-Geschäftsführer der Berufungswerberin vertritt die Berufungswerberin laut Firmenbuch seit 10.1.1990 selbstständig als handelsrechtlicher Geschäftsführer. In der Niederschrift vom 5.8.2004 hat der Geschäftsführer unter anderem ausgeführt, dass er als Geschäftsführer für strategische Entscheidungen und für die Finanzgebarung zuständig sei und letztlich die Verantwortung für die Oberkontrolle der Gesellschaft habe. Nach § 4 des Geschäftsführer-Werkvertrages obliegt dem Geschäftsführer die Lenkung und Überwachung des Unternehmens im Ganzen. Er hat insbesondere für die wirtschaftlichen, finanziellen und organisatorischen Belange der Gesellschaft in bestmöglicher Weise zu Gunsten aller Gesellschafter Sorge zu tragen.
Auch wenn die Bereiche Verwaltung, Controlling, das Buchhaltungswesen, Lohnverrechnung und Betriebsberatung von einer Fremdfirma durchgeführt werden und es Büroleiterinnen, Disponenten, eine Leiterin der Produktentwicklung und einen ausgebildeten Sicherheitsbeauftragten gibt, ist der Geschäftsführer mit den oben genannten Tätigkeiten in den geschäftlichen Organismus der Gesellschaft eingegliedert, da dieses Merkmal, wie bereits oben ausgeführt, durch jede nach außen hin auf Dauer angelegte erkennbare Tätigkeit hergestellt wird.
Auch der weitere Umstand, dass der Geschäftsführer noch für andere Unternehmen wie einem Hotelbetrieb als KG, einem Sonderbetriebsvermögen und einem landwirtschaftlichen Betrieb als Einzelunternehmen verantwortlich ist, hat keinen Einfluss auf die bestehende Eingliederung des Gesellschafter-Geschäftsführers, da der VwGH wiederholt ausgesprochen hat, dass dies für die Einstufung der Tätigkeit des Geschäftsführers unter die Bestimmung des § 22 Abs. 2 Teilstrich 2 EStG 1988 nicht ausschlaggebend ist (vgl. VwGH vom 27. März 2003, 2001/15/0135, und die dort zitierte Judikatur).
In der mündlichen Berufungsverhandlung hat der Vertreter des Finanzamtes darauf hingewiesen, dass der GPLA-Prüfer im Jahr 1998 ein Geschäftsführergehalt in Höhe von S 800.000 festgestellt und entsprechend diesem Betrag die Nachforderung für den DB und DZ errechnet hat. Der Gesellschafter-Geschäftsführer hätte in seiner Einkommensteuererklärung jedoch in diesem Jahr S 1.000.000 erklärt. Der bevollmächtigte Vertreter der Berufungswerberin bestätigt nach einem kurzen Telefonat diesen Betrag, weswegen es entsprechend dem Differenzbetrag (Bemessungsgrundlage) in Höhe von S 200.000 zu einer Erhöhung der gesamten Nachforderung an DB und DZ kommen muss. Die sich daraus ergebenden höheren Nachforderungen sind aus dem beiliegenden Berechnungsblatt zu ersehen.
Im Ergebnis wird die Auffassung vertreten, dass die Beschäftigung des Geschäftsführers ungeachtet seiner gleichzeitigen Eigenschaft als wesentlich beteiligter Gesellschafter alle Merkmale eines Dienstverhältnisses aufgewiesen hat. Der Gesellschafter-Geschäftsführer erzielte aus der Geschäftsführertätigkeit demnach Einkünfte nach § 22 Z 2 Teilstrich 2 EStG 1988, weshalb er iSd Bestimmung des § 41 Abs. 2 FLAG in der ab dem Jahr 1994 anzuwendenden Fassung Dienstnehmer war. Dies löste die Pflicht aus, von den Bezügen des Geschäftsführers den Dienstgeberbeitrag zum Ausgleichsfonds für Familienbeihilfe und den Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag abzuführen.
Graz, am 7. Februar 2007
Berechnungsblatt zu RV/0335-G/04 betreffend das Jahr 1998:
Nachforderung laut Finanzamt
Nachforderung laut UFS
2.616,22 € (35.999,97 S)
654,06 € (9.000 S)
3.270,28 € (44.999,97 S)
308,13 € (4.239,96 S)
77,03 € (1.060 S)
385,16 € (5.299,96 S)
Durch die Umrechnung von Schilling in Euro kann es zu Rundungsdifferenzen kommen.
Findok-Nr: 26295.1, aufgenommen am: 15.02.2007 10:42:57, zuletzt geändert am: 25.02.2009, Dokument-ID: d01f983f-f6a4-4574-9dd1-57dbf756603c, Segment-ID: 5926822d-d2ba-48e2-b5e4-b788e1c190f0