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Timestamp: 2016-10-24 12:25:08
Document Index: 275330204

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 44', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_101/2011 (14.09.2011)
vertreten durch F�rsprecher Martin B�rkle, Raggenbass Rechtsanw�lte,
2. Z�rich Versicherungs-Gesellschaft AG, Rechtsdienst, Generaldirektion Schweiz, 8085 Z�rich,
Beschwerde gegen den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Z�rich vom 6. Dezember 2010.
A.a Die 1957 geborene W.________ war bei der R.________ angestellt und damit bei der Z�rich Versicherungs-Gesellschaft (nachfolgend: Z�rich) gegen die Folgen von Unf�llen versichert, als sie am 10. Oktober 1997 beim Anfahren vor einem Rotlicht mit ihrem Auto in das vor ihr stehend Fahrzeug fuhr. Sie litt danach unter Schulter- und Nackenschmerzen, Blockaden in der Halswirbels�ule (HWS) und sp�ter dann an Kopfschmerzen, M�digkeit und Konzentrationsst�rungen. In der Folge steigerte sie ihre Arbeitst�tigkeit wieder auf 100 %.
A.b Am 23. Januar 2000 rutschte W.________ aus, st�rzte und brach sich dabei das rechte Handgelenk. Zu diesem Zeitpunkt war sie bei der Winterthur International (heute: AXA Versicherungen AG; nachfolgend: AXA) unfallversichert. Die �rztliche Behandlung dauerte bis 11. Juli 2000. Am 7. November 2001 meldete sie einen R�ckfall zum Unfall vom 10. Oktober 1997. Mit Verf�gung vom 23. Mai 2003 sprach die Z�rich W.________ eine Integrit�tsentsch�digung gest�tzt auf einen Integrit�tsschaden von 7 % zu und verneinte den Anspruch auf eine Rente der Unfallversicherung.
A.c Am 4. Juni 2005 erlitt sie mit ihrem Fahrzeug in einer Kolonne stehend einen Auffahrunfall. Die AXA, bei der sie versichert war, erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Am 21. Juli 2007 erstattete das Spital B.________ ein polydisziplin�res Gutachten. Mit Verf�gung vom 16. Juni 2008 und Einspracheentscheid vom 9. Januar 2009 stellte die AXA die Versicherungsleistungen ein. Auch die Z�rich stellte mit Verf�gung vom 22. Januar 2008 und Einspracheentscheid vom 16. M�rz 2009 ihre Leistungen ein.
W.________ liess gegen beide Einspracheentscheide Beschwerde erheben. Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich vereinigte die beiden Verfahren und wies mit Entscheid vom 6. Dezember 2010 die Beschwerden ab.
Mit Beschwerde l�sst W.________ die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides und von der AXA die Ausrichtung einer Rente basierend auf einem Invalidit�tsgrad von mindestens 70 % ab Juli 2006 beantragen. Die AXA sei zudem zu verpflichten, eine Integrit�tsentsch�digung gest�tzt auf einen Integrit�tsschaden von 45 % zu bezahlen. Ferner wird die Zusprache einer Prozessentsch�digung f�r das vorinstanzliche Verfahren beantragt.
Die Z�rich beantragt, es sei festzustellen, dass der Entscheid der Vorinstanz hinsichtlich ihrer Leistungspflicht unangefochten geblieben sei und demzufolge keine Leistungspflicht der Z�rich bestehe. Eventualiter sei die Beschwerde hinsichtlich der Leistungspflicht der Z�rich abzuweisen. Die AXA schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung setzt grunds�tzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines Nichtberufsunfalles oder einer Berufskrankheit voraus (Art. 6 Abs. 1 UVG). Der Unfallversicherer haftet jedoch f�r einen Gesundheitsschaden nur insoweit, als dieser nicht nur in einem nat�rlichen, sondern auch in einem ad�quaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht (BGE 129 V 177 E. 3 S. 181). Dabei spielt die Ad�quanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem nat�rlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die ad�quate weitgehend mit der nat�rlichen Kausalit�t deckt (BGE 134 V 109 E. 2 S. 111 f.; 127 V 102 E. 5b/bb S. 103). Sind die geklagten Beschwerden nat�rlich unfallkausal, nicht aber objektiv ausgewiesen, so ist bei der Beurteilung der Ad�quanz vom augenf�lligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind gegebenenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f.).
Streitig und zu pr�fen ist der Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 4. Juni 2005 und den noch geklagten Beschwerden.
3.1 Das kantonale Gericht st�tzte sich bei seiner Beurteilung einerseits auf das polydisziplin�re Gutachten des Spitals B.________ vom 21. Juli 2007. Andererseits ber�cksichtigte es die Stellungnahmen der beiden beratenden �rzte der AXA Dr. med. H.________ vom 29. November 2007 und 5. Juni 2008 sowie Dr. med. A.________ vom 29. Mai 2009. Es folgte dem Gutachten des Spitals B.________ insofern, als es einen nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen den noch geklagten Beschwerden und dem Verkehrsunfall vom 10. Oktober 1997 sowie der beim Sturz vom 23. Januar 2000 erlittenen Radiusfraktur verneinte. Dies ist unbestritten. Eine Leistungspflicht der Z�rich besteht daher nicht.
3.2 Die Gutachter des Spitals B.________ diagnostizierten bei der Beschwerdef�hrerin im Wesentlichen ein chronisches zervikozephales und rechtsseitiges zerviko-spondylogenes Schmerzsyndrom. Sie beurteilten eine deutliche Osteochondrose C4/5 als organisches Substrat f�r die Nackenbeschwerden, die Ausstrahlungen gegen den Hinterkopf und rechten Gesichtssch�del sowie den rechten Arm. Bereits im Dezember 1997 sei im MRI eine diskrete mediale Diskusprotrusion C4/5 dokumentiert gewesen. Bei einer weiteren Befunderhebung vom 26. Februar 2002 sei keine wesentliche �nderung festgestellt worden. Hingegen sei zwischen diesem Zeitpunkt und dem MRI vom 20. Juni 2006 eine eindeutige Progredienz eingetreten. In diesem Zeitraum liege auch der Unfall vom 4. Juni 2005. Es scheine daher wahrscheinlich, dass dieser Unfall zu einer richtunggebenden Verschlimmerung gef�hrt habe, wenn gleich dies anhand der l�ckenhaften Dokumentation radiologisch nicht mit letzter Sicherheit aufgezeigt werden k�nne.
Die beratende �rzte der AXA, Dres. med. H.________ und A.________, widersprachen dieser Beurteilung. Sie kamen mit Verweis auf verschiedene Aussagen im Gutachten zum Schluss, die erhobenen objektiven Befunde an der HWS seien jedenfalls nicht �berwiegend wahrscheinlich unfallkausal. Dr. med. H.________ verwies z.B. auf die Aussagen der Gutachter, dass eine Zunahme der degenerativen Befunde nie linear verlaufe, sodass aus dieser Zunahme nicht auf eine unfallkausale richtunggebende Verschlimmerung geschlossen werden k�nne. Die R�ntgenuntersuchungen zeigten vor allem Ver�nderungen der HWS links, w�hrend die klinischen Symptome vor allem rechts auftr�ten, was unterstreiche, dass die radiologisch feststellbaren Verschlechterungen wahrscheinlich nicht relevant sein d�rften.
3.3 Nach Einholung eines externen Gutachtens im Sinne von Art. 44 ATSG kann grunds�tzlich nicht lediglich gest�tzt auf Stellungnahmen versicherungsinterner �rzte, die diesem widersprechen, ohne weitere Abkl�rungen vom Gutachten abgewichen werden. Sprechen konkrete Indizien gegen die Zuverl�ssigkeit einer solchen Expertise (BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 353), ist ein weiteres Gutachten einzuholen. Vorliegend widerspricht die Kausalit�tsbeurteilung der Gutachter allerdings einer anerkannten medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrecht. Danach k�nnen degenerative Ver�nderungen an der Wirbels�ule nur ganz ausnahmsweise als im eigentlichen Sinne unfallbedingt angesehen werden. Eine unfallbedingte Ver�nderung muss organisch objektiv ausgewiesen sein (vgl. SVR 2008 UV Nr. 36 S. 137, 8C_637/2007 E. 2.2; Urteile 8C_623/2009 vom 2. M�rz 2009 E. 3 und 8C_999/2008 30. Juli 2009 E. 3). Bei Fehlen unfallbedingter Wirbelk�rperfrakturen oder struktureller L�sionen an der Wirbels�ule ist in der Regel nach sechs bis neun Monaten, sp�testens jedoch nach einem Jahr davon auszugehen, die durch den Unfall verursachte Verschlimmerung des Vorzustandes habe sich auf jenen Zustand zur�ckgebildet, der sich aufgrund des schicksalsm�ssigen Verlaufs des krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit eingestellt h�tte (SVR 2008 UV Nr. 11 S. 34, U 290/06 E. 4.2.1 mit weiteren Hinweisen, Urteil 8C_129/2009 vom 15. September 2009 E. 4.1). Angesichts dieser Erfahrungstatsache kann auf die Einholung eines weiteren Gutachtens in antizipierter Beweisw�rdigung verzichtet werden. Es ist unbestritten, dass das Unfallereignis vom 4. Juni 2005 zu keinen strukturellen Wirbelk�rperfrakturen oder strukturellen L�sionen/Verletzungen an der Wirbels�ule gef�hrt hat. Auch die neuropsychologischen Einschr�nkungen beruhen aufgrund der medizinischen Abkl�rungen nicht auf einer traumatischen Hirnverletzung oder bildgebend ausgewiesenen, unfallbedingten Befunden an Sch�del oder HWS, womit sie selber keine organische Unfallfolge darstellen (BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 341; Urteil 8C_715/2009 vom 30. M�rz 2010 E. 4). Da die zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung geklagten Beschwerden somit nicht auf hinreichend nachweisbaren organischen unfallbedingten Befunden beruhen, durfte die Vorinstanz im Ergebnis zu Recht eine Pr�fung der Ad�quanz vornehmen (vgl. E. 2 hievor).
Bei der Beurteilung der Ad�quanz ist vom augenf�lligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind gegebenenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f.). Hat die versicherte Person einen Unfall erlitten, welcher die Anwendung der Schleudertrauma-Rechtsprechung rechtfertigt, so sind hierbei die durch BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff. pr�zisierten Kriterien massgebend.
4.1 Die Vorinstanz beurteilte den Autoauffahrunfall vom 4. Juni 2005 unbestrittenermassen als mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen. Dies ist nicht zu beanstanden. Gem�ss Unfallanalyse der Z�rich vom 15. Dezember 2005 betrug die kollisionsbedingte Geschwindigkeits�nderung 8.3 bis 11.8 km/h. F�r die Bejahung des ad�quaten Kausalzusammenhangs m�ssten folglich von den Ad�quanzkriterien entweder ein einzelnes in besonders ausgepr�gter Weise oder aber mehrere in geh�ufter oder auffallender Weise gegeben sein.
4.2 Die Beschwerdef�hrerin macht zu Recht nicht geltend, die Ad�quanzkriterien der besonders dramatischen Begleitumst�nde oder besonderen Eindr�cklichkeit des Unfalls sowie der �rztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerten, seien erf�llt. Ebenso unbestritten kann das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der Verletzung wegen der Vorsch�digung der HWS und das Kriterium der erheblichen Beschwerden bejaht werden, wie dies die Vorinstanz tat.
4.3.1 Das Kriterium der fortgesetzten, spezifischen Behandlung verneinte die Vorinstanz zu Recht. Im Vergleich zur fr�heren Rechtsprechung wurde der Gehalt dieses Kriteriums in BGE 134 V 109 E. 10.2.3 S. 128 inzwischen neu gefasst. Zudem kann aufgrund der Physiotherapie-�bungen, welche die Beschwerdef�hrerin vor allem zuhause ausf�hrt, und der medizinischen Trainingstherapie, die in Ausdauertraining auf dem Velo und �bungen an verschiedenen Ger�ten besteht, sowie der Medikamenteneinnahme dieses Kriterium nicht bejaht werden.
4.3.2 Ebenfalls nicht erf�llt ist das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs. Aus den erheblichen Beschwerden - welche im Rahmen des spezifischen Ad�quanzkriteriums zu ber�cksichtigen sind - darf nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gr�nde, welche die Heilung beeintr�chtigt haben. Die Einnahme von Medikamenten und die Durchf�hrung von Therapien, auch vier Jahre nach dem Unfall, gen�gen nicht zur Bejahung dieses Kriteriums.
4.3.3 Das Kriterium der erheblichen Arbeitsunf�higkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen (vgl. die Pr�zisierung dazu in BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129) kann schliesslich offen gelassen werden. Denn selbst wenn dieses Kriterium bejaht wird, �ndert dies im Ergebnis nichts an der Ad�quanzbeurteilung.
4.4 Somit ergibt sich, dass h�chstens drei der Ad�quanzkriterien erf�llt sind, jedoch nicht in besonders ausgepr�gt oder auffallender Weise. Dies reicht zur Ad�quanzbejahung praxisgem�ss nicht aus. Die Vorinstanz verneinte damit zu Recht einen ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 4. Juni 2005 sowie den geklagten Beschwerden und damit einen Rentenanspruch der Beschwerdef�hrerin.
Bei fehlendem ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Beschwerden ist auch die Verneinung des Anspruchs auf Integrit�tsentsch�digung durch das kantonale Gericht nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.