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Timestamp: 2020-06-05 01:16:24
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Matched Legal Cases: ['§176', '§176', '§ 180', '§ 45', '§ 153', '§ 153', '§153', '§ 176', '§ 176', '§ 176', '§ 45', '§ 45', '§ 153', '§ 153', '§ 176', '§ 12', '§ 45', '§ 176', '§ 45']

Welche Konsequenzen wären in etwa zu erwarten? im Forum für Rechtsfragen der Jugend
Welche Konsequenzen wären in etwa zu erwarten?
Beitrag von carn » 22.05.13, 10:04
SV: A, 14, und B, 11, vergnügen sich miteinander. B wird schwanger. Eltern werden informiert, gibt Abtreibung. A und B sind weiterhin mit Einverständnis der Eltern zusammen.
Welche Konsequenzen wären realistischerweise zu erwarten, wenn ein Staatsanwalt vom SV erfährt?
Ich frage deshalb, weil ich bisher dachte, dass der Sta sich sagen wird "Warum soll ich denenden Spass verderben? Das mit Pille und Kondom hat ihnen bestimmt schon jemand klar gemacht und es ist zwar StGB 176 aber bei dem 14-jährigen ist eh kaum eine Strafe zu erwirken.".
Jedoch bin ich darauf aufmerksam geworden, dass einem 14-jährigen ein Knutschfleck an einer 13-jährigen 60 Stunden Sozialarbeit einbringen kann, obwohl ich dachte, dass sowas Gerichten wurscht wäre.
http://www.verfassungsblog.de/de/vierze ... Zx2G9hlRyI
Womit meine Einschätzung vermutlich falsch ist, da Sex und 14 mit 11 ja ein ganz anderes kaliber ist als Knutschfleck und 14 und 13.(Edit: er hat ihr anscheinend auch zwischen die Beine gefasst http://www.jurablogs.com/de/anordnung-d ... tschflecks , aber das ändert wenig daran, dass As Verhalten als erheblich schwerwiegender einzuordnen ist) Also, was sind realistisch die Konsequenzen für A, B und die jeweiligen Eltern?
(dazu ein paar Beispielpunkte, falls jemanden nicht klar ist, was mir alles für mögliche Konsequnezen einfallen:
Ist davon auszugehen, dass der Sta aufgrund von Amtsemittlungspflicht bei ausreichendem Anfangsverdacht auf jeden Fall ermitteln wird? Wird der Sta auf jeden Fall das JA informieren, auch wenn er doch keine Anklage erhebt? Kann in Anbetracht, dass Knutschflecke schon juristisch geahndet werden, der Sta überhaupt von einer Anklage absehen? Und wäre sogar eine Haftstrafe ohne Bewährung möglich? Aufnahme von A in die Sexualstraftäterdatei? JA Aktionen in Bezug auf A und B? Anklage gegen Eltern von A und/oder B, weil sie nichts gegen A und B zusammen sein einzuwenden haben? Inobhutnahme?)
Re: Welche Konsequenzen wären in etwa zu erwarten?
Beitrag von Froggel » 22.05.13, 12:08
Über das Strafmaß kann ich nichts sagen, aber dass ein Staatsanwalt ab Kenntnisnahme Anklage erheben muss sollte klar sein. Der dazu passende Paragraph dürfte §176 StGB, wenn nicht sogar §176 a StGB Abs. 2.3 sein. Schwerer sexueller Missbrauch könnte es meines Erachtens nach sein, da das Kind eine Abtreibung erfahren musste und dieses durchaus eine Schädigung der körperlichen und seelischen Entwicklung mit sich bringen kann. Insbesondere die Psyche kann dadurch sehr leiden (80% der Frauen, die abgetrieben haben, haben im Nachhinein psychische Probleme deswegen).
Die Eltern müssen ebenso mit einer Anklage nach § 180 StGB Abs. 1.2 rechnen, da sie ein sexuelles Verhältnis mit ihrem Kind gar nicht zulassen dürfen. Sie sind in der Pflicht, für die körperliche Unversehrtheit ihres Kindes zu sorgen. Sie dürfen kein Einverständnis zu solch einer Beziehung geben.
Auch wenn ich keine Fachfrau bin - eine Bewährungsstrafe dürfte m.E. da für irgendjemanden von den Beteiligten mindestens herausspringen.
Beitrag von Redfox » 23.05.13, 10:11
Froggel hat geschrieben: aber dass ein Staatsanwalt ab Kenntnisnahme Anklage erheben muss sollte klar sein.
Wem das klar ist, kennt den § 45 JGG nicht. --> http://www.gesetze-im-internet.de/jgg/__45.html
Beitrag von Froggel » 23.05.13, 12:37
Stimmt. Den kannte ich noch nicht. Danke!
§ 153 der StPO sieht vor, dass die Schuld des Täters gering ist. Bei Sex mit 11 jährigem Mädchen und daraus entstehender Schwangerschaft dürfte die Schuld eher als hoch einzustufen sein.
Eine erzieherische Maßnahme wäre das Umgangsverbot durch die Eltern. Das ist in diesem Fall nicht gegeben, da die Eltern ihr Einverständnis zu der "Partnerschaft" geben.
Das wäre die einzige Maßnahme, die ich in diesem Fall noch als sinnvoll empfinde. Hier ist aber immerhin noch die Beteiligung eines Jugendrichters vonnöten und die Tatsache, dass der Jugendliche den Auflagen nachkommt.
Die Eltern sind damit allerdings immer noch nicht aus dem Schneider.
Beitrag von Michael A. Schaffrath » 31.05.13, 13:36
Froggel hat geschrieben: § 153 der StPO sieht vor, dass die Schuld des Täters gering ist. Bei Sex mit 11 jährigem Mädchen und daraus entstehender Schwangerschaft dürfte die Schuld eher als hoch einzustufen sein.
So einfach ist es nicht, sonst lautete §153 StPO ja "sofern die Tat mit Strafe unter 1 Jahr bewehrt ist" oder daß die Schwere der Konsequenzen gering sein muß.
Dumm gesagt, auch bei fahrlässiger Tötung kann die Schuld gering sein, aber die Konsequenzen erheblich - den Busfahrer während der Fahrt spielerisch angestupst und es gibt einen Unfall mit 30 Toten, da würde ich trotzdem annehmen, daß die Schuld gering ist (anders hingegen, wenn man den Busfahrer gewürgt und geschlagen hätte).
Schwere der Schuld bemißt sich unabhängig von der Erfüllung des Tatbestandes am Einzelfall - im konkreten Beispiel käme in Betracht, wie "reif" der 14-jährige überhaupt ist (mal dumm gesagt, im tiefsten Bayern denkt man nicht unbedingt so selbstverständlich an Verhütung wie anderswo), wie die Beziehung konkret aussah (war es ein ONS oder eine, wenn auch unübliche, langandauernde Liebesbeziehung?) etc.
Insbesondere die Schwangerschaft würde ich in der Konstellation nicht als Indiz für schwerere Schuld sehen, wenn der 14-jährige z.B. davon ausgegangen ist, mit 11 könne man noch nicht schwanger werden.
Es ist also eine genaue Einzelfallbetrachtung, die aus der Ferne nicht vorgenommen werden kann.
Beitrag von carn » 10.06.13, 08:41
Michael A. Schaffrath hat geschrieben:
Aber das hieße doch letzlich auf jeden Fall, dass der Sta ermitteln müsste, wenigstens bis die Schwere der Schuld eingeschätzt werden kann. Er könnte nicht von vornerein sagen, das wird schon nicht so schlimm sein, ich hab besseres zu tun, oder?
Beitrag von kingofthehill » 10.06.13, 10:28
Froggel hat geschrieben: Schwerer sexueller Missbrauch könnte es meines Erachtens nach sein, da das Kind eine Abtreibung erfahren musste und dieses durchaus eine Schädigung der körperlichen und seelischen Entwicklung mit sich bringen kann. Insbesondere die Psyche kann dadurch sehr leiden (80% der Frauen, die abgetrieben haben, haben im Nachhinein psychische Probleme deswegen).
Huch, ich dachte das hier ist ein juristisches und kein MärchenForum. Zum sog. "post abortion syndrom" und den angeblichen "80%" vgl. z.B. : http://de.wikipedia.org/wiki/Post-Abortion-Syndrom" Dort sind auch weiterführende Links zu den jeweiligen Studien.
Fraglich bei einer Abtreibung ist der Zeitpunkt. Eine medikamentösen Abtreibung verursacht in der Anfangszeit selten mehr Scherzen als die Periode selbst. Eine Absaugung ist da schon was anderes. Aber selbst dann ist es doch mehr als fraglich, ob es A zuzurechnen ist, dass er bei Sex automatisch davon ausgehen muss, dass das Kind abgetrieben wird. Also fällt der schwere sexuelle Missbrauch hier raus.
Beitrag von carn » 11.06.13, 08:55
kingofthehill hat geschrieben:
Sie hat nur von psychischen Problemen geredet.
Da bei wikipedia steht aber nur:
"Die Arbeitsgruppe kam zu dem Schluss, dass unter erwachsenen Frauen, die ungewollt schwanger sind, das relative Risiko zu mentalen Gesundheitsproblemen nicht größer ist, wenn sie eine einmalige Abtreibung innerhalb der ersten drei Monate durchführen oder das Baby austragen."
Ein ungewolltes Baby austragen dürfte ziemlich oft zu psychischen Problemen führen, folglich kann es sehr wohl sein, dass das absolute Risiko bei der Abtreibung hoch ist.
Ferner ist es nicht unbedingt die Abtreibung selber, sondern:
"Risikofaktoren für die Entwicklung psychischer Störungen nach einem Schwangerschaftsabbruch seien nicht der Eingriff selbst, sondern die wahrgenommene Stigmatisierung, Notwendigkeit, den Schwangerschaftsabbruch geheim zu halten, geringe soziale Unterstützung für die Entscheidung, niedriges Selbstwertgefühl, verleugnende und vermeidende Bewältigungsstrategien und vor allem vorangegangene psychische Probleme."
Aus dem wikiartikel kann man also im Wesentlichen schlussfolgern, dass durch viele und sorgfältige Studien nachgewiesen wurde, dass ungewollt schanger sein häufig so oder so ziemlicher Mist ist (das soll keine Kritik sein, es ist auch Aufgabe der Wissenschaft durch sorgfältige Untersuchungen zu beweisen, dass das was man sowieso weis auch wirklich stimmt).
Damit fällt aber
kingofthehill hat geschrieben: Also fällt der schwere sexuelle Missbrauch hier raus.
der schwere sexuelle Missbrauch garantiert nicht raus. Mit 11 schwanger werden, ist Mist. Und die Schuld dafür liegt auch beim 14-jährigen.
Ferner langt für schweren sexuellen Missbrauch es häufig mit 11-jährigen Mädchen Sex zu haben, auch ohne dass die schwanger werden. Der 176 verbietet ja allgemein sexuelle Handlungen, da könnte Sex selbst bereits automatisch als besonders schwerer Fall gelten. Und ich denke es ist klar, dass wenn A nicht 14 sondern 54 wäre, dass man dann ohne Zögern sofort von schweren sexuellen Missbrauch ausgehen würde und der Staatsanwalt sich nur fragen würde, ob er 3, 5, 8 oder 10 Jahre fordern sollte.
Beitrag von Roni » 11.06.13, 09:13
zunächst mal die Frage wie das mit der Abtreibung lief, normalerweise gibt es da ja Gespräche und ich dnke da müsste doch uch das Jugendamt eingeschaltet gewesen sein ?
Und die Eltern meine ich machten und machen sich strafbar nach:
http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__180.html
Beitrag von carn » 11.06.13, 10:08
Roni hat geschrieben: das Jugendamt eingeschaltet gewesen sein ?
Woraus ergibt sich, dass bei einer Abtreibung bei einem Kind das Jugendamt eingeschaltet werden muss?
Meines Wissens erfahren zwangsläufig nur die Eltern davon, da deren Einverständnis nötig sein dürfte (gilt nicht bei Minderjährigen, die schon ausreichend Reife besitzen, aber das ist bei 11 wohl auszuschliessen), und der durchführende Arzt. Beratung und eventuelle Kostenübernahme können anonym erfolgen.
Beitrag von Michael A. Schaffrath » 11.06.13, 14:19
Roni hat geschrieben: Und die Eltern meine ich machten und machen sich strafbar nach:
Wodurch? Daß sie von der Schwangerschaft der Elfjährigen informiert wurden? In wiefern ist das ein "Verschaffen von Gelegenheit" oder "Vermittlung"?
Beitrag von carn » 11.06.13, 14:24
Er meint wohl das da:
"A und B sind weiterhin mit Einverständnis der Eltern zusammen."
Ich denke, obwohl A Ersttäter ist, ist die Wiederholungsgefahr nicht als extrem niedrig anzusehen.
Beitrag von Roni » 11.06.13, 15:28
und wenn die Eltern vorher gewusst hätten was die Beiden machen dann hätten sie sich ebenfalls strafbar gemacht.
Beitrag von J.A. » 18.06.13, 01:42
Wobei es darauf ankäme, ob wir es mit einem § 176 oder einem § 176a StGB zu tun haben.
Bei § 176a wäre § 45 JGG schon de jure nicht anwendbar (völlig unabhängig von "geringer Schuld" oder nicht)
§ 45 JGG verweist (wie wir ja schon wissen) auf § 153 StPO:
§ 153 StPO
(1) Hat das Verfahren ein Vergehen zum Gegenstand, so kann die Staatsanwaltschaft ...
§ 176a StGB ist ein "Verbrechen", kein "Vergehen" [vgl. § 12 StGB] und daher nicht nach § 45 JGG einstellungsfähig.
§ 176 StGB hingegen könnte theo. nach § 45 JGG eingestellt werden.