Source: https://home.kpmg.com/at/de/home/insights/2018/01/ean-2018-01.html
Timestamp: 2018-02-20 11:45:29
Document Index: 117860996

Matched Legal Cases: ['§243', '§ 243', '§ 221', '§96', '§30', '§277', '§280']

NaDiVeG | KPMG | AT
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Express Accounting News 01/2018
AFRAC 9 Lageberichterstattung Erweiterung durch das "NaDiVeG"
Ab dem Geschäftsjahr 2017 müssen große Kapitalgesellschaften, die Unternehmen von öffentlichem Interesse sind und im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Arbeitnehmer beschäftigen, eine nichtfinanzielle Erklärung in den Lagebericht/Konzernlagebericht aufnehmen. Daher wurde auch AFRAC 9 überarbeitet. Die finale Fassung wurde am 30. Dezember 2017 veröffentlicht.
Mit dem NaDiVeG (Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz) wird die Berichtspflicht über nichtfinanzielle Informationen im Lagebericht ausgeweitet und konkretisiert. Zweck der verpflichtenden Berichterstattung ist es einen Beitrag zu einer stärkeren Transparenz und Vergleichbarkeit der Angaben zu leisten. Das NaDiVeG dient der Umsetzung der EU-Richtlinie 2014/95/EU und führt insbesondere zur Pflicht zur Angabe nichtfinanzieller Informationen (im Rahmen einer sogenannten „nichtfinanziellen Erklärung“ (NFI-Erklärung)). Das NaDiVeG ist erstmalig für Geschäftsjahre anzuwenden, die nach dem 31. Dezember 2016 beginnen.
Durch eine Erweiterung der Stellungnahme zum Lagebericht hat AFRAC nun mehrere Einzelfragen zur Umsetzung des NaDiVeG erörtert; in Grundzügen sind die Verpflichtungen durch das neue Gesetz wie folgt:
Wer muss berichten?
In die Pflicht genommen werden grundsätzlich alle großen Kapitalgesellschaften, die Unternehmen von öffentlichem Interesse sind und an den für die Größenklasseneinstufung maßgeblichen Abschlussstichtagen das Kriterium erfüllen, im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Arbeitnehmer zu beschäftigen. Diese Kriterien sind kumulativ zu erfüllen. Hinsichtlich der erstmaligen Verpflichtung zur Erstellung einer NFI-Erklärung kann von einer 2jährigen Übergangsfrist ausgegangen werden.
Was ist zu berichten?
Im Rahmen der NFI-Erklärung sind in ausgewogener Weise Angaben zu den im Gesetz angeführten nichtfinanziellen Belange (Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung von Korruption) zu machen. Als Ausgangspunkt zur Bestimmung der konkreten Berichtsinhalte dient eine Wesentlichkeitsanalyse. Für die Beurteilung der Wesentlichkeit ist ein besonderes Augenmerk auf die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit zu legen.
Für alle als wesentlich ermittelten Belange ist das vom Unternehmen verfolgte Konzept sowie dessen Ergebnis unter Einbeziehung von Leistungsindikatoren zu erläutern. Des Weiteren sind Risiken zu berichten, die vom Unternehmen ausgehen und wahrscheinlich negative Auswirkungen auf die im Fokus stehenden Belange haben, sowie Maßnahmen und Due-Diligence Prozesse, um diese Risiken zu vermeiden und zu begrenzen.
Insgesamt betrachtet soll die nichtfinanzielle Berichterstattung ein ausgewogenes Bild von Chancen und Risiken sowie positiver und negativer Aspekte beinhalten.
Wie ist zu berichten?
Die Erklärung ist – wenn nicht von der Alternative eines gesonderten Berichtes Gebrauch gemacht wird in den Lagebericht anstelle der bisherigen Angaben zu nichtfinanziellen Leistungsindikatoren (gemäß §243 Abs 5 UGB) aufzunehmen. Es ist nicht zulässig, dass die Angaben im gesamten Lagebericht verteilt werden, jedoch sind im Einzelfall Verweise auf andere Abschnitte des Lageberichts sowie auf andere gesetzlich geregelte Bestandteile der Finanzberichterstattung möglich.
Als Alternative zur Aufnahme der NFI-Erklärung in den Lagebericht steht im Raum, einen gesonderten nichtfinanziellen Bericht zu erstellen, der dieselben inhaltlichen Anforderungen zu erfüllen hat.
Gibt es Befreiungsmöglichkeiten?
Eine Gesellschaft ist von der Pflicht zur Erstellung einer NFI-Erklärung befreit, wenn sie und ihre Tochterunternehmen in den Konzernlagebericht oder gesonderten konsolidierten nichtfinanziellen Bericht eines Mutterunternehmens mit Sitz in einem EU/EWR-Mitgliedstaat einbezogen sind.
Ist eine gesonderte Erklärung („Einzelerklärung“) für die Muttergesellschaft erforderlich?
Ein Mutterunternehmen, das für sich Alleine gesehen die Voraussetzungen der § 243b erfüllt, hat auch eine nichtfinanzielle Erklärung in seinen Lagebericht aufzunehmen oder einen gesonderten nichtfinanziellen Bericht zu erstellen („Einzelerklärung“). Diese Verpflichtung gilt unabhängig davon, ob für den Konzern dieser Muttergesellschaft ebenso eine Erklärung erforderlich ist.
Hinsichtlich der Berechnung der Anzahl der Arbeitnehmer findet in diesem Zusammenhang
§ 221 (4a) UGB für die Einzelerklärung nach Ansicht des AFRAC (letztlich doch) keine Anwendung.
Wann ist die Berichterstattung zu erstellen?
Die Frist zur Aufstellung ist zwar nicht geregelt, jedoch fordert das Gesetz die Prüfung durch den Aufsichtsrat sowie, dass dieser an die Hauptversammlung über das Ergebnis der Prüfung Bericht erstattet (§96 Abs 1 und 2 AktG / §30k GmbH). Die nichtfinanzielle Erklärung (der nichtfinanzielle Bericht) ist gemäß §277 UGB (§280 UGB) gemeinsam mit dem Lagebericht offenzulegen.
Wie sind die Angaben zu prüfen?
Die gesetzlichen Vertreter, die für die Aufstellung der Erklärung verantwortlich sind, haben diese zu unterzeichnen und dem Aufsichtsrat vorzulegen. Dieser hat die Angaben zu prüfen und über die Ergebnisse seiner Prüfung der Hauptversammlung zu berichten.
Vom Abschlussprüfer ist hingegen nach den gesetzlichen Vorschriften lediglich zu prüfen, ob die Erklärung aufgestellt wurde; eine inhaltliche Prüfung ist damit nicht verbunden.
Zur Unterstützung des Aufsichtsrats bietet sich an, einen externen Prüfers an mit der Prüfung der NFI-Erklärung zu beauftragen. Unsere Experten im Bereich Compliance & Sustainability Services klären Sie dazu gerne über die bestehenden Möglichkeiten auf.