Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/kommunale-jobcenter-und-die-ehemaligen-beamten-der-bundesagentur-fuer-arbeit-393276
Timestamp: 2019-12-10 00:49:22
Document Index: 361588201

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 6', '§ 6', '§ 21', '§ 1', '§ 21', '§ 1', '§ 1', '§ 21', '§ 1', '§ 1', 'Art. 3', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 21', '§ 1', 'Art. 3', '§ 6', '§ 6', 'Art. 3', '§ 4', '§ 27', '§ 6', '§ 1']

Kom­mu­na­le Job­cen­ter – und die ehe­ma­li­gen Beam­ten der Bun­des­agen­tur für Arbeit | Rechtslupe
Kommunale Jobcenter - und die ehemaligen Beamten der Bundesagentur für Arbeit
Kom­mu­na­le Job­cen­ter – und die ehe­ma­li­gen Beam­ten der Bun­des­agen­tur für Arbeit
Auch in Meck­len­burg-Vor­pom­mern erfolgt kei­ne Über­lei­tung von ehe­ma­li­gen Beam­ten der Bun­des­agen­tur für Arbeit gemäß § 1 BesO­ÜberlG M‑V nach einem Über­tritt in den Dienst eines Trä­gers eines kom­mu­na­len Job­cen­ters gemäß § 6 c Abs. 1 Satz 1, Abs. 3 Satz 1 SGB II nach dem Inkraft­tre­ten des BesO­ÜberlG M‑V am 01.08.2011.
Die Bemes­sung des Grund­ge­halts des Klä­gers nach sei­nem Über­tritt in den Dienst des Land­krei­ses Vor­pom­mern-Rügen gemäß § 6c Abs. 1 Satz 1 SGB II erfolgt nach § 21 Abs. 1 LBe­sG. Nach die­ser Vor­schrift wird das Grund­ge­halt für Ämter der Besol­dungs­ord­nung A, soweit gesetz­lich nichts ande­res bestimmt ist, nach der dienst­li­chen Erfah­rung (Erfah­rungs­stu­fen) bemes­sen. Das Auf­stei­gen in den Erfah­rungs­stu­fen beginnt im Anfangs­grund­ge­halt der jewei­li­gen Besol­dungs­grup­pe am Ers­ten des Monats, in dem der Beam­te erst­mals in ein Dienst­ver­hält­nis mit Dienst­be­zü­gen bei einem öffent­lich-recht­li­chen Dienst­herrn ein­ge­stellt wird. … Davor lie­gen­de Zei­ten in einem haupt­be­ruf­li­chen pri­vat­recht­li­chen Arbeits­ver­hält­nis bei einem öffent­lich-recht­li­chen Dienst­herrn sowie Zei­ten eines Grund­wehr­diens­tes oder Zivil­diens­tes sind zu berück­sich­ti­gen … . Dies ergab bei dem Klä­ger unter Berück­sich­ti­gung sei­ner Beschäf­ti­gungs­zei­ten im öffent­li­chen Dienst sowie sei­nes Grund­wehr­diens­tes den 01.01.1992.
Auf den Klä­ger fin­det nicht die Über­lei­tungs­vor­schrift des § 1 Abs. 1 BesO­ÜberlG 1 Anwen­dung. Nach die­ser Vor­schrift gilt für Beam­te mit einem Amt der Besol­dungs­ord­nung A für die Zuord­nung zu einer Erfah­rungs­stu­fe des Grund­ge­halts in der Besol­dungs­ord­nung A das nach dem bis­he­ri­gen Besol­dungs­recht fest­ge­setz­te Besol­dungs­dienst­al­ter als erst­ma­li­ge Ein­stel­lung nach § 21 Absatz 1 Satz 2 des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes. Der Klä­ger fällt als erst nach Inkraft­tre­ten die­ser Rege­lung am 01.08.2011 im Jah­re 2012 in den Gel­tungs­be­reich des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes Meck­len­burg-Vor­pom­mern über­ge­tre­te­ner Beam­ter nicht unter die­se Über­lei­tungs­re­ge­lung. Die Rege­lung erfasst nur sol­che Beam­te, die sich bereits bei Inkraft­tre­ten des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes i. d. F. des Bes­Vers­Über­lÄndG M‑V am 01.08.2011 in einem Dienst­ver­hält­nis im Gel­tungs­be­reich des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes befan­den und für die bis dahin die auf dem jewei­li­gen Lebens­al­ter basie­ren­den Ein­stu­fun­gen in den Besol­dungs­ord­nun­gen A, C oder R gal­ten. Für die­se, "sei­ne" Beam­ten woll­te der Gesetz­ge­ber eine ein­fach und ohne grö­ße­ren Ver­wal­tungs­auf­wand mög­li­che "Über­lei­tung" vom alten, auf dem Lebens­al­ter basie­ren­den, Sys­tem in das neue euro­pa­rechts­kon­for­me, auf den dienst­li­chen Erfah­run­gen fußen­de, Sys­tem in den Besol­dungs­ord­nun­gen mit auf­stei­gen­den Gehäl­tern gewähr­leis­ten. Dies ergibt sich bereits mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit aus dem in der Bezeich­nung des Geset­zes und der amt­li­chen Über­schrift des § 1 ver­wen­de­ten Begriff der "Über­lei­tung" in Ver­bin­dung mit dem Sinn und Zweck der gesetz­li­chen Rege­lung. Mit dem Gesetz woll­te der Lan­des­ge­setz­ge­ber für den Zeit­punkt der Ein­füh­rung der Erfah­rungs­stu­fen in den Besol­dungs­ord­nun­gen A, C und R des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes am 01.08.2011 eine not­wen­di­ge Über­gangs­re­ge­lung schaf­fen, mit der die sich bereits im Gel­tungs­be­reich des Lan­des­be­am­ten­ge­set­zes befin­den­den Beam­ten der Besol­dungs­ord­nun­gen A, C oder R mit Wir­kung vom 01.08.2011 aus den alten Dienst­al­ters­stu­fen in die neu­en Erfah­rungs­stu­fen "über­ge­lei­tet" wur­den. Dies ergibt sich auch aus der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs zu § 1 Abs. 1 bis 3 BesO­ÜberlG; dort heißt es: "Die in Arti­kel 2 mit den §§ 21 bis 26 ver­deut­lich­te Bezug­nah­me auf den Erfah­rungs­zu­wachs … ent­fal­tet nur bei Neu­ein­stel­lun­gen oder künf­ti­gen Ver­set­zun­gen in den Gel­tungs­be­reich die­ses Geset­zes sei­ne Wir­kung. Für die rund 16.500 im Lan­des­dienst vor­han­de­nen Ange­hö­ri­gen der Besol­dungs­ord­nun­gen A, C und R … sowie ca.02.400 vor­han­de­nen Kom­mu­nal- und Kör­per­schafts­be­am­tin­nen und –beam­ten ("Bestands­fäl­le") sowie ca.03.000 wei­te­ren Ver­sor­gungs­emp­fän­ge­rin­nen und –emp­fän­ger aus die­sen Ämtern und deren Hin­ter­blie­be­nen sind eben­falls Rege­lun­gen not­wen­dig, um eine Über­füh­rung vom bis­he­ri­gen Besol­dungs­dienst­al­ter­sys­tem (BDA) in das neue Erfah­rungs­stu­fen­sys­tem vor­zu­neh­men, ohne hier­für einen unver­tret­bar hohen Auf­wand ent­ste­hen zu las­sen" 2. Auch aus der Begrün­dung im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren wird mit­hin deut­lich, dass der Gesetz­ge­ber nur die im Zeit­punkt der Ein­füh­rung des Erfah­rungs­stu­fen­sys­tems am 01.08.2011 im Gel­tungs­be­reich des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes vor­han­de­nen Beam­ten (sog. "Bestands­fäl­le") mit der Über­gangs­vor­schrift des § 1 BesO­ÜberlG in das Erfah­rungs­stu­fen­sys­tem über­lei­ten woll­te und nicht auch spä­te­re Ein­stel­lun­gen, Ver­set­zun­gen oder Über­trit­te von Beam­ten in den Gel­tungs­be­reich des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes erfas­sen woll­te.
Die­se Aus­le­gung der Vor­schrift des § 1 BesO­ÜberlG ist auch mit höher­ran­gi­gem Recht ver­ein­bar; sie ver­stößt ins­be­son­de­re nicht gegen Art. 3 Abs. 1 GG.
Das VG Mag­de­burg hat in sei­nem Urteil vom 25.10.2012 3 zu ver­gleich­ba­ren Rege­lun­gen in §§ 15 und 16 LBG LSA fol­gen­des aus­ge­führt: Die mit der Ver­set­zung des Klä­gers ein­ge­tre­te­ne Besol­dungs­min­de­rung ist auf die im Grund­ge­setz ange­leg­te eigen­stän­di­ge Ent­wick­lung des Besol­dungs­rechts – und damit auch der Höhe der Besol­dung – in Bund und Län­dern zurück­zu­füh­ren. Die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen zwi­schen Bund und Län­dern sind durch das Gesetz zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes vom 28.08.2006 4 grund­le­gend neu geord­net wor­den. Die kon­kur­rie­ren­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des zur Rege­lung der Besol­dung der Beam­tin­nen, Beam­ten, Rich­te­rin­nen und Rich­ter der Län­der (frü­he­rer Arti­kel 74a GG) ist ent­fal­len. Es obliegt damit den Län­dern, das Besol­dungs­recht des Bun­des durch eige­ne Rege­lun­gen zu erset­zen. Hier­von hat das Land Sach­sen-Anhalt mit dem zum 1.04.2011 in Kraft getre­te­nen Gesetz zur Neu­re­ge­lung des Besol­dungs­rechts des Lan­des Sach­sen-Anhalt – Bes­NeuRG LSA 5 – Gebrauch gemacht. Unter­schied­li­che Besol­dungs­ent­wick­lun­gen kön­nen natur­ge­mäß zur Fol­ge haben, dass ein Beam­ter bei einer län­der­über­grei­fen­den Ver­set­zung – wie hier – trotz unver­än­der­tem Sta­tus­amt gerin­ger besol­det wird, weil er nun­mehr ande­ren lan­des­recht­li­chen Besol­dungs­re­ge­lun­gen unter­liegt. Die Not­wen­dig­keit, für die­se Fäl­le gesetz­li­che Über­gangs­re­ge­lun­gen zu schaf­fen, besteht aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den nicht. Schließ­lich ist gemäß § 15 Abs. 2 BeamtStG die län­der­über­grei­fen­de Ver­set­zung eines Beam­ten ohne des­sen Zustim­mung nicht zuläs­sig, wenn das neue Amt nicht mit min­des­tens dem­sel­ben Grund­ge­halt ver­bun­den ist wie das bis­he­ri­ge Amt. Der Klä­ger ist aber auf eige­nen Wunsch in den Dienst des Lan­des Sach­sen-Anhalt ver­setzt wor­den. Dem­ge­gen­über hat­ten die bereits zum 31.03.2011 im Land Sach­sen-Anhalt in einem Dienst­ver­hält­nis ste­hen­den Beam­ten nicht ohne Wei­te­res die Mög­lich­keit, den neu­en lan­des­recht­li­chen Besol­dungs­vor­schrif­ten mit den dar­aus erwach­sen­den Fol­gen für ihre künf­ti­ge Besol­dung aus­zu­wei­chen. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es auch sach­ge­recht, dass der Lan­des­ge­setz­ge­ber nur für die­se Beam­ten mit den §§ 15 ff. Bes­Ver­sEG LSA Über­lei­tungs­vor­schrif­ten vor­ge­se­hen hat, die eine Ver­min­de­rung der zuvor gewähr­ten Besol­dung durch die zum 1.04.2011 in Kraft getre­te­nen Neu­re­ge­lun­gen ver­hin­dern sol­len.
Die­ser Auf­fas­sung schließt sich das Ver­wal­tungs­ge­richt Greifs­wald in Bezug auf die unter­schied­li­chen Rege­lun­gen in § 21 und 22 LBe­sG M‑V einer­seits und § 1 BesO­ÜberlG ande­rer­seits an 6. Der Lan­des­ge­setz­ge­ber war wegen der unter­schied­li­chen Lebens­sach­ver­hal­te bei den durch die Ein­füh­rung der Erfah­rungs­stu­fen in Meck­len­burg-Vor­pom­mern zwangs­läu­fig betrof­fe­nen Lan­des- Kom­mu­nal- und Kör­per­schafts­be­am­ten in Meck­len­burg-Vor­pom­mern einer­seits, und den spä­ter durch Ver­set­zung oder gesetz­li­chen Über­tritt hin­zu­kom­men­den Beam­ten aus den Gel­tungs­be­rei­chen ande­rer Besol­dungs­ge­set­ze ande­rer­seits mit Blick auf Art. 3 Abs. 1 GG nicht ver­pflich­tet, auch Letz­te­ren eine Über­lei­tung in eine Erfah­rungs­stu­fe ent­spre­chend ihres bis­he­ri­gen Dienst­al­ters oder einer bereits durch dor­ti­ge Über­lei­tung bei ihrem bis­he­ri­gen Dienst­herrn erreich­ten Erfah­rungs­stu­fe zu ermög­li­chen. Bei den nach § 6c Abs. 1 Satz 1 SGB II über­ge­tre­te­nen Beam­ten der Bun­des­agen­tur für Arbeit han­delt es sich zwar nicht um frei­wil­li­ge Wech­sel des Dienst­herrn, weil sich der gesetz­li­che Dienst­her­ren­wech­sel nach die­ser Vor­schrift auch ohne oder gegen den Wil­len der Beam­ten voll­zieht. Die­sen Beam­ten steht aber gemäß § 6c Abs. 4 Satz 3 SGB II ein Aus­gleich zu. Ver­rin­gert sich nach Über­tritt des Beam­ten und Fort­set­zung des Dienst­ver­hält­nis­ses mit dem neu­en Dienst­herrn der Gesamt­be­trag von Grund­ge­halt, all­ge­mei­ner Stel­len­zu­la­ge oder ent­spre­chen­der Besol­dungs­be­stand­tei­le und antei­li­ger Son­der­zah­lung (aus­zu­glei­chen­de Dienst­be­zü­ge), hat der auf­neh­men­de Trä­ger eine Aus­gleichs­zu­la­ge zu gewäh­ren. Der Gesetz­ge­ber des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes war des­halb mit Blick auf Art. 3 Abs. 1 GG nicht ver­pflich­tet, auch sol­chen Beam­ten eine Über­lei­tung in eine Erfah­rungs­stu­fe ent­spre­chend ihres bis­he­ri­gen Dienst­al­ters oder einer bereits durch dor­ti­ge Über­lei­tung bei ihrem bis­he­ri­gen Dienst­herrn erreich­ten Erfah­rungs­stu­fe zu ermög­li­chen 7.
Ver­wal­tungs­ge­richt Greifs­wald, Urteil vom 1. April 2015 – 6 A 1581/​12
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Gesetz zur Über­lei­tung in den Besol­dungs­grup­pen sowie sons­ti­ge Über­gangs­re­ge­lun­gen vom 04.07.2011 – BesO­ÜberlG -. GVOBl. M‑V S 376[↩]
LT-Drs. 5/​4217 S. 84[↩]
VG Mag­de­burg, Urteil vom 25.10.2012 – 5 A 322/​11[↩]
BGBl. I S.2034[↩]
vom 08.02.2011, GVBl. LSA S. 68[↩]
vgl. auch VG Greifs­wald, Urteil vom 10.12.2014 – 6 A 165/​13[↩]
VG Greifs­wald, Urteil vom 09.03.2015 – 6 A 405/​13[↩]
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