Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2016-01-13/xii-zb-605_14
Timestamp: 2017-11-20 23:34:48
Document Index: 65992168

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 574', '§ 522', '§ 574', '§ 522', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 522', '§ 517', '§ 520', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 13.01.2016 - XII ZB 605/14 - Anforderungen an die Berufungsbegründung; Herausgabebegehren von Personenstandsurkunden | anwalt24.de
Beschl. v. 13.01.2016, Az.: XII ZB 605/14
Anforderungen an die Berufungsbegründung; Herausgabebegehren von Personenstandsurkunden
Referenz: JurionRS 2016, 17025
Aktenzeichen: XII ZB 605/14
LG Darmstadt - 09.10.2014 - AZ: 21 S 111/14
AG Bensheim - 09.05.2014 - AZ: 6 C 851/13
FamRZ 2016, 625
FF 2016, 199-200
FuR 2016, 286-287
MDR 2016, 292
NJW-RR 2016, 320
Der die Berufung verwerfende Beschluss des Berufungsgerichts muss jedenfalls die die Verwerfung tragenden Feststellungen enthalten, die zur Beurteilung durch das Rechtsbeschwerdegericht erforderlich sind (im Anschluss an Senatsbeschluss vom 27. August 2014 - XII ZB 266/13 - NJW-RR 2014, 1531 [BGH 27.08.2014 - XII ZB 266/13]).
Auf die Rechtsbeschwerde des Klägers wird der Beschluss der 21. Zivilkammer des Landgerichts Darmstadt vom 9. Oktober 2014 aufgehoben.
Der Rechtsstreit wird zur erneuten Behandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens, an das Landgericht zurückverwiesen.
Der Kläger verlangt von dem Beklagten unter anderem die Herausgabe von Personenstandsurkunden. Das Amtsgericht hat die Klage abgewiesen. Das Landgericht hat die Berufung des Klägers als unzulässig verworfen, weil sie innerhalb der Berufungsbegründungsfrist mangels angekündigter Berufungsanträge nicht ordnungsgemäß begründet worden sei. Der allenfalls weiterverfolgte zweite Antrag (auf Herausgabe) sei nicht hinreichend konkretisiert worden. Dagegen richtet sich die Rechtsbeschwerde des Klägers.
1. Die Rechtsbeschwerde ist gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, § 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO statthaft. Sie ist auch im Übrigen zulässig, weil die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts erfordert (§ 574 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 ZPO).
2. Die Gründe des angefochtenen Beschlusses tragen eine Verwerfung der Berufung nach § 522 Abs. 1 ZPO nicht.
a) Die Rechtsbeschwerde rügt mit Recht, dass der angefochtene Beschluss nicht mit den nach dem Gesetz erforderlichen Gründen versehen ist.
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs müssen Beschlüsse, die der Rechtsbeschwerde unterliegen, den maßgeblichen Sachverhalt, über den entschieden wird, wiedergeben und den Streitgegenstand und die Anträge in beiden Instanzen erkennen lassen (Senatsbeschluss vom 27. August 2014 -XII ZB 266/13- NJW-RR 2014, 1531 Rn. 7 [BGH 27.08.2014 - XII ZB 266/13] mwN; BGH Beschluss vom 16. April 2013 - VI ZB 50/12 - NJW-RR 2013, 1077 Rn. 4 [BGH 16.04.2013 - VI ZB 50/12] mwN). Zwar ist die Wiedergabe des Sachverhalts und der Anträge in einem die Berufung nach § 522 Abs. 1 Satz 2 ZPO verwerfenden Beschluss nicht ausnahmslos erforderlich. Der Beschluss kann sich etwa bei Verwerfung der Berufung wegen nicht gewahrter Berufungsfrist (§ 517 ZPO) oder Begründungsfrist (§ 520 Abs. 2 ZPO) auf die entscheidungserheblichen Umstände beschränken. Die Entscheidung des Berufungsgerichts muss aber auch in diesen Fällen jedenfalls die die Verwerfung tragenden Feststellungen enthalten, weil andernfalls dem Rechtsbeschwerdegericht die Überprüfung der Entscheidung nicht möglich ist (vgl. Senatsbeschluss vom 27. August 2014 -XII ZB 266/13-NJW-RR 2014, 1531 Rn. 7 [BGH 27.08.2014 - XII ZB 266/13] mwN zur Statthaftigkeit der Berufung; BGH Beschlüsse vom 29. Oktober 2013 -VI ZB 2/13- NJW-RR 2014, 124 Rn. 5 [BGH 29.10.2013 - VI ZB 2/13]; vom 16. April 2013 -VI ZB 50/12- NJW-RR 2013, 1077 Rn. 4 [BGH 16.04.2013 - VI ZB 50/12] mwN; vom 14. Juni 2010 - II ZB 20/09- NJW-RR 2010, 1582 Rn. 5 und vom 28. April 2008 - II ZB 27/07 - NJW-RR 2008, 1455 Rn. 4 [BGH 28.04.2008 - II ZB 27/07] jeweils zum Erreichen der erforderlichen Beschwer).
Diesen Maßstäben genügt der angefochtene Beschluss nicht. Nach dessen Gründen enthält die Berufungsbegründung vom 23. Juni 2014 keine Berufungsanträge. Aus ihr gehe nur hervor, dass der Beklagte zu Unrecht die streitgegenständlichen Personenstandsurkunden besitze und deswegen ein Herausgabeanspruch bestehe. Aus den Gründen des angefochtenen Beschlusses ist demnach schon nicht ersichtlich, welche weiteren Anträge der Kläger in erster Instanz gestellt hat. Eine Beurteilung des Rechtsbeschwerdegerichts, in welchem Umfang das amtsgerichtliche Urteil vom Kläger angefochten worden und ob die Verwerfung der Berufung (insoweit) zu Recht erfolgt ist, ist demnach nicht möglich.
b) Ein weiterer Rechtsfehler liegt darin, dass das Landgericht selbst von einem mit der Berufung weiterverfolgten Herausgabeantrag ausgegangen ist und eine Verwerfung der Berufung daher insoweit nicht zulässig war.
Nach den Gründen des angefochtenen Beschlusses kann aus der Berufungsbegründung "allenfalls herausgelesen" werden, dass der zweite Antrag (auf Herausgabe) weiterverfolgt werde. Der Antrag zu 2 sei allerdings nicht hinreichend konkretisiert, denn die Personenstandsurkunden, die herausgegeben werden sollten, seien nicht konkret bezeichnet worden, obwohl dies -jedenfalls in zweiter Instanz - möglich gewesen sei.
Ob die weitere von der Rechtsbeschwerde erhobene Rüge einer Verletzung des rechtlichen Gehörs begründet ist, bedarf keiner Entscheidung.