Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=17%20U%20145/14
Timestamp: 2019-01-20 10:02:17
Document Index: 78653273

Matched Legal Cases: ['§ 81', '§ 357', '§ 355', '§ 491', 'BGH', 'BGH', '§ 355', '§ 357', '§ 351', '§ 355', 'BGH', '§ 357', '§ 351', '§ 355', '§ 357', '§ 355', '§ 351', '§ 491', '§ 495', '§ 355', '§ 495', '§ 357', '§ 355', '§ 495', '§ 355', '§ 543', 'BGH']

OLG Karlsruhe, 15.12.2015 - 17 U 145/14 - dejure.org
Verbraucherdarlehensvertrag: Wirksamkeit der Ausübung des Widerrufsrechts bei von Eheleuten geschlossenen Darlehensverträgen; Umfang einer erteilten Prozessvollmacht
Nur gemeinsame Ausübung eines Widerrufsrechts bei mehreren Vertragspartnern - hier: Ehegatten sowie keine Vertretungsmacht zur Ausübung eines Widerrufsrechts aus gesetzlich festgelegtem Umfang von Prozessvollmacht nach § 81 ZPO
Widerruf eines Darlehensvertrags nur durch alle Darlehensnehmer
Alle Darlehensnehmer müssen Darlehensvertrag widerrufen
Widerruf von Eheleuten nur gemeinsam?
Widerruf eines Darlehensvertrags nur durch alle Darlehensnehmer möglich?
BGB § 357 Abs. 1 Satz 1 a. F., §§ 355, 351
Widerrufsberechtigung bei mehreren Darlehensnehmern
LG Mosbach, 12.08.2014 - 1 O 250/13
ZIP 2016, 460
MDR 2016, 261
Dass Gegenstand eines Verbraucherdarlehensvertrags eine unteilbare Leistung ist, führt in Fällen, in denen Vertragspartner eines Unternehmers als Darlehensgebers neben einem Verbraucher ein weiterer Unternehmer als Darlehensnehmer ist, nicht dazu, dass das Widerrufsrecht des Verbrauchers ausgeschlossen ist (Knops/Martens WM 2015, 2025;… MünchKommBGB/Schürnbrand, 6. Aufl., § 491 Rn. 14; Samhat/Zeelen, EWiR 2016, 193, 194; zur Anwendung des Verbraucherkreditgesetzes auf nur einen der Darlehensnehmer Senatsurteil vom 25. Februar 1997 - XI ZR 49/96, WM 1997, 710; zum Finanzierungsleasing BGH, Urteil vom 28. Juni 2000 - VIII ZR 240/99, BGHZ 144, 370, 380 ff.).
2012, § 355 Rn. 42; OLG Frankfurt/Main, Beschluss vom 11. Mai 2016 - 19 U 222/15, juris Rn. 20; OLG Karlsruhe, WM 2016, 1036, 1038 f.).
Soweit das OLG Karlsruhe (Urteil v. 15.12.2015 - 17 U 145/14) und das Landgericht in der angefochtenen Entscheidung annehmen, aus der Verweisung in § 357 Abs. 1 BGB folge, dass das Widerrufsrecht gemäß § 351 BGB von mehreren Berechtigten nur gemeinsam ausgeübt werden könne (…so auch Kaiser in Staudinger (BGB), § 355 Rn. 42 f.), schließt sich der Senat dem nicht an.
Demgegenüber geht das OLG Karlsruhe davon aus, dass mehrere Darlehensnehmer den Widerruf wirksam nur gemeinsam - auch zeitlich gestaffelt - ausüben können (vgl. OLG Karlsruhe Urteil vom 15.12.2015 - 17 U 145/14, MDR 2016, 261, Tz. 33 ff.).
Eine nicht nur geringfügige inhaltliche Abweichung von der Musterbelehrung liegt schon im Hinblick auf die Formulierungen im Abschnitt "Finanzierte Geschäfte" vor, wie der Senat bereits zu einer weitgehend identischen Belehrung entschieden hat (Urteil vom 15.12.2015 - 17 U 145/14, juris Rn. 29 ff.; Urteil vom 08.11.2016 - 17 U 203/15 ebenso OLG Stuttgart…, Urteil vom 29.09.2015 - 6 U 21/15, juris Rn. 30 ff.; OLG Frankfurt…, Urteil vom 27.01.2016 - 17 U 16/15, juris Rn. 29 ebenso jetzt BGH…, Urteil vom 12.07.2016 - XI ZR 564/15, WM 2016, 1930 Rn. 25).
Durch die Verweisung in § 357 Abs. 1 Satz 1 BGB a. F., wonach auf das Widerrufs- und das Rückgaberecht die Vorschriften über den gesetzlichen Rücktritt entsprechend Anwendung fin d en, soweit nicht ein anderes bestimmt ist, ist auch die für das gesetzliche Rücktrittsrecht geltende Regelung des § 351 BGB in Bezug genommen worden (so auch OLG Karlsruhe, Urteil vom 15. Dezember 2015 - 17 U 145/14 - OLG Koblenz…, Urteil vom 19. August 2016, - 8 U 1299/15 - a. A. MüKo/BGB/Masuch, 5. Auflage 2007, § 355 Rn. 24 und MüKo/BGB/Ulmer, 4. Auflage 2003, § 357 Rn. 9).
Das Berufungsgericht hat zur Begründung seiner Entscheidung (OLG Karlsruhe, WM 2016, 1036 ff.) - soweit für das Revisionsverfahren noch von Bedeutung - im Wesentlichen ausgeführt:.
Zwar wird vertreten, dass der Widerruf mehrerer Darlehensnehmer gemäß §§ 355, 495 Abs. 1 BGB a. F. gemeinsam auszuüben war (so OLG Karlsruhe, Urteil vom 15.12.2015 - 17 U 145/14, MDR 2016, 261, Tz. 33 ff. m. w. N.; OLG Frankfurt, Beschluss vom 11.5.2016 - 19 U 222/15 - zitiert nach juris Tz. 20).
Nach § 351 BGB ist jedoch von einer Unteilbarkeit des Rücktrittsrechts auszugehen, d. h. bei einer Mehrheit von Beteiligten kann das Rücktrittsrecht bzw. das Widerrufsrecht nur einheitlich ausgeübt werden (siehe dazu auch OLG Karlsruhe, in: MDR 2016, 261, 262).
Unter Beachtung der umfassenden Prüfungspflicht des Senats unter jedem rechtlichen Gesichtspunkte ist zudem festzustellen, dass die Widerrufsbelehrungen vorliegend hinreichend deutlich zum Ausdruck brachten, dass jeder einzelne der beiden Darlehensnehmer zum Widerruf des Darlehensvertrages berechtigt war (ebenfalls in diesem Sinne: OLG Hamm, Urteil vom 21.10.2015 - I-31 U 56/15 = BeckRS 2015, 20137; OLG Stuttgart…, Urteil vom 27.09.2016 - 6 U 46/16, Rn. 39 = zitiert bei juris und OLG Stuttgart, Urteil vom 20.05.2014 - 1 U 182/13, dort S. 10/11; OLG Frankfurt/ Main, Beschluss vom 29.12.2015 - 17 U 139/15 = BeckRS 2016, 07630;… Kessal-Wulf in: Staudinger, BGB, Neubearbeitung 2012, § 491 Rn. 20 und § 495, Rn. 16;… Ulmer in: MüKo zum BGB, 4. Aufl. 2003, § 355 Rn. 25 und § 495 Rn. 20;… Grothe in: Beck'scher Online-Kommentar zum BGB, Bamberger/ Roth, Stand: 23.04.2003, § 357 Rn. 1; ebenso wohl auch: Knops/ Martens, Darlehenswiderruf bei mehreren Kreditnehmern, insbesondere Ehepaare, mehreren Kreditverträgen und Widerrufsrechten in: WM 2015, 2025ff.; Bülow, Widerruf und Anwendung der Vorschriften über den Rücktritt in: WM 2000, 2361, 2362 und 2364; aA hingegen: OLG Karlsruhe, Urteil vom 15.12.2015 - 17 U 145/14 = WM 2016, 1036ff.; vgl. auch OLG Frankfurt/ Main, Beschluss vom 11.05.2016 - 19 U 222/15 = BeckRS 2016, 13821;… Kaiser in: Staudinger, BGB, Neubearbeitung 2012, § 355 Rn. 43;… Möller in: Beck'scher Online-Kommentar zum BGB, Bamberger/Roth, 39. Edition, Stand: 01.05.2016, § 495 Rn. 9).
Eines über die Anforderungen des § 355 Abs. 2 S. 1 BGB a.F. hinausgehenden zusätzlichen Hinweises hierauf bedurfte es nicht (ebenfalls in diesem Sinne: OLG Hamm, Urteil vom 21.10.2015 - I-31 U 56/15 = BeckRS 2015, 20137; OLG Frankfurt/ Main, Beschluss vom 29.12.2015 - 17 U 139/15 = BeckRS 2016, 07630; OLG Stuttgart, Urteil vom 20.05.2014 - 1 U 182/13, dort S. 11; aA: OLG Karlsruhe, Urteil vom 15.12.2015 - 17 U 145/15 = WM 2016, 1036ff.; OLG Frankfurt/ Main, Beschluss vom 11.05.2016 - 19 U 222/15 = BeckRS 2016, 13821).
Die Revision war zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung § 543 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 Alt. 2 ZPO) zur Klärung der Frage der Widerrufsberechtigung jedes einzelnen von mehreren Darlehensnehmern wegen Divergenz zur Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 15.12.2015 (Az. 17 U 145/14 = WM 2016, 1036ff.) zuzulassen.
Schließlich liegt eine weitere nicht nur geringfügige inhaltliche Abweichung von der Musterbelehrung im Hinblick auf die Formulierungen unter "Finanzierte Geschäfte" vor, wie der Senat bereits zu einer weitgehend identischen Belehrung entschieden hat (Urteil vom 15.12.2015 - 17 U 145/14, juris Rn. 29 ff.; ebenso OLG Stuttgart…, Urteil vom 29.09.2015 - 6 U 21/15, juris Rn. 30 ff.; OLG Frankfurt…, Urteil vom 27.01.2016 - 17 U 16/15, juris Rn. 29; vgl. BGH…, Urteil vom 12.07.2016 - XI ZR 564/15 -, juris Rn. 24 f.).
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