Source: https://www.fma.gv.at/querschnittsthemen/fintechnavigator/automated-advice-trading/
Timestamp: 2019-04-22 09:02:48
Document Index: 119165147

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 1']

Digital Asset Management und automatisierte Anlageberatung zieht in die Büros der Wertpapierdienstleister ein. Wieviel „Mensch“ noch in einer persönlichen Beratung oder in Wertpapiertransaktionen sein soll und muss, ist eine der großen Zukunftsfragen der Branche. Automatisierte Tools haben oft teure Entwicklungskosten, versprechen aber langfristige Kostensenkung, die auch an die Kunden weitergegeben werden kann. Neben den allgemeinen Risiken der Produkte gilt es auch die Risiken solcher Tools adäquat einzuschätzen. Nicht zuletzt ist es eine Kulturfrage, ob und welche computerbasierten Anwendungen für Kunden attraktiv sind. Anbieter, die solche Systeme nutzen, können vor dem Hintergrund der damit erbrachten Dienstleistungen (Anlageberatung, Annahme und Übermittlung von Aufträgen, Handel, …) von der FMA zu beaufsichtigen sein.
In diesem Bereich sind sowohl Konzessionstatbestände des BWG als auch Konzessionstatbestände des Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 (WAG 2018) zu beachten. Es kommen konzessionspflichtige Wertpapierdienstleistungen gemäß § 3 Abs. 2 WAG 2018 in Betracht, aber auch das Bankgeschäft des Handels auf eigene oder fremde Rechnung gemäß § 1 Abs. 1 Z 7 und 7a Bankwesengesetz (BWG), sowie Tatbestände für Vermittlungstätigkeiten nach § 1 Abs. 1 Z 18 BWG .
Eine konzessionspflichtige Portfolioverwaltung gemäß § 3 Abs. 2 Z 2 WAG 2018 kann insbesondere dann vorliegen, wenn Sie das System steuern. Das wird bei zentral zusammengeschalteten Trading-Accounts oder Fällen von Copy-Trading grundsätzlich der Fall sein.
Generiert das System auf den Kunden zugeschnittene, persönliche Ein- und Ausstiegssignale, ist eine Anlageberatung gemäß § 3 Abs. 2 Z 1 WAG 2018 wahrscheinlich.
Leitet Ihr System Order zur Ausführung an Banken, Broker oder Emittenten weiter (Order-Routing-System), ist der Tatbestand der Annahme und Übermittlung von Aufträgen gemäß § 3 Abs. 2 Z 3 WAG 2018 zu beachten.
Neben den algorithmischen Handelssystemen können auch automatisierte Beratungssysteme nur unter Berücksichtigung der Konzessionstatbestände betrieben werden, nämlich jenem der Anlageberatung gemäß § 3 Abs. 2 Z 1 WAG 2018. Unabhängig vom Automatisierungsgrad liegt eine Anlageberatung vor, wenn gemäß § 1 Z 3 lit e Wag 2018 eine persönliche Empfehlung zu Kauf/Verkauf/Halten von Finanzinstrumenten abgegeben wird. Ohne Konzession darf eine solche Beratung nicht erfolgen. Die Konzeption eines automatisierten Beratungssystems löst noch keine Konzessionspflicht aus. Das bedeutet, Sie können ohne Konzession ein System aufsetzen und in Folge einem konzessionierten Unternehmen für dessen Tätigkeit zur Verfügung stellen, das Beratungssystem jedoch nicht unter eigenen Namen betreiben.
Wann gilt die Prospektpflicht (Inhalt anzeigen für: Wann gilt die Prospektpflicht)
Im Bereich der Handelssysteme, des Signal-, Social– oder Mirrortrading kann eine Prospektpflicht ebenfalls bestehen, etwa dort, wo die Teilnahme an einem Tradingprogramm über eine Veranlagung oder ein Wertpapier erfolgt, das sie öffentlich anbieten.Wollen Sie Ihr FinTech-Unternehmen selbst über den Weg eines Wertpapiers oder einer Veranlagung gemäß KMG finanzieren – sind Sie also Emittent – gilt der übliche, oben geschilderte Anwendungsbereich des KMG und benötigen Sie oder jemand anders, der dies öffentlich anbietet, einen kapitalmarktrechtlichen Prospekt.
Die Kosten für die Billigung durch die FMA betragen für einen Einmal-Prospekt (für eine konkrete Emission) EUR 3.700 und für einen Basisprospekt EUR 4.200 zuzüglich Gebühren in der Höhe von EUR 36,10. Die Dauer eines Prospektbilligungsverfahrens kann üblicherweise mit 6-8 Wochen ab Ersteinreichung geschätzt werden; ist jedoch stark abhängig von der Qualität der Einreichung sowie von der Komplexität der Materie. Um eine telefonische Abstimmung des Zeitplans wird ersucht. Diese Ausführungen beziehen sich lediglich auf Wertpapierprospekte; die Kosten für Veranlagungsprospekte sowie für die unter Umständen notwendige rechtliche Beratung können von Seiten der FMA nicht eingeschätzt werden.