Source: http://www.hensche.de/Schadensersatz_geschlechtsbezogene_Diskriminierung_keine_Pflicht_zum_Strafschadensersatz_EuGH_C-407-14_Camacho_17.12.2015.html
Timestamp: 2018-06-24 01:31:46
Document Index: 375545620

Matched Legal Cases: ['EuG', '§ 249', '§ 15', '§ 15', 'EuG', 'Art.18']

ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/170
26.05.2016. Die Mit­glieds­staa­ten der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) sind auf­grund ver­schie­de­ner EU-Richt­li­ni­en da­zu ver­pflich­tet, ef­fek­ti­ve Maß­nah­men zum Schutz ge­gen ge­schlechts­be­zo­ge­ne Dis­kri­mi­nie­run­gen zu er­grei­fen.
Da­zu ge­hört ein wirk­sa­mer Aus­gleich oder Er­satz von Schä­den, die Dis­kri­mi­nie­rungs­op­fer er­lit­ten ha­ben. Na­tio­na­le Scha­dens­er­satz­re­ge­lun­gen und de­ren Um­set­zung durch die Ge­rich­te der Mit­glieds­staa­ten müs­sen ab­schre­ckend und zu­gleich an­ge­mes­sen sein.
Schreibt das Eu­ro­pa­recht ei­nen Straf­scha­dens­er­satz als Re­ak­ti­on auf ge­schlechts­be­zo­ge­ne Dis­kri­mi­nie­run­gen vor?
Der spa­ni­sche Vor­la­ge­fall: Se­cu­ri­ty-Mit­ar­bei­te­rin wird nach knapp zweijähri­ger Tätig­keit un­ter dis­kri­mi­nie­ren­den Umständen ent­las­sen
EuGH: Kei­ne Pflicht zur Einführung ei­nes Straf­scha­dens­er­sat­zes bei ge­schlechts­be­zo­ge­nen Dis­kri­mi­nie­run­gen
Nach deut­schem Recht muss ein Rich­ter bei der Er­mitt­lung des Scha­dens, den ei­ne geschädig­te Per­son auf der Grund­la­ge ei­ner Scha­dens­er­satz­vor­schrift ver­lan­gen kann, wie ein Buch­hal­ter ver­fah­ren: Al­le in Geld mess­ba­ren Vermögens­nach­tei­le, die sich in­fol­ge des schädi­gen­den Er­eig­nis­ses er­ge­ben ha­ben, sind aus­zu­glei­chen, da­von sind Vermögens­vor­tei­le oder er­spar­te Auf­wen­dun­gen ab­zu­zie­hen usw.
Im Er­geb­nis soll­te der Geschädig­te durch den Scha­dens­er­satz­an­spruch so ste­hen, als hätte es das schädi­gen­de Er­eig­nis nie ge­ge­ben. Da­her schreibt § 249 Abs.1 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) vor:
Auch wenn die "an­ge­mes­se­ne" Gel­dentschädi­gung den buch­hal­tungsmäßig-pe­ni­bel er­mit­tel­ten Scha­dens­er­satz ergänzt, mit ei­nem Straf­scha­dens­er­satz nach ame­ri­ka­ni­schem Vor­bild hat sie nichts tun. Denn wie hoch ei­ne "an­ge­mes­se­ne" Entschädi­gung im Sin­ne von § 15 Abs.2 AGG sein soll­te, be­ur­teilt sich al­lein nach den Umständen des Ein­zel­falls.
Wer sich zum Bei­spiel für ei­ne für ei­ne Tätig­keit be­wirbt, die mit 2.000,00 EUR brut­to vergütet wird, und die Stel­le auf­grund ei­ner dis­kri­mi­nie­ren­den Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers nicht be­kommt, kann gemäß § 15 Abs.2 AGG je nach La­ge des Fal­les ei­ne Entschädi­gung von zwei, drei oder auch ein­mal von vier Mo­nats­gehältern ver­lan­gen, d.h. die Entschädi­gung be­wegt sich in ei­nem Rah­men von et­wa 4.000,00 bis 8.000,00 EUR. Ei­ne For­de­rung von 1 Mil­li­on EUR würde da­ge­gen den recht­li­chen Rah­men spren­gen.
Da hier von ei­ner "ab­schre­cken­den" Art und Wei­se der Scha­dens­er­satz­be­mes­sung die Re­de ist, fragt sich, ob der vollständi­ge Aus­gleich ei­nes Dis­kri­mi­nie­rungs­scha­dens (zuzüglich ei­ner Entschädi­gungs­kom­po­nen­te) aus­rei­chend ist.
Das mit dem Fall be­fass­te Juz­ga­do de lo So­ci­al n°1 de Córdo­ba (Ge­richt für So­zi­al- und Ar­beits­sa­chen Nr.1 von Córdo­ba) setz­te den Fall aus und leg­te dem EuGH die Fra­ge vor, ob Art.18 der Richt­li­nie 2006/54/EG die Ge­rich­te der EU-Mit­glieds­staa­ten ver­pflich­te, in Fällen ei­ner ge­schlechts­be­zo­ge­nen Dis­kri­mi­nie­rung ei­nen Straf­scha­dens­er­satz zu verhängen.
Nach An­sicht des spa­ni­schen Ge­richts be­ruh­te die Kündi­gung nämlich auf ei­ner ge­schlechts­be­zo­ge­nen Dis­kri­mi­nie­rung (war­um, wird nicht ge­sagt), doch wären die da­durch ver­ur­sach­ten Schäden Frau Ca­ma­chos mit 3.000,00 EUR vollständig aus­ge­gli­chen (war­um, wird nicht ge­sagt). Ein Scha­dens­er­satz von 6.000,00 EUR käme nur als Straf­scha­dens­er­satz in Be­tracht. Ei­ne sol­che Art von Scha­dens­er­satz sieht das spa­ni­sche Recht aber nicht vor.