Source: http://www.klartext-jura.de/2016/12/21/jura-lernen-mit-thomas-tuchel-die-kurze-freiheitsstrafe/
Timestamp: 2020-07-09 18:35:12
Document Index: 204299030

Matched Legal Cases: ['§ 38', '§ 47', '§ 267', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47']

Jura lernen mit Thomas Tuchel: Die kurze Freiheitsstrafe - klartext-jura.de
Dem steht § 38 Abs. 2 StGB entgegen:
Und wenn man einmal dabei ist, etwas über die kurze Freiheitsstrafe zu lernen, sollte man noch einen Blick in § 47 Abs. 1 StGB werfen:
Des Weiteren stellt § 267 Abs. 3 StPO für den Fall der Verhängung einer kurzen Freiheitsstrafe ein besonderes Begründungserfordernis auf:
Die Gründe des Strafurteils müssen ferner das zur Anwendung gebrachte Strafgesetz bezeichnen und die Umstände anführen, die für die Zumessung der Strafe bestimmend gewesen sind. Macht das Strafgesetz Milderungen von dem Vorliegen minder schwerer Fälle abhängig, so müssen die Urteilsgründe ergeben, weshalb diese Umstände angenommen oder einem in der Verhandlung gestellten Antrag entgegen verneint werden; dies gilt entsprechend für die Verhängung einer Freiheitsstrafe in den Fällen des § 47 des Strafgesetzbuches.
So kann man aus einer Tuchel’schen-„Wutrede“ noch Nutzen für’s juristische Lernen ziehen :-).
26. Dezember 2016 um 17:30 Uhr
Schön erörtert. In der Tat stellt die Verhängung einer kurzen Freiheitsstrafe unter 6 Monaten nach § 47 Abs. 1 StGB in der Praxis wie vom Gesetzgeber gewollt eher die Ausnahme dar. Eine Geldstrafe ist in diesem Rahmen vorrangig und zwar selbst dann, wenn das Gesetz keine Geldstrafe im betreffenden Fall vorsieht (§ 47 Abs. 2 StGB). In der Regel ist nämlich eine kurze Freiheitsstrafe unter spezialpräventiven Gesichtspunkten eher verfehlt, denn der Täter könne aus seinen sozialen Verflechtungen gerissen, zudem wegen der kurzen Zeit nicht wirksam beeinflusst werden und in ein kriminogenes Umfeld geraten.
Die kurze Freiheitsstrafe stellt eine ultima ratio dar und ist insbesondere bei beharrlichen Wiederholungstätern anzuwenden, weil der Täter mehrfach und zudem einschlägig vorbestraft ist und insgesamt ein hartnäckiges gemeinschädliches Verhalten vorliegt.
Für einen erstmaligen Ladendiebstahl ohne einschlägige Vorstrafen würde jedoch kein deutsches Gericht eine kurze Freiheitsstrafe verhängen.
Das ist ja fast ein Kommentar zu § 47 StGB – vielen Dank.