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Timestamp: 2020-07-13 08:07:47
Document Index: 91158699

Matched Legal Cases: ['§ 39', '§44', '§44', '§44', '§44', '§ 44']

Der allgemeine Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen ist in § 39 BNatSchG festgelegt und umfasst dabei allgemeine Regelungen zum Schutz von Arten und ihren Lebensstätten (beispielsweise das Verbot, Tiere mutwillig zu beunruhigen oder zu töten) und speziellere Regelungen wie Fristen für den Gehölzschnitt und die Mahd von Röhrichten.
Für die „besonders“ und die „streng“ geschützten Arten29 sind in §44 BNatSchG mit den so genannten „Zugriffsverboten“ hohe Schutzstandards formuliert, die auch in spezieller Form (§44 Absatz 5 BNatSchG) bei Planungen und Vorhaben zu beachten sind. So sind hier in der Regel artenschutzrechtliche Prüfungen durchzuführen. Damit ist sicherzustellen, dass – gegebenenfalls durch Anpassung der Planung, durch Vermeidungsmaßnahmen und durch vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen etc. –Verstöße gegen die Zugriffsverbote unterbleiben.
Besondere Anforderungen ergeben sich aus den artenschutzrechtlichen Regelungen der Vogelschutzrichtlinie und der FFH-Richtlinie, die über §§44 ff BNatSchG umgesetzt sind. Diese Vorschriften schützen alle heimischen Vogelarten und die Arten des Anhanges IV der FFH-Richtlinie. Zum Vorkommen der Anhang IV-Arten im Planungsraum siehe Kapitel 2.1.6: Lebensräume und in den Erläuterungen, Kapitel 1.1: Lebensräume.
Die Zugriffsverbote für besonders oder streng geschützte Arten sind grundsätzlich anzuwenden, so dass viele Handlungen den Vorgaben angepasst werden müssen. Ein Beispiel hierfür ist die Gewässerunterhaltung, bei der eine Vielzahl von besonders oder streng geschützten Arten betroffen sein kann, wie zum Beispiel Neunaugen, Fischarten wie Steinbeißer, Groppe oder Schlammpeitzger und Muscheln sowie die vom Aussterben bedrohte Kleine Bachmuschel.
Das MELUND hat daher zusammen mit den WBV praktikable Vorgaben entwickelt, wie die öffentlich-rechtliche Verpflichtung der Gewässerunterhaltung artenschutzrechtskonform durchgeführt werden kann. Das Land stellt zum Beispiel im Internet Hinweise zu Vorkommen relevanter Arten zur Verfügung und empfiehlt die Erstellung von Gewässerpflegeplänen auch außerhalb von NSG, wo sie vielfach bereits verpflichtend zu erstellen sind. Außerdem wurde eine Broschüre mit „Empfehlungen für eine schonende und naturschutzgerechte Gewässerunterhaltung“ (MELUR 2013) erstellt. Beispiele für schonende Gewässerunterhaltung sind das nur abschnittsweise Krauten der Gewässer, die Stromstrichmahd oder die Schonung der Unterwasserböschung bei der Grundräumung. Im Rahmen einer Zielvereinbarung „Schonende Gewässerunterhaltung“ werden von den WBV für das jeweilige Verbandsgebiet Unterhaltungskonzepte aufgestellt und für die naturschutzrelevanten Abschnitte bezüglich der schonenden Unterhaltung auch mit den unteren Naturschutzbehörden abgestimmt.
Gemäß §44 Absatz 4 BNatSchG gelten die Zugriffsverbote für die der guten fachlichen Praxis entsprechenden land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Bodennutzung nicht. Wenn jedoch in Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführte Arten oder europäische Vogelarten betroffen sind, sind diese Wirtschaftszweige nur freigestellt, soweit sich der Erhaltungszustand der lokalen Population dieser europäischen Arten durch die Bewirtschaftung nicht verschlechtert. Soweit dieses nicht durch anderweitige Schutzmaßnahmen (beispielsweise Gebietsschutz, Artenschutzprogramme oder vertragliche Vereinbarungen) verhindert werden kann, müssen Bewirtschaftungsvorgaben für die verursachenden Land-, Forst- oder Fischwirte erlassen werden.
Um diese Wirtschaftszweige bei der Einhaltung dieser Vorschrift zu unterstützen und Bewirtschaftungsvorgaben im Sinne des § 44 Absatz 4 BNatSchG zu vermeiden, hat das Land unter anderem im Rahmen des Artenhilfsprogrammes einen Schwerpunkt auf Maßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung der Vorkommen von europäischen Arten gelegt, deren Vorkommen sich in Schleswig-Holstein in einem schlechten Erhaltungszustand befinden.
Zur Umsetzung der Artenschutzverpflichtungen aus der FFH- (Artikel 12) und der Vogelschutzrichtlinie (Artikel 5) der EU werden Maßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung gemeinschaftsrechtlich zu schützender Arten und ihre Lebensgrundlagen finanziert. Dies gilt darüber hinaus auch für Arten, für die das Land Schleswig-Holstein bundesweit eine besondere Bedeutung hat, auch wenn diese nicht unmittelbar gemeinschaftsrechtlich geschützt sind. Die Auswahl der prioritär zu fördernden Arten erfolgt nach den im „Artenhilfsprogramm Schleswig-Holstein“ (2008) dargestellten Kriterien.
Die Aufgabe des Artenschutzes umfasst auch aktive Maßnahmen zur Erhaltung oder Verbesserung des Zustandes von Artvorkommen. Insbesondere für die europäischen Arten besteht die Verpflichtung aus der FFH- bzw. der Vogelschutzrichtlinie, einen günstigen Erhaltungszustand für die dort genannten Arten zu erreichen. Wie in Kapitel 2.1.6: Lebensräume und in den Erläuterungen in Kapitel 1.1: Lebensräume dargestellt, sind für zahlreiche Arten noch erhebliche Schutzanstrengungen erforderlich. Neben dem Lebensraumschutz - zum Beispiel in Schutzgebieten oder durch Vertragsnaturschutz - benötigen viele Arten zusätzliche, teils artspezifische Schutzmaßnahmen wie beispielsweise Schutz vor Prädatoren, Vermeidung von Störungen, Maßnahmen zum Lebensraumverbund (zum Beispiel Grünbrücken) oder Wiederansiedlungsmaßnahmen für ausbreitungsschwache Arten.
Nicht für alle gefährdeten Arten ist die Dringlichkeit, Maßnahmen zu ergreifen, gleich hoch. Das „Artenhilfsprogramm Schleswig-Holstein“ (AHP – MLUR 2008) zeigt hier auf, für welche Arten(-gruppen) die höchste Priorität besteht und welche Instrumente zum Schutz eingesetzt werden können. Neben dem Gefährdungsgrad spielt hier auch die Verantwortlichkeit Schleswig-Holsteins für die Erhaltung der jeweiligen Art in Deutschland oder Europa eine herausragende Rolle (Verantwortungsarten30). Besondere Aufmerksamkeit ist bei Projekten des Landes (auch mit Hilfe der Artenagentur Schleswig-Holstein) oder Dritter auf die Arten des Anhanges IV der FFH-Richtlinie und Vogelarten, deren Bestände sich in einem ungünstigen Erhaltungszustand befinden, zu legen.
Bei Kranich und Seeadler konnten sich die Bestände in den letzten Jahrzehnten durch Maßnahmen zum Lebensraumschutz aber auch spezielle Artenschutzmaßnahmen wie zum Beispiel Einrichtung von Horstschutzzonen und Horstbewachung deutlich vergrößern. Während in den 1970er Jahren nur noch wenige Brutpaare im südöstlichen Landesteil vorkamen, sind beide Arten inzwischen landesweit verbreitet und weisen stabile Bestände auf. Beide Arten werden nun nicht mehr in der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel in Schleswig-Holstein geführt.
Der Uhu, der in Schleswig-Holstein zwischenzeitlich ausgerottet war, wurde durch Auswilderung in den Jahren 1981 bis 2002 wieder angesiedelt. Inzwischen hat sich im gesamten Land eine stabile Population dieser Art etabliert, deren Entwicklung durch regelmäßiges Monitoring dokumentiert wird. Der Uhu profitiert dabei offensichtlich sehr von der Kombination aus kleineren Wäldern und Feldgehölzen mit umliegendem Grünland und Gewässern, die ihm ausreichend Nahrung bieten. Ob sich der Landschaftswandel, insbesondere die Zunahme von Maisanbauflächen, auf den Bestand des Uhus negativ auswirkt, bleibt zu beobachten.
Der Schutz von Amphibien steht seit langem im Fokus des Artenschutzes, wobei ab dem Jahr 2000 die Maßnahmen zum Amphibienschutz stärker auf Schwerpunkträume seltener Arten und auf großflächigere Maßnahmen (zum Beispiel Weidelandschaften) fokussiert sind. Bei allen Amphibienarten des Anhanges IV der FFH-Richtlinie konnte eine Stabilisierung der Bestände (zum Teil aber auf geringem Niveau) oder eine Ausweitung der Vorkommensgebiete und Bestände erreicht werden. Besonders positiv hat sich - im Gegensatz zum Bundestrend - der Laubfroschbestand entwickelt, der bei einer Neufassung der Roten Liste vermutlich nicht mehr als gefährdet eingestuft werden muss.
Der Löffler, der zu den Reihern zählt, ist ein „Neubürger“ in Schleswig-Holstein. Im Jahr 2000 kam es zur ersten Brut auf der Hallig Oland. Seit 2007 brüten Löffler auch auf Föhr und seit 2009 auch auf Südfall. Der Löffler brütet hier in den Salzwiesen und sucht vor allem im Watt nach Nahrung. Die Besiedlung steht im Zusammenhang mit der starken Zunahme des Bestandes in den Niederlanden, von wo aus sich die Art über Niedersachsen nach Schleswig-Holstein ausbreitete. Neben der Störungsarmut ist der Schutz vor Prädatoren wichtig.
Trotz der genannten Erfolge besteht auch weiterhin großer Handlungsbedarf im Artenschutz, da sich weiterhin Bestände vieler Arten in einem ungünstigen Erhaltungszustand befinden. Von den in Schleswig-Holstein vorkommenden Arten des Anhanges IV FFH-Richtlinie befanden sich 2013 zahlreiche Arten in einem unzureichenden oder gar schlechten Erhaltungszustand (siehe Kapitel 2.1.6: Lebensräume, Kapitel 2.1.7: Schutzgebiete und –objekte sowie in den Erläuterungen, Kapitel 1.1: Lebensräume).
Um die verschiedenen Ansätze und das Spektrum der Maßnahmen zu dokumentieren, werden im Folgenden für den Planungsraum einige Beispiele dargestellt.
Einen Schwerpunkt im Planungsraum stellen Maßnahmen zum Schutz von Wiesen- und Küstenvögeln dar. Eine hohe Bedeutung für die Umsetzung von Artenschutzmaßnahmen für diese Artengruppen kommt den Schutzgebieten (Natura 2000, NSG, Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer), den landeseigenen Flächen und Flächen der Naturschutzstiftungen zu.
Zum Schutz der im Brutbestand stark rückläufigen Uferschnepfe, aber auch der Restvorkommen von Alpenstrandläufer und Kampfläufer wird seit 2012 durch die Stiftung Naturschutz mit verschiedenen Projektpartnern das Projekt LIFE-Limosa durchgeführt (siehe. Kapitel 4.2.1: Projekte, Programme und Kooperationen). Projektgebiete im Planungsraum sind der Rickelsbüller Koog, Hauke-Haien-Koog, die Vordeichung Ockholm, der Beltringharder Koog, die Untere Treene/ Ostermoor, Eiderstedt und das Eiderästuar. Die Projektflächen liegen überwiegend in Vogelschutzgebieten und befinden sich im Eigentum der öffentlichen Hand. Geplant und umgesetzt werden Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume der Zielarten, aber auch spezielle Maßnahmen zur Erhöhung des Bruterfolges. Neben den genannten Zielarten sollen weitere Wiesenvogelarten wie Kiebitz und Rotschenkel von den ergriffenen Maßnahmen profitieren.
Eine weitere Art, für die besondere Maßnahmen ergriffen werden, ist der Seeregenpfeifer. Mehr als 95 Prozent des im Jahr 2011 auf nur noch 240 Brutpaare bezifferten deutschen Brutbestandes befinden sich in Schleswig-Holstein vor allem im Beltringharder Koog. Für diese Verantwortungsart wurden und werden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, um die genauen Lebensraumansprüche der Art - insbesondere während der Jungenaufzucht – festzustellen. Erste Maßnahmen haben bereits zu einer Bestandsstabilisierung und –vergrößerung beigetragen. Dazu zählt die Beweidung geeigneter Flächen im Beltringharder Koog, die eine ausreichend niedrige Vegetation in der Brutzeit sichert. Für den Bestand im Katinger Watt hat sich das Belassen von Treibsel als einfache, aber effektive Schutzmaßnahme erwiesen. Eine weitere effektive Maßnahme ist die Einrichtung von mobilen Schutzzonen in den jeweils jahrweisen von Seeregenpfeifern besiedelten Bereichen, die auch touristisch bedeutsam sind. So sollen auch in anderen Küstenabschnitten durch geeignete Maßnahmen wieder stabile Teilpopulationen aufgebaut werden.
Im Rahmen des Artenhilfsprojektes „Gewöhnliche Kuhschelle“ wird die Gewöhnliche Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris) an ausgewählten Stellen im ursprünglichen Verbreitungsgebiet der Mittleren Treenelandschaft (Kreis Schleswig-Flensburg) wiederangesiedelt.
Für Pulsatilla vulgaris sollen sich an der Mittleren Treene wieder stabile, sich selbst reproduzierende Populationen in ausreichender Zahl aufbauen. Sie ist eine Charakterart des prioritären FFH-Lebensraumtyps „Basenreiche Sandmagerrasen“ (6120). Der Erhalt des Lebensraumtyps und der angesiedelten Kuhschellen wird durch eine extensive Schaf- und Rinderbeweidung sichergestellt. In besonderen Fällen können spezielle Pflegemaßnahmen (Freimähen, Plaggen) durch einen örtlichen Landschaftspflegetrupp durchgeführt werden.1997 wurden in der oberen Treenelandschaft nur noch vier Kuhschellenpflanzen auf nur wenigen Quadratmeter großen Flächen bei Keelbek festgestellt. Aufgrund des drohenden Aussterbens von Pulsatila. vulgaris in Schleswig-Holstein wurden folgende Sofortmaßnahmen festgelegt:
Intensivpflege der Restvorkommen,
Vermehrung durch Aussaat von Samen der noch authochtonen Restvorkommen und
Maßnahmen zur Wiederansiedlung und Wiederausbreitung.
Mit dem gewonnenen Saatgut und der Anzucht von Jungpflanzen konnten ab 2000 bis 2006 etwa 200 Individuen in der Umgebung von Eggebek und Tydal wieder angesiedelt werden. Insgesamt hat sich die Population von rund 50 Pflanzen mit einem 25 Prozent Wiederansiedlungserfolg stabilisieren können. Die bestehenden Vorkommen werden vom Naturschutzverein Obere Treenelandschaft e.V. gepflegt. In einem von der Artenagentur und dem LLUR initiierten Projekt wurde vom Förderverein Mittlere Treene von 2010 bis 2012 eine Wiederansiedlung im Bereich der Mittleren Treene durchgeführt und somit die Gewöhnliche Kuhschelle auch in einem weiteren Teilgebiet ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes erfolgreich wiederangesiedelt. Durch eine angepasste Pflege der Standorte sollen die Vorkommen dauerhaft gesichert werden.
Die Landschaft des Planungsraumes zeichnet sich durch unterschiedliche und vielfältig ausgestattete Naturräume aus. Die weiten, mit Gräben durchzogenen Marschlandschaften, die Eichenmischwälder auf den sandigen Böden der Geest, das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer sowie die Hallig- und Inselwelt Nordfrieslands, beeindruckende Dünenlandschaften sowie die Förden und vielgestaltigen Küsten der Ostsee stellen herausragende Erlebnis- und Erholungsräume für den Menschen dar. Den Reiz einer naturerlebenden und -verträglichen Erholung machen die vielfältigen Wahrnehmungen der einzelnen Sinne aus.
Naturerleben ist grundsätzlich überall möglich: im eigenen Garten, im öffentlichen Park, auf einer brachliegenden Fläche am Ortsrand, bei Spaziergängen durch die Landschaft oder am Strand.
Besondere Naturerlebnisse bieten die einzelnen Schutzgebiete des Landes: der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, die Biosphärenreservate Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen sowie Flusslandschaft Elbe, die sechs Naturparke sowie die zahlreichen NSG. Hinzu kommen Flächen der Stiftung Naturschutz, die ausdrücklich zum Naturerleben einladen.
Schlei (rund 500 km2).
als zentrales Ziel die Verbindung vom Schutz und der Nutzung von Natur und Landschaft gesetzt.
Sie schützen, erhalten und pflegen wertvolle Lebensräume, treten als Vermittler zwischen Naturschutz und Landnutzern auf und setzen sich insbesondere auch für einen naturverträglichen Tourismus ein. Sie sind somit ein ideales Instrument für die Umsetzung der auf europäischer und nationaler Ebene geforderten integrierten und nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raumes. Naturparke leisten als großflächige Erholungsgebiete einen wichtigen Beitrag zur Identität, zum Erhalt und zur Entwicklung der Region. Alle sechs Naturparke besitzen nicht nur umfangreiche Wander-, Fahrrad-, Reit- und Wasserwanderwege, sondern bieten spezielle Naturerlebnisangebote. Grundlage eines jeden Naturparkes ist der dazugehörige Naturparkplan. Die Naturparkpläne enthalten Informationen über die Größe, Lage und Ausstattung sowie geplante Maßnahmen, Ziele und Leitbilder. Im Planungsraum liegt der Naturpark „Schlei“.
Die Schlei mit ihren Nooren, Überschwemmungsgebieten, Salzwiesen, Strandwällen und Windwatten ist das prägende Element des Naturparks. Die 42 Kilometer weit ins Landesinnere reichende Förde der Schlei bietet aufgrund des von Ost nach West abnehmenden Salzgehaltes für viele verschiedene Lebensgemeinschaften Raum. Die strömungsberuhigten Wasserflächen der Schlei stellen zudem Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiete zahlreicher gefährdeter Vogelarten dar.
Erhalt und Entwicklung dieser Lebensräume ist ein besonderes Anliegen des Naturparkes. Dazu zählt auch die Erhaltung bzw. Wiederherstellung einer hohen Wasserqualität.
Im Naturpark Schlei spielt der Tourismus eine herausragende Rolle. Die Unterkunftsmöglichkeiten sind vielfältig. Im Naturpark sind Radwege ausgeschildert, darunter die Radfernwege Wikinger-Friesen-Weg und Ochsenweg sowie fünfzehn beschilderte Themenradwege. Die Schleiregion weist zudem ein umfangreiches Wanderwegenetz auf, das durch ausgewiesene Nordic-Walking-Strecken ergänzt wird. Abwechslungsreiche Angebote, die Gewässer im Rahmen von Kanu-, Boots- und Segeltouren zu erkunden, bieten vielfältige Möglichkeiten, den Naturpark zu entdecken. Wasserwanderrastplätze und ein naturnaher Zeltplatz auf der Lotseninsel bieten Paddlern, Ruderern und Kanuten die Möglichkeit, die Natur direkt zu erleben. Der Naturpark bietet zudem zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen zu den Themenbereichen Naturerlebnis und Umweltbildung an. Mehrere Naturerlebnisräume liegen im Naturpark.
Aufbauend auf die Besonderheiten des Landschaftsraumes sollen das Naturerleben und der Naturtourismus in der Region gestärkt und barrierefrei ausgebaut werden. Mit modernen Naturinformationszentren, geführten Touren und kompetenter Betreuung vor Ort möchte der Naturparkträger Gästen und Einheimischen den Naturpark Schlei näher bringen.
Neben den naturräumlichen Besonderheiten der Region ist diese aber auch hinsichtlich ihrer archäologischen Bedeutung hervorzuheben. Eine große Zahl an historischen Funden und Stätten belegt eine frühe Besiedlung der Region. Besonders bedeutsam sind die Wikingerstätten Danewerk und Haithabu, die sowohl Kultur- als auch Naturdenkmäler sind. Das Wikingermuseum Haithabu und seine Umgebung am Haddebyer Noor sowie das sich in westliche Richtung anschließende Danewerk stellen einen Kultur- und Naturraum dar, in dem Kulturgeschichte und Natur auf einzigartige Weise verknüpft sind. Vor über 1.000 Jahren, in der Wikingerzeit, trafen hier in der Grenzregion zwischen Skandinavien und Mitteleuropa Dänen, Friesen, Sachsen und Slawen aufeinander. Dänische Könige begannen das Danewerk als Grenzbefestigung auszubauen. So sicherten sie die Südgrenze ihres Reiches und den Handelsweg zwischen Nord- und Ostsee. Das Danewerk bestand aus Erdwällen, Mauern, Gräben und einem Sperrwerk in der Schlei. Wichtigster Handelsort und Verkehrsknotenpunkt war Haithabu. Große Teile des Danewerkes und ganz Haithabu sind NSG. Die hier vorkommenden Arten und Lebensräume sind selten gewordene und daher wertvolle Überreste einer ursprünglichen Naturlandschaft. Borstgrasrasen, Magerrasen, Heiden, Mittel- und Eichenkrattwälder waren ursprünglich weit verbreitet. Am Danewerk und in Haithabu sind Naturschutz und Denkmalschutz durch gemeinsame Schutz- und Erhaltungsziele eng miteinander verbunden. In Haithabu und am Danewerk sind somit aktuell archäologische Forschung, Denkmalschutz und Naturschutz eng miteinander verzahnt. Die NSG beherbergen die größten archäologischen Schätze des Landes – und andersherum: die wichtigsten kulturgeschichtlichen Stätten beherbergen gefährdete Lebensraumtypen und Arten. Das Besondere an Haithabu und dem Danewerk ist jedoch, dass sich auch der jahrhundertelange Einfluss des wirtschaftenden Menschen auf die Natur nachvollziehen lässt. In Haithabu wird deutlich, wie die Wikinger die Landschaft durch ihre Wirtschaftsweisen geprägt und verändert haben, beispielsweise durch die Rodung von Wäldern zum Bau von Schiffen oder die Beweidung der Landschaft mit Schafen und anderen Nutztieren (http://www.haithabu-danewerk.de/index.php/de/).
Eine weitere Besonderheit der Region stellt das Informationszentrum für den Nationalpark „Multimar Wattforum“ in Tönning dar. Mit rund 36 Aquarien und mehr als 280 Arten von Fischen, Krebsen, Muscheln und Schnecken können die Besucherinnen und Besucher in die Welt des Wattenmeeres eintauchen. Die Aquarien sind aber nur ein Teil der großen Ausstellung, die sich multimedial erleben lässt (http://www.multimar-wattforum.de/).
Das ehemalige Watt- und Salzwiesengebiet der Flussmündung der Eider wurde von 1967 bis 1973 aus Hochwasserschutzgründen eingedeicht und hat sich seitdem unter dem Schutz und der Pflege des NABU Schleswig-Holstein zu einem einzigartigen Refugium für Pflanzen und Tiere entwickelt.
Im NABU Naturzentrum Katinger Watt erwartet die Besucherinnen und Besucher ein kleiner Naturgarten mit Ausstellung und vielfältigen Naturerlebnissen. Das Team des NABU begleitet die Besucherinnen und Besucher auf spannende Exkursionen durch das Gebiet mit seinen Wiesen und Wäldern sowie den angrenzenden Nationalpark Wattenmeer (https://schleswig-holstein.nabu.de/natur-und-landschaft/naturzentren-naturstationen-infos/katinger-watt/).
Im Planungsraum ist darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Angebote zum Naturerleben zu finden. An dieser Stelle werden stellvertretend ausgewählte Naturerlebnisangebote vorgestellt.
Die Gemeinde Maasholm hat Ende der 1980er Jahre eine ehemalige Raketenstation in unmittelbarer Nähe des Ostseestrandes und des Vogelschutzgebietes Oehe-Schleimünde übernommen und in ein interessantes Naturerlebniszentrum verwandelt.
Besondere Attraktionen sind der Wind-Wasser-Küsten-Spielplatz, eine Erlebnis-Ausstellung und das große Freigelände mit phänologischem Garten, Obstwiese und Findlingsgarten. Das Naturerlebniszentrum erreichen Besucherinnen und Besucher über einen zwei Kilometer langen Lehrpfad. Leihfahrräder werden vor Ort angeboten (http://www.naturerlebniszentrum.de/).
In der Abbildung 44: Natur erleben sind der im Planungsraum liegende Naturpark, die Naturerlebnisräume, Integrierten Stationen (siehe Kapitel 4.2.1: Projekte, Programme und Kooperationen) sowie besondere Informationszentren des Naturschutzes dargestellt.
Leitlinie des Bodenschutzes ist eine nachhaltige, umweltverträgliche Bodennutzung. Hierbei sollen die mit den Nutzungen verbundenen Belastungen des Bodens nicht zu einer dauerhaften Einschränkung der Grundfunktionen der Böden führen.
Böden mit besonderer Bedeutung für den Natur- und Wasserhaushalt sowie für die landwirtschaftliche Nutzung sollen möglichst nicht in Anspruch genommen werden. Zur Einstufung der Böden ist die Bodenfunktionsbewertung (siehe Kapitel 2.1.1.2: Böden, Geotope und Archivböden) heranzuziehen. So geben die in den Erläuterungen unter Kapitel 2.2.1: Bodenfunktionen dargelegten Ausführungen zu den einzelnen Bewertungskarten Auskunft über die Bedeutung des bewerteten Kriteriums im Hinblick auf die jeweilige Bodenteilfunktion und erläutern regionale Ausprägungen der Böden.
Die Bewirtschaftung im Bereich der durch Winderosion gefährdeten Böden (siehe Abbildung 3: Winderosionsgefährdung), der ackerbaulich genutzten Moorstandorte sowie der durch Wassererosion gefährdeten Standorte (siehe Abbildung 4: Wassererosionsgefährdung), die vor allem in der Jungmoränenlandschaft vorkommen, soll entsprechend angepasst erfolgen. Nähere Ausführungen zum Prozess der Bodenerosion, zur Verbreitung wind- und wassererosionsgefährdeter Böden und zu Maßnahmen zur Vermeidung von Bodenerosion bei der landwirtschaftlichen Bodennutzung sind Kapitel 2.1.1: Böden und Gesteine und in den Erläuterungen, Kapitel 2.1: Böden sowie in den Kapiteln zur landwirtschaftlichen Bodennutzung enthalten.
Abbildung 45: Verdichtungsempfindlichkeit der Böden zeigt im Planungsraum Gebiete mit (sehr) stark verdichtungsempfindlichen Böden. In dieser Karte wird deutlich, dass neben der Bodenart auch die Bodenfeuchte, die sowohl von den Niederschlägen, als auch von der Bodennutzung abhängt, eine herausragende Rolle bei der Empfindlichkeit von Böden gegenüber Verdichtungen spielt. Im Allgemeinen ist die Verdichtungsempfindlichkeit im Sommer eine Stufe geringer als im Winter. In der Übergangszeit, das heißt im zeitigen Frühjahr und im späten Herbst ist in der Regel von einer den Winterverhältnissen ähnlichen Verdichtungsempfindlichkeit auszugehen. Zusätzlich fallen im Norden Schleswig-Holsteins tendenziell höhere Niederschläge als im Süden, so dass die Verdichtungsempfindlichkeit in vergleichbaren Landschaften im Norden etwas höher ist als im Süden. Insbesondere bei Infrastrukturmaßnahmen im Außenbereich - wie beispielsweise der Errichtung von Stromleitungstrassen aber auch bei der Ernte von späträumenden Früchten mit schweren Maschinen - kann es zu Bodenschäden durch das Befahren mit schweren Maschinen oder Fahrzeugen kommen. Die dadurch erzeugten Bodenverdichtungen sind oft nur schwer oder gar nicht zu beheben. Zur Verminderung derartiger Bodenbelastungen sind insbesondere auf empfindlichen Böden geeignete Maßnahmen, wie das Auslegen von Lastverteilungsplatten oder die Anlage von Baustraßen zu ergreifen.
Weitere Erläuterungen zur Bodenverdichtung bzw. zu den verdichtungsgefährdeten Böden sind dem Kapitel 2.1.1: Böden zu entnehmen. Kapitel 5.3: Landwirtschaft geht auf die Verdichtung des Bodens durch landwirtschaftliche Maschinen ein. In den Erläuterungen, Kapitel 6: Monitoring werden Angaben zur Bodendauerbeobachtung gemacht. Hinweise gibt außerdem der „Leitfaden Bodenschutz auf Linienbaustellen‟ (LLUR 2014), der unter http://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/E/energiewende/Downloads/vortragBaedjer.pdf?__blob=publicationFile&v=1
Altlasten oder altlastverdächtigen Flächen müssen in Planungsprozessen frühzeitig berücksichtigt werden, einerseits, um die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse und die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, andererseits um mögliche Planungshindernisse zu erkennen und zu vermeiden. Durch die Erfassung, Untersuchung und Sanierung altlastverdächtiger Flächen und Altlasten sollen Gefahren für Mensch und Umwelt abgewehrt und die Flächen möglichst schnell wieder dem Wirtschafts- und Naturkreislauf zur Verfügung gestellt werden. Weitere Erläuterungen zum Thema Altlasten und Angaben zum Vorkommen von Altstandorten und Altablagerungen in den Gebietskörperschaften des Planungsraumes sind in Kapitel 2.2.10 enthalten. Förderprogramme des Landes für die Altlastenbearbeitung sind unter http://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/A/altlasten/foerderprogrammeAltlastenbearbeitung.html abrufbar.