Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/steuerstrafrecht/steuerhinterziehung-nichtabgabe-steuererklaerungen-3126234
Timestamp: 2019-09-18 15:39:34
Document Index: 350264097

Matched Legal Cases: ['§ 370', '§ 370', '§ 168', '§ 304', '§ 313', '§ 34', '§ 34', '§ 263', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 34', '§ 251', '§ 34', '§ 313', '§ 34', '§ 251', '§ 34', '§ 34']

Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Nicht­ab­ga­be der Steu­er­erklä­run­gen – und das eröff­ne­te Insol­venz­ver­fah­ren | Rechtslupe
Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Nicht­ab­ga­be der Steu­er­erklä­run­gen – und das eröff­ne­te Insol­venz­ver­fah­ren
Der Steu­er­pflich­ti­ge kann mit der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens nicht mehr sel­ber Ein­kom­men- und Gewer­be­steu­er­erklä­run­gen mehr abge­ben. Er mag zwar ver­pflich­tet sein, den Insol­venz­ver­wal­ter bei der Abga­be zu unter­stüt­zen. Ein Ver­stoß gegen die­se insol­venz­recht­lich begrün­de­te Auf­klä­rungs- und Mit­wir­kungs­pflicht erfüllt jedoch nicht den Tat­be­stand des § 370 Abs. 1 Nr. 2 AO.
Tat­be­stands­mä­ßig ist nur pflicht­wid­ri­ges Unter­las­sen gegen­über den Finanz­be­hör­den.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung kann Täter einer Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen gemäß § 370 Abs. 1 Nr. 2 AO nur der­je­ni­ge sein, der selbst zur Auf­klä­rung steu­er­lich erheb­li­cher Tat­sa­chen beson­ders ver­pflich­tet ist1 und nicht der­je­ni­ge, der nur "bewirkt, dass die Finanz­be­hör­den pflicht­wid­rig über steu­er­lich erheb­li­che Tat­sa­chen in Unkennt­nis gelas­sen wer­den"2.
Dies wirkt sich frei­lich nicht für frü­he­re Ver­an­la­gungs­jah­re aus, bei denen der Steu­er­pflich­ti­ge selbst bereits vor Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens zur Abga­be der jewei­li­gen Steu­er­erklä­rung ver­pflich­tet war.
Ver­gleich­ba­res gilt auch hin­sicht­lich der Umsatz­steu­er­erklä­rung: Gibt der Steu­er­pflich­ti­ge trotz steu­er­ba­rer Umsät­ze kei­ne Umsatz­steu­er­jah­res­er­klä­rung ab, lässt er die Finanz­be­hör­den pflicht­wid­rig über steu­er­lich erheb­li­che Tat­sa­chen in Unkennt­nis. Mit Ablauf die­ser Frist wur­de die Umsatz­steu­er ver­kürzt, weil die Umsatz­steu­er­jah­res­er­klä­rung als Steu­er­an­mel­dung einer Steu­er­fest­set­zung unter Vor­be­halt der Nach­prü­fung gleich­steht, § 168 Satz 1 AO. Mit dem Ver­strei­chen­las­sen die­ses Fäl­lig­keits­zeit­punk­tes ist die Umsatz­steu­er­hin­ter­zie­hung voll­endet und zugleich been­det3.
Für die Ein­kom­men- und Gewer­be­steu­er war der Ange­klag­te eben­falls noch vor Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens selbst zur Abga­be der Erklä­run­gen ver­pflich­tet. Mit dem Ver­strei­chen­las­sen der Erklä­rungs­frist am 31.05.des Fol­ge­jah­res ist er in das Sta­di­um des Ver­suchs der Ein­kom­men- bzw. Gewer­be­steu­er­hin­ter­zie­hung ein­ge­tre­ten. Ist der Über­gang der Erklä­rungs­pflicht auf den Insol­venz­ver­wal­ter mit der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens vor Abschluss der Ver­an­la­gungs­ar­bei­ten des Finanz­am­tes, mit­hin vor Voll­endung der Taten4 ein­ge­tre­ten, hät­te ab die­sem Zeit­punkt der Insol­venz­ver­wal­ter die steu­er­li­chen Pflich­ten des hand­lungs­un­fä­hi­gen Schuld­ners zu erfül­len5.
Dies galt außer für das Rege­l­in­sol­venz­ver­fah­ren auch für das Ver­brau­cher­insol­venz­ver­fah­ren nach §§ 304 ff. InsO hin. In die­sem ver­ein­fach­ten Insol­venz­ver­fah­ren kam dem gemäß § 313 Abs. 1 aF InsO mit Eröff­nung des Ver­fah­rens zu bestel­len­den Treu­hän­der jedoch eine dem Insol­venz­ver­wal­ter ent­spre­chen­de Stel­lung zu6 und er hat­te die steu­er­li­chen Pflich­ten des hand­lungs­un­fä­hi­gen Schuld­ners zu über­neh­men7.
Die Erklä­rungs­pflich­ten obla­gen damit zum Abga­be­zeit­punkt nicht mehr dem im Rechts­sin­ne hand­lungs­un­fä­hi­gen Ange­klag­ten R. als Schuld­ner, son­dern – abhän­gig von der Art des Insol­venz­ver­fah­rens – ent­we­der dem Insol­venz­ver­wal­ter oder dem Treu­hän­der als Ver­mö­gens­ver­wal­ter nach § 34 Abs. 3 AO. Das gilt auch für Steu­er­ab­schnit­te, die vor der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens lie­gen8.
Ande­res gilt auch wenn das Insol­venz­ver­fah­ren abge­schlos­sen bzw. bereits in das Rest­schuld­be­frei­ungs­ver­fah­ren über­ge­gan­gen ist. Für die­ses Ver­fah­ren nimmt der Treu­hän­der nicht die Stel­lung eines Ver­mö­gens­ver­wal­ters nach § 34 Abs. 3 AO ein9.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. August 2017 – 1 StR 573/​16
Der erschli­che­ne Bank­kre­dit Ein Ver­mö­gens­scha­den im Sin­ne des § 263 Abs. 1 StGB tritt ein, wenn die Ver­mö­gens­ver­fü­gung des Getäusch­ten bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung unmit­tel­bar zu einer nicht durch…
BGH, Urteil vom 09.04.2013 – 1 StR 586/​12, Rn. 52, 64, BGHSt 58, 218, 227, 231 mwN [↩]
BGH, Beschluss vom 08.12 2016 – 1 StR 389/​16, NStZ-RR 2017, 82 mwN [↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 23.01.2002 – 5 StR 540/​01 Rn. 11, NStZ 2002, 437 [↩]
vgl. BFH, Urteil vom 06.11.2012 – VII R 72/​11, BFHE 239, 15; Klein/​Rüsken, Abga­ben­ord­nung, 13. Aufl., § 34 Rn. 22; BMF, Amt­li­ches AO-Hand­buch, 2017, AEAO zu § 251 Nr. 4.2; vgl. auch BFH, Urteil vom 23.08.1994 – VII R 143/​92, BFHE 175, 309, BSt­Bl II, 1995, 194 zum Kon­kurs­ver­wal­ter [↩]
Boeker in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, AO/​FGO, 243. Lie­fe­rung, § 34 AO Rn. 80a; Ott/​Vuia in Münch­Komm- InsO, 3. Aufl., § 313 Rn. 9 [↩]
FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 28.08.2014 – 8 K 3677/​13 E, ZIn­sO 2015, 323; Boeker in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler aaO; Klein/​Rüsken, Abga­ben­ord­nung, 13. Aufl., § 34 Rn. 22; BMF, Amt­li­ches AO-Hand­buch, 2014, AEAO zu § 251 Nr. 12.3 i.V.m. Nr. 4.2, vgl. eben­so in der frü­he­ren Fas­sung des AEAO [↩]
BFH, Beschluss vom 19.11.2007 – VII B 104/​07, BFH/​NV 2008, 334; Urteil vom 23.08.1994 – VII R 143/​92, BFHE 175, 309, BSt­Bl II, 1995, 194 [↩]
Boeker in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, AO/​FGO, 243. Lie­fe­rung, § 34 AO, Rn. 80a; Klein/​Rüsken, Abga­ben­ord­nung, 13. Aufl., § 34 Rn. 22; vgl. auch Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen aaO [↩]
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