Source: https://www.jusmeum.de/urteil/bverwg/bverwg_1-WB-14-15
Timestamp: 2019-05-20 23:16:16
Document Index: 232174849

Matched Legal Cases: ['§ 16', '§ 29', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 17', '§ 16', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 21', '§ 16', '§ 21', '§ 16', '§ 16', '§ 17', '§ 16', '§ 17', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 44', '§ 29', '§ 1', '§ 29', '§ 16', '§ 72', '§ 72', '§ 13', '§ 16', '§ 13', '§ 13', '§ 16', '§ 29', '§ 29', '§ 8', '§ 29', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 29', '§ 21', '§ 20']

BVerwG, 1 WB 14.15: Bundesamt, Vollmacht, Akteneinsicht, Beginn der Frist
Urteil des BVerwG vom 05.08.2015, 1 WB 14.15
1 WB 14.15
Bundesamt, Vollmacht, Akteneinsicht, Beginn der Frist
Bundesamt, Vollmacht, Akteneinsicht, Beginn der Frist, Personalakte, Zustellung, Versetzung, Erlass, Schweigepflicht, Rechtsmittelbelehrung
Kostenerstattung; Hinzuziehung eines Bevollmächtigten.
WBO § 16a Abs. 4 SG § 29 Abs. 7 Satz 1 und 2
Beschluss des 1. Wehrdienstsenats vom 5. August 2015 - BVerwG 1 WB 14.15
BVerwG 1 WB 14.15
Der Bescheid des Bundesministeriums der Verteidigung - II 2 - vom 26. Februar 2015 wird insoweit aufgehoben, als darin die Erstattung der der Antragstellerin zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung erwachsenen notwendigen Aufwendungen abgelehnt worden ist.
Das Bundesministerium der Verteidigung wird verpflichtet, die der Antragstellerin im Beschwerdeverfahren zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung erwachsenen notwendigen Aufwendungen zu erstatten.
Die der Antragstellerin im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht erwachsenen notwendigen Aufwendungen werden zur Hälfte dem Bund auferlegt.
1Die Antragstellerin begehrt in einem abgeschlossenen Beschwerdeverfahren,
das die Akteneinsicht ihres Bevollmächtigten in ihre Personalakte und in ihre
Gesundheitsunterlagen ("G-Akte") betraf, gemäß § 16a Abs. 2 und 3 WBO die
ihr erwachsenen notwendigen Aufwendungen dem Bund aufzuerlegen und die
Hinzuziehung eines Bevollmächtigten für notwendig zu erklären.
2Die 19.. geborene Antragstellerin ist Soldatin auf Zeit. Ihre auf 12 Jahre festgesetzte Dienstzeit wird mit Ablauf des 30. September 20.. enden. Mit Wirkung
vom 1. Oktober 20.. erfolgte ihre Ernennung zum Oberfeldwebel. Seit dem
1. Oktober 20.. wird sie auf einem Dienstposten ...feldwebel/... beim ...zentrum
(ehemals: ...zentrum) B. in B. verwendet. Durch Bescheid der ...stadt B. (Amt
für Versorgung und Integration) vom 14. April 2014 wurde in ihrer Person ein
Grad der Behinderung von 30 festgestellt.
3In einem Personalfragebogen für die Personalführung im Rahmen der Einnahme der neuen Struktur machte die Antragstellerin am 13. Mai 2014 Angaben zu
schwerwiegenden persönlichen Gründen. Sie trug vor, aufgrund einer bei ihr
diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung und einer laufenden ambulanten Psychotherapie wäre bei einer Versetzung zum jetzigen Zeitpunkt ihre
Dienstfähigkeit stark eingeschränkt. Der Leiter des ...zentrums B. erklärte im
Rahmen dieses Fragebogens, dass die Antragstellerin eingeschränkt dienstfähig und auf Dauer nicht verwendungsfähig in der Verwendungsreihe ... sei. Aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen solle sie bis zu ihrem Dienstzeitende ortsgebunden eingesetzt werden.
4Er stellte das Vorliegen schwerwiegender persönlicher Gründe in der Person
der Antragstellerin fest.
5In einem Personalgespräch am 14. November 2014 kündigte das Bundesamt
das Personalmanagement) der Antragstellerin eine für sie zum 1. Januar 2015
geplante Versetzung nach N. an. Die Antragstellerin erklärte sich mit dieser
Verwendungsplanung nicht einverstanden.
6Mit Telefax-Schreiben an das Bundesamt für das Personalmanagement vom
1. Dezember 2014 zeigte der Bevollmächtigte der Antragstellerin deren Vertretung an, ohne eine Vollmacht vorzulegen. Er erklärte, dass er nach vollständiger Akteneinsicht zu der vorgesehenen Maßnahme weiter vortragen werde.
Diesem Schriftstück fügte er als Anlage ein an das ...zentrum B. gerichtetes
Telefax-Schreiben vom 1. Dezember 2014 bei, in welchem er die Vertretung der
Antragstellerin anzeigte, auf das Personalgespräch vom 14. November 2014
Bezug nahm und um Akteneinsicht in die Personalakte und in die G-Akte der
Antragstellerin bat. Das Schreiben an das ...zentrum B. enthält den Satz: "Anliegend übersende ich Vollmacht sowie Erklärung über die Entbindung von der
ärztlichen Schweigepflicht".
7Das ...zentrum B. bestätigte dem Bevollmächtigten unter dem 2. Dezember
2014 den Eingang des Schreibens vom 1. Dezember 2014 und teilte mit, dass
die Unterlagen zuständigkeitshalber an das Bundesamt für das Personalmanagement weitergeleitet worden seien; von dort erhalte er in Kürze weitere Informationen.
8Mit Schreiben ihres Bevollmächtigten vom 6. Januar 2015 erhob die Antragstellerin gegenüber dem Bundesamt für das Personalmanagement - auch gegen
den zuständigen Sachbearbeiter - Beschwerde mit der Begründung, dass bisher eine Einsicht in ihre Personalakte und in ihre G-Akte nicht ermöglicht worden sei. In seinen anschließenden Schreiben vom 12. und 14. Januar 2015 bezog sich der Bevollmächtigte gegenüber dem Bundesamt für das Personalmanagement (Herrn L.) auf dessen telefonische Mitteilung vom 9. Januar 2015,
dass dort keine Verfahrensunterlagen vorlägen; er übermittelte dem Bundesamt
für das Personalmanagement erneut die an dieses Amt und an das ...zentrum
B. gerichteten Schreiben vom 1. Dezember 2014.
9Mit weiterem Schreiben vom 22. Januar 2015 bezog sich der Bevollmächtigte
auf einen Telefonanruf des Bundesamtes für das Personalmanagement vom
20. Januar 2015 (eines Herrn W.) und übersandte anforderungsgemäß eine
Verfahrensvollmacht dorthin. Unter dem 23. Januar 2015 teilte das Bundesamt
für das Personalmanagement dem Bevollmächtigten der Antragstellerin mit,
dass auf den Antrag vom 1. Dezember 2014 und auf die Beschwerde vom
6. Januar 2015 nach Vorlage der erbetenen Vollmacht die Personalgrundakte
der Antragstellerin an das ...zentrum B. versandt worden sei. Dort könne für die
Akteneinsicht eine Terminabsprache erfolgen.
10Die Akteneinsicht wurde am 4. Februar 2015 durchgeführt.
11Mit Bescheid vom 26. Februar 2015 erklärte das Bundesministerium der Verteidigung - R II 2 - die gegen das Bundesamt für das Personalmanagement und
gegen den zuständigen Sachbearbeiter eingelegte Beschwerde der Antragstellerin vom 6. Januar 2015 jeweils für gegenstandslos. Zur Begründung führte es
aus, dem Akteneinsichtsersuchen des Bevollmächtigten sei inzwischen entsprochen worden; die Untätigkeitsbeschwerde gegen den zuständigen Bearbeiter sei im Wege des Organhandelns der Dienststelle, für die er tätig werde, zuzurechnen. Auch insoweit sei aber Erledigung eingetreten. Die der Antragstellerin zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung erwachsenen notwendigen
Aufwendungen seien nicht nach § 16a WBO zu erstatten. Eine erfolgreiche Beschwerde setze voraus, dass die Stelle, deren Maßnahme oder Unterlassung
gerügt werde, auf der Grundlage des Rechtsbehelfs ihre zuvor vertretene Auffassung revidiere. Diese Voraussetzung sei hier nicht erfüllt. Denn das Bundesamt für das Personalmanagement habe dem Bevollmächtigten zu keinem Zeitpunkt die Einsicht in die Personalgrundakte endgültig verweigert. Lediglich die
Ermöglichung der Einsichtnahme habe sich verzögert.
12Dieser Bescheid wurde dem Bevollmächtigten am 5. März 2015 nachrichtlich
zugesandt und der Antragstellerin am 13. März 2015 gegen Empfangsbekenntnis zugestellt.
13Bereits am 11. März 2015 beantragte der Bevollmächtigte für die Antragstellerin
gegen den Bescheid vom 26. Februar 2015 die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts. Diesen Antrag hat das Bundesministerium der Verteidigung
- R II 2 - am 26. März 2015 dem Senat zur Entscheidung vorgelegt; seine Stellungnahme hat es unter dem 14. April 2015 übermittelt.
14Zur Begründung ihres Rechtsschutzbegehrens trägt die Antragstellerin insbesondere vor:
Bereits mit Telefax-Schreiben vom 1. Dezember 2014 habe ihr Bevollmächtigter
das Akteneinsichtsersuchen an das ...zentrum B. gerichtet; mit diesem Schriftsatz habe er dem ...zentrum, wie sich aus dem Sendebericht vom 1. Dezember
2014 (12.15 Uhr) entnehmen lasse, auch eine Vollmacht und eine Erklärung
über die Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht übersandt. Das zuständige Bundesamt für das Personalmanagement sei an diesem Tag ebenfalls informiert worden. Die Akteneinsicht habe man dann erst mit Verzögerung ermöglicht. Erst aufgrund der Beschwerde sei eine erste Reaktion erfolgt. Auf
Grund ihres Gesundheitszustandes sei für sie die Inanspruchnahme anwaltlicher Hilfe zwingend geboten gewesen.
ihr die zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung erwachsenen notwendigen Aufwendungen zu erstatten.
17Es verteidigt den Inhalt des Bescheids vom 26. Februar 2015. Dessen Inhalt,
die Kostenerstattung generell abzulehnen, sei auch die konkludente Entscheidung zu entnehmen, die Hinzuziehung eines Bevollmächtigten für nicht not-
wendig zu erachten. Der Antrag der Antragstellerin sei zwar im Ergebnis fristgerecht eingelegt worden, in der Sache jedoch unbegründet. Abgesehen davon,
dass das Bundesamt für das Personalmanagement dem Bevollmächtigten zu
keinem Zeitpunkt die Einsicht in die Personalgrundakte verweigert habe, hätte
die Beschwerde der Antragstellerin auch deshalb erfolglos bleiben müssen, weil
keine unmittelbare Beeinträchtigung ihrer Rechte vorliege. Die Modalitäten der
Akteneinsicht könnten nicht isoliert, sondern - als lediglich vorbereitende Geschehnisse - nur im Zusammenhang mit einem Rechtsbehelf gegen eine später
ergangene Maßnahme angefochten werden. Ergänzend sei darauf hinzuweisen, dass der am 1. Dezember 2014 an das ...zentrum B. übermittelte Antrag
anschließend am 5. Dezember 2014 beim Bundesamt für das Personalmanagement eingegangen sei. Es lasse sich allerdings nicht mehr klären, ob diesen Unterlagen auch eine Vollmacht beigefügt gewesen sei. Jedenfalls habe
sich das Bundesamt für das Personalmanagement veranlasst gesehen, eine
Vollmacht nachzufordern. Die Zuständigkeit für die Einsicht in die Gesundheitsakte liege beim ...zentrum B., die Zuständigkeit für die Einsicht in die Personalakte beim Bundesamt für das Personalmanagement. Insofern seien materiell
zwei Bevollmächtigungen erforderlich gewesen. Den Schreiben des Bevollmächtigten an das Bundesamt für das Personalmanagement vom 1. Dezember
2014 und vom 12. Januar 2015 sei eine Vollmacht nicht beigefügt gewesen.
Überdies sei die Hinzuziehung eines Bevollmächtigten nicht im Sinne des § 16a
Abs. 3 WBO notwendig gewesen, weil sich ein vernünftiger Soldat bei der gegebenen Sach- und Rechtslage nicht eines Anwalts bedient hätte.
Bezug genommen. Die Verfahrensakte des Bundesministeriums der Verteidigung - R II 2 - 271/15 und die Personalgrundakte der Antragstellerin haben dem
19Der Antrag der Antragstellerin ist in Übereinstimmung mit dem Bundesministerium der Verteidigung sach- und interessengerecht dahin auszulegen, dass sie
beantragt, den Bescheid des Bundesministeriums der Verteidigung - R II 2 -
vom 26. Februar 2015 insoweit aufzuheben, als darin die Erstattung der ihr zur
zweckentsprechenden Rechtsverfolgung erwachsenen notwendigen Aufwendungen abgelehnt worden ist, und das Bundesministerium der Verteidigung zu
verpflichten, die ihr, der Antragstellerin, im Beschwerdeverfahren zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung erwachsenen notwendigen Aufwendungen zu
erstatten und die Hinzuziehung eines Bevollmächtigten für notwendig zu erklären (§ 16a Abs. 2 und 3 in Verbindung mit § 16a Abs. 4 WBO).
20Dieser Antrag ist zulässig und hat in dem aus dem Tenor ersichtlichen Umfang
211. a) Über den Antrag entscheidet der Senat gemäß § 16a Abs. 5 Satz 3 und 4
WBO in der Besetzung ohne ehrenamtliche Richter (stRspr, BVerwG, Beschlüsse vom 28. September 2009 - 1 WB 31.09 - Buchholz 450.1 § 16a WBO
Nr. 1 Rn. 16, 17, vom 17. Juli 2012 - 1 WB 35.12 - juris Rn. 12 ff. und vom
4. September 2014 - 1 WB 50.13 - juris Rn. 9). Wenn nach § 16a Abs. 5 Satz 3
WBO die Entscheidung über die Erstattung der notwendigen Aufwendungen
sowie über die Notwendigkeit der Hinzuziehung eines Bevollmächtigten durch
den Vorsitzenden des Truppendienstgerichts, also durch den Berufsrichter ohne
ehrenamtliche Richter, getroffen wird, bedeutet dies bei der entsprechenden
Anwendung für das Bundesverwaltungsgericht, dass die Entscheidung nur von
den Berufsrichtern des Senats zu treffen ist.
22b) Der Antrag ist rechtzeitig gestellt.
23Nach § 16a Abs. 5 Satz 2 WBO gilt für die Anrufung des Truppendienstgerichts
§ 17 Abs. 4 WBO entsprechend. Nach dieser Vorschrift ist der Antrag innerhalb
eines Monats nach Zustellung des zurückweisenden Beschwerdebescheids bei
dem zuständigen Truppendienstgericht schriftlich oder mündlich zur Nieder-
schrift einzulegen. Da nach § 16a Abs. 5 Satz 4 WBO die vorstehenden Sätze 1
bis 3 und damit auch der Verweis auf § 17 Abs. 4 WBO im Verfahren vor dem
Bundesverwaltungsgericht entsprechend gelten, ist auch der Antrag beim Bundesverwaltungsgericht (oder gegebenenfalls nach § 17 Abs. 4 Satz 3 WBO bei
dem nächsten Disziplinarvorgesetzten) einzulegen. Eine Verweisung auf die
gegenüber § 17 Abs. 4 Satz 1 WBO speziellere Regelung des § 21 Abs. 1
Satz 2 WBO enthält § 16a Abs. 5 WBO nicht. Die Regelung des § 21 Abs. 1
Satz 2 WBO, wonach der Antrag beim Bundesministerium der Verteidigung zu
stellen ist, findet daher in Verfahren nach § 16a Abs. 5 WBO - entgegen der
insoweit unzutreffenden Rechtsmittelbelehrung des Bundesministeriums der
Verteidigung - keine Anwendung (BVerwG, Beschluss vom 28. September 2009
- 1 WB 31.09 - Buchholz 450.1 § 16a WBO Nr. 1 Rn. 18).
24Die Antragstellerin hat durch ihren Bevollmächtigten den Antrag auf gerichtliche
Entscheidung vom 11. März 2015 entsprechend der Rechtsmittelbelehrung
beim Bundesministerium der Verteidigung und damit bei einer nicht zuständigen
Stelle eingelegt. Das Bundesministerium der Verteidigung hat den Antrag aber
unter Beachtung der Monatsfrist des § 17 Abs. 4 Satz 1 WBO am 26. März
2015 per Telefax an das Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet.
25Der Umstand, dass der Antrag vom 11. März 2015 bereits vor der Zustellung
des Bescheids vom 26. Februar 2015 an die Antragstellerin eingelegt wurde, ist
für die Fristwahrung unschädlich. Gemäß § 16a Abs. 5 Satz 2 in Verbindung mit
§ 17 Abs. 4 Satz 1 WBO ist für den Beginn der Frist zur Einlegung des Antrags
auf gerichtliche Entscheidung die Zustellung der zurückweisenden Entscheidung maßgeblich. Die Zustellung der Entscheidung vom 26. Februar 2015 ist
erst am 13. März 2015 gegenüber der Antragstellerin bewirkt worden. Eine Zustellung an den Bevollmächtigten der Antragstellerin ist hingegen nicht erfolgt.
Der mithin verfrüht gestellte Antrag auf gerichtliche Entscheidung ist allerdings
mit der Zustellung der Entscheidung zulässig geworden (ebenso stRspr, vgl.
z.B. BVerwG, Beschluss vom 28. Juni 2011 - 1 WB 16.11, 1 WB 25.11 -
262. Die angefochtene Entscheidung des Bundesministeriums der Verteidigung
- R II 2 - vom 26. Februar 2015 ist insoweit rechtswidrig, als darin die Erstattung
der der Antragstellerin zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung erwachsenen notwendigen Aufwendungen abgelehnt worden ist; sie verletzt insoweit die
Rechte der Antragstellerin aus § 16a Abs. 2, Abs. 4 WBO. Die Antragstellerin
hat hingegen keinen Anspruch nach § 16a Abs. 3, Abs. 4 WBO darauf, die Hinzuziehung eines Bevollmächtigten für notwendig zu erklären.
27Nach § 16a Abs. 2 WBO sind dem Beschwerdeführer die ihm zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung erwachsenen notwendigen Aufwendungen zu erstatten, soweit die Beschwerde in truppendienstlichen Angelegenheiten erfolgreich ist. Dies setzt - auch für die Frage der Erstattungsfähigkeit der Vergütung eines Bevollmächtigten (§ 16a Abs. 3 WBO) -
voraus, dass ein der Beschwerde ganz oder teilweise stattgebender Beschwerdebescheid ergangen ist (BVerwG, Beschluss vom 28. September 2009 - 1 WB
31.09 - Buchholz 450.1 § 16a WBO Nr. 1 Rn. 21). Diese Bedingung ist hier
28Nach § 16a Abs. 4 WBO sind die Absätze 1 bis 3 unter Berücksichtigung des
Erlass eines Beschwerdebescheids abgeholfen wird. Das setzt voraus, dass
Beschwerdeführers aber auf sonstige Weise entsprochen wurde. Dabei ist davon auszugehen, dass Gegenstand des Beschwerdeverfahrens entweder die
angefochtene Maßnahme oder bei einem Verpflichtungsbegehren das sich aus
dem gestellten Antrag ergebene Begehren des jeweiligen Antragstellers ist (vgl.
dazu BVerwG, Beschluss vom 28. September 2009 - 1 WB 31.09 - Buchholz
450.1 § 16a WBO Nr. 1 Rn. 22).
29a) Gegenstand des Beschwerdeverfahrens war hier die Gewährung der Akteneinsicht in die Personalakte und in die Gesundheitsunterlagen ("G-Akte") der
Antragstellerin für ihren Bevollmächtigten. Dieses Begehren betraf entgegen
der Auffassung des Bundesministeriums der Verteidigung eine dienstliche
Maßnahme, die Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens nach der Wehrbe-
schwerdeordnung sein konnte. Grundsätzlich stellt zwar die Entscheidung eines
militärischen Vorgesetzten oder einer Dienststelle der Bundeswehr über die
Gewährung von Akteneinsicht in einem laufenden (Beschwerde-)Verfahren eine
Verfahrenshandlung dar, die nicht isoliert beschwerdefähig ist, sondern nur zusammen mit der im jeweiligen Verfahren ergehenden Sachentscheidung angefochten und im Rahmen dieses Rechtsbehelfs inzident überprüft werden kann
(stRspr, unter Hinweis auf § 44a VwGO, z.B. BVerwG, Beschluss vom 20. November 2012 - 1 WB 4.12 - BVerwGE 145, 102 Rn. 22 m.w.N.). Im Zeitpunkt
der angefochtenen Entscheidung und auch danach lief noch kein Beschwerdeverfahren der Antragstellerin bezüglich der geplanten Versetzung nach Nordholz. Insoweit gab es lediglich eine Planungsmitteilung im Personalgespräch
am 14. November 2014. Das Akteneinsichtsersuchen des Bevollmächtigten ist
deshalb in der Sache auf die spezielle Vorschrift des § 29 Abs. 7 Satz 1 und
Satz 2 SG gestützt. Dort ist ein eigenständiger, von einem konkreten Beschwerdeverfahren unabhängiger Akteneinsichtsanspruch für den Soldaten und
für seinen Bevollmächtigten konstituiert, hinsichtlich dessen bei Versagung der
Akteneinsicht isoliert ein Beschwerdeverfahren und gegebenenfalls ein gerichtliches Antragsverfahren durchgeführt werden kann (Dau, WBO, 6. Aufl. 2013,
§ 1 Rn. 155; Walz/Eichen/Sohm, SG, 2. Auflage 2010, § 29 Rn. 89 m.w.N.,
Rn. 91).
30b) § 16a Abs. 4 WBO ist auf das Kostenerstattungsbegehren der Antragstellerin
anzuwenden, weil das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (im Folgenden: Bundesamt für das Personalmanagement) im vorliegenden Verfahren eine Abhilfe im Sinne dieser Vorschrift verfügt hat.
31Eine Abhilfe ist (nur dann) gegeben, wenn die zuständige entscheidende Stelle
oder Behörde den mit einem Rechtsbehelf angegriffenen Bescheid auf eben
diesen Rechtsbehelf hin aufhebt, d.h. wenn sie den Rechtsbehelf dadurch bescheidet, dass sie - durch ihn veranlasst - den angegriffenen Bescheid "aus der
Welt schafft" (so zur Abhilfe im Rahmen des § 72 VwGO: BVerwG, Urteil vom
15. Februar 1991 - 8 C 83.88 - BVerwGE 88, 41 <43>; zuvor bereits BVerwG,
Urteil vom 17. Januar 1986 - 8 C 7.84 - Buchholz 310 § 72 VwGO Nr. 13 S. 6;
vgl. ferner VGH München, Urteil vom 8. September 2003 - 23 BV 03.1244 -
BayVBl 2004, 244). Entsprechendes gilt bei einem Verpflichtungsbegehren,
wenn ihm durch den Rechtsbehelf veranlasst stattgegeben wird. Dieses Verständnis der Abhilfe als einer zwingend rechtsbehelfsbezogenen Maßnahme
liegt auch dem insoweit gleich strukturierten Rechtsbegriff der Abhilfe in § 13
Abs. 1 Satz 1 WBO zugrunde. Dort wird die Abhilfe ebenfalls in eine unmittelbare Beziehung zu dem Rechtsbehelf des beschwerdeführenden Soldaten gesetzt. § 16a Abs. 4 WBO konstituiert keinen von § 13 Abs. 1 Satz 1 WBO abweichenden Begriff der Abhilfe, sondern regelt lediglich einen besonderen zeitlichen Kontext der Abhilfe ("vor Erlass des Beschwerdebescheides") und dessen Folgen für die Kostenerstattung.
32Voraussetzung für eine Abhilfe im Sinne des § 13 Abs. 1 Satz 1 und des § 16a
Abs. 4 WBO ist also, dass die zuständige Stelle - jeweils durch die Beschwerde
veranlasst - den angefochtenen Bescheid aufhebt oder bei einem Verpflichtungsbegehren diesem entspricht.
33Diese Voraussetzung ist hier erfüllt.
34Die für das strittige Akteneinsichtsersuchen zuständige Stelle des Bundesamtes
für das Personalmanagement hat erst durch die Beschwerde vom 6. Januar
2015 davon erfahren, dass der entsprechende Antrag der Antragstellerin bzw.
ihres Bevollmächtigten noch nicht beschieden war. Das ergibt sich aus dem
Telefonanruf des Herrn L. beim Bevollmächtigten am 9. Januar 2015. Dass der
am 1. Dezember 2014 per Telefax an das ...zentrum B. gerichtete Akteneinsichtsantrag, dem nach dem Sendebericht auch die Vollmacht beigefügt war,
schon am 5. Dezember 2014 beim Bundesamt für das Personalmanagement
eingegangen ist, hat sich erst im Lauf des Beschwerdeverfahrens herausgestellt.
35Da der Akteneinsichtsanspruch hier vom Bevollmächtigten geltend gemacht
wurde, kam die Ermöglichung der Einsicht in die Personalakte und die G-Akte
der Antragstellerin allerdings erst in Betracht, nachdem der Bevollmächtigte
sich durch Vorlage einer schriftlichen Vollmacht für die Antragstellerin legitimiert
hatte. Das folgt für die Personalakte aus deren genereller besonderer Schutz-
würdigkeit (vgl. dazu Walz/Eichen/Sohm, SG, 2. Aufl. 2010, § 29 Rn. 92) und
für die Gesundheitsunterlagen aus § 29 Abs. 9 SG in Verbindung mit § 8 Abs. 2
Satz 2 der Verordnung über die Führung der Personalakten der Soldaten und
der ehemaligen Soldaten. Danach darf Bevollmächtigten Einsichtnahme in oder
Auskunft aus Gesundheitsunterlagen des betroffenen Soldaten nur auf Grund
ausdrücklicher Vollmacht des Soldaten gewährt werden, die sich speziell auf
die Gesundheitsunterlagen beziehen muss (Walz/Eichen/Sohm, SG, 2. Aufl.
2010, § 29 Rn. 92). Nach dem Inhalt der vorgelegten Akten hat der Bevollmächtigte der Antragstellerin gegenüber dem Bundesamt für das Personalmanagement weder unter dem 1. Dezember 2014 noch im Rahmen der Beschwerde
vom 6. Januar 2015 eine Vollmacht vorgelegt. Eine Vollmacht war jedoch - so
hat es der Bevollmächtigte mit dem Sendebericht vom 1. Dezember 2014
(12.15 Uhr) glaubhaft gemacht - dem Schreiben an das ...zentrum B. vom
1. Dezember 2014 beigefügt. Diese war zwar nicht speziell auf die Gesundheitsunterlagen erstreckt; das Bundesamt für das Personalmanagement hat
aber (nach der fernmündlichen Vollmachtsanforderung des Herrn W. vom
20. Januar 2015) von dem Bevollmächtigten eine derartige spezielle Vollmacht - neben der am 22. Januar 2015 übermittelten Verfahrensvollmacht vom
24. November 2014 - nicht mehr nachgefordert; vielmehr hat es unmittelbar unter dem 23. Januar 2015 die Abhilfe verfügt.
36Vor diesem Hintergrund dienten die durch die Beschwerde ausgelösten Aufklärungsaktivitäten des Bundesamtes für das Personalmanagement ausschließlich
der nachträglichen Rekonstruktion von Verfahrensunterlagen, die jedenfalls mit
einer Vollmacht beim ...zentrum B. am 1. Dezember 2014 eingegangen und von
dort an das Bundesamt für das Personalmanagement weitergeleitet worden
waren. Bei dieser Wiederherstellung und Vervollständigung des Antragsvorgangs ging es ersichtlich nicht mehr um die erstmalige Vorlage einer noch fehlenden Legitimation als Grundlage der begehrten Akteneinsicht.
37Die Abhilfeentscheidung des Bundesamtes für das Personalmanagement vom
23. Januar 2015 war damit durch die Beschwerde veranlasst. Daraus folgt der
Kostenerstattungsanspruch der Antragstellerin aus § 16a Abs. 2, Abs. 4 WBO.
38Der weitergehende Antrag, auf der Basis der vorgenannten Kostengrundentscheidung die Zuziehung eines Bevollmächtigten für notwendig zu erklären, hat
39Nach ständiger Rechtsprechung des Senats ist die Zuziehung eines Rechtsanwalts dann notwendig, wenn es der Partei nach ihren persönlichen Verhältnissen und wegen der Schwierigkeit der Sache nicht zuzumuten war, das Vorverfahren selbst zu führen; für die Beurteilung der Notwendigkeit ist auf den Zeitpunkt der Bevollmächtigung abzustellen (vgl. z.B. BVerwG, Beschluss vom
21. Dezember 2011 - 1 WB 51.11 - Buchholz 450.1 § 16a WBO Nr. 3 Rn. 19,
20 m.w.N.).
40Nach diesen Maßstäben war die Hinzuziehung eines Bevollmächtigten im vorgerichtlichen Verfahren des Akteneinsichtsersuchens nicht nach § 16a Abs. 3
WBO notwendig.
41Gegenstand des Antrags und der Beschwerde war ein gesetzlicher Anspruch
auf Akteneinsicht (§ 29 Abs. 7 Satz 1 und Satz 2 SG), den das Bundesamt für
das Personalmanagement im Übrigen zu keiner Zeit bestritten hat. Insofern war
es der Antragstellerin ohne Weiteres auch ohne anwaltlichen Beistand möglich
und zuzumuten, den Rechtsbehelf mit kurzen Worten selbst zu formulieren.
Dass sie dazu fähig gewesen wäre, ist aus dem Umstand abzuleiten, dass sie
im April 2014 persönlich schriftlich den Antrag auf Anerkennung schwerwiegender persönlicher Gründe gestellt und diesen im Mai 2014 persönlich begründet
hat, ohne einen Rechtsanwalt oder Bevollmächtigten hinzuziehen.
42Die Kostenentscheidung für das gerichtliche Antragsverfahren beruht auf § 21
Abs. 2 Satz 1 in Verbindung mit § 20 Abs. 1 Satz 1 WBO.