Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/unterlassungsantrag-insbesondere-3111374
Timestamp: 2019-12-08 12:54:12
Document Index: 341119080

Matched Legal Cases: ['§ 253', '§ 253', '§ 313', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 12', '§ 12', 'BGH']

Unter­las­sungs­an­trag – "ins­be­son­de­re…" | Rechtslupe
Unterlassungsantrag - "insbesondere…"
27. Juni 2016 Rechtslupe
Unter­las­sungs­an­trag – "ins­be­son­de­re…"
Ein Unter­las­sungs­an­trag, der im vor­an­ge­stell­ten abs­trak­ten Teil die Ver­wen­dung eines Zei­chens in Allein­stel­lung zum Gegen­stand hat, im ange­füg­ten "Insbesondere"-Teil aber das Zei­chen inner­halb einer aus meh­re­ren Bestand­tei­len bestehen­den Gesamt­be­zeich­nung auf­führt, ist wider­sprüch­lich und daher unbe­stimmt im Sin­ne des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.
Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall, einem Streit zwi­schen zwei Unter­neh­men mit z.T. glei­chen Fir­men, hat­te die Klä­ge­rin bean­tragt, die Beklag­te unter Andro­hung näher bezeich­ne­ter Ord­nungs­mit­tel zu ver­ur­tei­len, es zu unter­las­sen, bei Dienst­leis­tun­gen im Bereich Fremd­spra­chen­diens­te, Über­set­zung, Text­kon­zep­ti­on, Text­krea­ti­on und Lek­to­rat die Bezeich­nung "Con­text" in Allein­stel­lung zu ver­wen­den, ins­be­son­de­re durch die "Con­text Gesell­schaft für Spra­chen- und Medi­en­diens­te mbH" . Das war für den Bun­des­ge­richts­hof wider­sprüch­lich und damit nicht hin­rei­chend bestimmt:
Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO darf ein Unter­las­sungs­an­trag – und nach § 313 Abs. 1 Nr. 4 ZPO eine dar­auf beru­hen­de Ver­ur­tei­lung – nicht der­art undeut­lich gefasst sein, dass der Streit­ge­gen­stand und der Umfang der Prü­fungs- und Ent­schei­dungs­be­fug­nis des Gerichts nicht klar umris­sen sind, der Beklag­te sich des­halb nicht erschöp­fend ver­tei­di­gen kann und im Ergeb­nis dem Voll­stre­ckungs­ge­richt die Ent­schei­dung dar­über über­las­sen bleibt, was dem Beklag­ten ver­bo­ten ist. Der Man­gel der Bestimmt­heit des Kla­ge­an­trags ist auch im Revi­si­ons­ver­fah­ren von Amts wegen zu beach­ten 1.
Der vor­lie­gen­de Unter­las­sungs­an­trag ist gerich­tet auf das Ver­bot, bei den im Antrag näher bezeich­ne­ten Dienst­leis­tun­gen "die Bezeich­nung 'Con­text' in Allein­stel­lung zu ver­wen­den, ins­be­son­de­re durch die 'Con­text Gesell­schaft für Spra­chen- und Medi­en­diens­te mbH'". Im vor­an­ge­stell­ten abs­trak­ten Teil wird also die Ver­wen­dung des Zei­chens in Allein­stel­lung beschrie­ben, im "Insbesondere"-Teil hin­ge­gen erfolgt die Nen­nung der Bezeich­nung inner­halb der aus meh­re­ren Bestand­tei­len bestehen­den Fir­ma der Beklag­ten. Die­se Ver­knüp­fung ist wider­sprüch­lich und führt zur Unbe­stimmt­heit des Antrags.
Der mit "ins­be­son­de­re" ein­ge­lei­te­te Teil eines Unter­las­sungs­an­trags dient zum einen der Erläu­te­rung des in ers­ter Linie bean­trag­ten abs­trak­ten Ver­bots, indem er bei­spiel­haft ver­deut­licht, was unter der im abs­trak­ten Antrags­teil genann­ten Form zu ver­ste­hen ist. Zum ande­ren kann der Klä­ger auf die­se Wei­se deut­lich machen, dass Gegen­stand sei­nes Begeh­rens nicht allein ein umfas­sen­des, abs­trakt for­mu­lier­tes Ver­bot ist, son­dern dass er – falls er inso­weit nicht durch­dringt – jeden­falls die Unter­las­sung des kon­kret bean­stan­de­ten Ver­hal­tens begehrt, wobei aller­dings auch die­ser "Insbesondere"-Zusatz den all­ge­mei­nen Regeln unter­liegt und des­halb dem Bestimmt­heits­ge­bot ent­spre­chen muss 2. Wählt der Klä­ger eine Ver­all­ge­mei­ne­rungs­form, deren abs­trak­ter Inhalt die "Insbesondere"-Variante nicht mehr umfasst, kann der Kla­ge nicht in die­ser Vari­an­te statt­ge­ge­ben wer­den, weil die mit "ins­be­son­de­re" begin­nen­den Tei­le des Kla­ge­an­trags kei­nen eige­nen Streit­ge­gen­stand ent­hal­ten und daher nicht als ech­te Hilfs­an­trä­ge anzu­se­hen sind 3. Viel­mehr ist in einem sol­chen Fall der gesam­te Antrag wegen Wider­sprüch­lich­keit unbe­stimmt 4.
Im vor­lie­gen­den Fall wider­spre­chen sich der abs­trak­te Antrags­teil und der "Insbesondere"-Zusatz, weil all­ge­mein die Ver­wen­dung des Zei­chens in Allein­stel­lung ver­bo­ten wer­den soll, wäh­rend der "Insbesondere"-Zusatz eine Ver­wen­dungs­form beschreibt, die gera­de kei­ne Allein­stel­lung, son­dern die Nen­nung des Zei­chens inner­halb einer Gesamt­be­zeich­nung auf­weist. Sofern der Klä­ger mit sei­ner Antrags­fas­sung zum Aus­druck brin­gen woll­te, die Ver­wen­dung inner­halb der Fir­ma erfol­ge in Allein­stel­lung, weil die wei­te­ren Bestand­tei­le rein beschrei­bend sei­en, wäre der Antrag schon im abs­trak­ten Teil unbe­stimmt. Die Wür­di­gung, ob Bestand­tei­le einer Gesamt­be­zeich­nung gegen­über einem ein­zel­nen prä­gen­den Bestand­teil zurück­tre­ten, ist der kon­kre­ten Ver­wen­dung vor­be­hal­ten und kann durch die Antrags­for­mu­lie­rung "in Allein­stel­lung" nicht vor­weg­ge­nom­men wer­den. Es wäre damit unklar, was der Klä­ger mit "Allein­stel­lung" meint.
Aller­dings sah sich der Bun­des­ge­richts­hof gehin­dert, die Kla­ge als unzu­läs­sig abzu­wei­sen: Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gebie­ten bei erst­mals in der Revi­si­ons­in­stanz fest­ge­stell­ten Män­geln des Kla­ge­an­trags der Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes und der Anspruch der Par­tei­en auf ein fai­res Gerichts­ver­fah­ren, dem Klä­ger durch die Wie­der­eröff­nung der Beru­fungs­in­stanz Gele­gen­heit zu geben, den inso­weit bestehen­den Beden­ken durch eine ange­pass­te Antrags­fas­sung Rech­nung zu tra­gen 5. Die Fra­ge der Bestimmt­heit des Kla­ge­an­trags ist in den Vor­in­stan­zen nicht ange­spro­chen wor­den. Somit ist dem Klä­ger durch eine Zurück­ver­wei­sung die Mög­lich­keit zur Anpas­sung sei­nes Unter­las­sungs­an­trags zu geben.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Novem­ber 2015 – I ZR 50/​14
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 28.11.2013 – I ZR 7/​13, GRUR 2014, 398 Rn. 14 = WRP 2014, 431 – Online-Ver­si­che­rungs­ver­mitt­lung; Urteil vom 08.05.2014 – I ZR 217/​12, BGHZ 201, 129 Rn. 24, jeweils mwN[↩]
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 28.11.1996 – I ZR 197/​94, GRUR 1997, 767, 768 = WRP 1997, 735 – Bril­len­prei­se II; Urteil vom 02.02.2012 – I ZR 81/​10, GRUR 2012, 945 Rn. 22 = WRP 2012, 1222 – Tri­benuron­me­thyl[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 20.03.1997 – I ZR 241/​94, GRUR 1997, 672, 673 = WRP 1997, 727 – Son­der­pos­ten­händ­ler; BGH, GRUR 2012, 945 Rn. 22 – Tri­benuron­me­thyl[↩]
vgl. Büscher in Fezer, UWG, 2. Aufl., § 12 Rn. 302; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm, UWG, 34. Aufl., § 12 Rn.02.46; Schwip­pert in Teplitz­ky, Wett­be­werbs­recht­li­che Ansprü­che und Ver­fah­ren, 11. Aufl., Kap. 51 Rn. 40[↩]
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 08.03.2012 – I ZR 85/​10, GRUR 2012, 1153 Rn. 16 = WRP 2012, 1390 Unfal­l­ersatz­ge­schäft; Urteil vom 20.06.2013 – I ZR 55/​12, GRUR 2013, 1235 Rn. 14 = WRP 2014, 75 – Rest­wert­bör­se II; Urteil vom 23.09.2015 – I ZR 78/​14, GRUR 2015, 1201 Rn. 45 = WRP 2015, 1487 – Spar­kas­sen-Rot/­S­an­tan­der-Rot; jeweils mwN[↩]
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