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Timestamp: 2016-10-21 18:37:13
Document Index: 335127847

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'Art. 9', 'BGE', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 14', 'Art. 9', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 9', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 9', 'Art. 110', 'BGE', 'BGE', 'Art. 134', 'Art. 159', 'Art. 135', 'BGE']

U 71/05 (09.08.2006)
U 71/05
V.________, 1944, Beschwerdef�hrerin,
(Entscheid vom 29. Dezember 2004)
Die 1944 geborene V.________ war seit 16. Oktober 1983 teilzeitlich als Fachlehrkraft an der Berufs- und Frauenfachschule Q.________ (nachfolgend: BFS), t�tig und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen und Berufskrankheiten versichert. Am 27. Mai 2002 meldete die damalige Arbeitgeberin, V.________ sei w�hrend ihres Aufenthaltes vom 20. Februar 2001 im Schulzimmer 104 der BFS durch Neonr�hren bestrahlt worden. Ab 1. Februar 2002 habe sie zufolge dieses Ereignisses mit der Arbeit ausgesetzt. Gem�ss Bericht des Dr. med. B.________, Allgemeinmedizin/Ganzheitliche Medizin, Klinik X.________, vom 21. Juni 2002 ist es unmittelbar nach der Konferenzteilnahme in der Schulaula der BFS vom 20. Februar 2001 - infolge einer exogen induzierten Elektrosensibilit�t - zu dramatischem Haarausfall (traumatische passagere Alopecia totalis capitis) gekommen; ausserdem klage die Patientin seitdem �ber diverse vegetativ gepr�gte Allgemeinsymptome (unter anderem Konzentrationsst�rungen, Denkblockaden, schlechte Merkf�higkeit, Stimmungsschwankungen, trockene Nase, Bluthochdruck, allgemeine Schw�che, innere Gehetztheit, Antriebslosigkeit). Die SUVA kl�rte ihre Leistungspflicht ab, zog zu diesem Zweck die Berichte der behandelnden medizinischen Fachpersonen bei, liess am 20. Januar 2003 von der SUVA-Abteilung Arbeitssicherheit, Bereich Physik, die Strahlenbelastung am ehemaligen Arbeitsplatz der Versicherten messen (Bericht vom 24. Januar 2003) und holte bei PD Dr. med. T.________, Leitender Arzt der Dermatologischen Klinik des Spitals Y.________, ein Gutachten ein, welches am 13. Oktober 2003 erstattet wurde. Mit Verf�gung vom 11. Dezember 2003 verneinte sie den Anspruch auf Versicherungsleistungen. Daran hielt sie auf Einsprache hin fest (Einspracheentscheid vom 17. M�rz 2004).
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich ab (Entscheid vom 29. Dezember 2004).
V.________ f�hrt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit dem Antrag, es seien "weitere medizinische und wissenschaftliche Berichte von tats�chlich unabh�ngigen Fachleuten einzuholen und Abkl�rungen zu t�tigen"; eventualiter seien ihr "Leistungen aus der Unfallversicherung, Lohnausfall bis zum Pensionierungsalter, Entsch�digungsleistungen f�r die Expertise und die enorm grosse Recherchierarbeit (...) sowie eine Integrit�tsentsch�digung zuzusprechen". Der Beschwerdeschrift liegen verschiedene Unterlagen zum Thema "Elektrosmog" sowie eine Rechnung des Enzym-Labors Z.________ AG vom 4. Mai 2001 �ber eine Blutanalyse bei.
Die SUVA schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, w�hrend das Bundesamt f�r Gesundheit (BAG) auf eine Vernehmlassung verzichtet.
Mit Eingaben vom 18. und 26. Februar 2005 hat V.________ zus�tzliche themenbezogene Informationsbrosch�ren und Abhandlungen zu den Akten gereicht.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Versicherungsleistungen, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, bei Berufsunf�llen, Nichtberufsunf�llen und Berufskrankheiten gew�hrt.
Den Angaben der Beschwerdef�hrerin zufolge war sie am 20. Februar 2001 w�hrend einer Semester-Abteilungssitzung in der Aula der BFS (Raum 107) von 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr Elektrosmog, hervorgerufen durch eine Swisscom-Aussenantenne, ausgesetzt. Anschliessend hat sie sich mit drei Arbeitskolleginnen zur weiteren Besprechung in den Raum 104 begeben. Dort nahm sie unter den an der Decke montierten Leuchtstoffr�hren Platz, deren Raster an diesem Tag ausnahmsweise entfernt waren. Elektrosmog sei von der Antenne, von den kleinen Halogenleuchten auf den Tischen im Raum 104 und insbesondere von den Transformern, welche am metallenen Tischgestell montiert seien, ausgegangen.
Streitig und zu pr�fen ist zun�chst, ob das Geschehnis vom 20. Februar 2001 die Merkmale der Ungew�hnlichkeit und der Pl�tzlichkeit erf�llt und mithin ein Unfall im Rechtssinne vorliegt.
3.1 Das kantonale Gericht hat die Rechtsgrundlagen bez�glich des Unfallbegriffs zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen. Zu erg�nzen ist, dass sich der mangelhafte Nachweis eines die Merkmale des Unfalles erf�llenden Ereignisses nur selten durch medizinische Feststellungen ersetzen l�sst. Diesen kommt im Rahmen der Beweisw�rdigung f�r oder gegen das Vorliegen eines unfallm�ssigen Geschehens in der Regel nur die Bedeutung von Indizien zu (RKUV 2003 Nr. U 485 S. 260 Erw. 5 [Urteil G. vom 22. April 2003, U 307/01 und U 308/01], 1990 Nr. U 86 S. 51 Erw. 2).
3.2 Im angefochtenen Entscheid wird richtig ausgef�hrt, dass die Versicherte vorliegend den �usseren, allenfalls sch�digenden Faktoren (Elektrosmog) w�hrend l�ngerer Zeit ausgesetzt war und diese nicht pl�tzlich auf sie einwirkten. Mit dem Erfordernis der Pl�tzlichkeit ist rechtsprechungsgem�ss zwar nicht notwendig verbunden, dass die sch�digende Einwirkung auf einen blossen Augenblick beschr�nkt sei, wohl aber muss sie pl�tzlich eingesetzt haben und eine einmalige gewesen sein (EVGE 1943 S. 69; Urteil M. vom 1. Dezember 2005, U 245/05, Erw. 1.1). Da unter den gegebenen Umst�nden somit bereits das Element der Pl�tzlichkeit fehlt, ist das Vorliegen eines Unfallereignisses zu verneinen. Die abweichende Meinung des Dr. med. B.________, welcher in seinem Bericht vom 21. Juni 2002 von einer traumatischen Alopezie ausgeht, vermag daran nichts zu �ndern (vgl. Erw. 3.1 hiervor). Bei dieser Sachlage kann mit der Vorinstanz offen gelassen werden, ob die �brigen Voraussetzungen f�r die Annahme eines Unfalles im Rechtssinne erf�llt sind.
Als Anspruchsgrundlage zu pr�fen ist weiter das Vorliegen einer Berufskrankheit gem�ss Art. 9 UVG.
4.1 In zeitlicher Hinsicht sind grunds�tzlich diejenigen Rechtss�tze massgebend, die bei der Erf�llung des zu Rechtsfolgen f�hrenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 130 V 447 Erw. 1.2.1, 129 V 4 Erw. 1.2, 169 Erw. 1 und 356 Erw. 1, je mit Hinweisen). Weil sich der als Anspruchsgrundlage angerufene Sachverhalt vor dem 1. Januar 2003 verwirklicht hat, finden die auf diesen Zeitpunkt in Kraft getretenen Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) und der dazugeh�rigen Verordnung vom 11. September 2002 (ATSV), einschliesslich der damit verbundenen �nderungen des UVG, keine Anwendung. Daran vermag der Umstand, dass der Einspracheentscheid nach dem 31. Dezember 2002 erlassen worden ist, nichts zu �ndern.
4.2 Als Berufskrankheiten gelten nach Art. 9 Abs. 1 Satz 1 UVG Krankheiten, die bei der beruflichen T�tigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch sch�digende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind. Laut dem vom Bundesrat gest�tzt auf die ihm in Art. 9 Abs. 1 Satz 2 UVG und Art. 14 UVV einger�umte Befugnis erlassenen Anhang 1 zur UVV gelten als arbeitsbedingte Erkrankungen im Sinne von Art. 9 Abs. 1 UVG unter anderem solche durch ionisierende und nicht ionisierende Strahlen (Ziff. 2 lit. a Anhang 1 zur UVV). Soweit nichts anderes bestimmt ist, sind Berufskrankheiten gem�ss Art. 9 Abs. 3 Satz 1 UVG von ihrem Ausbruch an einem Berufsunfall gleichgestellt.
Nach der Rechtsprechung ist eine "vorwiegende" Verursachung von Krankheiten durch sch�digende Stoffe oder bestimmte Arbeiten nur dann gegeben, wenn diese mehr wiegen als alle andern mitbeteiligten Ursachen, mithin im gesamten Ursachenspektrum mehr als 50 % ausmachen. "Ausschliessliche" Verursachung hingegen meint praktisch 100 % des urs�chlichen Anteils sch�digender Stoffe oder bestimmter Arbeiten an der Berufskrankheit (BGE 119 V 200 Erw. 2a mit Hinweis). Ob dies im Einzelfall so ist, muss mit hinreichender Wahrscheinlichkeit dargetan sein (BGE 114 V 111 Erw. 3c; RKUV 2006 Nr. U 578 S. 174 Erw. 3.2 [Urteil M. vom 1. Dezember 2005, U 245/05]). Die Verschlimmerung einer vorbestandenen Krankheit durch berufliche Arbeiten wird der Verursachung einer Krankheit gleichgestellt (BGE 117 V 356 Erw. 4c, 108 V 160 f. Erw. 1).
4.2.1 Wie das kantonale Gericht zu Recht schliesst, scheitert im vorliegenden Fall der entsprechende Nachweis einer ausschliesslichen oder vorwiegenden Verursachung der Alopezie und der diversen unspezifischen Begleiterscheinungen durch Elektrosmog. Denn einerseits legt PD Dr. med. T.________ in seinem Gutachten vom 13. Oktober 2003 schl�ssig und nachvollziehbar dar, dass die Glatzenbildung weder auf den Einfluss elektromagnetischer Felder noch auf eine anderweitige exogene Ursache zur�ckgef�hrt werden kann. Anderseits haben auch die Resultate der von der SUVA veranlassten physikalischen (Bericht vom 24. Januar 2003) und der im Auftrag der Beschwerdef�hrerin am 1. Februar 2002 durchgef�hrten elektrobiologischen Messungen am Arbeitsplatz (Bericht R.________ AG vom 15. April 2002) die Sch�dlichkeit der elektromagnetischen Felder nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit belegen k�nnen.
4.2.2 Zus�tzliche Beweismassnahmen, insbesondere die beantragte Einholung weiterer medizinischer und wissenschaftlicher Berichte, er�brigen sich, da der Sachverhalt hinreichend gekl�rt ist und erg�nzende Untersuchungen nichts am fehlenden Nachweis einer mehr als 50%igen beruflichen Einwirkung zu �ndern verm�gen (antizipierte Beweisw�rdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b; RKUV 2003 Nr. U 473 S. 50 Erw. 3.4 [Urteil R. vom 6. November 2002, U 131/02]). Eine Listenkrankheit nach Art. 9 Abs. 1 UVG in Verbindung mit Anhang 1 zur UVV f�llt somit ausser Betracht. Bei diesem Ergebnis sind Ausf�hrungen zur Frage, wem die Kosten f�r allf�llige weitere Expertisen aufzuerlegen w�ren, obsolet.
4.3 Die Voraussetzung des ausschliesslichen oder stark �berwiegenden Zusammenhanges gem�ss Art. 9 Abs. 2 UVG ist nach st�ndiger Rechtsprechung erf�llt, wenn die Berufskrankheit mindestens zu 75 % durch die berufliche T�tigkeit verursacht worden ist. Die Anerkennung von Beschwerden im Rahmen dieser von der Gerichtspraxis als "Generalklausel" bezeichneten Anspruchsgrundlage ist - entsprechend der in BGE 114 V 111 Erw. 3c auf Grund der Materialien eingehend dargelegten legislatorischen Absicht, die Grenze zwischen krankenversicherungsrechtlicher Krankheit und unfallversicherungsrechtlicher Berufskrankheit nicht zu verw�ssern - an relativ strenge Beweisanforderungen gebunden. Verlangt wird, dass die versicherte Person f�r eine gewisse Dauer einem typischen Berufsrisiko ausgesetzt ist (zum Ganzen: BGE 126 V 186 Erw. 2b mit Hinweis).
4.3.1 Im Rahmen von Art. 9 Abs. 2 UVG ist grunds�tzlich in jedem Einzelfall dar�ber Beweis zu f�hren, ob die geforderte stark �berwiegende (mehr als 75%ige) bis ausschliessliche berufliche Verursachung vorliegt (BGE 126 V 189 Erw. 4b am Ende). Angesichts des empirischen Charakters der medizinischen Wissenschaft (BGE 126 V 189 Erw. 4c am Anfang) spielt es indessen f�r den Beweis im Einzelfall eine entscheidende Rolle, ob und inwieweit die Medizin, je nach ihrem Wissensstand in der fraglichen Disziplin, �ber die Genese einer Krankheit im Allgemeinen Auskunft zu geben oder (noch) nicht zu geben vermag. Wenn auf Grund medizinischer Forschungsergebnisse ein Erfahrungswert daf�r besteht, dass eine berufsbedingte Entstehung eines bestimmten Leidens von seiner Natur her nicht nachgewiesen werden kann, dann schliesst dies den (positiven) Beweis auf qualifizierte Urs�chlichkeit im Einzelfall aus. Oder mit andern Worten: Sofern der Nachweis eines qualifizierten (zumindest stark �berwiegenden [Anteil von mindestens 75 %]) Kausalzusammenhanges nach der medizinischen Empirie allgemein nicht geleistet werden kann (z.B. wegen der weiten Verbreitung einer Krankheit in der Gesamtbev�lkerung, welche es ausschliesst, dass eine eine bestimmte versicherte Berufst�tigkeit aus�bende Person zumindest vier Mal h�ufiger von einem Leiden betroffen ist als die Bev�lkerung im Durchschnitt), scheidet die Anerkennung im Einzelfall aus. Sind anderseits die allgemeinen medizinischen Erkenntnisse mit dem gesetzlichen Erfordernis einer stark �berwiegenden (bis ausschliesslichen) Verursachung des Leidens durch eine (bestimmte) berufliche T�tigkeit vereinbar, besteht Raum f�r n�here Abkl�rungen zwecks Nachweises des qualifizierten Kausalzusammenhanges im Einzelfall (BGE 126 V 189 Erw. 4c mit Hinweisen).
4.3.2 Da vorliegend die Kausalit�t der geltend gemachten gesundheitlichen Beeintr�chtigungen bereits im Einzelfall (mehr als 50 %) verneint werden muss, kann auf die n�here Pr�fung der allgemeinen Kausalit�t (mehr als 75 %) verzichtet werden. Die versicherte Person muss zudem w�hrend einer gewissen Dauer einem f�r ihren Beruf typischen oder damit verbundenen Risiko ausgesetzt gewesen sein. Ein einmaliges Ereignis, durch welches die Gesundheitssch�digung ausgel�st wird, gen�gt nicht (BGE 126 V 186 Erw. 2b, 116 V 144 Erw. 5d). Wird eine gesundheitliche Sch�digung im Rahmen der beruflichen Arbeit durch ein einmaliges Geschehen ausgel�st, ist die berufliche T�tigkeit nur Anlass und nicht Ursache des Leidens. Somit ergibt sich auf Grund der vorliegenden Umst�nde auch unter dem Titel der Berufskrankheit im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVG keine Leistungspflicht der Unfallversicherung.
Die nach Ablauf der Beschwerdefrist und ohne zweiten Schriftenwechsel - welchen anzuordnen keine Veranlassung besteht (Art. 110 Abs. 4 OG; BGE 119 V 323 Erw. 1 mit Hinweisen, Urteil G. vom 13. August 2003, I 204/02) - aufgelegten neuen Beweismittel verm�gen am Umstand des fehlenden Nachweises eines qualifizierten Kausalzusammenhanges zwischen den elektromagnetischen Strahlungen und dem Gesundheitszustand der Beschwerdef�hrerin nichts zu �ndern, weshalb offen bleiben kann, ob sie in prozessual zul�ssiger Weise eingereicht wurden (BGE 127 V 357 Erw. 4).
Weil es im vorliegenden Verfahren um Versicherungsleistungen geht, sind gem�ss Art. 134 OG keine Gerichtskosten zu erheben.
Ein Anspruch der weder anwaltlich noch sonst wie qualifiziert vertretenen Beschwerdef�hrerin auf eine letztinstanzlich sinngem�ss beantragte Umtriebsentsch�digung (Entsch�digung f�r die "enorm grosse Recherchierarbeit") entf�llt bereits mangels Obsiegens (Art. 159 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 135 OG; vgl. auch BGE 110 V 82).