Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/84125,0.html
Timestamp: 2019-10-19 08:09:43
Document Index: 31568034

Matched Legal Cases: ['§223', '§ 226', 'in dubio', '§ 224', 'BGH', '§ 224']

Grosse StR Bochum, schwere Körperverletzung
Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Grosse StR Bochum, schwere Körperverletzung
Verfasst am: 07 Sep 2006 - 16:33:05 Titel: Grosse StR Bochum, schwere Körperverletzung
Ich hätte da noch zwei Frage.
A will eine Disco betreten, doch der Türsteher X (mit dem er verfeindet ist) lässt ihn nicht rein. Daraufhin verpasst A dem X einen Kinnhaken und betritt die Disco. Der X holt seinen Kollegen Y und diese zerren den A aus der Disco und prügeln ihn zu Boden. Als der A regungslos am Boden liegt, tritt der X ihm noch zweimal ins Gesicht, wobei der A 5 Zähne aus dem Oberkiefer verliert (steht noch nicht fest, ob er eine Prothese bekommt) und die Nase gebrochen wird.
Der A hat auf jeden Fall den §§223 I, 224 I Nr.4 erfüllt und eventuell den § 226 I Nr. 3 1.Alt.. Wobei ich gelesen habe, dass der Verlust von Zähne eine Entstellung bedeutet, aber meist nicht dauerhaft ist, da man es ja durch eine Prothese ersetzten kann. Nur in diesem Sachverhalt steht nun, dass der Ersatz durch eine Prothese noch nicht feststeht.
Weiss jemand, ob das dann anders behandelt wird oder dann einfach sagt in dubio pro reo?
Ausserdem stellt sich mir die Frage, ob man dem Y die Tritte des X zurechnen kann. Ich hatte da an einen Exzess gedacht, aber ich komme dort nicht wirklich weiter. Kann mir vielleicht jemand eine Rat geben?
Verfasst am: 07 Sep 2006 - 17:28:22 Titel:
1. Ist auch die Strafbarkeit vopn A zu prüfen? Falls ja, nicht vergessen.
2. § 224 I Nr. 2 (Der beschuhte Fuss) nicht vergessen.
zu 226 I Nr. 3
Dieser Punkt ist streitig, also diskutieren !!
Der herrschenden Meinung nach ist eine Entstellung dann nicht dauerhaft, wenn die Behebung zumindest technisch möglich ist. Andernfalls würde die Verwirklichung des Tatbestands im Dispositionsbereich des Opfers liegen.
Weiter ist bereits fraglich, ob der Verlust eines Zahns überhaupt eine erhebliche Entstellung ist. Bei fünf Zähnen wird man dies wohl auch bejahen können.
Im Grunde wären wohl laut der herrschenden Meinung zumindest Dauerhaftigkeit abzulehnen,.
zu 2: Dies sollte eine Frage des Vorsatzes seien.
Verfasst am: 07 Sep 2006 - 18:06:18 Titel:
Danke! Das hat mir schon sehr weitergeholfen.
zum 2. Punkt nochmal:
Im Sachverhalt steht garnichts über den Vorsatz, das ist ja eigentlich mein Problem. Es steht darin nur, dass beide ihn zu Boden prügeln und als A wehrlos am Boden liegt, tritt der X ihn noch zweimal ins Gesicht. Über den Y steht dabei nichts mehr.
Daher frag ich mich, ob das überhaupt vom Vorsatz des Y erfasst ist. Könnte das nicht auch ein Exzess des X gewesen sein?
Verfasst am: 08 Sep 2006 - 13:10:32 Titel:
Frage 1: Welche Relevanz hat diese Frage noch, wenn man das oben gefundene Ergebnis einbezieht?
Frage 2: Selbst wenn man 226 bejahen würde, ist die Frage enscheidend, ob die gewählte Tatausführung erheblich von dem gefassten Tatplan abweicht.
Weiter ist u.a. laut BGH 3STR219/04 jeder Beteiligte für die Tat seiner Mittäter verantworlich, sofern ihm diese Handlungsweise gleichgültig ist.
Um einen Exzess bei gemeinschaftlicher Körperverletzung mit schwerer Folge zu bejahen bedarf meiner Ansicht weiterer Anhaltspunkte im Sachverhalt.
(Wenigstens Aufforderung, die Tritte zu unterlassen).
Außerdem ist die Gefahr einer schweren Folge im Falle einer Schlägerei nahezu immer gegeben und wird somit zumindest billigend in Kauf genommen.
Aber auch an dieser Stelle kann man wohl gut diskutieren, ich würde diese Fragen aber allenfalls im Hilfsgutachten bringen, wenn du oben einen 226 ablehnst.
Verfasst am: 11 Sep 2006 - 10:20:56 Titel: Grosse StR Bochum, Prüfungsaufbau
Ich hätte da noch eine Frage zum Prüfungsaufbau.
Sollte man das zu Boden schlagen des A und die Tritte als einen Handlungsablauf prüfen oder beide getrennt hinsichtlich des § 224?
Verfasst am: 11 Sep 2006 - 14:12:51 Titel:
Spricht doch wohl einiges dafür, dass die beiden Abschnitte als Einheit zu beurteilen sind, und damit auch zusammen geprüft werden sollten. Eine Aufspaltung in zwei Tatkomplexe ist sicher falsch.
Beim Thema 223 / 226 zusammen oder getrenntprüfen sollten also nur klausurtaktische Erwägungen im Fordergrund stehen.
Also erst 223, dann 224, dann 226. (ja, ja, nein)
Aufbau ist aber wohl auch vom jeweiligen Prof und dessen Präferenzen abhängig.
P.S. Ich würde zumindest ganz kurz auch den 231 ansprechen.
Und 230 natürlich.