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Timestamp: 2016-10-22 17:51:49
Document Index: 39448818

Matched Legal Cases: ['Art. 9', 'Art. 29', 'Art. 32', 'Art. 6', 'Art. 34', 'Art. 35', 'Art. 4', 'Art. 90', 'Art. 34', 'Art. 35', 'Art. 90', 'Art. 4', 'Art. 9', 'Art. 29', 'Art. 32', 'Art. 6', 'in dubio', 'Art. 86', 'BGE', 'in dubio', 'BGE', 'Art. 32', 'Art. 6', 'in dubio', 'BGE', 'BGE', 'Art. 35', 'Art. 35', 'Art. 35', 'Art. 35', 'BGE', 'Art. 29', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 156']

1P.275/2003 (23.09.2003)
1P.275/2003/dxc
Bundesgerichtspr�sident Aemisegger, Pr�sident, Bundesrichter F�raud, Ersatzrichterin Geigy-
Werthemann,
Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Guido Ranzi, Quaderstrasse 5, Postfach 519, 7001 Chur,
Kantonsgericht von Graub�nden, Kantonsgerichtsausschuss, Poststrasse 14, 7000 Chur.
Art. 9, Art. 29 Abs. 2, Art. 32 BV, Art. 6 Ziff. 2 EMRK (Strafverfahren),
Staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts von Graub�nden, Kantonsgerichtsausschuss, vom 18. Dezember 2002.
X.________ fuhr am 29. August 2001 mit seinem Personenwagen Audi 100, GR xxxx, von Churwalden herkommend auf der Kantonsstrasse in Richtung Malix. Vor der �rtlichkeit "Egga" �berholte er einen von Y.________ gelenkten Lastwagen. Die Strasse beschreibt dort zun�chst eine Gerade, die dann in eine un�bersichtliche Linkskurve �berleitet. Aus dieser Kurve kam ein mit zwei Polizeibeamten besetztes Dienstfahrzeug der Kantonspolizei Graub�nden entgegen. A.________, der Lenker des Polizeifahrzeugs, erschrak, steuerte das Polizeifahrzeug auf einen rechtsseitigen Ausstellplatz und gab X.________ ein Zeichen, aufgrund dessen dieser anhielt.
Die Staatsanwaltschaft Graub�nden leitete gegen X.________ eine Strafuntersuchung wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln ein und beauftragte das Untersuchungsrichteramt Chur mit der Durchf�hrung der Untersuchung. Am 28. November 2001 wurde im Beisein des Angeschuldigten ein Augenschein vorgenommen. Mit Anklageverf�gung und Anklageschrift vom 29. April 2002 wurde X.________ der groben Verletzung von Verkehrsregeln gem�ss Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 Abs. 2, 3 und 4 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. b der Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962 (VRV; SR 741.11) in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG angeklagt. X.________ bestritt den der Anklage zugrunde gelegten Sachverhalt. Mit Urteil vom 15. August 2002 erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Plessur X.________ der groben Verletzung von Verkehrsvorschriften gem�ss Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 35 Abs. 2, 3 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig, bestrafte ihn mit einer Busse von Fr. 1'000.-- und auferlegte ihm die Verfahrenskosten. Vom Vorwurf der �berschreitung der zul�ssigen H�chstgeschwindigkeit gem�ss Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV wurde X.________ freigesprochen.
Gegen dieses Urteil erhob X.________ strafrechtliche Berufung an den Kantonsgerichtsausschuss des Kantons Graub�nden, der die Berufung mit Urteil vom 18. Dezember 2002 abwies, nachdem er am gleichen Tag w�hrend der Berufungsverhandlung einen Augenschein durchgef�hrt hatte. Die Abnahme der weiteren vom Berufungskl�ger beantragten Beweise, insbesondere der Rekonstruktion des �berholman�vers, der Auswertung des Fahrtenschreiber-Einlageblattes des �berholten Lastwagens und der Einholung einer verkehrstechnischen Expertise lehnte der Kantonsgerichtsausschuss ab. Er hielt eine Geschwindigkeit des talw�rts fahrenden Lastwagens an der fraglichen Stelle von 60 km/h bis 65 km/h f�r wahrscheinlich und legte seinem Urteil eine solche von 60 km/h zugrunde. Als Geschwindigkeit des entgegenkommenden Polizeifahrzeuges nahm der Kantonsgerichtsausschuss gem�ss den Aussagen der Polizeibeamten zirka 50 km/h bis 60 km/h an. Aufgrund der Aussagen der beiden Polizeibeamten und des Lastwagenchauffeurs erachtete es der Kantonsgerichtsausschuss als erwiesen, dass X.________ mit seinem �berholman�ver andere Verkehrsteilnehmer gef�hrdete. Zu dieser Beurteilung gelangte der Kantonsgerichtsausschuss auch aufgrund eines vom Beschwerdef�hrer eingereichten Videos, auf welchem er nachtr�glich das �berholman�ver, wie es aus seiner Sicht verlaufen sein soll, aufgezeichnet hatte.
X.________ hat am 5. Mai 2003 gegen das Urteil des Kantonsgerichtsausschusses Graub�nden staatsrechtliche Beschwerde beim Bundesgericht eingereicht mit dem Antrag, das angefochtene Urteil sei aufzuheben. Der Beschwerdef�hrer beruft sich auf Art. 9, Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 BV sowie Art. 6 Abs. 2 EMRK und r�gt Verletzungen des Anspruchs auf rechtliches Geh�r, des Willk�rverbots und des Grundsatzes in dubio pro reo. Der Beschwerdef�hrer beanstandet die Distanzangaben der Polizeibeamten und macht geltend, deren Angaben, wonach sie sein entgegenkommendes Fahrzeug erstmals aus einer Distanz von 70 Metern wahrgenommen und alsdann innert einer Strecke von 20 Metern angehalten h�tten, k�nnten nicht zutreffen. Ferner kritisiert der Beschwerdef�hrer, dass hinsichtlich der Geschwindigkeit des Lastwagens nur von einer Wahrscheinlichkeit ausgegangen und die Tachoscheibe nicht detailliert ausgewertet wurde sowie dass auf die von ihm beantragte Expertise verzichtet wurde. Aufgrund eigener Berechnungen bez�glich des ihm zur Verf�gung gestandenen �berholwegs und der Distanz zum Polizeifahrzeug legt er dar, dass keine Gefahr bestanden habe und ihm ein �berholen problemlos m�glich gewesen sei.
Das Kantonsgericht von Graub�nden beantragt unter Hinweis auf das angefochtene Urteil Abweisung der staatsrechtlichen Beschwerde, soweit auf diese einzutreten sei. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Graub�nden hat sich nicht vernehmen lassen.
Mit Verf�gung vom 10. Juli 2003 hat der Pr�sident der I. �ffentlichrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts auf Gesuch des Beschwerdef�hrers hin der staatsrechtlichen Beschwerde aufschiebende Wirkung beigelegt.
1.1 Das angefochtene Urteil des Kantonsgerichtsausschusses Graub�nden ist ein letztinstanzlicher kantonaler Endentscheid im Sinn von Art. 86 Abs. 1 OG. Zur R�ge der vom Beschwerdef�hrer geltend gemachten Verletzung verfassungsm�ssiger Rechte ist die staatsrechtliche Beschwerde zul�ssig. Durch die strafrechtliche Verurteilung ist der Beschwerdef�hrer in seinen rechtlich gesch�tzten Interessen ber�hrt. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
1.2 Mit seiner staatsrechtlichen Beschwerde hat der Beschwerdef�hrer eine vom 29. April 2003 datierte schriftliche Erkl�rung von Y.________ betreffend das �berholman�ver vom 29. August 2001, Strecke Churwalden - Malix, eingereicht, worin dieser erkl�rt, er sei vom Beschwerdef�hrer mit seinen damals gemachten Angaben konfrontiert worden und k�nne dazu die anschliessend in der Erkl�rung dargelegten Pr�zisierungen anbringen. Bei staatsrechtlichen Beschwerden der vorliegenden Art sind neue tats�chliche und rechtliche Vorbringen grunds�tzlich unzul�ssig (BGE 118 Ia 20 E. 5 S. 26 mit Hinweis). Die Erkl�rung von Y.________, der bereits am 1. September 2001 von der Kantonspolizei Graub�nden als Zeuge einvernommen und am 21. Januar 2002 vom Untersuchungsrichter mit dem Beschwerdef�hrer konfrontiert worden war, ist im staatsrechtlichen Beschwerdeverfahren neu und kann daher nicht ber�cksichtigt werden.
2.1 Der Sachverhalt ist insoweit unbestritten, als der Beschwerdef�hrer am 29. August 2001 um ca. 14.45 Uhr auf der Kantonsstrasse Churwalden - Malix von Churwalden herkommend den von Y.________ gelenkten Lastwagen �berholte, bevor die Strasse in Fahrtrichtung Malix eine Linkskurve beschreibt. Ein von Malix herkommendes Polizeifahrzeug mit zwei Polizeibeamten hielt nach der Kurve auf einem Ausstellplatz rechts an, der Lenker des Polizeiautos stieg aus und gab dem Beschwerdef�hrer ein Handzeichen, worauf dieser anhielt.
2.2 Nachdem der Bezirksgerichtsausschuss Plessur den Beschwerdef�hrer vom Vorwurf der �berschreitung der zul�ssigen H�chstgeschwindigkeit freigesprochen hatte und dessen Urteil vom 15. August 2002 diesbez�glich in Rechtskraft erwachsen war, hatte der Kantonsgerichtsausschuss davon auszugehen, dass der Beschwerdef�hrer bei seinem �berholman�ver die zul�ssige H�chstgeschwindigkeit von 80 km/h nicht �berschritten hatte. Der Kantonsgerichtsausschuss erachtete den Sachverhalt durch die im Zeitpunkt seines Urteils bereits erhobenen Beweismittel, insbesondere durch die Aussagen der beiden Polizeibeamten, die beide als Zeugen einvernommen und mit dem Beschwerdef�hrer konfrontiert worden waren, sowie durch die Aussagen des Zeugen Y.________ und dessen Konfrontation mit dem Beschwerdef�hrer als gen�gend abgekl�rt, weshalb er in antizipierter Beweisw�rdigung die Beweisantr�ge des Beschwerdef�hrers auf Rekonstruktion des �berholman�vers, auf Sicherstellung (und Auswertung) der Tachoscheibe des �berholten Lastwagens, auf Einholung einer Expertise und auf (nochmalige) Befragung des Polizeibeamten A.________ abgewiesen hat. Der Beschwerdef�hrer h�lt die Beweisw�rdigung des Kantonsgerichtsausschusses f�r willk�rlich und r�gt eine Verletzung des Grundsatzes in dubio pro reo.
3.1 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts verf�gt der Sachrichter im Bereich der Beweisw�rdigung �ber einen weiten Beurteilungsspielraum. Das Bundesgericht greift auf staatsrechtliche Beschwerde wegen willk�rlicher Beweisw�rdigung hin nur ein, wenn die Beweisw�rdigung offensichtlich unhaltbar ist, mit der tats�chlichen Situation in klarem Widerspruch steht, auf einem offensichtlichen Versehen beruht oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderl�uft (BGE 124 I 208 E. 4a S. 211; 120 Ia 31 E. 4b S. 40, je mit Hinweisen).
3.2 Der aus der Unschuldsvermutung (Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK) folgende Grundsatz "in dubio pro reo" umfasst zwei Gesichtspunkte; zum einen bezieht er sich auf die Beweislast, zum andern wirkt er sich bei der Feststellung des Sachverhalts und der W�rdigung der Beweise aus. Als Beweisw�rdigungsregel, auf die sich der Beschwerdef�hrer vorliegend beruft, bedeutet die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von einem f�r den Angeklagten ung�nstigen Sachverhalt �berzeugt erkl�ren darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdr�ckende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Diese Beweisw�rdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Angeklagten h�tte zweifeln m�ssen. Dabei sind abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer m�glich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Das Bundesgericht legt sich bei der �berpr�fung der Beweisw�rdigung im Strafprozess Zur�ckhaltung auf. Es greift somit nur ein, wenn der Strafrichter den Angeklagten verurteilte, obgleich bei objektiver W�rdigung des Beweisergebnisses offensichtlich erhebliche und schlechterdings nicht zu unterdr�ckende Zweifel an dessen Schuld fortbestanden (BGE 127 I 38 E. 2a S. 40 f.; 124 IV 86 E. 2a S. 88; 120 Ia 31 E. 2c und 2d S. 37).
4.1 Der Kantonsgerichtsausschuss hat auf die Aussagen der beiden Polizeibeamten abgestellt, wonach diese Ausgangs der Kurve bei der �rtlichkeit "Egga" mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 60 km/h fuhren und zu Beginn des rechtsseitigen Ausstellplatzes den entgegenkommenden Personenwagen des Beschwerdef�hrers bemerkten. Dieser habe sich auf gleicher H�he mit dem Lastwagen befunden. Die Distanz zum Polizeifahrzeug habe 70 Meter betragen. Da der Lenker des Polizeifahrzeugs bemerkt habe, dass es zu einer gef�hrlichen Situation kommen w�rde, habe er den Dienstwagen stark abgebremst und auf den rechtsseitigen Ausstellplatz gelenkt. Er sei ausgestiegen und habe dem Beschwerdef�hrer, der mittlerweile das �berholman�ver beendet habe und wieder eingebogen sei, ein Handzeichen gegeben. Hinsichtlich der Geschwindigkeit des �berholten Lastwagens ging der Kantonsgerichtsausschuss aufgrund der auf dem Fahrtenschreiber-Einlegeblatt ersichtlichen Daten davon aus, dass dieser an der fraglichen Stelle mit zirka 60 bis 65 km/h talw�rts gefahren sei. Der Kantonsgerichtsausschuss stellte zudem auf die Aussagen des Lastwagenchauffeurs ab, wonach er sich ungef�hr auf der H�he der dortigen rechtsseitigen Haltestelle f�r das Postauto in Richtung Malix befunden habe, als der Beschwerdef�hrer das �berholman�ver begann. Zu diesem Zeitpunkt sei das Polizeifahrzeug aus der Kurve gefahren. Anl�sslich der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschwerdef�hrer best�tigte der Lastwagenchauffeur, dass das �berholman�ver auf der H�he der Postautohaltestelle noch nicht beendet war und der Beschwerdef�hrer erst nach derselben wieder auf der rechten Strassenseite war, nachdem er ca. 4 - 5 Meter vor dem Lastwagen wieder eingebogen sei.
4.2 Nach der Aussage des Lastwagenchauffeurs anl�sslich seiner Einvernahme vom 1. September 2001 w�re es unweigerlich zur Kollision gekommen, wenn das Polizeiauto nicht ausgewichen w�re. Der Lenker des Polizeifahrzeugs vermerkte in seinem Rapport vom 10. Oktober 2001, dass es unweigerlich zu einer sehr gef�hrlichen Situation gekommen w�re, wenn er weiter auf der rechten Fahrbahnh�lfte in Richtung Churwalden geblieben w�re, weshalb er sich entschlossen habe, den Wagen stark abzubremsen und auf den rechtsseitigen Ausstellplatz zu lenken. Der Polizeibeamte B.________ erkl�rte anl�sslich der Konfrontationseinvernahme, er h�tte, wenn er das Polizeifahrzeug gelenkt h�tte, gleich reagiert wie sein Kollege; die Situation sei brenzlig gewesen. H�tte man nicht abgebremst, w�re es ganz sicher knapp geworden. Ob es zu einer Kollision gekommen w�re, oder ob der Beschwerdef�hrer auch noch rechtzeitig auf die rechte Fahrbahn h�tte einbiegen k�nnen, wenn das Polizeifahrzeug seine Geschwindigkeit nicht reduziert h�tte, k�nne er nicht sagen. Wie das Bundesgericht jedoch in BGE 100 IV 76 E. 3 S. 81 festgehalten hat, kommt es nicht auf das subjektive Empfinden des F�hrers des entgegenkommenden Fahrzeugs an. Entscheidend ist, ob der Beschwerdef�hrer nach der objektiven Verkehrslage beim Beginn des �berholens annehmen musste, er werde ein entgegenkommendes Fahrzeug im Sinne des Art. 35 Abs. 2 SVG behindern, und er deshalb vom �berholen h�tte absehen sollen.
5.1 Gem�ss Art. 35 Abs. 2 Satz 1 ist �berholen und Vorbeifahren an Hindernissen nur gestattet, wenn der n�tige Raum �bersichtlich und frei ist und der Gegenverkehr nicht behindert wird. Wer �berholt, muss gem�ss Art. 35 Abs. 3 SVG auf die �brigen Strassenben�tzer, namentlich auf jene, die er �berholen will, besonders R�cksicht nehmen. In un�bersichtlichen Kurven darf gem�ss Art. 35 Abs. 4 SVG nicht �berholt werden, wobei der Ausdruck "in un�bersichtlichen Kurven" mit "bei" oder "im Bereich von derartigen Kurven" gleichgesetzt werden muss (BGE 109 IV 134 E. 3 S. 136). Zu pr�fen ist, ob die willk�rfrei getroffenen Sachannahmen den Schluss zulassen, die �berblickbare Strecke h�tte f�r ein gefahrloses �berholen nicht ausgereicht.
5.2 Der Kantonsgerichtsausschuss hat im angefochtenen Urteil festgehalten, dass anl�sslich des durch die Untersuchungsbeh�rde durchgef�hrten Augenscheins von der Stelle, von welcher der Beschwerdef�hrer das �berholman�ver begonnen habe, eine Sichtdistanz von 349 Metern ausgemessen worden sei, w�hrend es nach sp�teren Messungen des Beschwerdef�hrers 360 Meter gewesen sein sollen. Wie der Augenschein ergeben habe, sei die Sicht jedoch nur f�r einen kurzen Augenblick frei, da der zun�chst gerade Streckenabschnitt in eine langgezogene Rechtskurve m�nde, welche die Sicht in die nachfolgende Linkskurve bei der �rtlichkeit "Egga" teilweise beeintr�chtige. Die vom Beschwerdef�hrer im kantonalen Verfahren eingereichte Videokassette best�tigt dies.
5.3 Ausgehend von einer Geschwindigkeit des Beschwerdef�hrers von 80 km/h und einer solchen des �berholten Lastwagens von 60 km/h, einer L�nge des �berholenden Fahrzeuges von 5 Metern und einer solchen des �berholten Lastwagens von 9 Metern und einer Aus- und Einbiegestrecke von je 40 Metern (entsprechend einem "halben Tacho") errechnete der Kantonsgerichtsausschuss einen �berholweg von 376 Metern. Bei Verk�rzung der Aus- und Einbiegestrecke auf 20 Meter (entsprechend einem "viertel Tacho") h�tte der �berholweg nach der Berechnung des Kantonsgerichtsausschusses noch 216 Meter betragen. Bei den angenommenen Geschwindigkeiten von 80 km/h f�r den Beschwerdef�hrer beziehungsweise 60 km/h f�r den Lastwagen h�tte der Beschwerdef�hrer nach der Feststellung des Kantonsgerichtsausschusses f�r das �berholman�ver 9,7 Sekunden ben�tigt. Da nicht nur die f�r den �berholvorgang ben�tigte Strecke �bersichtlich und frei sein muss, sondern zus�tzlich jene, die ein entgegenkommendes Fahrzeug bis zu diesem Punkt zur�cklegt, wo der �berholende die linke Strassenseite freigegeben haben wird, muss bei der Pr�fung, ob die �berblickbare Strecke f�r ein gefahrloses �berholen gen�gte, auch diese Distanz ber�cksichtigt werden. Der Kantonsgerichtsausschuss hat f�r den Gegenverkehr an der fraglichen Stelle eine Geschwindigkeit von 60 km/h f�r zul�ssig erachtet, was der Beschwerdef�hrer nicht beanstandet. Hieraus ergibt sich f�r den Gegenverkehr in der errechneten �berholzeit von 9,7 Sekunden die vom Kantonsgerichtsausschuss festgestellte Distanz von 161 Metern. Gest�tzt darauf gelangte der Kantonsgerichtsausschuss zum Ergebnis, dass selbst bei Annahme einer Sichtdistanz von 360 Metern und eines �berholwegs von nur 216 Metern die Sichtdistanz ein gefahrloses �berholen nicht erlaubte.
6.1 Die f�r ein �berholman�ver ben�tigte Strecke kann nur dann zuverl�ssig berechnet werden, wenn die von den beteiligten Fahrzeugen gefahrenen Geschwindigkeiten bekannt sind. Zum Nachweis der Geschwindigkeit des �berholten Lastwagens hat der Beschwerdef�hrer im kantonalen Verfahren den Beizug und die Auswertung von dessen Fahrtenschreiber-Einlegeblatt beantragt. Der Kantonsgerichtsausschuss hat im angefochtenen Urteil festgestellt, das Einlegeblatt befinde sich bereits bei den Akten und hat hierzu erkl�rt, nach den darauf ersichtlichen Daten d�rfte der Lastwagenfahrer an der fraglichen Stelle mit "zirka 60 km/h bis 65 km/h" talw�rts gefahren sein beziehungsweise nach den Werten des Einlegeblatts sei der Lastwagenfahrer ab Churwalden auf dem fraglichen Streckenabschnitt mit "wahrscheinlich etwa 60 km/h bis 65 km/h" gefahren. Zu Gunsten des Beschwerdef�hrers ging der Kantonsgerichtsausschuss von einer Geschwindigkeit des Lastwagens von 60 km/h aus. Der Beschwerdef�hrer beanstandet diese Annahme des Kantonsgerichtsausschusses und sieht darin, dass eine detaillierte Auswertung des Fahrtenschreiber-Einlegeblatts unterblieben ist, eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Geh�r.
6.2 Der Umfang des Anspruchs auf rechtliches Geh�r wird zun�chst durch die kantonalen Verfahrensvorschriften umschrieben; erst wo sich dieser Rechtsschutz als ungen�gend erweist, greift die bundesrechtliche Minimalgarantie von Art. 29 Abs. 2 BV Platz. Da der Beschwerdef�hrer keine Verletzung kantonaler Verfahrensvorschriften r�gt, ist einzig und zwar mit freier Kognition zu pr�fen, ob diese Garantie verletzt wurde (BGE 125 I 417 E. 7a S. 430). Das rechtliche Geh�r dient unter anderem der Sachaufkl�rung, wozu das Recht des Betroffenen geh�rt, mit erheblichen Beweisantr�gen geh�rt zu werden (BGE 127 I 54 E. 2b S. 56; 122 V 157 E. 1d S. 162, je mit Hinweisen). Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsm�ssigen Anspruchs allerdings nur �ber jene Tatsachen abzunehmen, die f�r die Entscheidung der Streitsache erheblich sind (vgl. BGE 125 I 417 E. 7b S. 430).
6.3 Der Antrag des Beschwerdef�hrers auf Auswertung des Fahrtenschreiber-Einlegeblatts des Lastwagens ist dann erheblich, wenn die daraus gewonnenen Erkenntnisse geeignet sein k�nnten, den Schuldspruch des Beschwerdef�hrers in Frage zu stellen. Dies ist nicht der Fall. Der Kantonsgerichtsausschuss hat im angefochtenen Urteil ausdr�cklich erkl�rt, es bestehe keine Veranlassung, f�r die Aus- und Einbiegestrecke lediglich einen "viertel Tacho" anstelle eines "halben Tachos" einzusetzen. Damit hat sich der Beschwerdef�hrer nicht auseinander gesetzt und dies nicht in Abrede gestellt. Die vom Kantonsgerichtsausschuss anschliessend an den so errechneten �berholweg vorgenommene Berechnung unter Einsetzung einer Aus- und Einbiegestrecke von nur einem "viertel Tacho" erfolgte nur in Bedingungsform um darzulegen, dass selbst dann die �berblickbare Strecke nicht gen�gt h�tte, um das �berholman�ver gefahrlos durchzuf�hren. War jedoch nach der vom Beschwerdef�hrer nicht beanstandeten und durch die von ihm zu den Akten gegebene Videokassette best�tigte Feststellung des Kantonsgerichtsausschusses auf der fraglichen Strecke die Sicht nur f�r einen kurzen Augenblick frei, so erweist sich die Anwendung der Faustregel der Berechnung der Aus- und Einbiegestrecke mit einem "halben Tacho" vorliegend als gerechtfertigt. Dies ergibt sich auch daraus, dass es sich bei dem �berholten Fahrzeug um einen Lastwagen handelte, f�r welchen die Einbiegestrecke wegen der geringeren Verz�gerungswerte schwerer Fahrzeuge eher noch gr�sser zu veranschlagen w�re (vgl. J�rg Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, S. 81). Selbst bei Annahme einer Geschwindigkeit des �berholten Lastwagens von nur 50 km/h h�tte der �berholweg bei der nicht zu beanstandenden Berechnung der Aus- und Einbiegestrecke mit einem "halben Tacho" 250 Meter betragen. Nach Abzug dieses �berholweges von der Sichtdistanz von 360 Metern w�ren f�r das entgegenkommende Fahrzeug, das bei einer zul�ssigen Geschwindigkeit von 60 km/h w�hrend des �berholman�vers des Beschwerdef�hrers 161 Meter zur�cklegte, nur 110 Meter geblieben, was zeigt, dass die �berblickbare Strecke auch bei Annahme einer Geschwindigkeit des �berholten Lastwagens von nur 50 km/h f�r ein gefahrloses �berholen nicht gen�gt h�tte. Da keinerlei Anhaltspunkt daf�r besteht, dass der Lastwagenchauffeur, der erkl�rte, nur die Motorbremse bet�tigt zu haben (Einvernahme vom 1. September 2001) und vorher mit ca. 85 km/h gefahren zu sein (Konfrontationseinvernahme vom 21. Januar 2002), bei dem �berholvorgang eine noch geringere Geschwindigkeit als 50 km/h gehabt haben k�nnte, durfte der Kantonsgerichtsausschuss auf eine Auswertung des Fahrtenschreiber-Einlegeblatts verzichten, ohne das rechtliche Geh�r des Beschwerdef�hrers zu verletzen.
Der Beschwerdef�hrer ist ferner der Ansicht, erst mit dem Ergebnis einer verkehrstechnischen Expertise beziehungsweise einer Rekonstruktion des �berholman�vers k�nne beurteilt werden, ob die Auffassung des Kantonsgerichtsausschusses, wonach das fragliche Man�ver unter keinen Umst�nden gefahrlos durchgef�hrt werden konnte, zutrifft. Bereits die im angefochtenen Urteil angestellten Berechnungen zeigen jedoch, dass dies nicht der Fall sein kann, weshalb auf eine solche Expertise wie auch auf eine Rekonstruktion des �berholman�vers verzichtet werden kann. Der Kantonsgerichtsausschuss hat daher das rechtliche Geh�r des Beschwerdef�hrers auch nicht dadurch verletzt, dass er auf diese Beweismittel verzichtet hat.
In Bezug auf die vom Beschwerdef�hrer beanstandeten Distanzsch�tzungen der Polizeibeamten ergibt sich schliesslich, dass diese fehlerhaft sind. Erfahrungsgem�ss sind Distanzsch�tzungen von entgegenkommenden Fahrzeugen schwierig, was besonders in einer Stresssituation wie der vorliegenden, als das �berholende Fahrzeug des Beschwerdef�hrers den Polizeibeamten auf ihrer Spur entgegenkam, zutrifft. Selbst wenn jedoch die Distanz zwischen dem �berholenden Fahrzeug des Beschwerdef�hrers und dem Polizeifahrzeug mehr betragen h�tte als die von den Polizeibeamten angegebenen 70 Meter, w�rde dies nichts daran �ndern, dass nach den nicht zu beanstandenden Berechnungen des Kantonsgerichtsausschusses das �berholman�ver des Beschwerdef�hrers nicht gefahrlos durchgef�hrt werden konnte. Ohne Belang ist der Anhalteweg des Polizeifahrzeuges. Fest steht, dass der Polizeibeamte A.________ das Polizeifahrzeug auf dem rechtsseitigen Ausstellplatz nach der Kurve zum Stillstand gebracht hat. Selbst wenn er den �berholenden Wagen des Beschwerdef�hrers etwas fr�her und entgegen seiner Aussage nicht erst zu Beginn des rechtsseitigen Ausstellplatzes gesehen h�tte, w�rde dies nichts an der Beurteilung des �berholman�vers des Beschwerdef�hrers �ndern.
Zusammenfassend erweist sich der Sachverhalt als willk�rfrei und gen�gend abgekl�rt. Die staatsrechtliche Beschwerde ist somit unbegr�ndet und daher abzuweisen.
Bei diesem Ausgang gehen die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens zu Lasten des Beschwerdef�hrers (Art. 156 Abs. 1 OG). Eine Parteientsch�digung ist nicht zuzusprechen.