Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/kst/der-sport-dachverband-und-sein-wirtschaftlicher-geschaeftsbetrieb-3100547?pk_campaign=feed&pk_kwd=der-sport-dachverband-und-sein-wirtschaftlicher-geschaeftsbetrieb
Timestamp: 2020-07-15 09:46:26
Document Index: 289260318

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 8', '§ 65', '§ 5', '§ 67', '§ 67', '§ 67', '§ 65', '§ 65', '§ 52', '§ 52', '§ 58', '§ 58', '§ 67', '§ 162', '§ 90', '§ 162', '§ 4', '§ 67']

Der Sport-Dachverband - und sein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb | Rechtslupe
Die orga­ni­sa­to­ri­schen Dienst­leis­tun­gen bzw. die Erar­bei­tung, Zur­ver­fü­gung­stel­lung und Durch­set­zung des Ord­nungs­rah­mens für den rei­bungs­lo­sen Ablauf der von den Ver­ei­nen ver­an­stal­te­ten Bun­des­li­ga-Wett­kämp­fe sind nach­hal­ti­ge selb­stän­di­ge Tätig­kei­ten des Sport-Dach­ver­bands, die über eine Ver­mö­gens­ver­wal­tung hin­aus­ge­hen und für die der Sport-Dach­ver­band die strei­ti­gen Ent­gel­te und Gebüh­ren (Ein­nah­men i.S. von § 14 AO) bezo­gen hat. Letz­te­re unter­schei­den sich von nach § 8 Abs. 5 KStG 1999/​2002 steu­er­frei­en Mit­glieds­bei­trä­gen dadurch, dass sie nach den den Bun­des­fi­nanz­hof wie­der­um bin­den­den Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz als Gegen­leis­tun­gen für bestimm­te Tätig­kei­ten des Sport-Dach­ver­bands gezahlt wor­den sind [1].
Zwar hat die Besteue­rung der wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trie­be steu­er­be­güns­tig­ter Kör­per­schaf­ten ihren wesent­li­chen Beweg­grund im Wett­be­werbs­ge­dan­ken, der eine Gleich­be­hand­lung der begüns­tig­ten Kör­per­schaf­ten mit kon­kur­rie­ren­den erwerbs­wirt­schaft­li­chen Unter­neh­men for­dert [2]. Den­noch gehört die Mög­lich­keit von Wett­be­werbs­be­ein­träch­ti­gun­gen aus­drück­lich nicht zu den gesetz­li­chen Tat­be­stands­merk­ma­len des wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­triebs. Sie gehört dazu auch nicht als unge­schrie­be­ne Vor­aus­set­zung, die jeweils zusätz­lich zu den gesetz­li­chen Tat­be­stand­merk­ma­len des wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­triebs geprüft und bejaht wer­den müss­te, um des­sen Steu­er­pflicht zu beja­hen. Das zeigt sich z.B. an der Rege­lung des § 65 Nr. 3 AO, der das Pri­vi­leg der Steu­er­frei­heit des Zweck­be­triebs einer gemein­nüt­zi­gen oder mild­tä­ti­gen Kör­per­schaft an die Bedin­gung knüpft, dass der betref­fen­de wirt­schaft­li­che Geschäfts­be­trieb zu nicht begüns­tig­ten Betrie­ben der­sel­ben oder ähn­li­cher Art nicht in grö­ße­rem Umfang in Wett­be­werb tritt, als bei der Erfül­lung der steu­er­be­güns­tig­ten Zwe­cke unver­meid­bar ist. Die Sta­tu­ie­rung die­ser Wett­be­werbs­klau­sel wäre nicht erklär­lich, wenn als steu­er­pflich­ti­ge wirt­schaft­li­che Geschäfts­be­trie­be nur sol­che Betrie­be in Betracht kämen, bei denen ein kon­kre­tes oder poten­ti­el­les Wett­be­werbs­ver­hält­nis zu nicht begüns­tig­ten Unter­neh­men fest­ge­stellt wer­den kann.Da das Gesetz für die nach § 5 Abs. 1 Nr. 5 KStG 1999/​2002 steu­er­be­frei­ten Berufs­ver­bän­de ‑anders als für den Gemein­nüt­zig­keits­sek­tor- eine Pri­vi­le­gie­rung bestimm­ter Zweck­be­trie­be nicht vor­sieht, bleibt nur der Schluss, dass aus­nahms­los alle von die­sen Ver­bän­den unter­hal­te­nen wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trie­be der Steu­er­pflicht unter­lie­gen sol­len; eine Prü­fung der jewei­li­gen Wett­be­werbs­in­ten­si­tät ist nicht vor­ge­se­hen [3].
Der beschrie­be­ne wirt­schaft­li­che Geschäfts­be­trieb ist kein Zweck­be­trieb nach § 67a AO. Die vom Sport-Dach­ver­band ent­fal­te­ten Akti­vi­tä­ten sind kei­ne sport­li­chen Ver­an­stal­tun­gen i.S. von § 67a AO. Dies folgt auch dem Umstand, dass nicht der Sport-Dach­ver­band, son­dern die Ver­ei­ne die wesent­li­chen Leis­tun­gen bei den Ver­an­stal­tun­gen der Bun­des­li­gen und der Mann­schafts­meis­ter­schaf­ten erbräch­ten. Der Sport-Dach­ver­band schaf­fe ledig­lich den orga­ni­sa­to­ri­schen Rah­men und über­neh­me unter­stüt­zen­de ver­wal­tungs­tech­ni­sche Funk­tio­nen. Dies genü­ge nicht, um ihn als den ver­an­stal­ten­den Sport­ver­ein i.S. des § 67a AO anzu­se­hen [4].
Unter sport­li­chen Ver­an­stal­tun­gen sind orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men eines Sport­ver­eins zu ver­ste­hen, die es akti­ven Sport­lern ermög­li­chen, Sport zu trei­ben; eine bestimm­te Orga­ni­sa­ti­ons­form oder ‑struk­tur schreibt das Gesetz nicht vor [5]. Auch wenn die Leis­tun­gen des Sport-Dach­ver­bands die ord­nungs­ge­mä­ße und ein­heit­li­che Durch­füh­rung der ein­zel­nen Bun­des­li­ga-Wett­kämp­fe durch die Ver­ei­ne erst ermög­li­chen mögen, sind sie doch nicht auf Orga­ni­sa­ti­on oder Durch­füh­rung kon­kre­ter sport­li­cher Ver­an­stal­tun­gen gerich­tet. Nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt wer­den viel­mehr die kon­kre­ten Orga­ni­sa­ti­ons­maß­nah­men von den Ver­ei­nen erbracht, denen allein auch die Ein­nah­men aus den Wett­kämp­fen zuste­hen und die allein die finan­zi­el­len Risi­ken der Ver­an­stal­tun­gen tra­gen. Auch ent­sen­det nicht der Sport-Dach­ver­band, son­dern ent­sen­den die Ver­ei­ne die Sport­ler zu den jewei­li­gen Ver­an­stal­tun­gen.
Ein Zweck­be­trieb nach § 65 AO ist gege­ben, wenn (u.a.) der wirt­schaft­li­che Geschäfts­be­trieb in sei­ner Gesamt­rich­tung dazu dient, die steu­er­be­güns­tig­ten gemein­nüt­zi­gen Zwe­cke der Kör­per­schaft zu ver­wirk­li­chen (§ 65 Nr. 1 AO). An die­ser Vor­aus­set­zung fehlt es, soweit der wirt­schaft­li­che Geschäfts­be­trieb eines gemein­nüt­zi­gen Sport­ver­eins oder ‑ver­bands der För­de­rung des bezahl­ten Sports dient. Das ergibt sich dar­aus, dass der bezahl­te Sport nicht unter den gemein­nüt­zig­keits­recht­li­chen Sport­be­griff des § 52 Abs. 2 Nr. 2 Satz 1 AO (jetzt § 52 Abs. 2 Nr. 21 AO i.d.F. des Geset­zes zur wei­te­ren Stär­kung des bür­ger­schaft­li­chen Enga­ge­ments vom 10.10.2007, BGBl I 2007, 2332, BStBl I 2007, 815) fällt, weil er in ers­ter Linie den eigen­wirt­schaft­li­chen Zwe­cken der bezahl­ten Sport­ler dient [6]. Wenn auch die neben der För­de­rung des unbe­zahl­ten Sports aus­ge­üb­te För­de­rung auch des bezahl­ten Sports durch einen Sport­ver­ein gemäß § 58 Nr. 9 AO (jetzt § 58 Nr. 8 AO i.d.F. des Geset­zes zur Stär­kung des Ehren­am­tes [7]) nicht zum Aus­schluss der Steu­er­be­güns­ti­gung ins­ge­samt führt, ist die­ser Teil­be­reich als wirt­schaft­li­cher Geschäfts­be­trieb steu­er­pflich­tig. Dies über­sieht die Revi­si­on bei ihrer Argu­men­ta­ti­on mit der aus der Sat­zung des Sport-Dach­ver­bands abge­lei­te­ten gemein­nüt­zi­gen "Gesamt­rich­tung" sei­ner Akti­vi­tä­ten. Ein auf die För­de­rung auch des bezahl­ten Sports gerich­te­ter wirt­schaft­li­cher Geschäfts­be­trieb eines Sport­ver­eins kann im Hin­blick auf die­sen För­der­zweck ledig­lich im Rah­men der Zweck­be­triebs­vor­aus­set­zun­gen des § 67a AO steu­er­frei sein. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen hier indes aus den oben genann­ten Grün­den nicht vor.
Das Finanz­amt durf­te im Wege der Schät­zung davon aus­ge­hen, dass bei allen Wett­kämp­fen der Bun­des­li­ga­ver­ei­ne in den Streit­jah­ren bezahl­te Sport­ler zum Ein­satz gekom­men sind. Soweit die Finanz­be­hör­den die Besteue­rungs­grund­la­gen nicht ermit­teln kön­nen, haben sie sie gemäß § 162 Abs. 1 Satz 1 AO zu schät­zen. Zu schät­zen ist ins­be­son­de­re dann, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge über sei­ne Anga­ben kei­ne aus­rei­chen­den Auf­klä­run­gen zu geben ver­mag oder sei­ne Mit­wir­kungs­pflicht nach § 90 Abs. 2 AO ver­letzt (§ 162 Abs. 2 Satz 1 AO). Ein sol­cher Fall ist hier gege­ben. Denn der Sport-Dach­ver­band hat kei­ne kon­kre­ten Anga­ben dazu gemacht, wie vie­le bezahl­te Sport­ler für die Ver­ei­ne in den Streit­jah­ren in wie vie­len Bun­des­li­ga­ver­an­stal­tun­gen ange­tre­ten sind. Die nicht näher kon­kre­ti­sier­ten Anga­ben des Sport-Dach­ver­bands zum Jahr 2007 sind inso­weit untaug­lich. Die objek­ti­ve Fest­stel­lungs­last für die Tat­sa­chen, aus denen sich die Gemein­nüt­zig­keit ergibt, trägt grund­sätz­lich die Kör­per­schaft [8]. Ent­spre­chen­des gilt für die Dar­le­gung der zur Steu­er­frei­heit eines wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­triebs füh­ren­den Zweck­be­triebs­vor­aus­set­zun­gen. Die unter­blie­be­ne Dar­le­gung ist nicht damit zu recht­fer­ti­gen, dass es um die Ver­hält­nis­se von Drit­ten (näm­lich der Ver­ei­ne und der bezahl­ten Sport­ler) geht. Die Revi­si­on hat nicht dar­ge­tan, dass der Sport-Dach­ver­band sich um Auf­klä­rung bemüht hat, die Lan­des­or­ga­ni­sa­tio­nen bzw. deren Mit­glieds­ver­ei­ne ihm gegen­über die ent­spre­chen­den Aus­künf­te jedoch ver­wei­gert haben und er des­halb zu kon­kre­ten Dar­le­gun­gen außer­stan­de gewe­sen ist.
s. zur Unter­schei­dung von Mit­glieds­bei­trä­gen und Ent­gel­ten z.B. BFH, Urteil vom 15.10.1997 – I R 2/​97, BFHE 184, 222, BStBl II 1998, 175[↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 25.07.1996 – V R 7/​95, BFHE 181, 222, BStBl II 1997, 154; vom 02.03.2011 – XI R 21/​09, BFHE 233, 269, jeweils zu dem gleich­lau­ten­den Begriff in § 4 Nr. 22 Buchst. b UStG 1999[↩]
vom 21.03.2013, BGBl I 2013, 556, BStBl I 2013, 339[↩]
BFH, Beschluss vom 28.10.2004 – I B 95/​04, BFH/​NV 2005, 160; BFH, Urteil vom 11.04.2012 – I R 11/​11, BFHE 237, 22, BStBl II 2013, 146[↩]
Der Sport-Dach­­ver­­­band – und sein wirt­schaft­li­cher… Unter sport­li­chen Ver­an­stal­tun­gen i.S. von § 67a AO sind orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men eines Sport­ver­eins zu ver­ste­hen, die es akti­ven Sport­lern ermög­li­chen, Sport zu trei­ben. Die Tätig­keit…