Source: https://www.haufe.de/finance/finance-office-professional/einlagen-und-entnahmen-321-begriff-der-entnahme_idesk_PI11525_HI1094378.html
Timestamp: 2020-04-08 21:20:02
Document Index: 160490685

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 8', '§ 10', '§ 4', '§ 4', '§ 5', '§ 951', '§ 24']

Einlagen und Entnahmen / 3.2.1 Begriff der Entnahme | Finance Office Professional | Finance | Haufe
Entnahmen sind nach § 4 Abs. 1 Satz 2 EStG alle bilanzierbaren Wirtschaftsgüter bzw. Vermögensgegenstände (Barentnahmen, Waren, Erzeugnisse, Nutzungen und Leistungen), die der Steuerpflichtige dem Betrieb für sich, für seinen Haushalt oder andere betriebsfremde Zwecke im Laufe des Wirtschaftsjahres entnommen hat. Durch die Entnahme wird ein Wirtschaftsgut aus dem betrieblichen in den privaten Bereich überführt (Sachentnahme) oder es kommt zu einer nicht betrieblich veranlassten Wertabgabe (Nutzungs- oder Leistungsentnahme). Jede Entnahme ist für sich zu bewerten, eine Saldierung mit Einlagen ist unzulässig.
Voraussetzungen einer Entnahme sind ein entnahmefähiges Wirtschaftsgut, eine Entnahmehandlung und eine Entnahme zu betriebsfremden Zwecken.
Die gewinnneutrale Ausbuchung eines Wirtschaftsgutes ist keine Entnahme. Sie hat zu erfolgen, wenn ein Wirtschaftsgut des Privatvermögens zu Unrecht als Betriebsvermögen erfasst worden ist. Das Wirtschaftsgut ist mit dem Buchwert auszubuchen.
Keine Entnahme ist der Abgang eines Wirtschaftsgutes aus dem Betriebsvermögen durch Zerstörung oder Diebstahl, da es an einer Entnahmehandlung und an dem Entnahmewillen fehlt. Wird z. B. ein betrieblicher Pkw auf einer Privatfahrt zerstört, tritt für die stillen Reserven, die sich in dem Pkw bis zu seiner Zerstörung gebildet haben, keine Gewinnrealisierung ein.
Bei Körperschaften gilt der Entnahmebegriff nicht, da durch verdeckte Gewinnausschüttungen (§ 8 Abs. 3 KStG) und Zweckzuwendungen (§ 10 Nr. 1 KStG) körperschaftsteuerliche Sonderregelungen bestehen, die die Entnahme überflüssig machen und Vorrang vor § 4 Abs. 1 EStG haben.
3.2.1.1 Entnahmefähige Wirtschaftsgüter
Entnahmefähig sind nach § 4 Abs. 1 Satz 2 EStG alle Wirtschaftsgüter sowie Nutzungen und Leistungen.
Wirtschaftsgüter sind materielle und immaterielle Wirtschaftsgüter, z. B. Grundstücke, Gebäude, Waren, Erzeugnisse, Wertpapiere, Kraftfahrzeuge usw. Ohne Bedeutung ist es, ob es sich um ein Wirtschaftsgut des Anlage- oder Umlaufvermögens oder um notwendiges oder gewillkürtes Betriebsvermögens handelt, ob das Wirtschaftsgut im Einzelfall bilanzierbar ist oder in der Bilanz seinen Niederschlag gefunden hat. Entnehmbar sind daher auf null abgeschriebene Wirtschaftsgüter oder ein selbst geschaffenes oder unentgeltlich erworbenes immaterielles Wirtschaftsgut, das nach § 5 Abs. 2 EStG nicht bilanziert werden darf, z. B. selbst geschaffene Patente. Nicht erforderlich ist, dass das Wirtschaftsgut dem Betrieb einen Nutzen von mehreren Jahren bringt. Entnehmbar sind daher auch Patentrechte, Know-how Optionsrechte,
das Aufgeld bei Ausgabe von Optionsanleihen,
oder ein Ausgleichsanspruch gem. § 951 BGB gegen den Grundstückseigentümer. Grundsätzlich sind aktive und passive Wirtschaftsgüter entnehmbar, wobei aber die Entnahme von Verbindlichkeiten regelmäßig nicht möglich ist. Entnehmbar sind Wirtschaftsgüter des notwendigen Betriebsvermögens, wenn das Wirtschaftsgut nicht mehr ausschließlich und unmittelbar für eigenbetriebliche Zwecke genutzt wird oder dazu bestimmt ist. Bleibt der eigenbetriebliche Zweck bestehen, weil das Wirtschaftsgut weiterhin ausschließlich für die gleichen betrieblichen Zwecke genutzt wird, ist eine Entnahme nicht möglich.
Unberücksichtigt bleiben Vorgänge von untergeordneter Bedeutung. Wird ein Wirtschaftsgut nur gelegentlich und in unwesentlichem Umfang privat mitbenutzt, liegt keine (anteilige) Entnahme vor, Bagatellgrenze.
Wirtschaftsgüter sind dann nicht entnehmbar, wenn ein untrennbarer Zusammenhang zum Betriebsvermögen besteht, wenn das Wirtschaftsgut ohne den Betrieb nicht existieren könnte.
Forderungen sind grundsätzlich nicht entnahmefähig, wenn die Forderung nach Grund und/oder Höhe bestritten oder die Möglichkeit ihrer Einziehbarkeit wegen Bonitätsproblemen des Schuldners zweifelhaft oder ungewiss ist. Es besteht wegen der betrieblich veranlassten Risiken ein untrennbarer Zusammenhang zum Betrieb, der durch eine Entnahme nicht beendet werden kann. Eine Ausnahme ist aber möglich für eine dem Grunde und der Höhe nach unbestrittene Forderung, durch Erlass der Forderung aus privaten Gründen oder Abtretung an Privatgläubiger, wenn die Forderung sich vom Wesen her nicht von Bargeld unterscheidet. Entnehmbar sind aber Honorarforderungen eines Steuerberaters, die bei einer Einbringung nach § 24 UmwStG zurückbehalten werden.
Verbindlichkeiten, die mit Wirtschaftsgütern des Aktivvermögens untrennbar verknüpft sind, teilen das Schicksal des Wirtschaftsgutes. Sie sind nur entnehmbar, wenn das aktive Wirtschaftsgut entnommen wird. Mit der Entnahme des fremdfinanzierten Wirtschaftsguts wird die zur Finanzierung aufgenommene betriebliche Schuld zu einer privaten Schuld.
Ebenfalls untrennbar mit dem fortbestehenden Betrieb verbunden ist der Geschäfts- oder Firmenwert, sodass er nur mit dem Betrieb veräußert oder unentgeltlich übertragen werden, nicht aber entnommen werden kann. Im Falle einer echten Betriebsaufspaltung wird der Geschäfts- oder Firmenwert dem Betriebsunte...