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Timestamp: 2019-10-22 20:29:33
Document Index: 261073348

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 234', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 254', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 11.02.1999 - IX ZR 14/98 - dejure.org
https://dejure.org/1999,694
BGH, 11.02.1999 - IX ZR 14/98 (https://dejure.org/1999,694)
BGH, Entscheidung vom 11.02.1999 - IX ZR 14/98 (https://dejure.org/1999,694)
BGH, Entscheidung vom 11. Februar 1999 - IX ZR 14/98 (https://dejure.org/1999,694)
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Fahrlässiges Anwaltshandeln - Kündigungsschutzklage - Informationspflicht des Mandanten - Informationsverschulden - Schadensersatzanspruch - Mitverschulden
Zur haftungsausfüllenden Kausalität bei nicht aufgeklärtem Sachverhalt
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Regressanspruch gegen den Rechtsanwalt bei Erhebung nur einer Kündigungsschutzklage trotz Anhaltspunkten für weitere Kündigung
NJW 1999, 1391
MDR 1999, 571
NJ 1999, 590
NJ 1999, 591
VersR 1999, 1417
WM 1999, 647
BB 1999, 762
DB 1999, 1011
AnwBl 1999, 350
Die Beendigung einer rechtlichen Auseinandersetzung durch Vergleich ist regelmäßig als vernünftige Reaktion in dem bezeichneten Sinne anzusehen (Senatsurt. v. 11. Februar 1999 - IX ZR 14/98, NJW 1999, 1391, 1392).
Daher oblag es dem Beklagten, vorausschauend den für seine Mandantin relativ sichersten und am wenigsten gefährlichen Weg zu wählen (vgl. BGH, Urteil vom 11. Februar 1999 - IX ZR 14/98, NJW 1999, 1391;… Vill in Zugehör/G. Fischer/Vill/D. Fischer/Rinkler/Chab, Handbuch der Anwaltshaftung, 3. Aufl., Rn. 697) und den Wiedereinsetzungsantrag innerhalb der Zweiwochenfrist des § 234 Abs. 1 Satz 1 ZPO zu stellen.
Der im Zusammenhang mit einer aufgrund der vorangegangenen fehlerhaften Beratung entstandenen Unsicherheit geschlossene Vergleich ist in der Regel als eine vernünftige Reaktion des Geschädigten in diesem Sinne anzusehen (vgl. BGH, Urteil vom 11. Februar 1999 - IX ZR 14/98, BB 1999, 762, 764;… Beschluss vom 22. Oktober 2009 - IX ZR 237/06, nv Rn. 6 f;… G. Fischer, aaO Rn. 47; jeweils mwN).
Ob der Abschluß eines Vergleichs, der den Schaden erst herbeiführt, hier einzuordnen ist oder ob er den Ursachenzusammenhang unterbricht, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab, wobei die Erfolgsaussichten des Geschädigten im Falle einer gerichtlichen Entscheidung zu berücksichtigen sind (BGH, Urteil vom 7. Januar 1993 - IX ZR 199/91 - NJW 1993, 1139, 1141 und vom 11. Februar 1999 - IX ZR 14/98 - NJW 1999, 1391).
Dient der Vergleich beispielsweise der Beseitigung der Unsicherheit, die ein Rechtsanwalt durch pflichtwidriges Verhalten geschaffen hat, wird eine Unterbrechung des Ursachenzusammenhangs nur ausnahmsweise in Betracht kommen (vgl. BGH, Urteil vom 11. Februar 1999 aaO).
(Ständige Rechtsprechung: u.a. BGH WM 1999, 647; NJW 1997, 2168; NJW 1996, 2929; WM 1993, 610, 613 f; NJW 1994, 1211, 1212).
Es ist zwar richtig, dass die wahrheitsgemäße und vollständige Unterrichtung seines Anwalts oder Steuerberaters eine Vertragspflicht des Mandanten ist, deren schuldhafte Verletzung im Falle ihrer Schadensursächlichkeit den Vorwurf des Mitverschuldens rechtfertigen kann (BGH NJW 1996, 2929, 2932; NJW 1997, 518, 519; NJW 1997, 2168, 170; NJW 1997, 2238, 2239; NJW 1999, 1391, 1392); ein solcher Fall ist vorliegend nicht gegeben.
Die Rechtsprechung sieht solche Vergleiche in der Regel als vernünftige oder zumindest vertretbare Reaktion an (vgl. BGH NJW 1993, 1139, 1141 = WM 1993, 510, 513; NJW 1993, 2797, 2799 = WM 1993, 1798, 1800, NJW 1994, 1472, 1473 = WM 1994, 1114 ff.; NJW 1998, 2048, 2050 = WM 1998, 1542, 1545; NJW 1999, 1391, 1392 = WM 1999, 647, 649 = VersR 1999, 1417; Borgmann, NJW 2000, 2953, 2964), weil der Vergleich in den meisten Fällen gerade auch dazu dienen wird, die Unsicherheit zu beseitigen, die der Anwalt durch sein pflichtwidriges Verhalten geschaffen hat.
Zudem muss vielfach berücksichtigt werden, dass der geschä- digte Mandant bei seiner Entschließung für oder gegen einen Ver- gleich auch darauf bedacht sein muss, den Schaden zu mindern, um nicht dem Vorwurf eines Verstoßes gegen § 254 II BGB ausge- setzt zu sein (vgl. Beispielsweise BGH NJW 1999, 1391, 1392 = WM 1999, 647, 649 = VersR 1999, 1417; Ganter, S. 21).
Die an dieser Rechtsprechung teilweise geäußerte Kritik (Borg- mann, AnwBl. 1999, 283, 284; Jungk, BRAK-Mitt. 1999, 115, 116), vor einer nachteiligen Gerichtsentscheidung habe sich das durch den Anwaltsfehler geschaffene Risiko noch nicht verwirklicht und daher könne der durch einen Vergleich vor einer solchen Entschei- dung hervorgerufene Schaden des Mandanten dem Anwalt nicht zu- gerechnet werden, verengt in unzutreffender Weise den Blickwin- kel.
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