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Timestamp: 2017-11-23 07:47:30
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Technologietransferrecht SS 2016 RA Univ.Lektor. Dr. Leonhard Reis. - ppt herunterladen
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Präsentation zum Thema: "Technologietransferrecht SS 2016 RA Univ.Lektor. Dr. Leonhard Reis."— Präsentation transkript:
1 Technologietransferrecht SS 2016 RA Univ.Lektor. Dr. Leonhard Reis
2 Technologietransfer und Volkswirtschaft Technologietransfer ieS ist  ein volkswirtschaftlich wahrgenommener und beschriebener Prozess,  in dem Ergebnisse von Forschung und Entwicklung, die bei Forschern und Forschungseinrichtungen als Prozessbeteiligten entstehen,  an andere Prozessbeteiligte, insbesondere Wirtschaftsunternehmen, übergeben werden,  die diese Ergebnisse in neue Produkte und Verfahrenstechniken umsetzen. 2
3 Technologietransfer - Gabler Wirtschaftslexikon 1. Charakterisierung: Transfer von technischem Wissen zwischen Entstehung und Verwendung im Kombinationsprozess der Produktionsfaktoren. Technologietransfer bedeutet institutionell den planvollen, zeitlich limitierten, privatwirtschaftlichen oder staatlich unterstützten Prozess der Diffusion oder Verbreitung von Technologie im Sinn ihrer wirtschaftlichen Nutzbarmachung für Dritte. Die Übertragung erfolgt i.Allg. durch Rechtsakt (Lizenz-, Know-how-Vertrag etc.). Der Technologietransfer erfolgt entweder innerhalb eines internationalen Unternehmens zwischen Unternehmen oder zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. 3
4 Technologietransfer - Gabler Wirtschaftslexikon 2. Mögliche Bestandteile: (1) Technisches Wissen (Blaupausen, Patente, Lizenzen, Know-how); (2) technologische Vermittlung des Objekts (in Form von Spezialmaschinen, Ausrüstungen und sonstigen Gütern bis zur „schlüsselfertigen Fabrik”); (3) Ausbildung von Personal (im ursprünglichen und/oder zu transferierenden System); (4) zur Verfügung gestelltes Kapital bis zum Kompensationsgeschäft. 4
5 Technologietransfer - Gabler Wirtschaftslexikon 3. Bedeutung: Technologietransfer reduziert die Diskrepanz von potenziellem und aktuellem Nutzgrad einer Technologie. Die Verstärkung des Technologietransfers ist auch ein wichtiges Element im Rahmen der Forderungen nach einer Neuen Weltwirtschaftsordnung; Entwicklungsländer sind aufgrund technologischer Rückständigkeit in starkem Maße auf Technologietransfer angewiesen. 5
6 Grundlegendes zum Technologietransfer Ziel: Innovative Technologien auf den Markt zu bringen, um industrielle Anwendung zu ermöglichen Wertschöpfung der Ergebnisse von Grundlagenforschung und angewandter Forschung –Basic research is experimental or theoretical work undertaken primarily to acquire new knowledge of the underlying foundations of phenomena and observable facts, without any particular application or use in view. –Applied research is original investigation undertaken in order to acquire new knowledge. It is, however, directed primarily towards a specific practical aim or objective. (OECD, Frascati Manual 2002). 6
7 Grundlegendes zum Technologietransfer Technologien (iSd TT-GVO) sind –Patente (und Patentanmeldung), –Gebrauchsmuster (und Gebrauchsmusteranmeldungen), –Geschmacksmuster, –Sortenschutzrechte, –Topographien von Halbleitererzeugnissen, –ergänzende Schutzzertifikate für Arzneimittel oder andere Produkte, für die solche Zertifikate erlangt werden können, –Software-Rechte, –Know-how 7
8 Wie geschieht Technologietransfer? Personaltransfer (Arbeitskräfteüberlassung, Einschulungen, Head- hunting, „Abwerben“, Consulting, Beratung) Projektbezogener Transfer (Forschungskooperation, Forschungsauftrag, Entwicklungsauftrag, Joint Venture) Informationstransfer (Patente, Gebrauchsmuster und Know-how) 8
9 Technologietransfer = Informationstransfer Technologietransfer durch Wissenstransfer Vorträge LV Fortbildung Technologietransfer-Verträge F&E-Kooperationsvertrag Forschungsauftragsvertrag Patentlizenzvertrag Know how-Vertrag Markenlizenzvertrag Joint Venture-Vertrag uvm  Nicht nur Berücksichtigung des Immaterialgüterrechts sondern auch des Zivilrechts, Kartellrechts, Internationalen Privatrechts, Internationalen Zivilprozessrechts sowie Steuerrechts. 9
10 Grundzüge des Patentrechts I Patentrecht gehört zu den Immaterialgüterrechten bzw. zu den Regeln des „Geistigen Eigentums“ Rechtsquellen: Patengesetz 1970 (BGBl 1959/270 idF BGBl I 2006/96) Europäisches Patentübereinkommen (EPÜ) BGBl 1979/350 Patent Cooperation Treaty (PCT) Vertrag über die internationale Zusammenarbeit im Patentwesen BGBl 1973/349 Übereinkommen über ein Einheitliches Patentgericht Verordnung (EU) Nr. 1215/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. Dezember 2012 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (ABl. EU L 351, 20.12.2012), einschließlich aller späteren Änderungen, Gebrauchsmuster („kleines Patent“): Gebrauchsmustergesetz BGBl 1994/211 Daneben auch von Bedeutung für das Patentrecht: –VO 138/03 (Produktpiraterie-VO) –Produktpirateriegesetz BGBl I 2004/56 10
11 Grundzüge des Patentrechts Ia Das einheitliche Patent – oder das "europäische Patent mit einheitlicher Wirkung" – ist ein vom EPA nach den Vorschriften und Verfahren des EPÜ erteiltes europäisches Patent, dem auf Antrag des Patentinhabers einheitliche Wirkung für das Hoheitsgebiet derjenigen 25 Mitgliedstaaten verliehen wird, die an der Verstärkten Zusammenarbeit teilnehmen. Das einheitliche Patent wird neben den nationalen Patenten und den klassischen europäischen Patenten bestehen. Patentinhaber können aber künftig klassische europäische Patente auf verschiedene Weise mit dem einheitlichen Patent kombinieren. –Eine Möglichkeit wäre z. B.: ein einheitliches Patent für die 25 an der Verstärkten Zusammenarbeit teilnehmenden Mitgliedstaaten der Europäischen Union –zusammen mit einem klassischen europäischen Patent mit Wirkung in einem oder mehreren nicht an der Verstärkten Zusammenarbeit teilnehmenden EPÜ-Vertragsstaaten wie Spanien, Italien, der Schweiz, der Türkei, Norwegen oder Island. 11
12 Grundzüge des Patentrechts Ib Die Verordnung über das einheitliche Patent sieht vor, dass die 25 teilnehmenden Mitgliedstaaten dem EPA folgende Aufgaben übertragen werden: –Entgegennahme und Prüfung von Anträgen auf einheitliche Wirkung –Registrierung der einheitlichen Wirkung –Veröffentlichung der Übersetzungen während des Übergangszeitraums –Erstellung und Verwaltung eines "Registers für den einheitlichen Patentschutz" – mit Einträgen zu Rechtsübergängen und -übertragungen sowie Erlöschen, (Bereitschaft zur) Lizenzierung, Beschränkung oder Widerruf von einheitlichen Patenten –Erhebung der Jahresgebühren für einheitliche Patente –Verteilung eines Teils der Jahresgebühren an die teilnehmenden Mitgliedstaaten –Verwaltung eines Kompensationssystems Erstattung der Übersetzungskosten (bis zu einem Höchstbetrag) an bestimmte Patentanmelder, die Anmeldungen in einer anderen EU-Amtssprache als Deutsch, Englisch oder Französisch einreichen Die neuen Aufgaben bestehen also in direkten einseitigen Registrierungsaufgaben, die das EPA nach internen Regelungen ausführt. Den einheitlichen Patentschutz betreffende Entscheidungen des EPA können vor dem Einheitlichen Patentgericht angefochten werden. 12
13 Grundzüge des Patentrechts Ic Einheitliche Wirkung Das europäische Patent wird so behandelt, als sei es in keinem der 25 Staaten ein nationales Patent geworden Die einheitliche Wirkung tritt mit Registrierung ein Dauert an bis zum Erlöschen des Patents Daher kein Erlöschen nur in einzelnen Staaten Sie folgt akzessorisch dem Schicksal des zugrunde liegenden Europäischen Patents Vernichtung/Beschränkung z.B. im Einspruchsverfahren möglich Das Patent bildet einen einheitlichen Rechtsgegenstand Durchsetzung einheitlich, ebenso ggf. Nichtigerklärung 13
14 Grundzüge des Patentrechts Id Rechtsverkehr Wird in allen MS wie nationales Patent behandelt Nur einheitliche Veräußerung möglich Anwendbares Recht wird bestimmt durch Wohnsitz des Patentinhabers, hilfsweise Niederlassung des Patentinhabers, hilfsweise Sitz der EPO (München) Bei mehreren Patentinhabern Reihenfolge der Nennung entscheidet Lizenzierung Einheitspatent kann wie nationales Patent lizenziert werden Lizenzierung möglich für gesamtes Gebiet oder für einzelne Territorien Zwangslizenzen nach jeweiligem nationalen Recht möglich Lizenzbereitschaft gegenüber jedermann (kann erklärt und in Register eingetragen werden), führt zu Absenkung der Jahresgebühren 14
15 Grundzüge des Patentrechts Ie Bislang (EPÜ) Europäisches Patentamt führt seit 1977 zentrales Erteilungsverfahren durch 38 Mitgliedsstaaten, darunter die 27 EU-Staaten, können benannt werden –Aber: Europäisches Patent "zerfällt" mit Ende des Erteilungsverfahrens in ein Bündel nationaler Patente –Validierung in jedem benannten Staat erforderlich –Kosten für Übersetzung, nationale Patentanwälte –Unterschiedliche nationale Registerpraxis –Aufrechterhaltungsgebühren in allen Staaten –Separate Durchsetzung vor nationalen Gerichten erforderlich –Mehrfach Kosten für Gerichte und Anwälte –Gefahr unterschiedlicher Beurteilung der Verletzungsfrage –Auch Nichtigerklärung des Patents nur national –Wenn Einspruchsfrist abgelaufen: "Klag' mich aus jeder Burg" –Gefahr unterschiedlicher Beurteilung der Bestandsfrage 15
16 Grundzüge des Patentrechts II Nationales österreichisches Recht Patentrecht: Schutzrechte an Erfindungen, die neu sind, sich für den Fachmann nicht in naheliegender Weise aus dem Stand der Technik ergeben und gewerblich anwendbar sind (§ 1 Abs 1 PatG) Patenrecht im objektiven Sinn: Normen der Regelung des Patentwesens (verwandt mit Gebrauchsmusterrecht, Schutz der Topographien von Halbleitern, Sortenschutz und die Schutzzertifikate für Arzneimittel) Patentrecht im subjektiven Sinn: Die dem Einzelnen zustehenden Befugnissen (so auch das PatG); § 33 Abs 2 PatG: Patenrecht i.s.S ist ein „übertragbares Vermögensrecht.  Funktionen des Patentrechts (Vermögenswert, „Absicherung“ gegen unberechtigte Ansprüche, Wirtschaftswaffe, Investitionsschutz) 16
17 Grundzüge des Patentrechts III Extreme wirtschaftliche Bedeutung –2013: 2395 Erfindungen am Patentamt angemeldet –Mehr als 150.000 EPÜ-Anmeldungnen, in denen Österreich benannt ist. –2013: 104.000 Patente in Ö aufrecht, davon ca. 5/6 von ausländischen Patentinhabern Sachpatent: räumlich fassbarer Gegenstand Verfahrenspatent: zeitlicher Ablauf von Vorgängen IPR Art 8 ROM II-VO, (§ 34 Abs 1 IPRG alt) –Entstehen, Inhalt und Erlöschen von Immaterialgüterrechten sind nach dem Recht des Staates zu beurteilen, in dem eine Benützungs- oder Verletzungshandlung gesetzt wurde. –Sog. SCHUTZLANDPRINZIP –Vgl. Territorialtitätsprinzip  Ausfluss auf Rechteeinräumungen 17
18 Grundzüge des Patentrechts IV Definition der Erfindung § 1 Abs 1 PatG: „Für Erfindungen, die neu sind, sich für den Fachmann nicht in naheliegender Weise aus dem Stand der Technik ergeben und gewerblich anwendbar sind, werden auf Antrag Patente erteilt.“ => Unterscheidung zwischen Erfindung und Patent! § 1 Abs 2 PatG (Ausnahme von Leistungen vom Erfindungsbegriff) Entdeckungen, wissenschaftliche Theorien, mathematische Methoden, ästhetische Formschöpfungen, Pläne, Regeln und Verfahren für gedankliche Tätigkeiten, für Spiele und geschäftliche Tätigkeiten, Programme für Datenverarbeitungsanlagen, Wiedergabe von Informationen) sowie durch die BiotechNov 2005: der menschliche Körper in den einzelnen Phasen seiner Entstehung und Entwicklung, die bloße Entdeckung eines Bestandteils des menschliche Körpers (inkl. Teilsequenz eines Gens) Zufallserfindungen: Erfinder muss die „Regel zum technischen Handeln“ kennen 18
19 Grundzüge des Patentrechts V Einschränkungen (§ 2 PatG) Erfindungen, deren Verwertung gegen die öffentliche Ordnung oder die guten Sitten verstoßen würde; Verfahren zur chirurgischen oder therapeutischen Behandlung des menschlichen oder tierischen Körpers und Diagnostizierverfahren, die am menschlichen oder tierischen Körper vorgenommen werden; dies gilt nicht für Erzeugnisse, insbesondere Stoffe oder Stoffgemische, zur Anwendung in einem dieser Verfahren. Pflanzensorten oder Tierrassen sowie für im Wesentlichen biologische Verfahren zur Züchtung von Pflanzen oder Tieren. 19
20 Grundzüge des Patentrechts VI Neuheit (§ 3 Abs 1 PatG): E. gehört nicht zum Stand der Technik; Stand der Technik: alles, was der Öffentlichkeit vor dem Prioritätstag der Anmeldung zugänglich gemacht wurde => absoluter Neuheitsbegriff (weltweit!) Fiktiver Stand der Technik (§ 3 Abs 2 PatG fingiert die Vorveröffentlichung früher eingereichter Patent- und Gebrauchsmuster-anmeldungen) § 3 Abs 4: Ausnahmen für eine Offenbarung, die nicht früher als 6 Monate vor Einreichung erfolgt ist und auf einen offensichtlichen Missbrauch zum Nachteil des Anmelders oder eine amtliche Ausstellung zurückgeht (Neuheitsschonfrist (Z1) und Ausstellungspriorität (Z2)); –NB: Gebrauchsmusterrecht viel toleranter, da eine sechsmonatige Neuheitsschonfrist für eigene Vorveröffentlichungen gewährt wird! –Prüfung der Neuheit durch das Patentamt jedoch niemals vollständig möglich  Möglichkeit des Einspruchs gegen die Patenterteilung bzw. Nichtigkeitsantrag 20
21 Grundzüge des Patentrechts VII Erfindungshöhe => Monopolrechte werden nur für außergewöhnliche erfinderische Schritte <> natürliche stetige Weiterentwicklung  handwerkliche routinemäßige Maßnahmen sind nie erfinderisch  Überraschende Effekte indizieren Erfindungshöhe  Überwinden von Vorurteilen der Fachwelt indiziert Erfindungshöhe  Ebenso Notwendigkeit der Kombination verschiedener Quellen  Die bloße Anhäufung von Einzelelementen reicht nicht aus Übertragungserfindungen Kombinationserfindungen Auswahlerfindung / Aufgabenerfindung Bahnbrechende Erfindungen: Pionierpatente Gewerbliche Anwendbarkeit: Wiederholbarkeit und Ausführbarkeit 21
22 Grundzüge des Patentrechts VIII Anspruch auf Patentschutz steht dem Erfinder zu: „Schöpferprinzip“ („vermögensrechtliche Seite“) Anspruch ist übertragbar („vermögensrechtliche Seite“) Sonderreglung für Diensterfindungen („vermögensrechtliche Seite“) Erfindernennung („persönlichkeitsrechtliche Seite“) Patentinhaber <> Erfinder Erstanmelder => (widerlegbare) Erfindervermutung Patenterteilung: Recht an der Erfindung geht im Patentrecht auf Doppelerfindung: Erstanmelderprinzip (§ 4 Abs 1) Mehrere Patentinhaber: Bürgerliches Recht; gemeinsame Verfügung; Verfolgung von Patentverletzungen durch jeden Einzelnen (§ 27) 22
23 Grundzüge des Patentrechts IX Schriftliche Anmeldung eines Patentanspruchs (mit Beschreibung) beim Patentamt (§ 87a PatG: so deutlich und vollständig zu offenbaren, dass ein Fachmann die Erfindung ausführen kann: OFFENBARUNG) Tag der Anmeldung: Recht der Priorität (Vorrang gegenüber allen anderen Anmeldungen); Offenbarung kann nicht mehr geändert werden Prüfung durch Patentamt (Gesetzmäßigkeitsprüfung und Recherchebericht) Tag der Veröffentlichung der Anmeldung (spätestens 18 Monate nach dem Anmeldetag): Einstweiliger Rechtsschutz Abschluss der Prüfung, Veröffentlichungsgebühr => Patenterteilung mittels Beschluss; Patenschrift, Notiz im Patenblatt; Patenturkunde Bekanntmachung => Beginn der viermonatigen Einspruchsfrist Eintragung im Patentregister (alle dinglichen Rechte an Patenten werden mit der Eintragung in das Patentregister erworben und werden gegen Dritte wirksam). 23
24 Grundzüge des Patentrechts X Ausschließungsrecht des Patentinhabers (§ 22 PatG) –andere davon auszuschließen –den Gegenstand der Erfindung betriebsmäßig herzustellen –in Verkehr zu bringen –feilzuhalten oder –zu gebrauchen. Jegliche „Benutzung“ ohne Zustimmung des Patentinhabers ist eine Patentverletzung ACHTUNG: Die Patenterteilung bedeutet nicht, dass der Patentinhaber nicht andere Patente verletzt (so z.B. bei Abhängigkeiten!) Patentinhaber hat auch die sog. Gewerbebegünstigung nach §§ 31f PatG 24
25 Grundzüge des Patentrechts XI Räumlicher Schutzbereich nur im Hoheitsgebiet des Erteilungsstaates (Territorialitätsprinzip) Erschöpfungsgrundsatz Ende der Patentwirkung hinsichtlich eines konkreten, unter den Schutzbereich des Patentes fallenden Gegenstandes. Die Erschöpfung tritt ein, wenn der Patentinhaber die Patentwirkungen für den konkreten Gegenstand bereits in Anspruch genommen hat, indem er den Gegenstand selbst in Verkehr gebracht hat oder dieser mit seiner Zustimmung in Verkehr gebracht worden ist. Patentinhaber kann sich nicht auf sein Patentrecht berufen, um den Import geschützter Produkte aus einem EU-Staat abzuwehren, wenn die Ware von ihm selbst (oder mit seiner Zustimmung) durch einen Dritten in diesem Mitgliedstaat in Verkehr gebracht worden ist. 25
26 Grundzüge des Patentrechts XII Vorbenützungsrecht Vorbenützer ist, wer die Erfindung bereits zur Zeit der Anmeldung in gutem Glauben im Inland in Benützung genommen hat (§ 23 Abs 1 PatG) Weiterbenutzungsrecht im Umfang wie vor dem Prioritätszeitpunkt Vorbenützer kann verlangen, dass seine Befugnis durch eine Urkunde anerkannt wird; Anspruch auf Eintragung im Patenregister Überschreiten des Weiterbenutzungsrechts: Patentverletzung 26
27 Grundzüge des Patentrechts XIII Schutzdauer –Höchstdauer beträgt 20 Jahre –Aufrechterhaltung gegen Zahlung der Jahresgebühr Ende des Schutzes (§ 46 PatG) –Zeitablauf –keine Einzahlung der Jahresgebühr –Verzicht –Rücknahme (Sicherung der Ausübung in angemessenem Umfang) –Nichtigerklärung (nicht patentierbar, nicht deutlich offenbart) –Aberkennung (Anspruch des wahren Berechtigten) 27
28 Grundzüge des Patentrechts XIV Verletzungshandlungen Verstöße gegen das Ausschließlichkeitsrecht des § 22 PatG Sanktionen bei Patentverletzung –Zivilrechtlicher Schutz ab der Patenterteilung –Unterlassungsanspruch (§ 147 PatG) (auch EV!) –Beseitigungsanspruch (§ 148 PatG) –Urteilsveröffentlichung (§ 149 PatG) –Angemessenes Entgelt (§ 150 Abs 1 PatG) –Pauschalierter Schadenersatz (§ 150 Abs 3 PatG) oder –Schadenersatz oder Herausgabe des Gewinns (§ 150 Abs 2 PatG –Rechnungslegungsanspruch –Auskunftsanspruch nach § 151a PatG –Strafrechtlicher Schutz (bedingter Vorsatz erforderlich) –Zollrechtlicher Schutz 28
29 Grundzüge des Patentrechts XV BERECHTIGUNG ZUR LIZENZIERUNG Patent berechtigt nach § 22 Abs 1 PatG, andere davon auszuschließen, den Gegenstand der Erfindung betriebsmäßig herzustellen, in Verkehr zu bringen, feilzuhalten oder zu gebrauchen oder zu den genannten Zwecken einzuführen oder zu besitzen GRÜNDE FÜR DIE LIZENZIERUNG Dritter benötigt Technologie Patentinhaber nicht in der Lage, Produkte herzustellen oder zu vertreiben; Interesse an aufwandslosem Einkommen 29
30 Grundzüge des Patentrechts XVI Übertragung der Rechte TRIPS –Patentinhaber sind berechtigt, das Patent rechtsgeschäftlich oder im Wege der Rechtsnachfolge zu übertragen und Lizenzverträge abzuschließen (Art 28) PatG –Recht aus der Anmeldung und das Patentrecht gehen auf Erben über (§ 33 Abs 1) –Beide Rechte können zur Gänze oder nach ideellen Anteilen durch Rechtsgeschäft, richterlichen Ausspruch oder letztwillige Verfügung übertragen werden (§ 33 Abs 2) –Erfindernennung ist unübertragbar, unverzichtbar und unvererbbar (§ 20 PatG) 30
31 Know how-Vertrag: Know how I Internationale Vereinigung für den Gewerblichen Rechtsschutz „Kenntnisse und Erfahrungen technischer, kommerzieller, administrativer oder anderer Natur, die im Betrieb eines Unternehmens oder in Ausübung eines Berufes anwendbar sind.“ TT-GVO (Art 1 lit. i) geheim (nicht allgemein bekannt und nicht leicht zugänglich) wesentlich (für die Produktion der Vertragsprodukte von Bedeutung und nützlich) identifiziert (umfassend genug beschrieben, Überprüfung von „geheim“ und „wesentlich“ möglich) 31
32 Know how-Vertrag: Know how II UK: Saltaman Engineering v Campbell: Know how (confidential information) is something which „is not public property or public knowledge“ (SSt 41/32 = EvBl 1971/101: Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse sind „Tatsachen und Erkenntnisse kommerzieller oder technischer Art, die bloß einer bestimmten und begrenzten Zahl von Personen bekannt und anderen nicht oder nur schwer zugänglich sind, nach dem Willen des Berechtigten nicht über den Kreis der Eingeweihten hinausdringen sollen und an deren Geheimhaltung der Geschäfts- oder Betriebsinhaber ein wirtschaftliches Interesse hat.“) 32
33 Know how-Vertrag: Know how II Art 39 para 2 lit a and b TRIPS –Natural and legal persons shall have the possibility of preventing information lawfully within their control from being disclosed to, acquired by, or used by others without their consent in a manner contrary to honest commercial practices so long as such information: (a) is secret in the sense that it is not, as a body or in the precise configuration and assembly of its components, generally known among or readily accessible to persons within the circles that normally deal with the kind of information in question; (b) has commercial value because it is secret; and (c) has been subject to reasonable steps under the circumstances, by the person lawfully in control of the information, to keep it secret. 33
34 Know how-Vertrag: Know how II In keinem Mitgliedstaat der EU (und auch sonst nicht) Gegenstand eines gesetzlichen Schutzrechts. Vielmehr ist der Besitz von Know-how ein rein tatsächlicher Zustand, der seinem Inhaber erhebliche Markt- und Wettbewerbsvorteile ermöglicht. Jedoch: Richtlinienentwurf vom 28.11.2013 COM(2013) 813 final über den Schutz vertraulichen Know-hows und vertraulicher Geschäftsinformationen (Geschäftsgeheimnisse) vor rechtswidrigem Erwerb sowie rechtswidriger Nutzung und Offenlegung Geschäftsgeheimnis“: Informationen, die alle nachstehenden Kriterien erfüllen: –a) sie sind in dem Sinne geheim, dass sie weder in ihrer Gesamtheit noch in der genauen Anordnung und Zusammensetzung ihrer Bestandteile den Personenkreisen, die üblicherweise mit dieser Art von Informationen umgehen, allgemein bekannt oder ohne weiteres zugänglich sind; –b) sie sind von kommerziellem Wert, weil sie geheim sind; –c) sie sind Gegenstand von den Umständen entsprechenden angemessenen Geheimhaltungsmaßnahmen der Person, die die rechtmäßige Kontrolle über die Informationen besitzt 34
35 Know how-Vertrag: Know how III Know How = Oberbegriff über Technisch geprägtes Betriebsgeheimnis Kaufmännisch geartetes Geschäftsgeheimnis Erfahrungswissen (nicht zwangsläufig geheim) „industrial know how“ und „commercial know how“ Ausklammerung der gewerblichen Schutzrechte Wesentlich und typisch: Geheimnischarakter Kann streng genommen nicht lizenziert, sondern nur mitgeteilt oder überlassen werden! 35
36 Know how-Vertrag: Know how IV Schutz durch die Rechtsordnung Lauterkeitsrecht (§§ 11f UWG: Verletzung von Geschäfts- und Berufsgeheimnissen) Strafrecht (§§ 123f: Auskundschaftung von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen) Gesellschaftsrecht (Verschwiegenheitspflicht von Gf und Vorstand) Arbeitsrecht (Diensterfindungsrecht, Softwareurheberrecht) Schutz durch vertragliche Regelung Arbeitsrecht (Verschwiegenheitsklauseln im Arbeitsvertrag) Geheimhaltungsvereinbarung (Non-disclosure agreement, NDA, CDA) 36
37 UWG: Verletzung von Geschäfts- oder Betriebsgeheimnissen Missbrauch anvertrauter Vorlagen § 11. (1) Wer als Bediensteter eines Unternehmens Geschäfts- oder Betriebsgeheimnisse, die ihm vermöge des Dienstverhältnisses anvertraut oder sonst zugänglich geworden sind, während der Geltungsdauer des Dienstverhältnisses unbefugt anderen zu Zwecken des Wettbewerbes mitteilt, ist vom Gericht mit Freiheitsstrafe bis zu drei Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen zu bestrafen. (2) Die gleiche Strafe trifft den, der Geschäfts- oder Betriebsgeheimnisse, deren Kenntnis er durch eine der im Abs. 1 bezeichneten Mitteilungen oder durch eine gegen das Gesetz oder die guten Sitten verstoßende eigene Handlung erlangt hat, zu Zwecken des Wettbewerbes unbefugt verwertet oder an andere mitteilt. (3) Die Verfolgung findet nur auf Verlangen des Verletzten statt. 37
38 UWG - Fortsetzung § 12. (1) Wer die ihm im geschäftlichen Verkehr anvertrauten Vorlagen oder Vorschriften technischer Art zu Zwecken des Wettbewerbes unbefugt verwertet oder anderen mitteilt, ist vom Gericht mit Freiheitsstrafe bis zu drei Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen zu bestrafen. (2) Abs. 1 ist nicht anzuwenden, wenn die Vorlagen oder Vorschriften vom Inhaber eines Unternehmens seinem Bediensteten anvertraut worden sind. (3) Die Verfolgung findet nur auf Verlangen des Verletzten statt. 38
39 Auskundschaftung eines Geschäfts- oder Betriebsgeheimnisses § 123 StGB § 123. (1) Wer ein Geschäfts- oder Betriebsgeheimnis mit dem Vorsatz auskundschaftet, es zu verwerten, einem anderen zur Verwertung zu überlassen oder der Öffentlichkeit preiszugeben, ist mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen. Beide Strafen können auch nebeneinander verhängt werden. (2) Der Täter ist nur auf Verlangen des Verletzten zu verfolgen. 39
40 Know how-Vertrag: Know how V Allgemein werden unter Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen Tatsachen verstanden, die nicht offenkundig, also nur einem eng begrenzten Personenkreis bekannt sind, zu einem bestimmten Geschäftsbetrieb in Beziehung stehen, nach dem ausdrücklich oder konkludent erklärten Willen des Inhabers geheim gehalten werden sollen und an deren Geheimhaltung ein schutzwürdiges wirtschaftliches Interesse des Inhabers besteht. Betriebsgeheimnis das gesamte geheime technische Erfahrungswissen Konstruktionszeichnungen, Rezepte, Muster, Modelle, Formeln, Arbeitsbeschreibungen, Bearbeitungsvorrichtungen, technische Angaben (Abmessungen, Beimengungen und Rezepturen) 40
41 Know how-Vertrag: Know how VI Geschäftsgeheimnis Informationen aus dem Bereich, Absatz, Lieferanten, Rechnungswesen, Personal; insbesondere Kalkulationsunterlagen, Preis- und Kundenlisten, Warenbezugsquellen, Inventuren, Kalkulationen, Strategien und Ereignisse im Wettbewerb, Personaleinsatz 41
42 Know how-Vertrag: Know how VII Nicht bekanntes Erfahrungswissen In der jeweilige Branche bekanntes Wissen, das sich jeder Interessierte unter Aufwand von Geld und Zeit auch selbst erarbeiten könnte. 42
43 Know how-Vertrag: Know how VIII Andere Einteilungen Produkt Know how Information über das Produkt Vorrichtungen und Verfahren zur Herstellung (z.B. spezielle Fertigungsvorrichtungen und Verfahren wie z.B. Prüfeinrichtungen, die der Hersteller entwickelt hat, um das Produkt möglichst kostengünstig zu fertigen. Know how über die Herstellung des Produkts oder über die Verwendung von Teilen bzw. Komponenten Prüfung des fertigen Produkts Montage / Inbetriebnahme / Service 43
44 Know how-Vertrag: Know how IX Andere Einteilungen Anlagen-Know how Industrieanlagen werden in der Regel nicht in Serie geliefert Projektierungs-Know how im Hinblick auf das Entwerfen der Anlage entsprechend den Kundenwünschen („Engineering Know-how“) Projektierungs-Know how <> Produkt-Know how Verfahrens-Know how bestimmtes Verfahren zur Herstellung eines Produkts (z.B. Chemikalie, Kunstfaser, Waschmittel) 44
45 Patentkaufvertrag Vertragsparteien: B=Patentinhaber, E=Käufer § 1 Präambel B aus der Patentanmeldung mit dem Titel „[Bezeichnung]“ bzw. den aus der Anmeldung erwachsenen Patenten (nachstehend Patent) berechtigt. Für das Patent wurde am [Datum] eine internationale Patentanmeldung mit dem amtlichen Aktenzeichen [Kennzeichen] hinterlegt. E kennt die der Patentanmeldung zu Grunde liegende Erfindung und hat aufgrund einseitiger Option zwischen den Parteien, das Recht, die Übertragung des Patents gegen Zahlung eines Kaufpreises zu erwirken. § 2 Übertragung der Rechte B überträgt nunmehr E sämtliche Rechte und Pflichten aus dem Patent und E übernimmt sämtliche B derzeit zustehenden Berechtigungen und Pflichten, allenfalls auch die Berechtigung, das Patenterteilungsverfahren bis zum Abschluss durch Patenterteilung fortzuführen. 45
46 Patentkaufvertrag § 3 Umsetzungsmaßnahmen Insbesondere wird B unverzüglich auf Verlangen von E Übertragungserklärungen formgerecht, das heißt auch notariell beglaubigt unterfertigen. B wird alle Handlungen und Maßnahmen setzen, die E die Fortführung des Patentverfahrens bis zur Patenterteilung ermöglichen. § 4 Übergabe von Unterlagen, Formeln, etc. B wird E sämtliche schriftlichen Forschungsunterlagen, Tabellen, Versuchsberichte, etc. und alle im Zusammenhang mit der dem Patent bzw. dem Erteilungsverfahren stehenden Unterlagen (Recherche, Berichte, etc.) übergeben. § 5 Kaufpreis Mit dem Zustandekommen des Kaufvertrages verpflichtet sich E, an B einen Betrag in Höhe von EUR [Zahl] als Kaufpreis zu bezahlen. Dieser Betrag ist mit einem Zahlungsziel von 30 Tagen und nach entsprechender Rechnungslegung zur Zahlung fällig. 46
47 Patentkaufvertrag § 6 Gewährleistung und Haftung E sind die Merkmale des vertragsgegenständlichen Patents bekannt. B übernimmt keine Haftung für die Neuheit, die erfinderische Höhe oder die wirtschaftliche Verwertbarkeit des Patents. B haftet weiters nicht für die technische Brauchbarkeit und Vollständigkeit der technischen Unterlagen. Wohl aber versichert der Verkäufer, dass hinsichtlich des Patentes keine weiteren Miteigentümer oder sonstige Berechtigte bestehen und keine Lizenzen (abgesehen von der Lizenz an E) erteilt wurden. § 8 Kosten Die Parteien tragen die Kosten ihrer Rechtsberatung selbst. Sämtliche mit einer in der Entscheidungsfreiheit von E liegenden Weiterführung des Anmeldeverfahrens und der ebenfalls in der Entscheidungsfreiheit von E liegenden Aufrechterhaltung des Patentes verbundenen Kosten gehen zu Lasten von E. Dieser trägt demgemäß sämtliche, nach Abschluss dieses Vertrages infolge Weiterführung des Patentierungsverfahrens durch E fällig werdenden Gebühren und Kosten für das weitere Patentierungsverfahren und die Aufrechterhaltung des Schutzrechtes. 47
48 Lizenzierung § 35 PatG: Der Patentinhaber ist berechtigt, die Benützung der Erfindung dritten Personen für das ganze Geltungsgebiet des Patents oder für einen Teil desselben mit oder ohne Ausschluss anderer Benützungsberechtigter zu überlassen (Lizenz). => freiwillige Einräumung 48
49 Zwangslizenz Rechtsordnungen sehen in der Gewährung eines Ausschließlichkeitsrechtes eine mögliche Blockade der Nutzung. Eine solche steht daher im Gegensatz zu den öffentlichen Interessen an der Anwendung der Erfindung. Im öffentlichen Interesse wären daher Regelungen über Enteignung des Patentinhabers, Nichtigkeitserklärungen des Patents oder die Erteilung von Zwangslizenzen denkbar. Die ö Rechtsordnung sieht daher Zwangslizenzen oder als letzte Konsequenz die Rücknahme des Patents (§ 47 PatG) vor.
50 Zwangslizenz § 36 Abs 1 PatG: wegen Abhängigkeit: Kann eine patentierte Erfindung nicht verwertet werden, ohne eine mit besserem Zeitrang patentierte Erfindung zu verletzen, so hat der Inhaber des jüngeren Patents Anspruch auf eine nicht ausschließliche Lizenz an dem älteren Patent. Bedingung hiefür ist, dass die mit dem jüngeren Patent geschützte Erfindung gegenüber der mit dem älteren Patent geschützten Erfindung einen wichtigen technischen Fortschritt von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung darstellt. Wird dieser Anspruch geltend gemacht, so hat auch der Inhaber des älteren Patents Anspruch auf eine Lizenz an dem abhängigen Patent.
51 Zwangslizenz § 36 Abs 2: mangels Ausübung Wird eine patentierte Erfindung im Inland nicht in angemessenem Umfang ausgeübt, wobei die Ausübung auch durch Import erfolgen kann, und hat der Patentinhaber nicht alles zu einer solchen Ausübung erforderliche unternommen, so hat jedermann für seinen Betrieb Anspruch auf eine nicht ausschließliche Lizenz an dem Patent. Es sei denn, der Patentinhaber weist nach, dass die Ausübung der Erfindung im Inland wegen der Ausübung entgegenstehenden Schwierigkeiten nicht oder nicht in größerem Ausmaß zumutbar ist, als es geschehen ist. Die Einräumung einer solchen Lizenz kann erst vier Jahre nach der Anmeldung oder drei Jahre nach der Kundmachung der Erteilung, beantragt werden. Maßgebend ist die Frist, die zuletzt abläuft.
52 Zwangslizenz § 36 Abs 4: in öffentlichem Interesse: Ist die Erteilung einer Lizenz an einer patentierten Erfindung im öffentlichen Interesse geboten, hat jedermann für seinen Betrieb Anspruch auf eine nicht ausschließliche Lizenz an der Erfindung. Vom Erfordernis der Einholung der Zustimmung des zur Einräumung eine Lizenz Berechtigten kann im Fall des Abs 3 bei Vorliegen eines nationalen Notstandes oder sonstiger Umstände von äußerster Dringlichkeit abgesehen werden. In diesem Fall ist durch Zwischenentscheidung eine vorläufige Bewilligung zur Benützung der Erfindung zu erteilen.
53 Zwangslizenz Verweigert der Patentinhaber die Einräumung, obwohl sich der Lizenzwerber bemüht hat, die Zustimmung innerhalb einer angemessenen Frist zu angemessenen geschäftsüblichen Bedingungen zu erhalten, so entscheidet das Patentamt wie in einem für die Anfechtung von Patenten vorgeschriebenen Verfahren. Umfang und Dauer der Lizenz werden vorwiegend für die Versorgung des inländischen Markts gestattet und sind auf den Zweck zu begrenzen, der sie erforderlich macht. Zwangslizenzen können ohne Zustimmung des Pateninhabers unter Lebenden nur gemeinsam mit dem lizenzberechtigten Teil des Unternehmens übertragen werden; sie gehen von Todes wegen nur dann auf die Rechtsnachfolger über, wenn von diesem der lizenzberechtigte Teil des Unternehmens fortgeführt wird. Eine gem. Abs 1 eingeräumte Lizenz ist nicht übertragbar, es sei denn zusammen mit der Übertragung des jüngere Patents (§ 37).
54 Zwangslizenz Verfahren über Zwangslizenzen sind als Streitanmerkung im Patentregister anzumerken. Genügt auch die Einräumung von Zwangslizenzen nicht, um die Ausübung der Erfindung im Inland in angemessenem Umfang zu sichern, so kann es zur Rücknahme des Patents kommen (§ 47 Abs 1 PatG).
55 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. RA Univ.Lektor. Dr. Leonhard Reis
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