Source: https://faire-arbeit.net/informationen-fuer-betroffene/mindestlohn-alles-wichtige-zum-mindestlohn/
Timestamp: 2019-07-16 21:07:43
Document Index: 385377037

Matched Legal Cases: ['§ 18', '§ 22', '§ 54', '§ 68', '§ 11', '§ 1', '§ 21']

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Wie hoch ist der monatliche Mindestlohn?
Der monatliche Mindestlohn hängt von der Summe der gearbeiteten Stunden im Monat ab (siehe nachfolgende Punkte) und ist deshalb von Person zu Person unterschiedlich.
Der Mindestlohn pro Stunde beträgt 9,19 Euro brutto im Jahr 2019.
Im Jahr 2020 steigt er auf 9,35 Euro brutto je Stunde.
In welchen Branchen gibt es einen Branchen-Mindestlohn?
Es gibt in Deutschland nicht nur den „einen“ Mindestlohn. Es gibt weitere „Mindestlöhne“ (z.B. aufgrund des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes). In folgenden Branchen gilt ein (höherer) Branchen-Mindestlohn:
– Elektrohandwerk
– Gebäudereinigerhandwerk
– Leiharbeit/Zeitarbeit
– Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen nach dem SGB 2/SGB 3
Übernommen vom Zoll-Online und der Hans-Böckler-Stiftung.
Die jeweilige Höhe der Löhne aus vorgenannten Branchen finden Sie hier.
Wie rechnet man den gesetzlichen Mindestlohn richtig aus?
1. Mindestlohn ausrechnen
Ihre gearbeiteten Stunden im Monat x 9,19 Euro =
Ihr monatlicher Mindestlohn
2. Kein Mindestlohn für jede Stunde!
3. Welche Zulagen und Prämien sind auf den gesetzlichen Mindestlohn anrechenbar? Welche Zulagen und Prämien sind nicht auf den gesetzlichen Mindestlohn anrechenbar?
Prämien sind grundsätzlich anrechenbar, soweit der AG nicht unter Vorbehalt zahlt (eine Rückforderung durch den AG bzw. Rückzahlung durch den AN darf also nicht mehr möglich sein).
Wer kriegt keinen Mindestlohn?
– Personen in einer Berufsausbildung
– Langzeitarbeitslose nach § 18 Absatz 1 des SGB 3 in den ersten sechs Monaten
– unter 18jährige, wenn sie über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen
– zu Praktikanten siehe folgende Frage
Wer das alles selber nachlesen möchte: steht im § 22 des MiLoG
Erhält man im Praktikum einen Mindestlohn?
Ja, wenn Sie mindestens 18 Jahre alt sind, ein freiwilliges Praktikum machen und dies länger als drei Monate dauert.
Nein, wenn Sie ein verpflichtendes Praktikum machen oder das Praktikum nicht länger als drei Monate dauert.
Auch keinen Mindestlohn gibt es bei Einstiegsqualifizierung nach § 54a des SGB 3 oder bei einer Berufsausbildungsvorbereitung nach §§ 68 bis 70 des Berufsbildungsgesetzes.
Für unter 18jährige gilt folgendes: Liegt eine abgeschlossene Berufsausbildung vor und machen die Minderjährigen ein freiwilliges Praktikum, das länger als drei Monate dauert, besteht ein Anspruch auf den Mindestlohn.
Wie hoch ist der Mindestlohn in netto?
Der Mindestlohn in netto ist von Person zu Person verschieden und hängt u.a. von der Steuerklasse ab.
Deshalb wird der gesetzliche Mindestlohn nur in brutto je Stunde angegeben (zur Zeit 9,19 Euro/Stunde). Von diesen Betrag werden die Sozialversicherungsbeiträge und die Steuer abgezogen (Ausnahme bei den Mini-Jobs).
Sie können ihren Mindestlohn selbst ausrechnen. Gehen Sie dabei wie weiter oben beschrieben vor, um Ihr Brutto-Monatsgehalt zu berechnen. Dieses Gehalt geben Sie dann in einen kostenlosen Gehaltsrechner ein. So erhalten Sie ihren Netto-Mindestlohn.
Oder Sie fragen uns. Wir helfen Ihnen gerne.
Im Jahr 2020 erhöht sich der Mindestlohn auf 9,35 Euro brutto je Stunde. Im gleichen Jahr beschließt die Mindestlohnkommission bis zum 30.06. ggf. eine Anpassung des Mindestlohn für die Jahre danach.
Wer erhöht den Mindestlohn?
Die Bundesregierung legt die Höhe des Mindestlohns durch Rechtsverordnung fest. Sie ist dabei nicht auf die Zustimmung des Bundesrates angewiesen. Auch muss die Bundesregierung dem „Beschluss“ der Mindestlohnkommission nicht folgen (§ 11 MiLoG).
Die Bundesregierung hat also das letzte Wort was die Höhe des gesetzlichen Mindestlohns angeht.
In welchem Gesetz steht der Mindestlohn?
Der gesetzliche Mindestlohn ist umfassend im „Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns“ (MiLoG) geregelt.
Dort steht beispielsweise wer einen Anspruch auf den Mindestlohn hat , wer die Höhe des Mindestlohns fest legt und kontrolliert (§§ 1 und 14 MiLoG ) und welche Strafen dem Arbeitgeber drohen, wenn er keinen Mindestlohn zahlt (§ 21 MiLoG ).
Das Gesetz trat am 01.01.2015 in Kraft und startete mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro brutto je Stunde in den Jahren 2015 und 2016.
Gilt der Mindestlohn auch für Solo-Selbstständige?
Nein. Dabei wäre es dringend notwendig, dass Solo-Selbstständige einen (eigenen) Mindestlohn erhalten.
Denn in Deutschland arbeiteten ca. 580.000 Solo-Selbstständige zu unter 8,50 Euro/brutto die Stunde bzw. 1,2 Millionen Solo-Selbstständige zu unter 11 Euro/brutto die Stunde (nach DIW Wochenbericht 36/2015; siehe dazu auch unsere Forderungen) .
Auch ist die Scheinselbstständigkeit unter den Solo-Selbstständigen sehr hoch.
Reicht der Mindestlohn um aus den Hartz4 Bezug zu kommen?
In vielen Fällen leider nein! Selbst bei Vollzeitarbeit reicht der gesetzliche Mindestlohn in vielen Fällen nicht aus, um aus dem Hartz4-Bezug raus zukommen.
So hätte beispielsweise in München ein Single bereits im Jahr 2015 in der Stunde 11,50 Euro verdienen müssen, um aus dem Hartz 4 Bezug raus zu kommen. Bei kinderreichen Familien reichte selbst das nicht (Süddeutsche Zeitung Online „Warum der Mindestlohn in München nicht hilft“ vom 20.12.2015, abgerufen am 04.01.2017).
Das der Mindestlohn in Deutschland sehr niedrig ist, sieht man auch beim internationalen Vergleich: Berücksichtigt man neben der Höhe des Mindestlohns auch die Lebenshaltungskosten eines Landes, fällt Deutschland weit zurück. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung geht in Deutschland für das Jahr 2017 von einem „nicht existenzsichernden Armutslohn“ aus.
Zahlen und Daten zum Mindestlohn