Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201993,%20659
Timestamp: 2019-06-16 07:50:15
Document Index: 251956800

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', '§ 8', '§ 8', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 3', 'BGH', '§ 3', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 3', 'BGH', '§ 3', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 69', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 4']

BGH, 05.11.1992 - VII ZR 52/91 - dejure.org
https://dejure.org/1992,134
BGH, 05.11.1992 - VII ZR 52/91 (https://dejure.org/1992,134)
BGH, Entscheidung vom 05.11.1992 - VII ZR 52/91 (https://dejure.org/1992,134)
BGH, Entscheidung vom 05. November 1992 - VII ZR 52/91 (https://dejure.org/1992,134)
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Architekt - Schlußrechnung - Nachforderung - Treuwidriges Verhalten - Interessenabwägung
Zur Nachforderung nach Erteilung einer Schlußrechnung
BGB § 242; HOAI § 8 Abs. 1
Architektenvertrag: Nachforderungen nach Schlußrechnung
§ 8 Abs. 1 HOAI, § 242 BGB
Architektenrecht; Nachforderung nach Abgabe der Schlußrechnung
Nachforderungen des Architekten zur Schlußrechnung trotz Bindungswirkung?
Bindungswirkung der Schlußrechnung: BGH ändert seine Rechtsprechung (I) (IBR 1993, 157)
BGHZ 120, 133
NJW 1993, 659
NJW-RR 1993, 533 (Ls.)
MDR 1993, 237
WM 1993, 755
BB 1993, 1241
BauR 1993, 236
BauR 1993, 492
ZfBR 1993, 66
BGH, 22.05.1997 - VII ZR 290/95
HOAI kann auch für eine Architektenleistungen erbringende GmbH gelten
a) Nach der ständigen Rechtsprechung des Senates ist ein Architekt an eine Schlußrechnung, mit der er die Mindestsätze unterschreitet, gebunden, wenn er mit der Schlußrechnung einen Vertrauenstatbestand begründet und der Auftraggeber sich im berechtigten Vertrauen auf die Endgültigkeit der Schlußrechnung in schutzwürdiger Weise eingerichtet hat (BGH, Urteil vom 5. November 1992 - VII ZR 52/91 = BGHZ 120, 133, Urteil vom 5. November 1992 VII ZR 5O/92 = ZfBR 1993, 68 = BauR 1993, 239, jeweils m.w.Nachw.).
Bindung des Architekten an die Schlussrechnung; Unzumutbarkeit einer …
a) An eine Schlussrechnung ist der Architekt gebunden, wenn der Auftraggeber auf eine abschließende Berechnung des Honorars vertrauen durfte und er sich im berechtigten Vertrauen auf die Endgültigkeit der Schlussrechnung in schutzwürdiger Weise so eingerichtet hat, dass ihm eine Nachforderung nicht mehr zugemutet werden kann (Bestätigung von BGH, Urteil vom 5. November 1992 VII ZR 52/91, BGHZ 120, 133 und Urteil vom 22. Mai 1997 VII ZR 290/95, BGHZ 136, 1).
In einer solchen Schlussrechnung liegt grundsätzlich kein Verzicht auf die weitergehende Forderung (vgl. BGH, Urteile vom 5. November 1992 - VII ZR 52/91, BGHZ 120, 133, 138 und VII ZR 50/92, BauR 1993, 239, 240 = ZfBR 1993, 68; Urteil vom 7. März 1974 - VII ZR 35/73, BGHZ 62, 208, 211).
Das gilt auch dann, wenn der Architekt die Differenz zwischen dem ihm nach der HOAI preisrechtlich zustehenden und dem vertraglich vereinbarten Honorar nachfordert (BGH, Urteil vom 5. November 1992 - VII ZR 52/91, BGHZ 120, 133, 139; Urteil vom 22. Mai 1997 - VII ZR 290/95, BGHZ 136, 1, 9).
Diese Rechtsfolge ist jedoch nach der Rechtsprechung des BGH, der sich auch der Senat anschließt, von weiteren Voraussetzungen abhängig (vgl. BGH, NJW 1993, 659 (660); BauR 1997, 677 (680); ebenso: OLG Koblenz, BauR 2001, 825; OLG Frankfurt, NJW-RR 1998, 374; OLG Düsseldorf, NJW-RR 1998, 454; OLG Köln, BauR 2002, 1136;… Hesse/Korbion/Mantscheff/Vygen-Vygen, aaO., § 4 HOAI, Rdnr. 94a;… Werner/Pastor, aaO., Rdnr. 797 m. w. N.;… Jacob/Ring/Wolf-Kessel, aaO., § 3, Rdnr. 311).
Deshalb müssen in jedem Einzelfall die Interessen des Architekten und die des Auftraggebers umfassend geprüft und gegeneinander abgewogen werden (vgl. BGH, NJW 1993, 659 (660) = BauR 1993, 239 (240);… Werner/Pastor, aaO., Rdnr. 797 m. w. N.;… Jacob/Ring/Wolf-Kessel, aaO., § 3, Rdnr. 311).
bbb) Erforderlich ist demnach eine umfassende Abwägung der beiderseitigen Interessen unter Berücksichtigung aller Sachverhaltsmerkmale (vgl. BGH, BauR 1993, 236 (239);… Werner/Pastor, aaO., Rdnr. 799).
Schutzwürdig ist der Auftraggeber, wenn er auf eine abschließende Berechnung vertrauen durfte und sich darauf in einer Weise eingerichtet hat, dass ihm eine Nachforderung nach Treu und Glauben nicht mehr zugemutet werden kann (vgl. BGHZ 136, 1 (9 f); BGH, NJW 1993, 659 (660) = BauR 1993, 239 (240); Werner/Pastor, aaO., Rdnr. 798; Jacob/Ring/Wolf-Kessel, aaO., § 3, Rdnr. 311).
Dies gilt insbesondere dann, wenn der Auftraggeber den Honoraranspruch insgesamt bestreitet und der Schlussrechnung widerspricht oder wenn er die fehlende Prüffähigkeit der Schlussrechnung rügt, da er in diesem Fall durch sein eigenes Verhalten zeigt, dass er auf die Schlussrechnung gerade nicht vertraut hat, sondern sich nicht auf diese einlassen wollte (vgl. BGH, NJW 1993, 659 (660); BauR 1998, 579 (582); OLG Düsseldorf, NJW-RR 1998, 454 (456); Werner/Pastor, aaO., Rdnr. 801 u. 810 m. w. N.; Jacob/Ring/Wolf-Kessel, aaO., § 3, Rdnr. 311; Hesse/Korbion/Mantscheff/Vygen-Vygen, aaO., § 4 HOAI, Rdnr. 94a).
Dagegen entfällt schutzwürdiges Vertrauen des Auftraggebers nicht schon deshalb, weil der Architekt die Mindestsätze in seiner Schlussrechnung unterschritten hat (vgl. BGH, BauR 1993, 236 (239) = NJW 1993, 661; OLG Köln, NJW-RR 1999, 1109; Werner/Pastor, aaO., Rdnr. 798).
In einer solchen Schlussrechnung liegt grundsätzlich kein Verzicht auf die weitergehende Forderung (vgl. BGH, Urteil vom 23. Oktober 2008 - VII ZR 105/07, BauR 2009, 262, 263 = NZBau 2009, 33 = ZfBR 2009, 146, 147; Urteile vom 5. November 1992 - VII ZR 52/91, BGHZ 120, 133, 138 und VII ZR 50/92, BauR 1993, 239, 240 = ZfBR 1993, 68; Urteil vom 7. März 1974 - VII ZR 35/73, BGHZ 62, 208, 211).
Besonderheiten, die Abweichungen gegenüber der genannten BGH-Rechtsprechung rechtfertigen, liegen aber ungeachtet des öffentlich-rechtlichen Ausgangspunktes bei KH-Rechnungen für KKn (§ 69 SGB V) insbesondere einerseits in der Grundsituation dauerhafter vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen KKn und KHn und andererseits in den Besonderheiten der Anforderungen an Abrechnungen nach der HOAI, die etwa eine prüffähige, schwierig zu erstellende Honorarschlussrechnung verlangen (vgl hierzu zB BGHZ 120, 133, 139 f mwN).
Nach der seit den Entscheidungen des Bundesgerichtshofs vom 5. November 1992 (VII ZR 52/91 und VII ZR 50/92) gefestigten Rechtsprechung kann die Nachforderung eines Architekten nach erteilter Schlussrechnung im Einzelfall gegen Treu und Glauben verstoßen.
Aus dieser Erklärung, die erhebliches Gewicht hat, ergibt sich für den Auftraggeber häufig, aber nicht stets, ein entsprechender Vertrauenstatbestand (BGH, Urteil vom 5. November 1992 - VII ZR 52/91 -).
Im Regelfall kann sich der Auftraggeber nicht auf die Bindungswirkung der Schlußrechnung berufen, wenn er alsbald die mangelnde Prüffähigkeit der Schlußrechnung rügt (BGH, Urteil vom 5. November 1992 - VII ZR 52/91 = BGHZ 120, 133, 139 f).
Eine Schlussrechnung muss nicht ausdrücklich als solche bezeichnet sein; es genügt, wenn kein Zweifel besteht, dass der Architekt mit ihr seine Leistungen abschließend berechnen wollte (vgl. BGH, Urt. v. 05.11.1992, VII ZR 52/91, BGHZ 120, 133, zit. nach juris, Rn. 26 m.w.Nw.).
Die Bindung des Architekten ergibt sich noch nicht aus der Erteilung einer Schlussrechnung allein, sie setzt vielmehr eine umfassende Abwägung der beiderseitigen Interessen voraus (vgl. grundlegend: BGH, Urt. v. 05.11.1992, VII ZR 52/91, BGHZ 120, 133, zit. nach juris, Rn. 23).
OLG Köln, 12.12.2006 - 3 U 191/05
Bindung des Architekten an eine unwirksame Honorarvereinbarung
Hier sind zwar die Baukosten höher ausgefallen als ursprünglich veranschlagt; indes hat die Klägerin später auch noch in Kenntnis der gestiegenen Baukosten an der Pauschalhonorarvereinbarung festgehalten, indem sie ihre Schlussrechnung vom 5.10.2001 - eine solche liegt hier unzweifelhaft vor, da die Klägerin die Rechnung nicht nur ausdrücklich als Schlussrechnung bezeichnet hat, sondern mit ihr auch ihre Leistungen ersichtlich abschließend berechnen wollte, vgl. BGH, Urt. v. 05.11.1992, BGHZ 120, 133 ff. - auf deren Grundlage erstellt und auch im Verfahren LG Aachen 1 O 24/02, OLG Köln 3 U 168/02 nur das vereinbarte Pauschalhonorar geltend gemacht hat (…vgl. zu einer gleich gelagerten Sachverhaltsgestaltung OLG Köln, Urt. v. 25.09.1998, NJW-RR 1999, 1109 ff.).
Soweit sich die Klägerin demgegenüber auf frühere Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, namentlich auf das Urteil vom 05.11.1992, Az. VII ZR 52/91, BGHZ 120, 133 ff., beruft, ist diese hier nicht einschlägig; in dem dort entschiedenen Fall fehlte es anders als im vorliegenden Fall an einer entsprechenden (unwirksamen) Pauschalpreisvereinbarung und an einem "Einrichten" des Auftraggebers auf deren Maßgeblichkeit.
Mit seinem Urteil vom 22.05.1997, BGHZ 136, 1 ff., hat der Bundesgerichtshof vielmehr die bisher, u.a. in der von der Klägerin angeführten Entscheidung, entwickelten Grundsätze gerade für die hier vorliegende Fallgestaltung einer unwirksamen Honorarvereinbarung fortgeschrieben und dabei den Vertrauensschutz vorverlagert, ohne dass ein Widerspruch zum Urteil des BGH vom 05.11.1992, Az. VII ZR 52/91, BGHZ 120, 133 ff., bestünde (so zutreffend Hertwig, Anm. zu BGH, Urteil vom 22.05.1997, BGHZ 136, 1 ff., MDR 1997, 730).
OLG Frankfurt, 08.08.2008 - 3 U 270/07
Rückzahlungsanspruch des Kfz-Kaskoversicherers wegen versehentlich falscher …
OLG Brandenburg, 24.01.2007 - 4 U 123/06
OLG Köln, 16.12.2005 - 20 U 204/03
§ 4 HOAI kontra Dienstleistungsfreiheit?
OLG Stuttgart, 21.10.2014 - 10 U 70/14
Stufenklage des Architekten auf Honorarzahlung: Auskunftsanspruch gegen den …
OLG Hamm, 16.01.1998 - 12 U 74/97
Honorar Architekt - Statiker
OLG Zweibrücken, 06.02.2003 - 4 U 71/02
VOB-Vertrag: Nachforderung von in der Schlussrechnung nicht geltend gemachten …
OLG Düsseldorf, 12.05.2000 - 22 U 191/99
Bindung des Architekten an die Schlussrechnung; Verjährung von …
OLG Jena, 23.12.1998 - 2 U 799/96
Verletzung des Urheberrechts des Architekten: Welche Rechtsfolgen?
OLG München, 07.08.2007 - 13 U 2062/07
Bindungswirkung der Honorarschlussrechnung
OLG Saarbrücken, 03.04.2007 - 4 U 587/05
Zur Kausalität einer Vertragsverletzung für später entstandene Prozesskosten im …
OLG Saarbrücken, 20.12.2005 - 4 U 473/04
Zur Bindung des Architekten an die Honorarschlussrechnung
KG, 08.11.2005 - 7 U 45/05
Umfang der Auskunftspflicht des Architekten nach vorzeitiger Beendigung des …
OLG Frankfurt, 20.06.2012 - 21 U 34/11
KG, 19.09.2005 - 10 U 24/01
Großauftrag an einen Tragwerksplaner: Beurteilung einer Pauschalpreisvereinbarung …
OLG Naumburg, 30.11.2007 - 1 U 86/06
Pauschalhonorarvereinbarung unterhalb d. Mindestsätze
OLG Brandenburg, 30.10.2007 - 12 W 40/07
Architektenhonorar: Bindungswirkung einer Honorarschlussabrechnung für …
OLG Koblenz, 24.09.1998 - 5 U 112/98
"Bedingte" Schlussrechnung, Prüfbarkeit, Richtigkeit, Pauschalpreisabrede
OLG Koblenz, 28.11.2000 - 3 U 26/00
OLG Hamm, 24.05.2005 - 34 U 19/05
Abschlagsrechnung oder Teilschlussrechnung?
OLG Hamm, 02.12.2003 - 21 U 115/03
Bindung des Architekten an seine erste Rechnung?
LG Magdeburg, 22.02.2012 - 5 O 595/07
Bemessung und Fälligkeit des Architektenhonorars
OLG Dresden, 05.06.2002 - 11 U 1719/01
Honorar; Architekt; prüffähig; Rechnung
OLG Köln, 13.01.1998 - 22 U 131/97
Bindungswirkung einer Teilschlußrechnung?
LG Paderborn, 23.11.2004 - 2 O 569/03
Abrechnung nach Mindestsätzen durch den Architekten und Stellen von …
LG Essen, 06.02.2003 - 4 O 296/02
Honorarrechtliche Aufklärungspflichten?
OLG Düsseldorf, 07.10.1993 - 5 U 155/90
Vertrauen in eine nicht prüffähige Architekten-Schlussrechnung
OLG Bamberg, 07.08.2002 - 8 U 76/01
Leistungsbeschreibung in Architektenvertrag
OLG Oldenburg, 17.05.1995 - 2 U 56/95
Ingenieur, Honorar, Schlußrechnung, Schlußzahlung, Pauschalhonorar, Bindung, …