Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/umweltrecht/abgrenzung-eines-wasserschutzgebiets-346449
Timestamp: 2020-01-23 19:29:33
Document Index: 69803351

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 51', 'Art. 14', '§ 19', '§ 51', '§ 19', '§ 19', '§ 51', '§ 51', '§ 51', '§ 51']

Ab­gren­zung eines Was­ser­schutz­ge­biets | Rechtslupe
Die Ab­gren­zung des Was­ser­schutz­ge­biets muss sich an den hy­dro­geo­­lo­gisch-hy­drau­­lisch er­mit­tel­ten Gren­zen des Was­ser­ein­zugs­ge­biets ori­en­tie­ren. Dabei ist zu­guns­ten der Be­hör­de ein „ad­mi­nis­tra­ti­ver Ver­ein­fa­chungs­spiel­raum“ an­zu­er­ken­nen.
Nach § 19 Abs. 1 Nr. 1 WHG a.F., der inso­weit mit dem am 1.03.2010 in Kraft getre­te­nen § 51 Abs. 1 Nr. 1 WHG in der Fas­sung des Geset­zes zur Neu­re­ge­lung des Was­ser­rechts 1 inhalt­lich über­ein­stimmt, kann die Lan­des­re­gie­rung durch Rechts­ver­ord­nung Was­ser­schutz­ge­bie­te fest­set­zen, soweit das Wohl der All­ge­mein­heit dies im Inter­es­se des Schut­zes der öffent­li­chen Was­ser­ver­sor­gung vor nach­tei­li­gen Ein­wir­kun­gen erfor­dert.
Der gericht­lich voll über­prüf­ba­re Begriff der Erfor­der­lich­keit bezieht sich zum einen in sach­li­cher Hin­sicht auf den Schutz des Was­ser­vor­kom­mens dem Grun­de nach, was sich nach der Schutz­wür­dig­keit, der Schutz­be­dürf­tig­keit und der Schutz­fä­hig­keit – hier – eines Grund­was­ser­vor­kom­mens rich­tet.
Die Erfor­der­lich­keit setzt zum ande­ren der räum­li­chen Aus­deh­nung des Was­ser­schutz­ge­biets Gren­zen. Bei Beach­tung der Eigen­tums­ga­ran­tie aus Art. 14 Abs. 1 GG ist die mit der Aus­wei­sung eines Was­ser­schutz­ge­biets ein­her­ge­hen­de Beschrän­kung der Eigen­tü­mer­be­fug­nis­se im Wege der Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung nur zuläs­sig, wenn von dem betrof­fe­nen Grund­stück Ein­wir­kun­gen auf das zu schüt­zen­de Grund­was­ser aus­ge­hen kön­nen 2. Die Abgren­zung des Was­ser­schutz­ge­biets muss sich folg­lich – soweit mög­lich – an den hydro­geo­lo­gisch-hydrau­lisch ermit­tel­ten Gren­zen des Was­ser­ein­zugs­ge­biets ori­en­tie­ren. Eine Arron­die­rung über das Maß des Erfor­der­li­chen hin­aus ist grund­sätz­lich nicht mög­lich.
Eine sol­che Grenz­zie­hung trifft indes­sen auf prak­ti­sche Schwie­rig­kei­ten. Zum einen ist die Ermitt­lung der Gren­ze des Was­ser­ein­zugs­ge­biets aus der Natur der Sache bei Wah­rung eines ange­mes­se­nen Ver­wal­tungs­auf­wands mit fach­li­chen Unsi­cher­hei­ten behaf­tet. Die Behör­de darf sich folg­lich mit wis­sen­schaft­lich abge­si­cher­ten, in sich schlüs­si­gen Schät­zun­gen begnü­gen. Zum ande­ren bil­den sich unter­ir­di­sche Grenz­li­ni­en nicht ohne Wei­te­res auf der Erd­ober­flä­che ab. Im Inter­es­se der Nor­men­klar­heit und damit der Prak­ti­ka­bi­li­tät und der Voll­zieh­bar­keit der Ver­ord­nung bie­tet es sich dann an, soweit als mög­lich bestehen­den natür­li­chen, etwa topo­gra­phi­schen, oder vor­ge­ge­be­nen recht­li­chen Merk­ma­len, etwa Grund­stücks­gren­zen, zu fol­gen 3. Inso­weit ist ein „admi­nis­tra­ti­ver Ver­ein­fa­chungs­spiel­raum“ anzu­er­ken­nen 4. Er ist recht­lich nur beschränkt über­prüf­bar, näm­lich auf die Wahl nach­voll­zieh­ba­rer Maß­stä­be, und betrifft unter dem Aspekt der Erfor­der­lich­keit letzt­lich nur die Erwei­te­rung des Was­ser­schutz­ge­biets über das Was­ser­ein­zugs­ge­biet hin­aus.
Die Behör­de ist aller­dings nicht ver­pflich­tet, ein Grund­stück bei Vor­lie­gen der tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 19 Abs. 1 WHG a.F., § 51 Abs. 1 WHG n.F. in den Gel­tungs­be­reich einer Was­ser­schutz­ge­biets­ver­ord­nung ein­zu­be­zie­hen. Viel­mehr kommt ihr inso­weit Ermes­sen zu, auf­grund des­sen sie zu ent­schei­den hat, wie sie den gebo­te­nen Schutz des Was­ser­vor­kom­mens letzt­lich gewähr­leis­ten will. Die­se Ermes­sens­ent­schei­dung muss sich an einem nach­voll­zieh­ba­ren Schutz­kon­zept mes­sen las­sen. Es kann dar­auf aus­ge­rich­tet sein, bei Vor­lie­gen beson­de­rer Umstän­de das anzu­stre­ben­de Schutz­ni­veau durch ein­zel­fall­be­zo­ge­ne Maß­nah­men zu errei­chen 5. Im Gegen­satz zur Prü­fung der Erfor­der­lich­keit der räum­li­chen Aus­deh­nung des Was­ser­schutz­ge­biets geht es dabei nicht um ein „Zuviel“ an Schutz, son­dern um ein „Zuwe­nig“. Denn bei einer feh­ler­haft unter­blie­be­nen Ein­be­zie­hung eines Grund­stücks kann die Eig­nung des Was­ser­schutz­ge­biets für den ver­folg­ten Zweck infra­ge ste­hen 6. Bei der Abgren­zung eines Was­ser­schutz­ge­biets sind bei­de Gesichts­punk­te zu beach­ten.
Nach die­sen Maß­stä­ben ist die im Bereich der Wohn­be­bau­ung vor­ge­nom­me­ne Grenz­zie­hung von Rechts wegen nicht zu bean­stan­den. Die Behör­de hat sich grund­sätz­lich für eine Abgren­zung ent­lang von Flur­stücks­gren­zen ent­schie­den. Dage­gen ist nichts zu erin­nern, denn es ist ins­be­son­de­re nicht ersicht­lich, dass es irgend­wel­che klein­räu­mi­gen topo­gra­phi­schen Merk­ma­le gibt, die das maß­geb­li­che Was­ser­ein­zugs­ge­biet, umschrie­ben durch die Trenn­strom­li­nie, ver­läss­lich nach­zeich­nen. Gera­de in bebau­ten Gebie­ten liegt es nahe, Nut­zungs­ein­schrän­kun­gen jeweils auf das gan­ze Grund­stück zu bezie­hen. Des­sen Abgren­zung ist den betrof­fe­nen Grund­stücks­nut­zern ohne Wei­te­res geläu­fig.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 2. August 2012 – 7 CN 1.11
Ab­gren­zung eines Was­ser­schutz­ge­biets Die Ab­gren­zung des Was­ser­schutz­ge­biets muss sich an den hy­dro­geo­­lo­gisch-hy­drau­­lisch er­mit­tel­ten Gren­zen des Was­ser­ein­zugs­ge­biets ori­en­tie­ren. Dabei ist zu­guns­ten der Be­hör­de ein „ad­mi­nis­tra­ti­ver Ver­ein­fa­chungs­spiel­raum“ an­zu­er­ken­nen. Nach §…
vom 31.07.2009, BGBl I S. 2585[↩]
BVerwG, Beschlüs­se vom 23.01.1984 – 4 B 157.83, 4 B 158.83, Buch­holz 445.4 § 19 WHG Nr. 4 und vom 30.09.1996 – 4 NB 31.96, 4 NB 32.96, Buch­holz 445.4 § 19 WHG Nr. 7; BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 06.09.2005 – 1 BvR 1161/​03, NVwZ 2005, 1412, 1414[↩]
so auch die vom Deut­schen Ver­ein des G, e.V. in Abstim­mung mit der Län­der­ar­beits­ge­mein­schaft Was­ser erar­bei­te­ten Richt­li­ni­en für Trink­was­ser­schutz­ge­bie­te; Teil 1: Schutz­ge­bie­te für Grund­was­ser, Tech­ni­sche Regel – DVGW-Arbeits­blatt W 101 vom Juni 2006, Ziff. 5, abge­druckt in: von Lersner/​Berendes, Hand­buch des Deut­schen Was­ser­rechts, Bd. 2, D 30[↩]
sie­he Breu­er, Öffent­li­ches und pri­va­tes Was­ser­recht, 3. Aufl.2004, Rn. 866 f.; dem fol­gend Czychowski/​Reinhardt, WHG, 10. Aufl.2010, § 51 Rn. 45, Gößl, in: Sieder/​Zeitler, WHG AbwAG, § 51 WHG Rn. 46 sowie Hün­ne­kens, in: Landmann/​Rohmer, Umwelt­recht, § 51 WHG Rn. 42[↩]
vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 29.09.2010 – 7 BN 1.10; und vom 17.10.2005 – 7 BN 1.05, Buch­holz 445.3 Lan­des­was­ser­recht Nr. 4; Czychowski/​Reinhardt, a.a.O., § 51 Rn. 47, 49[↩]
vgl. Salz­we­del, ZfW 1992, 397, 400 f.[↩]