Source: https://www.aussenwirtschaftslupe.de/vollstreckbarerklaerung-eines-auslaendischen-schiedsspruchs-5877
Timestamp: 2019-11-14 07:29:32
Document Index: 198644782

Matched Legal Cases: ['§ 1061', '§ 1061', '§ 1059', '§ 1061', '§ 328', '§ 328', '§ 328', '§ 328', '§ 328', '§ 328', '§ 1061', '§ 328', '§ 1061', '§ 1061', '§ 1061', '§ 328', '§ 1061', '§ 1061', '§ 328', '§ 1061']

Vollstreckbarerklärung eines ausländischen Schiedsspruchs - Außenwirtschaftslupe
Ein aus­län­di­scher Schieds­spruch, der von einem Gericht die­ses Staa­tes auf­ge­ho­ben wur­de, kann in Deutsch­land nicht mehr für voll­streck­bar erklärt wer­den.
Nach § 1061 Abs. 1 Satz 1 ZPO rich­tet sich die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung aus­län­di­scher Schieds­sprü­che nach dem Über­ein­kom­men vom 10.06.1958 über die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung aus­län­di­scher Schieds­sprü­che (UNÜ)1. Die Vor­schrif­ten in ande­ren Staats­ver­trä­gen über die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Schieds­sprü­chen blei­ben unbe­rührt (§ 1061 Abs. 1 Satz 2 ZPO). Art. V Abs. 1 Buchst. a bis d, Abs. 2 Buchst. a und b UNÜ regeln — in glei­cher Wei­se wie § 1059 Abs. 2 Nr. 1 a bis d, Nr. 2 a und b ZPO für inlän­di­sche Schieds­sprü­che — die Grün­de für eine Ver­sa­gung der Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung eines Schieds­spruchs.
Art. V Abs. 1 Buchst. e UNÜ ent­hält (unter ande­rem) als zusätz­li­chen Ver­sa­gungs­grund, dass der Schieds­spruch von einer zustän­di­gen Behör­de des Lan­des, in dem oder nach des­sen Recht er ergan­gen ist, auf­ge­ho­ben wor­den ist. Nach Art. VII Abs. 1 UNÜ las­sen die Bestim­mun­gen des Über­ein­kom­mens die Gül­tig­keit mehr- oder zwei­sei­ti­ger Ver­trä­ge, wel­che die Ver­trags­staa­ten über die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Schieds­sprü­chen geschlos­sen haben, unbe­rührt. Eine im Sin­ne von § 1061 Abs. 1 Satz 2 ZPO sowie Art. VII Abs. 1 UNÜ vor­ran­gi­ge Rege­lung stellt inso­weit das Euro­päi­sche Über­ein­kom­men über die Han­dels­schieds­ge­richts­bar­keit vom 21.04.1961 (EuÜ)2 dar.
Deutsch­land und die Ukrai­ne sind jeweils Ver­trags­staa­ten sowohl des UNÜ als auch des EuÜ. Art. IX EuÜ schränkt Art. V Abs. 1 Buchst. e UNÜ dahin­ge­hend ein, dass die Auf­he­bung durch die Gerich­te des Staa­tes, in dem oder nach des­sen Recht der Schieds­spruch ergan­gen ist, nicht gene­rell, son­dern nur dann für eine Ver­sa­gung aus­reicht, wenn die Auf­he­bung durch das staat­li­che Gericht auf einen der in Art. IX Abs. 1 Buchst. a bis d EuÜ ange­führ­ten Grün­de gestützt wor­den ist (vgl. Art. IX Abs. 2 EuÜ). Hier­zu gehört unter ande­rem die feh­len­de Zustän­dig­keit des Schieds­ge­richts (Art. IX Abs. 1 Buchst. d EuÜ), nicht aber ein Ver­stoß gegen den natio­na­len ord­re public.
Zwar ist umstrit­ten, ob die Rege­lung über die Aner­ken­nung aus­län­di­scher Urtei­le in § 328 Abs. 1 ZPO auf Ent­schei­dun­gen aus­län­di­scher Gerich­te, durch die ein Schieds­spruch auf­ge­ho­ben wor­den ist, Anwen­dung fin­det, das heißt, ob das über die Aner­ken­nung des Schieds­spruchs befin­den­de Gericht inzi­den­ter zu prü­fen hat, ob dem auf­he­ben­den Urteil in einem Ver­fah­ren nach § 328 ZPO die Aner­ken­nung zu ver­sa­gen wäre.
Über­wie­gend wird dies ver­neint3. Auch in den soge­nann­ten Denk­schrif­ten zum UNÜ4 und zum EuÜ5 wird das Ver­fah­ren nach § 328 ZPO nicht erwähnt, viel­mehr davon gespro­chen, es sei „an sich selbst­ver­ständ­lich, dass die Auf­he­bung des Schieds­spruchs der Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung ent­ge­gen­ste­hen muss„6 bezie­hungs­wei­se „das Gericht des Voll­stre­ckungs­staa­tes hat sich bei der Prü­fung, ob das Auf­he­bungs­ur­teil anzu­er­ken­nen sei, dar­auf zu beschrän­ken, fest­zu­stel­len, ob das Auf­he­bungs­ur­teil auf einem der genann­ten vier Grün­de beruht”, wobei es „kei­nes­falls nach­prü­fen darf, ob das Gericht des Urteils­staa­tes das Gesetz und das Über­ein­kom­men rich­tig ange­wen­det hat„7.
Von den Autoren, die eine Anwen­dung des § 328 ZPO im Grund­satz beja­hen, wird hier­von zumeist § 328 Abs. 1 Nr. 5 ZPO aus­ge­nom­men, um Span­nun­gen und Diver­gen­zen mit dem Schieds­ver­fah­rens­sta­tut zu ver­mei­den8.
Ledig­lich ver­ein­zelt9 wird die Mei­nung ver­tre­ten, auch § 328 Abs. 1 Nr. 5 ZPO gel­te. Zur Begrün­dung wird ange­führt, der Schuld­ner des Schieds­spruchs erfah­re kei­nen Nach­teil, wenn die Auf­he­bungs­ent­schei­dung man­gels Ver­bür­gung der Gegen­sei­tig­keit im Voll­stre­ckungs­staat nicht aner­kannt wer­den kön­ne, da er die Grün­de, die er im Aus­land gegen den Schieds­spruch gel­tend gemacht habe, genau­so im inlän­di­schen Voll­streck­bar­er­klä­rungs­ver­fah­ren wie­der vor­brin­gen kön­ne. Hier­bei wird jedoch über­se­hen, dass es nicht um den Schutz des Schuld­ners, son­dern um die in den inter­na­tio­na­len Übereinkommen/​Verträgen gere­gel­te Fra­ge der Aner­ken­nung von Schieds­sprü­chen und deren Auf­he­bung im Aus­land geht. Zwar sind die in Art. IX Abs. 1 Buchst. a bis d EuÜ ange­führ­ten Grün­de im Kern mit denen des Art. V Abs. 1 Buchst. a bis d UNÜ iden­tisch, also vom deut­schen Gericht unab­hän­gig von einer Auf­he­bung des Schieds­spruchs im Aus­land (Art. V Abs. 1 Buchst. e UNÜ) zu prü­fen. Durch Art. V Abs. 1 Buchst. e UNÜ, Art. IX EuÜ wird aber dem deut­schen Gericht die Beach­tung der aus­län­di­schen Ent­schei­dung auf­ge­ge­ben, auch wenn es bei einer eige­nen Prü­fung im Rah­men des Art. V Abs. 1 Buchst. a bis d UNÜ kei­nen Ver­stoß fest­stel­len könn­te. Art. V Abs. 1 Buchst. e UNÜ, Art. IX EuÜ ent­hal­ten inso­weit einen eigen­stän­di­gen, über Art. V Abs. 1 Buchst. a bis d UNÜ hin­aus­ge­hen­den Ver­sa­gungs­grund. Wür­de man die Anwend­bar­keit von Art. V Abs. 1 Buchst. e UNÜ von der Ver­bür­gung der Gegen­sei­tig­keit abhän­gen machen, stün­de dies auch in Wider­spruch zu der Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers in § 1061 Abs. 1 Satz 1 ZPO, wonach sich die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung aus­län­di­scher Schieds­sprü­che künf­tig gene­rell — und nicht nur gegen­über Ver­trags­staa­ten des UNÜ — nach dem UNÜ rich­tet10; die Bun­des­re­gie­rung hat dem­entspre­chend den zunächst11 erklär­ten Ver­trags­staa­ten­vor­be­halt zum UNÜ zurück­ge­nom­men12.
Die Fra­ge der Anwend­bar­keit des § 328 Abs. 1 Nr. 5 ZPO ist des­halb nicht im obi­gen Sinn klä­rungs­be­dürf­tig. Im Übri­gen über­sieht die Antrag­stel­le­rin, dass selbst dann, wenn man die Ver­bür­gung der Gegen­sei­tig­keit für not­wen­dig hiel­te, es nicht dar­auf ankä­me, ob gene­rell im Ver­hält­nis zur Ukrai­ne die gegen­sei­ti­ge Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Urtei­len ver­bürgt ist13. Viel­mehr wür­de es für die Fra­ge der Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung des hier streit­ge­gen­ständ­li­chen ukrai­ni­schen Schieds­spruchs aus­rei­chen, wenn die Gegen­sei­tig­keit im Hin­blick auf einen Schieds­spruch auf­he­ben­de gericht­li­che Ent­schei­dun­gen gewähr­leis­tet ist. Sowohl Deutsch­land als auch die Ukrai­ne sind aber Ver­trags­staa­ten des UNÜ und des EuÜ und haben sich inso­weit den Rege­lun­gen in Art. V UNÜ, Art. IX EuÜ unter­wor­fen. Damit ist die Gegen­sei­tig­keit recht­lich abge­si­chert. Dass sich in der Gerichts­pra­xis die Ukrai­ne an das UNÜ/​EuÜ nicht hal­ten wür­de, ist weder mit der Rechts­be­schwer­de vor­ge­tra­gen wor­den noch ander­wei­tig ersicht­lich.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. April 2013 — III ZB 59⁄12
Voll­streck­bar­er­klä­rung eines aus­län­di­schen Schieds­spruchs Das Ver­fah­ren auf Voll­streck­bar­er­klä­rung eines aus­län­di­schen Schieds­spruchs (§ 1061 ZPO) ist kein Ver­fah­ren der Zwangs­voll­stre­ckung, son­dern ein Erkennt­nis­ver­fah­ren eige­ner Art, auf das die Grund­sät­ze über die Immu­ni­tät aus­län­di­scher Staa­ten im Erkennt­nis­ver­fah­ren anzu­wen­den sind. Nach den…
vgl. nur OLG Ros­tock, BB 2000, Bei­la­ge 8, S.20, 23; Musielak/​Voit, ZPO, 9. Aufl., § 1061 Rn 18, Münch­Komm-ZPO/­Münch, 3. Aufl., § 1061 Rn. 12; Schwab/​Walter, Schieds­ge­richts­bar­keit, 7. Aufl., Kap. 30 Rn. 14 [↩]
BT-Drucks. III/​2160, S. 26, 27 zu Art. V [↩]
BT-Drucks. IV/​1597, S. 36 f zu Art. IX [↩]
vgl. etwa Zöller/​Geimer, ZPO, 29. Aufl., § 328 Rn. 267, § 1061 Rn. 25, der­sel­be in Inter­na­tio­na­les Zivil­pro­zess­recht, 6. Aufl., Rn. 3944; Schlos­ser in Stein/​Jonas, ZPO, 22. Aufl., Anhang zu § 1061 Rn. 131a, der nur § 328 Abs. 1 Nr. 2, 4 ZPO anwen­den will [↩]
vgl. etwa Schüt­ze, Das inter­na­tio­na­le Zivil­pro­zess­recht in der ZPO, 2. Aufl., § 1061 Rn. 120 [↩]
vgl. BT-Drucks. 13⁄5274 S. 61 f [↩]
vgl. zu letz­te­rem Geimer/​Schütze, Euro­päi­sches Zivil­ver­fah­rens­recht, 2. Aufl., E. 1 Rn. 247; Solo­tych in Geimer/​Schütze, Inter­na­tio­na­ler Rechts­ver­kehr, Lose­blatt­samm­lung , O 115210 f; sie­he auch den Hin­weis bei Zöller/​Geimer, ZPO, 29. Aufl., Anh. V S. 3307 auf die Reform­ge­set­ze in der Ukrai­ne im Jahr 2010 [↩]
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