Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=22.05.2012&Aktenzeichen=II%20ZR%2035/10
Timestamp: 2019-05-20 21:43:57
Document Index: 366080826

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 529', '§ 529', '§ 533', '§ 596', '§ 533', '§ 520', 'BGH', 'BGH', '§ 520', '§ 520', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 529', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 22.05.2012 - II ZR 35/10 - dejure.org
https://dejure.org/2012,22108
BGH, 22.05.2012 - II ZR 35/10 (https://dejure.org/2012,22108)
BGH, Entscheidung vom 22.05.2012 - II ZR 35/10 (https://dejure.org/2012,22108)
BGH, Entscheidung vom 22. Mai 2012 - II ZR 35/10 (https://dejure.org/2012,22108)
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ZPO §§ 529, 533, 596; ZPO-RG
§ 529 ZPO, § 533 ZPO, § 596 ZPO, ZPO-RG
Berufungsverfahren: Voraussetzungen eines Abstehens vom Urkundenprozess; Berücksichtigung vom Erstgericht für unerheblich erachteten Parteivorbringens
Zulässigkeit einer Abstandnahme vom Urkundenprozess im zivilgerichtlichen Berufungsverfahren
Zulässigkeit des Abstehens vom Urkundenprozess im Berufungsverfahren nach § 533 ZPO; zur Berücksichtigung von Parteivorbringen, das vom erstinstanzlichen Gericht für unerheblich erachtet worden ist und im Urteilstatbestand keine Erwähnung gefunden hat
Verfahrensrecht - Abstehen vom Urkundenprozess in der Berufung: Klageänderung!
Beitritt, Durchsetzungssperre, fehlerhafte Gesellschaft, Gesellschaftsrecht, Kündigung, Publikumsgesellschaft, unselbständiger Rechnungsposten, Verwirkung, wichtiger Grund, Widerruf
Abstehen vom Urkundenprozess in der Berufung bei Einwilligung der beklagten Partei oder Sachdienlichkeit
ZIP 2012, 1986 (Ls.)
WM 2012, 1692
NZG 2012, 1111
aa) Dass der Kläger in seiner den Anforderungen nach § 520 ZPO genügenden Berufungsbegründung nicht auch auf diesen Gesichtspunkt ausdrücklich zurückgekommen ist, entbindet das Berufungsgericht unabhängig von einer Rüge nicht von einer Berücksichtigung dieses Parteivortrags (grundlegend Senat, Urteil vom 12. März 2004 - V ZR 257/03, BGHZ 158, 269, 278 ff.; BGH, Urteil vom 22. Mai 2012 - II ZR 35/10, WM 2012, 1692, 1694 mwN;… Hk-ZPO/Wöstmann, ZPO, 4. Aufl., § 520 Rn. 28 mwN;… vgl. auch Zöller/Heßler, ZPO, 29. Aufl., § 520 Rn 40).
Bei dieser Lage ist es nicht geboten, dass der Berufungsführer ausdrücklich noch einmal sein gesamtes erstinstanzliches Vorbringen zu den Voraussetzungen des von ihm verfolgten Klageanspruchs - das mit der (zulässigen) Berufung ohnehin vollständig in die Berufungsinstanz gelangt (…BGH, Urteile vom 12. März 2004 aaO S. 278 und vom 22. Mai 2012 - II ZR 35/10 juris Rn. 29 mwN) - wiederholt und auf diese Weise die Entscheidungserheblichkeit seiner Aktivlegitimation dartut.
Denn nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gelangt mit einem zulässigen Rechtsmittel grundsätzlich der gesamte aus den Akten ersichtliche Prozessstoff erster Instanz ohne weiteres in den zweiten Rechtszug und wird damit Gegenstand des Berufungsverfahrens (vgl. nur BGH, Urteile vom 12. März 2004 - V ZR 257/03, BGHZ 158, 269, 278, 280 ff.; vom 19. März 2004 - V ZR 104/03, BGHZ 158, 295, 309;… vom 27. September 2006 - VIII ZR 19/04, NJW 2007, 2414 Rn. 16; vom 22. Mai 2012 - II ZR 35/10, WM 2012, 1692 Rn. 29;… vom 4. Juli 2012 - VIII ZR 109/11, NJW 2012, 2662 Rn. 16; jeweils mwN).
Kommt es aus der allein maßgeblichen objektiven Sicht des Berufungsgerichts aufgrund der Klageänderung auf diese Tatsachen an, bestehen erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit der entscheidungserheblichen Feststellungen, die das Berufungsgericht nach § 529 Abs. 1 Nr. 1 Halbsatz 2 ZPO zu eigenen Feststellungen berechtigen und verpflichten (BGH, Urteile vom 19. März 2004 - V ZR 104/03, BGHZ 158, 295, 309 f.;… vom 27. September 2006 - VIII ZR 19/04, NJW 2007, 2414 Rn. 16; vom 22. Mai 2012 - II ZR 35/10, WM 2012, 1692 Rn. 29;… vom 4. Juli 2012 - VIII ZR 109/11, NJW 2012, 2663 Rn. 16).
Denn nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH, Urteil vom 12. März 2004 - V ZR 257/03, BGHZ 158, 269, 278;… Urteil vom 27. September 2006 - VIII ZR 19/04, NJW 2007, 2414 Rn. 16; Urteil vom 22. Mai 2012 - II ZR 35/10, juris Rn. 29) gelangt mit dem zulässigen Rechtsmittel der gesamte aus den Akten ersichtliche Streitstoff des ersten Rechtszugs in die Berufungsinstanz.
Zutreffend hat das Berufungsgericht erkannt, dass die Klägerin in der Berufungsinstanz wirksam die Abstandnahme vom Urkundenprozess erklärt hat (vgl. zur Zulässigkeit der Abstandnahme BGH, Urteil vom 22. Mai 2012 - II ZR 35/10, WM 2012, 1692 Rn. 16 ff.).
Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs unterliegen sowohl die Ansprüche eines Gesellschafters gegen die Gesellschaft als auch die Ansprüche der Gesellschaft gegen den Gesellschafter nach der Auflösung einer Durchsetzungssperre; die gegenseitigen Ansprüche werden zu unselbständigen Rechnungsposten der Auseinandersetzungsrechnung (vgl. BGH, Urteil vom 22.5.2012 - II ZR 35/10, iuris Rdn. 32 m.w.Nachw., abgedruckt in WM 2012, 1692 ff.).
Das Recht zur fristlosen Kündigung der Beteiligung, das dem unter Verletzung einer Aufklärungspflicht oder sogar unter arglistiger Täuschung zur Beteiligung veranlassten und damit fehlerhaft beigetretenen Anlagegesellschafter zusteht, unterliegt anders als ein Schadensersatzanspruch allerdings nicht der Verjährung, sondern allenfalls der Verwirkung (BGH, U. vom 22.05.2012, II ZR 35/10, WM 2012, 1692ff., Rz. 30).
Wird ein Anleger durch eine arglistige Täuschung zum Beitritt bewegt, stellt dies einen wichtigen Grund für die außerordentliche Kündigung seiner Beteiligung dar (…BGH NJW-RR 2011, S. 263, 264 f; BGH, Urteil vom 22.05.2012, Az. II ZR 35/10, zitiert nach Juris Tz. 30;… BGH NJW 2007, S. 1127, 1128 Tz. 18;… BGH NJW 2006, S. 1955, 1956 Tz. 27).
Der Bundesgerichtshof hat zwischenzeitlich in mehreren Entscheidungen (veröffentliche Urteile vom 13.4.2011, Az. XII ZR 110/09, vom 22.5.2012, Az. II ZR 35/10, vom 4.7.2012, Az. VIII ZR 109/11) das unbedingt erklärte Abstehen vom Urkundenprozess in der Berufungsinstanz auch nach der Reform des Zivilprozessrechts zum 1.1.2012 entsprechend den Regeln einer Klageänderung für zulässig erachtet, mit der Folge, dass der Rechtsstreit im zweiten Rechtszug im ordentlichen Verfahren anhängig ist.