Source: http://m.hensche.de/Kuendigung_GbR_Kuendigung_muss_von_allen_Gesellschaftern_einer_GbR_unterschrieben_werden_BAG_2AZR162-04-u.html
Timestamp: 2017-08-23 06:10:35
Document Index: 60832028

Matched Legal Cases: ['§ 615', '§ 623', '§ 126', '§ 623', '§ 130', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 4', '§ 623', '§ 623', '§ 91']

HENSCHE Arbeitsrecht: 2 AZR 162/04
Schlag­worte: Kündigung, GbR, Schriftform
Akten­zeichen: 2 AZR 162/04
Ent­scheid­ungs­datum: 21.04.2005
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München, Urteil vom 20.11.2002, 5 Ca 8202/02
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 28.10.2003, 6 Sa 47/03
6 Sa 47/03
hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 21. April 2005 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Rost, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Bröhl und Schmitz-Scho­le­mann so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Bartz und Dr. Wal­ter für Recht er­kannt:
1. Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 28. Ok­to­ber 2003 - 6 Sa 47/03 - auf­ge­ho­ben.
2. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 20. No­vem­ber 2002 - 5 Ca 8202/02 - ab­geändert.
Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht durch die Kündi­gung vom 26. April 2002 auf­gelöst wor­den ist, son­dern zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen bis zum 30. Sep­tem­ber 2002 fort­be­stan­den hat.
3. Die Be­klag­ten wer­den als Ge­samt­schuld­ner ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 10.737,11 Eu­ro brut­to zu zah­len.
4. Die Be­klag­ten tra­gen die Kos­ten des Rechts­streits.
Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung so­wie über die Dau­er der Kündi­gungs­frist.
Die Be­klag­ten zu 1) - 3) be­trei­ben in der Rechts­form ei­ner Ge­sell­schaft bürger­li­chen Rechts (GbR) als Zahnärz­te ei­ne Ge­mein­schafts­pra­xis. Die Kläge­rin wur­de von ih­nen auf Grund ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges vom 27. Sep­tem­ber 2001, der von al­len drei Be­klag­ten un­ter­schrie­ben ist, als Zahn­tech­ni­ke­rin zu ei­nem Brut­to­ge­halt von mo­nat­lich 4.500,00 DM zuzüglich ei­ner um­satz­abhängi­gen wei­te­ren Vergütung ein­ge­stellt. Ver­trags­be­ginn soll­te der 1. No­vem­ber 2001 sein. In­ner­halb ei­ner sechs­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit war ei­ne Kündi­gungs­frist von 14 Ta­gen ver­ein­bart, da­nach ei­ne Frist von sechs Wo­chen zum Quar­tals­en­de. Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob und in­wie­weit die Kläge­rin, die noch bis zum 31. Ok­to­ber 2001 in ei­nem an­de­ren Ar­beits­verhält­nis stand (Rest­ur­laub), be­reits ab dem 22. Ok­to­ber 2001 Ar­beits­leis­tun­gen für die Be­klag­ten er­bracht hat.
Mit Schrei­ben vom 26. April 2002 kündig­ten die Be­klag­ten das Ar­beits­verhält­nis zum 10. Mai 2002. Das Kündi­gungs­schrei­ben lau­tet wie folgt:
Dr. E.... Dr. L.... und N.....
Zahnärz­te
S........-Straße, ........ München
....... von H.........
Sehr ge­ehr­te Frau von H..........!
Hier­mit kündi­gen wir den be­ste­hen­den Ar­beits­ver­trag frist­gemäß
Zum 10.05.2002.
N. Dr. L............ Dr. E
(Un­ter­schrift) (Un­ter­schrift)
Die Kläge­rin macht gel­tend, die Kündi­gung sei schon des­halb for­mun­wirk­sam, weil sie nur von zwei Ge­sell­schaf­tern un­ter­schrie­ben wor­den sei. Der Be­klag­te zu 2) ha­be auch man­gels ent­spre­chen­der Voll­macht nicht von dem Be­klag­ten zu 1) und dem Be­klag­ten zu 3) ver­tre­ten wer­den können. Je­den­falls feh­le es an der er­for­der­li­chen Of­fen­kun­dig­keit ei­ner auch in Ver­tre­tung des Be­klag­ten zu 2) aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung. Da­ge­gen spre­che schon die Ver­wen­dung ei­nes ge­mein­schaft­li­chen Brief­bo­gens und das Of­fen­las­sen des vor­ge­se­he­nen Raums für die Un­ter­schrift des Be­klag­ten zu 2). Außer­dem sei die Kündi­gung nicht frist­ge­recht er­folgt. Sie ha­be be­reits ab 22. Ok­to­ber 2001 in der Pra­xis ge­ar­bei­tet. Die­ser Zeit­punkt sei un­be­scha­det der ver­trag­li­chen Fest­le­gung für die Be­rech­nung der Kündi­gungs­frist maßge­bend. Das Ar­beits­verhält­nis sei des­halb erst durch ih­re Ei­genkündi­gung zum 30. Sep­tem­ber 2002 be­en­det wor­den und die Be­klag­ten hätten ihr aus dem Ge­sichts­punkt des An­nah­me­ver­zu­ges ihr Ge­halt bis zum 30. Sep­tem­ber 2002 nach­zu­zah­len.
1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht durch die Kündi­gung vom 26. April 2002 auf­gelöst wur­de, son­dern zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen bis zum 30. Sep­tem­ber 2002 fort­be­stan­den hat,
2. die Be­klag­ten samt­ver­bind­lich zu ver­ur­tei­len, an sie brut­to 10.737,11 Eu­ro zu be­zah­len.
Die Be­klag­ten ha­ben zur Stützung ih­res Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trags be­haup­tet und durch schrift­li­che Voll­machts­ur­kun­de be­legt, die Ge­sell­schaf­ter hätten ein­an­der in sämt­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten der Zahn­arzt­pra­xis Ein­zel­ver­tre­tungs­voll­macht er­teilt mit der Be­fug­nis, im Ein­zel­fall an Beschäftig­te der Zahn­arzt­pra­xis Un­ter­voll­macht zu er­tei­len. Die Be­klag­ten zu 1) und 3) sei­en zur Ver­tre­tung des Be­klag­ten zu 2) des­halb be­rech­tigt ge­we­sen. Dass sie die Kündi­gung zu­gleich im Na­men des Be­klag­ten zu 2) hätten aus­spre­chen wol­len, er­ge­be sich aus der Ver­wen­dung des Brief­bo­gens der Pra­xis­ge­mein­schaft. Das Ar­beits­verhält­nis ha­be auch ent­spre­chend dem Ar­beits­ver­trag erst mit dem 1. No­vem­ber 2001 be­gon­nen. Die Kläge­rin sei zu­vor nur in der Pra­xis ge­we­sen, um die­se ken­nen zu ler­nen bzw. um ei­ne Pro­be­ar­beit ab­zu­lie­fern; ei­ne ei­gent­li­che Ar­beits­leis­tung ha­be sie nicht er­bracht.
Die Re­vi­si­on ist be­gründet. Die Kündi­gung der Be­klag­ten hat das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf­gelöst. Die­ses be­stand des­halb bis zum 30. Sep­tem­ber 2002 fort und die Be­klag­ten sind als Ge­samt­schuld­ner nach § 615 BGB zur Ge­halts­zah­lung an die Kläge­rin bis zum 30. Sep­tem­ber 2002 in un­be­strit­te­ner Höhe ver­pflich­tet.
I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, die Be­klag­ten zu 1) und 3) hätten den Be­klag­ten zu 2) bei Aus­spruch der Kündi­gung rechts­wirk­sam ver­tre­ten können. Sie hätten auch durch Ver­wen­dung des ge­mein­schaft­li­chen Brief­kop­fes hin­rei­chend deut­lich ge­macht, dass sie für al­le drei Ärz­te hätten han­deln wol­len. Die Un­ter­schrif­ten al­ler drei Ge­sell­schaf­ter sei­en aber zur wirk­sa­men Ver­tre­tung der Ge­mein­schafts­pra­xis nicht er­for­der­lich ge­we­sen. Die feh­len­de Un­ter­schrift des Be­klag­ten zu 2) auf dem Kündi­gungs­schrei­ben scha­de des­halb nicht. Auch die Kündi­gungs­frist sei zu­tref­fend be­rech­net, da auf den recht­li­chen, nicht auf den tatsächli­chen Ar­beits­be­ginn ab­zu­stel­len sei.
II. Die­se Be­gründung hält den An­grif­fen der Re­vi­si­on nicht stand.
1. Nach § 623 BGB be­darf die Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses durch Kündi­gung zu ih­rer Wirk­sam­keit der Schrift­form. Die durch Ge­setz vor­ge­schrie­be­ne Schrift­form wird nach § 126 Abs. 1 BGB da­durch erfüllt, dass die Ur­kun­de von dem Aus­stel­ler ei­genhändig durch Na­mens­un­ter­schrift oder mit­tels no­ta­ri­ell be­glau­big­ten Hand­zei­chens un­ter­zeich­net wird. Das ge­setz­li­che Schrift­for­mer­for­der­nis hat vor al­lem Klar­stel­lungs- und Be­weis­funk­ti­on. Es soll Rechts­si­cher­heit für die Ver­trags­par­tei­en und ei­ne Be­wei­ser­leich­te­rung im Rechts­streit be­wir­ken. Das Er­for­der­nis der ei­genhändi­gen Un­ter­schrift erfüllt darüber hin­aus zusätz­li­che Zwe­cke: Durch die ei­genhändi­ge Un­ter­schrift wird der Aus­stel­ler der Ur­kun­de er­kenn­bar. Die Un­ter­schrift stellt da­mit ei­ne un­zwei­deu­ti­ge Ver­bin­dung zwi­schen der Ur­kun­de und dem Aus­stel­ler her (Iden­titäts­funk­ti­on). Außer­dem wird durch die Ver­bin­dung zwi­schen Un­ter­schrift und Erklärungs­text gewähr­leis­tet, dass die Erklärung in­halt­lich vom Un­ter­zeich­ner herrührt (Echt­heits­funk­ti­on). Sch­ließlich erhält der Empfänger der Erklärung die Möglich­keit zu über­prüfen, wer die Erklärung ab­ge­ge­ben hat und ob die Erklärung echt ist (Ve­ri­fi­ka­ti­ons­funk­ti­on) (vgl. BT-Drucks. 14/4987 S. 16). Die Schrift­form des § 623 BGB schützt da­mit vor al­lem den Kündi­gungs­empfänger, der bei ei­nem Zu­gang ei­ner Kündi­gung,
die nicht in sei­ner An­we­sen­heit ab­ge­ge­ben wird (§ 130 Abs. 1 Satz 1 BGB), hin­sicht­lich der Iden­tität des Aus­stel­lers, der Echt­heit der Ur­kun­de und der Fra­ge, wer die Erklärung ab­ge­ge­ben hat, re­gelmäßig nicht beim Erklären­den so­fort nach­fra­gen kann.
2. Für die Ein­hal­tung der Schrift­form ist es er­for­der­lich, dass al­le Erklären­den die schrift­li­che Wil­lens­erklärung un­ter­zeich­nen (BGH 16. Ju­li 2003 - XII ZR 65/02 - NJW 2003, 3053; 5. No­vem­ber 2003 - XII ZR 134/02 - NJW 2004, 1103). Un­ter­zeich­net für ei­ne Ver­trags­par­tei ein Ver­tre­ter die Erklärung, muss dies in der Ur­kun­de durch ei­nen das Ver­tre­tungs­verhält­nis an­zei­gen­den Zu­satz hin­rei­chend deut­lich zum Aus­druck kom­men. Un­ter­schreibt für ei­ne GbR nur ein Mit­glied oh­ne ei­nen Ver­tre­ter­zu­satz, so ist re­gelmäßig nicht aus­zu­sch­ließen, dass vor­ge­se­hen war, auch das an­de­re Mit­glied oder die an­de­ren Mit­glie­der soll­ten die Ur­kun­de un­ter­schrei­ben und dass de­ren Un­ter­schrift noch fehlt (BGH 5. No­vem­ber 2003 - XII ZR 134/02 - aaO).
Die Wah­rung der ge­setz­li­chen Schrift­form setzt bei ei­ner GbR da­nach vor­aus, dass die Ur­kun­de er­ken­nen lässt, dass die Un­ter­schrift der han­deln­den Ge­sell­schaf­ter auch die Erklärung des nicht un­ter­zeich­nen­den Ge­sell­schaf­ters de­cken soll, sie al­so auch in des­sen Na­men er­folgt ist (BGH 22. Fe­bru­ar 1994 - LwZR 4/93 - BGHZ 125, 175, 177). Für die Fra­ge, ob je­mand ei­ne Erklärung auch in frem­dem Na­men ab­gibt, kommt es auf de­ren ob­jek­ti­ven Erklärungs­wert an, al­so dar­auf, wie sich die Erklärung nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te für den Empfänger dar­stellt. Hier­bei sind außer dem Wort­laut der Erklärung al­le Umstände zu berück­sich­ti­gen, die un­ter Be­ach­tung der Ver­kehrs­sit­te Schlüsse auf den Sinn der Erklärung zu­las­sen, ins­be­son­de­re die dem Rechts­verhält­nis zu­grun­de lie­gen­den Le­bens­verhält­nis­se, die In­ter­es­sen­la­ge, der Geschäfts­be­reich, dem der Erklärungs­ge­gen­stand an­gehört, und ty­pi­sche Ver­hal­tens­wei­sen. Die ge­setz­li­che Schrift­form ist nur ge­wahrt, wenn der so er­mit­tel­te rechts­geschäft­li­che Ver­tre­tungs­wil­le in der Ur­kun­de, wenn auch nur un­voll­kom­men, Aus­druck ge­fun­den hat (BGH 22. Fe­bru­ar 1994 - LwZR 4/93 - BGHZ 125, 175, 178 mwN; 11. Sep­tem­ber 2002 - XII ZR 187/00 - NJW 2002, 3389; vgl. schon RG 5. Fe­bru­ar 1923 - VI 310/22 - RGZ 106, 268). Sind in dem Kündi­gungs­schrei­ben ei­ner GbR al­le Ge­sell­schaf­ter so­wohl im Brief­kopf als auch ma­schi­nen­schrift­lich in der Un­ter­schrifts­zei­le auf­geführt, so reicht es zur Wah­rung der Schrift­form nicht aus, wenn le­dig­lich ein Teil der GbR-Ge­sell­schaf­ter oh­ne wei­te­ren Ver­tre­tungs­zu­satz das Kündi­gungs­schrei­ben hand­schrift­lich un­ter­zeich­net. Ei­ne sol­che Kündi­gungs­erklärung enthält kei­nen hin­rei­chend deut­li­chen Hin­weis dar­auf, dass es sich
nicht le­dig­lich um den Ent­wurf ei­nes Kündi­gungs­schrei­bens han­delt, der ver­se­hent­lich von den übri­gen Ge­sell­schaf­tern noch nicht un­ter­zeich­net ist.
3. Die Aus­le­gung des Kündi­gungs­schrei­bens der Be­klag­ten durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist zwar re­vi­si­ons­recht­lich nur ein­ge­schränkt dar­auf­hin über­prüfbar, ob die Rechts­vor­schrif­ten über die Aus­le­gung rich­tig an­ge­wandt wor­den sind, ob der Tat­sa­chen­stoff vollständig ver­wer­tet oder da­bei ge­gen Denk­ge­set­ze und Er­fah­rungssätze ver­s­toßen wor­den oder ei­ne ge­bo­te­ne Aus­le­gung un­ter­las­sen wor­den ist (st. Rspr. et­wa BAG 18. Fe­bru­ar 1992 - 9 AZR 611/90 - AP TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 115 = EzA TVG § 4 Aus­schlußfris­ten Nr. 98). Auch die­sem ein­ge­schränk­ten Prüfungs­maßstab hält das an­ge­foch­te­ne Ur­teil je­doch nicht stand.
4. Die Re­vi­si­on weist zu­tref­fend dar­auf hin, dass selbst dann, wenn man den Vor­trag der Be­klag­ten, die un­ter­zeich­nen­den Ge­sell­schaf­ter sei­en al­lein zur Ver­tre­tung der GbR be­fugt ge­we­sen, als rich­tig un­ter­stellt, sich dar­aus nicht die Wirk­sam­keit der Kündi­gung er­gibt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt stellt in ers­ter Li­nie dar­auf ab, schon durch den Brief­kopf des Kündi­gungs­schrei­bens sei hin­rei­chend deut­lich ge­macht, dass die­je­ni­gen, die die Un­ter­schrift un­ter das Kündi­gungs­schrei­ben ge­leis­tet hätten, die Kündi­gungs­erklärung im Na­men al­ler drei Be­klag­ten ab­ge­ge­ben hätten. Dies greift zu kurz und lässt we­sent­li­chen Aus­le­gungs­stoff un­berück­sich­tigt. Die Wil­lens­erklärung, die nach § 623 BGB durch ei­ne Un­ter­schrift der Erklären­den zu de­cken war, stell­te nach ih­rem Wort­laut und dem Ge­samt­zu­sam­men­hang der Ur­kun­de ei­ne Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin durch al­le drei Ge­sell­schaf­ter dar. Dies er­gibt sich nicht nur aus dem Brief­kopf, son­dern auch aus der Tat­sa­che, dass im Text in der Un­ter­schrifts­zei­le die Na­men al­ler drei Ge­sell­schaf­ter auf­geführt sind. Grundsätz­lich war ein sol­ches Kündi­gungs­schrei­ben des­halb von al­len drei Ge­sell­schaf­tern zu un­ter­zeich­nen. Da auch der Ar­beits­ver­trag von al­len drei Ge­sell­schaf­tern un­ter­zeich­net wor­den ist, spricht dies eher dafür, dass im Be­trieb der Be­klag­ten die Üblich­keit be­stand, zu­min­dest Wil­lens­erklärun­gen von der­ar­ti­gem Ge­wicht durch al­le drei Ge­sell­schaf­ter un­ter­zeich­nen zu las­sen. Dem wi­der­spricht nicht oh­ne Wei­te­res die vor­ge­leg­te Voll­machts­ur­kun­de. Sie scheint eher auf Geschäfte des lau­fen­den Geschäfts­be­triebs zu­ge­schnit­ten zu sein. So ist je­den­falls nach der Le­bens­er­fah­rung kaum vor­stell­bar, dass drei Zahnärz­te, die sich zu ei­ner Zahn­arzt­pra­xis in Form ei­ner GbR zu­sam­men­ge­schlos­sen ha­ben, den Ab­schluss und die Kündi­gung des Ar­beits­ver­tra­ges mit ei­ner Zahn­tech­ni­ke­rin an Beschäftig­te der Zahn­arzt­pra­xis de­le­gie­ren, wie dies die Voll­machts­ur­kun­de zu­las­sen würde. Die Ge­samt­heit der zu berück­sich­ti­gen­den Aus­le-
gungs­tat­sa­chen lässt kei­nen An­halts­punkt dafür er­ken­nen, dass die zwei Ge­sell­schaf­ter, die das Kündi­gungs­schrei­ben un­ter­zeich­net ha­ben, gleich­zei­tig in Ver­tre­tung des drit­ten Ge­sell­schaf­ters han­deln woll­ten. Ein sol­cher Wil­le lässt sich aus der Ver­trags­ur­kun­de nicht ein­mal an­deu­tungs­wei­se ent­neh­men. Aus der Sicht der Kläge­rin als Erklä­rungs­empfänge­rin war bei Zu­gang des Kündi­gungs­schrei­bens nicht ein­mal mit Si­cher­heit fest­stell­bar, ob nicht irrtümlich le­dig­lich ein noch nicht von al­len drei Ge­sell­schaf­tern un­ter­zeich­ne­ter Ent­wurf ei­ner Kündi­gung vor­lag. Sie konn­te dem Schrei­ben nicht ent­neh­men, ob der Be­klag­te zu 2) mit dem Kündi­gungs­vor­gang über­haupt be­fasst war, ob er et­wa die Leis­tung sei­ner Un­ter­schrift ab­ge­lehnt hat­te und ob ei­ner der un­ter­zeich­nen­den Ge­sell­schaf­ter oder gar bei­de den Wil­len hat­ten, das Kündi­gungs­schrei­ben auch in sei­nem Na­men zu un­ter­zeich­nen. Es kann da­hin­ste­hen, ob es als An­deu­tung ei­nes Ver­tre­tungs­wil­lens aus­ge­reicht hätte, wenn auf dem ge­mein­schaft­li­chen Brief­bo­gen et­wa ei­ner der Ge­sell­schaf­ter oh­ne Zu­satz des Na­mens der an­de­ren für die Ge­sell­schaft in Ausübung ei­ner vor­han­de­nen Voll­macht das Kündi­gungs­schrei­ben un­ter­zeich­net hätte. Das Kündi­gungs­schrei­ben vom 26. April 2002 stellt je­den­falls ei­ne Wil­lens­erklärung dar, die nach der Un­ter­schrifts­zei­le von al­len drei Ge­sell­schaf­tern hätte un­ter­zeich­net wer­den müssen, die je­doch le­dig­lich zwei Un­ter­schrif­ten trägt. Dies führt zur Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung nach § 623 BGB.
5. Auf die Fra­ge der Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist kommt es da­mit nicht mehr an.
III. Die Be­klag­ten ha­ben nach §§ 91, 100 ZPO die Kos­ten des Ver­fah­rens zu tra­gen.
Rost Bröhl Schmitz-Scho­le­mann
J. Wal­ter Bartz
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