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Timestamp: 2020-03-28 18:20:02
Document Index: 387984540

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 14', '§ 14', 'Art 178', '§ 14', '§ 14', '§ 14', 'Art 220', '§ 14', 'Art. 1', 'EuG']

Vorsteuerabzug — und die Anschrift des Rechnungsausstellers | Wirtschaftslupe
Vorsteuerabzug — und die Anschrift des Rechnungsausstellers
Nach § 15 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 UStG set­zt die Ausübung des Vors­teuer­abzugs u.a. voraus, dass der Unternehmer eine nach den §§ 14, 14a aus­gestellte Rech­nung besitzt. Nach § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 UStG muss die Rech­nung den voll­ständi­gen Namen und die voll­ständi­ge Anschrift des leis­ten­den Unternehmers enthal­ten.
Dies entspricht den Vor­gaben der Art 178 Bstb. a und 226 Nr. 5 der Richtlin­ie 2006/112/EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­same Mehrw­ert­s­teuer­sys­tem (Mehrw­ert­s­teuer-Sys­tem­richtlin­ie). Da gemäß § 14 Abs. 2 Satz 2 UStG eine Rech­nung auch von einem nach § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 UStG zur Ausstel­lung von Rech­nun­gen berechtigten Leis­tungsempfänger aus­gestellt wer­den kann, sofern dies vorher vere­in­bart wurde, muss auch eine auf solche Weise ent­standene sog. Gutschrift die Anforderun­gen des § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 UStG erfüllen. Dies fol­gt auch aus Art 220 Abs. 1 Nr. 1, 224 und 226 Nr. 5 Mehrw­ert­s­teuer-Sys­tem­richtlin­ie.
Rech­nungsaussteller und leis­ten­der Unternehmer müssen grund­sät­zlich iden­tisch sein1. Die Angaben im Abrech­nungspa­pi­er müssen deshalb eine ein­deutige und leicht nach­prüf­bare Fest­stel­lung des leis­ten­den Unternehmers ermöglichen2.
Ist eine Anschrift bewusst falsch erk­lärt, ist sie nicht “voll­ständig” im Sinne des § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 UStG. Der Abzug der in der Rech­nung aus­gewiese­nen Umsatzs­teuer ist nur möglich, wenn die in der Gutschrift als leis­ten­der Unternehmer beze­ich­nete Per­son die dort aus­gewiese­nen Umsätze aus­ge­führt hat und wenn diese Voraus­set­zun­gen anhand der Angaben in der Gutschrift durch die Finanzver­wal­tung nachgeprüft wer­den kön­nen. Davon ist nach der vom Finanzgericht geteil­ten Auf­fas­sung des BFH nicht auszuge­hen, wenn der in der Rech­nung angegebene Sitz des leis­ten­den Unternehmers bei Aus­führung der Leis­tung und bei Rech­nungsstel­lung tat­säch­lich nicht bestanden hat3.
Eine Rech­nung enthält nur dann den voll­ständi­gen Namen und die voll­ständi­ge Anschrift des leis­ten­den Unternehmers, wenn die richtige Adresse des leis­ten­den Unternehmers angegeben ist. Bei ein­er Gesellschaft mit beschränk­ter Haf­tung (GmbH) bedeutet dies, dass der in der Rech­nung angegebene Sitz der GmbH bei Aus­führung der Leis­tung und bei Rech­nungsstel­lung tat­säch­lich bestanden haben muss. Der sog. Sofort­abzug der Vors­teuer gebi­etet es, dass der Finanzver­wal­tung eine ein­deutige und leicht nach­prüf­bare Fest­stel­lung des leis­ten­den Unternehmers ermöglicht wird4. Eine fik­tive Ansied­lung in der Form, wie sie für eine “Briefkas­ten­fir­ma” oder für eine “Stro­hfir­ma” charak­ter­is­tisch ist, ist nicht als Sitz ein­er wirtschaftlichen Tätigkeit i. S. von Art. 1 Nr. 1 der Dreizehn­ten Richtlin­ie 86/560/EWG des Rates vom 17.11.1986 zur Har­mon­isierung der Rechtsvorschriften der Mit­glied­staat­en über die Umsatzs­teuern — Ver­fahren der Erstat­tung der Mehrw­ert­s­teuer an nicht im Gebi­et der Gemein­schaft ansäs­sige Steuerpflichtige anzuse­hen. Die Berück­sich­ti­gung der wirtschaftlichen Real­ität ist ein grundle­gen­des Kri­teri­um für die Anwen­dung des gemein­samen Mehrw­ert­s­teuer­sys­tems5.
ständi­ge Recht­sprechung, vgl. z.B. BFH, Urteile vom 05.04.2001 — V R 5/00, BFH/NV 2001, 1307; vom 01.02.2001 — V R 6/00, BFH/NV 2001, 941; vom 28.01.1999 — V R 4/98, BFHE 188, 456, BSt­Bl II 1999, 628, m.w.N. [↩]
BFH, Urteile vom 29.04.1993 — V R 118/89, BFH/NV 1994, 584; und vom 17.09.1992 — V R 41/89, BFHE 169, 540, BSt­Bl II 1993, 205, jew­eils m.N.; BFH, Beschluss vom 02.07.1999 — V B 171/98, BFH/NV 1999, 1652; vgl. BFH, Urteil vom 26.04.2001 — V R 50/99, BFHE 194, 536 ‑zur Beze­ich­nung des Leis­tungsempfängers- [↩]
z.B. BFH, Urteil in BFH/NV 2001, 941; FG, Beschlüsse vom 14.03.2000 — V B 187/99, BFH/NV 2000, 1252; vom 11.03.1999 — V B 135/98, BFH/NV 1999, 1253; FG, Urteil vom 27.06.1996 — V R 51/93, BFHE 181, 197, BSt­Bl II 1996, 620 [↩]
BFH, Urteil vom 06.12 2007 — V R 61/05, BFHE 221, 55, BSt­Bl II 2008, 695 unter Hin­weis auf die ständi­ge Recht­sprechung, z.B. BFH, Urteile vom 29.04.1993 — V R 118/89, BFH/NV 1994, 584; vom 17.09.1992 — V R 41/89, BFHE 169, 540, BSt­Bl II 1993, 205; BFH, Beschluss vom 31.01.2002 — V B 108/01, BFHE 198, 208, BSt­Bl II 2004, 622, jew­eils mit Nach­weisen [↩]
EuGH, Urteil vom 28.06.2007 — C‑73/06, Planz­er Lux­em­bourg Sarl, BFH/NV Beilage 2007, 418, UR 2007, 654 [↩]