Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%201974,%20356
Timestamp: 2020-02-25 06:59:26
Document Index: 327186573

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 833']

BGH, 13.11.1973 - VI ZR 152/72 - dejure.org
https://dejure.org/1973,283
BGH, 13.11.1973 - VI ZR 152/72 (https://dejure.org/1973,283)
BGH, Entscheidung vom 13.11.1973 - VI ZR 152/72 (https://dejure.org/1973,283)
BGH, Entscheidung vom 13. November 1973 - VI ZR 152/72 (https://dejure.org/1973,283)
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Tierhalterhaftung - Schutzzweck der Tierhalterhaftung - Reitunfall - Pferd - Reiter
BGH, 13.01.1973 - VI ZR 152/72
NJW 1974, 234
VersR 1974, 356
JR 1974, 237
Insoweit lässt sich der Streitfall nicht mit den Fällen vergleichen, in denen der erkennende Senat ein Handeln auf eigene Gefahr unter dem Blickpunkt angenommen hat, dass sich der Verletzte freiwillig in eine besondere Gefahr begeben hat (vgl. Senatsurteil vom 13. November 1973 - VI ZR 152/72, VersR 1974, 356 mwN).
Diesem Grundgedanken folgend, entspricht die den Tierhalter treffende Gefährdungshaftung dann nicht mehr einer gerechten Zuweisung des Zufallsschadens, wenn der Geschädigte nicht nur die Herrschaftsgewalt über das Tier übernommen, sondern dies vorwiegend im eigenen Interesse und in Kenntnis der damit verbundenen besonderen Tiergefahr getan hat, so dass sein eigenes Interesse im Verhältnis zum Tierhalter den Gesichtspunkt aufwiegt, dass dieser den Nutzen des Tieres hat (BGH, NJW 1974, 234; OLG Köln, VersR 1982, 559; OLG Celle, VersR 1990, 794).
Sowohl das Reichsgericht als auch der Bundesgerichtshof haben deshalb außer dem Kausalzusammenhang zwischen einem tierischen Verhalten und dem Schaden immer geprüft, ob der Schaden auf eine "spezifische" Tiergefahr (so RGZ 60, 65, 69; Senatsurteil vom 13. Februar 1975 - VI ZR 92/73 - VersR 1975, 522) oder auf eine "eigentliche" (so RGZ 141, 406, 407) bzw. "typische" Tiergefahr (so Senatsurteile vom 28. September 1965 - VI ZR 94/64 = VersR 1965, 1102, 1103 und vom 13. November 1973 - VI ZR 152/72 = VersR 1974, 356) zurückzuführen ist.
In einem solchen Fall sei der Geschädigte nicht nur selbst in der Lage, die Maßnahmen zu ergreifen, die seinen bestmöglichen Schutz gewährleisteten, sondern sein eigenes Interesse wiege im Verhältnis zum Tierhalter den Gesichtspunkt auf, dass dieser den Nutzen des Tieres habe (BGH, Urt. v. 13.11.1973 - VR 152/72, NJW 1974, 234, juris Rn. 15 f. unter Hinweis auf LG Duisburg, Urt. v. 26.11.1971 - 9 O 55/71, VersR 1972, 475;… ebenso BGH, Urt. v. 12.01.1982 - VI ZR 188/80, NJW 1982, 763, juris Rn. 9: verneinend für die Überlassung eines Pferdes durch den Reitlehrer an den Reitschüler;… OLG Celle, Urt. v. 12.04.1990 - 5 U 291/88, VersR 1990, 794;… OLG Köln, Urt. v. 12.06.1981 - 20 U 246/80, VersR 1982, 559).
Darüber hinaus lehnt der Bundesgerichtshof eine Orientierung an den Begriffen des "sozialen Zwangs" oder der "sozialen Notwendigkeit" ausdrücklich ab (BGH, Urt. v. 13.11.1973 - VI 152/72, NJW 1974, 234, juris Rn. 16 a.E.;… BGH, Urt. v. 14.07.1977 - VI ZR 234/75, NJW 1977, 2158 f., juris Rn. 18).
Wie der Senat in seinem Urteil vom 13. November 1973 (VI ZR 152/72 = VersR 1974, 356) dargelegt hat, greift dieser Gesichtspunkt - ähnlich wie bei anderen gefährlichen Sportarten - aber nur dann ein, wenn der Reiter sich mit der Übernahme des Pferdes einer besonderen Gefahr, die über die normalerweise mit dem Reiten verbundene Gefahr hinausgeht, ausgesetzt hatte.
Diese in dem Senatsurt. v. 13. November 1973 a.a.O. offengelassene Frage bedarf auch hier keiner abschließenden Beantwortung, weil das Berufungsgericht - wie noch auszuführen sein wird - unangreifbar davon ausgeht, daß keine Leihe vorlag.
Schließlich kann der Schutzzweck des § 833 BGB dann nicht erfüllt sein, wenn der Reiter (wie in dem Sachverhalt, der dem Senatsurt. v. 13. November 1973 a.a.O. zugrundelag) die Herrschaft über das Pferd vorwiegend im eigenen Interesse übernommen hatte.
Eine derartige, im Einzelfall oft schwer zu treffende Wertung nach der Interessenlage darf, wenn sie sich nicht ausnahmsweise (wie im Senatsurt. v. 13. November 1973 a.a.O.) geradezu aufdrängt, nicht verallgemeinert werden.
OLG Köln, 04.06.1986 - 13 U 270/85
Haftungsbeschränkungen in einem Vertrag mit Schutzwirkung für Dritte; Geltung der …
LG Paderborn, 17.12.2008 - 4 O 239/08