Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bverwg/2016-05-12/9-c-815
Timestamp: 2017-09-24 10:47:21
Document Index: 262430870

Matched Legal Cases: ['§ 133', '§ 133', '§ 133', '§ 130', '§ 144', '§ 118', '§ 47', '§ 52']

BVerwG, 12.05.2016 - 9 C 8.15 - Vorausleistungen auf einen Erschließungsbeitrag für die endgültige Herstellung der Erschließungsanlage | anwalt24.de
Urt. v. 12.05.2016, Az.: 9 C 8.15
Vorausleistungen auf einen Erschließungsbeitrag für die endgültige Herstellung der Erschließungsanlage
Referenz: JurionRS 2016, 20991
Aktenzeichen: 9 C 8.15
OVG Sachsen - 16.12.2014 - AZ: 5 A 634/13
§ 133 Abs. 1 BauGB
Durch Beschluss des Gemeinderats vom 14. Dezember 2006 bestimmte die Beklagte für die genannten Verkehrsanlagen in einem Bereich, der mit dem Gebiet des Bebauungsplans von 2004 im Wesentlichen übereinstimmt, ein gemeinsames Abrechnungsgebiet. Mit Bescheid vom 30. November 2006 zog die Beklagte die Klägerin für das Flurstück .../... zu Vorausleistungen auf den Erschließungsbeitrag in Höhe von 18 739,04 € heran. Die Vorauszahlung wurde im Widerspruchsbescheid vom 13. Februar 2008 auf 70 % des angeforderten Betrages, mithin auf 13 117,33 €, vermindert. Mit Teilaufhebungsbescheid vom 25. September 2008 reduzierte die Beklagte die Vorauszahlung auf 12 786,37 €.
Das Verwaltungsgericht hat der Klage im noch anhängigen Umfang stattgegeben, weil die Voraussetzungen für eine Erschließungseinheit nicht vorlägen. Nach Zulassung der Berufung durch das Oberverwaltungsgericht hat die Beklagte eine Alternativberechnung erstellt, die sich auf die Einzelanlage "E.-Straße, 1. Abschnitt" bezieht. Unter Berücksichtigung weiterer, bisher nicht geltend gemachter Kosten ergebe sich für die E.-Straße ein Beitragssatz von 5,61 €/m2 und für das betroffene Grundstück ein Beitrag von voraussichtlich 19.825,74 €, dessen Vorausleistung wegen der auf dem Grundstück inzwischen vorhandenen Bebauung in vollem Umfang verlangt werden könne.
Das Grundstück der Klägerin Flurst.-Nr. .../... ist erschlossen im Sinne des § 133 Abs. 1 BauGB. Zwar grenzt es nach Aktenlage nicht unmittelbar an die E.-Straße an. Es ist jedoch als Hinterliegergrundstück über das ebenfalls der Klägerin gehörende Grundstück Flurst.-Nr. .../... sowohl an die E.-Straße als auch an die P.-Straße angebunden. Unter den gegebenen Umständen ist auch ihm ein Erschließungsvorteil zuzurechnen. Abgesehen davon, dass es sich um ein "gefangenes", über keine weitere Verbindung zum Straßennetz verfügendes Hinterliegergrundstück handelt, ist das nach der Rechtsprechung des Senats jedenfalls deshalb der Fall, weil das Hinterlieger- und das Anliegergrundstück bei Eigentümeridentität einheitlich genutzt werden (vgl. dazu BVerwG, Urteil vom 12. November 2014 - 9 C 4.13 - BVerwGE 150, 308 Rn. 13 m.w.N.). Denn beide Grundstücke waren im Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung des Tatsachengerichts, auf den es unter dem Gesichtspunkt der Fehlerheilung ankommt (BVerwG, Urteil vom 27. Januar 1982 - 8 C 12.81 - BVerwGE 64, 356 <357 f.>), zusammen mit einer Photovoltaikanlage überbaut.
Die in § 133 Abs. 3 Satz 1 BauGB genannten Voraussetzungen, unter denen eine Vorausleistung auf den Erschließungsbeitrag verlangt werden kann, sind erfüllt. Insbesondere war die endgültige Herstellung der Erschließungsanlagen, bezogen auf den maßgeblichen Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens, innerhalb von vier Jahren zu erwarten. Hinsichtlich der Höhe der geschuldeten Vorausleistung ist das Berufungsurteil zwar nicht fehlerfrei. Denn es nimmt zu Unrecht an, die innerhalb des Abrechnungsgebietes gelegenen Verkehrsflächen bildeten eine Erschließungseinheit im Sinne des § 130 Abs. 2 Satz 3 BauGB. Das Berufungsurteil erweist sich aber im Ergebnis als zutreffend (§ 144 Abs. 4 VwGO). Die Beklagte hat im Berufungsverfahren eine Alternativberechnung vorgelegt, in der sie die Kosten der fünf Verkehrsanlagen, die innerhalb des von der Beklagten gebildeten Abrechnungsgebietes gelegen sind, einzeln ermittelt hat. Auf der Grundlage des voraussichtlichen Beitragssatzes von 5,61 €/m2 für die E.-Straße ergibt sich danach eine höhere Vorausleistung als diejenige, die nach dem einheitlichen Beitragssatz errechnet und zwischen den Beteiligten noch umstritten ist. Das gilt im Übrigen selbst dann, wenn das Grundstück wegen seiner oben beschriebenen Hinterliegersituation nur mit 2/3 seiner Nutzungsfläche hinsichtlich der E.-Straße berücksichtigt wird und die Erschließung über die P.-Straße außer Betracht bleibt. Soweit die Klägerin im Berufungsverfahren tatsächliche Einwände gegen die Alternativberechnung erhoben hatte, hat sie daran in der mündlichen Verhandlung vor dem Senat ausdrücklich nicht festgehalten. Wegen der weiteren Einzelheiten verweist der Senat zur Vermeidung von Wiederholungen auf sein heutiges Urteil gleichen Rubrums im Verfahren BVerwG 9 C 11.15.
1. Das Urteil war gemäß § 118 VwGO nach Anhörung der Beteiligten dahin zu berichtigen, dass der in die Sitzungsniederschrift bei dem Berufungsurteil versehentlich aufgenommene Zusatz "berichtigt durch Beschluss vom 16. April 2015" sowohl im Revisionsantrag der Klägerin als auch im Urteilstenor entfällt.
2. Der Streitwert wird für das Revisionsverfahren auf 12 786,37 € festgesetzt (§ 47 Abs. 1, § 52 Abs. 3 GKG).