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Timestamp: 2016-10-28 21:55:52
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Matched Legal Cases: ['Art. 1', 'BGE', 'BGE', 'Art. 19', 'Art. 19', 'in casu', 'Art. 19', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 1', 'Art. 19', 'BGE', 'Art. 1', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 19', 'BGE', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGH', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1']

121 IV 33254. Urteil des Kassationshofes vom 7. November 1995 i.S. Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Landschaft gegen B. und M. (Nichtigkeitsbeschwerde)
Art. 1 al. 3 let. a et 19 ch. 2 let. a LStup; LSD, cas grave. La jurisprudence expos�e dans l'arr�t de principe publi� aux ATF 109 IV 143 consid. 3b, selon laquelle on doit admettre l'existence d'un cas grave en pr�sence de 200 trips de LSD, est fond�e sur le danger sp�cifique repr�sent� par une dose de LSD et non pas le risque d'une d�pendance psychique (consid. 2, �claircissement de la jurisprudence). Il convient de s'en tenir � la limite de 200 trips de LSD (consid. 3; confirmation de la jurisprudence). Faits � partir de page 332
BGE 121 IV 332 S. 332
A.- Das Obergericht des Kantons Basel-Landschaft best�tigte am 14. Februar 1995 ein Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Landschaft vom 22. Juni 1994 und damit die Verurteilung von B. und M. zu bedingten siebenmonatigen Freiheitsstrafen wegen mehrmaliger Widerhandlung gegen das Bet�ubungsmittelgesetz (BetmG; SR 812.121), unter anderm wegen Vermittlung, BGE 121 IV 332 S. 333Bezug und Weitergabe von 300 bis 320 LSD-Trips. Beide kantonalen Beh�rden gehen davon aus, LSD k�nne nicht im Sinn von Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG die Gesundheit vieler Menschen in eine naheliegende und ernstliche Gefahr bringen.
B.- Die Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Landschaft f�hrt Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag, das Urteil des Obergerichts aufzuheben und die Sache zu neuer Entscheidung an die kantonale Beh�rde zur�ckzuweisen. Die Beschwerdegegner reichten keine Vernehmlassung ein.
1. a) Die Vorinstanz vergleicht das Gef�hrdungspotential von LSD mit jenem von Cannabis und nimmt gest�tzt auf die neuere Rechtsprechung zum Cannabis an, bei LSD-Widerhandlungen sei ein schwerer Fall nach Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG grunds�tzlich und in casu zu verneinen.
Die Analyse der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum schweren Fall im Sinn von Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG ergebe, dass BGE 109 IV 143 bei LSD nicht mehr als Urteilsgrundlage dienen k�nne. Vielmehr seien heute die Kriterien von BGE 117 IV 314 heranzuziehen. Bei der Festlegung der Grenzwerte in BGE 109 IV 143 habe das Risiko einer psychischen Abh�ngigkeit f�r die Annahme einer Gesundheitsgefahr ausgereicht. Nach BGE 117 IV 314 sei dagegen der angedrohten Strafe Rechnung zu tragen und dementsprechend eine Gesundheitsgefahr nur mit Zur�ckhaltung anzunehmen. Dieser Auslegungsregel folgend sei eine Gesundheitsgefahr nicht schon dann zu bejahen, wenn der Gebrauch einer Droge psychisch abh�ngig mache, sondern erst, wenn er psychische und k�rperliche Sch�den verursachen k�nne; ausserdem m�sse die Gefahr f�r die Gesundheit vieler Menschen eine naheliegende und ernstliche sein. Somit k�nne f�r die Annahme des schweren Falls nicht gen�gen, dass eine psychische Abh�ngigkeit bewirkt werden k�nne; Art. 1 Abs. 1 BetmG spreche generell von abh�ngigkeitserzeugenden Stoffen und Pr�paraten. Das Abh�ngigkeitspotential eines Wirkstoffs sei bei der Abgrenzung von Art. 19 Ziff. 1 und 2 BetmG mitzuber�cksichtigen.
Das Gef�hrdungspotential von LSD erscheine zwar nicht als gering; Gesundheitsgefahren seien nicht zu verharmlosen. Sie tr�ten aber selten auf, oft unter Umst�nden, die nicht allein mit LSD zusammenhingen; sie seien vergleichsweise gering, vor allem nicht naheliegend. LSD sei BGE 121 IV 332 S. 334selbstlimitierend (Dosissteigerungen steigerten die Wirkung nicht mehr); selbst eine langfristige Einnahme f�hre nicht zu k�rperlichen Sch�den. LSD und Cannabis seien zwar nicht pharmakologisch, wohl aber im Gef�hrdungspotential vergleichbar. Das Suchtpotential von LSD sei h�chstens in etwa als gleich hoch, jedoch eher als geringer als bei Cannabis einzustufen.
b) Die Beschwerdef�hrerin wendet ein, nach der Vorinstanz k�nne sich bereits der einmalige Konsum eines Trips gravierend auswirken. Zu denken sei an Halluzinationen (flashbacks), psychotische Reaktionen, Panikattacken und Handlungsweisen mit t�dlichem Ausgang. Es k�nnten aber auch chronische Toxizit�tsfolgen wie Flashback-Psychosen und chronische psychotische Zust�nde auftreten. Auch wenn das psychische Abh�ngigkeitspotential gering und demjenigen von Cannabis vergleichbar sei, seien diese Auswirkungen ungleich gravierender. Nur weil die Gefahr bleibender k�rperlicher Sch�den nicht vorhanden sei, selbst bei akuter Intoxikation keine Todesf�lle bekannt seien und kein grosses Suchtpotential bestehe, d�rfe angesichts dieser m�glichen Auswirkungen nicht von geringen Gesundheitsgefahren gesprochen werden. Daher seien eine ernstliche und naheliegende Gefahr zu bejahen und eine qualifizierte Widerhandlung anzunehmen.
2. Halluzinogene wie das LSD sind den Bet�ubungsmitteln gleichgestellt (Art. 1 Abs. 3 lit. a BetmG). Vermittlung, Bezug und Weitergabe von LSD werden bei vors�tzlicher Begehung mit Gef�ngnis oder mit Busse bestraft. In schweren F�llen ist die Strafe Zuchthaus oder Gef�ngnis nicht unter einem Jahr, womit eine Busse bis zu 1 Million Franken verbunden werden kann (Art. 19 Ziff. 1 BetmG). Ein schwerer Fall liegt insbesondere vor, wenn der T�ter weiss oder annehmen muss, dass sich die Widerhandlung auf eine Menge von Bet�ubungsmitteln bezieht, welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann (Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG).
a) Nach der Rechtsprechung sind zwanzig Personen oder mehr "viele Menschen" im Sinn von Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG (BGE 108 IV 63 E. 2c). Eine Gesundheitsgef�hrdung ist bei Gefahr physischer oder psychischer Abh�ngigkeit gegeben (BGE 106 IV 227 E. 3b). In BGE 109 IV 143 E. 3b setzte der Kassationshof des Bundesgerichts aufgrund eines Hearings vom 5. Mai 1983 die Werte "zur Berechnung der das Risiko einer psychischen Abh�ngigkeit erzeugenden Bet�ubungsmittelmenge" f�r Heroin, Kokain, Cannabis und LSD fest. F�r LSD ging er von einer Wirkstoffmenge von 10 Trips (1 Trip = 0.05-0.1 mg Wirkstoff) aus und nahm entsprechend eine BGE 121 IV 332 S. 335Gef�hrdung der Gesundheit vieler Menschen im Sinn von Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG bei einer Widerhandlung mit 200 Trips LSD an.
b) Nach dem Kurzbericht zu diesem Hearing vom 5. Mai 1983 kann die Gesundheitsgefahr bei LSD "nicht mit der Gefahr der Abh�ngigkeit (und den sich daraus ergebenden Risiken) begr�ndet werden, sondern damit, dass schon die Einzeldosis gef�hrlich sein kann". Doch k�nne sich auch bei dieser Droge eine Toleranz entwickeln. Schon die Einnahme eines Trips k�nne zu psychotischen Zust�nden, zu Suizidgefahr und zur Gefahr von Chromosomenbr�chen f�hren. "Bad trips" seien aber unter kontrollierten Bedingungen seltener als bei unkontrollierter Einnahme. Es sei vertretbar anzunehmen, dass bei Einnahme unter nicht kontrollierten Bedingungen zehn Konsumeinheiten negative Folgen (psychotischer Zustand, Suizidgefahr, Chromosomenbruch) bewirken k�nnen. Die Menge Wirkstoff, die f�r 200 Trips ausreiche, k�nne mithin in diesem Sinn die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen.
Der Kurzbericht stimmt inhaltlich mit einem Gutachten des am Hearing beteiligten Arztes DIETER LADEWIG �berein, in dem er ausf�hrte, dem LSD sei eine suchterzeugende Wirkung im klassischen Sinn nicht beizumessen; die Gesundheitsgefahr bestehe nicht in einer Abh�ngigkeit, sondern im Auftreten psychotischer Zust�nde, in der Suizidgefahr und in der Gefahr von Chromosomenbr�chen (Zur Frage der Gesundheitssch�dlichkeit des LSD-Konsums, SJZ 79/1983 S. 363 f.).
c) Der Wortlaut von BGE 109 IV 143 E. 3b legt die Annahme nahe, der Kassationshof sei auch bez�glich LSD vom Risiko einer psychischen Abh�ngigkeit ausgegangen. Diese Lesart widerspricht jedoch der Begr�ndung im Kurzbericht und damit der damaligen Entscheidgrundlage, die die Gef�hrlichkeit von LSD gerade nicht mit einer psychischen Abh�ngigkeit begr�ndete, sondern damit, "dass schon die Einzeldosis gef�hrlich sein kann".
Diese Begr�ndung stimmt insoweit denn auch mit der gesetzlichen Begriffsbestimmung �berein. Art. 1 Abs. 1 BetmG definiert Bet�ubungsmittel als abh�ngigkeitserzeugende Stoffe und Pr�parate der Wirkungstypen Morphin, Kokain und Cannabis. Dagegen sind gem�ss Art. 1 Abs. 3 BetmG Halluzinogene wie das LSD den Bet�ubungsmitteln gleichgestellt (worauf auch der Kurzbericht hinweist). Das Gesetz z�hlt mithin LSD nicht zu den "abh�ngigkeitserzeugenden Stoffen und Pr�paraten" im Sinn von Art. 1 Abs. 1 BetmG.
BGE 121 IV 332 S. 336
d) Zusammenfassend liegt der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum schweren Fall bei LSD die spezifische Gef�hrlichkeit der Einzeldosis zugrunde, nicht die Gefahr einer psychischen Abh�ngigkeit. Diese Tatsache konnte die Vorinstanz BGE 109 IV 143 nicht entnehmen; ihre Argumentation geht insoweit (notwendig) fehl. Zu pr�fen ist aber, ob an der bisherigen Rechtsprechung festzuhalten ist.
3. a) Die Vorinstanz f�hrt aufgrund eines Gutachtens des Gerichtschemischen Laboratoriums des Kantons Basel-Stadt vom 29. September 1994 (zur Wirkung und zum Suchtpotential von LSD im Vergleich zu MDMA [Ecstasy], Haschisch, Kokain und Heroin) aus, Halluzinogene wirkten auf das zentrale Nervensystem, die akute pharmakologische Wirkung von LSD sei vor allem psychischer Natur. Es k�nnten Zust�nde traumhafter Selbstversenkung vorkommen, die mit vielf�ltigen Ver�nderungen der Wahrnehmung und des Denkens einhergingen, wobei abnorme K�rperempfindungen auftr�ten. Es sei mit Halluzinationen, Panikattacken und psychotischen Reaktionen zu rechnen. Als Nebenwirkungen w�rden �belkeit, Tremor, Schwindel, Brechreiz, Blutdruckabfall und Hyperthermie auftreten. Als chronische Folge werde eine Toleranz gegen die pharmakologischen Effekte beschrieben. Ausserdem w�rden Flashback-Psychosen (psychische Reaktionen noch Wochen nach einer LSD-Einnahme) sowie chronische psychotische Zust�nde genannt. Direkt durch die Wirksubstanz verursachte Todesf�lle seien nicht bekannt. Allerdings seien Handlungsweisen mit t�dlichem Ausgang (wie der Sprung aus dem Fenster) beschrieben worden. Bei kontrollierter Einnahme seien aber keine besondern k�rperlichen oder unfallm�ssigen Risiken bekannt. LSD k�nne nach wiederholtem Gebrauch eine psychische, nicht aber eine physische Abh�ngigkeit bewirken. Bei Halluzinogenen bestehe aber keine sich in der Entwicklung einer Abh�ngigkeit manifestierende besondere Gef�hrdung. Die Schwere der psychischen Abh�ngigkeit werde durch die Experten unterschiedlich beurteilt. An der Hauptverhandlung habe der Gutachter zur Frage einer Gef�hrdung Dritter ausgef�hrt, Aggressionen gegen andere seien nicht beschrieben worden, bekannt seien lediglich F�lle von Selbstgef�hrdung.
Dem Gutachten ist weiter zu entnehmen, dass die Rauschwirkung von LSD in der Regel 40 bis 90 Minuten nach der Einnahme einsetzt (ausnahmsweise nach 15 Minuten) und 8 bis 14 Stunden andauert. Die Cannabiswirkung beginnt einige Minuten nach dem Konsum und h�lt ein bis zwei Stunden an. Der BGE 121 IV 332 S. 337Cannabisrausch ver�ndert die Sinneswahrnehmungen, erzeugt aber im Unterschied zu LSD und MDMA keine Halluzinationen. Er ist in seinem Verlauf im Einzelfall nicht berechenbar, doch sind Handlungsweisen mit t�dlichem Ausgang wie bei LSD f�r Cannabis nicht beschrieben; wie bei LSD und MDMA sind keine direkt durch die Wirksubstanz verursachten Todesf�lle bekannt.
Die Vorinstanz st�tzt sich ausserdem auf JOACHIM NELLES, Wie gef�hrlich sind illegale Drogen?, in WOLFGANG B�KER/JOACHIM NELLES [Hrsg.], Drogenpolitik wohin?, Bern 1991, S. 181 ff., und LADEWIG, a.a.O.
b) aa) Auf die im Zeitpunkt von BGE 109 IV 143 massgebliche Einsch�tzung von LSD wurde in E. 2b hingewiesen. Die damalige Literatur betonte, dass Halluzinogene wesentlich st�rker wirkten als Cannabis. Bei LSD bestehe die besondere Gef�hrdung in Entgleisungsm�glichkeiten und selbstgef�hrdenden Handlungen sowie Flashback-Psychosen (DIETER LADEWIG/VIKTOR HOBI/HEINRICH DUBACHER/VOLKER FAUST, Drogen unter uns, 3. Auflage, Basel 1979, S. 29 ff.). HANS KIND erw�hnte vielf�ltige St�rungen der Wahrnehmung und des Denkens sowie den Horror-Trip als einen Rauschzustand, der schwere Angst ausl�sen und zu Panik f�hren k�nne; die gr�sste Gefahr bildeten der Verlust der Selbstkontrolle und die verzerrte Einsch�tzung der Situation (Opiat-Abh�ngigkeit, Morphium, Heroin u.a., Haschisch und Marihuana, Halluzinogene, in KIND/LICHTENSTEIGER/WEISS/JENNY, Drogenprobleme aus psychiatrischer, pharmakologischer und juristischer Sicht, Basel 1982 [Beiheft ZSR 1], S. 43 ff., 48). Nach ALEXANDER EBERTH/ECKHART M�LLER f�hren Halluzinogene zu Selbst�bersch�tzungen und Horrortrips, die mit Angstpsychosen, akuter Verworrenheit, Panikreaktionen und unberechenbaren Handlungen bis zu Gewaltt�tigkeit einhergehen k�nnten (Bet�ubungsmittelrecht, M�nchen 1982, S. 89 f.; �hnlich FRIEDRICH HACKER, Drogen, Wien 1981 [Goldmann 1983, S. 115 ff.], sowie HELLMUT KOTSCHENREUTHER, Das Reich der Drogen und Gifte, Berlin 1976 [Ullstein 1978, S. 49 ff., 58 ff.]).
bb) In der neuern Literatur f�hrt SEBASTIAN SCHEERER aus, LSD und die verwandten Halluzinogene wirkten v�llig anders als die Rauschgifte vom Typ der Opiate. W�hrend letztere schnell zu k�rperlicher Abh�ngigkeit f�hren k�nnten, machten die Halluzinogene nicht s�chtig. Auch zwanghafte Gebrauchsmuster im Sinn psychischer Abh�ngigkeit seien rar. Die Gefahren l�gen in der �berdosierung und in ung�nstigen innern und �ussern Umst�nden. Die fr�her bef�rchteten Sch�digungsm�glichkeiten wie Ausl�sung latenter BGE 121 IV 332 S. 338Psychosen oder von Suiziden, Chromosomensch�digungen und Suchtbildung h�tten sich nicht best�tigt. Es sei jedoch unvern�nftig, sich unter den heutigen Schwarzmarkt-Bedingungen den komplexen Wirkungen dieser Droge auszusetzen (LSD und andere Halluzinogene, in SEBASTIAN SCHEERER/IRMGARD VOGT/HENNER HESS, Drogen und Drogenpolitik, Frankfurt 1989, S. 408 ff., 415 f.).
HARALD HANS K�RNER h�lt zun�chst fest, es gebe kaum eine Droge, die Gegenstand so umfangreicher Panikmache und Fehlinformationen war und ist wie LSD. LSD bewirke keine k�rperliche, wohl aber eine unterschiedlich starke psychische Abh�ngigkeit und Toleranzbildung. Die Halluzinogenwirkung des LSD-Rauschs sei explosionsartig und ungleich st�rker als beim Haschischgenuss. Der Horrortrip sei als atypischer Rauschverlauf gef�rchtet: Der LSD-Konsument erlebe angstbetonte, qu�lende und bedrohliche Ereignisse wie Krankheit, Tod, Krieg, Vernichtung, Schmerzen, Verfolgung und Verhaftung; es w�rden groteske Verzerrungen erlebt wie Angriffe von Hexen, Teufeln und Bestien, die man glaube vernichten zu m�ssen. So komme es bisweilen unter LSD-Einfluss zu schrecklichen Gewaltakten und Morden (Bet�ubungsmittelgesetz, Arzneimittelgesetz, 4. Auflage, M�nchen 1994, S. 1545 ff.).
Dagegen bezeichnet der Arzt JURAJ STYK, Pr�sident der schweizerischen �rztegesellschaft f�r Psycholytische Therapie, in einem Brief vom 17. Februar 1995 an die Vorinstanz Berichte wie das "Aus dem-Fenster-Fliegen" als Horrorgeschichten und nach neuen Forschungen f�r veraltet.
JOACHIM NELLES (a.a.O., S. 185, 188 ff., 195) f�hrt als pharmakologisch bedingte Folgen akuter Intoxikation an: Bad- oder Horrortrips mit Panik- und Psychosesymptomatik, Pupillenerweiterung, Herzjagen, Schweissausbr�che, Sehst�rungen, Zittern und Koordinationsst�rungen. Bei kontrollierter Einnahme sieht er keine besonderen k�rperlichen oder Unfallrisiken; t�dliche �berdosierungen seien nicht bekannt. Als chronische Toxizit�tsfolgen erw�hnt er Flashback-Psychosen und chronische psychotische Zust�nde. Dagegen k�nne Cannabis nicht im gleichen Kontext betrachtet werden wie Opiate, Stimulantien oder Halluzinogene. Die Risiken von Cannabis w�rden zwar hoch kontrovers diskutiert, doch entwickle sich ein Konsens, dass Cannabis in niedrigen Dosen und nicht regelm�ssig konsumiert kein besonderes gesundheitliches Risiko darstellen d�rfte.
cc) Somit l�sst sich in der wissenschaftlichen Literatur das Bestreben um eine Versachlichung in der Einsch�tzung der Gef�hrlichkeit von Drogen BGE 121 IV 332 S. 339allgemein und von LSD im besondern feststellen. In dieser Linie kommt NELLES (a.a.O., S. 195) zum Schluss, die substanzbedingte Risiko-Hypothese, d.h. dass illegale Drogen an sich als sehr gef�hrliche Substanzen anzusehen sind, sei wissenschaftlich nicht haltbar. Die suchtbedingten Komplikationen gr�ndeten wesentlich in den illegalen Konsumationsbedingungen (�hnlich SCHEERER, a.a.O., sowie bereits der Kurzbericht vom 5. Mai 1983; vgl. aus juristischer Sicht WINFRIED HASSEMER, Entkriminalisierung im Bet�ubungsmittelstrafrecht, KritV 76/1993 S. 198-212).
Hinsichtlich LSD wird eine mehr oder weniger starke psychische Abh�ngigkeit als Folge wiederholter Einnahmen angenommen, eine physische Abh�ngigkeit dagegen verneint. Alle Autoren nennen sogenannte Flashback-Psychosen und chronische psychotische Zust�nde. Die eigentliche Gefahr wird im atypischen Rauschverlauf, dem sogenannten Horrortrip gesehen, und zwar mit Selbst-, aber auch mit Fremdgef�hrdung.
c) Die deutsche Rechtsprechung nimmt eine "nicht geringe Menge" bei 6 mg Lysergid (oder 120 Konsumeinheiten zu 50 Mikrogramm) beziehungsweise bei 300 Trips an (wenn der reine Wirkstoff nicht bestimmbar ist). LSD gelte als das wirksamste aller Halluzinogene. Eine letale Dosis sei zwar nicht festzustellen, aber es k�nne bei jedem LSD-Rausch zu gef�hrlichen Zwischenf�llen (Verkennen der Situation, �bersch�tzen der F�higkeiten, schwere Verwirrtheitszust�nde) mit auch t�dlichem Ausgang kommen (Verkehrsunf�lle, Sprung aus dem Fenster). Die h�ufigste Komplikation bilde der Horrortrip, dessen Eintritt und Folgen kaum vorhersehbar seien; nicht selten seien Flashbacks. Bereits der einmalige Konsum k�nne verh�ngnisvolle Folgen haben. H�ufigkeit und Schwere gef�hrlicher Zwischenf�lle seien wesentlich h�her einzusch�tzen als beim Konsum von Cannabisprodukten (BGHSt 35/1989 S. 43 ff.; dazu GUNNAR CASSARDT, Zur Feststellung der nicht geringen Menge im Bet�ubungsmittelstrafrecht, NStZ 15/1995 S. 257, 259).
d) Zusammenfassend l�sst sich der neuern wissenschaftlichen Literatur im Vergleich zu den Entscheidgrundlagen von BGE 109 IV 143 im Rahmen der hier relevanten illegalen Konsumationsbedingungen keine wesentlich neue Einsch�tzung der Gef�hrlichkeit von LSD entnehmen. Die Einsch�tzung des atypischen Rauschverlaufs, des sogenannten Horrortrips, hat sich nicht ge�ndert. Damit bleibt es im Licht des Bet�ubungsmittelgesetzes bei der Beurteilung der grundlegenden Gef�hrlichkeit von LSD, dass n�mlich schon die Einzeldosis gef�hrlich sein kann. Schliesslich erscheint eine BGE 121 IV 332 S. 340Gleichstellung des k�nstlichen Halluzinogens LSD mit Cannabis nicht angebracht (zur Beurteilung von Cannabis im �brigen BGE 117 IV 314, BGE 120 IV 256). Demnach ist an der bisherigen Rechtsprechung festzuhalten und ein schwerer Fall unter dem Gesichtspunkt der Menge (Art. 19 Ziff. 1 BetmG) bei einer Widerhandlung mit 200 Trips LSD anzunehmen.
4. Die Vorinstanz verurteilte die Beschwerdegegner (soweit hier relevant) wegen Vermittlung, Bezug und Weitergabe von 300 bis 320 LSD-Trips gem�ss Art. 19 Ziff. 1 BetmG. Diese rechtliche Qualifikation verletzt Bundesrecht. Daher ist die Beschwerde gutzuheissen, der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Sache zu neuer Entscheidung zur�ckzuweisen.
108 IV 63,
106 IV 227 suite... ,
Art. 1 Abs. 1 BetmG,
Art. 1 Abs. 3 lit. a BetmG,
Art. 1 Abs. 3 BetmG