Source: https://www.flugrechte.eu/9064/anspruch-entsch%C3%A4digung-umgebucht-gebuchten-stattfindet
Timestamp: 2020-01-22 11:30:38
Document Index: 273090344

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 8', 'Art. 7', 'Art 7', 'Art. 5', 'BGH', 'Art. 7', 'Art. 4', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 4', '§ 651']

Hat man Anspruch auf Entschädigung wenn man auf einen anderen Flug umgebucht wird obwohl der gebuchten Flug stattfindet - FLUGGASTRECHTE
Entschädigung wenn Reiseveranstalter uns auf einen anderen Flug umbucht?
Meine Frau und ich haben einen Flug bei Airberlin gebucht. Nun wurde der Hinflug meiner Frau auf einen späteren Flug umgebucht, der mehr als 6 Stunden nach meinem Flug startet. Von der Änderung wurden wir 5 Wochen vor Abflug informiert. Da es den gebuchten Flug nach wie vor gibt und ich mit diesem fliege, kann es doch kaum sein, dass meine Frau auf einen anderen Flug mit anderer Flugnummer umgebucht wird.
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Gefragt 28, Apr 2017 in Flugverspätung von Anonym
wieder getaggt 28, Apr 2017 von admin
ihr habt vor einiger Zeit Flüge bei Air Berlin gebucht. Nun wurde der Hinflug deiner Frau mehr als 6h nach hinten verlegt, deine Flugdaten haben sich jedoch nicht verändert. Über die Veränderung wurdet ihr 5 Wochen im Voraus informiert. Nun fragt ihr euch welche rechtlichen Möglichkeiten ihr habt.
Ich denke da zunächst an die Fluggastrechteverordnung der Europäischen Gemeinschaft Nr. 261/2004. Die Verordnung gilt für alle Flüge die aus der Gemeinschaft starten und für alle Flüge, die aus einem Drittstaat in einen Mitgliedsstaat fliegen unter der Voraussetzung, dass es sich dabei um ein Luftfahrtunternehmen der Gemeinschaft handelt. Dies sollte bei euch kein Problem darstellen.
Eine Annullierung liegt bei dem betroffenen Flug anscheinend nicht vor, da du nicht umgebucht wurdest. Ebenso kann nicht von einer großen Verspätung ausgegangen werden. Vielmehr denke ich da an eine Nichtbeförderung im Sinne von Art. 4 der EG-VO. In Art. 2 j findet sich diesbezüglich eine Begriffsbestimmung: „Nichtbeförderung“ ist die Weigerung, Fluggäste zu befördern, obwohl sie sich unter den in Artikel 3 Absatz 2 genannten Bedingungen am Flugsteig eingefunden haben, sofern keine vertretbaren Gründe für die Nichtbeförderung gegeben sind, z. B. im Zusammenhang mit der Gesundheit oder der allgemeinen oder betrieblichen Sicherheit oder unzureichenden Reiseunterlagen;
Die Verlegung auf einen anderen Flug kann ebenfalls als Nichtbeförderung angesehen werden. Fraglich ist, wie die Bedingung „sich am Flugsteig eingefunden haben“ im Bezug auf eine vorzeitige Umbuchung zu verstehen ist. Doch kann es einem Flugreisenden nicht zugemutet werden, sich schon mehrere Stunden vorher am Flugsteig zu befinden, wenn ihm die Umbuchung schon lange vorher mitgeteilt wurde. Eine Ausnahme dafür findet sich auch in Art. 3 II b EG-VO, welcher besagt, dass die VO auch unter der Bedingung gilt, dass die Fluggäste von einem Luftfahrtunternehmen oder Reiseunternehmen von einem Flug, für den sie eine Buchung besaßen, auf einen anderen Flug verlegt wurden, ungeachtet des Grundes hierfür. Wie eben erwähnt ist der Grund für die Umbuchung nicht von Bedeutung. Ich nehme mal an in Ihrem Fall wird eine Überbuchung vorliegen, aber das ist reine Spekulation.
Es gibt einige Gründe, die eine Nichtbeförderung eines Fluggastes rechtfertigen. Dies sind die sogenannten „nicht vertretbaren Gründe“. Solche können beispielsweise in der Person des Reisenden liegen, wenn sie Belange der Luftsicherheit oder die Sicherheit anderer Fluggäste berührt. Andere Gründe sind z.B. unzureichende Reisepapiere. In Ihrem Fall sollten solche Gründe ja nicht vorliegen.
Die Rechtsfolgen einer Nichtbeförderung sind in Art. 4 der EG-VO 261/2004 geregelt:
(1) Ist für ein ausführendes Luftfahrtunternehmen nach vernünftigem Ermessen absehbar, dass Fluggästen die Beförderung zu verweigern ist, so versucht es zunächst, Fluggäste gegen eine entsprechende Gegenleistung unter Bedingungen, die zwischen dem betreffenden Fluggast und dem ausführenden Luftfahrtunternehmen zu vereinbaren sind, zum freiwilligen Verzicht auf ihre Buchungen zu bewegen. Die Freiwilligen sind gemäß Artikel 8 zu unterstützen, wobei die Unterstützungsleistungen zusätzlich zu dem in diesem Absatz genannten Ausgleich zu gewähren sind.
(2) Finden sich nicht genügend Freiwillige, um die Beförderung der verbleibenden Fluggäste mit Buchungen mit dem betreffenden Flug zu ermöglichen, so kann das ausführende Luftfahrtunternehmen Fluggästen gegen ihren Willen die Beförderung verweigern.
(3) Wird Fluggästen gegen ihren Willen die Beförderung verweigert, so erbringt das ausführende Luftfahrtunternehmen diesen unverzüglich die Ausgleichsleistungen gemäß Artikel 7 und die Unterstützungsleistungen gemäß den Artikeln 8 und 9.
Theoretisch müssten also vorerst Freiwillige gesucht werden, die auf den Flug verzichten, bevor das Luftfahrtunternehmen jemanden die Beförderung verweigert. Erst wenn sich nicht genügend Freiwillige gefunden haben, hat das Luftfahrtunternehmen ein Leistungsverweigerungsrecht gem. Art. 4 II EG-VO. Somit müsste Ihre Frau dann einen Anspruch auf Betreuungs- und Unterstützungsleistungen gem. Art. 8 und 9 der Verordnung haben, sowie einen Anspruch auf Ausgleichsleistungen gem. Art. 7 EG-VO.
Bezüglich Artikel 8 der VO hat der Fluggast ein Wahlrecht zwischen der vollständigen Rückerstattung der Flugscheinkosten binnen 7 Tagen oder einer anderweitigen Beförderung zu ähnlichen Konditionen.
Ebenso wird Bezug auf Ausgleichsleistungen gem. Art 7 genommen. In Betracht kommen:
• Ausgleichszahlungen in Höhe von 250 Euro bei einer Flugstrecke von weniger als 1.500 Kilometern
• Ausgleichszahlungen in Höhe von 400 Euro bei einer Flugstrecke zwischen 1.500 und 3.500 Kilometern
• Ausgleichszahlungen in Höhe von 600 Euro bei einer Flugstrecke von mehr als 3.500 Kilometern
Art. 5 I c i) sagt allerdings aus, dass solche Ausgleichszahlungen allerdings nicht geleistet werden müssen, wenn die Fluggäste über die Annullierung mindestens zwei Wochen vor der planmäßigen Abflugzeit unterrichtet wurden. Dies wäre bei deiner Frau ja der Fall. Ich bin mir da nicht sicher, wie dies in Bezug auf die Umbuchung bzw. Nichtbeförderung gehändelt wird.
Ich würde mich an eurer Stelle schleunigst mit der Airline in Verbindung setzen und nach Alternativen suchen. Kommt natürlich drauf an, ob eine Stornierung oder Umbuchung für euch in Frage kommt oder nicht.
Hier nochmal die Leitsätze von interessanten Urteilen:
BGH, Urt. v. 17.3.2015, Az.: X ZR 34/14
LG Düsseldorf, Urt. v. 25.9.2015, Az.: 22 S 79/15
1. Einen den Ausgleichsanspruch nach Art. 7 I der VO (EG) 261/2004 begründende Nichtbeförderung iSd Art. 4 III iVm den Art. 3 II und III der VO (EG) 261/2004 setzt nicht voraus, dass sich der Fluggast am Flugsteig einfindet, wenn ihm bereits vorher seitens eines Mitarbeiters des Luftfahrtunternehmens mitgeteilt wird, dass man ihm die Mitnahme verweigere.
2. Die Tatbestandsvoraussetzung einer „bestätigten Buchung“ iSd Art. 3 II der VO (EG) 261/2004 iVm Art. 4 III der VO (EG)L 261/2004liegt vor, wenn der Fluggast über eine bestätigte Buchung verfügte, ihm diese Buchung aber vor An
Beantwortet 28, Apr 2017 von Cockpit1 (21,990 Punkte)
Sehe ich auch so. DANKE für die Ausführungen, Cockpit1
Sie müssen die Flugzeitenänderung und Flugänderung des Hinfluges Ihrer Frau nicht akzeptieren.
Für eine abschließende Beurteilung des von Ihnen geschilderten Sachverhalts liegen nicht genügend Informationen vor. Sie können einen ausführlichen Beitrag zu Flugänderungen mit vielen Tipps hier lesen. Jedenfalls müssen Sie die Flugänderung des Hinfluges Ihrer Frau nicht akzeptieren.
Sie haben einen Flug für Sie und Ihre Frau gebucht. Ihre Frau wurde dann von Airberlin auf einen 6 Stunden späteren Flug umgebucht.
Sie fragen sich nun, welche Möglichkeiten Ihnen nun zustehen. Sie haben einen "Nur-Flug" gebucht. Mögliche Ansprüche ergeben sich also aus der Europäischen Fluggastrechte Verordnung.
Diese ergeben sich im Falle einer Annullierung, Nichtbeförderung und großen Verspätung.
Ihre Frau wurden auf einen komplett anderen Flug umgebucht. Es kann meines Erachtens daher von einer Annullierung des ursprünglich gebcuhten Fluges ausgegangen werden.
Dann ergeben sich Ansprüche gemäß Artikel 5 EU-VO. In Frage kommen Ansprüche aus Artikel 7 und 8 EU-VO.
> Aus Artikel 7 EU-VO können sich Airberlin gegenüber Ansprüche auf Ausgleichszahlungen ergeben:
Solche Ansprüche können aber verfallen. Es ist nämlich so, dass ein Anspruch auf Entschädigung entfällt, wenn Sie rechtzeitig über die Annullierung informeirt werden. Dazu sagt Artikel 5 c) folgendes:
Es ist also auch wichtig, wann Sie informiert wurden. Wenn dies 2 Wochen vor Starttermin passierte, dann entfallen Ansprüche aus Artikel 7. Sie wurden 5 Wochen vor Abflug informiert, weshalb Sie keinen Anspruch auf Ausgleichszahlungen geltend machen können,
> Aber ein Anspruch aus Artikel 8 EU-VO kommt in Betracht. Nach diesem Artikel haben Sie die Möglichkeit das Ticket erstatten zu lassen, oder Sie können sich nochmals an die Airline wenden, und eine Alternativverbindung zu erfragen:
Wenn Sie nicht stornieren möchten, sollten Sie sich nochmal mit der Airline auseinander setzen und darauf verweisen,dass Sie einen Anspruch auf eine Beförderung zum frühestmöglichen Zeitpunkt haben. Da der Flug ja noch besteht sollten Sie noch einmal Anfragen, ob Ihre Frau nicht wieder auf den ursprünglichen Flug umgebucht werden kann.
Beantwortet 11, Jul 2017 von UeberdenWolken (8,540 Punkte)
du hast mit deiner Frau einen Flug mit der Fluggesellschaft Air Berlin gebucht.
Bedauerlicherweise wurde der Flug deiner Frau auf einen späteren Flug umgebucht.
Dieser startet 6 Stunden später als deiner.
Über diese Änderung wurdet ihr 5 Wochen im Vorfeld informiert.
Du bzw. ihr fragt euch ob und wenn ja welche Ansprüche ihr gegen die Fluggesellschaft habt.
Im deutschen Pauschalreiserecht gilt, dass der Fluggast immer mit gewissen Änderungen bei der Beförderung zu rechnen hat.
Abhängig von der Flugstrecke sind daher regelmäßig schon unangekündigte Verspätungen zwischen 2 und 4 Stunden hinzunehmen.
- Eine Flugverspätung zwischen 4 und 5 Stunden liegt bei einem Charterflug noch im Bereich des Hinnehmbaren und führt nicht zur Reisepreisminderung-
- Eine Vorverlegung des Abfluges um 5 Stunden ist nicht als Beförderungsmangel zu qualifizieren und berechtigt daher nicht zur Reisepreisminderung.
Bei Charterflügen ist nach Ansicht des Gerichtes eine Flugzeitenverspätung von bis zu 8 Stunden zu tolerieren.-
Dann hat der Reisende einen Anspruch auf Reisepreisminderung nach § 651 d BGB.
Meiner Meinung nach sind die 6 Stunden problematisch.
Einerseits sind 4-5 Stunden noch zumutbar, andererseits ist eine Verspätung als unzumutbar zu bewerten wenn eine Reisetag verloren geht.
Dies ist bei 6 Stunden Verspätung ja (je nach Ankunftszeit) möglich.
Meines Erachtens habt ihr schlechte Aussichten auf Erfolg bzgl. möglicher Schadensersatzforderungen.
Ihr solltet aber in jedem Fall euch mal von einem Anwalt beraten lassen und dann entscheiden.
Ich hoffe ich konnte euch etwas weiterhelfen und wünsche euch einen guten Start in die Woche.