Source: http://jugend.dgb.de/dgb_jugend/++co++8cd8678a-b7df-11e2-8ad4-525400808b5c
Timestamp: 2016-07-29 19:40:46
Document Index: 150632733

Matched Legal Cases: ['§138', '§ 26', '§ 17', '§ 22', '§ 22', '§ 630']

Für Praktikantinnen und Praktikanten und Unternehmen, die ein Praktikum vergeben.
Abgrenzung von Praktika und regulären Arbeitsverhältnissen
Beschäftigung von Absolventinnen und Absolventen
Dauer von Praktika
Vertragliche Regelungen im Rahmen eines Praktikums
Das Praktikum dient in erster Linie dem Erwerb beruflicher Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen. Das Lernen steht im Vordergrund und darf nicht von der jeweiligen Arbeitsleistung der Praktikantin/des Praktikanten überlagert werden. Wenn die Arbeitsleistung gegenüber dem Erwerb beruflicher Erkenntnisse überwiegt, hat die Praktikantin/der Praktikant Anspruch auf volles Entgelt (§138 II BGB).
Das Praktikum ersetzt keinen regulären Arbeitsplatz. Ein Praktikum grenzt sich von einem regulären Arbeitsverhältnis dadurch ab, dass die Praktikantin/der Praktikant nicht fest in die tägliche Verrichtung der Arbeit eingeplant ist, sondern zusätzlich im Betrieb mitläuft. Ihre/seine Beschäftigung dient nicht in erster Linie dem Lohnerwerb.
Praktikumsstellen sollen grundsätzlich öffentlich ausgeschrieben werden. Dazu gehört eine konkrete schriftliche Beschreibung des Praktikumsplatzes mit Angaben zu Einsatzstelle(n), Infrastruktur und Dauer.
Der DGB lehnt Praktika von Absolventinnen und Absolventen einer beruflichen Ausbildung oder eines Hochschulstudiums ab. Für diese Praktika gilt der gesetzliche Mindestlohn. Für Absolventinnen und Absolventen sollen die Unternehmen reguläre Arbeitsverhältnisse bzw. Trainee- und Berufseinstiegsprogramme anbieten, die - wenn keine tarifvertraglichen Regelungen greifen - mindestens mit dem Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde vergütet werden.
Die Praktikantin/der Praktikant wird während des Praktikums von einer Anleiterin/einem Anleiter betreut. Diese/dieser kümmert sich um die Interessen und Arbeitsinhalte der Praktikantin/des Praktikanten. Die Praktikantin/der Praktikant erhält für die Dauer des Praktikums einen geeigneten Arbeitsplatz.
Freiwillige Praktika sollten je nach Ausbildungsziel und -vielfalt höchstens drei Monate dauern. Die zeitliche Begrenzung auf drei Monate ermöglicht es Studierenden, während der Semesterferien praktische Erfahrungen zu sammeln – ohne ein Semester aussetzen zu müssen. Bei einer längeren Praktikumsdauer besteht die Gefahr, dass statt des Erwerbs neuer Fähigkeiten routinierte Arbeit in den Vordergrund des Praktikums rückt und reguläre Arbeitsstellen vernichtet werden.
Die Gewerkschaftsjugend fordert: Wenn keine tarifvertraglichen Regelungen greifen, soll für Praktika in denen das Lernverhältnis im Vordergrund steht mindestens der BAföG-Höchstsatz bezahlt werden. Für freiwillige Praktika soll generell auch der gesetzliche Mindestlohn gelten.
Das sagt der Gesetzgeber: Für freiwillige Praktika vor dem Studiums oder der beruflichen Ausbildung muss für die ersten drei Monate eine angemessene Vergütung zum Bestreiten des Lebensunterhalts gewährt werden (§ 26 und § 17 Absatz 1 Satz 1 Berufsbildungsgesetz i. V. m. § 22 Mindestlohngesetz). Freiwillige Praktika während des Studiums sind dagegen für die Dauer der ersten drei Monate vom Mindestlohn ausgenommen.
Ab dem vierten Monat gilt für freiwillige Praktikumsverhältnisse vor und während des Studiums der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn ab dem 1. Tag des Praktikums haben all jene, die ein freiwilliges Praktikum absolvieren, welche nach einer abgeschlossenen Ausbildung oder nach einem abgeschlossenen Studium geleistet wird. (§ 22 MiLoG)
Dauer der Arbeitszeit (laut tarifvertraglicher Regelung oder Arbeitszeitgesetz)
Nach Abschluss des Praktikums erhält die Praktikantin/der Praktikant ein Zeugnis (§ 630 "Pflicht zur Zeugniserteilung" BGB). Hier ist darauf zu achten, dass die darin enthaltenen Formulierungen keine negativen Auswirkungen auf zukünftige Arbeitsverhältnisse haben.