Source: http://www.iyotta.de/gmbh/vergleich-gmbh-und-ltd
Timestamp: 2018-05-24 13:47:03
Document Index: 122382952

Matched Legal Cases: ['§ 238', '§ 325', '§ 325', 'Art. 2', 'EuG', 'Art 60', 'EuG', 'Art. 22', 'EuG']

Vergleich GmbH und Ltd.
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Für Existenzgründer mit wenig Kapital stellt sich immer wieder die Frage "GmbH oder Limited?", auch wenn die GmbH die beliebteste Rechtsform des Mittelstands ist und die Attraktivität durch die GmbH-Reform 2008 nochmals spürbar gesteigert wurde.
1. Gründung der GmbH und Limited
2. Organe bei GmbH und Limited
3. Kapitalaufbringung und Erhaltung bei GmbH und Limited
4. Haftung bei GmbH und Limited
5. Rechnungslegung und Publizität bei GmbH und Limited
6. Mitbestimmung bei GmbH und Limited
7. Minderheitenschutz bei GmbH und Limited
8. Gerichtsstand bei GmbH und Limited
Nachfolgend habe ich die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten der GmbH und der Limited im Vergleich dargestellt, wobei ich den Vergleich zwischen der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) und der Limited viel interessanter finde.
Bei der Gründung und insbesondere den Gründungskosten ist die Limited gegenüber der GmbH klar im Vorteil. Für die Gründung einer Limited stehen England, Wales, Schottland und Nordirland als möglicher Sitz der Gesellschaft zur Auswahl. Die Limited wird ohne Notar gegründet und lediglich in ein Register (Companies house) eingetragen. Der Gründer erhält dann vom Registerbeamten eine Gründerbescheinigung (certificate). Die Gründungskosten einer Limited betragen ca. EUR 260,00 zzgl. weiterer Beratungskosten, soweit diese notwendig sind. Das Mindestkapital beträgt 1,-- Euro. Die Anteilsarten der Limited sind flexibel ausgestaltet. Je nach Berücksichtigung der Anteile bei der Ausschüttung gibt es "ordinary", "preferred" und "deferred". Die Übertragung von Anteilen ist ohne notarielle Mitwirkung möglich und die Kosten betragen lediglich 0,5% des Kaufpreises bzw. des Anteilswerts.
Bei der GmbH fallen neben dem Stammkapital in Höhe von derzeit EUR 25.000,00 noch weitere Gründungskosten für die notarielle Beurkundung des Gesellschaftsvertrages und die Eintragung im Handelsregister an. Die Beteiligungen an der GmbH sind ebenfalls nur unter notarieller Mitwirkung übertragbar. Die Kosten sind vergleichbar.
Bei der Limited ist die Gesellschafterversammlung (shareholder meeting) das oberste Organ der Gesellschaft und die Geschäftsführer sind an die Beschlüsse gebunden. Die Aufgaben des Geschäftsführers beinhalten die Geschäftsführung, die Buchführung sowie die Erstellung des Jahresabschlusses und der Steuererklärungen. Daneben benötigt die Limited einen Schriftführer (company secretary), der nur dann gleichzeitig Geschäftsführer sein darf, sofern mehrere Geschäftsführer vorhanden sind. Dieser ist für die Protokollführung und Überwachung der Formalitäten bei Gesellschafter- und Direktorenversammlungen zuständig sowie für die Erstellung und Vervollständigung des Satzungsregisters (statuatory register).
Die zentralen Entscheidungen der GmbH werden ebenfalls durch die Gesellschafter im Rahmen von Gesellschafterversammlungen getroffen, darunter auchdie Bestellung oder Abberufung der Geschäftsführer, die im Rahmen eines Geschäftsführervertrages für die Geschäftsführung, die Buchführung sowie die Erstellung des Jahresabschlusses und der Steuererklärungen verantwortlich ist. Ein Schriftführer ist bei der GmbH nicht vorgesehen.
3. Kapitalaufbringung und Kapitalerhaltung
a) Kapitalaufbringung
Bei der Limited gibt es kein vorgeschriebenes Mindestkapital, so dass eine Gründung auch mit 1,-- Euro möglich ist. Die Erbingung der Einlagen ist völlig flexibel und auch als Sacheinlage möglich.
Für die GmbH ist ein Stammkapital von mindestens EUR 25.000,00 vorgeschrieben, das in der Regel in bar oder per Überweisung auf ein Geschäftskonto der GmbH zur freien Verfügung der Geschäftsführer einzuzahlen ist.
b) Kapitalerhaltung
Bei der Kapitalerhaltung gibt es zwischen der GmbH und der Limited keine großen Unterschiede. In beiden Gesellschaften gilt eine Ausschüttungssperre, d.h. Ausschüttungen sind nur aus realisierten Gewinnen der Gesellschaft zulässig. Eine Ausschüttung von Rücklagen ist dagegen nur insoweit zulässig, wie es sich um Gewinnrücklagen handelt.
Bei der Limited ist für Haftungsfragen englisches Recht anwendbar. Hier gilt in besonderen Fällen eine verschärfte Handelndenhaftung, vor allem im Falle der Insolvenz (wrongful trading). In der Krise oder im Falle der Insolvenz der Limited haben die Gläubiger der Gesellschaft mehr Rechte als bei der GmbH. Insbesondere ist auf eine pünktliche Vorlage der Jahresabschlüsse auf Englisch izu achten, da eine strenge Bilanzhaftung gilt.
Auch das GmbH-Recht kennt das Rechtsinstitut der Handelndenhaftung. Im Falle der Krise oder der Insolvenz ist die Haftung des Geschäftsführer jedoch nicht so weitreichend wie bei der Limited.
Ob die Limited nach § 238 Abs. 1 HGB in Deutschland insgesamt zur Buchführung verpflichtet ist, ist umstritten. Nach herrschender Meinung ist nur die in Deutschland ansässige Zweigniederlassung zur Buchführung verpflichtet, §§ 325a HGB iVm 325 HGB. Auf jeden Fall bleibt die Limited nach englischem Recht zur Buchführung verpflichtet. Dies bedeutet, dass eine nach Deutschland zugezogene Limited nach deutschem und englischem Recht bilanzieren muss. Dies kann in der Praxis so geschehen, dass zunächst eine Handelsbilanz gem. §§ 325a iVm 325 HGB erstellt und diese nach dem Prinzip der Maßgeblichkeit der Steuerbilanz zugrundelegt. Zusätzlich wird im Wege einer Überleitungsrechnung ein englischer Jahresabschluss unter Beachtung der UK- GAAP Regelung erstellt.
Bei der Limited lehnt die herrschende Meinung eine direkte oder analoge Anwendung des deutschen MitbestimmungsG und des BetrVG ab.
Für die GmbH gelten die deutschen Mitbestimmungsgesetze.
Bei der Limited gibt es grundsätzlich keine Treuepflicht gegenüber Minderheitengesellschaftern.
Minderheitsgesellschafter in der GmbH haben besondere Rechte.
Der Gerichtsstand der Limited ist gem. Art. 2 EuGVVO iVm Art 60 EuGVVO an dem Ort, an dem sich ihr satzungsmäßiger Sitz (= UK), ihre Hauptverwaltung (= Deutschland bei Zuzug) oder ihre Hauptniederlassung befindet. Eine Limited kann somit in UK und in Deutschland verklagt werden. Bei gesellschaftsinternen Streitigkeiten befindet sich der ausschließliche Gerichtsstand gem. Art. 22 Nr. 2 EuGVVO in UK.