Source: http://www.ipg.lu/index.php/interne-richtlinien
Timestamp: 2019-06-19 00:02:31
Document Index: 221315750

Matched Legal Cases: ['Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 8', 'Art. 9', 'Art. 10', 'Art. 11']

in L.G.I.P.A.
14. 11. 29
I. Die Standesordnung für (Fach-)Mitglieder von 1988 (Vom Vorstand und den Kommissionen bestätigt im Jahr 2000)
1. Die Standesordnung hat folgende Zwecke zu erfüllen:
Festigung des Zusammenhaltes der Fachmitglieder untereinander und
Förderung ihrer wissenschaftlichen Kenntnisse und Befähigungen.
Regelung des Verkehrs der Fachmitglieder untereinander und mit anderen Fachleuten sowie dem Publikum resp. der Öffentlichkeit.
Festlegung der Ausbildungsstufen und Tätigkeitskompetenzen.
Regelung der Verpflichtung der Fachmitglieder gegenüber Klienten und Drittpersonen.
2. Richtlinien für (Fach-)Mitglieder
Art. 1. Zur Ausübung der IP-Praxis in Luxemburg sind nur LGIPA-Fachmitglieder berechtigt. Mit der Übernahme eines von der LGIPA ausgestellten Diploms (Ausbildungsstufe B, C, D, E) oder eines von der LGIPA anerkannten Diploms wird der Inhaber Fachmitglied der LGIPA, was ihn, im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen Luxemburgs, zur Ausübung der individualpsychologischen Praxis legitimiert. Ein Fachmitglied der LGIPA ist verpflichtet, sich so weit wie möglich an die ethischen Grundsätze der Individualpsychologie zu halten und die vorliegende Standesordnung sowie die jeweils geltenden Richtlinien für Fachmitglieder einzuhalten. Zuwiderhandlungen ziehen den Ausschluss aus der LGIPA mit sich sowie ein sofortiges Erlöschen der (Fach-)Mitgliedschaft und der damit verbundenen Privilegien und Rechte. (Fach-)Mitglieder verpflichten sich, den für sie vorgesehenen Mitgliedsbeitrag zu bezahlen und alle zwei Jahre mindestens eine Fortbildungsveranstaltung der LGIPA mitzumachen.
Art. 2. Bei der Ausstellung von Berichten und Gutachten haben sich die (Fach-)Mitglieder ausschließlich von sachlich-wissenschaftlichen Kriterien leiten zu lassen. Polemische Exkurse und Gefälligkeitszeugnisse sind standesunwürdig.
Art. 3. Jegliche Maßnahmen, die in den Kompetenzbereich gesetzlich geschützter Berufe fallen, sind untersagt. Insbesondere betrifft dies die Rezeptur oder Empfehlung von Heilmitteln oder pharmakologisch wirksamen Substanzen durch nichtärztliche Fachmitglieder.
Art. 4. Es ist standesunwürdig, Beurteilungen, Beratungen und Untersuchungen an Einzelpersonen ausschließlich schriftlich durchzuführen. Ausgenommen sind einzelne, ausschließlich diagnostische Verfahren (z.B. graphologische Beurteilungen, Auswertungen von Testprotokollen etc.)
Art. 5. Die (Fach-)Mitglieder sind in Bezug auf alles, was sie von ihren Klienten und Exploranden in der Ausübung ihrer psychologischen*) Tätigkeit erfahren, Dritten gegenüber zur strengsten Geheimhaltung verpflichtet. Der Geheimhaltepflicht unterstehen auch alle Beobachtungen, Deutungen und Schlüsse, die ein Mitglied aufgrund seiner psychologischen*) Kenntnisse and Dritten anzustellen in der Lage wäre. Von der Pflicht zur Geheimhaltung kann ein Mitglied nur durch die Person, die Gegenstand des Geheimnisse ist, resp. durch deren gesetzlichen Vertreter entbunden werden.
Art. 6. Über die Arbeit an zugewiesenen Klienten und Exploranden ist nur unter deren ausdrücklichen Zustimmung an den Auftraggeber Bericht zu erstatten. Verweigert der Klient oder Explorand die zu diesem Zweck erforderliche Entbindung vom Tätigkeitsgeheimnis, so ist jede weitere psychologische Tätigkeit an diesem Klienten oder Exploranden un­verzüglich einzustellen. Andererseits hat ein Fachmitglied dem Wunsch nach Beiziehung einer anderen Fachperson oder dem Wunsch nach Wechsel in der Betreuung zu entsprechen, wenn nicht schwerwiegende Gründe dagegen sprechen. Sucht ein Klient oder Explorand ohne Wissen der zuvor behandelnden, beratenden oder untersuchenden Person ein anderes Mitglied in psychologischen*) Belangen auf, so ist es angezeigt, die unmittelbar zuvor tätige Fachperson in Übereinstimmung mit dem Klienten zu benachrichtigen.
Art. 7. Abschätzige Bemerkungen über Fachmitglieder oder Fachleute anderer Schulen / Richtungen sind zu unterlassen. Nur die sachliche Diskussion ist standesgemäß.
Art. 8. Werbung für die private Praxis hat, mit Ausnahme von höchstens dreimaligen, informativen Veröffentlichungen über Eröffnung, Verlegung oder Unterbrechung der Praxis, zu unterbleiben. Veröffentlichungen über Abwesenheit für begrenzte Zeitdauer haben sich darüber hinaus auf die notwendige Information zu beschränken. Fortgesetzte, aber auch marktschreierische und unlautere Reklame ist standesunwürdig. Die Unterbietung der allgemein üblichen Honorarsätze, die den Zweck hat, andere psychologisch*) tätige Personen aus ihrer Tätigkeit zu verdrängen, ist standesunwürdig, ebenso übersetzte Honorarforderungen.
Art. 9. Bei (Fach-)Mitgliedern, die in einem Angestelltenverhältnis stehen, finden die Bestimmungen der Standesordnung nur insofern Anwendung, als sie den gesetzlichen Bestimmungen nicht zuwiderlaufen.
Art. 10. Die Einhaltung der Standesordnung wird durch die einzelnen (Fach-)Mitglieder und die Kommissionen der Gesellschaft überwacht.
Art. 11. Bei Streitfällen zwischen (Fach-)Mitgliedern der Gesellschaft wird eine Schlichtungskommission einberufen.
Anmerkung zu*): psychologisch heißt hier: psychologisch-pädagogisch, psychologisch- diagnostisch, psychologisch-beraterisch, psychologisch-therapeutisch und psychologisch-analytisch. Psychotherapeutisch und psychoanalytisch tätige Fachmitglieder haben speziellere Richtlinien.
II. Die Ethik, Beschwerden-, und Schlichtungs - Kommission der LGIPA
Am 27. April 1997 hatte die Generalversammlung beschlossen, Maßnahmen zur Qualitätssicherung zu schaffen; unter diesen Beschluss fiel die Optimierung der Ausbildung (akademische Fundierung) sowie die Einrichtung einer multidisziplinären Ethik-, Beschwerden- und Schlichtungskommission (EBS-Kommission). Damit verfügt die LGIPA nun über eine außergerichtliche Einrichtung, die in Streitfragen die Klienten/Patienten von Fachmitgliedern kompetent, unkompliziert und rasch berät oder mit dem Mittel der Schlichtung („mediation“) mit größtmöglicher Schonung der Streitparteien und des zwischen ihnen bestehenden Vertrauensverhältnisses, einen Ausgleich der Interessen herstellt. Einer Konfliktregelung auf persönlicher Ebene sollte jedoch immer der Vorrang eingeräumt werden. Die siebenköpfige Kommission berät aber auch Mitglieder und Fachmitglieder in Ethikfragen und überwacht die Einhaltung der Standesordnung und der ethischen Rahmenrichtlinien.
Aktuelle Präsidentin der ehrenamtlich tätigen EBS-Kommission ist Dipl. Psychologin Josiane Pieknik (Tel.: 518278).
III. Die ethischen Richtlinien für PsychotherapeutInnen
Zu den in den Statuten festgelegten Aufgaben der LGIPA/SLPA gehört es auch, dafür Sorge zu tragen, dass ihre Mitglieder sich verpflichten, bestimmte ethische Richtlinien einzuhalten, die die Qualität des beraterischen und psychotherapeutischen oder supervisorischen Angebots neben der fachlichen Kompetenz gewährleisten.
Diese Richtlinien entsprechen denen des Europäischen Verbands für Psychotherapie und dienen dem Schutz der PatientInnen/KlientInnen vor unethischer Anwendung der Methoden durch LGIPA-(Fach-)Mitglieder, der Handlungsorientierung ihrer Mitglieder und als Grundlage für die Abklärung von Beschwerden.
Die Richtlinien gelten für alle Mitglieder der LGIPA, die therapeutisch tätig sind.
2. Der psychotherapeutische Beruf
Der psychotherapeutische Beruf ist ein selbständiger wissenschaftlicher Beruf. Er dient der Indikationsstellung und der umfassenden, bewussten und geplanten Behandlung von psychisch, sozial und/oder somatisch bedingten psychischen Verhaltensstörungen und Leidenszuständen mit psychotherapeutischen Methoden. Ziel dieser Behandlung ist es, in der Interaktion zwischen einem oder mehreren behandelten und einem oder mehreren PsychotherapeutInnen einen psychotherapeutischen Prozess in Gang zu setzen, der Veränderungen und Weiterentwicklungen im Einzel-, Paar-, oder Gruppentherapiesetting ermöglicht. Der psychotherapeutische Beruf ist durch eigenverantwortliche Erfüllung dieser Aufgabe charakterisiert. Von PsychotherapeutInnen wird gefordert, ihre Fertigkeiten unter Beachtung der Menschenwürde und der Werthaltungen von Patienten/Klienten zu deren Wohl einzusetzen. PsychotherapeutInnen müssen ihre Berufsbezeichnung in Zusammenhang mit ihrer Berufsausübung in angemessener Weise deklarieren.
3. Fachliche Kompetenz und Fortbildung
PsychotherapeutInnen haben ihren Beruf nach bestem Wissen und Gewissen und unter Beachtung der Erkenntnisse der psychotherapeutischen Wissenschaft auszuüben. Diesem Erfordernis ist insbesondere durch den regelmäßigen Besuch von Fortbildungsveranstaltungen zu entsprechen. PsychotherapeutInnen haben sich in er Ausübung ihres Berufs auf jene psychotherapeutischen Arbeitsgebiete und Behandlungsmethoden zu beschränken, auf denen sie nachweislich ausreichende Kenntnisse und Erfahrungen erworben haben.
PsychotherapeutInnen sowie assoziierte Fachkräfte sind zur prinzipiellen Verschwiegenheit über alle ihnen in Ausübung ihres Berufes anvertrauten oder bekannt gewordenen vertraulichen Informationen verpflichtet. Dies gilt auch für die Supervision.
5. Aufklärungs- und Sorgfaltspflich
PsychotherapeutInnen sind verpflichtet, PatienInnen/KlientInnen zu Beginn einer Behansdlung über Patientenrechte aufzuklären. Insbesondere betrifft dies folgende Aspekte:
die Art der psychotherapeutischen Methode (sofern angemessen und dem Prozess der psychotherapeutischen Behandlung entsprechend) und das Setting (inkl. Absagemodus),
den Umfang und die mutmaßliche Dauer der psychotherapeutischen Behandlung, die finanziellen Bedingungen der Behandlung (Honorar, etwaige Krankenkassenentschädigung, Verrechnungsmodus versäumter Stunden usw.), die Schweigepflicht, Beschwerdemöglichkeiten (z.B: bei der EBS-Kommission)µ
Den PatientInnen soll die Möglichkeit gegeben werden zu entscheiden, ob und bei wem sie eine Psychotherapie eingehen wollen. PsychotherapeutInnen haben die Verpflichtung, verantwortlich mit dem besonderen Vertrauens- und Abhängigkeitsverhältnis in der psychotherapeutischen Beziehung umzugehen. Ein Missbrauch dieses Vertrauensverhältnisses liegt dann vor, wenn PsychotherapeutInnen ihrer Aufgabe und Verantwortung gegenüber Patienten untreu werden, um ihre persönlichen, z.B. sexuellen, emotionalen, sozialen oder wirtschaftlichen Interessen zu befriedigen. Sexuelle Akte mit PatientInnen sind therapeutisch nicht zu legitimieren. Jede Form des Machtmissbrauchs stellt einen Verstoß gegen die berufsethischen psychotherapeutischen Richtlinien dar. Die Verantwortung dafür liegt ausschließlich bei den PsychotherapeutInnen. Mangelnde Verantwortung im Umgang mit dem Vertrauens- und Abhängigkeitsverhältnis in der Psychotherapie ist ein schwerwiegender Behandlungsfehler.
6.Verpflichtung zur sachlichen und wahren Information
Die Information der PatientInnen/KlientInnen hat sachlich, wahrhaftig und verhältnismäßig zu erfolgen. Jede marktschreierische oder irreführende Werbung (z.B. durch unangemessene Heilsversprechungen, durch das Aufzählen vieler verschiedener psychotherapeutischer Methoden ohne Ausbildungsabschluss u.dgl. um den Eindruck zu erwecken, dass man eine fundiertere, umfassendere Ausbildung hat als es der Fall ist) ist ebenso wie das Abwerben von PatientInnen/KlientInnen unzulässig.
7. Kollegiale Zusammenarbeit
PsychotherapeutInnen sind nach Bedarf zu interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Vertretern anderer Wissenschaften zum Wohle des Patienten verpflichtet.
8.Ethische Grundsätze im Ausbildungsbereich
Die ethischen Richtlinien sind sinngemäß auch auf das Verhältnis AusbilderInnen/Auszubildende anzuwenden.
9.Mitwirkung im Gesundheitswesen
In ihrer gesellschaftlichen Verantwortung werden PsychotherapeutInnen ermutigt, ihren Beitrag zur Erhaltung und Schaffung von Lebensbedingungen zu leisten, die der Förderung, Erhaltung und Wiederherstellung der psychischen Gesundheit und der Reifung oder Entwicklung des Menschen dienen.
10. Psychotherapieforschung
Im Interesse der wissenschaftlichen Weiterentwicklung der Psychotherapie sowie der Erforschung der Wirkungen der Psychotherapie sollen PsychotherapeutInnen nach ihren jeweiligen Möglichkeiten an Forschungsvorhaben mitwirken. Die Durchführung von psychotherapeutischer Forschungsvorhaben sowie die Publikation von psychotherapeutischen Arbeiten muss den oben angeführten ethischen Grundsätzen entsprechen. Die Interessen der PatientInnen/KlientInnen sind vorrangig.
11. Umgang mit Verstößen gegen berufsethische Richtlinien
Wenn Mitglieder, AusbildungskandidatInnen, KlientInnen und PatientInnen, die in professionellem Kontakt zu einem LGIPA-Mitglied stehen, diesem Verstöße gegen die Ethik-Richtlinien und/oder die Standesordnung vorwerfen, wenden sie sich mündlich oder schriftlich an die Präsidentin der EBS-Kommission. Diese kann Vermittler-, Schlichtungs- und Sanktionsaufgaben übernehmen. Die EBS-Kommission ist absolut unabhängig in ihrer Arbeit wie in ihren Entscheidungen; die Entscheidungen der Ethik-, Beschwerden- und Schlichtungskommission sind allerdings für alle Parteien bindend.
12. Verpflichtung der LGIPA-Mitglieder
Alle psychotherapeutisch tätigen Mitglieder verpflichten sich, sich in ihrer Berufsausübung an der Standesordnung und den ethischen Richtlinien der LGIPA zu orientieren.
13. Zusammensetzung der Ethik-Kommission
Kein Mitglied der Ethik-Kommission darf gleichzeitig Vorstandsmitglied der LGIPA/SLPA sein
IV. Die Bestimmungen für die Ernennung der Lehranalytiker und Lehrberater
Ein Lehranalytiker wird bei Bedarf und auf Vorschlag der Lehranalytikerkommission vom Vorstand ernannt. Er muss mindestens 30 Jahre alt sein und den Psychoanalytiker-Abschluss erworben haben. Zudem muss er seit wenigstens fünf Jahren als Psychoanalytiker (LGIPA) praktizieren, zumindest zwei Grundausbildungen geleitet haben sowie zwei Lehranalysen unter Supervision eines erfahrenen LGIPA-Lehranalytikers durchgeführt haben. Seine didaktischen Qualitäten müssen sich in praxi bewährt haben. Der Lehranalytikertitel gilt auf Lebenszeit. Lehranalytiker
Ein Lehrberater wird auf Vorschlag des supervidierenden Lehranalytikers vom Vorstand auf Lebenszeit ernannt: Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:
Diplom des Studiengangs „Conseiller psychosocial“ (SLPA/LGIPA)
Nachweis über Studienleistungen im Bereich der Pathopsychologie personeller und interpersoneller Systeme von insgesamt 100 Stunden.
Persönliche Eignung von zwei Lehranalytikern der LGIPA schriftlich bestätigt.
Zusatzleistungen in Theorie und Methodik wie Psychoanalytiker Studiengang, je nach Grundberuf, und in Absprache mit dem supervidierenden Lehranalytiker.
Ausübung der Funktion eines "Kommissarischen Lehrberaters" über drei Jahre hinweg im Rahmen der LGIPA-Grundausbildung sowie des Berater-Studiengangs. Diese didaktische Tätigkeit wird von einem LGIPA-Lehranalytiker supervidiert und dies monatlich mit wenigstens zwei Supervisionsstunden (insgesamt wenigstens 75 Stunden Supervision). Die dreijährige Tätigkeit als "Kommisarischer Lehrberater" endet mit der schriftlichen Empfehlung des supervidierenden Lehranalytikers an den Vorstand, die Ernennung zum Lehrberater (LGIPA) / Conseiller psychosocial didacticien (SLPA) auszusprechen. Lehranalytiker
V Ethische Richtlinien für Psychologen und Mitglieder der SLP (Psychologievereinigung) siehe unter www.slp.lu