Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BStBl%20II%202014,%20760
Timestamp: 2019-01-20 18:24:13
Document Index: 66469405

Matched Legal Cases: ['Art 3', 'Art 3', 'Art 4', 'Art 6', 'Art 6', 'Art. 7', 'BGH', 'Art. 2', '§ 12', '§ 15', '§ 15', 'Art. 111', 'Art. 7', '§ 50', '§ 50', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 10', '§ 50', 'Art. 5', '§ 15', '§ 49', '§ 8', 'Art. 24']

BFH, 25.05.2011 - I R 95/10 - dejure.org
Keine sog. Qualifikationsverkettung bei subjektivem Qualifikationskonflikt - Vermietungseinkünfte einer vermögensverwaltenden, aber gewerblich geprägten ungarischen Personengesellschaft als Besitzgesellschaft im Rahmen einer Betriebsaufspaltung
Keine sog. Qualifikationsverkettung bei subjektivem Qualifikationskonflikt; Vermietungseinkünfte einer vermögensverwaltenden, aber gewerblich geprägten ungarischen Personengesellschaft als Besitzgesellschaft im Rahmen einer Betriebsaufspaltung
Art 3 Abs 1 Buchst c DBA HUN, Art 3 Abs 2 DBA HUN, Art 4 Abs 1 DBA HUN, Art 6 Abs 1 DBA HUN, Art 6 Abs 4 DBA HUN
Einkünfte aus Beteiligung an einer "intransparenten" ungarischen Personengesellschaft - rechtliche Qualifikation des Steuersubjekts
Keine sog. Qualifikationsverkettung bei subjektivem Qualifikationskonflikt – Vermietungseinkünfte einer vermögensverwaltenden, aber gewerblich geprägten ungarischen Personengesellschaft als Besitzgesellschaft im Rahmen einer Betriebsaufspaltung
Besteuerung eines in Deutschland ansässigen Gesellschafters einer nach ungarischem Steuerrecht als steuerlich intransparent behandelten ungarischen Personengesellschaft; Einordnung von Einkünften aus der Vermietung unbeweglicher und beweglicher Wirtschaftsgüter als Gewinne eines Unternehmens i.S.v. Art. 7 Abs. 1 DBA-Ungarn; Auswirkungen der Funktion als Besitzgesellschaft i.R.v. mitunternehmerischer Betriebsaufspaltung auf die Einordnung von Einkünften als Gewinne des Unternehmens
Keine Qualifikationsverkettung bei subjektivem Qualifikationskonflikt
Der Bundesfinanzhof und die ungarische Personengesellschaft
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 25.05.2011; Az.: I R 95/10 (Keine sog. Qualifikationsverkettung bei subjektivem Qualifikationskonflikt - Gewerblich geprägte ungarische Personengesellschaft und ...)" von Prof. Dr. Christian Schmidt, original erschienen in: IStR 2011, 688 - 693.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BFH vom 25.05.2011, Az.: I R 95/10 (Doppelbesteuerung: Vermietungseinkünfte einer gewerblich geprägten ungarischen Personengesellschaft im Rahmen einer Betriebsaufspaltung)" von StB/Dipl.-Finw. Markus Suchanek, original erschienen in: GmbHR 2011, 1004 - 1008.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BFH vom 25.05.2011; Az.: I R 95/10 (Keine Qualifikationsverkettung bei subjektivem Qualifikationskonflikt)" von StB Dr. Jan Dierk Becker und StB Dr. Thomas Loose, original erschienen in: BB 2011, 2404 - 2407.
Kurznachricht zu "Grenzüberschreitende Mitunternehmerschaften - Hybride Umstrukturierungen" von StB Stefan Richter, original erschienen in: GmbHR 2012, 1117 - 1128.
Kurznachricht zu "Die dynamische Auslegung von Doppelsteuerabkommen unter besonderer Beachtung des Kommentars zum OECD-Musterabkommen" von Prof. Dr. Steffen Lampert, original erschienen in: IStR 2012, 513 - 518.
BFHE 234, 63
BB 2011, 2005
BB 2011, 2404
BStBl II 2014, 760
e) Das FG hat zu diesen Abgrenzungskriterien indes keine Feststellungen getroffen, sondern alleine auf die ausländischen Bescheinigungen abgehoben, weil sich nach seiner Ansicht die Einkünftequalifikation i.S. einer Qualifikationsverkettung (siehe dazu die Nachweise im Senatsurteil vom 25. Mai 2011 I R 95/10, BFHE 234, 63, BStBl II 2014, 760) nach den ausländischen Arbeitgeberbescheinigungen richte.
Der Senat hat die Annahme einer Qualifikationsverkettung für sog. Alt-DBA ohne entsprechende abkommensrechtliche Anordnung bereits zurückgewiesen (vgl. Senatsurteil in BFHE 234, 63, BStBl II 2014, 760 zu subjektiven Qualifikationskonflikten; Senatsbeschluss vom 13. November 2013 I R 67/12, BFHE 243, 361, BStBl II 2014, 172).
Er hat lediglich ausgeführt, dass Empfehlungen der OECD, wie sie sich im sog. Partnership Report niedergeschlagen haben, eine Hilfe für die Abkommensauslegung darstellen, aber "frühestens" ab der entsprechenden Neufassung des OECD-Musterkommentars im Jahre 2000 beachtenswert sein können (Senatsurteil in BFHE 234, 63, BStBl II 2014, 760).
Es handelt sich hierbei vielmehr um eine unilateral eigenständig zu beantwortende Rechtsfrage, die Art. 2 Abs. 2 DBA-Niederlande 1959 dem jeweiligen Anwenderstaat --hier Deutschland-- überantwortet (vgl. Senatsurteile vom 25. Mai 2011 I R 95/10, BFHE 234, 63, BStBl II 2014, 760 zum DBA mit Ungarn; vom 20. August 2008 I R 39/07, BFHE 222, 509, BStBl II 2009, 234 zum DBA mit den Vereinigten Staaten von Amerika; Senatsbeschluss vom 19. Mai 2010 I B 191/09, BFHE 229, 322, BStBl II 2011, 156 zum DBA mit Spanien).
Der Beklagte bezieht sich auf die Urteile des BFH vom 9. Dezember 2010 ( I R 49/09 unter I.2.b der Gründe) vom 25. Mai 2011 ( I R 60/10 unter 2.a) der Gründe), vom 28. April 2010 ( I R 81/09) und 25. Mai 2011 ( I R 95/10).
Eine Betriebsstätte nach § 12 Satz 1 AO liege im Streitfall nach den von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen (vgl. BFH-Urteile vom 6. Juli 1978, BStBl II 1979, 18 ; 30. Juni 2005, BStBl 2006 II 84; 13. Juni 2006, BStBl 2007 II 94; 25. Mai 2011 I R 95/10 Rz. 22; 10. Mai 1961, BStBl III 317; 18. März 1976, BStBl II 365, 367; Brandenburgisches FG vom 27. August 1996, EFG 1997, 299; FG Köln vom 14. Juli 1987, EFG 1987, 568; FG Berlin vom 25. Mai 1976, EFG 1976, 595; FG Rheinland/Pfalz vom 4. Februar 1991, EFG 1991, 485) nicht vor.
Auch könne eine Geschäftsleitungsbetriebsstätte der GmbH der KG nicht zugerechnet werden (BFH vom 25. Mai 2011, I R 95/10, Rz. 22; Betriebsberater 2011, 2404 (2407)).
Mit seinem Urteil vom 24. August 2011 (… I R 46/10, BFH/NV 2011, 2165) habe der BFH seine mittlerweile ständige Spruchpraxis (vgl. Urteile vom 28. April 2010 I R 81/09, BFHE 229, 252; vom 9. Dezember 2010 I 49/09, BFHE 232, 145, BStBl II 2011, 482; vom 25. Mai 2011 I R 95/10, BFHE 234, 63) fortgesetzt, wonach eine gewerbliche Prägung im Sinne von § 15 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1 EStG auf die abkommensrechtliche Einkommensqualifikation nicht durchschlage.
In drei der vom BFH entschiedenen Fälle (I R 49/09, I R 81/09 und I R 95/10) gehe es - wie im Streitfall - um die ertragsteuerliche Behandlung von Sachverhalten mit Auslandsbezug.
In dem Urteil vom 25. Mai 2011 ( I R 95/10) habe der BFH über einen mit dem hiesigen Streitfall nahezu identischen Sachverhalt zu entscheiden gehabt und entschieden, dass der vermögensverwaltend tätigen Personengesellschaft ungarischen Rechts eine etwaige Betriebsstätte der Komplementär-Kapitalgesellschaft ungarischen Rechts nicht hätte zugerechnet werden können.
Das BFH-Urteil vom 24. August 2011 ( I R 46/10, BFHE 234, 339, BStBl II 2014, 764) bezieht sich auf das Verhältnis von § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG zu Art. 111 Abs. 1 Satz 1 DBA-Großbritannien 1964/1970, das Urteil vom 25. Mai 2011 ( I R 95/10, BFHE 234, 63, BStBl II 2014, 760) auf Art. 7 Abs. 1 DBA-Ungarn und das Urteil vom 17. Dezember 1997 (I R 34/97, BFHE 185, 216 ) auf das DBA-USA 1954/65.
BFH, 24.08.2011 - I R 46/10
Gewerblichkeit eines (englischen, gewerblich geprägten) Private Equity Fonds - …
Im Einzelnen verweist der Senat auf seine mittlerweile ständige Spruchpraxis (z.B. Senatsurteile vom 28. April 2010 I R 81/09, BFHE 229, 252; vom 9. Dezember 2010 I R 49/09, BFHE 232, 145, BStBl II 2011, 482 --dort für das DBA-Großbritannien 1964/1970--; vom 25. Mai 2011 I R 95/10, Deutsches Steuerrecht 2011, 1553, BFHE 234, 63), an welcher festzuhalten ist (s. auch --speziell zu Private Equity Fonds-- Elser/Gütle-Kunz in Wassermeyer/Richter/Schnittker, Personengesellschaften im Internationalen Steuerrecht, Rz 11.48).
Denn Deutschland ist --nach der maßgeblichen nationalen Sicht als Anwenderstaat (vgl. Senatsurteil vom 25. Mai 2011 I R 95/10, BFHE 234, 63, BStBl II 2014, 760 zum DBA-Ungarn 1977)-- das ausschließliche Besteuerungsrecht für die Einkünfte aus der Schiedsrichtertätigkeit zugewiesen.
Die Besteuerung des in Deutschland ansässigen Gesellschafters einer spanischen, nach dortigem im Gegensatz zum deutschen Recht steuerlich als intransparent behandelten Personengesellschaft ist nach Maßgabe des DBA-Spanien 1966 auf der Grundlage des deutschen und nicht des spanischen Steuerrechts vorzunehmen (Bestätigung des Senatsurteils vom 25. Mai 2011 I R 95/10, BFHE 234, 63, BStBl II 2014, 760, dort zum DBA-Ungarn).
Der Senat verweist dazu auf sein Urteil vom 25. Mai 2011 I R 95/10 (BFHE 234, 63, BStBl II 2014, 760), das zwar zum DBA-Ungarn ergangen ist, dem aber insoweit eine gleichliegende Sach- und Regelungslage zugrunde lag.
Ansässigkeit, Abkommensberechtigung und Schachtelprivilegierung einer …
Die Frage nach der Bestimmung des Einkünftebeziehers und desjenigen, welchem die Einkünfte zuzurechnen sind, sind vielmehr auch hier strikt auseinanderzuhalten, und die Einkommenszurechnung verbleibt --wie abkommensrechtlich sonst auch (z.B. --bezogen auch auf § 50d Abs. 1 EStG-- Senatsurteil vom 21. Mai 1997 I R 79/96, BFHE 184, 281, BStBl II 1998, 113; Gosch in Kirchhof, EStG, 12. Aufl., § 50d Rz 25;… Kaeser/Wassermeyer in Wassermeyer, a.a.O., Art. 10 MA Rz 40 [alt 34])-- allein in der Hand des jeweiligen Anwenderstaats (ebenso z.B. Kreienbaum/ Nürnberger, IStR 2006, 806, 811; Anger/Sewtz, IStR 2009, 273; Anger/Wagemann, IStR 2012, 648, 649; Jacob, JbFStR 2011/2012, S. 534, 538; derselbe, SAM 2011, 42, 47 und IStR 2011, 98;… Wehrße, a.a.O., S. 113 f.;… Fox in Raupach/Pohl/Töben/Sieker [Hrsg.], a.a.O., S. 214; Lüdicke, IFSt, Schrift Nr. 480/2012, S. 53 ff., 56, dort unter Hinweis auf die sog. anwenderstaatsorientierte Betrachtungsweise, s. dazu Senatsurteil vom 25. Mai 2011 I R 95/10, BFHE 234, 63; Lüdicke in Dötsch/ Herlinghaus/Hüttemann/Lüdicke/Schön [Hrsg.], Die Personengesellschaft im Steuerrecht, 2011, S. 95 ff., S. 112 ff.;… anders z.B. Wolff in Wassermeyer, a.a.O., Art. 1 USA Rz 113, Art. 10 USA Rz 61 ff.; Eimermann, IStR 2009, 58;… Dremel in Schönfeld/ Ditz, a.a.O., Art. 1 Rz 146; Oellerich, ISR 2012, 15;… wiederum unklar Schönfeld, IStR 2007, 274, 276 einerseits, in Schönfeld/Ditz, a.a.O., Art. 10 Rz 454 andererseits).
Der Senat verweist dazu auf sein Urteil in BFHE 234, 63 (…s. dazu auch Gosch in Kirchhof, a.a.O., § 50d Rz 10a, m.w.N.).
Dies scheint auch der BFH so zu sehen, der mit Urteil vom 25.05.2011 (I R 95/10, BStBl II 2014, 760) in einem Fall, in dem lediglich die Mehrheitsgesellschafter der jeweils im Ausland tätigen Besitz- und Betriebsgesellschaft (nach ausländischem Recht beides Personengesellschaften) im Inland unbeschränkt steuerpflichtig waren, die Aktivitäten der ausländischen Betriebsgesellschaft für Zwecke der Einkünftequalifikation nach innerstaatlichem Recht miteinbezogen hat.
Dass die Dividendenbezüge nach deutschem innerstaatlichem Recht aufgrund der grenzüberschreitenden Betriebsaufspaltung als gewerbliche Einkünfte zu qualifizieren sind, ist insoweit für Zwecke der Abkommensanwendung ohne Belang und führt nicht etwa zur Annahme von Unternehmensgewinnen i.S.d. Art. 5 DBA-NL a.F. Mit der Rechtsprechung des BFH (vgl. BFH-Urteil vom 25.05.2011 - I R 95/10, BStBl II 2014, 760) ist vielmehr von einer abkommensautonomen Auslegung auszugehen.
Nach der Rechtsprechung des BFH schlägt die innerstaatliche Annahme gewerblicher Einkünfte aufgrund einer "Betriebsaufspaltung über die Grenze" nicht auf die DBA-Ebene durch (vgl. BFH-Urteil vom 25.05.2011 - I R 95/10, BStBl II 2014, 760 m.w.N.).
Dies gilt nach dem BFH selbst dann, wenn es sich bei dem vermieteten Grundstück gerade um die die sachliche Verflechtung im Rahmen einer Betriebsaufspaltung begründende wesentliche Betriebsgrundlage handelt, wodurch innerstaatlich die ansonsten nur vermögensverwaltende vermietende Tätigkeit zu einer gewerblichen Tätigkeit wird (vgl. BFH-Urteil vom 25.05.2011 - I R 95/10, BStBl II 2014, 760;… Reiß in: Kirchhof, EStG, 15. Aufl., § 15 Rz. 106b;… Gosch in: Kirchhof, EStG, 15. Aufl., § 49 Rz. 13).
Betriebsaufspaltung über die Grenze
Das gegenläufige Urteil des BFH in der Sache I R 95/10 sei wegen der speziellen Regelung des Art III Abs. 2 DBA GB nicht auf dieses DBA übertragbar.
Folge man dagegen dem BFH in der Sache I R 95/10 mit seinen Aussagen zu einer gewerblich geprägten, im Ausland aber vermögensverwaltend tätigen Personengesellschaft, so sei unter Beachtung des einschlägigen DBA zunächst zu prüfen, welchem Staat das Besteuerungsrecht zustände.
Dementsprechend ist nicht maßgeblich, dass im Verhältnis B-GbR als Besitzgesellschaft und F-UK als Betriebsgesellschaft nach deutschem Rechtsverständnis eine Betriebsaufspaltung über die Grenze vorliegt und die B-GbR danach Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielen würde (vgl. zum DBA Ungarn BFH, Urteil vom 25.05.2011 I R 95/10, BStBl II 2014, 760, Rz. 22).
Im Übrigen führt die Vermietung eines in Großbritannien belegenen Grundstücks nicht zur Begründung einer Betriebsstätte dort (vgl. BFH…, Urteil vom 04.07.2012 II R 38/10, BStBl II 2012, 782, Rz. 48 f.; BStBl II 2014, 760, Rz. 22; FG Nürnberg…, Urteil vom 28.09.2011 3 K 959/2008, Deutsches Steuerrecht Entscheidungsdienst - DStRE - 2012, 1063, Rz. 31 bei juris).
Auch der BFH bezieht bezüglich der Einkünftequalifikation nach innerstaatlichem Recht die Aktivitäten einer ausländischen (Kapital-)Gesellschaft mit ein (insbesondere etwa BFH, Urteil vom 25.05.2011 I R 95/10, BStBl II 2014, 760, wo lediglich der Mehrheitsgesellschafter der in Ungarn tätigen Besitzgesellschaft und Betriebsgesellschaft, beides Personengesellschaften nach ungarischem Recht, im Inland unbeschränkt steuerpflichtig war).
§ 8a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 i. V. m. Satz 2 KStG 1999 a. F. verstößt gegen Art. 24 …
FG Hamburg, 16.02.2016 - 2 K 54/13
Gewerbesteuer: Sonderbetriebseinnahmen als Bestandteil des inländischen …