Source: http://m.hensche.de/Urlaubsanspruch_Teilzeit_Vollzeit_Urlaubsanspruch_bei_Wechsel_von_Teilzeit_zu_Vollzeit_EuGH_C-219-14_11.11.2015.html
Timestamp: 2017-07-21 14:40:40
Document Index: 284262396

Matched Legal Cases: ['Art.31', 'Art.7', '§ 1', '§ 3', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Was passiert mit nicht genommenen Urlaubstagen nach einer Erhöhung der Arbeitszeit?
Das Eu­ro­pa­recht sieht vor, dass Ar­beit­neh­mer ei­nen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub von min­des­tens vier Wo­chen ha­ben müssen. Das folgt aus Art.31 Abs.2 der Eu­ropäischen Grund­rech­te­char­ta und aus Art.7 der Richt­li­nie 2003/88/EG über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (Ar­beits­zeit­richt­li­nie). Nichts an­de­res gilt auch nach deut­schem Recht bzw. nach § 1 und § 3 Abs.1 Bun­des­ur­laubs­ge­setz (BUrlG).
Die aus Ar­beit­neh­mer­sicht we­ni­ger güns­ti­ge Be­trach­tungs­wei­se sieht so aus: Hat ein Ar­beit­neh­mer während ei­ner Teil­zeit­beschäfti­gung von z.B. zwei Ta­gen pro Wo­che ei­nen An­spruch auf vier Ur­laubs­ta­ge er­wor­ben und möch­te die­sen Ur­laub nach dem Über­gang zur Fünf­ta­ge­wo­che neh­men, sind das auch wei­ter­hin nur vier Ta­ge be­zahl­ter Ur­laub. Der Ar­beit­neh­mer kann nach die­ser Be­rech­nungs­wei­se zwar we­ni­ger lan­ge am Stück Ur­laub ma­chen, nämlich nur vier Ta­ge bzw. knapp ei­ne Wo­che statt zwei Wo­chen, doch be­kommt er das­sel­be Ur­laubs­ent­gelt wie in dem Fall ei­nes Ur­laubs­an­tritts vor der Ar­beits­zeit­auf­sto­ckung. Mit Ur­teil vom 11.11.2015, C-219/14 (Green­field) hat der Ge­richts­hof die ers­te Be­trach­tungs­wei­se ver­wor­fen, d.h. er hat ent­schie­den, dass das Eu­ro­pa­recht ei­ne (aus Ar­beit­neh­mer­sicht güns­ti­ge) rück­wir­ken­de Nach­be­rech­nung des Ur­laubs nach dem neu­en Ar­beits­rhyth­mus des Ar­beit­neh­mers bzw. auf Ba­sis der erhöhten Ar­beits­zeit nicht ver­langt. Kathleen Greenfield vs. Care Bureau Ltd.: Aufstockung der Arbeitszeit von einer geringfügigen Teilzeit auf Vollzeittätigkeit
In dem aus Eng­land stam­men­den Streit­fall hat­te ei­ne seit Mit­te Ju­ni 2009 beschäftig­te Ar­beit­neh­me­rin, Kath­le­en Green­field, lan­ge Zeit nur ei­nen Tag pro Wo­che ge­ar­bei­tet. Da sie ei­nen Ur­laubs­an­spruch von 5,6 Wo­chen hat­te, hätte sie im Som­mer 2012 ma­xi­mal sechs Ta­ge bzw. sechs Wo­chen Ur­laub ma­chen können, er­hielt aber im Ju­ni und Ju­li 2012 sie­ben Ta­ge bzw. Wo­chen Ur­laub.
Nach­dem Frau Green­field En­de Mai 2013 aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schie­den war, strit­ten sie und die Ca­re Ltd. vor dem Ar­beits­ge­richt Bir­ming­ham über den Um­fang der Ur­laubs­ab­gel­tung. Das Ar­beits­ge­richt setz­te den Rechts­streit aus und frag­te den EuGH, ob das Eu­ro­pa­recht ver­langt, dass bei ei­ner Ar­beits­zeit­erhöhung der zu­vor er­wor­be­ne Ur­laub rück­wir­kend nach der erhöhten St­un­den­zahl, d.h. zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers neu be­rech­net wer­den muss. EuGH: Bei einer Arbeitszeiterhöhung muss der zuvor erworbene Urlaub nicht rückwirkend nach dem neuen Arbeitsrhythmus bzw. zugunsten des Arbeitnehmers neu berechnet werden
Der EuGH ent­schied, dass das Eu­ro­pa­recht nicht ver­langt, während ei­ner Teil­zeit­pha­se er­wor­be­ne Ur­laubs­ansprüche nach Auf­sto­ckung der Ar­beits­zeit zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers neu, d.h. ent­spre­chend der verlänger­ten Ar­beits­zeit zu be­rech­nen. Al­ler­dings ver­bie­tet das Eu­ro­pa­recht ei­ne sol­che, für Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge Be­rech­nungs­wei­se auch nicht.
Bewertung: Ur­laubs­an­spruch bei Wech­sel von Teil­zeit in Voll­zeit