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Timestamp: 2016-10-21 21:52:42
Document Index: 167364152

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_390/2011 (10.08.2011)
8C_390/2011
Der 1961 geborene E.________ arbeitete als Hobler bei der A.________ AG und war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen versichert, als er sich am 2. Januar 2008 mit einer Trennscheibe an der linken Hand verletzte und dabei das proximale Interphalangealgelenk (Fingermittelgelenk) am Zeige- und Mittelfinger zerst�rte. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Mit Verf�gung vom 9. Februar 2010 sprach sie ihm eine Invalidenrente bei einem Invalidit�tsgrad von 39 % und eine Integrit�tsentsch�digung gest�tzt auf einen Integrit�tsschaden von 15 % zu. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 6. Dezember 2010 fest.
Mit Beschwerde l�sst E.________ die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides und die neue Festsetzung des Anspruchs auf Versicherungsleistungen und der Integrit�tsentsch�digung beantragen. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zur Einholung eines interdisziplin�ren Gutachtens zur�ckzuweisen.
Die SUVA schliesst auf Abweisung der Beschwerde, w�hrend die Vorinstanz und das Bundesamt f�r Gesundheit auf eine Vernehmlassung verzichtet.
Das kantonale Gericht hat die nach der Rechtsprechung f�r den Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 UVG) geltenden Voraussetzungen des nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181), insbesondere bei psychischen Unfallsch�den (BGE 115 V 133), zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Streitig und zu pr�fen ist der Umfang des Anspruchs auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung.
4.1 Die Schnittverletzungen an der linken Hand des Beschwerdef�hrers wurden am Spital X.________ operativ versorgt. In der Folge war er unter anderem in der Rehaklinik Y.________ und in der Klinik Z.________ station�rer sowie beim Sozialpsychiatrischen Dienst B.________ und in der Schmerzklinik Q.________ in ambulanter Behandlung. Dr. med. V.________, Facharzt f�r Chirurgie von der Abteilung Versicherungsmedizin der SUVA, kam in seiner �rztlichen Beurteilung vom 12. November 2010 zum Schluss, als wesentliche organische Unfallfolge verbleibe eine Versteifung der Mittelglieder des linken Zeige- und Mittelfingers mit entsprechender funktioneller Einschr�nkung. Zudem k�nne ein kleiner Teil der chronifizierten Schmerzen, n�mlich die neuropathische Schmerzkomponente an Zeige- und Mittelfinger, auf organischer Grundlage erkl�rt werden, nicht aber die Ausweitung der Schmerzen auf die ganze linke obere Extremit�t und das sensible Quadrantensyndrom, das sich aus neurologischer Sicht nicht zuordnen lasse.
4.2 Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass die geklagten Schmerzen im linken Arm, in den Schultern und im Kopf nicht organisch bedingt sind. So hielten die �rzte der Schmerzklinik Q.________ im Bericht zuhanden der Klinik Z.________ vom 26. Oktober 2009 fest, klinisch-neurologisch f�nden sich im Bereich des zweiten und dritten Fingers links dorsal Hinweise f�r eine Sch�digung von Nervenstrukturen im Unfallbereich. M�glicherweise seien die Befunde Ausgangspunkt eines sich daraufhin entwickelten Schmerzes im gesamten linken Arm, welcher dort nicht neuropathisch einzusch�tzen sei. Am ehesten handle es sich um myofaszielle Ph�nomene bei Schonhaltung. Die Ursache des sensiblen oberen Quadranten-Syndromes links sei neurologisch nicht zuzuordnen. Aus orthop�discher Sicht bestehe ein ausgedehntes Schmerzsyndrom nach Verletzung der Finger II und III. Die eigentliche Verletzung sei unter Teileinsteifung der Finger gut ausgeheilt. Die Klinik Z.________ diagnostizierte am 14. Januar 2010 als Folge der Trennscheibenverletzung eine neuropathische Schmerzkomponente am Mittel- und Endglied des zweiten und dritten Fingers links. Den chronischen Schmerz an Hinterkopf, Schulter, Arm und Hand links sahen sie im Zusammenhang mit einem chronischen Schmerzsyndrom. Sie f�hrten dazu aus, auff�llig sei beim Beschwerdef�hrer eine Fixierung auf den Schmerz im linken Arm bis zur Schulter, wof�r sich objektiv kein morphologisches Korrelat zeige.
Die abschliessende Beurteilung von Dr. med. V.________, wonach die geklagten Schmerzen im linken Arm, in der Schulter und im Kopf nicht organisch bedingt sind, steht somit im Einklang mit den anderen massgeblichen medizinischen Abkl�rungen. Entgegen der Annahme in der Beschwerde ist die Beurteilung von Dr. med. V.________ daher nicht zu beanstanden. Im �brigen ist darauf hinzuweisen, dass es sich auch bei den von den �rzten der Schmerzklinik Q.________ beschriebenen myofasziellen Ph�nomenen gem�ss der Rechtsprechung nicht um organisch hinreichend nachweisbare Unfallfolgen handelt (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86, U 339/06 E. 4.1). Auf die beantragte Einholung eines interdisziplin�ren medizinischen Gutachtens durfte daher in antizipierter Beweisw�rdigung verzichtet werden. Der medizinische Sachverhalt ist hinreichend abgekl�rt.
4.3 Das kantonale Gericht best�tigte die Leistungszusprache f�r die von den �rzten best�tigten unfallkausalen Funktionseinschr�nkungen und die Schmerzen im linken Zeige- und Mittelfinger. In Bezug auf die �brigen geklagten, organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden und der zus�tzlichen psychischen Beeintr�chtigungen liess es die Frage offen, ob zwischen dem Unfallereignis vom 2. Januar 2008 und den geltend gemachten Beschwerden und Einschr�nkungen ein nat�rlicher Kausalzusammenhang besteht. Diese Vorgehensweise ist grunds�tzlich zul�ssig, wenn ein allf�lliger Kausalzusammenhang nicht ad�quat und damit nicht rechtsgen�glich w�re (vgl. BGE 135 V 465 E. 5.1 S. 472). Unbestritten ist, dass die Vorinstanz die Beurteilung der Ad�quanz gem�ss den Kriterien bei psychischen Fehlentwicklungen nach einem Unfall (BGE 115 V 133) vornahm.
5.1 Bei der Qualifikation des Unfallereignisses im Rahmen der Beurteilung der Ad�quanz verwies die Vorinstanz auf die Rechtsprechung zur Unfallschwere bei Handverletzungen (vgl. SVR 2009 UV Nr. 57 S. 203, 8C_77/2009 S. 4.1.2) und kam zum Schluss, nach dem augenf�lligen Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelten Kr�ften sei die Schnittverletzung mit der Trennscheibe den mittleren und dort nicht dem Grenzbereich zu den schweren Unf�llen zuzuordnen. Diese Qualifikation ist nicht zu beanstanden. Massgebend f�r die Beurteilung der Unfallschwere ist der augenf�llige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kr�ften (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126; SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07). Der Beschwerdef�hrer trug beim Unfall Schutzhandschuhe. Die Kr�fte, welche auf die Finger einwirkten, wurden von diesen Schutzhandschuhen teilweise absorbiert, sodass es nicht zur Amputation der beiden Finger kam. Unerheblich ist dabei, ob die Verletzung an der dominanten oder adominanten Hand erfolgte. Die Vorinstanz beurteilte das Unfallereignis weder als leicht noch ausdr�cklich als mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen. Es ist vielmehr als mittelschwerer Unfall im mittleren Bereich zu qualifizieren.
5.2 F�r die Bejahung des ad�quaten Kausalzusammenhangs m�ssten folglich von den Ad�quanzkriterien (BGE 115 V 140 E. 6c/aa) entweder ein einzelnes in besonders ausgepr�gter Weise oder aber mehrere in geh�ufter oder auffallender Weise erf�llt sein (BGE 115 V 133 E. 6c/bb S. 141). Bei der Pr�fung dieser Kriterien sind (anders als nach der sog. Schleudertrauma-Praxis) psychische Aspekte ausser Acht zu lassen (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140.; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112).
5.2.1 Die Vorinstanz verneinte zu Recht besonders dramatische Begleitumst�nde. Es handelte sich um einen nicht beabsichtigten Arbeitsunfall, bei dem sich der Beschwerdef�hrer mit der Trennscheibe schnitt und der Schutzhandschuh eine Amputation der beiden Finger verhinderte. Weiter Begleitumst�nde waren nicht gegeben.
5.2.2 Ebenfalls zu verneinen sind schwere oder besonders geartete K�rperverletzungen, welche geeignet sind, eine psychische Fehlentwicklung auszul�sen. Der Unfall f�hrte zwar zu einer Zerst�rung der Fingermittelgelenke und damit zu einer Versteifung von zwei Fingern. Eine Amputation fand jedoch nicht statt. �usserlich sind die Verletzungen gem�ss den Fotos vom 14. Mai 2008 kaum mehr erkennbar.
5.2.3 Das kantonale Gericht verneinte eine ungew�hnlich lange Dauer der �rztlichen Behandlung. Was der Beschwerdef�hrer dagegen vorbringt, erweist sich als unbegr�ndet. Ber�cksichtigt man nur die objektivierbaren k�rperlichen Befunde, waren sp�testens nach dem Aufenthalt in der Rehaklinik Y.________ von 18. Juni bis 16. Juli 2008 die Unfallfolgen abgeheilt.
5.2.4 Das Kriterium der k�rperlichen Dauerschmerzen kann aufgrund der von den �rzten bescheinigten neuropathischen Schmerzkomponente am Mittel- und Endglied des linken Zeige- und Mittelfingers bejaht werden.
5.2.5 Auch eine �rztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte sowie einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen verneinte die Vorinstanz zu Recht. Unter Nichtber�cksichtigung des ausgeweiteten Schmerzsyndroms, war die Heilung der Fingerverletzungen innert kurzer Frist abgeschlossen.
5.2.6 In Bezug auf das Kriterium des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunf�higkeit ist der Beschwerdef�hrer sp�testens ab dem Klinikaustritt aus der Rehaklinik Y.________ vom 16. Juli 2008 in einer angepassten T�tigkeit wieder zu 100 % arbeitsf�hig zu beurteilen. Die weitere Arbeitsunf�higkeit ab diesem Zeitpunkt und das Scheitern des vom Beschwerdef�hrer widerwillig ausgef�hrten Arbeitsversuches liegen hingegen in der hier nicht zu ber�cksichtigenden Schmerzausweitung begr�ndet. Der Arbeitsversuch scheiterte gem�ss Angaben des Arbeitgebers vom 30. Juni 2009 wegen den (schmerzbedingten) Abwesenheiten des Beschwerdef�hrers und nicht weil dieser die Arbeit k�rperlich nicht h�tte ausf�hren k�nnen.
5.2.7 Somit ist festzuhalten, dass einzig das Kriterium der k�rperlichen Dauerschmerzen erf�llt ist, jedoch nicht in derart ausgepr�gter Weise, dass der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 2. Januar 2008 und den organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden bzw. den psychischen Befunden bejaht werden k�nnte. Die Vorinstanz hat diese daher zu Recht nicht ber�cksichtigt.
Gest�tzt auf die organischen Unfallfolgen beurteilte Dr. med. V.________ am 12. November 2010 die zumutbaren Arbeitst�tigkeiten des Beschwerdef�hrers. Er hielt unter anderem fest, er k�nne sogar mit der (auszuklammernden) Schmerzausweitung in Arm, Schulter und Kopf, Auto fahren, wenn auch nur f�r kurze Strecken. Hierbei m�sse er die linke Hand mehr einsetzen, als dies bei einer reinen Zudien- und Hilfshand der Fall w�re. Mit der linken dominanten Hand seien ihm leichte manuelle T�tigkeiten mit einer Gewichtsbelastung bis maximal 1 kg zumutbar, wobei wegen der St�rung der Greiffunktion und der Feinmotorik eine Verlangsamung ber�cksichtigt werden m�sse.
Diese Beurteilung ist schl�ssig, und eine wirtschaftliche Verwertbarkeit bei solchen T�tigkeiten ist entgegen der Auffassung des Beschwerdef�hrers gegeben. Die Rechtsprechung bejaht selbst bei funktionell einarmigen Personen gen�gende realistische Bet�tigungsm�glichkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Urteil 8C_810/2009 vom 3. M�rz 2010 E. 2.6.4 und Urteil 8C_207/2009 vom 8. September 2009 E. 3.2, je mit Hinweis). Dies muss umso mehr beim Beschwerdef�hrer gelten, der seine linke Hand in noch begrenztem Umfang einsetzen kann. Den dadurch bedingten Einschr�nkungen hat die Vorinstanz mit dem maximal zul�ssigen Abzug von 25 % vom Tabellenlohn gem�ss BGE 126 V 75 hinreichend Rechnung getragen. Der ermittelte Invalidit�tsgrad von 39 % erweist sich daher als rechtens.
Dr. med. M.________ und Dr. med. V.________ sch�tzten in ihren Beurteilungen vom 30. M�rz 2009 und 12. November 2010 den Integrit�tsschaden des Beschwerdef�hrers auf 15 %. Diese Sch�tzung basiert einerseits auf einer umfassenden kreis�rztlichen Untersuchung und erscheint andererseits mit Blick auf die massgebende Abbildung Nr. 28 in der Tabelle 3.4 der von der SUVA unter dem Titel "Integrit�tsentsch�digung gem�ss UVG" herausgegebenen Richtlinien (Integrit�tsschaden bei einfachen oder kombinierten Finger-, Hand- und Armverlust) nicht als zu tief. Die Abbildung zeigt eine Amputation des Zeige- und Mittelfingers. Eine Differenzierung nach dominanter und adominanter Hand erfolgt nicht. Die Vorinstanz verwies unter anderem auf diese �bereinstimmung zwischen der �rztlichen Beurteilung und der SUVA-Tabelle. Ihr Entscheid ist damit hinreichend begr�ndet. Die geklagten Beschwerden und geltend gemachten Einschr�nkungen weiterer K�rperteile sind wegen deren fehlenden Unfallkausalit�t auch beim Integrit�tsschaden nicht zu ber�cksichtigen. Konkrete Einw�nde, welche die �rztliche Beurteilung des Integrit�tsschadens in Zweifel zu ziehen verm�chten, werden nicht vorgebracht.
Insgesamt erweist sich der kantonale Entscheid, in dem die Leistungszusprache durch die Beschwerdegegnerin best�tigt wird, somit als rechtens. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.