Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/unmittelbares-ansetzung-zum-diebstahl-3100923
Timestamp: 2020-03-30 06:13:52
Document Index: 117288052

Matched Legal Cases: ['§ 22', 'BGH', 'BGH', '§ 22', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Unmit­tel­ba­res Anset­zung zum Dieb­stahl | Rechtslupe
Unmit­tel­ba­res Anset­zung zum Dieb­stahl
Nach § 22 StGB ver­sucht eine Straf­tat, wer nach sei­ner Vor­stel­lung von der Tat zur Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stands unmit­tel­bar ansetzt. Hier­für ist nicht erfor­der­lich, dass der Täter bereits ein Tat­be­stands­merk­mal ver­wirk­licht.
Es genügt, dass er Hand­lun­gen vor­nimmt, die nach sei­nem Tat­plan schon bei unge­stör­tem Fort­gang unmit­tel­bar in die tat­be­stand­li­che Hand­lung ein­mün­den. Dies ist der Fall, wenn der Täter die Schwel­le zum "Jetzt geht es los" über­schrei­tet, es eines wei­te­ren Wil­lens­im­pul­ses nicht mehr bedarf und sein Tun ohne Zwi­schen­ak­te in die Erfül­lung des Tat­be­stands über­geht.
Nicht als Zwi­schen­ak­te in die­sem Sin­ne anzu­se­hen sind Hand­lun­gen, die wegen ihrer not­wen­di­gen Zusam­men­ge­hö­rig­keit mit der Tat­hand­lung nach dem Plan der Täter als deren Bestand­teil erschei­nen, weil sie an die­se zeit­lich und räum­lich angren­zen und mit ihr im Fal­le der Aus­füh­rung eine natür­li­che Ein­heit bil­den; dies kann auch für ein not­wen­di­ges Mit­wir­ken des Opfers gel­ten 1. Maß­geb­li­che Kri­te­ri­en für die Beur­tei­lung im Ein­zel­fall sind u.a. die Dich­te des Tat­plans und der Grad der Rechts­gut­ge­fähr­dung 2. Der Angriff auf den frem­den Gewahr­sam beginnt in die­sen Fäl­len bereits mit dem Begeh­ren um Ein­lass 3.
Nach der zuvor bereits bei ande­ren Opfern viel­fach erfolg­reich prak­ti­zier­ten Vor­ge­hens­wei­se – "Was­ser­wer­ker-Metho­de" zur Abzo­cke vor­zugs­wei­se älte­rer Per­so­nen – hat­ten die Ange­klag­ten im vor­lie­gen­den Fall die Schwel­le zum "Jetzt geht es los" mit dem nicht unter einem Rück­tritts­vor­be­halt ste­hen­den unmit­tel­ba­ren Ein­wir­ken auf das zuvor bereits aus­ge­späh­te Tat­op­fer an der Woh­nungs­tür über­schrit­ten. Zu die­sem Zeit­punkt war auch eine kon­kre­te Gefähr­dung des Opfer­ver­mö­gens bereits ein­ge­tre­ten. Dass das Gelin­gen und damit die Voll­endung der Tat letzt­lich noch von dem Erfolg der Täu­schung und von dem Auf­fin­den von Wert­ge­gen­stän­den inner­halb der Woh­nung abhän­gig war, und der Dieb­stahl hier "ohne Zutun" der Ange­klag­ten geschei­tert ist, hin­dert nicht den Ein­tritt ins Ver­suchs­sta­di­um.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Sep­tem­ber 2015 – 2 StR 71/​15
BGH, Beschluss vom 16.07.2015 – 4 StR 219/​15 mwN[↩]
BGHR StGB § 22 Anset­zen 11; BGH NStZ 2002, 309[↩]
BGH, Urteil vom 12.03.1985 – 5 StR 722/​84; vgl. auch BGH, Beschluss vom 11.05.2010 – 3 StR 105/​10[↩]
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