Source: https://digital.zlb.de/viewer/fulltext/15907537_2016_1/1/
Timestamp: 2020-03-30 04:42:29
Document Index: 131669236

Matched Legal Cases: ['§ 89', '§\xa089', '§ 45', '§ 67', '§ 1', '§\xa08', '§ 9', '§ 67', '§ 11']

KVJS aktuell Issue 2016,1 - Digitale Landesbibliothek Berlin - Zentral- und Landesbibliothek Berlin
KVJS aktuell Issue 2016,1
URN: https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-8002775
Full text: KVJS aktuell Issue 2016,1
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-8002775
KVJS/Soziales
Unterbringung der
Flüchtlinge fordert
Seiten 6 und 12
Seiten 24 und 26
gehen in die
Kann man soziale
Qualität im Unternehmen messen?
3	 Neues Jahr, neue Aufgaben: Die KVJS-Verbandsversammlung
5	 Schiedsspruch zum Rahmenvertrag für die stationäre Pflege
6	 Unbegleitete minderjährige Ausländer
8	 Bürger gestalten die Zukunft
9	 Wirkungsorientierung in der Jugend- und Sozialhilfe
10	 Neue Erhebung zur Situation von Menschen in Wohnungsnotlagen
12	 Sozialämter erwarten mehr Flüchtlinge unter den Wohnungslosen
14	 100 Jahre Blindenführhund
16	 Werkstatt Wohnen: Erweiterte Beratung
19	 Team ohne Berührungsängste
20	 Neues Förderpaket für inklusive Beschäftigung
22	 Qualifizierung zum Betrieblichen Eingliederungsberater
24	 Abschluss und Auftakt der Frühen Hilfen in Baden-Württemberg
26	 Präventionsprojekt setzt auf Frühe Hilfen
28	 Demografiebericht des KVJS bestätigt Strukturwandel
29	 Fachtag für Integrationsunternehmen
32	 KVJS baut sein Angebot für 2016 aus
33	 Interview zum neuen Ethik-Studium
Neu erschienen	 34	 Beim KVJS erschienen
Flüchtlinge, Eingliederungshilfe und Pflege lassen 2016 teurer werden
Die Flüchtlingssituation – seit Monaten im Brennpunkt der Öffentlichkeit – beschäftigte die
KVJS-Verbandsversammlung im Dezember. Der KVJS soll unter anderem dafür eintreten, dass
Standards bei der Erteilung von Betriebserlaubnissen bei der Unterbringung und Betreuung
von unbegleiteten minderjährigen Ausländern (UMA) angepasst werden.
Zusammen mit den kommunalen Landesverbänden soll sich der KVJS beim Sozialministerium dafür einsetzen, dass die gesetzlichen Standards bei der Erteilung der
Betriebserlaubnisse zumindest befristet
an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Angebote für unbegleitete minderjährige Ausländer sollen am
tatsächlichen Bedarf ausgerichtet werden
können. Bisher ist es gelungen, sie weitgehend innerhalb der Jugendhilfe zu versorgen. Weitere Optionen für den Fall, dass
weiterhin so viele Minderjährige einreisen,
sollen erarbeitet werden. Alle aktuellen
Entwicklungen hierzu sind auf der Homepage des KVJS eingestellt.
Darüber hinaus soll sich der Verband für
eine Änderung des § 89 d SGB VIII einsetzen. So soll die Monatsfrist nach der
Einreise als Voraussetzung für die Kostenerstattung bei der Jugendhilfe ersatzlos
gestrichen oder auf die Kenntnis beim
Jugendamt abgestellt werden. Das Land
müsse zudem landesrechtlich regeln, dass
auch nach Ablauf einer Frist eine Kostenerstattung beim Land geltend gemacht
werden kann. Zwischenzeitlich haben der
KVJS und die kommunalen Landesverbände Sozialministerin Altpeter gebeten, eine
Bundesratsinitiative zur Änderung des
§ 89 d SGB VIII auf den Weg zu bringen.
beeinflussen Arbeit des Verbandes
Vor allem die aktuellen Flüchtlingsströme
werden 2016 die Haushalte der 44 Stadtund Landkreise und des KVJS prägen: „Wir
stehen vor einer neuen Ausgabendynamik im Sozialleistungssystem“, so der Verbandsvorsitzende Landrat Karl Röckinger.
Aber auch darüber hinaus wachsen die
Ausgaben: 2014 ist der Sozialetat bundesweit stärker gestiegen als die Wirtschaftsleistung. Das für 2017 angekündigte neue
Bundesteilhabegesetz oder auch die
große, jetzt als inklusive Lösung betriebene Reform im SGB VIII, sowie die Pflegestärkungsgesetze II und III werden zudem
die Kosten weiter steigen lassen. Das hat
langfristig Auswirkungen auf die Haushalte der Kreise und die Arbeit des KVJS.
Solide gerechnet
Verband bleibt 2016 schuldenfrei – Umlage sinkt erstmals seit 2011
Die KVJS-Verbandsversammlung hat den Haushaltsplan 2016 verabschiedet. Erstmals seit 2011
können die Umlagesätze gegenüber dem Vorjahr gesenkt werden.
Ermöglicht wird dies durch die gestiegenen Steuerkraftsummen der Stadt- und
Landkreise sowie durch den sehr guten
Jahresabschluss 2014. Damit sinken der
Kopfbetrag von 2,309 auf 2,294 Euro pro
Einwohner und der Hebesatz von 0,159
auf 0,150 Prozent der Steuerkraftsummen.
Das Gesamtvolumen des Ergebnishaushalts beläuft sich auf rund 242 Millionen
Euro und ist um circa 9 Millionen Euro gegenüber dem Planansatz 2015 gestiegen.
Der Netto-Mehrbedarf für 2016 liegt bei
1,8 Millionen Euro. Im Wesentlichen ergibt er sich aus gestiegenen Personalund Sachaufwendungen, einem weiteren
kommunalen Anteil am Entschädigungsfonds für ehemalige Heimkinder sowie
gestiegenen Kostenerstattungen in der
Sozial- und Jugendhilfe.
Aufgrund massiv gestiegener Fallzahlen im Pflegesatzwesen und komplexer
werdender Gutachten beim MedizinischPädagogischen Dienst bekam der KVJS
fünf neue Stellen und liegt somit aktuell
bei 398,5 Planstellen. Durch die gesetzlich
festgeschriebene Übernahme der Landesverteilung für unbegleitete minderjährige
Ausländer müssen weitere 4,5 befristete
Stellen geschaffen werden. Um die damit
verbundenen wachsenden Aufgaben bei
der Heimaufsicht beziehungsweise bei
der Erteilung von Betriebserlaubnissen
bewältigen zu können, sind auch beim
Landesjugendamt zusätzliche Fachkräfte
erforderlich, für die drei befristete Stellen
Weitere sozialpolitisch wirksame
Haushaltsansätze sind:
•	 450 000 Euro für Forschungsvorhaben:
Seit 2011 konnten elf praxisrelevante
•	 710 000 Euro als kommunalen Anteil für
den Entschädigungsfonds für ehemalige Heimkinder: Die Laufzeit wurde bis
2018 verlängert und der Fonds um insgesamt 182 Millionen Euro aufgestockt.
•	 570 000 Euro für Entwicklungsprojekte
in der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen und der Wohnungslosenhilfe.
•	 410 000 Euro Zuschüsse an Beratungsstellen für hörgeschädigte Menschen.
•	 826 000 Euro für die Förderung von Einrichtungen, Projekten und Maßnahmen
•	 50 000 Euro für das „forum b-wohnen“
für barrierefreies Wohnen im Alter und
bei Behinderung.
•	 2,95 Millionen Euro für Investitionsförderungen bei Behinderten- und Pflegeeinrichtungen.
Auch 2016 sind keine neuen Kredite vorgesehen, der KVJS bleibt weiterhin schuldenfrei.
Schiedsspruch zum Rahmenvertrag für die stationäre Pflege
Nachdem die Leistungserbringer die Verhandlungen zum Rahmenvertrag für die stationäre
Pflege für gescheitert erklärten hatten, hat nun die Schiedsstelle entschieden. Das Ergebnis
bringt Mehrkosten von bis zu 240 Millionen Euro im Jahr. Die Zeche zahlen die Pflegebedürftigen und die Sozialhilfe.
„Während der Verhandlungen zeigten
die Leistungserbringer keinerlei Bereitschaft, von ihrer Maximalforderung von
516 Millionen Euro abzuweichen“, sagt
KVJS-Sozialdezernent Franz Schmeller. Die
Leistungsträger dagegen hatten ein Kompromissangebot eingebracht mit einem
Volumen von rund 140 Millionen Euro. „Das
basierte auf einer strukturellen und qualitativen Verbesserung der Personalausstattung mit dem Ziel, die bestehende gute
Qualität zu sichern und den Landesrahmenvertrag zukunftssicher zu gestalten.“
Das Angebot lehnte die Gegenseite ab
und forderte im Schiedsverfahren zudem
die Herauslösung der verantwortlichen
Pflegedienstleistung aus dem allgemeinen Pflegepersonalschlüssel. Damit erhöhten sie ihre Forderung auf rund 600
Im Dezember setzte die Schiedsstelle
einen neuen Rahmenvertrag für BadenWürttemberg fest, der zum 1. Januar 2016
in Kraft trat. Die Details haben der KVJS,
der Landkreistag und der Städtetag den
Kreisen in einem Rundschreiben mitgeteilt.
Die finanziellen Auswirkungen lassen sich
nur schwer einschätzen, da den Einrichtungen freigestellt ist, wie und wann sie
die Verbesserungen umsetzen. So bringt
der Schiedsspruch 2016 Mehrkosten von
bis zu 120 Millionen Euro. Zusammen
mit Verbesserungen, die ab 2017 greifen,
können sie um bis zu 240 Millionen Euro
Die Altenpflege im Land wird teurer.
steigen. Weitere Leistungsverbesserungen durch das Pflegestärkungsgesetz sind
nicht beinhaltet.
Bei einer Sozialhilfequote in den Einrichtungen von knapp 30 Prozent entfallen
somit ab Januar 2017 bis zu 72 Millionen
Euro auf die Träger der Sozialhilfe und die
kommunalen Haushalte. Auch die Pflegeheimbewohner tragen ihre Last: Für sie
kostet ein Pflegeheim ab 2017 bis zu 193
Euro monatlich mehr – ohne Berücksichtigung weiterer Kostensteigerungen.
„Ob wir gegen den Schiedsspruch Klage einreichen, entscheiden wir nach der
schriftlichen Begründung“, sagt Schmeller. „In Gesprächen mit dem Land und im
Zusammenhang mit der Pflege-Enquete
werden wir deutlich machen, dass weitere Kostensteigerungen in der Pflege nicht
umsetzbar sind.“ Baden-Württemberg
nimmt im bundesweiten Vergleich bereits
heute eine Spitzenposition ein.
Wie dehnbar ist die Jugendhilfe?
Unbegleitete minderjährige Ausländer bringen Kreise an Kapazitätsgrenzen
Auch wenn die Flüchtlingszahlen zuletzt leicht gesunken sind, kommen unverändert viele unbegleitete minderjährige Ausländer nach Baden-Württemberg. Bislang gelang die Betreuung
weitestgehend im Jugendhilfesystem. Gespräche über befristete Anpassungen bei der Erteilung der Betriebserlaubnisse laufen jedoch.
Die Kreise in Baden-Württemberg haben
seit November 2015 überdurchschnittlich viele neu eingetroffene unbegleitete
minderjährige Ausländer aufgenommen
und versorgt. Im ganzen Land wurden die
Unterbringungskapazitäten mit kontinuierlicher Unterstützung des KVJS erweitert: Von Januar bis Mitte Oktober 2015
hat der KVJS doppelt so viele Betriebserlaubnisse für Jugendhilfeangebote erteilt
wie im selben Zeitraum des Vorjahres. Von
insgesamt 350 Betriebserlaubnisverfahren
wurden bisher allein 60 Prozent für UMAbezogene Angebote bewilligt. Weitere
Anträge sind in Arbeit.
Bislang gelang die Betreuung – zum Teil
mit befristeten Auflagen – im Jugendhilfesystem. Jedoch kommen die Kreise zunehmend an ihre Grenzen. Die
KVJS-Verbandsversammlung hat die
Verbandsleitung deshalb im Dezember
aufgefordert, sich „gemeinsam mit den
kommunalen Landesverbänden beim
Sozialministerium dafür einzusetzen,
dass bei der Erteilung der erforderlichen
Betriebserlaubnisse nach §§ 45 ff SGB VIII
eine zumindest befristete Anpassung an
die örtlichen Gegebenheiten ermöglicht
wird.“ Abweichend vom Regelstandard
soll es möglich sein, in den Erstaufnahmestellen eine Inobhutaufnahmestelle
einzurichten und Angebote für die UMA
am tatsächlichen Bedarf auszurichten. Der
KVJS ist wegen der Standardfragen bereits
mit dem Sozialministerium, das in diesem
Bereich weisungsbefugt ist, im Gespräch.
Seit November wird das neue Verteilungsverfahren praktiziert. Das KVJS-Landesjugendamt hatte die Kreise bereits Ende
Oktober über das Melde- und Verteilverfahren informiert. Die Jugendämter im
Land melden seitdem zuverlässig werktags ihren Bestand per E-Mail an das
Bundesverwaltungsamt. Mittelfristig sind
Online-Meldungen geplant. Das dafür erforderliche Programm wird vom Bundesverwaltungsamt derzeit entwickelt.
Es werden nur Jugendliche verteilt, die
nach dem 1. November 2015 in den Kreisen ankommen. Alle vorher eingetroffenen werden auf die Quoten angerechnet, die die Kreise zu erfüllen haben. Da
die Verteilung bundesweit zum räumlich
nächst gelegenen Bundesland erfolgen
soll, kamen die ersten Jugendlichen aus
Bayern nach Baden-Württemberg. Teilweise wurden auch Jugendliche aus Hessen
in das Land vermittelt. Anfang Januar hat
Baden-Württemberg fast 6 000 Unbegleitete minderjährige Ausländer aufgenommen und damit rund 70 Prozent seiner
Quote erfüllt. Da sich die Zahlen für das
gesamte Bundesgebiet und damit auch
für die einzelnen Länder täglich ändern,
ist keine verlässliche Abschätzung möglich, wie viele UMA tatsächlich auf BadenWürttemberg zukommen werden.
Beim KVJS wurde derweil ein neues Referat eingerichtet: Am 1. Januar hat das
Referat „Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit,
Frühe Hilfen, Förderprogramme, Fortbil-
dung, Landesverteilstelle UMA“ unter der
Leitung von Gerald Häcker die Arbeit aufgenommen. Gerald Häcker hatte bereits
zum 1. November die Aufgaben der Landesverteilstelle UMA übernommen. Mitt-
lerweile hat das Sozialministerium dem
KVJS für die Landesverteilstelle mit einer
öffentlich-rechtlichen Vereinbarung die
Personalkostenerstattung für die notwendigen Fachkräfte zugesagt.
Schlüssel 2015
jugendhilferechtlichen
Quotenüber-/
-unterschreitung
SOLLZuständigkeit
gem. Quote
Aktuelle Verteilung der unbegleiteten minderjährigen Ausländer auf die Bundesländer zum 8. Januar 2016.
73,5%7
Grafik: KVJS
20 Modellkommunen starten Konzepte für zukunftsfähige Gemeinschaften
Mit Mehrgenerationentreffs, Bewegungsparks für Jung und Alt, ehrenamtlichen Fahrdiensten
oder Willkommenspaketen für Neubürger haben 20 Modellkommunen im Land wegweisende
Zukunftskonzepte erarbeitet. Ihr gemeinsames Ziel: Familienfreundlich, bürgeraktiv und demografiesensibel in die Zukunft steuern.
In einer Festveranstaltung
zeichnete Jürgen
Lämmle, Ministerialdirektor im Sozialministerium,
die 20 Städte und
Gemeinden aus.
Die Modellkommunen haben gemeinsam mit Bürgern
Konzepte für den demografischen Wandel
entwickelt, um Familien zu entlasten, ältere Menschen zu unterstützen und Neubürger willkommen zu heißen. „Es ist uns
gemeinsam gelungen, die Bürger zu gewinnen, an der Gestaltung der Zukunft ihrer Kommune mitzuarbeiten“, so Lämmle.
bürgeraktive und demografiesensible
Kommune“ durch Beratung vor Ort sowie
Beteiligungs- und Qualifizierungsveranstaltungen.
Vor Ort entstehen Familien- und Mehrgenerationenhäuser, Bürgergemeinschaften
und Generationennetzwerke, WelcomeCenter und Willkommenspatenschaften.
Begleitet werden die Städte und Gemeinden im Rahmen des Landesprojekts „Managementverfahren familienfreundliche,
Nähere Informationen: Kontakt Jens Ridderbusch, jens.ridderbusch@stala.bwl.de,
Andreas Reuter, andreas.reuter@kvjs.de.
Das Kommunale Managementverfahren
Baden-Württemberg wird vom Sozialministerium gefördert und in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Ländlichen
Raum und Verbraucherschutz, dem Kultusministerium, dem KVJS, dem Gemeindetag, Städtetag und Landkreistag BadenWürttemberg, der Akademie Ländlicher
Raum sowie der Familien-Forschung des
Statistischen Landesamtes umgesetzt. Im
Oktober 2015 ist ein neuer Durchgang des
Projektes gestartet.
Allmersbach im Tal, Bad Saulgau, Bad Wildbad, Buchen, Burgstetten, Emmingen-Liptingen,
Forbach, Friedenweiler, Güglingen, Ingersheim, Külsheim, Künzelsau, Lahr, Müllheim, Salach,
Spraitbach, Steinmauern, Sulz am Neckar, Unlingen und Unterensingen.
Neue Fachartikel zur Wirkungsorientierung in der Jugend- und Sozialhilfe
Der KVJS hat drei neue Expertenbeiträge zur Wirkungsorientierung in der Sozialen Arbeit veröffentlicht. Der KVJS greift dieses Thema auf, um Fachleuten Werkzeuge an die Hand zu geben,
um soziale Arbeit effizient zu gestalten.
Im so genannten Werkzeugkoffer sammelt der Verband Informationen und Anregungen für Fachleute der Jugendhilfe,
Behindertenhilfe sowie für Fachleute für
Integration von Menschen mit Behinderungen. Der Werkzeugkoffer enthält folgende neue Elemente:
Dokumentation und Evaluation im
Stadt- und Landkreise gewähren den
Menschen mit einer Behinderung Eingliederungshilfe beim Wohnen, Arbeiten oder
bei stützenden Familienstrukturen. Hierbei berücksichtigt das Fallmanagement
die umfassende Lebenssituation dieser
Menschen und ermöglicht zielgenaue Hilfen. Es hilft, die knappen finanziellen Ressourcen effizient einzusetzen. Im Rahmen
eines KVJS-Forschungsprojekts entstand
ein Werkzeug, welches eine einheitliche
und umfassende Dokumentation im Fallmanagement ermöglicht, eine Grundlage
für die Evaluation schafft und ein Fachcontrolling ermöglichen kann.
Eine multiperspektivische Betrachtung der Wirkfaktoren im Sozialraum
im Rahmen der Projekte der „Neuen
Bausteine“
Im Jahr 2008 wurde das Programm „Neue
Bausteine in der Eingliederungshilfe“ beim
KVJS eingeführt. Seither haben sich bereits
20 der 44 Kreise daran beteiligt. Von Beginn der Programmreihe an wurden alle
Praxisprojekte wissenschaftlich evaluiert.
Für diese Evaluation mussten zunächst
folgende Fragen gestellt werden: Was soll
Pixelio, freni
untersucht und bewertet werden? Auf
welche Fragestellung sucht das Projekt
eine Antwort? Welche Faktoren zeigen
Wirkung? Und welche Wirkungen erscheinen auf den verschiedenen Ebenen des
Projekts? Dieser Beitrag beschäftigt sich
mit diesen und weiteren Fragen.
Schulsozialarbeit – ein Qualitätsmerkmal für öffentliche Schulen in BadenWürttemberg
Die Arbeit eines Schulsozialarbeiters gilt
mittlerweile als Qualitätsmerkmal für eine
gute Schule in Baden-Württemberg. Jedoch steht sie unter einem sehr großen
Rechtfertigungsdruck bezüglich ihres
Nutzens. Ein wissenschaftliches Modell
geht auf die Frage der Wirksamkeit von
der Schulsozialarbeit ein.
Die Beiträge im Internet finden sie hier:
www.kvjs.de/soziales/werkzeugkofferwirkungsorientierung.html
www.kvjs.de/jugend/werkzeugkofferwirkungsorientierung.html
Dunkelziffern beleuchtet
Eine neue Studie wirft Licht auf Wohnungsnotlagen in Baden-Württemberg
Im Auftrag des Sozialministeriums Baden-Württemberg hat die Gesellschaft für innovative
Sozialforschung und Sozialplanung e. V. Bremen (GISS) eine landesweite Erhebung zur Situation von Menschen in Wohnungsnotlagen durchgeführt. Die Untersuchung veröffentlichte im
Dezember Zahlen und gab Empfehlungen, wie die Lage verbessert werden kann. Der KVJS hat
im Projektbeirat mitgewirkt.
Laut der Untersuchung waren in BadenWürttemberg am 1. Oktober 2014 rund
22 800 Personen ordnungsrechtlich bei
Kommunen untergebracht oder nahmen
bei öffentlichen und freien Trägern Hilfe
nach §§ 67 bis 69 SGB XII in Anspruch.
Rund 28 Prozent waren weiblich. Etwa
jede achte wohnungslose Person (12,8
Prozent) war jünger als 25 Jahre. Rund
13,5 Prozent waren älter als 60. Mehr als
ein Drittel aller Volljährigen haben eine
Zuwanderungsgeschichte, ihr Anteil an
der Gesamtbevölkerung liegt nur bei rund
27 Prozent. Die meisten Wohnungslosen
halten sich in Stuttgart auf (3 434 Personen), dahinter liegen die Landkreise Esslingen (1 373) und Ludwigsburg (1 142).
Die letzte vergleichbare Untersuchung
gab es in Baden-Württemberg 1993. „Aus
regelmäßigen eigenen KVJS-Erhebungen
bei den Stadt- und Landkreisen haben wir
einen guten Überblick darüber, wie die
Hilfen für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten in Baden-Württemberg aufgestellt sind“, sagt der KVJS-Datenexperte Christian Gerle. Neben dieser
Statistik, der so genannten Angebotslandkarte des KVJS, gibt es bisher außerdem
die jährliche Stichtagserhebung der Liga
der freien Wohlfahrtspflege. Mit der GISSStudie liegen nun Zahlen vor, welche die
Versorgung in den Notunterkünften der
Städte und Gemeinden widerspiegeln.
Weitere Ergebnisse der GISS-Studie:
•	 Je größer die Orte, umso höher ist der
Anteil der Wohnungslosen an der Bevölkerung. Die meisten Stadtkreise haben Höchstwerte.
•	 Am 1. Oktober 2014 wohnten 54 Prozent der Obdachlosen schon über zwei
Jahre in der ordnungsrechtlichen Unterbringung. Ein Grund ist fehlender
•	 Städte erfahren oft zu spät, wenn
Menschen ihre Wohnung zu verlieren
drohen. So können sie nicht mehr eingreifen.
•	 Bei wohnraumsichernden Aktivitäten –
wie etwa der Mietschuldenübernahme
– sind vor allem größere Städte durchaus erfolgreich.
Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung: Wohnungslosigkeit in Baden-Württemberg. Untersuchung zu Umfang, Struktur und Hilfen für Menschen in Wohnungsnotlagen, Studie im Auftrag des Sozialministeriums Baden-Württemberg, 2015.
Siehe auch: www.kvjs.de/soziales/wohnungslose.html
Stichtagsumfrage liefert Fachleuten wichtige Erkenntnisse.
Die GISS-Wissenschaftler empfehlen mehr
Prävention, die Entwicklung eines landesweiten Fachkonzepts und laufende Erhebungen und Berichterstattungen.
Landessozialministerin Katrin Altpeter will
die Vorschläge der Studie in ihrem Haus
auf ihre Umsetzbarkeit prüfen. Zudem
möchte sie die Kommunen angesichts
der angespannten Wohnungsmärkte und
des zunehmenden Hilfebedarfs auch in
Zukunft unterstützen. Zwar sei die Wohnungslosenhilfe seit der Verwaltungsreform von 2005 eine kommunale Pflichtaufgabe, dennoch wird sie zum Beispiel
bauliche Investitionen von Einrichtungen
der Wohnungslosenhilfe weiter ​
bezuschussen.
Auf Daten sollen Taten folgen
Studie unterstützt sie die Notwendigkeit,
die präventiven Angebote auszubauen,
um Wohnungslosigkeit erst gar nicht entstehen zu lassen. Vor allem aber würde
preiswerter Wohnraum benötigt.
„Die GISS-Studie ist eine gute fachliche
Grundlage, die konstruktive Zusammenarbeit in der AG Wohnungslosenhilfe
fortzusetzen“, freut sich die Expertin für
Wohnungslosenhilfe beim KVJS Barbara
Milsch. „Nun geht es darum, die Empfehlungen der Wissenschaftler, insbesondere die Schwerpunktthemen Fachkonzept,
Berichterstattung und Projektförderung
auf ihre organisatorische und konkrete
Umsetzung hin abzuklopfen.“ Die Fachleute in der Arbeitsgruppe, in der auch
das Sozialministerium mitwirkt, sind am
Der Anstoß zu der landesweiten Bestandsaufnahme kam von der Arbeitsgruppe
Wohnungslosenhilfe in der Landesarbeitsgemeinschaft öffentliche und freie
Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg
(LAGÖFW) unter der Moderation des KVJS.
In einer gemeinsamen Erklärung zur GISS-
Im Frühjahr 2016 erscheint ein KVJS-Sonderheft zum Thema Wohnungslosigkeit.
Sozialämter erwarten mehr Flüchtlinge
unter den Wohnungslosen
Engagierte Diskussionen beim Kommunalen Forum Wohnungsnotfallhilfe
Kommunen haben die Aufgabe, Menschen ohne Obdach unterzubringen. Bisher klopften meist
Einheimische oder Unionsbürger an ihre Tür. Bald werden vermehrt auch Flüchtlinge ein Dach
über dem Kopf suchen. Beim Kommunalen Forum Wohnungsnotfallhilfe des KVJS zeigte sich im
Dezember: Sozialamts-Mitarbeitende sehen die Belastungsgrenze erreicht und erhoffen sich
mehr Unterstützung von den politisch Handelnden.
wies auf die einschlägige, aktuelle
Volle Reihen bei der Tagung.
•	Vorläufige Unterbringung: Die
LEA weisen Asylbewerber und
Asylfolgeantragsteller den Stadtund Landkreisen zur vorläufigen
Unterbringung zu (§ 1 Durchführungsverordnung zum Flüchtlingsaufnahmegesetz FlüAG). Ihre
Anzahl richtet sich nach der Einwohnerzahl der Kreise. Die Kreise bringen sie in Wohnungen oder
Gemeinschaftsunterkünften unter,
die von ihnen betrieben werden
(§ 8 FlüAG).
•	Anschlussunterbringung: Eine
Die Teilnehmenden der Tagung in Herreneigene Wohnung dürfen Flüchtlinge suberg-Gültstein rechnen mit einem deutlichen, sobald über ihren Asylantrag entchen Anstieg der Flüchtlinge. Kommunen
schieden ist (§ 9 FlüAG) oder sobald sie
sind für deren Unterbringung verantworteine Duldung oder einen anderen Auflich, sobald die nach Deutschland gefloenthaltstitel besitzen. Viele suchen verhenen Frauen, Männer und Kinder die
geblich. Wer nichts findet, für den müsLandeserstaufnahmestellen (LEA) verlassen Städte und Gemeinden ein Dach
sen haben. Die 40 anwesenden Sozialplaüber dem Kopf bieten – notfalls erneut
ner und Sachbearbeiter sehen sich vor
in einer Notunterkunft, also in schlichgewaltige Herausforderungen gestellt.
ten Wohnungen, Wohnheimen, Pensionen und sonstigen einfachen Bleiben.
Bei der Tagung fasste KVJS-Experte Josef
•	 Ordnungsrechtliche Unterbringung:
Usleber die gesetzlichen Zuständigkeiten
Die Polizei der Städte und Gemeinden
der Kommunen für wohnungslose Deutmuss handeln, wenn sie erfährt, dass
sche, andere wohnungslose Unions- und
eine Person bei Dauerfrost zu erfrieren
Nicht-Unionsbürger zusammen und verdroht. Sie muss Betroffene vor dem Käl-
tetod bewahren und in Notunterkünfte
einweisen – egal, ob sie aus Deutschland, der Europäischen Union oder Syrien stammen. Grundlage ist das Recht
auf Leben und körperliche Unversehrtheit. „Grundrechte sind nicht abstufbar
nach Gruppen und gelten für alle Menschen“, sagt Josef Usleber.
•	 Sozialrechtliche Wohnungslosenhilfe: Menschen in sozialen Schwierigkeiten erhalten vom Kreis (Sozialamt) Leistungen nach den §§ 67 bis 69 SGB XII.
Dazu gehören zum Beispiel Beratung
und Betreuung, um Wohnungslosigkeit
zu verhüten oder zu beseitigen.
Die Tagungsgäste diskutierten engagiert,
zum Beispiel über ein neues Gutachten,
das bei der Unterbringung von Obdachlosen weit gehende Pflichten der Kommunen sieht.
Lücke zwischen Theorie und
Zwar unternehmen etliche Kommunen
große Anstrengungen, um Wohnraum zu
schaffen, wie die Tagung zeigte. Manche
führen Zweckentfremdungsverbote ein.
Andere gewähren Vermietern Zuschüsse
zur Wohnungsrenovierung, wenn sie an
Wohnungslose vermieten. Dennoch ist die
Lage angespannt, Wohnraum ist knapp.
„Es gibt einen Gap zwischen Praxis und
Gutachten“, stellte etwa ein Sozialamtsmitarbeiter fest. „Unter den gegebenen
Bedingungen kann nicht erwartet werden, dass die Städte und Gemeinden die
dortigen Obdachlosen und die zugeteil-
ten Flüchtlinge innerhalb einer absehbaren Zeit alle dauerhaft in reguläre Wohnverhältnisse bringen“, fasst Josef Usleber
die derzeitige Lage zusammen. Um aber
einer Ghettoisierung entgegenzuwirken,
dürften Zeltstädte, Containerdörfer oder
Notbetten in Sporthallen nicht auf Dauer
Die Diskussion zeigte zudem, dass Sachbearbeitende bei der Unterbringung von
obdachlosen deutschen, EU- und NichtEU-Bürgern oft in rechtlichen Grauzonen
arbeiten. Sie sollen an den Schnittstellen
der sich zum Teil widersprechenden Vorschriften des Ausländer-, Flüchtlings-, Ordnungs- und Sozialrechts entscheiden. Sie
sollen schnell und effizient beschließen,
wo Experten streiten und Gerichte unterschiedliche Urteile fällen. Etliche Begriffe
in den Gesetzen sind deutungsbedürftig.
Und: Sozialämter sehen sich bei Problemen schnell als Sündenbock verurteilt.
Die Teilnehmenden wünschen sich klare
und eindeutige Regeln für die Praxis sowie mehr personelle Ressourcen.
Die Teilnehmenden lobten das jährlich
stattfindende Kommunale Forum Wohnungsnotfallhilfe als eine Möglichkeit, ihre
Erfahrungen auszutauschen. Neben der
Flüchtlingsfrage stand auch die neue Studie zur Wohnungslosigkeit in Baden-Württemberg (vgl. Artikel in diesem Heft) sowie Praxisbeispiele zur Vermeidung von
Obdachlosigkeit auf der Tagesordnung.
Avanti, Frisbee!
Seit 100 Jahren werden Blindenführhunde ausgebildet
Hund oder Stock? Für Elke Pinno entschied sich die Frage von selbst. Beinahe wäre die blinde
Stuttgarterin in einen offenen Gulli gefallen. Passanten warnten sie im letzten Moment. „Mit
dem weißen Langstock bemerke ich solche Hindernisse erst sehr spät“, erklärt die KVJS-Mitarbeiterin. Seit sie mit einem Hund unterwegs ist, fühlt sie sich sicherer. Seit 100 Jahren ​
geleiten Blindenführhunde Menschen durch Städte und Straßen.
Elke Pinno und ihr Führhund Frisbee begehen ihren dritten gemeinsamen Winter. Die im Alter von 18 Jahren erblindete
Fachfrau für Bürokommunikation in der
KVJS-Abteilung Fortbildung vertraut ihm.
Der vierjährige Labrador erkennt Gefahrenstellen wie offene Gulli-Deckel von
weitem. Auf dem Weg zum KVJS umkurvt
das Gespann Motorräder oder Drahtesel
auf dem Gehweg. Der Rüde achtet auf
herabhängende Zweige oder Baustellen,
die nur durch ein rot-weißes Plastikband
gesichert sind. Zielsicher steuert Frisbee
im Winter Stellen an, wo Elke Pinno über
die Schneehaufen am Straßenrand steigen kann.
Schon in der Antike und im Mittelalter
gibt es Hinweise auf Lotsen-Hunde.
Systematisch ausgebildet wurden sie zum
ersten Mal in Deutschland. Die erste Blindenhundschule wurde während des Ersten Weltkriegs gegründet. Viele Soldaten
waren durch Angriffe erblindet, oft durch
Giftgas. 1916 übergab der „Deutsche Verein für Sanitätshunde“ in Oldenburg einem Kriegsversehrten das erste geschulte
Die Idee quittierten etliche Zeitgenossen
mit Skepsis. „In der Großstadt […] ist es
schon fraglich, ob der Hund den Blinden
sicher über belebte Plätze und Verkehrsadern bringen wird […]“, schrieb ein ungenannter Autor 1916 in der Fachzeitschrift
„Die Blindenwelt“. Doch bald entwickel-
te sich die Idee zum Erfolgsrezept. Heute
gibt es Hundeschulen auf dem ganzen
Globus, deren Führhunde ihre Halter
routiniert ans Ziel bringen.
Hund auf Krankenschein
Blindenführhunde gibt es auf Rezept. Wie
Pinnos Langstock gilt Frisbee als Hilfsmittel. Mit der Verordnung wandte sie sich
wie die meisten Sehbehinderten an eine
Führhundschule. „Dort kann ich einen
Welpen anschauen und checken, ob die
Chemie zwischen uns stimmt. Denn ein
Hund ist auch ein Familienmitglied“, sagt
die Mutter einer Tochter und Großmutter
zweier Enkel.
„Einen Hund kauft man nicht von der Stange“, erklärt Susanne Grünberger. Die Inhaberin der Führhundschule Guidedogs
Grünberger in Radolfzell verhalf Elke
Pinno zu einem vierbeinigen Assistenten. In Gesprächen mit der Schule musste
Pinno wie alle Interessierten ihre Eignung
beweisen. Nicht jeder kann für ein Lebewesen Verantwortung tragen. „Außerdem
müssen auch Partner und Familie einverstanden sein“, fügt Pinno hinzu.
Frisbee lebte damals wie alle FührhundWelpen der Schule in einer Patenfamilie.
„Im ersten Lebensjahr erlernen dort die
Welpen die Basics des Hundebenehmens“,
erklärt Grünberger. Zudem lernen sie spielerisch die Gefahren der Großstadt ken-
nen. Öffentliche Verkehrsmittel, Baustellen und Menschengedränge sollten ihnen
vertraut sein und keine Angst einflößen.
Die daran anschließende, eigentliche
Führhundausbildung begann mit der
Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Ihre Grundelemente sind ähnlich wie
vor einem Jahrhundert: Gehorsamsübungen, Anzeigen von Hindernissen, Blindentraining mit Hund am Ausbildungs- und
Heimatort sowie die Anleitung Blinder
zur eigenständigen Kontrolle des Tieres.
„Durchschnittlich erfordert die eigentliche Führhundausbildung 350 Stunden
im Führgeschirr und dauert bei uns sechs
bis zehn Monate“, erklärt Grünberger. Die
ein bis eineinhalb Jahre alten Labradors,
Retriever oder Schäferhunde lernen, im
Führgeschirr zu gehen, Hindernisse zu
erkennen und anzuzeigen. Sie üben, an
Bordsteinkanten zu stoppen, den Bäcker
anzusteuern oder einen leeren Sitzplatz
im Bus zu finden. Zudem werden sie auf
rund 30 bis 40 Kommandos trainiert.
Bevor Pinno den Labrador mitnehmen
konnte, absolvierte sie mit ihm einen Einweisungslehrgang. Eine Woche lief das
Gespann mit und ohne Trainerin Probe.
„Danach übten wir noch 14 Tage zu Hause, sagt Pinno. Für die häusliche Eingewöhnungsphase hat der KVJS übertariflich
bezahlte Freistellungstage bewilligt.
Elke Pinno und Frisbee haben im Büro einen eigenen Raum. Während die Halterin
Veranstaltungen organisiert, kann Frisbee
mit Stofftieren spielen, ausruhen oder
fressen. In der Mittagspause geht’s Gassi.
Auch nach 100 Jahren ist die Führhundausbildung, Führhundvermittlung
und Führhundhaltung kein anerkannter
Beruf. Jeder kann eine Schule eröffnen.
Einzige Voraussetzung ist nach § 11 Tierschutzgesetz eine durch die Bundesländer
geregelte Prüfung. In der Folge schwankt
Ein eingespieltes Führgespann: KVJS-Mitarbeiterin Elke Pinno und
Frisbee. Ihr Hund hört auf Kommandos in italienischer Sprache.
das Niveau. Deshalb helfen Blindenverbände bei der Suche nach einem Anbieter. Grünberger rät, sich an eine Schule zu
wenden, die Mitglied bei der International Guide Dog Federation sei, sich deren
internationalen Standards verpflichte und
regelmäßigen Betriebsprüfungen unterziehe. Zudem könnten die meisten seriösen Schulen erst nach längerer Wartezeit
eine Versorgung anbieten. „Es lohnt sich,
sich darauf einzulassen, wenn man dafür
einen wirklich passenden Gefährten an
seine Seite bekommt.“ Denn: ein Hund ist
mehr als ein Stock von der Stange.
Serie Werkstatt Wohnen
Erweitertes Beratungsangebot mit Hilfe der Nikolauspflege Stuttgart
Leuchtende Buchstaben, brillante Kontraste – elektronische Lupen bieten gestochen scharfe Schriftbilder. Doch die Lesehilfen sind teuer. Lohnt sich die Investition? Die KVJS-Werkstatt
Wohnen und ihr jüngster Kooperationspartner Nikolauspflege aus Stuttgart wissen Rat.
„Elektronische Lupen werden vor allem
von Menschen mit starken Sehbehinderungen gekauft“, sagt André Unglaub.
Der Augenoptiker leitet ein spezialisiertes
Fachgeschäft, das bei der Nikolauspflege
angesiedelt ist. Betroffene könnten Buchstaben zwei- bis 18-fach vergrößern lassen
und den persönlich gewünschten Kontrast
einstellen. Beliebt sei etwa weiße oder gelbe Schrift auf schwarzem Grund. „Beides
erhöht die Lesbarkeit und reduziert die
Blendempfindlichkeit.“ Anders als Lupen
mit Kunststoff- oder Glaslinse haben elektronische Geräte eine integrierte Kamera.
Sie projiziert das Bild auf ein Display. Die
Technik erzeugt keine optischen Verzerrungen am Rand. Lesende müssen sich
nicht so weit über das Hilfsmittel beugen.
Ältere programmieren elektronische Lupen gern auf weiße Schrift mit schwarzem
Hintergrund. Es reduziert die Blendung. Eine weiße Linie hilft, nicht in der Zeile zu
Die Vielfalt hat ihren Preis. Elektronische
Lupen schlagen mit Kosten zwischen
400 und 1 500 Euro zu Buche. Kunststoffoder Glaslupen sind meist für ein Zehntel zu haben. „Die Investition eignet sich
zum Beispiel für Menschen, deren Augen
eventuell noch schlechter werden“, weiß
Unglaub. „Sie können die Vergrößerung
später individuell und nach Tagesform der
Augen anpassen.“
Die Nikolauspflege erweitert seit einem
Jahr die Liste der Kooperationspartner
der Werkstatt Wohnen. Die Stiftung ist
Mitglied im Diakonischen Werk und bietet
blinden und sehbehinderten Menschen
ambulante und stationäre Wohnangebote, schulische und berufliche Eingliederung sowie ein spezialisiertes Fachgeschäft für Sehhilfen. „Die Berater der
Nikolauspflege haben uns in den Feinheiten der Lupennutzung fit gemacht und
passende Ausstellungsstücke empfohlen“, sagt der Leiter der Werkstatt Wohnen Werner Stocker. „Seit 2015 können wir
eine Erstberatung für Menschen mit Sehbehinderung anbieten und ihnen unterschiedliche Hilfsmittel in unserer Ausstellung präsentieren. Umgekehrt konnten
wir der Nikolauspflege unsere Erfahrungen bei der Wohnberatung weitergeben.“
Und so können sich Interessierte jetzt in
der KVJS-Werkstatt Wohnen über Sehhilfen schlau machen. Neben Vergrößerungssoftware für Computer führt die
Wohnausstellung jetzt auch eine elektronische Leselupe mit Fünf-Zoll-Monitor
im Sortiment. Zur „Woche des Sehens“
im Oktober stellten die Nikolauspflege,
die Werkstatt Wohnen und die Wohnberatung des Deutschen Roten Kreuzes in
Stuttgart zudem eine Veranstaltungsreihe
mit sieben Vorträgen und Führungen auf
Ungeeignetes Geschenk
Beide Beratungsteams warnen davor, Geräte wegen wohlklingender Werbe- oder
Internetanzeigen zu kaufen. Leicht erweist
sich das designschöne Teil als schlecht zu
handhaben. Um sich vor Fehlkäufen zu
schützen, sollten Nutzende die Lupe vor
dem Kauf ausprobieren. Die Nikolauspflege und die Werkstatt Wohnen informieren
herstellerunabhängig. Die Nikolauspflege verkauft zudem Geräte und hilft beim
Krankenkassenantrag. Oft übernehmen
die Kassen einen Teil der Kosten.
Mit Blick auf Vergrößerungsgläser sind
sich die Werkstatt Wohnen und die Nikolauspflege einig: Lupen sind nicht als Präsent geeignet. Bei Glaslupen besteht die
Gefahr, dass Schenkende die falsche Vergrößerung wählen. Bei elektronischen Geräten müssten sie sehr genau wissen, wie
Beschenkte die Lupe nutzen wollten. „Es
gibt ja nicht die beste Lupe an sich, sondern immer nur die beste Lupe für einen
bestimmten Menschen“, sagt André Un-
glaub. Manche Geräte seien besser zum
schnellen Lesen von Fahrplänen geeignet,
andere für das Schmökern in Zeitungen.
KVJS-Werkstatt Wohnen
Selbstbestimmt und ambulant
te beleuchten mit einem Fachvortrag und
mit Praxisbeispielen Wohnbedürfnisse sowie die Wechselwirkungen von Wohnbedingungen und individuellen Wohnanforderungen.
Das Wohnen steht im Mittelpunkt – selbstbestimmt
Messe Pflege plus 2016 Stuttgart, Raum C9.3
Die Anmeldung erfolgt direkt bei der Landesmesse.
www.messe-stuttgart.de/pflege/
Die meisten Älteren und Menschen mit
Behinderung wollen ihren Alltag selbst
bestimmen, auch wenn sie in ambulant
betreuten Wohngemeinschaften leben.
Eine Veranstaltung am 26. April auf der
Messe Pflege plus 2016 in Stuttgart bietet Fachleuten und Interessierten Hintergrundinformationen. Veranstalter ist
die Fachstelle für ambulant unterstützte
Wohnformen Baden-Württemberg (FaWo).
Hilfe- und Pflegebedürftige benötigen
etwa eine gesicherte pflegerische und
hauswirtschaftliche Versorgung, eine an
ihre individuellen Bedürfnisse angepasste
Wohnung und eine selbstgestaltete
Privatsphäre. Drei ausgewiesene Fachleu-
Zum 1. Januar 2016 ist das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSGII) in Kraft getreten. Es sieht Leistungsverbesserungen für
Pflegebedürftige und ihre Angehörigen
ab Januar 2017 vor. Gleichzeitig treten die
Regelungen zum neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff in der Pflegeversicherung in
„Leider wurde im Gesetzgebungsverfahren zum PSG II versäumt, die Übertragung
auf das Sozialhilferecht umzusetzen. Dem
PSG II fehlt daher eine Abstimmung mit
der Sozialhilfe“, bedauert Ulrich Allmendinger, Leiter des KVJS-Referates Sozialhilfe-Service. Deshalb seien zum Beispiel
noch Schnittstellenprobleme zu lösen,
insbesondere zur Hilfe zur Pflege und
zur Eingliederungshilfe. Diese und andere Punkte wie etwa die Einführung des
neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs in der
Sozialhilfe oder die Stärkung der Rolle der
Kommunen in der Pflege sollen dieses
Jahr geregelt werden. So können sie im
Pflegestärkungsgesetz III berücksichtigt
werden. Es soll 2017 in Kraft treten.
Zudem rechnen der KVJS und die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen
Träger der Sozialhilfe BAGüS durch das
PSG II mit erheblichen Mehrbelastungen.
Zwar geht der Bund davon aus, dass die
Kommunen 530 Millionen sparen. Doch
ein Gutachten des Instituts für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik aus Köln
im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen schätzt mindestens eine Milliarde
Euro Mehrbelastung. Der KVJS und die BAGÜS fordern für das PSG III eine sorgfältigere Kostenfolgenabschätzung und einen
Ausgleich der kommunalen Mehrkosten
durch den Bund.
Seminar zum neuen Schulgesetz
In Baden-Württemberg ist zum laufenden
Schuljahr ein neues inklusives Schulgesetz
in Kraft getreten. Eine KVJS-Informationsveranstaltung für Mitarbeitende der örtlichen Sozial- und Jugendhilfeträger gibt
am 1. März einen Überblick. Das Gesetz
ermöglicht Kindern mit Behinderung den
Schulbesuch mit Kindern ohne Behinderung. Gleichzeitig wurde die Pflicht zum
Besuch einer Sonderschule aufgehoben.
Das Seminar in Stuttgart geht auf die
Kernpunkte der Schulgesetzänderung
ein, etwa auf das qualifizierte Elternwahlrecht, die Einführung eines zieldifferenten
Unterrichts für Jungen und Mädchen mit
sonderpädagogischem Bildungsanspruch,
die Realisierung der inklusiven Bildungsangebote, die Umwandlung der Sonderschulen in sonderpädagogische Bildungsund Beratungszentren sowie die Rolle der
staatlichen Schulämter und die Bedeutung der Bildungswegekonferenzen.
www.kvjs.de/fortbildung/startseitefortbildung.html
Veranstaltungsnummer 16-2-INK2-1
Serie: Ausgezeichnet!
Team ohne Berührungsängste
Bei einem beispielhaft behindertenfreundlichen Arbeitgeber
Ein kleines Unternehmen auf der schwäbischen Alb bietet die ganze Palette von Beschäftigungsmöglichkeiten für schwerbehinderte Menschen. Begegnung mit einem Pragmatiker.
„Eigentlich müsste ich schon wieder
bauen“, sagt Alexander Buschle, Eigentümer der SDN Präzisionstechnik GmbH im
idyllischen Denkingen. Das 2010 bezogene neue Verwaltungs- und Produktionsgebäude platzt aus den Nähten. „Aber
dieses Jahr wollen wir höchstens um vier
Prozent wachsen, damit der Betrieb auch
mal zur Ruhe kommt.“
Präzisionstechnik 15 Montagearbeitsplätze in der WfbM aus. Mit einer ausgezeichneten Qualitätssicherung und einer Fehlerquote von nahe null. „Was aus Rottweil
kommt, sehe ich mir gar nicht mehr an“,
so Buschle und fragt seinen Qualitätsbeauftragten nach der letzten Reklamation.
Der ist erst überrascht, dann nachdenklich
und murmelt schließlich: „lange her.“
Buschle hat ein Luxusproblem. Seine Firma
stellt unter anderem federnde Druckstücke, Rastbolzen, Dreh- und Frästeile und
Baugruppen her. 700 verschiedene Teile stehen im Katalog, dazu kommen 400
Sonderteile. Die Kunden aus den Bereichen
Automobil, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik und Maschinenbau stehen Schlange. „Werbung muss ich keine machen“,
sagt der Chef. Sein guter Ruf genügt.
Auch Praktikanten kommen zum Zug. Eine
junge Frau aus der WfbM ist mittlerweile
fest angestellt. Auf eine weitere Praktikantin ist derzeit ein wohlwollendes Auge gerichtet. „Das ist eine tolle Möglichkeit, jemanden ein paar Monate zu beobachten“,
sagt der Unternehmer. „Auch ein schwerbehinderter Mensch hat ein Leistungspotential und das muss man abrufen.“
Einen guten Ruf hat Buschle auch beim
KVJS-Integrationsamt, dem Integrationsfachdienst und der Lebenshilfe. Als Pragmatiker der zupackenden Art gibt er auch
Menschen mit Behinderung eine Chance
in seinem 24 Mitarbeiter starken Betrieb.
Vier sind fest angestellt, fünf weitere arbeiten auf Außenarbeitsplätzen der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM).
Mit der WfbM der Lebenshilfe Rottweil
hat die Firma eine enge Kooperation. „Das
ist meine schnelle Eingreiftruppe“, sagt
der Inhaber. Wenn´s mal eng wird, springt
die Lebenshilfe ein. Aber auch in weniger
stressigen Zeiten lasten Aufträge von SDN
Hat gut lachen: Unternehmer
Alexander Buschle.
Berührungsängste sind für den gebürtigen Denkinger ohnehin ein Fremdwort.
Schon seine Eltern waren im Freundeskreis der Lebenshilfe, seine Frau ist Sozialpädagogin in einer WfbM für seelisch
behinderte Menschen. „Hier muss man
eben damit rechnen, dass geistig behinderte Menschen herumlaufen. Die nehmen einen auch mal in den Arm.“ Nicht
alle Mitarbeiter sahen das so entspannt
wie ihr Chef: „Manche sind wieder gegangen.“ Mittlerweile richtet sich die Personalgewinnung nach der Frage „Wer passt
zu uns?“, erklärt Buschle. „Das Technische
können wir jemandem beibringen. Das
Menschliche nicht.“
Bund will Integrationsfirmen stärken
Neues Förderpaket für inklusive Beschäftigung
Der Bund will drei Jahre lang jeweils 50 Millionen Euro für die deutschen Integrationsunternehmen zur Verfügung stellen. Im Gegenzug erwartet er bundesweit die Neuschaffung von
4 500 Arbeitsplätzen. Was das für Baden-Württemberg bedeuten würde.
Auf einem vom KVJS-Integrationsamt im
Oktober 2015 veranstalteten Fachtag für
Integrationsunternehmen in Stuttgart
wurde auch die geplante Bundesförderung von Integrationsunternehmen diskutiert. Auf Baden-Württemberg würde
etwa zehn Prozent der Fördersumme entfallen. Das bedeutet eine Gesamtförderung von etwa 15 Millionen Euro. Zu ersten Zahlungen des Fördergeldes wird es
wohl erst 2016 kommen, da noch nicht die
nötigen rechtlichen Grundlagen geschaffen wurden. Die entsprechenden Richtlinien des Bundes sind derzeit in Arbeit.
450 neue Arbeitsplätze
„Dafür müssten wir im Gegenzug 450
neue Arbeitsplätze in Baden-Württemberg schaffen“, erklärte Karl-Friedrich
Ernst, Leiter des KVJS-Integrationsamtes.
Ernst warnte auf einer Podiumsdiskussion
während des Fachtages vor einem Strohfeuer: „Ein solches droht, wenn man nur
eine Anschubfinanzierung leistet. Die Anschlussfinanzierung durch die Integrationsämter ist aber leider noch offen. Man
muss immer im Auge haben, dass die laufende finanzielle Unterstützung der Integrationsfirmen durch die Integrationsämter
über viele Jahre eine weit höhere Bedeutung hat als die Erstinvestition.“
Claudia Rustige, Geschäftsführerin der
Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen (bag-if), erklärte auf dem KVJSFachtag: „Wichtig erscheint es der bag-if,
den Integrationsämtern aus den Bundesmitteln den flexiblen Einsatz von laufender und investiver Förderung und die
Kombination mit länderspezifischen Programmen zu ermöglichen. Die Vorgaben
in den Richtlinien des Bundes sollten also
nicht zu strikt sein, solange die Grundvoraussetzungen erfüllt sind, nämlich dass
die Mittel für Integrationsbetriebe eingesetzt werden.“
In Baden-Württemberg spricht viel dafür,
die Bundeszuschüsse für den Ausbau der
bestehenden Integrationsunternehmen
zu nutzen. Karl-Friedrich Ernst dazu: „Integrationsbetriebe lassen sich nicht einfach
von heute auf morgen aus dem Boden
Integrationsfirmen haben zwischen 25 und 50 Prozent schwerbehinderte Beschäftigte. Sie sind Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes, sind aber in engem Kontakt mit dem KVJS-Integrationsamt und den Integrationsfachdiensten. Das Integrationsamt fördert Aufbau, Erweiterung, Modernisierung, Ausstattung und die betriebswirtschaftliche Beratung mit gut sieben Millionen Euro
im Jahr. In Baden-Württemberg gibt es 75 Integrationsfirmen mit rund 3 000 Beschäftigten – davon
1 300 Menschen mit Behinderung.
stampfen. Langjährige Erfahrungen zeigen, dass immer zunächst ein Markt gefunden werden muss, auf dem man sich
erfolgreich betätigen kann. Deshalb wird
sehr sorgfältig geplant, bis die Konzepte
stehen und eine neue Firma an den Start
gehen kann.“
Wettbewerbsvorteile geplant
gabe öffentlicher Aufträge bevorzugt
werden sollen. Weiterbildungsangebote sollen ihre Beschäftigten besser qualifizieren. Die systematische Möglichkeit
von Zuverdienst für Menschen, die bereits
eine Erwerbsminderungsrente erhalten,
soll verstärkt werden. Es gibt auch Überlegungen, die Integrationsfirmen in „Inklusionsbetriebe“ umzubenennen.
Die Bundespolitik plant ferner, dass die Integrationsfirmen zukünftig bei der Ver-
Integrationsfirmen sind in Baden-Württemberg in vielen Branchen aktiv.
Neues Modellprojekt zur beruflichen Bildung
Für das neue Modellprojekt „Chancen
durch Vielfalt – Neue Perspektiven der
beruflichen Bildung von Menschen mit
Behinderungen in Baden-Württemberg“
haben sich zwei bewährte Partner des
KVJS-Integrationsamtes zusammengeschlossen: Das Hofgut Himmelreich und
die Gemeinnützige Werkstätten und
Wohnstätten GmbH (GWW).
Gast, Zubereitung einfacher Speisen oder
Herrichten von Gästezimmern sind besonders für Menschen mit Behinderungen
interessant, die keine Berufsausbildung
absolvieren können. Das Konzept soll nun
gemeinsam mit der GWW landesweit bekannt gemacht werden. Zudem wollen
die Partner prüfen, für welche Berufe es
sich außerdem eignen könnte.
In Kooperationen mit den zuständigen Industrie- und Handelskammern entwickelte die Akademie Himmelreich Modelle der
modularen Qualifizierung in Bereichen
des Hotel- und Gaststättengewerbes. Modularen Teilqualifikationen wie Service am
Das Projekt läuft von September 2015 bis
August 2017 und wird unterstützt durch
das Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren aus
Mitteln des Landes Baden-Württemberg.
Mit Zertifikat auf Augenhöhe
Qualifizierung zum Betrieblichen Eingliederungsberater
Seit 2011 bietet das KVJS-Integrationsamt die Qualifizierung zum Betrieblichen Eingliederungsberater an. Gerade wurde der fünfte Jahrgang zertifiziert. Wie wirkt das Programm auf die Praxis der Schwerbehindertenvertretung?
Will immer auf den neuesten Stand sein: Angela
Fröscher. 	 Foto: Kleusch
Ihr Zertifikat bekam sie 2014: Angela
Fröscher, stellvertretende Vertrauensperson schwerbehinderter Menschen und
Beauftragte für das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) beim Regierungspräsidium Freiburg. Personalwesen
und Vorgesetzter reagierten positiv auf
die Qualifizierung zur Betrieblichen Eingliederungsberaterin, sagt Fröscher: “Ich
spüre schon, dass man mehr auf Augenhöhe ist.“
zertifizieren zu lassen. „Bis auf den Workshop hatte ich schon alle Kurse“, sagt sie.
Schließlich ist sie bereits seit 2010 stellvertretende Vertrauensperson in der Schwerbehindertenvertretung (SBV). 1 750 Mitarbeiter, verteilt auf mehrere Standorte, hat
das Freiburger Regierungspräsidium. Da
kommen Fröscher und ihr Kollege von der
SBV ziemlich herum.
Für das Zertifikat muss in einem persönlichen Kursbuch der Besuch von
Grund- und Aufbaukurs Schwerbehindertenrecht, ein Kurs zum Betrieblichen
Eingliederungsmanagement (BEM) und
ein BEM-Praxis-Workshop nachgewiesen
werden. Zusätzlich wird ein erfolgreich
gelöster eigener BEM-Fall dokumentiert
und schriftlich eingereicht.
„Wir haben eine interessante Mischung an
Berufen“, erklärt die hauptamtliche Mitarbeiterin aus der Abteilung Straßenwesen
und Verkehr. „Innen die Büroarbeitsplätze und außen zum Beispiel Straßenbau,
Wasser- und Forstwirtschaft.“ Als hilfreich
für die Beurteilung eines Arbeitsplatzes
bei einem BEM-Verfahren erwies sich
für Fröscher der Kurs zur behinderungsgerechten Arbeitsplatzgestaltung: „Das
passt gut zur betrieblichen Wiedereingliederung.“
Für Angela Fröscher war die Ernennung
zur BEM-Beauftragen des Regierungspräsidiums im Jahr 2014 der Impuls, sich
Abgestimmtes Kursprogramm
Rund 100 Kurse bietet das Integrationsamt des KVJS jährlich zu allen Themen rund um das Schwerbehindertenrecht an. Die Fortbildungen sind in aufeinander aufbauende Module gegliedert.
Grundkurse vermitteln das Basiswissen, das in Aufbaukursen erweitert werden kann. Fachthemen
wie Arbeitsrecht oder Betriebliches Eingliederungsmanagement vertiefen die Kenntnisse. Außerdem werden Kurse zu Schlüsselqualifikationen und Methodenkompetenz angeboten, etwa zu Gesprächsführung oder Konfliktlösung.
Das aktuelle Kursangebot im Internet unter: www.kvjs.de/fortbildung/startseite-fortbildung.html
Angela Fröscher legt Wert darauf, als SBV
ständig auf dem neuesten Stand zu sein
und sich weiterzubilden: „Das Gesprächsführungsseminar war für mich sehr wertvoll. Ich führe Gespräche anders als früher.“ Auch Workshops stehen bei Ihr hoch
im Kurs: „Da bringt jeder Teilnehmer seine
schwierigsten Fälle mit. Gemeinsam mit
den Dozenten kommt man immer wieder
auf gute Lösungen. Außerdem hat man
die Chance, ein Netzwerk zu knüpfen.“
Dank eines großzügigen Arbeitgebers
besucht die engagierte Vertrauensperson
zwei bis drei Kurse des KVJS-Integrationsamtes im Jahr.
Demnächst steht für Angela Fröscher ein
Jobwechsel im Regierungspräsidium an.
Bisher ist sie zu zehn Prozent als BEM-Beauftragte freigestellt. Doch die Anzahl
derer, die das BEM-Angebot annehmen,
wächst: „Letztes Jahr lagen wir noch bei
rund 40 Prozent, mittlerweile wollen fast
60 Prozent der langzeiterkrankten Mitarbeiter BEM wahrnehmen.“ Die Freistellung
für die BEM-Beauftragte soll auf 30 Prozent aufgestockt werden. Da bleibt zu wenig Zeit für ihre derzeitige Aufgabe.
13 frische Zertifikate
Im November 2015 nahm der fünfte Jahrgang die Zertifikate zum Betrieblichen
Eingliederungsberater entgegen. 13 Vertrauenspersonen schwerbehinderter
Menschen und Beauftrage des Arbeitgebers hatten das entsprechende Kursprogramm beim KVJS-Integrationsamt erfolgreich durchlaufen.
Jetzt haben Sie Ihre Kompetenz schriftlich: Die neuen Beruflichen Eingliederungsberater.
Die Projektbeteiligten (v. links): Melanie Wiestler (Stadt Freiburg), Michael Reisch (Landkreis Emmendingen), Knut Schneider (Breisgau Hochschwarzwald), Karin Ebel und Angela Hollstein (beide Stadt Freiburg), Michael Qualmann (Sozialministerium BW).
Jedem Kind seine faire Chance
Abschluss und Auftakt der Frühen Hilfen in Baden-Württemberg
Willkommensbesuche, Elternkurse und Beratung: Vor allem Familien in schweren Lebenslagen
brauchen frühe Hilfen, damit ihre Kinder faire Chancen auf eine gesunde Entwicklung haben.
Seit 2012 hat der Bund 177 Millionen Euro für die Bundesinitiative Frühe Hilfen bereitgestellt.
So ist auch in Baden-Württemberg einiges entstanden.
In Freiburg gehen Mitarbeiter der Fachstelle Frühe Hilfen seit einiger Zeit in die
Geburtskliniken. Dort kommen sie mit
Eltern ins Gespräch und können früh Hilfe
anbieten. Unter dem Motto „Kommunikation erleichtern, Kooperation stärken
– KeKs“ haben die Landkreise BreisgauHochschwarzwald, Emmendingen und
Grundlage der Bundesinitiative Frühe Hilfen ist das seit 2012 gültige Bundeskinderschutzgesetz.
Der Bund stellte den Ländern und Kommunen in den Jahren 2012 bis 2015 Mittel für verschiedene
Maßnahmen im Bereich Früher Hilfen zur Verfügung. Das Land Baden-Württemberg hat den KVJS
mit der Umsetzung betraut. Neben der Abwicklung der Fördergelder begleitet der KVJS die Kreise
auch fachlich und konzeptionell.
die Stadt Freiburg mithilfe der Bundesinitiative ihre Frühen Hilfen gestärkt. Damit
erreichen sie rund zehn Prozent der Familien bereits zur Geburt des Kindes.
Freiburg ist nur ein Beispiel dafür, was in
Baden-Württemberg mithilfe der Bundesinitiative entstanden ist. Von den Mitteln
flossen zwischen 2012 und 2015 rund 18,5
Millionen Euro nach Baden-Württemberg.
Gemeinsam mit dem KVJS haben das
Land, die Kreise und Kommunen regionale Netzwerke aufgebaut, den Einsatz
von Familienhebammen und ähnlichen
Berufsgruppen gefördert sowie Ehrenamtsstrukturen ausgebaut. „Jede Familie
soll die Angebote nutzen können“, sagt
KVJS Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger. „Wir konnten nahezu alle Mittel in
Projekte der 46 Jugendämter umsetzen
und wollen die Angebote weiter voranbringen.“
Jürgen Lämmle, Amtschef im Sozialministerium, zufolge hat das Land die Kreise
bereits vor dem Bundeskinderschutzgesetz bei der Entwicklung von Vernetzungsprozessen und dem Auf- und
Ausbau von Angeboten Früher Hilfen unterstützt. Die Bedeutung der Bundesinitiative steht für ihn außer Frage: „Dort, wo
noch keine bedarfsgerechten Angebote
und Netzwerke Früher Hilfen bestanden,
hat die Bundesinitiative viel dazu beigetragen, diese Strukturen und Angebote zu
Die Jugend- und Familienministerkonferenz, das Sozialministerium und die Länder haben sich auf eine Weiterführung der
Bundesinitiative bis Ende 2017 verständigt. In dieser Zeit soll ein Fonds Frühe Hilfen entwickelt werden, der die Förderung
Früher Hilfen dauerhaft absichert.
Stärke 2014 kommt gut an!
Als solides präventives Angebot hat sich
das im vergangenen Jahr neu ausgerichtete Landesprogramm STÄRKE 2014 etabliert. Mit seinen Schwerpunkten „Eltern
von Kindern im 1. Lebensjahr“, „Eltern in
besonderen Lebenssituationen“ und „Offene Treffs“ unterstützt das Programm Eltern bei der Erziehung.
So nahmen 18 Elternteile an Allgemeinen Kursen im 1. Lebensjahr teil. Familien-
bildungsfreizeiten nahmen 140 Familien
wahr. Dabei betrug die finanzielle Unterstützung durch Landesmittel 148 000
Euro. Ebenfalls positiv fiel die neue Förderung der 98 offenen Treffs aus. Die dafür verwendeten Mittel beliefen sich auf
99 000 Euro. Von Ende 2013 bis Ende November 2014 nahmen insgesamt 10 800
Familien an 1 350 Kursen in besonderen
Lebenslagen teil.
Illustration in einem Projekt-Flyer.
Präventionsprojekt setzt auf Frühe Hilfen direkt in der Kinderarztpraxis
Kinder, die in Armut aufwachsen, haben häufig eine schlechtere Gesundheit und geringere
Bildungschancen. In Freiburg bietet ein Kooperationsprojekt zwischen Jugendhilfe und Gesundheitswesen Hilfe von Anfang an. Der KVJS hat das Projekt im Rahmen eines zweijährigen
Modellvorhabens gefördert.
Herzstück des Projektes ist die Kinder- und
Jugendarztpraxis von Dr. Roland Fressle in Freiburg-Landwasser. In enger und
kontinuierlicher Abstimmung mit dem
Arzt half dort eine Sozialpädagogin vom
Kompetenzzentrum Frühe Hilfen den hilfebedürftigen Familien mit Kleinkindern.
Bezahlt wurde sie aus Projektmitteln. „Die
Zusammenarbeit des Kinder- und Jugendarztes und der Fachkraft Frühe Hilfen
macht es Eltern leichter, von der Gesundheitshilfe und der Jugendhilfe zu profitieren“, sagt Karin Ebel. Mit ihrem erfahrenen
Team leitet die Diplom-Psychologin das
Kompetenzzentrum Frühe Hilfen.
Bisher waren nur sehr wenige Familien dem Rat von Doktor Fressle gefolgt,
Kontakt zum Kompetenzzentrum Frühe
Hilfen oder den Psychologischen Beratungsstellen aufzunehmen. So bekamen
die dortigen Mitarbeiter von 2010 bis 2013
im Durchschnitt pro Jahr nur sechs Kinder zu Gesicht, obwohl bei 80 Eltern eine
Beratung dringend notwendig gewesen
wäre. Im Projekt waren es nunmehr rund
Zum Freiburger Modellprojekt ist ein ausführlicher Abschlussbericht erschienen. Es gibt ihn zum
Downloaden unter www.kvjs.de/de/jugend/forschung-und-projekte/modellprojekte-2013.html
40 Kinder, deren Eltern das Angebot in
Anspruch nahmen. Dabei galt die Sorge
der Mütter in erster Linie Entwicklungsauffälligkeiten. „Gerade hier“, so Karin
Ebel, „zeigt sich der Bonus des gewählten
niedrigschwelligen Angebots, denn wir
konnten bei Themen der Kinderheilkunde
immer wieder an den Kinderarzt zurück
empfehlen“.
Der Erfolg spricht für das Freiburger Modell der kurzen Wege. So wird es inzwischen von einem freien Jugendhilfeträger
am selben Standort fortgeführt. Auch ist
geplant, bestimmte Praxisbausteine auf
andere Kreise und Kommunen mit besonderem sozialen Handlungsbedarf zu übertragen.
Kinderarzt Dr. Roland Fressle sowie Karin Ebele (Mitte) und Beate Hugenschmidt vom Kompetenzzentrum Frühe Hilfen bei der Preisverleihung.
Foto: Archiv Stadt Freiburg
Präventionspreis für Freiburg
Das Kooperationsprojekt „Gemeinsam gegen Kinderarmut“ hat beim „Großen Präventionspreis 2015“ des Landes Baden-Württemberg den ersten Platz in der Kategorie „Kinder von 0 bis 3 Jahren“ belegt. Mit dem Preis zeichnet die Stiftung für gesundheitliche
Prävention Baden-Württemberg Einrichtungen, Organisationen und Initiativen aus, die
nachahmenswerte Projekte zur Gesundheitsförderung und Prävention für Kinder und Jugendliche anbieten. 40 Projekte wurden eingereicht, aus denen eine Jury aus Vertretern
aus Gesundheitswesen, Forschung und Praxis 14 Projekte nominiert hat.
Aktueller Demografiebericht des KVJS bestätigt Strukturwandel
Im Oktober 2010 hatte das KVJS-Landesjugendamt erstmals einen Bericht zur Kinder- und
Jugendhilfe im demografischen Wandel veröffentlicht. Nun ist eine aktuelle Fortschreibung
Analog zum ersten
beinhaltet die Fortschreibung grundlegende Analysen
zu den Folgen des
Wandels für die
Jugendhilfe. Einen
zweiten Schwer28
punkt bilden
Kinder werden zu einem immer knapperen Gut in unserer
vielfältige kreisGesellschaft.
Foto: KVJS-Archiv
bezogene Datenaufbereitungen. Sie erlauben präzise
Standortbestimmungen und eine fundierte Benennung der Herausforderungen und Perspektiven in den einzelnen
Unter dem Blickwinkel „Was ist seither
passiert?“ nimmt der KVJS in seinem neuen Bericht alle bereits vor fünf Jahren herausgearbeiteten Befunde und Folgerungen des demografischen Wandels genau
unter die Lupe. Dazu gehören die erwarteten Entwicklungen im Altersaufbau der
baden-württembergischen Bevölkerung
ebenso wie die Konsequenzen für eine
zukunftsfähige Ausgestaltung der Kinder
und Jugendhilfe. Im Fokus stehen ferner
zentrale Querschnittsthemen wie eine
kinder- und familienfreundliche Umwelt,
die Partizipation von Kindern und Jugendlichen und das Generationenverhältnis.
Schließlich kommen auch die seitherigen
Aspekte des zukünftigen Personalbedarfs
der Kinder- und Jugendhilfe unter quantitativen und qualitativen Gesichtspunkten
Fazit: Die Expertise 2015 bestätigt nahezu
alle Einschätzungen und Konsequenzen,
die der KVJS damals hergeleitet und begründet hat. „Nachjustierungen sind zwar
hin und wieder erforderlich, diese ändern
aber nichts an dem schon bisher erwarteten Strukturwandel“, bekräftigt Dr. Ulrich
Bürger vom Landesjugendamt des KVJS.
Die weitgehende Übereinstimmung der
Ergebnisse der beiden Untersuchungen
zeige, so der Jugendhilfeexperte, dass
sich die im Jahre 2010 getroffenen Annahmen als sehr belastbar erweisen.
Bericht zum demografischen Wandel
Von Dr. Ulrich Bürger sind beim KVJS ein ausführlicher Bericht sowie eine Kurzbroschüre zum Thema erschienen: Kinder- und Jugendhilfe im demografischen Wandel. Zusammenfassung zentraler
Ergebnisse der Fortschreibung 2015
Kostenlos zu beziehen beim KVJS
Diane Geiger, Telefon 0711 6375-406, Diane.Geiger@kvjs.de
Im Internet als pdf-Datei unter www.kvjs.de/publikationen/jugendhilfe.html
Kann man soziale Qualität in Unternehmen messen?
Fachtag des KVJS für Integrationsunternehmen
Welche Erfolgsfaktoren machen eine gute Integrationsfirma aus? Eine Antwort darauf sucht ein
Forschungsprojekt im Auftrag des KVJS.
Der Saal in der Stuttgarter Sparkassenakademie war gut gefüllt: 130 Teilnehmer konnte der Verbandsdirektor des
KVJS, Senator e.h. Prof. Roland Klinger,
beim Fachtag des KVJS-Integrationsamtes im Oktober 2015 begrüßen. Im Mittelpunkt standen die ersten Ergebnisse eines
KVJS-Forschungsvorhabens mit dem Titel
„Mehrdimensionale Erfassung der Unternehmensleistung von Integrationsfirmen“.
„Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die
gesellschaftlichen Anspruch und unternehmerisches Denken in Einklang bringen“,
erklärte Bernhard Pflaum, als Referatsleiter
für die Integrationsunternehmen zugleich
für das Forschungsprojekt zuständig.
untersucht werden –
ein wesentlicher Bestandteil des Selbstverständnisses von
Integrationsfirmen.
Dafür soll den Unternehmen ein Fragebogen zur Verfügung
gestellt werden, mit
dem die Firmen-,
Mitarbeiter- und Ge- Die wissenschaftlichen Leiter des Projekts Prof. Dr. Marc
Kuhn (ISM) und Prof. Dr. Susanne Schäfer-Walkmann
meinwohlperspek(IfaS) auf der KVJS-Fachtagung.	 Foto: Universum Verlag
tive erfasst werden
können. Auch betriebswirtschaftliche Kennzahlen werden
Im Auftrag des KVJS sollten zwei Fragestellungen nachgegangen werden: Das an
der Dualen Hochschule Baden-Württemberg angegliederte Steinbeis Transferzentrum für Industrial Service Management
(ISM) beschäftigte sich damit, wie sich die
wirtschaftliche Effektivität bei Integrationsfirmen messen lässt. Das Institut für
angewandte Sozialwissenschaften (IfaS)
untersuchte in enger Kooperation mit
dem ISM die gesellschaftliche Wertschöpfung. Doch welcher Bestandteil hat welchen Stellenwert?
Ein Zwischenbericht liegt bereits vor. Der
wird Anfang 2016 erscheinen. Es zeichnet
sich bereits jetzt ab, dass die Erfassung
nicht nur der betriebswirtschaftlichen Daten, sondern auch weicher Faktoren zur
Standortbestimmung und Weiterentwicklung der Integrationsunternehmen in Baden-Württemberg beitragen wird. Die
entwickelten Instrumente sollen jedoch,
bevor sie generell eingesetzt werden, gemeinsam mit den beteiligten Integrationsfirmen noch verfeinert werden.
Informationen rund um das Forschungsprojekt „Mehrdimensionale Erfassung der Unternehmensleistung von Integrationsfirmen“ finden Sie hier:
www.kvjs.de/forschung/aktuelle-forschungsvorhaben/
mess-instrumente-fuer-integrationsfirmen.html
Die Forscher interviewten Geschäftsführungen, Mitarbeiter und externe Partner
wie Kunden von 14 baden-württembergischen Integrationsunternehmen. Das
IfaS entwickelte dafür Gesprächsleitfäden.
Das ISM übernahm die Auswertung in enger Kooperation. So konnte erstmals der
Stellenwert der sozialen Wertschöpfung
Neue Broschüre zur KVJS-Forschung
Der KVJS unterstützt die Stadt- und Landkreise sowie die Leistungserbringer bei
ihren vielfältigen Aufgaben – seit einigen
Jahren auch durch verstärkte Forschungsaktivitäten. Die kommunale Daseinsvorsorge effizient und zukunftsweisend
gestalten, das ist das Ziel der KVJS-Forschung. Eine neu erschienene Broschüre stellt dies unter anderem anhand von
sechs Forschungsvorhaben dar. Dazu
zählen Projekte wie die „Schulbezogene
Jugendhilfeplanung“ oder die „Unterstützung regionaler Netzwerke zur Integration von Menschen mit Behinderung ins
Arbeitsleben“. Auch Materialsammlungen
mit fachlichen Anregungen, praxisbezogenen Beispielen und Instrumenten sowie
neue Fortbildungen als wichtige Unterstützung für die Praxis werden dem Leser
Die Broschüre „KVJS-Spezial Forschung“
gibt es beim KVJS kostenlos – zum Downloaden oder als gedrucktes Exemplar zum
Bestellen: www.kvjs.de
Gibt Einblick in aktuelle Forschungsvorhaben: das
neue KVJS-spezial.
Damit Partizipation in der Erziehungshilfe gelingt
Partizipation ist Kern einer bildungs- und
demokratieorientierten pädagogischen
Arbeit in der Erziehungshilfe. Erste Ergebnisse des KVJS-Forschungsvorhabens
„Beteiligung leben!“ unterstreichen, wie
wichtig eine beteiligungsorientierte Hilfeplanung sowohl für das Wohlergehen der
jungen Menschen als auch für das Gelingen einer Maßnahme insgesamt ist. Ein
abgestimmtes Miteinander der Fachkräfte
in den Jugendämtern und kooperierenden Einrichtungen ist hier von grundlegender Bedeutung.
Aber: Beteiligung muss gekonnt sein! Der
KVJS bietet deshalb eine MultiplikatorenQualifizierung für Partizipation in Jugendämtern und stationären Einrichtungen der
Erziehungshilfe an. Die Teilnehmenden
lernen, Partizipationsprozesse anzuregen, durchzuführen sowie entsprechende Qualitätsstandards zu entwickeln. Die
Weiterbildung besteht aus sechs zweitägigen Seminaren und einem dreitägigen
Abschlussseminar.
KVJS-Fortbildung: Für jeden das passende Angebot.
Eine ausführliche Seminarbeschreibung
und die Anmeldungsformalitäten gibt es
im Internet unter www.kvjs.de/fortbildung/startseite-fortbildung.html.
Bitte geben Sie die Buchungsnummer
16-4-EHSD5-1Aw ein.
Schwierige Kundengespräche meistern
Der Umgang mit verärgerten Bürgern ist
eine echte Herausforderung. Ob am Telefon oder von Angesicht zu Angesicht:
Mit größter Wahrscheinlichkeit wird der
Mitarbeiter mit Frust, Wut und Ungeduld
konfrontiert. Hier einen kühlen Kopf zu
bewahren, fällt nicht leicht. Der Einstieg
ins Gespräch ist dabei von besonderer
Bedeutung für den weiteren Verlauf der
Das Seminar „Professionell und souverän im Kundengespräch“ vom 29. Februar
2016 bis 1. März 2016 im KVJS-Bildungszentrum Schloss Flehingen wendet sich
an Fachkräfte der Sozialverwaltungen mit
häufigem Kundenkontakt, die Methoden
zielgerichteter, serviceorientierter Gesprächsführung kennenlernen und anwenden möchten.
Nähere Informationen und Anmeldung im
Internet unter www.kvjs.de/fortbildung/
startseite-fortbildung.html.
Die Veranstaltung hat die Buchungsnummer 16-2-EHK-2.
Neue Impulse durch Fortbildung
KVJS baut sein Angebot für 2016 aus
Mit vielen interessanten Veranstaltungen und neuen Veranstaltungsformaten präsentiert sich
das KVJS Programm 2016. Neben bewährten Angeboten finden sich darin auch Fortbildungen,
die aktuelle Entwicklungen und Probleme aufgreifen. Einen hohen Stellenwert nehmen dabei
die Themen Migration und Asyl ein.
Durch die verstärkte Aufnahme von Kindern mit Fluchterlebnissen sind differenzierte Qualifikationsbedarfe entstanden.
Um folgende Angebote hat der KVJS
deshalb sein Programm ergänzt: „Flüchtlingskinder und ihre Familien in Kindertageseinrichtungen“; „Wenn alles aus dem
Ruder läuft – Bindungsskepsis und Trauma
– wie können Selbsthilfekräfte entwickelt
werden?“; „Traumatisierte Kinder und ihre
Familien in Kindertageseinrichtungen“,
„Kinder flüchten“; „Türöffner und Stolpersteine – Interkulturelle Kompetenz“.
Wer eine Kindertageseinrichtung betreibt,
sieht sich mit vielen Themen auf unterschiedlichen Ebenen konfrontiert. Diese
alle im Blick zu behalten, ist eine permanente Herausforderung. Die Fortbildungsreihe „Trägerkompetenz für den Betrieb
von Kindertageseinrichtungen“ richtet
sich an Träger und Trägerverantwortliche
sowie an kommunale Planungsverantwortliche für den Bereich Kindertagesbetreuung. In fünf Seminaren, die einzeln
und unabhängig voneinander buchbar
sind, werden die spezifischen Kompetenzen der Kindertagesbetreuung vermittelt.
Die längerfristige Fortbildung „Basisqualifizierung Kleinkindpädagogik“ geht unter
anderem der Frage nach, wie der pädagogische Alltag zu gestalten ist, um den Bedürfnissen von Kindern bis zu drei Jahren
Auf Wunsch der Pflegestützpunkte hat
der KVJS mehrere Veranstaltungen zur
Pflege nach SGB XI und SGB XII neu in sein
Programm mit aufgenommen. Einzelne Seminare sind ausschließlich für diese
Zielgruppe vorgesehen. Stattfinden wird
zudem ein Fachtag zum Zweiten Pflegestärkungsgesetz.
Der KVJS unterstützt mit seinem Fortbildungsangebot auch die rechtlichen
Betreuer in verschiedensten Themenbereichen durch neue Veranstaltungen. Eine
kleine Auswahl: „Neue Techniken im Umgang mit Power-Point“, „Sich selbst und
andere besser verstehen“, „Weiterentwicklung der Hospiz- und Palliativversorgung“,
„Versorgungsbedarfe für Betreute – Praxisseminar“.
Ethik in Organisationen – Zertifikatsstudium
Das Zertifikatsstudium „Ethik in Organisationen: Bildung und Soziales“ ist ein
Angebot für Führungskräfte. Es bietet
einen Rahmen, um professionelle Entscheidungen zu hinterfragen und neue
Sichtweisen zu gewinnen. Dies ermöglicht
das eigene Handeln unter ethischen Gesichtspunkten zu reflektieren und fundiert
zu begründen. Die Lehrveranstaltungen
bestehen aus einer Kombination aus Präsenzterminen an Wochenenden sowie
E-Learning Anteilen. Bei erfolgreichem
Abschluss können die Hochschulzertifika-
te „Certificate of Advanced Studies (CAS)“
und „Diploma of Advanced Studies (DAS)“
erworben werden. Das Internationale
Zentrum für Ethik in den Wissenschaften
(IZEW) der Universität Tübingen und der
KVJS bieten das Studium gemeinsam an
(siehe auch folgendes Interview).
Detaillierte Informationen zu Kursinhalten, dem Ablauf der Veranstaltungen oder
den Materialien und Prüfungsleistungen
sind unter www.uni-tuebingen.de/wb/
ethik abrufbar.
Alle weiteren Veranstaltungen finden Sie
in den aktuellen Fortbildungsbroschüren auf der KVJS-Homepage unter: www.
kvjs.de/service/publikationen/fortbildung.
Ethischen Herausforderungen begegnen
Interview zum neuen Ethik-Studium
Warum Führungskräfte im Sozial- oder Bildungswesen von dieser Fortbildung profitieren,
erläutert Heide Trautwein vom KVJS.
Frau Trautwein, was haben Führungskräfte
davon, sich im Bereich Ethik fortzubilden?
Führungskräfte müssen sich ständig mit
vielfältigen Themen auseinandersetzen
und Entscheidungen fällen. Schaut man
genauer hin, geht es dabei immer wieder um sehr grundlegende Fragestellungen, zum Beispiel: Welche Werte liegen
meinem Handeln zugrunde? Wie kann
ich Entscheidungen treffen, die nicht nur
rechtlich oder ökonomisch, sondern auch
ethisch überzeugend sind? In der Hektik
des Alltags bleibt oft wenig Zeit, um darüber nachzudenken. Das Zertifikatsstudium gibt einen Rahmen, über professionelle Entscheidungen zu reflektieren, neue
Sichtweisen zu gewinnen und so Impulse
für das eigene Handeln zu erhalten.
Wo liegt der Unterschied zu den bisherigen
KVJS-Fortbildungen für diese Zielgruppe?
Die Veranstaltungen bestehen aus einer
Kombination aus Präsenzterminen an
Wochenenden sowie E-Learning Anteilen, wobei letztere überwiegen. So wird
eine möglichst große Vereinbarkeit von
Beruf, Familie und Weiterbildungsstudium
gewährleistet. Da es sich um eine wissenschaftliche Weiterbildung handelt, sind
die Wissensvermittlungsanteile gegenüber den Trainingsanteilen höher – ebenso der zeitliche Umfang.
Der KVJS kooperiert mit dem Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften
(IZEW) der Universität Tübingen. Was sind
Heide Trautwein, Koordinatorin
für die KVJS-Fortbildung.
Das IZEW an der Universität Tübingen
arbeitet seit 25 Jahren erfolgreich zu einem breiten Spektrum ethischer Themen.
Es verfügt also über sehr hohe fachliche
Kompetenz und Erfahrung. Wir finden zudem die Verknüpfung von Beruf und Studium zukunftsweisend.
Das Interview führte Gabriele Addow
Alle hier aufgeführten Publikationen des KVJS sind kostenlos. Sie stehen auch im Internet unter
www.kvjs.de/service/publikationen.html zum Herunterladen zur Verfügung.
KVJS-spezial Forschung, 2015.
Die soziale Praxis zukunftsfähig gestalten
– das ist das Ziel der KVJS-Forschung. Das
27-seitige Heft zeigt dies unter anderem
anhand von sechs Forschungsvorhaben.
KVJS-Schlaglicht: Die Zukunft der Jugend im Blick, 2015.
Interview mit Volker Reif zur KVJS-Expertise zur Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit.
Telefon 0711 6375-208
Petra.Wagner@kvjs.de
ZB Ratgeber „Behinderung und Ausweis. Antrag, Verfahren, Merkmale“,
Hrsg.: KVJS, Bundesarbeitsgemeinschaft
Integrationsämter. Die völlig neu überarbeitete Ausgabe der Broschüre erklärt alle
wichtigen Schritte, um die Schwerbehinderteneigenschaft und damit den Schwerbehinderten-Ausweis zu beantragen.
Zeitschrift „Behinderte Menschen im
Beruf“, Ausgabe Baden-Württemberg,
Heft 4/2015.
Das Heft bietet Einblicke in die Arbeit des
Integrationsamtes.
Telefon 0721 8107-942
integrationsamt@kvjs.de
Soziales, Behinderung, Pflege
ONLINE-Dokumentation: Obdachlos?
Erfrierungsgefahr?, aktualisierte Auflage 2015.
Eine Handreichung für Fachleute von
Kommunen und Einrichtungen zum Erfrierungsschutz von Obdachlosen.
www.kvjs.de/soziales/wohnungslose/
erfrierungsschutz.html
KVJS-Ratgeber „Partizipation von
Kleinkindern. Fachliche und konzeptionelle Impulse“, 2015.
Die Broschüre stellt dar, wie pädagogische
Fachkräfte Beteiligungs- und Beschwerdemöglichkeiten von Kleinkindern bis 3
Jahren in den Kindertageseinrichtungen
einrichten und umsetzen können.
Kinder- und Jugendhilfe im demografischen Wandel. Herausforderungen und
Perspektiven. Fortschreibung 2015
Analysen zu den Folgen des demografischen Wandels für die Gesellschaft.
Die Umsetzung der Bundesinitiative
Frühe Hilfen 2012 bis 2015 in BadenWürttemberg, 2015.
Telefon 0711 6375-406
Diane.Geiger@kvjs.de
Kristina Reisinger (rei)
Gabriele Addow (add)
Monika Kleusch (mok)
Andreas Reuter (reu)
Sylvia Rizvi (syr)
Hannes Schwarz (hs)
Bestellungen und Adressänderungen:
Wir bitten um Verständnis, dass aus
Gründen der Lesbarkeit auf eine durchgängige Nennung der weiblichen und
männlichen Bezeichnungen verzichtet
wird. Selbstverständlich beziehen sich
die Texte in gleicher Weise auf Frauen
Kommunalverband für Jugend
und Soziales Baden-Württemberg
Postfach 10 60 22
Tel. 0711 63 75-0