Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=XI%20ZR%2088/04
Timestamp: 2020-08-10 05:37:18
Document Index: 390972260

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 167', '§ 3', '§ 167', '§ 3', '§ 1', '§ 794', '§ 172', '§ 167', '§ 171', '§ 172', '§ 3', 'BGH', '§ 171', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 171', 'BGH', 'BGH', '§ 172', 'BGH', '§ 3', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 3', 'Art. 1', '§ 1', '§ 134', '§ 171', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', '§ 171', 'BGH']

BGH, 21.06.2005 - XI ZR 88/04 - dejure.org
https://dejure.org/2005,37
BGH, 21.06.2005 - XI ZR 88/04 (https://dejure.org/2005,37)
BGH, Entscheidung vom 21.06.2005 - XI ZR 88/04 (https://dejure.org/2005,37)
BGH, Entscheidung vom 21. Juni 2005 - XI ZR 88/04 (https://dejure.org/2005,37)
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BGB §§ 167, 171, 172; VerbrKrG § 3 Abs. 2 Nr. 2
BGB §§ 167, 171, 172; VerbrKrG § 3 Abs. 2 Nr. 2; RBerG § 1; ZPO § 794 Abs. 1 Nr. 5
Keine Duldungs- und Anscheinsvollmacht bei Gewährenlassen des Bevollmächtigten, wenn Vollmachtgeber die Nichtigkeit der erteilten Vollmacht nicht kannte
Nichtiger Geschäftsbesorgungsvertrag wegen Verstoßes gegen das Rechtsberatungsgesetz (RBerG); Zwangsvollstreckung aus einer vollstreckbaren notariellen Urkunde; Allgemeine Regeln der Duldungsvollmacht oder Anscheinsvollmacht; Entfallen der rechtlichen Grundlage für den ...
Zur Zurechnung vollmachtlosen Handelns des Geschäftsbesorgers zum Anleger aufgrund Duldungs- oder Anscheinsvollmacht
Zur Frage der Anwendung der Regeln der Duldungs- oder Anscheinsvollmacht gegenüber einem Anleger, der seine Vollmacht im Rahmen eines wegen Verstoßes gegen das Rechtsberatungsgesetz nichtigen Geschäftsbesorgungsvertrags erteilt hat
Voraussetzungen der Duldungs- und Anscheinsvollmacht sowie des Schutzes nach § 172 BGB; keine Duldungs- oder Anscheinsvollmacht bei unerkannter Nichtigkeit der erteilten Vollmacht
BGB § 167 § 171 § 172; VerbrKrG § 3 Abs. 2 Nr. 2
Zurechnung des vollmachtlosen Handelns des Treuhänders?
Keine Zurechnung vollmachtlosen Handelns des Geschäftsbesorgers bei Unkenntnis des Anlegers über die Nichtigkeit der Vollmacht
Wirksamkeit einer Treuhandvollmacht bei fehlender Erlaubnis nach dem RBerG; Duldungsvollmacht
LG Darmstadt, 12.03.2003 - 9 O 198/02
BGH, 20.03.2007 - XI ZR 162/06
NJW 2005, 2985
ZIP 2005, 1357
MDR 2005, 1239 (Ls.)
NZM 2005, 716
WM 2005, 1357
WM 2005, 1520
DB 2005, 2239
Die §§ 171 bis 173 BGB sind Anwendungsfälle des allgemeinen Rechtssatzes, dass derjenige, der einem gutgläubigen Dritten gegenüber zurechenbar den Rechtsschein einer Bevollmächtigung eines anderen setzt, sich so behandeln lassen muss, als habe er dem anderen wirksam Vollmacht erteilt (vgl. BGHZ 102, 60, 64 = WM 1987, 1426; BGH, WM 2002, 1273, 1274 f.; WM 2005, 1520).
Dies gilt, soweit gesetzgeberische Wertungen nicht entgegenstehen, grundsätzlich ohne Rücksicht darauf, aus welchen Gründen sich die Bevollmächtigung eines anderen als nichtig erweist (vgl. BGHZ 144, 223, 230 = WM 2000, 1250; BGH, WM 1995, 2230, 2232; WM 2005, 1520, 1522).
Die §§ 171, 172 BGB knüpfen allein an die Kundgabe der Vollmachtserteilung als solche an und lassen sie nach dem Willen des Gesetzgebers unter bestimmten Voraussetzungen zum Schutz des Verhandlungspartners und des Rechtsverkehrs "als Bevollmächtigung" gelten (dazu BGH, WM 2005, 1520, 1523).
Ein in aller Regel erst durch eine gewisse Häufigkeit und Dauer des vollmachtslosen Vertreterhandelns erzeugter Rechtsschein und ein Verschulden des Vertretenen sind daher nicht erforderlich (vgl. BGH, WM 2005, 1520, 1523 m.w.N.).
Entscheidend ist nicht einmal, ob der Vertragsgegner den Inhalt der notariellen Vollmachtsurkunde im Sinne des § 172 BGB vor oder bei Vertragsschluss tatsächlich zur Kenntnis genommen hat (vgl. BGH, WM 2005, 1520, 1523 m.w.N.).
Diese Voraussetzung war aber nach langjähriger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs bei einem finanzierten Grundstücksgeschäft wie dem vorliegenden schon vor Inkrafttreten des Verbraucherkreditgesetzes grundsätzlich nicht erfüllt und ist im Anwendungsbereich des § 3 Abs. 2 Nr. 2 VerbrKrG ausnahmslos nicht gegeben (vgl. BGH, WM 2005, 1520, 1523; BKR 2005, 501, 504; WM 2005, 72, 73 f. m.w.N.).
Die streitige Kenntnis der Beklagten zu 1 hat allenfalls Bedeutung für eine Duldungsvollmacht, die nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs dann vorliegt, wenn der Vertretene es wissentlich geschehen lässt, dass ein anderer für ihn wie ein Vertreter auftritt, und der Geschäftsgegner dieses Dulden nach Treu und Glauben dahin versteht und verstehen darf, dass der als Vertreter Handelnde bevollmächtigt ist (BGHZ 5, 111, 116; BGH, Urteil vom 21. Juni 2005 - XI ZR 88/04, WM 2005, 1520 unter II 2 b bb (1) m. weit.
Diese Voraussetzung ist aber nach langjähriger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (siehe z.B. Senat, Urteile vom 9. November 2004 - XI ZR 315/03, WM 2005, 72, 73 m.w.Nachw. und vom 21. Juni 2005 - XI ZR 88/04, WM 2005, 1520, 1523) bei einem finanzierten Grundstücksgeschäft wie dem vorliegenden im Anwendungsbereich des § 3 Abs. 2 Nr. 2 VerbrKrG ausnahmslos nicht gegeben.
a) Da sich die Nichtigkeit der umfassenden Abschlussvollmacht gemäß Art. 1 § 1 RBerG i.V. mit § 134 BGB auch auf die der Geschäftsbesorgerin erteilte Prozessvollmacht erstreckt, deren Nichtigkeit mit Hilfe der §§ 171, 172 BGB nicht überwunden werden kann (BGHZ 154, 283, 287; BGH, Urteile vom 22. Oktober 2003 - IV ZR 33/03, WM 2003, 2375, 2377 sowie IV ZR 398/02, WM 2003, 2372, 2374; Senatsurteile vom 15. März 2005 - XI ZR 135/04, WM 2005, 828, 830 und vom 21. Juni 2005 - XI ZR 88/04, WM 2005, 1520, 1521, jeweils m.w.Nachw.), sind die Kläger bei Abgabe der Vollstreckungsunterwerfungserklärung in der notariellen Urkunde vom 30. Dezember 1992 von der Geschäftsbesorgerin nicht wirksam vertreten worden.
Diese Auslegung wird durch den Wortlaut der Vertragsklauseln ohne weiteres gedeckt und entspricht der bei derartigen Bankgeschäften schon seit Jahrzehnten üblichen, von der höchstrichterlichen Rechtsprechung gebilligten Praxis (siehe z.B. BGHZ 99, 274, 282; Senatsurteile BGHZ 114, 9, 13; vom 5. April 2005 - XI ZR 167/04, WM 2005, 1076, 1078 und vom 21. Juni 2005 - XI ZR 88/04, WM 2005, 1520, 1521 m.w.Nachw.).
bb) Muss der Darlehensnehmer nach dem Inhalt des Darlehensvertrages ein derartiges selbständiges Schuldversprechen mit einer Vollstreckungsunterwerfungserklärung als die Grundschuld verstärkende Sicherheit abgeben, ist es ihm jedoch nur dann nach dem Grundsatz von Treu und Glauben (§ 242 BGB) verwehrt, sich auf die Nichtigkeit der Vollstreckungsunterwerfung zu berufen, wenn er an den Kreditvertrag gebunden und zur Rückzahlung der Darlehensvaluta verpflichtet ist (vgl. BGH, Urteile vom 22. Oktober 2003 - IV ZR 398/02, WM 2003, 2372, 2374 und IV ZR 33/03, WM 2003, 2376, 2378 sowie vom 10. März 2004 - IV ZR 143/03, WM 2004, 922, 923; Senatsurteile vom 15. März 2005 - XI ZR 135/04, WM 2005, 828, 830 und vom 21. Juni 2005 - XI ZR 88/04, WM 2005, 1520, 1521 f., jeweils m.w.Nachw.).
Die Nichtigkeit erfasst neben der umfassenden Abschlussvollmacht auch die zur Abgabe der Vollstreckungsunterwerfungserklärung erteilte Prozessvollmacht, deren Nichtigkeit mit Hilfe der §§ 171, 172 BGB nicht überwunden werden kann (st.Rspr.; BGHZ 154, 283, 287 f.; Senatsurteile vom 15. März 2005 - XI ZR 135/04, WM 2005, 828, 830 und vom 21. Juni 2005 - XI ZR 88/04, WM 2005, 1520, 1521, jeweils m.w.Nachw.).