Source: http://www.ip-rb.de/58154.htm
Timestamp: 2019-04-21 18:07:07
Document Index: 311500672

Matched Legal Cases: ['EuG', '§ 4', '§ 307', '§ 7', '§ 12', 'BGH', 'EuG', 'Art. 5', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 6', 'BGH', 'Art. 5', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 5', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', '§ 15', 'Art. 5', 'Art. 2', 'BGH', 'Art. 5', 'Art. 5', 'EuG', 'Art. 5', 'Art. 2', 'Art. 5', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 2', 'Art. 5']

EuGH, Câ€‘673/17: SchlussantrÃ¤ge des Generalanwalts vom 21.3.2019
Deutsche Gesetze zum Cookie-EinverstÃ¤ndnis entsprechen mÃ¶glicherweise nicht dem europÃ¤ischen Recht
In einer Situation, in der die Speicherung von Informationen oder der Zugriff auf Informationen, die bereits im EndgerÃ¤t des Nutzers gespeichert sind, durch ein voreingestelltes AnkreuzkÃ¤stchen erlaubt wird, das der Nutzer zur Verweigerung seiner Einwilligung abwÃ¤hlen muss, und in der die Einwilligung nicht gesondert gegeben wird, sondern gleichzeitig mit der BestÃ¤tigung der Teilnahme an einem Online-Gewinnspiel, liegt keine wirksame Einwilligung i.S.d. europÃ¤ischen Rechts vor.
Der KlÃ¤ger ist der in die Liste qualifizierter Einrichtungen nach Â§ 4 UKlaG eingetragene Bundesverband der Verbraucherzentralen. Die Beklagte (Planet49) bietet die Teilnahme an Gewinnspielen im Internet an. Im September 2013 hatte die Beklagte im Internet ein Gewinnspiel veranstaltet. Nach Eingabe der Postleitzahl gelangte der Nutzer hierbei auf eine Seite, auf der Name und Anschrift des Nutzers einzutragen waren. Unter den Eingabefeldern fÃ¼r die Adresse befanden sich zwei mit Ankreuzfeldern versehene Hinweistexte.
Der erste Hinweistext, dessen Ankreuzfeld nicht mit einem voreingestellten HÃ¤kchen versehen war, enthielt eine EinverstÃ¤ndniserklÃ¤rung fÃ¼r Werbung von Sponsoren auf postalischen oder telefonischen Weg oder per E-Mail/SMS. Der zweite Hinweistext, der mit einem voreingestellten HÃ¤kchen versehen war, enthielt eine EinwilligungserklÃ¤rung, mit der der Teilnehmer bei seiner Registrierung dem Einsatz von Cookies zustimmte. Mit Hilfe der Cookies sollte eine Auswertung des Surf- und Nutzungsverhaltens des Teilnehmers auf Webseiten von Werbepartnern ermÃ¶glicht werden, damit kÃ¼nftig eine interessengerechtere Werbung erfolgen konnte. Eine Teilnahme am Gewinnspiel war nur mÃ¶glich, wenn mindestens das HÃ¤kchen vor dem ersten Hinweistext gesetzt wurde.
Der KlÃ¤ger war der Ansicht, dass die von der Beklagten verlangten EinverstÃ¤ndniserklÃ¤rungen, insbesondere das sog. "Opt-out-Verfahren", nicht den Anforderungen des Â§ 307 BGB i.V.m. Â§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG und Â§Â§ 12 ff. TMG genÃ¼gten. Den gesetzlichen Regelungen sei ein "Opt-in"-Erfordernis zu entnehmen. Eine vorgerichtliche Abmahnung ist ohne Erfolg geblieben. LG und OLG haben den Unterlassungsanspruch weitestgehend abgewiesen. Auf die Revisionen der beiden Parteien hat der BGH (Beschl. v. 5.10.2017, I ZR 7/16) das Verfahren ausgesetzt und dem EuGH zur Vorabentscheidung vorgelegt. Danach hÃ¤nge der Erfolg der Revision des KlÃ¤gers von der Auslegung des Art. 5 Abs. 3 u. Art. 2f der Richtlinie 2002/58/EG i.V.m. Art. 2h der Richtlinie 95/46/EG sowie Art. 6 Abs. 1a der Verordnung (EU) 2016/679 ab.
Nach Ansicht des Generalanwaltes entsprechen die deutschen Gesetze zum Cookie-EinverstÃ¤ndnis nicht dem europÃ¤ischen Recht.
Der BGH mÃ¶chte zum einen wissen, ob es sich um eine wirksame Einwilligung i.S.d. Art. 5 Abs. 3 und 2 Buchst. f der Richtlinie 2002/58 i.V.m. Art. 2 Buchst. h der Richtlinie 95/46 handelt, wenn die Speicherung von Informationen oder der Zugriff auf Informationen, die bereits im EndgerÃ¤t des Nutzers gespeichert sind, durch ein voreingestelltes AnkreuzkÃ¤stchen erlaubt wird, das der Nutzer zur Verweigerung seiner Einwilligung abwÃ¤hlen muss. In diesem Zusammenhang mÃ¶chte das vorlegende Gericht ferner wissen, ob es einen Unterschied macht, ob die gespeicherten oder abgerufenen Informationen personenbezogene Daten sind. SchlieÃŸlich mÃ¶chte es wissen, ob unter den oben geschilderten UmstÃ¤nden eine wirksame Einwilligung i.S.v. Art. 6 Abs. 1 Buchst. a der Verordnung 2016/679 vorliegt.
Ungeachtet dessen scheint die Antwort auf diese Frage recht eindeutig zu sein: Es macht keinen Unterschied, ob es sich bei den gespeicherten oder abgerufenen Informationen um personenbezogene Daten handelt. Art. 5 Abs. 3 der Richtlinie 2002/58 bezieht sich auf "die Speicherung von Informationen oder Zugriff auf Informationen, die bereits gespeichert sind". Es ist klar, dass alle solchen Informationen einen den Datenschutz betreffenden Aspekt haben, unabhÃ¤ngig davon, ob sie "personenbezogene Daten" i.S.v. Art. 4 Nr. 1 der Verordnung 2016/679 sind. Wie die Kommission zutreffend hervorhebt, zielt Art. 5 Abs. 3 der Richtlinie 2002/58 auf den Schutz des Nutzers vor Eingriffen in seine PrivatsphÃ¤re ab, ungeachtet des Umstands, ob dabei personenbezogene Daten oder andere Daten betroffen sind.
Ein solches VerstÃ¤ndnis von Art. 5 Abs. 3 der Richtlinie 2002/58 wird Ã¼berdies durch die ErwÃ¤gungsgrÃ¼nde 24(58) und 25(59) dieser Richtlinie sowie durch Stellungnahmen der Artikel-29-Datenschutzgruppe bestÃ¤tigt. Sie fÃ¼hrt aus: "Artikel 5 Absatz 3 gilt fÃ¼r â€šInformationenâ€˜ (gespeicherte Informationen und/oder Informationen, auf die Zugriff genommen wird). Er macht hier keinen Unterschied. FÃ¼r die Anwendung dieser Bestimmung ist es nicht erforderlich, dass es sich bei den Informationen um personenbezogene Daten i.S.d. Richtlinie [95/46] handelt.â€œ
Infolgedessen wurden die Anforderungen von Art. 5 Abs. 3 der Richtlinie 2002/58 durch Â§ 15 Abs. 3 TMG offenbar nicht in vollem Umfang in deutsches Recht umgesetzt. Ich schlage daher vor, zu antworten, dass es bei der Anwendung der Art. 5 Abs. 3 und 2 Buchst. f der Richtlinie 2002/58 i.V.m. Art. 2 Buchst. h der Richtlinie 95/46 keinen Unterschied macht, ob es sich bei den gespeicherten oder abgerufenen Informationen um personenbezogene Daten handelt.
Mit der zweiten Frage mÃ¶chte der BGH wissen, welche Informationen der Diensteanbieter im Rahmen des Erfordernisses in Art. 5 Abs. 3 der Richtlinie 2002/58, dass der Nutzer klare und umfassende Informationen erhalten muss, zu erteilen hat und ob hierzu auch die Funktionsdauer der Cookies und die Frage zÃ¤hlen, ob Dritte auf die Cookies Zugriff erhalten. DiesbezÃ¼glich schlage ich vor, zu antworten, dass zu den klaren und umfassenden Informationen, die ein Nutzer nach Art. 5 Abs. 3 der Richtlinie 2002/58 von einem Diensteanbieter erhalten muss, die Funktionsdauer der Cookies und die Frage zÃ¤hlen, ob Dritte auf die Cookies Zugriff erhalten oder nicht.
Im Licht der vorstehenden ErwÃ¤gungen schlage ich dem EuGH vor, die Vorlagefragen wie folgt zu beantworten:
In einer Situation wie der des Ausgangsverfahrens, in der die Speicherung von Informationen oder der Zugriff auf Informationen, die bereits im EndgerÃ¤t des Nutzers gespeichert sind, durch ein voreingestelltes AnkreuzkÃ¤stchen erlaubt wird, das der Nutzer zur Verweigerung seiner Einwilligung abwÃ¤hlen muss, und in der die Einwilligung nicht gesondert gegeben wird, sondern gleichzeitig mit der BestÃ¤tigung der Teilnahme an einem Online-Gewinnspiel, liegt keine wirksame Einwilligung i.S.d. Art. 5 Abs. 3 und 2 Buchst. f der Richtlinie 2002/58/EG des EuropÃ¤ischen Parlaments und des Rates vom 12.7.2002 Ã¼ber die Verarbeitung personenbezogener Daten und den Schutz der PrivatsphÃ¤re in der elektronischen Kommunikation (Datenschutzrichtlinie fÃ¼r elektronische Kommunikation) in Verbindung mit Art. 2 Buchst. h der Richtlinie 95/46/EG des EU-Parlaments und des Rates vom 24.10.1995 zum Schutz natÃ¼rlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und zum freien Datenverkehr vor.
Das Gleiche gilt fÃ¼r die Auslegung der Art. 5 Abs. 3 und 2 Buchst. f der Richtlinie 2002/58 i.V.m. Art. 4 Nr. 11 der Verordnung (EU) 2016/679 des EU-Parlaments und des Rates vom 27.4.2016 zum Schutz natÃ¼rlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten, zum freien Datenverkehr und zur Aufhebung der Richtlinie 95/46 (Datenschutz-Grundverordnung). Bei der Anwendung der Art. 5 Abs. 3 und 2 Buchst. f der Richtlinie 2002/58 i.V.m. Art. 2 Buchst. h der Richtlinie 95/46 macht es keinen Unterschied, ob es sich bei den gespeicherten oder abgerufenen Informationen um personenbezogene Daten handelt. Zu den klaren und umfassenden Informationen, die ein Nutzer nach Art. 5 Abs. 3 der Richtlinie 2002/58 von einem Diensteanbieter erhalten muss, zÃ¤hlen die Funktionsdauer der Cookies und die Frage, ob Dritte auf die Cookies Zugriff erhalten oder nicht.
Verlag Dr. Otto Schmidt vom 22.03.2019 16:05