Source: https://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_BSG_B7AL96-00%20R_Eintritt_Sperrzeit_eheaehnliche_Gemeinschaft_u.html
Timestamp: 2019-08-26 08:07:31
Document Index: 2696999

Matched Legal Cases: ['§ 100', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 144', '§ 119', '§ 144', '§ 137', '§ 1', '§ 119', '§ 41', '§ 119', '§ 144', '§ 119', '§ 119', '§ 104', '§ 144', '§ 119', '§ 119', '§ 100', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 144', '§ 119', '§ 119', '§ 144', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 121', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', 'Art 6', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', 'Art 6', '§ 160', 'Art 6', 'Art 6', 'Art 6', 'Art 6', 'Art 6', 'Art 6', 'Art 6', '§ 119', '§ 119', 'Art 14', '§ 119', 'Art 14', 'Art 14', '§ 110', '§ 569', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 3', '§ 119', '§ 144', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 144', '§ 144', '§ 137', '§ 137', 'Art 3', '§ 137', '§ 137', '§ 137', '§ 119', '§ 119', '§ 122', '§ 6', '§ 12', '§ 137', '§ 137', 'BGH', '§ 1297', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 163', '§ 119', '§ 48', '§ 119', '§ 193', '§ 194', '§ 137', '§ 122', '§ 137', '§ 193', '§ 122', '§ 119', '§ 193']

BSG, Urteil vom 17.10.2002, B 7 AL 96/00 R - HENSCHE Arbeitsrecht
BSG, Ur­teil vom 17.10.2002, B 7 AL 96/00 R
Schlagworte: Arbeitslosengeldanspruch, Sperrzeit, Arbeitslosenversicherung
Vorinstanzen: Sozialgericht Osnabrück, Urteil vom 06.01.2000, S 4 AL 230/97
Landessozialgericht Niedersachsen, Urteil vom 31.10.2000, L 7 AL 52/00
17. Ok­to­ber 2002
Az: B 7 AL 96/00 R
Bun­des­an­stalt für Ar­beit,
Der 7. Se­nat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 17. Ok­to­ber 2002 durch die Vi­ze­präsi­den­tin Dr. W o l f f , die Rich­ter Dr. S t e i n w e d e l und Dr. S p e l l b r i n k so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter H o h e n s t e i n und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin G e p p e r t
Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nie­der­sach­sen
vom 31. Ok­to­ber 2000 wird zurück­ge­wie­sen.
Die Be­klag­te hat der Kläge­rin die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten auch des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens zu er­stat­ten.
Die Kläge­rin be­gehrt Ar­beits­lo­sen­geld (Alg) für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar bis 11. Fe­bru­ar 1997 (Sperr­zeit von sechs Wo­chen).
Die im Jah­re 1967 ge­bo­re­ne Kläge­rin war vom 20. März 1995 bis 31. De­zem­ber 1996 als Zahn­arzt­hel­fe­rin in Det­mold beschäftigt. Sie wohn­te in die­sem Zeit­raum mit ih­rem da­ma­li­gen Part­ner und späte­ren Ehe­mann in Bad Sal­zu­flen in ei­ner ge­mein­sa­men Woh­nung.
Zu­vor (im Fe­bru­ar 1995) wa­ren sie be­reits ge­mein­sam von Mep­pen nach Bad Sal­zu­flen um­ge­zo­gen. Auf Grund ei­nes be­ruf­lich be­ding­ten Um­zugs ih­res Part­ners nach Mep­pen kündig­te die Kläge­rin ihr Ar­beits­verhält­nis am 30. No­vem­ber 1996 zum 31. De­zem­ber 1996. Be­reits am 20. No­vem­ber 1996 hat­te sich die Kläge­rin schrift­lich an das für Mep­pen zuständi­ge Ar­beits­amt (Ar­bA) Nord­horn mit der Bit­te um Ver­mitt­lung ei­ner Ar­beits­stel­le am neu­en Wohn­ort ge­wandt. Ab 1. Ja­nu­ar 1997 wohn­te sie mit ih­rem Part­ner in Mep­pen. Die Kläge­rin nahm am 21. April 1997 ei­ne neue Beschäfti­gung auf. Sie hei­ra­te­te ih­ren Part­ner am 11. Ju­li 1997.
Am 2. Ja­nu­ar 1997 sprach die Kläge­rin beim Ar­bA Nord­horn/Ne­ben­stel­le Mep­pen vor und be­an­trag­te die Be­wil­li­gung von Alg. Sie gab an, sie sei we­gen der zum 11. Ju­li 1997 ge­plan­ten Hoch­zeit um­ge­zo­gen. Aus fi­nan­zi­el­len Gründen könn­ten sie und ihr Ver­lob­ter nicht zwei Woh­nun­gen in Mep­pen und Det­mold un­ter­hal­ten, zu­mal das ge­mein­sa­me Kraft­fahr­zeug von ih­rem Ver­lob­ten ge­nutzt wer­de. Sie ha­be seit länge­rer Zeit ei­ne Mep­pe­ner Ta­ges­zei­tung abon­niert, um sich von Bad Sal­zu­flen zu be­wer­ben. Sie sei da­von aus­ge­gan­gen, dass sie oh­ne größere Zeit­verzöge­rung wie­der ei­nen Ar­beits­platz als Zahn­arzt­hel­fe­rin wer­de fin­den können.
Die Be­klag­te gewähr­te der Kläge­rin Alg ab 12. Fe­bru­ar 1997 (Be­wil­li­gungs­be­scheid vom 6. Fe­bru­ar 1997), lehn­te je­doch mit Be­scheid vom 11. Fe­bru­ar 1997 die Zah­lung für den Zeit­raum vom 1. Ja­nu­ar bis 11. Fe­bru­ar 1997 ab, weil ei­ne sechswöchi­ge Sperr­zeit ein­ge­tre­ten sei. Der Zu­zug zum Part­ner ei­ner nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft könne nicht als wich­ti­ger Grund für die Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses in Det­mold an­er­kannt wer­den, son­dern führe le­dig­lich we­gen des Vor­lie­gens ei­ner be­son­de­ren Härte zu ei­ner Verkürzung der Sperr­zeit auf sechs Wo­chen. Wi­der­spruch und Kla­ge blie­ben er­folg­los (Wi­der­spruchs­be­scheid vom 30. April 1997; Ur­teil des So­zi­al­ge­richts vom 6. Ja­nu­ar 2000).
Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG) durch Ur­teil vom 31. Ok­to­ber 2000 die Be­klag­te ver­ur­teilt, der Kläge­rin vom 1. Ja­nu­ar bis 11. Fe­bru­ar 1997 Alg zu gewähren. Zur Be­gründung sei­ner Ent­schei­dung hat das LSG aus­geführt, der Kläge­rin
ha­be für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar bis 11. Fe­bru­ar 1997 ein An­spruch auf Alg zu­ge­stan­den; die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen nach §§ 100 ff Ar­beitsförde­rungs­ge­setz (AFG) sei­en im maßgeb­li­chen Zeit­raum erfüllt ge­we­sen. Der An­spruch ha­be auch nicht we­gen des Ein­tritts ei­ner Sperr­zeit ge­ruht. Der Zu­zug zum Part­ner zwecks Fort­set­zung ei­ner eheähn­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft stel­le ei­nen wich­ti­gen Grund iS des § 119 Abs 1 AFG dar, wenn der Ar­beits­lo­se die Ar­beits­stel­le von der neu­en ge­mein­sa­men Woh­nung nicht mehr zu­mut­bar er­rei­chen könne, er recht­zei­tig al­le zu­mut­ba­ren An­stren­gun­gen un­ter­neh­me, um den Ver­si­che­rungs­fall der Ar­beits­lo­sig­keit zu ver­mei­den und es sich bei der be­reits länge­re Zeit be­ste­hen­den nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft um ei­ne Ver­ant­wor­tungs- und Ein­ste­hens­ge­mein­schaft im Sin­ne der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG) ge­han­delt ha­be. Die­se Vor­aus­set­zun­gen hätten im vor­lie­gen­den Fal­le vor­ge­le­gen. Die Part­ner­schaft sei - wie spätes­tens die Hei­rat im Ju­li 1997 ge­zeigt ha­be - ei­ne Ver­ant­wor­tungs- und Ein­ste­hens­ge­mein­schaft im Sin­ne der Recht­spre­chung des BVerfG ge­we­sen. Sie sei auf Dau­er an­ge­legt ge­we­sen, ha­be da­ne­ben kei­ne wei­te­re Le­bens­ge­mein­schaft glei­cher Art zu­ge­las­sen und sich durch in­ne­re Bin­dun­gen aus­ge­zeich­net, die ein ge­gen­sei­ti­ges Ein­ste­hen der Part­ner fürein­an­der be­gründet ha­be. Sie sei so­mit über ei­ne Haus­halts- und Wirt­schafts­ge­mein­schaft hin­aus­ge­gan­gen. Die Hei­rats­ab­sicht ha­be be­reits in Bad Sal­zu­flen be­stan­den. Die Kläge­rin ha­be zum Zeit­punkt des Um­zugs be­reits un­strei­tig seit mehr als drei Jah­ren mit ih­rem späte­ren Ehe­mann in ge­mein­sa­men Woh­nun­gen in Mep­pen und Bad Sal­zu­flen ge­lebt. Dass das Zu­sam­men­le­ben in dem ge­sam­ten Zeit­raum auch in ei­ner Ver­ant­wor­tungs- und Ein­ste­hens­ge­mein­schaft er­folgt sei, er­ge­be sich zur Über­zeu­gung des Se­nats aus der Länge des Zu­sam­men­le­bens, den mehr­ma­li­gen ge­mein­sa­men Umzügen (zunächst von Mep­pen nach Bad Sal­zu­flen und dann zurück nach Mep­pen) so­wie der be­reits 1996 in Bad Sal­zu­flen ver­ein­bar­ten und im Ju­li 1997 voll­zo­ge­nen Hei­rat. An­halts­punk­te dafür, dass die Kläge­rin seit 1993 mit ih­rem späte­ren Ehe­mann zeit­wei­se le­dig­lich in ei­ner Wohn­ge­mein­schaft ge­lebt und sich hier­aus erst später ei­ne Le­bens­ge­mein­schaft ent­wi­ckelt ha­be, sei­en nicht er­sicht­lich.
Hier­ge­gen spre­che ins­be­son­de­re der Um­zug von Mep­pen nach Bad Sal­zu­flen be­reits im Fe­bru­ar 1995. Die Kläge­rin ha­be sich auch um­fas­send und aus­rei­chend um ei­ne neue Ar­beits­stel­le in Mep­pen bemüht. Sie ha­be ei­ne Mep­pe­ner Ta­ges­zei­tung abon­niert, ei­ge­ne Be­wer­bun­gen vor­ge­nom­men, ein persönli­ches Ver­mitt­lungs­ge­such an das Ar­bA Bad Sal­zu­flen, Dienst­stel­le Det­mold, und ein schrift­li­ches Ver­mitt­lungs­ge­such an das Ar­bA Nord­horn am 22. No­vem­ber 1996 - al­so noch vor Aus­spruch der Kündi­gung - ge­rich­tet. Letzt­lich sei es auch nur ih­rer Ei­gen­in­itia­ti­ve zu­zu­schrei­ben, dass sie im April 1997 wie­der ei­ne Beschäfti­gung ge­fun­den und auf­ge­nom­men ha­be. Dass trotz aus­rei­chen­der Bemühun­gen ein An­schluss­ar­beits­platz nicht naht­los ha­be ge­fun­den wer­den können, führe zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. Mit dem Er­for­der­nis, sich bei ei­nem Zu­zug zum Part­ner zwecks Wie­der­her­stel­lung oder Fortführung ei­ner nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft be­reits vor Lösung des Ar­beits­verhält­nis­ses um­fas­send und mit al­len ge­bo­te­nen Mit­teln um ei­ne An­schluss­beschäfti­gung zu bemühen, wer­de dem In­ter­es­se der Ver­si­cher­ten­ge-
mein­schaft an der Ver­hin­de­rung des Ein­tritts von Ar­beits­lo­sig­keit aus­rei­chend Rech­nung ge­tra­gen.
Hier­ge­gen wen­det sich die Be­klag­te mit ih­rer Re­vi­si­on. Sie rügt ei­ne Ver­let­zung des § 119 AFG. Die Kläge­rin ha­be kei­nen wich­ti­gen Grund für die Kündi­gung ih­res Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses in Det­mold ge­habt. Sie könne sich zunächst nicht dar­auf be­ru­fen, dass sie ih­re Beschäfti­gung we­gen der Be­zie­hung zu ih­rem Le­bens­gefähr­ten ha­be auf­ge­ben müssen. Dies könne nur für die Be­gründung oder Wie­der­her­stel­lung ei­ner ehe­li­chen Ge­mein­schaft gel­ten. Die Kläge­rin sei aber we­der mit ih­rem Part­ner ver­hei­ra­tet ge­we­sen, noch sei die Ehe­sch­ließung bis zum En­de des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses bzw un­mit­tel­bar da­nach er­folgt. Viel­mehr sei dies erst mehr als sechs Mo­na­te nach dem En­de der Beschäfti­gung der Fall ge­we­sen. Die Auf­recht­er­hal­tung ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft könne kei­nen wich­ti­gen Grund zur Auf­ga­be ei­ner Beschäfti­gung dar­stel­len. Die Ankündi­gung des 7. Se­nats des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (BSG) in sei­nem Ur­teil vom 29. April 1998 (B 7 AL 56/97 R) wer­de zu Recht un­ter dem Ge­sichts­punkt der Ge­wal­ten­tei­lung kri­ti­siert (Hin­weis auf Ei­chen­ho­fer, SGb 1999, 167, 172). Die Prio­rität für die An­pas­sung des Rechts an den ge­sell­schaft­li­chen Wan­del lie­ge beim Ge­setz­ge­ber, und nur die­ser ha­be Sor­ge dafür zu tra­gen, dass das Recht nicht un­zeit­gemäß wer­de und sei­ne be­frie­den­de Rol­le nicht mehr erfüllen könne. Im Übri­gen müss­te der Große Se­nat an­ge­ru­fen wer­den, wenn der er­ken­nen­de Se­nat von der ein­deu­ti­gen Recht­spre­chung des 11. Se­nats ab­wei­chen woll­te. Die Tat­sa­che schließlich, dass die Kläge­rin ih­ren Part­ner zwi­schen­zeit­lich ge­hei­ra­tet ha­be, sei für die Sperr­zei­tent­schei­dung oh­ne Be­lang, weil bei de­ren Über­prüfung auf die da­ma­li­gen Ge­ge­ben­hei­ten ab­ge­stellt wer­den müsse. Im Übri­gen sei der Kläge­rin - ent­ge­gen der Auf­fas­sung des LSG - ei­ne vorüber­ge­hen­de Tren­nung von ih­rem Part­ner zu­zu­mu­ten ge­we­sen. Ge­ra­de um Ar­beits­lo­sig­keit zu ver­hin­dern, wer­de von ei­nem Ar­beit­neh­mer, der we­gen Zu­zugs zu sei­nem Part­ner sein Beschäfti­gungs­verhält­nis kündi­ge, er­war­tet, dass die­ser zur Er­lan­gung ei­nes An­schluss­ar­beits­plat­zes al­le mögli­chen An­stren­gun­gen un­ter­neh­me, um Ar­beits­lo­sig­keit erst gar nicht ein­tre­ten zu las­sen. Bemühun­gen um ei­nen neu­en Ar­beits­platz könn­ten auch vom bis­he­ri­gen Wohn­ort aus er­fol­gen.
Dies gel­te ge­ra­de im vor­lie­gen­den Fall, in dem die Ent­fer­nung zwi­schen al­tem und neu­em Wohn­ort le­dig­lich 150 km, al­so un­gefähr zwei St­un­den Fahr­zeit, be­tra­gen ha­be. Vor­stel­lungs­gespräche wären so­mit an frei­en Ta­gen oder auch nach­mit­tags durch­aus möglich ge­we­sen.
das Ur­teil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nie­der­sach­sen vom 31. Ok­to­ber 2000 auf­zu­he­ben und die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des So­zi­al­ge­richts Os­nabrück vom 6. Ja­nu­ar 2000 zurück­zu­wei­sen.
Sie be­ruft sich auf den In­halt des an­ge­foch­te­nen Ur­teils. Ergänzend weist sie dar­auf hin, dass die Be­klag­te selbst die nicht­ehe­li­che Le­bens­ge­mein­schaft in­so­weit an­er­ken­ne, als für Ar­beits­lo­sen­hil­fe-Leis­tungs­empfänger durch das Be­ste­hen ei­ner nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft ne­ga­ti­ve Fol­gen hin­sicht­lich der Höhe der Leis­tung möglich sei­en. Auch sei­en die Ausführun­gen der Be­klag­ten in sach­li­cher Hin­sicht un­zu­tref­fend. Die Ent­fer­nung zwi­schen dem al­ten und dem neu­en Wohn­ort ha­be 200 km be­tra­gen. Auf Grund der ört­li­chen Ver­kehrs­si­tua­ti­on könne von ei­ner Fahr­zeit von zwei St­un­den nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Sie - die Kläge­rin - sei auf öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel an­ge­wie­sen ge­we­sen.
Der Se­nat hat durch Be­schluss vom 7. Fe­bru­ar 2002 bei dem 11. Se­nat des BSG an­ge­fragt, ob er dem 7. Se­nat dar­in zu­stim­me, dass ent­ge­gen den Ur­tei­len vom 29. No­vem­ber 1988 - 11/7 RAr 31/87 = BS­GE 64, 202 = SozR 4100 § 119 Nr 34 und vom 27. Sep­tem­ber 11 AuB 1991, 121 al­lein der Zu­zug zum nicht­ehe­li­chen Le­bens­part­ner zur Fort­set­zung ei­ner be­reits be­ste­hen­den eheähn­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft ei­nen wich­ti­gen Grund iS des § 119 Abs 1 Satz 1 AFG (jetzt: § 144 Abs 1 Satz 1 des Drit­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch <SGB III>) dar­stel­len kann.
Der 11. Se­nat des BSG hat die­se Fra­ge mit Be­schluss vom 29. Au­gust 2002 be­jaht (B 11 AL 11/02 S).
Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist zurück­zu­wei­sen. Das LSG hat zu­tref­fend ent­schie­den, dass der Kläge­rin auch für den strei­ti­gen Zeit­raum vom 1. Ja­nu­ar 1997 bis 11. Fe­bru­ar 1997 ein An­spruch auf Alg zu­stand. Ei­ne Sperr­zeit ist nicht ein­ge­tre­ten, weil die Kläge­rin ei­nen wich­ti­gen Grund iS des § 119 Abs 1 AFG (jetzt § 144 Abs 1 SGB III) für die Auf­ga­be ih­res Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses durch Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses hat­te. Die Kläge­rin leb­te mit ih­rem Part­ner zum Zeit­punkt des Um­zugs und der Auf­ga­be des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses in ei­ner nicht­ehe­li­chen Ge­mein­schaft, die nach den tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen des LSG den recht­li­chen An­for­de­run­gen an ei­ne eheähn­li­che Ge­mein­schaft im Rah­men des Sperr­zeit­rechts genügt (hier­zu im Ein­zel­nen später; der Se­nat ver­wen­det den ua in § 137 Abs 2a AFG ent­hal­te­nen Be­griff "eheähn­li­che Ge­mein­schaft", da der Aus­druck "Le­bens­part­ner­schaft" in § 1 des Le­bens­part­ner­schafts­ge­set­zes vom 16. Fe­bru­ar 2001, BGBl I 266, ge­setz­lich als gleich­ge­schlecht­li­che Ge­mein­schaft de­fi­niert ist). Auch grei­fen kei­ne an­de­ren Ge­sichts­punk­te ein - wie et­wa ein Ver­s­toß der Kläge­rin ge­gen Ob­lie­gen­hei­ten aus der Rechts­be­zie­hung zur Be­klag­ten etc -, die dem Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des iS des § 119 Abs 1 Satz 1 AFG ent­ge­gen ste­hen.
Ei­ne Vor­la­ge des Rechts­streits an den Großen Se­nat des BSG gemäß § 41 So­zi­al­ge­richts­ge­setz (SGG) ist nicht er­for­der­lich, weil der 11. Se­nat auf den An­fra­ge­be­schluss des er­ken­nen­den Se­nats vom 7. Fe­bru­ar 2002 mit Be­schluss vom 29. Au­gust 2002 mit­ge­teilt hat, er stim­me dem 7. Se­nat des BSG dar­in zu, "dass al­lein der Zu­zug zum nicht ehe­li­chen Le­bens­part­ner zur Fort­set­zung ei­ner be­reits be­ste­hen­den eheähn­li­chen Ge­mein­schaft ei­nen wich­ti­gen Grund iS des § 119 Abs 1 Satz 1 AFG (jetzt § 144 SGB III) dar­stel­len kann" (Az: B 11 AL 11/02 S).
Ge­gen­stand des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens ist zunächst der Be­scheid der Be­klag­ten vom 11. Fe­bru­ar 1997 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 30. April 1997. Mit die­sen Be­schei­den hat die Be­klag­te nicht nur über den Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit bzw das Vor­lie­gen von Ru­hens­zeiträum­en be­fun­den, son­dern auch die Gewährung von Alg für den Zeit­raum vom 1. Ja­nu­ar bis 11. Fe­bru­ar 1997 ab­ge­lehnt (vgl hier­zu BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 15 und BS­GE 84, 225, 227 = SozR 3-4100 § 119 Nr 17 mwN) und gleich­zei­tig die Min­de­rung der An­spruchs­dau­er um 36 Ta­ge verfügt. Die­se Verfügun­gen kor­re­spon­die­ren mit de­nen des Be­wil­li­gungs­be­schei­des vom 6. Fe­bru­ar 1997 über die Zah­lung von Alg (erst) ab 12. Fe­bru­ar 1997. Al­le Be­schei­de stel­len in­so­weit ei­ne ein­heit­li­che Re­ge­lung dar (vgl BSG SozR 3-1300 § 104 Nr 9 S 27; SozR 3-1500 § 144 Nr 12; BS­GE 84, 225, 227 = SozR 3-4100 § 119 Nr 17; BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 19). Zu Recht hat das LSG da­her auch den Be­wil­li­gungs­be­scheid vom 6. Fe­bru­ar 1997 ab­geändert, so­weit mit ihm die Zah­lung von Alg für den strei­ti­gen Zeit­raum ab­ge­lehnt wor­den ist.
Nach den Fest­stel­lun­gen des LSG stand der Kläge­rin ab 1. Ja­nu­ar 1997 ein An­spruch auf Alg gemäß §§ 100 ff AFG zu. An­de­re Gründe als die Sperr­zeit ste­hen dem An­spruch auf Alg für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar bis 11. Fe­bru­ar 1997 nicht ent­ge­gen.
Ob für den strei­ti­gen Zeit­raum ei­ne Sperr­zeit ein­ge­tre­ten ist, be­ur­teilt sich nach §§ 119, 119a AFG (idF, die § 119 durch das Ge­setz zur Ände­rung des Ar­beitsförde­rungs­ge­set­zes und zur Förde­rung ei­nes glei­ten­den Über­gangs älte­rer Ar­beit­neh­mer in den Ru­he­stand vom 20. De­zem­ber 1988, BGBl I 2343, und idF, die § 119a durch das Beschäfti­gungsförde­rungs­ge­setz 1994 vom 26. Ju­li 1994, BGBl I 1786, er­hal­ten hat). Da­nach tritt ei­ne Sperr­zeit von zwölf Wo­chen ua dann ein, wenn der Ar­beits­lo­se das Beschäfti­gungs­verhält­nis gelöst und da­durch vorsätz­lich oder grob fahrlässig die Ar­beits­lo­sig­keit her­bei­geführt hat, oh­ne für sein Ver­hal­ten ei­nen wich­ti­gen Grund zu ha­ben (§ 119 Abs 1 Satz 1 Nr 1 AFG). Die Sperr­zeit be­ginnt mit dem Tag nach dem Er­eig­nis, das die Sperr­zeit be­gründet (§ 119 Abs 1 Satz 2 AFG). Sie verkürzt sich von zwölf Wo­chen auf sechs Wo­chen, wenn, wie hier von der Be­klag­ten be­reits in den Be­schei­den vom 11. Fe­bru­ar und 30. April 1997 an­ge­nom­men, ei­ne Sperr­zeit von zwölf Wo­chen für den Ar­beits­lo­sen nach den für den Ein­tritt der Sperr­zeit maßge­ben­den Tat­sa­chen ei­ne be­son­de­re Härte be­deu­ten würde (§ 119 Abs 2 Satz 1 AFG iVm § 119a Nr 1 AFG).
Die Kläge­rin hat ihr Ar­beits­verhält­nis in Det­mold durch Kündi­gung zum 31. De­zem­ber 1996 gelöst. Sie hat­te - nach den bin­den­den Fest­stel­lun­gen des LSG - kei­ne kon­kre­te Aus­sicht auf ei­nen An­schluss­ar­beits­platz in Mep­pen und wuss­te dies auch. Da­mit hat sie zu­min­dest grob fahrlässig die Ar­beits­lo­sig­keit her­bei­geführt.
Der Se­nat geht je­doch mit dem LSG da­von aus, dass die Kläge­rin für die Kündi­gung ih­res Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ei­nen wich­ti­gen Grund hat­te. Über das Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des iS des § 119 Abs 1 Satz 1 AFG ist un­ter Berück­sich­ti­gung des Ziels der Sperr­zeit­re­ge­lung zu ent­schei­den. Die Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft soll sich ge­gen Ri­si­kofälle weh­ren, de­ren Ein­tritt der Ver­si­cher­te selbst zu ver­tre­ten hat oder an de­ren Be­he­bung er un­be­gründet nicht mit­hilft (vgl BS­GE 66, 94, 97 = SozR 4100 § 119 Nr 36; BSG SozR 3-1500 § 144 Nr 12; BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 14, 15, 16). Ei­ne Sperr­zeit tritt des­halb nur dann ein, wenn dem Ar­beit­neh­mer un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung sei­ner In­ter­es­sen mit den In­ter­es­sen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ein an­de­res Ver­hal­ten zu­ge­mu­tet wer­den kann (BS­GE 66, 94, 97 = SozR 4100 § 119 Nr 36; BSG SozR 3-1500 § 144 Nr 12; BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 14, 15, 16). In­so­weit muss der wich­ti­ge Grund nicht nur die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses über­haupt, son­dern auch den kon­kre­ten Zeit­punkt der Auflösung de­cken.
Dies be­deu­tet zunächst, dass die Kläge­rin, be­vor sie ihr Ar­beits­verhält­nis kündig­te, al­le zu­mut­ba­ren An­stren­gun­gen un­ter­nom­men ha­ben muss, ei­ne Ar­beits­lo­sig­keit we­gen des Um­zugs zu ver­mei­den. Der 11. Se­nat des BSG ist in Fällen der vor­lie­gen­den Art da­von aus­ge­gan­gen, dass den Ar­beits­lo­sen bei ei­ner Ei­genkündi­gung zwecks Fort­set­zung ei­ner nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft aus dem Ver­si­che­rungs­verhält­nis mit der Be­klag­ten ei­ne Ob­lie­gen­heit trifft, den Ver­si­che­rungs­fall der Ar­beits­lo­sig­keit zu ver­mei­den, und zwar ua durch recht­zei­ti­ge Ein­schal­tung des Ar­beits­amts mit der Bit­te um Ver­mitt­lung in ein an­de­res Ar­beits­verhält­nis und durch ei­ge­ne Bemühun­gen um ei­ne neue Ar­beits­stel­le (BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 14). Dem ist der er­ken­nen­de Se­nat ge­folgt (BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 15 S 64; vgl aber zur be­grenz­ten Be­deu­tung die­ser Ent­schei­dung das Ur­teil des Se­nats vom heu­ti­gen Tag B 7 AL 136/01 R, zur Veröffent­li­chung vor­ge­se­hen). Der Ar­beits­lo­se muss mit­hin recht­zei­ti­ge Bemühun­gen um ei­nen An­schluss­ar­beits­platz nach­wei­sen. Auf die Fra­ge, ob die­se Bemühun­gen er­folg­reich ge­we­sen wären, kommt es da­bei nicht an (BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 15, S 65 mwN). Die­sen An­for­de­run­gen hat die Kläge­rin nach den Fest­stel­lun­gen des LSG im vor­lie­gen­den Fall genügt. Sie hat sich be­reits vor der Kündi­gung an die Be­klag­te - und zwar so­wohl an das Ar­bA des bis­he­ri­gen als auch des zukünf­ti­gen Wohn­orts - ge­wandt und auch wei­te­re ei­ge­ne An­stren­gun­gen un­ter­nom­men, die den "Vor­wurf" ei­ner Ob­lie­gen­heits­ver­let­zung aus­sch­ließen.
Eben­so wie bei ei­nem Zu­zug zum Ehe­part­ner ist auch bei Part­nern ei­ner nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft zu for­dern, dass die bis­he­ri­ge Ar­beits­stel­le von der ge­mein­sa­men neu­en Woh­nung aus nicht zu­mut­bar er­reicht wer­den kann (grund­le­gend BS­GE 43, 269 = SozR 4100 § 119 Nr 2 und BSG SozR 4100 § 119 Nr 33, S 161). Dies hat das LSG eben­falls rechts­feh­ler­frei fest­ge­stellt. Selbst wenn zwi­schen den Be­tei­lig­ten die ge­naue Fahrt­zeit für ei­ne Stre­cke Mep­pen/Det­mold strei­tig ist, zeigt ein Ver­gleich mit den in § 121 Abs 4 SGB III nor­mier­ten Zu­mut­bar­keits­gren­zen, dass der Kläge­rin ein Ta­ges­pen­deln (Hin- und Rück­fahrt) von der neu­en Woh­nung zur bis­he­ri­gen Ar­beits­stel­le eben­so un­zu­mut­bar war wie ih­rem Part­ner ein Pen­deln von Bad Sal­zu­flen nach Mep­pen.
Die Kläge­rin hat ih­ren Ver­lob­ten et­wa sechs Mo­na­te nach dem Um­zug (am 11. Ju­li 1997) ge­hei­ra­tet. Hier­aus al­lein kann sie in­des kei­nen wich­ti­gen Grund iS des § 119 Abs 1 Satz 1 AFG her­lei­ten. Der Se­nat hält in­so­fern an der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des BSG fest, dass der Zu­zug zu ei­nem künf­ti­gen Ehe­part­ner nur dann ei­nen wich­ti­gen Grund dar­stellt, wenn der Ar­beits­lo­se zum Zeit­punkt der Kündi­gung be­rech­tig­ter­wei­se da­von aus­ge­hen kann, dass die Hei­rat bis zur Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses oder je­den­falls als­bald da­nach statt­fin­den wer­de (BS­GE 43, 269, 273 = SozR 4100 § 119 Nr 2; BS­GE 52, 276, 277 = SozR 4100 § 119 Nr 17; BSG SozR 4100 § 119 Nr 33; BS­GE 64, 200, 204 = SozR 4100 § 119 Nr 34; BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 14, 15). Die­ser Fall liegt hier nicht vor. Der Se­nat hält es auch nicht für ge­bo­ten, die zeit­li­che Gren­ze zwi­schen dem Ein­tritt des Sperr­zeit­er­eig­nis­ses und der späte­ren Hei­rat zu Guns­ten der Ver­si­cher­ten hin­aus­zu­schie­ben und et­wa später er­folg­te Ehe­sch­ließun­gen nachträglich zu Guns­ten des Ver­si­cher­ten zu berück­sich­ti­gen. In­so­fern hat die Be­klag­te in ih­rer Re­vi­si­ons­be­gründung zu­tref­fend dar­auf hin­ge­wie­sen, dass maßgeb­lich die Verhält­nis­se zum Zeit­punkt des Ein­tritts des Sperr­zeit­er­eig­nis­ses (1. Ja­nu­ar 1997) sein müssen.
Auch hält der Se­nat dar­an fest, dass ein Orts­wech­sel zwecks Be­gründung nicht be­ste­hen­den) nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft kei­nen wich­ti­gen Grund iS des § 119 Abs 1 Satz 1 AFG dar­stellt (BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 16, S 75). Der Se­nat geht viel­mehr da­von aus, dass nur bei Fort­set­zung ei­ner bei Ar­beits­auf­ga­be be­reits vor­han­de­nen eheähn­li­chen Ge­mein­schaft, die - außer dem Be­ste­hen ei­ner Haus­halts- und Wirt­schafts­ge­mein­schaft un­ten), ein wich­ti­ger Grund be­jaht wer­den kann; die­se An­for­de­run­gen sind im Zeit­punkt der Be­gründung der Ge­mein­schaft re­gelmäßig noch nicht erfüllt.
Sei­ne Rechts­auf­fas­sung, dass ein Um­zug zur Auf­recht­er­hal­tung ei­ner be­reits be­ste­hen­den eheähn­li­chen Ge­mein­schaft ei­nen wich­ti­gen Grund iS des § 119 Abs 1 Satz 1 AFG dar­stel­len kann, hat der Se­nat be­reits in sei­nem Ur­teil vom 29. April 1998 (BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 15) im Ein­zel­nen be­gründet, oh­ne dass es bei die­ser Ent­schei­dung tra­gend auf die­se Rechts­an­sicht an­kam.
Wie der Se­nat dort (BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 15 S 67 f) aus­geführt hat, be­ruh­te die frühe­re Recht­spre­chung des BSG (vgl ins­be­son­de­re BS­GE 21, 205, 206 ff; BS­GE 43, 269, 271 = SozR 4100 § 119 Nr 2; BSG SozR 4100 § 119 Nr 33) auf der Über­le­gung, dass persönli­che Bedürf­nis­se im All­ge­mei­nen nicht von ei­nem sol­chen Ge­wicht sind, dass sie im Ver­gleich zu den In­ter­es­sen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ei­nen wich­ti­gen Grund für die Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ab­ge­ben können. Der Zu­zug zu ei­nem Part­ner ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft könne ins­be­son­de­re des­halb kei­nen wich­ti­gen Grund dar­stel­len, weil in­so­weit der Schutz der Ehe gemäß Art 6 Grund­ge­setz (GG) nicht ein­grei­fe. Ei­ne Gleich­be­hand­lung mit Ehe­leu­ten kom­me nicht in Be­tracht, weil die in ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft Le­ben­den die Ehe als Le­bens­form für sich ab­lehn­ten und sich be­wusst für die Ge­gen­form ent­schie­den hätten. Die­se von der Rechts­ord­nung igno­rier­te Ge­mein­schaft ent­spre­che persönli­chen Bedürf­nis­sen oder Wünschen, die ge­genüber den In­ter­es­sen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft zurück­ste­hen müss­ten (BS­GE 52, 276, 277 ff = SozR 4100 § 119 Nr 17).
Et­was an­de­res gilt frei­lich - und galt schon bis­her - in Fällen, in de­nen ei­ne Ar­beit­neh­me­rin zum Er­zeu­ger ih­res nicht­ehe­li­chen Kin­des zieht und be­son­de­re Umstände vor­lie­gen, die den Zu­zug zum gewähl­ten Zeit­punkt im In­ter­es­se des Kin­des­woh­les na­he le­gen (BS­GE 52, 276, 280 = SozR 4100 § 119 Nr 17; SozR 4100 § 119 Nr 33, S 161 f). Auf die­se Recht­spre­chung des BSG zur Her­stel­lung oder Auf­recht­er­hal­tung ei­ner Er­ziehungs­ge­mein­schaft (ins­be­son­de­re BSG SozR 4100 § 119 Nr 34, S 173 und Ur­teil vom 27. Sep­tem­ber 1989 11 RAr 127/88 = Fam­RZ 1990, 876 = AuB 1991, 121) kommt es im vor­lie­gen­den Fall hin­ge­gen nicht an, weil hier über ei­ne nicht­ehe­li­che Ge­mein­schaft oh­ne Kin­der zu be­fin­den ist, so­dass der As­pekt des Kin­des­woh­les kei­ne Rol­le spielt (vgl hier­zu auch das Ur­teil des Se­nats vom heu­ti­gen Ta­ge - B 7 AL 72/00 R -, zur Veröffent­li­chung vor­ge­se­hen).
Die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zur Ar­beits­auf­ga­be zum Zwe­cke der Fort­set­zung ei­ner nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft berück­sich­tigt nach Über­zeu­gung des Se­nats nicht hin­rei­chend, dass § 119 AFG kei­nen wich­ti­gen Grund "mit Ver­fas­sungs­rang" und auch kei­ne be­stimm­te Ver­hal­tens­pflicht als Vor­aus­set­zung für ei­nen wich­ti­gen Grund for­dert (BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 15, S 69). Wich­ti­ge Gründe können viel­mehr grundsätz­lich al­le - auch persönli­chen - Gründe der Le­bens­ge­stal­tung sein, wenn sie bei der ge­bo­te­nen Abwägung mit den In­ter­es­sen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft über­wie­gen und die Hint­an­stel­lung die­ser Gründe un­zu­mut­bar ist. Auch nor­miert Art 6 Abs 1 GG le­dig­lich po­si­tiv Schutz- und Förde­rungs­pflich­ten für Ehe und Fa­mi­lie, nicht je­doch ein Be­nach­tei­li­gungs­ge­bot für Nicht­ver­hei­ra­te­te und Nicht­fa­mi­li­en (aaO). Zwar hat der 11. Se­nat des BSG in ei­nem Be­schluss vom 22. April 1997 (11 BAr 3/97 = SozR 3-1500 § 160a Nr 23) un­ter Hin­weis auf Stern (Das Staats­recht der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Bd III/1, 1988, 822, 825) an­ge­deu­tet, dass Art 6 Abs 1 GG Gleich­stel­lungs­ten­den­zen auf Grund des ge­sell­schaft­li­chen Wan­dels Gren­zen set­ze. Aus Art 6 Abs 1 GG folgt je­doch kein ver­fas­sungs-
recht­li­cher Zwang, Nicht­ver­hei­ra­te­te, die sich in ei­ner Ver­hei­ra­te­ten ver­gleich­ba­ren La­ge be­fin­den, schlech­ter als die­se zu be­han­deln. Dies hat das BVerfG in sei­ner Ent­schei­dung vom 17. Ju­li 2002 (1 BvF 1/01 und 1 BvF 2/01) zum Le­bens­part­ner­schafts­ge­setz nun­mehr aus­drück­lich klar­ge­stellt. Das BVerfG hat dort (Rd­Nr 98) aus­geführt, dass es dem Ge­setz­ge­ber we­gen des ver­fas­sungs­recht­li­chen Schut­zes der Ehe aus Art 6 Abs 1 GG nicht ver­wehrt sei, die Ehe ge­genüber an­de­ren Le­bens­for­men zu begüns­ti­gen. Hier­aus las­se sich je­doch kein in Art Abs 1 GG "ent­hal­te­nes Ge­bot her­lei­ten, an­de­re Le­bens­for­men ge­genüber der Ehe zu be­nach­tei­li­gen" (BVerfG aaO). Der Ge­setz­ge­ber ist so­mit durch Art 6 Abs 1 GG nicht ge­hin­dert, für Rechts­pro­ble­me, die im Zu­sam­men­hang mit der nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft auf­tre­ten, Re­ge­lun­gen zu er­las­sen, mit de­nen er sich an ehe­recht­li­che Vor­schrif­ten an­lehnt (vgl Coes­ter-Walt­jen in von Münch/Ku­nig, GG-Komm, Bd I, 5. Aufl 2000, Rd­Nr 7 zu Art 6; Rob­bers in von Man­goldt/Klein/St­arck, Bon­ner Grund­ge­setz, 4. Aufl 1999, Rd­Nr 43 f zu Art 6 mwN). Aus Art 6 Abs 1 GG lässt sich zwar ein Ver­bot der re­la­ti­ven Schlech­ter­stel­lung von Ehe und Fa­mi­lie ab­lei­ten, nicht je­doch ein ob­jek­tiv-recht­li­ches Ge­bot zur Be­nach­tei­li­gung von Per­so­nen, die ei­ne Part­ner­schaft außer­halb der staat­li­chen Ehe­sch­ließung be­vor­zu­gen (vgl hier­zu ins­be­son­de­re: Kin­green, Die ver­fas­sungs­recht­li­che Stel­lung der nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft im Span­nungs­feld zwi­schen Frei­heits- und Gleich­heits­rech­ten, 1995, S 121 ff, 163 ff und pas­sim). Hier­von geht auch der Bun­des­fi­nanz­hof im Rah­men sei­ner Recht­spre­chung zur An­er­ken­nung dop­pel­ter Haus­haltsführung aus (BFHE 175, 430, 434).
Sch­ließlich geht es bei der An­wen­dung des § 119 AFG im Er­geb­nis auch nicht dar­um, ob die eheähn­li­che Ge­mein­schaft eben­so zu fördern ist wie die ehe­li­che, son­dern viel­mehr um die Fra­ge, ob die in der Recht­spre­chung zu § 119 AFG lie­gen­de Be­las­tung ei­ner durch Beiträge fi­nan­zier­ten und ei­gen­tums­geschütz­ten (vgl BVerfGE 72, 1, 19) Rechts­po­si­ti­on bei eheähn­li­chen Ge­mein­schaf­ten stets und aus­nahms­los hin­zu­neh­men ist. Das BVerfG hat mehr­fach ent­schie­den, dass der An­spruch auf Alg bei Erfüllung der An­wart­schafts­zeit dem Schutz­be­reich der Ei­gen­tums­ga­ran­tie des Art 14 Abs 1 GG un­ter­liegt (BVerfGE 72, 9, 19; 74, 9, 25; 74, 203, 213; 76, 220, 235; 92, 365, 405). In­so­fern stellt § 119 Abs 1 AFG ei­ne Re­ge­lung dar, mit der In­halt und Schran­ken des Ei­gen­tums­grund­rechts der Ver­si­cher­ten be­stimmt wer­den (Art 14 Abs 1 Satz 2 GG). Im Rah­men der Prüfung nach Art 14 Abs 1 Satz 2 GG ist je­weils zu ent­schei­den, ob die be­las­ten­de Re­ge­lung ge­eig­net, er­for­der­lich und zu­mut­bar/an­ge­mes­sen ist (hier­zu ex­em­pla­risch BVerfGE 76, 220, 238 f). Es könn­te zu be­den­ken sein, ob bei Vor­lie­gen ei­ner be­reits seit länge­rer Zeit be­ste­hen­den eheähn­li­chen Ge­mein­schaft - wie im vor­lie­gen­den Fall - nicht das Ei­gen­tums­grund­recht des Ver­si­cher­ten in un­zu­mut­ba­rer Wei­se ein­ge­schränkt wird, wenn der durch ei­ge­ne Bei­trags­zah­lung er­wor­be­ne An­spruch auf Alg min­des­tens für den Zeit­raum der Sperr­zeit gänz­lich ver­lo­ren gin­ge (vgl § 110 Satz 1 Nr 2 AFG), nur weil der Ver­si­cher­te die ge­nann­te Le­bens­ge­mein­schaft auf­recht­er­hal­ten will.
Der Se­nat geht mit dem BVerfG (grund­le­gend BVerfGE 82, 6, 9 ff) da­von aus, dass ins­be­son­de­re im Rah­men der Aus­le­gung von un­be­stimm­ten Rechts­be­grif­fen den Verände­run­gen in den ge­sell­schaft­li­chen Le­bens­verhält­nis­sen Rech­nung ge­tra­gen wer­den darf. Das BVerfG hat es in der vor­ge­nann­ten Ent­schei­dung als ver­fas­sungs­recht­lich zulässig er­ach­tet, dass die Zi­vil­ge­rich­te im We­ge der Ana­lo­gie den Schutz­be­reich des § 569 Abs 2 Bürger­li­ches Ge­setz­buch für "an­de­re Fa­mi­li­en­an­gehöri­ge" als Mie­ter auch auf den "nicht­ehe­li­chen Le­bens­part­ner" des Ver­stor­be­nen aus­ge­dehnt ha­ben. Der Se­nat muss vor­lie­gend aber noch nicht ein­mal un­ter­stel­len, dass § 119 Abs 1 AFG auf Grund der tatsächli­chen Ent­wick­lung lücken­haft ge­wor­den ist (hier­zu BVerfGE 82, 6, 12 f) und die­se Lücke im We­ge ei­ner Ana­lo­gie zu schließen wäre. Viel­mehr ist le­dig­lich ein un­be­stimm­ter Rechts­be­griff - "wich­ti­ger Grund" - aus­zu­le­gen, der schon in der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des BSG zur Her­stel­lung von Ein­zel­fall­ge­rech­tig­keit An­lass zu ei­ner weit ge­hen­den Ka­su­is­tik ge­ge­ben hat (vgl zu­letzt BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 21, S 104; Ur­teil vom 10. Au­gust 2000 - B 11 AL 115/99 R - DBlR Nr 4639a zu § 119 AFG; SozR 3-4100 § 119 Nr 19 = BS­GE 84, 270, 277; SozR 3-4465 § 3 Nr 1; SozR 3-4100 § 119 Nr 11; Ur­teil vom 13. März 1997, 11 RAr 17/96 = NZA-RR 1997, 495; vgl hier­zu auch Wink­ler, Das ABC des wich­ti­gen Grun­des, Anh 1 zu § 144 in Ga­gel, SGB III). In­so­fern ver­mag das Ar­gu­ment der Be­klag­ten, das BSG set­ze sich mit der be­reits in BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 15 an­ge­deu­te­ten Aus­le­gung des § 119 Abs 1 AFG "an die Stel­le des Ge­setz­ge­bers", nicht zu über­zeu­gen. Hat der Ge­setz­ge­ber ei­ne ein­deu­ti­ge Ent­schei­dung ge­trof­fen, so darf der Rich­ter die­se nicht auf Grund ei­ge­ner rechts­po­li­ti­scher Vor­stel­lun­gen verändern und durch ei­ne ju­di­ka­ti­ve Lösung er­set­zen, die im Par­la­ment so nicht er­reich­bar war (vgl Jörn Ip­sen, Richter­recht und Ver­fas­sung, 1975, S 236). So lie­gen die Verhält­nis­se hier in­des nicht. Die Aus­le­gung un­be­stimm­ter Rechts­be­grif­fe - wie hier des "wich­ti­gen Grun­des" - stellt ei­ne ge­nui­ne Auf­ga­be der Recht­spre­chung dar.
Das Ur­teil des er­ken­nen­den Se­nats (BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 15) hat im Schrift­tum Zu­stim­mung ge­fun­den (vgl Hen­ke in Hen­nig, SGB III Rd­Nr 31 zu § 144 SGB III, Stand Ok­to­ber 2001; Wink­ler in Ga­gel, SGB III, Rd­Nr 26 zu § 144, Stand März 2001; Ha­se, AuB 1998, 315; Ul­mer, NJ 1999, 112). Die - so­weit er­sicht­lich ein­zi­ge - kri­ti­sche Stel­lung­nah­me von Ei­chen­ho­fer (SGb 1999, 167) über­zeugt hin­ge­gen nicht. Die­ser geht da­von aus, dass ein den Nicht­ein­tritt ei­ner Sperr­zeit recht­fer­ti­gen­der wich­ti­ger Grund nur bei Be­ste­hen ei­ner "Pflich­ten­kol­li­si­on" an­ge­nom­men wer­den könne (SGb 1999, 169). Ei­ne sol­che Pflich­ten­kol­li­si­on könne - je­den­falls bei ei­ner nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft oh­ne ge­mein­sa­me Kin­der - nicht ent­ste­hen, da sie nicht als Un­ter­halts­ge­mein­schaft kon­zi­piert sei (aaO, S 171). Nur bei Ehe­gat­ten fol­ge aus der un­ter­halts­recht­lich be­gründe­ten Pflicht zur Kos­ten­mi­ni­mie­rung, dass ggf ein Um­zug und ei­ne Ar­beits­platz­auf­ga­be für den je­wei­li­gen Ehe­part­ner ge­bo­ten sei. Ei­ne ent­spre­chen­de Pflich­ten­kol­li­si­on könne bei der nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft hin­ge­gen nicht ent­ste­hen. Das Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rungs­recht würde sich dann in Wi­der­spruch zum Zi­vil­recht be­ge­ben, wenn es be­haup­te­te, dass auch un­ter den Part­nern ei­ner nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft Un­ter­halts­pflich-
ten bestünden, die ei­ne Pflich­ten­kol­li­si­on für den ein­zel­nen Part­ner be­gründen könn­ten (aaO).
Dem folgt der Se­nat nicht. Be­reits vom recht­li­chen An­satz­punkt her ist es zwei­fel­haft, ob ein Ver­si­cher­ter nur dann ei­nen wich­ti­gen Grund im Sin­ne des Sperr­zeit­rechts gel­tend ma­chen kann, wenn er sich für sein Han­deln auf das Be­ste­hen ei­ner Rechts­pflicht be­ru­fen kann. Doch auch wenn man von der Not­wen­dig­keit ei­ner "Pflich­ten­kol­li­si­on" bzw dem Be­ste­hen von Rechts­pflich­ten aus­ge­hen würde, ist fest zu hal­ten, dass ge­ra­de das BVerfG in sei­nem Ur­teil vom 17. De­zem­ber 1992 (BVerfGE 87, 234, ins­be­son­de­re 264 ff) aus­drück­lich auf das Vor­han­den­sein von Bin­dun­gen zwi­schen den Part­nern ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft ab­ge­stellt hat, die den un­ter­halts­recht­li­chen Pflich­ten von Ehe­gat­ten je­den­falls na­he kom­men bzw mit die­sen ver­gleich­bar sind. Die da­mals zur ver­fas­sungs­recht­li­chen Prüfung ste­hen­de Norm des § 137 Abs 2a AFG über die An­rech­nung von Ein­kom­men und Vermögen des Part­ners ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft beim Be­zug von Ar­beits­lo­sen­hil­fe (Alhi) ist ver­fas­sungs­recht­lich - so das BVerfG - nur dann ge­recht­fer­tigt, wenn die Bin­dun­gen der Part­ner so eng sind, dass von ih­nen ein ge­gen­sei­ti­ges Ein­ste­hen in den Not- und Wechs­elfällen des Le­bens er­war­tet wer­den kann. § 137 Abs 2a AFG ist des­halb nur dann mit Art 3 Abs 1 GG ver­ein­bar, wenn der dort ver­wen­de­te Be­griff der eheähn­li­chen Ge­mein­schaft im Sin­ne ei­ner Ver­ant­wor­tungs- und Ein­ste­hens­ge­mein­schaft aus­ge­legt wird. Im Ein­zel­nen führt das BVerfG aus (BVerfGE 87, 234, 264 f):
"Die Ein­kom­men­s­an­rech­nung nach der Me­tho­de der verschärf­ten Bedürf­tig­keitsprüfung recht­fer­tigt sich bei Ehe­gat­ten zum ei­nen aus der ge­gen­sei­ti­gen Un­ter­halts­pflicht und zum an­de­ren aus der Ver­mu­tung, dass die Un­ter­halts­pflicht un­ter nicht dau­ernd ge­trennt le­ben­den Ehe­gat­ten auch tatsächlich erfüllt wird. Für die Part­ner ei­ner recht­lich nicht ge­re­gel­ten Ge­mein­schaft be­ste­hen ge­gen­sei­ti­ge Un­ter­halts­pflich­ten nicht. Der mit dem Ar­beits­lo­sen nicht ver­hei­ra­te­te Part­ner ist die­sem zum Un­ter­halt nicht ver­pflich­tet; er kann - auch beim Wirt­schaf­ten aus ei­nem Topf - sein Ein­kom­men ganz oder in ei­nem ho­hen Maße zur Be­frie­di­gung ei­ge­ner Bedürf­nis­se ver­wen­den.
An­ge­sichts die­ses Un­ter­schieds zwi­schen Ehe­gat­ten und Part­nern eheähn­li­cher Le­bens­ge­mein­schaf­ten war es von Ver­fas­sungs we­gen nicht ge­bo­ten, ei­ne ge­ne­rel­le Gleich­stel­lung von eheähn­li­chen Ge­mein­schaf­ten und Ehen durch die Vor­schrift des § 137 Abs 2a AFG vor­zu­neh­men, um der in der Ent­schei­dung vom 10. Ju­li 1984 (BVerfGE 67, 186) fest­ge­stell­ten Be­nach­tei­li­gung von Ehe­gat­ten ge­genüber Part­nern eheähn­li­cher Ge­mein­schaf­ten ab­zu­hel­fen. Ver­fuhr der Ge­setz­ge­ber je­doch in die­ser Wei­se, durf­te er nur sol­che Ge­mein­schaf­ten er­fas­sen, in de­nen die Bin­dun­gen der Part­ner so eng sind, dass von ih­nen ein ge­gen­sei­ti­ges Ein­ste­hen in den Not- und Wechs­elfällen des Le­bens er­war­tet wer­den kann. Nur wenn sich die Part­ner ei­ner Ge­mein­schaft so sehr fürein­an­der ver­ant­wort­lich fühlen, dass
sie zunächst den ge­mein­sa­men Le­bens­un­ter­halt si­cher­stel­len, be­vor sie ihr persönli­ches Ein­kom­men zur Be­frie­di­gung ei­ge­ner Bedürf­nis­se ver­wen­den, ist ih­re La­ge mit der­je­ni­gen nicht dau­ernd ge­trennt le­ben­der Ehe­gat­ten im Hin­blick auf die verschärf­te Bedürf­tig­keitsprüfung ver­gleich­bar."
Die Berück­sich­ti­gung von Ein­kom­men und Vermögen des Part­ners ei­ner nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft im Rah­men der Bedürf­tig­keitsprüfung bei der Alhi ist al­so ver­fas­sungs­recht­lich nur dann ver­tret­bar, wenn in­ner­halb die­ser eheähn­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft ei­ne Ver­pflich­tung emp­fun­den wird, ähn­lich wie Ehe­gat­ten - auch im Sin­ne ge­gen­sei­ti­ger Un­ter­halts­leis­tung - fürein­an­der ein­zu­ste­hen. Un­ge­ach­tet des­sen, dass es sich hier­bei nicht um ge­setz­li­che oder recht­li­che Ver­pflich­tun­gen han­delt, hat das BVerfG die­se "außer­recht­li­chen" Pflich­ten zwi­schen den Le­bens­part­nern wie recht­li­che Ver­pflich­tun­gen be­han­delt und nur im Hin­blick hier­auf die An­rech­nung von Ein­kom­men und Vermögen des Part­ners für ge­recht­fer­tigt an­ge­se­hen. In­so­fern be­ste­hen nach Über­zeu­gung des Se­nats auch kei­ne Be­den­ken, vom Vor­lie­gen ei­ner "Pflich­ten­kol­li­si­on" auch bei Ver­si­cher­ten aus­zu­ge­hen, die ge­ra­de die in der zi­tier­ten Ent­schei­dung des BVerfG ge­nann­ten Kri­te­ri­en für die Ernst­haf­tig­keit ei­ner eheähn­li­che Ge­mein­schaft erfüllen.
Auch im Rah­men der Sperr­zeit­re­ge­lung kann auf den in § 137 Abs 2a AFG nor­mier­ten Rechts­ge­dan­ken ei­ner - fak­ti­schen - Ein­ste­hens- bzw Un­ter­halts­ge­mein­schaft zwi­schen den Part­nern ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft zurück­ge­grif­fen wer­den. Die zwi­schen den Part­nern emp­fun­de­nen ge­gen­sei­ti­gen Un­ter­halts­pflich­ten können bei ent­spre­chen­der In­ten­sität auch ei­nen wich­ti­gen Grund für den - ua der Kos­ten­mi­ni­mie­rung die­nen­den - Um­zug mit dem Part­ner dar­stel­len. Zwar hat das BSG bis­her aus­geführt, dass die Norm des § 137 Abs 2a AFG le­dig­lich den Zweck ver­fol­ge, ei­ne Schlech­ter­stel­lung von Ehen ge­genüber eheähn­li­chen Ge­mein­schaf­ten zu ver­hin­dern (ins­be­son­de­re BSG SozR 4100 § 119 Nr 33, S 163 ff; kri­tisch auch BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 16, S 74). Den­noch kann auch außer­halb die­ses Re­ge­lungs­be­reichs nicht gänz­lich un­be­acht­lich blei­ben, dass das Ar­beitsförde­rungs­recht an das Be­ste­hen ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft je­den­falls nach­tei­li­ge Rechts­fol­gen für den Part­ner knüpft (vgl § SGB III; zu den wei­te­ren Nor­men, die so­zi­al­recht­li­che Nach­tei­le mit dem Vor­lie­gen ei­ner nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft ver­bin­den - § 122 Bun­des­so­zi­al­hil­fe­ge­setz <BSHG>; § 6 Abs 3 Satz 2 und § 12 Abs 1 Bun­des­er­zie­hungs­geld­ge­setz - vgl Zwißler, FPR 2001, 15 ff). Dies kann durch fol­gen­des Bei­spiel ver­deut­licht wer­den: Hätte - während ih­res ge­mein­sa­men Wohn­sit­zes in Bad Sal­zu­flen - ihr Part­ner Alhi be­zo­gen, so hätten Ein­kom­men und Vermögen der Kläge­rin bei der Bedürf­tig­keitsprüfung gemäß § 137 Abs 2a AFG Berück­sich­ti­gung ge­fun­den, so­fern bei­de Part­ner sich - im Sin­ne des BVerfG - so fürein­an­der ver­ant­wort­lich fühl­ten, dass von ih­nen ein ge­gen­sei­ti­ges Ein­ste­hen in den Not- und Wechs­elfällen des Le­bens er­war­tet wer­den konn­te. Fin­det ein sol­cher Part­ner nun ei­ne Beschäfti­gung an ei­nem räum­lich ent­fernt lie­gen­den Ort, so darf ein Ver­si­cher­ter, des­sen Ein­kom­men bis­lang die Alhi des Part­ners gemäß § 137 Abs 2a AFG
min­dern konn­te, bei ei­ner Beschäfti­gungs­auf­ga­be zu Guns­ten der Auf­recht­er­hal­tung der Ge­mein­schaft nicht so be­han­delt wer­den, als ob die Bin­dun­gen nicht be­stan­den hätten bzw be­en­det wären, al­so sei­ne Beschäfti­gungs­auf­ga­be aus rein pri­va­ten In­ter­es­sen er­folgt wäre und ar­beitsförde­rungs­recht­lich be­lang­los sei, ob­wohl zu­vor ge­ra­de an die­ses ge­mein­schaft­li­che Zu­sam­men­le­ben ne­ga­ti­ve ar­beitsförde­rungs­recht­li­che Rechts­fol­gen ge­knüpft wa­ren. Be­stand be­reits am al­ten Wohn­ort ei­ne eheähn­li­che Ge­mein­schaft, so ändert sich durch den Um­zug des Part­ners zu sei­ner neu­en Ar­beitstel­le nicht be­reits aus die­sem Grund et­was am Vor­lie­gen die­ser fak­ti­schen Ein­ste­hens­ge­mein­schaft. Hier­aus folgt für den Se­nat zu­gleich die Be­rech­ti­gung, die og Kri­te­ri­en des BVerfG für das Vor­lie­gen ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft auf das Sperr­zeit­recht zu über­tra­gen, weil ent­spre­chend in­ten­si­ve Bin­dun­gen, die bei der Bedürf­tig­keitsprüfung im Rah­men des Alhi-Rechts ei­nen Zu­griff auf Ein­kom­men und Vermögen des Part­ners recht­fer­ti­gen, auch un­ter dem As­pekt der Ver­mei­dung ei­ner Pflich­ten­kol­li­si­on die An­nah­me ei­nes wich­ti­gen Grun­des recht­fer­ti­gen können.
Der Se­nat ver­kennt da­bei nicht, dass die nicht­ehe­li­che Le­bens­ge­mein­schaft wei­ter­hin ei­ner um­fas­sen­den recht­li­chen Re­ge­lung ent­behrt (rechts­po­li­tisch Röthel, ZRP 1999, 511) und die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) zurück­hal­tend ist, so­weit aus ei­ner sol­chen Ge­mein­schaft zi­vil­recht­li­che Rechts­pflich­ten ab­ge­lei­tet bzw Re­ge­lun­gen des Ehe­rechts ent­spre­chend an­ge­wandt wer­den sol­len (vgl den Über­blick bei Pa­landt/Bru­dermüller, Einl vor § 1297 BGB, 61. Aufl 2002, ins­be­son­de­re Rd­Nr 11 ff; zur ent­spre­chen­den An­wen­dung von Re­ge­lun­gen für Ehe­gat­ten vgl aber BGH NJW 1997, 1005 und BGHZ 84, 36). Im Grund­satz geht die Recht­spre­chung des BGH nach wie vor da­von aus, dass bei ei­ner nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft "die persönli­chen Be­zie­hun­gen" der­art im Vor­der­grund ste­hen, dass es sich in recht­li­cher Hin­sicht grundsätz­lich nicht um ei­ne Rechts­ge­mein­schaft han­delt (BGHZ 77, 55, 58; BGH NJW-RR 1996, 1473; NJW-RR 1991, 898; kri­tisch hier­zu Paw­low­ski, JZ 1998, 1032, 1034). Dies ist je­doch für die hier zu ent­schei­den­de Rechts­fra­ge eben­so un­er­heb­lich wie der Zu­stand, dass die nicht­ehe­li­che Le­bens­ge­mein­schaft ein Mas­senphäno­men dar­stellt - 2.054.000 (ver­schie­den­ge­schlecht­li­chen) nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaf­ten aus­ge­gan­gen -, und dass hin­sicht­lich der Mo­ti­va­ti­on und der Gründe des Zu­sam­men­le­bens kein ein­heit­li­ches so­zio­lo­gi­sches Bild fest­zu­stel­len ist (vgl hier­zu grund­le­gend Na­ve-Herz, FPR 2001, S 3 ff; zu ak­tu­el­len Zah­len FPR 2001, S 68 ff).
Ge­ra­de die recht­li­che und tatsächli­che Of­fen­heit und Wei­te des Phäno­mens "nicht­ehe­li­che Le­bens­ge­mein­schaft" hat den Se­nat ver­an­lasst, be­reits in sei­ner Ent­schei­dung vom 28. April 1999 (aaO) un­ter Berück­sich­ti­gung der Kri­te­ri­en des BVerfG im Rah­men des Ar­beitsförde­rungs­rechts stren­ge An­for­de­run­gen an die Ernst­haf­tig­keit ei­ner sol­chen Ge­mein­schaft zu stel­len, was durch die Ver­wen­dung des Be­griffs "eheähn­lich" an Stel­le des Be­griffs "nicht­ehe­lich" un­ter­stri­chen wer­den soll. Eheähn­lich ist da­nach ei­ne Ver­bin­dung zwei­er Part­ner un­ter­schied­li­chen Ge­schlechts nur dann, wenn sie auf Dau­er an­ge­legt ist,
da­ne­ben kei­ne wei­te­re Le­bens­ge­mein­schaft glei­cher Art zulässt und sich durch in­ne­re Bin­dun­gen aus­zeich­net, die ein ge­gen­sei­ti­ges Ein­ste­hen der Part­ner in den Not- und Wechs­elfällen des Le­bens be­gründen, al­so über die Be­zie­hun­gen ei­ner rei­nen Haus­halts- und Wirt­schafts­ge­mein­schaft hin­aus­ge­hen. Ei­ne Ent­schei­dung hierüber ist nur an­hand be­stimm­ter "Hilfs­tat­sa­chen" (hier­zu auch un­ten) möglich. Kri­te­ri­en für die Ernst­haf­tig­keit ei­ner Be­zie­hung im vor­be­zeich­ne­ten Sin­ne sind ins­be­son­de­re de­ren Dau­er­haf­tig­keit und Kon­ti­nuität und ei­ne be­ste­hen­de Haus­halts- und Wirt­schafts­ge­mein­schaft; da­ne­ben können wei­te­re Umstände, zB die ge­mein­sa­me Ver­sor­gung von An­gehöri­gen, ge­wer­tet wer­den. Die An­nah­me ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft setzt al­ler­dings nicht die Fest­stel­lung vor­aus, dass zwi­schen den Part­nern ge­schlecht­li­che Be­zie­hun­gen be­ste­hen.
Nach den Fest­stel­lun­gen des LSG ist an der Ernst­haf­tig­keit der Le­bens­ge­mein­schaft der Kläge­rin nicht zu zwei­feln. Das LSG hat da­bei auch dar­auf ab­ge­stellt, dass die Part­ner be­reits ein­mal ge­mein­sam von Mep­pen nach Bad Sal­zu­flen um­ge­zo­gen wa­ren und dort ih­re Ehe­sch­ließung für die Zeit nach dem er­neu­ten Um­zug nach Mep­pen fest ins Au­ge ge­fasst hat­ten. Zu Guns­ten der Kläge­rin kann auch berück­sich­tigt wer­den, dass die Ehe­sch­ließung mit ih­rem Part­ner am 11. Ju­li 1997 "planmäßig" er­folg­te. Die Ernst­haf­tig­keit und Ste­tig­keit der in­ne­ren Bin­dun­gen in­ner­halb ei­ner sol­chen Ge­mein­schaft ins­ge­samt fest­zu­stel­len, ist nach Über­zeu­gung des Se­nats Auf­ga­be der Tat­sa­chen­in­stan­zen, so­dass hier - man­gels Ver­fah­rensrügen der Re­vi­si­onskläge­rin - das Be­ste­hen ei­ner eheähn­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft im Sin­ne des Sperr­zeit­rechts auch als bin­dend fest­ge­stellt (§ 163 SGG) gel­ten kann.
Nach den Fest­stel­lun­gen des LSG be­stand die Be­zie­hung der Kläge­rin zu ih­rem Part­ner hier be­reits seit 3 ½ Jah­ren, so­dass die vom Se­nat ge­for­der­te "Drei­jah­res­gren­ze" (BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 15 S 70) in je­dem Fal­le erfüllt war, oh­ne dass de­ren Rechtscha­rak­ter noch im Ein­zel­nen qua­li­fi­ziert wer­den müss­te. Al­ler­dings geht der Se­nat nicht da­von aus, dass die Drei­jah­res­gren­ze im Sin­ne ei­ner ab­so­lu­ten zeit­li­chen Min­dest­vor­aus­set­zung zu ver­ste­hen ist, un­ter­halb de­rer das Vor­lie­gen ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft im­mer und in je­dem Ein­zel­fall ver­neint wer­den müss­te. In­so­fern kommt es viel­mehr auf das Vor­lie­gen al­ler Umstände des Ein­zel­falls an, die für ei­ne dau­er­haf­te Ein­ste­hens­ge­mein­schaft der bei­den Part­ner spre­chen könn­ten. Da­bei ist al­ler­dings die bis­he­ri­ge Dau­er des Zu­sam­men­le­bens ein we­sent­li­ches In­diz für die Ernst­haf­tig­keit der Be­zie­hung. Auch bei die­sem Merk­mal han­delt es sich um ein richter­recht­lich ent­wi­ckel­tes Hilfs­merk­mal bzw -kri­te­ri­um (hier­zu BSG SozR 3-2600 § 48 Nr 5). Sol­che Merk­ma­le dürfen nicht los­gelöst von ih­rem Zweck ge­wer­tet und mit­hin nicht "ver­ab­so­lu­tiert" wer­den. Sie ha­ben nicht die Be­deu­tung von ge­setz­li­chen Tat­be­stands­merk­ma­len, son­dern sind nur mit her­an­zu­zie­hen, um das Vor­lie­gen des ge­setz­li­chen Tat­be­stands­merk­mals, hier des Vor­lie­gens ei­nes "wich­ti­gen Grun­des" iS des § 119 Abs 1 AFG, fest­stel­len zu können.
Ge­gen die Er­mitt­lung sol­cher Hilfs­merk­ma­le kann auch nicht ein­ge­wandt wer­den, sie führ­ten ins­be­son­de­re zu ei­ner ver­fah­rensmäßigen Über­las­tung der Be­klag­ten. Die Be­klag­te ist im Rah­men der Bedürf­tig­keitsprüfung bei der Alhi (§ 193 Abs 2, § 194 Abs 1 Nr 2 SGB III) in der La­ge, je­weils das Vor­lie­gen ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft zu er­mit­teln. Die Dienst­an­wei­sun­gen der Be­klag­ten ent­hal­ten hier­bei um­fas­sen­de Vor­schrif­ten über die Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen, die im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zu tref­fen sind (vgl DA Rd­Nr 82 ff zu § 137, 14. Erg Lfg 8/94). Wie zu­letzt Te­ge­t­hoff (ZfSH/SGB 2001, 63) im Ein­zel­nen auf­ge­zeigt hat, sind auch die So­zi­alämter im Rah­men der Er­mitt­lun­gen zu § 122 BSHG durch­aus in der La­ge, zu Las­ten der je­wei­li­gen So­zi­al­hil­fe­empfänger das Vor­lie­gen ei­ner eheähn­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft fest­zu­stel­len. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt (BVerwG) hat in neue­ren Ent­schei­dun­gen so ge­nann­te Hin­wei­stat­sa­chen bei­spiel­haft auf­geführt, die für die Prüfung des Vor­lie­gens ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft im So­zi­al­hil­fe­recht maßge­bend sein sol­len (vgl Be­schluss vom 24. Ju­ni 1999, 5 B 114/98). Als ge­wich­ti­ges In­diz wird vom BVerwG da­bei eben­falls die bis­he­ri­ge Dau­er des Zu­sam­men­le­bens der Part­ner ge­wer­tet. Ins­ge­samt zeigt ein Ver­gleich der "Hin­wei­stat­sa­chen" der ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung (vgl hier­zu Te­ge­t­hoff, ZfSH/SGB 2001, 643, 645 f) mit den so­eben her­aus­ge­ar­bei­te­ten "Hilfs­tat­sa­chen", dass ein weit­ge­hen­der Kon­sens be­steht, wann ei­ne Be­zie­hung als "eheähn­lich" klas­si­fi­ziert wer­den kann.
Ist es da­her im Rah­men der die Part­ner ei­ner eheähn­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft be­las­ten­den ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen (§ 137 Abs 2a AFG; §§ 193 Abs 2, 194 Abs 1 Nr 2 SGB III; § 122 BSHG) den Ver­wal­tungs­behörden möglich, das Vor­lie­gen ei­ner sol­chen eheähn­li­chen Ge­mein­schaft po­si­tiv fest­zu­stel­len, so un­ter­schei­det sich der Er­mitt­lungs­auf­wand im Rah­men des § 119 Abs 1 AFG hier­von le­dig­lich da­durch, dass das Vor­lie­gen ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft (an­hand der glei­chen "Hilfs­tat­sa­chen") zu Guns­ten des Ver­si­cher­ten zu berück­sich­ti­gen ist. Ei­ne un­zu­mut­ba­re Er­mitt­lungs­last wird der Be­klag­ten hier­durch nach Über­zeu­gung des Se­nats nicht auf­er­legt.
Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 193 SGG.
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