Source: https://www.peterlang.com/view/9783653965940/chapter4.xhtml
Timestamp: 2019-10-21 10:53:03
Document Index: 370180228

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 9', '§ 1', '§ 9', '§ 9', '§ 9']

Vierter Teil: Auflösung des Arbeitsverhältnisses gemäß §§ 9, 10 KSchG wegen Zerrüttung : Die Zerrüttung des Arbeitsverhältnisses
Vierter Teil: Auflösun...
Die §§ 9, 10 KSchG bieten den Arbeitsvertragsparteien die Möglichkeit das Arbeitsverhältnis bei einer Störung der vertraglichen Vertrauensbeziehung, also einer Situation in der eine Kündigung des Arbeitgebers nicht gemäß § 1 Abs. 2 KSchG sozial gerechtfertigt wäre, die dem Vertrag zu Grunde liegende Vertrauensgrundlage zwischen der Vertragsparteien aber gestört ist, auf Antrag durch gerichtliches Urteil auflösen zu lassen. Diese an den Vertrauensverlust der Arbeitsvertragsparteien anknüpfenden Störungen, sollen im Folgenden mit dem Begriff der „Zerrüttung“348 der Vertragsbeziehungen umschrieben werden. Die gerichtliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses löst sodann eine Entschädigungspflicht des Arbeitgebers aus, die einen Ausgleich für den Verlust des Arbeitsplatzes für den Arbeitnehmer darstellt. Mit den Regelungen der §§ 9, 10 KSchG soll die zwangsweise Fortsetzung eines Arbeitsverhältnisses, dem die notwendige Vertrauensgrundlage fehlt und welches aus diesem Grund keine Basis mehr für eine weitere produktive Zusammenarbeit bilden kann, vermieden werden. Die Regelungen der §§ 9, 10 KSchG spiegeln den schuldrechtlichen Charakter des Arbeitsverhältnisses wider, der sich an dieser Stelle gegen die sozialstaatliche Betrachtung des Kündigungsschutzes, welche insbesondere den anderen Regelungen des Kündigungsschutzgesetzes innewohnt, durchsetzt.349
Im Folgenden soll zunächst historisch betrachtet werden, inwiefern sich in der jüngeren deutschen Geschichte seit dem Betriebsrätegesetz aus dem Jahre 1920 (BRG) das Kündigungsschutzrecht entwickelt hat und wie in den jeweiligen Rechtsepochen eine Zerrüttung des Arbeitsverhältnisses behandelt wurde. Sodann findet eine Auseinandersetzung mit den aktuellen Regelungen der §§ 9, 10 KSchG...