Source: https://issuu.com/bbf.ch/docs/oakbv-finanzielle-lage2015?e=4447114/35318697
Timestamp: 2019-07-23 04:24:18
Document Index: 125080595

Matched Legal Cases: ['Art. 27', 'Art. 46', 'Art. 47', 'Art. 48', 'Art. 8', 'Art. 27', 'Art. 52', 'Art. 72', 'Art. 72', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 65', 'Art. 15', 'Art. 44', 'Art. 44', 'Art. 44']

Bericht finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen 2015 by BBF.CH - Issuu
Bericht finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen 2015
Impressum Herausgeberin
Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge OAK BV Postfach 3001 Bern www.oak-bv.admin.ch
BBF AG, Basel
Titel: Shutterstock
1.1	1.2	1.3	1.4	1.5
Ausgangslage	Aktuelle Lagebeurteilung	Analyse der einzelnen Risikodimensionen	Schwerpunktthema Wertschwankungsreserven	Ausblick
Erhebung 端ber die finanzielle Lage 2015
2.1	Durchf端hrung der Umfrage	8 2.2	Basisdaten und wichtigste Kennzahlen	9
Schwerpunktthema: Wertschwankungsreserven
Ausgangslage	Zweck von Wertschwankungsreserven Berechnung der Zielgr旦sse f端r Wertschwankungsreserven	Ergebnisse aus der Umfrage	Beurteilung
Technische Grundlagen und Deckungsgrad
4.1	Biometrische Grundlagen	4.2	Technischer Zinssatz und Deckungsgrad	4.3	Beurteilung
Zinsversprechen bei Pensionierung
5.1	Leistungs- und Beitragsprimat	5.2	Umwandlung des Kapitals in eine Altersrente	5.3	Beurteilung
13 13 14 15 17 20
21 21 22 24
Bericht finanzielle Lage 2015 | OAK BV
6.1	Auswirkungen von Sanierungsbeiträgen	6.2	Auswirkungen von Minderverzinsungen	6.3	Beurteilung
Anlagestrategien	Volatilität als Mass für das Anlagerisiko	Wertschwankungsreserven	Beurteilung
Risikodimensionen und Gesamtrisiko
8.1	Risikodimensionen	8.2	Gesamtrisiko	8.3	Beurteilung
31 31 34 35 35
9.1	Beurteilung
10.1	10.2	10.3	10.4	10.5
Merkmale von Vorsorge­einrichtungen	Verteilung nach Anteil B ­ VG-Altersguthaben	Berechnung der Risikostufen	Definitionen	Abkürzungsverzeichnis
41 43 44 46 51
1 Zusammenfassung und Ausblick 1.1
Aktuelle Lagebeurteilung
Per Ende 2015 hat die Oberaufsichtskommission Berufliche
Die Risiken, welchen Schweizer Vorsorgeeinrichtungen aus-
Vorsorge (OAK BV) die Umfrage zur finanziellen Lage der
gesetzt sind, haben im 2015 zugenommen. Hauptauslöser
Vorsorgeeinrichtungen zum vierten Mal in der neuen risiko-
dieser Entwicklung sind die niedrigen Anlageerträge des
orientierten Form durchgeführt. Die für die ganze Schweiz
vergangenen Jahres, das nochmals gesunkene Zinsniveau
einheitliche Früherhebung ermöglicht eine aktuelle Gesamt-
und damit die allgemein tieferen Ertragserwartungen für die
sicht über die finanzielle Lage des Systems der beruflichen
Zukunft sowie die weiter gestiegene Lebenserwartung.
Vorsorge. Der vorliegende Bericht über die finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen mit Stichtag 31. Dezember 2015
Die erwirtschaftete durchschnittliche1 Netto-Vermögensren-
umfasst neben einer aktuellen Beurteilung der Gesamtsitu-
dite über alle Vorsorgeeinrichtungen betrug 0.8% (gegen-
ation jeweils detaillierte Analysen zu einzelnen Risikodimen-
über 6.4% im Vorjahr). Die Deckungsgrade haben sich im
sionen. Die Beurteilung der Systemrisiken stützt sich auf den
Durchschnitt um 2.4%-Punkte reduziert, wozu auch die
Deckungsgrad mit einheitlichen Grundlagen, die Zinsverspre-
vorsichtigere Bewertung mit tieferen technischen Zinssätzen
chen bei Pensionierung, die Struktur und die Sanierungsfähig-
keit der Vorsorgeeinrichtungen sowie auf deren Anlagerisiko. Es wird das gleiche Risikomodell wie im Vorjahr verwendet.
Das Jahr 2015 war geprägt von der Aufhebung des EuroMindestkurses durch die Nationalbank sowie durch volatile
1793 von 1936, d.h. 93% (Vorjahr: 1899 von 2045, d.h. 93%)
Aktienmärkte. Per Ende 2015 wiesen 87% (Vorjahr: 89%)
der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen nahmen bis Mitte April
der privatrechtlichen und öffentlich-rechtlichen Vorsorge-
2016 an der Umfrage teil. Von diesen wurden 1743 (Vorjahr:
einrichtungen ohne Staatsgarantie einen Deckungsgrad von
1845) mit einer Bilanzsumme von 864 Milliarden Franken
mindestens 100% aus. Der entsprechende Anteil bei den
(Vorjahr: 822 Milliarden Franken) in den Auswertungen
öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsga-
berücksichtigt. Die Anzahl der Vorsorgeeinrichtungen hat im
rantie betrug lediglich 14% (Vorjahr: 27%). Die Kapitalisie-
Berichtsjahr weiter abgenommen. Die Konzentration in der
rung der öffentlich-rechtlichen Kassen mit Staatsgarantie hat
zweiten Säule setzt sich damit fort.
2015 damit einen Rückschlag erlitten.
Um das allgemeine Systemverständnis zu fördern, enthält der
Als Reaktion auf das veränderte Umfeld haben viele Schwei-
Bericht jeweils ein Schwerpunktthema. Dieses Jahr wird die
zer Vorsorgeeinrichtungen Massnahmen getroffen. Viele
Funktionsweise der Wertschwankungsreserven diskutiert.
Vorsorgeeinrichtungen haben ihren technischen Zinssatz im vergangenen Jahr weiter gesenkt und damit ihre Verpflichtungen vorsichtiger bewertet. Sie haben die zukünftigen Umwandlungssätze gesenkt und teilweise auch andere Leistungsanpassungen vorgenommen. Zur Berücksichtigung der
1	Im Rahmen dieses Berichts werden alle Anteile und Durchschnitte neu mit den Vorsorgekapitalien gewichtet. Um die Vergleichbarkeit mit den Vorjahren zu gewährleisten, wurden die Vorjahreswerte, die in den bisherigen Berichten mit der Bilanzsumme gewichtet waren, ebenfalls mit den Vorsorgekapitalien gewichtet. Die Vorjahreswerte können darum von den Angaben in den früheren Berichten abweichen.
steigenden Lebenserwartung verwenden immer mehr Vorsorgeeinrichtungen Generationentafeln anstelle von gesonderten technischen Rückstellungen. Trotz der risikosenkenden Massnahmen vieler Vorsorgeeinrichtungen haben sich die Risiken insgesamt erhöht. Nicht alle Vorsorgeeinrichtungen konnten oder wollten genügend weitgehende Massnahmen treffen.
Insgesamt zeigt die Risikoanalyse der OAK BV, dass die finan-
zielle Situation der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen auf-
Im vergangenen Jahr wurden auch die Zinsgarantien für
grund des schwierigen Finanzmarktumfelds und der weiter
Altersrenten gesenkt. Teilweise aufgrund der gesetzlichen
ansteigenden Lebenserwartung angespannt ist. Bei vielen
Vorgaben bleiben sie aber weiterhin relativ hoch (BVG-
Vorsorgeeinrichtungen werden weitere Anpassungen auf der
Mindestumwandlungssatz). Damit sind die Zinsversprechen,
Leistungsseite und der Finanzierungsseite unvermeidbar sein.
welche den Altersleistungen zu Grunde liegen, in den meisten Fällen deutlich höher als die von der Vorsorgeeinrichtung für die Deckungsgradbestimmung verwendeten technischen
Analyse der einzelnen Risikodimensionen
Zinssätze. Diese Differenz ist im Gesetz nicht vorgesehen und kann bisher auch nicht durch paritätische Beiträge vorfinanziert werden. Die durchschnittlich zu hohen Zinsversprechen stellen für die finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen
Die OAK BV beurteilt die finanzielle Lage der Vorsorgeeinrich-
diejenige Risikodimension mit den höchsten Risikowerten dar.
tungen mithilfe einer Analyse der Risiken. Dabei werden vier Risikodimensionen analysiert: Deckungsgrad, Zinsverspre-
chen, Sanierungsfähigkeit und Anlagerisiken.
Falls eine Vorsorgeeinrichtung über Zusatzbeiträge oder über die Kürzung von zukünftigen Leistungen (insbesondere Min-
derverzinsungen) saniert werden muss, sind die Konsequen-
Wichtigster Risikoindikator ist der aktuelle Deckungsgrad; er
zen für Arbeitgeber wie auch für Arbeitnehmer erheblich. Der
wird daher für das Gesamtrisiko doppelt gewichtet. Zur bes-
eigentliche Risikofaktor ist dabei der Anteil der Rentenver-
seren Vergleichbarkeit der einzelnen Deckungsgrade wird für
pflichtungen, müssen doch die Rentenbezüger stets mitfinan-
die Risikobeurteilung eine Schätzung mit einheitlichen Grund-
ziert werden. Je grösser dieser Anteil ausfällt, desto kleiner ist
lagen verwendet. Die Deckungssituation hat sich dabei im
letztlich die Wirkung von Sanierungsmassnahmen. Insgesamt
letzten Jahr etwas verschlechtert. Grund dafür waren die
hat sich die Struktur der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen
ungenügenden Anlagerenditen sowie die nochmals redu-
im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert, weswegen auch
zierten technischen Zinssätze, wobei tiefere technische
die Sanierungsfähigkeit im Durchschnitt gleich bleibt. Für die
Zinssätze eine vorsichtigere Bewertung bedeuten. Viele Vor-
Risikodimension Sanierungsfähigkeit ergeben sich die zweit-
sorgeeinrichtungen hatten ihren technischen Zinssatz bereits
höchsten Risikowerte. Aufgrund der bestehenden Rentenver-
in den vergangenen Jahren gesenkt, gleichwohl sind für die
pflichtungen kann die Sanierungsfähigkeit von den Vorsor-
Zukunft noch weitere Reduktionen zu erwarten. Vorsorgeein-
geeinrichtungen kaum beeinflusst werden. Die Unterschiede
richtungen mit relativ hohen technischen Zinssätzen, deren
zwischen den Vorsorgeeinrichtungen sind sehr gross.
Deckungsgrad nur leicht über 100% liegt, müssen damit rechnen, dass eine notwendig werdende Senkung der techni-
schen Zinssätze den entsprechenden Deckungsgrad unter die
Der Renditedruck auf die Vorsorgeeinrichtungen ist nochmals
100%-Marke und sie damit in den Sanierungsbereich fallen
gestiegen. Gründe dafür sind die Verpflichtungen, welchen
oftmals Zinsgarantien zugrunde liegen, die im Gegensatz zum weiter gesunkenen Zinsniveau stehen. Die Vorsorgeeinrichtungen haben im Berichtsjahr erneut den strategischen Anteil der risikobehafteten Anlagen und den Zielwert der
2	Die einheitlichen Grundlagen sind die Generationentafeln BVG 2015 mit einem technischen Zinssatz von 2.6% (abgerundeter Durchschnitt der technischen Zinssätze der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie).
Wertschwankungsreserven erhöht. Es ist zu erwarten, dass der Renditedruck auch in Zukunft nicht abnehmen wird.
Schwerpunktthema Wertschwankungsreserven
Nach den vergangenen sehr guten Anlagejahren fielen die In guten Anlagejahren können Vorsorgeeinrichtungen ihre
Renditen im Jahr 2015 ernüchternd aus, waren aber für das
Anlageerträge unterschiedlich einsetzen: Sie können Alters-
Gros der Vorsorgeeinrichtungen gerade noch verkraftbar. Für
guthaben höher verzinsen, ihre Verpflichtungen vorsichtiger
die kommenden Jahre stellen sich jedoch einige zusätzliche
bewerten oder Wertschwankungsreserven bilden. Für das
Finanzierungssystem der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen ist die Bildung von ausreichend hohen Wertschwankungsreser-
So werden risikoarme Anlagen wie Bundesobligationen in
ven essentiell. Diese ermöglichen, Turbulenzen an den Finanz-
den nächsten Jahren aufgrund der sehr tiefen respektive
märkten abzufedern, ohne dass die Vorsorgeeinrichtungen
negativen Zinsen praktisch keinen oder sogar einen nega-
Sanierungsbeiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern
tiven Beitrag an den Anlageertrag leisten. Auch die oft gut
einfordern müssen. Wie hoch die Ziel-Wertschwankungsre-
rentierende Anlagekategorie der Immobilien bietet nach den
serven sein sollten, ist von den spezifischen Eigenschaften der
Bewertungssteigerungen der vergangenen Jahre nur noch
Einrichtung abhängig.
eine reduzierte Rendite. Die Aktienmärkte wiederum bleiben volatil und damit anfällig auf Kursverluste infolge düsterer
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die gebildeten
ökonomischer Zukunftsaussichten. Es ist deshalb unwahr-
Wertschwankungsreserven bei sehr vielen Vorsorgeeinrich-
scheinlich, dass das Ertragsniveau der Vorjahre gehalten wer-
tungen aktuell unterhalb ihrer Zielwerte liegen. Zudem ist
den kann. Vielmehr kann das abgelaufene Jahr als Warnsignal
ersichtlich, dass Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen
für die kommenden Jahre gedeutet werden.
in der Tendenz tiefere Ziel-Wertschwankungsreserven festlegen als firmeneigene Vorsorgeeinrichtungen. Zwar lässt sich
Vor diesem Hintergrund werden bei vielen Vorsorgeeinrich-
dieser Umstand vielfach objektiv begründen (kleinere Anteile
tungen weitere Anpassungen auf der Leistungsseite und der
der Renten am Vorsorgekapital), gleichzeitig muss er aber
Finanzierungsseite unvermeidbar sein. Insbesondere Vorsor-
teilweise auch einer weniger sicherheitsorientierten Risiko-
geeinrichtungen mit einer Staatsgarantie werden ihre Pla-
haltung der Führungsorgane zugeschrieben werden. Dieser
nungsgrössen überprüfen müssen. Dabei sind in erster Linie
Sachverhalt unterstreicht, wie wichtig bei den Sammel- und
die paritätischen Organe gefordert. Sie müssen die finanziel-
Gemeinschaftseinrichtungen die Durchsetzung einer funktio-
len Chancen und Risiken ihrer Vorsorgeeinrichtung realistisch
nierenden Parität der Führungsorgane ist. Zudem erweist es
beurteilen und die notwendigen Beschlüsse treffen.
sich als zweckmässig, für die Bestimmung der notwendigen Ziel-Wertschwankungsreserve klar definierte Minimalstandards zu entwickeln.
2 Erhebung über die finanzielle Lage 2015 2.1
der einzelnen Vorsorgeeinrichtungen mit den vorhandenen Daten abschätzbar sind. Die Beurteilung der individuellen Risi-
kosituation liegt in der Verantwortung des obersten Organs
eine aktuelle Gesamtsicht über die finanzielle Lage des Sys-
der Vorsorgeeinrichtung und basiert auf den Empfehlungen
tems der beruflichen Vorsorge ermöglicht. Im Unterschied zur
Pensionskassen-Statistik des Bundesamts für Statistik enthält sie zudem eine Beurteilung und Bewertung der Systemrisi-
Ziel der Erhebung ist es, eine objektivierte Einschätzung der
ken. Zur Beschleunigung der Erhebung wird bewusst in Kauf
Systemrisiken der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen vorneh-
genommen, dass zum Zeitpunkt der Erhebung in der Regel
men zu können. Die detaillierten Daten und Auswertungen
erst provisorische Zahlen für die Jahresabschlüsse der einzel-
der OAK BV werden den regionalen Aufsichtsbehörden,
nen Einrichtungen vorliegen.
jeweils für die entsprechende Aufsichtsregion, zur Verfügung gestellt. Die verdichteten Ergebnisse der Studie sind zudem
Der vorliegende Bericht enthält die wichtigsten Ergebnisse der
auf dem Internet unter http://www.oak-bv.admin.ch/de/­
Erhebung und basiert auf den Angaben der Vorsorgeeinrich-
themen/erhebung-finanzielle-lage einsehbar.
tungen. Dabei wurden die wesentlichen finanz- und versicherungstechnischen Risiken, denen die Vorsorgeeinrichtungen
Der Rücklauf der für diesen Bericht verwendeten Fragebogen
ausgesetzt sind, qualifiziert und eingestuft. Die OAK BV ist
präsentiert sich per Mitte April wie folgt:
sich dabei bewusst, dass nicht sämtliche spezifischen Risiken
Abb. 1:	Rücklaufquote Fragebogen Anzahl
2’045
1’899
davon in Liquidation davon nicht dem Freizügigkeitsgesetz unterstellt Für diesen Bericht verwendete Fragebogen
Die Gesamtzahl der versandten Fragebogen ist gesunken, da
die den Fragebogen nicht eingereicht haben. Abgesehen von
erneut mehr Vorsorgeeinrichtungen in Liquidation gesetzt
der Vollerhebung der Pensionskassen-Statistik ist die Erhe-
wurden als Neugründungen stattgefunden haben. Der Anteil
bung der OAK BV die weitaus umfassendste Erhebung und
der eingereichten Fragebogen ist im Vergleich zum Vorjahr
erlaubt eine repräsentative Aussage zur finanziellen Lage der
stabil geblieben. Es sind eher kleinere Vorsorgeeinrichtungen,
Schweizer Vorsorgeeinrichtungen.
Basisdaten und wichtigste Kennzahlen
Die wichtigsten Kennzahlen der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen per 31.12.2015 sehen wie folgt aus:
Abb. 2:	Basisdaten der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie2) 2015
3’729’812
3’664’657
3’574’632
734’767
714’906
783’627
Basislohnsumme
275’408
269’623
260’892
Versicherte Lohnsumme
201’582
197’333
192’120
Rentensumme
19’295
19’133
767’154
716’500
Arbeitgeberbeitragsreserven ohne Verwendungsverzicht
6’944
6’742
Arbeitgeberbeitragsreserven mit Verwendungsverzicht
2’127
186’634
185’051
419’764
404’236
324’941
256’968
242’963
263’733
27’251
31’531
27’985
Reglementarische Beiträge
38’277
37’180
35’964
1’945
Anzahl Vorsorgeeinrichtungen Anzahl aktive Versicherte
2)	Alle Geldbeträge sind in Mio. CHF angegeben.
Die Anzahl der Rentner sowie das Vorsorgekapital Rentner hat vom Jahr 2013 zum Jahr 2014 abgenommen, da Rentner, die bei Versicherungen rückversichert sind, nicht mehr berücksichtigt werden.
Abb. 3:	Wichtigste Kennzahlen der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie3) 2015
ø Verzinsung Altersguthaben (Beitragsprimat)
ø Technischer Zinssatz
Anteil Generationentafeln
ø Deckungsgrad mit individuellen Grundlagen
ø Deckungsgrad mit einheitlichen Grundlagen
Anteil Unterdeckungen
Anteil Leistungsprimat
ø geplanter Umwandlungssatz (in 5 Jahren, im Alter 65, Beitragsprimat)
ø Zinsversprechen bei Pensionierung (in 5 Jahren)
Anteil registrierte Vorsorgeeinrichtungen
Anteil BVG-Altersguthaben an Vorsorgekapital Aktive
Anteil Rentenverpflichtungen
ø Auswirkung von Sanierungsbeiträgen
ø Auswirkung von Minderverzinsungen
Anteil Sachwerte an Anlagen ø Nettoperformance auf Anlagen ø Fremdwährungsexposure ø geschätzte Volatilität ø Ziel-Wertschwankungsreserven
3)	Alle Anteile und Durchschnitte sind mit dem Vorsorgekapital gewichtet.
10	Bericht finanzielle Lage 2015
Abb. 4:	Basisdaten der Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie2) 2015
Anzahl aktive Versicherte
308’343
339’380
358’116
153’912
159’705
24’044
25’450
26’782
20’614
21’041
5’079
5’196
97’248
105’594
21’072
22’007
53’153
56’061
57’772
60’955
63’517
62’191
5’139
5’723
8’833
4’833
5’107
1’471
Anzahl Vorsorgeeinrichtungen
Die Zahl der Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie hat in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen. Dies ist primär auf Liquidationen und in einigen Fällen auf die Aufhebung der Staatsgarantie zurückzuführen.
Abb. 5:	Wichtigste Kennzahlen der Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie3) 2015
12	Bericht finanzielle Lage 2015
3 Schwerpunktthema: Wertschwankungsreserven 3.1
–	Implizit festgehalten ist, dass jede Vorsorgeeinrichtung für ihre Wertschwankungsreserven eine Zielgrösse definieren
Per Ende 2015 liegt der Stand der Wertschwankungsreserven
muss (Art. 27g BVV 2, Art. 46 BVV 2).
bei den meisten Vorsorgeeinrichtungen unter ihren vorgege-
–	Aufgrund der obligatorischen Anwendung von Swiss
benen Zielwerten. Bereits im Bericht zur finanziellen Lage per
GAAP FER 26 (Art. 47 Abs. 2 BVV 2) sind zum einen in
Ende 2014 wurde darauf hingewiesen, dass bei der Mehrheit
der Jahresrechnung die vorhandenen Wertschwankungs-
der Vorsorgeeinrichtungen – trotz der damals deutlich verbes-
reserven auszuweisen und zum andern im Anhang VI Ziel-
serten Deckungssituation – die Wertschwankungsreserven
grösse, Berechnungsart und Veränderungen zum Vorjahr
ihre Zielwerte noch nicht erreicht hatten. Die Vorsorgeeinrich-
tungen waren folglich noch nicht ausreichend gegen zukünf-
–	Zudem hält Swiss GAAP FER 26 fest, dass die Wertschwan-
tige Aktienmarkt- und andere Kapitalmarktverwerfungen
kungsreserven mit dem Ziel der nachhaltigen Sicherheit
gewappnet. Ein Teil der guten Anlageerträge der Jahre 2012
der Erfüllung des Vorsorgezwecks gebildet werden müs-
bis 2014 musste aufgrund des sinkenden Zinsniveaus und der
sen, wobei die gesamten Aktiven und Passiven sowie die
steigenden Lebenserwartung für eine vorsichtigere Bewer-
Struktur und die zu erwartenden Veränderungen des Ver-
tung der Rentenverpflichtungen eingesetzt werden, und nur
sichertenbestandes zu berücksichtigen sind. Die Berech-
aus dem verbleibenden Teil konnten Wertschwankungsreser-
nung basiert auf finanzmathematischen Überlegungen
ven gebildet werden.
und aktuellen Gegebenheiten.
Die Darstellungen zum diesjährigen Schwerpunktthema sol-
Der Gesetzgeber macht den Vorsorgeeinrichtungen folglich
len das allgemeine Wissen bezüglich der zweiten Säule ver-
nicht nur formale, sondern auch inhaltliche Vorgaben bezüg-
bessern sowie anhand der Daten der Erhebung einzelne inter-
lich der Wertschwankungsreserven.
essante Aspekte beleuchten. Um sich dem Thema zu nähern, werden im Folgenden Gesetzesgrundlagen, Zweck und Funk-
Die Festlegung des Zielwerts der Wertschwankungsreserven
tionsweise der Wertschwankungsreserven diskutiert.
ist für die Sicherung der finanziellen Stabilität einer Vorsorge-
einrichtung zentral. Sie liegt entsprechend in der VerantworDie Gesetzgebung gibt bezüglich der Wertschwankungsre-
tung des obersten Führungsorgans. Bei der Bildung von Wert-
serven folgendes vor:
schwankungsreserven entscheidet das aus Arbeitnehmer- und
–	Wertschwankungsreserven müssen gebildet werden (Art.
Arbeitgebervertretern zusammengesetzte Führungsorgan im
65b BVG).
Spannungsfeld zwischen „Vermeidung von Unterdeckungen“
–	Die Vorsorgeeinrichtungen müssen Regeln zu deren Bil-
und „Attraktivität der Gutschriften für Aktive und Renten-
dung festlegen und diese Regeln sollen dem Grundsatz
berechtigte“. In welche Richtung die Entscheidungsträger
der Stetigkeit genügen (Art. 48e BVV 2).
tendieren, ist teilweise auch von der Struktur der Vorsorgeeinrichtungen abhängig. Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen, welche im Wettbewerb um Neuanschlüsse stehen, könnten versucht sein, der Gutschriftenattraktivität eine zu starke Bedeutung zu geben.
3	Eine Zusammenstellung interessanter Artikel zum Thema Wertschwankungsreserven ist in der Zeitschrift Schweizer Personalvorsorge 12/2015 erschienen.
Zweck von Wertschwankungsreserven
Wertschwankungsreserven bestimmt sich einrichtungsspezifisch und ist von nachfolgenden Faktoren abhängig:
Im Finanzierungssystem der Schweizer Vorsorgeeinrichtun-
–	Anlagerisiken
gen wird ein Deckungsgrad von mehr als 100% angestrebt.
Je höher die von der Vorsorgeeinrichtung eingegangenen
Die angestrebte Überdeckung wird durch die Wertschwan-
Anlagerisiken sind, desto höher fallen die zu erwartenden
kungsreserven gebildet. Gelegentlich wird kritisiert, dass
Vermögenswertschwankungen und folglich die benötig-
diese angestrebte Überdeckung versichertenfeindlich sei, da
ten Wertschwankungsreserven aus.
sie den Versicherten Gelder vorenthalte, welche eigentlich ihnen gehörten. Im Folgenden soll dargestellt werden, warum
das Funktionieren der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen von
Hat eine Vorsorgeeinrichtung einen hohen Rentneranteil
der Bildung von Wertschwankungsreserven abhängt.
oder sind bei ihr Sanierungsmassnahmen aus anderen Gründen nur schwach wirksam, so verfügt sie nur über
Das Vermögen der Vorsorgeeinrichtungen wird investiert, um
eine geringe Fähigkeit, sich nach einer Unterdeckung mit
damit die Leistungen der Versicherten heute und in Zukunft
Hilfe von Sanierungsmassnahmen wieder zu erholen. Die
zu finanzieren. Dabei sind die Renditen und Marktwerte der
Vorsorgeeinrichtung muss entsprechend höhere Wert-
Vermögensanlagen (wie Obligationen, Immobilien, Aktien
schwankungsreserven bilden.
etc.) über die Zeit hinweg Schwankungen ausgesetzt. Auf ihrer Verpflichtungsseite sind Vorsorgeeinrichtungen hin-
–	Finanzierungsbedürfnisse
gegen mit Renditegarantien konfrontiert: Bereits laufende
Renten unterliegen einer Garantie, und den Freizügigkeits-
technischer Zinssatz und technische Grundlagen, führen
leistungen der aktiven Versicherten dürfen keine negativen
zu tieferen Soll-Renditen. Je höher die notwendige Soll-
Renditen belastet werden. Diese Garantien gelten, auch
Rendite der Vorsorgeeinrichtung ist, desto stärker kommt
wenn die Vorsorgeeinrichtung auf ihren Anlagen Verluste
der zukünftige Deckungsgrad aufgrund des laufenden
erzielt. Verluste führen dazu, dass sich der Deckungsgrad der
Aufwands unter Druck. Entsprechend höher müssen die
Vorsorgeeinrichtung reduziert. Startet eine Vorsorgeeinrich-
Wertschwankungsreserven ausfallen.
tung mit einem Deckungsgrad von genau 100%, fällt sie nach einem Verlustjahr sofort in eine Unterdeckung. Sie ist dann
–	Risikobereitschaft
verpflichtet – je nach Ausmass der Unterdeckung und Versi-
Da absolute Sicherheit nicht erzielbar ist, muss das aus
chertenstruktur der Vorsorgeeinrichtung – früher oder später
Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Vertretern zusammenge-
Sanierungsmassnahmen einzuleiten, um ihre längerfristige
setzte oberste Führungsorgan entscheiden, welches Un-
Finanzierung zu gewährleisten. Die Kosten für Sanierungs-
terdeckungs- resp. Sanierungsrisiko die Vorsorgeeinrich-
massnahmen werden von Arbeitgebern und Arbeitnehmern
tung resp. die Arbeitnehmer und Arbeitgeber bereit sind,
getragen.5
Wertschwankungsreserven dienen folglich dazu, dass Vor-
Die Vorgaben von Swiss GAAP FER 26, wonach bei der
sorgeeinrichtungen aufgrund von Finanzmarktkrisen (wie
Bestimmung der Zielgrösse der Wertschwankungsreserven
Obligationen-
die gesamten Aktiven und Passiven sowie die Struktur und
Marktkrisen) nicht in eine Unterdeckung oder gar in eine
die erwarteten Veränderungen des Versichertenbestandes
nicht sanierbare Situation geraten. Die notwendige Höhe von
berücksichtigt werden müssen, sind folglich zweckmässig.
Aktien-,
Die nachfolgende Abbildung soll die Funktionsweise der 4	Ausnahme: sog. 1e-Pläne, wo die aktiven Versicherten die gesamten Marktrisiken tragen. 5	Versicherungsgesellschaften operieren dem­ gegenüber nicht mit Wertschwankungsreserven. Die Rolle des Risikopuffers spielt dort das risikotragende Kapital der Versicherungsgesellschaft. Ist dieses aufgebraucht, müssen die Verpflichtungen der Versicherung an eine andere Gesellschaft übertragen werden. Da dieser Übertrag jederzeit möglich sein soll, sind die Bewertungsvorgaben für Versicherungen auf den Liquidationsfall ausgerichtet.
14	Bericht finanzielle Lage 2015
Wertschwankungsreserven (WSR) verdeutlichen. Schwankungen des Deckungsgrads sind in erster Linie von den Entwicklungen an den Finanzmärkten abhängig. Startet eine Pensionskasse aus einer Situation, in welcher freie Mittel vorhanden sind, so zehren Verluste auf den Anlagen zuerst die freien Mittel auf. Halten die Verluste an, so wird ein Teil der Wertschwankungsreserven aufgelöst. Sind die Verluste so
gross, dass die Wertschwankungsreserven zu deren Abfede-
Sicherheitsfonds getragen werden, wobei dieser nur Leistun-
rung nicht genügen, so fällt der Deckungsgrad unter 100%
gen bis zur anderthalbfachen Höhe des oberen Grenzbetrags
und die Vorsorgeeinrichtung gerät in eine Unterdeckung.
nach Art. 8 Abs. 1 BVG sicherstellt.
Zu verhindern ist, dass diese in eine nicht mehr sanierbare Situation gerät. Die Leistungen einer nicht sanierbaren Vor-
Die Wertschwankungsreserven sind für die Vorsorgeeinrich-
sorgeeinrichtung in Unterdeckung müssen letztlich vom
tungen als langfristige Investition von zentraler Bedeutung.
Abb. 6:	Funktionsweise der Wertschwankungsreserven am Beispiel einer Musterkasse 140% 120%
Deckungsgradentwicklung
Risikofähigkeit mittels freier Mittel
Risikofähigkeit mittels WSR Sanierungsfähigkeit
Nicht sanierbare Unterdeckung
Aktieninvestitionen lohnen sich langfristig indes nur, wenn diese nicht jeweils nach einem Crash wieder abgestossen
Berechnung der Zielgrösse für Wertschwankungsreserven
werden müssen. Die Aktienrisikoprämie schöpft die Vorsorgeeinrichtung dann ab, wenn diese auch Krisen durchstehen
Nachfolgend wird dargestellt, wie Schweizer Vorsorgeein-
kann. Die Zielgrösse der Wertschwankungsreserven muss
richtungen die Zielgrösse ihrer Wertschwankungsreserven
folglich derart gewählt werden, dass die Anlagestrategie
bestimmen und umsetzen. Im vorhergehenden Kapitel
auch in einer schwierigen Marktsituation beibehalten werden
wurde gezeigt, dass die Höhe der von einer bestimmten Vor-
sorgeeinrichtung benötigten Wertschwankungsreserven von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Zu diesen Einflussfak-
Für die Systemstabilität sowie die Realisierung der langfristigen
toren gehören objektive Fakten wie die Anlagestrategie, die
Ertragserwartungen der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen ist
Sanierungsfähigkeit oder die Finanzierung der Einrichtung,
es folglich zentral, dass Vorsorgeeinrichtungen Wertschwan-
aber auch subjektive Einschätzungen wie die Risikobereit-
kungsreserven in einer ausreichenden Höhe bilden. Diese
schaft der Entscheidungsträger. Die Bestimmung des Ziel-
schmälern zwar kurzfristig die Gutschriften der Versicherten,
werts der Wertschwankungsreserven erweist sich dadurch
stellen langfristig aber einen leistungssichernden Puffer dar.
als anspruchsvolle Führungsaufgabe. Normalerweise erfolgt sie periodisch im Rahmen der Entwicklung resp. der Überprüfung der Anlagestrategie, d.h. im Rahmen einer sogenannten Asset- und Liability-Management-Studie (ALMStudie). Vielfältig sind sowohl Anbieter als auch Methoden, die zur Berechnung der Zielgrösse eingesetzt werden. Da die Wertschwankungsreserven an der Schnittstelle zwischen
Anlagen und Verpflichtungen wirken, gibt es Angebote
Bezüglich der eingesetzten Berechnungsmethode verwenden
sowohl von Investment Consultants als auch von Experten
die meisten Schweizer Vorsorgeeinrichtungen eine der fol-
für berufliche Vorsorge.
genden Methoden oder eine Kombination davon:
Berechnung der Wertschwankungsreserven-Zielgrösse
Berücksichtigte Aspekte Anlagerisiken
Sanierungs­ fähigkeit
Praktikermethode Pro Anlagekategorie ist ein Reservesatz fix vorgegeben.6 Zielgrösse entspricht der Summe der gewichteten Reservesätze (basierend auf effektiver oder strategischer Allokation)
Teilweise berücksichtigt (keine Diversifikationseffekte, keine aktuellen Risikoeigenschaften)
Klassische Expected Shortfall Methode Zielgrösse sorgt über den gewählten Zeithorizont für eine fixierte Unterdeckungswahrscheinlichkeit. Berechnungsbasis: erwartete RisikoErtrags-Eigenschaften der Anlagestrategie (Annahme: normalverteilte Rendite). Zeithorizont: meistens 1 Jahr Sicherheitsniveau: 95–99%
Indirekt ­berücksichtigt, über die Wahl von Zeithorizont und Sicherheitsniveau
Berücksichtigt, aber nur statisch
Berücksichtigt über Wahl von Zeithorizont und Sicherheitsniveau
Simulierte Expected Shortfall Methode Gleiche Berechnungsart wie bei der klassischen Expected Shortfall Methode, jedoch mit veränderter Art von Input-Daten: –	Simulierte, nicht-normalverteilte Renditen –	Simulationsmöglichkeiten für Verzinsungspolitiken, Sanierungsmassnahmen u.a.
Kann direkt ­berücksichtigt werden
Berücksichtigt, inkl. Dynamik wie z.B. Verzinsungspolitik
Historische Stress-Test-Analyse Zielgrösse erlaubt die verlustreichsten historischen „Marktepisoden“ (wie z.B. Eurokrise 2011, Finanzkrise 2008/09, Asienkrise 1997, Zinsschock 1994) ohne Unterdeckung zu überstehen
Berücksichtigt, Fokus auf die kurze Frist, Qualität abhängig von Auswahl und Länge der Krisenszenarien
Nur indirekt über Wahl der Krisenszenarien
Analyse des verpflichtungs­ seitigen Bewertungsrisikos Zielgrösse erlaubt die Verpflichtungen mit Marktzinssätzen zu bewerten ohne in Unterdeckung zu geraten7
Teilweise berücksichtigt, Fokus auf zukünftigen Finanzierungsrisiken
6	Üblicherweise werden die nachstehenden Reservesätze verwendet: Obligationen CHF 7.5%, Obligationen Fremdwährungen 10%, Aktien Schweiz 20%, Aktien Ausland 25%, Hypotheken 2.5%, Immobilien 10%. 7	Allerdings entspricht keine Anlagestrategie von Schweizer Vorsorgeeinrichtungen einem die Verpflichtungen replizierenden Portfolio.
16	Bericht finanzielle Lage 2015
Qualität abhängig von der Qualität der verwendeten Schätzungen
Qualität abhängig von der Qualität der Simulationsinputs
Die Zusammenstellung zeigt, dass nicht alle verwendeten
Methoden auch wirklich alle zu berücksichtigenden Aspekte einbeziehen. Gewisse Methoden sollten darum nur kom-
Per Ende 2015 verfügen 14% der Vorsorgeeinrichtungen
biniert eingesetzt werden. Für alle Methoden gilt, dass die
ohne Staatsgarantie über voll geäufnete Wertschwankungsre-
Wertschwankungsreserven in Prozent des abzusichernden
serven. Bei weiteren 14% liegen die gebildeten Wertschwan-
Vorsorgekapitals8 auszudrücken sind.
kungsreserven bei mindestens drei Vierteln ihrer Zielgrösse. Bei 38% der Vorsorgeeinrichtungen hingegen existieren
Die Verwendung von unterschiedlichen Methoden zur
keine Wertschwankungsreserven, oder sie betragen weniger
als einen Viertel ihres Zielwerts.
hat den Vorteil, dass im System der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen das diesbezügliche Modellrisiko gut diversifiziert
Die durchschnittlichen Ziel-Wertschwankungsreserven der
wird. Dadurch kann und muss sich jede Vorsorgeeinrichtung
Schweizer Vorsorgeeinrichtungen liegen per Ende 2015 bei
aber auch für eine für ihre Situation zweckmässige und ver-
17.8% (Vorjahr: 17.0%), womit diese um 0.8%-Punkte höher
ständliche Methode entscheiden.
liegen als im Vorjahr. Aufgrund der deutlichen Veränderungen der Ertragserwartungen mussten viele Vorsorgeeinrichtungen
Die Entscheidungen des obersten Organs bezüglich der Wert-
ihre Anlagestrategien und folglich auch ihre Ziel-Wertschwan-
schwankungsreserven werden anschliessend von drei Stellen
kungsreserven überprüfen. Diese Überprüfungen haben bei
überprüft. Die Revisionsstelle der Vorsorgeeinrichtung über-
vielen Vorsorgeeinrichtungen zu Anlagestrategien mit etwas
prüft die Konformität der Wertschwankungsreserven mit den
höheren Anlagerisiken geführt. Die revidierten Strategien
gesetzlichen Vorgaben, den Vorgaben von Swiss GAAP FER
zeichnen sich durch eine erhöhte Gewichtung der Bereiche
und den internen Reglementen. Der Experte für berufliche
Immobilien, Aktien und alternative Anlagen (Sachwerte) aus.
Vorsorge muss im Rahmen seines technischen Gutachtens
Die für die Anlagestrategie im Durchschnitt geschätzte Ren-
darauf hinweisen, falls die Zielgrösse der Wertschwankungs-
ditevolatilität ist von 5.7% per Ende 2014 auf 6.0% per Ende
reserven seiner Beurteilung nach als zu tief angesehen wer-
2015 angestiegen.
den muss. Einen Schritt weiter in der Aufsichtspyramide ist es 9
dann Aufgabe der regionalen Aufsichtsbehörden, erstens die
In den nachfolgenden vier Grafiken werden zum einen der
Reglemente zu prüfen, in welchen die Regeln zur Bildung der
Wertschwankungsreserven festgelegt werden. Dabei wird
schwankungsreserven der Vorsorgeeinrichtungen und drei
kontrolliert, ob die verwendete Methode zur Berechnung des
der vier in Kapitel 3.2 identifizierten Einflussfaktoren darge-
Zielwerts anerkannt ist und ob sie die Nachvollziehbarkeit
stellt. Der Einflussfaktor „Risikobereitschaft“ fehlt, da dieser
der Berechnung gewährleistet. Zweitens überprüfen die Auf-
nicht eindeutig bestimmbar ist. Zum andern wird der Zusam-
sichtsbehörden in den Jahresrechnungen die Vollständigkeit
menhang zwischen Ziel-Wertschwankungsreserven und der
der Angaben zu den Wertschwankungsreserven sowie die
Verzinsungspraxis der Vorsorgeeinrichtungen dargestellt.
Stetigkeit derer Bildung.
Die Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie sind aus dieser
Ziel-Wert-
Analyse ausgeschlossen, da diese überwiegend im System der Teilkapitalisierung finanziert werden, in welchem die Wertschwankungsreserven teilweise zusätzliche Funktionen wahrnehmen.
8	BVV 2 Art. 27h Kollektiver Anspruch auf Rückstellungen und Schwankungsreserven bei Teil- oder Gesamtliquidation: „1 … Der Anspruch auf Schwankungsreserven entspricht anteilsmässig dem Anspruch auf das Spar- und Deckungskapital.“ 9	Fachrichtlinie 5 (FRP 5) der Schweizerischen Kammer der Pensionskassen-Experten zur Prüfung der Vorsorgeeinrichtung gemäss Art. 52e Abs. 1 BVG, Kapitel 2, Abschnitt 3 (Fassung 2014).
Abb. 7:	Ziel-Wertschwankungsreserven vs. Geschätzte Volatilität
Die Grösse jedes Punktes repräsentiert die Höhe des Vorsorgekapitals der Vorsorgeeinrichtung.
Ziel-WSR (in %)
Die Farbe bezeichnet deren Typ:
Rentnerkassen
4 6 8 Geschätzte Volatilität (in %)
Ziel-Wertschwankungsreserven
erwartet positiv. Dies wird auch in der dieses Jahr beobach-
Schweizer Vorsorgeeinrichtungen liegen zwischen 0% und
teten Erhöhung der Ziel-Wertschwankungsreserven sichtbar.
30% und konzentrieren sich im Bereich zwischen 13% und
Der Zusammenhang ist aber um einiges schwächer, als man
20%. Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen weisen
dies a priori erwarten könnte. Dies ist zum einen Ausfluss der
dabei häufiger tiefere Werte aus. Der Zusammenhang zwi-
sehr unterschiedlichen verwendeten Methoden zur Bestim-
schen den beobachteten Ziel-Wertschwankungsreserven und
mung der Zielgrössen. Zum andern wird beim Vergleich zwi-
den eingegangenen Anlagerisiken (gemessen anhand der
schen Vorsorgeeinrichtungen der Einfluss des Anlagerisikos
für die Anlagestrategie geschätzten Renditevolatilität) ist wie
von den Einflüssen der anderen Faktoren dominiert.
Abb. 8:	Ziel-Wertschwankungsreserven vs. Rentenanteil
Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen Rentnerkassen
40 60 Rentenanteil (in %)
Die Sanierungsfähigkeit einer Vorsorgeeinrichtung sinkt mit
zu. Die im Durchschnitt tieferen Ziel-Wertschwankungsreser-
steigendem Anteil der Rentenberechtigten am Vorsorgekapi-
ven der Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen können
tal. Entsprechend wird erwartet, dass die Ziel-Wertschwan-
folglich teilweise mit deren im Durchschnitt tieferen Renten-
kungsreserven für Vorsorgeeinrichtungen mit grösseren Ren-
anteilen erklärt werden.
tenanteilen höher sind. Diesen Schluss lässt auch die Grafik
18	Bericht finanzielle Lage 2015
Abb. 9:	Ziel-Wertschwankungsreserven vs. Zinsversprechen
3 4 Zinsversprechen (in %)
Das Zinsversprechen einer Vorsorgeeinrichtung entspricht
Ziel-Wertschwankungsreserven beobachtet. Eine nahelie-
dem im Umwandlungssatz implizit garantierten Zinssatz
gende Erklärung dafür ist die beide Entscheidungen beein-
(vgl. dazu Kapitel 5). Höhere Umwandlungssätze führen zu
flussende allgemeine Risikohaltung einer Vorsorgeeinrich-
höheren Zinsversprechen, höhere Zinsversprechen zu höhe-
tung: Eine vorsichtigere Einrichtung gibt tendenziell tiefere
ren Finanzierungsbedürfnissen. In Kapitel 3.2 wurde aufge-
Zinsversprechen und wählt auch höhere Ziel-Wertschwan-
zeigt, dass höhere Finanzierungsbedürfnisse einen Grund für
kungsreserven als eine risikofreudigere Einrichtung. Es fällt
höhere Ziel-Wertschwankungsreserven darstellen können.
auf, dass sich viele Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen
Die Ergebnisse der Erhebung zeigen jedoch ein anderes Bild:
im unteren rechten Gebiet konzentrieren, d.h. im Bereich der
Tiefere Zinsversprechen werden in der Tendenz bei höheren
risikofreudigeren Einrichtungen.
Abb. 10:	Ziel-Wertschwankungsreserven vs. Verzinsung der Altersguthaben
4 6 Verzinsung der Altersguthaben (in %)
Zwischen den Ziel-Wertschwankungsreserven und der Ver-
tendenziell höher als die Vermeidung von Unterdeckungen.
zinsung der Altersguthaben zeigt sich ein deutlicher negativer
Auch hier kann beobachtet werden, dass im unteren rechten
Zusammenhang. Vorsorgeeinrichtungen, welche die Altersgut-
Gebiet (hohe Verzinsung, tiefe Ziel-Wertschwankungsreserven)
haben überdurchschnittlich hoch verzinsen, verfügen in der
viele Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen anzutreffen
Tendenz über unterdurchschnittlich hohe Ziel-Wertschwan-
kungsreserven. Sie gewichten somit die Verzinsungsattraktivität
Betrachtet man das Verhalten der unterschiedlichen Typen von Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der Wertschwan-
Für die Systemstabilität sowie die Ertragschancen der zweiten
kungsreserven, so fallen bezüglich der Sammel- und Gemein-
Säule in der Schweiz ist es zentral, dass die Vorsorgeeinrich-
schaftseinrichtungen zwei Aspekte auf:
tungen Wertschwankungsreserven in ausreichender Höhe bilden. Dies ermöglicht es, Anlageerträge und -risiken fair
1.	Die Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen weisen in
über die Zeit und über die verschiedenen Anspruchsgrup-
der Tendenz tiefere Ziel-Wertschwankungsreserven aus als
pen zu verteilen. Aktuell verfügen etwas weniger als 30%
die restlichen Vorsorgeeinrichtungen. Dies kann teilweise
der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie über Wert-
durch ihre im Durchschnitt tieferen Rentenanteile, d.h. ih-
schwankungsreserven, welche ihre Zielwerte zu mindestens
re höhere Sanierungsfähigkeit erklärt werden. Allerdings
drei Vierteln erreichen.
wird in Bezug auf die Sanierungsfähigkeit von Sammelund Gemeinschaftseinrichtungen die Wirkung eines tiefen
Die für die Bestimmung der notwendigen Ziel-Wertschwan-
Rentenanteils oft überschätzt, da im Fall einer Sanierung
kungsreserven verwendeten Methoden sind sehr heterogen,
ganze Versichertenkollektive die Einrichtung verlassen kön-
wobei am häufigsten eine der finanzmathematischen Expec-
nen und so ihre Finanzierung geschwächt werden kann.
ted-Shortfall-Methoden verwendet wird. Die beobachteten Höhen der Ziel-Wertschwankungsreserven sind ebenfalls sehr
2.	Es zeigt sich, dass die Sammel- und Gemeinschaftsein-
unterschiedlich. Dies ist einerseits darauf zurückzuführen,
dass sie nicht nur von einer Eigenschaft der einzelnen Vor-
tendenziell ein höheres Gewicht beimessen als andere
sorgeeinrichtungen (wie Rentenanteil, Risikotoleranz sowie
Einrichtungen. Aufgrund der häufigeren Wechsel in ihrem
die Anlagerisiken der Vorsorgeeinrichtungen) abhängig sind.
Versichertenbestand ist dies zwar grundsätzlich vertret-
Andererseits ist die beobachtete Heterogenität auch den
bar. Aufgrund des damit verbundenen erhöhten Wettbe-
sehr unterschiedlichen eingesetzten Bestimmungsmethoden
werbsdrucks führt dies teilweise aber zu einem weniger
sicherheitsorientierten Verhalten, was den Interessen des
Verzinsungsattraktivität
aktuellen Versichertenbestandes zuwiderlaufen könnte. Im Bereich der Wertschwankungsreserven drängen sich aufgrund dieser Lagebeurteilung keine gesetzgeberischen Änderungen auf. Um jedoch die Kontrolltätigkeiten von Revisionsstellen, Experten für berufliche Vorsorge und regionalen Aufsichtsbehörden einfacher und wirkungsvoller zu gestalten, sollten für die zu verwendenden Bestimmungsmethoden klare Minimalstandards entwickelt werden. Dies würde den ungewünschten Teil der Heterogenität der ZielWertschwankungsreserven eingrenzen. Bezüglich des speziell bei Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen beobachteten Verhaltens zeigt sich, wie wichtig die Durchsetzung einer funktionierenden Parität der Führungsorgane ist.
20	Bericht finanzielle Lage 2015
4 Technische Grundlagen und Deckungsgrad 4.1
Die künftige Lebenserwartung wird basierend auf den biometrischen Grundlagen berechnet. Man spricht dabei von Perio-
Biometrische Grundlagen (auch Sterbetafeln genannt) enthal-
dentafeln, wenn die Berechnung auf einer gewissen Periode
ten Sterbe- und Invalidisierungswahrscheinlichkeiten, die in
der Vergangenheit beruht (zum Beispiel die Jahre 2010 bis
einer Messperiode erfasst wurden. Die in der Schweiz ver-
2014 bei BVG 2015). Um der stetig steigenden Lebenser-
wendeten Grundlagen tragen jeweils die Jahreszahl, in der sie
wartung Rechnung zu tragen, werden bei Verwendung von
publiziert wurden. Die gebräuchlichsten sind die BVG-Tafeln,
Periodentafeln die Rentenverpflichtungen verstärkt, oder es
welche neben den Daten der Pensionskasse des Bundes (Pub-
werden Generationentafeln verwendet, welchen eine Schät-
lica) ausschliesslich Daten privatrechtlicher Vorsorgeeinrich-
zung über die zukünftige Lebenserwartung zu Grunde liegt.
tungen umfassen. Die BVG-Tafeln sind soeben (im Dezember
Bei der Verwendung von Periodentafeln ist die verbuchte Ver-
2015) aktualisiert worden. Die VZ-Tafeln hingegen beruhen
pflichtung tiefer als bei Verwendung von Generationentafeln.
auf Daten von öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen.
Die notwendige Rendite ist jedoch höher, da die Verstärkung jedes Jahr erhöht werden muss.
Falls eine Vorsorgeeinrichtung zumindest über eine Versicherungsdeckung für die Risiken Tod und Invalidität verfügt und selber keine Altersrenten ausrichtet, benötigt sie im Normalfall keine biometrischen Grundlagen. Dies gilt insbesondere für Vorsorgeeinrichtungen mit Vollversicherung bei Versicherungsgesellschaften.
Abb. 11:	Biometrische Grundlagen
2015 EVK 2000 und älter
BVG 2005 und älter
BVG 2010 0%
BVG 2015 VZ 2005 und älter VZ 2010
Andere 2014
mit Staatsgarantie und 7% der Vorsorgeeinrichtungen ohne
Staatsgarantie die neuen technischen Grundlagen BVG 2015
(BVG 2015, BVG 2010 und VZ 2010) verwendet. Bemerkens-
verwenden, welche im Dezember letzten Jahres herausgege-
wert ist auch, dass bereits 18% der Vorsorgeeinrichtungen
Abb. 12:	Perioden- und Generationentafeln
2014 2013 0%
Periodentafel Generationentafel
keine selbst erbrachten Rentenleistungen
Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Vorsorgeeinrichtungen, welche Generationentafeln verwenden, bei den
Technischer Zinssatz und Deckungsgrad
Vorsorgeeinrichtungen mit und ohne Staatsgarantie jeweils um bemerkenswerte 13 bzw. 8%-Punkte gestiegen. Bei den Vorsorgeeinrichtungen setzt sich offensichtlich die Meinung durch, dass die zukünftige Verbesserung der Lebenserwartung nicht wie bisher üblich in der Umlage zurückgestellt, sondern mittels Generationentafeln im Kapitaldeckungsverfahren reserviert wird.
Der technische Zinssatz dient der Bewertung einer zukünftigen Zahlung. Je höher der technische Zinssatz festgelegt wird, desto tiefer werden die Verpflichtungen dargestellt und der Deckungsgrad steigt. Dies hat zur Folge, dass in der Zukunft eine höhere Anlageperformance erzielt werden muss, um das finanzielle Gleichgewicht zu halten, was in der Regel mit einem höheren Risiko verbunden ist. Der Deckungsgrad entspricht dem Verhältnis zwischen dem vorhandenen Vermögen und den Verpflichtungen. Liegt er bei mindestens 100%, wird erwartet, dass zum Stichtag sämtliche Verpflichtungen erfüllt werden können. Liegt er darunter, müssen Sanierungsmassnahmen getroffen werden.10 Bei Vorsorgeeinrichtungen mit mehreren Vorsorgewerken wird im vorliegenden Bericht der durchschnittliche Deckungsgrad verwendet, unabhängig davon, ob dieser für jedes Vorsorgewerk separat berechnet wird oder nicht.
10	Ausnahme: Bei Vorsorgeeinrichtungen in Teilkapitalisierung, welche alle über eine Staatsgarantie verfügen müssen, gibt es spezielle gesetzliche Regelungen.
22	Bericht finanzielle Lage 2015
Abb. 13:	Technischer Zinssatz
keine selbst erbrachten Rentenleistungen unter 2.00%
2.00% – 2.49% 2.50% – 2.99% 3.00% – 3.49%
3.50% – 3.99% über 4.00%
Der Trend zu tieferen technischen Zinssätzen hat sich nach
von 2.91% auf 2.66%, während er bei Vorsorgeeinrichtun-
2014 erwartungsgemäss auch 2015 fortgesetzt. Dabei verlief
gen mit Staatsgarantie von 3.24% auf 3.11% sank.
der Anpassungsprozess im Berichtsjahr bei Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie langsamer als bei Vorsorgeeinrich-
Aufgrund der momentan äusserst tiefen, negativen Obligati-
tungen ohne Staatsgarantie: Der durchschnittliche technische
onenrenditen ist zu erwarten, dass sich der Trend zu weiteren
Zinssatz sank bei Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie
Senkungen beim technischen Zinssatz fortsetzen wird.
Abb. 14:	Deckungsgrad mit individuellen Grundlagen
2014 unter 80.0%
80.0% – 89.9% 0%
90.0% – 99.9% 100.0% – 109.9% 110.0% – 119.9%
120.0% oder höher 2014 2013 0%
genau zu machen, wurde in der Regel ein technischer Zinssatz
nahe am Durchschnitt der verwendeten technischen Zinssätze
gewählt. Im Berichtsjahr wurde der Wert von 2.6% (Vorjahr:
einrichtungen unabdingbar, diesen mit einheitlichen Annah-
2.9%) gewählt. Bei den biometrischen Grundlagen dient im
men zu berechnen. Dabei muss der Effekt der Annahmenän-
Berichtsjahr BVG 2015 mit einer Generationentafel als Basis.
derung geschätzt werden. Um die Schätzung möglichst
Abb. 15:	Deckungsgrad mit einheitlichen Grundlagen
90.0% – 99.9% 100.0% – 109.9%
110.0% – 119.9% 120.0% oder höher
Deckungsgrad mit einheitlichen Grundlagen der Vorsorge­ einrichtungen ohne Staatsgarantie beträgt im Jahr 2015
2015 war finanziell betrachtet ein schwieriges Jahr für die
105.1% (Vorjahr: 108.5%). Ohne die Reduktion des techni-
Vorsorgeeinrichtungen: Die durchschnittliche Netto-Vermö-
gensrendite betrug 0.8% (Vorjahr: 6.4%). Die Deckungsgrade
sich eine durchschnittliche Reduktion des Deckungsgrads um
haben sich entsprechend reduziert. Der Anteil der Vorsorge-
1.9%-Punkte ergeben.
einrichtungen ohne Staatsgarantie mit ausgewiesener Unter-
schen Zinssatzes für den einheitlichen Deckungsgrad
deckung stieg von 11% auf 13% an. Auch bei den Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie ist der Deckungsgrad mit einheitlichen Grundlagen gesunken, von
77.8% auf 76.1%. Ohne die Reduktion des technischen Zins-
satz im vergangenen Jahr weiter gesenkt. Weitere Redukti-
satzes für den einheitlichen Deckungsgrad11 hätte sich eine Ver-
onen sind zu erwarten. Um die steigende Lebenserwartung
schlechterung des Deckungsgrads um 0.2%-Punkte ergeben.
zu berücksichtigen, verwenden immer mehr Vorsorgeeinrichtungen Generationentafeln. Hier ist zu erwarten, dass dieser
Je tiefer der Deckungsgrad, desto höher ist das Finanzierungs­
Anteil in Zukunft weiter steigen wird. Beide Massnahmen
erhöhen die verbuchten Verpflichtungen und reduzieren
damit den Deckungsgrad. Die zur Finanzierung der Leistun-
gen notwendige Rendite wird im Gegenzug dazu gesenkt.
11	Die Reduktion des technischen Zinssatzes von 2.9% auf 2.6% macht im Durchschnitt etwa 1.5% Deckungsgrad-Prozente aus.
24	Bericht finanzielle Lage 2015
5 Zinsversprechen bei Pensionierung Unabhängig vom Deckungsgrad muss jede registrierte
– nach einem markanten Rückgang im Berichtsjahr – jedoch
immer noch 57.4% (Vorjahr: 75.5%).
Gesetz erbringen. Darüber hinaus werden die Leistungen reglementarisch festgelegt. Deren Höhe hängt beim Leis-
Insgesamt kommt bei den meisten Vorsorgeeinrichtungen
tungsprimat vom versicherten Lohn und den erworbenen
ein Beitragsprimat zur Anwendung, während es vereinzelt
Beitragsjahren ab. Beim Beitragsprimat bestimmt sich die
noch Mischformen und andere Formen gibt. Erstmals, mit
Leistung auf Basis der gutgeschriebenen Beiträge, der Zin-
einem Anteil von 0.2% am Vorsorgekapital, wurden die
sen und der festgelegten Umwandlung bei Pensionierung,
sogenannten 1e-Einrichtungen (vgl. Kapitel 10.4) erfasst, die
Tod und Invalidität.
künftig an Bedeutung gewinnen könnten. Schliesslich gibt es noch reine Rentnerkassen; ihr Anteil am Vorsorgekapital beträgt jedoch bisher nur 0.5% (Vorjahr: 0.3%).
Da beim Leistungsprimat eine Leistung in Prozenten der Lohnzahlung versprochen wird, ist das Risiko für die Vorsor-
Die Bedeutung des Leistungsprimats in der beruflichen
geeinrichtungen höher als beim Beitragsprimat. Dies wird in
Vorsorge nimmt seit Jahren ab. Es gibt aber grosse Unter-
der Risikobeurteilung mit einem pauschalen Risikozuschlag
schiede: So beträgt der Anteil des Leistungsprimats bei den
Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie 5.6% (Vorjahr: 6.0%), bei den Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie
Abb. 16:	Beitrags- und Leistungsprimat für Altersleistungen
2014 Beitragsprimat
1e-Einrichtung 0%
Mischform Andere Leistungsprimat
Rentnerkasse 2014 2013 0%
Umwandlung des Kapitals in eine Altersrente
geschätzt werden können, trägt die Vorsorgeeinrichtung ausschliesslich das Zinsrisiko. Ist die effektive Performance nach Abzug der Kosten mittelfristig höher, wird sie den erzielten
Beim Beitragsprimat bestimmt der Umwandlungssatz, welcher
Überschuss an die Rentenbezüger verteilen.
Anteil des angesparten Altersguthabens als jährliche Rente ausbezahlt wird. Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie
verwenden im Alter 65 durchschnittlich einen Umwandlungs-
dem technischen Zinssatz sowie einem Zuschlag für die Lang-
satz von 5.83% (Vorjahr: 6.05%). Bei Vorsorgeeinrichtungen
lebigkeit. Beim Beitragsprimat ergibt sich das Versprechen aus
mit Staatsgarantie beträgt der Durchschnitt 6.12% (Vorjahr:
6.27%).
desto grösser ist das Versprechen über den künftigen Rentenbezug. Keine Berechnungen wurden bei Vorsorgeeinrichtun-
abwickeln oder nur Kapitalien auszahlen. Diese tragen das
Zinsrisiko für Rentner nicht.
Abb. 17:	Zinsversprechen für zukünftige Rentenleistung
Versicherung / nur Kapitalien unter 2.00%
Die langfristigen Zinsversprechen liegen im Durchschnitt um
von 3.5% oder mehr aus, während dies per Ende 2015 nur
0.6%-Punkte (Vorjahr: 0.5%-Punkte) höher als die techni-
noch bei 29% der Fall war. Auch die Vorsorgeeinrichtungen
schen Zinsen. Wesentliche Gründe sind, dass für Anpassungen
mit Staatsgarantie haben ihre Zinsversprechen reduziert. Der
der Zinsversprechen nicht nur Massnahmen auf der Finanzie-
Anteil mit 3.5% oder mehr liegt aber immer noch bei 63%
rungsseite, sondern auch Anpassungen auf der Leistungsseite
(gegenüber 89% im Jahr 2013).
(Umwandlungssätze) notwendig sind. Ferner werden bei vielen Vorsorgeeinrichtungen planmässig Rückstellungen für
Analog zum technischen Zinssatz sind weitere und deutliche
den Umwandlungssatz gebildet. Diese ermöglichen es, die
Senkungen der Zinsversprechen zu erwarten.
Leistungen langsamer anzupassen. Nichtdestotrotz ist die Entwicklung auch bei den Zinsversprechen deutlich rückläufig: 2013 wiesen noch 42% der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie ein Versprechen
26	Bericht finanzielle Lage 2015
Wie oben ausgeführt sind die Zinsversprechen, welche den Altersleistungen zu Grunde liegen, im Durchschnitt 0.6%-Punkte höher als die für die Bewertung der Verpflichtungen von der Vorsorgeeinrichtung verwendeten technischen Zinssätze. Diese Differenz ist im Gesetz nicht vorgesehen und kann bisher auch nicht durch paritätische Beiträge vorfinanziert werden. Mit den zukünftigen Vermögenserträgen nicht finanzierbare Renten können im Nachhinein nicht mehr gekürzt werden, sondern müssen von Arbeitgebern und Versicherten nachfinanziert werden. Die Kosten werden also auf die nächste Generation verschoben, welche die Last der Sanierung tragen wird.
6 Struktur und Sanierungsfähigkeit Ist eine Vorsorgeeinrichtung in Unterdeckung, muss sie Sanie-
Vorsorgeeinrichtung in der Praxis jederzeit eine Null-Verzin-
sung beschliessen. Damit hängt die Möglichkeit der Minder-
einem Deckungsgrad von über 100% wird bei der Verzinsung
verzinsung vom Anteil des BVG-Altersguthabens ab, was in
und Erhöhung von Leistungen solange vorsichtig agieren, bis
der Risikoauswertung 2014 erstmals berücksichtigt wurde.
die Wertschwankungsreserve vollständig geäufnet ist. Grundsätzlich gilt: Je höher der Effekt eines SanierungsbeiZur Verbesserung der finanziellen Lage können im Wesent-
trags bzw. einer Minderverzinsung, desto risikofähiger ist eine
lichen zwei Faktoren beitragen: Zusätzliche Beiträge (Sanie-
rungsbeiträge) oder tiefere zukünftige Leistungen, was meistens eine tiefere Verzinsung der Alterskapitalien beinhaltet.
In der Regel haben die Vorsorgeeinrichtungen keinen Einfluss
Eine Reduktion von laufenden Renten ist nur sehr einge-
auf die Struktur ihrer Versicherten. Die Sanierungsfähigkeit
kann deshalb kaum gesteuert werden, sondern ist in den
meisten Fällen ein Risiko, das entsprechend bewirtschaftet
ten getragen. Wie schnell und in welchem Ausmass solche Massnahmen wirken, hängt deshalb wesentlich von der Struktur der Vor-
sorgeeinrichtung ab. Setzt sich der Bestand einer Vorsorge-
Auswirkungen von Sanierungsbeiträgen
einrichtung vor allem aus aktiven Versicherten zusammen, genügen relativ bescheidene Beiträge oder Minderverzin-
Die Lohnsumme der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staats-
sungen, um einen deutlichen Effekt zu erzielen. Umgekehrte
garantie betrug im Jahr 2015 insgesamt 275.4 Mrd. CHF
Vorzeichen gelten bei einem Bestand, der zur Hauptsache aus
(Vorjahr: 269.6 Mrd. CHF), was 39% (Vorjahr: 40%) des Vor-
Rentenbezügern besteht.
sorgekapitals entspricht. Die Lohnsumme der Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie betrug 24.0 Mrd. CHF (Vorjahr:
Nicht für alle Vorsorgeeinrichtungen ist die Möglichkeit zu
25.5 Mrd. CHF), was 20% (Vorjahr: 20%) des Vorsorgekapi-
Minderverzinsungen gleich gegeben. Wird ausschliesslich
tals entspricht.
das BVG-Minimum versichert, müssen die Altersguthaben mit dem BVG-Mindestzins verzinst werden. Eine um bis zu
Ein Sanierungsbeitrag von 1% der Lohnsumme bringt nach-
0.5% tiefere Verzinsung ist nur bei Unterdeckung tempo-
folgende Erhöhungen des Deckungsgrads in einem Jahr mit
rär möglich. Umgekehrt kann eine rein überobligatorische
28	Bericht finanzielle Lage 2015
Abb. 18:	Erhöhung Deckungsgrad pro Jahr bei einem Sanierungsbeitrag von 1%
2014 0.00% – 0.19%
0.20% – 0.39% 0%
0.40% – 0.59% 0.60% – 0.79% 0.80% – 0.99%
1.00% oder mehr 2014 2013 0%
Auswirkungen von Minderverzinsungen
Versicherte anwendbar und kann im Sanierungsfall um höchstens 0.5% reduziert werden. Deshalb ist eine Vorsorgeeinrichtung umso schwerer sanierbar, je höher der Anteil des
Der gesetzliche Mindestzins ist auf dem obligatorischen Teil
BVG-Altersguthabens ist.
des Vorsorgekapitals („BVG-Altersguthaben“) für aktive
Abb. 19:	Anteil der BVG-Altersguthaben
nicht definiert unter 20%
20% – 39% 40% – 59% 60% – 79%
80% – 99% 2014
Der durchschnittliche Anteil des BVG-Altersguthabens am Vorsorgekapital für aktive Versicherte beträgt für Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie 44% (Vorjahr: 46%). Für Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie beträgt er 40% (Vorjahr: 39%). Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie haben im Durchschnitt besser ausgebaute Vorsorgepläne, weshalb der BVG-Anteil der Leistungen tiefer ist.
Eine Minderverzinsung auf dem Vorsorgekapital der aktiven Versicherten von 1% bringt nachfolgende Erhöhungen des Deckungsgrads in einem Jahr mit sich:
Abb. 20:	Erhöhung Deckungsgrad pro Jahr bei einer Minderverzinsung von 1%
1.00% 2014 2013 0%
Ist eine Vorsorgeeinrichtung einmal in Unterdeckung, muss sie durch eine Kombination von Beitragserhöhungen und
Die Zusammensetzung des Versichertenbestandes resp. die
damit einhergehende schwierige Sanierungsfähigkeit ist eines
saniert werden, was oft mit erheblichen Kosten verbunden
der ausgeprägtesten Risiken, das zudem von den Vorsorge-
ist. Die durchschnittliche Vorsorgeeinrichtung muss, um eine
einrichtungen kaum beeinflusst werden kann. Allerdings
Unterdeckung von 10% innerhalb von fünf Jahren zu behe-
sind die einzelnen Vorsorgeeinrichtungen diesem Risiko sehr
ben, jährlich 5% Sanierungsbeiträge oder eine Minderver-
unterschiedlich ausgesetzt.
zinsung von 3% hinnehmen. Es zeigt sich deshalb, dass eine erfolgreiche Sanierung rechtzeitig angegangen werden muss.
Bei Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie ist die Situation deutlich homogener als bei Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie: Reine Rentnerkassen oder ganz junge Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie gibt es nicht. Allerdings ist die Sanierungsfähigkeit deutlich eingeschränkter, weil sie im Durchschnitt einen höheren Rentneranteil ausweisen.
30	Bericht finanzielle Lage 2015
7 Anlagerisiko Um die Verzinsung der Verpflichtungen sicherzustellen, muss
betrachtet, so zeigt sich, dass ein technischer Zinssatz von
2.66% allein mit CHF-Obligationen nicht mehr finanzierbar
ist. Eine reine Obligationen-Strategie würde für Arbeitgeber
und Versicherte massiv höhere Beiträge und tiefere Leistun-
gen mit sich bringen. Deshalb müssen die meisten Vorsor-
geeinrichtungen gezielt zusätzliche Anlagerisiken eingehen.
dadurch die Verpflichtungen finanziert werden könnten.
Sie investieren in Anlagekategorien, welche im Durchschnitt höhere Renditen versprechen, sich aber nicht gleich wie die
Vergleicht man den im Mittel der Vorsorgeeinrichtungen ohne
Verpflichtungen verhalten, und müssen daher entsprechende
Staatsgarantie aktuell verwendeten technischen Zinssatz von
Wertschwankungsreserven aufbauen.
2.66% (Vorjahr: 2.91%) mit den während den letzten zehn Jahren realisierten Renditen auf CHF-Obligationen von 3.0% (Vorjahr: 3.1%) pro Jahr (gemäss Swiss Bond Index), so zeigt sich, dass dies aufgrund der massiven Zinsniveausenkungen
und den resultierenden Bewertungsgewinnen bisher realisierDer mit dem Vorsorgekapital gewichtete Durchschnitt der
bar, wenn auch nicht risikolos war.
Anlagestrategien sieht pro Anlagekategorie wie folgt aus: Wird nun aber das per Ende 2015 extrem tiefe Zinsniveau von rund -0.1% (Vorjahr: 0.4%) von 10-Jahres-Bundesobligationen
Abb. 21:	Anlagestrategie: Aufteilung in Hauptkategorien
Liquidität 20%
Forderungen Immobilien Aktien
Verständlicherweise ist die Tendenz hin zu höheren strate-
von Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie ihrer Zukunfts-
gischen Anteilen an Sachwertanlagen (Immobilien, Aktien,
erwartungen. Entsprechend werden sehr unterschiedliche
alternative Anlagen) immer noch feststellbar. Der Anteil liegt
Finanzierungsaufteilungen zwischen Beiträgen und Anlage-
aktuell bei 57.1% (Vorjahr: 55.1%), während er 2013 noch bei
renditen wie auch sehr unterschiedliche Anlagestrategien
54.1% lag.
Vorsorgeeinrichtungen bestimmen ihre Anlagestrategien in Abhängigkeit ihrer Versichertenstruktur, der Risikotoleranz
Abb. 22:	Sachwertanteile der Anlagestrategien
unter 40% 20%
40% – 49% 50% – 59% 60% – 69%
70% oder höher 2014 2013 0%
Bei 73% der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie machen die Sachwerte strategisch mehr als die Hälfte aller Anlagen aus. Der Anteil hat gegenüber dem Vorjahr (70%) leicht zugenommen.
32	Bericht finanzielle Lage 2015
Die bis vorletztes Jahr im Rahmen dieses Berichts verwendete
Erhebung die Möglichkeit gegeben, ihre Anlagestrategie
Charakterisierung nach Anlagekategorien fiel sehr grob aus.
detaillierter darzustellen. Aufgrund dieser Angaben wurde eine
Darum wurde den Vorsorgeeinrichtungen mit der letztjährigen
Unterteilung in die entsprechenden Unterkategorien errechnet:
Abb. 23:	Aufteilung in Sub-Kategorien Aufteilung Anlagestrategie
Staatsanleihen CHF
Unternehmensanleihen CHF
Wohnimmobilien Schweiz Direktanlagen
Geschäftsimmobilien Schweiz Direktanlagen
Alternative Forderungen
Andere alternative Anlagen
Die Suche nach höherer Rendite wird im Direktvergleich
die Erhöhung der alternativen Anlagen teilweise regulatorisch
zwischen 2014 und 2015 offensichtlich: Sowohl bei Vorsorge-
bedingt ist (Neuklassifizierung durch die Änderung von Art.
einrichtungen mit Staatsgarantie wie auch bei Vorsorgeein-
53 BVV 2, in Kraft seit 6. Juni 2014, anwendbar für Abschlüsse
richtungen ohne Staatsgarantie ist der strategische Anteil bei
ab Ende 2015). Der höhere Immobilien-Anteil der Vorsorge-
den Obligationen zurückgegangen. Ebenso zurückgegangen
einrichtungen mit Staatsgarantie gegenüber denjenigen ohne
ist der Liquiditätsanteil, wobei die eingeführten Negativzinsen
Staatsgarantie hat im Berichtsjahr zu einer vergleichsweise
hier durchaus eine Rolle gespielt haben könnten. Zugelegt
höheren Rendite beigetragen.
haben demgegenüber sämtliche verbleibenden Anlagekategorien Immobilien, Aktien und alternative Anlagen, wobei
Der durchschnittliche, strategisch ungesicherte Fremdwährungsanteil im Berichtsjahr von 16.9% hat sich gegenüber dem Vorjahr (16.7%) nur leicht erhöht.
Abb. 24:	Fremdwährungsexposure
2014 unter 5%
5% – 9% 0%
10% – 14% 15% – 19%
20% – 24% 25% oder mehr
Volatilität als Mass für das Anlagerisiko
die Schwankungsmasszahlen (Volatilitäten) der einzelnen Anlagekategorien sowie für die Zusammenhänge zwischen ihnen (Korrelationen) werden historische Zehn-Jahres-Daten
Das Anlagerisiko wird in Form der Volatilität als Schwan-
kung der erwarteten Anlagerendite gemessen. Als Basis für
Abb. 25:	Erwartete Volatilität
nicht definiert unter 1.0%
1.0% – 2.9% 3.0% – 4.9% 5.0% – 6.9%
7.0% – 8.9% 2014
9.0% oder höher 0%
Der grösste Teil der Vorsorgeeinrichtungen hat eine Anlage-
Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie hat eine Volatili-
strategie mit einer jährlichen Volatilität von 5% bis 7%, was
tät von 9% oder mehr, was einem erwarteten Deckungsgrad-
bei Annahme einer Normalverteilung einen Deckungsgrad-
verlust von 9% alle vier bis sechs Jahre gleich kommt.
verlust von 5% alle vier bis sechs Jahre bedeutet. 1% aller
34	Bericht finanzielle Lage 2015
dafür dürfte die im Berichtsjahr erhöhte strategische Risikobereitschaft sein. In diesem Zusammenhang verweisen wir auf
Die durchschnittliche Zielgrösse der Wertschwankungsreser-
das Schwerpunktthema (Kapitel 3) sowie auf die Entwicklung
ven hat sich gegenüber dem Vorjahr um 0.8%-Punkte erhöht
der Anlagestrategien in Kapitel 7.1.
und liegt nun bei 17.8% (Vorjahr: 17.0%). Wesentlicher Grund
Abb. 26:	Ziel-Wertschwankungsreserven
10% – 14% 15% – 19% 20% – 24%
25% oder höher 2014 2013 0%
Der Zielwert der Wertschwankungsreserven wurde im Berichtsjahr für die Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsga-
Im Anlagebereich sind die Vorsorgeeinrichtungen gezwun-
rantie zu 37% (Vorjahr: 55%) erreicht. Gründe für diesen
gen, Risiken einzugehen und zu tragen. Der Renditedruck auf
Rückgang dürften einerseits die verhältnismässig geringe
die Vorsorgeeinrichtungen ist aktuell aufgrund der existie-
Anlageperformance sein, und andererseits die notwendige
renden Verpflichtungen und des gegenwärtigen Zinsniveaus
weitere Senkung der technischen Zinssätze.
sehr hoch. Entsprechend zugenommen haben im Berichtsjahr die Anteile stärker risikobehafteter Anlagen zulasten der Obligationen.
8 Risikodimensionen und Gesamtrisiko Um das Gesamtrisiko der Vorsorgeeinrichtungen einzuschät-
Da der Deckungsgrad die wichtigste Risikokomponente
zen, genügt der Deckungsgrad als alleiniger Parameter nicht,
darstellt, wird er doppelt gewichtet. Die übrigen Kom-
da er zu wenig über zukünftige Veränderungsrisiken aussagt.
ponenten werden einfach gewichtet. Die OAK BV ist sich
Die Einschätzung des Gesamtrisikos wird deshalb wie in den
bewusst, dass es sich hierbei um eine grobe Kategorisierung
Vorjahren auf folgender Basis vorgenommen:
handelt. Sie dient allein der Gesamtübersicht und nicht der
–	Deckungsgrad mit einheitlichen Grundlagen
Beurteilung einer individuellen Situation bei den einzelnen
–	Zinsversprechen bei Pensionierung
–	Sanierungsfähigkeit –	Anlagestrategie
Abb. 27:	Risikodimension Deckungsgrad
1 – klein 20%
2 – eher klein 3 – mittel 4 – eher hoch
Für die Beurteilung der Risikodimension Deckungsgrad wird
verwendet. Der reduzierte technische Zinssatz sowie die
eine Schätzung des Deckungsgrads mit einheitlichen Grund-
verhältnismässig geringen Anlageerträge, welche zur Ver-
lagen verwendet. Sie zeigt, dass unterfinanzierte Vorsorge-
zinsung der Deckungskapitalien in der Regel nicht ausreich-
einrichtungen oft zu hohe technische Zinssätze anwenden.
ten, haben zu einer Reduktion der Deckungsgrade und
Für die Risikodimension Deckungsgrad wurde per Ende 2015
damit zu einer Erhöhung dieser Risikowerte geführt. 36%
ein durchschnittlicher technischer Zinssatz von 2.6% (Vor-
(Vorjahr: 22%) der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staats-
jahr: 2.9%) und eine Generationentafel für die Sterblichkeit
garantie weisen ein eher hohes oder hohes Risiko aus; die
36	Bericht finanzielle Lage 2015
Risikoeinschätzung in diesem Bereich entspricht ungefähr
ein eher hohes oder hohes Risiko aus. Trotz der gewählten
der Situation per Ende 2013.
separaten Kalibrierung (mittleres Risiko bei Deckungsgraden zwischen 80.0% und 89.9%) ergeben sich somit für sie auch
Für die Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie weisen
hier höhere Risikowerte als für die Vorsorgeeinrichtungen
54% (Vorjahr: 51%) in der Risikodimension Deckungsgrad
ohne Staatsgarantie.
Abb. 28:	Risikodimension Zinsversprechen
Bei der Risikodimension Zinsversprechen zeigen sich sehr
Die Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie gehen in die-
grosse Unterschiede zwischen den Vorsorgeeinrichtungen
sem Bereich viel grössere Risiken ein. 94% (Vorjahr: 98%)
mit und ohne Staatsgarantie. Beide Gruppen weisen in die-
der Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie weisen für die
ser Dimension jedoch die höchsten Risikowerte aus. Bei den
Risikodimension Zinsversprechen ein eher hohes oder hohes
Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie haben die durch-
Risiko aus. Jedoch konnten sie – im Gegensatz zu den Vor-
schnittlichen Risiken deutlich zugenommen, auch wenn im
sorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie – dieses Risiko im
Jahr 2015 einige Vorsorgeeinrichtungen ihre Zinsversprechen
letzten Jahr leicht senken. Dies ist wohl im Wesentlichen auf
bei Pensionierung (d.h. die Umwandlungssätze im Beitrags-
gewichtige Vorsorgeeinrichtungen zurückzuführen, die vom
primat) reduziert haben. Da sich das Zinsniveau gleichzeitig
Leistungsprimat zum Beitragsprimat gewechselt haben. Das
nochmals deutlich verringert hat, vergrösserte sich das ein-
ist eine zwar positive Entwicklung; es werden jedoch noch
gegangene Risiko der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staats-
weitere Anpassungen notwendig sein.
garantie unter dem Strich dennoch. 66% (Vorjahr: 49%) der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie weisen für die Risikodimension Zinsversprechen ein eher hohes oder hohes Risiko aus. Das durchschnittliche Zinsversprechen liegt mit 3.25% deutlich höher als der durchschnittlich verwendete technische Zinssatz von 2.66%.
Abb. 29:	Risikodimension Sanierungsfähigkeit
2014 1 – klein
Die Risikodimension Sanierungsfähigkeit unterliegt über die
Staatsgarantie bei 48% (Vorjahr: 45%) und bei jenen mit
Jahre keinen grossen Veränderungen. Jedoch zeigen sich
Staatgarantie bei sehr hohen 91% (Vorjahr: 86%). Es zeigt
auch hier sehr deutliche Unterschiede zwischen Vorsorge-
sich somit deutlich, dass für die Mehrheit der Vorsorgeeinrich-
einrichtungen mit und ohne Staatsgarantie. Der Anteil der
tungen Sanierungen kein einfaches Unterfangen wären. Die
Vorsorgeeinrichtungen, welche in diesem Bereich ein eher
Verwendung von realistischen Verpflichtungsbewertungen ist
hohes oder ein hohes Risiko ausweisen, liegt bei jenen ohne
für diese Vorsorgeeinrichtungen sehr wichtig.
Abb. 30:	Risikodimension Anlagestrategie
Für die Risikodimension Anlagen wird eine Bewertung
24%) der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie und
verwendet, welche auf der geschätzten Renditevolatilität
43% (Vorjahr: 34%) der Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsga-
(Standardabweichung) der Anlagestrategie beruht. Um die
rantie weisen ein eher hohes oder hohes Risiko aus.
notwendigen Anlageerträge generieren zu können, gehen die Vorsorgeeinrichtungen im Anlagebereich per Ende 2015 höhere Risiken ein als noch vor einem Jahr. 33% (Vorjahr:
38	Bericht finanzielle Lage 2015
Abb. 31:	Gesamtrisiko Vorsorgeeinrichtungen
3 – mittel 4 – eher hoch 2015
Das Gesamtrisiko hat 2015 deutlich zugenommen, wobei bei
Das Gesamtrisiko der Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgaran-
den Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie vor allem der
tie ist im Durchschnitt unverändert deutlich höher als jenes der
Anteil derjenigen mit eher hohen Risiken zugenommen hat.
Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie. Bemerkenswert
Massgebend dafür sind die im Vergleich zu den Sollrenditen
ist, dass sich dieses im Jahresvergleich jedoch weniger stark
zu geringen Anlageerträge sowie das nochmals gesunkene
erhöht hat. Gründe dafür dürften einerseits die im Jahr 2015
Zinsniveau. Dies hat zum einen zu einer Verschlechterung der
etwas besser ausgefallenen Anlageerträge der Vorsorgeein-
doppelt gewichteten Risikodimension Deckungsgrad geführt
richtungen mit Staatsgarantie sein sowie andererseits die Ver-
und zum andern zu einer weiteren Verschlechterung der Risi-
besserung der Risikodimension Zinsversprechen, welche auf
kodimension Zinsversprechen.
den Wechsel von Vorsorgeeinrichtungen vom Leistungs- ins Beitragsprimat zurückzuführen ist.
Es ist zu erwarten, dass die Deckungsgrade durch die andauernde Phase der extrem tiefen, zum Teil negativen Zinsen
weiter sinken werden. Dies hängt direkt mit den hohen Zins-
system der ersten Säule ist vor allem den Risiken der demo-
versprechen zusammen. Die laufenden Renten können nicht
graphischen Entwicklung und der Wirtschaftsentwicklung
mehr reduziert werden. Dies führt zu weiteren Reduktionen
der Deckungsgrade, wenn angenommen wird, dass die
Performance auf mittlere bis lange Frist die eingegangenen
Zinsversprechen nicht mehr finanzieren kann. Dem entgegen
wirken kann die Reduktion der Umwandlungssätze.
tige Anlagerisiko an den schweizerischen und weltweiten Kapitalmärkten.
Massnahmen zur Verminderung der Risiken müssen von den obersten Organen der Vorsorgeeinrichtungen getroffen
Vorsorgeeinrichtungen können ihre Leistungen nicht finanzie-
werden. Angesichts des extrem tiefen Zinsniveaus und der
ren, ohne Risiken einzugehen. Das Gesamtrisiko, dem schwei-
zerische Vorsorgeeinrichtungen aktuell ausgesetzt sind, hat
sich nach dem letzten, für die meisten Vorsorgeeinrichtungen
und für alle Beteiligten tragbare Lösungen zu ermöglichen.
ungenügenden Anlagejahr, erhöht.
9 Sanierungsmassnahmen 128 Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie12 (Vorjahr: 85) weisen per 31. Dezember 2015 eine Unterdeckung aus.
Tod und Invalidität, welche eine mittelstarke Wirksamkeit zur Folge haben und / oder
Gemäss Gesetz müssen sie Sanierungsmassnahmen ergrei-
–	stark wirksame Massnahmen wie die Nullverzinsung,
fen, die der jeweiligen Unterdeckung angepasst sind. Nicht
­Sanierungsbeiträge oder die Reduktion von Leistungen.
inbegriffen sind dabei Vorsorgeeinrichtungen mit einzelnen Vorsorgewerken, welche eine Unterdeckung aufweisen, deren
durchschnittlicher Deckungsgrad jedoch über 100% liegt.
Deckungsgrad und höherem Risiko stärkere Sanierungsmassnahmen getroffen werden müssen.
Zur Verfügung stehen folgende Sanierungsmassnahmen: –	Schwach wirksame Massnahmen, wie zum Beispiel die ­Anpassung der Anlagestrategie,
Nach dem Gesamtrisiko geordnet präsentiert sich die Stärke der beschlossenen und umgesetzten Massnahmenpakete der
–	Massnahmen wie die leichte Reduktion der Verzinsung oder die Reduktion von zukünftigen Risikoleistungen bei
Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie in Unterdeckung wie folgt:
Abb. 32:	Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie in Unterdeckung Anzahl VE mit getroffenen Massnahmen 2015
Risikostufe 1 – klein
Risikostufe 2 – eher klein
Risikostufe 3 – mittel
Risikostufe 4 – eher hoch
Risikostufe 5 – hoch Total
von Unterdeckungen nicht überall voll erkannt worden ist. So werden die obersten Organe, Expertinnen und Experten, die
Gemäss der Risikobeurteilung der OAK BV zeigt die Analyse
Revisionsstellen sowie die kantonalen / regionalen Aufsichts-
der beschlossenen Sanierungsmassnahmen, dass bei den
behörden gefordert sein, im Einzelfall zusätzliche Massnah-
betroffenen Vorsorgeeinrichtungen das Ausmass der Risiken
men zu verlangen und umzusetzen.
12	In den obigen Ausführungen sind nur die Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie dargestellt. Dies deshalb, weil öffentlich-rechtliche Vorsorgeeinrichtungen in Unterdeckung und mit Staatsgarantie in der Regel im System der Teilkapitalisierung sind. In diesem System sind Sanierungsmassnahmen selbst in Unterdeckung nur in bestimmten Fällen notwendig. Der Einbezug dieser Vorsorgeeinrichtungen würde deshalb die obige Auswertung verfälschen.
40	Bericht finanzielle Lage 2015
10 Anhang Auf der Webseite der OAK BV sind unter http://www.oak-
die Berechnungsmethodik der verwendeten Kennzahlen und
bv.admin.ch/de/themen/erhebung-finanzielle-lage
Risikostufen vorhanden. Dort kann auch der vorliegende
sämtliche Daten zu den im vorliegenden Bericht publizierten
Bericht als PDF-Dokument oder als E-Paper heruntergeladen
Verteilungsgrafiken sowie darüber hinaus die entsprechenden
Angaben zur Anzahl der Vorsorgeeinrichtungen, der aktiven Versicherten, der Rentner und der Vorsorgekapitalien in einer Excel-Datei zu finden. An gleicher Stelle sind weiterführende PDF-Dokumente wie der Fragebogen und die zugehörigen Erläuterungen (inkl. die Definitionen der Fachbegriffe) sowie
10.1	Merkmale von Vorsorge­ einrichtungen Abb. 33:	Rechtsform
2015 2014 2013 0%
Privatrechtliche Genossenschaft
Einrichtung öffentlichen Rechts
Vollkapitalisierung ohne Staatsgarantie
Vollkapitalisierung mit Staatsgarantie
Abb. 34:	Arbeitgeber und Garantieform
Teilkapitalisierung 20%
Zukünftiges System noch unklar
Abb. 35:	Versicherungsdeckung
Autonom ohne RĂźckversicherung
Autonom mit Stop-Loss-Versicherung
Autonom mit Excessof-Loss-Versicherung
Teilautonom: Altersrenten durch VE sichergestellt
Teilautonom: Kauf individueller Altersrenten bei einer Versicherung
Vollversicherung (Kollektiv) Spareinrichtung
Abb. 36:	Verwaltungsform
Vorsorgeeinrichtung eines Arbeitgebers
Vorsorgeeinrichtung eines Konzerns
Anderer Zusammenschluss mehrerer Arbeitgeber
Gemeinschaftseinrichtung 20%
42	Bericht finanzielle Lage 2015
Sammel-/Gemeinschaftseinrichtung Ăśffentlichrechtl. Arbeitgeber
10.2	Verteilung nach Anteil ­ BVG-Altersguthaben Abb. 37:	Anzahl Vorsorgeeinrichtungen 350
85%–90% 85%–90%
80%–85% 80%–85%
75%–80% 75%–80%
70%–75% 70%–75%
65%–70% 65%–70%
55%–60%
50%–55%
exakt 0%
Anteil BVG-Altersguthaben
Abb. 38:	Anzahl aktive Versicherte 800’000
700’000 600’000 500’000 400’000 300’000 200’000
Die Verteilung der Anzahl der aktiven Versicherten erfolgt auf Basis der Gesamtangaben der Vorsorgeeinrichtungen und nicht auf individueller Basis.
10.3	Berechnung der Risikostufen Für die Berechnung der Risikostufen wird das gleiche Modell wie im Vorjahr verwendet. Im Folgenden sind die Parameter für die Berechnungen des Jahrs 2015 angegeben.
Deckungsgrad mit einheitlichen Grundlagen Die Risikostufe wird wie folgt zugeordnet:
Deckungsgrad VE ohne Staatsgarantie
Deckungsgrad VE mit Staatsgarantie
< 70.0%
Zinsversprechen bei Pensionierung Das Zinsversprechen bei Pensionierung wird anhand des Zinsversprechens für die Altersleistung eingestuft:
Kein Zinsversprechen
1.25% – 1.99%
2.00% – 2.74%
2.75% – 3.49%
≥ 3.50%
44	Bericht finanzielle Lage 2015
Für das Leistungsprimat wird zusätzlich eine Stufe hinzu addiert, bei einer Mischform 0.5 Stufen. Im Vergleich zum Vorjahr wurde die Skala wegen des tieferen Zinsniveaus angepasst.
Die Sanierungsfähigkeit wird anhand des Durchschnitts der folgenden beiden Effekte gemessen: –	Verbesserung des Deckungsgrads bei Sanierungsbeiträgen im Umfang von 1% der Lohnsumme –	Verbesserung des Deckungsgrads bei einer Minderverzinsung von 0.5% des BVG-Altersguthabens und von 1.5% des überobligatorischen Vorsorgekapitals der aktiven Versicherten Dieser
< 0.20%
Anlagerisiko Das Anlagerisiko wird aufgrund der geschätzten Volatilität (Schwankungsrisiko) der Strategie berechnet, wobei der ungesicherte Fremdwährungsanteil berücksichtigt wird:
Volatilität (Standardabweichung)
< 3.625%
3.625% – 4.874%
4.875% – 6.124%
6.125% – 7.374%
≥ 7.375%
10.4	Definitionen Registrierung und Umfang der Leistungen
erbringt für ihre Versicherten und Rentenbezüger die obli-
gatorischen Mindestleistungen gemäss BVG. Alle anderen Vorsorgeeinrichtungen erbringen ausschliesslich überobliga-
torische Leistungen.
per 1.1.2012 festzuhalten. Für die Erhebung ist der glo-
Teilkapitalisierung – Zieldeckungsgrad Staatsgarantie
Der Zieldeckungsgrad entspricht dem globalen Deckungsgrad,
der spätestens im Jahr 2052 mindestens 80% betragen muss
gibt es keine Staatsgarantie. Hingegen können die Verpflich-
(vgl. Art. 72a Abs. 1 Bst. c BVG und Übergangsbestimmungen
tungen von Vorsorgeeinrichtungen öffentlich-rechtlicher
zur Änderung des BVG vom 17. Dezember 2010 Bst. c).
Arbeitgeber durch eine Staatsgarantie gedeckt sein. Vorsorgeeinrichtungen im System der Teilkapitalisierung müssen
über eine Staatsgarantie gemäss Art. 72c BVG verfügen und
Vorsorgeeinrichtung eines Konzerns, einer Holding oder Muttergesellschaft
Vorsorgeeinrichtung aus einem anderen Zusammenschluss mehrerer Arbeitgeber
Vorsorgeeinrichtung aus einem anderen Zusammenschluss von mindestens zwei Arbeitgebern, die ausschliesslich für ihre Beschäftigten errichtet wurden. Zu dieser Kategorie gehören unter anderem die Vorsorgeeinrichtungen ehemals wirtschaftlich oder finanziell eng verbundener Unternehmungen.
Vorsorgeeinrichtung, die meistens von einem Verband errichtet wird, damit sich ihr die in ihm organisierten, rechtlich und finanziell voneinander unabhängigen Arbeitgeber anschliessen können. Merkmale einer Gemeinschaftseinrichtung sind eine limitierte Anzahl von Vorsorgeplänen, die gemeinsame Rechnung von Finanzierung und Leistungen sowie die gemeinsame Vermögensanlage. Sind der Gemeinschaftseinrichtung mehrere Verbände angeschlossen, wird in der Regel pro Verband separat abgerechnet.
Vorsorgeeinrichtung, die meistens von einer Versicherung, Bank oder Treuhandfirma errichtet wird. Ihr können sich beliebige und voneinander unabhängige Arbeitgeber anschliessen, welche dann jeweils ein Vorsorgewerk bilden. Merkmal einer Sammeleinrichtung ist die separate Rechnung über Finanzierung und Leistungen. Die Vermögensverwaltung kann getrennt oder für alle Vorsorgewerke zusammen geführt werden. Im ersten Fall wird ein Deckungsgrad pro Vorsorgewerk ausgewiesen, im zweiten Fall einer für die ganze Einrichtung.
Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen von öffentlich-rechtlichen Arbeitgebern, denen nebst dem Gemeinwesen halbstaatliche oder in einem besonderen Verhältnis zum Bund, Kanton oder zur Gemeinde stehende Unternehmungen angeschlossen sind.
46	Bericht finanzielle Lage 2015
Deckung von Leistungen durch eine Versicherungsgesellschaft Die Vorsorgeeinrichtungen lassen sich in die folgenden Kategorien einteilen:
Autonom ohne Rückversicherung
In der Stop-Loss-Versicherung werden alle von der Vorsorgeeinrichtung ausbezahlten Versicherungsleistungen in einer Abrechnungsperiode aufaddiert. Davon wird dann ein globaler Selbstbehalt in Abzug gebracht. Übersteigen die Schadenzahlungen diesen vereinbarten Selbstbehalt, kommt die Stop-Loss-Versicherung als Rückversicherung zum Zug und der übersteigende Teil wird von der Versicherungsgesellschaft rückvergütet.
Autonom mit Excess-of-Loss-Versicherung
In der Excess-of-Loss-Versicherung wird für sämtliche Versicherten nur jener Teil der Risikosumme versichert, welcher eine vorgegebene Schranke (Selbstbehalt) übersteigt. Es wird also für jeden einzelnen Versicherten ein Selbstbehalt festgelegt und im Schadensfall eines versicherten Ereignisses der übersteigende Teil von der Versicherungsgesellschaft rückvergütet.
Teilautonom: Altersrenten durch Vorsorgeeinrichtung sichergestellt
Vorsorgeeinrichtung, welche die Altersleistung selbst sicherstellt und demzufolge das Risiko der Langlebigkeit selbst trägt. Die Risiken Tod und/oder Invalidität lässt sie durch eine Versicherungsgesellschaft abdecken.
Vorsorgeeinrichtung, welche mit dem selbst geäufneten Sparkapital im Zeitpunkt der Pensionierung die Altersleistung bei einer Versicherungsgesellschaft kauft und damit das Risiko der Langlebigkeit auf sie überträgt. Zudem erfolgt die Abdeckung aller übrigen Risiken durch eine Versicherungsgesellschaft.
Sie bezweckt nur das Alterssparen und deckt demzufolge die Risiken Tod und Invalidität nicht ab. Sie ist daher von den autonomen Vorsorgeeinrichtungen, welche alle Risiken selbständig versichern, zu unterscheiden.
Diejenigen Vorsorgeeinrichtungen, welche sowohl über eine Excess-of-Loss als auch über eine Stop-Loss-Versicherung verfügen, werden für diese Erhebung unter „Autonom mit Excess-ofLoss-Versicherung“ geführt.
Deckungsgrad Bei Vorsorgeeinrichtungen mit mehr als einer Untergruppe (Vorsorgewerk) können folgende Varianten zur Berechnung des Deckungsgrads unterschieden werden:
Ein Deckungsgrad für die ganze Vorsorgeeinrichtung
Bei allen Verwaltungsformen ausser der Sammeleinrichtung ist dies üblicherweise der Fall. Bei einer Teilliquidation ist dieser Deckungsgrad massgebend. Auch bei Sammeleinrichtungen ist es möglich, dass nur ein Deckungsgrad ausgewiesen wird. Nicht berücksichtigt werden dabei allfällige Verwaltungskonti (inkl. Konti für Überschüsse, freie Mittel, etc.) oder Arbeitgeberbeitragsreserven, welche nur einem Anschluss zur Verfügung stehen können.
Ein Deckungsgrad pro Vorsorgewerk
Bei dieser Variante sind bei Teilliquidation pro Vorsorgewerk verschiedene Deckungsgrade massgebend. Insbesondere können einzelne Vorsorgewerke eine Über-, andere eine Unterdeckung ausweisen.
Primat für Altersleistungen Variante
Beim Beitragsprimat richten sich die künftigen Altersleistungen nach den geleisteten Beiträgen bzw. nach dem geäufneten Spar- oder Deckungskapital.
Beim Leistungsprimat entsprechen die Altersleistungen einem durch das Reglement definierten Prozentsatz des versicherten Lohnes. Massgeblich ist entweder der zuletzt versicherte Lohn oder ein Durchschnitt über mehrere Jahre vor Pensionierung. Der Prozentsatz des versicherten Lohnes ist meistens abhängig vom Alter der Versicherten sowie den erworbenen bzw. eingekauften Beitragsjahren.
Mischform (Kombination von Beitrags- und Leistungsprimat)
1e-Einrichtung (Wahl der Anlagestrategie gem. Art. 1e BVV 2)
In Vorsorgeeinrichtungen, welche unterschiedliche Anlagestrategien gemäss Art. 1e BVV 2 anbieten, haben die aktiven Versicherten grundsätzlich keine Garantie auf ein bestimmtes Altersguthaben oder auf eine bestimmte Altersleistung.
Bei einer reinen Rentnerkasse sind keine aktiven Versicherten mehr vorhanden, so dass das Primat der Altersleistungen praktisch keine Rolle mehr spielt.
Zu den anderen Formen gehören Vorsorgepläne mit lohn- und beitragsunabhängigen Renten- oder Kapitalleistungen, zum Beispiel fixe Geldbeträge beim Erleben des Pensionierungsalters oder eine Vorsorgeeinrichtung, welche ausschliesslich AHV-Überbrückungsrenten ausrichtet.
Massgeblich für die Zuteilung ist die Aufteilung der per Stichtag vorhandenen Freizügigkeitsleistungen von aktiven Versicherten auf die Primate. Sind mehr als 80% der Freizügigkeitsleistungen in Bezug auf die Altersleistungen im Leistungsprimat versichert, wird das Reglement als Leistungsprimat behandelt, und entsprechend auch beim Beitragsprimat. Falls sowohl Beitrags- und Leistungsprimat mehr als 20% ausmachen, wird das Reglement als Mischform qualifiziert.
48	Bericht finanzielle Lage 2015
Zu den aktiven Versicherten werden alle versicherten leben-
den Personen gezählt, welche weder invalid noch pensioniert
trittswahrscheinlichkeiten. Die Jahreszahl bezeichnet das Ausgabejahr der Tafeln. Die Grundlagen wurden über einen
Die Anzahl Rentner umfasst alle Personen, welche eine Alters-,
Invaliden-, Ehegatten-, Partner- oder Kinderrente beziehen.
Nicht berücksichtigt werden in dieser Erhebung Rentenbezüger, deren Renten vollumfänglich von einem Dritten (meist
eine Versicherung) ausbezahlt werden.
Bei Periodentafeln wird allein auf die vergangenen beobachteten Sterbewahrscheinlichkeiten abgestellt und damit
Die Bilanzsumme wird gemäss Swiss GAAP FER 26 verwendet,
jedoch ohne Passiven für Rentner aus Versicherungsverträgen
(provisorische Zahlen).
Verstärkungen werden bei Periodentafeln verwendet, um den
seit der Beobachtungsperiode bzw. Ausgabejahr zu erwar-
Einlagen, welche zu einem späteren Zeitpunkt zur Beglei-
tenden Anstieg der Lebenserwartung zu berücksichtigen.
chung von Beiträgen verwendet werden können.
Verstärkungen können in Prozenten der Vorsorgekapitalien und/oder mittels komplizierterer Verfahren (Anpassung der Sterbewahrscheinlichkeiten) vorgenommen werden.
Arbeitgeberbeitragsreserven mit Verwendungsverzicht Nach Art. 65e BVG kann die Vorsorgeeinrichtung in ihrem
Technischer Zinssatz (Bewertungszinssatz) auf dem Vorsorgekapital der Rentner und den technischen Rückstellungen
Reglement vorsehen, dass der Arbeitgeber bei Unterdeckung
Der technische Zinssatz dient zur Bestimmung des heutigen
anderen Arbeitgeberbeitragsreserve überträgt.
Einlagen in ein gesondertes Konto Arbeitgeberbeitragsreserve mit Verwendungsverzicht einlegt oder diese aus einer
Werts einer zukünftigen Zahlung. Wird mehr als ein technischer Zinssatz angewendet (z.B. Zinskurve), wird das gewich-
Vorsorgekapital der aktiven Versicherten
tete Mittel verwendet.
Das Vorsorgekapital der aktiven Versicherten ist die für die aktiven Versicherten zurückgestellte Verpflichtung, welche
Technischer Zinssatz auf dem Vorsorgekapital der aktiven Versicherten (nur Leistungsprimat)
gemäss Swiss GAAP FER 26 nach anerkannten Grundsätzen
betreffend Tod und Invalidität jährlich zu bewerten ist.
und auf allgemein zugänglichen technischen Grundlagen
gekapitals der aktiven Versicherten ein technischer Zinssatz benötigt.
Das BVG-Altersguthaben der aktiven Versicherten ist ein Teil des Vorsorgekapitals der aktiven Versicherten und bezieht sich auf das nach Art. 15 BVG angesparte Guthaben (Schattenrechnung).
Vorsorgekapital der Rentner GAAP FER 26 die gleichen Grundsätze wie für das Vorsorge-
kapital der aktiven Versicherten.
Für das Vorsorgekapital der Rentner gelten gemäss Swiss
Technische Rückstellungen werden gemäss dem Rückstellungsreglement der Vorsorgeeinrichtung und nach den Grundsätzen von Swiss GAAP FER 26 durch den Experten für
(Vv – AGBRmV) x 100 = Deckungsgrad in Prozent, Vk
berufliche Vorsorge berechnet oder zumindest validiert. Sind
zum Zeitpunkt der Eingabe noch keine Zahlen vorhanden,
können sie mittels Fortschreibung geschätzt werden.
Anhang zum Art. 44 Abs. 1 BVV 2 bestimmt werden und AGBRmV die Höhe der Arbeitgeberbeitragsreserve mit Ver-
wendungsverzicht bezeichnet. Der so berechnete Deckungs-
grad muss in jedem Fall kleiner sein als derjenige nach Art. 44 BVV 2.
Vv x 100 = Deckungsgrad in Prozent, Vk wobei Vv (verfügbares Vorsorgevermögen) und Vk (versicherungstechnisch notwendiges Vorsorgekapital) gemäss Anhang zum Art. 44 Abs. 1 BVV 2 bestimmt werden. Insbesondere werden Arbeitgeberbeitragsreserven mit Verwendungsverzicht
50	Bericht finanzielle Lage 2015
10.5	Abkürzungsverzeichnis Abs.
AGBRmV
BVG 2000 / BVG 2005 BVG 2010 / BVG 2015
Sterbetafeln, herausgegeben von Libera AG und Aon Schweiz AG
VZ 2000 / VZ 2005 / VZ 2010
Gemeinsame technische Grundlagen öffentlich-rechtlicher Kassen, Herausgeberin: Pensionskasse der Stadt Zürich
OAK BV Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge – Bericht finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen 2015