Source: https://m.grin.com/document/231427
Timestamp: 2020-01-19 01:32:48
Document Index: 213815198

Matched Legal Cases: ['§1', '§ 1', '§23', '§24', '§25', '§26', '§27', '§22', '§28', '§23']

Nationalparks in den USA und Deutschland. Konzepte, Unterschiede, ...
von Manuel Stadler (Autor)
1. Einleitung: Naturschutzkategorien
2. Nationalparks in den USA und Deutschland: Konzepte, Unterschiede, Akzeptanz
2.1. Die Nationalparkidee - was ist ein Nationalpark?
2.2 Die IUCN und Richtlinien für Schutzgebiete
2.3 Das Nationalparkwesen in den USA..
2.3.1. National Park Service
2.3.2. Tourismus und die damit verbunden Probleme..9
2.3.3. Nationalparkpolitik.
2.3.4. Der Stellenwert der Nationalparks für die Bevölkerung
2.4. Das Nationalparkwesen in der Bundesrepublik Deutschland
2.4.1. Die deutschen Nationalparke im Hinblick auf die Anforderungen der IUCN
2.4.2. Akzeptanz der deutschen Bevölkerung
3. Abschließende Bemerkungen.
1. Einleitung - Naturschutzkategorien
Die Ziele des Naturschutzes in Deutschland werden in §1 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) geregelt:
§ 1 Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege Natur und Landschaft sind auf Grund ihres eigenen Wertes und als Lebensgrundlagen des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich so zu schützen, zu pflegen, zu entwickeln und, soweit erforderlich, wiederherzustellen, dass
4. die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft auf Dauer gesichert sind.
Dabei wird in der Bundesrepublik unter verschieden strengen Naturschutzkategorien unter- schieden (vgl. BNatSchG Abschnitt 4). Um nur einige zu nennen: Naturschutzgebiete (§23) mit Nationalparke (§24) und Biosphärenreservate (§25) oder Landschaftsschutzgebiete (§26) mit Naturparke (§27). Durch die Erklärung zur jeweiligen Naturschutzkategorie werden der Schutzgegenstand, der Schutzzweck, die zur Erreichung erforderliche Gebote und Verbote und gegebenenfalls erforderlichen Pflegemaßnahmen festgelegt (vgl. §22 BNatSchG)
Zur Verdeutlichung der Unterschiedlichkeit bzw. Grad des Naturschutzes, der damit verfolgt wird, sollen kurz die ähnlich klingenden Begriffe Nationalpark und Naturpark verglichen werden.
Während Naturparke überwiegend als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen sind, eigenen sich diese gemäß §28 BNatSchG besonders für Zwecke der Erholung, weshalb ein nachhalti- ger Tourismus, sowie umweltgerechte Landnutzung angestrebt werden sollen. Vergleichend dazu gelten für Nationalparke wesentlich strengere Schutzbestimmungen und müssen überwiegend den Status von Naturschutzgebieten (§23) erfüllen und sich in einem vom Menschen wenig beeinflussten Zustand befinden, bzw. die Möglichkeit besitzen sich in einem solchen Zustand entwickeln zu können. Des Weiteren stellt der Schutztitel des Natio- nalparks sicher, dass ein ungestörter Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet wird. Zwar dürfen diese Gebiete und sollen sie für wissenschaftliche Beobach- tungen, naturkundliche Bildung und dem Naturerlebnis der Bevölkerung dienen, jedoch nur in jenem Maße er der Schutzzweck erlaubt. Grundsätzlich ist eine Landnutzung untersagt. Die folgende Ausarbeitung unter dem Titel „Nationalparks in den USA und Deutschland: Konzepte, Unterschiede, Akzeptanz“ strebt einen unweigerlichen Vergleich deutscher Natio- nalparke mit der Wiege der Nationalparkidee an und versucht gegebenenfalls Unterschiede herauszustellen.
Die Nationalparkidee stammt aus den USA. Mit dem Yellowstone Nationalpark wurde am 1. März 1872 der weltweit erste Naturschutzgebiet dieser Art ins Leben gerufen. Alle weltweit folgenden Nationalparke gehen mehr oder weniger auf diese Idee zurück. Doch wie ist es zu erklären, dass eine solche Idee, welche die Belange der Natur zu schützen versucht, aus einem Land stammt, das wohl nur wenig für seinen Sinn um Umwelt- und Naturschutz bekannt ist. Neben der unvergleichlichen Schönheit und Wildheit, liegt sicher auch eine der Ursachen in der vergleichsweisen Leere und Größe des Raums. Der wohl entscheidende Grund ist aber doch eher in der historischen Situation, in der sich das Land im 19. Jahrhundert befand, zu suchen. Immer mehr Menschen strömten nach Osten, mit der Hoffnung eine neue Möglichkeit zur Sicherung ihrer Existenz zu finden. Damit war der Raubbau der Natur vorprogrammiert und die Befürchtung lag nahe, dass auch die herausragenden Natursehenswürdigkeiten kom- merziell ausgenutzt und somit für die Nachwelt verloren gehen würden. Um dem entgegen- zuwirken wurden immer mehr Stimmen laut, die die Bewahrung der Landschaft und der Na- tur in ihrem ursprünglichen Zustand für zukünftige Generationen einforderten. Für eine Nati- on mit nur wenigen gemeinsamen Kulturgütern (historische Bauten, Städte) wurde an ihrer Stelle die Bedeutung von Naturdenkmälern als nationales Erbe vom Staat hervorgehoben (vgl. GSELLMANN 2002, S. 7 - 9).
Doch was ist nun ein Nationalpark? Um diese Frage beantworten zu können, müssen die internationalen Kriterien von Nationalparken erläutert werden. Diese wurden von der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Ressources, oder kurz: The World Conservation Union) 1969 verabschiedet und 1992 letztmals überarbeitet.
2.2. Die IUCN und Richtlinien für Schutzgebiete
Die IUCN wurde 1948 als eine der ersten internationalen Naturschutzorganisationen gegrün- det. Sie zählt heute ca. 1000 Mitglieder aus 140 Nationen, wobei die Besonderheit der IUCN darin besteht, dass ihr sowohl staatliche als auch nicht- staatliche Organisationen (NGOs) angehören. Ihr Ziel, oder wie es auf der Homepage zu lesen ist, ihre Mission „is to influence, encourage and assist societies throughout the world to conserve the integrity and diversity of nature and to ensure that any use of natural resources is equitable and ecologically sustain- able.” (http://www.iucn.org/en/about/)
Anlässlich des IV. Weltkongresses für Nationalparke und andere Schutzgebiete im Februar 1992 in Caracas, Venezuela wurden die Richtlinien für die sechs (zuvor zehn) Managementkategorien von Schutzgebieten überarbeitet.
Um anschließend genauer auf Bestimmungen für Nationalparke zu sprechen zu kommen, soll eine Definition von Schutzgebieten vorangestellt werden:
„Ein Land- und/oder marines Gebiet, das speziell dem Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt sowie der natürlichen und der darauf beruhenden kulturellen Lebensgrundlagen dient, und das aufgrund rechtlicher oder anderer wirksamer Mittel verwaltet wird.“ (IUCN 1994, S. 7)
Diese Definition und das darin angesprochene Hauptziel müssen für alle Schutzkategorien zutreffen. Weitere Ziele sind:
- Schutz der Wildnis
- Artenschutz und Erhalt der genetischen Vielfalt
Je nach Zusammensetzung und Priorität der Ziele in den einzelnen Schutzgebieten ergeben sich unterschiedliche, eindeutig von einander zu unterscheidende Schutzkategorien. Welche sind:
Kategorie Ia: Strenges Naturreservat: Schutzgebiet, dass hauptsächlich zum Zwecke der For- schung verwaltet wird
Kategorie Ib: Wildnisgebiet: Schutzgebiet, dass hauptsächlich zum Schutz der Wildnis ver- waltet wird Kategorie II: Nationalpark: Schutzgebiet, dass hauptsächlich zum Schutz von Ökosystemen und zu Erholungszwecken verwaltet wird
Kategorie III: Naturmonument: Schutzgebiet, dass hauptsächlich zum Schutz einer besonde- ren Naturerscheinung verwaltet wird
Kategorie IV: Biotop-/Artenschutzgebiet mit Management: Schutzgebiet, für dessen Mana- gement gezielte Eingriffe erfolgen
Kategorie V: Geschützte Landschaft/ Geschütztes marines Gebiet: Gebiet, dessen Manage- ment hauptsächlich auf den Schutz einer Landschaft oder eines marinen Gebie- tes ausgerichtet ist und der Erholung dient
Kategorie VI: Ressourcenschutzgebiet mit Management: Schutzgebiet, dessen Management der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ökosysteme dient
Dabei spiegeln die Kategorien neben den Zielen des Schutzgebietsmanagements auch den unterschiedlichen Grad der menschlichen Nutzung wieder. Dienen die Kategorien I bis III überwiegend dem Schutz von Naturgebieten, kann in den Schutzgebieten der Kategorie IV bis VI ein deutlich höheres Maß an Einflussnahme und Umweltveränderungen festgestellt werden.
Einer der Gründe für die Schaffung eines solchen Klassifikationssystems ist es eine Ver- gleichsmöglichkeit auf internationaler Ebene zu ermöglichen. Eine Schwierigkeit die dabei auftritt, sind die Abweichungen der nationalen Terminologien von den standardisierten Be- zeichnungen.
Im Folgenden sollen nun die Management- Richtlinien für Kategorie II: Nationalparke genauer betrachtet werden:
Abbildung 1: Management- Richtlinien der Kategorie II: Nationalparke (IUCN 1994, S. 19)
9783656470175
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Universität Passau – Lehrstuhl Anthropogeographie
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