Source: http://talmud.li/2012/05/19/rabbinismus
Timestamp: 2018-11-17 15:09:55
Document Index: 99090157

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 2', '§ 3', '§ 4', '§ 5', '§ 6', '§ 7']

Rabbinismus | Talmud
Rabbinismus, Bestimmungen der Gelehrten, oder Lehre der Rabbinen; Rabbinertum, Lehre der Alten, auch, Gebote der Alten; Rabbinische InstituÂ­tionen, Tekanoth, Einrichtungen; geÂ­seroth, Besorgnisverbote; sejagoth, ZÃ¤une, Anordnungen aus Vorsicht oder zur VerhÃ¼tung; Rabbinische GeÂ­setzeserleichterungen, kulim, auch ku-loth, Erleichterungen; Rabbinische GeÂ­setzeserschwerungen, Chumrim oder chumroth, Erschwerungen.
I. Name und Bedeutung. Unter Â»RabbinismusÂ« oder Â»RabbinertumÂ« verstehen wir den ganzen Ausbau der Lehre und des Gesetzes der Heiligen Schrift, wie derselbe seit Esra begonÂ­nen und sich Ã¼ber den Schluss des TalÂ­muds hinaus (von 450 n. bis Ã¼ber 500 n.) erstreckt hat, also einen Zeitraum gegen 1000 Jahre einnimmt. Derselbe enthÃ¤lt die Wiedergabe des Mosaismus und des Prophetentums in ihrer Lehre und in ihrem Gesetze in einer nach dem Inhalte der Schrift, der Tradition, der Volks- und Landessitte, minhag, GeÂ­wohnheitsrecht, und den ZeitbedÃ¼rfÂ­nissen ausgelegten, entwickelten, erÂ­weiterten und fortgebildeten Gestalt, die in dem Schrifttum des Talmud, des Midrasch und der Targumim niedergeÂ­legt ist. Es sind dies die neben den tradiÂ­tionellen Gesetzen, den Sitten und GeÂ­wohnheiten, Minhagim, und den durch die Auslegung hervorgegangenen BeÂ­stimmungen in den verschiedenen Zeiten veranstalteten Institutionen, Tekanoth; Gesetzesvorbeugungen geseroth und seÂ­jagoth; die Gesetzeserleichterungen, kulim, und die Gesetzeserschwerungen, Chumrim, welche die Teile seines GrundÂ­baues ausmachen. Die Institutionen, TeÂ­kanoth, sind die in Folge der verÃ¤nderten ZeitverhÃ¤ltnisse notwendig gewordenen neuen Einrichtungen, gesetzliche ZeitbeÂ­stimmungen, fÃ¼r die im Schriftgesetz nicht vorgesehen war. Ebenso verhÃ¤lt es sich mit den andern, den GesetzesvorÂ­beugungen, geseroth und sejagoth, die zum groÃŸen Teil auch nur durch die VerÂ­schiedenheit der Zeit hervorgerufen wurÂ­den. Erstere, die Tekanoth, sind die positiven Bestimmungen und grÃ¶ÃŸtenteils die Gesetzeserleichterungen, dagegen besteÂ­hen letztere, die geseroth und sejagoth, aus verneinenden Anordnungen, VerboÂ­ten, welche die Gesetzeserschwerungen, Chumrim, des Rabbinismus bilden.
II. Wesen, Gestalt, Gewalten, UmÂ­fang, Teile, Arbeit, Gesetzeserleichterung, Gesetzesaufhebungen, GesetzeserschweÂ­rungen, Gegner und GegenkÃ¤mpfe, Nachweis, BevollmÃ¤chtigung, AutoritÃ¤t, GrÃ¼nde, Normen. Nach der oben angeÂ­gebenen Definition ist der Â»RabbinisÂ­musÂ« die Restitution der Lehre und des Gesetzes des Mosaismus und des ProÂ­phetentums in erweiterter Gestalt nach den vier Faktoren, dem Inhalte der Schrift, der Tradition, den Volks- und Landessitten, minhagim, und den BeÂ­dÃ¼rfnissen der Zeit. Er behandelt, gleich dem Mosaismus und dem ProÂ­phetentume, nicht bloÃŸ den Kultus und die Dogmatik, sondern auch die Rechts- und Sittenlehre; er sorgt nicht bloÃŸ fÃ¼r den Tempel und dessen PriesÂ­ter, fÃ¼r die Synagoge und deren BesuÂ­cher, sondern macht auch das VolksÂ­wohl und die Volksbildung, die Rechts- und Staatsverwaltung zum GeÂ­genstand seiner Arbeit. In diesem weiÂ­ten Umfange seiner TÃ¤tigkeit entwiÂ­ckelt er sich als das Produkt des noch immer mehr verkannten als richtig erÂ­kannten PharisÃ¤ismus, der Vereinigung und Verschmelzung der VerstandesÂ­richtung mit dem Mystizismus. Wie der Mosaismus und das Prophetentum in sich Verstandesarbeit und Mystik vereinigen, fÃ¼r die Befriedigung des Geistes und des Herzens Sorge tragen, so arbeitet der PharisÃ¤ismus, als WieÂ­derhersteller deren Lehren und GeÂ­setze, an der Vereinigung und VerÂ­schmelzung der Verstandesrichtung und des Mysitzismus; beide sind die Grundsteine seines Baues. Der RabbiÂ­nismus beginnt sein Wirken nach auÂ­ÃŸen mit der Bildung des Chaberbundes, jener Vereinigung, die sich die Sorge fÃ¼r die Ausbreitung der Gesetzesbe-obÂ­achtung zur Aufgabe machte, aber auch die dem ChassidÃ¤ismus, der Ã¼berÂ­triebenen FrÃ¶mmigkeit, seine Grenzen bestimmte. Im Lehrhause war seine TÃ¤tigkeit die Halacha, die GesetzeserÃ¶rÂ­terung, und die Agada, die Lehre, die Volksbelehrung. Teile der ersteren waÂ­ren, wie bereits angegeben: die Gesetze in der Schrift, die Bestimmungen der Tradition, der Zeitinstitutionen, TekaÂ­noth, der Erleichterungen, kulim, und die der Vorsichtsbestimmungen, der GeÂ­setzeserschwerungen, Chumrim. Es ist daher durchaus unrichtig, wenn man, wie dies so oft geschieht, den RabbinisÂ­mus nur nach dem genannten letzten Teile seiner TÃ¤tigkeit, den GesetzeserÂ­schwerungen, beurteilt und die ersten drei Teile desselben verschweigt und denselben nur in seiner GesetzesanhÃ¤uÂ­fung darstellt, wÃ¤hrend er doch auch und zwar in nicht unbedeutender Zahl, besonders in den Institutionen, TekaÂ­noth, Gesetzeserleichterungen und GeÂ­setzesaufhebungen hat. Wir beabsichÂ­tigen hier keine Apologetik des Rabbinismus zu geben, sondern haben einzig und allein das wissenschaftliche Interesse im Auge, die Sache an sich nach allen ihren Seiten anzuschauen, zu beurteilen und darzustellen. Wir beÂ­handeln hier den Rabbinismus, da wir dessen ErÃ¶rterung des Schriftgesetzes in den Artikeln Â»HalachaÂ« und Â»ExeÂ­gese Â« und dessen BerÃ¼cksichtigung der Traditionen in dem Artikel Â»TraditionÂ» gegeben, nur in seinen zwei letztgeÂ­nannten Arbeiten: a. den ZeiteinrichÂ­tungen, Tekanoth, mit den mit ihnen im Zusammenhang stehenden GesetzeÂ­serleichterungen, und b. den VerhÃ¼Â­tungs- oder Besorgnisbestimmungen, geseroth und sejagoth, den ZÃ¤unen um das Gesetz, den GesetzeserschweÂ­rungen. Das Leben und das Gesetz sind die zwei Gewalten, die in denselben ihÂ­ren Ausgleich erhalten. Nicht das eine soll durch das andere unterdrÃ¼ckt oder gar vernichtet werden, sondern beide ineinander ihre Entfaltung und ErfÃ¼lÂ­lung finden. Die vom Rabbinismus geÂ­schaffenen Institutionen, Tekanoth, zeitgemÃ¤ÃŸe Einrichtungen, sind es, die das Leben vor ZerstÃ¶rung schÃ¼tzen, sein Wachstum heben und fÃ¶rdern solÂ­len. Aber andererseits haben seine VerÂ­hÃ¼tungsbestimmungen, die Besorgnis-und Vorsichtsverbote, geseroth und seÂ­jagoth, die Bestimmung, etwaiger ZerstÃ¶rung (Ãœbertretung) des Gesetzes vorzubeugen. Es ist hier nicht der Ort, schon wegen des Mangels an Raum, sÃ¤mtliche Institutionen und VerhÃ¼Â­tungsbestimmungen aufzuzÃ¤hlen, aber wir bringen von denselben die wichÂ­tigsten, um den Leser einen Einblick in diese Arbeit des Rabbinismus gewinÂ­nen zu lassen. Die Institutionen haben ein hohes Alter, sie reichen bis in die Zeiten Esras und Nehemias 458-430 v.) hinauf und nehmen mit der WiederÂ­begrÃ¼ndung des zweiten jÃ¼dischen Staates in PalÃ¤stina ihren Anfang. Die WiedereinfÃ¼hrung des mosaischen GeÂ­setzes allein reichte fÃ¼r die verÃ¤nderten Zeiten nicht aus; es mussten mit derselÂ­ben mehrere Institutionen geschaffen werden, die das Gesetz nach den neuen ZeitverhÃ¤ltnissen erweitern und ergÃ¤nÂ­zen sollten. Die erste Institution war die Schaffung und Einsetzung einer OberbehÃ¶rde aus der Mitte des Volkes, die unter dem Namen Â» GroÃŸe SynodeÂ« (von 444 bis 196 v.) gegen 248 Jahre ihre TÃ¤tigkeit entfaltete. Mit Hilfe derÂ­selben haben Esra und Nehemia mehÂ­rere andere Institutionen zur ErgÃ¤nÂ­zung des Gesetzes geschaffen. Das Leben und das Gesetz, diese zwei GeÂ­walten, standen sich gegenÃ¼ber, jenes war diesem entfremdet worden, es sollte ihm wieder zugefÃ¼hrt werden; und dieses (das Gesetz) reichte nicht mehr, nach den verÃ¤nderten Zeiten, fÃ¼r jenes (das Leben) aus, und es musste durch neue Bestimmungen erweitert und ergÃ¤nzt werden. Nach diesen zwei Seiten hin war die Arbeit des RabbinisÂ­mus in seinem ersten Auftreten durch die Werke Esras und Nehemias. DieselÂ­ben schieden sich schon damals in den spÃ¤ter immer mehr hervortretenden zwei Gestalten, in positiven und negaÂ­tiven Bestimmungen. Die positiven sind die Tekanoth, und waren hier: 1. die Vereidigung des Volkes zur treuen Befolgung des Gesetzes; 2. die BestimÂ­mung einer jÃ¤hrlichen Kopfsteuer von 1/3 Schekel zur Erhaltung des OpferÂ­kultes; 3. die EinfÃ¼hrung von VolksbeÂ­lehrungen durch Ã¶ffentliche Vorlesung aus der Thora, verbunden mit ÃœbersetÂ­zung und ErklÃ¤rung derselben; 4. die Anordnung von OpferbeistandsmannÂ­schaften, die das Volk beim Opfer verÂ­treten sollten; 5. die Zehnteinforderung durch die Leviten und deren gesetzliche Verteilung in Jerusalem; 6. die HolzlieÂ­ferungen fÃ¼r den Tempel u. a. m. Die negativen Bestimmungen sind die geseÂ­roth, die Vorsichts- oder VerhÃ¼tungsÂ­gesetze: 1. Die AuflÃ¶sung der MischÂ­ehen und die Wegschickung der heidnischen Frauen. 2. Die NichtzulasÂ­sung der Samaritaner, spÃ¤ter auch zur strengen Scheidung von denselben: die VerdrÃ¤ngung der alten hebrÃ¤ischen Schrift und die EinfÃ¼hrung der assyriÂ­schen Schriftzeichen, unserer QuadratÂ­schrift, an deren Stelle; ferner die FestÂ­stellung des Pantateuchtextes gegen die von den Samaritanern vorgenommene FÃ¤lschung desselben an mehreren StelÂ­len sowie die des Handels, des Einkaufs und Verkaufs am Shabbath u. a. m. Zur TÃ¤tigkeit der groÃŸen Synode spÃ¤terer Zeit rechnet die Tradition: die AbfasÂ­sung von Gebeten, die Einsetzung der Neumondsbestimmung und der NeuÂ­mondseinsegnung, die Bestimmung zweier Tage, Montag und Donnerstag, zur Abhaltung von Gerichtssitzungen, die Anordnung zur Vorlesung des Estherbuches u. a. m. Das CharakterisÂ­tische der Institutionen dieser Periode wird durch den in der Mischna der groÃŸen Synode zugeschriebenen AusÂ­spruch angegeben: Â»Seid bedÃ¤chtig (und nicht vorschnell) im Entscheiden, stellet viele SchÃ¼ler aus und machet eiÂ­nen Zaun um das Gesetz.Â« Es war dies die TÃ¤tigkeit des Rabbinismus fÃ¼r das Gesetz, um das Leben demselben wieÂ­der zuzufÃ¼hren, es religiÃ¶s und sittlich zu heben und zu bilden. Die zweite GeÂ­stalt der Institutionen, die zur Hut und Pflege des Lebens, zur FÃ¶rderung des Volkswohls, nÃ¤mlich die GesetzeserÂ­leichterungen, Gesetzesdispensationen und Gesetzesaufhebungen unter gewisÂ­sen Bedingungen, beginnt in der jetzt folgenden zweiten Periode. Mit dem Tode des Hohenpriesters Simon II, geÂ­nannt Simon der Gerechte, im Jahre 196 v., hÃ¶rte die Existenz der Â»GroÃŸen SynodeÂ« auf; PalÃ¤stina kam unter die Herrschaft der Syrer und mit derselben trat eine neue Periode, die zweite der Institution ein, die vom Jahre 196 bis 135 v., vom Tode Simon des Gerechten bis zur Regierung des KÃ¶nigs und HoÂ­henpriesters Johann Hyrkan, wÃ¤hrte. In diese Zeit fÃ¤llt die TÃ¤tigkeit des jÃ¼diÂ­schen Hellenisten in PalÃ¤stina zur geÂ­waltsamen Hellenisierung der Juden, welche die GegenkÃ¤mpfe der HasmoÂ­nÃ¤er und das MÃ¤rtyrertum der ChassiÂ­dÃ¤er hervorriefen, die mit der Befreiung der Juden von der syrischen Herrschaft und der WiedereinfÃ¼hrung der unterdrÃ¼ckten Religion des JudenÂ­tums glÃ¼cklich endeten. Die GesetzesÂ­arbeit des Rabbinismus dieser Periode war ebenfalls nach oben angegebenen zwei Gestalten; sie bestand aus negatiÂ­ven und positiven Bestimmungen. Von den Erstem nennen wir die der UnreinÂ­erklÃ¤rung der LÃ¤nder der Heiden, das Verbot des Glasgeschirrs, das der ErÂ­lernung des Griechischen, der GemeinÂ­schaft mit Heidinnen u. a. m.; es waren VerhÃ¼tungsgesetze, die gegen das TreiÂ­ben der Hellenisten gerichtet waren und den Ãœbergang zum Heidentum verhÃ¼ten sollten. Wichtiger als diese waren die Bestimmungen der zweiten Gestalt, der positiven Bestimmungen, die eigentlichen Institutionen, TekaÂ­noth. Das Shabbatgesetz war eines der grÃ¶ÃŸten Hemmnisse in der KriegsfÃ¼hÂ­rung der MakkabÃ¤er gegen die Syrer. Von den jÃ¼dischen AufstÃ¤ndischen wurden zu Hunderten, die am ShabÂ­bath nicht kÃ¤mpfen wollten, durch die Feinde niedergemacht. Solche EreigÂ­nisse veranlassten die HasmonÃ¤er und ihr Gelehrtenkollegium zu dem BeÂ­schlusse, dass die KÃ¤mpfer das ShabÂ­batgesetz nicht zu beobachten brauÂ­chen. Im r. Buch der MakkabÃ¤er 2, 30. 4o haben wir darÃ¼ber: Â»Und es sprach einer zum andern, wenn wir alle so tun, wie unsere BrÃ¼der getan, und nicht streiten (am Shabbath) fÃ¼r unser Leben und unser Gestez gegen die Heiden, werden sie uns bald von der Erde vertilgen. Sie berieten sich an demselben Tage und sprachen: Wenn jemand zu uns am Shabbath zum Streite kommt, so wollen wir gegen ihn streiten! Â« DieÂ­ser Beschluss wurde dann auch von eiÂ­nem Teil der ChassidÃ¤er gebilligt, denn bald darauf heiÃŸt es: Â»Es versammelten sich sodann zu ihnen ein Haufen der AssidÃ¤er. Â« Dieser Beschluss war fÃ¼r die folgenden Zeiten von auÃŸerordentliÂ­cher Wichtigkeit; er kennzeichnete die Richtung der HasmonÃ¤er und war der erste Schritt zur Vereinigung der ChassÂ­didÃ¤er mit der Partei der GesetzesgeÂ­rechten, derjenigen Hellenisten, die SiÂ­mon den Gerechten zum Vorbild hatten und den Hellenismus nur soweit zulieÂ­ÃŸen, als das jÃ¼dische Gesetz dies gestatÂ­tete. Weiter ging man in dieser neuen Richtung in der jetzt eintretenden dritÂ­ten Periode vom Jahre 135 bis 70 n. Es werden nicht bloÃŸ Gesetze gegeben, sondern auch Gesetze, die bedeutungsÂ­los geworden oder die das Leben drÃ¼ckÂ­ten, abgeschafft. Hyrkan I (135 bis 106 v.), der das Hohepriesteramt eine Reihe von Jahren verwaltete und zugleich SynhedrialprÃ¤sident war, hat in Folge eingeholter Erkundigung der NichtabÂ­lieferung des Ersten und Zehnten die Anordnung getroffen, dass der Landwirt zur Ablieferung der ersten Hebe verÂ­pflichtet sei, dagegen soll all sein GeÂ­treide, das er zum Verkauf auf den Markt bringt, als zweifelhaft verzehrt, demai, betrachtet werden, von dem der KÃ¤ufer den gesetzlichen Levitenzehnt abzugeben habe. Diese Institution fÃ¼hrte zur Abschaffung des Gesetzes Ã¼ber die Ablegung des Zehntbekenntnisses in 5. M. 26. 2-12, weil dasselbe nicht mehr wahrheitsgemÃ¤ÃŸ gesprochen wurde und werden konnte. Eine fernere AnÂ­ordnung hat die Absingung des Verses in Psalm 44: Â»Wache auf, Herr! WaÂ­rum schlÃ¤fst duÂ« im TempelmorgenÂ­gottesdienste, der in den Tagen der syÂ­rischen Religionsverfolgung unter Antiochus Epiphanes eingefÃ¼hrt wurde, aber jetzt keine Bedeutung mehr hatte, abgeschafft. Ebenso wurde der Brauch aufgehoben, Opfertiere zwischen den HÃ¶rnern blutig zu ritzen, um dasselbe schnell zu Boden zu stÃ¼rzen. Positive Verordnungen von ihm waren: 1. in den Urkunden den jedesmaligen funÂ­gierenden Hohenpriester mit dem AtÂ­tribut Â»des hÃ¶chsten GottesÂ« anzugeÂ­ben; 2. dass die von ihm eroberten Gebietsteile der StÃ¤dte Bethsean, Semaga, Kefar Zemach als palÃ¤stinenÂ­sischer Boden zu betrachten seien und zehntpflichtig werden. Von diesen BeÂ­stimmungen stieÃŸ nur die vorletzte auf Opposition; die Protestierenden machÂ­ten geltend: Â»Solche Urkunden mit dem Gottesnamen kÃ¶nnten, wenn sie wertlos geworden, auf den Dung geÂ­worfen werden, und eine Entheiligung des Gottesnamens wÃ¤re unausbleibÂ­lich! Â« und schritten darauf zur AufheÂ­bung dieser Anordnung. Man hielt diese AusfÃ¼hrung so wichtig, dass der Tag der Aufhebung derselben lange daÂ­nach als ein Halbfest gefeiert wurde. Auch die letzte Anordnung wurde, aber erst im 2. Jahrh. n., von dem PaÂ­triarchen R. Juda I. aufgehoben. Die KÃ¤mpfe der SadducÃ¤er gegen die PhaÂ­risÃ¤er hatten bei letzteren mehrere BeÂ­stimmungen gegen das Vorgehen der ersteren zur Folge. Wir nennen von denselben: a. dass das tÃ¤gliche MorÂ­gen- und Abendopfer von den TempelÂ­beitrÃ¤gen des gesamten Volkes, den Drittel-Schekalim, aber nicht von den Spenden der Einzelnen angeschafft werde; b. dass im Tempelgottesdienste gegen die Leugnung des AuferstehungsÂ­glaubens durch die SadducÃ¤er die Schlussformel der Benediktion lauten soll: Â«Gepriesen â€” Herr von Ewigkeit zur Ewigkeit!Â« oder Â»von Welt zur Welt!Â«, die frÃ¼her nur: Â»Gepriesen â€” Herr von Ewigkeit!. hieÃŸ. Eine nicht minder groÃŸe Zahl von VorbeugungsÂ­verboten und andern Anordnungen war gegen den Hellenismus aus der MaskkabÃ¤erzeit, zu denen im I. Jahrh. n. die gegen den Alexandrinismus, der mehrere neue Gesten im Judentume hervorgerufen hatte, hinzukamen. Wir heben von ihnen eine Ã¤ltere hervor, sich im GruÃŸe wieder nach alter biblischer Sitte des Gottesnamen, Jhvh, zu bedieÂ­nen, wozu die GruÃŸbeispiele aus der Bibel zur Nachahmung aufgestellt werÂ­den, z. B. der GruÃŸ von Boas an seine Schnitter: Â»Der Ewige, Jhvh, mit Euch! Â« und die Erwiederung derselben: Â»Der Ewige, H, segne dich!Â« Â»(Ruth 2); ferner der an Gideon: Â»Der Ewige (H) mit dir, tapferer Held!Â« (Richter 6. 13). Unzweifelhaft war dies eine Demonstration gegen das Streben des Hellenismus, alles JÃ¼dische aus dem Leben zu verdrÃ¤ngen. Eine andere GeÂ­stalt nehmen die rabbinischen AnordÂ­nungen fÃ¼r das Volkswohl in dem letzÂ­ten Jahrhundert vor und im 1. Jahrh. nach der Ã¼blichen Zeitrechnung an. Von dem Gesetzeslehrer Simon ben Schetach wurde zur Festigung des EheÂ­lebens, damit die Frau vor der WillkÃ¼r des Mannes, sie zu jeder beliebigen Zeit als Geschiedene aus dem Hause zu treiben, geschÃ¼tzt werde, die InstituÂ­tion der Kethuba eingefÃ¼hrt, eine VerÂ­schreibung, wo der Frau zur Sicherung ihres Mitgebrachten und des ihr vom Manne Zukommenden sÃ¤mtliche unÂ­beweglichen GÃ¼ter verpfÃ¤ndet wurden. Nicht minder heilsam war eine zweite Anordnung von ihm, welche die Eltern verpflichtet, ihre Kinder in die Schule zu schicken; der Schulbesuch wurde durch ihn obligatorisch. Ferner wird auf ihn die Verordnung zurÃ¼ckgefÃ¼hrt, dass die Aussage der Zeugen nur GÃ¼lÂ­tigkeit habe, wenn dieselben wirklich selbst das gesehen, was sie bezeugen; ferner, dass die der falschen Aussage Ã¼berfÃ¼hrten Zeugen erst dann bestraft werden, wenn die ÃœberfÃ¼hrung des falÂ­schen Zeugnisses beide betraf u. a. m. Viel segensreicher noch waren die daÂ­rauf folgenden Institutionen des SynÂ­hedrialprÃ¤sidenten Hillel I (70 v. â€” 10.). Als Erste nennen wir die des VerwahÂ­rungsscheines, Prosbul, die den GlÃ¤uÂ­biger vor dem Verlust seiner AusstÃ¤nde durch die Gesetze des Erlassjahres schÃ¼tzen sollte und darin bestand, dass der GlÃ¤ubiger vor Gericht zu Protokoll gab, und sich eine gerichtliche ErmÃ¤chÂ­tigung ausstellen lieÃŸ, seine Schulden zu jeder Zeit einkassieren zu dÃ¼rfen. Hervorgerufen wurde dieselbe in Folge der Verweigerung jedes Darlehens von Seiten der BegÃ¼terten aus Furcht, die Gesetze des Erlassjahres werden die Schuld annullieren. Die Institution des Prosbuls hat das mosaische Gesetz von dem Schuldenerlass am Erlassjahre auÂ­ÃŸer Kraft gesetzt. Eine zweite InstituÂ­tion war die MaÃŸregel zur Sicherung des ein Jahr dauernden RÃ¼ckkaufs-rechts bei HÃ¤usern in den ummauerten StÃ¤dten, dass der RÃ¼ckkÃ¤ufer am letzÂ­ten Tage desselben Jahres, wenn er an demselben den Besitzer zur Ãœbergabe der Verkaufssumme nicht auffinden kann, dieselbe beim Gericht des Ortes nur zu deponieren brauche, um von dem rÃ¼ckgekauften Hause wieder BeÂ­sitz zu nehmen. Auch hierzu war der Grund, weil die Besitzer solcher HÃ¤uÂ­ser sich an demselben Tage oft verÂ­steckten. Andere ihm zugeschriebene Zeitinstitutionen, zeitgemÃ¤ÃŸe AnordÂ­nungen, bitten wir in den Artikeln Â»HalachaÂ« und Â»HillelÂ« nachzulesen. Von seinen VerhÃ¼tungsverboten, geseÂ­roth, sind bekannt, dass er auch fÃ¼r den Genuss der Theruma die HÃ¤nderÂ­einheit bestimmte und das MetallgeÂ­schirr, wie frÃ¼her das Glasgeschirr (siehe oben), als unrein erklÃ¤rte. In demselben Geiste wirkten auch die folÂ­genden SynhedrialprÃ¤sidenten, die Nachkommen Hillels. Von seinem EnÂ­kel Gamaliel I ist eine nicht geringe Anzahl von neuen GesetzesanordnunÂ­gen. Wir nennen von ihnen: a. dass ein Zeuge Ã¼ber den Tod des Ehemanns geÂ­nÃ¼gt, um der Witwe die WiederverheiÂ­ratung zu erlauben; b. dass der Mann und die Frau in dem Scheidebrief ihre sÃ¤mtlichen Namen, auch die nicht hebÂ­rÃ¤ischen Bei- und Zunamen, aufnehÂ­men lassen sollen; c. dass der Mann den einem Boten Ã¼bergebenen ScheideÂ­brief wieder nur in Gegenwart desselÂ­ben aufheben kann; d. dass die Namen der Zeugen in die Urkunden aufgeÂ­nommen werden mÃ¼ssen; e. dass die Frau nach dem Tode ihres Mannes bei Beanspruchung des ihr Verschriebenen zur Ablegung eines Eides angehalten werde soll, ob sie nicht schon frÃ¼her davon etwas erhalten habe. Diesem Lehrer werden auch die Gesetze fÃ¼r die Armen unter den Heiden, sie von allen WohltÃ¤tigkeitswerken genieÃŸen zu lasÂ­sen, zugeschrieben. Einen ehrenvollen Platz in der Geschichte des RabbinisÂ­mus haben sich die zwei jetzt zu nenÂ­nenden MÃ¤nner errungen. Der HoheÂ­priester Josua aus Gamala und der SynhedrialprÃ¤sident R. Jochanan ben Sakai. Von ersterem nennen wir die Anordnung, Schulen fÃ¼r den JugendÂ­unterricht in jeder Stadt einzurichten. Letzterer Ã¼berlebte die ZerstÃ¶rung des Tempels in Jerusalem und die AuflÃ¶Â­sung seines Opferkultus und stand nach der Hinrichtung des SynhedrialÂ­fÃ¼rsten Simon Sohn Gamliel bis zur Wiedereinsetzung R. Gamliel II an der Spitze des Synhedrions. In dieser trauÂ­rigen Zeit der VerwÃ¼stung und ZerÂ­rÃ¼ttung hatte er die Aufgabe, durch zutreffende Einrichtungen fÃ¼r die allÂ­mÃ¤hliche Sammlung des religiÃ¶sen Lebens und die Wiederherstellung eines gesetzlichen Zustandes zu arbeiten. Aus seiner TÃ¤tigkeit vor der ZerstÃ¶rung des Tempels ist seine Anordnung bekannt, welche in Betracht der ZeitverhÃ¤ltnisse das Gesetz von dem Fluchwasser fÃ¼r die des Ehebruchs verdÃ¤chtige Frau abÂ­stellte. Nach der verhÃ¤ngnisvollen KaÂ­tastrophe der ZerstÃ¶rung des Tempels verwendete er seinen Einfluss bei der rÃ¶mischen BehÃ¶rde fÃ¼r die BegnadiÂ­gung Gamliels II, des Sohnes des hingeÂ­richteten R. Simon b. Gamliel I und arbeitete fÃ¼r dessen Einsetzung zum SynhedrialfÃ¼rsten. Bis dahin verwaltete er dieses Amt und traf mehrere, recht heilsame Anordnungen. Er verlegte das Synhedrion von Jerusalem nach Jabne und erhob dasselbe zur vollen TÃ¤tigÂ­keit einer OberbehÃ¶rde der Juden PaÂ­lÃ¤stinas, gleich dem frÃ¼hern in JerusaÂ­lem. In einer zweiten Anordnung Ã¼bertrug er teilweise die Heiligkeit JeÂ­rusalems auf Jabne und fÃ¼r die Zukunft auf jede Stadt PalÃ¤stinas, wo ein SynÂ­hedrion an einem Neujahrs-Shabbath, wie frÃ¼her in Jerusalem, das gesetzliche Schofarblasen vornehmen darf. Es war ein neues Prinzip, das zur Geltung kam: Â»Nicht der Ort an sich, sondern die MÃ¤nner in demselben machen die Heiligkeit desselben aus! Â« Eine dritte Anordnung von ihm betraf die BevollÂ­mÃ¤chtigung dieses Synhedrions zur Vornahme von NeumondsbestimmunÂ­gen und deren VerkÃ¼ndigung auÃŸerÂ­halb Jersualems, auch in Abwesenheit des GerichtsprÃ¤sidenten, gegen eine frÃ¼here Bestimmung, welche die MittÃ¤Â­tigkeit desselben forderte. Eine vierte bestimmte die Beibehaltung der sieben Prozessionen mit dem PalmstrauÃŸ am sechsten Tage des LaubhÃ¼ttenfestes aus dem Tempelgottesdienste in Jerusalem auch fÃ¼r den Synagogengottesdienst. Eine fÃ¼nfte bringt die Aufhebung des Gesetzes, dass der Proselyt bei seiner Aufnahme ins Judentum einen GeldbeÂ­trag fÃ¼r das fÃ¼r ihn zu bringende Opfer abzugeben habe. Eine sechste endlich schaffte die Verordnung ab, dass die im Umkreise von Jerusalem WohnenÂ­den die Pflicht haben, die FrÃ¼chte von neugepflanzten BÃ¤umen am vierten Jahre nach Jerusalem zu bringen und sie daselbst zu verzehren. Die Ursache hiervon war, weil der Grund dieser Verordnung, um die PlÃ¤tze Jerusalems mit FrÃ¼chten zu schmÃ¼cken, nach der ZerstÃ¶rung Jerusalems weggefallen war. (Beza 5.) Wir gehen nun zur DarÂ­stellung dieser TÃ¤tigkeit bei den auf ihn folgenden Lehrern Ã¼ber. Der Erste, von dem wir jetzt zu sprechen haben, ist der SynhedrialfÃ¼rst R. Gamliel II. Eine Menge von Institutionen, die das von seinem VorgÃ¤nger unternommene Werk der Ausgleichung des Lebens mit dem Gesetze vollenden sollen, werden wieder hervorgerufen; es hat der jÃ¼dische Geist nach dieser Richtung hin krÃ¤ftig weiter gearbeitet und das JuÂ­dentum vor Vernichtung bewahrt. An die Stelle des Opferkultus trat jetzt der Synagogengottesdienst, und R. GamaÂ­liel II nahm eine Revision und FeststelÂ­lung der Gebete fÃ¼r denselben vor. Das Gebet Schemone Esre von den 18 BeÂ­nediktionen lieÃŸ er von Simon Pekuli revidieren und festsetzen, mit AusÂ­nahme des GebtstÃ¼ckes in demselben gegen die Sektierer, das aus der Zeit der syrischen Religionsverfolgung herÂ­rÃ¼hrte und das unter dem Namen Â»Birchath HaminimÂ« bekannt war, dessen Redaktion Samuel der JÃ¼ngere Ã¼bernahm. Eine zweite Anordnung beÂ­traf die Gesetze des Erlassjahres, die auf dem durch die Kriege verarmten Landvolke schwer lasteten und dem Landbau sehr hinderlich wurden. R. Gamliel mit seinem Synhedrion trug der Zeit volle Rechnung und hob ein altes Verbot auf, nach dem man das halbe Jahr vor dem Eintritt des ErlassÂ­jahres die Ã„cker nicht bebauen durfte. Eine Dritte, die von den Zeitgenossen nicht genug gerÃ¼hmt werden konnte, bezog sich auf die Leichenbestattung, die bis dahin mit vielem Luxus und groÃŸem Aufwand Ã¼blich war, und in seiner Zeit so sehr das Volk drÃ¼ckte, dass viele aus Furcht vor den BestatÂ­tungskosten die Leichen der Ihrigen unbeerdigt lieÃŸen. Gegen diesen MissÂ­brauch verbot er jeden Luxus bei der Leichenbestattung und fÃ¼hrte die einÂ­fache Beerdigungsweise ein. Er selbst befahl den Seinigen, ihn nach dem Tode nur in einem leinenen Gewande zu begraben. Das Volk ahmte dem BeiÂ­spiele R. Gamliels nach und die einÂ­fache Beerdigungsweise wurde bei den Juden allgemein. Eine vierte VerordÂ­nung war zu Gunsten der Heiden, dass deren Beraubung gleich der der Juden verboten sei. Ebenso mild ging er geÂ­gen die SadducÃ¤er vor, er bot ihnen und ihren Gesinnungsgenossen, den BaithusÃ¤ern, aufs Freundlichste die Hand und bestimmte, die SadduucÃ¤er nicht wie Heiden anzusehen, sondern sie gleich andern Israeliten zu achten. Auf gleiche Weise zeigte er sich toleÂ­rant gegen die Samaritaner, deren ZeuÂ­genschaft er gleich der eines Israeliten, sogar auf Scheidungsurkunden, fÃ¼r vollgÃ¼ltig ansah, und deren FrÃ¼chte er, wie die eines Nichtchabers (Am-HaaÂ­rez) fÃ¼r Demai zweifelhaft verzehnt erÂ­klÃ¤rte. Erst spÃ¤ter, nachdem er sich auf seinen Reisen von deren gesetzwidÂ­rigem Leben Ã¼berzeugt hatte, kam er von dieser Bestimmung ab und verbot von ihrem geschlachteten Vieh Fleisch zu genieÃŸen. In einer Synhedrialsitzung seiner Zeit, der er zwar nicht prÃ¤siÂ­dierte, kam es zur vÃ¶lligen Aufhebung des Verbots 5. M. 23, 4: Â»Es komme kein Ammoniter und Moabiter in die Gemeinde der Ewigen.Â« Von der grÃ¶ÃŸÂ­ten Wichtigkeit waren die BeschlÃ¼sse der Gesetzeslehrer dieser Zeit, des R. Akiba, R. Tarphon und R. Jose, des GaliÃ¤ers, die in einer gemeinsamen BeÂ­ratung in dem Dachzimmer eines Nithsa zu Lydda gefasst wurden, Â»dass man in Lebensgefahr jedes Gesetz Ã¼bertreten darf, mit Ausnahme des GÃ¶tzendienstes, des Mordes und der Unzucht.Â« Ein Vierter, R. Ismael, erÂ­laubte in solchem Falle auch die ÃœberÂ­tretung des Verbotes des GÃ¶tzendiensÂ­tes, wenn solche nicht Ã¶ffentlich geschieht. Dieselben waren gegen die Religionsverfolgungen der vorbarkochÂ­baischen Zeit gerichtet und galten noch als gesetzlich in der Zeit der hadrianiÂ­schen Verfolgungen nach der barkochÂ­baischen Revolution. Nicht minder beÂ­deutsam erkennen wir die spÃ¤teren Institutionen unter dem SynhedrialfÃ¼rsÂ­ten Simon II, dem Sohne Gamliels II, (140-163 n.), die der Zeit nach dem barkochbaischen Aufstande angehÃ¶ren. Der verunglÃ¼ckte Barkochbaische AufÂ­stand und die hadrianischen VerfolgsÂ­edikte nach ihm haben die jÃ¼dische BeÂ­vÃ¶lkerung so sehr verringert, dass ganze LÃ¤ndereien nicht mehr bearbeitet werÂ­den konnten. Eine schreckliche Armut hat sich des noch Ã¼brigen Teils bemÃ¤chÂ­tigt und Aushilfe war ein dringendes Gebot. Dieselbe wurde dem jÃ¼dischen Volke durch seine OberbehÃ¶rde, das Synhedrion, geboten; es waren die denkwÃ¼rdigen Bestimmungen, die von den Synhedristen unter ihrem VorsitÂ­zenden R. Simon b. G. II getroffen wurÂ­den. In Uscha trat das Synhedrion zum ersten Mal nach der Aufhebung der haÂ­drianischen Verfolgungsedikte wieder zusammen, wo es folgende BeschlÃ¼sse als Gesetze proklamierte: 1. Der Vater hat fÃ¼r seine unmÃ¼ndigen Kinder zu sorgen; 2. Die Ãœberlassung der VerÂ­schreibung der Besitzungen an die KinÂ­der verpflichtet sie zur ErnÃ¤hrung der Eltern; 3. Der Freigebige verteile nicht Ã¼ber ein FÃ¼nftel seines VermÃ¶gens; 4. Der Vater ist verpflichtet, sich mit der Erziehung seines Sohnes bis zu dessen zwÃ¶lftem Jahre zu beschÃ¤ftigen, von da ab soll er ihn zur Erlernung eines Gewerbes anhalten; 5. Der Mann hat auf die Besitzungen seiner Frau, die sie bei ihrem Leben verkauft hat, nach ihÂ­rem Tod berechtigten Anspruch; 6. Wer einen Alten beschÃ¤mt, hat einen Golddenar Strafgeld zu zahlen; 7. Der Bann darf nicht Ã¼ber einen Gelehrten, der gegen einen von der Mehrheit des Synhedrions gefassten Beschluss hanÂ­delt, verhÃ¤ngt werden u. a. m. Einen lebhaften Aufschwung nahmen diese Art von Institutionen in den darauf folÂ­genden Zeiten unter dem Patriarchen R. Juda I. (137-194 n.) und R. Juda (220 â€” 270 n.). Man erholte sich und hatte wieder den Mut, nicht bloÃŸ GeÂ­setze zu geben, sondern auch Gesetze abzuschaffen. R. Juda I. befreite die GrenzstÃ¤dte Bethsean (Soythopolis), Kefar Zemach am Jordan, CÃ¤sarea am Meere und Bethgoberim im SÃ¼den mit ihren Gebieten, die frÃ¼her nicht unter jÃ¼discher BotmÃ¤ÃŸigkeit standen und meist von Griechen bewohnt waren, von der Pflicht des Erlassjahres und der Zehntabgaben, weil sie nicht als zu PaÂ­lÃ¤stina gehÃ¶rig betrachtet wurden. Als man ihn Ã¼ber diese Neuerung mit VorwÃ¼rfen Ã¼berhÃ¤ufte: Â»Du erlaubst, was deine VÃ¤ter verboten hielten! Â«, antÂ­wortete er: Â»Meine VÃ¤ter lieÃŸen mir diesen Platz fÃ¼r meine Verdienste! Â« Der KÃ¶nig Hiskia hat die von Moses in der WÃ¼ste angefertigte eherne Schlange vernichtet, weil sie das Volk zu AbgÃ¶tÂ­terei verfÃ¼hrte. Aber es gab ja vor ihm genug fromme KÃ¶nige: Assa, Josaphat u. a. m., die gegen die eherne Schlange von Moses nichts unternahmen, wenn sie auch alles AbgÃ¶ttliche aus dem Lande schafften, wie durfte Hiskia das, was seine Ahnen verschont hatten, zerÂ­stÃ¶ren? Â»Es war dies sein eigenes VerÂ­dienst!Â«, werdet ihr antworten. Â»Nun, so rechne ich mir auch mein Werk mit dieser Aufhebung als Verdienst an!Â« Der Patriarch ging weiter und machte einige Gesetzeserleichterungen, betrefÂ­fend das Erlassjahr. Er erlaubte am Ausgange des Shabbathjahres von dem Anbau auf den Feldern, wenn auch derselben am Shabbathjahre gemachÂ­ten, sofort zu genieÃŸen. SpÃ¤ter machte er sogar einen Anlauf, die BestimmunÂ­gen des Erlassjahres ganz aufzuheben, was er jedoch wegen der Opposition des beim Volk gleich einem Heiligen hochverehrten Pinchas ben Jair aufgab. Er schaffte ferner die Ã¼blichen BergÂ­feuer zur AnkÃ¼ndigung der NeumondsÂ­bestimmungen ab, da dieselben bei der Absendung von Boten hierzu keine BeÂ­deutung mehr hatten. In Bezug auf die Bestimmung von Fasttagen mahnte er, nicht die Gemeinde zu viel zu belÃ¤stiÂ­gen, und wollte sogar den Nationalfasttag des 9. Ab abschaffen, aber auch davon brachten ihn die dagegen sich erhebenden Stimmen im Synhedrion ab. Bedeutende GesetzeserleichterunÂ­gen fÃ¼hrte er in Bezug auf das ShabÂ­bathgesetz ein. Er erlaubte den GaÂ­darÃ¤ern nach dem nahe gelegenen Hamtha, am Shabbath zu gehen; die BerÃ¼hrung und Wegschaffung von GeÂ­fÃ¤ÃŸen, die sonst verboten war u. a. m., besonders wo es der Rettung eines Menschenlebens galt. Indessen wurde diese von ihm angeregte StrÃ¶mung nach Gesetzeserleichterungen so allgeÂ­mein, dass sie unsern Patriarchen zu Ã¼berflÃ¼geln drohte und sich gegen ihn zu wenden begann. Da machte er Halt und stemmte sich mit aller Kraft gegen weitere Neuerungen. Man stellte in eiÂ­ner Synhedrialsitzung den Antrag auf die Emanzipierung der Nethinim. Der Patriarch protestierte und sprach: Â»Wollten wir auch unsern Anteil aufÂ­geben, wissen wir, ob der Altar, zu desÂ­sen Bedienung die Nethinim da sind, auf seinen Teil verzichten werde!. Ebenso trat er gegen einen andern AnÂ­trag, die Abkunftsreinheit der Juden PalÃ¤stinas hÃ¶her als die der Juden BaÂ­byloniens zu stellen. Er rief ihnen zu: Â»So werfet ihr mir gar Domen in die Augen!. Indessen blieb diese freie Richtung das Erbe seines Hauses. Sein Enkelsohn, der oben genannte PatriÂ­arch R. Juda II., setzte das Werk der Gesetzeserleichterung mutig fort. Er hob das die Juden in PalÃ¤stina seiner Zeit sehr drÃ¼ckende Verbot des Genusses vom 01 der Heiden auf, das nach der Tradition schon von Daniel herÂ­rÃ¼hrte und zu den 18 Bestimmungen aus der Zeit vor der ZerstÃ¶rung des Tempels gehÃ¶rte. Diesem folgten zwei andere Gesetzeserleichterungen bald nach. Er bestimmte, dass ein ScheideÂ­brief mit der Klausel, die GÃ¼ltigkeit desselben trete erst nach dem Tode des Mannes ein, wodurch die Frau, wenn sie kinderlos ist, von der Pflicht der Schwagerehe befreit wird, volle RechtsÂ­kraft besitze, so dass die Witwe von der Pflicht der Schwagerehe entbunden ist. Das Zweite war die Anordnung, dass eine Frau nach einem Abort, Ã¤hnÂ­lich einem Schuhe, an dem keine menschliche Gestalt sichtbar geworÂ­den, keine gesetzliche ReinigungswoÂ­chen zu halten brauche. Es versteht sich, dass es auch hier nicht an GegenÂ­erklÃ¤rungen und GegenkÃ¤mpfen geÂ­fehlt hat, aber gab es noch immer GeÂ­lehrte, die solche BemÃ¼hungen vollauf zu wÃ¼rdigen verstanden. Sie lehrten: Â»An drei Stellen erhielt das Kollegium R. Judas II den Namen >Unsere LehÂ­rer<, bei der Aufhebung des Ã–lverbots, bei den Scheidebriefbestimmungen und der Abortserlaubung.Â« Seine NachfolÂ­ger gingen auf dem von ihm betreten- den Wege weiter und hoben auch das Verbot des Genusses von heidnischem Brot auf. Aus dieser kleinen Skizze, die wir, wenn es uns nicht an Raum fehlte, bedeutend vergrÃ¶ÃŸern kÃ¶nnten, erseÂ­hen wir zu GenÃ¼ge, wie unrichtig es sei, den Rabbinismus als den Gesetzeserschwerer und AnhÃ¤ufer von ZereÂ­monien darzustellen, die das Leben knechten und ihm jede Freiheit der Selbstbestimmung rauben. Der RabbiÂ­nismus betrachtete es als seine AufÂ­gabe, nicht bloÃŸ Gesetze zu mehren, sondern sie auch zu mindern oder ganz abzuschaffen. Wie unerschrocken er diesem Ziele zusteuerte und trotz der vielen Hemmungen im Inneren immer wieder an dieses Werk ging, werden wir aus dem zweiten Teile dieses ArtiÂ­kels sehen, der von inneren KÃ¤mpfen des Rabbinismus handelt. Wer hat die Rabbiner zu dieser Arbeit ermÃ¤chtigt? Oder von wem wurden sie zur VorÂ­nahme solcher Gesetzeserleichterungen oder Herbeischaffung von GesetzeserÂ­schwerungen autorisiert? Ist nicht beiÂ­des gegen das ausdrÃ¼ckliche Verbot: Â»Ihr sollet zur Sache, die ich euch beÂ­fehle, nichts hinzutun, und nichts daÂ­von abnehmen, um die Gebote des Ewigen, Eures Gottes, zu beobachten, die ich euch befehle!. So erhoben sich Gegenstimmen gar gegen den RabbiÂ­nismus, die das Vorgehen desselben als gesetzwidrig bezeichneten. Sie bildeten die Gegenpartei gegen die Institutionen Esras, des ersten BegrÃ¼nders des RabÂ­binismus, riefen spÃ¤ter die Partei der SadducÃ¤er hervor, veranlassten die Entstehung und die Bildung des ChrisÂ­tentums, erweckten von Zeit zu Zeit selbst im SchoÃŸe des Rabbinismus (siehe weiter) Gegner gegen die BestimÂ­mungen der SynhedrialprÃ¤sidenten in den verschiedenen Zeiten, bis sie zuletzt lange nach dem Schlusse des TalÂ­mud im B. Jahrh. n. im KarÃ¤ertum ein Judentum ohne Rabbinsimus zu bilden suchten. Aber auch der Rabbinismus schwieg nicht zu den Protesten der Gegner und wies das GesetzmÃ¤ÃŸige seiÂ­ner Arbeiten, seine ErmÃ¤chtigung zur BegrÃ¼ndung von zeitgemÃ¤ÃŸen InstitutiÂ­onen, fÃ¼r die Gesetzeserleichterungen und Gesetzeserschwerungen im SchriftÂ­gesetze nach. Das Gesetz in 5. M. 17. 9 - 14 von der Aufgabe und der MachtÂ­vollkommenheit des Obergerichtes und von dem schuldigen Gehorsam gegen dasselbe wird zur BegrÃ¼ndung der ErÂ­mÃ¤chtigung der Rabbiner, zum NachÂ­weis ihrer AutoritÃ¤t fÃ¼r ihre Gesetzes-arbeiten zitiert. Daselbst heiÃŸt es: Â»Und tue nach dem Ausspruche, den sie dir verkÃ¼nden, von dem Orte, den der Ewige erwÃ¤hlt, und beobachte zu vollÂ­ziehen, ganz so, wie sie dich lehren. Nach der Lehre, die sie dich lehren und nach dem Rechte, welches sie dir verÂ­kÃ¼nden, tue; weiche nicht von der SaÂ­che, die sie dir sagen, weder rechts, noch links. Â« Zu Bezug darauf erklÃ¤ren sie: Â»Du hast nur den Richter deiner Tage aufzusuchen. Sage nicht, dass die Richter frÃ¼herer besser waren als die gegenwÃ¤rtigen. Sollte es auch der Leichtsinnige unter den Leichtsinnigen sein, wird er zum Vorgesetzten geÂ­wÃ¤hlt, so betrachte ihn gleich dem WÃ¼rdigen unter den WÃ¼rdigen.Â« Â»Jephta in seiner Zeit war gleich SaÂ­muel zu seiner Zeit. Â« Weiche nicht, weder rechts, noch links, d. h. wenn es dir auch scheinen sollte, dass die BeÂ­stimmungen der Weisen nach rechts links und die nach links rechts wÃ¤ren. Im Zusammenhang damit stellte MaiÂ­monides darÃ¼ber folgende Grundlehre auf: Â»Das Obergericht in Jerusalem war die Wurzel der mÃ¼ndlichen Lehre; sie (die Synhedriten) waren die StÃ¼tzen der Gesetzesentscheidungen, von ihnen kam Gesetz und Recht auf ganz Israel. Jeder, welcher an die Lehre Moses glaubt, hat die Pflicht, die gesetzliche Praxis nach ihnen zu nehmen. Sowohl was sie nach der Tradition, als auch was sie nach ihrer auf Schriftforschung begrÃ¼ndeten Meinung lehren, aber was sie als Gesetzeszaun aufstellen, als eine Institution hervorrufen und als Sitten bezeichnen, auf jede einzelne dieser drei Kategorien von GesetzesbestimÂ­mungen bezieht sich das Gebot, ihnen Folge zu leisten, wer gegen diese BeÂ­stimmungen handelt, Ã¼bertritt ein Schriftverbot.Â« Â»Nach der Thora, die sie dich lehrenÂ«, Â»das sind die InstitutiÂ­onen, die Vorbeugungsgesetze und die SittenÂ«; Â»und nach dem RechtsanÂ­spruchÂ«, Â»das sind die aus der Schrift hergeleiteten GesetzeÂ«; Â»was sie dir saÂ­genÂ«, Â»d.i. die Tradition.Â« Hiermit war die ErmÃ¤chtigung fÃ¼r die Rabbiner, InÂ­sititutionen hervorzurufen, GesetzeserÂ­leichterungen zu bestimmen usw., nachgewiesen. Aber wie verhielt sich dieses zu dem oben zitierten Ausspruch, dem Schriftgesetze nichts hinzuzufÃ¼gen und von ihm nichts abzunehmen? Diese Frage macht keine Schwierigkeit, da rabbinische Bestimmungen als keine mosaischen Gesetze gelten sollen, auch gar nicht fÃ¼r dieselben ausgegeben wurden, daher weder als Zutat, noch als Abnahme des Gesetzes gelten kÃ¶nÂ­nen. Doch die begnÃ¼gten sich damit nicht, sondern gaben auÃŸerdem noch bestimmte GrÃ¼nde fÃ¼r ihr Tun an, beÂ­sonders wenn es galt, von Gesetzen zu dispensieren oder gar sie aufzuheben. Â»OftÂ«, lehrte Simon Sohn Lakisch, Â»ist die Aufhebung des Gesetzes die ErhalÂ­tung des Gesetzes.Â« R. Nathan deutet den Psalmvers: Â»Zeit ist fÃ¼r den EwiÂ­gen zu tun, sie zerstÃ¶ren deine Lehre Â« (Ps. 119), Â»sie zerstÃ¶ren deine Thora, weil es Zeit ist zu handeln, InstitutioÂ­nen zu errichten.Â« So wird als Grund bei Dispensation vom Shabbathgesetz angegeben: Â»Es ist besser, man entÂ­weiht einen Shabbath, damit man nicht viele Shabbathe entweiheÂ«; oder: Â»Man entweihe immerhin einen Shabbath, damit man spÃ¤ter viele Shabbathe halte.Â« Ferner: Â»Der Shabbath ist euch Ã¼berwiesen, aber ihr nicht dem ShabÂ­bath.. Bei Gesetzesdispensationen zur Rettung eines Menschenlebens waren ihre GrundsÃ¤tze: Â»Der Mensch lebe durch das Gesetz aber sterbe nicht in Folge desselben.Â« Dass man oft in mehreren FÃ¤llen GesetzesÃ¼bertretunÂ­gen Ã¼bersehen und nicht rÃ¼gen soll, diese Anordnungen belegten sie mit dem Spruch: Â»Besser, sie sÃ¼ndigen unÂ­wissend, als dass sie spÃ¤ter wissend und vorsÃ¤tzlich das Gesetz, Ã¼bertreÂ­ten.Â« Ferner: Â»Es ist besser, wenn du ein geringes Verbot Ã¼bertrittst, als dass der NÃ¤chste ein wichtiges Ã¼bertreten soll.Â« Hierher gehÃ¶ren die GesetzesdisÂ­pensationen wegen der Menschenehre, zur Ehre eines KÃ¶nigs, auch fÃ¼r den, der mit der Regierung verkehrt u. a. m., ferner andere Gesetzeserleichterungen mit der Bezeichnung des Grundes: Â»Man erlaubte das Ende wegen des AnfangsÂ«; Â»Wenn er sie doch heiratet verboten, so ist es besser, dass er sie erÂ­laubt heirateÂ«; Â»Wenn er es verboten genieÃŸt, ist es besser, dass er es erlaubt genieÃŸeÂ« u. a. m. So wiesen sie auf Esra 10. 8 hin und bestimmten: Â»dass die Freigebung durch das Gericht als geÂ­setzliche Freigebung zu betrachten sei. Â« Bei Gesetzeserleichterungen in GeldsaÂ­chen bemerkten sie, dass es geschehe, um keine Geldausgaben zu verursaÂ­chen; oder: Â»damit man nicht vor den Armen, welche Geld leihen, die TÃ¼re verschlieÃŸeÂ«; oder: Â»damit der Finder das Gefundene zurÃ¼ckgebeÂ«. FÃ¼r GeÂ­setzeserleichterungen oder InstitutioÂ­nen in Ehesachen lautete der Grund: Â»um etwaiger Feindschaft in der Ehe vorzubeugenÂ«; oder: Â»wegen Gunst der FrauÂ«; oder: Â»damit dem Manne es nicht leicht wird, sich von der Frau zu scheidenÂ«; Â»damit kein schlechter Ruf sich verbreiteÂ«, u. a.m. Maimonides hat diese sÃ¤mtlichen Bestimmungen in wenige Worte, die gar viel sagen, zuÂ­sammengefasst. Er sagte: Â»So soll man zeitweilig ein Gebot oder Verbot aufÂ­heben, um viele fÃ¼r das Gesetz wieder zu gewinnen, oder mehrere von vielen Vergehungen zu retten. Wie ein Arzt die Amputation einer Hand oder eines FuÃŸes ausfÃ¼hrt, um den Menschen am Leben zu erhalten, so dÃ¼rfen die Lehrer in den verschiedenen Zeiten auf eine Zeit Gesetze abschaffen, damit alle anÂ­deren erhalten bleiben und vollzogen werden.Â« In der Weise wie schon die Weisen der Vorzeit lehrten: Â»Entweihe einen Shabbath, damit du mehrere Shabbathe halten kannst.Â« Auch in der zweiten TÃ¤tigkeit der Rabbinen bei BeÂ­stimmung von Vorbeugungsgesetzen suchen die dieselben durch Angaben von GrÃ¼nden gleichsam zu rechtfertiÂ­gen. Die Pflicht fÃ¼r die Rabbinen, VorÂ­beugungsmaÃŸregeln zu treffen, um das Gesetz vor Ãœbertretung zu schÃ¼tzen, finden sie in 3. M. 18. 30: Â»Ihr sollet hÃ¼ten meine VorschriftÂ« angedeutet, d. h. machet eine Hut fÃ¼r meine VorÂ­schrift. Als einzelne GrÃ¼nde fÃ¼r solche VerhÃ¼tungsverbote werden genannt: Â»Um den Menschen von der SÃ¼nde zu entfernenÂ«; Â»ihn nicht zur GesetzesÂ­Ã¼bertretung kommen zu lassenÂ«; Â»daÂ­mit er sich nicht an die SÃ¼nde geÂ­wÃ¶hneÂ«; Â»damit er zu keiner Untat verleitet werde. Â« Â» Gehe, gehe, nahe dich nicht dem Weinberge!Â« ist der Spruch an den NasirÃ¤er, damit er nicht zum Traubengenuss verlockt werde. Ferner: Â»Um jeden Schein der SÃ¼nde fern zu haltenÂ«, jeden Verdacht zu entÂ­fernen (Schekalim 3. 2), einer LebensÂ­gefahr vorzubeugen (Aboda sara 17b), keine Untreue gegen fremdes Gut zu veranlassen, oder jedem Raube, auch dem geringsten, fern zu bleibenÂ« u. a. m. Im Allgemeinen gebrauchten sie dafÃ¼r den Spruch: Â»Halte dich zuÂ­rÃ¼ck vom HÃ¤sslichen (SÃ¼ndhaften) und von dem, was ihm gleicht.. Doch mahnten sie auch hier gar sehr und oft vor dem Zuviel und stellten zur BeÂ­grenzung dieser Gesetzesarbeiten geÂ­wisse Normen auf. Von denselben nenÂ­nen wir die Bestimmung: Â»Man verhÃ¤nge nichts Ã¼ber die Gemeinde, was die Mehrheit derselben nicht erÂ­tragen kannÂ«; Â»Man mache kein VerÂ­hÃ¼tungsverbot zu einem VerhÃ¼tungsÂ­verbotÂ«; Â»FÃ¼r eine Sache, die nicht immer existiert, oder selten vorkommt, errichte man kein VerhÃ¼tungsverbot.Â« Ferner mieden sie VerhÃ¼tungsverbote aufzustellen in den Sachen und FÃ¤llen, wo man ohne dies sich in Acht nimmt oder zurÃ¼ckhÃ¤lt, oder wo die Leute pflichtgetreu und pflichteifrig sind. Am nachdrÃ¼cklichsten hÃ¶ren wir den LehÂ­rer R. Chia vor allzu viel GesetzesumÂ­zÃ¤unung warnen: Â»Man mache nie den Zaun hÃ¶her als das Gesetz, er fÃ¤llt sonst ein und man schneidet die Pflanze weg.Â« Als Beispiel wird auf die VerÂ­botsÃ¼bertretung des ersten MenschenÂ­paares hingewiesen. Es dÃ¼rfte nicht uninteressant sein, die differierenden Ansichten Ã¼ber den Wert der zur Zeit der jÃ¼dischen Kriege gefassten 18 BeÂ­schlÃ¼sse von VerhÃ¼tungsgesetzen gegen jede Vermischung mit den Heiden zu hÃ¶ren. R. Elieser sagt Ã¼ber dieselben: Â»An jenem Tage, wo die achtzehn BeÂ­schlÃ¼sse gefasst wurden, hÃ¤ufte man das MaÃŸ der Gesetze. Ein MaÃŸ, voll mit NÃ¼ssen, fÃ¼llte man noch mit Mohn ausÂ«, womit er bildlich angeben wollte, dass die hinzugefÃ¼gten rabbinischen Satzungen die LÃ¼cken des biblischen Gesetzes ausfÃ¼llten. Nein, rief ihm sein Zeitgenosse R. Josua zu: Â»An jenem Tage strich man das MaÃŸ der Gesetze gar sehr ab! Â« Â»Wenn man in ein MaÃŸ voll Ã–l Wasser hineingieÃŸt, geschieht es nicht, dass je mehr man an Wasser hineingieÃŸt, desto mehr Ã–l hinausÂ­strÃ¶mt, d. h. je mehr man VerhÃ¼tungsÂ­verbote schafft, desto mehr verliert das Schriftgesetz an Wert und Gehalt!. Auch die ErmÃ¤chtigung der Rabbiner zur Gesetzesaufhebung erhielt einige EinschrÃ¤nkungen, z. B. durch die BeÂ­stimmung: Â»Ein Rabbinerkollegium darf die getroffenen Bestimmungen und Institutionen eines anderen RabbiÂ­nerkollegiums nicht aufheben, wenn es dieses nicht an Weisheit und Zahl Ã¼berÂ­trifft! Diese sÃ¤mtlichen Lehren und BeÂ­stimmungen bilden das Ergebnis der vielen verschiedenen KÃ¤mpfe, die der Rabbinismus von seiner Entstehung bis lange nach dem Schluss des Talmud durchzumachen hatte. Es war in unseÂ­rer Absicht, auch diesen Kampfesgang des Rabbinismus zu schildern, aber der Umfang dieses Artikels hat ohnehin schon die ihm gesteckte Grenze Ã¼berÂ­schritten. Gegen die Gegner des RabbiÂ­nismus stellten sie die Lehren auf: Â»AlÂ­les, was die Rabbiner verordnet oder eingerichtet haben, ist als wenn es die Thora verordnet hÃ¤tteÂ«; Â»Die Thora bedarf keiner Befestigung, dagegen mÃ¼ssen sie Worte der Sopherim haÂ­benÂ«, u. a. m.
Pirke Abot - SprÃ¼che der VÃ¤ter
Â§ 1 Moses empfing...
Â§ 2 Simon der Gerechte
Â§ 3 Antigonos, ein Mann aus Soche
Â§ 4 Jose b. Joeser, ein Mann aus Zaredah, und Jose b. Jochanan, ein Mann aus Jerusalem
Â§ 5 Jose b. Jochanan, ein Mann aus Jerusalem, sagt
Â§ 6. Josua b. Parachja und Nithai aus Arbela erhielten von ihnen die Tradition
Â§ 7. Nithai aus Arbela sagt
A â€“ Agada
B â€“ Barkochba
C â€“ Chaber
D â€“ Dogmen
E â€“ Elieser
F â€“ Familie
G â€“ Gamliel
H â€“ Halacha
J â€“ Jehuda der FÃ¼rst
K â€“ Kabbala
L â€“ LaubhÃ¼tte
M â€“ Meir (Mair) Rabbi
N â€“ Nahrung
P â€“ PrÃ¤sumtion
R â€“ Rabban
S â€“ SadducÃ¤er
T â€“ Talmud
Z â€“ Zehn MÃ¤rtyrer