Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NZA%202007,%201230
Timestamp: 2019-03-18 14:34:35
Document Index: 48577427

Matched Legal Cases: ['§ 254', '§ 254', '§ 611', '§ 611', '§ 254', '§ 611']

Anspruch einer Bank gegen einen Wertpapierhändler auf Schadensersatz aufgrund der Nichtberücksichtigung einer "Stop-Loss-Order" eines Kunden; Sachlicher Anwendungsbereich der Grundsätze über die Beschränkung der Arbeitnehmerhaftung; Mitverschulden des Arbeitgebers im Fall eines Organisationsverschuldens; Voraussetzungen einer Entscheidung durch Teilurteil im arbeitsgerichtlichen Verfahren; Überprüfungsmöglichkeit der tatsachengerichtlichen Verteilung der Verantwortlichkeit für einen entstandenen Schaden durch das Revisionsgericht
Wer Stop-Loss-Order missachtet, zahlt voll
Haftung eines Wertpapierberaters
Der betriebliche Charakter der Tätigkeit geht schließlich nicht dadurch verloren, dass der Arbeitnehmer bei Durchführung der Tätigkeit grob fahrlässig oder vorsätzlich seine Verhaltenspflichten verletzt hat, auch wenn derartige Verhaltensverstöße nicht im Interesse des Arbeitgebers liegen (BAG 18.1.2007 - 8 AZR 250/06 - AP BGB § 254 Nr. 15 = EzA BGB 2002 Arbeitnehmerhaftung Nr. 2;… 18.4.2002 - 8 AZR 348/01 - aaO).
Es kommt also nicht nur darauf an, was von einem durchschnittlichen Anforderungen entsprechenden Angehörigen des jeweiligen Verkehrskreises in der jeweiligen Situation erwartet werden konnte, wozu auch gehört, ob die Gefahr erkennbar und der Erfolg vorhersehbar unvermeidbar war; abzustellen ist auch darauf, ob der Schädigende nach seinen individuellen Fähigkeiten die objektiv gebotene Sorgfalt erkennen und erbringen konnte (BAG 18.1.2007 - 8 AZR 250/06 - aaO;… 18.4.2002 - 8 AZR 348/01 - aaO).
Abzustellen ist auch insoweit darauf, ob der Schädiger nach seinen individuellen Fähigkeiten die objektiv gebotene Sorgfalt erkennen und erbringen konnte (BAG 18.1.2007 - 8 AZR 250/06 - AP BGB § 254 Nr. 15 = EzA BGB 2002 Arbeitnehmerhaftung Nr. 2; 18.4.2002 - 8 AZR 348/01 - BAGE 101, 107 = AP BGB § 611 Haftung des Arbeitnehmers Nr. 122 = EzA BGB § 611 Arbeitnehmerhaftung Nr. 70).
Bei grober Fahrlässigkeit hat der Arbeitnehmer zwar in aller Regel den gesamten Schaden zu ersetzen; eine Haftungserleichterung ist hier aber von einer Abwägung im Einzelfall abhängig (BAG 18.1.2007 - 8 AZR 250/06 - AP BGB § 254 Nr. 15 = EzA BGB 2002 § 611 Arbeitnehmerhaftung Nr. 2).
Zu den Umständen, denen je nach Lage des Einzelfalles ein unterschiedliches Gewicht beizumessen ist und die im Hinblick auf die Vielfalt möglicher Schadensursachen auch nicht abschließend bezeichnet werden können, gehören der Grad des dem Arbeitnehmer zur Last fallenden Verschuldens, die Gefahrgeneigtheit der Arbeit, die Höhe des Schadens, ein vom Arbeitgeber einkalkuliertes oder durch Versicherung abdeckbares Risiko, die Stellung des Arbeitnehmers im Betrieb und die Höhe des Arbeitsentgelts, in dem möglicherweise eine Risikoprämie enthalten ist (BAG 18.1.2007 - 8 AZR 250/06 - aaO).