Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=I%20R%2040/01
Timestamp: 2019-09-20 13:04:47
Document Index: 157396335

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 2', '§ 32', '§ 49', '§ 1', '§ 1', '§ 32', '§ 32', 'Art. 23', 'EuG', 'EuG', '§ 1', '§ 1', 'EuG']

BFH, 15.05.2002 - I R 40/01 - dejure.org
https://dejure.org/2002,760
BFH, 15.05.2002 - I R 40/01 (https://dejure.org/2002,760)
BFH, Entscheidung vom 15.05.2002 - I R 40/01 (https://dejure.org/2002,760)
BFH, Entscheidung vom 15. Mai 2002 - I R 40/01 (https://dejure.org/2002,760)
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EStG § 1 Abs. 1 und 4, § 2 Abs. 7 Satz 3, § 32b Abs. 1 Nr. 2, § 49 Abs. 1 Nr. 4
Revision - Einkommensteuer - Arbeitnehmer - Kalenderjahr - Inland - Ausland - Wegzug - Einkünfte - Progressionsvorbehalt - Wohnsitz - EU-Staat - Gemeinschaftsrecht - Zusammenveranlagung - Ehegatten
§§ 1, 2, 32b, 49 EStG
Einkommensteuer; Einkünfte einer zunächst unbeschränkt steuerpflichtigen Person nach deren Wegzug ins Ausland
Neues zum Progressionsvorbehalt bei zeitweiser unbeschränkter Steuerpflicht
Einkommensteuergesetz, §§ 1 Abs. 1 und 4, 2 Abs. 7 Satz 3, 32b Abs. 1 No. 2 und 49 Abs. 1 No. 4
BFHE 199, 224
NZA 2003, 36
BB 2002, 798
DB 2002, 1743
BStBl 2002, 660
BStBl II 2002, 660
Sie sind jedoch in einem solchen Fall bei der Bemessung des anzuwendenden Steuersatzes zu berücksichtigen (Progressionsvorbehalt), wenn dies nicht durch ein Doppelbesteuerungsabkommen ausgeschlossen wird (Bestätigung der Senatsurteile vom 6. Oktober 1993 I R 32/93, BFHE 172, 385, BStBl II 1994, 113; vom 19. Dezember 2001 I R 63/00, BFHE 197, 495, BStBl II 2003, 302; vom 15. Mai 2002 I R 40/01, BFHE 199, 224, BStBl II 2002, 660).
Sofern diese mit dem Wegzug des Klägers entfallen sein sollte, werden dessen während des Streitjahres in Australien erzielte Einkünfte demgegenüber von § 32b Abs. 1 Nr. 2 EStG 1997 (nicht der Einkommensteuer unterliegende ausländische Einkünfte eines zeitweise unbeschränkt Steuerpflichtigen) erfasst; die genannte Regelung greift u.a. dann ein, wenn eine zunächst unbeschränkt steuerpflichtige Person ohne Beibehaltung eines Wohnsitzes oder des gewöhnlichen Aufenthalts im Inland ins Ausland verzieht (Senatsurteile vom 19. Dezember 2001 I R 63/00, BFHE 197, 495, BStBl II 2003, 302; vom 15. Mai 2002 I R 40/01, BFHE 199, 224, BStBl II 2002, 660).
I R 40/01, in denen der Bundesfinanzhof die Verfassungsgemäßheit der Regelung des § 32 b Abs. 1 Nr. 2 EStG festgestellt habe, gehindert sei.
Die Regelung greift vielmehr ihrem Wortlaut nach auch dann ein, wenn in einem Teil des Kalenderjahres unbeschränkte Steuerpflicht besteht und im anderen Teil keine in der Bundesrepublik zu besteuernden Einkünfte anfallen (…so die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs, vgl. Urteile vom 19. Dezember 2001 I R 63/00, BFH/NV 2002, 584; bestätigt im Urteil vom 15. Mai 2002 I R 40/01, BStBl II 2002, 660).
Insoweit setze die Berücksichtigung des Progressionsvorbehaltes nicht voraus, dass das betreffende Doppelbesteuerungsabkommen die Anwendung des Progressionsvorbehalts ausdrücklich positiv erlaube (…so der Bundesfinanzhof in der Entscheidung vom 19. Dezember 2001 I R 63/00, a.a.O.; bestätigt im Urteil vom 15. Mai 2002 I R 40/01, a.a.O.).
Der Bundesfinanzhof hat sich im Rahmen seiner Entscheidung vom 15. Mai 2002 (I R 40/01, a.a.O.) ausführlich mit der Frage auseinandergesetzt, inwieweit die Einbeziehung steuerbefreiter ausländischer Einkünfte in den Progressionsvorbehalt gegen das euopäische Gemeinschaftsrecht, insbesondere gegen den Grundsatz der Arbeitnehmerfreizügigkeit im Sinne Artikel 39 des EG-Vertrages verstößt.
Diesbezüglich hat der Bundesfinanzhof in der genannten Entscheidung vom 15. Mai 2002 (I R 40/01, a.a.O.) darauf hingewiesen, dass die Anwendung des Progressionsvorbehalts auf das in Deutschland zu versteuernde Einkommen nicht dazu führe, dass dieses Einkommen sowohl in Deutschland als auch in dem betreffenden anderen Staat besteuert werde.
Das gleiche Ergebnis hätte sich jedoch auch eingestellt, wenn der betreffende Steuerpflichtige weder zugezogen noch weggezogen wäre und auch in der Bundesrepublik Deutschland keine weitergehenden Einkünfte erzielt hätte (so der Bundesfinanzhof in seiner Entscheidung vom 15. Mai 2002 I R 40/01, a.a.O.).
Danach ist die Statuierung eines gesetzlichen Progressionsvorbehalts hinsichtlich der im Ausland erzielten Einkünfte im Rahmen der Durchführung einer Einkommensteuer-Jahresveranlagung in Deutschland unter Anwendung der ESt-Grundtabelle oder ESt-Splittingtabelle nach dem GG und den von Deutschland abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen immer dann zulässig, wenn das betreffende DBA einen solchen Progressionsvorbehalt nicht ausdrücklich verbietet (= Änderung der BFH-Rechtsprechung zum Progressionsvorbehalt, vgl. Urteile vom 19. Dezember 2001 I R 63/00, BFHE 197, 495, BStBl II 2003, 302 mit Anm. Mössner, IStR 2002, 242 und vom 15. Mai 2002 I R 40/01, BFHE 199, 224, BStBl II 2002, 660;… s. a. Wassermeyer, in: Debatin/Wassermeyer, a. a. O., Art. 23 A MA Rz. 122 m. w. N.).
Letzteres hat der BFH im Urteil vom 15. Mai 2002, a. a. O. für das DBA-Niederlande erst kürzlich ausdrücklich verneint.
Wegen der Einzelheiten der Begründung wird, um Wiederholungen zu vermeiden, auf das Senatsurteil in BFHE 197, 495, BStBl II 2003, 302, dort unter II.5., Bezug genommen (vgl. auch Senatsurteil vom 15. Mai 2002 I R 40/01, BFHE 199, 224, BStBl II 2002, 660).
Da die Voraussetzungen für die Zusammenveranlagung mit seiner Ehefrau bei dem Kläger im Ergebnis schon 1997 vorlagen und er diese Voraussetzungen als solche inhaltlich nicht beanstandet, sieht der Senat davon ab, dem EuGH die Frage nach der Europarechtskonformität speziell der dem zu Grunde liegenden einkommensteuerrechtlichen Bestimmungen vorzulegen (für die Europarechtskonformität des deutschen Rechts insoweit: Bundesfinanzhof, Urteil vom 15. Mai 2002 - I R 40/01, BFHE 1999, 224).
Andererseits hat der EuGH die Rechtmäßigkeit der Wesentlichkeitsgrenzen in § 1a Abs. 1 Nr. 2 i.V.m. § 1 Abs. 3 Satz 2 EStG ausdrücklich bestätigt (Urteil "Gschwind" in EuGHE 1999, I-5451, BStBl II 1999, 841; s. auch Senatsurteil vom 15. Mai 2002 I R 40/01, BFHE 199, 224, BStBl II 2002, 660).
Indes hat der Senat in seinen Urteilen vom 19. Dezember 2001 I R 63/00 (BFHE 197, 495) und vom 15. Mai 2002 I R 40/01 (BFHE 199, 224, BStBl II 2002, 660) entschieden, dass der Regelung des Progressionsvorbehaltes in dem Methodenartikel der DBA nur deklaratorische Bedeutung zukommt.
FG Baden-Württemberg, 21.03.2012 - 4 K 4095/10
Anwendung des inländischen Progressionsvorbehalts auf schweizerische Einkünfte, …