Source: https://www.ewir-online.de/heft-18-2006/ewir-2006-565-gleichbehandlung-der-unterbilanzhaftung-nach-kapitalaufbringungsregeln-wie-bareinlageschuld/
Timestamp: 2019-09-18 14:30:09
Document Index: 173855427

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 11', '§ 11', '§ 11', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 11', '§ 19']

Gleichbehandlung der Unterbilanzhaftung nach Kapitalaufbringungsregeln wie Bareinlageschuld (BGH, Urt. v. 16.01.2006 – II ZR 65/04 – Alexander Naraschewski) – EWiR 2006, 565 | EWiR online
EWiR 2006, 565
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1/06 GmbH Unterbilanzhaftung Start-up-Unternehmen Wirtschaftsrecht Handels- und Gesellschaftsrecht GmbHG § 11Gleichbehandlung der Unterbilanzhaftung nach Kapitalaufbringungsregeln wie Bareinlageschuld GmbHG§ 11 BGH, Urt. v. 16.01.2006 – II ZR 65/04 (OLG Dresden), ZIP 2006, 668 = DStR 2006, 71 = GmbHR 2006, 482 = NJW 2006, 1594 = WM 2006, 719 = ZInsO 2006, 374 +BGHUrt.16.1.2006II ZR 65/04ZIP 2006, 668DStR 2006, 71GmbHR 2006, 482NJW 2006, 1594WM 2006, 719ZInsO 2006, 374OLG Dresden
1. Im Rahmen der Ermittlung der Unterbilanzhaftung kann auch bei einem sogenannten „Start-up“-Unternehmen von einer als bewertbares Unternehmen anzusehenden strukturierten Organisationseinheit während des Stadiums der Vor-GmbH nur in engen Ausnahmefällen und erst dann ausgegangen werden, wenn das von den Gründungsgesellschaftern verfolgte innovative Geschäftskonzept seine Bestätigung am Markt gefunden hat (vgl. BGHZ 140, 35 = ZIP 1998, 2151).
2. Der Anspruch aus Unterbilanzhaftung ist grundsätzlich wie ein Anspruch auf Leistung fehlender Bareinlagen zu behandeln und unterliegt deshalb denselben strengen Regeln der Kapitalaufbringung wie die ursprüngliche Einlageschuld (vgl. BGHZ 124, 282, 286 = ZIP 1994, 295, 296, dazu EWiR § 11 GmbHG 1/94, 275 (v. Gerkan)). Auch bei der Unterbilanzhaftung ist nach dem entsprechend geltenden Grundsatz der realen Kapitalaufbringung ein automatisches Erlöschen des Anspruchs durch faktische Zweckerreichung infolge anderweitiger Auffüllung des Haftungsfonds ausgeschlossen. Der aus Unterbilanz haftende Gesellschafter kann nach dem ebenfalls entsprechend geltenden § 19 GmbHG nicht einseitig mit Forderungen, die er gegen die GmbH besitzt, aufrechnen.
Alexander Naraschewski, Dr. iur., LL.M. (Northwestern University, Chicago), Rechtsanwalt, Attorney at Law (New York) – Rechtsanwälte Naraschewski, Wilhelmshaven