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Timestamp: 2017-11-24 12:47:43
Document Index: 299643336

Matched Legal Cases: ['Art. 43', 'Art. 6', 'Art. 4', 'BGE', 'BGE', 'in fine']

9C_302/2013 25.09.2013
9C_302/2013
Die 1959 geborene S.________ ist gelernte Krankenschwester und war später in einem halben Pensum als Sekretärin erwerbstätig. Am 14. November 2008 meldete sie sich unter Hinweis darauf, schon bei kleinster körperlicher Belastung träten schnelle Erschöpfung und Dyspnoe (Atemnot) ein, bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Das Versicherungsgericht des Kantons Aargau hob die Verfügung der IV-Stelle Aargau vom 31. Mai 2010, in welchem das Leistungsbegehren mangels eines ausgewiesenen invalidisierenden Gesundheitsschadens abgelehnt worden war, auf und wies die Sache zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung an die Verwaltung zurück. Das kantonale Gericht hielt fest, nach umfassender somatischer Abklärung zeige sich, dass die Versicherte überwiegend wahrscheinlich weder an Fibromyalgie noch an einer entzündlichen oder degenerativen Muskelerkrankung leide. Hingegen bestehe psychiatrischer Abklärungsbedarf (Entscheid vom 26. Mai 2011).
Das Versicherungsgericht des Kantons Aargau wies die dagegen erhobene Beschwerde ab (Entscheid vom 28. Februar 2013).
S.________ führt Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit den Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid und die strittige Verfügung seien aufzuheben; es sei ihr mit Wirkung ab Juni 2009 mindestens eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Eventuell sei die Sache zur weiteren medizinischen Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen.
Das kantonale Gericht hielt im Wesentlichen fest, die Erschöpfbarkeit der Beschwerdeführerin sei kardiologisch, neurologisch und pneumologisch umfassend abgeklärt worden. Anhand dieser Untersuchungen sei keine Erklärung für die Beschwerden gefunden worden. Im Übrigen stellte die Vorinstanz auf das interdisziplinäre Administrativgutachten der Dres. med. H.________ und L.________ ab. Nach dem psychiatrischen Teilgutachten des Dr. H.________ vom 5. Dezember 2011 bestehe eine Neurasthenie und ein Status nach längerer depressiver Reaktion (März bis Juli 2011). Die anlässlich eines Aufenthalts in der Klinik X.________ (Austrittsbericht vom 30. März 2010) diagnostizierte rezidivierende depressive Störung könne indes nicht bestätigt werden. Die Neurasthenie sei zwar chronifiziert und progredient, die Arbeitsfähigkeit dadurch aber nicht eingeschränkt. Nach dem rheumatologischen Teilgutachten des Dr. L.________ vom 12. Dezember 2011 bestehe ein chronisches Beschwerdebild, das sich unter anderem aus Erschöpfung, Kraftlosigkeit, Muskelschwäche, Müdigkeit, Atembeschwerden, Schwindel, Herzklopfen, Ohrgeräuschen und Schlaflosigkeit zusammensetze. Jedoch sei auch aus rheumatologischer Sicht weder im bisherigen Beruf der Sekretärin noch für die Haushalttätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erkennbar.
Die Beschwerdeführerin hält dagegen, die Entwicklung der Beschwerden seit dem Jahr 2007 und die Ergebnisse der Spiroergometrie zeigten, dass einzig die Diagnose CFS/ME (myalgische Enzephalomyelitis) schlüssig erscheine. An der Diagnose Neurasthenie festzuhalten, sei unter diesen Umständen offensichtlich tatsachenwidrig. So verhält es sich indes nicht. Auffällige Ergebnisse der spiroergometrischen Untersuchungen bringt Dr. G.________ mit metabolischen Veränderungen (nicht mit dem CFS) in Verbindung (Bericht vom 13. Juni 2012). Auch zu dieser Aussage gelangt er indes nur im Ausschlussverfahren: Der Befund könne weder mit einer ungenügenden Kooperation, der belastungsabhängigen Hyperventilation, einer psychosomatischen Komponente noch mit einer respiratorischen oder kardialen Einschränkung erklärt werden. Die Vorinstanz durfte unter diesen Umständen, ohne in Willkür zu verfallen (vgl. oben E. 1), davon ausgehen, die geklagten Beschwerden seien nicht hinreichend zuverlässig den beschriebenen Auffälligkeiten im Stoffwechsel zuzuordnen. Zudem liess der Pneumologe ausdrücklich offen, ob der Befund pathologischen Charakter hat. Die Beschwerdeführerin macht geltend, der Pneumologe vermöge diese Frage nach eigenem Bekunden nicht abschliessend zu beurteilen. Da die ausserhalb seines Fachbereichs liegenden weiteren möglichen Ursachen der geklagten Symptomatik umfassend abgeklärt worden waren, kann daraus nicht abgeleitet werden, es drängten sich weiterführende medizinische Abklärungen nach Art. 43 und 61 lit. c ATSG auf.
4.1. Sowohl die Neurasthenie (ICD-10: F48.0) wie das CFS (G93.3) gehören zu den Krankheitsbildern, die dadurch gekennzeichnet sind, dass ihre funktionellen Auswirkungen qualitativ und quantitativ ungewiss sind. Bei dieser Ausgangslage bedarf es einer besonderen Prüfung, ob die Einschränkung in der Leistungsfähigkeit in dem von Gesetzes wegen (Art. 6 ff. ATSG, Art. 4 Abs. 1 IVG) erforderlichen kausalen Zusammenhang mit den in Frage stehenden Gesundheitsschäden steht. Dabei geht es zunächst um die (auf medizinischem Fundament beruhenden) Tatfragen, ob ein solcher Gesundheitsschaden hinreichend erstellt ist (vgl. BGE 130 V 396) und wie weit ein solcher für die funktionellen Ausfälle verantwortlich ist, sowie anschliessend um die Rechtsfrage, ob die Folgen des festgestellten Leidens eine invalidisierende Wirkung haben (BGE 137 V 64 E. 1.2 in fine S. 66; 131 V 49).
Zusammengefasst verletzt der angefochtene Entscheid, wonach der Beschwerdeführerin keine Invalidenrente zusteht, Bundesrecht nicht.