Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/rhetorikschulung-fuer-den-betriebsratsvorsitzenden-328498
Timestamp: 2019-10-17 05:41:09
Document Index: 375737098

Matched Legal Cases: ['§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 40', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 40']

Rhe­to­rik­schu­lung für den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den | Rechtslupe
Rhe­to­rik­schu­lung für den Betriebs­rats­vor­sit­zen­den
Der Erwerb von Kennt­nis­sen der Rhe­to­rik kann für einen Betriebs­rats­vor­sit­zen­den im Ein­zel­fall durch­aus erfor­der­lich im Sin­ne von § 37 Abs. 6 Satz 1 BetrVG sein, um sei­ne Auf­ga­ben zu erle­di­gen.
Nach § 37 Abs. 6 Satz 1 BetrVG ist die Ver­mitt­lung von Kennt­nis­sen erfor­der­lich, wenn sie unter Berück­sich­ti­gung der kon­kre­ten Ver­hält­nis­se im Betrieb und im Betriebs­rat not­wen­dig sind, damit der Betriebs­rat sei­ne gegen­wär­ti­gen oder in naher Zukunft anste­hen­den Auf­ga­ben sach- und fach­ge­recht erfül­len kann. Dazu muss ein aktu­el­ler oder abseh­ba­rer betrieb­li­cher oder betriebs­rats­be­zo­ge­ner Anlass dar­ge­legt wer­den, aus dem sich der Schu­lungs­be­darf ergibt. Ledig­lich bei erst­mals gewähl­ten Betriebs­rats­mit­glie­dern braucht die Schu­lungs­be­dürf­tig­keit nicht näher dar­ge­legt zu wer­den, wenn Grund­kennt­nis­se im Betriebs­ver­fas­sungs­recht, im all­ge­mei­nen Arbeits­recht oder im Bereich der Arbeits­si­cher­heit und Unfall­ver­hü­tung ver­mit­telt wer­den. Der Senat unter­schei­det zwi­schen der Ver­mitt­lung sog. Grund­kennt­nis­se und ande­ren Schu­lungs­ver­an­stal­tun­gen. Durch die Ver­mitt­lung von Grund­wis­sen soll das Betriebs­rats­mit­glied erst in die Lage ver­setzt wer­den, sei­ne sich aus der Amts­stel­lung erge­ben­den Rech­te und Pflich­ten ord­nungs­ge­mäß wahr­zu­neh­men. Für ande­re Schu­lungs­ver­an­stal­tun­gen muss ein aktu­el­ler, betriebs­be­zo­ge­ner Anlass für die Annah­me bestehen, dass die in der Schu­lungs­ver­an­stal­tung zu erwer­ben­den beson­de­ren Kennt­nis­se der­zeit oder in naher Zukunft von dem zu schu­len­den Betriebs­rats­mit­glied benö­tigt wer­den, damit der Betriebs­rat sei­ne Betei­li­gungs­rech­te sach- und fach­ge­recht aus­üben kann 1. Der Schu­lungs­an­spruch aus § 37 Abs. 6 BetrVG ist kein indi­vi­du­el­ler Anspruch des ein­zel­nen Betriebs­rats­mit­glieds, son­dern ein kol­lek­ti­ver Anspruch des Betriebs­rats dar­auf, dass einem bestimm­ten Betriebs­rats­mit­glied Kennt­nis­se ver­mit­telt wer­den, die für die Arbeit des Gre­mi­ums erfor­der­lich sind 2.
Danach kann der Erwerb von Kennt­nis­sen der Rhe­to­rik erfor­der­lich im Sin­ne von § 37 Abs. 6 Satz 1 BetrVG sein. Sind die Ver­hält­nis­se im Betrieb und im Betriebs­rat so gela­gert, dass der Betriebs­rat sei­ne gesetz­li­chen Auf­ga­ben nur dann sach­ge­recht erfül­len kann, wenn die rhe­to­ri­schen Fähig­kei­ten bestimm­ter Betriebs­rats­mit­glie­der durch Teil­nah­me an einer Schu­lungs­ver­an­stal­tung ver­bes­sert wer­den, kann die Ent­sen­dung die­ser Betriebs­rats­mit­glie­der zu einer Rhe­to­rik­schu­lung erfor­der­lich im Sin­ne von § 37 Abs. 6 Satz 1 BetrVG sein. Zu den­ken ist etwa an Schu­lungs­ver­an­stal­tun­gen über die Dis­kus­si­ons­lei­tung für Betriebs­rats­vor­sit­zen­de und ihre Stell­ver­tre­ter 3. Im Ein­zel­fall ist jedoch dar­zu­le­gen, dass gera­de das zu der Schu­lung ent­sand­te Betriebs­rats­mit­glied die dort ver­mit­tel­ten Kennt­nis­se braucht, damit der Betriebs­rat sei­ne gesetz­li­chen Auf­ga­ben sach- und fach­ge­recht wahr­neh­men kann 2. Auf die­se Dar­le­gung kann nicht ver­zich­tet wer­den. Kennt­nis­se der Rhe­to­rik sind kein Grund­wis­sen im Betriebs­ver­fas­sungs­recht, im all­ge­mei­nen Arbeits­recht oder im Bereich der Arbeits­si­cher­heit und Unfall­ver­hü­tung, das unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung der Amts­aus­übung ist. Es geht viel­mehr um bestimm­te Schlüs­sel­qua­li­fi­ka­tio­nen, für deren Erwerb ein aktu­el­ler, betriebs­be­zo­ge­ner Anlass bestehen muss, der auch in der ers­ten Wahl­pe­ri­ode dar­ge­legt wer­den muss. Bei Rhe­to­rik­schu­lun­gen kann nicht all­ge­mein davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Betriebs­rat sei­ne gesetz­li­chen Auf­ga­ben nur dann sach- und fach­ge­recht erfül­len kann, wenn jedes Betriebs­rats­mit­glied über die ent­spre­chen­den Kennt­nis­se ver­fügt. Von Bedeu­tung für die Beur­tei­lung der Erfor­der­lich­keit einer Rhe­to­rik­schu­lung kön­nen neben der Funk­ti­on des zu Schu­len­den ins­be­son­de­re des­sen schon vor­han­de­ne rhe­to­ri­sche Kom­pe­tenz und die in der Wahl­pe­ri­ode noch anste­hen­den rhe­to­ri­schen Anfor­de­run­gen sein.
Hier spre­chen die Funk­ti­on des Betriebs­rats­vor­sit­zen­den, die Lei­tung eines grö­ße­ren – 13-köp­fi­gen – Betriebs­rats­gre­mi­ums und die Lei­tung von Betriebs­ver­samm­lun­gen, an denen regel­mä­ßig 350 bis 400 Arbeit­neh­mer teil­neh­men, für die Erfor­der­lich­keit der Rhe­to­rik­schu­lung. Ohne die Fest­le­gung der zeit­li­chen Lage und des Orts der Schu­lungs­ver­an­stal­tung ist es gleich­wohl nicht mög­lich, die Erfor­der­lich­keit der Schu­lung des Betriebs­rats­vor­sit­zen­den abschlie­ßend zu beur­tei­len. Die Erfor­der­lich­keits­prü­fung, die der Betriebs­rat nach § 40 Abs. 1, § 37 Abs. 6 BetrVG vor­zu­neh­men hat, umfasst ua. auch die Fest­le­gung der zeit­li­chen Lage und den Ort der Schu­lungs­ver­an­stal­tung. Das wird an § 37 Abs. 6 Satz 3 bis 6 BetrVG deut­lich. Der Betriebs­rat hat nach § 37 Abs. 6 Satz 3 BetrVG bei der Fest­le­gung der zeit­li­chen Lage der Teil­nah­me an Schu­lungs- und Bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen die betrieb­li­chen Not­wen­dig­kei­ten zu berück­sich­ti­gen. § 37 Abs. 6 Satz 4 BetrVG sieht vor, dass der Betriebs­rat dem Arbeit­ge­ber die Teil­nah­me und die zeit­li­che Lage der Schu­lungs- und Bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen recht­zei­tig bekannt zu geben hat. Der Arbeit­ge­ber kann nach § 37 Abs. 6 Satz 5 BetrVG die Eini­gungs­stel­le anru­fen, wenn er die betrieb­li­chen Gege­ben­hei­ten für nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt hält. Die berech­tig­ten Belan­ge des Arbeit­ge­bers kön­nen nur dann aus­rei­chend bedacht wer­den, wenn Ort und Zeit der Schu­lung fest­ste­hen. Dar­an fehlt es im hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall. Die not­wen­di­ge Ein­zel­fall­be­trach­tung, die immer wie­der eine neue Ent­schei­dung des Betriebs­rats erfor­dert, lässt die ver­lang­te Fest­stel­lung nicht zu 4.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­kennt nicht, dass es auf­grund des Erfor­der­nis­ses eines Betriebs­rats­be­schlus­ses, der auf eine kon­kre­te, nach Zeit­punkt und Ort bestimm­te Schu­lung bezo­gen ist, schwie­rig oder fast unmög­lich wer­den kann, vor dem Schu­lungs­be­such eine rechts­kräf­ti­ge gericht­li­che Ent­schei­dung über sei­ne Erfor­der­lich­keit her­bei­zu­füh­ren. Soweit Rech­te von kon­kre­ten, sich ändern­den Umstän­den abhän­gen, kann die Rechts- und Ver­fah­rens­ord­nung aber nicht stets – jeden­falls nicht im Erkennt­nis­ver­fah­ren – die vor­he­ri­ge rechts­kräf­ti­ge gericht­li­che Klä­rung des Streits über das Bestehen des Rechts sicher­stel­len. Viel­mehr kann es Sache des tat­säch­li­chen oder ver­meint­li­chen Rechts­in­ha­bers sein, das Recht wahr­zu­neh­men und erfor­der­li­chen­falls danach klä­ren zu las­sen, ob das berech­tig­ter­wei­se geschah. Das gilt auch für den eigen­ver­ant­wort­lich han­deln­den Betriebs­rat. Mit sei­nem Beur­tei­lungs­spiel­raum kor­re­spon­diert das Risi­ko, ihn über­schrit­ten zu haben. Die­ses Ver­fah­ren ver­langt kei­ne abschlie­ßen­de Beur­tei­lung, ob der Betriebs­rat oder das zu schu­len­de Mit­glied jeden­falls für die unmit­tel­bar zu leis­ten­den, ihm finan­zi­ell nicht mög­li­chen oder zumut­ba­ren Auf­wen­dun­gen einen Vor­schuss des Arbeit­ge­bers im Wege einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ver­lan­gen kann.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 12. Janu­ar 2011 – 7 ABR 94/​09
vgl. BAG 07.05.2008 – 7 AZR 90/​07, Rn. 12, 14, AP BetrVG 1972 § 37 Nr. 145 = EzA BetrVG 2001 § 37 Nr. 7; 19.03.2008 – 7 ABR 2/​07, Rn. 13, EzB BetrVG § 37 Nr. 17[↩]
vgl. BAG 24.05.1995 – 7 ABR 54/​94, AP BetrVG 1972 § 37 Nr. 109 = EzA BetrVG 1972 § 37 Nr. 127[↩][↩]
vgl. BAG 15.02.1995 – 7 AZR 670/​94, AP BetrVG 1972 § 37 Nr. 106 = EzA BetrVG 1972 § 37 Nr. 125; anders noch 14.09.1994 – 7 ABR 27/​94, AP BetrVG 1972 § 37 Nr. 99 = EzA BetrVG 1972 § 37 Nr. 120; 20.10.1993 – 7 ABR 14/​93, mwN, AP BetrVG 1972 § 37 Nr. 91 = EzA BetrVG 1972 § 37 Nr. 116[↩]
vgl. zu § 40 Abs. 1 BetrVG BAG 16. Okto­ber 1986 – 6 ABR 4/​84 – zu IV 2 der Grün­de, DB 1987, 1439[↩]
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