Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2016-05-11/viii-zr-209_15
Timestamp: 2017-11-24 20:39:52
Document Index: 18733753

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 556', '§ 556', '§ 128', '§ 556', '§ 556', '§ 556', '§ 556']

BGH, 11.05.2016 - VIII ZR 209/15 - Geltung des Einwendungsausschlusses für nicht auf den Mieter umlegbare Betriebskosten in der Wohnraummiete | anwalt24.de
Urt. v. 11.05.2016, Az.: VIII ZR 209/15
Geltung des Einwendungsausschlusses für nicht auf den Mieter umlegbare Betriebskosten in der Wohnraummiete
Referenz: JurionRS 2016, 16435
Aktenzeichen: VIII ZR 209/15
AG Ratingen - 10.12.2014 - AZ: 8 C 279/14
LG Düsseldorf - 16.09.2015 - AZ: 23 S 5/15
§ 556 Abs. 1 S. 1 BGB
§ 556 Abs. 3 S. 6 BGB
DWW 2016, 213-215
JurBüro 2016, 500-501
JZ 2016, 474
MDR 2016, 875-876
MietRB 2016, 249-250
MK 2016, 120-121
NJW 2016, 8-9
NJW-Spezial 2016, 514
NZM 2016, 470-472
RdW 2016, 637-638
WuM 2016, 420-422
WuM 2016, 480-481
ZAP EN-Nr. 506/2016
ZAP 2016, 726
ZfF 2016, 169
ZMR 2016, 436-438
ZWE 2016, 327-329
Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat im schriftlichen Verfahren gemäß § 128 Abs. 2 ZPO mit Schriftsatzfrist bis zum 16. April 2016 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Milger, die Richterinnen Dr. Hessel und Dr. Fetzer sowie die Richter Dr. Bünger und Kosziol
aa) Einige Stimmen (AG Karlsruhe, ZMR 2012, 787 f.; Langenberg/ Zehelein, Betriebskosten- und Heizkostenrecht, 8. Aufl., H VI Rn. 269; SchmidtFutterer/Langenberg, Mietrecht, 12. Aufl., § 556 BGB Rn. 503) sind der Auffassung, dass der Einwendungsausschluss nicht für abgerechnete Kosten gelte, die nicht zu den Betriebskosten im Sinne der Betriebskostenverordnung zählten. Andernfalls entstünde ein Wertungswiderspruch, wenn das Gesetz die Umlage derartiger Kosten einerseits generell nicht gestatte und dem Mieter andererseits die Berufung darauf durch Fristablauf abschneiden würde.
Weder aus dem Wortlaut des § 556 Abs. 3 Satz 5, 6 BGB noch aus dem Sinn und Zweck der Vorschriften (vgl. hierzu Senatsurteil vom 8. Dezember 2010 - VIII ZR 27/10, aaO Rn. 16 ff.) ergeben sich Hinweise auf eine Beschränkung des Einwendungsausschlusses. Die Bestimmung stellt im Interesse der Ausgewogenheit (BT-Drucks. 14/5663, S. 79) dem Nachforderungsausschluss für den Vermieter (§ 556 Abs. 3 Satz 3 BGB) einen Einwendungsausschluss für den Mieter gegenüber. Damit soll erreicht werden, dass in absehbarer Zeit nach einer Betriebskostenabrechnung Klarheit über die wechselseitig geltend gemachten Ansprüche besteht (BT-Drucks. 14/5663, aaO). Die insoweit beabsichtigte Befriedungsfunktion wäre hingegen nicht umfassend gewährleistet, wenn die Einwendung des Mieters, bestimmte Kosten seien generell nicht als Betriebskosten umlagefähig, auch noch nach Fristablauf erhoben werden könnte. Dies gilt umso mehr, als die Zuordnung zu umlegbaren und nicht umlegbaren Betriebskosten nicht immer eindeutig ist (MünchKommBGB/Schmid, § 556, aaO; vgl. auch Senatsurteil vom 10. Februar 2016 - VIII ZR 33/15, WuM 2016, 214 Rn. 15, zur Frage der Umlagefähigkeit von Kosten der Parkpflege).
Verkündet am: 11. Mai 2016