Source: https://www.rechtslupe.de/allgmeines/der-grundstueckskauf-des-gesellschafter-geschaeftsfuehrers-und-die-finanzierung-durch-die-gmbh-394598
Timestamp: 2020-01-22 01:50:34
Document Index: 79713400

Matched Legal Cases: ['§ 20', '§ 4', '§ 8', '§ 20', '§ 85', '§ 76', '§ 118', '§ 8', '§ 20']

Der Grund­stücks­kauf des Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers – und die Finan­zie­rung durch die GmbH | Rechtslupe
Der Grundstückskauf des Gesellschafter-Geschäftsführers - und die Finanzierung durch die GmbH
Eine vGA i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG liegt vor, wenn die Kapi­tal­ge­sell­schaft ihrem Gesell­schaf­ter außer­halb der gesell­schafts­recht­li­chen Gewinn­ver­tei­lung einen Ver­mö­gens­vor­teil im Sin­ne einer bei ihr ein­tre­ten­den Ver­mö­gens­min­de­rung (ver­hin­der­te Ver­mö­gens­meh­rung) zuwen­det, die­se Zuwen­dung ihren Anlass oder zumin­dest ihre Mit­ver­an­las­sung im Gesell­schafts­ver­hält­nis hat, sich auf die Höhe des Unter­schieds­be­tra­ges gemäß § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG i.V.m. § 8 Abs. 1 des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes (KStG) aus­wirkt und in kei­nem Zusam­men­hang mit einer offe­nen Aus­schüt­tung steht 1.
Ist der begüns­tig­te Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer ‑wie im Streit­fall der Klä­ger- ein beherr­schen­der, kann die Ver­mö­gens­min­de­rung schon dann ihre Ursa­che im Gesell­schafts­ver­hält­nis haben, wenn der Leis­tung an den Gesell­schaf­ter oder eine die­sem nahe­ste­hen­de Per­son kei­ne kla­re und von vorn­her­ein abge­schlos­se­ne Ver­ein­ba­rung zugrun­de liegt 6. Im Rah­men des § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG ist die vGA in die­sen Fäl­len beim Gesell­schaf­ter zu erfas­sen, wenn ihm der Ver­mö­gens­vor­teil zufließt 7.
Die­se Anfor­de­run­gen an die steu­er­li­che Aner­ken­nung von Ver­trä­gen nach den Grund­sät­zen des Fremd­ver­gleichs stel­len aller­dings kei­ne beson­de­ren ‑unge­schrie­be­nen- Merk­ma­le des steu­er­ge­setz­li­chen Tat­be­stan­des, son­dern Beweis­wür­di­gungs­re­geln dar.
Rechts­grund­la­ge des Fremd­ver­gleichs sind die §§ 85 und 88 AO sowie § 76 Abs. 1 FGO. Der Fremd­ver­gleich ermög­licht auf­grund einer Wür­di­gung von Beweis­an­zei­chen den Schluss, aus wel­chen Grün­den ein Leis­tungs­aus­tausch zwi­schen GmbH und Gesell­schaf­ter oder des­sen Ange­hö­ri­gen statt­ge­fun­den hat. Erst das Ergeb­nis die­ser der Tat­sa­chen­fest­stel­lung zuzu­ord­nen­den Indi­zien­wür­di­gung ermög­licht die nach­fol­gen­de recht­li­che Sub­sum­ti­on, ob es sich im Ein­zel­fall um eine vGA han­delt. Die ent­spre­chen­de Wür­di­gung obliegt grund­sätz­lich dem Finanz­ge­richt als Tat­sa­chen­in­stanz. Ver­stößt die Gesamt­ab­wä­gung weder gegen Erfah­rungs­sät­ze noch gegen die Denk­ge­set­ze, so ist der BFH dar­an gebun­den (§ 118 Abs. 2 FGO) 9.
Die­se zum Begriff der vGA i.S. von § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG ent­wi­ckel­ten Rechts­grund­sät­ze sind auch für die Aus­le­gung des Begriffs der vGA in § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG maß­geb­lich 10.
Nach die­sen Maß­stä­ben ist die Wür­di­gung des Finanz­ge­richt, nach den Grund­sät­zen des Fremd­ver­gleichs kön­ne die behaup­te­te Dar­le­hens­ver­ein­ba­rung zwi­schen der GmbH und dem Klä­ger des­halb nicht als fremd­üb­lich aner­kannt wer­den, weil weder der Klä­ger noch die GmbH im Streit­jahr oder in den Fol­ge­jah­ren den Ver­trag ver­ein­ba­rungs­ge­mäß ‑hin­sicht­lich ver­ein­bar­ter Zin­sen sowie hin­sicht­lich der Til­gung- durch­ge­führt hät­ten, nicht zu bean­stan­den 11.
Das Finanz­ge­richt hat ‑offen­las­send, ob die Ver­bu­chung über ein Ver­rech­nungs­kon­to zur Aner­ken­nung eines nicht ver­trag­lich gere­gel­ten Dar­le­hens­ver­hält­nis­ses genü­gen kann- eine vGA bejaht, weil der Klä­ger von Anfang an aus­weis­lich der nicht nen­nens­wer­ten Til­gungs­leis­tun­gen und stän­dig wach­sen­der Belas­tung des bei der GmbH geführ­ten Dar­le­hens-/Ver­rech­nungs­kon­tos mit den fäl­li­gen Zin­sen nicht ernst­lich bestrebt war, die erhal­te­nen Mit­tel in abseh­ba­rer Zeit wie­der zurück­zu­zah­len, und des­halb davon aus­zu­ge­hen sei, dass eine Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung von vorn­her­ein nicht begrün­det wer­den soll­te.
Die­se Aus­füh­run­gen sind ihrer Art nach geeig­net, die Fremd­üb­lich­keit eines Dar­le­hens­ver­tra­ges hin­sicht­lich sei­ner tat­säch­li­chen Durch­füh­rung in Fra­ge zu stel­len. Zu Recht hat das Finanz­ge­richt die dage­gen erho­be­nen Ein­wän­de des Klä­gers, wie sei­nen Hin­weis auf die ein­ge­schränk­te Leis­tungs­fä­hig­keit wegen Was­ser­schä­den sei­ner Miet­ob­jek­te oder wegen nega­ti­ver Geschäfts­ent­wick­lung der GmbH, mit der Begrün­dung als unbe­acht­lich ange­se­hen, dass er unab­hän­gig davon ver­blie­be­ne Til­gungs­mög­lich­kei­ten, wie z.B. durch Auf­rech­nung der Zins­an­sprü­che der Gesell­schaft gegen sei­ne eige­nen Miet­for­de­run­gen gegen­über der GmbH oder durch Ein­satz der Gewin­ne aus sei­nem Ein­zel­un­ter­neh­men, nicht genutzt habe.
Schließ­lich ist auch der Hin­weis auf eine feh­len­de Ver­gü­tung durch die GmbH für die Geschäfts­füh­rer­tä­tig­keit ange­sichts des posi­ti­ven Jah­res­er­geb­nis­ses der GmbH im Streit­jahr ein denk­ge­setz­lich mög­li­cher und all­ge­mei­nen Erfah­rungs­sät­zen ent­spre­chen­der Gesichts­punkt für die Annah­me, dass das Ver­trags­ver­hält­nis tat­säch­lich nicht den Ver­ein­ba­run­gen ent­spre­chend umge­setzt wur­de.
Bei die­ser Sach­la­ge im Streit­jahr und den anschlie­ßen­den Fol­ge­jah­ren kann des­halb die Wür­di­gung des Finanz­ge­richt nicht aus Rechts­grün­den bean­stan­det wer­den, dass die vom Klä­ger ab 2009 ‑mehr als sie­ben Jah­re nach der Dar­le­hens­ver­ein­ba­rung- vor­ge­nom­me­nen nen­nens­wer­ten Zah­lun­gen an die GmbH aus ihm zuge­flos­se­nen Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen nicht den Schluss auf eine ernst­haf­te Dar­le­hens­ver­ein­ba­rung in den Jah­ren 2002/​2003 zulas­sen.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Okto­ber 2014 – VIII R 32/​12
BFH, Beschluss vom 11.05.2005 – IV B 140/​03, juris unter Bezug­nah­me auf das BFH, Urteil vom 21.01.1999 – IV R 15/​98, BFH/​NV 1999, 919; BFH, Beschluss vom 17.05.2001 – IV B 71/​00, BFH/​NV 2001, 1390[↩]
BFH, Urtei­le vom 18.04.2000 – VIII R 74/​96, BFH/​NV 2001, 152; vom 07.09.1995 – III R 24/​91, BFH/​NV 1996, 320; BFH, Beschluss vom 25.10.2004 – III B 131/​03, BFH/​NV 2005, 339[↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 09.05.1996 – IV R 64/​93, BFHE 180, 380, BSt­Bl II 1996, 642; vom 29.10.1997 – I R 24/​97, BFHE 184, 482, BSt­Bl II 1998, 573[↩]
Grundstückserwerbverdeckte GewinnausschüttungvGA