Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=X%20R%2043/86
Timestamp: 2020-07-07 10:32:54
Document Index: 328070262

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 4', '§ 162', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 16']

BFH, 20.09.1989 - X R 43/86 - dejure.org
https://dejure.org/1989,906
BFH, 20.09.1989 - X R 43/86 (https://dejure.org/1989,906)
BFH, Entscheidung vom 20.09.1989 - X R 43/86 (https://dejure.org/1989,906)
BFH, Entscheidung vom 20. September 1989 - X R 43/86 (https://dejure.org/1989,906)
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EStG § 10 Abs. 1 Nr. 6
Sonderausgaben - Strafverteidiger
Einkommensteuer; Abgrenzung Steuerberatungs-/Strafverteidigungskosten
BFHE 158, 356
NJW 1990, 732
BB 1990, 405
DB 1990, 87
BStBl II 1990, 20
Das aber rechtfertigt nur den Abzug von Beratungsaufwendungen, die im sachlichen Zusammenhang mit dem Besteuerungsverfahren stehen (zu BTDrucks IV/3189, S. 6; vgl. BFH-Urteil vom 20. September 1989 X R 43/86, BFHE 158, 356, BStBl II 1990, 20).
Zweck des Gesetzes war es nicht, sämtliche von einem Angehörigen der rechts- und steuerberatenden Berufe für Beratung in Steuerfragen in Rechnung gestellten Honorare als Sonderausgaben zu qualifizieren (BFH-Urteil in BFHE 158, 356, BStBl II 1990, 20).
Aus diesem Grund sind an einen Rechtsanwalt geleistete Zahlungen für eine Steuerstrafverteidigung nicht als Sonderausgaben abziehbar (BFH-Urteil in BFHE 158, 356, BStBl II 1990, 20).
Deren steuerlicher Abzugsfähigkeit liegen in erster Linie Lenkungs- und Subventionszwecke zugrunde, die mit der "persönlichen Lage" des Steuerpflichtigen nichts zu tun haben: Dem Steuerpflichtigen soll ein gewisser Ausgleich für die Inpflichtnahme bei der Steuererklärung angesichts des komplizierten Steuerrechts und der dadurch entstehenden leistungsmindernden "Zwangsaufwendungen" gewährt werden (vgl. z.B. Bundesfinanzhof --BFH--, Urteile vom 23. Mai 1989 X R 6/85, BFHE 157, 512, BStBl II 1989, 865; vom 12. Juli 1989 X R 35/86, BFHE 157, 559, BStBl II 1989, 967; vom 20. September 1989 X R 43/86, BFHE 158, 356, BStBl II 1990, 20; vom 10. März 1999 XI R 86/95, BFHE 188, 302, BStBl II 1999, 522; Söhn in Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, Einkommensteuergesetz, § 10 Rdnrn. I 2 und A 30;… Fischer in Kirchhof, Einkommensteuergesetz, 4. Aufl., § 10 Rn. 26, jeweils m.w.N.).
FG Münster, 27.11.2012 - 1 K 4121/09
Abziehbarkeit von Steuerberatungskosten nach Einleitung eines Strafverfahrens
Nach dem Urteil des BFH vom 20.09.1989, BStBl II 1990, 20 seien jedoch Strafverteidigungskosten nicht als Sonderausgaben abzugsfähig.
Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes - BFH - (vgl. Urteil vom 20.09.1989, X R 43/86, BFHE 158, 356, BStBl II 1990, 20) sowie der herrschenden Meinung in der Literatur (vgl. Olaf G. von Briel, steuerliche Berücksichtigung von Kosten im Strafverfahren, Betriebsberater 1999, 2539 ff.;… Schmidt/Heinecke, EStG, 31. Auflage, § 4 RdZiff. 520 m. w. N.) sind Strafverteidigungskosten nicht generell, sondern nur insoweit vom Abzug als Betriebsausgaben oder Werbungskosen ausgeschlossen, wie sie privat veranlasst sind.
Ein betrieblicher Zusammenhang besteht nur, wenn die dem Steuerpflichtigen zur Last gelegte Tat ausschließlich und unmittelbar aus seiner betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit heraus erklärbar ist (BFH-Urteil vom 20.09.1989 X R 43/86, BFHE 158, 356, BStBl II 1990, 20).
Soweit es im Einzelfall schwierig ist, Steuerberatungskosten von Strafverteidigungskosten zu trennen, ist nach Rechtsprechung des BFH (vgl. Urteil vom 20.09.1989, X R 43/86, BFHE 158, 356 BStBl II 1990, 20) der Rechtsanwender im Hinblick auf die gesetzlich gebotene Unterscheidung verpflichtet, eine solche Abgrenzung tatsächlich (notfalls im Wege der Schätzung, § 162 Abs. 1 S. 1 Abgabenordnung - AO -) vorzunehmen.
Ein betrieblicher Zusammenhang besteht nur, wenn die dem Steuerpflichtigen zur Last gelegte Tat ausschließlich und unmittelbar aus seiner betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit heraus erklärbar ist (BFH-Urteil vom 20. September 1989 X R 43/86, BFHE 158, 356, BStBl II 1990, 20).
Beratungskosten für die Geltendmachung und die Durchsetzung der strafbefreienden Wirkung der Selbstanzeige stehen dagegen wie Strafverteidigungskosten nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Besteuerungsverfahren und können daher nicht steuermindernd berücksichtigt werden (vgl. BFH-Urteil vom 20.09.1989 X R 43/86, BStBl II 1990, 20; OFD Frankfurt, Vfg. vom 03.03.2010 S 2221 A-37-St 218, juris) .
Es finden sich allerdings auch Entscheidungen des BFH, welche die Formulierungen vom Vorliegen leistungsmindernder "Zwangsaufwendungen" bzw. unvermeidbarer Privatausgaben im Zusammenhang mit dem Sonderausgabenabzug nach § 10 Nr. 6 EStG nicht verwenden (vgl. BFH-Urteile vom 12. Juli 1989, X R 35/86, BFHE 157, 559, BStBl II 1989, 967;vom 20. September 2989 X R 43/86, BFHE 158, 356, BStBl II 1990, 20;vom 10. März 1999 XI R 86/95, BFHE 188, 302, BStBl II 1999, 522).
§ 10 Abs. 1 Nr. 6 EStG trägt dabei dem Umstand Rechnung, daß dem Steuerpflichtigen im Besteuerungsverfahren zur Ermittlung der Besteuerungsgrundlagen Pflichten auferlegt und Rechte eingeräumt sind, die er wegen der Schwierigkeit und Unübersichtlichkeit des Steuerrechts ohne fremde Hilfe häufig nicht ohne weiteres erfüllen bzw. wahrnehmen kann (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 23. Mai 1989 X R 6/85, BFHE 157, 512, BStBl II 1989, 865; vom 12. Juli 1989 X R 35/86, BFHE 157, 559, BStBl II 1989, 967, und vom 20. September 1989 X R 43/86, BFHE 158, 356, BStBl II 1990, 20).
§ 10 Abs. 1 Nr. 6 EStG rechtfertigt nur den Abzug von Beratungsaufwendungen, die in sachlichem Zusammenhang mit dem Besteuerungsverfahren selbst stehen (BFH-Urteil in BFHE 158, 356, BStBl II 1990, 20).
Ein beruflicher Zusammenhang und damit eine einkunftsmindernde Abzugsfähigkeit der Strafverteidigerkosten lägen vor, wenn die dem Steuerpflichtigen zur Last gelegte Tat ausschließlich und unmittelbar aus einer betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit heraus erklärbar sei (vgl. BFH, BStBl II 1990, 20 ).
FG Düsseldorf, 10.09.2007 - 12 K 5016/06
Aufwendungen für Steuerberatungsleistungen als Werbungskosten nach …
BFH, 25.08.1993 - IV R 45/91
Dauernde Berufsunfähigkeit bei Berufsverbot (§ 16 EStG )