Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Leitender_Angestellter_BAG_7ABR2-08.html
Timestamp: 2018-10-22 18:31:23
Document Index: 75392775

Matched Legal Cases: ['§ 99', '§ 101', '§ 101', '§ 5', '§ 99', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 49', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 263', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 263', '§ 5', '§ 5', '§ 5']

BAG, Beschluss vom 25.03.2009, 7 ABR 2/08 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Be­schluss vom 25.03.2009, 7 ABR 2/08
Schlagworte: Leitender Angestellter
Vorinstanzen: Landesarbeitsgericht Hamm, Beschluss vom 09.11.2007, 10 TaBV 81/07
10 TaBV 81/07
hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Be­ra­tung vom 25. März 2009 durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts Dörner, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Koch so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Be­cher und Busch für Recht er­kannt:
Auf die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­rats wird der Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 9. No­vem­ber 2007 - 10 TaBV 81/07 - auf­ge­ho­ben.
Sie so­wohl ak­zep­tier­ter Gesprächs­part­ner als auch mo­ti­vie­ren­de Führungs­kraft.“
„(1) Der Mit­ar­bei­ter wird als Lei­ter Ge­samt­re­vi­si­on mit Wir­kung vom 01.01.2006 an­ge­stellt. Er ist lei­ten­der An­ge­stell­ter der Bank.
Der Lei­ter Ge­samt­re­vi­si­on hat die or­ga­ni­sa­to­ri­sche und per­so­nel­le Ver­ant­wor­tung für den ge­sam­ten Be­reich.
Er ver­ant­wor­tet die Ein­hal­tung der Funk­ti­onsfähig­keit, Wirk­sam­keit, Wirt­schaft­lich­keit und An­ge­mes­sen­heit des in­ter­nen Kon­troll­sys­tems, stellt ei­ne ef­fi­zi­en­te Prüfung des Ri­si­ko­ma­nage­ment- und -con­trol­ling­s­ys­tems ein­sch­ließlich des Be­richts­we­sens si­cher.
plans aus­zufüllen und die Schwer­punk­te der Prüfung fest­zu­le­gen. Da­bei hat er sich an den Vor­ga­ben der Bun­des­an­stalt für Fi­nanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (BA­Fin) zu ori­en­tie­ren. Im Übri­gen hat der Ar­beit­neh­mer R fol­gen­de Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men:
• Mit­wir­kung bei der Wei­ter­ent­wick­lung der Kre­dit­stra­te­gie der Bank
• Be­ob­ach­tung und Be­wer­tung der Ent­wick­lung des Markt­um­fel­des und der Markt­po­ten­tia­le
• Be­ur­tei­lung der Ri­si­ko­si­tua­ti­on der Bank
• Er­ar­bei­tung der Maßnah­men zur Ri­si­ko­steue­rung auf Port­fo­lio- und Ein­zel­en­ga­ge­ment­ebe­ne
• Mit­wir­kung bei Vor­la­gen zur Ände­rung/An­pas­sung der Kre­dit­ri­si­ko­stra­te­gie
• Teil­nah­me und Mit­wir­kung an der Fest­le­gung der Bank­stra­te­gie und, dar­auf auf­bau­end, der ge­ne­rel­len Ri­si­ko­stra­te­gie
• Teil­nah­me an der Um­set­zung der stra­te­gi­schen Er­for­der­nis­se zu den Be­rei­chen „Ope­ra­tio­nel­le Ri­si-ken“ und „Li­qui­ditäts­ri­si­ken“
• Er­stel­lung ei­ner Über­sicht al­ler An­for­de­run­gen mit ak­tu­el­len Sta­tus­be­rich­ten zur Ab­lei­tung der er­for­der­li­chen Ent­schei­dun­gen/und Zu­ord­nung der Zuständig­kei­ten
• Pro­jekt­lei­tung bei di­ver­sen Pro­jek­ten, u. a. bei dem Pro­jekt „Vier Wände“ (Pri­vat­fi­nan­zie­rungs­op­ti­mie­rung, etc.)“
Der Mit­ar­bei­ter R ist Mit­glied der sog. er­wei­ter­ten Geschäfts­lei­tung. Die­se be­steht aus vier Vor­stands­mit­glie­dern und acht wei­te­ren Mit­ar­bei­tern, dar­un­ter ein Pro­ku­rist und drei Bank­di­rek­to­ren. Die er­wei­ter­te Geschäfts­lei­tung trifft sich in re­gelmäßigen Sit­zun­gen, um stra­te­gi­sche Pläne zu ent­wi­ckeln und die­se in Pro­jekt­grup­pen zu ver­tie­fen. Ei­ne die­ser Pro­jekt­grup­pen ge­stal­te­te un­ter Lei­tung des Mit­ar­bei­ters R die Kre­dit­pro­zes­se der Ar­beit­ge­be­rin um. Außer­dem wur­de der Ar­beit­neh­mer R zum Mit­glied des Kre­dit­aus­schus­ses der Ar­beit­ge­be­rin mit be­ra­ten­der Wir­kung be­stellt. Er hat in ei­nem Fall über die Ein­stel­lung ei­ner Mit­ar­bei­te­rin ent­schie­den.
Mit der am 24. Ja­nu­ar 2006 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen An­trags­schrift hat der Be­triebs­rat gel­tend ge­macht, die Ar­beit­ge­be­rin ha­be sein Mit­be­stim­mungs­recht nach § 99 Abs. 1 Be­trVG bei der Ein­stel­lung des Mit-
ar­bei­ters R miss­ach­tet. Die Ein­stel­lung ha­be nur mit sei­ner Zu­stim­mung er­fol­gen dürfen. Der Mit­ar­bei­ter R sein kein lei­ten­der An­ge­stell­ter. Des­halb ha­be die Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers R zu un­ter­blei­ben.
die Ar­beit­ge­be­rin zu ver­pflich­ten, die Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers R zu un­ter­las­sen und der Ar­beit­ge­be­rin für je­den Tag der Zu­wi­der­hand­lung ein Zwangs­geld in Höhe von 250,00 Eu­ro an­zu­dro­hen.
Die Ar­beit­ge­be­rin hat die Zurück­wei­sung des An­trags be­an­tragt.
Das Ar­beits­ge­richt hat den An­trag zurück­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­schwer­de des Be­triebs­rats zurück­ge­wie­sen. Mit der Rechts­be­schwer­de ver­folgt der Be­triebs­rat sei­nen An­trag wei­ter. Die Ar­beit­ge­be­rin be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Rechts­be­schwer­de.
II. Der Se­nat kann nicht ab­sch­ließend ent­schei­den, ob der Auf­he­bungs­an­trag be­gründet ist. Das hängt nach § 101 Satz 1 Be­trVG da­von ab, ob die Ein­stel­lung des Mit­ar­bei­ters R der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats nach § 101 Satz 1 Be­trVG be­durf­te oder ob die­se ent­behr­lich war, weil der Mit­ar­bei­ter R lei­ten­der An­ge­stell­ter iSv. § 5 Abs. 3 Be­trVG ist, für den § 99 Abs. 1 Be­trVG nicht gilt (§ 5 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Un­recht an­ge­nom­men, dass der Ar­beit­neh­mer R lei­ten­der An­ge­stell­ter nach § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 Be­trVG ist. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Be­trVG lie­gen eben­falls nicht vor. Der Se­nat kann je­doch nicht be­ur­tei­len, ob der Mit­ar­bei­ter R die Vor­aus­set­zun­gen des § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 Be­trVG erfüllt. Da­zu sind wei­te­re tatsächli­che Fest­stel­lun­gen sei­tens des Lan­des­ar­beits­ge­richts er­for­der­lich.
a) Nach § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 Be­trVG ist lei­ten­der An­ge­stell­ter, wer nach Ar­beits­ver­trag und Stel­lung im Un­ter­neh­men oder im Be­trieb Ge­ne­ral­voll­macht oder Pro­ku­ra hat und die Pro­ku­ra auch im Verhält­nis zum Ar­beit­ge­ber nicht un­be­deu­tend ist. Das funk­ti­ons­be­zo­ge­ne Merk­mal der auch im Verhält­nis zum Ar­beit­ge­ber nicht un­be­deu­ten­den Pro­ku­ra ist da­hin zu ver­ste­hen, dass das der Pro­ku­ra zu­grun­de lie­gen­de Auf­ga­ben­ge­biet nicht un­be­deu­tend sein darf (BAG 11. Ja­nu­ar 1995 - 7 ABR 33/94 - zu B I 3 a der Gründe, BA­GE 79, 80 = AP Be­trVG 1972 § 5 Nr. 55 = EzA Be­trVG 1972 § 5 Nr. 58). Aus­schlag­ge­bend für die Zu­ord­nung ei­nes Pro­ku­ris­ten zum Per­so­nen­kreis der lei­ten­den An­ge­stell­ten
iSv. § 5 Abs. 3 Be­trVG sind da­her nicht nur die mit der Pro­ku­ra ver­bun­de­nen for­mel­len und um­fas­sen­den Ver­tre­tungs­be­fug­nis­se im Außen­verhält­nis, son­dern auch die da­mit ver­bun­de­nen un­ter­neh­me­ri­schen Auf­ga­ben, um de­ret­wil­len dem Ar­beit­neh­mer die Pro­ku­ra ver­lie­hen wor­den ist. Die­se un­ter­neh­me­ri­schen Auf­ga­ben dürfen nach Sinn und Zweck des § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 Be­trVG nicht von ei­ner un­ter­ge­ord­ne­ten Be­deu­tung sein, weil es sonst an dem vom Ge­setz­ge­ber für den Per­so­nen­kreis der lei­ten­den An­ge­stell­ten an­ge­nom­me­nen In­ter­es­sen­ge­gen­satz zum Be­triebs­rat feh­len würde (vgl. BT-Drucks. VI/2729 S. 11). Als lei­ten­der An­ge­stell­ter muss ein Pro­ku­rist un­ter­neh­me­ri­sche Führungs­auf­ga­ben wahr­neh­men (BAG 11. Ja­nu­ar 1995 - 7 ABR 33/94 - zu B I 3 c der Gründe, aaO; 22. Fe­bru­ar 1994 - 7 ABR 32/93 - zu B III 2 der Gründe). Ob dies der Fall ist, be­stimmt sich nach den für die Zu­ord­nung nach § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 Be­trVG ent­wi­ckel­ten Grundsätzen (BAG 11. Ja­nu­ar 1995 - 7 ABR 33/94 - zu B I 3 c der Gründe, aaO). Die dem Pro­ku­ris­ten ob­lie­gen­den un­ter­neh­me­ri­schen Führungs­auf­ga­ben dürfen sich aber - an­ders als bei lei­ten­den An­ge­stell­ten nach § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 Be­trVG - nicht in der Wahr­neh­mung sog. St­abs­funk­tio­nen erschöpfen. In ei­ner St­abs­funk­ti­on erfüllt der lei­ten­de An­ge­stell­te ei­ne un­ter­neh­me­ri­sche be­deut­sa­me Auf­ga­be da­durch, dass er pla­nend und be­ra­tend tätig wird und kraft sei­nes be­son­de­ren Sach­ver­stan­des un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dun­gen auf ei­ne Wei­se vor­be­rei­tet, die es der ei­gent­li­chen Un­ter­neh­mensführung nicht mehr ge­stat­tet, an sei­nen Vor­schlägen vor­bei­zu­ge­hen (BAG 5. März 1974 - 1 ABR 19/73 - zu III 2 c der Gründe, BA­GE 26, 36 = AP Be­trVG 1972 § 5 Nr. 1 = EzA Be­trVG 1972 § 5 Nr. 7). Denn auf­grund weit­rei­chen­der tech­ni­scher, wirt­schaft­li­cher und so­zia­ler Verände­run­gen ist der ei­gent­li­che Ar­beit­ge­ber kaum mehr in der La­ge, sämt­li­che Un­ter­neh­mer­funk­tio­nen selbst aus­zuüben. Es be­darf der ge­ziel­ten Vor­be­rei­tung durch be­son­ders qua­li­fi­zier­te Per­so­nen, die Sach­ver­hal­te struk­tu­rie­ren, Pro­ble­me ana­ly­sie­ren und dar­auf auf­bau­end Vor­schläge un­ter­brei­ten und da­mit die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung maßgeb­lich be­stim­men. Auf die­se Wei­se er­lan­gen sie ei­nen er­heb­li­chen Ein­fluss auf die Führung des Un­ter­neh­mens (BAG 19. No­vem­ber 1974 - 1 ABR 20/73 - zu III 2 a der Gründe, BA­GE 26, 345 = AP Be­trVG 1972 § 5 Nr. 2). Das recht-
fer­tigt, so­weit die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 5 Abs. 3 Be­trVG erfüllt sind, ih­re Zu­ord­nung zum Kreis der lei­ten­den An­ge­stell­ten. Der un­ter­neh­me­ri­sche Ein­fluss von An­ge­stell­ten in St­abs­funk­tio­nen ist auf das In­nen­verhält­nis zum Un­ter­neh­mer be­schränkt. Sie üben kei­ne Auf­ga­ben aus, die re­gelmäßig ei­nem Pro­ku­ris­ten kraft ge­setz­li­cher Ver­tre­tungs­macht (§ 49 HGB) vor­be­hal­ten sind. Ih­ren Ent­schei­dun­gen kommt im Ge­gen­satz zu den­je­ni­gen ei­nes An­ge­stell­ten in sog. „Li­ni­en­funk­tio­nen“ kei­ne un­mit­tel­ba­re Außen­wir­kung zu. Für ih­re Auf­ga­ben hat die Pro­ku­ra - eben­so wie bei Ti­tu­lar­pro­ku­ris­ten - kei­ne sach­li­che Be­deu­tung. Das schließt es aus, sie als lei­ten­de An­ge­stell­te iSd. § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 Be­trVG an­zu­er­ken­nen (BAG 11. Ja­nu­ar 1995 - 7 ABR 33/94 - zu B I 3 c der Gründe, BA­GE 79, 80 = AP Be­trVG 1972 § 5 Nr. 55 = EzA Be­trVG 1972 § 5 Nr. 58). An­ge­stell­te in St­abs­funk­tio­nen sind da­her den lei­ten­den An­ge­stell­ten nicht schon we­gen ih­rer Pro­ku­ra nach § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 Be­trVG zu­ge­ord­net. Sie können al­ler­dings - bei Vor­lie­gen der ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen - lei­ten­de An­ge­stell­te nach § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 Be­trVG sein (vgl. hier­zu Wlotz­ke Anm. zu BAG AP Be­trVG 1972 § 5 Nr. 55).
Bei der Ge­samt­be­wer­tung der für die Cha­rak­te­ri­sie­rung ei­nes lei­ten­den An­ge­stell­ten maßge­ben­den Merk­ma­le steht dem Ge­richt der Tat­sa­chen­in­stanz ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum zu. Die Würdi­gung des Be­schwer­de­ge­richts ist in der Rechts­be­schwer­de­instanz nur dar­auf­hin über­prüfbar, ob der Sach­ver­halt feh­ler­frei fest­ge­stellt wur­de, die Be­wer­tungs­maßstäbe nicht ver­kannt sind und die Ge­samtwürdi­gung al­ler maßgeb­li­chen Punk­te ver­tret­bar er­scheint (vgl. zur Re­vi­si­on BAG 6. De­zem­ber 2001 - 2 AZR 733/00 - zu B II 3 a dd der Gründe mwN, AP ZPO § 263 Nr. 3 = EzA Be­trVG 1972 § 5 Nr. 65). Die­ser ein­ge­schränk­ten Über­prüfung hält die Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht stand. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat bei sei­ner Be­ur­tei­lung über­se­hen, dass der Ar­beit­neh­mer R als Lei­ter der Re­vi­si­ons­ab­tei­lung aus­sch­ließlich Stabs-
funk­tio­nen wahr­nimmt und dass dies den Sta­tus ei­nes lei­ten­den An­ge­stell­ten nach § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 Be­trVG nicht be­gründen kann.
Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts tref­fen sich die Mit­glie­der der er­wei­ter­ten Geschäfts­lei­tung zu re­gelmäßigen Sit­zun­gen, um stra­te­gi­sche Pläne zu ent­wi­ckeln und die­se in Pro­jekt­grup­pen zu ver­tie­fen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat wei­ter fest­ge­stellt, dass der Ar­beit­neh­mer R als Mit­glied die­ses Gre­mi­ums in Zu­sam­men­ar­beit mit an­de­ren An­ge­stell­ten maß-geb­li­chen Ein­fluss auf stra­te­gi­sche Ent­schei­dun­gen der Bank nimmt. Mit sei­nem Stimm­recht in die­sem Gre­mi­um sei er - so das Lan­des­ar­beits­ge­richt - we­sent­lich an den un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dun­gen der Ar­beit­ge­be­rin
be­tei­ligt. Da­mit tref­fe er in stra­te­gi­schen Fra­gen, wie zB der Um­ge­stal­tung der Kre­dit­pro­zes­se, Ent­schei­dun­gen, die für den Be­stand der Ar­beit­ge­be­rin von Be­deu­tung sei­en. Er neh­me an der Um­set­zung von stra­te­gi­schen Er­for­der­nis­sen zu den Be­rei­chen „ope­ra­tio­nel­le Ri­si­ken“ und „Li­qui­ditäts­ri­si­ken“ teil. Er sei bei di­ver­sen Pro­jek­ten lei­tend tätig ge­we­sen. Un­ter sei­ner Lei­tung sei­en im Rah­men ei­nes Pro­jekts Kre­dit­pro­zes­se re­for­miert und völlig um­ge­stal­tet wor­den. Die Auf­ga­ben in der er­wei­ter­ten Geschäfts­lei­tung sei­en für den Be­stand und die Ent­wick­lung der Bank von zen­tra­ler Be­deu­tung. Da­mit tref­fe auch der Ar­beit­neh­mer R selbständig un­ter­neh­me­ri­sche Führungs­ent­schei­dun­gen oder be­ein­flus­se sie zu­min­dest maßgeb­lich mit.
Ein­stel­lung und Ent­las­sung von im Be­trieb oder in der Be­triebs­ab­tei­lung beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern be­rech­tigt ist. Die­se Zu­ord­nungs­kri­te­ri­en be­ru­hen auf der Wer­tung des Ge­setz­ge­bers, nach der ei­ne Ein­stel­lungs- und Ent­las­sungs­be­fug­nis die lei­ten­de Funk­ti­on ei­nes An­ge­stell­ten im Be­trieb oder im Un­ter­neh­men in be­son­de­rer Wei­se zum Aus­druck bringt. Ein­stel­lun­gen und Ent­las­sun­gen sind In­stru­men­te der Per­so­nal­wirt­schaft und da­mit un­ter­neh­me­ri­sche Tätig­keit. Wird die­se Be­fug­nis ei­nem An­ge­stell­ten über­tra­gen, so ist er Re­präsen­tant des Ar­beit­ge­bers ge­genüber dem Be­triebs­rat (BAG 10. Ok­to­ber 2007 - 7 ABR 61/06 - Rn. 12 mwN, AP Be­trVG 1972 § 5 Nr. 72 = EzA Be­trVG 2001 § 5 Nr. 3). Die un­ter­neh­me­ri­sche Auf­ga­ben­stel­lung kann sich aus der Per­so­nal­ver­ant­wor­tung für den Be­reich des ge­sam­ten Un­ter­neh­mens oder als un­ter­neh­me­ri­sche Teil­auf­ga­be auch aus der Per­so­nal­ver­ant­wor­tung für ei­nen Be­trieb oder ei­ne Be­triebs­ab­tei­lung er­ge­ben (BAG 10. Ok­to­ber 2007 - 7 ABR 61/06 - aaO). Es genügt aber nicht je­de Ein­stel­lungs- und Ent­las­sungs­be­fug­nis für die Her­aus­nah­me aus dem persönli­chen An­wen­dungs­be­reich des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Be­trVG lie­gen nicht vor bei Ar­beit­neh­mern, de­ren Per­so­nal­kom­pe­ten­zen nur von un­ter­ge­ord­ne­ter Be­deu­tung für den Be­trieb und da­mit auch für das Un­ter­neh­men sind (BAG 10. Ok­to­ber 2007 - 7 ABR 61/06 - Rn. 14, aaO). Die un­ter­neh­me­ri­sche Be­deu­tung der Per­so­nal­ver­ant­wor­tung kann aus der An­zahl der Ar­beit­neh­mer fol­gen, auf die sich die selbständi­ge Ein­stel­lungs-und Ent­las­sungs­be­fug­nis be­zieht (BAG 11. März 1982 - 6 AZR 136/79 - zu B 1 der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 5 Nr. 28 = EzA Be­trVG 1972 § 5 Nr. 41). Um­fasst sie nur ei­ne ge­rin­ge An­zahl von Ar­beit­neh­mern, lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen des § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Be­trVG re­gelmäßig nicht vor. Der An­ge­stell­te tritt in die­sem Fall nur in ei­nem un­be­deu­ten­den Um­fang als Re­präsen­tant des Ar­beit­ge­bers ge­genüber dem Be­triebs­rat auf. Die für die Stel­lung ei­nes lei­ten­den An­ge­stell­ten er­for­der­li­che un­ter­neh­me­ri­sche Per­so­nal­ver­ant­wor­tung liegt dann nur vor, wenn die Ein­stel­lungs- und Ent­las­sungs­be­fug­nis ge­ra­de für ei­nen für das Un­ter­neh­mern qua­li­ta­tiv be­deut­sa­men Per­so­nen­kreis be­steht (BAG 10. Ok­to­ber 2007 - 7 ABR 61/06 - Rn. 15, aaO; vgl. zu § 14 Abs. 2 KSchG: 27. Sep­tem­ber 2001 - 2 AZR 176/00 - zu B II 3 c cc
der Gründe, AP KSchG 1969 § 14 Nr. 6 = EzA KSchG § 14 Nr. 6). Die in § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Be­trVG ge­for­der­te Per­so­nal­kom­pe­tenz muss sich in ei­nem sol­chen Fall des­halb auf Ar­beit­neh­mer er­stre­cken, die ent­we­der hoch­qua­li­fi­zier­te Tätig­kei­ten mit ent­spre­chen­den Ent­schei­dungs­spielräum­en ausüben oder ei­nen für das Un­ter­neh­men her­aus­ge­ho­be­nen Geschäfts­be­reich be­treu­en (BAG 10. Ok­to­ber 2007 - 7 ABR 61/06 - aaO; 16. April 2002 - 1 ABR 23/01 - zu B IV 3 b der Gründe, BA­GE 101, 53 = AP Be­trVG 1972 § 5 Nr. 69 = EzA Be­trVG 1972 § 5 Nr. 66).
Im Übri­gen genügt die Per­so­nal­kom­pe­tenz für die In­ha­ber von 6,5 Stel­len der Re­vi­si­ons­ab­tei­lung, ge­mes­sen an der Ge­samt­zahl von 440 Beschäftig­ten der Bank nicht, um den Sta­tus als lei­ten­der An­ge­stell­ter zu be­gründen. Es ist nicht fest­ge­stellt und auch sonst nicht er­sicht­lich, dass es sich bei den Mit­ar­bei­tern der Re­vi­si­ons­ab­tei­lung um Ar­beit­neh­mer han­delt, die hoch qua­li­fi­zier­te Tätig­kei­ten mit ent­spre­chen­den Ent­schei­dungs­spielräum­en ausüben oder ei­nen be­son­ders her­aus­ge­ho­be­nen Geschäfts­be­reich be­treu­en.
aa) Nach § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 Be­trVG ist lei­ten­der An­ge­stell­ter, wer nach Ar­beits­ver­trag und Stel­lung im Un­ter­neh­men oder im Be­trieb re­gelmäßig sons­ti­ge Auf­ga­ben wahr­nimmt, die für den Be­stand und die Ent­wick­lung des Un­ter­neh­mens oder ei­nes Be­triebs von Be­deu­tung sind und de­ren Erfüllung
be­son­de­re Er­fah­run­gen und Kennt­nis­se vor­aus­setzt, wenn er da­bei ent­we­der die Ent­schei­dun­gen im We­sent­li­chen frei von Wei­sun­gen trifft oder sie maßgeb­lich be­ein­flusst. Dies er­for­dert die Wahr­neh­mung ty­pisch un­ter­neh­me­ri­scher (Teil-)Auf­ga­ben, so dass grundsätz­lich Tätig­kei­ten aus dem Be­reich der wirt­schaft­li­chen, tech­ni­schen, kaufmänni­schen, or­ga­ni­sa­to­ri­schen, per­so­nel­len und wis­sen­schaft­li­chen Lei­tung des Un­ter­neh­mens in Be­tracht kom­men (st. Rspr., vgl. et­wa BAG 29. Ja­nu­ar 1980 - 1 ABR 45/79 - BA­GE 32, 381 = AP Be­trVG 1972 § 5 Nr. 22 = EzA Be­trVG 1972 § 5 Nr. 35). Vor­aus­set­zung für die Wahr­neh­mung ei­ner un­ter­neh­me­ri­schen (Teil-)Auf­ga­be ist, dass dem lei­ten­den An­ge­stell­ten recht­lich und tatsächlich ein ei­ge­ner und er­heb­li­cher Ent­schei­dungs­spiel­raum zur Verfügung steht, dh. er muss mit weit­ge­hen­der Wei­sungs­frei­heit und Selbst­be­stim­mung sei­nen Tätig­keits­be­reich wahr­neh­men und kraft sei­ner lei­ten­den Funk­ti­on maßgeb­li­chen Ein­fluss auf die Un­ter­neh­mensführung ausüben (BAG 6. De­zem­ber 2001 - 2 AZR 733/00 - zu B II 3 a aa der Gründe, AP ZPO § 263 Nr. 3 = EzA Be­trVG 1972 § 5 Nr. 65).
Der nach § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 Be­trVG er­for­der­li­che Ein­fluss auf die Un­ter­neh­mensführung kann dar­in be­ste­hen, dass der lei­ten­de An­ge­stell­te selbst die Ent­schei­dun­gen trifft, aber auch dar­in, dass er kraft sei­ner Schlüssel­po­si­ti­on Vor­aus­set­zun­gen schafft, an de­nen die Un­ter­neh­mens­lei­tung schlech­ter­dings nicht vor­bei­ge­hen kann. Je tie­fer die Ent­schei­dungs­stu­fe in der Un­ter­neh­mens­hier­ar­chie liegt, auf der der An­ge­stell­te un­ter­neh­mens- oder be­triebs­lei­ten­de Auf­ga­ben­stel­lun­gen erfüllt, um so größer ist die Wahr­schein­lich­keit, dass we­sent­li­che un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dungs­spielräume auf den höhe­ren Ent­schei­dungs­stu­fen be­reits ver­braucht wur­den. Von wel­cher De­le­ga­ti­ons­stu­fe ab lei­ten­de An­ge­stell­te im Un­ter­neh­men nicht mehr beschäftigt wer­den, lässt sich nur im je­wei­li­gen Ein­zel­fall be­stim­men. Der maßgeb­li­che Ein­fluss fehlt je­den­falls dann, wenn der An­ge­stell­te nur bei der rei­nen ar­beits­tech­ni­schen, vor­be­stimm­ten Durchführung un­ter­neh­me­ri­scher Ent­schei­dun­gen ein­ge­schal­tet wird, et­wa im Rah­men von Auf­sichts- oder Über­wa­chungs­funk­tio­nen (BAG 6. De­zem­ber 2001 - 2 AZR 733/00 - zu B II 3 a cc der Gründe mwN, aaO).
bb) Der Se­nat kann auf der Grund­la­ge der bis­he­ri­gen tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen nicht ab­sch­ließend ent­schei­den, ob die­se Vor­aus­set­zun­gen bei dem Ar­beit­neh­mer R vor­lie­gen.
be­deut­sa­men kon­kre­ten Ent­schei­dun­gen der Lei­ter der Re­vi­si­ons­ab­tei­lung trifft oder ob, in wel­chen kon­kre­ten Fällen und auf wel­che Wei­se er für die Ent­schei­dungs­fin­dung des Vor­stands Vor­aus­set­zun­gen schafft, an de­nen die­ser nicht vor­bei­ge­hen kann. Die­se Fest­stel­lun­gen sind vom Lan­des­ar­beits­ge­richt nach­zu­ho­len. Da­bei wird das Lan­des­ar­beits­ge­richt den Be­tei­lig­ten, ins-be­son­de­re der Ar­beit­ge­be­rin, die sich auf den Aus­nah­me­tat­be­stand des § 5 Abs. 3 Be­trVG be­ruft, Ge­le­gen­heit zur Ergänzung ih­res bis­lang sehr all­ge­mein ge­hal­te­nen und sich zum Teil in Wer­tun­gen erschöpfen­den Sach­vor­trag zu ge­ben ha­ben.
Be­cher
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