Source: https://www.business-best-practice.de/selbststaendige/nutzungsrechte-an-fotografien.php
Timestamp: 2017-08-23 21:24:36
Document Index: 251697616

Matched Legal Cases: ['§ 72', '§ 23', '§ 24', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 59', '§ 21']

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Aber welche Fotos dürfen Sie überhaupt veröffentlichen? Ist das Kopieren und Einfügen einer im Internet gefundenen Abbildung erlaubt? Dürfen Sie ein Markenprodukt für Ihr Werbefaltblatt fotografieren?
Und was sagt eigentlich Ihr Kunde dazu, wenn Sie ihn bei Ihrem „Tag der offenen Tür“ fotografieren und das Bild an die örtliche Presse weitergeben?
Lesen Sie die folgenden Tipps aus dem Handbuch für Selbstständige und Unternehmer, um sich teure Abmahnungen und Schadenersatz-Forderungen zu ersparen.
Es ist ganz leicht, an gute Fotos zu kommen: Sie suchen sie im Internet, klicken sie an und fügen sie mit „copy & paste“ in Ihre Vorlage ein. So bebildern Sie Ihre Internet-Seiten und Werbemittel, ohne dass es einen einzigen Cent kostet – denken Sie?
Ist es „nur“ eine Abbildung, die jeder knipsen könnte, gilt der Schutz immerhin bis 50 Jahre nach dem Tod des Urhebers (§ 72 Abs. 3 UrhG).
Geschützte Fotos dürfen Sie ohne Einwilligung des Urhebers oder seiner Erben nicht verwenden. Das gilt auch dann, wenn Sie ein Foto geringfügig bearbeiten, das ursprüngliche Bild aber noch klar zu erkennen ist (§ 23 UrhG). Nur durch eine starke Verfremdung machen Sie daraus ein neues Werk, für das Sie dann selbst der Urheber sind (§ 24 UrhG).
Wenn Sie also ein fremdes Foto finden, das Sie unbedingt verwenden möchten, fragen Sie den Urheber – schriftlich – um Erlaubnis. Lesen Sie die Bedingungen, die Sie dabei genannt bekommen, genau. Bestimmte Verwendungsarten können im Nutzungsrecht ausgeschlossen sein (z. B. „erlaubt wird die private, nicht die gewerbliche Nutzung“ – dann dürfen Sie das Foto in der Werbung oder Pressearbeit nicht verwenden!).
Die Folgen sind dann sehr unangenehm: Der Urheber hat einen Beseitigungsanspruch gegen Sie. Er kann z. B. verlangen, dass Sie das Bild aus dem Internet entfernen oder die Werbemittel, die es ziert, einstampfen.
In vielen Fällen wird ein Urheber gern und ohne Honorar damit einverstanden sein, dass Sie sein Foto verwenden. Manchmal müssen Sie aber die Nutzungsrechte für Fotos kaufen, etwa von Datenbanken und Agenturen. Oder Sie beauftragen selbst einen Fotografen, Ihren Betrieb, Ihr Angebot und Ihre Mitarbeiter in Aktion abzulichten.
Im Fall des von Ihnen beauftragten Fotografen sollten Sie sich ein ausschließliches Nutzungsrecht an den Fotos einräumen lassen. Nur damit stellen Sie sicher, dass er sie nicht auch noch anderweitig verwenden darf.
Hier eine hilfreiche Nutzungsrecht-Musterformulierung aus dem Handbuch für Selbstständige und Unternehmer:
Der Urheber räumt dem Auftraggeber ein ausschließliches Nutzungsrecht der im Rahmen des Auftrags vom ... gefertigten Fotos ein. Der Auftraggeber darf diese Fotos ohne örtliche, zeitliche oder auflagenmäßige Beschränkung sowie in allen Medien (z. B. Prospekte, CD-ROMs, Internet oder auf Warenverpackungen, Fahrzeugen etc.) gewerblich verwenden oder weiterveräußern.
Kaufen Sie Bilder von Agenturen oder anderen Mittlern, können Sie sich nicht sicher sein, dass der Urheber mit der Veräußerung der Nutzungsrechte einverstanden ist. Sie sollten deshalb immer eine Vereinbarung aufsetzen, aus der Ihre Nutzungsrechte hervorgehen und nach der Ihr Lieferant für Verstöße gegen Urheberrechte haftet.
Eine weitere hilfreiche Nutzungsrecht-/Haftungs-Musterformulierung aus dem Handbuch für Selbstständige und Unternehmer:
Der Vertragspartner garantiert, dass sämtliche Fotos frei von Rechten Dritter sind und der Empfänger sie ohne örtliche, zeitliche oder auflagenmäßige Beschränkung sowie in allen Medien (z. B. Prospekte, CD-Rom, Internet oder auf Warenverpackungen, Fahrzeugen etc.) gewerblich verwenden oder weiterveräußern darf.
Der Vertragspartner wird den Empfänger von sämtlichen Ansprüchen freistellen und im Verletzungsfall Schadenersatz leisten, zu dem auch die notwendigen Kosten der rechtlichen Beratung und Rechtsverteidigung gehören.
Tipp 3: Von selbst geschossenen Fotos nur Ausschnitte verbreiten
Wollen Sie sich gar nicht erst mit fremden Urhebern „herumschlagen“, liegt der Gedanke nahe, selbst zur Digitalkamera zu greifen. Das ist gerade bei einem geringen Werbebudget keine schlechte Lösung.
Mit der heutigen Technik gelingen gute Fotos relativ leicht. Es empfiehlt sich, dass Sie von eigenen Fotos immer nur einen Ausschnitt veröffentlichen. Mit dem ganzen Foto können Sie dann im Streitfall leicht beweisen, dass das Foto wirklich von Ihnen stammt. Dann kann Ihnen niemand Ihre Rechte daran streitig machen.
Tipp 4: Wollen Sie ein Produkt verkaufen, dürfen Sie es für Ihre Werbung fotografieren
Ärger droht Ihnen bei selbst geschossenen Fotos, wenn der Gegenstand – das Motiv – Ihres Fotos geschützt ist. Urheberrechte bestehen z. B. auch an besonderen Gestaltungen (Produktform oder Verpackung, CD-Cover, Buchumschlag).
Fotos von solchen Werken dürfen Sie nicht erlaubnisfrei verbreiten, weil Sie damit das Werk an sich verwerten würden.
Zum Glück gibt es von dieser Regel eine wichtige Ausnahme: Wollen Sie Ihr eigenes Foto eines geschützten Produkts veröffentlichen, weil Sie das Produkt verkaufen möchten, dürfen Sie das. Das ergibt sich aus einem BGH-Grundsatzurteil (4.5.2000, Az. I ZR 256/97).
Danach ist es zulässig, dass (Weiter-)Verkäufer die zu Verkaufszwecken in Verkehr gebrachten Waren abbilden. Sonst könnten Hersteller den Warenverkehr steuern, indem sie Abbildungen ihrer Ware nur gegen Lizenz gestatten – den Handel mit gebrauchten Waren würde das fast unmöglich machen.
Dieses BGH-Urteil ist nach herrschender Meinung nicht nur auf Fotos in schriftlichem Werbematerial anzuwenden, sondern auch auf solche im Internet.
Einen urheberrechtlich geschützten Parfümflakon von Dior (um den es in dem BGH-Urteil ging), den Sie verkaufen wollen, dürfen Sie zu Werbezwecken fotografieren und das Foto z. B. in Ihrem Internet-Shop veröffentlichen.
Nutzen Sie das Parfümflakon-Foto aber als Motiv für ein Kalenderblatt und damit als Kunstobjekt, ist das nicht erlaubnisfrei. Mit der Verbreitung des Kalenders können Sie sich dann gehörigen Ärger einhandeln.
Tipp 5: Von fremden Gebäuden nur Außenansichten ablichten
Es ist Ihnen nach § 59 UrhG durchaus erlaubt, geschützte Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, zu fotografieren: Außenansichten von Gebäuden, einen Springbrunnen, ein Denkmal etc.
Solche Fotos können Sie zu Werbezwecken verwenden, ins Internet stellen – ja sogar gewerblich verkaufen. Für Fotos geschützter Werke in Innenräumen brauchen Sie hingegen stets eine Erlaubnis des Rechteinhabers.
Hier bei ist ganz wichtig: Grenzen beachten!
Ein Unternehmer verkauft Reisen nach Berlin. Er darf die Außenansichten der Sehenswürdigkeiten der Stadt für seinen Prospekt ablichten, kann sogar Privathäuser und deren schöne Vorgärten fotografieren und abbilden, soweit sie vom öffentlichen Raum her einsehbar sind.
Nicht erlaubt ist die Verbreitung von Fotos, die etwa vom Autodach aus über eine Hecke oder per Teleobjektiv durchs Fenster in den Innenraum geschossen wurden. Nicht „bleibend“ sind solche geschützten Werke, die etwa bei der Dokumenta in Kassel öffentlich auf Plätzen ausgestellt sind.
Auch die Verpackung des Reichstagsgebäudes durch den Künstler Christo war kein bleibendes Werk. Daraus, dass der Reichstag an sich von außen fotografiert werden darf, durfte ein Postkartenhersteller nicht ableiten, dass er auch Postkarten der kurzfristig installierten äußeren Hülle des Reichstags verkaufen durfte – dem standen Urheberrechte des Künstlers entgegen.
Nicht bleibende Kunstwerke dürfen erlaubnisfrei nur für private Zwecke oder von der Presse für die Berichterstattung fotografiert werden.
Tipp 6: Wenn Sie einzelne Personen fotografieren, holen Sie deren Erlaubnis ein
Bleibt die Frage, wie es mit Personenfotos aussieht. Dürfen Sie ein Werbefoto veröffentlichen, auf dem einer Ihrer Kunden Ihrem Mitarbeiter die Hand schüttelt? Oder kann der Kunde sich dagegen wehren? Und wie sieht es mit Gruppenaufnahmen aus, z. B. einem Foto Ihres gut besuchten Messestands?
Diese Fälle regeln die §§ 21 ff. des ansonsten aufgehobenen Kunsturhebergesetzes (KunstUrhG). Grundsätzlich brauchen Sie die Erlaubnis der Person, deren Foto Sie in Ihrer Werbung oder zusammen mit einer Pressemitteilung verbreiten wollen.
Holen Sie die möglichst schriftlich ein („Ich bin damit einverstanden, dass mein Foto von der Firma xy zu Werbezwecken und in der Presse veröffentlicht wird.“). Sie müssen kein Honorar zahlen. Nimmt die Person aber von Ihnen Geld an, gilt dadurch im Zweifel auch die Einwilligung zur Verwendung des Fotos als erteilt.
Ausnahmsweise brauchen Sie aber keine Einwilligung, wenn Sie Fotos von Personen verbreiten, die
in der Öffentlichkeit stehen (Prominente),
an einer Versammlung/Veranstaltung teilnehmen (Gruppenfoto, z. B. von mindestens 3 Kunden am Messestand) oder
nur als „Beiwerk“ das Hauptmotiv schmücken (z. B. Ihr Firmengebäude, im Hintergrund Passanten).
Das gilt aber nur, wenn der Schwerpunkt des Fotos auf der Darstellung des Hauptmotivs/Geschehens liegt, nicht auf den Personen.
Auch dürfen Sie das „allgemeine Persönlichkeitsrecht“ nicht verletzen. Ist eine Person z. B. in einer peinlichen Situation abgelichtet oder wurde ihr Aussehen digital verändert, steht das der Verbreitung des Fotos ohne ihre Erlaubnis entgegen.
Für diesen Auftritt wurden Bilder des Fotografen Scott Maxwell aus der Bild-Datenbank Fotolia verwendet.