Source: https://www.bestanwalt.de/fachbeitrag/464/recht-am-eigenen-bild-urheberrecht-medienrecht/
Timestamp: 2020-07-04 15:42:43
Document Index: 386414459

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

RA Dr.Fleischer: Recht am eigenen Bild, Urheberrecht, Medienrecht
Die Bild-Zeitung ist für ihre exklusiven und intimen Promi-Geschichten bekannt. Doch im Rahmen der Berichterstattung über den Erpressungs-Skandal von Lena Meyer-Landrut ist die Zeitung nun doch zu weit gegangen, wie der Bundesgerichtshof (BGH) in seiner medienrechtlichen Entscheidung vom 30.04.2019 urteilte. Die Art und Weise der Berichterstattung habe in unzulässiger Weise in die Persönlichkeitsrechte der Sängerin eingegriffen, so der BGH.
Sängerin mit Veröffentlichung von Nacktfotos erpresst
Als sich die Nachricht von intimen Bildern der Sängerin im Internet verbreitete, berichtete auch die Bild-Zeitung ausgiebig darüber. Unbekannte hatten wohl den Laptop des Freundes der Sängerin entwendet und darauf die privaten Fotos der Sängerin entdeckt. Daraufhin soll die Sängerin mit dem Bildmaterial sogar erpresst worden sein – die Fotos tauchten später dennoch im Netz auf.
Die Bild-Zeitung berichtete unter anderen, es würden "pikante Fotos des Popstars verbreitet". Auch zitierte die Zeitung aus Twitter-Nachrichten der mutmaßlichen Erpresser, in denen sie erklärten, die Bilder hochzuladen. Die Sängerin ging daraufhin gegen die Berichterstattung vor und wollte diese umgehend stoppen lassen. Das Verfahren durchlief zunächst alle Instanzen, bis sich zuletzt auch der BGH mit der Frage einer Persönlichkeitsverletzung der Sängerin zu beschäftigen hatte.
BGH: Unzulässige Berichterstattung aus dem Intimbereich der Popsängerin
Der BGH hatte in seiner medienrechtlichen Entscheidung (Az. VI ZR 360/18) nun eine Abwägung zu treffen: sollte das mediale Interesse an einer Berichterstattung die Persönlichkeitsrechte der Sängerin überwiegen?
Zwar kann ein berechtigtes öffentliches Interesse an einer Berichterstattung einen Eingriff in die Privatsphäre von Prominenten rechtfertigen. In diesem Fall überwiege aber das Persönlichkeitsinteresse der Sängerin, urteilte der BGH. Das begründeten die Richter insbesondere mit der Art und Weise der Berichterstattung durch die Bild-Zeitung. Die Bezeichnungen der im Netz kursierenden Bilder bringe klar zum Ausdruck, dass diese einen sexuellen Bezug haben, so der BGH. Zudem unterstellten die Richter der Berichterstattung eine sogenannte „Anlockwirkung“. Zwar zeigte die Bild-Zeitung selbst die Nacktbilder nicht, doch könnten sich nach Ansicht des BGH durch die Berichterstattung viele Leser - speziell durch den Hinweis "mit ein paar Klicks kann jeder die Dateien sehen" - veranlasst sehen, selbst nach ihnen zu suchen. Das mache die Art und Weise der Berichterstattung zu einem unzulässigen Eingriff in die Privatsphäre der Sängerin.
Öffentliche Präsenz keine Rechtfertigung für Berichterstattung
Die Tatsache, dass die Bilder von der Sängerin freiwillig an ihren Freund verschickt worden waren, sollte aus Sicht des Gerichtes den Persönlichkeitsschutz der Sängerin nicht entfallen lassen. Die Weitergabe habe allein im privaten Bereich stattgefunden und die Veröffentlichung dagegen war unfreiwillig und im Zusammenhang mit einer Straftat erfolgt.
Auch der Einwand der Bild-Zeitung, die Sängerin zeige sich auch sonst auf Bildern in der Öffentlichkeit freizügig, ließ der BGH unberücksichtigt. Die von der Sängerin selbst hochgeladenen Bilder seien mit dem unfreiwilligen Nacktaufnahmen nicht zu vergleichen, denn diese zeigen die Sängerin "durchweg in Bekleidungen und Posen, die in der Öffentlichkeit üblich sind". Damit habe die Berichterstattung letztlich die Persönlichkeitsrechte der Sängerin verletzt und habe daher in unzulässiger Weise stattgefunden, urteilte der BGH.
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Eingestellt am: 23.09.2019 [192]