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Timestamp: 2019-10-24 04:53:57
Document Index: 95979209

Matched Legal Cases: ['§ 35', '§ 63', '§ 17', '§ 34', '§ 17', '§ 17', '§ 9', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 9', '§ 35', '§ 63', '§ 64', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 74', '§ 17', '§ 13', '§ 35']

Eingabengebühr für Verfassungsgerichtshofbeschwerde bei Abweisung des Antrages auf Verfahrenshilfe, verspäteter Gebührenentrichtung und mangelndem Nachweis (Abweisung) - Findok Internet
Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSW vom 07.03.2013, RV/3121-W/12
Eingabengebühr für Verfassungsgerichtshofbeschwerde bei Abweisung des Antrages auf Verfahrenshilfe, verspäteter Gebührenentrichtung und mangelndem Nachweis (Abweisung)
RV/3120-W/12
Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung des M, gegen die Bescheide des Finanzamtes A vom 13. September 2012, Steuernummer, betreffend 1. Gebühren und 2. Erhöhung entschieden:
Am 7. Dezember 2011 brachte der Berufungswerber namens und Auftrags von I Beschwerde gegen den Bescheid des XY, beim Verfassungsgerichtshof ein. Gemäß § 35 Abs. 1 VfGG iVm § 63 ZPO wurde ein Verfahrenshilfeantrag gestellt.
Mit Erkenntnis vom 12. Juni 2012, abc, hob der Verfassungsgerichtshof den angefochtenen Bescheid auf (Punkt I. des Spruches) und sprach der Bf. den Ersatz der Prozesskosten in Höhe von 1.326,40 Euro zu (Punkt II. des Spruches). Der Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe wurde abgewiesen (Punkt III. des Spruches).
Mit Schreiben vom 6. Juli 2012 stellte der VfGH fest, dass mit dem unter einem übermittelten Beschluss (Erkenntnis) über die zur oben angeführten Zahl protokollierte und gemäß § 17a VfGG gebührenpflichtige Eingabe entschieden worden sei. Weiters stellte er fest, dass bis heute kein Nachweis vorliege, dass die bereits mit Überreichung der Eingabe fällig gewordene Eingabengebühr in Höhe von Euro 220,- ordnungsgemäß entrichtet worden sei. Gleichzeitig setzte er eine Frist von einer Woche zur Einzahlung der Gebühr beim Finanzamt für Gebühren, Verkehrsteuern und Glücksspiel und eine Frist von zehn Tagen zur Vorlage des Original-Einzahlungsbeleges beim Verfassungsgerichtshof, widrigenfalls das Finanzamt für Gebühren, Verkehrsteuern und Glücksspiel gemäß § 34 GebG iVm § 17a Z 6 VfGG verständigt werde.
Am 27. August 2012 wurde vom Verfassungsgerichtshof ein amtlicher Befund aufgenommen und an das Finanzamt für Gebühren, Verkehrsteuern und Glücksspiel weitergeleitet.
Mit Bescheiden vom 13. September 2012 setzte das Finanzamt für Gebühren, Verkehrsteuern und Glücksspiel für die oben angeführte Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof gegenüber dem Berufungswerber 1. die Gebühr gemäß § 17a VfGG in der Höhe von € 220,-- und 2. die Gebührenerhöhung gemäß § 9 Abs.1 GebG in der Höhe von € 110,-- (50 % der nicht vorschriftsmäßig entrichteten Gebühr), somit insgesamt € 330,-- fest.
Da die Bestimmungen betreffend Gebührenentrichtung gem. § 17 a VfGG nicht eingehalten wurden, ergeht aufgrund der gemeldeten Verletzung der Gebührenentrichtung dieser Bescheid."
Fristgerecht wurde Berufung eingebracht. Der Berufungswerber (Bw) bringt vor, die gegenständliche VfGH-Beschwerde sei mit dem Antrag auf Verfahrenshilfe und dem Antrag auf Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung eingebracht worden. Zunächst sei nur der Antrag auf Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen worden, über die Verfahrenshilfe sei vorerst nicht entschieden worden. Die Bf. habe vor dem Verfassungsgerichtshof obsiegt. Erst mit Schreiben des VfGH vom 6. Juli 2012 sei der Bw in weiterer Folge aufgefordert worden, die Bezahlung der Eingabengebühr in Höhe von Euro 220,- binnen einer Woche zu veranlassen. Erst damit sei über den Verfahrenshilfeantrag entschieden worden. Er habe die Bezahlung der Gebühr veranlasst. Die Bf habe die Eingabengebühr in Höhe von Euro 220,- innerhalb der Frist mit dem ihr vom Bw übergebenen Original-Erlagschein überwiesen. Die Gebühr sei fristgerecht bezahlt worden. Kopien des Einzahlungsbeleges sowie der Abbuchung wurden vorgelegt. Demzufolge wurde die Überweisung von 220,00 Euro an das Finanzamt am 16. Juli 2012 durchgeführt.
Mit Berufungsvorentscheidung vom 15. Oktober 2012 wies das Finanzamt die Berufung im Wesentlichen mit der Begründung, die Entrichtung der Gebühr sei dem VfGH nicht nachgewiesen worden, als unbegründet ab.
Fristgerecht wurde der Antrag auf Vorlage der Berufung an die Abgabenbehörde zweiter Instanz eingebracht.
§ 17a VfGG in der Fassung BGBl. I Nr. 111/2010 ab 1.1.2011 lautet:
Nach dieser Bestimmung ist für beim Verfassungsgerichtshof eingebrachte Beschwerden spätestens im Zeitpunkt der Überreichung eine Gebühr in der Höhe von 220,00 Euro zu entrichten. Die Gebührenschuld entsteht mit der Überreichung der Beschwerde. Unter Überreichung einer Beschwerde ist das Einlangen derselben beim Gerichtshof zu verstehen (VwGH 30.4.1999, 98/16/0130; 27.5.1999, 99/16/0118; 5.7.1999, 99/16/0182; 23.1.2003, 2002/16/0274, 0275; VwGH 30.9.2004, 2004/16/0151). Das heißt, sobald die Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof eingelangt ist, gilt sie als eingebracht. Mit dem Datum des Einlangens der Beschwerde beim Gerichtshof ist die Gebührenschuld entstanden und der gebührenpflichtige Tatbestand erfüllt (VwGH 5.7.1999, 99/16/0182). In diesem Zeitpunkt wird die Gebühr auch bereits fällig.
Gegenständliche Beschwerde ist am 7. Dezember 2011 beim Verfassungsgerichtshof eingelangt; somit ist die Gebührenschuld an diesem Tag entstanden.
Zu entrichten ist die Gebühr aber nicht auf ein Konto des Verfassungsgerichtshofes, sondern auf ein entsprechendes Konto des Finanzamtes für Gebühren, Verkehrsteuern und Glücksspiel. Das heißt, es kann beim Verfassungsgerichtshof zu keiner Buchung kommen, womit dieser auch nicht überprüfen kann, ob die Gebühr tatsächlich entrichtet worden ist. Zu diesem Zweck bestimmt § 17a Z 4 VfGG, dass die Entrichtung der Gebühr dem Verfassungsgerichthof im Zeitpunkt der Überreichung der Beschwerde durch einen Zahlungsbeleg in Urschrift nachzuweisen ist. Solange der Zahlungsbeleg dem Gerichtshof nicht vorgelegt wird, ist die Gebühr für den Gerichtshof nicht entrichtet worden (UFS 17.9.2010, RV/1397-W/10; 8.2.2011, RV/1946-W/10; 17.5.2011, RV/0059-W/11).
§ 17a Z 4 VfGG bestimmt ausdrücklich, dass Rechtsanwälte die Entrichtung der Gebühr auch durch einen schriftlichen Beleg des spätestens zugleich mit der Eingabe weiterzuleitenden Überweisungsauftrages nachweisen können, wenn sie darauf mit Datum und Unterschrift bestätigen, dass der Überweisungsauftrag unter einem unwiderruflich erteilt wird (vgl. UFS 7. 11. 2011, RV/2562-W/11 im Zusammenhang mit dem GGG).
§ 17a VfGG enthält zwei Voraussetzungen hinsichtlich der Gebühr, nämlich einerseits die Entrichtung der Gebühr und andererseits den Nachweis der Entrichtung gegenüber dem Verfassungsgerichtshof. Wird die Gebühr zwar entrichtet, der Nachweis der Entrichtung jedoch nicht erbracht, ist die Gebühr nicht vorschriftsmäßig entrichtet worden, was zu einer Gebührenerhöhung nach § 9 Abs.1 Gebührengesetz 1957 (GebG) führt (UFS 6.5.2011; RV/1101-W/11).
Der Verfassungsgerichtshof fordert den Beschwerdeführer in der Regel auf, die Gebühr innerhalb einer bestimmten Frist auf das Konto des Finanzamtes zu entrichten und das Original des Einzahlungsbeleges vorzulegen. Dies ist in vorliegendem Fall mit dem o.a. Schreiben vom 6. Juli 2012 geschehen.
Der Zahlungsbeleg ist dem Verfassungsgerichtshof in vorliegendem Fall nicht vorgelegt worden und wird Gegenteiliges im Berufungsverfahren auch gar nicht behauptet.
Die Bf hat den Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe gestellt.
Nach § 35 VfGG gelten die Vorschriften über das zivilgerichtliche Verfahren für die Voraussetzungen und die Wirkungen der Bewilligung der Verfahrenshilfe sinngemäß.
Auf Grund des § 63 Abs. 1 Zivilprozessordnung (ZPO) ist einer Partei unter bestimmten Voraussetzungen Verfahrenshilfe zur Gänze oder zum Teil zu bewilligen. Gemäß § 64 Abs. 1 Z 1 lit. a ZPO kann die Verfahrenshilfe u.a. die einstweilige Befreiung von der Entrichtung bundesgesetzlich geregelter staatlicher Gebühren umfassen. Nach Abs. 2 leg. cit. ist bei Bewilligung der Verfahrenshilfe auszusprechen, welche Begünstigungen zur Gänze oder zum Teil gewährt werden. Soweit die Verfahrenshilfe bewilligt wird, treten nach Abs. 3 leg. cit. Befreiungen und Rechte nach Abs.1 mit dem Tag ein, an dem sie beantragt worden sind. Voraussetzung für eine Befreiung von der Gebühr nach § 17a VfGG auf Grund eines Antrages um Verfahrenshilfe ist daher eine entsprechende Bewilligung. Wird keine Verfahrenshilfe bewilligt, kann auch keine Befreiung von der Eingabengebühr eintreten.
Wenn der Bw vorbringt, über den Verfahrenshilfeantrag sei erst mit Schreiben des Verfassungsgerichtshofes vom 6. Juli 2012 entschieden worden so ist dem entgegen zu halten, dass der VfGH mit Erkenntniss vom 12. Juni 2012 auch den Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe abgewiesen hat (Punkt III. des Spruches). Das Schreiben vom 6. Juli 2012 ist lediglich eine formlose Aufforderung zur Einzahlung der Gebühr.
Da zum Zeitpunkt des Entstehens der Gebührenschuld (Einlangen der Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof), mit welchem die Gebühr auch fällig wurde, die Voraussetzung für eine Befreiung von dieser Gebühr nicht vorlag, wäre die Gebühr nach Maßgabe der Bestimmungen des § 17 a VfGG zu entrichten gewesen.
Nach § 17a Z 6 VfGG gelten für die Gebühr neben den Bestimmungen des Gebührengesetzes auch die §§ 74, 203 und 241 Abs. 2 und 3 der Bundesabgabenordnung. Bei Abgaben, die nach den Abgabenvorschriften in Wertzeichen (Stempelmarken) zu entrichten sind, ist ein Abgabenbescheid nur zu erlassen, wenn die Abgabe in Wertzeichen nicht vorschriftsmäßig entrichtet worden ist. Damit gilt diese Bestimmung sinngemäß auch für die feste Gebühr nach § 17a VfGG, die durch Überweisung auf das Konto des Finanzamtes für Gebühren Verkehrsteuern und Glücksspiel zu entrichten ist (UFS 6.5.2011, RV/1101-W/11; 25.06.2010, RV/1263-W/10).
Kann der Bw dem Finanzamt die Entrichtung der Gebühr im Berufungsverfahren nachweisen, wird die Gebühr dem Abgabenkonto gutgebucht, die Gebührenerhöhung bleibt jedoch bestehen, wenn die Gebühr nicht vorschriftsmäßig entrichtet worden ist. Das ist grundsätzlich nicht nur dann der Fall, wenn der Beleg dem Gerichtshof nicht im Zeitpunkt des Einlangens der Beschwerde in Urschrift vorgelegt wird, sondern auch dann, wenn der Beschwerdeführer erst nach Aufforderung durch den Verfassungsgerichtshof innerhalb der von diesem gesetzten Nachfrist einbezahlt. Denn die Gebührenschuld ist trotzdem bereits im Zeitpunkt der Überreichung der Beschwerdeschrift entstanden (siehe z.B. UFS 7.9.2011, RV/1734-W/11).
Der Bw hat wohl den Überweisungsauftrag und den Kontoauszug mit der erfolgten Abbuchung zum 16. 7. 2012 in Kopie vorgelegt, jedoch ändert dies nach dem oben Gesagten nichts an der gebührenrechtlichen Beurteilung, da einerseits die Zahlung nicht im Zeitpunkt des Entstehens der Gebührenschuld (Einlangen der Beschwerden beim Gerichtshof) erfolgt ist und andererseits der Überweisungsauftrag dem Verfassungsgerichtshof nicht vorgelegt worden ist.
In vorliegendem Fall ist einerseits der urkundliche Nachweis über die Gebührenentrichtung gegenüber dem Verfassungsgerichtshof nicht erbracht worden, sowie ist die Gebührenschuld - wie oben ausgeführt - jedenfalls bereits im Zeitpunkt des Einlangens der Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof entstanden, und andererseits ist keine Verfahrenshilfe bewilligt worden. Die bescheidmäßige Festsetzung der Gebühr erfolgte somit zu Recht.
Der Bw hat in seiner Eigenschaft als berufsmäßiger Parteienvertreter Beschwerde eingebracht, womit § 13 Abs. 3 GebG jedenfalls anwendbar ist.
§ 35 VfGG, Verfassungsgerichtshofgesetz 1953, BGBl. Nr. 85/1953
Findok-Nr: 64401.1, aufgenommen am: 22.03.2013 08:36:05, Dokument-ID: cc9c67f0-b829-4cc5-b095-c4001ea2474e, Segment-ID: 3d2b963b-e7d3-4011-b72d-e671b1ef692a