Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/das-kollusive-insichgeschaeft-und-der-arglose-untervertreter-374177
Timestamp: 2020-08-15 11:42:49
Document Index: 276146460

Matched Legal Cases: ['§ 181', '§ 138', '§ 181', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 14']

Das kollusive Insichgeschäft und der arglose Untervertreter | Rechtslupe
Ein Ver­trag ist wegen sit­ten­wid­ri­ger Kol­lu­si­on nich­tig, wenn ein von den Vor­aus­set­zun­gen des § 181 BGB befrei­ter Bevoll­mäch­tig­ter sei­ne Voll­macht miss­braucht, um mit sich als Geschäfts­geg­ner ein Geschäft zum Nach­teil des Ver­tre­te­nen abzu­schlie­ßen. Ein sol­cher Fall liegt auch vor, wenn der Ver­tre­ter einen arg­lo­sen Unter­ver­tre­ter ein­schal­tet oder er auf­grund sei­ner Ver­tre­tungs­macht einen wei­te­ren, arg­lo­sen (Mit)-Vertreter zu dem Geschäft ver­an­lasst und so das Insich­ge­schäft ver­schlei­ert.
Wenn ein Ver­tre­ter kol­lu­siv mit dem Ver­trags­geg­ner zum Nach­teil des Ver­tre­te­nen ein Geschäft abschließt, ver­stößt das Geschäft wegen einer sit­ten­wid­ri­gen Kol­lu­si­on gegen die guten Sit­ten und ist nich­tig (§ 138 BGB) [1]. Aus die­sem Grund ist auch ein Ver­trag nich­tig, wenn ein von den Vor­aus­set­zun­gen des § 181 BGB befrei­ter Bevoll­mäch­tig­ter sei­ne Voll­macht miss­braucht, um mit sich als Geschäfts­geg­ner ein Geschäft zum Nach­teil des Ver­tre­te­nen abzu­schlie­ßen [2]. Ein Fall einer sit­ten­wid­ri­gen Kol­lu­si­on liegt auch vor, wenn der Ver­tre­ter nicht selbst han­delt, son­dern einen arg­lo­sen Unter­ver­tre­ter ein­schal­tet oder er auf­grund sei­ner Ver­tre­tungs­macht einen wei­te­ren, arg­lo­sen (Mit-)Vertreter zu dem Geschäft ver­an­lasst und so das Insich­ge­schäft ver­schlei­ert.
Der Bun­des­ge­richts­hof kann im vor­lie­gen­den Fall offen­las­sen, ob die Ver­äu­ße­rung von eige­nen Geschäfts­an­tei­len einer GmbH in die Ver­tre­tungs­kom­pe­tenz des Geschäfts­füh­rers fällt oder es dazu zusätz­lich eines Gesell­schaf­ter­be­schlus­ses bedarf [3]. Denn auch dann käme es auf die­sel­be sit­ten­wid­ri­ge Kol­lu­si­on an.
Ein Miss­brauch der Ver­tre­tungs­voll­macht kann auch vor­lie­gen, wenn der Ver­tre­ter von sei­ner Ver­tre­tungs­macht in ver­däch­ti­ger Wei­se Gebrauch macht und sich dem ande­ren Ver­trags­teil der begrün­de­te Ver­dacht eines Treue­ver­sto­ßes auf­drän­gen muss­te [4].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Janu­ar 2014 – II ZR 371/​12
vgl. BGH, Urteil vom 17.05.1988 – VI ZR 233/​87, NJW 1989, 26 f.; Urteil vom 14.06.2000 – VIII ZR 218/​99, NJW 2000, 2896, 2697[↩]
BGH, Urteil vom 25.02.2002 – II ZR 374/​00, ZIP 2002, 753; Urteil vom 13.09.2011 – VI ZR 229/​09, ZIP 2011, 2005 Rn. 9[↩]
offen gelas­sen bei BGH, Urteil vom 22.09.2003 – II ZR 74/​01, ZIP 2003, 2116[↩]
BGH, Urteil vom 25.03.1968 – II ZR 208/​64, BGHZ 50, 112, 114; Urteil vom 31.01.1991 – VII ZR 291/​88, BGHZ 113, 315, 320; Urteil vom 02.07.2007 – II ZR 111/​05, ZIP 2007, 1942 Rn. 69; Urteil vom 01.02.2012 – VIII ZR 307/​10, WM 2012, 2020 Rn. 21[↩]
Das Han­deln des Geschäfts­füh­rers – und die beson­de­ren… Nach­dem der Bun­des­ge­richts­hof bei der Aus­le­gung von § 14 StGB die sog. „Inter­es­sen­theo­rie“ auf­ge­ge­ben hat, ist in der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung noch nicht in allen Ein­zel­hei­ten…
Das Ver­bot mit Erlaub­nis­vor­be­halt und der nich­ti­ge Ver­trag Kann ein ent­schei­dungs­er­heb­li­ches Rechts­ge­schäft infol­ge Ver­sa­gung einer behörd­li­chen Geneh­mi­gung nich­tig sein, hat der ordent­li­che Rich­ter selb­stän­dig zu prü­fen, ob das von der Behör­de her­an­ge­zo­ge­ne gesetz­li­che…
InsichgeschäftKollusionKollusives ZusammenwirkungUntervertreterVertreterVollmacht