Source: http://www.bvr.de/jahresberichte/2016_konsolidierter_jahresabschluss_2.html
Timestamp: 2018-11-19 18:01:46
Document Index: 275529635

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 12', '§ 12', '§ 7', '§ 2', '§ 43', '§ 10', '§ 5', '§ 50', '§ 50', '§ 44', '§ 5', '§ 17', '§ 17', '§ 12']

Struktur und Geschäftsmodell sowie Besonderheiten als IPS*
Mit dem vorliegenden Lagebericht wird der Konsolidierte Jahresabschluss der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken ergänzt.
Die Genossenschaftliche FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken umfasst als konsolidierte Einheiten neben 972 Primärbanken (Vorjahr: 1.018) den DZ BANK Konzern, die Münchener Hypothekenbank eG (MHB) sowie die Sicherungseinrichtung des BVR und die BVR Institutssicherung GmbH (BVR-ISG). Zu den einbezogenen Primärbanken zählen auch die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG, die SpardaBanken, die PSD Banken und Sonderinstitute wie die BAG Bankaktiengesellschaft.
Die Primärbanken sowie die MHB stellen die rechtlich selbstständigen, gleich geordneten Mutterunternehmen der genossenschaftlichen FinanzGruppe dar, während die übrigen Unternehmen beziehungsweise Konzerne als Tochterunternehmen einbezogen sind.
Das in der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken eingerichtete institutsbezogene Sicherungssystem als duales genossenschaftliches Sicherungssystem besteht neben der Sicherungseinrichtung des BVR aus dem BVRISG-Sicherungssystem. Beide institutsbezogenen Sicherungssysteme ergänzen sich.
Die weitergehenden Grundsätze und Methoden des institutsbezogenen Sicherungssystems werden im Abschnitt „Zusammengefasster Chancen- und Risikobericht“ dargestellt.
Abgrenzung der wesentlichen Segmente
Die Definition der im Geschäftsverlauf dargestellten Segmente Bank, Retail, Immobilien und Versicherung sind im Abschnitt „Angaben zum Konsolidierten Jahresabschluss“ ab Seite 67 zu finden.
*Institutional Protection Scheme.
Das Wachstum der deutschen Wirtschaft zeigte sich auch im Geschäftsjahr 2016 robust. Das dritte Jahr in Folge konnte die Statistik eine höhere Wachstumsrate als im Vorjahr ausweisen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs preisbereinigt um 1,9 Prozent gegenüber 2015 (Vorjahr: 1,7 Prozent). Damit hat sich die Dynamik des Aufschwungs weiter verstärkt.
Wesentliche Impulse kamen vor allem aus dem Inland. Der private Konsum stieg mit einer Rate von 2,1 Prozent etwas stärker als im Vorjahr (2,0 Prozent). Eine stabile Arbeitsmarktsituation sowie ein günstiges Finanzierungsumfeld durch die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) unterstützten die Ausgaben der privaten Haushalte. Insbesondere die staatlichen Konsumausgaben wuchsen mit 4,0 Prozent deutlicher als im Vorjahr (2,7 Prozent). Der Anstieg stand dabei in engem Zusammenhang mit den staatlichen Leistungen zur Bewältigung der Flüchtlingsströme sowie Kosten für die Integration.
Hingegen blieb das Wachstum bei den Investitionen noch eher mäßig. Der wirtschaftliche Aufschwung zeichnet sich bis dato im Vergleich zu früheren Konjunkturbelebungen durch eine nur unterdurchschnittliche Investitionstätigkeit aus. Zudem waren die Investitionen über die Wirtschaftssektoren hinweg ungleichmäßig verteilt. Zwar fielen die Bruttoanlageinvestitionen mit einem Wachstum von 2,2 Prozent moderat aus, allerdings ging der Anstieg vor allem auf eine deutliche Belebung der Wohnungsbauinvestitionen zurück. Der Wirtschaftsbau sowie die Ausrüstungen zeigten 2016 trotz guter Auftragslage nur eine eher mäßige Investitionsneigung der Unternehmen an.
Weltwirtschaftliche Unsicherheiten führten zu einem nur geringen Wachstum der deutschen Exporte. Vor allem Schwellenländer wie China oder Brasilien durchlebten 2016 eine Schwächephase, die zum Ende des Jahres jedoch überwunden wurde, auch wenn die dahinterstehenden Probleme weiter nur oberflächlich gelöst sind (zum Beispiel der schuldengetriebene Bauboom in China oder die hohe Abhängigkeit Erdöl exportierender Länder von den Rohstoffeinnahmen). Zum anderen zeigte sich das Wachstum des Welthandels trotz des zuletzt eingeleiteten Aufschwungs weniger dynamisch als in früheren Konjunkturzyklen. Da das Importwachstum der deutschen Wirtschaft jedoch ebenfalls zurückging, lag der Exportüberschuss 2016 unverändert hoch bei 7,6 Prozent des BIP.
Die deutsche Wirtschaft profitierte nicht zuletzt vom niedrigen Ölpreis, der Anfang 2016 sogar unter die Schwelle von 30 US-Dollar fiel. Im Laufe des Jahres stabilisierten sich die Preise knapp unter 50 US-Dollar je Barrel, nachdem die OPEC-Staaten sich auf verbindliche Fördermengen einigen konnten und sich weitestgehend an diese Abmachung hielten. Der Verfall der Preise beim Rohöl war 2016 verantwortlich für die geringe Teuerung in Deutschland, die im Jahresdurchschnitt bei 0,4 Prozent lag. Bemühungen der EZB, die Inflation im Euroraum anzutreiben, führten trotz Nullzinsen und umfangreicher Eingriffe in die Finanzmärkte nicht zu einem nachhaltigen Anstieg der Inflationsraten.
Das erklärte Ziel der EZB ist es, die Inflation im Euroraum auf ein Niveau nahe, aber unter 2 Prozent zu steuern, um mithilfe einer höheren Kreditvergabe der Kreditinstitute eine nachhaltige Stärkung des Wachstums im Euroraum zu erzielen. Hierzu traf die EZB Anfang März 2016 die Entscheidung, den Leitzins in Höhe von 0,05 Prozent nochmals um 5 Basispunkte auf 0,00 Prozent sowie die Einlagenfazilität für Banken von –0,2 Prozent auf –0,4 Prozent zu senken. Des Weiteren legte die EZB fest, dass die monatlichen Anleihekäufe beginnend mit dem Monat April 2016 bis Ende März 2017 von 60 Milliarden Euro auf 80 Milliarden Euro ausgeweitet werden sollen. Auf ihrer Sitzung am 8. Dezember 2016 beschloss die EZB, die monatlichen Anleihekäufe mit einem auf 60 Milliarden Euro reduzierten Volumen bis Ende 2017 fortzusetzen.
Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt zum Ende des Jahres 2016 einen hohen Grad der Beschäftigung an. Noch nie seit der Wiedervereinigung war die Erwerbstätigkeit so groß: 43,59 Millionen Menschen waren 2016 durchschnittlich beschäftigt oder als Selbstständige tätig (+530.000 gegenüber 2015). Die Arbeitslosenquote lag im Mittel bei 6,1 Prozent (Vorjahr: 6,4 Prozent) und somit nahe an der Grenze zur Vollbeschäftigung. Die steigende Zahl offener Stellen verweist dabei auf das zunehmend drängende Problem des Fachkräftemangels in Deutschland.
In einem vor allem von dem ausgeprägten Niedrigzinsniveau beeinflussten schwierigen Marktumfeld konnte sich die Genossenschaftliche FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken im Geschäftsjahr 2016 erneut erfolgreich behaupten und an die guten Ergebnisse der Vorjahre anknüpfen. Mit einem Ergebnis vor Steuern in Höhe von 8.308 Millionen Euro (Vorjahr: 9.787 Millionen Euro) präsentiert sich die genossenschaftliche FinanzGruppe erneut als eine der ertragsstärksten Bankengruppen in Europa und bestätigt ihre überzeugende Marktaufstellung.
Im Kreditgeschäft mit Privat- und Firmenkunden konnten die Genossenschaftsbanken im Geschäftsjahr 2016 unterstützt durch die robuste Konjunktur mit einer vor allem kräftigen Binnennachfrage einen neuen Höchstwert in ihrem Kreditbestand erreichen. Insgesamt legte das Kreditgeschäft mit Privat- und Firmenkunden um 4,6 Prozent zu und lag damit lediglich geringfügig unter der Zuwachsrate des vergangenen Geschäftsjahres. Als Hauptwachstumstreiber zeigten sich im Kreditgeschäft mit Privatkunden erneut die Immobilienfinanzierungen. Der Marktanteil im Geschäft mit Privatkunden konnte im Vergleich zum vorangegangenen Geschäftsjahr erneut leicht gesteigert werden. Bei der Kreditvergabe an Firmenkunden legten die Primärbanken mit einem Zuwachs von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr erneut deutlich zu. Auch im Geschäft mit Firmenkunden konnte der Marktanteil erneut leicht erhöht werden. Insbesondere bei Krediten an Dienstleister, die über die Hälfte der Firmenkundenkredite im Primärbankengeschäft ausmachen, konnten überdurchschnittliche Zuwachsraten erzielt werden. Ebenso verzeichnete die Einlagenseite der genossenschaftlichen FinanzGruppe ein stabiles Wachstum, sodass das kräftige Kreditwachstum vollständig durch die deutliche Zunahme der Kundeneinlagen refinanziert werden konnte.
Das Eigenkapital erhöhte sich nochmals von 93,0 Milliarden Euro im Vorjahr auf 98,6 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2016. Der gegenüber dem Vorjahr bei anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen zu verzeichnende merkliche Eigenkapitalzuwachs in Höhe von 5,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 6,5 Milliarden Euro) unterstreicht die Nachhaltigkeit des erfolgreichen Wirtschaftens und stärkt die Zukunftsfähigkeit der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Die solide bilanzielle Kapitalausstattung verschafft ihr ausreichende Risikopuffer sowie zugleich Wachstumsspielräume im Kreditgeschäft mit Privat- und Firmenkunden. Auch im Hinblick auf die Erfüllung steigender aufsichtsrechtlicher Anforderungen wird die genossenschaftliche FinanzGruppe ihrem Anspruch gerecht.
Die Vitalität und finanzielle Stabilität des Geschäftsmodells der genossenschaftlichen FinanzGruppe mit ihrer starken Marktposition im Privat- und Firmenkundengeschäft wird durch ein im Branchenvergleich erfreuliches Kapitalmarktrating von „AA–“ durch die beiden Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch Ratings gewürdigt.
Auch im Geschäftsjahr 2016 zeigt sich die hohe Marktakzeptanz der genossenschaftlichen FinanzGruppe in einem unverändert anhaltenden Mitgliederzuwachs. Seit 2006 wuchs die Zahl der Mitglieder der Volksbanken und Raiffeisenbanken um mehr als 2,5 Millionen Mitglieder. Im Geschäftsjahr 2016 verzeichneten die deutschen Genossenschaftsbanken einen Zuwachs in Höhe von 152.000 Mitgliedern und zählten damit zum Jahresende 2016 insgesamt 18,4 Millionen Mitglieder. Die durchschnittliche Zahl der Mitglieder je Kreditgenossenschaft stieg auf knapp 19.000.
Der Zinsüberschuss lag im Geschäftsjahr 2016 mit einem Wert in Höhe von 18.826 Millionen Euro leicht unter dem Niveau des Vorjahres (20.021 Millionen Euro). Er ist im Wesentlichen geprägt von der Niedrigzinspolitik der EZB mit daraus resultierenden Margenverschlechterungen. Der Zinsüberschuss der Kreditgenossenschaften, der die größte Ertragsquelle der genossenschaftlichen FinanzGruppe darstellt, verringerte sich im Geschäftsjahr gegenüber dem Vorjahr auf 16.052 Millionen Euro (Vorjahr: 16.569 Millionen Euro).
Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft nahm von –74 Millionen Euro im Vorjahr auf –522 Millionen Euro im Geschäftsjahr zu. Ursächlich hierfür war im Wesentlichen ein höherer Risikovorsorgebedarf für Altengagements in der Schiffs- und Offshorefinanzierung vor dem Hintergrund einer angespannten Marktlage.
Der Provisionsüberschuss konnte im Geschäftsjahr erneut leicht um 2,8 Prozent von 5.798 Millionen Euro auf 5.963 Millionen Euro gesteigert werden. Der Ergebniszuwachs geht im Wesentlichen auf gestiegene Ergebnisbeiträge aus dem Kredit- und Wertpapiergeschäft zurück.
Das Handelsergebnis der genossenschaftlichen FinanzGruppe entfällt weitgehend auf das Geschäftssegment Bank. Es erhöhte sich im Geschäftsjahr 2016 um 492 Millionen Euro auf 1.099 Millionen Euro gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres in Höhe von 607 Millionen Euro. Die deutliche Verbesserung des Handelsergebnisses resultiert vornehmlich aus positiven Bewertungseffekten bei eigenen Emissionen sowie aus der Verbesserung des Handelsbeitrags aus dem operativen Geschäft.
Das Ergebnis aus Finanzanlagen verbesserte sich im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreswert auf 33 Millionen Euro (Vorjahr: –561 Millionen Euro). Die Zunahme erklärt sich im Wesentlichen daraus, dass das Vorjahr durch negative Bewertungseffekte im Bereich der Wertpapiere belastet war.
Das Sonstige Bewertungsergebnis aus Finanzinstrumenten reduzierte sich von 363 Millionen Euro im Vorjahr auf –190 Millionen Euro im Geschäftsjahr. Der Rückgang resultiert maßgeblich aus einer marktbedingten Ausweitung der Credit Spreads bei Anleihen aus den Peripheriestaaten des Euroraums. Demgegenüber waren im Vorjahr Einengungen dieser Credit Speads zu verzeichnen.
Das Ergebnis aus dem Versicherungsgeschäft erhöhte sich im Geschäftsjahr um 12,7 Prozent auf 1.119 Millionen Euro (Vorjahr: 993 Millionen Euro). Diese Ergebnisveränderung resultiert insbesondere aus einem merklich verbesserten Ergebnis aus Kapitalanlagen und sonstigen Ergebnis der Versicherungsunternehmen bei leicht gestiegenen Beitragseinnahmen, dem höhere Versicherungsleistungen gegenüberstanden.
Die Verwaltungsaufwendungen nahmen im Geschäftsjahr 2016 um 710 Millionen Euro von –17.234 Millionen Euro auf –17.944 Millionen Euro zu. Der Großteil der Verwaltungsaufwendungen entfällt mit einem Betrag von –10.318 Millionen Euro (Vorjahr: –10.160 Millionen Euro) auf Personalaufwendungen.
Die Ertragsteuern des Geschäftsjahres in Höhe von –2.410 Millionen Euro (Vorjahr: –2.820 Millionen Euro) entfallen mit –2.497 Millionen Euro im Wesentlichen auf tatsächliche Ertragsteuern. Dies unterstreicht erneut den besonderen Stellenwert der genossenschaftlichen FinanzGruppe für die Regionen als einer der größten kommunalen Steuerzahler.
Der Konsolidierte Jahresüberschuss nach Berücksichtigung von Ertragsteuern belief sich im Geschäftsjahr 2016 auf 5.898 Millionen Euro nach 6.967 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Die Aufwand-Ertrags-Relation der genossenschaftlichen FinanzGruppe beträgt im Geschäftsjahr 2016 67,0 Prozent (Vorjahr: 63,6 Prozent).
Die konsolidierte Bilanzsumme der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken erhöhte sich im Geschäftsjahr 2016 um 53,3 Milliarden Euro auf 1.215,8 Milliarden Euro (Vorjahr: 1.162,5 Milliarden Euro). Das Geschäftsvolumen erhöhte sich von 1.510,0 Milliarden Euro im Vorjahr auf 1.599,4 Milliarden Euro im Jahr 2016.
Die Bilanzsumme vor Konsolidierung entfiel in Höhe von 60,6 Prozent auf die Primärbanken (Vorjahr: 60,0 Prozent) sowie in Höhe von 36,4 Prozent auf den DZ BANK Konzern (Vorjahr: 30,2 Prozent). Im Vorjahr ging ein Anteil von 6,7 Prozent der Bilanzsumme der genossenschaftlichen FinanzGruppe auf die Bilanzsumme des WGZ-Konzerns zurück.
Auf der Aktivseite stiegen die Forderungen an Kunden um 4,6 Prozent auf 733,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 700,6 Milliarden Euro). Auch im Geschäftsjahr 2016 ging dieses Wachstum erneut vorrangig auf die Primärbanken zurück, die mit einem Zuwachs von 4,5 Prozent an die Wachstumsrate von 4,7 Prozent aus dem Vorjahr anknüpfen konnten. Wachstumstreiber im Privatkundenbereich waren im Wesentlichen erwartungsgemäß die langfristigen Baufinanzierungen. Im Kreditgeschäft mit Firmenkunden (Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen und Selbstständige) legten die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Wesentlichen bei den Krediten an Dienstleister zu.
Die Handelsaktiva reduzierten sich im Berichtsjahr um 5,3 Milliarden Euro beziehungsweise 9,9 Prozent auf 48,3 Milliarden Euro (Vorjahr: 53,6 Milliarden Euro). Ihre Verringerung resultierte im Wesentlichen aus einem Rückgang der positiven Marktwerte aus derivativen Finanzinstrumenten um 4,4 Prozent auf 23,6 Milliarden Euro sowie der Schuldverschreibungen und anderen festverzinslichen Wertpapiere um 4,1 Milliarden Euro auf 9,3 Milliarden Euro.
Auf der Passivseite wuchsen trotz des intensiven Wettbewerbs auch die Verbindlichkeiten gegenüber Kunden nochmals von 739,2 Milliarden Euro im Vorjahr auf 774,3 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2016. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten erhöhten sich ebenfalls leicht um 3,8 Prozent auf 103,3 Milliarden Euro (Vorjahr: 99,5 Milliarden Euro).
Die Handelspassiva zeigten korrespondierend zu der Entwicklung der Handelsaktiva eine Reduzierung in Höhe von 1,3 Milliarden Euro oder 2,8 Prozent auf 44,1 Milliarden Euro (Vorjahr: 45,4 Milliarden Euro). Dieser Rückgang resultiert im Wesentlichen aus der Verringerung der negativen Marktwerte aus derivativen Finanzinstrumenten um 2,7 Milliarden Euro auf 25,1 Milliarden Euro.
Als robust präsentierte sich erneut das Eigenkapital der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Es erhöhte sich im Geschäftsjahr 2016 um 6,0 Prozent auf 98,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 93,0 Milliarden Euro), im Wesentlichen aufgrund der Stärkung der Rücklagen aus dem im Geschäftsjahr 2016 erzielten Ergebnis.
Kapitalausstattung und aufsichtsrechtliche Kennzahlen
Die Angaben beziehen sich jeweils auf das institutsbezogene Sicherungssystem (genossenschaftlicher Haftungsverbund) und den jeweiligen Meldestichtag. Die Angaben zu den Eigenmitteln beziehungsweise Eigenmittelanforderungen beruhen auf den Ergebnissen der Erweiterten Zusammenfassungsrechnung (EZR) nach Artikel 49 Absatz 3 Capital Requirements Regulation (CRR) in Verbindung mit Artikel 113 Absatz 7 CRR.
Die im Rahmen der EZR vorgenommene Kapitalkonsolidierung zeigt, dass die konsolidierten Eigenmittel weit überwiegend aus Eigenmitteln der Primärinstitute bestehen. Eigenmittelzuwächse aus Sicht des institutsbezogenen Sicherungssystems ergeben sich insofern vor allem durch die von Primärinstituten und Verbundinstituten erzielten Gewinne. Kapitalmaßnahmen der Verbundinstitute werden weitestgehend verbundintern gezeichnet und innerhalb der FinanzGruppe (Konsolidierungskreis institutsbezogenes Sicherungssystem) konsolidiert.
Aufgrund der Nullanrechnung verbundinterner Forderungen gemäß Artikel 113 Absatz 7 CRR erfolgen grundsätzlich keine Konsolidierungsmaßnahmen bei den risikogewichteten Positionsbeträgen. Die Konsolidierungsmaßnahmen umfassen im Wesentlichen direkt und indirekt gehaltene Beteiligungspositionen innerhalb des institutsbezogenen Sicherungssystems und betreffen demzufolge insbesondere die Beteiligungen und die nachrangigen Forderungen der Primärinstitute an die Verbundinstitute, insbesondere an die DZ BANK AG. Die Konsolidierungen erfolgen bei den entsprechenden Kapitalkategorien (Corresponding Approach).
Die Auswirkung der Konsolidierungsmaßnahmen auf die Höhe der risikogewichteten Positionsbeträge ist demzufolge von untergeordneter Bedeutung, während sich im Gegenzug die Eigenmittel reduzieren. Aufgrund der Systematik der durchgeführten Konsolidierungsmaßnahmen ist die Gesamtkapitalquote für das institutsbezogene Sicherungssystem kleiner als die entsprechende Quote für die Gesamtheit der Primärinstitute.
Zinsüberschuss 18.826 20.021 –6,0
Risikovorsorge im Kreditgeschäft –522 –74 >100,0
Provisionsüberschuss 5.963 5.798 2,8
Handelsergebnis 1.099 607 81,1
Ergebnis aus Finanzanlagen 33 –561 >100,0
Sonstiges Bewertungsergebnis aus Finanzinstrumenten –190 363 >100,0
Ergebnis aus dem Versicherungsgeschäft 1.119 993 12,7
Verwaltungsaufwendungen –17.944 –17.234 4,1
Sonstiges betriebliches Ergebnis –76 –126 –39,7
Ertragsteuern –2.410 –2.820 –14,5
Entwicklung des Konsolidierten Ergebnisses vor Steuern nach Posten der Gewinn- und Verlustrechnung
A: Konsolidiertes Ergebnis vor Steuern 2015
B: Zinsüberschuss
C: Risikovorsorge im Kreditgeschäft
E: Handelsergebnis
F: Ergebnis aus Finanzanlagen
G: Sonstiges Bewertungsergebnis aus Finanzinstrumenten
H: Ergebnis aus dem Versicherungsgeschäft
I: Verwaltungsaufwendungen
J: Sonstiges betriebliches Ergebnis
K: Konsolidiertes Ergebnis vor Steuern 2016
* Genossenschaftliche FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken.
Zusammensetzung der Bilanzsumme der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken zum 31. Dezember 2016
Die Eigenmittel der genossenschaftlichen FinanzGruppe betragen zum 31. Dezember 2016 demnach 92,1 Milliarden Euro. Die Kernkapitalquote inklusive §-340f-HGB-Reserven beträgt 15,4 Prozent. Aufgrund der hohen Qualität des Kapitals liegt die korrespondierende Fully-loaded-Quote mit 15,2 Prozent nur wenig darunter. Von den unterlegungs-pflichtigen Risikobeträgen (siehe Tabelle auf Seite 19) in Höhe von insgesamt 572,5 Milliarden Euro entfällt der Großteil mit 89,1 Prozent auf Adressausfallrisiken.
Aufteilung des Gesamtrisikobetrags
Zum 31. Dezember 2016 erfolgt für das institutsbezogene Sicherungssystem des genossenschaftlichen Verbundes der nachrichtliche Ausweis der Leverage Ratio in analoger Anwendung der Anforderungen des Artikels 429 CRR. Als Kapitalmessgröße wurde das Kernkapital gemäß EZR nach Artikel 49 Absatz 3 CRR zugrunde gelegt, das um sämtliche haftungsverbundinternen Kernkapitalpositionen der Mitglieder des institutsbezogenen Sicherungssystems bereinigt wurde. Die Risikopositionswerte wurden durch Aggregation der Einzelmeldungen zur Leverage Ratio sämtlicher Mitgliedsinstitute ermittelt und um wesentliche haftungsverbundinterne Positionen bereinigt.
Die Leverage Ratio beträgt unter Verwendung der Kapitalbasis „Kernkapital inklusive §-340f-HGBReserven fully loaded“ 7,3 Prozent. Diese Quote unterstreicht die gute Kapitalisierung der FinanzGruppe.
Risikogewichtete Forderungsbeträge für das Kredit-, das Gegenparteiausfall- und das Verwässerungsrisiko sowie Vorleistungen 510.093 488.513
Risikopositionsbetrag für Abwicklungs- und Lieferrisiken 2.655 0
Gesamtforderungsbetrag für Positions-, Fremdwährungs- und Warenpositionsrisiken 10.193 15.521
Gesamtbetrag der Risikopositionen für Operationelle Risiken (OpR) 49.707 49.244
Zusätzlicher Risikopositionsbetrag aufgrund fixer Gemeinkosten 0 0
Gesamtbetrag der Risikopositionen für Anpassung der Kreditbewertung (CVA) 2.463 2.674
Gesamtbetrag der Risikopositionen in Bezug auf Großkredite im Handelsbuch 0 0
Sonstige Forderungsbeträge 0 0
Summe Gesamtrisikobetrag nach Anpassung 572.458 555.952
Geschäftssegment Bank
Der Zinsüberschuss im Geschäftssegment Bank reduzierte sich im Geschäftsjahr 2016 um 394 Millionen Euro auf 1.623 Millionen Euro (Vorjahr: 2.017 Millionen Euro).
Im Firmenkundengeschäft konnte der Konditionsbeitrag bei nochmaliger Margenverbesserung gesteigert werden. Für die Mittelstandsfinanzierung zeigte sich, dass die Unternehmen insgesamt krisenfest aufgestellt sind und eine hohe Investitionsbereitschaft aufweisen. Belastend auf das Geschäft mit Firmenkunden wirkten sich im Geschäftsjahr 2016 allerdings die allgemein unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Euroraum sowie die Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums in einigen großen Schwellenländern aus.
Der Konditionsbeitrag im Produktfeld Konsortialgeschäft/Erneuerbare Energien konnte im Geschäftsjahr 2016 im Bereich Finanzierung von erneuerbaren Energien trotz stärkeren Wettbewerbs nochmals leicht gesteigert werden. In der Akquisitionsfinanzierung nutzten erneut viele Kunden die hohe Liquidität an den Anleihemärkten zur Rückführung ihrer Kredite. Dies und die selektive Ausreichung von Neukrediten führten zu einer Reduzierung des Konditionsbeitrags gegenüber dem Vorjahr. In der internationalen Handels- und Exportfinanzierung sowie im Projektfinanzierungsgeschäft legte der entsprechende Konditionsbeitrag im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jeweils zu.
In der Transportfinanzierung konnte der operative Zinsüberschuss (ohne Beteiligungsergebnis) insbesondere auch aufgrund niedrigerer Sonderabschreibungen auf Leasinggegenstände im Geschäftsjahr 2016 verbessert werden. Daneben war das Zinsergebnis unverändert durch einen spürbaren Druck auf die Zinsmargen infolge des weltweit steigenden Finanzierungswettbewerbs an den Transportmärkten belastet. Der weltweite Güter- und Passagierverkehr war geprägt von einem verhaltenen Konjunkturanstieg in der Eurozone, einem moderaten Wachstum der US-Wirtschaft und einer schwächeren Konjunkturentwicklung in den Schwellenländern, vor allem in China. Gleichzeitig war der Welthandel unverändert wenig dynamisch. Darüber hinaus verzeichneten einzelne Teilmärkte der internationalen Seeschifffahrt ein Überangebot an Transportkapazitäten. Der andauernd niedrige Rohölpreis beeinflusste die Offshoremärkte negativ.
Das Leasinggeschäft verzeichnete im Geschäftsjahr 2016 einen Rückgang im operativen Zinsüberschuss (ohne Beteiligungsergebnis). Diese Veränderung gegenüber dem Vorjahr beruht im Wesentlichen auf einer Verminderung des operativen Zinsüberschusses in den Bereichen Immobilienleasing sowie Autohändler- und Autoflottengeschäft, die ebenso wie das Auslandsgeschäft zum definierten Nichtkerngeschäft zählen und zurückgeführt werden. Bei anhaltend niedrigem Zinsniveau sowie bei weiterhin leicht rückläufigem Vertragsvolumen der Finance-LeaseVerträge führte ferner ein sukzessiver Austausch von höher verzinsten Altverträgen durch niedriger verzinste Neuverträge zu geringeren Zinserträgen.
Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft erhöhte sich im Segment Bank von –94 Millionen Euro im Vorjahr auf –523 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2016. Ursächlich hierfür war im Wesentlichen ein höherer Risikovorsorgebedarf für Altengagements in der Schiffs- und Offshorefinanzierung vor dem Hintergrund einer angespannten Marktlage.
Der Provisionsüberschuss konnte mit einem Wert von 603 Millionen Euro das Niveau des Vorjahres erneut leicht übertreffen (Vorjahr: 586 Millionen Euro). Der Dienstleistungsbeitrag hat im Firmenkundengeschäft leicht zugenommen. Im Produktfeld Konsortialgeschäft/Erneuerbare Energien sowie im Produktfeld Projektfinanzierung konnte der Dienstleistungsbeitrag jeweils gesteigert werden. Im Produktfeld Akquisitionsfinanzierung und im Produktfeld Asset Securitization hat sich der Dienstleistungsbeitrag jeweils reduziert, wohingegen der Dienstleistungsbeitrag im Produktfeld Internationale Handels- und Exportfinanzierung gegenüber dem Vorjahr gesteigert wurde. Des Weiteren lag der im Geschäftsfeld Operations Services erzielte Dienstleistungsbeitrag aufgrund der gestiegenen Erträge aus dem Wertpapierverwahrgeschäft über dem im Vorjahr ausgewiesenen Wert. Das Provisionsergebnis im Kreditgeschäft der Transport Finance nahm im Geschäftsjahr 2016 insbesondere aufgrund des Anstiegs der im Neugeschäft des Transport Finance erzielten Provisionseinnahmen zu.
Das Handelsergebnis im Geschäftssegment Bank erreichte einen Wert von 851 Millionen Euro und lag damit um 393 Millionen Euro über dem Vergleichswert des Vorjahres in Höhe von 458 Millionen Euro. Die maßgeblichen Einflussfaktoren für die Entwicklung des Kapitalmarkts waren die im Frühjahr 2016 von der EZB beschlossenen ausgeweiteten geldpolitischen Maßnahmen bei gleichzeitiger Absenkung des Leitzinses sowie des negativen Zinssatzes für Zentralbankeinlagen, wobei die EZB Anfang Dezember 2016 ihr Anleihekaufprogramm bei Absenkung des monatlichen Ankaufvolumens bis Ende des Jahres 2017 verlängerte.
Der Handelsbeitrag hat sich im Berichtszeitraum deutlich verbessert. Ferner ergab sich für die zum beizulegenden Zeitwert bilanzierten Verbindlichkeiten ein positiver Ergebnisbeitrag. Des Weiteren berücksichtigt das Handelsergebnis im Geschäftssegment Bank einen positiven Ergebnissaldo aus realisierten und unrealisierten Ergebnissen betreffend Asset-Backed Securities (ABS).
Das Ergebnis aus Finanzanlagen verringerte sich von 110 Millionen Euro im Vorjahr auf 77 Millionen Euro im Berichtsjahr. Der positive Ergebnisbeitrag 2016 resultiert insbesondere aus dem Ertrag aus der Beteiligungsveräußerung an der VISA Europe Ltd., London. Auch im Bereich der Asset-Backed Securities ergab sich im Geschäftssegment Bank ein positiver Ergebnisbeitrag, im Wesentlichen aus dem Verkauf von in früheren Perioden wertberichtigten ABS-Transaktionen.
Das Sonstige Bewertungsergebnis aus Finanzinstrumenten verringerte sich marktbedingt um 113 Millionen Euro auf –106 Millionen Euro (Vorjahr: 7 Millionen Euro).
Die Verwaltungsaufwendungen erhöhten sich im Berichtszeitraum um 229 Millionen Euro auf –2.059 Millionen Euro (Vorjahr: –1.830 Millionen Euro). Im Bereich der Sonstigen Verwaltungsaufwendungen führten insbesondere eine Rückstellungszuführung sowie gestiegene Unternehmensberatungskosten im Projektumfeld zu einem Kostenanstieg. Die Erhöhung der Personalaufwendungen resultiert im Wesentlichen aus einer höheren Mitarbeiterzahl sowie aus vorgenommenen Gehaltsanpassungen.
Das Konsolidierte Ergebnis vor Steuern des Geschäftssegments Bank reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr um 732 Millionen Euro auf 424 Millionen Euro (Vorjahr: 1.156 Millionen Euro). Die Aufwand-Ertrags-Relation erhöhte sich von 59,4 Prozent im Vorjahr auf 68,5 Prozent im Berichtszeitraum.
Geschäftssegment Retail
Der Zinsüberschuss des Geschäftssegments Retail hat sich im Geschäftsjahr 2016 mit einem Wert von 16.618 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr mit einem Betrag von 17.260 Millionen Euro leicht vermindert. Die anhaltenden negativen Effekte der Niedrigzinspolitik der EZB konnten im Geschäftssegment Retail durch Volumenausweitungen nahezu vollständig kompensiert werden. Auch der Zinsüberschuss im Ratenkreditgeschäft konnte sich aufgrund der ganzjährig regen privaten Konsumnachfrage positiv entwickeln. Insgesamt ist dieser Markt jedoch geprägt von einem starken Preis- und Verdrängungswettbewerb. Auch in diesem Bereich stellt das historisch niedrige Zinsniveau die genossenschaftliche FinanzGruppe vor besondere Herausforderungen. Auch die höheren Marktanforderungen, die sich aus der voranschreitenden Digitalisierung ergeben, erschweren das Geschäft mit Konsumfinanzierungen. Die Verminderung des Zinsüberschusses resultiert außerdem aus verminderten Ergebnisbeiträgen aus dem Währungskreditgeschäft LuxCredit.
Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft erhöhte sich von –7 Millionen Euro im Vorjahr auf –51 Millionen Euro im Geschäftsjahr. Die Risikoentwicklung erwies sich im Geschäftssegment Retail weiterhin vor dem Hintergrund niedriger Mahnquoten und geringer Kündigungsvolumina als stabil.
Der Provisionsüberschuss des Geschäftssegments Retail erhöhte sich erneut, und zwar von 5.911 Millionen Euro im Vorjahr auf 6.034 Millionen Euro im Berichtsjahr. Er ist im Geschäftsjahr 2016 wesentlich von den erzielten Erträgen aus dem Zahlungsverkehr sowie der hohen Kundennachfrage im Wertpapierund Fondsgeschäft beeinflusst. Ein wesentlicher Treiber war der mit den durchschnittlichen Assets under Management erzielte volumenabhängige Ergebnisbeitrag. Dieser lag im Geschäftsjahr 2016 leicht über dem Niveau des Vorjahres. Auch der Ergebnisbeitrag aus dem Fonds-Dienstleistungsgeschäft konnte gegenüber dem Vorjahr leicht gesteigert werden.
Das Handelsergebnis legte gegenüber dem Wert des Vorjahres erneut leicht um 22 Millionen Euro auf 211 Millionen Euro (Vorjahr: 189 Millionen Euro) zu. Die Veränderung ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass das Devisenergebnis aufgrund eines höheren kundeninduzierten Transaktionsvolumens im Anschluss an die Freigabe des Schweizer-FrankenWechselkurses durch die Schweizerische Nationalbank positiv beeinflusst war.
Das Ergebnis aus Finanzanlagen verbesserte sich im Berichtsjahr deutlich um 517 Millionen Euro auf –94 Millionen Euro (Vorjahr: –611 Millionen Euro). Im Vorjahr ergab sich ein höherer Abschreibungsbedarf bei Anleihen.
Auf der Kostenseite wurden weitere Anstrengungen unternommen, um effizienter zu werden. Insgesamt sind die Verwaltungsaufwendungen im Berichtsjahr dennoch erneut um 1,0 Prozent auf –15.276 Millionen Euro (Vorjahr: –15.119 Millionen Euro) gestiegen, vor allem bedingt durch durchschnittliche Gehaltsanpassungen sowie die Besetzung neuer und offener Stellen. Des Weiteren sorgten neben gestiegenen regulatorisch bedingten Anforderungen und Abgaben insbesondere höhere Kosten für Öffentlichkeitsarbeit/Marketing, IT und Beratung für einen Anstieg der Verwaltungsaufwendungen im Geschäftssegment Retail.
Das Konsolidierte Ergebnis vor Steuern des Geschäftssegments Retail verringerte sich aufgrund der zuvor dargestellten Einflussfaktoren von 7.549 Millionen Euro im Vorjahr auf 7.197 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2016. Die Aufwand-ErtragsRelation belief sich im Berichtsjahr auf 67,8 Prozent (Vorjahr: 66,7 Prozent).
Geschäftssegment Immobilien
Der Zinsüberschuss im Geschäftssegment Immobilien belief sich auf einen Betrag von 1.322 Millionen Euro (Vorjahr: 1.593 Millionen Euro) und war im Geschäftsjahr 2016 erneut durch die Niedrigzinsphase belastet. Ein deutlicher Anstieg der Kredite der Vorund Zwischenfinanzierung führte im außerkollektiven Baufinanzierungsgeschäft zu einem Anstieg der Zinserträge und kompensierte dabei die gesunkene Durchschnittsverzinsung. Des Weiteren verringerte sich der Zinsertrag im Bauspardarlehensgeschäft insbesondere infolge eines niedrigeren Bestands sowie rückläufiger durchschnittlicher Zinsen. Die höhere Kundennachfrage im Bereich Bausparen verdeutlicht die Bevorzugung einer Geldanlage in Sachwerten auf einem stabilen Finanzierungsfundament.
Im Hypothekenbankgeschäft konnte der Zinsüberschuss im Geschäftsjahr 2016 nicht ganz an den Wert des Vorjahres anknüpfen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben zu einem starken Interesse in- und ausländischer Investoren an einem Investment in gewerblich genutzte Immobilien in einem gleichzeitig fordernden Wettbewerbsumfeld geführt. Dieser Nachfrage steht allerdings ein zunehmend eingeschränktes Angebot gegenüber. Das Transaktionsvolumen gewerblich genutzter Immobilien (ohne Wohnimmobilien) belief sich im Geschäftsjahr 2016 auf 52,9 Milliarden Euro (Vorjahr: 55,1 Milliarden Euro).
Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft des Geschäftssegments Immobilien legte mit einem jeweils positiven Saldo von 27 Millionen Euro im Vorjahr auf 45 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2016 zu.
Das im Geschäftssegment Immobilien traditionell negative Provisionsergebnis verbesserte sich im Geschäftsjahr 2016 im Wesentlichen aufgrund reduzierter Provisionsaufwendungen als Folge eines geringeren Neugeschäftsvolumen um 41 Millionen Euro auf –152 Millionen Euro (Vorjahr: –193 Millionen Euro).
Das Ergebnis aus Finanzanlagen verbesserte sich von einem negativen Ergebnis im Vorjahr um 89 Millionen Euro auf 36 Millionen Euro (Vorjahr: –53 Millionen Euro). Es berücksichtigt im Geschäftsjahr 2016 eine Wertaufholung von einem im Vorjahr wertberichtigten Bond. Im Vorjahresausweis waren im Wesentlichen Ergebniseffekte für Mortgage-Backed Securities einschließlich der Vorsorge für latente Risiken und ein Realisierungseffekt aus dem Verkauf einer der Bilanzkategorie „Zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte“ zugeordneten Anleihe enthalten.
Das Sonstige Bewertungsergebnis aus Finanzinstrumenten im Segment Immobilien lag im Geschäftsjahr 2016 mit einem Saldo von –46 Millionen Euro unter dem Wert des vergleichbaren Vorjahreszeitraum (Vorjahr: 364 Millionen Euro). Sein Rückgang resultierte im Wesentlichen aus einer Ausweitung der Credit Spreads bei Anleihen aus den Peripheriestaaten des Euroraums im Hypothekenbankgeschäft, die im Vorjahr durch eine deutliche Einengung dieser Credit Spreads gekennzeichnet waren.
Die Verwaltungsaufwendungen erhöhten sich im Geschäftsjahr 2016 auf –754 Millionen Euro (Vorjahr: –700 Millionen Euro). Ursächlich für ihren Anstieg waren vor allem höhere Personalaufwendungen aufgrund von Zuführungen zu den Personalrückstellungen sowie Mehraufwendungen für regulatorische Anforderungen und strategische Projekte.
Das Konsolidierte Ergebnis vor Steuern im Geschäftssegment Immobilien reduzierte sich im Geschäftsjahr 2016 um 558 Millionen Euro auf 492 Millionen Euro (Vorjahr: 1.050 Millionen Euro). Die Aufwand-Ertrags-Relation erhöhte sich im Geschäftssegment Immobilien auf 62,8 Prozent (Vorjahr: 40,6 Prozent).
Geschäftssegment Versicherung
Die Verdienten Beiträge aus dem Versicherungsgeschäft stiegen auf der Grundlage der festen Verankerung der R+V in der genossenschaftlichen FinanzGruppe um 240 Millionen Euro auf 14.658 Millionen Euro (Vorjahr: 14.418 Millionen Euro). Damit wurde das anspruchsvolle Beitragsniveau des Vorjahres um 1,7 Prozent überschritten. Auch die gebuchten Bruttobeiträge des Geschäftsjahres übertrafen mit einem Anstieg von 1,6 Prozent auf 14.767 Millionen Euro (Vorjahr: 14.536 Millionen Euro) das anspruchsvolle Niveau des Vorjahres.
Im Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft der R+V verminderten sich die Beitragseinnahmen insgesamt um 3,5 Prozent. Im Lebensversicherungsgeschäft waren um 4,2 Prozent niedrigere Beitragseinnahmen zu verzeichnen. Dem Beitragsrückgang in den Geschäftsfeldern bAV und pV Fonds stand ein Beitragsanstieg im Geschäftsfeld pV klassisch gegenüber. Die Beitragseinnahmen in der Krankenversicherung konnten dagegen um 8,4 Prozent gesteigert werden, resultierend aus der erfreulichen Entwicklung bei den laufenden sowie den Einmalbeiträgen. Im Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft stiegen die Beitragseinnahmen um 5,3 Prozent. Wachstumsträger waren hier insbesondere die Sparten Kraftfahrtversicherung und Firmenkunden. In der übernommenen Rückversicherung zeigte sich ebenfalls ein Anstieg der Beitragseinnahmen gegenüber dem Vorjahr, und zwar um 16,1 Prozent. Ursächlich für diese Veränderung war vor allem die positive Entwicklung in den Geschäftssparten KFZ- und Feuer-/Sachversicherungen.
Das Ergebnis aus Kapitalanlagen und sonstiges Ergebnis der Versicherungsunternehmen nahm um 24,0 Prozent auf 3.885 Millionen Euro (Vorjahr: 3.132 Millionen Euro) zu. Das langfristige Zinsniveau ist im Berichtsjahr seit Jahresbeginn deutlich gesunken, während es im Vorjahr noch gestiegen war. Die für die R+V relevanten Aktienmärkte haben sich im Verlauf des Berichtszeitraums schwächer entwickelt als im Vorjahr. Die Währungskurse verzeichneten in der Berichtsperiode für die R+V einen im Vergleich mit dem Jahr 2015 ungünstigeren Verlauf. Insgesamt resultiert aus dieser Entwicklung ein gegenüber dem Vorjahr höheres Kapitalanlageergebnis mit höheren realisierten sowie nicht realisierten Ergebnissen bei einem gleichzeitig niedrigeren Währungsergebnis. Die Veränderung des Kapitalanlageergebnisses wirkte sich infolge gegenläufiger Effekte aufgrund der Berücksichtigung von Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen insbesondere im Geschäftsbereich Leben/Kranken sowie der Ansprüche der Versicherungsnehmer im fondsgebundenen Lebensversicherungsgeschäft in dem nachfolgend dargestellten Posten „Versicherungsleistungen“ jedoch nur zum Teil auf das Ergebnis aus dem Versicherungsgeschäft vor Steuern des Geschäftsjahres 2016 aus.
Die Versicherungsleistungen wiesen eine Veränderung um 5,0 Prozent auf –15.400 Millionen Euro (Vorjahr: –14.664 Millionen Euro) auf. Bei den Personenversicherungsunternehmen waren insbesondere korrespondierend mit der Entwicklung der Beitragseinnahmen sowie des Ergebnisses aus Kapitalanlagen höhere versicherungstechnische Rückstellungen zu dotieren. Des Weiteren wurde der Zinszusatzrückstellung ein Betrag in Höhe von 626 Millionen Euro (Vorjahr: 559 Millionen Euro) zugeführt. Im Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft sowie in der übernommenen Rückversicherung lagen die Schadenbelastungen im Rahmen der Erwartungen für den Berichtszeitraum.
Die Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb haben sich mit einem Anstieg um insgesamt 7,3 Prozent auf –2.454 Millionen Euro (Vorjahr: –2.287 Millionen Euro) in allen drei Geschäftsbereichen im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erhöht. Das Sonstige betriebliche Ergebnis in Höhe von –8 Millionen Euro (Vorjahr: 26 Millionen Euro) beinhaltete im Vorjahr einen Abgangsgewinn in Höhe von 39 Millionen Euro von Anteilen an einem assoziierten Unternehmen, das zur Veräußerung gehalten wurde.
Das Ergebnis vor Steuern legte im Geschäftsjahr 2016 vor dem Hintergrund der oben genannten Einflussfaktoren um 56 Millionen Euro auf 681 Millionen Euro (Vorjahr: 625 Millionen Euro) zu.
Die anhaltende Niedrigzinsphase sowie die stetig fortschreitende Digitalisierung der Bankbranche haben unmittelbare Auswirkungen auf die Personalarbeit der Genossenschaftsbanken. Auch wenn sich die zukünftigen qualitativen sowie quantitativen Anpassungen an die neuen Aufgaben im Mitarbeiterbereich erst abzeichnen, ist im Jahr 2016 der Einstieg in den Personalumbau an vielen Stellen bereits erfolgt. So sank die Mitarbeiterzahl 2016 bei konsequenter Nutzung der Altersfluktuation etwa um 2,7 Prozent auf 159.200 bei den Primärbanken und der Zentralbank. Insgesamt betrug die Summe der Beschäftigten in den Unternehmen der genossenschaftlichen FinanzGruppe zum 31. Dezember 2016 181.740 Mitarbeiter.
Führungskräfte und Mitarbeiter müssen sich auf die neuen Kompetenzanforderungen in der Omnikanalbank vorbereiten. Vor diesem Hintergrund sind entsprechende Weiterbildungsangebote zu entwickeln, die sich an den Veränderungen im Aufgaben- und Tätigkeitsfeld der Mitarbeiter orientieren. Neue Prozesse und Technologien erfordern noch stärker als bisher ein Konzept des „lebenslangen, selbstverantwortlichen Lernens“ in der Genossenschaftsbank. Damit wird die Identifizierung der Mitarbeiter mit dem weiterentwickelten Geschäftsmodell „ihrer“ Genossenschaftsbank in einem digitalen Umfeld ein zentrales Anliegen der Personalarbeit. Für den digitalen Wandel in den Volksbanken und Raiffeisenbanken spielt auch die Gewinnung der „next generation“, der digitalaffinen Schulabgänger für die Ausbildung eine zentrale Rolle. Mit 7,4 Prozent liegt die Ausbildungsquote der Primärbanken und der Zentralbank im Jahr 2016 (siehe Schaubild „Ausbildungsquote“ auf Seite 30) weiterhin auf einem im Branchenvergleich hohen Niveau. Die Übernahmequote nach Beendigung der Ausbildung von 80,9 Prozent unterstreicht ebenfalls die Leistung der genossenschaftlichen Banken als Arbeitgeber in der Region.
Darüber hinaus wurde im vergangenen Jahr die Auszubildendeninitiative „next – werde mehr als Banker“ ins Leben gerufen. Sie schafft ein Netzwerk für die rund 10.750 Auszubildenden bei den Primärbanken und der Zentralbank und dient gleichzeitig der Rekrutierung neuer Auszubildender. Das Qualitätssiegel „Top 100 Arbeitgeber Deutschland“ bestätigt seit vielen Jahren, dass die Volksbanken und Raiffeisenbanken bei Schülern zu den gefragtesten Ausbildungsunternehmen in Deutschland gehören. Die deutschlandweit durchgeführte und repräsentative Umfrage des Berliner trendence Instituts „Schü- lerbarometer 2016/17“ ist mit rund 17.000 Befragten die größte und umfassendste Studie zu den Karrierezielen und Wunscharbeitgebern von Schülern.
Auch für Hochschulabsolventen bieten Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie die genossenschaftliche Zentralbank attraktive Aufgaben und Karrieremöglichkeiten. Dies belegt der zurückliegende Anstieg der Akademikerquote, die 2016 bei 8,2 Prozent lag (siehe Schaubild „Akademikerquote“ auf Seite 31). Für viele junge Menschen ist die Option, nach beziehungsweise parallel zur Ausbildung einen akademischen Abschluss erwerben zu können, ein wichtiges Entscheidungskriterium für einen Arbeitgeber. So sind insbesondere die Studienangebote für Bachelorabschlüsse, die über die Bildungsanbieter der genossenschaftlichen FinanzGruppe bereitgestellt werden, für interessierte junge Mitarbeiter eine attraktive Möglichkeit, sich weiter zu qualifizieren.
Genossenschaftsbanken sind sich bewusst, wie wichtig – auch mit Blick auf die Umsetzung der Ergebnisse der laufenden Zukunftsprojekte – die zielgerichtete Qualifizierung der Mitarbeiter für den zukünftigen unternehmerischen Erfolg ist. Der systematische Personalumbau spielt in der Personalarbeit eine zentrale Rolle. Denn nur so kann jede Genossenschaftsbank sowohl die neuen Aufgaben und Funktionen in der Omnikanalbank und die notwendige Optimierung des Filialnetzes angehen und gleichzeitig ihr Selbstverständnis als regionaler Arbeitgeber bewahren.
Dauer der Betriebszugehörigkeit der Mitarbeiter
Ausbildungsquote*
* Volksbanken, Raiffeisenbanken, Zentralbanken.
Genossenschaftsidee und Selbstverständnis
Als erster deutscher Beitrag überhaupt wurde im Dezember 2016 die Genossenschaftsidee vom Internationalen Komitee der UNESCO mit in die Reprä- sentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur würdigt damit eine überaus starke, vitale Idee, die sich weit über Deutschland hinaus durchgesetzt hat. Sie würdigt zugleich die bewährte Form der gemeinschaftlichen Selbstorganisation, basierend auf den genossenschaftlichen Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. Vor rund 170 Jahren gingen aus diesen von Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen entwickelten Ideen die Genossenschaftsbanken hervor. Als vielseitige Förderer ihrer Region führen die Genossenschaftsbanken die Ideen ihrer Gründerväter auch heute noch mit großer Überzeugung und in enger Verbindung zu den Menschen in der Region fort. In Erinnerung an ihren sehr prominenten Gründervater Friedrich Wilhelm Raiffeisen und um die von ihm so geprägten Wertvorstellungen zu würdigen, feiern alle Genossenschaftsbanken im kommenden Jahr den 200. Geburtstag ihres Gründervaters. Das Jahr 2018 ist Raiffeisen-Jahr. Schließlich sind die Ideen von Raiffeisen heute lebendiger und aktueller denn je.
Die Übernahme ökologischer, ökonomischer und sozialer Verantwortung ist für viele Kunden mittlerweile ein wichtiges Entscheidungsmerkmal bei der Auswahl von Dienstleistern geworden. Verantwortungsvolles Handeln, die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in transparente, effiziente Geschäftsprozesse und IT-Systeme sowie die optimale Verwendung begrenzt vorhandener Ressourcen sind Schlüsselfaktoren für den Erfolg der Genossenschaftsbanken.
Bei der regelmäßigen Überprüfung der Nachhaltigkeitskriterien werden die Anforderungen an die Produkte kontrolliert und ergänzt. Effiziente Geschäftsprozesse werden durch die Umsetzung von Potenzialen aus der Digitalisierung, die zunehmend das Verhalten der Mitglieder bestimmt, gefördert. Die im Zusammenhang mit der Digitalisierung bevorstehenden Veränderungsprozesse in den Banken erfordern eine entsprechende Vorbereitung und Einbindung der Mitarbeiter. Sie müssen für die Notwendigkeit von Veränderungen sensibilisiert werden. Zugleich gilt es, ihnen die erforderlichen neuen Kompetenzen zu vermitteln. Angemessene Fort- und Weiterbildungsprogramme flankieren dabei die Einführung neuer hochwertiger, nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen.
Seit Jahren erleben Genossenschaftsbanken ein stetiges Mitgliederwachstum. Sie verzeichnen heute etwa 18,4 Millionen Mitglieder. Über 2 Millionen neue Mitglieder kamen in den vergangenen zehn Jahren hinzu. Immer mehr Menschen und Unternehmen wollen nicht nur Kunde, sondern auch Teilhaber ihrer Bank sein. So betreiben die Genossenschaftsbanken in Deutschland ihr Geschäft von einer sehr breiten Mitgliederbasis aus. Dabei wirken sie gut vernetzt tief in ihre Regionen hinein.
Nach wie vor basiert das genossenschaftliche Geschäftsmodell dabei maßgeblich auf der Präsenz vor Ort und der Nähe zu den Kunden und Mitgliedern – natürlich in Verbindung mit einem leistungsfähigen vollumfänglichen Onlineangebot. Für diese Verfügbarkeit steht auch das flächendeckende, in nahezu jeden Winkel des Landes reichende Filialnetz. 11.787 Bankstellen werden bundesweit von den 972 Primärbanken betrieben. Hinzu kommen 3.467 SB-Zweigstellen. Die Primärbanken sind vor Ort erreichbar, wenn der Kunde sie braucht. Sie stehen ihm direkt und persönlich zur Seite. Das gilt längst nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht.
Die hohe Zahl an Genossenschaftsmitgliedern in Deutschland verdeutlicht: Das Modell der kooperativen Selbsthilfe und Selbstverantwortung vereint die Menschen, fördert individuelles Engagement und ermöglicht soziale, kulturelle und ökonomische Partizipation und Mitgestaltung. Der genossenschaftliche Grundgedanke ist es, Werte für Mitglieder zu schaffen, Vereine und Stiftungen umfassend zu unterstützen sowie mittelständische, regionale Unternehmen zu finanzieren. Über die Förderung der Mitglieder und der regionalen Wirtschaft hinaus setzen sich die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Deutschland in besonderem Maße für die Anliegen ihrer jeweiligen Region ein. Rund 140 Millionen Euro lassen die Genossenschaftsbanken Jahr für Jahr an finanziellen Zuwendungen, zum Beispiel durch Spenden oder Sponsoring, den Menschen vor Ort zukommen. Der Großteil davon kommt Kindern und Jugendlichen sowie den Vereinen vor Ort zugute. Das gesamte aufgebrachte Stiftungsengagement der genossenschaftlichen Kreditinstitute beläuft sich auf rund 300 Millionen Euro. Rund 30 Millionen Euro davon bringen sie für Gemeinschafts- und Bürgerstiftungen auf. Mit der Gründung und Unterstützung von Stiftungen schaffen die Kreditgenossenschaften verlässliche und nachhaltige Förderstrukturen. Dieses Engagement passt zweifellos zu ihrem Selbstverständnis. Knapp die Hälfte aller Volksbanken und Raiffeisenbanken fördern Engagementprojekte ihrer Mitarbeiter während der Arbeitszeit. Weit über ein Drittel der Mitarbeiter der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken sind in ihrer Freizeit ehrenamtlich aktiv.
Bei Krediten an die Land- und Forstwirtschaft ist die genossenschaftliche FinanzGruppe mit großem Abstand Marktführer. Ein wesentlicher Treiber der Kreditnachfrage waren die erneuerbaren Energien. Genossenschaftsbanken leisten so einen Beitrag zur lokalen Beschäftigung und sozialen Integration und setzen sich für die besonderen Anliegen ihrer jeweiligen Region ein. Sie sind Arbeitgeber in der Region für die Region und bieten somit auch in ländlichen Gebieten vielen Menschen eine berufliche Perspektive.
Die Genossenschaftliche FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken war im Jahr 2016 wirtschaftlich erneut insgesamt erfolgreich und nahm damit unverändert ihre sowohl stabile als auch stabilisierende Rolle in der deutschen Finanzwirtschaft wahr. Diese positive Wirkung erreicht sie dank ihres nachhaltig tragfähigen Geschäftsmodells. Die Stabilität der gesamten genossenschaftlichen FinanzGruppe und das Vertrauen in die Bonität all ihrer Mitglieder werden durch die Sicherungseinrichtung des BVR (BVR-SE) und die im Jahr 2015 gegründete BVR Institutssicherung GmbH (BVR-ISG) garantiert. Beide gemeinsam, jede in ihrem Funktions- und Aufgabenbereich, gewährleisten den Institutsschutz und bilden das Rückgrat des genossenschaftlichen Risikomanagements.
Die Ratings der genossenschaftlichen FinanzGruppe waren 2016 unverändert stabil. Die Agenturen Standard & Poor’s und Fitch beurteilen die genossenschaftliche FinanzGruppe jeweils mit AA–. Die Solidität dieser Ratingeinschätzungen zeigt sich in der Ratingherleitung der Agenturen. Die Ratings basieren jeweils allein auf der wirtschaftlichen Stärke der genossenschaftlichen FinanzGruppe: Die Kapitalmarktratings entsprechen den Individualratings. Die Ratingagenturen begründen ihre positive Einschätzung mit dem nachhaltig erfolgreichen, auf das Retailgeschäft ausgerichteten Geschäftsmodell. Das Funding ist aus dem Geschäftsmodell heraus durch die Retaileinlagen strukturell gesichert. Die Liquidität ist durch einen umfangreichen und diversifizierten Bestand an marktgängigen Wertpapieren in Verbindung mit dem Liquiditätsausgleich in der genossenschaftlichen FinanzGruppe gewährleistet. Die Kapitalausstattung wird als überdurchschnittlich stark gewertet. Die Agenturen heben die Fähigkeit und Neigung der genossenschaftlichen FinanzGruppe hervor, Kapital aus eigener Kraft durch Gewinnthesaurierung zu bilden. Die granulare Kreditstruktur und der Anteil an Hypothekarkrediten aus dem Retailgeschäft prägen die insgesamt hohe Qualität des Kundenkreditgeschäfts. Die Sicherungseinrichtung des BVR wird von den Agenturen als Bindeglied und wesentlicher Teil des Risikomanagements innerhalb der genossenschaftlichen FinanzGruppe betrachtet.
Die dargestellte Beschreibung zum Risikomanagement orientiert sich an der Struktur und Funktionsweise des institutsbezogenen Sicherungssystems der genossenschaftlichen FinanzGruppe als primäre Ebene und bezieht als sekundäres Element das Risikomanagement auf Ebene der einbezogenen Institute und Institutsgruppen mit ein.
Das Risikomanagement auf Ebene des institutssichernden Systems hinsichtlich der Steuerung im engeren Sinne bezieht sich dabei primär auf die Prävention von Schieflagen einzelner Institute.
Die Mitgliedschaft ist ein typisches Merkmal des Geschäftsmodells der Genossenschaftsbanken, das sich gut für die Kommunikation genossenschaftlicher Werte und Besonderheiten eignet. Sie bietet den Genossenschaftsbanken die Chance, sich von den Wettbewerbern anderer Bankengruppen abzugrenzen. Eine gelungene Differenzierung von den Wettbewerbern drückt sich in der Regel in einer hohen Kundengewinnung aus. Die Kundenbindung wird durch einen Index gemessen, der Aussagen zur Kundenzufriedenheit, Weiterempfehlungsbereitschaft sowie Fortführung der Kundenbeziehung enthält. Eine intensive Kundenbindung führt zu betriebswirtschaftlich messbaren Vorteilen wie Ertragssteigerungen der Genossenschaftsbanken und Sicherung der Marktanteile. Die Differenzierung von Wettbewerbern erfordert, ein angemessenes Qualitätsmanagement zu implementieren, das Standards zu Bearbeitungszeiten definiert und Mitarbeiterfeedback fördert.
Das Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken stellt auch in der digitalen Welt den Menschen mit seinen Zielen und Wünschen in den Mittelpunkt. Mit der Umsetzung der Initiativen aus dem Projekt „KundenFokus 2020“ wird dem veränderten Kundenverhalten Rechnung getragen und das Geschäftsmodell in diesem Sinne angepasst und gestärkt. Der persönliche Kontakt bleibt dabei nach wie vor zentraler Bestandteil der Kundenbeziehung. Hinzu kommen Aspekte wie qualitativ hochwertige Beratung und die Entscheidungsmöglichkeit für Kunden, wie sie mit ihrer Bank kommunizieren möchten. Die genossenschaftliche FinanzGruppe schafft hierfür effiziente Zugangswege und ermöglicht es ihren Mitgliedern, alle Informationen und Services auf allen relevanten Kanälen zu nutzen – seien sie nun stationär oder digital.
Mithilfe der Digitalisierung, die zunehmend das Verhalten der Mitglieder bestimmt, kann zusätzlich die Kostensituation der Banken verbessert werden. Mithilfe einer stärkeren Vermarktung neuer digitaler Bezahlmöglichkeiten wie paydirekt, den Ausbau der paydirekt-Händlerbasis und der Implementierung eines Onlineanfrageprozeses für Finanzierungs-, Leasing- und Geldanlagevorhaben werden Kundenbedürfnisse berücksichtigt und Neukunden gewonnen. Hierzu werden technikaffine, junge Mitglieder aktiv auf die digitalen Angebote angesprochen.
Die Genossenschaftsbanken sind sich der Auswirkungen des demografischen Wandels bewusst. Etwa die Hälfte der Genossenschaftsbanken setzt sich aktiv mit regelmäßigen Überprüfungen der demografischen Entwicklung, Barrierefreiheit an den Kundenkontaktpunkten und Angeboten, die die steigende Lebenserwartung von Kunden und Mitgliedern berücksichtigen, auseinander.
Institutsbezogenes Sicherungssystem der genossenschaftlichen FinanzGruppe
Gemäß § 4 seiner Satzung besteht beim BVR eine Sicherungseinrichtung. Diese wurde im Gesetz zur Umsetzung der EU-Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsrichtlinie in § 12 bis zum Inkrafttreten des Einlagensicherungsgesetzes (EinSiG) am 3. Juli 2015 ausdrücklich als institutssicherndes System genannt. Damit unterlag die Sicherungseinrichtung seit dem 1. August 1998 der Überwachung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin; § 12 Absatz 1 in Verbindung mit § 7 Absatz 3 des Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetzes); die Mitgliedsinstitute mussten bis zum Stichtag 2. Juli 2015 daher keiner gesetzlichen Entschädigungseinrichtung angehören. Seit dem Inkrafttreten des EinSiG wird die Sicherungseinrichtung als zusätzliches freiwilliges institutsbezogenes Sicherungssystem gemäß §§ 2 Absatz 2, 61 EinSiG fortgeführt.
Zentrale und unveränderte Aufgabe der Sicherungseinrichtung ist die Sicherstellung der Bonität der Mitgliedsinstitute durch die Abwendung drohender oder die Behebung bestehender wirtschaftlicher Schwierigkeiten bei den angeschlossenen Instituten sowie die Verhütung von Beeinträchtigungen des Vertrauens in die genossenschaftlichen Institute. Zur Bewältigung von in diesem Zusammenhang notwendigen Stützungsmaßnahmen stehen der Garantiefonds und der Garantieverbund zur Verfügung. Die Grundstrukturen der Aufgaben der Sicherungseinrichtung bestehen auch nach dem Inkrafttreten des EinSiG fort.
Die Sicherungseinrichtung hat 2016 ihre satzungsgemäßen Aufgaben als institutssichernde Einrichtung uneingeschränkt erfüllt. Am 31. Dezember 2016 gehörten der Sicherungseinrichtung des BVR insgesamt 983 (Vorjahr: 1.033) Institute der genossenschaftlichen FinanzGruppe an; der Mitgliederrückgang ist ausschließlich auf Verschmelzungen zurückzuführen.
Die BVR Institutssicherung GmbH
Die BVR Institutssicherung GmbH (BVR-ISG) betreibt seit dem 1. Juli 2015 ein institutsbezogenes Sicherungssystem im Sinne von Artikel 113 Absatz 7 der Verordnung (EU) Nr. 575/2013 für CRR-Kreditinstitute, das mit Bescheid der BaFin vom 30. Juni 2015 als Einlagensicherungssystem nach § 43 EinSiG anerkannt wurde. Durch den Betrieb des institutsbezogenen Sicherungssystems erfüllt die BVR-ISG die ihr satzungsgemäß obliegende Aufgabe, drohende oder bestehende wirtschaftliche Schwierigkeiten bei den dem institutsbezogenen Sicherungssystem angehörigen Kreditinstituten im Sinne des Artikels 4 Absatz 1 Nummer 1 der Verordnung (EU) Nr. 575/ 2013 abzuwenden oder zu beheben (Institutsschutz). Zu diesem Zweck ergreift die BVR-ISG gegebenenfalls Präventiv- und Sanierungsmaßnahmen. Sofern die BaFin gemäß § 10 EinSiG den Entschädigungsfall eines dem BVR-ISG-Sicherungssystem angehörigen CRR-Kreditinstituts feststellt, entschädigt die BVRISG dessen Kunden nach Maßgabe der §§ 5 bis 16 EinSiG. Insofern erfüllt die BVR-ISG den gesetzlichen Einlagenschutz.
Zusammen mit der Sicherungseinrichtung des BVR bildet die BVR-ISG das zu einem dualen System weiterentwickelte Sicherungssystem der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Dem BVR-ISG-Sicherungssystem gehören diejenigen CRR-Kreditinstitute an, die dem BVR angehören, der Sicherungseinrichtung angeschlossen und dem System durch eine Beitritts- und Verpflichtungserklärung beigetreten sind. Zum 31. Dezember 2016 waren dies 981 (Vorjahr: 1.031) CRR-Kreditinstitute und damit alle in Deutschland von der BaFin zugelassenen Genossenschaftsbanken.
Die BVR-ISG unterliegt gemäß § 50 Absatz 1 EinSiG der Aufsicht der BaFin, der gemäß § 50 Absatz 3 EinSiG die Auskunfts- und Prüfungsrechte nach § 44 Absatz 1, 4 und 5 des Kreditwesengesetzes (KWG) zustehen sowie der Überwachung durch den Bundesrechnungshof hinsichtlich der Aufgaben bei der Einlegerentschädigung nach den §§ 5 bis 16 EinSiG und hinsichtlich der Finanzierung und Zielausstattung nach den §§ 17 bis 19 EinSiG.
Die Organisation und die Entscheidungsstrukturen der BVR-ISG entsprechen, soweit im Rahmen des EinSiG möglich, der bewährten Organisation und den Entscheidungsstrukturen der Sicherungseinrichtung. Bis auf Weiteres greift die BVR-ISG zur Erfüllung der ihr nach Gesetz und Satzung obliegenden Aufgaben auf das Personal des BVR zurück, das die entsprechenden Aufgaben auch für die Sicherungseinrichtung wahrnimmt. Angesichts des langjährig erfolgreichen Betriebs der Sicherungseinrichtung gewährleistet dies, dass die BVR-ISG ihre Aufgaben als institutsbezogenes Sicherungssystem (einschließlich Klassifizierung, Beitragserhebung etc.) ordnungsgemäß erfüllen kann. Zur Abwicklung von potenziellen, noch nie eingetretenen und auch derzeit nicht erkennbaren Entschädigungsverfahren hat die BVR-ISG zudem einen externen Dienstleister beauftragt.
Schwerpunkt der Aktivitäten der BVR-ISG 2016 waren die Erfüllung der satzungsgemäßen, gesetzlichen und regulatorischen Aufgaben. Die risikoorientierte Beitragserhebung, die den Leitlinien der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) entspricht, und die Mittelverwaltung standen dabei im Mittelpunkt. Im Verlaufe des gesamten Geschäftsjahres hat die BVR-ISG keine Maßnahmen für Einleger oder Banken ergreifen müssen und blickt insofern auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2016 zurück.
Die genossenschaftliche FinanzGruppe ist eine dezentrale Organisation von rechtlich selbstständigen Instituten, die geschäfts- und über die Sicherungseinrichtung haftungsmäßig miteinander verbunden sind. Im Unterschied zu Bankengruppen mit einer hierarchisch an der Spitze stehenden Obergesellschaft weist die genossenschaftliche FinanzGruppe eine dezentrale Struktur auf. Die Entscheidungskompetenzen befinden sich in der Verantwortung der einzelnen Institute. Der Fokus des Risikomanagements in diesem System liegt insofern primär nicht auf der isolierten Analyse von Risikoarten, sondern sehr wesentlich auf der Analyse der Risikoträger, also der Institute. Dieses methodische Grundverständnis stellt sicher, dass bei Feststellung einer geordneten Vermögensund Risikolage und angemessener Ertragsverhältnisse eines jeden einzelnen Instituts somit auch das Gesamtsystem – also die gesamte genossenschaftliche FinanzGruppe – als Einheit wirtschaftlich geordnet ist. Die Sicherungseinrichtung des BVR verfügt über verlässliche Systeme zur Risikoidentifikation und -einstufung sowie zur Risikoüberwachung all ihrer Mitglieder und des institutsbezogenen Sicherungssystems insgesamt. Basis der Risikoeinstufung bildet das seit 2003 praktizierte Klassifizierungssystem der Sicherungseinrichtung des BVR. Es handelt sich dabei um ein jahresabschlussbasiertes Ratingverfahren mit dem Ziel, einen vollständigen und transparenten Überblick zur Vermögens-, Ertrags- und Risikolage aller Mitglieder und somit der Sicherungseinrichtung des BVR zu erlangen. Die Einstufung der Bank nach dem Klassifizierungsverfahren bildet zum einen die Grundlage für die Erhebung risikoadjustierter Garantiefondsbeiträge der Sicherungseinrichtung und ist zum anderen Ausgangspunkt für das Präventionsmanagement.
Die aus der Klassifizierung gewonnenen Erkenntnisse werden um weitere Analysen ergänzt, insbesondere aus der Auswertung der Daten des sogenannten jährlichen Betriebsvergleichs. Dabei handelt es sich um einen Datenpool, den der BVR selbst bei seinen Mitgliedsinstituten erhebt. Er wird vor allem aus Zahlen des Rechnungs- und Meldewesens der Institute gespeist. Die Daten des jährlichen Betriebsvergleichs bilden die Grundlage für Analysen zur Feststellung und Untersuchung besonderer Auffälligkeiten anhand von Risikokennzahlen. Darüber hinaus entwickelt der BVR themenbezogene Sonderanalysen (zum Beispiel Untersuchungen über die Auswirkungen der Niedrigzinsphase).
Nach Maßgabe ihrer risikoorientierten Vorgehensweise führt die Sicherungseinrichtung Einzelbankanalysen durch, die sich auf Institute erstrecken, die für das Sicherungssystem insgesamt von wirtschaftlich wesentlicher Bedeutung sind. Hierin werden auch die nicht klassifizierten Mitgliedsbanken einbezogen. Die Sicherungseinrichtung setzt dabei das Konzept der Analyse großer Banken um. Damit trägt sie den Risiken aus der Größenklassenstruktur der angeschlossenen Institute Rechnung.
Für die Risikotragfähigkeit der Sicherungseinrichtung werden auf Basis verschiedener Stressszenarien mögliche Ausfallwahrscheinlichkeiten ermittelt und durch Monte-Carlo-Simulationen das mögliche Sanierungsvolumen berechnet. Hierfür werden szenariobezogene Klassifizierungen unter verschiedenen Annahmen (zum Beispiel Zinsentwicklungen, Verschlechterung der Bonitäten im Kundenkreditgeschäft) durchgeführt.
Neben der Beurteilung jedes einzelnen Mitgliedsinstituts begleitet die Sicherungseinrichtung des BVR die Konzeption einheitlicher Instrumente, Methoden und Leitlinien, sodass auf diesem Weg jedem Mitgliedsinstitut des gesamten Sicherungssystems eine gleichartige innere Struktur der Steuerung von Risiken zur Verfügung gestellt wird (unter anderem VR-Control, VR-Ratingverfahren). Diese einheitliche Konzeption nutzen die Institute zur Bewältigung ihrer strategischen und operativen Herausforderungen.
Die Prüfungsverbände überwachen die einheitliche Umsetzung unter Anwendung des Beurteilungsmaßstabs der Risikoproportionalität im Rahmen der Jahresabschlussprüfung.
Klassifizierungsverfahren und Beiträge zur Sicherungseinrichtung
Mit dem Klassifizierungssystem werden die Banken anhand von acht Kennzahlen zur Vermögens-, Ertrags- und Risikolage einer von neun Bonitätsklassen, A++ bis D, zugeordnet. Dabei stützt sich das Klassifizierungssystem auf quantitative Kennzahlen, für die im Wesentlichen geprüfte Jahresabschlussdaten der Banken und Daten aus ihren Prüfberichten herangezogen werden. Mit diesen Daten wird die Sicherungseinrichtung durch die – für die jeweiligen Banken zuständigen – regionalen Prüfungsverbände IT-technisch versorgt.
In das Klassifizierungsverfahren werden grundsätzlich alle der Sicherungseinrichtung angeschlossenen Banken einbezogen. Hiervon ausgenommen sind Verbundinstitute, die von einer externen Ratinggesellschaft bewertet werden. Hierunter fallen 2016 insbesondere die Zentralbank, die Hypothekenbanken sowie die Bausparkasse Schwäbisch Hall AG.
Grundlage des Klassifizierungsverfahrens 2016 war die Analyse der Jahresabschlussdaten 2015. Die moderat unter dem Vorjahresniveau liegende Klassenverteilung auf Basis der Jahresabschlüsse 2015 spiegelt die leicht schwächere Ergebnisrechnung der Banken wider. Die Primärbanken konnten trotz des anhaltenden Margendrucks ihr Zinsergebnis durch Volumenausweitungen nahezu konstant halten. Das Provisionsergebnis konnte leicht gesteigert werden. Das Bewertungsergebnis aus Wertpapieren hingegen ist im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. Bei weiterhin außergewöhnlich niedrigen Belastungen aus dem Kreditgeschäft wurden erneut ausreichende Jahresergebnisse erzielt, um durch Gewinnthesaurierungen die Vermögenslage weiter zu stärken.
Aufgrund eines ab dem Jahr 2016 zusätzlich zu entrichtenden Beitrags zum Garantiefonds der BVRISG wurde der Beitragssatz zum Garantiefonds der Sicherungseinrichtung für diejenigen Institute, die gleichzeitig Mitglied der BVR-ISG sind, auf den Grundbeitragssatz in Höhe von 0,4 Promille der Bemessungsgrundlage (Vorjahr: 1,2 Promille) gesenkt. Für die übrigen Mitgliedsinstitute wurde der Beitragssatz auf 0,88 Promille der Bemessungsgrundlage beziehungsweise das 2,2-Fache des Grundbeitragssatzes festgesetzt, jeweils unter Berücksichtigung der individuellen Abschläge beziehungsweise Zuschläge aus der Klassifizierung
Die Ergebnisse aus dem Klassifizierungsverfahren des BVR bilden auch eine Basis für das systematische Präventionsmanagement der Sicherungseinrichtung. In das Präventionsmanagement werden nach wie vor alle Banken spätestens dann aufgenommen, wenn auf der Basis ihres Jahresabschlusses ein Klassifizierungsergebnis von B– oder schlechter ausgewiesen wird. Jedoch sind in den vergangenen Jahren immer stärker andere Kennzahlen und Daten hinzugezogen worden, um bei den Instituten Auffälligkeiten in der Früherkennung zu identifizieren; hierzu zählen im Berichtsjahr 2016 insbesondere die auch der Sicherungseinrichtung vollumfänglich vorliegenden Informationen über die Banken aus der sogenannten Niedrigzinsumfrage der Deutschen Bundesbank sowie dem erweiterten gesetzlichen Meldewesen der Banken, auf das auch die Sicherungseinrichtung zugreift.
Die der Prävention vorgeschaltete Phase des Monitorings auffälliger Institute leistet einen kontinuierlich wichtiger werdenden Beitrag zur frühzeitigen Analyse von Instituten. Hierbei wurden im Berichtsjahr 2016 erneut auch solche Institute gemonitort, die keine Risikoindizien zeigten, sondern aufgrund der schieren Bilanzsumme ein potenziell größeres Risiko darstellen können. Somit verstärkt sich die nachhaltige Tendenz zur Verschiebung der Arbeitsschwerpunkte der Sicherungseinrichtung weg von der Sanierung hin zum – um das Monitoring erweiterten – systematisch ganzheitlichen Präventionsmanagement. Es befinden sich signifikant mehr Institute in der Präventions- als in der Stützungsphase der Sanierung.
Ziel des Präventionsmanagements ist es, wirtschaftliche Fehlentwicklungen frühzeitig zu identifizieren und ihnen entgegenzuwirken, um somit zur präventiven Abwendung von Stützungsmaßnahmen beizutragen. Dafür werden mit allen infrage kommenden Banken die vorhandenen Daten und weitere Informationen analysiert und auf der Basis ergänzender Gespräche mit dem Management der Banken adäquate Maßnahmen vereinbart, die zu einer Stabilisierung und Verbesserung der geschäftlichen Entwicklung dieser Banken führen sollen.
Die Tätigkeit der Sicherungseinrichtung bei Sanierungen von Mitgliedsinstituten hat zunächst die Aufstellung eines testierfähigen Jahresabschlusses durch Gewährung von Sanierungsmaßnahmen zum Ziel. Im Anschluss wird über die vertragliche Vereinbarung adäquater Maßnahmen die Wiedererlangung der Wettbewerbs- beziehungsweise Zukunftsfähigkeit der einzelnen Bank – unter Wahrung der Interessen aller Mitglieder der Solidargemeinschaft – sichergestellt.
Grundlage für die Gewährung und Durchführung von Sanierungsmaßnahmen ist das „Handbuch für die Neuausrichtung und Restrukturierung von Genossenschaftsbanken“. Die in diesem Handbuch dokumentierten Grundsätze bilden für die betroffenen Banken eine Leitlinie bei der Sanierung und zeigen auf, wie die Wiederherstellung ihrer Grundrentabilität konzeptionell erreicht werden kann. Ziel ist es, diese Sanierungsphase spätestens nach fünf Jahren zu erreichen. Daneben wendet sich das Handbuch der Sicherungseinrichtung explizit auch an Präventionsbanken sowie grundsätzlich ebenfalls an Institute mit (partiellem oder ganzheitlichem) selbst identifiziertem Neuausrichtungsbedarf. Ab der zweiten Jahreshälfte 2016 hat die BVR-SE eine Überarbeitung dieses Handbuches gestartet und bis zur Jahresmitte 2017 zum Abschluss gebracht.
Die positive Entwicklung der Sicherungseinrichtung im Sanierungsbereich hat sich auch im Berichtsjahr weiter fortgesetzt. Im Geschäftsjahr 2016 sind erneut keine erstmaligen Stützungsmaßnahmen erforderlich gewesen. Die Belastungen entfielen ausschließlich auf Altfälle, bei denen bereits abgeschirmte Risiken akut geworden sind oder insoweit Risikovorsorge im Jahresabschluss der Sicherungseinrichtung gebildet wurde. Die abzuschirmenden Sanierungsvolumina lagen in Summe nicht nur signifikant unter der erwarteten Höhe, sondern netto erneut auch unterhalb der Rückführungen aus Besserungsschein- und sonstigen Freistellungsverpflichtungen. Dies führte insgesamt wiederholt dazu, dass die Substanz des genossenschaftlichen Institutssicherungssystems mit der Sicherungseinrichtung und der BVR-ISG im Jahr 2016 weiter gestärkt und der Bestand an Garantiefonds- und gesetzlichen Mitteln weiter ausgebaut werden konnte.
Ausblick für die Sicherungseinrichtung des BVR
Wirtschaftlich erwartet die Sicherungseinrichtung für das Jahr 2017 eine weiterhin positive Entwicklung. Materiell bedrohliche, aus dem statutarisch definierten Auftrag resultierende Szenarien für die Stabilität der Sicherungseinrichtung sind derzeit nicht erkennbar. Für 2017 ist – auch vor dem Hintergrund einer robusten Lage der Binnenwirtschaft – kein Anstieg der Stützungsleistungen zu erwarten. Auch daher plant die Sicherungseinrichtung für das Jahr 2017 keine wesentlichen Veränderungen des Garantiefondskapitals bei der Sicherungseinrichtung des BVR, zumal der Mittelaufbau im dualen genossenschaftlichen Sicherungssystem bis auf Weiteres primär im BVR-ISG-Sicherungssystem zur Erreichung der erforderlichen Zielausstattung gemäß § 17 Absatz 2 EinSiG erfolgen soll.
Bereits in der Sitzung am 24. November 2016 hat der Verbandsrat des BVR für 2017 zur Vermeidung einer Doppelbelastung für diejenigen Institute, die gleichzeitig dem BVR-ISG-Sicherungssystem angehören, einen Beitragssatz zum Garantiefonds der Sicherungseinrichtung von 0,36 Promille der Bemessungsgrundlage beschlossen. Für die übrigen Mitgliedsinstitute wurde der Beitrag auf 0,828 Promille der Bemessungsgrundlage beziehungsweise das 2,07-Fache des Grundbeitragssatzes (0,4 Promille) festgesetzt.
Nach erfolgreichem ersten vollen Geschäftsjahr der Umsetzung des EinSiG im dualen System stehen für die Sicherungseinrichtung 2017 neue Aufgaben im Zusammenhang mit der Umsetzung von Anforderungen zur Erstellung von Sanierungsplänen im Sinne der §§ 12 bis 20 des Sanierungs- und Abwicklungsgesetzes (SAG) an. Zudem sind im Rahmen der indirekten und sektoralen Aufsicht der EZB neue Herausforderungen zu erwarten (insbesondere verstärkte Reporting-Anforderungen). Hier erwartet die Sicherungseinrichtung noch weitere Themenfelder im Zusammenspiel mit nationalen und internationalen Institutionen wie Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA), Europäische Abwicklungsbehörde (SRB), Europäische Bankenaufsicht (EBA) oder EU-Kommission, die sowohl die Sicherungseinrichtung als auch die BVR-ISG betreffen können.
Instrumente und Methoden zur Identifikation und Bewertung von Risiken
Mit dem Rahmenkonzept zur Ergebnis- und Risikosteuerung in Verbindung mit den Fachkonzepten für VR-Control verfügen die genossenschaftlichen Primärinstitute über ein Verfahren zur einheitlichen Messung der Marktpreis- und Kreditrisiken über alle Geschäfte eines Instituts. Im Einklang mit der individuellen Geschäfts- und Risikostrategie und den aufsichtsrechtlichen Anforderungen wie unter anderem den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) entscheiden die Kreditgenossenschaften eigenverantwortlich über den Einsatz der verfügbaren Methoden.
Die Markpreisrisiken werden mithilfe historischer Simulationen berechnet. Für die Ermittlung der Ausfallrisiken aus dem Kundenkreditgeschäft kommt mit einer Variante des Credit-Suisse-Modells (Credit-Risk+) ein Modell zum Einsatz, das als Risikotreiber die Branchen in den Vordergrund stellt. Das Modell stellt dabei auf den Value at Risk (VaR) als zentrale Größe ab. Für die angeführten Risiken besteht neben der VaR-Berechnung für die Banken auch die Möglichkeit zur Entwicklung von Stressszenarien.
Für die Kreditrisiken des Eigengeschäfts steht den Instituten ein integrierter Messansatz zur Verfü- gung. Die Risikotreiber der Wertpapiere werden über die Simulation von Spread-, Migrations- und Ausfallrisiken im Wertpapierportfolio umfassend berücksichtigt. Die Risiken aus Wertpapieren der Verbundemittenten werden dabei über vereinfachte Spreadshifts ermittelt. Im Ergebnis erhält die Bank neben einem erwarteten Portfoliowert auch einen entsprechenden Risikowert in Form eines unerwarteten Verlusts. Darüber hinaus kann für die periodische Steuerungsperspektive ein erwartetes sowie ein unerwartetes Bewertungsergebnis errechnet werden. Ebenso ist die Kalkulation von Stressszenarien möglich. Das Portfoliomodell und seine Parameter unterliegen einer regelmäßigen Weiterentwicklung sowie Validierung durch den zuständigen Bereich in der parcIT GmbH, einer Tochtergesellschaft der Rechenzentrale Fiducia & GAD IT AG.
Die Bankenaufsicht hat ein verstärktes Interesse an der bankinternen Ermittlung der Gesamtbankrisikotragfähigkeit. Mit den MaRisk geht sie dabei dezidiert auf die Ermittlung des Risikodeckungspotenzials und der Risikoprofile in den unterschiedlichen Ansätzen der Banken ein. Im Rahmen der Risikotragfähigkeitsrechnung führen die genossenschaftlichen Institute zahlreiche Stresstests durch.
Die genossenschaftlichen Institute sind als rechtlich selbstständige Unternehmen für ihr Kapitalmanagement verantwortlich. Die Risikotragfähigkeit wird daher in den genossenschaftlichen Instituten im Einklang mit ihrer Geschäftsstrategie und nach den Erfordernissen der MaRisk gesteuert.
Aus der Sicherungseinrichtung heraus wird der einheitliche Einsatz von Instrumenten zur Messung und Steuerung des Risikokapitals unterstützt. Grundlage für das Risikokapitalmanagement bildet die Risikotragfähigkeitsrechnung der Institute. Nach den Erhebungen der Sicherungseinrichtung herrscht der Fortführungsansatz (Going Concern) vor. Wesentliche Risiken stellen das Zinsänderungsrisiko und das Kreditrisiko dar. Ersteres wird in der Regel durch die Simulation von Zinsszenarien auf den geplanten Zinsüberschuss einer Bank berechnet, während im Kreditrisiko Portfoliomodelle zum Einsatz kommen. Laut Analyse für das Jahr 2015 ist die Risikotragfähigkeit der sogenannten Säule 2 in ihrer Auslastung – selbst bei den konservativen Ansätzen der Banken – gegeben. Die Sicherungseinrichtung analysiert einmal jährlich die Risikotragfähigkeit und stellt die wesentlichen Ergebnisse zusammen. Diese werden dann den Banken als Information zur Verfügung gestellt.
Erstmalig wurden 2016 durch die nationale Aufsicht für die sogenannte Säule 1 – gemäß den EBA-Leitlinien zum Überprüfungs- und Bewertungsprozess (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP) – bankindividuelle Zuschläge für das Zinsänderungsrisiko und für die sogenannten sonstigen, wesentlichen Risiken sowie ein Zuschlag für den Stressfall laut Umfrage zur Lage deutscher Kreditinstitute im Niedrigzinsumfeld (NZU-Umfrage) berechnet. Diese Zuschläge sollen die Eigenkapitalunterlegung des Säule-1-Kapitals der einzelnen Bank vervollständigen.
Die konsolidierten Kapitalquoten für das Geschäftsjahr 2016 wurden nach dem Verfahren der EZR gemäß Artikel 49 Absatz 3 in Verbindung mit Artikel 113 Absatz 7 CRR ermittelt.
Mit Erlaubnis der BaFin vom 2. Januar 2014 können die Institute der genossenschaftlichen FinanzGruppe, die der Sicherungseinrichtung des BVR angeschlossen sind, den Nichtabzug ihrer Verbundbeteiligungen gemäß Artikel 49 Absatz 3 CRR bei der Ermittlung ihrer Kapitalquoten nutzen. Diese Ausnahme vom Beteiligungsabzug ist unter anderem davon abhängig, dass eine Mehrfachbelegung der Eigenmittel unter den Mitgliedern des institutsbezogenen Sicherungssystems ausgeschlossen ist.
Die aufsichtsrechtliche Gesamtkapitalquote der genossenschaftlichen FinanzGruppe beträgt per 31. Dezember 2016 16,1 Prozent (per 31. Dezember 2015: 15,8 Prozent). Insgesamt haben sich die regulatorischen Eigenmittel um 4,5 Milliarden Euro auf 92,1 Milliarden Euro erhöht. Die Erhöhung ist im Wesentlichen in der Thesaurierung von erwirtschafteten Gewinnen zu sehen.
Die Kernkapitalquote zeigt sich mit 13,1 Prozent (per 31. Dezember 2015: 12,4 Prozent) deutlich verbessert. Nachrichtlich beträgt die Kernkapitalquote materiell, das heißt bei Einstufung der §-340fHGB-Reserven als Kernkapital, 15,4 Prozent (per 31. Dezember 2015: 14,8 Prozent). Das Kapital der genossenschaftlichen FinanzGruppe wird im Wesentlichen durch die Primärinstitute gehalten.
Die Angaben zu den aufsichtsrechtlichen Kapitalquoten beziehen sich auf den Meldestichtag 31. Dezember 2016 und beinhalten nicht die Gewinnthesaurierung aus dem Jahresabschluss 2016. Aus der Gewinnthesaurierung wird eine weitere Stärkung der Kapitalbasis erwartet.
Der Gesamtrisikobetrag per 31. Dezember 2016 beträgt 572,5 Milliarden Euro (per 31. Dezember 2015: 556,0 Milliarden Euro). Der Anstieg um 3 Prozent ist durch das Wachstum des Kundenkreditgeschäfts geprägt.
Auf Einzelinstitutsebene analysiert die Sicherungseinrichtung die aufsichtsrechtlichen Eigenmittelquoten der Mitgliedsbanken. Die folgende Grafik zeigt die Verteilung der Gesamtkapitalquote in der genossenschaftlichen FinanzGruppe zum Meldestichtag 31. Dezember 2016 sowie zum 31. Dezember 2015. Sie verdeutlicht die weiterhin solide Eigenmittelausstattung der einzelnen Banken.
Mit einem bilanziellen Eigenkapital in Höhe von 98,6 Milliarden Euro (per 31. Dezember 2015: 93,0 Milliarden Euro) verfügt die genossenschaftliche FinanzGruppe über eine solide Kapitalausstattung. In den letzten Jahren konnte die Kapitalausstattung kontinuierlich aus eigener Kraft durch Gewinnthesaurierung weiter ausgebaut werden. Diese Entwicklung belegt das tragfähige Geschäftsmodell der genossenschaftlichen FinanzGruppe mit breiter Risiko- und Ertragsdiversifizierung.
Auch die auf Ebene des institutsbezogenen Sicherungssystems per 31. Dezember 2016 ermittelte risikounabhängige Verschuldungsquote (Leverage Ratio) dokumentiert mit einem Wert von 6,3 Prozent (per 31. Dezember 2015: 6,0 Prozent) die überdurchschnittliche Kapitalausstattung der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Bei materieller Betrachtung, das heißt unter Berücksichtigung der §-340f-HGB-Reserven als Kernkapital und vollständiger Einführung der einschlägigen CRR-Bestimmungen beträgt die Leverage Ratio 7,3 Prozent (per 31. Dezember 2015: 6,9 Prozent).
Verteilung der Gesamtkapitalquote in der genossenschaftlichen FinanzGruppe*
Anteil der Institute in Prozent
––––– 2016
Gesamtkapitalquote bis … Prozent
* Stand: 31.12.2016
Kredit-, Marktpreis- und Liquiditätsrisiken sowie operationelle Risiken
Aufgrund des hohen Volumens der Genossenschaftsbanken im Kundenkreditgeschäft ist das Kreditrisiko die wichtigste Risikokategorie. Mittels umfangreicher, qualitativ hochwertiger Verfahren zur Risikomessung steuern die Genossenschaftsbanken ihre Kreditrisiken effizient und nachhaltig. Zur Bonitätseinschätzung der einzelnen Kreditnehmer stehen den Genossenschaftsbanken bedarfsorientierte Ratingverfahren zur Verfügung, die die aufsichtsrechtlichen Normen erfüllen. Die Ratingverfahren wurden vom BVR in Zusammenarbeit mit Verbundpartnern entwickelt. Die Bewertung der Kreditausfallrisiken auf Portfolioebene erfolgt auf Basis von VaR-Ansätzen und mithilfe von Strukturanalysen zu Bonitäten, Größenklassen, Blankoanteilen und Branchenkonzentrationen.
Im Mittelpunkt der strategischen Ausrichtung der genossenschaftlichen FinanzGruppe stehen das ertragsorientierte Eingehen von Risiken unter Berücksichtigung des Eigenkapitals sowie eine vorsichtige Kreditpolitik. Die Kreditvergabe der Genossenschaftsbanken bewegt sich in konservativem Rahmen. Dabei spielen die Kundenkenntnis und die Tragbarkeit der Verpflichtungen für die Kreditnehmer eine zentrale Rolle. Das Kundenkreditgeschäft der genossenschaftlichen FinanzGruppe ist insgesamt durch eine granulare Kreditstruktur und einen hohen Anteil an Hypothekenkrediten gekennzeichnet. Die Granularität und die weitgehende regionale Diversifizierung der Geschäftstätigkeit der genossenschaftlichen FinanzGruppe begrenzen Risikokonzentrationen.
Im Geschäftsjahr 2016 konnte die genossenschaftliche FinanzGruppe erneut einen deutlichen Zuwachs im Kreditgeschäft verzeichnen. Die Forderungen an Kunden erhöhten sich gegenüber 2015 deutlich um 4,6 Prozent. Ein wesentlicher Wachstumstreiber waren erneut die langfristigen Baufinanzierungen. Die Kreditvergabe der Genossenschaftsbanken in der Wohnungsbaufinanzierung profitierte von dem günstigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld. Das Niedrigzinsniveau, die gute Beschäftigungssituation und steigende Einkommen der privaten Haushalte führten insgesamt zu einer hohen Nachfrage nach Immobilienkrediten. Allerdings setzte sich 2016 der Anstieg der Wohnimmobilienpreise in Deutschland weiterhin fort. Im Durchschnitt über alle 402 Stadt- und Landkreise verzeichneten die Preise für Wohnimmobilien einen Anstieg von 4,8 Prozent (Vorjahr: 3,1 Prozent). Auf Bundesebene war dieser Anstieg der sechste in Folge. Besonders hoch waren die Zuwächse in den Ballungszentren, Übertreibungen in der Breite oder gar eine Immobilienpreisblase auf Bundesebene sind jedoch derzeit nicht zu erkennen.
Um die Mitgliedsinstitute bei der Überwachung der regionalen Märkte zu unterstützen, hat der BVR gemeinsam mit der vdpResearch GmbH ein Marktschwankungskonzept auf Postleitzahlebene entwickelt: das BVR-Immobilienmarkt-Monitoring. Die Messungen von Marktschwankungen anhand des BVR-Immobilienmarkt-Monitorings ergänzen das Marktschwankungskonzept der Deutschen Kreditwirtschaft auf regionaler Ebene. Somit können die Genossenschaftsbanken ihre relevanten Märkte räumlich zutreffend bestimmen und die aufsichtsrechtlichen Anforderungen besser erfüllen.
Das Wachstum im Firmenkundengeschäft wurde überwiegend durch die Kreditvergabe an das Dienstleistungsgewerbe, die Land- und Forstwirtschaft sowie Unternehmen aus dem Bereich Energie und Bergbau getragen. Aufgrund ihrer regionalen Verankerung nehmen die Kreditgenossenschaften eine starke Marktposition im Wirtschaftsbereich Erneuerbare Energien ein und begleiten finanziell Unternehmensvorhaben sowohl zur Erhöhung der Energieeffizienz als auch zur regenerativen Energieerzeugung.
Der Risikovorsorgeaufwand im Kreditgeschäft stieg im Geschäftsjahr auf –522 Millionen Euro (Vorjahr: –74 Millionen Euro). Ursächlich hierfür war im Wesentlichen eine höhere Risikovorsorgebildung für Engagements im Altbestand der Schiffs- und Offshorefinanzierung vor dem Hintergrund des in vielen Segmenten der Schifffahrt anhaltenden Abschwungs und der ölpreisbedingt schwierigen Rahmenbedingungen an den Offshoremärkten. Trotz der belastenden Effekte blieb der Risikovorsorgeaufwand mit einer Quote von 0,07 Prozent des Volumens an Kunden- und Bankforderungen (von insgesamt 774.588 Millionen Euro) weiterhin auf einem niedrigen Niveau. In der Zusammenfassung betreiben die Genossenschaftsbanken ihr Kreditgeschäft in geordneten Verhältnissen.
Zinsänderungsrisiken haben einen wesentlichen Einfluss auf die Ertragslage der Banken. Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus im Jahr 2016 fiel das positive Zinsergebnis der genossenschaftlichen FinanzGruppe um 6,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gemäß Analyse wird wie in den Vorjahren der größte Teil des Zinsergebnisses durch Konditionsbeiträge im Kundengeschäft erzielt. Aufgrund anhaltender Niedrigzinsen und steigenden Wettbewerbs um Einlagen rechnen die Kreditinstitute künftig mit niedrigeren Zinsmargen. Zudem bestehen Risiken bei einer Zinswende auf den Finanzmärkten, da sich die Refinanzierungskosten der in der jetzigen Niedrigzinsphase vergebenen Kredite im Falle eines Zinsanstiegs erhöhen werden.
Das Zinsänderungsrisiko spielt neben den Kreditrisiken eine wichtige Rolle in den meisten Genossenschaftsbanken. Sowohl eine weiter anhaltende Niedrigzinsphase als auch ein rascher und deutlicher Zinsanstieg könnte die Banken vor große Herausforderungen stellen. Diesem Sachverhalt trägt die Aufsicht durch entsprechende Regulierungsaktivitäten Rechnung. So hat der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht 2016 die neuen Standards „Interest rate risk in the banking book“ veröffentlicht, die ab 2018 in Kraft treten. Die neuen EBA-Leitlinien zur „Steuerung des Zinsänderungsrisikos im Anlagebuch“ liegen bereits seit 2015 vor und gelten seit Anfang 2016. Beiden Papieren ist gemein, dass sie die Abbildung der Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch zwar weiterhin in Säule 2 sehen, jedoch ein verstärktes Augenmerk auf die Qualität und Konsistenz der Zinsänderungsrisikosteuerung in den Instituten legen. Für den Fall, dass die interne Steuerung den Anforderungen der Aufsicht nicht genügt, beschreiben die neuen Basler Standards ein Standardmodell, dessen Anwendung der Aufseher fordern kann.
Die Sicherungseinrichtung überwacht die Angemessenheit der Zinsänderungsrisiken der Mitgliedsinstitute, insbesondere durch Simulationsrechungen des Zinsergebnisses.
Mit der Umsetzung der neuen Basler Standards „Interest rate risk in the banking book“ wird auch das aufsichtsrechtliche „Prüfkriterium“ auf Basis von sechs statt bisher zwei Zinsszenarien ermittelt. Es wird eine zentrale Rolle bei der Ermittlung des SREP-Zuschlags für Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch spielen.
Die genossenschaftliche FinanzGruppe zeichnet sich seit Jahren durch eine als verlässlich und krisenresistent anzusehende Liquiditätsstruktur aus. Die Loan-to-Deposit Ratio der genossenschaftlichen FinanzGruppe liegt bei 95 Prozent. Grundlage hierfür ist die stabile und eher kleinteilige Geschäftsstruktur der Banken, die sich diversifizierend und im Ergebnis risikomindernd auswirkt, sowie vor allem die traditionell geprägte Finanzierung der Institute über Kundeneinlagen. Die Kundschaft honoriert damit die Wirksamkeit der Institutssicherung, die die Sicherungseinrichtung des BVR insbesondere zum Zweck des Einlagenschutzes betreibt und die über den gesetzlich geforderten Einlagenschutz hinausgeht.
Die genossenschaftliche Zentralbank bündelt die Liquiditätsüberschüsse der Einzelinstitute und sorgt innerhalb des Netzwerkes der Primärbanken und Verbundunternehmen für einen Liquiditätsausgleich. Die Regeln der Liquidity Coverage Ratio (LCR) wurden gemäß Analyse von allen Mitgliedsinstituten der Sicherungseinrichtung eingehalten. Zum Stichtag 31. Dezember 2016 liegt der Wert für die LCR im Median aller genossenschaftlichen Institute bei 156 Prozent.
Die eingerichteten Systeme und internen Verfahren der Genossenschaftsbanken dienen der Reduktion von operationellen Risiken, die zu Verlusten infolge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren und Systemen, Menschen oder infolge externer Ereignisse führen können.
Den operativen Risiken wird mit unterschiedlichen Maßnahmen begegnet. Dazu zählen Arbeitsanweisungen, Funktionstrennungen, die Verwendung von einheitlichen und rechtlich geprüften Vertragsvordrucken sowie der Einsatz von Sicherheits-, Compliance-, Datenschutz- und Geldwäschebeauftragten. Für den Ausfall technischer Einrichtungen und unvorhergesehene Personalausfälle besteht eine Notfallplanung.
Interne Kontrollverfahren gewährleisten, dass wesentliche operationelle Risiken regelmäßig identifiziert, analysiert und beurteilt werden. Anhand von Leitfäden können die Institute ein systematisches Risk Assessment nach Marktstandards durchführen. Schadenfälle werden in einer Datenbank erfasst. Auf Basis der Ergebnisse der Schadensfallanalysen werden gegebenenfalls interne Abläufe angepasst beziehungsweise präventive Schutzmaßnahmen implementiert.
Die Messung operationeller Risiken erfolgt vor dem Hintergrund des jeweiligen Geschäftsmodells des Instituts. Dominierend sind die Quantifizierung in Form eines plausiblen Pauschalbetrags oder auf Basis historischer Schadensdaten teilweise erweitert durch VaR-Ansätze. Laut Analyse werden die im Rahmen ihrer individuellen Risikosteuerung von den Instituten vergebenen Limite regelmäßig eingehalten.
Die Konjunkturentwicklung entfaltete zu Beginn des Jahres 2017 eine anziehende Dynamik. Nach den Schätzungen des Statistischen Bundesamts betrug das preis-, saison- und kalenderbereinigte Wachstum zu Jahresbeginn 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, nach 0,4 Prozent im vierten Quartal 2016 und 0,2 Prozent im dritten. Die Konjunkturindikatoren deuten auch für den weiteren Verlauf des Jahres auf ein robustes Wachstum hin, auch wenn mit leicht geringeren Wachstumsraten in den folgenden Quartalen zu rechnen sein wird.
Basierend auf den Daten des ersten Quartals 2017 geht der BVR in seiner Schätzung von einem realen Wachstum des BIP in Deutschland von 1,7 Prozent aus. Damit liegt das Wachstum leicht unter der Zuwachsrate aus 2016 von 1,9 Prozent. Maßgeblich hierfür ist jedoch die 2017 geringere Anzahl an Werktagen.
Grund für die gute Wirtschaftslage ist zum einen eine weiter lebhafte Binnenkonjunktur, die von den steigenden Einkommen der Haushalte und einem robusten Arbeitsmarkt sowie dem Niedrigzinsumfeld profitiert. Es ist davon auszugehen, dass der Konsum 2017 weiter steigt, jedoch etwas weniger stark als zuletzt, unter anderem bedingt durch die anziehende Teuerung, die die Kaufkraft der Haushalte einschränkt. Zudem ist durch einen geringeren Zustrom an Flüchtlingen von nur moderaten Ausgabesteigerungen des Staats auszugehen.
Darüber hinaus ist von einer weiteren Belebung der privaten Wohnungsbauinvestitionen auszugehen. Im Zuge einer hohen gesamtwirtschaftlichen Nachfrage dürften aber auch Unternehmen Anreize haben, ihre Produktionskapazitäten auszuweiten. Trotz der zu erwartenden Belebung bleibt im Vergleich zu vorherigen Konjunkturzyklen die Investitionsausweitung aber eher moderat.
Zum anderen ist 2017 auch wieder mit einer anziehenden außenwirtschaftlichen Belebung zu rechnen, die von einem soliden Wirtschaftswachstum in Schwellenländern, aber auch im Euroraum, profitiert. Die außenwirtschaftliche Belebung wird zudem derzeit von einem schwachen Eurokurs gestützt. Da die Importe ähnlich stark zulegen dürften wie die Ausfuhren, ist jedoch insgesamt von keinem Wachstumsimpuls der Außenwirtschaft auszugehen.
Der Arbeitsmarkt wird sich auch 2017 weiter robust zeigen. In den ersten Monaten des Jahres sank die Arbeitslosigkeit weiter und erreichte im Mai eine Quote von 5,6 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich die Anzahl der offenen Stellen. Bislang weist nichts darauf hin, dass die Arbeitslosigkeit durch die zunehmend auf den Arbeitsmarkt drängenden Flüchtlinge steigt, auch wenn ihre Integration erfahrungsgemäß einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Der Beschäftigungsaufbau wird auch in diesem Jahr anhalten und könnte die Grenze von 44 Millionen Beschäftigten überschreiten.
Die Geldpolitik dürfte ihren extrem expansiven Charakter beibehalten, nachdem die EZB ihr Anleihekaufprogramm bis zum Dezember 2017, wenn auch mit reduziertem Umfang, verlängert hat. Auch bei den Renditen von Staatsanleihen sind keine signifikanten Änderungen im Jahresverlauf vorauszusehen. Auch wenn die Inflation zu Jahresbeginn deutlich stieg, dürfte im Jahresverlauf die Teuerung aufgrund leicht rückläufiger Raten in der zweiten Jahreshälfte noch deutlich unter 2 Prozent liegen, da die Anstiege zu Jahresbeginn in engem Zusammenhang mit dem Basiseffekt beim Ölpreis standen.
Mittlerweile ist erkennbar, dass sich die Prognosen der letzten Jahre für die Kreditwirtschaft in ihren Kernaussagen kaum verändern. Auch mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr werden die belastenden Rahmenbedingungen im anhaltenden Niedrigzinsumfeld bei steigendem regulatorischem Aufwand erhalten bleiben. Somit bleibt auch der Ausblick für das Geschäftsjahr 2017 verhalten positiv. Insbesondere die kleineren und mittleren Kreditinstitute stehen hierdurch weiterhin vor großen Herausforderungen, da sich hier die Regulatorik überproportional auswirkt. Auch die Fähigkeit zur Eigenkapitalbildung durch Gewinnthesaurierungen wird weiter gemindert, sodass hier teilweise Anreize für eine übermäßige Risikoübernahme zur Ertragsgenerierung und Gewinnstabilisierung entstehen können.
Dem weiter wachsenden Ertragsdruck und den hohen Regulierungsanforderungen begegnen die Kreditinstitute auch im laufenden Geschäftsjahr mit intensiven Arbeiten zur Kosteneffizienzsteigerung und zur Überprüfung der Wertschöpfungsketten, wozu sowohl die Prozess- als auch die Produktoptimierung gehört. Auch die Anzahl betriebswirtschaftlich sinnvoller Fusionen wird hoch bleiben. Vermutlich sinkt auch die Anzahl der Beschäftigten tendenziell weiter. Andererseits werden die Institute unverändert versuchen, durch eine weitere gezielte Ausrichtung auf die Kundenwünsche, beispielsweise durch den Ausbau digitaler Angebote im Rahmen des Omnikanalbankings, im Wettbewerb zu bestehen. Die Wettbewerbssituation wird sich durch den Versuch von sogenannten Fintechs, Marktanteile aufzubauen, weiter verschärfen.
Auch wenn die lange Niedrigzinsphase die Kreditwirtschaft erheblich belastet, so stellt insbesondere ein sehr rascher Zinsanstieg in dieser Situation ein ernst zu nehmendes Bedrohungsszenario dar. Das gilt auch trotz der in den letzten Jahren verbesserten Eigenkapitalausstattung der Banken. Darüber hinaus können unverändert die andauernde europäische Staatsschuldenkrise, die Folgen der BrexitEntscheidung sowie etwaige außenpolitische und außenwirtschaftliche Unwägbarkeiten negative Auswirkungen mit sich bringen.
Seit der Finanzmarktkrise steht der Finanzsektor unter erheblichem Anpassungs- und Kostendruck, um die aufsichtsrechtliche Reformagenda mit ihren höheren Eigenkapitalanforderungen und veränderten Regulierungsverfahren umzusetzen. Des Weiteren zeigt der Ausblick auf die Geschäftsentwicklung der genossenschaftlichen FinanzGruppe, dass das Geschäftsjahr 2017 weiterhin durch das anhaltend niedrige absolute Zinsniveau geprägt sein wird. Aus diesen Einflussfaktoren resultiert eine voraussichtlich auch im Geschäftsjahr 2017 fortdauernde Belastung der Ertragslage der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Risiken für die weitere Ergebnisentwicklung der genossenschaftlichen FinanzGruppe können sich auch aus dem gesamtwirtschaftlichen und politischen Umfeld vor allem im Euroraum, in den Vereinigten Staaten und in Deutschland ergeben. Nicht abschätzbar sind aus heutiger Sicht die Risiken, die die Austrittsverhandlungen zwischen der EU und Großbritannien, die wirtschaftliche Entwicklung einiger, insbesondere italienischer Banken sowie die weitere politische Entwicklung in einzelnen Ländern des Euroraums betreffen. Insgesamt wird erwartet, dass sich das Ergebnis der genossenschaftlichen FinanzGruppe im Geschäftsjahr 2017 auf einem zufriedenstellenden Niveau bewegt, was eine weitere Stärkung der Rücklagen erlauben dürfte.
Der Zinsüberschuss wird sich auch weiterhin vor allem aufgrund des anhaltend niedrigen Zinsniveaus unter anderem im Segment Retail verringern. Speziell die zinsniveauabhängigen Geschäftsmodelle in der genossenschaftlichen FinanzGruppe können im Geschäftsjahr 2017 Ertragsvolatilitäten aufweisen. Auch das verhaltene Wirtschaftswachstum im Euroraum könnte sich negativ auf den Zinsüberschuss auswirken.
Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft wird im Geschäftsjahr 2017 nach belastenden Einmaleffekten im Geschäftsjahr 2016 wieder zum Normalniveau zurückfinden und sich im Einklang mit dem Kreditbestand, dem angestrebten Neugeschäftsvolumen sowie den langjährigen Standardrisikokosten entwickeln. Mögliche Implikationen unsicherer politischer Entwicklungen auf die Kapitalmärkte könnten sich belastend auf die Risikovorsorge auswirken.
Für den Provisionsüberschuss erwartet die genossenschaftliche FinanzGruppe für das Jahr 2017 ein ähnlich gutes Ergebnis wie im Geschäftsjahr 2016. Eine dauerhafte Verunsicherung an den Kapital- und Finanzmärkten könnte das Vertrauen von privaten und institutionellen Anlegern jedoch negativ beeinflussen und damit das Provisionsergebnis belasten.
Das Handelsergebnis wird im Geschäftsjahr 2017 rückläufig erwartet, da es im Geschäftsjahr 2016 insbesondere im Segment Bank von positiven Sondereffekten in Bezug auf die Bewertung von Finanzinstrumenten beeinflusst wurde. Positive Impulse dürften im Geschäftsjahr 2017 aus dem kundengetriebenen Kapitalmarktgeschäft kommen. Insbesondere die weiterhin konsequente Umsetzung der strategischen Maßnahmen vor allem bei institutionellen Kunden, aber auch im Privatkundenbereich spiegelt sich in der positiven Ertragseinschätzung wider. Die Voraussetzung für ein stetiges Handelsergebnis wird primär ein stabiles Kapitalmarktumfeld sein.
Aufgrund geplanter Veräußerungstransaktionen von Beteiligungen im Geschäftsjahr 2017 wird sich das Ergebnis aus Finanzanlagen auf einem voraussichtlich ähnlichen Niveau wie im Geschäftsjahr 2016 bewegen.
Das Sonstige Bewertungsergebnis aus Finanzinstrumenten wird sich voraussichtlich aufgrund vorhandener Wertaufholungspotenziale der Portfolios staatlicher Emittenten im Segment Immobilien positiv entwickeln. Kapitalmarktvolatilitäten sowie Ausweitungen von Credit Spreads bei Wertpapieren staatlicher Emittenten könnten die erwartete positive Ergebnisentwicklung negativ beeinflussen.
Das Ergebnis aus dem Versicherungsgeschäft dürfte sich im Geschäftsjahr 2017 reduzieren. Unter der Annahme wachsender Nettobeiträge in den verschiedenen Geschäftsbereichen wird die Ergebnisreduktion dem voraussichtlich niedrigeren Kapitalanlageergebnis im aktuellen Niedrigzinsumfeld geschuldet werden. Außerordentliche Ereignisse auf den Finanz- und Kapitalmärkten sowie Änderungen in der Versicherungstechnik beziehungsweise mögliche Anpassungen im aufsichtsrechtlichen Umfeld der Versicherer (Solvency II) können die Ergebniserwartungen aus dem Versicherungsgeschäft negativ beeinflussen.
Die Verwaltungsaufwendungen werden voraussichtlich auch im Geschäftsjahr 2017 merklich steigen. Strategiekonforme Investitionen in das Innovationsmanagement und die Digitalisierung sind auch für das Geschäftsjahr 2017 berücksichtigt.
Infolge der höheren Aufwendungen bei zugleich niedrigeren Ertragserwartungen wird die Aufwand-Ertrags-Relation der genossenschaftlichen FinanzGruppe im Geschäftsjahr 2017 voraussichtlich steigen.
Die genossenschaftliche FinanzGruppe zeichnet ein überzeugendes Geschäftsmodell und eine intakte Risikotragfähigkeit aus. Ein hoher Mitglieder- und Kundenzuspruch und nicht zuletzt eine starke Eigenkapitalquote ermöglichen es dieser FinanzGruppe, die sich ihr bietenden Wachstumschancen konsequent zu nutzen und damit ihre hervorragende Marktposition in einem anspruchsvollen regulatorischen Umfeld auch weiterhin erfolgreich unter Beweis zu stellen.
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