Source: https://kls-steuerberater.hamburg/leistungsportfolio/erbschaftssteuer/
Timestamp: 2018-11-19 12:01:34
Document Index: 161861597

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 13', '§ 109', '§ 13', '§ 13', '§ 16', '§ 14', '§17']

Erbschaftsteuer | KLS Steuerberater Hamburg | KLS Steuerberater Hamburg
Erbschaftssteuerklsadmin2018-09-24T15:33:06+00:00
Durch das am 01.07.2016 in Kraft getretene Erbschaftsteuergesetz haben sich die Rahmenbedingungen bei der Übertragung betrieblichen Vermögens im Wege der Schenkung oder der Erbfolge ergeben. Im Übrigen haben sich die Regelungen nicht geändert. Im Bereich des Privatvermögens wurden lediglich redaktionelle Änderungen vorgenommen. An den bisherigen erbschafts- und schenkungsteuerlichen Freibeträgen und an den Steuersätzen für die einzelnen Steuerklassen hat sich nichts geändert.
2.1.1. Bewertung
Für erbschaft- und schenkungsteuerliche Zwecke werden (bebaute) Grundstücke wie folgt bewertet:
1. Ein- und Zweifamilienhäuser, Eigentumswohnungen nach dem Vergleichswertverfahren (auf Grundlage von Vergleichskaufpreisen bzw. Wertgutachten) oder – wenn kein Vergleichswert vorliegt – nach dem Sachwertverfahren (auf Grundlage des Bodenwertes sowie der „Regelherstellungskosten“ des Gebäudes);
2. Mietwohngrundstücke nach einem Ertragswertverfahren (auf Grundlage eines kapitalisierten Reinertrags), wobei ein Bewertungsabschlag von 10% vorgenommen wird (§ 13c ErbStG);
3. Geschäftsgrundstücke ebenfalls nach dem Ertragswertverfahren – wenn keine übliche Miete ermittelt werden kann, nach dem Sachwertverfahren.
2.1.2. Besonderheit „Familienheim“
Beim Erwerb von Todes wegen, als auch bei der Schenkung einer selbstgenutzten Wohnung an den Ehegatten gilt eine Steuerbefreiung. Voraussetzung für die Steuerbefreiung beim Erwerb von Todes wegen ist, dass der Erblasser die Wohnung bis zum Erbfall zu eigenen Wohnzwecken genutzt hat; unschädlich ist, wenn der Erblasser aus zwingenden Gründen (z.B. erhebliche Pflegebedürftigkeit) an einer Selbstnutzung gehindert war. Die Steuerbefreiung fällt allerdings rückwirkend weg, wenn der Erbe das Familienheim innerhalb von 10 Jahren nach dem Erbfall nicht mehr zu Wohnzwecken selbst nutzt (z. B. bei Verkauf oder Vermietung), es sei denn, er ist aus zwingenden Gründen daran gehindert (z. B. durch Tod oder erhebliche Pflegebedürftigkeit). Diese Regelungen gelten grundsätzlich ebenfalls, wenn Kinder das Familienheim erben. Auch hier ist für die Steuerbefreiung die 10-jährige Nutzung durch die Kinder erforderlich. Allerdings gilt die Befreiung hier nur insoweit, als die selbstgenutzte Immobilie 200 qm² Wohnfläche nicht übersteigt; für größere Objekte fällt ggf. anteilig Erbschaftsteuer an (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b, 4c ErbStG).
2.2. Sonstiges Privatvermögen
Bargeld oder Bankguthaben sind mit dem Nennbetrag, Wertpapiere und börsennotierte Aktien mit dem Kurswert anzusetzen. Nicht börsennotierte Anteile an Kapitalgesellschaften sind mit dem gemeinen Wert (Verkehrswert) zu berücksichtigen; lässt sich dieser nicht aus Verkäufen unter fremden Dritten ableiten, kann künftig ein vereinfachtes Ertragswertverfahren angewendet werden. Besondere Verschonungsregelungen gelten für Anteile an Kapitalgesellschaften, wenn eine Beteiligung in Höhe von mehr als 25% besteht (siehe dazu auch Tz.3).
3. Betriebsvermögen
Die Bewertung von Betriebsvermögen bei Gewerbetreibenden und Freiberuflern erfolgt mit dem gemeinen Wert bzw. nach einem vereinfachten Ertragswertverfahren. Dabei ist der nachhaltig erzielbare Jahresertrag (Durchschnittsertrag der letzten drei Jahre) mit einem Kapitalisierungsfaktor zu multiplizieren (§§ 109, 199 ff. BewG).
3.2. Verschonungsregelungen
Beim Erwerb durch Erbanfall oder Schenkung von Betriebsvermögen, Betrieben der Land- und Forstwirtschaft oder von Anteilen an Kapitalgesellschaften (bei einer Mindestbeteiligung von mehr als 25%) kommt ein Bewertungsabschlag sowie ein Freibetrag in Betracht. Diese Verschonungsregelung ist mit Bedingungen verknüpft (siehe §§ 13a, 13b ErbStG). Grundsätzlich kann zwischen zwei Verfahren gewählt werden:
Verschonungsabschlag von Betriebsvermögen
Mindestlohnsumme** des Betriebes bzw. der Gesellschaft
400% in 5 Jahren
700% in 7 Jahren
d.h. durchschnittlich jährlich
* auf unwiderruflichen Antrag möglich
**Die Mindestlohnsummenregelung kommt nur bei Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten zur Anwendung.
Wird der Betrieb innerhalb der Behaltensfrist veräußert, aufgegeben oder werden in diesem Zeitraum wesentliche Betriebsgrundlagen in das Privatvermögen überführt, entfällt der Verschonungsabschlag anteilig entsprechend der im Zeitpunkt der schädlichen Verfügung vorhandenen restlichen Behaltensfrist.
Bei Unterschreitung der Mindestlohnsumme vermindert sich der Verschonungsabschlag rückwirkend in demselben prozentualen Umfang, wie die Mindestlohnsumme unterschritten wird. Für den nach Berücksichtigung des Verschonungsabschlags von 85% verbleibenden nichtbegünstigten Teil des Betriebsvermögens wird ein Freibetrag von 150.000 Euro berücksichtigt, der bei Betriebsvermögen im Wert von 1 Mio. bis 3 Mio. Euro kontinuierlich abgebaut wird (§ 13a Abs. 2 ErbStG).
Die folgenden Freibeträge können z.B. neben den besonderen Regelungen für das Familienheim für übriges Vermögen in Betracht kommen und alle 10 Jahre in Anspruch genommen werden (§ 16, § 14 ErbStG).
übrige Personen der Steuerklasse I (z.B. Eltern)
Personen der Steuerklasse II (z.B. Geschwister, Nichten, Neffen)
Der überlebende Ehegatte erhält neben dem persönlichen Freibetrag einen besonderen Versorgungsfreibetrag in Höhe von 256.000 Euro, der ggf. um den Kapitalwert von Versorgungsbezügen gekürzt wird; dies gilt auch für eingetragene Lebenspartner (§17 ErbStG).
In Anhängigkeit von der Höhe des steuerpflichtigen Erwerbes ergeben sich bei den verschiedenen Steuerklassen die folgenden Steuersätze:
z.B. Ehegatten, Kinder, Enkel, ggf. Eltern
Steuerklassen II
z.B. Geschwister, Nichten und Neffen
Steuerklassen III
z.B.Lebenspartner und Übrige
Aufgrund der wiederum gestiegenen Komplexität der gesetzlichen Regelungen ist eine steuerliche Beratung unerlässlich.
Gerne beraten wir Sie in Ihrer persönlichen Situation ganz individuell.