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Timestamp: 2020-07-08 04:53:52
Document Index: 175586646

Matched Legal Cases: ['Art. 44', 'Art. 49', 'Art. 42', 'Art. 333', 'Art. 121', 'Art. 45', 'Art. 27', 'Art. 51', 'Art. 27', 'Art. 25', 'Art. 25', 'Art. 26', 'Art. 51', 'Art. 21', 'Art. 99', 'Art. 21', 'Art. 25', 'Art. 22', 'Art. 70', 'Art. 25', 'Art. 25', 'Art. 25', 'Art. 25', 'Art. 23', 'Art. 88']

Lawbrary | VStrR - Bundesgesetz über das Verwaltungsstrafrecht
Bundesgesetz über das Verwaltungsstrafrecht
Geltungsbereich des Gesetzes (1 - 1)
Allgemeine Bestimmungen (2 - 13)
Besondere Bestimmungen (14 - 18)
Behörden; allgemeine Verfahrensvorschriften (19 - 31)
Untersuchung und Strafverfügung der Verwaltung
Allgemeine Bestimmungen (32 - 36)
Untersuchung (37 - 61)
Entscheid der Verwaltung (62 - 72)
Gerichtliches Verfahren (73 - 83)
Revision (84 - 89)
Vollzug (90 - 93)
Kosten, Entschädigung und Rückgriff (94 - 102)
Abwesenheitsverfahren (103 - 103)
Schlussbestimmungen (104 - 107)
vom 22. März 1974 (Stand am 1. Januar 2019)
gestützt auf die Artikel 64bis, 106 und 114 der Bundesverfassung1,2 nach Einsicht in eine Botschaft des Bundesrates vom 21. April 19713,
Erster Titel: Geltungsbereich des Gesetzes
Ist die Ver­fol­gung und Be­ur­tei­lung von Wi­der­hand­lun­gen ei­ner Ver­wal­tungs­be­hör­de des Bun­des über­tra­gen, so fin­det die­ses Ge­setz An­wen­dung.
Zweiter Titel: Verwaltungsstrafrecht
A. An­wen­dung des Schwei­ze­ri­schen Straf­ge­setz­bu­ches
Die all­ge­mei­nen Be­stim­mun­gen des Straf­ge­setz­bu­ches1 gel­ten für Ta­ten, die in der Ver­wal­tungs­ge­setz­ge­bung des Bun­des mit Stra­fe be­droht sind, so­weit die­ses Ge­setz oder das ein­zel­ne Ver­wal­tungs­ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.
B. Ord­nungs­wid­rig­keit
Ord­nungs­wid­rig­keit im Sin­ne die­ses Ge­set­zes ist die vom ein­zel­nen Ver­wal­tungs­ge­setz als sol­che be­zeich­ne­te oder die mit Ord­nungs­bus­se be­droh­te Über­tre­tung.
C. Ab­wei­chun­gen vom Straf­ge­setz­buch
I. Ju­gend­li­che
Be­geht ein Ju­gend­li­cher vor Vollen­dung des 15. Al­ters­jah­res ei­ne mit Stra­fe be­droh­te Tat, so wird er nicht straf­recht­lich ver­folgt.
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 44 Ziff. 2 des Ju­gend­straf­ge­set­zes vom 20. Ju­ni 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3545; BBl 1999 1979).
II. Teil­nah­me
An­stif­tung und Ge­hil­fen­schaft zu ei­ner Über­tre­tung, aus­ge­nom­men zu ei­ner Ord­nungs­wid­rig­keit, sind straf­bar.
III. Wi­der­hand­lun­gen in Ge­schäfts­be­trie­ben, durch Be­auf­trag­te u. dgl.
1. Re­gel
1Wird ei­ne Wi­der­hand­lung beim Be­sor­gen der An­ge­le­gen­hei­ten ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son, Kol­lek­tiv- oder Kom­man­dit­ge­sell­schaft, Ein­zel­fir­ma oder Per­so­nen­ge­samt­heit oh­ne Rechts­per­sön­lich­keit oder sonst in Aus­übung ge­schäft­li­cher oder dienst­li­cher Ver­rich­tun­gen für einen an­dern be­gan­gen, so sind die Straf­be­stim­mun­gen auf die­je­ni­gen na­tür­li­chen Per­so­nen an­wend­bar, wel­che die Tat ver­übt ha­ben.
2Der Ge­schäfts­herr, Ar­beit­ge­ber, Auf­trag­ge­ber oder Ver­tre­te­ne, der es vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig in Ver­let­zung ei­ner Rechts­pflicht un­ter­lässt, ei­ne Wi­der­hand­lung des Un­ter­ge­be­nen, Be­auf­trag­ten oder Ver­tre­ters ab­zu­wen­den oder in ih­ren Wir­kun­gen auf­zu­he­ben, un­ter­steht den Straf­be­stim­mun­gen, die für den ent­spre­chend han­deln­den Tä­ter gel­ten.
3Ist der Ge­schäfts­herr, Ar­beit­ge­ber, Auf­trag­ge­ber oder Ver­tre­te­ne ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son, Kol­lek­tiv- oder Kom­man­dit­ge­sell­schaft, Ein­zel­fir­ma oder Per­so­nen­ge­samt­heit oh­ne Rechts­per­sön­lich­keit, so wird Ab­satz 2 auf die schul­di­gen Or­ga­ne, Or­gan­mit­glie­der, ge­schäfts­füh­ren­den Ge­sell­schaf­ter, tat­säch­lich lei­ten­den Per­so­nen oder Li­qui­da­to­ren an­ge­wen­det.
2. Son­der­ord­nung bei Bus­sen bis zu 5000 Fran­ken
1Fällt ei­ne Bus­se von höchs­tens 5000 Fran­ken in Be­tracht und wür­de die Er­mitt­lung der nach Ar­ti­kel 6 straf­ba­ren Per­so­nen Un­ter­su­chungs­mass­nah­men be­din­gen, die im Hin­blick auf die ver­wirk­te Stra­fe un­ver­hält­nis­mäs­sig wä­ren, so kann von ei­ner Ver­fol­gung die­ser Per­so­nen Um­gang ge­nom­men und an ih­rer Stel­le die ju­ris­ti­sche Per­son, die Kol­lek­tiv- oder Kom­man­dit­ge­sell­schaft oder die Ein­zel­fir­ma zur Be­zah­lung der Bus­se ver­ur­teilt wer­den.
2Für Per­so­nen­ge­samt­hei­ten oh­ne Rechts­per­sön­lich­keit gilt Ab­satz 1 sinn­ge­mä­ss.
IV. Straf­zu­mes­sung
1. Bus­sen
Bus­sen bis zu 5000 Fran­ken sind nach der Schwe­re der Wi­der­hand­lung und des Ver­schul­dens zu be­mes­sen; an­de­re Straf­zu­mes­sungs­grün­de müs­sen nicht be­rück­sich­tigt wer­den.
2. Zu­sam­men­tref­fen von straf­ba­ren Hand­lun­gen oder von Straf­be­stim­mun­gen
Die Vor­schrif­ten von Ar­ti­kel 68 des Straf­ge­setz­bu­ches1 über das Zu­sam­men­tref­fen von straf­ba­ren Hand­lun­gen oder Straf­be­stim­mun­gen gel­ten nicht für Bus­sen und Um­wand­lungs­stra­fen.
1 SR 311.0. Heu­te: von Art. 49.
V. Um­wand­lung der Bus­se
1So­weit ei­ne Bus­se nicht ein­ge­bracht wer­den kann, wird sie vom Rich­ter in Haft, bei Ju­gend­li­chen in Ein­sch­lies­sung um­ge­wan­delt. Die Bus­se we­gen ei­ner Ord­nungs­wid­rig­keit un­ter­liegt der Um­wand­lung nicht.
2Der Rich­ter kann für die Um­wand­lungs­stra­fe un­ter den Vor­aus­set­zun­gen von Ar­ti­kel 41 des Straf­ge­setz­bu­ches1 den be­ding­ten Straf­voll­zug ge­wäh­ren oder, so­fern der Ver­ur­teil­te nach­weist, dass er schuld­los aus­ser­stan­de ist, die Bus­se zu be­zah­len, die Um­wand­lung aus­sch­lies­sen. Der Aus­schluss der Um­wand­lung oder die Ge­wäh­rung des be­ding­ten Straf­voll­zu­ges sind je­doch nicht zu­läs­sig, wenn der Ver­ur­teil­te die Wi­der­hand­lung vor­sätz­lich be­gan­gen hat und wenn zur Zeit der Tat noch nicht fünf Jah­re ver­gan­gen sind, seit er we­gen ei­ner Wi­der­hand­lung ge­gen das glei­che Ver­wal­tungs­ge­setz, die nicht ei­ne blos­se Ord­nungs­wid­rig­keit war, ver­ur­teilt wor­den ist.
3Im Fal­le der Um­wand­lung wer­den 30 Fran­ken ei­nem Tag Haft oder Ein­sch­lies­sung gleich­ge­setzt, je­doch darf die Um­wand­lungs­stra­fe die Dau­er von drei Mo­na­ten nicht über­stei­gen. Sind Teil­zah­lun­gen ent­rich­tet wor­den, so setzt der Rich­ter die Um­wand­lungs­stra­fe im Ver­hält­nis die­ser Teil­zah­lun­gen zum gan­zen Bus­sen­be­trag her­ab.
4Wird die Bus­se, nach­dem sie um­ge­wan­delt wor­den ist, be­zahlt, so fällt die Um­wand­lungs­stra­fe, so­weit sie noch nicht voll­zo­gen ist, da­hin.
1 SR 311.0. Heu­te: von Art. 42.
VI. Ver­jäh­rung
1Ei­ne Über­tre­tung ver­jährt in zwei Jah­ren.
2Be­steht je­doch die Über­tre­tung in ei­ner Hin­ter­zie­hung oder Ge­fähr­dung von Ab­ga­ben oder im un­recht­mäs­si­gen Er­lan­gen ei­ner Rück­er­stat­tung, Er­mäs­si­gung oder ei­nes Er­las­ses von Ab­ga­ben, so be­trägt die Ver­jäh­rungs­frist fünf Jah­re; sie kann durch Un­ter­bre­chung nicht um mehr als die Hälf­te hin­aus­ge­scho­ben wer­den.
3Die Ver­jäh­rung ruht bei Ver­ge­hen und Über­tre­tun­gen wäh­rend der Dau­er ei­nes Ein­spra­che-, Be­schwer­de- oder ge­richt­li­chen Ver­fah­rens über die Leis­tungs- oder Rück­leis­tungs­pflicht oder über ei­ne an­de­re nach dem ein­zel­nen Ver­wal­tungs­ge­setz zu be­ur­tei­len­de Vor­fra­ge oder so­lan­ge der Tä­ter im Aus­land ei­ne Frei­heits­s­tra­fe ver­büsst.
4Die Stra­fe ei­ner Über­tre­tung ver­jährt in fünf Jah­ren.
D. Hin­ter­zie­hung; Er­schlei­chen ei­nes Bei­tra­ges u. dgl.
I. Leis­tungs- und Rück­leis­tungs­pflicht
1Ist in­fol­ge ei­ner Wi­der­hand­lung ge­gen die Ver­wal­tungs­ge­setz­ge­bung des Bun­des zu Un­recht:
ei­ne Ab­ga­be nicht er­ho­ben, zu­rück­er­stat­tet, er­mäs­sigt oder er­las­sen wor­den; oder
vom Bund, von ei­nem Kan­ton, ei­ner Ge­mein­de, ei­ner An­stalt oder Kör­per­schaft des öf­fent­li­chen Rechts oder von ei­ner mit öf­fent­lich-recht­li­chen Auf­ga­ben be­trau­ten Or­ga­ni­sa­ti­on ei­ne Ver­gü­tung oder ein Bei­trag ge­währt oder ei­ne For­de­rung nicht gel­tend ge­macht wor­den;
so sind die Ab­ga­be, die Ver­gü­tung, der Bei­trag oder der nicht ein­ge­for­der­te Be­trag und der Zins, oh­ne Rück­sicht auf die Straf­bar­keit ei­ner be­stimm­ten Per­son, nach­zuen­t­rich­ten oder zu­rück­zu­er­stat­ten.
2Leis­tungs- oder rück­leis­tungs­pflich­tig ist, wer in den Ge­nuss des un­recht­mäs­si­gen Vor­teils ge­langt ist, ins­be­son­de­re der zur Zah­lung der Ab­ga­be Ver­pflich­te­te oder der Emp­fän­ger der Ver­gü­tung oder des Bei­tra­ges.
3Wer vor­sätz­lich die Wi­der­hand­lung be­gan­gen oder an ihr teil­ge­nom­men hat, haf­tet für den nach­zuen­t­rich­ten­den oder zu­rück­zu­er­stat­ten­den Be­trag so­li­da­risch mit den nach Ab­satz 2 Zah­lungs­pflich­ti­gen.
4Leis­tungs- und Rück­leis­tungs­pflicht ver­jäh­ren nicht, so­lan­ge die Straf­ver­fol­gung und Straf­voll­stre­ckung nicht ver­jährt sind.
II. Selbst­an­zei­ge
Hat der Tä­ter die Wi­der­hand­lung, die ei­ne Leis­tungs- oder Rück­leis­tungs­pflicht be­grün­det, aus ei­ge­nem An­trieb an­ge­zeigt, hat er über­dies, so­weit es ihm zu­mut­bar war, über die Grund­la­gen der Leis­tungs- oder Rück­leis­tungs­pflicht voll­stän­di­ge und ge­naue An­ga­ben ge­macht, zur Ab­klä­rung des Sach­ver­halts bei­ge­tra­gen und die Pflicht, wenn sie ihm ob­liegt, er­füllt, und hat er bis­her noch nie we­gen ei­ner vor­sätz­li­chen Wi­der­hand­lung der glei­chen Art Selbst­an­zei­ge ge­übt, so bleibt er straf­los.
Zweiter Abschnitt: Besondere Bestimmungen
A. Straf­ba­re Hand­lun­gen1
I. Leis­tungs- und Ab­ga­be­be­trug
1Wer die Ver­wal­tung, ei­ne an­de­re Be­hör­de oder einen Drit­ten durch Vor­spie­ge­lung oder Un­ter­drückung von Tat­sa­chen arg­lis­tig ir­re­führt oder sie in ei­nem Irr­tum arg­lis­tig be­stärkt und so für sich oder einen an­dern un­recht­mäs­sig ei­ne Kon­zes­si­on, ei­ne Be­wil­li­gung oder ein Kon­tin­gent, einen Bei­trag, die Rück­er­stat­tung von Ab­ga­ben, ei­ne an­de­re Leis­tung des Ge­mein­we­sens er­schleicht, oder be­wirkt, dass der Ent­zug ei­ner Kon­zes­si­on, ei­ner Be­wil­li­gung oder ei­nes Kon­tin­gents un­ter­bleibt, wird mit Ge­fäng­nis oder mit Bus­se be­straft.2
2Be­wirkt der Tä­ter durch sein arg­lis­ti­ges Ver­hal­ten, dass dem Ge­mein­we­sen un­recht­mäs­sig und in ei­nem er­heb­li­chen Be­trag ei­ne Ab­ga­be, ein Bei­trag oder ei­ne an­de­re Leis­tung vor­ent­hal­ten oder dass es sonst am Ver­mö­gen ge­schä­digt wird, so ist die Stra­fe Ge­fäng­nis bis zu ei­nem Jahr oder Bus­se bis zu 30 000 Fran­ken.
3Sieht das ein­zel­ne Ver­wal­tungs­ge­setz für die ent­spre­chen­de nicht arg­lis­tig be­gan­ge­ne Wi­der­hand­lung einen hö­he­ren Höchst­be­trag der Bus­se vor, so gilt die­ser auch in den Fäl­len der Ab­sät­ze 1 und 2.
4Wer ge­werbs­mäs­sig oder im Zu­sam­men­wir­ken mit Drit­ten Wi­der­hand­lun­gen nach Ab­satz 1 oder 2 in Ab­ga­ben- oder Zol­lan­ge­le­gen­hei­ten be­geht und sich oder ei­nem an­dern da­durch in be­son­ders er­heb­li­chem Um­fang einen un­recht­mäs­si­gen Vor­teil ver­schafft oder das Ge­mein­we­sen am Ver­mö­gen oder an an­dern Rech­ten be­son­ders er­heb­lich schä­digt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft. Mit der Frei­heits­s­tra­fe ist ei­ne Geld­stra­fe zu ver­bin­den.3
1 Ab 1. Jan. 2007 sind die an­ge­droh­ten Stra­fen und die Ver­jäh­rungs­fris­ten in An­wen­dung von Art. 333 Abs. 2-6 des Straf­ge­setz­bu­ches (SR 311.0) in der Fas­sung des BG vom 13. Dez. 2002 (AS 2006 3459; BBl 1999 1797) zu in­ter­pre­tie­ren be­zie­hungs­wei­se um­zu­rech­nen.
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. III des BG vom 17. Ju­ni 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1995 (AS 1994 2290; BBl 1991 II 969).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 3. Okt. 2008 zur Um­set­zung der re­vi­dier­ten Emp­feh­lun­gen der Grou­pe d'ac­ti­on fi­nan­ciè­re (AS 2009 361; BBl 2007 6269). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 5 des BG vom 12. Dez. 2014 zur Um­set­zung der 2012 re­vi­dier­ten Emp­feh­lun­gen der Grou­pe d'ac­ti­on fi­nan­ciè­re, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 1389; BBl 2014 605).
II. Ur­kun­den­fäl­schung; Er­schlei­chen ei­ner falschen Be­ur­kun­dung
1. Wer in der Ab­sicht, sich oder ei­nem an­dern einen nach der Ver­wal­tungs­ge­setz­ge­bung des Bun­des un­recht­mäs­si­gen Vor­teil zu ver­schaf­fen oder das Ge­mein­we­sen am Ver­mö­gen oder an an­dern Rech­ten zu schä­di­gen, ei­ne Ur­kun­de fälscht oder ver­fälscht oder die ech­te Un­ter­schrift oder das ech­te Hand­zei­chen ei­nes an­dern zur Her­stel­lung ei­ner un­wah­ren Ur­kun­de be­nützt oder ei­ne Ur­kun­de die­ser Art zur Täu­schung ge­braucht,
wer durch Täu­schung be­wirkt, dass die Ver­wal­tung oder ei­ne an­de­re Be­hör­de oder ei­ne Per­son öf­fent­li­chen Glau­bens ei­ne für die Durch­füh­rung der Ver­wal­tungs­ge­setz­ge­bung des Bun­des er­heb­li­che Tat­sa­che un­rich­tig be­ur­kun­det, und wer ei­ne so er­schli­che­ne Ur­kun­de zur Täu­schung der Ver­wal­tung oder ei­ner an­de­ren Be­hör­de ge­braucht,
wird mit Ge­fäng­nis oder Bus­se bis zu 30 000 Fran­ken be­straft.
2. Zif­fer 1 gilt auch für Ur­kun­den des Aus­lan­des.
III. Un­ter­drückung von Ur­kun­den
1Wer in der Ab­sicht, sich oder ei­nem an­dern einen nach der Ver­wal­tungs­ge­setz­ge­bung des Bun­des un­recht­mäs­si­gen Vor­teil zu ver­schaf­fen oder das Ge­mein­we­sen am Ver­mö­gen oder an an­dern Rech­ten zu schä­di­gen, Ur­kun­den, die er nach die­ser Ge­setz­ge­bung auf­zu­be­wah­ren ver­pflich­tet ist, be­schä­digt, ver­nich­tet oder bei­sei­te schafft, wird mit Ge­fäng­nis oder Bus­se bis zu 30 000 Fran­ken be­straft.
2Of­fen­bart der Tä­ter die bei­sei­te ge­schaff­ten Ur­kun­den aus ei­ge­nem An­trieb und be­vor die Ver­wal­tung die Un­ter­su­chung ab­ge­schlos­sen hat, so kann von ei­ner Be­stra­fung Um­gang ge­nom­men wer­den.
3Die Ab­sät­ze 1 und 2 gel­ten auch für Ur­kun­den des Aus­lan­des.
IV. Be­güns­ti­gung
1.1 Wer in ei­nem Ver­wal­tungs­straf­ver­fah­ren je­man­den der Straf­ver­fol­gung oder dem Straf­voll­zug, so­weit die­ser der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung ob­liegt, ent­zieht,
wer da­zu bei­trägt, ei­nem Tä­ter oder Teil­neh­mer die Vor­tei­le ei­ner Wi­der­hand­lung ge­gen die Ver­wal­tungs­ge­setz­ge­bung des Bun­des zu si­chern,
wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft. Die auf den Tä­ter an­wend­ba­re Straf­dro­hung darf da­bei nicht über­schrit­ten wer­den.
2. Wer da­zu bei­trägt, den Voll­zug ei­ner ver­wal­tungs­straf­recht­li­chen Mass­nah­me wi­der­recht­lich zu ver­un­mög­li­chen, wird mit Ge­fäng­nis bis zu ei­nem Jahr oder Bus­se bis zu 30 000 Fran­ken be­straft.
3. Steht der Be­güns­ti­ger in so na­hen Be­zie­hun­gen zum Be­güns­tig­ten, dass sein Ver­hal­ten ent­schuld­bar ist, so kann von ei­ner Be­stra­fung Um­gang ge­nom­men wer­den.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 3. Okt. 2008 zur Um­set­zung der re­vi­dier­ten Emp­feh­lun­gen der Grou­pe d'ac­ti­on fi­nan­ciè­re, in Kraft seit 1. Fe­br. 2009 (AS 2009 361; BBl 2007 6269).
B. Gleich­stel­lung der mit öf­fent­lich-recht­li­chen Auf­ga­ben be­trau­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen
So­weit mit öf­fent­lich-recht­li­chen Auf­ga­ben be­trau­te Or­ga­ni­sa­tio­nen und ih­re Or­ga­ne oder Be­auf­trag­ten die Ver­wal­tungs­ge­setz­ge­bung des Bun­des an­zu­wen­den ha­ben, ste­hen sie in den Ar­ti­keln 14-17 dem Ge­mein­we­sen und sei­ner Ver­wal­tung gleich.
Dritter Titel: Verwaltungsstrafverfahren
Erster Abschnitt: Behörden; allgemeine Verfahrensvorschriften
A. Be­hör­den
I. An­zei­ge und dring­li­che Mass­nah­men
1Straf­an­zei­gen we­gen Wi­der­hand­lun­gen ge­gen ein Ver­wal­tungs­ge­setz des Bun­des sind ei­nem Be­am­ten der be­tei­lig­ten Bun­des­ver­wal­tung oder ei­ner Po­li­zei­stel­le zu er­stat­ten.
2Die Bun­des­ver­wal­tung und die Po­li­zei der Kan­to­ne und Ge­mein­den, de­ren Or­ga­ne in ih­rer dienst­li­chen Tä­tig­keit ei­ne Wi­der­hand­lung wahr­neh­men oder von ei­ner sol­chen Kennt­nis er­hal­ten, sind ver­pflich­tet, sie der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung an­zu­zei­gen.
3Die Or­ga­ne der Bun­des­ver­wal­tung und der Po­li­zei, die Zeu­gen der Wi­der­hand­lung sind oder un­mit­tel­bar nach der Tat da­zu­kom­men, sind bei Ge­fahr im Ver­zu­ge be­rech­tigt, den Tä­ter vor­läu­fig fest­zu­neh­men, die mit der Wi­der­hand­lung in Zu­sam­men­hang ste­hen­den Ge­gen­stän­de vor­läu­fig zu be­schlag­nah­men und zu die­sem Zweck den Tä­ter oder den In­ha­ber des Ge­gen­stan­des in Woh­nun­gen und an­de­re Räu­me so­wie in un­mit­tel­bar zu ei­nem Hau­se ge­hö­ren­de um­frie­de­te Lie­gen­schaf­ten hin­ein zu ver­fol­gen.
4Ein vor­läu­fig Fest­ge­nom­me­ner ist so­fort dem un­ter­su­chen­den Be­am­ten der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung zu­zu­füh­ren; be­schlag­nahm­te Ge­gen­stän­de sind un­ver­züg­lich ab­zu­lie­fern.
II. Un­ter­su­chung
1Für die Un­ter­su­chung ist die be­tei­lig­te Ver­wal­tung zu­stän­dig. Mit der Durch­füh­rung von Ein­ver­nah­men, Au­gen­schei­nen und Zwangs­mass­nah­men sind be­son­ders aus­ge­bil­de­te Be­am­te zu be­trau­en.
2Die Po­li­zei der Kan­to­ne und Ge­mein­den un­ter­stützt die Ver­wal­tung in ih­rer Un­ter­su­chung; ins­be­son­de­re darf der un­ter­su­chen­de Be­am­te po­li­zei­li­che Hil­fe in An­spruch neh­men, wenn ihm bei ei­ner Un­ter­su­chungs­hand­lung, die in­ner­halb sei­ner Amts­be­fug­nis­se liegt, Wi­der­stand ge­leis­tet wird.
3Sind in ei­ner Strafsa­che so­wohl die Zu­stän­dig­keit der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung als auch Bun­des­ge­richts­bar­keit oder kan­to­na­le Ge­richts­bar­keit ge­ge­ben, so kann das De­par­te­ment, dem die be­tei­lig­te Ver­wal­tung an­ge­hört, die Ver­ei­ni­gung der Straf­ver­fol­gung in der Hand der be­reits mit der Sa­che be­fass­ten Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de an­ord­nen, so­fern ein en­ger Sach­zu­sam­men­hang be­steht und die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de der Ver­ei­ni­gung vor­gän­gig zu­ge­stimmt hat.1
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 22. De­zem­ber 1999, in Kraft seit 1. Okt. 2000 (AS 2000 2141; BBl 1998 1529).
III. Be­ur­tei­lung
1. Sach­li­che Zu­stän­dig­keit
1Für die Be­ur­tei­lung ist die be­tei­lig­te Ver­wal­tung zu­stän­dig; hält je­doch das über­ge­ord­ne­te De­par­te­ment die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Frei­heits­s­tra­fe, ei­ner frei­heits­ent­zie­hen­den Mass­nah­me oder ei­ner Lan­des­ver­wei­sung nach Ar­ti­kel 66a oder 66abis des Straf­ge­setz­buchs1 für ge­ge­ben, so ist das Ge­richt zu­stän­dig.2
2Der von der Straf­ver­fü­gung der Ver­wal­tung Be­trof­fe­ne kann die Be­ur­tei­lung durch das Ge­richt ver­lan­gen.
3Dem Bun­des­rat steht in al­len Fäl­len die Über­wei­sung der Strafsa­che an das Bun­dess­traf­ge­richt frei.
4Die zur Aus­fäl­lung der Haupt­stra­fe zu­stän­di­ge Be­hör­de er­kennt auch über Ne­ben­stra­fen, Mass­nah­men und Kos­ten.
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 6 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3-6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 2329; BBl 2013 5975).
2. Ört­li­che Zu­stän­dig­keit
1Der Ge­richts­stand ist bei dem Ge­richt be­grün­det, das nach den Ar­ti­keln 31-37 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Ok­to­ber 20071 (StPO) zu­stän­dig ist oder in des­sen Be­zirk der Be­schul­dig­te wohnt.2 Die Ver­wal­tung wählt zwi­schen den bei­den Ge­richts­stän­den.
2Ar­ti­kel 40 Ab­satz 2 StPO gilt sinn­ge­mä­ss.3 Das Bun­dess­traf­ge­richt4 ist in sei­nem Ent­scheid nicht an die von der Ver­wal­tung ge­trof­fe­ne Wahl ge­bun­den.
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 11 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 11 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
4 Aus­druck ge­mä­ss An­hang Ziff. 10 des Straf­ge­richts­ge­set­zes vom 4. Okt. 2002, in Kraft seit 1. April 2004 (AS 2003 2133 2131; BBl 2001 4202).
IV. Ver­fah­ren ge­gen Ju­gend­li­che
1Be­geht ein Ju­gend­li­cher nach Vollen­dung des 15., aber vor Vollen­dung des 18. Al­ters­jah­res ei­ne mit Stra­fe be­droh­te Tat, so sind für die Un­ter­su­chung und Be­ur­tei­lung die Vor­schrif­ten die­ses Ge­set­zes mass­ge­bend. Er­schei­nen je­doch be­son­de­re Er­he­bun­gen für die Be­ur­tei­lung des Ju­gend­li­chen oder die An­ord­nung ju­gend­recht­li­cher Mass­nah­men als ge­bo­ten oder stellt die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Be­hör­de der Ju­gend­rechts­pfle­ge ein da­hin­lau­ten­des Be­geh­ren oder hat der von der Straf­ver­fü­gung der Ver­wal­tung be­trof­fe­ne Ju­gend­li­che die ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung ver­langt, so hat die Ver­wal­tung die Wei­ter­füh­rung des Ver­fah­rens der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Be­hör­de der Ju­gend­rechts­pfle­ge zu über­tra­gen, ge­ge­be­nen­falls un­ter Tren­nung des Ver­fah­rens von demje­ni­gen ge­gen an­de­re Be­schul­dig­te; die Ar­ti­kel 73-83 die­ses Ge­set­zes gel­ten sinn­ge­mä­ss.1
2In Ab­wei­chung von Ar­ti­kel 22 be­stimmt sich der Ge­richts­stand nach Ar­ti­kel 10 der Ju­gend­straf­pro­zess­ord­nung vom 20. März 20092.3
3Der ur­teils­fä­hi­ge Min­der­jäh­ri­ge kann ne­ben dem In­ha­ber der el­ter­li­chen Sor­ge, dem Vor­mund oder dem Bei­stand selb­stän­dig die Rechts­mit­tel er­grei­fen.4
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 der Ju­gend­straf­pro­zess­ord­nung vom 20. März 2009, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1573; BBl 2006 1085, 2008 3121).
4 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 15 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
V. Staats­an­walt­schaft des Bun­des
Die Staats­an­walt­schaft des Bun­des kann in je­dem ge­richt­li­chen Ver­fah­ren auf­tre­ten.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 11 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
VI. Be­schwer­de­kam­mer1
1Die Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts2 ent­schei­det über die ihr nach die­sem Ge­setz zu­ge­wie­se­nen Be­schwer­den und An­stän­de.
2Wenn es für ih­ren Ent­scheid er­for­der­lich ist, ord­net die Be­schwer­de­kam­mer ei­ne Be­weis­auf­nah­me an; sie kann da­bei die Diens­te der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung und des für das be­tref­fen­de Sprach­ge­biet ge­wähl­ten eid­ge­nös­si­schen Un­ter­su­chungs­rich­ters in An­spruch neh­men.
3Wo es zur Wah­rung we­sent­li­cher öf­fent­li­cher oder pri­va­ter In­ter­es­sen nö­tig ist, hat die Be­schwer­de­kam­mer von ei­nem Be­weis­mit­tel un­ter Aus­schluss des Be­schwer­de­füh­rers oder An­trag­stel­lers Kennt­nis zu neh­men.
4Die Kos­ten­pflicht im Be­schwer­de­ver­fah­ren vor der Be­schwer­de­kam­mer be­stimmt sich nach Ar­ti­kel 73 des Straf­be­hör­den­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 19. März 20103.4
1 Aus­druck ge­mä­ss An­hang Ziff. 10 des Straf­ge­richts­ge­set­zes vom 4. Okt. 2002, in Kraft seit 1. April 2004 (AS 2003 2133 2131; BBl 2001 4202). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
2 Aus­druck ge­mä­ss An­hang Ziff. 10 des Straf­ge­richts­ge­set­zes vom 4. Okt. 2002, in Kraft seit 1. April 2004 (AS 2003 2133 2131; BBl 2001 4202). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
4 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 9 des Straf­be­hör­den­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 3267; BBl 2008 8125).
B. Be­schwer­de ge­gen Un­ter­su­chungs­hand­lun­gen
I. Bei Zwangs­mass­nah­men
1Ge­gen Zwangs­mass­nah­men (Art. 45 ff.) und da­mit zu­sam­men­hän­gen­de Amts­hand­lun­gen und Säum­nis kann bei der Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts Be­schwer­de ge­führt wer­den.
2Die Be­schwer­de ist ein­zu­rei­chen:
wenn sie ge­gen ei­ne kan­to­na­le Ge­richts­be­hör­de oder ge­gen den Di­rek­tor oder Chef der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung ge­rich­tet ist: bei der Be­schwer­de­kam­mer;
in den üb­ri­gen Fäl­len: beim Di­rek­tor oder Chef der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung.
3Be­rich­tigt der Di­rek­tor oder Chef der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung in den Fäl­len von Ab­satz 2 Buch­sta­be b die Amts­hand­lung oder Säum­nis im Sin­ne der ge­stell­ten An­trä­ge, so fällt die Be­schwer­de da­hin; an­dern­falls hat er sie mit sei­ner Äus­se­rung spä­tes­tens am drit­ten Werk­tag nach ih­rem Ein­gang an die Be­schwer­de­kam­mer wei­ter­zu­lei­ten.
II. Bei sons­ti­gen Un­ter­su­chungs­hand­lun­gen
1So­weit nicht die Be­schwer­de nach Ar­ti­kel 26 ge­ge­ben ist, kann ge­gen Amts­hand­lun­gen so­wie ge­gen Säum­nis des un­ter­su­chen­den Be­am­ten beim Di­rek­tor oder Chef der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung Be­schwer­de ge­führt wer­den.
2Der Be­schwer­de­ent­scheid ist dem Be­schwer­de­füh­rer schrift­lich mit­zu­tei­len und hat ei­ne Rechts­mit­tel­be­leh­rung zu ent­hal­ten.
3Ge­gen den Be­schwer­de­ent­scheid kann bei der Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts Be­schwer­de ge­führt wer­den, je­doch nur we­gen Ver­let­zung von Bun­des­recht, ein­sch­liess­lich Über­schrei­tung oder Miss­brauch des Er­mes­sens.
4Für Be­schwer­den we­gen Un­ter­su­chungs­hand­lun­gen und Säum­nis von Or­ga­nen der mit öf­fent­lich-recht­li­chen Auf­ga­ben des Bun­des be­trau­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen gel­ten die Ab­sät­ze 1-3 sinn­ge­mä­ss; ers­te Be­schwer­de­in­stanz ist je­doch das über­ge­ord­ne­te De­par­te­ment.
III. Ge­mein­sa­me Be­stim­mun­gen
1Zur Be­schwer­de ist be­rech­tigt, wer durch die an­ge­foch­te­ne Amts­hand­lung, die ge­rüg­te Säum­nis oder den Be­schwer­de­ent­scheid (Art. 27 Abs. 2) be­rührt ist und ein schutz­wür­di­ges In­ter­es­se an der Auf­he­bung oder Än­de­rung hat; zur Be­schwer­de ge­gen die Frei­las­sung ei­nes vor­läu­fig Fest­ge­nom­me­nen oder Ver­haf­te­ten durch die kan­to­na­le Ge­richts­be­hör­de (Art. 51 Abs. 5, 59 Abs. 3) ist auch der Di­rek­tor oder Chef der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung be­fugt.
2Mit der Be­schwer­de kann die Ver­let­zung von Bun­des­recht, die un­rich­ti­ge oder un­voll­stän­di­ge Fest­stel­lung des recht­s­er­heb­li­chen Sach­ver­halts oder die Un­an­ge­mes­sen­heit ge­rügt wer­den; vor­be­hal­ten bleibt Ar­ti­kel 27 Ab­satz 3.
3Die Be­schwer­de ge­gen ei­ne Amts­hand­lung oder ge­gen einen Be­schwer­de­ent­scheid ist in­nert drei Ta­gen, nach­dem der Be­schwer­de­füh­rer von der Amts­hand­lung Kennt­nis er­hal­ten hat oder ihm der Be­schwer­de­ent­scheid er­öff­net wor­den ist, bei der zu­stän­di­gen Be­hör­de schrift­lich mit An­trag und kur­z­er Be­grün­dung ein­zu­rei­chen; be­fin­det sich der Be­schwer­de­füh­rer in Haft, so ge­nügt die Aus­hän­di­gung der Be­schwer­de an die Ge­fäng­nis­lei­tung, die zur so­for­ti­gen Wei­ter­lei­tung ver­pflich­tet ist.
4Die bei der un­zu­stän­di­gen Be­hör­de ein­ge­reich­te Be­schwer­de ist un­ver­züg­lich der zu­stän­di­gen Be­hör­de zu über­wei­sen; recht­zei­ti­ge Ein­rei­chung der Be­schwer­de bei der un­zu­stän­di­gen Be­hör­de wahrt die Be­schwer­de­frist.
5Die Be­schwer­de hat, wenn es das Ge­setz nicht an­ders be­stimmt, kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung, so­weit sie ihr nicht durch vor­sorg­li­che Ver­fü­gung der Be­schwer­de­in­stanz oder ih­res Prä­si­den­ten ver­lie­hen wird.
C. All­ge­mei­ne Ver­fah­rens­be­stim­mun­gen
I. Aus­stand
1Be­am­te, die ei­ne Un­ter­su­chung zu füh­ren, einen Ent­scheid zu tref­fen oder die­sen vor­zu­be­rei­ten ha­ben, so­wie Sach­ver­stän­di­ge, Über­set­zer und Dol­met­scher tre­ten in Aus­stand, wenn sie:
mit dem Be­schul­dig­ten durch Ehe oder ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft ver­bun­den sind oder mit ihm ei­ne fak­ti­sche Le­bens­ge­mein­schaft füh­ren;
bbis.2mit dem Be­schul­dig­ten in ge­ra­der Li­nie oder bis zum drit­ten Gra­de in der Sei­ten­li­nie ver­wandt oder ver­schwä­gert sind;
2Ist der Aus­stand strei­tig, so ent­schei­det dar­über, un­ter Vor­be­halt der Be­schwer­de an die Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts (Art. 27 Abs. 3), der Vor­ge­setz­te des be­tref­fen­den Be­am­ten oder des­je­ni­gen, der den Sach­ver­stän­di­gen, Über­set­zer oder Dol­met­scher bei­ge­zo­gen hat.
3Der Aus­stand im ge­richt­li­chen Ver­fah­ren so­wie von kan­to­na­len Be­am­ten und An­ge­stell­ten rich­tet sich nach dem ein­schlä­gi­gen eid­ge­nös­si­schen oder kan­to­na­len Recht.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 21 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
2 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 21 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
II. Rechts­hil­fe
1Die Ver­wal­tungs­be­hör­den des Bun­des, der Kan­to­ne und der Ge­mein­den ha­ben den mit der Ver­fol­gung und Be­ur­tei­lung von Ver­wal­tungs­strafsa­chen be­trau­ten Be­hör­den in der Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­be Rechts­hil­fe zu leis­ten; sie ha­ben ih­nen ins­be­son­de­re die be­nö­tig­ten Aus­künf­te zu er­tei­len und Ein­sicht zu ge­wäh­ren in amt­li­che Ak­ten, die für die Straf­ver­fol­gung von Be­deu­tung sein kön­nen.
2Die Rechts­hil­fe darf nur ver­wei­gert wer­den, so­weit ihr we­sent­li­che öf­fent­li­che In­ter­es­sen, ins­be­son­de­re die in­ne­re oder äus­se­re Si­cher­heit des Bun­des oder der Kan­to­ne, ent­ge­gen­ste­hen oder wenn die Rechts­hil­fe die an­ge­gan­ge­ne Be­hör­de in der Durch­füh­rung ih­rer Auf­ga­be we­sent­lich be­ein­träch­ti­gen wür­de. Be­rufs­ge­heim­nis­se im Sin­ne der Ar­ti­kel 171-173 StPO1 sind zu wah­ren.2
3Im Üb­ri­gen sind für die Rechts­hil­fe die Ar­ti­kel 43-48 StPO an­wend­bar.3
4Die mit öf­fent­lich-recht­li­chen Auf­ga­ben be­trau­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen sind im Rah­men die­ser Auf­ga­ben gleich den Be­hör­den zur Rechts­hil­fe ver­pflich­tet.
5An­stän­de un­ter Bun­des­be­hör­den ent­schei­det der Bun­des­rat, An­stän­de zwi­schen Bund und Kan­to­nen oder zwi­schen Kan­to­nen die Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts. Bis der Ent­scheid er­folgt, sind an­ge­ord­ne­te Si­cher­heits­mass­re­geln auf­recht­zu­er­hal­ten.
2 Fas­sung zwei­ter Satz ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 11 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
1Für die Be­rech­nung der Fris­ten, die Frist­ver­län­ge­rung und die Wie­der­her­stel­lung ge­gen die Fol­gen der Frist­ver­säum­nis gel­ten die Ar­ti­kel 20-24 des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes vom 20. De­zem­ber 19681 sinn­ge­mä­ss.
2Die Fris­ten im ge­richt­li­chen Ver­fah­ren rich­ten sich nach der StPO2.3
Zweiter Abschnitt: Untersuchung und Strafverfügung der Verwaltung
A. Ver­tei­di­ger
I. Be­stel­lung
1Der Be­schul­dig­te kann in je­der La­ge des Ver­fah­rens einen Ver­tei­di­ger be­stel­len.
2Als be­rufs­mäs­si­ge Ver­tei­di­ger im Ver­fah­ren der Ver­wal­tung wer­den zu­ge­las­sen:
die ih­ren Be­ruf in ei­nem Kan­ton aus­üben­den pa­ten­tier­ten Rechts­an­wäl­te;
An­ge­hö­ri­ge von Be­ru­fen, die der Bun­des­rat un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen zur Ver­tei­di­gung in Ver­wal­tungs­strafsa­chen er­mäch­tigt hat.
3Aus­nahms­wei­se und un­ter Vor­be­halt des Ge­gen­rechts kann die be­tei­lig­te Ver­wal­tung auch einen aus­län­di­schen Ver­tei­di­ger zu­las­sen.
4Die Be­hör­de kann den Ver­tei­di­ger auf­for­dern, sich durch schrift­li­che Voll­macht aus­zu­wei­sen.
II. Amt­li­cher Ver­tei­di­ger
1So­fern der Be­schul­dig­te nicht an­der­wei­tig ver­bei­stän­det ist, be­stellt ihm die be­tei­lig­te Ver­wal­tung von Am­tes we­gen aus dem Kreis der in Ar­ti­kel 32 Ab­satz 2 Buch­sta­be a ge­nann­ten Per­so­nen un­ter tun­li­cher Be­rück­sich­ti­gung sei­ner Wün­sche einen amt­li­chen Ver­tei­di­ger:
wenn der Be­schul­dig­te of­fen­sicht­lich nicht im­stan­de ist, sich zu ver­tei­di­gen;
für die Dau­er der Un­ter­su­chungs­haft, wenn die­se nach Ab­lauf von drei Ta­gen auf­recht­er­hal­ten wird.
2Kann der Be­schul­dig­te we­gen Be­dürf­tig­keit kei­nen Ver­tei­di­ger bei­zie­hen, so wird auf sein Ver­lan­gen eben­falls ein amt­li­cher Ver­tei­di­ger be­stellt. Aus­ge­nom­men sind Fäl­le, bei de­nen nur ei­ne Bus­se un­ter 2000 Fran­ken in Be­tracht fällt.
3Die Ent­schä­di­gung des amt­li­chen Ver­tei­di­gers wird auf Grund ei­nes vom Bun­des­rat auf­zu­stel­len­den Ta­rifs, un­ter Vor­be­halt der Be­schwer­de an die Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts (Art. 25 Abs. 1), durch die be­tei­lig­te Ver­wal­tung fest­ge­setzt und ge­hört zu den Ver­fah­rens­kos­ten; der Be­schul­dig­te, dem Kos­ten auf­er­legt wer­den, hat dem Bund die­se Ent­schä­di­gung in den Fäl­len von Ab­satz 1 zu­rück­zu­er­stat­ten, wenn ihm nach sei­nem Ein­kom­men oder Ver­mö­gen der Bei­zug ei­nes Ver­tei­di­gers zu­mut­bar ge­we­sen wä­re.
B. Zu­stel­lungs­do­mi­zil
1Der Be­schul­dig­te, der nicht in der Schweiz wohnt, kann hier ein Zu­stel­lungs­do­mi­zil be­zeich­nen.
2Hat der lan­des­ab­we­sen­de Be­schul­dig­te in ei­nem Staa­te, des­sen Rechts­hil­fe nicht in An­spruch ge­nom­men wer­den kann, ein be­kann­tes Do­mi­zil, so ist ihm, wenn nicht be­son­de­re Grün­de ent­ge­gen­ste­hen, die Er­öff­nung des Straf­ver­fah­rens durch ein­ge­schrie­be­nen Brief be­kannt zu ge­ben und gleich­zei­tig mit­zu­tei­len, dass er, so­fern er im Ver­fah­ren Par­tei­rech­te aus­üben will, in der Schweiz ein Zu­stel­lungs­do­mi­zil zu ver­zei­gen ha­be. Wird die­ser Ein­la­dung in­nert 30 Ta­gen nicht ent­spro­chen, so ist das Ver­fah­ren in glei­cher Wei­se durch­zu­füh­ren wie ge­gen einen Be­schul­dig­ten mit un­be­kann­tem Auf­ent­halt.
3Für den von der Ein­zie­hung Be­trof­fe­nen gel­ten die­se Vor­schrif­ten sinn­ge­mä­ss.
C. Teil­nah­me an Be­weis­auf­nah­men
1Der un­ter­su­chen­de Be­am­te ge­stat­tet dem Be­schul­dig­ten und sei­nem Ver­tei­di­ger, an Be­weis­auf­nah­men teil­zu­neh­men, wenn das Ge­setz die Teil­nah­me nicht aus­sch­liesst und kei­ne we­sent­li­chen öf­fent­li­chen oder pri­va­ten In­ter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen.
2Der un­ter­su­chen­de Be­am­te darf die Teil­nah­me des Be­schul­dig­ten und des Ver­tei­di­gers an ei­ner Be­weis­auf­nah­me aus­sch­lies­sen, wenn ih­re An­we­sen­heit die Un­ter­su­chung be­ein­träch­tigt.
D. Ak­ten­ein­sicht
Die Ar­ti­kel 26-28 des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes vom 20. De­zem­ber 19681 gel­ten sinn­ge­mä­ss.
Zweiter Unterabschnitt: Untersuchung
1Der un­ter­su­chen­de Be­am­te der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung er­forscht den Sach­ver­halt und si­chert den Be­weis.
2Der Be­schul­dig­te kann je­der­zeit die Vor­nah­me be­stimm­ter Un­ter­su­chungs­hand­lun­gen be­an­tra­gen.
3Sind be­son­de­re Un­ter­su­chungs­hand­lun­gen nicht nö­tig, so wird so­gleich nach Ar­ti­kel 61 das Schluss­pro­to­koll auf­ge­nom­men.
4Vor­be­hal­ten blei­ben die Vor­schrif­ten von Ar­ti­kel 65 über den Straf­be­scheid im ab­ge­kürz­ten Ver­fah­ren.
B. Pro­to­kol­lie­rung
1Die Er­öff­nung der Un­ter­su­chung, ihr Ver­lauf und die da­bei ge­won­ne­nen we­sent­li­chen Fest­stel­lun­gen sol­len aus den amt­li­chen Ak­ten er­sicht­lich sein.
2Das Pro­to­koll über ei­ne Ein­ver­nah­me wird wäh­rend der Ver­hand­lung nie­der­ge­schrie­ben und ist un­mit­tel­bar nach Schluss der Ein­ver­nah­me vom Ein­ver­nom­me­nen, nach­dem es ihm zur Kennt­nis ge­bracht wor­den ist, und vom un­ter­su­chen­den Be­am­ten durch Un­ter­schrift als rich­tig zu be­stä­ti­gen; fehlt die Un­ter­schrift des Ein­ver­nom­me­nen, so ist der Grund an­zu­ge­ben.
3Das Pro­to­koll über ei­ne an­de­re Un­ter­su­chungs­hand­lung ist so­bald als mög­lich, spä­tes­tens am fol­gen­den Werk­tag auf­zu­neh­men; sei­ne Rich­tig­keit ist vom un­ter­su­chen­den Be­am­ten durch Un­ter­schrift zu be­stä­ti­gen.
4In je­dem Pro­to­koll sind Ort und Zeit der Un­ter­su­chungs­hand­lung und die Na­men der Be­tei­lig­ten an­zu­ge­ben. Fer­ner ist kennt­lich zu ma­chen, was auf ei­ge­ner Wahr­neh­mung des un­ter­su­chen­den Be­am­ten und was auf Mit­tei­lung Drit­ter be­ruht.
C. Ein­ver­nah­men, Aus­künf­te
I. Be­schul­dig­ter
1Der Be­schul­dig­te wird vor­erst über Na­me, Al­ter, Be­ruf, Hei­mat und Wohn­ort be­fragt.
2Der un­ter­su­chen­de Be­am­te teilt dem Be­schul­dig­ten mit, wel­cher Tat er be­schul­digt wird. Er for­dert ihn auf, sich über die Be­schul­di­gung aus­zu­spre­chen und Tat­sa­chen und Be­weis­mit­tel zu sei­ner Ver­tei­di­gung an­zu­füh­ren.
3Der Be­schul­dig­te kann, so­fern es sich nicht um sei­ne ers­te Ver­neh­mung han­delt, ver­lan­gen, dass der Ver­tei­di­ger zu­ge­gen sei; die­ser hat das Recht, über den un­ter­su­chen­den Be­am­ten Er­gän­zungs­fra­gen zu stel­len.
4Wei­gert sich der Be­schul­dig­te aus­zu­sa­gen, so ist das ak­ten­kun­dig zu ma­chen.
5Zwang, Dro­hung, Ver­spre­chun­gen, un­wah­re An­ga­ben und ver­fäng­li­che Fra­gen oder ähn­li­che Mit­tel sind dem un­ter­su­chen­den Be­am­ten un­ter­sagt.
II. Aus­künf­te
Der un­ter­su­chen­de Be­am­te kann münd­li­che oder schrift­li­che Aus­künf­te ein­ho­len oder Aus­kunfts­per­so­nen ein­ver­neh­men; wer auf Grund des Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­rechts die Aus­sa­ge ver­wei­gern kann, ist vor­her dar­auf auf­merk­sam zu ma­chen.
III. Zeu­gen
1Lässt sich der Sach­ver­halt auf an­de­re Wei­se nicht hin­rei­chend ab­klä­ren, so kön­nen Zeu­gen ein­ver­nom­men wer­den.
2Auf die Ver­neh­mung und die Ent­schä­di­gung der Zeu­gen sind die Ar­ti­kel 163-166 und 168-176 StPO1 und Ar­ti­kel 48 des Bun­des­ge­set­zes vom 4. De­zem­ber 19472 über den Bun­des­zi­vil­pro­zess sinn­ge­mä­ss an­wend­bar; ver­wei­gert ein Zeu­ge oh­ne ge­setz­li­chen Grund die Aus­sa­ge, zu der er un­ter Hin­weis auf Ar­ti­kel 292 des Straf­ge­setz­bu­ches3 und des­sen Straf­dro­hung auf­ge­for­dert wor­den ist, so ist er we­gen Un­ge­hor­sams ge­gen die­se Ver­fü­gung an den Straf­rich­ter zu über­wei­sen.4
3Der Be­schul­dig­te und sein Ver­tei­di­ger ha­ben An­spruch dar­auf, den Zeu­gen­ein­ver­nah­men bei­zu­woh­nen und über den un­ter­su­chen­den Be­am­ten Er­gän­zungs­fra­gen zu stel­len.
4 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 11 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
IV. Vor­la­dung und Vor­füh­rung
1Be­schul­dig­te und Zeu­gen wer­den in der Re­gel schrift­lich vor­ge­la­den. Sie sind auf die ge­setz­li­chen Fol­gen des Aus­blei­bens hin­zu­wei­sen.
2Bleibt der ge­hö­rig Vor­ge­la­de­ne oh­ne ge­nü­gen­de Ent­schul­di­gung aus, so kann er po­li­zei­lich vor­ge­führt wer­den. Der Vor­füh­rungs­be­fehl wird vom un­ter­su­chen­den Be­am­ten schrift­lich er­teilt.
3Dem un­ent­schul­digt Aus­ge­blie­be­nen kön­nen die Kos­ten auf­er­legt wer­den, die durch sein Aus­blei­ben ent­stan­den sind.
D. Sach­ver­stän­di­ge
1Setzt die Fest­stel­lung oder Be­ur­tei­lung von Tat­sa­chen be­son­de­re Fach­kennt­nis­se vor­aus, so kön­nen Sach­ver­stän­di­ge bei­ge­zo­gen wer­den.
2Dem Be­schul­dig­ten ist Ge­le­gen­heit zu ge­ben, sich zur Wahl und zu den vor­zu­le­gen­den Fra­gen zu äus­sern.1 Im Üb­ri­gen gel­ten für die Er­nen­nung der Sach­ver­stän­di­gen so­wie für ih­re Rech­te und Pflich­ten die Ar­ti­kel 183-185, 187, 189 so­wie 191 StPO2 und Ar­ti­kel 61 des Bun­des­ge­set­zes vom 4. De­zem­ber 19473 über den Bun­des­zi­vil­pro­zess sinn­ge­mä­ss.4
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 10 des Straf­ge­richts­ge­set­zes vom 4. Okt. 2002, in Kraft seit 1. April 2004 (AS 2003 2133 2131; BBl 2001 4202).
4 Fas­sung zwei­ter Satz ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 11 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
E. Au­gen­schein
1Der un­ter­su­chen­de Be­am­te ord­net einen Au­gen­schein an, wenn dies zur Auf­klä­rung des Sach­ver­hal­tes bei­tra­gen kann. Der Be­schul­dig­te und sein Ver­tei­di­ger ha­ben An­spruch dar­auf, dem Au­gen­schein bei­zu­woh­nen.
2Wer­den Ge­schäfts- und Be­trieb­sein­rich­tun­gen ei­nem Au­gen­schein un­ter­zo­gen, so ist auf die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des In­ha­bers Rück­sicht zu neh­men.
F. Zwangs­mass­nah­men
I. All­ge­mei­ne Be­stim­mun­gen
1Bei ei­ner Be­schlag­nah­me, Durch­su­chung, vor­läu­fi­gen Fest­nah­me oder Ver­haf­tung ist mit der dem Be­trof­fe­nen und sei­nem Ei­gen­tum ge­büh­ren­den Scho­nung zu ver­fah­ren.
2Im Fal­le ei­ner Ord­nungs­wid­rig­keit sind Zwangs­mass­nah­men nicht zu­läs­sig.
II. Be­schlag­nah­me
1. Ge­gen­stand
1Vom un­ter­su­chen­den Be­am­ten sind mit Be­schlag zu be­le­gen:
Ge­gen­stän­de, die als Be­weis­mit­tel von Be­deu­tung sein kön­nen;
Ge­gen­stän­de und an­de­re Ver­mö­gens­wer­te, die vor­aus­sicht­lich der Ein­zie­hung un­ter­lie­gen;
die dem Staa­te ver­fal­len­den Ge­schen­ke und an­de­ren Zu­wen­dun­gen.
2An­de­re Ge­gen­stän­de und Ver­mö­gens­wer­te, die zur Be­ge­hung der Wi­der­hand­lung ge­dient ha­ben oder durch die Wi­der­hand­lung her­vor­ge­bracht wor­den sind, kön­nen be­schlag­nahmt wer­den, wenn es zur Ver­hin­de­rung neu­er Wi­der­hand­lun­gen oder zur Si­che­rung ei­nes ge­setz­li­chen Pfand­rech­tes als er­for­der­lich er­scheint.
3Ge­gen­stän­de und Un­ter­la­gen aus dem Ver­kehr ei­ner Per­son mit ih­rem An­walt dür­fen nicht be­schlag­nahmt wer­den, so­fern die­ser nach dem An­walts­ge­setz vom 23. Ju­ni 20001 zur Ver­tre­tung vor schwei­ze­ri­schen Ge­rich­ten be­rech­tigt ist und im glei­chen Sach­zu­sam­men­hang nicht sel­ber be­schul­digt ist.2
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 7 des BG vom 28. Sept. 2012 über die An­pas­sung von ver­fah­rens-recht­li­chen Be­stim­mun­gen zum an­walt­li­chen Be­rufs­ge­heim­nis, in Kraft seit 1. Mai 2013 (AS 2013 847; BBl 2011 8181).
1Der In­ha­ber ei­nes be­schlag­nahm­ten Ge­gen­stan­des oder Ver­mö­gens­wer­tes ist ver­pflich­tet, ihn dem un­ter­su­chen­den Be­am­ten ge­gen Emp­fangs­be­schei­ni­gung oder ein Dop­pel des Be­schlag­nah­me­pro­to­kolls her­aus­zu­ge­ben.
2Die be­schlag­nahm­ten Ge­gen­stän­de und Ver­mö­gens­wer­te wer­den im Be­schlag­nah­me­pro­to­koll ver­zeich­net und sind zu ver­wah­ren.
3Ge­gen­stän­de, die schnel­ler Wert­ver­min­de­rung aus­ge­setzt sind oder einen kost­spie­li­gen Un­ter­halt er­for­dern, kann die Ver­wal­tung öf­fent­lich ver­stei­gern las­sen und in drin­gen­den Fäl­len frei­hän­dig ver­kau­fen.
III. Durch­su­chung von Woh­nun­gen und Per­so­nen
1. Grün­de, Zu­stän­dig­keit
1Woh­nun­gen und an­de­re Räu­me so­wie un­mit­tel­bar zu ei­nem Hau­se ge­hö­ren­de um­frie­de­te Lie­gen­schaf­ten dür­fen nur durch­sucht wer­den, wenn es wahr­schein­lich ist, dass sich der Be­schul­dig­te dar­in ver­bor­gen hält oder dass sich Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te, die der Be­schlag­nah­me un­ter­lie­gen, oder Spu­ren der Wi­der­hand­lung dar­in be­fin­den.
2Der Be­schul­dig­te darf nö­ti­gen­falls durch­sucht wer­den. Die Durch­su­chung ist von ei­ner Per­son des glei­chen Ge­schlechts oder von ei­nem Arzt vor­zu­neh­men.
3Die Durch­su­chung er­folgt auf­grund ei­nes schrift­li­chen Be­fehls des Di­rek­tors oder Chefs der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung.1
4Ist Ge­fahr im Ver­zu­ge und kann ein Durch­su­chungs­be­fehl nicht recht­zei­tig ein­ge­holt wer­den, so darf der un­ter­su­chen­de Be­am­te von sich aus ei­ne Durch­su­chung an­ord­nen oder vor­neh­men. Die Mass­nah­me ist in den Ak­ten zu be­grün­den.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 21. Nov. 2018, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS2018 4587).
1Vor Be­ginn der Durch­su­chung hat sich der un­ter­su­chen­de Be­am­te aus­zu­wei­sen.
2Der an­we­sen­de In­ha­ber der Räu­me ist über den Grund ih­rer Durch­su­chung zu un­ter­rich­ten und zu die­ser bei­zu­zie­hen; an­stel­le des ab­we­sen­den In­ha­bers ist ein Ver­wand­ter oder Haus­ge­nos­se bei­zu­zie­hen. Im wei­tern ist die von der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Be­hör­de be­zeich­ne­te Amts­per­son oder, falls der un­ter­su­chen­de Be­am­te von sich aus durch­sucht, ein Mit­glied der Ge­mein­de­be­hör­de oder ein Kan­tons-, Be­zirks- oder Ge­mein­de­be­am­ter bei­zu­zie­hen, der dar­über wacht, dass sich die Mass­nah­me nicht von ih­rem Zweck ent­fernt. Ist Ge­fahr im Ver­zu­ge oder stimmt der In­ha­ber der Räu­me zu, so kann der Bei­zug von Amts­per­so­nen, Haus­ge­nos­sen oder Ver­wand­ten un­ter­blei­ben.
3An Sonn- und all­ge­mei­nen Fei­er­ta­gen und zur Nacht­zeit darf im All­ge­mei­nen nur in wich­ti­gen Fäl­len und bei drin­gen­der Ge­fahr ei­ne Durch­su­chung statt­fin­den.
4Das Pro­to­koll über die Durch­su­chung wird im Bei­sein der Be­tei­lig­ten so­fort auf­ge­nom­men; auf Ver­lan­gen ist den Be­tei­lig­ten ein Dop­pel des Durch­su­chungs­be­fehls und des Pro­to­kolls aus­zu­hän­di­gen.
IV. Durch­su­chung von Pa­pie­ren
1Pa­pie­re sind mit grös­ster Scho­nung der Pri­vat­ge­heim­nis­se zu durch­su­chen; ins­be­son­de­re sol­len Pa­pie­re nur dann durch­sucht wer­den, wenn an­zu­neh­men ist, dass sich Schrif­ten dar­un­ter be­fin­den, die für die Un­ter­su­chung von Be­deu­tung sind.
2Bei der Durch­su­chung sind das Amts­ge­heim­nis so­wie Ge­heim­nis­se, die Geist­li­chen, Rechts­an­wäl­ten, No­ta­ren, Ärz­ten, Apo­the­kern, Heb­am­men und ih­ren be­ruf­li­chen Ge­hil­fen in ih­rem Am­te oder Be­ruf an­ver­traut wur­den, zu wah­ren.
3Dem In­ha­ber der Pa­pie­re ist wenn im­mer mög­lich Ge­le­gen­heit zu ge­ben, sich vor der Durch­su­chung über ih­ren In­halt aus­zu­spre­chen. Er­hebt er ge­gen die Durch­su­chung Ein­spra­che, so wer­den die Pa­pie­re ver­sie­gelt und ver­wahrt, und es ent­schei­det die Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts über die Zu­läs­sig­keit der Durch­su­chung (Art. 25 Abs. 1).
V. Vor­läu­fi­ge Fest­nah­me und Vor­füh­rung vor den Rich­ter
1Der un­ter­su­chen­de Be­am­te kann den ei­ner Wi­der­hand­lung drin­gend Ver­däch­ti­gen vor­läu­fig fest­neh­men, wenn ein Haft­grund nach Ar­ti­kel 52 an­ge­nom­men wer­den muss und Ge­fahr im Ver­zu­ge ist.
2Der Fest­ge­nom­me­ne oder der nach Ar­ti­kel 19 Ab­satz 4 Zu­ge­führ­te ist un­ver­züg­lich ein­zu­ver­neh­men; da­bei ist ihm Ge­le­gen­heit zu ge­ben, den be­ste­hen­den Ver­dacht und die Grün­de der Fest­nah­me zu ent­kräf­ten.
3Muss nach wie vor ein Haft­grund an­ge­nom­men wer­den, so ist der Fest­ge­nom­me­ne un­ver­züg­lich der zur Aus­stel­lung von Haft­be­feh­len er­mäch­tig­ten kan­to­na­len Ge­richts­be­hör­de zu­zu­füh­ren. Ist die Fest­nah­me in ab­ge­le­ge­nem oder un­weg­sa­mem Ge­biet er­folgt oder ist die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Ge­richts­be­hör­de nicht so­gleich er­reich­bar, so hat die Zu­füh­rung in­nert 48 Stun­den zu er­fol­gen.
4Die Ge­richts­be­hör­de prüft, ob ein Haft­grund be­ste­he; der un­ter­su­chen­de Be­am­te und der Fest­ge­nom­me­ne sind da­zu an­zu­hö­ren.
5Hier­auf ver­fügt die Ge­richts­be­hör­de die Ver­haf­tung oder die Frei­las­sung, ge­ge­be­nen­falls ge­gen Si­cher­heits­leis­tung. Der Ent­scheid kann mit Be­schwer­de an­ge­foch­ten wer­den (Art. 26).
6Mel­det der un­ter­su­chen­de Be­am­te ge­gen ei­ne Frei­las­sung so­gleich die Be­schwer­de an, so wird die Fest­nah­me vor­läu­fig auf­recht er­hal­ten. Der Di­rek­tor oder Chef der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung hat der Ge­richts­be­hör­de in­nert 24 Stun­den mit­zu­tei­len, ob er die Be­schwer­de auf­recht­er­hal­te. Hält er sie auf­recht, so bleibt die Fest­nah­me bis zum Ent­scheid der Be­schwer­de­kam­mer be­ste­hen; vor­be­hal­ten bleibt die ge­gen­tei­li­ge An­ord­nung der Be­schwer­de­kam­mer oder ih­res Prä­si­den­ten.
VI. Ver­haf­tung
1. Zu­läs­sig­keit
1Ist der Be­schul­dig­te ei­ner Wi­der­hand­lung drin­gend ver­däch­tigt, so darf ge­gen ihn ein Haft­be­fehl er­las­sen wer­den, wenn be­stimm­te Um­stän­de den Ver­dacht be­grün­den, dass:
er sich der Straf­ver­fol­gung oder dem Straf­voll­zug ent­zie­hen wer­de; oder dass
er Spu­ren der Tat ver­wi­schen, Be­weis­ge­gen­stän­de be­sei­ti­gen, Zeu­gen oder Mit­be­schul­dig­te zu falschen Aus­sa­gen ver­lei­ten oder auf ähn­li­che Wei­se den Zweck der Un­ter­su­chung ge­fähr­den wer­de.
2Ein Haft­be­fehl darf nicht er­las­sen wer­den, wenn dies zu der Be­deu­tung der Sa­che in ei­nem Miss­ver­hält­nis ste­hen wür­de.
2. Haft­be­fehl
a. Zu­stän­dig­keit; Form
1Der un­ter­su­chen­de Be­am­te kann einen Haft­be­fehl be­an­tra­gen.
2Zum Er­lass des Haft­be­fehls sind zu­stän­dig:
wenn der Be­schul­dig­te vor­läu­fig fest­ge­nom­men ist: die am Or­te der Fest­nah­me zu­stän­di­ge kan­to­na­le Ge­richts­be­hör­de;
in al­len an­dern Fäl­len: die nach Ar­ti­kel 22 zu­stän­di­ge kan­to­na­le Ge­richts­be­hör­de.
3Der Haft­be­fehl ist schrift­lich zu er­las­sen und hat an­zu­ge­ben: die Per­so­na­li­en des Be­schul­dig­ten und die Tat, de­ren er be­schul­digt wird; die Straf­be­stim­mun­gen; den Haft­grund; das Un­ter­su­chungs­ge­fäng­nis, in das der Ver­haf­te­te ein­zu­lie­fern ist; ei­ne Be­leh­rung über die Rechts­mit­tel, die Par­tei­rech­te, die Frei­las­sung ge­gen Si­cher­heits­leis­tung und über das Recht zur Be­nach­rich­ti­gung der An­ge­hö­ri­gen.
b. Voll­zug; Fahn­dung
1Dem Be­schul­dig­ten ist bei der Ver­haf­tung ein Dop­pel des Haft­be­fehls aus­zu­hän­di­gen.
2Der Ver­haf­te­te ist der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Be­hör­de un­ter gleich­zei­ti­ger Aus­hän­di­gung ei­nes Dop­pels des Haft­be­fehls zu über­ge­ben.
3Kann der Haft­be­fehl nicht voll­zo­gen wer­den, so ist die Fahn­dung an­zu­ord­nen. Der Haft­be­fehl kann öf­fent­lich be­kannt ge­macht wer­den.
c. Ein­ver­nah­me des Ver­haf­te­ten
1Die Be­hör­de, die den Haft­be­fehl er­liess, hat den Be­schul­dig­ten, so­fern die­ser nicht be­reits ein­ver­nom­men wur­de (Art. 51 Abs. 4), spä­tes­tens am ers­ten Werk­tag nach der Ver­haf­tung ein­zu­ver­neh­men, um ab­zu­klä­ren, ob ein Haft­grund wei­ter be­ste­he; der un­ter­su­chen­de Be­am­te ist da­zu an­zu­hö­ren.
2Wird die Haft auf­recht­er­hal­ten, so sind dem Be­schul­dig­ten die Grün­de zu er­öff­nen; wird der Be­schul­dig­te frei­ge­las­sen, so gilt Ar­ti­kel 51 Ab­satz 6 sinn­ge­mä­ss.
3. Mit­tei­lung an die An­ge­hö­ri­gen
Der Ver­haf­te­te hat das Recht, wenn es der Zweck der Un­ter­su­chung nicht ver­bie­tet, sei­nen nächs­ten An­ge­hö­ri­gen die Ver­haf­tung durch den un­ter­su­chen­den Be­am­ten so­gleich mit­tei­len zu las­sen.
4. Dau­er der Haft
1Wird die Haft auf­recht­er­hal­ten, so ist die Un­ter­su­chung mög­lichst zu be­schleu­ni­gen. Die Haft darf in je­dem Fal­le die vor­aus­sicht­li­che Dau­er ei­ner Frei­heits- oder Um­wand­lungs­stra­fe nicht über­stei­gen.
2Ei­ne nach Ar­ti­kel 52 Ab­satz 1 Buch­sta­be b ver­füg­te Un­ter­su­chungs­haft darf nur mit be­son­de­rer Be­wil­li­gung der Be­hör­de, die den Haft­be­fehl aus­stell­te, län­ger als 14 Ta­ge auf­recht er­hal­ten wer­den.
5. Durch­füh­rung der Haft
1Die kan­to­na­le Be­hör­de hat für den rich­ti­gen Voll­zug der Haft zu sor­gen. Der Ver­haf­te­te darf in sei­ner Frei­heit nicht wei­ter be­schränkt wer­den, als es der Zweck der Haft und die Ord­nung im Un­ter­su­chungs­ge­fäng­nis er­for­dern.
2Der münd­li­che oder schrift­li­che Ver­kehr des Ver­haf­te­ten mit sei­nem Ver­tei­di­ger be­darf der Be­wil­li­gung des un­ter­su­chen­den Be­am­ten, der ihn nur be­schrän­ken oder aus­sch­lies­sen kann, wenn es der Zweck der Un­ter­su­chung er­for­dert. Ei­ne Be­schrän­kung oder ein Aus­schluss die­ses Ver­kehrs für mehr als drei Ta­ge be­darf der Zu­stim­mung der Be­hör­de, die den Haft­be­fehl aus­stell­te; die­se Zu­stim­mung darf je­weils höchs­tens für zehn Ta­ge er­teilt wer­den.
3Der Voll­zug der Haft rich­tet sich im Üb­ri­gen nach den Ar­ti­keln 234-236 StPO1.2
2 Ein­ge­fügt durch An­hang 1 Ziff. II 11 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
6. Haft­ent­las­sung
1Der un­ter­su­chen­de Be­am­te hat den Ver­haf­te­ten frei­zu­las­sen, so­bald kein Haft­grund mehr be­steht.
2Der Ver­haf­te­te kann je­der­zeit ein Haft­ent­las­sungs­ge­such ein­rei­chen.
3So­lan­ge die Ak­ten nicht zur ge­richt­li­chen Be­ur­tei­lung über­wie­sen sind, ent­schei­det über das Ge­such die Be­hör­de, die den Haft­be­fehl er­liess. Sie hat den un­ter­su­chen­den Be­am­ten oder die Amts­stel­le, bei der die Sa­che hän­gig ist, zum Ge­such an­zu­hö­ren; die Vor­schrif­ten von Ar­ti­kel 51 Ab­sät­ze 5 und 6 gel­ten sinn­ge­mä­ss.
7. Frei­las­sung ge­gen Si­cher­heits­leis­tung
1Der Be­schul­dig­te, der auf Grund von Ar­ti­kel 52 Ab­satz 1 Buch­sta­bea zu ver­haf­ten wä­re oder ver­haf­tet ist, kann auf sein Ver­lan­gen ge­gen Si­cher­heits­leis­tung in Frei­heit ge­las­sen wer­den.
2Für die Frei­las­sung ge­gen Si­cher­heits­leis­tung gel­ten die Ar­ti­kel 238-240 StPO1 sinn­ge­mä­ss.2 Die Si­cher­heit ist je­doch beim Eid­ge­nös­si­schen Fi­nanz­de­par­te­ment3 zu leis­ten; sie ver­fällt auch, wenn sich der Be­schul­dig­te der Voll­stre­ckung der aus­ge­spro­che­nen Bus­se ent­zieht, wo­bei der Über­schuss bei Ver­wen­dung der ver­fal­le­nen Si­cher­heit dem Bun­de zu­fällt.
3 Be­zeich­nung ge­mä­ss nicht ver­öf­fent­lich­tem BRB vom 19. Dez. 1997.
G. Schluss­pro­to­koll
1Er­ach­tet der un­ter­su­chen­de Be­am­te die Un­ter­su­chung als voll­stän­dig und liegt nach sei­ner An­sicht ei­ne Wi­der­hand­lung vor, so nimmt er ein Schluss­pro­to­koll auf; die­ses ent­hält die Per­so­na­li­en des Be­schul­dig­ten und um­schreibt den Tat­be­stand der Wi­der­hand­lung.
2Der un­ter­su­chen­de Be­am­te er­öff­net das Schluss­pro­to­koll dem Be­schul­dig­ten und gibt ihm Ge­le­gen­heit, sich so­gleich da­zu aus­zu­spre­chen, die Ak­ten ein­zu­se­hen und ei­ne Er­gän­zung der Un­ter­su­chung zu be­an­tra­gen.
3Ist der Be­schul­dig­te bei Auf­nah­me des Schluss­pro­to­kolls nicht zu­ge­gen oder stellt der an­we­sen­de Be­schul­dig­te ein ent­spre­chen­des Be­geh­ren oder las­sen es die Um­stän­de, ins­be­son­de­re die Schwe­re des Fal­les, sonst als ge­bo­ten er­schei­nen, so sind das Schluss­pro­to­koll und die nach Ab­satz 2 er­for­der­li­chen Mit­tei­lun­gen schrift­lich zu er­öff­nen un­ter Be­kannt­ga­be des Or­tes, wo die Ak­ten ein­ge­se­hen wer­den kön­nen. Die Frist, sich zu äus­sern und An­trä­ge zu stel­len, en­digt in die­sem Fal­le zehn Ta­ge nach Zu­stel­lung des Schluss­pro­to­kolls; sie kann er­streckt wer­den, wenn zu­rei­chen­de Grün­de vor­lie­gen und das Er­stre­ckungs­ge­such in­nert der Frist ge­stellt wird.
4Ge­gen die Er­öff­nung des Schluss­pro­to­kolls und sei­nen In­halt ist kei­ne Be­schwer­de zu­läs­sig. Die Ab­leh­nung ei­nes An­tra­ges auf Er­gän­zung der Un­ter­su­chung kann nur in Ver­bin­dung mit dem Straf­be­scheid an­ge­foch­ten wer­den.
5Ei­nem Be­schul­dig­ten, der, oh­ne in der Schweiz einen Ver­tre­ter oder ein Zu­stel­lungs­do­mi­zil zu ha­ben, un­be­kann­ten Auf­ent­hal­tes ist oder im Aus­land Wohn­sitz oder Auf­ent­halt hat, müs­sen das Schluss­pro­to­koll und die nach Ab­satz 2 ge­bo­te­nen Mit­tei­lun­gen nicht er­öff­net wer­den.
Dritter Unterabschnitt: Entscheid der Verwaltung
A. Art des Ent­scheids
I. Im Straf­ver­fah­ren
1Die Ver­wal­tung er­lässt einen Straf­be­scheid oder stellt das Ver­fah­ren ein; vor­be­hal­ten bleibt die Über­wei­sung zur ge­richt­li­chen Be­ur­tei­lung (Art. 21 Abs. 1 und 3).
2Die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens ist al­len Per­so­nen mit­zu­tei­len, die als Be­schul­dig­te am bis­he­ri­gen Ver­fah­ren teil­ge­nom­men ha­ben. Ei­ne münd­lich mit­ge­teil­te Ein­stel­lung ist auf Ver­lan­gen schrift­lich zu be­stä­ti­gen.
II. Über die Leis­tungs- oder Rück­leis­tungs­pflicht
1Die nach­zuen­t­rich­ten­den oder zu­rück­zu­er­stat­ten­den Ab­ga­ben, Ver­gü­tun­gen, Bei­trä­ge, For­de­rungs­be­trä­ge und Zin­sen wer­den ge­mä­ss den Zu­stän­dig­keits- und Ver­fah­rens­vor­schrif­ten des be­tref­fen­den Ver­wal­tungs­ge­set­zes gel­tend ge­macht.
2Ist die Ver­wal­tung be­fugt, über die Leis­tungs- und Rück­leis­tungs­pflicht zu ent­schei­den, so kann sie ih­ren Ent­scheid mit dem Straf­be­scheid ver­bin­den; der Ent­scheid un­ter­liegt aber in je­dem Fal­le der Über­prü­fung nur in dem Ver­fah­ren, wel­ches das be­tref­fen­de Ver­wal­tungs­ge­setz für sei­ne An­fech­tung vor­sieht, und hat die ent­spre­chen­de Rechts­mit­tel­be­leh­rung zu ent­hal­ten.
3Fusst ein Straf­be­scheid auf ei­nem Ent­scheid über die Leis­tungs- oder Rück­leis­tungs­pflicht und wird le­dig­lich die­ser nach Ab­satz 2 an­ge­foch­ten und in der Fol­ge ge­än­dert oder auf­ge­ho­ben, so ent­schei­det die Ver­wal­tung neu ge­mä­ss Ar­ti­kel 62.
B. Straf­be­scheid
I. Im or­dent­li­chen Ver­fah­ren
1Der Straf­be­scheid ist schrift­lich zu er­las­sen und stellt fest:
den Be­schul­dig­ten;
die Tat;
die ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen, die an­ge­wen­det wer­den;
die Stra­fe, die Mit­haf­tung nach Ar­ti­kel 12 Ab­satz 3 und die be­son­de­ren Mass­nah­men;
die Kos­ten;
die Ver­fü­gung über be­schlag­nahm­te Ge­gen­stän­de;
das Rechts­mit­tel.
2Weicht der Straf­be­scheid zum Nach­teil des Be­schul­dig­ten we­sent­lich vom Schluss­pro­to­koll ab, so sind die­se Ab­wei­chun­gen an­zu­ge­ben und kurz zu be­grün­den.
3Der Straf­be­scheid ist dem Be­schul­dig­ten durch ein­ge­schrie­be­nen Brief zu er­öff­nen oder ge­gen Emp­fangs­be­schei­ni­gung aus­zu­hän­di­gen; er kann durch Pu­bli­ka­ti­on im Bun­des­blatt er­öff­net wer­den, wenn der Be­schul­dig­te, oh­ne in der Schweiz einen Ver­tre­ter oder ein Zu­stel­lungs­do­mi­zil zu ha­ben, un­be­kann­ten Auf­ent­hal­tes ist. Ar­ti­kel 34 Ab­satz 2 ist an­wend­bar.
II. Im ab­ge­kürz­ten Ver­fah­ren
1Ist die Wi­der­hand­lung of­fen­kun­dig, be­trägt die Bus­se nicht mehr als 2000 Fran­ken und ver­zich­tet der Be­schul­dig­te nach Be­kannt­ga­be der Hö­he der Bus­se und der Leis­tungs- oder Rück­leis­tungs­pflicht aus­drück­lich auf je­des Rechts­mit­tel, so kann der Straf­be­scheid oh­ne vor­he­ri­ge Auf­nah­me ei­nes Schluss­pro­to­kolls er­las­sen wer­den.1
2Der vom Be­schul­dig­ten und dem un­ter­su­chen­den Be­am­ten un­ter­zeich­ne­te Straf­be­scheid im ab­ge­kürz­ten Ver­fah­ren steht ei­nem rechts­kräf­ti­gen Ur­teil gleich; ver­wei­gert der Be­schul­dig­te die Un­ter­zeich­nung, so fällt der ge­mä­ss Ab­satz 1 er­las­se­ne Straf­be­scheid da­hin.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 des Zoll­ge­set­zes vom 18. März 2005, in Kraft seit 1. Mai 2007 (AS 2007 1411; BBl 2004 567).
III. Selb­stän­di­ge Ein­zie­hung
1Führt das Straf­ver­fah­ren nicht zu ei­nem Straf­be­scheid oder zur Über­wei­sung des Be­schul­dig­ten an das Straf­ge­richt, sind aber nach Ge­setz Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te ein­zu­zie­hen, Ge­schen­ke oder an­de­re Zu­wen­dun­gen ver­fal­len zu er­klä­ren oder ist an Stel­le ei­ner sol­chen Mass­nah­me auf ei­ne Er­satz­for­de­rung zu er­ken­nen, so wird ein selb­stän­di­ger Ein­zie­hungs­be­scheid er­las­sen.
2Ein sol­cher Be­scheid wird auch dann er­las­sen, wenn die Mass­nah­me an­de­re Per­so­nen als den Be­schul­dig­ten be­schwert.
3Ar­ti­kel 64 gilt sinn­ge­mä­ss. Der Ein­zie­hungs­be­scheid ist den un­mit­tel­bar Be­trof­fe­nen zu er­öff­nen.
C. Ein­spra­che
I. Ein­rei­chung
1Ge­gen den Straf- oder Ein­zie­hungs­be­scheid kann der Be­trof­fe­ne in­nert 30 Ta­gen seit der Er­öff­nung Ein­spra­che er­he­ben.
2Wird in­nert der ge­setz­li­chen Frist nicht Ein­spra­che er­ho­ben, so steht der Straf- oder Ein­zie­hungs­be­scheid ei­nem rechts­kräf­ti­gen Ur­teil gleich.
II. Ein­rei­che­stel­le und Form
1Die Ein­spra­che ist schrift­lich bei der Ver­wal­tung ein­zu­rei­chen, die den an­ge­foch­te­nen Be­scheid er­las­sen hat.
2Die Ein­spra­che hat einen be­stimm­ten An­trag zu ent­hal­ten und die zur Be­grün­dung die­nen­den Tat­sa­chen an­zu­ge­ben; die Be­weis­mit­tel sol­len be­zeich­net und, so­weit mög­lich, bei­ge­legt wer­den.
3Ge­nügt die Ein­spra­che den in Ab­satz 2 um­schrie­be­nen An­for­de­run­gen nicht, oder las­sen die Be­geh­ren des Ein­spre­chers oder de­ren Be­grün­dung die nö­ti­ge Klar­heit ver­mis­sen und stellt sich die Ein­spra­che nicht als of­fen­sicht­lich un­zu­läs­sig her­aus, so wird dem Ein­spre­cher ei­ne kur­ze Nach­frist zur Ver­bes­se­rung ein­ge­räumt.
4Die Ver­wal­tung ver­bin­det die­se Nach­frist mit der An­dro­hung, nach un­be­nutz­tem Fri­sta­blauf auf Grund der Ak­ten zu ent­schei­den oder, wenn Be­geh­ren, Be­grün­dung oder Un­ter­schrift feh­len, auf die Ein­spra­che nicht ein­zu­tre­ten.
III. Ver­fah­ren
1Ist Ein­spra­che er­ho­ben, so hat die Ver­wal­tung den an­ge­foch­te­nen Be­scheid mit Wir­kung für al­le durch ihn Be­trof­fe­nen zu über­prü­fen; sie kann ei­ne münd­li­che Ver­hand­lung an­ord­nen und die Un­ter­su­chung er­gän­zen.
2Fusst der an­ge­foch­te­ne Be­scheid auf ei­nem Ent­scheid über die Leis­tungs- oder Rück­leis­tungs­pflicht und ist die­ser an­ge­foch­ten wor­den, so wird, bis dar­über rechts­kräf­tig ent­schie­den ist, das Ein­spra­che­ver­fah­ren aus­ge­setzt.
IV. Straf­ver­fü­gung
1Auf Grund der Er­geb­nis­se ih­rer neu­en Prü­fung trifft die Ver­wal­tung ei­ne Ein­stel­lungs-, Straf- oder Ein­zie­hungs­ver­fü­gung. Sie ist da­bei nicht an die ge­stell­ten An­trä­ge ge­bun­den, darf je­doch die Stra­fe ge­gen­über dem Straf­be­scheid nur dann ver­schär­fen, wenn im Ver­fah­ren nach Ar­ti­kel 63 Ab­satz 2 auf ei­ne hö­he­re Leis­tungs- oder Rück­leis­tungs­pflicht er­kannt wor­den ist. In die­sem Fall ist ein Rück­zug der Ein­spra­che un­be­acht­lich.
2Die Ver­fü­gung ist zu be­grün­den; im Üb­ri­gen gel­ten die Vor­schrif­ten von Ar­ti­kel 64 über In­halt und Er­öff­nung des Straf­be­schei­des sinn­ge­mä­ss.
V. Über­sprin­gen des Ein­spra­che­ver­fah­rens
Auf An­trag oder mit Zu­stim­mung des Ein­spre­chers kann die Ver­wal­tung ei­ne Ein­spra­che als Be­geh­ren um Be­ur­tei­lung durch das Straf­ge­richt be­han­deln.
D. Be­geh­ren um ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung
1Der von der Straf- oder Ein­zie­hungs­ver­fü­gung Be­trof­fe­ne kann in­nert zehn Ta­gen seit der Er­öff­nung die Be­ur­tei­lung durch das Straf­ge­richt ver­lan­gen.
2Das Be­geh­ren um ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung ist schrift­lich bei der Ver­wal­tung ein­zu­rei­chen, wel­che die Straf- oder Ein­zie­hungs­ver­fü­gung ge­trof­fen hat.
3Wird in­nert der ge­setz­li­chen Frist die Be­ur­tei­lung durch das Straf­ge­richt nicht ver­langt, so steht die Straf- oder Ein­zie­hungs­ver­fü­gung ei­nem rechts­kräf­ti­gen Ur­teil gleich.
Dritter Abschnitt: Gerichtliches Verfahren
A. Ver­fah­ren vor den kan­to­na­len Ge­rich­ten
1Ist die ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung ver­langt wor­den oder hält das über­ge­ord­ne­te De­par­te­ment die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Frei­heits­s­tra­fe, ei­ner frei­heits­ent­zie­hen­den Mass­nah­me oder ei­ner Lan­des­ver­wei­sung nach Ar­ti­kel 66a oder 66abis des Straf­ge­setz­buchs1 für ge­ge­ben, so über­weist die be­tei­lig­te Ver­wal­tung die Ak­ten der kan­to­na­len Staats­an­walt­schaft zu­han­den des zu­stän­di­gen Straf­ge­richts.2 So­lan­ge über die Leis­tungs- oder Rück­leis­tungs­pflicht, die dem Straf­ver­fah­ren zu­grun­de liegt, nicht rechts­kräf­tig ent­schie­den oder sie nicht durch vor­be­halt­lo­se Zah­lung an­er­kannt ist, un­ter­bleibt die Über­wei­sung.
2Die Über­wei­sung gilt als An­kla­ge. Sie hat den Sach­ver­halt und die an­wend­ba­ren Straf­be­stim­mun­gen zu ent­hal­ten oder auf die Straf­ver­fü­gung zu ver­wei­sen.
3Ei­ne Un­ter­su­chung ge­mä­ss StPO3 fin­det nicht statt; vor­be­hal­ten bleibt die Er­gän­zung der Ak­ten ge­mä­ss Ar­ti­kel 75 Ab­satz 2.4
1Par­tei­en im ge­richt­li­chen Ver­fah­ren sind der Be­schul­dig­te, die Staats­an­walt­schaft des be­tref­fen­den Kan­tons oder des Bun­des und die be­tei­lig­te Ver­wal­tung.1
2Dem von der Ein­zie­hung Be­trof­fe­nen ste­hen die glei­chen Par­tei­rech­te und Rechts­mit­tel zu wie ei­nem Be­schul­dig­ten.
III. Vor­be­rei­tung der Haupt­ver­hand­lung
1Das Ge­richt gibt den Par­tei­en vom Ein­gang der Ak­ten Kennt­nis. Es prüft, ob ein recht­zei­tig ein­ge­reich­tes Be­geh­ren um ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung vor­liegt.
2Das Ge­richt kann von sich aus oder auf An­trag ei­ner Par­tei die Ak­ten vor der Haupt­ver­hand­lung er­gän­zen oder er­gän­zen las­sen.
3Die Par­tei­en sind recht­zei­tig von der Haupt­ver­hand­lung zu be­nach­rich­ti­gen.
4Die Ver­tre­ter der Staats­an­walt­schaft des Bun­des und der Ver­wal­tung müs­sen nicht per­sön­lich er­schei­nen.1
5Der Be­schul­dig­te kann auf sein Er­su­chen vom Er­schei­nen be­freit wer­den.
IV. Säum­nis­ur­teil
1Die Haupt­ver­hand­lung kann auch statt­fin­den, wenn der Be­schul­dig­te trotz ord­nungs­ge­mäs­ser Vor­la­dung oh­ne ge­nü­gen­de Ent­schul­di­gung nicht er­schie­nen ist. Ein Ver­tei­di­ger ist zu­zu­las­sen.
2Der in Ab­we­sen­heit Ver­ur­teil­te kann in­nert zehn Ta­gen, seit­dem ihm das Ur­teil zur Kennt­nis ge­langt ist, die Wie­der­ein­set­zung an­be­geh­ren, wenn er durch ein un­ver­schul­de­tes Hin­der­nis ab­ge­hal­ten wor­den ist, zur Haupt­ver­hand­lung zu er­schei­nen. Wird das Ge­such be­wil­ligt, so fin­det ei­ne neue Haupt­ver­hand­lung statt.
3Das Ge­such um Wie­der­ein­set­zung hemmt den Voll­zug des Ur­teils nur, wenn das Ge­richt oder sein Prä­si­dent es ver­fügt.
4Für den von der Ein­zie­hung Be­trof­fe­nen gel­ten die­se Vor­schrif­ten sinn­ge­mä­ss.
V. Haupt­ver­hand­lung
1Die Ak­ten der Ver­wal­tung über die von ihr er­ho­be­nen Be­wei­se die­nen auch dem Ge­richt als Be­weis­mit­tel; die­ses kann von sich aus oder auf An­trag ei­ner Par­tei wei­te­re zur Auf­klä­rung des Sach­ver­halts er­for­der­li­che Be­wei­se auf­neh­men oder Be­weis­auf­nah­men der Ver­wal­tung wie­der­ho­len.
2Wo es zur Wah­rung we­sent­li­cher öf­fent­li­cher oder pri­va­ter In­ter­es­sen, ins­be­son­de­re von Amts-, Be­rufs- oder Ge­schäfts­ge­heim­nis­sen ei­ner Par­tei oder ei­nes Drit­ten nö­tig ist, hat das Ge­richt die Öf­fent­lich­keit der Ver­hand­lun­gen und Be­ra­tun­gen ganz oder teil­wei­se aus­zu­sch­lies­sen.
3Das Ge­richt wür­digt die Be­wei­se frei.
4Der rechts­kräf­ti­ge Ent­scheid über die Leis­tungs- oder Rück­leis­tungs­pflicht ist für das Ge­richt ver­bind­lich; han­delt es sich um einen Ent­scheid der Ver­wal­tung und fin­det das Ge­richt, er be­ru­he auf of­fen­sicht­li­cher Ge­set­zes­ver­let­zung oder auf ei­nem Er­mes­sens­miss­brauch, so setzt es die Haupt­ver­hand­lung aus und weist die Ak­ten zum neu­en Ent­scheid an die be­tei­lig­te Ver­wal­tung zu­rück. Ar­ti­kel 63 Ab­satz 3 gilt sinn­ge­mä­ss.
VI. Rück­zug der Straf­ver­fü­gung oder des Be­geh­rens um ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung
1Die Ver­wal­tung kann die Straf- oder Ein­zie­hungs­ver­fü­gung mit Zu­stim­mung der Staats­an­walt­schaft des Bun­des zu­rück­zie­hen, so­lan­ge das Ur­teil ers­ter In­stanz nicht er­öff­net ist.1
2Bis zu die­sem Zeit­punk­te kann auch der Be­schul­dig­te das Be­geh­ren um ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung zu­rück­zie­hen.
3In die­sen Fäl­len wird das ge­richt­li­che Ver­fah­ren ein­ge­stellt.
4Die Kos­ten des ge­richt­li­chen Ver­fah­rens trägt die Par­tei, die den Rück­zug er­klärt.
VII. In­halt des Ur­teils
1Das Ur­teil stellt fest:
die Kos­ten des ge­richt­li­chen und des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens;
den Ent­schä­di­gungs­an­spruch (Art. 99 und 101);
die Ver­fü­gung über be­schlag­nahm­te Ge­gen­stän­de.
2Das Ur­teil ist mit den we­sent­li­chen Ent­schei­dungs­grün­den den Par­tei­en schrift­lich zu er­öff­nen, un­ter An­ga­be der Fris­ten für die Rechts­mit­tel und der Be­hör­den, an die es wei­ter­ge­zo­gen wer­den kann.
VIII. Rechts-mit­tel
1Ge­gen Ent­schei­de der kan­to­na­len Ge­rich­te kön­nen die Rechts­mit­tel der StPO2 er­grif­fen wer­den.
2Auch die Staats­an­walt­schaft des Bun­des und die be­tei­lig­te Ver­wal­tung kön­nen die­se Rechts­mit­tel je selbst­stän­dig er­grei­fen.
B. Ver­fah­ren vor dem Bun­dess­traf­ge­richt
Die Be­stim­mun­gen über das ge­richt­li­che Ver­fah­ren gel­ten sinn­ge­mä­ss auch für das Ver­fah­ren vor dem Bun­dess­traf­ge­richt.
C. Er­gän­zen­de Vor­schrif­ten
So­weit die Ar­ti­kel 73-81 nichts an­de­res be­stim­men, gel­ten für das Ver­fah­ren vor den kan­to­na­len Ge­rich­ten und das Ver­fah­ren vor dem Bun­dess­traf­ge­richt die ent­spre­chen­den Vor­schrif­ten der StPO2.
1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 11 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
A. Ent­schei­de der Ver­wal­tung
I. Re­vi­si­ons­grün­de
1Ein durch Straf­be­scheid, Straf­ver­fü­gung oder Ein­stel­lungs­ver­fü­gung der Ver­wal­tung rechts­kräf­tig ab­ge­schlos­se­nes Straf­ver­fah­ren kann auf An­trag oder von Am­tes we­gen wie­der auf­ge­nom­men wer­den:
auf Grund er­heb­li­cher Tat­sa­chen oder Be­weis­mit­tel, die der Ver­wal­tung zur Zeit des frü­he­ren Ver­fah­rens nicht be­kannt wa­ren;
wenn nach­träg­lich ge­gen einen Teil­neh­mer ein Stra­f­ur­teil aus­ge­fällt wur­de, das mit dem Straf­be­scheid oder der Straf­ver­fü­gung in un­ver­ein­ba­rem Wi­der­spruch steht;
wenn durch ei­ne straf­ba­re Hand­lung auf den Ent­scheid der Ver­wal­tung ein­ge­wirkt wor­den ist.
2Die Re­vi­si­on zu­guns­ten des Be­schul­dig­ten ist je­der­zeit zu­läs­sig. Ei­ner neu­en Ver­ur­tei­lung steht die nach der Rechts­kraft des be­an­stan­de­ten Ent­scheids ein­ge­tre­te­ne Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung nicht ent­ge­gen.
3Die Re­vi­si­on zu Un­guns­ten des Be­schul­dig­ten ist nur zu­läs­sig auf Grund von Ab­satz 1 Buch­sta­ben a und c und so­lan­ge die Ver­fol­gung der Wi­der­hand­lung nicht ver­jährt ist. Die Ver­jäh­rung be­ginnt mit der Wi­der­hand­lung zu lau­fen; der frü­he­re Ent­scheid ist kein Un­ter­bre­chungs­grund.
4Für den Ein­zie­hungs­be­scheid und die Ein­zie­hungs­ver­fü­gung gel­ten die Vor­schrif­ten der Ar­ti­kel 84-88 sinn­ge­mä­ss.
II. Ein­lei­tung des Ver­fah­rens
1. Auf An­trag
1Die Re­vi­si­on kön­nen nach­su­chen der Be­schul­dig­te und, wenn er ver­stor­ben ist, sein Ehe­gat­te, sei­ne ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder sein ein­ge­tra­ge­ner Part­ner, sei­ne Ver­wand­ten in ge­ra­der Li­nie und sei­ne Ge­schwis­ter.1
2Das Re­vi­si­ons­ge­such ist schrift­lich und un­ter An­ga­be der Grün­de und Be­weis­mit­tel bei der Ver­wal­tung ein­zu­rei­chen, die den be­an­stan­de­ten Ent­scheid ge­trof­fen hat.
3Das Ge­such hemmt den Voll­zug des be­an­stan­de­ten Ent­schei­des nur, wenn die Ver­wal­tung es ver­fügt; sie kann den Voll­zug ge­gen Si­cher­heits­leis­tung auf­schie­ben oder an­de­re vor­sorg­li­che Ver­fü­gun­gen tref­fen.
4Die Ver­wal­tung kann die Un­ter­su­chung er­gän­zen und ei­ne münd­li­che Ver­hand­lung an­ord­nen.
2. Von Am­tes we­gen
Lei­tet die Ver­wal­tung die Re­vi­si­on von Am­tes we­gen ein, so kann sie die Un­ter­su­chung wie­der er­öff­nen; den Be­trof­fe­nen ist Ge­le­gen­heit zu ge­ben, sich zum Re­vi­si­ons­grund und zu der in Aus­sicht ge­nom­me­nen Än­de­rung des Ent­schei­des zu äus­sern.
1. Auf­he­bung des frü­he­ren Ent­schei­des
1Liegt ein Re­vi­si­ons­grund vor, so hebt die Ver­wal­tung den frü­he­ren Ent­scheid auf und trifft ei­ne Ein­stel­lungs-, Straf- oder Ein­zie­hungs­ver­fü­gung; sie ent­schei­det gleich­zei­tig über die Rück­leis­tung von Bus­sen, Kos­ten und ein­ge­zo­ge­nen Ver­mö­gens­wer­ten. Vor­be­hal­ten bleibt die Über­wei­sung zur ge­richt­li­chen Be­ur­tei­lung (Art. 21 Abs. 1 und 3).
2Die Ver­fü­gung ist zu be­grün­den; im Üb­ri­gen gilt Ar­ti­kel 64 über In­halt und Er­öff­nung des Straf­be­schei­des sinn­ge­mä­ss.
3Ge­gen die Straf- oder Ein­zie­hungs­ver­fü­gung kann ge­mä­ss Ar­ti­kel 72 die ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung ver­langt wer­den.
4Der rich­ter­li­chen Über­prü­fung un­ter­liegt auch das Vor­lie­gen ei­nes Re­vi­si­ons­grun­des im Sin­ne von Ar­ti­kel 84.
2. Ver­nei­nung des Re­vi­si­ons­grun­des
1Liegt kein Re­vi­si­ons­grund vor, so trifft die Ver­wal­tung einen ent­spre­chen­den Ent­scheid.
2Bei Ab­wei­sung ei­nes Re­vi­si­ons­ge­su­ches kön­nen die Ver­fah­rens­kos­ten dem Ge­such­stel­ler auf­er­legt wer­den.
3Der Ent­scheid ist zu be­grün­den und den am Re­vi­si­ons­ver­fah­ren Be­tei­lig­ten durch ein­ge­schrie­be­nen Brief zu er­öff­nen.
4Der Ge­such­stel­ler kann ge­gen den ab­wei­sen­den Ent­scheid in­nert 30 Ta­gen seit der Er­öff­nung bei der Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts Be­schwer­de füh­ren (Art. 25 Abs. 1); die Ver­fah­rens­vor­schrif­ten von Ar­ti­kel 28 Ab­sät­ze 2-5 gel­ten sinn­ge­mä­ss.
B. Ur­tei­le der Straf­ge­rich­te
Für die Re­vi­si­on rechts­kräf­ti­ger Ur­tei­le kan­to­na­ler Ge­rich­te oder des Bun­dess­traf­ge­richts gel­ten die Ar­ti­kel 379-392 so­wie die Ar­ti­kel 410-415 StPO2.
Fünfter Abschnitt: Vollzug
1Die Be­schei­de und Ver­fü­gun­gen der Ver­wal­tung und die Ur­tei­le der Straf­ge­rich­te, so­weit die­se nicht auf Frei­heits­s­tra­fen oder frei­heits­ent­zie­hen­de Mass­nah­men lau­ten, wer­den von der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung voll­streckt.
2Die Kan­to­ne voll­zie­hen die Frei­heits­s­tra­fen und die frei­heits­ent­zie­hen­den Mass­nah­men. Der Bund hat die Ober­auf­sicht über den Voll­zug.
B. Voll­stre­ckung von Bus­sen
1So­weit die Bus­se nicht ein­ge­bracht wer­den kann, wird sie auf An­trag der Ver­wal­tung nach Ar­ti­kel 10 in Haft oder Ein­sch­lies­sung um­ge­wan­delt.
2Zu­stän­dig zur Um­wand­lung ist der Rich­ter, der die Wi­der­hand­lung be­ur­teilt hat oder zur Be­ur­tei­lung zu­stän­dig ge­we­sen wä­re (Art. 22 und 23 Abs. 2).
C. Rück­ga­be be­schlag­nahm­ter Ge­gen­stän­de; Ver­wer­tung
1Mit Be­schlag be­leg­te Ge­gen­stän­de und Ver­mö­gens­wer­te, die we­der ein­ge­zo­gen noch dem Staa­te ver­fal­len sind und an de­nen nicht ein ge­setz­li­ches Pfand­recht be­steht, sind dem Be­rech­tig­ten zu­rück­zu­ge­ben. Wenn die­ser nicht be­kannt ist und der Wert der Ge­gen­stän­de es recht­fer­tigt, er­folgt ei­ne öf­fent­li­che Aus­schrei­bung.
2Mel­det sich in­nert 30 Ta­gen kein Be­rech­tig­ter, so kann die Ver­wal­tung die Ge­gen­stän­de öf­fent­lich ver­stei­gern las­sen. Mel­det sich der Be­rech­tig­te nach der Ver­wer­tung, so wird ihm der Ver­wer­tungs­er­lös un­ter Ab­zug der Ver­wer­tungs­kos­ten aus­ge­hän­digt.
3Der An­spruch auf Rück­ga­be der Ge­gen­stän­de oder Aus­hän­di­gung des Er­lö­ses er­lischt fünf Jah­re nach der öf­fent­li­chen Aus­schrei­bung.
4Ist strei­tig, wel­chem von meh­re­ren An­spre­chern die Sa­che zu­rück­zu­ge­ben oder der Er­lös aus­zu­hän­di­gen sei, so kann sich die Ver­wal­tung durch ge­richt­li­che Hin­ter­le­gung be­frei­en.
D. Ver­wen­dung der Bus­sen, ein­ge­zo­ge­nen Ver­mö­gens­wer­te usw.
1Wenn die Ge­setz­ge­bung nichts an­de­res be­stimmt, fal­len Bus­sen, ein­ge­zo­ge­ne Ge­gen­stän­de, Ver­mö­gens­wer­te, Ge­schen­ke und an­de­re Zu­wen­dun­gen, als Mass­nah­me auf­er­leg­te Geld­zah­lun­gen so­wie der Er­lös aus den ein­ge­zo­ge­nen oder nach Ar­ti­kel 92 ver­wer­te­ten Ge­gen­stän­den dem Bun­de zu.
2Lehnt die be­tei­lig­te Ver­wal­tung einen nach Ar­ti­kel 59 Zif­fer 1 Ab­satz 2 des Straf­ge­setz­bu­ches1 be­an­spruch­ten An­teil am Ver­wer­tungs­er­lös ei­nes ein­ge­zo­ge­nen Ge­gen­stan­des oder Ver­mö­gens­wer­tes ab, so er­lässt sie ei­ne Ver­fü­gung nach dem Bun­des­ge­setz vom 20. De­zem­ber 19682 über das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren.3
1 SR 311.0. Heu­te: nach Art. 70 Abs. 1.
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 10 des Straf­ge­richts­ge­set­zes vom 4. Okt. 2002, in Kraft seit 1. April 2004 (AS 2003 2133 2131; BBl 2001 4202).
Sechster Abschnitt: Kosten, Entschädigung und Rückgriff
A. Kos­ten
I. Im Ver­fah­ren der Ver­wal­tung
1. Ar­ten
1Die Kos­ten des Ver­fah­rens der Ver­wal­tung be­ste­hen in den Ba­raus­la­gen, mit Ein­schluss der Kos­ten der Un­ter­su­chungs­haft und der amt­li­chen Ver­tei­di­gung, in ei­ner Spruch­ge­bühr und in den Schreib­ge­büh­ren.
2Die Hö­he der Spruch- und der Schreib­ge­bühr be­stimmt sich nach ei­nem vom Bun­des­rat auf­zu­stel­len­den Ta­rif.
2. Auf­er­le­gung
1Im Ent­scheid der Ver­wal­tung wer­den die Kos­ten in der Re­gel dem Ver­ur­teil­ten auf­er­legt; aus Grün­den der Bil­lig­keit kann er von ih­nen ganz oder teil­wei­se be­freit wer­den.
2Wird das Ver­fah­ren ein­ge­stellt, so kön­nen dem Be­schul­dig­ten Kos­ten ganz oder teil­wei­se auf­er­legt wer­den, wenn er die Un­ter­su­chung schuld­haft ver­ur­sacht oder das Ver­fah­ren mut­wil­lig we­sent­lich er­schwert oder ver­län­gert hat.
3Meh­re­re Be­schul­dig­te haf­ten so­li­da­risch für die Kos­ten, wenn der Straf­be­scheid oder die Straf­ver­fü­gung nichts an­de­res be­stimmt.
3. Be­schwer­de ge­gen Kos­te­ner­kennt­nis
1Der mit Kos­ten be­schwer­te Be­schul­dig­te kann, wenn das Ver­fah­ren ein­ge­stellt wur­de oder wenn er die ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung nicht ver­langt, ge­gen das Kos­te­ner­kennt­nis in­nert 30 Ta­gen seit Er­öff­nung des Ent­schei­des bei der Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts Be­schwer­de füh­ren (Art. 25 Abs. 1); die Ver­fah­rens­vor­schrif­ten von Ar­ti­kel 28 Ab­sät­ze 2-5 gel­ten sinn­ge­mä­ss.
2Wird in­nert der ge­setz­li­chen Frist kei­ne Be­schwer­de ein­ge­reicht oder ei­ne Be­schwer­de ab­ge­wie­sen, so steht das Kos­te­ner­kennt­nis ei­nem ge­richt­li­chen Ur­teil gleich.
II. Im ge­richt­li­chen Ver­fah­ren
1Die Kos­ten des ge­richt­li­chen Ver­fah­rens und de­ren Ver­le­gung be­stim­men sich, vor­be­hält­lich Ar­ti­kel 78 Ab­satz 4, nach den Ar­ti­keln 417-428 StPO1.2
2Im Ur­teil kön­nen die Kos­ten des Ver­fah­rens der Ver­wal­tung gleich wie die Kos­ten des ge­richt­li­chen Ver­fah­rens ver­legt wer­den.
III. Kos­ten­ver­gü­tung an den Kan­ton
1Der Kan­ton kann vom Bund die Er­stat­tung der Pro­zess- und Voll­zugs­kos­ten for­dern, zu de­nen der Be­schul­dig­te nicht ver­ur­teilt wor­den ist oder die der Ver­ur­teil­te nicht be­zah­len kann. Be­sol­dun­gen und Tag­gel­der von Be­am­ten so­wie Ge­büh­ren und Stem­pel sind aus­ge­nom­men.
1bisSind durch die Über­tra­gung von Ver­fah­ren nach Ar­ti­kel 20 Ab­satz 3 aus­ser­or­dent­li­che Kos­ten ent­stan­den, so kann der Bund sie den Kan­to­nen auf Ge­such hin ganz oder teil­wei­se ver­gü­ten.1
2An­stän­de zwi­schen dem Bund und ei­nem Kan­ton über die Ver­gü­tung der Kos­ten ent­schei­det die Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts (Art. 25 Abs. 1).
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 22. Dez. 1999, in Kraft seit 1. Okt. 2000 (AS 2000 2141; BBl 1998 1529).
B. Ent­schä­di­gung
1. An­spruch
1Dem Be­schul­dig­ten, ge­gen den das Ver­fah­ren ein­ge­stellt oder der nur we­gen Ord­nungs­wid­rig­keit be­straft wird, ist auf Be­geh­ren ei­ne Ent­schä­di­gung für die Un­ter­su­chungs­haft und für an­de­re Nach­tei­le, die er er­lit­ten hat, aus­zu­rich­ten; sie kann je­doch ganz oder teil­wei­se ver­wei­gert wer­den, wenn er die Un­ter­su­chung schuld­haft ver­ur­sacht oder das Ver­fah­ren mut­wil­lig er­schwert oder ver­län­gert hat.
2Dem In­ha­ber ei­nes be­schlag­nahm­ten Ge­gen­stan­des oder ei­ner durch­such­ten Woh­nung, der nicht als Be­schul­dig­ter ins Ver­fah­ren ein­be­zo­gen wor­den ist, steht ein An­spruch auf Ent­schä­di­gung zu, in­so­weit er un­ver­schul­det einen Nach­teil er­lit­ten hat.
3Die Ent­schä­di­gung geht zu Las­ten des Bun­des.
2. Gel­tend­ma­chung
1Der Ent­schä­di­gungs­an­spruch des Be­schul­dig­ten er­lischt, wenn er nicht in­nert ei­nes Jah­res nach Er­öff­nung der Ein­stel­lung oder nach Ein­tritt der Rechts­kraft des Ent­schei­des gel­tend ge­macht wird.
2Der Ent­schä­di­gungs­an­spruch nach Ar­ti­kel 99 Ab­satz 2 er­lischt, wenn er nicht in­nert ei­nes Jah­res seit der Durch­su­chung oder, im Fal­le ei­ner Be­schlag­nah­me, seit der Rück­ga­be des be­schlag­nahm­ten Ge­gen­stan­des oder der Aus­hän­di­gung des Ver­wer­tungs­er­lö­ses gel­tend ge­macht wird.
3Das Ent­schä­di­gungs­be­geh­ren ist der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung schrift­lich ein­zu­rei­chen und hat einen be­stimm­ten An­trag so­wie des­sen Be­grün­dung zu ent­hal­ten.
4Über das Be­geh­ren trifft die Ver­wal­tung spä­tes­tens in­nert drei Mo­na­ten einen Ent­scheid. Ge­gen den Ent­scheid kann in­nert 30 Ta­gen seit der Er­öff­nung bei der Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts Be­schwer­de ge­führt wer­den (Art. 25 Abs. 1); die Ver­fah­rens­vor­schrif­ten von Ar­ti­kel 28 Ab­sät­ze 2-5 gel­ten sinn­ge­mä­ss.
1Im ge­richt­li­chen Ver­fah­ren gilt Ar­ti­kel 99 sinn­ge­mä­ss. Das Ge­richt ent­schei­det auch über die Ent­schä­di­gung für Nach­tei­le im Ver­fah­ren vor der Ver­wal­tung.
2Be­vor das Ge­richt ei­ne Ent­schä­di­gung fest­setzt, hat es der be­tei­lig­ten Ver­wal­tung Ge­le­gen­heit zu ge­ben, sich zum An­spruch und sei­ner Hö­he zu äus­sern und An­trä­ge zu stel­len.
III. Rück­griffs­an­spruch
1Wer das Ver­fah­ren durch Arg­list ver­an­lasst hat, kann ver­pflich­tet wer­den, dem Bun­de die nach Ar­ti­kel 99 oder 101 aus­zu­rich­ten­den Ent­schä­di­gun­gen ganz oder teil­wei­se zu er­set­zen.
2Über den Rück­griffs­an­spruch ent­schei­det die be­tei­lig­te Ver­wal­tung.
3Ge­gen den Ent­scheid kann in­nert 30 Ta­gen seit der Er­öff­nung bei der Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts Be­schwer­de ge­führt wer­den (Art. 25 Abs. 1); die Ver­fah­rens­vor­schrif­ten von Ar­ti­kel 28 Ab­sät­ze 2-5 gel­ten sinn­ge­mä­ss. Wird in­nert der ge­setz­li­chen Frist nicht Be­schwer­de er­ho­ben, so steht der Ent­scheid ei­nem rechts­kräf­ti­gen Ur­teil gleich.
4Der Rück­griffs­an­spruch er­lischt, wenn er nicht in­nert drei Mo­na­ten seit Rechts­kraft des Ent­scheids oder Ur­teils über den Ent­schä­di­gungs­an­spruch gel­tend ge­macht wird.
Siebenter Abschnitt: Abwesenheitsverfahren
1Ist der Be­schul­dig­te, oh­ne in der Schweiz ein Zu­stel­lungs­do­mi­zil zu ha­ben, un­be­kann­ten Auf­ent­hal­tes, so kann das Ver­fah­ren von der Ver­wal­tung und den Ge­rich­ten in sei­ner Ab­we­sen­heit durch­ge­führt wer­den. Ar­ti­kel 34 Ab­satz 2 ist an­wend­bar.
2Wenn der Be­schul­dig­te sich stellt oder er­grif­fen wird, so kann er in­nert 30 Ta­gen, seit­dem er vom Straf­be­scheid, von der Straf­ver­fü­gung oder vom Ur­teil Kennt­nis er­hal­ten hat, bei der Be­hör­de, die zu­letzt ge­spro­chen hat, die Wie­der­ein­set­zung ver­lan­gen.
3Wird das Ge­such recht­zei­tig ge­stellt, so ist das or­dent­li­che Ver­fah­ren durch­zu­füh­ren.
4Bei Ein­zie­hung und Um­wand­lung der Bus­se in Frei­heits­s­tra­fe gel­ten die Ab­sät­ze 1-3 sinn­ge­mä­ss.
A. Än­de­rung von Bun­deser­las­sen
1Än­de­run­gen des gel­ten­den Bun­des­rechts fin­den sich im An­hang, der Be­stand­teil die­ses Ge­set­zes ist.
2Der Bun­des­rat wird er­mäch­tigt, die Voll­zie­hungs­ver­ord­nung vom 27. No­vem­ber 19341 zum Bun­des­rats­be­schluss vom 4. Au­gust 1934 über die eid­ge­nös­si­sche Ge­trän­ke­steu­er die­sem Ge­setz an­zu­pas­sen.
1 [BS 6 283; AS 1974 1955, 2007 1469 An­hang 4 Ziff. 27. AS 2007 2909 Art. 23 Ziff. 1]. Sie­he heu­te: die Bier­steu­er­ver­ord­nung vom 15. Ju­ni 2007 (SR 641.411.1).
B. Neue Zu­stän­dig­kei­ten
Wo nach bis­he­ri­gem Recht Straf­ver­fü­gun­gen vom Bun­des­rat aus­zu­ge­hen hat­ten, wird die­se Zu­stän­dig­keit den De­par­te­men­ten zu­ge­wie­sen; der Bun­des­rat kann sie auf die den De­par­te­men­ten un­mit­tel­bar nach­ge­ord­ne­ten Amts­stel­len über­tra­gen.
C. Über­gangs­be­stim­mun­gen
1Straf­ver­fah­ren, in de­nen die Straf­ver­fü­gung der Ver­wal­tung nach Ar­ti­kel 293 oder 324 des Bun­dess­traf­rechts­pfle­ge­ge­set­zes vom 15. Ju­ni 19341 vor dem In­kraft­tre­ten der neu­en Vor­schrif­ten ge­trof­fen wor­den ist, wer­den nach bis­he­ri­gem Recht fort­ge­setzt.
2Straf­bar­keit und Mit­haf­tung des Ver­tre­te­nen, Auf­trag­ge­bers oder Ge­schäfts­herrn we­gen Wi­der­hand­lun­gen, die vor In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes be­gan­gen wor­den sind, rich­ten sich aus­sch­liess­lich nach dem al­ten Recht.
1 [BS 3 303; AS 1971 777 Ziff. III 4, 1974 1857 An­hang Ziff. 2, 1978 688 Art. 88 Ziff. 4, 1979 1170, 1992 288 An­hang Ziff. 15 2465 An­hang Ziff. 2, 1993 1993, 1997 2465 An­hang Ziff. 7, 2000 505 Ziff. I 3 2719 Ziff. II 3 2725 Ziff. II, 2001 118 Ziff. I 3 3071 Ziff. II 1 3096 An­hang Ziff. 2 3308, 2003 2133 An­hang Ziff. 9, 2004 1633 Ziff. I 4, 2005 5685 An­hang Ziff. 19, 2006 1205 An­hang Ziff. 10, 2007 6087, 2008 1607 An­hang Ziff. 1 4989 An­hang 1 Ziff. 6 5463 An­hang Ziff. 3, 2009 6605 An­hang Ziff. II 3. AS 2010 1881 An­hang 1 Ziff. I 1]
D. Aus­füh­rung. In­kraft­tre­ten
1Der Bun­des­rat er­lässt die er­for­der­li­chen Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen.
2Er be­stimmt das In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes.