Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F24-06-2003-U_238-2002
Timestamp: 2016-10-22 23:49:22
Document Index: 230277182

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 238/02 (24.06.2003)
L.________, 1947, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch Rechtsanwalt Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, 8887 Mels,
Die 1947 geborene L.________ war als Mitarbeiterin Produktion bei der X.________, und als Mitarbeiterin im Kundendienst der Y.________ (je in einem Teilpensum) bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert, als am 31. Oktober 2000 auf dem Heimweg von der Arbeit der von ihr gelenkte Renault 5 beim Anfahren an einer Kreuzung frontal mit der hinteren Seite eines vortrittsberechtigten VW Passat kollidierte. Wegen danach aufgetretener Beschwerden suchte L.________ noch am Unfalltag die Notfall�rztin und am 4. November 2000 f�r eine ambulante Kontrolle das Spital U.________ auf, wo eine HWS-Distorsion bei erheblicher Spondylarthrose C4/5, 5/6 und 6/7 mit ventraler Spangenbildung C4/5 und 5/6 sowie Thoraxkontusion rechts diagnostiziert wurde. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Taggeld und Heilbehandlung). Nach medizinischen und biomechanischen Abkl�rungen er�ffnete sie der Versicherten mit Verf�gung vom 4. Juli 2001 die Einstellung der Versicherungsleistungen per 8. Juli 2001, da die noch bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt seien. Daran hielt der Unfallversicherer mit Einspracheentscheid vom 19. September 2001 fest.
L.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit dem Rechtsbegehren, die SUVA habe die Versicherungsleistungen �ber den 9. Juli 2001 hinaus zu erbringen.
Im kantonalen Gerichtsentscheid und im Einspracheentscheid werden die Gesetzesbestimmung �ber den Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 UVG) und die Grunds�tze �ber den f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod; BGE 115 V 134 f. Erw. 3 und 405 Erw. 3; ferner BGE 119 V 337 f. Erw. 1 und 118 V 289 f. Erw. 1b), zutreffend dargelegt. Dasselbe gilt f�r die Rechtsprechung �ber das Dahinfallen dieses Zusammenhangs, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht (RKUV 2001 Nr. U 412 S. 80, 1992 Nr. U 142 S. 75 f. Erw. 4b; vgl. auch RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b), den Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit, der f�r den leistungsbegr�ndenden nat�rlichen Kausalzusammenhang ebenso gilt wie f�r das - vom Unfallversicherer nachzuweisende - Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 Erw. 3b; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 Erw. 2 und 1992 Nr. U 142 S. 76 Erw. 4b), und den Beweiswert versicherungsexterner und -interner Arztberichte (RKUV 1997 Nr. U 281 S. 281 ff. Erw. 1, 1991 Nr. U 133 S. 312; sodann BGE 125 V 352 ff. Erw. 3). Richtig sind auch die Erw�gungen �ber den zus�tzlich zum nat�rlichen erforderlichen ad�quaten Kausalzusammenhang, namentlich bei psychischen Unfallfolgen (RKUV 1992 Nr. U 154 S. 248 f. Erw. 2b und c; ferner BGE 115 V 133). Darauf wird verwiesen.
Zu erg�nzen ist, dass das am 1. Januar 2003 in Kraft getretene Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 im vorliegenden Fall nicht anwendbar ist, da nach dem massgebenden Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheids (hier: 19. September 2001) eingetretene Rechts- und Sachverhalts�nderungen vom Sozialversicherungsgericht nicht ber�cksichtigt werden (BGE 127 V 467 Erw. 1, 121 V 366 Erw. 1b).
Kantonales Gericht und Unfallversicherer verneinen den nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 31. Oktober 2000 und noch bestehenden k�rperlichen Beschwerden der Versicherten. Sie stellen dabei wesentlich auf die �rztliche Beurteilung des Dr. med. B.________ vom �rzteteam Unfallmedizin der SUVA vom 26. Juni 2001 ab.
2.1 Der Arzt beschreibt zun�chst eingehend den Vorzustand der Beschwerdef�hrerin: Demnach leidet sie seit vielen Jahren vor dem versicherten Unfallereignis vom 31. Oktober 2000, wahrscheinlich seit dem vierten Lebensjahrzehnt, an einer Erkrankung (Diffuse Idiopathic Skeletal Hyperostosis, DISH) der Halswirbels�ule, und es liegt zudem die angeborene Missbildung einer teilweisen Fusion der Halswirbel C6/7 vor. Die untere Halswirbels�ule ist erstmals im Zusammenhang mit einem - nicht SUVA-versicherten - Unfallereignis vom 22. Oktober 1993 schmerzhaft geworden, als sich die Versicherte bei einem Sturz am unteren Nacken verletzte und in der Folge w�hrend elf Wochen arbeitsunf�hig war. Sodann besteht ein Diabetes mellitus mit peripherer Polyneuropathie, welcher seit 1993 mit t�glichen Spritzen behandelt wird.
Gem�ss der abschliessenden Beurteilung des SUVA-Arztes liegen heute keine medizinisch objektivierbaren (k�rperlichen) Beschwerden mehr vor, die wenigstens wahrscheinlich mit der Frontalkollision vom 31. Oktober 2000 in urs�chlichem Zusammenhang stehen. Der betr�chtliche Vorzustand und die (aus biomechanischer Sicht) geringe Verletzungstauglichkeit des Unfalles erlauben nach Dr. med. B.________ die zuverl�ssige Aussage, dass die Frontalkollision die vorgesch�digte Halswirbels�ule der Versicherten nicht richtunggebend, sondern zeitlich vor�bergehend verschlimmert hat, wobei im Zeitpunkt der kreis�rztlichen Untersuchung vom 22. Januar 2001 die vor�bergehende Teilwirkung des Unfalles bereits erloschen und damit der status quo ante wieder voll erreicht war.
2.2 Dr. med. B.________ hat seine sachverst�ndige Einsch�tzung in Kenntnis der medizinischen Aktenlage und der biomechanischen Kurzabkl�rung der Arbeitsgruppe f�r Unfallmechanik, Z�rich, vom 4. April 2001 abgegeben und �berzeugend begr�ndet. Zwar hat er keine pers�nliche Exploration der Beschwerdef�hrerin vorgenommen. Dies schr�nkt den Beweiswert seiner Feststellungen aber nicht ein, konnte Dr. med. B.________ doch auf den eingehenden Untersuchungsbericht des Kreisarztes Dr. med. F.________ vom 22. Januar 2001 zur�ckgreifen, was ihm, zusammen mit den �brigen zur Verf�gung stehenden Unterlagen, insbesondere auch den R�ntgen- und MRI-Bildern, die zuverl�ssige Beantwortung der sich stellenden Frage nach Bestehen und Dahinfallen des nat�rlichen Kausalzusammenhanges zwischen den noch bestehenden k�rperlichen Beschwerden und dem versicherten Unfallereignis vom 31. Oktober 2000 gestattete.
Soweit in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde die Diagnose eines seit Jahren bestehenden DISH beanstandet wird, gen�gt die Feststellung, dass Dr. med. B.________ detailliert die bereits auf den R�ntgenbildern von 1993 erkennbaren und damit eindeutig nicht auf das Unfallereignis vom 31. Oktober 2000 zur�ckzuf�hrenden pathologischen Ver�nderungen der Halswirbels�ule beschreibt. Dass die Halswirbels�ule degenerative Beeintr�chtigungen aufweist, wird sodann durch die restlichen medizinischen Akten best�tigt und von der Beschwerdef�hrerin auch nicht bestritten. Unfallbedingte strukturelle Sch�digungen des Organs ergaben sich hingegen bei den bildgebenden Untersuchungen nicht, worin sich die anderen berichterstattenden �rzte ebenfalls einig sind. Es kann daher letztlich offen bleiben, ob Dr. med. B.________ die krankheitsbedingten/ degenerativen Ver�nderungen der Halswirbels�ule richtigerweise einer DISH zugeordnet hat, und weshalb diese Diagnose nicht bereits fr�her durch die behandelnden �rzte gestellt wurde.
Die Arztberichte des Dr. med. J.________, Neurologie FMH, vom 14. November 2000 sowie 24. Dezember 2001 und des Dr. med. Z.________, Neurologie FMH/Dr. der Chiropraktik, vom 18. September 2001 rechtfertigen keine andere Kausalit�tsbeurteilung. Die erste Stellungnahme des Dr. med. J.________ erfolgte nur zwei Wochen nach dem Unfallereignis vom 31. Oktober 2000 und somit ohne Ber�cksichtigung der sp�teren Arztberichte und der Entwicklung des Gesundheitszustandes bis zum massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheides vom 19. September 2001. Zudem verf�gte der Arzt offensichtlich nicht �ber die R�ntgenbilder, die Dr. med. B.________ zur Feststellung der vorbestandenen unfallfremden Sch�digung im Bereich der Halswirbels�ule gef�hrt haben. Sodann bezeichnete sich Dr. med. J.________ im zweiten Bericht vom 24. Dezember 2001 selber als befangen, weshalb er auf eine definitive Beurteilung verzichtete. Immerhin �usserte er sich dahin, dass klinisch-neurologisch die Arbeitsf�higkeit im fr�heren Ausmass gegeben scheine, was der Einsch�tzung des Dr. med. B.________ zumindest nicht widerspricht. Anzuf�gen bleibt, dass Dr. med. J.________ die Stellungnahme vom 24. Dezember 2001 zu Handen der Invalidenversicherung erstellt hat, welche als finale Versicherung ihre Leistungspflicht anders als die Unfallversicherung unabh�ngig von der Kausalit�t beurteilt. Der Arztbericht des Dr. med. Z.________ vom 18. September 2001 schliesslich ist, wie Vorinstanz und Unfallversicherer richtig erw�hnen, ohne Kenntnis der vollst�ndigen medizinischen Akten erstellt worden und ber�cksichtigt namentlich auch keine vorbestehende Gesundheitssch�digung.
2.3 Nach dem Gesagten haben SUVA und kantonales Gericht zu Recht, und ohne dass weitere medizinische Abkl�rungen erforderlich gewesen w�ren, erkannt, dass der versicherte Unfall vom 31. Oktober 2000 zu einer bloss vor�bergehenden, bereits nach wenigen Monaten abgeklungenen Verschlimmerung der vorbestandenen pathologischen Beeintr�chtigung des Gesundheitszustandes gef�hrt hat und mithin nicht nat�rlich kausal ist f�r die noch bestehenden somatischen Beschwerden. An dieser Betrachtungsweise verm�gen die weiteren Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nichts zu �ndern.
Hinsichtlich des seelischen Leidensbildes durften SUVA und kantonales Gericht ohne psychiatrische Aktenerg�nzungen die Frage des ad�quaten Kausalzusammenhanges entscheiden.
Parteien und Vorinstanz gehen aufgrund des Geschehensablaufs und der Verletzungen, die sich die Versicherte dabei zugezogen hat, richtigerweise von einem Unfall im mittleren Bereich aus. Dabei kann offen bleiben, ob die Darstellung der Beschwerdef�hrerin hinsichtlich des Schadens am anderen Fahrzeug zutrifft und ob deswegen von der Einsch�tzung der Vorinstanz, welche das Ereignis an der Grenze zu den leichten Unf�llen einordnet, abzuweichen ist. Von den weiteren, objektiv erfassbaren und unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehenden oder als Folge davon erscheinenden Umst�nden, welche als massgebende Kriterien in die Gesamtw�rdigung einzubeziehen sind (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa), m�ssten dementsprechend f�r eine Bejahung des ad�quaten Kausalzusammenhangs entweder ein einzelner in besonders ausgepr�gter Weise oder aber mehrere erf�llt sein (BGE 115 V 140 f. Erw. 6c/bb). Dies ist nach den zutreffenden Erw�gungen im angefochtenen Entscheid, welche zu wiederholen sich er�brigt, nicht der Fall. Die verf�gte und vorinstanzlich best�tigte Einstellung der Leistungen durch die SUVA ist somit rechtens.