Source: http://m.hensche.de/Zugriff_auf_dienstlichen_E-Mail-Account_durch_Arbeitgeber_kein_Verstoss_gegen_Fernmeldegeheimnis_LAG_Berlin-Brandenburg_4Sa2132-1-u.html
Timestamp: 2018-02-23 14:09:46
Document Index: 196505342

Matched Legal Cases: ['§ 1004', 'Art. 10', '§ 88', '§ 206', '§ 3', '§ 88', 'Art. 10', '§ 202', '§ 206', '§ 8', '§ 519', '§ 66', '§ 1004', '§ 823', '§ 88', '§ 88', '§ 88', '§ 3', '§ 69', '§ 3', '§ 88', '§ 88', 'Art. 10', 'Art 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', '§ 138', '§ 1004', '§ 823', 'Art. 10', 'Art. 10', '§ 1004', '§ 823', '§ 206', '§ 1004', '§ 823', '§ 202', '§ 202', '§ 1004', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 626', '§ 626', '§ 611', '§ 611', '§ 626', '§ 626', 'Art. 14', '§ 1004', 'Art. 1', '§ 97', '§ 72', '§ 72']

HENSCHE Arbeitsrecht: 4 Sa 2132/10
Schlag­worte: E-Mail
Akten­zeichen: 4 Sa 2132/10
Ent­scheid­ungs­datum: 16.02.2011
Leit­sätze: 1. Ein Ar­beit­ge­ber wird nicht al­lein da­durch zum Dienst­an­bie­ter i. S. d. Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes, dass er sei­nen Beschäftig­ten ge­stat­tet, ei­nen dienst­li­chen E-Mail-Ac­count auch pri­vat zu nut­zen.(Rn.36) 2. Be­las­sen die Beschäftig­ten bei Nut­zung des Ar­beits­platz­rech­ners die ein­ge­hen­den E-Mails im Post­ein­gang bzw. die ver­sen­de­ten im Post­aus­gang, so un­ter­liegt der Zu­griff des Ar­beit­ge­bers auf die­se Da­ten nicht den recht­li­chen Be­schränkun­gen des Fern­mel­de­ge­heim­nis­ses.(Rn.40)
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 17.08.2010, 36 Ca 235/10
am 16. Fe­bru­ar 2011
36 Ca 235/10
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 4. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 16. Fe­bru­ar 2011
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Sch. als Vor­sit­zen­der
so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter S. und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin H.
vom 17. Au­gust 2010 - 36 Ca 235/10 - wird auf Kos­ten der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten dar­um, ob die Kläge­rin den Be­klag­ten den Zu­griff auf die in dem ih­rer E-Mail-An­schrift zu­ge­ord­ne­ten elek­tro­ni­schen Post­fach vor­han­de­nen E-Mails vollständig ver­wei­gern kann.
Zwi­schen der Kläge­rin und der Be­klag­ten zu 1), die ei­nen Be­trieb der Au­to­mo­bil­in­dus­trie be­treibt, be­steht seit dem Jahr 1988 ein Ar­beits­verhält­nis, in des­sen Rah­men die Kläge­rin zu­letzt als Ver­kaufs­be­ra­te­rin im Fir­men­an­gehöri­gen­geschäft in Ber­lin tätig war. Der Be­klag­te zu 2) ist ein Kol­le­ge der Kläge­rin, die Be­klag­te zu 3) ist ih­re Dienst­vor­ge­setz­te.
Ei­ne von der Be­klag­ten zu 1) mit Ver­ein­ba­rung vom 1. Mai 2003 als Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung ab­ge­schlos­se­ne „In­ter­net- und E-Mail-Richt­li­nie“, enthält in Punkt 5 un­ter der Über­schrift „Re­ge­lun­gen für Elec­tro­nic Mail“ u. a. fol­gen­de Re­ge­lung:
Mit Zu­stim­mung des Vor­ge­setz­ten darf E-Mail in ge­rin­gem Um­fang auch für die pri­va­te in­ter­ne und ex­ter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on ge­nutzt wer­den. …
E-Mails pri­va­ten In­halts können mit „pri­vat“ in der Be­treff­zei­le ge­kenn­zeich­net wer­den. Als pri­vat ge­kenn­zeich­ne­te E-Mails dürfen von Drit­ten grundsätz­lich nicht geöff­net, wei­ter­ge­lei­tet oder ge­spei­chert wer­den.
Als pri­vat ge­kenn­zeich­ne­te E-Mails dürfen nur dann kon­trol­liert wer­den, wenn ne­ben der In­for­ma­ti­on des Be­triebs­ra­tes zusätz­lich der be­trieb­li­che Da­ten­schutz­be­auf­trag­te nach Prüfung der schrift­lich zu do­ku­men­tie­ren­den tatsächli­chen An­halts­punk­te für den Ver­dacht ei­ner miss­bräuch­li­chen Nut­zung der Kon­trol­le zu­ge­stimmt hat. Die be­triebs­in­ter­ne Kon­trol­le rich­tet sich da­bei zunächst auf die Prüfung der Ver­bin­dungs­da­ten. Ei­ne in­halt­li­che Kon­trol­le kann nur mit Zu­stim­mung des Mit­ar­bei­ters oder ver­an­lasst durch Straf­ver­fol­gungs­behörden er­fol­gen. Bei Ver­wei­ge­rung der Zu­stim­mung kann dem Mit­ar­bei­ter die pri­va­te Nut­zung künf­tig un­ter­sagt wer­den. …
Die Kläge­rin nutz­te ih­ren dienst­li­chen E-Mail-Ac­count auch für pri­va­te E-Mails. So­weit die Kläger pri­va­te E-Mails ver­sen­de­te, kenn­zeich­ne­te sie die­se mit dem Zu­satz „pri­vat“ in der Be­treff­zei­le.
Je­der Mit­ar­bei­ter bei der Be­klag­ten zu 1) hat si­cher­zu­stel­len, dass die Erfüllung sei­ner Auf­ga­ben bei Ab­we­sen­heit (Krank­heit, Ur­laub) nicht gefähr­det ist. Hier­zu exis­tiert ei­ne ent­spre­chen­de Richt­li­nie bei der Be­klag­ten, hin­sicht­lich de­ren Ein­zel­hei­ten auf Bl. 55 – 57 d. A. ver­wie­sen wird. Für das Team der Kläge­rin ist ge­re­gelt, dass im Fall der Ab­we­sen­heit des Mit­ar­bei­ters or­ga­ni­sa­to­risch si­cher zu stel­len ist, dass die Ar­beit­ge­be­rin – die Be­klag­te zu 1) - wei­ter­hin Zu­griff auf den E-Mail Ac­count hat, da­mit die dienst­li­chen Mails wei­ter be­ar­bei­tet wer­den können.
Die Kläge­rin rich­te­te am 27. No­vem­ber 2008 we­gen ei­ner ge­plan­ten Ab­we­sen­heit vom 28. No­vem­ber – 2. De­zem­ber 2008 ei­nen Ab­we­sen­heits­as­sis­ten­ten ein, der über ih­re Ab­we­sen­heit bis zum 2. De­zem­ber 2008 in­for­mier­te. Die Kläge­rin hat­te für kei­ne Stell­ver­tre­tung ge­sorgt, son­dern viel­mehr ei­ne be­reits ein­mal ein­ge­rich­te­te Stell­ver­tre­ter­re­ge­lung de­ak­ti­viert. Seit dem 28. No­vem­ber 2008 war die Kläge­rin ar­beits­unfähig er­krankt. Ihr Stell­ver­tre­ter hat­te kei­nen Zu­griff auf das der E-Mail-An­schrift der Kläge­rin zu­ge­ord­ne­te elek­tro­ni­sche Post­fach. Der Stell­ver­tre­ter der Kläge­rin, der Be­klag­te zu 2), ver­such­te des­halb nach dem Vor­trag der Be­klag­ten zu 1), der von der Kläge­rin mit Nicht­wis­sen be­strit­ten wur­de, die Kläge­rin En­de No­vem­ber/An­fang De­zem­ber 2008 mehr­fach te­le­fo­nisch zu er­rei­chen. Dies blieb er­folg­los. Er schrieb so­dann nach dem Vor­trag der Be­klag­ten zu 1), den die Kläge­rin eben­falls be­strei­tet, am 12. De­zem­ber 2008 ei­ne ent­spre­chen­de Mail an die Kläge­rin, in dem er ihr mit­teil­te, dass ein Zu­griff auf die E-Mails der Kläge­rin zur Be­ar­bei­tung not­wen­dig sei, er je­doch kei­nen Zu­griff ha­be. Hin­sicht­lich der Ein­zel­hei­ten der E-Mail wird auf Bl. 61 d. A. ver­wie­sen. Die E-Mail blieb un­be­ant­wor­tet. Nach­dem die Kläge­rin sich mit E-Mail vom 6. Ja­nu­ar 2009 wei­ter krank mel­de­te, schrieb die Vor­ge­setz­te, die Be­klag­te zu 3), der Kläge­rin, was sei­tens der Kläge­rin des­glei­chen be­strit­ten wird, eben­falls am 6. Ja­nu­ar 2009 ei­ne E-Mail mit der Bit­te sich mit dem Bekl. zu 2) in Ver­bin­dung zu set­zen, weil die Kun­de­mails nicht be­ar­bei­tet wer­den können. Hin­sicht­lich des ge­nau­en In­halts der E-Mail wird auf Bl. 62 d. A. ver­wie­sen.
Nach In­for­ma­ti­on des bei der Be­klag­ten zu 1) ge­bil­de­ten Ber­li­ner Be­triebs­ra­tes und ei­ner zeit­lich strei­ti­gen Be­tei­li­gung des Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten öff­ne­te am 21. Ja­nu­ar 2009 ge­gen 12.00 Uhr die IT-Ab­tei­lung der Be­klag­ten zu 1) das der E-Mail-An­schrift der Kläge­rin zu­ge­ord­ne­te elek­tro­ni­sche Post­fach. Dienst­li­che E-Mails wur­den geöff­net und aus­ge­druckt, um de­ren Be­ar­bei­tung zu ermögli­chen. Je­den­falls zeit­wei­se wa­ren außer dem Be­klag­ten zu 2) das Mit­glied des bei der Be­klag­ten zu 1) ge­bil­de­ten Ber­li­ner Be­triebs­ra­tes A. K. und auf Wunsch der Kläge­rin die So­zi­al­be­treue­rin des Wer­kes M. B. an­we­send.
Die Kläge­rin be­haup­tet, die Re­ge­lun­gen aus dem Jahr 2003 fänden auf sie kei­ne An­wen­dung, auf­grund ei­ner be­trieb­li­chen Übung ha­be sie ein Recht auf mo­de­ra­te Pri­vat­nut­zung des ihr von der Be­klag­ten zu 1) über­las­se­nen elek­tro­ni­schen Post­fa­ches. Am 20. Ja­nu­ar 2009 ha­be ihr ein Mit­glied des Be­triebs­ra­tes mit­ge­teilt, dass die Be­klag­te zu 1) be­an­tragt ha­be, ihr elek­tro­ni­sches Post­fach zu öff­nen mit der Be­gründung, es könn­ten geschäft­lich re­le­van­te E-Mails auf­ge­lau­fen sein. Um ei­nen Rest von Da­ten­schutz und Persönlich­keits­recht wah­ren zu können, ha­be sie die So­zi­al­be­treue­rin ge­be­ten, sich mit dem Be­triebs­rats­mit­glied ab­zu­stim­men und dar­auf zu ach­ten, dass ihr elek­tro­ni­sches Post­fach nach Be­en­di­gung der Ak­ti­on wie­der ge­schlos­sen wer­de. Der Be­klag­te zu 2) ha­be E-Mails aus ih­rem Post­fach wei­ter­ge­lei­tet. Da je­de Öff­nung ih­res elek­tro­ni­schen Post­fa­ches die Möglich­keit eröff­ne, ih­re pri­va­ten E-Mails zu le­sen, können sie von den Be­klag­ten ver­lan­gen, nicht oh­ne ih­re vor­he­ri­ge Ein­wil­li­gung an sie ge­rich­te­te E-Mails zur Kennt­nis zu neh­men, zu öff­nen, zu le­sen, zu ko­pie­ren, zu spei­chern, aus­zu­dru­cken und/oder wei­ter­zu­lei­ten.
1. die Be­klag­ten bei Mei­dung von Ord­nungs­geld bis zu 250.000,00 EUR für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung – er­satz­wei­se Ord­nungs­haft – oder Ord­nungs­haft bis zu sechs Mo­na­ten zu ver­ur­tei­len, es oh­ne vor­he­ri­ge Ein­wil­li­gung der Kläge­rin zu un­ter­las­sen,
E-Mails, die un­ter dem E-Mail-Ac­count mit der E-Mail-Adres­se „……..“ oder un­ter ei­nem an­de­ren hin­sicht­lich der Per­son der Kläge­rin per­so­na­li­sier­ten Fir­men-E-Mail-Ac­count der Be­klag­ten zu 1) emp­fan­gen wer­den oder von der Kläge­rin ver­sen­det wer­den, zur
Kennt­nis zu neh­men, zu öff­nen, zu le­sen, zu spei­chern, aus­zu­dru­cken, zu ko­pie­ren und/oder wei­ter­zu­lei­ten;
2. die Be­klag­ten bei Mei­dung von Ord­nungs­geld bis zu 250.000,00 EUR für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung – er­satz­wei­se Ord­nungs­haft – oder Ord­nungs­haft bis zu sechs Mo­na­ten zu ver­ur­tei­len, es zu un­ter­las­sen, sich oh­ne vor­he­ri­ge Ein­wil­li­gung der Kläge­rin durch Über­win­dung der Zu­gangs­si­che­rung in Form ei­nes Pass­worts Zu­gang zu dem pass­wort­geschütz­ten E-Mail-Ac­count der Kläge­rin mit der E-Mail-Adres­se „………“ oder un­ter ei­nem an­de­ren hin­sicht­lich der Per­son der Kläge­rin per­so­na­li­sier­ten Fir­men-E-Mail-Ac­count der Be­klag­ten zu 1) zu ver­schaf­fen.
Die Be­klag­te zu 1) hat be­haup­tet, während der Er­kran­kung der Kläge­rin ha­be die Be­klag­te zu 1), nach­dem die Kläge­rin auf ver­schie­de­ne Auf­for­de­run­gen nicht re­agiert ha­be, le­dig­lich ein­mal in das der kläge­ri­schen E-Mail-An­schrift zu­ge­ord­ne­te elek­tro­ni­sche Post­fach Ein­sicht ge­nom­men. Ein­ge­gan­ge­ne dienst­li­che E-Mails sei­en aus­ge­druckt und später sei ein ak­tu­el­ler Ab­we­sen­heits­as­sis­tent ein­ge­rich­tet wor­den, denn es han­de­le sich in ers­ter Li­nie um ein Ar­beits­mit­tel. Ein Ein­blick oder ei­ne Öff­nung von pri­va­ten E-Mails sei nicht er­folgt.
Der Be­klag­te zu 2) hat vor­ge­tra­gen, er ha­be am 21. Ja­nu­ar 2009 im Bei­sein der bei­den Zeu­gen den Post­ein­gang ge­prüft, die dienst­li­chen E-Mails, die zur Wei­ter­be­ar­bei­tung benötigt wor­den sei­en, geöff­net und aus­ge­druckt. Es sei tech­nisch nicht möglich ge­we­sen, die E-Mails wei­ter­zu­lei­ten.
Die Be­klag­te zu 3) hat vor­ge­tra­gen, es ha­be auf­grund der Krank­heit der Kläge­rin die Si­tua­ti­on be­stan­den, dass der Stell­ver­tre­ter der Kläge­rin de­ren Ar­beit nicht ha­be fortführen können. Sie ha­be sich da­her an die Per­so­nal­ab­tei­lung der Be­klag­ten zu 1) ge­wandt, die das wei­te­re Vor­ge­hen ein­ge­lei­tet ha­be.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge mit Ur­teil vom 17. Au­gust 2010 ab­ge­wie­sen. zur Be­gründung hat es – kurz ge­fasst – aus­geführt, ein Un­ter­las­sungs­an­spruch der Kläge­rin sei nicht er­sicht­lich. Die Kläge­rin könne sich im Rah­men ei­nes Un­ter­las­sungs­an­spruchs nach den §§ 1004, 823 BGB we­der auf Art. 10 Abs. 1 GG, noch auf § 88 TKG oder § 206 StGB stützen. Ei­ne le­dig­lich sich­ten­de Kennt­nis­nah­me auch pri­va­ter E-Mails zur Ermögli­chung ei­ner Fest­stel­lung, wel­che E-Mails dienst­lich sind, be­ein­träch­ti­ge auch das Recht der Kläge­rin auf in­for­mel­le Selbst­be­stim­mung nicht in ei­nem ver­fas­sungs­recht­lich be­denk­li­chen Maße.
Ge­gen das ihr am 6. Sep­tem­ber 2010 zu­ge­stell­te Ur­teil des Ar­beits­ge­richts hat die Kläge­rin mit beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 6. Ok­to­ber 2010 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 6. De­zem­ber 2010 mit beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 6. De­zem­ber 2010 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.
Die Kläge­rin ver­tritt un­ter Ver­tie­fung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens wei­ter­hin die Auf­fas­sung, die Be­klag­te zu 1) sei „Dienst­an­bie­ter“ im Sin­ne des Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes. Da die Be­klag­te zu 1) ih­ren Mit­ar­bei­tern die pri­va­te Nut­zung des dienst­li­chen E-Mail-Ac­counts ge­stat­te, er­brin­ge sie geschäftsmäßig Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen iSd. § 3 Nr. 6 TKG und un­ter­fal­le da­mit dem An­wen­dungs­be­reich des § 88 TKG. Die Kläge­rin könne sich auch auf Art. 10 GG be­ru­fen. Der Schutz­be­reich des Fern­mel­de­ge­heim­nis­ses en­de im Fal­le der Kläge­rin nicht mit dem En­de des Über­tra­gungs­vor­gangs und Ein­gang der E-Mail, weil die ent­spre­chen­den E-Mails auf Grund der krank­heits­be­ding­ten Ab­we­sen­heit der Kläge­rin im Un­ter­neh­men der Be­klag­ten zu 1) tatsächlich nicht in den Herr­schafts­be­reich der Kläge­rin ge­langt sei­en. Der tech­nisch be­ding­te Man­gel an Be­herrsch­bar­keit be­gründe die be­son­de­re Schutz­bedürf­tig­keit durch das Fern­mel­de­ge­heim­nis. Die Be­klag­ten hätten wei­ter­hin durch den Zu­griff auf den dienst­li­chen E-Mail-Ac­count der Kläge­rin den Straf­tat­be­stand des § 202a StGB so­wie den Straf­tat­be­stand des § 206 StGB ver­wirk­licht; auch aus die­sem Grun­de sei der Un­ter­las­sungs­an­spruch der Kläge­rin ge­ge­ben. Ent­ge­gen der An­sicht des Ar­beits­ge­richts hätten die Be­klag­ten mit dem Zu­griff auf den dienst­li­chen E-Mail-Ac­count der Kläge­rin auch das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht und das hier­aus ab­ge­lei­te­te Recht der in­for­ma­tio­nel­len Selbst­be­stim­mung der Kläge­rin ver­letzt. Die Be­klag­te hätte die
be­trieb­li­chen Abläufe an­ders als durch Zu­griff auf den dienst­li­chen E-Mail-Ac­count der Kläge­rin si­chern können. Kun­den der Be­klag­ten hätten über Mit­ar­bei­ter­por­tal der Be­klag­ten zu 1) auch die E-Mail-Adres­sen und Te­le­fon­num­mern an­de­rer Verkäufer, ins­be­son­de­re der Be­klag­ten zu 2) und 3) her­aus­fin­den können. Es sei auch zu berück­sich­ti­gen, dass die Be­klag­te zu 1) vom 28. No­vem­ber 2008 bis zum 20. Ja­nu­ar 2009, mit­hin zwei Mo­na­te lang, kei­ner­lei Not­wen­dig­keit ge­se­hen ha­be, Zu­griff auf den E-Mail-Ac­count der Kläge­rin zu neh­men und auch nicht ge­nom­men ha­be.
Die Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin be­an­tragt
1. Die Be­klag­ten wer­den un­ter Abände­rung des am 17. Au­gust 2010 verkünde­ten Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ber­lin, Az.: 36 Ca 235/10, bei Mei­dung von Ord­nungs­geld bis zu 250.000,00 EUR für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung – er­satz­wei­se Ord­nungs­haft – oder Ord­nungs­haft bis zu sechs Mo­na­ten zu ver­ur­tei­len, es oh­ne vor­he­ri­ge Ein­wil­li­gung der Kläge­rin zu un­ter­las­sen, E-Mails, die un­ter dem E-Mail-Ac­count mit der E-Mail-Adres­se „……….“ oder un­ter ei­nem an­de­ren hin­sicht­lich der Per­son der Kläge­rin per­so­na­li­sier­ten Fir­men-E-Mail-Ac­count der Be­klag­ten zu 1) emp­fan­gen wer­den oder von der Kläge­rin ver­sen­det wer­den, zur Kennt­nis zu neh­men, zu öff­nen, zu le­sen, zu spei­chern, aus­zu­dru­cken, zu ko­pie­ren und/oder wei­ter­zu­lei­ten;
2. Die Be­klag­ten wer­den un­ter Abände­rung des am 17. Au­gust 2010 verkünde­ten Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ber­lin, Az.: 36 Ca 235/10, bei Mei­dung von Ord­nungs­geld bis zu 250.000,00 EUR für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung – er­satz­wei­se Ord­nungs­haft – oder Ord­nungs­haft bis zu sechs Mo­na­ten zu ver­ur­tei­len, es zu un­ter­las­sen, sich oh­ne vor­he­ri­ge Ein­wil­li­gung der Kläge­rin durch Über­win­dung der Zu­gangs­si­che­rung in Form ei­nes Pass­worts Zu­gang zu dem pass­wort­geschütz­ten E-Mail-Ac­count der Kläge­rin mit der E-Mail-Adres­se „……….“ oder un­ter ei­nem an­de­ren hin­sicht­lich der Per­son der Kläge­rin per­so­na­li­sier­ten Fir­men-E-Mail-Ac­count der Be­klag­ten zu 1) zu ver­schaf­fen.
Die Be­klag­ten ver­tei­di­gen das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil un­ter Ver­tie­fung ih­res Rechts­vor­brin­gens und ver­wei­sen dar­auf, dass im Lau­fe des Ver­fah­rens deut­lich ge­wor­den sei, dass die Be­klag­ten kei­ner­lei pri­va­te E-Mails geöff­net, an­ge­se­hen oder aus­ge­druckt ha­ben. Die Be­klag­ten zu 3) ver­weist zusätz­lich dar­auf, dass sich aus dem Vor­trag der Kläge­rin wei­ter­hin nicht er­ge­be, dass die Be­klag­te zu 3) über­haupt Zu­griff auf den E-Mail-Ac­count der Kläge­rin ge­nom­men ha­be.
We­gen der Ein­zel­hei­ten des Par­tei­vor­brin­gens wird auf den vor­ge­tra­ge­nen In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.
A. Die gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1 und Abs. 2 Ziff. b. statt­haf­te Be­ru­fung der Kläge­rin ist von ihr frist­gemäß und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO, § 66 Abs. 1 Satz 1 und 2 ArbGG). Sie ist da­mit zulässig.
B. Die Be­ru­fung ist je­doch un­be­gründet. Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
I. Der An­spruch er­gibt sich nicht aus § 1004 BGB iVm. § 823 Abs. 2 BGB iVm. § 88 Abs. 2 und Abs. 3 TKG. We­der die Be­klag­te zu 1) noch die Be­klag­ten zu 2) und 3) ha­ben ge­gen § 88 Abs. 2 und Abs. 3 TKG ver­s­toßen.
1. Die Be­klag­te zu 1) ist eben­so we­nig wie die Be­klag­ten zu 2) und 3) Dienst­an­bie­ter iSd. § 88 TKG. Der Ar­beit­ge­ber, der le­dig­lich sei­nen Ar­beit­neh­mern auch die pri­va­te Nut­zung des dienst­li­chen E-Mail-Ac­counts ge­stat­tet, ist nach herr­schen­der Auf­fas­sung, der sich auch Ar­beits­ge­richt an­ge­schlos­sen hat, kein Dienst­an­bie­ter iSd. Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes (LAG Nie­der­sach­sen 31. Mai 2010 – 12 Sa 875/09 – NZA-RR 2010, 406).
Nach § 3 Ziff. 6 TKG ist „Dienst­an­bie­ter“ je­der, der ganz oder teil­wei­se geschäftsmäßig Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­leis­tun­gen er­bringt oder an der Er­brin­gung sol­cher Diens­te mit­wirkt. Die Be­klag­te zu 1) er­bringt we­der geschäftsmäßig Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­leis­tun­gen noch wirkt sie an die­sen mit. Das Be­ru­fungs­ge­richt folgt in­so­weit den zu­tref­fen­den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts (S. 6 – 7 des Ur­teils = Bl. 140 – 141 d. A.) und schließt sich die­sen an (§ 69 Abs. 2 ArbGG).
2. Aber selbst, wenn man die Auf­fas­sung der Kläge­rin teil­te, ein Ar­beit­ge­ber wer­de al­lein durch die Ge­stat­tung pri­va­ten E-Mail Ver­kehrs un­ter Nut­zung des dienst­li­chen Rech­ners und des dienst­li­chen Ac­counts zum Dienst­an­bie­ter iSd. § 3 Ziff. 6 TKG, wäre der An­wen­dungs­be­reich des § 88 TKG nicht eröff­net.
a. § 88 TKG schützt das Fern­mel­de­ge­heim­nis iSd. Art. 10 Abs. 1 GG. Das Fern­mel­de­ge­heim­nis schützt die unkörper­li­che Über­mitt­lung von In­for­ma­tio­nen an in­di­vi­du­el­le Empfänger mit Hil­fe des Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­kehrs (BVerfG 3. März 2006 – 2 BvR 2099/04 – BVerfGE 115, 166 (182); BVerfG 27. Fe­bru­ar 2008 - 1 BvR 370/07 und 1 BvR 595/07 – BVerfGE 120, 274 (306 f.)). Der Grund­rechts­schutz er­streckt sich nicht auf die außer­halb ei­nes lau­fen­den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­vor­gangs im Herr­schafts­be­reich des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­teil­neh­mers ge­spei­cher­ten In­hal­te und Umstände der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Der Schutz des Fern­mel­de­ge­heim­nis­ses en­det in­so­weit in dem Mo­ment, in dem die E-Mail beim Empfänger an­ge­kom­men und der Über­tra­gungs­vor­gang be­en­det ist (BVerfG 3. März 2006 – 2 BvR 2099/04 – BVerfGE 115, 166 (183 ff.); BVerfG 27. Fe­bru­ar 2008 - 1 BvR 370/07 und 1 BvR 595/07 – BVerfGE 120, 274 (307 f.)). Nach Ab­schluss des Über­tra­gungs­vor­gangs im Herr­schafts­be­reich des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­teil­neh­mers ge­spei­cher­ten Ver­bin­dungs­da­ten wer­den des­we­gen nicht durch Art 10 Abs. 1 GG geschützt (BVerfG 3. März 2006 – 2 BvR 2099/04 – BVerfGE 115, 166 (183 ff.).
Ge­stat­tet wie vor­lie­gend ein Ar­beit­ge­ber sei­nen Mit­ar­bei­tern, den Ar­beits­platz­rech­ner auch zum pri­va­ten E-Mail-Ver­kehr zu nut­zen und E-Mails, die von den Mit­ar­bei­tern nicht un­mit­tel­bar nach Ein­gang oder Ver­sen­dung gelöscht wer­den, im Post­ein­gang oder -aus­gang zu be­las­sen oder in an­de­ren auf lo­ka­len Rech­nern oder zen­tral ge­si­cher­ten Ver­zeich­nis­sen des Sys­tems ab­zu­spei­chern, un­ter­liegt der Zu­griff des Ar­beit­ge­bers oder Drit­ter auf die­se Da­ten­bestände
dem­ent­spre­chend nicht den recht­li­chen Be­schränkun­gen des Fern­mel­de­ge­heim­nis­ses (LAG Nie­der­sach­sen 31. Mai 2010 – 12 Sa 875/09 – NZA-RR 2010, 406; Hes­si­scher VGH 19. Mai 2009 - 6 A 2672/08.Z - NJW 2009, 2470; VG Frank­furt 6. No­vem­ber 2008 – 1 K 628/08.F – WM 2009, 948).
b. So­weit die Kläge­rin die Auf­fas­sung ver­tritt, der Schutz­be­reich des Art. 10 GG müsse für sie auch auf die auf dem Rech­ner ge­spei­cher­te E-Mail er­wei­tert wer­den, weil sei auf Grund ih­rer krank­heits­be­ding­ten Ab­we­sen­heit kei­ne Möglich­keit des Zu­griffs auf ih­ren Rech­ner hat­te, folgt dem die Kam­mer nicht. Art. 10 Abs. 1 GG trägt ge­ra­de der Be­son­der­heit Rech­nung, dass für den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­teil­neh­mer kei­ne tech­ni­schen Möglich­kei­ten vor­han­den sind, das Ent­ste­hen und die Spei­che­rung von Ver­bin­dungs­da­ten durch den Nach­rich­tenüber­mitt­ler zu ver­hin­dert oder auch nur zu be­ein­flus­sen. Dem­ge­genüber hat­te die Kläge­rin vor­lie­gend im Rah­men auch ih­res dienst­li­chen E-Mail-Ac­counts die Möglich­keit, grundsätz­lich dem Zu­griff Drit­ter auf ih­ren Ac­count durch Ein­rich­tung von Schutz­vor­rich­tun­gen zu be­geg­nen. Ge­nau dies hat die Kläge­rin auch ge­tan: Sie hat ein persönli­ches Pass­word ein­ge­rich­tet, oh­ne des­sen Kennt­nis auch die Be­klag­te nicht oh­ne wei­te­res auf den dienst­li­chen Ac­count der Kläge­rin zu­grei­fen konn­te. Der E-Mail Ac­count blieb im Übri­gen auch während der Er­kran­kung der Kläge­rin für die­se grundsätz­lich be­herrsch­bar. Die Be­klag­te zu 1) hat mehr­mals ver­geb­lich ver­sucht, die Kläge­rin we­gen der feh­len­den Zu­griffsmöglich­keit zu er­rei­chen. Die Tat­sa­che, dass die Kläge­rin dies of­fen­sicht­lich igno­rier­te und auch sich selbst die Möglich­keit nahm, das wei­te­re Vor­ge­hen zu be­ein­flus­sen, führt nicht zu ei­ner Er­wei­te­rung des Schutz­be­reichs des Art. 10 Abs. 1 GG.
So­weit die Kläge­rin die Ver­su­che ei­ner Kon­takt­auf­nah­me durch die Be­klag­te be­strei­tet, wi­der­spricht dies zu­min­dest den in Ko­pie ein­ge­reich­ten E-Mails an die Kläge­rin, bei de­nen auch Ab­sen­de­zeit, Ab­sen­de­da­tum und Adres­sat er­sicht­lich sind (Bl. 61 – 62 d. A.). In­so­weit war die Kam­mer nach dem Gang der münd­li­chen Ver­hand­lung und dem Ak­ten­in­halt über­zeugt, dass der Vor­trag der Be­klag­ten zu 1), sie ha­be mehr­fach ver­sucht die Kläge­rin so­wohl te­le­fo­nisch als auch per Mail zu er­rei­chen, zu­tref­fend ist. Ei­ne Be­fra­gung der Kläge­rin hier­zu war nicht möglich, da die­se trotz An­ord­nung des persönli­chen Er­schei­nens der münd­li­chen Ver­hand­lung fern­ge­blie­ben war, oh­ne Ent­schul­di­gungs­gründe glaub­haft zu ma­chen. In­so­weit war die Kam­mer viel­mehr über­zeugt, dass die
Kläge­rin mit dem Be­strei­ten den An­for­de­run­gen des § 138 Abs. 1 ZPO nicht genügt hat­te.
II. Der An­spruch er­gibt sich aus den oben dar­ge­leg­ten Gründen auch nicht aus § 1004 BGB iVm. § 823 Abs. 2 BGB iVm. Art. 10 Abs. 1 GG. Der Schutz­be­reich des Art. 10 GG ist be­reits nicht eröff­net.
III. Der An­spruch er­gibt sich aus den oben dar­ge­leg­ten Gründen auch nicht aus § 1004 BGB iVm. § 823 Abs. 2 BGB iVm. § 206 StGB. Die Be­klag­ten wa­ren we­der In­ha­ber noch Beschäftig­te ei­nes Un­ter­neh­mens, das geschäftsmäßig Post- oder Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­te er­bringt. In­so­weit ist der Vor­wurf der Kläge­rin, die Be­klag­ten hätten ei­nen Straf­tat­be­stand ver­wirk­licht, nicht zu­tref­fend.
IV. Der An­spruch er­gibt sich auch nicht aus § 1004 BGB iVm. § 823 Abs. 2 BGB iVm. § 202a StGB. Die Kläge­rin hat nicht dar­ge­legt und un­ter Be­weis ge­stellt, dass sich die Be­klag­ten un­be­fugt Zu­gang zu Da­ten, die nicht für sie be­stimmt wa­ren, ver­schafft ha­ben. Vor­lie­gend hat die Be­klag­te sich zwar Zu­griff auf den E-Mail-Ac­count der Kläge­rin ver­schafft; es er­folg­te aber so­weit er­sicht­lich al­lein ein Zu­griff auf dienst­li­che E-Mails der Kläge­rin. In­so­weit auch hat das bei der Öff­nung des Ac­counts an­we­sen­de Be­triebs­rats­mit­glied in sei­nem schrift­li­chen Gedächt­nis­pro­to­koll (Bl. 69 d. A.) aus­drück­lich klar­ge­stellt, dass es kei­ne Zwei­fel ge­ge­ben ha­be, dass pri­va­te E-Mails we­der geöff­net noch aus­ge­druckt wur­den, son­dern aus­sch­ließlich die ein­deu­tig durch die Kopf- oder Be­treff­zei­le als Geschäfts­mail zu iden­ti­fi­zie­ren­de Mail be­trof­fen wa­ren. Die­se E-Mails sind nicht der Kläge­rin, son­dern al­lein der Be­klag­ten zu 1) zu­zu­ord­nen. Die Kläge­rin hat die ent­spre­chen­den E-Mails al­lein als Ar­beit­neh­me­rin der Be­klag­ten zu 1) er­hal­ten; in­so­weit war die E-Mail aus Sicht des Sen­ders an die Be­klag­te zu 1) und nicht an die Kläge­rin als Pri­vat­per­son ge­rich­tet, es han­del­te sich da­mit iSd. § 202a StGB um Da­ten die für die Be­klag­te zu 1) be­stimmt wa­ren. So­weit die Kläge­rin be­strei­tet, die Be­klag­te ha­be al­lein auf dienst­li­che E-Mails zu­ge­grif­fen, so ist dies nicht rechts­er­heb­lich. Viel­mehr ist die Kläge­rin für die Vor­aus­set­zun­gen des von ihr ver­folg­ten Un­ter­las­sungs­an­spruchs dar­le­gungs- und be­weis­pflich­tig. So­weit die Kläge­rin in der Kla­ge­schrift noch po­si­tiv be­haup­tet hat, dass auf sämt­li­che E-Mail al­so auch pri­va­ten an­ge­se­hen wor­den sind (Bl. 7 d. A.), hat sie dies nicht auf­recht­er­hal­ten, son­dern hat sich nach­fol­gend dar­auf be­schränkt mit Nicht­wis­sen zu be­strei­ten, dass nur dienst­li­che E-Mails geöff­net wur­den (Bl. 119 d. A.).
V. Der An­spruch der Kläge­rin er­gibt sich nicht aus § 1004 BGB iVm Art. 1 Abs. 1 und 2 Abs. 1 GG.
1. Es er­scheint der Kam­mer be­reits nicht un­zwei­fel­haft, ob die Be­klag­te in den Schutz­be­reich des Art. 2 Abs. 1 iVm. Art. 1 Abs. 1 GG gewähr­leis­te­ten Persönlich­keits­rechts ein­ge­grif­fen hat.
Das durch Art. 2 Abs. 1 iVm. Art. 1 Abs. 1 GG gewähr­leis­te­te all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht ist al­ler­dings auch im Pri­vat­rechts­ver­kehr und ins­be­son­de­re im Ar­beits­verhält­nis zu be­ach­ten (BAG 27. März 2003 - 2 AZR 51/02 - BA­GE 105, 356). Das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht schützt den Ar­beit­neh­mer im Ar­beits­verhält­nis nicht nur vor ei­ner tech­ni­schen Über­wa­chung am Ar­beits­platz son­dern auch vor an­de­ren Ein­grif­fen (BAG 13. De­zem­ber 2007 - 2 AZR 537/06 - EzA § 626 BGB 2002 Nr. 20 = AP Nr. 210 zu § 626 BGB).
Vor­lie­gend hat die Be­klag­te sich zwar Zu­griff auf den E-Mail-Ac­count der Kläge­rin ver­schafft; es er­folg­te so­weit er­sicht­lich al­lein ein Zu­griff auf dienst­li­che E-Mails der Kläge­rin.
2. Aber auch wenn man ein Ein­griff in den Schutz­be­reich des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts mit der Kläge­rin des­we­gen be­jaht, weil durch die Öff­nung des dienst­li­chen E-Mail-Ac­count an­ge­sichts der auch pri­va­ten Nut­zung der dienst­li­chen E-Mail-Adres­se ein Zu­griff auf pri­va­te E-Mails zu­min­dest po­ten­ti­ell möglich war, wäre der Ein­griff nicht rechts­wid­rig ge­we­sen.
a. Das Persönlich­keits­recht des Ar­beit­neh­mers im Ar­beits­verhält­nis wird nicht schran­ken­los gewähr­leis­tet. Ein­grif­fe in das Persönlich­keits­recht des Ar­beit­neh­mers können durch Wahr­neh­mung über­wie­gend schutzwürdi­ger In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ge­recht­fer­tigt sein. Bei ei­ner Kol­li­si­on des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts mit den In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ist so­mit durch ei­ne Güter­abwägung im Ein­zel­fall zu er­mit­teln, ob das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht den Vor­rang ver­dient (BVerfG 9. Ok­to­ber 2002 - 1 BvR 1611/96 - und - 1 BvR 805/98 - BVerfGE 106, 28; BVerfG 19. De­zem­ber 1991 - 1 BvR 382/85 - AP BGB § 611 Persönlich­keits­recht Nr. 24 = EzA BGB § 611 Persönlich­keits­recht Nr. 10; BVerfG 13. Fe­bru­ar 2007 - 1 BvR 421/05 - BVerfGE 117, 202; BAG 15. Au­gust 2002 - 2 AZR 214/01 - BA­GE 102, 190; BAG
13. De­zem­ber 2007 - 2 AZR 537/06 - EzA § 626 BGB 2002 Nr. 20 = AP Nr. 210 zu § 626 BGB; BAG 18. No­vem­ber 1999 - 2 AZR 743/98 - BA­GE 93, 1; BAG 27. März 2003 - 2 AZR 51/02 - BA­GE 105, 356).
b. Vor­lie­gend über­wiegt das durch Art. 14 GG geschütz­te In­ter­es­se der Be­klag­ten zu 1) an der Auf­recht­er­hal­tung des un­gestörten Ar­beits­ab­lauf dem In­ter­es­se der Kläge­rin, dass ein Zu­griff auf ih­ren Ac­count gänz­lich un­ter­bleibt.
aa. Zu berück­sich­ti­gen ist da­bei zum ei­nen, dass die Not­wen­dig­keit ei­nes Zu­griffs al­lein durch ein Ver­hal­ten der Kläge­rin ent­stand. Die Kläge­rin war ar­beits­ver­trag­lich ver­pflich­tet, im Fal­le ih­rer Ab­we­sen­heit im Rah­men ei­ner Stell­ver­tre­ter­re­ge­lung dafür Sor­ge zu tra­gen, dass dienst­li­che E-Mails auch während ih­rer Ab­we­sen­heit be­ar­bei­tet wer­den können. Dem ist die Kläge­rin nicht nach­ge­kom­men, sie hat viel­mehr ei­ne be­ste­hen­de Stell­ver­tre­ter­re­ge­lung so­gar de­ak­ti­viert und da­mit ei­ne ord­nungs­gemäße Be­ar­bei­tung im Rah­men des Geschäfts­ab­laufs zusätz­lich er­schwert bzw. ver­hin­dert.
bb. Zur Wie­der­her­stel­lung ei­nes ord­nungs­gemäßen Geschäfts­ab­laufs war der Zu­griff auf den dienst­li­chen E-Mail-Ac­count der Kläge­rin auch er­for­der­lich und verhält­nismäßig.
(1) So­weit die Kläge­rin die Auf­fas­sung ver­tritt, ein Zu­griff sei be­reits des­we­gen nicht er­for­der­lich, weil die Be­klag­te zu 1) mit dem Zu­griff „zwei Mo­na­te“ ge­war­tet ha­be, so kann dem die Kam­mer nicht fol­gen. Un­abhängig da­von, dass die Be­klag­te nicht gan­ze zwei Mo­na­te ab­war­te­te, ist zu berück­sich­ti­gen, dass die zeit­li­che Verzöge­rung al­lein dar­auf be­ruh­te, dass die Be­klag­te zuvörderst ver­such­te, durch Kon­tak­tie­rung der Kläge­rin ei­nen oh­ne Zu­stim­mung der Kläge­rin not­wen­di­gen Zu­griff ge­ra­de zu ver­hin­dern. Nach­dem die Kläge­rin nicht re­agier­te, hat die Be­klag­te zu 1) tatsächlich nicht so­fort auf den Ac­count zu­ge­grif­fen, son­dern sie hat zu­erst den Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten so­wie den Be­triebs­rat ein­ge­schal­tet, um ei­ne Kon­trol­le der Be­klag­ten zu 1) bei dem Zu­griff zu gewähr­leis­ten. Dass es auf Grund des er­sicht­li­chen Bemühens der Be­klag­ten zu 1), sich in je­der Hin­sicht rechtmäßig zu ver­hal­ten, zu ei­ner wei­te­ren zeit­li­chen Verzöge­rung kam, führt nicht da­zu, dass der Zu­griff nicht er­for­der­lich ge­we­sen wäre.
(2) So­weit die Kläge­rin meint, ein Zu­griff auf ih­ren dienst­li­chen Ac­count sei schon des­we­gen nicht er­for­der­lich, weil je­der Kun­de die Be­klag­te zu 1) auch an­der­wei­tig kon­tak­tie­ren konn­te, als durch E-Mail an die Kläge­rin, kann dem die Kam­mer eben­falls nicht fol­gen. Zu­tref­fend ver­wei­sen die Be­klag­ten in­so­weit dar­auf, dass durch den Ab­we­sen­heits­as­sis­ten­ten ei­ne Ab­we­sen­heit der Kläge­rin nur für ei­ne kur­ze Zeit über­mit­telt wur­de. Ein Kun­de hätte sich ver­mut­lich ent­spre­chend erst nach länge­rem Ab­war­ten – ggf. weil er kei­ne Ant­wort er­hielt – durch­ge­fragt und mögli­cher­wei­se ver­späte­te er­fah­ren, dass die Kläge­rin ih­re Mails nicht le­sen könne. Ge­ra­de dies soll­te aber im Rah­men ei­ner aus­rei­chen­den Ser­vice­ori­en­tie­rung ver­hin­dert wer­den. Des Wei­te­ren hat die Be­klag­te zu 3) in der münd­li­chen Ver­hand­lung auch un­be­strit­ten vor­ge­tra­gen, dass ei­ne Not­wen­dig­keit zum Han­deln auch des­we­gen be­stand, weil Kun­den ei­ne Ände­rung der Aus­stat­tung vor Aus­lie­fe­run­gen von be­stell­ten KFZ auch per E-Mail durch­ge­ben können. Er­langt die Be­klag­te kei­ne Kennt­nis von die­sen Ände­rungswünschen ist die Aus­stat­tung der KFZ feh­ler­haft und die Kun­den ha­ben kei­ne Ab­nah­me­ver­pflich­tung. In­so­weit droh­te der Be­klag­ten zu 1) auch ein nicht un­er­heb­li­cher fi­nan­zi­el­ler Scha­den.
(3) An der Verhält­nismäßig­keit es Zu­griffs be­ste­hen auch kei­ne Zwei­fel. Die Be­klag­te hat vor dem Zu­griff zunächst ver­sucht, die Kläge­rin zu kon­tak­tie­ren, sie hat wei­ter­hin, nach­dem dies nicht er­folg­reich war, erst ab­ge­war­tet, ob die Kläge­rin ge­sun­det und da­mit ein Zu­griff ent­behr­lich wird. Erst nach­dem ein wei­te­res Zu­war­ten nicht mehr ver­tret­bar er­schien, hat sich die Be­klag­te ent­schlos­sen, zur Auf­recht­er­hal­tung ih­res Geschäfts­be­triebs zu han­deln. Sie hat da­bei al­le for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen ge­wahrt: Sie hat den Be­auf­trag­ten für den Da­ten­schutz recht­zei­tig zu­vor ein­ge­schal­tet, sie hat des Wei­te­ren dafür ge­sorgt, dass bei dem Zu­griff auf den Ac­count ua. ein Be­triebs­rats­mit­glied an­we­send ist. Durch die ent­spre­chen­de An­we­sen­heit hat die Be­klag­te zu 1) ih­re ei­ge­ne Über­wa­chung gewähr­leis­tet, ge­ra­de um durch die Kon­trol­le auch durch den Be­triebs­rat ei­nen Zu­griff auf pri­va­te E-Mail zu ver­hin­dern.
3. Nach al­le­dem hat die Be­klag­te zu 1) das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht der Kläge­rin nicht ver­letzt. Glei­ches gilt für den Be­klag­ten zu 2). Die Be­klag­te zu 3) hat­te nicht ein­mal Zu­griff auf den dienst­li­chen E-Mail-Ac­count der Kläge­rin ge­nom­men. Der An­spruch der Kläge­rin er­gibt sich dem­ent­spre­chend auch nicht aus § 1004 BGB iVm Art. 1 Abs. 1 und 2 Abs. 1 GG.
C. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Da­nach hat die Kläge­rin die Kos­ten ih­res er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels zu tra­gen.
D. Die Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on gemäß § 72 Abs. 2 ArbGG lie­gen nicht vor. Die Kam­mer hat bei der Ent­schei­dung die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung zu­grun­de ge­legt, da­bei wa­ren al­lein Umstände des Ein­zel­fal­les maßge­bend.
Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. Die Kläge­rin wird auf die Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de hin­ge­wie­sen (§ 72 a ArbGG).
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