Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/schadensersatzansprueche-und-der-gesetzliche-forderungsuebergang-auf-die-sozialversicherung-3199260
Timestamp: 2020-05-26 01:58:34
Document Index: 91808626

Matched Legal Cases: ['§ 145', '§ 116', '§ 145', '§ 138', '§ 137', '§ 145', '§ 145', '§ 125', '§ 125', '§ 105', '§ 125', '§ 145']

Schadensersatzansprüche - und der gesetzliche Forderungsübergang auf die Sozialversicherung | Rechtslupe
Die Bun­des­agen­tur für Arbeit hat­te, wie in dem ange­grif­fe­nen Urteil rechts­feh­ler­frei aus­ge­führt, bis zum Bescheid der DRV vom 23.09.2013, mit dem die vol­le Erwerbs­min­de­rung der Bun­des­agen­tur für Arbeit fest­ge­stellt wur­de, auf­grund der soge­nann­ten Naht­lo­sig­keits­re­ge­lung des § 145 Abs. 1 Satz 1 SGB III Arbeits­lo­sen­geld ILeis­tun­gen und damit eine Sozi­al­leis­tung im Sin­ne von § 116 Abs. 1 Satz 1, Satz 2 Nr. 1 SGB X zu erbrin­gen. § 145 Abs. 1 Satz 1 SGB III gewährt dem­je­ni­gen einen Anspruch auf eine "Son­der­form" des Arbeits­lo­sen­gel­des 2, der wegen einer mehr als sechs­mo­na­ti­gen Min­de­rung sei­ner Leis­tungs­fä­hig­keit nicht objek­tiv ver­füg­bar im Sin­ne von § 138 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 5 Nr. 1 SGB III und damit nicht gemäß § 137 Abs. 1 Nr. 1 SGB III arbeits­los ist, des­sen ver­min­der­te Erwerbs­fä­hig­keit aber (noch) nicht durch den hier­für zustän­di­gen Trä­ger der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (§ 145 Abs. 1 Satz 2 SGB III) fest­ge­stellt ist. Die Wir­kung der Naht­lo­sig­keits­re­ge­lung besteht dar­in, ein aus gesund­heit­li­chen Grün­den objek­tiv nicht bestehen­des Leis­tungs­ver­mö­gen des Arbeits­lo­sen bis zum Ein­tritt des in der Ren­ten­ver­si­che­rung ver­si­cher­ten Risi­kos der Erwerbs­min­de­rung zu fin­gie­ren. Die­se Fik­ti­on hin­dert die Arbeits­ver­wal­tung dar­an, einen Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld mit der Begrün­dung zu ver­nei­nen, der Anspruch­stel­ler sei wegen sei­ner Leis­tungs­min­de­rung objek­tiv nicht ver­füg­bar und des­halb nicht arbeits­los. Die Fik­ti­on gesund­heit­li­chen Leis­tungs­ver­mö­gens und objek­ti­ver Ver­füg­bar­keit und damit auch die Sperr­wir­kung der Naht­lo­sig­keits­re­ge­lung gegen­über der Arbeits­ver­wal­tung dau­ern bis zur Fest­stel­lung, dass ver­min­der­te Erwerbs­fä­hig­keit im Sin­ne des Rechts der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung vor­liegt, wobei die­se Fest­stel­lung gemäß § 145 Abs. 1 Satz 2 SGB X dem zustän­di­gen Ren­ten­ver­si­che­rer vor­be­hal­ten ist 3. Zweck der Naht­lo­sig­keits­re­ge­lung ist es in ers­ter Linie, nega­ti­ve Kom­pe­tenz­kon­flik­te zu Las­ten des Ver­si­cher­ten zu ver­mei­den: Es soll unter­schied­li­chen Beur­tei­lun­gen der Erwerbs­fä­hig­keit durch Arbeits­lo­senund Ren­ten­ver­si­che­rung und damit der Gefahr ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den, dass tat­säch­lich kein Ver­si­che­rungs­schutz gewährt wird, obwohl gegen eine der Ver­si­che­run­gen ein Anspruch besteht 4. Den Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rer trifft somit eine Vor­leis­tungs­pflicht bis zur Ent­schei­dung des Ren­ten­ver­si­che­rers über den Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls der ver­min­der­ten Erwerbs­fä­hig­keit 5. Die­se Vor­leis­tungs­pflicht traf vor­lie­gend die Bun­des­agen­tur für Arbeit.
BSG, Urtei­le vom 12.12 2017 B 11 AL 27/​16 R, Beck­RS 2017, 137017 Rn. 12; vom 21.03.2007 B 11a AL 31/​06 R, Beck­RS 2007, 45853 Rn. 16 f. zu § 125 Abs. 1 SGB III a.F.[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 21.03.2007 B 11a AL 31/​06 R, Beck­RS 2007, 45853 Rn. 17 zu § 125 Abs. 1 SGB III a.F.; BSG, SGb 1999, 315, 317 f.; BSG, Urteil vom 14.12 1995 11 RAr 19/​95, Beck­RS 1995, 30758824 zur Vor­gän­ger­re­ge­lung § 105a AFG[↩]
BSG, Urteil vom 30.01.2002 B 5 RJ 6/​01 R, Beck­RS 2002, 40723 zu § 125 Abs. 1 SGB III a.F.; Lüdtke/​Böttiger in Böttiger/​Körtek/​Schaumberg, Sozi­al­ge­setz­buch III, 3. Aufl., § 145 Rn. 2[↩]