Source: https://blogs.pwc.de/regulatory/category/aktuelles/page/17/
Timestamp: 2020-03-28 21:56:13
Document Index: 130660138

Matched Legal Cases: ['Art. 511', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 178', 'Art. 5', 'Art. 6', 'Art. 7']

Aktuelles Archives - Seite 17 von 21 - Regulatory
Das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) hat am 12. Januar 2014 das finale Rahmenwerk zur Leverage Ratio und die damit verbundenen Offenlegungsanforderungen (Basel III leverage ratio framework and disclosure requirements) veröffentlicht.
Im Juni 2013 hatte das BCBS eine Konsultation über die Anforderungen an die Leverage Ratio gestartet. Im Vordergrund standen dabei die Regelungen zum Konsolidierungskreis und die Methode zur Berechnung der Quote (vgl. dazu Regulatory Blog Beitrag: „Neue Details zur Leverage Ratio – Framework and disclosure requirements“ vom 19.08.2013). Im Vergleich zum Konsultationsentwurf haben sich insbesondere bei der Kalkulation der „Engagement Messgröße – Exposure Measure“ Änderungen ergeben.
Die wesentlichen Änderungen im finalen Rahmenwerk umfassen:
Berücksichtigung von Wertpapierfinanzierungsgeschäfte
Gewichtung der außerbilanziellen Positionen
Frequenz und Art der Kalkulation
Die wesentlichen Neuerungen möchte ich Ihnen im folgenden Beitrag vorstellen.
Wertpapierfinanzierungsgeschäfte – Securities financing transactions (SFTs)
Bei sogenannten SFTs erfolgt im Gegensatz zur CRD IV eine Berücksichtigung der bilanziellen Forderungen zusätzlich zu dem „regulatorischen“ Betrag, der sich aus der Verrechnung der Positionen mit den Wertpapiersicherheiten ergibt (unter Berücksichtigung der Master Netting Agreements). Die bilanziellen Forderungen dürfen jedoch im Gegensatz zum Entwurf aus dem Juni 2013 unter bestimmten Bedingungen mit den bilanziellen Verbindlichkeiten verrechnet werden („Geldseiten-Netting“). Dabei wird u.a. vorausgesetzt, dass eine Fristenkongruenz und ein „Master Netting Agreement“ vorliegen.
Bei Derivaten ist nun im Gegensatz zum vorherigen Entwurf und der CRD IV eine Berücksichtigung von Sicherheiten erlaubt. Täglich fällige Nachschusszahlungen – „Variation Margins“ – dürfen unter bestimmten Bedingungen (z.B. Währungskongruenz zwischen Sicherheit und dem jeweiligen derivativen Geschäft) genutzt werden, um die Gesamtengagement-Messgröße bzw. die Marktwerte der Derivate zu reduzieren.
Bei den außerbilanziellen Positionen können nun die Gewichtungsfaktoren (Konversionsfaktoren) des Kreditrisikostandardansatzes verwendet werden, wobei widerrufliche Kreditzusagen eine Gewichtung von 10% erhalten. Die Möglichkeit andere Gewichtungsfaktoren als 10% und 100% zu nutzen, war unter der Basel III bisher nicht möglich und unter der CRD IV bisher nur bestimmten Geschäften der Handelsfinanzierung (z.B. Akkreditive) vorbehalten. Dabei stellt der Umrechnungsfaktor 10% die Untergrenze dar.
Das finale Baseler Dokument stellt auf den aufsichtsrechtlichen Konsolidierungskreis ab. Korrekturposten bzw. Einheiten, die gemäß den relevanten Rechnungslegungsstandards konsolidiert werden, aber nicht in die aufsichtsrechtliche Konsolidierung einbezogen werden, müssen nicht mehr berücksichtigt werden.
Kalkulation auf Basis von Quartals-Endwerten
Im Gegensatz zur CRD IV ist keine Durchschnittbetrachtung über die letzten 3 Monate notwendig und es wird auf Quartalsendwerte abgestellt, die quartalsweise gemeldet werden müssen.
Die Offenlegungstabellen haben sich gegenüber dem Entwurf vom Juni 2013 nicht signifikant geändert. In der Überleitungstabelle „Leverage Ratio Gesamtengagement zur handelsrechtlichen Bilanz“ müssen die Effekte aus dem abweichenden Konsolidierungskreis, aus nicht berücksichtigtem Treuhandvermögen und sonstige Effekte ausgewiesen werden. Bei der Aufgliederung des Gesamtengagements sind zusätzliche Positionen auszuweisen, die die Auswirkungen der im finalen Rahmenwerk vorgenommenen Änderungen darstellen (z.B. anrechnungsfähige Sicherheiten bei Derivaten). Die Offenlegung ist weiterhin für den 01. Januar 2015 vorgesehen.
Umsetzung der Änderungen in der EU und den USA
Änderungen im Baseler Rahmenwerk kommen wegen des fehlenden Gesetzescharakters in der EU und in den Drittstaaten nicht automatisch zur Anwendung. Vielmehr bedarf es dort einer besonderen Implementierung.
Wie diese Änderungen in der EU umgesetzt werden sollen bzw. welche Auswirkungen es auf den Richtlinie- bzw. Verordnungstext der CRD IV/CRR hat, hat die EU-Kommission bei ihrer öffentlichen Anhörung am 10. März 2014 das erste Mal vorgestellt. Demnach sollen die Änderungen des BCBS weitgehend vollständig in der CRR umgesetzt werden. Dies wird in Form einer Anpassung der CRR („delegated act“) erfolgen, die bis zum 30. Juni 2014 verabschiedet werden soll. Geplant ist ein Inkrafttreten zum 01. Januar 2015. Ob es eine Mindestanforderung an die Höhe der Leverage Ratio geben wird und in welcher Höhe, ist auf EU-Ebene aber weiterhin offen. Die EU Kommission wird voraussichtlich erst in 2016/2017 nach Beendigung der Beobachtungsperiode und Erhalt des Berichts der EBA zur Kalibrierung der Leverage Ratio in Einklang mit Art. 511 CRR darüber entscheiden.
In den USA laufen derzeit Konsultationen zur Umsetzung der Neuerungen bis zum 13. Juni 2014. Am 08. April 2014 haben die amerikanischen Bankaufsichtsbehörden (Federal Reserve, Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) und Office of the Controller of the Currency (OCC)) das Konsultationspapier zur Umsetzung der Leverage Ratio des BCBS veröffentlicht. Grundsätzlich beinhaltet es die wesentlichen Punkte des finalen Baseler Rahmenwerks zur Leverage Ratio vom Januar 2014. Allerdings ist ein bedeutendes Thema nicht übernommen worden. Die Bedingung, dass bilanzielle Positionen (ausgenommen SFTs und Derivate) nicht durch Sicherheiten, Garantien oder Kreditrisikominderungstechniken reduziert werden sowie Kredite und Einlagen nicht verrechnet werden dürfen, ist im Gegensatz zu Basel III und CRD IV/CRR in dem U.S.-Konsultationspapier nicht enthalten.
Die Leverage Ratio gem. Basel III wird in den USA zusätzlich zur bereits vorhandenen US Variante der Leverage Ratio („general approach„) als „supplementary leverage ratio“ eingeführt und soll im Wesentlichen nur für die systemrelevanten Institute (G-SIBs) in den U.S. gelten. Der bereits existierende Ansatz („general approach“) gilt weiterhin für sämtlichen Banken in den USA. Er stellt die durchschnittliche Bilanzsumme der letzten drei Monate unter Berücksichtigung von aufsichtsrechtlichen Kapitalabzugspositionen ins Verhältnis zum aufsichtsrechtlichen Kernkapital. Die Mindestanforderung an die Höhe der Leverage Ratio beträgt dabei 4%.
Im Hinblick auf die Mindestanforderungen an die Höhe der „supplementaty leverage ratio“ in den USA gibt schon in einem finalen Status. Am 08. April 2014 haben die Aufsichtsbehörden die finalen Regelungen hierzu veröffentlicht. Demnach beträgt die Mindestanforderung gem. der „supplementary leverage ratio“ für alle „advanced approach“-Banken (im Wesentlichen Banken mit einer Bilanzsumme > 250 Mrd. USD) 3%. Banken bzw. Bankholdings (BHC – Bank Holding Company) mit einer Bilanzsumme > 700 Mrd. USD müssen zusätzlich einen Leverage Ratio Puffer von 2 % vorhalten. Ähnlich wie beim antitzyklischen Kapitalpuffer werden je nach Unterschreitung dieses Puffers Sanktionen wirksam (z. B. Beschränkungen bei Gewinnausschüttungen und Bonuszahlungen). Sämtliche Einlagenkreditinstitute innerhalb dieser BHC, die durch den FDIC versichert sind, müssen sogar 6 % einhalten.
Beide Mindestanforderungen (U.S. und EU) sollen ab dem 01.01.2018 in Kraft treten. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die Leverage Ratio eine Beobachtungskennzahl bleiben, die quartalsweise an die Aufsicht zu melden und ab 2015 offenzulegen ist.
Die Mindestanforderungen sind zwar noch nicht bindend, aber Markt, Analysten und Investoren haben spätestens mit der Offenlegung in 2015 eine Möglichkeit die Leverage Ratio zu vergleichen. Zusammen mit der generellen Aufmerksamkeit im internationalen Umfeld wird diese Kennzahl bereits vor Inkrafttreten der Mindestanforderungen in 2018 eine steuerungsrelevante Kennzahl für Banken in der EU und auch weltweit sein. Insbesondere Banken mit einem hohen Anteil von Investment-Banking-Aktivitäten und mitinternen Modellen dürften von derLeverage Ratio stärker betroffen sein. Denn schließlich sind Aufrechnungsmöglichkeiten und Modellberechnungen im Handelsbestand unter der Leverage stark begrenzt bzw. ausgeschlossen.
Am 27.02.2014 wurde im EU Amtsblatt die delegierten Verordnung (EU) Nr. 183/2014 zur Festlegung der Berechnung der spezifischen und allgemeinen Kreditrisikoanpassungen veröffentlicht. Damit ist ein weiterer Regulatory Technical Standard (RTS) finalisiert worden. Die Konsultationen rund um die RTS im Zusammenhang mit den Kreditanpassungen (credit valuation adjustments) starteten bereits in 2012 (Consultation on Draft RTS on the specification of the calculation of specific and general credit risk adjustments according to Article 105(4) of the draft Capital Requirements Regulation (CRR) (EBA/CP/2012/10)) und wurden Mitte 2013 in einer zweiten Phase näher spezifiziert (Final Draft RTS on the specification of the calculation of specific and general credit rsik adjustments in accordane with Article 110(4) of the Capital Requirements Regulation (CRR) (EBA/RTS/2013/04)).
In die Berechnung der allgemeinen und spezifischen Kreditrisikoanpassungen sind alle Beträge einzubeziehen, die vom harten Kernkapital abgezogen wurden, um ausschließlich Verluste aus Kreditrisiken abzufangen – unabhängig davon, ob sich diese aus Wertminderungen, Bewertungsanpassungen oder Rückstellungen für außerbilanzielle Posten ergeben. Darüber hinaus legt die Verordnung die Unterscheidung zwischen allgemeinen und spezifischen Kreditrisikoanpassungen fest.
Nach Erwägungsgrund 4 des RTS werden andere Bewertungsergebnisse, die nach der Rechnungslegung keine dauerhafte Wertminderung eines Finanzinstruments darstellen, derzeit nicht reguliert. Das gilt selbst dann, wenn diese Wertänderungen möglicherweise eine Kreditrisikokomponente enthalten (dazu auch EBA: Single Rule Book Q&A, Question ID: 2013_101, Topic: Credit risk). Dies betrifft insbesondere IFRS-Bilanzierer, die Finanzinstrumente zum Fair Value bilanzieren und eine Aufteilung von Fair Value-Änderungen in eine Kreditrisiko- und eine Zins- oder Liquiditätskomponente vornehmen können. Auch die Kreditrisikokomponente der Fair Value-Änderung gilt nach dieser Definition nicht als Kreditrisikoanpassung. Voraussetzung für das Vorliegen einer Kreditrisikoanpassung ist vielmehr ein Impairment des Finanzinstruments.
Kreditrisikoanpassungen sind nach dem RTS insbesondere im Zusammenhang mit der Ermittlung der KSA-/IRB-Bemessungsgrundlage, der Bemessungsgrundlage von Verbriefungspositionen, der Durchführung des Wertberichtigungsvergleichs und bei Ausfall eines Schuldner zu berücksichtigen.
Beträge, die der o.g. Definition entsprechen (Risikovorsorge und Minderung des harten Kernkapitals), werden in die Berechnung der allgemeinen Kreditrisikoanpassung einbezogen, wenn sie zum einen jederzeit in voller Höhe frei und uneingeschränkt verfügbar sind , um Verluste aus noch nicht eingetretenen Kreditrisiken zu decken. Zum anderen müssen sie der Abdeckung von kreditrisikobedingten Verlusten bei einer Gruppe von Risikopositionen dienen, für die dem Institut zum aktuellen Zeitpunkt keine Hinweise dafür vorliegen, dass ein Verlustereignis eingetreten ist (Art. 1 Abs. 2). Unter den allgemeinen Kreditrisikoanpassungen werden Risikovorsorgebeträge erfasst, die zur Deckung von höheren durchschnittlichen Portfolioverlusten in den letzten Jahren angesetzt wurden, auch wenn aktuell keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass diese Verlustereignisse tatsächlich eingetreten sind. Ebenfalls unter den allgemeinen Kreditrisikoanpassungen wird die Vorsorge für Verluste erfasst, für die in Bezug auf eine Gruppe von Risikopositionen aufgrund von Erfahrungswerten eine statistische Eintrittswahrscheinlichkeit besteht, auch wenn keine Anhaltspunkte für eine Bonitätsverschlechterung vorliegen (Art. 1 Abs. 4 RTS).
Dies bedeutet, dass sowohl Pauschalwertberichtigungen (HGB) als auch Portfoliowertberichtigungen und pauschalierte Einzelwertberichtigungen (IFRS) sowie Länderwertberichtigungen im Regelfall nicht als allgemeine Kreditrisikoanpassungen im Sinne des EBA RTS gelten, sondern vielmehr als spezifische Kreditrisikoanpassungen gelten.
Alle anderen Kreditrisikoanpassungen, die nicht die Bedingungen für allgemeine Kreditrisikoanpassungen erfüllen (jederzeit in voller Höhe uneingeschränkt zur Verfügung stehen und zur Abdeckung von Verlusten einer Gruppe von Risikopositionen ohne Verlusthinweise) werden als spezifische Kreditrisikoanpassungen erfasst. Darunter fallen in der GuV erfasste Verluste aus der Bewertung von Krediten und Finanzinstrumenten, die nach den geltenden Rechnungslegungsvorschriften eine kreditrisikobedingte Wertminderung aufweisen. Es handelt sich folglich um Verluste als Folge aktueller oder vergangener Ereignisse, die sich auf eine einzelne signifikante Risikoposition auswirken oder auf einzeln oder kollektiv bewertete Risikopositionen beziehen. Weiterhin zählen dazu auch Verluste, die bereits eingetreten sind , aber für das Institute noch nicht erkennbar ist, welche Risikoposition betroffen ist.
Spezifische Kreditrisikoanpassungen, die sich auf eine Gruppe von Forderungen beziehen, werden den Einzelrisikopositionen proportional zu den risikogewichteten Aktiva zugewiesen (Art 2 Abs. 1). Bei erwarteten Verlustbeträgen (Expected Loss/EL) für eine Gruppe nicht ausgefallener Risikopositionen ist eine Zuweisung zu einzelnen Positionen/Forderungen nicht erforderlich (Art. 2 Abs. 2). Soweit ein Institut seine Eigenkapitalanforderungen für das Kreditrisiko einer Forderungsgruppe teilweise nach dem Standardansatz und teilweise nach dem IRB-Ansatz ermittelt, werden die spezifischen Kreditrisikoanpassungen zunächst den nach dem jeweiligen Ansatz berechneten Risikopositionen proportional und erst dann den einzelnen Forderungen zugewiesen (Art. 2 Abs. 3).
Dabei ist zu berücksichtigen, dass die proportionale Zuordnung auf Basis der RWA erfolgen soll, die ohne Berücksichtigung von spezifischen Kreditrisikoanpassungen ermittelt wurden. Dies bedeutet, dass in einem ersten Rechenlauf RWA ohne Berücksichtigung von spezifischen Kreditrisikoanpassungen zu rechnen sind, auf dieser Basis dann eine Zuordnung der spezifischen Kreditrisikoanpassungen auf die einzelnen Forderungen erfolgen muss und dann in einem zweiten Rechenlauf die RWA unter Berücksichtigung der spezifischen Kreditrisikoanpassungen gerechnet werden müssen. Dies führt im Regelfall zu einem erheblichen Umsetzungsaufwand bei der Abbildung in dem Rechenkern.
Die Vorgehensweise gilt für spezifische Kreditrisikoanpassungen, die sich auf eine Gruppe von Forderungen beziehen jedoch nur, sofern keine Zuordnung zu einzelnen Forderungen möglich ist. Wird die Höhe einer Portfoliowertberichtigung beispielsweise auf Basis des EL je Einzelforderung des Portfolios bestimmt, dann ist eine direkte Zuordnung möglich und keine RWA-gewichtete Verteilung notwendig.
Schließlich ist noch darauf hinzuweisen, dass spezifische Kreditrisikoanpassungen, die sich auf eine Gruppe von Forderungen beziehen, nicht als Indikator für die Feststellung eines Ausfalls im Sinne von Art. 178 CRR heranzuziehen sind (Art. 5).
Unterschiede in der Rechnungslegung
Die Regelungen für die Berechnung und Ermittlung der Kreditrisikoanpassungen sind unabhängig vom jeweils geltenden Rechnungslegungsrahmen anzuwenden. Gegebenenfalls sind daher auch unterschiedliche Ermittlungen der Kreditrisikoanpassungen erforderlich, bspw. wenn auf Einzelinstitutsebene und auf Konzernebene unterschiedliche Rechnungslegungsstandards zur Anwendung kommen.
Die Institute sollen nachweisen können, wie sie zwischen den speziellen und allgemeinen Kreditrisikoanpassungen unterscheiden. Entsprechend schreibt Art. 6 RTS vor, dass die Institute die Ermittlung und Berechnung der Kreditrisikoanpassungen dokumentieren
Die VO bzw. der RTS tritt am zwanzig Tage nach Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft (Art. 7) und ist somit ab dem 19.03.2014 anzuwenden.
Neues Konsultationspapier zur Überarbeitung der Handelsbuchregelungen
Am 30. Oktober 2013 hat das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) ein zweites Konsultationspapier zur Überarbeitung der Handelsbuchregelungen veröffentlicht (Consultative Document – Fundamental review of the trading book: A revised market risk framework). Die Konsultationsphase läuft noch bis zum 31. Januar 2014.
Während in einem ersten, im Jahr 2012 veröffentlichten Konsultationspapier noch eine Reihe von Alternativen diskutiert wurden, um das Feedback der Industrie zu grundsätzlichen Fragestellungen einzuholen (vgl. dazu Regulatory Blog Beitrag: „Konsultation zum Handelsbuch – Baseler Ausschuss zu Marktpreisrisiken, Handelsbuchabgrenzung und Standardmethoden“ vom 15.05.2012), enthält das neue Konsultationspapier jetzt konkrete Vorgaben. Dadurch werden erstmals auch Abschätzungen der Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Handelsbuchs und die Höhe der neuen Kapitalanforderungen möglich. In den folgenden Abschnitten stellen wir die zentralen Inhalte des Papiers dar.
Durch die Neuregelungen ergeben sich deutliche Auswirkungen auf alle Banken, die Marktpreisrisiken eingehen, selbst wenn es sich um Nicht-Handelsbuchinstitute handelt. Eine rechtzeitige Beschäftigung mit den neuen Regelungen erscheint deshalb dringend notwendig.
Abgrenzung von Anlage- und Handelsbuch
Bislang orientiert sich die Zuordnung von Positionen zu Anlage- bzw. Handelsbuch im Wesentlichen an der Handelsabsicht der jeweiligen Bank. Nach Ansicht des Baseler Ausschusses führte dieses stark subjektive und schwer durch Aufsichtsbehörden prüfbare Kriterium vor der Finanzmarktkrise zu Arbitragemöglichkeiten, also zu einer Reduktion der Kapitalanforderungen durch die gezielte Zuordnung von Produkten in das Handelsbuch. Im Laufe der Krise zeigte sich jedoch, dass die Zuordnung insbesondere bei Produkten mit hohen Kreditrisiken und geringer Marktliquidität nicht sachgerecht war. Für die erheblichen Verluste war seinerzeit kein ausreichendes Eigenkapital als Puffer vorhanden.
Trotzdem hält der Baseler Ausschuss grundsätzlich an der Abgrenzung von Anlage- und Handelsbuch sowie der Orientierung an dem Geschäftszweck fest, führt jedoch neue regulatorische Interventionsmöglichkeiten ein, um Arbitrage künftig zu verhindern:
Verpflichtende Zuordnung bestimmter Positionen entweder zum Anlage- oder zum Handelsbuch: beispielsweise sind nicht börsennotierte Eigenkapitalinstrumente zwingend dem Anlagebuch zuzuordnen während für börsennotierte Aktien die widerlegbare Vermutung besteht, dass diese dem Handelsbuch zuzuordnen sind.
Angleichung der Kapitalanforderungen: insbesondere bei Verbriefungen orientiert sich die Kapitalunterlegung für das Kreditrisiko künftig an den Vorgaben des Anlagebuchs; die Möglichkeit der internen Modellierung (Correlation Trading Portfolio, Comprehensive Risk Charge) entfällt ersatzlos.
Strenge Vorgaben zur Umwidmung, verpflichtendes Monitoring von Positionen die längere Zeit im Handelsbuch verbleiben, etc.
Behandlung von Kreditrisiken
Wie bereits angesprochen sieht der Baseler Ausschuss insbesondere in der Unterlegung von Kreditrisiken eine zentrale Schwachstelle der bestehenden Handelsbuchregelungen, die zu massiven Verlusten in der Finanzmarktkrise beigetragen hat. Bereits im Rahmen von Basel 2.5 (CRD III) wurde versucht, dies durch die Einführung einer Incremental Risk Charge (IRC) zu korrigieren, die allerdings aufgrund weit gefasster Vorgaben zu stark differierenden Kapitalanforderungen bei den Instituten geführt hat.
Zukünftig soll deshalb im Rahmen des Standardansatzes eine eigene Kapitalanforderung für das Ausfallrisiko eingeführt werden, deren Ermittlung zwischen Verbriefungen und Nicht-Verbriefungen unterscheidet. Im Fall der Verbriefungen wird sich die Höhe an den ebenfalls aktuell in Überarbeitung befindlichen Kapitalanforderungen für Verbriefungen im Anlagebuch orientieren. Für Banken mit internen Modellen wird künftig eine Incremental Default Risk (IDR) Charge zu berechnen sein, für die strengere Vorgaben als bei der bestehenden IRC gelten.
Im Bereich der Risikomessung im Rahmen von internen Modellen gibt die Aufsicht den Value at Risk Ansatz auf, der sich als prozyklisch erwiesen hat. Zudem war er nicht in der Lage, sogenannte Tail-Risiken, also den erwarteten Verlust jenseits des Konfidenzintervalls, zu quantifizieren. Stattdessen sollen interne Modelle künftig auf einem Expected Shortfall Ansatz basieren, der ebenso wie der Standardansatz auf eine Stressperiode kalibriert wird. Die aktuell notwendige parallele Rechnung von VaR und stressed-VaR entfällt somit.
Berücksichtigung der Marktliquidität
Bislang lag der Kapitalunterlegung mittels interner Modelle die Annahme zugrunde, dass Handelsbuchpositionen innerhalb von zehn Tagen abgesichert oder veräußert werden können. Diese Annahme hat sich in der Finanzmarktkrise als nicht haltbar erwiesen. Deshalb sollen interne Modelle künftig explizit eine Annahme über die Marktliquidität der Positionen berücksichtigen. Hierzu wird das Konzept des Liquiditätshorizonts verfeinert: Instrumente sind aufsichtlich abgegrenzten Risikofaktoren und diese wiederum ebenfalls über ein aufsichtlich vorgegebenes Mapping den Liquiditätshorizonten zwischen 10 und 250 Tagen zuzuordnen. Die Länge des Liquiditätshorizonts bestimmt dann die Höhe des Risikofaktorschocks, die die Kapitalanforderung spezifiziert.
Sicherungsgeschäfte und Diversifizierung
Der Baseler Ausschuss kritisiert, dass die bisherige Standardmethode nur unzureichend in der Lage war, Sicherungsbeziehungen und Diversifizierung abzubilden, während interne Risikomodelle hier faktisch keine Begrenzung der Anerkennung kannte. Künftig sollen beide Methoden konsistenter werden, so dass beispielsweise im überarbeiteten Standardansatz beide Effekte über regulatorisch vorgegebene Korrelationsannahmen abgebildet werden.
Zusammenspiel von Standardansatz und internen Modellen
Alle Banken haben künftig den Standardansatz umzusetzen, zu rechnen, und seine Ergebnisse zu melden und offenzulegen. Hierdurch sollen international vergleichbare Aussagen über die von Instituten eingegangenen Marktpreisrisiken ermöglicht werden. Zudem ist weiterhin in Diskussion, einen auf dem Standardansatz basierenden Floor für die Kapitalanforderungen, die mittels interner Modelle ermittelt werden, einzuführen.
Der überarbeitete Standardansatz
Im Rahmen der Überarbeitung des Standardansatzes wurden insbesondere seine Risikosensitivität und damit auch seine Komplexität erhöht. Künftig sind alle Positionen in ihre Bestandteile aufzuspalten. Diese sind wiederum aufsichtlich vorgegebenen Assetklassen und innerhalb der Assetklassen in Risikobuckets einzuordnen. Je Bucket erfolgt die Ermittlung der Kapitalanforderungen mittels vorgegebener Risikogewichte, die Aggregation auf Ebene der Buckets und Assetklassen erfolgt wiederum unter Berücksichtigung aufsichtlich vorgegebener Aggregationsannahmen.
Der überarbeitete interne Modelle Ansatz
Wie bereits ausgeführt, sollen interne Modelle künftig auf dem Expected Shortfall statt dem Value at Risk basieren. Zusammen mit einer Stress-Kalibrierung sollen die bekannten Schwachstellen des VaR wie Prozyklizität und mangelnde Berücksichtigung von Tail-Risiken hierdurch behoben werden. Einher geht das neue Risikomaß mit einer wesentlich granulareren Abnahmeprüfung, die sich sowohl auf einzelne Handelstische als auch auf einzelne Risikofaktoren erstreckt.
Die Konsultationsfrist des Baseler Papiers läuft bis Ende Januar 2014. Zudem soll im Rahmen des nächsten Basel III Monitorings, also Februar/März 2014, eine quantitative Auswirkungsstudie durchgeführt werden. Noch unklar ist in diesem Zusammenhang, ob die Banken ihr eigenes Portfolio oder ein durch den Baseler Ausschuss definiertes Testportfolio rechnen sollen. Nach Durchführung der Auswirkungsstudie wird das finale Baseler Papier erwartet. Mit einem Inkrafttreten der neuen Regelungen ist nicht vor 2015 zu rechnen.
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