Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F21-05-2010-8C_122-2010
Timestamp: 2016-10-23 01:26:17
Document Index: 314175557

Matched Legal Cases: ['Art. 99', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 64', 'Art. 64']

8C_122/2010 (21.05.2010)
Rechtsanwalt R�my Wyssmann,
Der 1974 geborene S.________ war als Angestellter der Firma E.________ bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen versichert, als am 16. August 2003 das Fahrzeug, in dem sich der Versicherte befand, auf einer Autobahn ins Schleudern geriet und mit einem anderen Personenwagen kollidierte. Dr. med. U.________ diagnostizierte in der Folge beim Versicherten ein Distorsionstrauma der Halswirbels�ule (HWS); die SUVA anerkannte ihre Leistungspflicht f�r die Folgen dieses Ereignisses und erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Der Versicherte konnte am 22. November 2003 seine bisherige Arbeit wieder voll aufnehmen.
S.________ war nunmehr als Angestellter der B.________ AG bei der SUVA gegen die Folgen von Unf�llen versichert, als er sich am 23. August 2007 unter nicht vollst�ndig gekl�rten Umst�nden beim Aussteigen aus einem Schienentraktor eine Nasenbeinfraktur zuzog. Die SUVA anerkannte auch f�r dieses Ereignis ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Leistungen, stellte diese jedoch mit Verf�gung vom 20. Juni 2008 und Einspracheentscheid vom 11. November 2008 per 30. Juni 2008 ein, da die �ber dieses Datum hinaus anhaltend geklagten Beschwerden nicht ad�quat kausal durch das Unfallereignis vom 23. August 2007 verursacht worden seien.
Mit Beschwerde beantragt S.________, die Sache sei unter Aufhebung des Einsprache- und des kantonalen Gerichtsentscheides an die SUVA zu weiteren Abkl�rungen zur�ckzuweisen und die Anstalt sei zu verpflichten, w�hrend der Dauer der Abkl�rungen weiterhin die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, eventuell sei ihm eine Invalidenrente bei einem Invalidit�tsgrad von mindestens 40 % und eine Integrit�tsentsch�digung aufgrund einer Integrit�tseinbusse von mindestens 10 % zuzusprechen. Das Verfahren sei bis zum Vorliegen der Ergebnisse der weiteren Abkl�rungen zu sistieren. Im Weiteren sei die SUVA zu verpflichten, die Kosten f�r die Untersuchung durch Dr. med. H.________ im Betrag von Fr. 822.60 zu �bernehmen. Gleichzeitig stellt S.________ ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege.
W�hrend die Vorinstanz und die SUVA auf Abweisung der Beschwerde schliessen, verzichtet das Bundesamt f�r Gesundheit auf eine Vernehmlassung.
1.3 Gem�ss Art. 99 Abs. 1 BGG sind Noven im letztinstanzlichen Verfahren grunds�tzlich unzul�ssig (vgl. zur Geltung dieses Grundsatzes im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Milit�r- oder Unfallversicherung: BGE 135 V 194 E. 3.4 S. 199 f.). Die Voraussetzungen, unter denen die von den Parteien neu eingereichten Unterlagen ausnahmsweise zul�ssig w�ren, sind vorliegend nicht erf�llt, so dass diese unbeachtet bleiben m�ssen. Aus demselben Grund er�brigt sich auch eine Sistierung des Verfahrens bis zum Vorliegen eines weiteren Gutachtens; das entsprechende Sistierungsgesuch des Beschwerdef�hrers ist abzuweisen.
- besonders dramatische Begleitumst�nde oder besondere Eindr�cklichkeit des Unfalls;
- �rztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
Streitig und zu pr�fen ist die Leistungspflicht der SUVA f�r die �ber den 30. Juni 2008 hinaus anhaltend geklagten Beschwerden des Versicherten.
4.1 Es steht fest und ist unbestritten, dass der Versicherte sich am 23. August 2007 eine kaum dislozierte Nasenbeinfraktur zugezogen hat. Aufgrund der Stellungnahme des SUVA-Kreisarztes Dr. med. T.________, FMH f�r Chirurgie vom 1. April 2008 und des Gutachtens des Dr. med. A.________, Facharzt f�r Rheumatologie und f�r physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 9. M�rz 2009 k�nnen die �ber den 30. Juni 2008 hinaus anhaltend geklagten Beschwerden nicht mehr mit dieser Fraktur erkl�rt werden. Sonstige Gesichtssch�delfrakturen konnten bereits am 24. September 2007 mittels Computer-Tomographie (CT) des Neurocraniums und der Nasennebenh�hlen ausgeschlossen werden; entgegen den Ausf�hrungen des Versicherten ist nicht zu erwarten, dass mit einem erneuten CT weitere, im Sinne der Rechtsprechung organisch hinreichend nachweisbare Verletzungen, dargestellt werden k�nnten.
4.2 Sind die anhaltenden Beschwerden nicht auf einen organisch hinreichend nachweisbaren Gesundheitsschaden zur�ckzuf�hren, so ist die Ad�quanz eines allf�lligen Kausalzusammenhanges zwischen dem Ereignis vom 23. August 2007 und diesen Beschwerden speziell zu pr�fen. Auf weitere Abkl�rungen zur Frage, ob der Beschwerdef�hrer Verletzungen erlitten hat, welche eine Pr�fung nach den Kriterien der sog. "Schleudertrauma-Praxis" (BGE 134 V 109 E. 10.3 S. 130) rechtfertigen, kann verzichtet werden, da - wie nachfolgende Pr�fung zeigt - die Ad�quanz selbst bei Anwendung dieser f�r den Versicherten g�nstigeren Kriterien zu verneinen ist. Aus demselben Grund kann auch von n�heren Abkl�rungen zum Bestand des nat�rlichen Kausalzusammenhanges Umgang genommen werden (BGE 135 V 465 E. 5.1 S. 472).
4.3 Entgegen den Vorbringen des Versicherten war von der Fortsetzung der �rztlichen Behandlung �ber den 30. Juni 2008 hinaus keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten. Zwar wird im Bericht der Dienste Y.________ vom 15. Juli 2008 eine psychotherapeutische und medizinische Behandlung weiterhin f�r indiziert gehalten. Wie die �rzte dieses Dienstes jedoch weiter ausf�hrten, war die Prognose zu diesem Zeitpunkt ung�nstig. Somit kann selbst bei Anwendung der "Schleudertrauma-Praxis" der Fallabschluss mit Pr�fung der Ad�quanz auf den 30. Juni 2008 hin vorgenommen werden.
5.1 Die Schwere des Unfalles ist auf Grund des augenf�lligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kr�ften zu beurteilen (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07 E. 5.3.1). Der genaue Hergang des Unfalles ist ungekl�rt. Selbst wenn jedoch auf den vom Beschwerdef�hrer vorgetragenen Ablauf abstellt wird, wonach er beim Verlassen des Schienentraktors auf die Nase fiel und sich dabei das Nasenbein brach, kann das Ereignis h�chstens als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen qualifiziert werden. Die Ad�quanz des Kausalzusammenhanges w�re somit nur dann zu bejahen, wenn eines der relevanten Ad�quanzkriterien in besonders ausgepr�gter oder mehrere dieser Kriterien in geh�ufter Weise erf�llt w�ren.
5.2 Der Beschwerdef�hrer macht zu Recht nicht geltend, die Kriterien der besonders dramatischen Begleitumst�nde oder der besonderen Eindr�cklichkeit des Unfalls oder jenes der �rztlichen Fehlbehandlung seien erf�llt.
5.3 Wie der Versicherte in seiner Einsprache vom 24. Juni 2008 selbst betonte, war er vor dem Ereignis vom 23. August 2007 vollst�ndig gesund. Somit ist das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen nicht aufgrund eines krankhaften Vorzustandes erf�llt.
5.4 Der Versicherte konnte das erstbehandelnde Spital bereits am Unfalltag wieder verlassen. Vom 29. Oktober bis zum 24. November 2007 hielt er sich station�r in der Klinik X.________ auf. Die sonstigen durchgef�hrten Therapiemassnahmen waren f�r den Beschwerdef�hrer nicht �berdurchschnittlich belastend im Sinne der Rechtsprechung; praxisgem�ss werden an das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden �rztlichen Behandlung deutlich h�here Anforderungen gestellt (vgl. Urteil 8C_910/2009 vom 13. Januar 2010 E. 4.4). Das Kriterium ist somit zu verneinen.
5.5 Die Teilaspekte des Kriteriums des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen m�ssen nicht kumulativ erf�llt sein (BGE 117 V 359 E. 7b S. 369). Aus der �rztlichen Behandlung und den erheblichen Beschwerden darf nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf und/oder erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gr�nde, welche die Heilung beeintr�chtigt haben (Urteil 8C_80/2009 vom 5. Juni 2009 E. 6.5). Entgegen den Vorbringen des Versicherten verm�gen vorbestehende Gesundheitssch�den keine Komplikation im Sinne dieses Kriteriums zu begr�nden (vgl. SVR 2008 UV Nr. 36 S. 137, 8C_637/2007 E. 2.5.3), zudem betonte der Beschwerdef�hrer selber, vor dem Ereignis vom 23. August 2007 vollst�ndig gesund gewesen zu sein (vgl. auch E. 5.3 hievor); das Kriterium ist somit ebenfalls nicht erf�llt.
5.7 Da mithin keines der massgeblichen Kriterien besonders ausgepr�gt vorliegt und selbst dann, wenn man zugunsten des Versicherten die beiden Kriterien der erheblichen Beschwerden und der erheblichen Arbeitsunf�higkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen als erf�llt erachten w�rde, die Kriterien nicht in geh�ufter Weise gegeben sind, ist die Ad�quanz eines Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfallereignis vom 23. August 2007 und den �ber den 30. Juni 2008 hinaus anhaltend geklagten, organisch nicht im Sinne der Rechtsprechung hinreichend nachweisbaren Beschwerden, zu verneinen. Die Leistungseinstellung auf dieses Datum hin war damit rechtens; die Beschwerde ist - ohne dass weitere Abkl�rungen notwendig w�ren - abzuweisen.
6.1 Die Kosten der von einer versicherten Person veranlassten Abkl�rungsmassnahmen sind vom Versicherungstr�ger dann zu �bernehmen, wenn sich der medizinische Sachverhalt erst aufgrund des neu beigebrachten Untersuchungsergebnisses schl�ssig feststellen l�sst und dem Unfallversicherer insoweit eine Verletzung der ihm im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes obliegenden Pflicht zur rechtsgen�glichen Sachverhaltsabkl�rung vorzuwerfen ist (RKUV 2004 Nr. U 503 S. 186 ff., U 282/00). Dies ist vorliegend mit Blick auf die medizinische Aktenlage nicht der Fall, so dass dem Antrag des Versicherten, die Kosten f�r den von ihm in Auftrag gegeben Bericht des Dr. med. H.________ vom 17. November 2009 der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, nicht stattzugeben ist.
6.2 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Gerichtskosten dem Beschwerdef�hrer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Seinem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist stattzugeben, da die entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen erf�llt sind (Art. 64 Abs. 1 und 2 BGG). Es wird indessen ausdr�cklich auf Art. 64 Abs. 4 BGG aufmerksam gemacht, wonach die beg�nstigte Partei der Gerichtskasse Ersatz zu leisten haben wird, wenn sie sp�ter dazu in der Lage ist.
Rechtsanwalt R�my Wyssmann wird als unentgeltlicher Anwalt des Beschwerdef�hrers bestellt, und es wird ihm f�r das bundesgerichtliche Verfahren aus der Gerichtskasse eine Entsch�digung von Fr. 2'800.- ausgerichtet.