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Timestamp: 2017-06-23 08:50:44
Document Index: 220778702

Matched Legal Cases: ['Art. 39', 'Art. 53', 'Art. 48', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 91', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 8', 'Art. 8']

Technisches Dokument zum Swiss Solvency Test - PDF
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1 Technisches Dokument zum Swiss Solvency Test Bundesamt für Privatversicherungen Version. Oktober 62 . Vorbemerkungen 3. Prinzipien des SST 3.. Einleitung 3.. Risikotragendes Kapital 5.3. Risiko 6.4. Zielkapital: Messung des Risikos 9.5. Risiken in Versicherungsgruppen und Konglomeraten 3. Bewertung Bewertung der Assets Bewertung der Liabilities für Lebensversicherer Bewertung der Liabilities für Nichtlebensversicherer 9 4. Standardmodell für Versicherungs-, Markt- und Kreditrisiken Das Standardmodell für Marktrisiken (ohne Kreditrisiko Standarmodell für das Kreditrisiko: Eigenmittelanforderungen für Kreditrisiken gemäss Basel II Kurzanleitung für den SST Das Standardmodell für die Lebensversicherung Das Standardmodell für die Schaden- und Unfallversicherung Das Standardmodell für Krankenversicherer 7 5. Szenarien Einleitung Szenarien im Standardmodell Kombination der Verteilung und der Szenarien Market Value Margin Einführung Definition des Market Value Margins Zukünftige Einjahresrisiken Referenzen Anhang Notationen Leben: Das Zielkapital in einem Normaljahr Beispielrechnung für Markt- und Versicherungsrisiken eines Lebensversicherers Bemerkungen zu der Modellierung von Nichtlebensversicherern 8.5. Kreditrisiko Bemerkungen zu einigen Wahrscheinlichkeitsverteilungen Kontakt 83 . Vorbemerkungen Dieses Dokument stellt die technischen Aspekte des Schweizer Solvenztests (SST vor. In der vorliegenden Version nicht enthalten sind die Themen: die Bewertung der Anlagen, die Modellierung der Marktrisiken im Standardmodell. Diese werden in separaten Dokumenten behandelt. Der Aufbau dieses Dokumentes ist: Im Kapital werden zunächst die die Prinzipien des SST eingeführt und danach die Begriffe des risikotragenden Kapitals und des Zielkapitals präzisiert. Kapital 3 behandelt die marktkonsistente Bewertung von Anlagen und Verpflichtungen. Kapital 4 beschreibt das Standardmodell für Lebens-, Kranken-, Schaden- und Unfallversicherer. Kapitel 5 erläutert die Szenarien. Kapitel 6 behandelt die Market Value Margin. Kapitel 7 und 8 beinhalten Referenzen und technische Anhänge. Änderungen gegenüber der Version vom 3.6.6: Korrektur der Korrelationsmatrix für die Risiken der biometrischen Parameter der Lebensversicherung:.75 statt fälschlicherweise.5. Präzisierungen im Abschnitt , Kumulereignisse in der Unfallversicherung. Für die Beschreibung des Marktrisikomodells wurde neben den Verweis auf das Marktrisikodokument eine kurze Beschreibung gestellt. Korrekturen in Anhang 8.6. Kosmetik im Abschnitt 4.5 über Krankenversicherungsrisiken. Korrektur in der Liste der vorgegeben Szenarien : Unfallszenarien sind auch von Krankenversicherern auszuwerten. Korrektur im SST-Leben: Standardabweichung der Optionsausübungswahrscheinlichkeit dem Template 6 angepasst. Präzisierung im Abschnitt Prinzipien des SST.. Einleitung Das Ziel des Swiss Solvency Test (SST ist es, erstens über die Höhe der Risiken einer Versicherungsunternehmung und zweitens über deren finanziellen Fähigkeit, diese Risiken zu tragen, eine Aussage zu machen. Die Höhe des eingegangenen Risikos wird mit dem Zielkapital (ZK, die Fähigkeit, Risiken zu tragen, mit dem risikotragenden Kapital (RTK gemessen. Durch den Vergleich von risikotragendem Kapital und Zielkapital erlangen die Versicherungsunternehmungen und die Aufsichtsbehörde eine Kenntnis über die finanzielle Lage der Versicherungsunternehmungen. Der SST basiert auf einer Reihe von folgenden grundlegenden Prinzipien. 34 ... Die Prinzipien des SST Alle Anlagen und Verpflichtungen müssen marktkonsistent bewertet werden. Die Differenz des marktkonsistenten Wertes der Verpflichtungen und des bestmöglichen Schätzwertes der diskontierten Erwartungswerte (discounted best estimate ihrer zugehörigen Zahlungsströme wird Market Value Margin (MVM genannt. Die zu betrachtende Risiken sind Markt-, Kredit- und Versicherungsrisiken. Das verfügbare Kapital ist durch das risikotragende Kapital (RTK gegeben. Es ist definiert als die Differenz der marktkonsistenten Werte der Anlagen und dem bestmöglichen Schätzwert des diskontierten Erwartungswertes der Verpflichtungen. Das erforderliche Kapital ist durch das Zielkapital (ZK gegeben. Es ist definiert als die Summe der Market Value Margin und des Expected Shortfall der Differenz des diskontierten RTK in einem Jahr und des heutigen RTK. Die Market Value Margin wird approximiert durch den Kapitalkostenansatz. Es handelt sich dabei um die Summe zukünftiger diskontierter Kapitalkosten für zu haltende regulatorisches Kapitalien im Run-Off des Portfeuilles aus Verpflichtungen und bestmöglich replizierende Anlagen. Das risikotragende Kapital muss grösser oder gleich dem Zielkapital sein. Der SST bezieht sich auf einzelne juristische Einheiten sowie auf Gruppen und Konglomeraten, die in der Schweiz domiziliert sind. Die Versicherungsunternehmungen müssen eine Reihe von Szenarien auswerten. Diese setzen sich (i aus von der Aufsichtsbehörde vorgegeben Szenarien und (ii aus unternehmensspezifischen Szenarien zusammen. Falls Risiken, die durch Szenarien beschrieben werden, nicht im Risikomodell berücksichtigt werden, müssen die Resultate der Szenarioauswertung in das Zielkapital einfliessen. Unsichere Grössen müssen stochastisch behandelt werden. Unternehmenseigene Risikomodelle (sogenannte interne Modelle dürfen und sollen benutzt werden. Diese können das Standardmodell teilweise oder vollständig ersetzen. Ein internes Modell muss für diejenigen Risiken benutzt werden, welche durch das Standardmodell nicht adäquat beschrieben werden. Das interne Modell muss in die Risikomanagementprozesse der Unternehmung integriert sein. Der Aufbau und die Annahmen im internen Modell müssen veröffentlich werden. Der Umfang der Veröffentlichung muss dergestallt sein, dass sich eine externe sachkundige Person eine qualifizierte Meinung über das Modell und dessen Qualität bilden kann. Die Versicherungsunternehmung muss einen SST-Bericht erstellen. Dieser Bericht muss die Anforderung erfüllen, dass eine externe sachkundige Person die Resultate des SST verstehen kann. Der Bericht muss von der Geschäftsleitung unterzeichnet werden. Die Geschäftsleitung einer Versicherungsunternehmung ist verantwortlich dafür, dass die genannten Prinzipien des SST in der Unternehmung eingehalten werden. 45 ... Die Stellung des Standardmodells Versicherungsunternehmungen, welche den SST durchzuführen haben, müssen den genannten Prinzipien genügen. Zusätzlich zu den Prinzipien existiert das SST-Standardmodell für Kranken-, Lebens- und Nichtlebensversicherer. Es wurde von der Aufsichtsbehörde in enger Zusammenarbeit mit der Versicherungswirtschaft, den Hochschulen und anderen Interessierten entwickelt. Das Standardmodell besteht aus einer Modellstruktur und aus Parametern und bezieht sich auf Geschäft in der Schweiz. Es wird vornehmlich von Versichereren angewandt werden können, welche eine nicht zu komplizierte Struktur von Anlagen und Versicherungsprodukten haben. Versicherungsunternehmungen, deren Risiken nicht genügend durch das Standardmodell beschrieben werden, müssen das Modell erweitern oder durch ein eigenes internes Modell ersetzen. Dies betrifft insbesondere Gruppen von Versicherungsunternehmungen, Versicherer mit einer Geschäftstätigkeit auch im Ausland und Rückversicherer. Erweiterungen des Standardmodells sind durch dessen modularen Aufbau leicht möglich...3. Zeitlicher Ablauf der Berechnungen Der SST berechnet das Risiko des zum Zeitpunkt t bestehenden Portfeuilles aus Anlagen und Verpflichtungen. In der Regel ist t der Beginn des ersten Januars desjenigen Jahres, in dem der SST durchgeführt wird. Dieses Jahr wird Current Year ( genannt. Eine Ausnahme ergibt sich, wenn sich die Risikosituation oder das verfügbare Kapital einer Versicherungsunternehmung innerhalb des Jahres drastisch ändert. In dem Fall muss erneut ein SST durchgeführt werden. In vielen Fällen ist das Anlage- und Verpflichtungsportefeuille am. Januar ähnlich wie am 3. Dezember des Vorjahres. Deswegen kann zur Bewertung der Risiken und des vorhandenen Kapitals die Endjahrespositionen herangezogen werden. Dies hat den Vorteil, dass die Positionen von Prüfgesellschaften testiert ist und sich im Verlauf der Zeit nicht mehr ändert. Falls jedoch erhebliche Differenzen zwischen der Risikosituation am. Januar und am vorangehenden 3. Dezember bestehen, beispielsweise aufgrund einer Aquisition eines Versicherungsportefeuilles, so ist die neue Risikosituation am.. relevant. Das Portefeuille am 3.. kann dann zwar immer noch benutzt werden, es muss aber um die Veränderungen korrigiert werden. Als Risiko wird betrachtet, wie stark sich der Wert des Portefeuilles über die Zeitspanne eines Jahr verändern kann. Das Ende dieses Zeitraumes ist in der Regel das Ende des 3. Dezembers und wird als t = t yr bezeichnet. + Es ist nicht zu erwarten, dass der SST am. Januar des betreffenden Jahres durchgeführt werden kann. Stattdessen werden die Berechnungen im Verlauf des Jahres stattfinden. Phase der Durchführung der Berechnungen t t = t yr + t.. Risikotragendes Kapital Das risikotragende Kapital (RTK ist dasjenige Kapital, welches benutzt werden kann, um Schwankungen im Geschäftsverlauf auszugleichen. Die im risikotragenden Kapital berücksichtigten 56 Werte dürfen nicht anderweitig gebunden sein. Das RTK ist definiert als die Differenz zwischen dem marktkonsistenten Wert der Assets und der bestmöglichen Schätzung für den diskontierten Erwartungswert der Verpflichtungen (diskontierter Best Estimate der Liabilities. Anlagen Verpflichtungen Marktkonsistenter Wert der Anlagen Diskontierter Best Estimate der Verpflichtungen risikotragendes Kapital Abbildung: Definition des risikotragenden Kapitals (RTK als Differenz der Werte von Anlagen und Verpflichtungen zu einem Zeitpunkt t. Eine genauere Definition der marktkonsistenten Assets und der diskontierten Best Estimate der Liabilities wird im Kapitel 3 gegeben. Die Anforderung an das zum Zeitpunkt t mindestens vorhandene risikotragende Kapital wird durch die Höhe des Zielkapitals ( ZK dargestellt..3. Risiko.3.. Betrachtete Riskotypen Die zu messenden Risiken sind versicherungstechnische Risiken, Marktrisiken und Kreditrisiken. Operationelle Risiken werden derzeit im SST für die Kapitalanforderung nicht betrachtet. Eine Einbeziehen zu einem späteren Zeitpunkt ist jedoch nicht ausgeschlossen. Das Marktrisiko ist das Risiko, dass sich das RTK aufgrund von Änderungen von äusseren ökonomischen Gegebenheiten oder Einflussgrössen ändert. Diese Einflussgrössen werden Risikofaktoren genannt. Im Standardmodell des SST werden die knapp hundert Risikofaktoren aus den Bereichen Zins, Aktien, Immobilien und alternative Anlagen betrachtet. Das versicherungstechnische Risiko ist das Risiko, dass sich das RTK ändert aufgrund der Zufälligkeiten der versicherten Risiken und der Unsicherheiten in der Einschätzung von versicherungstechnischen Parametern. Das Kreditrisiko ist das Risiko, dass sich das RTK aufgrund von Ausfällen und von Ratingänderungen der Gegenparteien ändert. Kreditrisiko ist insbesondere enthalten in Obligationen, Darlehen, Garantien, Hypotheken und Rückversicherungsverträgen und guthaben. 67 .3.. Zeithorizont: Jahr Die betrachteten Risiken ergeben sich aus Positionen, welche im allgemeinen über sehr unterschiedliche Zeitspannen bestehen. Während einige Anlagepositionen innerhalb von Tagen liquidiert werden können, existieren Anlagen und Verbindlichkeiten, an die der Versicherer über Jahre oder Jahrzehnte gebunden ist. Als charakteristische Zeit, über welche die Risiken gemessen werden, wird deshalb in der Versicherungswirtschaft oft ein Jahr gewählt. Der SST schliesst sich dieser Konvention an Risikotragendes Kapital Ende des Jahres, Definition des Risikos Die Abbildung stellt das risikotragende Kapital zu Beginn ( t und am Ende des Jahres ( t dar. Das risikotragende Kapital zur Zeit t lässt sich aus der Aufstellung von Assets und Liabilites, mit anderen Worten der marktnahen Bilanz, ablesen und ist demzufolge bekannt ( RTK. Das zukünftige risikotragende Kapital ( RTK ( ist hingegen eine unbekannte, d.h. stochastische Grösse, weil sich die Umgebung, worin sich die Unternehmung befindet, in unbekannter Weise verändern wird. Risikotragendes Kapital (RTK RTK 3.. RTK. t =heute t = t + Monate Market Value Margin t Abbildung : Risikotragendes Kapital zu den Zeitpunkten t (bekannte Grösse und t (unbekannte, stochastische Grösse. Je nach Höhe des RTK Ende des Jahres steht der Marktwert der Assets in unterschiedlicher Ordnung zum Wert der Liabilities: RTK < Assets < Best Estimate der Liabilites < RTK < MVM Best Estimate der Liabilites < Assets < Marktwert der Liabilites MVM < RTK Marktwert der Liabilites < Assets Ist das RTK am Ende des Jahres grösser als die Market Value Margin, so ist der Wert der Assets grösser als der Marktwert der Verpflichtungen. Anhand der Abbildung werden die möglichen Bereiche des RTK genauer betrachtet. 78 MVM A. Geordneter Run-Off mit Hilfe eines externen A. Geordneter Run-Off mit eigenem Kapital. RTK 3.. B. Nur ein ungeordneter Run-Off ist möglich. A. Geordneter Run-Off ist möglich.. Zuwenig Kapital für Neugeschäft. Run-Off notwendig.. Mit dem vorhandenen Kapital ist normales Fortbestehen mit Neugeschäft möglich. Abbildung : Verschiedene Höhen des RTK und deren Auswirkung auf den weiteren Fortgang des Versicherungsunternehmung. Bereich : Falls das RTK eine gewisse Höhe übersteigt, ist genügend RTK vorhanden um vorhandene Risiken zu tragen und um Neugeschäft zu zeichnen. Bereich : Falls das RTK die unter. erwähnte Höhe nicht erreicht, ist zuwenig Kapital vorhanden, um Neugeschäft übernehmen zu können. Das bedeutet, dass bestehende Verträge und bereits eingetretene Schäden abgewickelt werden. Je nachdem, ob das RTK grösser oder kleiner als die Market Value Margin ist, muss das Run-Off-Risiko vom Versicherungsnehmer getragen werden, oder es wird durch der noch vorhandenen Kapital oder sogar von einem externen Kapitalgeber übernommen:. Bereich A: Das Portefeuille ist zwar im Run-Off, der Versicherungsnehmer wird aber seine garantierten Leistungen mit grosser Wahrscheinlichkeit erhalten. Im Fall A trägt das noch vorhandene RTK das Run-Off-Risiko. Im Fall A ist es möglich, das Risiko an einen externen Kapitalgeber zu übertragen. Der Grund dafür ist, dass das RTK höher ist als die Market Value Margin, das heisst, dass der Marktwert der Assets ist grösser als der Marktwert der Liabilities. Das bedeutet, dass ein Investor oder eine andere Versicherung bereit ist, die Assets und Liabilities zu übernehmen.. Bereich B: Das sich in der Abwicklung befindende Portefeuille weist nicht genügend Kapital auf (RTK < MVM, damit die Abwicklungsrisiken durch das RTK getragen würden oder damit ein externer Kapitalgeber das Risiko übernehmen würde. Somit verbleibt das Abwicklungsrisiko bei den Versicherungsnehmern. Ist das RTK positiv, ist der Erwartungswert der Liabilites zwar kleiner als der Wert der Assets, das Risiko, dass die Liabilityzahlungen diesen Wert übersteigen können, ist aber gross. Ist das RTK negativ, sind die Liability nicht einmal im Erwartungswert durch die Assets gedeckt. 89 .4. Zielkapital: Messung des Risikos Der oben genannte Bereich B beinhaltet diejenigen Zustände, in denen die Versicherungsgesellschaft ihre Verpflichtungen gegenüber bestehenden Versicherungsnehmer mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht erfüllt oder nicht wird erfüllen können. Soll der Versicherungsnehmer geschützt werden, sind diese Zustände zu vermeiden. Die Kapitalanforderung (das Zielkapital des SST ist deshalb dergestallt, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit keine Situation des Bereiches B eintritt. Im folgenden wird der Expected Shortfall eingeführt. Er dient dazu, die möglichen tiefen Werte des RTK Ende des Jahres in einen Wert zu fassen. Dieser Wert ist der Durchschnitt der tiefsten möglichen RTK und kann somit als Repräsentant dieser tiefen Werte aufgefasst werden. Die Anforderung an das heutige RTK wird so bemessen, dass der Expected Shortfall nicht tiefer als die Market Value Margin ist..4.. Expected Shortfall Bevor wir die Definition des Zielkapitals betrachten, führen wir die beiden Risikomasse "Value at Risk" (VaR und "Expected Shortfall" (ES ein. Der Begriff Expected Shortfall ist gleichbedeutend mit Tail Value at Risk (TailVaR. Das Ziel der Risikomessung ist es allgemein, einer Unsicherheit oder einer Grösse mit unbekanntem Wert durch ein geeignetes Risikomass eine reelle Zahl so zuzuordnen, dass dadurch die Risikoexponiertheit dieser Grösse wiedergegeben wird. Das Risikomass, welches im SST verwendet wird, ist der sogenannte "Expected Shortfall" oder "TailVaR". Um den Expected Shortfall einzuführen, betrachten wir in einem ersten Schritt eine allgemeine Zufallsvariable X, wobei die negativen Werte von X die "schlechten" Werte (Werte, die wir mit Verlust, Schaden, Risiko etc. in Verbindung bringen darstellen sollen. Positive Werte von X bringen wir mit Gewinnen und Erträgen in Verbindung. Als erster Schritt zur Definition des Expected Shortfall wird der Value at Risk VaR (X von X zum Sicherheitsniveau (z.b. 99% eingeführt. Der VaR ist definiert als VaR ( X : = sup( x : P( X x. VaR ist also der grösste (genauer das Supremum aller Werte x, für die gilt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass X kleiner oder gleich x ist, höchstens gleich ist. (Hinweis: falls die Verteilungsfunktion stetig ist, ist VaR %( X gleich dem Wert x, für den gilt, dass X in % aller Fälle kleiner und in 99% aller Fälle grösser als x ist. Der zweite Schritt besteht nun in der Definition des Expected Shortfall (ES zum Sicherheitsniveau der Zufallsvariable X. Er ist definiert als der bedingte Erwartungswert von X, gegeben dass X kleiner oder gleich dem Value at Risk zum Sicherheitsniveau ist: ES( X = E X X VaR( X. ( Gelegentlich wird ein Ereignis mit einer Eintretenswahrscheinlichkeit von % in einem Jahr als sogenanntes Jahrhunderteregnis bezeichnet (z.b. Jahrhundertflut, Jahrhundertsturm. Diese Aussage 910 ist zulässig, wenn sich die Risikocharakteristik in einer Zeitperiode von Jahren nicht ändert. Für einige Risiken ist dies der Fall (z.b. die Anzahl von Asteroideneinschlägen, für andere hingegen nicht (z.b. Halswirbelsäulenverletzungen im Strassenverkehr oder Lawinenschäden im Zusammenhang mit zunehmender Bebauung. Wahrscheinlichkeitsdichte RTK /(+r - RTK Abbildung 3: Darstellung des Value at Risk (VaR, roter Kreis und des Expected Shortfall (ES, blaues Quadrat am Beispiel einer schematischen Verteilung der Änderung des RTK. Zum Zweck der Illustration wurde das Quantilniveau nicht bei %, sondern bei 5% gewählt. Das Risikomass Expected Shortfall ist konservativer als der VaR zum gleichen Sicherheitsniveau. Da davon ausgegangen werden kann, dass eine reale Schadenverteilung einige extrem hohe Verluste mit sehr geringen Wahrscheinlichkeiten aufweisen wird, ist der Expected Shortfall ein angemesseneres Risikomass, da er im Gegensatz zum VaR die Höhe dieser extremen Verluste berücksichtigt. Im Unterschied zum Value at Risk wird im Expected Shortfall quantifiziert, was im Mittel eines der ( % schlechtesten Ereignisse kostet. In der Praxis zeigt sich, dass der Expected Shortfall stabiler ist als der Value at Risk. Ebenso besitzt der Expected Shortfall für stetige Zufallsvariablen weitere schöne (mathematische Eigenschaften, wie z.b. die Kohärenz (Vergleiche dazu: Artzner, P., Delbaen, F., Eber, J.-M., Heath, D., 999. Coherent measures of risk. Math. Fin. 9, 3, 3-8 und Acerbi, C., Tasche, D., On the coherence of expected shortfall, Journal of Banking and Finance 6(7, Gelegentlich werden von anderen Autoren (zum Beispiel der Swiss Re VaR und Expected Shortfall nicht als die oben erwähnten Werte definiert, sondern als Abstand dieser Werte zum Erwartungswert einer Verteilung. Welche Definition benutzt wird, ist zunächst eine Frage der Konvention und der Anforderungen an ein Risikomass. Insbesondere hängt die Definition davon ab, wie die Translationsinvarianz formuliert wird. Im SST wird durchgängig die hier gegebene Definition benutzt. Wir bevorzugen diese Formulierung gegenüber dem Abstand zum Erwartungswert, weil sie eine Aussage darüber macht, welchen Wert den ausserordentlichen Zuständen zuzuweisen ist, und nicht nur um welchen Wert die ausserordentlichen Zustände vom erwarteten Wert abweichen.11 .4.. Zielkapital Weiter oben wurde erwähnt, dass die Zustände B aus dem Abschnitt.3.3 unerwünschte Zustände sind. Diese sollen nach Möglichkeit vermieden werden. Das Zielkapital ist die Anwort auf die Frage, wie gross das risikotragende Kapital zur Zeit t sein muss, damit das RTK zur Zeit t mit grosser Wahrscheinlichkeit grösser als oder gleich dem Market Value Margin ist. Unter Benutzung des Expected Shortfall kann die Antwort gegeben werden mit ES [ RTK( t RTK( t = ZK] = MVM (a Dies ist eine implizite Gleichung für das Zielkapital ZK. Sie besagt, dass wenn das heutige RTK ( t genügend gross im Sinn des SST ist (d.h. gleich dem Zielkapital, dann ist gewährleistet, dass der Expected Shortfall des RTK am Ende des Jahres gleich dem Market Value Margin ist. Somit ist, aufgrund der Konstruktion des Expected Shortfall, die Wahrscheinlichkeit gering, dass das RTK ( t unter den Market Value Margin fällt. Anstelle der obenstehenden Gleichung wird die einfachere, im wesentlichen aber äquivalente Definition für das Zielkapital benutzt: ZK RTK( t MVM = ES RTK( t r +, (b + + r r steht für den heutigen einjährigen risikofreien Zinssatz. Das Zielkapital setzt sich damit zusammen aus dem Expected Shortfall der Änderung des risikotragenden Kapitals für das einjährige Risiko und dem Market Value Margin (Berechnung siehe Abschnitt 6. Um alle Forderungen am Ende des Jahres decken zu können, wird gefordert, dass das am Ende des Jahres vorhandene RTK im Mittel der schlimmsten Fälle grösser oder gleich ist als der Market Value Margin. Dieser Market Value Margin wird als Preis für das zukünftig zu haltende Risikokapital angesetzt, welcher einem anderen Versicherungsunternehmen oder einem Investor abgegolten werden müsste, falls dieses das Portfolio übernehmen sollte. Der Market Value Margin deckt also im wesentlichen die Kosten, die einem übernehmenden Unternehmen bei der Übernahme des Portfolios aus der Bereitstellung der zukünftigen Zielkapitalien entstehen würden und kann deshalb auch als Risikoprämie für den Runoff der Liabilities betrachtet werden Zielkapital Benötigtes Kapital für das - Einjahresrisiko Definiert als Expected Shortfall der Veränderung des - Risikotragenden Kapitals innerhalb eines Kalenderjahres "Minimalbetrag" = Kapitalkosten für Runoffrisiken in zukünftigen Jahren, ermöglicht geordneten RunOff. Abbildung 3: Zielkapital als Summe des benötigten -jährigen Risikokapitals und des Minimalkapitals12 Anschaulich gesprochen ist bei einem Sicherheitsniveau von 99% das ZK der Erwartungswert der % grössten möglichen Wertverminderungen plus der erwähnte Market Value Margin für zukünftige Risikokapitalien. Tritt dann innerhalb des Jahres eine der (unwahrscheinlichen % grössten Wertminderungen im RTK innerhalb des Jahres auf, so ist im Mittel immer noch genügend RTK vorhanden zur Übernahme der zukünftigen Risikokapitalien. Numerische Beispiele für die Grösse des einjährigen Risikos und für den Market Value Margin sind in der Abbildung 4 gegeben..7.6 Life Nonlife MVM / one year risk capital Abbildung 4: Verhältnis der Market Value Margin zu einjährigen Risikokapital für einzelne Lebens- und Nichtlebensversicherer. Die Daten stammen aus dem SST-Testlauf Risiken in Versicherungsgruppen und Konglomeraten Es wird zur Zeit auf die (öffentlich zugänglichen Diskussionspapiere über die Risiken in Versicherungsgruppen verwiesen A. A13 3. Bewertung 3.. Bewertung der Assets Siehe das Dokument Bestimmung der marktnahen Bilanzwerte zur Ermittlung des risikotragenden Kapitals im SST. 3.. Bewertung der Liabilities für Lebensversicherer Der Wert der versicherungstechnischen Verpflichtungen ist definiert als der Erwartungswert (unter dem risikoneutralen Wahrscheinlichkeitsmass der zukünftigen mit der risikolosen Zinskurve diskontierten, vertraglich zugesicherten Zahlungsströme. Dabei ist insbesondere das Best Estimate- Prinzip zu beachten: Die Bewertung enthält keine impliziten oder expliziten Sicherheits-, Schwankungs- oder sonstigen Zuschläge, sondern bezieht sich ausschliesslich auf den Erwartungswert der Verpflichtungen. Die risikolose Zinskurven für CH-Geschäft wird durch die Eidgenossen definiert, für EUR-, USD, GBP Geschäft werden entsprechende risikolose Zinskurven von der Aufsicht zur Verfügung gestellt Allgemeine Hinweise zur Modellierung der Verpflichtungen in der Lebensversicherung Es sind folgende Cash-Flows zu modellieren, die dann mit der risikolosen Zinskurve abdiskontiert werden müssen: Cash-inflows: - Prämien - Andere Einnahmen Cash-outflows: + Todesfall-Leistungen + Erlebensfall-Leistungen + Renten-Leistungen + Rückkaufs-Leistungen + Andere Leistungen (cash + Kommissionen + Verwaltungskosten (inklusive Kosten zur Verwaltung von Kapitalanlagen Bei der Bestimmung sind folgende Punkte zu beachten: Biometrische und finanzielle Risiken. Es wird angenommen, dass die finanziellen Risiken unabhängig vom Mortalitätsrisiko sind. Die Unabhängigkeit gilt in erster Näherung auch zwischen finanziellen und Invalidisierungsrisiken. Anders verhält es sich mit der Stornorate, die mit der Zinskurve korreliert. Zinskurve. Die risikolosen Zinssätze werden vom BPV ermittelt und den Gesellschaften zur Verfügung gestellt. Grundlagen. Ordnung. Für die biometrischen Risiken wie zum Beispiel Mortalität, Invalidisierungs- und Reaktivierungshäufigkeiten, sind die Grundlagen. Ordnung zu verwenden ( best estimate -Annahmen Bestand. Betrachtet wird nur der aktuelle Versichertenbestand zum Bewertungszeitpunkt t. Zukünftiges Neugeschäft gehört nicht dazu. Im BVG-Geschäft gelten besondere Annahmen (siehe unten. Segmentierung. Die marktnahe Bewertung der Verpflichtungen soll nach Möglichkeit auf Stufe Police/versicherte Person geschehen. Es können aber auch plausible Bestandesverdichtungen vorgenommen werden. 314 Periodizität. Die Zeitpunkte sollen Jahresanfangsdaten entsprechen. Eine unterjährige Betrachtungsweise (halbjährlich, vierteljährlich ist ebenfalls zulässig. Horizont. Die Projektion soll sich vom Bewertungszeitpunkt t bis zum maximalen Enddatum aller Policen erstrecken. Rückversicherung. Die cash flows sind unter Berücksichtigung von Rückversicherungsleistungen zu betrachten. Unterjährige Zahlungsströme. Unterjährige Zahlungsströme (ausgelöst zum Beispiel durch Policenrückkauf oder durch den Eintritt des versicherten Ereignisses sollen zum Zeitpunkt des nächstgrösseren Bewertungszeitpunktes (Jahresanfanges diskontiert werden. Überschüsse. Überschüsse sind nur miteinzubeziehen, wenn sie nicht mehr zurückgesetzt werden können (z.b. garantierte Überschüsse. Steuern, Dividenden. Steuern und Dividenden sind nicht zu berücksichtigen. Es sind nur solche cash flows miteinzubeziehen, die auch nach dem festgesetzten Zeithorizont von einem Jahr sicher anfallen. Deckungskapital, Investmenterträge. Das Deckungskapital sowie nicht realisierte Anlagegewinne respektive -verluste zählen nicht zu den cash flows; es fliesst kein Geld. Kosten. Die Kosten müssen gemäss dem going concern Prinzip projiziert werden. Es muss sicher gestellt werden, dass sämtliche Kosten (auch overhead-kosten einbezogen werden. Fremdwährung. Cash flows herrührend aus Fremdwährungs-Policen müssen mit der entsprechenden risikolosen Zinskurve abdiskontiert werden. Andere Einnahmen. Zu den anderen Einnahmen zählen unter anderem auch Rückprovisionen bei fondsgebundenen Lebensversicherungen. Weitere Hinweise befinden sich in dem Dokument "Marktnahe Bewertung von Leben- Verpflichtungen" vom BVG: Hinweise zur Modellierung der beruflichen Vorsorge Der folgende Text zum BVG ist eine Weiterentwicklung des Dokumentes Schweizer Solvenztest, Lebensversicherung, Hinweise zur Modellierung der beruflichen Vorsorge, Version j und ersetzt dieses Dokument Zu modellierendes Versicherungsgeschäft Im Rahmen der beruflichen Vorsorge müssen diejenigen Teile des Lebensversicherungsgeschäftes modelliert werden, welche in der neuen separaten Betriebsrechnung für die berufliche Vorsorge berücksichtigt werden. (gemäss Art. 39 AVO für die berufliche Vorsorge berücksichtigt werden. Entstehen durch geschäftspolitische Grundsätze weitere Risiken, so sind die entsprechenden Garantien auch in die Bewertung einzubeziehen (z.b. Absicht zum Ausgleich einer Unterdeckung in einer Sammelstiftung oder der eigenen Vorsorgeeinrichtung Modellierungsarten Zu modellieren sind die erwarteten Cashflows der Bestandesentwicklung. Dabei sind auch die Vertragsoptionen zu berücksichtigen. Zur Modellierung von Vertragsoptionen verweisen wir auf das Dokument "Richtlinie zur marktnahen Bewertung und Modellierung von Optionen und Garantien im Rahmen des Schweizer Solvenztestes" B. Das BPV schreibt keine speziellen Modelle vor mit Ausnahme für die Modellierung der Zinssensitivität der obligatorischen Altersguthaben (siehe Punkt 8. Für die Modellierung der übrigen Verpflichtungen sind prinzipiell sowohl "deterministische" Modelle möglich, in denen eine B Dieses Dokument wird in einer Arbeitsgruppe der Schweizerischen Aktuarsvereinigung mit Beteiligung des Bundesamtes für Privatversicherung erarbeitet. Zur Zeit (Juni 6 steht es in der Vernehmlassungsphase und ist unter OptionenV7_Apr6.pdf abrufbar. 415 Bestandesentwicklung explizit realisiert wird, als auch "stochastische" Modelle, die z.b. auf Monte- Carlo-Simulationen der Bestandesentwicklung basieren. Das BPV stellt keine expliziten Anforderungen an den Detaillierungsgrad der Modelle. Plausible Vereinfachungen sind möglich und erwünscht, sofern ersichtlich ist, dass sich die Risikosensitivität nicht wesentlich ändert Bestandesentwicklung Die Grundannahmen zur Bestandesentwicklung müssen dargelegt und begründet werden. Zu modellieren sind die Cashflows einer realistischen Bestandesentwicklung gemäss der aktuellen Geschäftspolitik. Alle Teilprozesse des Modells müssen kohärent zur angenommenen Bestandesentwicklung modelliert werden. Die Risiken und Kosten sowie die Dauer ihrer Berücksichtigung müssen ebenfalls zur Bestandesentwicklung passen. Dies gilt auch für die Verluste beim Rentenumwandlungssatz, die entsprechend der Bestandesentwicklung anfallen. Die Bestandesentwicklung kann natürlich auch von wirtschaftlichen Bedingungen abhängig gemacht werden. Wenn der Bestand normal weitergeführt wird, dann wäre ein separates Szenario mit stark abnehmendem Bestand (z.b. Abbau innerhalb von drei Jahren wünschenswert Trennung von obligatorischen und überobligatorischen Komponenten Die obligatorischen und überobligatorischen Komponenten der Verpflichtungen zur Verzinsung des Altersguthabens und zur Rentenumwandlung müssen separat modelliert werden Beschränkung der Dauer der Risiken im Aktivenbestand Das BPV lässt eine Beschränkung der Gesamtdauer der Berücksichtigung der Risiken des Aktivenbestandes auf Jahre zu, auch wenn die tatsächliche Bestandesentwicklung darüberhinaus fortwährt. Diese Beschränkung berücksichtigt die Möglichkeit des Versicherers, sein ALM mittelfristig zu verbessern oder aus dem Geschäft auszusteigen, sowie die zunehmende Unschärfe bei der Abbildung zukünftiger Risiken BVG-Mindestzinssatz Solange auf politischer Ebene keine technische Regel zur Bestimmung des BVG-Mindestzinssatzes festgelegt wird, bestimmt die Aufsichtsbehörde diese Regel und gibt die daraus resultierenden Zinssätze bekannt. BPV-Regel zum BVG-Mindestzinssatz im SST: Der BVG-Mindestzinssatz beträgt 7% vom Kassazinssatz der eidg. Anleihen mit 7-jähriger Laufzeit genommen als rollendes Mittel über die letzten 7 Jahre (kurz 7/7/7. Abweichend hiervon muss im ersten Jahr der tatsächliche Mindestzinssatz eingehalten werden und im zweiten Jahr der Mittelwert zwischen dem Mindestzinssatz und 7/7/7. 516 Das BPV legt für den SST-Feldtest 6 folgende Werte fest: Jahr ( Mittelwert über Jahr der Kassazinssätze eidg. Anleihen bei 7 Jahren Laufzeit (in % ( 7% von ( (3 7 / 7 / 7 (4 BVG-Mindestzinssatz im SST (in % (5 / 7 / Die Zinssätze für 999 bis 5 wurden als Mittelwerte über die täglichen Zinssätze gebildet. (Die Daten in Kolonne ( weichen deshalb ab von den Kassazinssätzen per.., wie sie in der Kolonne ( der im März versandten Tabelle "7-7-7-Zinssaetze für das Repliportfolio im SST_6-3-6.xls" standen. Als zukünftige Zinssätze wurden Forward Rates genommen, die aus der Zinskurve im SST- Template abgeleitet wurden Szenario zum BVG-Mindestzinssatz Zur beruflichen Vorsorge muss ein Szenario zum BVG-Mindestzinssatz modelliert werden, das eine plötzliche Abweichung von der Zinsregel darstellt. Die Abweichung gilt nur für das zweite und dritte Jahr und setzt den Wert auf /7/7: 7:.8% 8:.65%. Es wird ein singulärer Effekt modelliert ohne zusätzliche Einflüsse. Die Abweichung soll im zweiten Jahr mit Wirkung über Jahre stattfinden, da der erste Wert durch den tatsächlichen Mindestzinssatz bestimmt ist und der Bundesrat den Mindestzinssatz jeweils für aufeinanderfolgende Jahre festlegt. In den Folgejahren wird wieder die 7/7/7-Regel angewandt. Bei Verwendung des Replikationsportfolios zur Modellierung des obligatorischen Altersguthabens (siehe nachfolgenden Punkt müssen im zweiten und dritten Jahr die Zinssätze aller verwendeten Tranchen auf % (statt 7% gesetzt werden Modellierung des obligatorischen Altersguthabens Das Altersguthaben muss für den obligatorischen und überobligatorischen Teil getrennt modelliert werden. Alle Versicherer müssen zur Modellierung des obligatorischen Altersguthabens das im Folgenden beschriebene BPV-Replikationsportfolio benutzen, welches im SST-Template implementiert ist. Zusätzlich können auch andere Modellierungen durchgeführt werden. Wird eine Cash-Flow-Modellierung des Altersguthabens vorgenommen, die den unten aufgeführten Anforderungen genügt, dann wird sie vom BPV als gleichwertig anerkannt. Ein SST, in dem das 617 obligatorische Altersguthaben mit dem Replikationsportfolio modelliert wird, muss aber in jedem Fall auch durchgeführt und abgegeben werden. Ändert sich der Bestand stark, dann muss neben dem Replikationsportfolio auch ein anderes Modell gerechnet werden. Zur Rentenumwandlung folgt unten ein separater Punkt. Eigenschaften des Replikationsportfolios: Es besteht aus 7 virtuellen Tranchen 7-jähriger eidg. Anleihen, welche über einen Zeitraum von vor 7 Jahren bis Ende des Jahres 5 ausgegeben wurden. Ausser dem (obligatorischem oder überobligatorischen Altersguthabens per Ende 5 hat das Replikationsmodell keine weiteren Freiheitsgrade. Die Berechnung läuft deshalb bei allen Lebensversicherern, welche die berufliche Vorsorge versichern, genau gleich ab. Jede Tranche geht nominell mit demselben Anteil von /7 des Altersguthabens per Ende 5 ein. Mit 7% der Couponserträge wird der Mindestzinssatz erwirtschaftet. Eigenschaften des Cash-Flow-Modelles: Die Aktiven werden als ein Bestand von anwartschaftlichen Leibrenten betrachtet. Es können geeignete Bestandesverdichtungen zur Vereinfachung vorgenommen werden. Die Verzinsung des Altersguthabens entspricht der oben angegebenen Fortschreibung des BVG-Mindestzinssatzes. Es kann der Erhalt der Altersstruktur des Bestandes oder eine Alterung, aber keine Verjüngung angenommen werden. Der Gesamtbestand kann erhalten oder abgebaut, aber nicht ausgeweitet werden. Beim Dienstaustritt wird das Altersguthaben fällig. Beim Vertragsstorno kann innerhalb der ersten 5 Vertragsjahre ein Zinsrisikoabzug vorgenommen werden. Das nach Jahren verbleibenden Portefeuille der Aktiven wird zum Nominalwert der Altersguthaben übertragen. Bei der Modellierung der Zinsverpflichtungen des obligatorischen Altersguthabens gegenüber autonomen Sammeleinrichtungen, für die der BVG-Mindestzinssatz nicht eingehalten werden muss, kann ein geschäftspolitisch realistischer, abweichender Zinssatz angewandt werden. Die Verwendung muss dargelegt und begründet werden Modellierung des überobligatorischen Altersguthabens Das überobligatorische Sparen sollte gemäss der Geschäftspolitik modelliert werden. Wenn die Einhaltung des BVG-Mindestzinssatzes nicht Ziel der Geschäftspolitik ist, dann kann ein geschäftspolitisch realistischer, abweichender Zinssatz für das überobligatorische Sparen angewandt werden. Die Verwendung muss dargelegt und begründet werden. Das überobligatorische Sparen kann mit dem entsprechenden Replikationsportfolio im SST-Template oder mit anderen Methoden modelliert werden. Es kann auch mit einer beschränkten Marge zwischen Rendite und Verzinsung gerechnet werden, höchstens aber für Jahre. Auch in diesem Fall muss die Methode dargelegt und begründet werden Rentenumwandlung und Kapitaloption Die Rentenumwandlung muss für den obligatorischen und überobligatorischen Teil getrennt modelliert werden. Das zur Verrentung bereitstehende Alterskapital wird folgendermassen bestimmt: Die Altersguthaben müssen über Jahre gemäss der Bestandesentwicklung fortgeführt werden. Die Verzinsung im obligatorischen Teil erfolgt mit dem BVG-Mindestzinssatz (auch für Verpflichtungen gegenüber autonomen Sammeleinrichtungen. Im überobligatorischen Teil wird die Verzinsung gemäss der Zinsannahmen für den überobligatorischen Teil in Punkt 9 durchgeführt. Entsprechend der Bestandesentwicklung wird ein Teil des Altersguthabens frei zur Verrentung oder für den Kapitalbezug. 718 Die angewandte Quote für den Kapitalbezug muss dargelegt werden. Die Abhängigkeit von der Zinsentwicklung muss berücksichtigt werden. Die Neuverrentungen brauchen nur für Jahre durchgeführt zu werden. Für den obligatorischen Teil des Altersguthabens, das in eine Altersrente umgewandelt wird, muss der gesetzliche Umwandlungssatz angewandt werden. Infolge der. BVG-Revision fällt der BVG- Rentenumwandlungssatz von 7.% auf 6.8% im Jahr 4. Anschliessend muss weiterhin mit 6.8% umgewandelt werden. Im überobligatorischen Bereich kann ein 5-jähriger linearer Übergang vom derzeit genehmigten Umwandlungssatz zu einem Umwandlungssatz zweiter Ordnung durchgeführt werden. Die Abwicklung der Altersrenten kann entsprechend dem Schema im SST-Template (Blatt L_BV_Renten durchgeführt werden. (In der ersten Version waren versehentlich nur 9 Jahre eingetragen. Dies wurde auf Jahre geändert. Die Kapitaloption ist zu bewerten gemäss der "Richtlinie zur marktnahen Bewertung und Modellierung von Optionen und Garantien im Rahmen des Schweizer Solvenztestes" Laufende Renten Die laufenden Renten entstehen gemäss der Risikostruktur und der Entwicklung des Bestandes. Die Entstehung kann aber auf maximal Jahre beschränkt werden. Die Renten, auch die zukünftig entstehenden, werden marktnah (Sterbetafeln. Ordnung, Diskontierung durch Zinskurve auf den heutigen Zeitpunkt diskontiert. Sie sind also im SST einem Zinsrisiko und einem biometrischen Risiko unterworfen. Bei den laufenden Invalidenrenten kann die Reaktivierung pauschal eingerechnet werden. Der Sterblichkeitstrend ist für die Bewertung mit einer aktuariell anerkannten Methodik (Generationentafeln, z. Bsp. modelliert mithilfe des Nolfiansatzes qx, t = qx, t exp( λ ( t t x und einem Parameter λ, der mit einem anerkannten Trendschätzungsverfahren ermittelt wurde. x 3... Risikoprozess bei den Aktiven Der Risikoprozess bei den Aktiven kann vereinfacht durch eine Marge zwischen Prämien und Schäden modelliert werden. Wir unterstellen, dass aufgrund der einjährigen Tarifierung eine solche Marge möglich ist, obwohl es in der Realität eine Anpassungsverzögerung und rechtliche Einschränkungen hinsichtlich der Tarifanpassung gibt. Die benutzte Marge soll auf der tatsächlichen heutigen Marge basieren und kann gewisse zukünftige Verbesserungsmöglichkeiten berücksichtigen. Sie darf aber höchstens % der Risikoprämie betragen und kann höchstens Jahre lang verwendet werden. Diese Marge muss natürlich gemeinsam mit den Ergebnissen aus den anderen Prozessen durch die Mindestquote geführt werden. Die Schäden entsprechen der Risikostruktur des Bestandes. Die Prämien können dann mit der Marge aus den Schäden abgeleitet werden. Es sind natürlich auch andere, feinere Modellierungen möglich Kostenprozess Der Kostenprozess kann ebenfalls pauschal mit einer Marge modelliert werden. Die benutzte Marge muss aber auf der aktuellen, tatsächlichen Marge basieren. Sie kann sich verbessern, aber auch verschlechtern, darf höchstens % der Kostenprämie betragen und kann höchstens Jahre lang verwendet werden. Auch diese Marge muss natürlich gemeinsam mit den Ergebnissen aus den anderen Prozessen durch die Mindestquote geführt werden. Bei einem Abbau des Bestandes muss mit zunehmenden Kostensätzen gerechnet werden. In jedem Falle muss die Kostenentwicklung dargelegt und begründet werden Vertragsauflösung Vertragsauflösungen sowie daraus resultierende Zinsverluste und Verluste aus dem Wegfall zukünftiger Margen müssen entsprechend der Bestandesentwicklung realisiert werden. Ausserdem ist der Praxis im Zusammenhang mit Art. 53e BVG (Weitergabe oder Zurückbehalten der laufenden Renten Rechnung zu tragen, das heisst die Rückkaufsoption ist zu bewerten und vom risikotragenden Kapital in Abzug zu bringen. 819 Die Zinssensitivität des Stornoverhaltens ist zu definieren und zu berücksichtigen gemäss der "Richtlinie zur marktnahen Bewertung und Modellierung von Optionen und Garantien im Rahmen des Schweizer Solvenztestes". Es müssen nur Vertragsauflösungen innerhalb von Jahren berücksichtigt werden Indexierung und Teuerungsfonds Im Standardmodell werden die Teuerungsrisiken nicht berücksichtigt, da eine jährliche Anpassung der Teuerungsprämien möglich ist. In jedem Fall dürfen die Mittel des Teuerungsfonds nur zum Ausgleich der Teuerung oder zum Transfer in den Überschussfonds verwendet werden. Der Teuerungsfonds wird proportional zum Bestand abgewickelt. Dabei kann die derzeitige Zinsmarge zwischen der tariflichen Verzinsung und den tatsächlichen Kapitalerträgen pauschal fortgeschrieben werden. Das BPV beschränkt die Marge auf maximal %. Die Margenrechnung kann höchstens Jahre lang durchgeführt werden. Für die Abwicklung treffen wir die vereinfachende Annahme, dass die Teuerungsprämien dem Aufwand für Kosten und Leistungen entsprechen Mindestquote Die Wirkung der gesetzlichen Regeln zur Mindestquote soll so weit wie möglich berücksichtigt werden. Dabei ist zu beachten, dass die Bestimmung der Mindestquote auf statutarischen Grössen basiert. Die statutarischen Grössen in der Betriebsrechnung werden geschätzt, damit die Auswirkung der Mindestquote berücksichtigt werden kann. Betroffen sind natürlich nur diejenigen Verträge, die der Mindestquote unterworfen sind Darstellung Bei der Darstellung des Modells und der Ergebnisse sollen die Modellannahmen, der Ausgangsbestand, Parameter sowie wichtige Bestandesdaten als Zeitreihen dargestellt werden. Hierzu zählen etwa das obligatorische und überobligatorische Altersguthaben, Zinsen, das DK der laufenden Renten, Umwandlungssatzverluste, Risikoprämien und Kosten Bewertung der Liabilities für Nichtlebensversicherer Der Wert der Rückstellungen und Verbindlichkeiten, welche nicht risikotragend sind, setzt sich zusammen aus dem bestmöglichen Schätzwert der Barwerte der Erwatungswerte der zukünftigen Zahlungen für Schäden, deren Schadendatum in der Vergangenheit liegt. Darin eingeschlossen sind Rückstellungen für IBNyR-Schäden. Rückstellungen für zukünftige Kosten im Zusammenhang mit den im ersten Punkt erwähnten Schadenfälle (ULAE-Rückstellungen. dem Prämienübertrag; eingenommene, aber noch nicht verdiente Prämien; unearned premium reserve (upr dem diskontierten Best Estimate Wert der weiteren Rückstellungen und Verpflichtungen, welche nicht risikotragend sind:. ausgegebene Obligationen,. bereits geplante Dividendenausschüttungen aus dem Vorjahr, 3. Rückstellungen für allfällige vertragliche Überschuss-Gewinnbeteiligungen 4. eigene Aktien (diese erscheinen auf beiden Seiten der Bilanz 5. Steuerrückstellungen 6. Rückstellungen für Pensionen 7. sonstige Rückstellungen und Verbindlichkeiten, die nicht risikotragend sind. 920 Die diskontierten Best Estimate der Schadenrückstellungen ist die Schätzung der Summe der heutigen Barwerte der Erwartungswerte der zukünftigen Schadenzahlungen für Schadenfälle, deren Schadendatum vor dem Betrachtungszeitpunkt liegt. Die Schätzung muss erwartungstreu erfolgen und die sämtliche Informationen einbeziehen, die bis zum Betrachtungszeitpunkt vorliegen. Für die Bestimmung der diskontierten Best Estimate Reserven ist es somit pro Branche erforderlich, bestmöglichen Schätzungen die zukünftigen Zahlungen zu ermitteln und diese zu auf den Betrachtungszeitpunkt (z.b. t abdiskontieren. Als Diskontsätze müssen die risikofreien Diskontsätze v j verwendet werden. Die zukünftigen Zahlungen werden über das Zahlungsmuster der undiskontierten Best Estimate Reserven ermittelt. Die diskontierte Best Estimate Reserve am Zeitpunkt t beträgt somit: k k v β R = d R, (3 k k wobei R die undiskontierten Bedarfsschadenrückstellungen im Zeitpunkt t für die betrachteten Schäden (Schadendatum in sind. Die Schweizerischen Aktuarsvereinigung (SAV legt dazu Richtlinien vor. Die Koeffizienten ( β k k bezeichnen das Auszahlungsmuster pro Branche und können unternehmensindividuell bestimmt werden. Alternativ werden im SST für die meisten Branchen Auszahlungsmuster standardmässig vorgeschlagen. Dabei handelt es sich um Zahlungsmuster ( k k unabhängig vom Anfalljahr, die aus den Mustern der grossen Portefeuilles im schweizerischen Versicherungsmarkt abgeleitet wurden. Um aus diesen Auszahlungsmustern die ( β k k zu berechnen, müssen sie zunächst auf die Reserven per Ende des Vorjahres -, aufgeteilt nach Anfalljahr, entsprechend der bereits abgewickelten Jahre umskaliert und angewendet werden. Die ( β k k können dann aus der Entwicklung der Gesamtreserve für alle Anfalljahre abgeleitet werden. Die Standardwerte für die Auszahlungsmuster ( k k können aus dem Template des SST entnommen werden Spezialfall der UVG-Renten Rückstellungen in der Branche UVG (obligatorische Unfallversicherung für Erwerbstätige werden unterteilt in Rückstellungen für Schadenfälle, die nicht oder noch nicht verrentet sind und Rückstellungen für Schadenfälle, in denen eine Rente gezahlt wird. Dieser Abschnitt beinhaltet eine Bemerkung zu der zweiten Kategorie, den Rentenrückstellungen. UVG-Renten bestehen aus der Grundrente und einem Teuerungszulage (TZ, der analog der Teuerung in der AHV vorgegeben wird. Finanziert wird der TZ durch den sogenannten Zinsüberschuss φ / zuvg, wobei z UVG ist der technische Zinssatz von 3.5% und φ / der Durchschnitt der letzten zehnjährigen Kassazinsen sind. φ / wird alljährlich vom Bundesamt für Gesundheit (BAG basierend auf den von der Nationalbank herausgegebenen Kassazinssätzen C berechnet. C Die Kassazinssätze sind bei der Schweizerischen Nationalbank unter Publikationen Statistisches Monatsheft E Zinssätze und Renditen Renditen von Obligationen zu finden. Mehr anzeigen
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