Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=05.06.1975&Aktenzeichen=II%20ZB%201/75
Timestamp: 2019-11-12 13:55:30
Document Index: 204210700

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 120', 'BGH', 'BGH', '§ 56', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 05.06.1975 - II ZB 1/75 - dejure.org
https://dejure.org/1975,3053
BGH, 05.06.1975 - II ZB 1/75 (https://dejure.org/1975,3053)
BGH, Entscheidung vom 05.06.1975 - II ZB 1/75 (https://dejure.org/1975,3053)
BGH, Entscheidung vom 05. Juni 1975 - II ZB 1/75 (https://dejure.org/1975,3053)
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Anforderungen an eine Unterschrift - Gewährung von Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen Vorliegens eines unabwendbaren Zufalls bei Nichtanerkennung einer seit Jahren von einem Rechtsanwalt verwendeten Unterschrift - Voraussetzungen einer Unterschrift - Schriftzug ...
VersR 1975, 927
a) Es kann dahinstehen, ob eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand auch gewährt werden kann, wenn eine bestimmte Form nicht eingehalten worden ist (vgl. BFH-Zwischenurteil vom 16. August 1979 I R 95/76, BFHE 129, 1, BStBl II 1980, 47, m. w. N.), wie dies bei einer nicht formgerechten Unterschrift (§ 120 Abs. 1 Satz 1 FGO) der Fall ist (vgl. BGH-Beschluß vom 5. Juni 1975 II ZB 1/75, VersR 1975, 927, 928).
Soweit ein solches Vorbringen in dem allgemein gehaltenen Vortrag zu sehen sein sollte, der Prozeßbevollmächtigte unterschreibe seit Jahren und ohne Beanstandung Schriftsätze an Finanzgerichte in der vorliegenden Weise (vgl. BGH-Beschluß in VersR 1975, 927, 928), ist dies nicht glaubhaft gemacht worden (§ 56 Abs. 2 Satz 2 FGO).
Wohl aus denselben Erwägungen hat der BGH Wiedereinsetzung auch bei mangelhafter Unterzeichnung einer Berufungsschrift (BGH-Beschluß vom 5. Juni 1975 II ZB 1/75, Versicherungsrecht 1975 S. 927 - VersR 1975, 927 -) sowie bei einer nicht ausreichenden Bezeichnung des mit der Berufung angefochtenen Urteils (BGH-Beschluß vom 6. März 1974 VIII ZB 3/74, VersR 1974, 783) gewährt.
Dazu ist ein die Identität des Unterzeichnenden ausreichend kennzeichnender Schriftzug erforderlich, dessen Schriftbild einen individuellen Charakter aufweist und erkennen läßt, daß es sich um Schriftzeichen handelt, die eine Namensunterschrift zum Ausdruck bringen sollen (vgl. zuletzt BGH Urteil vom 4. Juni 1975 - I ZR 114/74 = VersR 1975, 925;Beschluß vom 5. Juni 1975 - II ZB 1/75 = VersR 1975, 927;Urteil vom 25. Juni 1975 - VIII ZR 254/74 = NJW 1975, 1704).
Die Unterschrift des Anwalts muß nicht lesbar sein; Undeutlichkeiten und Verstümmelungen schaden nicht, sofern ein Schriftzug vorliegt und einzelne Buchstaben erkennbar sind (BGH Beschluß vom 5. Juni 1975 a.a.O.).
Aus dem Beschluß des Bundesgerichtshofs vom 5. Juni 1975 (II ZB 1/75 - VersR 1975, 927), dem ein mit dem hier zu entscheidenden Fall ersichtlich nicht vergleichbarer Sachverhalt zugrunde lag, kann der Kläger zur Rechtfertigung seines Gesuchs nichts herleiten.
Bereits der Bundesgerichtshof (VersR 1975, 927) hat den Umstand, daß die Unterzeichnung einer Berufungsschrift mit einer über Jahrzehnte unbeanstandet geleisteten Unterschrift plötzlich beanstandet wird, für den unterzeichnenden Rechtsanwalt und damit auch für seine Partei als einen die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand rechtfertigenden unabwendbaren Zufall angesehen.
Wie das Berufungsgericht in den Beschlüssen vom 2. und 27. April 1982 eingehend und zutreffend dargelegt hat, genügte das unter der Berufungsschrift befindliche Gebilde den nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes an eine Unterschrift zu stellenden Anforderungen nicht (vgl. insbesondere Beschluß vom 21. März 1974 - VII ZB 2/74 = VersR 74, 809; Urteil vom 4. Juni 1975 - I ZR 114/74 = VersR 1975, 925 und Beschluß vom 5. Juni 1975 - II ZB 1/75 - VersR 1975, 927; jeweils m.w.N.).