Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Tariffaehigkeit_von_Gewerkschaften_BAG_1ABR5804.html
Timestamp: 2017-08-21 04:31:41
Document Index: 22005092

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 2', 'Art. 9', 'Art. 20', '§ 2', '§ 2', '§ 97', '§ 2', '§ 83', '§ 97', '§ 2', '§ 2', '§ 253', '§ 2', '§ 97', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 97', '§ 2', '§ 2', '§ 97', '§ 97', '§ 2', '§ 2', '§ 256', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 97', '§ 2', '§ 2', 'Art. 9', '§ 280', '§ 246', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art. 9', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art. 9', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 2', '§ 2', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 2', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 2', '§ 2', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 20', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 622', '§ 8', '§ 12', '§ 13', '§ 14', '§ 13', '§ 3', '§ 307', '§ 310', '§ 7', '§ 87', 'Art. 9', '§ 622', 'EuG', 'Art. 234', 'EuG', 'Art. 49', 'EuG', 'Art. 50', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 50', 'Art. 137', 'Art. 137', 'Art. 11', '§ 2', '§ 2', 'Art. 9', '§ 2', '§ 2', 'Art. 21', 'Art. 9', '§ 2', '§ 2', 'Art. 9', '§ 9', '§ 2', '§ 2', 'Art. 9', '§ 2', 'Art. 9', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 117', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', 'Art. 9', '§ 4', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 4', '§ 2', '§ 2', '§ 2']

HENSCHE Arbeitsrecht: 1 ABR 58/04
Schlag­worte: Tariffähigkeit, Gewerkschaft
Akten­zeichen: 1 ABR 58/04
Ent­scheid­ungs­datum: 28.03.2006
1. Ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ist für den von ihr be­an­spruch­ten Zuständig­keits­be­reich ent­we­der ins­ge­samt oder über­haupt nicht ta­riffähig. Es gibt kei­ne par­ti­el­le Ta­riffähig­keit.
2. Um ta­riffähig zu sein, muss ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung über ei­ne Durch­set­zungs­kraft verfügen, die er­war­ten lässt, dass sie als Ta­rif­part­ner vom so­zia­len Ge­gen­spie­ler wahr- und ernst­ge­nom­men wird.
3. So­fern ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung be­reits in nen­nens­wer­tem Um­fang Ta­rif­verträge ge­schlos­sen hat, be­legt dies re­gelmäßig ih­re Durch­set­zungs­kraft. Das gilt so­wohl für den Ab­schluss ori­ginärer Ta­rif­verträge als auch für den Ab­schluss von An­schluss­ta­rif­verträgen.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Stuttgart, Beschluss vom 12.09.2003, 15 BV 250/96
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Beschluss vom 1.10.2004, 4 TaBV 1/04
hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der Anhörung vom 28. März 2006 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts Schmidt, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Kreft und Lin­sen­mai­er so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Rath und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Spoo be­schlos­sen:
Die Rechts­be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 1) ge­gen den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg vom 1. Ok­to­ber 2004 - 4 TaBV 1/04 - wird zurück­ge­wie­sen.
A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Ta­riffähig­keit der „Christ­li­chen Ge­werk­schaft Me­tall“.
An­trag­stel­le­rin ist die zu 1) be­tei­lig­te In­dus­trie­ge­werk­schaft Me­tall (IG Me­tall). Sie be­an­sprucht nach ih­rer Sat­zung bun­des­weit die Ta­rif­zuständig­keit ins­be­son­de­re für die Be­trie­be der Me­tall­in­dus­trie, der Me­tall­ge­win­nung, der Ei­sen und Stahl er­zeu­gen­den In­dus­trie, des Me­tall­hand­werks, der Elek­tro­in­dus­trie und an­ver­wand­ter Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men. Im Ja­nu­ar 2002 hat­te sie 2.685.942 Mit­glie­der, von de­nen 1.769.776 in ei­nem Ar­beits­verhält­nis stan­den.
Die zu 2) be­tei­lig­te Christ­li­che Ge­werk­schaft Me­tall (CGM) wur­de nach ih­ren An­ga­ben im Jahr 1899, laut An­ga­ben der IG Me­tall im Jahr 1959 als Christ­li­cher Me­tall­ar­bei­ter­ver­band Deutsch­lands (CMV) ge­gründet. Im Ok­to­ber 1991 gab sich der Ver­band sei­nen jet­zi­gen Na­men. Nach § 1 Nr. 3 ih­rer am 16. Ok­to­ber 1999 in Kraft ge­tre­te­nen Sat­zung ist die CGM ei­ne „un­abhängi­ge Ge­werk­schaft“. Ihr sat­zungsmäßi­ger Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich er­streckt sich auf das Ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und um­fasst die Be­rei­che der me­tall­er­zeu­gen­den und -ver­ar­bei­ten­den In­dus­trie, des Me­tall­hand­werks, der Elek­tro­in­dus­trie und der sons­ti­gen Me­tall­be­trie­be. Mit­glie­der können die in die­sem Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer wer­den. Die CGM glie­dert sich in Lan­des-, Be­zirks-, Orts- und/oder Kreis­verbände so­wie Be­triebs­grup­pen. Zu ih­ren Auf­ga­ben und Zie­len gehören nach § 2 der Sat­zung ua. die „Her­beiführung ei­ner ge­rech­ten Ent­gelt­re­ge­lung und ei­ner Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung“, die „Re­ge­lung der sons­ti­gen Ar­beits­be­din­gun­gen durch Ta­rif­verträge“ und die „Un­terstützun-
gen bei ge­werk­schaft­lich an­er­kann­ten Streiks, bei Aus­sper­rung und Maßre­ge­lung“. Sie ist Mit­glied des zu 8) be­tei­lig­ten Christ­li­chen Ge­werk­schafts­bun­des Deutsch­lands (CGB).
Im Jahr 2001 wa­ren im Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich der CGM knapp 5,5 Mio. Ar­beit­neh­mer beschäftigt. Da­von ent­fie­len auf den Fahr­zeug­bau ca. 960.000, auf die Elek­tro­in­dus­trie ca. 708.000, auf den Ma­schi­nen­bau ca. 903.000 und auf die Me­tall­er­zeu­gung und -be­ar­bei­tung ca. 993.000 Ar­beit­neh­mer. Im Me­tall- und Elek­tro­hand­werk wa­ren 1995 - in­so­weit sind Fest­stel­lun­gen für 2001 nicht ge­trof­fen - bun­des­weit et­wa 1,9 Mio. Ar­beit­neh­mer tätig. Die CGM hat­te laut Ei­des­statt­li­cher Ver­si­che­rung ih­rer Lan­des­se­kretäre vom 23. Ju­li 2003 am 31. De­zem­ber 2001 bun­des­weit 97.389 Mit­glie­der, von de­nen 88.044 ak­tiv im Er­werbs­le­ben stan­den. Die IG Me­tall hält „al­len­falls“ ei­nen Mit­glie­der­be­stand in der Größen­ord­nung von 50.000 für zu­tref­fend.
Die CGM beschäftigt 43 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, dar­un­ter 14 haupt­amt­li­che Ge­werk­schafts­se­kretäre. Sie ar­bei­ten in der Haupt­ver­wal­tung in Stutt­gart so­wie in Se­kre­ta­ria­ten in Sulz­bach/Murr, Fried­richs­ha­fen, Duis­burg, Bonn, Schwein­furt, Re­gens­burg, Augs­burg, Rüssels­heim, Saarbrücken, Han­no­ver, Wolfs­burg, Ge­ra, Chem­nitz, Mag­de­burg und Ber­lin. Da­ne­ben sind für die CGM ins­ge­samt 498 Ge­werk­schafts­mit­glie­der eh­ren­amt­lich tätig.
Die CGM nimmt für sich in An­spruch, ei­ne „kon­sens­ori­en­tier­te Ta­rif­po­li­tik“ zu ver­tre­ten. Gleich­wohl be­jaht sie nach ih­rer Sat­zung auch den Streik als Kampf­mit­tel zur Er­rei­chung der ge­stell­ten Zie­le. Sie hat noch kei­ne Streiks or­ga­ni­siert. 1984 wur­den meh­re­re Tau­send ih­rer Mit­glie­der durch ei­ne Aus­sper­rung in den Ar­beits­kampf ein­be­zo­gen und er­hiel­ten von ihr über 10 Mio. DM Un­terstützung.
Im Be­reich der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie schloss die CGM in der Ver­gan­gen­heit vor al­lem in den al­ten Bun­desländern mit Ar­beit­ge­ber­verbänden oder ein­zel­nen Ar­beit­ge­bern ca. 3.000 An­schluss­ta­rif­verträge.
Im Be­reich des Hand­werks ver­ein­bar­te sie seit En­de der 80er/An­fang der 90er Jah­re mit den Fach­verbänden, die im zu 11) be­tei­lig­ten Bun­des­ver­band Me­tall Ver­ei­ni­gung Deut­scher Me­tall­hand­wer­ke (BVM) or­ga­ni­siert sind, so­wie mit den zu 12) bis 17) be­tei­lig­ten Lan­des­in­nungs­verbänden ins­ge­samt 550 ei­genständi­ge Ta­rif­verträge in rund 30 Ta­rif­be­rei­chen. Da­bei han­del­te es sich um Man­tel­ta­rif­verträge, um Lohn- und Ge­halts­ta­rif­verträge so­wie um Ta­rif­verträge zu an­de­ren Re­ge­lungs­ge­genständen. Die CGM hat 31 no­ta­ri­el­le Ur­kun­den vor­ge­legt, nach de­nen durch Per­so­nal­aus­weis und Mit­glieds­aus­weis aus­ge­wie­se­ne, in den Ur­kun­den aber na­ment­lich nicht ge­nann­te Mit-
glie­der als Ar­beit­neh­mer in be­stimm­ten aus­drück­lich be­zeich­ne­ten Hand­werks­be­trie­ben in ei­nem Ar­beits­verhält­nis ste­hen. Im Be­reich des Elek­tro­hand­werks hat die CGM in den neu­en Bun­desländern die IG Me­tall als Ta­rif­part­ner weit­ge­hend ver­drängt. Auch in an­de­ren Be­rei­chen des Hand­werks ist der Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad der IG Me­tall re­la­tiv ge­ring. Er lag 1998 zwi­schen 2,4 % (Kälte­an­la­gen­bau­er, Büro­in­for­ma­ti­ons­elek­tro­ni­ker) und 10,2 % (Ka­ros­se­rie-/Fahr­zeug­bau­er, Kfz-Me­cha­ni­ker).
Mit dem Ver­band OST­ME­TALL ver­ein­bar­te die CGM im Jahr 1998 für die Bun­desländer Sach­sen, Sach­sen-An­halt und Thürin­gen das Ta­rif­werk „Phönix“. Zu OST­ME­TALL gehören der zu 3) be­tei­lig­te Ver­band der Säch­si­schen Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie e.V. (VS­ME), der Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie Sach­sen-An­halt e.V. und der Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie in Thürin­gen e.V. Die­se drei Verbände sind Mit­glie­der des zu 10) be­tei­lig­ten Ge­samt­ver­ban­des der me­tall­in­dus­tri­el­len Ar­beit­ge­ber­verbände (Ge­samt­me­tall). Mit dem VS­ME schloss die CGM seit 1996 wei­te­re Ta­rif­verträge.
Die CGM ver­ein­bar­te außer­dem rund 40 Fir­men­ta­rif­verträge, dar­un­ter ein Ta­rif­werk mit der JEN­OP­TIK-Grup­pe vom 6. März 1999. Der Ab­schluss er­folg­te, nach­dem sich die aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band aus­ge­tre­te­ne JEN­OP­TIK-Grup­pe und die IG Me­tall An­fang 1999 nicht auf ei­nen Haus­ta­rif hat­ten ei­ni­gen können. Ein sol­cher kam schließlich am 17. No­vem­ber 1999 doch zu­stan­de. In der Fol­ge­zeit wur­de er in ei­nem mit der CGM ge­schlos­se­nen An­schluss­ta­rif­ver­trag über­nom­men.
Die Ta­riffähig­keit der CGM ist seit lan­gem um­strit­ten. Mit Be­schluss vom 4. Fe­bru­ar 1972 (- 6 BV 3/71 - EzA GG Art. 9 Nr. 9) stell­te das Ar­beits­ge­richt Stutt­gart auf An­trag des da­ma­li­gen CMV fest, dass die­ser ei­ne Ge­werk­schaft im ar­beits­recht­li­chen Sin­ne sei. Der Be­schluss wur­de rechts­kräftig.
Mit dem am 27. No­vem­ber 1996 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen An­trag hat die IG Me­tall die Fest­stel­lung be­gehrt, dass die CGM kei­ne ta­riffähi­ge Ge­werk­schaft sei. Die CGM be­sit­ze nicht die hier­zu er­for­der­li­che Durch­set­zungs­kraft. Die­se er­ge­be sich we­der aus dem Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad noch aus den von der CGM ge­sch­los­se­nen Verträgen. Es sei nicht dar­ge­tan, in­wie­weit die ab­ge­schlos­se­nen Verträge über­haupt auf Ar­beits­verhält­nis­se An­wen­dung fänden.
fest­zu­stel­len, dass die CGM kei­ne Ge­werk­schaft im ar­beits­recht­li­chen Sin­ne ist.
Die CGM, der Be­tei­lig­te zu 4) und die Be­tei­lig­ten zu 9) bis 17) ha­ben be­an­tragt, den An­trag ab­zu­wei­sen. Sie ha­ben die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die CGM sei ta­riffä­hig. Ih­re Durch­set­zungs­kraft zei­ge sich ins­be­son­de­re dar­in, dass sie im Be­reich des Hand­werks zahl­rei­che ori­ginäre Ta­rif­verträge und im Be­reich der In­dus­trie ei­ne Viel­zahl von An­er­ken­nungs­ta­rif­verträgen ab­ge­schlos­sen ha­be. Ei­ne Min­dest­zahl von Mit­glie­dern im Gel­tungs­be­reich ei­nes Ta­rif­ver­trags sei für die Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung nicht er­for­der­lich. Die IG Me­tall miss­brau­che das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren, um die CGM als miss­lie­bi­ge Kon­kur­renz aus­zu­schal­ten.
Die Be­tei­lig­ten ha­ben zunächst darüber ge­strit­ten, ob dem An­trag der IG Me­tall die Rechts­kraft des Be­schlus­ses des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 4. Fe­bru­ar 1972 ent­ge­gen­ste­he. Der Se­nat hat dies mit Be­schluss vom 6. Ju­ni 2000 (- 1 ABR 21/99 - BA­GE 95, 47) ver­neint. Die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de wur­de vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht zur Ent­schei­dung an­ge­nom­men (23. Fe­bru­ar 2001 - 1 BvR 4/01 - AP GG Art. 20 Nr. 32). Nach Fortführung des Ver­fah­rens hat das Ar­beits­ge­richt dem An­trag der IG Me­tall ent­spro­chen. Auf die Be­schwer­den der CGM so­wie der Be­tei­lig­ten zu 3) und zu 9) bis 17) hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt den ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss ab­geändert und den An­trag ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­be­schwer­de be­gehrt die IG Me­tall die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Be­schlus­ses. Die CGM und die Be­tei­lig­ten zu 3) so­wie zu 8) bis 17) be­an­tra­gen die Zurück­wei­sung der Rechts­be­schwer­de. Die Be­tei­lig­ten zu 4) bis 6) ha­ben kei­nen An­trag ge­stellt.
B. Die Rechts­be­schwer­de ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den An­trag der IG Me­tall zu Recht ab­ge­wie­sen. Die CGM ist ei­ne ta­riffähi­ge Ge­werk­schaft.
1. Die Be­tei­li­gung an ei­nem Ver­fah­ren zur Ent­schei­dung über die Ta­riffähig­keit ei­ner Ver­ei­ni­gung von Ar­beit­neh­mern ist - wie auch sonst in Be­schluss­ver­fah­ren - noch im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren von Amts we­gen zu prüfen. Per­so­nen und Stel­len, die bis da­hin zu Un­recht nicht gehört wur­den, sind auch oh­ne Rüge zum Ver­fah­ren hin­zu­zu­zie­hen (vgl. BAG 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 10/99 - BA­GE 95, 36, zu B I 3 a der Gründe; 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1 = EzA TVG § 2 Nr. 27, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B I 1 der Gründe). Da­ge­gen ist im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren grundsätz­lich nicht von Amts
we­gen zu prüfen, ob sämt­li­che in den Vor­in­stan­zen be­tei­lig­ten Per­so­nen, Ver­ei­ni­gun­gen und Stel­len zu Recht an­gehört wur­den (vgl. BAG 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - aaO, zu B I 1 der Gründe mwN).
2. Wer in ei­nem Ver­fah­ren nach § 97 Abs. 1, § 2a Abs. 1 Nr. 4 ArbGG be­tei­ligt ist, er­gibt sich aus § 83 Abs. 3 ArbGG, der gemäß § 97 Abs. 2 ArbGG ent­spre­chen­de An­wen­dung fin­det. Maßgeb­lich ist die un­mit­tel­ba­re Be­trof­fen­heit in der Rechts­stel­lung als Ar­beit­neh­mer- oder Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gung. Da­her ist stets die Ver­ei­ni­gung be­tei­ligt, über de­ren Ta­riffähig­keit ge­strit­ten wird. Be­tei­ligt sind fer­ner die Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­sei­te, so­weit die Ent­schei­dung sie berühren kann. Da­bei ist grundsätz­lich die Be­tei­li­gung der je­wei­li­gen Spit­zen­verbände aus­rei­chend (BAG 25. No­vem­ber 1986 - 1 ABR 22/85 - BA­GE 53, 347, zu B I 3 a der Gründe; 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 10/99 - BA­GE 95, 36, zu B I 3 b, c der Gründe mwN; 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1 = EzA TVG § 2 Nr. 27, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B I 1 der Gründe). Dies gilt auch dann, wenn Ar­beit­ge­ber­verbände, die Mit­glied ei­ner Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on sind, ei­ne Ta­rif­ge­mein­schaft ge­bil­det ha­ben, die ih­rer­seits nicht Mit­glied der Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on ist. Die In­ter­es­sen der in der Ta­rif­ge­mein­schaft zu­sam­men­ge­schlos­se­nen Ar­beit­ge­ber­verbände können in­so­weit durch die be­tei­lig­te Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on wahr­ge­nom­men wer­den. Ei­ner ge­son­der­ten Be­tei­li­gung der Ta­rif­ge­mein­schaft be­darf es - un­ge­ach­tet ih­rer Rechts­na­tur - nicht. So­weit dem Be­schluss des Se­nats vom 6. Ju­ni 2000 (- 1 ABR 10/99 - aaO, zu B I 3 c aa der Gründe) ei­ne ab­wei­chen­de Be­ur­tei­lung zu ent­neh­men sein soll­te, hält der Se­nat dar­an nicht fest. Er­streckt sich die Zuständig­keit der Ver­ei­ni­gung, de­ren Ta­riffähig­keit um­strit­ten ist, auf das Ge­biet meh­re­rer Bun­desländer, ist in dem Ver­fah­ren auch die obers­te Ar­beits­behörde des Bun­des be­tei­ligt (vgl. 25. No­vem­ber 1986 - 1 ABR 22/85 - aaO; 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 10/99 - aaO, zu B I 3 d der Gründe).
3. Hier­nach ist nicht er­sicht­lich, dass im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren die Anhörung ei­ner Ver­ei­ni­gung oder Stel­le un­ter­blie­ben wäre, die durch die zu tref­fen­de Ent­sch­ei­dung in ih­rer Rechts­stel­lung als Ar­beit­neh­mer- oder Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gung un­mit­tel­bar be­trof­fen ist. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­tei­lig­ten zu 3), 9), 10), 12) bis 17) ist OST­ME­TALL nicht be­tei­ligt. Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob OST­ME­TALL Mit­glied von Ge­samt­me­tall oder der BDA ist. Die Mit­glie­der von OST­ME­TALL - der VS­ME, der Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie Sach­sen-An­halt e.V. und der Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie in Thürin­gen e.V. - sind zu­gleich Mit­glie­der von Ge­samt
me­tall. Da­her genügt es, dass die­ser Ver­band als der zuständi­ge Spit­zen­ver­band am Ver­fah­ren be­tei­ligt ist. Ei­ner Prüfung, ob sämt­li­che bis­lang Be­tei­lig­ten zu Recht an­ge­hört wur­den, be­darf es nicht. Rügen ge­gen die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­me­ne Be­tei­li­gung sind von kei­ner Sei­te er­ho­ben wor­den.
II. Zu Recht ha­ben die Vor­in­stan­zen den An­trag für zulässig er­ach­tet.
1. Der An­trag ist hin­rei­chend be­stimmt im Sin­ne des im ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren an­wend­ba­ren § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Er be­darf al­ler­dings der Aus­le­gung.
a) Ge­gen­stand des Ver­fah­rens ist die Ent­schei­dung über die Ta­riffähig­keit ei­ner Ver­ei­ni­gung iSv. § 2a Abs. 1 Nr. 4, § 97 Abs. 1 ArbGG. Es soll geklärt wer­den, ob die CGM Ta­rif­ver­trags­par­tei iSv. § 2 Abs. 1 TVG sein kann. Da­ge­gen geht es nicht dar­um, ob sie ei­ne Ge­werk­schaft im Sin­ne sämt­li­cher ar­beits­recht­li­cher Be­stim­mun­gen - et­wa iSv. § 2 Be­trVG - ist. Es kommt da­her im Streit­fall nicht dar­auf an, ob der Ge­werk­schafts­be­griff für das ge­sam­te Ar­beits­recht - ins­be­son­de­re das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz, das Ta­rif­ver­trags­ge­setz und das Ar­beits­ge­richts­ge­setz - ein ein­heit­li­cher ist (so BAG 15. März 1977 - 1 ABR 16/75 - BA­GE 29, 72, zu III 1 der Gründe; aA Kraft/Fran­zen GK-Be­trVG 8. Aufl. § 2 Rn. 33 ff. mwN). Ge­gen die von den Vor­ins­tan­zen vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung des An­trags da­hin­ge­hend, dass mit ihm aus­sch­ließlich ei­ne Ent­schei­dung über die Ta­riffähig­keit der CGM be­gehrt wird, ha­ben die Be­tei­lig­ten auch kei­ne Ein­wen­dun­gen er­ho­ben.
b) Der Be­stimmt­heit des An­trags steht der Streit über die Möglich­keit ei­ner re­la­ti­ven oder par­ti­el­len Ta­riffähig­keit nicht ent­ge­gen (vgl. da­zu un­ter B III 2 der Gründe). Der An­trag ist er­sicht­lich auf die Fest­stel­lung ge­rich­tet, dass der CGM über­haupt kei­ne Ta­riffähig­keit - al­so we­der ge­ne­rell noch par­ti­ell - zu­kom­me.
2. Die IG Me­tall ist gemäß § 97 Abs. 1 ArbGG an­trags­be­rech­tigt.
a) Hierfür ist er­for­der­lich, dass sich der räum­li­che und sach­li­che Zuständig­keits­be­reich der an­trag­stel­len­den Ver­ei­ni­gung zu­min­dest teil­wei­se mit den Zuständig­keits­be­rei­chen der Ver­ei­ni­gung deckt, de­ren Ta­riffähig­keit be­strit­ten wird (vgl. BAG 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 10/99 - BA­GE 95, 36, zu B I 2 der Gründe; 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1 = EzA TVG § 2 Nr. 27, auch zur Veröffent­li-
chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B II 2 der Gründe). Dies ist hier der Fall.
b) Ent­ge­gen der von den Be­tei­lig­ten zu 3), 9), 10) und 12) bis 17) ver­tre­te­nen Auf­fas­sung setzt die An­trags­be­fug­nis ei­ner Ge­werk­schaft in ei­nem Ver­fah­ren nach § 97 Abs. 1 ArbGG kein wei­ter­ge­hen­des ei­ge­nes Recht der Ge­werk­schaft vor­aus. Viel­mehr ver­leiht § 97 Abs. 1 ArbGG - ua. - ei­ner räum­lich und sach­lich zuständi­gen Ver­ei­ni­gung von Ar­beit­neh­mern die pro­zes­sua­le Be­fug­nis, die Ta­riffähig­keit ei­ner an­de­ren, ganz oder teil­wei­se den­sel­ben Zuständig­keits­be­reich be­an­spru­chen­den Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ge­richt­lich klären zu las­sen. Da­her kommt es für die An­trags­be­fug­nis der an­trag­stel­len­den Ge­werk­schaft auch nicht dar­auf an, ob sie we­gen des bis­lang vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­tre­te­nen Grund­sat­zes der Ta­rif­ein­heit be­sor­gen muss, es könne der von ihr ge­schlos­se­ne Ta­rif­ver­trag durch ei­ne Ver­ein­ba­rung der kon­kur­rie­ren­den Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ver­drängt wer­den.
c) So­weit ei­ne an­trag­stel­len­de Ver­ei­ni­gung die Ta­riffähig­keit ei­ner an­de­ren Ver­ei­ni­gung be­strei­tet, muss sie selbst ta­riffähig sein (vgl. BAG 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 10/99 - BA­GE 95, 36, zu B I 2 der Gründe; 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1 = EzA TVG § 2 Nr. 27, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B II 2 der Gründe). Auch dies ist vor­lie­gend der Fall.
aa) Die ge­ne­rel­le Ta­riffähig­keit der IG Me­tall wird von kei­nem der Be­tei­lig­ten in Ab­re­de ge­stellt. Sie lässt sich bei ei­ner der welt­weit mit­glie­derstärks­ten Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen auch schwer­lich ernst­haft be­strei­ten.
bb) Die Be­tei­lig­ten zu 3), 9), 10) so­wie 12) bis 17) ha­ben ein­ge­wandt, die Ta­riffä­hig­keit der IG Me­tall könne je­den­falls be­zo­gen auf den Be­reich der Me­tall-, Sa­nitär-und Elek­tro­hand­wer­ke nicht oh­ne wei­te­res an­ge­nom­men wer­den, da die CGM in die­sen Ta­rif­be­rei­chen die IG Me­tall als Ta­rif­ver­trags­par­tei na­he­zu ver­drängt ha­be. Die­ser Ein­wand ist nicht ge­eig­net, die An­trags­be­fug­nis der IG Me­tall in Fra­ge zu stel­len. Das Feh­len der Durch­set­zungs­kraft ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung in ei­nem Teil­be­reich des be­an­spruch­ten Zuständig­keits­be­reichs lässt de­ren Ta­riffähig­keit nicht ins­ge­samt ent­fal­len (Nähe­res un­ter B III 2 der Gründe). Die IG Me­tall ist da­her im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren auch dann un­ein­ge­schränkt an­trags­be­fugt, wenn sie im Be­reich der Me­tall-, Sa­nitär- und Elek­tro­hand­wer­ke kei­ne Durch­set­zungs­kraft - mehr - be­sit­zen soll­te.
3. Die IG Me­tall hat an der be­gehr­ten Fest­stel­lung das nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che recht­li­che In­ter­es­se. Die­ses folgt schon dar­aus, dass die rechts­kräfti­ge Ent­schei­dung über die Ta­riffähig­keit Wir­kung für und ge­gen al­le hat (BAG 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 10/99 - BA­GE 95, 36, zu B I 1 der Gründe).
4. Der Zulässig­keit des An­trags steht nicht die Be­haup­tung der CGM und der Be­tei­lig­ten zu 3), 9), 10) so­wie 12) bis 17) ent­ge­gen, die IG Me­tall miss­brau­che das Ver­fah­ren, um ei­nen miss­lie­bi­gen Kon­kur­ren­ten los­zu­wer­den. Zu­verlässi­ge An­halts­punk­te für die An­nah­me, der IG Me­tall ge­he es nicht um die be­gehr­te Fest­stel­lung des Feh­lens der Ta­riffähig­keit der CGM, son­dern aus­sch­ließlich dar­um, die­se in ih­rer Betä­ti­gungs­frei­heit zu be­hin­dern, lie­gen nicht vor. Der Um­stand, dass die IG Me­tall sich mit der CGM bei der Wer­bung um Mit­glie­der in Kon­kur­renz be­fin­det, genügt hierfür nicht.
III. Der An­trag ist, wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend er­kannt hat, un­be­gründet. Die CGM ist ta­riffähig. Sie erfüllt sämt­li­che hier­zu er­for­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen.
1. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats muss ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung be­stimm­te Min­dest­vor­aus­set­zun­gen erfüllen, um ta­riffähig zu sein. Der Se­nat hat die­se Vor­aus­set­zun­gen zu­letzt im Be­schluss vom 14. De­zem­ber 2004 (- 1 ABR 51/03 - AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1 = EzA TVG § 2 Nr. 2, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B III 1 der Gründe) be­schrie­ben. Da­nach muss ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung sich als sat­zungs­gemäße Auf­ga­be die Wahr­neh­mung der In­ter­es­sen ih­rer Mit­glie­der in de­ren Ei­gen­schaft als Ar­beit­neh­mer ge­setzt ha­ben und wil­lens sein, Ta­rif­verträge ab­zu­sch­ließen. Sie muss frei ge­bil­det, geg­ner­frei, un­abhängig und auf über­be­trieb­li­cher Grund­la­ge or­ga­ni­siert sein und das gel­ten­de Ta­rif­recht als ver­bind­lich an­er­ken­nen. Wei­ter­hin ist Vor­aus­set­zung, dass die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ih­re Auf­ga­be als Ta­rif­part­ne­rin sinn­voll erfüllen kann. Da­zu gehört ein­mal die Durch­set­zungs­kraft ge­genüber dem so­zia­len Ge­gen­spie­ler, zum an­de­ren ei­ne ge­wis­se Leis­tungsfähig­keit der Or­ga­ni­sa­ti­on (vgl. 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - aaO; 25. No­vem­ber 1986 - 1 ABR 22/85 - BA­GE 53, 347, zu B II 2, 3 der Grün­de; 16. Ja­nu­ar 1990 - 1 ABR 10/89 - BA­GE 64, 16, zu B II 1, 2 der Gründe; 16. Ja­nu­ar 1990 - 1 ABR 93/88 - AP TVG § 2 Nr. 38 = EzA TVG § 2 Nr. 19, zu B II 1 der Gründe; 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 10/99 - BA­GE 95, 36 = AP TVG § 2 Nr. 55 = EzA TVG § 2 Nr. 24, zu B II 1 der Gründe). An die­sen Grundsätzen hält der Se­nat fest.
a) Der Be­griff der Ta­riffähig­keit ist ge­setz­lich nicht de­fi­niert. Sie wird in § 2a Abs. 1 Nr. 4, § 97 Abs. 1, Abs. 5 Satz 1 ArbGG als Ei­gen­schaft vor­aus­ge­setzt. Es han­delt sich um die recht­li­che Fähig­keit, durch Ver­ein­ba­rung mit dem so­zia­len Ge­gen­spie­ler Ar­beits­be­din­gun­gen ta­rif­ver­trag­lich mit der Wir­kung zu re­geln, dass sie für die ta­rif­ge­bun­de­nen Per­so­nen un­mit­tel­bar und un­ab­ding­bar wie Rechts­nor­men gel­ten (BVerfG 19. Ok­to­ber 1966 - 1 BvL 24/65 - BVerfGE 20, 312 = AP TVG § 2 Nr. 24, zu C I 1 der Gründe; BAG 16. No­vem­ber 1982 - 1 ABR 22/78 - AP TVG § 2 Nr. 32 = EzA GG Art. 9 Nr. 36, zu B II der Gründe). Ih­re Ver­sa­gung führt nicht zur Geschäfts­unfähig­keit der be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung. So­fern sie Rechtsfähig­keit be­sitzt, kann sie mit ei­nem Ar­beit­ge­ber oder mit ei­nem Ar­beit­ge­ber­ver­band schuld­recht­li­che Ver­ein­ba­run­gen, sog. Ko­ali­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen schließen (vgl. MünchArbR/Lö-wisch/Rieb­le § 280 Rn. 10 ff., § 246 Rn. 131; ErfK/Schaub/Fran­zen 6. Aufl. § 2 TVG Rn. 4). Der­ar­ti­gen Ver­ein­ba­run­gen kom­men aber nicht die nor­ma­ti­ven Wir­kun­gen ei­nes Ta­rif­ver­trags zu. Sie bedürfen viel­mehr der ver­trag­li­chen Um­set­zung in das In­di­vi­dual­ar­beits­verhält­nis.
b)Auch die An­for­de­run­gen, die an die Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung zu stel­len sind, sind ge­setz­lich nicht be­schrie­ben. § 2 Abs. 1 TVG be­stimmt den Be­griff der ta­riffähi­gen Ge­werk­schaft nicht, son­dern setzt ihn vor­aus. Die Re­ge­lung in A III 2 des Staats­ver­trags über die Schaf­fung ei­ner Währungs-, Wirt­schafts- und So­zi­al­uni­on zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Deut­schen De­mo­kra­ti­schen Re­pu­blik vom 18. Mai 1990 und dem Ge­mein­sa­men Pro­to­koll über Leitsätze, die na­hezu wort­gleich den von der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten An­for­de­run­gen ent­spricht, stellt eben­falls kei­ne ge­setz­li­che Nor­mie­rung der an die Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung zu stel­len­den Vor­aus­set­zun­gen dar. Sie hat zwar durch das Zu­stim­mungs­ge­setz des Bun­des­tags vom 25. Ju­ni 1990 (BGBl. II S. 518) Auf­nah­me in den Wil­len des Ge­setz­ge­bers ge­fun­den (BAG 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 21/99 - BA­GE 95, 47, zu B II 4 c der Gründe). Ma­te­ri­el­les Ge­setz ist sie da­durch aber nicht ge­wor­den (BAG 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 21/99 - aaO mwN; Ri­char­di NZA 2004, 1025, 1028; vgl. auch Wie­de­mann/Oet­ker TVG 6. Aufl. § 2 Rn. 7; Löwisch/Rieb­le TVG 2. Aufl. § 2 Rn. 7). So­lan­ge der Ge­setz­ge­ber auf die aus­drück­li­che Nor­mie­rung der Vor­aus­set­zun­gen der Ta­riffähig­keit ver­zich­tet hat, bleibt es Auf­ga­be der Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen, im Rah­men der an sie her­an­ge­tra­ge­nen Strei­tig­keit den un­be­stimm­ten Rechts­be­griff durch Aus­le­gung im Lich­te des Art. 9 Abs. 3 GG aus­zufüllen (vgl. BVerfG 20. Ok­to­ber 1981 - 1 BvR 404/78 - BVerfGE 58, 233 = AP TVG § 2 Nr. 31 = EzA TVG § 2 Nr. 13, zu B I 2 der Gründe). Da­bei ist die im Zu­stim­mungs­ge­setz vom 25. Ju­ni 1990 zum Aus­druck
kom­men­de, von den Ge­setz­ge­bungs­or­ga­nen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ge­tra­ge­ne Wil­lens­be­kun­dung zu be­ach­ten (BAG 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 21/99 - aaO).
c) Die richter­recht­li­chen An­for­de­run­gen an die Ta­riffähig­keit sind im In­ter­es­se ei­ner funk­tio­nie­ren­den Ta­rif­au­to­no­mie ge­bo­ten. Sie sind - ent­ge­gen dem im Auf­trag der CGM er­stat­te­ten Rechts­gut­ach­ten von Hens­s­ler (So­zia­le Mäch­tig­keit und or­ga­ni­sa­to­ri­sche Leis­tungsfähig­keit als Vor­aus­set­zun­gen der Ta­riffähig­keit der Ge­werk­schaf­ten - Das Bei­spiel der Christ­li­chen Ge­werk­schaft Me­tall) - ver­fas­sungs­gemäß. Auch ge­mein­schafts- oder völker­recht­lich sind sie nicht zu be­an­stan­den.
aa) Dies gilt ins­be­son­de­re für das Er­for­der­nis der so­zia­len Mäch­tig­keit.
(1) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats muss ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung Durch­set­zungs­kraft be­sit­zen, um si­cher­zu­stel­len, dass der so­zia­le Ge­gen­spie­ler Ver­hand­lungs­an­ge­bo­te nicht über­ge­hen kann. Ein an­ge­mes­se­ner, so­zi­al be­frie­den­der In­ter­es­sen­aus­gleich kann nur zu­stan­de kom­men, wenn die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung zu­min­dest so viel Druck ausüben kann, dass sich die Ar­beit­ge­ber­sei­te ver­an­lasst sieht, sich auf Ver­hand­lun­gen über ei­ne ta­rif­li­che Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen ein­zu­las­sen. Die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung muss von ih­rem so­zia­len Ge­gen­spie­ler ernst ge­nom­men wer­den, so dass die Ar­beits­be­din­gun­gen nicht ein­sei­tig von der Ar­beit­ge­ber­sei­te fest­ge­legt, son­dern tatsächlich aus­ge­han­delt wer­den. Ob ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ei­ne sol­che Durch­set­zungsfähig­keit be­sitzt, muss auf Grund al­ler Umstände im Ein­zel­fall fest­ge­stellt wer­den (vgl. zu­letzt 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1 = EzA TVG § 2 Nr. 27, auch zur Ver­öffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B III 2 e der Gründe; fer­ner 25. No­vem­ber 1986 - 1 ABR 22/85 - BA­GE 53, 347, zu B II 3 a der Gründe; 16. Ja­nu­ar 1990 - 1 ABR 10/89 - BA­GE 64, 16, zu B II 2 der Gründe; 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 10/99 - BA­GE 95, 36, zu B II 1 der Gründe). Al­ler­dings dürfen an die Ta­riffähig­keit kei­ne An­for­de­run­gen ge­stellt wer­den, die er­heb­lich auf die Bil­dung und Betäti­gung ei­ner Ko­ali­ti­on zurück­wir­ken, die­se un­verhält­nismäßig ein­schränken und so zur Aushöhlung der durch Art. 9 Abs. 3 GG ge­si­cher­ten frei­en Ko­ali­ti­ons­bil­dung und -betäti­gung führen. Durch­set­zungsfähig­keit ge­genüber dem so­zia­len Ge­gen­spie­ler zur Teil­nah­me an ei­ner sinn­vol­len Ord­nung des Ar­beits­le­bens kann da­her nicht be­deu­ten, dass die Ar­beit­neh­mer-Ko­ali­ti­on die Chan­ce des vollständi­gen Sie­ges ha­ben muss. Es muss nur er­war­tet wer­den können, dass sie vom Geg­ner über­haupt ernst ge­nom­men wird und des­halb die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen nicht ei­nem Dik­tat der ei­nen Sei­te ent­springt
(BVerfG 20. Ok­to­ber 1981 - 1 BvR 404/78 - BVerfGE 58, 233 = AP TVG § 2 Nr. 31 = EzA TVG § 2 Nr. 13, zu B I 2 der Gründe; BAG 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1 = EzA TVG § 2 Nr. 27, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B III 2 e der Gründe mwN).
(2) Die­se Recht­spre­chung ist ver­fas­sungs­gemäß. Das richter­recht­li­che Er­for­der­nis der so­zia­len Mäch­tig­keit greift zwar in die Betäti­gungs­frei­heit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ein. Der Ein­griff ist je­doch im In­ter­es­se ei­ner funk­ti­onsfähi­gen Ta­rif­au­to­no­mie ge­recht­fer­tigt.
(a) Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­tet für je­der­mann und für al­le Be­ru­fe das Recht, zur Wah­rung und Förde­rung der Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen Ko­ali­tio­nen zu bil­den. Das Grund­recht schützt den Ein­zel­nen, ei­ne der­ar­ti­ge Ver­ei­ni­gung zu gründen, ihr bei­zu­tre­ten oder fern zu blei­ben. Außer­dem schützt es die Ko­ali­tio­nen in ih­rem Be­stand und ih­rer or­ga­ni­sa­to­ri­schen Aus­ge­stal­tung so­wie sol­chen Betäti­gun­gen, die dar­auf ge­rich­tet sind, die Ar­beits­be­din­gun­gen zu wah­ren und fördern (vgl. BVerfG 14. No­vem­ber 1995 - 1 BvR 601/92 - BVerfGE 93, 352 = AP GG Art. 9 Nr. 80 = EzA GG Art. 9 Nr. 60, zu B I 1 der Gründe). Zur geschütz­ten Betäti­gung gehört der Ab­schluss von Ta­rif­verträgen, durch wel­che die Ko­ali­tio­nen Lohn- und sons­ti­ge ma­te­ri­el­le Ar­beits­be­din­gun­gen in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung und im We­sent­li­chen oh­ne staat­li­che Ein­fluss­nah­me in ei­nem Be­reich re­geln, in dem der Staat sei­ne Re­ge­lungs­zuständig­keit weit zurück­ge­nom­men hat (BVerfG 20. Ok­to­ber 1981 - 1 BvR 404/78 - BVerfGE 58, 233 = AP TVG § 2 Nr. 31 = EzA TVG § 2 Nr. 13, zu B I 1 der Gründe). Die Wah­rung und Förde­rung der Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen ist ef­fek­tiv nur möglich im Zu­sam­men­wir­ken mit dem so­zia­len Ge­gen­spie­ler. Dem­ent­spre­chend ist die Ver­ein­ba­rung von Ta­rif­verträgen der wich­tigs­te Teil ko­ali­ti­onsmäßiger Betäti­gung (Die­te­rich RdA 2002, 1, 8)
(b) Der durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­te Schutz der Betäti­gungs­frei­heit setzt nicht erst dann ein, wenn die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ta­riffähig ist (BAG 15. März 1977 - 1 ABR 16/75 - BA­GE 29, 72, zu III 2 der Gründe mwN). Ver­ei­ni­gun­gen ge­nie­ßen viel­mehr den Schutz des Art. 9 GG schon in ei­nem Sta­di­um, in dem sie die er­for­der­li­che Durch­set­zungs­kraft erst an­stre­ben (BAG 17. Fe­bru­ar 1998 - 1 AZR 364/97 - BA­GE 88, 38, zu II 1 b aa der Gründe mwN). Da­her ist der Schutz der Betäti­gungs­frei­heit be­reits zu be­ach­ten, wenn es um die Be­stim­mung der An­for­de­run­gen geht, die an die Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung zu stel­len sind. Dies ent­spricht der
Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, nach der es die durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­te Ko­ali­ti­ons­frei­heit nicht zulässt, die Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung - je­den­falls für die Be­ru­fe des pri­va­ten Haus­halts - von de­ren Kampf­be­reit­schaft abhängig zu ma­chen (6. Mai 1964 - 1 BvR 79/62 - BVerfGE 18, 18 = AP TVG § 2 Nr. 15, zu B IV der Gründe).
(c) Wird ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung die Ta­riffähig­keit ver­sagt, so wird sie in ih­rer ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­schen Betäti­gung er­heb­lich be­ein­träch­tigt. Ihr wird die recht­li­che Be­fug­nis ab­ge­spro­chen, Ta­rif­verträge ab­zu­sch­ließen. Außer­dem wird ihr ei­ne ef­fek­ti­ve Mit­glie­der­wer­bung, die eben­falls zur Betäti­gungs­frei­heit gehört (vgl. BVerfG 14. No­vem­ber 1995 - 1 BvR 601/92 - BVerfGE 93, 352 = AP GG Art. 9 Nr. 80 = EzA GG Art. 9 Nr. 60, zu B I 2 der Gründe), je­den­falls fak­tisch er­heb­lich er­schwert, weil sie nicht mit be­reits ge­schlos­se­nen oder demnächst zu schließen­den Ta­rif­verträgen, son­dern al­len­falls mit der Chan­ce wer­ben kann, sie wer­de mögli­cher­wei­se in Zu­kunft ta­riffähig wer­den.
(d) Die Ein­schränkung der Betäti­gungs­frei­heit, die da­mit ver­bun­den ist, dass zur An­er­ken­nung der Ta­riffähig­keit ei­ne ge­wis­se Mäch­tig­keit oder Durch­set­zungs­kraft ver­langt wird, be­darf da­her ver­fas­sungs­recht­lich ei­ner Recht­fer­ti­gung. Da­bei kommt es letzt­lich nicht dar­auf an, ob die Möglich­keit, Ta­rif­verträge ab­zu­sch­ließen, zum „Kern­be­reich“ der Ko­ali­ti­ons­frei­heit gehört (vgl. zur Klar­stel­lung der sog. Kern­be­reichs­for­mel BVerfG 14. No­vem­ber 1995 - 1 BvR 601/92 - BVerfGE 93, 352 = AP GG Art. 9 Nr. 80 = EzA GG Art. 9 Nr. 60). Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­bie­tet es das Grund­recht der Ko­ali­ti­ons­frei­heit, die Ta­riffähig­keit von Umständen abhängig zu ma­chen, die nicht von der Sa­che selbst, al­so von der im all­ge­mei­nen In­te­res­se lie­gen­den Auf­ga­be der Ord­nung und Be­frie­dung des Ar­beits­le­bens ge­for­dert sind (20. Ok­to­ber 1981 - 1 BvR 404/78 - BVerfGE 58, 233 = AP TVG § 2 Nr. 31 = EzA TVG § 2 Nr. 13, zu B I 1 der Gründe). Zur Recht­fer­ti­gung ei­ner Be­schränkung der Betäti­gungs­frei­heit grundsätz­lich ge­eig­net ist ins­be­son­de­re die im All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­de Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie.
(aa) Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­pflich­tet Art. 9 Abs. 3 GG den Staat da­zu, ein Ta­rif­ver­trags­sys­tem über­haupt erst be­reit zu stel­len; al­ler­dings ist es nicht Sinn der in Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten Ko­ali­ti­ons­frei­heit, dass der Ge­setz­ge­ber schlecht­hin je­de Ko­ali­ti­on zum Ab­schluss von Ta­rif­verträgen zulässt (18. No­vem­ber 1954 - 1 BvR 629/52 - BVerfGE 4, 96 = AP GG Art. 9 Nr. 1, zu
C 2 b aa, bb der Gründe). Viel­mehr steht Ta­rif­au­to­no­mie von Ver­fas­sungs we­gen nur sol­chen Ko­ali­tio­nen zu, die in der La­ge sind, den von der staat­li­chen Rechts­ord­nung frei ge­las­se­nen Raum des Ar­beits­le­bens durch Ta­rif­verträge sinn­voll zu ge­stal­ten. Das setzt Ge­schlos­sen­heit der Or­ga­ni­sa­ti­on und Durch­set­zungs­kraft ge­genüber dem so­zi­alen Ge­gen­spie­ler vor­aus (24. Fe­bru­ar 1999 - 1 BvR 123/93 - BVerfGE 100, 214 = AP Be­trVG 1972 § 20 Nr. 18 = EzA GG Art. 9 Nr. 64, zu B II 2 b bb der Gründe). Die An­for­de­run­gen recht­fer­ti­gen sich aus der Funk­ti­on der Ta­rif­au­to­no­mie. Die­se ist dar­auf an­ge­legt, die struk­tu­rel­le Un­ter­le­gen­heit der ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer beim Ab­schluss von Ta­rif­verträgen durch kol­lek­ti­ves Han­deln aus­zu­glei­chen und da­mit ein annähernd gleich­ge­wich­ti­ges Aus­han­deln der Löhne und Ar­beits­be­din­gun­gen zu ermögli­chen (26. Ju­ni 1991 - 1 BvR 779/85 - BVerfGE 84, 212, 229 = AP GG Art. 9 Ar­beits­kampf Nr. 117 = EzA GG Art. 9 Ar­beits­kampf Nr. 97, zu C I 3 b aa der Gründe; Die­te­rich RdA 2002, 1, 9).
(bb) Die mit­tels der Ta­rif­au­to­no­mie her­zu­stel­len­de sinn­vol­le Ord­nung des Ar­beits­le­bens ist zu­gleich Grund­la­ge der Pra­xis des Ge­setz­ge­bers, in vie­len Be­rei­chen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en Re­ge­lungs­be­fug­nis­se zu­zu­wei­sen, die er aus Gründen des Ar­beit­neh­mer­schut­zes den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ver­sagt (vgl. Ri­char­di in FS Wißmann S. 159, 164). So ent­hal­ten zwin­gen­de Ar­beit­neh­mer­schutz­ge­set­ze häufig Ta­riföff­nungs­klau­seln, die es den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­stat­ten, von der ge­setz­li­chen Re­ge­lung auch zu Las­ten der Ar­beit­neh­mer ab­zu­wei­chen. Ent­spre­chen­de Klau­seln fin­den sich et­wa in § 622 Abs. 4 Satz 1 und 2 BGB, in § 8 Abs. 4 Satz 3 und 4, § 12 Abs. 3 Satz 1 und 2, § 13 Abs. 4 Satz 1 und 2, § 14 Abs. 2 Satz 3 und 4 Tz­B­fG, in § 13 Abs. 1 BUrlG so­wie in § 3 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 und 3 AÜG. Da­bei wird auch für Ar­beits­verhält­nis­se mit nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mern die Möglich­keit eröff­net, die für die Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re ge­setz­li­che Re­ge­lung ar­beits­ver­trag­lich durch ei­ne ungüns­ti­ge­re ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung zu er­set­zen. Ei­ne für die Ar­beit­neh­mer ungüns­ti­ge ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung kann sich da­her auch zum Nach­teil nicht ta­rif­ge­bun­de­ner Ar­beit­neh­mer aus­wir­ken. Auch die für Ar­beits­verträge gel­ten­de In­halts­kon­trol­le nach §§ 307 bis 309 BGB tritt gemäß § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB zurück, wenn der ein­schlägi­ge Ta­rif­ver­trag über­nom­men wird (vgl. Ri­char­di in FS Wißmann S. 159, 164; ders. in NZA 2002, 1057; Rieb­le in FS Wie­de­mann S. 519, 527; Däubler NZA 2001, 1329, 1334). Er­heb­li­che Ver­ant­wor­tung für den Schutz der Ar­beit­neh­mer wird den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en fer­ner durch §§ 7, 12 Arb­ZG über­tra­gen. Nicht zu­letzt sus­pen­diert § 87 Abs. 1 Ein­gangs­halbs. Be­trVG Mit­be­stim­mungs­rech­te des Be­triebs­rats, so­weit für die an­sons­ten mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge An­ge­le­gen­heit ei­ne ta­rif­li­che Re­ge­lung be­steht.
(cc) Die­se ge­setz­li­che Kon­zep­ti­on be­ruht auf der An­nah­me, dass Ta­rif­verträge ein größeres „Rich­tig­keits­ver­trau­en“ ge­nießen als der Ar­beits­ver­trag des Ein­zel­nen. Sie bie­ten nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ei­ne ma­te­ri­el­le Rich­tig­keits­gewähr (10. Ju­ni 1980 - 1 AZR 168/79 - BA­GE 33, 185 <in­so­weit nicht ver­öffent­licht> = AP GG Art. 9 Ar­beits­kampf Nr. 65, zu A I 1 c der Gründe; 18. Ja­nu­ar 2001 - 2 AZR 619/99 - EzA BGB nF § 622 Nr. 62, zu II 3 b der Gründe; 24. Fe­bru­ar 2004 - 3 AZR 10/02 -, zu B II 4 a der Gründe mwN; 24. März 2004 - 5 AZR 303/03 - BA­GE 110, 79, zu I 2 b der Gründe). Auf Grund des Ver­hand­lungs­gleich­ge­wichts der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die ver­ein­bar­ten ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen den In­ter­es­sen bei­der Sei­ten ge­recht wer­den und kei­ner Sei­te ein un­zu­mut­ba­res Über­ge­wicht ver­mit­teln (BAG 10. Ju­ni 1980 - 1 AZR 168/79 - aaO; 3. Ok­to­ber 1969 - 3 AZR 400/68 - BA­GE 22, 144, zu IV 3 der Gründe). Die­se An­nah­me der Rich­tig­keits­gewähr von Ta­rif­verträgen ver­langt grundsätz­lich da­nach, die Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung von ei­ner ge­wis­sen Durch­set­zungs­kraft und Mäch­tig­keit ab­hängig zu ma­chen. Zwar ist es den Ge­rich­ten für Ar­beits­sa­chen nicht ver­wehrt zu ü­ber­prüfen, ob Ta­rif­verträge mit zwin­gen­dem Ge­set­zes­recht oder ge­set­zes­ver­tre­ten­dem Richter­recht (vgl. zu ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Al­ters­gren­ze von 55 Jah­ren für das Ka­bi­nen­per­so­nal BAG 31. Ju­li 2002 - 7 AZR 140/01 - BA­GE 102, 65), mit ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Frei­heits- und Gleich­heits­rech­ten (vgl. da­zu BAG 27. Mai 2004 - 6 AZR 129/03 - BA­GE 111, 8, zu B II 3 a, b der Gründe) so­wie mit ele­men­ta­ren Ge­rech­tig­keits­an­for­de­run­gen (vgl. da­zu BAG 24. März 2004 - 5 AZR 303/03 - BA­GE 110, 79, zu I 2 a bb der Gründe) ver­ein­bar sind. Die ge­richt­li­chen Kon­trollmöglich­kei­ten be­tref­fen aber le­dig­lich die äußers­ten Gren­zen zulässi­ger ta­rif­li­cher Re­ge­lun­gen. Sie sind nicht auf ei­ne Prüfung an­ge­legt, ob die­se ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich der In­ter­es­sen von Ar­beit­neh­mern und Ar­beit­ge­bern dar­stel­len.
(3) Das Er­for­der­nis der Mäch­tig­keit verstößt auch nicht ge­gen ge­mein­schafts­recht­li­che oder völker­recht­li­che Vor­ga­ben. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­tei­lig­ten zu 3), 9), 10) und 12) bis 17) be­stand kei­ne Ver­an­las­sung, den EuGH nach Art. 234 EG um ei­ne Vor­ab­ent­schei­dung zu er­su­chen. Es stellt sich im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang kei­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­che ge­mein­schafts­recht­li­che Fra­ge, die dem EuGH zulässi­ger­wei­se vor­ge­legt wer­den könn­te. Ins­be­son­de­re ist nicht zu er­ken­nen, in­wie­fern es auf ei­ne Aus­le­gung des EG-Ver­trags oder von EG-Richt­li­ni­en an­kom­men soll­te.
(a) Die Erwägung der Be­tei­lig­ten zu 3), 9), 10), 12) bis 17), durch das Er­for­der­nis der Mäch­tig­keit sei der Dienst­leis­tungs­ver­kehr iSv. Art. 49 EG in­so­fern tan­giert, als
Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen aus an­de­ren Mit­glied­staa­ten die Tätig­keit in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land er­schwert wer­de, er­scheint zu fern lie­gend, als dass sie ge­eig­net wäre, ei­ne An­fra­ge beim EuGH zu recht­fer­ti­gen. Die Ge­werk­schaf­ten er­brin­gen ge­genüber ih­ren Mit­glie­dern - je­den­falls in der Haupt­sa­che - kei­ne Dienst­leis­tun­gen iSv. Art. 50 EG (vgl. da­zu auch BAG 31. Mai 2005 - 1 AZR 141/04 - AP GG Art. 9 Nr. 124 = EzA GG Art. 9 Nr. 84, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu I 2 a bb (2) der Gründe). Dies gilt ins­be­son­de­re für den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen. Ih­re Leis­tun­gen er­fol­gen im Übri­gen auch nicht in Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht (vgl. zu die­sem Er­for­der­nis Tied­je/Tro­berg in von der Gro­eben/Schwar­ze Art. 50 EG Rn. 7).
(b) Außer­dem dürf­te die Ta­riffähig­keit nach Art. 137 Abs. 5 EG oh­ne­hin von der Re­ge­lungs­be­fug­nis der Ge­mein­schaft aus­ge­nom­men sein. Es han­delt sich um ei­ne Fra­ge des „Ko­ali­ti­ons­rechts“ (vgl. Kreb­ber in Cal­liess/Ruf­fert EUV/EGV 2. Aufl. Art. 137 Rn. 9 mwN). Die Her­aus­nah­me geht zurück auf die un­ter­schied­li­chen Vor­stel­lun­gen von der Funk­ti­on der Ta­rif­verträge und ih­rer recht­li­chen Wir­kung in den ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten (vgl. Wißmann RdA 1999, 152, 157; Birk RdA 1995, 71, 72 f.). Es ist in­so­weit „auch kein un­ge­schrie­be­ner Grund­satz des Ge­mein­schafts­rechts aus­zu­ma­chen“ (Wißmann aaO). In den meis­ten Rechts­ord­nun­gen der EG-Mit­glie­der gel­ten nicht et­wa al­le Ko­ali­tio­nen un­ter­schieds­los als ta­riffähig (vgl. Birk aaO S. 74).
(c) Das Er­for­der­nis der Mäch­tig­keit verstößt auch nicht ge­gen die - vom Se­nat zu be­ach­ten­de (vgl. 10. De­zem­ber 2002 - 1 AZR 96/02 - BA­GE 104, 155, zu B I 2 a der Gründe) - Eu­ropäische So­zi­al­char­ta (ESC). Die­se enthält kei­ne Re­ge­lun­gen über die An­for­de­run­gen, die an die Ta­riffähig­keit ei­ner Ge­werk­schaft zu stel­len sind. Glei­ches gilt für Art. 11 Abs. 1 EM­RK.
bb) Auch das richter­recht­lich ent­wi­ckel­te Er­for­der­nis der or­ga­ni­sa­to­ri­schen Leis­tungsfähig­keit ei­ner ta­riffähi­gen Ge­werk­schaft ist im In­ter­es­se ei­ner funk­tio­nie­ren­den Ta­rif­au­to­no­mie ge­bo­ten und ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu be­an­stan­den.
(1) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats muss ei­ne Ge­werk­schaft von ih­rem or­ga­ni­sa­to­ri­schen Auf­bau her in der La­ge sein, die ihr ge­stell­ten Auf­ga­ben zu erfüllen. Der Ab­schluss von Ta­rif­verträgen er­for­dert Vor­be­rei­tun­gen. Hierfür sind die wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen und sons­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen zu be­ob­ach­ten und zu pro­gnos­ti­zie­ren, um dar­aus die Ta­rif­for­de­run­gen zu ent­wi­ckeln. Auch muss die tatsächli­che Durchführung ei­nes Ta­rif­ver­trags über­wacht und ab­ge­si­chert wer­den. Das
Ver­hand­lungs­er­geb­nis, das re­gelmäßig Kom­pro­miss­cha­rak­ter hat, muss ver­band­sin­tern ver­mit­telt und durch­ge­setzt wer­den (14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1 = EzA TVG § 2 Nr. 27, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B III 2 e der Gründe; 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 10/99 - BA­GE 95, 36, zu B II 2 b bb der Gründe). An den er­for­der­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­ons­auf­bau können da­bei kei­ne star­ren Min­dest­an­for­de­run­gen ge­stellt wer­den. Maßgeb­lich sind auch in­so­weit die Umstände des Ein­zel­falls. Ent­schei­dend ist, ob die Or­ga­ni­sa­ti­on ih­re Auf­ga­ben in dem selbst be­stimm­ten Zuständig­keits­be­reich erfüllen kann. Er­streckt sich die­ser auf das ge­sam­te Bun­des­ge­biet und auf Ar­beit­neh­mer in ei­ner Viel­zahl von Be­ru­fen und Spar­ten, wird re­gelmäßig ei­ne er­heb­li­che or­ga­ni­sa­to­ri­sche Aus­stat­tung auch in der Fläche er­for­der­lich sein (vgl. BAG 16. Ja­nu­ar 1990 - 1 ABR 10/89 - BA­GE 64, 16, zu B IV 3 der Gründe). Be­schränkt ei­ne Ge­werk­schaft ih­re Zuständig­keit da­ge­gen auf ei­ne Be­rufs­grup­pe und räum­lich we­ni­ge Schwer­punk­te, kann auch ein re­la­tiv klei­ner, zen­tra­li­sier­ter Ap­pa­rat aus­rei­chen, um Ta­rif­ver­hand­lun­gen ef­fek­tiv zu führen, die Durchführung von Ta­rif­verträgen zu über­wa­chen und ab­zu­si­chern so­wie die Mit­glie­der zu be­treu­en (BAG 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - aaO, zu B III 2 e der Gründe).
(2) Der mit dem Er­for­der­nis der or­ga­ni­sa­to­ri­schen Leis­tungsfähig­keit ver­bun­de­ne Ein­griff in die Betäti­gungs­frei­heit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ist im In­ter­es­se ei­ner funk­ti­onsfähi­gen Ta­rif­au­to­no­mie ge­recht­fer­tigt. Die­se ist oh­ne ei­ne leis­tungsfähi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on der ta­rif­sch­ließen­den Par­tei­en nicht gewähr­leis­tet. Al­ler­dings dürfen auch in­so­weit die An­for­de­run­gen an die er­for­der­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on nicht über­spannt wer­den. Art. 9 Abs. 3 GG überlässt ei­ner Ko­ali­ti­on grundsätz­lich die Wahl der Mit­tel, die sie bei ih­rer ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­schen Betäti­gung für ge­eig­net und er­for­der­lich hält (BAG 28. Feb­ru­ar 2006 - 1 AZR 460/04 - zur Veröffent­li­chung vor­ge­se­hen <zVv.>, zu B II 1 c dd (4) der Gründe mwN). Dem­ent­spre­chend un­terfällt die Art und Wei­se der in­ner­ge­werk-schaft­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on grundsätz­lich der Betäti­gungs­frei­heit der Ko­ali­ti­on. Meist wird ei­ne leis­tungsfähi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on ei­nen haupt­amt­li­chen Mit­ar­bei­te­rap­pa­rat er­for­dern. Un­ab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung ist die Beschäfti­gung haupt­amt­li­cher Mit­ar­bei­ter aber nicht. Es ist nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, ei­ne leis­tungsfähi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on auf der Grund­la­ge eh­ren­amt­li­cher Mit­ar­beit auf­zu­bau­en (BAG 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1 = EzA TVG § 2 Nr. 27, auch zur Ver­öffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B III 2 e der Gründe).
cc) Ei­ne de­mo­kra­ti­sche Bin­nen­struk­tur hat die Recht­spre­chung - ent­ge­gen der von der IG Me­tall im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren wohl ver­tre­te­nen Auf­fas­sung - als
We­sens­merk­mal ei­ner ta­riffähi­gen Ge­werk­schaft bis­lang nicht aus­drück­lich ver­langt (vgl. zu­letzt BAG 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - aaO). Auch A III 2 des Staats­ver­trags vom 18. Mai 1990 nennt die­ses Merk­mal nicht. Glei­ches gilt - im Un­ter­schied zu Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG - für Art. 9 Abs. 3 GG. Zwar mag die Not­wen­dig­keit ei­ner mit­glied­schaft­li­chen Le­gi­ti­ma­ti­on der durch den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen wahr­ge­nom­me­nen Rechts­set­zungs­be­fug­nis ge­wis­se Min­dest­an­for­de­run­gen an die de­mo­kra­ti­sche Ver­fas­sung ei­ner Ge­werk­schaft stel­len. So­fern die Sta­tu­ten ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung aber grundsätz­lich die Gleich­heit der Mit­glie­der und de­ren Teil­nah­me am in­ner­ver­band­li­chen Wil­lens­bil­dungs­pro­zess vor­se­hen, be­steht kein Grund, die Ta­riffä­hig­keit der Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung we­gen et­wai­ger De­fi­zi­te in der de­mo­kra­ti­schen Bin­nen­struk­tur in Fra­ge zu stel­len.
2. Die Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung für den be­an­spruch­ten Zu­ständig­keits­be­reich ist ein­heit­lich und un­teil­bar. Hierfür genügt es, dass die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung Durch­set­zungs­kraft und or­ga­ni­sa­to­ri­sche Leis­tungsfähig­keit in ei­nem zu­min­dest nicht un­er­heb­li­chen Teil des be­an­spruch­ten Zuständig­keits­be­reichs be­sitzt. Ei­ne par­ti­el­le, auf be­stimm­te Re­gio­nen, Be­rufs­krei­se oder Bran­chen be­schränk­te Ta­riffähig­keit gibt es nicht.
a) Das Kon­zept ei­ner un­teil­ba­ren, an ei­ne si­gni­fi­kan­te Re­präsen­tanz an­knüpfen­ den Ta­riffähig­keit ent­spricht dem All­ge­mein­in­ter­es­se an ei­ner funk­ti­onsfähi­gen Ta­rif­au­to­no­mie und ist ver­fas­sungs­recht­lich un­be­denk­lich. Die Mäch­tig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung in ei­nem zu­min­dest nicht un­be­deu­ten­den Teil des von ihr be­an­spruch­ten Zuständig­keits­be­reichs lässt im Nor­mal­fall er­war­ten, dass sich die Ar­beit­neh­mer­ko­ali­ti­on auch in den Be­rei­chen, in de­nen es ihr an Durch­set­zungs­kraft fehlt, beim Ab­schluss von Ta­rif­verträgen nicht den For­de­run­gen der Ar­beit­ge­ber­sei­te un­ter­wirft. Da­bei lässt sich nicht ge­ne­ra­li­sie­rend an­ge­ben, wel­che re­la­ti­ve Größe der Teil­be­reich im Verhält­nis zum Ge­samt­be­reich ge­nau ha­ben muss, um die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ins­ge­samt als ta­riffähig an­se­hen zu können. Un­ter Berück­sich­ti­gung des Um­stands, dass die Ver­sa­gung der Ta­riffähig­keit ei­nen er­heb­li­chen Ein­griff in die Ko­ali­ti­ons­frei­heit dar­stellt, ist al­ler­dings ei­ne grund­rechts­freund­li­che, eher großzügi­ge Be­trach­tung ge­bo­ten.
b) Dem­ge­genüber ver­wirk­licht das Kon­zept ei­ner par­ti­el­len Ta­riffähig­keit/Ta­rif­unfähig­keit (vgl. insb. Rieb­le in FS Wie­de­mann S. 519, 526 ff.; fer­ner auch Löwisch/Rieb­le § 2 Rn. 37 f.; Dütz DB 1996, 2385, 2389, 2390; Bay­reu­ther BB 2005,
2633, 2637 f.) zwar am kon­se­quen­tes­ten das Prin­zip, Ta­riffähig­keit dort, aber auch nur dort an­zu­er­ken­nen, wo sie mit ent­spre­chen­der Mäch­tig­keit der Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ver­bun­den ist. Es be­geg­net aber aus Gründen der Rechts­si­cher­heit durch­grei­fen­den Be­den­ken (vgl. Do­er­lich Die Ta­riffähig­keit der Ge­werk­schaft S. 243 bis 323; Oet­ker in Schle­ef/Oet­ker Ta­rif­po­li­tik im Wan­del - Ei­ne ta­rif­po­li­ti­sche und ta­rif­recht­li­che Stu­die am Bei­spiel des Ta­rif­kon­flikts bei der JEN­OP­TIK AG; Wie­de­mann/Oet­ker § 2 Rn. 314; HWK-Her­genröder Art. 9 GG Rn. 52, 58; Kis­sel Ar­beits­kampf­recht § 9 Rn. 34; Ben­ecke SAE 1998, 60, 65 f.). Wäre die Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung je­weils nach Re­gi­on, Be­rufs­zweig oder Bran­che un­ter­schied­lich zu be­ur­tei­len, entstün­de ei­ne die Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie ernst­haft gefähr­den­de Un­si­cher­heit. Es würde sich bei je­dem Ta­rif­ver­trag die Fra­ge stel­len, ob die ihn ab­sch­ließen­de Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung im je­wei­li­gen räum­li­chen oder fach­li­chen Be­reich Durch­set­zungs­kraft und da­mit (par­ti­el­le) Ta­riffähig­keit be­sitzt. Schwer zu be­stim­men wären zu­dem die räum­li­chen Gren­zen, in­ner­halb de­rer Ta­riffähig­keit be­steht oder nicht be­steht. Bei ei­ner Flächen­ge­werk­schaft käme zwar mögli­cher­wei­se ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung nach Lan­des­verbänden in Be­tracht. Es könn­te dann aber über die Ta­riffähig­keit hin­sicht­lich je­der po­li­ti­schen Länder­ein­heit ge­strit­ten wer­den. Ent­spre­chen­de Dif­fe­ren­zie­run­gen wären kon­se­quen­ter­wei­se auch auf die be­reits „eta­blier­ten“ Ge­werk­schaf­ten zu er­st­re­cken. Mit der sich dar­aus er­ge­ben­den Rechts­un­si­cher­heit wären für das Funk­tio­nie­ren der Ta­rif­au­to­no­mie weit größere Ge­fah­ren ver­bun­den als mit der An­er­ken­nung der ge­ne­rel­len Ta­riffähig­keit ei­ner in be­stimm­ten Re­gio­nen oder Bran­chen (noch) nicht mäch­ti­gen Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung.
c) Eben­falls nicht tragfähig wäre es, die Ta­riffähig­keit ins­ge­samt zu ver­sa­gen, wenn die Durch­set­zungs­kraft oder or­ga­ni­sa­to­ri­sche Leis­tungsfähig­keit in ir­gend­ei­nem Teil­be­reich fehlt. Zwar ist die Or­ga­ni­sa­ti­onsstärke grundsätz­lich im Verhält­nis zu dem von der Ar­beit­neh­mer­ko­ali­ti­on selbst gewähl­ten räum­li­chen und fach­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich zu be­wer­ten; in die­sem muss sie sich ge­genüber der Ar­beit­ge­ber­sei­te durch­set­zen können (BAG 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1 = EzA TVG § 2 Nr. 27, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B III 2 e aa der Gründe). Auch liegt es in der Ent­schei­dungs­macht und der Ver­ant­wor­tung ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung, in ih­rer Sat­zung die Ta­rif­zuständig­keit nicht für Be­rei­che zu be­an­spru­chen, in de­nen sie nicht durch­set­zungsfähig ist. Gleich­wohl wäre ei­ne der­ar­ti­ge An­for­de­rung an die Ta­riffähig­keit mit Art. 9 Abs. 3 GG nicht ver­ein­bar. Sie würde nicht nur da­zu führen, dass ei­ne an­er­kann­te Ge­werk­schaft ih­re Ta­riffähig­keit ins­ge­samt ver­lie­ren könn­te, wenn sie in ei­nem Teil­be­reich kei­ne
Durch­set­zungs­kraft mehr be­sitzt. Viel­mehr würde die­se Kon­se­quenz auch ein­tre­ten, wenn ei­ne ta­riffähi­ge Ge­werk­schaft ih­ren bis­he­ri­gen Zuständig­keits­be­reich durch Sat­zungsände­rung auf Be­rei­che er­streckt, in de­nen sie - noch - nicht übe­r­all über die er­for­der­li­che Durch­set­zungs­kraft verfügt (vgl. hier­zu BAG 27. Sep­tem­ber 2005 - 1 ABR 41/04 - EzA TVG § 2 Ta­rif­zuständig­keit Nr. 9 = NZA 2006, 273). Dies wi­derspräche dem durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten Recht, den Zuständig­keits­be­reich ei­gen­ver­ant­wort­lich fest­zu­le­gen (vgl. BAG 14. De­zem­ber 1999 - 1 ABR 74/98 - BA­GE 93, 380, zu B III 2 a der Gründe; 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - aaO, zu B III 2 e der Gründe; 27. Sep­tem­ber 2005 - 1 ABR 41/04 - aaO, zu B II 1 a aa der Gründe).
d) Um­ge­kehrt kann die Durch­set­zungs­kraft in ir­gend­ei­nem Teil­be­reich nicht stets die Ta­riffähig­keit für den Ge­samt­be­reich be­gründen. Auch da­mit wären ganz er­heb­li­che Ge­fah­ren für das Funk­tio­nie­ren der Ta­rif­au­to­no­mie ver­bun­den. Von ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung, die nur in ei­nem klei­nen, un­be­deu­ten­den Teil ei­nes räum­lich und fach­lich sehr wei­ten Zuständig­keits­be­reichs durch­set­zungsfähig ist, kann nicht er­war­tet wer­den, dass sie flächen­de­ckend in der La­ge ist, ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen aus­zu­han­deln, die den In­ter­es­sen bei­der Sei­ten ge­recht wer­den.
3. Für die ge­richt­li­che Prüfung der Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ist we­sent­lich, ob die­se be­reits ak­tiv am Ta­rif­ge­sche­hen teil­ge­nom­men hat. Hat ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung schon in nen­nens­wer­tem Um­fang Ta­rif­verträge ge­schlos­sen, be­legt dies re­gelmäßig ih­re Durch­set­zungs­kraft und Leis­tungsfähig­keit. Das gilt so­wohl für den Ab­schluss von ori­ginären Ta­rif­verträgen als auch für den Ab­schluss von Aner­ken­nungs­ta­rif­verträgen. Die In­dizwir­kung entfällt nur aus­nahms­wei­se, wenn es sich um Schein- oder Gefällig­keits­ta­rif­verträge oder um Ta­rif­verträge han­delt, die auf ei­nem ein­sei­ti­gen Dik­tat der Ar­beit­ge­ber­sei­te be­ru­hen. Hierfür be­darf es be­son­de­rer An­halts­punk­te. Hat die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung da­ge­gen noch nicht ak­tiv am Ta­rif­ge­sche­hen teil­ge­nom­men, be­darf es der Dar­le­gung von Tat­sa­chen, die den Schluss recht­fer­ti­gen, die Ar­beit­ge­ber­sei­te wer­de die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung vor­aus­sicht­lich nicht igno­rie­ren können.
a) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats (vgl. ins­be­son­de­re zu­letzt 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1 = EzA TVG § 2 Nr. 27, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B III 2 e der Gründe mwN) kann sich die Durch­set­zungs­kraft ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung dar­in zei­gen, dass sie schon ak­tiv in den Pro­zess der ta­rif­li­chen Re­ge­lung von Ar­beits-
be­din­gun­gen ein­ge­grif­fen hat (25. No­vem­ber 1986 - 1 ABR 22/85 - BA­GE 53, 347, zu B II 3 d der Gründe; 16. Ja­nu­ar 1990 - 1 ABR 10/89 - BA­GE 64, 16, zu B II 2 der Gründe; 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 10/99 - BA­GE 95, 36, zu B II 1, 2 b aa der Gründe). Da­bei können auch An­schluss­ta­rif­verträge ein An­zei­chen für Durch­set­zungs­kraft sein. Die­ses In­diz ist aber dann nicht aus­rei­chend, wenn es sich bei den Ta­rif­verträgen um Schein- oder Gefällig­keits­ta­rif­verträge han­delt oder wenn sie auf ei­nem Dik­tat der Ar­beit­ge­ber­sei­te be­ru­hen (vgl. 25. No­vem­ber 1986 - 1 ABR 22/85 - BA­GE 53, 347, zu B I 4 der Gründe; 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - aaO). Die Durch­set­zungs­kraft ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung kann zu­dem an­hand ih­rer Mit­glie­der­zahl be­ur­teilt wer­den (vgl. 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 10/99 - aaO, zu B II 2 b aa der Gründe). Die Or­ga­ni­sa­ti­ons­stärke ist da­bei im Verhält­nis zu dem von der Ar­beit­neh­mer­ko­ali­ti­on selbst gewähl­ten räum­li­chen und fach­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich zu be­wer­ten. In die­sem muss sie sich ge­genüber der Ar­beit­ge­ber­sei­te durch­set­zen können (vgl. BVerfG 20. Ok­to­ber 1981 - 1 BvR 404/78 - BVerfGE 58, 233 = AP TVG § 2 Nr. 31 = EzA TVG § 2 Nr. 13, zu B I 3 a der Gründe; 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - aaO). Bei ei­ner nur klei­nen Zahl von Mit­glie­dern kann sich die Möglich­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung, emp­find­li­chen Druck auf den so­zia­len Ge­gen­spie­ler aus­zuüben, auch dar­aus er­ge­ben, dass es sich bei den or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern um Spe­zia­lis­ten in Schlüssel­stel­lun­gen han­delt, die von der Ar­beit­ge­ber­sei­te im Fal­le ei­nes Ar­beits­kampfs kurz­fris­tig über­haupt nicht oder nur schwer er­setzt wer­den können (vgl. da­zu 9. Ju­li 1968 - 1 ABR 2/67 - BA­GE 21, 98, zu 2 der Gründe; 14. März 1978 - 1 ABR 2/76 - AP TVG § 2 Nr. 30, zu IV 2 der Gründe; 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 10/99 - aaO, zu B II 2 b aa (1) der Gründe; vgl. auch BVerfG 20. Ok­to­ber 1981 - 1 BvR 404/78 - aaO, zu B I 3 b der Gründe).
b) An die­ser Recht­spre­chung hält der Se­nat fest. Dem­ent­spre­chend sind grund­sätz­lich zwei Aus­gangs­si­tua­tio­nen zu un­ter­schei­den.
aa) Ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung, die mit dem so­zia­len Ge­gen­spie­ler noch kei­ner­lei Ver­ein­ba­run­gen - sei­en es Ta­rif­verträge, sei­en es sons­ti­ge Ko­ali­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen - ge­schlos­sen hat, kann für sich nicht in An­spruch neh­men, ak­tiv in den Pro­zess der ta­rif­li­chen Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen ein­ge­grif­fen zu ha­ben. Da­bei han­delt es sich in der Re­gel um noch jun­ge Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen, die sich den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen erst zum Ziel ge­setzt ha­ben. Hier fehlt zunächst jeg­li­cher Be­leg dafür, dass die Ver­ei­ni­gung von der Ar­beit­ge­ber­sei­te über­haupt wahr- und ernst­ge­nom­men wird. Die Durch­set­zungs­kraft und Mäch­tig­keit lässt sich in die­sem Fall
nur pro­gnos­tisch be­ur­tei­len. Da­zu hat die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung, die Ta­riffähig­keit be­an­sprucht, Tat­sa­chen dar­zu­le­gen und im Streit­fall zu be­wei­sen, die den Schluss recht­fer­ti­gen, die Ar­beit­ge­ber­sei­te wer­de sie vor­aus­sicht­lich nicht igno­rie­ren und sich (Ta­rif-)Ver­hand­lun­gen auf Dau­er nicht ent­zie­hen können. Als hier­zu ge­eig­ne­te Tat­sa­chen kom­men ins­be­son­de­re die Or­ga­ni­sa­ti­onsstärke so­wie ggf. die Fähig­keit in Be­tracht, durch Ar­beit­neh­mer in Schlüssel­po­si­tio­nen Druck aus­zuüben.
bb) Die­ses Re­gel-Aus­nah­me-Verhält­nis kehrt sich um, wenn ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te im be­an­spruch­ten Zuständig­keits­be­reich oder in er­heb­li­chen Teil­be­rei­chen be­reits in nen­nens­wer­tem Um­fang Ta­rif­verträge ge­sch­los­sen hat. Zwar be­legt dies al­lein noch nicht zwin­gend ei­ne Ver­hand­lungsstärke, die aus­rei­chend wäre, ei­nen Ta­rif­ver­trag auch ge­gen den Wil­len der Ge­gen­sei­te - not­falls durch An­dro­hung oder Durchführung ei­nes Ar­beits­kamp­fes - durch­zu­set­zen. Do­ku­men­tiert ist aber, dass die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung vom so­zia­len Ge­gen­spie­ler wahr­ge­nom­men und zu­min­dest für so ge­wich­tig er­ach­tet wird, dass es „die Mühe lohnt“, mit ihr Ver­ein­ba­run­gen über Ar­beits­be­din­gun­gen ab­zu­sch­ließen. Im Übri­gen be­deu­tet Durch­set­zungs­kraft ge­genüber dem so­zia­len Ge­gen­spie­ler nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht, „dass die Ar­beit­neh­mer-Ko­ali­ti­on die Chan­ce des vollständi­gen Sie­ges ha­ben muss“; es muss nur er­war­tet wer­den können, dass die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen nicht ei­nem Dik­tat der an­de­ren Sei­te ent­springt (20. Ok­to­ber 1981 - 1 BvR 404/78 - BVerfGE 58, 233 = AP TVG § 2 Nr. 31 = EzA TVG § 2 Nr. 13, zu B I 2 der Gründe). In die­sen Fällen kann ty­pi­sie­ren­der­wei­se da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung, die be­reits Ta­rif­verträge ge­schlos­sen hat, die hier­zu er­for­der­li­che Durch­set­zungs­kraft be­sitzt.
(1) Das gilt zum ei­nen für ori­ginär aus­ge­han­del­te, ei­genständi­ge Ta­rif­verträge.
Sie zei­gen, dass die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung in der La­ge ist, als Ko­ali­ti­on mit Ar­beit­ge­bern Ver­ein­ba­run­gen zur Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen zu schließen. Zu­gleich be­le­gen sie, dass die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung von der Ar­beit­ge­ber­sei­te wahr- und ernst­ge­nom­men wird. Ei­ne Aus­nah­me kommt nur in Be­tracht, wenn es sich um „Schein- oder Gefällig­keits­ta­rif­verträge“ oder um Ver­ein­ba­run­gen han­delt, „die auf ei­nem Dik­tat der Ar­beit­ge­ber­sei­te“ be­ru­hen.
(a) Der Be­griff des „Schein­ta­rif­ver­trags“ meint nicht ein Schein­geschäft iSv. § 117 Abs. 1 BGB. Ein sol­ches setzt vor­aus, dass die Wil­lens­erklärun­gen nur zum Schein ab­ge­ge­ben wer­den. Dies wird auch bei Ver­ein­ba­run­gen, wel­che die Ar­beit­ge­ber­sei­te
mit klei­ne­ren Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen schließt, meist nicht der Fall sein. Ge­meint sind die - sel­te­nen - Fälle, in de­nen es sich le­dig­lich der äußeren Form, nicht aber dem In­halt nach um Ta­rif­verträge han­delt.
Dem­ge­genüber er­fasst der Be­griff des „Gefällig­keits­ta­rif­ver­trags“ zum ei­nen Ver­ein­ba­run­gen, die von der Ar­beit­ge­ber­sei­te nur ge­schlos­sen wer­den, um der Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ei­nen Ge­fal­len zu er­wei­sen, et­wa um ihr das Eti­kett ei­ner „Ge­werk­schaft“ zu ver­lei­hen (vgl. BAG 10. Sep­tem­ber 1985 - 1 ABR 32/03 - BA­GE 49, 322, zu B IV 3 der Gründe). Hierfür be­darf es be­son­de­rer An­halts­punk­te. Im Nor­mal­fall kann nicht an­ge­nom­men wer­den, die Ar­beit­ge­ber­sei­te schließe Ta­rif­verträge nur, um ei­ne ihr ge­neh­me Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ta­riffähig zu ma­chen. Ein der­ar­ti­ger Ver­dacht un­ter­stellt ei­ne lang­fris­tig ge­plan­te Stra­te­gie der Ar­beit­ge­ber­sei­te, die dar­auf an­ge­legt ist, ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung durch den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen mit­tel­bar zu stärken. Hier­von kann für den Re­gel­fall nicht aus­ge­gan­gen wer­den.
Zum an­de­ren können un­ter „Gefällig­keits­ta­rif­verträgen“ auch sol­che Ver­ein­ba­run­gen ver­stan­den wer­den, bei de­nen die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung der Ar­beit­ge­ber­sei­te „gefällig“ ist. Von ei­nem Gefällig­keits­ta­rif­ver­trag in die­sem Sinn wird frei­lich nur in Fällen ei­nes kol­lu­si­ven Zu­sam­men­wir­kens der Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te aus­ge­gan­gen wer­den können. Auch für ei­ne sol­che An­nah­me be­darf es des Vor­lie­gens be­son­de­rer An­halts­punk­te. Um sol­che kann es sich han­deln, wenn et­wa in ei­nem Ta­rif­ver­trag un­ter Aus­nut­zung ei­ner ge­setz­li­chen Ta­riföff­nungs­klau­sel ge­setz­li­che Min­dest­be­din­gun­gen oh­ne Kom­pen­sa­ti­on un­ter­schrit­ten wer­den oder ein be­son­ders kras­ses Miss­verhält­nis zwi­schen den ver­ein­bar­ten Leis­tun­gen vor­liegt. An­sons­ten ist es nicht Auf­ga­be der Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen, durch die Qua­li­fi­zie­rung ei­ner Ver­ein­ba­rung als „Gefällig­keits­ta­rif­ver­trag“ Ta­rif­zen­sur zu üben.
Das gilt auch für die An­nah­me, ein Ta­rif­ver­trag be­ru­he auf dem Dik­tat der Ar­beit­ge­ber­sei­te. Hier­von wird eben­falls nur in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen aus­ge­gan­gen wer­den können. Ei­ne sol­che liegt nicht schon dann vor, wenn ein von ei­ner „klei­nen“ Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ab­ge­schlos­se­ner Ta­rif­ver­trag für die Ar­beit­neh­mer ungüns­ti­ge­re Re­ge­lun­gen enthält als der von ei­ner „mäch­ti­gen“ Ge­werk­schaft ge­schlos­se­ne (vgl. BAG 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 10/99 - BA­GE 95, 36, zu B II 2 b aa der Gründe). Wenn ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung et­wa zum Zwe­cke der Beschäfti­gungs­si­che­rung „Kon­zes­sio­nen“ bei den Ar­beits­be­din­gun­gen für an­ge­mes­sen hält, recht­fer­tigt dies nicht die An­nah­me, der Ta­rif­ver­trag be­ru­he auf ei­nem Dik­tat der Ar­beit­ge­ber­sei­te. Da­bei ver­kennt der Se­nat nicht die Ge­fahr, dass sich ein­zel­ne Ar­beit­ge­ber ei­ne „schwäche­re“ Ge­werk-
schaft zum Ab­schluss ei­nes - ge­genüber dem Flächen­ta­rif­ver­trag - spe­zi­el­le­ren Haus­ta­rif­ver­trags „aus­su­chen“, um mit­tels der in Fällen der Ta­rifp­lu­ra­lität vom Bun­de­sar­beits­ge­richt bis­lang ver­tre­te­nen - ver­fas­sungs­recht­lich um­strit­te­nen - Leh­re von der Ta­rif­ein­heit (vgl. 20. März 1991 - 4 AZR 455/90 - BA­GE 67, 330, zu B II 3 der Gründe; 4. De­zem­ber 2002 - 10 AZR 113/02 - AP TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 28 = EzA TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 17, zu II 1 d aa der Gründe mwN; vgl. zum Prin­zip der Ta­rif­ein­heit in Fällen der Ta­rif­kon­kur­renz zu­letzt 23. März 2005 - 4 AZR 203/04 - AP TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 29 = EzA TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 18, zu I 1 a der Gründe; vgl. zur Kri­tik dar­an et­wa Hes­si­sches LAG 2. Mai 2003 - 9 Sa­Ga 636/03 - NZA 2003, 679; ErfK/Die­te­rich Art. 9 GG Rn. 82; Däubler/Zwan­zi­ger TVG § 4 Rn. 943 ff. je­weils mwN) ei­nen ih­nen un­be­que­men Flächen­ta­rif­ver­trag zu ver­drängen. Die­se Pro­ble­ma­tik kann je­doch ver­fas­sungs­kon­form nicht durch erhöhte An­for­de­run­gen an die Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung gelöst wer­den; hier­auf ha­ben die be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­ber­verbände zu­tref­fend hin­ge­wie­sen.
(b) Das Vor­lie­gen ei­nes Schein- oder ei­nes Gefällig­keits­ta­rif­ver­trags oder ei­nes auf dem ein­sei­ti­gen Dik­tat der Ar­beit­ge­ber­sei­te be­ru­hen­den Ta­rif­ver­trags ent­kräftet des­sen in­di­zi­el­le Wir­kung. Es hat aber nicht zur Fol­ge, dass da­mit auch die in­di­zi­el­le Wir­kung al­ler übri­gen von der Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge ent­fie­le. Erst ei­ne Viel­zahl sol­cher Ta­rif­verträge kann die in­di­zi­el­le Wir­kung der Ge­samt­heit der von der Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge in Fra­ge stel­len.
(2) In­di­zi­el­le Wir­kung für das Vor­lie­gen der so­zia­len Mäch­tig­keit ent­fal­ten auch die von ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung in nen­nens­wer­tem Um­fang ge­schlos­se­nen sog. An­er­ken­nungs- oder An­schluss­ta­rif­verträge, mit de­nen die­se für die von ihr ver­tre­te­nen Ar­beit­neh­mer die von ei­ner an­de­ren Ge­werk­schaft mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te ver­ein­bar­ten Ta­rif­verträge über­nimmt. Sol­che Ta­rif­verträge sind ein zu­verlässi­ges An­zei­chen dafür, dass die Ver­ei­ni­gung von den Ar­beit­ge­bern ernst­ge­nom­men wird und Durch­set­zungs­kraft be­sitzt (vgl. BAG 25. No­vem­ber 1986 - 1 ABR 22/85 - BA­GE 53, 347, zu B II 4 der Gründe; 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1 = EzA TVG § 2 Nr. 27, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B III 2 e der Gründe). An der im Be­schluss vom 14. März 1978 (- 1 ABR 2/76 - AP TVG § 2 Nr. 30, zu IV 5 der Gründe) geäußer­ten Einschätzung, An­schluss­ta­rif­ver­träge würden „in al­ler Re­gel ... dem Ver­hand­lungsüber­ge­wicht der ei­nen Sei­te (ent­sprin­gen), die ih­ren Geg­ner über­haupt nicht als so­zia­len Ge­gen­spie­ler ernst nimmt“,
hält der Se­nat nicht fest. Zum ei­nen ist es eher ein Zei­chen von Stärke als von Schwä­che der Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung, wenn es ihr ge­lingt, durch den Ab­schluss von An­schluss­ta­rif­verträgen die nor­ma­ti­ve Gel­tung ta­rif­li­cher Re­ge­lun­gen auch auf bis­lang nicht er­fass­te Ar­beits­verhält­nis­se zu er­stre­cken. Zum an­de­ren ist es nicht sach­ge­recht, von Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen zum Be­leg ih­rer Ta­riffähig­keit den Ab­schluss ori­ginä­rer Ta­rif­verträge zu ver­lan­gen. Ins­be­son­de­re dann, wenn ei­ne „große“ Ge­werk­schaft in ih­rem Zuständig­keits­be­reich be­reits ein­schlägi­ge Ta­rif­verträge ge­schlos­sen hat, wird es ei­ner „klei­ne­ren“, kon­kur­rie­ren­den Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung kaum je­mals ge­lin­gen, ei­nen für die Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­ren Ta­rif­ver­trag durch­zu­set­zen. Auch er­scheint es in ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on an­ge­sichts des vom Bun­des­ar­beits­ge­richt bis­lang ver­tre­te­nen Prin­zips der Ta­rif­ein­heit und des prak­ti­schen Bedürf­nis­ses an ein­heit­li­chen ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen in­ner­halb ei­nes Be­triebs we­nig sinn­voll, durch ei­nen ori­ginären Ta­rif­ver­trag ab­wei­chen­de Ar­beits­be­din­gun­gen zu ver­ein­ba­ren. Der klei­ne­ren Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung bleibt - will sie nicht ei­nen Ta­rif­ver­trag mit schlech­te­ren Ar­beits­be­din­gun­gen schließen - kaum ei­ne an­de­re Möglich­keit als der Ab­schluss von An­schluss­ta­rif­verträgen.
In Fällen, in de­nen ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ei­ne nen­nens­wer­te Zahl von An­schluss­ta­rif­verträgen ge­schlos­sen hat, be­darf es re­gelmäßig kei­ner nähe­ren Fest­stel­lun­gen da­zu, auf Grund wel­cher Umstände es zum Ab­schluss die­ser Ta­rif­ver­träge ge­kom­men ist und wel­cher Zweck mit ih­nen ver­folgt wird (so aber noch BAG 25. No­vem­ber 1986 - 1 ABR 22/85 - BA­GE 53, 347, zu B II 4 der Gründe). Gründe der Rechts­si­cher­heit, der Prak­ti­ka­bi­lität und ei­nes ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes spre­chen da­ge­gen, die Be­ur­tei­lung der Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung von den Umständen des Zu­stan­de­kom­mens der von ihr ge­schlos­se­nen An­schluss­ta­rif­verträge abhängig zu ma­chen. Je­den­falls für die am Ta­rif­ab­schluss nicht un­mit­tel­bar be­tei­lig­ten Ar­beit­neh­mer und - bei Ver­bands­ta­rif­verträgen - Ar­beit­ge­ber entstünde da­durch ei­ne er­heb­li­che Rechts­un­si­cher­heit über die Wirk­sam­keit der für sie gel­ten­den Ta­rif­verträge, ken­nen sie doch re­gelmäßig die nähe­ren Umstände des Zu­stan­de­kom­mens nicht. Au­ßer­dem würde den Ge­rich­ten für Ar­beits­sa­chen mit der - von Amts we­gen vor­zu­neh­men­den - Aufklärung der Umstände des Zu­stan­de­kom­mens der An­schluss­ta­rif­verträge ei­ne kaum lösba­re Auf­ga­be über­tra­gen. Müss­ten im Streit­fall die Umstände des Zu­stan­de­kom­mens der et­wa 3.000 von der CGM ge­schlos­se­nen An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­träge im Ein­zel­nen fest­ge­stellt und gewürdigt wer­den, würde das be­reits über neun Jah­re dau­ern­de Ver­fah­ren vor­aus­sicht­lich um Jah­re verlängert. Dies wäre mit dem Ge­bot der Gewährung ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes un­ver­ein­bar.
(3) Ei­ne nen­nens­wer­te An­zahl be­reits ge­schlos­se­ner Ta­rif­verträge in­di­ziert re­gelmäßig auch die or­ga­ni­sa­to­ri­sche Fähig­keit zu de­ren Vor­be­rei­tung und Ab­schluss. Dies gilt zwar nicht un­ein­ge­schränkt für die Fähig­keit, die tatsächli­che Durchführung ei­nes Ta­rif­ver­trags zu über­wa­chen und ab­zu­si­chern. Hierfür ent­fal­tet der Ab­schluss von Ta­rif­verträgen al­len­falls be­grenzt in­di­zi­el­le Wir­kung. Soll die Betäti­gungs­frei­heit nicht in un­zulässi­ger Wei­se be­schränkt wer­den, dürfen aber auch in­so­weit kei­ne zu ho­hen An­for­de­run­gen ge­stellt wer­den. Sonst lie­fen selbst „eta­blier­te“ Ge­werk­schaf­ten Ge­fahr, ih­re Ta­riffähig­keit zu ver­lie­ren. Die­se entfällt da­her nicht schon dann, wenn ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung per­so­nell nicht in der La­ge ist, die tatsächli­che Einhal­tung der von ihr ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge je­der­zeit und übe­r­all vor Ort ef­fek­tiv zu über­wa­chen. Viel­mehr genügt es, wenn die­se Möglich­keit im Be­darfs­fall gewähr­leis­tet ist. Die Ta­rif­au­to­no­mie darf nicht ge­ra­de da­durch gefähr­det wer­den, dass an das letzt­lich nur ihr selbst die­nen­de Merk­mal der Ta­riffähig­keit übermäßige An­for­de­run­gen ge­stellt wer­den. Auch gilt es zu be­ach­ten, dass an­ge­sichts der im­mer bes­ser wer­den­den Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­onsmöglich­kei­ten der An­we­sen­heit ge­werk­schaft­li­cher haupt­amt­li­cher Ver­tre­ter vor Ort nicht mehr die­sel­be Be­deu­tung zu­kommt wie früher.
c) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der IG Me­tall muss ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung bei ei­nem Streit über ih­re Ta­riffähig­keit nicht den Nach­weis führen, dass sie in dem Ta­rif­be­reich über ei­ne be­stimm­te Min­dest­mit­glie­der­zahl verfügt, auf wel­che die ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge nach § 4 Abs. 1 TVG un­mit­tel­bar An­wen­dung fin­den. Das „Ver­tre­ten­sein“ in Be­trie­ben, die dem räum­li­chen und fach­li­chen Gel­tungs­be­reich ei­nes Ta­rif­ver­trags un­ter­fal­len, ist kei­ne not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für die Ta­riffähig­keit. Aus dem Um­stand ge­rin­ger oder feh­len­der Re­präsen­tanz kann auch nicht der Schluss ge­zo­gen wer­den, ein gleich­wohl ge­schlos­se­ner Ta­rif­ver­trag die­ne an­de­ren Zwe­cken als der Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen und der Wahr­neh­mung der In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer. Im Übri­gen kann sich ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung aus dem Ab­schluss von Ta­rif­verträgen ei­nen Wer­be­ef­fekt und den Bei­tritt neu­er Mit­glie­der ver­spre­chen. Et­was an­de­res könn­te dann gel­ten, wenn ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung gar nicht die Ab­sicht ver­folgt, in dem be­tref­fen­den Be­reich Ar­beit­neh­mer zu or­ga­ni­sie­ren. In ei­nem sol­chen Fall spräche vie­les dafür, dass mit dem Ta­rif­ver­trag ein an­de­rer Zweck ver­folgt wird als der­je­ni­ge, die Ar­beits­be­din­gun­gen der Mit­glie­der zu re­geln. Im Re­gel­fall ist aber die An­nah­me be­rech­tigt, dass ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung den mit dem Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­trags für sie ver­bun­de­nen fi­nan­zi­el­len und per­so­nel­len Auf­wand nur be­treibt, wenn sie in dem Ta­rif­be­reich be­reits Mit­glie­der hat oder sich sol­che durch den Ta­rif­ab­schluss zu­min­dest ver­spricht. Ein an­de­res Ver­hal­ten wäre völlig un­wirt-
schaft­lich, den ei­ge­nen Mit­glie­dern ge­genüber nicht ver­tret­bar und al­len­falls durch ein kol­lu­si­ves Zu­sam­men­wir­ken mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te zu erklären.
4. Hier­nach ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt mit über­wie­gend zu­tref­fen­der Be­grün­dung zu Recht zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass die CGM ta­riffähig ist.
a) Die CGM hat sich in § 2 ih­rer Sat­zung ua. die Auf­ga­be ge­stellt, die In­ter­es­sen ih­rer Mit­glie­der in de­ren Ei­gen­schaft als Ar­beit­neh­mer wahr­zu­neh­men, und ist wil­lens, Ta­rif­verträge ab­zu­sch­ließen. Sie ist frei ge­bil­det und er­kennt das gel­ten­de Ta­rif­recht an. Sie ist über­be­trieb­lich or­ga­ni­siert, geg­ner­frei und be­sitzt die er­for­der­li­che Geg­ner­un­abhängig­keit. Al­le die­se Vor­aus­set­zun­gen wer­den von kei­nem der Be­tei­lig­ten in Zwei­fel ge­zo­gen.
b) Wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt im Er­geb­nis zu Recht er­kannt hat, verfügt die CGM über die zur An­er­ken­nung ih­rer Ta­riffähig­keit er­for­der­li­che so­zia­le Mäch­tig­keit.
aa) Ob hierfür be­reits ih­re Or­ga­ni­sa­ti­onsstärke aus­rei­chend ist, er­scheint al­ler­dings frag­lich. Da die Or­ga­ni­sa­ti­onsstärke „im Verhält­nis zu dem von der Ar­beit­neh­mer­ko­ali­ti­on selbst gewähl­ten räum­li­chen und fach­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich zu be­wer­ten ist“ (BAG 14. De­zem­ber 2004 - 1 ABR 51/03 - AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1 = EzA TVG § 2 Nr. 27, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B III 2 e aa der Gründe), be­ste­hen nicht un­er­heb­li­che Be­den­ken, ob selbst die von der CGM be­haup­te­te Zahl von bun­des­weit 88.044 in ei­nem Ar­beits­verhält­nis ste­hen­den Mit­glie­dern - nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts kann oh­ne­hin nur von et­wa 50.000 Mit­glie­dern aus­ge­gan­gen wer­den - al­lein genügen würde, um die Pro­gno­se zu recht­fer­ti­gen, die CGM wer­de von der Ar­beit­ge­ber­sei­te als Ta­rif­part­ner ernst­ge­nom­men wer­den. Im­mer­hin liegt da­mit bei ei­nem Zuständig­keits­be­reich von knapp 5,5 Mio. Ar­beit­neh­mern der Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad bei le­dig­lich et­wa 1,6 %. Nach­dem die CGM ih­re Mit­glie­der­zah­len trotz ent­spre­chen­der Auf­for­de­rung durch das Ar­beits­ge­richt nicht wei­ter auf­ge­schlüsselt hat, ist auch nicht fest­stell­bar, dass es be­stimm­te räum­li­che oder fach­li­che Be­rei­che gibt, in de­nen der Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad si­gni­fi­kant höher und da­her ei­ne Durch­set­zungs­kraft vor­han­den wäre, die es recht­fer­ti­gen würde, die Ta­riffähig­keit ins­ge­samt zu be­ja­hen. Sch­ließlich ist auch nicht er­kenn­bar, dass die CGM in be­stimm­ten Schlüssel­po­si­tio­nen so stark ver­tre­ten wäre, dass da­von aus­ge­gan­gen wer­den könn­te, die Ar­beit­ge­ber­sei­te wer­de sich im Hin­blick auf die­ses Druck­po­ten­ti­al ernst­haf­ten Ver­hand­lun­gen über die Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen nicht ent­zie­hen können. Die Fra­ge, ob al­lein der Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad der CGM aus­rei-
chend ist, um ih­re Durch­set­zungs­kraft zu be­ja­hen, kann je­doch da­hin­ste­hen. Da­her kommt es auch nicht dar­auf an, ob die hier­zu vom Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­stell­ten Erwägun­gen im Ein­zel­nen tragfähig sind.
bb) Das Aus­maß, in dem sich die CGM in der Ver­gan­gen­heit in das ta­rif­li­che Ge­sche­hen ak­tiv ein­ge­mischt hat, be­legt, dass sie in wei­ten Be­rei­chen von der Ar­beit­ge­ber­sei­te wahr- und ernst­ge­nom­men wird.
(1) Hierfür sind schon die weit­ge­hend für den Be­reich der In­dus­trie ab­ge­sch­los­se­nen An­schluss­ta­rif­verträgen hin­rei­chen­der Be­leg.
(a) Ent­ge­gen der Be­ur­tei­lung des Lan­des­ar­beits­ge­richts können die von der CGM ver­ein­bar­ten An­schluss­ta­rif­verträge als ge­wich­ti­ges In­diz für ih­re Ta­riffähig­keit ge­wer­tet wer­den. Da­bei ist nicht ent­schei­dend, in­wie­weit sich die CGM mit ei­ge­nen ta­rif­po­li­ti­schen Vor­stel­lun­gen hat durch­set­zen können. Viel­mehr macht der Ab­schluss von et­wa 3.000 An­schluss­ta­rif­verträgen hin­rei­chend deut­lich, dass sich die CGM als Ta­rif­ver­trags­par­tei eta­bliert hat und von der Ar­beit­ge­ber­sei­te an­er­kannt wird. „Ori­gi­na­lität“ im Sin­ne der Durch­set­zung ei­ge­ner ta­rif­po­li­ti­scher Vor­stel­lun­gen ist kei­ne not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für Ta­riffähig­keit. Es mag für die IG Me­tall miss­lich sein, wenn die CGM von ih­ren Ta­rif­ver­hand­lun­gen und Ta­rif­ab­schlüssen pro­fi­tiert. Dies ändert aber nichts dar­an, dass die CGM ein aus­rei­chen­des Ge­wicht be­sitzt, um die Ar­beit­ge­ber­sei­te zu ver­an­las­sen, mit ihr An­schluss­ta­rif­verträge zu schließen und so die un­mit­tel­ba­re Ta­rif­bin­dung auf die bei ihr or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer zu er­stre­cken. Wäre die CGM ei­ne völlig un­be­acht­li­che Grup­pie­rung, bestünde hier­zu für die Ar­beit­ge­ber­sei­te kei­ne Ver­an­las­sung.
(b) Die Umstände des Zu­stan­de­kom­mens der ca. 3.000 An­er­ken­nungs­ta­rif­verträ­ge wa­ren nicht wei­ter auf­zuklären. An­halts­punk­te für die An­nah­me, es ha­be sich bei die­sen Ver­ein­ba­run­gen in ei­nem nen­nens­wer­ten Um­fang um Schein- oder Gefällig­keits­ta­rif­verträge ge­han­delt, sind nicht er­kenn­bar. Eben­so we­nig ist er­sicht­lich, dass die An­schluss­ta­rif­verträge auf ei­nem Dik­tat der Ar­beit­ge­ber­sei­te be­ruh­ten. Auch die IG Me­tall be­haup­tet dies nicht.
(c) Die von der CGM im We­sent­li­chen im Be­reich der In­dus­trie ge­schlos­se­nen An­er­ken­nungs­ta­rif­verträge er­fas­sen ei­nen so re­le­van­ten Teil des be­an­spruch­ten Zu­ständig­keits­be­reichs, dass da­mit die so­zia­le Mäch­tig­keit der CGM ins­ge­samt be­jaht wer­den kann.
(2) Die von der CGM ver­ein­bar­ten 550 ori­ginären Ta­rif­verträge be­le­gen eben­falls die Durch­set­zungs­kraft der CGM. Sie zei­gen, dass die CGM je­den­falls im Be­reich des Hand­werks in der La­ge ist, auch ei­genständi­ge Re­ge­lun­gen mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te zu ver­ein­ba­ren. Dies hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend er­kannt.
(a) Zu Un­recht rügt die IG Me­tall, das Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­be nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt, dass die Initia­ti­ve zum Ab­schluss der Ta­rif­verträge - ins­be­son­de­re bei JEN­OP­TIK, aber auch in den ein­zel­nen Hand­werks­be­rei­chen - von der Ar­beit­ge­ber­sei­te aus­ge­gan­gen sei. Auch wenn dies der Fall ge­we­sen sein soll­te, ent­wer­tet das die In­dizwir­kung der Ta­rif­verträge nicht. Sie sind des­halb nicht un­ge­eig­net zu be­le­gen, dass die CGM be­reits ak­tiv am Ta­rif­ge­sche­hen teil­ge­nom­men hat. Im Übri­gen zei­gen die von der CGM für zahl­rei­che Ta­rif­verträge im Ein­zel­nen ge­schil­der­ten Ver­hand­lun­gen, dass die Initia­ti­ve teil­wei­se durch­aus von ihr aus­ge­gan­gen ist.
(b) Recht­lich un­er­heb­lich ist die Auf­fas­sung der IG Me­tall, die CGM sei bei den von ihr ori­ginär ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen als „Lückenbüßer“ auf­ge­tre­ten. Die­ser Be­griff ist zur Be­ur­tei­lung der Ta­riffähig­keit un­taug­lich. Der Um­stand, dass die CGM Ta­rif­verträge in Be­rei­chen ge­schlos­sen hat, in de­nen der IG Me­tall Ta­rif­ab­schlüsse bis­lang nicht ge­lun­gen sind - dies be­trifft vor al­lem den Be­reich des Hand­werks in den neu­en Bun­desländern -, steht der in­di­zi­el­len Wir­kung die­ser Ta­rif­verträge nicht ent­ge­gen.
(c) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der IG Me­tall be­durf­te es kei­nes ge­son­der­ten Nach­wei­ses, dass die von der CGM ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge tatsächlich das Ar­beits­le­ben be­ein­flus­sen. Die von der CGM ver­ein­bar­ten Ta­rif­verträge die­nen nach ih­rem In­halt dem Zweck, die (Min­dest-)Ar­beits­be­din­gun­gen der ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer nor­ma­tiv zu re­geln. Sie sind darüber hin­aus ge­eig­net, ein­zel­ver­trag­lich für nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­neh­mer in Be­zug ge­nom­men zu wer­den. Auch wäre un­ver­ständ­lich, wel­chen Sinn für die Ar­beit­ge­ber­sei­te der Ab­schluss von Ta­rif­verträgen ha­ben soll­te, die das Ar­beits­le­ben tatsächlich nicht be­ein­flus­sen. Im Übri­gen hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­geführt, die CGM ha­be durch die vor­ge­leg­ten Ur­kun­den je­den­falls hin­rei­chend be­wie­sen, dass sie in den­je­ni­gen Hand­werks­be­rei­chen, in de­nen sie Ta­rif­verträge ge­schlos­sen hat, über Mit­glie­der verfügt, die in ta­rif­ge­bun­de­nen Un­ter­neh­men tätig sind.
(d) An­halts­punk­te für die An­nah­me, es ha­be sich bei den von der CGM ori­ginär ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen in nen­nens­wer­tem Um­fang um Schein- oder Gefällig-
keits­ta­rif­verträge ge­han­delt, lie­gen nicht vor. So ist we­der er­sicht­lich, dass mit den Ta­rif­verträgen an­de­re Zie­le ver­folgt wor­den wären als die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen in dem be­tref­fen­den Be­reich, noch ist er­kenn­bar, dass sich die CGM - in kol­lu­si-vem Zu­sam­men­wir­ken - den Er­war­tun­gen der Ar­beit­ge­ber­sei­te gefügig ge­zeigt oder sich de­ren Dik­tat un­ter­wor­fen hätte. Es gibt ins­be­son­de­re kei­ne An­halts­punk­te für die An­nah­me, in die­sen Ta­rif­verträgen sei­en Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart wor­den, die un­ter den ge­setz­li­chen Min­dest­be­din­gun­gen lägen und die nun von der Ar­beit­ge­ber­sei­te auf Grund von Ta­riföff­nungs­klau­seln da­zu be­nutzt würden, auch auf nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­neh­mer ungüns­ti­ge­re als die ge­setz­li­chen Ar­beits­be­din­gun­gen an­zu­wen­den. Eben­so we­nig ist er­kenn­bar, dass sich die CGM in nen­nens­wer­tem Um­fang da­zu her­ge­ge­ben hätte, in ei­nem Be­reich, in dem ein mit der IG Me­tall ge­schlos­se­ner Flächen­ta­rif­ver­trag gilt, ungüns­ti­ge­re spe­zi­el­le­re Ta­rif­verträge mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te ab­zu­sch­ließen, um die güns­ti­ge­ren Ta­rif­verträge der IG Me­tall zu ver­drängen. Selbst wenn dies in Ein­z­elfällen vor­ge­kom­men sein soll­te, würde dies nicht den Schluss recht­fer­ti­gen, es han­de­le sich ins­ge­samt bei den von der CGM ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen um Gefällig­keits­ta­rif­verträge.
(e) Im Übri­gen be­le­gen die von der CGM im Ein­zel­nen dar­ge­stell­ten Ta­rif­ver­hand­lun­gen, dass die Ta­rif­verträge nicht ei­nem ein­sei­ti­gen Dik­tat der Ar­beit­ge­ber­sei­te ent­spran­gen. Bei­spiel­haft ver­an­schau­licht hat die CGM dies ua. durch die für meh­re­re Jah­re er­folg­te Dar­stel­lung der Ta­rif­ver­hand­lun­gen mit dem Fach­ver­band Sa­nitär-, Hei­zungs- und Kli­ma­tech­nik Bay­ern.
(f) Auch bei den Ta­rif­wer­ken, de­nen die Be­tei­lig­ten im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren be­son­de­re Auf­merk­sam­keit ge­wid­met ha­ben, ist nicht er­sicht­lich, dass es sich um Schein- oder Gefällig­keits­ta­rif­verträge han­deln würde oder dass sie aus­sch­ließlich auf ei­nem Dik­tat der Ar­beit­ge­ber­sei­te be­ru­hen würden. Dies gilt ins­be­son­de­re für das Ta­rif­werk „Phönix“ und das Ta­rif­werk mit der JEN­OP­TIK-Grup­pe vom 6. März 1999. Bei Letz­te­rem zeigt das be­reits der Um­stand, dass die IG Me­tall am 17. No­vem­ber 1999 ein weit­ge­hend ähn­li­ches Ta­rif­werk mit der JEN­OP­TIK ab­ge­schlos­sen hat.
c) Rechts­be­schwer­de­recht­lich nicht zu be­an­stan­den ist die Be­ur­tei­lung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die CGM verfüge über ei­nen or­ga­ni­sa­to­ri­schen Auf­bau, der sie be­fähi­ge, die Auf­ga­ben ei­ner Ge­werk­schaft für ih­ren Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich wahr­zu­neh­men.
aa) Die rund 3.000 An­schluss­ta­rif­verträge so­wie die ca. 550 ori­ginären Ta­rif­ver­träge, wel­che die CGM in der Ver­gan­gen­heit ge­schlos­sen hat, be­le­gen hin­rei­chend, dass sie or­ga­ni­sa­to­risch zur Vor­be­rei­tung und zum Ab­schluss von Ta­rif­verträgen in der La­ge ist.
bb) Die vor­han­de­ne per­so­nel­le, sächli­che und or­ga­ni­sa­to­ri­sche Aus­stat­tung der CGM er­scheint als noch aus­rei­chend, um die tatsächli­che Durchführung der ge­sch­los­se­nen Ta­rif­verträge zu über­wa­chen und si­cher­zu­stel­len. Zwar stel­len die auf die Haupt­ver­wal­tung so­wie 15 Se­kre­ta­ria­te ver­teil­ten 43 haupt­amt­li­chen Mit­ar­bei­ter ein­schließlich der 14 Ge­werk­schafts­se­kretäre be­zo­gen auf den großen, bun­des­wei­ten Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich der CGM ei­nen recht klei­nen haupt­amt­li­chen Ap­pa­rat dar. Hin­zu kom­men aber 498 eh­ren­amt­li­che Mit­ar­bei­ter. Auch hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu Recht berück­sich­tigt, dass auf Grund der mo­der­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel ei­ne Prä­senz der Ge­werk­schafts­mit­ar­bei­ter vor Ort nicht mehr in dem­sel­ben Maße er­for­der­lich ist wie früher.
d) Un­be­gründet ist die Rüge der IG Me­tall, das Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­be we­sent­li­che Umstände, die ge­gen ei­ne de­mo­kra­ti­sche Wil­lens­bil­dung bei der CGM sp­re­chen, nicht berück­sich­tigt. Die IG Me­tall be­gründet dies da­mit, dass die CGM nach ih­ren ei­ge­nen An­ga­ben nicht fest­stel­len könne, zu wel­chem Ta­rif­be­reich ein Mit­glied je­weils gehöre. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat ei­ne der­ar­ti­ge Tat­sa­chen­fest­stel­lung nicht ge­trof­fen. Letzt­lich kann die Fra­ge da­hin­ste­hen. Selbst wenn die CGM tatsächlich außer­stan­de sein soll­te, ih­re Mit­glie­der aus­nahms­los den ein­zel­nen Ta­rif­be­rei­chen zu­zu­ord­nen, wäre die­ser or­ga­ni­sa­to­ri­sche Man­gel nicht so schwer­wie­gend, dass er die An­nah­me recht­fer­ti­gen würde, es feh­le der CGM an den Min­dest­vor­aus­set­zun­gen ei­ner de­mo­kra­ti­schen Bin­nen­struk­tur. Die Sta­tu­ten der CGM ent­spre­chen viel­mehr durch­weg de­mo­kra­ti­schen Grundsätzen.
zur Übersicht 1 ABR 58/04