Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%202007,%20428
Timestamp: 2019-02-18 09:35:08
Document Index: 5590865

Matched Legal Cases: ['§ 278', '§ 573', '§ 278', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 278', 'BGH', '§ 573', '§ 543', '§ 278', '§ 569', '§ 543', '§ 278', 'BGH', '§ 543', 'BGH', 'BGH', '§ 543', 'BGH', '§ 278', 'BGH', '§ 522', 'Art. 103', '§ 522', '§ 522', '§ 522', '§ 522', '§ 522']

Rechtsprechung: NJW 2007, 428 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: BVerfG, 01.08.2006
Des Mieters Einstehenmüssen für Fehler seines Erfüllungsgehilfen - Des Mieterschutzvereins Rechtsirrtum (Belegeinsichtsrecht)
Eigenes schuldhaftes Verhalten des Mieters als Voraussetzung für eine wirksame Kündigung wegen einer Pflichtverletzung; Einordnung des Mieterschutzvereins als Erfüllungsgehilfe bei der Entrichtung der Miete wegen Beratung hinsichtlich des Einbehaltens der Miete; Kündigung des Mietvertrags durch den Vermieter wegen Nichtzahlung der Nebenkosten; Einbehaltung der Nebenkosten wegen der Nichtübersendung von Nebenkostenbelegen durch den Vermieter; Entfallen des Verschuldens des Mieters wegen Handelns aufgrund Beratung durch den Mieterschutzverein
Falsch beratener Mieter
Ordentliche Kündigung wegen nicht gezahlter Betriebskostenvorschüsse aufgrund von Falschberatung durch Mieterverein; kein Anspruch des Mieters auf Übersendung von Belegkopien; Zurückbehaltungsrecht; keine Heilungswirkung durch Ausgleich des Zahlungsrückstandes bei ordentlicher Kündigung; Mieterhaftung für Erfüllungsgehilfen; unverschuldeter Rechtsirrtum; Beraterverschulden
Mieter - Falschberatung durch Mieterschutzverein - Zurechnung der Falschberatung
Verschulden und Rechtsirrtum; Rechtsberater als Erfüllungsgehilfe i.S.v. § 278 BGB
BGB § 573 Abs. 1, 2 Nr. 1 § 278
Wirksamkeit der ordentlichen Kündigung des Vermieters wegen einer nicht unerheblichen Vertragsverletzung durch einen Erfüllungsgehilfen des Mieters; Rechtliche Einordnung der Tätigkeit eines Mieterschutzvereins
Mieter haftet für fehlerhafte Beratung durch Mieterschutzverein
Keine isolierte Anfechtung einer Abmahnung
Mietrecht - Kündigung nach Umwandlung
Falscher Rat des Mieterschutzvereins
jura-lotse.de (Ausführliche Zusammenfassung)
Kündigung nach falscher Beratung durch Mieterschutzverein
Verschulden des Mietervereins
Haftung des Mieters für falsche Ratschläge, die er eingeholt hat
Mietrechtsberatung und Mieterrisiko -Zurechnung falscher Rechtsberatung und ihre Folgen bis zum Wohnungsverlust (Hubert Blank)
Mieter haftet für fehlerhafte Beratung durch Mieterschutzverein! (IMR 2007, 1)
Zusammenfassung von "Mietrechtsberatung und Mieterrisiko" von RiLG a.D. Hubert Blank, original erschienen in: NZM 2007, 788 - 795.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 25.10.2006, Az.: VIII ZR 102/06 (Zurechnung von Rechtsirrtümern des Mieterschutzvereins)" von Prof. Dr. Andreas Klees, original erschienen in: NJW 2007, 431.
Zusammenfassung von "Verantwortlichkeit für Falschberatung des Mieters" von RA Michael Drasdo, original erschienen in: NJW Spezial 2008, 577 - 578.
Zusammenfassung von "Mietrechtsberatung und Mieterrisiko - Zurechnung falscher Rechtsberatung und ihre Folgen bis zum Wohnungsverlust-" von RiLG a. D. Hubert Blank, original erschienen in: WuM 2007, 655 - 662.
AG Herne-Wanne, 14.10.2005 - 14 C 216/05
LG Bochum, 24.03.2006 - 14 C 216/05
NJW 2007, 428
MDR 2007, 454
NZM 2007, 35
ZMR 2007, 103
BauR 2007, 442 (Ls.)
Soweit der Beklagte geltend macht, er sei irrig davon ausgegangen, dass er die Vorauszahlungen nicht leisten müsse, könnte ihn dies nur unter den Voraussetzungen eines unvermeidbaren Rechtsirrtums entlasten (vgl. Senatsurteile vom 25. Oktober 2006 - VIII ZR 102/06, NZM 2007, 35 Rn. 25, 27 sowie vom 11. Juli 2012 - VIII ZR 138/11, WuM 2012, 499 Rn.19).
Ein Schuldner muss die Rechtslage sorgfältig prüfen, soweit erforderlich Rechtsrat einholen und die höchstrichterliche Rechtsprechung sorgfältig beachten (BGH, Urteil vom 11. Januar 1984 - VIII ZR 255/82, BGHZ 89, 296, 303; Urteil vom 14. Juni 1994 - XI ZR 210/93, ZIP 1994, 1350, 1351; Urteil vom 4. Juli 2001 - VIII ZR 279/00, WM 2001, 2012, 2014;… Urteil vom 12. Juli 2006 - X ZR 157/05, WM 2006, 2011 Rn. 19; Urteil vom 25. Oktober 2006 - VIII ZR 102/06, NJW 2007, 428 Rn. 13;… Beschluss vom 29. Juni 2010 - XI ZR 308/09, ZIP 2010, 1335 Rn. 3).
Der Schuldner hat zwar für die unrichtige Rechtsauskunft eines Erfüllungsgehilfen nach § 278 BGB einzustehen (BGH…, Urteil vom 12. Juli 2006 - X ZR 157/05, WM 2006, 2011 Rn. 20; Urteil vom 25. Oktober 2006 - VIII ZR 102/06, NJW 2007, 428 Rn. 22).
a) Eine nicht unerhebliche Pflichtverletzung im Sinne von § 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB ist nach der vom Berufungsgericht zutreffend zitierten Senatsrechtsprechung unter anderem dann gegeben, wenn der Mieter die Miete oder den Betriebskostenvorschuss ständig unpünktlich oder unvollständig zahlt oder wenn der Mieter mit seinen diesbezüglichen Zahlungen in Höhe eines Betrages, der die Bruttomiete von zwei Monaten überschreitet, über einen Zeitraum von mehr als zwei Zahlungsterminen hinweg in Verzug ist, weil dann sogar das Recht zur außerordentlichen fristlosen Kündigung aus wichtigem Grund nach § 543 Abs. 2 Nr. 3 Buchst. a BGB besteht (vgl. Urteil vom 11. Januar 2006 - VIII ZR 364/04, NJW 2006, 1585, unter II 3 b; Urteil vom 25. Oktober 2006 - VIII ZR 102/06, NJW 2007, 428, unter II 1, jew. m.w.N.).
Sofern sie sich insoweit auf einen falschen Rechtsrat ihres damaligen Prozessbevollmächtigten verlassen haben sollten, was das Berufungsgericht offen gelassen hat, müssen sie sich dessen Verschulden nach § 278 BGB zurechnen lassen (vgl. Senatsurteil vom 25. Oktober 2006, aaO, unter II 2 b und 3 a).
Wie sie selbst nicht verkennt, lässt der nachträgliche Ausgleich der Rückstände innerhalb der Frist des § 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB nach der Rechtsprechung des Senats zwar die fristlose Kündigung unwirksam werden, nicht hingegen die hier in Rede stehende fristgemäße Kündigung (…Urteil vom 16. Februar 2005, aaO, unter II 2;… Urteil vom 11. Januar 2006, aaO, unter II 3 b; Urteil vom 25. Oktober 2006, aaO, unter II 1).
Gleiches gilt, wenn der Mieter mit seinen diesbezüglichen Zahlungen in Höhe eines Betrages, der die Bruttomiete für zwei Monate erreicht, über einen Zeitraum von mehr als zwei Zahlungsterminen hinweg in Verzug gerät (Senatsurteile vom 25. Oktober 2006 - VIII ZR 102/06, NJW 2007, 428, Tz. 9;… vom 28. November 2007, aaO).
Denn der Gesetzgeber sieht hierin sogar eine erhebliche Pflichtverletzung, die die Fortsetzung des Mietverhältnisses für den Vermieter regelmäßig als unzumutbar erscheinen lässt und diesem daher das Recht zu einer außerordentlichen Kündigung des Mietverhältnisses nach § 543 Abs. 2 Nr. 3 Buchst. b BGB eröffnet (vgl. Senatsurteil vom 25. Oktober 2006, aaO).
Soweit die Beklagte mit der Prüfung der Rechtslage einen Rechtsanwalt beauftragte, entlastet sie das allein nicht, da sie sich ein Verschulden ihres Rechtsanwaltes über § 278 BGB zurechnen lassen muss (BGH, Urteil vom 25. Oktober 2006 - VIII ZR 102/06, NJW 2007, 428, 430).
Zu Recht hat das Berufungsgericht allerdings an das Vorliegen eines unverschuldeten Rechtsirrtums strenge Maßstäbe angelegt (vgl. Senatsurteil vom 25. Oktober 2006 - VIII ZR 102/06, NJW 2007, 428 Rn. 25) und einen unvermeidbaren Rechtsirrtum verneint.
Der Senat hat bereits entschieden, dass auch im Wohnraummietrecht an das Vorliegen eines unverschuldeten Rechtsirrtums strenge Anforderungen zu stellen sind und kein Grund besteht, im Rahmen des § 543 Abs. 3 BGB zugunsten des Mieters einen milderen Sorgfaltsmaßstab anzulegen (Senatsurteil vom 25. Oktober 2006 - VIII ZR 102/06, NZM 2007, 35 Rn. 25 ff.).
Der Schuldner darf nicht das Risiko einer zweifelhaften Rechtslage dem Gläubiger zuschieben (…Senatsurteil vom 11. April 2012 - XII ZR 48/10 - WuM 2012, 323 Rn. 31; BGH Urteil vom 25. Oktober 2006 - VIII ZR 102/06 - NJW 2007, 428 Rn. 25 mwN).
Denn ein Rechtsirrtum entschuldigt nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nur dann, wenn der Irrende bei Anwendung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt mit einer anderen Beurteilung durch die Gerichte nicht zu rechnen brauchte (BGH, Urt. v. 25. Oktober 2006 - VIII ZR 102/06, NJW 2007, 46 Tz. 25 m.w.Nachw.).
a) An das Vorliegen eines unverschuldeten Rechtsirrtums sind nach der gefestigten Rechtsprechung des Senats auch im Wohnraummietrecht strenge Anforderungen zu stellen; es besteht kein Grund, im Rahmen von § 543 Abs. 2 Nr. 3 BGB zu Gunsten des Mieters einen milderen Maßstab anzulegen (…Senatsurteile vom 11. Juli 2012 - VIII ZR 138/11, NJW 2012, 2882 Rn. 19; vom 25. Oktober 2006 - VIII ZR 102/06, NJW 2007, 428 Rn. 27 ff. mwN).
Der Schuldner darf nicht das Risiko einer zweifelhaften Rechtslage dem Gläubiger zuschieben (BGH, Urteile vom 25. Oktober 2006 - VIII ZR 102/06, aaO Rn. 25; vom 27. September 1989 - IVa ZR 156/88, NJW-RR 1990, 160, 161;… vom 24. September 2013 - I ZR 187/12 juris Rn. 19).
Sofern der Schuldner zu einer eigenständigen rechtlichen Beurteilung nicht in der Lage ist, muss er Rechtsrat einholen; für ein etwaiges Verschulden seines Rechtsberaters hat er nach § 278 BGB einzustehen (BGH, Urteile vom 25. Oktober 2006 - VIII ZR 102/06, aaO Rn. 21 ff.;… vom 12. Juli 2006 - X ZR 157/05, aaO Rn. 20), wobei für einen unverschuldeten Rechtsirrtum des Rechtsberaters die oben dargestellten strengen Grundsätze gelten.
LG Berlin, 16.09.2014 - 67 S 290/14
Schonfristzahlung erfolgt: Ordentliche Kündigung bleibt wirksam!
LG Berlin, 11.07.2017 - 67 S 129/17
Verspätete Einwendungen des Mieterbunds muss sich Mieter zurechnen lassen!
LSG Berlin-Brandenburg, 01.07.2015 - L 32 AS 1579/15
LG Bochum, 18.03.2015 - 4 O 405/14
Schadensersatzanspruch wegen der Verweigerung einer Zustimmung des …
OLG Düsseldorf, 24.11.2009 - 24 U 88/09
Auslegung der Gewährung eines Zuschusses des Vermieters von Wohnraum in einem …
OLG Dresden, 15.01.2013 - 5 U 1953/12
OLG Düsseldorf, 01.03.2010 - 24 U 82/09
Eigenkapitalersetzende Funktion der Gebrauchsüberlassung aufgrund eines Miet- …
AG Hamm, 28.06.2016 - 17 C 33/16
Anforderungen an die fristgerechte Einlegung eines Einspruchs gegen ein …
LG Berlin, 17.03.2009 - 65 S 54/08
AG Dresden, 15.09.2011 - 145 C 1697/11
Verfassungsbeschwerde gegen die Zurückweisung einer Berufung in einem Zivilverfahren wegen der Verletzung des Grundrechts auf rechtliches Gehör; Anforderungen an das Verfahren vor Abweisung einer Berufung nach § 522 Abs. 2 Zivilprozessordnung (ZPO) zur Wahrung des Grundrechtes aus Art. 103 Abs. 1 GG; Erfordernis eines Hinweises vom Gericht auf die geänderte Ansicht zur Erfolgsaussicht und Notwendigkeit der Möglichkeit einer Stellungnahme des Betroffenen zur Wahrung des rechtlichen Gehörs
Berufungsrecht - Keine willkürliche Anwendung von § 522 Abs. 2 ZPO
AG Erkelenz, 10.10.2003 - 15 C 413/02
LG Mönchengladbach, 21.07.2004 - 2 S 221/03
NJW 2007, 428 (Ls.)
NJW-RR 2006, 1654
b) Das Bundesverfassungsgericht ist bislang nicht mit der Frage befasst gewesen, ob nach Terminierung noch eine Berufungszurückweisung nach § 522 Abs. 2 ZPO zulässig ist (vgl. Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 1. August 2006 - 2 BvR 1701/04 -, juris Rn. 11).
Entgegen der Ansicht der Nebenintervenientin ergibt sich aus dem von ihr zitierten Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 18.07.2011 nichts anderes, vielmehr ist daraus ersichtlich, dass der Übergang von der Terminierung durch Aufhebung des Termins und nachfolgender Berufungszurückweisung nach § 522 Abs. 2 ZPO einen Verfahrenswechsel darstellt (BVerfG, Beschluss vom 18.07.2011, Az. 2 BvR 1701/04, juris, Tz. 11).
OLG Celle, 06.05.2009 - 9 U 162/08
Berufung: Zurückweisungsbeschluss nach erfolgter Terminsbestimmung
Dass der Senatsvorsitzende die Sache bereits terminiert hatte, steht dem Verfahren nach § 522 Abs. 2 ZPO nach zutreffender Auffassung nicht entgegen, vgl. Düsseldorf, NJW 2005, 833 f., Thomas/Putzo, ZPO, 29. Aufl., Rn. 16 zu § 522. Aus der von der Klägerin zitierten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (NJW-RR 2006, 1654 f.) und des Bundesgerichtshofs (NJW 2007, 2644 f.) ergibt sich nichts Gegenteiliges, solange wie hier durch den Senatsbeschluss vom 26. März 2009 geschehen der Berufungsführer unter erneuter Einräumung einer Stellungnahmefrist auf die beabsichtigte Änderung der Verfahrensweise hingewiesen wird.