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Timestamp: 2020-02-27 21:25:23
Document Index: 268283824

Matched Legal Cases: ['§ 34', '§ 3', '§ 3', '§ 34', '§ 6', '§ 6', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 16']

Betriebsveräußerung/Betriebsaufgabe/Betriebsverpachtung / 13 Besteuerung des Veräußerungsgewinns | Finance Office Professional | Finance | Haufe
Betriebsveräußerung/Betriebsaufgabe/Betriebsverpachtung / 13 Besteuerung des Veräußerungsgewinns
13.1 Tarifvergünstigungen
Bei Betriebsveräußerungen, Betriebsaufgaben und den ihnen gleichgestellten Vorgängen werden aus vielen Wirtschaftsjahren zusammengeballte stille Reserven aufgedeckt. Gewinne aus diesen Vorgängen gehören zu den sogenannten außerordentlichen Einkünften, deren Besteuerung begünstigt ist (§ 34 EStG).
Ausgenommen sind die steuerpflichtigen Teile der Veräußerungsgewinne, die nach § 3 Nr. 40 Buchst. b in Verbindung mit § 3c Abs. 2 EStG teilweise steuerbefreit sind. Es werden also nur solche Gewinne ermäßigt besteuert, die voll der Besteuerung unterliegen.
Es besteht die ermäßigte Besteuerung nach
der Fünftel-Regelung (s. Rz. 173 ff.) oder
unter bestimmten Voraussetzungen mit einem ermäßigten Steuersatz (s. Rz. 182).
13.2 Fünftel-Regelung
Für die außerordentlichen Einkünfte wird ohne besonderen Antrag der Steuertarif nach § 34 Abs. 1 EStG geglättet. Sind in den außerordentlichen Einkünften Veräußerungs- oder Aufgabegewinne enthalten und wurden hierauf ganz oder teilweise § 6b oder § 6c EStG angewendet, werden diese Gewinne von der Tarifglättung ausgenommen (§ 34 Abs. 1 Satz 4 EStG).
Die Tarifglättung wird nach § 34 Abs. 1 EStG erreicht, indem zunächst die Einkommensteuer für das zu versteuernde Einkommen ohne außerordentliche Einkünfte berechnet wird (im Berechnungsschema Steuerbetrag A). Dann wird die Einkommensteuer für das zu versteuernde Einkommen ohne außerordentliche Einkünfte zuzüglich einem Fünftel der außerordentlichen Einkünfte ermittelt (im Berechnungsschema Steuerbetrag B). Die Differenz zwischen Steuerbetrag B und Steuerbetrag A ist zu verfünffachen (im Berechnungsschema Steuerbetrag C) und dem Steuerbetrag A hinzuzurechnen. Das Ergebnis ist die festzusetzende Einkommensteuer (im Berechnungsschema Steuerbetrag D).
A verbleibendes zu versteuerndes Einkommen
B Summe
./. Steuer A
C x 5 = Steuer für die außerordentlichen Einkünfte
+ Steuer C
D = Festzusetzende Einkommensteuer
Das zu versteuernde Einkommen im Veranlagungszeitraum 01 beträgt 118.000 EUR. Hierin ist ein Veräußerungsgewinn in Höhe von 80.000 EUR enthalten. Unternehmer U ist allein stehend.
zu versteuerndes Einkommen 118.000
./. außerordentliche Einkünfte 80.000
A verbleibendes zu versteuerndes Einkommen 38.000 9.018
Verbleibendes zu versteuerndes Einkommen 38.000
+ 1/5 der außerordentlichen Einkünfte 16.000
B Summe 54.000 15.923
Steuer B 15.923
./. Steuer A 9.018
= Differenz 6.905
C x 5 = Steuer für die außerordentlichen Einkünfte 34.525
Steuer A 9.018
+ Steuer C 34.525
D = festzusetzende Einkommensteuer 43.543
Zu versteuerndes Einkommen 118.000 EUR
Steuer 46.692 EUR
Steuer nach Tarifglättung 43.543 EUR
Ersparnis 3.149 EUR
Ist das laufende zu versteuernde Einkommen niedriger als die außerordentlichen Einkünfte, dann ist das zu versteuernde Einkommen zwar positiv, das verbleibende zu versteuernde Einkommen ist aber negativ. In diesem Fall wird die Einkommensteuer wie folgt berechnet (§ 34 Abs. 1 Satz 3 EStG):
A (1) zu versteuerndes Einkommen
(2) außerordentliche Einkünfte
= verbleibendes zu versteuerndes Einkommen negativ
B zu versteuerndes Einkommen
C Steuerbetrag von B
x 5 = Einkommensteuer
Für den Veranlagungszeitraum 01 beträgt das zu versteuernde Einkommen 85.000 EUR. Hierin sind 100.000 EUR außerordentliche Einkünfte enthalten.
A (1) zu versteuerndes Einkommen 85.000
(2) > (1) 100.000
= verbleibendes zu versteuerndes Einkommen negativ – 15.000
B zu versteuerndes Einkommen 85.000
x 1/5 17.000 1.878
x 5 = Einkommensteuer 9.390
Nach dem Normaltarif hätte die Steuer betragen:
Zu versteuerndes Einkommen 85.000 EUR
Einkommensteuer 30.822 EUR
Steuer nach Tarifglättung 9.390 EUR
weniger 21.432 EUR
Die Berechnungen nach der Fünftelregelung nimmt das Finanzamt von Amts wegen programmgesteuert vor.
13.3 Freibetrag
Hat der Unternehmer das 55. Lebensjahr vollendet oder ist er im sozialversicherungsrechtlichen Sinne dauernd berufsunfähig, so wird der Veräußerungs- oder Aufgabegewinn zur Einkommensteuer nur herangezogen, soweit er einen bestimmten Freibetrag übersteigt. Der Freibetrag ermäßigt sich um den Betrag, um den der Veräußerungsgewinn eine bestimmte Betragsgrenze übersteigt (§ 16 Abs. 4 EStG).