Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=24.01.2012&Aktenzeichen=10%20S%203175/11
Timestamp: 2019-07-17 09:51:32
Document Index: 168254443

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 11', '§ 3', '§ 11', '§ 46', '§ 11', '§ 11', '§ 80', '§ 11', '§ 11', '§ 80', '§ 80']

VGH Baden-Württemberg, 24.01.2012 - 10 S 3175/11 - dejure.org
https://dejure.org/2012,1151
VGH Baden-Württemberg, 24.01.2012 - 10 S 3175/11 (https://dejure.org/2012,1151)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 24.01.2012 - 10 S 3175/11 (https://dejure.org/2012,1151)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 24. Januar 2012 - 10 S 3175/11 (https://dejure.org/2012,1151)
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Entziehung der Fahrerlaubnis; Vorlage des Gutachtens; fahrerlaubnisfreie Fahrzeuge
§ 13 Abs 1 S 2c FeV, § 11 Abs 8 S 1 FeV, § 3 Abs 1 FeV
VG Freiburg, 09.11.2011 - 4 K 2015/11
NJW 2012, 3321
DVBl 2012, 382
Die Frist nach § 11 Abs. 6 Satz 2 FeV dient daher nicht dazu, dem Fahrerlaubnisinhaber die Möglichkeit einzuräumen, den erforderlichen Abstinenznachweis zu führen, bevor die Fahrerlaubnisbehörde Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ergreifen kann (vgl. hierzu Senatsbeschlüsse vom 24.01.2012 - 10 S 3175/11 - NJW 2012, 3321; sowie vom 24.11.2011 - 10 S 2405/11 -).
Eine Kausalität im Sinne von § 46 LVwVfG wird vor dem Hintergrund, dass § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV der Behörde im Rahmen der Frage, ob aus der Nichtvorlage des Gutachtens auf die Fahrungeeignetheit des Betroffenen geschlossen werden kann, kein Ermessen einräumt (vgl. hierzu Senatsbeschluss vom 24.01.2012 - 10 S 3175/11 - NJW 2012, 3321), nie vorliegen.
Daher musste die Behörde nach § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV von fehlender Fahreignung ausgehen; ihr ist insoweit kein Ermessen eingeräumt (vgl. Senatsbeschluss vom 24.01.2012 - 10 S 3175/12 - DAR 2012, 164).
§ 80 Abs. 3 Nr. 1 VwGO verlangt nur, dass die Behörde die aus ihrer Sicht bestehenden Gründe für die Anordnung der sofortigen Vollziehung benennt und damit zugleich dokumentiert, dass sie sich der Notwendigkeit eines - wenn auch im Wesentlichen mit dem Interesse am Grundverwaltungsakt identischen - besonderen eilbedürftigen Vollzugsinteresses bewusst gewesen ist (VGH BW, B.v. 24.01.2012 - 10 S 3175/11 - NJW 2012, 3321).
Andernfalls würden die sich während des Zeitraums ergebenden Risiken und Nachteile einseitig der Allgemeinheit zugemutet (vgl. VGH BW, B.v. 24.01.2012 - 10 S 3175/11 - NJW 2012, 3321; ThürOVG, B.v. 19.09.2011 - 2 EO 487/11 - ThürVBl. 2012, 39).
Vielmehr ist zu klären, ob die Fahreignung infolge der Trunkenheitsfahrt verlorengegangen ist und zurzeit fehlt, so dass auch zukünftig mit Trunkenheitsfahrten zu rechnen ist (vgl. VGH BW, B.v. 24.01.2012 - 10 S 3175/11 - NJW 2012, 3321).
Denn wenn kein Gutachten beigebracht wird, das auch dazu dient, zu klären, ob Anknüpfungspunkte bestehen, dass eine Beschränkung oder Anordnung von Auflagen ausreichend sein könnte, bleibt der Fahrerlaubnisbehörde schlichtweg keine andere Möglichkeit, als zum Ausschluss der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer und der Aufrechterhaltung der Sicherheit des Straßenverkehrs das Führen von fahrerlaubnisfreien Fahrzeugen ohne Einschränkung zu untersagen (BayVGH, B.v. 08.02.2010 - 11 C 09.2200 - DAR 2010, 483; OVG RhPf, U.v. 17.08.2012 - 10 A 10284/12 - NJW 2012, 3388; ThürOVG, B.v. 09.05.2012 - 2 SO 596/11 - DAR 2012, 721; VGH BW, B.v. 24.01.2012 - 10 S 3175/11 - NJW 2012, 3321).
Bei der genannten Bestimmung handelt es sich nicht um eine Ermessensvorschrift, sondern um eine Befugnisnorm, so dass insoweit eine gebundene Entscheidung der Behörde vorliegt (vgl. VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 24. Januar 2012 - 10 S 3175/11 -, NJW 2012, 3321; OVG Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 16. April 2010 - 10 B 10426/10.OVG -).
Nicht hingegen dient die Fristsetzung dazu, dem Betroffenen die Wiederherstellung seiner Kraftfahreignung zu ermöglichen (vgl. OVG Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 21. Juli 2010 - 10 B 10508/09.OVG -, juris; VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 24. Januar 2012 - 10 S 3175/11 -, NJW 2012, 3321).
Keinesfalls hat sich die Dauer der Frist danach zu richten, wie lange der Betroffene zur Sicherstellung einer positiven Begutachtung benötigt (VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 24. Januar 2012 - 10 S 3175/11 -, NJW 2012, 3321).
Bei der Vorschrift des § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV handelt es sich nicht um eine Ermessensvorschrift, sondern um eine Befugnisnorm, so dass insoweit eine gebundene Entscheidung der Behörde vorliegt (vgl. VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 24. Januar 2012 - 10 S 3175/11 -, NJW 2012, 3321; OVG Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 16. April 2010 - 10 B 10426/10.OVG -).
OVG, Beschluss vom 19. September 2011 - 2 EO 487/11 -, Blutalkohol 49 (2012), 171 = VRS 122 (2012), 297 = juris, Rn. 13 f.; VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 24. Januar 2012 - 10 S 3175/11 -, NJW 2012, 3321 = Blutalkohol 49 (2012), 174 = VRS 122 (2012), 312 = DAR 2012, 164 = juris, Rn. 17 bis 19.
Die Frist des § 11 Abs. 6 Satz 2 FeV dient nicht dazu, dem Fahrerlaubnisinhaber die Möglichkeit einzuräumen, erst den Nachweis über einen hinreichend langen Abstinenzzeitraum zu führen, bevor die Fahrerlaubnisbehörde die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ergreifen kann (vgl. zum Ganzen Senatsbeschlüsse vom 24.01.2012 - 10 S 3175/11 - NJW 2012, 3321; und vom 24.11.2011 - 10 S 2405/11 -).
Nach der ständigen Rechtsprechung der Kammer und des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs reicht es bei einer Fahrerlaubnisentziehung aus, die für den Fall typische Interessenlage aufzuzeigen; die Darlegung besonderer zusätzlicher Gründe für die Erforderlichkeit der sofortigen Vollziehung ist nicht geboten (…vgl. BayVGH a.a.O., insbesondere vom 10.10.2011 Az. 11 CS 11.1963 und vom 11.5.2011 Az. 11 CS 10.68; weiter z.B. vom 24.8.2010 Az. 11 CS 10.1139, vom 19.7.2010 Az. 11 CS 10.540, vom 25.5.2010 Az. 11 CS 10.227 und vom 25.3.2010 Az. 11 CS 09.2580; VGH Baden-Württemberg vom 24.1.2012 Az. 10 S 3175/11).
Die zusätzlich zur Entziehung der Fahrerlaubnis erfolgte Untersagung des Führens von Fahrrädern und Mofas begegnet auch hinsichtlich der sofortigen Vollziehung keinen Bedenken, da eine alkoholisierte Verkehrsteilnahme mit solchen Fahrzeugen ebenfalls zu einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer führen kann (vgl. z.B. BayVGH vom 10.10.2011 Az. 11 CS 11.1963, vom 11.5.2010 Az. 11 CS 10.68, vom 8.2.2010 Az. 11 C 09.2200 in ZfSch 2010, 296, vom 22.10.2009 Az. II ZB 09.832, vom 1.9.2008 Az. 11 CS 08.1188 und vom 27.3.2008 Az. II ZB 07.2654; OVG Lüneburg vom 2.2.2012 Az. 12 ME 274/11, vom 26.10.2011 in DAR 2011, 716 und vom 1.4.2008 in NJW 2008, 2059; VGH Baden-Württemberg vom 24.1.2012 Az. 10 S 3175/11; OVG Hamburg vom 20.6.2005 in VRS 2005, 210).
Dem Begründungserfordernis nach § 80 Abs. 3 Satz 1 VwGO ist in solchen Fällen daher Genüge getan, wenn die Begründung der Vollziehungsanordnung auf die Gründe des zu vollziehenden Verwaltungsakt Bezug nimmt, aus der die besondere Dringlichkeit der Vollziehung im Sinne des § 80 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 VwGO hinreichend deutlich hervorgeht und im Übrigen die von der Behörde getroffene Interessenabwägung klar erkennbar wird (vgl. VGH Baden-Württemberg, NJW 2012, 3321).
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