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Timestamp: 2018-12-18 13:16:27
Document Index: 256886694

Matched Legal Cases: ['Art. 170', '§ 18', '§ 59', 'Art. 170', 'Art. 170', '§ 18', '§ 59', '§ 18', '§ 18', '§ 59', '§ 59', 'Art. 170', 'Art. 171', 'Art. 28', 'Art. 7', '§ 18', 'Art. 194', 'Art. 171', 'Art. 138', 'Art. 146', '§ 15', '§ 18', '§ 59', '§ 18', '§ 87', 'Art. 15', '§ 110', 'EuG', 'Art. 17', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 9', 'Art. 6', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 10', '§ 61', '§ 61', '§ 18', 'EuG', '§ 1', '§ 4', '§ 13', '§ 16', '§ 18', '§ 25', '§ 3', '§ 18', '§ 3', '§ 18', '§ 3', '§ 18', '§ 3', '§ 59', '§ 13', '§ 59', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 18', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 4', '§ 3', '§ 25', '§ 15', '§ 15', '§ 59', '§ 18', '§ 18', '§ 1', '§ 25', '§ 25', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 14', '§ 6', '§ 6', '§ 14', '§ 60', '§ 59', 'Art. 7', '§ 5', '§ 61', '§ 61', '§ 61', 'Art. 8', '§ 18', '§ 61', '§ 61', '§ 110', 'EuG', '§ 61', 'Art. 8', 'Art. 8', '§ 61', '§ 61', '§ 61', '§ 61', '§ 61', '§ 61', '§ 61', 'Art. 13', '§ 18', '§ 61', 'Art. 10', '§ 61', '§ 61', '§ 61', '§ 61', 'Art. 20', '§ 61', '§ 61', 'Art. 6', '§ 18', '§ 122', '§ 87', '§ 61', '§ 18', '§ 61', 'Art. 26', 'Art. 21', '§ 61', '§ 61', 'Art. 21', '§ 233', '§ 238', '§ 239', '§ 18', '§ 18', '§ 3', '§ 3', '§ 59', '§ 61', '§ 74', '§ 61', 'EuG', 'Art. 3', '§ 61', '§ 61', '§ 61', '§ 18', '§ 61', '§ 61', '§ 18', '§ 233', '§ 233', '§ 233', '§ 238', '§ 18', '§ 13', '§ 14', '§ 1', '§ 14', '§ 14', '§ 13', '§ 18', '§ 18', '§ 59', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 14', '§ 18', '§ 59', '§ 18', '§ 59', '§ 59', '§ 60', '§ 61', '§ 61', '§ 61', '§ 61', '§ 61', '§ 61', '§ 61', '§ 61', '§ 61', 'EuG', '§ 61', '§ 61', '§ 18', '§ 18', '§ 18', 'Art. 19', '§ 61', '§ 61', '§ 233', '§ 233', '§ 61']

Vorsteuervergütungsverfahren - Lexikon des Steuerrechts - smartsteuer
Vorsteuervergütungsverfahren – Lexikon des Steuerrechts
2 Gemeinschaftsrechtliche Bestimmungen
2.1 Erstattung an im Gemeinschaftsgebiet ansässige Unternehmer
2.2 Erstattung an nicht im Gemeinschaftsgebiet ansässige Steuerpflichtige
2.3 Nicht erstattungsfähige Vorsteuer
3 Allgemeiner Überblick über die nationale Regelung ab 1.1.2010
4 Vorsteuervergütungsverfahren für im Inland ansässige Unternehmer
4.1 Unternehmerbescheinigung für inländische Unternehmer für Vorsteuervergütungen aus einem Drittland
4.2 Vorsteuervergütungsverfahren in einem anderen Mitgliedstaat für im Inland ansässige Unternehmer
4.2.1 Antragstellung
4.2.2 Antragsfrist
4.2.3 Mindesterstattungsbetrag
4.2.4 Pflichtangaben
4.2.5 Ermittlung des Erstattungsvolumens
4.2.5.1 Grundvoraussetzung für eine Erstattung
4.2.5.2 Pro-Rata-Satz im Ansässigkeitsstaat
4.2.6 Dokumentenvorlage
4.2.7 Zulässigkeitsprüfung durch das BZSt
4.2.8 Übermittlung des Erstattungsantrages
4.2.9 Empfangsbestätigung durch das BZSt
4.2.10 Bestätigung des Antragseingangs im Erstattungsstaat
4.2.11 Mitteilung des Ergebnisses
5 Vorsteuervergütungsverfahren für im Ausland ansässige Unternehmer
5.1.1 Vergütungsberechtigte Unternehmer und Vorsteuerbeträge
5.1.2 Ausländischer Unternehmer
5.1.3 Die Anwendung des Vergütungsverfahrens bei Organgesellschaften
5.1.3.1 Organträger im Inland
5.1.3.2 Organträger im Ausland
5.1.4 Zulässige Umsätze des ausländischen Unternehmers im Vergütungszeitraum
5.1.5 Nicht unter das Vergütungsverfahren fallende Vorsteuerbeträge
5.1.6 Vergütungszeitraum und Mindestbeträge
5.1.6.1 Vergütungszeitraum
5.1.6.2 Mindestvergütungsbeträge
5.2 Im übrigen Gemeinschaftsgebiet ansässige Unternehmer
5.2.1 Allgemeine Grundsätze
5.2.2 Antragstellung
5.2.3 Antragsfrist
5.2.4 Selbstberechnung und Dokumentenvorlage
5.2.5 Mindestbeträge
5.2.6 Anwendung eines Pro-rata-Satzes
5.2.7 Bestätigung des Antragseingangs und Erstattungsauskunft
5.2.8 Bescheiderteilung und Erstattung
5.2.9 Ablehnung bzw. teilweise Ablehnung des Erstattungsantrags und Rechtsbehelfsverfahren
5.2.10 Verzinsung
5.3 Im Drittlandsgebiet ansässige Unternehmer
5.3.1 Allgemeine Grundsätze
5.3.2 Gegenseitigkeit
5.3.3 Besonderheiten bei Bezug von Kraftstoff
5.3.4 Antragstellung
5.3.5 Antragsfrist
5.3.6 Selbstberechnung und Dokumentenvorlage
5.3.7 Mindestbeträge
5.3.8 Nachweis der Unternehmereigenschaft
5.3.9 Verzinsung
6 Vorsteuervergütungsverfahren und allgemeines Besteuerungsverfahren
7 Zusammenfassende Übersicht
Für die Anwendung des Vorsteuervergütungsverfahrens sind folgende Fallgestaltungen zu unterscheiden:
Drittlandsunternehmer mit Vorsteuerbeträgen im übrigen Gemeinschaftsgebiet.
Rechtsnormen: Art. 170 i.V.m. 171 Abs. 2 MwStSystRL i.V.m. Richtlinie 86/560/EWG (ABl. EG Nr. L 326, 40).
S. u. Gliederungspunkt »Erstattung an nicht im Gemeinschaftsgebiet ansässige Steuerpflichtige«.
Drittlandsunternehmer mit Vorsteuerbeträgen im Inland.
Rechtsnormen: § 18 Abs. 9 UStG i.V.m. §§ 59, 60, 61a UStDV; Abschn. 18.14 UStAE.
S. u. Gliederungspunkt »Vorsteuervergütungsverfahren für im Ausland ansässige Unternehmer«.
Drittlandsunternehmer mit Vorsteuerbeträgen in einem anderen Drittstaat.
Rechtsnormen: Maßgeblich sind die Rechtsnormen des Erstattungs-Drittstaates.
Unternehmer im übrigen Gemeinschaftsgebiet mit Vorsteuerbeträgen in einem Drittstaat.
Unternehmer im übrigen Gemeinschaftsgebiet mit Vorsteuerbeträgen im übrigen Gemeinschaftsgebiet, nicht aber im Ansässigkeitsstaat.
Rechtsnormen: Art. 170 i.V.m. 171 Abs. 1 MwStSystRL i.V.m. Richtlinie 2008/9/EG (ABl. EU Nr. L 44, 23).
S. u. Gliederungspunkt »Erstattung an im Gemeinschaftsgebiet ansässige Steuerpflichtige«.
Unternehmer im übrigen Gemeinschaftsgebiet mit Vorsteuerbeträgen im Inland.
Rechtsnormen: Art. 170 i.V.m. 171 Abs. 1 MwStSystRL i.V.m. Richtlinie 2008/9/EG (ABl. EU Nr. L 44, 23), § 18 Abs. 9 UStG i.V.m. §§ 59 bis 61 UStDV; Abschn. 18.13.UStAE.
Inländische Unternehmer mit Vorsteuerbeträgen im Drittstaat.
S. u. Gliederungspunkt »Unternehmerbescheinigung für inländische Unternehmer für Vorsteuervergütungen aus einem Drittland«.
Inländische Unternehmer mit Vorsteuerbeträgen im übrigen Gemeinschaftsgebiet.
Rechtsnormen: § 18g UStG sowie die jeweiligen Rechtsnormen des Erstattungs-Mitgliedstaates.
S. u. Gliederungspunkt »Vorsteuervergütungsverfahren in einem anderen Mitgliedstaat für im Inland ansässige Unternehmer«.
Das Vorsteuervergütungsverfahren i.S.d. § 18 Abs. 9 UStG i.V.m. §§ 59 ff. UStDV
setzt voraus, dass der im Ausland ansässige Unternehmer in einem Vergütungszeitraum im Inland entweder keine Umsätze oder nur die Umsätze ausgeführt hat, die in § 59 UStDV genannt sind (s.a. OFD Magdeburg vom 30.1.2012, S 7359 – 30 – St 242, ohne Fundstelle).
2.1. Erstattung an im Gemeinschaftsgebiet ansässige Unternehmer
Die Richtlinie 2008/9/EG vom 12.2.2008 (ABl. EU Nr. L 44, 23) regelt die Einzelheiten der Erstattung der Mehrwertsteuer gem. Art. 170 i.V.m. Art. 171 Abs. 1 MwStSystRL an nicht im Mitgliedstaat der Erstattung, sondern im Gebiet eines anderen Mitgliedstaats ansässige Unternehmer. Die RL 2008/9/EG gilt für Erstattungsanträge, die nach dem 31.12.2009 gestellt werden (Art. 28 RL 2008/9/EG).
Die Antragsteller können ihre Erstattungsanträge nur elektronisch einreichen (Art. 7 RL 2008/9/EG). Der Antrag ist in dem Staat, in dem der Antragsteller ansässig ist, elektronisch zu stellen. So kann z.B. ein deutscher Unternehmer, dem im europäischen Ausland Vorsteuerbeträge entstanden sind, seinen Erstattungsantrag beim BZSt einreichen (s.a. § 18g UStG).
2.2. Erstattung an nicht im Gemeinschaftsgebiet ansässige Steuerpflichtige
Stpfl., die in dem Mitgliedstaat, in dem sie Gegenstände und Dienstleistungen erwerben oder mit der Mehrwertsteuer belastete Gegenstände einführen, ausschließlich Lieferungen von Gegenständen und Dienstleistungen bewirken, für die gem. den Art. 194 bis 197 und 199 MwStSystRL der Empfänger der Umsätze als Steuerschuldner bestimmt worden ist (→ Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers), gelten bei Anwendung der Richtlinie 86/560/EWG nach Art. 171 Abs. 2 MwStSystRL als nicht in der Gemeinschaft ansässige Stpfl.
2.3. Nicht erstattungsfähige Vorsteuer
nach den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats der Erstattung fälschlich in Rechnung gestellte Mehrwertsteuerbeträge (→ Unrichtiger und unberechtigter Steuerausweis);
in Rechnung gestellte Mehrwertsteuerbeträge für Lieferungen von Gegenständen, die gem. Art. 138 MwStSystRL von der Steuer befreit werden können (→ Innergemeinschaftliche Lieferung) oder
in Rechnung gestellte Mehrwertsteuerbeträge für Lieferungen von Gegenständen, die gem. Art. 146 Abs. 1 Buchst. b von der Steuer befreit sind oder befreit werden können (→ Ausfuhrlieferung).
Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 UStG ist grundsätzlich jeder Unternehmer zum → Vorsteuerabzug berechtigt, auch wenn er in der Bundesrepublik keinen Sitz oder Betriebsstätte hat und dort auch keine Leistungen ausführt. Gem. § 18 Abs. 9 UStG i.V.m. den §§ 59 bis 61a UStDV erfolgt die Vergütung der Vorsteuerbeträge an im Ausland ansässige Unternehmer unter bestimmten Voraussetzungen abweichend vom normalen Besteuerungsverfahren. Zur Vereinfachung des Besteuerungsverfahrens muss ein ausländischer Unternehmer keine USt-Voranmeldungen abgeben, sondern erhält seine Vorsteuern in einem besonderen Vergütungsverfahren.
Die Vergütung von Vorsteuerbeträgen setzt zunächst voraus, dass dem Unternehmer abziehbare Vorsteuerbeträge (→ Vorsteuerabzug) berechnet worden sind (BFH Urteil vom 10.4.2003, V R 35/01, BStBl II 2003, 782).
Zur Erstattung von Vorsteuern durch zentrale Erstattungsbehörden im Gemeinschaftsgebiet und im Drittland s. OFD Frankfurt vom 5.9.2013 (S 7359 A – 37 – St 113, ohne Fundstelle).
4.1. Unternehmerbescheinigung für inländische Unternehmer für Vorsteuervergütungen aus einem Drittland
Drittstaaten, mit denen eine Gegenseitigkeit besteht (s.u. sowie BMF vom 17.10.2014, BStBl I 2014, 1369), erstatten inländischen Unternehmern unter bestimmten Voraussetzung die dort gezahlte USt. Das BZSt ist in das Erstattungsverfahren nicht eingebunden. Die Anträge auf Erstattung der USt sind direkt bei der ausländischen Erstattungsbehörde zu stellen. Jede ausländische Behörde stellt dafür einen eigenen Antragsvordruck in ihrer Landessprache zur Verfügung. Einige Staaten bestehen auf die Verwendung der Vordrucke in ihrer Landessprache. Die jeweils gültigen Anschriften der zentralen Erstattungsbehörden können im Internet unter www.bzst.de in der Rubrik »Umsatzsteuervergütung« abgerufen werden (s.a. OFD Niedersachsen vom 14.7.2010, S 7359 – 1 – St 183, LEXinform 5232824).
Hinsichtlich des Musters USt 1 TN wird auf das BMF-Schreiben vom 2.6.2017 (BStBl I 2017, 850) hingewiesen. S.a. Abschn. 18.14 Abs. 7 UStAE. Das Vordruckmuster beinhaltet Hinweise zur bestimmungsgemäßen Verwendung. Danach verliert die Bescheinigung ein Jahr nach Ausstellungsdatum ihre Gültigkeit. Ferner dient die Bescheinigung ausschließlich zum Nachweis der Eintragung als Stpfl. (Unternehmer) zur Vorlage im Verfahren zur Erstattung der USt in anderen Staaten. Aus diesem Grunde bescheinigt die zuständige deutsche Finanzbehörde lediglich, dass der Antragsteller im Inland ansässig und unter einer Steuernummer eingetragen ist. Der Vordruck USt 1 TN darf daher weder als Nachweis über die Eintragung als Stpfl. bei dringlichem Antrag auf Erteilung einer USt-IdNr., wenn der Antragsteller umsatzsteuerlich noch nicht erfasst ist, noch zur Bescheinigung der Unternehmereigenschaft für andere Zwecke verwendet werden (s. OFD Frankfurt vom 5.9.2013, S 7359 A – 37 – St 113, Tz. 3.3, ohne Fundstelle).
Ein im Inland ansässiger Unternehmer, der Anträge auf Vergütung von Vorsteuerbeträgen entsprechend der Richtlinie 2008/9/EG in einem anderen Mitgliedstaat stellen kann, hat diesen Antrag nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung dem BZSt für Steuern zu übermitteln. In diesem hat er die Steuer für den Vergütungszeitraum selbst zu berechnen (§ 18g UStG; Abschn. 18.16 Abs. 3 UStAE).
Bei der elektronischen Übermittlung von Daten an Finanzbehörden sind die §§ 87a Abs. 6 und 87b bis 87d AO zu beachten.
Beantragt der Unternehmer die Vergütung für mehrere Mitgliedstaaten, ist für jeden Mitgliedstaat ein gesonderter Antrag zu stellen (Abschn. 18g.1 Abs. 1 UStAE).
Der Vergütungsantrag ist bis zum 30.9. des auf das Jahr der Ausstellung der Rechnung folgenden Kalenderjahres zu stellen (Art. 15 der RL 2008/9/EG). Für die Einhaltung der Frist nach Satz 1 genügt der rechtzeitige Eingang des Vergütungsantrags beim BZSt (Abschn. 18g.1 Abs. 3 Satz 1 und 2 UStAE). Es handelt sich hierbei um eine Ausschlussfrist (BFH Urteil vom 23.10.2003, V R 48/01, BStBl II 2004, 196), bei deren Versäumung unter den Voraussetzungen des § 110 AO Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gewährt werden kann (Abschn. 18.13 Abs. 3 UStAE). Mit Urteil vom 21.6.2012 (C-294/11, BStBl II 2012, 942) wurde vom EuGH die Ausschlussfrist bestätigt (s.a. Anmerkung des Vereins für Internationale Steuern und Finanzen, München, vom 21.6.2012, LEXinform 0401820; s.a. Pressemitteilung des FG Köln vom 25.6.2012, LEXinform 0438093 sowie Anmerkung vom 26.7.2012, LEXinform 0941873).
Der Vergütungsbetrag muss mindestens 50 € betragen oder einem entsprechend in Landeswährung umgerechneten Betrag entsprechen. Der Unternehmer kann auch einen Antrag für einen Zeitraum von mindestens drei Monaten stellen, wenn der Vergütungsbetrag mindestens 400 € beträgt oder einem entsprechend in Landeswährung umgerechneten Betrag entspricht (Art. 17 der RL 2008/9/EG; Abschn. 18g.1 Abs. 3 Satz 3 und 4 UStAE).
Der Unternehmer hat in dem Vergütungsantrag Folgendes anzugeben (Art. 8 Abs. 1 Buchst. a bis g der RL 2008/9/EG; Abschn. 18g.1 Abs. 4 UStAE):
Neben diesen Angaben sind in dem Vergütungsantrag für jeden Mitgliedstaat der Erstattung und für jede Rechnung oder jedes Einfuhrdokument folgende Angaben zu machen (Art. 8 Abs. 2 Buchst. a bis h der RL 2008/9/EG; Abschn. 18g.1 Abs. 5 UStAE):
Art der erworbenen Gegenstände und Dienstleistungen aufgeschlüsselt nach Kennziffern (Art. 9 der RL 2008/)/EG):
Sonstiges. Hierbei ist die Art der gelieferten Gegenstände bzw. erbrachten Dienstleistungen anzugeben.
Vorsteuerbeträge, die ausländische Unternehmer in Deutschland geltend machen können, können nach dem Recht anderer Mitgliedstaaten vom Vergütungsverfahren ausgeschlossen sein. Das liegt daran, dass die meisten Mitgliedstaaten weitergehende Vorsteuerausschlüsse kennen, insbesondere im Bereich der Repräsentationsaufwendungen, der Reisekosten und vergleichbarer Aufwendungen oder bei Pkw-Kosten, die das deutsche Umsatzsteuerrecht in dieser Form nicht kennt.
4.2.5. Ermittlung des Erstattungsvolumens
4.2.5.1. Grundvoraussetzung für eine Erstattung
Voraussetzung für eine Erstattung im Mitgliedstaat der Erstattung ist, dass der nicht im Mitgliedstaat der Erstattung ansässige Steuerpflichtige Umsätze bewirkt, die in dem Mitgliedstaat, in dem er ansässig ist, ein Recht auf Vorsteuerabzug begründen (Art. 6 Unterabs. 1 der RL 2008/9/EG). Dabei richtet sich der Anspruch auf Vorsteuererstattung nach den Vorschriften des Erstattungsstaates (Art. 5 der RL 2008/9/EG).
4.2.5.2. Pro-Rata-Satz im Ansässigkeitsstaat
Bewirkt ein nicht im Mitgliedstaat der Erstattung ansässiger Steuerpflichtiger im Mitgliedstaat, in dem er ansässig ist, sowohl Umsätze, für die ein Recht auf Vorsteuerabzug besteht, als auch Umsätze, für die dieses Recht in diesem Mitgliedstaat nicht besteht, darf durch den Mitgliedstaat der Erstattung aus dem nach Art. 5 der RL 2008/9/EG erstattungsfähigen Betrag nur der Teil der Mehrwertsteuer erstattet werden, der mit den im Ansässigkeitsstaat getätigten Abzugsumsätzen im Zusammenhang steht.
Unternehmer U tätigt im Inland
60 % steuerpflichtige Leistungen (Abzugs-
umsätze) und
Davon wären im Erstattungsstaat 50 % der
Leistungen steuerfrei.
40 % steuerfreie Umsätze (Ausschluss-
umsätze).
Die Umsätze wären auch im Erstattungsstaat steuerfrei.
Kurzfristige Pkw-Miete für unternehmerische Tätigkeiten.
Im Erstattungsstaat ist der Vorsteuerabzug für Pkw-Kosten auf 50 % begrenzt.
Der Erstattungsstaat muss zunächst feststellen, wie hoch der Pro-Rata-Satz des Vorsteuerabzugs im Ansässigkeitsstaat ist. Im Beispielsfall wären 60 % der Vorsteuerbeträge im Ansässigkeitsstaat abzugsfähig, wenn sie dort angefallen wären. Maßgeblich für den Vorsteuerabzug sind aber die materiellen Vorschriften, die im Erstattungsstaat gelten. Wenn die Umsätze im Erstattungsstaat getätigt worden wären, wären nach dem dortigen Pro-Rata-Satz lediglich 30 % der Vorsteuerbeträge abzugsfähig. Dieser Pro-Rata-Satz stellt das Höchstmaß der anteiligen Vorsteuererstattung im Erstattungsstaat dar.
Der Erstattungsstaat muss allerdings noch ermitteln, welche Ausgaben in welcher Höhe im Erstattungsstaat zum Vorsteuerabzug berechtigen. Da der Vorsteuerabzug auf die Pkw-Kosten im Erstattungsstaat auf 50 % begrenzt ist, können lediglich 30 % von 50 %, somit nur 15 % der in Rechnung gestellten Vorsteuern im Erstattungsstaat vergütet werden.
Auf der Homepage des BZSt gelangt man zu einer PDF-Datei, die Informationen zum Vorsteuerabzug in anderen EU-Mitgliedstaaten aus dem Internetportal der Europäischen Kommission zusammenstellt (www.bzst.de/DE/Steuern unter – Startseite – Steuern International – Vorsteuervergütung – Inländische Unternehmen – Hilfsmittel – Vorsteuerabzug in anderen EU-Ländern).
4.2.6. Dokumentenvorlage
Beträgt die Bemessungsgrundlage in der Rechnung oder dem Einfuhrdokument mindestens 1 000 € (bei Rechnungen über Kraftstoffe mindestens 250 €), hat der Unternehmer – elektronische – Kopien der Rechnungen oder der Einfuhrdokumente dem Vergütungsantrag beizufügen, wenn der Mitgliedstaat der Erstattung dies vorsieht. Die Dateianhänge zu dem Vergütungsantrag dürfen aus technischen Gründen die Größe von 5 MB nicht überschreiten (Art. 10 der RL 2008/9/EG; Abschn. 18g.1 Abs. 6 UStAE).
4.2.7. Zulässigkeitsprüfung durch das BZSt
Die dem BZSt elektronisch übermittelten Anträge werden vom BZSt als für das Vorsteuer-Vergütungsverfahren zuständige Behörde auf ihre Zulässigkeit vorgeprüft (Abschn. 18g.1 Abs. 9 UStAE). Dabei hat das BZSt ausschließlich festzustellen, ob
4.2.8. Übermittlung des Erstattungsantrages
Die Weiterleitung an den Mitgliedstaat der Erstattung hat innerhalb von 15 Tagen nach Eingang des Antrags zu erfolgen (Abschn. 18g.1 Abs. 11 UStAE).
4.2.9. Empfangsbestätigung durch das BZSt
Das BZSt hat dem Antragsteller eine elektronische Empfangsbestätigung über den Eingang des Antrags zu übermitteln (Abschn. 18g.1 Abs. 12 UStAE).
4.2.10. Bestätigung des Antragseingangs im Erstattungsstaat
4.2.11. Mitteilung des Ergebnisses
Beim Vergütungsverfahren ist zu unterscheiden, ob der Unternehmer im Gemeinschaftsgebiet (§ 61 UStDV) oder in einem Drittstaat (§ 61a UStDV) ansässig ist. Einem Unternehmer, der nicht im Gemeinschaftsgebiet ansässig ist, wird die Vorsteuer nur vergütet, wenn in dem Land, in dem der Unternehmer seinen Sitz hat, keine USt oder ähnliche Steuer erhoben oder im Fall der Erhebung im Inland ansässigen Unternehmern vergütet wird (Gegenseitigkeit i.S.d. § 18 Abs. 9 Satz 4 UStG; Abschn. 18.11 Abs. 4 UStAE). Hinsichtlich der Verzeichnisse der Drittstaaten (s.u.), zu denen Gegenseitigkeit gegeben oder nicht gegeben ist, wird auf das BMF-Schreiben vom 17.10.2014 (BStBl I 2014, 1369) sowie auf ggf. spätere hierzu im BStBl I veröffentlichte BMF-Schreiben hingewiesen (Abschn. 18.11 Abs. 4 Satz 3 UStAE).
Liegen Leistungserbringung im Inland an den Unternehmer und Vergütungszeitraum in unterschiedlichen Besteuerungszeiträumen, bestehen keine Bedenken, das Vorsteuervergütungsverfahren anzuwenden, wenn der Unternehmer im Vergütungszeitraum nicht im Inland ansässig ist. Ein Unternehmer ist bereits dann im Inland ansässig, wenn er eine → Betriebsstätte hat und von dieser Umsätze ausführt. Mit Urteil vom 25.10.2012 (C-318/11, C-319/11, UR 2012, 931, LEXinform 5212203) stellt der EuGH fest, dass eine feste Niederlassung, von der aus Umsätze bewirkt wurden, erst dann vorliegt, wenn sie tatsächlich steuerbare Umsätze ausführt; die bloße Möglichkeit, steuerbare Umsätze auszuführen, reicht nicht aus (s.a. BFH Urteil vom 5.6.2014, V R 50/13, BStBl II 2014, 813 und Abschn. 18.10 Abs. 1 Satz 2 UStAE). Nach dem Urteil des FG Köln vom 14.3.2017 (2 K 920/14, LEXinform 5020441) stellen Windräder eine Betriebsstätte dar.
Unternehmer, die ein im Inland gelegenes Grundstück besitzen und vermieten oder beabsichtigen zu vermieten, sind ebenfalls als im Inland ansässig zu behandeln (Abschn. 18.10 Abs. 1 Satz 4 UStAE).
Das Unternehmen des Organträgers (→ Organschaft) umfasst:
im Inland keine Umsätze i.S.d. § 1 Abs. 1 Nr. 1 und 5 UStG oder nur steuerfreie Umsätze i.S.d. § 4 Nr. 3 UStG (grenzüberschreitende Beförderungsleistungen) ausgeführt hat,
nur Umsätze ausgeführt hat, für die der Leistungsempfänger die Steuer schuldet (§ 13b UStG, → Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers) oder die der Beförderungseinzelbesteuerung (§ 16 Abs. 5 und § 18 Abs. 5 UStG) unterlegen haben,
im Inland nur innergemeinschaftliche Erwerbe (→ Innergemeinschaftlicher Erwerb) und daran anschließende Lieferungen i.S.d. § 25b Abs. 2 UStG ausgeführt hat oder
im Inland als Steuerschuldner nur Umsätze i.S.d. § 3a Abs. 5 UStG erbracht hat und von dem Wahlrecht nach § 18 Abs. 4c UStG Gebrauch gemacht hat oder diese Umsätze in einem anderen Mitgliedstaat erklärt sowie die darauf entfallende Steuer entrichtet hat oder
im Inland als Steuerschuldner nur Umsätze i.S.d. § 3a Abs. 5 UStG erbracht hat und von dem Wahlrecht nach § 18 Abs. 4e UStG Gebrauch gemacht hat.
Zu den Umsätzen i.S.d. § 3a Abs. 5 UStG und zu den Wahlrechten nach § 18 Abs. 4c und 4e UStG s. → Voranmeldung unter dem Gliederungspunkt »Besteuerungsverfahren für nicht im Gemeinschaftsgebiet ansässige Unternehmer, die ausschließlich sonstige Leistungen nach § 3a Abs. 5 UStG erbringen« (Mini-one-stop-shop).
Das Vergütungsverfahren ist nach § 59 Satz 1 Nr. 2 UStDV zwar auch anzuwenden, wenn der Unternehmer im Inland Umsätze ausgeführt hat, für welche die Leistungsempfänger Steuerschuldner nach § 13b Abs. 5 UStG sind. Das Vergütungsverfahrens ist jedoch ausgeschlossen, wenn der Stpfl. entgegen § 59 Satz 1 Nr. 2 UStDV nicht nur Umsätze erbringt, für die die Leistungsempfänger Steuerschuldner nach § 13b Abs. 5 UStG sind, sondern der Stpfl. darüber hinaus auch Leistungen bezieht, für die er selbst Steuerschuldner nach dieser Vorschrift ist (s.a. BFH Urteil vom 14.4.2011, V R 14/10, BStBl II 2011, 834). Mit Urteil vom 7.3.2013 (V R 12/12, BFH/NV 2013, 1133, LEXinform 0929173) hat der BFH seine Rspr. im Urteil vom 14.4.2011 (V R 14/10, BStBl II 2011, 834) bestätigt. Ist der im Ausland ansässige Unternehmer Steuerschuldner nach § 13b UStG, erfolgt die Vergütung von Vorsteuerbeträgen im Regelbesteuerungs- und nicht im Vergütungsverfahren (s.a. Anmerkung vom 4.7.2013, LEXinform 0943954). Eine Vorsteuervergütung ist ausgeschlossen, wenn der Unternehmer ohnehin verpflichtet ist, eine Umsatzsteuererklärung im Inland abzugeben. Wegen der Steuerschuld aus den Eingangsleistungen nach § 13b UStG bestand hier die Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung nach § 18 Abs. 4a UStG. Daher muss die Klägerin alle Vorsteuern im Regelbesteuerungsverfahren abziehen. Zwischen Regelbesteuerungs- und Vorsteuervergütungsverfahren besteht kein Wahlrecht. Außerdem schließen die Verfahren sich gegenseitig aus. Sie sind nicht parallel anwendbar.
S.a. Beispiel 9.
Bei B liegt ein innergemeinschaftlicher Erwerb vor (§ 1a Abs. 1 Nr. 1 bis 3 UStG). Die Warenbewegung wird der ersten Lieferung zugeordnet. Nach § 3d Satz 1 UStG befindet sich der Ort des innergemeinschaftlichen Erwerbs in Deutschland, da dort die Beförderung endet. Der Erwerb ist gem. § 1 Abs. 1 Nr. 5 UStG steuerbar und mangels Befreiung nach § 4b UStG stpfl. in Deutschland.
Ort dieser bewegungslosen Lieferung ist gem. § 3 Abs. 7 Nr. 2 UStG in Ludwigshafen. Die Lieferung ist steuerbar und stpfl. Da die Voraussetzungen des § 25b Abs. 1 und 2 UStG erfüllt sind, wird die Steuer für die Lieferung an den letzten Abnehmer L von diesem geschuldet (→ Innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft). Der innergemeinschaftliche Erwerb des ersten Abnehmers B gilt als besteuert. Da B somit keine USt-Voranmeldungen abzugeben hat, unterliegen die eventuell anfallenden Vorsteuerbeträge dem Vorsteuervergütungsverfahren.
Nicht vergütet werden Vorsteuerbeträge, die mit Umsätzen im Ausland in Zusammenhang stehen, die – wenn im Inland ausgeführt – den Vorsteuerabzug ausschließen würden (Abschn. 18.11 Abs. 3 UStAE). Es handelt sich somit um Ausschlussumsätze i.S.d. § 15 Abs. 2 Nr. 2 UStG (Abschn. 15.14 UStAE; → Vorsteuerabzug).
Nach § 15 Abs. 1 Nr. 3 UStG ist die Erwerbsteuer (→ Innergemeinschaftlicher Erwerb) als Vorsteuer abzugsfähig. Diese Vorsteuerbeträge sind nicht im Vergütungs- sondern im Voranmeldungsverfahren geltend zu machen. Das Vorsteuervergütungsverfahren ist gem. § 59 Abs. 1 UStDV lediglich abweichend von § 18 Abs. 1 bis 4 UStG durchzuführen. Das Vergütungsverfahren ersetzt also nicht das Voranmeldungsverfahren nach § 18 Abs. 4a UStG, nach dem Unternehmer Voranmeldungen abzugeben haben, die ausschließlich Steuer für Umsätze nach § 1 Abs. 1 Nr. 5 UStG – Erwerbsteuer – zu entrichten haben.
Reiseveranstalter sind nicht berechtigt, die ihnen für Reisevorleistungen gesondert in Rechnung gestellten Steuerbeträge als Vorsteuer abzuziehen (§ 25 Abs. 4 UStG; → Reiseleistungen nach § 25 UStG). Insoweit entfällt deshalb auch das Vorsteuervergütungsverfahren (Abschn. 18.11 Abs. 2 UStAE).
Zur Nichtanwendung des Vorsteuervergütungsverfahrens bei Ausfuhrlieferungen und innergemeinschaftlichen Lieferungen äußert sich das BMF mit Schreiben vom 16.2.2016 (BStBl I 2016, 239). Nach § 6 Abs. 4 Satz 1 bzw. § 6a Abs. 3 Satz 1 UStG muss der liefernde Unternehmer die Voraussetzungen für das Vorliegen einer Ausfuhrlieferung i.S.v. § 6 Abs. 1 UStG bzw. innergemeinschaftlichen Lieferung i.S.v. § 6a Abs. 1 und 2 UStG nachweisen. Kann der Unternehmer den beleg- und buchmäßigen Nachweis nicht, nicht vollständig oder nicht zeitnah führen, ist grundsätzlich davon auszugehen, dass die Voraussetzungen der Steuerbefreiung einer Ausfuhrlieferung bzw. innergemeinschaftlichen Lieferung nicht erfüllt sind. Etwas anderes gilt ausnahmsweise dann, wenn feststeht, dass die Voraussetzungen des § 6 Abs. 1 bis 3a UStG bzw. § 6a Abs. 1 und 2 UStG vorliegen. Wird in diesen Fällen in der Rechnung USt gesondert ausgewiesen, handelt es sich um einen unrichtigen Steuerausweis nach § 14c Abs. 1 UStG.
Nach den Ausführungen im BMF-Schreiben vom 16.2.2016 (BStBl I 2016, 239) werden Vorsteuerbeträge nicht vergütet, die in Rechnungen über Ausfuhrlieferungen oder innergemeinschaftliche Lieferungen gesondert ausgewiesen werden, wenn feststeht, dass die Voraussetzungen des § 6 Abs. 1 bis 3a UStG bzw. § 6a Abs. 1 und 2 UStG vorliegen. In diesen Fällen handelt es sich für die Beurteilung des Vergütungsanspruchs im Vorsteuervergütungsverfahren um eine unrichtig ausgewiesene Steuer nach § 14c Abs. 1 UStG, die vom Leistungsempfänger nicht als Vorsteuer abgezogen (vgl. Abschn. 14c.1 Abs. 1 Satz 5 Nr. 3 und Satz 6 sowie Abschn. 15.2 Abs. 1 Sätze 1 und 2 UStAE) und die demnach im Vorsteuervergütungsverfahren nicht vergütet werden kann. Die umsatzsteuerrechtliche Beurteilung der Lieferung des leistenden Unternehmers bleibt unberührt (s.a. Abschn. 18.11. Abs. 1a UStAE). Zur umsatzsteuerrechtlichen Beurteilung der Lieferung des leistenden Unternehmers s.u. die Erläuterungen zum BFH-Urteil vom 28.8.2013 (XI R 5/11, BStBl II 2014, 497) sowie dem dazu ergangenen zum BMF-Schreiben vom 21.5.2014 (BStBl I 2014, 863) unter dem Gliederungspunkt »Vorsteuervergütungsverfahren und allgemeines Besteuerungsverfahren«.
Sachverhalt wie in Beispiel 3. Abweichend hiervon ist U Schuldner der EUSt.
Vergütungszeitraum ist nach Wahl des Unternehmers ein Zeitraum von mindestens drei Monaten bis zu höchstens einem Kj. (§ 60 UStDV). Es müssen nicht in jedem Kalendermonat Vorsteuerbeträge angefallen sein. Der Vergütungszeitraum kann weniger als drei Monate umfassen, wenn es sich um den restlichen Zeitraum des Kj. handelt. Für den restlichen Zeitraum eines Kj. können die Monate November und Dezember oder es kann auch nur der Monat Dezember Vergütungszeitraum sein. In den Antrag für den jeweiligen Vergütungszeitraum können auch abziehbare Vorsteuerbeträge aufgenommen werden, die in vorangegangene Vergütungszeiträume des betreffenden Kj. fallen (Abschn. 18.12 Abs. 2 UStAE i.d.F. des BMF-Schreibens vom 22.9.2017, BStBl I 2017, 1299).
Hat der Unternehmer einen Vergütungsantrag für das Kj. oder für den letzten Zeitraum des Kj. gestellt, kann er für das betreffende Jahr einmalig einen weiteren Vergütungsantrag stellen, in welchem ausschließlich abziehbare Vorsteuerbeträge aufgenommen werden dürfen, die in den Vergütungsanträgen für die gewählten Zeiträume nicht enthalten sind. Der weitere Vergütungsantrag wird aus Vereinfachungsgründen stets als Antrag für das betreffende Kj. behandelt, soweit die Voraussetzungen nach § 59 UStDV erfüllt sind; dies gilt unabhängig davon, welchen Vergütungszeitraum der Unternehmer in dem Antrag gewählt hat (Abschn. 18.12 Abs. 2 i.d.F. des BMF-Schreibens vom 22.9.2017, BStBl I 2017, 1299).
Ein im übrigen Gemeinschaftsgebiet ansässiger Unternehmer, dem im Inland von einem Unternehmer für einen stpfl. Umsatz USt in Rechnung gestellt worden ist, kann über die zuständige Stelle in dem Mitgliedstaat, in dem der Unternehmer ansässig ist, bei der zuständigen Behörde im Inland einen Antrag auf Vergütung dieser Steuer stellen (Art. 7 der Richtlinie 2008/9/EG). Für die Vergütung der Vorsteuerbeträge im Vorsteuervergütungsverfahren ist ausschließlich das BZSt zuständig (§ 5 Abs. 1 Nr. 8 FVG; Abschn. 18.13 Abs. 1 UStAE).
Der im übrigen Gemeinschaftsgebiet ansässige Unternehmer hat den Vergütungsantrag nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung über das in dem Mitgliedstaat, in dem der Unternehmer ansässig ist, eingerichtete elektronische Portal dem BZSt zu übermitteln (§ 61 Abs. 1 Satz 1 UStDV). Eine unmittelbare Übermittlung des Vergütungsantrags von dem im übrigen Gemeinschaftsgebiet ansässigen Unternehmer an das BZSt ist nicht möglich. Eine schriftliche Bescheinigung des Mitgliedstaats, in dem der Unternehmer ansässig ist, zur Bestätigung der Unternehmereigenschaft ist durch im übrigen Gemeinschaftsgebiet ansässige Unternehmer nicht mehr beizufügen (Abschn. 18.13 Abs. 2 UStAE). Wegen der elektronischen Übermittlung ist eine Unterschrift des Unternehmers und Antragstellers nicht möglich.
Der Vergütungsantrag gilt nur dann als vorgelegt, wenn der Unternehmer alle Angaben i.S.v. Abschn. 18g.1 Abs. 4 und 5 Spiegelstriche 1 bis 8 UStAE gemacht und eine Beschreibung seiner Geschäftstätigkeit anhand harmonisierter Codes vorgenommen hat (vgl. § 61 Abs. 1 Satz 2 UStDV; Abschn. 18.13 Abs. 2 Satz 2 UStAE i.d.F. des BMF-Schreibens vom 22.9.2017, BStBl I 2017, 1299). In § 61 Abs. 1 Satz 2 UStDV übernimmt der Gesetzgeber mit der Bezugnahme auf den amtlich vorgeschriebenem Datensatz die formellen Voraussetzungen der Richtlinie 2008/9/EG in das nationale Recht.
Das FG Köln hat mit Urteil vom 14.9.2016 (2 K 195/14, EFG 2016, 2098, LEXinform 5019601, Revision eingelegt, Az. BFH: XI R 13/17, LEXinform 0951353) über die Frage zu entscheiden, ob eine fehlerhafte Angabe der Rechnungsnummer in der verpflichtenden Anlage des elektronischen Antragsformulars zur Unwirksamkeit des Vergütungsantrags hinsichtlich der betroffenen Rechnungsposition führt. Die in Österreich ansässige Kapitalgesellschaft (Klägerin) hatte in der Spalte »Beleg-Nr.« nicht die in der Rechnung aufgeführte Rechnungsnummer, sondern eine weitere, in den Rechnungen enthaltene Referenznummer »Zusamf. Ref.«) eingetragen.
Das FG Köln gelangt in seinem Urteil vom 14.9.2016 zu folgendem Ergebnis: Nach Art. 8 Abs. 2 Buchst. d der RL 2008/9/EG gehören auch »Datum und Nummer der Rechnung« zu den vorgeschriebenen Angaben (s.a. Abschn. 18g.1 Abs. 5 Spiegelstrich 4 UStAE). Unabhängig davon, ob der Gesetzgeber mit der Regelung des § 18 Abs. 9 UStG i.V.m. § 61 Abs. 1 UStDV die erforderlichen Angaben ausreichend bestimmt hat, genügt im vorliegenden Fall die Angabe der in den streitgegenständlichen Rechnungen ausgewiesenen Referenznummern den Anforderungen an eine formwirksame Antragstellung im Vorsteuervergütungsverfahren.
Die Vergütung ist binnen neun Monaten nach Ablauf des Kj., in dem der Vergütungsanspruch entstanden ist, zu beantragen (§ 61 Abs. 2 UStDV). Es handelt sich hierbei um eine Ausschlussfrist (BFH Urteil vom 23.10.2003, V R 48/01, BStBl II 2004, 196), bei deren Versäumung unter den Voraussetzungen des § 110 AO Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gewährt werden kann (Abschn. 18.13 Abs. 3 UStAE). Mit Urteil vom 21.6.2012 (C-294/11, BStBl II 2012, 942) wurde vom EuGH die Ausschlussfrist bestätigt (s.a. Anmerkung des Vereins für Internationale Steuern und Finanzen, München, vom 21.6.2012, LEXinform 0401820; s.a. Pressemitteilung des FG Köln vom 25.6.2012, LEXinform 0438093). Die Ausschlussfrist des § 61 Abs. 2 UStDV ist nur gewahrt, wenn der Erstattungsantrag die in Art. 8 der Richtlinie 2008/9/EG geforderten Pflichtangaben enthält (BFH Urteil vom 24.9.2015, V R 9/14, BStBl II 2015, 1067). Obwohl das Urteil zum Vergütungszeitraum 2007 ergangen ist und den amtlichen Vordruck »USt 1 T« betrifft, kann es m.E. auf die aktuelle Rechtslage übertragen werden. Das Antragsformular enthielt unter Ziffer 9a (»Der Unternehmer erklärt, a) dass die aufgeführten Gegenstände und sonstigen Leistungen für seine Zwecke als Unternehmer verwendet worden sind anlässlich …«) keine Eintragung. Auf die aktuelle Rechtslage bedeutet dies, dass der Unternehmer die in Art. 8 Abs. 1 Buchst. c der Richtlinie 2008/9/EG geforderte Pflichtangabe nicht erklärt hat (s.a. Anmerkung vom 17.11.2015, LEXinform 0947342).
Der Unternehmer hat die Vergütung selbst zu berechnen (§ 61 Abs. 2 Satz 2 UStDV). Dem Vergütungsantrag sind auf elektronischem Weg die Rechnungen und Einfuhrbelege in Kopie beizufügen, wenn das Entgelt für den Umsatz oder die Einfuhr mindestens 1 000 €, bei Rechnungen über den Bezug von Kraftstoffen mindestens 250 € beträgt (§ 61 Abs. 2 Satz 3 UStDV a.F.). Bei begründeten Zweifeln an dem Recht auf Vorsteuerabzug in der beantragten Höhe kann das BZSt verlangen, dass die Vorsteuerbeträge – unbeschadet der Frage der Rechnungshöhe – durch Vorlage von Rechnungen und Einfuhrbelegen im Original nachgewiesen werden (§ 61 Abs. 2 Satz 3 und 4 UStDV). Unterbleibt die erforderliche elektronische Übermittlung dieser Originalrechnungen und Originaleinfuhrbelege innerhalb der gesetzlich normierten Ausschlussfrist nach § 61 Abs. 2 Satz 1 UStDV, werden sie bei der Vergütung der USt nicht berücksichtigt (Pressemitteilung des BZSt vom 28.1.2013, LEXinform 0439123). Nach Auffassung von Monfort in UStB 9/2013, 275 verstößt diese Verwaltungsauffassung gegen Unionsrecht. Seiner Auffassung nach muss der Antrag als gestellt gelten, wenn außer der Vorlage der Belegkopien alle anderen geforderten Angaben innerhalb der Antragsfrist gemacht wurden.
Gemäß § 61 Abs. 2 Satz 3 UStDV in der ab 30.12.2014 maßgeblichen Fassung sind dem Vergütungsantrag auf elektronischem Wege die Rechnungen und Einzelbelege als eingescannte Originale beizufügen (VO zur Änderung steuerlicher Verordnungen und weiterer Vorschriften vom 22.12.2014, BGBl I 2014, 2392).
Zur Begründung der Änderung führte der Gesetzgeber folgendes aus: »§ 61 Abs. 2 Satz 3 UStDV regelt, dass unter bestimmten Voraussetzungen dem Vorsteuer-Vergütungsantrag Rechnungen und Einfuhrbelege in Kopie beizufügen sind. Da diese Belege zusammen mit dem Antrag auf Vorsteuervergütung auf elektronischem Weg zu übermitteln sind, ist eine Übermittlung als Kopie nicht möglich. Durch die Änderung wird klargestellt, dass mit dem Antrag die eingescannten Originalrechnungen und -einfuhrbelege zu übermitteln sind« (BR-Drs. 535/14).
Durch die Vierte Verordnung zur Änderung steuerlicher Verordnungen vom 12.7.2017 (BGBl I 2017, 2360) hat der Verordnungsgeber § 61 Abs. 2 Satz 3 UStDV erneut geändert: Die Rechnungen und Einfuhrbelege sind seither »als eingescannte Originale vollständig« beizufügen. Dadurch sollen nach der Verordnungsbegründung (BR-Drucks. 412/17, 26) im Hinblick auf die anders lautende Rechtsprechung des FG Köln (Urteil vom 9.11.2016, 2 K 1912/15, EFG 2017, 1697, LEXinform 5020562, Revision eingelegt, Az. BFH: XI R 22/17, LEXinform 0951508) die »bei Umsetzung der finanzgerichtlichen Rechtsprechung sonst entstehenden Schwierigkeiten bei der Bearbeitung der Anträge auf Vorsteuervergütung« vermieden werden. Die Neuregelung ist am 20.7.2017 in Kraft getreten (Art. 13 Abs. 1 der Vierten Verordnung zur Änderung steuerlicher Verordnungen).
Im Revisionsverfahren XI R 22/17 wird der BFH die Frage klären müssen, ob bei der Vergütung von Vorsteuern im besonderen Verfahren gem. § 18 Abs. 9 UStG i.V.m. § 61 Abs. 2 Satz 3 UStDV die fristgerechte Vorlage von Teilen einer Rechnung für eine wirksame Antragstellung ausreichend sein kann oder das vollständige Rechnungsdokument innerhalb der Antragsfrist vorzulegen ist.
Zu beachten ist, dass gem. Art. 10 der Richtlinie 2008/9/EG ein Mitgliedstaat vor Erstattung verlangen kann, dass der Antragsteller zusammen mit dem Erstattungsantrag auf elektronischem Wege eine »Kopie der Rechnung« oder des Einfuhrdokuments einreicht.
M.E ist § 61 Abs. 2 Satz 3 UStDV i.d.F. ab 30.12.2014 nicht europarechtskonform. Auch das FG Köln hat mit Urteil vom 20.1.2016 (2 K 2807/12, EFG 2016, 419, LEXinform 5018748, Revision eingelegt, Az. BFH: V R 54/16) entschieden, dass ein ausländischer Unternehmer selbst dann einen Anspruch auf Vergütung der von ihm gezahlten deutschen USt hat, wenn er im elektronischen Verfahren »nur« eine Rechnungskopie übermittelt (s.a. Pressemitteilung des FG Köln vom 16.2.2016, LEXinform 0444100). Mit Urteil vom 17.5.2017 (V R 54/16, BStBl II 2017, 925) hat der BFH die Rechtsausführungen des FG Köln bestätigt.
Das FG führt unter anderem aus: »Eine Kopie stellt ein Abbild eines Originaldokumentes dar. In diesem Fall bedeutet es aber keinen Unterschied, ob das Originaldokument verwendet wird, um es elektronisch an den Beklagten zu übertragen oder ob das Originaldokument zuvor kopiert wird und nur die Kopie Ausgangspunkt der elektronischen Übertragung ist. In beiden Fällen kann der Beklagte (das BZSt) weder das Originaldokument im Hinblick auf seine Authentizität prüfen noch hieran Markierungen anbringen. Damit kann er aber auch eine missbräuchliche Verwendung einer Originalrechnung in einem anderen Verfahren zu Vorsteuererstattungszwecken nicht wirksam verhindern. Ebenfalls ist durch das vom Beklagten (BZSt) geforderte Verfahren nicht sichergestellt, dass der Antragsteller zum Zeitpunkt der elektronischen Übersendung noch im Besitz der Originalrechnung ist, da er die Rechnung auch zeitlich vor dem Versenden bereits elektronisch erfassen und die Rechnung anschließend weitergeben kann. Vor diesem Hintergrund reicht es aus, wenn eine Kopie des Originaldokuments Ausgangspunkt der elektronischen Übersendung ist.«
Der BFH hat in seiner Urteilsbegründung ausgeführt, dass es für die elektronische Übermittlung von Rechnungen oder Belegen ausreichend ist, wenn es sich nicht um eine Kopie eines Originals, sondern einer Kopie handelt, da letztlich jede elektronische Kopie eine Kopie des Originals sei. Darüber hinaus habe das BZSt auch immer die Möglichkeit, die Vorlage der Rechnung im Original zu verlangen, falls es begründete Zweifel jedweder Art hat (s.a. Anmerkung vom 18.7.2017, LEXinform 0653222).
Steuerpflichtige sollten jedoch beachten, dass ab dem 20.7.2017 bei Entgelten oder Rechnungen oberhalb der Mindestschwellenwerte die Rechnungen und Einfuhrbelege als eingescannte Originale vollständig dem Vergütungsantrag beizufügen sind.
Der BFH stellt in seinem Urteil vom 30.8.2017 (XI R 24/16, BStBl II 2018, 151) fest, dass die Änderungen des § 61 Abs. 2 Satz 3 UStDV ab 30.12.2014 und ab dem 20.7.2017 nicht nur klarstellenden Charakter haben, sondern explizit verdeutlichen, dass mit dem Antrag auf Vorsteuervergütung auf elektronischem Weg eine Übermittlung als Kopie nicht möglich ist. Mit dem Antrag sind die eingescannten Originalrechnungen zu übermitteln.
Durch die elektronische Übertragungsform der Vergütungsanträge und ihrer Anlagen ist es allerdings, anders als zuvor bei papiermäßiger Antragstellung unter Übersendung von Originalen nicht mehr möglich, auf dem übermittelten Dokument Markierungen anzubringen, die eine wiederholte missbräuchliche Nutzung einer Rechnung zu Vergütungszwecken verhindern könnte.
Es kann naturgemäß mit einem Scan des Originals auch nicht geprüft werden, ob an dem Original der Rechnung nach dem Anfertigen des Scans Manipulationen vorgenommen wurden. Eine Prüfung des Originaldokuments auf seine Authentizität ist anhand eines Scans ebenso ausgeschlossen. Ob es sich bei dem elektronisch beigefügten Dokument um einen Scan des Originals oder um einen Scan einer Kopie, eines Doppels oder einer Zweitschrift handelt, ist auch insoweit ohne Bedeutung (vgl. BFH Urteil vom 17.5.2017, V R 54/16, BStBl II 2017, 925, Rz 13).
Dem Vergütungsantrag ist i.S.v. § 61 Abs. 2 Satz 3 UStDV a.F. in elektronischer Form die Rechnung »in Kopie« beigefügt, wenn das elektronisch übermittelte Dokument eine originalgetreue Reproduktion der Rechnung ist (s.a. BFH Urteile vom 30.8.2017, XI R 25/16, BFH/NV 2018, 66, LEXinform 0951248 und XI R 23/16, BFH/NV 2018, 352, LEXinform 0951246; Anmerkung vom 28.11.2017, LEXinform 0949218).
Dem BFH Urteil vom 30.8.2017 (XI R 24/16, BStBl II 2018, 151) ist m.E. zu entnehmen, dass dessen Grundsätze auch auf § 61 Abs. 2 Satz 3 UStG n.F. anzuwenden sind. Auch die Vorlage eines Scans einer Rechnungskopie ist möglich.
Im Übrigen bleibt es dem BZSt unbenommen, bei »begründeten Zweifeln am Bestehen einer bestimmten Forderung« i.S.d. Art. 20 Abs. 1 Satz 4 der Richtlinie 2008/9/EG gem. § 61 Abs. 2 Satz 4 UStDV, der ebenfalls richtlinienkonform auszulegen ist, vom Antragsteller die Vorlage des Originals der Rechnung zu verlangen, um zu prüfen, ob das eingescannte Dokument die Rechnung originalgetreu reproduziert. Zur Vorlage von Originalrechnungen nach § 61 Abs. 2 Satz 4 s.a. das Urteil des FG Köln vom 5.10.2017 (2 K 2259/14, EFG 2017, 1921, LEXinform 5020636, rkr.).
Einem Unternehmer, der im Gemeinschaftsgebiet ansässig ist und Umsätze ausführt, die zum Teil den Vorsteuerabzug ausschließen, wird die Vorsteuer höchstens in der Höhe vergütet, in der er in dem Mitgliedstaat, in dem er ansässig ist, bei Anwendung eines Pro-rata-Satzes zum Vorsteuerabzug berechtigt wäre (Abschn. 18.13 Abs. 6 UStAE; Art. 6 der RL 2008/9/EG; § 18 Abs. 9 Satz 3 UStG; s.o. unter dem Gliederungspunkt »Ermittlung des Erstattungsvolumens«).
Der Bescheid über die Vergütung von Vorsteuerbeträgen ist durch Bereitstellung zum Datenabruf nach § 122a i.V.m. § 87a Abs. 8 AO bekannt zu geben (§ 61 Abs. 4 Satz 1 UStDV). Hat der Empfänger des Bescheids der Bekanntgabe durch Bereitstellung zum Datenabruf nicht zugestimmt, ist der Bescheid in Papierform zu versenden (Abschn. 18.13 Abs. 8 UStAE i.d.F. des BMF-Schreibens vom 22.9.2017, BStBl I 2017, 1299).
Der nach § 18 Abs. 9 UStG zu vergütende Betrag ist zu verzinsen (§ 61 Abs. 5 UStDV; Art. 26 Abs. 1 der RL 2008/9/EG). Der Zinslauf beginnt grundsätzlich mit Ablauf von vier Monaten und zehn Werktagen nach Eingang des Vergütungsantrags beim BZSt. Übermittelt der Unternehmer Rechnungen oder Einfuhrbelege als eingescannte Originale nicht zusammen mit dem Vergütungsantrag, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt, beginnt der Zinslauf erst mit Ablauf von vier Monaten und zehn Tagen nach Eingang dieser eingescannten Originale beim BZSt.
Hat das BZSt zusätzliche oder weitere zusätzliche Informationen angefordert, beginnt der Zinslauf erst mit Ablauf von zehn Werktagen nach Ablauf der Fristen in Art. 21 der RL 2008/9/EG (6 bzw. 8 Monate; § 61 Abs. 5 Satz 4 UStDV). Die Regelung § 61 Abs. 5 Satz 4 UStDV, dass der Zinslauf erst mit Ablauf von zehn Werktagen nach Ablauf der Fristen in Art. 21 der RL 2008/9/EG beginnt, wenn das BZSt zusätzliche oder weitere zusätzliche Informationen angefordert hat, betrifft nur das Antragsverfahren, also den Zeitraum zwischen Einreichung des Vergütungsantrags und der Entscheidung des Erstattungsstaates durch Erlass eines Vergütungsbescheides, nicht aber die Anforderung zusätzlicher Informationen im Rahmen des Einspruchsverfahrens (FG Köln Urteil vom 7.12.2016, 2 K 2863/14, EFG 2017, 790, LEXinform 5020044, Revision eingelegt, Az. BFH: V R 7/17, LEXinform 095131).
Der Zinslauf endet mit erfolgter Zahlung des zu vergütenden Betrages. Die Zahlung gilt als erfolgt mit dem Tag der Fälligkeit, es sei denn, der Unternehmer weist nach, dass er den zu vergütenden Betrag später erhalten hat. Wird die Festsetzung oder Anmeldung der Steuervergütung geändert, ist eine bisherige Zinsfestsetzung zu ändern; § 233a Abs. 5 AO gilt entsprechend. Für die Höhe und Berechnung der Zinsen gilt § 238 AO. Auf die Festsetzung der Zinsen ist § 239 AO entsprechend anzuwenden.
Die Höhe der Zinsen verstößt weder gegen den allgemeinen Gleichheitssatz noch gegen das Übermaßverbot, wie der BFH mit Urteil vom 9.11.2017 (III R 10/16, BFH/NV 2018, 462, LEXinform 0950905) entschieden hat (im Urteilsfall für Verzinsungszeiträume des Jahres 2013). Der BFH hält den hierfür vorgesehenen Zinssatz von 0,5 % für jeden Monat (6 % pro Jahr) auch unter Berücksichtigung der Entwicklung des allgemeinen Zinsniveaus für verfassungsgemäß.
Nach dem Urteil des BFH ist die Zinshöhe nicht wegen eines Verstoßes gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz verfassungswidrig. Da mit den Nachzahlungszinsen potentielle Liquiditätsvorteile abgeschöpft werden sollen, hielt der BFH eine umfassende Betrachtung der Anlage- und Finanzierungsmöglichkeiten der Steuerpflichtigen für erforderlich. Auf der Grundlage von Daten der Deutschen Bundesbank untersuchte der BFH die Zinssätze für verschiedene kurz- und langfristige Einlagen und Kredite. Hierbei ergaben sich für 2013 Zinssätze, die sich in einer Bandbreite von 0,15 % bis 14,70 % bewegten. Obwohl der Leitzins der Europäischen Zentralbank bereits seit 2011 auf unter 1 % gefallen war, konnte somit nicht davon ausgegangen werden, dass der gesetzliche Zinssatz die Bandbreite realitätsnaher Referenzwerte verlassen hat (s.a. Pressemitteilung des BFH Nr. 11/2018 vom 27.2.2018, LEXinform 0447893 sowie Anmerkung vom 6.3.2018, LEXinform 0653378).
Einem Unternehmer, der nicht im Gemeinschaftsgebiet ansässig ist, wird die Vorsteuer nur vergütet, wenn in dem Land, in dem der Unternehmer seinen Sitz hat, keine Umsatzsteuer oder ähnliche Steuer erhoben oder im Fall der Erhebung im Inland ansässigen Unternehmern vergütet wird (sog. Gegenseitigkeit i.S.v. § 18 Abs. 9 Satz 4 UStG). Hinsichtlich der Verzeichnisse der Drittstaaten, zu denen Gegenseitigkeit gegeben oder nicht gegeben ist, wird auf das BMF-Schreiben vom 17.10.2014 (BStBl I 2014, 1369), sowie auf ggf. spätere hierzu im BStBl Teil I veröffentlichte BMF-Schreiben hingewiesen.
Von der Vergütung ausgeschlossen sind bei Unternehmern, die nicht im Gemeinschaftsgebiet ansässig sind, die Vorsteuerbeträge, die auf den Bezug von Kraftstoffen entfallen (§ 18 Abs. 9 Satz 5 UStG; s.a. FG Köln Urteil vom 13.9.2017, 2 K 590/16, EFG 2017, 1922, LEXinform 5020637, rkr.).
H erbringt Vermittlungsleistungen gegenüber seinem Auftraggeber B. Gem. § 3a Abs. 2 UStG ist Leistungsort jeweils in Frankreich (in der Schweiz). § 3a Abs. 3 Nr. 4 UStG ist nur bei Vermittlungsleistungen an Nichtunternehmer anzuwenden (→ Sonstige Leistung). Die Vermittlungsleistungen sind somit nicht steuerbar. Gem. § 59 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStDV muss H die Vorsteuern im Vergütungsverfahren geltend machen.
Für den Antrag auf Vergütung der Vorsteuerbeträge ist bis zum 30.6.2016 ein Vordruck nach amtlich vorgeschriebenem Muster zu verwenden. Der Unternehmer hat die Möglichkeit, den Vergütungsantrag dem BZSt – ggf. vorab – elektronisch zu übermitteln. Informationen zur elektronischen Übermittlung sind auf den Internetseiten des BZSt (www.bzst.de) abrufbar. Zur Zulassung abweichender Vordrucke für das Vorsteuervergütungsverfahren vgl. BMF-Schreiben vom 12.1.2007 (BStBl I 2007, 121). In jedem Fall muss der Vordruck in deutscher Sprache ausgefüllt werden. In dem Antragsvordruck sind die Vorsteuerbeträge, deren Vergütung beantragt wird, im Einzelnen aufzuführen (Einzelaufstellung).
Es ist nicht erforderlich, zu jedem Einzelbeleg darzulegen, zu welcher unternehmerischen Tätigkeit die erworbenen Gegenstände oder empfangenen sonstigen Leistungen verwendet worden sind. Pauschale Erklärungen reichen aus, z. B. grenzüberschreitende Güterbeförderungen im Monat Juni (Abschn. 18.14 Abs. 2a UStAE).
Für Vergütungsanträge, die ab dem 1.7.2016 gestellt werden, ist § 61a UStDV i.d.F. der VO zur Änderung steuerlicher Verordnungen und weiterer Vorschriften vom 22.12.2014 (BGBl I 2014, 2392) anzuwenden (§ 74a Abs. 4 UStDV). Danach hat der nicht im Gemeinschaftsgebiet ansässige Unternehmer den Vergütungsantrag nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung an das BZSt zu übermitteln. Auf Antrag kann das BZSt zur Vermeidung von unbilligen Härten auf eine elektronische Übermittlung verzichten. In diesem Fall hat der nicht im Gemeinschaftsgebiet ansässige Unternehmer die Vergütung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck beim BZSt zu beantragen und den Vergütungsantrag eigenhändig zu unterschreiben (Abschn. 18.14 Abs. 2 UStAE).
In dem Antrag sind die Vorsteuerbeträge, deren Vergütung beantragt wird, im Einzelnen aufzuführen (Einzelaufstellung). Es ist nicht erforderlich darzulegen, zu welcher konkreten unternehmerischen Tätigkeit die erworbenen Gegenstände oder empfangenen sonstigen Leistungen verwendet worden sind. Pauschale Erklärungen, die die Art der unternehmerischen Tätigkeit erkennen lassen, reichen aus (z.B. grenzüberschreitende Güterbeförderungen im Monat Juni; Abschn. 18.14 Abs. 2a UStAE i.d.F. des BMF-Schreibens vom 21.3.2017, BStBl I 2017, 482).
Der Vergütungsantrag nach amtlichem Vordruck ist vom Unternehmer eigenhändig zu unterschreiben (§ 61a Abs. 1 Satz 4 UStDV). Mit Urteil vom 3.12.2009 (C-433/08, DStR 2009, 2593, LEXinform 0589198) hat der EuGH entschieden, dass der Begriff »Unterschrift« ein gemeinschaftsrechtlicher Begriff ist, der einheitlich dahingehend auszulegen ist, dass ein Vergütungsantrag nicht zwingend vom Stpfl. selbst unterschrieben werden muss, sondern dass insoweit die Unterschrift eines Bevollmächtigten genügt (s.a. BFH Urteil vom 28.10.2010, V R 17/08, BFH/NV 2011, 658, LEXinform 0179126).
Durch die Rspr. nicht betroffen sind Vergütungsanträge von im Drittlandsgebiet ansässigen Unternehmern. Das Verfahren regelt Art. 3 der Richtlinie 86/560/EWG vom 17.11.1986. Danach bestimmen die Mitglied-staaten die jeweiligen Modalitäten. Trotz der o.g. Rspr. ist m.E. die in § 61a Abs. 1 Satz 4 UStDV geforderte eigenhändige Unterschrift weiterhin erforderlich (s.a. Prätzler u.a., UStB 2010, 341).
Das FG Köln hat mit Urteil vom 25.8.2015 (2 K 975/14, LEXinform 5018510, rkr) entschieden, dass es zur Beantragung einer Vorsteuervergütung erforderlich ist, dass der Unternehmer einen Vergütungsantrag binnen sechs Monaten nach Ablauf des Kj. stellt, in dem der Vergütungsanspruch entstanden ist. Nach § 61a Abs. 1 Satz 4 UStDV war der Antrag (amtlicher Vordruck) vom Unternehmer eigenhändig zu unterschreiben. Der streitige Antrag wurde zwar innerhalb der Frist eingereicht, allerdings ist er nicht fristwahrend, da er mangels eigenhändiger Unterschrift des Stpfl. nicht rechtswirksam ist. Der Antrag wurde nicht vom gesetzlichen Vertreter der Stpfl., sondern von einem sonstigen Bevollmächtigten unterschrieben. Dies genügt gemäß den geltenden gesetzlichen Anforderungen für Antragsteller aus Drittlandstaaten nicht.
Entgegen der Auffassung der Stpfl. verstößt das Erfordernis der eigenhändigen Unterschrift nicht gegen das unionsrechtliche Verhältnismäßigkeitsprinzip. Es ist zur Erreichung eines legitimen Zieles geeignet und geht nicht über das erforderliche Maß hinaus.
Die in den Aufstellungen zusammengefassten Bruttorechnungsbeträge sind aufzurechnen. Aus dem jeweiligen Endbetrag ist die darin enthaltene USt herauszurechnen und in die Einzelaufstellung zu übernehmen. Hierbei ist auf die gesonderte Aufstellung hinzuweisen.
Die Steuerbeträge sind aufzurechnen und in die Einzelaufstellung zu übernehmen. Hierbei ist auf die gesonderte Aufstellung hinzuweisen.
Die gesonderten Aufstellungen sind dem BZSt zusammen mit den Rechnungen und Einfuhrbelegen zu übersenden.
Der Unternehmer hat die Vergütung selbst zu berechnen. Dem Vergütungsantrag sind die Rechnungen und Einfuhrbelege im Original beizufügen (§ 61a Abs. 2 Satz 3 UStDV); sie können allenfalls bis zum Ende der Antragsfrist nachgereicht werden (vgl. BFH Urteil vom 18.1.2007, V R 23/05, BStBl II 2007, 430). Kann ein Unternehmer in Einzelfällen den erforderlichen Nachweis der Vorsteuerbeträge nicht durch Vorlage von Originalbelegen erbringen, sind Zweitschriften nur anzuerkennen, wenn der Unternehmer den Verlust der Originalbelege nicht zu vertreten hat, der dem Vergütungsantrag zu Grunde liegende Vorgang stattgefunden hat und keine Gefahr besteht, dass weitere Vergütungsanträge gestellt werden (vgl. BFH Urteil vom 20.8.1998, V R 55/96, BStBl II 1999, 324). Bei der Zweitausfertigung eines Ersatzbelegs für den Abzug der EUSt als Vorsteuer kommt es nicht darauf an, auf Grund welcher Umstände die Erstschrift des Ersatzbelegs nicht vorgelegt werden kann (vgl. BFH Urteil vom 19.11.1998, V R 102/96, BStBl II 1999, 255). Hinsichtlich der Anerkennung von Rechnungen und zollamtlichen Abgabenbescheiden, die auf elektronischem Weg übermittelt wurden, vgl. Abschn. 14.4 und 15.11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Satz 2 und 3 UStAE.
Nach dem BFH-Urteil vom 19.1.2014 (V R 39/13, BStBl II 2015, 352) ist bei Abhandenkommen einer Originalrechnung von einem im Drittland ansässigen Stpfl. vor Einreichung des Vergütungsantrags eine Zweitschrift der Rechnung innerhalb der Antragsfrist einzureichen. Einfache Fotokopien sind insoweit nicht ausreichend. Ein Verzicht auf die Vorlage der Originalrechnung kommt sowohl unter dem Gesichtspunkt des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes als auch unter dem des Diskriminierungsverbots nur in Betracht, wenn das Abhandenkommen der Rechnung oder des Einfuhrdokuments vom Stpfl. nicht zu vertreten ist. Das Unvermögen der Klägerin im Streitfall, die Originalrechnung innerhalb der Frist des § 18 Abs. 9 UStG vorzulegen, beruhte aber auf einem von ihr zu vertretenden Organisationsverschulden. Die Klägerin hatte es versäumt, ihre Belegverwaltung so zu organisieren, dass ihr ein jederzeitiger Zugriff auf Eingangsrechnungen möglich war (s.a. Anmerkung vom 12.2.2015, LEXinform 0946597).
Nach § 61a Abs. 4 UStDV muss der Unternehmer der zuständigen Finanzbehörde durch behördliche Bescheinigung des Staates, in dem er ansässig ist, nachweisen, dass er als Unternehmer unter einer Steuernummer eingetragen ist. Der Nachweis nach § 61a Abs. 4 UStDV ist nach dem Muster USt 1 TN zu führen und dem BZSt vorzulegen. Hinsichtlich dieses Musters wird auf das BMF-Schreiben vom 2.6.2017 (BStBl I 2017, 850), sowie auf ggf. spätere hierzu im BStBl Teil I veröffentlichte BMF-Schreiben hingewiesen. Die Bescheinigung muss zum einen den Vergütungszeitraum abdecken (vgl. BFH Urteil vom 18.1.2007, V R 22/05, BStBl II 2007, 426) und zum anderen die Aussage enthalten, dass der Antragsteller Unternehmer i.S.d. Umsatzsteuerrechts ist (Beschluss des FG Köln vom 11.2.2015, 2 V 3334/14, EFG 2015, 868, LEXinform 5017515, rkr.). Für Vergütungsanträge, die später als ein Jahr nach dem Ausstellungsdatum der Bescheinigung gestellt werden, ist eine neue Bescheinigung vorzulegen. Die Bindungswirkung der Unternehmerbescheinigung entfällt, wenn das BZSt bei Zweifeln an deren Richtigkeit auf Grund von Aufklärungsmaßnahmen (eigene Auskünfte des Unternehmers, Amtshilfe) Informationen erhält, aus denen hervorgeht, dass die in der Bescheinigung enthaltenen Angaben unrichtig sind (vgl. BFH Urteil vom 14.5.2008, XI R 58/06, BStBl II 2008, 831). S.a. Abschn. 18.14 Abs. 7 UStAE).
Der nach § 18 Abs. 9 UStG zu vergütende Betrag ist nach § 233a AO zu verzinsen (vgl. BFH Urteil vom 17.4.2008, V R 41/06, BStBl II 2009, 2 und AEAO zu § 233a AO Nr. 62). Zur Verfassungsmäßigkeit der Zinshöhe (§ 233a Abs. 1 i.V.m. § 238 Abs. 1 AO) s.o. das BFH Urteil vom 9.11.2017 (III R 10/16, BFH/NV 2018, 462, LEXinform 0950905).
Gegen die Verwaltungsregelung in Abschn. 18.15 Abs. 1 Satz 2 UStAE hat der BFH mit Urteil vom 28.8.2013 (XI R 5/11, BStBl II 2014, 497) entschieden, dass ein im Ausland ansässiger Unternehmer, der gem. § 18 Abs. 3 Satz 1 UStG eine Umsatzsteuererklärung für das Kj. abzugeben hat, berechtigt und verpflichtet ist, alle in diesem Kj. abziehbaren Vorsteuerbeträge in dieser Steuererklärung geltend zu machen (s.u. bereits BFH Urteil vom 14.4.2011, V R 14/10, BStBl II 2011, 834 sowie Anmerkung vom 25.8.2011, LEXinform 0940886; s.a. BFH Urteil vom 7.3.2013, V R 12/12, BFH/NV 2013, 1133, LEXinform 0929173).
Die Klägerin unterhält eine im Ausland ansässige Spedition und ist im internationalen Transportgeschäft tätig. Sie führte im Inland Transportdienstleistungen aus und erbrachte im Streitjahr nur Umsätze, für die gem. § 13b Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. Abs. 5 Satz 1 UStG die Leistungsempfänger die Steuer schuldeten. Die Leistungen wurden in der Weise abgerechnet, dass die Leistungsempfänger der Klägerin Gutschriften mit gesondertem Ausweis von USt erteilten. Infolgedessen war das ausländische Unternehmen gem. § 14c Abs. 1 UStG zum Schuldner der unberechtigt ausgewiesene USt geworden. Diesen Umstand zeigte das Unternehmen dem BZSt fristgerecht an. Daraufhin nahm das ausländische Unternehmen aufgrund eines falschen Zwischenbescheids des BZSt den Vorsteuer-Vergütungsantrag wieder zurück.
Das FA erfasste die USt aus den erklärten Umsätzen als von der Klägerin – nicht nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG, sondern – nach § 14c Abs. 1 UStG geschuldet. Es nahm an, die Klägerin habe dadurch, dass sie die Gutschriften mit gesondertem Steuerausweis widerspruchslos entgegengenommen habe, i.S.v. § 14c Abs. 1 UStG in Rechnungen für sonstige Leistungen eine höhere Steuer ausgewiesen, als sie nach dem UStG für die Umsätze schulde; denn Steuerschuldner seien die Leistungsempfänger gem. § 13b Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. Abs. 5 Satz 1 UStG gewesen. Die von der Klägerin geltend gemachten Vorsteuerbeträge könnten im allgemeinen Umsatzsteuer-Festsetzungsverfahren nach § 18 Abs. 3 UStG nicht berücksichtigt werden, weil insoweit ausschließlich das (besondere) Vorsteuer-Vergütungsverfahren nach § 18 Abs. 9 UStG eingreife. Denn die Klägerin habe i.S.v. § 59 Satz 1 Nr. 2 UStDV im Streitjahr nur Umsätze ausgeführt, für die gem. § 13b UStG die Leistungsempfänger die Steuer schuldeten.
Mit BMF-Schreiben vom 21.5.2014 (BStBl I 2014, 863) folgt die Finanzverwaltung nun dem BFH und erklärt die genannten Grundsätze unter folgenden Voraussetzungen für vergleichbare Fälle – entgegen Abschn. 18.15 Abs. 1 Satz 2 UStAE – für anwendbar:
Der im Ausland ansässige Unternehmer hat fristgerecht einen Antrag auf Vergütung der Vorsteuer beim BZSt gestellt.
Die weiteren Voraussetzungen für eine Erstattung im Vorsteuer-Vergütungsverfahren müssen für den Vergütungszeitraum erfüllt sein.
Aufgrund eines Irrtums ist keine Vergütung der Vorsteuer im Vorsteuer-Vergütungsverfahren erfolgt.
Eine Vergütung im Vorsteuer-Vergütungsverfahren ist nicht mehr möglich, weil der Antrag auf Vorsteuer-Vergütung nach Hinweis des BZSt zurückgenommen wurde und die Antragsfrist abgelaufen ist oder der Bescheid des BZSt über die Ablehnung der Vergütung formell bestandskräftig geworden ist.
Der im Ausland ansässige Unternehmer ist Steuerschuldner gem. § 13a Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. 14c Abs. 1 UStG und dies wurde dem FA im Rahmen einer Voranmeldung oder Umsatzsteuererklärung auch angezeigt (s.a. Anmerkung vom 27.5.2014, LEXinform 0652387).
In Fortsetzung seiner Rechtsprechung vom 28.8.2013 (XI R 5/11, BStBl II 2014, 497) hat der BFH mit Urteil vom 19.11.2014 (V R 41/13, BFH/NV 2015, 634, LEXinform 0934326) in Abweichung zur Verwaltungsregelung in Abschn. 18.15 Abs. 1 Satz 2 UStAE entschieden, dass die Vorsteuerbeträge im allgemeinen Besteuerungsverfahren geltend gemacht werden können, obwohl im Streitfall unklar war, ob der Stpfl. im Inland oder im Ausland ansässig war. Ist unklar, ob ein Unternehmer im In- oder Ausland ansässig ist, kann er Vorsteuerbeträge im allgemeinen Besteuerungsverfahren geltend machen, wenn er trotz möglicher Umkehr der Steuerschuldnerschaft nach § 13b UStG Rechnungen mit Umsatzsteuerausweis erstellt hat und er deshalb ohnehin verpflichtet ist, die nach § 14c Abs. 1 UStG geschuldete Umsatzsteuer im allgemeinen Besteuerungsverfahren zu erklären (s.a. Anmerkung vom 19.2.2015, LEXinform 0946622).
Die folgende Übersicht stellt Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Vorsteuervergütungsverfahrens für im übrigen Gemeinschaftsgebiet und im Drittlandsgebiet ansässige Unternehmer gegenüber.
Unternehmer im übrigen Gemeinschaftsgebiet
Unternehmer im Drittland
RL 2008/9/EU, § 18 Abs. 9 UStG, §§ 59, 60, 61 UStDV.
RL 86/560/EWG, § 18 Abs. 9 UStG, §§ 59, 60, 61a UStDV.
Zulässige Umsätze des ausländischen Unternehmers im Vergütungszeitraum
§ 59 Satz 1 Nr. 1 bis 4 UStDV (Abschn. 18.10 Abs. 2 UStAE).
Mindestens drei Monate bis höchstens ein Kj.
Der restliche Zeitraum am Ende des Kj. kann auch ein kürzerer Zeitraum sein, z.B.:
1. Vergütungszeitraum: Januar bis Mai
2. Vergütungszeitraum: Juni bis Oktober
3. Vergütungszeitraum: November bis Dezember.
In dem Antrag für diesen Zeitraum können auch abziehbare Vorsteuerbeträge aufgenommen werden, die in vorangegangene Vergütungszeiträume des betreffenden Kj. fallen (§ 60 UStDV; Abschn. 18.12 UStAE).
Mindestvergütungsbeträge
400 € (§ 61 Abs. 3 UStDV); Ausnahme: 50 €, wenn Vergütungszeitraum das Kj. oder der letzte Zeitraum des Kj. ist (Abschn. 18.13 Abs. 5 UStAE).
1 000 € (§ 61a Abs. 3 UStDV); Ausnahme: 500 €, wenn Vergütungszeitraum das Kj. oder der letzte Zeitraum des Kj. ist (Abschn. 18.14 Abs. 6 UStAE).
Zuständige Behörde im Inland
BZSt (§ 61 Abs. 1 UStDV; Abschn. 18.13 Abs. 2 UStAE).
BZSt (§ 61a Abs. 1 UStDV; Abschn. 18.14 Abs. 1 UStAE).
Ausschließlich durch Datenfernübertragung (§ 61 Abs. 1 UStDV; Abschn. 18.13 Abs. 2 UStAE).
Für Anträge bis 30.6.2016: Nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck oder nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung an das BZSt (§ 61a Abs. 1 UStDV; Abschn. 18.14 Abs. 2 UStAE).
Für Anträge ab 1.7.2016: Nach amtlich vorgeschriebenen Datensatz durch Datenfernübertragung an das BZSt, auf Antrag nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck.
Nicht möglich, da ausschließlich elektronische Übermittlung.
Der Vergütungsantrag ist vom Unternehmer eigenhändig zu unterschreiben (§ 61a Abs. 1 Satz 4 UStDV; Abschn. 18.14 Abs. 2 Satz 3 und 4 UStAE sowie BFH Urteil vom 8.8.2013, V R 3/11, BStBl II 2014, 46), wenn die Abgabe nach amtlich vorgeschriebenen Vordruck erfolgt.
Neun Monate nach Ablauf des Kj., in dem der Vergütungsanspruch entstanden ist (§ 61 Abs. 2 UStDV; Abschn. 18.13 Abs. 3 UStAE).
Sechs Monate nach Ablauf des Kj., in dem der Vergütungsanspruch entstanden ist (§ 61a Abs. 2 UStDV; Abschn. 18.14 Abs. 5 UStAE).
Es handelt sich um eine Ausschlussfrist (EuGH Urteil vom 21.6.2012, C-294/11, BStBl II 2012, 942).
Rechnungen und Einfuhrbelege sind in Kopie auf elektronischem Weg beizufügen, wenn
das Entgelt für den Umsatz oder die Einfuhr 1 000 €,
bei Rechnungen über den Bezug von Kraftstoff mindestens 250 €
beträgt (§ 61 Abs. 2 Satz 3 UStDV; Abschn. 18.13 Abs. 4 UStAE sowie Pressemitteilung des BZSt vom 28.1.2013, LEXinform 0439123).
Die Vorsteuerbeträge sind durch Vorlage von Rechnungen und Einfuhrbelegen im Original nachzuweisen (§ 61a Abs. 2 Satz 3 UStDV; Abschn. 18.14 Abs. 4 UStAE, BFH Urteil vom 19.11.2014, V R 39/13, BStBl II 2015, 352).
Vorsteuer für den Bezug von Kraftstoff
Vorsteuervergütung zulässig.
Von der Vorsteuervergütung ausgeschlossen (§ 18 Abs. 9 Satz 5 UStG; Abschn. 18.11 Abs. 5 UStAE).
Die Gegenseitigkeit ist immer gegeben und somit nicht zu prüfen.
Die Gegenseitigkeit muss erfüllt sein (§ 18 Abs. 9 Satz 4 UStG; Abschn. 18.14 Abs. 1 Satz 3 i.V.m. Abschn. 18.11 Abs. 4 UStAE).
Vorsteuervergütung nach dem Pro-rata-Satz der Umsätze im jeweiligen Mitgliedstaat (§ 18 Abs. 9 Satz 2 UStG; Abschn. 18.13 Abs. 6 UStAE).
Vergütung der Vorsteuer nach der Gegenseitigkeit, d.h. entweder voll oder gar nicht.
Erstattungsauskunft
Der Erstattungsmitgliedstaat teilt dem Antragsteller innerhalb von vier Monaten ab Eingang des Erstattungsantrags mit, ob er die Erstattung gewährt oder nicht (Art. 19 Abs. 2 der RL 2008/9/EG). Bei Anforderung zusätzlicher Informationen erfolgt die Mitteilung innerhalb von acht Monaten.
Keine entsprechende Regelung.
Erstattung der Vorsteuer
Nach vier bzw. acht Monaten und zehn Tagen nach Eingang aller erforderlichen Unterlagen (§ 61 Abs. 5 UStDV; Abschn. 18.13 Abs. 7 UStAE).
Nach Ablauf von vier bzw. acht Monaten und zehn Tagen nach Eingang des Vergütungsantrages beim BZSt (§ 61 Abs. 5 UStDV; Abschn. 18.13 Abs. 9 UStAE).
Es gelten die Grundsätze des § 233a AO. Der Zinslauf beginnt grundsätzlich 15 Monate nach Ablauf des Kj., für das die Vergütungen festgesetzt worden sind (AEAO Nr. 62 zu § 233a AO; Abschn. 18.14 Abs. 10 UStAE).
Kein gesonderter Unternehmernachweis erforderlich. Diese Überprüfung erfolgt im jeweiligen Mitgliedstaat (Abschn. 18.13 Abs. 2 UStAE).
Durch einen behördlichen Nachweis des Ansässigkeitsstaates (§ 61a Abs. 4 UStDV; Abschn. 18.14 Abs. 7 UStAE; BMF vom 2.6.2017, BStBl I 2017, 850).
Abb.: Übersicht zum Vorsteuervergütungsverfahren
von Streit, Vorsteuervergütungsverfahren (Teil I und II), UStB 2009, 64 und 94; Schneider, ABC-Führer Umsatzsteuer (Loseblatt); Huschens, Das Vorsteuer-Vergütungsverfahren ab 1.1.2010, NWB 2010, 1420; Claus u.a., Neues Vergütungsverfahren für Vorsteuerbeträge, UR 2010, 614; Prätzler, Digitale Rechnungen im Vorsteuervergütungsverfahren, UStB 9/2017, 275.