Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.06.2008&Aktenzeichen=1%20StR%20217%2F08
Timestamp: 2018-04-26 11:06:03
Document Index: 165527871

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 211', '§ 261', '§ 267', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 211', 'BGH', 'BGH']

BGH, 19.06.2008 - 1 StR 217/08 - dejure.org
§ 211 Abs. 2 StGB; § 261 StPO; § 267 StPO
Heimtückemord (Arglosigkeit und Wehrlosigkeit bei sich wandelndem Tatgeschehen und anfänglichem Körperverletzungsvorsatz); Anforderungen an die Überzeugungsbildung (Urteilsgründe; Beweiswürdigung)
Abstellen auf den Beginn des ersten mit Tötungsvorsatz geführten Angriffs bei einem heimtückisch begangenem Mord hinsichtlich der Arglosigkeit und Wehrlosigkeit des Tatopfers; Umschlagen des ursprünglichen Verletzungswillens in einen Tötungsvorsatz; Vorangehen eines lediglich mit Körperverletzungsvorsatz geführten Würgeangriffs vor dem ersten mit bedingtem Tötungsvorsatz geführten Angriff
Heimtücke bei Übergang vom Verletzungs- zum Tötungsvorsatz
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Beschluss des BGH v. 19.06.2008 - 1 StR 217/08 (Arglosigkeit des Tatopfers bei Heimtückemord)" von Prof. Dr. Ingeborg Puppe, original erschienen in: NStZ 2009, 208 - 209.
NStZ 2009, 208 (Ls.)
NStZ 2009, 29
NStZ-RR 2011, 227
NStZ-RR 2011, 231
Den Urteilsgründen kann nicht entnommen werden, dass der Nebenkläger auf die Angeklagte, die mit ihrem Vorgehen gerade ein Gespräch mit ihm erzwingen wollte, nicht hätte verbal einwirken und so den nicht gänzlich aussichtslosen Versuch unternehmen können, diese von ihrem Vorhaben abzubringen (s. BGH, Beschluss vom 19. Juni 2008 - 1 StR 217/08, NStZ 2009, 29, 30).
Einer entsprechenden Einlassung (keine Schwarzeinkäufe) muss das Tatgericht bei einem derartigen Hintergrund ohne weitere Anhaltspunkte für Richtigkeit dieser Darstellung im Hinblick auf die Wahl einer geeigneten Schätzmethode nicht allein deshalb glauben, weil es die Behauptung nicht widerlegen kann (vgl. BGH…, Urteil vom 18. August 2009 - 1 StR 107/09, Rn. 18;… Urteil vom 4. Dezember 2008 - 1 StR 327/08, Rn. 8;… Urteil vom 21. Oktober 2008 - 1 StR 292/08, Rn. 24;… Urteil vom 1. Juli 2008 - 1 StR 654/07, Rn. 22; Beschluss vom 19. Juni 2008 - 1 StR 217/08, Rn. 19;… Urteil vom 8. Mai 2008 - 3 StR 102/08, Rn. 9).
Arglos ist ein Tatopfer, wenn es bei Beginn des ersten mit Tötungsvorsatz geführten Angriffs weder mit einer lebensbedrohlichen noch mit einem gegen seine körperliche Unversehrtheit gerichteten schweren oder doch erheblichen Angriff rechnet (BGH NStZ 2009, 29; 2002, 368;… Fischer, StGB, 57. Auflage, § 211 StGB Rn. 35).
Es entspricht ständiger Rechtsprechung, dass es weder im Hinblick auf den Zweifelssatz noch sonst geboten ist, zugunsten eines Angeklagten Tatvarianten zu unterstellen, für deren Vorliegen keine zureichenden Anhaltspunkte erbracht sind (vgl. BGH, Urteil vom 21. Oktober 2008, 1 StR 292/08 - [...]; BGH, Beschluss vom 19. Juni 2008, 1 StR 217/08 - [...]).