Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/raulede-38556
Timestamp: 2020-05-28 13:34:04
Document Index: 250586836

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 12', '§ 22', 'BGH']

Raule.de | Rechtslupe
Bei Inter­net­do­mains gilt grund­sätz­lich: wer zuerst kommt, erhält die Domain. Etwas ande­res gilt nur, wenn die Nut­zung der Domain das Namens­recht eines Ande­ren ver­letzt, ohne dass dem Domain­in­ha­ber selbst eben­falls ein ent­spre­chen­des Recht an dem Domain­na­men zukommt. Regis­triert Herr Mül­ler die Domain Schmitz.de, kann Ernst Schmitz sich dage­gen weh­ren. Erfolg­te die Regis­trie­rung dage­gen durch Man­fred Schmitz, schaut Ernst Schmitz in die Röh­re.
Die­ses Prin­zip hat der Bun­des­ge­richts­hof jetzt vor­sich­tig aus­ge­wei­tet: Als Namens­trä­ger, der – wenn er sei­nen Namen als Inter­net­adres­se hat regis­trie­ren las­sen – einem ande­ren Namens­trä­ger nicht wei­chen muss, kommt nach einer jetzt ver­öf­fent­lich­ten Ent­schei­dung des BGH auch der Trä­ger eines aus­ge­fal­le­nen und daher kenn­zeich­nungs­kräf­ti­gen Vor­na­mens (im ent­schie­de­nen Fall: Rau­le) in Betracht.
Aller­dings hält der BGH aus­drück­lich fest, dass die für einen eigen­stän­di­gen Schutz des Vor­na­mens erfor­der­li­che Indi­vi­dua­li­sie­rung ent­we­der eine über­ra­gen­de Bekannt­heit der betref­fen­den Per­son oder aber eine erheb­li­che Kenn­zeich­nungs­kraft des Vor­na­mens vor­aus­setzt 1. Dabei muss nicht, wie wahr­schein­lich in dem jetzt vom BGH ent­schie­de­nen Fall, die Domain­in­ha­be­rin die ein­zi­ge Per­son in Deutsch­land sein, die die­sen stan­des­amt­lich ein­ge­tra­ge­nen Vor­na­men als ers­ten Vor­nah­men trägt. Zumin­dest aber muss die­ser Vor­na­me der­art aus­ge­fal­len sein, dass er die bei feh­len­der über­ra­gen­der Bekannt­heit der betref­fen­den Per­son für einen aus­nahms­wei­se mög­li­chen namens­recht­li­chen Schutz des Vor­na­mens erfor­der­li­che erheb­li­che Kenn­zeich­nungs­kraft auf­weist.
Bun­des­ge­richts­hof, Urt. v. 23. Okto­ber 2008 – I ZR 11/​06 (raule.de)
vgl. BGH, Urteil vom 27.01.1983 – I ZR 160/​80, GRUR 1983, 262, 263 = WRP 1983, 339 – Uwe; Münch­Komm-BGB/­Bay­reu­ther, 5. Aufl., § 12 Rdn. 23 und 156 m.w.N.; vgl. zu § 22 KUG BGHZ 143, 214, 231 – Mar­le­ne Diet­rich[↩]
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