Source: https://www.etl-rechtsanwaelte.de/stichworte/strafrecht-strafprozessrecht/verdeckungsmord-verdeckungsabsicht
Timestamp: 2019-08-21 01:07:26
Document Index: 368074970

Matched Legal Cases: ['§ 211', '§ 211', 'BGH', '§ 211', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 211', '§ 211', 'BGH']

Stichworte Strafrecht/Strafprozessrecht: Verdeckungsmord / Verdeckungsabsicht
Verdeckungsmord / Verdeckungsabsicht (§ 211 Abs. 2, 3. Gruppe, 1. Var. StGB)
Unter einer Verdeckungsabsicht im Sinne von § 211 StGB (externer Link) versteht man das Bestreben des Täters, das Bekanntwerden einer Vortat oder des Täters selbst zu verhindern oder die Aufklärung dessen zu erschweren.
Siehe auch BGH, Beschl. v. 14.03.2017 -2 StR 370/16, NStZ 2017, 583 = Life&Law 2017, 695):
„1. Rauben mehrere Täter das Tatopfer in seiner Wohnung, in der es der Prostitution nachgeht, aus und setzen es hierzu durch massive körperliche Gewalt außer Gefecht, um in Ruhe die Wohnung durchsuchen zu können, so kommt als zu verdeckende Vortat der von den Angeklagten begangene Raub nicht in Betracht, wenn die Angeklagten die Wohnung der Geschädigten nach Wertgegenständen erst durchsuchen, nachdem sie diese durch die ihr beigebrachten Verletzungen und die Fesselungen in eine konkrete Lebensgefahr gebracht und dabei ihren Tod billigend in Kauf genommen hatten.
2. Zwar steht der Annahme eines Verdeckungsmordes grundsätzlich nicht entgegen, dass sich bereits die zu verdeckende Vortat gegen Leib und Leben des Opfers richtet. Um eine andere - zu verdeckende - Straftat im Sinne des § 211 Abs. 2 StGB handelt es sich jedoch dann nicht, wenn der Täter nur diejenige Tat verdecken will, die er gerade begeht.“
BGH, Urt. v. 15.02.2018 - 4 StR 361/17 [Verdeckungsabsicht und bedingter Tötungsvorsatz]:
„Zwar ist das Landgericht im Ansatz zutreffend davon ausgegangen, dass Verdeckungsabsicht und bedingter Tötungsvorsatz einander nicht grundsätzlich ausschließen, sondern auch zusammen bestehen können (vgl. BGH, Beschluss vom 4. August 2010 - 2 StR 239/10, NStZ 2011, 34; Urteil vom 23. November 1995 - 1 StR 475/95, BGHSt 41, 358, 360). Dies kann der Fall sein, wenn die maßgebliche Handlung vom Täter vorgenommen oder eine gebotene Handlung von ihm unterlassen wird, um eine vorangegangene Straftat zu verdecken, dieser Erfolg nach seinem Vorstellungsbild aber auch ohne den Eintritt des für möglich gehaltenen und billigend in Kauf genommenen Todeserfolges bewirkt wird, der bedingt vorsätzlich herbeigeführte Tod des Opfers mithin keine verdeckungsspezifische Funktion aufweist. So ist Verdeckungsabsicht etwa anzunehmen, wenn der Täter durch Vornahme seiner Verdeckungshandlung vorsätzlich eine Person zu Tode bringt, von der ihm - wie er weiß - überhaupt keine Entdeckung droht (vgl. BGH, Urteile vom 23. November 1995 - 1 StR 475/95, BGHSt 41, 358, 360; und vom 30. März 2004 - 5 StR 428/03, NStZ 2004, 495, 496; Beschlüsse vom 4. August 2010 - 2 StR 239/10, NStZ 2011, 34; vom 30. Juni 2011 - 4 StR 241/11; und vom 23. Juni 2016 - 5 StR 152/16, NStZ-RR 2016, 280; vgl. auch MüKoStGB/Schneider, 3. Aufl., § 211 Rn. 245; SSW-StGB/Momsen, 3. Aufl., § 211 Rn. 80). Geht der Täter dagegen davon aus, dass nur der Tod des Opfers zur Vortatverdeckung führt, können Verdeckungsabsicht und lediglich bedingter Tötungsvorsatz nicht nebeneinander angenommen werden. Hiervon wird in der Regel auszugehen sein, wenn das Opfer den Täter kennt und er deshalb befürchtet, durch dessen Angaben überführt zu werden, falls es überlebt (vgl. BGH, Urteil vom 11. Mai 1988 - 3 StR 89/88, NJW 1988, 2682).“