Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/der-polizeibeamten-im-einsatz-und-streifendienst-und-seine-taeglichen-fahrtkosten-3170629?pk_campaign=feed&pk_kwd=der-polizeibeamten-im-einsatz-und-streifendienst-und-seine-taeglichen-fahrtkosten
Timestamp: 2019-09-20 22:32:03
Document Index: 283509969

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9']

Zu den arbeits- oder dienst­recht­li­chen Wei­sun­gen und Ver­fü­gun­gen (im wei­te­ren Ver­lauf: arbeits­recht­li­che) zäh­len alle schrift­li­chen, aber auch münd­li­chen Abspra­chen oder Wei­sun­gen4. Die Zuord­nung kann also ins­be­son­de­re im Arbeits­ver­trag oder durch Aus­übung des Direk­ti­ons­rechts (bspw. im Beam­ten­ver­hält­nis durch dienst­li­che Anord­nung) kraft der Orga­ni­sa­ti­ons­ge­walt des Arbeit­ge­bers oder Dienst­herrn (im wei­te­ren Ver­lauf: Arbeit­ge­ber) vor­ge­nom­men wer­den. Die Zuord­nung zu einer ers­ten Tätig­keits­stät­te muss dabei nicht aus­drück­lich erfol­gen. Sie setzt auch nicht vor­aus, dass sich der Arbeit­ge­ber der steu­er­recht­li­chen Fol­gen die­ser Ent­schei­dung bewusst ist. Wird der Arbeit­neh­mer von sei­nem Arbeit­ge­ber einer betrieb­li­chen Ein­rich­tung zuge­ord­net, weil er dort sei­ne Arbeits­leis­tung erbrin­gen soll, ist die­se Zuord­nung auf­grund der steu­er­recht­li­chen Anknüp­fung an das Dienst- oder Arbeits­recht viel­mehr auch steu­er­recht­lich maß­ge­bend. Des­halb bedarf es neben der arbeits­recht­li­chen Zuord­nung zu einer betrieb­li­chen Ein­rich­tung kei­ner geson­der­ten Zuwei­sung zu einer ers­ten Tätig­keits­stät­te für ein­kom­men­steu­er­recht­li­che Zwe­cke. Denn der Gesetz­ge­ber woll­te mit der Neu­re­ge­lung des steu­er­li­chen Rei­se­kos­ten­rechts auch das Aus­ein­an­der­fal­len der arbeits­recht­li­chen von der steu­er­recht­li­chen Ein­ord­nung bestimm­ter Zah­lun­gen als Rei­se­kos­ten ver­rin­gern5. Ent­schei­dend ist, ob der Arbeit­neh­mer aus der Sicht ex ante nach den arbeits­recht­li­chen Fest­le­gun­gen an einer orts­fes­ten betrieb­li­chen Ein­rich­tung des Arbeit­ge­bers, eines ver­bun­de­nen Unter­neh­mens oder eines vom Arbeit­ge­ber bestimm­ten Drit­ten tätig wer­den soll­te.
Bei Her­an­zie­hung die­ser Vor­ga­ben ist das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt8 im hier ent­schie­de­nen Fall zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass die Poli­zei­in­spek­ti­on Z im Streit­jahr die ers­te Tätig­keits­stät­te des Poli­zei­be­am­ten war.
Ein Ver­stoß gegen das objek­ti­ve Net­to­prin­zip (hier­zu BFH, Urtei­le vom 11.05.2005 – VI R 7/​02, BFHE 209, 502, BSt­Bl II 2005, 782, und – VI R 70/​03, BFHE 209, 508, BSt­Bl II 2005, 785) liegt im Streit­fall nicht vor. Es begeg­net kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken, dass durch die Ent­fer­nungs­pau­scha­le Auf­wen­dun­gen für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und ers­ter Tätig­keits­stät­te abge­gol­ten wer­den (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Satz 2 und Abs. 2 Satz 1 EStG). Der Gesetz­ge­ber hat das ihm ein­ge­räum­te Rege­lungs­er­mes­sen inso­weit nicht über­schrit­ten. Viel­mehr erwei­sen sich die­se beruf­li­che Mobi­li­täts­kos­ten nur ein­ge­schränkt berück­sich­ti­gen­den Rege­lun­gen für den ‑auch hier vor­lie­gen­den- Grund­fall der immer wie­der­keh­ren­den Fahr­ten zu einer ers­ten Tätig­keits­stät­te nach der mitt­ler­wei­le stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs als sach­ge­rech­te und fol­ge­rich­ti­ge Aus­nah­me vom objek­ti­ven Net­to­prin­zip9. Eine Ver­let­zung von Grund­rech­ten oder grund­rechts­glei­chen Rech­ten des Poli­zei­be­am­ten durch die Anwen­dung der im Streit­fall wer­bungs­kos­ten­ab­zugs­be­schrän­kend wir­ken­den Ent­fer­nungs­pau­scha­le liegt nicht vor. Hier­an hat sich mit der Neu­re­ge­lung des steu­er­li­chen Rei­se­kos­ten­rechts durch das Gesetz zur Ände­rung und Ver­ein­fa­chung der Unter­neh­mens­be­steue­rung und des steu­er­li­chen Rei­se­kos­ten­rechts vom 20.02.201310 nichts geän­dert. Denn auch inso­weit gilt gene­ra­li­sie­rend und typi­sie­rend der Regel­fall11, dass sich der Arbeit­neh­mer in unter­schied­li­cher Wei­se auf die immer glei­chen Wege ein­stel­len und so auf eine Min­de­rung der Wege­kos­ten hin­wir­ken kann.
s. hier­zu auch BFH, Urtei­le vom 11.04.2019 – VI R 40/​16 und – VI R 12/​17 [↩]
BT-Drs. 17/​10774, S. 15; eben­so BMF, Schrei­ben vom 24.10.2014 – IV C 5 S 2353÷14÷10002, BSt­Bl I 2014, 1412, Rz 2; Nier­mann, DB 2013, 1015; Isen­hardt, DB 2014, 1316; Tho­mas, DStR 2014, 497; Blümich/​Thürmer, § 9 EStG Rz 559; Schmidt/​Krüger, EStG, 38. Aufl., § 9 Rz 303; Oer­tel in Kirch­hof, EStG, 18. Aufl., § 9 Rz 52; Köh­ler in Bordewin/​Brandt, § 9 EStG Rz 1402; kri­tisch Berg­kem­per, FR 2013, 1017; ders. in Herrmann/​Heuer/​Raupach ‑HHR‑, § 9 EStG Rz 546 [↩]
BFH, Beschluss vom 15.11.2016 – VI R 4/​15, BFHE 256, 86, BSt­Bl II 2017, 228, Rz 14, m.w.N. zu Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und regel­mä­ßi­ger Arbeits­stät­te [↩]
s. BFH, Urteil vom 06.11.2014 – VI R 21/​14, BFHE 247, 427, BSt­Bl II 2015, 338, Rz 14 [↩]