Source: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Shigellose.html?nn=2391056
Timestamp: 2013-05-24 23:21:11
Document Index: 150494518

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 42', '§ 7', '§ 6', '§ 42', '§ 6']

RKI - STD-Sentinel - Shigellose
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Die Herausgabe dieser Reihe durch das Robert Koch-Institut (RKI) erfolgt auf der Grundlage des § 4 Infektionsschutzgesetz (IfSG). Praktisch bedeutsame Angaben zu wichtigen Infektionskrankheiten sollen aktuell und konzentriert der Orientierung dienen. Die Beiträge werden in Zusammenarbeit mit den Nationalen Referenzzentren, Konsiliarlaboratorien sowie weiteren Experten erarbeitet. Die Erstpublikation erfolgt im Epidemiologischen Bulletin. Eine Aktualisierung erfolgt nach den Erfordernissen, in der Regel im Internet, aktualisierte Fassungen ersetzen die älteren.
Aktualisierte Fassung vom Mai 2012. Erstveröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin 32/2001.
Shigellen sind weltweit verbreitet. Die Infektion zeigt eine charakteristische Häufung in warmen Monaten, Kinder sind besonders häufig betroffen. In Deutschland sind hauptsächlich Infektionen durch S. sonnei (Anteil gegenwärtig etwa 70 %) und S. flexneri (Anteil gegenwärtig etwa 20 %) von Bedeutung. Diese beiden Spezies führen überwiegend zu leichteren Erkrankungen, die aber hochakut beginnen und sehr infektiös sein können. Die Shigellose wird häufig von Reisenden importiert (2011: 53 % der Fälle). Shigellosen wurden in den letzten Jahren vor allem in Ägypten, Indien, Marokko, Tunesien und der Türkei erworben. In Deutschland besteht laut IfSG eine Meldepflicht für Shigellosen.
Eine Ansteckungsfähigkeit besteht während der akuten Infektion und solange der Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden wird, dies kann 1–4 Wochen nach der akuten Krankheitsphase der Fall sein. Eine Ausscheidung über einen längeren Zeitraum ist sehr selten; sie ist z. B. bei mangelernährten Kindern beobachtet worden.
Die Infektion bleibt in der Regel auf das Kolon beschränkt. In seltenen Fällen (1–3 %) kann es zu Komplikationen kommen, die sich außerhalb des Darmes manifestieren: ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) wird verursacht durch ein Zytotoxin (Shiga-Toxin), das von S. dysenteriae Serovar 1 gebildet und mit dem Shiga-Toxin 1 (Verotoxin 1) entero­hämor­rha­gischer E. coli (EHEC) nahezu identisch ist. Weitere mögliche Komplikationen sind Infektarthritiden und das Reiter-Syndrom.
In Ländern mit schlechten hygienischen Verhältnissen gilt zur Vermeidung von Infektionen durch kontaminiertes Wasser oder ungekochte Speisen (z. B. Salate) die Regel »Peel it, boil it, cook it or forget it.« (»Dass Dich nicht der Durchfall quält, sollst Du trinken oder essen, was erhitzt, gekocht, geschält, und das andere vergessen!«)
Lebensmittel gemäß § 42 IfSG sind: Fleisch, Geflügelfleisch und Erzeugnisse darausMilch und Erzeugnisse auf MilchbasisFische, Krebse oder Weichtiere und Erzeugnisse darausEiprodukteSäuglings- und KleinkindernahrungSpeiseeis und SpeiseeishalberzeugnisseBackwaren mit nicht durchgebackener oder durcherhitzter Füllung oder Auflage, ausgenommen DauerbackwarenFeinkost-, Rohkost- und Kartoffelsalate, Marinaden, Mayonnaisen, andere emulgierte Soßen, Nahrungshefen
Nach § 7 IfSG ist der direkte oder indirekte Nachweis von Shigellen meldepflichtig. Krank­heitsverdacht und Erkrankung sind nach § 6 IfSG meldepflichtig, wenn eine Tätigkeit gemäß § 42 IfSG ausgeübt wird. Eine Meldepflicht besteht außerdem nach § 6, wenn zwei oder mehr gleichartige infektiöse Gastroenteritiden (Verdacht auf Shigellose) auftreten, bei denen ein epidemiologischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird.
Falldefinition Die vom RKI für Shigellosen verfasste Falldefinition für Gesundheitsämter kann im Internet unter: www.rki.de eingesehen werden. Den Gesundheitsämtern liegen die Falldefinitionen des RKI als Broschüre vor. Diese kann durch Einsendung eines mit 2,20 Euro frankierten und rückadressierten DinA4-Umschlags an folgende Adresse kostenfrei bestellt werden: Robert Koch-Institut
Abt. für Infektionsepidemiologie, Fachgebiet Surveillance
Stichwort „Falldefinitionen“.
Leitung: Frau Prof. Dr. A. Flieger
Tel.: 030.18 754-2522, -4206
Fax: 030.18 754-4207
Tropenmedizin in Klinik und Praxis: 164 Tabellen / hrsg. von Werner Lang und Thomas Löscher. Mit Beitr. von M. Alexander. – 3. völlig neu bearb. und erw. Aufl. – Stuttgart; New York; Thieme 2000, S. 222–229Heymann D. L. (ed): Control of Communicable Diseases Manual. American Public Health Association, 2008, S. 556-560Harrisons Innere Medizin: Anthony S. Fauci (ed.) et al. (Hrsg. der 14. dt. Ausg. W. E. Berdel). McGraw-Hill, London, Frankfurt am Main, 1999, S. 1143-1147Mandell GL, Bennett J E, Dolin R (ed.): Principles and Practice of Infectious Diseases. Churchill Livingstone, 2005: 2655-2661MiQ - Mikrobiologisch-infektiologischer Qualitätsstandard. Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM). Hrsg. v. H. Mauch, R. Lütticken, S. Gattermann. Heft 9/2000: Infektionen des Darmes.Falldefinitionen des Robert Koch-Instituts zur Übermittlung von Erkrankungs- oder Todesfällen und Nachweisen von Krankheitserregern. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2000; 43: 845–869 (Ausgabe 2007 im Internet unter www.rki.de > Infektionsschutz > Infektionsschutzgesetz > Falldefinitionen)RKI: Shigellose-Ausbruch in einem Zeltlager.
Hinweise zur Reihe „RKI-Ratgeber für Ärzte“ bitten wir an das RKI, Abteilung für Infektionsepidemiologie (Tel.: +49 (0)30 - 18754–3312; Fax: +49 (0)30 - 18754–3533) oder an die Redaktion des Epidemiologischen Bulletins zu richten.