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Timestamp: 2018-03-21 18:15:05
Document Index: 248518736

Matched Legal Cases: ['§ 1944', '§ 2027', '§ 2028', '§ 2057', '§ 2325', '§ 2314', '§ 2040', '§ 12']

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wie erfahre ich Erbumfang u.a.
| 01.12.2008 10:36 |
Am 06.11.2008 verstarb unser leiblicher Vater.
Nun möchte ich wissen, wie meine Geschwister und ich an unser Erbe gelangen können.
Die Existenz eines Testaments ist leider nicht zu klären. In Betrachtung der Umstände muss man bedauerlicherweise auch die Möglichkeit einer heimlichen Beseitigung eines Testaments in Betracht ziehen. Da unser Vater auch seine Beerdigung selbst geplant hat, ist ein fehlendes Testament nämlich nur schwer vorstellbar.
--->Sollte man die hinterbliebene Frau zur Vorlage des Testaments zwingen?
Aber selbst wenn wirklich kein Testament auftaucht, müssen ja gesetzliche Erbfolgen eingehalten werden.
Zu den Erbberechtigten gehören meines Erachtens seine Ehefrau und deren gemeinsamer Sohn sowie aus seiner ersten Ehe meine drei Geschwister und ich.
Die Frau ist leider nicht auskunftswillig, was den Umfang des Erbes betrifft. So ist zum Beispiel unklar, ob unser Vater das Haus während seiner zweiten Ehe an seine Frau verschenkt hatte, wie sie behauptet. Das Haus wurde während seiner ersten Ehe angeschafft bzw. gebaut.
--->Hätte er ihr das Haus wirklich einfach schenken können???
Die Klärung dieses Punktes wäre eigentlich mit der wichtigste. Sollte das Haus wirklich zu 100% ihr gehören, lohnt es sich wohl eher nicht, ein Erbverfahren einzuleiten.
--->Wie kommen wir an die entsprechenden Informationen?
Ansonsten ist bekannt, dass die Frau unmittelbar nach meines Vaters Tod, begonnen hat, seine persönlichen Dinge zu beseitigen.(technische Geräte zum Teil verschenkt oder verkauft, Fotos und Bücher in den Müll geworfen, den Hund ins Tierheim geschafft usw.)
--->Darf sie das, ohne alle Miterben zu informieren oder ist das „nur“ moralisch verwerflich aber rechtens?
--->Wo fangen wir nun an?
In welcher Reihenfolge sollten wir wo tätig werden?
--->Welche Fristen sind einzuhalten?
Vielen Dank für die freundliche Beratung im Voraus
01.12.2008 | 10:41
sie stellen zu einem komplexen Sachverhalt insgesamt sechs Fragen zu einem Einsatz, der für die Beantwortung einer Frage gedacht ist. Sie sollten daher Ihren Einsatz anpassen.
Nach der gesetzlichen Erbfolge sind, wie Sie schon richtig festgestellt haben, Erben die Ehefrau aus zweiter Ehe, deren gemeinsames Kind und die drei Kinder aus erster Ehe.
Geht man davon aus, dass die zweite Ehefrau mit Ihrem verstorbenen Ehemann im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft gelebt hat, so erbt sie neben sämtlichen Kindern die Hälfte, sodass jedes Kind noch einen Erbteil in Höhe von 1/8 hat.
Gesetzlicher Erbe sind Sie aber schon mit Anfall der Erbschaft, also mit dem Tode Ihres Vaters. Lediglich für die Ausschlagung der Erbschaft haben Sie die Sechs-Wochen-Frist des § 1944 Abs. 1 BGB zu beachten.
Als Erbe können Sie vom Erbschaftsbesitzer, also demjenigen, der etwas aus der Erbschaft aufgrund eines ihm in Wirklichkeit nicht zustehenden Erbrechts erlangt hat, gemäß § 2027 BGB Auskunft über den Umfang und den Verbleib der Erbschaft verlangen. Dieser Anspruch kann auch gerichtlich durch Klage auf Auskunftserteilung geltend gemacht werden.
Der Erbschaftsbesitzer muss ein Verzeichnis vorlegen, in dem alle Gegenstände, die er aus dem Nachlass erlangt hat, aufgeführt sind. Er muss auch über den Verbleib der Nachlassgegenstände, ihre Verschlechterung, ihren Untergang sowie ihre Surrogate Auskunft geben und im Zweifel die Aufstellung durch eine eidesstattliche Versicherung bekräftigen. Eine solche Pflicht trifft gemäß § 2028 BGB auch denjenigen, der sich zur Zeit des Erbfalles mit dem Erblasser in häuslicher Gemeinschaft befunden hat.
Ebenso ist ein Miterbe gemäß § 2057 BGB gegenüber anderen Miterben verpflichtet, Auskünfte über Vorempfänge zu erteilen.
Können Sie der Ehefrau Ihres verstorbenen Vaters diesbezüglich nicht vertrauen, so können Sie auch fordern, dass eine Amtsperson die Aufsicht darüber wahrnimmt, dass das Verzeichnis ordnungsgemäß erstellt wird.
Aus diesem Grund ist es ratsam sich einen Teilerbschein beim zuständigen Nachlassgericht ausstellen zu lassen. Zuständig ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte. Sie sollten auch gleich alle Unterlagen (Sterbeurkunde, Stammbuch usw.) mitbringen, die notwendig sind, um die eigene Erbfolge zu beweisen.
War Ihr Vater alleiniger Eigentümer des Hauses, so konnte er dieses an seine Ehefrau verschenken. Hier ist aber der § 2325 BGB zu beachten. Liegt die Schenkung nicht bereits 10 Jahre zurück, so kann die Schenkung einen Ergänzungsanspruch nach sich ziehen.
Der Auskunftsanspruch erstreckt sich leider nicht auf Schenkungen, die der Erblasser zu Lebzeiten getätigt hat.
Sollte doch noch ein Testament auftauchen, so haben Sie zumindest einen Pflichtteilsanspruch, der in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils besteht. Auch als Pflichtteilsberechtigter haben Sie gemäß § 2314 BGB einen Auskunftsanspruch gegen den oder die Erben. In diesem Zusammenhang können Sie auch Auskunft über getätigte Schenkungen verlangen.
Gemäß § 2040 BGB darf, wenn eine Erbengemeinschaft besteht, über einen Nachlassgegenstand nur gemeinschaftlich verfügt werden. Der Nachlass wird bei einer Erbengemeinschaft gemeinschaftliches Vermögen der Erben. Die Ehefrau Ihres verstorbenen Vaters durfte sich zuvor also ohne die Zustimmung der Erbengemeinschaft keine Nachlassgegenstände aneignen oder diese fort schaffen.
(Rechtsanwältin
Nachfrage vom Fragesteller	01.12.2008 | 13:14
zunächst einmal herzlichen Dank für die umfangreiche Beantwortung.
Eine Frage habe ich noch: Kann ich mittels eines Erbscheines oder Teilerbscheines auch beim Grundbuchamt Auskunft zur Eigentumsfrage der Immobilie bekommen?
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 01.12.2008 | 14:18
nach § 12 Grundbuchordnung ist die Einsicht in das Grundbuch jedem gestattet, der ein berechtigtes Interesse hieran darlegt.
Sie könnten hier ein Interesse daran haben zu erfahren, ob sich das Grundstück im Eigentum der Ehefrau Ihres Vaters befindet und seit wann dies der Fall ist.
Sie müssten dem Grundbuchamt somit sachliche Gründe vortragen, warum Sie das Grundbuch einsehen wollen. Hierbei würde Ihnen ein Erbschein natürlich helfen. Unbedingt notwendig ist er jedoch nicht, wenn davon auszugehen ist, dass sich die Immobilie wohl nicht mehr im Nachlass befindet und Ihr berechtigtes Interesse auch anders dargelegt werden kann.
Bewertung des Fragestellers 01.12.2008 | 14:30
"Die Rechtsanwältin, Frau Götten, ist vollumfänglich auf meine Fragestellung eingegangen und hat diese auch für mich als Lain sehr verständlich beantwortet. Auch meine Nachfrage wurde unverzüglich behandelt.
FRAGESTELLER 01.12.2008 4,6/5.0
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