Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/nichtverlaengerungsmitteilung-und-die-altersdiskriminierung-des-buehnenmitarbeiters-3170922?pk_campaign=feed&pk_kwd=nichtverlaengerungsmitteilung-und-die-altersdiskriminierung-des-buehnenmitarbeiters
Timestamp: 2019-09-22 06:06:57
Document Index: 63685672

Matched Legal Cases: ['§ 96', '§ 134', '§ 134', '§ 145', '§ 134', '§ 134', '§ 134', 'EuG', '§ 126', 'BGH', 'BGH']

Unab­hän­gig hier­von hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt ohne Rechts­feh­ler erkannt, dass auch das Vor­brin­gen der Arbeit­ge­be­rin im Auf­he­bungs­ver­fah­ren nicht aus­reich­te, um die Ver­mu­tung einer Benach­tei­li­gung der Arbeit­neh­me­rin wegen des Alters zu wider­le­gen. Die Aus­füh­run­gen der Arbeit­ge­be­rin in der Auf­he­bungs­kla­ge spre­chen viel­mehr dafür, dass das Alter der Arbeit­neh­me­rin für die Nicht­ver­län­ge­rung mit­ur­säch­lich war. Dort hat die Arbeit­ge­be­rin vor­ge­tra­gen, die Nicht­ver­län­ge­rung der Arbeits­ver­hält­nis­se der drei Tän­zer sei "nicht vor­ran­gig auf Grund­la­ge ihres Alters" erfolgt. Soweit die Arbeit­ge­be­rin dort wei­ter ange­ge­ben hat, der desi­gnier­te Inten­dant D kön­ne sei­ne künst­le­ri­sche Kon­zep­ti­on und damit auch die Nicht­ver­län­ge­rung der Arbeits­ver­hält­nis­se der drei Tän­zer erklä­ren, hät­te es kon­kre­ter Dar­le­gun­gen zum künst­le­ri­schen Kon­zept bedurft. Das auf Ver­neh­mung des desi­gnier­ten Inten­dan­ten als Zeu­gen gerich­te­te Beweis­an­ge­bot der Arbeit­ge­be­rin ist inso­weit auf eine unzu­läs­si­ge Aus­for­schung ange­legt.
Soweit die Arbeit­ge­be­rin im Auf­he­bungs­ver­fah­ren unter Bezug­nah­me auf die der Auf­he­bungs­kla­ge bei­gefüg­te Anla­ge K 4 ("Über­sicht Per­so­nal­stand Tän­zer vom 27.03.2015") dar­auf ver­wie­sen hat, es sei­en gleich­alt­ri­ge oder sogar älte­re Tän­zer nicht "nicht­ver­län­gert" wor­den, war auch dies unzu­rei­chend, da die Arbeit­ge­be­rin schrift­sätz­lich nicht kon­kret ange­ge­ben hat, von wel­chen gleich­alt­ri­gen oder älte­ren Tän­zern die Rede ist. Die als Anla­ge K 4 vor­ge­leg­te Über­sicht ist – abge­se­hen davon, dass sie aus dem Jahr 2015 stammt – aus sich her­aus nicht in jedem Punkt ver­ständ­lich. Soweit die Anla­ge K 4 Tän­ze­rin­nen und Tän­zer auf­führt, die älter sind als die Arbeit­neh­me­rin und die bei­den wei­te­ren Grup­pen­tän­zer, die eine Nicht­ver­län­ge­rungs­mit­tei­lung erhal­ten haben, han­delt es sich bei die­sen – bis auf eine Aus­nah­me – nicht um Grup­pen­tän­zer, son­dern um Solo­tän­zer, die zudem offen­bar über­wie­gend län­ger als 15 Spiel­zei­ten beschäf­tigt sind und denen gegen­über eine Nicht­ver­län­ge­rungs­mit­tei­lung nach § 96 Abs. 3 NV Büh­ne nur zum Zweck der Ver­trags­än­de­rung aus­ge­spro­chen wer­den konn­te.
Nach § 134 BGB ist ein Rechts­ge­schäft, das gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot ver­stößt, nich­tig, wenn sich nicht aus dem Gesetz ein ande­res ergibt. Die in § 134 BGB bei einem Geset­zes­ver­stoß ange­ord­ne­te Nich­tig­keit ist nach dem Wort­laut der Vor­schrift auf Rechts­ge­schäf­te beschränkt, zu denen auch rechts­ge­stal­ten­de ein­sei­ti­ge Wil­lens­er­klä­run­gen iSd. §§ 145 ff. BGB zäh­len14. Auf rechts­ge­schäfts­ähn­li­che Erklä­run­gen, die auf einen tat­säch­li­chen Erfolg gerich­tet sind und deren Rechts­fol­gen kraft Geset­zes ein­tre­ten15, ist § 134 BGB nicht unmit­tel­bar anzu­wen­den. Dies folgt neben dem Wort­laut auch aus dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang von § 134 BGB mit der Stel­lung der Bestim­mung im Geset­zes­ab­schnitt über "Rechts­ge­schäf­te" und dort im Titel "Wil­lens­er­klä­rung". Für rechts­ge­schäfts­ähn­li­che Erklä­run­gen gilt § 134 BGB daher allen­falls ent­spre­chend16.
BAG 23.11.2017 – 8 AZR 372/​16, Rn.20; 15.12 2016 – 8 AZR 454/​15, Rn.20 mwN, BAGE 157, 296 [↩]
EuGH 25.04.2013 – C‑81/​12 – [Asocia?ia Accept] Rn. 50; BAG 23.11.2017 – 8 AZR 372/​16, Rn. 22; 26.01.2017 – 8 AZR 73/​16, Rn. 25 mwN [↩]
vgl. etwa BAG 28.09.2016 – 7 AZR 128/​14, Rn. 63, BAGE 157, 44; 26.03.2015 – 2 AZR 237/​14, Rn. 38 mwN, BAGE 151, 189 [↩]
BAG 28.09.2016 – 7 AZR 128/​14, Rn. 63, BAGE 157, 44; vgl. zur Kün­di­gungs­er­klä­rung 26.03.2015 – 2 AZR 237/​14, Rn. 39 f., BAGE 151, 189 [↩]
LAG Köln 01.12.2016 – 7 Sa 179/​16 [↩]
vgl. BAG 15.05.2013 – 7 AZR 665/​11, Rn.20, BAGE 145, 142; 15.02.2012 – 7 AZR 626/​10, Rn.20 mwN [↩]
vgl. BAG 28.09.2016 – 7 AZR 128/​14, Rn. 48, BAGE 157, 44; 2.07.2003 – 7 AZR 613/​02, zu II 2 c bb (3) der Grün­de; 12.01.2000 – 7 AZR 925/​98, zu B I der Grün­de; 18.04.1986 – 7 AZR 114/​85, zu II 2 der Grün­de, BAGE 51, 374 [↩]
vgl. BAG 12.01.2000 – 7 AZR 925/​98 – aaO; 26.04.1990 – 6 AZR 462/​88, zu II 2 b der Grün­de, BAGE 64, 348; 18.04.1986 – 7 AZR 114/​85, zu II 2 a der Grün­de, aaO [↩]
vgl. zu den Anfor­de­run­gen an die Rüge des Über­ge­hens eines Beweis­an­tritts im arbeits­ge­richt­li­chen Revi­si­ons­ver­fah­ren: BAG 27.09.2012 – 2 AZR 646/​11, Rn. 33; 20.06.2012 – 4 AZR 464/​10, Rn. 21; 10.05.2005 – 9 AZN 195/​05, zu II 2 der Grün­de mwN, BAGE 114, 295 [↩]
vgl. zu den Anfor­de­run­gen an die Rüge der Ver­let­zung der Hin­weis­pflicht im arbeits­ge­richt­li­chen Revi­si­ons­ver­fah­ren: BAG 15.09.2016 – 8 AZR 351/​15, Rn. 51; 16.12 2010 – 2 AZR 770/​09, Rn. 10 [↩]
vgl. BAG 15.03.1989 – 7 AZR 316/​88, zu 3 der Grün­de [↩]
vgl. BAG 28.09.2016 – 7 AZR 128/​14, Rn. 48, BAGE 157, 44; 2.07.2003 – 7 AZR 613/​02, zu II 2 c bb (3) der Grün­de; 6.11.1997 – 2 AZR 253/​97, zu II 4 der Grün­de mwN [↩]
vgl. BAG 11.08.2016 – 8 AZR 809/​14, Rn. 96 [↩]
vgl. zur Kün­di­gungs­er­klä­rung etwa BAG 19.12 2013 – 6 AZR 190/​12, Rn. 14 ff., BAGE 147, 60 [↩]
vgl. BAG 30.08.2017 – 7 AZR 524/​15, Rn. 31, BAGE 160, 117 [↩]
ähn­lich für §§ 126a, 126b BGB: BAG 15.12 2011 – 7 ABR 40/​10, Rn. 33; 10.03.2009 – 1 ABR 93/​07, Rn. 32, BAGE 130, 1 [↩]
offen­ge­las­sen auch in BAG 23.10.1991 – 7 AZR 56/​91, zu II 4 a der Grün­de, BAGE 69, 1; dage­gen Opo­l­o­ny NZA 2001, 1351, 1353 [↩]
BGH 17.10.2000 – X ZR 97/​99, zu II 1 b cc der Grün­de mwN, BGHZ 145, 343 [↩]
BAG 28.09.2016 – 7 AZR 128/​14, Rn. 39, BAGE 157, 44; 15.05.2013 – 7 AZR 665/​11, Rn. 29, BAGE 145, 142 [↩]
vgl. BT-Drs. 16/​1780 S. 38 [↩]