Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_befristeter_Arbeitsvertrag_Verlaengerung_LAG_Koeln_7Sa1224-09.html
Timestamp: 2017-04-25 06:45:07
Document Index: 381152323

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 14', '§ 14', '§ 14', 'EuG', '§ 7', 'EuG', '§ 5', '§ 8', '§ 7', '§ 50', '§ 15', '§ 1', '§ 12', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 7', '§ 7', '§ 14', '§ 7', '§ 14', '§ 5', '§ 8', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 620', '§ 620', '§ 5', '§ 14', '§ 620', '§ 14', '§ 14', '§ 14', 'EuG', '§ 14', '§ 14', '§ 7', '§ 14', 'EuG', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 14', '§ 7', '§ 5', '§ 8', '§ 14', '§ 57', '§ 14', '§ 8', '§ 14']

HENSCHE Arbeitsrecht: 7 Sa 1224/09
Befristung: Kettenbefristung, Vertragsverlängerung, Befristung: EU-Recht
Arbeitsgericht Köln, Beschluss vom 31.08.2006, 15 Ca 3575/06
15 Ca 3575/06
LAN­DES­AR­BEITS­GERICHTKÖLN
- be­klag­tes Land und Be­ru­fungskläger -
er­sucht die 7. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln als das für die Ent­schei­dung in der Be­ru­fungs­in­stanz zuständi­ge Ge­richt zur Vor­be­rei­tung sei­ner Ent­schei­dung den Eu­ropäischen Ge­richts­hof im We­ge des Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens, die nach­fol­gend auf­geführ­ten Fra­gen zur Aus­le­gung des eu­ropäischen Rechts zu be­ant­wor­ten:
Ist es mit Sinn und Zweck von § 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu ver­ein­ba­ren, bei der recht­li­chen Über­prüfung, ob im Ein­zel­fall ein be­fris­te­ter Verlänge­rungs­ver­trag durch sach­li­che Gründe im Sin­ne von § 5 Nr. 1 a) der Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­recht­fer­tigt ist, aus­sch­ließlich auf die Verhält­nis­se im Zeit­punkt des Ab­schlus­ses die­ses Verlänge­rungs­ver­tra­ges ab­zu­stel­len, oh­ne zu berück­sich­ti­gen, wie vie­le be­fris­te­te Verträge die­sem Ver­tra­ge be­reits vor­an­ge­gan­gen wa­ren, oder
ge­bie­tet es der Sinn und Zweck von § 5 Nr. 1 a) der Rah­men­ver­ein­ba­rung, der dar­in be­steht, miss­bräuch­li­che Ket­ten­ar­beits­verträge zu ver­hin­dern, um so stren­ge­re An­for­de­run­gen an den „sach­li­chen Grund“ zu stel­len, je mehr auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge dem jetzt zu über­prüfen­den be­reits vor­an­ge­gan­gen wa­ren bzw. je länger der Zeit­raum war, während des­sen der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer be­reits zu­vor auf­grund auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Verträge beschäftigt wur­de?
Steht § 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge der An­wen­dung ei­ner Norm des na­tio­na­len Rechts wie § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG ent­ge­gen, die auf­ein­an­der­fol­gen­de Be­fris­tun­gen von Ar­beits­verträgen nur im öffent­li­chen Dienst durch den „sach­li­chen Grund“ recht­fer­tigt, dass der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln vergütet wird, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sind, während bei Ar­beit­ge­bern des pri­va­ten Sek­tors der­ar­ti­ge wirt­schaft­li­che Gründe nicht als „sach­li­cher Grund“ an­er­kannt wer­den?
Steht die in Fra­ge 2 be­schrie­be­ne Be­fris­tungs­norm (hier § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG) dann in Ein­klang mit der Rah­men­ver­ein­ba­rung, wenn die haus­halts­recht­li­che Norm, auf die § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG Be­zug nimmt, ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Zweck­set­zung der Be­fris­tung enthält, die vor al­lem mit der be­tref­fen­den Tätig­keit und den Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung zu­sam­menhängt (vgl. EuGH C-212/04 vom 04.07.2006 in Sa­chen Aden­eler, Leit­satz Nr. 2)?
Falls die Fra­ge 3 a) mit Ja be­ant­wor­tet wird:
b) Han­delt es sich um ei­ne sol­che hin­rei­chend kon­kre­te Zweck­set­zung, wenn das Haus­halts­ge­setz, wie hier § 7 Abs. 3 HG NRW 2004/05, le­dig­lich an­ord­net, die Haus­halts­mit­tel sei­en für ei­ne be­fris­te­te Tätig­keit als „Aus­hilfs­kraft“ be­stimmt?
Falls die Fra­ge 3 b) mit Ja be­ant­wor­tet wird:
c) Gilt dies auch dann, wenn un­ter der Tätig­keit ei­ner „Aus­hilfs­kraft“ in die­sem Sin­ne nicht nur ei­ne Tätig­keit ver­stan­den wird, die ent­we­der da­zu dient, ei­nen vorüber­ge­hend erhöhten Ar­beits­an­fall ab­zu­de­cken oder ei­ne vorüber­ge­hend aus­fal­len­de Stamm­ar­beits­kraft in de­ren Tätig­keit zu ver­tre­ten, son­dern wenn der Be­griff „Aus­hilfs­kraft“ auch schon dann als erfüllt an­ge­se­hen wird, wenn der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln be­zahlt wird, die da­durch frei­ge­wor­den sind, dass ei­ne in der­sel­ben Dienst­stel­le täti­ge Stamm­ar­beits­kraft vorüber­ge­hend ausfällt, ob­wohl die „Aus­hilfs­kraft“ mit Tätig­kei­ten beschäftigt wird, die ei­nem ständig an­fal­len­den Dau­er­be­darf des Ar­beit­ge­bers zu­zu­ord­nen sind und die kei­nen in­halt­li­chen Be­zug zu der Tätig­keit der aus­fal­len­den Stamm­ar­beits­kraft auf­wei­sen, oder
d) wi­der­spricht die in Fra­ge 3 c) be­schrie­be­ne Aus­le­gung des Be­griffs der „Aus­hilfs­kraft“ dem Sinn und Zweck der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te
Ar­beits­verträge, den Miss­brauch von Ket­ten­ar­beits­verträgen zu ver­hin­dern, und dem in der Rechts­sa­che An­gel­i­da­ki (EuGH C-378/07 bis C-380/07 vom 23.04.2009, Leit­satz 2) auf­ge­stell­ten Grund­satz, dass § 5 Nr. 1 a) der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge der An­wen­dung ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, „der zu­fol­ge die Verlänge­rung auf­ein­an­der fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge im öffent­li­chen Sek­tor al­lein des­halb als aus ‚sach­li­chen Gründen‘ im Sin­ne die­ses Pa­ra­gra­phen ge­recht­fer­tigt an­ge­se­hen wird, weil die Verträge auf Rechts­vor­schrif­ten, die die Ver­trags­verlänge­rung zur De­ckung ei­nes be­stimm­ten zeit­wei­li­gen Be­darfs zu­las­sen, gestützt sind, während in Wirk­lich­keit der Be­darf ständig und dau­ernd ist“ ?
Verstößt ein Mit­glieds­staat ge­gen § 8 Nr. 3 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge, wenn er in dem Ge­setz, das der Um­set­zung der Richt­li­nie 1999/70/EG ins na­tio­na­le Recht die­nen soll, ei­nen sol­chen, wie in Fra­ge 2 be­schrie­be­nen haus­halts­recht­li­chen Be­fris­tungs­grund all­ge­mein für den ge­sam­ten öffent­li­chen Dienst einführt, den es in der na­tio­na­len Rechts­la­ge vor Er­lass der Richt­li­nie 1999/70/EG in ver­gleich­ba­rer Form nur für klei­ne­re Teil­be­rei­che des öffent­li­chen Diens­tes (Hoch­schul­we­sen) ge­ge­ben hat ? Führt ein sol­cher Ver­s­toß da­zu, dass die na­tio­na­le Norm nicht mehr an­ge­wandt wer­den darf ?
T a t b e s t a n d - 5 -
Die Kläge­rin wur­de am 16.11.1978 ge­bo­ren. Sie ab­sol­vier­te in der Jus­tiz­ver­wal­tung des be­klag­ten Lan­des ih­re Be­rufs­aus­bil­dung zur Jus­tiz­fach­an­ge­stell­ten. Nach be­stan­de­ner Ab­schluss­prüfung er­hielt sie am 03.07.1997 ih­ren ers­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag „als voll­beschäftig­te Zeit­an­ge­stell­te bei dem Land­ge­richt K bis zum 31.12.1997“ (Bl. 7/7R d. A.).
Auf­grund Ar­beits­ver­tra­ges vom 10.12.1997 (Bl. 8 d. A.) wur­de die Kläge­rin „über den 31.12.1997 hin­aus für die Dau­er des Er­zie­hungs­ur­lau­bes der Jus­tiz­an­ge­stell­ten B , längs­tens je­doch bis zum 19.04.2000 bei dem Land­ge­richt K wei­ter­beschäftigt.“
Mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag vom 30.11.1999 wur­de die Kläge­rin so­dann „über den 19.04.2000 hin­aus aus An­lass und für die Dau­er des Son­der­ur­laubs oh­ne Bezüge der Jus­tiz­an­ge­stell­ten B , längs­tens je­doch bis zum 31.12.2000 bei dem Land­ge­richt K wei­ter­beschäftigt.“
Mit wei­te­rem be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag vom 04.12.2000 wur­de die Kläge­rin „aus An­lass und für die Dau­er des Son­der­ur­laubs der Jus­tiz­an­ge­stell­ten C B , be­fris­tet bis zum 31.12.2001 bei dem Land­ge­richt K wei­ter­beschäftigt.“
Mit aber­ma­li­gem be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag vom 31.10.2001 wur­de die Kläge­rin „aus An­lass und für die Dau­er des Son­der­ur­laubs der Jus­tiz­an­ge­stell­ten C B , be­fris­tet bis zum 31.12.2002 bei dem Land­ge­richt K wei­ter­beschäftigt.“
Mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag vom 30.10.2002 (Bl. 12 d. A.) wur­de die Kläge­rin „aus An­lass und für die Dau­er des Son­der­ur­laubs der Jus­tiz­an­ge­stell­ten C B , be­fris­tet bis zum 31.12.2003 bei dem Land­ge­richt K wei­ter­beschäftigt.“
Mit er­neu­tem be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag vom 08.12.2003 (Bl. 13/13R d. A.) wur­de die Kläge­rin „aus An­lass und für die Dau­er des Son­der­ur­laubs der Jus­tiz­an­ge­stell­ten B , be­fris­tet bis zum 31.12.2004 bei dem Land­ge­richt K wei­ter­beschäftigt.“
Mit er­neu­tem be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag vom 26.11.2004 (Bl. 14 – 15 d. A.) wur­de die Kläge­rin nun­mehr „aus An­lass und für die Dau­er des Son­der­ur­laubs der Jus­tiz­an­ge­stell­ten H so­wie der be­fris­te­ten Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung der Jus­tiz­an­ge­stell­ten H , be­fris­tet bis zum 31.12.2005 bei dem Land­ge­richt K wei­ter­beschäftigt.“
Sch­ließlich wur­de die Kläge­rin mit Ar­beits­ver­trag vom 12.12.2005 9(Bl. 16 – 17 d. A.) be­fris­tet bis zum 30.06.2006 wei­ter­beschäftigt, „und zwar we­gen Vor­lie­gen des fol­gen­den sach­li­chen Grun­des: Vorüber­ge­hend freie Haus­halts­mit­tel (§ 7 Abs. 3 HHG) der be­fris­tet nutz­ba­ren Stel­len­an­tei­le der Jus­tiz­an­ge­stell­ten H (0,5) we­gen Son­der­ur­laub gem. § 50 Abs. 1 BAT und der Jus­tiz­an­ge­stell­ten H (0,5) we­gen be­fris­te­ter Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit gem. § 15 b) Abs. 1 BAT.“
Seit Be­ginn des ers­ten Ar­beits­verhält­nis­ses am 03.07.1997 wur­de die 10Kläge­rin dau­er­haft und un­verändert bis zu­letzt als Ser­vice­kraft auf derGeschäfts­stel­le der 23. Zi­vil­kam­mer des Land­ge­richts K ein­ge­setzt.Die 23. Zi­vil­kam­mer des Land­ge­richts K nimmt ständig an­fal­len­deDau­er­auf­ga­ben der Zi­vil­recht­spre­chung wahr.
Die Ta­rif­verträge des öffent­li­chen Diens­tes und übli­cher­wei­se auch die In­di­vi­dual­ar­beits­verträge des öffent­li­chen Diens­tes räum­en dem Ar­beit­ge­ber re­gelmäßig die Be­fug­nis ein, den Ar­beit­neh­mer zu ver­set­zen. Dem­ent­spre­chend lau­tet § 1 Abs. 3 des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en vom 12.12.2005 wie folgt: „Der Ar­beit­ge­ber ist be­fugt, die An­ge­stell­te ab­zu­ord­nen, zu ver­set­zen oder ihr an­de­re Auf­ga­ben zu­zu­wei­sen (§ 12 BAT)“.
Am 03.05.2006 er­hob die Kläge­rin vor dem Ar­beits­ge­richt Köln die vor­lie­gen­de Kla­ge, mit wel­cher sie un­ter an­de­rem be­an­trag­te,
fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en nicht auf­grund der Be­fris­tung in dem Ar­beits­ver­trag vom 12.12.2005 mit dem 30.06.2006 be­en­det wird.
Mit erst­in­stanz­li­chem Ur­teil vom 31.08.2006 hat das Ar­beits­ge­richt Köln der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Auf die Ent­schei­dungs­gründe des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils wird Be­zug ge­nom­men. Ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 31.08.2006 rich­tet sich die vom vor­le­gen­den Ge­richt zu be­ur­tei­len­de, form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des N .
Das be­klag­te Land ver­tritt die Auf­fas­sung, die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin gemäß Ar­beits­ver­trag vom 12.12.2005 sei durch den ‚sach­li­chen Grund‘ der sog. Haus­halts­be­fris­tung gem. § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt.
§ 14 Abs. 1 S. 1 und S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG ha­ben fol­gen­den Wort­laut:
„Die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges ist zulässig, wenn sie durch ei­nen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt ist. Ein sach­li­cher Grund liegt ins­be­son­de­re vor, wenn
7. der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln vergütetwird, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sind, und er ent­spre­chend beschäftigt wird.“
Das be­klag­te Land ver­tritt die Auf­fas­sung, dass die Vor­aus­set­zun­gen des ‚sach­li­chen Grun­des‘ gemäß § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG erfüllt sei­en. Als haus­halts­recht­li­che Be­stim­mung im Sin­ne die­ser Vor­schrift be­ruft sich das
be­klag­te Land auf § 7 Abs. 3 des Ge­set­zes über die Fest­stel­lung der Haus­haltspläne des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len für die Haus­halts­jah­re 2004/2005 vom 03.02.2004. Die­se Norm lau­tet wie folgt:
„Plan­stel­len und Stel­len können für Zeiträume, in de­nen Stel­len­in­ha­be­rin­nen und Stel­len­in­ha­bern vorüber­ge­hend kei­ne oder kei­ne vol­len Dienst­bezüge zu gewähren sind, im Um­fang der nicht in An­spruch ge­nom­me­nen Plan­stel­len- oder Stel­len­an­tei­le für die Beschäfti­gung von be­am­te­ten Hilfs­kräften und Aus­hilfs­kräften in An­spruch ge­nom­men wer­den.“
Das be­klag­te Land ist der An­sicht, die Kläge­rin sei auf­grund des Ar­beits­ver­tra­ges vom 12.12.2005 als ‚Aus­hilfs­kraft‘ im Sin­ne von § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 i. V. m. § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG beschäftigt wor­den. Im Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges vom 12.12.2005 sei die eben­falls beim Land­ge­richt K als Stamm­ar­beits­kraft voll­zeit­beschäftig­te Jus­tiz­an­ge­stell­te H , be­fris­tet für die Zeit bis zum21.03.2007, nur als Teil­zeit­beschäftig­te im Um­fang der Hälf­te der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit beschäftigt wor­den. Zu­gleich ha­be die beim Land­ge­richt K beschäftig­te Stamm­kraft H bis zum 30.06.2006 ta­rif­li­chen Son­der­ur­laub oh­ne Bezüge in An­spruch ge­nom­men. Aus den von den Mit­ar­bei­te­rin­nen H und H vorüber­ge­hend frei­ge­mach­ten Stel­len­an­tei­len ha­be die Kläge­rin vergütet wer­den können. Es ha­be je­doch da­mit ge­rech­net wer­den müssen, dass die An­ge­stell­ten H und H nach Ab­lauf ih­rer be­fris­te­ten Be­ur­lau­bung bzw. ih­rer be­fris­te­ten Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung zukünf­tig wie­der als voll­zeit­beschäftig­te Stamm­kräfte tätig wer­den würden.
Da­mit sei ei­ne Beschäfti­gung der Kläge­rin als ‚Aus­hilfs­kraft‘ im Sin­ne von § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 ge­ge­ben und der sach­li­che Grund nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG erfüllt.
Das be­klag­te Land be­ruft sich dar­auf, dass sei­ne Rechts­auf­fas­sung im Ein­klang mit der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ste­he.
V o r l a g e g r ü n d e
Das vor­le­gen­de Ge­richt hat er­heb­li­che Be­den­ken, ob die Rechts­auf­fas­sung des be­klag­ten Lan­des mit § 5 Nr. 1 und § 8 Nr. 3 der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge ent­spre­chend der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28.06.1999 zu ver­ein­ba­ren ist. Es be­darf da­her ei­ner Aus­le­gung die­ser Nor­men des eu­ropäischen Rech­tes an­hand der vom Be­ru­fungs­ge­richt zu­sam­men­ge­stell­ten Fra­gen. Die Vor­la­ge­fra­gen sol­len im Fol­gen­den in der ge­bo­te­nen Kürze erläutert wer­den:
Gemäß § 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ha­ben sich die Mit­glied­staa­ten der Eu­ropäischen Uni­on ver­pflich­tet, zur Ver­mei­dung des Miss­brauchs durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge ei­ne oder meh­re­re der in § 5 Nr. 1 a), b) und/oder c) der Rah­men­ver­ein­ba­rung be­schrie­be­nen Maßnah­men zu er­grei­fen. Das vor­le­gen­de Ge­richt geht da­von aus, dass die in § 5 Nr.1 a) bis c) der Rah­men­ver­ein­ba­rung be­schrie­be­nen Maßnah­men grundsätz­lich als gleich­wer­tig an­ge­se­hen wer­den sol­len. Die Maßnah­men gemäß Nr. 1 b) und c) un­ter­schei­den sich je­doch von der­je­ni­gen in Nr. 1 a) da­durch, dass bei ih­rer An­wen­dung un­mit­tel­bar oder zu­min­dest mit­tel­bar gewähr­leis­tet ist, dass ei­ne Ab­fol­ge be­fris­te­ter Ket­ten­ar­beits­verträge bei ein und dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber nur für ei­nen be­grenz­ten Ge­samt­zeit­raum zulässig ist. Je nach Aus­ge­stal­tung der ‚sach­li­chen Gründe‘ im Sin­ne von § 5 Nr. 1 a) ist es je­doch möglich, dass ein und der­sel­be Ar­beit­neh­mer bei ein und dem­sel­ben
Ar­beit­ge­ber vom Ab­schluss der Aus­bil­dung an bis zum Ein­tritt ins Ren­ten­al­ter un­un­ter­bro­chen nur auf­grund ei­ner Ab­fol­ge be­fris­te­ter Ar­beits­verträge beschäftigt wer­den kann.
Der Sinn und Zweck von § 5 Nr.1, der dar­in be­steht, den Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge zu ver­mei­den, kann da­her zur Über­zeu­gung des vor­le­gen­den Ge­rich­tes nur gewähr­leis­tet wer­den, wenn bei An­wen­dung der Maßnah­me § 5 Nr. 1 a) um so stren­ge­re An­for­de­run­gen an den ‚sach­li­chen Grund‘ ge­stellt wer­den, des­to mehr auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge dem jetzt zu über­prüfen­den be­reits vor­an­ge­gan­gen wa­ren bzw. des­to länger der Zeit­raum war, während des­sen der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer be­reits zu­vor auf­grund auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge beschäftigt wur­de.
Al­ter­na­tiv könn­te dem Sinn und Zweck der Ver­mei­dung miss­bräuch­li­cher Ket­ten­ar­beits­verträge auch da­durch Rech­nung ge­tra­gen wer­den, dass bei der Über­prüfung des sach­li­chen Grun­des ab­sch­ließend ei­ne kon­kre­te Abwägung der In­ter­es­sen des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers ei­ner­seits, des Ar­beit­ge­bers an­de­rer­seits vor­ge­nom­men wird, in de­ren Rah­men den In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer­sei­te um so stärke­res Ge­wicht zu­kommt, des­to länger sich der Ar­beit­neh­mer be­reits in ei­nem Ket­ten­ar­beits­verhält­nis be­fin­det.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­tritt ent­ge­gen sei­ner älte­ren Recht­spre­chung heu­te die An­sicht, dass es für die Be­ur­tei­lung, ob die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Sach­grun­des erfüllt sei­en, un­er­heb­lich sei, ob der be­fris­tet ein­ge­stell­te Ar­beit­neh­mer be­reits zu­vor im Rah­men be­fris­te­ter Ar­beits­verträge bei dem Ar­beit­ge­ber beschäftigt ge­we­sen sei oder nicht. Auch ei­ne große An­zahl be­reits zu­vor mit dem Ar­beit­neh­mer ab­ge­schlos­se­ner be­fris­te­ter Ar­beits­verträge führe nicht da­zu, dass an den Sach­grund be­son­ders stren­ge An­for­de­run­gen zu stel­len sei­en (BAG vom 25.3.2009, 7 AZR 34/08, NZA 2010, 34 ff.; an­ders noch BAG vom 21.4.1993, AP § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag Nr.149; BAG vom 30.11.1977, AP § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag Nr.44).
In § 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ha­ben sich die Mit­glieds­staa­ten ver­pflich­tet, Maßnah­men ge­gen den Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge zu er­grei­fen. Es stellt sich für das vor­le­gen­de Ge­richt die Fra­ge, ob es nicht der In­ten­ti­on ei­ner sol­chen Ver­pflich­tung wi­der­spricht, wenn der Mit­glieds­staat für die Fälle, in de­nen er selbst oder in­ner­staat­li­che öffent­li­che In­sti­tu­tio­nen als Ar­beit­ge­ber auf­tre­ten, wirt­schaft­li­che Umstände wie das zeit­lich be­grenz­te Be­reit­stel­len von Haus­halts­mit­teln als sach­li­chen Be­fris­tungs­grund aus­rei­chen lässt, während ent­spre­chen­de wirt­schaft­li­che Umstände bei Ar­beit­ge­bern des pri­va­ten Sek­tors nicht als sach­li­cher Be­fris­tungs­grund an­er­kannt wer­den (kri­tisch auch APS/Back­haus, 3.Aufl., § 14 Tz­B­fG Rd­nr. 98 f.; Stau­din­ger/Preis, § 620 BGB, Rd­nr.138; Preis/Gott­hardt, DB 2000, 2071 f.; Plan­der, ZTR 2001, 501 f.; Lak­ies, Be­fris­te­te Ar­beits­verträge, Rd­nr. 372; Ar­nold/Gräfl, § 14 Tz­B­fG, Rd­nr. 183; Grei­ner, Anm. zu BAG vom 18.10.2006, 7 AZR 419/05 in EzA § 14 Tz­B­fG Nr.34; sie­he fer­ner KR-Lip­ke, 9.Aufl., § 14 Tz­B­fG Rd­nr. 302 ff.).
Das vor­le­gen­de Ge­richt hat ins­be­son­de­re Be­den­ken, ob ei­ne Recht­fer­ti­gung für ei­ne der­ar­ti­ge Begüns­ti­gung der Ar­beit­ge­ber des öffent­li­chen Sek­tors dar­in ge­se­hen wer­den kann, dass der öffent­li­che Ar­beit­ge­ber nur Ver­pflich­tun­gen ein­ge­hen dürfe, die haus­halts­recht­lich ge­deckt sei­en - so aber die Auf­fas­sung des be­klag­ten Lan­des Nord­rhein-West­fa­len (eben­so: BAG vom 24.10.2001,7 AZR 542/00; BAG vom 14.2.2007, 7 AZR 193/06). Da Haus­haltspläne übli­cher­wei­se nur für be­grenz­te Zeiträume auf­ge­stellt zu wer­den pfle­gen, könn­te es mit ei­ner sol­chen Be­gründung auch ge­recht­fer­tigt wer­den, im öffent­li­chen Dienst aus­sch­ließlich be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se ab­zu­sch­ließen. Das vor­le­gen­de Ge­richt ver­steht die All­ge­mei­ne Erwägung Nr.6 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge aber so, dass die­se auch für Ar­beit­ge­ber des öffent­li­chen Sek­tors gilt. Die All­ge­mei­ne Erwägung Nr.6 lau­tet be­kannt­lich: „Un­be­fris­te­te Ar­beits­verträge sind die übli­che Form des
Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses. Sie tra­gen zur Le­bens­qua­lität der be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer und zur Ver­bes­se­rung ih­rer Leis­tungsfähig­keit bei.“
Grundsätz­lich geht auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt da­von aus, dass auch in der öffent­li­chen Ver­wal­tung die Tätig­keit auf der Grund­la­ge ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags die übli­che Beschäfti­gungs­form dar­stel­le (BAG vom 18.10.2006, 7 AZR 419/05, NZA 2007, 332 ff.).
Zu Fra­ge 3
Un­abhängig von den Fra­ge­stel­lun­gen, die un­ter Fra­ge 1 und Fra­ge 2 be­schrie­ben wor­den sind, ver­steht das Bun­des­ar­beits­ge­richt (Ur­teil vom 18.10.2006, 7 AZR 419/05, NZA 2007, 332 ff.) die Ent­schei­dung des EuGH vom 04.07.2006 in Sa­chen C-212/04 Aden­eler so, dass ei­ne Norm wie § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG dann in Ein­klang mit der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28.06.1999 steht, wenn die haus­halts­recht­li­che Norm, auf die § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG Be­zug nimmt, ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Zweck­set­zung der Be­fris­tung enthält, die vor al­lem mit der be­tref­fen­den Tätig­keit und den Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung zu­sam­menhängt.
Ist dies zu bestäti­gen, so stellt sich die Fra­ge, ob § 7 Abs. 3 HG NRW 2004/2005 als die­je­ni­ge haus­halts­recht­li­che Norm, auf die sich das be­klag­te Land vor­lie­gend im Rah­men des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG be­ru­fen will, ei­ne sol­che hin­rei­chend kon­kre­te Zweck­set­zung der Be­fris­tung im Sin­ne der Recht­spre­chung des EuGH enthält (be­ja­hend: BAG vom 14.2.2007, 7 AZR 193/06).
Das vor­le­gen­de Ge­richt hat hier­an er­heb­li­che Zwei­fel. Ein Be­zug auf die Tätig­keit und die Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung der be­fris­tet zu beschäfti­gen­den Ar­beit­neh­mer ist in § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 nur durch die Ver­wen­dung des Be­griffs ‚Aus­hilfs­kraft‘ ent­hal­ten. Ob die­ser Be­griff al­lein ei­ne ‚hin­rei­chend
kon­kre­te Zweck­set­zung‘ be­inhal­tet, er­scheint zwei­fel­haft. Der Be­griff ‚Aus­hilfs­kraft‘ ist ge­setz­lich nicht de­fi­niert und da­her ei­ner wei­ten Aus­le­gung zugäng­lich.
Den An­for­de­run­gen an ei­ne ‚hin­rei­chend kon­kre­te Zweck­set­zung‘ kann der Be­griff der ‚Aus­hilfs­kraft‘ in § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 nach Auf­fas­sung des vor­le­gen­den Ge­rich­tes al­len­falls dann genügen, wenn man ihn mit dem Be­griff des ‚Aus­hilfs­an­ge­stell­ten‘ gleich­setzt, wie er in der Son­der­re­ge­lung 2 y Nr. 1 c) des frühe­ren Bun­des­an­ge­stell­ten­ta­rif­ver­tra­ges ver­stan­den wird (LAG Köln vom 11.5.2005, 7 Sa 1629/04, NZA-RR 2006, 104; auch vom BAG im Ur­teil vom 14.2.2007, 7 AZR 193/06, NZA 2007, 871 ff. in Erwägung ge­zo­gen, im Er­geb­nis aber ver­wor­fen). Hier­un­ter fal­len be­fris­tet beschäftig­te An­ge­stell­te, die ent­we­der ei­nen vorüber­ge­hend erhöhten Ar­beits­an­fall ab­zu­de­cken ha­ben oder in Ver­tre­tung ei­ner vorüber­ge­hend aus­fal­len­den Stamm­ar­beits­kraft ein­ge­setzt wer­den.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt lehnt die­se Gleich­set­zung der Be­grif­fe ‚Aus­hilfs­kraft‘ in § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 und ‚Aus­hilfs­an­ge­stell­ter‘ im Sin­ne der Son­der­re­ge­lung 2 y Nr. 1 c) BAT im Er­geb­nis ab, da auf die­se Wei­se der Sach­grund der Haus­halts­be­fris­tung gemäß § 14 Abs.1 S.2 Nr.7 Tz­B­fG sei­ne ei­genständi­ge Be­deu­tung verlöre (BAG a.a.O.). Nach Auf­fas­sung des BAG soll es viel­mehr für den Be­griff der ‚Aus­hilfs­kraft‘ in § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 genügen, dass in der­sel­ben Dienst­stel­le, in wel­cher der be­fris­tet zu beschäfti­gen­de Ar­beit­neh­mer ein­ge­setzt wird, ei­ne Stamm­ar­beits­kraft vorüber­ge­hend oh­ne An­spruch auf Vergütung ausfällt und der be­fris­te­te Ar­beit­neh­mer aus den da­durch frei­ge­wor­de­nen Mit­teln vergütet wird.
Das vor­le­gen­de Ge­richt hat er­heb­li­che Be­den­ken, ob ei­ne sol­che Aus­le­gung noch dem Sinn und Zweck von § 5 Nr. 1 a) der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge, der dar­in be­steht, den Miss­brauch von Ket­ten­ar­beits­verträgen zu ver­mei­den, ge­recht wer­den kann.
Da nach der zu­letzt ge­nann­ten Auf­fas­sung zwi­schen der Tätig­keit des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers und der Tätig­keit der vorüber­ge­hend aus­fal­len­den Stamm­ar­beits­kraft kei­ner­lei Ver­bin­dung be­ste­hen muss, kann der Ar­beit­ge­ber be­lie­big darüber ent­schei­den, aus den Haus­halts­mit­teln wel­cher vorüber­ge­hend aus­fal­len­den Stamm­ar­beits­kraft der be­fris­tet Beschäftig­te vergütet wer­den soll, und um­ge­kehrt, für wel­che Tätig­kei­ten er die Haus­halts­mit­tel der vorüber­ge­hend aus­fal­len­den Stamm­ar­beits­kraft zur be­fris­te­ten Beschäfti­gung ein­setzt. Da­bei spielt es kei­ne Rol­le, ob im Zeit­punkt des Ab­laufs der Be­fris­tung wei­ter­hin Be­darf an der Ar­beits­leis­tung be­steht, die dem be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer über­tra­gen wor­den war. Es kann sich auch - wie im vor­lie­gen­den Fall - um Tätig­kei­ten im Rah­men von Dau­er­auf­ga­ben han­deln.
Bei der auf die­se Wei­se pos­tu­lier­ten An­nah­me, für die Vergütung des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers stünden nur für be­grenz­te Zeit Haus­halts­mit­tel zur Verfügung, dürf­te es sich um ei­ne künst­li­che Fik­ti­on han­deln, die durch die Tat­sa­chen­la­ge nicht ge­deckt er­scheint; denn auf­grund der Viel­zahl der bei dem Ar­beit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes beschäftig­ten Stamm­ar­beits­kräfte ist mit an Si­cher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit da­von aus­zu­ge­hen, dass zu je­dem Zeit­punkt ein ge­wis­ser Pro­zent­satz von Stamm­ar­beits­kräften oh­ne An­spruch auf Vergütung ausfällt, wenn nicht in der Dienst­stel­le des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers, dann in ei­ner an­de­ren.
§ 8 Nr. 3 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge be­stimmt, dass die Um­set­zung der Ver­ein­ba­rung nicht als Recht­fer­ti­gung für die Sen­kung
des all­ge­mei­nen Ni­veaus des Ar­beit­neh­mer­schut­zes in dem von die­ser Ver­ein­ba­rung er­fass­ten Be­reich die­nen darf.
§ 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG, mit wel­chem zu­guns­ten der Ar­beit­ge­ber des öffent­li­chen Sek­tors der Sach­grund der Haus­halts­be­fris­tung ein­geführt wur­de, ent­spricht wört­lich dem frühe­ren § 57 b) Abs. 2 Nr. 2 HRG a. F., ei­ner Vor­schrift, de­ren An­wen­dungs­be­reich auf den Be­reich des Hoch­schul­we­sens be­schränkt war. Durch die Über­nah­me der früher nur für den Hoch­schul­be­reich gel­ten­den ge­setz­li­chen Be­fris­tungs­norm in das Tz­B­fG wur­de der An­wen­dungs­be­reich der Norm auf den ge­sam­ten öffent­li­chen Dienst aus­ge­wei­tet.
Das Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz dient u. a. der Um­set­zung der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28.06.1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge. Es stellt sich so­mit die Fra­ge, ob durch die Einführung der Haus­halts­be­fris­tung gem. § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG für den ge­sam­ten öffent­li­chen Dienst und der da­mit ver­bun­de­nen Aus­deh­nung die­ses Sach­grun­des, der bis da­hin ge­setz­lich nur für ei­nen klei­nen Teil­be­reich des öffent­li­chen Diens­tes (Hoch­schul­we­sen) galt, nicht ei­ne Ab­sen­kung des all­ge­mei­nen Ni­veaus des Ar­beit­neh­mer­schut­zes für An­ge­stell­te und Ar­bei­ter im öffent­li­chen Dienst ver­bun­den war, die ge­gen § 8 Nr. 3 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­s­toßen könn­te.
Soll­te dies der Fall sein, stellt sich die wei­te­re Fra­ge, wel­che Fol­ge ein sol­cher Ver­s­toß für die An­wen­dung des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG im na­tio­na­len Recht nach sich zieht.
Das vor­le­gen­de Ge­richt weist ab­sch­ließend dar­auf hin, dass es sich bei dem Rechts­streit, wel­cher dem vor­lie­gen­den Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen zu­grun­de liegt, nicht um ei­ne aty­pi­sche Ein­zel­fall­ge­stal­tung han­delt. Viel­mehr han­delt es sich um ei­ne häufig vor­kom­men­de Fall­kon­stel­la­ti­on. Zu dem be­trof­fe­nen Per­so­nen­kreis gehören ins­be­son­de­re vie­le Ar­beit­neh­me­rin­nen jünge­ren Al­ters in der Fa­mi­li­en­gründungs­pha­se.
Köln, den 13.04.2010
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