Source: https://www.rechtslupe.de/beruf/systematische-aufspaltung-grundstueckskaufvertraege-3111540
Timestamp: 2020-07-05 17:00:33
Document Index: 68437749

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 15', '§ 60', '§ 105', '§ 3', '§ 88', '§ 14', '§ 14', '§ 10']

Dass die Auf­spal­tun­gen nicht auf Emp­feh­lun­gen des Notars beruh­ten, son­dern die­ser nur von einer der künf­ti­gen Ver­trags­par­tei­en, und zwar nur von dem jewei­li­gen Käu­fer, auf­ge­sucht wur­de, ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Notars uner­heb­lich. Zweck der sich aus § 14 Abs. 3 BNo­tO iVm Ziff. II RL F erge­ben­den Ver­bo­te ist es, Gestal­tun­gen des Beur­kun­dungs­ver­fah­rens zu ver­hin­dern, durch die der Schutz­zweck der nota­ri­el­len Beur­kun­dung aus­ge­höhlt oder die Durch­set­zung bestimm­ter Ver­trags­be­din­gun­gen unter Ver­mei­dung der Ver­hand­lung mit dem Ver­trags­part­ner ver­folgt wird und die des­halb den Ein­druck ent­ste­hen las­sen, dass der Notar nicht mehr unpar­tei­isch und unab­hän­gig ist [1]. Ob eine aty­pi­sche Ver­fah­rens­ge­stal­tung dem Schutz­zweck der nota­ri­el­len Beur­kun­dung zuwi­der­läuft, hängt aber nicht davon ab, ob sie vom Notar emp­foh­len oder dem unab­hän­gig von einer Emp­feh­lung des Notars geäu­ßer­ten Wunsch eines Urkund­s­be­tei­lig­ten oder eines Drit­ten ent­springt. Ins­be­son­de­re im Hin­blick auf den gemäß § 14 Abs. 3 BNo­tO zu ver­mei­den­den Ein­druck der Par­tei­lich­keit oder Abhän­gig­keit des Notars ist es uner­heb­lich, ob der Notar die aty­pi­sche, miss­bräuch­li­che Gestal­tung des Urkund­s­ver­fah­rens selbst anregt oder an ihr "nur" mit­wirkt.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Notars steht der Annah­me von Ver­stö­ßen gegen § 14 Abs. 3 BNo­tO iVm Ziff. II Nr. 1 RL F die Urkunds­ge­wäh­rungs­pflicht des Notars nicht ent­ge­gen. Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO ist es dem Notar ledig­lich ver­wehrt, sei­ne Amts­tä­tig­keit ohne aus­rei­chen­den Grund zu ver­wei­gern. Ein aus­rei­chen­der Grund zur Ver­wei­ge­rung einer Beur­kun­dung liegt stets vor, wenn der Notar mit der Vor­nah­me der gewünsch­ten Beur­kun­dung gegen Amts­pflich­ten ver­stößt [2]. Soweit sach­li­che Grün­de für eine Ver­trags­auf­spal­tung nicht vor­lie­gen, darf der Notar sei­ne Mit­wir­kung an einer ent­spre­chen­den Beur­kun­dung damit ohne wei­te­res ver­sa­gen.
Zur Ahn­dung des vom Notar began­ge­nen (ein­heit­li­chen) Dienst­ver­ge­hens ist eine Geld­bu­ße in der durch die Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung ver­häng­ten Höhe von 7.500 € erfor­der­lich und ange­mes­sen. Als Beru­fungs­ge­richt übt der Bun­des­ge­richts­hof gemäß §§ 60 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1, Abs. 3, 65 Abs. 1 Satz 1 BDG iVm § 105 BNo­tO eige­ne Dis­zi­pli­nar­ge­walt aus und hat – unter Wah­rung des Ver­schlech­te­rungs­ver­bots (§ 3 BDG iVm §§ 88, 128 VwGO) – die unter den kon­kre­ten Umstän­den des Ein­zel­falls erfor­der­li­che Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me nach eige­nem pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen zu bestim­men [3]. Nach Abwä­gung aller für und gegen den Notar spre­chen­den Umstän­de teilt der Bun­des­ge­richts­hof im Ergeb­nis die Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts, dass die in der Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung ver­häng­te Geld­bu­ße in Höhe von 7.500 € schon im Hin­blick auf die fest­ge­stell­ten Ver­stö­ße gegen § 14 Abs. 3 BNo­tO iVm Ziff. II Nr. 1 RL F gerecht­fer­tigt ist. Obwohl der Notar dis­zi­pli­nar­recht­lich noch nicht in Erschei­nung getre­ten war, schied ins­be­son­de­re in Anbe­tracht des ganz erheb­li­chen Gewichts der fest­ge­stell­ten, den Kern­be­reich der nota­ri­el­len Amts­pflich­ten (§ 14 BNo­tO) betref­fen­den Ver­stö­ße die blo­ße Ertei­lung eines Ver­wei­ses aus. Aus den­sel­ben Grün­den kam bei dem in wirt­schaft­lich geord­ne­ten Ver­hält­nis­sen leben­den Notar auch die Ver­hän­gung einer nied­ri­ge­ren Geld­bu­ße nicht in Betracht.
Beur­kun­dun­gen außer­halb des Amts­be­reichs § 10a Abs. 2 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 BNo­tO ver­weist den Notar hin­sicht­lich sei­ner Urkund­s­tä­tig­keit grund­sätz­lich auf den Bezirk des Amts­ge­richts, in dem er…