Source: https://www.sterbegeld.net/sterbegeld-beim-krankenversicherer/
Timestamp: 2019-01-18 09:55:46
Document Index: 140125397

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 3', '§ 6', '§ 6', '§ 8', '§ 53']

Welche Sterbegeld-Unterschiede gibt es bei Krankenkassen
Der Großteil der Sterbegeldversicherungen auf dem deutschen Markt wird durch Lebensversicherer angeboten. Einzelne Tarife sind dagegen im Mantel einer privaten Krankenversicherung erhältlich. Das bietet Versicherungsnehmern verschiedene Vorteile – unter anderem einen Garantiezins von 3,5%, der sich vor allem für Sterbegeldversicherungen gegen Einmalzahlung anbietet. Ein Überblick über die Versicherungsbedingungen und wichtige Unterschiede in der Kalkulation der PKV im Vergleich zur Lebensversicherung.
Krankenversicherer und Sterbegeld: Die Besonderheiten
Die Kalkulationsverordnung der privaten Krankenversicherer
Sicherheitszuschlag und sonstige Zuschläge
Die Überschussverordnung der Krankenversicherer
Der Garantiezins von 3,5% – ein Schnäppchen für Einmalbeiträge?
Typische Versicherungsbedingungen eines PKV-Sterbegelds
Warum dominieren die Lebensversicherer den Markt?
Für Krankenversicherer gilt eigene Kalkulations- und Überschussverordnung
Garantiezins liegt mit 3,5% deutlich höher als bei Lebensversicherern
Sterbegeld gegen Einmalbeitrag aufgrund höherer Verzinsung attraktiv
Für private Krankenversicherer gelten andere gesetzliche und aufsichtsrechtliche Regelungen als für Lebensversicherer, die den deutschen Markt für Sterbegeldversicherungen zu mehr als 90% abdecken. Krankenversicherer müssen sich an eigenständigen Kalkulations- und Überschussverordnungen orientieren. Zudem gilt für die Unternehmen ein anderer Höchstrechnungszins (Garantiezins): Mit 3,5% liegt dieser 225 Basispunkte über dem aktuellen Garantiezins der Lebensversicherer.
Der Gesetzgeber regelt das Geschäft der Versicherer seit je her stark durch diverse Verordnungen. Zu den wichtigsten Regelwerken der privaten Krankenversicherer zählt die „Verordnung über die versicherungsmathematischen Methoden zur Prämienkalkulation und zur Berechnung der Alterungsrückstellung in der privaten Krankenversicherung“ – kurz „Kalkulationsverordnung“ oder auch KalV.
In vielen Punkten stimmt die Verordnung mit jener der Lebensversicherer überein – nicht zuletzt weil private Krankenversicherungen „nach Art der Lebensversicherung“ betrieben werden. Dennoch finden sich einige Unterschiede – besonders prominent ist der in der PKV deutlich höhere Rechnungzins.
Für die Prämien und Altersrückstellungen sind gemäß der Kalkulationsverordnung dieselben Größen für die Rechnungsgrundlagen zu verwenden. Welche das sind, ist in § 2 der Verordnung festgelegt: Es handelt sich um:
den Rechnungzins
die Ausscheideordnung
die Kopfschäden
den Sicherheitszuschlag
die sonstigen Zuschläge
Von besonderem Interesse im Hinblick auf Sterbegeldversicherungen bei Krankenversicherern ist der Rechnungszins. Wie in der Lebensversicherung ist dieser als Höchstrechnungzins konzipiert: Der Gesetzgeber legt für die Prämienkalkulation eine Obergrenze für die angesetzten Kapitalerträge des Deckungsstocks fest, um Versicherer von einem zu ambitionierten Wettbewerb abzuhalten. Dadurch sollen unseriöse Kalkulationen unterbunden werden. In § 3 der Kalkulationsverordnung ist dementsprechend festgelegt: „Der Rechnungszins für die Prämienberechnung und die Berechnung der Altersrückstellung darf 3,5 vom Hundert nicht übersteigen.“ Der Rechnungszins legt fest, wie hoch die Rücklagen eines Versicherungsnehmers in der Zukunft verzinst werden.
Die Ausscheideordnung gibt gemäß § Abs.1 KalV an, wie viele Versicherungsnehmer durch Vertragskündigung oder Tod vorzeitig ausscheiden. Die Ausscheideordnung setzt sich damit im Wesentlichen aus der Sterbetafel und der Stornotafel zusammen. Die Sterbetafel wird durch die Deutsche Aktuarvereinigung berechnet und gibt an, wie viele Versicherungsnehmer im Bestand in den kommenden zwölf Monaten statistisch betrachtet ableben werden. Die Stornotafel gibt an, wie viele Versicherungsnehmer ihren Vertrag statistisch betrachtet kündigen werden.
Kopfschäden sind in der Sterbegeldversicherung letztlich nicht von den Annahmen der Sterbetafel zu unterscheiden. Gemäß § 6 handelt es sich um „die im Beobachtungszeitraum auf einen Versicherten entfallenden durchschnittlichen Versicherungsleistungen, die für jeden Tarif in Abhängigkeit vom Alter des Versicherten zu ermitteln sind.“ Die Verordnung schreibt vor, dass sich ein Beobachtungszeitraum auf zwölf zusammenhängende Monate beziehen muss und er für jeden Tarif einzeln festzulegen ist. Bei klassischen Krankenversicherungen hängt die Höhe der Kopfschaden z. B. mit den Selbstbeteiligungen und Leistungsausschlüssen eines Tarifs ab. Die Leistungsausschlüsse bei Sterbegeldversicherungen beziehen sich dagegen primär auf Wartezeiten und einige Ausnahmefälle wie z. B. gewollte Selbsttötung oder Tod bei Ausüben einer Straftat.
Krankenversicherer können die Eintrittswahrscheinlichkeiten bestimmter Ereignisse durch statistische Methoden selbst ermitteln und ihre Tarife an diesen hauseigenen Erhebungen ausrichten. Allerdings stellt auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) Wahrscheinlichkeitstafeln zur Verfügung. Beliebige Kalkulationen sind dagegen keinesfalls erlaubt. So legt (3) des § 6 KalV fest:
„Bei der Ermittlung der rechnungsmäßigen Kopfschäden für einen bestehenden Tarif sind für die einzelnen Bestandsgruppen die tatsächlichen Schadenergebnisse früherer Jahre mit einzubeziehen und mathematisch-statistische Verfahren zum Ausgleich von Zufallsschwankungen zu verwenden. Ist wegen geringer Bestandsgröße der Ausgleich von Zufallsschwankungen auf diese Weise nicht zu erreichen, so sind Stütztarife zu verwenden. Liegen auch keine Stütztarife vor, so ist der Schadenbedarf nach mathematisch-statistischen Grundsätzen zu schätzen.“
7 der KalV verpflichtet Krankenversicherer, einen Sicherheitszuschlag in ihre Kalkulation einzubeziehen. Dieser muss mindestens 5% der Bruttoprämie erreichen und darf nicht in anderen Bestandteilen der Kalkulation untergebracht sein. § 8 legt die Grundsätze für die Bemessung der „sonstigen Zuschläge“ fest. Für Sterbegeldversicherungen sind hier insbesondere die mittelbaren und unmittelbaren Abschlusskosten, die Schadenregulierungskosten und die sonstigen Verwaltungskosten relevant.
Vergleichbar mit Lebensversicherern beteiligen auch Krankenversicherer Versicherungsnehmer in der Sterbegeldversicherung an Überschüssen, die aus ungewöhnlich hohen Erträgen einerseits und einer sehr vorsichtig angesetzten Kalkulation andererseits entstehen. Die Überschüsse werden jährlich ermittelt und den Versicherten zugeteilt. Die Überschüsse können zur Finanzierung höherer Todesfallleistungen eingesetzt werden.
Sie erfüllen damit auch den Zweck einer Inflationssicherung: Da auch die Kosten für Bestattungen im Zeitverlauf zunehmen kann die anfangs kalkulierte Versicherungssumme sich beim Eintritt des Versicherungsfalls als zu niedrig erweisen. Die Überschüsse finanzieren eine höhere Auszahlung und schützen dadurch die Angehörigen vor einer Unterdeckung.
Krankenversicherer investieren ihren Deckungsstock ebenso wie Lebensversicherer primär in festverzinsliche Wertpapiere. Die Höhe der Überschussbeteiligung richtet sich deshalb langfristig nach den Renditen für Staatsanleihen. Die Niedrigzinsphase der vergangenen Jahre dürfte sich auch auf die Ertragslage der Krankenversicherer ausgewirkt haben. Da anders als in der klassischen Lebensversicherung seitens der Politik auf eine Absenkung des Höchstrechnungszinssatzes bislang verzichtet wurde, sollte der Spielraum für Überschüsse sich im Zeitverlauf reduzieren. Die sehr attraktive Garantieverzinsung von 3,5% wird deshalb möglicherweise auch durch einen Verzicht auf eine höhere Überschussbeteiligung erkauft.
Die Garantieverzinsung in Höhe von 3,5% für Sterbegeldversicherungen von Krankenversicherern ist insbesondere im Hinblick auf Versicherungen gegen Einmalbeitrag interessant. Wie eine solche Versicherung gestaltet sein kann zeigt der Tarif 4-EB zur Sterbegeldversicherung der HDH. Es wird eine Einmalzahlung geleistet, deren Höhe vom Eintrittsalter abhängt. Ebenfalls abhängig vom Eintrittsalter ist die Wartezeit, die 6-18 Monate betragen kann. Verstirbt der Versicherungsnehmer während der Wartezeit, wird der geleistete Einmalbeitrag zzgl. 3,25% Zinsen zurückerstattet.
Der Einmalbeitrag liegt auch beim höchsten möglichen Eintrittsalter von 75 Jahren noch unterhalb der Versicherungssumme: Pro 500 € Versicherungssumme verlangte die HDH im Mai 2015 424,60 €. Versicherungsnehmer können mit einer Versicherung gegen Einmalbeitrag mit einer attraktiven Verzinsung einen Teil der Beerdigungskosten einzahlen und sichern ihre Angehörigen dennoch für gegen volle Summe der Bestattungskosten ab. Tritt der Versicherungsfall während der Wartezeit ein, erwirtschaftet das angelegte Geld einen deutlich höheren Zinssatz als er mit Anlagen in Tagesgeld oder Festgeld möglich wäre.
Bei PKV-Sterbegeldversicherern handelt es sich häufig um kleinere Versicherungsvereine gemäß § 53 VAG. Der Versicherungsnehmer wird zugleich Vereinsmitglied. Ein Vorteil im Vergleich zu den großen Versicherungen besteht darin, dass keine Ausschüttungen an Aktionäre vorgenommen werden müssen: Überschüsse verbleiben in vollem Umfang in der Versichertengemeinschaft und werden dieser durch Überschussbeteiligungen zurückerstattet.
Die Versicherungsbedingungen sind insgesamt weniger umfangreich als bei Lebensversicherern und leicht verständlich. Nachfolgend sollen einige Auszüge aus den Vertragsbedingungen der HDH stichpunktartig wiedergegeben werden, die durchaus stellvertretend für die wenigen Sterbegeldprodukte im PKV-Mantel auf dem deutschen Markt stehen.
der erste Versicherungsbeitrag ist der Einlösungsbeitrag. Wird dieser nicht unverzüglich gezahlt, wenn der Versicherer vom Vertrag zurücktreten. Die Hardware liegt in ihren Bedingungen ausdrücklich fest, dass auch der Verzicht auf eine gerichtliche Geltendmachung des Einlösungsbeitrages innerhalb von drei Monaten nach dem Vertragsabschluss gleichbedeutend mit einem Rücktritt ist. Diese Ergänzung ist ein wesentlicher Unterschied zu den typischen Versicherungsbedingungen der Lebensversicherer.
Höchsteintrittsalter und Beitragsfreistellung
die Versicherungsbedingungen legen ein Höchsteintrittsalter fest: es kann zum Beispiel 60 Jahre betragen. Zudem wird ein Lebensalter errechnet, an dem keine Beiträge mehr gezahlt werden müssen. Im Fall der ADHS ist typischerweise das 75 Lebensjahr.
die ADH verlangt eine Versicherungssumme in Höhe von mindestens 1500 € und erlaubt ansonsten bis zur Höchstversicherungssumme von 8000 €. Ein Unterschied zu den Lebensversicherern: andere Versicherungen im selben Verein werden sowohl auf die mindestens auf der Versicherungssumme angerechnet, sofern es sich um Versicherungen auf das Leben des Versicherungsnehmers handelt.
es wird eine Wartezeit mit eingeschränkten Versicherungsschutz festgelegt. Verstirbt der Versicherung war während der Wartezeit, werden entweder die eingezahlten Beiträge zurückerstattet oder Versicherer leistet einen Teil der Versicherungssumme. Im Falle einer mit festgelegt, dass ab dem zweiten Jahr ein Drittel unter dem Dritten der zweite der Versicherungsumme zu leisten, sofern dieser Betrag die Summe der eingezahlten Beiträge übersteigt. Verstirbt der Versicherungsnehmer vor der Vollendung des 65. Lebensjahres durch einen Unfall jede doppelte Versicherungssumme gezahlt.
bei Eintritt des Versicherungsfalls müssen Mitglieds- bzw. Versicherungsurkunde, amtliche Sterbeurkunde im Original oder amtlich beglaubigter Kopie, Anschrift und Bankverbindung der bezugsberechtigten Person eingereicht werden. Verstirbt der Versicherung immer durch einen Unfall, ist dies durch geeignete Nachweise wie zum Beispiel ärztlicher Atteste gesondert nachzuweisen.
Kündigung und Rückvergütung
für die Kündigung des Vertrags durch den Versicherungsnehmer gelten kurze Fristen. Zudem ist unter Bedingungen einer Rückvergütung vorgesehen, die dem Rückkaufswert bei Lebensversicherungen nahe kommt. „Das Mitglied kann jederzeit zum Schluss des laufenden Monats schriftlich kündigen. Gegen Vorlage der Mitglieds- bzw. Versicherungsurkunde wird eine Rückvergütung gezahlt, sofern die Versicherung mindestens ein Jahr bestanden hat. Anstelle der Rückvergütung kann die beitragsfreie Fortführung der Versicherung mit herabgesetzter Versicherungssumme verlangt werden, wenn diese min. EUR 1.000 erreicht. Die beitragsfreie Versicherungssumme wird aus 100 Prozent der geschäftsplanmäßigen Deckungsrückstellung berechnet. In diesem Fall bleibt die Mitgliedschaft erhalten.“
Sterbegeldversicherungen im Mantel einer Krankenversicherung sind auf dem deutschen Markt die absolute Ausnahme. Das mag auf den ersten Blick verwundern, zumal der Höchstrechnungszins der Krankenversicherer mit 3,5 % deutlich attraktiver erscheint als der Garantiezins der Lebensversicherer. Die Dominanz der Lebensversicherer in diesem Segment geht auf mehrere Gründe zurück.
Erstens werden Sterbegeldversicherungen allenfalls sekundär unter dem Gesichtspunkt einer möglichst hohen Rendite abgeschlossen. Zweitens bedient das Sterbegeldsegment eine Kundenklientel, die mit klassischen Lebensversicherungen sehr lange und überwiegend gute Erfahrungen gemacht hat, Zusatzversicherungen bei Krankenversicherern jedoch erst aus der jüngsten Vergangenheit kennt. Die Anbieter dürften vor allem Mitglieder der PKV ansprechen, unter denen überproportional viele Beamte mit staatlicher Sterbegeldversorgung und Selbstständige mit entsprechenden Rücklagen sind. Diese Zielgruppen benötigen Sterbegeldversicherung in der Regel nicht.
Sterbegeldversicherungen bei Krankenversicherern funktionieren nicht wesentlich anders als ihre Pendants bei Lebensversicherern. Der auffälligste Unterschied besteht im mit 3,5 % deutlich höheren Garantiezins. Häufig sind die Versicherungsbedingungen deutlich kürzer und transparenter als bei Lebensversicherern. Im Hinblick auf die laufenden Prämien, Überschussbeteiligungen und Rückvergütungen ähneln sich die Produkte der beiden Sparten jedoch stark.
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