Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/annahme-eines-kaufangebots-und-die-haftung-des-notars-2-3107783
Timestamp: 2019-11-14 09:42:17
Document Index: 80640502

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 17', '§ 6', '§ 17', '§ 14', '§ 308', '§ 150', '§ 308', '§ 147', '§ 308', '§ 308', '§ 147', '§ 146', '§ 308', '§ 10', '§ 10', '§ 147', '§ 308', '§ 308', '§ 148', '§ 308', '§ 308', '§ 147', '§ 147', '§ 147', '§ 147', '§ 147', '§ 177', '§ 145', '§ 177', '§ 308', '§ 146', '§ 307', '§ 146', '§ 147', '§ 145', 'Art. 103', '§ 36', '§ 8', '§ 308', '§ 308', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 307', '§ 308', '§ 308', 'BGH', '§ 146', 'BGH']

Annahme eines Kaufangebots - und die Haftung des Notars - Rechtslupe
Dem­zu­fol­ge hat der Notar die Betei­lig­ten über die recht­li­che Bedeu­tung ihrer Erklä­run­gen sowie die Vor­aus­set­zun­gen für den Ein­tritt der bezweck­ten Rechts­fol­ge in dem Umfang zu beleh­ren, wie es zur Errich­tung einer dem wah­ren Wil­len ent­spre­chen­den rechts­gül­ti­gen Urkun­de erfor­der­lich ist 1. Bestehen Zwei­fel, ob das Geschäft dem Gesetz oder dem wah­ren Wil­len der Betei­lig­ten ent­spricht, sol­len die Beden­ken mit den Betei­lig­ten erör­tert wer­den (§ 17 Abs. 2 Satz 1 BeurkG).
Der Notar hat in allen Pha­sen sei­ner Tätig­keit den sichers­ten Weg zu gehen, das heißt den Betei­lig­ten zur sichers­ten Gestal­tung zu raten und dafür zu sor­gen, dass ihr Wil­le die­je­ni­ge Rechts­form erhält, die für die Zukunft Zwei­fel aus­schließt 2.
Die vor­ge­nann­ten Pflich­ten beschrän­ken sich aller­dings, wenn allein die Annah­me eines vor­ge­ge­be­nen Ver­trags­an­ge­bots beur­kun­det wer­den soll, grund­sätz­lich auf die recht­li­che Bedeu­tung der Annah­me; der Inhalt des Ver­trags­an­ge­bots gehört nicht zur recht­li­chen Trag­wei­te die­ses Urkunds­ge­schäfts 3.
Die aus § 17 Abs. 1 Satz 1 BeurkG erwach­sen­de Pflicht zur Rechts­be­leh­rung obliegt dem Notar gegen­über den for­mell an der Beur­kun­dung Betei­lig­ten (unmit­tel­bar Betei­lig­ten) 4. Das sind gemäß § 6 Abs. 2 BeurkG die Erschie­ne­nen, deren im eige­nen oder frem­den Namen abge­ge­be­ne Erklä­run­gen beur­kun­det wer­den sol­len.
Aus­nahms­wei­se kön­nen jedoch auch gegen­über ande­ren Per­so­nen, die nicht for­mell (unmit­tel­bar), wohl aber mit­tel­bar Betei­lig­te sind, Beleh­rungs­pflich­ten nach § 17 Abs. 1 Satz 1 BeurkG, § 14 Abs. 1 Satz 2 BNo­tO bestehen ("betreu­en­de Beleh­rung") 5. Mit­tel­bar Betei­lig­ter in die­sem Sin­ne ist auch, wer sich aus Anlass der Beur­kun­dung an den Notar gewandt und ihm eige­ne Belan­ge anver­traut hat 6.
Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ist die Käu­fe­rin auf­grund der beson­de­ren Aus­ge­stal­tung des Beur­kun­dungs­ver­fah­rens der zuletzt genann­ten Fall­grup­pe zuzu­rech­nen. In dem vom Notar ent­wor­fe­nen Ange­bot der Käu­fe­rin wur­de der Notar als Emp­fän­ger einer etwai­gen Wider­rufs­er­klä­rung der Käu­fe­rin, als die Annah­me­er­klä­rung der Ver­käu­fer beur­kun­den­der Notar und als Voll­zugs­no­tar bestimmt. In sei­ner Per­son waren damit aus Sicht der Käu­fe­rin im Hin­blick auf deren Ange­bot meh­re­re für den Abschluss und die Durch­füh­rung des Ver­trags wesent­li­che Funk­tio­nen gebün­delt. Zudem barg das von dem Notar mit­ge­stal­te­te Beur­kun­dungs­ver­fah­ren wegen der suk­zes­siv erfol­gen­den Beur­kun­dung von Ver­trags­an­ge­bot und annah­me von vorn­her­ein die Gefahr, dass zwi­schen­zeit­li­chen Ände­run­gen der Sach­la­ge nicht Rech­nung getra­gen wur­de 7. Nach dem von ihm ent­wi­ckel­ten Ent­wurf des Kauf­an­ge­bots der Käu­fe­rin soll­te die­ses auch nach Ablauf der bis zum 14.01.2008 wäh­ren­den Bin­dungs­frist unbe­grenzt fort­gel­ten. Die­se Fort­gel­tungs­klau­sel war indes wegen des nicht limi­tier­ten Zeit­raums, in dem die Ver­käu­fer das Ange­bot noch anneh­men konn­ten, unge­ach­tet der Wider­rufs­mög­lich­keit für die Käu­fe­rin, nach § 308 Nr. 1 BGB unwirk­sam 8. Infol­ge­des­sen war das Ange­bot der Käu­fe­rin nach Ablauf der Bin­dungs­frist erlo­schen und stell­te die am 18.02.2008 beur­kun­de­te – ver­spä­te­te – Annah­me­er­klä­rung der Ver­käu­fer nach § 150 Abs. 1 BGB ein neu­es Ange­bot dar 9.
Dem Notar oblag es, die Käu­fe­rin über die­se ver­än­der­te Sach­la­ge zu infor­mie­ren, um die wei­te­re Vor­ge­hens­wei­se – etwa die Beur­kun­dung eines erneu­ten Ange­bots der Käu­fe­rin oder eine Abstand­nah­me vom Ver­trags­schluss – zu klä­ren 10. Unstrei­tig hat der Notar eine sol­che Beleh­rung unter­las­sen.
Der pflicht­be­wuss­te und gewis­sen­haf­te durch­schnitt­li­che Notar muss über die für die Aus­übung sei­nes Berufs erfor­der­li­chen Rechts­kennt­nis­se ver­fü­gen. Er hat sich über die Recht­spre­chung der obers­ten Gerich­te, die in den amt­li­chen Samm­lun­gen und den für sei­ne Amts­tä­tig­keit wesent­li­chen Zeit­schrif­ten ver­öf­fent­licht ist, unver­züg­lich zu unter­rich­ten sowie die übli­chen Erläu­te­rungs­bü­cher aus­zu­wer­ten 11. Dage­gen wür­de es die Anfor­de­run­gen an die Sorg­falts­pflich­ten eines Notars über­span­nen, woll­te man von ihm ver­lan­gen, dass er ver­ein­zel­te Stim­men der Lite­ra­tur zu einem The­ma, das mehr am Ran­de nota­ri­el­ler Amts­tä­tig­keit liegt und nicht Gegen­stand brei­te­rer Erör­te­run­gen war, bei künf­ti­gen ein­schlä­gi­gen Beur­kun­dun­gen gegen­wär­tig haben und berück­sich­ti­gen muss 12.
Der Notar hat auch nicht die Pflicht, die künf­ti­ge Ent­wick­lung der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung vor­aus­zu­ah­nen. Erkenn­ba­re Ten­den­zen der Recht­spre­chung darf er aller­dings nicht über­se­hen 13. Dies gilt auch im Hin­blick auf künf­ti­ge Ent­schei­dun­gen im Bereich der rich­ter­li­chen Inhalts­kon­trol­le von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen 14. In die­sem Zusam­men­hang darf zwar die objek­tiv unrich­ti­ge Ver­wen­dung neu ent­wi­ckel­ter All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen, deren Inhalt zwei­fel­haft sein kann und durch eine höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung noch nicht klar­ge­stellt ist, einem Notar nicht als Ver­schul­den ange­las­tet wer­den, wenn er nach sorg­fäl­ti­ger Prü­fung zu einer aus sei­ner Sicht kei­nen Zwei­feln unter­lie­gen­den Rechts­auf­fas­sung gelangt und dies für recht­lich ver­tret­bar gehal­ten wer­den kann 15. Lässt sich indes die Rechts­la­ge nicht klä­ren, darf der Notar das Rechts­ge­schäft erst dann beur­kun­den, wenn die Ver­trags­par­tei­en auf der Beur­kun­dung bestehen, obwohl er sie über die offe­ne Rechts­fra­ge und das mit ihr ver­bun­de­ne Risi­ko belehrt hat 16. Der Notar hat in sol­chen Fäl­len selbst ohne jeg­li­che Vor­ga­ben sei­ne Beleh­rungs­pflich­ten zu erken­nen und kann sich nicht dar­auf beru­fen, Recht­spre­chung und Lite­ra­tur sei­en zu einem Pro­blem­kreis nicht vor­han­den 17.
Zwar weist das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend dar­auf hin, dass es im Zeit­punkt der Beur­kun­dung noch kei­ne höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung gab, nach der eine unbe­fris­te­te Fort­gel­tungs­klau­sel gemäß § 308 Nr. 1 BGB unwirk­sam war 18. In der Lite­ra­tur hat­te bis dahin allein Tho­de ent­spre­chen­de, im Schrift­tum vor­ge­schla­ge­ne Ver­trags­klau­seln für nicht ver­ein­bar mit der in § 147 Abs. 2 BGB gere­gel­ten Rechts­fol­ge einer ver­spä­te­ten Annah­me und im Hin­blick auf § 308 Abs. 1 BGB für zwei­fel­haft erach­tet 19.
Die recht­li­che Pro­ble­ma­tik unbe­fris­te­ter Fort­gel­tungs­klau­seln und ihre Erkenn­bar­keit dür­fen jedoch nicht iso­liert betrach­tet wer­den. Aus­gangs­punkt für die Prü­fung der Ange­mes­sen­heit unbe­fris­te­ter Fort­gel­tungs­klau­seln nach § 308 Nr. 1 BGB ist der in § 147 Abs. 2, § 146 BGB bestimm­te Zeit­raum, in dem ein Antra­gen­der übli­cher­wei­se die Ent­schei­dung des Ange­bots­emp­fän­gers erwar­ten darf 20. Dass Klau­seln in Kauf­ver­trä­gen, die für die Annah­me des Ange­bots des Käu­fers eine unan­ge­mes­sen lan­ge Annah­me­frist des Ver­käu­fers vor­se­hen, nach § 308 Nr. 1 BGB bezie­hungs­wei­se § 10 Nr. 1 AGBG unwirk­sam sein konn­ten, war im Zeit­punkt der Beur­kun­dung höchst­rich­ter­lich seit lan­gem geklärt 21. Grün­de, wes­halb die­se Recht­spre­chung nicht auch für den Woh­nungs­kauf gel­ten soll­te, waren nicht ersicht­lich. Dem­entspre­chend wur­de in der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung dar­auf erkannt, dass die in einem for­mu­lar­mä­ßi­gen nota­ri­el­len Ange­bot zum Kauf einer Eigen­tums­woh­nung bestimm­te Bin­dungs­frist von zehn Wochen gegen § 10 Nr. 1 AGBG ver­stößt und an die Stel­le der unwirk­sa­men Annah­me­frist­klau­sel die gesetz­li­che Rege­lung des § 147 BGB tritt 22. In den sei­ner­zei­ti­gen Erläu­te­rungs­bü­chern wur­de hier­auf hin­ge­wie­sen 23.
Die vor­ge­nann­te Recht­spre­chung betraf unmit­tel­bar nicht Fort­gel­tungs­klau­seln, son­dern Bin­dungs­frist­klau­seln, das heißt Klau­seln, die die anbie­ten­de Ver­trags­par­tei für einen bestimm­ten Zeit­raum an ihren Antrag bin­den und dem Ver­trags­part­ner eine ent­spre­chend lan­ge Annah­me­frist ein­räu­men. Alter­na­tiv wur­de in der Lite­ra­tur vor­ge­schla­gen, statt einer lan­gen eine kur­ze Bin­dungs­frist und für den Zeit­raum nach ihrem Ablauf die Fort­gel­tung des Ange­bots bis zu des­sen Wider­ruf durch den Käu­fer vor­zu­se­hen 24, wie es auch in dem vom Notar ent­wor­fe­nen Kauf­an­ge­bot vor­ge­se­hen war. Von Tei­len der Lite­ra­tur wur­de aber emp­foh­len, auch hier­für einen End­ter­min zu set­zen, das heißt ver­trag­lich vor­zu­se­hen, dass das nach Ablauf der Bin­dungs­frist fort­gel­ten­de Ange­bot zu einem bestimm­ten Zeit­punkt ohne Wider­ruf erlischt 25. Teil­wei­se wur­de auch ver­tre­ten, Fort­gel­tungs­klau­seln ver­stie­ßen gegen § 308 Nr. 1 BGB 26.
So lag der Fall hier. Bei sorg­fäl­ti­ger Prü­fung der Rechts­la­ge war für den Notar erkenn­bar, dass hin­sicht­lich der Fort­gel­tungs­klau­sel eine Prü­fung ihrer Wirk­sam­keit anhand des Maß­sta­bes des § 308 Nr. 1 BGB in Betracht kam. Zwar wird die Fort­gel­tungs­klau­sel von dem Wort­laut der Vor­schrift nicht unmit­tel­bar erfasst, weil sie kei­ne Frist für die Annah­me des Ange­bots nach § 148 BGB bestimmt, son­dern dem Ver­wen­der eine zeit­lich unbe­grenz­te Mög­lich­keit zur Annah­me des Ange­bots eröff­net 27. Ange­sichts des Zwecks der Vor­schrift, den Anbie­ter in sei­ner Dis­po­si­ti­ons­frei­heit und vor Nach­tei­len über­mä­ßig lang andau­ern­der Schwe­be­zu­stän­de zu schüt­zen 28, lag es indes nahe, dass § 308 Nr. 1 BGB auch auf Fort­gel­tungs­klau­seln anzu­wen­den ist, die kei­ne Frist für die Annah­me durch den Ver­wen­der bestim­men, son­dern die­sem eine zeit­lich unbe­schränk­te Annah­me auch noch Mona­te oder Jah­re nach der Abga­be der Ange­bots­er­klä­rung ermög­li­chen. Denn auch durch eine sol­che Klau­sel wird der Antra­gen­de – unge­ach­tet der Mög­lich­keit des Wider­rufs des Ange­bots – für eine unter Umstän­den sehr lan­ge Zeit nach Abga­be sei­nes Ange­bots in der Unge­wiss­heit gehal­ten, ob der von ihm gewünsch­te Ver­trag zu Stan­de kommt 29.
Im Rah­men der von ihm am Maß­stab des § 308 Nr. 1 BGB aus­zu­rich­ten­den sorg­fäl­ti­gen Prü­fung der Rechts­la­ge hät­te der Notar erken­nen müs­sen, dass die Wirk­sam­keit der in den Ange­botsent­wurf ein­be­zo­ge­nen Fort­gel­tungs­klau­sel jeden­falls ange­sichts ihrer man­geln­den Befris­tung zwei­fel­haft war.
Aus­gangs­punkt einer sol­chen Prü­fung hat­te ersicht­lich der in § 147 Abs. 2 BGB bezeich­ne­te Zeit­raum zu sein, in wel­chem der Antra­gen­de regel­mä­ßig die Ent­schei­dung des Ange­bots­emp­fän­gers über sein Ange­bot erwar­ten darf. Der inhalt­li­che Bezug der Fort­gel­tungs­klau­sel zu § 147 Abs. 2 BGB war unver­kenn­bar. Dies gilt erst recht ange­sichts des Umstands, dass mit der Kom­bi­na­ti­on aus kur­zer Bin­dungs­frist und anschlie­ßend fort­gel­ten­dem, wider­ruf­li­chem Ange­bot den AGBrecht­li­chen, in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur erör­ter­ten Pro­ble­men lan­ger Bin­dungs­fris­ten begeg­net wer­den soll­te. Bereits in die­sem Zusam­men­hang wur­de § 147 Abs. 2 BGB als Aus­gangs­punkt der recht­li­chen Prü­fung her­vor­ge­ho­ben 30. Die ver­trag­lich ver­ein­bar­te unbe­fris­te­te Fort­gel­tung eines Kauf­an­ge­bots wich erkenn­bar von § 147 Abs. 2 BGB ab. Sie über­schritt den dort bestimm­ten Zeit­raum erheb­lich und unbe­grenzt.
Nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung war, wenn eine Bin­dungs­frist­klau­sel den in § 147 Abs. 2 BGB bestimm­ten Zeit­raum erheb­lich über­schritt, in einem zwei­ten Schritt zu prü­fen, ob der Ver­wen­der dar­an ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se hat, hin­ter dem das Inter­es­se des Kun­den am bal­di­gen Weg­fall sei­ner Bin­dung zurück­ste­hen muss 31. Zwar konn­te vor­lie­gend die Käu­fe­rin nach Ablauf der Bin­dungs­frist ihr Kauf­an­ge­bot jeder­zeit wider­ru­fen. Eine Ein­schrän­kung ihrer Dis­po­si­ti­ons­frei­heit war daher nicht in glei­chem Maße gege­ben wie im Fall einer noch lau­fen­den Bin­dungs­frist. Den­noch waren auch mit einer unbe­fris­te­ten Fort­gel­tungs­klau­sel für die Käu­fer – erkenn­bar – Nach­tei­le ver­bun­den. Für sie ent­stand ein – mög­li­cher­wei­se über Mona­te oder sogar Jah­re andau­ern­der – Schwe­be­zu­stand, in dem sie nicht wuss­ten, ob der von ihnen ange­bo­te­ne Ver­trag zu Stan­de kom­men wür­de. Zudem konn­te nach Ablauf län­ge­rer Zeit­räu­me das von ihnen unter­brei­te­te Ange­bot man­gels Reak­ti­on des Ver­käu­fers in Ver­ges­sen­heit gera­ten mit der Fol­ge, dass sie von einer schließ­lich dann doch noch erfol­gen­den Annah­me durch den Ver­käu­fer und einem hier­durch zustan­de kom­men­den, von ihnen mög­li­cher­wei­se nicht mehr gewünsch­ten Ver­trag über­rascht wer­den konn­ten 32.
Die­se Zusam­men­hän­ge und die dar­aus fol­gen­den erheb­li­chen Nach­tei­le für die Käu­fer erge­ben sich – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts – nicht erst im Rah­men einer im Nach­hin­ein ange­stell­ten (ex post) Betrach­tung, son­dern muss­ten sich dem Notar bei einer sorg­fäl­ti­gen recht­li­chen Prü­fung auch sei­ner­zeit schon erschlie­ßen. Hier­bei ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass die Stim­men in der kautel­ar­ju­ris­ti­schen Lite­ra­tur, die eine unbe­fris­te­te Fort­gel­tungs­klau­sel, wie sie hier ver­wen­det wur­de, befür­wor­te­ten, letzt­lich objek­tiv in die Rich­tung gin­gen, die von der Recht­spre­chung miss­bil­lig­ten Ergeb­nis­se, wenn auch in abge­mil­der­ter Form, wie­der her­bei­zu­füh­ren. Die hier­ge­gen bereits von Tho­de 33 und spä­ter vom V. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs in sei­nem Urteil vom 07.06.2013 34 vor­ge­brach­ten Beden­ken lagen so nahe, dass bereits 2006 ernst­haf­te Zwei­fel an der recht­li­chen Trag­fä­hig­keit der unbe­fris­te­ten Fort­gel­tungs­klau­sel ange­bracht waren.
An den für den Notar erkenn­ba­ren Zwei­feln an der Wirk­sam­keit der Fort­gel­tungs­klau­sel ändert es ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­ons­er­wi­de­rung auch nichts, dass eben­falls mit einem Schwe­be­zu­stand ver­bun­de­ne Alter­na­tiv­ge­stal­tun­gen – etwa ein Ver­trags­ab­schluss, bei dem der Ver­käu­fer zunächst offen voll­macht­los ver­tre­ten und die Ver­trags­wirk­sam­keit erst durch sei­ne Geneh­mi­gung (§ 177 Abs. 1 BGB) her­bei­ge­führt wor­den wäre – wirk­sam gewe­sen wären. Die Wirk­sam­keit der vor­lie­gend von dem Notar ent­wi­ckel­ten Ver­trags­kon­stel­la­ti­on ist anhand der §§ 145 ff BGB und damit vor dem Hin­ter­grund zu beur­tei­len, dass der Käu­fer nur ein Ange­bot abge­ge­ben hat und daher von den Ver­käu­fern des­sen bal­di­ge Annah­me erwar­ten darf. Dage­gen ist die Ver­tre­tung ohne Ver­tre­tungs­macht dadurch gekenn­zeich­net, dass bereits ein – wenn auch noch nicht wirk­sa­mer – Ver­trag geschlos­sen wor­den ist und das Gesetz in einer sol­chen Situa­ti­on – ohne Auf­for­de­rung nach § 177 Abs. 2 BGB – kei­ne Frist für die Geneh­mi­gung vor­sieht 35. Allein des­halb, weil bei einer ande­ren – wirk­sa­men – Ver­trags­kon­stel­la­ti­on eben­falls ein Schwe­be­zu­stand ein­trat, durf­te der Notar nicht von einer Wirk­sam­keit auch der Fort­gel­tungs­klau­sel aus­ge­hen. Inso­fern bot es sich viel­mehr an, zu einer ande­ren, zwei­fels­frei wirk­sa­men Ver­trags­ge­stal­tung zu raten.
Selbst wenn der Notar – ent­ge­gen den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen – eine Anwend­bar­keit von § 308 Nr. 1 BGB auf die unbe­fris­te­te Fort­gel­tungs­klau­sel nicht hät­te erken­nen müs­sen, begeg­ne­te die Klau­sel im Hin­blick auf die in §§ 146 bis 149 BGB zum Aus­druck gekom­me­nen Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lung ernst­li­chen Wirk­sam­keits­be­den­ken (§ 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB) 36. § 146 BGB bestimmt, dass ein Ange­bot auf Abschluss eines Ver­tra­ges erlischt, wenn es abge­lehnt oder nicht nach Maß­ga­be der §§ 147 bis 149 BGB ange­nom­men wird. Die Fort­gel­tung eines Ange­bots nach dem Ende der Bin­dung des Erklä­ren­den (§ 145 BGB) sieht das Gesetz hin­ge­gen nicht vor. Der Gesetz­ge­ber hat sich viel­mehr aus­drück­lich dage­gen ent­schie­den, dass mit Ablauf der Annah­me­frist nur die Bin­dung des Erklä­ren­den ent­fällt, der Antrag aber bis zu einem Wider­ruf fort­be­steht und noch annah­me­fä­hig bleibt 37. Dem liegt die Erwä­gung zugrun­de, dass dies weder der Ver­kehrs­an­schau­ung noch der Absicht des Antra­gen­den ent­sprä­che 38. Ver­trags­an­ge­bo­te wür­den mit Rück­sicht auf die jewei­li­ge, dem Wech­sel der Ver­hält­nis­se unter­wor­fe­ne Lage nicht für poten­zi­ell unbe­grenz­te Dau­er gemacht 39. Zudem wür­de eine ersicht­lich nicht gewoll­te Unsi­cher­heit über die künf­ti­gen recht­li­chen Ver­hält­nis­se pro­vo­ziert.
Der Ver­schul­dens­vor­wurf ent­fällt schließ­lich – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­ons­er­wi­de­rung – auch nicht des­halb, weil das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den als Kol­le­gi­al­ge­richt in sei­nem Urteil vom 20.12.2011 40 eine ähn­li­che Fort­gel­tungs­klau­sel für wirk­sam gehal­ten hat.
Nach der Kol­le­gi­al­ge­richts-Richt­li­nie trifft einen Amts­trä­ger in der Regel kein Ver­schul­den, wenn ein mit meh­re­ren Berufs­rich­tern besetz­tes Gericht die Amts­tä­tig­keit als objek­tiv recht­mä­ßig ange­se­hen hat 41. Die Richt­li­nie ist indes nicht anwend­bar, wenn das in Rede ste­hen­de Ver­hal­ten des Amts­trä­gers nicht Gegen­stand kol­le­gi­al­ge­richt­li­cher Bil­li­gung gewor­den ist, son­dern nur die Stel­lung­nah­me eines ande­ren Gerichts in einer ähn­li­chen oder ver­gleich­ba­ren Sache vor­liegt 42.
So liegt der Fall hier. Das Ver­hal­ten des Notars war nicht Gegen­stand des Urteils des Ober­lan­des­ge­richts Dres­den vom 20.12 2011, dem ledig­lich ein ähn­li­cher Sach­ver­halt zugrun­de lag. In dem vor­lie­gen­den Rechts­streit haben die Vor­in­stan­zen zwar eine Haf­tung des Notars ver­neint, jedoch nicht, weil sie sein Ver­hal­ten als objek­tiv recht­mä­ßig ange­se­hen haben, son­dern weil sie kein Ver­schul­den des Notars erkannt haben. In einem sol­chen Fall ist die Kol­le­gi­al­ge­richts-Richt­li­nie nicht anwend­bar 43.
Der mit der Annah­me­er­klä­rung leicht geän­der­te Ver­trags­text Die Grund­sät­ze von Treu und Glau­ben erfor­dern, dass der Emp­fän­ger eines Ver­trags­an­ge­bots sei­nen davon abwei­chen­den Ver­trags­wil­len in der Annah­me­er­klä­rung klar und unzwei­deu­tig zum Aus­druck bringt…
Nota­rhaf­tung – und der zu erset­zen­de Scha­den Zur Beant­wor­tung der Fra­ge, wel­chen Scha­den eine Amts­pflicht­ver­let­zung zur Fol­ge hat, ist in den Blick zu neh­men, wel­chen Ver­lauf die Din­ge bei pflicht­ge­mä­ßem Ver­hal­ten genom­men…
Der angeb­lich wider­sprüch­li­che Beweis­an­trag Nach stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung ver­pflich­tet Art. 103 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit den Grund­sät­zen der Zivil­pro­zess­ord­nung die Gerich­te, erheb­li­chen Beweis­an­trä­gen nach­zu­ge­hen. Die Nicht­be­rück­sich­ti­gung eines…
Bram­bring in Beck'sches Notar-Hand­buch, 4. Aufl., Kap. A – I Rn. 382, 386, 389; Brambring/​Hertel in Hagen/​Brambring/​Krüger/​Hertel, Der Grund­stücks­kauf, 8. Aufl., Rn. 912; Her­tel aaO Rn. 797 f; Krauß aaO Rn. 1292 unter Hin­weis auf die abwei­chen­de Mei­nung von Tho­de in Fuß­no­te 1751; Bas­ty in For­mu­lar­buch und Pra­xis der Frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit, 21. Aufl., § 36 Rn. 239 M ff; Cremer/​Wagner, Not­BZ 2004, 331, 336 f[↩]
vgl. Regie­rungs­ent­wurf eines Geset­zes zur Rege­lung des Rechts der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, BT-Drs. 7/​3919, Sei­te 24 [zu § 8 Nr. 1 AGBG]; Münch­Komm-BGB/Wurm­nest, 7. Aufl., § 308 Nr. 1 Rn. 1; Beck­OK-BGB/­Be­cker, § 308 Nr. 1 [01.08.2015] Rn. 2[↩]
vgl. nur BGH, Urteil vom 06.03.1986 – III ZR 234/​84, NJW 1986, 1807, 1808; BGH, Urteil vom 13.09.2000 – VIII ZR 34/​00, BGHZ 145, 139, 142; Brambring/​Hertel aaO Rn. 911; Krauß aaO Rn. 1291; Tho­de aaO Sei­te 163; Walchs­hö­fer, WM 1986, 1041, 1043[↩]
BGH, Urteil vom 06.03.1986 aaO; BGH, Urteil vom 13.09.2000 aaO; Krauß aaO; Walchs­hö­fer aaO[↩]
zur Prü­fung nach Maß­ga­be des § 307 BGB, wenn die betref­fen­de Klau­sel nicht vom Tat­be­stand des § 308 BGB umfasst wird: vgl. Münch­Komm-BGB/Wurm­nest, 7. Aufl., § 308 Rn. 3[↩]
Moti­ve I S. 168; BGH, Urteil vom 01.06.1994 – XII ZR 227/​92, NJW-RR 1994, 1163, 1164; Münch­Komm-BGB/Bu­sche, 7. Aufl., § 146 Rn. 4[↩]
OLG Dres­den, Urtiel vom 20.12.2011 – 14 U 1259/​11; inso­fern auf­ge­ho­ben durch BGH, Teil­ur­teil vom 25.10.2013 – V ZR 12/​12[↩]