Source: https://www.pruefen-im-handwerk.de/service/ausbildungsberaterinnen/
Timestamp: 2019-09-16 11:01:01
Document Index: 25977533

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 123', '§2', '§ 19', '§ 11', '§ 4', '§ 36', '§ 9', '§ 5', '§ 20', '§ 3', '§ 27']

Informationen für Ausbildungsberater/innen
Ausbildungsberater unterstützen Auszubildende und die Ausbildungsbetriebe durch fachliche Beratung. Dabei helfen sie nicht nur bei der Ausbildungsfindung, sondern sie überwachen auch die Durchführung der Berufsausbildung. Die Ausbildungsberatung ist eine Aufgabe der jeweiligen Kammern. Eine weitere Aufgabe ist außerdem die Festestellung nach dem BBiG, ob ein Unternehmen zur Berufsausbildung geeignet ist.
Da das Ausbildungssystem in Deutschland sehr komplex ist, gibt es dabei viele Informationen, die ein/e Ausbildungsberater/in im Blick behalten muss. Hier finden Sie eine Auflistung der am häufigsten gestellten Fragen, die den Aufgabenbereich eines Ausbildungsberatenden betreffen.
Grundlegende Fragen an die Ausbildungsberatung
1. Wann und wie oft muss eine Abmahnung erfolgen?
2. Welche Form sollte eine Abmahnung haben?
3. Was bedeutet ein Aufhebungsvertrag?
4. An wen richtet sich eine abH?
5. Wer kann wann einen Antrag stellen?
6. Welche Vorteile hat eine abH?
7. Wo kann eine abH beantragt werden?
8. Wer darf ausbilden und was muss der Betrieb beachten?
9. Was muss bei der Erstausbildung beachtet werden?
10. Welche Kosten fallen an?
11. Welche Kosten trägt der Auszubildende?
12. Wer trägt die Kosten der Arbeitskleidung?
13. Wie hoch ist die Ausbildungsvergütung?
14. Wie hoch ist die Vergütung bei einer Verlängerung der Ausbildung?
15. Wie viele Stunden dürfen täglich/ wöchentlich gearbeitet werden?
16. Was gehört zur Ausbildungszeit (§ 2 ArbZG)?
17. Was gehört nicht zur Ausbildungszeit?
18. Was ist eine Ruhepause?
Berichtsheft/ Ausbildungsnachweis
19. Ist das Berichtsheft notwendig und wo kann es angefordert werden?
20. Wie muss das Berichtsheft geführt werden?
21. Wer kann wo Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen?
22. Welche Berufsschule ist zuständig?
23. Muss der Auszubildende für die Berufsschule freigestellt werden?
24. Wie wird die Berufsschulzeit auf die betriebliche Ausbildungszeit angerechnet?
25. Was ist eine Einstiegsqualifizierung und wer kann daran teilnehmen?
26. Wer trägt die Fahrtkosten?
27. Kann der Betrieb verlangen, dass der Auszubildende mit dem Privatfahrzeug fährt?
28. Was ist die Begabtenförderung?
29. Gibt es einen Zuschuss für Auszubildende mit schlechten Schulnoten und einer schwierigen Ausgangssituation?
30. Was ist die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)?
Freistellung an andere Prüfungsausschüsse
31. Freistellung an andere Prüfungsausschüsse?
32. Wo gibt es freie Lehrstellen?
33. Wie kann während der Probezeit gekündigt werden?
34. In welchen Fällen kann nach der Probezeit gekündigt werden?
35. Was muss der Ausbildungsbetrieb bei minderjährigen Auszubildenden beachten?
36. Welche Bedeutung hat die Probezeit?
37. Welche Aufgaben hat die Probezeit?
38. Kann die Probezeit verlängert werden?
39. Wer beantragt die Zulassung zur Prüfung?
40. Welche Unterlagen werden zur Zulassung benötigt?
41. Muss der Ausbildungsbetrieb den Lehrling schon vor den Prüfungen freistellen?
42. Welche Voraussetzungen sind an eine Teilzeitberufsausbildung geknüpft?
43. Welche Aufgaben hat die ÜLU?
44. Welche und wie viele ÜLU-Lehrgänge sind in meinem Beruf vorgesehen?
45. Wer trägt die Fahrtkosten zur ÜLU?
46. Dürfen Auszubildende Überstunden machen?
47. Was muss ich als Umschüler beachten?
48. Wie viel Urlaubsanspruch hat ein Lehrling jährlich?
49. Was passiert, wenn der Auszubildende im Urlaub erkrankt?
50. Wann muss der Auszubildende seinen Urlaub nehmen?
51. Darf der Auszubildende während des Urlaubs für einen anderen Arbeitgeber arbeiten?
Verkürzung/ Verlängerung der Ausbildung
52. Unter welchen Voraussetzungen kann die Ausbildungszeit verkürzt werden?
53. Kann die Ausbildungszeit verlängert werden?
54. In welchem Fall wird vorzeitig zur Prüfung zugelassen?
55. Wie kann eine Ausbildung qualitativ aufgewertet werden?
Eine Abmahnung ist vor einer Kündigung wegen vertragswidrigen Verhaltens (sog. verhaltensbedingte Kündigung) erforderlich, um dem Auszubildenden (oder im umgekehrten Fall auch dem Ausbildenden) die Möglichkeit der Verhaltensänderung zu geben. Folgendes Fehlverhalten kann zu einer Abmahnung führen:
Es sollten mindestens 2-3 Abmahnungen aus dem gleichen Grund vorliegen, um eine Kündigung aus-sprechen zu können.
Das Ausbildungsverhältnis kann jederzeit in beiderseitigem Einvernehmen durch einen Aufhebungs-vertrag beendet werden.
Der Zeitpunkt der Vertragsbeendigung kann frei vereinbart werden.
Er muss schriftlich erfolgen.
Einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben, ist eine freiwillige Entscheidung.
Bei Minderjährigen ist die Unterschrift der gesetzlichen Vertretungsberechtigten erforderlich.
Eine Kopie des Aufhebungsvertrages muss an die Lehrlingsrolle der zuständigen Handwerks-kammer gesendet werden.
Die Konsequenzen des Aufhebungsvertrages müssen dem Auszubildenden erläutert werden (evtl. Sperre des Arbeitslosengeldes).
Der Abschluss eines Aufhebungsvertrags ist auch bei besonderem Kündigungsschutz wie Schwangerschaft, Schwerbehinderung usw. möglich.
Der Betriebsrat muss nicht angehört werden.
Wichtig: Vertrag ist Vertrag (!), d. h. es gibt keinen Anspruch auf „Nachverhandeln“; Anfechtung ist nur bei Nachweis einer „widerrechtlichen Drohung“ möglich (§ 123 BGB).
Die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) sind für Jugendliche gedacht, bei denen das Erreichen des Ausbildungszieles in Frage steht. Hierbei kann es sich um schulische oder sprachliche Defizite oder Probleme im sozialen Umfeld handeln.
Der Auszubildende erhält Förderunterricht oder sozialpädagogische Begleitung in Kleingruppen. Der Zeitaufwand beträgt je nach Bedarf 3-8 Stunden pro Woche anhand eines abgestimmten Förderplans.
Auszubildende, die in der Berufsschule Unterstützung benötigen (Theorie)
AbH ist ab dem ersten Ausbildungstag beantragungsfähig, auch bei einer Einstiegsqualifizierung.
Vertiefung fachpraktischer und theoretischer Kenntnisse
Verringerung von Sprachdefiziten
Gezielte Gesellenprüfungsvorbereitung
AbH ist ein Programm der Arbeitsagenturen und der Jobcenter, die die Kosten tragen. Der Antrag wird direkt dort gestellt. Die Dauer beträgt in der Regel ein Jahr.
Grundsätzlich darf jeder ausbilden, der persönlich und fachlich geeignet ist oder einen geeigneten Ausbilder beschäftigt. Außerdem muss die Ausbildungsstätte nach Art und Einrichtung für die Vermittlung der Inhalte des Ausbildungsrahmenplans geeignet sein.
Bei jeder erstmaligen Ausbildung prüft die Handwerkskammer im Rahmen eines Betriebsbesuchs, ob die betrieblichen und personellen Voraussetzungen (Arbeitsplatz, Maschinen, Auftragslage) vorhanden sind.
Bei der Erstausbildung ist es ratsam, frühzeitig mit der Handwerkskammer einen Beratungstermin zu vereinbaren.
Folgende Kosten der Ausbildung muss grundsätzlich der Ausbildungsbetrieb tragen:
Eintragung in die Lehrlingsrolle der zuständigen Handwerkskammer (Infos zu den aktuellen Gebühren erhalten Sie über die Lehrlingsrolle).
Kosten für Lehrgänge der überbetrieblichen Ausbildung abzgl. der Bundes- und Landeszu-schüsse (Info dazu bei den Lehrgangsstätten).
Ausbildungsmittel wie z. B. Werkzeuge, Berichtsheft, Werkstoffe .
Prüfungskosten wie z. B. Material für das Prüfungsstück und die Prüfungsgebühr. Diese zahlt der Betrieb auch dann, wenn die Prüfung nach Ende der vertraglich vereinbarten Ausbil-dungszeit stattfindet.
Die Fahrtkosten zwischen der Wohnung des Lehrlings und der Ausbildungsstätte oder Berufsschule muss der Auszubildende tragen. Ebenso die Fahrtkosten zur Gesellenprüfung, nicht aber zur Zwi-schenprüfung, wie auch die Kosten der Lernmittel für die Berufsschule.
12. Wer trägt die Kosten für Arbeitsbekleidung?
Eine tarifliche Ausbildungsvergütung muss gezahlt werden, wenn sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer tarifgebunden sind.
Eine tarifliche Ausbildungsvergütung muss auch gezahlt werden, wenn der Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt ist oder Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart haben, dass dieser gelten soll. Liegt keine Tarifgebundenheit vor, können die tariflichen Vergütungssätze bis zu 20% unterschritten werden.
In Zweifelsfällen oder bei fehlender Tarifgebundenheit wird der Tarifvertrag aus dem Bereich angewendet, in denen die meisten Arbeitsstunden im Betrieb anfallen und der dem Betrieb das Gepräge gibt. Man beachte aber die derzeit wieder angestrebte Tarifeinheit!
Der Betrieb bleibt arbeitsrechtlich für die Richtigkeit der ausgezahlten Vergütungen verantwortlich!
14. Wie hoch ist die Vergütung bei einer Verlängerung der Ausbildungszeit?
Die Ausbildungsvergütung ist in der Höhe der letzten Ausbildungsvergütung weiter zu zahlen (Ausnahme: Ausbildungsberuf Maurerin/Maurer).
15. Wie viele Stunden dürfen täglich/wöchentlich gearbeitet werden?
Bei Tarifgebundenheit:
Die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit ist im Tarifvertrag geregelt. Der Tarifvertag kann bei der zuständigen Innung angefragt werden.
16. Was gehört zur Ausbildungszeit (§2 ArbZG)?
Herrichten des Arbeitsplatzes sowie sonstige Vor- und Abschlussarbeiten, z. B Material- oder Werkzeugausgabe
Der Weg vom Ausbildungsbetrieb zu einem anderen Arbeitsplatz, wenn der Arbeitgeber vorweg das Erscheinen auf dem Betriebsgelände verlangt, z. B. um das Fahrzeug zu beladen
Minusstunden: Auszubildende können keine „Minusstunden“ erwirtschaften. Wenn der Betrieb sie innerhalb der vereinbarten Ausbildungszeit nicht einsetzen kann oder möchte, geht dies zu Lasten des Betriebes. Auszubildende haben für diesen Zeitraum Anspruch auf Vergütung (§ 19 Abs.1 Nr.2a BBiG).
Ruhepausen für Jugendliche (§ 11 JArbSchG):
Arbeitszeit von 4,5 – 6 Stunden: 30 min. Pause (erste Pause spätestens nach 4,5 h)
Ruhepausen für Erwachsene (§ 4 ArbZG):
Arbeitszeit von 6 – 9 Stunden: 30 min. Pause (erste Pause spätestens nach 6 h)
Das Berichtsheft muss dem Auszubildenden kostenlos vom Ausbildungsbetrieb zur Verfügung gestellt werden. Die Berichtshefte sind über die jeweilige Innung, die Kreishandwerkerschaft oder die Handwerkskammer sowie im Fachbuchhandel erhältlich. Der Ausbilder ist zur Kontrolle des Berichtsheftes (Empfehlung alle zwei Wochen) verpflichtet. Die Berichte sind Grundlage für regelmäßige Kommunikation zwischen Ausbilder und Auszubildendem und dienen zur Reflexion der Ausbildungsinhalte.
Wichtig: Bei fehlenden Berichten ist die Zulassung zur Gesellenprüfung/Abschlussprüfung gefährdet (§ 36 Abs.1 Nr.3 HwO)
Es können wahlweise Tagesberichte oder Wochenberichte geschrieben werden. Die Auszubildenden müssen während der Ausbildungszeit die Gelegenheit erhalten, das Berichtsheft zu führen. Es muss nicht handschriftlich geführt werden, d. h. Berichte auf Computer sind erlaubt.
Berufsausbildungsbeihilfe kann bei der Agentur für Arbeit beantragt werden. Ob und in welcher Höhe ein Auszubildender Anspruch auf BAB hat hängt von verschiedenen Faktoren ab. Grundsätzlich werden Auszubildende bezuschusst, die
außerhalb des Elternhaushaltes leben, da die Ausbildungsstätte unverhältnismäßig weit vom Elternhaus entfernt liegt und sie keine ausreichende Vergütung zur Deckung des Lebensunterhaltes erhalten.
über 18 Jahre sind, einen eigenen Haushalt führen, verheiratet sind oder waren, mit mindestens einem Kind, oder aus anderen schwerwiegenden Gründen nicht bei ihren Eltern leben können.
Nach Abschluss des Ausbildungsvertrages muss der Auszubildende bei der Berufsschule angemeldet werden. Die Ausbildungsberater nennen Ihnen gerne die für Ihren Ausbildungsbetrieb zuständige Berufsschule.
Der Berufsschulunterricht ist die zweite Säule der dualen Berufsausbildung im Handwerk und verpflichtend. Grundlage des Berufsschulunterrichts sind die landeseinheitlichen Rahmenlehrpläne, die mit dem jeweiligen Fachverband in Anlehnung an die Ausbildungsordnung abgestimmt sind.
Der Ausbildungsbetrieb ist verpflichtet, den Auszubildenden zur Berufsschule freizustellen. Eine Beschäftigung während dieser Zeit ist nicht erlaubt.
Beginnt der Schulunterricht vor 9 Uhr, darf kein Auszubildender (auch nicht über 18 Jahren) vorher im Betrieb beschäftigt werden.
Bei Jugendlichen (§ 9 Abs. 2 JArbSchG):
Ein Berufsschultag pro Woche mit mehr als 5 Unterrichtsstunden à 45 min wird mit 8 Zeitstunden angerechnet – an diesem Tag darf der Jugendliche im Betrieb nicht mehr beschäftigt werden.
Ein zweiter Berufsschultag in der Woche wird mit der tatsächlichen Unterrichtszeit plus Pausen ohne Wegzeiten angerechnet. Sind in einer Woche zwei Berufsschultage mit jeweils mehr als 5 Unterrichtsstunden, ist der Jugendliche verpflichtet, an einem der beiden Tage wieder in den Betrieb zurückzukehren. An welchem der beiden Tage bestimmt der Ausbildungsbetrieb.
Blockunterricht von planmäßig mindestens 25 Unterrichtsstunden à 45 Minuten ist mit 40 Zeitstunden anzurechnen, d. h. in dieser Woche ist keine Beschäftigung im Betrieb mehr zulässig.
Soweit der Berufsschulunterricht inkl. Pausen- und Wegezeiten innerhalb der betrieblichen Ausbildungszeit liegt, wird die insoweit deckungsgleiche Ausbildungszeit durch den Berufsschulunterricht ersetzt. Minusstunden gibt es nicht, es darf kein Nacharbeiten erfolgen!
Soweit der Berufsschulunterricht außerhalb der betrieblichen Ausbildungszeit liegt, findet dieser keine Berücksichtigung bei den betrieblichen Ausbildungszeiten. Dies kann dazu führen, dass die Ausbildungszeit insgesamt (Berufsschule + betriebliche Ausbildung) größer ist als die tarifliche Ausbildungszeit. Die gesetzliche Höchstarbeitszeit von 48 h wöchentlich darf aber in keinem Fall überschritten werden.
Betriebliche Einstiegsqualifizierungen sind ein von der Wirtschaft im Rahmen des Ausbildungspaktes entwickeltes Angebot. Es handelt sich hierbei um eine Art betriebliches Langzeitpraktikum zwischen 6 und 12 Monaten. Sie bieten Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, einen Einstieg in die Berufsausbildung.
Betriebe können den Jugendlichen über eine längere Zeit in der Praxis erleben und eventuell bestehende Vorurteile aus dem Weg räumen. Die EQ wird finanziell von der Arbeitsagentur gefördert.
Jugendliche erhalten einen Einblick in den jeweiligen Ausbildungsberuf und das Unternehmen. Sie erhalten ein Praktikumsentgelt und können eventuell vom Betrieb in die Ausbildung übernommen werden.
Ziel der Einstiegsqualifizierung ist das Erlangen von Ausbildungsreife von Jugendlichen und der anschließende Übergang direkt in eine Berufsausbildung.
Aktuelle Informationen erhalten Sie bei Ihrer Handwerkskammer.
Der Ausbildungsbetrieb kann vom Auszubildenden nur dann den Einsatz von dessen Privatfahrzeug für dienstliche Zwecke verlangen, wenn eine entsprechende Vereinbarung im Ausbildungsvertrag besteht.
Weiterbildungsstipendium für junge Menschen mit herausragenden Leistungen. Nähere Informationen finden Sie hier.
29. Gibt es einen Zuschuss für Auszubildende mit schlechten Schulnoten und einer schwierigen Ausgangsistuation?
Das ist regional und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und ändert sich zudem fast jährlich. Bitte erkundigen Sie sich dazu direkt bei der Ausbildungsberatung.
Siehe unter Punkt „Berufsausbildungsbeihilfe“.
Die örtliche Zuständigkeit der Prüfungsausschüsse ist klar geregelt und richtet sich in der Regel nach dem Sitz des Ausbildungsbetriebs. Von dieser Regelung des „gesetzlichen Prüfers“ darf nur in engen Grenzen und auf der Grundlage entsprechender gesetzlicher Regelungen abgewichen werden. In Betracht kommt ein Amtshilfeverfahren nach § 5 VwVfG, was insbesondere dann in Betracht kommt, wenn dies aus ökonomischen oder organisatorischen Gründen erforderlich erscheint. Manche Prüfungsordnungen der Kammern enthalten auch eigenständige Freistellungsregelungen, wenn dafür „ein wichtiger Grund“ vorliegt. Ein Anspruch eines Lehrlings auf Freistellung an einen anderen Prüfungsausschuss besteht nicht.
Die Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern enthalten viele freie Angebote. Sie finden diese auf der Internetseite Ihrer Handwerkskammer.
Die Kündigung kann ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist und ohne Angaben von Gründen geschehen. Die Schriftform ist aber erforderlich.
Achtung: Bei einer Schwangerschaft gilt dies nicht, da der Kündigungsschutz hier eine höhere Priorität besitzt. Ein Kündigungsverbot gegenüber Schwangeren gilt sogar schon in der Zeit zwischen Vertragsschluss und Ausbildungsbeginn.
34. In welchen Fällen kann während der Probezeit gekündigt werden?
Eine Kündigung aus wichtigem Grund muss schriftlich erfolgen. Hier müssen die Kündigungsgründe klar benannt werden. Ein wichtiger Grund ist gegeben, wenn nach Abwägung aller Umstände und Interessen die Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses nicht länger zuzumuten ist. Wichtige Gründe sind ein fortgesetztes vertragswidriges Verhalten trotz Abmahnung. Hierzu gehören als Beispiel unentschuldigtes Fehlen in Berufsschule, Betrieb und ÜLU sowie Straftaten, Gewalt oder Gewaltandrohung. Je länger ein Ausbildungsverhältnis besteht, desto strengere Anforderungen werden an eine Kündigung gestellt. Auch ist zu beachten, dass der Kündigungsgrund oder das Bekanntwerden des Kündigungsgrunds nicht länger als 14 Tage zurückliegen darf. Bei minderjährigen Auszubildenden muss die Kündigung auch gegenüber den gesetzlichen Vertretern ausgesprochen werden. Die Kündigung aus einem wichtigen Grund erfolgt fristlos. Der Erhalt sollte bestätigt werden und bei Versendung sollte ein Einschreiben mit Rückschein gewählt werden. Möglich ist auch das persönliche Einwerfen des Schreibens in den Briefkasten unter Zeugen.
Anders als bei normalen Arbeitsverträgen ist die Probezeit für den Ausbildungsvertrag im Berufsbildungsgesetz (§ 20 BBiG) fest vorgeschrieben. Wird keine Probezeit vertraglich vereinbart, gilt die gesetzliche Regelung nach BBiG. Die Probezeit in der Ausbildung hat eine besondere Stellung. Für die meisten Jugendlichen markiert eine Ausbildung den Übergang von der Schule in das Berufsleben. Die Wahl für einen Beruf sollte daher vom zukünftigen Azubi gut überlegt und notfalls auch verändert werden können. Das Gesetz sieht aus diesen Gründen eine Probezeit vor.
Ob der Auszubildende wirklich für den Beruf geeignet ist, kann nur im Arbeitsalltag festgestellt werden. Auch die Frage, ob der Jugendliche menschlich in das soziale Umfeld passt, kann erst im Verlauf der Probezeit beantwortet werden. Deshalb hat die Probezeit auch eine Auswahlfunktion.
Im Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist eine mindestens ein- bis höchstens viermonatige Probezeit vorgeschrieben. Die Dauer wird im Ausbildungsvertrag gemeinsam vereinbart. Das Ausbildungsverhältnis kann während der Probezeit von beiden Seiten ohne Begründung, jederzeit und fristlos in schriftlicher Form gekündigt werden.
Das Schaubild zeigt die wichtigsten Aufgaben während der Probezeit:
Regelmäßige Gespräche während der gesamten Ausbildung bilden eine gute Basis für das gemeinsame Arbeiten im Betrieb. Unsicherheiten, Defizite oder zwischenmenschliche Probleme können durch Gespräche frühzeitig gelöst werden.
Neue Auszubildende einführen
Der Ausbildungsstart bedeutet für viele Jugendliche eine starke Veränderung. Daher ist es wichtig, dass die Neuen anfangs viel Rückmeldung erhalten. Sie benötigen Bestätigung und Anerkennung, um sich in der neuen Umgebung zu orientieren.
Während der Probezeit überprüfen Ausbilder im Arbeitsalltag durch vielfältige Aufgaben, ob die neuen Azubis fachlich für den Beruf geeignet sind und menschlich in den Betrieb passen. Anhand der Ergebnisse beurteilen sie, ob der Einzelne das Ausbildungsziel erreichen kann.
Spätestens am Ende der Probezeit müssen Ausbilder entscheiden, ob der Auszubildende für den Beruf geeignet ist und sich in den Betrieb einfügen kann. Auch der Azubi nutzt die Probezeit, um zu entscheiden, ob seine Berufswahl richtig war.
Wenn die Probezeit um mehr als ein Drittel unterbrochen wurde, z. B. auf Grund einer Erkrankung, so kann diese ausnahmsweise um diesen Zeitraum verlängert werden. Jede wesentliche Vertragsänderung ist der Lehrlingsrolle der Handwerkskammer anzuzeigen.
Der Betrieb und der Auszubildende werden von der durchführenden Stelle aufgefordert, einen Antrag auf Zulassung zur Gesellen- bzw. Abschlussprüfung zu stellen. Bei gestreckten Prüfungen erfolgt dies zwei Mal im Verlauf einer Ausbildung. Bei einer Prüfung handelt es sich dem Grunde nach um eine Angelegenheit des Auszubildenden selbst. Der Ausbildende ist jedoch gehalten, den Auszubildenden bei der Antragstellung zu unterstützen und dafür Sorge zu tragen, dass der Antrag ausgefüllt und fristgerecht bei der zuständigen Stelle bzw. Körperschaft eingeht. Die Kosten der Prüfung (Material, Gebühren, usw.) hat der Betrieb zu zahlen.
Die geforderten Unterlagen sind im Aufforderungsschreiben aufgeführt. Dem Antrag auf Zulassung sind die Berichtshefte und der Nachweis der abgelegten Zwischenprüfung/Teil 1-Prüfung beizulegen.
Nur Jugendliche (unter 18 Jahre) müssen an dem Arbeitstag, der der schriftlichen Gesellen- oder Abschlussprüfung (gilt auch für beide Teile der gestreckten Abschluss- oder Gesellenprüfung) unmittelbar vorangeht, freigestellt werden (JArbSchG).
Eine Teilzeitberufsausbildung richtet sich an junge Frauen und Männer, die Ausbildung und Familie unter einen Hut bringen und so ihre Chancen im späteren Berufsleben steigern möchten. Für den Arbeitgeber bietet sich eine weitere flexible Gelegenheit motivierte Fachkräfte auszubilden.
Eine Ausbildung in Teilzeit setzt ein „berechtigtes Interesse“ voraus. Gründe liegen vor, wenn beispielsweise ein Auszubildender ein eigenes Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen betreut oder selbst schwer behindert ist und daher die regelmäßige wöchentliche Ausbildungszeit von rd. 40 Stunden nicht bewältigen kann.
Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Auszubildende und der Ausbildende glaubhaft machen, dass das Ausbildungsziel in der verkürzten Zeit erreicht werden kann (z.B. aufgrund guter Vorbildung wie Abitur, Lebensalter über 21 Jahre).
Werden diese Voraussetzungen erfüllt und einigen sich der Betrieb und der Auszubildende, besteht die Möglichkeit eine Berufsausbildung in Teilzeit zu starten. Die Berufsschulzeiten und die Zeiten in der überbetrieblichen Lehrlingsausbildung bleiben von den Teilzeitvereinbarungen unberührt und müssen über die volle Zeit wahrgenommen werden.
Die in der Ausbildungsordnung vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte erfordern z.T. eine systematische Vermittlung in einer produktionsunabhängigen Lehrwerkstatt, über die Handwerksbetriebe in der Regel aus Kosten- und Kapazitätsgründen nicht verfügen. In den meisten Ausbildungsberufen im Handwerk wird die betriebliche Ausbildung daher durch Kurse (überbetriebliche Unterweisung) ergänzt, die auf Empfehlung des Berufsbildungsausschusses durch die Vollversammlungen beschlossen und dadurch verbindlich werden. Die ÜLU stellt die
Bei der Ausbildungsberatung der Handwerkskammer können Sie erfahren, welche ÜLU-Lehrgänge für Ihren Beruf verbindlich vorgeschrieben sind. Die Einladung hierzu erfolgt im Regelfall über den Träger, der die Lehrgänge durchführt. Es besteht eine Verpflichtung zur Freistellung, zur Teilnahme und zur Kostenübernahme durch den Ausbildungsbetrieb. Die Durchführung der ÜLU-Lehrgänge und die Vermittlung der Lehrgangsinhalte im Ausbildungsbetrieb sind nicht vorgesehen, Befreiungen sind nur im Einzelfall und auf Antrag möglich.
Die überbetriebliche Unterweisung (ÜLU) zählt zur betrieblichen Ausbildung und fällt damit unter (betriebliche) Maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte. Sofern die Kosten nicht anderweitig – in der Regel durch öffentliche Fördermittel - gedeckt sind, trägt der Ausbildungsbetrieb diese Kosten. Das gilt auch für die Fahrtkosten.
Bei Mehrarbeit gilt der Grundsatz, dass eine über die vereinbarte regelmäßige Ausbildungszeit hinausgehende Beschäftigung besonders zu vergüten ist (s.a. Vereinbarungen im Ausbildungsvertrag auf der Grundlage des BBiG). Diese Vergütung kann finanziell oder durch Freizeitgewährung erfolgen. Manche Tarifverträge enthalten hier eine Aussage über die Höhe der Vergütung für Mehrarbeit. Als Richtwert ist hier 1/100 der monatlichen Ausbildungsvergütung für eine Überstunde zu nennen.
Auf Umschulungsverhältnisse sind nach ständiger Rechtsprechung die Vorschriften der §§ 3 ff. BBiG nicht anwendbar. Damit gelten für Umschulungsverhältnisse grundsätzlich die allgemeinen Vorschriften des Arbeitsrechts. Es gilt zwar der Grundsatz der Vertragsfreiheit, jedoch schreibt die Agentur für Arbeit regelmäßig die Verwendung der von den Handwerkskammern herausgegebenen Umschulungsvertragsformulare vor.
Die Probezeit beträgt, je nach Vereinbarung, zwischen 14 Tagen und bis zu einem halben Jahr. Umschüler sind in der Regel nicht berufsschulpflichtig, jedoch sollten die landesrechtlichen Vorgaben beachtet werden. Unabhängig davon wird der Besuch der Berufsschule jedoch empfohlen, ebenso wie das Führen des Berichtsheftes. Die Agentur für Arbeit fördert in der Regel nur einzelbetriebliche Umschulungsmaßnahmen, wenn am Berufsschulunterricht teilgenommen wird.
Die Umschulungsvertragsdauer darf dabei grundsätzlich folgende Mindestzeiten nicht unterschreiten:
Mindestausbildungszeit bei Einzelumschulung
Umschulungsvertragsformulare erhalten Sie bei Ihrer Handwerkskammer.
Sofern nicht günstigere tarifvertragliche Regelungen bestehen, ergibt sich der Mindesturlaubsanspruch
für Jugendliche aus dem Jugendarbeitsschutzgesetz,
für Erwachsene aus dem Bundesurlaubsgesetz.
Der gesetzliche Mindesturlaubsanspruch für Jugendliche beträgt:
mind. 30 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 16 Jahre alt ist,
mind. 27 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 17 Jahre alt ist,
Wer zu Beginn des Kalenderjahres 18 Jahre und älter ist, erhält Urlaub wie ein Erwachsener. Erwachsene Auszubildende haben einen gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch von 24 Werktagen (= 20 Arbeitstage).
Werktage sind alle Kalendertage, die nicht Sonntage oder gesetzliche Feiertage sind.
Der Samstag ist also ein Werktag und zählt als Urlaubstag auch dann, wenn er aufgrund tariflicher oder betrieblicher Regelung kein Arbeitstag ist. 24 Werktage entsprechen also 4 Wochen Urlaub.
Etwas anderes gilt nur dann, wenn der Urlaub nach Arbeitstagen (= Tage, an denen im Betrieb tatsächlich gearbeitet wird) vereinbart ist.
Den Zeitpunkt des Urlaubs bestimmt der Ausbildungsbetrieb, wobei die Wünsche des Auszubildenden zu berücksichtigen sind.
Bei Jugendlichen soll der Urlaub während der Berufsschulferien gewährt werden. Es müssen gravierende Gründe vorliegen, damit der Betrieb von dieser gesetzlichen Regelung abweichen darf.
Die in der Ausbildungsordnung angegebene Ausbildungszeit kann bereits beim Abschluss des Berufsausbildungsvertrages verkürzt werden. Verkürzungsgründe sind beispielsweise:
Lebensalter ≥ 21 Jahre
Mindestausbildungszeit
Einen Antrag auf Verkürzung der Ausbildungszeit erhalten Sie bei Ihrer Handwerkskammer.
In Ausnahmefällen kann die Handwerkskammer innerhalb der Lehrzeit auf Antrag des Auszubildenden die Ausbildungszeit verlängern, wenn die Verlängerung nachweislich erforderlich ist, um das Ausbildungsziel – den Erwerb beruflicher Handlungskompetenz – zu erreichen (§ 27b HwO). Längere Ausfallzeiten mit Verweis auf „Krankheit“ genügen nicht, um eine Verlängerung zu begründen, wenn der Leistungsstand trotz der krankheitsbedingten Ausfälle den Anforderungen entspricht. Die Genehmigung erfolgt durch die Handwerkskammer.
Einen Antrag auf Verlängerung der Ausbildungszeit erhalten Sie bei Ihrer Handwerkskammer.
Sechs Monate vor dem regulären Prüfungstermin kann ein Auszubildender nach einem Antrag auf Zulassung zur Prüfung zugelassen werden. Die vorzeitige Zulassung muss bei der durchführenden Stelle beantragt werden. Voraussetzungen sind gute bzw. überdurchschnittliche Leistungen im Ausbildungsbetrieb und in den prüfungsrelevanten Fächern der Berufsschule. Der Durchschnitt muss in den prüfungsrelevanten Fächern mindestens bei 2,49 liegen. Bescheinigungen des Betriebes und der Berufsschule, die über den aktuellen Leistungsstand des Auszubildenden umfassend Auskunft geben, müssen den Zulassungsunterlagen beigelegt werden.
Zusatzqualifikationen richten sich an Lehrlinge, die mehr machen möchten als „vorgeschrieben“ und ihre späteren Aussichten in Karriere und Beruf verbessern möchten. Betriebe können durch die Förderung von Zusatzqualifikationen parallel zur Ausbildung ihre Attraktivität im Wettbewerb um Nachwuchs oder die Motivation ihrer Auszubildenden erhöhen. Zusatzqualifikationen ergänzen eine Ausbildung durch zusätzliche Inhalte, die bereits während oder direkt im Anschluss an eine Berufsausbildung vermittelt werden.
Weitere Informationen zu Zusatzqualifikationen finden Sie unter www.ausbildungplus.de.