Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2015-08-25/x-zb-5_14
Timestamp: 2017-09-20 13:46:39
Document Index: 35484313

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 11', '§ 19', '§ 143', '§ 140', '§ 140', '§ 11', '§ 140', '§ 143', '§ 11', '§ 315', '§ 140', '§ 143', '§ 11', '§ 19', '§ 11', '§ 80', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11']

BGH, 25.08.2015 - X ZB 5/14 - Festsetzung der Patentanwaltsvergütung - Festsetzung der Patentanwaltsvergütung für die Vertretung einer Partei gegen den Auftraggeber | anwalt24.de
Beschl. v. 25.08.2015, Az.: X ZB 5/14
„Festsetzung der Patentanwaltsvergütung“
Festsetzung der Patentanwaltsvergütung für die Vertretung einer Partei gegen den Auftraggeber
Referenz: JurionRS 2015, 24111
Aktenzeichen: X ZB 5/14
Entscheidungsname: Festsetzung der Patentanwaltsvergütung
LG Braunschweig - 07.04.2014 - AZ: 9 O 2469/13
OLG Braunschweig - 17.06.2014 - AZ: 2 W 46/14
AGS 2015, 516-518
EBE/BGH 2015, 306-307
GRUR 2015, 8
GRUR 2015, 9
GRUR 2015, 1253-1255
GRUR-Prax 2015, 419
JurBüro 2015, 641-643
JZ 2015, 600
MDR 2015, 1206-1207
Mitt. 2015, 475-476
Mitt. 2015, 573
NJW-Spezial 2015, 668-669
RVG prof 2016, 22-23
RVGreport 2015, 417-418
Der X. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 25. August 2015 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Meier-Beck, die Richter Gröning, Dr. Grabinski, Hoffmann und die Richterin Dr. Kober-Dehm
I. Der Antragsteller wirkte für die Antragsgegnerin als Patentanwalt an einem Verfahren auf Erlass einer einstweiligen Verfügung mit, in dem die Antragsgegnerin wegen Verletzung eines europäischen Patents auf Unterlassung in Anspruch genommen wurde. Die Parteien des Verfügungsverfahrens schlossen einen Vergleich, in dem die Kosten des Verfahrens und des Vergleichs gegeneinander aufgehoben wurden.
(1) Nach einer Auffassung ist das in § 11 RVG vorgesehene Festsetzungsverfahren auch für den Patentanwalt eröffnet (BPatG [1. Senat], GRUR 2002, 732, [BPatG 25.03.2002 - 1 ZA (pat) 6/01] zu § 19 BRAGO; Benkard/Rogge/Grabinski, 10. Aufl., § 143 PatG Rn. 19; Ingerl/Rohnke, 3. Aufl., § 140 MarkenG Rn. 55; Ströbele/Hacker, 11. Aufl., § 140 MarkenG Rn. 58; Hartmann, Kostengesetze, 45. Aufl., § 11 RVG Rn. 22, sofern der Patentanwalt nach dem RVG abrechnet; Kurtz, Mitt. 2009, 507 ff.).
Die gegenteilige Auffassung benachteilige den Patentanwalt gegenüber dem Rechtsanwalt und sei nach Aufhebung der Erstattungsbeschränkungen in § 140 Abs. 5 MarkenG aF und § 143 Abs. 5 PatG aF, wonach Patentanwaltskosten vom Prozessgegner nur bis zur Höhe einer vollen Gebühr nach § 11 BRAGO und in Höhe der notwendigen Auslagen zu erstatten waren, nicht mehr sachgerecht (Ingerl/Rohnke, aaO; Kurtz, Mitt. 2009, 507, 508). Zwar fehle es für den Patentanwalt an einer gesetzlichen Regelung, die die Vergütung der Höhe nach festlege, wie dies für Rechtsanwälte mangels anderweitiger Vereinbarung der Fall sei. Die dem Patentanwalt geschuldete Vergütung lasse sich aber in gleicher Weise einfach ermitteln, so dass ihm die Möglichkeit des Festsetzungsantrags zuzubilligen sei. Die Gebührensätze der Rechtsanwaltsgebührenordnung seien als Billigkeitsmaßstab für die Berechnung der Vergütung der patentanwaltlichen Tätigkeit jedenfalls im Patentnichtigkeitsverfahren heranzuziehen. Sofern der Patentanwalt sein ihm nach § 315 BGB zustehendes Leistungsbestimmungsrecht nach Maßgabe dieser Gebührensätze ausübe, sei die Gebührenberechnung nicht aufwendiger als die Berechnung der Rechtsanwaltsvergütung. Im Hinblick auf die gebührenrechtliche Gleichberechtigung von Rechts- und Patentanwälten, die in § 140 Abs. 3 MarkenG und § 143 Abs. 3 PatG zum Ausdruck komme, spreche § 11 RVG, anders als noch § 19 Abs. 1 BRAGO, zudem nicht mehr von der dem Rechtsanwalt zustehenden gesetzlichen Vergütung, sondern von der gesetzlichen Vergütung, die zu den Kosten des gerichtlichen Verfahrens gehöre (BPatG, GRUR 2002, 732, 733 [BPatG 25.03.2002 - 1 ZA (pat) 6/01]).
(2) Nach der überwiegenden Auffassung, der sich das Beschwerdegericht angeschlossen hat, kann die Vergütung des Patentanwalts hingegen nicht nach § 11 RVG gegen den Auftraggeber festgesetzt werden (OLG Düsseldorf, InstGE 10, 57; OLG München, GRUR 1978, 450; Mitt. 2001, 91; BPatG [2. Senat], BPatGE 18, 164; Benkard/Schäfers, 10. Aufl., § 80 PatG Rn. 55; BeckOKRVG/v. Seltmann, § 11 RVG Rn. 3; Mayer/Kroiß, 6. Aufl., § 11 RVG Rn. 8; Gerold/Schmidt/Müller-Rabe, 21. Aufl., § 11 RVG Rn. 30; Hartung/Römermann, 2. Aufl., § 11 RVG Rn. 24).