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Timestamp: 2016-10-23 12:05:40
Document Index: 263511336

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_935/2009 (29.03.2010)
Der 1960 geborene S.________ war seit 1988 Gesch�ftsf�hrer der Firma C.________ AG und bei der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft (nachfolgend: Mobiliar) gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Am 1. Juli 2003 f�hrte er als Lenker eines Personenwagens ein �berholman�ver in einem Autobahntunnel aus und musste wegen eines Staus abbremsen, wobei er von einem nachfolgenden Sattelmotorfahrzeug seitlich touchiert wurde. Im Spital S.________ wurde gleichentags die Diagnose eines Halswirbels�ulen (HWS)-Distorsions-Traumas gestellt. Bereits am 5. Juli 2003 beschrieb der behandelnde Hausarzt, Dr. med. K.________, einen posttraumatischen Schockzustand, weshalb der Versicherte mit der Diagnose einer starken psychischen Traumatisierung mit Ausbildung einer reaktiven Depression einen vom 26. August bis zum 14. Oktober 2003 dauernden Rehabilitationsaufenthalt in der Clinik X.________ absolvierte. Es folgten zahlreiche weitere Behandlungen psychologisch/psychiatrischer Art, unter anderem ein station�rer Aufenthalt vom 26. April bis 29. Juni 2005 in der Klinik Y.________. Nach Einsicht in ein von ihr in Auftrag gegebenes interdisziplin�res Gutachten des Zentrums B.________ vom 14. August 2006 er�ffnete die Mobiliar S.________ mit Verf�gung vom 18. Dezember 2006, dass s�mtliche Versicherungsleistungen auf Ende Januar 2007 eingestellt w�rden. Daran hielt sie auch auf Einsprache hin fest (Entscheid vom 23. April 2007).
S.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren und beantragen, es sei ihm in Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides eine Invalidenrente von 100 % und eine Integrit�tsentsch�digung von 80 % zuzusprechen; allenfalls sei die Sache zur erg�nzenden Abkl�rung seiner k�rperlichen Beschwerden zur�ckzuweisen.
Die Mobiliar schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf Vernehmlassung.
Streitig und zu pr�fen ist, ob aus dem Unfall vom 1. Juli 2003 �ber den 31. Januar 2007 hinaus ein Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung besteht.
Die massgeblichen Rechtsgrundlagen sind im angefochtenen Entscheid zutreffend dargelegt. Das gilt namentlich auch f�r die Grunds�tze �ber den f�r einen Leistungsanspruch der obligatorischen Unfallversicherung erforderlichen nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden im Allgemeinen (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181 mit Hinweisen) sowie bei Beschwerden mit organisch klar ausgewiesenen Unfallfolgen (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103 mit Hinweisen), bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall (BGE 115 V 133; sog. Psycho-Praxis) und bei organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden nach Schleudertraumen der HWS (BGE 134 V 109; sog. Schleudertrauma-Praxis). Darauf wird verwiesen.
Das kantonale Gericht hat zun�chst ausgef�hrt, dass der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen den diagnostizierten psychischen Beschwerden (andauernde Pers�nlichkeits�nderung nach Extrembelastung und weiterbestehenden Symptomen der vorausgegangenen posttraumatischen Belastungsst�rung [ICD-10 F62.0 i.V.m. F43.1]) und dem versicherten Unfall unbestritten und zu bejahen ist.
Im weiteren hat die Vorinstanz erwogen, die noch bestehenden Beschwerden liessen sich nicht mit einer organisch objektiv ausgewiesenen Folge des Unfalls vom 1. Juli 2003 erkl�ren. Die demnach erforderliche besondere Pr�fung des ad�quaten Kausalzusammenhangs habe aufgrund der konkreten Gegebenheiten nach der Psycho-Praxis zu erfolgen. Diese Beurteilung beruht auf einer zutreffenden W�rdigung der Sach- und Rechtslage und ist nicht umstritten.
Strittig ist letztinstanzlich lediglich die Ad�quanz des Kausalzusammenhanges.
4.1 F�r die Beurteilung des ad�quaten Kausalzusammenhangs ist an das (objektiv erfassbare) Unfallereignis anzukn�pfen. Dabei bestimmt sich die Schwere des Unfalls nach dem augenf�lligen Geschehensablauf und nicht nach den Kriterien, welche bei der Beurteilung der Ad�quanz bei mittelschweren Unf�llen Beachtung finden. Zu pr�fen ist im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise, ob der Unfall eher als leicht, als mittelschwer oder als schwer erscheint, wobei im mittleren Bereich gegebenenfalls eine weitere Differenzierung nach der N�he zu den leichten oder schweren Unf�llen erfolgt (BGE 115 V 133 E. 6 S. 139 ff.; SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2, 3 und 4/07 E. 5.3.1).
4.1.1 Gem�ss Rapport der Polizei stellt sich das Ereignis vom ... wie folgt dar: Ein Sattelmotorfahrzeug fuhr auf der Autobahn A2 in einem Tunnel, als der Lenker wegen einer langsam fahrenden Kolonne stark abbremsen musste. Der Beschwerdef�hrer befand sich zu diesem Zeitpunkt mit seinem Personenwagen auf der linken Fahrbahn leicht nach hinten versetzt neben dem Sattelschlepper. Ein zweites Sattelmotorfahrzeug auf der rechten Spur bemerkte das Bremsman�ver des ersteren zu sp�t, wollte nach links ausweichen und fuhr schliesslich mit der rechten Seite gegen die linke Heckecke des vorderen Lastwagens und stiess mit seiner linken Seite gegen die rechte Seite des Personenwagens des Beschwerdef�hrers. Bei diesem wurden beide T�ren rechts, der vordere Kotfl�gel leicht und der hintere stark besch�digt. Das gleiche gilt f�r den hinteren rechten Pneu, die Felge, den R�ckspiegel und die T�rschwelle. Die linke Fahrzeugseite des Personenwagens wurde gem�ss Fotodokumentation und Reparaturkalkulation des Versicherungsexperten nicht besch�digt. Durch die Kollision wurde der Tank des einen Lastwagens aufgeschlitzt, sodass Diesel�l auf die Fahrbahn floss. Gem�ss eigenen Angaben erlitt der Beschwerdef�hrer einen zus�tzlichen Schrecken, als sich einer der Lastwagenfahrer im Freien eine Zigarette anz�ndete. Wegen des �ls auf der Fahrbahn bef�rchtete er eine Explosion. Die Zigarette wurde jedoch von einem Dritten schnell gel�scht; am Unfallort hat es nicht gebrannt.
4.1.2 Im angefochtenen Entscheid w�rdigt das kantonale Gericht den objektiv erfassbaren Unfallhergang ausf�hrlich und kommt zum Schluss, das Ereignis sei nach dem augenf�lligen Geschehensablauf als mittlerer Unfall im unteren Bereich zu qualifizieren. Die Vorinstanz kommt sodann zum Ergebnis, von den gem�ss BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140 zus�tzlich zu ber�cksichtigenden Kriterien sei - wenn �berhaupt - einzig dasjenige der besonders dramatischen Begleitumst�nde oder der besonderen Eindr�cklichkeit erf�llt, was aber letztlich offen gelassen werden k�nne, da im erw�hnten Bereich der Unfallschwere ein einziges zus�tzliches Kriterium, welches nicht in ausgepr�gter Weise vorliegt, nicht gen�ge, um die Ad�quanz des Kausalzusammenhanges zu bejahen.
Der Beschwerdef�hrer h�lt seinerseits daf�r, es handle sich nach der Beurteilung der Augenf�lligkeit um einen schweren Unfall, mindestens aber um einen solchen im mittleren Bereich an der Grenze zu den schweren. Zudem liege das Kriterium der besonderen Eindr�cklichkeit des Unfallgeschehens in ausgepr�gter Form vor.
4.1.3 Das Ereignis vom 1. Juli 2003 ist auf Grund der objektiv festgestellten Tatsachen im mittleren Bereich einzuordnen. Ob die Qualifikation im eigentlichen mittleren oder im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen anzusiedeln ist (vgl. Urteile 8C_897/2009 vom 29. Januar 2010, E. 4.1 und 8C_915/2008 vom 11. September 2009, E. 5.1), muss nicht abschliessend entschieden werden, da auch in dem f�r den Beschwerdef�hrer g�nstigeren Fall mindestens drei Zusatzkriterien erf�llt sein m�ssten, damit die Ad�quanz des Kausalzusammenhanges zwischen den psychischen Beschwerden und dem Unfall bejaht werden k�nnte (vgl. Urteil 8C_897/2009 vom 29. Januar 2010, E. 4.5). Das Ereignis vom 1. Juli 2003 stellt jedenfalls keinen schweren Unfall oder keinen mittleren im Grenzbereich zu den schweren Unf�llen dar. Autounf�lle, die mit vergleichbaren oder mit nicht geringeren Krafteinwirkungen verbunden sind, werden regelm�ssig dem mittleren Bereich zugeordnet (vgl. die beispielhafte Auflistung im Urteil 8C_915/2008 vom 11. September 2009, E. 5.1).
4.2.1 Hinsichtlich der zu beurteilenden Kriterien steht insbesondere dasjenige der besonderen Eindr�cklichkeit zur Diskussion. Der Beschwerdef�hrer argumentiert, er habe mehrfach Todes�ngste ausgestanden (Unfall im Tunnel, Auslaufen des Benzins und Gefahr durch den rauchenden Lastwagenfahrer) und sieht diesen Punkt als ausgepr�gt erf�llt.
4.2.2 Dieses Kriterium ist objektiv zu beurteilen und nicht auf Grund des subjektiven Empfindens beziehungsweise des Angstgef�hls der versicherten Person (Urteil 8C_915/2008 vom 11. September 2009, E. 5.3 mit zahlreichen Hinweisen). Ob es (knapp) erf�llt ist, kann aber mit der Vorinstanz letztlich offen gelassen werden, ist es doch bei objektiver Betrachtungsweise keinesfalls als ausgepr�gt zu qualifizieren. Tatsache ist, dass der Beschwerdef�hrer nicht "an der Tunnelwand zerquetscht" (vgl. Beschwerde S. 7) wurde, und dass es trotz des ausgelaufenen Treibstoffes zu keinem Brand im Tunnelinnern kam. Der Beschwerdef�hrer argumentiert mit seinen subjektiven Angstgef�hlen hinsichtlich eines in seiner Vorstellung m�glichen schlimmen Verlaufs des Unfallablaufs und nicht mit dem tats�chlichen Geschehen, was - wie dargelegt - keine Ber�cksichtigung finden kann.
4.2.3 Nicht stichhaltig ist auch seine Argumentation hinsichtlich der Kriterien des schwierigen Heilungsverlaufs, der k�rperlichen Dauerschmerzen und der ungew�hnlich langen Dauer der �rztlichen Behandlung, sind doch bei der Beurteilung gem�ss BGE 115 V 133 nur die somatischen Unfallfolgen zu ber�cksichtigen. Diese haben ausweislich der medizinischen Akten von Beginn an eine sehr untergeordnete Rolle gespielt. Die Heilbehandlung konzentrierte sich bereits wenige Wochen nach dem Unfall auf die psychische Fehlentwicklung. Es gibt keine organische Ursache f�r die vom Beschwerdef�hrer angegebenen Dauerschmerzen und auch die Arbeitsf�higkeit war einzig wegen der psychischen Erkrankung eingeschr�nkt. Das kantonale Gericht hat damit die Ad�quanz des Kausalzusammenhanges zwischen den psychischen Beschwerden und dem Unfall vom 1. Juli 2003 zu Recht verneint und folgerichtig die Einstellung der Versicherungsleistungen durch die Mobiliar gesch�tzt.