Source: https://www.saarland.de/kinderschutz.htm
Timestamp: 2019-02-19 17:55:46
Document Index: 209909389

Matched Legal Cases: ['§1', '§ 1', '§ 20', '§ 21', '§ 28', '§ 4']

Kinderschutz | Saarland.de
Allgemeine Prävention/Lebenskompetenz
Extremismus/Fremdenfeindlichkeit
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"Schule gegen sexuelle Gewalt" im Saarland. Eine Initiative für den verbesserten Schutz von Mädchen und Jungen vor sexualisierter Gewalt
"Im Rahmen ihres Unterrichts- und Erziehungsauftrages trägt die Schule in Wahrnehmung ihrer Fürsorgepflicht für den Schutz der Kinder vor Gewalt, Vernachlässigung, Ausbeutung sowie leiblicher, geistiger oder sittlicher Verwahrlosung Sorge." (§1 Abs. 2b Schulordnungsgesetz)
Foto: Uta Thien-Seitz / pixelio.de
Bundesweit erleiden jedes Jahr tausende Schülerinnen und Schüler sexualisierte Gewalt – zumeist in der eigenen Familie, im sozialen Umfeld, aber auch in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen und zunehmend auch durch die digitalen Medien. Die betroffenen Mädchen und Jungen sind auf kompetente Ansprechpersonen angewiesen, die ihre Signale erkennen und wissen, was sie im Verdachtsfall zu tun haben. Da wir nur in der Schule nahezu alle Kinder und Jugendlichen erreichen können, ist die Schule für den Kinderschutz ein bedeutender Ort. Bei vielen Menschen bestehen jedoch große Unsicherheiten im Umgang mit sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.
Lehrkräfte sind wichtige Schlüsselpersönlichkeiten, um Mädchen und Jungen besser vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Mit einem passgenauen Schutzkonzept wird die Schule zu einem geschützteren Ort an dem betroffene Kinder und Jugendliche ein vertrauensvolles Gegenüber finden. Natürlich fangen die Schulen dabei nicht bei „null“ an. Viele Aspekte eines Schutzkonzeptes werden bereits heute im schulischen Alltag umgesetzt. Dazu gehört beispielsweise auch die Zusammenarbeit mit den Jugendämtern, der Schulsozialarbeit und dem Schulpsychologischen Dienst sowie mit den Beratungs- und Fachstellen wie z.B. Nele, PHOENIX, pro familia oder SOS-Kinderschutz bei Maßnahmen der Prävention und auch der Intervention.
Lehrkräfte sollen keinesfalls dazu angehalten werden, gezielt nach einschlägigen und letztlich fast immer mehrdeutigen Indizien für einen sexuellen Übergriff/Missbrauch zu suchen oder im Verdachtsfall eigene Ermittlungen anzustellen. Dennoch sind sie gefordert, nicht die Augen zu verschließen vor dem Leid und den Problemen der betroffenen Kinder. Insbesondere die von den Schülerinnen und Schülern als Vertrauenspersonen gewählten Verbindungslehrkräfte genießen hohes Vertrauen und stehen betroffenen Kindern als Ansprechpartner/-in auch für Fragen des sexuellen Missbrauchs zur Verfügung. Selbstverständlich können sich Kinder und Jugendliche alternativ an alle Personen ihres persönlichen Vertrauens wenden. Dazu gehören die Klassenlehrkräfte und vor allem auch die Schoolworkerinnen und Schoolworker bzw. die Schulsozialarbeiter/-innen. Mit ihnen werden häufig auch solche Themen erörtert, über die Betroffene sonst eher nicht offen reden.
Start von ,,Schule gegen sexuelle Gewalt" im Saarland – eine Initiative für den verbesserten Schutz von Mädchen und Jungen vor sexualisierter Gewalt am 24.Januar 2019
Im Saarland wird die Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ am 24. Januar 2019 durch Minister Ulrich Commerçon und den Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes Wilhelm Rörig, offiziell gestartet. Die Initiative will für die Entwicklung von passgenauen Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt werben. Viele der Bestandteile eines solchen Schutzkonzeptes werden bereits heute im schulischen Alltag umgesetzt.
Gemeinsames Schreiben von Herrn Johannes Wilhelm-Rörig und Minister Commerçon an die Leiterinnen und Leiter der Schulen im Saarland (PDF 0,52 MB)
/dokumente/thema_bildung/Anschreiben_Saarland.pdf
Initiative "Schule gegen sexulle Gewalt"
Sexualisierte Gewalt erzeugt bei allen Betroffenen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, ein überwältigendes Gefühl des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit. Die mit zum Teil extremen Druckmitteln erzwungene Geheimhaltung verurteilt zur Sprachlosigkeit, so dass es oftmals ein langer Weg ist, bis es den Betroffenen gelingt, sich jemandem anzuvertrauen. Obwohl insbesondere in diesen Wochen immer wieder Fälle ans Licht der Öffentlichkeit gelangen, bleibt die Dunkelziffer sehr groß. Noch immer sehen viele Menschen weg oder wissen nicht, wie sie bei einem Verdacht reagieren sollen. Betroffene Mädchen und Jungen brauchen jedoch erwachsene Bezugspersonen, die ausreichend informiert und handlungsfähig sind, damit die Opfer vor weiterem Missbrauch geschützt werden und Hilfe erfahren können.
Ausführliche Informationen zur Thematik bietet die Website des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM). Sie bildet das zentrale Informationsportal für das Themenfeld des sexuellen Kindesmissbrauchs in der Bundesrepublik Deutschland. Das Portal gibt Einblick in die Arbeit des UBSKM, dokumentiert Aktivitäten sowie Entwicklungen und bietet zahlreiche Informationen und Hilfestellungen für Betroffene, Angehörige, Fachkräfte und Interessierte.
Auf dem Portal der Initiative "Schule gegen sexuelle Gewalt" finden Schulen Informationen und Hilfestellungen, um Konzepte zum Schutz vor sexueller Gewalt zu erarbeiten.
Portal Schule gegen sexuelle Gewalt des UBSKM (extern)
Initiative "Kein Raum für Missbrauch" (extern)
Schutzkonzept "Schule gegen sexuelle Gewalt"
In einem passgenauen Schutzkonzept legt eine Schule beispielsweise systematisch fest, wie im Verdachtsfall oder im konkreten Fall gehandelt werden muss (Interventionsplan). Sie legt aber auch fest, welche Maßnahmen zur Prävention von sexualisierter Gewalt sie etablieren will. Es gibt verbindliche Verhaltensvereinbarungen im Kollegium, es gibt Ansprechpersonen und Beschwerdestrukturen. Verankert ist das alles im Leitbild der Schule oder in ihrem Schulprofil, um so der Öffentlichkeit gegenüber deutlich zu machen, dass die Schule sich ihrer Verantwortung bewusst ist und diese kompetent wahrnimmt.
Bei der Erarbeitung eines Schutzkonzeptes sind folgende wichtige Aspekte zu beachten:
Leitbild: Verankerung des Ziels, Schülerinnen und Schüler vor sexualisierter Gewalt zu schützen im Leitbild der Schule oder im Schulprogramm
Interventionsplan: Festlegung der Vorgehensweise bei einem Verdachtsfall von sexualisierter Gewalt
Kooperation: Unterstützung und Beratung z.B. durch Schulsozialarbeit, Jugendhilfe, Insoweit erfahrende Fachkräfte (INSOFA), Schulpsychologischen Dienst und Beratungsstellen
Personalverantwortung: Sensibilisierung für die Übernahme von Verantwortung und die Vertretung klarer Standpunkte
Fortbildung: Vermittlung von Wissen und Sensibilisierung für den Kinderschutz
Kodex: Festlegung von Verhaltensvereinbarungen im Kollegium
Partizipation: Stärkung der schulischen Mitbestimmung und des Zugangs zu Kinderrechten
Prävention: Nutzung von Präventionsmaßnahmen und präventive Erziehung im Schulalltag
Ansprechstellen und Beschwerdestrukturen: Z.B. Vertrauenslehrkräfte, Schoolworker/-innen, "Kummerkasten", Sorgentelefon
Ein standardisiertes Schutzkonzept gegen sexuelle Gewalt gibt es nicht. Jede Schule muss ihren eigenen Weg zu ihrem schulischen Schutzkonzept planen und gehen – unter Berücksichtigung der jeweiligen Bedingungen vor Ort.
Ausführliche Informationen zu den einzelnen Aspekten eines Schutzkonzeptes beim UBSKM (extern)
Das Übereinkommen über die Rechte des Kindes, kurz UN-Kinderrechtskonvention (Convention on the Rights of the Child, CRC), wurde am 20. November 1989 von der UN-Generalversammlung angenommen. Es besteht aus insgesamt 54 Artikeln und basiert auf vier Grundprinzipien: dem Diskriminierungsverbot, dem Recht auf Leben und persönliche Entwicklung, dem Beteiligungsrecht und dem Kindeswohlvorrang. In der Bundesrepublik Deutschland gilt die Kinderrechtskonvention seit dem 5. April 1992. Seither wird darüber diskutiert, Kinderrechte ausdrücklich im Grundgesetz zu verankern. Der aktuelle Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht eine solche Grundgesetzänderung vor.
Das Saarland hat im September 2007 Kinderrechte in die Verfassung des Saarlandes aufgenommen (Artikel 24 a und 25), um die Position der Schwächsten in unserer Gesellschaft zu stärken und Kindern eine gewaltfreie Kindheit und Jugend zu gewährleisten.
Im Anschluss hieran wurde die Verfassungsänderung im Schulbereich nachvollzogen. Der Schutzauftrag wird seither in § 1 Absatz 2 b Schulordnungsgesetz (SchoG) zentral formuliert. Demnach trägt die Schule im Rahmen ihres Unterrichts- und Erziehungsauftrages in Wahrnehmung ihrer Fürsorgepflicht für den Schutz der Kinder vor Gewalt, Vernachlässigung, Ausbeutung sowie leiblicher, geistiger oder sittlicher Verwahrlosung Sorge. In den § 20 a Absatz 3 Satz 2, § 21 Absatz 5, § 28 Absatz 4 des Schulordnungsgesetzes wird dieser Schutzauftrag im Hinblick auf Schulleitung, Lehrkräfte und Schulpsychologischen Dienst konkretisiert.
Nach In-Kraft-Treten des Bundeskinderschutzgesetzes (BKiSchG) wurde das saarländische Schulordnungsgesetz an die bundesgesetzliche Regelung angepasst (Gesetz vom 17.06.2015; Amtsbl. I S. 446).
Unicef Materialien "Kinderrechte machen Schule" (extern)
Allgemeine Prävention - Kinder stark machen
Prävention sexualisierter Gewalt hat das Ziel, Kinder und Jugendliche stark zu machen, indem sie zur Entwicklung einer selbstbewussten und selbständigen Persönlichkeit beitragen.
Folgende Angebote sind Beispiele für eine Allgemeine Prävention zur Stärkung der Persönlichkeit (sog. Lifeskills-Programme)
Kindergarten: „Freunde“ (Rotary-Clubs), „Kindergarten plus“
Grundschule: "Klasse2000"
Sek. I: „Erwachsen werden“ (Lions Quest)
Erlebnispädagogik (wir im Verein mit dir e.V., Landesinstitut für Präventives Handeln)
Sexualerziehung leistet einen wichtigen Beitrag dazu, Selbstbestimmung und Lebenskompetenz bei jungen Menschen zu entwickeln. Sie soll über nicht tolerierbares beziehungsweise strafrechtlich relevantes Verhalten wie sexuellen Missbrauch und sexualisierte Gewalt aufklären und dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche nicht nur das erforderliche Wissen erwerben, sondern auch das notwendige Selbstbewusstsein entwickeln, um sich Hilfe und Beratung zu holen und um sich Vertrauenspersonen zu offenbaren. Dies ist insbesondere auch bei Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung anzustreben, da der Grad ihrer Beeinflussbarkeit und der damit verbundenen Gefährdung ungleich höher ist.
Die Lehrpläne unterschiedlicher Fächer bieten entsprechende Anknüpfungspunkte, um sich mit der Thematik auseinanderzusetzen:
Grundschule: Lehrplanentwurf Sachunterricht 3/4, Thema Sexualerziehung: Verhaltensempfehlungen in Risikosituationen
- Lehrplan Naturwissenschaften, Klassenstufen 5 und 6, Erprobungsphase 2014, Themenfeld „Erwachsen werden“, Inhalt: Sexueller Missbrauch/sexuelle Gewalt
- Lehrplan Biologie, Klassenstufen 9 und 10, Erprobungsphase 2016, Themenfeld „Erwachsen werden II“, Inhalt: Missbrauch
- Biologie, Gymnasium, Klassenstufe 5, Bau und Leistungen des menschlichen Organismus I: Missbrauch von Sexualität
- Biologie, Gymnasium, Klassenstufe 6, Bau und Leistungen des menschlichen Organismus II: Missbrauch von Sexualität
Schulische Präventionsmaßnahmen werden unterstützt durch Angebote von Ausstellungen und Theaterstücken, die Schülerinnen und Schüler interaktiv ansprechen:
„Echt Klasse“ (PETZE-Institut für Gewaltprävention gGmbH, Kiel)
Die Ausstellung, die Grundschulen im Saarland bei Nele abrufen können, bietet Mädchen und Jungen im Grundschulalter einen Erlebnisrahmen, in dem sie sich spielerisch und handlungsorientiert mit den Präventionsprinzipien auseinandersetzen können.
Theateraufführung „Ganz schön blöd“ für Grundschulen im Saarland“. Das Theaterstück, das den Schulen durch Nele angeboten wird, will Kindern Mut machen sich gegen Angstmache, Erpressung und sexuelle Belästigung zu wehren und sich Hilfe zu holen.
Der interaktive Präventionsparcours "Echt krass" (PETZE-Institut für Gewaltprävention gGmbH, Kiel) will eine Stärkung der sozialen Kompetenz und eine Sensibilisierung der Jugendlichen erreichen und vermittelt Handlungsalternativen und Auswege aus der sexualisierten Gewalt.
Ausstellung "Echt Klasse" zur Ausleihe im Saarland (extern)
Ausstellung "Echt Krass" zur Ausleihe im Saarland (extern)
Intervention bei Kindeswohgefährdung
Laut Schulordnungsgesetz
trägt die Schule im Rahmen ihres Unterrichts- und Erziehungsauftrages und in Wahrnehmung ihrer Fürsorgepflicht für den Schutz der Kinder vor Gewalt, Vernachlässigung, Ausbeutung sowie leiblicher, geistiger oder sittlicher Verwahrlosung Sorge,
ist der Schulpsychologische Dienst ist bei der Klärung von Sachverhalten in Zusammenhang mit Gefährdungen des Kinderwohls einzubinden,
findet § 4 des Gesetzes zur Kooperation und Information im Kinderschutz Anwendung wenn die Schulleiterin oder der Schulleiter davon Kenntnis erhält, dass gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des leiblichen, geistigen oder seelischen Wohls einer Schülerin oder eines Schülers bestehen
Ausführliche Leitfäden sowie Empfehlungen zur Vorgehensweise stehen zum Download zur Verfügung.
Eine generelle Anzeigepflicht bei sexuellem Missbrauch besteht in Deutschland nicht. Dies wird damit begründet, dass es den Opfern weiterhin möglich sein muss, sich jemandem anzuvertrauen — ohne dass zwangsläufig Anzeige erstattet und ein Strafverfahren eingeleitet wird. Andererseits wird das Verhalten von Institutionen kritisiert, dass diese die Erstattung von Strafanzeigen bei Missbrauchsverdacht unterlassen hätten, um Missbrauchsfälle in ihren Reihen zu vertuschen.
Damit daraus keine Vertuschung abgeleitet wird, gibt es inzwischen unabhängige Stellen, bei denen im Kinder- und Jugendbereich arbeitende Institutionen den Verdacht bis zur Kenntnis von sexueller Gewalt melden müssen. Für die Schule ist diese Stelle die Schulaufsicht.
Zudem gibt es die „Leitlinien zur Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden"wobei dort deutlich hingewiesen wird, dass das Kindswohl nicht gefährdet sein darf. Daraus ergibt sich sinnvoller Weise die Einbeziehung einer Fachstelle gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern und deren Insofern erfahrenen Fachkraft (INSOFA).
Kooperationsleitfaden für Jugendhilfe und Schule zum Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung – Landkreis Neunkirchen (extern)
Kooperationsleitfaden für Jugendhilfe und Schule zum Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung - Regionalverband Saarbrücken (extern)
Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz (extern)
Empfehlung Verdacht auf Kindeswohlgefaehrdung (PDF 0,1 MB)
/dokumente/thema_bildung/Empfehlung_Verdacht_auf_Kindeswohlgefaehrdung.pdf
Empfehlung Vorgehensweise Sexualisierte Gewalt (PDF 0,36 MB)
/dokumente/thema_bildung/Empfehlung__Vorgehensweise__Sexualisierte_Gewalt.pdf
Aufklärungs- und Informationsmaterialien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
In der Bibliothek des LPM können Medienpakete zum Thema ausgeliehen werden.
Eine Informationsbroschüre "Prävention gegen sexuelle Gewalt" kann beim Familienministerium bezogen werden.
Kooperationsleitfaden für Jugendhilfe und Schule zum Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung.1. überarbeitete Auflage nach dem Schulordnungsgesetz 2015 (Regionalverband Saarbrücken
Kooperationsleitfaden für Jugendhilfe und Schule zum Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung, Landkreis Neunkirchen
Das Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) wird sein bisheriges Fortbildungsangebot zur Thematik ab dem Frühjahr 2019 noch erweitern und in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium und der Beratungsstelle SOS-Kinderschutz zusätzlich ein zusätzliches Format mit dem Schwerpunkt „Schutzkonzepte“ anbieten.
Workshop 1 (ganztägige Veranstaltung)
„Kinderschutz“: Rechtliche Grundlagen und Interventionsplan, sexualisierte Gewalt als Gefährdung des Kindeswohls
„Schutzkonzept“: Definition und Bedeutung, Verantwortung, Aspekte eines wirksamen Schutzkonzepts, Vorgehensweise bei der Entwicklung
Im Workshop werden Schwerpunktthemen für den vertiefenden Workshop 2 vereinbart.
Workshop 2 (Nachmittagsveranstaltung)
Risikoanalyse: Strukturen, Situationen oder Routinen, die besondere Risiken bergen
Potenzialanalyse: Keine Schule fängt bei „null“ an. Schon eingeführte präventive Strukturen
Intervention: (Weiter)Entwicklung verbindlicher Verfahren für den Umgang mit vermuteten oder erwiesenen Fällen sexueller Grenzverletzungen innerhalb und außerhalb der Institution
Prävention: Angebote für Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern, Verhaltenskodex und Leitbild der Schule
Kinderrechte: Beteiligung und Beschwerdestrukturen
Kooperation: Fortbildung und Beratungsstrukturen
Im Workshop wird mit Erfahrungsberichten und Fallbeispielen aus den Schulen, gearbeitet.
Pädagogischer Tag zur bedarfsimplementierten Umsetzung am Schulstandort.
Dr. Bildung Spengler, Bildungs- und Chancengleichheit, LPM
Hilla Hassdenteufel, Prävention, LPM
Staffel 1: 15.03.2019, 8:30 Uhr - 15:30 Uhr und 13.05.2019, 14:30 Uhr- 18:00 Uhr
Staffel 2: 13.09.2019, 8:30 Uhr - 15:30 Uhr und 4.11.2019, 14:30 - 18:00 Uhr
Staffel 3: 3.04.2020, 8:30 Uhr bis 15:30 Uhr und 29.05.2019, 14:30 Uhr - 18:00 Uhr
Teilnehmer/-innen: Vertreter/-innen aller Schulformen, die Teilnehmerzahl ist begrenzt
Referentin: Petra Ludt-Vogelgesang, Beratungszentrum Kinderschutz SOS Kinderdorf Saarbrücken
Ort: Landesinstitut für Pädagogik und Medien, Beethovenstraße 26, 66125 Saarbrücken
Fortbildungsangebote des LPM - Veranstaltungssuche (extern)
Seit Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes (BKiSchG) haben die Lehrkräfte und damit auch die Schulleitung zur Einschätzung der Kindeswohlgefährdung gegenüber dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe Anspruch auf Beratung durch eine insoweit erfahrene Fachkraft (sog. INSOFA).
Vor allem beim Verdacht auf sexuelle Gewalt bzw. sexuelle Übergriffe wird die INSOFA von Schulen in der Regel einbezogen. Zu den Institutionen, die dabei von den Schulen angefragt werden können, gehörten
NELE gegen sexuelle Ausbeutung von Mädchen,
PHOENIX gegen sexuelle Ausbeutung von Jungen,
SOS – Kinderschutz und Beratung Saar, sowie
NEUE WEGE, eine Beratungsstelle zur Rückfallvorbeugung sexuell übergriffiger Minderjähriger.
Die Beratung und Unterstützung dieser Anlaufstellen ist für Ratsuchende aus dem ganzen Saarland kostenlos und kann auf Wunsch auch anonym in Anspruch genommen werden.
Ansprechpersonen für die Beratung im Verdachtsfall oder bei konkreten Vorfällen sind natürlich auch die Schulsozialarbeiter/-innen bzw. die Schoolworker/-innen in der Schule sowie der zuständige Schulpsychologische Dienst.
NELE gegen sexuelle Ausbeutung von Mädchen (extern)
PHOENIX gegen sexuelle Ausbeutung von Jungen (extern)
Clickit! Tipps gegen sexuellen Missbrauch im Chat (Zartbitter Köln e.V.) (extern)
Beratungsstellen mit Insofern erfahrenen Fachkräften (INSOFA)
Beratungsstellen mit Insofern erfahrenen Fachkräften (INSOFA) (PDF 0,06 MB)
/dokumente/thema_bildung/Beratungsstellen_mit_INSOFA.pdf
Das Bundeskinderschutzgesetz regelt den umfassenden, aktiven Kinderschutz in Deutschland. Es basiert auf den beiden Säulen Prävention und Intervention. Ziel des Gesetzes ist es, das Wohl von Kindern und Jugendlichen zu schützen und ihre körperliche, geistige und seelische Entwicklung zu fördern. Zentrale Grundlagen sind u.a. die Ergebnisse aus der Arbeit der Runden Tische "Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren" und "Sexueller Kindesmissbrauch".
Wesentliche Regelungen mit Bezug zu Schulen, die auch in den Leitfäden und Empfehlungen berücksichtigt sind:
Wer eine hauptamtliche Tätigkeit in der Kinder- und Jugendhilfe aufnehmen möchte, ist verpflichtet ein erweitertes Führungszeugnis vorzulegen. Durch das Bundeskinderschutzgesetz wurde diese Verpflichtung auch auf die ehren- und nebenamtlich Tätigen ausgeweitet. Dies gilt auch für die Schule.
Werden Lehrerinnen oder Lehrern an öffentlichen und an staatlich anerkannten privaten Schulen in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder eines Jugendlichen bekannt, so sollen sie mit dem Kind oder Jugendlichen und den Personensorgeberechtigten die Situation erörtern und, soweit erforderlich, bei den Personensorgeberechtigten auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinwirken, soweit hierdurch der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird.
Zur Einschätzung der Kindeswohlgefährdung besteht gegenüber dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe ein Anspruch auf Beratung durch eine insoweit erfahrene Fachkraft. Sie sind zu diesem Zweck befugt, dieser Person die dafür erforderlichen Daten zu übermitteln; vor einer Übermittlung der Daten sind diese zu pseudonymisieren.
Scheidet eine Abwendung der Gefährdung aus oder ist erfolglos und wird ein Tätigwerden des Jugendamtes für erforderlich gehalten, um eine Gefährdung des Wohls eines Kindes oder eines Jugendlichen abzuwenden, so sind Lehrkräfte befugt, das Jugendamt zu informieren; hierauf sind die Betroffenen bzw. die Eltern vorab hinzuweisen, es sei denn, dass damit der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen in Frage gestellt wird. Zu diesem Zweck sind die Lehrkräfte befugt, dem Jugendamt die erforderlichen Daten mitzuteilen.
Das Bundeskinderschutzgesetz - Der Inhalt in Kürze (extern)
Das Bundeskinderschutzgesetz - Text (extern)
Erlass betreffend die Vorlage eines Erweiterten Führungszeugnisses im schulischen Bereich (extern)
Kein Raum für Missbrauch - Schule gegen sexuelle Gewalt
Johannes Wilhelm Rörig: "Mit der Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ möchten wir Schulleitungen und Kollegien ermutigen und fachlich unterstützen, sich mit dem komplexen und sehr emotionalen Thema sexueller Kindesmissbrauch professionell auseinanderzusetzen. Unser Ziel ist es, dass alle Schulen Konzepte zum Schutz vor sexueller Gewalt (weiter-)entwickeln, damit Kinderschutz im Schulalltag selbstverständlich wird. Nur durch das Engagement jeder Schule kann es schrittweise zu einem Rückgang der unverändert hohen Fallzahlen kommen. Schulen können Kinder und Jugendliche wirkungsvoll schützen und ihnen helfen, unabhängig davon, ob sie sexuelle Gewalt in der Familie, in der Schule, in der Freizeit oder über das Internet erleiden."
Sexualerziehung als Beitrag zur Prävention sexualisierter Gewalt
Die Richtlinien leisten einen wichtigen Beitrag dazu, Selbstbestimmung und Lebenskompetenz bei jungen Menschen zu entwickeln. Sie sollen über nicht tolerierbares beziehungsweise strafrechtlich relevantes Verhalten wie sexualisierte Gewalt aufklären und dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche das notwendige Selbstbewusstsein entwickeln, um sich Hilfe zu holen und sich Vertrauenspersonen zu offenbaren. Dies ist insbesondere auch bei Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung anzustreben, da der Grad ihrer Beeinflussbarkeit und der damit verbundenen Gefährdung ungleich höher ist. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass sowohl zeitlich als auch inhaltlich Sexualkundeunterricht strikt von dem Thema „Sexuelle Gewalt" getrennt wird.