Source: https://www.diplom.de/document/223793
Timestamp: 2020-08-15 20:27:11
Document Index: 340928448

Matched Legal Cases: ['Art. 48', 'Art. 2', 'Art. 14', 'Art. 8', 'Art. 48', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art 17', 'Art. 38', 'Art. 4']

Should I stay or should I go? - Diplom.de
Magisterarbeit, 2004, 129 Seiten
Fritz Heil (Autor)
1. Arbeitsmobilität in Europa
3. Theoretischer Ansatz
4. Aufbau und methodische Vorgehensweise
II. Why should I stay - why should I go?
II.1 Der gemeinsame Arbeitsmarkt in Europa
1.1 Die Schaffung des europäischen Binnenmarktes
1.2 Arbeitsmobilität und die effizientere Nutzung der Produktionsfaktoren in Integrationsräumen
1.3 Das neoklassische Arbeitsmarktmodell
1.4 Zur Kritik am neoklassischen Modell
1.5 Ungleichgewichte durch makroökonomische Schocks
II.2 Determinanten der Arbeitnehmermobilität in der migrationstheoretischen Diskussion
2.1 Migrationstheorien im Vergleich
2.2 Mobilität und Immobilität im push-pull Modell
2.3 Migrationstheoretische Ansätze aus der Ökonomie
2.4 Economics of immobility. Der insider-advantage-approach
2.5 Zusammenfassung und Operationalisierung
III. Staying and Going
III.1 Die Arbeitnehmerfreizügigkeit
1.1 Was bedeutet Freizügigkeit?
1.2 Die Unionsbürgerschaft und das Recht auf Freizügigkeit
1.3 Die Freizügigkeit der Arbeitnehmer im gemeinsamen europäischen Markt
1.4. Die Ausgestaltung der Arbeitnehmerfreizügigkeit im einzelnen
II.2 Ost-West-Wanderung in Deutschland seit der Wiedervereinigung
2.1. Ost-West-Wanderung in Deutschland seit 1945
2.2 Richtung der Binnenwanderung in Deutschland
2.3 Volumen der Binnenwanderung in Deutschland
2.4 Die Mikro-Ebene. Wer wandert und warum?
III.3 Arbeitsmobilität in Europa
3.2 Der Nordische Arbeitsmarkt
3.2.1 Kulturelle, sprachliche und historische Rahmenbedingungen
3.2.2 Die Schaffung eines gemeinsamen nordischen Arbeitsmarktes
3.2.3 Mobilität auf dem nordischen Arbeitsmarkt
3.3 Das deutsch–niederländische Grenzgebiet
3.3.1 Historische und politische Rahmenbedingungen
3.3.2 Mobilität von Höherqualifizierten im deutsch-niederländischen Grenzgebiet
3.4 Grenzpendler in der Großregion um Luxemburg und das Saarland
3.4.1 Wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen in der Großregion
3.4.2 Die sprachliche Situation
3.4.3 Grenzpendler in der Großregion
3.4.4 Gerichteter Zusammenhang zwischen Pendlersaldo und Wohlstandsgefälle?
4. Fehlerquellen, Methodenreflektion
5. Ausblick: Die Erweiterung der EU, Arbeitskräfteschwemme aus Osteuropa?
VI. Abkürzungs- und Abbildungsverzeichnis
Wie mobil sind Arbeitnehmer innerhalb der Grenzen des europäischen Binnenmarktes und wie wirken die nationalstaatlichen Grenzen im gemeinsamen europäischen Arbeitsmarkt?[1]
Migration[2] ist so alt wie die Menschheit. Als Jäger und Sammler den Jahreszeiten und Nahrungsmittelquellen zu folgen und sich den Naturgewalten anzupassen, macht den größten Teil der Menscheitsgeschichte aus.[3] Über mehrere Generationen an einem Ort sesshaft zu sein, markiert dagegen nur eine kurze Periode[4]. Eine noch jüngere Erfindung der Menschen ist es, in politisch, nach innen und außen verteidigten Territorien als geografisch-räumlich verbundene Einheiten zu leben.[5]
Erst vor dem Hintergrund der Durchsetzung der Idee des Nationalstaates wird verständlich, dass Migration nicht mehr als eine relativ dauerhafte Lebensform betrachtet wurde, sondern als der zu einem bestimmten Zeitpunkt exzeptionell erfolgende Übergang von einem Wohnort zu einem anderen.[6]
In Europa ist seit 1968 die Freizügigkeit für Arbeitnehmer innerhalb der Grenzen des europäischen Binnenmarktes rechtlich erneut ermöglicht worden. Die Anzahl der EU-Bürger, die im EU-Ausland leben und arbeiten, bleibt jedoch auf einem niedrigen Niveau. Die Nationalstaatengrenzen wirken auf Arbeitsmobilität fort.[7] Dies ist nicht weiter dramatisch. Jeder Bürger sollte an dem Ort arbeiten und wohnen, an dem er sich am wohlsten fühlt. Zu fragen ist jedoch, warum EU-Bürger nicht in dem Maße ihr Recht wahrnehmen ihren Wohnort auch über die Nationalstaatengrenzen hinweg zu verlassen, um durch einen anderen Arbeitsplatz ihren individuellen (materiellen) Lebensstandard zu erhöhen. Dies betrifft sowohl Menschen ohne Arbeit, als auch jene Arbeitnehmer, die in einer anderen Region Europas durch das Ausüben der selben Tätigkeit einen höheren Lohn erwarten können. Denn das Wohlstandsgefälle innerhalb der EU ist weiterhin beträchtlich.[8]
Arbeitsmobilität kann nicht nur den materiellen Wohlstand des Einzelnen und seiner Familie erhöhen. Sie ist nach der liberalen Wirtschaftstheorie auch gesamtwirtschaftlich von Nutzen.[9]
Warum es lohnt sich mit Arbeitsmobilität zu beschäftigen.
Freizügigkeit für die Arbeitnehmer der Europäischen Gemeinschaft ist seit der Unterzeichnung des Vertrages zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) 1957 erklärtes Ziel europäischer Politik.[10] Die Bestimmungen dienten nicht um den Bürgern der EWG möglichst viel Reisefreiheit und Konfort zu gewährleisten. Sie waren viel mehr Teil des Programms zur Schaffung eines gemeinsamen Marktes.[11]
Mit Beschluss der Schengener Übereinkommen[12] und der schrittweisen Abschaffung der Personenkontrollen an den Binnengrenzen wurde der freie Personenverkehr zu einem für viele Bürger direkt erfahrbaren Zeichen der europäischen Integration.
Im Zuge der EU-Osterweiterung steht die Freizügigkeit erneut zur Diskussion. Die Erweiterung der EU nach Osten zieht aufgrund der großen Zahl der neuen Mitgliedsstaaten und der wirtschaftlichen Diskrepanz zwischen alten und neuen Mitgliedern eine Vielzahl von Auswirkungen auf ökonomischer Ebene nach sich.[13] Die Befürchtung die neuen EU-Bürger werden das Lohngefälle zwischen Ost und West ausnutzen und Arbeitnehmern auf den westeuropäischen Arbeitsmärkten Konkurrenz machen, veranlasste die meisten EU-Mitgliedsstaaten[14] den Zugang zu ihren Arbeitsmärkten für osteuropäische Arbeitnehmer für eine mehrjährige Frist zu beschränken.[15]
Ebenso beschäftigt die deutsche Öffentlichkeit in letzter Zeit die Diskussion über Arbeitszeitverlängerung und Verlagerung von Produktionsstätten ins (osteuropäische) Ausland. Dies steht im Zusammenhang mit der politisch gewollten Integration der globalen und europäischen Wirtschaft und dem sich daraus ergebenden erhöhten Wettbewerbsdruck.[16]
Die Freizügigkeit im Zusammenhang mit der EU-Osterweiterung wird im Ausblick zu Ende der Arbeit noch einmal aufgegriffen. Aus den Erfahrungen über die Arbeitnehmermobilität im westeuropäischen Arbeitsmarkt lassen sich durchaus Schlussfolgerungen in Bezug auf Arbeitsmobilität osteuropäischer Unionsbürger ziehen.
Mittel- und Westeuropa kannte gerade in den 60er Jahren einen hohen Zustrom von ausländischen Arbeitskräften aus Südeuropa. Die angeworbenen Gastarbeiter kamen aus Italien und Griechenland, Spanien, Portugal; Staaten, die damals noch keine Mitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) waren. Die im Zuge von bilateralen Abkommen angeworbenen ausländischen Arbeitskräfte prägen noch heute die Verteilung von Unionsbürgern in den verschiedenen Mitgliedsstaaten und sind für eine große Anzahl von Wanderungen zwischen den Mitgliedsstaaten verantwortlich (Rückwanderung). Dieser Themenkomplex bleibt so weit wie möglich ausgeklammert. Ebenso werden in erster Linie jene Arbeitnehmer betrachtet, die sich auf die Freizügigkeit im europäischen Arbeitsmarkt berufen können, das heißt Staatsangehörige der EU-Mitgliedsstaaten.
Zentrales Anliegen dieser Arbeit ist es räumliche Arbeitsmobilität und Immobilität innerhalb des gemeinsamen europäischen Arbeitsmarktes zu verstehen. Im Mittelpunkt steht die Frage , welche Faktoren Einfluss auf die Arbeitnehmermobilität ausüben und wie Arbeitnehmermobilität über die Nationalstaatengrenze hinweg behindert wird.
Annahmen und Vermutungen:
Angenommen wird, dass die Entscheidung seinen Wohnsitz und Arbeitsplatz zu verlagern mit Erwartungen an einen Nutzeneffekt verbunden ist. Daraus könnte man schließen, dass die Entscheidung zu migrieren auf dem europäischen Arbeitsmarkt in politisch und sozial stabilen Umständen vor allem auf ökonomische Faktoren zurückzuführen ist. Inwieweit ist Mobilität innerhalb Europas über regionale, ökonomische Unterschiede zu verstehen und welche weiteren Faktoren bestimmen das Mobilitätsverhalten europäischer Arbeitnehmer auf dem europäischen Arbeitsmarkt? Inwieweit wirken nationalstaatliche Grenzen weiterhin auf das Mobilitätsverhalten von Arbeitnehmern?
Der materielle Vorteil von (Im)Mobilität steht zwar im Mittelpunkt der meisten theoretischen Ansätze zur freiwilligen Migration. Im europäischen Arbeitsmarkt gibt es jedoch weitere Faktoren, die die Arbeitsaufnahme im europäischen Ausland begünstigen oder jene, die wie Hindernisse wirken und somit die Arbeitsaufnahme erschweren. Zu unterscheiden ist hier neben den ökonomischen Faktoren zwischen harten (politischen, rechtlichen, administrativen) und weichen (sozialen, kulturellen) Faktoren.[17] Zwar ist es Ziel der Binnenmarktpolitik die nationalstaatlichen Grenzen für Arbeitnehmer durchlässiger zu gestalten, dennoch wirken nationalstaatliche Grenzen auf dem gemeinsamen europäischen Arbeitsmarkt weiter fort.
Der Nationalstaat [18] ist laut Riescher allgemein definiert als territoriale Übereinstimmung von Nation[19], d.h. einer Gemeinschaft von Menschen, die sich aus ethnischen, sprachlichen, kulturellen und/ oder politischen Gründen zusammengehörig[20] und von anderen unterschieden fühlt[21], und politischem System oder Staat, d.h. der Gesamtheit der öffentlichen Institutionen, die das Zusammenleben der Menschen in einem Gemeinwesen gewährleisten soll. Die Staatsgewalt wird dabei rechtsförmig durch den Staatsapparat, bzw. das politisch/ administrative System ausgeübt.[22]
Nationalstaatengrenzen sind Grenzen, an denen die Wirkung eines Rechtssystems, eines politisch-administrativen Systems endet und das politisch-administrative Systems des Nachbarstaates zu wirken beginnt.
Stimmt die Nationengrenze und Staatsgrenze überein, so enden an einer Nationalstaatsgrenze die ethnischen, sprachlichen, kulturellen Gemeinsamkeiten einer Gemeinschaft von Menschen.
Im Zusammenhang mit dem europäischen Arbeitsmarkt werden genau diese an den Nationalstaat gebundene Faktoren, rechtlich/ administrative Grenzen sowie kulturelle und sprachliche Unterschiede in Europa, als Hindernisse auf dem europäischen Arbeitsmarkt genannt.[23]
Anzunehmen ist, dass auf dem europäischen Arbeitsmarkt ökonomische bzw. materielle Vor- und Nachteile das Mobilitätsanreize schaffen, und dass vor allem rechtlich-administrative und sprachlich-kulturelle[24] Unterschiede behindernd auf grenzüberschreitende Arbeitsmobilität wirken.
Die Wirkung genau dieser drei Faktoren soll an den verschiedenen Fällen verstanden werden. Im Mittelpunkt steht der Vergleich zwischen Arbeitsmobilität innerhalb eines Nationalstaates, in dem kulturelle/ sprachliche Unterschiede zu vernachlässigen sind und rechtliche/ administrative Hindernisse nicht bestehen, und der grenzüberschreitenden Arbeitsmobilität innerhalb Europas.
3.1 Vom Nutzen integrierter Arbeitsmärkte. Arbeitnehmermobilität und der europäische Binnenmarkt
Als erstes klärt die Arbeit welchen Stellenwert die Mobilität der Arbeitnehmer im gemeinsamen europäischen Markt einnimmt. Die Freizügigkeit ist eine der vier Grundfreiheiten des EG-Binnenmarktes,[25] der in seiner Vollendung (Wirschafts- und Währungsunion) 1993 mit dem Vertrag von Maastricht in Kraft getreten ist.
Welche Vorteile bringt der gemeinsame Binnenmarkt und warum wurde er geschaffen? Wie funktioniert er und welchen Stellenwert nimmt in diesem Zusammenhang die Arbeitnehmerfreizügigkeit ein?
In der (neoklassischen) Ökonomie geht man davon aus, dass der freie Verkehr von Arbeit und Kapital in einer integrierten Ökonomie zu einer effektiveren Allokation der Produktionsfaktoren führt.[26] Der `Faktor Arbeit` strebt dorthin, wo seine Grenzproduktivität ausgedrückt in der Höhe des gezahlten Lohnes am höchsten ist.[27] Diese Reallokation der Produktionsfaktoren führt zur Steigerung des nationalen Wohlstandes.
Die ökonomischen Modelle der Neoklassik stützen sich auf sehr idealtypische Annahmen. Es herrscht vollkommener Wettbewerb und die Marktlage ist absolut transparent, jeder Arbeitnehmer ist ständig darüber informiert welche Löhne für welche (freie) Stelle gezahlt werden, bei der Transaktion von Kapital und Arbeit entstehen keine Kosten, es gibt keine Arbeitslosigkeit etc..[28]
Eng verbunden mit den Fragen des Binnenmarktes und der Integrationsökonomie ist die Hypothese aus der ökonomischen Migrationstheorie: Migration ist am besten über Lohndifferenz zu erklären, d.h. Arbeitnehmer wandern in die Regionen, in denen höhere Löhne gezahlt werden.
Diese Hypothese besticht durch ihre Simplizität, weil sie ein komplexes Phänomen wie Arbeitsmigration im wesentlichen von einer Variablen abhängig macht. Diese Variable ist zudem relativ leicht zu messen, d.h. sie kann in einem konkreten Geldwert ausgedrückt werden.
3.2 Migrationstheorien im Vergleich
In einem zweiten Schritt werden verschiedene alternative Ansätze zur Erklärung von Migration vorgestellt. Bis heute gibt es keine umfassende „Theorie über Migration”.[29] Im Gegenteil: Viele verschiedene wissenschaftliche Disziplinen beschäftigen sich mit Migration aus unterschiedlichen Perspektiven. Zu nennen sind die Ökonomie, Soziologie, Politologie, Geschichte, Geographie und Demographie.[30]
Will Mobilität und Migration verstanden werden so ist strittig, ob es anderer Ansätze für transnationale Wanderung als für Wanderung innerhalb eines Nationalstaates bedarf, ob transnationale Arbeitsmärkte anders als nationale Arbeitsmärkte funktionieren.[31] Ausgegangen wird in dieser Arbeit jedoch, dass intra- und internationale Wanderung aus der selben Perspektive verstanden werden können.
Aktuelle Literatur[32] zu Migration beschäftigt sich häufig mit der Wanderung von ärmeren Regionen der Welt in wohlhabendere (z.B. Süd-Nord) und leitet aus diesen Beispielen theoretische Aussagen ab. Auf dem europäischen Arbeitsmarkt spielen Faktoren wie Krieg, Vertreibung, Verfolgung und Hunger keine Rolle.
Ziel der Arbeit ist es nicht die gewählten migrationstheoretischen Ansätze empirisch zu testen, zu bestätigen oder zu widerlegen, vielmehr sollen sie dazu dienen Arbeitsmobilität und Immobilität theoretisch angeleitet zu verstehen.
Definition der Begriffe Mobilität, Außen- bzw. Binnenwanderung, Grenzpendeln
In der Literatur gibt es keine einheitliche Definition der Begriffe Mobilität und Migration.[33] Insbesondere ist strittig welche Entfernung eine Person zurückzulegen hat und wie permanent die Wohnsitzverlagerung sein muss, um als Migrant zu gelten. Für Lee[34] ist jede Form von räumlicher Bewegung Migration, egal ob man im selben Haus von einer Wohnung in die andere zieht oder von Bombay in Indien nach Cedar Rapids in Iowa, USA. Ausgeschlossen sind jedoch diese Bewegungen die keine “dauerhafte”[35] Verlagerung des Wohnortes mit sich bringen.[36] Bei empirischen Untersuchungen sind solche Überlegungen ohnehin entbehrlich, da jede operationelle Definition von Migration und Mobilität nicht zuletzt von der Datenlage abhängig ist, so dass es sinnvoll erscheint, die Definition der amtlichen Statistik oder der zur Verfügung stehenden Daten zu übernehmen.[37]
Im Hinblick auf Arbeitsmobilität unterscheidet man grundsätzlich zwischen beruflicher und räumlicher Mobilität. Berufliche Mobilität[38], die als Wechsel des Berufes definiert ist, ist nicht Teil dieser Arbeit. Arbeitsmobilität meint deshalb ausschließlich räumliche Mobilität. In Bezug auf den europäischen Arbeitsmarkt interessiert vor allem räumliche Mobilität über die Grenzen eines Nationalstaates hinweg. Internationale Migration und Mobilität wird allgemein als Wechsel von einem nationalstaatlichen Container in einen anderen aufgefasst.[39] Binnenmigration oder synonym Binnenwanderung ist die Änderung des Wohnortes innerhalb festgelegter administrativer Grenzen üblicherweise der Nationalstaatengrenze. Im Falle des europäischen Arbeitsmarkt vollzieht sich Binnenmigration innerhalb der Grenzen des europäischen Binnenmarktes.
Einiges spricht dafür als Wanderer im engeren Sinne nur solche Personen zu zählen, die ihren Wohnsitz mit der Absicht ändern, sich in der Wohnung für längere Zeit oder soweit vorausschaubar ständig aufzuhalten, d.h. das Wanderungsziel als neuen Mittelpunkt ihres Lebens zu betrachten.[40] Nach UN-Definition ist internationale Migration die ständige, Ländergrenzen überschreitende Wohnsitzverlagerung von Personen. „Ständig” bedeutet einen Aufenthalt am neuen Standort von mindestens einem Jahr.[41] Keinen internationalen Konsens gibt es darüber wie diese Migrationsbewegungen festzustellen und zu zählen sind. Ein Migrant kann vor Ablauf der Mindestaufenthaltdsdauer in sein Herkunftsland zurückkehren oder innerhalb von zwölf Monaten mehrmals seinen Wohnsitz über Ländergrenzen hinweg wechseln. In der amtlichen deutschen Wanderungsstatistik würde jede dieser Bewegungen als ein gesonderter Wanderungsfall gezählt werden. Die jeweilige Aufenthaltsdauer wäre ohne Relevanz.[42]
Grenzpendeln:
Grenzpendeln ist räumliche Arbeitsmobilität über eine administrative (nationalstaatliche) Grenze hinweg ohne Verlagerung des Wohnortes. Grenzpendeln fällt nicht unter den Migrationsbegriff, ist jedoch eine Form internationaler Arbeitsmobilität.
Die Analyse der Mobilitätsanreize und Hindernisse gliedert sich in drei Abschnitte. Zuerst ist nachzuvollziehen inwieweit Hindernisse auf dem europäischen Arbeitsmarkt aus dem Vergleich zwischen nationalstaatlichen Freizügigkeitsregelungen und den europarechtlichen Bestimmungen zur Arbeitnehmerfreizügigkeit verstanden werden können. Ist die Wirkung sprachlicher Grenzen unmittelbar nachzuvollziehen, so ist ein genauerer Blick auf die Wirkung rechtlicher Grenzen notwendig.
In einem zweiten Schritte wird die deutsch-deutschen Wanderung nach der Wiedervereinigung betrachtet und geklärt inwieweit diese aus den ökonomischen Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland zu verstehen ist.
Arbeitsmobilität in Europa soll in einem dritten Schritt an drei verschiedenen Beispielen -dem nordischen Arbeitsmarkt, der Mobilität Höherqualifizierter im deutsch-niederländischen Grenzgebiet und den Pendlerbewegungen in der Großregion um Luxemburg und das Saarland - verdeutlicht werden.
Die Vorgehensweise ist der Vergleich zwischen den gewählten Einzelfällen. Die Wirkung der Variablen „ökonomische Unterschiede”, „kulturelle/ sprachliche Unterschiede” und „rechtlich/ administrative Unterschiede” kommen in den gewählten Fällen in unterschiedlicher Intensität zur Wirkung, so dass in der Isolation und dem Ausschalten potentieller Wirkungszusammenhänge Rückschlüsse auf die Wirkung der einzelnen Variablen gezogen werden können.
Die begrenzten zeitlichen und finanziellen Ressourcen zwingen, sich zur Bearbeitung der gewählten Fälle auf bereits existierende Studien und vorausgewertete Daten zu stützen. Grundsätzlich stehen zur Erfassung von Mobilitäts- und Migrationsbewegungen zwei Wege offen. Zum einen können amtliche Statistiken ausgewertet zum anderen Personen direkt befragt werden.
Die amtliche Statistik erhebt zwar den Anspruch Migrationsbewegungen vollständig zu erfassen, trotzdem lassen sich auf Grund national unterschiedlicher Messmethoden zum Teil bedeutende Ungenauigkeiten nicht vermeiden. Für 1994 meldete Deutschland beispielsweise gut 12 000 Fortzüge in die Niederlande, während die niederländische Statistik nur 10 500 Zuzüge aus Deutschland registrierte. Noch größere Unterschiede gab es für die Gegenrichtung. Die Niederlande zählten 6 300 Fortzüge nach Deutschland, während die deutsche Statistik 11 600 Migranten aus den Niederlanden erfasste.[43]
Die amtliche Statistik erfasst mit der Migrationsbewegung nur wenige weitere Merkmale wie das Alter, das Geschlecht und die Staatsangehörigkeit, unterscheidet jedoch nicht zwischen Arbeitnehmern, Studenten, Erwerbslosen etc.. Auch der Anteil der Bevölkerung, der zwar seinen Wohnsitz ins Ausland verlagert, sich jedoch nicht ummeldet ist nur zu erahnen.
Die für Wanderungsanalysen aufschlussreicheren jedoch sehr aufwendigen (repräsentativ angelegten) direkten Befragungen erlauben Angaben zur sozialen Stellung eines Migranten und zu seinen Wanderungsgründen und den wahrgenommenen Hindernissen zu erfassen.
Aus den Einschränkungen des benutzen Datenmaterials lassen sich in den meisten Fällen nur Indizien herauslesen, die für oder gegen bestimmte Vermutungen sprechen.
Integrierte Arbeitsmärkte im Vergleich - Die gewählten Fälle:
a) Die deutsche Wiedervereinigung ist für die Arbeit ein exzellentes Beispiel. Zwei Regionen unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungsstandes integrieren sich. Eine ehemals nur politisch und nicht sprachlich und kulturell bedingte Staatsgrenze, die für 27 Jahre für Menschen (bzw. Arbeitnehmer) praktisch unpassierbar war, wird zu Fall gebracht und löst zwischen Ost- und Westdeutschland größere Wanderungsbewegungen aus.
b) Die enge Kooperation zwischen den nordischen Staaten zeigt sich nicht zuletzt in der Gewährung der Freizügigkeit, die früher und in liberalerer Form als auf dem europäischen Arbeitsmarkt verwirklicht wurde. Historische und kulturelle Verbundenheit sowie politische Kooperation und langanhaltende unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungsstände treffen auf sehr durchlässige Staatsgrenzen, die nicht immer den Sprachgrenzen entsprechen.
c) Ökonomische Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden fallen kaum ins Gewicht, die Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt haben sich jedoch in den 1990er Jahren zu Gunsten der Niederlanden verschoben. Zwar bedeutet das Überschreiten der Staatsgrenze keinen Kulturschock, die Beziehung zwischen beiden Gesellschaften ist jedoch weiterhin mit Spannungen erfüllt.
d) Betrachtet man die Statistiken über den Anteil der arbeitenden EU-Ausländer in den jeweiligen Mitgliedsstaaten so hebt sich ein Staat besonders hervor: Luxemburg [44]. Über ein Drittel der dort arbeitenden Bevölkerung kommt aus dem EU-Ausland, was nicht zuletzt auf die starken Pendlerströme aus den umliegenden Regionen zurückzuführen ist. Die Erklärung ist einfach: Luxemburg ist ein kleines, wohlhabendes Land und bietet Arbeitsplätze auch für Bewohner der Nachbarregionen (Saarland, Rheinland-Pfalz, Lothringen, Wallonie). Auffallend in der Region ist jedoch die über lange Zeit wirtschaftliche Bindung durch die Montanindustrie sowie die historisch zahlreichen Veränderungen der staatlichen Grenzen, die sich noch immer in den unterschiedlich verlaufenden Sprach- und Staatsgrenzen widerspiegeln.
Die Analyse der Fälle vollzieht sich in drei Schritten. Zuerst werden die wirtschaftlichen, kulturellen, sprachlichen und politischen Rahmenbedingungen in denen Arbeitsmobilität stattfindet skizziert, dann werden Migrationsbewegungen dargestellt und in einem dritten Schritt auf die Fragestellung dieser Arbeit hin interpretiert. Insbesondere werden bei der Analyse die Methoden, die zu den Daten und Ergebnissen führten, beleuchtet.
Trotz erheblichen Wohlstandsgefälles und der Gewährung der Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb Europas bleiben die meisten Menschen immobil. Die Vermutung liegt nahe, dass Mobilität durch die nationalstaatlichen Grenzen innerhalb Europas weiterhin behindert wird. Zu verstehen ist deshalb, welche Wirkungen rechtlich-administrative und sprachlich-kulturelle Grenzen bei bestehenden ökonomischen Unterschieden auf Arbeitsmobilität innerhalb des europäischen Binnenmarktes haben.
II. Why should I stay, why should I go?
Die Integration von Arbeitsmärkten und Arbeitsmobilität in der theoretischen Diskussion
II.1. Der gemeinsame Arbeitsmarkt in Europa
Die Gewährung der Personenfreizügigkeit zwischen Nationalstaaten ist keine Selbstverständlichkeit, vielmehr ist sie das Ergebnis politischer Zielsetzungen in Europa nach Ende des zweiten Weltkrieges. Bevor ich mich der Frage zuwenden, warum Arbeitnehmer mobil oder immobil sind, frage ich, welchen ökonomischen Sinn es macht Arbeitsmärkte zu integrieren und welche Ideen, Ideologien und Annahmen hinter der Schaffung gemeinsamer Arbeitsmärkte stehen.
In diesem Kapitel stelle ich die wichtigsten Etappen bei der Schaffung des gemeinsamen (Arbeits-) Marktes in Europa dar. Des Weiteren soll die Integration von Arbeitsmärkten theoretisch begründet und die erwarteten Auswirkungen eines integrierten Arbeitsmarktes gezeigt und diskutiert werden, insbesondere unter der Annahme mobiler Arbeitskräfte.
Die Arbeitnehmerfreizügigkeit von der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft bis zur Gründung der Wirtschafts- und Währungsunion
Der Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, der 1957 von den sechs Gründungsmitgliedern (Belgien, Niederlande, Luxemburg, Frankreich, Deutschland und Italien) unterzeichnet wurde sah die schrittweise Einführung eines gemeinsamen Marktes vor. Nach Inkrafttreten des Regelwerkes 1958 sollte der gemeinsame Markt binnen einer Übergangszeit von 12 Jahren verwirklicht werden.[45] Die Freizügigkeit für Arbeitnehmer in Europa ist somit seit den 50er Jahren Ziel europäischer Politik. Das Recht auf Freizügigkeit für Arbeitnehmer trat schon 2 Jahr vor Ablauf der Übergangszeit 1968 in Kraft.
(2) Sie umfasst die Abschaffung jeder auf der Staatsangehörigkeit beruhenden unterschiedlichen Behandlungen der Arbeitnehmer der Mitgliedstaaten in bezug auf Beschäftigung, Entlohnung und sonstige Arbeitsbedingungen.[46]
Die Arbeitnehmerfreizügigkeit, der freie Verkehr des Produktionsfaktors Arbeit, stellt in diesem Zusammenhang eine der vier Grundfreiheiten[47] eines gemeinsamen Marktes dar. Die Herstellung der Freizügigkeit für Arbeitnehmer hatte zu Anfang einen rein ökonomischen Hintergrund.
Nichtsdestotrotz stand bei der Gründung der EWG die wirtschaftliche Integration in Europa, und damit das Recht auf Freizügigkeit, in engem Zusammenhang mit politischen Zielen. Die Errichtung des gemeinsamen Marktes hatte nicht nur die Aufgabe, „eine harmonische Entwicklung des Wirtschaftslebens innerhalb der Gemeinschaft, eine größere Stabilität und eine beschleunigte Hebung der Lebenshaltung”,[48] sondern auch eine enger Beziehung zwischen den Staaten der Gemeinschaft zu fördern.[49] Der enge Zusammenschluss der europäischen Völker sollte zu wirtschaftlichem und sozialen Fortschritt der Länder, zu einer stetigen Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen und zur Wahrung von Frieden und Freiheit in Europa beitragen.[50]
Stockte die wirtschaftliche Integration in Europa in den 1970er Jahren so wurde mit der Einheitlichen Europäischen Akte 1985 der Grundstein zur weiteren politischen Integration[51] und zur Schaffung des europäischen Binnenmarktes bis 1993 gelegt.[52]
Die EG-Kommission legte 1985 unter ihrem neuen Vorsitzenden Jacques Delors, das Weißbuch zur Vollendung des Binnenmarktes[53] vor, welches Vorschläge beinhaltete, die bis 1992 umzusetzen waren.
Das Weißbuch äußert sich auch zur Verbesserung der Freizügigkeit von Gemeinschaftsbürgern. Dies betrifft die Personenkontrollen an den Binnengrenzen der Gemeinschaft, sowie Vorschläge zu Erleichterung der Freizügigkeit für abhängig Beschäftigte und Selbständige.[54]
Nach schwierigen Aushandlungen wurde schließlich im Dezember 1991 der Maastrichter Vertrag unterzeichnet, welcher nach längerem Ratifikationsprozess am 1. November 1993 in Kraft trat.[55] Die Europäische Gemeinschaft wurde in Europäische Union umbenannt. Die Bestimmungen der Europäischen Gemeinschaft wurden ergänzt und als eine Säule in den Maastrichter Vertrag integriert. Aus wirtschaftlicher Sicht waren die Bestimmungen für eine Wirtschafts- und Währungsunion das Kernstück dieser Vereinbarungen mit einer unabhängigen, dem Ziel der Preisstabilität verpflichteten europäischen Zentralbank.[56]
Mit der Einführung der Unionsbürgerschaft[57] 1993 wurde das Freizügigkeitsrecht prinzipiell auf alle Personengruppen ausgeweitet, sofern sie eine Krankenversicherung besitzen und für ihren eigenen Unterhalt sorgen können. Das Freizügigkeitsrecht ist heute weit mehr als ein reiner Bestandteil des gemeinsamen Marktes, es ist ein Grundrecht, was sich für jeden EU-Bürger direkt aus der Staatsangehörigkeit zu einem Mitgliedsstaat ableiten lässt.
Definition der Begriffe: Was ist ökonomische Integration und was ist ein gemeinsamer (Arbeits-) Markt?
Ökonomische Integration ist als das Abbauen ökonomischer Grenzen definiert. Eine ökonomische Grenze ist jene Trennlinie, die potentielle Mobilität von Gütern, Dienstleistungen und Produktionsfaktoren behindert sowie den Kommunikationsfluss gering hält. Sie ist nicht notwendigerweise an staatliche Grenzen gebunden. Auf beiden Seiten der Grenze sind die Preise und die Qualität von Gütern, Dienstleistungen und Produktionsfaktoren nur marginal durch den Austausch über die Grenze hinweg beeinflusst.[58] Der Abbau rechtlicher Grenzen (Einfuhrbeschränkungen, Zölle etc.) ist deshalb eine notwendige jedoch keine hinreichende Bedingung für ökonomische Integration. Dies gilt auch für die Integration von Arbeitsmärkten.
Ökonomische Grenzen können durch natürliche Grenzen (Gebirge, Flüsse etc.) durch einen schlechten Ausbau der Infrastruktur, durch unterschiedliche Produktnormen, unterschiedliche Sprachen etc. trotz des Abbaus rechtlicher Barrieren (Handelsbeschränkungen, Grenzkontrollen) weiter bestehen.[59]
Der gemeinsame Markt ist nur eine, wenn auch sehr weit fortgeschrittene, Form wirtschaftlicher Integration. Die Beschreibung der verschiedenen Stadien wirtschaftlicher Integration gehen auf Balassa[60] zurück.[61]
Die niedrigste Form ökonomischer Integration ist die Schaffung einer Freihandelszone. In der Freihandelszone werden Zölle und quantitative Handelsbeschränkungen zwischen den teilnehmenden Staaten abgeschafft. Jedes Land bestimmt jedoch weiterhin selbst über Zölle und Einfuhrbeschränkungen gegenüber Waren aus Drittländern. Die Freizügigkeit von Arbeitnehmern wird nicht gewährt.[62] Ein aktuelles Beispiel ist die NAFTA (North American Free Trade Agreement bestehend aus Mexiko, Kanada und den USA).
In der Zollunion gibt es wie auch in der Freihandelszone keine Handelsbeschränkungen. Gleichzeitig wird ein gemeinsamer Außenzoll für den Handel mit Drittstaaten eingeführt.[63] Migration, das heißt der freie Verkehr des „Produktionsfaktors Arbeit”, spielt erst im gemeinsamen Markt eine Rolle. Im gemeinsamen Markt gibt es weder Handelsbeschränkungen noch wird die Mobilität der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital behindert.[64]
Das höchste Integrationsniveau, von der politischen Union einmal abgesehen, erreicht man in der Wirtschafts- und Währungsunion. In ihr sind die Wechselkurse zwischen den einzelnen Währungen unumgänglich festgelegt und die Währungen sind vollkommen konvertierbar.[65] Des Weiteren erfolgt eine enge Abstimmung in Wirtschafts-, Geld-, Finanz- und Sozialpolitik.[66]
Die EU stellt (rechtlich) einen gemeinsamen Arbeitsmarkt[67], jedoch keine Arbeitsmarktunion dar. Analog zur Zollunion wäre die Voraussetzung hierfür, dass der Zugang für Angehörige von Drittstaaten zum europäischen Arbeitsmarkt gleichen Regelungen unterliegt. Dies würde eine vereinheitlichte Einwanderungs- und Asylgesetzgebung erfordern.
Integrationsökonmie versus klassische Außenhandelstheorie.
Wie bedeutsam ist die Arbeitnehmerfreizügigkeit in einem gemeinsamen Markt?
Wirtschaftliche Integration strebt danach entweder segmentierte Güter- und/ oder segmentierte Faktormärkte wirtschaftlich wieder stärker zu integrieren. Dazu stehen zwei grundsätzlich verschiedene Instrumente zur Verfügung: Internationaler Handel einerseits und internationale Reallokation (räumliche Umverteilung) von Produktionsfaktoren durch Migration und internationalen Kapitaltransfer andererseits.[68]
In der Wirtschaftstheorie gibt es deshalb zwei Hypothesen zur Mobilität von Arbeitskräften in Integrationsräumen.
Insbesondere steht zur Diskussion welchen Stellenwert der freie Verkehr von Arbeit und Kapital in integrierten Märkten ohne Handelsbeschränkungen einnimmt. Dabei kann zum einen angenommen werden, dass der freie Handel mit Gütern und der freie Kapital- und Arbeitskräfteverkehr als Substitute fungieren, d.h. dass ihre Wirkung auf ökonomische Ungleichheiten gegenseitig austauschbar sind. In diesem Fall wäre Migration nicht nötig, um eine Angleichung der Entwicklungsniveaus (Konvergenz) der integrierten Ökonomien zu erreichen, da Wohlfahrtsgewinne und die Angleichung der Grenzproduktivitäten alleine über internationalen Güterhandel (Güter sind leichter transportierbar als Menschen und Maschinen) erreicht werden.[69]
Die klassische Außenhandelstheorie geht von der Immobilität der Arbeitskräfte zwischen den Staaten aus. Bei unterschiedlicher Ausstattung mit Produktionsfaktoren erfolgt ein Ausgleich und eine Steigerung des Wohlstandes durch Handelsbewegungen. Jedes Land konzentriert sich, auf die Produktion jener Güter, bei denen es einen komparativen Kostenvorteil hat.[70]
Über den Handelsaustausch ergibt sich dann eine Arbeitsteilung entsprechend der komparativen Kostenvorteile. Durch die Tauschbeziehung erhöht sich der Wohlstand der beteiligten Länder. Arbeitskräftewanderung wären nach diesen Überlegungen nicht nötig, da Außenhandel als Substitut für Wanderung betrachtet wird.[71] Nicht weil die traditionelle Außenhandelstheorie die Existenz internationaler Arbeitsmigration missachtet, sondern weil bei internationaler Faktorwanderungen im Vergleich zum Warenaustausch höhere Transaktions- und Transportkosten anfallen, werden bei Güterfreihandel die grenzüberschreitenden Wanderungen von Kapital und Arbeit überflüssig.[72] Gerade weil das substitutive Verhältnis von Güter- und Faktorbewegung anerkannt wird, wird der Einbau der Faktorbewegungen in die Theorie des Außenhandels nicht für notwendig erachtet. Der flexiblere, raschere und preiswertere internationale Güterhandel ist ein vollständiger Ersatz für die internationale Bewegung der Produktionsfaktoren, d.h. Güterhandel alleine ist vollumfänglich in der Lage für international einheitliche Zins- und Lohnniveaus zu sorgen.[73]
Nach der Integrationsökonomie wird bei der Schaffung eines gemeinsamen Marktes die wirtschaftliche Wohlfahrt erhöht, wenn Arbeitskräfte dorthin gehen können, wo ihre Produktivität und damit auch ihr erzielbarer Lohn am höchsten ist.[74] Kein Arbeitgeber sollte höhere Löhne zahlen und kein Arbeitnehmer zu niedrigeren Löhnen arbeiten müssen, als es der Marktpreis für Arbeit im Integrationsraum angibt.
Die Erkenntnis, dass Handel alleine ökonomische Effizienz nicht maximiert, ließ Faktorwanderung als Form ökonomischer Integration in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Seit jeher berichtet die Migrations- und Wirtschaftsgeschichte, dass in der Realität nicht nur Güter, sondern auch Arbeitskräfte und Kapital in gewissem Maße international mobil sind.[75] Ein erster Anreiz für Produktionsfaktoren international mobil zu sein entsteht, wenn Handel durch rechtliche und administrative Hemmnisse oder natürliche Schranken, die Transaktions- und Transportkosten erhöhen, behindert wird.[76]
Unter der Voraussetzung dass Arbeitskräfte mobil sind und keine legalen und informellen Wanderungsbarrieren vorliegen, dauert die Arbeitskräftewanderung von weniger produktiven zu produktiveren Arbeitsplätzen so lange, bis sich die Grenzproduktivitäten und damit die Löhne (für die selbe Arbeit) angeglichen haben.[77]
Im Folgenden wird nun internationale Mobilität des Produktionsfaktors Arbeit unterstellt und deren Auswirkung auf integrierte Ökonomien modellhaft dargestellt.
Ökonomische Integration und das Argument der effizienteren Verwendung der Produktionsfaktoren:
Ausgangspunkt makroökonomischer Analysen ist es, die veränderte Allokation von Inputfaktoren und ihre effizienteste Nutzung im Sinne der Steigerung des allgemeinen Wohlstandes zu betrachten. Es wird normalerweise zwischen drei Inputfaktoren unterschieden: Natürliche Ressourcen (Boden, Rohstoffe etc.), Kapital (z.B. Maschinen, auch Fähigkeiten von Menschen, Humankapital) und Arbeit (reine Arbeitskraft).
Durch den Einsatz bestimmter Technologien werden diese Inputfaktoren in Output, d.h. in Güter (Textilien, Haushaltswaren, Lebensmittel etc.) verwandelt.
Abbildung 1: Input-Produktion-Output
Es ist zu trennen zwischen dem Allokationsaspekt wirtschaftlichen Handelns, d.h. allen Fragen, die mit der Mischung der Inputfaktoren in Zusammenhang stehen und dem Verteilungsaspekte, der sich mit der Verteilung des Outputs, der Produkte, zwischen den verschiedenen Produktionsfaktoren, Kapital und Arbeit, beschäftigt.[78]
Auswirkungen integrierter Arbeitsmärkte:
Laut neoklasischer Theorie können die Effekte der Integration von Arbeitsmärkten am besten verstanden werden, wenn man eine Situation mit und ohne Migration miteinander vergleicht.[79]
Angenommen wird ein zwei-Länder-Modell. Dabei ist ein Land, z. B. Frankreich, relativ gut mit Kapital und dafür schlechter mit dem Faktor Arbeit ausgestattet. Den umgekehrten Fall finden wir in Land B, z.B. Portugal, vor. Da Arbeit unter der Annahme gleicher Produktionstechnologien in Frankreich knapper als in Portugal ist, muss dort mehr für die Beschäftigung einer Arbeitskraft gezahlt werden. Das heißt, dass die Löhne in Frankreich höher als in Portugal sind.
Abbildung 2: Integration von Arbeitsmärkten
Quelle: nach Molle 1994: 157
Die Situation unterschiedlicher Lohnhöhen kann nur erhalten bleiben, solange der Zugang zum französischen Arbeitsmarkt für portugiesische Arbeitnehmer beschränkt wird.
Wenn nun beide Arbeitsmärkte integriert werden folgt aus der Logik des Modells, dass Arbeitnehmer aus dem Niederig-Lohn Land Portugal nach Frankreich migrieren, in das Land in dem sie höhere Löhne erwarten. Da Migration Kosten verursacht ist anzunehmen, dass sich die Löhne in beiden Ländern nicht vollständig angleichen. Gleichwohl sinken die Löhne in diesem Modell in Frankreich, da sich das Arbeitskräftangebot erhöht, und sie steigen in Portugal, da sich dort das Arbeitskräfteangebot relativ zum Angebot an Kapital verringert.
Folgende Veränderungen ergeben sich in diesem Modell deshalb durch Migration: Die Beschäftigten in Frankreich verlieren an Wohlstand, da ihre Löhne durch das höhere Arbeitskräftangebot sinken. Demgegenüber steht der erhebliche Wohlfahrtsgewinn der Arbeitgeber in Frankreich. Sie können zu niedrigeren Kosten (niedrigere Löhne) mehr produzieren.
Für Portugal ergeben sich folgende Veränderungen: Portugiesische Emigranten profitieren von der neuen Situation, da sie in Frankreich höhere Löhne erwarten. Auch die in Portugal verbliebenen Arbeitskräfte profitieren von der Abwanderung, da der Faktor Arbeit in Portugal knapper wird und somit die Löhne insgesamt in Portugal steigen. Auf der Verliererseite stehen in Portugal die Arbeitgeber, da sie höhere Löhne zahlen müssen und weniger produzieren können.
Summiert man die positiven und negativen Effekte der Migration so ergibt sich der Nettowohlfahrtsgewinn für die Integration der beiden Arbeitsmärkte. Zwar sind Gewinne und Verluste von Arbeitsmarktintegrationen zwischen den Markteilnehmern unterschiedlich verteilt, aus der Integration der Faktormärkte ergeben sich in diesem Modell jedoch gesamtwirtschaftliche Vorteile. Eventuelle Nachteile für einzelne Gruppen auszugleichen und den zusätzlichen Wohlstand gerecht unter den Marktteilnehmern zu verteilen wäre Aufgabe politischer Entscheidungen.
Die unterschiedlichen Interpretationen dieses Modells verdeutlichen uns Fischer, Martin und Straubhaar an folgendem Beispiel: Man stelle sich einen Ökonomen vor, der in seinen Ferien in den Alpen wandert und frage ihn, ob er für mehr oder weniger internationale Migration sei. Seine intuitive Antwort sollte “Ja” sein.[80] Stellt man die selbe Frage einem Kommunalpolitiker aus dem Ruhrgebiet so würde er seinen Befürchtungen über steigende Arbeitslosigkeit, sinkender Löhne und einer generellen Abnahme des nationalen Wohlstandes Ausdruck verleihen.[81]
Zunächst erscheinen die beiden Antworten paradox. Dabei verdeutlichen sie die unterschiedlichen Perspektiven auf die Freizügigkeit der Arbeitnehmer. Während der Enthusiasmus des Ökonomen einem gewissen langfristigen-Effizienzgewinn-durch-bessere-Allokation-der-Produktionsfaktoren-Denken entspringt, sind die Befürchtungen des Kommunalpolitikers durch seine kurzfristige verteilungsorientierte Perspektive begründet.[82]
Das abstrakte Modell integrierter Arbeitsmärkte ist eine völlige Vereinfachung der Wirklichkeit unter realitätsfernen Bedingungen. Aus ihm können jedoch die wesentlichen Argumente, die beispielsweise im Zusammenhang mit der EU-Osterweiterung diskutiert werden, verstanden werden (Lohnkonkurrenz, Kapitaltransfer etc.).
Es macht auch erste Aussagen über die Gründe von Migration. Diese vollzieht sich von Niedrig- in Hochlohngebiete und wird in dem Moment eingestellt, in dem sich die Lohnniveaus über die Arbeitnehmerbewegung soweit angeglichen haben, dass die Lohndifferenz nur noch den Migrationskosten entspricht. Über den Marktmechanismus und die folgende Angleichung der Lohnniveaus stellt sich ein neues Marktgleichgewicht ein. Migration kommt zum Erliegen.
Konvergenz versus Divergenz. Ab- oder Zunahme des Wanderungsdrucks in integrierten Märkten?
Die Wirkungen von Migration auf das Lohnniveau einer Region müssen insoweit diskutiert werden, da sie wiederum Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen potentieller Ein- und Auswanderungsregionen haben, ökonomische Unterschiede zwischen zwei Regionen vergrößern oder verkleinern und somit Migration weiter aufrechterhalten beziehungsweise den Anreiz zu migrieren verringern. Ohne die Grundstruktur des Modells zu verlassen, lassen sich unterschiedliche Voraussagen zum Zusammenhang zwischen der Wanderung des Produktionsfaktors Arbeit und der theoretisch erwarteten Angleichung der Lohnniveaus treffen.
a) Sind Migranten eine homogene Gruppe von Arbeitern ?
In dem Modell wird nicht zwischen den verschiedenen Formen von Arbeit unterschieden. Es gibt keine Bäcker, Landwirte und Ingenieure; Arbeit bedeutet in diesem Fall ausschließlich physischer Arbeitseinsatz. Nur weil das Modell annimmt, dass der Faktor Arbeit homogen ist und somit zugewanderte Arbeitnehmer inländische ersetzen können werden in der Zielregion niedrigere Löhne erwartet.
Wovor der Kommunalpolitiker in dem anfangs genannten Beispiel aus dem Ruhrgebiet Angst hat, sind die kurzfristigen Effekte der Migration auf die Löhne. Migration hat jedoch nur dann Auswirkungen auf Löhne, wenn in- und ausländische Arbeitnehmer gegenseitig austauschbar (substituierbar) sind, d.h. wenn der zugewanderte Arbeitnehmer ohne Probleme an der selben Arbeitsstelle wie der inländische Arbeitnehmer eingesetzt werden kann und ihm dadurch Konkurrenz macht.[83] Sind inländische und zugewanderte Arbeitskräfte (perfekte) Substitute und sind Zuwanderer bereit zu niedrigeren Löhnen zu arbeiten, so kann dies zur Senkung der Löhne von inländischen Arbeitnehmern führen. Können Löhne nicht flexibel angepasst werden, so werden einheimische Arbeitskräfte in die Arbeitslosigkeit abgedrängt.[84]
Sind beide Arbeitskräfte jedoch komplementär, d.h. ergänzen sie sich gegenseitig überwiegen die positiven Allokationseffekte der Migration. Besitzt ein Zugewanderter Arbeitnehmer notwendige Kenntnisse, die niemand sonst auf dem heimischen Arbeitsmarkt besitzt oder kann durch einen Migranten ein nicht besetzter Arbeitsplatz besetzt werden, so kann dies wirtschaftliche Aktivität fördern.[85] (Bsp.: Ein ausländischer Wissenschaftler mit Spezialwissen trägt zur Entwicklung eines neuen Medikamentes bei.)
In Verbindung mit der Homogenität des Faktors Arbeit steht der Zusammenhang zwischen Migration und Entwicklung und die Auswirkungen des Brain-drains [86] zur Diskussion. Der Brain-drain beschreibt die Auswanderung qualifizierter Arbeitskräfte, welche mit negativen Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung einer Region einhergehen kann. Oft verlieren Regionen ihre innovativsten und unternehmerischsten Arbeitskräfte, so dass die wirtschaftliche Entwicklung zurückgeht und keine neuen Arbeitsplätze mehr geschaffen werden.[87]
Die unterschiedlichen Fertigkeiten der Arbeitnehmer finden in den neoklassischen Modellen keine Berücksichtigung (Homogenität des Faktors Arbeit). Um dieses Defizit zu beheben bedient man sich oft eines einfachen Tricks. Die Fertigkeiten, die ein Arbeitnehmer besitzt, werden als Kapital (Humankapital) definiert, welches Migranten mit sich tragen.[88] Mit der Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte verliert ein Land vor allem (Human-) Kapital. Die Folge der Auswanderung ist nicht, dass nun Arbeit im Vergleich zu Kapital knapper (und damit teurer) wird, ein umgekehrter Effekt tritt ein: Die Löhne im Auswanderungsland steigen nicht weiter, sondern sinken sogar.[89]
b) Sind die Produktionstechnologien in allen Regionen gleich?
Die Annahme der Zugang zu Technologien stehe in allen sich integrierenden Regionen gleichermaßen offen, deckt sich nicht mit der Realität. Im Gegenteil: Technologische Unterschiede bestehen zwischen entwickelten und unterentwickelten Regionen fort. Der technologische Vorsprung sowie vorteilhaftere institutionelle Rahmenbedingungen (z. B. politische Stabilität, Infrastruktur, ein funktionierender Verwaltungsapparat) können eine effizientere Verwendung der beiden Produktionsfaktoren, Kapital und Arbeit, gewährleisten.
Sollte eine gegebene Kombination an Produktionsfaktoren in Frankreich einen höheren Output produzieren als in Portugal und sollten beide Produktionsfaktoren mobil sein, so ist es für Kapital wie auch für Arbeit günstig nach Frankreich zu wandern, vorausgesetzt die Technologie bleibt dort überlegen.
Im extremen Fall kann dies für die benachteiligte Region zu einem völligen Abfluss der Produktionsfaktoren führen, „until the last turns off the light”.[90] Migration kommt in diesem Fall zwischen Portugal und Frankreich nicht nach gewisser Zeit zum Erliegen, da Kapital wie Arbeitskräfte gleichermaßen abwandern. Diese Abwanderungsprozesse bestärken sich gegenseitig und zwischen beiden Regionen kommt es zu keinem neuen ökonomischen Gleichgewicht.
Fazit: In der Reduktion und Abstraktion liegen gleichsam Stärken und Schwächen des neoklassischen Arbeitsmarktmodelles, verdeutlicht es doch modellhaft klar und einfach die Wirkungszusammenhänge in integrierten Ökonomien, die unterschiedlich mit Kapital und Arbeit ausgestattet sind. Gleichsam sind die Grundannahmen derart reduziert, dass viele wichtige Aspekte wie der mögliche Brain-drain oder die unterschiedliche technologische Ausstattung zweier Regionen nicht berücksichtigt werden können.
Faktormobilität in einheitlichen Währungsräumen. Kann Migration Antwort auf nationen- und regionenspezifische makroökonomische Schocks sein?
Ungleichgewichte können nicht nur zwischen zwei sich integrierenden Volkswirtschaften bestehen, sie können auch innerhalb eines integrierten Raumes durch makroökonomische Veränderungen entstehen. Regional unterschiedliche Entwicklung von Beschäftigungsraten innerhalb eines Wirtschaftsraumes (Bsp. Strukturwandel und erhöhte Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet, niedrige Arbeitslosigkeit in Bayern) sind die Regel.
Mundell diskutiert in seinem vielbeachteten Beitrag[91] Voraussetzungen für die Schaffung von einheitlichen Währungsgebieten und damit den Zusammenhang von Wechselkursen, Arbeitslosigkeit und Inflation in Gebieten mit und ohne gemeinsamer Währung. In Europa ist die Währungspolitik seit 1993 vergemeinschaftet, die Schaffung einer einheitlichen Währung macht es deshalb nicht mehr möglich, auf makroökonomische Nachfrageschocks (z.B. durch den technischen Fortschritt) in einzelnen nationalen Wirtschaften mit der Veränderung des Wechselkurses zu reagieren.
Angenommen wird ein Zwei-Regionen- oder Länder-Modell mit einer einheitlichen Währung. Im Osten wird vor allem Holz verarbeitet, der Westen produziert vor allem Automobile.[92] Nun kommt es zu einer Veränderung der Nachfrage zu Gunsten der Automobilindustrie im Westen. Im Gegensatz zum neoklassischen Arbeitsmarktmodell entstehen in Mundells Beispiel ökonomische Ungleichgewichte durch veränderte externe Bedingungen (Veränderung der Nachfrage) und sind nicht durch die gegebene unterschiedliche Ausstattung zweier sich integrierender Wirtschaftsräume mit Kapital und Arbeit begründet. Im Wesentlichen ist die Ausgangssituation jedoch mit der im neoklassischen Arbeitsmarktmodell vergleichbar. Angenommen wird jedoch, dass Löhne und Preise nicht kurzfristig auf die Veränderung der Nachfrage reagieren können. Die Veränderung der Nachfrage führt deshalb zwangsläufig zu Arbeitslosigkeit (und nicht zu niedrigeren Löhnen) in der Holzregion.[93]
Wären beide Regionen oder Länder durch jeweils eigene Währungen getrennt, so könnte das Ostland in dem Holz produziert wird, seine Währung abwerten und somit auf das entstandene Ungleichgewicht reagieren.
Dies ist in einer Währungsunion nicht möglich. Die Zentralbank hat nun, unter der Annahme, dass es einen inversen Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit gibt,[94] die Möglichkeit das Geldangebot im Währungsgebiet zu erhöhen. Dadurch wird die Arbeitslosigkeit im Osten verringert; gleichzeitig jedoch steigt der Inflationsdruck im Westen.[95] Bekanntlich ist Preisstabilität ein politisches Ziel europäischer Währungspolitik,[96] so dass Inflation zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit in Europa nicht offen steht.
Ein Ausweg aus diesem Dilemma ist die regionen- oder länderüberschreitende Mobilität der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital.[97] Arbeitsmobilität wird deshalb zu einer entscheidenden Voraussetzung bei der Frage inwieweit eine einheitliche Währung für einen bestimmten Integrationsraum sinnvoll ist.[98] Arbeitslosigkeit könnte in diesem Modell in der Ostregion dadurch verringert werden, dass ehemalige Beschäftigte in der Holzindustrie in den Westen wandern, um dort Arbeit in der Automobilindustrie zu finden.
Gleichfalls wäre Kapitaltransfer von West nach Ost (z. B. durch die Ausdehnung der Automobilproduktion oder im Rahmen staatlicher Regionalförderungspolitik) fähig dem Ungleichgewicht in einheitlichen Währungsräumen entgegenzuwirken.
Die Bedeutung von Arbeitsmobilität als Antwort auf regionenspezifische Nachfrageschocks wird durch eine bekannt gewordene Studie von Blanchard und Katz[99] verdeutlicht. Ausgangsfrage war, ob infolge von negativen Schocks für die Jahre 1976-1990 die Löhne in den US-amerikanischen Regionen gesunken und infolgedessen neue Arbeitsplätze durch Firmenansiedlungen entstanden sind, oder aber eine Anpassung durch Migration stattfand, d.h. die Arbeiter die betroffene Region verlassen haben.[100] Die Verfasser stellen zunächst fest, dass das regionale Beschäftigungswachstum in vielen Staaten langfristig vom nationalen Durchschnitt abweicht, wohingegen die regionalen Arbeitslosenraten und Löhne keinen Trend aufweisen.[101] In ihrer empirischen Analyse kommen sie zu dem Ergebnis, dass die Anpassung an regionale Arbeitsnachfrageschocks in den USA hauptsächlich durch Migration erfolgt. Fällt die Arbeitsnachfrage in einer Region, steigt dort die Arbeitslosenrate an und die Arbeiter wandern in eine Region mit geringerer Arbeitslosigkeit. Dies unterstreicht das zentrale Ergebnis ihrer Studie, wonach die wesentliche Last der Anpassung an regionale Schocks in den USA durch Wanderungen der Arbeiter getragen wird.[102]
Dieser Ausgleichsmechanismus kann für europäische Länder nicht nachgewiesen werden. Der gleichen Frage nach dem wesentlichen Anpassungsinstrumenten nach einem Schock gehen Decressin und Fatás[103] für die europäischen Länder nach. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Anpassung nicht durch Migration, sondern vor allem durch die Beschäftigungsrate erfolgt. Sie vermuten, dass in rezessiven Konjunkturphasen vor allem Frauen, die als Teilzeitbeschäftigte oftmals relativ flexibel sind, aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden oder dass Arbeitnehmer von den im Vergleich zu den USA relativ verbreiteten Vorruhestandsregelungen Gebrauch machen.[104]
In diesem Abschnitt wurde geklärt welche Bedeutung der Arbeitsmobilität in integrierten Wirtschaftsräumen zukommt.
Mundell geht davon aus, dass Arbeitsmobilität in integrierten Wirtschafts- und Währungsräumen ein mögliches Anpassungsinstrument ist, auf Veränderungen der regionalen Nachfrage nach Arbeit zu reagieren. Arbeitsmobilität wird damit zu einer wichtigen Voraussetzung für das gute Funktionieren eines gemeinsamen Marktes in einer Wirtschafts- und Währungsunion, in der plötzlichen Ungleichheiten nicht mehr über die Anpassung des Wechselkurses entgegnet werden kann.
Fischer et al. kommen zu dem Schluss „...that there is no clear answer to the question whether migration in general fosters convergence or divergence. There are sound theoretical concepts in favour of both views.”[105] Zur Diskussion steht, ob die Integration von Arbeitsmärkten tendenziell zu einer Angleichung der Entwicklungsniveaus zweier Regionen führt. Führt die Mobilität der Produktionsfaktoren zur Angleichung des Lohnniveaus so würde der Anreiz aus ökonomischen Gründen zu migrieren tendenziell abnehmen.
Gegenteilig kann angenommen werden, dass die Mobilität des Faktors Arbeit Ungleichheit nur weiter verstärkt. Durch das Abwandern von vor allem qualifizierten Arbeitskräften (Brain-drain) gehen der Herkunftsregion ein wichtiges Entwicklungspotential verloren. Verfügt eine Region über ein höheres technologisches Entwicklungsniveau, d.h. ist die Produktivität von Kapital wie auch von Arbeit in einer Region höher, so kann dies zur Abwanderung beider Produktionsfaktoren führen, „bis der letzte das Licht ausmacht”.
Die Auswirkungen auf Löhne und Beschäftigung von Arbeitsmobilität wurden im neoklassischen Arbeitsmarktmodell diskutiert. Sie sind vor allem von den Qualitäten der Migranten abhängig. Zu unterscheiden ist hier zwischen substituierbarer und sich ergänzender (komplementärer) Arbeit für die Einwanderungsregion, sowie zwischen den Wirkungen der Auswanderung „überschüssiger” Arbeitskräfte (Reduktion der Arbeitslosigkeit) und der Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte (Brain-drain) für die Auswanderungsregion.[106]
II.2 Determinanten der Arbeitnehmermobilität in der migrationstheoretischen
Welche Bedeutung haben ökonomische Unterschiede, sprachlich- kulturelle und rechtlich- administrative Grenzen im Migrationsprozess?
Anknüpfend an die vorhergehende Diskussion werden in diesem Kapitel verschiedene theoretische Ansätze zu Gründen von Migration, Mobilität und Immobilität von Menschen und Arbeitnehmern diskutiert. Ich stelle hier Lees Ansatz ökonomischen Migrationsansätzen gegenüber. Zwar lenken sie aus sehr unterschiedlichen Perspektiven ihre Aufmerksamkeit auf Migration, sie schließen sich jedoch nicht gegenseitig aus und ergänzen sich. Während ökonomische Unterschiede oder materielle Vorteile in den meisten migrationstheoretischen Ansätzen erklärenden Charakter haben, wird die Wirkung von Staatsgrenzen über Sprache, Kultur, Recht und Verwaltung nicht explizit benannt. Diese Faktoren lassen sich jedoch aus den migrationstheoretischen Ansätzen ableiten.
Migrationstheorien befassen sich mit der Struktur, den Ursachen und Wirkungen von Migration.[107] Weiterhin ist zwischen den Analyseebenen auf denen Migration betrachtet wird zu unterscheiden. Auf der Makro-Ebene werden größere Bevölkerungsbewegungen und Indikatoren z.B. das Wohlstandsgefälle zwischen Regionen beschrieben, welche Migration begünstigen oder behindern. Auf der Mikro-Ebene steht vor allem die Entscheidung des Einzelnen und die aus Migration resultierende Konsequenzen für ihn im Mittelpunkt. Auf der Meso-Ebene rückt die Bedeutung von Gruppen, z.B ethnische und soziale Netzwerke oder die Familie in den Mittelpunkt des Interesses. Diese Arbeit greift im Wesentlichen auf der Makro-Ebene. Die Analyseebenen sind in den theoretischen Ansätzen miteinander verbunden. Letztendlich sind Bewegungen und Immobilität von größeren Bevölkerungsgruppen immer das Ergebnis vieler Entscheidungen, die individuell oder in Gruppen getroffen werden.
Migrationstheorien lassen zwar verstehen warum Menschen geografisch mobil sind, sie setzen sich jedoch nicht explizit mit dem Faktum auseinander, dass die meisten Menschen (international) immobil sind.[108] Implizit lassen sich aus den verschiedenen Ansätzen jedoch Aussagen über Immobilität ableiten.
[1] Die Begriffe Europa und europäisch beziehen sich soweit nicht anders gekennzeichnet auf die EU der 15 Mitgliedsstaaten.
[2] Zu den Begriffen Migration und Mobilität vgl. Seite 10 dieser Arbeit. Jede Form internationaler Migration ist Form internationaler Mobilität. Dies gilt nicht immer für den umgekehrten Fall Die Schnittmenge zwischen geografischer Mobilität und Migration ist jedoch hoch, so dass Migration und Mobilität in dieser Arbeit im Prinzip synonym verwendet werden.
[3] Vgl. Pries, L. (2001): Internationale Migration, Bielefeld: Transcript, Seite 5
[4] Vgl. Pries 2001: 5
[5] Vgl. Pries 2001: 5
[6] Vgl. Pries 2001: 5
[7] De Gijsel, P./ Janssen, M./ Wenzel, H.-J./ Woltering, M. (1999): Concepts and Issues in european Cross-Border Labour Economics: An introduction, in: De Gijsel, P./ Janssen, M./ Wenzel, H.-J./ Woltering, M. (Hg.): Understanding European Cross-Border Labour Markets, Marburg: Metropolis, Seite 7-22, hier Seite 7
[8] Werner, H. (2001): Wirtschaftliche Integration und Arbeitskräftewanderung in der EU, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B8/ 2001, Seite 14 oder Krüger, A. (2004): Regionales Bruttoinlandsprodukt in der Europäischen Union 2001, Statistik kurz gefasst in: http://europa.eu.int/comm/eurostat/Public/datashop/print-catalogue/DE?catalogue=Eurostat&collection=02-Statistics%20in%20Focus&product=KS-DN-04-001-__-N-DE, 28. Juni 2004. Während das BIP pro Person in Kaufkraftstandards in Brüssel und der Innenstadt Londons bei über 200 Prozent des EU-Durchschnitts liegt, erreicht dieses in einigen Regionen Griechenlands gerade einmal etwas mehr als 50 Prozent.
[9] Vgl. Smith, A. (2003): Der Wohlstand der Nationen, München: dtv; zur Freizügigkeit vgl. insbesondere. erstes Buch/ 10.Kapitel, zweiter Teil „Ungleichheiten, die ihren Grund in der Wirtschaftspolitik in Europa haben“, Seite 103-125
[10] Vgl. Art. 48 Vertrag über die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG-Vertrag)
[11] Vgl Art. 2. EWG-Vertrag
[12] Vgl. http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/willkommen/einreisebestimmungen/schengen_html, 29. Juni 2004
[13] Böhmer, M. (2001): Migrationseffekte der Osterweiterung auf die EU-Arbeitsmärkte, Infer Research Report Nr. 3, Berlin: Verlag für Wissenschaft und Forschung, Seite 1
[14] Die Erweiterungsverträge räumen jedem Mitglied die Möglichkeit ein Übergangsperioden für Bürger der neuen Länder einzuführen, die den Zugang zum eigenen Land begrenzen. Dies gilt nicht für Bürger Maltas und Zyperns. Nach fünf Jahren sollte die Übergangsphase beendet sein, sie kann jedoch bei ernsten Störungen des Arbeitsmarktes um weitere 2 Jahre verlängert werden. Deutschland und Österreich ist es gestatten für einige kritische Diensleistungssektoren weitere nationale, die Freizügigkeit beschränkende Maßnahmen zu ergreifen. Vgl. European Economic Advisory Group (2004): The 2004 EU Enlargement: Key Economic, in: Report on the European Economy 2004, München: ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, Seite 96-118, hier Seite 105
[15] Alle Mitgliedsstaaten außer Irland, Schweden, und Großbritannien, haben den Zugang zu ihren Arbeitsmärkten für Arbeitnehmer aus Osteuropa beschränkt.
[16] Vgl. z.B. Lesch, H. (2004): Hohe Löhne kosten Jobs. Eine Senkung der Realeinkommen über längere Arbeitszeit gleicht den Wettbewerbsnachteil aus, in: Frankfurter Rundschau, 8. Juli 2004 oder in: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/debatte/?cnt=467113&, 15. Juli 2004
[17] Vgl. de Gijsel et al. 1999: 11
[18] Zur Diskussion der Begriffe Nation und Staat vgl. auch Krell, G. (2000): Weltbilder und Weltordnung. Einführung in die Theorie der internationalen Beziehungen, Baden-Baden: Nomos, Seite 49-56
[19] Riescher, G. (2002): Nationalstaat, in: Nohlen, D. (Hg.): Kleines Lexikon der Politik, München: Beck, 2. Auflage, Seite 316
[20] Anders verhält es sich im Nationalitätenstaat. Dort setzt sich die Bevölkerung eines Staates aus mehreren Nationen zusammen. Vgl. www.brockhaus.de Stichwort „Nationalitätenstaat“ 10. Juni 2004
[21] Riescher, G. (2002): Nation, in: Nohlen, D. (Hg.): Kleines Lexikon der Politik, München: Beck, 2. Auflage, Seite 313-315, hier Seite 313
[22] Schultze, R.O. (2002): Staat, in: Nohlen, D. (Hg.): Kleines Lexikon der Politik, München: Beck, 2. Auflage, Seite 476-477, hier Seite 476
[23] Vgl. z.B. Tassinopoulos, A. (1999): Migration of Labour in the European Union, in: De Gijsel, P./ Janssen, M./ Wenzel, H.-J./ Woltering, M. (Hg.): Understanding European Cross-Border Labour Markets, Marburg: Metropolis, Seite 23-44, hier Seite 28
[24] Um der Schwierigkeit, Kulturgemeinschaften zu definieren diese von einer Sprachgemeinschaft abzugrenzen, zu entgehen, wird folgend Kultur- und Sprachgemeinschaft, soweit nicht anders gekennzeichnet, gleichgesetzt.
[25] „Der Binnemarkt umfasst einen Raum ohne Binnengrenzen, in dem der freie Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital gemäß den Bestimmungen dieses Vertrages gewährleistet ist.“ Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft in der Fassung von Amsterdam vom 1.5. 1999 (im Folgenden: EGV) Art. 14 Abs. (2), in: (ohne Herausgeber) (2001): Europa-Recht, München: dtv, 17. Auflage
[26] Molle, W. (1994): The economics of european integration, Dartmouth: Aldershot, 2. Ed., Seite 155
[27] Lebhart, G. (2002): Internationale Migration. Hypothesen, Perspektiven und Theorien, in: Demographie aktuell, Nr. 19, Berlin, Seite 8
[28] Die Einfachheit dieser Modelle und ihrer Annahmen kommentiert Pelkmans folgendermaßen: „The point about the assumptions is thus to take these simple models for what they are. They cannot be used for anything more than basic arguments, and, when doing so, mainly for portfolio capital and unskilled labour.“ Pelkmans, J. (1997): European Integration. Methods and Economic Analysis, Longman: Harlow
[29] Vgl. Lebhardt 2002: 5
[30] Vgl. den gesamten Aufsatz von Lebhardt. Dort werden die unterschiedlichen theoretischen Ansätze und Hypothesen in den Migrationstheorien einander gegenübergestellt, Lebhardt 2002
[31] Vgl. de Gijsel et al. 1999: 8
[32] Vgl. z.B.: Hammar, T. /Brochmann, G./ Tamas, K./ Faist, T. (Hg.)(1997): International migration, immobility and development: multidisciplinary perspectives, Oxford: Berg
[33] Vgl. Tassinopoulos 1999: 24
[34] Lee, E. (1966): A theory of migration, in: Demography, Vol. 3, No 1, Seite 47-57
[35] Welche Zeitspanne „dauerhaft“ (long-term) nun genau umfasst definiert Lee nicht.
[36] Vgl. Lee 1966: 49
[37] Vgl. Bähr, J./ Jentsch, Chr./ Kuls, W. (1992): Bevölkerungsgeographie, Berlin/ New York: De Gruyter, Seite 541f
[38] Zur beruflichen Mobilität vgl. Freisl, J. (1994): Die berufliche und räumliche Mobilität auf dem Arbeitsmarkt. Eine vergleichende Studie über die Europäische Union und die USA, München: tuduv
[39] Vgl. Pries 2001: 5
[40] Vgl. Bähr et al. 1992: 542
[41] Vgl. Mammey, U. (2001): Europa im Fokus internationaler Migration, in: Geographische Rundschau, Vol. 53, Februar No. 2, Seite 32-36, hier Seite 32
[42] Vgl. Mammey 2001: 32
[43] Vgl. Mammey 2001: 35
[44] Vgl. Werner 2001: 13
[45] Vgl. Art. 8 Abs. (1) EWG-Vertrag
[46] Art. 48 Abs. (1) und (2) EWG-Vertrag
[47] Die drei weiteren Grundfreiheiten sind der freie Dienstleistungs-, Güter- und Kapitalverkehr.
[48] Art. 2 EWG-Vertrag
[49] Vgl. Art. 2 EWG-Vertrag
[50] Weidenfeld, W./ Wessels, W. (Hg.) (2002): Europa von A bis Z. Taschenbuch der europäischen Integration, Bonn: Europa Union, Seite 416
[51] Vgl. Dicke, H (2002): Binnenmarkt, in: Weidenfeld, W. (Hg.): Europa-Handbuch, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, Seite 439-453, hier Seite 440
[52] Vgl. Werner 2001: 11
[53] Kommission der Europäischen Gemeinschaft (1985): Vollendung des Binnenmarktes KOM (1985) 314, 14. Juni
[54] Vgl. KOM (1985) 314, ohne Seitenzahl
[55] Vgl. Pelkmans 1997: 40
[56] Vgl. Werner 2001: 11
[57] Vgl. Art 17-22 EGV
[58] Vgl. Pelkmans 1997: 2
[59] Vgl. Pelkmans 1997: 2
[60] Balassa, B. (1961): The theory of economic integration, London: Allen & Unwin,
[61] Die orthodoxe Auslegung Balassas Theorie ist, wie Pelkman darlegt, mittlerweile überholt. (Pelkmans 1997: 6-8) In Europa startete man z.B. sofort mit einer Zollunion. In dieser wurden auch schon Politikbereiche koordiniert. (Bsp. Agrarpolitik (Art. 38-47 EWG-Vertrag)), obwohl dies laut Balassa in einer Zollunion noch nicht nötig ist.
[62] Vgl. Molle 1994: 10 oder Balassa 1962: 2
[63] Vgl. Balassa 1962: 2 und Molle 1994: 10
[64] Ein (funktionierender) gemeinsamer Markt erfordert jedoch weit mehr als die Abschaffung von Handelsbarrieren und Beschränkungen der Mobilität von Kapital und Arbeit. Er erfordert vielmehr „positive Integration”, d.h. eine abgestimmte Wirtschafts- und Sozialpolitk, z.B. die Angleichung der Steuersätze etc. (Pelkmans 1997: 8)
[65] Vgl. Molle 1994: 11
[66] Vgl. Balassa 1962: 2
[67] Auch diese Aussage muss eingeschränkt werden, da nur Staatsangehörige der EU-Mitgliedsländer von den Bestimmungen zum gemeinsamen Arbeitsmarkt profitieren. Selbst Drittstaatenausländer, die sich legal in einem EU-Mitgliedsstaat aufhalten profitieren nicht von der Arbeitnehmerfreizügigkeit.
[68] Vgl. Fischer, P./ Straubhaar, Th. (1994): Ökonomische Integration und Migration in einem gemeinsamen Markt, Bern: Haupt, Seite 22
[69] Vgl. Molle 1994: 168fff
[70] Vgl. Werner 2001: 13/14
[71] Vgl. Werner 2001: 13/14
[72] Vgl. Fischer/ Straubhaar 1994: 29
[73] Vgl. Fischer/ Straubhaar 1994: 29/ 30
[74] Vgl. Werner 2001: 13
[75] Vgl. Fischer/ Straubhaar: 1994: 33
[76] Vgl. Fischer/ Straubhaar: 1994: 33
[77] Vgl. Werner 2001: 13
[78] Vgl. Fischer, P./ Martin, R./ Straubhaar, Th. (1997): Interdependencies between development and migration in: Hammar, T./ Brochmann, G./ Tamas, K./ Faist, T. (Hg.): International Migration, Immobility and Development, Oxford: Berg, Seite 91 - 132, hier Seite 104/105
[79] Folgende Aussagen beziehen sich komplett auf Molle 1994: 156fff
[80] Vgl. Fischer et al. 1997: 102
[81] Vgl. Fischer et al. 1997: 103
[82] Vgl. Fischer et al. 1997: 103
[83] Vgl. Fischer et al. 1997: 108
[84] Vgl. Fischer et al. 1997: 111
[85] Vgl. Fischer et al. 1997: 108
[86] Der Begriff Brain-drain stammt aus der politischen und wissenschaftlichen Diskussion über die Abwanderung von Akademikern und Fachkräften aus Großbritannien zu Beginn der sechziger Jahre. Ende der siebziger bis Mitte der achtziger Jahre erlangte er in der entwicklungspolitischen Diskussion an Aktualität, ebenso in den neunziger Jahren im Zusammenhang mit der Abwanderung der wissenschaftlich-technischen Intelligenz der ehemaligen Ostblockstaaten, vornehmlich der ehemaligen Sowjetunion, in die westlichen Länder. Vgl. Jahr, V./ Schomburg, H./ Teichler, U. (2002): Internationale Mobilität von Absolventinnen und Absolventen europäischer Hochschulen, Seite 12
[87] Gosh, B. (1996): Economic migration and the sending countries in: Broeck, J. van den: The economics of labour migration, Cheltenham: Elgar, Seite 77-113, hier Seite 90
[88] Vgl. Fischer et al. 1997: 109
[89] Vgl. Fischer et al. 1997: 109
[90] Vgl. Fischer et al. 1997: 115/ 116
[91] Mundell, R.A. (1961): A theory of optimum currency areas, in: The American Economic Review, vol. 51, No 4, Seite 657-665
[92] Vgl. Mundell 1961: 658
[93] Vgl. Mundell 1961: 658
[94] Die Beziehung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit bzw. Beschäftigung gehört zu den Kernfragen der Makroöokonomik. Der britische Volkswirtschaftler A.W. Phillips (1914-1974) überprüfte den empirischen Zusammenhang zwischen der Veränderung der Nominallöhne und der Arbeitslosenquote und fand für Großbritannien, dass zwischen beiden Größen ein gegenläufiger Zusammenhang besteht (Phillips-Kurve). Die Ausgangsbeziehung wurde dahingehend verändert, dass von einem stabilen, gegenläufigem Zusammenhang zwischen der Inflationsrate und der Arbeitslosigkeit ausgegangen wurde. Stabiler Zusammenhang heißt hier, dass der Wirtschaftspolitik die Option zugestanden wurde sich entweder für eine bestimmte Höhe der Inflationsrate zu entscheiden und die dabei entstehende Arbeitslosigkeit in Kauf zu nehmen. Eine niedrigere Inflationsrate geht mit einer höheren Arbeitslosenquote und somit einer geringeren Beschäftigung einher. Vgl. Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung Mannheim (2000): Wirtschaft heute, Bonn: Lizensausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Seite 106
[95] Vgl. Mundell 1961: 658
[96] Vgl. Art. 4 Abs. (2) EGV
[97] Vgl. Mundell 1961: 661
[98] Vgl. Mundell 1961: 661
[99] Blanchard, O.J./ Katz, L. (1992): Regional Evolutions, Brooking Papers on Economic Activity, Seite 1-75
[100] Vgl. Miehe-Nordmeyer (2001): Ökonomische Anpassung an Schocks, Frankfurt: Lang, Seite 84
[101] Vgl. Miehe-Nordmeyer 2001: 84
[102] Vgl. Miehe-Nordmeyer 2001: 85
[103] Decressin, J./ Fatás, A. (1995): Regional Labor Market Dynamics in Europe, European Economic Review, Nr. 39, Seite 1627-1655
[104] Vgl. Miehe-Nordmeyer 2001: 85/ 86
[105] Vgl. Fischer et al. 1997: 121
[106] Vgl. Fischer et al. 1997: 122/123
[107] Einen guten Überblick zu den verschiedenen migrationstheoretischen Ansätzen bieten: Pries 2001; Lebhardt 2002; Haug, S. (2000): Klassische und neuer Theorien der Migration, Mannheim: Arbeitspapiere- Mannheimer Zentrum für Sozialforschung, Nr. 30 oder jedes Lehrbuch der Anthropo- bzw. Bevölkerungsgeographie, z.B. Bähr et al. 1992
[108] Fischer spricht von 98% der Weltbevölkerung, die nicht mobil sind. Vgl. Fischer, P. (1999): On the economics of immobility, Bern: Haupt
V223793
9783832485993
9783838685991
migrationstheorien freizügigkeit unionsbürgerschaft
, 2004, Should I stay or should I go?, Hamburg, Bedey Media GmbH, https://www.diplom.de/document/223793
Nothing can stay hidden forever: Die Heldenreise in David Lynch'...