Source: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20009163
Timestamp: 2019-12-07 19:51:58
Document Index: 35738107

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 1', '§ 2', '§ 3', '§ 5', '§ 7', '§ 8', '§ 9', '§ 12']

RIS - Geoinformationstechnik-Ausbildungsordnung - Bundesrecht konsolidiert, Fassung vom 07.12.2019
Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Geoinformationstechnik-Ausbildungsordnung, Fassung vom 07.12.2019
Verordnung des Bundesministers für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft über die Berufsausbildung im Lehrberuf Geoinformationstechnik (Geoinformationstechnik-Ausbildungsordnung)
StF: BGBl. II Nr. 114/2015
Aufgrund der §§ 8 und 24 des Berufsausbildungsgesetzes (BAG), BGBl. Nr. 142/1969, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 129/2013, wird verordnet:
Lehrberuf Geoinformationstechnik
§ 1. (1) Der Lehrberuf Geoinformationstechnik ist mit einer Lehrzeit von drei Jahren eingerichtet.
(2) Im Lehrvertrag, Lehrzeugnis, Lehrbrief und im Lehrabschlussprüfungszeugnis ist der Lehrberuf in der dem Geschlecht des Lehrlings entsprechenden Form (Geoinformationstechniker oder Geoinformationstechnikerin) zu bezeichnen.
§ 2. Durch die Berufsausbildung im Lehrbetrieb und in der Berufsschule sollen im Lehrberuf Geoinformationstechnik ausgebildete Lehrlinge befähigt werden, die nachfolgenden Tätigkeiten fachgerecht, selbständig und eigenverantwortlich ausführen zu können:
Organisieren der innerbetrieblichen Arbeitsschritte und Arbeitsmittel,
Anwenden kartenkundlichen Wissens,
Bewerten von Geo- und Fachinformationen zur Implementierung in Kartographiesysteme,
Erfassen, Bearbeiten und Ausgeben von raumbezogenen Daten,
Arbeiten mit Geoinformationssystemen, Kartographie- und Bildbearbeitungssystemen,
Herstellen von Kartenentwürfen nach dem Stand der Technik,
Zusammenstellen von Fachdaten und Geodaten zu ausgabefähigen Produkten,
Aufbereiten von Geoinformationen für die Ausgabe in unterschiedlichen Medien,
Verwalten und Sichern von Daten im Rahmen des Geodatenbankmanagements,
Umsetzen der Arbeits- und Qualitätsstandards.
§ 3. (1) Für die Ausbildung im Lehrberuf Geoinformationstechnik wird folgendes Berufsbild festgelegt. Die angeführten Fertigkeiten und Kenntnisse sind spätestens in dem jeweils angeführten Lehrjahr beginnend derart zu vermitteln, dass der Lehrling zur Ausübung qualifizierter Tätigkeiten im Sinne des Berufsprofils befähigt wird, die insbesondere selbstständiges Planen, Durchführen, Kontrollieren und Optimieren einschließt.
Methodenkompetenz: zB Lösungsstrategien entwickeln, Informationen selbstständig beschaffen, auswählen und strukturieren, Entscheidungen treffen etc.
Soziale Kompetenz: zB in Teams arbeiten, Mitarbeiter/innen führen etc.
Personale Kompetenz: zB Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, Bereitschaft zur Weiterbildung, Bedürfnisse und Interessen artikulieren etc.
Kommunikative Kompetenz: zB mit Kunden/innen, Vorgesetzten, Kollegen/innen und anderen Personengruppen zielgruppengerecht kommunizieren; Englisch auf branchen- und betriebsüblichem Niveau zum Bestreiten von Alltags- und Fachgesprächen beherrschen
Arbeitsgrundsätze: zB Sorgfalt, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Pünktlichkeit etc.
Kunden- und Kundinnenorientierung: im Zentrum aller Tätigkeiten im Betrieb hat die Orientierung an den Bedürfnissen der Kunden/innen unter Berücksichtigung der Sicherheit zu stehen
Handhaben und Pflegen der zu verwendenden Arbeitsmittel
Kenntnis der analogen und digitalen Informationsträger, deren Eigenschaften, Verwendungs- und Bearbeitungsmöglichkeiten und deren umweltgerechte Entsorgung
Darstellen der kartographischen Elemente Punkt, Linie, Fläche und Signatur mittels Grafikprogramm
Darstellen der kartographischen Elemente Punkt, Linie und Fläche in Ebenen der kartographischen Modelle
Herstellen eines Kartenausschnittes nach Vorlagen
Herstellen eines Kartenausschnittes in allen Informationsebenen und Maßstäben der kartographischen Modelle
Flächenhaftes Darstellen in Raster- und Vektortechnik
Kenntnis der Ausgabeformate für Reproduktion und Druck
Anwenden von Entwurfs- und Layouttechniken
Herstellen einer multimedialen Präsentationssequenz
Kenntnis kartographischer Schriften, Richtlinien der Rechtschreibung geografischer Namen sowie der Schriftplatzierung
Herstellen eines Schriftkonzeptes nach grafischen und alphanumerischen Vorgaben für die verschiedenen Informationsebenen der kartographischen Modelle
Grundkenntnisse grafischer Daten (Raster-, Vektordaten)
Kenntnis der grafischen Datenformate und der Konvertierung
Kenntnis der digitalen Bildbearbeitung
Herstellen der Elemente der Geländedarstellung Höhenschichtlinien, Felsen, Geländedetails
Anfertigen einer Fels- und Gerölldarstellung in verschiedenen Techniken für einen Kartenausschnitt
Herstellen von Geländeschummerungen in verschiedenen Techniken
Anfertigen einer Geländeschummerung für einen Kartenausschnitt
Maßstabsbezogenes Generalisieren verschiedener Kartenelemente
Generalisieren aller Informationsebenen eines Kartenausschnittes für einen Folgemaßstab
Kenntnis der Farbenlehre sowie normierter Farbsysteme
Kenntnis der optischen Systeme in Vermessungs- und reproduktionstechnischen Geräten
Anwenden mechanischer, optischer und digitaler Passsysteme
Farbtrennen multicolorer Vorlagen, Herstellen von Farbauszügen für das Publishing
Kenntnis der verschiedenen Digitalisierungstechniken
Kenntnis der verschiedenen Reproduktions- und Druckverfahren für die Ausgabe der kartographischen Druckvorlagen
Kenntnis digitaler Präsentations- und Ausgabeverfahren
Einsetzen der graphischen Elemente als kartographisches Gestaltungsmittel (Kartenentwurf)
Grundkenntnisse der thematischen Kartographie
Kenntnis der thematischen Kartographie
Anfertigen von thematischen Kartenentwürfen nach vorgegebenen Grundlagen
Interpretieren und Auswerten topographischer und thematischer Karteninhalte (Kartometrie)
Beurteilen und Endkontrolle des kartographischen Produktes auf Bildschirm und Proofs
Kenntnis der Kartenfortführung, der Kartenredaktion sowie der Aktualisierungszyklen der kartographischen Modelle
Beurteilen von Informationen auf kartographische Verwertbarkeit
Kenntnis kartographischer Arbeitsschritte bei der Herstellung des Informationsträgers Karte
Kenntnis der geographischen und geodätischen Koordinatensysteme sowie der Transformationen
Kenntnis der Kartennetzentwürfe und deren Anwendung
Kenntnis über die Erdgestalt und die messtechnischen Bezugsflächen
Kenntnis des Maßstabes und der kartographischen Ausdrucksmittel
Kenntnis der ebenen Trigonometrie, der Lage- und Höhenmessung und deren Verfahren
Kenntnis des Katasterwesens
Kenntnis der Quellen von Geo- und Fachinformationen
Kenntnis der topographischen Aufnahmemethoden
Kenntnis der Fernerkundung
Kenntnis der Produkte und Anwendungen der amtlichen und privaten Kartographie Österreichs
Kenntnis der Geschichte der Kartographie (insbesondere der österreichischen Geschichte); Kenntnis aktueller Entwicklungen der Kartographie und Geoinformationstechnologie
Kenntnis der Geographie Österreichs
Kenntnis der Geographie Europas
Kenntnis der Geographie der Welt
Bedienen sowie Anwenden unterschiedlicher Software wie Betriebssysteme, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbanken, Grafik – und Präsentationsprogramme
Bedienen sowie Anwenden unterschiedlicher Software wie Digitale Bildbearbeitung und Geodatenmanagement
Grundkenntnisse der Webtechnologie
Kenntnis der Webtechnologie
Kenntnis von Ausgabeformen von Geoinformationen und deren Bereitstellung
Kenntnis der Auftragsabwicklung und des Marketings
Kenntnis geographischer Informationssysteme (GIS) und Geodateninfrastrukturen (GDI)
Interaktives kartographisches Bearbeiten von Geoinformationen unterschiedlicher Herkunft
Führen von einfachen branchenspezifischen Gesprächen in Englisch
Grundkenntnisse der Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle
Kenntnis und Anwendung des unternehmensspezifischen Qualitätsmanagements einschließlich Dokumentation
Kenntnis der einschlägigen Sicherheitsvorschriften und Normen sowie der einschlägigen Vorschriften zum Schutz des Lebens und der Gesundheit
(2) Bei der Vermittlung sämtlicher Berufsbildpositionen ist den Bestimmungen des Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetzes 1987 (KJBG), BGBl. Nr. 599/1987, zu entsprechen.
(2) Die theoretische Prüfung umfasst die Gegenstände Allgemeine Fachkunde, Spezielle Fachkunde und Wirtschaftsrechnen.
§ 5. (1) Die theoretische Prüfung hat schriftlich zu erfolgen. Sie kann für eine größere Anzahl von Prüfungskandidaten gemeinsam durchgeführt werden, wenn dies ohne Beeinträchtigung des Prüfungsablaufs möglich ist.
Allgemeine Fachkunde
Kartenkundliche Grundlagen,
Grundlagen grafischer Datenverarbeitung,
Objektbildung und Farbgestaltung,
Auswahl und Bewertung von Geoinformationen,
Digitalisierung und Informationsaufbereitung,
Qualitätskontrolle und gesicherte Ablage in Geodatenbanken,
mediengerechte Präsentation von Geoinformationen,
einfache Trigonometrie, Distanz- und Flächenberechnung,
räumliche Darstellungstechniken,
mediale Gestaltung.
(2) Die Prüfung kann auch in programmierter Form mit Fragebögen geprüft werden. In diesem Fall sind aus jedem Bereich drei Fragen zu stellen.
(4) Die Prüfung ist nach 75 Minuten zu beenden.
§ 7. (1) Die Prüfung hat die Beschreibung des theoretischen Ablaufes eines Geoinformationsproduktes von der Auftragsübernahme bis zur Endfertigung zu umfassen und sich nach der Wahl des/der Prüfungskandidaten/in auf eines der folgenden Gebiete zu erstrecken:
Planung einer Kartenherstellung nach Vorgaben (zB Aktualisierung, Neuausgabe),
Entwurf einer medialen Präsentation mit Geoinformationen,
Konzept für eine kundenspezifische Web-Publikation.
(2) Die Aufgabe ist so zu stellen, dass sie in der Regel in 60 Minuten durchgeführt werden kann.
(3) Die Prüfung ist nach 75 Minuten zu beenden.
§ 8. (1) Die Prüfung hat je eine Aufgabe aus sämtlichen nachstehenden Bereichen zu umfassen:
Projektspezifische Kalkulation,
Material-, Fremddaten- und Fremddienstleistungskostenrechnung,
Lohnkostenrechnung,
einfache Investitions- oder Finanzierungsrechnung.
(3) Die Aufgaben sind so zu stellen, dass sie in der Regel in 45 Minuten durchgeführt werden können.
§ 9. (1) Die Prüfung ist nach Angabe der Prüfungskommission in Form der Bearbeitung eines betrieblichen Arbeitsauftrages durchzuführen und hat folgende Tätigkeiten zu umfassen.
Übernehmen, Bewerten, Bearbeiten und Ausgeben von Geodaten und Fachinformationen,
Herstellen eines einfachen digitalen Kartenausschnittes nach Angabe auf einer Grundkarte (Basiskarte),
Überprüfen und Sichern der Arbeitsergebnisse,
Vorschreiben und Durchführen von Verbesserungen,
Aufbereiten der Arbeitsergebnisse für digitale und/oder analoge Ausgabe,
Schlussüberprüfung und allfälliges Optimieren für die Abschlusspräsentation (Fachgespräch).
(2) Die Prüfungskommission hat unter Bedachtnahme auf den Zweck der Lehrabschlussprüfung und die Anforderungen der Berufspraxis jedem/jeder Prüfungskandidaten/in eine Aufgabe zu stellen, die in der Regel in vier Stunden ausgeführt werden kann.
(3) Die Prüfung ist nach sechs Stunden zu beenden.
(4) Für die Bewertung sind folgende Kriterien maßgebend:
Genauigkeit und Einhaltung der Vorgaben,
nutzer- und mediengerechte Gestaltung,
effizienter Einsatz von Arbeitsmitteln und -material.
(2) Das Fachgespräch hat sich aus der praktischen Tätigkeit heraus zu entwickeln. Hierbei ist unter Verwendung von Fachausdrücken das praktische Wissen jedem/jeder Prüfungskandidaten/in festzustellen. Das Fachgespräch besteht aus einer kurzen Präsentation der Ergebnisse der Prüfarbeit und ergänzenden Fragestellungen durch die Prüfungskommission. Der/die Prüfungskandidat/in hat fachbezogene Probleme und deren Lösungen darzustellen, die für die Auftragserledigung relevanten fachlichen Voraussetzungen aufzuzeigen und die Vorgehensweise bei der Auftragsausführung zu begründen.
(3) Die Themenstellung hat dem Zweck der Lehrabschlussprüfung und den Anforderungen der Berufspraxis zu entsprechen. Fragen über einschlägige Sicherheitsvorschriften, Schutzmaßnahmen und Unfallverhütung sowie über einschlägige Umweltschutz- und Entsorgungsmaßnahmen sind mit einzubeziehen.
(4) Das Fachgespräch soll für jeden/jede Prüfungskandidaten/in 15 Minuten dauern. Eine Verlängerung um höchstens zehn Minuten hat im Einzelfall zu erfolgen, wenn der Prüfungskommission ansonsten eine zweifelsfreie Bewertung der Leistung des/der Prüfungskandidaten/in nicht möglich ist.
§ 12. (1) Diese Verordnung tritt mit 1. Juni 2015 in Kraft.
(2) Die Ausbildungsordnung für den Lehrberuf Kartograph, BGBl. Nr. 1092/1994, in der Fassung der Verordnung BGBl. II Nr. 177/2005, tritt unbeschadet Abs. 3 mit Ablauf des 31. Mai 2015 außer Kraft.
(3) Lehrlinge, die am 31. Mai 2015 im Lehrberuf Kartograph ausgebildet werden, können gemäß der in Abs. 2 angeführten Ausbildungsordnung bis zum Ende der vereinbarten Lehrzeit weiter ausgebildet werden und können bis ein Jahr nach Ablauf der vereinbarten Lehrzeit zur Lehrabschlussprüfung im Lehrberuf Kartograph auf Grund der in der Ausbildungsordnung gemäß Abs. 2 enthaltenen Prüfungsvorschriften antreten.
(4) Die Lehrzeiten, die im Lehrberuf Kartograph gemäß der in Abs. 2 angeführten Ausbildungsordnung zurückgelegt wurden, sind auf die Lehrzeit im Lehrberuf Geoinformationstechnik voll anzurechnen.