Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/verkuendungen-in-familiensachen-343922
Timestamp: 2020-01-25 02:02:18
Document Index: 379793469

Matched Legal Cases: ['§ 113', '§ 311', '§ 113', '§ 165', '§ 38', '§ 142', '§ 113', '§ 311', '§ 113', '§ 165', '§ 113', '§ 165', '§ 113', '§ 310', '§ 113', '§ 310', 'BGH', '§ 116', '§ 142', '§ 41', '§ 38', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Ver­kün­dun­gen in Fami­li­en­sa­chen | Rechtslupe
Urteils­erset­zen­de Beschlüs­se in Ehe­sa­chen und Fami­li­en­streit­sa­chen sind gemäß § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG i.V.m. § 311 Abs. 2 ZPO durch das Ver­le­sen der Beschluss­for­mel oder durch die Bezug­nah­me auf die Beschluss­for­mel zu ver­kün­den; der Nach­weis für die erfolg­te Ver­kün­dung kann in die­sen Fäl­len nach § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG i.V.m. §§ 165 Satz 1, 160 Abs. 3 Nr. 7 ZPO nur durch das Pro­to­koll geführt wer­den.
Nach der Ter­mi­no­lo­gie des FamFG ver­lässt der Beschluss durch sei­nen "Erlass" das Sta­di­um des Beschluss­ent­wurfs, indem er ent­we­der der Geschäfts­stel­le zum Zwe­cke schrift­li­cher Bekannt­ga­be über­ge­ben oder sei­ne Beschluss­for­mel ver­le­sen wird (§ 38 Abs. 3 Satz 3 FamFG).
Ent­schei­dun­gen in Ehe­sa­chen und Fami­li­en­streit­sa­chen müs­sen aller­dings in einem Ter­min "ver­kün­det" wer­den (vgl. § 142 Abs. 3 FamFG 1). Han­delt es sich um eine urteils­erset­zen­de End­ent­schei­dung, erfolgt die Ver­kün­dung gemäß § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG i.V.m. § 311 Abs. 2 Satz 1 und 2 ZPO durch Vor­le­sung der Ent­schei­dungs­for­mel oder durch Bezug­nah­me auf die Ent­schei­dungs­for­mel 2. Der Nach­weis für die erfolg­te Ver­kün­dung kann gemäß § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG i.V.m. §§ 165 Satz 1, 160 Abs. 3 Nr. 7 ZPO nur durch das Pro­to­koll geführt wer­den 3.
Eine Ver­kün­dung der amts­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung ist im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall im Sit­zungs­pro­to­koll nicht fest­ge­stellt wor­den, weil es die Nie­der­schrift der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 31.05.2011 mit der Ankün­di­gung bewen­den lässt, dass eine Ent­schei­dung am Ende der Sit­zung erge­hen sol­le. In einer sol­chen Anord­nung ist (ledig­lich) die Bestim­mung eines Ver­kün­dungs­ter­mins zu sehen 4. Auch im Übri­gen bestehen mit Aus­nah­me des – nicht unter­schrie­be­nen – Geschäfts­stel­len­ver­merks kei­ne wei­te­ren Anhalts­punk­te dafür, dass am 31.05.2011 eine Ent­schei­dung ver­kün­det wor­den ist. Der Erlass­ver­merk der Geschäfts­stel­le über die Ver­kün­dung einer Ent­schei­dung hat aber auch dann, wenn er unter­schrie­ben ist, kei­ne dem Pro­to­koll ver­gleich­ba­re Beweis­kraft und kann des­halb die in Ehe­sa­chen und Fami­li­en­streit­sa­chen nach § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG i.V.m. §§ 165 Satz 1, 160 Abs. 3 Nr. 7 ZPO erfor­der­li­che Fest­stel­lung der Ver­kün­dung in einem Pro­to­koll nicht erset­zen 5.
Zwar kann selbst dann, wenn – wie hier – eine Ver­kün­dung der Ent­schei­dung in einem Ter­min gesetz­lich vor­ge­schrie­ben ist, in Aus­nah­me­fäl­len auch ohne Ver­kün­dung ein recht­lich exis­ten­ter Beschluss ent­stan­den sein. Davon ist dann aus­zu­ge­hen, wenn das Gericht bei einer an sich dem Ver­kün­dungs­er­for­der­nis nach § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG i.V.m. § 310 Abs. 1 ZPO unter­fal­len­den End­ent­schei­dung deren schrift­li­che Bekannt­ga­be durch Zustel­lung an Ver­kün­dungs Statt ver­fügt, weil auch dies eine gesetz­lich vor­ge­se­he­ne, wenn auch in Ehe­sa­chen und Fami­li­en­streit­sa­chen ande­ren End­ent­schei­dun­gen vor­be­hal­te­ne (§ 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG i.V.m. § 310 Abs. 3 ZPO) Ver­laut­ba­rungs­form erfüllt 6. Indes­sen wur­de die Zustel­lung des amts­ge­richt­li­chen Beschlus­ses von der Geschäfts­stel­le auf Grund einer im Ter­min am 31.05.2011 ver­meint­lich bereits erfolg­ten Ver­kün­dung und nicht an deren Stel­le ver­an­lasst. Der hier vor­lie­gen­de Fall einer unter­blie­be­nen bzw. nicht fest­stell­ba­ren Ver­laut­ba­rung kann daher nicht wie der Fall einer (ledig­lich) ver­fah­rens­feh­ler­haft falsch gewähl­ten Form der Ver­laut­ba­rung behan­delt wer­den 7.
Durch die äußer­lich gesetz­mä­ßi­ge Zustel­lung des Beschluss­ent­wurfs ist aller­dings der Rechts­schein einer gericht­li­chen Ent­schei­dung ("Schein­be­schluss") erzeugt wor­den. Ein Schein­be­schluss kann mit den­je­ni­gen Rechts­mit­teln ange­foch­ten wer­den, wel­che gegen eine recht­lich exis­ten­te Ent­schei­dung glei­chen Inhalts statt­haft wären 8. Da hier­mit aber nur der Rechts­schein einer Ent­schei­dung besei­tigt wer­den soll, kann eine dahin­ge­hend klar­stel­len­de Ent­schei­dung des Rechts­mit­tel­ge­richts nicht vom Vor­lie­gen der sons­ti­gen Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen eines "ech­ten" Rechts­mit­tel­ver­fah­rens – ins­be­son­de­re nicht von der Beob­ach­tung von Form­vor­schrif­ten – abhän­gig gemacht wer­den 9.
Das Beschwer­de­ge­richt hät­te daher man­gels einer abschlie­ßen­den erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung die Beschwer­de des Antrags­geg­ners nicht als unzu­läs­sig ver­wer­fen dür­fen, son­dern die recht­li­che Nicht­exis­tenz eines erst­in­stanz­li­chen Beschlus­ses durch die Auf­he­bung der den Betei­lig­ten zuge­gan­ge­nen Ent­schei­dung klar­stel­len und die Sache an das Amts­ge­richt zwecks Been­di­gung des noch nicht abge­schlos­se­nen Ver­fah­rens zurück­ver­wei­sen müs­sen.
Exter­ne Tei­lung – und die Benen­nung der Ver­sor­gung in der… Bei der exter­nen Tei­lung besteht kein Bedürf­nis dafür, in der Beschluss­for­mel die Fas­sung oder das Datum der zu Grun­de lie­gen­den Ver­sor­gung zu benen­nen 11 hat­te…
BGH, Beschluss vom 19.10.2011 – XII ZB 250/​11, Fam­RZ 2012, 106 Rn. 13[↩]
Prütting/​Helms FamFG 2. Aufl. § 116 Rn. 12, 17; Münch­Komm-ZPO/Hei­ter 3. Aufl. § 142 FamFG Rn. 24; Musielak/​Borth FamFG 3. Aufl. § 41 Rn. 7; Hütter/​Kodal Fam­RZ 2009, 917, 919[↩]
vgl. Keidel/​MeyerHolz FamFG 17. Aufl. § 38 Rn. 94[↩]
vgl. BGHZ 158, 37, 39 f.; OLG Mün­chen NJW 2011, 689, 690[↩]
vgl. bereits BGH, Beschluss vom 16.02.1989 III ZB 38/​88 – VersR 1989, 604; OLG Frank­furt NJW-RR 1995, 511 f.; OLG Bran­den­burg Fam­RZ 2002, 467 f.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 12.03.2004 V ZR 37/​03, Fam­RZ 2004, 1187, 1188[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 16.10.1984 – VI ZB 25/​83 – VersR 1984, 1192, 1193; OLG Frank­furt NJW-RR 1995, 511 f.[↩]
BGHZ 10, 346, 349; BGH, Beschluss vom 05.12.2005 – II ZB 2/​05, NJW-RR 2005, 565, 566[↩]
BGH, Beschluss vom 03.11.1994 – LwZB 5/​94, NJW 1995, 404[↩]
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