Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.04.2007&Aktenzeichen=IX%20ZR%2059%2F06
Timestamp: 2020-01-29 13:58:48
Document Index: 298415828

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 129', '§ 32', '§ 32', '§ 129', '§ 133', '§ 143', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 143', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 143', '§ 453', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 19.04.2007 - IX ZR 59/06 - dejure.org
https://dejure.org/2007,537
BGH, 19.04.2007 - IX ZR 59/06 (https://dejure.org/2007,537)
BGH, Entscheidung vom 19.04.2007 - IX ZR 59/06 (https://dejure.org/2007,537)
BGH, Entscheidung vom 19. April 2007 - IX ZR 59/06 (https://dejure.org/2007,537)
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InsO §§ 129 Abs. 1, 133, 143; ErbbauVO §§ 32, 27, 9 Abs. 4; SachenRBerG § 32
Unentgeltlicher Heimfallanspruch in der Insolvenz des Erbbauberechtigten wirksam, aber anfechtbar
Vereinbarung eines Heimfallanspruchs in einem Erbbaurechtsvertrag; Anfechtbarkeit der Vereinbarung aufgrund einer Benachteiligung der Insolvenzgläubiger; Fiktion des Vertragsschlusses ohne die Vereinbarung; Vergütung des Heimfalls wegen der Eröffnung des ...
Teilanfechtung eines Erbbaurechtsvertrages mit entschädigungslosem Heimfall bei Insolvenz des Erbbauberechtigten
Anfechtung der Vereinbarung eines Heimfallanspruchs im Erbbaurechtsvertrag
Insolvenzanfechtung für Heimfallanspruch in Erbbaurechtsvertrag
Zu den Rechtsfolgen der Anfechtbarkeit der in einem Erbbaurechtsvertrag enthaltenen gläubigerbenachteiligenden Vereinbarung eines Heimfallanspruchs
InsO § 129 Abs. 1 § 133 § 143
Vereinbarung von Heimfallanspruch in Erbbaurechtsvertrag
Heimfallklausel für den Insolvenzfall
Insolvenzanfechtung bei gläubigerbenachteiligend bestelltem erbbaurechtlichem Heimfallanspruch
Anfechtbarkeit eines Heimfallanspruchs
Zusammenfassung von "Lösungsklauseln in notariellen Übergabeverträgen - Zugleich Anmerkung zum Urteil des BGH vom 19.04.2007 - IX ZR 59/06" von Notar a. D. Dr. Adolf Reul, original erschienen in: DNotZ 2007, 649 - 665.
LG Magdeburg, 22.03.2005 - 9 O 2641/04
NJW 2007, 2325
NJW-RR 2007, 1275 (Ls.)
ZIP 2007, 1120
MDR 2007, 1099
DNotZ 2007, 682
NZI 2007, 462
NZM 2007, 660
WM 2007, 1218
Grundsätzlich kann der Insolvenzverwalter, solange das Insolvenzverfahren noch nicht beendet ist, dem Anspruch des Insolvenzgläubigers die Einrede rechtsmissbräuchlichen Verhaltens (dolo-agit-Einrede) entgegenhalten, sofern dieser seine Forderung gegen den Insolvenzschuldner in anfechtbarer Weise erlangt hat (vgl. BGH, Urteil vom 19. April 2007 - IX ZR 59/06, NJW 2007, 2325 Rn. 13;… Bork/Jacoby, Handbuch des Insolvenzanfechtungsrechts, 2006, Teil 6 Rn. 12 f.).
ee) Aufgrund der unzureichenden Feststellungen des Berufungsgerichts kann der Senat nicht abschließend entscheiden, ob der Schuldner bei Abschluss der Verrechnungsabrede mit dem Vorsatz gehandelt hat, seine Gläubiger zu benachteiligen, und dies der Beklagten bekannt war (vgl. BGH, Urt. v. 19. April 2007 - IX ZR 59/06, ZIP 2007, 1120, 1123).
Daran fehlt es im Streitfall (vgl. BGH, Urteil vom 19. April 2007 - IX ZR 59/06, WM 2007, 1218 Rn. 10 zur Vereinbarung eines unentgeltlichen Heimfallanspruchs bei einem Erbbaurecht).
Allein die (mögliche) Anfechtbarkeit rechtfertigt nicht den Schluss auf eine Sittenwidrigkeit (vgl. BGH, Urteil vom 19. April 2007, aaO Rn. 11).
Daher ist die Vereinbarung eines Heimfallanspruchs gläubigerbenachteiligend, wenn dem Schuldner bereits vor der Bestellung des Erbbaurechts ein unentziehbares Nutzungsrecht an dem Grundstück zustand (BGH, Urteil vom 19. April 2007 - IX ZR 59/06, ZIP 2007, 1120 Rn. 16, 18 ff).
Mit dem Verzicht auf den im Rückgewähranspruch liegenden Vermögenswert liegt eine benachteiligende Vertragsklausel vor (vgl. BGH, Urteil vom 11. November 1993 - IX ZR 257/92, BGHZ 124, 76, 78 f; in der Sache ebenso BGH, Urteil vom 19. April 2007, aaO Rn. 17;… Beschluss vom 12. Juni 2008, aaO; so auch Reul, DNotZ 2007, 649, 661; ders., DNotZ 2008, 824, 829).
Die Anfechtung einzelner Bestimmungen eines Vertrags ist ausgeschlossen (BGH, Urteil vom 11. November 1993 - IX ZR 257/92, BGHZ 124, 76, 83 f unter B.IV.; vom 19. April 2007 - IX ZR 59/06, ZIP 2007, 1120 Rn. 32;… Beschluss vom 13. März 2008 - IX ZB 39/05, ZIP 2008, 1028 Rn. 16).
Die Anfechtung des Vertrags als Ganzes kann aber die Wirkung einer Teilanfechtung haben, wenn die anfechtbare Handlung das Schuldnervermögen nur in begrenztem Umfang geschmälert hat und das Rechtsgeschäft insoweit teilbar ist (RGZ 114, 206, 210; BGH…, Urteil vom 11. November 1993, aaO S. 84 unter C.; vom 19. April 2007, aaO;… Beschluss vom 13. März 2008, aaO;… MünchKomm-InsO/Kirchhof, 3. Aufl. § 143 Rn. 18).
Dabei ist eine ausdrücklich für den Fall der Insolvenz getroffene Vereinbarung, die dem Vertragspartner zum Nachteil der übrigen Gläubiger einen Sondervorteil einräumt, ein deutliches Indiz für einen Benachteiligungsvorsatz des Schuldners (vgl. BGH, Urteil vom 19. April 2007 - IX ZR 59/06, ZIP 2007, 1120 Rn. 27).
Im Streitfall kommen die Beweisanzeichen der Inkongruenz einer Deckung (vgl. BGH…, Urteil vom 8. Dezember 2011 - IX ZR 156/09, WM 2012, 146 Rn. 18;… vom 8. März 2012 - IX ZR 51/11, WM 2012, 857 Rn. 41) sowie der gezielten Gewährung eines Sondervorteils für den Insolvenzfall (vgl. BGH, Urteil vom 19. April 2007 - IX ZR 59/06, WM 2007, 1218 Rn. 27) in Betracht.
Die gezielte Gewährung eines Sondervorteils gerade für den Insolvenzfall muss zwangsläufig die Rechte der anderen Gläubiger schmälern und begründet darum nach allgemeiner Erfahrung den Schluss auf einen entsprechenden Willen (BGH, Urteil vom 11. November 1993 - IX ZR 257/92, BGHZ 124, 76, 82; vom 19. April 2007 - IX ZR 59/06, WM 2007, 1218 Rn. 27).
Die Anfechtung einzelner Bestimmungen eines Vertrages ist ausgeschlossen (BGHZ 124, 76, 83; BGH, Urt. v. 19. April 2007 - IX ZR 59/06, ZIP 2007, 1120, 1123).
Die Anfechtung des Vertrages als Ganzes kann aber die Wirkung einer Teilanfechtung haben, wenn die anfechtbare Handlung das Schuldnervermögen nur in begrenztem Umfang geschmälert hat und das Rechtsgeschäft insoweit teilbar ist (RGZ 114, 206, 210; BGHZ 124, 76, 84; BGH, Urt. v. 19. April 2007 aaO;… MünchKomm-InsO/Kirchhof, aaO § 143 Rn. 18).
Dieser ist ein Rechtskauf (§ 453 BGB) und begründet kein Dauerschuldverhältnis (…vgl. nur BGH, Urteile vom 20. Oktober 2005 - IX ZR 145/04, NJW-RR 2006, 188, 189 Rn. 10 und vom 19. April 2007 - IX ZR 59/06, NJW 2007, 2325, 2326 Rn. 10).
Dies ist bei einer Verkürzung der Aktivmasse oder einer Vermehrung der Schuldenmasse anzunehmen, die den Gläubigerzugriff auf das Schuldnervermögen vereitelt, erschwert oder verzögert (…BGHZ 174, 228, 233 Rn. 18; BGH, Urt. v. 19. April 2007 - IX ZR 59/06, WM 2007, 1218, 1219 Rn. 15;… BGH, Urt. v. 16. Oktober 2008 - IX ZR 2/05, WM 2008, 2377, 2378 Rn. 9).
Das beruht darauf, dass der Erbbauberechtigte als Käufer des Erbbaurechts (zur Rechtsnatur des Bestellungsvertrags: BGH…, Urteil vom 20. Oktober 2005 - IX ZR 145/04, NJW-RR 2006, 188 Rn. 10; Urteil vom 19. April 2007 - IX ZR 59/06, NJW 2007, 2325 Rn. 10) wie der Käufer eines Grundstücks das Risiko der Entwertung der Sachleistung tragen muss.
Der Heimfallanspruch wird in diesem Zusammenhang zwar als ein dinglicher Anspruch bezeichnet (BGH, Urteil vom 19. April 2007 - IX ZR 59/06, WM 2007, 1218 Rn. 13).
Der Erbbauzins ist das von dem Erbbauberechtigten zu zahlende Entgelt für die Bestellung des Erbbaurechts (vgl. Senat…, Urteil vom 15. März 2013 - V ZR 201/11, NJW-RR 2013, 1319 Rn. 27; BGH…, Urteil vom 20. Oktober 2005 - IX ZR 145/04, NJW-RR 2006, 188 Rn. 10; Urteil vom 19. April 2007 - IX ZR 59/06, NJW 2007, 2325 Rn. 10), dessen wesentlicher Inhalt die Befugnis zur Nutzung des fremden Grundstücks als Baugrund ist (Senat, Urteil vom 20. Dezember 1985 - V ZR 263/83, BGHZ 96, 385, 387).