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Timestamp: 2020-08-11 07:33:26
Document Index: 387944894

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 812', 'BGH']

Versicherungsvertrag im Policenmodell - und die Widerrufsfrist | Rechtslupe
Fehl­te in der maß­geb­li­chen Wider­spruchs­be­leh­rung in dem Poli­cen­be­gleit­schrei­ben der Hin­weis auf die gemäß § 5a Abs. 1 Satz 1 VVG in der ab dem 1.08.2001 gül­ti­gen Fas­sung erfor­der­li­che Text­form des Wider­spruchs sowie der Hin­weis dar­auf, dass für den Beginn des Fris­ten­laufs des Ver­si­che­rungs­neh­mers nicht nur den Ver­si­che­rungs­schein son­dern auch die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen und die Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on erhal­ten haben muss, belehr­te der Ver­si­che­rer den Ver­si­che­rungs­neh­mer mit­hin nicht ord­nungs­ge­mäß i.S. von § 5a Abs. 2 Satz 1 VVG a.F. über das Wider­spruchs­recht. Für einen sol­chen Fall bestimm­te § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG a.F. zwar, dass das Wider­spruchs­recht ein Jahr nach Zah­lung der ers­ten Prä­mie erlischt. Das Wider­spruchs­recht besteht hier aber nach Ablauf der Jah­res­frist fort.
Das ergibt für den Bun­des­ge­richts­hof die richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung des § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG a.F. auf der Grund­la­ge der Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vom 19.12 2013 [1].
Der Bun­des­ge­richts­hof hat mit Urteil vom 07.05.2014 [2] ent­schie­den und im Ein­zel­nen begrün­det, die Rege­lung müs­se richt­li­ni­en­kon­form teleo­lo­gisch der­ge­stalt redu­ziert wer­den, dass sie im Anwen­dungs­be­reich der Zwei­ten und der Drit­ten Richt­li­nie Lebens­ver­si­che­rung kei­ne Anwen­dung fin­det und für davon erfass­te Lebens- und Ren­ten­ver­si­che­run­gen sowie Zusatz­ver­si­che­run­gen zur Lebens­ver­si­che­rung grund­sätz­lich ein Wider­spruchs­recht fort­be­steht, wenn d. VN wie hier nicht ord­nungs­ge­mäß über das Recht zum Wider­spruch belehrt wor­den ist und/​oder die Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on oder die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen nicht erhal­ten hat.
Die erklär­te Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges steht dem Wider­spruch nicht ent­ge­gen [3]. Ein Erlö­schen des Wider­spruchs­rechts nach bei­der­seits voll­stän­di­ger Leis­tungs­er­brin­gung kommt eben­falls nicht in Betracht [4].
Der Höhe nach umfasst der Rück­ge­währ­an­spruch nach § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB nicht unein­ge­schränkt alle gezahl­ten Prä­mi­en. Viel­mehr muss sich der Ver­si­che­rungs­neh­mer bei der berei­che­rungs­recht­li­chen Rück­ab­wick­lung den jeden­falls bis zur Kün­di­gung des Ver­tra­ges genos­se­nen Ver­si­che­rungs­schutz anrech­nen las­sen. Der Wert des Ver­si­che­rungs­schut­zes kann unter Berück­sich­ti­gung der Prä­mi­en­kal­ku­la­ti­on bemes­sen wer­den; bei Lebens­ver­si­che­run­gen kann etwa dem Risi­ko­an­teil Bedeu­tung zukom­men [6].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Novem­ber 2014 – IV ZR 329/​14
BGH, Urteil vom 07.05.2014 – IV ZR 76/​11, VersR 2014, 817 Rn. 1734[↩]