Source: http://www.islamdebatte.de/konfliktfelder/menschenrechte-im-islam/
Timestamp: 2017-05-29 13:13:52
Document Index: 159667851

Matched Legal Cases: ['Art. 28', 'Art. 30', 'Art. 24', 'Art. 25', 'Art. 3', 'Art. 5', 'Art. 2', 'Art. 4', 'Art. 19', 'Art. 18', 'Art. 10']

Menschenrechte im Islam | islamdebatte.de
Stichworte: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, UN-Menschenrechtscharta, Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam, Arabische Charta der Menschenrechte, Vereine Nationen (UN), Organisation Islamischer Zusammenarbeit (OIC)Links das UN-Logo für Menschenrechte, rechts das Logo der OIC
Widerspricht die islamische Theologie den westlichen Vorstellungen der Menschenrechte? Wie steht es bspw. um die Gleichberechtigung der Geschlechter, Religionen oder sexuellen Orientierung? Wie unterscheiden sich die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam? Von Felix Strüning 1 – – Als PDF herunterladen – –
Einleitung: Der Islam und die Menschenrechte
Als ursächlich für diese rechtliche Ungleichbehandlung der Menschen wird die Scharia gesehen, ein nicht eindeutig kodifizierter Rechtskomplex, der sich aus dem Koran, der Sunnah (Prophetenbiografie), dem Konsens der islamischen Rechtsgelehrten einer bestimmten Epoche sowie dem Analogieschluss (von in Koran und Sunnah geregelten Anlässen auf vergleichbare) speist. 2 Diese findet ihren Ausdruck in den verschiedenen nationalen Verfassungen, aber auch in der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam, deren Artikel in weiten Teilen den Menschenrechten der Vereinen Nationen widersprechen.
Schließlich folgte 1994 noch eine Arabische Charta der Menschenrechte, verabschiedet durch den Rat der Liga der arabischen Staaten. Ratifiziert wurde die Arabische Menschenrechtscharta allerdings erst im Jahr 2008, nachdem sie mehrfach (zuletzt 2004) überarbeitet worden war. 5 Sie bezieht sich zwar nicht direkt auf die Scharia, referiert aber sowohl die UN-Menschenrechtscharta als auch die dazu widersprüchliche Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam.
(Art. 28): Jeder hat Anspruch auf eine soziale und internationale Ordnung, in der die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten voll verwirklicht werden können.(Art. 30): Keine Bestimmung dieser Erklärung darf dahin ausgelegt werden, daß sie für einen Staat, eine Gruppe oder eine Person irgendein Recht begründet, eine Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung zu begehen, welche die Beseitigung der in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten zum Ziel hat.
(Art. 24): Alle Rechte und Freiheiten, die in dieser Erklärung genannt wurden, unterstehen der islamischen Scharia.(Art. 25): Die islamische Scharia ist die einzig zuständige Quelle für die Auslegung oder Erklärung jedes einzelnen Artikels dieser Erklärung.
Aufgrund der „falschen“ Religion kann im Islam eine Heirat unterbunden werden. Die Rechte der Ehefrau beziehen sich lediglich auf den Unterhalt. Bestimmungen zur freien Wahl des zukünftigen Ehepartners fehlen vollständig.
– – – K ö r p e r l i c h e U n v e r s e h r t h e i t – – – (Art. 3): Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.(Art. 5): Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.
(Art. 2): […]es ist verboten, einem anderen das Leben zu nehmen, außer wenn die Scharia es verlangt. […] Das Recht auf körperliche Unversehrtheit wird garantiert […] und es ist verboten, dieses Recht zu verletzen, außer wenn ein von der Scharia vorgeschriebener Grund vorliegt.(Art. 4): Jeder Mensch hat das Recht auf die Unverletzlichkeit und den Schutz seines guten Rufs und seiner Ehre […].(Art. 19): Über Verbrechen oder Strafen wird ausschließlich nach den Bestimmungen der Scharia entschieden.
– – – A p o s t a s i e u n d R e l i g i o n s f r e i h e i t – – –
(Art. 18): Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.
(Art. 10): Es ist verboten, irgendeine Art von Druck auf einen Menschen auszuüben oder seine Armut oder Unwissenheit auszunutzen, um ihn zu einer anderen Religion [als dem Islam] oder zum Atheismus zu bekehren.
Hier wird zwar nicht direkt der individuelle Abfall vom Glauben (Apostasie) verboten, aber dessen Öffentlichmachung, ebenso wie das Missionieren für andere Religionen. Letztlich könnte schon die Versorgung Hilfsbedürftiger durch z.B. christliche oder säkulare Hilfsorganisationen einen Verstoß darstellen.
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Notes:Felix Strüning studierte Deutsche Literatur, Politikwissenschaft und Philosophie in Hannover und Berlin, arbeitet als Journalist und Politikberater, Geschäftsführer der Stresemann Stiftung und Projektverantwortlicher für www.islamdebatte.de. Die Idee dieser tabellarischen Gegenüberstellung geht zurück auf Hinze, Arnd (2012): Menschenrechte im Islam? In: Citizen Times, online verfügbar. ↩ Vgl. etwa Christine Schirrmacher (ohne Datum): Die Scharia. Eine Einführung. In: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte. Online verfügbar unter: http://www.igfm.de/Die-Scharia-Eine-Einfuehrung.463.0.html. ↩ Es kann an dieser Stelle nicht um eine grundlegende theoretische Diskussion der UN-Menschenrechtserklärung gehen, die sich ergibt, wenn etwa die Problematik beachtet wird, dass nirgends definiert wird, wer die positiv formulierten Rechte der Menschen (z.B. auf unbezahlten Urlaub) zu gewährleisten hat. ↩ Der Text ist auf Deutsch durch CIBEDO (Christlich-Islamische Begegnungs- und Dokumentationsstelle), einer Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz in Frankfurt am Main, online verfügbar unter: http://www.way-to-allah.com/dokument/Internationale%20Menschenrechte-Deklaration%20im%20Islam.pdf. ↩ Sie gilt mittlerweile in zehn Mitgliedstaaten der Arabischen Liga: Jordanien, Bahrain, Algerien, Syrien, Palästina, Libyen, Qatar, Saudi Arabien, Jemen und die Vereinigten Arabischen Emirate. Vgl.: Dokumentation bei humanrights.ch, online verfügbar unter: http://www.humanrights.ch/de/Instrumente/Regionale/Arabische_Charta/index.html. ↩International Civil Liberties Alliance (2013): Proposal For International Criminal Court Based On Sharia, online verfügabr unter: http://www.libertiesalliance.org/2013/02/04/proposal-for-international-criminal-court-based-on-sharia-4/. ↩ Zur Zitation der deutschen Texte siehe nächste Fußnote. ↩Die folgenden Passagen werden zitiert aus: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte: Offizielle deutsche Übersetzung der UN, online verfügbar unter: http://www.un.org/depts/german/grunddok/ar217a3.html; Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam: Nach der deutschen Übersetzung der Bundeszentrale für politische Bildung, dieser Text entspricht nach eigener Prüfung am meisten dem englischen Text, den die OIC selbst veröffentlicht hat, online verfügbar unter: http://www.oic-oci.org/english/article/human.htm. ↩	Suche nach: