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Timestamp: 2016-10-21 00:42:25
Document Index: 139185475

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 106', 'BGE', 'Art. 97', 'Art. 105', 'Art. 105', 'Art. 99', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_402/2011 (10.02.2012)
8C_402/2011
Die 1969 geborene V.________ war als Produktionsmitarbeiterin bei der Firma A.________ t�tig und damit bei der SWICA Versicherungen AG (nachfolgend: Swica) gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Am 9. Januar 2007 erlitt sie als Lenkerin eines Motorfahrzeuges einen Auffahrunfall. Der gleichentags konsultierte Hausarzt, Dr. med. E.________, stellte die Diagnose einer Distorsion der Halswirbels�ule (HWS). Die Swica erbrachte Heilbehandlung und richtete Taggeld aus. Wegen eines protrahierten Heilungsverlaufs unterzog sich die Versicherte verschiedenen Untersuchungen und Behandlungen und weilte unter anderem vom 24. Mai bis 15. Juni 2007 in der Rehaklinik X.________, vom 12. Mai bis 10. Juni 2008 in der H�henklinik Y.________ und vom 5. Juni bis 10. Juli 2009 in der Privatklinik Z.________ f�r Psychiatrie und Psychotherapie. Gest�tzt auf ein von der Invalidenversicherung bei der Medas, medizinisches Institut B.________, in Auftrag gegebenes Gutachten vom 14. Juni 2009 stellte die Unfallversicherung ihre Leistungen mit Verf�gung vom 30. Oktober 2009 r�ckwirkend auf den 31. Mai 2008 ein. In der Begr�ndung wird angef�hrt, ab jenem Zeitpunkt bestehe zwischen dem Unfallereignis und den persistierenden Gesundheitssch�den kein ad�quater Kausalzusammenhang mehr. Eine dagegen erhobene Einsprache wies die Swica mit Entscheid vom 22. Januar 2010 ab.
Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich wies eine gegen den Einspracheentscheid erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 23. M�rz 2011 und der Begr�ndung ab, gem�ss Gutachten des medizinischen Instituts B.________ f�hrten die seit Ende Juli 2007 geklagten Beschwerden zu keiner Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit in der angestammten T�tigkeit und seien demnach nicht invalidisierend, weshalb eine Pr�fung der nat�rlichen und ad�quaten Kausalit�t entfalle.
V.________ f�hrt Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Rechtsbegehren, in Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides und des Einspracheentscheides seien ihr auch �ber den 31. Mai 2008 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
Die Swica l�sst auf Abweisung der Beschwerde schliessen. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann wegen Rechtsverletzungen gem�ss Art. 95 und 96 BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist folglich weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erw�gungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann eine Beschwerde mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begr�ndung abweisen (vgl. BGE 132 II 257 E. 2.5 S. 262; 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Milit�r- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).
Die Beschwerdef�hrerin hat letztinstanzlich verschiedene Dokumente als Beweismittel eingereicht, welche dem kantonalen Gericht noch nicht vorlagen. Neue Tatsachen und Beweismittel d�rfen indessen im bundesgerichtlichen Beschwerdeverfahren - auch im Rahmen von Art. 105 Abs. 3 BGG (vgl. E. 1 hievor) - nur so weit vorgebracht werden, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt (Art. 99 Abs. 1 BGG; BGE 135 V 194 E. 2 f. S. 196 ff.). Letzteres ist von der ein Novum einbringenden Partei n�her darzulegen (Urteil 8C_684/2009 vom 23. April 2010 E. 2 mit Hinweisen), was die Beschwerdef�hrerin jedoch nicht getan hat.
Streitig und zu pr�fen ist, ob die Beschwerdef�hrerin ab dem 1. Juni 2008 Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung hat.
Im Einspracheentscheid sind die Bestimmungen �ber diesen Leistungsanspruch und die Rechtsprechung �ber die hief�r erforderlichen kausalen Zusammenh�nge zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden mit den jeweils zu beachtenden Beweisregeln zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Das kantonale Gericht hat einzig gepr�ft, ob die Beschwerdef�hrerin an einer ihre Arbeitsf�higkeit in der bisherigen oder einer vergleichbaren T�tigkeit beeintr�chtigenden Gesundheitssch�digung leidet und dies gest�tzt auf die Ergebnisse des Gutachtens des medizinischen Instituts B.________ vom 14. Juni 2009 verneint.
Die Swica hat im Einspracheentscheid vom 22. Januar 2010 ihre Leistungspflicht insbesondere mit dem Argument verneint, es liege kein ad�quater Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den seit dem 1. Juni 2008 persistierenden Beschwerden vor. Daneben fehle es auch an einem nat�rlichen Kausalzusammenhang. Letzteres begr�ndete die Unfallversicherung mit einem Verweis auf das Gutachten des medizinischen Instituts B.________, in welchem ein Kausalzusammenhang als m�glich bezeichnet wird. Ob ein ad�quater Kausalzusammenhang besteht, hat das kantonale Gericht nicht gepr�ft, da es davon ausging, es bestehe keine Arbeitsunf�higkeit.
Ob die Verneinung einer Arbeitsunf�higkeit im Gutachten des medizinischen Instituts B.________ - bei gleichzeitiger Empfehlung u.a. einer teilstation�ren psychiatrischen Behandlung und angesichts der Diagnostizierung einer seit dem Unfall zunehmenden psychischen Erkrankung durch den Regionalen �rztlichen Dienst (RAD), was zur Zusprechung einer Rente der Invalidenversicherung f�hrte - schl�ssig begr�ndet ist, kann offen gelassen werden, denn zu diesbez�glichen weiteren Abkl�rungen w�re nur zur�ckzuweisen, wenn der ad�quate Kausalzusammenhang allenfalls zu bejahen w�re. Obwohl sich die Vorinstanz zur Ad�quanz nicht ge�ussert hat, ist die Sache diesbez�glich spruchreif, da die Unfallversicherung ihre Leistungen mit diesem Argument ablehnte und sich die Beschwerdef�hrerin bereits vor dem kantonalen Gericht dazu �usserte.
5.1 Im Sozialversicherungsrecht spielt die Ad�quanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem nat�rlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die ad�quate weitgehend mit der nat�rlichen Kausalit�t deckt (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103 mit Hinweisen). Anders verh�lt es sich bei nat�rlich unfallkausalen, aber organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden. Hier ist bei der Ad�quanzpr�fung vom augenf�lligen Geschehensablauf auszugehen, wobei zwischen banalen bzw. leichten Unf�llen einerseits, schweren Unf�llen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden mittleren Bereich unterschieden wird, und es sind je nachdem weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen. Bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall werden diese Ad�quanzkriterien unter Ausschluss psychischer Aspekte gepr�ft (sog. Psycho-Praxis; BGE 115 V 133), w�hrend bei Schleudertraumen und �quivalenten Verletzungen der HWS sowie Sch�del-Hirntraumen auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet wird (sog. Schleudertrauma-Praxis; zum Ganzen: BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112 mit Hinweisen). In F�llen, in welchen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der Halswirbels�ule geh�renden Beeintr�chtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur vorliegenden ausgepr�gten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten, ist die Beurteilung praxisgem�ss unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall vorzunehmen (BGE 123 V 98 E. 2a S. 99; 127 V 102 E. 5b/bb S. 103). Sofern nicht von einem vielschichtigen somatisch-psychischen Beschwerdebild gesprochen werden kann, das einer Differenzierung kaum zug�nglich ist, ist die Pr�fung der ad�quaten Kausalit�t unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall gem�ss BGE 115 V 133 vorzunehmen. Mit anderen Worten gelangt auch nach einer Distorsion der Halswirbels�ule die Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen zur Anwendung, sofern die im Anschluss an den Unfall aufgetretenen psychischen St�rungen als eine selbstst�ndige Gesundheitssch�digung zu qualifizieren sind, die insofern sekund�ren Charakter tr�gt, als sie sich von (Langzeit-)Symptomen der beim Unfall erlittenen Distorsion der Halswirbels�ule unterscheidet (Urteil U 238/05 vom 31. Mai 2006 E. 4.1).
5.2 Aufgrund der medizinischen Aktenlage steht fest, dass die Beschwerdef�hrerin nicht an organisch ausgewiesenen Unfallfolgen leidet. Unbestrittenermassen hat sie beim Unfall vom 9. Januar 2007 eine Distorsion der Halswirbels�ule erlitten, worauf innert der Latenzzeit von maximal 72 Stunden (SVR 2009 UV Nr. 23 S. 105 [E. 5.2 S. 107]) das bei solchen Verletzungen oftmals beobachtete und daher als typisch bezeichnete Beschwerdebild zumindest teilweise aufgetreten ist. Die Swica pr�fte die Ad�quanz der noch geklagten Beschwerden im Einspracheentscheid nach der Rechtsprechung zu psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall (sog. Psycho-Praxis; BGE 115 V 133).
Dies ist letztlich nicht zu beanstanden. Das psychiatrische Krankheitsbild steht auch gem�ss den von der Vorinstanz nicht gew�rdigten Arztberichten, namentlich den in der Privatklinik Z.________ erhobenen Diagnosen einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome, einer anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung und eines sch�dlichen Gebrauchs von Analgetika, klar im Vordergrund. Indessen braucht die Frage nach der anwendbaren Rechtsprechung nicht abschliessend gekl�rt zu werden, wenn - wie hier - selbst die Anwendung der bei Schleudertraumen und �quivalenten Verletzungen der Halswirbels�ule sowie Sch�del-Hirntraumen (sog. Schleudertrauma-Praxis; BGE 134 V 109) einschliesslich der dort umschriebenen Ad�quanzkriterien zu deren Verneinung und damit zum selben Ergebnis f�hrt.
5.3 Die Schwere des Unfalles ist aufgrund des augenf�lligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kr�ften zu beurteilen (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07 E. 5.3.1). Einfache Auffahrunf�lle werden rechtsprechungsgem�ss in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U 380/04 E. 5.1.2 mit Hinweisen). Dies gilt namentlich auch f�r Auffahrkollisionen auf ein (haltendes) Fahrzeug (vor einem Fussg�ngerstreifen oder einem Lichtsignal; Urteil 8C_416/2011 vom 9. November 2011 E. 8 mit Hinweis). Es liegen keine Anhaltspunkte daf�r vor, den Unfall vom 9. Februar 2007 als schwerer zu qualifizieren. Somit m�ssten f�r die Bejahung des ad�quaten Kausalzusammenhangs mehrere Kriterien oder eines in besonders ausgepr�gter oder auffallender Weise erf�llt sein.
5.4 Klarerweise nicht erf�llt sind die Kriterien "besonders dramatische Begleitumst�nde oder besondere Eindr�cklichkeit des Unfalls", "Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen", "�rztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert" sowie "schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen". Das Kriterium der "fortgesetzt spezifischen, belastenden �rztlichen Behandlung" k�nnte angesichts von drei station�ren Behandlungen von jeweils drei, vier und f�nf Wochen Dauer bejaht werden. Ebenso das Kriterium der "erheblichen Beschwerden". "Erhebliche Arbeitsunf�higkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen" ist zu verneinen, nachdem die Beschwerdef�hrerin keinerlei Anstrengungen gezeigt hat, nach dem Unfall ihre angestammte oder eine andere angepasste berufliche T�tigkeit wieder aufzunehmen. Vielmehr musste bei der Evaluation der funktionellen Leistungsf�higkeit (Bericht vom 24. August 2007) und w�hrend des Rehabilitationsaufenthaltes in der H�henklinik Y.________ eine fragliche Leistungsbereitschaft und Selbstlimitierung festgestellt werden. Nachdem h�chstens zwei der Kriterien gegeben sind und diese nicht in besonders ausgepr�gter oder auffallender Weise vorliegen, ist der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen den im Zeitpunkt des Einspracheentscheids noch geklagten Beschwerden und dem Ereignis vom 9. Januar 2007 zu verneinen.