Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/nichtzulassungsbeschwerde-einstellung-zwangsvollstreckung-3-3129392
Timestamp: 2020-01-21 02:52:46
Document Index: 87049120

Matched Legal Cases: ['§ 719', '§ 544', '§ 712', '§ 712', '§ 712', '§ 719', '§ 1989', '§ 780', '§ 781', 'BGH', 'BGH', '§ 719', '§ 719', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 781', 'BGH', 'BGH', '§ 780', '§ 780', '§ 719', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de – und die Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung | Rechtslupe
Nichtzulassungsbeschwerde - und die Einstellung der Zwangsvollstreckung
Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de – und die Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung
Nach § 719 Abs. 2 ZPO, der gemäß § 544 Abs. 5 Satz 2 ZPO im Ver­fah­ren der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ent­spre­chen­de Anwen­dung fin­det, kann das Revi­si­ons­ge­richt die einst­wei­li­ge Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung aus einem für vor­läu­fig voll­streck­bar erklär­ten Urteil anord­nen, wenn die Voll­stre­ckung dem Schuld­ner einen nicht zu erset­zen­den Nach­teil brin­gen wür­de und nicht ein über­wie­gen­des Inter­es­se des Gläu­bi­gers ent­ge­gen­steht.
Eine Ein­stel­lung ohne Sicher­heits­leis­tung kommt dabei nur in Betracht, wenn zusätz­lich glaub­haft gemacht wird, dass der Schuld­ner zu einer Sicher­heits­leis­tung nicht in der Lage ist 1.
Eine Ein­stel­lung schei­det grund­sätz­lich aus, wenn der Schuld­ner es ver­säumt hat, im Beru­fungs­rechts­zug einen Voll­stre­ckungs­schutz­an­trag gemäß § 712 ZPO zu stel­len, obwohl ihm ein sol­cher mög­lich und zumut­bar war 2.
Soweit im hier ent­schie­de­nen Fall der Antrag­stel­ler dar­auf ver­weist, dass er erst wäh­rend des Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­ver­fah­rens den vor­ma­li­gen Beklag­ten (Vater) beerbt habe und des­halb im Beru­fungs­ver­fah­ren kei­nen Antrag nach § 712 ZPO habe stel­len kön­nen, ist dies ohne Bedeu­tung. Denn der Beklag­te ist auf­grund des Erb­falls vom 23.02.2017 auch in die pro­zes­sua­le Stel­lung sei­nes Vaters ein­ge­rückt und muss sich des­halb den Umstand, dass die­ser kei­nen ent­spre­chen­den Antrag gestellt hat, grund­sätz­lich ent­ge­gen­hal­ten las­sen. Etwas ande­res mag gel­ten, wenn die Grün­de für einen Antrag nach § 712 ZPO in der Per­son des Erb­las­sers nicht vor­la­gen und erst auf­grund des Erb­gangs die Vor­aus­set­zun­gen des § 719 Abs. 2 ZPO erfüllt wer­den. Letz­te­res ist hier indes­sen nicht der Fall.
Der Antrag­stel­ler macht in die­sem Zusam­men­hang gel­tend, dass ihm die Mög­lich­keit erhal­ten blei­ben müs­se, den – hier­mit bean­trag­ten – Vor­be­halt der beschränk­ten Erben­haf­tung im lau­fen­den Ver­fah­ren gel­tend zu machen. Ande­ren­falls sei­en sei­ne Rech­te auf mate­ri­el­le Beschrän­kung der Haf­tung auf den Nach­lass im Wege der Ein­re­de nach §§ 1989, 1990 BGB im Rah­men eines gege­be­nen­falls ein­zu­lei­ten­den Nach­lassin­sol­venz­ver­fah­rens beein­träch­tigt. Auch die­ser Ein­wand ver­hilft dem Antrag nicht zum Erfolg.
Nach § 780 Abs. 1 ZPO kann der als Erbe des Schuld­ners ver­ur­teil­te Beklag­te die Beschrän­kung sei­ner Haf­tung nur gel­tend machen, wenn sie ihm im Urteil vor­be­hal­ten ist. Die­ser Vor­be­halt kann bei einem Erb­fall wäh­rend des Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de- oder Revi­si­ons­ver­fah­rens grund­sätz­lich noch nach­träg­lich in die Beschwer­de- bezie­hungs­wei­se Revi­si­ons­ent­schei­dung auf­ge­nom­men wer­den 3.
Die vor­be­hal­te­ne Beschrän­kung der Haf­tung auf den Nach­lass führt aller­dings nicht dazu, dass nicht in das übri­ge Ver­mö­gen des Erben voll­streckt wer­den kann; viel­mehr ist es Sache des Erben, bei einer Zwangs­voll­stre­ckung in sein übri­ges Ver­mö­gen den Vor­be­halt selbst im Wege der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge gel­tend zu machen (§§ 781, 785 ZPO) und dabei die mate­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen der Beschrän­kung sei­ner Haf­tung auf den Nach­lass nach­zu­wei­sen. Letz­te­re müs­sen bei Auf­nah­me des Vor­be­halts nicht geprüft wer­den. Aller­dings steht es dem Pro­zess­ge­richt frei, die mate­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen der Beschrän­kung mit zu prü­fen 4 und zum Bei­spiel die Ver­ur­tei­lung auf Leis­tung aus dem Nach­lass zu beschrän­ken 5.
Vor die­sem Hin­ter­grund schei­det die bean­trag­te (unein­ge­schränk­te) Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung aus dem Beru­fungs­ur­teil im vor­lie­gen­den Fall bereits des­halb aus, weil dadurch auch eine zuläs­si­ge Zwangs­voll­stre­ckung in den Nach­lass betrof­fen wäre, die hier in Form der Siche­rungs­voll­stre­ckung in das zum Nach­lass gehö­ren­de Haus­grund­stück in Self­kant sei­tens der Klä­ger im Raum steht. Ob im Rah­men des Ein­stel­lungs­an­trags als "minus" auch eine einst­wei­li­ge Beschrän­kung der Zwangs­voll­stre­ckung auf den Nach­lass mög­lich wäre 6, kann dahin­ste­hen. Denn abge­se­hen davon, dass nicht ersicht­lich ist, dass eine Voll­stre­ckung in nach­lass­frem­de Gegen­stän­de droht, wür­de dies zumin­dest vor­aus­set­zen, dass die mate­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen der Haf­tungs­be­schrän­kung auf den Nach­lass glaub­haft gemacht sind, hier mit­hin die in der Antrags­schrift ange­spro­che­ne Nach­lassin­sol­venz. Zum Nach­lass fehlt aber nähe­rer Vor­trag des Beklag­ten. Es kommt des­halb nicht ein­mal mehr dar­auf an, dass es für die begehr­te Ein­stel­lung ohne Sicher­heits­leis­tung auch an der Glaub­haft­ma­chung der vom Beklag­ten – unter Hin­weis dar­auf, dass er aus gesund­heit­li­chen Grün­den erwerbs­los sei und der­zeit kei­ne Sozi­al­leis­tun­gen erhal­te – behaup­te­ten Unfä­hig­keit zur Stel­lung einer Sicher­heits­leis­tung fehlt.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Janu­ar 2018 – III ZR 561/​16
vgl. BGH, Beschluss vom 08.12 2009 – VIII ZR 305/​09, BGHZ 183, 281 Rn. 6 ff; Zöller/​Herget, ZPO, 32. Aufl., § 719 Rn. 8; Münch­Komm-ZPO/­Götz, 5. Aufl., § 719 Rn. 15[↩]
vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 24.11.2010 – XII ZR 31/​10, NJW-RR 2011, 705 Rn. 7; und vom 24.05.2016 – II ZR 105/​16 4; jeweils mwN[↩]
vgl. nur BGH, Urteil vom 21.03.1955 – III ZR 115/​53, BGHZ 17, 69, 72 ff; BGH, Urtei­le vom 09.05.1962 – VIII ZR 45/​61, NJW 1962, 1250 f; und vom 26.06.1970 – V ZR 156/​69, BGHZ 54, 204, 205 f; anders nur, wenn in der Revi­si­ons­in­stanz vom beklag­ten Rechts­mit­tel­klä­ger ledig­lich die beschränk­te Erben­haf­tung gel­tend gemacht und die Revi­si­on des­halb als unzu­läs­sig ohne Vor­be­halt ver­wor­fen wird; dann kann aller­dings Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge gemäß §§ 781, 785 auch ohne Vor­be­halt erho­ben wer­den, BGH aaO S.207[↩]
vgl. nur BGH, Urtei­le vom 09.03.1983 – IVa ZR 211/​81, NJW 1983, 2378, 2379; vom 13.07.1989 – IX ZR 227/​87, NJW-RR 1989, 1226, 1230; und vom 02.02.2010 – VI ZR 82/​09, NJW-RR 2010, 664 Rn. 7 f[↩]
vgl. nur BayO­bLGZ 1999, 323, 328 f; sie­he auch Zöller/​Geimer, ZPO, 32. Aufl., § 780 Rn. 15; Münch­Komm-ZPO/­Schmid­t/Brink­mann, 5. Aufl., § 780 Rn. 10, 13[↩]
vgl. zur Beschrän­kung der Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung auf bestimm­te Voll­stre­ckungs­maß­nah­men bzw. auf die Voll­stre­ckung in bestimm­te Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de im Rah­men des § 719 Abs. 2 ZPO: BGH, Beschluss vom 28.09.1955 – III ZR 171/​55, BGHZ 18, 219 f und BGH, Beschluss vom 10.11.1955 – V ZR 211/​55, BGHZ 18, 398, 400[↩]