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Timestamp: 2019-09-18 23:53:08
Document Index: 38457199

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 15', '§ 16', '§ 15', '§ 49', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', 'Art. 7', '§ 9', '§ 49', '§ 15', '§ 17', '§ 20', '§ 17', '§ 20', '§ 15', '§ 15', '§ 16', '§ 180', '§ 74', '§ 180', '§ 180']

BFH v. 14.03.2007 - XI R 15/05 - NWB Urteile -
BFH v. 14.03.2007 - XI R 15/05
BFH v. 14.03.2007 - XI R 15/05 BStBl 2007 II S. 924
Gesetze: EStG § 15 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1
Instanzenzug: Niedersächsisches FG vom 16. März 2005 2 K 835/01 (EFG 2005, 1035) BFH XI R 15/05 (Verfahrensverlauf), BFH - XI R 15/05, Verfahrensverlauf , BFH - XI R 15/05, Verfahrensverlauf
Der Beklagte und Revisionskläger (das Finanzamt —FA—) vertrat die Auffassung, die Kommanditgesellschaften seien gewerblich geprägt i.S. von § 15 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Das Ausscheiden der Komplementäre habe jeweils zu einer Betriebsaufgabe i.S. von § 16 Abs. 3 EStG geführt.
Das FA ermittelte Aufgabegewinne in Höhe von insgesamt 4 750 307 DM und rechnete sie dem Kläger zu. Nach Verrechnung des Betrags von 4 750 307 DM mit vorgetragenen Verlusten wurde auf den 31. Dezember 1994 ein vortragsfähiger Verlust in Höhe von 3 772 956 DM für die Kläger festgestellt.
Das Finanzgericht (FG) gab der Klage statt. Das FA habe das Ausscheiden der Komplementäre aus den Kommanditgesellschaften zu Unrecht als Aufgabe eines gewerblichen Betriebs behandelt. Die Vorschrift des § 15 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1 EStG sei nicht anwendbar, wenn eine ausländische Kapitalgesellschaft ohne Niederlassung im Inland als persönlich haftende Gesellschafterin an einer Personengesellschaft beteiligt sei. Dies ergebe sich aus historischen, systematischen und teleologischen Gründen. Außerdem lasse sich aus der ab dem Veranlagungszeitraum 1994 für beschränkt steuerpflichtige ausländische Kapitalgesellschaften geltenden Norm des § 49 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. f Satz 2 EStG mittels eines „Erst-recht-Schlusses” herleiten, dass auch bei ausländischen Personengesellschaften ohne Niederlassung im Inland ein bis einschließlich 1993 eingetretener Wertzuwachs im inländischen Grundvermögen nicht der Besteuerung unterworfen werden dürfe. Das Urteil des FG ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2005, 1035 veröffentlicht.
Die Fiktion eines Gewerbebetriebs gemäß § 15 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1 EStG gilt auch bei einer vermögensverwaltenden ausländischen Personengesellschaft, wenn sie nach ihrem rechtlichen Aufbau und ihrer wirtschaftlichen Gestaltung einer inländischen Personengesellschaft entspricht (z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs —BFH— vom 17. Dezember 1997 I R 34/97 , BFHE 185, 216, BStBl II 1998, 296; Schmidt/Wacker, EStG, 25. Aufl., § 15 Rz 215, m.w.N.). Entgegen der Ansicht des FG ist dabei eine ausländische Kapitalgesellschaft, die nach ihrem im Ausland geregelten rechtlichen Aufbau und ihrer wirtschaftlichen Gestaltung einer inländischen Kapitalgesellschaft entspricht, ohne weitere Einschränkungen geeignet, die (ausländische oder inländische) Personengesellschaft gewerblich i.S. von § 15 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1 EStG zu prägen (BFH-Urteil in BFHE 185, 216, BStBl II 1998, 296; BFH-Beschluss vom 18. Dezember 1989 IV B 37/89 , BFH/NV 1990, 570; Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 24. September 1999 IV D 3 -S 1301 Ung- 5/99, Internationales Steuerrecht —IStR— 2000, 627, Finanz-Rundschau 2000, 238; Schmidt/Wacker, a.a.O., § 15 Rz 216; Piltz in Debatin/Wassermeyer MA Art. 7 MK 85; ders., in Mössner u.a., Steuerrecht international tätiger Unternehmen, Rz F 9; Knobbe-Keuk, Bilanz- und Unternehmenssteuerrecht, 9. Aufl., § 9 II, S. 377 Fn. 77; Farnschläder/Kahl, Internationale Wirtschaftsbriefe, Fach 3 Deutschland Gruppe 3, S. 1179, 1182; Ch. Schmidt/Blöchle, IStR 2003, 685, 689; Gosch in Kirchhof, EStG, 6. Aufl., § 49 Rz 62, a.E.).
Dies ergibt sich aus dem insoweit offenen Wortlaut des § 15 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1 EStG und dem systematischen Zusammenhang mit anderen Vorschriften des EStG, in denen der gleichlautende Begriff der „Kapitalgesellschaft” verwendet wird. So werden zu den Kapitalgesellschaften i.S. von § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG und § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG nach einhelliger Meinung vergleichbare ausländische Kapitalgesellschaften gezählt (z.B. BFH-Urteile vom 22. Februar 1989 I R 11/85 , BFHE 156, 170, BStBl II 1989, 794; vom 19. März 1996 VIII R 15/94, BFHE 180, 146, BStBl II 1996, 312; vom 16. Dezember 1998 I R 138/97, BFHE 188, 251, BStBl II 1999, 437; Schneider, in: Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG, § 17 Rz B 92; Schmidt/Weber-Grellet, a.a.O., § 20 Rz 50).
Aus der Entstehungsgeschichte des § 15 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1 EStG lässt sich entgegen der Ansicht des FG nicht das Erfordernis entnehmen, dass die ausländische Kapitalgesellschaft selbst kraft Rechtsform gewerbliche Einkünfte erzielen oder tatsächlich gewerblich tätig sein muss, um eine Personengesellschaft prägen zu können. Es genügt hierfür vielmehr, wenn die ausländische Kapitalgesellschaft nach ihrer rechtlichen und wirtschaftlichen Struktur einer inländischen Kapitalgesellschaft entspricht. Denn mit der Einfügung des § 15 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1 EStG wurde die vom BFH durch Beschluss des Großen Senats vom 25. Juni 1984 GrS 4/82 (BFHE 141, 405, BStBl II 1984, 751) aufgegebene Gepräge-Rechtsprechung ohne Beschränkung auf inländische Kapitalgesellschaften gesetzlich verankert, um sicherzustellen, dass gleichartige und in vergleichbarer Rechtsform ausgeübte Tätigkeiten steuerrechtlich nicht unterschiedlich behandelt werden, und um sinnvolle steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten zu erhalten (vgl. Vorbemerkung und Begründung der Bundesregierung zum Gesetzentwurf, BTDrucks 10/3663, S. 1 f. und S. 6 ff.; Stellungnahme des Bundesrats hierzu, BTDrucks 10/3663, S. 10; Bericht des Finanzausschusses, BTDrucks 10/4513, S. 22; BFH-Urteil vom 20. November 2003 IV R 5/02 , BFHE 204, 471, BStBl II 2004, 464).
Die Beendigung der gewerblichen Tätigkeit der liechtensteinischen Kommanditgesellschaften und der damit einhergehende Übergang der jeweiligen Betriebsvermögen in das Privatvermögen des Klägers entsprach wirtschaftlich jeweils einer Betriebsaufgabe i.S. von § 16 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Abs. 1 Nr. 1 EStG. Eine Betriebsaufgabe ist auch dann anzunehmen, wenn der Betrieb als wirtschaftlicher Organismus zwar bestehen bleibt, er aber durch eine Handlung des Steuerpflichtigen oder durch einen Rechtsvorgang in seiner ertragsteuerlichen Einordnung so verändert wird, dass die Erfassung der im Buchansatz für die Wirtschaftsgüter des Betriebsvermögens enthaltenen stillen Reserven nicht mehr gewährleistet ist (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 12. April 1978 I R 136/77 , BFHE 125, 157, BStBl II 1978, 494, m.w.N.).
2. Die Sache ist nicht spruchreif. Das FG hat —von seinem Standpunkt aus zu Recht— keine tatsächlichen Feststellungen zu der zwischen den Beteiligten umstrittenen Frage getroffen, ob der Besteuerung des Aufgabegewinns in Höhe von 4 750 307 DM der Grundsatz von Treu und Glauben entgegensteht. Es wird dies nachzuholen haben. Deshalb war die Sache an das FG zurückzuverweisen.
Bei der erneuten Entscheidung wird das FG zu berücksichtigen haben, dass die Finanzbehörde grundsätzlich selbst dann nicht an eine bei einer früheren Veranlagung zugrunde gelegte Rechtsauffassung gebunden ist, wenn der Steuerpflichtige im Vertrauen darauf disponiert hat (zuletzt BFH-Beschluss vom 12. Juli 2006 IV B 9/05 , BFH/NV 2006, 2028, m.w.N.).
3. Mit der Aufhebung des angefochtenen Urteils entfällt die Bindung an die getroffenen Feststellungen. Das FG wird deshalb im zweiten Rechtsgang auch zu prüfen haben, ob das FA —wie bisher festgestellt und von den Klägern vorgetragen— Bescheide für 1994 über die gesonderte und einheitliche Feststellung der Gewinne der Kommanditgesellschaften unter Hinweis auf § 180 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 AO aufgehoben hatte.
Sollten Feststellungsverfahren für die Kommanditgesellschaften noch nicht durchgeführt worden sein, wird das FG im zweiten Rechtsgang das Verfahren gemäß § 74 FGO auszusetzen und dem zuständigen FA Gelegenheit zu geben haben, (positive oder negative) Feststellungsbescheide für 1994 zu erlassen. Darüber, ob die Voraussetzungen des § 180 Abs. 3 Satz 1 AO für ein Absehen von der gesonderten und einheitlichen Feststellung vorliegen, hat das für die gesonderte Feststellung zuständige FA regelmäßig durch Negativbescheid zu entscheiden (§ 180 Abs. 3 Satz 2 AO; vgl. BFH-Urteil vom 18. Juli 1990 I R 39/89 , BFH/NV 1991, 498; BFH-Beschluss vom 12. Juli 1988 IX B 28/88 , BFH/NV 1989, 87).
OFD Nordrhein-Westfalen 5.9.2017 - S 1300
OFD Düsseldorf 6.10.2005
FG Hamburg 29.3.2019 - 3 K 287/17
FG Rheinland-Pfalz 28.10.2013 - 5 K 1227/11
FG Nürnberg 12.6.2013 - 5 K 1552/11
FG Niedersachsen 11.6.2013 - 13 K 163/11
FG Niedersachsen 25.9.2012 - 8 K 179/10
FG Nürnberg 19.6.2012 - 6 K 633/10
BFH 24.5.2012 - IV B 35/11
BFH 20.10.2010 - I R 117/08
BFH 19.5.2010 - I B 191/09
BFH 28.4.2010 - I R 81/09
FG Niedersachsen 16.3.2005 - 2 K 835/01
BStBl 2007 II Seite 924
BB 2007 S. 1154 Nr. 21
BB 2007 S. 1882 Nr. 35
BFH/NV 2007 S. 1232 Nr. 6
BStBl II 2007 S. 924 Nr. 19
DB 2007 S. 1177 Nr. 21
DStRE 2007 S. 828 Nr. 13
DStZ 2007 S. 362 Nr. 12
FR 2007 S. 885 Nr. 18
GStB 2007 S. 233 Nr. 7
GmbH-StB 2007 S. 199 Nr. 7
GmbHR 2007 S. 669 Nr. 12
HFR 2007 S. 651 Nr. 7
INF 2007 S. 404 Nr. 11
IWB-KN Nr. 123/2007 (gewerbliche Prägung durch ausländische Kapitalgesellschaft)
KÖSDI 2007 S. 15576 Nr. 6
NWB-EN Nr. 484/2007 (Gewerbliche Prägung durch ausländische Kapitalgesellschaft)
SJ 2007 S. 4 Nr. 12
StB 2007 S. 242 Nr. 7
StBW 2007 S. 2 Nr. 11
StuB-Bilanzreport Nr. 10/2007 S. 397
WPg 2007 S. 506 Nr. 12
WPg 2007 S. 539 Nr. 12
FAAAC-44429
H 15.8 (6) EStH
EStR 2008 R 15.8 (6)
BFH v. 14.03.2007 - XI R 15/05 ablegen in?