Source: https://www.rechtambild.de/2011/02/der-irrglaube-uber-gruppenfotos/comment-page-1/
Timestamp: 2018-12-09 22:39:55
Document Index: 366144999

Matched Legal Cases: ['§ 22', '§ 22', '§ 1004', 'BGH', '§ 823', '§ 23']

Bewertung: 4,42 von 5 Sterne, basierend auf 12 abgegebenen Stimmen.
RKS 28. Februar 2011 Antworten
Ja, die Schlinge am Galgen weht wohl wirklich täglich im Wind...
Also dürfte man eine Fotoserie von Crowdsurfern die übers Publikum "schwimmen" eigentlich auch nicht veröffentlichen? Auch wenn auf dem Bild vielleicht 50 - 100 erkennbare Personen-Köpfe, doppelt soviel Arme und einige in Luft stehende Füße zu sehen sind?
Mit welchen Konsequenzen müsste man bei Veröffentlichung einer solchen Serie von ca. 50 Bildern auf der eigenen Webseite eigentlich im schlimmsten Falle rechnen?
dein Beispiel ist stark Einzelfallabhängig und sehr schwer zu verallgemeinern. Daher auch ein sehr häufiger Fall für den Anwalt.
Unter anderem muss beachtet werden:
Was sieht man alles von den Personen ("Erkennungsgrad"), sind Personen als "Motivzweck" des Bildes eindeutig hervorgehoben oder wird eher das Event dargestellt?
Wissen und wollen die Personen gar fotografiert werden?
Konsequenzen sind denke ich schlimmstenfalls Schadensersatzansprüche bzw. "Schmerzensgelder".
Ich weiß zwar, dass hier keine Rechtsberatung stattfindet und man solche Aussagen wahrscheinlich nicht pauschal treffen kann. Aber da es gerade so schön zum Thema passt, habe ich mal vier Bilder auf eine Testseite geladen.
http://www.nix-normal.de/testbilder-fuer-rechtambild-de
Würde ich mich mit solchen Veröffentlichungen schon im kritischen Bereich befinden?
Eigentlich müsst ja jede der fotografierten Personen zu 100 % damit rechnen, beim Crowdsurfen fotografiert zu werden - wobei natürlich niemand seine Einwilligung gegeben hat...
Horst 28. Februar 2011 Antworten
"Möchten man also eine Gruppe fotografieren bleibt festzuhalten, dass diese Aufnahmen grundsätzlich nicht ohne Einwilligung jeder einzelnen abgelichteten Personen erstellt oder verwendet werden dürfen."
§ 22 KunstUrhG verbietet nur die Verbreitung und öffentliche zur Schaustellung ohne Einwilligung des Abgebildeten, nicht jedoch jedwede Erstellung oder Verwendung.
an RKS: Gern geschehen, leider muss ich jedoch aus dem von dir selbst genannten Grund darauf hinweisen, dass dies eine ganz konkrete Einzelfallbetrachtung darstellen würde die wir nicht bieten dürfen. Tut mir leid.
wie du richtig darstellst, gebietet § 22 KUG das von dir aufgezählte. Worauf ich noch einmal hinweisen wollte sind die 37, 38 KUG. Denn es bringt einem Fotografen recht wenig, wenn er zwar fotografiert, dann aber die Bilder vernichten müsse. Dies gilt als besonderes Persönlichkeitsrecht des Fotografierten.
Werde dies aber im Artikel ändern und danke für den Hinweis.
Gilles 10. März 2011 Antworten
Das mit der Herausgabe/Vernichtung wird mir hier noch nicht ganz klar. 37 KUG setzt widerrechtlich hergestellte Bilder voraus. Ein auf dem Skihang gemachtes Bild einer vorbeifahrenden Gruppe ist aber im öffentlichen Raum entstanden, und so darf ich es m.E. zwar ohne Einwilligung nicht verbreiten, aber doch schiessen. Sonst könnte ja jeder Hans & Franz die Vernichtung/Herausgabe meine Urlaubsbilder verlangen, sobald er nicht nur als Beiwerk darauf figuriert. Übersehe ich etwas?
Florian Wagenknecht 10. März 2011 Antworten
prinzipiell hast du nichts übersehen.
Aber dass Bilder im öffentlichen Raum entstanden sind heißt noch nicht, dass Sie nicht wiederrechtlich gemacht wurden. Als widerrechtlich werden Bilder teilweise bereits bewertet, wenn Sie das allgemeine Persönlichkeitsrecht einer Person verletzen. Dies ist eine Einzelfallentscheidung.
Meist wird der Anspruch aber eher auf §§ 1004 (analog), 823 I BGB gestützt. Hierzu der BGH (VI ZR 156/06, 24. Juni 2008): Allerdings wird ein Beseitigungsanspruch aus §§ 823 Abs. 1, 1004 Abs. 1 BGB bejaht, wenn bereits durch die Anfertigung von Fotos das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Abgebildeten verletzt wurde, der Besitz an den Fotos Folge dieses Eingriffstatbestandes ist und durch ihn der durch den Eingriff hervorgerufene Störungszustand aufrechterhalten wird.
Dies unterliegt ebenfalls einer Einzelfallbetrachtung und ist sehr schwer zu verallgemeinern.
Es kann damit zwar nicht "jeder" einfach kommen und die Vernichtung verlangen, aber wenn es ein Fall einer (eventuellen) Persönlichkeitsverletzung geht (im Zweifel liegt das im Ermessen der Richter) so geht der Anspruch durch und die Fotos müssen evtl. gelöscht werden sowie Schadensersatz gezahlt werden.
Es ist natürlich nicht immer der Fall, aber prinzipiell gibt es ein Problem auf das wir aufmerksam machen wollen und womit der Fotograf rechnen muss und was er sich zumindest bewusst machen sollte.
khb 13. März 2011 Antworten
wir haben auf unserer Vereinsinternetseite zahlreiche Fotos von Vereinsmitgliedern, Zuschauern und Sportteilnehmern.
Benötigen wir von den allen einen Zustimmung?
Florian Wagenknecht 13. März 2011 Antworten
das lässt sich so schwer beantworten. Es kommt unter anderem darauf an wo und wann diese Fotos gemacht wurden und was bzw. wer wie genau zu sehen ist.
Nur leider dürfen wir dies nicht für den Einzelfall beantworten.
Zu dem Thema Veranstaltungen und deren Zuschauer kann man aber neben dem Artikel in diesem "https://www.rechtambild.de/2010/03/das-recht-am-eigenen-bild/" (inkl. der Kommentare) noch eigene Hinweise zu den Ausnahmen finden, wann keine Einwilligung einzuholen ist. Insbesondere könnte die Ausnahme des§ 23 Abs. 1 Nr. 1 - 3 greifen.
Teatime 1. Juni 2011 Antworten
Du hast es zwar angesprochen, aber man sollte noch mal sehr deutlich darauf hinweisen, dass es bei Minderjährigen immer besser ist, wenn die Einwilligng zur Veröffentlichung von *beiden* Erziehungsberechtigten vorliegt.
(Habe ich mal erwähnt, dass ich Captcha total blöd finde?)