Source: http://www.womenpriests.org/de/page/2/
Timestamp: 2019-01-22 20:46:16
Document Index: 21585937

Matched Legal Cases: ['§ 35', '§ 36', '§ 37', '§ 105', '§ 106', '§ 19', '§ 61', '§ 62', '§ 63', '§ 64', '§ 65', '§ 29', '§ 34', '§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 9', '§ 10', '§ 15', '§ 16', '§ 54', '§ 55', '§ 56', '§ 57', '§ 58']

Deutsch – Page 2 – Women Can Be Priests
(die Kommentare mit Hyperlinks in kursiv stammen von John Wijngaards)
6. Niemals ist die katholische Kirche der Auffassung gewesen, daß die Frauen gültig die Priester- oder Bischofsweihe empfangen könnten. [Aber was ist mit den weiblichen Diakonissen? Gehörten sie nicht zu Heiligen Orden?]
7. …Seither ( der Zeit der scholastischen Theologen) ist diese Frage bis in unsere Zeit sozusagen nicht mehr erörtert worden, da die geltende Praxis von einer bereitwilligen und allgemeinen Zustimmung getragen wurde.[Mein Verdacht: Eine bereitwillige Zustimmung wie bei den Wahlen im Dritten Reich und in der DDR]
8. Die Tradition der Kirche ist also in diesem Punkt durch die Jahrhunderte hindurch so sicher gewesen, daß das Lehramt niemals einzuschreiten brauchte, um einen Grundsatz zu bekräftigen, der nicht bekämpft wurde, oder ein Gesetz zu verteidigen, das man nicht in Frage stellte.[Wer hätte, gegen die gesellschaftlichen und religiösen Vorurteilen gewagt, diesen Grundsatz zu bekämpfen?] Jedesmal aber, wenn diese Tradition Gelegenheit haste, deutlicher in Erscheinung zu treten, bezeugte sie den Willen der Kirche, dem ihr vom Herrn gegebenen Beispiel zu folgen. [Hat er tatsächlich “ein Beispiel” gegeben?] Dieselbe Tradition ist auch von den Ostkirchen treu bewahrt worden. [Was ist mit den gültig geweihten Diakonissen, die in der Ostkirche bis zum Jahr 1000 n. Chr. dienten?] Ihre Einmütigkeit in diesem Punkt ist um so bemerkenswerter, als ihre Kirchenordnung in vielen anderen Fragen eine große Verschiedenheit zuläßt. Auch diese Kirchen lehnen es heute ab, sich jenen Forderungen anzuschließen, die den Frauen den Zugang zur Priesterweihe eröffnen möchten. [Zählen die westlichen Kirchen, wie die anglikanische Kirche, die sehr wohl Frauen weihen, überhaupt nicht?]
23. Diese Praxis der Kirche erhält also einen normativen Charakter: Wie kann eine Praxis, die nicht als gültige Überlieferung gilt, eine Norm darstellen? in der Tatsache, daß sie nur Männern die Priesterweihe erteilt, [War die Ursache nicht eher darin zu sehen, dass Frauen als minderwertig, sündig und nach dem Ritus als “unrein” galten?] bewahrt sich eine Tradition, die durch die Jahrhunderte konstant geblieben [Was ist mit der “latenten” abweichenden Überlieferung?] und im Orient wie im Okzident allgemein anerkannt ist, stets darauf bedacht, Mißbräuche sogleich zu beseitigen. Diese Norm, die sich auf das Beispiel Christi stützt, wird befolgt, weil sie als übereinstimmend mit dem Plan Gottes für seine Kirche angesehen wird. [Soll der “Plan Gottes” hier für ein Vorurteil herhalten?]
Aus:Römischer Kommentar zur Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre zur Frage der Zulassung der Frauen zum Priesteramt
21. Es ist eine unleugbare Tatsache, wie die Erklärung feststellt, daß die konstante Überlieferung der katholischen Kirche die Frauen vom Bischofsamt und Priestertum ausgeschlossen hat, und zwar so durchgehend, daß das Lehramt durch feierliche Entscheidungen nicht eingreifen mußte.
Für den vollständigen Text siehe: Römischer Kommentar zu “INTER INSIGNIORES”
Menschenrechte gelten nicht im Zusammenhang mit den geistlichen Ämtern.
Menschenrechte – wie etwa die Gleichberechtigung der Frauen – gelten nicht im Zusammenhang mit den geistlichen Ämtern
§ 35. Es ist vielleicht nützlich, daran zu erinnern, daß die Probleme der Ekklesiologie und der Sakramententheologie, besonders wenn sie – wie im hier vorliegenden Fall – das Priestertum betreffen, ihre Lösung nur im Licht der Offenbarung finden können. Die menschlichen Wissenschaften, so wertvoll ihr Beitrag in ihrem jeweiligen Bereich auch sein mag, können hier nicht genügen, denn sie vermögen die Wirklichkeiten des Glaubens nicht zu erfassen: was hiervon im eigentlichen Sinn übernatürlich ist, entzieht sich ihrer Zuständigkeit.
§ 36. Ebenso deutlich muß hervorgehoben werden, wie sehr die Kirche eine Gesellschaft ist, die von anderen Gesellschaften verschieden ist; sie ist einzigartig in ihrer Natur und in ihren Strukturen. Der pastorale Auftrag ist in der Kirche gewöhnlich an das Weihesakrament gebunden: es ist nicht eine einfache Leitung, die mit den verschiedenen Formen der Autoritätsausübung im Staat vergleichbar wäre. Er wird nicht nach dem freien Belieben der Menschen übertragen. Wenn er auch eine Designierung nach Art einer Wahl miteinschließt, so sind es doch die Handauflegung und das Gebet der Nachfolger der Apostel, die die Erwählung durch Gott verbürgen. Der Heilige Geist ist es, der durch die Weihe Anteil gibt an der Leitungsgewalt Christi, des obersten Hirten (vgl. Apg 20, 28). Es ist ein Auftrag zum Dienst und zur Liebe: “Wenn du mich liebst, weide meine Schafe” (vgl. Jo 21, 15-17).
§ 37. Aus diesem Grund ist nicht einzusehen, wie man den Zugang der Frau zum Priestertum aufgrund der Gleichheit der Rechte der menschlichen Person fordern kann, die auch für die Christen gelte. Man beruft sich zu diesem Zweck mitunter auf die früher schon zitierte Stelle aus dem Galaterbrief (3, 28), nach der in Christus zwischen Mann und Frau kein Unterschied mehr besteht. Doch bezieht sich dieser Text keinesfalls auf die Amter der Kirche. Er bekräftigt nur die universelle Berufung zur Gotteskindschaft, die für alle die gleiche ist. Anderseits mißversteht derjenige vor allem völlig die Natur des Priesteramtes, der es als ein Recht betrachtet: die Taufe verleiht kein persönliches Anrecht auf ein öffentliches Amt in der Kirche. Das Priestertum wird nicht zur Ehre oder zum Nutzen dessen übertragen, der es empfängt, sondern zum Dienst für Gott und die Kirche. Es ist die Frucht einer ausdrücklichen und gänzlich unverdienten Berufung: “Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt” (Jo 15, 16; vgl. Hebr 5, 4).
§ 105. Wenn man für die Frauen den Zugang zum Priestertum aufgrund der Tatsache fordert, daß diese heute die “leadership” auf vielen Gebieten des modernen Lebens erlangt hätten, scheint man zu vergessen, daß die Kirche nicht eine Gesellschaft wie die übrigen ist, und daß bei ihr Autorität und Vollmacht ganz anderer Natur sind, da sie normalerweise mit dem Sakrament verbunden sind, wie es die Erklärung betont. Es ist sicherlich eine Versuchung, die zu allen Zeiten die kirchliche Forschung bedroht hat. Jedesmal, wenn man versucht hat, ihre Probleme dadurch zu lösen, daß man sie mit denjenigen der Staaten verglich, oder wenn man den Versuch unternimmt, die Struktur der Kirche durch der Politik entlehnte Begriffe zu bestimmen, führt dies notwendigerweise in ausweglose Situationen.
§ 106. Die Erklärung weist auf den Irrtum in der Beweisführung hin, die der Forderung nach Weihe von Frauen zugrunde liegt und die von der Stelle des Galaterbriefes ausgeht (Gal 3, 28), wonach es in Christus keine Unterscheidung mehr zwischen Mann und Frau gibt. Für den hl. Paulus ist dies die Wirkung der hl. Taufe, und die Taufkatechese der Väter hat diesen Gedanken häufig mit Nachdruck behandelt. Die uneingeschränkte Gleichheit aller, die in der Taufgnade leben, ist jedoch etwas anderes als die Struktur des geweihten Amtspriestertums, das Gegenstand einer Berufung in der Kirche ist und kein in der menschlichen Person verankertes Recht darstellt.
Die Frage der Frauenordination in der katholischen Kirche
Priesterinnen? – Ja!
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* Alle kirchlichen Aussagen zum Frauenpriestertum
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“Allen Gläubigen, Klerikern wie Laien, muß die entsprechende Freiheit des Forschens, des Denkens sowie demütiger und entschiedener Meinungsäußerung zuerkannt werden”
Die Argumente zum Thema – in einfacher Sprache!
Rom macht geltend, daß Jesus selbst Frauen vom Priestertum ausgeschlossen hat, da er nur Männer als Apostel erwählt hat.
Das Frauenpriestertum wurde von den Kirchenvätern und den Gelehrten des Mittelalters abgelehnt. Rom behauptet, dies sei Teil der geltenden Tradition.
Rom zufolge kann eine Frau nicht ‘an Christi Stelle’ handeln. Deswegen können Frauen nicht der Eucharistie vorstehen.
Rom behauptet, daß das Verbot der Frauenordination als Beschluß der internationalen Gemeinschaft der Bischöfe unfehlbar sei.
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Eine Kuckucksei-Tradition wird entlarvt
Warum Frauen weihefähig sind
1. Wir sind eins in Christus
Durch die Taufe haben Frauen und Männer in gleicher Weise Teil am neuen Priestertum Christi. Dies schließt auch den Zugang zu Weiheämtern ein.
2. Kulturelle Vorurteile
Die kirchliche Praxis, Frauen vom Priestertum auszuschließen, beruht auf einem dreifachen Vorurteil gegen Frauen.
3. Der Verlust weiblicher Werte
Das ausschließlich männliche Priestertum ist Teil einer Reihe von ‘verbogenen’ Wertungen zu Körperlichkeit, Sexualität und Ehe, die einer Reform bedürfen.
4. Frauendiakonat
Bis mindestens ins neunte Jahrhundert hat die Kirche auch Frauen die volle sakramentale Weihe zu Diakoninnen erteilt.
5. Zum Priestertum berufen Frauen
Die Tatsache, daß viele katholische Frauen die Berufung zum Priestertum erleben, ist ein Zeichen des Heiligen Geistes, das wir nicht ignorieren dürfen.
6. Maria als Priesterin
Von alter Zeit an wird Maria als Priesterin verehrt. Dies zeigt, daß im Empfinden des gläubigen Volkes der Bann gegen die Frauen in Maria längst überwunden ist.
7. Die umfassendere Kirche
Nach ernsthaftem Studium und Gebet weihen andere christliche Kirchen nunmehr auch Frauen zu Priesterinnen. Damit ist bestätigt, daß dies im Sinne Christi ist.
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Eigentümer dieser Roman Catholic WebRing Site ist: John Wijngaards.
Paulus hat Frauen vom Lehren ausgeschlossen
§ 19. Das Verbot des Apostels jedoch, daß Frauen in der Versammlung nicht ‘sprechen’ dürfen (vgl. 1 Kor 14, 34-35; 1 Tim 2,12), ist anderer Natur. Die Exegeten erklären seine richtige Bedeutung: Paulus widersetzt sich keineswegs dem Recht, in der Versammlung prophetisch zu reden, was er den Frauen übrigens ausdrücklich zuerkennt (vgl. 1 Kor 11, 5); das Verbot bezieht sich ausschließlich auf die offizielle Funktion, in der christlichen Versammlung zu lehren. Diese Vorschrift ist für den hl. Paulus mit dem göttlichen Schöpfungsplan verbunden (vgl. 1 Kor 11, 7; Gen 2,18-24); man könnte sie nur schwerlich als Ausdruck der kulturellen Verhältnisse ansehen. Ferner darf nicht vergessen werden, daß wir dem hl. Paulus einen jener Texte verdanken, in denen im Neuen Testament mit größtem Nachdruck die grundsätzliche Gleichheit von Mann und Frau als Kinder Gottes in Christus unterstrichen wird (vgl. Gal 3, 28). Es besteht also kein Grund, ihn unfreundlicher Vorurteile gegenüber den Frauen anzuklagen, wenn man das Vertrauen beachtet, das er ihnen entgegenbringt, und die Mitarbeit, die er von ihnen für seine apostolische Tätigkeit erbittet.
§ 61. Dieselben Klugheitsrücksichten hätten sich auch den Aposteln aufgedrängt: auch hier, in der Geschichte der apostolischen Zeit, wird deutlich, daß dieser Argumentation die Grundlage fehlt. Sollte man aber nicht auch bei den Aposteln der Art und Weise Rechnung tragen, wie sie selbst diese Vorurteile teilten? So hat man den hl. Paulus der Frauenfeindlichkeit bezichtigt und ferner, daß sich in seinen Briefen Stellen über die untergeordnete Stellung der Frau fänden, die heute für die Exegeten und Theologen Fragen aufwerfen.
§ 62. Sind zwei der wichtigsten Stellen über die Frau in den Paulusbriefen überhaupt authentisch, oder muß man in ihnen vielleicht sogar eine späte Interpolation sehen? Es handelt sich vor allem um den 1. Korintherbrief 14, 34-35: “Die Frauen sollen in der Versammlung schweigen; es ist ihnen nicht gestattet, zu reden. Sie sollen sich unterordnen, wie das Gesetz es fordert.” Diese beiden Verse, die in den bedeutendsten Handschriften fehlen und bis zum Ende des 2. Jahrhunderts nicht erwähnt werden, weisen Stilbesonderheiten auf, die dem hl. Paulus fremd sind. Eine andere Stelle ist 1 Timotheus 2,11-14: “Daß eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, daß sie über ihren Mann herrscht.” Die Urheberschaft des hl. Paulus wird bei dieser Stelle des öfteren bestritten, wenn auch die Beweise von geringerem Gewicht sind.
§ 63. Andererseits ist die Frage der Echtheit oder Nichtechtheit der Paulusstellen von untergeordneter Bedeutung; sie wurden sehr oft von den Theologen für die Erklärung herangezogen, daß die Frau weder der Lehrvollmacht noch der Jurisdiktionsgewalt fähig ist. Vor allem der Text des 1. Timotheusbriefes erbringt nach dem hl. Thomas den Beweis dafür, daß die Frau sich in einer Stellung der Unterordnung oder der Dienstbarkeit befindet, weil (die Erklärung findet sich im Text) die Frau nach dem Mann erschaffen worden ist, weil sie in erster Linie für die Erbsünde verantwortlich ist.
§ 64. Aber es gibt noch andere Stellen beim hl. Paulus, deren Echtheit unanfechtbar ist. Sie sagen aus, daß der “Mann das Haupt der Frau ist” (1 Kor 11, 3; vgl. auch 1 Kor 11, 8-12; Eph 5, 22 und 24). Ist nicht diese anthropologische Sicht, die auf das Alte Testament zurückgeht, die Grundüberzeugung des hl. Paulus und der kirchlichen Tradition, daß eben die Frauen kein auf der Weihe beruhendes Amt annehmen können?
§ 65. Hier handelt es sich um eine Meinung, die die moderne Gesellschaft kategorisch ablehnt, und bei der viele Theologen unserer Tage zögern würden, sie ohne Differenzierung einfachhin zu übernehmen. Es sei jedoch angemerkt, daß der hl. Paulus sich nicht auf die philosophische Ebene begeben will, sondern auf das Gebiet der biblischen Geschichte; wenn er z. B. hinsichtlich der Ehe den Symbolcharakter der Liebe darlegt, möchte er nicht die IJberordnung des Mannes im Sinne eines Herrschaftsanspruches verstehen, sondern als ein Geschenk, das nach dem Vorbild Christi opfernde Hingabe verlangt.
Kirchengesetze und Priesterinnen
Kirchengesetze und ‘Priesterinnen’
Die Kirchengesetze basieren in ihrem Kern auf Vorurteilen
Der Kommentar der Kongregation für die Lehrmeinung über Inter Insigniores räumt dies hinsichtlich des Decretum Gratiani, der die erste und wichtigste Quelle für das offizielle Kirchenrecht, den Codex Iuris Canonici von 1234 n.Chr. bis 1916 n.Chr., war:
” ‘Quia mulier est in statu subiectionis.’ Eine ähnliche Formulierung ist auch schon an einer früheren Stelle im Decretum des Gratian (in Caus. 34; q. 5, c. 11) zu finden, aber Gratian, der die karolingischen Kapitularien und die falschen Dekretalien zitierte, versuchte vielmehr, mit Vorschriften aus dem Alten Testament das Verbot zu rechtfertigen ‑ das bereits von der alten Kirche formuliert worden war (Konzil von Laodizäa, can. 44; St Gelasius, Epist. 14, ad universos episcopos per Lucaniam, Brutios et Siciliam constitutos, 11. März 494, no. 26) – dass Frauen nicht das Heiligtum betreten und am Altar dienen dürfen.” Kommentar, § 29.
Die Kongregation für die Lehrmeinung behauptet, dass der Ausschluss von Frauen von der Ordination im Kirchengesetz ordnungsgemäß theologisch begründet war:
” Von dem Moment an, in dem die Lehre über die Sakramente systematisch in den Theologieschulen verbreitet wird und die Schreiber des kanonischen Rechts beginnen, sich ex professo mit der Art und dem Wert der Tradition der für Männer vorbehaltenen Ordination zu befassen, nehmen die Kirchenrechtler das Prinzip als Grundlage, das von Papst Innozenz III in einem Brief vom 11. Dezember 1210 an die Bischöfe von Palencia und Burgos formuliert wurde, ein Brief, der in die Sammlung der Dekretalien Eingang gefunden hat: ‚Obwohl die gesegnete Jungfrau Maria von höherer Würde und Vortrefflichkeit als alle Apostel war, hat der Herr ihnen, nicht ihr, die Schlüssel zum Himmelreich anvertraut.’(Decretal. Lib. V. tit. 38, De paenit., can. 10). Dieser Text wurde zu einem locus communis für die glossatores (z.B., Glossa in Decretal. Lib. 1, tit. 33, c. 12 Dilecta, Vo Iurisdictioni.” Kommentar, § 34.
Die Wahrheit ist jedoch, dass das Decretum Gratiani und alle anderen Kirchengesetze über Jahrhunderte hinweg erfüllt waren von alten Vorurteilen gegen Frauen..
Die Kirchengesetze akzeptierten die angenommene Minderwertigkeit von Frauen als bewiesenes Faktum.
Die Kirchengesetze waren mit der Praxis der Bestrafung von Sünde, in der die Frauen angenommenerweise lebten, einverstanden.
Viele Gesetze im Kirchenkodex basierten auf der Annahme, dass Frauen rituell unrein seien.
Der Brief von Papst Innozenz III, 1210 n.Chr., über Äbtissinnen, war nur einer der ‚theologischen Gründe’, mit denen die Vorurteile von späteren Schreibern übertüncht wurden.
1. Die Kirchengesetze akzeptierten die angenommene Minderwertigkeit von Frauen als Faktum.
Die angenommene Minderwertigkeit von Frauen kann in all diesen Abschnitten im Decretum Gratiani gefunden werden. Bedenken Sie, dass das offizielle Kirchengesetz, der Codex Iuris Canonici darauf von 1234 n.Chr. bis 1916 n.Chr. basierte!
‘Frau’ bedeutet ‘Geistesschwäche’
In allem ist eine Ehefrau ihrem Mann wegen ihres Standes der Knechtschaft unterworfen
Die Frau wurde nicht zum Ebenbilde Gottes geschaffen
Von Natur aus sind Ehefrauen ihren Männern unterworfen
Frauen darf man in der Kirche kein liturgisches Amt geben
Frauen können keine Priesterinnen oder Diakoninnen werden
Frauen dürfen in der Kirche nicht lehren
Frauen dürfen nicht lehren oder taufen
Die rechtliche Situation von Frauen nach dem Corpus Iuris Canonici (1234 – 1916 n.Chr.), das vom Decretum Gratiani abhing, wird folgendermaßen zusammengefasst:
“Nach einem zivilrechtlichen Prinzip kann keine Frau ein öffentliches Amt bekleiden. Nach dem Kirchenrecht sind Frauen ebenfalls von allen spirituellen Funktionen und Ämtern ausgeschlossen.”
“Eine Frau kann daher keine kirchliche Ordination empfangen. Sollte sie die Ordination empfangen, wird diese Ordination keinen sakramentalen Charakter tragen . . . .”
“Keine Frau, so heilig sie auch sein möge, darf predigen oder lehren . . . .”
“Eine Ehefrau untersteht der Macht ihres Mannes, nicht der Ehemann seiner Frau. Der Ehemann darf sie bestrafen. Eine Frau ist gezwungen, ihrem Mann dorthin zu folgen, wo er seinen festen Wohnsitz errichten möchte.”
“Eine Frau ist zu größerer Bescheidenheit verpflichtet als der Mann.”
“Einer Frau wird eher nachgesehen als einem Mann, Angst zu haben. Sie ist von der Pflicht entbunden, nach Rom zu gehen, um die Absolution von einer Exkommunikation zu erhalten.”
L’Abbé André, Droit Canon, Paris 1859, vol. 2, col. 75.:p>
Der Codex Iuris Canonici, im Jahre 1916 veröffentlicht, enthält immer noch die folgenden Vorschriften auf der Grundlage der angenommenen Minderwertigkeit von Frauen:
“Eine Ehefrau, die nicht rechtmäßig von ihrem Mann getrennt wurde, behält automatisch den Wohnsitz ihres Mannes”, Vorschrift 93, § 1.
“Nur [männliche] Kleriker können Befehlsmacht innehaben oder Kirchenrecht sprechen, oder Vergünstigungen und Kirchenrente erhalten”, Vorschrift 118.
“[Was Bruderschaften oder fromme Gemeinschaften zur Unterstützung der Erbauung und Mildtätigkeit betrifft], können Frauen nicht Mitglied werden, außer zum Zwecke, die Nachsicht und spirituelle Gnade zu erhalten, die den männlichen Mitgliedern gegeben ist”, Vorschrift 709, § 2.
“Nur ein getaufter Mann kann die heilige Ordination erhalten”, Vorschrift 968, § 1.
“[Im Heiligsprechungsverfahren] kann jeder Gläubige um die Aufnahme eines Verfahrens bitten. . . . Männer können selbst oder durch einen ordnungsgemäß ernannten Bevollmächtigten handeln; Frauen nur durch einen Bevollmächtigten”, Vorschrift 2004, § 1 ,
2. Die Kirchengesetze waren mit der Praxis der Bestrafung von Sünde, in der die Frauen angenommenerweise lebten, einverstanden.
Das Decretum Gratiani übernahm die Bewertung von Ambrosiaster, die die untergeordnete Rolle der Frau ihrer Sünde zuschrieb.
” Ambrosius (=Ambrosiaster) sagt: ‘Die Frauen müssen ihren Kopf bedecken, weil sie nicht das Ebenbild Gottes sind. Sie müssen dies zum Zeichen ihrer Unterwerfung unter die Autorität tun und weil die Sünde durch sie in die Welt kam. Ihr Kopf muss in der Kirche bedeckt sein, um den Bischof zu ehren. Ebenso haben sie keine Autorität zu sprechen, weil der Bischof die Verkörperung Christi darstellt. Sie müssen daher vor dem Bischof wie vor Christus, dem Richter, handeln, da der Bischof der Vertreter Christi ist. Wegen der Ursünde müssen sie sich selbst unterwürfig zeigen. ” Decretum Gratiani Causa 33, qu. 5, Kap. 19. :p>
In einem typischen Beispiel für verdrehte theologische Beweisführung behauptet das Decretum Gratiani sogar, dass im Neuen Testament (das den Status der vollendeten Gnade hat) Frauen weniger als im Alten Testament erlaubt wird, weil sie nun die Verantwortung für ihren Anteil an der Ursünde tragen müssten! Diese Argumentation ist direkt verbunden mit dem Verbot der Frauenordination! Zum besseren Verständnis muss man unterscheiden in Fragen (gestellt durch eine fiktive Person) und Antworten von Gratian selbst.
[Frage] “Darf eine Frau einen Priester anklagen?”
[Antwort] “Das scheint nicht der Fall zu sein, denn wie Papst Fabian sagt, dürfen die Priester des Herrn weder angeklagt noch gegen sie ausgesagt werden von denen, die nicht denselben Stand wie sie haben und haben können. Frauen können jedoch nicht in den Priesterstand oder auch nur in das Diakonat aufgenommen werden und aus diesem Grunde dürfen sie weder Priester anklagen noch gegen sie als Zeuginnen vor Gericht aussagen. Das wird sowohl in den heiligen Vorschriften (= Kirchengesetze) als auch in den Gesetzen gesagt (= Römische und Bürgerrechte).”
[Frage] “Aber dann ist es ja wohl so, dass diejenigen, die Richter sein können, nicht davon abgehalten werden können, Kläger zu sein. Frauen sind im Alten Testament Richterinnen geworden, wie man klar im Buch der Richter sieht. Also kann man nicht diejenigen von der Rolle des Klägers ausschließen, die oft schon Richter waren und denen die Bibel mit keinem Wort verbietet, als Kläger aufzutreten . . . .”
[Antwort] “Nein, im Alten Testament war vieles erlaubt, was heute [d.h. im Neuen Testament] durch die Vollendung der Gnade abgeschafft wurde. Wenn also [im Alten Testament] Frauen erlaubt wurde, Menschen zu richten, so werden heute die Frauen vom Apostel ermahnt, sich bescheiden zurückzuhalten, sich dem Mann zu unterwerfen und sich zum Zeichen der Unterwerfung zu verschleiern, da die Frau die Sünde in die Welt gebracht hat.” Decretum Gratiani Causa 2, Frage 7, princ. :p>
3. Viele Gesetze im Kirchenkodex basierten auf der Annahme, dass Frauen rituell unrein seien.
Die angenommene ‘rituelle Unreinheit’ der Frauen fand insbesondere durch das Decretum Gratiani (1140 n.Chr.), das offiziell Kirchengesetz im Jahre 1234 n.Chr. wurde, Eingang in das Kirchenrecht, ein wichtiger Teil des Corpus Iuris Canonici, das ab1916 in Kraft war.
Frauen dürfen die Kommunion nicht verteilen
Frauen dürfen keine heiligen Gegenstände berühren
Frauen dürfen heilige Gewänder nicht berühren oder tragen
Die rituellen Verbote für Frauen im Corpus Iuris Canonici (1234 – 1916 n.Chr.) werden durch folgende Beispiele belegt:
Frauen können nicht ordiniert werden
Eine Frau darf normalerweise nicht taufen
Eine Frau darf das Korporale nicht berühren
Frauen dürfen während ihrer monatlichen Perioden keine Kommunion empfangen
Frauen sollten die Kommunion auf ihrer Hand auf einem Tuch für die heilige Kommunion oder auf der Zunge empfangen
Frauen sollten verschleiert sein, wenn sie die Kommunion empfangen
Frauen dürfen in der Kirche keine Sängerinnen sein
Das lächerliche Verbot, dass Frauen nicht ‘in der Kirche singen’ dürfen, wurde mehr als einmal von der Heiligen Kongregation für Liturgie wiederholt (Dekret 17. Sept. 1897). “Frauen sollten nicht dem Chor angehören; sie gehören dem Laienstand an. Eigene Frauenchöre sind ebenfalls absolut verboten, außer aus ernsten Gründen und mit der Erlaubnis des Bischofs” (Dekret 22. Nov. 1907). “Ein gemischter Chor von Männern und Frauen ist absolut verboten, selbst wenn sie weit vom Heiligtum entfernt stehen” (Dekret 18. Dez. 1908).
Der Codex Iuris Canonici, der 1917 in Kraft trat, enthielt immer noch folgende Vorschriften auf der Grundlage der für die Frau angenommenen rituellen Unreinheit:
Zuletzt wählt man eine Frau für eine Taufe
Frauen dürfen die heilige Kommunion nicht austeilen
Mädchen oder Frauen dürfen keine Messdienerinnen am Altar sein
Nur Männer können in den heiligen Stand ordiniert werden
Frauen sollten ihren Kopf in der Kirche verschleiert haben
Heiliges Leinen muss erst von Männern gewaschen werden, bevor Frauen es berühren
Frauen dürfen in der Kirche nicht predigen
Frauen dürfen in der Kirche nicht aus der Heiligen Schrift lesen
4. Der Brief von Papst Innozenz III, 1210 n.Chr., über Äbtissinnen, war nur einer der ‘theologischen Gründe’, mit denen die Vorteile von späteren Schreibern übertüncht wurden.
Der Brief Papst Innozenz’ III lautete wie folgt:
“Kürzlich drangen Nachrichten an unsere Ohren, die kein geringes Erstaunen ausgelöst haben, nämlich dass die Äbtissinnen, ortsansässig in den Diözesen von Burgos und Palencia (in Spanien), ihre eigenen Nonnen segnen, deren Beichte über Missetaten hören und nach der Lesung des Evangeliums öffentlich predigen. Da das sowohl unglaublich als auch absurd ist und von uns nicht toleriert wird, sende ich zu Ihrer Kenntnisnahme durch dieses apostolischen Schreiben den Befehl, das streng mit apostolischer Autorität zu unterbinden, so dass es nicht mehr vorkommt. Denn obwohl die so sehr gesegnete Jungfrau Maria so viel mehr würdig und vortrefflich war als alle Apostel, hat der Herr nicht ihr, sondern den Aposteln, die Schlüssel des Himmelreichs anvertraut.“ Innozenz III.
Das Argument dieses Briefes, übernommen von Epiphanius, wurde tatsächlich von späteren ‘Glossatoren’ als theologische Rechtfertigung für den Ausschluss von Priesterinnen benutzt. Die tieferen Gründe waren jedoch die in jener Zeit vorherrschenden Vorurteile. Sie können sehr deutlich in den Schriften der Theologen, die hauptsächlich das Kirchenrecht entwickelten, gefunden werden.
Das Argument selbst ist sehr schwach, weil im spirituellen Bewusstsein der Kirche Maria immer als Verkörperung des wahren ‚Priesteramts’ in ihrer Person und ihrer Arbeit angesehen wurde. Dieses Bewusstsein offenbarte eine wahre und ‘latente’ Tradition der Kirche, die besagt, dass das Geschlecht nicht die entscheidende Anforderung für das sakramentale Priestertum Jesu darstellt.
Schlussfolgerung: Von Beginn an wurde mit dem Decretum Gratiani das Kirchenrecht auf der Grundlage von Vorurteilen gegen Frauen formuliert, oft versteckt hinter Scheinargumenten ‚theologischer’ oder ‚biblischer’ Natur. Das ist immer noch der wahre, aber versteckte Grund für das derzeitige kirchenrechtliche Verbot der Frauenordination.
Marie-Thérèse Van Lunen Chénu and Louise Wentholt, ‘The Status of Women in the Code of Canon Law and in the United Nations Convention’(Die Stellung der Frau im Kodex des kanonischen Rechtes und in der Versammlung der Vereinten Nationen), Praxis juridique et religion 1 (1984) pp. 7-18.
Marie-Thérèse Van Lunen Chenu, “Human rights in the Church: a non-right for women in the Church?”(Menschenrechte in der Kirche: ein „non-right“ für Frauen in der Kirche?) veröffentlicht in Human Rights. The Christian contribution, juli 1998
§ 9. “Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift sind eng miteinander verbunden und haben aneinander Anteil. Demselben göttlichen Quell entspringend, fließen beide gewissermaßen in eins zusammen und streben demselben Ziel zu. Denn die Heilige Schrift ist Gottes Rede, insofern sie unter dem Anhauch des Heiligen Geistes schriftlich aufgezeichnet wurde. Die Heilige Überlieferung aber gibt das Wort Gottes, das von Christus dem Herrn und vom Heilligen Geist den Aposteln anvertraut wurde, unversehrt an deren Nachfolger weiter, damit sie es unter der erleuchtenden Führung des Geistes der Wahrheit in ihrer Verkündigung treu bewahren, erklären und ausbreiten. So ergibt sich, dass die Kirche ihre Gewissheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein schöpft. Daher sollen beide mit gleicher Liebe und Achtung angenommen und verehrt werden.”
§ 10. “Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes. Voller Anhänglichkeit an ihn verharrt das ganze heilige Volk, mit seinen Hirten vereint, ständig in der Lehre und Gemeinschaft der Apostel, bei Brotbrechen und Gebet (vgl. Apg 2,42 griech.), so dass im Festhalten am überlieferten Glauben , in seiner Verwirklichung und seinem Bekenntnis ein einzigartiger Einklang herrscht zwischen Vorstehern und Gläubigen.”
Die Erfahrungen der Kirche in der Vergangenheit liefern ausgezeichnetes Material, um dieses Prinzip zu veranschaulichen. Ich werde mich hier auf zwei Beispiele konzentrieren: dass die Kirche es über 19 Jahrhunderte hinweg versäumt hat, die angemessene Tradition hinsichtlich der Sklaverei wahrzunehmen; und dass sie für sich beansprucht, dass nur Katholiken erlöst werden können. In beiden Beispielen liegt eine der Hauptursachen der fehlerhaften „Tradition” in einer fehlerhaften Auslegung der Heiligen Schrift.
Der Fall „außerhalb der Kirche kein Heil”.
Die Verwendung der Heiligen Schrift in der sogenannten, die Sklaverei befürwortenden, „Tradition”
tatsächlich erklärte das Heilige Offizium in Rom noch am 20. Juni 1866: „Die Sklaverei an sich, in ihrem Wesen als solche betrachtet, widerspricht keinesfalls dem Gesetz der Natur oder dem Gesetz Gottes, und es kann verschienene rechtmäßige Ansprüche auf Sklaverei geben, auf die sich anerkannte Theologen und Kommentatoren der Heiligen Kanones beziehen… Es widerspricht nicht dem Gesetz der Natur oder dem Gesetz Gottes, dass ein Sklave verkauft, gekauft, getauscht oder verschenkt wird“.
Man beachte, dass das Heilige Offizium 1866 verkündete, Sklaverei „widerspreche nicht dem Gesetz Gottes”. Theologisch betrachtet heißt das: Sklaverei steht im Einklang mit dem inspirierten Sinn der Heiligen Schrift.
Israeliten können andere Israeliten zu Sklaven machen als Strafe für Diebstahl (Ex 22,3), zur Abbezahlung von Schulden (Ex 31,2-6; Lev 25,39), durch Kauf von einem Fremden (Lev 25,47-55) und durch Verkauf einer Tochter durch ihren Vater (Ex 21,7-11). Diese Art Text wurde zur Quelle, auf deren Basis Kirchenrechtsgelehrte und Theologen die vier „rechtmäßigen Ansprüche auf Sklaverei” aufbauten (siehe Text des Heiligen Offiziums oben): Gefangennahme im Krieg, rechtmäßige Verurteilung, Kauf & Verkauf sowie Geburt (das Kind einer Sklavin ist ein Sklave!).
„Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren in allem! Arbeitet nicht nur, um euch bei den Menschen einzuschmeicheln und ihnen zu gefallen, sondern fürchtet den Herrn mit aufrichtigem Herzen! Tut eure Arbeit gern, als wäre sie für den Herrn und nicht für Menschen, …”
Diese Textstellen wurden verwand, um zu belegen, dass die Apostel den Brauch der Sklaverei billigten. Theologen wiederholten diese Art von Argumenten bis ins späte 19. Jahrhundert hinein immer wieder. Es brachte sie zu einem sicheren Schluss: „Es ist sicherlich eine Sache des Glaubens, ob die Sklaverei, unter welcher ein Mann seinem Herrn als Sklave dient, insgesamt rechtmäßig ist. Dies kann anhand der Heiligen Schrift bewiesen werden.” Aus einem Standartwerk: LEANDER, Questiones Morales Theologicae, Lyon 1692; Band 8, De Quarto Decalogi Precepto, Tract.IV, Disp. I, Q.3.
Anmerkung: Das Argument ist ungültig, da in diesen sogenannten “christlichen Hausordnungen” die Autoren dieser Briefe die unmittelbare Lebenssituation ihrer Zuhörer (in welcher Sklaverei Fakt war) ansprechen. Von diesen Texten allgemeine Prinzipien bezüglich der Sklaverei abzuleiten, geht über ihre Absicht hinaus..
Was lernen wir daraus: In unserer heutigen Zeit hat die Kirche, einschließlich des Lehramtes, erkannt, dass die Sklaverei gegen die grundlegenden Menschenrechte verstößt und “dem Plan Gottes widerspricht” (Vatikan II, Gaudium et Spes, Nr.29).
Die sogenannte „Tradition”, von der man annahm, dass sie die Sklaverei billige, und auf die das Lehramt seine Rechtfertigung der Sklaverei stützte, war in Wirklichkeit nicht Teil der wahren Tradition, die von Christus überliefert wurde.
Die sogenannte „Tradition”, von der man behauptete, sie sei biblisch (siehe Heiliges Offizium, 1866: „Sklaverei widerspricht nicht dem Gesetz Gottes”) hat sich als nicht biblisch herausgestellt. Die Bibelstellen wurden zu Unrecht zitiert. Ihre Auslegung ging über den inspirierten und beabsichtigten Sinn hinaus.
Die Verwendung der Heiligen Schrift in der sogenannten „Tradition”, dass es kein Heil außerhalb der Kirche gibt
In einem von Papst Innozenz III. 1208 angeordneten Glaubensbekenntnis lesen wir: „Wir glauben, dass außerhalb der einen, heiligen, Römischen, katholischen Kirche niemand gerettet werden wird” (Enchiridion Symbolorum, Denziger (=Abk. Denz) Nr. 423).
Im Lateranenkonzil von 1215: “Es gibt aber eine allgemeine Kirche der Gläubigen, außerhalb derer überhaupt keiner gerettet wird, […]” (Denz.430).
Bonifazius VIII. definierte in seiner Bulle Unam Sanctam von 1302 feierlich: „Wir erklären, sagen und definieren […], dass es für jedes menschliche Geschöpf unbedingt notwendig zum Heil ist, dem Römischen Bischof unterworfen zu sein” (Denz.468).
Im Konzil von Florenz 1442 unter Papst Eugen IV. heißt es: „Sie [die Heilige Römische Kirche] glaubt fest, bekennt und verkündet, dass „niemand, der sich außerhalb der katholischen Kirche befindet, nicht nur keine Heiden”, sondern auch keine Juden oder Häretiker und Schismatiker, es ewigen Lebens teilhaft werden können, sondern dass sie in das ewige Feuer wandern werden, „das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist” [Mt 25,41], wenn sie sich nicht vor dem Lebensende ihr angeschlossen haben, und dass die Einheit mir dem Leib der Kirche eine solch große Bedeutung hat, dass nur denen, die in ihr verharren, die Sakramente der Kirche zum Heil gereichen und Fasten, Almosen und die übrigen Werke der Frömmigkeit und Übungen des christlichen Kriegsdienstes ewige Belohnungen zeitigen. „Und niemand kann, wenn er auch noch so viele Almosen gibt und für den Namen Christi sein Blut vergießt, gerettet werden, wenn er nicht im Schoß und in der Einheit der katholischen Kirche bleibt” (Denz. 714).
Kirchenväter, Theologen und Päpste stützten die „Tradition” hauptsächlich durch folgende Bibelstellen:
„Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein” (Mt 16,19; siehe auch 18,18).
„Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden” (Mk 16,16).
Was lernen wir daraus: Im 19. Jahrhundert begann die Kirche, ihre Lehre zu modifizieren, indem sie erklärte, man könne auch “auf Wunsch” der Kirche angehören, und dies genüge zur Erlangung des Heils. Vatikan II vervollständigte diesen Prozess durch die eindeutige Erklärung, dass es Heil für Menschen außerhalb der Kirche gäbe, für „all die, die mit aufrichtigem Herzen Gott suchen”(Lumen Gentium 15-17), und dass ihre verschiedenen Religionen ebenfalls, bis zu einem gewissen Grad, die Möglichkeit des Heils bieten (Nostra Aetate, über die Beziehung zu nichtchristlichen Religionen).
Die sogenannte „Tradition”, von der man dachte, sie begrenze das Heil auf Katholiken, und auf der das Lehramt seine doktrinäre Rechtfertigung aufbaute, war in Wirklichkeit nicht Teil der wahren, von Christus weitergegebenen Tradition.
Die sogenannte „Tradition”, von der man behauptete, sie sei biblisch, hat sich als nicht biblisch erwiesen. Die Bibelstellen wurden zu Unrecht zitiert. Ihre Auslegung ging über den inspirierten und beabsichtigten Sinn hinaus.
Da die Heilige Schrift und die Tradition eine Quelle der Offenbarung sind, „der eine der Kirche überlassene Schatz des Wortes Gottes” (Vatikan II, „Göttliche Offenbarung” Nr. 9-10), folgt daraus, dass sie sich beide zusammen im spirituellen und theologischen Bewusstsein der Kirche entwickeln müssen.
Tradition ist nichts, was der Heiligen Schrift hinzugefügt wird (in dem Sinn, dass sie apostolische Doktrin überliefert, die nicht in der Heiligen Schrift enthalten ist), sondern ein anderer Weg, die Wahrheiten der Heiligen Schrift zu vermitteln – wobei die Heilige Schrift selbst „absolut souverän” ist.
Tradition ist eine Thesaurierung oder ständige Ansammlung von Meditationen über den Text der Bibel, die durch eine Generation nach der anderen entsteht, „die lebendige Kontinuität des Glaubens, die das Volk Gottes beflügelt” – eine Art midrash [Reflexion] oder gemara [Kommentar].
Tradition ist die gesamte Auslegung der Heiligen Schrift, die sich über die Jahrhunderte hinweg mit „Zinseszins” angesammelt hat, ohne der Heiligen Schrift dabei mehr zu entnehmen, als zumindest indirekt in ihr enthalten ist. Siehe F.F. Bruce, Tradition, Old and New, Paternoster Press, New York 1970, pp. 167-168.
Der dogmatische Inhalt der Tradition besteht in der korrekten Auslegung der biblischen Offenbarung in den Worten ihres zentralen Gegenstandes: Christus und dem Heil, das er brachte. Obwohl Christus Inhalt der Heiligen Schrift ist, lässt er sie uns jetzt gemäß dem Neuen Testament durch seinen Heiligen Geist verstehen. Es ist der Heilige Geist, der es uns ermöglicht, zu sagen „Jesus ist der Herr” (1 Kor 12,3); die Texte der Heiligen Schrift sind schwer verständlich bis wir uns unter dem Einfluss seines Heiligen Geistes zum Verstehen an den Herrn wenden, (2 Kor 3,12-18). Sicherlich ist dies der Grund, weshalb der Heilige Paulus Timotheus ermahnt, „das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt, zu bewahren” (2 Tim 1,14).
Die Briefe des Heiligen Paulus und die Apostelgeschichte des Heiligen Lukas führen das gesamte Leben der Kirche und die Arbeit ihrer Amtsträger auf den Heiligen Geist zurück. Das Versprechen des Geschenkes des Heiligen Geistes, das unser Herr den Aposteln gab (Joh 14,18; 14,16; 15,25; 16,12-13), richtete sich nicht nur an die Zwölf. Wir haben im Gegenteil Gründe zu behaupten, dass es auch für die Kirche jeden Zeitalters gilt. Die Wiederholung des Wortes “euch” in Joh 14 und 16 ist zu beachten: ich werde euch geben, ich werde euch schicken, er wird euch führen, er wird euch verstehen lassen. Dieses wiederholte “euch” bezieht sich auf beides, auf Personen (die Apostel) und auf die Gemeinschaft. Tatsächlich wird der Heilige Geist an Pfingsten allen Jüngern zuteil, einhundertundzwanzig an der Zahl (vgl. Apg 1,15; vgl. Lk 24,33: „… die Elf und die anderen Jünger versammelt”). Der versprochene Heilige Geist wurde der anwesenden Gemeinschaft geschenkt; wenn neue Mitglieder der ersten Kerngruppe, und dann der Kirche, mit der Zeit eingegliedert wurden, empfingen sie ihrerseits den Heiligen Geist, welcher den Leib Christi stärkt (vgl. 1 Kor 12,13). Grundsätzlich liegt dieses Geschenk des Heiligen Geistes auf der gleichen Ebene wie die Heilsökonomie insgesamt: wenn das Ereignis einmal stattgefunden hat, betrifft es alle nachfolgenden Generationen und arbeitet in ihnen.
Da er der Heilige Geist ist, wirkt er in den Menschen auf eine geistige Art, ohne sie zu zwingen. Die Heilige Schrift charakterisiert diese Intervention, indem sie sie mit einem innewohnenden, durchdringenden Öl vergleicht, einer inneren Inspiration, die kaum vom normalen Arbeiten unseres Geistes zu unterscheiden ist, einem Bewusstsein, welches allein in der Lage ist, die Tiefen unseres persönlichen Lebens zu ergründen (1 Kor 2,10 ff). Und doch ist er in allen Menschen, arbeitet von innen heraus, um Einigkeit und Einstimmigkeit zu bringen. Er ordnet jeden nach seinen /ihren Wegen, seiner/ihrer Berufung und seinem /ihrem Platz, um die Gemeinschaft aller zu suchen und zu fördern. Seine Geschenke sollen “den anderen nützen” (1 Kor 12,7), “für den Aufbau des Leibes Christi” (Eph 4,12; vgl. 1 Kor 12,13) sorgen. Auf diesem Weg kann der ‚sensus fidelium’ eine latente Tradition tragen, die später in der Kirche ausdrücklich formuliert wird..
Die Struktur unseres Glaubens resultiert aus der Verbindung einer geistigen Energie oder Inspiration, die direkt von Gott empfangen wurde, mit dem Annehmen einer Lehre, die ausgehend von Christus und den Aposteln einen langen historischen Prozess hindurch von der Kirche weitergegeben wurde. In unserem Glauben verbinden sich eine historische Überlieferung des vorbildlichen Glaubens und ein geistiges „Ereignis”, welches der Heilige Geist in jedem neuen Bewusstsein verursacht. Was auf persönlicher Ebene entsteht, entsteht auch analog auf ekklesiologischer Ebene, wo die großartige Sequentia sancti Evangelii [=die Entfaltung des Heiligen Evangeliums] zunehmend realisiert werden muss. Die Kirche selbst ist sich dessen sehr wohl bewusst; das bezeugen sowohl die Worte der Väter oder Theologen als auch die privilegierten Momente der Selbsterkenntnis und der gemeinsamen Bestandsaufnahme, die Konzilien genannt werden. Der dynamische Aspekt der Tradition verdankt seinen Ursprung also der anhaltenden Tätigkeit des Heiligen Geistes.
Um Teil der echten kirchlichen Tradition sein zu können, muss eine „Tradition” biblisch sein. Das heißt, sie muss auf einem korrekten Verständnis der inspirierten Bedeutung von Bibeltexten beruhen. In der Geschichte der Kirche ging dieses korrekte Verständnis oft mit einem neuen Bewusstsein für wichtige Streitfragen Hand in Hand. Die neue, korrekte Auslegung der Heiligen Schrift entsteht durch die ewige Tätigkeit des Heiligen Geistes in der Kirche.
Was meint eigentlich Inkarnation?
Vor einiger Zeit wurde ich auf einem Einkehrtag für Jugendliche gefragt, wie viele Sprachen Jesus gesprochen habe. Ich antwortete: „Aramäisch war seine Muttersprache und er konnte wahrscheinlich auch ein wenig griechisch, wie die meisten Juden seiner Zeit. Er hat aber mit Sicherheit kein Englisch verstanden.”
Julian, ein feiner Junge aus Goa, Südwestindien, war offensichtlich aufgebracht. „Jesus war doch Gott”, protestierte er. „Er war allwissend. Er wußte alles. Er muß Englisch gekonnt haben. Er hätte wahrscheinlich keine fünf Minuten gebraucht, um in der Times das Kreuzworträtsel zu lösen. Er hatte alles im Kopf!”
Julian ist vielleicht nicht der einzige, der sich nie klar gemacht hat, was Inkarnation, also Menschwerdung, wirklich bedeutet. Wir glauben ja, das Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch gewesen ist. Was uns freilich dabei nicht bewußt ist, ist die Tatsache, daß Menschwerdung wirklich echtes Menschsein bedeutet. Dies zu bestreiten wäre ebenso töricht, als wollte man seine göttliche Wirklichkeit leugnen.
Von mir unter Druck gesetzt, gab Julian widerwillig zu, daß Jesus natürlich seine Füße brauchte, um von einem Ort zum andern zu gehen, wie wir alle. Und auch, daß er sicher nicht der schnellste Läufer seiner Zeit gewesen ist, daß er müde und hungrig werden konnte und sich hin und wieder ausruhen mußte usw. (Joh 4, 6). Es war Julian nie in den Sinn gekommen, daß die gleichen menschlichen Grenzen auch für Jesu geistige Fähigkeiten galten. Daß sich Jesus, wie seine Zeitgenossen, nicht vorstellen konnte, wie eine Elektrozug aussah oder ein Auto oder Flugzeug. Daß er Neues lernen (Lk 2,529 und überrascht sein konnte (Mt 8,10).
Der Schock, der uns bei diesem Gedanken überkommen mag, war auch den ersten Christen nicht unbekannt. Für sie war es der Skandal von Nazaret. Nazaret war schließlich ein völlig unbedeutendes Fleckchen Erde, ein winziges Dorf mit höchstens 20 Häusern, wie Archäologen herausgefunden haben. Wen wundert es, daß Philippus ausruft: „Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen” (Joh 1,46)?
Außerdem war Jesus selbst ein Zimmermann, was, genau übersetzt, bedeutet: der Mann, der am Ort kleinere Reparaturen ausführte (Mk 6,3). Er hat Pflüge ausgebessert, löchrige Dächer wieder dicht gemacht, neue Türpfosten eingesetzt, Zäune aus Stein gebaut und bei der Ernte als Landarbeiter geholfen. Als Mensch war er in jeder Hinsicht wie wir alle – und genau das wollte er auch sein. Er nannte sich „Menschensohn”, ein aramäischer Ausdruck für „ein ganz gewöhnlicher Mensch”.
Stell dir vor, du bist zur Zeit Jesu jemand, der Schreiben gelernt hätte. Du hättest, so gut wie sicher, auf ihn wie auf einen Jungen vom Lande ohne jede Bildung heruntergeschaut.
Ja, er hatte sich das hebräische Alphabet vom Hören her angeeignet, wie die meisten Jungen in religiösen Familien, so daß er aus der Schrift vorlesen konnte, wenn er an die Reihe kam (Lk 4,16). Er hatte einen groben galiläischen Akzent (Joh, 7,52), und sein galiläisches Temperament konnte gelegentlich auch durchbrechen (Mk 3,5; Mt 21,12-13; Mk 11,12-14).
Er konnte sogar ganz dumme Fehler machen, so wenn er zum Beispiel sagte, Abiathar sei Hoher Priester gewesen, als David von den Schaubroten aß (Mk 2,26), wo wir doch aus dem Buch der Könige wissen, daß dies zu jener Zeit Abimelech war (1 Sam 21,1-6). Abiathar war es erst nach ihm (1 Sam 22, 20-30).
Da Jesus keine eigene Abschrift der Bibel hatte, mußte er die Texte auswendig lernen, einfach vom Hören bei den Sabbatlesungen. Abimelech mit Abiathar zu verwechseln, könnte jedem von uns genau so gut passieren. Aber das hat natürlich dem, was Jesus sagen wollte, keinen Abbruch getan. So etwas kommt unter Menschen einfach vor.
Jesus war zweifellos hoch intelligent und sein himmlicher Vater offenbarte gewisse Dinge nur ihm allein (Lk 10,22). Doch als Mensch war er nicht allwissend. Er war nicht, wie die doketischen Häretiker während der ersten Jahrhunderte behaupteten, ein göttlicher Geist, der die menschliche Natur nur wie eine Maske aufgesetzt hatte. Nein, um wahrhaft Mensch zu werden, mußte der Gottes Sohn sich entäußern (Phil 2,7). Er mußte gleichsam auf seine göttlichen Fähigkeiten wie zum Beispiel Allwissenheit, Allmacht, Unsterblichkeit verzichten.
Warum tat Gott das alles? Die Antwort darauf überwältigt uns. Wie wir im Glaubensbekenntnis lesen, tat er es „für uns, um unseres Heiles willen”. Nicht für seine eigene Ehre, noch weil er es brauchte, sondern einfach für uns, weil er uns liebte und uns von innen her heilen wollte, als Glied der Menschheit, als einer von uns.
Jesus ist selbstverständlich Gott, und wenn wir zu ihm als den erhöhten Herrn beten, können wir es in jeder Sprache, auch in der englischen, tun. Doch haben wir nicht, wenn wir uns an ihn wenden, mehr Vertrauen, wenn wir wissen, daß er unsere menschliche Schwäche, unser Suchen, unsere Verwirrung, unseren Angstschrei aus eigener Erfahrung kennt?
„Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat” (Hebr 4,15).
Aus: J. Wijngaards, ‘Did Jesus Know Everything?’, Mission Today, 19. März 1999.
Die Herkunft des Kuckuckseis
Der Ausschluss der Frau von der Priesterweihe –
die Herkunft dieses Kuckuckseis
Auszüge aus The Ordination of Women in the Catholic Church. Unmasking a Cuckoo’s Egg Tradition, von John Wijngaards, Darton, Longman & Todd, London 2001.
Die Kuckucksei-Hypothese
Nehmen wir an, es war weniger Gottes Wille als die kulturellen Vorurteile, die Frauen zu einer rein passiven Rolle in der Kirche verdammten. Wenn diese Annahme stimmt, dann wurde den Gläubigen in den vergangenen Jahrhunderten durch diesen theologischen Irrtum gewaltiger Schaden zugefügt – und wird es noch heute. Kulturelle Bigotterie drang in den christlichen Glauben und inthronisierte ein heidnisches Vorurteil mit Erfolg als wäre es eine authentische christliche Praxis. Mit anderen Worten, nehmen wir an, der Widerstand gegen Frauen als Priesterinnen ist ein klassisches Beispiel dessen, was ich eine „Kuckucksei-Tradition” nenne – wovon es noch mehr in der Kirche gibt!
Nicht nur, dass ein Kuckuck seine Eier heimlich in die Nester anderer Vögel legt; besonders gerissen ist es, dass seine Eier denen der Wirtseltern auch noch zum Verwechseln ähnlich sehen. In Großbritannien beispielsweise kann ein Kuckuck unterschiedlich Eier legen, deren Flecken und Farben denen der Eier von Heckenbraunellen, Rotschwänzen, Sperlingen und Grasmücken gleichen. Der Wirtsvogel merkt nicht, dass seinem Gelege ein fremdes Ei hinzugefügt wurde. Auf ähnliche Weise wurde, wie wir sehen, in der Frühkirche Voreingenommenheit gegenüber Frauen in typisch biblischer und christlicher Gestalt präsentiert. – Aber sehen Sie, was dann passiert!
Um sicherzustellen, dass ihm die Jungen seiner Pflegeeltern nicht die Nahrung streitig machen, hat das Kuckucksjunge eine raffiniert – grausame Verhaltensweise entwickelt: den Rausschmiss seiner Nestgeschwister. Nur wenige Stunden, nachdem es geschlüpft ist, zeigt das blinde, nackte Kuckucksjunge den starken Drang, jeden Fremdgegenstand, wie z. B. Eier oder andere Nestlinge, aus dem Nest zu werfen. Dazu schiebt es sich unter den störenden Gegenstand und stößt ihn mit Hilfe einer ruckartigen Bewegung der Schulterblätter über den Nestrand. 24 Stunden nach dem Schlüpfen hat das Kuckucksjunge das Nest und die Aufmerksamkeit seiner Pflegeeltern für sich allein. So bemerkenswert es scheinen mag, die ungerechtfertigte Anti-Frauen-Tradition in der christlichen Kirche verhielt sich genauso. Viele Jahrhunderte hindurch dienten Frauen in einer Reihe von Ämtern, wie z. B. im sakramentalen Diakonat. All dies ging über Bord. Die priesterliche Berufung von Frauen wurde unterdrückt. Antike Praxen, die dem etablierten Vorurteil widersprachen, wie z.B. die Verehrung von Maria als Priesterin, wurden erstickt. Eine Kuckucksei-Tradition ist eine Killertradition.
Doch auch damit ist diese niederträchtige Tat noch nicht vollendet. Während das Kuckucksjunge aufwächst, überragt es seine Pflegeeltern gewöhnlich an Größe. Die Vogeleltern haben jedoch inzwischen eine Bindung zu ihm aufgebaut und füttern es trotz dieser Unstimmigkeit. Sie sind fest davon überzeugt, dass es sich um ihr eigenes Junges handelt. Daher kann man beobachten, wie ein winziger Spatz einen etwa zehnmal so großen jungen Kuckuck mit gerade gefangenen Insekten füttert! Dasgleiche passiert in der Kirche mit Kuckucksei-Traditionen. Jene, die die Macht haben zu lehren, sind oft von den lang bestehenden und scheinbar alten Ursprüngen der Tradition geblendet und bemüht, die Authenzität derselben zu verteidigen, obwohl für den unparteiischen Beobachter ihre Unstimmigkeit offensichtlich ist.
Moment mal, sagen Sie vielleicht. Das ist bloß die Meinung des Autors. Woher wissen wir, dass stimmt, was er sagt? Rom hält alle Trümpfe in der Hand. Frauen wurden zweitausend Jahre lang nicht geweiht. Eine solch lange Tradition kann man nicht einfach so abtun!—Sie haben Recht. Ich kann nicht erwarten, dass Sie mir zustimmen. Betrachten Sie das, was ich bis jetzt gesagt habe, als die Hypothese, die ich im restlichen Teil dieses Buches belegen werde. Ich behaupte, dass der Widerstand gegen die Frauenordination nicht von Christus kommt. Nicht Gott hat den Ausschluss der Frauen angeordnet, sondern heidnische sexistische Bigotterie, die die wahre christliche Tradition der Berufung von Frauen zum Amt vernichtet hat.
Die römische Kultur und die Frauen
Auszug aus dem siebten Kapitel
Auch wenn es überall Voreingenommenheit gegenüber Frauen gab, konnte man die stärksten Vorurteile in den lateinsprachigen Regionen das alten Römischen Reichs finden: in Mittel- und Norditalien, Gallien [= heutiges Frankreich], Nordafrika, Spanien und Großbritannien. Lassen Sie mich ein paar Beispiele anführen.
Der von ca. 155-245 n.Chr. im nordafrikanischen Karthago lebende Tertullian übte großen Einfluss auf die lateinischen Kirchenväter aus, die seinem Beispiel folgen sollten. Als Initiator des Kirchenlateins spielte er beim Formen des Wortschatzes und der Denkweise des westlichen Christentums für die folgenden 1000 Jahre eine entscheidende Rolle. Tertullian lehnte jede Beteiligung von Frauen an Kirchenämtern ab: „Einer Frau ist es nicht erlaubt, in der Kirche zu sprechen; sie soll weder lehren, taufen, opfern, noch einen Anteil an irgendeiner Männern vorbehaltenen Rolle für sich selbst beanspruchen, schon gar nicht irgendein Priesteramt”. (1) Dieser Negativeinstellung Tertullians folgten andere lateinische Kirchenväter wie Augustinus (Hippo, Nordafrika), Hieronymus (Italien, Palästina) und Ambrosiaster (Norditalien).
Die örtliche Synode in Karthago (345-419) verbot es Bischöfen, Priestern und Diakonen, vor Eucharistiefeiern Frauen zu berühren. Die Synode von Orange in Gallien (441 n.Chr.) schaffte die Diakonatsweihe für Frauen in ihrem Gebiet ab. Der Priester Gennadius aus dem gallischen Marseille erstellte eine Liste mit Regeln, die als Statuta Ecclesiae Antiqua bekannt ist und die Einschränkungen gegenüber Frauen beinhaltete (spätes fünftes Jahrhundert). Die Synoden von Epaon (517) und Auxerre (588), beide in Gallien, wiederholten die Abschaffung des Diakonats für Frauen vor Ort und verboten Frauen, heilige Gegenstände anzufassen oder die Kommunion in die Hand zu empfangen. Bischof Theodor aus dem britischen Canterbury (gestorben 690 n.Chr.) verbot Frauen, gleichgültig ob Laie oder Ordensfrau, während ihrer Menstruation die Kirche zu betreten oder die Kommunion zu empfangen.
Anhand solcher Beispiele können wir aufzeigen, dass die Zurückweisung der Frau in der römisch-lateinischen Tradition am stärksten war.
Diese wurde im Mittelalter fortgesetzt. Der Anti-Frauen-Kodex der Kirchengesetze, den der Mönch Gratian 1140 im italienischen Bologna zusammentrug, wurde das Herzstück der späteren Kirchengesetzgebung. Dieselbe Tradition, Frauen unterdrückt zu halten und ihnen den Zugang zu “heiligen Dingen” zu verwehren, behielten Theologen und Kirchenrechtsgelehrte der lateinsprachigen Universitäten Italiens, Frankreichs, Spaniens und Englands bei.
Was steht hinter alldem? Woher diese Feinseligkeit auf dem Gebiet des alten Römischen Reichs? Worin besteht die Verbindung zum Römischen?
Kein Rechtssystem hat in der Welt so viel Einfluss gehabt wie jenes, welches im Alten Rom entstand. Seine Denkweise beherrschte das römische Reich über tausend Jahre lang und fand im Byzantinischen Reich bis ins Jahr 1453 Anwendung. Es war Grundlage für die Rechtskodices in den meisten westlichen Ländern. Wichtiger noch für uns: es formte einen Großteil des Kirchenrechts in der Katholischen Kirche.
Der große Beitrag der römischen Gesetzgebung lag in der Niederlegung einfacher und eindeutiger Prinzipien. Römisches Recht war detailliert, spezifisch, praktisch. Es war geeignet, Streitigkeiten beizulegen. Es war eine Rechtsform, die von fähigen Verwaltungsbeamten und tüchtigen Organisatoren entwickelt worden war. Doch Organisation verbirgt oft strukturelle Vorurteile, und genau das passierte mit den Frauen. Denn das römische Recht war frauenfeindlich.
Das römische Familienrecht basierte auf dem Prinzip, dass der Hausvater (pater familias) volle Autorität sowohl über die Kinder wie auch über seine Ehefrau besaß. Dies wurde als väterliche Gewalt (patria potestas) definiert.
Die Ehefrau war vollkommen von ihrem Ehemann abhängig:
Die Ehefrau war Eigentum ihres Mannes.
Sie war seinen Verfügungen vollkommen unterworfen. Er konnte sie bestrafen, wie er wollte, sie sogar töten oder als Sklavin verkaufen – doch wurde die letztgenannte Strafe nach 100 v.Chr. verboten.
Was das Familieneigentum betraf, so besaß die Ehefrau selbst nichts. Alles, was Sie oder ihre Kinder erbten, gehörte ihrem Ehemann, einschließlich der Mitgift, die sie mit in die Ehe brachte.
Später wurde diese absolute Gewalt des Ehemannes etwas eingeschränkt, was zu dem führte, was als eine Form der “freien Ehe” bekannt ist, auf die sich Ehemann und Ehefrau einigen konnten. Der Ehemann hatte jedoch auch in dieser neuen Situation das Recht, endgültige Entscheidungen in allen Familienfragen zu fällen: hierunter fielen beispielsweise der Wohnort, den seine Ehefrau mit ihm teilen musste, die Erziehung der Kinder und die Exklusivrechte auf ihre ehelichen Pflichten, während der Ehemann selbst ungestraft mit anderen Frauen schlafen konnte.
Die Rechte der Frauen im allgemeinen römischen Zivilrecht waren nicht viel besser.
Obwohl die Frau als römische Bürgerin gesehen wurde, erhielt sie ihre Stellung nur durch ihren Ehemann. Frauen konnten ihren eigenen Namen genauso wenig führen, wie Sklaven dies konnten. Nur Männer trugen dieses deutliche Zeichen ihrer römischen Staatsbürgerschaft.
Als allgemeines Prinzip galt: “In vielen Bereichen unseres Rechts ist die Stellung der Frauen schwächer als die der Männer”.
Zudem waren Frauen von allen öffentlichen Funktionen und Rechten ausgeschlossen: “Frauen sind von jeder staatsbürgerlichen und öffentlichen Verantwortung ausgeschlossen und können daher weder Richter sein noch irgendeine staatsbürgerliche Autorität besitzen, sie können keinen Fall vor Gericht bringen und sich nicht für andere einsetzen oder als Vermittler tätig sein”.
Eine Frau konnte nicht die Verantwortung für eine andere Person tragen. “Vormundschaft ist Aufgabe des Mannes.” Nicht einmal ihre Kinder und Cousins/Cousinen unterstanden ihrem Schutz – mit Ausnahme des späteren römischen Rechts.
Frauen konnten nicht als Zeugen fungieren, weder bei der Erstellung eines Testaments noch bei irgendeiner anderen Rechtshandlung. „Eine Frau ist unfähig, in irgendeiner Form der Jurisprudenz, die der Zeugen bedarf, Zeuge zu sein.” Ebenso wie Minderjährige, Sklaven, Geisteskranke und Verbrecher hielt man Frauen für unfähig, als Zeugen aufzutreten.
Frauen konnten keinem Gerichtsverfahren beitreten, ohne von einem Mann vertreten zu werden. Frauen konnten „wegen der Gebrechlichkeit ihres Geschlechts und ihrer Unkenntnis der Angelegenheiten des öffentlichen Lebens” nicht selbst vor Gericht auftreten. (2)
Trotz einer leichten Lockerung der Gesetze, die den Frauen im römischen Reich des 3. und 4. Jahrhunderts mehr Schutz bot, blieb der allgemeine niedere Status der Frau bestehen.
Wenn uns bewusst ist, dass dies die rechtliche Stellung der Frau war, unter einem Recht, das von allen streng respektiert wurde, dann können wir verstehen, wie sich diese Abwertung der Frau in das Denken der Kirche eingeschlichen hat. Man hielt den niederen Status der Frau für so selbstverständlich, dass er bestimmte, wie lateinsprachige Theologen und Kirchenführer Angelegenheiten betrachteten, die im Zusammenhang mit den Frauen standen. Achten sie nur auf diese Argumentation Ambrosiasters (4. Jahrhundert), die typisch für diese Zeit ist:
“Frauen müssen ihren Kopf bedecken, denn sie sind nicht das Ebenbild Gottes… Wie kann man behaupten, eine Frau sei das Abbild Gottes, wenn sie nachweislich der Herrschaft des Mannes unterworfen ist und keinerlei Autorität besitzt? Denn sie kann weder lehren, noch Zeuge vor Gericht sein, noch von ihrer Staatsbürgerschaft Gebrauch machen, noch Richter sein – dann kann sie sicherlich keine Macht ausüben!” (3)
Ambrosiaster stellt fest, dass eine Frau “keinerlei Autorität besitzt”. Weshalb nicht? Weil eine Frau nach dem Zivilrecht keine öffentliche Funktion haben oder irgendeine Autorität genießen konnte. Weiter sagt er, sie könne nicht „Zeuge vor Gericht sein oder Gebrauch von ihrer Staatsbürgerschaft machen [= an öffentlichen Versammlungen teilnehmen] oder Richter sein”. Weshalb nicht? Weil das Zivilrecht es verbot. Jetzt beachten Sie das Argument. Die Frau ist nicht das Ebenbild Gottes, weil sie offensichtlich dem Mann unterworfen ist, wie wir im Zivilrecht sehen! Das eigentliche Argument liegt im römischen Recht, welches man für richtig und gerecht hielt. Und hier kommt die Herkunft zum Vorschein. Der Kuckuck hebt seinen hässlichen Kopf. Über die Stellung der Frau entscheidet nicht wirklich irgendeine christliche Tradition oder ein inspirierter Text, sondern das heidnische römische Recht, das man für die Norm hielt.
Dieselbe Einstellung wurde in den späteren Gesetzbüchern der Kirche bewahrt . . . (4)
Weil Kirchenführer das römische Recht als Norm nahmen für das, was richtig und gerecht ist, fanden Frauen ablehnende Regeln Einlass in christliches Gedankengut, Praxis und Recht. Es ist offensichtlich, dass Christen, die den im Zivilrecht bewahrten sozial und kulturell untergeordneten Status der Frau akzeptierten, sich die Frau nicht in der führenden Rolle vorstellen konnten, die von Bischöfen und Priestern verlangt wurde. Hier finden wir den wahren Ursprung der sogenannten „christlichen Tradition”, Frauen den Zugang zum Amt zu verwehren.
Lassen Sie uns nun weiter ins Detail gehen . . . .
Übersetzung aus dem Englischen: Annette Fromm, D55122 Mainz.
Bitte denken Sie daran: dieses Material ist urheberrechtlich geschützt.
1. Tertullian, On the Veiling of Virgins, Kapitel 9.
2. H.Heumann and E.Seckel, Handlexikon zu den Quellen des römischen Rechts, Graz 1958, S. 246 und 265. L.Wenger, Institutes of the Roman Law of Civil Procedure, Littleton 1940; F.Schulz, Classical Roman Law, London 1951; M.Kaser, Roman Private Law, Oxford 1965.
4. Z.B. das Decretum Gratiani, Causa 33, Frage 5, Kapitel 11, 13,15 & 19. Corpus Juris Canonici, herausgegeben von A.Friedberg, Leipzig 1879-1881; Neuauflage Graz 1955; Band 1, Sp. 1254-1256.
Zeitgenössische Theologen
Wir schätzen die katholische Kirche als unsere eigene Familie. Wir erkennen die besondere Stellung des Papstes an. Wir achten ihn als Mensch und Leiter. Aber wir sind zur Ergebnis gekommen daß der Papst und seine Beräter in Rom irren durch Frauen Zugang zu den Weihen zu verhindern. Wir fühlen uns verpflichtet im Gewissen unsere Gründen dafür offenbar zu machen.
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Paulus machte einen Unterschied zwischen weiblichen Mitarbeitern und Brüdern im geistlichen Amt
§ 15. Als diese und Paulus die Grenzen der jüdischen Welt überschritten, haben die Verkündigung des Evangeliums und das christliche Leben in der griechisch-römischen Zivilisation sie veranlaßt, mitunter sogar auf schmerzliche Weise mit der Beobachtung des mosaischen Gesetzes zu brechen. Sie hätten also auch daran denken können, Frauen die Weihe zu erteilen, wenn sie nicht davon überzeugt gewesen wären, in diesem Punkt dem Herrn die Treue wahren zu müssen. In der hellenistischen Welt waren mehrere Kulte der heidnischen Gottheiten Priesterinnen anvertraut. Die Griechen teilten nämlich nicht die jüdischen Vorstellungen. Wenn auch die Philosophen die Frau als minderwertiger beurteilten, so weisen die Geschichtsexperten doch während der römischen Kaiserzeit auch die Existenz einer gewissen Bewegung each, die sich um die Förderung der Frau bemühte. In der Tat stellen wir auch in der Apostelgeschichte und in den Briefen des hl. Paulus fess, daß die Frauen bei der Verkündigung des Evangeliums mit den Aposteln zusammenarbeiteten (vgl. Röm 16, 3-12; Phil 4, 3); er nennt mit Freude ihre Namen in den abschließenden Grußworten seiner Briefe ¡ einige von ihnen üben häufig einen bedeutenden Einfluß bei den Bekehrungen aus: Priscilla, Lydia und andere; Priscilla vor allem, die sich darum bemühte, die Glaubensunterweisung des Apollo noch weiter zu vervollkommnen (vgl. Apg 18, 26); Phöbe steht im Dienst der Gemeinde Kenchreä (vgl. Röm 16,1). All diese Tatsachen offenbaren in der Kirche zur Zeit der Apostel einen beachtlichen Fortschritt im Vergleich zu den Sitten des Judentums. Und dennoch hat man niemals daran gedacht, diesen Frauen die Weihe zu erteilen.
§ 16. In den paulinischen Briefen haben anerkannte Exegeten einen Unterschied zwischen zwei Redeweisen des Apostels festgestellt: er spricht unterschiedslos von "meinen Mitarbeitern" (Röm 16, 3; Phil 4, 2-3) hinsichtlich der Männer und Frauen, die ihm auf die eine oder andere Weise in seiner apostolischen Arbeit helfen; dagegen reserviert er die Bezeichnung "Mitarbeiter Gottes" (1 Kor 3, 9; vgl. 1 Thess 3, 2) für Apollo, Timotheus und sich selbst, Paulus; sie werden so bezeichnet, weil sie direkt zum apostolischen Amt und zur Verkündigung des Gotteswortes berufen sind. Obgleich die Frauen am Tag der Auferstehung eine bedeutsame Aufgabe zu erfüllen hatten, geht ihre Mitarbeit für den hl. Paulus nicht bis zur offiziellen und öffentlichen Verkündigung der Frohbotschaft, die exklusiv der apostolischen Sendung vorbehalten bleibt.
§ 54. Es ist wahr, daß die jüdische Mentalität dem Zeugnis von Frauen keinen großen Wert beigemessen hat, wie es das jüdische Recht beweist. Man muß aber auch festhalten, daß das Buch der Apostelgeschichte und die Briefe des hl. Paulus die besondere Rolle hervorheben, die die Frauen bei der Evangelisierung und für die persönliche Weiterbildung der Bekehrten innehatten.
§ 55. Die Apostel haben eine revolutionäre Entscheidung getroffen, als sie den Kreis der jüdischen Gemeinde überschreiten und sich mit der Evangelisierung den Heiden zuwenden mußten: mit den mosaischen Vorschriften zu brechen geschah nicht, ohne Spaltungen hervorzurufen. Paulus hatte keine Bedenken, einen seiner Mitarbeiter, Titus, aus den vom Heidentum Bekehrten zu nehmen (Gal 2, 3).
§ 56. Wenn man die aufsehenerregendste Formel für die Veränderung suchen soil, die das Evangelium der Mentalität der ersten Christen auferlegte, so findet man diese gerade im Brief an die Galater: “Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Da gilt nicht mehr Jude oder Heide, nicht mehr Knecht oder Freier, nicht mehr Mann oder Frau. Ihr alle seid einer in Christus Jesus” (Gal 3, 27-28).
§ 57. Dennoch vertrauten die Apostel das eigentliche apostolische Amt nicht Frauen an, obwohl die hellenistische Kultur hinsichtlich der Frauen nicht die gleichen Vorurteile wie das Judentum hatte. Das Priesteramt gehört folglich einer anderen Ordnung an, wie übrigens wohl auch der paulinische Sprachgebrauch vermuten läßt, in dem man, wie es scheint, einen Unterschied feststellt zwischen Synergoi mou und Theou synergoi (41).
Note 41. I. De la Potterie, ‘Titres missionaires du chrétien dans le Nouveau Testament’ (Durchführung der 31. Woche für Missiologie, Löwen, 1966), Paris Desclée de Brouwer, 1966, S. 29-46, vgl. S. 44 45.
§ 58. Es muß wiederholt werden, daß die Texte des Neuen Testamentes nicht immer- auch nicht über so wichtige Punkte wie die Sakramente - die volle Klarheit bieten, die man dort gern finden möchte. Wenn man den Wert der nichtgeschriebenen Uberlieferung nicht zulassen will, ist es mitunter schwierig, in der Heiligen Schrift sehr ausdrückliche Hinweise auf den Willen Gottes zu finden. Angesichts der Haltung Christi und der Praxis der Apostel, wie wir sie in den Evangelien, in der Apostelgeschichte und den Briefen finden, hat sich die Kirche jedoch nicht für ermächtigt gehalten, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen.