Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=03.06.2014&Aktenzeichen=4%20CN%206.12
Timestamp: 2019-02-20 08:19:19
Document Index: 25372928

Matched Legal Cases: ['Art. 14', '§ 173', '§ 560', '§ 1', '§ 2', '§ 214', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 1', '§ 1', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 78', '§ 173', '§ 560', '§ 78', '§ 1', '§ 173', '§ 560']

BVerwG, 03.06.2014 - 4 CN 6.12 - dejure.org
GG Art. 14 Abs. 1 Satz 1; VwGO § ... 144 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2, § 173; ZPO § 560; BauGB § 1 Abs. 3 Satz 1, Abs. 4, 6 Nr. 1, 7 Buchst. c, Nr. 12, Abs. 7, § 2 Abs. 3, § 214 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Abs. 3 Satz 2 Halbs. 2; WHG § 78 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 2, Abs. 2 Nr. 1 und 2, Abs. 3; RROP 2006 (Regionaler Raumordnungsplan Mittelrhein-Westerwald 2006) Z1
Bebauungsplan; Baugebiet; Umplanung; allgemeines Wohngebiet; Mischgebiet; Hochwasserschutz; Überschwemmungsgebiet; festgesetztes ~; "Ausweisung von neuen Baugebieten"; Untersagung der ~; Neuausweisung; erstmalige Ermöglichung einer Bebauung; Siedlungsentwicklung; Änderung der Gebietsart; Nachverdichtung; Ausnahmemöglichkeiten; Arrondierungsgrundsatz; Erforderlichkeit der Planung; Planungskonzept; städtebauliche Gründe; geänderte Verhältnisse; Fremdenverkehr; fremdenverkehrliche Entwicklung; fremdenverkehrliche Aufwertung; "Etikettenschwindel"; "Gefälligkeitsplanung"; Anpassungsgebot; Ziele der Raumordnung; irrevisibles Landesrecht; Rechtsgültigkeit; Auslegung; Anwendung; vorinstanzliches Urteil; Bindung des Revisionsgerichts; positive und negative Bindungswirkung; Nichterwähnung in den Urteilsgründen; regelwidrige Nichtanwendung; Abwägungsvorgang; Lärmschutzbelange; Lärmvorbelastung; Lärmvorsorge; Eigentümerinteressen; Ist-Belastung; "Worst-Case-Betrachtung"; Hochwasserschutz; Abwägungsergebnis; "Trading Down-Effekt".
§ 78 Abs 1 S 1 Nr 1 WHG, § 78 Abs 2 WHG, § 78 Abs 3 WHG, § 1 Abs 4 BauGB, § 1 Abs 6 Nr 7 BauGB
Zum Bau- und Planungsverbot in festgesetzten Überschwemmungsgebieten (§ 78 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 WHG); Berücksichtigung von Belangen des Hochwasserschutzes; Bindung des Revisionsgerichts an den von der Vorinstanz festgestellten Inhalt und Geltungsbereich irrevisiblen Rechts
Umplanung in einem bereits bestehenden Hochwassergebiet ist zulässig!
Belange des Hochwasserschutzes können bei Umplanungen im Rahmen der Abwägung zu berücksichtigen sein
OVG Rheinland-Pfalz, 01.12.2014 - 1 C 10048/12
BVerwGE 149, 373
NVwZ 2014, 1377
VBlBW 2014, 428
DVBl 2014, 1392
BauR 2014, 1739
ZfBR 2014, 685
Er ist darauf beschränkt nachzuprüfen, ob das Normverständnis des Oberverwaltungsgerichts mit Bundesverfassungsrecht vereinbar ist (stRspr, vgl. BVerwG, Urteile vom 3. Juni 2014 - 4 CN 6.12 - BVerwGE 149, 373 Rn. 23 …und vom 14. Dezember 2016 - 6 C 19.15 [ECLI:DE:BVerwG:2016:141216U6C19.15.0] - juris Rn. 6 ).
Da das Oberverwaltungsgericht diese landesrechtliche Norm nicht selbst ausgelegt und angewandt hat, ist der Senat hierzu befugt (BVerwG, Urteil vom 3. Juni 2014 - 4 CN 6.12 - NVwZ 2014, 1377 Rn. 25 [zur Veröffentlichung in BVerwGE vorgesehen]).
Der Senat ist insoweit zur Auslegung und Anwendung von irrevisiblem Landesrecht befugt, weil der Verwaltungsgerichtshof sich hierzu nicht geäußert hat (vgl. BVerwG, Urteil vom 3. Juni 2014 - 4 CN 6.12 - BVerwGE 149, 373 Rn. 25 m.w.N.).
Es ist darauf beschränkt nachzuprüfen, ob der festgestellte Bedeutungsgehalt des Landesrechts mit Bundesrecht, insbesondere mit Bundesverfassungsrecht, vereinbar ist (stRspr, vgl. BVerwG…, Beschluss vom 23. Januar 2017 - 6 B 43.16 [ECLI:DE:BVerwG:2017:230117B6B43.16.0] - juris Rn. 22; Urteil vom 3. Juni 2014 - 4 CN 6.12 - BVerwGE 149, 373 Rn. 23).
1.1 In der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist geklärt, dass es bei "neuen Baugebieten" nach § 78 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 WHG a.F. um die erstmalige Ermöglichung einer Bebauung geht, mithin um Flächen, die vor der Ausweisung noch keine festgesetzten oder faktischen Baugebiete waren (BVerwG, U.v. 3.6.2014 - 4 CN 6.12 - UPR 2014, 354 = juris Rn. 13).
Der historische Gesetzgeberwille, auf den das Bundesverwaltungsgericht in seinem Grundsatzurteil vom 3. Juni 2014 maßgeblich abgestellt hat (Az. 4 CN 6.12 - UPR 2014, 354 = juris Rn. 12 f.), ging dahin, die Um- oder Überplanung "bereits bebauter" Gebiete vom Planungsverbot auszunehmen (vgl. BT-Drs. 16/13306 S. 19).
Auch die - vor dem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 3. Juni 2014 (Az. 4 CN 6.12 - UPR 2014, 354) ergangene - Entscheidung des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 30. Mai 2013 (Az. 1 C 4/13, BauR 2014, 661), auf die sich die Beigeladene beruft, enthält keine anderslautende Aussage, sondern bezieht sich auf die Festschreibung des Bestands eines gewachsenen Baugebiets.
Im Gesetzgebungsverfahren ist deutlich geworden, dass sich das Planungsverbot nur gegen die Planung von neuen Baugebieten richtet, mit denen erstmals eine zusammenhängende Bebauung im festgesetzten Überschwemmungsgebiet ermöglicht werden soll, während die Überplanung oder Umplanung eines bereits beplanten Bereichs nicht unter das Verbot des § 78 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 WHG fällt (vgl. BVerwG, Urteil vom 3. Juni 2014-4 CN 6.12-, BVerwGE 149, 373).
Dies folgt daraus, dass eine an die jeweilige Planungssituation angepasste Berücksichtigung des Hochwasserschutzes im Fall einer durch Planung ermöglichten erheblichen Nachverdichtung eines bereits vorhandenen Baugebiets im Rahmen der bauleitplanerischen Abwägung (§ 1 Abs. 7 BauGB, § 2 Abs. 3 BauGB i.V.m. § 1 Abs. 6 Nr. 1 und 12 BauGB) sowie der für die Vorhabenzulassung erforderlichen wasserrechtlichen Abweichungsentscheidungen (§ 78 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, Abs. 3 WHG) sichergestellt ist (so BVerwG, Urteil vom 3. Juni 2014 - 4 CN 6.12 -, BVerwGE 149, 373).
Die sich deswegen für das Revisionsgericht gemäß § 173 Satz 1 VwGO i.V.m. § 560 ZPO ergebende Bindung umfasst den festgestellten Inhalt und den Geltungsbereich des irrevisiblen Rechts ebenso wie die Frage, ob ein bestimmter Rechtssatz besteht, also gültig ist, und Anwendung findet (BVerwG, Urteil vom 3. Juni 2014 - 4 CN 6.12 - BVerwGE 149, 373 Rn. 23 m.w.N.).
So wie § 78 WHG in einem festgesetzten Überschwemmungsgebiet mit Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 für die Ausweisung neuer Baugebiete (vgl. BVerwG, Urt. v. 3.6.2014, BVerwGE 149, 373, 375, Rn. 11) den in § 1 Abs. 6 Nr. 12 BauGB noch allgemein für die Bauleitplanung formulierten Belang des Hochwasserschutzes konkretisiert und überformt, werden durch Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 3 die Auswirkungen einer konkreten baulichen Anlage auf den Hochwasserschutz an speziellen Anforderungen gemessen.
Hieran wäre der Senat in einem Revisionsverfahren gebunden (§ 173 Satz 1 VwGO i.V.m. § 560 ZPO, vgl. BVerwG, Urteil vom 3. Juni 2014 - 4 CN 6.12 - BVerwGE 149, 373 Rn. 24).