Source: https://www.verwaltungsdurchklick.de/unternehmenslagen/arbeitgeber-sein/vor-der-einstellung.html
Timestamp: 2018-12-14 09:36:07
Document Index: 12090608

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 670', '§ 1', '§ 99', '§ 105', '§ 71']

Vor der Einstellung eines Bewerbers ist aus Sicht des Arbeitgebers einiges zu beachten. Neben der Bewerbersuche sind Vorstellungsgespräche zu führen sowie ein Arbeitsvertrag vorzubereiten.
Als Arbeitgeber haben Sie die Möglichkeit flexibel auf betriebsbedingte Änderungen zu reagieren. Durch spezielle Beschäftigungsformen können Sie beispielsweise einen temporär anfallenden größeren Arbeitsumfang oder auch Personalengpässe durch Krankheit oder eine schlechte Auftragslage ausgleichen.
Informationen zu besonderen Beschäftigungsformen wie Telearbeit, Teilzeitbeschäftigung, Minijobs, Leiharbeit, Heimarbeit oder anderen sind beispielsweise auf der Seite der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar übersichtlich zusammengestellt.
Weitere empfehlenswerte Dokumente:
„Qualifizierte MitarbeiterInnen halten und gewinnen – Telearbeit“ der Bundesagentur für Arbeit
„Teilzeit – Alles was Recht ist“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales
Hinweis: Des Weiteren kann man sich in der Unternehmenslage „Familienfreundliches Unternehmen“ über Maßnahmen informieren, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Blick haben.
Bei einer Stellenausschreibung ist der allgemeine Gleichheitsgrundsatz nach Artikel 3 des Grundgesetzes und § 15 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) zu beachten. Die Stellenanzeige sollte immer diskriminierungsfrei und geschlechtsneutral formuliert sein.
Verstößt ein Arbeitgeber gegen das Benachteiligungsverbot, kann der Bewerber eine Entschädigung von bis zu drei Monatsverdiensten verlangen. Weitere Informationen enthält das Merkblatt „Auswirkungen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes auf den Inhalt von Stellenausschreibungen“ der Bundesagentur für Arbeit.
Arbeitgeber haben verschiedene Möglichkeiten, qualifiziertes Personal zu finden. Beispielsweise bietet die Agentur für Arbeit speziell für Arbeitgeber ein umfassendes Dienstleistungsangebot über die JOBBÖRSE an, potenzielle Mitarbeiter zu suchen sowie sich über Arbeitsmarkt- und Förderleistungen zu informieren.
Gezielt nach bestimmten Branchen können Sie über die regionalen Handwerkskammern oder die Industrie- und Handelskammern suchen. Daneben existiert für weitere Branchen eine Vielzahl spezieller Angebote, die auch bei den zuständigen Berufs- und Fachverbänden erfragt werden können. Zusätzlich bietet die Agentur für Arbeit in ihrem Onlineangebot eine berufs- und branchenspezifische Stellenbörse zur Suche nach bestimmten Branchen und geeigneten Bewerbern an.
Neben der klassischen Stellenausschreibung in Tages- und Fachzeitungen oder die aktive Suche über Online-Jobbörsen, steht Arbeitgebern auch die Möglichkeit offen, einen privaten Vermittler, einen sogenannten Headhunter zu beauftragen, um passende Bewerber vorauszuwählen. Auch Recruiting-Messen für Hochschulabgänger bieten eine Plattform, um Kontakte zu qualifizierten potentiellen Mitarbeitern zu knüpfen.
Hinweis: Zunehmend werden auch die Social-Media-Netzwerke zur Bewerbersuche genutzt. Hierbei sind gewisse rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten:
Nach der Vorauswahl in Frage kommender Mitarbeiter hat der Arbeitgeber die Möglichkeit den Bewerber in einem Vorstellungsgespräch oder durch ein Assessment-Center kennenzulernen.
Eine Übersicht zulässiger und unzulässiger Fragen für das Bewerbungsgespräch gibt das Dokument "Praxishilfe: Fragen im Bewerbungsgespräch" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Auf eine nicht zulässige Frage darf der Bewerber wahrheitswidrig antworten. Das Dokument bietet ebenfalls hilfreiche Tipps für das Führen von Vorstellungsgesprächen.
Haben Sie als Arbeitgeber zum Vorstellungsgespräch eingeladen, müssen Sie dem Bewerber nach alle angefallenen Kosten, wie Fahrtkosten aber auch Übernachtungs- und Verpflegungskosten, erstatten (§ 670 BGB). Die Höhe richtet sich nach der Art der zu besetzenden Stelle, der Entfernung zum Wohnort und dem Zeitpunkt des Gesprächs. Können die Kosten nicht übernommen werden, muss bei der Einladung ausdrücklich darauf hingewiesen werden.
Grundsätzlich können Sie sich für den Bewerber entscheiden, der Ihnen am geeignetsten erscheint. Beachtet werden sollte jedoch, dass bei der Beschäftigung ausländischer Mitarbeiter und der Beschäftigung Jugendlicher im Sinne des Jugendschutzgesetzes (§ 1 JuSchG) bestimmte Regelungen eingehalten werden müssen.
Hinweis: Haben Sie eine Stellenausschreibung aufgegeben sollten nach Abschluss des Bewerbungsverfahrens die Unterlagen vollständig zurückgesendet werden. Erfolgt eine Bewerbung initiativ, müssen die Unterlagen nur zurückgeschickt werden, falls ein Freiumschlag beigelegt wurde.
Ist im Unternehmen ein Betriebsrat vorhanden, muss dieser vor dem Abschluss eines Arbeitsvertrages vor jeder Einstellung zustimmen, falls der Betriebsrat mehr als 20 wahlberechtigte Arbeitnehmer hat (vgl. § 99 Betriebsverfassungsgesetz). Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dem Betriebsrat die Bewerbungsunterlagen, Auskünfte über die Personalien, die zu besetzende Stelle sowie den Einstellungstermin vorab vorzulegen.
Ein Arbeitsvertrag ist nach § 105 der Gewerbeordnung grundsätzlich formfrei und unterliegt in der Regel keinen Gestaltungsrichtlinien. Laut dem Gesetz über den Nachweis der für ein Arbeitsverhältnis geltenden wesentlichen Bestimmungen (NachwG) ist es jedoch vorgeschrieben, dass die wichtigsten Vertragsbedingungen spätestens einen Monat nach dem vereinbarten Arbeitsbeginn schriftlich niedergeschrieben sind.
Unbedingt zu beachten sind allerdings vorrangige Gesetze, Verordnungen und Verträge wie das Arbeitszeitgesetz, Tarifverträge oder auch Betriebs- und Dienstvereinbarungen. Ist das Unternehmen Tarifvertragspartei oder Mitglied in einem Arbeitgeberverband müssen die tariflich ausgehandelten Bedingungen für alle gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter angewandt werden.
Hinweis: Wird eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung ausgesprochen sind auch Unternehmen tarifvertraglich gebunden, die keiner Tarifvertragspartei angehören oder kein Mitglied in einem Arbeitgeberverband sind. Ein Verzeichnis der für allgemeinverbindlich erklärten Tarifverträge ist auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hinterlegt.
Informationen rund um die Themen „Arbeitsvertrag“ und „Einstellung“ entnehmen Sie den Internetseiten der IHK Rhein-Neckar, der IHK Pfalz und der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar.
Die Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen ist gesetzlich im neunten Sozialgesetzbuch geregelt und wird intensiv gefördert. Private und öffentliche Arbeitgeber sind verpflichtet, auf fünf Prozent der Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen (§ 71 SBG IX).
Weitere Hinweise zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen sind auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales nachzulesen.
Hinweis: Ein empfehlenswertes Dokument des Bundesministeriums für Gesundheit und soziale Sicherung behandelt detailliert die Förderung der Ausbildung und Beschäftigung schwerbehinderter Menschen.