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Timestamp: 2016-10-28 06:23:18
Document Index: 166891117

Matched Legal Cases: ['in dubio', 'Art. 99', 'Art. 134', 'Art. 134', 'Art. 134', 'Art. 66']

6B_932/2010 (05.05.2011)
6B_932/2010
M.________, vertreten durch Rechtsanwalt Hermann Just,
Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts von Graub�nden, I. Strafkammer, vom 24. September 2010.
Die Anklage wirft M.________ im Wesentlichen vor, am 13. September 2008 um 03.00 Uhr P.________ und C.________ angep�belt zu haben, um sie zu provozieren. Nachdem P.________ auf die verbale Provokation M.________ angeschrien oder zur�ckgeschubst habe, habe W.________ P.________ geohrfeigt, und N.________ habe C.________ mit einem Faustschlag ins Gesicht niedergestreckt. Letzterer erlitt eine Hirnersch�tterung und befand sich drei Tage im Spital.
Das Bezirksgericht Plessur verurteilte M.________ am 15. April 2010 wegen Angriffs zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagess�tzen zu Fr. 10.-- und einer Busse von Fr. 200.--.
Eine Berufung des Verurteilten wies das Kantonsgericht von Graub�nden am 24. September 2010 ab.
M.________ f�hrt Beschwerde in Strafsachen und beantragt, das angefochtene Urteil sei aufzuheben und er sei vom Vorwurf des Angriffs freizusprechen.
Der Beschwerdef�hrer bestreitet, dass sich die Angegriffenen lediglich passiv verhalten h�tten. P.________ habe ihn so heftig geschubst, dass er auf den Boden gefallen sei. Die Vorinstanz habe sich zur Intensit�t des Schubsens nicht ge�ussert und entgegen seiner klaren Aussage den Schluss gezogen, das Stossen sei ein v�llig passives Verhalten und damit auch keine T�tlichkeit gewesen. Diese Beweisw�rdigung verletze den Grundsatz "in dubio pro reo" (Beschwerdeschrift S. 9 lit. b).
Im vorinstanzlichen Verfahren hat der Beschwerdef�hrer nicht geltend gemacht, er sei auf den Boden gefallen (kantonale Akten, act. 1.46). Nachdem bereits das Bezirksgericht gleich argumentiert hatte wie die Vorinstanz, veranlasste nicht erst deren Entscheid das neue Vorbringen. Darauf ist nicht einzutreten (Art. 99 Abs. 1 BGG).
Der Beschwerdef�hrer macht geltend, W.________ habe P.________ geohrfeigt, nachdem dieser den Beschwerdef�hrer angeschrien oder geschubst habe, und danach habe N.________ C.________ die Faust ins Gesicht geschlagen. Der Tatbestand des Angriffs sei geschaffen worden, um Beweisschwierigkeiten zu vermeiden, weil im Nachhinein oft nicht mehr festgestellt werden k�nne, wer welchen Beitrag geleistet bzw. welchen Erfolg bewirkt habe. Hier seien die beiden k�rperlichen Attacken sowohl zeitlich als auch r�umlich getrennt und T�ter und Opfer klar zuordenbar. Deshalb sei Art. 134 StGB nicht anwendbar.
Dass die fragliche Bestimmung auch Beweisschwierigkeiten vorbeugen soll, trifft zu. Der Beschwerdef�hrer �bersieht jedoch, dass der Angriff als abstraktes Gef�hrdungsdelikt ausgestaltet ist (PETER AEBERSOLD, Basler Kommentar, 2. Auflage 2007, Art. 134 N. 1). Das heisst, dass das umschriebene Verhalten mit Strafe bedroht wird, weil es nach allgemeiner Erfahrung generell geeignet ist, eine konkrete Gefahr oder eine Verletzung herbeizuf�hren (Trechsel/Noll, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, 6. Auflage 2004, S. 79 lit. B).
Die Vorinstanz erw�gt, die verbalen Provokationen des Beschwerdef�hrers h�tten eindeutig die nachfolgende Durchf�hrung eines t�tlichen Angriffs zum Ziel gehabt. Dadurch habe eine Schl�gerei gegen die andere Gruppe angezettelt werden sollen, weshalb der Tatbeitrag des Beschwerdef�hrers den Beginn des Angriffs darstelle. Diese Beurteilung entspricht dem Sinn und Zweck von Art. 134 StGB und ist nicht zu beanstanden. Entgegen der Ansicht des Beschwerdef�hrers ist nicht von Bedeutung, dass seine Provokationen den beiden konkreten Angriffen vorausgingen und diese bez�glich T�ter und Opfer klar zuordenbar sind. Entscheidend ist vielmehr, dass die Provokationen seinen beiden Kollegen den Weg f�r eine Schl�gerei bereiten sollten.
Der Hinweis des Beschwerdef�hrers auf das Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen vom 6. Mai 2008 geht an der Sache vorbei, weil sich die dortigen Erw�gungen bloss zum Sachverhalt �ussern, wenn nur eine einzige Person angegriffen wurde.
Zum subjektiven Tatbestand f�hrt die Vorinstanz aus, dem Beschwerdef�hrer sei bewusst gewesen, dass sich nicht nur N.________, sondern auch W.________ an der t�tlichen Auseinandersetzung beteiligen w�rde (angefochtener Entscheid S. 10 lit. d).
Dass diese Feststellung willk�rlich w�re, macht der Beschwerdef�hrer nicht geltend. Im �brigen trifft seine Behauptung nicht zu, aus den Akten sei nicht ersichtlich, dass er einen Angriff auf beide Opfer habe ausl�sen wollen. In der polizeilichen Einvernahme vom 13. September 2008 hatte er n�mlich ausgesagt: "Ich gebe zu, dass ich die andern Personen provozierte. Jedoch war das die Idee von N.________. Sie suchten einen Grund, um diese Schl�gerei zu beginnen. Somit schickten sie mich vor, da ich der Schw�chste der Gruppe bin" (kantonale Akten, act. 4.9 S. 3; Hervorhebung durch das Bundesgericht).
Da der Beschwerdef�hrer unterliegt, hat er die Gerichtskosten zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG).