Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/verjaehrung-und-stillhalteabkommen-in-der-steuerberaterhaftung-320872
Timestamp: 2020-01-19 09:48:28
Document Index: 225822848

Matched Legal Cases: ['§ 202', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Ver­jäh­rung und Still­hal­te­ab­kom­men in der Steu­er­be­ra­ter­haf­tung | Rechtslupe
Ver­jäh­rung und Still­hal­te­ab­kom­men in der Steu­er­be­ra­ter­haf­tung
Zum Abschluss eines still­schwei­gen­den Still­hal­te­ab­kom­mens in der Steu­er­be­ra­ter­haf­tung.
Wenn der Steu­er­be­ra­ter einen feh­ler­haf­ten Rat in einer Steu­er­sa­che erteilt und die­ser sich in einem für den Man­dan­ten nach­tei­li­gen Steu­er­be­scheid nie­der­ge­schla­gen hat, ist nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs eine als Scha­den anzu­se­hen­de Ver­schlech­te­rung der Ver­mö­gens­la­ge des Man­dan­ten grund­sätz­lich erst mit der Bekannt­ga­be des Bescheids ein­ge­tre­ten. Das gilt für alle Scha­dens­fäl­le in Steu­er­sa­chen, gleich­gül­tig, ob die Scha­dens­ur­sa­che dazu führt, dass gegen den Man­dan­ten ein Leis­tungs­be­scheid der Finanz­be­hör­de ergeht oder ein Steu­er­vor­teil durch einen Feststel-lungs-(Grundlagen-) Bescheid ver­sagt wird 1.
Ein ver­jäh­rungs­hem­men­des (§§ 202 Abs. 1, 205 BGB a.F.) Still­hal­te­ab­kom­men (etwa bis zum rechts­kräf­ti­gen Abschluss eines finanz­ge­richt­li­chen Kla­ge­ver­fah­rens) ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nur anzu­neh­men, wenn der Schuld­ner auf­grund einer rechts­ge­schäft­li­chen Ver­ein­ba­rung berech­tigt sein soll, vor­über­ge­hend die Leis­tung zu ver­wei­gern, und der Gläu­bi­ger sich umge­kehrt der Mög­lich­keit bege­ben hat, sei­ne Ansprü­che jeder­zeit wei­ter­zu­ver­fol­gen 2. Eine sol­che Ver­ein­ba­rung kann auch „still­schwei­gend“ durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten getrof­fen wer­den 3. Hier­für muss aber ein äuße­res Ver­hal­ten fest­ge­stellt wer­den, wel­ches als Aus­druck einer sol­chen ein­ver­nehm­li­chen Ent­schlie­ßung aus­ge­legt wer­den kann 4.
Die Ver­jäh­rungs­ein­re­de des Rechts­an­walts oder Steu­er­be­ra­ters gegen­über einem Scha­dens­er­satz­an­spruch des Man­dan­ten ist unbe­acht­lich, wenn sie gegen das Ver­bot der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung (§ 242 BGB) ver­stößt 5. Der Zweck der Ver­jäh­rungs­re­ge­lung ver­langt, an die­sen Ein­wand stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len, so dass die­ser einen gro­ben Ver­stoß gegen Treu und Glau­ben vor­aus­setzt 6. Dies kann der Fall sein, wenn der Schuld­ner, sei es auch nur unab­sicht­lich, den Gläu­bi­ger von der recht­zei­ti­gen Ein­kla­gung der Regress­for­de­rung abge­hal­ten hat, etwa indem er den Gläu­bi­ger nach objek­ti­ven Maß­stä­ben zur Annah­me ver­an­lasst hat, der Anspruch wer­de auch ohne Rechts­streit erfüllt oder nur mit Ein­wen­dun­gen in der Sache bekämpft 7. Ein sol­cher Ver­trau­ens­tat­be­stand kann vor­lie­gen, wenn der haft­pflich­ti­ge Anwalt den geschä­dig­ten Man­dan­ten vor Ein­tritt der Ver­jäh­rung bewo­gen hat, im Hin­blick auf den Regress­an­spruch den Aus­gang eines ande­ren Ver­fah­rens abzu­war­ten 8. Die Ver­jäh­rungs­ein­re­de ist aber nicht allein des­we­gen ein Rechts­miss­brauch, weil der Anwalt zum gel­tend gemach­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch geschwie­gen hat oder der Man­dant der Ansicht war, er kön­ne mit der Kla­ge­er­he­bung noch zuwar­ten 9.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Juli 2010 – IX ZR 180/​09
BGHZ 119, 69, 72 f; 129, 368, 388; BGH, Urtei­le vom 18.12.1997 – IX ZR 180/​96, WM 1998, 779, 780; vom 23.01.2003 – IX ZR 180/​01, WM 2003, 936, 939; vom 12.02.2004 – IX ZR 246/​02, WM 2004, 2034, 2037; vom 03.11.2005 – IX ZR 208/​04, WM 2006, 590, 591; vom 13.12.2007 – IX ZR 130/​06, WM 2008, 611, 612 Rn. 11[↩]
BGH, Urtei­le vom 14.11.1991 – IX ZR 31/​91, NJW 1992, 836; vom 05.11.1992 – IX ZR 200/​91, NJW 1993, 1320, 1323; vom 23.04.1998 – III ZR 7/​97, NJW 1998, 2274, 2277; vom 16.12.1998 – VIII ZR 197/​97, NJW 1999, 1022, 1023; vom 27.01.1999 – XII ZR 113/​97, NJW 1999, 1101, 1103; vom 06.07.2000 – IX ZR 134/​09, WM 2000, 1812, 1813.[↩]
BGH, Urtei­le vom 09.09.1999 – IX ZR 334/​97, WM 1999, 2358, 2359; vom 06.07.2000 – IX ZR 134/​09, aaO; Zuge­hör in Zugehör/​Fischer/​Sieg/​Schlee, aaO Rn. 1414[↩]
BGH, Urtei­le vom 14.11.1991 – IX ZR 31/​91, aaO; vom 06.07.2000 – IX ZR 134/​09, aaO; Men­ne­mey­er in Fahrendorf/​Mennemeyer/​Terbille, Die Haf­tung des Rechts­an­walts 8. Aufl. Rn. 1335[↩]
BGHZ 94, 380, 391 f; BGH, Urteil vom 29.02.1996 – IX ZR 180/​95, WM 1996, 1106, 1108[↩]
BGH, Urteil vom 01.10.1987 – IX ZR 202/​86, WM 1988, 127, 128; vom 29.02.1996 – IX ZR 180/​95, aaO; vom 21.06.2001 – IX ZR 73/​00, WM 2001, 1677, 1679[↩]
BGH, Urtei­le vom 29.02.1996 – IX ZR 180/​95, aaO; vom 21. Juni 2001 – IX ZR 73/​00, WM 2001, 1677, 1679[↩]
BGH, Urteil vom 29.02.1996 – IX ZR 180/​95, aaO[↩]
BGH, Urteil vom 01.10.1987 – IX ZR 202/​86, aaO, WM 1988, 127, 128; Zuge­hör in Zugehör/​Fischer/​Sieg/​Schlee, aaO, Rn. 1437[↩]