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Timestamp: 2014-12-20 02:27:25
Document Index: 200222514

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 15', '§ 18', '§ 6', '§ 4', '§ 6', '§ 4', 'Art. 196', '§ 19']

ISSUU - Getting Started – Kostenloses E-Book für deutsche Startups by Osborne Clarke
Getting Started – Kostenloses E-Book für deutsche Startups
Dieses E-Book der Kanzlei Osborne Clarke gibt deutschen Startups Antworten auf grundlegende rechtliche Fragen bei der Unternehmensgründung.
getting started – aber richtig:
ein rechtlicher Leitfaden für Gründung und Aufbau eines Unternehmens
e-book: Recht für Gründer
Einleitung Start-up-Unternehmen aus allen Branchen stecken von Beginn an in einem nicht einfach zu lösenden Zwiespalt: einerseits steht die unternehmerische Tätigkeit noch ganz am Anfang, die laufenden Kosten sind in der Regel höher als die Einnahmen, und man hat zunächst einmal alle Hände voll damit zu tun, das Unternehmen auszubauen und Umsatz zu generieren. In dieser Situation kommen rechtliche Einschränkungen und hohe Kosten für diejenigen, die einem diese Einschränkungen vermitteln wollen und alles nur noch komplizierter machen, also Anwälte, höchst ungelegen. Andererseits sind in nahezu allen Branchen von Beginn der geschäftlichen Tätigkeit an bestimmte Regeln einzuhalten und rechtliche Anforderungen zu erfüllen, deren Missachtung durchaus erhebliche (auch finanzielle) Risiken birgt. Darüber hinaus ist langfristiger Erfolg eines Unternehmens nur denkbar, wenn das Unternehmen von Anfang an auf eine solide Grundlage gestellt wird, wozu auch die umfassende Berücksichtigung rechtlicher Fragen gehört. Osborne Clarke hat als internationale Wirtschaftskanzlei auf allen Rechtsgebieten eine stark ausgeprägte Affinität zu jungen, aufstrebenden Start-up-Unternehmen. Hieraus resultieren eine umfangreiche Beratungspraxis und -erfahrung sowie umfassende Kenntnisse und Verständnis der tatsächlichen und rechtlichen Fragestellungen, denen Start-ups in sämtlichen Stadien der Geschäftstätigkeit vom Entstehen der Idee über die Gründung des Unternehmens und dessen Wachstum bis hin zum Verkauf begegnen. Unsere Beratungspraxis hat gezeigt, dass die umfassende Berücksichtigung sämtlicher für das Geschäftsmodell des Start-ups relevanten Fragen für eine professio-
nelle unternehmerische Tätigkeit unerlässlich ist und dass sich dauerhafter Erfolg nur einstellt, wenn das Unternehmen von Anfang an auf einer Grundlage aufgebaut wird, die alle diese rechtlichen Aspekte beachtet und die daraus resultierenden Risiken angemessen verarbeitet. Oftmals sind sich die Gründer aber gar nicht sämtlicher rechtlicher Probleme, die das zu verwirklichende Geschäftsmodell mit sich bringen kann, bewusst. Eine umfassende rechtliche Beratung kann jedoch durchaus kostenintensiv sein. Aus diesem Grund soll dieses e-book Euch einen ersten Überblick über die rechtlichen Aspekte geben, die für Start-ups aus allen Branchen regelmäßig unumgänglich sind. Es soll Euch dabei helfen, ein Bewusstsein für die gesamte Tragweite des eigenen Geschäftsmodells zu schaffen und sich stellende Fragen angemessen zu gewichten. Das e-book gibt Antworten auf die grundlegenden Fragen der Unternehmensgründung, vermittelt die Grundsätze der steuerlichen Fragen und führt in die arbeitsrechtlichen Fragen ein, mit denen Ihr als Gründer regelmäßig bei der Umsetzung Eurer Geschäftsidee konfrontiert seid. Darüber hinaus widmet sich das e-book grundlegenden Fragen des Markenschutzes sowie des Urheberrechts, da der Schutz der eigenen Geschäftsidee und ihrer Umsetzung für Start-ups unverzichtbar ist. Da ein großer Teil der Start-ups im Bereich der neuen Medien aktiv ist, werden zudem grundlegende rechtliche Probleme des Internet und der damit zusammenhängenden Geschäftsmodelle behandelt. Auch wenn es höchst unerfreulich ist, ist es in manchen Fällen leider unerlässlich, sich mit insolvenzrechtlichen Fragen auseinanderzusetzen. Daher bietet das e-book einen Überblick über die grundlegenden Fragen und Antworten des Insolvenzrechts. Dieses e-book kann eine umfassende rechtliche Beratung im Einzelfall selbstverständlich nicht ersetzen, denn neben den darin behandelten allgemeinen Themen stellen sich bei jedem Geschäftsmodell zahlreiche individuelle Fragen und Probleme, deren Behandlung den vernünftigen Rahmen eines e-book sprengen würde.
Das e-book unterstützt Euch als Gründer und junge Unternehmer jedoch dabei, Euch einen Überblick über nicht zu vernachlässigende rechtliche Themen zu verschaffen und diese richtig einzuordnen. Oftmals genügt schon das Bewusstsein, an welcher Stelle Probleme lauern können und wie diese einzuordnen sind, um spürbar Kosten – sei es für Rechtsberatung oder an anderer Stelle – zu sparen. Wir hoffen, Euch mit diesem e-book einen hilfreichen und vor allem praxisnahen Überblick über die zu beachtenden Themen an die Hand geben zu können und wünschen Euch viel Erfolg bei der Gründung und Weiterentwicklung Eures Unternehmens. Euer Osborne Clarke-Team Version 2.0 Das e-book wird ständig für dich aktualisiert.
Inhalt 1 1.1 1.2 1.3 1.3.1 1.3.2 1.3.3 1.3.4 1.3.5 1.4 Gesellschaftsrechtliches vor Gründung einer Kapitalgesellschaft ("GbR-Recht")....................................................12 Einführung ............................................................................................12 Ausgangssituation ................................................................................13 Gesellschaft bürgerlichen Rechts .........................................................13 Entstehung ...........................................................................................13 „Verfassung“ der Start-up-GbR .............................................................14 Gesellschafter.......................................................................................15 Vertretung .............................................................................................15 Haftung .................................................................................................16 Empfehlung ..........................................................................................16
2 2.1 2.2 2.3 2.3.1 2.3.2 2.3.3 2.3.4 3 3.1 3.1.1 3.1.1.1 3.1.1.2 3.1.2 3.1.2.1 3.1.2.2 3.1.3 3.2 3.2.1 3.2.2 3.2.3 3.2.3.1 3.2.3.2 3.2.3.3 3.2.4 3.2.4.1 3.2.4.2 3.2.4.3 3.3 3.3.1 3.3.2 4 4.1 4.2 4.2.1 4.2.2
Wahl der „richtigen“ Rechts- bzw Gesellschaftsform: Kurzer Vergleich von GmbH, UG (haftungsbeschränkt), Ltd. und AG .......18 Einführung: Allgemeines .......................................................................18 Einführung: Abgrenzung der Kapitalgesellschaften von den Personengesellschaften .......................................................................19 Vergleich der Kapitalgesellschaften......................................................20 Limited ..................................................................................................20 Aktiengesellschaft (AG) ........................................................................21 Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ...................................23 Unternehmergesellschaft (UG) (haftungsbeschränkt)...........................25 Steuerliche Aspekte ...........................................................................27 Besteuerung der Gesellschaften ..........................................................27 GmbH / UG (haftungsbeschränkt) ........................................................28 Besteuerung der Gesellschaft ..............................................................28 Besteuerung der Gesellschafter ...........................................................33 Personengesellschaften (OHG, KG, GbR) ...........................................37 Besteuerung der Gesellschafter ...........................................................38 Thesaurierungsbegünstigung – ermäßigter Steuersatz ........................41 Einzelunternehmen ...............................................................................42 Umsatzsteuer und Rechnungstellung ...................................................44 Allgemeines ..........................................................................................44 Kleinunternehmer als Ausnahme von der Regelbesteuerung...............46 Lieferungen und Leistungen mit Auslandsbezug ..................................48 Innergemeinschaftliche Lieferung .........................................................48 Ausfuhrlieferung ...................................................................................49 Leistungen mit Auslandsbezug .............................................................49 Pflichtangaben in der Rechnung...........................................................50 Pflichtangaben ......................................................................................50 Pflichtangaben bei Kleinbetragsrechnungen ........................................52 Besondere Vermerke ............................................................................52 Gewinnermittlung/Buchführung ............................................................54 Aufzeichnungs- und Buchführungspflichten nach Handels- und Steuerrecht ...........................................................................................54 Arten der Gewinnermittlung ..................................................................55 Arbeitsrecht ........................................................................................57 Einleitung ..............................................................................................57 Bewerbersuche und Einstellung ...........................................................57 Stellenausschreibung – Wie macht man es richtig? .............................58 Was darf der Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch fragen, was nicht? ....................................................................................................59
4.3 4.3.1 4.3.2 4.3.3 4.3.3.1 4.3.3.2 4.3.3.3 4.3.3.4 4.4 4.4.1 4.4.2 4.4.2.1 4.4.2.2 4.4.3 4.4.4 4.4.4.1 4.4.4.2 4.4.4.3 4.4.5 4.5 4.6 4.7 4.7.1 4.7.2 4.7.3 4.7.4 4.7.4.1 4.7.4.2 4.7.4.3 4.7.5 4.8 5 5.1 5.1.1 5.1.2 5.1.3 5.1.4 5.1.5 5.2
Abschluss des Arbeitsvertrags .............................................................62 Ausgestaltung von Arbeitsverträgen .....................................................63 Gesetzliche Regelung zur Ausgestaltung des Arbeitsverhältnisses .....66 Wettbewerbsverbote .............................................................................68 Das vertragliche Wettbewerbsverbot ....................................................68 Das nachvertragliche Wettbewerbsverbot ............................................68 Vertragsstrafe .......................................................................................69 Verzicht auf das nachvertragliche Wettbewerbsverbot .........................70 Flexible Arbeitsformen ..........................................................................70 Freie Mitarbeiter ...................................................................................70 Teilzeit ..................................................................................................71 Anspruch auf Teilzeitarbeit ...................................................................72 Das Benachteiligungsverbot .................................................................72 Arbeit auf Abruf.....................................................................................72 Befristung .............................................................................................73 Sachgrundbefristung.............................................................................73 Befristung ohne Sachgrund ..................................................................74 Existenzgründerprivileg ........................................................................75 Geringfügige Beschäftigung: Die Minijobs ............................................75 Tarifverträge .........................................................................................77 Betriebsverfassungsgesetz...................................................................78 Beendigung des Arbeitsverhältnisses ...................................................78 Kündigung versus Aufhebungsvertrag ..................................................79 Allgemeine Voraussetzungen einer Kündigung ....................................80 Der Unterschied zwischen der ordentlichen und der außerordentlichen Kündigung...............................................................81 Allgemeiner Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz (KSchG) ................................................................................................81 Betriebsbedingte Kündigung.................................................................83 Personenbedingte Kündigung ..............................................................85 verhaltensbedingte Kündigung .............................................................86 Der besondere Kündigungsschutz ........................................................91 Sozialversicherungsrecht und Lohnsteuer ............................................92 Software ..............................................................................................95 Urheberrechtliche Grundlagen..............................................................95 Heutige Bedeutung ...............................................................................95 Beginn des urheberrechtlichen Schutzes .............................................96 Stellung als Urheber .............................................................................97 Die Rechte des Urhebers .....................................................................98 Grenzen des Urheberrechts .................................................................98 Software und Urheberrecht...................................................................99
5.2.1 5.2.2 5.2.3 5.2.4 5.2.5 5.3 5.3.1 5.3.2 5.3.3 5.3.4 5.4 5.4.1 5.4.2 5.4.3 5.4.4 5.4.5 5.4.6 6 6.1 6.2 6.3 6.4 6.5 7 7.1 7.2 7.2.1 7.2.2 7.2.2.1 7.2.2.2 7.2.2.3 7.3 7.3.1 7.3.2 7.4 7.4.1 7.4.1.1
Urheberrecht schützt nicht alles ...........................................................99 Kein Schutz von bloßen Ideen ..............................................................99 Schöpfungshöhe als Hürde im Urheberrecht ......................................100 Grundsätzlicher Schutz von Software .................................................100 Begriff der Software im Urheberrecht .................................................101 Lizenzen .............................................................................................101 Begriff der Lizenz ................................................................................101 Nutzungsrechte ..................................................................................102 Verwertungsrechte .............................................................................104 Zweckübertragungstheorie .................................................................105 Softwarepatente .................................................................................106 Aktueller Stand der Dinge ...................................................................106 Der Nutzen des Patentschutzes .........................................................107 Relevanz für Start-ups ........................................................................108 Gibt es Softwarepatente? Die Rechtsprechung zu Softwarepatenten 109 Was gilt nun? ......................................................................................111 Unsere Empfehlung ............................................................................112 Special: Open-Source-Software ......................................................113 Was ist Open-Source-Software? ........................................................113 Lizenztypen ........................................................................................115 Welche Lizenz gilt eigentlich?.............................................................117 Die richtige Lizenz für die eigene Entwicklung....................................118 Integration fremder Open-Source-Komponenten in eigene Software und eigene Leistungen .......................................................................119 Marken ...............................................................................................121 Was ist eine Marke? ...........................................................................121 Wirtschaftliche und rechtliche Bedeutung von Marken .......................122 Finanzieller Wert.................................................................................122 Wirkungen der Marke im Wirtschaftsleben .........................................123 Herkunftswirkung ................................................................................123 Qualitäts- und Werbewirkung .............................................................123 Markenrechte und Prioritätsgrundsatz ................................................123 Bedürfnis nach einem durch Markeneintragungen abgesicherten Markenschutz .....................................................................................124 Benutzungsmarke ...............................................................................125 Vorteile registrierter Marken ...............................................................126 Das Anmelde- / Eintragungs- und Widerspruchsverfahren vor dem Deutschen Markenamt........................................................................127 Absolute Eintragungshindernisse .......................................................128 Fehlende Unterscheidungskraft ..........................................................128
7.4.1.2 7.4.1.3 7.4.2 7.4.2.1 7.4.2.2 7.5 7.6 8 8.1 8.2 8.3 8.3.1 8.3.1.1 8.3.1.2 8.3.2 8.3.2.1 8.3.2.2 8.4 8.5 9 9.1 9.2 9.2.1 9.2.2 9.2.3 9.2.4 9.3 9.3.1 9.3.1.1 9.3.1.2 9.3.1.3 9.3.2 9.3.2.1 9.3.2.2 9.3.2.3 9.3.2.4 9.3.2.5 9.3.2.6
Beschreibende Angaben ....................................................................129 Andere absolute Eintragungshindernisse ...........................................130 Widerspruchsmöglichkeit für Dritte .....................................................130 Relative Eintragungshindernisse ........................................................130 Recherche fremder Rechte vor einer Markenanmeldung zur Vermeidung von Widersprüchen ........................................................131 Markenschutz – Die Rechte des Markeninhabers ..............................131 Unsere Empfehlung ............................................................................133 Wettbewerbsverbot ..........................................................................134 Einleitung ............................................................................................134 Allgemeiner Maßstab zur Beurteilung von Wettbewerbsverboten ......135 Rechtliche Bewertung einzelner Wettbewerbsverbote........................137 Wettbewerbsverbote in Gesellschaftsverträgen .................................137 Gründungsverträge / Beteiligung von Investoren................................137 Unternehmensveräußerung ................................................................140 Wettbewerbsverbote in Austauschverträgen ......................................140 Wettbewerbsverbote in horizontalen Vereinbarungen ........................142 Wettbewerbsverbote in vertikalen Vereinbarungen ............................144 Rechtsfolgen bei einem Verstoß gegen das Kartellverbot ..................146 Fazit ....................................................................................................147 Frühphasenfinanzierung des Start-ups durch einen Investor ......148 Einführung: Notwendigkeit der Frühphasenfinanzierung ....................148 Basics zur Finanzierungsrunde, oder: wie kommt das Investment in die Gesellschaft? ................................................................................148 Gegenleistung für neu zu schaffende Geschäftsanteile......................149 Kapitalerhöhung .................................................................................149 Gegenleistung: Das Investment..........................................................150 Höhe des Gesamtinvestments: Pre-Money Bewertung ......................151 Beteiligungs- und Gesellschaftervereinbarung ...................................151 Beteiligungsvereinbarung ...................................................................151 Kapitalerhöhung und eigentliches Investment ....................................151 Meilensteine .......................................................................................152 Garantien ............................................................................................154 Gesellschaftervereinbarung ................................................................154 Vesting................................................................................................155 Tag along............................................................................................156 Drag Along..........................................................................................157 Liquidation Preference ........................................................................157 Anti Dilution Protection .......................................................................158 Zustimmungs-/Vetorechte des Investors ............................................158
9.3.2.7 10 10.1 10.2 10.2.1 10.2.2 10.3 10.4 10.5 10.6 10.7 10.8 10.9 10.10 11 11.1 11.2 11.3 11.4 11.4.1 11.4.1.1 11.4.1.2 11.4.1.3 11.4.2 11.5 12 12.1 12.1.1 12.1.2 12.1.3 12.2 12.2.1 12.2.2 12.3 12.3.1 12.3.2 12.3.3
Allgemeines ........................................................................................158 Fusionskontrolle ...............................................................................160 Einleitung ............................................................................................160 Anmeldepflicht: Unter welchen Voraussetzungen ist ein Vorhaben anzumelden? ......................................................................................161 Zusammenschlusstatbestand .............................................................161 Umsatzschwellen ................................................................................162 Gibt es Ausnahmen von der Anmeldepflicht? .....................................163 Zeitplanung: Wann sollte ein Vorhaben angemeldet werden?............164 Welche Informationen sind für eine Anmeldung erforderlich? ............165 Ist ein Vollzug vor Freigabe möglich? .................................................165 Welche Kosten entstehen und wer muss diese tragen? .....................166 Mögliche Folgen bei einem Verstoß gegen die Anmeldepflicht ..........166 Was sollte nach einem Verstoß gegen das Vollzugsverbot unternommen werden? .......................................................................167 Fazit ....................................................................................................168 Haftung für fremden Content ...........................................................169 Einführung ..........................................................................................169 Was ist fremder Content? ...................................................................170 Rechtsverletzungen in User-Content ..................................................170 Grundlagen der Haftung für rechtswidrigen fremden Content ............171 Notice und Take-Down .......................................................................171 Positive Kenntnis der Rechtsverletzung .............................................172 Zumutbare Prüfpflichten .....................................................................172 Verstoß gegen Lösch- und Prüfpflichten.............................................173 Relevanz für Start-ups ........................................................................173 Unsere Empfehlung ............................................................................174 Allgemeine Geschäftsbedingungen ................................................175 Grundlagen .........................................................................................175 Was sind Allgemeine Geschäftsbedingungen eigentlich (rechtlich)?..176 Was fällt alles unter den Begriff AGB?................................................178 Relevanz und Bedeutung für die unternehmerische Tätigkeit des Start-up-Unternehmens ......................................................................178 Vorteile und Nachteile.........................................................................179 Vorteile der Verwendung von AGB .....................................................180 Einschränkungen bei der Verwendung von AGB................................181 Anforderungen an AGB und ihre Ausgestaltung .................................183 Transparenzgebot ..............................................................................183 Gesetzliche Informationspflichten .......................................................184 Individuelle Erstellung .........................................................................185
12.4 12.4.1 12.4.2 12.5 13 13.1 13.2 13.2.1 13.2.2 13.2.2.1 13.2.2.2 13.2.3 13.3 13.3.1 13.3.1.1 13.3.1.2 13.3.1.3 13.3.1.4 13.3.2 13.3.2.1 13.3.2.2 13.4 14 14.1 14.2 14.2.1 14.2.2 14.3 14.3.1 14.3.2 14.4 14.4.1 14.4.1.1 14.4.1.2 14.4.2 14.4.3 14.5 14.6 14.6.1 14.6.2
Einbeziehung und (nachträgliche) Änderung von AGB ......................185 Einbeziehung von AGB.......................................................................185 (Nachträgliche) Änderung von AGB....................................................187 Fazit ....................................................................................................189 Non-Disclosure-Agreements („NDA´s“) .........................................190 Einführung ..........................................................................................190 Gesetzlicher Schutz vertraulicher Informationen ................................191 Strafrechtlicher Schutz........................................................................191 Zivilrechtlicher Schutz .........................................................................191 Nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ...........191 Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) .......................................191 Zusammenfassung .............................................................................192 Vertraglicher Schutz vertraulicher Informationen ................................192 Notwendige Regelungspunkte eines NDA ..........................................193 Gegenstand des NDA .........................................................................193 Geheimhaltungspflichten ....................................................................195 Sanktionen..........................................................................................197 Dauer der Geheimhaltungspflichten ...................................................199 Sonstige Regelungen .........................................................................200 Rückgabepflicht ..................................................................................200 Rechtswahl und Gerichtsstand ...........................................................201 Fazit ....................................................................................................201 Datenschutz ......................................................................................202 Grundzüge des Datenschutzes ..........................................................202 Anwendungsbereich des Datenschutzrechts ......................................202 Personenbezogene Daten ..................................................................203 Konsequenzen....................................................................................204 Einwilligung des Betroffenen ..............................................................205 Einwilligung im E-Commerce ..............................................................205 Die Einwilligung zur Zusendung von Werbung ...................................206 Besondere Fälle .................................................................................208 Google Analytics .................................................................................208 Historie ...............................................................................................208 Aktuelle Rechtslage ............................................................................208 Social Plug-Ins (Like-Button und Co.) .................................................210 Cookies...............................................................................................212 Unterrichtungspflichten .......................................................................212 Zusammenarbeit mit Dritten / Dienstleistern .......................................213 Auftragsdatenverarbeitung .................................................................213 Übermittlung zu Abrechnungszwecken...............................................215
14.7 15 15.1 15.2 15.2.1 15.2.2 15.2.3 15.2.4 15.2.5 15.2.6 15.3 15.3.1 15.3.2 15.3.3 15.3.4 15.4 16 16.1 16.2 16.3 16.4 16.4.1 16.4.2 16.4.3 16.4.3.1 16.4.3.2 16.5 16.6 16.7 16.7.1 16.7.2 16.8 16.8.1 16.8.2 16.8.3 16.8.4 16.9 16.10 16.11 16.12
Unsere Empfehlung ............................................................................215 E-Commerce .....................................................................................216 Einführung ..........................................................................................216 Besondere Informationspflichten des Start-ups ..................................217 Informationspflichten im elektronischen Verkehr ................................217 Preisangaben .....................................................................................219 Impressum ..........................................................................................221 Informationen zur Verwendung personenbezogener Daten ...............223 Sonstige Pflichten ...............................................................................224 Relevanz für Start-ups ........................................................................224 Widerrufsrecht ....................................................................................225 Widerrufsbelehrung ............................................................................226 Widerrufsfrist ......................................................................................228 Rückgaberecht ...................................................................................228 Relevanz für Start-ups ........................................................................228 Unsere Empfehlung ............................................................................229 Gewerbliches Mietrecht ...................................................................230 Einleitung ............................................................................................230 Standortfaktoren .................................................................................231 Schriftform ..........................................................................................231 Miete ...................................................................................................232 Ausgestaltung des Mietzinses ............................................................232 Umsatzsteuer .....................................................................................232 Wertsicherung ....................................................................................233 Staffelmiete.........................................................................................233 Wertsicherungsklausel........................................................................233 Betriebskosten ....................................................................................234 Mietsicherheit .....................................................................................235 Gebrauchsüberlassung an Dritte ........................................................235 Untervermietung .................................................................................235 Personelle und Rechtsformänderungen auf Seiten des Mieters .........235 Rechte des Mieters bei Mängeln ........................................................236 Mietminderung ....................................................................................237 Zurückbehaltungsrecht .......................................................................237 Schadensersatz ..................................................................................237 Aufrechnung .......................................................................................238 Vertragsdauer .....................................................................................238 Beendigung des Mietverhältnisses .....................................................238 Bauliche Veränderungen und Rückbauverpflichtung ..........................239 Instandhaltung und Instandsetzung ....................................................240
16.13 17 17.1 17.2 17.2.1 17.2.2 17.2.3 17.2.4 17.2.4.1 17.2.4.2 17.2.5 17.2.6 17.3 18 18.1 18.2 18.2.1 18.2.2 18.2.3 18.2.4 18.2.4.1 18.2.4.2 18.2.4.3 18.2.5 18.3 18.3.1 18.3.2 18.3.3 18.3.3.1 18.3.3.2 18.4 18.5 18.6
Schönheitsreparaturen .......................................................................241 Geltendmachung und Durchsetzung von Forderungen im Inland .................................................................................................242 Einleitung ............................................................................................242 Möglichkeiten zur Geltendmachung und Durchsetzung von Forderungen .......................................................................................242 Aufforderungsschreiben ("Mahnung") .................................................243 Außergerichtliches Aufforderungsschreiben durch einen Rechtsanwalt ......................................................................................244 Außergerichtliche Einigung mit dem Kunden ......................................244 Einleitung eines Klageverfahrens .......................................................245 Wo muss geklagt werden? .................................................................245 Wie lange dauert das Verfahren? .......................................................246 Wie hoch sind die Kosten? .................................................................246 Mahnbescheidsverfahren ...................................................................248 Verjährungsfristen ..............................................................................249 Insolvenzrechtliche Aspekte ...........................................................251 Einleitung ............................................................................................251 Was tun, wenn die Krise droht? ..........................................................251 Gesetzliche Insolvenzantragspflicht....................................................251 Wann bin ich verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen?..............252 Wie finde ich heraus, ob mein Unternehmen schon insolvenzreif ist? 252 Was passiert bei verspäteter Insolvenzantragstellung? ......................253 Strafrechtliche Folgen .........................................................................253 Zivilrechtliche Folgen ..........................................................................254 Vermeidung straf- und zivilrechtlicher Folgen .....................................255 Vorbeugung der Insolvenz bei krisenbedrohten Unternehmen ...........255 Was tun, wenn der andere nicht zahlt?...............................................257 Der Ablauf des Insolvenzverfahrens ...................................................257 Wie sichere ich meine eigenen Leistungen ab? .................................259 Anfechtung und Aufrechnung im Insolvenzverfahren .........................261 Aufrechnung in der Insolvenz .............................................................261 Insolvenzanfechtung ...........................................................................263 Lizenzen in der Insolvenz ...................................................................266 Begriffserklärungen.............................................................................267 Hilfreiche Seiten im Internet................................................................269
Dr. Benjamin Monheim LL.M. Rechtsanwalt Innere Kanalstr. 15 50823 Köln T +49 (0) 221 5108 4178 E benjamin.monheim@osborneclarke.de
Gesellschaftsrechtliches vor Gründung einer Kapitalgesellschaft ("GbR-Recht")
Die aus der juristischen Sicht vielleicht zentralste Frage des Start-ups, bzw. der Gründer ist die nach der richtigen Rechtsform (Gesellschaftsform) für das Start-up. Aus diesem Grunde werden im folgenden Kapitel die für ein Start-up wichtigsten Rechtsformen dargestellt. In diesem Kapitel soll gezeigt werden, dass unter Umständen – besser: in den meisten Fällen – jedoch bereits vor der eigentlichen formellen Gründung der Startup-Gesellschaft die Gründer – auch wenn dies den Gründern meistens gar nicht bewusst ist – eine Gesellschaft gemeinsam errichtet haben: die Gesellschaft bürgerlichen Rechts („GbR“). Dies ist deswegen möglich, da für die Gründung der GbR kein formeller Gründungsakt – also etwa auch keine Beurkundung – erforderlich ist, sondern die GbR unter Umständen automatisch entsteht, wenn die Gründer mit der Umsetzung ihrer Geschäftsidee beginnen. In diesem Kapitel wollen wir zeigen, wie dies möglich ist, und wollen die Gründer für dieses Thema deswegen sensibilisieren, weil die Gründer als GbR-Gesellschafter unbeschränkt persönlich haften und damit bereits zu diesem frühen Stadium ein erhebliches persönliches Risiko eingehen.
Um überhaupt in die Problematik der in diesem Kapital beschriebenen (automatischen oder unbeabsichtigten) GbR-Gründung zu gelangen, muss die Ausgangssituation im Start-up wie folgt beschaffen sein: Mindestens zwei Gründer haben sich zusammengefunden, um die gemeinsame Geschäftsidee umzusetzen. Wird das Start-up nur von einem einzelnen Gründer umgesetzt, stellt sich die in diesem Kapitel beschriebene GbR-Problematik nicht, da eine GbR – anders z.B. als die Gesellschaftsformen der GmbH oder UG (haftungsbeschränkt) – nicht von einem einzelnen Gesellschafter / Gründer errichtet werden kann. Für die Entstehung der GbR verlangt der Gesetzgeber mindestens zwei Gesellschafter. Nachdem sich nun diese mehreren Gründer zusammengefunden haben, haben sie zusammen eine gemeinsame Geschäftsidee entwickelt und bereits damit begonnen, diese Geschäftsidee umzusetzen, indem erste Umsetzungshandlungen gestartet wurden. Diese Umsetzungshandlungen können in der Verfassung eines Business Plans, dem Beginn der Programmierung einer Software oder Homepage oder anderen Maßnahmen bestehen. Alles in allem ist die in die GbR-Thematik führende Ausgangssituation des Start-ups bzw. der Gründer als Standard-Ausgangssituation zu bezeichnen, die in den allermeisten Start-up-Konstellationen anzutreffen sein wird. Diese Feststellung zeigt die hohe Relevanz dieses Themas, da sich mit diesem Problemkomplex fast alle Gründer konfrontiert sehen, ohne dies eigentlich zu wissen. 1.3 1.3.1 Gesellschaft bürgerlichen Rechts Entstehung
Anders als etwa GmbH, UG (haftungsbeschränkt) oder AG (dort jeweils: Beurkundung der Gründungsurkunde inkl. des Gesellschaftsvertrages) bedarf es für die
Errichtung der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) keines formellen Gründungsaktes. Zwar wird die GbR auch durch den Abschluss eines Gründungsvertrages gegründet, allerdings ist für den Abschluss des GbR-Vertrages keine besondere Form vorgesehen. So ist für den Abschluss des GbR-Vertrages noch nicht mal die Unterzeichnung eines schriftlichen Vertrages erforderlich. Vielmehr kann der GbRVertrag vollends formlos, also auch mündlich oder – und darin besteht die Gefahr – konkludent (= durch schlüssiges Verhalten) abgeschlossen werden. Es ist noch nicht einmal erforderlich, dass ein konkreter Gründungswille (mündlich) formuliert wird oder den Gründern tatsächlich bewusst oder auch nur von ihnen gewollt ist, gemeinsam eine GbR zu gründen. Vielmehr wird die GbR bereits automatisch dann gegründet, wenn mit der Umsetzung des Gesellschaftszwecks begonnen wird. In diesem Verhalten wird juristisch der (konkludente, also durch schlüssiges Verhalten) unterstellte Abschluss des GbR-Vertrages gesehen. Der Gesellschaftszweck der Start-up-GbR ist die Umsetzung der gemeinsamen Geschäftsidee des Startups. Sobald diese Geschäftsidee gefunden ist und die Gründer mit der Umsetzung begonnen haben, entsteht automatisch die GbR. Wie bereits erwähnt, ist es hierfür nicht erforderlich, dass den Gründern bewusst oder von ihnen gewollt ist, dass die GbR entsteht. Wird also etwa – wie oben im Abschnitt „Ausgangssituation“ skizziert – der Business Plan geschrieben oder werden erste Programmierungshandlungen vorgenommen, entsteht die GbR. Dabei ist es übrigens unerheblich, ob diese Handlungen gemeinsam oder nur von einzelnen Gründern vorgenommen werden. 1.3.2 „Verfassung“ der Start-up-GbR
Werden im Hinblick auf die Verfassung der GbR keine individuellen Regeln durch die Gründer vereinbart (also kein individueller GbR-Gesellschaftsvertrag durch die Gründer abgeschlossen), finden die gesetzlichen Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) Anwendung. Da die meisten dieser BGB-Regeln nicht zwingend sind, können die Gründer jeweils abweichende Regeln treffen. In den meisten Fällen werden aber gerade keine abweichenden Regeln von den Gründern für die Ver-
fassung der Start-up-GbR gefasst. Dieser Umstand ist der Konstellation geschuldet, dass den Gründern üblicherweise nicht bekannt und nicht bewusst ist, dass sie eine GbR gegründet haben. Insofern sehen die Gründer logischerweise auch keine Notwendigkeit, von den gesetzlichen Rahmenvorgaben Abweichendes zu vereinbaren. Leider hat der Gesetzgeber jedoch nur rudimentäre Regelungen für die GbR entworfen und in den meisten Bereichen sind die gesetzlichen Regelungen ungeeignet für die Verfassung der Start-up-GbR. Dies deutet bereits an, dass die GbR in den meisten Fällen nicht die richtige Rechts- oder Gesellschaftsform für die Gründer bzw. deren Start-up-Gesellschaft darstellt. 1.3.3 Gesellschafter
Bei Entstehung der Start-up-GbR werden sämtliche Gründer zugleich Gesellschafter der Start-up-GbR. Mangels abweichender Vereinbarungen – an denen es üblicherweise fehlen wird (vgl. insofern oben unter dem Abschnitt zur „Verfassung der Start-up-GbR“) – werden die Gründer zu gleichen Teilen bzw. Quoten Gesellschafter der Start-up-GbR. Dabei ist es unerheblich, in welchem Umfang die Gründer an der Entwicklung der Geschäftsidee oder an deren Umsetzung beteiligt sind. Die gesetzlichen Bestimmungen des BGB sehen grundsätzlich eine Beteiligung nach Köpfen vor. Dies führt dazu, dass insbesondere die Gewinn- und Verlustbeteiligung der Gründer paritätisch und nicht nach abweichenden Quoten erfolgt. Ist dies nicht gewollt – etwa weil der Beitrag der einzelnen Gründer zum Start-up unterschiedlich hoch ist – müssen die Gründer einen vom Pro-Kopf-Prinzip abweichenden Beteiligungsschlüssel vereinbaren. 1.3.4 Vertretung
Die Frage, wie die GbR nach außen – also Dritten, wie z.B. Vertragspartnern gegenüber – vertreten wird, beschreibt einen der wichtigsten Bereiche der Verfassung der GbR. Da – wie oben beschrieben – die Gründer für die Verfassung der Start-upGbR üblicherweise keine von den gesetzlichen Regeln des BGB abweichenden
Regeln vereinbart haben, wird in den allermeisten Fällen die Start-up-GbR nach den gesetzlichen Bestimmungen vertreten. Dies führt dazu, dass die Start-up-GbR durch sämtliche Gründer, die zugleich Gesellschafter der Start-up-GbR sind, vertreten wird. Dabei herrscht das Prinzip der so genannten Gesamtvertretung. Dies bedeutet, dass sämtliche Gründer immer gemeinsam die Start-up-GbR vertreten müssen. Dass dieses Gesamtvertretungsprinzip – insbesondere bei einer größeren Anzahl von Gründern – ungeeignet ist, liegt auf der Hand. Es dürfte für das Tagesgeschäft des Start-ups nicht förderlich sein, wenn immer alle Gründer gemeinsam für das Start-up handeln müssen. 1.3.5 Haftung
In der GbR haften alle Gesellschafter jeweils mit ihrem kompletten Privatvermögen. Da dieses Haftungsprinzip gegenüber den Dritten – den Gläubigern der Start-upGbR – besteht, kann dieses massive Haftungsrisiko der Gründer nicht – auch nicht durch abweichende Vereinbarungen zwischen den Gründern bzw. Gesellschaftern – eingeschränkt werden. Aus diesem Grunde sollten die Gründer sehr unmittelbar und wachsam die Frage diskutieren, ob tatsächlich die GbR die richtige Rechtsbzw. Gesellschaftsform für die Umsetzung der gemeinsamen Geschäftsidee ist. Die Rechtsformen der GmbH, UG (haftungsbeschränkt) und AG führen zu einer beschränkten Haftung (begrenzt auf die jeweils übernommene Stammeinlage) der Gründer. Dies ist letztlich der Hauptgrund, weswegen das Start-up in einer (für die Gründer) haftungsbeschränkenden Rechtsform konstituiert werden sollte. 1.4 Empfehlung
Das zuvor aufgezeigte Haftungsrisiko der Gründer (im schlimmsten Fall bezogen auf das komplette Privatvermögen) führt dazu, dass wir den Gründern empfehlen, in die Rechtsform der GmbH oder UG (haftungsbeschränkt) oder AG zu wechseln. Sollten die Gründer – weil sie meinen, das Haftungsrisiko im Griff zu haben und / oder weil der administrative Aufwand zu hoch ist / erscheint – dennoch in der Rechtsform der GbR bleiben wollen, ist zumindest darüber nachzudenken, der
Start-up-GbR einen individuellen GbR-Gesellschaftsvertrag zu geben. Die vom BGB zur Verfügung gestellten Regelungen sind häufig für das Start-up ungeeignet und sollten deswegen durch individuelle und auf die konkreten Bedürfnisse angepasste Regelungen ersetzt werden. Diese Überlegungen – (i) Wechsel in eine andere Rechtsform oder (ii) Abschluss eines individuellen Start-up-GbR-Gesellschaftsvertrages – sollten von den Gründern schon sehr früh und permanent in der Frühphase des Start-ups angestellt werden. Da die Gründung der Start-up-Gesellschaft als GbR bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt, häufig automatisch und von den Gründern in der Regel unbewusst geschieht, sind diese Fragen bewusst zu thematisieren und früh zu beantworten. Mit diesem Kapitel sollen die Gründer für diese Fragestellungen frühzeitig sensibilisiert werden.
Wahl der „richtigen“ Rechts- bzw Gesellschaftsform: Kurzer Vergleich von GmbH, UG (haftungsbeschränkt), Ltd. und AG
Einführung: Allgemeines
Wie bereits einführend in Kapitel 1 bemerkt, ist die Frage nach der „richtigen“ Rechts- oder Gesellschaftsform für das Start-up aus juristischer Sicht eine der zentralsten. Aus den in Kapitel 1 genannten Gründen empfehlen wir Euch möglichst frühzeitig – insbesondere aus Gründen der Begrenzung der persönlichen Haftung – , die für Euch und Euer Start-up wichtige Weichenstellung der Gründung der „richtigen“ Gesellschaft vorzunehmen. Bei der Frage, welche Rechtsform die „richtige“ für Euer Start-up ist, spielen natürlich individuelle Rahmenbedingungen eine große Rolle. Gleichwohl werden aber ganz regelmäßig und überwiegend (unter anderem) folgende Entscheidungsparameter im Hinblick auf die Anforderungen an die Start-up-Gesellschaft formuliert, die uns eine pauschale Empfehlung der richtigen Rechtsform ermöglichen: • • • • persönliche Haftungsbegrenzung der Gründer Gründungsaufwand (insbesondere in finanzieller Hinsicht) Reputation bzw. Image der Rechtsform im Geschäftsverkehr administrativer Aufwand in der Führung des Unternehmens (z.B. Veröffentlichungspflichten im Hinblick auf den Jahresabschluss oder ähnliches) und
Übertragbarkeit der Beteiligung bzw. Aufnahme weiterer Gesellschafter.
Einführung: Abgrenzung der Kapitalgesellschaften von den Personengesellschaften
In diesem Kapitel wollen wir Euch nur einen Überblick über die gängigsten oder die geeignetsten Rechtsformen geben. Da die beschränkte persönliche Haftung eigentlich von allen Gründern als Hauptanforderung an die Rechtsform genannt wird, kommen letztlich nur die Rechtsformen der Kapitalgesellschaften (insbesondere GmbH, UG (haftungsbeschränkt), Ltd. und AG) für das Start-up in Frage. Die Personengesellschaften (die Gesellschaft bürgerlichen Rechts, GbR, und die offene Handelsgesellschaft, OHG) sehen keine Beschränkung der persönlichen Haftung der Gesellschafter (Gründer) vor; die Kommanditgesellschaft (KG) statuiert die Beschränkung der persönlichen Haftung nicht für sämtliche Gesellschafter. Deswegen kommen die Rechtsformen der Personengesellschaften ganz überwiegend für Start-ups nicht in Frage. Wie das erste Kapitel gezeigt hat, „rutschen“ die meisten Start-ups dennoch zunächst häufig in die Rechtsform der GbR. Bereits im ersten Kapitel haben wir gezeigt, dass dies mit einer vollumfänglichen persönlichen Haftung sämtlicher Gründer einhergeht. Aus diesem Grunde empfehlen wir bereits in Kapitel 1, möglichst frühzeitig über Alternativen nachzudenken und das Start-up in eine andere Gesellschaftsform zu bringen. Da die offene Handelsgesellschaft (OHG) ebenfalls eine unbeschränkte Haftung sämtlicher Gründer bzw. Gesellschafter vorsieht, halten wir die OHG – ebenso wie die GbR – für eine ungeeignete Gesellschaftsform. Bei der KG ist dies etwas weniger eindeutig zu bewerten, da hier zwei unterschiedliche Arten von Gesellschaftern (Komplementäre und Kommanditisten) vorgesehen sind. Während der oder die Komplementär/e – vergleichbar den GbR- oder OHGGesellschaftern – unbeschränkt persönlich haftet / haften, haften die Kommanditisten – vergleichbar den GmbH-Gesellschaftern (vgl. unten) – beschränkt auf die
jeweils übernommene Einlage. Wenn man überdies eine GmbH & Co. KG-Struktur aufsetzt und als einzige Komplementärin dann eine GmbH einsetzt, erreicht man im Ergebnis auch, dass keine natürliche Person unbeschränkt persönlich haftet. Da die GmbH & Co. KG-Struktur letztlich aber eine doppelstöckige Gesellschaftsstruktur mit der Gründung von zwei Gesellschaften darstellt, wird diese recht komplizierte Variante letztlich für klassische Start-up-Konstellationen nicht geeignet sein. Somit kommen wir zu der abschließenden Feststellung, dass in dem Kreis der Personengesellschaften keine geeignete Rechtsform für das Start-up zu finden ist, sondern das Start-up sich als Kapitalgesellschaft konstituieren sollte. 2.3 Vergleich der Kapitalgesellschaften
Somit müsst Ihr Euch bei der Suche nach der richtigen Rechtsform letztlich nur mit den verschiedenen Kapitalgesellschaftsformen auseinandersetzen. In diesem Abschnitt wollen wir deswegen die Vor- und Nachteile der folgenden Kapitalgesellschaften miteinander abwägen: GmbH, UG (haftungsbeschränkt), AG und Ltd. (nach UK-Recht). 2.3.1 Limited
Seit ein paar Jahren ist es auch für deutsche Start-ups möglich, in Deutschland eine so genannte Company limited by shares, also eine Limited (Ltd.) zu gründen. Eine Zeit lang schien diese Alternative aus folgendem Grunde für Unternehmensgründungen attraktiv: anders als bei der GmbH – die UG (haftungsbeschränkt) gibt es erst seit Ende 2008 – ist für die Limited kein Mindeststammkapital erforderlich. Viele Unternehmensgründer scheuten den finanziellen Kraftakt der Aufbringung des Mindeststammkapitals der GmbH in Höhe von EUR 25.000,00 (vgl. unten) und entschieden sich bei der Unternehmensgründung für die Limited, bei der das Mindeststammkapital (registered share capital) frei wählbar ist und somit auf ein britisches Pfund festgelegt werden konnte.
Dieser finanzieller Vorteil der Limited gegenüber der GmbH stellte sich für die Gründer dann aber in doppelter Hinsicht als nicht nachhaltig heraus: Zum einen sind die laufenden Kosten der dem englischen Recht unterstehenden Limited deutlich höher als bei der deutschen GmbH (so muss zum Beispiel der Jahresabschluss der Limited in englischer Sprache im Company’s House in England veröffentlicht werden und für viele Vorgänge müssen bei englischen Notaren kostspielige Existenz- und Vertretungsnachweise für die Limited beigebracht werden). Zum anderen ist der Kostenaufwand bei der GmbH im Hinblick auf die Aufbringung des Stammkapitals richtig einzuordnen: Das Mindeststammkapital in Höhe von EUR 25.000,00 muss bei der Gründung nur zur Hälfte erbracht werden und überdies kann mit dem eingebrachten Stammkapital gewirtschaftet werden. Folglich muss das bei der GmbH-Gründung von den Gründern eingebrachte Stammkapital nicht etwa auf einem Haftungskonto „geparkt“ werden, sondern kann für den Geschäftsaufbau des Start-ups aktiv verwendet werden. Wenn man nun berücksichtigt, dass das Start-up in aller Regel ohnehin gewisse Anschaffungen tätigen muss, zumindest aber Büroraum anmieten wird, kann mit dem eingezahlten Stammkapital unmittelbar nach der Gründung sinnvoll gewirtschaftet werden. Insofern ist der finanzielle Vorteil der Limited gegenüber der GmbH nur scheinbarer Natur, da er nach recht kurzer Zeit (über-) kompensiert wird. Überdies hat der deutsche Gesetzgeber mit der Schaffung der Rechtsform der UG (haftungsbeschränkt) eine auch im Hinblick auf das Mindeststammkapital attraktive Alternative geschaffen, mit der letztlich die „Flucht“ in die Limited gestoppt werden konnte. Da – ebenso wie bei der Limited – auch bei der UG (haftungsbeschränkt) kein Mindeststammkapitel gefordert wird (vgl. unten) sehen wir nun überhaupt keine Argumente mehr für ein deutsches Start-up, eine Limited zu gründen. 2.3.2 Aktiengesellschaft (AG)
Wenn auch in der Praxis äußerst selten als Rechtsform für Start-ups verwendet, soll an dieser Stelle zumindest kurz die Aktiengesellschaft (AG) angesprochen werden.
Wie auch die anderen Rechtsformen bietet die AG ihren Gesellschaftern (Aktionären) den Vorzug der beschränkten persönlichen Haftung. Die Gründung der AG ist ähnlich aufwendig wie die der GmbH oder UG (haftungsbeschränkt): das Gründungsprotokoll inklusive Feststellung der Satzung ist notariell zu beurkunden. Allerdings beträgt das Mindestgrundkapital EUR 50.000,00 und muss in voller Höhe bei Gründung der AG eingezahlt werden (während bei der GmbH das festgelegte Stammkapital – mindestens EUR 25.000,00 – bei der Gründung nur zur Hälfte, also in Höhe von EUR 12.500,00, eingezahlt werden muss). Aus diesem Grunde der recht hohen Kapitalaufbringung bei der Gründung fällt die AG in vielen Fällen als Alternative für Start-ups aus. Die aus der organschaftlichen Struktur der AG resultierende geringere Einflussnahmemöglichkeit der Gesellschafter (Aktionäre) auf die Unternehmensleitung (Vorstand) macht die AG in einigen Fällen weiter unattraktiv für Gründer: Die Gemeinschaft der Aktionäre fasst ihre Beschlüsse in der Hauptversammlung. Jedoch wird das Organ der Unternehmensleitung nicht direkt von der Hauptversammlung gewählt. Die Hauptversammlung wählt den Aufsichtsrat und dieser erst wählt den Vorstand. Dem gegenüber wird das Geschäftsführungsorgan bei der GmbH (dort Geschäftsführer) direkt von den Gesellschaftern, also der Gesellschafterversammlung, gewählt. Überdies ist bei der GmbH ein Aufsichtsrat – anders als bei der AG – als weiteres Organ der Gesellschaft nicht zwingend vorgeschrieben. Ein Vorteil der AG – auch und insbesondere gegenüber der GmbH und der UG (haftungsbeschränkt) – ist die einfachere Übertragbarkeit von Unternehmensbeteiligungen (Aktien). Während bei der GmbH und der UG (haftungsbeschränkt) die Geschäftsanteile stets durch notarielle Beurkundung übertragen werden müssen, was entsprechende Notargebühren auslöst, sind Aktien durch privatschriftlichen Vertrag übertragbar. Wegen der hohen Mindestgrundkapitalziffer (EUR 50.000,00) bei der AG, der nicht nur wegen des zusätzlichen zwingenden Organs des Aufsichtsrats aufwendigeren Struktur und dem auch ansonsten im Vergleich zur GmbH deutlich höheren admi-
nistrativen Aufwand, ist die AG in den meisten Fällen nicht die geeignete Rechtsform für das Start-up. Falls sich in der späteren Unternehmensentwicklung zeigen sollte, dass die AG doch die geeignete Rechtsform sein sollte, ist ein Wechsel in die AG durch einen entsprechenden Umwandlungsvorgang möglich. Im Rahmen der Gründung empfehlen wir jedoch in den meisten Fällen nicht die Rechtsform der AG. 2.3.3 Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
Absoluter Klassiker und auch von uns für die Gründung des Start-ups in aller Regel empfohlen: die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Auch hier kommen die Gesellschafter in den Genuss der beschränkten persönlichen Haftung: Die Gründer / Gesellschafter haften nicht mit ihrem kompletten privaten Vermögen, sondern beschränkt auf die übernommene Stammeinlage. Das Mindeststammkapital bei Gründung – also die Summe der von den Gründern zu übernehmenden Stammeinlagen – beträgt EUR 25.000,00. Die einzelnen Stammeinlagen müssen auf ganze Euro lauten. Da insofern eine sehr kleine oder feingliedrige Stückelung der Geschäftsanteile möglich ist, kann jeweils eine den wirtschaftlichen Vorstellungen sehr exakt entsprechende prozentuale Beteiligung am Stammkapital ermöglicht werden. Wie bereits oben angesprochen, muss das Mindeststammkapital bzw. das im Rahmen der Gründung der GmbH festgelegte Stammkapital bei der Gründung von den Gründern nicht komplett, sondern nur mindestens zur Hälfte erbracht werden. Dies ermöglicht den Gründern, finanzielle Engpässe bei der Erbringung des Stammkapitals abzufedern. Auf die einzelnen übernommenen Stammeinlagen müssen die Gründer sogar nur mindestens ein Viertel des Nennbetrags erbringen; hierbei muss aber natürlich die Summe der auf die einzelnen Stammeinlagen erbrachten Zahlungen zumindest der Hälfte des gesamten Stammkapitals entsprechen. Die Gründung der GmbH geschieht leider ähnlich aufwendig (und kostspielig) wie die der AG: die Gründungsurkunde (inkl. der Satzung) bedarf der notariellen Beur-
kundung. Die Übertragung von GmbH-Geschäftsanteilen ist ebenfalls zu beurkunden. Die GmbH wird von dem oder den Geschäftsführern geführt und vertreten. Die Geschäftsführer werden von der Gesellschafterversammlung, in der alle Gesellschafter entsprechend ihrer Beteiligung am Stammkapital stimmberechtigt sind, bestellt. Insofern besteht bei der GmbH eine unmittelbarere Einflussnahme der Gesellschafter auf die Geschäftsführung als bei der AG, bei der der Vorstand durch den Aufsichtrat (und nicht durch die Hauptversammlung) bestimmt wird. Die Gesellschafter können im Übrigen zugleich Geschäftsführer der Gesellschaft werden. Gerade bei Start-ups ist diese Doppelrolle häufig anzutreffen: alle oder einzelne Gesellschafter / Gründer werden auch zu Geschäftsführern der Gesellschaft bestellt. In solchen Konstellationen müssen natürlich die beiden Rollen (operativ tätiger Geschäftsführer und die eine Beteiligung am Start-up abbildende Gesellschafterstellung) strikt auseinander gehalten werden. Letztlich wird aus unserer Sicht ganz überwiegend die GmbH die richtige Rechtsform für das Start-up sein. Lediglich in den Fällen, in denen aufgrund einer knappen Kapitalausstattung der Gründer die Stammkapitalaufbringung nicht gelingt, kann über die recht neue Alternative der UG (haftungsbeschränkt) nachgedacht werden. Dabei müssen sich die Gründer nur darüber bewusst sein, dass die Reputation oder das Image der UG (haftungsbeschränkt), die ja im Ergebnis nichts anderes ist als die Light-Ausgabe der GmbH (vgl. unten), im Geschäftsverkehr etwas weniger positiv ist als bei der GmbH. Die UG (haftungsbeschränkt), die auch diesen Namenszusatz im Rechtsverkehr tragen muss, trägt sozusagen den Makel der minderen Kapitalausstattung offen zur Schau. Alles in allem kommen wir somit in den allermeisten Fällen zu der ganz klaren Empfehlung, dass die Gründer möglichst frühzeitig in die Rechtsform der GmbH wechseln sollten.
Wie beschrieben, gibt es seit Ende 2008 die Möglichkeit, eine so genannte Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) oder UG (haftungsbeschränkt) zu gründen. Letztlich ist die UG (haftungsbeschränkt) ebenfalls eine GmbH, auf die fast alle Bestimmungen der GmbH unmittelbar Anwendung finden. Es gibt jedoch drei Hauptunterschiede der UG (haftungsbeschränkt) zur GmbH: • Anders als bei der GmbH – bei der das Mindeststammkapital EUR 25.000,00 beträgt – kann bei der UG (haftungsbeschränkt) das Stammkapital durch die Gründer frei gewählt werden. Der Gesetzgeber hat damit durch Schaffung der UG (haftungsbeschränkt) auf die Tendenz reagiert, dass in Deutschland viele Unternehmensgründungen in der Rechtsform der Limited (vgl. oben) stattgefunden haben. • Während bei der GmbH der komplette Jahresüberschuss an die Gesellschafter ausgeschüttet werden kann, sind die Gesellschafter der UG (haftungsbeschränkt) verpflichtet, 25 % des jährlichen Jahresüberschusses in die Gewinnrücklage der Gesellschaft einzustellen. Diese Verpflichtung zur Gewinnrückstellung stellt gewissermaßen eine Art Korrektiv zu der verminderten Stammkapitalausstattung der UG (haftungsbeschränkt) gegenüber der GmbH dar. • Im Namen der UG (haftungsbeschränkt) muss der Rechtsformzusatz „UG (haftungsbeschränkt)“ geführt werden. Die UG (haftungsbeschränkt) darf nicht als GmbH im Geschäfts- oder Rechtsverkehr auftreten. Damit wird offen gelegt, dass die UG (haftungsbeschränkt) mit weniger Stammkapital als die GmbH ausgestattet ist. Eine späterer Wechsel aus der UG (haftungsbeschränkt) in die GmbH ist jederzeit möglich, in dem das Stammkapital der UG (haftungsbeschränkt) auf mindestens
EUR 25.000,00 erhöht wird. Nachdem der Wechsel der UG (haftungsbeschränkt) vorgenommen wurde, entfallen die vorgenannten Restriktionen der UG (haftungsbeschränkt) im Vergleich zur GmbH. Für mit weniger Startkapital ausgestattete Gründer ist die UG (haftungsbeschränkt) eine günstige Alternative zur GmbH und sollte in jedem Fall der Limited vorgezogen werden. Zugleich sollte den Gründern bewusst sein, dass durch den Rechtsformzusatz der „UG (haftungsbeschränkt)“ dem Rechts- und Geschäftsverkehr diese geringere Kapitalausstattung der Gründer offen gelegt wird, weswegen das Image der UG (haftungsbeschränkt) weniger gut als das der GmbH ist. Aus diesem Grunde bezeichnet man die UG (haftungsbeschränkt) auch gerne als „Mini-GmbH“.
Maik Laschütza Rechtsanwalt, Steuerberater Innere Kanalstr. 15 50823 Köln T +49 (0) 221 5108 4056 E maik.laschuetza@osborneclarke.de
Das Thema Steuern wird von Start-up-Unternehmen in der Anfangsphase gern verdrängt, sei es, dass diesem Themenbereich keine allzu große Bedeutung zugemessen wird oder die Materie als zu undurchsichtig, kompliziert erscheint. Gleichwohl sollte in der Gründungsphase die Wahl der Rechtsform nicht ohne vorherigen Blick auf die verschiedenen Besteuerungsformen der jeweiligen Unternehmensbzw. Gesellschaftsform erfolgen. Aus der jeweiligen Gesellschaftsform, in der Ihr Euer Unternehmen betreibt, ergeben sich zum Teil unterschiedliche steuerliche Pflichten, zu deren Einhaltung Ihr als Unternehmer gegenüber der Finanzverwaltung verpflichtet seid. Darüber hinaus werdet Ihr steuerrechtliche Grundbegriffe in Eurem Unternehmen z.B. auch bei der Beteiligung von Investoren, Gewinnausschüttungen oder Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen antreffen, so dass es sich durchaus lohnt, steuerrechtliche Themen frühzeitig anzugehen. 3.1 Besteuerung der Gesellschaften
Die folgende Darstellung gibt einen Überblick über die Besteuerung von verschiedenen Gesellschaftsformen und die Besteuerung der jeweiligen Anteilseigner bzw. Gesellschafter.
GmbH / UG (haftungsbeschränkt) Besteuerung der Gesellschaft
Die GmbH und auch die UG (haftungsbeschränkt) sind steuerrechtlich als Kapitalgesellschaften zu qualifizieren. Bei der Besteuerung von Kapitalgesellschaften gilt das Trennungsprinzip, das besagt, dass die Besteuerung der Gesellschaft selbständig und getrennt von der Besteuerung ihrer Gesellschafter erfolgt. Auf die Besteuerung der UG (haftungsbeschränkt) finden grundsätzlich dieselben Vorschriften Anwendung wie für die Besteuerung einer GmbH, so dass die folgenden Ausführungen zu der Besteuerung der GmbH und ihrer Anteilseigner (Gesellschafter) entsprechend für die UG (haftungsbeschränkt) gelten. Die GmbH unterliegt mit ihren Einkünften der Körperschaftsteuer. Bemessungsgrundlage für die tarifliche Körperschaftsteuer ist das zu versteuernde Einkommen, das aus dem steuerlichen Gewinn der Gesellschaft abgeleitet wird. Das zu versteuernde Einkommen wird mit einem einheitlichen Körperschaftsteuersatz von 15 % versteuert, unabhängig von der Einbehaltung des Gewinns im Unternehmen oder der Ausschüttung an die Gesellschafter. Neben der Körperschaftsteuer wird zusätzlich ein Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 % der festgesetzten Körperschaftsteuer erhoben. Bei der GmbH verbietet das Trennungsprinzip eine Nutzung von Verlusten der Gesellschaft auf der Gesellschafterebene. Aufgrund der bestehenden gesetzlichen Regelung können entstandene Verluste auf Ebene der GmbH nur in das Vorjahr zurückgetragen oder mit zukünftigen Gewinnen der Folgejahre verrechnet werden. Der Verlustrücktrag oder Verlustvortrag erfolgt nicht in unbegrenzter Höhe, sondern es sind bestimmte betragsmäßige Grenzen zu beachten. Die auf Ebene der GmbH erwirtschaften Gewinne können im Wege von Gewinnausschüttungen an die Gesellschafter ausgekehrt werden. Eine steuerneutrale Ent-
nahme – wie sie auf Ebene der Personengesellschaften möglich ist – ist bei einer Kapitalgesellschaft nicht möglich. Bei der Gewinnausschüttung handelt es sich um die Verwendung des auf Ebene der Gesellschaft bereits versteuerten Einkommens. Damit erfolgt die Gewinnausschüttung auf Ebene der GmbH gewinnneutral. Die GmbH ist gesellschaftsrechtlich eine eigenständige juristische Person und wird auch steuerrechtlich als eigenständige Rechtspersönlichkeit behandelt. Aus diesem Grund zählen alle im zivilrechtlichen oder wirtschaftlichen Eigentum stehenden Wirtschaftsgüter der GmbH zu ihrem Betriebsvermögen. Eine Privatsphäre und somit Privateigentum besitzt die GmbH nicht. Die Vermögensebenen zwischen Gesellschafter und GmbH sind deshalb strikt voneinander zu trennen. Da es sich bei einer GmbH auch steuerrechtlich um eine eigenständige Rechtspersönlichkeit handelt, können die Gesellschafter einer GmbH mit ihrer Gesellschaft schuldrechtliche Verträge schließen. Bei der Gewinnermittlung der GmbH werden die schuldrechtlichen Verträge mit den Gesellschaftern grundsätzlich wie Verträge mit fremden Dritten behandelt. Somit können zwischen der GmbH und ihren Gesellschaftern Forderungen und Verbindlichkeiten entstehen, die in der Steuerbilanz der GmbH ausgewiesen werden, z.B. Darlehensverbindlichkeiten oder Forderungen aus Kauf- oder Mietverträgen. Die vereinbarten Entgelte beeinflussen als Betriebseinnahmen bzw. Betriebsausgaben unmittelbar das zu versteuernde Einkommen der Gesellschaft. Verträge zwischen der Gesellschaft und ihren Gesellschaftern werden steuerlich nur insoweit anerkannt, als sie den vertraglichen Vereinbarungen zwischen fremden Dritten entsprechen, so genannter Fremdvergleich. Demnach ist in diesem Zusammenhang eine Prüfung erforderlich, ob die Leistung an den Gesellschafter aus betrieblichen Gründen erfolgt oder mit Rücksicht auf das Gesellschaftsverhältnis gewährt wird. Diese Veranlassung durch das Gesellschaftsverhältnis kennzeichnet das Wesen einer so genannten verdeckten Gewinnausschüttung. Die von der Gesellschaft gewährten Leistungen werden bei Vorliegen einer verdeckten Gewinnausschüttung so behandelt, als ob sie im Rahmen einer offenen Gewinnausschüt-
tung und nicht aufgrund vertraglicher Vereinbarungen den Gesellschaftern zugeflossen wären. Eine verdeckte Gewinnausschüttung ist • • • • eine Vermögensminderung oder verhinderte Vermögensmehrung bei der GmbH mit Auswirkungen auf den Gewinn der GmbH die durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist (also gerade nicht aus betrieblichen Gründen) und ohne Gewinnausschüttungsbeschluss erfolgt.
Eine Veranlassung durch das Gesellschaftsverhältnis wird von der höchstrichterlichen Rechtsprechung angenommen, wenn die Kapitalgesellschaft ihrem Gesellschafter oder einer diesem nahe stehenden Person einen Vermögensvorteil zuwendet, den sie bei Anwendung der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters einem Nichtgesellschafter nicht gewährt hätte. Sollte die Leistungsbeziehung zwischen Gesellschaft und Gesellschafter als verdeckte Gewinnausschüttung zu qualifizieren sein, hat dies zur Folge, dass der Leistungsabfluss auf Ebene der GmbH keinen Einfluss auf den Gewinn haben darf und somit nicht als Betriebsausgabe in das zu versteuernde Einkommen der Gesellschaft einfließt. Sofern eine verdeckte Gewinnausschüttung im Nachhinein z.B. im Rahmen einer Betriebsprüfung festgestellt wird, führt dies zu einer Erhöhung des Gewinns der Gesellschaft und damit zu einer Körperschaftsteuernachzahlung. In der Praxis können verdeckte Gewinnausschüttungen in sehr unterschiedlichen Sachverhaltskonstellationen auftreten, z.B. • • beim Ankauf von Gegenständen durch die GmbH von ihrem Gesellschafter zu überhöhten Preisen bei der Erbringung von Dienstleitungen an die GmbH durch ihren Gesellschafter zu überhöhten Preisen
bei der Darlehensgewährung durch die Gesellschaft an den Gesellschafter zu einem zu niedrigen, marktunüblichen Zinssatz oder bei Veräußerung von Gegenständen des Betriebsvermögens der Gesellschaft an den Gesellschafter zu einem verbilligten Kaufpreis.
Bei beherrschenden Gesellschaftern kann die durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasste Vermögensminderung auch darin bestehen, dass die GmbH an den beherrschenden Gesellschafter ein Entgelt zahlt, obwohl es an einer im Vorhinein getroffenen, klaren, eindeutigen und rechtswirksam abgeschlossenen Vereinbarung fehlt. Eine beherrschende Stellung eines Gesellschafters einer GmbH liegt im Regelfall dann vor, wenn der Gesellschafter die Mehrheit der Stimmrechte besitzt und deshalb in der Gesellschafterversammlung entscheidenden Einfluss ausüben kann. Bei einer Beteiligungsquote von 50 % oder weniger müssen für die Begründung einer beherrschenden Gesellschafterstellung noch besondere Umstände hinzutreten, die eine Beherrschung der Gesellschaft begründen. Im Ergebnis bedeutet eine verdeckte Gewinnausschüttung für die übrigen Gesellschafter stets eine Benachteiligung und für die GmbH selbst einen Liquiditätsentzug. Neben der Besteuerung von Unternehmensgewinnen durch das Körperschaftsteuergesetz unterwirft das Gewerbesteuergesetz Kapitalgesellschaften kraft ihrer Rechtsform der Gewerbesteuer. Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer ist der Gewerbeertrag, der auf Grundlage des Gewinns der GmbH ermittelt wird. In diesem Zusammenhang sieht das Gewerbesteuergesetz bestimmte Hinzurechnungen und Kürzungen bei der Ermittlung des Gewerbeertrags vor. Im Gegensatz zu den Personengesellschaften gewährt der Gesetzgeber einer GmbH keinen Freibetrag bei der Ermittlung des Gewerbeertrags. Der auf volle EUR 100,00 abzurundende Gewerbeertrag ist mit der einheitlichen Steuermesszahl von 3,5 % zu multiplizieren. Der sodann ermittelte Betrag wird als Gewerbesteuermessbetrag bezeichnet. Die Gewerbesteuer wird von der jeweiligen Gemeinde erhoben, in der die
GmbH ihren Sitz hat. Das Finanzamt ermittelt in diesem Zusammenhang nur den Gewerbesteuermessbetrag und teilt diesen der Gemeinde durch Übersendung eines Gewerbesteuermessbescheides mit. Die Gemeinde wendet auf den Gewerbesteuermessbetrag einen Hebesatz an und ermittelt so die Gewerbesteuer (Gewerbesteuermessbetrag x Hebesatz). Die Hebesätze variieren von Gemeinde zu Gemeinde. Der Hebesatz der Stadt Köln beträgt im Jahr 2011 475 % (im Jahr 2010 450 %). Die Gewerbesteuer stellt auf Ebene der GmbH bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens eine nichtabzugsfähige Betriebsausgabe dar, so dass diese Ausgabe für die Ermittlung der festzusetzenden Körperschaftsteuer nicht einkommensmindernd berücksichtigt wird. Die folgende Übersicht gibt Aufschluss darüber, inwieweit der Hebesatz der jeweiligen Gemeinde Einfluss nimmt auf die Steuerbelastung der GmbH:
Einflussfaktor Gewerbesteuer-Hebesatz
Hebesatz Gewerbesteuersatz (effektiv) Körperschaftssteuersatz Solidaritätszuschlag Steuerbelastung auf Ebene der Kapitalgesellschaft 3.1.1.2
350 % 12,25 %
400 % 14 %
450 % 15,75 %
475 % 16,625 %
15 % 0,825 % 28,075 %
15 % 0,825 % 29,825 %
15 % 0,825 % 31,575 %
15 % 0,825 % 32,45 %
Die Gesellschafter einer GmbH können steuerpflichtige Einnahmen aufgrund bestehender Leistungsbeziehungen mit der Gesellschaft erzielen, z.B. aus Miet- oder Kaufverträgen oder aufgrund von Gewinnausschüttungen. Die Einnahmen aus bestehenden Leistungsbeziehungen sind von den Gesellschaftern in der gleichen Art zu versteuern wie sie bei Erhalt von fremden Dritten zu versteuern wären. Sollte z.B. ein Gesellschafter Büroräume an die GmbH vermieten, sind die erhaltenen Mietzahlungen grundsätzlich als Einnahmen bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung zu versteuern. Im Zusammenhang mit der Vermietung von Gegenständen an die Gesellschaft kann es zu einer Aufteilung eines ursprünglich wirtschaftlich einheitlichen Betriebes in zwei rechtlich selbständige Unternehmen kommen. Eine derartige Gestaltung wird steuerrechtlich als Betriebsaufspaltung bezeichnet. Im Rahmen der Betriebsaufspaltung kommt es zu einer Umqualifizierung von Einkünften auf Ebene der reinen Vermögensverwaltung, wie z.B. bei der Vermietung und Verpachtung von
Grundstücken, in gewerbliche Einkünfte. Die umqualifizierten gewerblichen Einkünfte unterliegen, anders als die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, der Gewerbesteuerpflicht. Das die wesentliche Betriebsgrundlage überlassende Unternehmen ist das Besitzunternehmen. Die anmietende Kapitalgesellschaft ist das Betriebsunternehmen. Die Vermietung von Wirtschaftsgütern wird dann als Betriebsaufspaltung und somit als über eine reine Vermögensverwaltung hinausgehende gewerbliche Tätigkeit angesehen, wenn das vermietende Besitzunternehmen (Einzelunternehmer oder eine Gesellschaft) mit dem mietenden Betriebsunternehmen sachlich und personell verflochten ist. Eine sachliche Verflechtung liegt dann vor, wenn ein Gegenstand an eine Kapitalgesellschaft vermietet wird, dem ein besonderes wirtschaftliches Gewicht für die Betriebsführung der anmietenden Kapitalgesellschaft zukommt und für die Erreichung des Betriebszwecks der Kapitalgesellschaft erforderlich ist. In der Praxis liegt eine sachliche Verflechtung häufig dann vor, wenn das Betriebsgrundstück oder spezielle, technische Geräte an eine Kapitalgesellschaft vermietet werden, ohne die die Kapitalgesellschaft ihre unternehmerische Tätigkeit nicht ausüben könnte. Für das Vorliegen einer Betriebsaufspaltung muss neben die sachliche Verflechtung noch die personelle Verflechtung hinzutreten. Eine personelle Verflechtung ist dann gegeben, wenn eine Person oder mehrere Personen zusammen sowohl das Besitzunternehmen als auch das Betriebsunternehmen in dem Sinne beherrschen, dass sie in der Lage sind, in beiden Unternehmen einen einheitlichen geschäftlichen Betätigungswillen durchzusetzen. Am klarsten tritt dies bei Beteiligungsidentität zutage, d.h., wenn an beiden Unternehmen dieselben Personen im gleichen Verhältnis beteiligt sind. Die Gesellschafter erzielen neben Einnahmen aus Leistungsbeziehungen mit der Kapitalgesellschaft steuerpflichtige Einnahmen durch die Ausschüttung von Gesellschaftsgewinnen. Sollten die Gewinne von der Kapitalgesellschaft nicht ausge-
schüttet werden, erhöhen diese den Wert der Gesellschaftsanteile. Die Wertsteigerung der Anteile ist ertragsteuerlich für die Gesellschafter unbeachtlich. Erst im Rahmen der Veräußerung der Anteile kann über einen eventuellen Veräußerungsgewinn eine Steuerpflicht für den betreffenden Gesellschafter ausgelöst werden. Die Besteuerung der Gewinnausschüttungen hängt maßgebend davon ab, in welchem steuerlichen Vermögen die Beteiligung an der Kapitalgesellschaft gehalten wird. Im Hinblick auf die Versteuerung der ausgeschütteten Gewinne auf Ebene der Gesellschafter ist zwischen den drei folgenden Fallgruppen für Zwecke der Besteuerung zu differenzieren: 3.1.1.2.1 GmbH-Beteiligung im Privatvermögen
Werden Anteile an einer GmbH im Privatvermögen des Gesellschafters gehalten, unterliegen die von der GmbH ausgeschütteten Gewinne, so genannte Dividenden, der Abgeltungsteuer. Dies gilt unabhängig von der Höhe der Beteiligung an der Gesellschaft. Die Abgeltungsteuer wird in Höhe eines einheitlichen Steuersatzes von 25 % erhoben. Neben der Abgeltungsteuer wird ein Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 % der festgesetzten Abgeltungsteuer und ggf. Kirchensteuer erhoben. Die ausschüttende GmbH hat die Abgeltungsteuer zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer von der auszuschüttenden Dividende einzubehalten und an das zuständige Finanzamt abzuführen. Die Erhebung der Abgeltungsteuer hat für die Einkommensteuerveranlagung des Gesellschafters grundsätzlich abgeltende Wirkung, so dass diese Einnahmen nicht nochmals im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung des Gesellschafters zu versteuern sind. Sofern der persönliche Einkommensteuersatz des Gesellschafters unter 25 % liegt, wird die Gewinnausschüttung auf Antrag dem persönlichen Einkommensteuersatz im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung unterworfen. Ein Werbungskostenabzug ist im Rahmen der Veranlagung dieser Einnahmen nicht zulässig, so dass Kosten im Zusammenhang mit den erhaltenen Gewinnausschüttungen nicht geltend gemacht werden können. Es wird lediglich ein Sparerpauschbetrag in Höhe von EUR 801,00 bzw. EUR 1.602,00 bei Zusammenveranlagung
von Ehegatten abgezogen. Diese Einschränkung der Abzugsfähigkeit von Werbungskosten wirkt sich insbesondere für die Gesellschafter negativ aus, die ihre Beteiligung fremdfinanziert haben. Bei einer Beteiligung an der GmbH als Gesellschafter von mindestens 25 % oder bei einer Beteiligungshöhe von mindestens 1 % und Ausübung einer beruflichen Tätigkeit für die Gesellschaft besteht die Möglichkeit, auf die Anwendung des Abgeltungsteuerverfahrens zu verzichten. Auf Antrag sind die erhaltenen Dividenden zu 40 % von der Steuer freigestellt und unterliegen in Höhe von 60 % dem persönlichen Einkommensteuersatz des Gesellschafters (sog. Teileinkünfteverfahren). Korrespondierend mit der Steuerbefreiung in Höhe von 40 % der Einnahmen können mit diesen Dividenden in wirtschaftlichem Zusammenhang stehende Werbungskosten ebenfalls nur zu 60 % berücksichtigt werden. 3.1.1.2.2 GmbH-Beteiligung im Betriebsvermögen einer Personengesellschaft
Werden die Anteile im Betriebsvermögen einer Personengesellschaft gehalten und sind die Mitunternehmer dieser Personengesellschaft keine Kapitalgesellschaft, unterliegen die erhaltenen Dividenden auf Ebene des Gesellschafters dem Teileinkünfteverfahren. Demnach sind 40 % der erhaltenen Dividenden von der Steuer befreit und 60 % mit dem persönlichen Einkommensteuersatz des Gesellschafters zu besteuern. Die im wirtschaftlichen Zusammenhang mit den Dividenden stehenden Ausgaben in Form von Werbungskosten können ebenfalls nur in Höhe des steuerpflichtigen Teils der Dividende, somit zu 60 %, gewinnmindernd berücksichtigt werden. 3.1.1.2.3 GmbH-Beteiligung im Betriebsvermögen einer Kapitalgesellschaft
Sollte eine Kapitalgesellschaft (z.B. eine GmbH) ihrerseits an einer anderen GmbH beteiligt sein, so werden Gewinnausschüttungen zwischen Kapitalgesellschaften im Ergebnis zu 95 % von der Körperschaftsteuer befreit. Gleiches gilt im Fall der Veräußerung einer GmbH-Beteiligung durch eine GmbH. Der Veräußerungserlös ist
auf Ebene der veräußernden GmbH zu 95 % von der Körperschaftsteuer befreit. Durch die Steuerbefreiung sollen Doppel- oder Mehrfachbelastungen von Gewinnen auf GmbH-Ebene vermieden werden. Aufgrund dieser nahezu vollständigen Steuerbefreiung von Veräußerungserlösen und Gewinnausschüttungen ist eine Beteiligung in der Rechtsform einer GmbH bzw. UG (haftungsbeschränkt) an einer anderen Kapitalgesellschaft (z.B. GmbH) steuerlich für Investoren attraktiv, die eine Veräußerung der Beteiligung an der Kapitalgesellschaft für die Zukunft planen oder die Gewinne reinvestieren möchten. Die Beteiligung an der operativ tätigen Kapitalgesellschaft wird in diesem Fall nicht direkt über eine natürliche Person gehalten, sondern über eine weitere GmbH oder UG (haftungsbeschränkt). Diese fungiert als „Holdinggesellschaft“ und profitiert bei zukünftigen Veräußerungsgewinnen aus dem Verkauf von Kapitalgesellschaftsbeteiligungen und Gewinnausschüttungen von der Steuerfreistellung in Höhe von 95 %. 3.1.2 Personengesellschaften (OHG, KG, GbR)
Soweit eine Personengesellschaft selbst Besteuerungstatbestände verwirklicht, ist sie grundsätzlich selbst Steuersubjekt und als solches zur Abgabe von Steuererklärungen und zur Entrichtung der geschuldeten Steuern verpflichtet. Diese Verpflichtung besteht für eine Personengesellschaft insbesondere im Umsatzsteuer- und Gewerbesteuerrecht. Die Personengesellschaft selbst unterliegt der Gewerbesteuer, soweit sie einen Gewerbebetrieb ausübt. Ein Gewerbebetrieb liegt dann vor, wenn die Personengesellschaft eine selbständige, nachhaltige Betätigung mit Gewinnerzielungsabsicht ausübt und sich am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr beteiligt, sofern die Betätigung weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als selbständige (freiberufliche) Arbeit anzusehen ist und den Umfang einer privaten Vermögensverwaltung überschreitet. Übt die Personengesellschaft sowohl eine gewerbliche als auch eine nichtgewerbliche Tätigkeit aus, gilt sie in vollem Umfang als Gewerbebetrieb (sog. Abfärbetheo-
rie). Die Umqualifizierung aller Einkünfte in gewerbliche Einkünfte kann insbesondere für eine freiberuflich tätige Personengesellschaft unbeabsichtigt zu einer zusätzlichen Belastung mit Gewerbesteuer führen. Beispiel: Die an einer freiberuflich tätigen Personengesellschaft beteiligten Personen (z.B. Ärzte) beziehen grundsätzlich Einkünfte aus selbständiger Arbeit. Erzielt jedoch einer der Gesellschafter neben seiner freiberuflichen Tätigkeit im Rahmen der Personengesellschaft gewerbliche Umsätze (z.B. aus dem Verkauf von Waren), so werden alle Gewinne der Gesellschaft in gewerbliche Einkünfte umqualifiziert. Auch bei Personengesellschaften wird die Gewerbesteuer weder bei der Ermittlung der gewerbesteuerlichen noch im Rahmen der einkommensteuerlichen Bemessungsgrundlage als Betriebsausgabe berücksichtigt. Der Gesetzgeber gewährt einer Personengesellschaft im Rahmen der Ermittlung des Gewerbeertrags, anders als bei den Kapitalgesellschaften, einen Freibetrag in Höhe von EUR 24.500,00 (zur grundlegenden Systematik der Erhebung der Gewerbesteuer vgl. Ausführungen zur Besteuerung der GmbH-Gesellschaft). Die Kompensation der Gewerbesteuer erfolgt daher durch eine Pauschalanrechnung der Gewerbesteuer auf die vom jeweiligen Gesellschafter zu zahlende Einkommensteuer. Die Einkommensteuerermäßigung wird in Höhe des 3,8-fachen des Gewerbesteuermessbetrags gewährt. Eine Definitivbelastung mit Gewerbesteuer erfolgt somit erst ab Hebesätzen von mehr als 380 %. 3.1.2.1 Besteuerung der Gesellschafter
Im Gegensatz zu der Besteuerung von Kapitalgesellschaften erfolgt die Besteuerung von Unternehmensgewinnen nicht auf Ebene der Personengesellschaft, sondern unmittelbar durch die Gesellschafter selbst. Die Gewinnermittlung erfolgt in einem zweistufigen Verfahren. Auf Ebene der Personengesellschaft wird zunächst der Gewinn der Gesellschaft ermittelt. In einem zweiten Schritt wird den einzelnen
Gesellschaftern entsprechend den gesetzlichen oder den vorrangigen Regelungen des Gesellschaftsvertrages der zustehende Gewinn- oder Verlustanteil zugewiesen. Die Zuweisung des vom jeweiligen Gesellschafter zu versteuernden Gewinns erfolgt im Rahmen einer einheitlichen und gesonderten Gewinnfeststellung durch das Finanzamt. Der festgestellte, anteilige Gewinn ist sodann in der Einkommensteuerveranlagung des Gesellschafters mit seinem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Vergütungen, die der Gesellschafter für Leistungen an die Personengesellschaft erhält, sind als Sonderbetriebseinnahmen ebenfalls den Einkünften aus dieser Personengesellschaft im Sinne einer steuerlichen Mitunternehmerschaft zuzuordnen und vom Gesellschafter zu versteuern. Diese Vergütungen gehören nicht zum regulären Gewinnanteil des Gesellschafters an der Gesellschaft, sondern sind dem sog. steuerlichen Sonderbetriebsvermögen des Gesellschafters zuzurechnen. Zu den abschließend im Gesetz aufgezählten Vergütungen zählen: • • • Vergütungen, die der Gesellschafter von der Personengesellschaft für eine Tätigkeit im Dienst der Gesellschaft erhalten hat Vergütungen für die Hingabe von Darlehen (z.B. Darlehenszinsen) Vergütungen für die Überlassung von Wirtschaftsgütern (z.B. Miete) Zum Sonderbetriebsvermögen (hier sog. Sonderbetriebsvermögen II) gehören auch Wirtschaftsgüter, die zwar nicht der Personengesellschaft zur Nutzung überlassen werden, die jedoch in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang mit der Beteiligung des Gesellschafters stehen und unmittelbar der Begründung oder Verstärkung der Stellung als Gesellschafter im Sinne eines Mitunternehmers zu dienen bestimmt sind. Hierzu gehören z.B. Beteiligungen des Gesellschafters an einer Kapitalgesellschaft, die aufgrund der Geschäftsbeziehungen zwischen der Personengesellschaft und der Kapitalgesellschaft überwiegend im geschäftlichen Interesse der Personengesellschaft von dem Gesellschafter gehalten werden.
Durch diese Regelung soll erreicht werden, dass der Gesellschafter als Mitunternehmer weitgehend einem Einzelunternehmer gleichgestellt wird, dem es nicht möglich ist, Entgelte für bestimmte Tätigkeiten für sein Unternehmen aus dem gewerblichen Bereich in z.B. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, Kapitalvermögen oder Vermietung und Verpachtung auszugliedern. Die gezahlten Vergütungen werden auf Ebene der Personengesellschaft als Betriebsausgabe und bei dem betreffenden Gesellschafter als Sonderbetriebseinnahme in einer Sondergewinnermittlung für steuerliche Zwecke erfasst. Neben den Vergütungen sind auch weitere im Zusammenhang mit den Wirtschaftgütern des Sonderbetriebsvermögens angefallene Einnahmen und Ausgaben in der Sondergewinnermittlung des jeweiligen Gesellschafters zu erfassen (z.B. steuerliche Abschreibungen bei abnutzbaren Wirtschaftsgütern des Sonderbetriebsvermögens, sog. Absetzung für Abnutzung (abgekürzt AfA)). Sowohl der Gewinn- oder Verlustanteil des Gesellschafters als auch der Gewinn oder Verlust aus seinem Sonderbetriebsvermögen werden vom Finanzamt im Rahmen – der bereits oben erwähnten – einheitlichen und gesonderten Gewinnfeststellung mit Bindungswirkung für die Einkommensteuerveranlagung des Gesellschafters festgestellt. Im Gegensatz zu den Kapitalgesellschaften können Wirtschaftsgüter und liquide Mittel dem Betriebsvermögen der Personengesellschaft durch die Gesellschafter entnommen oder zugeführt werden. Diese Entnahmen oder Einlagen sind im Rahmen der Gewinnermittlung auf Ebene der Gesellschaft gewinnneutral zu behandeln und beeinflussen somit nicht den vom jeweiligen Gesellschafter zu versteuernden Gewinn. Sollten dem Gesellschafter Verluste aus seiner Tätigkeit als Mitunternehmer (Gesellschafter) der Personengesellschaft zugewiesen werden, können diese grundsätzlich mit positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung verrechnet werden. Sofern eine Verrechnung mit positiven Einkünften im selben Veranlagungsjahr nicht möglich ist, können entstandene Verluste in das Vorjahr zurückgetragen oder mit zukünftigen Gewinnen der
Folgejahre verrechnet werden. Der Verlustvortrag und -rücktrag erfolgt nicht in unbegrenzter Höhe, sondern nur innerhalb der gesetzlichen betragsmäßigen Grenzen des § 10d Einkommensteuergesetz. Die Möglichkeit der Verlustverrechnung gilt für Kommanditisten einer Kommanditgesellschaft aufgrund ihrer auf die geleistete Kommanditeinlage begrenzten Haftung nur in den Grenzen des § 15a Einkommensteuergesetz. 3.1.2.2 Thesaurierungsbegünstigung – ermäßigter Steuersatz
Für Gewinne, die im Unternehmen investiert werden sollen, hat der Gesetzgeber mit der Unternehmenssteuerreform eine Thesaurierungsbegünstigung für Personengesellschaften eingeführt. Hintergrund für die Einführung einer solchen Thesaurierungsbegünstigung ist, dass eine Annäherung in der Steuerbelastung der Gesellschaftsformen von Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften erreicht werden soll. Es gilt ein ermäßigter Steuersatz von 28,25 % zzgl. Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 % auf die festgesetzte Steuer für nicht entnommene Gewinne. Daraus ergibt sich unter Beachtung der Gewerbesteueranrechnung eine theoretische Gesamtsteuerbelastung inklusive Gewerbesteuer von 29,77 %. Eine Besteuerung zum ermäßigten Steuersatz kann von jedem Gesellschafter der Personengesellschaft für den ihm zugewiesen Gewinnanteil beantragt werden, wenn er zu mehr als 10 % am Gewinn der Personengesellschaft beteiligt ist oder sein Gewinnanteil mehr als EUR 10.000,00 beträgt. Der Antrag auf Anwendung des ermäßigten Steuersatzes muss in jedem Veranlagungszeitraum im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung von jedem Gesellschafter neu gestellt werden. Soweit ein Gesellschafter den zum ermäßigten Steuersatz besteuerten Gewinn in den Folgejahren entnimmt, ist der Gewinn mit einem Steuersatz von 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag nachzuversteuern. Die Nachversteuerung wird auch durch folgende Ereignisse ausgelöst: • die Einbringung eines Mitunternehmeranteils in eine Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft
Formwechsel einer Personengesellschaft in eine Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft Übergang zu einer Gewinnermittlung durch Einnahmeüberschussrechnung oder einer pauschalierten Gewinnermittlung die Veräußerung oder Aufgabe des Mitunternehmeranteils Antrag auf Nachversteuerung.
In der Praxis spielt die Thesaurierungsbegünstigung meist keine größere Rolle, weil es z.B. im Fall der (Über-)Entnahme des zunächst ermäßigt besteuerten Gewinns zu einer Nachversteuerung dieses Gewinns kommt. Die Gesamtsteuerbelastung beträgt im Fall der Nachversteuerung 48,3 % und ist somit höher als eine Versteuerung des Gewinnanteils zum Spitzensteuersatz der Einkommensteuer. 3.1.3 Einzelunternehmen
Der Gewinn des Einzelunternehmers ist im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern. Verluste aus dem Einzelunternehmen können mit positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnet werden. Nicht ausgeglichene Verluste werden in betragsmäßigen Grenzen zunächst in das Vorjahr zur Verrechnung zurückgetragen und sodann in zukünftige Jahre für die Verrechnung mit positiven Einkünften vorgetragen. Im Gegensatz zu den Personengesellschaften ist es dem Einzelunternehmer nicht möglich, Verträge mit sich und seinem Unternehmen zu schließen. Entnahmen und Einlagen eines Einzelunternehmers haben wie bei der Personengesellschaft keinen Einfluss auf die Ermittlung des steuerlichen Gewinns und erfolgen somit gewinnneutral. Die vom Einzelunternehmer erzielten Gewinne stellen gewerbliche Einkünfte dar und unterliegen der Gewerbesteuerpflicht, soweit der Einzelunternehmer einen Gewerbebetrieb unterhält. Der Einzelunternehmer erzielt, ebenso wie eine Personengesellschaft, gewerbliche Einkünfte, wenn er eine selbständige, nachhaltige
Betätigung mit Gewinnerzielungsabsicht ausübt und sich am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr beteiligt, sofern die Betätigung weder als Ausübung von Landund Forstwirtschaft noch als selbständige (freiberufliche) Arbeit anzusehen ist und den Umfang einer privaten Vermögensverwaltung überschreitet. Keine gewerbliche Tätigkeit üben die sog. Freiberufler aus. Sie erzielen Einkünfte aus selbständiger Arbeit. Unter einer selbständigen (freiberuflichen) Tätigkeit versteht man eine Tätigkeit, bei der vorwiegend das geistige Vermögen sowie die persönliche Arbeitskraft eingesetzt werden. Bei der gewerblichen Tätigkeit stehen hingegen der Kapitaleinsatz und die kaufmännische Tätigkeit im Vordergrund. Die Abgrenzung kann im Einzelfall oft schwierig sein, ist aber im Hinblick auf die nicht bestehende Gewerbesteuerpflicht der Einkünfte aus selbständiger Arbeit notwendig. Das Einkommensteuergesetz enthält in § 18 Nr. 1 eine abschließende Aufzählung von freiberuflichen Tätigkeiten, die sog. Katalogberufe (u.a. Ärzte, Rechtsanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Heilpraktiker). Sofern kein Katalogberuf ausgeübt wird, liegt eine selbständige (freiberufliche) Tätigkeit vor, wenn eine wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit ausgeübt wird. Voraussetzungen für die Ausübung einer selbständigen Tätigkeit ist – wie bei allen Gewinneinkunftsarten – die Selbständigkeit, Nachhaltigkeit und Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr mit Gewinnerzielungsabsicht. Sofern Ihr als Einzelunternehmer keine freiberufliche Tätigkeit ausübt, sondern einen Gewerbebetrieb unterhaltet, unterliegt der Gewinn der Gewerbesteuer. Die Festsetzung der Gewerbesteuer erfolgt durch die Gemeinde, in der Ihr den Sitz Eures Unternehmens habt. Das Finanzamt ermittelt in diesem Zusammenhang den Gewerbesteuermessbetrag und teilt diesen der Gemeinde durch Übersendung eines Gewerbesteuermessbescheides mit. Bemessungsgrundlage für die Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrages ist der durch Hinzurechnungen und Kürzungen modifizierte Gewinn des Unternehmens.
Der auf volle EUR 100,00 abzurundende Gewerbeertrag ist um einen Freibetrag in Höhe von EUR 24.500,00 zu kürzen. Der Gewerbsteuermessbetrag ergibt sich aus der Multiplikation des Gewerbeertrags mit der einheitlichen Steuermesszahl von 3,5 %. Die Gemeinde wendet auf den Gewerbesteuermessbetrag einen Hebesatz an und ermittelt so die Gewerbesteuer (Gewerbesteuermessbetrag x Hebesatz) (vgl. zur Systematik der Gewerbesteuerberechnung auch die Ausführungen zur Besteuerung der GmbH). Auch bei den Einzelunternehmern zählt die Gewerbesteuer zu den nichtabzugsfähigen Betriebsausgaben im Rahmen der Gewinnermittlung. Die Kompensation für die Gewerbesteuerbelastung erfolgt, wie bei der Besteuerung der Gesellschafter einer Personengesellschaft, durch eine Pauschalanrechnung der Gewerbesteuer auf die zu zahlende Einkommensteuer. Die Einkommensteuer ermäßigt sich in Höhe des 3,8-fachen des Gewerbesteuermessbetrags. Im Ergebnis erfolgt somit erst ab einem Hebesatz von mehr als 380 % eine definitive Belastung des Einzelunternehmers mit Gewerbesteuer. 3.2 3.2.1 Umsatzsteuer und Rechnungstellung Allgemeines
Umsatzsteuerpflichtig sind in Deutschland grundsätzlich alle Unternehmer. Als Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuerrechts gelten dabei alle Personen oder Unternehmen, die eine nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen selbständig ausüben. Damit ist jedes Wirtschaftsgebilde, das nachhaltig Leistungen gegen Entgelt erbringt, als umsatzsteuerlicher Unternehmer anzusehen. Eine bekannte Ausnahme von der Umsatzsteuerpflicht stellt die so genannte Kleinunternehmerregelung dar. Besteuert werden Lieferungen und sonstige Leistungen, die ein Unternehmer im Rahmen seines Unternehmens im Inland ausführt. Das Besteuerungsverfahren wird dabei mit dem sperrigen Begriff Netto-Allphasen-Umsatzsteuer mit Vorsteuerabzug
versehen. Dies bedeutet, dass zwar sowohl bei Lieferungen und Leistungen zwischen Unternehmern als auch bei Lieferungen und Leistungen von Unternehmern an Privatpersonen (also in allen Phasen der Wertschöpfungskette) Umsatzsteuer erhoben wird. Soweit die Lieferungen und Leistungen jedoch zwischen Unternehmern ausgeführt werden, ist der empfangende Unternehmer berechtigt, sich die vom leistenden Unternehmer in Rechnung gestellte Vorsteuer von dem zuständigen Finanzamt erstatten zu lassen. Besteuerungszeitraum bei der Umsatzsteuer ist das Kalenderjahr. Nach Ablauf eines Jahres ist eine Umsatzsteuerjahreserklärung abzugeben, aus der sich die Umsatzsteuererstattung oder -nachzahlung des abgelaufenen Jahres ergibt. Zusätzlich zur Jahreserklärung ist bis zum 10. Tag nach Ablauf eines Monats eine Umsatzsteuervoranmeldung abzugeben, in der die Umsatzsteuer für den Voranmeldungszeitraum von dem Unternehmer selbst berechnet wird und die elektronisch bei dem zuständigen Finanzamt einzureichen ist. Die dafür erforderliche Software ist unter http://www.elster.de erhältlich. Zudem bieten viele Buchhaltungsprogramme die Möglichkeit, die Umsatzsteuervoranmeldung direkt an das Finanzamt zu übertragen. Die Frist zur Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldungen kann gegen Leistung einer Sondervorauszahlung dauerhaft um einen Monat verlängert werden. Die Sondervorauszahlung beträgt ein Elftel der Umsatzsteuerzahllast des Vorjahres. Fristverlängerungen sind auch in Neugründungsfällen möglich. Eine Sondervorauszahlung ist in diesen Fällen nicht zu leisten. Der Steuersatz beläuft sich in der Regel auf 19 % des vereinbarten Nettoentgelts. Wird beispielsweise ein Nettoentgelt in Höhe von EUR 100,00 vereinbart, so beträgt die vom leistenden Unternehmer abzuführende Umsatzsteuer EUR 19,00. Der empfangende Unternehmer ist berechtigt, sich aus dem Bruttopreis in Höhe von EUR 119,00 Vorsteuer in Höhe EUR 19,00 im Rahmen seiner Umsatzsteuervoranmeldung erstatten zu lassen.
Grundsätzlich muss die Umsatzsteuer nach vereinbarten Entgelten abgeführt werden. Das bedeutet, dass die Umsatzsteuerschuld bereits in der Umsatzsteuervoranmeldung des Monats abzugeben ist, in dem die Rechnung geschrieben wird. Die Zahlung an das Finanzamt hat auch dann zu erfolgen, wenn der Kunde die Rechnung noch gar nicht bezahlt hat. Da diese Regelung die Liquiditätslage von Unternehmern sehr belasten kann, existiert für kleinere Unternehmen eine Ausnahmeregelung. So können Freiberufler, Unternehmer, die nicht buchführungspflichtig sind, sowie Unternehmer, deren Gesamtumsatz im Vorjahr unter EUR 250.000,00 lag, die Berechnung der Umsatzsteuer nach vereinnahmten Entgelten beantragen. In diesem Fall ist die Umsatzsteuer erst abzuführen, wenn das Geld tatsächlich auf dem Geschäftskonto eingegangen ist. Für verschiedene Lieferungen bzw. Leistungen gilt ein besonderer Steuersatz von 7 %. Dieser kommt beispielsweise bei der Lieferung von Lebensmitteln oder Büchern und bei Beherbungsleistungen zur Anwendung. Neben dem ermäßigtem Steuersatz gibt es auch Lieferungen und Leistungen, die von der Umsatzsteuer befreit sind. Hierzu gehören Lieferungen an Abnehmer in ein anderes Land der europäischen Union sowie die Umsätze aus der Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften. 3.2.2 Kleinunternehmer als Ausnahme von der Regelbesteuerung
Unternehmer, die bestimmte Umsatzgrenzen nicht überschreiten, gelten als so genannte Kleinunternehmer und müssen ihre Umsätze nicht der Umsatzsteuer unterwerfen. Im Gegenzug dürfen sie die Vorsteuern aus Rechnungen nicht gegenüber dem Finanzamt geltend machen. Kleinunternehmer haben jedoch das Recht, auf diese Sonderregelung zu verzichten. In diesem Fall unterliegen sie allen Rechten und Pflichten eines umsatzsteuerlichen Unternehmers.
Kleinunternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes sind Unternehmer, deren Umsatz einschließlich. der darauf entfallenden Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr nicht höher als EUR 17.500,00 lag und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich EUR 50.000,00 nicht übersteigen wird. Unter Umsatz in diesem Sinne versteht man den nach vereinnahmten Entgelten bemessenen Umsatz. Hierbei werden die Bruttobeträge, also einschließlich der enthaltenen Umsatzsteuer, berücksichtigt. Die Kleinunternehmerregelung ist immer dann nicht anwendbar, wenn der Umsatz des Vorjahres über EUR 17.500,00 lag oder wenn im laufenden Jahr mit Umsätzen von mehr als EUR 50.000,00 zu rechnen ist. Da ein Existenzgründer keinen Vorjahresumsatz aufweisen kann, ist in diesen Fällen die Umsatzgrenze von EUR 17.500,00 für das laufende Kalenderjahr maßgeblich. Wird die Tätigkeit im Laufe eines Jahres aufgenommen, so darf die Kleinunternehmerregelung im ersten Jahr der Geschäftstätigkeit dann in Anspruch genommen werden, wenn der zu erwartende Umsatz unter EUR 17.500,00 liegen wird. Andererseits ist die Kleinunternehmerregelung im zweiten Jahr der Geschäftstätigkeit bereits dann nicht anwendbar, wenn die Umsätze des ersten Jahres hochgerechnet die Grenze von EUR 17.500,00 übersteigen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn bei Aufnahme der Geschäftstätigkeit im Oktober bis zum Ende des Jahres Umsätze in Höhe von EUR 6.000,00 erzielt werden. In diesem Fall beträgt der maßgebliche Umsatz EUR 6.000,00 / 3 Monate x 12 Monate = EUR 24.000,00. Die Anwendbarkeit der Kleinunternehmerregelung ist auf das Inland beschränkt. So schulden Kleinunternehmer weiterhin Einfuhrumsatzsteuer (haben jedoch keinen Anspruch auf eine Erstattung der entsprechenden Vorsteuer) und ausländische Umsatzsteuer, soweit diese bei Lieferungen oder Leistungen in das Ausland anfällt. Der Kleinunternehmer darf in seinen Rechnungen keinen Steuerbetrag gesondert ausweisen. Zudem ist auf den Rechnungen auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung hinzuweisen. Weist der Kleinunternehmer auf seiner Rechnung Um-
satzsteuer aus, so haftet er gegenüber dem Finanzamt für die unzulässigerweise ausgewiesene Umsatzsteuer. Ist in den ersten Jahren der Geschäftstätigkeit mit einem Vorsteuerüberschuss zu rechnen, so kann auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung verzichtet werden. Der Verzicht kann formlos gegenüber dem Finanzamt erklärt werden, bindet den Kleinunternehmer jedoch für fünf Jahre. 3.2.3 Lieferungen und Leistungen mit Auslandsbezug
Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ist das Ordnungsmerkmal des Unternehmers im innergemeinschaftlichen Waren- und Dienstleistungsverkehr. Dies bedeutet, dass sich der Unternehmer mit Hilfe der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer im In- und Ausland als Unternehmer ausweisen kann. Dies ist insbesondere bei Lieferungen und Leistungen innerhalb der Europäischen Union von Bedeutung. 3.2.3.1 Innergemeinschaftliche Lieferung
Lieferungen von Waren an Unternehmer, die ihr Unternehmen in einem Staat der Europäischen Union betreiben, sind in Deutschland von der Steuer befreit, wenn die folgenden Voraussetzungen vorliegen: • • Der Gegenstand der Lieferung wird von Deutschland aus in ein anderes Land der Europäischen Union geliefert Der Empfänger der Ware ist ein Unternehmer, der die Ware für sein Unternehmen erwirbt. Dies kann er durch Vorlage der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer nachweisen • Der Erwerb unterliegt im Bestimmungsland der Erwerbsbesteuerung. Hiervon kann man im Regelfall ausgehen, soweit der Erwerber den Gegenstand unter Angabe einer ihm von einem anderen Mitgliedstaat erteilten Umsatzsteuer-Identifikationsnummer erwirbt.
Es ist zu beachten, dass auf den Rechnungen über innergemeinschaftliche Lieferungen ein Vermerk enthalten sein muss, aus dem hervorgeht, dass es sich um eine solche innergemeinschaftliche Lieferung handelt, und dass diese Lieferung von der Umsatzsteuer befreit ist. Zudem müssen auf der Rechnung sowohl die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Liefernden als auch die des Empfängers angegeben werden. 3.2.3.2 Ausfuhrlieferung
Eine steuerfreie Ausfuhrlieferung liegt vor, wenn bei einer Lieferung aus Deutschland der Gegenstand der Lieferung in das Drittlandsgebiet (also einen Staat außerhalb der Europäischen Union) gelangt. Voraussetzung für diese Form der Steuerbefreiung ist die Vorlage des Ausfuhrnachweises. 3.2.3.3 Leistungen mit Auslandsbezug
Erbringt ein Unternehmer aus Deutschland sonstige Leistungen im Ausland, so unterliegen diese Leistungen im Regelfall in Deutschland nicht der Umsatzsteuer, wenn der Empfänger selbst ein (ausländischer) Unternehmer ist. Grundsätzlich ist die sonstige Leistung in diesen Fällen der Umsatzsteuer des Staats zu unterwerfen, in dem der Empfänger der Leistung sein Unternehmen betreibt. Zu diesem Zweck müsste sich der deutsche Unternehmer in diesen Ländern steuerlich registrieren, um die Umsatzsteuer abführen zu können. Da diese Registrierung in der Praxis sehr aufwendig und häufig mit Kosten für Berater und Übersetzer verbunden ist, gilt in allen Staaten der Europäischen Union und mit vielen weiteren Staaten das so genannte Reverse Charge-Verfahren. Reverse Charge (oder: Umkehr der Steuerschuldnerschaft) bedeutet, dass der Empfänger der Leistung die Umsatzsteuer abführt und bei Vorliegen der Voraus-
setzungen gleichzeitig berechtigt ist, diesen Umsatzsteuerbetrag als Vorsteuer geltend zu machen. Auf einen deutschen Unternehmer hat dieses Verfahren folgende Auswirkungen: • Bei Leistungen an Unternehmer mit Sitz in der EU ist keine Umsatzsteuer in Deutschland oder im Ausland abzuführen. Die im Ausland entstehende Umsatzsteuer wird durch den Empfänger der Leistung abgeführt. Bei Staaten außerhalb der EU ist im Einzelfall zu prüfen, ob das Reverse Charge-Verfahren anzuwenden ist • Bezieht der Unternehmer Leistungen von Unternehmern mit Sitz in der EU oder einem Drittland, so hat er in Deutschland die Umsatzsteuer für diese Unternehmer abzuführen. Er kann den Umsatzsteuerbetrag im Regelfall in der gleichen Voranmeldung als Vorsteuer geltend machen, so dass im Ergebnis keine Liquiditätsbelastung entsteht. In allen Fällen sollte auf der Rechnung ein Hinweis auf die Anwendbarkeit des Reverse Charge-Verfahrens enthalten sein. 3.2.4 3.2.4.1 Pflichtangaben in der Rechnung Pflichtangaben
Jeder Unternehmer ist bei der Ausführung von Lieferungen oder sonstigen Leistungen an einen anderen Unternehmer verpflichtet, innerhalb von sechs Monaten nach Ausführung der Leistung eine Rechnung auszustellen. Diese Rechnung ist für den Empfänger Voraussetzung für den Vorsteuerabzug. Kommt ein Unternehmer seiner Verpflichtung zur Rechnungsausstellung nicht nach, so kann dies als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu EUR 5.000,00 geahndet werden.
Für Lieferungen und Leistungen, die gegenüber Privatpersonen erbracht werden, existiert keine Pflicht zur Erstellung einer Rechnung im Sinne des Umsatzsteuergesetzes. Sind Rechnungen zu erstellen, so müssen diese alle durch das Umsatzsteuergesetz vorgeschriebenen Pflichtangaben enthalten. Fehlen einzelne Angaben, so berechtigt die Rechnung nicht zum Vorsteuerabzug. Fehlerhafte Rechnungen können jedoch berichtigt werden. Folgende Pflichtangaben müssen in einer ordnungsgemäßen Rechnung enthalten sein: • • • • • • • • Name und Anschrift des leistenden Unternehmers und des Leistungsempfängers Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des leistenden Unternehmers Ausstellungsdatum Fortlaufende Rechnungsnummer Leistungsbeschreibung, die eine eindeutige und leicht nachprüfbare Identifizierung der Leistung ermöglicht Zeitpunkt der Leistung (auch wenn diese dem Rechnungsdatum entspricht) Entgelt oder Entgelte, aufgeschlüsselt nach dem jeweiligen Steuersatz und einzelnen Steuerbefreiungen Steuersatz und Steuerbetrag (alternativ: Hinweis auf eine Steuerbefreiung)
Rechnungen können entweder in Papierform oder auf elektronischem Weg übermittelt werden. Wird die Rechnung auf elektronischem Weg übermittelt, so müssen sich Rechnungsaussteller und Rechnungsempfänger darüber einig sein, dass die
Rechnung elektronisch übermittelt werden soll. Zudem ist bei elektronischer Übermittlung der Rechnung die Echtheit der Herkunft und die Unversehrtheit des Inhalts zu gewährleisten. Dies kann entweder durch eine qualifizierte elektronische Signatur oder durch das EDI-Verfahren erfolgen. Es ist zu beachten, dass auch Rechnungen, die per E-Mail oder Telefax übermittelt werden, umsatzsteuerrechtlich als auf elektronischem Weg übermittelte Rechnungen gelten. 3.2.4.2 Pflichtangaben bei Kleinbetragsrechnungen
Rechnungen über Kleinbeträge, deren Gesamtbetrag EUR 150,00 nicht übersteigt, müssen nur die folgenden Angaben enthalten: • • • • Name und Anschrift des leistenden Unternehmers Ausstellungsdatum Menge und Art der gelieferten Gegenstände bzw. Umfang und Art der erbrachten Leistung Entgelt und Steuerbetrag sowie Angaben zum anzuwendenden Steuersatz bzw. einer Steuerbefreiung 3.2.4.3 Besondere Vermerke
Im Fall einer Ausfuhrlieferung (d.h. Lieferung an einen Unternehmer, der sein Unternehmen in einem Staat außerhalb der EU betreibt und bei der der Gegenstand der Lieferung von Deutschland aus in diesen Staat versendet wird) ist der Hinweis Steuerfreie Ausfuhrlieferung nach § 6 in Verbindung mit § 4 Nr. 1 Buchstabe a UStG aufzunehmen. Deutsche Umsatzsteuer ist in diesem Fall nicht auszuweisen.
Im Fall einer innergemeinschaftlichen Lieferung (d.h. Lieferung an einen Unternehmer, der sein Unternehmen in einem Staat innerhalb der EU betreibt und bei der der Gegenstand der Lieferung von Deutschland aus in diesen Staat versendet wird) ist der Hinweis Steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung nach § 6a in Verbindung mit § 4 Nr. 1 Buchstabe b UStG aufzunehmen. Deutsche Umsatzsteuer ist in diesem Fall ebenfalls nicht auszuweisen. Im Fall einer innergemeinschaftlichen Leistung (d.h. Leistung an einen Unternehmer, der sein Unternehmen in einem Staat innerhalb der EU betreibt) ist der Hinweis Umkehr der Steuerschuldnerschaft nach Art. 196 MwStSystRL aufzunehmen. In diesem Fall ist keine Umsatzsteuer auszuweisen. Handelt es sich bei dem liefernden oder leistenden Unternehmer um einen sog. Kleinunternehmer im Sinne des deutschen Umsatzsteuergesetzes, so ist der Hinweis Kein Ausweis der Umsatzsteuer aufgrund der Anwendung der Kleinunternehmerregelung gemäß § 19 UStG aufzunehmen. In diesem Fall ist keine Umsatzsteuer auszuweisen.
Gewinnermittlung/Buchführung Aufzeichnungs- und Buchführungspflichten nach Handels- und Steuerrecht
Unternehmer in Deutschland müssen verschiedenen Aufzeichnungs- und Buchführungspflichten nachkommen, die sich aus dem Handelsrecht, dem Steuerrecht und aus sonstigen Rechtsvorschriften ergeben können. Art und Umfang dieser Pflichten variieren dabei in Abhängigkeit der Rechtsform des jeweiligen Unternehmens. Zudem bestehen für einige Unternehmensformen Erleichterungen, die in Abhängigkeit von Größenmerkmalen (insbesondere Umsatz und Jahresüberschuss) gewährt werden. Grundsätzlich sind nach handelsrechtlichen Vorschriften alle Kaufleute verpflichtet, Bücher zu führen. Diese Pflicht betrifft damit sowohl die im Handelsregister eingetragenen Einzelkaufleute (e.K.), Personenhandelsgesellschaften (OHG, KG), Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) sowie die sonstigen Betreiber eines Handelsgewerbes, unabhängig von einer Eintragung im Handelsregister. Einzelkaufleute, die an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren Umsatzerlöse von nicht mehr als EUR 500.000,00 und Jahresüberschüsse von nicht mehr als EUR 50.000,00 erzielt haben, sind von der Buchführungspflicht nach Handelsgesetzbuch befreit. Ist ein Unternehmen oder Unternehmer buchführungspflichtig nach Handelsrecht, so ist er verpflichtet, • • eine Buchführung einzurichten, deren Einträge vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet vorzunehmen sind zu Beginn des Handelsgewerbes und für den Schluss eines jeden Geschäftsjahres ein Inventar aufzustellen
zu Beginn der Buchführungspflicht eine Eröffnungsbilanz zu erstellen am Ende jedes Geschäftsjahres einen Jahresabschluss bestehend aus Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung in deutscher Sprache und in Euro zu erstellen, der den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung entspricht
diesen Jahresabschluss unter Angabe des Datums durch den persönlich haftenden Gesellschafter zu unterzeichnen und die Unterlagen unter Beachtung der Aufbewahrungsfristen aufzubewahren.
Nach deutschem Steuerrecht sind Unternehmer bzw. Unternehmen grundsätzlich immer dann buchführungspflichtig, wenn sie nach handelsrechtlichen Vorschriften buchführungspflichtig sind. Darüber hinaus besteht nach steuerlichen Vorschriften eine Buchführungspflicht, wenn gewerblich tätige Unternehmer bzw. Unternehmen in einem Wirtschaftsjahr Umsätze von mehr als EUR 500.000,00 oder einen Gewinn aus Gewerbebetrieb von mehr als EUR 50.000,00 erwirtschaften. Die Buchführungspflicht nach steuerlichen Vorschriften beginnt nicht, bevor das Finanzamt den Steuerpflichtigen nach Überschreiten einer der Grenzen ausdrücklich schriftlich auf den Beginn der Buchführungspflicht hingewiesen hat. 3.3.2 Arten der Gewinnermittlung
Die Frage, ob ein Unternehmen Bücher zu führen hat, entscheidet auch darüber, wie der Gewinn zu ermitteln ist. Nicht buchführungspflichtige Unternehmen können den Jahresüberschuss im Wege einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln. Dies bedeutet, dass sich der Gewinn aus dem Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben eines Geschäftsjahres ermittelt. Entscheidend für die Zuordnung dieser Einnahmen und Ausgaben zu einem Geschäftsjahr ist dabei der Zeitpunkt des Zuflusses- bzw. Abflusses (d.h. Zeitpunkt der Zahlung).
Es existieren einige Ausnahmen von diesem Zufluss- bzw. Abflussprinzip. So führen beispielsweise Abschreibungen zu Betriebsausgaben, obwohl kein Zahlungsmittelabfluss zu verzeichnen ist. Bei der Gewinnermittlung im Wege der Einnahmen-Überschuss-Rechnung wird die eingenommene Umsatzsteuer ebenfalls als Betriebseinnahme und die zu zahlende Vorsteuer als Betriebsausgabe behandelt. Ergeben sich aus der Umsatzsteuervoranmeldung oder Jahreserklärung Nachzahlungen oder Erstattungen, so führen diese ebenfalls wieder zu Betriebeinnahmen oder -ausgaben. Ist ein Unternehmen buchführungspflichtig, so ist das Jahresergebnis durch Betriebsvermögensvergleich (Bilanzierung) zu ermitteln. Dabei wird das Betriebsvermögen am Ende eines Geschäftsjahres dem Betriebsvermögen zu Beginn eines Geschäftsjahres gegenübergestellt. Der Differenzbetrag entspricht dem Jahresüberschuss. Die Zuordnung von Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben zu einem Geschäftsjahr erfolgt im Rahmen der Bilanzierung nicht im Zeitpunkt des Zuflusses bzw. Abflusses von Zahlungsmitteln. Entscheidend ist vielmehr die wirtschaftliche Zuordnung. Wird also zum Beispiel die Miete für den Dezember eines Jahres erst im folgenden Januar bezahlt, so wird die Betriebsausgabe auch ohne Zahlungsabfluss bereits im Dezember erfasst und eine entsprechende Verbindlichkeit ausgewiesen. Andererseits führen erbrachte Leistungen auch dann zu Betriebseinnahmen, wenn die Rechnung erst im Folgejahr beglichen wird. Ein weiterer Unterschied zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung liegt in der Behandlung der unfertigen Erzeugnisse und der unfertigen Leistungen. Während diese im Rahmen der Einnahmen-Überschuss-Rechnung erst nach Weiterverkauf (und Erhalt der Zahlung) berücksichtigt werden, sind diese in der Bilanz bereits vor Fertigstellung mit den bis zum Bilanzstichtag angefallenen Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten zu bewerten.
Sabine Wahl, LL.M. Rechtsanwältin Innere Kanalstr. 15 50823 Köln T +49 (0) 221 5108 44480 E sabine.wahl@osborneclarke.de
Arbeitsrecht Einleitung
Oftmals merkt ein Existenzgründer oder Unternehmer schnell, dass er weitere Unterstützung benötigt und Mitarbeiter einstellen möchte. Sowohl bei der Einstellung von Mitarbeitern als auch im laufenden Arbeitsverhältnis und bei etwaigen Vertragsbeendigungen gilt es, die arbeitsrechtlichen und teils auch sozialrechtlichen Regelungen im Blick zu behalten. Es ist ein gewisses Grundwissen notwendig, um häufige – und dann teils kostenträchtige – Fehler zu vermeiden. Im Folgenden bekommt Ihr daher einen Überblick, was bei der Einstellung, im laufenden Arbeitsverhältnis und bei der Beendigung zu beachten ist. Am Rande sollen auch einige sozialversicherungsrechtliche Fragestellungen bei der Abgrenzung zu freien Mitarbeitsverhältnissen und der Stellung als Gesellschafter angesprochen werden. 4.2 Bewerbersuche und Einstellung
Stellenausschreibungen sind nicht nur wichtig, um genau die richtigen Kandidaten anzusprechen, sondern müssen auch sorgfältig gestaltet sein. Ebenso ist im Rahmen von Vorstellungs-gesprächen darauf zu achten, welche Fragen aus rechtlichen Gründen besser nicht gestellt werden sollten. Andernfalls drohen zum einen gegebenenfalls Entschädigungsansprüche von Bewerbern. Zum anderen schafft ein professionell gestaltetes Einstellungsverfahren Vertrauen und hilft, hochkarätige Bewerber anzusprechen.
Stellenausschreibung – Wie macht man es richtig?
Unabhängig davon, ob die Stellenausschreibung im Internet (über Bewerberbörsen oder Social Networks) oder über Aushänge bekannt gemacht wird, Ihr solltet einige Grundregeln bei der Ausgestaltung der Anzeige beachten. Insbesondere enthält das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ein Diskriminierungsverbot und Bewerber können schon dann Entschädigungsansprüche geltend machen, wenn sie lediglich Indizien beweisen, die eine Benachteiligung im Hinblick auf ein verbotenes Diskriminierungsmerkmal vermuten lassen. Zu vermeiden sind daher jegliche Diskriminierungen aufgrund von Rasse, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter oder sexueller Identität. Dies sind die im AGG genannten Benachteiligungsgründe, gegen die sich das Gesetz richtet. Praxisbeispiel: • • Schreibt Stellen immer gleichermaßen für Männer und Frauen aus ("Außendienstmitarbeiter/in" oder „Außendienstmitarbeiter (m/w)") Macht keine Vorgaben zum Alter der Bewerber (Wünsche bezüglich mitzubringender Berufserfahrung sind hingegen zulässig) Nur in Ausnahmefällen kann die Anknüpfung an ein Diskriminierungsmerkmal gerechtfertigt sein, nämlich dann, wenn dies • • • • wegen der Art der auszuübenden Tätigkeit oder der Bedingungen ihrer Aus-übung eine wesentliche und entscheidende berufliche Qualifikation darstellt, sofern der Zweck rechtmäßig und die Anforderung angemessen ist.
Dies wurde z. B. in einem Fall anerkannt, in dem ein Mann wegen Diskriminierung auf Grund des Geschlechtes klagte, da er bei der Bewerbung um eine Stelle als Nachtwächter in einem Mädcheninternat nicht in die engere Bewerberauswahl aufgenommen wurde. Hier hat das Bundesarbeitsgericht die Benachteiligung auf Grund des Geschlechts als gerechtfertigt angesehen. In diesem Fall sei das Geschlecht eine wesentliche und entscheidende Anforderung, die ein Bewerber erfüllen müsse. Liegen Indizien für eine Diskriminierung vor und ist diese nicht gerechtfertigt, so kann ein Bewerber gegenüber dem Arbeitgeber grundsätzlich folgendes geltend machen: • • Ersatz des dem Bewerber entstandenen Schadens angemessene Entschädigung – auch ohne Nachweis, dass der Bewerber bei diskriminierungsfreiem Vorgehen eingestellt worden wäre, können das ein bis drei Monatsgehälter sein Entsprechende Forderungen müssen Bewerber regelmäßig binnen zwei Monaten ab Erhalt der Absage schriftlich geltend machen. Aus diesem Grund ist es auch ratsam, Bewerbungsunterlagen erst nach dieser Frist zurückzuschicken oder so