Source: https://www.steuerberater-center.de/42647.htm
Timestamp: 2018-12-15 04:14:49
Document Index: 123801443

Matched Legal Cases: ['EuG', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 12', 'EuG', 'EuG']

FG Hamburg 7.5.2015, 6 K 50/14
Umsatzsteuerliche Bewertung einer sog. Dinner-Show
Die Kombination von Unterhaltung und Bewirtung zu einer "Dinner-Show" stellt eine komplexe (einheitliche) Leistung zweier (Haupt) Leistungen dar, die aus der maÃŸgeblichen Sicht des Durchschnittsverbrauchers so eng miteinander verbunden sind, dass sie objektiv eine einzige untrennbare wirtschaftliche Leistung bilden, deren Aufspaltung wirklichkeitsfremd wÃ¤re. Nach EuGH-Rechtsprechung ist dabei kein derart strenger MaÃŸstab anzulegen, dass eine Untrennbarkeit nur dann angenommen werden kÃ¶nnte, wenn die Einzelleistungen ohne die jeweils andere nutzlos wÃ¤ren.
Die KlÃ¤gerin hatte in verschiedenen deutschen StÃ¤dten in speziellen Zelten VarietÃ©-Shows unter gleichzeitiger Erbringung von Bewirtungsleistungen veranstaltet. Eine Veranstaltung dauerte circa vier Stunden und bestand aus kÃ¼nstlerischen VorfÃ¼hrungen sowie einem Vier-GÃ¤nge-MenÃ¼. Die KÃ¼nstler kamen aus dem In- und Ausland. FÃ¼r die Bewirtung wurden namhafte deutsche SpitzenkÃ¶che engagiert. Die Veranstaltung wurde durch die KlÃ¤gerin u.a. beworben als "charmante Mixtur aus erstklassigem Entertainment und erlesenen Gaumenfreuden". Die von den Kunden erworbenen GetrÃ¤nke wurden stets getrennt in Rechnung gestellt.
Seit der Saison 2011/2012 war es in bestimmten Platzkategorien mÃ¶glich, sog. Only-Show-Tickets zu erwerben, die den Zugang ohne Inanspruchnahme des MenÃ¼s ermÃ¶glichten. Pro Saison wurden solche Tickets in einer niedrigen zweistelligen Anzahl je Standort verkauft. Im Vergleich dazu wurden je Abend ca. 300 bis 360 Personen bewirtet. FÃ¼r die GÃ¤ste mit Only-Show-Tickets bestand die MÃ¶glichkeit, auch noch wÃ¤hrend der Show ein MenÃ¼ zu buchen. Es bestand jedoch nicht die MÃ¶glichkeit, nur das MenÃ¼ zu buchen.
Die KlÃ¤gerin behandelte die UmsÃ¤tze der Dinner-Shows im Rahmen der Umsatzsteuervoranmeldungen derart, dass sie die auf den Bewirtungsanteil entfallenden UmsÃ¤tze dem Regelsteuersatz des Â§ 12 Abs. 1 UStG und die auf den Showanteil entfallenden UmsÃ¤tze dem ermÃ¤ÃŸigten Steuersatz gem. Â§ 12 Abs. 2 Nr. 7 UStG unterwarf. Das Finanzamt vertrat hingegen die Auffassung, es handle sich bei den ausgefÃ¼hrten UmsÃ¤tzen um eine einheitliche Leistung, die vollstÃ¤ndig dem Regelsteuersatz des Â§ 12 Abs. 1 UStG unterliege.
Das Finanzamt hatte die UmsÃ¤tze aus dem Verkauf der Eintrittskarten fÃ¼r die von der KlÃ¤gerin dargebotenen VarietÃ©-Shows und Bewirtungsleistungen zu Recht insgesamt dem Regelsteuersatz gem. Â§ 12 Abs. 1 UStG unterworfen. Die Gesamtleistung der KlÃ¤gerin war als einheitliche sonstige Leistung zu beurteilen, die dem Regelsteuersatz von 19 % unterliegt.
Die Kombination von Unterhaltung und Bewirtung zu einer "Dinner-Show" stellt eine komplexe (einheitliche) Leistung zweier (Haupt) Leistungen dar, die aus der maÃŸgeblichen Sicht des Durchschnittsverbrauchers so eng miteinander verbunden sind, dass sie objektiv eine einzige untrennbare wirtschaftliche Leistung bilden, deren Aufspaltung wirklichkeitsfremd wÃ¤re. Nach EuGH-Rechtsprechung (Urt. "Levob Verzekeringen und OV Bank" vom 27.10.2005, C-41/04), ist dabei - entgegen der Auffassung der KlÃ¤gerin - kein derart strenger MaÃŸstab anzulegen, dass eine Untrennbarkeit nur dann angenommen werden kÃ¶nnte, wenn die Einzelleistungen ohne die jeweils andere nutzlos wÃ¤ren. Den durch den EuGH entwickelten GrundsÃ¤tzen hat sich auch der BFH ausdrÃ¼cklich angeschlossen (BFH-Urt. v. 11.10.2012, Az.: V R 9/10).
Zwar wird im Schrifttum wird fÃ¼r den Fall einer Dinner-Show teilweise die Auffassung vertreten, dass die Bewirtungsleistung und die Show-Leistung als jeweils eigenstÃ¤ndige Leistungen zu beurteilen seien (Lange, UR 2009, 289 f.). Im vorliegenden Fall lag jedoch eine komplexe (einheitliche) Leistung zweier (Haupt-) Leistungen vor, die aus der maÃŸgeblichen Sicht des Durchschnittsverbrauchers so eng miteinander verbunden sind, dass sie objektiv eine einzige untrennbare wirtschaftliche Leistung bilden, deren Aufspaltung wirklichkeitsfremd wÃ¤re. Durch die Kombination von Show und Bewirtung schaffte die KlÃ¤gerin etwas eigenstÃ¤ndiges Drittes, das den Charakter der Veranstaltungen prÃ¤gte.
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Verlag Dr. Otto Schmidt vom 24.11.2015 16:52