Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/die-tilgung-einer-fremden-schuld-und-ihre-insolvenzanfechtung-368323
Timestamp: 2020-01-24 07:25:01
Document Index: 342460767

Matched Legal Cases: ['§ 134', '§ 267', '§ 320', '§ 140', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Die Til­gung einer frem­den Schuld – und ihre Insol­venz­an­fech­tung | Rechtslupe
Die Tilgung einer fremden Schuld - und ihre Insolvenzanfechtung
Die Til­gung einer frem­den Schuld kann unent­gelt­lich sein, auch wenn der Emp­fän­ger an den Zah­len­den Leis­tun­gen erbracht hat, sofern sich der Zah­lungs­emp­fän­ger hier­zu nur gegen­über sei­nem Schuld­ner ver­pflich­tet hat­te.
Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist bei der Beur­tei­lung, ob eine Leis­tung des Schuld­ners unent­gelt­lich im Sin­ne von § 134 Abs. 1 InsO erfolg­te, zwi­schen Zwei­Per­so­nen­Ver­hält­nis­sen und Drei­Per­so­nen­Ver­hält­nis­sen zu unter­schei­den. Im Zwei­Per­so­nen­Ver­hält­nis ist eine Ver­fü­gung als unent­gelt­lich anzu­se­hen, wenn ihr nach dem Inhalt des Rechts­ge­schäfts kei­ne Leis­tung gegen­über­steht, dem Leis­ten­den also kei­ne dem von ihm auf­ge­ge­be­nen Ver­mö­gens­wert ent­spre­chen­de Gegen­leis­tung zuflie­ßen soll. Wird eine drit­te Per­son in den Zuwen­dungs­vor­gang ein­ge­schal­tet, kommt es nicht ent­schei­dend dar­auf an, ob der Leis­ten­de selbst einen Aus­gleich für sei­ne Leis­tung erhal­ten hat; maß­geb­lich ist viel­mehr, ob der Zuwen­dungs­emp­fän­ger sei­ner­seits eine Gegen­leis­tung zu erbrin­gen hat. Bezahlt der Leis­ten­de die gegen einen Drit­ten gerich­te­te For­de­rung des Zuwen­dungs­emp­fän­gers, liegt des­sen Gegen­leis­tung in der Regel dar­in, dass er mit der Leis­tung, die er gemäß § 267 Abs. 2 BGB nur bei Wider­spruch sei­nes Schuld­ners ableh­nen kann, eine wert­hal­ti­ge For­de­rung gegen die­sen ver­liert. Ist hin­ge­gen die For­de­rung des Zuwen­dungs­emp­fän­gers wert­los, ver­liert die­ser wirt­schaft­lich nichts, was als Gegen­leis­tung für die Zuwen­dung ange­se­hen wer­den kann. In sol­chen Fäl­len ist die Til­gung einer frem­den Schuld als unent­gelt­li­che Leis­tung anfecht­bar. Der Zuwen­dungs­emp­fän­ger ist gegen­über den Insol­venz­gläu­bi­gern des Leis­ten­den nicht schutz­wür­dig; denn er hät­te ohne des­sen Leis­tung, auf die er kei­nen Anspruch hat­te, sei­ne For­de­rung nicht durch­set­zen kön­nen 1.
Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Streit­fall geht es um ein Drei-Per­so­nen-Ver­hält­nis: Die Schuld­ne­rin hat den Ver­gü­tungs­an­spruch des Beklag­ten aus sei­nem Arbeits­ver­trag mit der WW. für die Mona­te Febru­ar und März 2007 erfüllt und damit eine frem­de Schuld getilgt. Der Gläu­bi­ger (Beklag­te), der sei­ne Arbeits­leis­tung für die in Rede ste­hen­den Mona­te im Wesent­li­chen schon erbracht hat­te, hat die­se Leis­tung unent­gelt­lich erlangt, wenn sei­ne Lohn­for­de­rung gegen die WW. wert­los war. Dies wäre der Fall, wenn die WW. zum Zeit­punkt der Zah­lun­gen der Schuld­ne­rin zah­lungs­un­fä­hig und des­halb insol­venz­reif war 2. Dabei kommt es weder dar­auf an, ob der Leis­tungs­emp­fän­ger bei Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens über das Ver­mö­gen sei­nes Ver­trags­schuld­ners eine auf sei­ne For­de­rung ent­fal­len­de Quo­te erhal­ten hät­te 3, noch dar­auf, dass es dem Ver­trags­schuld­ner tat­säch­lich gelun­gen ist, über einen Drit­ten für einen Aus­gleich der gegen ihn gerich­te­ten For­de­run­gen zu sor­gen 4.
Die Ent­gelt­lich­keit der Leis­tun­gen der Schuld­ne­rin kann nicht damit begrün­det wer­den, dass der Gläu­bi­ger gegen­über der Schuld­ne­rin Arbeits­leis­tun­gen erbracht hat, die mit den in Rede ste­hen­den Zah­lun­gen ver­gü­tet wer­den soll­ten.
Die Fra­ge der Ent­gelt­lich­keit ist im Zuwen­dungs­ver­hält­nis zwi­schen dem ver­fü­gen­den Insol­venz­schuld­ner und dem Leis­tungs­emp­fän­ger zu beur­tei­len 5. In die­sem Ver­hält­nis bestand kei­ne Ver­pflich­tung der Schuld­ne­rin zur Leis­tung an den Beklag­ten, wel­che jene als ent­gelt­lich qua­li­fi­zie­ren wür­de, und auch sonst kei­ne Ver­ein­ba­rung, nach der die Arbeits­leis­tun­gen des Beklag­ten ein Aus­gleich – nicht not­wen­dig eine Gegen­leis­tung im Sin­ne der §§ 320 ff BGB – für die Leis­tun­gen der Schuld­ne­rin waren oder jeden­falls sein soll­ten 6.
Nur im Ver­hält­nis zur WW. hat­te der Gläu­bi­ber sich damit ein­ver­stan­den erklärt und dadurch die Ver­pflich­tung über­nom­men, auf Wei­sung der WW. Arbeits­leis­tun­gen auch an die Schuld­ne­rin zu erbrin­gen. Dem­entspre­chend war auch nur die WW. ihm zur Lohn­zah­lung ver­pflich­tet. Nur ihre Zah­lun­gen bil­de­ten das Ent­gelt für die Leis­tun­gen des Beklag­ten, gleich­viel ob er sie gegen­über der WW. oder gegen­über der Schuld­ne­rin erbrach­te.
Allein der Umstand, dass der Gläu­bi­ger vor den Zah­lun­gen der Schuld­ne­rin Arbeits­leis­tun­gen erbracht hat­te, ist für die Fra­ge der Ent­gelt­lich­keit die­ser Zah­lun­gen ohne Bedeu­tung. Dies hat der Bun­des­ge­richts­hof für Leis­tun­gen des Zah­lungs­emp­fän­gers an sei­nen Schuld­ner mehr­fach ent­schie­den 7. Für Leis­tun­gen an den zah­len­den Drit­ten und spä­te­ren Insol­venz­schuld­ner gilt nichts ande­res. Man­gels einer im Zuwen­dungs­ver­hält­nis getrof­fe­nen Ver­ein­ba­rung über eine aus­glei­chen­de Gegen­leis­tung kann die Ent­gelt­lich­keit nur danach beur­teilt wer­den, ob zum Zeit­punkt der Zah­lun­gen (§ 140 Abs. 1 InsO) 8 eine wert­hal­ti­ge For­de­rung des Zah­lungs­emp­fän­gers gegen sei­nen Schuld­ner bestand, die infol­ge der Zah­lun­gen des Insol­venz­schuld­ners erlosch.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Okto­ber 2013 – IX ZR 10/​13
Bera­tung schei­dungs­wil­li­ger Ehe­gat­ten Suchen Ehe­leu­te gemein­sam einen Rechts­an­walt auf, um sich in ihrer Schei­dungs­an­ge­le­gen­heit bera­ten zu las­sen, hat der Anwalt vor Beginn der Bera­tung auf die gebüh­ren- und…
BGH, Urteil vom 16.11.2007 – IX ZR 194/​04, BGHZ 174, 228 Rn. 8; vom 19.11.2009 – IX ZR 9/​08, WM 2010, 129 Rn. 8; jeweils mwN[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 22.10.2009 – IX ZR 182/​08, WM 2009, 2283 Rn. 8; vom 17.06.2010 – IX ZR 186/​08, WM 2010, 1421 Rn. 7; vom 18.04.2013 – IX ZR 90/​10, WM 2013, 1079 Rn. 6; jeweils mwN[↩]
BGH, Urteil vom 22.10.2009, aaO Rn. 9[↩]
BGH, Urteil vom 27.04.2010 – IX ZR 122/​09, ZIn­sO 2010, 1092 Rn. 6[↩]
BGH, Urteil vom 03.03.2005 – IX ZR 441/​00, BGHZ 162, 276, 282; vom 30.03.2006 – IX ZR 84/​05, WM 2006, 1156 Rn. 14[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 18.03.2010 – IX ZR 57/​09, WM 2010, 851 Rn. 9[↩]
BGH, Urteil vom 03.03.2005, aaO S. 281; vom 30.03.2006, aaO Rn. 11; vom 16.11.2007 – IX ZR 194/​04, BGHZ 174, 228 Rn. 10; vom 05.06.2008 – IX ZR 163/​07, WM 2008, 1459 Rn. 13; vom 07.05.2009 – IX ZR 71/​08, WM 2009, 1099 Rn. 6; vom 18.04.2013 – IX ZR 90/​10, WM 2013, 1079 Rn. 9[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 03.03.2005, aaO; vom 30.03.2006, aaO; vom 05.06.2008, aaO Rn. 12[↩]
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