Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/erledigung-in-grundbuchsachen-337630
Timestamp: 2020-01-22 19:31:51
Document Index: 37303569

Matched Legal Cases: ['§ 78', '§ 62', '§ 62', '§ 62', '§ 131', '§ 131', '§ 20', '§ 20', '§ 81', '§ 81', '§ 71', 'BGH', 'BGH', '§ 77', '§ 77', '§ 1', '§ 22', '§ 58', '§ 71']

Erle­di­gung in Grund­buch­sa­chen | Rechtslupe
Erle­di­gung in Grund­buch­sa­chen
Hat sich in einer Grund­buch­sa­che die Haupt­sa­che vor Ein­le­gung der Rechts­be­schwer­de erle­digt, ist die Rechts­be­schwer­de jeden­falls dann unzu­läs­sig, wenn das Beschwer­de­ge­richt kei­ne iso­liert anfecht­ba­re Kos­ten­ent­schei­dung getrof­fen hat.
Die gemäß § 78 Abs. 1 GBO statt­haf­te Rechts­be­schwer­de ist unzu­läs­sig, wenn sich die Haupt­sa­che vor ihrer Ein­le­gung erle­digt hat. Die Erle­di­gung einer gegen eine Zwi­schen­ver­fü­gung des Grund­buch­amts gerich­te­ten Beschwer­de tritt u.a. dann ein, wenn das ange­nom­me­ne Ein­tra­gungs­hin­der­nis ohne Zwei­fel beho­ben ist 1.
Dabei kann im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall für den Bun­des­ge­richts­hof dahin­ste­hen, ob das Begeh­ren der Rechts­be­schwer­de­füh­rer sei­nem Rechts­schutz­ziel ent­spre­chend als Antrag gemäß § 62 Abs. 1 FamFG ver­stan­den wer­den kann. Denn die dort genann­ten Vor­aus­set­zun­gen für eine Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit nach Erle­di­gung der Haupt­sa­che lie­gen nicht vor. Es ist nicht erkenn­bar, dass für die Betei­lig­ten eine Wie­der­ho­lungs­ge­fahr im Sin­ne von § 62 Abs. 2 Nr. 2 FamFG bestehen könn­te. Eben­so wenig begrün­det die Kos­ten­last ein berech­tig­tes Inter­es­se im Sin­ne von § 62 Abs. 1 FamFG.
Das Inter­es­se der Betei­lig­ten, nicht mit der für die Zurück­wei­sung der Beschwer­de anfal­len­den Gebühr (§ 131 Abs. 1 Nr. 1 Kos­tO) belas­tet zu wer­den, führt auch nicht aus ande­ren Erwä­gun­gen zu der Zuläs­sig­keit des Rechts­mit­tels.
Die ver­fah­rens­recht­li­che Behand­lung einer Erle­di­gung der Haupt­sa­che im Grund­buch­ver­fah­ren rich­tet sich nach den für das Ver­fah­ren der Frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen. Unter der Gel­tung des FGG wur­de ein erst nach Erle­di­gung der Haupt­sa­che im Kos­ten­in­ter­es­se ein­ge­leg­tes Rechts­mit­tel ein­hel­lig als unzu­läs­sig ange­se­hen. Nur wenn die Erle­di­gung erst nach Ein­le­gung des zuläs­si­gen Rechts­mit­tels ein­trat, blieb die Beschwer­de zuläs­sig mit dem Ziel, die Kos­ten­tra­gungs­pflicht nach § 131 Abs. 1 Nr. 1 Kos­tO zu besei­ti­gen 2.
Nach bis­lang ein­hel­li­ger Ansicht soll sich dar­an durch das Inkraft­tre­ten des FGG-RG nichts geän­dert haben 3. Dem ist jeden­falls dann zuzu­stim­men, wenn die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung kei­ne iso­liert anfecht­ba­re Kos­ten­ent­schei­dung ent­hält.
Die Rechts­be­schwer­de weist zu Recht dar­auf hin, dass sich die Unzu­läs­sig­keit des Rechts­mit­tels in die­sen Fäl­len vor Inkraft­tre­ten des FGGRG schon dar­aus ergab, dass die Beschwer in der Haupt­sa­che ent­fal­len und eine iso­lier­te Anfech­tung der Kos­ten­ent­schei­dung gemäß § 20a Abs. 1 Satz 1 FGG aus­ge­schlos­sen war. An Letz­te­rem hat der Gesetz­ge­ber nicht fest­ge­hal­ten, son­dern eine § 20a Abs. 1 Satz 1 FGG ent­spre­chen­de Vor­schrift bewusst nicht in das FamFG auf­ge­nom­men. Mit der iso­lier­ten Anfecht­bar­keit soll­te die Über­prü­fung des wei­ten rich­ter­li­chen Ermes­sens bei der Kos­ten­ver­tei­lung gemäß §§ 81 ff. FamFG ermög­licht wer­den 4. Dies gilt auch in Grund­buch­sa­chen mit der Fol­ge, dass eine Kos­ten­ent­schei­dung Gegen­stand einer zuge­las­se­nen Rechts­be­schwer­de sein kann 5. Dar­aus kann jedoch nicht ohne wei­te­res der Schluss gezo­gen wer­den, dass ein nach Erle­di­gung der Haupt­sa­che ein­ge­leg­tes Rechts­mit­tel stets zuläs­sig wäre. Dies wäre nur dann zu erwä­gen, wenn die Kos­ten­ent­schei­dung tat­säch­lich iso­liert anfecht­bar wäre, wie es der Fall sein kann, wenn das Beschwer­de­ge­richt auf­grund der Betei­li­gung meh­re­rer mit gegen­sätz­li­chen Inter­es­sen eine Ent­schei­dung gemäß § 81 Abs. 2 FamFG getrof­fen hat. An einer sol­chen iso­liert anfecht­ba­ren Kos­ten­ent­schei­dung fehlt es aber, wenn die Kos­ten­last – wie hier – ohne eine rich­ter­li­che Ent­schei­dung aus dem Gesetz folgt.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Dezem­ber 2011 – V ZB 170/​11
BayO­bLGZ 1993, 137, 138 f.; Dem­har­ter, GBO, 27. Aufl., § 71 Rn. 34[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 10.02.1983 – V ZB 18/​82, BGHZ 86, 393, 395; Bud­de in Bauer/​von Oefe­le, GBO, 2. Aufl., § 77 Rn. 5 jeweils mwN[↩]
OLG Hamm, RNotZ 2011, 344, 346; BeckOK/​Kramer, GBO [Stand: 01.09.2011], § 77 Rn. 25; Dem­har­ter, GBO, 27. Aufl., § 1 Rn. 56; all­ge­mein Keidel/​Sternal, FamFG, 17. Aufl., § 22 Rn. 33[↩]
BT-Drucks. 16/​6308, S. 168, 216; Schul­te-Bun­er­t/Wein­reich/Un­ger, FamFG, 2. Aufl., vor § 58 Rn.20[↩]
Dem­har­ter, GBO, 27. Aufl., § 71 Rn. 32 f.[↩]
ErledigungGrundbuchRechtsbeschwerde