Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/verein-foerderung-open-3126852
Timestamp: 2020-01-20 13:11:44
Document Index: 173499450

Matched Legal Cases: ['§ 68', '§ 68', '§ 65', '§ 65', '§ 68', '§ 68', '§ 52', '§ 118', '§ 68', '§ 2', '§ 4', '§ 68', '§ 4', '§ 68', '§ 12', '§ 51', '§ 66', '§ 12', '§ 12', '§ 68', '§ 68', '§ 68', '§ 68', '§ 68', '§ 68', 'EuG']

Ver­ein zur För­de­rung der Open-Source-Soft­ware – und der Zweck­be­trieb | Rechtslupe
Kon­gress­ver­an­stal­tun­gen eines Ver­eins zur För­de­rung der Open-Source-Soft­ware kön­nen Zweck­be­trie­be i.S. von § 68 Nr. 8 AO sein, wenn dabei Vor­trä­ge, Kur­se und ande­re Ver­an­stal­tun­gen wis­sen­schaft­li­cher und beleh­ren­der Art durch­ge­führt wer­den.
Nach § 68 Nr. 8 AO, die im Ver­hält­nis zu der all­ge­mei­nen Rege­lung in § 65 AO als spe­zi­el­le Norm vor­ran­gig ist 1, sind Volks­hoch­schu­len und ande­re Ein­rich­tun­gen auch Zweck­be­trie­be, soweit sie selbst Vor­trä­ge, Kur­se und ande­re Ver­an­stal­tun­gen wis­sen­schaft­li­cher oder beleh­ren­der Art durch­füh­ren; dies gilt auch, soweit die Ein­rich­tun­gen den Teil­neh­mern die­ser Ver­an­stal­tun­gen selbst Beher­ber­gung und Bekös­ti­gung gewäh­ren.
Aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung hat die Bestim­mung im Ver­hält­nis zu § 65 AO ledig­lich klar­stel­len­den Cha­rak­ter, soweit es um die Rechts­fra­ge geht, ob von einer ent­spre­chen­den Ein­rich­tung Ver­an­stal­tun­gen wis­sen­schaft­li­cher oder beleh­ren­der Art durch­ge­führt wer­den 2.
Im Streit­fall lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen von § 68 Nr. 8 AO vor.
Bei dem Ver­ein han­delt es sich zwar nicht um eine Volks­hoch­schu­le oder um eine all­ge­mein aner­kann­te Ein­rich­tung der Erwach­se­nen­bil­dung 3, wohl aber um eine ande­re steu­er­be­güns­tig­te Ein­rich­tung i.S. von § 68 Nr. 8 AO 4. Die Sat­zungs­zwe­cke des Ver­eins umfas­sen nach § 52 Abs. 2 Nr. 7 AO die För­de­rung der Erzie­hung, Volks– und Berufs­bil­dung ein­schließ­lich der Stu­den­ten­hil­fe.
Aus­ge­hend von den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt, die nach § 118 Abs. 2 FGO den Bun­des­fi­nanz­hof bin­den, steht im Übri­gen fest, dass der Ver­ein mit sei­nen Kon­gres­sen Ver­an­stal­tun­gen beleh­ren­der Art i.S. von § 68 Nr. 8 AO durch­ge­führt hat, an die im Übri­gen kei­ne beson­de­ren inhalt­li­chen Anfor­de­run­gen zu stel­len sind 5. Somit genügt es, dass bei den streit­be­fan­ge­nen Ver­an­stal­tun­gen über­wie­gend Vor­trä­ge gehal­ten wer­den, die natur­ge­mäß beleh­ren­den Cha­rak­ter haben. Die Durch­füh­rung der Kon­gres­se steht auch im Ein­klang mit den in § 2 der Sat­zung des Ver­eins aus­drück­lich genann­ten Maß­nah­men zur Ver­wirk­li­chung der Sat­zungs­zwe­cke, wonach u.a. die "Fort­bil­dung von Mit­glie­dern und inter­es­sier­ten Nicht­mit­glie­dern" im Mit­tel­punkt steht.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­amt ergibt sich Gegen­tei­li­ges nicht aus der ‑ein­schrän­ken­den- Recht­spre­chung des BFH zum ori­gi­nä­ren Steu­er­be­frei­ungs­tat­be­stand in § 4 Nr. 22 Buchst. a UStG, dem die Rege­lung in § 68 Nr. 8 AO nach­ge­bil­det ist. Zwar hat der BFH ent­schie­den, dass bei der gebo­te­nen richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung des § 4 Nr. 22 Buchst. a UStG nicht alle Kur­se zur Erler­nung von Fähig­kei­ten oder Fer­tig­kei­ten "wis­sen­schaft­li­cher oder beleh­ren­der Art" in den Anwen­dungs­be­reich die­ses Steu­er­be­frei­ungs­tat­be­stan­des fal­len, son­dern nur sol­che Kur­se, die als Erzie­hung von Kin­dern und Jugend­li­chen, als Schul– oder Hoch­schul­un­ter­richt, als Aus­bil­dung, Fort­bil­dung oder beruf­li­che Umschu­lung zu qua­li­fi­zie­ren sind 6. Unab­hän­gig davon, ob der Ver­ein mit den streit­be­fan­ge­nen Ver­an­stal­tun­gen mög­li­cher­wei­se auch die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, sind die­se ein­schrän­ken­den Rechts­grund­sät­ze nicht auf § 68 Nr. 8 AO zu über­tra­gen, weil bei­de Bestim­mun­gen nicht deckungs­gleich und des­halb jeweils für sich zu betrach­ten sind 7.
Umsatz­steu­er­lich kön­nen zudem bezüg­lich der streit­be­fan­ge­nen Ver­an­stal­tun­gen auch die Vor­aus­set­zun­gen der begehr­ten Steu­er­satz­er­mä­ßi­gung nach § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a UStG erfüllt sein.
Nach die­ser Bestim­mung ist auf die Leis­tun­gen der Kör­per­schaf­ten, die aus­schließ­lich und unmit­tel­bar gemein­nüt­zi­ge, mild­tä­ti­ge oder kirch­li­che Zwe­cke ver­fol­gen (§§ 51 bis 68 AO), der ermä­ßig­te Steu­er­satz anzu­wen­den. Das gilt nicht für Leis­tun­gen, die im Rah­men eines wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­triebs aus­ge­führt wer­den. Für Leis­tun­gen, die im Rah­men eines Zweck­be­triebs aus­ge­führt wer­den, gilt die Steu­er­ermä­ßi­gung nur, wenn der Zweck­be­trieb nicht in ers­ter Linie der Erzie­lung zusätz­li­cher Ein­nah­men durch die Aus­füh­rung von Umsät­zen dient, die in unmit­tel­ba­rem Wett­be­werb mit dem all­ge­mei­nen Steu­er­satz unter­lie­gen­den Leis­tun­gen ande­rer Unter­neh­mer aus­ge­führt wer­den, oder wenn die Kör­per­schaft mit die­sen Leis­tun­gen ihrer in den §§ 66 bis 68 AO bezeich­ne­ten Zweck­be­trieb ihre steu­er­be­güns­tig­ten sat­zungs­ge­mä­ßen Zwe­cke selbst ver­wirk­licht.
Ent­schei­dend ist inso­weit, ob der Ver­ein mit den Leis­tun­gen sei­nes Zweck­be­triebs in Wett­be­werb zu ande­ren Unter­neh­mern tritt, die ver­gleich­ba­re Leis­tun­gen ohne Anspruch auf Ermä­ßi­gung am Markt anbie­ten. Wel­cher Art die Vor­leis­tun­gen sind, die der Zweck­be­trieb zur Erbrin­gung sei­ner eige­nen Leis­tung bean­sprucht, ist inso­weit nicht von Bedeu­tung 8. Für die­se wei­te Aus­le­gung des § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a Satz 3 UStG spricht dabei, dass der ermä­ßig­te Steu­er­satz nur inso­weit anzu­wen­den ist, als er zu kei­ner oder einer nur gerin­gen Gefahr einer Wett­be­werbs­ver­zer­rung führt 9. Inso­weit muss auch berück­sich­tigt wer­den, dass die Rege­lung in § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a UStG ent­spre­chend den uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben eng aus­zu­le­gen ist 10.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Juni 2017 – V R 34/​16
vgl. z.B. BFH, Urteil vom 24.09.2014 – V R 11/​14, BFH/​NV 2015, 388, Zeit­schrift für das gesam­te Mehr­wert­steu­er­recht 2015, 418, Rz 37, m.w.N.[↩]
BT-Drs. 8/​2827, S. 79[↩]
vgl. z.B. Musil in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 68 AO Rz 36, m.w.N., und Klein/​Gersch, AO, 13. Aufl., § 68 Rz 15, m.w.N.[↩]
vgl. dazu z.B. Uter­hark in Schwarz/​Pahlke, AO/​FGO, § 68 AO Rz 11[↩]
vgl. z.B. Unger in Beermann/​Gosch, AO § 68 Rz 27, m.w.N.[↩]
BFH, Urteil vom 27.04.2006 – V R 53/​04, BFHE 213, 256, BSt­Bl II 2007, 16, Rz 24, m.w.N.[↩]
vgl. z.B. Musil, a.a.O., § 68 Rz 35, m.w.N., und Klein/​Gersch, a.a.O., § 68 Rz 15 unter Bezug­nah­me auf BFH, Urteil vom 08.03.2012 – V R 14/​11, BFHE 237, 279, BSt­Bl II 2012, 630[↩]
BFH, Urteil in BFHE 237, 279, BSt­Bl II 2012, 630, Rz 31[↩]
EuGH, Urteil Kommission/​Königreich Nie­der­lan­de vom 03.03.2011 – C‑41/​09, EU:C:2011:108, Rz 52[↩]
BFH, Urteil vom 24.09.2014 – V R 11/​14, BFH/​NV 2015, 528, Rz 44 ff.[↩]