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Timestamp: 2018-09-26 13:29:36
Document Index: 188273873

Matched Legal Cases: ['§ 1953', '§ 1924', '§ 1944', '§ 1944', '§ 1953', '§ 1968', '§ 1936', '§ 1967', '§ 1950', '§ 2371', '§ 2376']

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www.frag-einen-anwalt.de Erbrecht Erbe Ablehnen einer Erbschaft
30.11.2007 00:24 |
Meine Tante (in einem Dorf) ist plötzlich verstorben. Bis auf Ihre Schwester hatte Sie keine direkte Verwandte (Schwester war vorher schon verstorben). Somit bin ich (Nichte) die alleinige Erbin (mein Vater als Schwager ist meines kenntnisstandes nicht Erbberechtigt). Ich möchte das Erbe (großes Grundstück mit baufälligen Haus, Scheune etc., einschließlich der Inneneinrichtung etc.)ausschlagen, aber mich um die Beerdigung kümmern. Damit stellen sich für mich folgende Fragen:
1. wenn ich ablehne wird dann mein Sohn der nächste Erbberrechtigte und kann / muß er dann auch offiziell beim Amtsgericht ablehnen (innerhalb der 6 Wochen)?
2. kann ich aus dem Nachlaß der Tante (Sparbuch / Girokonto) die Beerdigunmg begleichen - oder bin ich dazu nicht berechtigt, da ich das Erbe innerhalb der 6 Wochen ggf. ablehne
3. wozu bin ich trotz Ablehnung noch verpflichtet u.a. zur Sicherung des Hauses (u.a. Rechnungsbegleichung Heizung, Wasser etc.) oder anderer Verbindlichkeiten der Toten und können diese vom Konto der Toten beglichen werden?
4.Wenn ich das Erbe annehmen würde, übernehme ich automatisch die Verbindlichkeiten ? Was muß ich beachten, wenn ich das Erbe verkaufen will (Erbschaftsverkauf).
Erbe BGB Erbe Erbschaft Sohn
Mit der Ausschlagung rückt in der Tat Ihr Sohn als Nächstberufener in die Erbenstellung ein. Dies ergibt sich aus § 1953 Abs. 2 in Verbindung mit §§ 1924 Abs. 2, 1925 Abs. 3 BGB .
Ihr Sohn gilt dann rückwirkend vom Erbfall an als Erbe, so dass für ihn auch die Ausschlagungsfrist des § 1944 Abs. 1 BGB von sechs Wochen Anwendung findet. Die sechs Wochen beginnen aber erst, sobald der Sohn von dem Anfall der Erbschaft und dem Grund seiner Berufung erfahren hat, also frühestens, wenn er von Ihrer Ausschlagung Kenntnis erlangt, siehe § 1944 Abs. 2 BGB.
Da mit der Ausschlagung der Anfall der Erbschaft als nicht erfolgt gilt (§ 1953 Abs. 1 BGB), haben Sie keine Berechtigung, auf den Nachlass zuzugreifen, auch nicht, um die Beerdigungskosten zu begleichen. Falls Sie bestattungspflichtig sind oder wenn Sie die Beerdigung in Auftrag geben, müssen Sie aber dennoch zunächst diese speziellen Kosten tragen. Sie können die Erstattung der Beerdigungskosten dann von dem tatsächlichen Erben gemäß § 1968 BGB verlangen.
Wenn alle mit dem Erblasser Verwandten von ihrem Ausschlagungsrecht Gebrauch machen, fällt die Erbschaft dem Staat an (§ 1936 Abs. 1 Satz 1 BGB), der dann auch für sämtliche Nachlassverbindlichkeiten aufkommen muss. Sie trifft dann keinerlei Verpflichtung mehr, z.B. Rechnungen zu begleichen oder sich um das Haus zu kümmern.
Nehmen Sie die Erbschaft an, bzw. schlagen Sie sie nicht aus, so müssen dagegen Sie gemäß § 1967 Abs. 1 BGB die aus dem Nachlass herrührenden Schulden begleichen.
Die Ausschlagung nur eines Teils der Erbschaft ist nicht möglich, siehe § 1950 BGB.
Wenn Sie die Erbschaft als Ganzes verkaufen wollen, ist hierzu gemäß § 2371 BGB ein notariell beurkundeter Vertrag erforderlich. Ein Vorteil für Sie bestünde darin, dass Sie nicht für Sachmängel haften, siehe § 2376 Abs. 2 BGB.
Ich hoffe, meine Ausführungen reichen Ihnen zur Beantwortung Ihrer Fragen aus. Sollte noch Etwas unklar geblieben sein oder ich einen für Sie bedeutsamen Punkt übersehen haben, können Sie gerne von der Rückfragemöglichkeit Gebrauch machen.
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