Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/prozesskostenhilfe-und-der-anwaltszwang-fuer-das-rechtsmittel-3104006
Timestamp: 2019-10-19 20:14:05
Document Index: 362090417

Matched Legal Cases: ['§ 64', '§ 64', '§ 78', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und der Anwalts­zwang für das Rechts­mit­tel | Rechtslupe
Prozesskostenhilfe - und der Anwaltszwang für das Rechtsmittel
Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und der Anwalts­zwang für das Rechts­mit­tel
Der ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­be­dürf­ti­ge Rechts­mit­tel­füh­rer ist auch dann an der recht­zei­ti­gen Ein­le­gung des Rechts­mit­tels gehin­dert, wenn er ein wegen bestehen­den Anwalts­zwangs unzu­läs­si­ges per­sön­li­ches Rechts­mit­tel ein­ge­legt und dafür Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bean­tragt hat. Das Rechts­mit­tel­ge­richt hat auch in die­sem Fall zunächst über die bean­trag­te Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe zu ent­schei­den, bevor es das Rechts­mit­tel als unzu­läs­sig ver­wirft 1.
Das Beschwer­de­ge­richt darf mit­hin die Beschwer­de nicht mit der Begrün­dung als unzu­läs­sig ver­wer­fen, dass kei­ne den Anfor­de­run­gen der §§ 64 Abs. 2 Satz 4, 114 FamFG genü­gen­de Beschwer­de­schrift bei Gericht ein­ge­gan­gen sei, wenn der Beschwer­de­füh­rer inner­halb der Beschwer­de­frist Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bean­tragt hat.
Ein Rechts­mit­tel­füh­rer, der inner­halb der Rechts­mit­tel­frist oder Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­frist Pro­zess­kos­ten­hil­fe (oder Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe) bean­tragt hat, ist bis zur Ent­schei­dung über sei­nen Antrag als unver­schul­det ver­hin­dert anzu­se­hen, das Rechts­mit­tel wirk­sam ein­zu­le­gen oder recht­zei­tig zu begrün­den, wenn er nach den gege­be­nen Umstän­den ver­nünf­ti­ger­wei­se nicht mit der Ableh­nung sei­nes Antrags wegen feh­len­der Bedürf­tig­keit rech­nen muss­te 2. Das gilt auch dann, wenn neben dem Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­ge­such ein unzu­läs­si­ges Rechts­mit­tel ein­ge­legt wor­den ist 3. Da der Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bean­tra­gen­de Betei­lig­te wegen sei­ner Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­be­dürf­tig­keit gehin­dert ist, einen Rechts­an­walt mit sei­ner Ver­tre­tung zu beauf­tra­gen, ist ihm, wenn er nach den gege­be­nen Umstän­den ver­nünf­ti­ger­wei­se nicht mit der Ableh­nung sei­nes Antrags wegen feh­len­der Bedürf­tig­keit rech­nen muss­te, nach Ent­schei­dung über die Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand zu gewäh­ren. Das Beschwer­de­ge­richt hat dem­entspre­chend zunächst über das Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­ge­such zu ent­schei­den 4.
Nach die­sen Grund­sät­zen durf­te das Beschwer­de­ge­richt die Beschwer­de nicht gleich­zei­tig mit der Ent­schei­dung über das Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­ge­such des Antrags­geg­ners ver­wer­fen.
Ob das Gesuch nach § 64 Abs. 1 Satz 2 FamFG beim Amts­ge­richt oder wegen der bereits per­sön­lich ein­ge­leg­ten Beschwer­de beim Ober­lan­des­ge­richt ein­zu­rei­chen war, kann hier offen­blei­ben. Denn jeden­falls wäre im ordent­li­chen Geschäfts­gang eine recht­zei­ti­ge Wei­ter­lei­tung des Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­ge­suchs an das Amts­ge­richt noch mög­lich gewe­sen, nach­dem das Gesuch am 9.07.2014 und somit mehr als zwei Wochen vor Ablauf der Rechts­mit­tel­frist bei ihm ein­ge­gan­gen war 5. Nach­dem der Antrags­geg­ner sich in zuläs­si­ger Wei­se auf die Bewil­li­gung raten­frei­er Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe in der ers­ten Instanz bezo­gen hat­te, muss­te er nach den gege­be­nen Umstän­den nicht mit der Ableh­nung sei­nes Antrags wegen feh­len­der Bedürf­tig­keit rech­nen. Das Ober­lan­des­ge­richt hät­te dem­nach in jedem Fall zunächst über die Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe ent­schei­den müs­sen, weil dem Antrags­geg­ner bei recht­zei­ti­ger Nach­ho­lung der Beschwer­de­ein­le­gung und begrün­dung Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand zu gewäh­ren war.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Novem­ber 2015 – XII ZB 289/​15
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im Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 23.03.2011 – XII ZB 51/​11, Fam­RZ 2011, 881; und vom 20.07.2005 – XII ZB 31/​05, Fam­RZ 2005, 1537[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 25.03.2015 XII ZB 96/​14 Fam­RZ 2015, 1103 Rn. 5; und vom 17.07.2013 XII ZB 174/​10 Fam­RZ 2013, 1720 Rn. 16 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 20.07.2005 XII ZB 31/​05 Fam­RZ 2005, 1537[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 23.03.2011 XII ZB 51/​11 Fam­RZ 2011, 881 Rn. 10 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 14.05.2014 XII ZB 689/​13 NJW-RR 2014, 1347 Rn. 28 mwN[↩]
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