Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Spaetehenklauseln_betriebliche_Altersversorgung_Spaetehe_Wiederverheiratung_BAG_3AZR294/11.html
Timestamp: 2017-05-24 09:53:30
Document Index: 311006301

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 7', '§ 9', '§ 10', '§ 6', '§ 4', '§ 5', '§ 7', '§ 8', '§ 13', '§ 256', 'BGH', '§ 335', '§ 9', '§ 1', '§ 7', '§ 2', '§ 7', '§ 7', '§ 3', '§ 1', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 8', '§ 9', '§ 3', '§ 9', '§ 9', '§ 308', '§ 9', '§ 307', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 14', '§ 13', '§ 9', 'Art. 267', 'EuG', 'EuG']

HENSCHE Arbeitsrecht: 3 AZR 294/11
Betriebliche Altersversorgung, Betriebsrente, Diskriminierung: Alter
1. Ei­ne Re­ge­lung in ei­ner Ver­sor­gungs­ord­nung, die den An­spruch auf Wit­wen-/Wit­wer­ren­te da­von abhängig macht, dass die Ehe vor Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer ge­schlos­sen wur­de, verstößt nicht ge­gen das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters.
2. Macht ei­ne Ver­sor­gungs­zu­sa­ge den An­spruch auf Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung da­von abhängig, dass die Ehe vor dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer ge­schlos­sen wur­de, sind nicht nur die­je­ni­gen Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus­ge­schlos­sen, die nach Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls erst­ma­lig ei­ne Ehe schließen. Auch Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te, die nach Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls ge­schie­den wer­den und sich wie­der­ver­hei­ra­ten, ha­ben kei­nen An­spruch auf ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung. Dies gilt auch dann, wenn sie ih­ren ge­schie­de­nen Ehe­gat­ten er­neut hei­ra­ten.
Arbeitsgericht München, Urteil vom 30.6.2010 - 19 Ca 13895/09Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 1.2.2011 - 6 Sa 1078/10
3 AZR 294/11 6 Sa 1078/10Lan­des­ar­beits­ge­richt München Im Na­men des Vol­kes!
- 2 - Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 1. Fe­bru­ar 2011 - 6 Sa 1078/10 - wird zurück­ge­wie­sen.
„Ver­sor­gungs­ord­nung...1. Die­se Ver­sor­gungs­ord­nung re­gelt die be­trieb­li­che Al-ters­ver­sor­gung der Begüns­tig­ten (Mit­ar­bei­te­rin­nen/ Mit­ar­bei­ter und Rent­ne­rin­nen/Rent­ner) der Ver­sor­gungs­kas­se der M GmbH e. V. - im fol­gen­den VK MBB ge­nannt - de­nen gemäß Sat­zung Ver­sor­gung zu gewähren ist. ...
§ 1 Leis­tungs­ar­ten Als be­trieb­li­che Ver­sor­gungs­leis­tun­gen wer­den gewährt: - 3 - a) an Mit­ar­bei­te­rin­nen/Mit­ar­bei­ter:Al­ters­ren­ten § 7
b) an de­ren Hin­ter­blie­be­ne:Wit­wen-/ Wit­wer­ren­ten § 9Wai­sen­ren­ten § 10
...§ 6Höhe der Ver­sor­gungs­leis­tun­gen 1. Die Höhe der be­trieb­li­chen Ver­sor­gungs­leis­tung rich­tet sich bei al­len Leis­tungs­ar­ten nach den an­re­chen­ba­ren Dienst­jah­ren (§ 4) und dem ver­sor­gungsfähi­gen Ein­kom­men (§ 5).
...3. Die Hin­ter­blie­be­nen­ren­ten be­tra­gen:- als Wit­wen- /Wit­wer­ren­te oder 60 v. H....der Ren­te der Mit­ar­bei­te­rin/des Mit­ar­bei­ters....
§ 7Al­ters­ren­te 1. Al­ters­ren­te wird gewährt, wenn die Mit­ar­bei­te­rin/der Mit­ar­bei­ter bis zur Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zur Ge­sell­schaft stand und das Ar­beits­verhält­nis be­en­det ist (Ver­sor­gungs­fall).
2. Al­ters­ren­te wird vor­zei­tig gewährt, wenn die Mit­ar­bei­te­rin/der Mit­ar­bei­ter vor Voll­endung ih­res/sei­nes 65. Le­bens­jah­res das Al­ters­ru­he­geld aus der deut­schen ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung in An­spruch nimmt und aus dem Be­ruf aus­schei­det (Ver­sor­gungs­fall); Teil­ren­te wird nicht gewährt....
§ 8In­va­li­den­ren­te
1. In­va­li­den­ren­te wird gewährt, wenn die Mit­ar­bei­te­rin/der Mit­ar­bei­ter we­gen Be­rufs- - 4 - oder Er­werbs­unfähig­keit im Sin­ne der deut­schen ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung aus den Diens­ten der Ge­sell­schaft aus-schei­det (Ver­sor­gungs­fall).... 1. Wit­wen­ren­te wird beim Tod ei­nes Mit­ar­bei­ters (Ver­sor­gungs­fall) der über­le­ben­den Ehe­frau gewährt, wenn die Ehe bis zum Tod be­stan­den hat. Wit­wen­ren­te wird auch beim Tod ei­nes Rent­ners der hin­ter­las­se­nen Ehe­frau gewährt, wenn die Ehe vor Ein­tritt des Ver­sor­gungs­fal­les ge­schlos­sen wur­de und bis zum To­de be­stan­den hat.
3. Wit­wer­ren­ten wer­den ent­spre­chend Zif­fer 1 und 2 dem über­le­ben­den Ehe­mann ei­ner Mit­ar­bei­te­rin oder ei­ner Rent­ne­rin gewährt. § 13Härtefälle In Härtefällen kann von den Be­stim­mun­gen der vor­lie­gen­den Ver­sor­gungs­ord­nung zu­guns­ten des Begüns­tig­ten ab­ge­wi­chen wer­den....“
Der Kläger und B hat­ten am 12. Sep­tem­ber 1959 ge­hei­ra­tet. Die Ehe wur­de am 7. De­zem­ber 1993 oh­ne Ver­sor­gungs­aus­gleich ge­schie­den. Am 23. Sep­tem­ber 1996 ging der Kläger ei­ne wei­te­re Ehe mit ei­ner an­de­ren Frau ein. Die­se Ehe wur­de am 13. Au­gust 2002 eben­falls oh­ne Ver­sor­gungs­aus­gleich ge­schie­den. Am 18. Ju­ni 2008 hei­ra­te­ten der Kläger und B er­neut. - 5 - Mit Schrei­ben vom 18. Ju­li 2008 teil­te die E GmbH dem Kläger mit, dass sei­ne Ehe­frau B bei sei­nem Ab­le­ben kei­nen An­spruch auf ei­ne Wit­wen­ren­te nach der VO MBB ha­be, da die Ehe erst nach Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim Kläger ge­schlos­sen wor­den sei.
Der Kläger hat zu­letzt sinn­gemäß be­an­tragt fest­zu­stel­len, dass sein An­spruch auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung gemäß der Ver­sor­gungs­ord­nung der Ver­sor­gungs­kas­se der MBB GmbH e. V. auch ei­nen An­spruch auf Wit­wen­ren­te zu­guns­ten sei­ner über­le­ben­den Ehe­frau B um­fasst.
Der Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­nen An­trag wei­ter. Der Be­klag­te be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on. - 6 - Ent­schei­dungs­gründe
A. Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist zulässig. Nach § 256 Abs. 1 ZPO kann Kla­ge auf Fest­stel­lung des Be­ste­hens oder Nicht­be­ste­hens ei­nes Rechts­verhält­nis­ses er­ho­ben wer­den, wenn der Kläger ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an hat, dass das Rechts­verhält­nis durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung als­bald fest­ge­stellt wer­de.
Zwar können nach die­ser Be­stim­mung nur Rechts­verhält­nis­se Ge­gen­stand ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge sein, nicht hin­ge­gen bloße Ele­men­te oder Vor-fra­gen ei­nes Rechts­verhält­nis­ses. Ei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge muss sich al­ler­dings nicht not­wen­dig auf ein Rechts­verhält­nis ins­ge­samt er­stre­cken, son­dern kann sich auf ein­zel­ne Be­zie­hun­gen oder Fol­gen aus ei­nem Rechts­verhält­nis, auf be­stimm­te Ansprüche oder Ver­pflich­tun­gen so­wie auf den Um­fang ei­ner Leis­tungs­pflicht be­schränken (BAG 28. Ju­ni 2011 - 3 AZR 448/09 - Rn. 18; 10. Fe­bru­ar 2009 - 3 AZR 653/07 - Rn. 12). Vor­lie­gend geht es um die Fra­ge, ob der Be­klag­te ver­pflich­tet ist, beim Ab­le­ben des Klägers an des­sen Ehe­frau B ei­ne Wit­wen­ren­te nach der VO MBB zu zah­len. Bei die­ser Ver­pflich­tung han­delt es sich um ein Rechts­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en und nicht um ein Rechts­verhält­nis zwi­schen dem Be­klag­ten und der Ehe­frau des Klägers. Die M GmbH hat­te dem Kläger nicht nur ei­ne Al­ters­ren­te, son­dern auch ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu­ge­sagt. Im Hin­blick auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung han­delt es sich bei der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge um ei­nen Ver­trag zu­guns­ten Drit­ter (BGH 27. Fe­bru­ar 1961 - II ZR 60/59 - Rn. 11; BAG 26. Au­gust 1997 - 3 AZR 235/96 - zu A II 1 der Gründe, BA­GE 86, 216; 29. Ja­nu­ar 1991 - 3 AZR - 7 - 85/90 - zu III 2 der Gründe). Empfänger des Ver­sor­gungs­ver­spre­chens ist der Kläger. Des­halb kann er nach § 335 BGB selbst das Recht auf die ver­spro­che­ne Leis­tung gel­tend ma­chen. Sei­ne Hin­ter­blie­be­nen sind le­dig­lich Begüns­tig­te, die erst durch sei­nen Tod ein For­de­rungs­recht er­wer­ben (vgl. BAG 26. Au­gust 1997 - 3 AZR 235/96 - aaO).
- 8 - Klägers - nicht der in § 9 Abs. 1 Satz 1 VO MBB ge­re­gel­te Ver­sor­gungs­fall „Tod des Mit­ar­bei­ters“ ge­meint, son­dern der Ein­tritt ei­nes Ver­sor­gungs­falls iSv. § 1 Buchst. a) VO MBB iVm. §§ 7 und 8 VO MBB beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter.
- 9 - de­rer der Ver­sor­gungs­be­darf noch vor dem Be­zug von Ver­sor­gungs­leis­tun­gen durch den ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter an­ge­legt war. Auf die­se Ver­sor­gungs­ri­si­ken sol­len die Leis­tungs­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers be­grenzt wer­den (vgl. für den Fall ei­ner auf Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ab­stel­len­den Späte­hen­klau­sel BAG 20. April 2010 - 3 AZR 509/08 - Rn. 73 ff., BA­GE 134, 89; vgl. für den Fall ei­ner auf die Voll­endung des 50. Le­bens­jah­res ab­stel­len­den Späte­hen­klau­sel BAG 28. Ju­li 2005 - 3 AZR 457/04 - zu II 2 a bb (1) der Gründe, BA­GE 115, 317). Für nach dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter ge­schaf­fe­ne Ver­sor­gungs­ri­si­ken soll der Ar­beit­ge­ber nicht auf­kom­men. Wird ei­ne Ehe ge­schie­den, kann sich das Ri­si­ko der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus die­ser Ehe nicht mehr rea­li­sie­ren. Auch im Fal­le ei­ner Schei­dung und ei­ner er­neu­ten Hei­rat kann sich das in ers­ter Ehe an­ge­leg­te Ver­sor­gungs­ri­si­ko nicht mehr rea­li­sie­ren, son­dern nur das aus der letz­ten Ehe fol­gen­de Ver­sor­gungs­ri­si­ko. Dies gilt auch dann, wenn die er­neu­te Hei­rat mit dem frühe­ren Ehe­part­ner er­folgt. Auch dann kann sich das in der ers­ten Ehe an­ge­leg­te Ver­sor­gungs­ri­si­ko nicht mehr ver­wirk­li­chen. Viel­mehr wird mit der wei­te­ren Ehe ein neu­es Ver­sor­gungs­ri­si­ko be­gründet. Auch die­ses Ri­si­ko soll nach den Be­stim­mun­gen der VO MBB nicht über­nom­men wer­den, wenn die wei­te­re Ehe erst nach Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter ge­schlos­sen wird.
- 10 - erst während sei­nes Be­zugs be­trieb­li­cher Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nach der VO MBB schließt, un­abhängig da­von, ob er die Per­son ehe­licht, mit der er be­reits ein­mal ver­hei­ra­tet war oder ob er die Ehe mit ei­ner drit­ten Per­son ein­geht, von vorn­her­ein kein Ver­sor­gungs­ri­si­ko be­gründen, das von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach der VO MBB ab­ge­deckt wer­den soll.
a) Das AGG ist an­wend­bar. aa) Das AGG gilt trotz der in § 2 Abs. 2 Satz 2 ent­hal­te­nen Ver­wei­sung auf das Be­triebs­ren­ten­ge­setz auch für die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung, so­weit das Be­triebs­ren­ten­recht nicht vor­ran­gi­ge Son­der­re­ge­lun­gen enthält (BAG 11. De­zem­ber 2007 - 3 AZR 249/06 - Rn. 22, BA­GE 125, 133). Letz­te­res ist nicht der Fall.
- 12 - run­gen, die ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG ver­s­toßen, sind nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam.
- 13 - Das Ziel, die Leis­tungs­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers auf Ri­si­ken zu be­gren­zen, die vor dem Be­zug be­trieb­li­cher Ver­sor­gungs­leis­tun­gen durch den ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter an­ge­legt wa­ren, ist rechtmäßig iSd. § 3 Abs. 2 AGG. Der Ar­beit­ge­ber ent­schei­det bei ei­ner von ihm fi­nan­zier­ten be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung frei über de­ren Einführung. Ent­schließt er sich hier­zu, so ist er frei in der Ent­schei­dung, für wel­che der in § 1 Abs. 1 Be­trAVG ge­nann­ten Ver­sor­gungsfälle er Leis­tun­gen zu­sagt und wie hoch er die ent­spre­chen­de Leis­tung do­tiert. Er kann Leis­tun­gen der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­spre­chen, ei­ne Rechts­pflicht hier­zu trifft ihn nicht. Aus die­sem Grund ist er grundsätz­lich auch be­rech­tigt, die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung von zusätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen abhängig zu ma­chen und da­mit Per­so­nen, die die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllen, von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus­zu­sch­ließen (vgl. BAG 20. April 2010 - 3 AZR 509/08 - Rn. 74 mwN, BA­GE 134, 89).
Ei­ne Be­gren­zung des Krei­ses der an­spruchs­be­rech­tig­ten Drit­ten durch zusätz­li­che an­spruchs­be­gründen­de oder be­son­de­re an­spruchs­aus­sch­ließen­de Merk­ma­le liegt ge­ra­de im Be­reich der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nah, weil ein da­hin­ge­hen­des Leis­tungs­ver­spre­chen zusätz­li­che Unwägbar­kei­ten und Ri­si­ken mit sich bringt. Die­se be­tref­fen nicht nur den Zeit­punkt des Leis­tungs­falls, son­dern auch die Dau­er der Leis­tungs­er­brin­gung. Vor die­sem Hin­ter­grund hat der Ar­beit­ge­ber ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, die mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­bun­de­nen zusätz­li­chen Ri­si­ken zu be­gren­zen, um sie kal­ku­lier­bar zu hal­ten. Die Zu­sa­ge ei­ner Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ist Teil ei­ner um­fas­sen­den Ver­sor­gungs­re­ge­lung. Durch die Zu­sa­ge soll der Ar­beit­neh­mer in der Sor­ge um die fi­nan­zi­el­le La­ge sei­ner Hin­ter­blie­be­nen ent­las­tet wer­den. Die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach dem Be­triebs­ren­ten­ge­setz knüpft an das ty­pi­sier­te Ver­sor­gungs­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an. Die­ser hat ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, die von ihm frei­wil­lig ein­geführ­te Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung auf ei­nen Per­so­nen­kreis zu be­schränken, hin­sicht­lich des­sen der Ver­sor­gungs­be­darf be­reits vor dem Leis­tungs­be­zug des ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ters an­ge­legt war. In­so­weit ist der Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls bei dem Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten für den Ver­sor­gungs­schuld­ner ei­ne we­sent­li­che Zäsur und da­mit ein sach­ge­rech­ter An­knüpfungs­punkt für Re­ge­lun­gen der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor- - 14 - gung. Mit dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls bei dem Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten en­det ty­pi­scher­wei­se das Ar­beits­verhält­nis zum Ar­beit­ge­ber. Hier­von ge­hen auch die §§ 7 und 8 VO MBB aus. Nach § 7 Abs. 1 VO MBB wird Al­ters­ren­te gewährt, wenn die Mit­ar­bei­te­rin/der Mit­ar­bei­ter bis zur Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zur Ge­sell­schaft stand und das Ar­beits­verhält­nis be­en­det ist (Ver­sor­gungs­fall). Nach § 7 Abs. 2 VO MBB wird Al­ters­ren­te vor­zei­tig gewährt, wenn die Mit­ar­bei­te­rin/der Mit­ar­bei­ter vor Voll­endung sei­nes 65. Le­bens­jah­res das Al­ters­ru­he­geld aus der deut­schen ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung in An­spruch nimmt und aus dem Be­ruf aus­schei­det (Ver­sor­gungs­fall). In­va­li­den­ren­te wird nach § 8 Abs. 1 VO MBB gewährt, wenn die Mit­ar­bei­te­rin/der Mit­ar­bei­ter we­gen Be­rufs- oder Er­werbs­unfähig­keit im Sin­ne der deut­schen ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung aus den Diens­ten der Ge­sell­schaft aus­schei­det. Die Le­bens­ge­stal­tung des Ar­beit­neh­mers ab die­sem Zeit­punkt kann der Ar­beit­ge­ber bei der Ab­gren­zung sei­ner Leis­tungs­pflich­ten un­berück­sich­tigt las­sen. Das gilt ins­be­son­de­re des­halb, weil bei der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung - an­ders als bei der Al­ters- und In­va­li­ditäts­ver­sor­gung, bei der der An­spruchs­be­rech­tig­te von vorn­her­ein fest­steht - der Kreis der Begüns­tig­ten in der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge aus­drück­lich fest­ge­legt wer­den muss. War der Ver­sor­gungs­be­darf al­ler­dings durch Ehe­sch­ließung vor dem Ein­tritt des ei­ge­nen Ver­sor­gungs­falls des Mit­ar­bei­ters an­ge­legt, geht es nicht mehr um Ri­si­koüber­nah­me, son­dern dar­um, dafür ein­zu­ste­hen, wenn sich ein über­nom­me­nes Ri­si­ko ver­wirk­licht. Wird die Ehe hin­ge­gen ge­schie­den, entfällt das über­nom­me­ne Ri­si­ko und kann sich nicht mehr ver­wirk­li­chen.
cc) § 9 Abs. 1 Satz 2 iVm. Abs. 3 VO MBB be­wirkt auch kei­ne un­zulässi­ge Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts. - 15 - Da das Er­for­der­nis, dass die Ehe vor dem ei­ge­nen Be­zug be­trieb­li­cher Ver­sor­gungs­leis­tun­gen durch die ver­sor­gungs­be­rech­tig­te Mit­ar­bei­te­rin/den ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter ge­schlos­sen wor­den sein muss, auch im Hin­blick auf das Merk­mal „Ge­schlecht“ als neu­tra­les Kri­te­ri­um for­mu­liert ist, kommt von vorn­her­ein nur ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung iSd. § 3 Abs. 2 AGG in Be­tracht. Dafür, dass der Aus­schluss­tat­be­stand des § 9 Abs. 1 Satz 2 iVm. Abs. 3 VO MBB zu ei­ner stärke­ren Be­trof­fen­heit der An­gehöri­gen ei­nes Ge­schlechts führt, gibt es in­des kei­ne An­halts­punk­te. Im Übri­gen schei­det ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung aus den un­ter Rn. 29 - 33 dar­ge­leg­ten Gründen be­reits tat­be­stand­lich aus.
a) § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB ist nicht nach § 308 Nr. 4 BGB un­wirk­sam. Da­nach ist in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ins­be­son­de­re un­wirk­sam die Ver­ein­ba­rung ei­nes Rechts des Ver­wen­ders, die ver­spro­che­ne Leis­tung zu ändern oder von ihr ab­zu­wei­chen, wenn nicht die Ver­ein­ba­rung der Ände­rung - 16 - oder Ab­wei­chung un­ter Berück­sich­ti­gung der In­ter­es­sen des Ver­wen­ders für den an­de­ren Ver­trags­teil zu­mut­bar ist.
bb) Da­nach führt § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB nicht zu ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung des Klägers nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB. - 17 -
Die An­for­de­rung, dass die Ehe vor dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ge­schlos­sen wor­den sein muss, wi­der­spricht auch nicht dem Ver­bot des Art. 6 Abs. 1 GG, die Ehe zu schädi­gen oder sonst zu be­ein­träch­ti­gen. Ehe­part­nern ent­steht durch die­se Ein­schränkung kein Nach­teil, den sie oh­ne die Hei­rat nicht ge­habt hätten. Das Aus­blei­ben ei­nes er­hoff­ten Vor­teils ist kein recht­li­cher Nach­teil (vgl. BAG 20. April 2010 - 3 AZR 509/08 - Rn. 83, BA­GE 134, 89). Aus Art. 6 Abs. 1 GG folgt kei­ne Pflicht, dem über­le­ben­den Ehe­gat­ten ei­nen An­spruch auf ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ren­te ein­zu- - 18 - räum­en (BVerfG 1. März 2010 - 1 BvR 2584/06 - Rn. 18 mwN, BVerfGK 17, 120).
Aus Art. 14 Abs. 1 GG er­gibt sich nichts an­de­res. Zwar schützt die Ei­gen­tums­ga­ran­tie nicht nur ding­li­che oder sons­ti­ge ge­genüber Je­der­mann all-ge­mein wir­ken­de Rechts­po­si­tio­nen, son­dern auch schuld­recht­li­che Ansprüche und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Ren­ten­ansprüche und Ren­ten­an­wart­schaf­ten, die im Gel­tungs­be­reich des Grund­ge­set­zes er­wor­ben wur­den (vgl. BVerfG 8. Mai 2012 - 1 BvR 1065/03, 1 BvR 1082/03 - Rn. 41 mwN, BVerfGE 131, 66). Des­halb sind grundsätz­lich auch un­ver­fall­ba­re An­wart­schaf­ten auf ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung so­wie Be­triebs­ren­ten­ansprüche der Ver­sor­gungs­empfänger ei­gen­tums­recht­lich geschützt (BVerfG 17. De­zem­ber 2012 - 1 BvR 488/10, 1 BvR 1047/10 - Rn. 22; BAG 19. Ju­ni 2012 - 3 AZR 464/11 - Rn. 32 mwN). Die­ser Schutz reicht je­doch nur so weit, wie Ansprüche be­reits be­ste­hen; er ver­schafft die­se nicht (BVerfG 17. De­zem­ber 2012 - 1 BvR 488/10, 1 BvR 1047/10 - aaO). Wie weit der Ei­gen­tums­schutz reicht, hängt da­mit vom In­halt der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge ab. Bloße Chan­cen und Er­war­tun­gen wer­den nicht geschützt. Über die Aus­ge­stal­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ent­schei­den die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en, Be­triebs­part­ner oder Ta­rif­ver­trags­par­tei­en. Ei­ne über die ein­geräum­ten Ansprüche hin­aus­ge­hen­de Rechts­po­si­ti­on gewähr­leis­tet Art. 14 Abs. 1 GG nicht (BAG 24. Fe­bru­ar 2004 - 3 AZR 10/02 - zu B II 1 c der Gründe; 22. Fe­bru­ar 2000 - 3 AZR 108/99 - zu I 5 b der Gründe). Vor­lie­gend ist der Wit­wen­geld­an­spruch nach dem In­halt der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge auf die Fälle be­schränkt, dass die zur Wit­wen­ei­gen­schaft führen­de Ehe vor Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ge­schlos­sen wur­de. Nur in­so­weit und nicht darüber hin­aus­ge­hend un­terfällt der An­spruch da­mit dem Schutz­be­reich des Art. 14 Abs. 1 GG (vgl. auch BVerfG 1. März 2010 - 1 BvR 2584/06 - Rn. 20, BVerfGK 17, 120 zur be­rufsständi­schen Hin­ter­blie­be­nen­ren­te; 18. Fe­bru­ar 1998 - 1 BvR 1318/86, 1 BvR 1484/86 - zu C I 2 der Gründe, BVerfGE 97, 271 zur Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung). - 19 - III. Der Be­klag­te ist nicht gemäß § 13 VO MBB ver­pflich­tet, von den Be­stim­mun­gen der VO MBB zu­guns­ten des Klägers ab­zu­wei­chen und beim Ab­le­ben des Klägers an des­sen Ehe­frau B die be­gehr­te Wit­wen­ver­sor­gung zu zah­len.
- 20 - a) Ein Härte­fall ist nicht des­halb zu be­ja­hen, weil der Kläger mit B be­reits während sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses und auch noch zu Be­ginn sei­nes Ru­he­geld­be­zugs in ers­ter Ehe ver­hei­ra­tet war. Die­se ers­te Ehe wur­de am 7. De­zem­ber 1993 auf­gelöst. Mit der Rechts­kraft des Schei­dungs­ur­teils ist auch das in der Ehe an­ge­leg­te Ver­sor­gungs­ri­si­ko ent­fal­len, be­vor es sich ver­wirk­licht hat­te. Zum Zeit­punkt der Wie­der­hei­rat während des Ru­he­geld­be­zugs soll­te das Ri­si­ko, ei­ne Wit­wen­ren­te zah­len zu müssen, nach dem Re­ge­lungs­plan von § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB nicht mehr ein­ge­gan­gen wer­den. Hier­durch sol­len die mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­bun­de­nen zusätz­li­chen Ri­si­ken be­grenzt wer­den. Da­mit wird der Kläger nicht über das Re­ge­lungs­ziel hin­aus­ge­hend er­heb­lich nach­tei­lig be­trof­fen.
IV. Ei­ner Vor­ab­ent­schei­dung durch den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on nach Art. 267 Abs. 3 AEUV be­darf es nicht. Es stel­len sich kei­ne Fra­gen der Aus­le­gung des Uni­ons­rechts, die noch nicht geklärt wären. Die Aus­le­gung des uni­ons­recht­li­chen Grund­sat­zes des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ein­sch­ließlich des Rück­griffs auf die Richt­li­nie 2000/78/EG zu des­sen Kon­kre­ti­sie­rung ist durch die Ent­schei­dung des Ge­richts­hofs in der Sa­che „Kücükde­ve­ci“ (EuGH 19. Ja­nu­ar 2010 - C-555/07 - Slg. 2010, I-365) geklärt, so dass ei­ne Vor­la­ge­pflicht entfällt (vgl. EuGH 6. Ok­to­ber 1982 - C-283/81 - [C.I.L.F.I.T.] Slg. 1982, 3415; vgl. auch BAG 28. Mai 2013 - 3 AZR 635/11 - Rn. 28). Eben­so ist geklärt, dass die­je­ni­gen Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder - 21 -
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