Source: http://www.dgsuchtmedizin.de/newsletter/fruehere-ausgaben/dgs-info-ausgabe-102-oktober-2015/
Timestamp: 2019-02-16 16:05:02
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dgs-info, Ausgabe 102, Oktober 2015: Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS)
dgs-info, Ausgabe 102, Oktober 2015
nach dem für uns überraschenden Rücktritt von Hans-Günter Meyer-Thompson wird das DGS-info mit verändertem Gesicht erscheinen. Vielleicht birgt dieser Umbruch aber auch eine Chance, eine noch stärkere interaktive Gestaltung des newsletters zu erreichen. Wie bisher wollen wir zeitnah wichtige Nachrichten aus dem Bereich der Suchtmedizin und natürlich der Arbeit des Vorstandes der DGS zur Kenntnis bringen und den Abonnenten des dgs-info Kongressnachrichten, spannende Literaturhinweise sowie Internet-links nahebringen. Deshalb unsere Bitte an alle Abonnenten des newsletters, den DGS Mitgliedern sowie allen sonstigen Interessierten: Schickt uns Hinweise auf interessante Veranstaltungen, Kongresse oder Aktivitäten im Bereich der Suchtmedizin. Gerne werden wir hier auch Hinweise auf neue suchtmedizinische Publikationen und/oder Internet-links veröffentlichen. Gerne werden wir hier auch auf Veröffentlichungen der Partnerorganisationen verweisen.
Ihre Beiträge schicken sie bitte an dgs-info@dgsuchtmedizin.de
Wir sind gespannt auf Ihre Beiträge und freuen uns auf Kritik, Lob und/oder Anregungen.
Schwerpunkte dieses newsletters:
Der parlamentarische Abend in Berlin zur Reform der Betäubungsmittel-Verschreibungs-Verordnung (BtMVV)
Der "Informationsbrief" der Krankenkassen zur Substitution mit Substitol ® .
Weiterhin links und Literaturhinweise aus Wissenschaft und Politik. Es sei darauf hingewiesen, dass Literaturzitate nicht unbedingt die Meinung der DGS wiedergeben müssen.
DGS-Kongress 2016, 6.-8. November in Berlin
Bitte um Beachtung: Wer bis zum DGS-Kongress im November 2015 Mitglied wird, erhält freien Eintritt.
Reform der Betäubungsmittel-Verschreibungs-Verordnung (BtMVV) auf dem Weg
Regierungsparteien, Opposition und Fachvertreter einig über BtMVV-Reforminhalte
BMG stimmt ersten Novellierungs-Entwurf mit anderen Ressorts ab
Wachsende Versorgungslücke drängt zur Eile
Berlin, 2. Oktober 2015 - Sanofi und die Deutsche Stiftung für chronische Kranke hatte Politiker, Fachgesellschaften, Ärzte sowie Vertreter von Selbstverwaltung und Patienten zum zwölften Parlamentarischen Abend nach Berlin eingeladen. Die Parlamentarier aller Fraktionen und die Fachvertreter waren sich weitgehend über Reformbedarf und -inhalte der gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Durchführung der Substitutitonsbehandlung einig: Ärzte sollen bei der Behandlung opiat-/opioidabhängiger Patienten bezüglich Therapieziel, Beikonsum und Mitgabe mehr Spielraum bekommen. Änderungen der strafbewehrten Vorschriften sollen den Ärzten Rechtssicherheit geben und eine erweiterte Konsiliarregelung die Versorgung in der Fläche verbessern. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler, die persönlich nicht anwesend war, ließ in einem Brief verlauten, dass das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) einen Diskussionsentwurf für die BtMVV-Reform erarbeitet hat, in dem auch die Vorschläge aus dem "Sieben-Punkte-Papier" der Fachgesellschaften aufgegriffen werden. Der BMG-Entwurf wird gerade mit anderen Ministerien abgestimmt. Die Abgeordneten der Regierungsparteien und der Opposition versprachen, den Druck auf das BMG aufrechtzuerhalten.
Quo vadis Substitutionstherapie
Dr. Thomas M. Helms, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung für chronisch Kranke, stellte das wissenschaftliche und politische Engagement der Stiftung im Bereich der Substitutionstherapie vor. Die Stiftung hat mit der Subscare-Studie von 2013 eine interdisziplinäre epidemiologische Studie über die Verlaufsdynamik langjährig substituierter chronisch kranker Suchtpatienten in Deutschland vorgelegt. Helms gehört auch zu den Unterzeichnern des Sieben-Punkte-Papiers. In dem Mitte 2015 an das BMG übermittelten Papier, formulieren die führenden Fachgesellschaften und Persönlichkeiten aus der Suchttherapie gemeinsam ihre BtMVV-Reformvorschläge. Dr. Wolfgang Kapfer, Sanofi, zeigte sich erfreut, zum zwölften Mal die Akteure der Suchtpolitik für einen direkten Austausch zusammengebracht zu haben und verwies auf die gemeinsamen Erfolge: mehr Patienten in Behandlung, weniger Infektionen, geringere Mortalität und gesunkene volkswirtschaftliche Kosten. "Es ist Bewegung in der Politik", stellte Kapfer fest und formulierte die Hoffnung, noch "bis zur nächsten Sommerpause des Bundestages" Ergebnisse sehen zu können. Er bedauerte die Abwesenheit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, deutete ihr schriftliches Statement als positives Zeichen für die Zukunft. Sie hatte schriftlich mitgeteilt, dass das BMG auf Arbeitsebene einen Entwurf für die BtMVV-Reform entwickelt hat, "in dem die relevanten Aspekte der eingereichten Vorschläge weitgehende Berücksichtigung finden dürften." Mit der Reform, so Kapfer, verschwinden aber nicht alle Probleme. Akute Versorgungsengpässe, insbesondere in Seniorenheimen und JVAs, und die mangelhafte Verknüpfung von Therapieelementen seien große Herausforderungen.
Die Regierungsparteien zeigen sich engagiert
Emmi Zeulner, CSU-Abgeordnete und ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin, kennt die Herausforderungen der Patientenversorgung im ländlichen Raum aus ihrem fränkischen Wahlkreis Kulmbach. Sie verwies auf einen Handlungsleitfaden zur Änderung des Betäubungsmittelrechts, den die CDU/CSU-Fraktion bereits vor einem Dreivierteljahr der Bundesregierung vorgelegt hat. In dem Leitfaden werden insbesondere eine gelockerte Take-Home-Regelung, höhere Höchstverschreibungsmengen und die Abschichtung der strafrechtlichen Bestimmungen empfohlen. "Substitutionsrecht ist ein Verordnungsrecht, deswegen hat das Parlament wenig direkten Einfluss", stellte Zeulner fest. "Aber wir können nachfragen und Druck ausüben." Die SPD-Abgeordnete Sabine Dittmar unterstützte ihre Koalitionskollegin, mit der sie auch gemeinsam im Gesundheitsausschuss sitzt. "Die bestehenden Regelungen sind nur bedingt alltagstauglich", weiß die Ärztin. "Für eine patienten- und ärzteorientierte Substitutionstherapie müssen BtMVV und BtMG zügig angepasst werden. Wir sind froh, dass die Regierung da auf dem richtigen Weg ist. Allerdings habe ich wenig Verständnis für die lange Bearbeitungszeit im Ministerium, denn an der Basis brennt's!""
Die Opposition lobt und mahnt zur Eile
Die Linke wurde durch Frank Tempel vertreten, der im parteiübergeifenden Konsens einen der wesentlichen Erfolge der letzten Jahre sieht. "Wir als Opposition müssten eigentlich die Regierung kritisieren, aber da bewegt sich wirklich etwas." Dr. Harald Terpe, drogen- und suchtpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen und selbst Mediziner, stimmte in den positiven Grundtenor ein, mahnte aber auch zur Eile. "Bereits 2012 haben die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin, die Deutsche AIDS-Hilfe und akzept umfassende Reformvorschläge vorgelegt. Die Bundesregierung muss nun endlich handeln, bevor die Versorgungsengpässe noch größer werden."
Rasante Entwicklungen in Bayern
Dr. Heidemarie Lux, Vizepräsidentin der Bayerischen Landesärztekammer, beschrieb in ihrem Vortrag die positive Entwicklung der bayerischen Substitutionspolitik in den letzten Jahren. Ausgelöst durch Prozesse gegen substituierende Ärzte wegen Verstoßes gegen Bestimmungen der BtMVV, mit Approbationsentzug, Durchsuchung von Praxen und Gefängnisstrafen, drohten die substituierenden Ärzte, kollektiv ihre Tätigkeit niederzulegen. Die Ärzte hatten auszubaden, was nicht schlüssig zwischen ärztlichen Behandlungsrichtlinien einerseits und gesetzlichem Abstinenzgebot oder Mitgabeverbot andererseits geregelt ist. "Man muss sich das mal bildlich vorstellen. Kripo-Beamte haben Praxen durchsucht, die nach therapeutischen Erfordernissen behandelt haben. Der Zustand war untragbar", erinnert sich Lux. Als Folge des ärztlichen Protests und zur Sicherstellung der Versorgung der Substitutionspatienten wurde der Runde Tisch "Rahmenbedingungen der Substitution" im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege wieder aktiviert. Erste Maßnahmen zur Verbesserung der Situation wurden eingeleitet – wie etwa die Fortbildung von Staatsanwälten und Ärzten im öffentlichen Gesundheitsdienst. Die Bayerische Landesärztekammer wirbt zudem auf politischen Veranstaltungen um die Änderung der BtMVV und kooperiert diesbezüglich mit der Bundesärztekammer. "Früher war Bayern der Behinderer in der Substitutionstherapie, heute sind wir die Vorreiter", resümiert Lux.
Prof. Markus Backmund, 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS), ging in seinem Vortrag näher auf das Sieben-Punkte-Papier aus der Substitutionspraxis ein. In dem Papier haben DGS, DG-Sucht, die Deutsche Stiftung für chronisch Kranke, akzept, die Deutsche Aidshilfe und Vertreter der Bundesärztekammer gemeinsam sieben zentrale Reformvorschläge für die BtMVV formuliert und an die Politik übermittelt. Die Vorschläge beinhalten grundlegende Änderungen bezüglich der bislang strikt an Abstinenz orientierten Zielsetzung und einer absoluten Beikonsumfreiheit. Beide sind nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft wenig therapieförderlich, aber Grund für Verurteilungen von Ärzten auf Basis von veralteten Gesetzen, des BtMG aus 1971 und der BtMVV aus 1998. Nach heutigem Wissensstand gilt aber die Sicherstellung des Überlebens als Primärziel der ärztlichen Behandlung. Gefordert werden weiterhin eine Anpassung der Vergabe- und Mitgaberegelungen des Substitutionsmittels, um den Lebensbedingungen stabil eingestellter und berufstätiger Patienten entgegenzukommen. Die Psychosoziale Begleitung soll enger an die therapeutischen Erfordernisse angepasst werden. Das Verbot des Beikonsums muss gestrichen werden. Zusätzlicher Konsum psychotroper Substanzen weist in der Regel auf zusätzliche psychiatrische Krankheiten hin. Backmund betonte, dass zukünftig therapeutische klar von juristischen Aspekten zu trennen sind. "Medizinisch-therapeutische Tätigkeiten gehören nicht in die BtMVV. In der BtMVV ist nur zu regeln, was der Sicherheit des Betäubungsmittelverkehrs dient. Zur Regelung der therapeutischen Arbeit sind die ärztlichen Richt- und Leitlinien maßgeblich", pochte er auf die ärztliche Therapiefreiheit. Zugleich registriert Backmund, der als niedergelassener Substitutionsarzt die Praxiswirklichkeit gut kennt, Fortschritte: "Es gibt einen breiten Konsens und die Atmosphäre hat sich geändert." Der politische und zivilgesellschaftliche Konsens müsse nun aber auch zügig in eine Novellierung der Verordnung überführt werden. Nach der Reform, so mahnte Backmund, sind weitere Schritte notwendig, wie die entsprechenden Änderungen der Richt- und Leitlinien durch Bundesärztekammer und Selbstverwaltungsgremien sowie die grundlegende Änderung des Betäubungmittelgesetzes.
Prof. Heino Stöver von der Frankfurt University of Applied Sciences lenkte die Aufmerksamkeit der Gäste auf ein bisher wenig beachtetes Thema: die Vernetzung in der Substitutionsbehandlung. Die Gestaltung wichtiger Schnittstellen in der Substitutionstherapie, so Stöver, ist zwar in den Richtlinien der Bundesärztekammer formuliert, aber in der Praxis nicht richtig umgesetzt worden. "Gerade die Risiken in Haft und nach der Haftentlassung sind sehr hoch", gibt Stöver zu bedenken. Nur zehn Prozent der Heroinabhängigen werden in Haft behandelt. Daraus erwachsen viele Probleme, auch beim Wechsel zurück in die Freiheit, wo die Gefahr von Überdosierungen durch die zuvor erzwungene Abstinenz steigt. Problematisch ist laut Stöver aber nicht nur ein Wechsel aus einer stationären Unterbringung, wie Justizvollzugsanstalt, Krankenhaus oder Rehabilitationseinrichtung zurück in die Arztpraxis. Auch die verschiedenen Lebensbereiche eines Substituierten sind unzureichend in die Behandlung integriert. "Teilweise wird um Milligramm bei der Dosierung gefeilscht, während die wirklich wichtigen Fragen, etwa nach einer Wohnung und einem Job, ungeklärt bleiben." Den Schlüssel zum Erfolg sieht Stöver in einem verbesserten nationalen und internationalem Austausch zu erfolgreichen Ansätzen des Übergangsmanagements und der konsequenten Schulung von etwa Gefängnisärzten und Sozialarbeitern.
Nachdenklich machten an diesem Parlamentarischen Abend die Worte von Renate Auer, Vorsitzende der Baden-Württembergischen Landesvereinigung für Eltern-/Angehörigenkreise Drogenabhängiger und Drogengefährdeter. "Ein drogenabhängiges Kind zu haben, geht allen psychisch und physisch an die Substanz. Die ganze Familie leidet darunter", beschrieb sie den Leidensdruck der Betroffenen. Sie stellte die Ergebnisse einer Befragung substituierter Patienten vor, die die Eltern mit Unterstützung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands 2014 durchgeführt haben. Die Auswertung der 1.458 Fragebögen mit Erfahrungen und Einschätzungen der Patienten zeigt eindrucksvoll zu welchen Alltagsproblemen beispielsweise der Mangel an substituierenden Ärzten führt: über zwei Stunden Fahrzeit zur Vergabe sind zum Beispiel keine Seltenheit. "Wenn Integration von Opiatabhängigen gelingen soll, dann ist die Substitutionsbehandlung ein wichtiger Bestandteil. Aber wie die Bestimmungen derzeit sind, lassen sie sich mit einem Arbeitsalltag nur schwer oder gar nicht vereinbaren", appellierte sie an die Politik.
Diskussion: der Weg ist richtig, aber Eile ist geboten
In der abschließenden Diskussionsrunde wurden vor allem die strafbewehrten Vorschriften und die politischen Fortschritte diskutiert. Die Diskutanten waren sich einig, dass strafrechtliche Bestimmungen abgeschichtet werden müssen, damit die teilweise heute schon eklatanten Versorgungsengpässe nicht noch schlimmer werden. Nochmals betont wurde, die therapeutischen Regelungen für substituierende Ärzte vom BtMG ins Berufsrecht zu überführen. Auch reichten die dort verfügbaren Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten im Falle von therapeutischen Fehlern. Verstöße gegen geltendes Recht seien schon heute über Straf- und Ordnungsrecht zu sanktionieren. Unmut äußerten einige Ärzte über die Politik, die trotz des Konsenses über alle politischen Lager und Fachvertreter hinweg, nur langsam Reformen in die Wege leite. Die Teilnehmer nahmen das Bundesministerium für Gesundheit und die Bundesärztekammer in die Pflicht, die dringend notwendigen Änderungen von BtMVV und Richtlinien schnellstmöglich umzusetzen.
Wiesbaden, 02. Oktober 2015
Sieglinde Schneider, Accente Communication 0611/ 40 80 610
Hier der Originaltext der Änderungsvorschläge, mit dem ein breiter Konsens hergestellt werden konnte:
BtMVV-Novellierung – Weiterentwicklungs-Vorschläge aus der Substitutionspraxis
Die Substitutionsbehandlung ist international der Goldstandard in der Behandlung opiatabhängiger Patienten. Es handelt sich um eine evidenzbasierte, effektive und effiziente Behandlung von meist schwerkranken multimorbiden Patienten. Substitutionsbehandlung sichert das Überleben, ermöglicht die Teilhabe am Erwerbsleben und kann bis zur Suchtmittelfreiheit führen.
Doch es finden sich immer weniger Ärztinnen und Ärzte, die diese Behandlung anbieten.
Bedürftige Patienten finden keinen substituierenden Arzt, müssen lange Umwege auf sich nehmen, manche driften sogar wieder in die Drogenszene ab. Die Aufnahme einer Erwerbsarbeit, der Einsatz auf Montage, die Gestaltung des täglichen Lebens und die Wochenendversorgung sind durch die strikten Vergaberegelungen der BtMVV belastend, teilweise konträr zu den psychosozialen Zielen. Für die Integration gerade der gut eingestellten, stabilen Patienten ist nahezu kein Spielraum. Ihr Zugang zur Normalität wird behindert. Die absolute Abstinenzorientierung und die Forderung nach pauschaler Beikonsumfreiheit erzeugen einen Druck, der wenig therapieförderlich ist und zuweilen ins Gegenteil, bis hin zu Todesfällen führt.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Durchführung der Substitution in Deutschland sind restriktiv wie in kaum einem anderen Land und veraltet. Die BtMVV und das BtMG müssen grundlegend geändert werden. Das BtMG stammt aus dem Jahre 1971. Dieses Gesetz ist mit dem generalpräventiven Ziel geschaffen worden, den Mißbrauch von BtM zu verhindern und BtM-Abhängigkeit abzuwenden oder zu beenden. Die Anwendung dieses Gesetzes im medizinischen Bereich ist verfehlt. Für die Substitutionspraxis schafft das BtMG erhebliche Probleme, weil der Arzt u.a. mit dem § 29 wie ein potenzieller Dealer behandelt wird. Die BtMVV stammt aus dem Jahre 1998. Trotz einiger Anpassungen in den letzten Jahren verhindert sie – insbesondere bezüglich Beigebrauch, Vergabe, Therapieziel – eine individuelle, am Patientenbedürfnis orientierte Behandlung. Die geltenden Gesetze und Verordnungen sind teilweise anderslautend als die Richtlinien und Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften. Die BtMVV in ihrer derzeit gültigen Fassung entspricht nicht dem Stand der Wissenschaft und muss deshalb geändert werden. Das Recht muss der Wissenschaft folgen.
Die Sicherheit des Verkehrs von Betäubungsmitteln hat Vorrang und steht zuweilen neueren medizinisch-therapeutischen Erfordernissen entgegen. Die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen erschweren eine an den Richtlinien der BÄK und den wissenschaftlichen Leitlinien orientierte Substitutionsbehandlung in erheblichem Maße. Sie demotivieren jüngere Ärzte, sich in der Suchttherapie zu engagieren. Weil hier Änderungen zeitnah notwendig sind, um mehr Rechtssicherheit zu schaffen, ein weiteres Abwandern von Ärzten zu vermeiden und die Versorgung bedürftiger Patienten zu sichern, fokussieren sich unsere "Weiterentwicklungs-Vorschläge aus der Substitutionspraxis" zunächst auf eine Novellierung der BtMVV. Weitere Änderungen im BtMG sind damit nicht hinfällig. Wichtig ist vor allem, eine klare Trennung vorzunehmen zwischen der therapeutischen Arbeit einerseits und generellen Anforderungen an den Bevölkerungs- und Patientenschutz im Umgang mit Betäubungsmitteln andererseits. Daraus folgt:
Ausschließlich medizinisch-therapeutische Tätigkeiten gehören nicht in die BtMVV. Nur Aspekte, die die Sicherheit des Betäubungsmittelverkehrs betreffen, also den Bevölkerungs- und Patientenschutz, sollte die BtMVV regeln. Ärztliche Tätigkeiten sind in den Richtlinien der Bundesärztekammer zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opiatabhängiger bzw. in den Leitlinien der Fachgesellschaft zu regeln. Hier muss auch die Bundesärztekammer aktiv werden und nach den Gesprächen mit dem BMG umgehend die berufsrechtlichen Konsequenzen einer Reform des Substitutionsrechts überprüfen sowie ihre Richtlinien von 2010 entsprechend anpassen.
Im Folgenden führen wir sieben gesetzliche Regelungen der BtMVV aus, die einer Novellierung bedürfen. Mit diesen auch praxisnahen Änderungen kann die Substitutionspraxis verbessert und flexibler werden. Damit wird zudem eine dringend benötigte Angleichung der gesetzlichen Regelungen an den aktuellen Stand der Wissenschaft, die Richtlinien der Bundesärztekammer sowie die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin erreicht. Es entsteht Rechtssicherheit. Die Unterzeichner unterstützen ausdrücklich die publizierten Änderungsvorschläge der DGS und beziehen sich im Weiteren auf das veröffentlichte Positionspapier der DGS. Unsere Änderungsforderungen sind im Einklang mit Beschlüssen des Deutschen Ärztetages, des Bayerischen Ärztetages sowie der Ergebnisse des Runden Tisches in Bayern (Bayerisches Gesundheitsministerium, Bayerisches Justizministerium, Bayerische LÄK). Dazu wurden bereits in der Vergangenheit mehrere schriftliche Änderungsvorschläge weitgehend gleichen Inhalts im Bundesministerium für Gesundheit eingereicht. Auch hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, auf dem 11. Parlamentarischen Abend Substitutionstherapie im Oktober 2014 bereits angekündigt:
"Neue wissenschaftliche Erkenntnisse sowie drängende Forderungen der Verbände, Fachgesellschaften und der Länder (u.a. GMK) erfordern eine Überprüfung / Anpassung der betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften zur Substitutionstherapie opiatabhängiger PatientInnen."
Wir bitten den Verordnungsgeber, sich mit unseren ausführlich dargelegten "Weiterentwicklungs-Vorschlägen aus der Substitutionspraxis" auseinanderzusetzen. Im Folgenden sind zu allen Änderungspunkten die jeweiligen Bestandsformulierungen aufgeführt (in rot) sowie Änderungsvorschläge formuliert (in grün). Zu jedem Änderungsvorschlag sind wissenschaftliche, therapeutische und formale Begründungen ausgeführt. Da alle 7 Punkte ausschließlich die BtMVV betreffen, gehen wir davon aus, dass diese per Rechtsverordnung leicht noch in diesem Jahr geändert werden können. Dringend benötigt werden sie allemal! Gerne stehen wir für klärende Gespräche zur Verfügung.
Helfen Sie, eine bessere und effizientere Versorgung von über 77.000 chronisch Kranken sicherzustellen!
Prof. Dr. Markus Backmund, Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin
Prof. Dr. Anil Batra, DG-Sucht
Dr. Thomas M. Helms, Deutsche Stiftung für chronisch Kranke
Prof. Dr. Heino Stöver, akzept e.V.
Dirk Schäffer, Deutsche Aidshilfe
Dr. Christoph von Ascheraden
Änderungsvorschläge aus der Substitutionspraxis zur Novellierung der BtMVV in 7 maßgeblichen Regelungen
1. Änderung der Zielehierarchie einer Substitutionsbehandlung – Sicherstellung des Überlebens als Primärziel, statt Abstinenzgebot (§5 Abs 1 Nr 1)
2. Begründung einer Take-Home-Vergabe nach wissenschaftlich therapeutischen Kriterien (§5 Abs 8 Nr 5 und 6)
3. Erweiterung der Mitgabemöglichkeiten (§5 Abs 8)
3.1. Take-Home von "bis zu 7" auf "bis zu 14/30 Tage" ausweiten (§5 Abs 8 Satz 4)
3.2. Mitgabe bei Inlandsurlaub angleichen an Regelung für einen Auslandsaufenthalt bis zu 30 Tage (§5 Abs 8 Satz 7)
3.3. Neue Regelung für Mitgabe am Wochenende neue Regelung einfügen als Satz 4 -> (§5 Abs 8 Satz 4)
4. Erhöhung der Verschreibungs-Höchstmengen von Levomethadon und Methadon (§ 2 Abs 1)
5. PSB Erfordernisse differenzieren, ärztliche Beurteilung einbeziehen (§5 BtMVV Abs 2 Nr 2)
6. Regelungen zum Beikonsum differenzieren – soweit nicht generell über die RL der BÄK zu regeln – ausrichten an Gefährdung der Ziele der Substitution (§ 5 Abs 2 Satz 1 Nr.4, Buchstabe c und § 5 Abs 8 Satz 5 Nr. 1 und 3)
7. Konsiliarregelung (§5 Abs 3)
7.1. Ausweiten von "höchsten drei" auf "höchstens fünf" Patienten
7.2. Präzisierung - Dosis-Einstellung des Patienten durch den Konsiliarius
www.dgsuchtmedizin.de/fileadmin/documents/dgs-info_102/Eckppapier_BtMVV_19082015_FINAL.pdf
Stellungnahme der DGS zur "Information zur Verordnung von Substitol ® (nach §73 Absatz 8 SGB V)" durch die AOK Rheinland/ Hamburg
Vielen substituierenden Ärzten/ Ärztinnen im Bereich der AOK Rheinland/ Hamburg sowie Westfalen/Lippe und Schleswig.Holstein und vermutlich demnächst weiteren lag diese o. g. "Information" auf dem Schreibtisch, in der angezweifelt wird, ob die Behandlung mit Substitol ® Teil des Leistungskatalogs der Gesetzlichen Krankenkassen sei. In einer Situation, in der die Versorgung mit qualifizierter Substitutionstherapie wegen der lange bekannten administrativen und juristischen Hemmnissen in vielen Regionen nicht gesichert ist, erscheint diese "Information" als kontraproduktiv und unangemessen.
Die DGS hat in der Vergangenheit Stellung genommen zu retardierten Morphinen in der Substitution (s. DGS-Info extra) und auf potentielle Risiken – aber auch möglichen Nutzen verwiesen. Die DGS begrüßt ausdrücklich eine Diversifizierung der Substitutionsmittel, hiermit kann dem Ziel einer individualisierten Substitutionstherapie näher gekommen werden.
Zunächst wird in dem Schreiben die aufwändigere Therapiekontrolle kritisiert:
"Aus Sicht der AOK Rheinland/Hamburg ist eine Verordnung wegen erschwerter Nachweisbarkeit und gleichzeitig bekannt hohem Missbrauchs- und Gefährdungspotentials (u. a. Kindeswohl) äußerst kritisch zu sehen. Die Abschätzung/Beurteilung einer möglicherweise lebensbedrohlichen Gefährdung infolge kritischen Beigebrauchs von Heroin ist nach unserer Auffassung mit der üblichen Methodik nicht möglich."
Dies ist falsch: Mit der LC/MS ist ein hochsensitives, quantitatives Verfahren zum Drogennachweis aus Kapillarblut, Urin oder Speichel verfügbar, diese Verfahren sind mittlerweile auch durchaus üblich und u. a. bei der Diamorphinbehandlung lange bewährt. Richtig ist hingegen, dass die handelsüblichen Streifentests hierfür nicht geeignet sind. Alle publizierten Studien sehen ein vergleichbares Sicherheitsprofil der zur Substitution eingesetzten Substanzen. Selbstverständlich muss bei der Substitutionstherapie eine angemessene Sorgfalt walten und selbstverständlich auf klinische Zeichen von Missbrauch geachtet werden, aber hierbei handelt es sich um eine Frage der ärztlichen Sorgfalt und nicht um eine Frage des Leistungskataloges der Krankenkassen. Darüberhinaus werden weder in den Richtlinien der Bundesärztekammer noch in der BtmVV Vorgaben über die Art der Kontrollen gemacht.
Auch die "Hinweise zur sicheren Verordnung und Einnahme von Substitol ® " der AOK entsprechen nicht dem aktuellen Stand. Mundipharma hat die Empfehlung, neben der Einnahme der Kapseln unter Aufsicht alternativ die pellets in Wasser zu suspendieren, zurückgezogen und empfiehlt statt dessen, die pellets aus den geöffneten Kapseln trocken einzunehmen und Wasser nachzutrinken. Auf die Talkum – Problematik, hat die DGS hinreichend aufmerksam gemacht. Auch hier handelt es sich um eine ärztliche Abwägung eines potentiellen Arzneimittelrisikos und wiederum nicht um eine Frage des Leistungskataloges der Krankenkassen. Darüber hinaus sei darauf hingewiesen, dass sowohl einige generische Darreichungen von Buprenorphin sowie von dl-Methadon- Tabletten Talkum enthalten. Warnungen seitens der AOK haben wir darüber bisher nicht gehört. Rechtfertigt etwa der günstigere Preis den Talkumgehalt?
Im Brief der AOK Rheinland/ Hamburg wird weiter auf die Pflicht zur wirtschaftlichen Verordnung verwiesen und verdeutlicht, dass Substitol ® die deutlich teurere Therapieoption sei. Die DGS sieht sich außerstande, die Preiskalkulation von Mundipharma zu überprüfen, kritische Fragen zur Preisgestaltung sind aber aus unserer Sicht berechtigt. Selbstverständlich fühlt sich die DGS dem Wirtschaftlichkeitsgebot einer Pharmakotherapie – also auch der Substitutionstherapie – verpflichtet. Wie bei anderen Arzneimitteltherapien muss ein Arzt bei vergleichbarer Wirksamkeit das preiswertere Medikament verordnen. Die Verordnung einer teureren Substanz bedarf einer entsprechenden Begründung. Mögliche Begründungen für den Einsatz von retardiertem Morphin in der Substitutionstherapie können aus Sicht der DGS sein:
Unverträglichkeit oder Nebenwirkungen der Standardtherapie wie
Sex. Dysfunktion
Unzureichende Wirksamkeit der Standardtherapie mit anhaltendem craving
Diese Liste beansprucht weder Vollständigkeit noch Allgemeingültigkeit.
Ein weiteres Anwendungsgebiet für ret. Morphin sieht die DGS als Zweitopiat in der Diamorphinbehandlung, da es sich pharmakologisch um den gleichen Wirkstoff ("Diamorphin als Prodrug"), nämlich Morphin, handelt. Die Möglichkeit zur Reduktion der Injektionshäufigkeit im Rahmen der Diamorphinbehandlung bedeuten für den Patienten Risikominimierung und schrittweise Abkehr vom Spritzenritual.
Zudem gibt es jetzt für diesen Patientenkreis, der ja nachweislich in der herkömmlichen Substitutionsbehandlung gescheitert ist (Aufnahmevoraussetzung für die diamorphingestützte Behandlung), mit den ret. Morphinen eine neue Therapieoption.
Der Brief der AOK Rheinland/ Hamburg kann in Form und Inhalt als Drohung aufgefasst werden, die DGS lehnt dies als weitere Verschlechterung der Rahmenbedingungen der Substitutionstherapie ab.
Der Brief der AOK Rheinland/ Hamburg enthält inhaltliche und fachliche Mängel und wird daher von der DGS zurückgewiesen.
Fragen der ärztlichen Sorgfalt sind zwingender Bestandteil jeglicher Arzneimitteltherapie. Hinweise nach dem allgemeinen anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse zu Indikation und therapeutischem Nutzen zu geben, wie es der § 73 fordert, unterbleiben in dem Schreiben der AOK.
Die DGS unterstreicht das Wirtschaftlichkeitsgebot gemäß den Arzneimittelrichtlinien. Die Entscheidung für ein teureres Präparat bedarf einer Begründung.
Die DGS betont ihre Kompetenz als Fachverband, bei Fragen zur Substitutionstherapie ein Ansprechpartner der Krankenkassen zu sein und unterstreicht ihre Bereitschaft einen konstruktiven Dialog mit den Krankenkassen zu führen.
Dr. Konrad Isernhagen, Köln
Veranstaltungshinweise und aktuelle Studien
Aktuelle Bekanntmachung des Bundesministeriums für Gesundheit zum Thema:
Förderung einer Klausurwoche "Sucht und Stigmatisierung" (Abgabetermin: 15.11.2015 ) veröffentlicht, die Sie unter folgendem Link finden:
www.bund.de/IMPORTE/Ausschreibungen/EDITOR/Bundesministerium-fuer-Gesundheit/2015/09/1339310.html
Bitte um Beteiligung an einer Studie:
Infra you will find a link to a short survey in different languages. This is an initiative of the European Brain Council (EBC) and is fully supported by the EPA Section on Addictive Behaviors. The aim is to gather as much information on the use of new technologies in the treatment of addictive disorders throughout Europe. Thus we kindly ask you to fill in this survey and if possible distribute it further within your network of addiction specialists. This will enable gathering sufficient information to have a comprehensive state of the art throughout Europe. Within the first pages of the survey more information is provided:
www.surveymonkey.com/s/EBC-STOA-English
Prof. Falk KIEFER, Chair of EPA Section on Addictive Behaviours
Prof. Geert DOM, Co-chair of EPA Section on Addictive Behaviours
Noch eine Bitte um Unterstützung bei einer wissenschaftlichen Arbeit:
mein Name ist Lioba Krüger und ich arbeite zurzeit an meiner Masterthesis im Rahmen des Masterstudiengangs Suchthilfe an der Katholischen Hochschule NRW Abteilung Köln.Inhaltlich befasst sich die Arbeit mit dem subjektiven Belastungserleben am Arbeitsplatz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Tätigkeitsfeldern der sozialen Arbeit. Die Erhebung erfolgt mit Hilfe eines Onlinefragebogens.
Um eine möglichst aussagekräftige Strichprobe zu erreichen, bin ich auf die Teilnahme vieler Personen angewiesen, die in den verschiedensten Tätigkeitsfeldern der sozialen Arbeit tätig sind.
Da Sie durch Ihre Organisation Kontakt zu potentiellen Teilnehmerinnen und Teilnehmern haben, würde es mich sehr freuen, wenn Sie den Link des Fragebogens an Ihre Mitglieder weiterleiten könnten, um so mein Forschungsvorhaben zu unterstützen. Sollte bei Ihnen Interesse bestehen, werde ich Sie selbstverständlich nach Abschluss der Arbeit über die Ergebnisse informieren.
Hier der Link zum Fragebogen: www.soscisurvey.de/Msh/
Vielen Dank für Ihre Mühe im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Die Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein hat ein lesenswertes Positionspapier zur Frage der Cannabislegalisierung publiziert, in dem im wesentlichen auf die Punkte Jugendschutz, Entkriminalisierung und Prävention abgehoben wird.
Positionspapier zur Legalisierungsdebatte von Cannabis
www.lssh.de/images/materialien/20150930_Positionspapier_Cannabis_LSSH.pdf
www.dgsuchtmedizin.de/fileadmin/documents/dgs-info_102/LSSH_Positionspapier_Cannabis_30.9.2015.pdf
Das Bundesland Schleswig-Holstein hat beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Modellversuch zur cannabis-Veräußerung gestellt. Antrag und besonders die Antragsbegründung sind lesenswert, sie enthält interessante weiterführende Literatur. Als zentrale Forschungshypothese wird angeführt, dass die "generalpräventiven Effekte, die durch das derzeitige umfassende Cannabisverkehrsverbot erreicht werden, genau so gut oder besser mit einer kontrollierten Abgabe von Cannabis zum Eigengebrauch erreicht werden können". Der (momentan noch) zu erwartenden Ablehnungsbescheid wird im Anschluß an den Antrag aufgezeigt.
www.drogenpolitik.org/download/sh/Antrag_SH.pdf
www.dgsuchtmedizin.de/fileadmin/documents/dgs-info_102/Antrag_SH.pdf
Hier jetzt der Ablehnungsbescheid des Bundesinstituts: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Durchschrift
www.dgsuchtmedizin.de/fileadmin/documents/dgs-info_102/Ablehnungsbescheid_SH.pdf
www.alternative-drogenpolitik.de/wp-content/Ablehnungsbescheid_SH.pdf
Ähnlich wie Schleswig-Holstein hat auch die Stadt Berlin mit Blick auf die Szene in Berlin – Kreuzberg einen Antrag auf Regulierten Verkauf von Cannabis gestellt, der Antrag – und im Anschluß die Ablehnung – sind hier zu lesen:
Berlin: Berlin Antrag Cannabisregulierung_fk.pdf
www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/politik-und-verwaltung/service-und-organisationseinheiten/qualitaetsentwicklung-planung-und-koordination-des-oeffentlichen-gesundheitsdienstes/cannabisregulierung_fk.pdf
www.dgsuchtmedizin.de/fileadmin/documents/dgs-info_102/Berlin_Antrag_Cannabisregulierung_fk.pdf
Hier jetzt wieder der Ablehnungsbescheid: Deutlich wird an beiden Bescheiden, dass es höchste Zeit ist, das Betäubungsmittelrecht auch in diesem Bereich zu reformieren.
www.dgsuchtmedizin.de/fileadmin/documents/dgs-info_102/cannabisfk_bescheid-web.pdf
Der "Krieg gegen die Drogen" fordert weiter seine Opfer, England meldet einen neuen "Rekord" an Drogentoten, interessante daten aus unserem Nachbarland über dem Kanal:
England und Wales: Trauriger "Rekord" an Drogentoten
www.ons.gov.uk/ons/dcp171778_414574.pdf
www.dgsuchtmedizin.de/fileadmin/documents/dgs-info_102/dcp171778_414574.pdf
Die Schweiz hat sich in der Drogenpolitik schon immer und oft durch einen erstaunlichen Pragmatismus ausgezeichnet. Die Schweizer Jusos fordern aufgrund der negativen Erfahrungen des "war on drugs" und der positiven Erfahrung mit einer pragmatischen Drogenpolitik die totale Entkriminalisierung des Konsums aller Drogen für eine medizinische
Versorgung der Konsumierenden sowie die sofortige und komplette Legalisierung von Cannabis und seinen Folgeerzeugnissen: Schweiz:
www.dgsuchtmedizin.de/fileadmin/documents/dgs-info_102/150815_Drogenpapier_DV.pdf
www.juso.ch/wp-content/uploads/2015/08/150815_Drogenpapier_DV.pdf
Wegen Überfüllung geschlossen. Die USA kommen mit ihrer harschen Gesetzgebung an ihre Grenzen, leider nicht aus Einsicht sondern aus schierer Not: Ihre Gefängnisse platzen aus allen Nähten, deshalb werden demnächst eine große Zahl Häftlinge entlassen:
USA: Wegen Überfüllung der Gefängnisse steht die Haftentlassung von ca. 6000 Häftlingen bevor:
www.washingtonpost.com/world/national-security/justice-department-about-to-free-6000-prisoners-largest-one-time-release/2015/10/06/961f4c9a-6ba2-11e5-aa5b-f78a98956699_story.html
Der blog von Aaron Fox vom Albert-Einstein College of medicine macht in diesem Zusammenhang noch einmal eindringlich und lesenswert deutlich, warum Inhaftierung keine Lösung einer Suchtproblematik – weder gesellschaftlich noch individuell – verspricht.
Albert-Einstein College of medicine. The doctor´s tablet blog
blogs.einstein.yu.edu/why-incarceration-is-not-the-solution-to-the-opioid-addiction-epidemic/
Der Krieg gegen die Drogen fordert immer weiter seine Opfer. Berichte über Todesstrafen gegen Drogengebraucher erreichen uns aus dem Iran und aus Saudi Arabien:
Mit Menschenrechten und Drogenpolitik beschäftigt sich diese Studie der Vereinten Nationen:
dl.dropboxusercontent.com/u/64663568/library/Study-impact-of-the-world-drug-problem-on-human-rights.pdf
In its resolution 28/28, the Human Rights Council requested the United Nations High Commissioner for Human Rights to prepare a study, in consultation with States, United nations agencies and other relevant stakeholders, to be presented to the Council at its thirtieth session, on the impact of the world drug problem on the enjoyment of human rights, and recommendations on respect for and the protection and promotion of human rights in the context of the world drug problem, with particular consideration for the needs of persons affected and per sons in vulnerable situations.
The present report was prepared pursuant to the request of the Council.
dl.dropboxusercontent.com/u/64663568/library/IDPC-response-to-the-2014-INCB-annual-report.pdf
Diskriminierung und Stigmatisierung sind uns in der Suchtmedizin gut bekannt und es kostet immer wieder Kraft, dagegen an zu argumentieren. Ein guter Grund mehr, diesen Aufruf gegen sexuelle Diskriminierung zu gewärtigen: "All people have an equal right to live free from violence, persecution, discrimination and stigma."
United Nations: Aufruf gegen sexuelle Diskriminierung und Gewalt
www.ohchr.org/Documents/Issues/Discrimination/Joint_LGBTI_Statement_ENG.PDF
www.dgsuchtmedizin.de/fileadmin/documents/dgs-info_102/Joint_LGBTI_Statement_ENG.PDF
Hier jetzt noch der Drogenbericht aus Grossbritannien, analog zu unserem Bundesdrogenbericht:
Ninth Report of Session 2012–13
HC 184-I [incorporating HC 1774 of Session 2010–12]
Published on 10 December 2012 by authority of the House of Commons
www.publications.parliament.uk/pa/cm201213/cmselect/cmhaff/184/184.pdf
www.dgsuchtmedizin.de/fileadmin/documents/dgs-info_102/house_of_commons.pdf
Aus der Industrie (Industrienachrichten werden unkommentiert wiedergegeben)
Effiziente Suchttherapie: L-Polaflux ® erweitert das Portfolio bei Opiatabhängigkeit
Holzkirchen, 05. Oktober 2015 – Im Management der Opiat-/Opioidabhängigkeit steht ab sofort eine neue, kosteneffektive Therapieoption bei der Substitution zur Verfügung. Die 0,5%ige Levomethadon-Fertiglösung L-Polaflux ® von Hexal als patentfreies Levamethadon-Präparat mit garantiertem Wirkstoffgehalt und standardisierter pharmazeutischer Qualität ermöglicht eine individuelle Behandlung. L-Polaflux ® erweitert das Portfolio des Holzkirchner Arzneimittelherstellers im Bereich der Suchtmedizin um ein weiteres qualitativ hochwertiges und kosteneffizientes Produkt. Damit bietet das Unternehmen neben der in Deutschland einzigartigen Methadontablette Methaddict ® , der Buprenor­phin-Sublingualtablette Buprenaddict ® und der seit 2014 ersten 1%igen Metha­don-Fertiglösung Methaliq ® jetzt insgesamt vier Medikamente für die substitutionsgestützte Behandlung von Menschen mit Opiatabhängigkeit an. Denn Vielfalt im Sortiment ist ein wesentliches Merkmal der Hexal-Qualität. Der behandelnde Arzt hat nun noch mehr Möglichkeiten, die Suchttherapie optimal an die individuellen Bedürfnisse der Patienten anzupassen und zugleich Kosten einzusparen.
Opiatabhängigkeit ist eine behandlungsbedürftige, schwere chronische Krankheit [1]. Bei diagnostizierter Abhängigkeit von Opioiden bzw. Opiaten stellt die Substitutionsbehandlung die Therapie der ersten Wahl dar – schon alleine deshalb, weil sie die suchtassoziierte Morbidität und Mortalität drastisch verringert [2]. In Deutschland leben derzeit insgesamt 150.000 opiatabhängige Menschen; knapp die Hälfte von ihnen wird mit Methadon substituiert [1]. Die substitutionsgestützte Behandlung bietet diesen Patienten die Möglichkeit, schrittweise Abstinenz herzustellen, die Resozialisierung voranzutreiben, den körperlichen Gesundheitszustand zu stabilisieren bzw. zu verbessern [1]. Auch die Inanspruchnahme von drogenfreien Therapieangeboten führt oftmals nur über den Weg einer suffizienten Substitutionsbehandlung. Umso wichtiger ist es daher, den behandelnden Ärzten und Suchttherapeuten Substitutionsmittel in unterschiedlichen Darreichungsformen und abgestuften Dosierungen zur Verfügung zu stellen, die eine patientenindividuelle und bedarfsorientierte Behandlung ermöglichen und ein möglichst geringes Missbrauchsrisiko aufweisen.
Mit der Neueinführung von L-Polaflux ® 5 mg/ml Lösung zum Einnehmen leistet der Arzneimittelhersteller Hexal einen weiteren Beitrag zu Erweiterung der Therapieoptionen in der Suchtmedizin. Das patentfreie Levomethadon-Präparat steht in drei Packungsgrößen mit je 100 ml (N1), 3 x 100 ml (N2) und 500 ml (N3) zur Verfügung und stellt eine qualitativ äquivalente, kostengünstige Alternative dar [3]. Die Umstellung von opiatabhängigen Patienten auf L-Polaflux ® bietet den Krankenkassen ein deutliches Einsparpotenzial: Die Tagestherapiekosten für eine Dosis von 50 mg Levomethadon belaufen sich pro Patienten auf 2,97 € gegenüber 3,41 € für das Erstanbieter-Präparat. Somit lassen sich durch die Umstellung auf L-Polaflux ® jährlich 132,-- € pro Patient einsparen. Bei der Substitutionsbehandlung von 50 Patienten beläuft sich das Einsparpotenzial bei Anwendung einer Tagesdosis von 50 mg auf 6.600,-- € und bei einer Tagesdosis von 60 mg auf 7.950,-- € [4].
Bei Levomethadon-Präparaten, wie L-Polaflux ® , richtet sich die Dosierung nach der Ausprägung der Entzugssymptomatik. Gemäß der Fachinformation sollten am ersten Tag 3–4 ml Lösung morgens eingenommen werden; gegebenenfalls können am Abend weitere 2–5 ml eingenommen werden [3]. Bei opiatabhängigen Patienten mit unbekannter Toleranzschwelle sollte die Tagesgesamtdosis 15 mg Levomethadon (3 ml Lösung) nicht überschreiten. Die Wirkung setzt 1 bis 2 Stunden nach der Einnahme ein und hält nach Erreichen des pharmakokinetischen Gleichgewichts 22 bis 48 Stunden an, was die tägliche Einmalgabe erlaubt. Spätestens ab Tag 6 erfolgt die Einnahme der Tagesdosis einmalig am Morgen [3].
Hexal ermöglicht eine qualitativ hochwertige Substitutionstherapie
Der Arzneimittelhersteller Hexal engagiert sich seit 1999 in der Therapie von Menschen mit Suchtproblemen, was sich in einer einzigartigen Sortimentsbreite und -tiefe mit speziellen Darreichungsformen widerspiegelt. Zusätzlich unterstützt das Unternehmen die behandelnden Ärzte, die Apotheker und die Betroffenen durch umfassende und auf den jeweiligen Bedarf zugeschnittene Serviceleistungen, wie die Hexal-Homepage zum Thema Suchtmedizin unter www.suchtmedizin.hexal.de und eine Interaktionsdatenbank unter www.interaktionsdatenbank.de. Ein im Bereich der Suchtmedizin gut geschulter Spezialaußendienst ermöglicht eine interdisziplinäre Betreuung von Ärzten und Apothekern. Weiterhin steht mit dem "subLetter" auch ein kostenloser Newsservice und ein interaktives Portal für suchtmedizinisch tätige Ärzte und Apotheker zur Verfügung. Der Newsletter kann per Post oder E-Mail bezogen werden. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.hexal.de oder www.subletter.de. Dieses umfassende Angebot sowie der Beitrag zur Versorgungssicherheit mit wirtschaftlich attraktiven Produkten zeigen auch im Bereich der Suchtmedizin die wesentlichen Merkmale der Hexal-Qualität.
www.bundesaerztekammer.de/aerzte/versorgung/suchtmedizin/illegale-drogen/substitutionsgestuetzte-behandlung-opiatabhaengiger/qualitaetssicherung/ (letzter Aufruf: 08.09.2015)
[2] Backmund M et al. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS e.V.): Therapie der Opiatabhängigkeit – Teil 1: Substitutionsbehandlung;
www.dgsuchtmedizin.de/fileadmin/documents/Leitlinien/Leitlinien_Substitution_der_DGS-29-01-2014.pdf (letzter Aufruf: 08.09.2015)
[3] Fachinformation L-Polaflux® 5 mg/ml Lösung zum Einnehmen, Stand: Juni 2015
[4] Lauer-Taxe Stand: 15.10.2015
Lissabon: Preisverleihung:
Lisbon, 22.09.2015 (News release 8/2015)
The 2015 winning articles, which will be presented at the ceremony, a
'Pregnenolone can protect the brain from cannabis intoxication' (2014), primary author Monique Vallée (France). Published in Science, 343, 6166, pp.94–98.
'Challenges of surveying wastewater drug loads of small populations and generalizable aspects on optimizing monitoring design' (2014), primary author Christoph Ort (Switzerland, accompanied by Swiss co-author Jonas Eppler). Published in Addiction, 109, 3, pp. 472–481.
'Use of contingency management incentives to improve completion of hepatitis B vaccination in people undergoing treatment for heroin dependence: a cluster randomised trial' (2014), primary authors Tim Weaver and Nicola Metrebian (UK). Published in The Lancet, 384, 9938, pp.153–163.
'A social cost perspective in the wake of the Portuguese strategy for the fight against drugs' (2015/published online in 2014), primary author Ricardo Gonçalves (Portugal). Published in International Journal of Drug Policy, 26, 2, pp.199–209. Category: Drug policy.
'Hashish revival in Morocco' (2014), primary author Pierre-Arnaud Chouvy (France, represented at the event by Moroccan co-author Kenza Afsahi). Published in International Journal of Drug Policy, 25, 3, pp.416–423.
Chair of the EMCDDA Scientific Committee Prof. Dr Gerhard Bühringer said: 'This year the EMCDDA commemorates 20 years of monitoring the drugs problem in Europe. Promoting scientific excellence has been at the heart of the agency's work over this time and was the motivation behind this scientific paper award. The award has enabled us to showcase major advancements in the drugs field and reach out to a buoyant research community across the EU. It also helps highlight research gaps with the perspective of improving policy and practice'. (2) Lisbon Addictions 2015 conference
Poloméni P; Bronner C; Fry F; Ravoninjatovo B; Fatseas M
Addiction science & clinical practice; VOL: 10; p. 16 /2015/
BACKGROUND: When opioid-agonist treatments were approved in France in 1995, opiate use disorders began to be managed and treated by general practitioners (GPs), who have since then been encouraged to treat substance use disorders (SUDs) for heroin and other illegal substances. The objective of this study was to describe rates of: 1) SUDs in general practices in France; 2) characteristics of GPs treating SUDs; and 3) clinical practices surrounding SUDs. To place these data in the context of SUD treatment, we also gathered information from practicing SUD specialists.
www.ascpjournal.org/content/10/1/16
Vorgehen bei Neonatalem Abstinenzsyndrom (NAS): Ergebnisse einer nationalen Umfrage in Österreich.
Bauchinger S; Sapetschnig I; Danda M; Sommer C; Resch B; Urlesberger B; Raith W
Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie; VOL: 219 (4); p. 185-9 /201508/
BACKGROUND: Neonatal abstinence syndrome (NAS) occurs in neonates whose mothers have taken addictive drugs or were under substitution therapy during pregnancy. Incidence numbers of NAS are on the rise globally, even in Austria NAS is not rare anymore. The aim of our survey was to reveal the status quo of dealing with NAS in Austria. METHODS: A questionnaire was sent to 20 neonatology departments all over Austria, items included questions on scoring, therapy, breast-feeding and follow-up procedures. RESULTS: The response rate was 95%, of which 94.7% had written guidelines concerning NAS. The median number of children being treated per year for NAS was 4. Finnegan scoring system is used in 100% of the responding departments. Morphine is being used most often, in opiate abuse (100%) as well as in multiple substance abuse (44.4%). The most frequent forms of morphine preparation are morphine and diluted tincture of opium. Frequency as well as dosage of medication vary broadly. 61.1% of the departments supported breast-feeding, regulations concerned participation in a substitution programme and general contraindications (HIV, HCV, HBV). Our results revealed that there is a big west-east gradient in patients being treated per year. CONCLUSIONS: NAS is not a rare entity anymore in Austria (up to 50 cases per year in Vienna). Our survey showed that most neonatology departments in Austria treat their patients following written guidelines. Although all of them base these guidelines on international recommendations there is no national consensus.
www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0035-1545289
Tran OC; Bruce RD; Masao F; Ubuguyu O; Sabuni N; Mbwambo J; Lambdin BH
Journal of acquired immune deficiency syndromes (1999); VOL: 69 (2); p. e43-8 /20150601/
BACKGROUND: The first methadone maintenance treatment clinic in Tanzania was launched in February 2011 to address an emerging HIV epidemic among people who inject drugs. We conducted a retrospective cohort study to understand factors associated with linkage to HIV care and explore how a methadone maintenance treatment clinic can serve as a platform for integrated HIV care and treatment.
METHODS: This study used routine programmatic and clinical data on clients enrolled in methadone at Muhimbili National Hospital from February 2011 to January 2013. Multivariable proportional hazards regression model was used to examine time to initial CD4 count.
RESULTS: Final analyses included 148 HIV-positive clients, contributing 31.7 person-years. At 30, 60, and 90 days, the probability of CD4 screening was 40% [95% confidence interval (CI): 32% to 48%], 55% (95% CI: 47% to 63%), and 63% (95% CI: 55% to 71%), respectively. Clients receiving high methadone doses (>= 85 mg/d) [adjusted hazard ratio (aHR): 1.68, 95% CI: 1.03 to 2.74] had higher likelihood of CD4 screening than those receiving low doses (less than 85 mg/d). Clients with primary education or lower (aHR: 1.62, 95% CI: 1.05 to 2.51) and self-reported poor health (aHR: 1.96, 95% CI: 1.09 to 3.51) were also more likely to obtain CD4 counts. Clients with criminal arrest history (aHR: 0.56, 95% CI: 0.37 to 0.85]) were less likely to be linked to care. Among 17 antiretroviral therapy eligible clients (CD4 = 200), 12 (71%) initiated treatment, of which 7 (41%) initiated within 90 days.
CONCLUSIONS: Levels of CD4 screening and antiretroviral therapy initiation were similar to Sub-Saharan programs caring primarily for people who do not inject drugs. Adequate methadone dosing is important in retaining clients to maximize HIV treatment benefits and allow for successful linkage to services.
journals.lww.com/jaids/Fulltext/2015/06010/Implementation_and_Operational_Research___Linkage.18.aspx
Ordean A; Kahan M; Graves L; Abrahams R; Kim T
Journal of obstetrics and gynaecology Canada : JOGC = Journal d'obstétrique et gynécologie du Canada : JOGC; VOL: 37 (3); p. 252-7 /201503/
OBJECTIVE: To describe obstetrical and neonatal outcomes including neonatal abstinence syndrome (NAS) in a Canadian cohort of methadone-maintained pregnant women.
METHODS: We conducted a retrospective chart review at three integrated care programs in Vancouver, Toronto, and Montreal. Pregnant women on methadone maintenance treatment (MMT) who attended for care between 1997 and 2009 were included in this multisite study. Maternal and neonatal outcomes in each of the three contributing centres were compared.
RESULTS: A total of 94 pregnant methadone-maintained women were included in the final analysis: 36 from Toronto, 36 from Vancouver, and 22 from Montreal. Maternal demographics showed inter-site differences in ethnicity and marital status. Obstetrical complications were not frequent; the most frequent was antenatal hemorrhage, which occurred in 14% of the total cohort. The incidence of premature labour was significantly higher in Vancouver and Montreal than in Toronto. The mean gestational age at delivery for the entire cohort was 38 weeks; mean birth weight was 2856 grams. The average length of hospital stay for babies with NAS was 19 days, with 27% of neonates requiring pharmacological treatment for NAS. Approximately 60% of neonates were discharged from hospital to the care of their mother.
CONCLUSIONS: Integrated care programs resulted in satisfactory obstetrical and neonatal outcomes for pregnant women on MMT. Policies promoting maternal-newborn contact, rooming-in, and breastfeeding may help to decrease the severity of NAS and the need for pharmacological treatment of NAS. We strongly recommend the development of similar programs across Canada to address gaps in services.
www.jogc.com/abstracts/full/201503_DrugsinPregnancy_1.pdf
Hope VD; Scott J; Cullen KJ; Parry JV; Ncube F; Hickman M
Drug and alcohol dependence; VOL: 152; p. 239-45 /20150701/
METHODS: Participants were recruited using respondent driven sampling (2006-2009). Weighted data was examined using bivariate analyses and logistic regression.
www.drugandalcoholdependence.com/article/S0376-8716%2815%2900185-4/abstract
Changes in resting EEG following methadone treatment in opiate addicts.
Wang GY; Kydd R; Wouldes TA; Jensen M; Russell BR
Clinical neurophysiology : official journal of the International Federation of Clinical Neurophysiology; VOL: 126 (5); p. 943-50 /201505/
OBJECTIVE: This study investigated the electrophysiological activity associated with methadone maintenance treatment (MMT).
METHODS: The resting EEG spectrum of beta (14.5-30 Hz), alpha (8-13 Hz), theta (4-7.5 Hz) and delta (1.5-3.5 Hz) rhythm were measured in 32 patients undertaking chronic MMT, 17 opiate users and 25 healthy volunteers. Differences in the EEG components of each group were evaluated using a repeated measures Analyses of Variance (ANOVA). Post-hoc comparisons were Bonferroni corrected.
RESULTS: Our results show that either patients undertaking MMT or active opiate users exhibited a significant increase in the power of beta and theta bands relative to healthy control subjects. However, the spectral power of patients undertaking MMT fell between that of current opiate users and healthy control subjects on many regional EEG measures. There was an inverse correlation between the power of beta or theta bands and cognitive performance.
CONCLUSIONS: The abnormal neural electrical activity present in those still using illicit opiates might be reduced following MMT.
CONCLUSIONS (SIGNIFICANCE): The present findings provide further support for MMT of opiate dependence and demonstrates potentially positive effects of substitution treatment on brain function.
www.clinph-journal.com/article/S1388-2457%2814%2900487-8/abstract=
Gender differences in access to methadone maintenance therapy in a Canadian setting.
Bach P; Milloy MJ; Nguyen P; Koehn J; Guillemi S; Kerr T; Wood E
Drug and alcohol review /20150304/
OBJECTIVE (INTRODUCTION AND AIMS): Methadone maintenance therapy (MMT) is an evidence-based treatment for opioid addiction. While gender differences in MMT pharmacokinetics, drug use patterns and clinical profiles have been previously described, few studies have compared rates of MMT use among community-recruited samples of persons who inject drugs (PWID).
METHODS (DESIGN AND METHODS): The present study used prospective cohorts of PWID followed between May 1996 and May 2013 in Vancouver, British Columbia, Canada. We investigated potential factors associated with time to methadone initiation using Cox proportional hazards modelling. Stratified analyses were used to examine for gender differences in rates of MMT enrolment.
RESULTS: Overall, 1848 baseline methadone-naïve PWID were included in the study, among whom 595 (32%) were female. In an adjusted model, male gender was independently associated with increased time to MMT initiation and an overall lower rate of enrolment [adjusted relative hazard = 0.74 (95% confidence interval: 0.65-0.85)]. Among both female and male PWID, Caucasian ethnicity and daily injection heroin use were associated with decreased time to methadone initiation, while in females, pregnancy was also associated with more rapid initiation.
CONCLUSIONS (DISCUSSION AND CONCLUSIONS): These data highlight gender differences in methadone use among a population of community-recruited PWID. While factors associated with methadone use were similar between genders, rates of use were lower among male PWID, highlighting the need to consider gender when designing strategies to improve recruitment into MMT. [Bach P, Milloy MJ, Nguyen P, Koehn J, Guillemi S, Kerr T, Wood E. Gender differences in access to methadone maintenance therapy in a Canadian setting. Drug Alcohol Rev 2015].
onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/dar.12251/abstract
Weber R; Huber M; Battegay M; Stähelin C; Castro Batanjer E; Calmy A; Bregenzer A; Bernasconi E; Schoeni-Affolter F; Ledergerber B
HIV medicine; VOL: 16 (3); p. 137-51 /201503/
OBJECTIVE (OBJECTIVES): We studied the influence of noninjecting and injecting drug use on mortality, dropout rate, and the course of antiretroviral therapy (ART), in the Swiss HIV Cohort Study (SHCS).
METHODS: Cohort participants, registered prior to April 2007 and with at least one drug use questionnaire completed until May 2013, were categorized according to their self-reported drug use behaviour. The probabilities of death and dropout were separately analysed using multivariable competing risks proportional hazards regression models with mutual correction for the other endpoint. Furthermore, we describe the influence of drug use on the course of ART.
RESULTS: A total of 6529 participants (including 31% women) were followed during 31 215 person-years; 5.1% participants died; 10.5% were lost to follow-up. Among persons with homosexual or heterosexual HIV transmission, noninjecting drug use was associated with higher all-cause mortality [subhazard rate (SHR) 1.73; 95% confidence interval (CI) 1.07-2.83], compared with no drug use. Also, mortality was increased among former injecting drug users (IDUs) who reported noninjecting drug use (SHR 2.34; 95% CI 1.49-3.69). Noninjecting drug use was associated with higher dropout rates. The mean proportion of time with suppressed viral replication was 82.2% in all participants, irrespective of ART status, and 91.2% in those on ART. Drug use lowered adherence, and increased rates of ART change and ART interruptions. Virological failure on ART was more frequent in participants who reported concomitant drug injections while on opiate substitution, and in current IDUs, but not among noninjecting drug users.
CONCLUSIONS: Noninjecting drug use and injecting drug use are modifiable risks for death, and they lower retention in a cohort and complicate ART.
onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/hiv.12184/abstract
Excess mortality among opioid-using patients treated with oral naltrexone in Australia.
Degenhardt L; Larney S; Kimber J; Farrell M; Hall W
Drug and alcohol review; VOL: 34 (1); p. 90-6 /201501/
OBJECTIVE (INTRODUCTION AND AIMS): To estimate the number of deaths that would have occurred among patients receiving oral naltrexone for opioid use under the Special Access Scheme if these patients had received methadone. METHODS (DESIGN AND METHODS): We analysed mortality in cohorts treated with oral naltrexone and methadone. Data were from 1097 patients of in WA providing oral naltrexone for opioid use under the SAS,1998-2000, and all participants in WA (n = 2520) and New South Wales (NSW) (n = 11,174) methadone programs over the same period. We calculated mortality rates among patients receiving naltrexone and methadone, and excess mortality among patients receiving naltrexone. RESULTS: Oral naltrexone patients had higher mortality than those treated with methadone, even when favourable assumptions were made about the effects of naltrexone on mortality. Total oral naltrexone mortality was significantly greater than for methadone in WA (rate ratio 3.5; 95% confidence interval 2.2-5.8) and NSW (rate ratio 3.5; 95% confidence interval 2.4-5.0). Among 1097 oral naltrexone patients we estimate that there were 25-29 deaths over two years that would probably not have occurred if these patients had received methadone. The major reason was higher mortality rate post-treatment cessation. CONCLUSIONS (DISCUSSION AND CONCLUSIONS): Large-scale use of oral naltrexone to treat opioid users may not have, as intended, saved lives. Implant naltrexone continues to be prescribed under the SAS in the absence of reliable efficacy and safety data. There is a need to review widespread use of unregistered medications under the SAS, particularly with vulnerable patient groups.
onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/dar.12205/abstract
The nature and extent of child protection involvement among heroin-using mothers in treatment: high rates of reports, removals at birth and children in care.
Taplin S; Mattick RP
Drug and alcohol review; VOL: 34 (1); p. 31-7 /201501/
OBJECTIVE (INTRODUCTION AND AIMS): A substantial proportion of women in treatment for substance use problems are mothers of dependent children, but only a small number of studies have explored the nature and extent of their child protection involvement with substance-using mothers themselves.
METHODS (DESIGN AND METHODS): A large sample of mothers on the opioid treatment program (OTP) in Sydney, Australia, were interviewed. This paper describes their characteristics, the extent and nature of their involvement with the child protection system, the parenting-related interventions provided and their views of their own parenting.
RESULTS: The 171 mothers were disadvantaged and marginalised and had 302 children under the age of 16 years, 99 of whom were in out-of-home care. Nearly half the children in care (n = 42) had been removed at the time of their birth, and half (n = 49) had been removed from a mother who was on an OTP at the time. Among the younger children (age 1-2 years), higher proportions had been removed at birth than among the older children. None of the 32 mothers who had a child removed at birth and then gave birth subsequently retained care of their new baby. Women often chose to enter treatment (63.6%) for child-related reasons (35%) and attempted to shield their children from their substance use. Few health services were provided to them outside the availability of OTP.
CONCLUSIONS (DISCUSSION AND CONCLUSIONS): Entering treatment presents an opportunity for improving outcomes for these women and their children and to reduce future involvement with the child protection system.
onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/dar.12165/abstract
Fox AD; Maradiaga J; Weiss L; Sanchez J; Starrels JL; Cunningham CO
Addiction science & clinical practice; VOL: 10; p. 2 /2015/
BACKGROUND: The United States has the highest rate of incarceration in the world (937 per 100,000 adults). Approximately one-third of heroin users pass through correctional facilities annually. Few receive medication assisted treatment (MAT; either methadone or buprenorphine) for opioid use disorder during incarceration, and nearly three-quarters relapse to heroin use within 3 months of release. This qualitative study investigated barriers to and facilitators of buprenorphine maintenance treatment (BMT) following release from incarceration ("re-entry").
METHODS: We conducted 21 semistructured interviews of former inmates with opioid use disorder recruited from addiction treatment settings. Interviews were audio-recorded, transcribed, and analyzed using a grounded theory approach. Themes that emerged upon iterative readings of transcripts were discussed by the research team.
RESULTS: Participants reported adverse re-entry conditions, including persistent exposure to drug use and stressful life events, which were perceived to contribute to opioid relapse and affected addiction treatment decisions during re-entry. Themes that emerged relating to BMT included: 1) reliance on willpower; 2) fear of dependency on medications; 3) variable exposure to buprenorphine; and 4) acceptability of BMT following relapse. Willpower was perceived to be more important for recovery than medications. Many participants experienced painful withdrawal from methadone during incarceration and were fearful that using MAT would lead to opioid tolerance and painful withdrawal again in the future. Participants reported both positive and negative experiences taking illicit buprenorphine, which affected interest in BMT. Overall, BMT was perceived to be a good treatment option for opioid use disorder that could reduce the risk of re-incarceration.
CONCLUSIONS: BMT was perceived to be acceptable, but former inmates with opioid use disorder may be reluctant to utilize BMT upon re-entry. Factors limiting utilization of BMT could be mitigated though policy change or interventions. Policies of the criminal justice system (e.g., forced detoxification) may be dissuading former inmates from utilizing effective treatments for opioid use disorder. Interventions that improve education and access to BMT for former inmates with opioid use disorder could facilitate entrance into treatment. Both policy changes and interventions are urgently needed to reduce the negative consequences of opioid relapse following re-entry.
www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4410477/
Wiegand SL; Stringer EM; Stuebe AM; Jones H; Seashore C; Thorp J
Obstetrics and gynecology; VOL: 125 (2); p. 363-8 /201502/
OBJECTIVE: To compare neonatal abstinence syndrome prevalence and characteristics among neonates born to women prescribed buprenorphine and naloxone compared with methadone during pregnancy.
METHODS: Retrospective cohort analysis of mother-neonate dyads treated with either buprenorphine and naloxone or methadone during pregnancy. Primary neonatal outcomes included diagnosis of neonatal abstinence syndrome, neonatal abstinence syndrome peak scores, total amount of morphine used to treat neonatal abstinence syndrome (mg), and duration of treatment for neonatal abstinence syndrome (days). Secondary outcomes included head circumference, birth weight, length, preterm birth, neonatal intensive care unit admission, Apgar scores, and overall length of hospitalization.
RESULTS: From January 1, 2011, to November 30, 2013, we identified 62 mother-neonate dyads, 31 treated with methadone and 31 treated with buprenorphine and naloxone. Sixteen neonates (51.6%) in the methadone group were diagnosed with neonatal abstinence syndrome compared with eight (25.1%) in the buprenorphine and naloxone group (adjusted odds ratio 2.55, 95% confidence interval [CI] 1.31-4.98, P = .01). The buprenorphine and naloxone-exposed neonates had lower peak neonatal abstinence syndrome scores (9.0 ± 4.4 compared with 10.7 ± 3.7, multivariate-adjusted mean difference = -2.77, 95% CI -4.99 to -0.56, P = .02) and shorter overall hospitalization (5.6 ± 5.0 compared with 9.8 ± 7.4 days, multivariate-adjusted mean difference = -3.90, 95% CI, -7.13 to -0.67, P = .02). We found no other differences in primary or secondary outcomes.
CONCLUSIONS: In a cohort of pregnant patients treated with either methadone or buprenorphine and naloxone in pregnancy, newborns exposed to maternal buprenorphine and naloxone had less frequent neonatal abstinence syndrome. Additionally, neonates exposed to buprenorphine and naloxone had shorter overall hospitalization lengths.
journals.lww.com/greenjournal/pages/articleviewer.aspx
Meyer AC; Miller ME; Sigmon SC
Addictive behaviors; VOL: 42; p. 189-93 /201503/
BACKGROUND: While research suggests primary prescription opioid (PO) abusers may exhibit less severe demographic and drug use characteristics than primary heroin abusers, less is known about whether a lifetime history of heroin use confers greater severity among PO abusers.
OBJECTIVE: In this secondary analysis, we examined demographic and drug use characteristics as a function of lifetime heroin use among 89 PO-dependent adults screened for a trial evaluating the relative efficacy of buprenorphine taper durations. Exploratory analyses also examined contribution of lifetime heroin use to treatment response among a subset of participants who received a uniform set of study procedures.
METHODS: Baseline characteristics were compared between participants reporting lifetime heroin use >=5 (H(+); n=41) vs. smaller than 5 (H(-); n=48) times. Treatment response (i.e., illicit opioid abstinence and treatment retention at end of study) was examined in the subset of H(+) and H(-) participants randomized to receive the 4-week taper condition (N=22).
RESULTS: H(+) participants were significantly older and more likely to be male. They reported longer durations of illicit opioid use, greater alcohol-related problems, more past-month cocaine use, greater lifetime IV drug use, and greater lifetime use of cigarettes, amphetamines and hallucinogens. H(+) participants also had lower scores on the Positive Symptom Distress and Depression subscales of the Brief Symptom Inventory. Finally, there was a trend toward poorer treatment outcomes among H(+) participants.
CONCLUSIONS: A lifetime history of heroin use may be associated with elevated drug severity and unique treatment needs among treatment-seeking PO abusers.
www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0306460314003785