Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/der-grundsatz-ordnungsgemaesser-verwaltung-und-die-din-gerechte-gebaeudesanierung-363061
Timestamp: 2020-04-02 02:56:04
Document Index: 321726898

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 21', '§ 21', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Der Grund­satz ord­nungs­ge­mä­ßer Ver­wal­tung und die DIN-gerech­te Gebäu­de­sa­nie­rung | Rechtslupe
Der Grund­satz ord­nungs­ge­mä­ßer Ver­wal­tung und die DIN-gerech­te Gebäu­de­sa­nie­rung
Den Grund­sät­zen einer ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­wal­tung (§ 21 Abs. 3 WEG) genügt jeden­falls bei Vor­lie­gen gra­vie­ren­der Män­gel der Bau­sub­stanz nur eine den all­ge­mein aner­kann­ten Stand der Tech­nik sowie die Regeln der Bau­kunst beach­ten­de Sanie­rung; da DIN-Nor­men die Ver­mu­tung in sich tra­gen, dass sie den Stand der all­ge­mein aner­kann­ten Regeln der Tech­nik wie­der­ge­ben, sind sol­che Sanie­run­gen grund­sätz­lich DIN-gerecht aus­zu­füh­ren.
Mit Blick auf die Wert­erhal­tung und die Ver­käuf­lich­keit von Eigen­tums­woh­nun­gen ent­spricht jeden­falls bei Vor­lie­gen gra­vie­ren­der Män­gel der Bau­sub­stanz – wie bei der im vor­lie­gen­den Fall fest­ge­stell­ten Dekon­struk­ti­ons­fäu­le – nur eine den all­ge­mein aner­kann­ten Stand der Tech­nik sowie die Regeln der Bau­kunst beach­ten­de Sanie­rung den Grund­sät­zen einer ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­wal­tung. Da DIN-Nor­men die Ver­mu­tung in sich tra­gen, dass sie den Stand der all­ge­mein aner­kann­ten Regeln der Tech­nik wie­der­ge­ben 1, führt dies im recht­li­chen Aus­gangs­punkt dazu, dass sol­che Sanie­run­gen nur dann ord­nungs­ge­mä­ßer Ver­wal­tung ent­spre­chen, wenn sie DIN-gerecht durch­ge­führt wer­den.
Die­se Ver­mu­tung kann jedoch ent­kräf­tet wer­den. Nur wenn dies gelingt, bleibt bei der Aus­übung des den Woh­nungs­ei­gen­tü­mern (§ 21 Abs. 3 WEG) bzw. dem Rich­ter (§ 21 Abs. 8 WEG) ein­ge­räum­ten Gestal­tungs­er­mes­sens Raum für eine von DIN-Nor­men abwei­chen­de Sanie­rung. DIN-Nor­men sind kei­ne Rechts­nor­men, son­dern pri­va­te tech­ni­sche Rege­lun­gen mit Emp­feh­lungs­cha­rak­ter, die hin­ter den aner­kann­ten Regeln der Tech­nik zurück­blei­ben kön­nen 2, weil tech­ni­sche Ent­wick­lung und wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis in einem stän­di­gen Wan­del begrif­fen sind 3. Von daher liegt es in der Natur der Sache, dass in DIN-Nor­men emp­foh­le­ne Maß­nah­men zur Schäd­lings­be­kämp­fung nicht mehr die aner­kann­ten Regeln der Tech­nik beschrei­ben, wenn auf­grund neu­er Erkennt­nis­se ande­re – geeig­ne­ter erschei­nen­de – Metho­den an deren Stel­le tre­ten, was zur Ver­teue­rung, aber auch zur Ver­bil­li­gung von Sanie­run­gen füh­ren kann. Ob es sich so ver­hält, kann zuver­läs­sig nur durch Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens geklärt wer­den 4. Tritt eine Par­tei der Ver­mu­tungs­wir­kung im Zivil­pro­zess unter Beweis­an­tritt ent­ge­gen, hat das Gericht dem grund­sätz­lich nach­zu­ge­hen.
Die Fra­ge, ob nur eine Sanie­rung nach der DIN 68800 den Grund­sät­zen einer ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­wal­tung ent­spricht, wird unter Her­an­zie­hung der jeweils aktu­el­len Fas­sung der DIN-Norm zu klä­ren sein. Jeden­falls bei noch vor­zu­neh­men­den Sanie­rungs­ar­bei­ten trägt nur die aktu­el­le Fas­sung die Ver­mu­tung in sich, dass der Stand der all­ge­mein aner­kann­ten Regeln der Tech­nik wie­der­ge­ben wird, zumal den Grund­sät­zen einer ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­wal­tung in aller Regel nur genügt sein wird, wenn Sanie­rungs­maß­nah­men den im Zeit­punkt ihrer Durch­füh­rung maß­ge­ben­den Stan­dards ent­spre­chen 5.
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vgl. nur Pas­tor in Werner/​Pastor, Der Bau­pro­zess, 14. Aufl., Rn.1969 mwN[↩]
BGH, Urteil vom 14.05.1998 – VII ZR 184/​97, BGHZ 139, 16, 19 f.; Urteil vom 14.06.2007 – VII ZR 45/​06, BGHZ 172, 346, 355 f. mwN[↩]
Pas­tor in Werner/​Pastor, aaO, Rn.1970 f.; vgl. auch BGH, Urteil vom 14.06.2007 – VII ZR 45/​06, aaO[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 13.03.2008 – VII ZR 219/​06, BauR 2008, 1031, 1032; Pas­tor in Werner/​Pastor, aaO, Rn.1977 mwN[↩]
zu der ähn­lich gela­ger­ten Pro­ble­ma­tik im Werk­ver­trags­recht vgl. auch BGH, Urteil vom 04.06.2009 – VII ZR 54/​07, BGHZ 181, 225, 230[↩]
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