Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/kindergeld-und-die-fahrtkosten-des-nebenberuflich-studierenden-kindes-393765
Timestamp: 2020-05-31 05:56:14
Document Index: 90356718

Matched Legal Cases: ['§ 62', '§ 63', '§ 32', '§ 2', '§ 32', '§ 9', '§ 32', '§ 32', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 32', '§ 12', '§ 9', '§ 9', '§ 52', '§ 66']

Kindergeld -und die Fahrtkosten des nebenberuflich studierenden Kindes | Rechtslupe
Für ein Kind, das das 18., aber noch nicht das 25. Lebens­jahr voll­endet hat und sich in Aus­bil­dung befin­det, besteht nach § 62 Abs. 1, § 63 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG ein Anspruch auf Kin­der­geld nur, wenn das Kind Ein­künf­te und Bezü­ge, die zur Bestrei­tung des Unter­halts oder der Berufs­aus­bil­dung bestimmt oder geeig­net sind, von nicht mehr als 7.680 € im Kalen­der­jahr hat.
Der Begriff der Ein­künf­te ent­spricht dem in § 2 Abs. 2 EStG gesetz­lich defi­nier­ten Begriff und ist je nach Ein­kunfts­art als Gewinn oder als Über­schuss der Ein­nah­men über die Wer­bungs­kos­ten zu ver­ste­hen. Erzielt das Kind Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit, sind daher von den Brut­to­ein­nah­men die Wer­bungs­kos­ten und dar­über hin­aus die Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge abzu­zie­hen 1.
Nach § 32 Abs. 4 Satz 5 EStG blei­ben bei der Ermitt­lung der Gren­ze von 7.680 € Bezü­ge außer Ansatz, die für beson­de­re Aus­bil­dungs­zwe­cke bestimmt sind, eben­so Ein­künf­te, die für sol­che Zwe­cke ver­wen­det wer­den. Sol­che beson­de­ren Aus­bil­dungs­kos­ten sind alle über die Lebens­füh­rung hin­aus­ge­hen­den aus­bil­dungs­be­ding­ten Mehr­auf­wen­dun­gen. Aus­bil­dungs­be­ding­te Mehr­auf­wen­dun­gen, die nicht bereits als Wer­bungs­kos­ten (§ 9 EStG) im Rah­men einer Ein­kunfts­art des Kin­des berück­sich­tigt wer­den, sind gemäß § 32 Abs. 4 Satz 5 EStG von der Sum­me der Ein­künf­te und Bezü­ge abzu­zie­hen. Dabei erfolgt die Abgren­zung zwi­schen Kos­ten der Lebens­füh­rung und dem aus­bil­dungs­be­ding­ten Mehr­be­darf in der Wei­se, wie dies im Rah­men eines Aus­bil­dungs­dienst­ver­hält­nis­ses zwi­schen den Kos­ten der Lebens­füh­rung und den durch den Beruf ver­an­lass­ten Kos­ten (Wer­bungs­kos­ten) geschieht. Es sind die den Abzug der jewei­li­gen Auf­wen­dung betref­fen­den steu­er­li­chen Vor­schrif­ten dem Grun­de und der Höhe nach zu beach­ten 2.
Nach die­sen Grund­sät­zen sind die Fahrt­kos­ten zwi­schen der Woh­nung und der Uni­ver­si­tät als aus­bil­dungs­be­ding­te Mehr­auf­wen­dun­gen gemäß § 32 Abs. 4 Satz 5 EStG zu qua­li­fi­zie­ren. In ent­spre­chen­der Anwen­dung der für den Wer­bungs­kos­ten­be­griff gel­ten­den Grund­sät­ze ist die Ent­fer­nungs­pau­scha­le nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Satz 2 EStG nicht anzu­wen­den. Die Fahrt­kos­ten sind viel­mehr gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG in tat­säch­li­cher Höhe zu berück­sich­ti­gen. Denn die von S besuch­te Uni­ver­si­tät stellt nach nun­mehr stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH kei­ne regel­mä­ßi­ge Arbeits­stät­te i.S. des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG in der im Streit­jahr gel­ten­den Fas­sung dar 3, da der Begriff der "regel­mä­ßi­gen Arbeits­stät­te" i.S. des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG vor­aus­setzt, dass die Leis­tung des Arbeit­neh­mers in einer orts­fes­ten dau­er­haf­ten betrieb­li­chen Ein­rich­tung des Arbeit­ge­bers erbracht wird und auch nur im Rah­men bezahl­ter Arbeit in Betracht kommt 4. Kos­ten für Fahr­ten zur Uni­ver­si­tät im Rah­men einer Bil­dungs­maß­nah­me sind somit unein­ge­schränkt in tat­säch­li­cher Höhe nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG abzieh­bar.
Da die Fahrt­kos­ten zu der Uni­ver­si­tät aus­bil­dungs­be­ding­te Mehr­auf­wen­dun­gen gemäß § 32 Abs. 4 Satz 5 EStG dar­stel­len, kann dahin­ste­hen, ob die­se Auf­wen­dun­gen ‑auch nach Ein­füh­rung des § 12 Nr. 5 und § 9 Abs. 6 EStG i.d.F. des Bei­trei­bungs­richt­li­nie-Umset­zungs­ge­set­zes vom 07.12 2011 ‑Bei­trR­LUmsG- 5 als vor­weg­ge­nom­me­ne Wer­bungs­kos­ten gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG zu berück­sich­ti­gen wären.
stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 29.05.2008 – III R 33/​06, BFH/​NV 2008, 1664; vom 22.10.2009 – III R 101/​07, BFH/​NV 2010, 200[↩]
BFH, Urteil vom 22.09.2011 – III R 38/​08, BFHE 235, 331, BStBl II 2012, 338, m.w.N.[↩]
BFH, Urtei­le vom 16.01.2013 – VI R 14/​12, BFHE 240, 125, BStBl II 2013, 449, Rz 25; vom 22.11.2012 – III R 64/​11, BFHE 239, 355, BStBl II 2013, 914, Rz 11; vom 09.02.2012 – VI R 44/​10, BFHE 236, 431, BStBl II 2013, 234, Rz 18, 19; vgl. vom 10.04.2014 – III R 35/​13, BStBl II 2014, 1011, Rz 16[↩]
BFH, Urteil in BFHE 236, 431, BStBl II 2013, 234, Rz 19[↩]
BGBl I 2011, 2592, nach § 52 Abs. 23d Satz 5 i.d.F. des Bei­trR­LUmsG für Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me ab 2004 anzu­wen­den[↩]
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