Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/elterliches-einkommen-und-die-abaenderung-einer-verfahrenskostenhilfeentscheidung-347507
Timestamp: 2020-01-25 15:13:36
Document Index: 114486989

Matched Legal Cases: ['§ 120', '§ 120', '§ 1629', '§ 115', '§ 1360', '§ 115', '§ 120', '§ 1360', '§ 1360', '§ 1613', '§ 1360', '§ 120', '§ 127', 'BGH', '§ 114', '§ 114', '§ 114', '§ 115', '§ 115', '§ 115', '§ 6', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 6', 'BGH']

Elter­li­ches Ein­kom­men und die Abän­de­rung einer Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­ent­schei­dung | Rechtslupe
Elter­li­ches Ein­kom­men und die Abän­de­rung einer Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­ent­schei­dung
Wur­de einem min­der­jäh­ri­gen Betei­lig­ten für ein Ver­fah­ren (hier Unter­halts­ver­fah­ren) raten­freie Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bewil­ligt, führt die Ver­än­de­rung der Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se des gesetz­li­chen Ver­tre­ters nach Abschluss die­ses Ver­fah­rens nicht zu einer Abän­de­rung der Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­ent­schei­dung im Über­prü­fungs­ver­fah­ren nach § 120 Abs. 4 ZPO. Eine Abän­de­rung nach § 120 Abs. 4 ZPO kommt nur dann in Betracht, wenn sich die Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se des min­der­jäh­ri­gen Antrag­stel­lers selbst geän­dert haben.
Das Unter­halts­ver­fah­ren wur­de von der gesetz­li­chen Ver­tre­te­rin des Antrag­stel­lers, der Mut­ter, im Namen des Antrag­stel­lers, des min­der­jäh­ri­gen Kin­des, geführt, § 1629 Abs. 2 BGB. In die­sen Fäl­len ist das Kind Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter, für die Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe kommt es des­halb auf sei­ne Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se an 1.
Zum Ver­mö­gen, das im Rah­men des § 115 Abs. 3 ZPO für die Finan­zie­rung des Ver­fah­rens ein­zu­set­zen ist, gehört der Anspruch auf Zah­lung eines Ver­fah­rens­kos­ten­vor­schus­ses 2. § 1360a Abs. 4 BGB gilt für Min­der­jäh­ri­ge ent­spre­chend 3.
Aner­kannt ist, dass Eltern ihren min­der­jäh­ri­gen Kin­dern einen Ver­fah­rens­kos­ten­vor­schuss auch dann schul­den, wenn sie ihn zwar nicht auf ein­mal zah­len kön­nen, jedoch nach § 115 Abs. 1 und 2 ZPO, der regel­mä­ßig auch ihren not­wen­di­gen Selbst­be­halt wahrt, für ein eig­nes Ver­fah­ren zu Raten­zah­lun­gen in der Lage wären. In die­sen Fäl­len kann dem vor­schuss­be­rech­tig­ten Kind Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe – eben­falls gegen ent­spre­chen­de Raten­zah­lung – bewil­ligt wer­den 4.
Vor­lie­gend wur­de dem Antrag­stel­ler mit Beschluss des Fami­li­en­ge­richts Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen raten­freie Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bewil­ligt. Zu die­sem Zeit­punkt wur­de offen­sicht­lich davon aus­ge­gan­gen, dass der min­der­jäh­ri­ge Antrag­stel­ler weder Ein­kom­men noch Ver­mö­gen, ins­be­son­de­re kei­nen Anspruch gegen die Eltern auf einen Ver­fah­rens­kos­ten­vor­schuss hat.
In Hin­blick dar­auf, dass sich die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des min­der­jäh­ri­gen Antrag­stel­lers seit der Bewil­li­gung der raten­frei­en Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe nicht wesent­lich geän­dert haben, kommt eine Abän­de­rung nach § 120 Abs. 4 ZPO nicht in Betracht. Der Antrag­stel­ler hat hin­sicht­lich der Ver­fah­rens­kos­ten für das vor­lie­gen­de Unter­halts­ver­fah­ren gegen sei­ne Eltern kei­nen Anspruch (mehr) auf Kos­ten­vor­schuss nach § 1360a Abs. 4 BGB ana­log. Der Vor­schuss kann näm­lich nur für die zu erwar­ten­den Kos­ten begehrt wer­den. Dies folgt bereits aus dem Wort­laut des § 1360a Abs. 4 BGB, der eine Ver­pflich­tung vor­sieht, die „Kos­ten vor­zu­schie­ßen“. Das heißt, dass nach Been­di­gung des Ver­fah­rens ein Anspruch auf Ver­fah­rens­kos­ten­vor­schuss für die bereits ange­fal­le­nen Kos­ten grund­sätz­lich nicht mehr gel­tend gemacht wer­den kann 5.
Die Belas­tung des Bedürf­ti­gen mit den Kos­ten des (abge­schlos­se­nen) Ver­fah­rens stellt auch kei­nen Son­der­be­darf im Sin­ne des § 1613 Abs. 2 Nr. 1 BGB dar 6, da sich der Anspruch nach der aus­drück­li­chen Rege­lung des § 1360a Abs. 4 BGB nach den dort genann­ten Vor­aus­set­zun­gen rich­tet.
Die Ver­än­de­rung der Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se der Mut­ter des Antrag­stel­lers führt somit nicht zu einer Abän­de­rung nach § 120 Abs. 4 ZPO. Etwas ande­res wür­de gel­ten, wenn sich die Ein­kom­men- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se des min­der­jäh­ri­gen Antrag­stel­lers selbst geän­dert hät­ten.
Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 15. Okto­ber 2012 – 18 WF 230/​12
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BGH Beschluss vom 19.01.2011 – XII 232/​10 Tz. 16 – FamRB 2011, 182 (zum Vor­mund); Zöller/​Geimer, ZPO, 29. Auf­la­ge 2012, § 114 Rz. 8a; Johannsen/​Henrich/​Marquardt, Fami­li­en­recht, 5. Auf­la­ge 2010, § 114 ZPO Rz. 6; Reich­ling in: Beck'scher Online-Kom­men­tar ZPO, Stand 15.07.2012, § 114 Rz. 2[↩]
Reich­ling in: Beck'scher Online-Kom­men­tar ZPO, a.a.O., § 115 Rz. 56; Musielak/​Fischer, ZPO, 9. Auf­la­ge 2012, § 115 Rz. 40; Zöller/​Geimer, a.a.O., § 115 Rz. 67, 67b[↩]
Wendl/​Dose, Das Unter­halts­recht in der fami­li­en­rich­ter­li­chen Pra­xis, 8. Auf­la­ge 2011, § 6 Rz. 25; Schwab/​Borth, Hand­buch des Schei­dungs­rechts, 6. Auf­la­ge 2010, Kap. IV Rz. 74[↩]
BGH NJW-RR 2004, 1662[↩]
OLG Bran­den­burg Fam­RZ 2011, 54; für Vor­schuss zwi­schen Ehe­gat­ten: BGH Fam­RZ 1985, 902; BGH Fam­RZ 1998, 902; OLG Köln Fam­RZ 2007, 158; Wendl/​Dose, a.a.O., § 6 Rz. 37; Schwab/​Borth, Hand­buch des Schei­dungs­rechts, 6. Auf­la­ge 2010, Kap. IV Rz. 94[↩]
BGH Fam­RZ 1985, 902[↩]
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