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Timestamp: 2019-07-20 23:36:29
Document Index: 316498253

Matched Legal Cases: ['§ 18', '§ 4', '§ 141', '§ 141', '§ 19', '§ 4', '§ 147', '§141', '§ 4']

Wie viel Buchführung muss sein? Ein Überblick für Selbstständige | akademie.de
Einnahme-Überschuss-Rechnung und JahresabschlussBuchführungspflichten im Überblick
Die Buchführungspflichten von Freiberuflern und Kleinunternehmern im Überblick
Stand: 12. Januar 2015	(aktualisiert)
Aktueller Hinweis: GoBD und die Folgen
(März 2016) Durch die vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ (GoBD) können sich zusätzliche Anforderungen an die Belegablage und Aufzeichnungen von Freiberuflern und Kleingewerbetreibenden ergeben:
Im Kern regeln die GoBD den Umgang mit elektronischen Belegen, Aufzeichnungen und Unterlagen. Wer in seinem Betrieb komplett auf Software-Einsatz verzichtet, keine Bargeld-Kasse führt und sämtliche Steuerpflichten dem Steuerberater überlässt, hat von den GoBD-Vorschriften wenig zu befürchten.
Wenn Sie Ihre Belegablage und Aufzeichnungen jedoch freiwillig mithilfe von Computerprogrammen und anderen elektronischen Hilfsmitteln erledigen, müssen die elektronischen Werkzeuge den GoBD-Vorschriften entsprechen. Excel-Tabellen, Word-Dokumente oder Freeware-Buchführungsprogramme erfüllen die Kriterien in der Regel nicht. Sofern Sie das noch nicht getan haben, sollten Sie sich möglichst bald nach einer GoBD-kompatiblen Software umschauen.
Freiberufler und Kleingewerbetreibende müssen grundsätzlich keine „Bücher führen“: Welche GoBD-Bestimmungen letztlich auch für „Nichtbuchführungspflichtige“ gelten werden, ist noch nicht abschließend geklärt. Denn bei den Vorschriften handelt es sich zunächst einmal „nur“ um Verwaltungsanweisungen der Finanzbehörden ohne Gesetzeskraft. Die genauen Folgen der GoBD für nicht-buchführungspflichtige „Einnahmenüberschussrechner“ werden sich daher erst zeigen, wenn erste Betriebsprüfungen des Jahres 2015 abgeschlossen und von Finanzgerichten überprüft worden sind.
Ausführlichere Informationen zum Thema „GoBD und die Folgen“ finden Sie im Beitrag-Update, das wir in den nächsten Wochen veröffentlichen.
Praxis-Kurs Einnahmenüberschussrechnung
Die folgende Übersicht liefert eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Buchführungspflichten. Eine ausführliche Einführung und Anleitung finden Sie im Leitfaden "Praxis der Einnahme-Überschussrechnung".
Die Pflicht zur Buchführung gehört zu den ungeliebtesten Aufgaben von Selbstständigen. Dabei haben die Vorschriften zur Gewinnermittlung von Unternehmen verglichen mit dem Verfahren bei Angestellten durchaus ihre Vorzüge: Während die Einnahmen abhängig Beschäftigter vom Arbeitgeber automatisch an das Finanzamt gemeldet werden und Steuerminderungen ("Werbungskosten") nachträglich und vor allem nur bei Vorlage einzelner Belege möglich sind, vertraut der Fiskus bei Selbstständigen und Gewerbebetrieben normalerweise der eigenhändigen Gewinnermittlung. Nur in Zweifelsfällen oder im Rahmen von (seltenen) Betriebsprüfungen werden die Unterlagen vom Finanzamt genauer in Augenschein genommen.
Ihr Gewinn 50.000 Euro und
nicht überschreitet, brauchen Sie dabei weder eine kaufmännische Buchführung mit Betriebsvermögensvergleich ("Inventur") noch eine Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) noch Bilanzen zu erstellen. Es genügt eine "vereinfachte Buchführung", die sogenannte Einnahmenüberschussrechnung (EÜR).
Freiberufler und ähnliche Selbstständige im Sinne des § 18 Einkommensteuergesetz ("Einkünfte aus selbstständiger Arbeit") dürfen die EÜR-Privilegien sogar unabhängig von Gewinn- und Umsatzgrenzen in Anspruch nehmen.
Steuerrechtlich geregelt ist die Vereinfachung der Buchführungspflicht in § 4 Abs. 3 Einkommensteuergesetz. Die Umsatz- und Gewinnobergrenzen für diese Sonderregel finden sich in § 141 Abgabenordnung.
Die eigenen EÜR-Aufzeichnungen müssen keine bestimmte Form haben: Handgeschriebene Eintragungen in Kladden oder Computerlisten genügen. Computerprogramme müssen nicht gegen nachträgliche Änderungen gesichert sein.
Die Bestände auf Bankkonten brauchen nicht mit den Belegen abgestimmt zu werden.
Die Aufzeichnung von baren Zahlungsvorgängen in einem separaten Kassenbuch ist nicht vorgeschrieben.
Da Sie keine Bilanz und somit auch keinen "Betriebsvermögensvergleich" machen müssen, entfällt am Jahresende die Inventur. Die mühsame Bewertung von Lagerbeständen beispielsweise können Sie sich sparen.
Als Einnahmen und Ausgaben eines bestimmten Wirtschaftsjahres werden nur Zahlungsvorgänge berücksichtigt, die tatsächlich in dem betreffenden Jahr geflossen sind. Komplizierte Abgrenzungs- und Bewertungsvorschriften des Bilanzrechts brauchen Sie nicht zu berücksichtigen.
Bis zu einem Jahresumsatz von 17.500 Euro bestimmen Sie die äußere Form der Gewinnermittlung selbst. Liegen Ihre Einkünfte darüber, muss der Gewinn (oder Verlust) mithilfe des offiziellen EÜR-Formulars ermittelt werden. Die einzelnen Elemente der amtlichen "Anlage EÜR" erläutert unser Grundlagenbeitrag "Keine Angst vorm EÜR-Formular".
Das Gesamt-Jahresergebnis (Gewinn oder Verlust) tragen Sie im Rahmen Ihrer privaten Steuererklärung zudem in die "Anlage G" (für Einkünfte aus Gewerbebetrieb) bzw. die "Anlage S" (für Einkünfte aus selbstständiger Arbeit) ein.
Die Anlagen "EÜR", "G" und/oder "S" reichen Sie zusammen mit allen anderen Steuerformularen im Zuge Ihrer Einkommensteuererklärung beim Finanzamt ein. Stichtag: 31. Mai des Folgejahres.
Eine Sonderstellung haben langlebige Wirtschaftsgüter (Ihr "Anlagevermögen"): Deren Anschaffungskosten (Wert über 410 Euro netto) dürfen Sie im Jahr der Anschaffung nicht in voller Höhe als Ausgabe verbuchen. Der Wert muss auf die "betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer" verteilt werden. Diesen Vorgang nennt man landläufig Abschreibung. Die offizielle Bezeichnung lautet "Absetzung für Abnutzung" (=AfA). Ausführliche Informationen zum Thema Abschreibungen bietet unser Grundlagenkurs "Was Selbstständige über GWG, AfA und Sonderabschreibung wissen sollten".
Wichtig: Handelsrecht beachten!
Wer in das Handelsregister eingetragen ist, kann sich nicht auf das Buchführungs-Privileg für Kleinunternehmer berufen. Das gilt auch für Gesellschaften von Freiberuflern: Die kommen ebenfalls nicht an Bilanzierung und doppelter Buchführung vorbei.
Die gute Nachricht: Seit Inkrafttreten des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes sind ins Handelsregister eingetragene Einzelkaufleute (= "eingetragene Kaufleute", e. K.) von den Buchführungsvorschriften des HGB befreit, sofern sie in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren
nicht mehr als 500.000 Euro Umsatzerlöse und
nicht mehr als 50.000 Euro Jahresüberschuss
Wichtig: Das Überschreiten der genannten Obergrenzen von 50.000 Euro (Gewinn) oder 500.000 Euro (Umsatz) führt nicht zwangsläufig zum sofortigen Wechsel der Gewinnermittlungsart. Der Umstieg erfolgt frühestens im übernächsten Geschäftsjahr und auch nur, wenn das Finanzamt Sie ausdrücklich dazu auffordert. Diese Bestimmung finden Sie ebenfalls in § 141 Abs. 2 Abgabenordnung. Ein Beispiel für diese steuerliche Zeitlücke:
Anfang 2015 stellen Sie fest, dass Sie im Jahr 2014 erstmals mehr als 50.000 Euro Gewinn erwirtschaftet haben. Das Finanzamt erfährt frühestens Mitte bis Ende 2015 im Rahmen Ihrer Einkommensteuererklärung für 2014 von diesem Sachverhalt und kann daher auch frühestens für 2016 die Einführung eines neuen Buchführungssystems verlangen.
Bevor Sie daran gehen, Ihre Buchhaltung zu organisieren, sollten Sie einen Blick auf das Kapitel "Ablage-Organisation" unseres "EÜR-Kurses" werfen: Dort finden Sie zahlreiche Tipps, wie die Belegsammlungen und Aufzeichnungen Ihrer Einnahmenüberschussrechnung ganz konkret aussehen können. Im Kapitel "EÜR-Software" stellen wir zudem ein paar ebenso nützliche wie kostenlose Computer-Tools vor.
Die Buchführung dient nicht nur der Gewinnermittlung im Rahmen der Einkommensteuererklärung. Wenn Ihr Jahresumsatz im Vorjahr höher als 17.500 Euro war oder wenn Sie im laufenden Jahr voraussichtlich mehr als 50.000 Euro umsetzen werden, gehören Sie nicht mehr zu den Kleinunternehmern gemäß § 19 Umsatzsteuergesetz.
Sie müssen dann auf alle Ausgangsrechnungen die Umsatzsteuer (= Mehrwertsteuer) aufschlagen und die vereinnahmte Umsatzsteuer unaufgefordert ans Finanzamt abführen. Von Ihren Umsatzsteuereinnahmen dürfen Sie zuvor noch die von Ihnen Ihrerseits gezahlte Mehrwertsteuer (= "Vorsteuer") abziehen. In manchen Fällen ergibt sich auf diese Weise statt einer Zahllast sogar ein Vorsteuerüberhang und damit ein Erstattungsanspruch. Das ist übrigens einer der Gründe, warum manche Kleinunternehmer sich freiwillig für die Umsatzsteuerpflicht entscheiden.
Weniger erfreulich: Umsatzsteuerpflichtige Gründer müssen unabhängig von der Höhe ihrer Umsatzsteuerschuld in den beiden ersten Kalenderjahren ihrer Geschäftstätigkeit für jeden einzelnen Monat eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben. Ab dem dritten Jahr können Sie bei einer Vorjahreszahllast von bis zu 7.500 Euro wieder zur quartalsweisen Zahlung übergehen. Falls Sie im Vorjahr nicht mehr als 1.000 Euro Umsatzsteuer an den Fiskus abgeführt haben, kommen Sie sogar ganz ohne Voranmeldungen aus: In dem Fall genügt die jährliche Umsatzsteuererklärung.
Der Beitrag "Monatliche Umsatzsteuer-Voranmeldung für Gründer" befasst sich gründlicher mit den Umsatzsteuervorschriften.
Und wenn für Sie das Thema Umsatzsteuer noch ein Buch mit sieben Siegeln ist, empfehlen wir Ihnen unseren Einsteigerkurs zu "Umsatzsteuer, Vorsteuer und Mehrwertsteuer". Darin erläutern wir die wichtigsten Fachbegriffe. Außerdem erfahren Sie zum Beispiel, wer umsatzsteuerpflichtig ist, wer sich freiwillig der Umsatzsteuer unterwerfen kann (und wann das sinnvoll ist), welche Steuersätze bei welchen Waren und Dienstleistungen anfallen oder wie vorsteuerfähige Rechnungen aussehen.
Verfasst von Sirpa Mastall am 7. Februar 2015 - 19:28.
Ein guter Beitrag, aber müsste er nicht ein wenig in Bezug auf die Änderung ab 2015 der GODB ergänzt werden?
siehe Z. B. hier http://www.twinfield.de/blog/gobd-verordnung/ oder
http://www.steuertipps.de/selbststaendig-freiberufler/themen/gobd-auch-f...
Antwort: GoBD ab 2015
Verfasst von Robert Chromow am 8. Februar 2015 - 0:50.
vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung und den Hinweis auf die GoBD. Sie haben Recht, dass der Aspekt der Archivierung und Aufbewahrung betrieblicher Unterlagen zu kurz kommt. Im Mittelpunkt des Grundlagenbeitrags "Wie viel Buchführung muss sein?" stehen die laufenden Buchführungsvorschriften für die Gewinnermittlung.
Bei den neuen "Grundsätzen zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff" (GoBD) handelt es sich im Wesentlichen um eine Zusammenfassung der bisher getrennten "Grundsätze ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme (GoBS)" und der "Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen (GDPdU)".
Zusätzliche oder verschärfte _Aufzeichnungs_Pflichten ergeben sich für Einnahmenüberschussrechner daraus aus meiner Sicht nicht. Insbesondere gilt für die vereinfachte Buchführung nach wie vor nicht die Pflicht, Geschäftsfälle zeitnah (= innerhalb von 8 bis 10 Tagen) verbuchen zu müssen - auch wenn das an anderer Stelle so berichtet wird. In den GoBD heißt es ausdrücklich:
Auch Steuerpflichtige, die nach § 4 Absatz 3 EStG als Gewinn den Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben ansetzen, sind verpflichtet, Aufzeichnungen und Unterlagen nach § 147 Absatz 1 AO _aufzubewahren_.
Informationen über die (unveränderten) allgemeinen Aufbewahrungspflichten und -fristen finden Sie im Beitrag
Die bisherigen Vorschriften zur Aufbewahrung _elektronischer_ Unterlagen werden im Beitrag "Digitale Steuerprüfung nach GDPdU"
http://www.akademie.de/wissen/digitale-steuerpruefung-gdpu
... erläutert. Ein Überblicksbeitrag über die Folgen der neuen GoBD für die betriebliche Archivierungspraxis von Einnahmenüberschussrechnern ist in Vorbereitung.
Verfasst von Gast am 25. Januar 2015 - 21:48.
Muss ich die private steuererklärung auch machen oder reicht EÜR und Anlage G ?
Antwort: EÜR
Verfasst von Robert Chromow am 26. Januar 2015 - 8:51.
EÜR und Anlage G sind ein _Teil_ der (privaten) Einkommensteuererklärung. Als Selbstständige(r) sind Sie verpflichtet, auch alle anderen Teile der Einkommensteuererklärung ausfüllen - insbesondere müssen Sie Angaben über weitere Einkunftsarten machen.
Gewinn/Umsatz limit für EüR
Verfasst von Gast am 31. Januar 2014 - 20:56.
Ich glaube es ist ein Fehler im folgenden Abschnitt:
"Solange ...
... nicht überschreitet ...."
Sollte hier nicht ein "und" statt ein "oder" stehen? oder?
Antwort: Gewinn/Umsatz limit für EÜR
Verfasst von Robert Chromow am 31. Januar 2014 - 23:10.
und vielen Dank für Ihren Hinweis. Sie haben völlig recht: Statt "oder" muss es hier "und" heißen.
Danke für Ihren kritischen Blick und freundliche Grüße
Verfasst von Gast am 5. November 2014 - 16:36.
streichen sie ihre Antwort. Gem. §141 AO ist ein "oder" angegeben.
Gewerbliche Unternehmer sowie Land- und Forstwirte, die nach den Feststellungen der Finanzbehörde für den einzelnen Betrieb
Umsätze einschließlich der steuerfreien Umsätze, ausgenommen die Umsätze nach § 4 Nr. 8 bis 10 des Umsatzsteuergesetzes, von mehr als 500.000 Euro im Kalenderjahr oder...
4.einen Gewinn aus Gewerbebetrieb von mehr als 50.000 Euro im Wirtschaftsjahr oder...
Verfasst von Robert Chromow am 6. November 2014 - 14:14.
Vielen Dank! Sie haben völlig Recht: "Oder" ist die Konjunktion der Wahl:
http://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__141.html
Doch nochmal nachschlagen?
Verfasst von Gast am 19. Februar 2015 - 13:48.
Im Gesetz steht es aber andersrum, also positiv formuliert:
„Gewerbliche Unternehmer..., die ...
1.	Umsätze ...von mehr als 500 000 Euro im Kalenderjahr oder...
4. einen Gewinn aus Gewerbebetrieb von mehr als 50 000 Euro im Wirtschaftsjahr ...
gehabt haben, sind auch dann verpflichtet...“
Bei Herrn Chromow steht aber:
“Solange
•	Ihr Gewinn 50.000 Euro oder
•	Ihr Umsatz 500.000 Euro
nicht überschreitet, brauchen Sie dabei weder eine kaufmännische Buchführung mit Betriebsvermögensvergleich ("Inventur") noch eine Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) noch Bilanzen zu erstellen.“
Klarer Punkt für UND, finde ich.
Ansonsten aber ein prima Artikel!
Antwort: Doch nochmal nachschlagen?
Verfasst von Robert Chromow am 20. Februar 2015 - 0:37.
Danke für die freundliche Rückmeldung und den Hinweis, Herr / Frau Siegfried,
die zwischenzeitliche Konjunktions-Umkehrung war tatsächlich ein klassischer Fall von Kurzschluss-Verschlimmbesserung. :-)
Buchführungspflichten im Überblick(6 Seiten)
Einnahme-Überschussrechnung: So geht's