Source: https://www.aussenwirtschaftslupe.de/rufbereitschaft-bei-schweizer-grenzgaengern-6192
Timestamp: 2020-05-30 01:43:46
Document Index: 161614226

Matched Legal Cases: ['Art. 15', '§ 118', '§ 25', '§ 8', 'Art. 15', 'Art. 15', '§ 2']

Dem kann nicht mit Erfolg ent­ge­gen gehal­ten wer­den, dass ein Arbeit­neh­mer, der Ruf­be­reit­schaft leis­te, die nicht als Arbeits­zeit zäh­le, nicht mit einem Arbeit­neh­mer gleich­zu­stel­len sei, der regu­lä­re arbeits­ver­trag­li­che und auch ver­gü­te­te Arbeits­zeit leis­te, mit­hin Nr. II. 1. des Ver­hand­lungs­pro­to­kolls auf den Fall des Arbeit­neh­mers kei­ne Anwen­dung fin­de. Aller­dings hat es der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nem Urteil in BFHE 222, 553, BStBl II 2009, 97, in Bezug auf die Fra­ge, ob eine Nicht­rück­kehr wegen eines Pikett­diens­tes beruf­lich bedingt i.S. von Art. 15a Abs. 2 Satz 2 DBA-Schweiz 1971⁄1992 ist, als maß­geb­lich ange­se­hen, ob der Dienst nach Schwei­zer Arbeits­recht zur Arbeits­zeit zählt oder nicht. Dar­an ist indes­sen nicht fest­zu­hal­ten. Denn im Wort­laut von Nr. II. 1. des Ver­hand­lungs­pro­to­kolls ist von „Arbeits­aus­übung” über meh­re­re Tage die Rede. Eine Unter­schei­dung zwi­schen Tätig­kei­ten, die nach arbeits­recht­li­chen Kri­te­ri­en zur Arbeits­zeit rech­nen und sol­chen, die dies nicht tun, fin­det sich dort nicht7. Ent­schei­dend ist allein, dass eine Leis­tung auf­grund arbeits­ver­trag­li­cher Ver­pflich­tung erbracht wird8. So ver­hält es sich hier, da der Arbeit­neh­mer nach den den Bun­des­fi­nanz­hof bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt (§ 118 Abs. 2 FGO) arbeits­ver­trag­lich ver­pflich­tet war, sich gleich­mä­ßig am Ruf­dienst in der Nacht und am Wochen­en­de zu betei­li­gen.
Bestä­tigt wird die­ses Ver­ständ­nis durch die zwi­schen­zeit­lich erlas­se­ne Ver­ord­nung zur Umset­zung von Kon­sul­ta­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft vom 20.12 2010 ‑Kon­sVer­CHEV-9. Unbe­scha­det grund­sätz­li­cher Ein­wän­de10 und der Ein­gren­zung des zeit­li­chen Anwen­dungs­be­reichs der Ver­ord­nung auf Besteue­rungs­sach­ver­hal­te seit dem 1.01.2010 (§ 25 Kon­sVer­CHEV) ist dem dor­ti­gen § 8 Abs. 1 Kon­sVer­CHEV zu ent­neh­men, dass maß­geb­lich auf eine Arbeits­aus­übung auf­grund einer Anord­nung durch den Arbeit­ge­ber abzu­stel­len ist.
Abgren­zung zu BFH, Urteil vom 27.08.2008 — I R 64⁄07, BFHE 222, 553, BStBl II 2009, 97 [↩]
BStBl I 1993, 929 [↩]
BFH, Urtei­le vom 27.08.2008 — I R 64⁄07, BFHE 222, 553, BStBl II 2009, 97, und — I R 10⁄07, BFHE 222, 546, BStBl II 2009, 94, m.w.N. [↩]
Pikett­dienst außer­halb des Betriebs [↩]
vgl. hier­zu BFH, Urteil in BFHE 222, 553, BStBl II 2009, 97, Rz 15 [↩]
BFH, Urtei­le vom 15.09.2004 — I R 67⁄03, BFHE 207, 452, BStBl II 2010, 155; und vom 20.10.2004 — I R 31⁄04, BFH/​NV 2005, 840 [↩]
vgl. hier­zu Wassermeyer/​Schwenke in Was­ser­mey­er, MA Art. 15 Rz 170 [↩]
ähn­lich Bran­dis in Was­ser­mey­er, Schweiz Art. 15a Rz 47c [↩]
BGBl I 2010, 2187, BStBl I 2011, 146 [↩]
vgl. z.B. Leh­ner, Inter­na­tio­na­les Steu­er­recht ‑IStR- 2011, 733; Drüen, Inter­na­tio­na­le Wirt­schafts­brie­fe 2011, 360; Hum­mel, IStR 2011, 397; anders z.B. Oel­le­rich in Beermann/​Gosch, AO § 2 Rz 102 f. [↩]
vgl. zu die­ser Über­le­gung bereits BFH, Urtei­le in BFHE 222, 553, BStBl II 2009, 97, und in BFHE 222, 546, BStBl II 2009, 94 [↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 222, 553, BStBl II 2009, 97, und in BFHE 222, 546, BStBl II 2009, 94 [↩]