Source: http://www.hensche.de/Fristlose_Kuendigung_wegen_Drohung_mit_Strafanzeige_keine_fristlose_Kuendigung_bei_Drucksituation_Saechsisches_LAG_3Sa181-10-u.html
Timestamp: 2018-02-25 21:20:52
Document Index: 368407425

Matched Legal Cases: ['§ 91', '§ 85', '§ 1', '§ 64', '§ 66', '§ 519', '§ 72', '§ 72']

Sächsisches LAG, Urteil vom 21.01.2011, 3 Sa 181/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
Säch­si­sches LAG, Ur­teil vom 21.01.2011, 3 Sa 181/10
Schlagworte: Kündigung: Fristlos, Abmahnung, Strafanzeige, Whistleblowing
Aktenzeichen: 3 Sa 181/10
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Leipzig, Urteil vom 4.02.2010, 14 Ca 2188/09
Az.: 3 Sa 181/10
14 Ca 2188/09 ArbG Leip­zig
40 St­un­den zu ei­nem Brut­to­mo­nats­ge­halt in Höhe von zu­letzt 2.126,65 € beschäftigt.
Gemäß Ar­beits­ver­trag vom 10.04.2006 (Bl. 6/7 d. A.) war die Kläge­rin als voll­beschäftig­te Ar­beit­neh­me­rin in die Vergütungs­grup­pe VI b der An­la­ge 1 a zum BAT-O ein­grup­piert.
Mit wei­te­rem Schrei­ben vom 23.10.2009, der Kläge­rin zu­ge­gan­gen am glei­chen Tag, sprach der Be­klag­te we­gen des glei­chen Vor­falls vom 31.03.2009 hilfs­wei­se die or­dent­li­che Kündi­gung der Kläge­rin zum 31.12.2009 aus (Bl. 36 d. A.).
Zu­vor war der Per­so­nal­rat mit Schrei­ben vom 08.04.2009 (Bl. 17/18 d. A.) zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung und mit Schrei­ben vom 23.06.2009 (Bl. 65/66 d. A.) zur hilfs­wei­se erklärten or­dent­li­chen Kündi­gung der Kläge­rin an­gehört wor­den.
Während der Per­so­nal­rat hin­sicht­lich der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung Be­den­ken er­hob (Bl. 19 d. A.), die sei­tens des Be­klag­ten je­doch aus­geräumt wer­den konn­ten, er­hob er bezüglich der hilfs­wei­se erklärten or­dent­li­chen Kündi­gung kei­ne Be­den­ken (Bl. 168 d. A.).
Die ord­nungs­gemäße Anhörung des Per­so­nal­rats hin­sicht­lich der Kündi­gun­gen vom 08.04.2009 und vom 23.06.2009 wird sei­tens der Kläge­rin be­strit­ten.
Vor Aus­spruch bei­der Kündi­gun­gen wur­de sei­tens des Be­klag­ten beim Kom­mu­na­len So­zi­al­ver­band Sach­sen mit Schrei­ben vom 08.04.2009 An­trag auf Zu­stim­mung zur frist­lo­sen Kündi­gung der Kläge­rin (Bl. 24/25 d. A.) gemäß § 91 SGB IX und mit Schrei­ben vom 23.06.2009 An­trag auf Zu­stim­mung zur or­dent­li­chen Kündi­gung der Kläge­rin gemäß § 85 SGB IX ge­stellt.
Das In­te­gra­ti­ons­amt hat mit Schrei­ben vom 28.04.2009 (Bl. 26 bis 31 d. A.) die Zu­stim­mung zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung der Kläge­rin er­teilt.
Das hier­ge­gen von der Kläge­rin an­ge­streng­te Wi­der­spruchs­ver­fah­ren blieb er­folg­los, ein dies­bezügli­ches Kla­ge­ver­fah­ren ist anhängig.
Mit Schrei­ben vom 08.10.2009 (Bl. 54 bis 62 d. A.) hat das In­te­gra­ti­ons­amt die Zu­stim­mung zur or­dent­li­chen Kündi­gung der Kläge­rin er­teilt. Die­se wur­de auf Wi­der­spruch der Kläge­rin hin mit Wi­der­spruchs­be­scheid vom 13.07.2010 auf­ge­ho­ben (Bl. 236 bis 242 d. A.). Auch in­so­weit ist ein Kla­ge­ver­fah­ren sei­tens des Be­klag­ten anhängig.
Im Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me ste­he zwar für die Kam­mer fest, dass die Kläge­rin im Per­so­nal­gespräch vom 31.03.2009 ih­re Vor­ge­setz­te be­zich­tigt ha­be, ihr ge­genüber Hand­greif­lich­kei­ten, körper­li­che Überg­rif­fe und Nöti­gun­gen be­gan­gen zu ha­ben, die sie zur An­zei­ge brin­gen wol­le. Wel­che Wor­te die Kläge­rin ge­nau ge­braucht ha­be, könne da­hin­ste­hen. Die Kläge­rin ha­be sinn­gemäß geäußert, dass es zu körper­li­chen Überg­rif­fen ge­kom­men sei und dass sie das als Nöti­gung emp­fun­den ha­be und Straf­an­zei­ge er­stat­ten wol­le. Sie ha­be dies anläss­lich ei­nes Per­so­nal­gesprächs, das in großer Run­de vor­be­rei­tet ge­we­sen sei und sich mit den Leis­tun­gen der Kläge­rin be­fasst ha­be - ge­tan. Zu­dem ha­be sie sich auf Vorfälle be­zo­gen, die ca. fünf Mo­na­te zurück­ge­le­gen hätten. Ein sol­ches Ver­hal­ten sei grundsätz­lich ge­eig­net, ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen, da es grundsätz­lich ge­eig­net sei, das Ver­trau­ens­verhält­nis zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en ir­re­pa­ra­bel zu zerstören.
Gleich­wohl sei die Kam­mer un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les (die Kläge­rin ist schwer­be­hin­dert, sie be­fand sich bei dem „großen Per­so­nal­gespräch“ in ei­ner im­men­sen Druck­si­tua­ti­on, es gab kei­ne Aufklärungs­ver­su­che in dem Per­so­nal­gespräch sei­tens des Be­klag­ten) der Auf­fas­sung, dass vor­lie­gend un­ter Berück­sich­ti­gung des ul­ti­ma-ra­tio- Prin­zips es zunächst ge­bo­ten ge­we­sen wäre, mit der Kläge­rin den Sach­ver­halt um­fas­send und tatsächlich auf­zuklären und ihr ge­ge­be­nen­falls ei­ne Ver­trau­ens­per­son zu be­nen­nen, an die sie sich hätte wen­den können, wenn nach ih­rer Auf­fas­sung ein Wie­der­ho­lungs­fall vor­lie­ge und ihr ei­ne Ab­mah­nung zu er­tei­len. Un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les sei die Kam­mer da­her der Auf­fas­sung, dass ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung nicht ge­recht­fer­tigt sei.
Zu berück­sich­ti­gen sei hier, dass die Kläge­rin selbst nach­dem sie Kennt­nis da­von er­langt ha­be, dass die von ihr als Zeu­gin be­nann­te Frau .../ver­hei­ra­te­te ... ih­re Sach­ver­halts­dar­stel­lung nicht bestätigt ha­be, an der Be­haup­tung fest­hal­te, ih­re Vor­ge­setz­te ha­be sie mit bei­den Händen in den Arm­beu­gen er­grif­fen, fest­ge­hal­ten und in den Stuhl zurück­ge­drückt. Die­ses Be­har­ren auf ih­rer Ver­si­on des Sach­ver­halts be­le­ge, dass das Ver­hal­ten der Kläge­rin we­der im Zu­sam­men­hang mit der im Rah­men des Leis­tungs­gespräches mögli­cher­wei­se ent­stan­de­nen Druck­si­tua­ti­on noch im Zu­sam­men­hang mit der Schwer­be­hin­de­rung der Kläge­rin ste­hen könne. Der ein­zi­ge Vor­wurf, der dem Be­klag­ten in Be­zug auf die Sach­aufklärung ge­macht wer­den könne, wäre, dass er die Kläge­rin vor Kündi­gungs­aus­spruch nicht noch­mals mit dem Er­geb­nis des Gespräches mit Frau ... kon­fron­tiert ha­be. Da die Kläge­rin je­doch un­ge­ach­tet der Dar­stel­lung durch Frau .../... an der Be­haup­tung der Nöti­gung auch im Pro­zess fest­hal­te, sei nicht an­zu­neh­men, dass ei­ne frühe­re In­for­ma­ti­on ein an­de­res Er­geb­nis ge­zeigt hätte.
Darüber hin­aus sei vor­lie­gend ei­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung der Kläge­rin ent­behr­lich ge­we­sen, da die von der Kläge­rin be­gan­ge­ne Pflicht­ver­let­zung sich auch auf den Ver­trau­ens­be­reich aus­wir­ke. Straf­tat­be­zich­ti­gun­gen sei­en ge­wich­ti­ge An­schul­di­gun­gen, die grundsätz­lich ge­eig­net sei­en, das Ver­trau­en des Be­zich­tig­ten in In­te­grität und ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit mit dem­je­ni­gen, der die Be­zich­ti­gung aus­spricht, zu zerstören. Frau Dr. ... ha­be sich (zu Recht) durch den Vor­wurf der Nöti-
gung in ih­rem Persönlich­keits­recht tief ver­letzt gefühlt. Als Dienst­vor­ge­setz­te der Kläge­rin sei sie dar­auf an­ge­wie­sen, von den ihr un­ter­stell­ten Mit­ar­bei­tern ge­ach­tet zu wer­den. Ei­ne im Licht straf­ba­rer Hand­lun­gen ste­hen­der Vor­ge­setz­te könne den nöti­gen Re­spekt sei­ner Mit­ar­bei­ter nicht mehr er­war­ten, sei­ne Führungs­kraft wer­de ins­ge­samt in Fra­ge ge­stellt.
Dem Aus­spruch der Kündi­gung sei­en meh­re­re Per­so­nal­gespräche und ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Um­set­zung der Kläge­rin vor­aus­ge­gan­gen. Die Kläge­rin ha­be in der Ver­gan­gen­heit wie­der­holt und un­ge­ach­tet Er­mah­nun­gen durch Vor­ge­setz­te und Kol­le­gen er­heb­li­che De­fi­zi­te im Um­gang mit Drit­ten (Kol­le­gen und Stu­den­ten) er­ken­nen las­sen. Unüber­brück­ba­re Dif­fe­ren­zen zwi­schen ihr und ih­rem Vor­ge­setz­ten Herrn Dr. ... hätten be­reits die Um­set­zung vom zen­tra­len Prüfungs­amt zur Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten be­dingt. Hier sei es er­neut zu ei­ner - maßgeb­lich durch das Ver­hal­ten der Kläge­rin ver­an­lass­ten - Zerstörung des Ver­trau­ens­verhält­nis­ses zur Dienst­vor­ge­setz­ten ge­kom­men. Ei­ne noch­ma­li­ge Um­set­zung auf ei­nen an­de­ren Ar­beits­platz er­schei­ne da­her we­der er­folg­ver­spre­chend, noch dem Be­klag­ten zu­mut­bar. Über­dies ha­be zum frag­li­chen Zeit­punkt kein frei­er Ar­beits­platz zur Verfügung ge­stan­den, auf den die Kläge­rin hätte um­ge­setzt wer­den können.
Auch die or­dent­li­che Kündi­gung vom 23.10.2009 sei so­zi­al ge­recht­fer­tigt im Sin­ne des § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG. Die Kläge­rin ha­be mit ih­ren Äußerun­gen in Be­zug auf ih­re Dienst­vor­ge­setz­te schuld­haft ir­re­pa­ra­ble Störun­gen im Ver­trau­ens­be­reich ver­ur­sacht. Auf­grund die­ser gra­vie­ren­den Störun­gen im Ver­trau­ens­be­reich und nach den be­reits im Rah­men der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung erörtern­den Grundsätzen sei der vor­he­ri­ge Aus­spruch ei­ner ein­schlägi­gen Ab­mah­nung ent­behr­lich. Die Kündi­gung sei auch verhält­nismäßig ge­we­sen, d. h. ori­en­tiert am Grund­satz der Kündi­gung als ul­ti­ma ra­tio sei dem Be­klag­ten ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin über den Ab­lauf der Kündi­gungs­frist hin­aus nicht zu­mut­bar ge­we­sen. Die Kläge­rin sei be­reits auf ver­schie­de­nen Ar­beitsplätzen ein­ge­setzt ge­we­sen und ha­be ver­hal­tens­be­dingt um­ge­setzt wer­den müssen. Dass ei­ne er­neu­te Ver- oder Um­set­zung lang­fris­tig ei­ne rei­bungs­lo­se Zu­sam­men­ar­beit ermöglicht hätte, könne nicht pro­gnos­ti­ziert wer­den. De­fi­zi­te im Ver­hal­ten der Kläge­rin ge­genüber Kol­le­gen und Stu­den­ten sei­en un­abhängig vom kon­kre­ten Ar­beits­platz fest­zu­stel­len gewe-
Die Kläge­rin ver­tei­digt das mit der Be­ru­fung an­ge­foch­te­ne Ur­teil und trägt im We­sent­li­chen vor, der von dem Be­klag­ten er­ho­be­ne Vor­wurf ei­ner „Straf­tat­be­zich­ti­gung“ als sol­che, sei vor­lie­gend kein Kündi­gungs­grund. Denn die Be­zich­ti­gung mit ei­ner Straf­tat ge­genüber Frau Dr. ... im Gespräch vom 31.03.2009 sei we­der in be­lei­di­gen­der noch in ver­leum­de­ri­scher Wei­se er­folgt, zu­mal un­strei­tig sei­tens der Kläge­rin ei­ne Straf­an­zei­ge auch nicht er­stat­tet wor­den sei.
Zu­tref­fend ha­be das Ar­beits­ge­richt be­merkt, dass ei­ne vor­he­ri­ge Aufklärung des Sach­ver­hal­tes not­wen­dig ge­we­sen wäre. Dies er­ge­be sich schon aus dem Kündi­gungs­vor­wurf, der nicht ein­fach ei­ne Tat­hand­lung be­schrei­be, son­dern viel­mehr aus­drück­lich straf­recht­li­che Tat­be­stands­merk­ma­le nen­ne. Bei der Kläge­rin sei auch der Ein­druck er­weckt wor­den, der Vor­gang wer­de oh­ne ih­re wei­te­re Mit­wir­kung nicht ab­ge­schlos­sen wer­den. Dass die tatsächli­che Hand­ha­bung ei­ne an­de­re war, sei als Ver­s­toß ge­gen die Fürsor­ge­pflicht zu be­trach­ten.
Die „Pro­gno­se“ des Be­klag­ten, selbst bei tatsächlich er­folg­ten Tätlich­kei­ten würde es bei ei­ner von der Kläge­rin vor­ge­nom­me­nen Ver­knüpfung, auf Kri­tik an ih­ren Leis­tun­gen mit der An­dro­hung ei­ner Straf­an­zei­ge zu re­agie­ren, blei­ben, er­sch­ließe sich der Kläge­rin nicht oh­ne wei­te­res. Es gehöre nicht zu den von der Kläge­rin ver­lang­ten Ar­beits­leis­tun­gen, Tätlich­kei­ten zu be­ge­hen. Sie wünsche auch nicht, dass sol­che ihr ge­genüber be­gan­gen wer­den. Auch sei nicht er­sicht­lich, war­um der Be­klag­te bei je­der künf­ti­gen Leis­tungs­be­ur­tei­lung der Kläge­rin mit ei­ner „ähn­li­chen Re­ak­ti­on“ rech­nen wol­le, weil der Vor­fall erst fünf Mo­na­te später zur Spra­che ge-
kom­men sei. Es ge­be in sol­chen An­ge­le­gen­hei­ten kei­ne Aus­schluss­fris­ten. Wie der Be­klag­te da­zu kom­me, „Leis­tungs­be­ur­tei­lun­gen“ und „ähn­li­che Re­ak­tio­nen“ zu ver­knüpfen, er­sch­ließe sich nicht. Um ei­ne Leis­tungs­be­ur­tei­lung im zeug­nis­recht­li­chen Sin­ne sei es gar nicht ge­gan­gen.
Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des zweit­in­stanz­li­chen Vor­tra­ges der Kläge­rin in recht­li­cher und tatsäch­li­cher Hin­sicht im Übri­gen wird auf die Schriftsätze vom 23.08.2010 (Bl. 180 bis 191 d. A. nebst An­la­gen) und vom 07.01.2011 (Bl. 232 bis 235 d. A. nebst An­la­gen) Be­zug ge­nom­men.
Die statt­haf­te Be­ru­fung (§ 64 Abs. 1 und Abs. 2 ArbGG) ist so­wohl form- als auch frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 66 Abs. 1 Satz 1 und 2, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG, §§ 519, 520 ZPO). Das hier­nach ins­ge­samt zulässi­ge Rechts­mit­tel hat in der Sa­che je­doch kei­nen Er­folg. Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge zu Recht statt­ge­ge­ben.
Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ist we­der durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 30.04.2009 noch durch die hilfs­wei­se erklärte or­dent­li­che Kündi­gung vom 23.10.2009 auf­gelöst wor­den.
Es ist all­ge­mein an­er­kannt, dass ei­ne vom Ar­beit­neh­mer ge­gen den Ar­beit­ge­ber er­stat­te­te An­zei­ge ei­nen wich­ti­gen Grund zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung dar­stel­len kann (vgl. BAG vom 04.07.1991, AZ. 2 AZR 80/91). Im Streit­fall ist ei­ne Straf-
bb) Zu­guns­ten der Kläge­rin spricht je­doch der Um­stand, dass für die Kläge­rin bei die­sem „großen Per­so­nal­gespräch“ ei­ne im­men­se Druck­si­tua­ti­on herrsch­te und es kei­ne Ver­su­che in dem Per­so­nal­gespräch vom 31.03.2009 sei­tens des Be­klag­ten gab, den vor­ge­wor­fe­nen Le­bens­ver­halt tatsächlich auf­zuklären, ob­wohl dies der Zeu­ge ... an­ge­regt hat­te.
Hier­aus und nicht zu­letzt auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 21.01.2011 und den dor­ti­gen Ein­las­sun­gen der Kläge­rin wird deut­lich, dass es der Kläge­rin in ers­ter Li­nie nicht dar­um ging, ge­genüber ih­rer Vor­ge­setz­ten Straf­an­zei­ge zu er­stat­ten, son­dern sie sich ge­gen die Kri­tik des Be­klag­ten bezüglich ih­res Ver­hal­tens und ih­rer Ar­beits­leis­tun­gen zur Wehr set­zen woll­te, mag auch die von der Kläge­rin ge-
Der ver­blei­ben­de Vor­wurf des Be­klag­ten, die Kläge­rin be­har­re trotz der Aus­sa­ge der Zeu­gin ... auf ih­rer Ver­si­on des Sach­ver­halts „im No­vem­ber 2008 ha­be ih­re Dienst­vor­ge­setz­te sie mit bei­den Händen in den Arm­beu­gen er­grif­fen, fest­ge­hal­ten und sie in den Stuhl zurück­ge­drückt“ bis zu­letzt auf ih­rer Ver­si­on, recht­fer­tigt die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 30.04.2009 eben­falls nicht, da es - wie das Ar­beits­ge­richt rich­tig ausführt - un­ter Berück­sich­ti­gung des ul­ti­ma-ra­tio-Prin­zips es zunächst ge­bo­ten ge­we­sen wäre, mit der Kläge­rin den Sach­ver­halt um­fas­send und tatsächlich auf­zuklären und ihr ge­ge­be­nen­falls ei­ne Ver­trau­ens­per­son zu be­nen­nen, an die sie sich wen­den kann.
Ei­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung ist un­ter Berück­sich­ti­gung des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes nur ent­behr­lich, wenn ei­ne Ver­hal­tensände­rung in Zu­kunft trotz Ab­mah­nung nicht er­war­tet wer­den kann oder wenn es sich um ei­ne schwe­re Pflicht­ver­let­zung han­delt, de­ren Rechts­wid­rig­keit dem Ar­beit­neh­mer oh­ne Wei­te­res er­kenn­bar ist und bei der die Hin­nah­me des Ver­hal­tens durch den Ar­beit­ge­ber of­fen-
bb) Der Be­klag­te kann auch nicht da­mit gehört wer­den, dass, nach­dem die Be­zich­ti­gung im Rah­men ei­nes Gesprächs über Leis­tungsmängel der Kläge­rin als Ab­wehr­mit­tel ein­ge­setzt wur­de, die Vor­ge­setz­te künf­tig bei der Ausübung jeg­li­cher Kri­tik ge­genüber der Kläge­rin mit ähn­li­chem Ver­hal­ten rech­nen müsse. Es gibt kei­ner­lei An­halts­punk­te dafür, dass die Kläge­rin ge­ge­be­nen­falls nach ei­ner Ab­mah­nung oder ei­nem klar­stel­len­den Gespräch künf­tig ih­re Vor­ge­setz­te wei­ter­hin ei­ner
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Straf­tat be­zich­ti­gen wer­de bzw. bei Ausübung jeg­li­cher Kri­tik sei­tens ih­rer Vor­ge­setz­ten mit ähn­li­chem Ver­hal­ten re­agie­ren wer­de.
Im Ge­gen­teil, nicht zu­letzt auch we­gen der Vor­komm­nis­se aus dem Jah­re 2006, die sei­tens des Be­klag­ten le­dig­lich in ei­nem Fall ab­ge­mahnt wur­den, wäre un­ter Berück­sich­ti­gung der Ge­samt­umstände (vgl. oben un­ter II. 1.. b)), der ge­sund­heit­li­chen Po­si­ti­on der Kläge­rin und an­ge­sichts der Druck­si­tua­ti­on der Kläge­rin in dem Per­so­nal­gespräch vom 31.03.2009 le­dig­lich ei­ne Ab­mah­nung als an­ge­mes­se­ne Re­ak­ti­on ge­recht­fer­tigt ge­we­sen. Sie hätte aus­ge­reicht, um durch An­dro­hung von Fol­gen für den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses das künf­ti­ge Ver­hal­ten der Kläge­rin po­si­tiv zu be­ein­flus­sen.
cc) So­weit der Be­klag­te das Er­for­der­nis ei­ner Ab­mah­nung da­mit ver­neint, dass die Kläge­rin we­gen ei­nes fünf Mo­na­te zurück­lie­gen­den Sach­ver­hal­tes die An­zei­gen­er­stat­tung ge­genüber ih­rer Vor­ge­setz­ten in Aus­sicht ge­stellt hat­te und der Be­klag­te bei je­der künf­ti­gen Leis­tungs­be­ur­tei­lung der Kläge­rin mit ei­ner ähn­li­chen Re­ak­ti­on rech­nen müsse, kann er auch da­mit nicht gehört wer­den.
Ge­ra­de we­gen des lan­ge zurück­lie­gen­den Vor­falls wäre es zunächst ge­bo­ten ge­we­sen, mit der Kläge­rin den Sach­ver­halt um­fas­send und tatsächlich auf­zuklären und die Kläge­rin nicht nur dar­auf zu ver­wei­sen, selbst den be­haup­te­ten Vor­wurf schrift­lich nie­der­zu­le­gen. Der Be­klag­te kann sich auf­grund sei­ner Fürsor­ge­pflicht in ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on sei­ner eben­falls be­ste­hen­den Aufklärungs­pflicht nicht so oh­ne wei­te­res ent­zie­hen.
dd) Sch­ließlich spricht ge­gen das Er­for­der­nis ei­ne Ab­mah­nung auch nicht der Um­stand, dass die Äußerung der Kläge­rin im Rah­men ei­nes größeren Gesprächs­krei­ses er­folg­te. Zwar wa­ren bei die­sem Gespräch ver­schie­de­ne Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten in lei­ten­der Po­si­ti­on an­we­send, nicht je­doch „nor­ma­le“ Mit­ar­bei­ter des Be­klag­ten, so dass das Gespräch nicht an die Mit­ar­bei­teröffent­lich­keit ge­lan­gen konn­te.
Von ei­ner Bloßstel­lung der Vor­ge­setz­ten in al­ler Öffent­lich­keit und das Ent­ste­hen ir­re­pa­ra­bler Schäden, wie des Ver­lus­tes ih­rer Stel­lung als Re­spekt­per­son, wie der Be­klag­te meint, kann da­her kei­ne Re­de sein.
– Sei­te 17 –
Die Kam­mer ver­kennt nicht, dass sich der Um­gang mit der Kläge­rin für den Be­klag­ten als be­son­ders schwie­rig dar­stellt und auch die sei­tens des Be­klag­ten vor der frist­lo­sen Kündi­gung er­folg­ten Um- bzw. Ver­set­zun­gen der Kläge­rin hier nicht er­folg­ver­spre­chend wa­ren. Will je­doch der Be­klag­te ei­ne Hand­lung der hier vor­ge­wor­fe­nen Art für ei­ne frist­lo­se Kündi­gung aus­rei­chen las­sen, hätte er, da es sich um ein steu­er­ba­res Ver­hal­ten der Kläge­rin han­delt, dies vor­her je­den­falls im We­ge ei­ner Ab­mah­nung ver­deut­li­chen müssen, zu­mal die Kläge­rin zu­vor sei­tens des Be­klag­ten nicht ein­schlägig ab­ge­mahnt wur­de. Der in der Ab­mah­nung vom 13.10.2006 vor­ge­wor­fe­ne Vor­fall mit ei­ner Stu­den­tin mag zwar die schwie­ri­gen Um­fangs­for­men der Kläge­rin be­le­gen, der Ab­lauf die­ses Vor­fal­les im Ein­zel­nen ist je­doch sei­tens der Kläge­rin be­strit­ten, so dass die Ab­mah­nung hier nicht ein­schlägig ist. Trotz der Exis­tenz die­ses Ab­mah­nungs­schrei­bens war da­her ei­ne er­neu­te Ab­mah­nung un­erläss­lich.
Der Be­klag­te ver­kennt, dass Zweck ei­ner Ab­mah­nung we­gen ei­ner Ver­trags­pflicht­ver­let­zung re­gelmäßig nicht die Sank­ti­on ei­ner Ver­trags­pflicht­ver­let­zung sein darf.
Aus den ge­nann­ten Gründen liegt un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les so­wie un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Par­tei­en kei­ne Hand­lung der Kläge­rin vor, die es dem Be­klag­ten als Ar­beit­ge­ber un­zu­mut­bar macht, das Ar­beits­verhält­nis mit der Kläge­rin fort­zu­set­zen. Vor­lie­gend konn­te nicht auf ei­ne Ab­mah­nung ver­zich­tet wer­den.
Nach al­le­dem ist da­her die streit­be­fan­ge­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung des Be­klag­ten vom 30.04.2009 un­wirk­sam und stellt kei­ne an­ge­mes­se­ne Re­ak­ti­on des Be­klag­ten dar.
4. Nach al­le­dem war der Kündi­gungs­schutz­an­trag der Kläge­rin be­gründet. Die Kündi­gun­gen des Be­klag­ten vom 30.04.2009 und vom 23.10.2009 ha­ben das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin nicht wirk­sam be­en­det. Sie wa­ren rechts­wid­rig. Der
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Die Vor­aus­set­zun­gen des § 72 Abs. 2 ArbGG lie­gen nicht vor, so dass die Re­vi­si­on nicht zu­zu­las­sen war. Vor­lie­gend han­delt es sich aus­sch­ließlich um ei­ne Ein­zel­fall­ent­schei­dung. Auf die Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gemäß § 72 a ArbGG wird hin­ge­wie­sen.
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11/126 Frist­lo­se Kün­di­gung we­gen Dro­hung mit Straf­an­zei­ge
01.07.2011. An sich wiegt die un­be­rech­tig­te Dro­hung mit ei­ner Straf­an­zei­ge so schwer, dass sie ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te au­ßer­or­dent­li­che (frist­lo­se) Kün­di­gung recht­fer­ti­gen kann. Ein vom ...