Source: https://www.deloittetax.at/2018/04/27/nichtiger-forderungskauf-bei-verstos-gegen-das-bankgeheimnis/
Timestamp: 2019-06-25 14:23:18
Document Index: 404828

Matched Legal Cases: ['OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§ 38', '§ 38', 'OGH', '§ 38', '§ 38', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH']

Nichtiger Forderungskauf bei Verstoß gegen das Bankgeheimnis | Deloitte Österreich Tax & Legal News
Nichtiger Forderungskauf bei Verstoß gegen das Bankgeheimnis
27. April 2018 Andreas Jank
Seit 2012 ist klar, dass nach der Judikatur des OGH und entgegen der Meinungen in gängigen rechtlichen Kommentaren, auch der Erwerb einer fälligen Kreditforderung gegen das Bankgeheimnis verstoßen und damit unwirksam sein kann. Zuletzt hielt der Oberste Gerichtshof (OGH) fest, dass sich auch der Erwerber einer Forderung gegenüber dem Altgläubiger auf diese Unwirksamkeit berufen kann, wenn der Abschluss des Abtretungsvertrages gegen das Bankgeheimnis verstößt.
Anlassfall war eine fällige Kreditforderung eines Kreditinstitutes gegen drei Kreditnehmer, die das Kreditinstitut – auf Initiative einer Kreditnehmerin aber ohne Zustimmung der anderen beiden Kreditnehmer – an eine tschechische Gesellschaft abgetreten hat. Der OGH hat dazu bereits im Verfahren, in dem der Erwerber der Forderung versucht hat, die Forderung gegen die drei Kreditnehmer durchzusetzen, entschieden, dass die Abtretung der Kreditforderung unwirksam war (OGH 26.11.2012, 9 Ob 34/12h). Nach Ansicht des OGH hat das Kreditinstitut durch die Abtretung das Bankgeheimnis nach § 38 Bankwesengesetz (BWG) verletzt, da es ohne Zustimmung sämtlicher Kreditnehmer eine nicht titulierte Kreditforderung an einen nicht dem Bankgeheimnis unterliegenden Neugläubiger abgetreten hat.
Bankgeheimnis.
§ 38 BWG sieht vor, dass Kreditinstitute Geheimnisse, die ihnen ausschließlich aufgrund der Geschäftsverbindungen mit Kunden anvertraut oder zugänglich gemacht worden sind, nicht offenbaren oder verwerten dürfen. Name und Kontaktdaten des Kreditnehmers, die Kreditaufnahme, die Höhe des Kreditvolumens und die mit der Rückzahlung verbundenen Umstände sind nach Ansicht des OGH bankgeheimnisrelevante Tatsachen im Sinne des § 38 BWG. Diese Informationen wurden im gegenständlichen Fall im Zusammenhang mit dem Abschluss des Zessionsvertrages an den Neugläubiger weitergegeben.
Das Bankgeheimnis gilt jedoch nicht lückenlos. Bereits § 38 BWG sieht einige Durchbrechungen, zB im Zusammenhang mit Gerichtsverfahren, vor. Auch der OGH hält in seiner Entscheidung 9 Ob 34/12h fest, dass dem Bankgeheimnis keine absolute Stellung zukomme und im Einzelfall eine Abwägung zwischen dem Schutz der Vermögenssphäre des Kunden und dem Anliegen nach der Verkehrsfähigkeit von Forderungen vorzunehmen sei. Insbesondere vertragswidriges Verhalten reduziere die Schutzwürdigkeit des Kreditnehmers, da dem Kreditgeber in diesem Fall die Einleitung von Betreibungsschritten zuzugestehen sei. Noch höher sei das Interesse des Kreditgebers an der Verwertung der Forderung zu bewerten, wenn die Kreditforderung bereits erfolgreich eingeklagt wurde. In diesem Fall bedürfe es auch nicht der Offenbarung weiterer Informationen, da ohnedies bereits ein vollstreckbares Gerichtsurteil vorliege. Man spricht in diesem Fall von einer „titulierten Forderung“.
Verstoß gegen das Bankgeheimnis.
In dem den Entscheidungen 9 Ob 34/12h und 9 Ob 62/16g zugrundeliegenden Sachverhalt hat der OGH eine Verletzung des Bankgeheimnisses angenommen und die Abtretung für nichtig erklärt, weil die Forderung nicht tituliert war, der Erwerber selbst nicht dem Bankgeheimnis unterlag und nach Ansicht des OGH in diesem Fall keine nach dem BWG anerkannten, besonders geschützten Interessen des Kreditgebers, verfolgt wurden. Dies hatte zur Konsequenz, dass die Zahlungsklage des Erwerbers, der die erworbene Forderung gerichtlich durchsetzen wollte, abgewiesen wurde. Nachdem dieser die von ihm erworbene Forderung nicht einbringlich machen konnte, begehrte er in der Folge im Verfahren 9 Ob 62/16g die Rückzahlung des für die Forderungsabtretung bezahlten Betrages vom Altgläubiger (dem Kreditinstitut). Der OGH gab ihm Recht und hielt fest, dass sich auch der Erwerber auf die Unwirksamkeit der Abtretung wegen der Verletzung des Bankgeheimnisses berufen könne.
Die Entscheidungen des OGH haben bedeutende praktische Auswirkungen, insbesondere auf den Verkauf von notleidenden Krediten, sogenannten „non performing loans“. Bereits vor aber auch nach der Entscheidung 9 Ob 34/12h ist die Lehre – im Sinne einer Interessenabwägung zwischen dem Geheimhaltungsinteresse des Kunden und dem Interesse an einer Verkehrsfähigkeit von Forderungen – für eine Unterscheidung zwischen fälligen und nicht-fälligen („lebenden“) Kreditforderungen eingetreten. Für diese Unterscheidung spricht, dass in Fällen, in denen der Kreditnehmer seinen vertraglichen Pflichten nicht nachkommt, insbesondere weil er sich in Zahlungsverzug befindet, das Interesse der Bank, weiteren Nachteilen aus dem vertragswidrigen Verhalten des Kreditnehmers vorzubeugen, dem Geheimhaltungsinteresse des Kunden vorgeht.
Der OGH geht in seinen Entscheidungen zwar nicht so weit, die Abtretung nicht titulierter Forderungen generell für unzulässig zu erklären (er lässt etwa offen, ob diese Abtretung an ein anderes Kreditinstitut, das selbst auch wieder dem Bankgeheimnis unterliegt, möglich ist). Indem der OGH jedoch nur zwischen titulierten und nicht-titulierten Forderungen unterscheidet, folgt er jenen Stimmen in der Lehre, die für eine Unterscheidung zwischen fälligen und nicht-fälligen Forderungen plädieren, derzeit nicht. Solange einer Bank daher kein vollstreckbarer Titel (zB ein Gerichtsurteil oder ein vollstreckbarer Notariatsakt) vorliegt, ist diese aufgrund der derzeitigen Judikatur des OGH gut beraten, die Zustimmung eines Kreditnehmers zu einem Verkauf der Kreditforderung einzuholen. Oftmals wird dies bereits im Kreditvertrag vorgesehen, wobei an die Ausgestaltung einer solchen Vorabzustimmungs-/Entbindungserklärung strenge Anforderungen gestellt werden.
Andreas Jank
Jank Weiler Operenyi Rechtsanwälte Mail: a.jank@jankweiler.at
BankgeheimnisForderungskaufrichtiger Abtretungsvertrag
Previous PostWorld Tax Advisor 27 April 2018 – Connecting you globallyNext PostSteuertermine im Mai 2018
World Tax Advisor 21 June 2019 21. June 2019
Wann dürfen Rückstellungen für Verbindlichkeiten aus Straftaten gebildet werden? 19. June 2019
CEE News Update – Slowakei: Abschaffung der Handelskettensteuer 18. June 2019
Czech Republic: Tax Package for 2019 approved 17. June 2019
World Tax Advisor 14 June 2019 14. June 2019
Bundesfinanzgericht zur Anteilsübertragung innerhalb der Organschaft 14. June 2019
Bundesfinanzgericht: Keine Hauptwohnsitzbefreiung für Diplomaten 12. June 2019
Archiv Select Month June 2019 (13) May 2019 (19) April 2019 (18) March 2019 (20) February 2019 (18) January 2019 (16) December 2018 (17) November 2018 (18) October 2018 (18) September 2018 (16) August 2018 (16) July 2018 (15) June 2018 (16) May 2018 (15) April 2018 (18) March 2018 (16) February 2018 (19) January 2018 (16) December 2017 (16) November 2017 (16) October 2017 (18) September 2017 (17) August 2017 (15) July 2017 (13) June 2017 (17) May 2017 (16) April 2017 (14) March 2017 (23) February 2017 (15) January 2017 (20) December 2016 (15) November 2016 (20) October 2016 (16) September 2016 (15) August 2016 (16) July 2016 (17) June 2016 (17) May 2016 (18) April 2016 (17) March 2016 (21) February 2016 (21) January 2016 (20) December 2015 (16) November 2015 (19) October 2015 (18) September 2015 (17) August 2015 (17) July 2015 (16) June 2015 (23) May 2015 (19) April 2015 (17) March 2015 (20) February 2015 (16) January 2015 (21) December 2014 (13) November 2014 (17) October 2014 (20) September 2014 (16) August 2014 (17) July 2014 (16) June 2014 (18) May 2014 (22) April 2014 (17) March 2014 (23) February 2014 (21) January 2014 (19) December 2013 (17) November 2013 (16) October 2013 (19) September 2013 (15) August 2013 (15) July 2013 (18) June 2013 (18) May 2013 (21) April 2013 (17) March 2013 (19) February 2013 (20) January 2013 (24) December 2012 (18) November 2012 (20) October 2012 (24) September 2012 (20) August 2012 (16) July 2012 (16) June 2012 (22) May 2012 (21) April 2012 (21) March 2012 (24) February 2012 (29) January 2012 (24) December 2011 (18) November 2011 (21) October 2011 (18) September 2011 (20) August 2011 (19) July 2011 (21) June 2011 (25) May 2011 (22) April 2011 (21) March 2011 (26) February 2011 (29) January 2011 (23) December 2010 (29) November 2010 (8) October 2010 (7) September 2010 (34) August 2010 (8) July 2010 (23) June 2010 (17) May 2010 (7) April 2010 (4) March 2010 (12) February 2010 (7) January 2010 (26) December 2009 (8) November 2009 (8) October 2009 (9) September 2009 (8) August 2009 (7) July 2009 (3) June 2009 (3)
World Tax Advisor 21 June 2019
Wann dürfen Rückstellungen für Verbindlichkeiten aus Straftaten gebildet werden?
CEE News Update – Slowakei: Abschaffung der Handelskettensteuer
Czech Republic: Tax Package for 2019 approved
Bundesfinanzgericht zur Anteilsübertragung innerhalb der Organschaft
World Tax Advisor 14 June 2019