Source: http://www.sidiblume.de/info-rom/tr_/trgs/2000_07.htm
Timestamp: 2017-11-18 19:25:35
Document Index: 314947730

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 35', '§ 16', '§ 37', '§ 35', '§ 37', '§ 19', '§ 22', '§ 18', '§ 33', '§ 37', '§ 37', '§ 35', '§ 35', '§ 3']

BArbBl. 7+8/2000 S.37
BArbBl. 7+8/2000 S.37 und S.45
Bundesarbeitsblatt 7+8/2000 S. 37
Technische Regeln (Änderungen)
Bek. des BMA vom 15. Juni 2000 - III c 1-35125-5
Der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) hat u.a.
Änderungen und Ergänzungen der TRGS 420 "Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz: Verfahrens- und stoffspezifische Kriterien (VSK) für die betriebliche Arbeitsbereichsüberwachung"
Änderungen und Ergänzungen der TRGS 512 "Begasungen"
Änderungen und Ergänzungen der TRGS 557 "Dioxine (polyhalogenierte Dibenzo-p-Dioxine und Dibenzo-Furane)"
Änderungen und Ergänzungen der TRGS 611 "Verwendungsbeschränkungen für wassermischbare bzw. wassergemischte Kühlschmierstoffe, bei deren Einsatz N-Nitrosamine auftreten können"
Änderungen und Ergänzungen der TRGS 613 "Ersatzstoffe, Ersatzverfahren und Verwendungsbeschränkungen für chromathaltige Zemente und chromathaltige zementhaltige Zubereitungen"
Im Anschluss an die Bekanntmachung des BMA vom 15. Jan. 2000 (BArbBl. Heft 3/2000 S. 65) wird bekanntgegeben:
A. Die Neufassung
- der TRGS 557
B. Änderungen und Ergänzungen
- der TRGS 420
- der TRGS 512
- der TRGS 611
- der TRGS 613
Damit tritt folgende Änderung des Regelwerkes in Kraft:
- TRGS 557 "Dioxine (polyhalogenierte Dibenzo-p-Dioxane und Furane)" Ausgabe Juli 2000 ersetzt TRGS 557 Ausgabe März 1996 (BArbBl. Heft 3/1996 S. 85-90)
A. Die Neufassung der TRGS 557
Ausgabe: Juli 2000
Technische Regeln für Gefahrstoffe Dioxine
(polyhalogenierte Dibenzo-p-Dioxine und Diberizo-Furane) TRGS 557
Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) geben den Stand der sicherheitstechnischen, arbeitsmedizinischen, hygienischen sowie arbeitswissenschaftlichen Anforderungen an Gefahrstoffe hinsichtlich Inverkehrbringen und Umgang wieder. Sie werden vom
aufgestellt und von ihm der Entwicklung entsprechend angepasst. Die TRGS werden vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung im Bundesarbeitsblatt bekanntgegeben.
Diese TRGS enthält besondere Schutzmaßnahmen für den Umgang mit polyhalogenierten Dibenzo-p-Dioxinen und Dibenzo-Furanen.
Hinsichtlich des Anwendungsbereiches der Umgangsvorschriften der Gefahrstoffverordnung (GefStoftV) sowie allgemein geltender Begriffsbestimmungen wird auf die §§ 2 und 3 der GefStoffV hingewiesen.
Ermittlungspflicht, Gefährdungsabschätzung
Unterrichtung und Anhörungspflicht
Schutzmaßnahmen in besonderen Bereichen
(1) TRGS 557 gilt für den Umgang mit Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen, die halogenierte Dibenzo-Dioxine und Dibenzo-Furane enthalten oder aus denen diese entstehen können.
(2) TRGS 557 gilt auch für Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, jedoch nicht für Sanierungs- und Abbrucharbeiten sowie unfallartige Ereignisse, wie z.B. Brände [11, 12]. Sie gilt jedoch für alle Brennschneidarbeiten von beschichteten Metallen gemäß Nummer 9.8. (Für andere thermische Trenn- und Fügeverfahren liegen derzeit noch nicht genügend gesicherte Erkenntnisse vor!)
2.1 Stoffidentifikation
(1) Polyhalogenierte Dibenzo-p-Dioxine und Dibenzo-Furane (PHDD/ PHDF) sind organische Substanzen, bei denen 2 Benzolmoleküle, von denen mindestens 1 halogeniert ist, über 2 Sauerstoffbrücken bzw. eine Sauerstoff- und eine direkte Brücke miteinander verbunden sind.
(2) Die Anzahl der durch Halogene substituierten Wasserstoffatome im Molekül wird mit dem Präfix Mono-(1) bis Octa-(8) bezeichnet. Die unterschiedliche Stellung der jeweiligen Halogene im Molekül gibt die systematische Bezifferung wieder. Am besten untersucht sind die chlorsubstituierten Verbindungen (PCDD/PCDF).
(3) Durch die Vielzahl der Substitutionsmöglichkeiten sind 75 Chlordioxine und 135 Chlorfurane möglich.
(4) Bei Substitution durch Bromatome im Molekül ergibt sich die gleiche Anzahl von Kongeneren. Die Bromverbindungen sind weniger gut untersucht.
(5) Gemischthalogenierte Verbindungen sind in wesentlich höherer Anzahl möglich, Erkenntnisse über diese Verbindungen liegen derzeit so gut wie nicht vor.
2.2 Toxizitätsäquivalente
(1) Zur Bewertung von Erzeugnissen und Zubereitungen, die mit PHDD/PHDF verunreinigt sind, werden in der Gefahrstoffverordnung [I J eine Gehaltsgrenze für 2,3,7,8-TCDD ( 2x 10 -7 Massenprozent gemäß § 35 Abs. 3 GefStoffV) und in der Chemikalien-Verbotsverordnung [2] Gehaltsgrenzen von Kongeneren genannt.
(2) PCDD/PCDF treten nicht einzeln auf. Für die Bewertung von Gemischen wird bei der Festsetzung des Luftgrenzwertes [4] ein Rechenmodell verwandt. Dabei wird die Giftigkeit des 2,3,7,8-TCDD - das auch am besten untersucht ist - gleich eins gesetzt und jedes andere Kongener mit einem Wichtungsfaktor - genannt Toxizitätsäquivalent - versehen (siehe Anhang 1). Die Summe der Konzentrationen an PCDD/PCDF jeweils multipliziert mit dem Toxitätsäquivalent ergibt eine Kenngröße für die Bewertung.
(3) Für bromierte bzw. gemischthalogenierte PHDD/PHDF existiert noch kein Toxizitätsäquivalenzmodell. Für den praktischen Arbeitsschutz macht es bis zur Veröffentlichung entsprechender Modelle Sinn, die Faktoren dieser Verbindungen gleich den entsprechenden der chlorierten zu setzen [3].
2.3 Luftgrenzwert
Für chlorierte Dibenzo-Dioxine und -Furane gilt ein Luftgrenzwert von 50 pg TE pro m3 (erfasst nach der E-Staubdefinition) [4]. Unter den Geltungsbereich dieser Technischen Richtkonzentration (TRK) fallen sämtliche in der Chemikalienverbotsverordnung genannten chlorierten Dibenzo-Dioxine und Furane auf der Basis des Berechnungsmodells der internationalen Toxizitätsäquivalenzfaktoren (siehe Anhang 1). PHDD/PHDF treten typischerweise partikelförmig, in der Nähe heißer Quellen auch dampfförmig auf. Für bromierte Verbindungen kann bis zur Festsetzung eines Luftgrenzwertes der Wert für chlorierte als Beurteilungsmaßstab verwendet werden [3].
2.4 Belastete Bereiche
PHDD/PHDF-belastete Bereiche sind alle Arbeitsbereiche, an denen als Ergebnis einer Gefährdungsabschätzung nach Nummer 3 ermittelt wurde, dass die Unterschreitung der TRK nicht gesichert werden kann. Diesen Bereichen stehen solche Bereiche gleich, an denen Verdachtsmomente für das Vorliegen von PHDD/PHDF-Belastungen bestehen, auf eine konkrete Bestimmung der Belastung jedoch verzichtet wurde (z. B. das Innere von Gaskanälen einer Anlage).
3 Ermittlungspflicht, Gerährdungsabschätzung
3.1 (1) Der Arbeitgeber, der mit einem Stoff, einer Zubereitung oder einem Erzeugnis umgeht, hat festzustellen, ob es sich im Hinblick auf den vorgesehenen Umgang um einen Gefahrstoff handelt. Der Arbeitgeber, der nicht über andere Erkenntnisse verfügt, kann davon ausgehen, dass eine Kennzeichnung, die sich auf der Verpackung befindet und dass Angaben, die in einer beigefügten Mitteilung oder einem Sicherheitsdatenblatt enthalten sind, zutreffend sind. Das Ergebnis der Ermittlung nach Satz 1 ist, soweit dabei Gefahrstoffe festgestellt worden sind, der zuständigen Behörde auf Verlangen darzulegen.
(2) Für den Bereich der PHDD/PHDF bedeutet dies, dass der Arbeitgeber aufgrund der Kenntnis der von ihm eingesetzten Stoffe und seines Arbeitsverfahrens prüfen muss, inwieweit Gefahrstoffe die PHDD/ PHDF enthalten eingesetzt werden bzw. bei ihm die Möglichkeit der Neubildung von PHDD/PHDF bestehen.
(3) Personelle Anforderungen
Wer die Ermittlung und Beurteilung der Gefährdungen durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz vornimmt, muss über die erforderliche Qualifikation verfügen, um die in Anlage 1 der TRGS 400 [14] genannten Aufgaben erfüllen zu können. Der notwendige Umfang der Qualifikation richtet sich nach den betriebsspezifischen Verhältnissen wie z.B. der Art eines Betriebes oder der Art der Stoffe, mit denen umgegangen wird oder die entstehen. TRGS 400 Nummer 4.1 Abs. 2 ist zu beachten.
3.2 Verdachtsmomente für die Entstehung von PHDD/PHDF sind:
das Vorhandensein von Kohlenstoffverbindungen und Halogenen insbesondere von sogenannten "Dioxinvorläufern" wie halogenierten Aromaten und
das Vorhandensein von Sauerstoff und
das Vorhandensein eines Temperaturniveaus zwischen 250º und 800º und
das Vorhandensein einer entsprechenden Verweilzeit im vorgenannten Temperaturbereich,
sonstige thermische Verfahren.
Schwermetallhaltige Stäube können das Entstehen von PHDD/PHDF katalysieren.
3.3 Ermittlung der belasteten Bereiche
(1) Der sicherste Weg zur Ermittlung der belasteten Bereiche ist die Messung der Belastung der Luft im Arbeitsbereich.
(2) Die Entscheidung, ob Messungen erforderlich sind, und wo ggf. gemessen werden muss, bedarf jedoch der Vorermittlung Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass PHDD/PHDF entweder durch Einsatzstoffe eingebracht werden oder verfahrensbedingt entstehen.
(3) Besteht bei Einsatzstoffen der Verdacht auf das Vorliegen einer Belastung mit PHDD/PHDF, und gibt es keinen Hinweis für deren Neubildung, so kann der Arbeitgeber bei der Abschätzung, ob belastete Bereiche auftreten können, von der Gesamtstaubbelastung des Arbeitsbereichs und den Kenntnissen über den PHDD/PHDF-Gehalt seiner Einsatzstoffe ausgehen. Auf das Auskunftsrecht des Verwenders gemäß § 16 Abs. 3 GefstoffV wird ausdrücklich hingewiesen.
(4) Besteht aufgrund der Verfahrensbedingungen ein Hinweis auf die Bildung von PHDD/PHDF, so ist diesem im Wege einer Arbeitsbereichsanalyse nachzugehen. Da die Bildungsmechanismen für PHDD/ PHDF noch nicht quantitativ nachgebildet werden können, ist eine rechnerische Abschätzung der Neubildung derzeitig nicht möglich.
(5) Die Übernahme von Ergebnissen aus Referenzanlagen ist nur dann möglich, wenn die Übertragbarkeit im Einzelfall gegeben ist.
(6) Liegen aus sonstigen Untersuchungen (z. B. Materialproben, Emissionsmessungen, Rückstandsanalysen für Entsorgungszwecke etc.) Erkenntnisse vor, so ist folgende Abschätzung möglich, ob weitere Ermittlungen bzw. Schutzmaßnahmen erforderlich sind:
a) Das Analysengut muss repräsentativ für den über mehrere Arbeitsschichten auftretenden Staub sein.
b) Das Analysengut muss in bezug auf die Korngröße repräsentativ für den in der Luft am Arbeitsplatz vorkommenden Staub sein.
c) Aus einer Arbeitsbereichsanalyse ist eine Aussage über die Gesamtstaubbelastung des Arbeitsbereiches vorhanden.
d) Die Probenahme des Analysengutes erfolgte deutlich unter 100ºC, um den gasförmigen Bestandteilen die Kondensation zu ermöglichen.
Sind diese Randbedingungen erfüllt, dann ist in analoger Anwendung der TRGS 402 Anhang 1 und Anhang 3 [5] eine Abschätzung möglich, unter der Annahme, dass die so gewonnenen Informationen mind. gleichwertig einer Einzelmessung in der Raumluft ist.
CD = CMat x CGesamt
CD = errechnete Dioxin/Furan-Konzentration in TE (pg/m3)
CMat = Dioxin/Furan-Konzentration im Material in TE (pg/mg)
C Gesamt = Gesamtstaubkonzentration (mg/m3)
Wenn C Dioxin < 5 pg TE/m3 ,so gilt der Bereich nicht als belasteter Bereich i.S. von Nummer 2.4.
(7) Ansonsten muss durch Raumluftmessungen die Einhaltung der TRK nachgewiesen werden.
4 Anzeigepflicht
Beim Umgang mit PHDD/PHDF-belasteten Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen besteht die Anzeigepflicht nach § 37 GefStoffv, wenn die Gehaltsgrenze nach § 35 Abs. 3 GefStoffV überschritten ist. ( 2,3,7,8 - TCCD ist auch nach TRGS 905 als krebserzeugend Kategorie 2 bewertet.)
5 Allgemeine Schutzmaßnahmen
(1) Arbeitsverfahren sind nach dem Stand der Technik so zu gestalten, dass die Konzentrationen an PHDD/PHDF soweit wie möglich minimiert werden. Dazu sind die verfahrenstechnischen Möglichkeiten, die in Nummer 3.2 genannten Komponenten im Sinne einer Minimierung zu beeinflussen, auszuschöpfen.
(2) Verbleibende Risiken sind dadurch zu minimieren, dass die Verfahren in geschlossenen Anlagen geführt werden.
(1) Ist eine Exposition gegenüber PHDD/PHDF unvermeidbar, so hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass die TRK unterschritten wird. Dazu sind dioxinhaltige Gase, Dämpfe oder Schwebstoffe an ihrer Austritts- oder Entstehungsstelle vollständig zu erfassen und anschließend ohne Gefahr für Mensch und Umwelt zu beseitigen, soweit dies nach dem Stand der Technik möglich ist. Das Arbeitsverfahren ist ferner so zu gestalten, dass die Arbeitnehmer mit dioxinhaltigen Stoffen nicht in Hautkontakt kommen, soweit dies nach dem Stand der Technik möglich ist.
(2) Zusätzlich sind die Maßnahmen gemäß § 37 Abs. 6 GefStoffV durchzuführen, d. h. insbesondere die Menge der Gefahrstoffe sowie die Anzahl der Arbeitnehmer zu begrenzen sowie die belasteten Bereiche abzugrenzen und zu kennzeichnen.
5. 3 Persönliche Schutzausrüstung
(1) Wird nach Durchführung der Maßnahmen nach Nummer 5 die TRK nicht unterschritten, hat der Arbeitgeber
wirksame und hinsichtlich ihrer Trageeigenschaften geeignete persönliche Schutzausrüstungen zur Verfügung zu stellen und diese in gebrauchsfähigern, hygienisch einwandfreiem Zustand zu halten und
dafür zu sorgen, dass die Arbeitnehmer nur so lange beschäftigt werden, wie es das Arbeitsverfahren unbedingt erfordert und es mit dem Gesundheitsschutz vereinbar ist. Die Arbeitnehmer müssen die zur Verfügung gestellten persönlichen Schutzausrüstungen benutzen.
(2) Geeignete persönliche Schutzausrüstungen sind u.a. umgebungsluft unabhängige Atemschutz- oder Isoliergeräte, Atemschutz (P 3), Schutz vor Hautkontakt (Handschutz), Schutzkleidung. Das Tragen von Atemschutz darf nach § 19 Abs. 5 GefStoffV keine ständige Maßnahme sein. Die Tragezeitbegrenzung der BGR 190 (GUV 20.14) [8] ist zu beachten.
(3) Beim Vorliegen heißer Quellen am Arbeitsplatz (z. B. beim Befahren heißer Anlagenteile) sind zusätzlich Schutzmaßnahmen gegen die Einwirkung von PHDD/PHDF in dampfförmigem Zustand zu treffen in Form von umluftunabhängigem Atemschutz oder Atemschutz A 2 P3. Dies ist nicht erforderlich, wenn messtechnisch nachgewiesen wird, dass dampfförmige PHDD/PHDF nicht auftreten.
(4) Ist die TRK nicht dauerhaft sicher eingehalten, so sind mindestens P 2-Masken, Handschuhe und Einwegkleidung zur Verfügung zu stellen und sollten von den Mitarbeitern benutzt werden
(5) Gebrauchte Einwegkleidung ist sachgerecht zu entsorgen.
(6) Der Arbeitgeber hat Schutzkleidung aus belasteten Bereichen getrennt aufbewahren, sammeln, reinigen bzw. entsorgen zu lassen.
5.4. Maßnahmen in PHDD/PHDF-belasteten Bereichen
5.4.1 Arbeitsmedizinische Vorsorge
.(1) Arbeitnehmer in PHDD/PHDF belasteten Bereichen (s. Nummer 2.4) sind der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung in Anlehnung an den berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 40 zu unterziehen.
(2) Beim Tragen von Atemschutz sind die Anforderungen der Vorsorgeuntersuchungen nach dem berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 26 zu beachten. Dies kann entfallen, wenn Atemschutzgeräte benutzt werden, die weniger als 3 kg wiegen und keine Atemwiderstände besitzen.
(3) Aufgrund der besonderen Eigenschaften dieser Stoffe könnte von den Anforderungen des berufsgenossenschaftlichen Grundsatzes G 40 wie folgt abgewichen werden:
Der untersuchende Arzt kann auf die Röntgenaufnahme des Thorax verzichten.
Es ist eine Anamnese auf Hautkrankheiten, vor allem auf akneähnlichen Erkrankungen (Chlorakne) durchzuführen.
Zusätzlich zu den im G 40 genannten Punkten sind besonders Veränderungen der Leber, der Schilddrüse und neurologische Störungen zu beachten.
Bei der Erhebung des Hautbefundes sind die bevorzugt von Chlorakne betroffenen Regionen - Jochbein - und Schläfenregion, das männliche äußere Genital sowie die Retroaurikulärregion ("hinter den Ohren") besonders sorgfältig auf Akne bzw. akneähnliche Effloreszenzen und kleine Narben zu untersuchen.
(4) Werden bei arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen Hinweise für eine Belastung in der Vergangenheit festgestellt, so sind, da PHDD/PHDF eine lange Verweilzeit im Körper haben, die Möglichkeiten des Biomonitoring durch Analyse der PHDD/PHDF Gehalte im Blutfett zu berücksichtigen. Beim begründeten Verdacht auf eine Chlorakne ist das Vorliegen einer Berufskrankheit nach Ziffer 1310 der Anlage ? zur Berufskrankheitenverordnung zu prüfen.
5.4.2 Besondere Vorkommnisse
Bei Vorkommnissen, die erkennbar zu einer erheblichen Erhöhung der Dioxinkonzentration in der Raumluft führen können, sind die Arbeitnehmer unverzüglich über den außergewöhnlichen Betriebszustand zu unterrichten. Der betreffende Bereich darf nur von den Arbeitnehmern, die für die Reparaturen und sonstigen notwendigen Arbeiten erforderlich sind, unter der erforderlichen Schutzkleidung betreten werden. Für den Weiterbetrieb des gestörten Anlageteiles bzw. der Gesamtanlage zwingend erforderliche weitere Arbeiter dürfen ohne persönliche Schutzausrüstung nicht beschäftigt werden.
5.5 Maßnahmen zur Hygiene
(1) Die Maßnahmen der TRGS 500 "Schutzmaßnahmen: Mindeststandards" [13] sind durchzuführen.
(2) Insbesondere müssen Arbeitskleidung einschließlich Schuhwerk, die mit dioxinhaltigen Stoffen verunreinigt sind, vor Verlassen des Betriebes abgelegt werden. Persönliche Schutzausrüstung muss außerdem vor der Aufnahme von Nahrungs- und Genussmitteln abgelegt werden. Pausenräume und andere allgemeine zugängliche Räume dürfen mit kontaminierter Kleidung nicht betreten werden.
(3) Nach Beendigung der exportierten Tätigkeit ist den Mitarbeitern Gelegenheit zu geben, sich zu duschen (incl. Haarwäsche).
6 Beschäftigungsbeschränkungen
In PHDD/PHDF-belasteten Bereichen nach Nummer 2.4 gelten die Beschäftigungsbeschränkungen des § 22 Jugendarbeitsschutzgesetz [6] und der Mutterschutzrichtlinienverordnung [7].
7 Betriebsanweisungen und Unterweisungen
(1) Der Arbeitgeber hat eine Betriebsanweisung zu erstellen, in der die beim Umgang mit
dioxinhaltigen Gefahrstoffen auftretenden Gefahren für Mensch und Umwelt sowie die erforderlichen Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln festgelegt werden; auf die sachgerechte Entsorgung entstehender gefährlicher Abfälle ist hinzuweisen. Die Betriebsanweisung ist in verständlicher Form und in der Sprache der Beschäftigten abzufassen und an geeigneter Stelle in der Arbeitsstätte bekannt zu machen. In der Betriebsanweisung sind auch Anweisungen über das Verhalten im Gefahrfall und über die Erste Hilfe zu treffen.
(2) Die Arbeitnehmer müssen anhand der Betriebsanweisung über die auftretenden Gefahren sowie über die Schutzmaßnahmen unterwiesen werden. Gebärfähige Arbeitnehmerinnen sind zusätzlich über die für werdende Mütter möglichen Gefahren und Beschäftigungsbeschränkungen zu unterrichten. Die Unterweisungen müssen vor der Beschäftigung und danach mindestens einmal jährlich mündlich und arbeitsplatzbezogen erfolgen. Inhalt und Zeitpunkt der Unterweisungen sind schriftlich festzuhalten und von den Unterwiesenen durch Unterschrift zu bestätigen.
(3) Bei der Unterweisung ist der Arbeitnehmer darauf hinzuweisen, dass er bei Auftreten von Hauterkrankungen/akneähnlichen Erscheinungen den Betriebsarzt bzw. den Hautarzt über den beruflichen Umgang mit dioxinhaltigen Stoffen informieren soll.
8 Unterrichtungs- und Anhörungspflicht
(1) Der Arbeitgeber hat die betroffenen Arbeitnehmer oder, wenn ein Betriebs- oder Personalrat vorhanden ist, diesen, wenn er Messungen nach § 18 GefStoffV durchführt, über das Ergebnis der Messungen zur Überwachung der TRK zu unterrichten, Einsicht in die Aufzeichnungen dieser Ergebnisse zu gewähren und Auskünfte, über deren Bedeutung zu geben.
(2) Eine Überschreitung der TRK hat der Arbeitgeber den betroffenen Arbeitnehmern und dem Betriebs- oder Personalrat unverzüglich unter Angabe der Gründe mitzuteilen. Arbeitnehmer und Betriebs- oder Personalrat sind zu den zu treffenden Maßnahmen zu hören. In dringenden Fällen hat der Arbeitgeber sie über die getroffenen Maßnahmen unverzüglich zu unterrichten. Satz 2 gilt auch, wenn Maßnahmen unverzügIich nach der Überprüfung des Arbeitsplatzes nach § 33 GefStoffV getroffen werden.
(3) Der Arbeitgeber hat den betroffenen Arbeitnehmern oder wenn ein Betriebs- oder Personalrat vorhanden ist, diesem Abdrucke der Anzeigen nach Nummer 4 zur Kenntnis zu geben.
9 Schutzmaßnahmen in besonderen Bereichen
9.1 Chemische Industrie
9.1.1 Herstellung und Verwendung von Chloraromaten/Bromaromaten
Bei der Herstellung von PCB, PCP nach bestimmten Herstellungsverfahren besteht ein hohes Bildungspotential von PHDD/PHDF. Eine Herstellung wird jedoch in der Bundesrepublik Deutschland nicht durchgeführt. Bei Herstellung und Verwendung sonstiger halogenierter Aromaten werden die in der Chemikalien-Verbotsverordnung (siehe auch Anhang 2) vorgegebenen Grenzkonzentrationen im Produkt unterschritten, so dass bei der Verwendung eine Gefährdungsabschätzung nach Nummer 3.1 möglich ist.
9.1.2 Reinigungsarbeiten in Chloralkali-Elektrolysenanlagen
(1) Arbeiten bei der Instandhaltung von gummierten Zellenteilen und gummierten Gasleitungen im Nasschlorbereich zählen zu den Arbeiten in belasteten Bereichen gemäß Nummer 2.4. Dekontaminierungsarbeiten, bei denen eine Staubfreisetzung nicht sicher auszuschließen ist, dürfen nur unter Tragen von Einweganzügen, Gummihandschuhen und Atemschutz (Vollmaske A 2 P3) durchgeführt werden.
(2) Arbeiten an Zellendeckeln (z.B. zum Entfernen von Verunreinigungen) dürfen nur möglichst staubarm, z.B. nach Befeuchten mit geeigneten Mitteln, durchgeführt werden.
(3) Bei Arbeiten im Innern von Chlorfeuchtgasleitungen, in denen PHDD/PHDF in den Atembereich gelangen können, ist mit umluftunabhängigen Atemschutz und Säureschutzanzug zu arbeiten.
9.1.3 Anlagen zur Herstellung von VC/PVC
(1) Hier liegen die in Nummer 3 genannten Verdachtsmomente für die Entstehung von PCDD/PCDF im Bereich der Oxychlorierung vor.
(2) Der Oxychlorierungsprozess ist im geschlossenen System zu führen. In diesem Fall sind die Arbeitsbereiche außerhalb geschlossener Anlagenteile nicht als belastete Bereiche i.S. dieser Vorschrift anzusehen.
(3) Aufgrund der erhöhten PHDD/PHDF-Gehalte im Katalysator sind beim Wechsel besondere Arbeitsschutzmaßnahmen notwendig, falls das Auftreten von Staub nicht verhindert werden kann.
9.1.3.1 Festbettkatalysatoren
(1) Die Festbettkatalysatoren befinden sich in senkrechtstehenden Rohrenbündeln und müssen beim Wechsel daraus entfernt werden.
(2) Beim Absaugen des Katalysators mit Lanzen von oben und direkter Entsorgung in ein geschlossenes System mit fachgerechter Filtration der Luft ist mit keiner Staubentwicklung zu rechnen. Somit ist diese Arbeitsweise nicht als belasteter Bereich anzusehen und sind weitergehende Maßnahmen somit nicht notwendig.
(3) Beim Wechsel des Katalysators durch Stochern von unten ist mit starker Staubentwicklung zu rechnen. Dabei sind folgende Schutzmaßnahmen erforderlich:
1. Einhausung des Arbeitsbereichs
2. für Arbeiten außerhalb der Einhausung mit gebrauchtem Katalysator
- Einwegoverall
- Filtermaske mit P3-Filter
3. für Arbeiten innerhalb der Einhausung
- Betreten der Einhausung über eine Schleuse
- Kleiderwechsel (Schwarz-Weiß System)
- Vollschutzanzug mit Isoliergerät
9.1.3.2 Fließbettkatalysatoren
(1) Beim Wechsel des Katalysators kann durch Absaugen im geschlossenen System gearbeitet werden.
(2) Wo dies nicht möglich ist, sind Maßnahmen gemäß Nummer 9.1.3.1 Abs. 3 erforderlich.
9.1.3.3 Destillationsrückstände
Die flüssigen Destillationsrückstände enthalten ebenfalls erhöhte PHDD/PHDF-Konzentrationen. Soweit es sich um geschlossene Systeme handelt, ist der Normal-Betrieb nicht als belasteter Bereich einzustufen. Bei Wartungs- und Reparaturarbeiten, bei denen eine PHDD/PHDF-Exposition nicht auszuschließen ist, wird mit Einwegoverall und Filtermasken mit Filter P3 gearbeitet.
9.2 Abfälle
(1) Bei Einsatz von Abfällen im relevanten Umfang unterliegen diese Anlagen der 17. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz -17. B1mSchV [9], hier können die Voraussetzungen zur verstärkten Bildung von PHDD/PHDF vorliegen und in bestimmten Bereichen auch belastete Arbeitsbereiche vorliegen.
(2) Werden diese Anlagen nach dem Stand der Technik betrieben, sind belastete Bereiche lediglich innerhalb geschlossener Systeme vorzufinden. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Filterstaubverladungen im geschlossenen System durchgeführt werden, sowie der Umgang mit PHDD/PHDF-Adsorbentien im geschlossenen System erfolgt.
(3) Bei Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten in belasteten Bereichen sind diese soweit wie möglich abkühlen zu lassen, damit eine Freisetzung gasförmiger und partikelförmiger PHDD/PHDF vermieden wird. Beim Befahren dieser Anlagenteile sind Kesselanzug mit Kapuze, Helm, Handschuhe sowie Vollmaske mit Filter P3 oder Preßluftatmer erforderlich.
(4) Nach Reinigung der belasteten Bereiche kann ein abgestufter Körperschutz eingesetzt werden, bei Schneid- und Brennarbeiten wird jedoch auf Nummer 9.8 hingewiesen.
9.3 Kabelverschwelanlagen
Bei Kabelverschwelanlagen ist mit einem hohen PHDD/PHDF-Bildungspotential zu rechnen. Aufgrund der Stillegung dieser Anlagetypen kann jedoch eine Bewertung und Formulierung von Schutzmaßnahmen nicht durchgeführt werden.
9.4 Kokereien
(1) Bei Arbeitsbereichen in der Nähe von Koksöfen kann ein verfahrensbedingtes Auftreten von PHDD/PHDF nicht ausgeschlossen werden.
(2) Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse ist davon auszugehen, dass die Schutzmaßnahmen gegen organische Pyrolyseprodukte gemäß TRGS 551 [ 10] auch gegen eine erhöhte Belastung der Mitarbeiter gegen PHDD/PHDF schützen.
9.5 Brandversuchsanlagen
(1) In der Materialprüfung werden zur Feststellung der Brandbeständigkeit von Bauteilen gemäß DIN 4102 Brandversuche auch über längere Zeiträume durchgeführt. Insbesondere dann, wenn halogenhaltige Bauteile in Schwelbrand geraten, ist mit dem Auftreten belasteter Bereiche gemäß Nummer 2.4 zu rechnen.
(2) Die Versuche mit halogenhaltigen Bauteilen sind deshalb, soweit es die Geometrie der zu prüfenden Bauteile gestattet, im geschlossenen System zu führen. Falls dies nicht möglich ist, so ist durch örtliche Absaugung mit Anpassung an die Geometrie des zu prüfenden Bauteils ein Austritt von Rauchgas in den Arbeitsraum zu verhindern.
(3) Vor Beginn der Demontage halogenhaltiger Bauteile ist die Versuchsapparatur abkühlen zu lassen und mit einer lokal wirksamen Absaugung zu umgeben.
(4) Die Absaugung muss während der gesamten Demontage laufen und gewährleisten, dass keine PHDD/PHDF belasteten Stäube in den übrigen Arbeitsbereich gelangen.
(5) Der erforderliche Körperschutz während der Demontage besteht aus Atemschutzmasken P 3, Schutzhandschuhe und Einweg-Overalls, die beim Verlassen des potentiell belasteten Bereichs abzulegen sind.
9.6 Anlagen der Metallerzeugung und des Metallgusses
(1) Bei der Gewinnung von Rohmetallen aus Erzen durch thermische Prozesse und bei unmittelbar nachgeschalteten Gießereien für Metallteile ist davon auszugehen, dass keine belasteten Bereiche im Sinne von Nummer 2.4 auftreten.
(2) Bei thermischen Verfahren der Metallerzeugung unter Verwendung von Sekundärrohstoffen (insbesondere wenn diese mit organischen Anhaftungen kontaminiert sind) treten PHDD/PHDF überwiegend an Staub gebunden auf.
(3) Belastete Bereiche im Sinne von Nummer 2.4 können dort vorliegen, wo der Staub offen gehandhabt wird, oder wo Arbeitnehmer Wartungsarbeiten an im Normalbetrieb geschlossenen Staubabscheidesystemen durchführen müssen (z. B. bei Filterreparaturen, Kanalreinigungen).
(4) Für die Ermittlung und Gefährdungsabschätzung gilt Nummer 3.
(5) In Bleihütten, bei Bleiumschmelzanlagen und Batteriefabriken, in Kupfer-, Zink- und Zinnhütten und in Verzinkereien wird unterstellt, dass außerhalb geschlossener Anlagenteile keine die Mitarbeiter belastende Bereiche im Sinne von Nummer 2.4 auftreten.
9.7 Feuerbestattungsanlagen
(1) Bei Feuerbestattungsanlagen kann die Bildung belasteter Bereiche nicht ausgeschlossen werden.
(2) Für Arbeiten an und in Gaskanälen und im Abgassystem gilt Nummer 9.2
(3) Beim Umgang mit Asche ist Staubfreisetzung und Hautkontakt zu vermeiden, z. B. durch Arbeiten mit Handschuhkästen im geschlossenen System.
9.8 Brennschneiden von beschichteten Metallen
(1) Als belastet gelten alle Arbeitsbereiche, in denen Brennschneidarbeiten an mit organischem Material beschichteten oder verunreinigten Metallen durchgeführt werden. Diese Arbeiten kommen typischerweise auf Schrottplätzen und bei Abbrucharbeiten vor.
(2) Als nicht belastet gelten Brennschneidarbeiten an nicht beschichteten oder verunreinigten Werkstücken unter Verwendung von normgerechten Arbeitsgasen.
(3) Vorrangig sind Teile mechanisch zu trennen.
(4) Bei der Auswahl der persönlichen Schutzausrüstung ist generell vom Vorliegen heißer Quellen i. S. von Nummer 5.3 Abs. 3 auszugehen. In Bereichen mit unzureichender Lüftung sind von der Umgebungsatmosphäre unabhängige Atemschutzgeräte (Isoliergeräte) erforderlich.
(5) Wegen der hohen Belastung der Umgebungsluft mit verschiedenen Gefahrstoffen ist bei Verwendung von Filtergeräten in der Betriebsanweisung eine Festlegung bezüglich Einsatzzeit der Filter unter Berücksichtigung der Herstellerangaben für diesen Fall zu treffen.
[1] Gefahrstoffverordnung - GefStoffV vom 26.10.93 - BGBl. ? S. 1782 ff. - in der aktuellen Fassung
[2] Chemikalien-Verbotsverordnung - ChemVerbotsV vom 19.07.1996 - BGBl» 1 S. 1151 - in der aktuellen Fassung
[3] TRGS 901 Teil 11 lfd. Nr. 81 Erläuterungen zu polybromierten Dibenzo-Dioxinen und Dibenzo-Furanen BArbBl. Heft 5/1998 S. 64 ff.
[4] TRGS 901 Teil 11 lfd. Nr. 42 TRK-Wert für chlorierte Dibenzo-Dioxine und -Furane BArbBl. Heft 4/1997 S. 42, MAK-Werte Liste, BIA-Arbeitsmappe
[5] Anhang 1 und 3 zu TRGS 402 BArbBl. Heft 11/97 S. 27
[6] Jugendarbeitsschutzgesetz vom 12.04.1976 - BGBl. 1 S. 965 -
[7] Mutterschutzrichtlinienverordnung vom 15.04.1997 - BGBl. 1 S. 782-
[8] Regeln für den Einsatz von Atemschutzgeräten (BGR 190 bisher ZH 1/701; GUV 20.14)
[9] Verordnung über Verbrennungsanlagen für Abfälle und ähnliche brennbare Stoffe - 17. B1mSchV - vom 23.11.1990 - BGBl. 1 S. 2545 ff. -
[10] TRGS 55 1, BArbBl. Heft 4/1993 S. 47
[11] Leitlinie zur Brandschadensanierung des Verbandes der Sachversicherer
[12] Hier wird auf folgende Regeln hingewiesen:
Regeln für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit - kontaminierte Bereiche ( BGR 128, bisher ZH1/1 83)
TRGS 518 - Elektroisolierflüssigkeiten, die mit PCDD/PCDF verunreinigt sind - April 1994 BArbBl. Heft 4/1996 S. 39 ff. TRGS 524 - Sanierung und Arbeiten in kontaminierten Bereich März 1998 BArbBl. Heft 3/1998 S. 60
[13] TRGS 500 "Schutzmaßnahmen: Mindeststandards" BArbBl. Heft 3/1998S.57
[14] TRGS 400 "Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz: Anforderungen", BArbBl. Heft 3/ 1999S.62
Anhang 1: Tabelle Toxizitätsäquivalente gemäß Nummer 2.2
Anhang 2: Stoffbezogene Grenzwerte für PHDD/PHDF beim Inverkehrbringen gemäß ChemVerbotsV Anhang Abschnitt 4: Dioxine und Furane
Anhang 3: Anzeige gemäß § 37 GefStoffV über die Herstellung/Verwendung eines 2,3,7,8-TCDD-haltiegen Gefahrstoffes
Toxizitätsäquivalente gemäß Nummer 2.2
PCDE)/PCDF 1-TEF 1988
2,3, 7,8-Tetra-CDD 1,0
1,2,3,7,8-Penta-CDD 0,5
1,2,3,4,7,8-Hexa-CDD 0,1
1,2,3,6,7,8-Hexa-CDD 0,1
1,2,3,7,8,9-Hexa-CDD 0,1
1,2,3,4,6,7,8-Hepta-CDD 0,01
1,2,3,4,6,7,8,9-Octa-CDD 0,001
2,3,7,8-Tetra-CDF 0,1
1,2,3,7,8-Penta-CDF 0,05
2,3,4,7,8-Penta-CDF 0,5
1,2,3,4,7,8-Hexa-CDF 0,1
1,2,3,6,7,8-Hexa-CDF 0,1
1,2,3,7,8,9-Hexa-CDF 0,1
2,3,4,6,7,8-Hexa-CDF 0,1
1,2,3,4,6,7,8-Hepta-CDF 0,01
1,2,3,4,7,8,9-Hepta-CDF 0,01
1,2,3,4,6,7,8,9-Octa-CDF 0,001
I-TEF nach NATO/CCMS:internationales System (1988)
Fundstelle in [3.]
Stoffbezogene Grenzwerte für PHDD/PHDF beim Inverkehrbringen
gemäß ChemVerbotsV Anhang Abschnitt 4: Dioxine und Furane
1 . a) 2,3,7,8-Tetrachlor-dibenzo-p-dioxin
b) 1,2,3,7,8-Pentachlor-dibenzo-p-dioxin
c) 2,3,7,8-Tetrachlor-dibenzofuran
d) 2,3,4,7,8-Pentachlor-dibenzofuran
2. a) 1,2,3,4,7,8-Hexachlor-dibenzo-p-dioxin
b) 1,2,3,7,8,9-Hexachlor-dibenzo-p-dioxin
c) 1,2,3,6,7,8-Hexachlor-dibenzo-p-dioxin
d) 1,2,3,7,8-Pentachlor-dibenzofuran
e) 1,2,3,4,7,8-Hexachlor-dibenzofuran
f) 1,2,3,7,8,9-Hexachlor-dibenzofuran
g) 1,2,3,6,7,8-Hexachlor-dibenzofuran
h) 2,3,4,6,7,8-Hexachlor-dibenzofuran
3. a) 1,2,3,4,6,7,8-Heptachlor-dibenzo-p-dioxin
b) 1,2,3,4,6,7,8,9-Octachlor-dibenzo-p-dioxin
c) 1,2,3,4,6,7,8-Heptachlor-dibenzofuran
d) 1,2,3,4,7,8,9-Heptachlor-dibenzofuran
e) 1,2,3,4,6,7,8,9-Octachlor-dibenzofuran
4. a) 2,3,7,8-Tetrabrom-dibenzo-p-dioxin
b) 1,2,3,7,8-Pentabrom-dibenzo-p-dioxin
c) 2,3,7,8-Tetrabrom-dibenzofuran
d) 2,3,4,7,8-Pentabrom-dibenzofuran
5. a) 1,2,3,4,7,8-Hexabrom-dibenzo-p-dioxin
b) 1,2,3,7,8,9-Hexabrom-dibenzo-p-dioxin
c) 1,2,3,6,7,8-Hexabrom-dibenzo-p-dioxin
d) 1,2,3,7,8-Pentabrom-dibenzo-p-dioxin
Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse dürfen nicht in Verkehr gebracht werden, wenn die Summe der Gehalte
1. der in Nummer 1 genannten chemischen Verbindungen den Wert von 1 µg/kg
2. der in Nummer 1 und 2 genannten chemischen Verbindungen den Wert von 5 µg/kg
3. der in Nummer 1, 2 und 3 genannten chemischen Verbindungen den Wert von 100 µg/kg
4. der in Nummer 4 genannten chemischen Verbindungen den Wert von 1 µg/kg oder
5. der in Nummer 4 und 5 genannten chemischen Verbindungen den Wert von 5 µg /kg
überschreitet. Die in Satz 1 Nr. 2, 3 und 5 genannten Grenzwerte gelten nur dann als eingehalten, wenn auch der in den jeweils vorhergehenden Nummern festgesetzte Grenzwert für die dort genannten Kongenerengruppen nicht überschritten wird.
Anzeige gemäß § 37 GefStoffV über die Herstellung/Verwendung eines 2,3,7,8-TCDD-haltigen Gefahrstoffes___________________________________________________________________
1. Arbeitsstätte: ......................................................................................
2. Verfahrensbeschreibung
(ggf. in der Anlage näher ausführen) .....................................................
3. Gefahrstoff, der belastet ist ................................................................
a) an 2,3,7,8 TCDD ................................................................................
b) an PHDD/PHDF .................................................................................
(ggf. in der Anlage näher ausführen) ......................................................
(Art des Umgangs/der Tätigkeit)
5. Anzahl der Arbeitnehmer
Dauerarbeitsplätze .................................................................................
Wartung/Instandhaltung .........................................................................
Sanierung/Schadensbeseitigung ............................................................
getroffene Schutzmaßnahmen ................................................................
Art und Qualität der verwendeten
Schutzausrüstung ....................................................................................
6. Art und Ergebnis der Expositions-
ermittlung .................................................................................................
(ggf. in der Anlage näher ausführen)
7. Verantwortliche Person .......................................................................
Anzeige ist Erstanzeige Wiederholungsanzeige
Kopie an Betriebsrat Berufsgenossenschaft
B. Änderungen und Ergänzungen der TRGS 420, 512, 611 und 613
Die TRGS 420 "Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz: Verfahrens- und stoffspezifische Kriterien (VSK) für die betriebliche Arbeitsbereichsüberwachung" Ausgabe September 1999 (BArbBl. Heft 9/1999 S. 53-58), zuletzt geändert BarbBl. Heft 2/2000 S. 79 wird wie folgt geändert und ergänzt:
1. In Nummer 4.1 wird ein neuer Absatz 6 anfügt:
(6) VSK sind regelmäßig auf Aktualität zu überprüfen und an den Stand der Technik anzupassen.
2. Nummer 4.2 wird wie folgt neugefasst:
4.2 Gestaltung verfahrens- und stoffspezifischer Kriterien für die betriebliche Arbeitsbereichsüberwachung
4.2.1 Anwendungsbereich
(1) VSK sollen alle zu ihrer Anwendung notwendigen Informationen enthalten. Sie sollen nach Möglichkeit auf eine breite Anwendbarkeit abgestellt und für den Anwender verständlich und praktikabel sein. Aus der Beschreibung des Anwendungsbereiches muss hervorgehen, für welche Verfahren und Stoffe, für welche Grenzwerte (Luftgrenzwerte, BAT-Werte), für welche Belastungssituationen und unter welchen betrieblichen Bedingungen die VSK anwendbar sind. Hierbei muss eine klare Abgrenzung zu Verfahren und Stoffen erkennbar sein, die nicht unter die VSK fallen. In VSK mit Überschreitung des Grenzwertes wird eingehend begründet, warum zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung nach dem derzeitigen Stand der Technik die Einhaltung des Grenzwertes nicht möglich ist.
4.2.2 Verfahrensspezifische Bedingungen
Im Text müssen die Verfahren, für die die VSK anwendbar sind, ausreichend genau beschrieben und die Bedingungen festgelegt werden. Insbesondere sind die technischen Schutzmaßnahmen, wie Maßnahmen gegen Emissionen, Absaugungen und ihre Erfassungseinrichtungen sowie Lüftungseinrichtungen und ihre Luftführung detailliert zu beschreiben.
4.2.3 Stoffspezifische Bedingungen
In VSK muss eindeutig festgelegt sein, für welche Stoffe, Stoffgruppen, Zubereitungen oder Erzeugnisse sowie für welche Einsatzmengen sie gelten sollen. Insbesondere ist eine genaue Abgrenzung zu Stoffen, auf die die VSK nicht anwendbar sind, z.B. mittels Grenzwerten, Gefährdungszahl oder ähnlicher Parameter, vorzunehmen.
4.2.4 Überprüfung
Bei der Anwendung von VSK ist es notwendig, dass die festgelegten verfahrenstechnischen und stoffspezifischen Bedingungen eingehalten und beachtet werden. Die Gültigkeit des Befundes muss deshalb durch regelmäßige Überprüfung nachgewiesen werden. Dies gilt insbesondere bei Verfahrensänderungen und hinsichtlich der technischen Schutzeinrichtungen, deren Funktion Voraussetzung für die Anwendung der VSK ist. Insbesondere sind die Intervalle der Funktionsprüfung der Schutzeinrichtungen festzulegen. Auch sind Hinweise über die Art der Prüfung erforderlich.
4.2.5 Anwendungshinweise
(1) VSK müssen Anwendungshinweise für den Arbeitgeber enthalten.
Dazu zählt, dass, der Arbeitgeber bei Anwendung der Kriterien
 jährlich überprüfen muss, ob die Kriterien noch gültig sind
 jährlich überprüfen muss, ob in seinen Arbeitsbereichen unverändert die betrieblichen Voraussetzungen zur Anwendung der Kriterien gegeben sind
 seine betrieblichen Ermittlungsergebnisse dokumentieren muss.
(2) VSK sollen außerdem Hinweise auf die weiterbestehenden Arbeitgeberpflichten gemäß GefStoffV enthalten.
3. In Nummer 5 wird
a) die Überschrift wie folgt neugefasst:
"5 Aufnahme verfahrens- und stoffspezifischer Kriterien (VSK) in die TRGS 420 ."
b) Absatz 1 wie folgt neugefasst:
"(1) Vorschläge für die Aufnahme von VSK in Anhang 1 der TRGS 420 sind an die Geschäftsführung des AGS zu richten:
Postfach 17 02 02
Vorschläge sollten bereits vor Beginn von Untersuchungsprogrammen mit dem Unterausschuss IV des AGS abgestimmt werden. Für weitere VSK für die Arbeitsbereichsüberwachung siehe Anhang 2."
4. Anhang 2 zur TRGS 420 wird wie folgt neu gefasst:
"Anhang 2 zur TRGS 420
Weitere verfahrens- und stoffspezifische Kriterien für die Arbeitsbereichsüberwachung
Arbeitsbereich Quelle Nr.
Ausgabe Befund
dhs Einh.
GW Einh.
GW Über-
Beschichten von Industriefußböden und anderen C-roßen Flächen in Innenräumen mit Methylmethacrylat (MMA)-Harzen LASI/ALMA-
Empfehlungen LV 19 x
Isolierung im Hochbau und technische Isolierung mit Mineralwolle-
Dämmstoffen BG/BIA- Empfehlungen 1012 X/93 zurückgezogen
?? ? ? /00
Vorstriche und Klebstoffe für Bodenbeläge BG/BIA- Empfehlungen 1013
IV/98 x x x
Oberflächenbehandlung von Parkett und anderen Holzfußböden BG/BIA- Empfehlungen 1014
?? ? ? /96 x x x
Einsatz von dichlormethanhaltigen Abbeizern BG/BIA- Empfehlungen 1015
X/96 x
Weichlöten mit dem Lötkolben an elektrischen und elektronischen Baugruppen oder deren Einzelkomponenten (Kolbenlöten) BG/BIA- Empfehlungen 1021 IV/98 x
Textilglasweberei BG/BIA- Empfehlungen 1020 XI/97 x
Ethylenoxidsterilisation im medizinischen Bereich BG/BIA- Empfehlungen 1011
?? ? ? /96 x
Anästhesiearbeitsplätze: OP-Säle BG/BIA- Empfehlungen 1017
?? ? ? /00 x
Anästhesiearbeitsplätze: Aufwachräume BG/BIA- Empfehlungen 1018 X/96 x
Illustrationstiefdruck BG/BIA- Empfehlungen 1022
X/98 x x
Einsatz von
Bis-(N-Cyclohexyldiazeniumdioxy)-Kupfer (CuHDO) haltigen Holzschutzmitteln BG/BIA- Empfehlungen 1023 X/98 x
Abgasuntersuchung (AU) in Prüfstellen BG/BIA- Empfehlungen 1024
X/98 x
Mehlstaub in Backbetrieben BG/BIA- Empfehlungen 1025
?? ? ? /99 x
Einsatz von Bautenlacken BG/BIA- Empfehlungen 1026
X/99 x
Heißverarbeiten von Bitumenbahnen BG/BIA- Empfehlungen 1027 X/99 x
Exposition gegenüber Dämpfen und Aerosolen aus Bitumen bei der Herstellung von Bitumendach- und Dichtungsbahnen BG/BIA- Empfehlungen 1028
Herstellung und Transport von Asphalt BG/BIA-
Empfehlungen 1029
? ? ? /00 x
Herstellung und Transport von Bitumen BG/BIA- Empfehlungen 1031 X/00 x
Verarbeiten von Walzasphalt im Straßenbau BG/BIA- Empfehlungen 1033
InstandhaltLin,-slarbeiten an Personenkraftwagen in Werkstätten BG/BIA- Empfehlungen 1035
?? ? ? /00 x x
"LASI/ALMA-Empfehlungen für verfahrens- und stoffspezifische Kriterien für die Arbeitsbereichsüberwachung" werden vom Arbeitskreis der Ländermessstellen für den Chemischen Arbeitsschutz (ALMA) erarbeitet und vom Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LAS1) verabschiedet und veröffentlicht. Diese können angefordert werden beim Vorsitzenden des LASI-Unterausschusses 2 "Gefahrstoffe" Gerd Albracht Hessisches Ministerium für Frauen, Arbeit und Sozialordnung Dostojewskistraße 4, 65187 Wiesbaden Tel.: (06 11) 8 17-33 16/33 48 Fax: (06 11) 8 90 84 -30 e-mail: arbeitsschutz@hsm.hessen.de
Die gewerblichen Berufsgenossenschaften (BG) und der Bundesverband der Unfallkassen (BUK) geben gemeinsam mit dem Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitssicherheit (BIA) "BG/BIA-Empfehlungen zur Überwachung von Arbeitsbereichen" heraus. BG/BIA-Empfehlungen enthalten VSK, die sich auf Fälle mit dauerhaft sicherer Einhaltung, Einhaltung sowie auch Überschreitung von Grenzwerten beziehen.
BG/BIA-Empfehlungen sind veröffentlicht in der BIA-Arbeitsmappe "Messung von Gefahrstoffen".
Ergänzbare Sammlung von Arbeitshilfen für die Durchführung von Arbeitsbereichsanalysen und Expositionsmessungen, für die Betriebsdatenerfassung, die Berichterstattung und Dokumentation
Erich Schmid Verlag, Bielefeld
sowie nach Bedarf in den Mitteilungsblättem der Berufsgenossenschaften. Die Aufnahme von BG/BIA-Empfehlungen in das Internet sowie in die Sammlung der BG-Informationen (BGI) ist in Vorbereitung,
Anfragen zu BG/BIA-Empfehlungen sind zu richten an:
Berufsgenossenschaftliches Institut für Arbeitssicherheit - BIA Alte Heerstraße 111 53757 Sankt Augustin Tel.: 0 22 41-2 31 02 Fax: 0 22 41-2 31 22 34 e-mail: bia@hvbg.de
Die TRGS 512 "Begasungen" Ausgabe Juni 1996 (BArbBl. Heft 6/1996 S. 40-52) zuletzt geändert BArbBl. Heft 2/2000 S. 79 wird wie folgt geändert und ergänzt:
1. Nummer 7 Abs. 15 Nr. 2 wird wie folgt gefasst:
2. "die Telefonnummer der zuständigen Rettungsleitstelle (oder Notarzt) und das Verzeichnis über die Informations- und Behandlungszentren für Vergiftungen (Giftzentralen) bereitliegt.
2. Nummer 8.5 Abs. 2 wird um folgenden Spiegelstrich ergänzt:
- im Notfall Rettungsleitstelle Tel .***** anrufen
3. In Nummer 9.5 Abs. 6 Nr. 5 wird der Klammerausdruck wie folgt gefasst:
"(nach MFAG: "Medical First Aid Guide (for Ships»"
4. Nummer 9.5 Abs. 7 wird wie folgt neugefasst:
(7) Der sachkundige Offizier hat die Besatzung und sonstige an Bord befindliche Personen ausreichend zu informieren, bevor eine Begasung durchgeführt wird und hat dem Begasungsleiter dieses sowie das Vorhandensein der unter Absatz 6 aufgeführten Ausrüstungsgegenstände und der Arzneimittelausrüstung nach dem MFAG zu bestätigen.
5. In Anlage 2 zur TRGS wird die Zeile "Begasungsmittel" im Anzeigevordruck wie folgt ergänzt:
Begasungsmittel:______________________________________________
(Art und Menge)
Die TRGS 611 "Verwendungsbeschränkungen für wassermischbare bzw. wassergemischte Kühlschmierstoffe, bei deren Einsatz N-Nitrosamine auftreten können" Ausgabe April 1997 (BArbBl. Heft 4/1997 S. 53-37) zuletzt geändert BArbBl. Heft 7-8/1997 S. 74 wird wie folgt geändert und ergänzt:
1. In Nummer 3.2 Absatz 2 wird folgender Satz angefügt:
Hinsichtlich des Einsatzes des Biozids Bismorpholinomethan ("BMM",4,4'-Methylen-bis-morpholin) in wassermischbaren bzw. wassergemischten Kühlschmierstoffen siehe Anhang 2.
2. Nach dem Literaturverzeichnis wird angefügt:
Anhang 1: Untersuchungsmethoden für die Überwachung des Einsatzes wassergemischter Kühlschmierstoffe
Anhang 2: Konformität des Biozids Bismorpholinoniethan ("BMM", 4,4'-Methylen-bis-morpholin)
3. Der bisherige Anhang der TRGS wird zu Anhang 1 der TRGS
4. Es wird folgender Anhang 2 der TRGS angefügt:
Anhang 2 zur TRGS 611
Konformität des Biozids Bismorpholinomethan ("BMM", 4,4'Methylen-bis-morpholin)
Bismorpholinomethan ("BMM", 4,4'-Methylen-bis-morpholin) ist ein in wassermischbaren bzw. wassergemischten Kühlschmierstoffen (KSS) eingesetztes Biozid, das aus Morpholin und Formaldehyd hergestellt wird. In Deutschland wird es nicht mehr sehr häufig eingesetzt, während seine Verbreitung in westlichen und südlichen EU-Nachbar]ändern deutlich zugenommen haben soll.
Ein Risiko der Bildung von N-Nitroso-morpholin (NMOR) in BMMhaltigen wassergemischten KSS (Gebrauchtemulsionen und Gebrauchtlösungen) ist grundsätzlich denkbar aufgrund unumgesetzten Morpholins (sekundäres Amin) im ausgelieferten Biozid-Produkt oder der Bildung von Morpholinspuren im Zuge des hydrolytischen Zerfalls bzw. des antimikrobiellen Wirkungsmechanismus von BMM. N-Nitroso-morpholin (NMOR) ist als krebserzeugend Kategorie 2 (gemäß GefStoff'V/RL 67/548/EWG) eingestuft.
Das Institut für Lebensmittelchemie und Umwelttoxikologie der Universität Kaiserslautern (Direktor: Prof. Dr. G. Eisenbrand) hatte in Proben gebrauchter wassergemischter KSS erhöhte NMOR-Werte gefunden, die teilweise deutlich über dem Grenzwert von 1 ppm NMOR (gemäß § 35 Abs. 3 GefStoffV) lagen.
Der Unterausschuss IV (UA IV) des Ausschusses für Gefahrstoffe (AGS) hatte daraufhin den für die TRGS 611 zuständigen Arbeitskreis Kühlschmierstoffe im AGS (AK KSS) gebeten zu prüfen, ob das Biozid Bismorpholinomethan (BMM) den Vorschriften der TRGS 611 entspricht, d.h. in diesem Falle, ob ein signifikantes Risiko der Bildung von N-Nitroso-morpholin (NMOR) in wassergemischten KSS bzw. in der Luft im Arbeitsbereich ausgeschlossen werden kann.
Der AK KSS hat mit Unterstützung des Berufsgenossenschaftlichen Instituts für Arbeitssicherheit (BIA), der betroffenen Biozidhersteller und eines KSS-Herstellers entsprechende NMOR-Untersuchungen veranlasst. Insgesamt wurden 24 BMM-haltige Gebrauchtemulsions- bzw. Gebrauchtlösungsproben und 11 entsprechende Luftproben untersucht.
In allen Emulsions- bzw. Lösungsproben wurde NMOR gefunden. Die NMOR-Konzentrationen in den untersuchten Gebrauchtemulsions bzw. Gebrauchtlösungsproben lagen jedoch, von einer Ausnahme (2,1 ppm) abgesehen, unter dem Grenzwert von 1 ppm (gemäß § 35 Abs. 3 GefStoffV). Die im Rahmen der AK KSS-Untersuchungen bestimmten NMOR-Werte sind damit erheblich niedriger als die von der Universität Kaiserslautern gemessenen NMOR-Werte.
Grenzwertüberschreitungen gab es jedoch in der Luft im Arbeitsbereich. Dem AK KSS standen insgesamt nur 11 Messergebnisse zur Verfügung, bei denen in 7 Fällen die Technische Richtkonzentration (TRK) für NMOR von 1 µg/m3 überschritten wurde (höchster Wert: 3,07 µg/m3 NMOR).
Es konnte nicht geklärt werden, ob der Einsatz von BMM in allen Fällen für diese Grenzwertüberschreitungen verantwortlich war, oder ob auch andere Einflüsse und Morpholinverunreinigungen (z.B. aus morpholinhaltigen Dampfphasen-Korrosionsinhibitoren) eine Rolle gespielt haben. Bei der relativ geringen Anzahl von NMOR-Messwerten in der Luft im Arbeitsbereich ist dieses Ergebnis nicht unbedingt repräsentativ; zusätzliche Messungen sind zur Absicherung der Ergebnisse erforderlich.
Dennoch muss davon ausgegangen werden, dass, solange keine anderslautenden Ergebnisse vorliegen, ein Risiko der Überschreitung des NMOR-Grenzwertes in der Luft im Arbeitsbereich beim Einsatz von M in wassergemischten KSS nicht ausgeschlossen werden kann, BMM kann daher vorerst nicht mehr als sekundäraminfreie KSS-Komponente im Sinne der Nummer 3.2 der TRGS 611 angesehen werden, da offenbar die zur Zeit vorhandenen Morpholinmengen ausreichen, um in einigen Fällen NMOR-Grenzwertüberschreitungen zu verursachen.
Vorsorglich darf daher BMM nicht mehr nach den Basisregeln der TRGS 611 (gemäß Nummer 3.2 und 4, d.h. normales Überwachungsprogramm) eingesetzt werden.
BMM kann jedoch nach der Sonderklausel gemäß Nummer 3.4 der TRGS 611 unter verschärften Bedingungen eingesetzt werden, d.h., BMM wird als verkapptes sekundäres Amin angesehen. Die besonderen Bedingungen der Nummer 3A erfordern die Anwesenheit eines geeigneten Inhibitors der N-Nitrosamin-Bildung und eine strikte Überwachung des wassergemischten KSS in Bezug auf die N-Nitrosamin-Bildung. Im Falle des Einsatzes von BMM muss sowohl die NMORKonzentration in der Gebrauchtemulsion bzw. -lösung als auch in der Luft im Arbeitsbereich regelmäßig gemessen werden.
Beim Einsatz von BMM in wassermischbaren bzw. wassergemischten KSS müssen die oben beschriebenen besonderen Bedingungen, insbesondere die Verpflichtung zur regelmäßigen. Messung von NMOR in der Gebrauchtemulsion bzw. -lösung und in der Luft im Arbeitsbereich, im Sicherheitsdatenblatt des BMM enthaltenden wassermischbaren KSS und im Sicherheitsdatenblatt des Biozids (für den Fall der direkten Zugabe von BMM zum wassergemischten KSS) ausdrücklich erwähnt werden.
Die TRGS 613 "Ersatzstoffe, Ersatzverfahren und Verwendungsbeschränkungen für chromathaltige Zemente und chromathaltige zementhaltige Zubereitungen" Ausgabe Juli 1999 (BArbBl. Heft 7-8/1999 S. 45-47) wird wie folgt geändert und ergänzt:
Die Anlage zur TRGS wird wie folgt ergänzt:
An die Überschrift "Analysenverfahren zur Bestimmung des wasserlöslichen Chromates in Zementen und zementhaltigen Produkten" wird die Fußnote *) angefügt:
*) Bei chromatarmen Zementen ist das Reduktionsmittel häufig nicht homogen im Sack verteilt. Zur Bestimmung des Chromatgehaltes sind an drei unterschiedlichen Stellen des Sacks gleichgroße Proben zu entnehmen. Diese Proben sind intensiv zu mischen. Anschließend kann aus der Mischprobe der Chromatgehalt bestimmt werden.
Übernahme von Luftgrenzwerten in die TRGS 900
Bek. des BMA vom 10. Juli 2000 - III c 1-35125-5
Im Juli 2000 wurde die neue MAK-Werte-Liste 2000 der DFG-Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe veröffentlicht (Verlag WILEY-VCH, Weinheim).
Der AGS sieht die Übernahme dieser Vorschläge in die TRGS 900 "Luftgrenzwerte" vor.
Stoffname [CAS-Nr] mg/m3 Überschreitungsfaktor
Diisopropylether [108-20-3] 850 =1=
N,N-Dimethylethylamin [598-56-1] 6,1 =1=
Formaldehyd [50-00-0] 0,37 =1=
Methylcyclohexan [108-87-2] 810 4
Tetrachlormethan [56-23-5] 3,2 4
Zinkoxid-Rauch [1314-13-2] 1 A
Vorgesehene Neuaufnahmen:
Stoffname [CAS-Nr.] mg/m3 Überschreitungsfaktor
2-Ethylhexanol [104-76-7] 270 =1=
Methyl-tert-butylether [ 1634-04-4] 180 =1=
Tri-n-butylphosphat [126-73-8] 11 4
Sollte der Stand der Technik gemäß § 3 Abs. 9 der Gefahrstoffverordnung die Einhaltung der vorgesehenen neuen Luftgrenzwerte nicht ermöglichen, ist dies für die Änderungen bis 31.1.2001, für die Neuaufnahmen bis 31.7.2001 dem Ausschuss für Gefahrstoffe (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Postfach 170202, 44061 Dortmund) begründet darzulegen.
Die erforderlichen Arbeitsplatzdaten sollten entsprechend einer Veröffentlichung von ALKER, M., GIELEN, H.-G., SONNENSCHEIN, G. und PFLAUMBAUM, W.: Aufbereitung von Arbeitsplatzdaten, Bundesarbeitsblatt (2000) Nr. 1, S. 14-16 oder http://www.hvbg.de/d/bia/ fac/luft/luftg.htm aufbereitet werden, eine frühzeitige Ankündigung der Vorlage von Arbeitsplatzdaten ist für den AGS hilfreich.