Source: https://forumnachhaltigeimmobilien.com/2020/02/11/forderung-fur-energieeffizientes-bauen-und-sanieren-teil-3-3-zur-steuerlichen-absetzbarkeit-energetischer-gebaudesanierungen/
Timestamp: 2020-02-29 00:03:36
Document Index: 18046274

Matched Legal Cases: ['§ 35', '§ 10', '§ 35', '§ 21', '§ 21', 'BGH']

Förderung für energieeffizientes Bauen und Sanieren – Teil 3/3: Zur steuerlichen Absetzbarkeit energetischer Gebäudesanierungen – Forum Nachhaltige Immobilien
Fortsetzung von Teil 2/3: Neues zu Zuschüssen, Krediten und Austauschprämien von BAFA / KfW
Die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung ist eine zentrale Maßnahme des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung zum Gebäudesektors.
Zentrale Maßnahme ist die Einführung einer attraktiven, einfachen und technologieoffenen steuerlichen Förderung energetischer Gebäudesanierungsmaßnahmen. Die steuerliche Förderung selbstgenutzten Eigentums soll ab dem Jahr 2020 in Ergänzung zur existierenden Förderkulisse als weitere Säule der Förderung eingeführt werden. Durch einen Abzug von der Steuerschuld wird gewährleistet, dass Gebäudebesitzer aller Einkommensklassen gleichermaßen von der Maßnahme profitieren.
Klimaschutzprogramm 2030, S. 40
Dies hat der Gesetzgeber nun umgesetzt,
mit dem Gesetz zur Umsetzung des Klimaschutzprogramms 2030 im Steuerrecht vom 21. Dezember 2019 (§ 35c EStG NEU) und
mit der Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung vom 02. Januar 2020 (ESanMV).
Auf Antrag des Steuerpflichtigen ermäßigt sich die tarifliche Einkommenssteuer (vermindert um die sonstigen Steuerermäßigungen)
im Kalenderjahr des Abschlusses der energetischen Maßnahme und im nächsten Kalenderjahr um je 7 Prozent der Aufwendungen des Steuerpflichtigen, höchstens jedoch um je 14 000 Euro,
und im übernächsten Kalenderjahr um 6 Prozent der Aufwendungen des Steuerpflichtigen, höchstens jedoch um 12 000 Euro für das begünstigte Objekt.
Zu berücksichtigen sind Aufwendungen
für den fachgerechten Einbau beziehungsweise die fachgerechte Installation,
für die Inbetriebnahme von Anlagen,
für notwendige Umfeldmaßnahmen sowie
die direkt mit der Maßnahme verbundenen Materialkosten.
Zu den Aufwendungen für energetische Maßnahmen gehören auch die Kosten für die Erteilung der erforderlichen Bescheinigung des Fachunternehmers sowie die Kosten für Energieberater, die vom BAFA als fachlich qualifiziert zum Förderprogramm „Energieberatung für Wohngebäude (Vor-Ort-Beratung, individueller Sanierungsfahrplan)“ zugelassen sind (siehe hierzu Teil 2/3), wenn der Energieberater durch den Steuerpflichtigen mit der planerischen Begleitung oder Beaufsichtigung der energetischen Maßnahmen beauftragt worden ist. Die tarifliche Einkommensteuer vermindert sich bezüglich der Energieberatung um 50 Prozent der Aufwendungen für den Energieberater.
Steht das Eigentum am begünstigten Objekt mehreren Personen zu, können die Steuerermäßigungen für das begünstigte Objekt insgesamt nur einmal in Anspruch genommen werden. Die der Steuerermäßigung zugrunde liegenden Aufwendungen können einheitlich und gesondert festgestellt werden.
Der Steuerpflichtige kann die Steuerermäßigung nicht in Anspruch nehmen,
soweit die Aufwendungen als Betriebsausgaben, Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt worden sind oder
wenn für die energetischen Maßnahmen
eine Steuerbegünstigung nach § 10f EStG (Steuerbegünstigung für zu eigenen Wohnzwecken genutzte Baudenkmale und Gebäude in Sanierungsgebieten und städtebaulichen Entwicklungsbereichen)
oder eine Steuerermäßigung nach § 35a EStG (Steuerermäßigung bei Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen) in Anspruch genommen wird oder
es sich um eine öffentlich geförderte Maßnahme handelt, für die zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse in Anspruch genommen werden (siehe auch schon Teil 2/3).
Gefördert werden energetische Maßnahmen an einem begünstigten Objekt.
Energetische Maßnahmen im Sinne der steuerlichen Förderung sind
Wärmedämmung von Wänden (Mindestanforderungen nach Anlage 1 ESanMV),
Wärmedämmung von Dachflächen (Mindestanforderungen nach Anlage 2 ESanMV),
Wärmedämmung von Geschossdecken (Mindestanforderungen nach Anlage 3),
Erneuerung der Fenster oder Außentüren (Mindestanforderungen nach Anlage 4 ESanMV),
Erneuerung oder Einbau einer Lüftungsanlage (Mindestanforderungen nach Anlage 5 ESanMV),
Erneuerung der Heizungsanlage (durch Solarkollektorenanlagen, Biomasseanlagen, Wärmepumpen, Gasbrennwerttechnik Renewable Ready, Hybridanlagen, Brennstoffzellen, Blockheizkraftwerke, Anschluss an Wärmenetz, Mindestanforderungen nach Anlage 6 ESanMV),
Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung (Mindestanforderungen nach Anlage 7 ESanMV) und
Optimierung bestehender Heizungsanlagen, sofern diese älter als zwei Jahre sind (Mindestanforderungen nach Anlage 8 ESanMV).
Begünstigtes Objekt im Sinne der steuerlichen Förderung ist ein in der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum belegenes zu eigenen Wohnzwecken genutztes eigenes Gebäude. Es muss bei der Durchführung der energetischen Maßnahme älter als zehn Jahre sein (maßgebend hierfür ist der Beginn der Herstellung).
Die Förderung kann für mehrere Einzelmaßnahmen an einem begünstigten Objekt in Anspruch genommen werden; je begünstigtes Objekt beträgt der Höchstbetrag der Steuerermäßigung 40 000 Euro.
Die steuerliche Förderung wird entsprechend gewährt
für Gebäudeteile, die selbständige unbewegliche Wirtschaftsgüter sind, und
für Eigentumswohnungen.
Voraussetzung für die Förderung ist, dass die jeweilige energetische Maßnahme von einem Fachunternehmen ausgeführt wurde und die Anforderungen aus der ESanMV erfüllt sind.
Durch Bescheinigung des ausführenden Fachunternehmens muss nachgewiesen werden, dass die Fördervoraussetzungen und die Anforderungen aus der ESanMV dem Grunde und der Höhe nach erfüllt sind.
Was ist ein Fachunternehmen im Sinne der steuerlichen Förderung? Hier sind zwei Fallgruppen zu unterscheiden:
(1) Zunächst ist das jedes Unternehmen, das in den nachfolgend aufgeführten Gewerken tätig ist:
Mauer- und Betonbauarbeiten, Stukkateurarbeiten, Maler- und Lackierungsarbeiten, Zimmer-, Tischler- und Schreinerarbeiten, Wärme-, Kälte- und Schallisolierungsarbeiten, Steinmetz- und Steinbildhauarbeiten, Brunnenbauarbeiten, Dachdeckerarbeiten, Sanitär- und Klempnerarbeiten, Glasarbeiten, Heizungsbau und -installation, Kälteanlagenbau, Elektrotechnik- und -installation, Metallbau.
Hinzukommen muss, dass es sich bei der ausgeführten energetischen Maßnahme um eine Maßnahme handeln muss, die dem Gewerk des Fachunternehmens zugehörig ist.
(2) Außerdem sind auch solche Personen Fachunternehmen, die eine Ausstellungsberechtigung nach § 21 EnEV haben (Ausstellungsberechtigung für Energieausweise), wenn
die energetische Maßnahme durch ein Unternehmen ausgeführt wird, das in einem der vorstehend aufgeführten Gewerke tätig ist,
die Person mit Ausstellungsberechtigung nach § 21 EnEV durch das Unternehmen oder den Steuerpflichtigen mit der planerischen Begleitung oder Beaufsichtigung der energetischen Maßnahme betraut worden ist.
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