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Timestamp: 2018-03-22 19:42:00
Document Index: 189307643

Matched Legal Cases: ['§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 253', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 611', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 11', '§ 37', '§ 613', '§ 613', '§ 242', '§ 611', '§ 611', '§ 563', '§ 138', '§ 78', '§ 37', '§ 37']

HENSCHE Arbeitsrecht: 7 AZR 887/06
Schlag­worte: Aktienoption, Betriebsratsmitglied, Gleichbehandlung, Lohn und Gehalt
Akten­zeichen: 7 AZR 887/06
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Frankfurt, 14.06.2005, Urteil vom 12 Ca 6755/04
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 31.07.2006, 7/2 Sa 1544/05
7/2 Sa 1544/05
Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 31. Ju­li 2006 - 7/2 Sa 1544/05 - auf­ge­ho­ben.
Der Rechts­streit wird zur neu­en Anhörung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten, dem Kläger Op­tio­nen zum Be­zug von Ak­ti­en ih­rer ame­ri­ka­ni­schen Mut­ter­ge­sell­schaft zu ver­schaf­fen.
Die Be­klag­te gehört zum Kon­zern der E Cor­po­ra­ti­on in H, USA (im Fol­gen­den: E). Die E gewähr­te seit dem Jahr 1999 an kon­zern­an­gehöri­ge Mit­ar­bei­ter Ak­ti­en­op­tio­nen nach ih­rem „Dis­cre­tio­na­ry Stock Op­ti­on Pro­gram (DSOP)“. Der Begüns­tig­te erhält da­bei während ei­nes fest­ge­leg­ten Zeit­raums das Recht zum Be­zug von Ak­ti­en der E zu dem in den Be­zugs­be­din­gun­gen ge­nann­ten Preis.
Der Kläger ist auf der Grund­la­ge des An­stel­lungs­ver­trags vom 22. Ju­ni 1999 seit dem 1. Ok­to­ber 1999 bei der Be­klag­ten als Sys­tem­be­ra­ter an­ge­stellt. Er gehört seit dem 22. No­vem­ber 2001 dem für den Be­trieb S ge­bil­de­ten Be­triebs­rat an, zu des­sen Vor­sit­zen­den er später gewählt wur­de. Der Kläger ist seit ei­nem nicht be­kann­ten Zeit­punkt we­gen der Be­triebs­ratstätig­keit von sei­ner be­ruf­li­chen Tätig­keit frei­ge­stellt. Die Par­tei­en schlos­sen am 6. Ju­ni 2003 ei­ne Gleich­stel­lungs­ver­ein­ba­rung, wel­che aus­zugs­wei­se wie folgt lau­tet:
„1) Für die Dau­er der Mit­glied­schaft von Herrn So (zur Zeit Vor­sit­zen­der des Be­triebs­ra­tes S) in ei­nem Be­triebs­rat bei der E Deutsch­land GmbH wird als Ver­gleichs­per­son bezüglich sei­ner wirt­schaft­li­chen und be­ruf­li­chen Gleich­stel­lung gem. § 37 IV und V Be­trVG Herr B (Sys­tem En­gi­neer) be­stimmt.
2) Ent­spre­chend § 37 IV und V Be­trVG wird die Ver­gleichs­per­son so­lan­ge zur wirt­schaft­li­chen und be­ruf­li­chen Gleich­stel­lung her­an­ge­zo­gen, wie sie ei­ne be­triebsübli­che Ent­wick­lung im übli­chen Rah­men bei der E Deutsch­land GmbH be­schrei­tet.
In ei­ner Ver­ein­ba­rung vom 6. Ju­ni 2005 wur­de Herr B durch Herrn Sc als Ver­gleichs­per­son er­setzt.
Der Kläger er­hielt von der E in den Jah­ren 2000 und 2001 ins­ge­samt 5000 Op­tio­nen zum Be­zug ei­ge­ner Ak­ti­en. In dem Zeit­raum von 2002 bis 2005 wur­den dem Kläger kei­ne Ak­ti­en­op­tio­nen zu­ge­teilt. Die in der Gleich­stel­lungs­ver­ein­ba­rung ge­nann­ten Per­so­nen er­hiel­ten von der E im Jahr 2003 Op­tio­nen zum Be­zug von 1.500 Ak­ti­en, im Jahr 2004 Op­tio­nen für 2.250 Ak­ti­en und im Jahr 2005 Op­tio­nen für 3.000 Ak­ti­en.
Mit sei­ner am 22. Ju­li 2004 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat der Kläger be­haup­tet, dass die Be­klag­te die Gewährung von Ak­ti­en­op­tio­nen im Ein­stel­lungs­gespräch als zusätz­li­che (va­ria­ble) Leis­tun­gen zum Ar­beits­ent­gelt dar­ge­stellt ha­be. Die Be­klag­te neh­me auf die Zu­tei­lung der Ak­ti­en­op­tio­nen durch die E maßgeb­li­chen Ein­fluss. Die Mit­ar­bei­ter würden zur Vor­be­rei­tung der Ent­schei­dung der E über die Gewährung der Ak­ti­en­op­tio­nen ei­ner Leis­tungs­be­ur­tei­lung durch die Be­klag­te un­ter­zo­gen, des­sen Er­geb­nis ei­nem Vor­schlag für die Zu­tei­lung gleich kom­me. Die Be­klag­te ha­be ihn we­gen sei­ner Be­triebs­ratstätig­keit nicht mehr be­ur­teilt und so­mit sei­ne Teil­nah­me an dem Ak­ti­en­op­ti­ons­pro­gramm der E ver­hin­dert. Da­ne­ben sei die Be­klag­te we­gen der Gleich­stel­lungs­ver­ein­ba­rung zur Gewährung der glei­chen An­zahl von Ak­ti­en­op­tio­nen ver­pflich­tet, die die je­weils ge­nann­te Ver­gleichs­per­son von der E er­hal­ten ha­be. Der An­spruch auf die Ver­schaf­fung von Ak­ti­en­op­tio­nen er­ge­be sich schließlich aus ei­ner bei Ar­beits­auf­nah­me im Jahr 1999 bei der Be­klag­ten be­ste­hen­den Ge­samt­zu­sa­ge, nach der ein Be­zug von ver­bil­lig­ten Ak­ti­en der E möglich ge­we­sen sei.
I.1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger (für das Jahr 2002) 2.500 Ak­ti­en der E Cor­po­ra­ti­on, H, USA, un­ter An­rech­nung von 5,42 US-Dol­lar je Ak­tie (ins-ge­samt 13.500,00 US-Dol­lar) zu lie­fern;
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger (für das Jahr 2003) 1.500 Ak­ti­en der E Cor­po­ra­ti­on, H, USA, un­ter An­rech­nung von 13,18 US-Dol­lar je Ak­tie (ins­ge­samt 19.770,00 US-Dol­lar) zu lie­fern;
3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger (für das Jahr 2004) 2.250 Ak­ti­en der E Cor­po­ra­ti­on, H, USA, un­ter An­rech­nung von 12,85 US-Dol­lar je Ak­tie (ins­ge­samt 28.912,50 US-Dol­lar) zu lie­fern;
4. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger (für das Jahr 2005) 3.000 Ak­ti­en der E Cor­po­ra­ti­on H, USA, un­ter An­rech­nung von 14,49 US-Dol­lar je Ak­tie (ins­ge­samt 43.470,00 US-Dol­lar zu lie­fern,
II. hilfs­wei­se zu den Anträgen zu I. 1. - 4.,
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, dem Kläger (für das Jahr 2002) 2.500 Op­tio­nen für Ak­ti­en der E Cor­po­ra­ti­on H, USA zum Ba­sis­preis von 5,42 US-Dol­lar zu ver­schaf­fen;
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, dem Kläger (für das Jahr 2003) 1.500 Op­tio­nen für Ak­ti­en der E Cor­po­ra­ti­on H, USA zum Ba­sis­preis von 13,18 US-Dol­lar zu ver­schaf­fen;
3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, dem Kläger (für das Jahr 2004) 2.250 Op­tio­nen für Ak­ti­en der E Cor­po­ra­ti­on, H, USA zum Ba­sis­preis von 12,85 US-Dol­lar zu ver­schaf­fen;
4. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, dem Kläger (für das Jahr 2005) 3.000 Op­tio­nen für Ak­ti­en der E Cor­po­ra­ti­on H, USA zum Ba­sis­preis von 14,49 US-Dol­lar zu ver­schaf­fen;
III. hilfs­wei­se zu I. und II.,
1. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, dem Kläger sämt­li­chen Scha­den zu er­set­zen, der ihm da­durch ent­stan­den ist und ent­steht, dass sie es un­ter­las­sen hat, dem Kläger die in den Anträgen zu 1. - 4. ge­nann­ten Op­tio­nen für Ak­ti­en der E Cor­po­ra­ti­on, H, USA zu den be­tref­fen­den Geschäfts­jah­ren mit den je­wei­li­gen Ba­sis­prei­sen zu ver­schaf­fen;
höchst hilfs­wei­se,
2. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, bei der An­pas­sung des Ar­beits­ent­gelts des Klägers auch die von der Kon­zer­no­ber­ge­sell­schaft den mit dem Kläger gem. § 37 Abs. 4 Be­trVG ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern gewähr­ten Ak­ti­en­op­tio­nen in glei­cher Höhe zu berück­sich­ti­gen.
Sie hat ge­meint, der Kläger könne Ansprüche aus der un­ter­blie­be­nen Zu­tei­lung nur ge­genüber der E gel­tend ma­chen. Sie neh­me je­den­falls seit dem Jahr 2002 kei­nen Ein­fluss mehr auf die Ver­ga­be der Ak­ti­en­op­tio­nen durch die Mut­ter­ge­sell­schaft. Da­ne­ben sei­en die ge­gen sie ge­rich­te­ten Ansprüche we­gen der ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Aus­schluss­frist von 3 Mo­na­ten je­den­falls teil­wei­se ver­fal­len.
Bei­de Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger nur noch die zu II. und III.1. ge­stell­ten Anträge wei­ter, während die Be­klag­te die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on be­an­tragt.
Die Re­vi­si­on des Klägers ist be­gründet und führt zur Auf­he­bung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils und zur Zurück­ver­wei­sung des Rechts­streits an die Vor­in­stanz. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die zulässi­ge Kla­ge auf Grund un­zu­rei­chen­der tatsäch­li­cher Fest­stel­lun­gen als un­be­gründet ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zwar zu­tref­fend er­kannt, dass der vom Kläger mit dem Haupt­an­trag gel­tend ge­mach­te An­spruch aus § 37 Abs. 4 Satz 1 Be­trVG ei­ne ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en über die Gewährung von Ak­ti­en­op­tio­nen der E vor­aus­setzt, für de­ren Zu­stan­de­kom­men der Kläger bis­her kei­nen aus­rei­chend sub­stan­ti­ier­ten Sach­vor­trag ge­hal­ten hat. Das Be­ru­fungs­ge­richt muss­te dem Kläger aber vor ei­ner kla­ge­ab­wei­sen­den Ent­schei­dung Ge­le­gen­heit ge­ben, sei­nen Vor­trag zum Zu­stan­de­kom­men ei­ner sol­chen Ver­ein­ba­rung
zu ergänzen. Die Kla­ge wäre be­gründet, wenn sich die Be­klag­te - wie vom Kläger pau­schal vor­ge­tra­gen - im Ein­stel­lungs­gespräch zur Gewährung von Ak­ti­en­op­tio­nen ent­spre­chend den Be­zugs­be­din­gun­gen der E ver­pflich­tet hätte. Dies ist vom Lan­des­ar­beits­ge­richt auf­zuklären. Auf an­de­re An­spruchs­grund­la­gen kann der mit dem Haupt­an­trag ver­folg­te An­spruch nicht gestützt wer­den. Da über den Haupt­an­trag nicht ab­sch­ließend ent­schie­den wer­den kann, fällt dem Se­nat der auf Fest­stel­lung ei­ner Scha­dens­er­satz­pflicht ge­rich­te­te Hilfs­an­trag nicht zur Ent­schei­dung an.
I. Der zu I. 1. - 4. ge­stell­te Leis­tungs­an­trag ist zulässig. Er ist da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass der Kläger von der Be­klag­ten die Über­tra­gung des Rechts zum Be­zug von Ak­ti­en der E zu den im An­trag ge­nann­ten Be­din­gun­gen ver­langt. Bei die­sem Verständ­nis genügt er dem Be­stimmt­heits­er­for­der­nis des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.
II. Der Se­nat kann nicht ab­sch­ließend be­ur­tei­len, ob der Haupt­an­trag be­gründet ist. Des­halb ist das an­ge­foch­te­ne Ur­teil auf­zu­he­ben und die Sa­che an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend an­ge­nom­men, dass sich der Aus­spruch des Klägers auf Ver­schaf­fung der be­gehr­ten Ak­ti­en­op­tio­nen aus § 37 Abs. 4 Satz 1 Be­trVG er­ge­ben könn­te. Auf der Grund­la­ge des bis­her vom Kläger ge­hal­te­nen Sach­vor­trags lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Norm zwar nicht vor. Hier­auf hätte das Lan­des­ar­beits­ge­richt den Kläger vor ei­ner ab­wei­sen­den Ent­schei­dung aber hin­wei­sen und ihm Ge­le­gen­heit zur Ergänzung sei­nes Vor­brin­gens ge­ben müssen.
1. Die Gewährung von Ak­ti­en­op­tio­nen an ein Be­triebs­rats­mit­glied durch ei­ne an­de­re Kon­zern­ge­sell­schaft kann Ar­beits­ent­gelt iSd. § 37 Abs. 4 Be­trVG dar­stel­len.
a) Nach § 37 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 Be­trVG darf das Ar­beits­ent­gelt von Be­triebs­rats­mit­glie­dern nicht ge­rin­ger be­mes­sen wer­den als das Ar­beits­ent­gelt ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer mit be­triebsübli­cher be­ruf­li­cher Ent­wick­lung. Da­durch soll si­cher­ge­stellt wer­den, dass Mit­glie­der des Be­triebs­rats we­der in
wirt­schaft­li­cher noch in be­ruf­li­cher Hin­sicht ge­genüber ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern mit be­triebsübli­cher be­ruf­li­cher Ent­wick­lung Nach­tei­le er­lei­den (BAG 13. No­vem­ber 1987 - 7 AZR 550/86 - AP Be­trVG 1972 § 37 Nr. 61 = EzA Be­trVG 1972 § 37 Nr. 88, zu III 2 der Gründe; 17. Mai 1977 - 1 AZR 458/74 - AP Be­trVG 1972 § 37 Nr. 28 = EzA Be­trVG 1972 § 37 Nr. 54, zu 2 der Gründe). Da­bei ist nicht auf die hy­po­the­ti­sche Ge­halts­ent­wick­lung des Be­triebs­rats­mit­glieds ab­zu­stel­len, son­dern auf die Ge­halts­ent­wick­lung ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer. § 37 Abs. 4 Be­trVG re­gelt nur die Gleich­stel­lung des Be­triebs­rats­mit­glieds in Be­zug auf das vom Ar­beit­ge­ber auf Grund des Ar­beits­ver­trags ge­leis­te­te Ar­beits­ent­gelt gem. § 611 Abs. 1 BGB (BAG 19. Ja­nu­ar 2005 - 7 AZR 208/04 -, zu IV 1 a der Gründe). Er­hal­ten die mit dem Be­triebs­rats­mit­glied ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mer nicht von dem Ar­beit­ge­ber, son­dern von ei­nem Drit­ten Zu­wen­dun­gen, ist § 37 Abs. 4 Be­trVG schon nach sei­nem Wort­laut nicht ein­schlägig, da es sich da­bei nicht um ein Ent­gelt han­delt, das auf dem mit dem Ar­beit­ge­ber be­ste­hen­den Ar­beits­ver­trag be­ruht. Dies gilt selbst dann, wenn der Ar­beits­ver­trag Mo­tiv für die Leis­tung des Drit­ten ist. Die Vor­schrift er­fasst nur das vom Ar­beit­ge­ber auf Grund des Ar­beits­ver­trags er­brach­te Ar­beits­ent­gelt (zu § 37 Abs. 2 Be­trVG: BAG 28. Ju­ni 1995 - 7 AZR 1001/94 - BA­GE 80, 230 = AP Be­trVG 1972 § 37 Nr. 112 = EzA BUrlG § 11 Nr. 38, zu III 2 der Gründe).
Die von ei­nem Drit­ten in Hin­blick auf das Ar­beits­verhält­nis er­brach­ten Leis­tun­gen können aber Ar­beits­ent­gelt iSd. § 37 Abs. 4 Be­trVG dar­stel­len, wenn der Drit­te sie nach der Ab­re­de der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en an­stel­le oder ne­ben dem zwi­schen ih­nen ver­ein­bar­ten Ar­beits­ent­gelt er­brin­gen soll. Erfüllt der Drit­te ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer die von ihm in Hin­blick auf das Be­ste­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses über­nom­me­ne Ver­pflich­tung nicht, so kann an sei­ner Stel­le der Ar­beit­ge­ber zur Leis­tung ver­pflich­tet sein.
b) Ak­ti­en­op­tio­nen räum­en dem In­ha­ber der Op­ti­on nach Maßga­be der Op­ti­ons­be­din­gun­gen das Recht ein, von dem gewähren­den Un­ter­neh­men Ak­ti­en zu ei­nem be­stimm­ten Kurs zu er­wer­ben. Bei der Aus­ga­be von Ak­ti­en­op­tio­nen an Ar­beit­neh­mer wird die­sen das Recht ein­geräumt, in­ner­halb ei­nes fest­ge­leg­ten Zeit­raums und zu ei­nem vor­her fest­ge­leg­ten Preis Ak­ti­en des
ei­ge­nen oder ei­nes ver­bun­de­nen Un­ter­neh­mens zu er­wer­ben. Ziel die­ser Form der Ent­loh­nung ist da­bei, ne­ben den ge­ne­rell mit ei­ner Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung ver­folg­ten Zie­len der Mit­ar­bei­ter­bin­dung und -mo­ti­va­ti­on, die stärke­re Aus­rich­tung der Un­ter­neh­mensführung auf den Share­hol­der-Va­lue. Sch­ließt der Ar­beit­neh­mer ei­ne Ver­ein­ba­rung über die Gewährung von Ak­ti­en­op­tio­nen nicht mit sei­nem Ar­beit­ge­ber, son­dern mit ei­nem an­de­ren Kon­zern­un­ter­neh­men ab, so können Ansprüche aus die­ser Ver­ein­ba­rung grundsätz­lich nur ge­genüber dem ver­trags­sch­ließen­den Kon­zern­un­ter­neh­men gel­tend ge­macht wer­den und wer­den nicht Be­stand­teil des Ar­beits­verhält­nis­ses mit ei­ner Toch­ter­ge­sell­schaft die­ses Kon­zern­un­ter­neh­mens. Der Ver­trag über die Gewährung von Ak­ti­en­op­tio­nen steht recht­lich selbständig ne­ben dem Ver­trag des Ar­beit­neh­mers mit der Toch­ter­ge­sell­schaft (BAG 12. Fe­bru­ar 2003 - 10 AZR 299/02 - BA­GE 104, 324 = AP BGB § 613a Nr. 243 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 3, zu II 2 c der Gründe mwN; BFH 4. April 2006 - VI R 11/03 - BFHE 212, 568, zu II b der Gründe), der re­gelmäßig nur das Mo­tiv für den Ab­schluss ei­nes Op­ti­ons­gewährungs­ver­trags dar­stellt (BAG 12. Fe­bru­ar 2003 - 10 AZR 299/02 - aaO, zu II 2 d cc der Gründe). Ei­ne ei­ge­ne Ver­pflich­tung des kon­zern­an­gehöri­gen Ar­beit­ge­bers kann je­doch be­gründet wer­den, wenn die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en die Teil­nah­me des Ar­beit­neh­mers an dem Ak­ti­en­op­ti­ons­pro­gramm ei­nes an­de­ren Kon­zern­un­ter­neh­mens aus­drück­lich oder kon­klu­dent ver­ein­ba­ren. In die­sem Fall kann der Ar­beit­neh­mer auch von sei­nem Ar­beit­ge­ber die Zu­tei­lung von Ak­ti­en­op­tio­nen nach den von dem an­de­ren Kon­zern­un­ter­neh­men auf­ge­stell­ten Ver­tei­lungs­grundsätzen ver­lan­gen. Es ist dann Sa­che des Ar­beit­ge­bers, die Erfüll­bar­keit der ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tung si­cher­zu­stel­len.
2. Der Kläger hat die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne mit der Be­klag­ten ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung über sei­ne Ein­be­zie­hung in das Ak­ti­en­op­ti­ons­pro­gramm der E bis­her nicht aus­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt.
a) Nach den mit Ver­fah­rensrügen nicht an­ge­grif­fe­nen und da­mit für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen wer­den die Ak­ti­en­op­tio­nen für An­tei­le an der E nicht von der Be­klag­ten, son­dern von ih­rer in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten an-sässi­gen Mut­ter­ge­sell­schaft gewährt. Dies al­lein schließt ei­nen ge­genüber der
Be­klag­ten be­ste­hen­den An­spruch des Klägers auf Zu­tei­lung von Ak­ti­en­op­tio­nen ent­spre­chend den Be­zugs­be­din­gun­gen der E nicht aus. Ein ent­spre­chen­der An­spruch könn­te dann be­ste­hen, wenn sich die Be­klag­te zur Gewährung der Ak­ti­en­op­tio­nen ge­genüber dem Kläger ver­pflich­tet oder ei­ne Ein­stands­pflicht für ent­spre­chen­de Leis­tun­gen der Mut­ter­ge­sell­schaft über­nom­men hätte. Der schrift­li­che Ar­beits­ver­trag vom 22. Ju­ni 1999 enthält hierfür al­ler­dings kei­nen An­halts­punkt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat auch die Gleich­stel­lungs­ver­ein­ba­run­gen aus den Jah­ren 2003 bzw. 2005 in re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se zu­tref­fend da­hin­ge­hend aus­ge­legt, dass die Be­klag­te dar­in kei­ne Ver­pflich­tung über­nom­men hat, für Zu­wen­dun­gen von Drit­ten an die Ver­gleichs­per­so­nen ein­zu­ste­hen.
b) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt muss­te je­doch dem erst­mals im Schrift­satz vom 27. Ju­ni 2006 ge­hal­te­nen Vor­trag des Klägers nach­ge­hen, wo­nach die Be­klag­te die Op­ti­ons­gewährung im Ein­stel­lungs­gespräch mehr­fach an­ge­spro­chen und als Zu­satz­leis­tung zum Ge­halt dar­ge­stellt ha­be. Da­mit könn­te die Be­klag­te ge­genüber dem Kläger zum Aus­druck ge­bracht ha­ben, dass die Leis­tun­gen der Mut­ter­ge­sell­schaft ne­ben das zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bar­te Ar­beits­ent­gelt tre­ten sol­len, was ih­re Ein­stands­pflicht für die Leis­tun­gen der Mut­ter­ge­sell­schaft ent­spre­chend den je­weils gel­ten­den Be­zugs­be­din­gun­gen be­gründen könn­te.
c) Der Leis­tungs­an­trag des Klägers kann nicht auf an­de­re An­spruchs­grund­la­gen gestützt wer­den.
aa) Es kann da­hin­ste­hen, ob die Be­klag­te bei dem Kläger durch ihr Ver­hal­ten ei­nen Ver­trau­en­stat­be­stand ge­schaf­fen ha­ben könn­te, auf Grund des­sen der Kläger be­rech­tigt hätte da­von aus­ge­hen können, die Be­klag­te wol­le sich ar­beits­ver­trag­lich zu sei­ner Ein­be­zie­hung in das Ak­ti­en­op­ti­ons­pro­gramm der E ver­pflich­ten. Das Ein­ste­hen für ein beim Ver­trags­part­ner her­bei­geführ­tes Ver­trau­en be­ruht letzt­lich auf dem Ver­bot des wi­dersprüchli­chen Ver­hal­tens als Un­ter­fall des Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB). Ein zu Un­recht enttäusch­tes Ver­trau­en führt re­gelmäßig nicht zu ei­ner ver­trag­li­chen Bin­dung, son­dern nur zu ei­ner auf Er­satz des Ver­trau­ens­scha­dens ge­rich­te­ten Ein-
stands­pflicht des­je­ni­gen, der den Ver­trau­en­stat­be­stand ge­schaf­fen hat (BAG 26. April 2006 - 7 AZR 190/05 - Rn. 17, AP BGB § 611 Wie­der­ein­stel­lung Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 611 Ein­stel­lungs­an­spruch Nr. 2).
bb) Den An­spruch auf Zu­tei­lung von Ak­ti­en­op­tio­nen kann der Kläger nicht aus der bei sei­ner Ar­beits­auf­nah­me be­ste­hen­den Ge­samt­zu­sa­ge über frei­wil­li­ge So­zi­al­leis­tun­gen der Be­klag­ten her­lei­ten, da die­se nicht die Zu­tei­lung von Ak­ti­en­op­tio­nen durch die E vor­sah, son­dern nur den Be­zug von Stamm­ak­ti­en zu den in der Ver­ein­ba­rung ge­nann­ten Be­din­gun­gen. In der Er­stel­lung von Leis­tungs­be­ur­tei­lun­gen durch die Be­klag­te liegt ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers kein an ih­re Ar­beit­neh­mer ge­rich­te­tes An­ge­bot, für die Zu­tei­lung von Ak­ti­en­op­tio­nen der Mut­ter­ge­sell­schaft ver­trag­lich ein­zu­ste­hen. Eben­so we­nig be­steht ein An­spruch aus dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­an­spruch. Bei der Gewährung der Ak­ti­en­op­tio­nen han­delt es sich nicht um ei­ne Leis­tung der Be­klag­ten, son­dern der E Cor­po­ra­ti­on.
3. Da­nach ist das an­ge­foch­te­ne Ur­teil auf­zu­he­ben und die Sa­che zur neu­en Ver­hand­lung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen (§ 563 Abs. 1 ZPO). Der Se­nat kann nicht ab­sch­ließend ent­schei­den, ob das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Kla­ge im Er­geb­nis zu Recht ab­ge­wie­sen hat, weil die Par­tei­en über die Ein­be­zie­hung des Klägers in das Ak­ti­en­op­ti­ons­pro­gramm der E kei­ne Ver­ein­ba­rung ge­trof­fen ha­ben. Dies ist vom Lan­des­ar­beits­ge­richt auf­zuklären. Da sich das Lan­des­ar­beits­ge­richt mit dem Zu­stan­de­kom­men ei­ner ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung bis­lang nicht be­fasst und da­zu we­der Tat­sa­chen fest­ge­stellt noch ei­ne recht­li­che Würdi­gung vor­ge­nom­men hat, sieht der Se­nat von Hin­wei­sen ab.
Da­ne­ben könn­te in der er­neu­ten Ver­hand­lung vor dem Be­ru­fungs­ge­richt, bei der neu­es Vor­brin­gen der Par­tei­en zu berück­sich­ti­gen ist, für das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ver­an­las­sung be­ste­hen, die Mit­wir­kung der Be­klag­ten bei der Zu­tei­lungs­ent­schei­dung der Mut­ter­ge­sell­schaft wei­ter auf­zuklären. Nach dem von ihr nicht qua­li­fi­ziert (§ 138 Abs. 1 und 2 ZPO) be­strit­te­nen Vor­trag des Klägers be­ruh­te je­den­falls in der Ver­gan­gen­heit die Zu­tei­lung der Ak­ti­en­op­tio­nen durch die E auf zu­vor er­stell­ten Leis­tungs­be­ur­tei­lun­gen der Be­klag­ten.
So­fern die Ein­be­zie­hung des Klägers in das Ak­ti­en­op­ti­ons­pro­gramm von Einschätzun­gen oder ver­gleich­ba­ren Hand­lun­gen der Be­klag­ten ge­genüber der E oder an­de­ren kon­zern­an­gehöri­gen Un­ter­neh­men abhängig war, könn­te als An­spruchs­grund­la­ge das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 78 Satz 2 Be­trVG in Be­tracht kom­men (da­zu: BAG 18. Au­gust 2005 - 7 AZR 528/04 - AP Be­trVG 1972 § 37 Nr. 142 = EzA Be­trVG 2001 § 37 Nr. 5, zu 2 a der Gründe mwN). Da­zu müss­te der Kläger zu­min­dest Hilfs­tat­sa­chen vor­tra­gen, die den Schluss recht­fer­ti­gen, dass er oh­ne sei­ne Be­triebs­ratstätig­keit wie in der Zeit bis zum Jahr 2001 Ak­ti­en­op­tio­nen tatsächlich er­hal­ten hätte. Hier­zu ist ihm im er­neu­ten Be­ru­fungs­ver­fah­ren Ge­le­gen­heit zu ge­ben.
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