Source: https://www.bfn.de/themen/gebietsschutz-grossschutzgebiete.html
Timestamp: 2017-11-23 07:14:54
Document Index: 75720468

Matched Legal Cases: ['§ 24', '§ 28', '§ 29', '§ 30', '§ 21', '§ 31', '§ 23', '§ 24', '§ 24', '§ 25', '§ 26', '§ 27', '§ 29', '§ 30']

BfN: Gebietsschutz / Großschutzgebiete / Schutzgebiete
Startseite > Themen > Gebietsschutz / Großschutzgebiete / Schutzgebiete
Schutzgebiete sind eines der wichtigsten Instrumente des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Der Gebietsschutz trägt unmittelbar zur Erhaltung von Arten und ihren Lebensräumen bei. Mit den unterschiedlichen Schutzgebietskategorien lassen sich verschiedene Ziele verwirklichen.
Die in Deutschland geltenden Schutzgebietskategorien beruhen auf dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Die unterschiedlichen Schutzgebiete können hinsichtlich ihrer Größe, ihres Schutzzwecks und ihrer Schutzziele und den daraus abzuleitenden Nutzungseinschränkungen unterschieden werden. Die wichtigsten Schutzgebietskategorien sind: Naturschutzgebiete, Nationalparke, Biosphärenreservate, Landschaftsschutzgebiete und Naturparke sowie die Schutzgebiete gemäß NATURA 2000. Sie können sich überlagern oder sind in wenigen Einzelfällen sogar deckungsgleich. Beispielsweise sind viele Naturschutzgebiete gleichzeitig FFH-Gebiete und große Teile der Naturparke stehen zusätzlich als Landschaftsschutzgebiet unter Schutz. Daher können die Flächen der einzelnen Schutzgebietskategorien nicht zusammengerechnet werden, um die Gesamtfläche der Schutzgebiete Deutschlands zu ermitteln.
Nationalparke, Biosphärenreservate und Naturparke werden aufgrund ihrer Flächengröße auch als Großschutzgebiete bezeichnet.
Im Rahmen der Novellierung des BNatSchG im Jahre 2009 wurden Nationale Naturmonumente neu ins Bundesnaturschutzgesetz aufgenommen (§ 24, Abs. 4). Des Weiteren existieren noch Naturdenkmäler gemäß § 28 und Geschützte Landschaftsbestandteile gemäß § 29 BNatSchG. Dabei handelt es sich um punktuelle bzw. sehr kleinflächige Schutzgebiete zum Schutz von Einzelschöpfungen der Natur bzw. von Elementen mit besonderer Bedeutung für den Naturhaushalt und zur Belebung und Gliederung der Landschaft. Bundesweite Übersichten zu diesen Schutzgebietstypen fehlen. Darüber hinaus können die Bundesländer auch bestimmte Biotope per Gesetz unter Schutz stellen (§ 30 BNatschG).
Im Bundesnaturschutzgesetz 2002 wurde erstmals die Einrichtung eines bundesweiten Biotopverbundsystems, das mindestens 10 % der Landesfläche umfassen soll (§ 21 BNatSchG), gesetzlich vorgegeben. Ziel ist es, hiermit unter anderem einen effektiven Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt und zur Sicherung des nationalen Naturerbes zu leisten. Die wichtigsten Bestandteile dieses Systems sind Naturschutzgebiete, Nationalparke, Biosphärenreservate und NATURA 2000-Gebiete (oder Teile davon) sowie Flächen des Nationalen Naturerbes und des Grünen Bandes.
Auch für den Aufbau des Europäischen Schutzgebietsnetzes "Natura 2000" (vgl. §§ 31 - 36 BNatSchG) sowie des auf dem letzten Weltschutzgebietskongress in Durban geforderten globalen Schutzgebietsnetzes (vgl. hierzu auch den Beschluss VII/28 der CBD), sind die Schutzgebietskategorien des BNatSchG die wesentlichen Grundlagen für die rechtliche Sicherung der Bestandteile dieser Netze.
Um die internationale Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Schutzgebietstypen der Länder und Regionen zu ermöglichen, hat die IUCN (Internationale Naturschutz-Union) bereits 1994 Richtlinien der Managementkategorien für Schutzgebiete veröffentlicht, die im Rahmen internationaler Berichtspflichten, insbesondere gegenüber der CBD (Konvention über die biologische Vielfalt), herangezogen werden sollen. 2008 wurde von der IUCN eine überarbeitete Ausgabe der "Richtlinien für die Anwendung der IUCN-Managementkategorien für Schutzgebiete" veröffentlicht (Dudley, N. (Ed). 2008. Guidelines for Applying Protected Area Management Categories, Gland, Switzerland: IUCN. x + 86pp.). Die deutsche Übersetzung dieser Richtlinien wurde 2010 im Rahmen eines vom BfN mit Mitteln des BMU geförderten Vorhabens von EUROPARC Deutschland in einer Broschüre veröffentlicht. Die Broschüre kann über die Geschäftsstelle von EUROPARC Deutschland, Pfalzburger Str. 43/44 in 10717 Berlin bezogen werden. Sie kann auch als pdf-Datei heruntergeladen werden (siehe rechte Spalte).
Für die weitere Entwicklung des Gebietsschutzes in Deutschland, insbesondere für die Entwicklung der Großschutzgebiete werden folgende Schwerpunkte gesehen:
Weiterentwicklung von Qualitätskriterien und Standards für (Groß-)Schutzgebiete,
Entwicklung eines Nationalen Aktionsplans Schutzgebiete,
regelmäßige Evaluierung von Schutzgebieten,
Verbesserung des Schutzgebietsmanagements und der Kommunikation von Best practice Beispielen, Stärkung der Resilienz von Schutzgebieten gegenüber negativen Einwirkungen,
Verbesserung von Forschung und Monitoring, Aufbau eines integrativen Monitorings für Nationalparke und Biosphärenreservate
Sicherung einer nachhaltigen Finanzierung,
schutzgebietsübergreifende und grenzüberschreitende Zusammenarbeit,
Erhöhung des Anteils der Prozessschutzflächen entsprechend der sog. 2%- und 5%-Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie,
Durchführung von Förderprojekten des Bundes in den Kulissen der Großschutzgebiete.
Für die Großschutzgebiete wurde im November 2005 die Dachmarke "Nationale Naturlandschaften" (www.nationale-naturlandschaften.de) durch EUROPARC Deutschland mit folgenden Zielen gegründet:
gemeinsames Auftreten der Großschutzgebiete Deutschlands, gebietsübergreifende Kommunikation
Aufbau eines einheitlichen Corporate Design für alle Großschutzgebiete
Erhöhung des Bekanntheitsgrades und der Wertschätzung der nationalen Naturlandschaften
Stärkung der nationalen und internationalen Bedeutung der Großschutzgebiete z.B. für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Deutschland
zusätzliche Einwerbung von Finanzmitteln für die Großschutzgebiete.
Inzwischen verwenden viele Großschutzgebiete in Deutschland das neue Corporate Design. Die Entwicklung der Dachmarke wurde mit Mitteln von BMU/BfN unterstützt. Die Ziele und Handlungserfordernisse für die Großschutzgebiete hat das BfN in einem Positionspapier dargelegt (siehe rechte Spalte).
Naturschutzgebiete (§ 23 BNatSchG) dienen insbesondere der Erhaltung, Entwicklung und Wiederherstellung von Lebensräumen und der daran gebundenen wildlebenden Tier- und Pflanzenarten, in ihnen ist jede Zerstörung, Veränderung oder Beeinträchtigung ausgeschlossen. Nutzungen sind nur soweit zulässig, wie sie dem Schutzzweck nicht entgegenstehen.
zu den Naturschutzgebieten
Nationalparke (§ 24 BNatSchG) sind großräumige Landschaften nationaler Bedeutung, die sich in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflussten Zustand befinden oder geeignet sind, sich in einen solchen Zustand zu entwickeln oder entwickelt zu werden. Frei von nutzenden und lenkenden Eingriffen des Menschen soll Natur sich nach ihren eigenen Gesetzen entwickeln können. Nationalparke tragen zur Bewahrung der Schöpfung und der natürlichen Artenvielfalt bei und schaffen Rückzugsgebiete für wildlebende Pflanzen und Tiere.
zu den Nationalparken
Seit 1. März 2010 gilt das novellierte Bundesnaturschutzgesetz. Eine der vorgenommenen Änderungen betrifft § 24, in den zusätzlich zu den Nationalparken die Schutzgebietskategorie "Nationale Naturmonumente" aufgenommen wurde.
zu den Nationalen Naturmonumenten
Biosphärenreservate (§ 25 BNatSchG) dienen dem großräumigen Schutz von Natur- und Kulturlandschaften. Vornehmliche Ziele sind die Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch hergebrachte vielfältige Nutzungen geprägten Landschaft und der darin historisch gewachsenen Arten- und Biotopvielfalt. Darüber hinaus sollen sie beispielhaft der Entwicklung und Erprobung nachhaltiger Wirtschaftsweisen in allen Wirtschaftssektoren dienen.
zu den Biosphärenreservaten
Landschaftsschutzgebieten (§ 26 BNatSchG) obliegt die Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes. In der Regel handelt es sich um großflächigere Gebiete, die auch eine Bedeutung für die Erholung des Menschen haben.
zu den Landschaftsschutzgebieten
Naturparke (§ 27 BNatSchG) sind großräumige Kulturlandschaften, in denen der Schutz und die Erhaltung der Biotop- und Artenvielfalt stark mit der Erholungsfunktion der Landschaften für den Menschen verbunden sind. In ihnen werden umweltverträglicher Tourismus und dauerhaft umweltverträgliche Landnutzungen unterstützt.
zu den Naturparken
Geschützte Landschaftsbestandteile (GLB) sind gemäß § 29 Abs. 1 BNatSchG rechtsverbindlich festgesetzte Teile von Natur und Landschaft, deren besonderer Schutz zur Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts, zur Belebung, Gliederung oder Pflege des Orts- oder Landschaftsbildes, zur Abwehr schädlicher Einwirkungen oder wegen ihrer Bedeutung als Lebensstätten bestimmter wild lebender Tier- und Pflanzenarten erforderlich ist.
zu den geschützten Landschaftsbestandteilen
Durch § 30 des BNatSchG wird eine Reihe von Biotoptypen pauschal vor erheblichen und nachhaltigen Eingriffen geschützt. Dabei bedarf es nicht der gesonderten Ausweisung als Schutzgebiet.
zu den Besonders geschützten Biotoptypen
Feuchtgebiete internationaler Bedeutung
Am 2. Februar 1971 wurde in der iranischen Stadt Ramsar das "Übereinkommen über den Schutz von Feuchtgebieten, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Watvögel, von internationaler Bedeutung" (Ramsar-Konvention) geschlossen.
Deutschland trat der Ramsar-Konvention 1976 bei. Jeder Vertragsstaat ist verpflichtet, mindestens ein Feuchtgebiet in seinem Hoheitsgebiet als "Feuchtgebiet internationaler Bedeutung" zu benennen und die Erhaltung und Förderung dieser Gebiete durch die Bewahrung des ökologischen Zustandes, durch Biotopmanagement und wohlausgewogene Nutzung (wise use) zu sichern.
Deutschland hat 34 Ramsar-Gebiete mit einer Gesamtfläche von 668.226 ha gemeldet. Dabei handelt es sich um sog. Prädikatsgebiete, die nicht im BNatSchG verankert sind.
Scherfose, V. (Hrsg.) (2017): Flächen- und Schutzgebietsmanagement durch Stiftungen, Verbände und Vereine
Schr.-R. Naturschutz und Biologische Vielfalt, Heft 158, 388 Seiten, 36,-- €, ISBN 978-3-7843-4058-6
direkt bestellen beim: Landwirtschaftsverlag
BfN-Position
BfN-Positionspapier "Großschutzgebiete in Deutschland"
Gehrlein, U., Mengel, A., Milz, E., Hoheisel, D., Barthelmes, B., Düsterhaus, B., Mathias, C., Liesen, J., Baranek, E. & Schubert, S. (2017): "Nationale Naturlandschaften (NNL) und erneuerbare Energie - Ein Handlungsleitfaden - BfN-Skripten 467, 107 Seiten (8,1 MB)"
Ulrich Gehrlein, Nicola von Kutzleben, Britta Düsterhaus und Gabriele Niclas (Hrsg.) (2016): Der demografische Wandel und seine Wirkung auf Großschutzgebiete, BfN-Skripten 429, Bonn, 147 S.
Volker Scherfose, Ulrich Gehrlein und Eva Milz (2015): Grenzüberschreitende und Bundesländer übergreifende Zusammenarbeit von Nationalen Naturlandschaften, BfN-Skripten 405, Bonn, 220 S.
Gehrlein, U.; Süß, P.; Baranek, E. u. Schubert, S. (2014): Anwendbarkeit des integrativen Monitoringprogramms für Großschutzgebiete - Abschlussbericht des gleichnamigen Forschungsvorhabens. BfN Skripten 374. Bonn. 180 S.
Astrid Kowatsch, Ulrich Hampicke, Lenelis Kruse-Graumann und Harald Plachter (2011): Indikatoren für ein integratives Monitoring in deutschen Großschutzgebieten -Endbericht des gleichnamigen F+E-Vorhabens des BfN, BfN-Skripten 302, 146 S.
EUROPARC Deutschland (2010): Richtlinien für die Anwendung der IUCN-Managementkategorien für Schutzgebiete, Berlin, Deutschland, 88 Seiten. Deutsche Übersetzung von: Dudley, N. (Ed). 2008. Guidelines for Applying Protected Area Management Categories. Gland, Switzerland: IUCN. x + 86pp., ISBN: 978-2-8317-1086-0 (englische Ausgabe)
Übersicht über Beschlüsse und Empfehlungen aller relevanten internationalen Abkommen zum Thema Schutzgebiete (englische Seite)