Source: https://www.sh-netz.com/de/energie-einspeisen/gesetze-und-verordnungen/systemstabilitaetsverordnung.html
Timestamp: 2018-10-21 14:16:05
Document Index: 365834851

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 21', '§ 21', '§ 19', '§18', '§ 15']

Am 14.03.2015 ist die Verordnung zur Änderung der Systemstabilitätsverordnung verabschiedet worden. Mit der Verordnung reagiert die Bundesregierung auf das sogenannte „49,5-Hz-Problem“. Genau wie beim vorangegangenen „50,2-Hz-Problem“ geht es darum, durch neue Frequenzschutzeinstellungen das Stromnetz bei starken Abweichungen von der normalen Netzfrequenz (50 Hertz) stabil zu halten. Mit den geänderten Abschaltfrequenzen sollen sich die Anlagen zukünftig nicht mehr zeitgleich vom Netz trennen, sondern in einem gestuften Prozess. Deutschlandweit sind rund 21.000 Windenergie-, Biomasse, KWK- und Wasserkraftanlagen betroffen, die insgesamt eine Leistung von ca. 27 Gigawatt ausmachen. Inwieweit eine Anlage in die Nachrüstung einbezogen wird, hängt von der installierten Leistung, dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme und der Spannungsebene, an der sie angeschlossen ist, ab.
Sinkt die Frequenz z. B. auf 49,5 Hz ab, schalten sich viele Erneuerbare-Energien- und KWK-Anlagen zeitgleich ab. Dadurch können abrupt mehrere Gigawatt Erzeugungskapazität ausfallen.
Die Folge: Das Stromangebot ginge in wenigen Sekunden stark zurück.
KWK HS - 01.09.2004 5.000 kW -
MS - 01.01.2009 5.000 kW -
NS - 01.07.2012 5.000 kW -
HS 01.01.2000 01.09.2004 100 kW 5.000 kW
MS 01.01.2000 01.01.2009 100 kW 5.000 kW
NS 01.01.2000 01.07.2012 100 kW 5.000 kW
Wind HS - 01.09.2004 450 kW -
MS - 01.01.2009 450 kW -
NS - 01.07.2012 450 kW -
Bio fest HS - 01.09.2004 100 kW -
MS - 01.01.2009 100 kW -
NS - 01.07.2012 100 kW -
Bio flüssig,
gasförmig und
Biomethan HS 01.01.2000 01.09.2004 100 kW -
MS 01.01.2000 01.01.2009 100 kW -
NS 01.01.2000 01.07.2012 100 kW -
Wasser HS 01.09.2004 100 kW -
MS 01.01.2009 100 kW -
NS 01.07.2012 100 kW -
HS = Hochspannung, MS = Mittelspannung, NS = Niederspannung.
Die Anlagenzusammenfassung für KWK-Anlagen gem. §‑3 Nr. 1 SysStabV ist zu berücksichtigen.
Die Anlagenbetreiber sind grundsätzlich verpflichtet, die Nachrüstung selbst zu organisieren und die Kosten hierfür zu tragen. Diese sind bis zu einem Eigenanteil von 7,50 Euro je Kilowatt der installierten Leistung zu übernehmen (§ 21 SysStabV). Darüber hinaus entstehende Kosten können dem Anlagenbetreiber zu 75 % durch den Übertragungsnetzbetreiber erstattet werden. Die erstatteten Kosten werden von den Übertragungsnetzbetreibern auf die Netzentgelte umgelegt (§ 21 Abs. 1 Satz 1 SysStabV).
Was sind die Voraussetzungen für eine Kostenübernahme? A09D04A7-F9E0-4D74-87BD-EB902392D648
Gemäß § 21 SysStabV können Betreiber von Anlagen die Erstattung der Kosten, die über den Eigenanteil von 7,50 Euro je Kilowatt installierter Leistung hinausgehen, bei den Betreibern von Übertragungsnetzen verlangen, sofern
entsprechende Kostenvoranschläge, die vor Beauftragung der Maßnahmen beim Übertragungsnetzbetreiber eingereicht worden sind, nicht beanstandet wurden oder die Beanstandung durch die Bundesnetzagentur als unbegründet angesehen wurde (Absatz 5) und
die Kosten durch Vorlage einer Rechnung nachgewiesen werden.
Der Betreiber des Übertragungsnetzes ist berechtigt, einen vorab übersandten Kostenvoranschlag innerhalb von vier Wochen ab Zugang durch eine schriftliche oder elektronische Mitteilung an den Betreiber der Anlage zu beanstanden (Absatz 2 Nummer 2), wenn
die Höhe des Kostenvoranschlags die Kosten für entsprechende Maßnahmen an vergleichbaren Anlagen deutlich übersteigt oder
der Kostenvoranschlag aus anderen Gründen nicht nachvollziehbar ist.
Für den Fall, dass der Betreiber des Übertragungsnetzes den Kostenvoranschlag beanstandet, kann der Betreiber der Anlage den Kostenvoranschlag
nachbessern und erneut einreichen oder
zusammen mit der Beanstandung des Betreibers des Übertragungsnetzes an die Bundesnetzagentur zur Entscheidung über die Erstattungsfähigkeit der veranschlagten Kosten übersenden.
Die Bundesnetzagentur prüft den Kostenvoranschlag und teilt dem Betreiber der Anlage sowie dem Betreiber des Übertragungsnetzes ihre Entscheidung innerhalb von sechs Wochen nach Erhalt der Unterlagen mit.
Der Übertragungsnetzbetreiber ist verpflichtet, eine stichprobenweise Kontrolle der Nachrüstung durchzuführen oder durchführen zu lassen (§ 19 Abs.‑1 Satz‑1‑SysStabV). Dabei sind die Verteilnetzbetreiber aufgefordert, bei der Durchführung der Kontrolle zu unterstützen, und insbesondere die Stichproben vorzunehmen.
www.vku.de/49-5hz
Die Betreiber der betroffenen Anlagen erhalten spätestens innerhalb von 10 Wochen nach Inkrafttreten der Verordnung eine schriftliche Nachrüstaufforderung und die umzusetzenden Frequenzschutzeinstellungen werden bekannt gegeben. Das Schreiben enthält verschiedene Anlagen/Formulare:
Begleitschreiben des Ministeriums
Gibt es die Möglichkeit eine Fristverlängerung zu erhalten? A09D04A7-F9E0-4D74-87BD-EB902392D648
Gemäß §18 SysStabV sind Betreiber von Anlagen und Betreiber von Entkupplungsschutzeinrichtungen verpflichtet, die Nachrüstung ihrer Anlage oder Entkupplungsschutzeinrichtung innerhalb von zwölf Monaten ab Zugang der schriftlichen Nachrüstungsaufforderung nachzuweisen. Die Frist zur Nachrüstung verlängert sich auf 18 Monate, wenn der Betreiber der Anlage
einen Ausnahmefall gemäß § 15 Absatz 1 Satz 1 oder Absatz 2 geltend macht, oder
nachweist, dass der Wartungstermin innerhalb von sechs Monaten nach Ablauf der Frist stattfinden und die Nachrüstung im Rahmen des Wartungstermins vorgenommen wird, oder
nachweist, dass die zur Beurteilung der Nachrüstbarkeit seiner Anlage notwendigen Unterlagen nicht innerhalb der vorgegebenen Frist beigebracht werden können.
Erläuterung zur 50,2-Hz-Umrüstung (nur für Betreiber von PV-Anlagen) A09D04A7-F9E0-4D74-87BD-EB902392D648
Die 50,2-Hz-Umrüstung von Photovoltaik-Anlagen ist abgeschlossen. Bestandsanlagen wurden in der Weise umgerüstet, dass sich die Wechselrichter bei unterschiedlichen Frequenzen ausschalten. Die Betreiber von Verteilnetzen haben die erforderlichen Nachrüstungen organisiert und durch von ihnen beauftragte Fachkräfte ausführen lassen. Die Betreiber von PV-Anlagen waren hierbei verpflichtet, die Nachrüstung zu ermöglichen. Die angefallenen Kosten wurden je zur Hälfte über die EEG-Umlage und die Netzentgelte der Anschlussnetzbetreiber gewälzt.
Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Umrüstung von PV-Anlagen und weitere Hintergrundinformationen finden Sie im Internet unter folgenden Links:
EFC8E2F8-A920-4CB3-ACEA-DCB36C9592E6 Ausnahmebegehren (PDF, 562,07 KB) / PDF (562 KB)
EFC8E2F8-A920-4CB3-ACEA-DCB36C9592E6 Fristverlängerung (PDF, 298,83 KB) / PDF (298 KB)