Source: https://www.fr-blog.com/2010/07/20/olg-brandenburg-umgang-mit-ubernachtung-bindungstoleranz-ordnungsgeld/
Timestamp: 2018-02-24 14:05:19
Document Index: 362159227

Matched Legal Cases: ['Art. 1', 'Art. 111', 'BGH', '§ 58', 'Art. 111', 'Art. 111', '§ 606', 'BGH', 'Art. 111', '§ 1684', '§ 1666', '§ 89', 'Art. 111', '§ 86']

OLG Brandenburg: Umgang mit Übernachtung, Bindungstoleranz, Ordnungsgeld | BLOG Deutsches Familienrecht
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. Der angefochtene Beschluss wird abgeändert.
Trotz Inkrafttretens des FamFG (Art. 1 des FGG-Reformgesetzes – FGG-RG – vom 17.12.2008, BGBl. I, S. 2586, 2587) am 1.9.2009 findet vorliegend das bisherige Verfahrensrecht Anwendung. Denn das Verfahren ist in erster Instanz vor dem 1.9.2009 eingeleitet worden, vgl. Art. 111 Abs. 1 FGG-RG (BGBl. 2008 I, S. 2586, 2743; 2009 I, S. 700, 723). Darauf, dass das Rechtsmittel erst nach dem 1.9.2009 eingelegt worden ist, kommt es nicht an (vgl. BGH, FGPrax 2010, 102, 103 Tz 8 ff; OLG Köln, FGPrax 2009, 240 sowie 241und 287; OLG Düsseldorf, FGPrax 2009, 284; OLG Stuttgart, FamRB 2009, 373; OLG Schleswig, FGPrax 2009, 289 sowie 290; OLG Hamm, FGPrax 2009, 285; OLG Dresden, MDR 2010, 104; Bork/Jacoby/Schwab/Müther, FamFG, vor § 58, Rz. 18; Keidel/Engelhardt, FamFG, 16. Aufl., Art. 111 FGG-RG, Rz. 2; Bahrenfuss, FamFG, Einl. Rz. 69; Musielak/Borth, Familiengerichtliches Verfahren, Einl. Rz. 90; MünchKommZPO/Pabst, 3. Aufl., Art. 111 FGG-RG, Rz. 16; Thomas/Putzo/Hüßtege, ZPO, 30. Aufl., Vorbem. vor § 606, Rz. 3; Schael, FamFR 2010, 1; Schwamb, FamRB 2010, 27; Sternal, FGPrax 2009, 242; siehe auch BGH, Urteil vom 16.12.2009 – XII ZR 50/08 -, BeckRS 2010, 01715 Tz. 7; a.A. Prütting/Helms, FamFG, Art. 111 FGG-RG Rz. 5; Zöller/Geimer, ZPO, 28. Aufl., FamFG Einl. Rz. 47; Geimer, FamRB 2010, 386 f.).
Zur Sicherung des Umgangsrechts kann es im Einzelfall erforderlich sein, eine Umgangspflegschaft anzuordnen. Eine solche Pflegschaft ist für die nach dem 1.9.2009 eingeleiteten Verfahren in § 1684 Abs. 3 Satz 3 bis 6 BGB n. F. geregelt. Für die Zeit davor war dieses Rechtsinstitut in Anwendung von § 1666 BGB bereits anerkannt (vgl. Senat, Beschluss vom 21.11.2006 – 10 UF 128/06 -, Beck RS 2007, 06572).
Allein die Befürchtung der Mutter, dem Vater könnten seine Interessen, nämlich Freunde, Feiern und Alkohol, wichtiger sein als die Interessen des Kindes, vermag eine Einschränkung oder gar einen Ausschluss des Umgangs nicht zu rechtfertigen. Erforderlich ist insoweit nämlich eine konkrete, in der Gegenwart bestehende Gefährdung des Kindeswohls (BVerfG, Beschluss vom 13.7.2005 – 1 BvR 215/05 -, Beck RS 2005, 28910; Senat, Beschluss vom 3.4.2008 – 10 UF 167/08 – FamRZ 2008, 374). Daran fehlt es vorliegend im Hinblick auf die pauschale Befürchtung der Mutter.
Der Hinweis auf die Möglichkeit der Festsetzung eines Ordnungsgeldes folgt aus § 89 Abs. 2 FamFG. Zwar findet, wie ausgeführt, auf das vorliegende Verfahren das bisherige Verfahrensrecht Anwendung. Anders verhielte es sich aber im Hinblick auf ein Vollstreckungsverfahren. Dieses wäre im Rahmen des Art. 111 Abs. 1 FGG-RG als ein selbstständiges Verfahren und nicht als bloße Fortsetzung des Verfahrens der Hauptsache anzusehen, so dass sich Vollstreckungsverfahren, die nach dem 31. 8. 2009 eingeleitet würden, nach den §§ 86 ff., 120 FamFG richteten (vgl OLG Karlsruhe, Beschluss vom 8.4.2010 – 2 WF 40/10 -, NJW 2010, 2142 m. Anm. Beger-Oelschlegel FamFR 2010, 231).
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