Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201974,%20948
Timestamp: 2019-05-20 10:18:46
Document Index: 277504132

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 640', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 92', 'BGH', 'BGH', '§ 611', 'BGH', 'BGH']

BGH, 05.02.1974 - VI ZR 52/72 - dejure.org
https://dejure.org/1974,504
BGH, 05.02.1974 - VI ZR 52/72 (https://dejure.org/1974,504)
BGH, Entscheidung vom 05.02.1974 - VI ZR 52/72 (https://dejure.org/1974,504)
BGH, Entscheidung vom 05. Februar 1974 - VI ZR 52/72 (https://dejure.org/1974,504)
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Beurteilung eines Einnickens am Steuer als "Grobe Fahrlässigkeit" im Sinne des § 640 Reichsversicherungsordnung (RVO) - Beurteilung des Fahrlässigkeitsgrades durch Nichtbemerken der Prodromalerscheinungen - Anforderungen an die Feststellung groben Verschuldens durch den Tatrichter
NJW 1974, 948
MDR 1974, 658
VersR 1974, 593
DB 1974, 871
Im Übrigen begründet das Herbeiführen eines Verkehrsunfalls durch ein nachweisliches "Einnicken" des Fahrers am Steuer nach der Rechtsprechung nur dann den Vorwurf grober Fahrlässigkeit, wenn feststeht, dass sich der Fahrer bewusst über von ihm erkannte deutliche Anzeichen einer Übermüdung hinweggesetzt hat (vgl. BGH, Urt. v. 5.2.1974 - VI ZR 52/72, VersR 1974, 593, 594 = NJW 1974, 948;… Urt. v. 1.3.1977 - VI ZR 263/74, VersR 1977, 619, 620).
Die Regeln des Anscheinsbeweises sind für den Nachweis der groben Fahrlässigkeit jedenfalls insoweit nicht anwendbar, als es sich dabei um individuelle Vorgänge wie etwa im Straßenverkehr um das Überfahren einer roten Ampel (…vgl. BGH, Urt. v. 29.1.2003 - IV ZR 173/01, VersR 2003, 364, 365 = NJW 2003, 1118) oder namentlich auch um das "Einnicken" am Steuer handelt (vgl. BGH VersR 1974, 593, 594).
Entsprechendes ist für Ermüdung (BGH VersR 1959, 445 und 1967, 808) sowie für eingeschränktes Sehvermögen (vgl. BGH JZ 1968, 103; NJW 1974, 948) entschieden worden.
vgl. etwa BVerwG, Beschluss vom 13. Januar 1982 - 1 B 142.81 -, Buchholz 310 § 92 VwGO Nr. 6, S. 2 (3 f.); BGH, Urteil vom 14. November 1983 - IVb ZR 1/82 -, NJW 1984, 805; Hamb. OVG, Urteil vom 30. Mai 1988 - Bf II 100/86 -, NJW 1989, 604 (605) = juris, Rn. 40 ff.; OVG NRW, Urteile vom 15. Juli 1974 - III A 51/74 -, NJW 1974, 948 (949), und vom 11. Dezember 2008 - 7 D 111/07.NE -, juris, Rn. 38 ff., m. w. N.; Bay. VGH, Urteil vom 22. April 2008 - 1 B 04.3320 -, NJW 2009, 247 (248 f.) = juris, Rn. 31 ff.; VG L1.
BGH, 20.10.1987 - VI ZR 280/86
Versagt der Kraftfahrzeugführer bei der Erfüllung dieser Pflicht, so hat er die daraus entstehenden Schadensfolgen zu tragen (vgl. Senatsurteile vom 30. März 1955 - VI ZR 23/54 - VersR 1955, 342, 343 (Ermüdung); vom 16. Januar 1959 - VI ZR 27/58 - VersR 1959, 445, 446 (Ermüdung); vom 9. Juni 1967 - VI ZR 11/66 - VersR 1967, 808 (Sehvermögen) = JZ 1968, 103 mit Anm. Deutsch; vom 5. Februar 1974 - VI ZR 52/72 - VersR 1974, 593, 594 (Ermüdung); vgl. auch BAG AP BGB § 611 Nr. 16).
Einschlafen am Steuer gereicht dem Kraftfahrer im Regelfall zum (einfachen) Verschulden, wobei die Grundsätze des Beweises des ersten Anscheins zur Anwendung kommen (vgl. BGH, VersR 1974, 593 f., 594).
Bei der Feststellung groben Verschuldens muss klargestellt werden, dass auf Grund der besonderen Umstände des gegenwärtigen Falles das Gericht die Überzeugung erlangt hat, der Kraftfahrer habe nicht nur bei der jedem Kraftfahrer obliegenden Pflicht zu ständiger, scharfer Selbstbeobachtung schuldhaft versagt, sondern sich über Umstände, die die Gefahr des Einnickens erkennbar machten, in einer Weise hinweg gesetzt, die sein Verhalten als besonders verwerflich und damit ein Verschulden als ein grobes erscheinen ließen (vgl. BGH, VersR 1974, 593 f., 594).
OLG Düsseldorf, 09.10.2002 - 18 U 38/02
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