Source: http://www.pz-pucher.at/pz-pucher/kommentar-und-entwurf-zum-abgabenaenderungsgesetz-2014/
Timestamp: 2019-09-19 11:03:59
Document Index: 63147440

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 10', '§ 2', '§ 2', '§ 3', '§ 3']

Ihr Steuer- & Unternehmensberater | Kommentar und Entwurf zum Abgabenänderungsgesetz 2014 - Ihr Steuer- & Unternehmensberater
Entwurf des Abgabenänderungsgesetzes 2014
Sehr geehrte Klienten und Klientinnen!
Das neue Jahr 2014 hat gerade erst begonnen und schon müssen wir Ihnen schlechte Nachrichten von unserer derzeitigen Regierung (SPÖ/ÖVP) überbringen, da diese sich bei Belastungen für die Steuerpflichtigen besonders anstrengt (nicht so bei Entlastungen oder Reformen).
Im Begutachtungsentwurf zum Abgabenänderungsgesetz 2014 ist die Richtung (-> Belastungen für Einzel-, Klein- & Mittelbetriebe bzw. Unternehmer) eindeutig.
Vorgesehen sind u.a. folgende Änderungen:
I) Rückstellungen größer 12 Monate gem § 9 Abs. 5:
„(5) Rückstellungen im Sinne des Abs. 1 Z 3 und Z 4 sind mit dem Teilwert anzusetzen. Der Teilwert ist mit einem Zinssatz von 3,5% abzuzinsen, sofern die Laufzeit der Rückstellung am Bilanzstichtag mehr als zwölf Monate beträgt.“
Für Sie bedeutet das, dass z.B. bei privatrechtlicher Verpflichtung gegenüber Dritten (Kunden, Lieferanten) – Beispiel: Gewährleistungsansprüche – diese Rückstellung pro Jahr mit 3,5% abzinsen müssen und somit weniger steuerlicher Aufwand zur Verfügung steht.
II) Gewinnfreibetrag ab Wirtschaftsjahr 2014 gem § 10 Abs. 3
„Begünstigte Wirtschaftsgüter sind abnutzbare körperliche Wirtschafsgüter des Anlagevermögens mit einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren, die inländischen Betrieben oder inländischen Betriebsstätten zuzurechnen sind, wenn der Betrieb oder die Betriebsstätte der Erzielung von Einkünften im Sinne des § 2 Abs. 3 Z 1 bis 3 dient. Dabei gelten Wirtschaftsgüter, die auf Grund einer entgeltlichen Überlassung überwiegend außerhalb eines Mitgliedstaates der Europäischen Union oder eines Staates des Europäischen Wirtschaftsraumes eingesetzt werden, nicht einem inländischen Betrieb oder einer inländischen Betriebsstätte als zugerechnet.“
Für Sie bedeutet das, dass keine Wertpapiere mehr zur Inanspruchnahme des Gewinnfreibetrages (für Gewinn über EUR 30.000,–) gekauft werden können. Der Vorteil der Wertpapiere, gleichzeitig auch als Sicherheit für Verbindlichkeiten gegenüber Banken zur Verfügung zu stehen, fällt somit ebenfalls weg.
Weiters stellt dies eine besondere Verschlechterung für Dienstleistungs- und sonstige nicht anlagenintensiven Unternehmen dar, da hier oftmals keine Wirtschaftsgüter angeschafft werden können. Somit ist für diese Unternehmen mit Wirkung Wirtschaftsjahr 2014 und Folgejahre, eine Steuererhöhung um mehrere Prozent (abhängig von anzuwendendem Steuersatz) zu bedenken. Da das steuerliche Ergebnis auch für die Vorauszahlungsberechnung herangezogen wird, werden auch die Vorauszahlungen in den kommenden Jahren für Sie steigen.
Da der Gewinnfreibetrag ein Äquivalent zum begünstigen 13. und 14. Monatsgehalt für Arbeiter und Angestellte darstellte, werden UnternehmerInnen somit deutlich schlechter gestellt.
Die betrifft unter anderem Freiberufler wie z.B. Ärzte, Rechtsanwälte und Notare, da diese keine (relevanten) wiederkehrenden Investitionen tätigen. Ebenfalls von dieser Änderung betroffen sind z.B. Handelsvertreter, die Investitionen z.B. einen Fiskal-LKW in unterschiedlichen Perioden (alle 3 bis 4 Jahre) kaufen.
III) Erhöhung Alkoholsteuer von 1.000,– auf 1.200,– je 100 l A Alkoholsteuergesetztes § 2 Abs. 1
„(1) Die Alkoholsteuer beträgt 1.200 Euro je 100 l A (Regelsatz)“
Diese Erhöhung um 20% schlägt sich sowohl auf den Einkauf als auf den Verkauf an Endkunden nieder, da auch die Bemessungsgrundlage der Umsatzsteuer dadurch erhöht wird.
IV) Wiedereinführung der Schaumweinsteuer § 3 Abs. 1
„§ 3. (1) Die Schaumweinsteuer beträgt 100 Euro je Hektoliter Schaumwein.“
Diese Wiedereinführung der Schaumweinsteuer bedeutet, dass sich z.B. eine 0,75l Flasche Sekt in Zukunft um rd. 0,90 Cent (inkl. Umsatzsteuer) verteuern wird. Dies wird sich vor allem bei den inländischen Produzenten und Erzeugern wie auch bei Handel und Gastgewerbe niederschlagen.
V) Änderung GmbH-Gesetz – GmbH light hatte nur kurze Lebensdauer
Im Abgabenänderungsgesetz 2014 ist vorgesehen, dass die erst im Jahr 2013 eingeführte GmbH light (zur Erinnerung – Mindeststammkapital EUR 10.000,–) bereits ab 2014 nicht mehr gegründet werden kann. Vorgesehen ist wieder ein Mindeststammkapital iHv EUR 35.000,– und somit wird auch die Mindestkörperschaftsteuer wieder erhöht, da diese vom gesetzlichen Mindeststammkapital berechnet wird.
Für Gründer soll jedoch eine sogenannte „Gründungsprivilegierung“ eingeführt werden. Dieses „Privileg“ soll darin bestehen, dass weiterhin mit EUR 5.000,– gegründet werden kann, jedoch in der Firma mit dem Zusatz „Gründungsprivilegiert“ versehen werden soll. Weiters ist nach spätestens 10 Jahren das volle Mindeststammkapital aufzubringen. Das heißt es besteht max. eine Stundung bei der Aufbringung des Kapitals.
Dies bedeutet, falls Sie überlegen eine GmbH light zu gründen, daran zu denken, ob Ihre Kunden und Lieferanten diesen Zusatz nicht potenziell als Missbrauch ansehen und Ihnen im Gegensatz zu „normalen“ GmbHs schlechtere Konditionen und/oder mehr Sicherheiten von Ihnen verlangen könnten.
Bei Beschluss des Abgabenänderungsgesetzes werden wir Sie genauer über die gesetzten Änderungen informieren.