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Timestamp: 2020-07-03 23:24:40
Document Index: 14672571

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 42', '§ 42', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 41', '§ 1', '§ 46', '§ 46', '§ 6', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 4', '§ 46', '§ 46', '§ 4', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 46']

Honorarermittlung | Anrechenbare Kosten bei Verkehrsanlagen:Kein Honorar verschenken
28.10.2015 ·Fachbeitrag ·Honorarermittlung
Anrechenbare Kosten bei Verkehrsanlagen:Kein Honorar verschenken
von Dipl.-Ing. Ulrich Welter, ö.b.u.v. Sachverständigerfür Ingenieurhonorare nach HOAI, ingside, Büsum
| Die Praxis aus der Sachverständigentätigkeit lehrt, dass Planer bei ihren Honorarrechnungen die anrechenbaren Kosten oft fehlerhaft und / oder unvollständig ermitteln. Lernen Sie deshalb nach dem Verfahren zur Ermittlung der anrechenbaren Kosten bei Ingenieurbauwerken (PBP 10/2015, Seite 8) auch das Ermittlungsschema bei Verkehrsanlagen kennen und profitieren Sie bei der Umsetzung von einem Beispiel. |
Die vier Komponenten der anrechenbaren Kosten
Auch bei der Ermittlung der anrechenbaren für Verkehrsanlagen gilt § 4 Abs. 1 HOAI 2013: „Anrechenbare Kosten sind Teil der Kosten für die Herstellung, den Umbau, die Modernisierung, Instandhaltung oder Instandsetzung von Objekten sowie für die damit zusammenhängenden Aufwendungen“. Die anrechenbaren Kosten setzen sich aus vier Faktoren zusammen:
1. Den vollständig anrechenbaren Kosten
2. Den gemindert anrechenbaren Kosten
3. Den bedingt anrechenbaren Kosten
4. Der mitverarbeiteten Bausubstanz
Besonderheiten bei Verkehrsanlagen
Zusätzlich hält die HOAI 2013 beim Leistungsbild Verkehrsanlagen noch einige Besonderheiten parat:
Die Ausstattung (§ 42 Abs. 1 HOAI)
Bei Straßen zählen Markierungen, Leiteinrichtungen und Beschilderungen zur Ausstattung. Die Kosten dieser Anlagen gehören zu den anrechenbaren Kosten des Objekts, wenn Sie als Auftragnehmer diese Anlagen planen oder überwachen (bedingt anrechenbare Kosten).
Entwässerungsanlagen (§ 42 Abs. 1 HOAI)
Auch die Kosten von Entwässerungsanlagen, die der Zweckbestimmung der Verkehrsanlage dienen (Borde, Rinnen, Straßeneinläufe, Anschlussleitungen, Seitengräben), gehören zu den anrechenbaren Kosten des Objekts, wenn Sie als Auftragnehmer diese Anlagen planen oder überwachen (bedingt anrechenbare Kosten).
Kosten für Erd- und Felsarbeiten (§ 46 Abs. 4 HOAI)
Die Kosten für Erd- und Felsarbeiten gehören nur zu 40 Prozent der sonstigen anrechenbaren Kosten nach § 46 Abs. 1 HOAI zu den anrechenbaren Kosten des Objekts.
Sonstige anrechenbare Kosten (§ 46 Abs. 1 HOAI)
Es ist zu beachten, dass § 46 Abs. 1 in der HOAI 2013 anders lautet als in der HOAI 2009. In Letzterer nämlich war lediglich ein Verweis auf den § 41 enthalten. Das führte dazu, dass zu den „sonstigen anrechenbaren Kosten“ auch die teilweise anrechenbaren Kosten der Technischen Ausrüstung sowie die bedingt anrechenbaren Kosten gemäß § 1 Abs. 3 (zum Beispiel Verkehrslenkung während der Bauzeit) gehörten.
PRAXISHINWEIS | Diese beiden Positionen sind bei den „sonstigen anrechenbaren Kosten“ weggefallen, weil § 46 Abs. 1 HOAI 2013 genau diese Kostenpositionen nicht mehr enthält. Es gibt Meinungen, dass es sich hier um einen redaktionellen Fehler in der HOAI 2013 handelt und eigentlich das gemeint sei, was auch in der HOAI 2009 galt. Für mich ist dies nicht überzeugend. Ich empfehle daher, die „sonstigen anrechenbaren Kosten“ spezifisch zu ermitteln.
Kosten von Ingenieurbauwerken bei Verkehrsanlagen (§ 46 Abs. 4 Nr. 2)
Die Kosten von Ingenieurbauwerken, die Ihnen als Auftragnehmer nicht gleichzeitig übertragen wurden, sind zu 10 Prozent bei der Objektplanung der Verkehrsanlage anrechenbar. Das sind zum Beispiel Brücken, Tunnels, Stützwände, Kanalisationen oder Regenbecken im Straßenraum. Gleichzeitig bedeutet, im gleichen Ingenieurvertrag bzw. zeitgleich mit dem Ingenieurvertrag für die Verkehrsanlage.
Beispiel zeigt Ermittlungsschema bei Verkehrsanlagen
Die Ermittlung und Zusammenführung der anrechenbaren Kosten wird am besten anhand eines Beispiels deutlich:
Ermittlungsschema anrechenbare Kosten bei Neubau einer innerörtlichen Straße
Bei der Erschließung eines Gewerbegebiets für eine große Veranstaltungshalle soll eine Straße neu gebaut werden. Die Straße ist in bewegtem Gelände zu bauen, weshalb Stützwände teils rechts und teils links der Straße erforderlich sind. Die Straße ist an die bestehende Ortsdurchfahrt anzubinden. Die Besucherparkplätze sind nicht Gegenstand des Auftrags. Die Beschilderung und Markierung (Ausstattung) ist mitzuplanen. Im Einmündungsbereich der Ortsdurchfahrt werden verkehrsregelnde Maßnahmen während der Bauzeit erforderlich. In diesem Bereich sollen die vorhandenen Bord- und Rinnenanlagen sowie die Gehwegbefestigung aufgenommen, seitlich gelagert und wieder eingebaut werden. Die Kosten der Ingenieurbauwerke (die Stützwände für die Verkehrsanlagen) betragen insgesamt 100.000 Euro. Die Anlagen der Technische Ausrüstung, die im Zusammenhang mit dem Bau der Straße zu planen sind, umfassen die Beleuchtung (Starkstromanlagen) sowie ein Parkleitsystem (Fernmelde- und informationstechnische Anlagen). Die anrechenbaren Kosten für das Projekt ermitteln sich wie folgt:
Ermittlung der anrechenbaren Kosten für Objekt Neue innerörtliche Straße
Kostengrundlage: Kostenberechnung (§ 6 Abs. 1)
Sonstige anrechenbare Kosten
Vollständig anrechenbare Kosten (§ 46 Abs. 1
Kosten der Baukonstruktion (DIN 276-4, KG 300), ohne Erd- und Felsarbeiten
Summe vollständig anrechenbare Kosten
Bedingt anrechenbare Kosten
Bedingt anrechenbare Kosten (§ 46 Abs. 1)
Ausstattung der Verkehrsanlage (zum Beispiel Beschilderung und Markierung)
Summe bedingt anrechenbare Kosten
Summe sonstige anrechenbare Kosten
Teilweise anrechenbare Kosten (§ 46 Abs. 4 Nr. 1)
Kosten der Erd- und Felsarbeiten, davon
anrechenbar bis zu 40 Prozent der sonstigen anrechenbaren Kosten aus § 46 Abs. 1 (250.000 x 40 % = 100.000)
Summe anrechenbare Kosten aus § 46 Abs. 1
aus mitverarbeiteter Bausubstanz (§ 4 Abs. 3)
Bedingt anrechenbare Kosten (§ 46 Abs. 3)
Herrichten des Grundstücks (DIN 276-1, KG 210)
Öffentliche Erschließung (DIN 276-1, KG 220)
Verkehrsregelnde Maßnahmen während der Bauzeit*
Summe anrechenbare Kosten aus § 46 Abs. 3
Bedingt anrechenbare Kosten(§ 4 Abs. 2)
Einbau vorhandener/vorbeschaffter Bauteile**
Bedingt anrechenbare Kosten (§ 46 Abs. 4)
Kosten der Ingenieurbauwerke*** (Zusammenstellen auf Beiblatt)
davon anrechenbar 10 Prozent****
Teilweise anrechenbare Kosten (§ 46 Abs. 2)
Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen (DIN 276-4 KG 410)
Wärmeversorgungsanlagen (DIN 276-4 KG 420)
Lufttechnische Anlagen (DIN 276-4 KG 430)
Starkstromanlagen (DIN 276-4 KG 440)
Fernmelde- und informationstechnische Anlagen (DIN 276-4 KG 450)
Summe Kosten Technische Anlagen, davon
voll anrechenbar bis 25 % der sonst. anr. Kosten (max. 375.000 x 0,25)
zur Hälfte anrechenbar mit dem Betrag, der 25 Prozent der sonstigen anrechenbaren Kosten übersteigt (100.000 ./. 89.375) x 0,5
Summe teilweise anrechenbare Kosten (§ 46 Abs. 2 HOAI)
Summe anrechenbare Kosten insgesamt
451.187,50
Diese Gesamt-anrechenbaren-Kosten sind zu mindern bei Straßen, die mehrere durchgehende Fahrspuren (Abbiegespuren zählen nicht) mit einer gemeinsamen Entwurfsachse und einer gemeinsamen Entwurfsgradiente haben (§ 46 Abs. 5). Die Minderung gilt nur für die Leistungsphasen 1 bis 7 und 9, nicht also für Lph. 8.
* Wenn hierfür der Tafeleingangswert (25.000 Euro) erreicht wird, stellen diese Maßnahmen ein eigenständiges Objekt im Leistungsbild Verkehrsanlagen dar.
** zum Beispiel Wiedereinbau aufgenommener und seitlich gelagerter Bordsteine, Pflaster oder ähnlichem. Auch von baustellenfremden Lagerplätzen angefahrener Boden.
*** zum Beispiel Brücken, Stützwände und Durchlässe
**** nach § 46 Abs. 4 Nr. 2 HOAI nur dann anrechenbar, wenn dem Auftragnehmer nicht gleichzeitig Grundleistungen hierfür übertragen werden.
Quelle: Ausgabe 11 / 2015 | Seite 3 | ID 43595346
09.09.2016 · HOAI
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