Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=GRUR%201990,353
Timestamp: 2019-07-16 19:52:41
Document Index: 93538984

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 97', '§ 308', 'BGH', 'BGH', '§ 97', 'BGH', '§ 97', '§ 97', '§ 97', 'BGH', 'BGH', '§ 308', '§ 7', '§ 7', 'BGH', '§ 308', '§ 308', 'BGH', '§ 615', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 287', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 97', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 16.11.1989 - I ZR 15/88 - dejure.org
https://dejure.org/1989,1129
BGH, 16.11.1989 - I ZR 15/88 (https://dejure.org/1989,1129)
BGH, Entscheidung vom 16.11.1989 - I ZR 15/88 (https://dejure.org/1989,1129)
BGH, Entscheidung vom 16. November 1989 - I ZR 15/88 (https://dejure.org/1989,1129)
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Vertrieb von Videofilmen - Herstellung von Raubkopien - Bemessung von Schadensersatz wegen Verletzung des Vervielfältigungsrechts - Fiktive Lizenzgebühr - Schätzung eines Mindestschadens
UrhG § 97 Abs. 1; ZPO § 308 Abs. 1
"Raubkopien"; Anforderungen an die Schätzung eines Mindestschadens aufgrund der Herstellung von Raubkopien von Videofilmen
NJW 1990, 1993 (Ls.)
MDR 1990, 698
GRUR 1990, 353
ZUM 1990, 363
Bei den Einzelforderungen, aus denen sich der geltend gemachte Teilbetrag zusammensetzt, handelt es sich auch nicht um unselbständige Rechnungsposten eines einheitlichen Anspruchs, die der Tatrichter der Höhe nach verschieben und dabei hinsichtlich einzelner Rechnungsposten über das Geforderte hinausgehen darf, sofern die Endsumme nicht überschritten wird (…vgl. Senatsurteil vom 7. Juni 2011 - VI ZR 260/10, VersR 2011, 1008 Rn. 7; BGH, Urteil vom 16. November 1989 - I ZR 15/88, NJW-RR 1990, 997, 998), sondern um rechtlich selbständige, jeweils einen eigenen Streitgegenstand begründende Ersatzansprüche.
Diese Sichtweise unter Ansatz eines Bruchteils von 27/36, der für die dreijährige Nutzung von der Beklagten verlangt wird, steht nicht nur im Widerspruch zu der degressiv gestalteten Vergütungsbemessung der Beklagten - der Kläger als Verletzer stünde danach günstiger als derjenige, der eine Nutzungserlaubnis für eine Dauer von zwei Jahren eingeholt hätte - sondern auch mit der ständigen Rechtsprechung, wonach der Verletzer mit dem Argument, er habe das Werk nur in einem geringerem Umfang genutzt wie es einem vertraglichen Lizenznehmer möglich gewesen wäre (vgl. BGH GRUR 1990, 353, 355 unter 3.c - Raubkopien; GRUR 1990, 1008, 1009 - Lizenzanalogie) nicht durchdringen kann.
Bei der Schadensberechnung im Rahmen des § 97 UrhG wird ein Verletzerzuschlag im Rahmen der Lizenzanalogie - mit Ausnahme der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zugunsten der GEMA - grundsätzlich abgelehnt (BGH, Urteil vom 16. November 1989 - I ZR 15/88 - Raubkopien, juris Rn. 29;… Reber in BeckOK UrhR, a. a. O., § 97 UrhG § 97 Rn. 126ff.;… v. Wolff in Wandtke/Bullinger, a. a. O., § 97 Rn. 78 ff.).
Sie beruht auf der Erwägung, daß derjenige, der ausschließliche Rechte anderer verletzt, nicht besser dastehen soll, als er im Falle einer ordnungsgemäß erteilten Erlaubnis durch den Rechtsinhaber gestanden hätte (…st. Rspr., vgl. zuletzt BGH, Urt. v. 10.7.1986 I ZR 102/84, GRUR 1987, 37, 39 - Videolizenzvertrag; BGH, Urt. v. 16.11.1989 - I ZR 15/88 - Raubkopien, Umdr. S. 14).
Bei solch einem einheitlichen Streitgegenstand (…allg. hierzu: Zöller/Vollkommer ZPO 27. Aufl. § 308 Rn. 4) darf das erkennende Gericht grundsätzlich die einzelnen Posten der Höhe nach verschieben, sofern die Endsumme nicht überschritten wird, und dabei - vorliegend beim Ansatz der noch nicht genommenen Urlaubstage - sogar über das Geforderte hinausgehen (anders aber bei einem auf unterschiedliche Kalenderjahre bezogenen Abgeltungsbegehren: BAG 5. Dezember 1995 - 9 AZR 871/94 - BAGE 81, 339 = AP BUrlG § 7 Abgeltung Nr. 70 = EzA BUrlG § 7 Nr. 101; vgl. allg. auch BGH 16. November 1989 - I ZR 15/88 - NJW-RR 1990, 997;… Stein/Jonas/Leipold ZPO 22. Aufl. § 308 Rn. 6).
b) In der Revisionsinstanz konnte der Verstoß gegen § 308 Abs. 1 ZPO nicht allein dadurch heilen, daß der Kläger nunmehr insoweit eine gegenteilige Entscheidung begehrt (vgl. dazu BGH, Urt. v. 16.11.1989 - I ZR 15/88, GRUR 1990, 353, 355 - Raubkopien;… Urt. v. 23.1.1980 - VIII ZR 218/78, WM 1980, 343, 344; BAG AP § 615 Nr. 30 mit Anmerkung Walchshöfer).
Sie scheidet deshalb aus, wenn sie mangels greifbarer Anhaltspunkte völlig in der Luft hängen würde (BGHZ 91, 243, 257 [BGH 22.05.1984 - III ZR 18/83]; BGH, Urteil vom 16. November 1989 - I ZR 15/88 = BGHR ZPO § 287 Mindestschaden 1; Urteil vom 12. Oktober 1993 - X ZR 65/92 = NJW 1994, 663 unter II 2 c bb).
Bei einer solchen Schadensberechnung ist derjenige Betrag zugrunde zu 1egen, welchen vernünftige Lizenzvertragsparteien in Kenntnis des Rechts des Betroffenen für die Verwertung als Lizenzgebühr vereinbart hätten (st. Rspr., vgl. zuletzt BGH, Urt. v. 16.11.1989 - I ZR 15/88, GRUR 1990, 353, 355 - Raubkopien;… Urt. v. 22.3. 1990 - I ZR 59/88, GRUR 1990, 1008, 1009 - Lizenzanalogie).
Auch wenn - wovon mit der Revision für den Streitfall auszugehen ist - die Pauschallizenz für die Verwertung von Lichtbildern erfahrungsgemäß neben dem Recht auf Vervielfältigung jedenfalls das Recht einschließt, die Lichtbilder in der Öffentlichkeit zu verbreiten, hat der Verletzer den Pauschalbetrag für die ungeteilte Lizenz auch dann zu zahlen, wenn es nicht zu einer Verbreitungshandlung kommt (BGH, Urt. v. 16.11.1989 - I ZR 15/88, GRUR 1990, 353, 355 - Raubkopien;… vgl. auch BGH, Urt. v. 22.3. 1990 - I ZR 59/88, GRUR 1990, 1008, 1009 - Lizenzanalogie).
Der Verletzer muss in jedem Fall die übliche volle Lizenzgebühr zahlen (BGH, GRUR 1990, 353, 355 - Raubkopien), denn die Schadensberechnung im Wege der Lizenzanalogie beruht auf der Fiktion, dass der Rechtsinhaber dem Verletzer eine Lizenz eingeräumt hätte und dieser zur Zahlung der üblichen Lizenzgebühr bereit gewesen wäre (BGHZ 44, 372, 379 - Meßmer-Tee II); dabei soll der Verletzer weder besser noch schlechter stehen als derjenige, der ordnungsgemäß eine Lizenz eingeholt hat (BGH, GRUR 1987, 37 39 - Videolizenzvertrag;… Wandte/Bullinger/v. Wolff, § 97 Rdn. 73).
Eine Übertragung dieser GEMA-Rechtsprechung auf andere Bereiche hat der Bundesgerichtshof jedoch regelmäßig abgelehnt (BGHZ 97, 37, 49 ff. - Filmmusik; BGH, GRUR 1988, 296, 299 - GEMA-Vermutung IV; BGH, GRUR 1990, 353, 355 - Raubkopien.).
Es darf dabei hinsichtlich einzelner Rechnungsposten über das Geforderte hinausgehen, solange die Endsumme nicht überschritten wird (vgl. BGH 10. Juli 2012 - VI ZR 341/10 - Rn. 36, BGHZ 194, 26; 16. November 1989 - I ZR 15/88 - zu II 3 der Gründe) .