Source: https://www.zip-online.de/heft-41-2014/zip-2014-2004-entschaedigung-wegen-unangemessener-verfahrensdauer-bei-34-monatiger-untaetigkeit-des-fg-im-klageverfa/
Timestamp: 2020-05-29 07:29:24
Document Index: 385826919

Matched Legal Cases: ['§ 198', '§ 288', '§ 198', '§ 288', '§ 291', '§ 288', '§ 291', '§ 288']

Entschädigung wegen unangemessener Verfahrensdauer bei 34-monatiger Untätigkeit des FG im Klageverfahren (BFH, Urt. v. 19.03.2014 – X K 8/13 +) – ZIP 2014, 2004 | ZIP online
ZIP 2014, 2004
RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, KölnRWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln0723-9416Zeitschrift für WirtschaftsrechtZIP2014RechtsprechungVerfahrens- und VollstreckungsrechtGVG § 198 Abs. 1; BGB §§ 288, 291Entschädigung wegen unangemessener Verfahrensdauer bei 34-monatiger Untätigkeit des FG im KlageverfahrenGVG§ 198BGB§ 288BGB§ 291BFH, Urt. v. 19.03.2014 – X K 8/13 (FG Berlin-Brandenburg), BStBl II 2014, 584 +BFHUrt.19.3.2014X K 8/13BStBl II 2014, 584FG Berlin-Brandenburg
1. Bei einem finanzgerichtlichen Klageverfahren, das im Vergleich zu dem typischen in dieser Gerichtsbarkeit zu bearbeitenden Verfahren keine wesentlichen Besonderheiten aufweist, besteht die Vermutung, dass die Dauer des Verfahrens angemessen ist, wenn das Gericht gut zwei Jahre nach dem Eingang der Klage mit Maßnahmen beginnt, die das Verfahren einer Entscheidung zuführen sollen, und die damit begonnene Phase der gerichtlichen Aktivität nicht durch nennenswerte Zeiträume unterbrochen wird, in denen das Gericht die Akte unbearbeitet lässt (Bestätigung der BFH-Rechtsprechung).
2. Wird das FG in einem Klageverfahren, das sowohl hinsichtlich seines Schwierigkeitsgrads als auch hinsichtlich seiner Bedeutung für die Verfahrensbeteiligten als durchschnittlich anzusehen ist, erstmals 34 Monate nach Klageeingang tätig und bescheidet es mehrere Verzögerungsrügen und Sachstandsanfragen des Verfahrensbeteiligten entweder gar nicht oder lediglich mit – nicht auf das konkrete Verfahren bezogenen – Standard-Textbausteinen, ist die Verfahrensdauer im Umfang von neun Monaten als unangemessen anzusehen.
3. Führt ein Entschädigungsklageverfahren zur Zuerkennung eines Geldanspruchs, besteht zusätzlich ein Anspruch auf Prozesszinsen i. H. v. fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz (§ 288 Abs. 1 Satz 2 i.V. m. § 291 BGB). Der erhöhte Zinssatz des § 288 Abs. 2 BGB (acht Prozentpunkte über dem Basiszinssatz) ist nicht anwendbar, weil ein Anspruch auf Entschädigung keine „Entgeltforderung“ darstellt.