Source: https://www.ndeex.de/erbrecht_aktuell/1132755088.html
Timestamp: 2019-08-21 20:07:03
Document Index: 305198463

Matched Legal Cases: ['§ 2256', 'BGH', '§ 2078', '§ 2081', '§ 2256', '§ 2256', '§ 2256']

Nach der Rechtsprechung (BayObLG, NJW-RR 2005, 957) tritt die Widerrufswirkung der Rücknahme eines notariellen Testaments aus der amtlichen Verwahrung wegen der gesetzlichen Fiktion der Widerrufsabsicht in § 2256 I BGB unabhängig vom Willen des Erblassers ein. Die Rücknahme eines notariellen Testaments ist auch eine Verfügung von Todes wegen (BGH, NJW 1957, 906) und unterliegt daher der Anfechtung nach § 2078 BGB, wenn sich der Erblasser in einem – rechtlich relevanten – Irrtum befunden hat (BayObLG, NJW-RR 2005, 957). Maßgebend für Form und Frist der Anfechtung sind die §§ 2081, 2082 BGB.
Praxishinweis: Das Rückgabeverlangen i.S. des § 2256 BGB ist formlos möglich, setzt aber Testierfähigkeit voraus. Gem. § 2256 II 2 BGB darf das Testament nicht an einen Bevollmächtigten, sondern muss an den Erblasser persönlich zurückgegeben werden. Unterbleibt die nach § 2256 I 2 BGB erforderliche Belehrung des NachlassG, kann diese zu Amtshaftungsansprüchen führen; der Widerruf selbst bleibt aber wirksam. Der Berater hat dann zu prüfen, ob die Voraussetzungen einer – frist- und formgebundenen – Anfechtung der Rücknahme vorliegen.
(OLG München, Beschluss vom 11.5.2005 – 31 Wx 19/05 = ZEV 2005, 482)