Source: http://www.hensche.de/Abmahnung_und_Ermahnung_Anspruch_auf_Entfernung_einer_Ermahnung_aus_der_Personalakte_LAG_Hamm_19Sa383-09-u.html
Timestamp: 2019-08-26 09:37:18
Document Index: 49231691

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 4', '§ 2', '§ 8', '§ 3', '§ 8', '§ 4', '§ 2', '§ 2', '§ 83', '§ 108', '§ 2', '§ 3', '§ 64', '§ 64', '§ 519', '§ 64', '§ 66', '§ 66', '§ 520', '§ 64', '§ 520', '§ 520', '§ 520', '§ 242', '§ 626', '§ 1', 'Art. 2', '§ 611', '§ 3', '§ 3', '§ 91', '§ 72', '§ 72', '§ 72']

LAG Hamm, Urteil vom 25.09.2009, 19 Sa 383/09 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Hamm, Ur­teil vom 25.09.2009, 19 Sa 383/09
Schlagworte: Personalakte
Aktenzeichen: 19 Sa 383/09
Entscheidungsdatum: 25.09.2009
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Siegen, Urteil vom 4.12.2008, 1 Ca 1139/08
19 Sa 383/09
1 Ca 1139/08
Ar­beits­ge­richt Sie­gen
Verkündet am 25.09.2009
Wel­ler Re­gie­rungs­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 30.06.2009
durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt Kle­ve­man als Vor­sit­zen­den
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Vol­ken­rath und Löcke
Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Sie­gen vom 04.12.2008 – 1 Ca 1139/08 wird ab­geändert.
Der be­klag­te Ver­ein wird ver­ur­teilt, die mit „Er­mah­nung" über­schrie­be­ne Gesprächs­no­tiz vom 24.10.2007 aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu ent­fer­nen.
Die Kos­ten des Rechts­streits trägt der be­klag­te Ver­ein.
Die Par­tei­en strei­ten um die Ent­fer­nung ei­nes mit „Er­mah­nung Gesprächs­no­tiz vom 24.10.2007 mit Frau H1 K1" be­ti­tel­ten Schrei­bens der Be­klag­ten aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin.
Die Be­klag­te be­treibt in der Form ei­nes ein­ge­tra­ge­nen Ver­eins ein so­zia­les Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men, das in Nord­rhein-West­fa­len Hil­fen für Men­schen mit geis­ti­ger oder psy­chi­scher Be­hin­de­rung be­reit­stellt. Sitz und Haupt­ver­wal­tung be­fin­den sich in G3. Räum­lich ist es ge­glie­dert in die Re­gio­nen Ruhr­ge­biet, West­fa­len Nord und West­fa­len Süd.
Die Be­klag­te be­treibt in der Re­gi­on West­fa­len Süd un­ter an­de­rem das "Haus am S7" in 56789 B2 L2. In die­ser Ein­rich­tung ist die Kläge­rin seit dem 01.01.1995 als Al­ten­pfle­ge­rin ge­gen ei­ne mo­nat­li­che Brut­to­vergütung von zu­letzt 3.500,00 EUR tätig auf der Ba­sis ei­nes vom 02.06.1995 da­tie­ren­den Ar­beits­ver­tra­ges. In des­sen Präam­bel heißt es: "Ca­ri­tas ist ei­ne Le­bens- und We­sensäußerung der Ka­tho­li­schen Kir­che. Der S3 S4. G2 e. V. ist dem deut­schen Ca­ri­tas­ver­band an­ge­schlos­sen. Sei­ne Ein­rich­tung dient der Ver­wirk­li­chung des ge­mein­sa­men Wer­kes christ­li­cher Nächs­ten­lie­be. Al­le in de Ein­rich­tung täti­gen Mit­ar­bei­ter bil­den oh­ne Rück­sicht auf ih­re ar­beits­recht­li­che Stel­lung und Tätig­keit ei­ne Dienst­ge­mein­schaft und tra­gen ge­mein­sam zur Erfüllung der Auf­ga­ben der Ein­rich­tung bei". Gemäß § 6 des Ver­tra­ges stim­men die Par­tei­en darüber ein, dass ein gro­ber äußerer Ver­s­toß ge­gen kirch­li­che Grundsätze ein wich­ti­ger Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung ist. In § 4 wur­de die Kläge­rin in die Vergütungs­grup­pe Mt-An Kr. 5 der An­la­ge 1 b Ab­schnitt A zum BAT-LWL ein­grup­piert. Nach § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges be­stimmt sich das Dienst­verhält­nis im Übri­gen nach dem Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag und den die­sen ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträgen in der für den Be­reich der Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber (VKA) je­weils gel­ten­den Fas­sung. Außer­dem fin­den die für den Land­schafts­ver­band je­weils gel­ten­den sons­ti­gen ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge An­wen­dung. Nach § 8 be­ste­hen wei­te­re Ver­ein­ba­run­gen nicht. Späte­re Ver­ein­ba­run­gen bedürfen zur ih­rer Gültig­keit der Schrift­form un­ter Be­zug­nah­me auf die­sen Ver­trag (we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die Ab­lich­tung die­ses Ar­beits­ver­tra­ges Bl. 7 ff., An­la­ge K 1 ver­wie­sen).
Kurz vor Ab­lauf der in § 3 des Ar­beits­ver­tra­ges ver­ein­bar­ten sechs­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit wand­te sich die Kläge­rin, ei­ne be­ken­nen­de Mus­li­ma, mit Schrei­ben vom 25.03.1996 an die
Heim­lei­tung des Hau­ses am S7 und lis­te­te un­ter der Über­schrift: "Be­trifft: Auf­ga­ben und Tätig­kei­ten die nicht, in Be­zug auf mei­ne Ar­beits­beschäfti­gung hier im Haus von mir ver­rich­tet und aus­geführt und auch nicht durch mich an an­de­re de­li­giert wer­den können" (sic) fol­gen­des aus:
al­le Auf­ga­ben und Tätig­kei­ten, die wie man sagt mit der Kir­che zu tun oder in Ver­bin­dung/Zu­sam­men­hang ge­bracht wer­den, d.h.:
- kei­nen Be­woh­ner zur Kir­che brin­gen oder be­glei­ten oder zum Kirch­gang auf­for­dern oder dar­an er­in­nern, dass be­inhal­tet auch die Lei­chen­hal­le und den Fried­hof.
- kei­ne Be­kannt­ma­chun­gen durch Wort münd­lich oder durch Zet­tel mit dem Hin­weis, wann wie man sagt, Kir­che ist oder das an­brin­gen/aufhängen zur Be­kannt­ga­be.
- kein Le­sen und Vor­le­sen wie man sagt aus der Bi­bel oder an­de­ren Kir­chen­blättern oder Kir­chenbücher auch kei­ne Ge­be­te le­sen oder spre­chen.
- kein Sin­gen oder Vor­sin­gen kirch­li­cher Lie­der.
- kei­ne Weih­nachts- oder Os­ter- o. a. kirch­li­che Fei­er­tags­ge­schen­ke ein­kau­fen/be­sor­gen oder wei­ter­ge­ben oder aus-/ver­tei­len.
- kei­ne Weih­nachts- oder Os­ter- oder sonst den kirch­li­chen Fei­er­ta­gen ent­spre­chen­de Vor­be­rei­tun­gen tref­fen, or­ga­ni­sie­ren oder ausführen oder an­brin­gen, da­zu zählt auch das Raum her­rich­ten für ei­nen, wie man sagt, Got­tes­dienst oder das De­ko­rie­ren wie z. B. Weih­nachts­baum schmücken, Fei­er­tags­fens­ter­bil­der her­stel­len oder an­brin­gen, Tisch­de­cken auf­le­gen und auch das Ei­er färben oder Plätz­chen ba­cken u. a.
- kei­ne Vor­be­rei­tun­gen oder Gespräche während der Ster­be­be­glei­tung oder zum Ab­lauf der Be­er­di­gung ei­nes Be­woh­ners mit dem Pfar­rer oder sonst ei­ner be­auf­trag­ten Per­son, wel­che in die kirch­li­chen Be­rei­che fal­len.
Al­ko­hol – be­sor­gen, an­bie­ten oder aus­schen­ken an Be­woh­ner, Ar­beits­kol­le­gen oder sons­ti­gen Per­so­nen z. B. Be­su­cher des Hau­ses oder von Be­woh­nern." (Ab­lich­tung Bl. 12 d. A.).
Mit Schrei­ben vom 27.03.1996 wand­te sich die Heim­lei­tung an die Re­gio­nal­ver­wal­tung/Per­so­nal­ab­tei­lung des be­klag­ten Ver­eins und teil­te die­sem mit: "Frau K1 kann fol­gen­de Tätig­kei­ten im Rah­men Ih­res Diens­tes als Al­ten­pfle­ge­rin aus re­li­giösen Gründen nicht ausführen (auch nicht de­li­gie­ren):
- kei­nen Be­woh­ner zur Kir­che brin­gen/be­glei­ten/zum Kirch­gang auf­for­dern/er­in­nern Die­se Ein­schränkung be­trifft eben­so den Fried­hof und die Fried­hofs­ka­pel­le. Das Be­tre­ten des Fried­ho­fes und die Teil­nah­me an der Be­er­di­gung ei­nes Heim­be­woh­ners/-in ist für Frau K1 als Ein­zel­per­son möglich, al­ler­dings eben­falls oh­ne Be­tre­ten der Fried­hofs­ka­pel­le.
- kei­ne schrift­li­chen oder münd­li­chen Be­kannt­ma­chun­gen zu kirch­li­chen Got­tes­diens­ten wei­ter­ge­ben bzw. an­brin­gen/aufhängen.
- kein Le­sen oder Vor­le­sen aus der Bi­bel, Kir­chen­blättern oder Kir­chenbüchern, eben­so kei­ne Ge­be­te le­sen oder spre­chen.
- kei­ne kirch­li­chen Fei­er­tags­ge­schen­ke (Weih­nach­ten/Os­tern) ein­kau­fen/be­sor­gen/wei­ter­ge­ben/aus- und ver­tei­len.
- kei­ne den kirch­li­chen Fei­er­ta­gen ent­spre­chen­de (z. B. Weih­nach­ten/Os­tern) Vor­be­rei­tun­gen tref­fen, or­ga­ni­sie­ren, ausführen oder an­brin­gen.
Hier­zu zählt auch das Her­rich­ten oder De­ko­rie­ren ei­nes Rau­mes für ei­nen Got­tes­dienst, das Schmücken des Weih­nachts­bau­mes, das Her­stel­len und An­brin­gen von Fei­er­tags-Fens­ter­bil­dern, das Auf­le­gen der Tisch­de­cken so­wie das Färben von Os­ter­ei­ern und das Ba­cken von Weih­nachtsplätz­chen.
- kei­ne Vor­be­rei­tung oder Gespräche mit dem Pfar­rer oder ei­ner sons­ti­gen kirch­lich be­auf­trag­ten Per­son während der Ster­be­be­glei­tung oder zum Ab­lauf der Be­er­di­gung ei­nes Heim­be­woh­ners/-in.
- kein Be­sor­gen, An­bie­ten, Aus­schen­ken von Al­ko­hol an Be­woh­ner, Ar­beits­kol­le­gen oder sons­ti­ge Per­so­nen, z. B. Be­su­cher.
Ich bit­te um Prüfung, ob o. g. Ver­ein­ba­rung aus der Sicht der Re­gio­nal­lei­tung bzw. des Vor­stan­des mit den Grundsätzen des So­zi­al­werks S4. G2 (ins­be­son­de­re der Präam­bel im Ar­beits­ver­trag) ver­ein­bar sind. Ins­ge­samt ist Frau K1 ei­ne sehr kom­pe­ten­te und en­ga­gier­te Mit­ar­bei­te­rin, die wir ger­ne auch nach der Pro­be­zeit wei­ter beschäfti­gen möch­ten.
Ich bit­te um Mit­tei­lung, wie wei­ter ver­fah­ren wer­den soll." (we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten die­ses Schrei­bens wird auf das in Ab­lich­tung An­la­ge K2 Bl. 10 f. d. A. ver­wie­sen).
Ei­ne Re­ak­ti­on auf die­ses Schrei­ben er­hielt die Heim­lei­tung nicht, je­den­falls wur­de der Kläge­rin kei­ne Re­ak­ti­on auf die­ses Schrei­ben mit­ge­teilt.
Die Kläge­rin geht da­von aus, dass ihr Schrei­ben vom 25.03. bzw. das Schrei­ben vom 27.03.1996 als An­la­ge zur Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin beim be­klag­ten Ver­ein ge­nom­men wor­den ist.
Die Heim­lei­tung kom­mu­ni­zier­te in der Fol­ge­zeit auch nach außen, dass die Kläge­rin aus re­li­giösen Gründen be­stimm­te Tätig­kei­ten bzw. Auf­ga­ben nicht über­neh­men könne.
Im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit im April 2000 te­le­fo­nier­te die Kläge­rin mit der Heim­lei­te­rin Frau Z1-K3 und frag­te, was denn mit der Zu­satz­ver­ein­ba­rung
vom 27.03.1996 sei. Frau Z1-K3 bestätig­te der Kläge­rin, dass die Zu­satz­ver­ein­ba­rung von dem neu­en Ar­beits­ver­trag nicht berührt wer­de, da es sich le­dig­lich um ei­ne St­un­den­re­du­zie­rung han­de­le. Nach die­sem Te­le­fo­nat hat die Kläge­rin den neu­en Ar­beits­ver­trag un­ter­schrie­ben.
Im ers­ten Quar­tal 2007 wur­de die Kläge­rin von der Ein­rich­tungs­lei­tung/Fach­lei­tung ge­be­ten, An­gehöri­ge ei­ner kur­ze Zeit vor­her im Heim "Haus am S7" ver­stor­be­nen Frau, die ei­ne Ur­nen­be­stat­tung in B2 L2 ha­ben soll­te, über den Ter­min zu un­ter­rich­ten. Die Kläge­rin wies die­se Bit­te un­ter Hin­weis auf ih­re re­li­giöse Ein­stel­lung zurück, weil an der Ur­nen­be­stat­tung auch ein evan­ge­li­scher Pfar­rer teil­neh­men soll­te.
En­de Au­gust 2007 woll­te die Pfar­re­rin Frau L3 aus B2 L2 wis­sen, wes­halb kei­ne Be­woh­ner mehr zum Got­tes­dienst kämen. Die Büro­hil­fe des be­klag­ten Ver­eins, Frau J1 P1, woll­te die­ses Te­le­fo­nat zur Kläge­rin durch­stel­len. Dar­auf­hin äußer­te die Kläge­rin ge­genüber Frau P1, dass dies nicht in ih­ren Ar­beits­be­reich fal­le und dass sie dafür nicht zuständig sei. Auf­grund ih­rer re­li­giösen Ein­stel­lung und un­ter strik­ter Be­ach­tung der Ne­ga­tiv­lis­te in Be­zug auf Tätig­kei­ten, die mit kirch­li­chen Be­lan­gen in Zu­sam­men­hang ste­hen, leh­ne sie die Wei­ter­ga­be von dies­bezügli­chen In­for­ma­tio­nen ab. Strei­tig ist, ob zu die­sem Zeit­punkt an­de­re Mit­ar­bei­ter der Ein­rich­tung sich in der Pau­se be­fan­den und da­mit nicht zur Verfügung stan­den. Die Kläge­rin meint, die gewünsch­te Aus­kunft hätte von ih­rem Kol­le­gen vor­ge­nom­men wer­den können, der sich auf der Sta­ti­on im Dienst be­fun­den ha­be, was der Fach­lei­tung be­kannt war. Später er­folg­te ein wei­te­rer An­ruf der Pfar­re­rin, der dann von ei­nem Kol­le­gen der Kläge­rin mit­ge­teilt wur­de, dass bei den Be­woh­nern kein In­ter­es­se an kirch­li­chen Ver­an­stal­tun­gen be­ste­he und sie des­halb nicht er­schie­nen. Die Be­klag­te be­haup­tet, der Vor­fall mit dem Te­le­fo­nat mit der Pfar­re­rin ha­be sich an­ders zu­ge­tra­gen. Die Kläge­rin ha­be nicht der Pfar­re­rin ant­wor­ten sol­len, son­dern le­dig­lich die In­for­ma­ti­on wei­ter­ge­ben sol­len, dass der nächs­te Got­tes­dienst nicht vom ka­tho­li­schen Pfar­rer, son­dern vom evan­ge­li­schen Pfar­rer über­nom­men wird.
Am 12.09.2007 wur­de die Kläge­rin zur Heim­lei­tung zu ei­nem persönli­chen Gespräch ge­be­ten. Das Gespräch wur­de sei­tens Frau Z1-K3 da­mit eröff­net, die dar­auf hin­wies, dass in­ner­halb kürzes­ter Zeit­span­ne gleich zwei Be­schwer­den ge­gen die Kläge­rin vorlägen. Sie würde die Ar­beit der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter be­hin­dern. Die­se be­haup­te­ten, die Kläge­rin würde im­mer wie­der "neue Din­ge" im Be­zug auf ih­re Re­li­gi­on ver­su­chen durch­zu­set­zen. Das Ver­hal­ten der Kläge­rin ge­he ent­schie­den zu weit, dies würde man nicht länger dul­den. Wenn die Kläge­rin An­ge­le­gen­hei­ten nicht ein­mal wei­ter­ge­ben würde oder könn­te und man dafür ex­tra ei­nen Kol­le­gen ans Te­le­fon ho­len müsse, da­mit die­ser das
Gespräch führen könne, dann wäre es si­cher­lich für die Kläge­rin bes­ser, wenn sie in ei­ner an­de­ren Ein­rich­tung ar­bei­te und nicht im "Haus am S7", ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung. Die Kläge­rin be­rief sich ih­rer­seits auf ihr Schrei­ben vom 25.03.1996 bzw. das Schrei­ben "An­la­ge zum Ar­beits­ver­trag vom 27.03.1996". Die Kläge­rin wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, wenn sie im Zu­sam­men­hang da­mit bei ih­rer re­li­giösen Auf­fas­sung ver­blei­be, müsse man die An­ge­le­gen­heit prüfen, um zu se­hen, wel­che wei­te­ren Schrit­te ein­zu­lei­ten wären. Die Kläge­rin wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ihr Ver­hal­ten von der Heim­lei­tung als über­trie­ben an­ge­se­hen wird und ge­be­ten, noch ein­mal auf­zu­lis­ten, wel­che Tätig­kei­ten sie nicht ausüben könne.
Am 24.10.2007 wur­de die Kläge­rin er­neut zu ei­nem Gespräch mit der Heim­lei­tung im Bei­sein der Fach­lei­tung ge­be­ten. Frau Z1-K3 erläuter­te noch ein­mal kurz den Gesprächs­in­halt vom 12. Sep­tem­ber 2007 und ver­wies dar­auf, das er­be­te­ne Schrei­ben, in dem die Kläge­rin mit­tei­len soll­te, dass sie den Ar­beits­ab­lauf nicht we­gen ih­rer Re­li­gi­on be­hin­dern würde und sich ein sol­ches Vor­komm­nis, wie ge­sche­hen, nicht noch ein­mal wie­der­ho­len würde, sei bis­lang nicht ein­ge­trof­fen. Frau Z1-K3 leg­te der Kläge­rin dann ein Schrei­ben vor, wel­ches mit dem Wort "Er­mah­nung Gesprächs­no­tiz vom 24.10.2007 mit Frau H1 K1" über­schrie­ben war und for­der­te die Kläge­rin auf, die­ses Schrei­ben an der dafür vor­ge­se­he­nen Stel­le zu un­ter­zeich­nen. Die Kläge­rin bat sich Be­denk­zeit aus. Ihr wur­de dar­auf­hin ein Ex­em­plar die­ses Schrei­bens aus­gehändigt (we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die Ab­lich­tung die­ses Schrei­bens An­la­ge K 2, Bl. 13 d. A. ver­wie­sen).
Mit Schrei­ben vom 12.11.2007 nahm der späte­re Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin für die Kläge­rin hier­zu Stel­lung. Er ver­wies dar­auf, dass sich die Kläge­rin so ver­hal­ten ha­be, wie es ihr durch ih­re Re­li­gi­on vor­ge­ge­ben sei. Dar­aus könne der Kläge­rin kein Vor­wurf ge­macht wer­den. Die Kläge­rin be­trach­te die An­ge­le­gen­heit als er­le­digt (we­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Ab­lich­tung die­ses Schrei­bens An­la­ge K 4, Bl. 14 ff. d. A. ver­wie­sen).
Am 27.11.2007 zeig­te die Heim­lei­tung der Kläge­rin ein von der Heim­lei­tung und der Fach­lei­tung un­ter­zeich­ne­tes Schrei­ben auf ih­ren Brief­bo­gen, das in­halt­lich mit dem Schrei­ben vom 24.10.2007 iden­tisch ist. Der Kläge­rin wur­de mit­ge­teilt, dass die­ses Schrei­ben nun oh­ne Un­ter­schrift der Kläge­rin zur Per­so­nal­ak­te ge­nom­men wer­de.
Die Kläge­rin hat mit Schrift­satz ih­res Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 13.12.2007, beim Ar­beits­ge­richt Sie­gen am 20.12.2007 ein­ge­gan­gen, Kla­ge er­ho­ben.
Die Kläge­rin meint, dass die Ab­mah­nung vom 24.10.2007 aus ih­rer Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen ist. Mit der Auf­neh­me in die Per­so­nal­ak­te ha­be die Be­klag­te deut­lich ge­macht, dass sie dem an­walt­li­chen Schrei­ben vom 12.11.2007 kei­ner­lei Be­deu­tung bei­mes­se. Der Kläge­rin wer­de völlig zu Un­recht ein ver­hal­tens­be­ding­tes Fehl­ver­hal­ten vor­ge­wor­fen. Ei­ne der­ar­ti­ge Ver­trags­ver­let­zung ein­mal un­ter­stellt, sei die Ab­mah­nung je­den­falls un­verhält­nismäßig.
Mit Schrei­ben vom 17.01.2008 teil­ten die Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des be­klag­ten Ver­eins dem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin mit, dass es sich bei dem Schrei­ben vom 24.10.2007 nicht um ei­ne Ab­mah­nung im Rechts­sin­ne han­de­le. Sie ba­ten um Mit­tei­lung, ob die Kla­ge zurück­ge­nom­men und der Güte­ter­min vom 22.01.2008 ent­fal­len könne.
Im Güte­ter­min reg­ten die Par­tei­ver­tre­ter im Hin­blick auf ei­ne außer­ge­richt­li­che Ei­ni­gung an, das Ver­fah­ren zunächst ru­hend zu stel­len. Im April 2008 fand ein Be­spre­chungs­ter­min der Par­tei­en in B2 L2 statt. Der Ver­lauf die­ses Gesprächs wird von den Par­tei­en un­ter­schied­lich dar­ge­stellt (hin­sicht­lich der Po­si­ti­on der Kläge­rin wird auf die Ausführun­gen im Schrift­satz vom 19.11.2008 ver­wie­sen, hin­sicht­lich der Po­si­ti­on des be­klag­ten Ver­eins wird auf die Ausführun­gen im Schrift­satz vom 03.09.2008 un­ter II.). Da die Kläge­rin nach dem Gespräch vom 16.04.2008 kei­ne ver­fah­rens­be­en­den­de Erklärung ab­gab, ob­wohl der be­klag­te Ver­ein der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 02.07.2008 hier­zu ei­ne zweiwöchi­ge Frist ge­setzt wor­den hat­te (we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die Ab­lich­tung des Schrei­bens An­la­ge K 5, Bl. 57 ff. d. A. ver­wie­sen), be­an­trag­te der be­klag­te Ver­ein die Fort­set­zung des Ver­fah­rens.
Ein vom Pro­zess­ge­richt un­ter dem 16.04.2008 un­ter­brei­te­ter Ver­gleichs­vor­schlag: "1. Die Par­tei­en sind sich darüber ei­nig, dass die mit „Er­mah­nung" über­schrie­be­ne Gesprächs­no­tiz des Be­klag­ten vom 24.10.2007 kei­ne Ab­mah­nung dar­stellt und ei­ne sol­che auch nicht dar­stel­len soll­te, ins­be­son­de­re kei­ne Kündi­gungs­ankündi­gung für den Wie­der­ho­lungs­fall des dort gerügten Ver­hal­tens der Kläge­rin dar­stellt.
2. So­weit noch nicht ge­sche­hen wird der Be­klag­te die Kla­ge­schrift vom 13.12.2007 zur Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin neh­men.
3. ..." (Bl. 27 d. A. ) wur­de vom be­klag­ten Ver­ein ab­ge­lehnt.
Im Ju­li 2008 wei­ger­te sich die Kläge­rin, ei­ne Mit­ar­bei­ter­in­for­ma­ti­on zum AGG ab­zu­zeich­nen, leg­te die­se ih­rem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten zur Über­prüfung vor und gab hier­zu über ih­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten ei­ne Stel­lung­nah­me ab.
Die Kläge­rin stell­te sich in der Fol­ge­zeit auf den Stand­punkt, auf­grund der Äußerun­gen des be­klag­ten Ver­eins müsse zwi­schen den Par­tei­en geklärt wer­den, ob die von ihr im März 1996 auf­ge­stell­te Ne­ga­tiv­lis­te als Zu­satz­ver­ein­ba­rung Be­stand­teil des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en ist und kündig­te in­so­weit im Schrift­satz vom 19.11.2008 ei­nen ent­spre­chen­den Fest­stel­lungs­an­trag an. Die­sen An­trag hat die Kläge­rin auf An­ra­ten des Ar­beits­ge­richts Sie­gen zurück­ge­nom­men.
Sie hat zu­letzt be­an­tragt,
die als Er­mah­nung de­kla­rier­te Ab­mah­nung des Be­klag­ten vom 24.10.2007 ist auf Dau­er aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu ent­fer­nen;
hilfs­wei­se: die Kla­ge­schrift vom 13.12.2007 sei­tens des Be­klag­ten zu der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu neh­men.
Der be­klag­te Ver­ein meint, der Kla­ge feh­le das Rechts­schutz­bedürf­nis, weil es sich bei dem Schrei­ben vom 24.10.2007 nicht um ei­ne Ab­mah­nung im Rechts­sin­ne han­delt, was mit Schrei­ben vom 17.01.2008 klar­ge­stellt wor­den sei.
Der be­klag­te Ver­ein könne und wer­de die von der Kläge­rin an den Tag ge­leg­ten Ver­hal­tens­wei­sen nicht dul­den. Der Kläge­rin sei be­kannt, dass sie in ei­ner ca­ri­ta­ti­ven Ein­rich­tung beschäftigt ist. In dem Dienst­ver­trag vom 02.06.1995 ha­be sie die Präam­bel ak­zep­tiert, wo­nach Ca­ri­tas ei­ne Le­bens- und We­sensäußerung der ka­tho­li­schen Kir­che ist und sei­ne Ein­rich­tung der Ver­wirk­li­chung des ge­mein­sa­men Wer­kes christ­li­cher Nächs­ten­lie­be ist. Vor die­sem Hin­ter­grund könne die Kläge­rin nicht ernst­haft er­war­ten, an ih­rem Ar­beits­platz nicht ge­le­gent­lich mit Be­grif­fen kon­fron­tiert zu wer­den, die ei­nen christ­lich-kirch­li­chen Be­zug ha­ben.
Der Vor­wurf, der be­klag­te Ver­ein be­ein­träch­ti­ge die Kläge­rin durch dienst­li­che An­wei­sun­gen in ih­rer Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit, sei un­zu­tref­fend und wer­de zurück­ge­wie­sen. Hin­sicht­lich des Schrei­bens der Kläge­rin vom 25.03.1996 ver­weist der be­klag­te Ver­ein dar­auf, dass gemäß § 8 des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 02.06.1995 späte­re Ver­ein­ba­run­gen zu ih­rer Gültig­keit der Schrift­form un­ter Be­zug­nah­me auf den Ar­beits­ver­trag be­durf­ten. Nichts
an­de­res gel­te gemäß § 4 Abs. 2 BAT bzw. jetzt gemäß § 2 Abs. 3 TVöD, de­ren Gel­tung gemäß § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges schuld­recht­lich ver­ein­bart wor­den ist. Ei­ne Bestäti­gung des be­klag­ten Ver­eins, dass den Vor­be­hal­ten der Kläge­rin zu­ge­stimmt bzw. der ab­ge­schlos­se­ne Dienst­ver­trag geändert wird, sei zu kei­nem Zeit­punkt ab­ge­ge­ben wor­den. Die­se könne auch nicht in dem als An­la­ge K 2 vor­ge­leg­ten Schrei­bens der Ein­rich­tungs­lei­tung an die Re­gio­nal­ver­wal­tung des be­klag­ten Ver­eins vom 27.03.1996 ge­se­hen wer­den.
Das Ar­beits­ge­richt Sie­gen hat durch Ur­teil vom 04.12.2008 – 1 Ca 1139/08 die Kla­ge so­wohl bezüglich des Haupt- als auch des Hilfs­an­tra­ges ab­ge­wie­sen.
Es hat zur Be­gründung aus­geführt, bei der Er­mah­nung vom 24.10.2007 han­de­le es sich nicht um ei­ne Ab­mah­nung im ar­beits­recht­li­chen Sinn. Vor die­sem Hin­ter­grund sei die ständi­ge Recht­spre­chung zum An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf Ent­fer­nung ei­ner un­be­rech­tig­ten Ab­mah­nung aus sei­ner Per­so­nal­ak­te nicht ein­schlägig. Auch im Übri­gen be­ste­he kein An­spruch der Kläge­rin auf Ent­fer­nung der Ab­mah­nung aus ih­rer Per­so­nal­ak­te. Der Ar­beit­neh­mer ha­be nicht das Recht, die Ent­fer­nung ei­ner jed­we­den, sei­ner Ar­beits­wei­se sein Ver­hal­ten miss­bil­li­gen­den Äußerung sei­nes Ar­beit­ge­bers, der in schrift­li­cher Form zu sei­ner Per­so­nal­ak­te ge­langt ist, zu ver­lan­gen. Die Auf­nah­me ei­ner Er­mah­nung in die Per­so­nal­ak­te des Ar­beit­neh­mers be­ein­träch­tig­te den Ar­beit­neh­mer nicht in glei­chem Um­fang wie ei­ne er­teil­te Ab­mah­nung in sei­nem Persönlich­keits­recht und sei­nem be­ruf­li­chen Fort­kom­men.
Der Hilfs­an­trag sei eben­falls un­be­gründet. Die Kläge­rin ha­be zwar ei­nen An­spruch dar­auf, ähn­lich wie bei ei­ner Ab­mah­nung ei­ne Ge­gen­dar­stel­lung zu ei­ner Er­mah­nung zu ih­rer Per­so­nal­ak­te zu ge­ben. Die Kla­ge­schrift vom 13.12.2007 stel­le je­doch kei­ne Ge­gen­dar­stel­lung in die­sem Sin­ne dar. Denn die Kläge­rin neh­me nicht nur kon­kret zum In­halt der Er­mah­nung vom 24.10.2007 Stel­lung, son­dern setz­te sich darüber hin­aus auch mit an­de­ren Vor­komm­nis­sen im Ar­beits­verhält­nis und dem In­halt der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den Par­tei­en aus­ein­an­der. Die Kläge­rin ha­be kei­nen An­spruch dar­auf, dass auch die­se Ausführun­gen in der Kla­ge­schrift und da­mit die Kla­ge­schrift als sol­che zur Per­so­nal­ak­te ge­nom­men wer­de.
Ge­gen die­ses der Kläge­rin am 18.12.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin mit ei­ner un­ter­zeich­ne­ten Be­ru­fungs­schrift vom 14.01.2009, am glei­chen Tag beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm ein­ge­gan­gen, Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Frist zur Be­gründung der Be­ru­fung bis zum 19.03.2009 mit Schrift­satz vom 16.03.2009 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 17.03.2009 ein­ge­gan­gen, be­gründet.
Die Kläge­rin sei nach wie vor der Auf­fas­sung, dass das Schrei­ben des be­klag­ten Ver­eins vom 24.10.2007 die recht­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on ei­ner Ab­mah­nung ha­be. Der Kläge­rin wer­de ein mas­si­ver Vor­wurf ge­macht. Sie wer­de un­miss­verständ­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass bei ei­ner Wie­der­ho­lung ei­nes sol­chen Vor­falls man sich ge­zwun­gen sieht, ar­beits­recht­li­che Kon­se­quen­zen ein­zu­lei­ten. Nach Auf­fas­sung der Kläge­rin be­inhal­te die Ankündi­gung, ar­beits­recht­li­che Kon­se­quen­zen ein­zu­lei­ten, ei­ne kündi­gungs­recht­li­che Warn­funk­ti­on. Im kon­kre­ten Fall ha­be die Kläge­rin den Hin­weis nur so ver­ste­hen können, dass im Wie­der­ho­lungs­fall ei­ne Kündi­gung aus­ge­spro­chen würde. Un­er­heb­lich sei, ob der Be­klag­te im Ver­lau­fe des Rechts­streits erklärt ha­be, das Schrei­ben vom 24.10.2007 sol­le kei­ne Ab­mah­nung im ar­beits­recht­li­chen Sin­ne dar­stel­len. Ent­schei­dend sei, zu wel­cher Be­ur­tei­lung das Schrei­ben beim Ar­beit­neh­mer geführt ha­be.
Das Ar­beits­ge­richt Sie­gen ha­be zu­min­dest dem Hilfs­an­trag der Kläge­rin statt­ge­ben müssen, zu­mal das Ge­richt selbst mit ei­nem Ver­gleichs­vor­schlag Auf­nah­me der Kla­ge­schrift als Ge­gen­dar­stel­lung an­ge­regt ha­be. Die Kla­ge­schrift be­inhal­te ei­ne Stel­lung­nah­me zum Schrei­ben des be­klag­ten Ver­eins vom 24.10.200. Un­er­heb­lich sei, ob in der Kla­ge­schrift auch noch zu an­de­ren Vor­komm­nis­sen im Ar­beits­verhält­nis Stel­lung ge­nom­men wer­de.
Die Kläge­rin hat zu­letzt der Kla­gerück­nah­me im Übri­gen be­an­tragt,
un­ter Abände­rung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Sie­gen – 1 Ca 1139/08 vom 04.12.2008 die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die mit "Er­mah­nung" über­schrie­be­ne Gesprächs­no­tiz vom 24.10.2007 aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu ent­fer­nen.
Er hält die Be­ru­fung der Kläge­rin be­reits für un­zulässig, da sich die Kläge­rin in der Be­ru­fungs­be­gründung mit den we­sent­li­chen Ent­schei­dungs­gründen nicht ein­ge­hend aus­ein­an­der ge­setzt ha­be, son­dern viel­mehr im we­sent­li­chen ih­re Rechts­auf­fas­sung auf­recht er­hal­ten ha­be, dass das Schrei­ben vom 24.10.2007 die recht­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on ei­ner Ab­mah­nung ha­be. Im Übri­gen ha­be das Ar­beits­ge­richt den An­trag aus ins­ge­samt zu­tref­fen­den Gründen ab­ge­wie­sen. § 83 Abs. 2 Be­trVG sei bei dem Be­klag­ten als Mit­glied
des Ca­ri­tas we­gen § 108 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG nicht an­zu­wen­den. Der gemäß § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en in­zwi­schen auf das Ar­beits­verhält­nis an­wend­ba­re TVöD-VKA ent­hal­te in sei­nem § 3 Abs. 5 kei­ne ver­gleich­ba­re Re­ge­lung.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird ergänzend auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst de­ren An­la­gen Be­zug ge­nom­men.
Die Be­ru­fung ist an sich statt­haft (§ 64 Abs. 1 ArbGG), nach dem Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des zulässig (§ 64 Abs. 2 b ArbGG) so­wie in ge­setz­li­cher Form und Frist ein­ge­legt (§ 519 i. V. m. § 64 Abs. 6 S. 1 ArbGG, § 66 Abs. 1 S. 1 ArbGG) und in­ner­halb der Frist (§ 66 Abs. 1 S. 1 ArbGG) und auch ord­nungs­gemäß (§ 520 Abs. 3 ZPO i. V. m. § 64 Abs. 6 S. 1 ArbGG) be­gründet wor­den.
Die Be­den­ken des be­klag­ten Ver­eins ge­gen die Zulässig­keit der Be­ru­fung grei­fen nicht durch. Die in § 520 Abs. 3 S. 2 ZPO gewähl­te For­mu­lie­rung "die Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift muss ent­hal­ten" be­deu­tet nicht, dass not­wen­di­ger­wei­se zu al­len drei der un­ter Nr. 2) bis 4) an­geführ­ten Be­ru­fungs­gründen Ausführun­gen zu ma­chen sind. Viel­mehr kann sich die Be­ru­fungs­be­gründung dar­auf be­schränken, nur ei­nen der ge­nann­ten Be­ru­fungs­gründe zur Recht­fer­ti­gung der Be­ru­fung her­an­zu­zie­hen. Hier hat die Kläge­rin ih­re Be­ru­fung auf die Rüge der Rechts­ver­let­zung, § 520 Abs. 3 Nr. 2 ZPO be­schränkt und sich auf die Zif­fer 2), d. h. die An­wen­dung des ma­te­ri­el­len Rechts gestützt. Wer die ma­te­ri­el­le Rechts­an­wen­dung des Erst­ge­richts bemängelt, muss ausführen, wel­che an­ders lau­ten­den ei­ge­nen Rechts­an­sich­ten er ver­tritt. Dies er­gibt sich hier hin­rei­chend aus der Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift.
Bei teil­ba­ren Streit­ge­genständen, wie hier bei­spiels­wei­se Haupt- und Hilfs­an­trag, muss zu je­dem Teil ei­ne den An­for­de­run­gen des § 520 Abs. 2 genügen­de Be­ru­fungs­be­gründung ge­lie­fert wer­den, an­dern­falls ist die Be­ru­fung hin­sicht­lich des nicht­be­gründe­ten Teils un­zulässig. Die Kläge­rin hat auch zum Hilfs­an­trag ausführ­lich vor­ge­tra­gen, war­um sie die An­wen­dung des ma­te­ri­el­len Rechts für un­zu­tref­fend hält.
Auch in der Sa­che hat die Be­ru­fung Er­folg. Zu Un­recht hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge in dem den Ge­gen­stand der Be­ru­fung er­ge­ben­den Um­fang ab­ge­wie­sen.
Die Kläge­rin hat in ent­spre­chen­der An­wen­dung der Be­stim­mun­gen der §§ 242,1004 BGB ei­nen An­spruch auf Ent­fer­nung des vom 24.10.2007 da­tie­ren­den Schrei­bens "Er­mah­nung Gesprächs­no­tiz vom 24.10.2007 mit Frau H1 K1" aus ih­rer Per­so­nal­ak­te.
In der Recht­spre­chung der Ar­beits­ge­rich­te ist ganz über­wie­gend an­er­kannt, dass ein Ar­beit­neh­mer sich ge­gen die aus sei­ner Sicht un­be­rech­tig­te Ab­mah­nung auch durch Er­he­bung ei­ner Kla­ge auf Ent­fer­nung der Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te zu Wehr set­zen kann. Ei­ner der­ar­ti­gen Kla­ge fehlt nicht das er­for­der­li­che Rechts­schutz­bedürf­nis. Die Zulässig­keit ei­ner sol­chen Kla­ge ist auch nicht da­durch aus­ge­schlos­sen, dass der Ar­beit­neh­mer be­rech­tigt ist, ei­ne Ge­gen­dar­stel­lung zur Per­so­nal­ak­te ab­zu­ge­ben und/oder die Be­rech­ti­gung der Ab­mah­nung in ei­nem späte­ren Kündi­gungs­schutz­pro­zess nach­prüfen zu las­sen.
Das Rechts­schutz­bedürf­nis an der Ent­fer­nung der Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te wird da­mit be­gründet, dass ei­ne un­be­rech­tig­te Ab­mah­nung die Grund­la­ge für ei­ne fal­sche Be­ur­tei­lung des Ar­beit­neh­mers sein kann und ei­ne sol­che Ge­fahr mit ih­rer Einführung in die Per­so­nal­ak­te be­steht (BAG vom 05.08.1992 – 5 AZR 531/91; BAG vom 15.07.1992 – 7 AZR 466/91; BAG vom 14.09.1994 – 5 AZR 632/93; BAG vom 15.04.1999 – 7AZR 716/97; BAG vom 11.12.2001 – 9 AZR 964/00; KR/Fi­scher­mey­er, 8. Auf­la­ge, § 626 BGB, Rd­nr. 282 f., APS/Dörner, 3. Auf­la­ge, § 1 KSchG, Rd­nr. 415, Stahl­ha­cke/Preis/Vos­sen, Kündi­gung und Kündi­gungs­schutz im Ar­beits­verhält­nis, 9. Auf­la­ge, Rd­nr. 10; ErfK/Die­te­rich, 8. Auf­la­ge, Art. 2 GG, Rd­nr. 103 m. w. N.).
Der Ar­beit­neh­mer kann da­her von sei­nem Ar­beit­ge­ber die Ent­fer­nung ei­ner Ab­mah­nung aus sei­ner Per­so­nal­ak­te ver­lan­gen, wenn die­se aus for­mel­len Gründen un­wirk­sam ist, wenn sie un­rich­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen enthält (BAG vom 10.11.1993 – 7 AZR 682/92 un­ter 1. der Gründe, ständi­ge Recht­spre­chung, so BAG vom 11.12.2001 – 9 AZR 964/00), in ihr das Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers un­rich­tig recht­lich gewürdigt ist, sie nicht verhält­nismäßig ist (BAG vom 10.11.1993, a. a. O., un­ter 6.) oder ein schutzwürdi­ges In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an ei­nem Ver­bleib der Ab­mah­nung in der Per­so­nal­ak­te nicht mehr be­steht
(BAG vom 11.12.2001, a. a. O. so­wie vom 18.11.1986 – 7 AZR 674/84 un­ter II. 4. der Gründe).
Die vor­ste­hend zi­tier­te Recht­spre­chung gilt ent­ge­gen der Rechts­an­sicht des be­klag­ten Ver­eins, der sich das Ar­beits­ge­richt Sie­gen an­ge­schlos­sen hat, nicht nur für förm­li­che Ab­mah­nun­gen, son­dern für sämt­li­che schrift­li­chen Rügen, Ver­war­nun­gen und an­de­re Schrei­ben, die zu den Per­so­nal­ak­ten ge­nom­men wer­den und die wei­te­re be­ruf­li­che Ent­wick­lung des Ar­beit­neh­mers nach­tei­lig be­ein­flus­sen können.
Auch un­be­rech­tig­te for­mel­le Rügen können Grund­la­ge für ei­ne fal­sche Be­ur­tei­lung sein und da­durch das be­ruf­li­che Fort­kom­men be­hin­dern. Sie können den Ar­beit­neh­mer darüber hin­aus auch in sei­ne Eh­re berühren und da­mit sein Persönlich­keits­recht ver­let­zen (st. Rspr. des Bun­des­ar­beits­ge­richts, vgl. BAG vom 22.05.1978 – 5 AZR 801/76 (Ak­ten­no­tiz); BAG vom 30.01.1979 – 1 AZR 342/76 (Ver­merk über ei­ne Er­mah­nung); BAG vom 07.11.1979 – 5 AZR 962/77 (Ver­weis); BAG vom 18.08.1982 – 5 AZR 310/80 (Ak­ten­no­tiz) so­wie vom 27.11.1985 – 5 AZR 101/84 (Schrei­ben mit Kündi­gungs­an­dro­hung), ArbG Braun­schweig vom 09.12.2004 - 8 Ca 351/04, Rd­nr. 28; Be­cker­le, Die Ab­mah­nung, 9. Aufl. 2005, Rd­nr. 356).
In dem Ver­fah­ren 5 AZR 310/80 ging es um ei­ne Ak­ten­no­tiz vom 23.02.1979, die der Per­so­nal­lei­ter zur Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin ge­nom­men hat­te und die mit den Wor­ten en­det:"... um zu ver­hin­dern, dass we­gen die­ser we­nig ge­wich­ti­gen Rüge ein um­fang­rei­cher Pro­zess geführt würde, in dem so­wohl die Kol­le­gin­nen als auch der Be­triebs­rat als Zeu­gen hätten aus­sa­gen müssen, ha­be ich trotz der Hin­wei­se des Rich­ters an die Ge­gen­sei­te, das die­se den Pro­zess wahr­schein­lich ver­lie­ren würde, erklärt, die Rüge aus der Ak­te zu ent­fer­nen, aber gleich­zei­tig an­gekündigt, die An­ge­le­gen­heit in ei­nem Ak­ten­ver­merk fest­zu­hal­ten".
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt gab der Kla­ge auf Ent­fer­nung der Ak­ten­no­tiz statt. In die­ser Ent­schei­dung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt fol­gen­des aus­geführt: "Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann der Ar­beit­neh­mer die Be­rech­ti­gung ei­ner miss­bil­li­gen­den Äußerung durch den Ar­beit­ge­ber we­gen ver­trags­wid­ri­gen Ver­hal­tens ge­richt­lich nach­prüfen las­sen, so­fern die­se miss­bil­li­gen­de Äußerung nach Form und In­halt ge­eig­net ist, ihn sei­ner Rechts­stel­lung zu be­ein­träch­ti­gen" (Rd­nr. 18 m. w. N.). Zu den auf ih­re Be­rech­ti­gung nach­prüfba­ren Äußerun­gen des Ar­beit­ge­bers gehören in ers­ter Li­nie die zu den Per­so­nal­ak­ten ge­nom­me­nen schrift­li­chen Ab­mah­nun­gen. ... Aber auch an­de­re
schrift­li­che Äußerun­gen des Ar­beit­ge­bers, die die Leis­tung oder das Ver­hal­ten ei­nes Ar­beit­neh­mers rügen, kann der Ar­beit­neh­mer mit ei­ner Kla­ge an­grei­fen. Nach­prüfbar sind die miss­bil­li­gen­den Äußerun­gen des Ar­beit­ge­bers, die nach Form oder In­halt den Ar­beit­neh­mer in sei­ner Rechts­stel­lung be­ein­träch­ti­gen können (BAG (vom 22.02.1978 – 5 AZR 801/76), AP Nr. 84 zu § 611 BGB, Fürsor­ge­pflicht un­ter II. 1. der Gründe). Be­ein­träch­tigt wird die Rechts­stel­lung des Ar­beit­neh­mers dann, wenn ei­ne zu den Per­so­nal­ak­ten ge­nom­me­ne miss­bil­li­gen­de Äußerung, so­fern sie un­be­rech­tigt ist, die Grund­la­ge für ei­ne fal­sche Be­ur­tei­lung des Ar­beit­neh­mers ab­ge­ben und da­durch sein be­ruf­li­ches Fort­kom­men be­hin­dern kann. Sie ist da­her, auch wenn sie den Ar­beit­neh­mer nicht aus­drück­lich er­mahnt, sein Fehl­ver­hal­ten zu ändern oder auf­zu­ge­ben, wie ei­ne Ab­mah­nung ge­richt­lich nach­prüfbar" (a.a.O. Rd­nrn. 19 – 20).
Bei der Gesprächs­no­tiz vom 24.10.2007 han­delt es sich um ei­ne sol­che auf ih­re Be­rech­ti­gung nach­prüfba­re miss­bil­li­gen­de Äußerung.
Ent­ge­gen der von dem be­klag­ten Ver­ein ver­tre­te­nen Auf­fas­sung kommt es nicht dar­auf an, wie die miss­bil­li­gen­de Äußerung vom Ar­beit­ge­ber be­zeich­net wird. Maßgeb­lich ist viel­mehr, wel­chen In­halt die Äußerung hat und ob sie nach Form und In­halt ge­eig­net ist, die Rechts­stel­lung des Ar­beit­neh­mers zu be­ein­träch­ti­gen.
Ih­rem In­halt nach enthält die Gesprächs­no­tiz ei­ne Er­mah­nung und da­mit ei­ne Rüge der Kläge­rin. In dem Schrei­ben wird fest­ge­hal­ten, dass die Heim­lei­tung von dem Vor­fall (Ver­wei­ge­rung der Wei­ter­ga­be von In­for­ma­tio­nen hin­sicht­lich der Or­ga­ni­sa­ti­on des Got­tes­diens­tes) vom 12.09.2007 Kennt­nis be­kom­men hat und die Kläge­rin aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wur­de, dass die­ses Ver­hal­ten auf kei­nen Fall ge­dul­det wird, da­mit die Ar­beits­abläufe in der Ein­rich­tung und die Ar­beit An­de­rer nicht in er­heb­li­chem Maße be­ein­träch­tigt oder er­schwert wird.
Über die­se Rüge hin­aus enthält die Er­mah­nung die An­dro­hung ar­beits­recht­li­cher Kon­se­quen­zen in dem aus­geführt wird: "Soll­te sich ei­ne sol­cher Vor­fall wie­der­ho­len, se­he ich mich da­her ge­zwun­gen ar­beits­recht­li­che Kon­se­quen­zen ein­zu­lei­ten".
Die­se miss­bil­li­gen­de Äußerung ist nach Form und In­halt ge­eig­net, die Kläge­rin in ih­rer Rechts­stel­lung zu be­ein­träch­ti­gen. Sie muss befürch­ten, dass ei­ner Wie­der­ho­lung des gerügten Ver­hal­tens ar­beits­recht­li­che Kon­se­quen­zen er­grif­fen wer­den.
Per­so­nal­ak­ten sol­len ein möglichst vollständi­ges, wahr­heits­gemäßes und sorgfälti­ges Bild über die persönli­chen und dienst­li­chen Verhält­nis­ses des Ar­beit­neh­mers ge­ben. Mit die­sem Zweck der Per­so­nal­ak­te verträgt sich kei­ne Be­an­stan­dung des Ar­beit­ge­bers, die sach­lich un­zu­tref­fend ist, so dass auch ein der­ar­ti­ges mit "Er­mah­nung" über­schrie­be­nes Schrei­ben des Ar­beit­ge­bers juis­ti­zia­bel ist.
Die Er­mah­nung be­ein­träch­tigt die Kläge­rin in ih­rer Rechts­stel­lung.
Die miss­bil­li­gen­de Äußerung des be­klag­ten Ver­eins ist zwar for­mell ord­nungs­gemäß zu­stan­de ge­kom­men. Der be­klag­te Ver­ein war nach § 3, ins­be­son­de­re § 3 Abs. 5 TVöD-VKA, nicht ver­pflich­tet, die Kläge­rin vor Auf­nah­me in die Per­so­nal­ak­te an­zuhören. Sie hat dies den­noch im Gespräch vom 24.10.2007 ge­tan und der Kläge­rin ei­ne Ab­lich­tung der "Er­mah­nung" als Ent­wurf aus­gehändigt.
Es kann da­hin ge­stellt blei­ben, ob in der Er­mah­nung das Ver­hal­ten der Kläge­rin recht­lich un­rich­tig gewürdigt ist oder ob die Er­mah­nung – wie die Kläge­rin meint - un­verhält­nismäßig ist.
Denn im vor­lie­gen­den Fall ist die streit­be­fan­ge­ne Er­mah­nung nach Auf­fas­sung der Kam­mer durch Zeit­ab­lauf ob­so­let ge­wor­den und muss schon aus die­sem Grund aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin ent­fernt wer­den.
Ob ei­ne Ab­mah­nung (oder ei­ne an­de­re miss­bil­li­gen­de Äußerung des Ar­beit­ge­bers) nach Ab­lauf ei­ner be­stimm­ten Zeit wir­kungs­los ge­wor­den ist, lässt sich nur auf­grund al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les be­ur­tei­len (BAG vom 18.11.1986 – 7 AZR 674/84, BAG vom 21.05.1987 – 2 AZR 213/86 so­wie BAG vom 27.01.1988 – 5 AZR 604/86). Seit der Fi­xie­rung der schrift­li­chen Er­mah­nung vom 24.10.2007 und dem Gespräch der Par­tei­en hierüber sind bei Be­ra­tung über das an­ge­foch­te­ne Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Sie­gen et­wa zwei Jah­re ver­gan­gen.
Zwar ist nicht al­lein we­gen die­ser Dau­er die Gesprächs­no­tiz aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen. Viel­mehr sind al­le Umstände des Ein­zel­fal­les zu berück­sich­ti­gen, ins­be­son­de­re die Art der Ver­feh­lung des Ar­beit­neh­mers so­wie sein wei­te­res Ver­hal­ten und die Ein­stel­lung des Ar­beit­ge­bers hier­zu im An­schluss an die Ab­mah­nung. Hier­bei ist zu­guns­ten der Kläge­rin zu berück­sich­ti­gen, dass die in der Ab­mah­nung er­ho­be­nen Vorwürfe ge­ringfügig sind. Denn die Vorwürfe ei­ner Ver­trags­pflicht­ver­let­zung ge­genüber der Kläge­rin be­tref­fen nicht et­wa de­ren Haupt­leis­tungs­pflicht als Al­ten­pfle­ge­rin, son­dern ei­ne ver­trag­li­che Ne­ben­pflicht, hier die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit ex­ter­nen An­ru­fern. Sie selbst hat­te die An­ge­le­gen­heit vor Auf­neh­me der Gesprächs­no­tiz in die Per­so­nal­ak­te nach dem An­walts­schrei­ben als er­le­digt an­ge­se­hen. Die be­an­stan­de­te Ver­hal­tens­wei­se der Kläge­rin hat sich un­strei­tig nicht wie­der­holt. Die Kläge­rin ist we­gen die­ses oder ei­nes ähn­li­chen Vor­falls nicht er­neut ab­ge­mahnt wor­den. Der von dem be­klag­ten Ver­ein her­an­ge­zo­ge­ne Dis­put um die Quit­tie­rung der In­for­ma­tio­nen über das AGG ist bei­ge­legt. An­de­rer­seits hat der be­klag­te Ver­ein – al­lein schon durch das Gespräch vom der Par­tei­en vom 24.10.2007, die­sen Rechts­streit und das Gespräch vom 16.04.2008 – hin­rei­chend deut­lich ge­macht, dass er es künf­tig nicht dul­den will, wenn die Kläge­rin un­ter Be­ru­fung auf ih­rer re­li­giösen Ein­stel­lung über be­stimm­te The­men mit außer­ste­hen­den Drit­ten nicht kom­mu­ni­zie­ren will. Dies scheint ge­fruch­tet zu ha­ben. Da sich seit dem Herbst 2007 kein gleich­ar­ti­ger Vor­fall er­eig­net hat, ist es dem be­klag­ten Ver­ein ver­wehrt, nach fast zwei Jah­ren die­se Er­mah­nung wei­ter in der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin auf­zu­be­wah­ren.
Vor die­sem Hin­ter­grund be­steht im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren kein An­lass, zur prak­ti­schen Kon­kor­danz der wech­sel­sei­ti­gen Grund­rech­te und Glau­bens­ein­stel­lun­gen de­tail­liert Stel­lung zu neh­men. In­so­weit ist die Sach- und Rechts­la­ge mit den Par­tei­en im Ter­min am 30.06.2009 erörtert wor­den. So­fern die Par­tei­en in die­ser Fra­ge ei­ner grund­le­gen­den Klärung zu führen woll­ten, wäre es an der Zeit, ent­we­der ei­ne ein­ver­nehm­li­che Ei­ni­gung darüber zu er­zie­len, in­wie­weit die Kläge­rin sich auf die so­ge­nann­te "Ne­ga­tiv­lis­te" vom 25.03.1996 be­ru­fen kann. Falls hierüber kei­ne Ei­ni­gung er­zielt wer­den kann, müss­te ge­ge­be­nen­falls ar­beits­ge­richt­lich geklärt wer­den, ob die­se Ne­ga­tiv­lis­te Be­stand­teil des Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en ge­wor­den ist. Auch zu die­ser Fra­ge hat die Kam­mer Hin­wei­se er­teilt.
Da die Kam­mer dem Haupt­an­trag statt­ge­ge­ben hat, ist der Hilfs­an­trag nicht zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len.
Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 ZPO. Der be­klag­te Ver­ein hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen, da er un­ter­le­gen ist.
Die Re­vi­si­on nach § 72 Abs. 2 ArbGG zu­zu­las­sen, sind nicht er­sicht­lich. Das er­ken­nen­de Ge­richt ist der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ge­folgt, auch bezüglich der Jus­ti­zia­bi­lität ei­ner "miss­bil­li­gen­der Äußerung" des Ar­beit­ge­bers, die in die Per­so­nal­ak­te auf­ge­nom­men wird. Ei­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­ge mit grundsätz­li­cher Be­deu­tung liegt nicht vor.
Ge­gen die­ses Ur­teil ist für die be­klag­te Par­tei man­gels aus­drück­li­cher Zu­las­sung die Re­vi­si­on nicht statt­haft, § 72 Abs. 1 ArbGG. We­gen der Möglich­keit, die Nicht­zu­las­sung der Re­vi­si­on selbständig durch Be­schwer­de beim Bun­des­ar­beits­ge­richt, Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt, Fax-Nr. 0361/2636-2000 an­zu­fech­ten, wird die be­klag­te Par­tei auf die An­for­de­run­gen des § 72 a ArbGG ver­wie­sen.
Kle­ve­man
Vol­ken­rath
zur Übersicht 19 Sa 383/09