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Timestamp: 2020-02-21 00:02:11
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socialnet Rezensionen: Hans-Peter Busch: Qualitäts­orientiertes Krankenhaus­management | socialnet.de
Hans-Peter Busch (Hrsg.): Qualitäts­orientiertes Krankenhaus­management
Auch in den nächsten Jahren wird die gesundheitspolitische Diskussion und damit die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems durch die Themen Qualitätssteigerung und verbesserte Verfügbarkeit der angebotenen medizinischen Leistungen bestimmt. Daher gilt es für die medizinischen Leistungserbringer, sich auf diese Veränderungen der Rahmenbedingungen einzustellen.
Die Forderung nach höherer Qualität ist sicherlich nicht neu, eine Verknüpfung zwischen Qualität und Vergütung bzw. Planung stellt aber eine neue Dimension dar. Ein erster Schritt war die Einführung des DRG-Systems, durch eine gesetzliche Neuerung wird in Zukunft der Fokus von der Quantität einzelner Leistungen stärker zur Qualität und Quantität kompletter Behandlungsprozesse gelenkt. Dimensionen dieser Qualität sind die medizinische Qualität, die Servicequalität und die Wirtschaftlichkeit.
Diese Verknüpfung wurde 2015 durch das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) geschaffen: die Qualität der stationären Versorgung führt zu Qualitätszu- und -abschlägen in der Krankenhausvergütung. Die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Vergütung werden in diesem Buch dezidiert behandelt.
Die Ausgestaltung einer qualitätsorientierten Vergütung stellt dabei ganz neue Herausforderungen an alle daran Beteiligten. Die verschiedenen Dimensionen der Qualität im Krankenhaus müssen betrachtet werden. Als Folge sind in den Krankenhäusern neue Prozesse und Strukturen, aber auch angepasste Denkweisen und Fähigkeiten der Mitarbeiter, insbesondere bei den Führungskräften gefordert. Und schließlich ist das Motivationssystem von der Quantitätsorientierung auf die Qualitätsorientierung hin umzugestalten.
Der im Jahre 2018 erschienene Sammelband „Qualitätsorientiertes Krankenhausmanagement“ soll Anregungen und Diskussionspunkte für die eigene Krankenhausentwicklung liefern und bei den Beteiligten die Bereitschaft wecken, sich durch flexible Strukturen und eine entsprechende Personalentwicklung mutig und systematisch auf diese Zukunft vorzubereiten.
Hans-Peter Busch ist der Herausgeber dieses Sammelbands. Er war zuletzt in Trier Leiter der Stabstelle eines konfessionellen Krankenhausbetreibers. Zudem hat er sich im Verband der leitenden Krankenhausärzte (VDLK) engagiert.
Weitere Autoren sind
Josef Düllings (Hauptgeschäftsführer eines katholischen Krankenhauses in Paderborn, er arbeitet im Verband der Krankenhausdirektoren mit)
Maximilian C. von Eiff verfügt über eine medizinische und betriebswirtschaftliche Ausbildung. Er arbeitet in einem konfessionellen Krankenhaus in Hamm als Arzt.
Wilfried von Eiff ist Professor in Münster und an der Handelshochschule in Leipzig. Er war u.a. Mitglied des Vorstands der Universitätsklink Gießen.
Wilhelm Frewer ist zertifizierter Gesundheitsmanager und leitet eine Stabstelle für Organisationsentwicklung und Prozessoptimierung bei einem konfessionellen Krankenhausträger in trier.
Regina Klakow besitzt eine medizinische Ausbildung und hat bei der Bundesärztekammer gearbeitet. Heute ist sie im Gemeinsamen Bundesausschuss in Berlin tätig.
Martin Spaetgens ist Rechtsanwalt mit der Spezialisierung als Fachanwalt für (u.a.) Medizinrecht. Er arbeitet schwerpunktmäßig in Rheinland-Pfalz.
Winfried A. Willinek ist Chefarzt bei einem konfessionellen Krankenhaus in Trier. Zudem wurde er nach seiner Habilitation zum außerplanmäßigen Professor berufen. Er hat von 1998–2014 an der Universitätsklinik in Bonn gearbeitet.
Durch das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) spielt die Qualität der Krankenhausversorgung seit 2015 eine noch größere Rolle. Die Qualität wird seit Verabschiedung des KHSG noch strenger kontrolliert und konsequent verbessert. Zudem wurde die Qualität Kriterium bei der Krankenhausplanung eingeführt und die Verbindlichkeit der Qualitätssicherungsrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses gestärkt.
Bei der Krankenhausvergütung wird seit Einführung dieses Gesetzes an Qualitätsaspekte angeknüpft. So werden auf die Qualität bezogene Zu- und -abschläge für Leistungen eingeführt. Die Qualitätsberichte der Krankenhäuser werden noch patientenfreundlicher gestaltet, damit Patienten leichter nutzbare Informationen zur Verfügung stehen. Zudem wird erprobt, ob durch einzelvertragliche Regelungen eine weitere Verbesserung der Qualität der Krankenhausversorgung möglich ist.
Das Buch ist als Sammelband konzipiert. In sieben Kapiteln werden die einzelnen Aspekte des qualitätsorientierten Krankenhausmanagements auf 165 Seiten erörtert. Das Buch schließt mit einem Literaturverzeichnis über 5 Seiten, einem Abbildungsverzeichnis (es gibt 55 Abbildungen), einem fünfseitigen Stichwortverzeichnis und einer Zusammenstellung der Autoren.
Dem Buch vorangestellt ist ein kurzes Vorwort über zwei Seiten. Hier erläutert der Herausgeber, dass die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems aller Voraussicht nach stark von den Themen der Qualitätssteigerung und der Verbesserung der angebotenen medizinischen Leistungen bestimmt sein wird. Da über die rechtlichen Rahmenbedingungen, die mit dem Systemumstieg auf die DRG’s verbunden war, die Qualität auch vergütungsrelevant geworden ist, besteht seit einigen Jahren ein ökonomischer Anreiz zur Steuerung der Qualität.
Krankenhäuser stehen seitdem vor neuen Herausforderungen für die Prozesse und Struktur. Mitarbeiter und Führungskräfte müssen lernen, vom Quantitätsdenken umzustellen auf Qualität. Busch selber verfasst ein Kapitel zur Weiterentwicklung der Qualitätsbuchhaltung zum Qualitätsmanagement. Hiermit ist angezeigt, dass sich das neue Paradigma in alle Bereich des Krankenhausmanagements ausdehnen muss. Busch mahnt an, dass die Führungskräfte nicht in der operativen Arbeit ersticken dürfen, vielmehr muss Zeit für grundsätzliche strategische Überlegungen bleiben. Er fordert: „In Gesamtprozessen denken, handeln und optimieren!“ Dafür will dieses Buch eine Basis liefern. Neben den theoretischen und rechtlichen Grundlagen sollen auch praktische Beispiele „aus der Praxis für die Praxis“ geboten werden.
Das erste Kapitel „Qualitätsorientierte Rahmenbedingungen für die Krankenhausplanung und -vergütung“ wurde von Regina Klakow-Franck geschrieben.
Es umfasst folgende Gliederungspunkte
Die „Qualitätsoffensive Krankenhaus“ im Rahmen des Krankenhausstrukturgesetzes
Externe stationäre Qualitätssicherung als Ausgangsbasis
Das erste planQI-Set
Stufenkonzept des G-BA zur Weiterentwicklung der planQI.
Das planQI-Verfahren
Zwischenbilanz zu planungsrelevanten Qualitätsindikatoren
Vergütungsrelevante Qualitätsindikatoren
Herausforderungen und Probleme bei den vergütungsrelevanten Qualitätsindikatoren
Zwischenfazit zu vergütungsrelevanten Qualitätsindikatoren
„Hamsterrad-Situation“ im stationären Sektor 1
Regional-populationsbezogenes Qualitätsmanagement
Bundeseinheitliche Rahmenplanung
Das erste Kapitel gibt einen Überblick über das Thema des Sammelbands. Es beschreibt die qualitätsorientierte Rahmenbedingungen für die Planung und Vergütung im Krankenhaus. Das Krankenhausstrukturgesetz 2015 (KHSG) sieht eine Verknüpfung von Qualität und Vergütung durch Zu- und -abschläge vor. Damit ist eine „Qualitätsoffensive“ gestartet worden. Gesteuert wird diese Qualitätsoffensive durch den Gemeinamen Bundesausschuss (G-BA). Die Autorin ist Mitglied dieses Ausschusses und kann aus dessen Arbeit berichten. Unterstützt wird der G-BA durch ein Institut zur Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG).
Für die Planung im Krankenhaus spielen die Qualitätsindikatoren mittlerweile eine entscheidende Rolle. Klakow-Franck stellt das Stufenkonzept des gemeinsamen Bundesausschusses zur Weiterentwicklung der Qualitätsindikatoren dar. Darüber hinaus erläutert sie, inwiefern die Qualitätsindikatoren auch Auswirkungen auf die Krankenhausvergütung haben. Die Qualitätsindikatoren werden im sog. planQI-Set abgebildet. Die Versorgungsqualität ist zudem in das Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) eingefügt worden, sodass neben der Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit die Qualität als drittes Kriterium wirksam wird.
Im Diskussionsteil werden die empirischen Parameter (Anzahl Ärzte und Pflegepersonal im internationalen Vergleich, Anzahl Fälle usw.) erörtert. Als besondere Entwicklung stellt Regina Klakow-Franck fest, dass sich die Fallzahlen enorm gesteigert haben. Sie betrachtet am Schluss ihrer Ausführungen die Frage, wie die Versorgung der Patienten durch eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit verbessert werden kann.
Kap. 2 lautet „Konsequenzen aus juristischer Sicht“. Es wurde vom Fachanwalt für Medizinrecht Martin Spaetgens verfasst.
Es umfasst folgende Gliederungspunkte:
Regelungskompetenzen im Bereich der Qualitätssicherung
Ermächtigungsgrundlagen für qualitätssichernde Maßnahmen des G-BA mit Vergütungsrelevanz
Beispiele für Qualitätssicherungsrichtlinien mit Vergütungsrelevanz
Rechtsfolgen bei Verstoß gegen QS-Richtlinien
Vertragsärztlicher Versorgungsbereich
Indikationsbezogene QS-Richtlinien nach § 136 Abs. 1 Nr. 2 SGB V
Die Rechtsprechung des BSG im Kontext mit § 137 Abs. 1 Nr. 2 SGB V
Grundlage der Mindestmengenregelungen (§ 136b Abs. 1 Nr. 2 SGB V)
Festlegung von Leistungen oder Leistungsbereichen (§ 136b Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 SGB V)
Qualitätsabhängige Vergütung (§ 136b Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 SGB V)
Planungsrelevante Qualitätsindikatoren (§ 136c Abs. 1 und Abs. 2 SGB V)
Die Qualitätskontrollen durch den MDK
Das Kontrollverfahren (§ 275a SGB V)
Das zweite Kapitel ist ein Herzstück des Sammelbandes. Es geht auf den Seiten 23–54 auf die verschiedenen rechtlichen Vorschriften ein, mit denen die Qualität und die Vergütung im Krankenhaus verknüpft sind. Damit werden die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Vergütung dargestellt und im Einzelnen erläutert. „Pay for performance“ ist derzeit in aller Munde.
Zur Weiterentwicklung der Krankenhausfinanzierung hat der Gesetzgeber verschiedene Maßnahmen ergriffen:
Bestehende Zuschläge werden weiter entwickelt und neue Zuschläge eingeführt
Die Rahmenbedingungen für die Anwendung von Sicherstellungszuschlägen werden präzisiert.
Krankenhäuser, die an der stationären Notfallversorgung teilnehmen, erhalten Zuschläge entsprechend den vorgehaltenen Notfallstrukturen.
Rahmenbedingungen für Zuschläge für besondere Aufgaben werden präzisiert.
Für neue Anforderungen zur Struktur-und Prozessqualität der Krankenhäuser, die aus Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses erwachsen, können zukünftig zeitnah krankenhausindividuell Zuschläge vereinbart werden.
Schließlich geht Spaetgens in diesem Abschnitt auf die Qualitätskontrollen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) und das Kontrollverfahren nach § 275a SGB V ein. Hier erwartet der Autor größeres Konfliktpotenzial in der Umsetzung der gesetzlichen Bestimmungen (S. 53).
Das 3. Kapitel lautet „Qualität im Medizinbetrieb: Ziele, Dimensionen, Bewertungskriterien und Erfolgsfaktoren“ und wurde von Maximilian C. von Eiff und Wilfried von Eiff geschrieben.
Es beinhaltet folgende Gliederungspunkte
Situation: Wettbewerbsdynamik und Qualitätsherausforderung…
Qualitätsdimensionen und Indikatoren: Was ist Qualität?
Qualität und Unternehmensstrategie
Lean Management als Ansatz zur Qualitätsförderung und Risikovermeidung
Fehlermanagement als Teil der Qualitätssicherung: Qualität minus Risiko gleich Null
Methode des Qualitäts- und Risikomanagements
Erhebungs-, Analyse- und Entscheidungstechniken des Qualitäts- und Risikomanagements
Die Schwachstellen-Konsequenzen-Analyse
Die Ishikawa-Technik
CIRS und Wissensmanagement
Qualität als Steuerungsinstrument: qualitätsorientierte Leistungs- und Krankenhausplanung
Qualitätsmanagement durch Einkauf
Das dritte Kapitel geht zunächst in einem einleitenden Teil auf die verschiedenen Ziele, Dimensionen und Bewertungskriterien des Qualitätsmanagements im medizinischen Krankenhausbetrieb ein.
Dimensionen sind die bekannten Qualitäten der Struktur, des Prozess und des Ergebnisses. Diese werden ergänzt durch die Milieu-, Sozial- und die Indikaktionsqualität (S. 61 ff). Milieuqualität drückt die Patienten- und Angehörigenorientierung aus und berücksichtigt gesundheitsfördernde Geräusche, Farben, Gerüche, Bilder usw. Sozialqualität steht für die Unternehmenskultur und die Güte der Kommunikation zwischen dem Leistungsanbieter und -abnehmer. Indikaktionsqualität bildet ab, inwieweit es gelingt, eine treffende Diagnose und Therapie zu stellen bzw. zu entwickeln.
Die beiden Autoren gehen des Weiteren auf die Fehlerkultur und das ethische Bewusstsein der Mitarbeiter ein und fragen, wie im Extremfall Katastrophen im Krankenhaus entstehen können. Hieraus leiten sie ab, wie diesen vorgebeugt werden kann.
Da nach dem DRG-System mit festen Entgelten die Kostensituation entscheidend für den Erfolg ist, habe sich der Wettbewerb zwischen den Kliniken verschärft. Die Qualität ist ein wichtiges Kriterium für die Patienten und die Krankenhausplanung der Gesundheitspolitik geworden. Sie ist als wesentlicher Bestandteil in die Unternehmensstrategie einzuplanen. Die Autoren stellen dar, wie das Lean Management dazu verwendet werden kann, Verschwendung etwa durch Doppelarbeiten oder umständliche Handhabung, zu vermeiden.
Zu den Dimensionen der Qualität, die die Autoren erörtern, gehören die Kommunikations- und die Servicequalität. Das KANO-Modell stellt weitere Dimensionen dar (vgl. S. 58 ff).
Schließlich werden die Erfolgsfaktoren für ein Krankenhaus-QM beleuchtet. Die beiden Autoren verbinden das Qualitäts- und Risikomanagement. Auf S. 69 stellen sie einen Risikoatlas dar. Er berücksichtigt interne und externe Risiken in den Dimensionen ökonomische und klinische Risiken. Als Methode zum Management der Risiken werden Qualitätszirkel, Fehlermöglichkeiten- und -einflussanalyse, die Ishikawa-Technik des Ursache-Wirkungsdiagramms und das Critical Incident Reporting System (CIRS) und das Cognitive Procurement (Erkennen der kritischen Faktoren) genannt.
Anschließend beleuchten die Autoren den Funktionsbereich des Einkaufs von Medizinprodukten und Medizintechnik (S. 76 f). Ein wertorientiertes Beschaffungsmanagement stellt nicht nur auf den Einkaufspreis, sondern auch auf die anderen für die Qualität relevanten Eigenschaften der Produkte ab.
Kapitel 4 befasst sich mit der „Qualität in den Dimensionen Medizin, Service und Wirtschaftlichkeit“. Es wurde von Hans-Peter Busch, dem Herausgeber, geschrieben.
Es finden sich folgende Abschnitte:
Prozess-, Struktur- und Personalqualität
Effizienz (Produktivität)
Qualitätsorientierte Vergütung und Krankenhausplanung
Kap. 4 ist ein weiteres zentrales Kapitel des Sammelbandes. Eine gute medizinische Versorgung ermöglicht einer alternden Bevölkerung eine höhere Lebensqualität. Krankenhäusern fordern in Diskussionen um Prozessverbesserungen oft zunächst mehr finanzielle Mittel. Busch führt in diesem 4. Kapitel aus, wie wichtig qualitätssteigernde Maßnahmen im Krankenhausbetrieb sind. Oft begegnen Qualitätsmanagern Hindernisse und Widerstände. Patienten und Krankenkassen lehnen unnötige und unwirtschaftliche Leistungen ab. In Krankenhäusern sind das Besitzstandsdenken und die Verteidigung des Status Quo hinderlich für Verbesserungen.
Auf den Seiten 85 – 103 erörtert der Verfasser die für die Qualität wesentlichen Begriffe (Dimensionen der Qualität, Effizienz und Effektivität, Wirtschaftlichkeit, Optimierungsziele und das Veränderungsmanagement auf dem Weg zur Qualitätssteigerung. Zusätzlich zu den von Eiff und Eiff im voranstehenden Kapitel genannten Qualitätsdimensionen nennt Busch noch die Durchführungsqualität (medizinisch, serviceorientiert und wirtschaftliche Qualität). Leitlinien und Behandlungspfade sind eingeführte Maßnahmen zur Qualitätssteigerung.
Nach diesen grundlegenden Ausführungen geht Busch kurz und übersichtsartig auf vier Seiten die qualitätsorientierte Vergütung und die Krankenhausplanung ein. Nach der DRG-Einführung erfolgt die Vergütung anders als im früheren belegungstageabhängigen System qualitätsorientiert. Die Versorgungsplanung berücksichtigt ebenfalls verstärkt Aspekte der Qualität.
Kapitel 5 lautet „In Gesamtprozessen denken, handeln und optimieren am Beispiel eines Imaging-Centers im Krankenhaus“. Es stammt aus der Feder von Wilhelm Frewer, Hans-Peter Busch und Winfried A. Willinek.
Die einzelnen Abschnitte dieses Kapitals tragen folgende Überschriften:
Das Imaging-Center Radiologie
Qualitätsorientierte Steuerung des Zentrums
Kennzahlen…
Benchmarking der Kosten und Leistungen
Prozesscontrolling (Ablauforganisation)
Prozesscontrolling (Rückmeldemanagement)
Personalcontrolling (Personalbedarf im DRG-Kontext)
Die drei Autoren gehen in diesem Kapital auf die qualitätsorientierte Steuerung des radiologischen Zentrums, die Budgetierung, die verwendeten Kennzahlen, das Benchmarking der Kosten und Leistungen, die Prozessqualität und medizinische Qualität, die Servicequalität, die Prozessorganisation, klinische Behandlungspfade, das Prozesscontrolling (mit den Dimensionen Ablauforganisation und Rückmeldemanagement) und das Personalcontrolling ein.
Sie erläutern diese Zusammenhänge am Beispiel eines bildgebenden Zentrums (Imaging-Center Radiologie). Dabei stehen die ausgesuchten Management- und Controllingwerkzeuge, wie die Budgetierung, Benchmarking und Kennzahlen, im Mittelpunkt der Betrachtung. Als Besonderheit ist zu berücksichtigen, dass die Radiologie nur eine Teilleistung einer komplexen Krankenhausbehandlung ist. Daher müssen besondere Instrumente zur Planung und Steuerung der Qualitätsverbesserung gewählt werden.
Die verschiedenen Dimensionen der Qualität werden betrachtet. Da nicht alle Aspekte der Leistungserbringung, Qualität und Wirtschaftlichkeit gleichzeitig optimiert werden können, ist eine strategische Entscheidung des Managements über die Prioritäten erforderlich. Klinische Behandlungspfade werden mit verschiedenen Beispielen zu den Wartezeiten für die Patienten und der Akuttherapie für den akuten Schlaganfall (Symptom Bauchschmerz) erläutert. Frewer, Busch und Willinek berichten, dass die Qualitätsverbesserungen im dargestellten Beispiel des Imaging-Centers im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder ergeben haben, dass die Prozess- und Ergebnisqualität kontinuierlich gesteigert werden konnte.
Anschließend wird das Prozesscontrolling zur Gestaltung der Ablauforganisation erörtert. Für die Prozesse sind besondere Strukturen und IT-Werkzeuge erforderlich. Diese werden auf den Seiten 135 – 140 anhand von weiteren Beispielen dargestellt.
Abschließend stellen die Autoren noch die Besonderheiten des Personalcontrollings auf drei Seiten dar. Der Personalbedarf und die möglichen Optimierungen sind am besten über ein Benchmarking zu geeigneten Partnerhäusern oder -abteilungen zu steuern. Die strikten Vorgaben der durch das DRG-System gegebenen Erlöse sind zu beachten. Interdependenzen zu Querschnittsabteilungen und indirekten Leistungsbereichen führen zu Problemen des Einsatzes in der Praxis.
Kap. 6 lautet „Von der Struktur zum Prozess – ein Spielsystem für Exzellenz“, es stammt von Josef Düllings.
Folgende Gliederungspunkte können benannt werden:
Wie mit der Krise umgehen?
Ein Spielsystem für Krankenhäuser – wie kommt man dahin?
Von der Struktur zum Prozess
Lean Management als wertschöpfende Prozessgestaltung
Einrichtung von Prozessgruppen und Teamboards
Scheitern ist Teil des Systems
Positive Perspektiven erst durch systemische Führung
Wie der Gliederung zu entnehmen ist, behandelt dieses Kapitel das System eines Krankenhauses und die dort zu gestaltenden Prozesse.
Nach einführenden Analysen zur krisenhaften Umfeld eines Krankenhauses (knappe Finanzmittel und zunehmende Herausforderungen) skizziert Düllings die Idee eines „Spielsystems“, angelehnt an das Spielsystem einer Fußballmannschaft. Ähnlich wie im Sport sei eine Mannschaft zu bilden, die zusammenhält und insgesamt die Herausforderungen meistern kann.
Damit eröffnet Düllings die Überlegungen hin zu einem systemischen Management und zur entsprechenden Führungsphilosophie. Der Autor empfiehlt, den Blick von der Struktur eines Krankenhauses zum Prozess zu richten, das Konzept des Lean Management als wertschöpfende Prozessgestaltung zu beachten und Prozessgruppen und Teamboards als „Marktplätze von Ideen“ einzurichten, die bei der Qualitätssteigerung von Prozessen hilfreich sein können. Im Krankenhaus muss die Anpassung und Lernbereitschaft in die Unternehmenskultur eingepflanzt werden!
Zum siebten Kapitel
Das abschließende Kapitel 7 lautet „Von der Qualitätsbuchhaltung zum Qualitätsmanagement“ und stammt wiederum von Hans-Peter Busch.
Busch unterteilt seine Ausführungen in drei Abschnitte:
Die Qualitätsabteilung
In diesem siebten Kapitel fasst Busch die Überlegungen des Sammelbands zusammen. Er fragt nach der Rolle der Betriebswirte und Mediziner im Krankenhaus. Der Gesamterfolg des Hauses und nicht eine einzelne Berufsgruppe müssen in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken. Ein gut ausgebautes Controlling integriert die einzelnen Teilbereiche und Kliniken zu einem Gesamterfolg. Interdisziplinäres Denken und Handeln sind zu fordern. Die DRG ist eine Vergütung für den gesamten Behandlungsprozess. Übersichtsartig fasst die die Abbildung auf S. 159 zusammen.
Das Qualitätsmanagement übernimmt im Krankenhaus die Aufgabe der Qualitätssicherung und Garantie einer medizinisch sinnvollen und ökonomisch vertretbaren Qualität. Die seit Verabschiedung des Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) geschaffene Verknüpfung von Krankenhausvergütung und Qualität (über die Qualitätszu- und -abschlägen) sind eine konsequente Weiterentwicklung dieses Grundsatzes.
Qualitätsmanagement ist mittlerweile zur Zukunftsperspektive und wichtigen Querschnittsaufgabe im Krankenhaus geworden.
Der von Hans-Peter Busch herausgegebene Sammelband stellt auf 165 Seiten die aktuellen qualitätsbezogenen Herausforderungen des Krankenhausmanagements dar. Anlass des Sammelbands ist das Krankenhausstrukturgesetz 2015, das die Krankenhausvergütung und die Qualität der Krankenhausbehandlung miteineinander verknüpft.
Die Autoren des Buches sind alle in den Kliniken in NRW und Rheinland-Pfalz tätig. Offensichtlich kennen sie sich persönlich und kooperieren seit längerer Zeit. Dadurch ist es dem Herausgeber möglich, die Themen eng beieinander zu halten und die Beiträge aufeinander abzustimmen. Die verschiedenen Aspekte des Qualitätsmanagements sind abgebildet, theoretische Beiträge und Praxisbeispiele ergänzen sich ebenfalls.
Dem Sammelband ist eine gute Rezeption in den Leitungen von Krankenhäusern zu wünschen. Die dort angesprochenen Qualitätsverbesserungen sind im Interesse der Gesundheitspolitik, der Patienten und der Ärzte. Eine selten gegebene win-win-Situation.
Das neue Paradigma des einheitlichen und ganzheitlichen Managements, bei dem Fachleute (Mediziner), Verwaltung und Pflege eng miteinander und interdisziplinär zusammen arbeiten, ist in anderen Branchen eine selbstverständliche Forderung. Das neue Paradigma muss im Krankenhausbetrieb noch ankommen und von Allen gelebt werden.
Das Buch ist in der Ausbildung und Praxis, im medizinischen und kaufmännischen Krankenhausmanagement sehr gut zum Einsatz geeignet. Ihm ist eine gute Resonanz auf dem Markt zu wünschen.
Einziger Kritikpunkt ist der Preis von 64,90 €, der für 165 Seiten als zu hoch zu bewerten ist.
Alle 103 Rezensionen von Friedrich Vogelbusch anzeigen.
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 08.08.2019 zu: Hans-Peter Busch (Hrsg.): Qualitätsorientiertes Krankenhausmanagement. – neue Herausforderungen an Prozesse, Strukturen, Fähigkeiten und Denkweisen. Deutsche Krankenhaus Verlagsgesellschaft mbH (Düsseldorf) 2018. ISBN 978-3-946866-22-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24426.php, Datum des Zugriffs 21.02.2020.