Source: https://stats.business-netz.com/Recht/5583/2012-01-27/Verlaengerung-befristeter-Arbeitsvertraege-mit-Sachgrund
Timestamp: 2020-04-01 12:38:31
Document Index: 216269473

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 14']

EuGH erklärt Verlängerung befristeter Arbeitsverträge mit Sachgrund für zulässig
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Befristeter Vertrag wird dreizehn Mal verlängert
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat gestern entschieden, dass die Verlängerung befristeter Arbeitsverträge durch einen Vertretungsbedarf gerechtfertigt sein kann, auch wenn sich dieser Bedarf als wiederkehrend oder sogar ständig erweist. Allerdings kann ein Einsatz aufeinanderfolgender befristeter Verträge jedoch gegebenenfalls unter Berücksichtigung ihrer Zahl und Gesamtdauer von den nationalen Gerichten einer Missbrauchskontrolle unterzogen werden. Der Entscheidung liegt ein Ersuchen des Bundesarbeitsgerichts (BAG) auf Vorabentscheidung zugrunde. Frau Kücük war über einen Zeitraum von elf Jahren auf der Grundlage von insgesamt 13 befristeten Arbeitsverträgen beim Land Nordrhein-Westfalen als Justizangestellte im Geschäftsstellenbereich des Amtsgerichts Köln tätig. Alle diese Verträge wurden zur Vertretung unbefristet eingestellter Justizangestellter geschlossen, die sich vorübergehend (beispielsweise im Rahmen der Elternzeit) hatten beurlauben lassen. Vor dem ArbG Köln hat Frau Kücük geltend gemacht, ihr letzter Arbeitsvertrag müsse als auf unbestimmte Zeit geschlossen gelten, da kein sachlicher Grund vorliege, der seine Befristung rechtfertige. Bei insgesamt 13 in einem Zeitraum von elf Jahren unmittelbar aneinander anschließenden befristeten Arbeitsverträgen könne nämlich nicht mehr von einem vorübergehenden Bedarf an Vertretungskräften ausgegangen werden. Das BAG, das diesen Rechtsstreit in letzter Instanz zu entscheiden hat, fragte den EuGH nach der Auslegung der einschlägigen Vorschriften des Unionsrechts (hier die EU-Richtlinie 1999/70/EG).
Der EuGH stellt fest, dass der vorübergehende Bedarf an Vertretungskräften – wie im deutschem Recht vorgesehen – grundsätzlich einen sachlichen Grund im Sinne des Unionsrechts darstellen kann, der sowohl die Befristung der mit den Vertretungskräften geschlossenen Verträge als auch deren Verlängerung rechtfertigt. Aus dem bloßen Umstand, dass ein Arbeitgeber gezwungen sein mag, wiederholt oder sogar dauerhaft auf befristete Vertretungen zurückzugreifen, und dass diese Vertretungen auch durch die Einstellung von Arbeitnehmern mit unbefristeten Arbeitsverträgen gedeckt werden könnten, folge weder, dass kein solcher sachlicher Grund gegeben ist, noch das Vorliegen eines Missbrauchs. Automatisch den Abschluss unbefristeter Verträge zu verlangen, wenn die Größe des betroffenen Unternehmens oder der betroffenen Einrichtung und die Zusammensetzung des Personals darauf schließen lassen, dass der Arbeitgeber mit einem wiederholten oder ständigen Bedarf an Vertretungskräften konfrontiert ist, ginge nämlich über die Ziele hinaus, die mit der durch das Unionsrecht umgesetzten Rahmenvereinbarung der europäischen Sozialpartner verfolgt werden, und würde somit den Wertungsspielraum verletzen, der den Mitgliedstaaten und den Sozialpartnern eingeräumt wird. Bei der Beurteilung der Frage, ob die Verlängerung eines befristeten Arbeitsvertrags im Einzelfall durch einen sachlichen Grund wie den vorübergehenden Bedarf an Vertretungskräften gerechtfertigt ist, müssen die nationalen Behörden jedoch alle Umstände dieses Einzelfalls einschließlich der Zahl und der Gesamtdauer der in der Vergangenheit mit demselben Arbeitgeber geschlossenen befristeten Verträge berücksichtigen (EuGH Rs. Kücuk, Urteil vom 26.01.2012; Az.: C-586/10).
Die Verlängerung eines sachgrundlos befristeten Arbeitsvertrages muss unbedingt schriftlich vor Ablauf des ersten Vertrages erfolgen. Sie können dazu dieses Musterschreiben: Verlängerung befristeter Arbeitsvertrag verwenden. mehr
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