Source: https://www.fachanwalt.de/magazin/strafrecht/ladendiebstahl
Timestamp: 2020-07-02 18:51:00
Document Index: 46126606

Matched Legal Cases: ['§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 12', '§ 78']

Ladendiebstahl und die Konsequenzen
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Welche Strafe droht bei einem Ladendiebstahl?
Ladendiebstahl ist alles andere als ein Kavaliersdelikt. Durch Ladendiebstähle entstehen dem Einzelhandel Schäden in Milliardenhöhe. Gestohlen wird praktisch überall, ob im Supermarkt, im Elektrohandel oder der Modeboutique. Insbesondere Jugendliche stellen einen hohen Anteil der Täter dar. Auch Überwachungskameras und Sicherheitspersonal können Ladendiebstähle nicht in Gänze unterbinden. Und obwohl Ladendiebstahl ein Phänomen ist, das sich praktisch täglich ereignet, gibt es hierfür keinen eigenen Straftatbestand. Vielmehr findet die Norm des § 242 StGB Anwendung. Diebstahl wird gemäß § 242 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
1. Gesetzliche Regelung des § 242 StGB
2. Definition nach StGB
2.1. Strafmaß
2.2. Anzeige wegen Ladendiebstahl
2.3. Eintritt der Verjährung
2.4. Eintrag ins Führungszeugnis
3. Ladendiebstahl bei Anwendung des Jugendstrafrechts
4. Ladendiebstahl als Wiederholungstäter
Gesetzliche Regelung des § 242 StGB
§ 242 StGB regelt den einfachen Diebstahl. Dort heißt es: „Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“
Laut § 242 Absatz 2 StGB ist zudem der Versuch strafbar.
Ladendiebstahl (© industrieblick / Fotolia.com)Bei einem Ladendiebstahl handelt es sich also wie erwähnt nicht um einen eigenständigen Tatbestand, sondern um einen kriminologischen Begriff. Gemeint ist damit der Diebstahl meist geringwertiger Güter innerhalb von Geschäften. Um von einem Ladendiebstahl zu sprechen, muss der Tatbestand des § 242 StGB erfüllt sein.
Es muss eine fremde bewegliche Sache weggenommen werden. Bei einer Sache handelt es sich um jeden körperlichen Gegenstand. Das Tatbestandsmerkmal „fremd“ liegt vor, wenn die Sache nicht im Alleineigentum des Täters steht. Und schließlich müsste die Sache noch weggenommen worden sein. Unter Wegnahme versteht man den Bruch fremden und die Begründung neuen Gewahrsams. Übertragen auf den Diebstahl in Geschäften, ist die Wegnahme schon dann zu bejahen und damit auch die Vollendung der Tat, wenn der Täter die Sache in seine Tasche steckt. Das Passieren des Kassenbereichs ist in diesem Fall also nicht erst nötig. Somit macht man sich eines Ladendiebstahls meist schon schneller schuldig, als einem bewusst sein mag.
Es kommt auf den Wechsel der sogenannten Gewahrsamsenklave an. Die Gewahrsamsenklave über eine Sache besteht dann, wenn eine Person hindernislos auf eine Sache zugreifen und nach Belieben über sie verfügen kann. Wer also etwas in seine Tasche oder Jacke steckt, bringt die Sache in seinen eigenen Gewahrsam und entzieht sie dem Gewahrsam des Geschäfts. Möchte der Ladeninhaber an seine Sachen kommen, müsste er erst aufwendig die Tasche durchsuchen. Er hat also keinen hindernislosen Zugriff mehr darauf. Daher ist es auch immer ratsam, die Ware in den bereitgestellten Einkaufswagen oder -körben abzulegen während des Einkaufs und sie nicht in eine eigene Tasche zu stecken, selbst dann, wenn man nicht beabsichtigt, sie zu stehlen.
Schließlich muss auch die Absicht vorliegen, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen. Neben dem Vorsatz muss also auch eine Zueignungsabsicht gegeben sein. Vorsatz bedeutet, dass mit Wissen und Wollen gehandelt wird.
Neben dem einfachen Diebstahl können Ladendiebe auch einen schweren Diebstahl begehen. Dafür müsste in ein Haus oder Geschäft eingebrochen oder Gegenstände gestohlen werden, die anderweitig gesichert sind, beispielsweise durch eine extra gesicherte Vitrine. Wer als Täter zudem auch noch Gewalt anwendet oder mit Gewalt droht, begeht einen räuberischen Diebstahl.
Räuberischer Diebstahl kann zudem auch dann bejaht werden, wenn der Ladendieb erwischt wird und sich körperlich wehrt.
Sowohl beim schweren als auch beim räuberischen Diebstahl drohen empfindlichere Haftstrafen als beim einfachen Ladendiebstahl.
Im Zusammenhang mit Ladendiebstahl fällt auch immer wieder der Begriff des Mundraubs. Dabei handelt es sich um den Diebstahl von Nahrungs- und Genussmitteln in Geschäften. Auch hierfür gibt es im Strafgesetzbuch keinen eigenständigen Tatbestand, so dass auch der sogenannte Mundraub unter § 242 StGB fällt.
Wichtig zu wissen ist zudem, dass die Mitarbeiter des Geschäfts bzw. der Ladendetektiv das Recht haben, die Taschen des Kunden zu kontrollieren, wenn dieser beim Ladendiebstahl erwischt werden sollte. Wenn sich der Verdacht bestätigt, liegt es im Ermessen des Ladeninhabers, ob er Anzeige erstatten möchte.
Gleichzeitig zur Strafanzeige, kann auch ein Strafantrag gestellt werden. Dadurch gibt der Ladeninhaber den Strafverfolgungsbehörden zu verstehen, dass er die Aufnahme von Ermittlungen wünscht und möchte, dass die Strafe verfolgt wird. Relevant ist dies vor allem dann, wenn vergleichsweise geringwertige Dinge gestohlen wurden, deren Wert bei höchstens 25 bis 30 Euro liegt. Ohne einen Strafantrag könnten die Behörden in solchen Fällen sonst nicht aktiv werden.
§ 242 StGB gibt das Strafmaß für Diebstahl und somit auch für den speziellen Fall des Ladendiebstahls vor. Diebstahl wird demnach mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Ladendiebstahl wird damit als Vergehen gewertet, gemäß § 12 StGB.
Im Gegensatz dazu werden Verbrechen im Mindestmaß mit einer einjährigen Freiheitsstrafe oder darüber geahndet. Bei Vergehen ist auch im Mindestmaß eine geringere Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe möglich. Vor allem wer als Ersttäter in Erscheinung tritt, muss meist eher mit einer Geldstrafe rechnen. Vor allem bei Ersttätern kann es zudem auch zur Einstellung des Verfahrens kommen, verbunden mit bestimmten Auflagen. Eine Auflage kann es beispielsweise sein, einen bestimmten Geldbetrag an eine gemeinnützige Organisation zu spenden.
Bei Festlegung der Strafzumessung werden auch immer die konkreten Umstände des jeweiligen Einzelfalls berücksichtigt. Was spricht für den Täter, was gegen ihn? Wurde beispielsweise aus eigennützigen Gründen oder aus einer Zwangslage heraus gestohlen? In welcher psychischen Verfassung befindet sich der Geschädigte nach der Tat? Wie sehen die Lebensumstände des Täters aus? Ist er bereits früher strafrechtlich in Erscheinung getreten?
Strafverteidiger-Tipp: Und auch das Nachtatverhalten spielt bei der Strafzumessung eine Rolle. Zu Gunsten des Täters wird beispielsweise gewertet, wenn dieser die gestohlene Sache wieder zurückgibt und sich reuig zeigt.
Anzeige wegen Ladendiebstahl
Strafrecht (© cirquedespit / Fotolia.com)Die Praxis zeigt, dass Ladendiebstahl praktisch immer mit dem Hinzuziehen der Polizei und dem Erstatten einer Anzeige einhergeht. Auch das nachträgliche Erstatten einer Anzeige ist möglich. Sollte der Ladeninhaber also nicht direkt die Polizei hinzurufen, bedeutet dies nicht automatisch, dass er nicht die Absicht hat, später noch eine Strafanzeige zu stellen.
Sollte man eine Anzeige wegen Ladendiebstahl erhalten, ist es ratsam, sich an einen Rechtsanwalt zu wenden, vorzugsweise einen Anwalt mit Schwerpunkt im Strafrecht. Der Anwalt sollte zeitnah konsultiert werden, bevor man sich selbst zu den Vorwürfen äußert. So lassen sich unüberlegte Äußerungen bei polizeilichen oder richterlichen Vernehmungen vermeiden, die im Zweifel im Nachhinein nachteilig ausgelegt werden können. Der Anwalt wird seinen Mandanten über die weitere Vorgehensweise in Kenntnis setzen und er kann Akteneinsicht beantragen.
Die Polizei verschickt oftmals einen Anhörungsbogen, welcher als Alternative zur polizeilichen Vorladung gesehen werden kann. Wer des Ladendiebstahls beschuldigt wird, muss diesen Bogen jedoch nicht ausfüllen. Es sollte mit dem Anwalt abgesprochen werden, ob es im konkreten Einzelfall besser ist, sich zur Sache zu äußern oder zu schweigen. Im besten Fall wird ein Fachanwalt für Strafrecht konsultiert.
Eintritt der Verjährung
Straftaten unterliegen in der Regel einer Verjährung. Zum Tragen kommen dabei Verfolgungs- und Vollstreckungsverjährung. Bei der Verfolgungsverjährung kann nach Ablauf einer bestimmten Zeit eine Tat nicht mehr behördlich verfolgt werden. Bei der Vollstreckungsverjährung hingegen führt der Ablauf der Frist dazu, dass eine schon rechtskräftig verhängte Strafe nicht mehr vollstreckt werden kann.
Um die Verjährungsfristen zu berechnen, kommt es auf das Höchstmaß der jeweiligen Strafe an. Beim Ladendiebstahl gilt laut Gesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Fünf Jahre sind somit hier das Höchstmaß. Somit ist zur Berechnung der Verjährungsfrist § 78 Absatz 3 Nummer 4 StGB einschlägig, wonach die Frist zur Verfolgungsverjährung beim Ladendiebstahl fünf Jahre beträgt.
Eintrag ins Führungszeugnis
Eine weitere Frage die mit Ladendiebstahl in Zusammenhang steht, ist die, ob das Delikt nach strafrechtlicher Verurteilung in das Führungszeugnis aufgenommen wird. Diesbezüglich kommt eine allgemeine Regel zum Tragen. Es findet kein Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis statt, wenn es sich um Geldstrafen handelt, die nicht höher als 90 Tagessätze sind oder aber um Freiheitsstrafen unter drei Monaten. Ob also ein Eintrag ins Führungszeugnis erfolgt, hängt vom konkret verhängten Strafmaß ab. Hierbei handelt es sich jedoch um das sogenannte einfache Führungszeugnis. In einem sogenannten qualifizierten Führungszeugnis wird die Verurteilung hingegen genannt.
Ladendiebstahl bei Anwendung des Jugendstrafrechts
Ladendiebstahl ist im Jugendstrafrecht eine durchaus weitverbreitete Straftat. Ob die jungen Täter den Nervenkitzel suchen, der Diebstahl Teil einer Mutprobe ist oder aus anderen Gründen gestohlen wird, die Hemmschwelle bei jungen Tätern ist eher gering. Jugendliche Ladendiebe haben meist mit einem milderen Strafmaß zu rechnen, als erwachsene Täter. Hier steht die Erziehung im Vordergrund, weniger die Strafe. Mitunter kann es zur Einstellung des Verfahrens kommen. Ist dies nicht der Fall, werden für die Festlegung des Strafmaßes die konkreten Umstände des Falls berücksichtigt. Als Strafe werden häufig Sozialstunden verhängt. Handelt es sich um einen jugendlichen Wiederholungstäter, kommt auch Jugendarrest in Frage. In schweren Fällen kann sogar eine Jugendstrafe verhängt werden.
Ladendiebstahl als Wiederholungstäter
Wer beim Ladendiebstahl als Wiederholungstäter in Erscheinung tritt, hat mit entsprechend härteren Sanktionen zu rechnen, als es bei der erstmaligen Begehung des Delikts der Fall ist. Eine Einstellung des Verfahrens ist in solchen Fällen sehr unwahrscheinlich. Vielmehr werden meist höhere Geld- oder Bewährungsstrafen verhängt. Auch kann als Auflage erteilt werden, eine Therapie zu machen. Es ist daher in jedem Fall ratsam, sich an einen Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Strafrecht zu wenden, um sich kompetent anwaltlich vertreten zu lassen.
Was in jedem Fall beachtet werden sollte, wenn man mehrmals beim Ladendiebstahl erwischt wird, ist, dass dies dann als gewerbsmäßiger Diebstahl ausgelegt werden kann. Es handelt sich dann um einen Diebstahl in einem besonders schweren Fall, wodurch sich auch das Strafmaß erhöht. Hier kommt dann eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten bis zu zehn Jahren in Betracht.
Was dürfen Jugendliche?
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