Source: https://www.international-probate-lawyer.com/detail/article/todesfallleistung-einer-us-lebensversicherung-geltendmachung-und-steuern-1285.html
Timestamp: 2020-01-20 14:14:35
Document Index: 85168034

Matched Legal Cases: ['§871', '§ 1441', '§ 20', 'Art. 21', '§ 20', '§ 20', '§ 52', '§ 30']

Todesfallleistung einer US-Lebensversicherung - Geltendmachung und Steuern
Die Geltendmachung der Todesfallleistung aus einer US-Lebensversicherung (life insurance) und ihre Besteuerung stellt die Begünstigten oftmals vor unüberwindbare Hindernisse. Außerdem fallen gleich mehrere Steuern an, was zu erheblicher Verwirrung führt. Der Beitrag führt in die Problematik ein.
Der Lebensversicherungsvertrag und die an ihm beteiligten Personen in Deutschland
In einem Versicherungsvertrag (Police) schließt
der Versicherungsnehmer,
mit einem Versicherungsunternehmen (Versicherer)
zur Absicherung eines Risikos des Versicherten (Versicherungsnehmer oder Dritter)
unter Vereinbarung einer Leistung im Versicherungsfall,
gegen Zahlung eines Entgelts (Versicherungsprämie) ab.
Der Versicherungsfall ist das Erleben eines bestimmten Zeitpunkts (Erlebensfall) oder der Tod des Versicherten während der Versicherungsdauer (Todesfall). Ist der Versicherungsfall der Tod des Versicherten, spricht man von einer Todesfallleistung. Diese erhält entweder der durch die durch den Versicherungsnehmer bezeichnete Person oder, wenn es keine solche Person gibt, der Erbe des Versicherungsnehmers.
Ansonsten kann der Versicherungsvertrag sehr unterschiedlich ausgestaltet werden. Insbesondere kann eine Kapitalbildung vereinbart werden (Kapitallebensversicherung) oder nicht (reine Risikolebensversicherung).
Ausgestaltung und Typen in den USA
Die Grundstruktur einer US-Lebensversicherungsvertrag (insurance policy) entspricht der einer deutschen Lebensversicherung:
Der Versicherungsnehmer (policy owner)
schließt mit dem Versicherer (insurance company)
zur Absicherung des Risikos des Todes der versicherten Person (insured person) einen Vertrag
gegen Zahlung eines Entgelts (premium).
In der Regel wird auch ein Begünstigter auf den Todesfall (designated beneficiary) benannt.
Anders als in Deutschland steht bei US-Lebensversicherungen regelmäßig nicht die Kapitalbildung sondern der Todesfallschutz im Vordergrund. Die konkrete Ausgestaltung kann im Versicherungsvertrag weitgehend frei geregelt werden und es gibt zahlreiche Typen von Versicherungsverträgen. Am verbreitetsten sind folgende (Grund-) Typen:
die Term Life Insurance,
die Universal Life Insurance und
die Whole Life Insurance.
Eine Term Life Insurance ist eine Lebensversicherung ohne Kapitalbildung. Sie hat eine feste Vertragslaufzeit, i.d.R. 10-30 Jahren, und eine feste Todesfallleistung. Der Betrag kommt nur zur Auszahlung, wenn der Versicherte innerhalb der Vertragslaufzeit stirbt. Sie ist damit eine (reine) Risikolebensversicherung
Eine Universal Life Insurance hat eine Risiko- und einer Vorsorgekomponente. Übersteigt die monatliche Prämie das für den Risiko-Schutz Erforderliche, wird Kapital gebildet.
Die Whole Life insurance hat eine Risiko- und einer Vorsorgekomponente. Ihre Laufzeit ist unbegrenzt. Die Prämien werden auf der Grundlage des Alters bei Vertragsabschluss festgelegt und steigen in der Regel nicht mit dem Alter.
Die bekanntesten US-Lebensversicherungen sind Brighthouse Financial (ehemalls: MetLife), Northwestern Mutual, New York Life, Prudential, Lincoln National, MassMutual, John Hancock und Transamerica.
Wenn der Versicherte (policy holder) stirbt, muss der Berechtigte (beneficiary) - neben dem Tod - seine Berechtigung nachweisen.
Benennung eines Todesfallbegünstigten
Hat der Versicherungsnehmer ihn/sie als Begünstigten auf den Tod (designated beneficiary) benannt, muss er hierzu ein Formular der Versicherung (claimant statement) ausfüllen und, falls noch nicht zu Lebzeiten erfolgt, seine Identität nachweisen (z.B. Pass). In manchen Fällen wird auch eine (beglaubigte) Kopie des Versicherungsvertrags (policy) verlangt. Wenn ein Trust der Begünstigte ist, muss der Trustee eine Kopie des Trust-Dokuments oder der Trust Bescheinigung (trust certificate) vorlegen.
Kein Todesfallbegünstigter
Ist in dem Versicherungsvertrag kein Begünstigter auf den Tod benannt, fällt die Todesfallleistung in den Nachlass (estate). In diesem Fall ist es in der Regel erforderlich ein förmliches US-Nachlassverfahren (probate-administration) zu führen.
Bei einer Todesfallleistung können amerikanische und deutsche Steuern anfallen.
Die USA erheben in der Regel keine Einkommensteuer (income tax) auf die Todesfallleistung einer Lebensversicherung.
Wenn der vertraglich Begünstigte (designated beneficiary) eine in den USA nicht ansässige Person ohne US-Staatsangehörigkeit (nonresident alien) ist, wird auf die Zahlung eine Quellensteuer (withholding tax) in Höhe von 30% erhoben, vgl. IRC §§871(a).
Bei Zahlung an einen US-Nachlass (domestic estate) wird die US-Quellensteuer nicht erhoben, da der US-Nachlass für Zwecke der US-Steuer eine US-Person ist.
Nach IRC § 1441 wird der entsprechende Betrag vom Steueragenten (withholding agent) - also hier die Versicherung - einbehalten und unmittelbar an die US-Finanzbehörden (IRS) abgeführt. Der Begünstige erhält hierüber eine Bescheinigung (Form 1042-S).
Bei Anwendbarkeit des DBA-USA-ESt. können allerdings Vergünstigungen beansprucht werden. Um diese geltend zu machen, ist das Formular W-8BEN auszufüllen und der Versicherungsgesellschaft unmittelbar einzureichen. Dabei sollte die US-Steuernummer ITIN angegeben werden, da andernfalls mit einem Einbehalt von bis zu 30 % gerechnet werden muss.
Hinweis: Auch bei ordnungsgemäß ausgefülltem Formular kommt es leider vor, dass Versicherungen einen Teil der Auszahlung zurückbehalten und an die IRS abführen. In diesem Fall kann der überzahlte Betrag unter Umständen durch die IRS erstattet werden; hierzu verweisen wir auf unseren Beitrag Rückerstattung überzahlter US-Quellensteuer.
Die Todesfallleistung einer US-Lebensversicherung unterfällt der US-Nachlasssteuer (U.S. federal estate tax), wenn der Versicherungsnehmer verstirbt und in der Folge die Todesfallleistung auszuzahlen ist. Wegen der derzeit sehr hohen Freibeträge (exclusion amount) und der Freistellung des Ehegatten (marital deduction) wird aber in der Regel keine US-Nachlasssteuer zu zahlen sein. Wenn der Erblasser (Versicherungsnehmer) ein nicht in den USA ansässiger Ausländer (nonresident alien) war und in Deutschland ansässig war, kann außerdem nach dem DBA-USA-Erb nur Deutschland die Todesfallleistung besteuern. In aller Regel fällt daher keine US-Nachlasssteuer an.
Wenn allerdings der Berechtigte der Todesfallleistung eine in den USA nicht ansässige Person (nonresident) ist, kann die Versicherung die Auszahlung von der Vorlage einer steuerlichen Unbedenklichkeitsbescheinigung (transfer certificate) abhängig machen. In dieser bescheinigt die US-Steuerbehörde IRS, dass die Versicherung frei von einer Haftung für die Abführung der US-Nachlasssteuer an den nonresident zahlen kann (vgl. Treas. Reg. § 20.6325-1).
Ist der Erbe oder Begünstigte der Todesfallleistung in Deutschland ansässig, hat Deutschland ein Besteuerungsrecht (Art. 21 DBA-USA-ESt). Deutschland erhebt auch nach § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG (i. d. F. des AltEinkG) auf die Erträge einer nach dem 31.12.2004 abgeschlossenen Kapitallebensversicherung auch Einkommensteuer. Auf vor dem 1.1.2005 abgeschlossene Versicherungsverträge (Altverträge) ist hingegen § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG in der am 31.2.2004 geltenden Fassung weiter anzuwenden (§ 52 Abs. 28 Satz 5 EStG) und es fällt bei Vorliegen der Voraussetzungen keine Einkommensteuer an.
Deutsche Erbschaftsteuer
Wenn der Erwerber im Zeitpunkt des Erwerbs seinen Wohnsitz im Sinne des DBA-USA-Erb in Deutschland hatte, unterliegt der gesamte Erwerb der deutschen Erbschaftsteuer. Der Erwerber muss den Erwerb binnen 3 Monaten ab Kenntnis vom Erwerb dem Erbschaftsteuerfinanzamt anzuzeigen (Erwerbsanzeige nach § 30 ErbStG).
Hinweis: Die 3-Monats-Frist läuft nicht etwa erst mit Auszahlung der Todesfallleistung, sondern schon wenn der Tod und die Berechtigung dem Erben/Begünstigten bekannt wird. Gerne helfen wir Ihnen bei der Abgabe der Erwerbsanzeige und der Erbschaftsteuererklärung.
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