Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Entsendung-Arbeitnehmer-aus-der-Schweiz-nach-Deutschland--f103340.html
Timestamp: 2019-10-15 14:33:39
Document Index: 36264542

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 9', 'Art 4', 'Art 15', 'Art 24', 'Art 24']

www.frag-einen-anwalt.deSteuerrechtDeutschlandEntsendung Arbeitnehmer aus der Sc...
| 02.06.2010 18:10 |
seit mehreren Jahren bin ich als Expat im Ausland tätig. Nun habe ich von einem Unternehmen mit Sitz in der Schweiz eine Angebot bekommen für sie in Deutschland tätig zu werden. Ich bin Deutscher Staatsbürger und wie erwähnt sein einigen Jahren nicht mehr in Deutschland gemeldet gewesen.
Ist es im Hinblick auf steuerliche Aspekte ratsam, dass mich das Unternehmen in der Schweiz anstellt und nach Deutschland entsendet? Da der AG auch Auto und Wohnung stellt, ist es wenn ich die Versteuerung des geldwerten Vorteils berücksichtige, fast nicht mehr lukrativ für mich. Die Firma könnte evtl. auch einen Vertrag über eine deutsche Niederlassung schließen.
Was ist sinnvoller für mich und vor allem, was bringt mir und dem AG keine Probleme mit den Finanzbehörden ein?
durch die Stellung der Mietswohnung in Deutschland, haben Sie auch einen Wohnsitz nach § 8 AO, (AEAO Nr. 5 zu § 9) in Deutschland, der zu einer unbeschränkt Steuerpflicht führen kann.
Grundsätzlich gilt für den Fall, dass wenn Sie in einem der Vertragsstaaten über einen Wohnsitz verfügen in diesem auch ansässig sind gem. Art 4 Abs. 2a DBA. Haben Sie in beiden Vertragsstaaten einen Wohnsitz, so wird nach dem Mittelpunkt der Lebensinteressen abgestellt. Wenn dieser nicht festzustellen ist, dann wird auf den gewöhnlichen Aufenthalt abgestellt. Ist auch dieser nicht zu ermitteln, dann wird auf die Staatsangehörigkeit abgestellt.
Das DBA weist das Besteuerungsrecht einem der beiden Staaten je nach Ansässigkeit zu.
Aber selbst wenn eine Ansässigkeit in der Schweiz begründet werden kann, fällt das Besteuerungsrecht Deutschland zu, wenn die Tätigkeit überwiegend oder ausschließlich in Deutschland ausgeübt wird und Sie sich mehr als 183 Tage in Deutschland aufhalten, Art 15 DBA. Soweit auch die Vergütung von einer deutschen Betriebsstätte entrichtet wird, fällt das Besteuerungsrecht dann ohnehin dem Deutschen Staat zu.
Eine weitere Ausnahme und damit eine Besteuerung in der Schweiz greift ein, wenn Sie als Grenzgänger einzustufen sind.
Danach liegt eine Grenzgängereigenschaft vor, wenn Sie in der Schweiz ansässig sind , Ihre Arbeit in Deutschland ausüben und von der Arbeitsstätte regelmäßig an Ihren Wohnsitz in der Schweiz zurückkehren. Die Grenzgängereigenschaft entfällt dann, wenn Sie bei einer Beschäftigung während des gesamten Kalenderjahres an mehr als 60 Arbeitstagen auf Grund ihrer Arbeitsausübung nicht an ihren Wohnsitz zurückkehren
Wenn das Besteuerungsrecht der Schweiz zufällt, entfällt grundsätzlich aber noch nicht die Pflicht, die in der Schweiz bezogenen Einkünfte auch in Deutschland zu versteuern. Gem. Art 24 werden die Einkünfte in der Schweiz von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer ausgenommen, allerdings greift hier dann der Progressionsvorbehalt in Deutschland gem. Art 24 Abs. 1 letzter Absatz, wobei dieser nur relevant wäre, wenn Sie neben dem Einkommen von der schweizer Gesellschaft weitere Einkommen in Deutschland beziehen.
Im Ergebnis wäre eine Anstellung bei einem deutschen Arbeitgeber aufgrund des zu begründenden Wohnsitzes in Deutschland die einfachste Variante. Aufgrund der Gegebenheiten mehr als 183 Tage in Deutschland würde das Besteuerungsrecht Deutschland zufallen.
Allerdings empfehle ich Ihnen sich zu erkundigen, ob und in welcher Höhe Ihre Einkünfte in Deutschland in Ihrem jeweiligen Kanton in der Schweiz besteuert werden bzw. dem Progressionsvorbehalt unterliegen.
Nachfrage vom Fragesteller	03.06.2010 | 10:38
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Zusammenfassend, unter Berücksichtigung folgender Aspekte,
-kein Wohnsitz in der Schweiz
-kein Grenzgänger
-mehr als 183 Tage Aufenthalt in D
nur das Unternehmen hat seinen Sitz in Genf
ist die Besteuerung in jedem Fall in Deutschland fällig und eine andere Variante zu finden ist aussichtslos bzw. mit hohen, administrativen Bemühungen verbunden.
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 03.06.2010 | 11:40
Für diesen Fall ist eine Besteuerung in Deutschland fällig, da Sie unbeschränkt steuerpflichtig sind. Eine andere Variante ist nach Ihren Angaben nicht darstellbar.
Bewertung des Fragestellers 03.06.2010 | 12:28
FRAGESTELLER 03.06.2010 5/5,0