Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4302.htm
Timestamp: 2018-11-20 16:28:43
Document Index: 59732616

Matched Legal Cases: ['§21', '§ 28', '§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4']

4.302 Oberes Schmiechtal
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Oberes Schmiechtal« vom 29. Juni 2001 (GBl. v. 15.08.2001, S. 506).
Auf Grund der §§21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBl. S. 369) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Schelklingen, Gemarkungen Gundershofen, Hütten und Sondernach, im Alb-Donau-Kreis werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Oberes Schmiechtal«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 121 ha.
(2) Es umfasst an den nördlichen Talhängen des Schmiechtals gelegene Heide- und Waldflächen auf der Gemarkung Gundershofen-Springen in den Gewannen Steinigte Halde/Himmelhalde, auf der Gemarkung Gundershofen in den Gewannen Hohlensteiner Halde/Eichhalde sowie auf der Gemarkung Hütten in den Gewannen Eichhalde-Bärental/ Schlossberg und Kappeleshalde. Ein weiterer Teilbereich umfasst Heideflächen auf der Gemarkung Sondernach im oberhalb der Ortslage gelegenen Gewann Kälberhalde. Außerdem sind Flächen beim Pumpwerk in der Talaue der Schmiech im Bereich der »Talwiesen am Schwarzen Weiher« auf Gemarkung Gundershofen in das Naturschutzgebiet einbezogen.
(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:50000 kombiniert mit einer Detailkarte im Maßstab 1:5000 mit durchgezogener roter Linie eingetragen. Die Karte ist Bestandteil dieser Verordnung.
Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, Konrad-Adenauer-Straße 20, und beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis in Ulm, Schillerstraße 30, auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
(1) Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung und Pflege von drei landschaftsprägenden Wacholderheiden mit faunistischer und floristischer Artenvielfalt. Diese für die Schwäbische Alb typischen Landschaftselemente nebst den direkt an die Heiden angrenzenden artenreichen Waldgesellschaften auf den Oberhängen, die Waldschlucht »Bärental« und die Felsen und Höhlen gilt es zu bewahren. Erhalten werden sollen auch die Vegetation und Fauna des Feuchtgebiets »Talwiesen am Schwarzen Weiher«.
- die Erhaltung einer seit Jahrhunderten durch Bewirtschaftung beeinflussten Kulturlandschaft und die Sicherung von zum Teil europäisch bedeutenden Lebensräumen;
- die Bewahrung und Förderung bedeutender Pflanzen-, Schmetterlings- und Vogelbiotope in den Wacholderheiden und in den typischen Kalk-Buchenwäldern trockenwarmer und frischer Standorte der Schwäbischen Alb;
- die Sicherung einer artenreichen Kleebwaldflora im Ahorn-Eschen-(Schlucht-)Wald des »Bärentals« und eines artenreichen Feuchtgebiets in der Talaue;
- der Erhalt der landschaftsprägenden Eigenart der Wacholderheiden, die als Zeugnis der früheren Bewirtschaftungsweise von hohem landeskulturellem Wert sind, durch Pflegemaßnahmen und die Förderung der Schafbeweidung in traditioneller Hütehaltung zur Sukzessionskontrolle im Rahmen einer überörtlichen Vernetzung mit anderen Weideflächen;
- die Erhaltung der geomorphologisch bemerkenswerten Steilhänge, Felsköpfe und Höhlen;
- die Erhaltung des Gebiets als integralen Bestandteil einer Biotopvernetzung und Landschaftsentwicklung, und damit auch zur Sicherung von wertvollen Erholungsflächen.
(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen oder vergleichbare Eingriffe vorzunehmen wie:
1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen; dies gilt auch für Einfriedigungen jeder Art sowie für Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen;
4. neu aufzuforsten, die Entwicklung von Laubholz- oder Mischbeständen hin zu Nadelholzreinbeständen aktiv zu fördern, Christbaum- und Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen sowie Gehölze aller Art neu zu pflanzen oder auf andere Weise nicht-standortheimische Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen;
3. außerhalb der besonders ausgewiesenen befestigten Wege zu reiten;
(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Voraussetzung ist weiter, dass:
3. Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird.
(2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass:
1. die Bewirtschaftung im Einklang mit der Forsteinrichtung erfolgt und unter der Maßgabe, dass die als Sukzessionsflächen ausgewiesenen Heiden beweidet werden dürfen;
5. Tothölzer, Höhlenbäume oder Horstbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten werden.
2. keine Wildäcker und keine Futterstellen angelegt werden;
5. das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd und nur auf befestigten Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird; es sei denn, um zur zulässigen Errichtung neuer Jagdeinrichtungen sperriges oder schweres Material zu befördern oder erlegtes Schwarzwild zu bergen.
(4) Für die Ausübung der Fischerei gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sich in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass:
2. das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Fischerei und nur auf befestigten Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird, soweit dies für Bewirtschaftungs- und Hegemaßnahmen erforderlich ist.
(5) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.
Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflege- und Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung festgelegt, soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde integriert sind. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.
(2) Die Sammelverordnung des Landratsamts Münsingen vom 31. Mai 1955 über den Schutz der Landschaftsbestandteile »Öde und Sommerschafweide in Steinhalde, Tobel, Gerstenhalde und Löcherhau«, »Sommerschafweide auf Kirchsteig-Eichhalde«, »Sommerschafweide in Eichhalde«, »Bärental«, »Sommerschafweide an der Kälberhalde« (Amtsblatt für den Kreis Münsingen vom 5. Juni 1955) tritt für den Geltungsbereich dieser Verordnung gleichzeitig außer Kraft.
Tübingen, den 29. Juni 2001