Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%2060,%20221
Timestamp: 2019-03-26 23:42:14
Document Index: 194074091

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 22.02.1973 - VII ZR 119/71 - dejure.org
BGH, 22.02.1973 - VII ZR 119/71
Bei Angebotsprüfung nicht erkannter Rechenfehler
Culpa in contrahendo - Verschulden bei Vertragsschluß - Vertragsverhandlungen - Verhaltenspflichten aus Treu und Glauben - Sorgfaltspflicht - Vertrauensschutz - Vertrauensverhältnis - Ausschreibung von Bauleistungen
Haftung des günstigsten Bieters für einen vom Auftraggeber nicht erkannten Rechenfehler
BGHZ 60, 221
BGHZ 66, 221
NJW 1973, 752
MDR 1973, 489
DB 1973, 765
BauR 1973, 186
a) Das Berufungsgericht knüpft bei seinen Ausführungen an die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes an, wonach den Auftraggeber aufgrund des mit der Ausschreibung und der Abgabe von Angeboten entstehenden, Vertrauensschutz fordernden Rechtsverhältnisses (BGHZ 60, 221, 224) unter dem Gesichtspunkt des Verschuldens bei Vertragsverhandlungen (c.i.c.) eine Verpflichtung treffen kann, den Bieter auf einen von ihm, dem Auftraggeber, erkannten Kalkulationsfehler hinzuweisen (…BGH, Urt. v. 04.10.1979 - VII ZR 11/79, NJW 1980, 180;… Urt. v. 19.12.1985 - VII ZR 188/84, NJW-RR 1986, 569).
a) Zutreffend geht die Revision allerdings davon aus, dass sich die Beteiligten an Vertragsverhandlungen redlich zu verhalten und nach Treu und Glauben unter Berücksichtigung der Verkehrssitte (§ 242 BGB) auch die Interessen der anderen Beteiligten zur berücksichtigen haben (BGHZ 60, 221, 224;… Urt. v. 4. Oktober 1979, VII ZR 11/79, NJW 1980, 180).
Mit der Aufnahme des geschäftlichen Kontakts der Parteien zur Umsetzung des Internet-Auftritts wäre der Beklagte in diesem Fall verpflichtet gewesen, auf die ihm anvertrauten Interessen des Klägers Rücksicht zu nehmen (vgl. BGHZ 60, 221, 223 f.).
Der Anspruch beruht also auf dem Erfordernis des Vertrauensschutzes (BGHZ 60, 221, 223/224;… Larenz in Festschrift für Ballerstedt, 1975, 397, 415 ff;… Nirk in Festschrift für Ph. Möhring, 1975, 73, 75 ff).
Bei Verhandlungen über den Abschluß eines (bürgerlich-rechtlichen) Vertrages besteht regelmäßig die Verpflichtung, den anderen Teil über Umstände aufzuklären, die den Vertragszweck gefährden und für die Entschließung des Partners von wesentlicher Bedeutung sein können (BGHZ 60, 221, 224; BGH NJW 1974, 849, 861 m.w.Nachw.; vgl. auch Hartwieg, JuS 1973, 733, 737 ff).
Öffentliche Auftraggeber wie die Klägerin vereinbaren nämlich für Bauverträge in der Regel die Geltung der Verdingungsordnung für Bauleistungen (vgl. BGHZ 60, 221, 225).
Er beruht also auf dem Erfordernis des Vertrauensschutzes (BGHZ 60, 221 = MDR 1973, 489).
Die vorvertraglichen Pflichten von Verhandlungspartnern, aufgrund deren sie einander eine zumutbare Rücksichtnahme auf ihre berechtigten Belange schulden, sind gerechtfertigt durch das vertragsähnliche Vertrauensverhältnis, das durch den Eintritt in Verhandlungen begründet wird (vgl. BGHZ 60, 221, 223; 71, 386, 393;… BGH, Urt. v. 22.10.1981 - III ZR 37/80, VersR 1982, 98, 101;… Urt. v. 9.4.1987 - III ZR 181/85, WM 1987, 1052, 1054, insoweit in BGHZ 100, 329 [BGH 09.04.1987 - III ZR 181/85] nicht abgedruckt).
Ob das richtig ist, weil sich für die Klägerin als öffentliche Auftraggeberin die Anwendung der VOB/A von selbst verstand (so Senatsurteil BGHZ 60, 221, 225; OLG Köln, Urteil vom 29. April 1977 - 4 U 222/76 - in Schäfer/Finnern Z 2.13 Bl. 53), oder ob damit - wie die Revision meint - die Anwendung der VOB/A von vornherein ausschied, kann auf sich beruhen.
Da die Klägerin Bauleistungen ausschrieb und der Beklagte ein Angebot abgab, bestand für beide nach Treu und Glauben unter Berücksichtigung der Verkehrssitte (§ 242 BGB) die Rechtspflicht zu redlichem Verhalten (vgl. dazu Senatsurteil BGHZ 60, 221, 224).
aa) Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (WM 2006, 1871, 1872; NJW 2004, 2165; NJW 2001, 3698; NJW 2000, 661, 662; BGHZ 139, 259, 260 f.; BGHZ 60, 221, 223 f.; BGHZ 49, 77, 79) kann insbesondere bei der Vergabe öffentlicher Aufträge in deren Vorfeld ein Vertrauensverhältnis entstehen und dessen Verletzung Ersatzpflichten des öffentlichen Auftragsgebers auslösen.
Wie der Senat bereits mehrfach entschieden hat, kommt durch eine den Regeln der VOB/A folgende Ausschreibung und die Beteiligung eines Bieters am Ausschreibungsverfahren zwischen den Verhandlungspartnern ein vertragsähnliches Vertrauensverhältnis zustande, das zu gegenseitiger Rücksichtnahme verpflichtet und auf beiden Seiten Sorgfaltspflichten begründet, deren schuldhafte Verletzung Schadensersatzansprüche (insbesondere auf Erstattung der Ausschreibungsaufwendungen) begründen kann (BGHZ 49, 77, 79 [BGH 16.11.1967 - III ZR 12/67]; 60, 221, 223 f [BGH 22.02.1973 - VII ZR 119/71]; BGH NJW 1980, 180; NJW 1981, 1673 Nr. 10; vgl. auchSenatsurteil vom 12. Juli 1984 - VII ZR 111/83 = WM 1984, 1340; BGH Urteil vom 8. April 1965 - III ZR 230/63 = VersR 1965, 764 undvom 3. März 1966 - III ZR 123/64 = VersR 1966, 630;… ferner Ingenstau-Korbion, VOB, 10. Aufl., Einl., Rdn. 14/15 m.w.N.).
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