Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/195422,0.html
Timestamp: 2018-09-24 18:08:00
Document Index: 21336971

Matched Legal Cases: ['§ 142', '§ 119', '§ 120', '§ 122', '§ 311', '§ 313']

Was machen, wenn falscher Preis in einem Onlineshop steht?
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Verfasst am: 06 Jul 2008 - 12:02:07 Titel: Was machen, wenn falscher Preis in einem Onlineshop steht?
wenn ich in einem Onlineshop ein Produkt sehe dessen Preis mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch ist (es geht um einen Gitarrenverstärker, der in der einfach Version ca 400€ [UVP 475€] und in der Version mit zwei Lautsprechern ca 340€ [UVP 535€] kostet) und das kaufe, kann der Anbieter mir dann irgendwie sagen: Nene ich hab da einen Fehler gemacht, sie müssen mehr zahlen.
Oder was ist, wenn einfach nur die Zahl im Onlineshop falsch ist und mir ein höherer Betrag in Rechnung gestellt wird. Wie kann ich beweisen, dass im Onlineshop ein nidrigerer Preis stand? Ausdrucken reicht wohl nicht...
Verfasst am: 06 Jul 2008 - 12:11:14 Titel:
Ja, der Verkäufer kann den Vertrag mit Nichtigkeitsfolge anfechten, § 142 I BGB. Bei Online-Shops kommen sowohl § 119 I BGB als auch § 120 BGB als Anfechtungsgrund in Betracht. Da der Käufer die Anfechtbarkeit aufgrund des auffallend niedrigen Preises kannte oder zumindest kennen musste, hat er in diesem Falle nicht einmal einen Schadenersatzanspruch nach § 122 BGB (s. II).
Zur zweiten Frage: Eine nachträglich "Anpassung" des Vertrages ist einseitig natürlich nicht möglich (§ 311 I BGB) bzw. nur ganz ausnahmsweise nach § 313 BGB. Vielmehr ist der Vertrag einseitig lediglich anfechtbar (s.o.). Im Übrigen ist die Frage der Höhe des Kaufpreises tatsächlicher Natur und muss im bestreitensfalle vom Anspruchsinhaber bewiesen werden. Den Betreiber eines Onlineshops trifft nicht umsonst die Pflicht, dem Vertragspartner schon den Eingang des Auftrages unmittelbar schriftlich zu bestätigen.
Verfasst am: 06 Jul 2008 - 12:18:39 Titel:
Nochmal bitte auf deutsch für Jura Laien??
Also, wenn ich das kaufe und ich kriege eine Bestätigungsmail, wo drin steht, dass ich das Teil für den Preis X gekauft habe, dann kann der Anbieter nicht mehr herkommen und sagen: Sie müssen doch mehr zahlen. Oder wie?
Verfasst am: 06 Jul 2008 - 12:26:43 Titel:
"Sie müssen doch mehr zahlen, nämlich X €" dürfte als eine Anfechtungserklärung durch konkludentes Verhalten in Bezug auf den bestehenden Kaufvertrag in Verbindung mit einem weiteren Angebot auf Abschluss eines Kaufvertrages zu den neuen Konditionen (richtiger Preis) auszulegen sein. Heißt dann: Weigert sich der Vertragspartner, die Ware zu dem höheren Preis abzunehmen, liegt keine Annahme und somit kein Vertrag vor. Die vormaligen Vertragsparteien haben dann keine Ansprüche mehr gegeneinander. Der Verkäufer muss die Ware nicht zu dem niedrigen Preis abgeben, der Käufer nicht den höheren Preis zahlen.