Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/die-haar-und-barttracht-des-soldaten-372507
Timestamp: 2020-08-05 14:43:43
Document Index: 268554457

Matched Legal Cases: ['§ 6', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', '§ 4', '§ 4', '§ 4', 'Art. 2', '§ 4', '§ 4', '§ 4', 'Art.19', 'Art. 2', 'Art. 2', '§ 6', '§ 1', '§ 6', '§ 11', '§ 17', '§ 10', '§ 12', 'Art. 1', 'Art. 3', '§ 2', '§ 1', 'Art. 87', 'Art. 3', '§ 6', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 1', '§ 1', '§ 4', '§ 4', 'Art. 3', '§ 1', '§ 19', '§ 84', '§ 7', '§ 2', '§ 6']

Die Haar- und Barttracht des Soldaten | Rechtslupe
Die Haar- und Bart­tracht des Sol­da­ten
Der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung hat bei der Aus­übung sei­ner Befug­nis, die Haar- und Bart­tracht der Sol­da­ten durch Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten zu regeln, einen Ein­schät­zungs­spiel­raum. Ein­schrän­kun­gen der frei­en Gestal­tung der Haar­tracht kön­nen durch das Rege­lungs­ziel eines – für das Selbst­ver­ständ­nis und die öffent­li­che Wahr­neh­mung bestim­men­den – ein­heit­li­chen äuße­ren Er­schei­nungs­bilds und Auf­tre­tens der deut­schen Streit­kräf­te im In- und Aus­land bei der Erfül­lung ihres Ver­tei­di­gungs­auf­trags gerecht­fer­tigt sein. Der Erlass über die Haar- und Bart­tracht der Sol­da­ten (Anla­ge 1 zur Zen­tra­len Dienst­vor­schrift 10/​5) ist recht­mä­ßig. Die – von der Rege­lung für männ­li­che Sol­da­ten abwei­chen­de – Rege­lung über die Haar­tracht von Sol­da­tin­nen ist eine zuläs­si­ge Maß­nah­me zur För­de­rung von Frau­en in der Bun­des­wehr.
Damit bestä­tig­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt durch den Kom­pa­nie­chef bzw. des­sen Stell­ver­tre­ter erteil­ten Befeh­le, sich am jewei­li­gen Fol­ge­tag mit einer Fri­sur zu mel­den, die dem sog. Haar- und Bart­erlass (Anla­ge 1 zur ZDv 10/​5) ent­spricht, als recht­mä­ßig.
Die Befeh­le stüt­zen sich auf den Haar- und Bart­erlass und neh­men die­sen inhalt­lich in Bezug. Die Anord­nun­gen des Erlas­ses, dem selbst kei­ne Befehls­qua­li­tät zukommt [1], wer­den dabei in die Form eines an den Antrag­stel­ler adres­sier­ten, sei­ne Rechts­sphä­re unmit­tel­bar berüh­ren­den Befehls umge­setzt und kon­kre­ti­siert. Inhalt­lich ent­spre­chen die Befeh­le den Vor­ga­ben ins­be­son­de­re von Nr. 2 Abs. 1 des Erlas­ses, wonach das Haar von (männ­li­chen) Sol­da­ten am Kopf anlie­gen oder so kurz geschnit­ten sein muss, dass Ohren und Augen nicht bedeckt wer­den, es – fer­ner – so zu tra­gen ist, dass bei auf­rech­ter Kopf­hal­tung Uni­form- und Hemd­kra­gen nicht berührt wer­den, und – schließ­lich – beson­ders aus­ge­fal­le­ne Haar­schnit­te (z.B. Pfer­de­schwän­ze, gezopf­te Fri­su­ren) nicht erlaubt sind.
Der Haar- und Bart­erlass, soweit er den Antrag­stel­ler vor­lie­gend betrifft, und die ihn umset­zen­den Befeh­le stel­len eine durch eine ver­fas­sungs­mä­ßi­ge nor­ma­ti­ve Grund­la­ge gerecht­fer­tig­te Ein­schrän­kung der dem Antrag­stel­ler auch als Sol­dat zuste­hen­den Rech­te (§ 6 SG), ins­be­son­de­re sei­nes Rechts auf freie Ent­fal­tung der Per­sön­lich­keit (Art. 2 Abs. 1 GG), dar und ver­let­zen auch kei­nen der Gleich­heits­sät­ze des Art. 3 GG.
Die strit­ti­gen Befeh­le grei­fen in das Recht des Antrag­stel­lers auf freie Ent­fal­tung der Per­sön­lich­keit gemäß Art. 2 Abs. 1 GG ein. Sie beschrän­ken sein von Art. 2 Abs. 1 GG umfass­tes Recht, über die Gestal­tung der äuße­ren Erschei­nung auch im Dienst eigen­ver­ant­wort­lich zu bestim­men [2].
Dage­gen wird das Grund­recht auf kör­per­li­che Unver­sehrt­heit gemäß Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG nicht berührt. Des­sen Schutz­be­reich erfasst kör­per­li­che Ein­grif­fe, die ent­we­der mit einer Zufü­gung von Schmer­zen oder mit einer Gesund­heits­be­schä­di­gung ver­bun­den sind oder sich als üble unan­ge­mes­se­ne Behand­lung von nicht unbe­trächt­li­chem Gewicht dar­stel­len. Eine sol­che Behand­lung kann in dem befoh­le­nen Kür­zen der Kopf­haa­re nur lie­gen, wenn dies zu einer Ent­stel­lung oder Ver­un­stal­tung führt [3]. Der Haar- und Bart­erlass, der modi­sche Fri­su­ren aus­drück­lich gestat­tet (Nr. 1 Satz 2 Halbs. 1) und inner­halb der Vor­ga­ben von Nr. 2 Abs. 1 indi­vi­du­ell gewünsch­te Gestal­tun­gen erlaubt, hat kei­ne der­ar­ti­gen Fol­gen.
Das Grund­recht gemäß Art. 2 Abs. 1 GG ist nur unter dem Vor­be­halt der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung gewähr­leis­tet. Es kann daher auf­grund eines Geset­zes ein­ge­schränkt wer­den, das den Kom­pe­tenz­vor­schrif­ten des Grund­ge­set­zes ent­spricht und inhalt­lich hin­rei­chend bestimmt ist, wenn der Ein­griff auf Grün­de des Gemein­wohls gestützt ist und dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit genügt [4]. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier gege­ben.
Die hier gegen­ständ­li­chen Befeh­le und Anord­nun­gen des Haar- und Bart­erlas­ses fin­den ihre gesetz­li­che Grund­la­ge in § 4 Abs. 3 Satz 2 SG.
Nach § 4 Abs. 3 Satz 2 SG erlässt der Bun­des­prä­si­dent die Bestim­mun­gen über die Uni­form der Sol­da­ten. Der Bun­des­prä­si­dent hat hier­von durch die Anord­nung über die Dienst­grad­be­zeich­nun­gen und die Uni­form der Sol­da­ten vom 14.07.1978 [5] teil­wei­se Gebrauch gemacht und im Übri­gen gemäß § 4 Abs. 3 Satz 3 SG i.V.m. Art. 2 Abs. 2 der Anord­nung die Befug­nis zur Bestim­mung der Uni­form des Sol­da­ten dem Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung über­tra­gen. Auf die­ser Grund­la­ge hat der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung sei­ner­seits die Anzug­ord­nung der Bun­des­wehr (ZDv 37/​10) und die Vor­schrif­ten über die Haar- und Bart­tracht der Sol­da­ten als Anla­ge 1 zur ZDv 10/​5 (Leben in der mili­tä­ri­schen Gemein­schaft) erlas­sen.
Eben­so wie die ent­spre­chen­den Vor­schrif­ten über die Dienst­klei­dung im Beam­ten­recht ent­hält § 4 Abs. 3 Satz 2 und 3 SG nicht nur eine Zustän­dig­keits­be­stim­mung, son­dern ermäch­tigt den Bun­des­prä­si­den­ten bzw. (im Rah­men der Dele­ga­ti­on) den Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung zu einer inhalt­li­chen Rege­lung, die die Pflicht von Sol­da­ten, im Dienst Uni­form zu tra­gen und dabei bestimm­te Erschei­nungs­for­men zu wah­ren [6] durch kon­kre­te Ge- und Ver­bo­te aus­ge­stal­tet und aktua­li­siert. Neben der Fest­le­gung, wel­che Sol­da­ten im Dienst oder bei bestimm­ten Anläs­sen Uni­form zu tra­gen haben und wie die­se im Ein­zel­nen zusam­men­ge­setzt und beschaf­fen ist, kön­nen Uni­form­trä­gern dabei auch Vor­ga­ben für die äuße­re Erschei­nung, etwa für die Gestal­tung der Haar- und Bart­tracht, für das Tra­gen von Schmuck oder für Täto­wie­run­gen gemacht wer­den, damit das durch die Uni­form bezweck­te ein­heit­li­che Erschei­nungs­bild nicht beein­träch­tigt wird. Sol­che Rege­lun­gen kön­nen durch Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten getrof­fen wer­den, weil es sich um eine Auf­ga­be der Orga­ni­sa­ti­ons- und Geschäfts­lei­tungs­ge­walt han­delt [7].
Mit die­sem Inhalt genügt § 4 Abs. 3 Satz 2 und 3 SG den Anfor­de­run­gen des Vor­be­halts des Geset­zes [8]. Danach ist der par­la­men­ta­ri­sche Gesetz­ge­ber im Hin­blick auf Rechts­staats­prin­zip und Demo­kra­tie­ge­bot ver­pflich­tet, in grund­le­gen­den, ins­be­son­de­re grund­recht­lich rele­van­ten Berei­chen die wesent­li­chen Ent­schei­dun­gen selbst zu tref­fen. Die inhalt­li­che Reich­wei­te des Geset­zes­vor­be­halts hängt von der Eigen­art des jewei­li­gen Rege­lungs­be­reichs, ins­be­son­de­re von Schwe­re und Inten­si­tät der Grund­rechts­ein­grif­fe ab. Die in § 4 Abs. 3 Satz 2 und 3 SG ange­leg­te Grund­pflicht von Sol­da­ten bedarf dabei kei­ner wei­te­ren inhalt­li­chen Kon­kre­ti­sie­rung durch den Gesetz­ge­ber. Die gesetz­li­che Vor­schrift legt die spe­zi­fi­schen Rege­lungs­ge­gen­stän­de und die Rege­lungs­zu­stän­dig­keit abschlie­ßend fest. Dar­aus folgt, dass jede Aus­ge­stal­tung der Grund­pflicht zu einem kon­kre­ten Ge- und Ver­bot durch dienst­li­che Erfor­der­nis­se gerecht­fer­tigt sein muss. Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de Rege­lung durch den Gesetz- oder Ver­ord­nungs­ge­ber ist ange­sichts des ohne­hin eng umgrenz­ten Rege­lungs­ge­gen­stands und sei­ner Vor­prä­gung durch seit lan­gem bestehen­de Rege­lun­gen über das äuße­re Erschei­nungs­bild von Sol­da­ten nicht gebo­ten.
Nicht ver­letzt ist auch das Gebot, dass ein Grund­rech­te ein­schrän­ken­des Gesetz das betrof­fe­ne Grund­recht unter Anga­be des Arti­kels nen­nen muss (Art.19 Abs. 1 Satz 2 GG). Das Zitier­ge­bot gilt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht für das Grund­recht des Art. 2 Abs. 1 GG, weil die­ses von vorn­her­ein nur unter dem Vor­be­halt der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung gewähr­leis­tet ist [9]. Der Schutz­be­reich des Grund­rechts auf kör­per­li­che Unver­sehrt­heit (Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG), auf das sich das Zitier­ge­bot erstreckt, ist vor­lie­gend nicht berührt.
Der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung hat bei der Aus­übung sei­ner Befug­nis, die Uni­form der Sol­da­ten und im Zusam­men­hang damit das äuße­re Erschei­nungs­bild der Sol­da­ten zu regeln, eine Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve und einen grund­sätz­lich wei­ten, gericht­lich nur begrenzt nach­prüf­ba­ren Ein­schät­zungs­spiel­raum, des­sen inhalt­li­che Reich­wei­te ins­be­son­de­re von Schwe­re und Inten­si­tät des jewei­li­gen Ein­griffs abhängt [10]. Die Ein­schät­zung des Bun­des­mi­nis­ters der Ver­tei­di­gung, eine Vor­ga­be für das äuße­re Erschei­nungs­bild die­ne mili­tä­ri­schen Erfor­der­nis­sen, ist regel­mä­ßig nur auf offen­sicht­li­che Feh­ler­haf­tig­keit zu über­prü­fen, wenn die Beschrän­kung nur für die Dienst­zeit, nicht aber für das Erschei­nungs­bild außer­halb des Diens­tes Bedeu­tung hat; denn der Ein­griffs­ge­halt der­ar­ti­ger Rege­lun­gen ist zumeist schon des­halb gering, weil sie in der pri­va­ten Sphä­re nicht fort­wir­ken. Dem­ge­gen­über beein­flus­sen Rege­lun­gen für die Gestal­tung der Haar- und Bart­tracht zwangs­läu­fig die pri­va­te Lebens­füh­rung; sie unter­lie­gen des­halb einem stren­ge­ren Über­prü­fungs­maß­stab. Dar­aus folgt, dass die Ein­schät­zung des Bun­des­mi­nis­ters der Ver­tei­di­gung, Vor­ga­ben für die Haar- und Bart­tracht sei­en aus dienst­li­chen Grün­den geeig­net und erfor­der­lich, auf plau­si­ble und nach­voll­zieh­ba­re Grün­de gestützt sein muss.
Nach die­sen Maß­stä­ben hat der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung mit der Rege­lung der Haar­tracht männ­li­cher Sol­da­ten sei­nen Ein­schät­zungs­spiel­raum nicht über­schrit­ten. Die hier gegen­ständ­li­chen Befeh­le und die ihnen zugrun­de lie­gen­den Anord­nun­gen des Haar- und Bart­erlas­ses (Nr. 2 Abs. 1) die­nen legi­ti­men Erfor­der­nis­sen des mili­tä­ri­schen Diens­tes (§ 6 Satz 2 SG) und genü­gen den Anfor­de­run­gen des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes.
Der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung hat zu den Moti­ven der aktu­el­len Rege­lung des Haar- und Bart­erlas­ses erklärt, es gel­te all­ge­mein, dass Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten der Bun­des­wehr durch ihr Auf­tre­ten in Uni­form und ihr kor­rek­tes Aus­se­hen das Bild der Bun­des­wehr in der Öffent­lich­keit und das der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land im Aus­land bestimm­ten. Des­halb müs­se, anders als bei vie­len ande­ren Beru­fen, die Frei­heit zur indi­vi­du­el­len Gestal­tung des äuße­ren Erschei­nungs­bil­des gegen­über der sicht­ba­ren Ein­bin­dung in die mili­tä­ri­sche Gemein­schaft grund­sätz­lich zurück­tre­ten. Da unver­än­dert die mit Deutsch­land ver­bün­de­ten Natio­nen und gro­ße Tei­le der Bevöl­ke­rung aus dem Erschei­nungs­bild der Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten Rück­schlüs­se auf die mili­tä­ri­sche Dis­zi­plin und damit auf die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Bun­des­wehr zögen, sei­en der Teil­ha­be an modi­schen Ent­wick­lun­gen Gren­zen gesetzt. Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrif­ten, Bestim­mun­gen des Arbeits­schut­zes, der Hygie­ne und der Prä­ven­tiv­me­di­zin beschränk­ten die zuläs­si­ge Gestal­tung des per­sön­li­chen äuße­ren Erschei­nungs­bil­des eben­falls, sei­en aber nicht allein aus­schlag­ge­bend.
Die von dem Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung zuletzt genann­ten Grün­de der Sicher­heit und des Gesund­heits­schut­zes (Unfall­ver­hü­tung, Arbeits­schutz, Hygie­ne, Prä­ven­tiv­me­di­zin) bil­den als sol­che zwei­fels­frei mög­li­che legi­ti­me Rege­lungs­zwe­cke. Vor dem Hin­ter­grund des Gesamt­zu­sam­men­hangs des Haar- und Bart­erlas­ses könn­ten sie jedoch den nur für männ­li­che Sol­da­ten all­ge­mein ange­ord­ne­ten kur­zen Haar­schnitt nicht recht­fer­ti­gen. Denn ent­we­der ist ein kur­zer Haar­schnitt im mili­tä­ri­schen Dienst tat­säch­lich aus Grün­den der Sicher­heit und des Gesund­heits­schut­zes erfor­der­lich. Dann müss­te sich die für männ­li­che Sol­da­ten gel­ten­de Rege­lung auch auf Sol­da­tin­nen erstre­cken, für die jedoch eine all­ge­mei­ne Anord­nung eines kur­zen Haar­schnitts gera­de nicht besteht; für Sol­da­tin­nen gilt viel­mehr (nur), dass ihre Haar­tracht den vor­schrifts­mä­ßi­gen Sitz der mili­tä­ri­schen Kopf­be­de­ckung nicht behin­dern darf und ihnen zur Ein­hal­tung von Sicher­heits­be­stim­mun­gen und bei bestimm­ten Diens­ten (z.B. Gefechts­aus­bil­dung, Sport­aus­bil­dung, Teil­nah­me an Ein­sät­zen und Übun­gen) bei lan­gen Haa­ren das Tra­gen eines Haar­net­zes befoh­len wer­den kann (Nr. 3 des Haar- und Bart­erlas­ses). Ist dage­gen die gene­rel­le Anord­nung eines kur­zen Haar­schnitts, wor­auf die Rege­lung für Sol­da­tin­nen mit ihrer gerin­ge­ren Ein­griffs­in­ten­si­tät hin­deu­tet, aus Grün­den der Sicher­heit und des Gesund­heits­schut­zes nicht gebo­ten, so wür­de dies in glei­cher Wei­se für männ­li­che Sol­da­ten gel­ten; in die­sem Fal­le fehl­te es auch für männ­li­che Sol­da­ten an der Erfor­der­lich­keit des Ein­griffs.
Die unter dem Blick­win­kel von Sicher­heit und Gesund­heits­schutz zu Tage tre­ten­den Wider­sprü­che in der all­ge­mei­nen Rege­lung der Haar­tracht männ­li­cher und weib­li­cher Sol­da­ten las­sen sich auch nicht durch den Hin­weis des Bun­des­mi­nis­ters der Ver­tei­di­gung auf­lö­sen, wonach die Zuläs­sig­keit des Tra­gens lan­ger Haa­re auch die För­de­rung von Frau­en im Sin­ne des § 1 SGleiG bezwe­cke. Es ist nicht davon aus­zu­ge­hen und daher hier auch nicht zu unter­stel­len, dass der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung eine (ver­meint­li­che) För­de­rung von Frau­en in der Bun­des­wehr dadurch betrei­ben möch­te, dass er sie von Schutz­maß­nah­men aus­nimmt, die aus Grün­den der Sicher­heit und des Gesund­heits­schut­zes gebo­ten sind, sie also einer höhe­ren Gefähr­dung als männ­li­che Sol­da­ten aus­setzt.
Im Ein­zel­nen bedarf dies aller­dings kei­ner wei­te­ren Ver­tie­fung oder ggf. Sach­auf­klä­rung durch das Trup­pen­dienst­ge­richt, weil nach der Erklä­rung des Bun­des­mi­nis­ters der Ver­tei­di­gung die Grün­de der Sicher­heit und des Gesund­heits­schut­zes zwar ein zusätz­li­ches Motiv dar­stel­len, für die gegen­ständ­li­che Rege­lung jedoch nicht allein aus­schlag­ge­bend, also nicht tra­gend sind.
Die Ein­schrän­kun­gen des Antrag­stel­lers in der frei­en Gestal­tung sei­ner Haar­tracht sind durch das von dem Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung in ers­ter Linie ange­führ­te Rege­lungs­ziel eines – für deren Selbst­ver­ständ­nis und die öffent­li­che Wahr­neh­mung bestim­men­den – ein­heit­li­chen äuße­ren Erschei­nungs­bilds und Auf­tre­tens der deut­schen Streit­kräf­te im In- und Aus­land bei der Erfül­lung ihres Ver­tei­di­gungs­auf­trags gerecht­fer­tigt.
Dabei ist dem Hin­weis des Antrag­stel­lers auf den his­to­ri­schen, gesell­schaft­li­chen und ver­fas­sungs­recht­li­chen Wan­del, den die Streit­kräf­te und ihre Ver­an­ke­rung im poli­ti­schen Sys­tem voll­zo­gen haben, im Aus­gangs­punkt durch­aus zu fol­gen. Die Bun­des­wehr erhält einer­seits durch die Nor­men und Wer­te der frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung des Grund­ge­set­zes ihre Aus­rich­tung. Zugleich haben die Sol­da­ten der Bun­des­wehr als „Staats­bür­ger in Uni­form“ nicht nur, wie § 6 Satz 1 SG ver­kürzt for­mu­liert, die glei­chen staats­bür­ger­li­chen Rech­te, son­dern grund­sätz­lich alle Grund- und sons­ti­gen Rech­te wie jeder ande­re Bür­ger, soweit die­se nicht auf­grund von Erfor­der­nis­sen des mili­tä­ri­schen Diens­tes durch gesetz­lich begrün­de­te Pflich­ten ein­ge­schränkt sind. Bei­de Gesichts­punk­te fin­den ihre nicht abschlie­ßen­de, aber bei­spiel­haf­te Umset­zung in den Grund­sät­zen der Inne­ren Füh­rung (ZDv 10/​1). Die mate­ri­el­le Ver­an­ke­rung in der frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung, ins­be­son­de­re in den Grund­rech­ten, bil­det die Basis für die von den Sol­da­ten gefor­der­te Bereit­schaft zu ver­ant­wort­li­chem Han­deln im Dienst, aber auch für die Mög­lich­keit einer weit­ge­hen­den indi­vi­du­el­len und per­sön­li­chen Ent­fal­tung des ein­zel­nen Sol­da­ten unge­ach­tet sei­ner Zuge­hö­rig­keit zur Bun­des­wehr. Nicht nur über die Rück­bin­dung der Bun­des­wehr als „Par­la­ments­heer“ in die demo­kra­tisch rechts­staat­li­che Ver­fas­sungs­ord­nung [11], son­dern auch über das per­sön­li­che Ver­hal­ten jedes ein­zel­nen Sol­da­ten fin­det des­halb der Plu­ra­lis­mus der heu­ti­gen Gesell­schaft Ein­gang in die Bun­des­wehr.
Neben – und nicht im Wider­spruch zu – die­sen mate­ri­el­len Grund­la­gen und Wer­ten steht die Tat­sa­che, dass der spe­zi­fi­sche Auf­trag und die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Streit­kräf­te unver­än­dert in einem hohen Maß durch ein nach außen ein­heit­li­ches Auf­tre­ten und einen nach innen engen Zusam­men­halt ihrer Ange­hö­ri­gen geprägt sind, in dem sich die Streit­kräf­te zugleich von ande­ren staat­li­chen Hoheits­trä­gern – wie etwa der Poli­zei – unter­schei­den. Die Streit­kräf­te han­deln nach außen typi­scher­wei­se im geschlos­se­nen Ver­band; auch dort, wo der ein­zel­ne Sol­dat in Erschei­nung tritt, nimmt er stets die unmit­tel­ba­re Ein­satz­be­reit­schaft des in sei­nem Rücken ste­hen­den Ver­bands in Anspruch. Nach innen wird von Sol­da­ten das Leben in der mili­tä­ri­schen Gemein­schaft (so auch die Bezeich­nung der ZDv 10/​5) erwar­tet, die indi­vi­du­el­le Ver­hal­tens­wün­sche nicht aus­schließt, aber sie unter einen deut­lich begren­zen­den Vor­be­halt der Gemein­schafts­ver­träg­lich­keit und gegen­sei­ti­ger Ver­läss­lich­keit stellt. Aus­druck die­ser gestei­ger­ten Form der Ein­ord­nung in die mili­tä­ri­sche Orga­ni­sa­ti­on sind ins­be­son­de­re die sol­da­ten­recht­li­chen Pflich­ten zu Gehor­sam (§ 11 SG) und Dis­zi­plin (§ 17 Abs. 1 SG) sowie die Für­sor­ge­pflicht des Vor­ge­setz­ten (§ 10 Abs. 3 SG) und die Pflicht aller Sol­da­ten zur Kame­rad­schaft (§ 12 SG).
Vor die­sem Hin­ter­grund ist auch die Legi­ti­ma­ti­on der Anord­nung eines ein­heit­li­chen äuße­ren Erschei­nungs­bilds der Sol­da­ten zu sehen, das über die völ­ker­recht­lich gebo­te­ne Kenn­zeich­nung als Kom­bat­tant hin­aus­geht. Der „sicht­ba­ren Ein­bin­dung in die mili­tä­ri­sche Gemein­schaft“ (so die For­mu­lie­rung in der Aus­kunft des Bun­des­mi­nis­ters der Ver­tei­di­gung) kommt eine zwar nur die­nen­de, inso­weit aber nach wie vor uner­läss­li­che Bedeu­tung für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Streit­kräf­te zu. Die Staats­füh­rung und die Streit­kräf­te ver­bün­de­ter eben­so wie nicht ver­bün­de­ter Natio­nen, die Öffent­lich­keit im In- und Aus­land und nicht zuletzt auch die Akteu­re und die Bevöl­ke­rung in den Ein­satz­ge­bie­ten neh­men die Bun­des­wehr nicht in ers­ter Linie über die Indi­vi­dua­li­tät der Sol­da­ten, son­dern vor­ran­gig über das sicht­ba­re Auf­tre­ten und die phy­si­sche Prä­senz eines ein­heit­li­chen Ver­bands wahr und grün­den (auch) auf die­sen Ein­druck ihre Erwar­tun­gen und ihr Ver­trau­en in die Ein­satz­be­reit­schaft der Bun­des­wehr. Der „Kre­dit“, den die Bun­des­wehr hier­durch im Außen­ver­hält­nis genießt, bedeu­tet zugleich Stär­kung und Schutz für den ein­zel­nen Sol­da­ten. Ent­spre­chen­des gilt für das Innen­ver­hält­nis der Streit­kräf­te. Die „sicht­ba­re Ein­bin­dung in die mili­tä­ri­sche Gemein­schaft“ bedeu­tet hier eine nicht zu unter­schät­zen­de sym­bo­li­sche Stüt­ze für die gegen­sei­ti­ge Ver­läss­lich­keit, dass jeder Sol­dat indi­vi­du­el­le Belan­ge hint­an­stellt, soweit Befehl und Gehor­sam, Kame­rad­schaft und Dis­zi­plin dies mili­tä­risch erfor­dern; sie ent­las­tet jeden Sol­da­ten dadurch nicht nur im Grenz­fall, in dem es um den Ein­satz der eige­nen Gesund­heit und des eige­nen Lebens geht, son­dern auch im täg­li­chen Betrieb. Das ein­heit­li­che äuße­re Erschei­nungs­bild ist inso­fern ein wesent­li­cher Bei­trag zur Ver­hal­tens­si­cher­heit der Sol­da­ten (sie­he auch Nr. 101 Abs. 1 ZDv 37/​10) eben­so wie zur Erwar­tungs­si­cher­heit im Außen­ver­hält­nis.
Auf der Grund­la­ge die­ser Zweck­set­zung hat der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung mit der Anord­nung eines kur­zen Haar­schnitts für männ­li­che Sol­da­ten – als Bestand­teil des ein­heit­li­chen äuße­ren Erschei­nungs­bilds und Aus­druck der „sicht­ba­ren Ein­bin­dung in die mili­tä­ri­sche Gemein­schaft“ – den ihm zuste­hen­den Ein­schät­zungs­spiel­raum nicht über­schrit­ten. Die Rege­lung des Haar- und Bart­erlas­ses folgt einem zwar tra­di­tio­nell gepräg­ten, aber nach wie vor in der ganz über­wie­gen­den Mehr­zahl der Streit­kräf­te ver­brei­te­ten und durch gesell­schaft­li­che und ver­fas­sungs­recht­li­che Ent­wick­lun­gen nicht über­hol­ten Modell. Ins­be­son­de­re wird die Eig­nung zur ein­heits­bil­den­den Iden­ti­fi­ka­ti­on nicht dadurch in Fra­ge gestellt, dass in Deutsch­land seit gerau­mer Zeit auch bei Män­nern eine Haar­tracht in nahe­zu jeder Län­ge und Fas­son gesell­schaft­lich akzep­tiert wird; ein von allen Sol­da­ten gefor­der­ter kur­zer Haar­schnitt unter­liegt damit einer zwar deut­li­che­ren Wahr­neh­mung (die ihre ein­heits­bil­den­de Funk­ti­on eher ver­stärkt als ver­min­dert), ohne ande­rer­seits ihre Trä­ger aus dem Rah­men des gesell­schaft­lich Übli­chen fal­len zu las­sen.
Die Rege­lung des Haar- und Bart­erlas­ses ver­stößt auch im Übri­gen nicht gegen den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz, ins­be­son­de­re nicht gegen die Gebo­te der Erfor­der­lich­keit und Zumut­bar­keit des Ein­griffs. Die mate­ri­el­len Grund­rech­te des I. Abschnitts des Grund­ge­set­zes (Art. 1 bis 19), die auch inner­halb des Wehr­dienst­ver­hält­nis­ses Gel­tung bean­spru­chen, gewähr­leis­ten allen Sol­da­ten der Bun­des­wehr Frei­hei­ten und Chan­cen zur per­sön­li­chen Ent­fal­tung, die sowohl in his­to­ri­scher Sicht als auch im inter­na­tio­na­len Ver­gleich sehr weit­rei­chend sind; gera­de in den Kern­be­rei­chen der Lebens­ge­stal­tung, etwa der Reli­gi­ons- und Mei­nungs­frei­heit oder von Ehe und Fami­lie, respek­tiert die Bun­des­wehr in wei­tem Umfang eine Ver­wirk­li­chung indi­vi­du­el­ler Lebens­vor­stel­lun­gen, die auch in den Dienst­be­trieb hin­ein­wirkt. Die­se – von den Sol­da­ten auch genutz­ten – Mög­lich­kei­ten einer ver­stärk­ten Indi­vi­dua­li­sie­rung begrün­den und recht­fer­ti­gen die fort­be­stehen­de Erfor­der­lich­keit einer – gewis­ser­ma­ßen kom­pen­sa­to­ri­schen – „sicht­ba­ren Ein­bin­dung in die mili­tä­ri­sche Gemein­schaft“. Der Blick auf die gewähr­leis­te­ten mate­ri­el­len Frei­hei­ten der Sol­da­ten ver­deut­licht zugleich, dass die am äuße­ren Erschei­nungs­bild anset­zen­den Rege­lun­gen des Haar- und Bart­erlas­ses ein mil­de­res Mit­tel im Ver­gleich zu sub­stan­ti­el­len Ein­schrän­kun­gen in der Lebens­füh­rung dar­stel­len. Eine Ver­let­zung des Über­maß­ver­bots ist schließ­lich auch des­halb nicht gege­ben, weil der Haar- und Bart­erlass kei­ne „Ein­heits­fri­sur“ ver­ord­net, son­dern ledig­lich äuße­re Gren­zen setzt, inner­halb derer indi­vi­du­el­le Gestal­tun­gen und „modi­sche Fri­su­ren“ aus­drück­lich erlaubt sind.
Die hier gegen­ständ­li­chen Befeh­le und die ihnen zugrun­de lie­gen­den Anord­nun­gen des Haar- und Bart­erlas­ses für die Haar­tracht männ­li­cher Sol­da­ten stel­len auch kei­ne ver­fas­sungs­wid­ri­ge Ungleich­be­hand­lung dar.
Unter dem Blick­win­kel des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes (Art. 3 Abs. 1 GG) nicht zu bean­stan­den ist zunächst, dass die Vor­schrif­ten der Nr. 2 Abs. 1 des Haar- und Bart­erlas­ses für alle Sol­da­ten, also ins­be­son­de­re nicht nur für Berufs­sol­da­ten und Sol­da­ten auf Zeit gel­ten, son­dern sich bis zur Aus­set­zung der all­ge­mei­nen Wehr­pflicht (bzw. deren Beschrän­kung auf den Span­nungs- und Ver­tei­di­gungs­fall, § 2 WPflG) zum 1.07.2011 auch auf Grund­wehr­dienst­leis­ten­de wie den Antrag­stel­ler erstreck­ten. § 1 Abs. 1 Satz 1 SG defi­niert einen ein­heit­li­chen Begriff des Sol­da­ten, der unter­schieds­los sowohl die auf­grund frei­wil­li­ger Ver­pflich­tung als auch die auf­grund der Wehr­pflicht in einem Wehr­dienst­ver­hält­nis ste­hen­den Sol­da­ten umfasst. Die­se ein­heit­li­che Defi­ni­ti­on gilt sowohl für den ver­fas­sungs­recht­li­chen Begriff der – aus den Sol­da­ten gebil­de­ten – Streit­kräf­te (Art. 87a GG) als auch für die ein­fach­recht­li­chen Vor­schrif­ten über die Rech­te und Pflich­ten der Sol­da­ten, soweit die­se sich nicht aus­drück­lich nur auf ein­zel­ne Sta­tus­grup­pen bezie­hen. Auch in der Pra­xis gibt es in dem hier inter­es­sie­ren­den Erschei­nungs­bild der Sol­da­ten kei­ne Unter­schei­dungs­merk­ma­le, an denen sich die Zuge­hö­rig­keit etwa eines Mann­schafts­dienst­grads, wie ihn der Antrag­stel­ler inne­hat­te, zu der Sta­tus­grup­pe der Berufs­sol­da­ten, Sol­da­ten auf Zeit oder aber Grund­wehr­dienst­leis­ten­den able­sen lie­ße. Im Hin­blick auf ihre gro­ße Zahl und ihre Ver­tei­lung auf nahe­zu sämt­li­che Trup­pen­gat­tun­gen und Tätig­keits­be­rei­che bil­de­ten die Grund­wehr­dienst­leis­ten­den auch kei­ne ver­nach­läs­sig­ba­re oder abgrenz­ba­re, son­dern viel­mehr eine das Gesamt­bild der Bun­des­wehr maß­geb­lich mit­prä­gen­de Grup­pe. Der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung war auch nicht wegen der begrenz­ten Dau­er des Grund­wehr­diens­tes gehal­ten, die Grund­wehr­dienst­leis­ten­den von der Gel­tung der Rege­lung über die Haar­tracht aus­zu­neh­men oder für sie Son­der­re­ge­lun­gen zu tref­fen. Bei einer Dau­er des Grund­wehr­diens­tes von in der Ver­gan­gen­heit 10 bis 18 Mona­ten und zur Zeit der Ein­be­ru­fung des Antrag­stel­lers noch neun Mona­ten ist die Ein­glie­de­rung in die Bun­des­wehr so inten­siv, dass der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung den ihm zuste­hen­den Ein­schät­zungs­spiel­raum nicht über­schrit­ten hat, wenn er auf eine zwi­schen Grund­wehr­dienst­leis­ten­den und Berufs- oder Zeit­sol­da­ten dif­fe­ren­zie­ren­de Rege­lung der Haar­tracht ver­zich­tet hat.
Eine zuläs­si­ge; vom Ein­schät­zungs­spiel­raum des Bun­des­mi­nis­ters der Ver­tei­di­gung gedeck­te Dif­fe­ren­zie­rung (Art. 3 Abs. 1 GG) bil­det ande­rer­seits die fle­xi­ble­re Rege­lung der Haar­tracht für Ange­hö­ri­ge der Reser­ve, die Wehr­übun­gen leis­ten (Nr. 4 des Haar- und Bart­erlas­ses). Sie bezieht ihre sach­li­che Recht­fer­ti­gung aus der auf grund­sätz­lich maxi­mal drei Mona­te begrenz­ten (§ 6 Abs. 1 WPflG), in der Pra­xis in aller Regel deut­lich kür­ze­ren Dau­er von Wehr­übun­gen [12] und der zumeist gerin­ge­ren Ein­glie­de­rung der Wehr­ü­ben­den in den regel­mä­ßi­gen Dienst­be­trieb.
Der Antrag­stel­ler kann schließ­lich nicht unter dem Gesichts­punkt der Gleich­be­rech­ti­gung von Män­nern und Frau­en (Art. 3 Abs. 2 Satz 1 GG) eine Behand­lung ent­spre­chend der für Sol­da­tin­nen gel­ten­den Vor­schrift der Nr. 3 des Haar- und Bart­erlas­ses bean­spru­chen, wonach die Haar­tracht von Sol­da­tin­nen den vor­schrifts­mä­ßi­gen Sitz der mili­tä­ri­schen Kopf­be­de­ckung nicht behin­dern darf und zur Ein­hal­tung von Sicher­heits­be­stim­mun­gen und bei bestimm­ten Diens­ten bei lan­gen Haa­ren das Tra­gen eines Haar­net­zes befoh­len wer­den kann. Die Rege­lung über die Haar­tracht von Sol­da­tin­nen stellt eine zuläs­si­ge Maß­nah­me zur För­de­rung von Frau­en in der Bun­des­wehr dar (Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG, § 1 SGleiG).
Der Antrag­stel­ler unter­fällt als männ­li­cher Sol­dat nicht der Vor­schrift der Nr. 3 des Haar- und Bart­erlas­ses. Eine Gleich­be­hand­lung ist nach dem Zweck der Rege­lung nicht gebo­ten.
Der Haar- und Bart­erlass wur­de erst­mals unter dem 22.12 1993 um eine – seit­dem nur gering­fü­gig redak­tio­nell geän­der­te – Rege­lung über die Haar­tracht von Sol­da­tin­nen ergänzt, nach­dem zum Ende des Jah­res 1990 die Lauf­bah­nen des Sani­täts- und Mili­tär­mu­sik­diens­tes all­ge­mein für Frau­en zugäng­lich gemacht wor­den waren. Das Anwen­dungs­feld der Rege­lung hat sich auf das gesam­te Spek­trum der Streit­kräf­te erwei­tert, seit im Anschluss an das Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs vom 11.01.2000 – C‑285/​98, Kreil, Slg. 2000, I‑69, zum Janu­ar 2001 sämt­li­che Ver­wen­dungs­be­rei­che der Bun­des­wehr für Frau­en geöff­net wur­den. Nach der Erklä­rung des Bun­des­mi­nis­ters der Ver­tei­di­gung bezweckt die Zuläs­sig­keit des Tra­gens lan­ger Haa­re für Sol­da­tin­nen auch die För­de­rung von Frau­en im Sin­ne des § 1 SGleiG; sie soll den Dienst in den Streit­kräf­ten für Frau­en attrak­ti­ver gestal­ten und so zu einer wei­te­ren Erhö­hung des Anteils an Sol­da­tin­nen in der Bun­des­wehr bei­tra­gen. Die Eig­nung der Haar­tracht­re­ge­lung für Sol­da­tin­nen, zu die­ser Ziel­set­zung einen Bei­trag zu leis­ten, lässt sich, auch vor dem Hin­ter­grund einer deut­lich gerin­ge­ren Bereit­schaft von Frau­en als von Män­nern zum (frei­wil­li­gen) Dienst in der Bun­des­wehr [13], nicht schlech­ter­dings in Abre­de stel­len. Auch sind die Richt­wer­te des § 4 Abs. 5 Satz 1 SGleiG, die eine Unter­re­prä­sen­ta­ti­on von Sol­da­tin­nen indi­zie­ren sol­len und bezo­gen auf die ein­zel­nen Berei­che des § 4 Abs. 2 SGleiG (Lauf­bahn­grup­pen, Lauf­bah­nen, Besol­dungs­grup­pen, Sta­tus­grup­pen, mili­tä­ri­sche Orga­ni­sa­ti­ons­be­rei­che) in der Lauf­bahn des Sani­täts­diens­tes bei 50 %, in allen ande­ren Lauf­bah­nen bei 15 % lie­gen, mit einer Gesamt­zahl von 18 494 Frau­en in den Streit­kräf­ten und einem Pro­zent­satz von 9,65 [14] erkenn­bar noch nicht erreicht.
Die Vor­schrift der Nr. 3 des Haar- und Bart­erlas­ses für Sol­da­tin­nen beein­träch­tigt nicht die strik­te­re Rege­lung der Haar­tracht für männ­li­che Sol­da­ten (Nr. 2 des Haar- und Bart­erlas­ses).
Der Ein­satz von Frau­en in allen Ver­wen­dungs­be­rei­chen der Bun­des­wehr seit Janu­ar 2001 stellt ein Novum in der Geschich­te der Bun­des­wehr dar. Die Inte­gra­ti­on von Frau­en in die Streit­kräf­te und in die Erfül­lung des Ver­tei­di­gungs­auf­trags hat – evi­dent – das Erschei­nungs­bild der Bun­des­wehr ver­än­dert. Nichts­des­to­trotz hat sich – schon im Hin­blick auf den immer noch rela­tiv kur­zen Zeit­raum, inner­halb des­sen der Anteil der Frau­en in der Trup­pe erst all­mäh­lich auf die genann­ten Zah­len­wer­te gestie­gen ist – für das äuße­re Erschei­nungs­bild von Sol­da­tin­nen noch kei­ne Tra­di­ti­on oder Erwar­tungs­hal­tung inner­halb der Bun­des­wehr und in der Öffent­lich­keit ver­fes­tigt, die etwa den an männ­li­che Sol­da­ten gerich­te­ten Erwar­tun­gen ver­gleich­bar wäre. Eine gewis­se ori­en­tie­ren­de Wir­kung kommt des­halb auch den Rege­lun­gen in Staa­ten mit einer ver­gleich­ba­ren Staats- und Gesell­schafts­ord­nung zu, die den Zugang zu ihren Streit­kräf­ten schon seit län­ge­rer Zeit für Frau­en geöff­net haben. In der Mehr­zahl fin­den sich dort Rege­lun­gen der Haar­tracht, die im Kern der deut­schen Rege­lung ähn­lich sind. Neben geschlechts­neu­tra­len Grund­an­for­de­run­gen an eine „gepfleg­te“ Haar­tracht (ent­spre­chend Nr. 1 des Haar- und Bart­erlas­ses) und eben­falls geschlechts­neu­tra­len Son­der­re­ge­lun­gen für bestimm­te Sol­da­ten­grup­pen oder Ver­wen­dun­gen (ent­spre­chend der Rege­lung nach Nr. 4 des Haar- und Bart­erlas­ses) fin­den sich ganz über­wie­gend Vor­schrif­ten, die ent­spre­chend der Nr. 2 und Nr. 3 des Haar- und Bart­erlas­ses für männ­li­che und für weib­li­che Sol­da­ten unter­schied­li­che Rege­lun­gen der Haar­tracht tref­fen und dabei den Sol­da­tin­nen wei­ter­rei­chen­de Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten als den männ­li­chen Sol­da­ten eröff­nen, ein­schließ­lich der Mög­lich­keit des Tra­gens län­ge­rer Haa­re [15].
Vor die­sem Hin­ter­grund hat der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung nicht den ihm zuste­hen­den Ein­schät­zungs­spiel­raum über­schrit­ten, wenn er die Sol­da­tin­nen in der Bun­des­wehr – jeden­falls in dem der­zei­ti­gen Sta­di­um des all­mäh­li­chen Aus­baus des Anteils und der Stel­lung von Frau­en in den Streit­kräf­ten – nicht dem­sel­ben Régime für das äuße­re Erschei­nungs­bild unter­wirft wie männ­li­che Sol­da­ten. Es ist einer­seits nicht erkenn­bar, dass der dies­be­züg­li­chen Gleich­be­hand­lung von männ­li­chen und weib­li­chen Sol­da­ten ein so gro­ßes, den För­der­zweck (Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG, § 1 SGleiG) über­wie­gen­des Gewicht für die „sicht­ba­re Ein­bin­dung in die mili­tä­ri­sche Gemein­schaft“ zukä­me, dass der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung aus Rechts­grün­den zu einer Anglei­chung gehal­ten wäre. Eben­so wenig ist auf der ande­ren Sei­te ersicht­lich, dass die für männ­li­che Sol­da­ten gel­ten­de strik­te­re Rege­lung des ein­heit­li­chen äuße­ren Erschei­nungs­bilds durch die fle­xi­ble­re Rege­lung für Sol­da­tin­nen in ihrer geschil­der­ten Bedeu­tung und Funk­ti­on im Selbst­ver­ständ­nis der Bun­des­wehr oder in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung ent­wer­tet oder in Fra­ge gestellt wür­de.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 17. Dezem­ber 2013 – 1 WRB 2.12
vgl. BVerwG, Beschluss vom 30.11.2006 – 1 WB 59.05, BVerw­GE 127, 203 = Buch­holz 450.1 § 19 WBO Nr. 1 = NZWehrr 2007, 160, jeweils Rn. 24[↩]
vgl. für uni­for­mier­te Zoll- bzw. Poli­zei­be­am­te BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 10.01.1991 – 2 BvR 550/​90, NJW 1991, 1477; BVerwG, Urteil vom 02.03.2006 – 2 C 3.05, BVerw­GE 125, 85 = Buch­holz 237.8 § 84 RhPLBG Nr. 1, jeweils Rn. 15 m.w.N.[↩]
vgl. für uni­for­mier­te Poli­zei­be­am­te BVerwG, Urteil vom 02.03.2006 a.a.O. Rn. 16 m.w.N[↩]
BVerfG, Beschlüs­se vom 06.06.1989 – 1 BvR 921/​85, BVerfGE 80, 137, 153; und vom 09.03.1994 – 2 BvL 43/​92 u.a., BVerfGE 90, 145, 171 f.; stRspr[↩]
BGBl. I S. 1067, zuletzt geän­dert durch Anord­nung vom 31.05.1996, BGBl. I S. 746[↩]
zur Uni­form­tra­ge­pflicht von Sol­da­ten, die als Per­so­nal­rats­mit­glied vom mili­tä­ri­schen Dienst frei­ge­stellt sind, vgl. BVerwG, Beschluss vom 28.09.2010 – 1 WB 41.09, BVerw­GE 138, 40 = Buch­holz 449 § 7 SG Nr. 52, jeweils Rn. 33 ff.[↩]
vgl. für uni­for­mier­te Poli­zei­be­am­te: BVerwG, Urteil vom 02.03.2006 a.a.O. Rn. 18 m.w.N[↩]
vgl. zu die­sem Grund­satz ein­ge­hend BVerwG, Beschluss vom 26.05.2009 – 1 WB 48.07, BVerw­GE 134, 59 = Buch­holz 449.2 § 2 SLV 2002 Nr.14, jeweils Rn. 31 ff., m.w.N.; vgl. fer­ner – auch zum Fol­gen­den – BVerwG, Urteil vom 02.03.2006 a.a.O. Rn.19 m.w.N[↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 29.07.1959 – 1 BvR 394/​56, BVerfGE 10, 89, 99 und Beschluss vom 18.02.1970 – 2 BvR 531/​68, BVerfGE 28, 36, 46[↩]
vgl. – auch zum Fol­gen­den – BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 10.01.1991 a.a.O.; BVerwG, Urteil vom 02.03.2006 a.a.O. Rn. 21 f.[↩]
BVerfG, Urtei­le vom 12.07.1994 – 2 BvE 3/​92 u.a., BVerfGE 90, 286, 382; und vom 07.05.2008 – 2 BvE 1/​03, BVerfGE 121, 135, 154[↩]
vgl. Steinlechner/​Walz, WPflG, 7. Aufl.2009, § 6 Rn. 7 f.[↩]
vgl. z.B. die in Sozi­al­wis­sen­schaft­li­ches Insti­tut der Bun­des­wehr, Hrsg., Trup­pen­bild mit Dame, 2008, S. 14 ff. refe­rier­ten Erhe­bun­gen[↩]
Zah­len­an­ga­ben zum 31.12 2012 nach dem Jah­res­be­richt 2012 des Wehr­be­auf­trag­ten, BT-Drs. 17/​12050, S. 27[↩]
sie­he z.B. für die US-Streit­kräf­te sehr detail­liert Nr. 1–8 der Army Regu­la­ti­on 670–1 vom 03.02.2005[↩]
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