Source: http://m.hensche.de/Urlaubsanspruch_Krankheit_Verfall_des_Urlaubsanspruch_trotz_langer_Krankheit_moeglich_BAG_9AZR425-10-u.html
Timestamp: 2018-05-24 04:32:50
Document Index: 300569951

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 15', '§ 7', '§ 256', '§ 256', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 55', '§ 7', '§ 7', '§ 15', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', 'Art. 9', '§ 7', '§ 7', 'Art. 9', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', 'EuG', 'EuG', '§ 7', 'Art. 7', '§ 7', 'Art. 7', 'EuG', '§ 7', 'Art. 9', '§ 97']

Akten­zeichen: 9 AZR 425/10
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Aachen, Urteil vom 8.12.2009, 4 Ca 2559/09
Verkündet am 9. Au­gust 2011
hat der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Be­ra­tung vom 9. Au­gust 2011 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Düwell, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Krasshöfer und Dr. Suckow so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schmid und Müller für Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln vom 18. Mai 2010 - 12 Sa 38/10 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob dem Kläger Er­ho­lungs­ur­laub aus den
Jah­ren 2005 bis 2007 zu­steht.
Der Kläger ist seit dem 1. Ja­nu­ar 1991 bei der Be­klag­ten, ei­nem Ver
kehrs­un­ter­neh­men mit Sitz in Nord­rhein-West­fa­len, als Bus­fah­rer und Fahr-aus­weisprüfer beschäftigt. Er hat ei­nen jähr­li­chen An­spruch auf 30 Ar­beits­ta­ge Er­ho­lungs­ur­laub. Gemäß § 7 des die Par­tei­en ver­bin­den­den For­mu­lar­ar­beits­ver­trags vom 18. De­zem­ber 1990 (ArbV) fin­den auf das Ar­beits­verhält­nis die für die Be­klag­te gel­ten­den Ta­rif­verträge An­wen­dung.
Der mit Wir­kung zum 1. Ja­nu­ar 2007 in Kraft ge­tre­te­ne Spar­ten­ta­rif­ver-
trag Nah­ver­kehrs­be­trie­be idF des Über­lei­tungs­ta­rif­ver­trags vom 4. Au­gust 2006 (TV-N NW) re­gelt für Ar­beit­neh­mer, die - wie der Kläger - bis 30. Ju­ni 2006 in den Dienst der Be­klag­ten tra­ten, ua. Fol­gen­des:
„§ 15 Er­ho­lungs­ur­laub, Zu­satz­ur­laub
(1) Der Ar­beit­neh­mer hat in je­dem Ur­laubs­jahr An­spruch auf Er­ho­lungs­ur­laub ...
(9) Der Ur­laub ist in dem Ur­laubs­jahr zu gewähren und zu neh­men, für das der Ur­laubs­an­spruch be­steht. ...
In den Ka­len­der­jah­ren 2005 bis 2007 er­hielt der Kläger kei­nen Er­ho-
lungs­ur­laub. Ab 11. Ja­nu­ar 2005 war er krank­heits­be­dingt ar­beits­unfähig. Am 9. Ju­ni 2008 nahm er sei­ne Ar­beit wie­der auf.
Im wei­te­ren Ver­lauf des Jah­res 2008 gewähr­te die Be­klag­te dem Kläger
an 30 Ar­beits­ta­gen Er­ho­lungs­ur­laub.
Mit Schrei­ben vom 22. April 2009, das der Be­klag­ten am 24. April 2009
zu­ging, mach­te der Kläger er­folg­los Ur­laub aus den Jah­ren 2005 bis 2007 gel­tend.
Der Kläger hat die Rechts­auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­klag­te sei ver-
pflich­tet, ihm den in den Jah­ren 2005 bis 2007 er­wor­be­nen Er­ho­lungs­ur­laub zu gewähren. § 7 Abs. 3 BUrlG gel­te nur für den Ur­laub des je­wei­li­gen Ka­len­der­jah­res.
fest­zu­stel­len, dass ihm für die Jah­re 2005 bis 2007 Er­ho­lungs-
ur­laub in Höhe von ins­ge­samt 90 Ur­laubs­ta­gen zu­steht.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie ist der An­sicht,
die Ur­laubs­ansprüche des Klägers sei­en be­fris­tet und des­halb mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2008 ver­fal­len.
folgt der Kläger sein Kla­ge­be­geh­ren wei­ter.
A. Die Re­vi­si­on ist nicht be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die
Be­ru­fung des Klägers ge­gen das kla­ge­ab­wei­sen­de Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zu Recht zurück­ge­wie­sen. Die Kla­ge ist zulässig, aber nicht be­gründet.
1. Der Kläger hat ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an, durch das Ge­richt
fest­stel­len zu las­sen, ob ihm ge­gen die Be­klag­te aus den Jah­ren 2005 bis 2007 re­sul­tie­ren­de Ur­laubs­ansprüche zu­ste­hen (§ 256 Abs. 1 ZPO).
2. Der grundsätz­lich gel­ten­de Vor­rang der Leis­tungs­kla­ge (vgl. BAG
11. De­zem­ber 2001 - 9 AZR 435/00 - zu I der Gründe, EzA ZPO § 256 Nr. 59)
steht der Zulässig­keit ei­ner Kla­ge, mit der ein Ar­beit­neh­mer den Um­fang des
ihm zu­ste­hen­den Ur­laubs ge­richt­lich fest­ge­stellt wis­sen will, nicht ent­ge­gen
(hier­zu ausführ­lich: BAG 12. April 2011 - 9 AZR 80/10 - Rn. 13 bis 15, NZA
II. Die Kla­ge ist nicht be­gründet. Dem Kläger steht ein in den Jah­ren 2005
bis 2007 ent­stan­de­ner An­spruch auf Er­ho­lungs­ur­laub nicht zu. Für die von dem Kläger be­gehr­te Fest­stel­lung fehlt es an ei­ner Rechts­grund­la­ge. Selbst wenn der Se­nat zu­guns­ten des Klägers un­ter­stellt, dass ein lang­fris­tig ar­beits­unfähi­ger Ar­beit­neh­mer Ur­laubs­ansprüche, die aus dem Zeit­raum sei­ner Ar­beits­unfähig­keit re­sul­tie­ren, un­ein­ge­schränkt ku­mu­lie­ren kann (da­ge­gen: LAG Hamm 15. April 2010 - 16 Sa 1176/09 - LA­GE BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 27), ist der Ur­laubs­an­spruch mit Ab­lauf des Ur­laubs­jah­res 2008 am 31. De­zem­ber 2008 un­ter­ge­gan­gen. Denn der Ur­laubs­an­spruch, der aus ei­nem frühe­ren Ur­laubs­jahr über­tra­gen wird, tritt zu dem Ur­laubs­an­spruch, der zu Be­ginn des Ur­laubs­jah­res ent­steht, hin­zu. Bei­de zu­sam­men bil­den ei­nen ein­heit­li­chen Ur­laubs­an­spruch. So­fern nicht ab­wei­chen­de ar­beits- oder ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen ein­grei­fen, ist der Teil des Ur­laubs­an­spruchs, der zu Be­ginn des Ur­laubs­jah­res ent­stan­den ist, an das Ur­laubs­jahr ge­bun­den (§ 7 Abs. 3 Satz 1 BUrlG); der Teil des Ur­laubs­an­spruchs, der über­tra­gen wur­de, un­ter­liegt grundsätz­lich dem be­son­de­ren Zeit­re­gime des § 7 Abs. 3 Satz 3 und Satz 4 BUrlG. Der Ur­laubs­an­spruch er­lischt dem­nach trotz lang­wie­ri­ger krank­heits­be­ding­ter Ar­beits­unfähig­keit, wenn der Ar­beit­neh­mer im Ka­len­der­jahr ein­sch­ließlich des Über­tra­gungs­zeit­raums so recht­zei­tig ge­sund und ar­beitsfähig wird, dass er in der ver­blei­ben­den Zeit sei­nen Ur­laub neh­men kann. Da­von ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu Recht aus­ge­gan­gen.
1. Un­ter der Prämis­se, dass ein Ar­beit­neh­mer, der über ei­nen lan­gen
Zeit­raum auf­grund von Krank­heit ar­beits­unfähig ist, Ur­laub un­be­schränkt an­sam­meln kann, be­trug der aus den Jah­ren 2005 bis 2007 re­sul­tie­ren­de Ur­laubs­an­spruch des Klägers nach En­de sei­ner na­he­zu drei­ein­halb Jah­re währen­den Ar­beits­unfähig­keit im Jahr 2008 90 Ar­beits­ta­ge. Dem Kläger ste­hen jähr­lich 30 Ar­beits­ta­ge Er­ho­lungs­ur­laub zu.
2. Die­ser Ur­laubs­an­spruch des Klägers ist mit Ab­lauf des Ur­laubs­jah-
res 2008 am 31. De­zem­ber 2008 un­ter­ge­gan­gen.
a) Man­gels ab­wei­chen­der ar­beits- oder ta­rif­ver­trag­li­cher Re­ge­lun­gen ist
der An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf Er­ho­lungs­ur­laub be­fris­tet. So­fern kein Über­tra­gungs­grund nach § 7 Abs. 3 BUrlG ge­ge­ben ist, verfällt der am En­de des Ur­laubs­jah­res nicht ge­nom­me­ne Ur­laub (vgl. BAG 21. Ju­ni 2005 - 9 AZR 200/04 - zu II 1 a der Gründe, AP In­sO § 55 Nr. 11 = EzA BUrlG § 7 Nr. 114; 10. Mai 2005 - 9 AZR 253/04 - zu III 2 a der Gründe, EzA BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 13; 20. Ju­ni 2000 - 9 AZR 405/99 - zu II 2 b cc der Gründe, BA­GE 95, 104). Dies gilt je­den­falls in den Fällen, in de­nen der Ar­beit­neh­mer nicht aus von ihm nicht zu ver­tre­ten­den Gründen, et­wa auf­grund von Ar­beits­unfähig­keit (sie­he hier­zu: BAG 24. März 2009 - 9 AZR 983/07 - Rn. 47 ff., BA­GE 130, 119), an der Ur­laubs­nah­me ge­hin­dert ist. Die ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung des § 15 Abs. 9 Satz 1 TV-N NW, die auf­grund der Ver­wei­sung in § 7 ArbV auf das Ar­beits­ver­hält­nis der Par­tei­en An­wen­dung fin­det, enthält kei­ne von § 7 Abs. 3 BUrlG ab­wei­chen­de Re­ge­lung.
b) Das Fris­ten­re­gime des BUrlG be­ruht auf ei­nem per­pe­tu­ie­ren­den Sys-
tem (vgl. zu ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen: BAG 20. Au­gust 1996 - 9 AZR 22/95 - zu I 4 der Gründe, BA­GE 84, 23). Der Se­nat hat für ei­nen Ur­laubsan­spruch aus dem Vor­jahr, der nach § 7 Abs. 3 BUrlG auf das Fol­ge­jahr über­tra­gen wur­de, an­ge­nom­men, er un­ter­schei­de sich im ge­setz­lich be­fris­te­ten Über­tra­gungs­zeit­raum des § 7 Abs. 3 BUrlG nicht von dem Ur­laubs­an­spruch des lau­fen­den Ur­laubs­jah­res (BAG 10. Fe­bru­ar 2004 - 9 AZR 116/03 - zu III 4 b cc (1) der Gründe, BA­GE 109, 285). Er tritt zu dem am 1. Ja­nu­ar des Ur­laubs­jah­res neu er­wor­be­nen Ur­laubs­an­spruch hin­zu. Er ist ei­nem „Über­trag” in ei­ner
lau­fen­den Rech­nung ver­gleich­bar (BAG 25. Au­gust 1987 - 8 AZR 118/86 - zu 2 a der Gründe, BA­GE 56, 53). Dau­ert das krank­heits­be­ding­te Hin­der­nis für die In­an­spruch­nah­me an oder tritt ein neu­es in § 7 Abs. 3 Satz 2 BUrlG ge­re­gel­tes Hin­der­nis - drin­gen­de be­trieb­li­che oder per­so­nen­be­ding­te Gründe - an des­sen Stel­le, so bleibt der Ur­laubs­an­spruch durch wei­te­re Über­tra­gun­gen er­hal­ten, es sei denn, ei­ne aus Art. 9 des Übe­r­ein­kom­mens Nr. 132 der In­ter­na­tio­na­len Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on über den be­zahl­ten Jah­res­ur­laub vom 24. Ju­ni 1970 (im Fol­gen­den: Übe­r­ein­kom­men Nr. 132 der IAO; Nähe­res da­zu un­ter A II 2 f der Gründe) ab­zu­lei­ten­de Be­gren­zung der Höchstüber­tra­gungs­dau­er greift ein. Zum Ur­laubs­an­spruch gehört folg­lich nicht nur der je­weils neu­es­te, am 1. Ja­nu­ar ei­nes je­den Ka­len­der­jah­res ent­ste­hen­de An­spruch, son­dern auch der in­fol­ge der Über­tra­gung hin­zu­tre­ten­de, noch zu erfüllen­de An­spruch aus dem Vor­jahr. Auf die­se ku­mu­lie­ren­de Wei­se wächst der Ur­laubs­an­spruch an. Nach § 7 Abs. 3 Satz 3 BUrlG be­steht nur die Be­son­der­heit, dass der Ar­beit­ge­ber im In­ter­es­se ei­ner zeit­na­hen Er­ho­lung den An­teil des Ur­laubs­an­spruchs, der vor dem lau­fen­den Ur­laubs­jahr ent­stan­den ist, in­ner­halb des ers­ten Quar­tals gewähren muss. Geht der aus dem Vor­jahr über­tra­ge­ne Ur­laubs­an­spruch trotz Ab­laufs des Über­tra­gungs­zeit­raums - et­wa we­gen an­dau­ern­der krank­heits­be­ding­ter Ar­beits­unfähig­keit des Ar­beit­neh­mers (sie­he hier­zu: BAG 24. März 2009 - 9 AZR 983/07 - Rn. 45, BA­GE 130, 119) - nicht un­ter, ist die­ser Teil des Ur­laubs­an­spruchs ge­genüber dem Teil, den der Ar­beit­neh­mer zu Be­ginn des ak­tu­el­len Ur­laubs­jah­res er­wor­ben hat, nicht pri­vi­le­giert. Er un­ter­liegt dem Fris­ten­re­gime des § 7 Abs. 3 BUrlG. Die in den Schluss­anträgen der Ge­ne­ral­anwältin am Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on Trs­ten­jak erörter­te Fra­ge, ob der Ar­beit­neh­mer auf die­se Wei­se Ur­laub über meh­re­re Jah­re hin­weg an­sam­meln kann oder Art. 9 des Übe­r­ein­kom­mens Nr. 132 der IAO ei­ne zeit­li­che Be­gren­zung zu ent­neh­men ist (vgl. Schluss­anträge vom 7. Ju­li 2011 - C-214/10 - [KHS AG ge­gen Schul­te]), lässt der Se­nat of­fen. Sie ist im Streit­fall nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich.
c) Kon­se­quenz der Be­fris­tungs­re­ge­lun­gen ist, dass der Ur­laubs­an­spruch
trotz lang­wie­ri­ger krank­heits­be­ding­ter Ar­beits­unfähig­keit er­lischt, wenn der Ar­beit­neh­mer im Ka­len­der­jahr oder im Über­tra­gungs­zeit­raum so recht­zei­tig
ge­sund und ar­beitsfähig wird, dass er in der ver­blei­ben­den Zeit sei­nen Ur­laub neh­men kann (vgl. ErfK/Dörner/Gall­ner 11. Aufl. § 7 BUrlG Rn. 39m). An­de­ren­falls käme es zu ei­ner nicht ge­recht­fer­tig­ten Pri­vi­le­gie­rung des ehe­mals ar­beits­unfähig er­krank­ten, nun aber ge­ne­se­nen Ar­beit­neh­mers ge­genüber den übri­gen Ar­beit­neh­mern. Während je­ner Ur­laubs­ansprüche jen­seits der Be­fris­tungs­re­ge­lun­gen des § 7 Abs. 3 BUrlG er­wor­ben hätte, obläge es die­sen, den Ur­laub bin­nen der in § 7 Abs. 3 BUrlG be­stimm­ten Fris­ten zu neh­men. Ei­ne sol­che Un­gleich­be­hand­lung ist sach­lich nicht ge­recht­fer­tigt.
d) In An­wen­dung die­ser Grundsätze ver­fiel der Ur­laubs­an­spruch des
Klägers, der aus dem streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum der Jah­re 2005 bis 2007 herrühr­te, spätes­tens mit Ab­lauf des Ur­laubs­jah­res 2008. Dies gilt un­abhängig da­von, ob es dem Ar­beit­neh­mer im Fall ei­ner lang­fris­ti­gen Ar­beits­unfähig­keit über­haupt recht­lich möglich ist, Ur­laub un­be­schränkt an­zu­sam­meln. Legt man für die Be­rech­nung der Ar­beits­ta­ge ei­ne Fünf-Ta­ge-Wo­che zu­grun­de und berück­sich­tigt man die für Nord­rhein-West­fa­len gel­ten­den Fei­er­ta­ge, die im Jahr 2008 nicht auf ei­nen Sams­tag oder Sonn­tag fie­len, la­gen zwi­schen der Wie­der­auf­nah­me der Ar­beit am 9. Ju­ni 2008 und dem Ab­lauf des Ur­laubs­jah­res am 31. De­zem­ber 2008 145 Ar­beits­ta­ge. Der Kläger hätte den Ur­laub, den er für die Jah­re 2005 bis 2007 gel­tend macht (90 Ar­beits­ta­ge), und den Ur­laub, den er am 1. Ja­nu­ar 2008 er­warb (30 Ar­beits­ta­ge), in dem Zeit­raum bis zum 31. De­zem­ber 2008 neh­men können. Der Kläger hat Umstände, die zur Über­tra­gung des Ur­laubs in das Fol­ge­jahr führ­ten (§ 7 Abs. 3 Satz 2 BUrlG) nicht vor­ge­tra­gen; im Übri­gen sind sie nicht er­sicht­lich.
e) Uni­ons­recht steht der zeit­li­chen Be­fris­tung des Ur­laubs­an­spruchs nicht
ent­ge­gen, so­fern der Ar­beit­neh­mer die Möglich­keit hat, den Ur­laubs­an­spruch vor dem En­de des Über­tra­gungs­zeit­raums zu rea­li­sie­ren. Der EuGH hält ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung, die ei­nen Über­tra­gungs­zeit­raum für den am En­de des Be­zugs­zeit­raums nicht ge­nom­me­nen Jah­res­ur­laub vor­sieht, für zulässig. Denn sie eröff­net ei­nem Ar­beit­neh­mer, der dar­an ge­hin­dert war, sei­nen Jah­res­ur­laub zu neh­men, ei­ne zusätz­li­che Möglich­keit, in den Ge­nuss des Ur­laubs zu kom­men. Die Re­ge­lung darf grundsätz­lich auch den Ver­lust des An­spruchs auf
be­zahl­ten Jah­res­ur­laub am En­de ei­nes Be­zugs- oder Über­tra­gungs­zeit­raums be­inhal­ten. Der EuGH bil­ligt da­mit grundsätz­lich den Re­ge­lungs­zweck des § 7 Abs. 3 Satz 2 und Satz 3 BUrlG, den Ar­beit­neh­mer durch den dro­hen­den Ver­lust des Ur­laubs­an­spruchs an­zu­hal­ten, den Ur­laub als Un­ter­bre­chung der Ar­beit möglichst im lau­fen­den Jahr zu neh­men oder - so­weit dies aus be­trieb­li­chen oder persönli­chen Gründen nicht möglich ist - den zeit­li­chen Ab­stand zum Ur­laubs­jahr ge­ring zu hal­ten. Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (ABl. EU L 299 vom 18. No­vem­ber 2003 S. 9) dient da­mit so­wohl der Si­cher­heit als auch der Ge­sund­heit des Ar­beit­neh­mers. Die­ses Re­ge­lungs­ziel er­for­dert ei­ne zeit­na­he In­an­spruch­nah­me des Ur­laubs. Je größer der zeit­li­che Ab­stand zwi­schen Ur­laubs­jahr und Ur­laubs­gewährung ist, des­to größer ist die Ge­fahr, dass der Zweck des Ur­laubs ver­fehlt wird. Ei­ne Aus­nah­me ist - un­ter wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen - le­dig­lich in den Fällen an­ge­bracht, in de­nen die in § 7 Abs. 3 BUrlG be­stimm­te Frist nicht aus­reicht, um den durch Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88/EG gewähr­leis­te­ten Ge­samt­ur­laub als Sum­me aus dem al­ten und neu­en Ur­laub tatsächlich zu neh­men (vgl. EuGH 20. Ja­nu­ar 2009 - C-350/06 und C-520/06 - [Schultz-Hoff] Rn. 43, Slg. 2009, I-179).
f) Die in § 7 Abs. 3 BUrlG ge­re­gel­te Be­fris­tung des Ur­laubs­an­spruchs ist
auch mit den von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land durch die Ra­ti­fi­zie­rung des Übe­r­ein­kom­mens Nr. 132 der IAO über­nom­me­nen Ver­pflich­tun­gen ver­ein­bar (vgl. BAG 24. Sep­tem­ber 1996 - 9 AZR 364/95 - zu A II 1 der Gründe, BA­GE 84, 140). Das Übe­r­ein­kom­men wirkt nicht un­mit­tel­bar auf Ar­beits­verhält­nis­se in der Wei­se ein, dass es de­ren In­halt nor­ma­tiv aus­ge­stal­te­te. Viel­mehr hat der Bun­des­ge­setz­ge­ber das deut­sche Ur­laubs­recht durch die Ver­ab­schie­dung des Heim­ar­beitsände­rungs­ge­set­zes vom 29. Ok­to­ber 1974 (BGBl. I S. 2879) den Vor­ga­ben des Übe­r­ein­kom­mens Nr. 132 der IAO ent­spre­chend an­ge­passt (ausführ­lich da­zu: BAG 7. De­zem­ber 1993 - 9 AZR 683/92 - zu I 5 der Gründe, BA­GE 75, 171). Da­nach hat der deut­sche Ge­setz­ge­ber die Frist für die In­an­spruch­nah­me des über­tra­ge­nen Teils des Ur­laubs­an­spruchs, die im Verhält­nis zu Art. 9 Abs. 1 des Übe­r­ein­kom­mens Nr. 132 der IAO er­heb­lich kürzer ist, nicht geändert. Das steht nicht im Wi­der­spruch zur Vor­ga­be des
Übe­r­ein­kom­mens Nr. 132 der IAO; die­ses setzt mit 12 bzw. 18 Mo­na­ten le­dig­lich ei­ne Höchst­frist, die un­ter­schrit­ten wer­den darf, um den Ar­beit­neh­mer zu ei­ner zeit­na­hen Ur­laubs­nah­me an­zu­hal­ten.
g) Ver­trau­ens­ge­sichts­punk­te ver­mag der Kläger nicht mit Er­folg ins Feld
zu führen. Der Kläger kann des­halb nicht ein­wen­den, er ha­be mit der ihn tref­fen­den Ob­lie­gen­heit, den Ur­laub, den er - mögli­cher­wei­se - in den Jah­ren 2005 bis 2007 an­sam­mel­te, bis zum 31. De­zem­ber 2008 zu neh­men, nicht rech­nen müssen. Der Ver­fall von Ur­laub am En­de des Ur­laubs­jah­res re­spek­ti­ve des Über­tra­gungs­zeit­raums ent­sprach der da­ma­li­gen Recht­spre­chung des Se­nats.
B. Der Kläger hat die Kos­ten der oh­ne Er­folg ein­ge­leg­ten Re­vi­si­on zu
tra­gen, § 97 Abs. 1 ZPO.
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