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Timestamp: 2018-02-19 18:05:05
Document Index: 50360146

Matched Legal Cases: ['Art. 15', 'Art. 50', 'Art. 50', 'Art. 47', 'Art. 60', 'Art. 60', 'Art. 80', 'Art. 81', 'Art. 82', 'Art. 6']

UMSETZUNG VON BASEL II Herausforderungen und Stolpersteine - PDF
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1 P A T R I C K H A U R I G R É G O I R E L E C O M T E Die Banken und Effektenhändler arbeiten zur Zeit an der Umsetzung der Eigenkapitalvereinbarung von Basel II. Dabei bilden die konkrete Anwendung und Interpretation der neuen Anforderungen massgebliche Herausforderungen. Die Verbesserung des internen Risikomanagements birgt einen wesentlichen Mehrwert, der zu erschliessen ist. Herausforderungen und Stolpersteine 1. EINLEITUNG Nach langjährigen Vorarbeiten des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht und der Eidg. Bankenkommission (EBK) ist die neue Eigenkapitalvereinbarung auch «Basel II» genannt in der Schweiz per 1. Januar 2007 in Kraft getreten, mit einer einjährigen Übergangsfrist. Die Umsetzung in der Schweiz erfolgte anhand einer neuen Eigenmittelverordnung (ERV) sowie 6 EBK-Rundschreiben [1]. Nur einige wenige Banken, darunter die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse, haben sich für die fortgeschrittenen Ansätze für die Eigenmittelunterlegung entschieden. Die Mehrheit der Institute in der Schweiz werden indes «einfache» Ansätze anwenden. Der Begriff mag verwirren, ist doch die Umsetzung letzterer mit einigen Interpretations- und Anwendungsfragen verbunden. Die grösste Herausforderung in der Umsetzung von Basel II besteht in der Ausschöpfung von Synergien und Verbesserungsmöglichkeiten im internen Risikomanagement. Die blosse Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Mindestanforderungen kann nicht das Endziel sein. Die Implementierung bietet auch Gelegenheit, vergangene Entscheidungen und be stehende Lösungen nach deren Angemessenheit zu analysieren. Die folgenden Ausführungen basieren auf häufig gestellten Fragen von Bankinstituten und den gewonnenen Erfahrungen im Rahmen von Umsetzungsprojekten. 2. HERAUSFORDERUNGEN, STOLPERSTEINE UND PRAXISERFAHRUNGEN 2.1 Einsatz externer Ratings. Die Möglichkeit, externe Ratings für die Eigenmittelunterlegung für Kreditrisiken zu verwenden, bildet eine der wesentlichen Neuerungen von Basel II [2]. Banken haben nun die Wahl es besteht somit keine Pflicht, die Risikogewichtungssätze der Positionen mittels externer Ratings zu ermitteln. Der Einbezug externer Ratings erlaubt eine bessere Risikobeurteilung des Gegenparteirisikos. Die Entscheidung über den Einsatz externer Ratings für regulatorische Zwecke muss sorgfältig analysiert werden, insbesondere unter den Aspekten: é Kosten/Nutzen; é Aktivitäten, Kreditportfolio und Gegenparteien; é Auswirkungen auf die Systeme, Datenflüsse und Schnittstellen; é Verfügbarkeit der Informationen; é Einsatz im Rahmen des internen Risikomanagement; é Auswirkungen auf die Eigenmittel. Sollte sich eine Bank für den Einsatz externer Ratings entscheiden, muss sie dies für sämtliche Positionsklassen vollziehen, deren Gewichtungssätze auf externen Ratings basieren [3]. Diese Bestimmung soll verhindern, dass eine Bank «Rosinenpicken» (Cherry Picking) betreiben kann. Somit ist z. B. nicht vertretbar, externe Ratings einzig für Bankgegenparteien wo die Informationen leicht zugänglich sind einzusetzen und bei den anderen Positionsklassen darauf zu verzichten. Beim Einsatz von externen Ratings müssen Banken in jedem Fall über ein konkretes und institutsspezifisches Konzept verfügen. Es muss u. a. festgelegt werden: é Die verwendete(n) Ratingagentur(en) [4]; é Die Infor mations quelle(n) für die externen Ratings; é Die Verfügbarkeit der externen Ratings in den IT-Systemen; é Die Anwendungsregeln der externen Ratings (z. B. welche Verfahren sollen ange wendet werden, wenn eine Position kein externes Rating von der verwendeten Ratingagentur besitzt oder wenn mehrere externe Agenturen eingesetzt werden); é Die operationellen Auswirkungen auf das interne Kreditrisikomanagement. Viele Institute setzen externe Ratings im Rahmen der Risikosteuerung ein. Die Möglichkeit externe Ratings für die Bestimmung der erforderlichen Eigenmittel einzusetzen dürfte deren Verbreitung in den internen Verfahren und Abläufen im Kreditrisikomanagement fördern [5]. Die Nutzung von externen Ratings sollte unter anderem konsistent sein mit der Ermittlung der Belehnungswerte, der festgelegten Gegenparteilimiten oder des Entscheidungskompetenzsystems [6]. Der Einbezug von externen Ratings erlaubt eine bessere Beurteilung der Risiken, denen Banken ausgesetzt sind. Auch wenn für viele Banken die Konvergenz des regulatorischen Kapitals zu ökonomischem Kapital (noch) keine Priorität darstellt, sind die korrekte Identifikation, Bewertung und Risikokontrolle sicherlich wesentliche Aspekte des Risikomanagements. Die Verwendung externer Ratings unterstützt diese Zielsetzungen. 169
2 Page 2 / Minderung der Kreditrisiken. Basel II sieht im Rahmen des Kreditrisikomanagements eine Reihe von Techniken zur Kreditrisikominderung vor [7]. Für die Behandlung von Lombardkrediten stehen den Banken grundsätzlich drei verschiedene Ansätze zur Verfügung [8]: é Pauschalansatz [9]; é Einfacher Ansatz (Substitutionsansatz); é Umfassender Ansatz. Für Lombardkredite können Banken diese Ansätze un - ter gewissen Voraussetzungen kombinieren [10] (vgl. Abbildung 1). Die Voraussetzungen und die Bedingungen für die Anwendung der drei Ansätze sind in der ERV und dem EBK-RS 06/1 Kreditrisiken definiert. Für den Pauschalansatz muss beispielsweise ein diversifiziertes Portfolio vorliegen. Die Formulierung aus der geltenden Praxis wurde bewusst beibehalten, auch wenn damit weiterhin ein Interpretationsspielraum verbleibt. Die Beurteilungskriterien für ein diversifiziertes Portfolio im Lombardgeschäft sind nicht formell definiert und von der EBK nicht vorgeschrieben. Banken müssen ihre eigene Definition aufstellen. Ein Lombardkredit ist ein Kredit, der mittels Vermögenswerten gedeckt ist. Damit Sicherheiten im einfachen und umfassenden Ansatz anerkannt werden, müssen diese verpfändet oder gleichwertig sichergestellt sein: «Damit eine Sicherheit im Rahmen von Rz 118 EBK-RS 06/1 anerkannt werden kann, muss sie der Bank jederzeit zur Verfügung stehen, und die Bank muss deren Schwund verhindern können. Ein einfaches, in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen stipuliertes Verrechnungsrecht erfüllt diese Anforderungen nicht. Die darunter fallenden Forderungen können folglich nicht als Sicherheit anerkannt werden» [11]. Die Bank muss somit in der Lage sein, die Fälle zu identifizieren, für welche kein Pfandvertrag (oder eine gleichwertige Sicherstellung), sondern nur ein allgemeines Verrechnungsrecht besteht. Die Auswirkung auf die IT-Systeme ist nicht zu unterschätzen. Die Wahl der Ansätze ist von grosser Tragweite und Bedeutung. Die Resultate hinsichtlich Eigenmittelunterlegung weichen je nach Ansatz stark von einander ab. Eine detaillier te Analyse der Auswirkungen auf das Portfolio der Lombardkredite ist unerlässlich. Die Komplexität in der Umsetzung des einfachen und besonders des umfassenden Ansatzes kann ein «Killerkriterium» für die Wahl des Ansatzes darstellen. Generell dürfte die Anwendung der fortgeschritteneren Methoden wesentliche Investitionen mit sich ziehen besonders «Die Möglichkeit externe Ratings für die Eigenmittelunter legung für Kreditrisiken zu verwenden, bildet eine der wesentlichen Neuerungen.» im Bereich der IT-Systeme. Die üblichen Kosten-Nutzen-Analysen sowie die Ermittlung der Auswirkungen auf die Eigenmittel und das Risikomanagement liefern Anhaltspunkte für die endgültige Entscheidung. Der umfassende Ansatz ist stark mit der Bewirtschaftung der Kreditrisiken der Lombardaktivitäten verbunden. Eine Abstimmung des operationellen Kreditrisikomanagements mit den aufsichtsrechtlichen Anforderungen ist deshalb sinnvoll. Mit dem Inkrafttreten von Basel II bietet sich die Gelegenheit, die Rahmenbedingungen und die Methodologien im Kreditrisikomanagement zu analysieren, um allfälliges Verbesserungspotential (auch hinsichtlich der «Market und Best Practices») zu ermitteln. 2.3 Marktrisiken. Im Bereich der Marktrisiken wurden im Vergleich zu den aktuell gültigen Erfordernissen [12] keine wesentlichen Änderungen vorgenommen. Allerdings müssen die neu dokumentierten qualitativen Anforderungen der Rz. 4 bis 48 EBK-RS 06/2 im Rahmen der Umsetzung von Basel II einer genauen Analyse unterzogen werden. Die Konsequenzen der konkreten Ausgestaltung dieser Grundsätze können potentiell einige Überraschungen bergen [13]. Abbildung 1: ANSÄTZE LOMBARDKREDITE Lombardkredite Pauschalansatz Einfacher Ansatz Umfassender Ansatz Pauschale Risikogewichtung des Lombardkredits Nur anwendbar im Schweizer Standardansatz Kredit 50% Substitution der Risikogewichtung der ursprünglichen Gegenpartei durch diejenige der Sicherheit Kredit 100% Sicherheit 50% Reduzierung der ursprünglichen Position durch Verrechnung mit dem Wert der Sicherheit Kredit Sicherheit Netto Exposition 170 DER SCHWEIZER TREUHÄNDER
3 2.4 Management operationeller Risiken. Die aufsichtsrechtlichen Anforderungen sehen neu eine Eigenmittelunterlegung für operationelle Risiken vor. Deren Ermittlung im Rahmen der «einfachen» Ansätze dürfte keine grossen Probleme mit sich bringen [14]. Die Eigenmittelanforderungen sind vervollständigt durch qualitative Anforderungen für «Sound Practices» im Rahmen des Managements operationeller Risiken [15]. Banken, die den Basisindikatoransatz verwenden, müssen die qualitativen Grundanforderungen erfüllen, falls é ihre Eigenmittelanforderungen innerhalb der vorangegangenen drei Jahre den Betrag von CHF 100 Mio. mindestens einmal übertroffen haben, oder é sie im Ausland durch Zweigniederlassungen oder zu konsolidierende Gruppengesellschaften vertreten sind, die aggregiert mehr als 5% der gesamten erforderlichen Eigenmittel für operationelle Risiken ausmachen. Banken, die den Standardansatz anwenden, müssen in jedem Fall diese qualitativen Grundanforderungen erfüllen. Diese werden sogar durch zusätzliche Anforderungen ergänzt, wenn die Bank eine Präsenz im Ausland hat [16]. Die Umsetzung und Einhaltung dieser qualitativen Erfordernisse stellen eine grosse Herausforderung dar. Auch wenn die Bewirtschaftung operationeller Risiken per se nichts Neues ist, bedeuten die Systematisierung, Strukturierung und Dokumentation der Vorgehensweise sowie der eingesetzten Instrumente einen beachtlichen Arbeitsaufwand für viele Banken. Ausserdem gibt es viele Fragen und Themen, die unterschiedliche Meinungen und Ansichten bewirken und üblicherweise viel Aufwand für die Erarbeitung gemeinsamer Lösungen mit sich bringen. Die qualitativen Anforderungen verlangen, dass der Verwaltungsrat eine Risikopolitik für operationelle Risiken genehmigt. Diese definiert die Grundsätze der Identifikation, Analyse, Bewirtschaftung, Kontrolle und Überwachung der operationellen Risiken sowie Massnahmen zur Reduktion operationeller Risikoexpositionen. Der Rahmen des Managements operationeller Risiken ist in Abbildung 2 dargestellt. Die Umsetzung der Risikopolitik für das Management operationeller Risiken obliegt der operativen Geschäftsleitung. Dabei müssen die operationellen Risiken aus den Aktivitäten, Produkten, Prozessen und Systemen der Bank identifiziert und beurteilt werden. Die daraus entstehenden Arbeiten sind langfristiger Natur und bedürfen somit einer sorgfältigen «Die Umsetzung der Risikopolitik für das Management operationeller Risiken obliegt der operativen Geschäftsleitung.» Planung. Die Definition der wesentlichen Risikobereiche und der daraus entstehenden Prioritäten, die Umsetzung konkreter, pragmatischer Instrumente, die Realisierung kurzfristiger Gewinne (Quick Wins), die leicht zu erschliessen sind, sowie die volle Unterstützung durch die obersten Organe bilden unabdingbare Erfolgsvoraussetzungen. Die Definition und Auswahl der angemessenen Arbeitsinstrumente müssen die Eigenschaften der Bank einbeziehen. Es handelt sich beispielsweise um é «Dashboards» und Schlüsselkontrollen (Key Controls and Effectiveness); é Schlüsselindikatoren für Risiken und Performance (Key Risk indicators, KRI, Key Performance indicators, KPI); é Selbsteinschätzungen der Risiken und Kontrollen (Risk and Control Self-Assessment, RCSA); é Verlust- und Ereignisdatenbank; é Fortführungspläne und Notfalllösungen (Business Continuity Plan). Das interne Reporting-System für die obersten Organe muss mit Angaben zu den operationellen Risiken vervollständigt werden, damit eine Gesamtsicht über die Geschäftsaktivitäten, die Finanz-, Risiko- und Performance-Situation erfolgen kann (Business, Financial, Performance & Risk Report). Die Abbildung 2: MANAGEMENT OPERATIONELLER RISIKEN Operational Risk Foundation Vision, Grundsätze und Weisungen, Strategie und Risikofähigkeit, Struktur und Organisation Identifikation/Beurteilung der Risiken Risikobemessung Risikoüberwachung Strategische Entscheidungen Beurteilung der Risiken und der Kontrollen (Risk Self Assessment) Schlüsselindikatoren (Key Risk/Control/ Performance Indicators) Verlust- und Ereignisdatenbank Follow-up der Feststellungen und Empfehlungen des Audit Geschäftsinitiativen Bestimmung der Eigenmittel (regulatorische Eigenmittel/ökonomisches Kapital) Risk Reporting (MIS) 171
4 SCHLÜSSELFRAGEN 2.7 IT-Systeme für aufsichtsrechtliches Reporting. Viele Institute verfügen über IT-Systeme für die mehr oder weniger automatisierte Vorbereitung und Produktion der reé Welches sind die identifizierten «Gaps» im Vergleich zu den Anforderungen von Basel II? é Welches sind die konkreten und detaillierten Arbeitsschritte zur Behebung der «Gaps», und wie sind die Verantwortlichkeiten, Fristen und «Milestones» des Basel II Projektes definiert? é Welches sind die Synergien, die mit anderen Projekten ge nutzt werden (z. B. Umsetzung des neuen EBK-RS 06/6 «Überwachung und interne Kontrolle»)? é Wie hoch ist der Einbezug der obersten Organe für die Umsetzung der neuen Anforderungen? é Welche Methoden wurden gewählt, durch wen, auf welcher Grundlage und basierend auf welchen Kriterien? é Welches sind die Vorteile, Auswirkungen und Kosten des Einsatzes von externen Ratings in der Eigenmittel-Unterlegung? é Ist es vorteilhaft, externe Ratings zu nutzen und deren weitverbreitete Verwendung umzusetzen? é Ist es allenfalls sinnvoller, auf den Einsatz externer Ratings für die Eigenmittel-Unterlegung zu verzichten und diese nur im Rahmen des internen Risikomanagements einzusetzen? é Was sind die Auswirkungen der Anwendung des Pauschalansatzes/des einfachen Ansatzes/umfassendenAnsatzes oder einer Kombination von diesen? é Was sind die Kosten und Auswirkungen einer Umsetzung dieser Ansätze? é Welches sind die Synergien und Anpassungsmöglichkeiten zwischen den internen Risikomanagement-Anforderungen und den regulatorischen Anforderungen? é Inwiefern sind die qualitativen Grundanforderungen einzuhalten, und inwiefern wird sich die Situation in Zu kunft verändern (neue Aktivitäten, Entwicklung Umsätze)? é Was sind die Vor- und Nachteile sowie die Auswirkungen der Anwendung des Standardansatzes für operationelle Risiken? é Wie ist die Struktur und Organisation betreffend operationelle Risiken? é Wie sind die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten im Bereich der operationellen Risiken verteilt? Welche Funktionentrennungen bestehen diesbezüglich bereits? é Wer sind die «Key Risk Owners» (KRO) für potentielle Ereignisse innerhalb und ausserhalb der Unternehmung? é Welches sind die Kernrisiken im Bereich OpR in Anbetracht der Aktivitäten, Produkte, Prozesse und Systeme der Bank? é Welche Instrumente werden eingesetzt für die Identifikation, Beurteilung, Bewirtschaftung, Kontrolle und Überwachung der operationellen Risiken? é Welches sind die Kontrollen erster und zweiter Stufe? Welche sind automatisiert und welche werden manuell geführt? Wie effizient und effektiv sind diese? é Welches sind die lokalen Anforderungen für Basel II in den verschiedenen Einheiten der Gruppe? Wie erfolgt die Koordination? é Welches sind die Synergien und Grundsätze für eine effiziente Umsetzung von Basel II innerhalb einer Gruppe? é Welches sind allfällige Probleme und Lösungsansätze in Bezug auf das Bankgeheimnis in der Umsetzung von Basel II? é In welchen Fällen könnte eine vereinfachte Anwendung in Betracht gezogen werden? Sind die Voraussetzungen dazu erfüllt? Berichte müssen auf die Bedürfnisse der Adressaten ausgerichtet sein sowie die notwendigen Informationen für eine transparente und angemessene Beurteilung enthalten. Schliesslich bedingt die Bearbeitung des Themas der operationellen Risiken den Einbezug vieler Spezialisten. Die Nutzung von allfälligen Synergien zwischen verschiedenen Projekten und Initiativen ist unerlässlich. 2.5 Gruppensicht. Für Institute, die eine konsolidierte Grup pe darstellen, verdienen folgende Aspekte besondere Beachtung: é Die Eigenmittelanforderungen und die Risikoverteilungsvorschriften sind ebenfalls auf konsolidierter Ebene einzuhalten [17]. Die Banken müssen die Datenverfügbarkeit der ver schiedenen Gruppeneinheiten sicherstellen; é Die Ein heiten der Gruppe müssen die lokalen Anforderungen ebenfalls einhalten. Diese können Unterschiede zu den Anforderungen in der Schweiz [18] aufweisen. Die Koordination inner halb ei ner Gruppe zwecks Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen ist wichtig und wird allzu oft vernachlässigt; é Die Umsetzung der Anforderungen kann unter Nutzung der bereits im Mutterhaus gewonnen Erfahrungen realisiert werden. 2.6 Vereinfachte Anwendung. Art. 15 ERV ermöglicht den Banken, unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen, eine vereinfache Anwendung von Bestimmungen [19]. Die Bedingungen für eine vereinfachte Anwendung sind: é Vermeidung unverhältnismässigen Aufwandes; é Gewährleistung eines ihrer Geschäftstätigkeit angemessenen Risikomanagements; é Aufrechterhaltung des Verhältnisses der erforderlichen zu den anrechenbaren Eigenmitteln; é Dokumentation der Art der Vereinfachung und deren Zulässigkeit. 172 DER SCHWEIZER TREUHÄNDER
5 Page 5 / 5 gulatorischen Berichterstattung. Die neuen Module «Basel II» ermöglichen eine Standardisierung und erleichtern die Vorbereitungsarbeiten für die Formulare. Allerdings verbleiben nicht zu unterschätzende Arbeiten zur detaillierten Analyse und Aufbereitung fehlender Daten und Informationen, zur «Die Wahl von einfachen Ansätzen reduziert für die meisten Banken die Komplexität einigermassen.» Definition und Validierung der eingesetzten Parameter und zur Kontrolle (Testing). Diese müssen normalerweise von den Bankinstituten selbst sichergestellt werden und können nicht im Alleingang durch den Systemlieferanten wahrgenommen werden. Der Kauf einer standardisierten Lösung erleichtert die Umsetzung der neuen Anforderungen. Die standardisierte Lösung an sich ist jedoch längst nicht die Lösung für die Einhaltung sämtlicher Anforderungen und die Einhaltung der Umsetzungsfristen. Eine vollständige Analyse sämtlicher Anforderungen im Vergleich zur Ausgangssituation des Instituts (GAP Analyse) erlaubt eine Planung sämtlicher durchzuführender Arbeiten. 3. FAZIT Die Umsetzung der neuen Anforderungen von Basel II stellt für sämtliche Banken in der Schweiz eine grosse Herausforderung dar. Die Wahl von «einfachen» Ansätzen reduziert für die meisten Banken die Komplexität einigermassen. Die Schwierigkeiten in der konkreten Anwendung und Interpretation dürfen nicht vernachlässigt werden. Die erwähnten Aspekte geben Hinweise für die pragmatische und praxisorientierte Behandlung der Themen eines Basel-II-Projektes. Ein solches Projekt muss einen klaren Mehrwert schaffen sowie zur Verbesserung des internen und operationellen Risikomanagements beitragen. Anmerkungen: 1) Verordnung über die Eigenmittel und Risikoverteilung für Banken und Effektenhändler (ERV), RS ; EBK-RS 06/1 Kreditrisiken; EBK-RS 06/2 Marktrisiken; EBK-RS 06/3 Operationelle Risiken; EBK-RS 06/4 EM-Offenlegung; EBK-RS 06/5 Risikoverteilung; EBK-RS 06/7 Ratingagenturen. 2) Die Grundsätze für die Anwendung externer Ratings sind im Art. 50 ERV definiert. Die Randziffern (Rz.) 4 bis 15 des EBK- RS 06/1 Kreditrisiken definieren deren Einsatz. 3) Einzig die Positionsklasse «Unternehmen» unterliegt nicht dieser Voraussetzung, siehe Art. 50 Abs. 4 ERV. Grundsätzlich müssen die externen Ratings für alle Positionen ermittelt oder eingekauft werden, für welche externe Ratings verfügbar wären. 4) Die Ratingagenturen müssen von der EBK anerkannt sein. Zurzeit sind Dominion Bond Rating Service, Fitch Ratings, Moody s Investors Service und Standard and Poor s Ratings Services provisorisch von der EBK anerkannt. 5) EBK-RS 06/1 Kreditrisiken, Rz. 15: «Sofern eine Bank zur Ermittlung der Risikogewichte Ratings externer Ratingagenturen verwendet, müssen diese in konsistenter Weise im internen Risikosteuerungsverfahren verwendet werden.» 6) Heutzutage unterscheiden Banken in der Regel zwischen OECD/ Nicht-OECD. Dieses Kriterium entspricht den aktuellen Anforderungen der Bankenverordnung. Die Ablösung dieses Kriteriums mittels Einbezug externer Ratings würde in Richtung Basel II Logik gehen. 7) Art. 47 ERV: die gesetzliche und vertragliche Verrechnung (Netting), die Garantien, die Kreditderivate und die anderen Sicherheiten. 8) Pauschalansatz, Art. 60 ERV. Einfachen Ansatz, EBK- RS 06/1 Kreditrisiken Rz. 118 bis 132. Umfassenden Ansatz, EBK-RS 06/1 Rz. 133 bis ) Der Pauschalansatz kann nur im Rahmen des Schweizer Standardansatzes angewendet werden; für Institute, die den internationalen Standardansatz (SA-BIZ) gewählt haben, ist der Pauschalansatz nicht anwendbar. 10) Art. 60 Abs. 1 ERV verbietet die gleich zeitige Verwendung des Pauschalansatzes und des umfassenden Ansatz. Der Pauschalansatz und der einfache Ansatz oder der einfache Ansatz und der umfassende Ansatz, können gleichzeitig angewen det werden. Eine Kombination aller drei Ansätze ist ebenfalls nicht möglich. Schliesslich ist die Verwendung von zwei Ansätzen für den gleichen Kredit nicht erlaubt. 11) Siehe FAQ EBK, faq/pdf/faq_baselii_d.pdf. 12) EBK-RS 97/1 «EM- REM». 13) Die qualitativen Anforderungen betreffen insbesondere die Definition des Handelsbuch, die Dokumentation der Handelsstrategie und der aktiven Bewirtschaftung, die Abgrenzung des Bankenbuch, die Leit linien für eine vorsichtige Bewertung und die Bewertungsanpassungen und -reserven. Offene Anteile an Hedge Fonds dürfen gemäss EBK-RS 06/2 grundsätzlich nicht mehr dem Handelsbuch zugeordnet werden. Die Konsequenzen für die Verbuchung und Bewertung sind proaktiv zu analysieren. 14) Die einfachen Ansätze (Basisindikator ansatz, Art. 80 ERV, Standardansatz, Art. 81 ERV) werden durch die Schweizer Banken bevorzugt, während die institutsspezifischen Ansätze (Art. 82 ERV) für Grossbanken reserviert sind. Die Anwendung des Standardansatz bedingt eine grössere Vorbereitungsarbeit (als für den Basisindikatoransatz) für die Zuteilung der Ertragskennzahlen auf die einzelnen Geschäftsfelder; siehe «Grundsätze für die Allokation», Anhang 2 EBK-RS 06/3 Operationelle Risiken. 15) Die qualitativen Grundanforderungen sind im Anhang 1 des EBK-RS 06/3 festgehalten und basieren auf die Empfehlungen des Basler Ausschusses («Sound practices for the management and supervision of operational risk», Februar 2003). 16) Siehe EBK-RS 06/3 Operationelle Risiken, Rz ) Art. 6 ERV. 18) Der Schweizer Standardansatz (SA-CH) für Kreditrisiken berücksichtigt beispielsweise spezifische Eigenschaften des Schweizer Finanzplatz und weicht teilweise von den Originaldokumenten des Basler Ausschusses und von anderen Ländern ab. Tochtergesellschaften von ausländischen Gruppen müssen teilweise zweifache Reporting-Anforderungen erfüllen: einerseits nach den einfachen Ansätzen in der Schweiz, andererseits nach den Vorgaben des Mutterhauses. Die Komplexität der Anfragen und die daraus entstehenden Arbeiten sind nicht zu unterschätzen. Schliesslich ist dem Bankgeheimnis bei den Datenflüssen innerhalb der Gruppe (für Basel II) eine besondere Beachtung zu schenken. Die benötigten Informationen für fortgeschrittene Ansätze sind üblicherweise detailliert und umfassend und können in Anbetracht des Bankgeheimnisses zu Schwierigkeiten führen. Die Probleme und Lösungsansätze müssen sorgfältig analysiert und behandelt werden. 19) Siehe für die Grundsätze und Beispiele: «Basel II Umsetzung in der Schweiz: Kommentar», EBK Oktober 2006, S. 52 ff. 173
Häufig gestellte Fragen (FAQ) Rundschreiben 2008/21 Operationelle Risiken Banken (Letzte Änderung vom 3. Oktober 2014) A. Begriffe und Proportionalitätsprinzip 1. Wie grenzen sich operationelle Risiken