Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kapitalanlagerecht/filmfonds-rueckverguetungen-und-die-haftung-des-anlageberaters-379903
Timestamp: 2020-07-14 16:36:27
Document Index: 54313114

Matched Legal Cases: ['§ 543', '§ 544', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Filmfonds - Rückvergütungen und die Haftung des Anlageberaters | Rechtslupe
Filmfonds - Rückvergütungen und die Haftung des Anlageberaters
Der Anla­ge­be­ra­ter trägt die Dar­le­gungs- und Beweis­last für sei­ne Behaup­tung, der Anle­ger hät­te die Betei­li­gung auch bei gehö­ri­ger Auf­klä­rung über die Rück­ver­gü­tun­gen erwor­ben.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist der­je­ni­ge, der ver­trag­li­che oder vor­ver­trag­li­che Auf­klä­rungs­pflich­ten ver­letzt hat, beweis­pflich­tig dafür, dass der Scha­den auch ein­ge­tre­ten wäre, wenn er sich pflicht­ge­mäß ver­hal­ten hät­te, der Geschä­dig­te den Rat oder Hin­weis also unbe­ach­tet gelas­sen hät­te. Die­se Ver­mu­tung auf­klä­rungs­rich­ti­gen Ver­hal­tens gilt für alle Auf­klä­rungs- und Bera­tungs­feh­ler eines Anla­ge­be­ra­ters, ins­be­son­de­re auch dann, wenn Rück­ver­gü­tun­gen pflicht­wid­rig nicht offen gelegt wur­den. Hier­bei han­delt es sich nicht ledig­lich um eine Beweis­erleich­te­rung im Sin­ne eines Anscheins­be­wei­ses, son­dern um eine zur Beweis­last­um­kehr füh­ren­de wider­leg­li­che Ver­mu­tung [1]. Die­se Beweis­last­um­kehr greift bereits bei einer wie hier fest­ste­hen­den Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung [2].
Eine beim Anle­ger vor­han­de­ne Kennt­nis davon, dass die Anla­ge­be­ra­te­rin für den Ver­trieb von den streit­ge­gen­ständ­li­chen Fonds ver­gleich­ba­ren Betei­li­gun­gen Pro­vi­sio­nen erhält, kann ein Indiz für die feh­len­de Kau­sa­li­tät einer dies­be­züg­li­chen Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung für die Anla­ge­ent­schei­dung des Anle­gers dar­stel­len. Eine Auf­klä­rung des Anle­gers über die von der Anla­ge­be­ra­te­rin beim B. Fonds ver­ein­nahm­ten Rück­ver­gü­tun­gen konn­te auch mit­tels der Über­ga­be des dor­ti­gen Fonds­pro­spekts erfol­gen, da dort die Anla­ge­be­ra­te­rin als Emp­fän­ge­rin von der Höhe nach kor­rekt ange­ge­be­nen Ver­triebs­pro­vi­sio­nen aus­drück­lich genannt war. Vor­aus­set­zung dafür ist aller­dings, dass der Pro­spekt dem Anle­ger so recht­zei­tig vor der Anla­ge­ent­schei­dung über­ge­ben wird, dass er sich mit sei­nem Inhalt ver­traut machen konn­te [3].
Auch der Vor­trag der Anla­ge­be­ra­te­rin zum Motiv des Anle­ger, sich an den streit­ge­gen­ständ­li­chen Fonds zu betei­li­gen, ist erheb­lich, denn er betrifft eine erheb­li­che Hilfs­tat­sa­che [4]. Im vor­lie­gen­den Fall hat­te die Anla­ge­be­ra­te­rin vor­ge­tra­gen, dass für den Anle­ger bei sei­nen Anla­ge­ent­schei­dun­gen in ers­ter Linie steu­er­li­che Erwä­gun­gen maß­geb­lich gewe­sen sei­en, dass der Anle­ger stän­dig an Steu­er­spar­mo­del­len inter­es­siert gewe­sen sei und dabei den Grund­satz "Steu­ern spa­ren um jeden Preis" ver­folgt habe, wes­halb ihn die Bera­ter sogar hät­ten brem­sen und von einer beab­sich­tig­ten Fremd­fi­nan­zie­rung wei­te­rer Betei­li­gun­gen abra­ten müs­sen.
Zwar steht allein der Umstand, dass ein Anle­ger eine steu­er­op­ti­mier­te Anla­ge wünscht, für sich genom­men der Kau­sa­li­täts­ver­mu­tung nicht ent­ge­gen [5]. Dem Vor­trag der Anla­ge­be­ra­te­rin kann jedoch die Behaup­tung ent­nom­men wer­den, dem Anle­ger sei es vor­dring­lich um die kon­kret bei K. Nr. 6 und K. Nr. 9 zu erzie­len­de Steu­er­erspar­nis gegan­gen, die alter­na­tiv nur mit Pro­duk­ten zu erzie­len gewe­sen sei­en, bei denen ver­gleich­ba­re Rück­ver­gü­tun­gen gezahlt wor­den sei­en. Trifft die­ser Vor­trag zu, kann er gege­be­nen­falls in der Gesamt­schau mit ande­ren Indi­zi­en den Schluss dar­auf zulas­sen, dass der Anle­ger die Fonds auch in Kennt­nis der an die Anla­ge­be­ra­te­rin geflos­se­nen Rück­ver­gü­tun­gen gezeich­net hät­te [6]. Dies hat das Beru­fungs­ge­richt rechts­feh­ler­haft ver­kannt, indem es die Ver­neh­mung der ange­bo­te­nen Zeu­gen G. und S. mit der Begrün­dung ver­neint hat, die Anla­ge­be­ra­te­rin habe kei­ne kon­kre­ten Äuße­run­gen des Anle­gers gegen­über den benann­ten Zeu­gen vor­ge­tra­gen, die im Fal­le ihrer Bestä­ti­gung den Rück­schluss auf die behaup­te­te hypo­the­ti­sche Reak­ti­on des Anle­gers erlau­ben wür­den.
Sol­len Zeu­gen wie hier über inne­re Vor­gän­ge bei einer ande­ren Per­son ver­nom­men wer­den, die der direk­ten Wahr­neh­mung durch die Zeu­gen natur­ge­mäß ent­zo­gen sind, so kön­nen sie zwar allen­falls Anga­ben zu äuße­ren Umstän­den machen, die einen Rück­schluss auf den zu bewei­sen­den inne­ren Vor­gang zulas­sen. Es han­delt sich inso­weit um einen Indi­zi­en­be­weis, wofür die äuße­ren Umstän­de, die unmit­tel­ba­rer Gegen­stand der Beweis­auf­nah­me sein sol­len, dar­zu­le­gen sind [7]. Der Tatrich­ter muss und darf bei einem Indi­zi­en­be­weis vor der Beweis­erhe­bung auch prü­fen, ob die vor­ge­tra­ge­nen Indi­zi­en ihre Rich­tig­keit unter­stellt ihn von der Wahr­heit der Haupt­tat­sa­che über­zeu­gen wür­den, ob der Indi­zi­en­be­weis also schlüs­sig ist. Des­halb stellt es zwar kei­nen Ver­fah­rens­feh­ler dar, wenn der Tatrich­ter von der bean­trag­ten Beweis­erhe­bung absieht, weil die unter Beweis gestell­ten Hilfs­tat­sa­chen für den Nach­weis der Haupt­tat­sa­che nach sei­ner Über­zeu­gung nicht aus­rei­chen. Wer­den meh­re­re Hilfs­tat­sa­chen vor­ge­tra­gen, die jeweils für sich allein betrach­tet kei­ne siche­ren Rück­schlüs­se auf die Haupt­tat­sa­che zulas­sen, ist vom Tatrich­ter aber zu prü­fen, ob die Hilfs­tat­sa­chen in einer Gesamt­schau, gege­be­nen­falls im Zusam­men­hang mit dem übri­gen Pro­zess­stoff, geeig­net sind, ihn von der beweis­be­dürf­ti­gen Behaup­tung zu über­zeu­gen [8]. Die­se Prü­fung hat das Beru­fungs­ge­richt unter­las­sen.
Die unter­las­se­ne Ver­neh­mung des Anle­gers zu sei­ner Infor­ma­ti­on durch den B. ‑Fonds­pro­spekt sowie der Anla­ge­be­ra­ter als Zeu­gen ver­letzt den Anspruch der Anla­ge­be­ra­te­rin auf recht­li­ches Gehör in ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Wei­se, denn das Beru­fungs­ur­teil beruht auf die­ser Ver­let­zung. Die­se Vor­aus­set­zung ist schon dann erfüllt, wenn nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass das Beru­fungs­ge­richt bei Berück­sich­ti­gung des über­gan­ge­nen Vor­brin­gens anders ent­schie­den hät­te [9]. Die Gehörsver­let­zung führt nach § 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Fall 2 ZPO zur Zulas­sung der Revi­si­on, weil die Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung eine Ent­schei­dung des Revi­si­ons­ge­richts erfor­dert [10], und recht­fer­tigt gemäß § 544 Abs. 7 ZPO die Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Urteils und die Zurück­ver­wei­sung der Sache.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Juni 2014 – XI ZR 435/​12
BGH, Urteil aaO Rn. 30 ff. mwN[↩]
BGH, Urtei­le vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn.20 f.; und vom 26.02.2013 – XI ZR 345/​10, BKR 2013, 283 Rn. 33, jeweils mwN[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 42, 52 ff.[↩]
BGH, Urteil aaO Rn. 53[↩]
BGH, Urteil aaO Rn. 54[↩]
BGH, Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 44 mwN[↩]
BGH, Urteil aaO Rn. 45[↩]
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