Source: https://www.bag-urteil.com/19-11-2019-3-azr-142-18/
Timestamp: 2020-04-01 23:59:31
Document Index: 257472524

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 6', '§ 305', 'Art. 229', '§ 5', '§ 310', 'Art. 229', '§ 5', '§ 133', '§ 308', '§ 319']

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BAG – 3 AZR 142/18
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.11.2019, 3 AZR 142/18
Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln vom 6. Oktober 2017 – 10 Sa 110/17 – wird mit der Maßgabe zurückgewiesen, dass die Beklagte nach Nr. 3 des Tenors Zinsen aus jeweils „23,88 Euro“ anstatt aus jeweils „26,87 Euro“ zu zahlen hat.
3 AZR 142/18 > Rn 1
3 AZR 142/18 > Rn 2
Der Kläger war vom 1. August 1980 bis zum 31. Dezember 2001 bei der Beklagten – ein in den deutschen G-Konzern eingebundenes Lebensversicherungsunternehmen – tätig. Ihm wurden zunächst Leistungen der betrieblichen Altersversorgung nach den „Bestimmungen des Betrieblichen Versorgungswerkes“ (im Folgenden BVW) zugesagt. Diese lauten auszugsweise:
3 AZR 142/18 > Rn 3
Die Volksfürsorge Deutsche Lebensversicherung AG gewährt Herrn H, unabhängig von der Höhe außerbetrieblicher Leistungen oder Leistungen der Versorgungskasse der Volksfürsorge VVaG., mit Beginn des Kalendermonats, von dem ab erstmals der Bezug einer Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung – ggf. auch mit Abschlägen – möglich ist, eine monatliche Rente von 2.610,98 DM brutto. Diese Rente wird nach den betrieblichen Bestimmungen angepaßt.“
3 AZR 142/18 > Rn 4
Der Kläger trat nach der Vollendung seines 60. Lebensjahres zum 1. Dezember 2007 in den Altersruhestand und erhielt – neben seiner Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung – von der Beklagten nach der Regelung in Nr. 8 Satz 1 Aufhebungsvereinbarung eine Betriebsrente, die sich zum 30. Juni 2015 auf 1.496,12 Euro brutto erhöhte. Des Weiteren bezog er eine Rente der Versorgungskasse iHv. 561,35 Euro brutto.
3 AZR 142/18 > Rn 5
3 AZR 142/18 > Rn 6
3 AZR 142/18 > Rn 7
3 AZR 142/18 > Rn 8
3 AZR 142/18 > Rn 9
3 AZR 142/18 > Rn 10
3 AZR 142/18 > Rn 11
3 AZR 142/18 > Rn 12
3 AZR 142/18 > Rn 13
3 AZR 142/18 > Rn 14
3 AZR 142/18 > Rn 15
3 AZR 142/18 > Rn 16
3 AZR 142/18 > Rn 17
3 AZR 142/18 > Rn 18
3 AZR 142/18 > Rn 19
3 AZR 142/18 > Rn 20
a) Die Anpassung der Pensionsergänzung des Klägers nach Nr. 8 Satz 1 Aufhebungsvereinbarung richtet sich aufgrund vertraglicher Vereinbarung nach AB § 6 BVW; seine Pensionsergänzung ist so anzupassen wie die Gesamtversorgung der direkt unter AB § 6 BVW fallenden Versorgungsempfänger. Auch das ergibt die Auslegung von Nr. 8 Satz 2 Aufhebungsvereinbarung (vgl. BAG 25. September 2018 – 3 AZR 485/17 – Rn. 15).
3 AZR 142/18 > Rn 21
aa) Es kann dahinstehen, ob es sich bei der Regelung in Nr. 8 Aufhebungsvereinbarung um eine Allgemeine Geschäftsbedingung iSv. § 305 Abs. 1 BGB (iVm. Art. 229 § 5 EGBGB), eine Einmalklausel iSd. § 310 Abs. 3 Nr. 2 BGB (iVm. Art. 229 § 5 EGBGB) oder um eine individuelle Vertragsabrede und damit eine nichttypische Willenserklärung handelt. Selbst wenn Letzteres der Fall sein sollte, kann der Senat die Klausel auslegen. Zwar obliegt die Auslegung nichttypischer Erklärungen in erster Linie den Tatsachengerichten. Sie kann vom Revisionsgericht nur daraufhin überprüft werden, ob das Berufungsgericht Auslegungsregeln (§§ 133, 157 BGB) verletzt, gegen Denkgesetze und Erfahrungssätze verstoßen oder wesentliche Tatsachen unberücksichtigt gelassen hat. Das Revisionsgericht kann nichttypische Willenserklärungen aber selbst auslegen, wenn das Landesarbeitsgericht – wie vorliegend – den erforderlichen Sachverhalt vollständig festgestellt hat und kein weiteres tatsächliches Vorbringen der Parteien zu erwarten ist (vgl. dazu etwa BAG 15. Februar 2017 – 7 AZR 223/15 – Rn. 27 mwN) und das Revisionsgericht dem Landesarbeitsgericht folgt.
3 AZR 142/18 > Rn 22
3 AZR 142/18 > Rn 23
3 AZR 142/18 > Rn 24
3 AZR 142/18 > Rn 25
3 AZR 142/18 > Rn 26
3 AZR 142/18 > Rn 27
3 AZR 142/18 > Rn 28
3 AZR 142/18 > Rn 29
3 AZR 142/18 > Rn 30
3 AZR 142/18 > Rn 31
aa) Zum 1. Juli 2015 wurden die Renten in der gesetzlichen Rentenversicherung um 2,09717 vH angepasst. Daraus ergibt sich eine Pensionsergänzung iHv. 1.527,50 Euro brutto (1.496,12 Euro x 1,0209717). Die Beklagte zahlt dem Kläger seit dem 1. Juli 2015 jedoch lediglich eine solche iHv. 1.503,60 Euro brutto. Daraus folgt ein weiterer Anspruch des Klägers iHv. 23,90 Euro brutto (1.527,50 Euro – 1.503,60 Euro) monatlich. Der Kläger hat allerdings nur einen Differenzbetrag iHv. 23,88 Euro brutto monatlich ab dem 1. Juli 2015 geltend gemacht, weshalb es nach § 308 Abs. 1 ZPO bei dem beantragten Betrag verbleibt. Soweit das Landesarbeitsgericht hingegen Zinsen aus einem Betrag iHv. 26,87 Euro brutto monatlich ausgeurteilt hat, liegt eine offensichtliche Unrichtigkeit iSd. § 319 Abs. 1 ZPO vor, die von Amts wegen zu berichtigen ist. Das Landesarbeitsgericht hat den zutreffenden Gesamtbetrag iHv. 286,56 Euro ausgeurteilt (23,88 Euro/Monat x 12 Monate) und auf S. 27 des angefochtenen Urteils den monatlichen Differenzbetrag zutreffend mit 23,88 Euro angegeben.
3 AZR 142/18 > Rn 32
bb) Zum 1. Juli 2016 wurden die Renten in der gesetzlichen Rentenversicherung um 4,2451 vH angepasst. Daraus ergibt sich eine Pensionsergänzung iHv. 1.592,34 Euro brutto (1.527,50 Euro x 1,042451). Die Beklagte zahlt dem Kläger seit dem 1. Juli 2016 jedoch lediglich eine solche iHv. 1.511,12 Euro brutto. Daraus folgt ein weiterer Anspruch des Klägers iHv. 81,22 Euro brutto (1.592,34 Euro – 1.511,12 Euro) monatlich.
3 AZR 142/18 > Rn 33
3 AZR 142/18 > Rn 34
3 AZR 142/18 > Rn 35
3 AZR 142/18 > Rn 36