Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/arbeitsaufgabe-waehrend-des-ergaenzenden-alg-ii-bezugs-315700
Timestamp: 2020-01-28 19:45:41
Document Index: 7640775

Matched Legal Cases: ['§ 31', '§ 144', '§ 20', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31']

Arbeits­auf­ga­be wäh­rend des ergän­zen­den ALG II-Bezugs | Rechtslupe
Arbeits­auf­ga­be wäh­rend des ergän­zen­den ALG II-Bezugs
Das Arbeits­lo­sen­geld II ist gemäß § 31 Abs. 4 Nr. 3 Buch­sta­be b und Abs. 1 Satz 1 SGB II in Ver­bin­dung mit § 144 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB III auch in den Fäl­len in einer ers­ten Stu­fe um 30 v.H. der nach § 20 SGB II maß­ge­ben­den Regel­leis­tung abzu­sen­ken, in denen erwerbs­fä­hi­ge Hil­fe­be­dürf­ti­ge wäh­rend des Bezu­ges von Leis­tun­gen nach dem SGB II eine selbst gesuch­te und zumut­ba­re Beschäf­ti­gung auf­ge­ben und damit die Vor­aus­set­zun­gen einer Sperr­zeit wegen Arbeits­auf­ga­be erfül­len, die das Ruhen oder Erlö­schen eines Anspruchs auf Arbeits­lo­sen­geld begrün­den wür­de. Eine sol­che Sank­ti­on setzt nicht vor­aus, dass dem Hil­fe­be­dürf­ti­gen vor­her eine Rechts­fol­gen­be­leh­rung über die Sank­ti­ons­fol­gen erteilt wor­den ist. Dies gilt auch dann, wenn die Beschäf­ti­gungs­auf­nah­me dem zustän­di­gen Leis­tungs­trä­ger recht­zei­tig mit­ge­teilt wor­den ist.
Mit die­ser Ent­schei­dung wider­spricht das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ham­burg der gegen­tei­li­gen Auf­fas­sung, nach der § 31 Abs. 4 Nr. 3 Buch­sta­be b SGB II als Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für Sank­tio­nen nur anzu­wen­den ist, wenn die sperr­zeit­be­grün­den­de Pflicht­ver­let­zung zeit­lich vor dem Ein­tritt in den Leis­tungs­be­zug liegt. Denn es wür­de, so das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ham­burg, einen mit Sinn und Zweck des § 31 SGB II nicht zu ver­ein­ba­ren­den Wer­tungs­wi­der­spruch bedeu­ten, den­je­ni­gen zu sank­tio­nie­ren, der vor dem Leis­tungs­be­zug nach dem SGB II eine Beschäf­ti­gung auf­ge­ge­ben hat und gegen­über dem man­gels Anspruchs­be­rech­ti­gung nach dem SGB III eine Sperr­zeit wegen Arbeits­auf­ga­be nicht fest­ge­stellt wer­den kann, obwohl er über eine dro­hen­de Sank­ti­on nach § 31 SGB II nie belehrt wor­den ist, aber den­je­ni­gen nicht zu sank­tio­nie­ren, der wäh­rend des Leis­tungs­be­zu­ges nach dem SGB II ein selbst gesuch­tes Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis in sperr­zeit­re­le­van­ter Wei­se auf­ge­ge­ben hat.
Die Gegen­auf­fas­sung kann, so das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ham­burg in sei­nen Ent­schei­dungs­grün­den wei­ter, auch nicht auf ein nach Wort­laut und Sys­te­ma­tik in § 31 SGB II ange­leg­tes Rang­ver­hält­nis zwi­schen den Sank­ti­ons­tat­be­stän­den des Abs. 1 und des Abs. 4, mög­li­che Über­schnei­dun­gen die­ser Tat­be­stän­de, die Funk­ti­on von § 31 Abs. 4 SGB II, die Wir­kun­gen des Sperr­zeit­rechts vor Umge­hun­gen zu schüt­zen oder die Annah­me gestützt wer­den, dass die hier ver­tre­te­ne Auf­fas­sung zu einer Dop­pe­lung von Sank­ti­ons­fol­gen füh­ren kön­ne.
Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 16. Juli 2009 – L 5 AS 20/​07