Source: https://www.flugrechte.eu/7/entsch%C3%A4digung-%C3%BCber-oder-sogar-flugversp%C3%A4tung-sunexpress
Timestamp: 2019-01-20 05:41:14
Document Index: 164337056

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'Art. 9', 'Art. 7', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', 'Art. 5', 'Art. 7']

Entschädigung über 400 EUR oder sogar 600 EUR bei Flugverspätung mit SunExpress? - FLUGGASTRECHTE
Flugzeiten und Airline geändert: kostenlose Stornierung möglich?
Entschädigung über 400 EUR oder sogar 600 EUR bei Flugverspätung mit SunExpress?
Wir sind auf dem Rückflug von unserem Urlaub aus Ägypten von Marsa Alam nach Köln-Bonn geflogen. Allerdings hatte uns FTI gesagt, dass wir um 19 Uhr fliegen. Stattdessen sagte man uns am Gate, dass wegen eines technischen Defekts auf dem vorherigen Flug die Maschine später eintreffen wird. Wir mussten dann vier Stunden am Flughafen rumhängen. Getränke oder Essen wurde nicht verteilt. Statt 23 Uhr sind wir um 3 Uhr morgens in Köln eingetroffen. Wir haben SunExpress angeschrieben und um Entschädigung gebeten. Die haben jedoch trotz zweimaliger Mahnung nicht geantwortet. Was können wir tun?
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Gefragt 22, Jan 2013 in Flugverspätung von Anonym
wieder getaggt 10, Dez 2015 von admin
Der Fall ist in vielerlei Hinsicht problematisch: Bei einer Pauschalreise ist eigentlich der Reiseveranstalter immer Ansprechpartner bei Problemen. Gleichzeitig ist dieser vor Ort relativ machtlos, sodass die Fluggesellschaft zum Handeln verpflichtet ist. Hier prallen also zwei potentielle Anspruchsgegner aufeinander. Was kann ich als Reisender von wem verlangen? Und auf welcher gesetzlichen Grundlage beruht der Anspruch?
Für den Pauschalreisenden ist neben der VO (EG) Nr. 261/2004, welche die Ansprüche auf Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen durch die Fluggesellschaft auch für den Fall einer Flugverspätung regelt, auch das Pauschalreiserecht im BGB relevant. Letzteres legt die Ansprüche gegen den Reisenden bei Reisemängeln fest.
2. Ansprüche aus VO (EG) Nr. 261/2004 – gegen Fluggesellschaft
Nach Art. 6 der Verordnung i. V. m. Art. 9 VO (EG) Nr. 261/2004 hat der Reisende zunächst einen Anspruch auf diverse Betreuungsleistungen (Verpflegung Unterbringung im Hotel, Transport zum Hotel und kostenlose Nutzung von Mail und Telefon).
Diese Betreuungsleistung ist nicht als Schadensersatz, sondern als „Erstversorgung“ zu qualifizieren und besteht daher unabhängig von anderen Ersatzforderungen. Es ist die Pflicht der Fluggesellschaft, dem Betroffen eine angemessene Verpflegung während der Wartezeit zu bieten. Kommt die Fluggesellschaft dieser Pflicht nicht nach, so kann der Passagier entsprechend Schadensersatz wegen Pflichtverletzung verlangen.
Ab einer Verspätung von 3 Stunden (relevant ist die Ankunftszeit am Zielflughafen) kann auch eine Ausgleichszahlung nach Art. 7 VO (EG) Nr. 261/2004 von 250 €, 400 € oder 600 €, abhängig von der Flugentfernung erwartet werden.
Diese Ausgleichszahlung steht jedoch in Konkurrenz zu den Ersatz- und Minderungsansprüchen gegenüber dem Reiseveranstalter aus § 651 a–m BGB.
Beide Regelungen sind anwendbar, doch um eine Überkompensation zu vermeiden können Ausgleichszahlungen, die das Flugunternehmen bereits an den Reisenden leistete, auf den Anspruch auf Reisepreisminderung angerechnet werden.
Vgl. AG Rostock, Urteil vom 14.01.2013, Az. 47 C 256/12 (nach der Sucheingabe“ 47 C 256/12 Reise-Recht-Wiki.de“ durch google als erstes Ergebnis zu finden)
Vorrangig ist demnach der Reiseveranstalter Ansprechpartner, wenn es um Schadensersatz und Reisepreisminderung geht. Bevor also zwei Ansprüche gegenüber den verschiedenen Anspruchsgegnern (auch Passivlegitimierte) geltend gemacht, und dann miteinander verrechnet werden, kann man sich diese Mühe sparen und gleich auf den Reiseveranstalter zurückkommen.
3. Ansprüche aus dem Pauschalreiserecht § 651 a-m BGB – gegen Reiseveranstalter
Nach § 651 d BGB kann die Reise bei einem Mangel tagesanteilig gemindert werden. Ein Minderungsanspruch besteht jedoch nur bei solchen Mängeln, welche nicht im Rahmen der bloßen Unannehmlichkeit liegen, und von dem Reisenden daher nicht hinzunehmen sind.
Eine Verspätung bis zu 4 Stunden wird (vor allem beim Rückflug, wenn also nicht durch die Verspätung ein Urlaubstag verloren geht oder die nötige Nachtruhe entfällt) bei Flügen in Europa und im Mittelmeerraum wird überwiegend als Unannehmlichkeit betrachtet und rechtfertigt keine Minderung vom Reisepreis nach § 651 d BGB.
Flugverspätung zwischen 4 und 5 Stunden liegt bei einem Charterflug noch im Bereich des Hinnehmbaren und führt nicht zur Reisepreisminderung
AG Düsseldorf, Urteil vom 16.06.1997, Az. 46 C 548/97 (nach der Sucheingabe“ 46 C 548/97 Reise-Recht-Wiki.de“ durch google als erstes Ergebnis zu finden)
Flugverspätung von 6 Stunden gilt als Unannehmlichkeit. Minderungsansprüche wurden verneint
Ab einer Verspätung über 4 Stunden wird regelmäßig eine Minderung von 5 % des tagesanteiligen Reisepreises (der Reisepreis wird für jeden Tag berechnet; die Minderung besteht nur für die Tage, die von der Verspätung betroffen waren) bejaht.
AG Hamburg, Urteil vom 15.10.2002, Az. 9 C 54/02 (nach der Sucheingabe“9 C 54/02 Reise-Recht-Wiki.de“ durch google als erstes Ergebnis zu finden)
Bei etwa 8, 5 Stunden Verspätung hatte der Reisende ein Recht auf 5 %ige Minderung des Reisepreises je angefangene Stunde ab der 5. Verspätungsstunde.
Eine höhere Reisepreisminderung über 5 % ist nur bei erheblichen Verspätungen gerechtfertigt, in Fällen, in denen eine übliche Minderung nicht ausreichend erscheint. So etwa AG Hamburg-St. Georg, Urteil vom 12.07.2013, Az. 920 C 378/12 (nach der Sucheingabe“920 C 378/12 Reise-Recht-Wiki.de“ durch google als erstes Ergebnis zu finden). Aufgrund einer 19-stündigen Verspätung verlor der Reisende einen ganzen Urlaubstag. Dies stellte einen erheblichen Reisemangel nach § 651 c BGB dar.
Beantwortet 9, Jul 2014 von Flying-Bulls (200 Punkte)
Bei ihrem geschilderten Sachverhalt kommt es auf zwei Umstände an: Der technische Defekt und der Vorflug. Danach kann die Entschädigung berechnet werden.
Da unklar ist, wie sich der technische Defekt äußerte, ist die Einordnung problematisch.
Außerdem lässt sich sagen, dass ein technischer Defekt regelmäßig nicht als außergewöhnlicher Umstand gewertet wird. Dennoch gibt es Ausnahmen, die zu einer Beurteilung des technischen Defekts als einen außergewöhnlichen Umstand führen können.
2. Vorflug
Ein Ereignis, dass während des Fluges eingetreten ist, kann allenfalls für den unmittelbar folgenden Flug als außergewöhnlicher Umstand herangezogen werden kann (Art. 5 Abs. 3 VO (EG) Nr. 261/2004). Für alle weiteren nachfolgenden Flüge ist das nicht mehr möglich. Die Berufung auf einen außergewöhnlichen Umstand befreit die Airline also nur dann, wenn der Umstand sich nicht auf dem unmittelbaren Vorflug ereignet hat, sondern schon bei davorliegenden Vorumlaufflügen eingetreten ist (vgl. (vgl. AG Rüsselsheim, Urt. v. 05.07.2013, 3 C 145/13 (37), siehe auch AG Rüsselsheim, Urt. v. 02.11.2012, 3 C 855/12 (37)).
3. Entschädigung / Ausgleichszahlung
Die Höhe der Ausgleichszahlung richtet sich nach der zurückgelegten Strecke, Art. 7 VO (EG) Nr. 261/2004.
b) 400 EUR bei allen innereuropäischen Flügen über eine Entfernung von mehr als 1 500 km und bei allen anderen Flügen über eine Entfernung zwischen 1 500 km und 3 500 km,
Beantwortet 1, Okt 2014 von GabrielE (4,580 Punkte)
Bearbeitet 1, Okt 2014 von GabrielE
Das schlimme bei uns war, dass die SunExpress einfach nichts gemacht hat. Was soll man da machen? Da steht man völlig hilflos und weiß nicht weiter. Ich hatte den in meiner Verzweiflung einen letzten Brief per Einschreiben geschickt, aber das hat die nicht die Bohne interessiert.
Unsere Freunde (die auf dem Urlaub mit waren) hatten einen guten Tip für eine Anwaltskanzlei. Denen haben wir dann die Sache übergeben. Es klappte alles sehr gut für uns, wobei ich nicht weiß, wie andere Fälle sind und ob wir nur Glück hatten!? Ich habe die Sache erstmal mit dem Rechtsanwalt besprochen, dann haben wir denen alle Unterlagen geschickt. Meine Frau und ich mussten dann noch die Vollmacht, die Mandatsvereinbarungen und die Vergütungsvereinbarungen unterschreiben und dort hinsenden, dann ging es recht schnell. Ich kann mich nicht genau erinnern aber länger als 2 Monate hat das nicht gedauert.
Ich habe im Fernsehen eine Reportage gesehen, dort haben sie gezeigt, dass die Mitarbeiter bei den FLuggesellschaften darauf geschult werden, auf stur zu stellen und alle Kundenanfragen erstmal falsch oder gar nicht zu beantworten. Die Kunden sollen immer glauben, dass sie keine Rechte hätten. In der Reportage wurde sogar mit verdeckter Kamera gefilmt und ein Vorgesetzter von den Fluggesellschaft-Mitarbeitern sagte denen, sie sollten den Kunden einfach sagen, NEIN, sie haben keine Rechte. Mehr nicht.
Genauso war es bei uns auch. Ich war total verunsichert dass die SunExpress sich überhaupt nicht gemeldet hatte. Zum Glück haben wir unsere Entschädigung bekommen. Aber ich befürchte dass viele andere ihr Geld nicht sehen. Wofür taugen diese EU-Gesetze eigentlich?
Beantwortet 30, Jun 2015 von HeiterbisWolkig (2,980 Punkte)