Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/nachweis-der-zustellung-durch-aufgabe-zur-post-347400
Timestamp: 2020-08-08 18:17:47
Document Index: 110834885

Matched Legal Cases: ['§ 182', '§ 184', 'BGH', 'BGH', '§ 184', '§ 184', '§ 184', '§ 184', '§ 184', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 184', '§ 184', '§ 184', '§ 184', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Nachweis der Zustellung durch Aufgabe zur Post | Rechtslupe
Nachweis der Zustellung durch Aufgabe zur Post
Die für den Ein­tritt der Zustel­lungs­fik­ti­on erfor­der­li­che Auf­ga­be zur Post unter der Anschrift der Beklag­ten ist nur dann nach­ge­wie­sen, wenn der Urkund­s­be­am­te der Geschäfts­stel­le den Ver­merk des Wacht­meis­ters, dass die von der Geschäfts­stel­le erhal­te­ne Brief­sen­dung beim Post­amt auf­ge­ge­ben wor­den ist, durch sei­ne Unter­schrift beur­kun­det hat.
Der Urkund­s­be­am­te muss das Schrift­stück zwar nicht selbst zur Post auf­ge­ben; es reicht aus, wenn er auf­grund einer Erklä­rung des Jus­tiz­wacht­meis­ters oder eines sons­ti­gen Gehil­fen, der das Schrift­stück zur Post auf­ge­ge­ben hat, das Datum der Auf­ga­be und die Anschrift des Emp­fän­gers des Schrift­stücks beur­kun­det [1]. Jedoch muss der Urkund­s­be­am­te den Ver­merk unter­zeich­nen, auch wenn die­ser – eben­so wie die Zustel­lungs­ur­kun­de – kei­ne Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung für die Zustel­lung ist, son­dern ledig­lich deren Nach­weis dient [2]. Nur der vom Urkund­s­be­am­ten unter­zeich­ne­te Ver­merk ersetzt die Zustel­lungs­ur­kun­de gemäß § 182 ZPO [3].
Nach die­sen Grund­sät­zen ist im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall die Tat­sa­che der Auf­ga­be zur Post, an wel­che die Zustel­lungs­fik­ti­on geknüpft ist, nicht bewie­sen. Der Jus­tiz­wacht­meis­ter kann bei der Aus­stel­lung des Akten­ver­merks, dass er die bezeich­ne­te Brief­sen­dung von der Geschäfts­stel­le erhal­ten und beim Post­amt hier auf­ge­ge­ben hat, nicht als Urkund­s­be­am­ter tätig gewe­sen sein. Er ist nur Hilfs­per­son und nicht Urkund­s­per­son [4].
Aller­dings kann der Urkund­s­be­am­te auf der Grund­la­ge der akten­mä­ßi­gen Nie­der­le­gung des Gangs der Zustel­lung den Beur­kun­dungs­ver­merk jeder­zeit nach­ho­len, womit die Zustel­lung nach­ge­wie­sen wäre. Er darf den Ver­merk auch nach­träg­lich anfer­ti­gen, sofern er dabei die Ver­ant­wor­tung für die Rich­tig­keit über­nimmt. Uner­heb­lich ist, ob zwi­schen­zeit­lich ein Rechts­mit­tel ein­ge­legt wor­den ist, des­sen Erfolg durch den Ver­merk berührt wird [5]. Auch der Ablauf einer Fünf­Mo­nats­frist setzt der Nach­ho­lung kei­ne zeit­li­che Gren­ze [6]. Der Fall der Anfer­ti­gung eines Ver­merks, für des­sen Inhalt sich der Urkund­s­be­am­te auf akten­mä­ßig nie­der­ge­leg­te tat­säch­li­che Umstän­de stützt, ist nicht ver­gleich­bar mit dem durch die rich­ter­li­che Unter­schrift gedeck­ten Inhalt von Urteils­grün­den. Jeden­falls lässt die Anord­nung der förm­li­chen Zustel­lung die Wir­kung einer zuvor erfolg­ten wirk­sa­men Zustel­lung gemäß § 184 Abs. 2 ZPO unbe­rührt; sie wür­de die Ein­spruchs­frist nicht noch­mals in Lauf set­zen [7].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2012 – VI ZR 382/​11
vgl. BGH, Urteil vom 15.01.1953 – IV ZR 180/​52, BGHZ 8, 314, 315; Rohe in Wieczorek/​Schütze, ZPO, 3. Aufl., § 184 Rn. 47; Roth in Stein/​Jonas, ZPO, 22. Aufl., § 184 Rn. 18[↩]
vgl. OLG Stutt­gart, Urteil vom 26.09.2011 – 5 U 166/​10; Rohe in Wieczorek/​Schütze, ZPO, 3. Aufl., § 184 Rn. 45; Roth in Stein/​Jonas, ZPO, 22. Aufl., § 184 Rn. 17; Zöller/​Stöber, ZPO, 29. Aufl., § 184 Rn. 9[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 13.06.2001 – V ZB 20/​01, VersR 2003, 345[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 15.01.1953 – IV ZR 180/​52, BGHZ 8, 314, 317[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 14.10.1982 – III ZB 23/​82, VersR 1983, 60; vom 24.07.2000 – II ZB 20/​99, VersR 2001, 1050; Münch­Komm-ZPO/Häub­lein, 3. Aufl., § 184 Rn. 14; Rohe in Wieczorek/​Schütze, ZPO, 3. Aufl., § 184 Rn. 49; Roth in Stein/​Jonas, ZPO, 22. Aufl., § 184 Rn. 18; Zöller/​Stöber, ZPO, 29. Aufl., § 184 Rn. 12[↩]
vgl. zu Unter­schrifts­nach­ho­lung des Rich­ters BGH, Urteil vom 27.01.2006 – V ZR 243/​04, NJW 2006, 1861 Rn. 14[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 26.06.2012 – VI ZR 241/​11, WM 2012, 1499 Rn. 31; vom 03.07.2012 – VI ZR 227/​11 und VI ZR 239/​11; sowie vom 17.07.2012 – VI ZR 222/​11, VI ZR 226/​11 und VI ZR 288/​11; BGH, Beschlüs­se vom 20.10.2005 – IX ZB 147/​01, NJW-RR 2006, 563, 564; vom 20.11.2006 – NotZ 35/​06; Urteil vom 15.12.2010 – XII ZR 27/​09, NJW 2011, 522 Rn.20; OLG Stutt­gart, Beschluss vom 11.05.2011 – 5 W 8/​11, NJW-RR 2011, 1631, 1632; OLG Hamm, Urtei­le vom 10.08.2011 – I8 U 3/​11 und 8 U 31/​11, NJW-RR 2012, 62, 64[↩]
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