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Timestamp: 2016-10-27 13:07:13
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Matched Legal Cases: ['Art. 99', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_480/2013 (15.04.2014)
8C_480/2013 {T�0/2} � � Urteil vom 15. April 2014
A.a.�Der 1970 geborene A.________ war seit 12. September 2006 f�r die Reinigung in verschiedenen Restaurants der Firma X.________ in einem unregelm�ssigen Arbeitspensum als Reinigungsangestellter t�tig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Am 1. Mai 2007, ca. 01.40 Uhr, wurde A.________ in der Firma X.________ von zwei unbekannten, maskierten Personen mit einer laufenden Motors�ge attackiert. Vom 1.-4. Mai 2007 war er im Spital Y.________ hospitalisiert, wo eine Motors�genverletzung mit Rissquetschwunden an der Thoraxwand, an der Unterlippe und an der Nase, mit oberfl�chlichen Schnittwunden am rechten Vorderarm und mit tiefer Schnittverletzung an der linken Hohlhand (unter anderem mit Durchtrennung der Arteria ulnaris und mehrerer Nerven) sowie am Vorderarm rechts diagnostiziert wurden. Die Wunden wurden am 1. Mai 2007 operativ exploriert und versorgt. Am 4. Mai 2007 konnte A.________ nach Hause entlassen werden. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen (Taggelder und Heilkosten).
A.b.�Mit Verf�gung vom 16. September 2011 teilte die SUVA A.________ mit, dass sie den Fall abschliesse, nach Fallabschluss f�r sechs Konsultationen pro Jahr f�r die erforderlichen Schmerzmittel sowie eine allf�llige Ergotherapie aufkomme, sie die psychischen Beschwerden nicht als ad�quate Folge des Unfallereignisses vom 1. Mai 2007 erachte, aufgrund der verbliebenen somatischen Unfallfolgen kein Rentenanspruch bestehe, gest�tzt auf eine Integrit�tseinbusse von 40% eine Integrit�tsentsch�digung zugesprochen werde und die Versicherungsleistungen f�r die psychischen Beschwerden per 1. Oktober 2011 sowie die Taggeldleistungen per 31. Dezember 2011 eingestellt werden. An ihrem Standpunkt hielt die SUVA mit Einspracheentscheid vom 23. November 2011 fest.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich mit Entscheid vom 29. April 2013 ab.
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten l�sst A.________ beantragen, es sei in Aufhebung des kantonalen Entscheids vom 29. April 2013 das Vorliegen eines ad�quaten Kausalzusammenhangs zwischen den psychischen Beschwerden und dem Unfallereignis vom 1. Mai 2007 zu bejahen und das Verfahren sei an die Vorinstanz zur�ckzuweisen, damit diese ein interdisziplin�res Gutachten (Rheumatologie, Orthop�die, Psychiatrie, Neurologie) einhole, welches sich zu den aktuellen Beschwerden und zum Grad der Arbeitsunf�higkeit �ussere. Zudem sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeist�ndung zu gew�hren.
1.3.�Gem�ss Art. 99 Abs. 1 BGG sind Noven im letztinstanzlichen Verfahren grunds�tzlich unzul�ssig (vgl. zur Geltung dieser Bestimmung im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Milit�r- oder Unfallversicherung: BGE 135 V 194 E. 3.4 S. 199 f.). Die Voraussetzungen, unter denen der vom Beschwerdef�hrer neu aufgelegte Bericht der Frau S.________, Lic. Phil. I Psychologin/Psychotherapeutin, vom 14. M�rz 2013 ausnahmsweise zul�ssig w�re, sind vorliegend nicht erf�llt, so dass dieser unbeachtet bleiben muss.
Die Vorinstanz hat die Grundlagen �ber den f�r die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem Gesundheitsschaden im Allgemeinen (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f.) sowie die erforderliche ad�quate Kausalit�t bei psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1 S. 116) und bei psychischer Sch�digung nach einem Schreckereignis (BGE 129 V 177: Pr�fung nach der allgemeinen Ad�quanzformel: "gew�hnlicher Lauf der Dinge und allgemeine Lebenserfahrung") im Besonderen zutreffend dargelegt. Gleiches gilt hinsichtlich der Rechtsprechung, wonach bei "gemischten" Vorf�llen, in welchen die Elemente eines Schreckereignisses (�berfall, Bedrohung) und einer den Unfallbegriff erf�llenden physischen Einwirkung (Schl�ge, Zuf�gen von Verletzungen) kombiniert vorkommen, die Ad�quanzpr�fung unter beiden Aspekten vorzunehmen ist. Eine Pr�fung unter beiden Gesichtspunkten ("Schreckereignis" und "Psychopraxis") ist m�glich, wenn keiner der Faktoren deutlich im Vordergrund steht (in diesem Sinne BGE 129 V 402; Urteil 8C_893/2012 vom 14. M�rz 2013 E. 2 mit Hinweisen). Darauf wird verwiesen.
3.1.�Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass es sich beim Ereignis vom 1. Mai 2007 um einen "gemischten" Vorfall mit den Elementen eines Schreckereignisses wie auch einer den Unfallbegriff erf�llenden physischen Einwirkung handelt, wobei nach Auffassung des Beschwerdef�hrers die psychischen Beschwerden im Vordergrund stehen. Ebenfalls einig sind sich die Verfahrensbeteiligten dar�ber, dass die ausgewiesenen somatischen Beschwerden des Versicherten unfallkausal sind und dass der Vorfall mindestens teilweise nat�rlich kausal verantwortlich ist f�r die psychischen Probleme des Beschwerdef�hrers. Schliesslich wird letztinstanzlich auch der Feststellung im angefochtenen Entscheid nicht opponiert, dass von einer Fortsetzung der Heilbehandlung im Dezember 2011 keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten war, weshalb die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Ad�quanzpr�fung nicht verfr�ht erfolgt ist. Auf die entsprechenden Erw�gungen kann mangels offensichtlicher M�ngel ohne Weiteres abgestellt werden (vgl. E. 1.1 hievor).
3.2.�Streitig und zu pr�fen ist demgegen�ber, ob der Beschwerdef�hrer noch an weiteren k�rperlichen Beschwerden neurologischer und allenfalls rheumatologischer Natur mit Auswirkung auf die Arbeitsf�higkeit leidet und ob die psychischen Beschwerden ad�quat kausal zum Unfallereignis vom 1. Mai 2007 sind.
Was zun�chst die Frage nach weiteren somatischen Unfallfolgen anbelangt, hat das kantonale Gericht in sorgf�ltiger W�rdigung der medizinischen Aktenlage, namentlich gest�tzt auf den Bericht des Kreisarztes Dr. med. W.________, Facharzt FMH f�r Chirurgie, vom 3. August 2011, �berzeugend dargelegt, dass keine Anhaltspunkte f�r nicht in die Beurteilung des Dr. med. W.________ eingeflossene k�rperliche Gebrechen vorliegen, weshalb von weiteren neurologischen und rheumatologischen Abkl�rungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten seien. Mit diesen Erw�gungen setzt sich der Beschwerdef�hrer in keiner Weise auseinander, sondern beschr�nkt sich lediglich auf die Wiederholung des Antrags auf eine interdisziplin�re Begutachtung unter Beizug der Fachrichtungen Rheumatologie, Orthop�die, Psychiatrie und Neurologie, weshalb es bei den vorinstanzlichen Erw�gungen sein Bewenden hat. Es besteht diesbez�glich auch von Amtes wegen kein Anlass, von der �berzeugend begr�ndeten Beurteilung des kantonalen Gerichts abzuweichen.
Betreffend der psychischen Beschwerden hat die Vorinstanz in W�rdigung der medizinischen Aktenlage festgehalten, es sei unklar, an welchen Beschwerden der Versicherte im Zeitpunkt der Rentenpr�fung gelitten habe. In den verschiedenen psychiatrischen Berichten f�nden sich die Diagnosen einer posttraumatischen Belastungsst�rung, mittlerweile chronifiziert, sowie einer depressiven Symptomatik, teilweise qualifiziert als schwere depressive Episode. Eine n�here Abkl�rung erachtete das kantonale Gericht indes nicht als erforderlich, da der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen allf�lligen psychischen Beschwerden und dem Ereignis vom 1. Mai 2007 ohnehin nicht gegeben sei.
Zun�chst ist auf die Ad�quanzpr�fung bei einem Schreckereignis nach der allgemeinen Ad�quanzformel - welche der Beschwerdef�hrer als im Vordergrund stehend erachtet - n�her einzugehen:
6.1.�Wie das kantonale Gericht dargelegt hat, werden an den ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen psychischen Beschwerden und so genannten Schreckereignissen hohe Anforderungen gestellt. Diese sind insbesondere an den Beweis der Tatsachen, die das Schreckereignis ausgel�st haben, und an die Aussergew�hnlichkeit des fraglichen Ereignisses sowie den entsprechenden psychischen Schock zu stellen. Nach der Rechtsprechung besteht die �bliche und einigermassen typische Reaktion auf solche Ereignisse erfahrungsgem�ss darin, dass zwar eine Traumatisierung stattfindet, diese aber vom Opfer in aller Regel innert einiger Wochen oder Monate �berwunden wird (BGE 129 V 177; Urteile 8C_917/2011 vom 20. M�rz 2012 E. 9 und 8C_168/2011 vom 11. Juli 2011 E. 5.3, je mit Hinweisen). So verneinte das Eidgen�ssische Versicherungsgericht (allerdings in Anwendung der Ad�quanzkriterien von BGE 115 V 139) im Fall einer Versicherten, die auf offener Strasse von einem Unbekannten angegriffen, zu Boden gedr�ckt und in T�tungsabsicht gew�rgt worden war (wobei sie auch k�rperliche Beeintr�chtigungen - Schrammen am Hals und Schmerzen in der Lendengegend - erlitt; RKUV 1996 Nr. U 256 S. 215) die Ad�quanz ebenso wie im Fall einer Frau bei einem n�chtlichen Angriff eines alkoholisierten Mannes mit Beschimpfungen und W�rgen (Urteil U 390/04 vom 14. April 2005), bei einem Mann, der in Zusammenhang mit seinem Gesch�ft von einem unbekannten Begleiter eines Kunden mit dem Messer bedroht und erpresst worden war (jedoch keine somatischen Verletzungen davontrug; Urteil U 15/00 vom 19. M�rz 2003) und im Fall einer Spielsalonaufsicht, die nach Gesch�ftsschluss �berraschend von einem Vermummten mit der Pistole bedroht und (ohne dass sie k�rperlich angegriffen worden w�re) zur Geldherausgabe gezwungen worden war (BGE 129 V 177). Bejaht hat das Bundesgericht den ad�quaten Kausalzusammenhang unter anderem in einem Fall, in welchem das weibliche Opfer von einem betrunkenen und mit einem Messer bewaffneten Unbekannten zu sexuellen Handlungen in Form von oralem Geschlechtsverkehr gezwungen wurde (Urteil U 193/06 vom 20. Oktober 2006), in einem Fall, in welchem eine Frau fr�hmorgens an ihrem Arbeitsplatz von drei M�nnern �berw�ltigt, mit einer Pistole sowie verbal bedroht, auf den Boden gedr�ckt und an Armen und Beinen gefesselt wurde (Urteil 8C_522/2007 vom 1. September 2008) und in verschiedenen F�llen, in denen Versicherte Opfer des Tsunami vom 26. Dezember 2004 im indischen Ozean wurden (vgl. beispielsweise SVR 2008 UV Nr. 7 S. 22).
6.2.�Nach der unbestrittenen Sachverhaltsdarstellung, welche der Verf�gung der Kantonspolizei zu entnehmen ist, liess der Beschwerdef�hrer am 1. Mai 2007, 01.39 Uhr, w�hrend seiner Reinigungsarbeiten in der Firma X.________ zwei unbekannte, maskierte M�nner, die Kettens�gen bei sich trugen, durch den Lieferanteneingang ins Geb�ude eintreten. W�hrend eines kurzen Wortwechsels griff einer der Unbekannten den Versicherten mit der laufenden Motors�ge an und verletzte ihn erheblich, woraufhin der Verletzte aus dem Geb�ude fl�chten konnte.
6.3.�Die Vorinstanz hat die Ad�quanz verneint mit der Begr�ndung, es sei nicht erstellt, dass sich der Beschwerdef�hrer tats�chlich in einem Ausmass bedroht und an Leib und Leben gef�hrdet gef�hlt habe, das nach dem gew�hnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung dieses Schreckereignis geeignet gewesen w�re, anhaltende psychische St�rungen hervorzurufen.
6.4.�Dieser Auffassung kann mit dem Beschwerdef�hrer nicht gefolgt werden, zumal die vorinstanzliche Ad�quanzpr�fung nach der allgemeinen Formel sehr oberfl�chlich und im Wesentlichen unter Hinweis auf die Pr�fung nach der Praxis f�r psychische Unfallfolgen erfolgt ist. Unter Ber�cksichtigung der oben dargelegten Rechtsprechung (E. 6.1) fallen vorliegend als erschwerende Elemente ins Gewicht, dass der Versicherte nachts, an seinem Arbeitsplatz, also innerhalb eines ihm vertrauten Geb�udes, das auch eine gewisse Geborgenheit und Schutz bieten sollte, �berfallen wurde. Er sah sich einer �bermacht von zwei maskierten, gef�hrlich bewaffneten M�nnern gegen�ber, wurde mit einer laufenden Motors�ge attackiert und an Gesicht, Arm und Hand verletzt. Die Summe dieser Bedrohungselemente ergibt ein Bild, welches rechtsprechungsgem�ss entgegen der Auffassung der Vorinstanz nach dem gew�hnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung als geeignet erscheint, anhaltende psychische Beschwerden herbeizuf�hren.
6.5.�Ist die Frage des ad�quaten Kausalzusammenhangs zwischen allf�lligen psychischen Beschwerden und dem Ereignis vom 1. Mai 2007 bereits nach der allgemeinen Ad�quanzformel zu bejahen, er�brigt sich eine Pr�fung nach der Praxis zu den psychischen Unfallfolgen. Die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zur�ckzuweisen, damit sie zur Abkl�rung der unfallkausalen psychischen Beschwerden des Versicherten und deren Auswirkung auf die Arbeitsf�higkeit ein psychiatrisches Gutachten einhole und hernach �ber den diesbez�glichen Anspruch auf Versicherungsleistungen entscheide.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Z�rich vom 29. April 2013 und der Einspracheentscheid der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) vom 23. November 2011 werden aufgehoben. Die Sache wird an die SUVA zur�ckgewiesen, damit sie nach erfolgter Abkl�rung �ber den Anspruch des Beschwerdef�hrers auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung neu entscheide.