Source: https://heidelberg-steuerberater.de/uebersicht-kryptobesteuerung/
Timestamp: 2019-09-19 19:33:29
Document Index: 296879182

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 253', '§ 22', '§ 23', '§ 23', '§ 23']

Übersicht-KryptobesteuerungLeonidRavin2019-09-17T17:53:42+00:00
Ihr Experte auf dem Gebiet der Kryptobesteuerung
Kryptowährungen, wie Bitcoin, Ethereum und Ripple, sind digitale Zahlungsmittel. Sie sind nicht als gesetzliches Zahlungsmittel zugelassen und stellen auch keine gesetzliche Währung dar. Auch eine Kontrolle durch eine zentrale Stelle, wie zum Beispiel einer Notenbank, gibt es nicht. Kryptowährungen werden anhand der Blockchain – Technologie erzeugt. Die Blockchain ist eine stetig erweiterbare Liste von Datensätzen, die mit einem kryptografischen Verfahren miteinander verbunden sind.
Spekulanten können Kryptowährungen auf Internetmarktplätzen erwerben. Kryptowährungen können mit einer gesetzlichen Währung oder auch mit anderen Kryptowährungen erworben werden. Neben den eigentlichen Erwerbskosten fallen auch noch Erwerbsnebenkosten wie Transaktionsgebühren an.
Auf Ebene von Privatanlegern unterliegen die Veräußerungsgewinne von Kryptowährungen den Einkünften aus privaten Veräußerungsgeschäften. Der Veräußerungsgewinn ist jedoch nur steuerpflichtig, wenn die Anschaffung (siehe Kauf von Kryptowährungen) und Veräußerung innerhalb eines Jahres erfolgt und über der Freigrenze von 600 € liegt. Die Veräußerungsgewinne unterliegen nicht der Abgeltungsteuer, sondern dem persönlichen tariflichen Einkommensteuersatz.
Die im Rahmen des Bitcoin – Minings erzeugten Token sind nur dann in die Besteuerung miteinzubeziehen, wenn eine Gewerblichkeit vorliegt. Dies muss in jedem Einzelfall gesondert festgestellt werden. Nach § 15 II EStG sind gewerbliche Einkünfte dann gegeben, wenn eine selbständige Betätigung, die nachhaltig ausgeführt wird, mit Gewinnerzielungsabsicht durchgeführt und eine Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr vorliegt, ausgeübt wird. Sofern diese speziellen Erfordernisse erfüllt sind, ist die Mining – Tätigkeit gewerblich. Der Gewinn unterliegt sowohl der Einkommensteuer, als auch der Gewerbesteuer. Darüber hinaus können alle damit zusammenhängenden Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Grundsätzlich gilt der Einzelbewertungsgrundsatz nach § 253 I Nr. 3 HGB, jedoch können aber auch Verbrauchsfolgeverfahren aus Praktikabilitätsgründen angewendet werden.
Abgrenzung zu Finanzprodukten
Es gibt zahlreiche Finanzprodukte, die an die Wertentwicklung von Kryptowährungen gekoppelt sind, jedoch keine Anschaffung eines solchen Wirtschaftsguts darstellen. Sofern es sich zum Beispiel um Contract for Difference (CFD) oder um Bitcoin – Zertifikate handelt, liegen keine Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften vor, sondern Einkünfte aus Kapitalvermögen.
Sofern zwischen dem Erwerb und dem Verkauf weniger als ein Jahr liegt, ist der erzielte Veräußerungsgewinn nach § 22 Nr. 2 i.V.m. § 23 I S. 1 Nr. 2 S. 1 EStG steuerpflichtig. Der Gewinn ist die Differenz aus
Veräußerungspreis und
Anschaffungskosten zuzüglich Anschaffungsnebenkosten und weiteren Werbungskosten
Die in unmittelbar im Zusammenhang stehenden Kosten sind Werbungskosten, z.B. Transaktionsgebühren oder Kosten für den Marktplatz
Problematisch ist jedoch die Ermittlung, wenn eine sukzessive Anschaffung mit einer sukzessiven Veräußerung einhergeht. Eine einzelne Zuordnung ist dann nicht möglich und es ist grundsätzlich auf die FiFo – Methode zurückzugreifen, § 23 I S. 1 Nr. S. 3 EStG. Diese Verbrauchsfolgemethode unterstellt, dass die zuerst angeschafften Kryptowährungen zuerst veräußert werden. Unter Umständen können noch andere Verfahren zum Einsatz kommen, diese unterliegen dann aber einer gesonderten Prüfung.
Nach dem Grundsatz dürfen Verluste aus der Veräußerung von Kryptowährungen, die innerhalb eines Jahres zwischen Anschaffung und Verkauf erzielt werden, genutzt werden. Diese Verluste dürfen jedoch nur mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden. Zum Beispiel käme eine Verrechnung mit einem Gewinn aus einem Spekulationsgeschäft mit Immobilien in Betracht (§ 23 I Nr. 1 EStG). Jedoch können die Gewinne auch in das vorangegangene Veranlagungsjahr zurückgetragen werden, jedoch ebenfalls nur auf Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften. Für danach nicht ausgeglichene Verluste ist ein Verlustvortrag gesondert festzustellen, damit künftige Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften ausgeglichen werden können. Sofern zwischen Anschaffung und Veräußerung mehr als ein Jahr liegt, ist der Verlust entsprechend der Gewinne steuerlich nicht berücksichtigungsfähig.
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