Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kapitalanlagerecht/haftung-fuer-das-fehlerhafte-fondsprospekt-383545
Timestamp: 2019-12-07 11:43:21
Document Index: 254318662

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Haf­tung für das feh­ler­haf­te Fonds­pro­spekt | Rechtslupe
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs haf­ten für feh­ler­haf­te oder unvoll­stän­di­ge Anga­ben in dem Emis­si­ons­pro­spekt einer Kapi­tal­an­la­ge neben dem Her­aus­ge­ber des Pro­spekts die Grün­der, Initia­to­ren und Gestal­ter der Gesell­schaft, soweit sie das Manage­ment bil­den oder beherr­schen 1.
Danach haf­tet auch, wer das Manage­ment des Fonds bil­det und es beherrscht. Dass er kei­ne eige­ne Pro­spekt­er­klä­rung abge­ge­ben hat, ist ohne Bedeu­tung.
Ent­hält ein Pro­spekt unrich­ti­ge Anga­ben und wird die­ser bei der Anwer­bung von Anle­gern in Kennt­nis der wah­ren Ver­hält­nis­se ver­wen­det, dann ergibt sich dar­aus im Regel­fall nicht nur die Ver­let­zung der Auf­klä­rungs­pflicht, son­dern auch das Ver­schul­den der han­deln­den Per­so­nen 2.
Des­sen nähe­re Prü­fung wird dann erfor­der­lich, wenn beson­de­re Umstän­de vor­ge­tra­gen sind, die die unter­las­se­ne Auf­klä­rung als nicht schuld­haft erschei­nen las­sen. Sol­che, das Ver­schul­den aus­nahms­wei­se aus­schlie­ßen­den Umstän­de kön­nen auch dar­in lie­gen, dass die für die Anla­ge­ge­sell­schaft han­deln­den Per­so­nen irrig davon aus­ge­gan­gen sind, es bedür­fe kei­nes klar­stel­len­den Hin­wei­ses an den Anle­ger, wobei die Ent­schul­di­gung auf Grund eines Rechts­irr­tums nur unter engen Vor­aus­set­zun­gen in Betracht kommt 3. Der Schuld­ner hat die Rechts­la­ge sorg­fäl­tig zu prü­fen, soweit erfor­der­lich, Rechts­rat ein­zu­ho­len und die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung sorg­fäl­tig zu beach­ten 4. Dem hin­zu­ge­zo­ge­nen Bera­ter ist dabei der rele­van­te Sach­ver­halt umfas­send mit­zu­tei­len und die erteil­te Aus­kunft einer Plau­si­bi­li­täts­kon­trol­le zu unter­zie­hen 5.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sind neben dem Her­aus­ge­ber des Pro­spekts, den Grün­dern, Initia­to­ren und Gestal­tern der Gesell­schaft, soweit sie das Manage­ment bil­den oder beherr­schen, die­je­ni­gen als pro­spekt­ver­ant­wort­lich anzu­se­hen, die als Hin­ter­män­ner hin­ter der Fonds­ge­sell­schaft ste­hen und auf ihr Geschäfts­ge­ba­ren oder die Gestal­tung des kon­kre­ten Anla­ge­mo­dells beson­de­ren Ein­fluss aus­üben und Mit­ver­ant­wor­tung tra­gen 6. Maß­geb­lich für die Haf­tung des Hin­ter­manns ist sein Ein­fluss auf die Gesell­schaft bei der Initi­ie­rung des Pro­jekts. Er muss eine Schlüs­sel­po­si­ti­on besit­zen, die mit der­je­ni­gen der Geschäfts­lei­tung ver­gleich­bar ist 7. Dabei kön­nen die gesell­schafts­recht­li­che Funk­ti­on des Hin­ter­manns sowie ein erheb­li­ches wirt­schaft­li­ches Eigen­in­ter­es­se für eine Ein­fluss­nah­me auf die Kon­zep­ti­on des Modells spre­chen. In der Recht­spre­chung sind auch mit ähn­li­chem Ein­fluss ver­se­he­ne Per­so­nen der Pro­spekt­haf­tung unter­wor­fen wor­den, etwa ein Gene­ral­be­voll­mäch­tig­ter 8 und der Lei­ter einer für die Bau­be­treu­ung zustän­di­gen "Pla­nungs­ge­mein­schaft" 9. Das im jewei­li­gen Fall fest­zu­stel­len, ist eine im Wesent­li­chen tatrich­ter­li­che Auf­ga­be 10.
Dane­ben trifft eine Pro­spekt­ver­ant­wort­lich­keit auch die­je­ni­gen, die auf Grund ihrer beson­de­ren beruf­li­chen und wirt­schaft­li­chen Stel­lung oder auf Grund ihrer Fach­kun­de eine Garan­ten­stel­lung ein­neh­men, sofern sie durch ihr nach außen in Erschei­nung tre­ten­des Mit­wir­ken am Emis­si­ons­pro­spekt einen Ver­trau­ens­tat­be­stand schaf­fen 11.
BGH, Urteil vom 24.04.1978 – II ZR 172/​76, BGHZ 71, 284, 287 f.; Urteil vom 22.03.1982 – II ZR 114/​81, BGHZ 83, 222, 223; Urteil vom 02.06.2008 – II ZR 210/​06, BGHZ 177, 25 Rn. 12; Urteil vom 17.11.2011 – III ZR 103/​10, BGHZ 191, 310 Rn. 17; Urteil vom 21.02.2013 – III ZR 139/​12, ZIP 2013, 935 Rn. 12[↩]
BGH, Urteil vom 24.05.1982 – II ZR 124/​81, BGHZ 84, 141, 148[↩]
BGH, Urteil vom 28.09.1992 – II ZR 224/​91, ZIP 1992, 1561 f.[↩]
BGH, Beschluss vom 29.06.2010 – XI ZR 308/​09, ZIP 2010, 1335 Rn. 3; Beschluss vom 15.01.2013 – II ZR 44/​12 12[↩]
BGH, Urteil vom 14.05.2007 – II ZR 48/​06, ZIP 2007, 1265 Rn. 16; Urteil vom 20.09.2011 – II ZR 234/​09, ZIP 2011, 2097 Rn. 18; Urteil vom 23.10.2012 – II ZR 45/​11 22; Urteil vom 14.05.2013 – XI ZR 335/​11 46[↩]
BGH, Urteil vom 06.10.1980 – II ZR 60/​80, BGHZ 79, 337, 340[↩]
BGH, Urteil vom 19.11.2009 – III ZR 109/​08, ZIP 2009, 2449 Rn. 13; Urteil vom 17.11.2011 – III ZR 103/​10, BGHZ 191, 310 Rn. 17[↩]
BGH, Urteil vom 06.10.1980 – II ZR 60/​80, BGHZ 79, 337, 343[↩]
BGH, Urteil vom 13.03.1980 – II ZR 258/​78, BGHZ 76, 231, 233 f.[↩]
BGH, Urteil vom 14.06.2007 – III ZR 125/​06, ZIP 2007, 1993 Rn.19[↩]
BGH, Urteil vom 31.03.1992 – XI ZR 70/​91, ZIP 1992, 912, 917; Urteil vom 17.11.2011 – III ZR 103/​10, BGHZ 191, 310 Rn.19[↩]