Source: http://ungeloeste-kriminalfaelle.forumprofi.de/t1455f157-Presseartikel.html
Timestamp: 2020-07-05 07:41:05
Document Index: 328627053

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Böhringer Charlotte (59 †) München » Presseartikel
Ungelöste Mord- und Kriminalfälle » Forum » B ...................................... Ungelöste Mord- und Kriminalfälle » Böhringer Charlotte (59 †) München » Presseartikel
#1 | RE: Presseartikel 26.07.2014 21:57
Charlotte Böhringer wurde am 15. Mai 2006[1][2] im Alter von 59 Jahren[3][4] in ihrer Penthousewohnung in München, Baaderstraße, über ihrer Parkgarage erschlagen und am 16. Mai 2006 aufgefunden[5].
1 Ermittlungen und Gerichtsprozess
2 Tathergang und Ermittlungen
3 Hauptverfahren gegen Benedikt Toth
4 Bürgerinitiative zur Wiederaufnahme des Verfahrens
7 Verfahrensgang
Ermittlungen und Gerichtsprozess[Bearbeiten]
Nach Ermittleransicht kommt ausschließlich ihr Neffe Benedikt Toth als Mörder in Betracht. Er habe seine Tante ermordet, um sich den Erbanteil zu sichern, nachdem er Streit um sein abgebrochenes Studium gefürchtet habe. Toth bestreitet die Tat bis heute. Nach einem 15 Monate andauernden Prozess mit 93 Verhandlungstagen wurde er für schuldig befunden. Das Urteil wurde im April 2010 vom BGH bestätigt.[6][7] Sein Erbanteil von 50 Prozent wurde für „verfallen“ erklärt, damit wäre die Hälfte des Vermögens dem Staat zugefallen. Der Bruder von Benedikt Toth verklagte diesen wegen Erbunwürdigkeit in einem Zivilprozess vor dem Landgericht München I im April 2011. Nach Beendigung der Beweisaufnahme erging gegen Toth ein zwischenzeitlich rechtskräftiges Versäumnisurteil. Das Landgericht stellte die Erbunwürdigkeit von Benedikt Toth fest. Deshalb fiel das ganze Erbe an den Bruder M. Toth.[8] Der Verurteilte Toth bleibt voraussichtlich bis zum Jahr 2028 in Haft.[9]
Tathergang und Ermittlungen[Bearbeiten]
Am Tag der Tat wollte das Opfer zu einem Termin die Wohnung verlassen. Da dieser Termin regelmäßig stattfand, wird davon ausgegangen, dass diese Gelegenheit genutzt wurde. Das Opfer wurde an der Tür abgefangen und mit Schlägen auf den Kopf in den Flur der Wohnung zurückgedrängt. Es wurde festgestellt, dass die Ermordete mit mindestens 24 Schlägen auf den Kopf getötet wurde. Es konnten schwarze Lackspuren am Schädel festgestellt werden. Das Tatwerkzeug, das nie gefunden wurde, war ein schwerer Gegenstand.[2] Denkbar sei ein Hammer mit kleiner Kante oder ein Kombiwerkzeug.[10] Todesursache war zentrale Lähmung bei schwerer Schädel-Hirn-Verletzung in Verbindung mit massivem Blutverlust nach außen. Der gerichtsmedizinische Sachverständige hält den Todeszeitpunkt zwischen 18:15 Uhr und 19:00 Uhr für plausibel, kann aber einen Todeszeitpunkt nach 19 Uhr nicht ausschließen, da der 90%-Streubereich aus dem Obduktionsergebnis zwischen 15 Uhr und 23 Uhr liegt.[10] Toth gab an, mit einer Erkältung zu Hause gewesen zu sein, womit ihm ein Alibi fehlte.[10]
Die Verteidigung beantragte eine nachträgliche 3D-Rekonstruktion des Tatorts und erhoffte sich Aufschlüsse darüber, ob der Täter Rechts- oder Linkshänder war.[2] Aufgrund der Indizien soll der Täter vermutlich Rechtshänder gewesen sein. Der für diesen Mord Verurteilte, Benedikt Toth, ist aber Linkshänder. Laut Gutachten eines Neurologen könnte aber auch ein Linkshänder mit dem Hammer in der rechten Hand tödlich zuschlagen. Das Gericht schrieb im Urteil, dass er das Werkzeug, obwohl Linkshänder, in die rechte Hand nahm, da sich die Wohnungstür nach links öffnet und um ein Zudrücken der Tür mit der linken Hand zu verhindern und gleichzeitig zuschlagen zu können, ohne durch das Türblatt behindert zu sein.[11]
Hauptverfahren gegen Benedikt Toth[Bearbeiten]
Die für 13 Tage angesetzte Hauptverhandlung, unter dem Vorsitz von Manfred Götzl, begann am 2. Mai 2007 und endete am 12. August 2008 nach über 15 Monaten und insgesamt 93 Verhandlungstagen mit der Verurteilung wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe mit besonderer Schwere der Schuld. Bargeld und Zeitungen aus dem Besitz des Opfers, DNA-Spuren, Gelegenheit, Motiv, Nachtatverhalten und fehlendes Alibi bildeten die Indizienkette. Es wurden DNA-Spuren am Umschlag des Testaments sowie am Sakko des Opfers gefunden. Diese DNA-Spuren konnten zwar nicht auf ihr Alter untersucht, dafür aber Toth zugeordnet werden. Die Verteidigung legte Beweise vor, dass auch an anderen Kleidungsstücken Toths DNA-Spuren zu finden sind, da er regelmäßig mit seiner Tante zu tun hatte, was kein Beweis auf die Täterschaft sei. Die Spuren auf dem Umschlag könnten existiert haben, bevor dieser als Aufbewahrung für das Testament genutzt wurde. Mindestens zwei 500-Euro-Scheine wurden im Geldbeutel Toths gefunden.[12][13] An den Scheinen wurden Blutanhaftungen und DNS-Material von Böhringer und dem Angeklagten entdeckt. Nach dem Gutachten einer Rechtsmedizinerin ist aber nicht feststellbar, um wessen Blut es sich handelt.[14] Böhringer ließ sich täglich Zeitungen in einer Tüte an die Wohnungstür hängen, um sie hineinzuholen und später zu lesen. Die drei Zeitungen vom Tag des Mordes wurden in der Wohnung von Toth gefunden.[15]
Am 2. Mai 2007 wurden in der Wohnung von Charlotte Böhringer DNS-Spuren (J73.03.3) gesichert, die mit Spuren im Fall Ursula Herrmann identisch sind. Wie es dazu kam, ist bis heute nicht geklärt.[16] Diese Spur sollte den Angeklagten entlasten, wurde vom Gericht nicht zugelassen und gilt als durch das Labor „verunreinigte Spur“.[17]
Das Gericht stellte zeitlich frühere Diebstähle des Verurteilten vom Februar 2006 zu lasten des Opfers fest, die sich auf über 3500 € beziffern.[11] Der Verurteilte gab an, im Auftrag seiner Tante gehandelt zu haben, die einen Mitarbeiter loswerden und mit seiner Hilfe eine Unterschlagung vortäuschen wollte.[11]
Bürgerinitiative zur Wiederaufnahme des Verfahrens[Bearbeiten]
Die Bürgerinitiative ProBence fordert die Wiederaufnahme des Strafverfahrens gegen Benedikt Toth (Spitzname „Bence“) vor einem deutschen Strafgericht außerhalb der Zuständigkeit des Oberlandesgerichts München,[11] was bisher keinen Erfolg gehabt hat.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mordfall_Ch..._B%C3%B6hringer
#2 | RE: Presseartikel 26.07.2014 22:00
25. Mai 2013 11:44
Mord an Parkhausbesitzerin
Benedikt T. sitzt wegen Mordes an seiner Tante Charlotte Böhringer lebenslang in Haft. Seine Freunde glauben noch immer nicht, dass er der Täter ist. Mit einer Bürgerinitiative wollen sie sieben Jahre nach der Tat gegen das Vergessen kämpfen - und doch noch einen Freispruch für den 37-Jährigen erreichen.
Der Fall der getöteten Parkhausbesitzerin und Millionärin Charlotte Böhringer soll nicht in Vergessenheit geraten. Die Freunde und Angehörigen des wegen Mordes an seiner Erbtante verurteilten Neffen "glauben weiter an Bences Unschuld", sagt sein Schulfreund Jochen Pirnat.
Benedikt T., wie der Verurteilte eigentlich heißt, will eine Wiederaufnahme des Verfahrens am Landgericht Augsburg erreichen. Er beteuert nach wie vor, dass nicht er seine Tante 2006 in deren Münchner Penthousewohnung erschlagen hat. Seine Unterstützer gründen nun sogar eine "Bürgerinitiative ProBence", die öffentliche Aufmerksamkeit für ein aussichtslos erscheinendes Unterfangen schaffen soll: doch noch einen Freispruch für den 37-jährigen T. zu erreichen.
Die Kampagne für den ehemaligen Jura-Studenten erinnert an die Strategie amerikanischer Prozessanwälte. In den USA kommt die sogenannte Litigation-PR seit den Achtzigerjahren zum Einsatz, um die Berichterstattung über Angeklagte zu steuern. Journalisten werden mit Informationen gefüttert, die den Anklagevorwurf aufweichen sollen, Zweifel an der Täterschaft werden betont und positive Eigenschaften des Angeklagten herausgehoben. Auch in Europa etabliert sich seit einigen Jahren das Geschäftsmodell der Prozess-PR, wie am Fall der in Italien wegen Mordes an einer Mitstudentin angeklagten Amanda Knox zu beobachten ist.
Auch der Mordfall Böhringer beschäftigt immer wieder die Medien, obwohl das Urteil längst gesprochen und rechtskräftig ist: 2008 wurde Benedikt T. als Mörder seiner Erbtante verurteilt. Bereits seit Mai 2006 sitzt er im Gefängnis, das Münchner Schwurgericht sprach ihn im bisher längsten Indizienprozess nach 93 Verhandlungstagen schuldig und stellte, zusätzlich zur lebenslangen Haftstrafe, die besondere Schwere der Schuld fest. Damit kann er nicht vorzeitig nach 15 Jahren Gefängnis auf Bewährung entlassen werden.
Demnach hatte er seiner kinderlosen Tante den Abbruch seines Jurastudiums verheimlicht, weil er befürchtete, aus ihrem Testament gestrichen zu werden. Aus Geldmangel habe er zudem im Parkhaus Böhringers an den Zahlautomaten manipuliert und 3800 Euro für sich abgezweigt. Als alles aufzufliegen drohte, soll T. seine Tante umgebracht haben.
500-Euro-Scheine mit Blutspuren
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/mord...ten-1.1680409-2
#3 | RE: Presseartikel 26.07.2014 22:05
Mordfall Böhringer: BGH verwirft Revision
München - Das Urteil gegen den Neffen der Parkhaus-Millionärin ist rechtmäßig. Wegen Mordes muss er lebenslänglich ins Gefängnis.
Schockiert: Benedikt T. muss lebenslang hinter Gitter. ebu
Der Neffe von Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer muss wegen Mordes an seiner Tante lebenslang ins Gefängnis. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Münchner Urteil bestätigt. Benedikt T. will trotzdem weiterkämpfen.
Benedikt T. kann es nicht fassen. Er sei „sehr verbittert“, sagt sein Verteidiger Peter Witting, der seinen Mandanten nach Bekanntwerden des höchstrichterlichen Beschlusses aus Karlsruhe in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Stadelheim besucht hat. Dort sitzt Benedikt T. seit zwei Jahren und zehn Monaten in Untersuchungshaft. Bis heute beteuert der inzwischen 34-Jährige vehement seine Unschuld.
Nach Ansicht des Münchner Schwurgerichts jedoch hat er im Mai 2006 seine schwerreiche Tante in deren Penthouse erschlagen – aus Angst vor Enterbung. Das Urteil nach 94 Tagen Indizienprozess: lebenslange Freiheitsstrafe mit besonderer Schwere der Schuld. Das macht eine Haftentlassung nach 15 Jahren unmöglich. Benedikt T. wird also über 50 Jahre alt sein, wenn er das Gefängnis verlässt. Er kommt jetzt in die JVA Straubing, Bayerns Knast für Schwerkriminelle.
Verteidiger Witting hatte sich mit einer 255-seitigen Begründung gegen das Urteil gewandt. Der BGH verwarf die Revision nun als unbegründet. In wenigen Zeilen schreiben die Karlsruher Richter: Die Nachprüfung hätte keinerlei Rechtsfehler ergeben, bei der Sachprüfung sei man zu keinem anderen Ergebnis als die 1. Strafkammer des Landgerichts München gelangt.
„Skandalös“, sagt Witting. „Das Recht ist auf der Strecke geblieben.“ Ähnlich hatte sich der Verteidiger schon im August 2008 geäußert. Damals verließ er mitten in der Urteilsbegründung den Tränen nahe den Schwurgerichtssaal.
Nach dem BGH-Beschluss will die Verteidigung nun eine Verfassungsbeschwerde prüfen. Ein Verstoß gegen das grundgesetzlich garantierte Willkürverbot komme in Frage. Die vom Schwurgericht angeführten Indizien gegen den Angeklagten „sind von Mutmaßungen getragen“, sagt Witting. „Der BGH hat das so stehen lassen.“ Der Fall zeige, dass die Revision die vom Gesetz vorgesehene Kontrollfunktion verloren habe.
Eine Verfassungsbeschwerde ist nun die letzte Chance für Benedikt T. – es sei denn, es tauchen überraschend neue Erkenntnisse auf, die eine Wiederaufnahme des Verfahrens begründen.
Zwar hält die Familie fest zu dem Verurteilten, muss ihn aber nun für erbunwürdig erklären lassen, um an seinen Erbteil zu kommen. Ansonsten fiele Benedikt T.s Anteil an dem Millionenerbe dem Staat zu. Denn die Münchner Richter hatten sein Erbe als verfallen erklärt.
http://www.merkur-online.de/lokales/muen...ion-281518.html
#4 | RE: Presseartikel 26.07.2014 22:08
20. März 2014 14:28 Uhr
Mord an Parkhaus-Millionärin: Prozess soll neu aufgerollt werden
Benedikt Toth soll seine Tante, eine Parkhaus-Millionärin, getötet haben. Freunde glauben fest an seine Unschuld, der Anwalt auch. Er will den Prozess in Augsburg neu aufrollen. Von Holger Sabinsky-Wolf
Der Angeklagte Benedikt Toth (rechts), aufgenommen 2008 im Schwurgericht München (Oberbayern) im Sitzungssaal. Für den Mord an einer Münchner Parkhaus-Millionärin ist der angeklagte Neffe des Opfers zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Münchner Schwurgericht sah auch eine besondere Schwere der Schuld.
Wenn Richter ein Urteil verkünden, ist das selten das Ergebnis einer zwingenden Beweisführung. Oft genug wird aus ungezählten Puzzleteilen eine Indizienkette zusammengesetzt, die dem unbeteiligten Beobachter suggerieren soll, dass es anders gar nicht gewesen sein kann. Ob das die Wahrheit ist, bleibt häufig offen.
Selten aber kommt es bei einem Urteil zu solchen Tumulten wie im Fall der ermordeten Münchner Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer. „Jeder Satz ist falsch“, schrie der Verurteilte, Benedikt Toth. Zuschauer verließen unter lautem Protest den Saal, sogar der Verteidiger. Die Entscheidung nach spektakulären 93 Verhandlungstagen lautete: lebenslang und besondere Schwere der Schuld; das bedeutet mehr als 20 Jahre Haft. Der Neffe soll seine reiche Tante aus Habgier erschlagen haben. Das war am 12. August 2008. Im Jahr darauf verwarf der Bundesgerichtshof die Revision als unbegründet. Manfred Götzl, dem damaligen Vorsitzenden des Münchner Schwurgerichts, der jetzt im NSU-Prozess von sich reden macht, war wieder einmal ein unanfechtbares Urteil gelungen.
"Bence" sitzt seit sieben Jahren im Gefängnis
Der gebürtige Ungar Benedikt Toth, 38, den alle nur „Bence“ nennen, sitzt seit sieben Jahren im Gefängnis. „Er ist unschuldig“, sagen seine Freunde. „Er ist unschuldig“, sagt sein Verteidiger Peter Witting. Nun beschäftigt der Fall Böhringer erneut ein Gericht. Der Anwalt hat beim Landgericht Augsburg einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens eingereicht. Der Jurist und der Freundeskreis wollen erreichen, dass der Prozess gegen Bence Toth neu aufgerollt wird. Witting sagt, der "aufgeblähte Indizienring" des Münchner Schwurgerichts sei inzwischen vollständig zerstört. Die Staatsanwaltschaft spricht sich dafür aus, den Antrag als unbegründet abzuweisen, sagt Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai. Es gebe keine entscheidenden neuen Fakten.
14 Indizien hatte das Gericht in München gesammelt. Zusammengenommen würden sie keinen Zweifel an der Täterschaft lassen. Bence, der Lieblingsneffe von Charlotte Böhringer, soll die Tat begangen haben, weil er fürchtete, enterbt zu werden. Laut Götzl hat er seiner Tante verschwiegen, dass er sein Jurastudium abgebrochen hatte. Die kinderlose Dame hatte geplant, Bence zum Geschäftsführer ihrer Firma zu machen – wenn er erst sein Jurastudium beendet hat. Mordete er, weil die Tante nichts von seinem Scheitern erfahren sollte?
Täter schlug 24 Mal auf den Kopf des Opfers ein
Bei schneller Betrachtung spricht einiges dafür, dass Benedikt Toth seine Tante tatsächlich mit 24 Schlägen auf den Kopf getötet hat. Nach der Tat fanden die Ermittler bei ihm vier 500-Euro-Scheine, die er dem Opfer geraubt haben soll. Am Tatort wurden DNA-Spuren von ihm gefunden – am Testament, an einem Portemonnaie und am Blazer der Toten. Und der Lieblingsneffe wusste, wann Charlotte Böhringer ihre Penthouse-Wohnung über dem Parkhaus im Münchner Glockenbachviertel verlassen würde, um wie immer am Montagabend zu ihrem Stammtisch zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt geschah der Mord.
Viele Indizien sind zweideutig
Doch viele Indizien sind zweideutig. „Sie können belastend oder entlastend gewertet werden“, sagt Anwalt Peter Witting. Beispiele:
Händigkeit Laut Urteil soll Bence Toth die 24 Schläge mit rechts ausgeführt haben. Toth ist Linkshänder. Die Erklärung des Gerichts: Er habe seine linke Hand gebraucht, um die Tür aufzuhalten, während er auf seine Tante einschlug.
Studienabbruch Laut Urteil soll die Tante nichts vom Studienabbruch gewusst haben. In einem Zivilprozess nach dem Strafurteil widersprechen Zeugen. Charlotte Böhringer habe das gewusst und sei nicht begeistert gewesen. Das würde das vom Schwurgericht angenommene Tatmotiv erschüttern.
DNA-Spur Auf dem Blazer der Toten wurde eine DNA-Spur des Neffen gefunden. Offen ist aber, wann und unter welchen Umständen die Spur entstanden ist. Eine Nachuntersuchung förderte weitere DNA-Spuren Toths zutage. Sie könnten sich aus dem regelmäßigen Kontakt mit der Tante erklären.
Fall Ursula Herrmann An einem Glas in Böhringers Spülmaschine und an einer Kommode wurden DNA-Spuren eines unbekannten Mannes gefunden. Die spektakuläre Wendung: Dieselbe Spur haftete an einer Schraube im Fall Ursula Herrmann. Das zehnjährige Mädchen war 1981 in Eching am Ammersee entführt und in einer Kiste im Wald vergraben worden, wo es erstickte. Die Schraube steckte an dieser Kiste. Ein unbekannter Dritter? Im Böhringer-Urteil heißt es, die DNA-Spuren in der Wohnung hätten „keinen unmittelbaren räumlichen Bezug zur Tat“. Die Spur ist bis heute nicht geklärt.
Benedikt Toths Freunde sind überzeugt, dass mit dem Urteil etwas schiefgelaufen ist. „Auch aus objektiver Sicht gibt es Zweifel, und wenn es Zweifel gibt, muss der Angeklagte freigesprochen werden“, sagt Jochen Pirnat. Die Freunde kennen ihren Bence teils seit Schultagen. Für sie ist unvorstellbar, dass er einen Menschen getötet haben soll. Und sie kämpfen für ihn, haben die Bürgerinitiative „Pro Bence“ gegründet.
Im Juni startet die Internetseite probence.de
Begleitend zum Wiederaufnahmeantrag des Anwalts wollen sie den Fall auch in der breiten Öffentlichkeit wieder zum Thema machen. Für 6. Juni laden sie zu einer Pressekonferenz nach München, wo neben Anwalt Witting auch die Verlobte von Bence Fragen beantworten will. Am selben Tag startet die Internetseite probence.de offiziell. Dort ist jetzt schon das Zitat von Ermin Brießmann zu lesen, der Richter am Bayerischen Obersten Landesgericht war. Er hat den Fall geprüft, danach Strafanzeige wegen Rechtsbeugung gestellt und gesagt: „Das Urteil ist ein Fantasieprodukt. Man kann kaum glauben, dass das von Juristen geschrieben ist.“
http://www.augsburger-allgemeine.de/baye...id25413896.html
#5 | RE: Presseartikel 05.12.2014 18:28
Wiederaufnahmeantrag abgewiesen
Mord an Parkhaus-Millionärin: Kein neuer Prozess
Aktualisiert: 05.12.2014 - 18:03
München/Augsburg - Das Verfahren gegen den sogenannten Münchner Parkhausmörder wird nicht neu aufgerollt. Das Landgericht Augsburg hat einen Wiederaufnahmeantrag zurückgewiesen
Zum "Parkhaus-Mord" gibt es keinen neuen Prozess: Das Landgericht Augsburg hat einen Wiederaufnahmeantrag des Verurteilten als unzulässig zurückgewiesen, teilte das Gericht am Freitag mit. Es lägen keine neuen Tatsachen oder Beweismittel vor, die das ursprüngliche Ergebnis erschüttern. Eine Wiederaufnahme eines Verfahrens zugunsten des Verurteilten sei nur zulässig, wenn es dann auch zu einem Freispruch oder einer milderen Strafe kommen könnte.
Nach Angaben des Gerichts hat der Verteidiger des Verurteilten bereits Beschwerde gegen die Entscheidung eingereicht, über die nun das Oberlandesgericht München zu entscheiden hat.
Im August 2008 hatte das Landgericht München I den Angeklagten nach 93 Verhandlungstagen des Mordes an seiner Tante schuldig gesprochen. Der damals 33-Jährige wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte stets seine Unschuld beteuert. Das Schwurgericht urteilte jedoch, dass er im Mai 2006 die Millionärin in ihrer Wohnung über der Garage erschlagen hatte, um sich das Erbe zu sichern.
Eine Säule des Schuldspruchs war die angenommene Angst vor der Enterbung durch die Tante. Der Neffe habe ihr den Abbruch des von ihr bezahlten Jura-Studiums verschwiegen, als sie dahinter gekommen sei, habe sie mit ihm gebrochen. Die gegen das Urteil gerichtete Revision beim Bundesgerichtshof blieb erfolglos.
http://www.tz.de/bayern/mord-parkhaus-mi...html?cmp=defrss
#6 | RE: Presseartikel 20.02.2016 16:35
Freistaat muss zahlen-Entschädigung für Benedikt Toth
Auch ein lebenslang einsitzender Häftling hat Anspruch auf zügige Behandlung seiner Anträge durch die Justiz. Dieser Urteilsspruch beschert dem wegen Mordes an seiner millionenschweren Tante verurteilten Benedikt Toth nun eine Entschädigung vom Freistaat.
München - 900 Euro Entschädigung vom Freistaat: Das ist der erste Teilerfolg, den Benedikt Toth (41), der wegen Mordes verurteilte Neffen von Charlotte Böhringer, im Zwist mit den Gerichten errungen hat.
Lesen Sie auch: Fall Böhringer - Hier schreibt der Verurteilte
Der 41-Jährige sitzt seit 2006 im Gefängnis, wurde 2008 nach einem langwierigen Indizienprozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis heute bestreitet er, ein Mörder zu sein.
So langwierig wie der Mammutprozess um den gewaltsamen Tod der Parkhaus-Millionärin lief auch die Bearbeitung des Antrags auf ein Wiederaufnahmeverfahren, das Peter Witting, der Anwalt des Inhaftierten, im März 2013 angestrengt hatte. Zu langwierig, wie jetzt das Oberlandesgericht (OLG) urteilte.
Lesen Sie auch: Fall Böhringer- 250 000 Euro für neue Hinweise
Erst im Juni 2014 begann der zuständige Richter mit der Aktendurchsicht. Eine Verzögerung von 15 Monaten, für die Toth 1500 Euro haben wollte. Das OLG fand aber 900 Euro angemessen und wies den Rest der Klage ab.
http://m.abendzeitung-muenchen.de/inhalt...2e047ef8c73.php
#7 | RE: Presseartikel 25.02.2016 18:29
Toth-Familie sucht Unterstützung
Mordfall Böhringer: „Es ist eine Tragödie“
Mordfall Böhringer: Die Familie des Verurteilten bittet Florian Streibl (FW) um Unterstützung.
München - Seit fast zehn Jahren sitzt Benedikt Toth (41) für den Mord an seiner Tante Charlotte Böhringer († 59) im Gefängnis. Zu Unrecht – davon sind seine Familie und sein Anwalt überzeugt. „Wir haben es hier mit einem Justiz-Skandal zu tun“, sagt Bruder Mate Toth.
Nun wollen die Angehörigen auch die Abgeordneten des Landtags überzeugen. Gestern trafen sie sich deshalb mit Florian Streibl (Freie Wähler).
Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens endgültig abgelehnt
Die juristischen Mittel in dem Fall sind so gut wie ausgeschöpft. Der Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens wurde endgültig abgelehnt. Nur die Entscheidung über eine Verfassungsbeschwerde steht noch aus. „Das ist unsere letzte Chance“, sagt Verteidiger Peter Witting.
Dabei macht die Causa Toth in vielen Punkten stutzig: Von den 14 Indizien, die dem Angeklagten (der die Tat bis heute bestreitet) im Prozess vor dem Landgericht München I zur Last gelegt worden waren, hielt die 1. Strafkammer kein einziges für allein überzeugend – als „Indizienring“ genügten sie jedoch für eine Verurteilung zu lebenslanger Haft plus Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.
Lesen Sie hier: Benedikt Toth: "Ich bin kein Mörder"
Bemerkenswert ist folgender Satz aus dem Urteil: „Die Kammer ist sich bewusst, dass es sich dabei nicht um einen zwingenden Schluss handelt.“
Man kann sich auch darüber wundern, dass die Staatsanwaltschaft München I, also die ursprüngliche Anklagebehörde, im Wiederaufnahmeverfahren ungebeten eine Stellungnahme abgab – und so eine objektive Beurteilung des Antrags durch das zuständige Landgericht Augsburg unmöglich machte.
Oder darüber, dass der 3. Strafsenat am Oberlandesgericht über Wittings Beschwerde gegen die Augsburger Ablehnung entschied – dessen Vorsitzende Margarete Nötzel mit dem damaligen Chef der Staatsanwaltschaft München I, Generalstaatsanwalt Manfred Nötzel, verheiratet ist. Und das obwohl Peter Witting einen Befangenheitsantrag gestellt hatte.
Streibl als Gesprächspartner
In Florian Streibl hat das Toth-Team einen Gesprächspartner, der es in Bezug auf die bayerische Justiz nicht zum ersten Mal mit Merkwürdigkeiten zu tun hat. Streibl war maßgeblich daran beteiligt, dass der Untersuchungsausschuss zum Fall Gustl Mollath zustande kam und gehörte dem Schottdorf-Ausschuss an.
Dabei habe er den Eindruck gewonnen, dass im Justizsystem des Freistaats „vieles seltsam oder gar falsch läuft und dass in Bayern schon manchmal das schnelle, nicht das richtige Ermittlungsergebnis im Vordergrund steht.“ Auch im Fall Toth sehe er „Ungereimtheiten, die auffallen“.
Lesen Sie hier weitere Meldungen rund um München
Gerichtsentscheide könne die Politik nicht außer Kraft setzen oder in Frage stellen. „Es gibt aber ein anderes Einfallstor: Die Staatsanwaltschaft gehört zur Exekutive und deren Handeln können wir überprüfen.“ Etwa durch Anfragen. Bald will sich Streibl erneut mit Witting zusammensetzen.
„Es ist eine Tragödie, fast eine Hinrichtung, was Polizei, Gerichte und Staatsanwaltschaft mit meinem Sohn gemacht haben“, sagt Vater Bence Toth am Ende. Am Sonntag werden er und seine Frau Emese ihn wieder in der Justizvollzugsanstalt Straubing besuchen – und ihm vom Treffen im Landtag erzählen.
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inha...cba3d365ae.html
#8 | RE: Presseartikel 16.04.2016 21:17
Wieder ein Justizskandal?
„Fall Toth“ beschäftigt die Politik
Anfrage eingereicht: Florian Streibl (Freie Wähler) will Antworten von der Bayerischen Staatsregierung.
München - Florian Streibl (53) war maßgeblich daran beteiligt, dass sich 2013 ein Untersuchungsausschuss mit dem Fall Gust Mollath beschäftigte und gehörte zwei Jahre später dem Ausschuss „Labor“ an, der die Schottdorf-Affäre durchleuchtete.
Dabei habe er den Eindruck gewonnen, dass im Justizsystem des Freistaats „vieles seltsam oder gar falsch läuft und dass in Bayern schon manchmal das schnelle, nicht das richtige Ermittlungsergebnis im Vordergrund steht“, sagt der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler.
Jetzt hat Streibl in einem weiteren Fall „Ungereimtheiten, die auffallen“ ausgemacht und fordert Aufklärung: Es geht um Benedikt Toth (41), der seit fast zehn Jahren als „Parkhausmörder“ in Haft sitzt, weil er seine Tante Charlotte Böhringer († 59) getötet haben soll – was er jedoch bis heute bestreitet.
Florian Streibl hat nun eine Anfrage an die Bayerische Staatsregierung eingereicht, in der er um Antworten auf sechs detaillierte Fragen zur Causa Toth bittet.
Im Zentrum seines Interesses stehen Merkwürdigkeiten rund um den abgelehnten Antrag der Toth-Verteidigung, das Verfahren wieder aufzunehmen.
So möchte Florian Streibl unter anderem wissen, wie es kommen konnte, dass die Staatsanwaltschaft München I – sie hatte im Prozess gegen Benedikt Toth die Anklage geführt – ungefragt eine (negative) Stellungnahme zum Wiederaufnahmeantrag abgab, über den das Landgericht Augsburg zu entscheiden hatte.
Außerdem fragt Streibl, wie sich erklären lässt, dass ausgerechnet der 3. Strafsenat am Oberlandesgericht über die Beschwerde gegen die Ablehnung des Wiederaufnahmeantrags urteilte. Obwohl dessen Vorsitzende Margarete Nötzel mit dem damaligen Chef der Staatsanwaltschaft München I, Generalstaatsanwalt Manfred Nötzel, verheiratet ist.
Ebenfalls erläuterungswürdig erscheint dem Politiker und Rechtsanwalt, warum einer der Richter an der Ablehnung beteiligt war, der auch mit dem Prozess gegen Werner M., den Mörder von Ursula Herrmann, befasst war.
Die Zehnjährige aus Eching war 1981 entführt und in eine Kiste gesperrt worden, in der sie erstickte.
Ein genetischer Fingerabdruck, der an einer Schraube in dieser Kiste gesichert wurde, tauchte mehr als drei Jahrzehnte später wieder auf: an einem Glas in der Spülmaschine von Charlotte Böhringer. Doch weder im Verfahren gegen den Mörder des Mädchens noch im Prozess gegen Benedikt Toth spielte dieser „Spur-Spur-Treffer“ eine große Rolle.
Zudem befasst sich die Anfrage mit dem Wunsch eines ZDF-Journalisten, Benedikt Toth in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Straubing für die Sendung „37 Grad“ zu interviewen.
Während er die Erlaubnis bekam, ein Gespräch mit Werner M. in der JVA Lübeck zu filmen, und Toth dem Interview zugestimmt hat, muss der Reporter in Niederbayern bis heute draußen bleiben. Nicht einmal ein Telefoninterview wird gestattet.
Florian Streibl sieht hier einen Konflikt mit dem „Informationsrecht der Öffentlichkeit und dem Recht des Verurteilten auf freie Meinungsäußerung“.
Mit den Antworten rechnet der Abgeordnete in den nächsten zwei Wochen. Die Familie des Verurteilten Familie spricht von einem „Hoffnungsschimmer“: „Zum ersten Mal muss die bayerische Justiz zu den Formfehlern und Ungereimtheiten im und nach dem Prozess Rede und Antwort stehen.“
Benedikt Toth hat währenddessen entschieden, die 950 Euro Entschädigung für die verzögerte Bearbeitung seines Wiederaufnahmeantrags an eine US-Organisation zu spenden, die sich um die Aufklärung von Justiz-Irrtümern bemüht. „Das Geld soll denjenigen helfen, die auch von dieser Art von Ungerechtigkeit heimgesucht wurden“, sagt er.
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inha...517c64be36.html
#9 | RE: Presseartikel 02.05.2016 21:32
Münchner Parkhaus-Mord
Verurteilter Neffe scheitert mit Verfassungsbeschwerde
Er bleibt im Gefängnis: Der zu lebenslanger Haft verurteilte Neffe der Münchner Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer scheiterte mit einer Verfassungsbeschwerde. Wegen des gewaltsamen Todes seiner Tante im Jahr 2006 wird es kein neues Verfahren geben.
Stand: 23.05.2016 |
Die Karlsruher Richter haben die Beschwerde - ohne Begründung - nicht angenommen. Somit bleibt es bei der lebenslangen Haftstrafe für Benedikt T. Zuvor hatten bereits das Landgericht Augsburg und das Oberlandesgericht München eine Wiederaufnahme des Verfahrens abgelehnt.
Motiv laut Schwurgericht: drohende Enterbung
Der inzwischen 41-jährige Neffe der Parkhaus-Millionärin Böhringer war 2008 vom Landgericht München wegen Mordes an seiner Tante nach einem aufwändigen Indizienprozess schuldig gesprochen worden. Laut damaligem Urteil tötete er Charlotte Böhringer durch mindestens 24 Schläge mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf. Motiv: Weil er sein Jurastudium nach Scheitern im 1. Staatsexamen abgebrochen hatte und er befürchten musste, deswegen von seiner Tante enterbt zu werden. Die Tatwaffe wurde nie gefunden.
Revision gegen Urteil war bereits gescheitert
In dem Verfahren hatte es einige Unstimmigkeiten gegeben - unter anderem soll der Verurteilte laut einem Gutachten zumindest die letzten Schläge, die zum Tod seiner Tante geführt hatten, mit der rechten Hand ausgeführt haben - obwohl er Linkshänder ist. Auch wurde eine möglicherweise entlastende DNA-Spur wegen Verunreinigung nicht gewertet. Der Bundesgrichtshof hatte eine Revision gegen das Urteil allerdings verworfen. Der verurteilte Neffe bleibt somit voraussichtlich bis zum Jahr 2028 in Haft. Sein Erbanteil am Vermögen der Tante ging nach einem Zivilprozess an seinen Bruder.
http://www.br.de/nachrichten/oberbayern/...eitern-100.html
#10 | RE: Presseartikel 14.05.2016 10:36
Eine sehr sehr gute Reportage über die ( wie auch immer ) zusammenhängenden Fälle Ursula Hermann und Charlotte Böhringer hat am Dienstag Abend das ZDF ausgestrahlt.
http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/...h-war-es-nicht!
#11 | RE: Presseartikel 18.05.2016 13:42
Zehn Jahre Mordfall Böhringer
Familie des Verurteilten im AZ-Interview: "Ein Justiz-Skandal"
Natalie Kettinger, 18.05.2016 12:42 Uhr, aktualisiert 18.05.2016 12:51 Uhr
Vor zehn Jahren wird die Parkhaus-Erbin Charlotte Böhringer in ihrem Penthouse ermordet. Ihr Neffe Benedikt „Bence“ Toth sitzt dafür im Gefängnis. Die Familie glaubt bis heute an seine Unschuld.
München - Dieser Fall sorgt noch immer für Diskussionsstoff: Am 15. Mai 2006 wird die reiche Witwe Charlotte Böhringer († 59) im Penthouse über ihrer Parkgarage erschlagen. Einen Tag später wird die Leiche entdeckt – und keine 48 Stunden später der Lieblingsneffe der Millionärin festgenommen: Benedikt „Bence“ Toth (heute 41).
Obwohl er die Tat stets bestreitet, wird Toth 2008 in einem umstrittenen Indizienprozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Er soll seine Tante umgebracht haben, um zu vertuschen, dass er sein Jura-Studium abgebrochen hatte und damit die von Böhringer gewünschte Voraussetzung für die Übernahme des lukrativen Parkhauses nicht mehr erfüllte.
Benedikt Toths Familie glaubt bis heute an seine Unschuld – und kämpft seit zehn Jahren für seine Freilassung. Die AZ hat Vater Bence Senior (68) und Bruder Mate Toth (38) getroffen.
AZ: Welche Erinnerung haben Sie an den 16. Mai 2006, also an den Tag, an dem Charlotte Böhringer in ihrer Wohnung gefunden wurde?
BENCE TOTH: Das war ein Dienstag. Ich bin gegen 19 Uhr von der Schwimmschule nach Hause gekommen. Gegen 20 Uhr hat Bence angerufen. Er war ganz verwirrt und hat immer wieder gesagt: „Es ist etwas ganz, ganz Schlimmes passiert.“ Meine Frau und ich haben uns sofort ins Auto gesetzt und sind zum Parkhaus gefahren. Dort waren schon ein paar Freunde von Charlotte, ihr Arzt, die Polizei. Alles war abgesperrt. Wir durften nicht rauf zur Wohnung. Dann habe ich meinen Sohn Bence gesehen: Er saß vor dem Tankstelle-Laden auf der Stufe und zitterte wie bei einem Schüttelfrost. Wir waren total schockiert.
MATE TOTH: Ich hatte an diesem Abend Spätdienst im Parkhaus. Als ich ankam, haben mir die Frühschicht und der Wagenpfleger gesagt: Es gibt nichts Besonderes, aber wir erreichen die Chefin schon den ganzen Tag nicht. Ich bin dann irgendwann rauf aufs Dach, um zu sehen, ob man durch die Fenster etwas erkennen kann. Aber von außen konnte man nichts sehen und die Fenster waren alle verschlossen. In der Zwischenzeit war mein Bruder angekommen.
Er hat die Tote entdeckt.
M.T.: Ja, wir hatten den stellvertretenden Geschäftsführer herzitiert, weil er den Schlüssel zum Büro hatte, wo wiederum der Schlüssel zur Wohnung lag. Er ist mit Bence raufgegangen. Mein Bruder hat unsere Tante im Eingangsbereich gefunden, sich neben sie gekniet und sie auf Lebenszeichen kontrolliert. Als er wieder runter kam, stand er unter Schock, hatte rot unterlaufene Augen und hat immer wieder gesagt: „Es ist zu spät. Sie ist schon ganz kalt.“
War Ihnen sofort klar, dass sie ermordet worden ist?
M.T.: Nein. Sie hatte vor der Marmortreppe zum Eingangsbereich einen Teppichläufer liegen. Wenn man schnell angelaufen ist und versucht hat, auf diesem Teppich zu bremsen, war quasi vorprogrammiert, dass man die Treppe damit hinunterstürzt. Wir haben ihr so oft gesagt: Dieses Ding ist da absolut fehl am Platz. Es hätte also auch sein können, dass sie gestürzt ist.
Was haben Sie gedacht, als feststand, dass Charlotte Böhringer umgebracht wurde? Hatten Sie einen Verdacht?
B.T.: Wir waren sprachlos, verwirrt, ohnmächtig. Charlotte hatte zwar nur wenige Freunde – aber viele Bekannte. Deshalb schien die Palette anfangs sehr breit. Nach dem Prozess blieben vier oder fünf Personen übrig, bei denen wir es für möglich halten, dass sie etwas damit zu tun haben. Aber die Polizei hat ja von Anfang an nur in eine einzige Richtung ermittelt: in Richtung Bence Toth.
Ihr Sohn wurde am 18. Mai 2006 festgenommen.
B.T.: Er war als Zeuge bei der Polizei – und plötzlich wurde er zum Beschuldigten. Er war so naiv! Er hat seinen Anwalt Peter Witting weggeschickt! Schickt ein Mörder seinen Anwalt weg, wenn er Hilfe braucht? Nein! Bence wollte an diesem Abend um 19 Uhr Freunde treffen. Um 21.30 Uhr hat er weinend angerufen: Mama, ich werde nicht freigelassen. Was kann ich tun? Da wurde es ganz, ganz dunkel um uns. Damit hatten wir nicht gerechnet.
Was geht in diesem Moment in einem vor?
M.T.: Dass sich alles aufklären wird – das haben wir uns bis zur Verhandlung gedacht und denken es heute noch. Anhand der Aktenlage wird ganz deutlich: Er kann es nicht gewesen sein und das hat der Richter auch gewusst. Deshalb erleben wir hier keinen Justiz-Irrtum, sondern einen Justiz-Skandal.
Was macht Sie so sicher, dass Ihr Bruder unschuldig ist?
M.T.: Ich muss zugeben: In den ersten Tagen nach dem Mord hätte ich nicht beantworten können, ob es mein Bruder gewesen ist oder nicht. Aber ich habe an etwa 80 Verhandlungstagen teilgenommen, und vor Gericht hat sich herausgestellt, dass die Polizei viel zu schnell gehandelt hat. Dass der Chef der Mordkommission sich auf etwas festgelegt hat, was dann immer weitergesponnen wurde.
B.T.: Dass Bence meine Schwägerin umgebracht hat, ist ausgeschlossen. Wir haben 20 Jahre mit ihm zusammengelebt. Er ist nicht so ein Typ, der seine Kräfte zeigt. Er ist nicht so erzogen worden. Er ist feiner, viel, viel feiner.
Wussten Sie, dass er sein Studium abgebrochen hatte?
B.T.: Nein. Er war oft bei uns und hat gerne mit der Mama geplaudert, aber über das Studium hat er fast nie geredet.
M.T.: Ich auch nicht. Aber viel wichtiger ist doch, dass meine Tante wusste, dass er nicht mehr studiert. Mehrere mit unserer Tante bekannte Zeugen haben ausgesagt, dass sie mit ihnen über den Studienabbruch gesprochen hat. Dementsprechend ist das Tatmotiv der Staatsanwaltschaft im Gerichtssaal weggefallen. Wir haben uns schon gefreut und gedacht: Morgen sagt der Richter, das Motiv ist weg, wir müssen das hier jetzt beenden. Aber der Richter hat das Motiv einfach weiterhin benutzt – und die Zeugen genau gegenteilig im Urteil wiedergegeben. Komplett falsch.
Wie hat diese Tragödie Ihr Leben verändert?
M.T.: Meine Mutter kann bis heute nicht öffentlich darüber sprechen. Deshalb ist sie heute nicht mitgekommen. Das würde sie nicht verkraften. Normalerweise kommen und gehen Leute im Leben – in unserem Fall sind nur Leute gegangen.
B.T.: Wir hatten jahrzehntelang einen sehr großen Bekannten- und Freundeskreis. Jetzt pflegen wir nur noch mit zwei, drei Familien regelmäßigen Kontakt. Manche melden sich noch per E-Mail. Sie rufen aus Rücksicht nicht an, weil sie wissen, dass meine Frau sehr schwach ist. Sie wollen taktvoll sein. Früher waren wir am Wochenende nie zuhause. Jetzt sind wir es fast immer. Viele wollen das Thema nicht erwähnen, aber man kann es nicht einfach ausschließen. Das ist schwierig.
Wie oft sehen Sie Ihren Sohn in der JVA Straubing?
B.T.: Zwei oder drei Mal pro Monat. Er hat fünf Stunden Besuchszeit pro Monat. Damit die Freunde auch kommen können, gibt es einen Doodle-Kalender, in den sich jeder einträgt. Seit zehn Jahren haben wir keine einzige Minute verfallen lassen. Wir haben die Zeit immer genutzt und so wird es bleiben. Hoffentlich nicht mehr für lange.
Bences Freundeskreis steht also weiter hinter ihm?
M.T.: Ja. Sie sind alle weiterhin für ihn da und kämpfen für seine Freilassung. Die regelmäßigen Besucher sind allerdings weniger geworden.
Wie fühlt es sich an, das eigene Kind im Gefängnis zu besuchen?
B.T.: Daran werde ich mich nie gewöhnen, an diese innere Anspannung. Obwohl wir das schon so oft getan haben, wird es nie ein alltägliches Gefühl werden. Auf der Hinfahrt sind wir alle vertieft in Gedanken, wir reden kaum. Dann kommt die Besuchsstunde – und Bence muntert uns auf. Auf dem Rückweg sind wir dann offener und manchmal freuen wir uns sogar.
Hat die Haft Bence verändert?
B.T.: Sehr. Er vertieft sich in Philosophie, liest Nietzsche und Schopenhauer. Freiwillig. Dazu lernt er Japanisch und spricht Spanisch mit einigen der anderen Gefangenen. Er beschäftigt sich, aber er ist auch ein Dickkopf. Er war immer eine Persönlichkeit, aber jetzt hat er in sich so eine Trotzreaktion aufgebaut: Er kämpft für Gerechtigkeit für sich, aber auch für andere Häftlinge – deshalb respektieren sie ihn dort. Er hat Rückgrat – manchmal zu viel.
Wie wird diese Geschichte enden? Die juristischen Möglichkeiten sind ausgeschöpft, das Bundesverfassungsgericht hat Anfang Mai eine erneute Prüfung des Urteils abgelehnt.
B.T.: Wir hoffen, dass die Gerechtigkeit mit Hilfe der Politik zur Geltung kommt. Einige Politiker beschäftigen sich jetzt ernsthaft mit dieser Tragödie. Vielleicht endet es wie bei Gustl Mollath. Es kann doch nicht ewig so weitergehen – mit einer Lüge.
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inha...1d255847a3.html
#12 | RE: Presseartikel 12.09.2016 13:46
Freunde musizieren für Benedikt Toth
„Free Benedikt“: Das etwas andere Konzert
nk, 11.09.2016 18:16 Uhr
„Free Benedikt“: Beim Corso Leopold musizieren Freunde für den verurteilten Mörder.
München - Seit zehn Jahren sitzt Benedikt Toth (41) für den Mord an seiner Tante, der reichen Parkhaus-Erbin Charlotte Böhringer († 59), im Gefängnis. Seit zehn Jahren beteuert er seine Unschuld.
Seit zehn Jahren kämpft sein Umfeld für eine Wiederaufnahme des Verfahrens – manchmal mit ungewöhnlichen Mitteln: Beim Corso Leopold veranstalteten Freunde und Familie gestern ein Konzert unter dem Motto „Free Benedikt“. „Wir haben vor 35 Jahren den Kommunismus verlassen, weil wir unsere Söhne in Freiheit, ohne Kabale und Lügen aufziehen wollten.
Seit zehn Jahren sind die schönen Zeiten vorbei“, sagte Vater Bence Toth zur Begrüßung der rund 50 Zuschauer, die unter anderem den Durchhalte-Song „Hör nicht auf“ zu hören bekamen.
Geschrieben hat das Lied Matthi Birkmeyer (39), der seit der Schulzeit mit Benedikt Toth befreundet ist. „Bei dieser Aktion geht es um Öffentlichkeit, darum, dass der Fall öffentlich diskutiert wird“, sagt der Musiker. „Alles andere ist ja leider ausgeschöpft.“
Zuletzt waren Benedikt Toths Anwälte mit einer Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe gescheitert.
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inha...820ab8f25d.html
#13 | RE: Presseartikel 30.01.2018 01:35
Am 16.05.2006 wird Charlotte Böhringer, 59 Jahre, von ihrem Neffen Bence Toth sowie einem weiteren Mitarbeiter der Parkgarage im Flur ihrer Wohnung tot aufgefunden. Charlotte Böhringer ist vermögende Eigentümerin eines Parkhauses in der Münchner Innenstadt. Nach kinderloser Ehe lebt sie verwitwet alleine in einer Wohnung im obersten Stockwerk der Parkgarage.
Charlotte Böhringer wird durch mindestens 24 Schläge mit einem unbekannten teilweise scharfkantigen Gegenstand getötet, die Tatwaffe wird nie gefunden. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass Charlotte Böhringer bereits am 15.05.2006 zwischen 15.00 und 23.00 Uhr gestorben ist. Als Charlotte Böhringer ausgehfertig mit dem Wohnungsschlüssel in der Hand ihre Wohnung verlassen will, wird sie höchstwahrscheinlich von dem/den Täter(n) an der Eingangstüre ihrer Wohnung überrascht und mit massiven Schlägen gegen den Kopf in den Flur zurückgedrängt. Der oder die Täter haben bei Begehung der Tat Handschuhe getragen und anschließend das Büro der Wohnung durchsucht. Der Verbleib einiger von Frau Böhringers Schmuckstücken (insbesondere ein Ehering) konnte bis heute nicht geklärt werden.
Charlotte Böhringers Neffe Bence, der schnell in den Fokus der Ermittlungen gerät, wird am Abend des 18.05.2006 verhaftet und bereits am 20.05.2006 der Presse als mutmaßlicher Mörder präsentiert. Bence bestreitet diesen Vorwurf von Anfang an und bis heute vehement.
https://www.probence.de/die-tat/
#14 | RE: Presseartikel 30.01.2018 01:41
Diese Webseite möchte eine breite Öffentlichkeit für die drastischen Unzulänglichkeiten dieses Verfahrens schaffen. Hier eine Auswahl:
•Bence Toth soll seine Tante mit 24 Schlägen, die voller Kraft mit der rechten Hand ausgeführt wurden, ermordet haben. Er ist Linkshänder.
•Das im Urteil aufgeführte Tatmotiv ist ein von Bence Toth abgebrochenes Jurastudium. Davon soll die Tante nichts gewusst haben. Ein erfolgreicher Studienabschluss allerdings soll Bedingung für Bences Erbschaft gewesen sein. Doch Zeugen widersprechen. Charlotte Böhringer war darüber sehr wohl unterrichtet.
•Eine auf dem Sakko Charlotte Böhringers gesicherte DNA-Spur soll auf die Bences Täterschaft hinweisen. Offen ist jedoch, wann und unter welchen Umständen die Spur entstanden ist. Eine Nachuntersuchung diverser nicht tatbezogener Kleidungsstücke Charlotte Böhringers förderte erwartungsgemäß weitere DNA-Spuren von Bence zu Tage, die sich schlicht durch seinen fast tagtäglichen Kontakt mit seiner Tante erklären lassen.
•Eine nahezu leere Weinflasche deutet angesichts der Angaben der letzten Kontaktperson darauf hin, dass Charlotte Böhringer unmittelbar vor der Tat noch Besuch einer unbekannt gebliebenen Person hatte. Sie selbst kann den Wein nachweisbar nicht getrunken haben. An einem Glas in der Spülmaschine der Tatwohnung wird allerdings die DNA-Spur einer unbekannten männlichen Person gefunden (Spurenidentität zum Fall Ursula Herrmann).
Der heutige Richter am Oberlandesgericht München Manfred Götzl (Vorsitzender Richter im NSU-Prozess) verurteilte im August 2008 den Angeklagten Bence Toth auf der Grundlage umstrittener Indizien wegen Mordes an seiner Tante, der Parkhauseigentümerin Charlotte Böhringer, zu lebenslanger Haft.
Die 15 Monate andauernde Hauptverhandlung des „Parkhausmordes“ vor dem Landgericht München I erregte weit über die Stadtgrenzen hinaus erhebliches Aufsehen, zum einen durch eine spektakuläre Querverbindung zum Mordfall Ursula Hermann (1981), zum anderen durch die haarsträubende Argumentationslinie des Gerichts, die bei der Urteilsbegründung zu tumultartigen Szenen im Gerichtssaal führte.
Nicht nur namhafte Journalisten und Juristen, auch eine Richterin am Münchner Zivilgericht hat erhebliche Zweifel an der Qualität des Urteils: „Die Ausführungen des Strafgerichts im Strafurteil sind mit den Aussagen der Zeugen vor der Zivilkammer nicht in Einklang zu bringen“.
Nach über 26 Monaten hat das Landgericht Augsburg über den Wiederaufnahmeantrag entschieden. Dieser wurde durch Beschluss vom 05.12.2014 als unzulässig verworfen. Die Beschwerde gegen diese Entscheidung hat das Oberlandesgericht München ebenfalls verworfen. Eine hiergegen eingelegte 2. Verfassungsbeschwerde wurde mit Beschluss vom 18.04.2016 wiederum nicht zur Entscheidung angenommen.
https://www.probence.de/
#15 | RE: Presseartikel 17.03.2018 10:50
•Warum werden nur tatrelevante Gegenstände im Arbeitszimmer auf Bences Spuren hin untersucht, obwohl seine Spuren im ganzen Zimmer gleich verteilt zu finden sein müssten, was ihn entlasten würde?
•Warum werden erst im Juni 2007 Charlotte Böhringers letzte Tage genauer rekonstruiert?
•Warum werden die Zigarettenkippen im Ascher der Tatwohnung erst auf Betreiben der Verteidigung im Jahr 2007 ausgewertet?
•Warum wurde der Verbleib von 10.000 € nicht geklärt, die Charlotte Böhringer kurz vor der Tat abgehoben hat?
•Warum wurde nicht nach dem Verbleib des Eherings von Charlotte Böhringer geforscht, der verschwunden ist??
•Wieso versuchen die Beamten erst, Charlotte Böhringers Mobilbox auszuwerten, als die Daten darauf bereits gelöscht werden?
•Warum werden die Kontakte aus Charlotte Böhringers Telefonbuch erst im Mai 2007 überprüft?
•Warum werden die Alibis von Personen aus Charlotte Böhringers direktem Umfeld erst nach mehreren Monaten überprüft?
•Wieso begnügt man sich damit, männliche Bekannte Charlotte Böhringers telefonisch zu befragen, ob sie in der Wohnung waren?
•Warum werden Visitenkarten aus der Wohnung Böhringer erst am 11.05.2007 überprüft?
•Warum werden die Verbindungsdaten von Charlotte Böhringers Mobiltelefon erst am 11.05.2007 ausgewertet?
•Warum werden Charlotte Böhringers Ex-Ehemänner nicht vernommen?
•Warum werden Charlotte Böhringers Stiefkinder nicht vernommen?
•Warum wird nicht versucht, einen schwedischen Mann zu identifizieren, mit dem Charlotte Böhringer ein Verhältnis gehabt haben soll?
• Warum wird der Schweizer Arzt, mit dem Charlotte Böhringer eine Affäre hatte, erst im Mai 2007 ermittelt?
•Warum wird nicht versucht zu klären, wem die unbekannte Herrenbekleidung in Charlotte Böhringers Wohnung gehört?
•Warum wurden nicht alle Haarspuren aus der Tatortwohnung untersucht?
https://www.probence.de/unsere-kritik-1/...n-ermittlungen/
#16 | RE: Presseartikel 17.03.2018 10:52
Puh, das sind eine Menge Fragen.
Wurde es tatsächlich von der Polizei versäumt, das alles zu überprüfen?
#17 | RE: Presseartikel 17.03.2018 11:23
Wenn das tatsächlich alles nicht gemacht wurde ...
dann wird es kaum etwas mit Verschwörung zu tun haben ...
sondern mehr mit einer unfähigen Tatort Gurkentruppe.
Die es aber nicht nur in Bayern gibt.
Jetzt kann ich auch den Götzl verstehen. Wenn er den Spur-Spur Treffer verwirft.
#18 | RE: Presseartikel 17.03.2018 11:23
37 Grad Logo
{"selectedIndex":0,"adjustScroll":60}
? Gunther Scholz über seinen Film
https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad...weifel-100.html
#19 | RE: Presseartikel 27.03.2018 13:25
Böhringer-Mord
Benedikt Toth: "Ich bin kein Mörder"
Natalie Kettinger, 13.04.2015 - 13:21 Uhr
Lebenslange Haft: Seit Mai 2006 sitzt Benedikt Toth (40) im Gefängnis. Er soll seine Tante, die Millionärin Charlotte Böhringer, getötet haben. Die AZ hat ihn in der JVA Straubing besucht.
München/Straubing - Das historische Portal mit Türmchen, Wetterhahn und königlichem Wappen wirkt wie der Eingang zu einem Gutshof. Wären da nicht die vergitterten Fenster. Und die düstere Aura. Denn wer durch diese Pfote geführt wird, muss bleiben – häufig lebenslang.
In der Justizvollzugsanstalt Straubing, 1902 als modernstes Zuchthaus des Bayerischen Königreiches eröffnet, verbüßen die schlimmsten Schwerverbrecher des Freistaats ihre Strafen. Männer, die zu sechs oder mehr Jahren Gefängnis verurteilt wurden: Horst David, der sieben Frauen auf dem Gewissen hat; der „Todesengel von Sonthofen“, der 29 Patienten mit Giftspritzen umgebracht hat; Herisch A., der Rudolph Moshammer mit einem Kabel erdrosselt hat.
„Ich bin kein Mörder“, sagt Benedikt „Bence“ Toth zur Begrüßung. Der 40-Jährige wurde 2008 zu lebenslanger Haft mit besonderer Schuldschwere verurteilt. Das Landgericht München I hielt es für erwiesen, dass er im Mai 2006 seine Tante, die Parkhaus-Erbin Charlotte Böhringer, erschlagen hat.
Sein Anwalt Peter Witting (60) kämpft seit geraumer Zeit um die Wiederaufnahme des Verfahrens. Der Antrag wurde vom Landgericht Augsburg abgelehnt, doch Witting hat dagegen Beschwerde eingelegt. Die Entscheidung steht aus.
Der Weg zu Benedikt Toth führt durch einen Metalldetektor. Die Schuhe werden separat durchleuchtet. Jacke, Tasche, Telefon – nichts davon ist im Besucherbereich
erlaubt. Lediglich ein bisschen Kleingeld in der Hosentasche ist genehm, für den Getränke-Automaten.
Das Wartezimmer im Keller der Haftanstalt sieht aus wie beim Zahnarzt. Nur das Schachspiel in der Glasvitrine passt nicht zum Dentisten-Ambiente. Russische Strafgefangene haben die Figuren aus Salzteig geformt: auf der einen Seite Polizisten, auf der anderen Häftlinge im gestreiften Einheitslook.
Durch ein Fenster sieht man Tische, an denen Männer mit ihren Frauen und Kindern sprechen. Auf einer verglasten Brücke überwachen Justizbeamte das Geschehen.
Daneben zweigt ein schmaler Gang ab, links und rechts winzige Kammern: Tisch, Stühle, Kantinen-Uhr, Kamera, eine Tür in Richtung Freiheit, eine zum Zellentrakt. Hier finden die Einzelbesuche statt.
Der Beamte weist auf den Notrufknopf an der Wand hin, dann schließt er die Tür zum Gang. Sie hat keine Klinke.
Während des 93 Tage dauernden Strafprozesses verweigerte Toth die Aussage. Aus Protest gegen das seiner Meinung nach ungerechte Verfahren trat er wochenlang in einen Hungerstreik. Bei der Urteilsverkündung beschimpfte er den Vorsitzenden Richter: „Sie Wurm! Jetzt hören Sie doch auf! Sie erzählen so einen Müll!“
Sein Umfeld beschreibt den gescheiterten Jura-Studenten als hochintelligent, aber bisweilen schwierig.
Zu Gesprächsbeginn lächelt Benedikt Toth (schwarze Haare, schwarz gerahmte Brille, schwarze Trainingsjacke), bedankt sich äußerst höflich für das mitgebrachte Wasser aus dem Anstalts-Automaten und scherzt: „Schade, dass in der Flasche kein Wodka ist.“ Alkohol ist in Gefängnissen streng verboten.
Dann wird er ernst. „Ich habe meine Tante nicht umgebracht“, sagt Toth und presst die gespreizten Finger fest auf den Tisch. „Ich sehe ein, dass die Ermittler nach dem Mord unter Druck standen. Es kann ja nicht sein, dass mitten in München ein Kapitalverbrechen diesen Umfangs unaufgeklärt bleibt. Ich weiß auch, dass überall Fehler gemacht werden. Aber in meinem Fall handelt es sich nicht um einen Justiz-Irrtum, sondern um volle Absicht – weil sie keinen Blöderen gefunden haben.“
Natürlich sei es unglücklich gewesen, seinem Umfeld monatelang vorzugaukeln, er würde noch Jura studieren. Aber das mache niemandem zum Mörder. Außerdem habe seine Tante Bescheid gewusst.
Familie und Freunde glauben ihm. Sie haben etliche Interviews gegeben und den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens unterstützt. Mehr als zwei Jahre hat sich das Landgericht Augsburg mit seiner Entscheidung Zeit gelassen. Ende 2014 lehnte es schließlich ab, den umstrittenen Indizienprozess neu aufzurollen. Für Bence sei damit eine Welt zusammengebrochen, sagt ein Spezl.
„Ich habe das durch Zufall im Videotext mitbekommen, noch bevor mein Anwalt mich informieren konnte“, erzählt Toth, der in der JVA, wie alle Häftlinge in Bayern, keinen Zugang zum Internet hat. Kurz darauf sei die Meldung wieder verschwunden gewesen. Vielleicht nur eine Fehlinformation? Das komme ja vor.
Diesmal nicht. Verteidiger Peter Witting bestätigt die schlechte Nachricht. „Dabei war sein Antrag juristisch betrachtet mit Sicherheit hieb- und stichfester als andere, die angenommen wurden.“ Benedikt Toth wirkt resigniert.
Nach seiner Verlegung von Stadelheim nach Straubing im Herbst 2009 arbeitete er in der Anstaltsdruckerei, fertigte Aktendeckel für Gerichte und Staatsanwaltschaften an. Er hat damit aufgehört. „Keine Kooperation mit dem System.“
Dass er sich das Leben im Gefängnis mit dieser Einstellung nicht leichter macht, dass er vermutlich deshalb nicht wie gewünscht ein Fernstudium absolvieren darf, nimmt er hin. Warum? „Ich hatte ein schönes Leben. Aber alles, was ich geliebt habe, wurde bewusst kaputt gemacht – unwiderruflich. Das Letzte, was mir geblieben ist, ist meine Haltung. Und die lasse ich mir nicht nehmen.“
Nun bilde er sich eben im Selbststudium weiter, lerne in seiner Einzelzelle Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch und Japanisch. Außerdem beschäftige er sich mit Philosophie und Mathematik.
„Alles, was im Kopf wehtut, ist gut. Sonst macht einen diese betonierte Routine kaputt.“ Zum Ausgleich joggt er mittags im Gefängnishof, manchmal spielt er Saxofon.
Verlassen darf er die Justizvollzugsanstalt lediglich für Termine beim Optiker. Dafür wird er an Händen und Füßen gefesselt.
Wer zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wird und sich hinter Gittern nichts zuschulden kommen lässt, kann nach 15 Jahren auf Bewährung entlassen werden. Hat das Gericht jedoch – wie bei Benedikt Toth – zusätzlich eine besondere Schwere der Schuld festgestellt, ist das unmöglich. Die durchschnittliche Haftdauer erhöht sich in diesem Fall auf 23 bis 25 Jahre.
Vorteilhaft wirkt sich in der Regel aus, wenn der Gefangene ein Geständnis ablegt, Einsicht zeigt, sich therapieren und begutachten lässt oder ein Gnadengesuch stellt.
Benedikt Toth lehnt all das strikt ab. „Therapien sind etwas für Sexualtäter oder Gewaltverbrecher. Ich bin keins von beidem.“
Wenn Benedikt Toth über die Ermittlungen spricht, bezeichnet er sich selbst zynisch als „der Täter Toth“, weil die Strafverfolger ihn so genannt haben und er das menschenverachtend findet. Ginge es nach der bayerischen Justiz, sagt er, würde „der Täter Toth das Gefängnis nicht in der Vertikalen verlassen“. Er formuliert den Satz so distanziert, als würde ihm dessen Inhalt gar nichts bedeuten. Als wäre jemand ganz anderes gemeint. Jemand, der sich nicht danach sehnt, endlich wieder die Sterne zu sehen. In Freiheit.
Die Tür ohne Klinke geht auf, die Besuchszeit ist um.
https://www.abendzeitung-muenchen.de/inh...a6568a8539.html
#20 | RE: Presseartikel 22.01.2019 13:23
Die letzten Sekunden von Charlotte Böhringer
Aktualisiert: 13.03.09 - 00:08
Als die letzten fünf Schläge auf den Kopf von Charlotte Böhringer niedergehen, wehrt sich sie nicht mehr. Blutspuren belegen, dass die Parkhaus-Millionärin sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr groß bewegt haben kann. Davon ist Rechtsmediziner Georg Sasse überzeugt. Der Chef der Schweizer Firma „Digital Crime Scene Reconstruction“ (DSCR) hat anhand eines dreidimensionalen Tatortmodells die letzten Momente im Leben der Charlotte Böhringer rekonstruiert. Und damit deren wegen Mordes angeklagten Neffen Benedikt T. entlastet.
Benedikt T. soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft seine Tante am 15. Mai 2006 in deren Penthouse über der Parkgarage an der Baaderstraße erschlagen haben – aus Angst, enterbt zu werden. Fest stehe jedoch, sagte Sasse vor dem Schwurgericht, dass der Täter die letzten fünf Schläge mit der rechten Hand geführt hat. Der Angeklagte ist aber Linkshänder. Daraufhin stellte Verteidiger Peter Witting erneut den Antrag, seinen Mandanten endlich aus der Untersuchungshaft zu entlassen.
Am 14. Mai hatten Sasses Mitarbeiter im Auftrag der Verteidigung den Tatort gescannt, fotografiert und gefilmt. Bereits eine Woche später hatten sie die 3 D-Bilder ausgewertet, mit denen sich je nach Spurenlage sogar ein Verbrechen digital nachspielen lassen könnte. 9.500 Schweizer Franken hat die Rekonstruktion gekostet. Das Gericht hatte diese Methode nicht in Auftrag geben wollen, aber immerhin zugestimmt, den Gutachter anzuhören.
Doch bei der Vernehmung wurde der Gutachter dann vom Vorsitzenden Richter Manfred Götzl attackiert. Für Benedikt T.s Anwalt Witting zeigte diese ungewöhnlich raue Behandlung einmal mehr, wie befangen die 1. Strafkammer hier sei. Die Kammer sei nicht bereit, ein Gutachten auch mal hinzunehmen.
Vorsitzender Richter Götzl hatte vor allem moniert, dass der Schweizer Rechtsmediziner bei einer früheren Aussage vor dem Schwurgericht erläutert hatte, er könne keine Beweise, sondern nur Wahrscheinlichkeiten liefern. „Ich habe mich vorsichtig ausgedrückt, weil ich den Tatort und die Spuren nicht kannte“, erklärte Sasse. Jetzt, wo er wisse, wie gut und wie viele der Spuren erhalten seien, gehe er mit Sicherheit davon aus, dass der Täter die rechte Hand benutzt habe.
https://www.tz.de/muenchen/stadt/die-let...nger-22019.html
#21 | RE: Presseartikel 15.02.2019 19:25
Täteranwalt will Verfahren um "Parkhaus-Mord" wieder aufrollen
https://www.sueddeutsche.de/muenchen/par...t-dna-1.4332518
#22 | RE: Presseartikel 19.02.2019 11:36
Neue Spuren im Münchner Parkhausmord
Im Fall der ermordeten Charlotte Böhringer, die am 15. Mai 2006 erschlagen in ihrem Münchner Penthouse gefunden wurde, haben die Anwälte des verurteilten Neffen Benedikt Toth einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt. Wie Frontal21 und der "SPIEGEL" berichten, reichten der Münchner Anwalt Peter Witting und der Hamburger Experte für Wiederaufnahmeverfahren, Gerhard Strate, den 102 Seiten dicken Antrag am 1. Februar 2019 beim Landgericht München I ein. Sie fordern, Toth, der seit 13 Jahren im Gefängnis sitzt, "freizusprechen".
Die Anwälte stützen sich auf ein Gutachten eines Rechtsmediziners, wonach DNA-Spuren am Tatort falsch bewertet und ausschließlich dem Neffen zugeordnet worden seien. Außerdem sei nicht bestimmt worden, woher die DNA-Reste stammten, zum Beispiel von Blut, Speichel oder Schweiß. Die Herkunft zu bestimmen gehöre aber "zu den anerkannten Standards" der DNA-Analytik, heißt es in dem Antrag.
Zusätzlich hat eine ausführliche Fallanalyse eines privat ermittelnden Profilers zweifelhafte Ermittlungsergebnisse herausgearbeitet. So seien Abdrücke irrtümlich als Handschuhspuren gedeutet worden, zudem sei der Todeszeitpunkt falsch berechnet worden. "Die Grundannahmen des Gerichts sind meiner Ansicht nach nicht zu halten", sagte der Verfasser der Fallanalyse, Axel Petermann, langjähriger Leiter der Bremer Mordkommission.
Frontal21 über einen Mordfall, der fast 13 Jahre nach der Tat immer noch viele Fragen offen lässt.
https://www.zdf.de/politik/frontal-21/fr...r-2019-100.html
#23 | RE: Presseartikel 19.02.2019 11:41
Neue Gerüchte in spektakulärem Kriminalfall
Mord an Millionärin Böhringer: War es ein Komplott?
Kimberly Hagen, 19.02.2019 - 10:00 Uhr
Neuestes Gerücht: Eine riesige Menge Bargeld soll im Penthouse der Parkhaus-Millionärin Böhringer († 59) gewesen sein. Stecken Freunde mit Geldsorgen hinter der Tat?
München - Es war einer der spektakulärsten Mordfälle Münchens: Mit 24 Schlägen wurde Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer († 59) am 15. Mai 2006 in ihrem Luxus-Penthouse in der Baaderstraße am Isartor totgeprügelt. Bis heute, 13 Jahre danach, lässt der Mord und die Verurteilung von Böhringers Lieblingsneffen Benedikt "Bence" Toth (44, er beteuert bis heute vehement seine Unschuld) vielen Menschen keine Ruhe.
Auch die Münchner Society, in der sich die lebenslustige Böhringer als gute Freundin von Gräfin Beatrix von Schönburg-Glauchau und ihrer Tochter Fürstin Gloria von Thurn und Taxis bewegt hat, diskutiert immer wieder den Fall.
Mordfall Böhringer: Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Neffen?
Vor allem jetzt, wo neue DNA-Auswertungen auftauchen, die Bence entlasten könnten – und ein Wiederaufnahme-Antrag beim Landgericht München I eingereicht worden ist. Bences Anwalt Peter Witting sagt: "Wir sind überzeugt, dass bei objektiver Beurteilung unseres Vortrags nur eine Wiederaufnahme des Verfahrens in Betracht kommen kann.”
Zusätzlich zu den DNA-Spuren, die vom Gericht damals als "wesentliche" Indizien eingestuft worden waren und nun als Fehler alles ins Wackeln bringen könnten, macht ein neues Gerücht die Runde.
Hat Böhringer riesige Mengen Bargeld in ihrer Wohnung gehortet?
In der Münchner Gesellschaft wird von jeher diskutiert, ob mit dem Lieblingsneffen Bence (Motiv: Erbschaftsstreit; er soll gefürchtet haben, dass ihn seine Tante enterben wollte, weil er sein Jurastudium abgebrochen hatte) nicht ein Unschuldiger in der JVA Straubing sitzt.
Nach AZ-Informationen heißt es nun in sehr gut vernetzten Kreisen, dass Böhringer eine riesige Menge an Bargeld in ihrer Wohnung über dem Parkhaus gehortet haben soll – das sollen enge Freunde gewusst haben.
Die gebürtige Ungarin stammte aus kleineren Verhältnissen, wollte ihr Vermögen nicht ausschließlich der Bank anvertrauen. So bewahrte sie größere Summen lieber daheim auf – angeblich sogar in Plastiktüten. Von über einer Million Euro ist die Rede. Von einem klassischen Raubmord ging damals kaum jemand aus, weil im luxuriösen Penthouse – obwohl Schubladen und Schränke aufgerissen worden waren – nichts gefehlt haben soll. Der Tresor soll unberührt geblieben sein.
Mord-Komplott aus Geldsorgen?
Doch wie kann man auch wissen, dass über eine Million Euro Bargeld fehlt, wenn man nicht wusste, dass es da gewesen sein soll? Weitere Fragen stellen sich einige Mitglieder der Society: Warum war ein Freund der Ermordeten, der davor noch unter Geldsorgen gelitten hatte, plötzlich nach dem Mord zu viel Geld gekommen?
Und brachten nicht auch Hinweise aus dem Freundeskreis Böhringers die Ermittler auf die Spur zu Bence? Etwa um von sich abzulenken? Andere gute Bekannte der Parkhaus-Millionärin, die nach dem Tod ihres Mannes Oskar († 1995) allein lebte, aber nicht einsam war, sollen ebenfalls mit Geldproblemen gekämpft haben – sie sollen der Society zufolge möglicherweise finanziell von der Bluttat profitiert haben. Eine Finanzspritze als Mordmotiv? Ein Insider zur AZ: "Einige in München gehen von einem Mord-Komplott ihrer Freunde aus. Nur sie wussten, dass Charlotte so extrem viel Bargeld daheim gehabt hat – und nur sie wussten, wann genau sie zu ihrem Stammtisch gehen wollte."
Kurz davor, da sind sich die Ermittler sicher, wurde sie im Eingangsbereich ihrer Wohnung erschlagen. Von einem Auftragskiller, den die Freunde angeheuert haben sollen – so wird es getuschelt und spekuliert. Doch warum bringt er Böhringer mit 24 Schlägen um? In der Society heißt es, die Freunde hätten sich davor abgesprochen, es dem Neffen in die Schuhe zu schieben. Er soll der naheliegendste Verdächtige gewesen sein. Daher musste die Tat persönlich motiviert, nicht professionell aussehen.
Ob wilde Verschwörungstheorie, heißer Klatsch oder doch eine neue Spur, Fakt ist: Einige Freunde von Charlotte Böhringer mussten zwar im Prozess aussagen – doch selbst im Fokus der Ermittlungen standen sie alle nie.
https://www.abendzeitung-muenchen.de/inh...7d82d6a335.html
#24 | RE: Presseartikel 24.02.2019 12:47
15.02.2019, 13:40 Uhr
Münchner Parkhausmord: Revision im Fall Böhringer beantragt
Im Fall der vor 13 Jahren erschlagenen Charlotte Böhringer haben die Anwälte einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt. Sie fordern Freispruch für Benedikt T., den verurteilten Neffen der Parkhausmillionärin.
Die Anwälte stützen sich auf das Gutachten eines Rechtsmediziners, wonach DNA-Spuren am Tatort falsch bewertet und ausschließlich dem Neffen zugeordnet worden seien. Charlotte Böhringer war am 15. Mai 2006 erschlagen in ihrem Münchner Penthouse gefunden worden.
Wiederaufnahmeantrag beim Landgericht München I eingegangen
Wie Frontal 21 und der Spiegel berichten, reichten der Münchner Anwalt Peter Witting und der Hamburger Experte für Wiederaufnahmeverfahren, Gerhard Strate, den 102 Seiten dicken Antrag am 1. Februar beim Landgericht München I ein. Sie fordern, Benedikt T., der seit 13 Jahren im Gefängnis sitzt, freizusprechen.
Nicht geklärt, woher übrige DNA-Spuren am Tatort stammen
Laut dem Gutachten eines Rechtsmediziners sei die Herkunft der übrigen DNA-Spuren nicht bestimmt worden. Also ob die DNA-Reste, die nicht Benedikt T. zuzuordnen waren, von Blut, Speichel oder Schweiß herrührten. Die Herkunft zu bestimmen, gehöre aber "zu den anerkannten Standards" der DNA-Analytik, heißt es in dem Antrag.
Ex-Leiter der Bremer Mordkommission hat Fallanalyse erstellt
Zusätzlich hat eine ausführliche Fallanalyse eines privat ermittelnden Profilers zweifelhafte Ermittlungsergebnisse herausgearbeitet. So seien Abdrücke irrtümlich als Handschuhspuren gedeutet worden, zudem sei der Todeszeitpunkt falsch berechnet worden. "Die Grundannahmen des Gerichts sind meiner Ansicht nach nicht zu halten", sagte der Verfasser der Fallanalyse, der ehemalige Leiter der Bremer Mordkommission Axel Petermann.
https://www.br.de/nachrichten/bayern/mue...antragt,RI8oE34
#25 | RE: Presseartikel 31.03.2019 13:15
Münchner Parkhaus-Mord: Wird der Fall jetzt neu aufgerollt?
Natalie Kettinger, 15.02.2019 - 20:02 Uhr
Im Fall der vor 13 Jahren erschlagenen Charlotte Böhringer stellt die Verteidigung des Verurteilten erneut einen Antrag auf Wiederaufnahme - und hat sich prominente Unterstützung geholt.
Drei Wochen vor Beginn des "Sommermärchens" schockiert 2006 ein blutiges Verbrechen die Münchner Society: Am 15. Mai wird Millionen-Erbin Charlotte Böhringer († 59) im Penthouse über ihrer Parkgarage an der Baaderstraße ermordet. Zwei dutzend Mal schlägt der Täter mit einem hammerähnlichen Gegenstand auf die Witwe ein. Sie stirbt an schweren Schädel-Hirn-Verletzungen und dem enormen Blutverlust.
Nur drei Tage später präsentiert die Polizei einen Tatverdächtigen: Böhringers Lieblingsneffe Benedikt "Bence" Toth soll die Tante getötet haben - um zu vertuschen, dass er sein Jura-Studium abgebrochen und damit die Voraussetzung für eine Übernahme des lukrativen Parkhauses zunichtegemacht hat.
Am 12. August 2008 wird er nach einem langwierigen, umstrittenen Indizienprozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Die 1. Strafkammer des Landgerichts München I stellt zudem die besondere Schwere der Schuld fest, was bedeutet, dass der Betreffende nicht nach 15 Jahren auf Bewährung entlassen werden kann.
Bis heute bestreitet Benedikt Toth, seine Tante umgebracht zu haben. Und bis heute kämpfen der renommierte Münchner Anwalt Peter Witting, Toths Familie und Freunde für die Freilassung des mittlerweile 44-Jährigen.
Verteidigung unternimmt erneuten juristischen Anlauf
Nun nimmt die Verteidigung einen erneuten juristischen Anlauf: Sie hat beim Landgericht München I die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt - und fordert, die Strafhaft mit sofortiger Wirkung zu unterbrechen.
Neu im Team ist dabei der prominente Experte für Wiederaufnahmeverfahren Gerhard Strate. Der Hanseat ist der frühere Anwalt von Gustl Mollath, der zu Unrecht mehr als sieben Jahre in der Psychiatrie saß, bis sein Fall 2013 neu aufgerollt und Mollath freigelassen wurde.
Neues Gutachten zeigt: Belastende DNA kann von anderen stammen
Benedikt Toth war 2008 auf Grundlage einer Reihe von Indizien verurteilt worden. Jedes davon "reicht alleine für sich gesehen noch nicht aus, den vollen Beweis dafür zu erbringen", dass Toth seine Tante ermordet habe, hieß es damals im Urteil - in der Gesamtschau legten sich die Indizien aber wie ein Ring um seine Täterschaft.
Toths Verteidiger greifen nun zwei Indizien an, die vom Gericht als "wesentlich" eingestuft worden waren: eine DNA-Spur, die auf dem Sakko der Ermordeten sichergestellt wurde und einen "genetischen Fingerabdruck", der sich auf einem in einem Umschlag aufbewahrten Testament befand. Beide wurden Benedikt Toth zugeordnet, obwohl die DNA in beiden Fällen nicht vollständig darstellbar war (stark vereinfacht gesagt).
Der Lieblingsneffe wurde dadurch stark belastet. Seine Anwälte führen ein Gutachten des Professors für Forensische Molekulargenetik am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Köln Peter M. Schneider ins Feld. Schneider ist unter anderem Mitautor der "Allgemeinen Empfehlung der Spurenkommission zur Bewertung von DNA-Mischspuren". Seine Expertise besagt, dass grundsätzlich auch andere mit dem Opfer verwandte Verursacher für die besagten DNA-Spuren in Frage kommen können: zum Beispiel Toths Mutter oder sein Bruder, womöglich sogar eine weitere unbekannte Person. Genau das Gegenteil war im Urteil behauptet worden.
Zudem war das Gericht davon ausgegangen, dass der Täter Handschuhe trug, als er Charlotte Böhringer erschlug. Auf ihrem Sakko sei eine blutige Handschuhspur gefunden worden, darin die DNA von Benedikt Toth - so die Darstellung der Ermittler. Für das Landgericht wies diese Spur darauf hin, "dass der blutige Handschuh mit DNA des Angeklagten kontaminiert war und mit diesem Handschuh dann die Leiche berührt wurde".
Wo genau sich die belastende DNA-Spur befand, ist unklar
Doch auch daran gibt es erhebliche Zweifel. Denn der Beamte der Spurensicherung, der die Jacke der Toten abklebte, um Hautschuppen, Speichel oder Haare zu sichern, benutzte nur einen einzigen Klebestreifen - sowohl für saubere als auch für die mit Blut besudelten Bereiche des Kleidungsstücks. Der Beamte selbst hat dieses Vorgehen bestätigt.
Wo genau sich die belastende DNA-Spur befand, ist also völlig unklar. Dasselbe gilt für ihr Zustandekommen. Gelangte sie durch eine Umarmung auf Böhringers Jackett? Oder als Toth die Leiche fand und versuchte, den Puls seiner Tante zu messen? Oder tatsächlich beim Mord selbst? Automatisch von Letzterem auszugehen, hält Rechtsmediziner Schneider für nicht zulässig.
Hinzu kommt, dass ein weiteres Gutachten - diesmal vom Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung - widerlegt, dass es sich bei der blutigen Handschuhspur überhaupt um eine solche handelt. Was für einen Abdruck gehalten wurde, sei in Wirklichkeit die unterschiedlich stark von Blut durchtränkte Struktur des Stoffes, so die Wissenschaftler.
Einen Großteil der Expertisen hat der prominente Bremer Fallanalytiker Axel Petermann zusammengetragen, den die Toth-Familie vor rund zwei Jahren um Hilfe gebeten hatte.
Und Petermann hat noch mehr herausgefunden: Ihr Neffe soll Charlotte Böhringer an der Tür ihres Penthouses abgepasst und angegriffen haben - so die Darstellung der Münchner Mordermittler. Laut Petermann ergibt sich aus dem Spurenbild aber ein anderer Tatablauf.
Demnach habe der erste Schlag die Tante getroffen, als diese mehr als zwei Meter von der Tür entfernt stand. Das Blut sei in Richtung Eingang gespritzt. "Ich denke, man hat die Blutspritzer falsch interpretiert", sagt Petermann.
Entweder habe Charlotte Böhringer jemanden in die Wohnung gelassen und am Fuß der Treppe sei es zum Streit gekommen - "oder es war schon jemand in der Wohnung".
Eine Theorie, der in den Ermittlungen nur nachgeordnet nachgegangen worden war. Ungereimtheiten - und Schlamperei - hat der Kriminalist auch bei der Bestimmung des Todeszeitpunktes festgestellt. "Frau Böhringers Körpertemperatur wurde am Tatort nicht gemessen, was man üblicherweise tut", sagt Petermann. "Das ist ein grobes Versäumnis." Erst um 1.20 Uhr auf dem Obduktionstisch sei eine rektale Messung vorgenommen worden. Die Körperkerntemperatur sei mit maximal 15 Grad sehr niedrig gewesen. "Das deutet daraufhin, dass der Todeszeitpunkt viele Stunden zurücklag. Denn ein Körper kühlt im Schnitt um ein Grad pro Stunde ab, bis er die Umgebungstemperatur erreicht hat.
Dubios: Später wurde die Körpertemperatur erneut gemessen, diesmal am Oberschenkel. Dort zeigte das Thermometer 20,4 Grad an. Eine Begründung für die zweite Messung und den Anstieg um über fünf Grad finde sich in den Akten nicht, sagt Petermann. Gleichwohl war die Oberschenkel-Temperaturmessung als angebliche Köperkerntemperatur der Berechnung des Todeszeitpunkts zugrunde gelegt worden.
"Der Todeszeitpunkt lässt sich nicht genau eingrenzen", bilanziert der Fallanalytiker. Auffällig sei jedoch, dass der angenommene Zeitrahmen exakt "in die Zeit passt, in der Benedikt Toth kein Alibi hat". Seine Analyse und die Berechnung eines rechtsmedizinischen Instituts hätten ergeben, "dass es wahrscheinlichere Zeitpunkte gibt als den vom Gericht angenommenen, doch bei denen verfügt Benedikt Toth über ein Alibi". Es sei auffällig, dass "Informationen, die Benedikt Toths Täterschaft zu belegen scheinen, offenbar sehr wohlwollend aufgenommen und alles Entlastende negiert wurde", sagt der Profiler.
"In kriminalistischer Kleinarbeit ist es Axel Petermann gelungen, die aus Sicht der Verteidigung seit jeher als spekulativ beurteilte Grundlage der Verurteilung von Benedikt Toth, an wesentlichen Stellen nachhaltig in Frage zu stellen", lobt Toth-Anwalt Peter Witting. "So ist nunmehr bestätigt, dass maßgebliche Feststellungen des Schwurgerichts etwa zu Todeszeitpunkt oder Tatablauf erschreckend oberflächlich getroffen wurden und keineswegs belastbar sind." Die Verteidigung habe sich mit ihrem Antrag letztlich auf die zwei DNA-Spuren konzentriert, in der Hoffnung, "zwei als wesentlich erachteten Indizien vollständig den Boden zu entziehen und damit der zu jeder Zeit fragwürdigen Verurteilung ihre Berechtigung zu nehmen", sagt Witting. "Wir sind überzeugt, dass bei objektiver Beurteilung unseres Vortrags nur eine Wiederaufnahme des Verfahrens in Betracht kommen kann."
Bis über den Wiederaufnahmeantrag entschieden wird, kann jedoch geraume Zeit vergehen. Beim ersten Versuch, das Verfahren neu aufzurollen, dauerte es über zwei Jahre bis zur Ablehnung - zu lange, urteilte damals das Oberlandesgericht München und verdonnerte den Freistaat zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 900 Euro an Benedikt Toth. Der spendete das Geld. An eine Initiative, die Justizopfer unterstützt.
Parkhausmord vor Gericht - die Chronik der Verurteilung:
•2. Mai 2007: Die Hauptverhandlung beginnt, angesetzt auf 13 Tage.
•12. August 2008: Das Landgericht München I verurteilt Toth zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Das Gericht sieht eine besondere Schwere der Schuld, da er kein Geständnis abgelegt und kein Alibi hat.
•12. August 2008: Das Gericht erklärt Toths Erbanteil für verfallen. Ein fingierter Rechtsstreit beginnt. Damit Benedikt Toths Erbanteil nicht an den Staat geht, will ihn sein Bruder für „erbunwürdig“ erklären lassen. Der Verurteilte wehrt sich pro forma, nicht nur des Geldes wegen. Vor einer zweiten Verurteilung müsste der Fall erneut geprüft werden.
•April/November 2011: Beweisaufnahme durch das Landgericht, die Zivilrichterin sieht Probleme bei der Urteilsbegründung.
•24. Januar 2012: Toth lässt sich für erbunwürdig erklären.
•1. Oktober 2012: Toths Anwalt Peter Witting beantragt die Wiederaufnahme des Verfahrens.
•5. Dezember 2014: Das Landgericht Augsburg weist Wiederaufnahmeantrag ab.
•24. Juli 2015: Oberlandesgericht München bestätigt die Entscheidung.
•16. April 2016: Bundesverfassungsgericht weist die Verfassungsbeschwerde zurück.
https://www.abendzeitung-muenchen.de/inh...1d1d347ceb.html