Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/raeumungsklage-und-die-erneute-kuendigung-in-der-berufungsinstanz-390628
Timestamp: 2020-04-09 16:24:55
Document Index: 349652158

Matched Legal Cases: ['§ 524', '§ 260', '§ 263', '§ 524', '§ 524', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Räu­mungs­kla­ge – und die erneu­te Kün­di­gung in der Beru­fungs­in­stanz | Rechtslupe
Räumungsklage - und die erneute Kündigung in der Berufungsinstanz
Räu­mungs­kla­ge – und die erneu­te Kün­di­gung in der Beru­fungs­in­stanz
Das Beru­fungs­ge­richt darf über das auf eine nach Ver­kün­dung des erst­in­stanz­li­chen Räu­mungs­ur­teils erklär­te wei­te­re Kün­di­gung des Ver­mie­ters gestütz­te Räu­mungs­be­geh­ren in der Sache ent­schei­den, wenn der Ver­mie­ter die­sen Kla­ge­grund zuläs­si­ger­wei­se – etwa im Wege der Anschluss­be­ru­fung (§ 524 ZPO) – in das Beru­fungs­ver­fah­ren ein­ge­führt hat.
Es liegt eine hilfs­wei­se Kla­ge­än­de­rung vor, wenn der Ver­mie­ter im Beru­fungs­rechts­zug sein Räu­mungs­be­geh­ren nun­mehr auch auf die­se wei­te­re Kün­di­gung stützt. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs wird der Streit­ge­gen­stand durch den Kla­ge­an­trag, in dem sich die vom Klä­ger in Anspruch genom­me­ne Rechts­fol­ge kon­kre­ti­siert, und durch den Lebens­sach­ver­halt (Kla­ge­grund) bestimmt, aus dem der Klä­ger die begehr­te Rechts­fol­ge her­lei­tet 1. Dem­entspre­chend hat der Ver­mie­ter, der erst­in­stanz­lich mit dem auf die ursprüng­li­che Kün­di­gung gestütz­ten Räu­mungs­be­geh­ren durch­ge­drun­gen war, dadurch, dass er die­ses Begeh­ren zusätz­lich mit der wei­te­ren – auf Miet­rück­stän­de für wei­te­re Mona­te beru­hen­den – Kün­di­gung unter­legt hat, einen neu­en Streit­ge­gen­stand in den Pro­zess ein­ge­führt, näm­lich ein Räu­mungs­be­geh­ren, das hilfs­wei­se auf die­se erneu­te Kün­di­gung und den dar­in gel­tend gemach­ten Kün­di­gungs­grund gestützt war 2. Die auf die­se Wei­se her­bei­ge­führ­te nach­träg­li­che (Eventual)Klagehäufung (§ 260 ZPO) ist des­halb wie eine Kla­ge­än­de­rung im Sin­ne der §§ 263, 533 ZPO mit den dafür gel­ten­den Regeln zu behan­deln 3.
Den neu­en Kla­ge­grund konn­te und muss­te der Ver­mie­ter zweit­in­stanz­lich im Wege eines Anschluss­rechts­mit­tels in den Rechts­streit ein­füh­ren. Denn der Beru­fungs­be­klag­te, der sei­ne in ers­ter Instanz erfolg­rei­che Kla­ge erwei­tern oder auf einen neu­en Kla­ge­grund stel­len will, muss sich dazu gemäß § 524 ZPO der Beru­fung der Gegen­sei­te anschlie­ßen. Das gilt auch dann, wenn – wie hier – die Ein­füh­rung des neu­en Kla­ge­grun­des eine Ände­rung des Sach­an­trags nicht erfor­der­lich macht. Auch in einem sol­chen Fall will näm­lich der Beru­fungs­be­klag­te, der im Beru­fungs­rechts­zug sei­ne Kla­ge auf einen ande­ren Kla­ge­grund stützt, damit mehr errei­chen als die blo­ße Bestä­ti­gung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung über den mit der Kla­ge ver­folg­ten Anspruch 4.
Die Anschluss­be­ru­fung muss auch sonst den Anfor­de­run­gen des § 524 ZPO genü­gen. Dabei ist es ins­be­son­de­re unschäd­lich, dass der Ver­mie­ter, als er sich in sei­ner Beru­fungs­er­wi­de­rung auf die spä­te­re Kün­di­gung gestützt hat, die­ses Vor­ge­hen nicht als Anschluss­be­ru­fung bezeich­net hat. Für die Ein­le­gung eines Anschluss­rechts­mit­tels ist kei­ne dahin­ge­hen­de aus­drück­li­che Erklä­rung erfor­der­lich. Es genügt viel­mehr jede Erklä­rung, die sich ihrem Sinn nach als Begeh­ren auf Abän­de­rung des Urteils ers­ter Instanz dar­stellt. Dem­entspre­chend kann der Anschluss an das Rechts­mit­tel der Gegen­sei­te auch kon­klu­dent in der Wei­se erfol­gen, dass der Klä­ger – wie im Streit­fall – sein im Übri­gen unver­än­der­tes Kla­ge­be­geh­ren auf einen wei­te­ren Kla­ge­grund stützt 5.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. Febru­ar 2015 – VIII ZR 175/​14
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BGH, Urtei­le vom 09.06.2011 – I ZR 41/​10, GRUR 2012, 180 Rn.19; vom 07.12 2007 – V ZR 210/​06, NJW 2008, 1953 Rn. 15; jeweils mwN[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 20.11.2012 – VIII ZR 157/​12, GE 2013, 117 Rn. 8[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 27.09.2006 – VIII ZR 19/​04, NJW 2007, 2414 Rn. 8; vom 10.01.1985 – III ZR 93/​83, NJW 1985, 1841 unter 4; jeweils mwN; BGH, Beschluss vom 20.11.2012 – VIII ZR 157/​12, aaO[↩]
BGH, Urtei­le vom 09.06.2011 – I ZR 41/​10, aaO Rn. 22; vom 07.12 2007 – V ZR 210/​06, aaO[↩]
BGH, Urteil vom 09.06.2011 – I ZR 41/​10, aaO Rn. 26[↩]
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