Source: https://www.iflebenskunde.de/barfuss-autofahren-erlaubt/
Timestamp: 2018-11-17 02:36:43
Document Index: 273299271

Matched Legal Cases: ['§ 23', '§ 24', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 31', '§ 23', '§ 21', '§ 21', '§ 209', '§ 209', '§ 44', '§ 44', '§ 44', '§ 58', '§ 32', '§ 32', '§ 1', '§ 1', '§ 1']

barfuß autofahren erlaubt - Institut für Lebenskunde
Angesichts der Sommerlichkeit fragt man sich vielleicht, warum man immer mit Schuhen Autofahren muss.
Die Seite Bußgeldkatalog schreibt:
Der Deutsche Gesetzgeber, sprich die Straßenverkehrsordnung „StVO schreibt nicht dezidiert vor, mit welcher Art von Schuhen Ihre Füße bekleidet sein müssen, damit Sie ein Kraftfahrzeug bewegen dürfen.“ Der gleiche Tenor wurde auch in einem Artikel des SOVD formuliert.
Selbstverständlich gibt es dazu schon OLG Urteile. Z.B. vom OLG Celle.
Das Barfuß-Autofahren ist vom Gesetz her grundsätzlich erlaubt. Wirst du von der Polizei in einer allgemeinen Verkehrskontrolle überprüft, ist weder mit einem Bußgeld noch mit einem Fahrverbot oder Punkten zu rechnen. So hat es auch das Oberlandesgericht Celle in einem seiner Urteile aus dem Jahr 2010 bestätigt (Az. 322S s46/07). Hier kommst du zu dem Urteil link. Allerdings ging es in dem Urteil darum, dass ein LKW Fahrer in Birkenstock-Sandalen unterwegs war. Nach Ansicht des OLG ist Birkenstock ok.
Dass OLG Bamberg hat in seiner Rechtsbeurteilung festgestellt, dass bei einer Unfallbeteiligung mit Barfuss-Fahrern eine Teilschuld erwachsen kann, .da“ nicht die erforderliche Sorgfalt an den Tag gelegt wurde (Oberlandesgericht Bamberg, Az. 2 Ss OWI 577/06). In diesem Fall ist die Zahlung eines Bußgeldes durchaus möglich. Zudem stehen unter Umständen ebenfalls Querelen mit der Vollkaskoversicherung an.“ link. 1) Auch hier ging es um einen LKW Fahrer, der mit Socken sein Fahrzeug führte.
Sehr schön auch ein Blog-Eintrag beim STERN, link.. Zitat: „Selbstverständlich(!) ist barfüßiges privates Autofahren erlaubt – es ist nämlich nicht verboten. Nirgends. Genausowenig, wie es irgendwelche spezifischen Vorschriften dahingehend gibt, wie konkret erlaubte Schuhsohlen (Form, Material, Größe etc.) auszusehen haben.
Wer meint, so könne nicht soviel und so schnell Druck beim Bremsen aufgebaut werden, sollte sich nochmal ein Physikbuch der unteren Klassenstufen besorgen: wie sollte durch das Vorhandensein einer Schuhsohle plötzlich mehr Druck erzeugt werden können, wo der doch ausschließlich durch die Muskulatur aufgebaut wird? Zusätzlich: ohne einen „Klopper“ von Schuh am Fuß ist dieses Körperteil wesentlich weniger träge und kann also im gesamten schneller vom Gas- aufs Bremspedal bewegt werden.
Schuldzuweisung bei Unfällen durch die KFZ-Versicherer
Die KFZ- Versicherer suchen ja immer schnell nach Gründen, wie sie aus ihrer Haftung rauskommen. Deswegen nutzen sie bei Unfällen gern den Vorwand, dass man Barfuß weniger schnell bremsen könnte.
Zusammenfassend: Es gibt keine Vorschrift mit welchen Schuhwerk du Autofahren darfst. LKW -Fahrer unterliegen als Berufskraftfahrer besonderen Vorschriften. Warum man als ständiger Barfuß-Läufer nicht auch Barfuß-Autofahren darf scheint mit nicht begründbar. CAVE: Du mußt aber sicherstellen, dass du mit der gleichen Kraft und Nachdruckskraft die Bremspedale bedienen kannst, wie wenn du mit Schuhen Auto fährst. Wenn du nur das Gefühl hast, dass es dortig Mängel geben könnte ist die Entscheidung klar. Du musst Schuhe anziehen, oder zumindest Sandalen.
Autofahren in Flipflops
Für mich ist völlig klar, dass man in Flipflops nicht Autofahren darf. Die Plastiksohnen können sich in den Pedalen verheddern und geben dem Fuß keinen ordentlichen Halt. Bei Birkenstock Sandalen ist guter Halt auf jeden Fall gegeben.
Autofahren in highheels
Zwar haben High Heels keinen Einfluss auf die Reaktionszeit am Steuer, jedoch besteht unter anderem die Gefahr, sich mit den Absätzen an den Pedalen zu verkeilen. Auch ein sicherer Halt ist nicht immer gewährleistet – beispielsweise ist es möglich, dass bei sehr dünnen Absätzen der Fuß seitlich von der Pedale rutschen kann.
1) OLG Bamberg aus 2006:
Autofahren nur mit Socken – Bußgeld?
Verstoß gegen die Pflichten eines sorgfältigen Autofahrers
Das Lenken eines Kraftfahrzeugs nur mit Socken und ohne Schuhe stellt keine Verkehrsordnungs­widrigkeit dar. Dies hat das Oberlandesgericht Bamberg entschieden.
Im Fall stoppte die Polizei einen Fahrer, der mit seinem LKW mit Anhänger auf der Autobahn unterwegs war. Er hatte dabei kein Schuhwerk an. Er fuhr mit Socken. Das Amtsgericht Bayreuth verurteilte den LKW-Fahrer zu einer Geldbuße von 50,- EUR. Durch sein Verhalten habe der Mann eine vorsätzliche Ordnungswidrigkeitnach §§ 23 Abs. 1, 49 StVO i.V.m. § 24 StVG begangen, führte das Amtsgericht aus.
Das Oberlandesgericht Bamberg hob dieses Urteil auf. Die Bamberger Richter konnten keinen Verstoß gegen § 23 Abs. 1 Satz 1 oder Satz 2 StVO ausmachen. Ein Verstoß gegen Satz 1 käme von vornherein nicht in Betracht, weil nicht das Gehör oder die Sicht des Fahrers beeinträchtigt waren. Auch Satz 2 scheide aus. Danach müsse der Fahrzeugführer dafür sorgen, dass die Ladung und die Besetzung des Fahrzeugs vorschriftsmäßig sind und die Verkehrssicherheit durch Ladung und/oder Besetzung nicht beeinträchtigt seien.
Fahrer gehört nicht zur „Besetzung“ im Sinne von § 23 Abs. 1 Satz 2 StVO
Soweit § 23 Abs. 1 Satz 2 StVO dem Fahrzeugführer die Verantwortlichkeit für die Besetzung des Fahrzeugs auferlege, können damit aber nur die Personen gemeint sein, die sich neben dem Fahrer noch im Fahrzeug befinden. Dies sei u. a. auch § 31 Abs. 2 StVZO zu entnehmen, der für den Fahrzeughalter eindeutig zwischen seiner Verantwortung für die Eignung des Fahrzeugführers einerseits und die (Ladung und) Besetzung andererseits differenziere, den Fahrer somit nicht als Teil der Besetzung ansehe. Dementsprechend werde im Rahmen des § 23 Abs. 1 StVO die Besetzung insbesondere in den Fällen als nicht vorschriftsmäßig angesehen, in denen sie den Bestimmungen des § 21 StVO nicht entspricht und dadurch die Verkehrssicherheit beeinträchtigt wird. § 21 StVO wiederum regelt die Sorgfaltspflichten des Fahrers bei der Mitnahme anderer Personen.
§ 209 SGB VII nur für Unternehmer oder Versicherten anwendbar
Auch eine Verurteilung nach §§ 209 Abs. 1 Nr. 1, 15 Abs. 1 SGB VII i.V.m. §§ 44 Abs. 2, 58 und 32 der Unfallverhütungsvorschriften „Fahrzeuge“ (BGV D29) komme hier nicht in Betracht. Zwar hieße es in § 44 Abs. 2 BGV D29: „Der Fahrzeugführer muss zum sicheren Führen des Fahrzeugs den Fuß umschließendes Schuhwerk tragen.“ Als Unfallverhütungsvorschrift könne § 44 Abs. 2 BGV D29 aber nur im Rahmen eines Versicherungsverhältnisses nach dem SGB VII Geltung beanspruchen. Dementsprechend richte sich der Bußgeldtatbestand des § 58 BGV D29 im hier maßgeblichen Regelungsbereich über die Verweisung auf § 32 BGV D29 nur an Unternehmer und Versicherte als Normadressaten. Ob der Fahrer bei seiner Fahrt am 20.09.2005 als Unternehmer oder Versicherter im Sinne des § 32 BGV D29 unterwegs war, sei nicht festgestellt worden. Das Führen eines Lkw mit Anhänger sei auch im rein privaten Bereich möglich.
Verstoß gegen § 1 StVO – aber kein Unfall
Allerdings stelle das Fahren ohne Schuhe einen Verstoß gegen die Pflichten eines sorgfältigen Kraftfahrzeugführers dar (§ 1 Abs. 2 StVO), da wesentliche Fahrzeugfunktionen über Pedale mit Fußkontakt gesteuert würden, könne das Fahren ohne (oder mit ungeeignetem) Schuhwerk infolge einer dadurch bedingten Fehlbedienung der Pedale oder eines Abrutschens von den Pedalen mit erheblichen Risiken verbunden sein. Jedoch verlange § 1 Abs. 2 StVO die Herbeiführung eines von der Rechtsordnung missbilligten Erfolges (z.B. Unfall). Ein solcher „Erfolg“ sei aber nicht eingetreten.
Daher gebe es insgesamt keine Grundlage, ein Bußgeld zu verhängen.
Claude Lanzmann verstorben