Source: http://www.buergerimstaat.de/1_01/wald08.htm
Timestamp: 2019-03-19 07:34:35
Document Index: 73496546

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 1', '§ 45', 'Art. 14', 'Art. 14', '§ 1']

Eine zunehmend vielfältigere Besitzstruktur
Waldeigentum im Spannungsfeld von privatem und allgemeinem Interesse
Von Karl-Reinhard Volz
Prof. Dr. Karl-Reinhard Volz ist Direktor des Instituts für Forstpolitik an der Universität Freiburg i. Br.
Waldeigentum ist besonders unter gesellschaftspolitischen Gesichtspunkten ein umfassendes und kontrovers diskutiertes Thema. Staatswald, Kommunalwald und Privatwald stellen dabei die aus der Geschichte hervorgegangenen Besitzkategorien dar, die wir heute kennen.
Der Privatwald in Deutschland nimmt 46 % der Gesamtwaldfläche ein. Während die Zahl der bäuerlichen Privatwaldbesitzer aufgrund des Strukturwandels zurückgeht, nimmt die Zahl der Kleinstwaldbesitzer (unter 5 ha), die keine Verbindung mehr zur Landwirtschaft haben, zu. Dadurch ergibt sich eine große Vielfalt neuer Eigentümerziele, welche über rein forstwirtschaftlich-ökonomische Vorstellungen hinausgehen.
Die Sozialbindung des Waldeigentums hat aufgrund seiner Wohlfahrtswirkungen in Deutschland eine lange Tradition. Dadurch ergeben sich für alle Waldeigentümer hinsichtlich der Bewirtschaftung hohe verbindliche Auflagen, um einer nachhaltigen Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion gerecht zu werden. Eine zunehmend ökologische Sensibilisierung der Bevölkerung führt zu Forderungen, welche in einer weiteren Einschränkung des Eigentums gipfeln. Doch wie weit darf die freie Verfügbarkeit über das Waldeigentum weiteren Einschränkungen unterworfen werden? Red.
Die Frage ist vielschichtig
Die Frage, wem eigentlich der Wald gehört, ist vielschichtiger als erwartet. Dies gilt vor allem dann, wenn man sie nicht nur in eigentums- und nutzungsrechtlicher Hinsicht diskutiert, sondern auch aus gesellschaftspolitischer Warte. Genauer gesagt, stellt sich also nicht nur die Frage nach den Eigentümern der Wälder und der daraus erwachsenen Waldbesitzstruktur, sondern es stellt sich genauso die Frage nach den Eigentumsrechten und inwieweit die Gesellschaft das bestehende Waldeigentum zu ihrem Vorteil und möglicherweise zum gleichzeitigen Nachteil des Eigentümers nutzen darf.
Die Verteilung des Waldeigentums im europäischen Vergleich
Wir wissen aus entsprechenden Umfragen, dass eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung meint, der weitaus größte Teil der Wälder sei Eigentum des Staates oder der Gemeinden; allenfalls dem grundbesitzenden Adel werden noch gewisse Anteile am Wald zugesprochen, aber in deutlich geringerem Umfang. Immerhin weist diese Einschätzung aber auch darauf hin, dass es nach der Vorstellung der Bevölkerung in Deutschland Waldflächen in privatem und in öffentlichem Eigentum gibt, obwohl kaum jemand, der durch den Wald wandert, sagen kann, wann er sich in der einen oder der anderen Waldbesitzart befindet.
Tatsächlich liegt der Anteil des Staatswaldes, also des Waldes der "im Alleineigentum des Bundes oder eines Landes steht" (§ 3 Bundeswaldgesetz/BWaldG von 1975), bei 34 % der 10,7 Mio. ha umfassenden Gesamtwaldfläche (vgl. Abb. 1).
Daneben gilt als Körperschaftswald jeder Wald, der "im Alleineigentum der Gemeinden, der Gemeindeverbände, der Zweckverbände (. . .) steht". Die Liste der "Körperschaften", die im Bundeswaldgesetz erwähnt sind, ist lang; aber das Waldeigentum der Gemeinden und Städte ist in der Kategorie des Körperschaftswaldes so dominierend, dass diese gesamte Waldeigentumsart meist synomym als "Gemeindewald" oder noch häufiger als "Kommunalwald" bezeichnet wird. Sein prozentualer Anteil liegt in Deutschland bei 20 % der Gesamtwaldfläche.
Abb. 1 zeigt deutlich, dass neben dem Staatswald und dem Körperschaftswald der Privatwald als dritte große Waldeigentumskategorie mit 46 % den bei weitem größten Anteil an der Gesamtwaldfläche Deutschlands einnimmt. Dennoch ist dieser Anteil, legt man einen europäischen Maßstab (ohne die ehemals kommunistischen Staaten) an, nur unterdurchschnittlich (vgl. Tab. 1). So verfügen z. B. Österreich, Frankreich oder Finnland mit 82 %, 75 % bzw. 68 % über weit höhere Privatwaldanteile als Deutschland.
Abb. 1: Waldeigentumsverteilung in Deutschland
Die Unterschiede sind historisch bedingt
Die Ursachen für diese großen Unterschiede in der Waldeigentumsverteilung sind in der geschichtlichen Entwicklung zu suchen. Auch innerhalb Deutschlands gibt es große regionale Unterschiede, die historisch bedingt sind. Je nach Entwicklung der ehemaligen Landesherrschaft, je nach Umfang und Besiedlungsaktivitäten der Kirchen und Klöster, je nach Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum der Städte, je nach dem vorherrschenden Erbrecht usw. haben sich regionaltypische Waldeigentumsverteilungen herausgebildet, die heute die Situation in den verschiedenen Bundesländern prägen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es in Deutschland über die genannten Eigentumsarten hinaus auch heute noch Kirchenwald gibt, sowie genossenschaftliche oder genossenschaftsähnliche Gemeinschaftswaldungen, die aber insgesamt nur lokale oder allenfalls regionale Bedeutung haben.
Die Bedeutung der Königsforste
Die Ursprünge der heutigen Waldeigentumsverteilung in Deutschland lassen sich bis zu den ehemaligen Königsforsten des frühen Mittelalters zurückverfolgen. Die völlig freie Nutzung der zunächst als "herrenlos" geltenden Wälder fand durch zwei Vorgänge ein rasches Ende. Zum einen erforderte das Anwachsen der Bevölkerungszahl Regelungen der für alle Mitglieder einer Siedlung gleichermaßen wichtigen siedlungsnahen Wälder. Als Allmendwälder oder Markwälder wurden sie einem geregelten Gemeingebrauch unterstellt; d. h. vor allem die Rodung von Wald, die Waldweide und die Nutzung des Waldes zur Schweinemast waren nur in vorgeschriebener Art und zu festgelegten Zeiten zulässig. Zum anderen nahmen die Könige für sich das Recht in Anspruch, "herrenloses" Land, insbesondere Wälder, durch "Einforstungen" der allgemeinen Nutzung zu entziehen. Auf diese Weise wurden große Jagdareale gebildet, die sich teilweise bis zum heutigen Tag als geschlossene Staatswaldkomplexe erhalten haben (z. B. der Schönbuch bei Stuttgart, der Spessart, der Solling, der Kottenforst). Eingeforstete Waldgebiete waren aber auch wichtige Einnahmequellen, denn jede Rodung, jeder Vieheintrieb und jede Holznutzung wurde mit einer an den Herrscher zu entrichtenden Gebühr belegt. Und schließlich dienten die weiten Königsforste als Lehen, die an geistliche und weltliche Herrschaften "verliehen" wurden, um sie für ihre Dienste zu entlohnen und an den König zu binden.
Staatswald: das ist Wald in Landesbesitz
Im Laufe der Zeit erweiterten sich die als Lehen vergebenen Besitzrechte nach Umfang und Inhalt zu einem umfassenden Verfügungs-, Besitz- und Nutzungsrecht, also einem Volleigentum am Wald, in bisweilen durchaus ansehnlichen Größenordnungen. Wo das waldbesitzende Adelsgeschlecht in den Rang des Landesherren eines deutschen Kleinstaates aufsteigen konnte, lassen sich die Eigentumsverhältnisse bis zum heutigen Staatswald verfolgen. Spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die landesherrlichen Waldbesitzungen zu Staatseigentum und damit in das Eigentum der Länder (bzw. der heutigen Bundesländer) überführt. Nur ein vergleichsweise geringer Anteil des Grundbesitzes wurde den ehemaligen Landesherren als Abfindung zur privaten Nutzung überlassen. Diese historische Entwicklung erklärt, warum noch heute fast der gesamte Staatswald im Eigentum der deutschen Bundesländer steht, während der Waldbesitz des Bundes mit ca. 2 % der Gesamtwaldfläche relativ gering ist und sich fast ausschließlich auf militärische Übungsgebiete beschränkt.
Im Gegensatz zu den ehemaligen Landesherren konnten die mediatisierten weltlichen Herrschaften ihren Grund- und damit auch Waldbesitz (im heutigen Westdeutschland) fast vollständig bewahren. Deshalb verfügt heute z. B. das Haus Thurn und Taxis (Regensburg) mit ca. 28 000 ha Wald über den größten Privatwaldbesitz in Deutschland. Damit besitzt das Fürstenhaus mehr Eigentumsfläche als das ehemalige bayrische Königshaus, welches mit dem Wittelsbacher Ausgleichsfond nach zähen Verhandlungen abgefunden wurde. Insgesamt war der Großprivatwald, das sind Waldbesitzungen von mehr als 1000 ha Waldfläche, mit ca. 6 % der Gesamtwaldfläche der alten Bundesländer beteiligt. Entsprechende Angaben für die neuen Bundesländer sind bisher nicht verfügbar.
Der sog. mittlere Privatwald, dem üblicherweise in der Statistik Waldbesitzungen zwischen 200 und 1000 ha zugeordnet werden, nahm mit ca. 6 % einen vergleichbar großen Flächenanteil in den alten Bundesländern ein. Der weitaus größte Teil der heute existierenden Privatwälder fiel vor 1990 und fällt auch heute in die Kategorie des Kleinprivatwaldes, also eines Waldbesitzes, der weniger als 200 ha Waldfläche umfasst.
Wald im Eigentum der Gemeinden
Die historische Entwicklung des Kommunalwaldes geht dort, wo es sich um Stadtwald handelt, vielfach bis in die Zeit der Stadtgründung zurück. So wurde z. B. der Stadt Freiburg im Breisgau mit ihrer Gründung durch das Geschlecht der Zähringer (vermutlich im 12. Jahrhundert) ein ansehnliches Waldgebiet als Nutzungsbezirk überlassen. Schon früh begannen die wachsenden Städte zusätzlich umliegende Waldflächen anzukaufen, um auf diese Weise die Brenn- und Bauholzversorgung ihrer Bürger zu sichern.
Wesentlich jünger ist meist der Waldbesitz der kleineren Städte und Gemeinden. Er ist häufig das Ergebnis der eigentumsrechtlichen Umwandlung der Mark- oder Allmendwälder, die bis dahin gemeinschaftlich von allen Ansässigen für die Holzgewinnung, den Weidebetrieb, die Imkerei u. a. genutzt wurden.
In den heute kommunalwaldreichen Gebieten Deutschlands wurde der Markwald meist ungeteilt an die politische Gemeinde überführt, während die berechtigten Bürger in den anderen Gebieten den gemeinschaftlichen Waldbesitz unter sich aufteilten. In vielen Gebieten Deutschlands ist erst auf diese Art der heute bestehende Kleinprivatwaldbesitz entstanden. Da die Aufteilung der Markwälder oft nach einem sehr starren Schema (sozusagen mit dem Lineal auf der Landkarte) vorgenommen wurde, erklären sich die in den meisten Privatwaldgebieten noch immer vorherrschenden kleinen Parzellenformen, welche für eine Bewirtschaftung sehr ungünstig sind (vgl. Abb. 2). Da in diesen Gebieten die Waldgrundstücke meist bei jedem Erbgang unter den Erben in realen Grenzen aufgeteilt wurden, sind aus den ohnehin kleinen Waldbesitzungen im Laufe der Zeit Parzellen entstanden, die kaum noch zu bewirtschaften sind. Winzig kleine oder extrem schmale, handtuchförmige Waldgrundstücke sind bis heute für die so genannten Realteilungsgebiete charakteristisch.
Deutlich günstigere Strukturen sind im Kleinprivatwald vor allem dort entstanden, wo abgelegene Gebiete von den Standesherrschaften oder noch häufiger von den Klöstern an siedlungswillige Bauern vergeben wurden. Ein typisches Gebiet für die so entstandenen Einzelhofsiedlungen sind die Hochlagen des südlichen und mittleren Schwarzwaldes. Noch heute existieren dort die sog. geschlossenen Hofgüter, bei denen sich um die Hofstelle mit dem Hausgarten die Obstwiesen und das wenige Ackerland gruppieren. Daran schließen sich in einem zweiten Kreis die Weideflächen und schließlich (als äußerster Besitzteil) die zum Hof gehörenden Waldflächen an (vgl. Abb. 3).
Die wenigen Hinweise zur Entstehung des Kleinprivatwaldes machen verständlich, warum es sich dabei um ein so extrem heterogenes Gebilde handelt. Allein der Flächenrahmen von häufig nur wenigen Quadratmetern bis hin zu der für statistische Zwecke festgelegten Obergrenze von 200 ha macht deutlich, dass solch unterschiedliche Besitzgrößen zwangsläufig auch ganz unterschiedliche Zwecke für die jeweiligen Eigentümer erfüllen. Noch mehr als durch die Flächengröße werden die Waldeigentumsziele allerdings durch die Frage bestimmt, ob der jeweilige Wald Teil eines gemischten land- und forstwirtschaftlichen Betriebes ist oder nicht. In allen Fällen, in denen ein Waldbesitz mit einem landwirtschaftlichen Betrieb verbunden ist, sprechen wir üblicherweise vom "Bauernwald". Dabei kann es in manchen Gebirgsgegenden, wie zum Beispiel im Schwarzwald, auch Betriebe geben, in denen der landwirtschaftliche Betriebsteil sehr viel geringer ist als der forstwirtschaftliche Betriebsteil oder sogar ganz fehlt. Aus der amtlichen Statistik lässt sich entnehmen, dass die Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe mit mindestens 1 ha Wald (einschließlich der bäuerlichen Forstbetriebe ohne nennenswerte Landwirtschaft) eine Waldfläche von 1 461 600 ha umfasst. Gemessen an der Gesamtzahl von rd. 1,3 Mio. Waldeigentümern in Deutschland, zeigt dies allerdings umgekehrt, dass der weitaus größere Teil der heutigen Waldeigentümer über einen Waldbesitz verfügt, der nicht (mehr) an einen landwirtschaftlichen Betrieb gebunden ist.
Unter forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten hat dies gravierende Folgen, denn der Eigentümer eines haupt- oder nebenberuflichen land- und forstwirtschaftlichen Betriebes verfügt am ehesten über das erforderliche forstliche Fachwissen, über die zweckmäßige maschinelle Ausstattung und - nicht zu unterschätzen - auch über die Zeit, um die anfallenden Waldarbeiten selbst zu erledigen. Je höher der Anteil an Eigenleistungen ist, desto günstiger ist das Einkommen, das aus einem Waldbesitz gezogen werden kann. Dass allerdings auch dieser Einkommensbeitrag des Waldes zu keinem Reichtum führt, kann nicht deutlich genug betont werden. Wo die traditionelle Verbindung zwischen land- und forstwirtschaftlichen Betriebteilen wegfällt, muss zunehmend mit fremder Hilfe gearbeitet werden, weil das Fachwissen, die Ausrüstung, die Zeit und manchmal auch die Motivation der Eigentümer fehlt. Fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen, bedeutet Löhne und Maschineneinsätze an Dritte in einem Umfang zu bezahlen, der durch die Erlöse aus dem Holzverkauf kaum gedeckt werden kann.
Abb. 3: Einzelhof im Anerbengebiet. Foto: Abetz
Vom Wald trennt man sich nicht so leicht
Angesichts dieser schwierigen wirtschaftlichen Situation ist es erstaunlich, dass sich nicht viel mehr Waldeigentümer von ihrem Wald trennen. Dies ist - wie ge-sagt - nicht der Fall; dennoch vollziehen sich innerhalb der Waldeigentumskategorie "Kleinprivatwald" Veränderungen, die in eindeutigem Zusammenhang mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft stehen. War die Besitzstruktur des Kleinprivatwaldes nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch vorwiegend durch die Einheit von Land- und Forstwirtschaft gekennzeichnet, so muss die Entwicklung bis heute als Entkopplung der land- und forstwirtschaftlichen Betriebsteile und als Konzentrationsprozess auf größere landwirtschaftliche Betriebseinheiten beschrieben werden. So nahm z. B. in Baden-Württemberg die Anzahl der Privatwaldbetriebe (unter 200 ha) zwischen 1971 und 1987, also in einem Zeitraum von nur 17 Jahren, um mehr als 21 % ab (Brandl und Schanz 1992). Im Gegensatz zu den statistisch erfassten "landwirtschaftlichen Betrieben mit Wald" bzw. den reinen "Forstbetrieben", hat dafür der in den offiziellen Statistiken nicht erfasste Waldbesitz unter einem Hektar, der mit keinem landwirtschaftlichen Betrieb verbunden ist, in den vergangenen Jahrzehnten erheblich zugenommen. Durch Rückrechnungen aus der Gesamtwaldfläche lässt sich zum Beispiel die heutige Fläche des Kleinprivatwaldes unter 50 ha allein in Baden-Württemberg mit etwa 80 000-90 000 ha beziffern (Schmid 1996).
Überträgt man diese Zahlen in einer überschlägigen Schätzung auf den Kleinprivatwaldbesitz in der Bundesrepublik Deutschland, so umfasst diese Kategorie heute etwa 800 000 ha, also fast 10 % der gesamten Waldfläche.
Die Gefahr der "forstwirtschaftlichen Sozialbrache"
Der wichtigste Grund für diese Verschiebungen innerhalb des Privatwaldes ist die anhaltend große Zahl aufgegebener landwirtschaftlicher Betriebe. Bei Aufgabe der Landwirtschaft werden die ertragreichen landwirtschaftlichen Flächen verpachtet, bisweilen sogar verkauft, während die Waldflächen meist bei den ehemaligen Besitzern verbleiben. Dabei wird die Bewirtschaftung um so problematischer, je mehr sich die jeweilige Waldbesitzergeneration von ihrem Eigentum gedanklich, fachlich und räumlich entfernt (Volz und Bieling 1998). Als Folge dieser Entwicklung wird auf den betroffenen Flächen häufig ein auf den technisch einfachen Fichtenanbau reduzierter "Primitivwaldbau" betrieben. In einem zweiten Schritt dieses Entfremdungsprozesses entwickelt sich der Waldbesitz (im ungünstigen Fall) zu einem mehr oder weniger anonymen Vermögensobjekt, das vom Eigentümer meist unbemerkt durch unterlassene Pflege seinen bisherigen "Bestandeswert" verliert und schließlich (im günstigeren Fall) für einen geringen Preis verkauft wird. Erst mit großer zeitlicher Verschiebung bietet sich somit für aufstockungswillige Forstbetriebe die Chance, Waldflächen anzukaufen. Schon heute entfallen z. B. in Baden-Württemberg auf den Waldbesitz unter 5 ha ohne Bindung an einen landwirtschaftlichen Betrieb annähernd 40 % des Privatwaldes. Ein Großteil dieses Klein- und Kleinstprivatwaldes trägt den Charakter einer "forstwirtschaftlichen Sozialbrache". Nach Untersuchungen von Judmann (1998) ist allerdings auch festzustellen, dass eine zunehmende Zahl von Waldeigentümern ihren nicht mehr forstwirtschaftlich genutzten Wald als Hobby- und Freizeitbeschäftigung entdecken und nach ganz individuellen Zielen pflegen, wobei diese Ziele allesamt weit von den traditionellen forstlichen Bewirtschaftungsformen entfernt sind.
Die besondere Situation in den neuen Bundesländern
Eine Betrachtung der heutigen Waldeigentumsverteilung verlangt schließlich noch einen Blick auf die spezielle Entwicklung und die gegebene Situation in den neuen Bundesländern. Nach mehreren Schritten der Enteignung und Eigentumsumverteilung, insbesondere während der Bodenreform von 1945 bis 1949, gehörten in der ehemaligen DDR schließlich 70 % der Waldflächen zum sog. Volkswald, 29 % zum (kleinen) Privatwald und 1 % zum Kirchenwald (Schwartz 1996). Im Einigungsvertrag zwischen den beiden deutschen Staaten wurde seinerzeit festgelegt, dass der ehemals in Ostdeutschland existierende Privatwald (nur der Waldbesitz von mehr als 100 ha Fläche) nicht an die früheren Eigentümer zurückgegeben wird, sondern durch die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), eine Nachfolgeorganisation der sog. Treuhandgesellschaft, an neue private Eigentümer verkauft werden soll. Von den insgesamt 770.000 ha des ehemaligen Privatwaldes, auch bekannt als Treuhandwald, hat die BVVG bis heute den geringeren Teil an die Alteigentümer, und den größeren Teil an neue Privatwaldeigentümer veräußert (vgl. Abb. 4).
Der auf diese Weise entstehende Privatwald bewegt sich überwiegend in der Größenklasse des mittleren Privatwaldes, also zwischen 200 und 1000 ha. Bis zum Abschluss aller Waldverkäufe, insbesondere bis zum Abschluss des Verkaufs der vielen Tausend verstreut gelegenen kleineren Waldparzellen, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Nach Abwicklung der Rückgabemodalitäten bzw. des Verkaufs der ehemaligen Volkswaldflächen soll in den neuen Bundesländern wieder ein ähnlich breit gestreutes Waldeigentum vorhanden sein, wie es 1945 Bestand hatte (43 % Staatswald, 8 % Körperschaftswald und 49 % Privatwald).
Von diesem säkularen Verkaufsvorgang abgesehen, ist die Waldeigentumsverteilung in Deutschland traditionell sehr stabil. Obwohl pro Jahr mehrere Tausend Waldparzellen ihren Eigentümer wechseln und obwohl sowohl die Bundesländer als auch die Gemeinden relativ häufig angrenzende Waldflächen zur Arrondierung ihres Besitzes erwerben, kann man eigentlich kaum von einem wirklich dynamischen Waldgrundstücksmarkt sprechen. Der Grund hierfür liegt zum einen in den geringen finanziellen Erträgen, die aus den meist kleinen Waldparzellen erwirtschaftet werden können, zum anderen zeigen entsprechende Untersuchungen (Wierling 1996, Judmann 1998), dass die Eigentümer von Wald in der Regel auch dann noch an ihrem Besitz festhalten, wenn er kaum mehr einen nennenswerten finanziellen Beitrag zum regelmäßigen Einkommen leistet und selbst als Vermögensobjekt einen eher marginalen Wert darstellt.
Die Besitzverteilung kann von Bundesland zu Bundesland sehr verschieden sein
Betrachtet man zusammenfassend die Waldeigentumsverteilung in den deutschen Bundesländern, dann lassen sich jeweils ein oder mehrere Länder finden, in denen der Anteil einer Waldeigentumsart überdurchschnittlich vertreten ist (vgl. Tab. 2). Ausgesprochene "Bundesländer des Staatswaldes" sind zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern (44 %) und Hessen (39 %); typische "Bundesländer des Körperschaftswaldes" sind dagegen Rheinland-Pfalz (48 %) und Baden-Württemberg (39 %). Wichtige "Bundesländer des Privatwaldes" sind schließlich Nordrhein-Westfalen (69 %) und Bayern (55 %).
Die Waldeigentümer und ihre sehr unterschiedlichen Eigentumsziele
Über die tatsächliche Zahl der Waldeigentümer in Deutschland bzw. in den einzelnen Bundesländern besteht bis heute keine absolute Klarheit. Insgesamt weist der jährlich erscheinende Agrarbericht der Bundesrepublik Deutschland fast 450 000 Forstbetriebe bzw. landwirtschaftliche Betriebe mit Wald aus. Hiervon entfallen ca. 78 % auf einen Waldbesitz zwischen 1 bis 5 ha Flächengröße (BMELF 1997). Da Waldbesitzer mit weniger als einem ha Waldfläche (ohne landwirtschaftlichen Betrieb) statistisch nicht erfasst werden, können wir ihre Zahl nur schätzen. Aus der statistisch nicht erfassten Waldfläche von rd. 800 000 ha lässt sich allerdings ableiten, dass es sich bei einem Waldbesitz von je 1 ha um mindestens 800 000 Waldeigentümer handeln muss. Legt man für alle statistisch nicht erfassten Waldbesitzungen dagegen eine Durchschnittsfläche von 0,5 ha zugrunde, so würde dies bereits zu 1,6 Mio. Eigentümern kleiner und kleinster privater Waldflächen führen. Die richtige Zahl mag irgendwo dazwischen liegen. Fest steht auf jeden Fall, dass das Waldeigentum in Deutschland breit gestreut ist, viel breiter als dies meist vermutet wird. Darüber hinaus sind unter den Waldeigentümern alle denkbaren Berufsgruppen vertreten, also nicht mehr allein nur die haupt- oder nebenberuflichen Land- und Forstwirte.
Angesichts der großen Anzahl und Vielfalt an Waldeigentümern ist es naheliegend, dass sich letztere auch in den Eigentümerzielen widerspiegelt. Dementsprechend sind die Unterschiede in der Zielsetzung nicht nur zwischen den Eigentumsarten Staatswald, Körperschaftswald und Privatwald, sondern genauso innerhalb der jeweiligen Waldeigentumskategorie zu finden. Es ist daher nicht ganz einfach, diese Ziele zu erfassen. Darüber hinaus ist es kaum möglich, eine Forstpolitik zu gestalten, die die Interessen der Gesellschaft am Wald und dessen Nutzung mit den Zielen der Waldeigentümer in Einklang bringen kann, wenn die Eigentümerzielsetzungen nicht ausreichend bekannt sind.
Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion sind für alle Waldeigentümer gleichermaßen verbindlich
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass das Bundeswaldgesetz in seinem, den Gesetzestext beschreibenden § 1 eine generelle Zielvorgabe für den Umgang mit dem Wald in Deutschland macht, und zwar unabhängig von der Waldeigentumsart. Das Gesetz betont, dass der Wald nicht nur einer einzelnen Nutzungsart dienen soll, sondern gleichzeitig einen wirtschaftlichen Nutzen erbringen (Nutzfunktion), seiner Bedeutung für die Umwelt genügen (Schutzfunktion) und schließlich auch als Erholungsraum für die Bevölkerung zur Verfügung stehen soll (Erholungsfunktion). Damit hat der Gesetzgeber eine im weiteren Gesetz näher präzisierte, ausdrückliche Einschränkung der freien Zielformulierung für die Nutzung des Waldeigentums festgelegt. Jeder Waldeigentümer in Deutschland muss sich demnach beim Umgang mit seinem Waldeigentum an bestimmte Grundregeln oder auch Grundpflichten halten; man bezeichnet diese Grundregeln als die "ordnungsgemäße Forstwirtschaft". Im weltweiten Vergleich ist diese Bindung des Waldeigentums an gesellschaftspolitische Ziele keineswegs üblich. Viele Staaten beschränken z.B. das Betreten des Waldes für Erholungssuchende ganz auf den Staatswald oder auf spezielle dafür ausgewiesene Gebiete, wie z. B. die Natur- oder Nationalparks. Auch Rücksichtnahmen auf Belange des Naturschutzes, des Wasser- und Bodenschutzes sind im Privatwald anderer Staaten bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Ganz im Gegenteil, in vielen Gebieten der Welt nimmt die Waldbewirtschaftung so wenig Rücksicht auf die Interessen der Allgemeinheit, dass Großkahlschläge, unpfleglicher Maschineneinsatz, rücksichtslose Walderschließung und anderes mehr, große ökologische Schäden und ernst zu nehmende Wettbewerbsverzerrungen auf den internationalen Holzmärkten entstehen lassen.
In Deutschland dagegen hat diese Sozialbindung des Waldeigentums, unabhängig von der Eigentumsart, eine lange Tradition. Dies drückt sich einerseits in den ganz frühen Nachhaltigkeitspostulaten aus, wie sie bereits im 16. Jahrhundert für den Umgang mit dem Wald festgelegt wurden. Danach sollte die gegenwärtige Generation bei jeder Waldnutzung darauf achten, dass auch künftige Generationen über einen nach Menge und Qualität vergleichbaren Holzvorrat verfügen können. Auch der Schutz der natürlichen Umwelt, die Rücksichtnahme auf das Landschaftsbild und schließlich die Beachtung der Erholungsbedürfnisse der Bevölkerung wurden im Laufe der Zeit so weit in den Begriff einer ordnungsgemäßen Forstwirtschaft einbezogen, wie es der kultur-, mentalitäts- und ideologiegeschichtlichen Situation der jeweiligen Zeit angemessen erschien. So gab es z. B. bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts engagierte Forstleute und Waldeigentümer, die sich um eine Förderung der Schutzwirkungen des Waldes im Interesse der Gesellschaft (Hagen 1894) und um eine verstärkte Berücksichtigung ökologischer Belange bei der Waldbewirtschaftung (Gayer 1880) bemühten. Überdies wurde der Versuch unternommen, "Forstästhetik" als spezielles Lehrgebiet in den forstlichen Unterricht an Schulen und Universitäten zu integrieren, um Wälder im Interesse der Allgemeinheit künftig auch nach ästhetischen Gesichtspunkten zu gestalten (v. Salisch 1885).
Auf der Basis dieser frühen Einsicht in die Notwendigkeit gesellschaftspolitischer Rücksichtnahmen hat sich schon bald die Vorstellung von einer "multifunktionalen" Forstwirtschaft entwickelt, in der für alle Waldfunktionen eine prinzipielle Gleichrangigkeit gegeben ist. Seit Mitte der 1970er-Jahre hat die "Mehrzweckforstwirtschaft" in allen deutschen (Bundes- und Länder-)Waldgesetzen ihren Niederschlag gefunden. Die generelle Gleichrangigkeit der Waldfunktionen schließt allerdings nicht aus, dass der einzelne Waldeigentümer für seinen Wald bzw. für einen bestimmten Waldort ganz spezifische Zielprioritäten festlegen kann.
Dennoch sind Staats- und Körperschaftswald stärker dem Gemeinwohl verpflichtet
Eine Priorisierung der Gemeinwohlbelange ist zum Beispiel für den Staatswald der meisten Bundesländer zumindest in ihren Grundzügen gesetzlich fixiert. So heißt es z. B. in § 45 Abs. 1 Satz 1 des baden-württembergischen Landeswaldgesetzes: "Der Staatswald soll dem Allgemeinwohl in besonderem Maße dienen." Diese besondere Hervorhebung der allgemeinwohlorientierten Zielsetzung des Staatswaldes über die für alle Waldeigentumsarten geltenden "Funktionen" hinaus macht deutlich, dass der eher aus historischen Zufällen erwachsene staatliche Waldbesitz auch heute noch über eine Legitimation verfügt. Würde er wie jeder Privatwald vorrangig erwerbswirtschaftlichen Zielen dienen, so wäre zu fragen, ob er nicht vor allem aus Wettbewerbsgründen privatisiert oder zumindest in privatwirtschaftliche Strukturen überführt werden müsste.
Dass auch ein vorrangig gemeinwohlorientierter Staatswald so viel Holz produzieren und vermarkten sollte, wie dies im Rahmen seiner Ziele möglich ist, ist gleichzeitig unbestritten und verlangt auch für den staatlichen Forstbetrieb eine streng an modernen betriebswirtschaftlichen Maßstäben ausgerichtete Unternehmensführung.
Ähnlich "gemischt" ist die Eigentümerzielsetzung im Kommunalwald zu sehen. Allerdings hat jede einzelne Gemeinde im Rahmen der verfassungsmäßig garantierten kommunalen Selbstverwaltung das Recht, eigene Ziele zu setzen. Viele, vor allem größere Städte, haben daher der Erholungsnutzung ihrer Wälder für die eigenen Bürger eine sehr hohe oder sogar vorrangige Priorität eingeräumt. Andere, vor allem kleinere ländliche Gemeinden, sind auf möglichst hohe laufende Einnahmen aus der Waldbewirtschaftung angewiesen. Allen kommunalen Forstbetrieben ist jedoch gemeinsam, dass auch sie dem Allgemeinwohl eher mehr Aufmerksamkeit schenken müssen als der Privatwald.
Dass die erwerbsorientierten Ziele im Privatwald überall dort Vorrang haben, wo sich mit dem eigenen Grundbesitz existenzielle Einkommenserwartungen verbinden, erscheint selbstverständlich und wurde bereits dargestellt. Wo diese Einkommenserwartungen allerdings nicht bestehen, liegt die Vermutung nahe, dass andere Ziele in den Vordergrund rücken. Tatsächlich reflektieren die Erwartungen, die die privaten Waldbesitzer mit ihrem Waldvermögen verbinden, in besonderer Weise die eigentumssoziologischen Entwicklungen unserer Zeit (Volz und Bieling 1998, Burghardt 1980). Danach umfasst die Individualfunktion des Eigentums (im Gegensatz zur immer auch gegebenen Sozialfunktion) nicht nur die Deckung des angemessenen individuellen Bedarfs, sondern gleichermaßen die Sicherung einer sozialen Identität oder sogar eines erstrebenswert erscheinenenden Prestiges. Aktuell lässt sich vor diesem Hintergrund zunächst ein Eigentümer beschreiben, der sein Eigentumsrecht als ein Vollrecht versteht, das sich in umfassender Weise auf den Erwerb, den Gebrauch und die Nutznießung des Eigentums bezieht. Vor allem mit dem Eigentum an land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken verbindet sich diese elementare Funktion eines individuellen Gebrauchsnutzens, also ein naturaler Ertrag, der gesichert in das Eigentum des Bearbeitenden übergeht. Wichtiger Bestandteil dieser elementaren Funktion des Eigentums ist somit eine Versorgungsgewissheit, eine soziale Sicherheit.
Verschiedene Typen von Eigentümern
Diese ursprünglich ganz unverzichtbare Funktion des Eigentums ist im Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung zu großen Teilen verloren gegangen. Die Eigentumssoziologie nennt dies die "Entfunktionalisierung" des privaten Eigentums und meint damit, dass die mit dem Eigentum verbundene Versorgungsgewissheit in unserer modernen Gesellschaft zunehmend von einem Normensystem der sozialen Sicherung abgelöst worden ist (also z. B. von der Kranken-, Arbeitslosen- oder Rentenversicherung).
Neben dem Eigentümertyp, der aus seinem selbst bearbeiteten Eigentum unmittelbar einen profitablen Nutzen zieht, entstand ein neuer Eigentümertyp, für den das Eigentum vielfach nur noch einen Grundnutzen, z. B. eine Eigentumswohnung, umfasst und in hohem Maße zugunsten von Verbrauchs- oder Konsumgütern eingeschränkt wird. Die soziale Sicherheit wird dagegen vorrangig aus einem Arbeitseinkommen gewonnen. Immer weniger Eigentümer sind bereit, mit ihrem Eigentum, über den erwähnten Grundnutzen hinaus, das Risiko des Wirtschaftsprozesses zu tragen und sehen sich durch administrative und fiskalische Auflagen in ihrer Neigung zur Eigentumsaufgabe oder Eigentumsverweigerung bestätigt. Die Soziologie spricht insofern von einer zunehmenden (Grund-)Eigentumsapathie.
Die Folge dieser Entwicklung ist eine Dreiteilung des Privateigentums in der Gesellschaft. Neben dem Eigentum, das vom Eigentümer als Erwerbsvermögen selbst ökonomisch wirksam genutzt wird, steht ein abstraktes Eigentum an Kapitalvermögen, aus dem ein sog. "arbeitsloses Einkommen" bezogen wird. Und schließlich gibt es als dritten Sektor ein Nur-Gebrauchs- oder Liebhabereivermögen, dem vom Eigentümer kein Ertrag abverlangt oder zugemutet wird. Die wachsende Bedeutung dieses Liebhabereivermögens lässt sich nicht nur auf die erwähnte Entfunktionalisierung des Eigentums zurückführen, sondern zusätzlich auf den Umstand, dass neben der gesetzlich verankerten sozialen Sicherheit auch das "Freizeit-Haben" zur gesicherten Ausstattung des modernen Arbeitnehmers gehört. Der mit einer wirtschaftlichen Eigennutzung des Eigentums, insbesondere mit einem landwirtschaftlichen Grundbesitz verbundene Freizeitentzug ist für viele Menschen nicht mehr akzeptabel.
Es gehört somit zum Wesen des Liebhabereivermögens, dass frei verfügbares Einkommen nicht in risikobelastetes und die Freizeit schmählerndes Eigentum umgesetzt, sondern als "totes Kapital" eingesetzt wird. Was bleibt, ist in vielen Fällen der statusfördernde Anspruch an das Eigentum. Die weit verbreitete und gerade mit dem Kleinprivatwald immer wieder verbundene Forderung nach einer möglichst breiten Eigentumsstreuung muss somit berücksichtigen, dass eine risikobereite Eigentumswilligkeit kaum noch vorausgesetzt werden kann, und sollte auch das Liebhabereivermögen als erstrebenswerte Waldbesitzkategorie bewerten.
Abb. 5: Forstwirtschaftliche Vorstellungen können ein mögliches Eigentumsziel sein. Foto: Archiv Landesforstverwaltung Baden-Württemberg
Der "Holzverkäufer"
Eine neuere Untersuchung für Baden-Württemberg (Judmann 1998) hat gezeigt, dass vor allem der kleine Waldbesitz Eigentumsziele erkennen lässt, die mit den Beobachtungen der allgemeinen Eigentumssoziologie sehr weitgehend übereinstimmen. Vier aus den Untersuchungsdaten idealisierte Eigentümertypen lassen sich beschreiben: Der erste Typus ist der an traditionellen forstwirtschaftlichen Vorstellungen ausgerichtete "Holzverkäufer", der aus dem eigenen Wald einen unmittelbaren Beitrag zum Familieneinkommen zieht.
Sein Anteil von nur rd. 6 % am Gesamtkollektiv erstaunt, obwohl seit langem bekannt ist, dass die Eigentümer kleiner Waldflächen oft keine stetige Nutzung betreiben oder betreiben können. Viele Waldeigentümer betrachten ihren Wald als Sparkasse, aus der erst bei zwingendem Bedarf Holz verkauft wird, sei es um einen Hausbau, einen neuen Traktor oder die Hochzeit eines Kindes zu finanzieren. Für die Holzwirtschaft stellt diese fast zufällige Belieferung des Marktes ein erhebliches Problem dar. Mit großem finanziellen und logistischem Aufwand versucht sie daher heute, an diese einzigen noch relativ großen Holzreserven in Deutschland heranzukommen.
Abb. 6: Brennholznutzung beim "Selbstversorger"-Typus. Foto: Archiv Landesforstverwaltung Baden-Württemberg
Der "Selbstversorger"
Die Beschreibung des "Holzverkäufers" legt den Schluss nahe, dass unter den Waldeigentümern nur dieser Typus seinen Wald als Erwerbsvermögen nutzt. Die anderen in der Untersuchung von Judmann (1998) identifizierten Eigentümertypen sehen dagegen in ihrem Wald entweder ein "Kapitalvermögen" oder noch häufiger, und wohl auch passender, ein "Liebhabereivermögen".
Letzteres trifft z. B. für den "Selbstversorger" zu, einen Eigentümertypus mit einem Anteil von 53,5 % in der Besitzgrößenklasse "1 bis 5 ha" und 19,7 % in der Besitzgrößenklasse "über 5 ha", bei dem die Deckung des eigenen Bedarfs an Holz das vorrangige Ziel darstellt. Selbst wenn die heutigen modernen Holzfeuerungsanlagen keine 75 m3 Holz mehr pro Jahr benötigen, wie dies in den alten großen Schwarzwaldhöfen früher der Fall war (Brückner 1981), so gibt es doch immer noch eine beträchtliche Zahl von Haushalten, die mit eigenem Holz heizen. Und selbst mancher Städter ist heute darum bemüht, zumindest zusätzlich die umweltschonende, weil stetig nachwachsende Energiequelle Holz zu nutzen. Das Ziel der Selbstversorgung scheint vor allem bei Waldbesitzern mit weniger als 2 ha Fläche von großer Bedeutung zu sein (Bollin und Eklkofer 2000).
Besitzerstolz und Besitzertradition: der "Grundbesitzer"
Ein dritter Waldeigentümertyp lässt sich am treffendsten als "Grundbesitzer" bezeichnen (52,8 % in der Besitzgrößenklasse "1 bis 5 ha" und 1,9 % in der Besitzgrößenklasse "über 5 ha"). Er konzentriert sich vor allem auf den Vermögenserhalt, also auf einen bewahrenden Umgang mit dem eigenen Wald, um für sich oder seine Nachfahren im Bedarfsfall auf den Waldbesitz zurückgreifen zu können. Für ihn ist der Wald ein Wert an sich, in dem sich Besitzerstolz und Besitztraditionen widerspiegeln. Mit dieser emotionalen Bindung an das Grundvermögen lässt sich im übrigen auch die Weigerung erklären, den eigenen Wald zu verkaufen, selbst dann, wenn er keinerlei messbaren Nutzen zu bringen scheint.
Das "Liebhaberei-Vermögen"
Die letzte und größte Gruppe unter den Waldeigentümern mit kleinflächigem Waldbesitz (50 % in der Besitzgrößenklasse "1 bis 5 ha" und 8,8 % in der Besitzgrößenklasse "über 5 ha") ist ein Typus, bei dem eine Freizeitnutzung im weitesten Sinne im Mittelpunkt des Interesses steht. Freizeitnutzung bedeutet hier sowohl eine körperliche Betätigung im eigenen Wald als auch eine reine Erholungsnutzung, also der Aufenthalt im Freien, die Freude am Naturgenuss usw. Mehr als in allen anderen Fällen erlangt der Waldbesitz hier tatsächlich den Charakter eines "Liebhabereivermögens".
In einer vergleichbaren Untersuchung für Nordrhein-Westfalen (Becker et al. 2000) zeigte sich zusätzlich, dass fast alle befragten Waldbesitzer das Eigentumsmotiv "Natur schützen und gestalten" auf ihrer Zielskala am höchsten bewertet haben. In dieser Untersuchung konnte ebenfalls festgestellt werden, dass die nicht monetären Ziele, speziell die Freizeitnutzung des Waldes unter den Eigentümerzielen um so wichtiger wird, je kleiner der Waldbesitz ist. Bemerkenswert ist an diesem eindeutigen Ergebnis jedoch nicht so sehr, dass mit abnehmender Flächengröße (und Wirtschaftskraft des Waldes) auch die Einkommenserwartungen in den Hintergrund treten. Viel bedeutsamer ist der Umstand, dass auch die Waldeigentümer mit eher immateriellen Zielsetzungen eine sehr positive Einstellung zu ihrem Wald haben, dass sie sich an ihrem Eigentum freuen, ihn vielfach sogar intensiv pflegen und mit großer Mehrheit nicht bereit sind, sich ohne Not von ihrem Waldbesitz zu trennen. Für viele Privatpersonen ist somit der Waldbesitz ein Teil des Lebenstils und der eigenen kulturellen Identität.
Abb. 7: Der eigene Wald als Erholungsort und Freizeitkulisse. Foto: Archiv Landesforstverwaltung Baden-Württemberg
Naturgüter, die in hohem Maße dem Gemeinwohl dienen, gelten als unverfügbar
Mit dem Waldeigentum verbinden sich somit heute zwei interessante Phänomene. Zum einen hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte vor allem der kleine Waldbesitz durch den Agrarstrukturwandel mehr und mehr zu einem Liebhabereivermögen entwickelt. Und selbst für die größeren Forstbetriebe genügt der Wald häufig nicht mehr als alleinige finanzielle Basis des Lebensunterhalts. Auf der anderen Seite steht ein enormes und ständig weiter zunehmendes gesellschaftliches Interesse an den Wirkungen des Waldes und den darauf ausgerichteten Leistungen der Forstwirtschaft, aus dem mehr und anders als in früheren Zeiten ein allgemeiner Nutzungsanspruch der Gesellschaft erwächst.
Ganz allgemein lässt sich feststellen, dass sich das Bewusstsein einer existentiellen Abhängigkeit vom Wald beim größten Teil der Bevölkerung aus dem persönlichen Alltagsgeschehen auf eine relativ abstrakte Ebene verlagert hat. Der Schutz der Wasserqualität, die Verhinderung von Steinschlag, Erosion und Lawinen oder auch der Erhalt gefährdeter oder seltener Arten und Biotope wird von großen Teilen der Gesellschaft gefordert und ideell unterstützt, ohne dass dies aus einer unmittelbaren Betroffenheit abgeleitet würde.
Eigentumsrechtlich und damit auch eigentumspolitisch führt dieses zunehmende Gewicht der verschiedenen Gemeinwohlbelange zu einer engagierten Diskussion um die Zulässigkeit von Regelungen, die die freie Verfügbarkeit des Waldeigentums einschränken (vgl. z. B. Volz 1995).
Unbestritten ist, dass bestimmte Naturgüter, die von besonderer Bedeutung für das Gemeinwohl sind, als "gegenständlich unverfügbar" gelten (Kube 1999). Aus dieser Unverfügbarkeit leitet sich zum einen eine "Privateigentumsunfähigkeit" ab und zum anderen die Verpflichtung des Staates, diese Gemeinwohlgüter verantwortungsvoll, d. h. vor allem nachhaltig schonend zu "bewirtschaften". Für den Staats- und Körperschaftswald ist diese Verpflichtung relativ leicht einzuhalten. Im Privatwald gestaltet sich die Aufgabe dagegen schwieriger, weil der Unverfügbarkeit der für das Gemeinwohl wichtigen Naturgüter kein naturwissenschaftlicher Maßstab beigefügt ist. Zu dem kann es dem einzelnen Waldeigentümer nicht zugemutet werden, "erahnen" zu sollen, wann er beim Umgang mit seinem Eigentum die Grenze zur Gemeinwohlunverträglichkeit überschreitet bzw. wann er von seinem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch machen kann, Übergriffe Dritter auf sein verfügbares Eigentum abzuwehren (Hösch 2000).
Um also einen Ausgleich zwischen diesem Verbotsrecht des Eigentümers (Art. 14 Abs. 1 GG) und der Sozialbindung des Eigentums (Art. 14 Abs. 2 GG) zu erreichen - man kann auch sagen zwischen der "Freiheit der Eigentümer" und der "Freiheit der Nicht-Eigentümer" (Kube 1999) -, sind in mehrfacher Hinsicht Inhalts- und Schrankenbestimmungen auf legislativem Wege vorzunehmen. Die traditionellen Regelungen der Waldgesetze haben dies bislang unter dem "Schutzmantel" des Begriffes einer "ordnungsgemäßen Forstwirtschaft" nur in sehr beschränktem Umfang umgesetzt (Volz 1997). Waldeigentümer und die kontrollierenden Forstverwaltungen waren sich über die Inhalte einer sachgerechten und allen gesetzlichen Bestimmungen genügenden Waldbewirtschaftung (vielfach stillschweigend) einig. Nur wenige Bestimmungen wurden in den Länderwaldgesetzen explizit genannt: so z. B. der Genehmigungsvorbehalt für Kahlhiebe oberhalb einer bestimmten Flächengröße, der Genehmigungsvorbehalt für den Einschlag hiebsunreifer Bestände, die Duldungspflicht beim gemeinschaftlichen Wegebau, die Rücksichtnahme gegenüber benachbarten Waldgrundstücken beim Holzeinschlag an der Grenze sowie schließlich das jedermann zu gewährende Betretungsrecht. Alle anderen gesetzlichen Bestimmungen zur ordnungsgemäßen Forstwirtschaft haben lediglich empfehlenden bzw. programmatischen Charakter (Klose und Orf 1998). Die Überwachung der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft erfolgt durch die Forstverwaltungen, die im Zweifelsfall den Maßstab ihrer eigenen Handlungsweise im Staatswald auch auf den "beaufsichtigten" Privatwald übertragen.
Die wachsende umweltpolitische Sensibilisierung führt zu weiteren Einschränkungen des Eigentumrechts
Erst die wachsende umweltpolitische Sensibilisierung der Öffentlichkeit und die zunehmenden Aktivitäten des amtlichen und privaten Naturschutzes haben dazu geführt, dass von dieser Seite eigene, zum Teil weitergehendere Maßstäbe für das ökologische Niveau der Waldbewirtschaftung vorgeschlagen und eigene Waldnutzungskonzepte entwickelt wurden. Unter eigentumspolitischen Gesichtspunkten enthalten diese Bemühungen um eine verstärkte Berücksichtigung ökologischer Belange bei der Waldbewirtschaftung und vor allem deren legislative Verankerung einen erheblichen Zündstoff. Forderungen nach:
- Ausweisungen von Naturschutzgebieten im Privatwald
- Nutzungsverzicht durch ein Stehenlassen einzelner Bäume über das ökonomische Optimum hinaus
- der Zulassung natürlicher Zersetzungsprozesse an absterbenden stehenden oder bereits am Boden liegenden Bäumen, um Totholzanteile zu begründen und damit Existenzbedingungen für darauf spezialisierte Tier- und Pflanzenarten zu gewährleisten
- einem Verzicht des Anbaus bestimmter, sehr raschwüchsiger und daher wertvoller, aber in Deutschland nicht heimischer Baumarten
- einem Verzicht auf die Fortsetzung des Baus von Waldwegen (vor allem im Gebirge)
bedeuten für die Waldeigentümer in der Regel einen Verlust an Einnahmen oder zusätzliche Kosten.
Fest steht zwar, dass bei allen zusätzlichen Inhalts- und Schrankenbestimmungen des Eigentums der Grundsatz der Angemessenheit und Zumutbarkeit beachtet werden muss. Da es aber bei den meisten der erhobenen Forderungen schwierig ist, in ökologischer und ökonomischer Hinsicht eindeutige wissenschaftliche Belege zu liefern, sind politische Aushandlungsprozesse unerlässlich. Und es gehört gewiss zu den großen forst- und naturschutzpolitischen Herausforderungen der nächsten Jahre, den in § 1 Ziff. 3 BWaldG verlangten "Ausgleich zwischen dem Interesse der Allgemeinheit und den Belangen der Waldbesitzer" herbeizuführen.
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Wälder sind nicht nur schön grün sie versorgen die Erde mit Sauerstoff, sie bieten einer Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und wirken stabilisierend auf das Weltklima. Seit Beginn der Abholzung durch den Menschen sind bereits riesige Waldflächen verloren gegangen; besonders hohe Verluste gibt es bei den Laub- und Mischwäldern der gemäßigten Zonen, den Tropischen Regenwäldern in Südamerika und Afrika sowie den Tropischen Trockenwäldern in Afrika und Indien. Und die Entwaldung des Planeten schreitet fort: Jedes Jahr werden fast 140 000 Quadratkilometer Wald (das entspricht einer Fläche Griechenlands) vernichtet. Nach Meinung des WWF (World Wildlife Fund) kann nur der Übergang zu einer ökologisch nachhaltigen Wirtschaft die Erde vor einem Kollaps bewahren. Globus