Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=EuGH&Datum=13.12.1990&Aktenzeichen=C-238/89
Timestamp: 2020-03-30 08:16:48
Document Index: 216980996

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 3', 'Art. 30', 'EuG', '§ 1', 'EuG']

EuGH, 13.12.1990 - C-238/89 - dejure.org
https://dejure.org/1990,909
EuGH, 13.12.1990 - C-238/89 (https://dejure.org/1990,909)
EuGH, Entscheidung vom 13.12.1990 - C-238/89 (https://dejure.org/1990,909)
EuGH, Entscheidung vom 13. Dezember 1990 - C-238/89 (https://dejure.org/1990,909)
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Freier Warenverkehr - Mengenmässige Beschränkungen - Maßnahmen gleicher Wirkung - Regelung eines Mitgliedstaats, die es erlaubt, sich dem Inverkehrbringen eines Erzeugnisses zu widersetzen, das das Symbol (R) trägt, wenn für die angebrachte Bezeichnung keine nationale ...
Einordnung der Verwendung einer nicht warenzeichengeschützeten Bezeichnung als irreführende Werbung; Verwendung des Symbols (R); Unzulässige mengenmässigen Einfuhrbeschränkung; Behinderung des innergemeinschaftlichen Handelsverkehrs; Unterschiedslose Geltung eines ...
Freier Warenverkehr - Mengenmäßige Beschränkungen - Maßnahmen gleicher Wirkung - Regelung eines Mitgliedstaats, die es erlaubt, sich dem Inverkehrbringen eines Erzeugnisses zu widersetzen, das das Symbol (R) trägt;, wenn für die angebrachte Bezeichnung keine nationale ...
Freier Warenverkehr - Warenzeichenrecht - Irreführende Werbung.
LG München I, 29.06.1989 - 7 O 19 523/88
LG München I - 7 O 19523/88 (Verfahren ohne Entscheidung erledigt)
NJW 1991, 1406 (Ls.)
NJW-RR 1991, 680 (Ls.)
GRUR Int. 1991, 215
DB 1991, 539
10 Wie der Gerichtshof festgestellt hat, beschränkt sich diese Richtlinie auf eine Teilharmonisierung der nationalen Rechtsvorschriften über irreführende Werbung durch die Festsetzung von objektiven Mindestkriterien, anhand deren sich feststellen lässt, ob eine Werbung irreführend ist, und von Mindestanforderungen in bezug auf die Einzelheiten des Schutzes gegen eine solche Werbung (Urteil vom 13. Dezember 1990 in der Rechtssache C-238/89, Pall, Slg. 1990, I-4827, Randnr. 22).
Es kann nämlich den Inhaber eines nur in einem Mitgliedstaat eingetragenen Warenzeichens dazu zwingen, die Aufmachung seiner Erzeugnisse je nach dem Ort des Inverkehrbringens unterschiedlich zu gestalten und gesonderte Vertriebswege einzurichten, um sicherzustellen, daß die Waren, die das Symbol (R) tragen, nicht im Gebiet der Staaten in den Verkehr gebracht werden, die das fragliche Verbot erlassen haben (Urteil Pall, a. a. O., Randnr. 13).
Allerdings sind die betreffenden nationalen Vorschriften nach ständiger Rechtsprechung (Urteile Cassis de Dijon, a. a. O., vom 13. Dezember 1990 in der Rechtssache C-238/89, Pall, Slg. 1990, I-4827, Randnr. 12, und vom 6. Juli 1995 in der Rechtssache C-470/93, Mars, Slg. 1995, I-1923, Randnr. 15) nur zulässig, wenn sie in einem angemessenen Verhältnis zum verfolgten Zweck stehen und wenn dieser Zweck nicht durch Maßnahmen erreicht werden kann, die den innergemeinschaftlichen Handelsverkehr weniger beschränken.
Zu diesen Allgemeininteressen zählen insbesondere der Schutz der Lauterkeit des Handelsverkehrs und der Verbraucherschutz (EuGH, Urt. v. 13.12.1990 - Rs. C-238/89, Slg. 1990, I-4827 = GRUR Int. 1991, 215, 216 Tz. 12 - Pall/Dahlhausen;… Urt. v. 18.5.1993 - Rs. C-126/91, Slg. 1993, I-2361 = GRUR 1993, 747 f. Tz. 12 - Yves Rocher;… Urt. v. 2.2.1994 - Rs. C-315/92, Slg. 1994, I-317 = GRUR 1994, 303, 304 Tz. 15 - Clinique).
25 Im Urteil Pall(15) haben Sie die Auffassung vertreten, daß das in einem Mitgliedstaat geltende Verbot der Verwendung des Symbols (R) neben dem Warenzeichen zum Zweck der Angabe, daß es sich um ein eingetragenes Warenzeichen handele, eine Behinderung darstellt, "denn es kann den Inhaber eines nur in einem Mitgliedstaat eingetragenen Warenzeichens dazu zwingen, die Aufmachung seiner Erzeugnisse je nach dem Ort des Inverkehrbringens unterschiedlich zu gestalten und gesonderte Vertriebswege einzurichten, um sicherzustellen, daß die Waren, die das Symbol (R) tragen, nicht im Gebiet der Staaten in den Verkehr gebracht werden, die das fragliche Verbot erlassen haben"(16).
28 Die genannten Urteile Pall und "Clinique" betrafen - wie in unserer Rechtssache auf das UWG gestützte - Vertriebsverbote wegen der unterschiedlichen Aufmachung der Erzeugnisse(20).
(13) - Vgl. analog Randnr. 13 des Urteils vom 13. Dezember 1990 in der Rechtssache C-238/89 (Pall, Slg. 1990, I-4827).
(34) - Vgl. Urteile Pall (…a. a. O., Randnr. 22) und "Clinique" (…a. a. O., Randnr. 10).
Das Berufungsgericht ist allerdings rechtsfehlerfrei davon ausgegangen, daß die Anwendung des § 3 UWG grundsätzlich gemäß Art. 30 EWGV ausgeschlossen sein kann, wenn sie zu einem Hemmnis für den Handel zwischen den Staaten der Europäischen Gemeinschaften führt und nicht in einem angemessenen Verhältnis zu dem mit der Vorschrift verfolgten Zweck des Verbraucherschutzes und der Lauterkeit des Handelsverkehrs steht (vgl. EuGH, Urt. v. 13.12.1990 - Rs 238/89 - Pall Corp. & Co. ./. P.J. Dahlhausen & Co., Slg. 1990, I-4844 = GRUR Int. 1991, 215, 216 = WRP 1991, 562, 563, Begründungserwägungen 12 und 21).
Die Beklagte hat keinerlei Umstände vorgetragen, aus denen sich ein Anhalt für die Unverhältnismäßigkeit der Anwendung des § 1 UWG im vorliegenden Fall zum Schutz der Lauterkeit des Handelsverkehrs und der betroffenen Verbraucher (vgl. zu diesen Kriterien EuGH, Urt. v. 13.12.1990 Pall Corp. ./. P.J. Dahlhausen u. Co., Rs C-238/89, GRUR Int. 1991, 215, 216 unter Erwägung 12) ergeben könnte.
Schon in der Rechtssache Cassis de Dijon zog der Gerichtshof die Unterrichtung der Käufer durch Angaben auf der Verpackung als Alternative zum Verkaufsverbot vor.(33) Dieses Vertrauen darauf, daß Aufklärung möglich und nützlich ist, zeigt sich besonders anschaulich im Urteil zum Reinheitsgebot für Bier, in dem Deutschland die Regelung des deutschen Rechts, wonach nur aus Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser hergestellte Erzeugnisse in Deutschland als Bier vertrieben werden dürfen, unter anderem unter Berufung auf den Verbraucherschutz zu verteidigen suchte.(34) Obwohl der Gerichtshof es für zulässig hielt, Verbrauchern, "die aus bestimmten Grundstoffen hergestelltem Bier besondere Eigenschaften zuschreiben," die Möglichkeit zu geben, "ihre Wahl unter diesem Gesichtspunkt zu treffen", entschied er, daß dies durch Anforderungen an eine umfassende Unterrichtung des Verbrauchers erzielt werden könne, die es diesem ermöglichten, "seine Wahl in Kenntnis aller Umstände zutreffen"; beispielsweise könnten die Brauereien verpflichtet werden, auf den Etiketten die verwendeten Grundstoffe anzugeben und bei vom Faß ausgeschenkten Bieren dafür zu sorgen, daß "die erforderlichen Angaben ... auf den Fässern oder den Siphons" angebracht sind.(35) Einige Jahre später schloß der Gerichtshof im Urteil Pall aus, daß sich die deutschen Verbraucher über den Ort der Eintragung eines Warenzeichens für ein Importerzeugnis, das das Symbol "(R)" trug, irren könnten und deshalb eine solche Verwendung nach dem UWG verboten sei, und entschied, daß "selbst wenn man unterstellt, daß die Verbraucher oder ein Teil von ihnen in bezug auf diesen Umstand irregeführt werden könnten, diese Gefahr ein so erhebliches Hindernis für den freien Warenverkehr nicht rechtfertigen [könnte], da die Verbraucher sich mehr für die Eigenschaften einer Ware als dafür interessieren, wo das Warenzeichen eingetragen ist".(36) Der Gerichtshof betonte damit, daß "die Gemeinschaftspolitik ... einen engen Zusammenhang zwischen dem Schutz und der Unterrichtung des Verbrauchers herstellt."(37).
24: - Rechtssache C-238/89 (Pall, Slg. 1990, I-4827, Randnr. 22), Clinique, Randnr. 10, und verbundene Rechtssachen C-34/95 bis C-36/95 (Ko/De Agostini und TV-Shop, Slg. 1997, I-3843, Randnr. 37).
OLG Stuttgart, 20.10.1993 - 2 U 94/93
Wettbewerbswidrigkeit der Werbung mit einem nicht bestehenden Warenzeichen