Source: http://www.polizei.de/DE/ThemenABisZ/DnaAnalyse/dnaAnalyse__node.html?__nnn=true
Timestamp: 2016-07-24 01:02:14
Document Index: 296825032

Matched Legal Cases: ['§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 32', '§ 81']

Offizielle Seite der Polizei Rubrik Themen A-Z - DNA-Analyse
Bedeutung der DNA-Analyse für die Strafverfolgung
Die DNA-Analyse-Datei
DNA-Analyse-Datei als Verbundanwendung
Massentest /-screening
Mit Hilfe des DNA-Abgleichs können Tatzusammenhänge erkannt, Tatverdächtige überführt, Verbrechen aufgeklärt und potenzielle Opfer vor Wiederholungstätern geschützt, gleichzeitig aber auch Unschuldige entlastet werden. In der DNA-Analyse-Datei werden das sogenannte DNA-Identifizierungsmuster sowie das Geschlecht des Spurenverursachers gespeichert. Die zur Untersuchung genutzten Proben von Personen werden nach deren Analyse vernichtet. Aus den in der DNA-Analyse-Datei erfassten Daten können keine weitergehenden Erkenntnisse gewonnen werden, auch anderweitige Untersuchungen sind nicht möglich.
Inzwischen kann über die DNA-Analyse-Datei mindestens jede dritte Spur dem entsprechenden Spurenleger zugeordnet werden. Die 176.579 Spur-Person-Treffer seit Errichtung der Datei haben wesentliche Ermittlungserfolge insbesondere bei Diebstahls-, Raub-, Erpressungs-, Sexual- und Tötungsdelikten erbracht.
Die Baupläne aller Lebewesen sind in einer Substanz aufgezeichnet, die chemisch als Desoxyribonucleinsäure (DNS, engl. DNA) bezeichnet wird.
Die chemischen Basen Adenin (A), Guanin (G), Cytosin (C) und Thymin (T) liefern dabei die vier "Buchstaben", über die alle Informationen und Eigenschaften festgelegt werden. Diese Substanzen, die immer nur paarweise vorkommen (Adenin mit Thymin und Cytosin mit Guanin) sind hintereinander auf langen Ketten aufgereiht und bilden gewissermaßen Worte und Sätze. In diesem Text gibt es auch Buchstabenfolgen, die keine Informationen enthalten. Nach heutiger Einschätzung sind in der menschlichen DNA höchstens 5 % der Buchstabenfolgen sinngebend (codierend), d. h. sie enthalten einen Code für genetische Informationen. In den übrigen Bereichen, die als nicht codierend bezeichnet werden, finden sich aber Buchstabenfolgen, die charakteristisch für einzelne Personen sind.
Werden derartige Stellen in der DNA (sogenannte "Merkmalssysteme") analysiert, können die Ergebnisse als Zahlenfolgen notiert werden. Ein Merkmal besteht aus der Bezeichnung des Merkmalssystems und zwei Zahlen (z. B. VWA 15/17). Die Zahlenwerte geben die Anzahl der Wiederholungssequenzen der oben genannten Basenpaare an. Zur Identifizierung einer bestimmten Person ist die Untersuchung mehrerer Merkmalssysteme mit den entsprechenden Zahlenwerten erforderlich, die als DNA-Muster zusammengefasst werden.
Für die polizeiliche DNA-Analyse in Deutschland werden ausschließlich Abschnitte aus den nicht codierenden Bereichen herangezogen. Diese Beschränkung stellt sicher, dass keine Informationen über die Eigenschaften, die Persönlichkeit oder das Aussehen des Spurenverursachers erhoben werden. Der internationale Standard für eine DNA-Analyse wird durch die Verwendung der 12 Merkmalssysteme D21S11, VWA, TH01, FIBRA, D3S1358, D8S1179, D18S51, D1S1656, D2S441, D10S1248, D12S391, D22S1045 gebildet.
In Deutschland wird zusätzlich als 13. Merkmalssystem SE33 analysiert. Somit wird national eine noch höhere Sicherheit bei der Identifizierung erreicht. Denn die Verwendung von 13 Merkmalssystemen mit jeweils zwei Zahlenwerten stellt sicher, dass das Identifizierungsmuster biostatistisch in der mitteleuropäischen Bevölkerung durchschnittlich nur einmal unter mehreren hundert Millionen Personen erwartet wird. Dies belegt die Zuverlässigkeit der DNA-Analyse als Mittel der Identifizierung.
Mit Hilfe der DNA-Analyse sind heute praktisch alle menschlichen Körperzellen (wie Blut, Muskelgewebe, Haut, Knochen, Haare, Sperma, Speichel, Schweiß) molekulargenetisch auswertbar.
Das bei der Analyse festgestellte Identifizierungsmuster ist individualcharakteristisch, d. h. einer bestimmten Person zuzuordnen.
In Anbetracht dessen ist die DNA-Analyse ein wichtiger Sachbeweis bei der Aufklärung von Straftaten. Mit ihrer Hilfe können Tatverdächtige überführt, Verbrechen aufgeklärt und potenzielle Opfer vor Wiederholungstätern geschützt, aber auch Unschuldige entlastet werden.
Bei den polizeilichen Ermittlungen ersetzt die DNA-Analyse dabei nie die weitere routinemäßige Tatortarbeit oder kriminalistische Ermittlungstätigkeit; sie ergänzt diese allerdings sehr wirkungsvoll. Die DNA-Analyse ist insbesondere dort bedeutsam, wo es um die Überprüfung und Zuordnung von DNA-Spuren zu einem möglichen Täter, dem Opfer oder weiteren unbeteiligten Personen geht.
Aufgrund der durch die DNA-Analyse ermöglichten Aufklärung verschiedener Sexualmorde in den Jahren 1997 und 1998 wurde im Auftrag des damaligen Innenministers Kanther am 17.04.1998 beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden eine DNA-Analyse-Datei eingerichtet.
Nachdem 1990 der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil die Zulässigkeit der Analyse von genetisch informationslosen Abschnitten der DNA zu Beweiszwecken in Strafverfahren bestätigt hatte (Az.: 5 StR 145/90), haben DNA-Identifizierungsmuster in vielen Ermittlungsverfahren zur Tataufklärung beigetragen.
Mit dem Strafverfahrensänderungsgesetz vom 17.03.1997 (§§ 81 a Abs. 3, 81 e und f StPO) wurden die Entnahme von DNA-Proben und die DNA-Analyse geregelt.
Mit dem DNA-Identitätsfeststellungsgesetz vom 10.09.1998 (BGBl. I, S. 2646) und der damit u. a. erfolgten Änderung der Strafprozessordnung durch Einfügung des § 81 g StPO wurde die Rechtsgrundlage für die Speicherung von personenbezogenen Daten in Form von DNA-Identifizierungsmustern zu erkennungsdienstlichen Zwecken geschaffen.
Mit dem Gesetz zur Novellierung der forensischen DNA-Analyse vom 12.08.2005 wurde das DNA-Identitätsfeststellungsgesetz in die Strafprozessordnung überführt. Seither erlaubt ein stark erweiterter § 81 g StPO die Entnahme und Untersuchung von Körperzellen bei Beschuldigten und Verurteilten zur Feststellung des DNA-Identifizierungsmusters unter fest definierten Voraussetzungen.
Auch die Speicherung der Daten beim Bundeskriminalamt ist in der StPO geregelt (§ 81 g Absatz 5 StPO). Das Bundeskriminalamt darf als Zentralstelle die Daten den Polizeien des Bundes und der Länder zur Verfügung stellen. Des Weiteren sind die Staatsanwaltschaften befugt, für Zwecke der Strafrechtspflege Daten aus der DNA-Analyse-Datei abzurufen.
Die DNA-Analyse-Datei ist Teil des zentralen Informationssystems der Polizei (INPOL). Das heißt, sie ist in den Verbund der INPOL-Teilnehmer integriert und wird sowohl durch das Bundeskriminalamt als auch durch die Landeskriminalämter genutzt.
Gespeichert werden Daten von
BeschuldigtenVerurteiltenam Tatort aufgefundenem Spurenmaterial
Die DNA-Analyse-Datei ermöglicht
Tataufklärungen (Zuordnung von Personen zu Spuren),den Ausschluss Unverdächtiger,das Erkennen von Tatzusammenhängen (Spur-Spur-Treffer),das Erkennen von Wiederholungstätern (Person-Person-Treffer).
Nach den im BKA-Gesetz (§ 32 BKAG) vorgeschriebenen Fristen von zehn Jahren bei Erwachsenen und fünf Jahren bei Jugendlichen wird geprüft, ob die Daten zu berichtigen oder zu löschen sind. Spuren werden in der Regel ebenfalls nach zehn Jahren überprüft.
In Fällen von Kapitalverbrechen, bei denen das Täterprofil den noch nicht identifizierten Täter in einer bestimmten Region vermuten lässt, werden als eine der letzten Ermittlungsmöglichkeiten sogenannte Massentests durchgeführt. Seit dem In-Kraft-Treten des Gesetzes zur Novellierung der forensischen DNA-Analyse sind diese Reihentests zur Aufklärung bestimmter Verbrechen auf eine klare gesetzliche Grundlage gestellt worden (§ 81 h StPO). Die Abgabe der DNA-Probe erfolgt auf freiwilliger Basis. Die ermittelten DNA-Identifizierungsmuster dienen ausschließlich dem Direktvergleich mit einer aufgefundenen Tatortspur des Täters und werden nicht mit der DNA-Analyse-Datei abgeglichen.
Darüber hinaus ist es nicht möglich, auf freiwilliger Basis - losgelöst von einer konkreten Straftat - sein DNA-Identifizierungsmuster speichern zu lassen. Die gesetzlichen Bestimmungen lassen eine solche anlasslose Speicherung in der DNA-Analyse-Datei nicht zu.
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