Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/altersvorsorgebeitraege-und-die-ertraege-des-altersvorsorgevermoegens-3100241
Timestamp: 2020-01-18 18:20:47
Document Index: 36241436

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 10', '§ 82', '§ 20', '§ 22', '§ 22', '§ 82', '§ 92', '§ 92', '§ 1', '§ 86', '§ 93', '§ 22', '§ 22', '§ 22']

Alters­vor­sor­ge­bei­trä­ge – und die Erträ­ge des Alters­vor­sor­ge­ver­mö­gens | Rechtslupe
Bereits die­ser Geset­zes­wort­laut zeigt, dass der Zula­ge­be­rech­tig­te aktiv eine eige­ne Bei­trags­leis­tung zu erbrin­gen hat, die dem Alters­vor­sor­ge­ver­trag zugu­te­kommt 1. Nach dem Ver­ständ­nis des Begriffs "Bei­trags­leis­tung" kann es nicht aus­rei­chend sein, die durch das Alters­ver­sor­gungs­ver­mö­gen gebil­de­ten Erträ­ge dem Ver­trag ledig­lich zu belas­sen.
Die Sepa­rie­rung zwi­schen Bei­trä­gen, die in einen Alters­vor­sor­ge­ver­trag geleis­tet wer­den, und den Erträ­gen, die aus des­sen Ver­mö­gen stam­men, liegt eben­falls dem § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Alt­ZertG in der bis 2005 gül­ti­gen Fas­sung zugrun­de. Auch dort wer­den Alters­vor­sor­ge­bei­trä­ge, erwirt­schaf­te­te Erträ­ge und Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne geson­dert auf­ge­führt. Der Defi­ni­ti­on des gebil­de­ten Kapi­tals in dem ‑erst durch das Gesetz zur ver­bes­ser­ten Ein­be­zie­hung der selbst­ge­nutz­ten Wohn­im­mo­bi­lie in die geför­der­te Alters­vor­sor­ge vom 29.07.2008 2 mit Wir­kung zum 1.08.2008 in das Alt­ZertG ein­ge­füg­ten- Abs. 5 des § 1 Alt­ZertG liegt das­sel­be Ver­ständ­nis zugrun­de: Das gebil­de­te Kapi­tal umfasst bei Spar­ver­trä­gen den Wert des Gut­ha­bens ein­schließ­lich der bis zum Stich­tag ent­stan­de­nen, jedoch noch nicht fäl­li­gen Zin­sen. Damit gehö­ren erst recht die fäl­li­gen Zin­sen bereits zum gebil­de­ten Kapi­tal und kön­nen daher nicht gleich­zei­tig Eigen­bei­trä­ge sein. Zwar ist der Begriff der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge im Alt­ZertG auf­grund sei­nes Adres­sa­ten­krei­ses wei­ter zu ver­ste­hen als der des EStG 3. Wenn aber bereits das Alt­ZertG die Erträ­ge nicht zu den Bei­trä­gen zählt, muss dies erst recht für das EStG gel­ten.
Die Abschaf­fung des § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Alt­ZertG durch das Alters­ein­künf­te­ge­setz vom 05.07.2004 4 hat der Gesetz­ge­ber damit begrün­det, es kön­ne dar­auf ver­zich­tet wer­den, die Pro­duk­te zu defi­nie­ren, "in denen die Eigen­bei­trä­ge, Zula­gen, Erträ­ge und Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne ange­legt wer­den dür­fen" 5. Die von Beginn an bestehen­de Unter­schei­dung zwi­schen Erträ­gen und Bei­trä­gen wird auch durch das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zum Jah­res­steu­er­ge­setz 2010 vom 08.12 2010 6 bestä­tigt, durch das § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 Alt­ZertG um den Pas­sus "und für die Leis­tungs­er­brin­gung genutzt wer­den" ergänzt wur­de. Zur Begrün­dung wur­de aus­ge­führt, die ein­ge­zahl­ten Alters­vor­sor­ge­bei­trä­ge soll­ten auch für die Alters­vor­sor­ge genutzt wer­den. Mit der vor­ge­schla­ge­nen Geset­zes­for­mu­lie­rung soll­ten Model­le ver­hin­dert wer­den, die eine Leis­tungs­er­brin­gung ledig­lich aus den Divi­den­den oder Zin­sen des gebil­de­ten Kapi­tals vor­se­hen wür­den 7.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Zula­ge­be­rech­tig­tens ist der Begriff der Alters­vor­sor­ge­bei­trä­ge in § 10a Abs. 1 Satz 1 EStG und in § 82 Abs. 1 EStG auf­grund der wech­sel­sei­ti­gen Bezug­nah­men in den Vor­schrif­ten iden­tisch, so dass auch von einer kor­re­spon­die­ren­den Behand­lung in bei­den Vor­schrif­ten aus­ge­gan­gen wer­den kann 8.
Die steu­er­li­che För­de­rung der durch das Alters­vor­sor­ge­ver­mö­gen im Lau­fe eines Ver­an­la­gungs­zeit­raums ent­ste­hen­den Erträ­ge liegt dar­in, dass sie nicht zum Ende des Ver­an­la­gungs­zeit­raums gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG der Besteue­rung unter­wor­fen wer­den, son­dern erst bei Aus­zah­lung auf­grund des inso­weit vor­ran­gi­gen § 22 Nr. 5 EStG. Zwar ist für den Zufluss von Erträ­gen grund­sätz­lich dar­auf abzu­stel­len, wann der Steu­er­pflich­ti­ge nach dem Gesamt­bild der Ver­hält­nis­se die wirt­schaft­li­che Ver­fü­gungs­macht über sie erlangt hat. Die­ser Grund­satz hät­te aber bezo­gen auf die nach § 22 Nr. 5 EStG zu besteu­ern­den Leis­tun­gen zur Fol­ge, dass Erträ­ge, die dem Steu­er­pflich­ti­gen wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit gut­ge­schrie­ben wer­den, bereits im Zeit­punkt der Gut­schrift als zuge­flos­sen anzu­se­hen und damit zu besteu­ern wären. Das wür­de jedoch dem gesetz­ge­be­ri­schen Ziel der För­de­rung des Auf­baus einer pri­va­ten kapi­tal­ge­deck­ten Alters­ver­sor­gung wider­spre­chen, alle wäh­rend der Anspar­pha­se erwirt­schaf­te­ten Erträ­ge erst in der Leis­tungs­pha­se ‑also nach­ge­la­gert- steu­er­lich zu erfas­sen. Vor die­sem Hin­ter­grund ist ein Zufluss nicht anzu­neh­men, wenn die Erträ­ge dem der Alters­vor­sor­ge gewid­me­ten Vor­sor­ge­ver­trag gut­ge­schrie­ben wer­den, so dass die Ver­steue­rung der Erträ­ge und Zin­sen bis zum Ein­tritt der Aus­zah­lungs­pha­se auf­ge­scho­ben wird 9.
Viel­mehr wur­de indes in Fäl­len der steue­run­schäd­li­chen Ver­wen­dung durch § 82 Abs. 4 Nr. 4 i.V.m. § 92a Abs. 2 EStG (§ 92a Abs. 2 Satz 4 Nr. 1 und Abs. 3 Satz 9 Nr. 2 EStG der aktu­el­len Fas­sung) aus­drück­lich gere­gelt, dass Rück­zah­lungs­be­trä­ge aus einer unschäd­li­chen Ver­wen­dung nicht zu den Alters­vor­sor­ge­bei­trä­gen zäh­len, um eine Dop­pel­be­güns­ti­gung die­ser Zah­lun­gen zu ver­mei­den 10.
Schließ­lich zeigt auch die Vor­schrift des § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 Alt­ZertG, dass Alters­vor­sor­ge­bei­trä­ge und Erträ­ge von­ein­an­der abzu­gren­zen sind. Nach die­ser Vor­schrift müs­sen zumin­dest die ein­ge­zahl­ten Alters­vor­sor­ge­bei­trä­ge für die Aus­zah­lungs­pha­se zur Ver­fü­gung ste­hen. Könn­ten ent­stan­de­ne Erträ­ge Bei­trä­ge sein, wür­de über die­sen Umweg der Aus­zah­lungs­schutz auch auf die Erträ­ge erstreckt wer­den, obwohl der Gesetz­ge­ber aus­drück­lich nur das gebil­de­te Kapi­tal in Höhe der ein­ge­zahl­ten Bei­trä­ge für die monat­li­chen Leis­tun­gen in der Aus­zah­lungs­pha­se sicher­stel­len woll­te 11.
Das Ergeb­nis, dass die Zin­sen und Erträ­ge nicht als Alters­vor­sor­ge­bei­trä­ge ange­se­hen wer­den kön­nen, ent­spricht vor allem aber dem Sinn und Zweck der För­de­rung pri­va­ter Alters­vor­sor­ge. Bereits in der Geset­zes­be­grün­dung zum Alters­ver­mö­gens­ge­setz ist aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den, dass ein Eigen­bei­trag zwin­gend erfor­der­lich sei, da mit der Zula­ge die pri­va­te Alters­vor­sor­ge geför­dert und nicht eine staat­lich finan­zier­te Grund­ren­te instal­liert wer­den soll­te. Nur wenn der Steu­er­pflich­ti­ge sei­nen Anteil erbrin­ge, erhal­te er die staat­li­che För­de­rung in vol­lem Umfang 12. Der Grund­ge­dan­ke der Not­wen­dig­keit der eige­nen Bei­trags­zah­lun­gen zeigt sich zudem in dem gefor­der­ten Min­destei­gen­bei­trag des Zula­gen­be­rech­tig­ten gemäß § 86 EStG, da ohne die­se Rege­lung die Mög­lich­keit bestan­den hät­te, dass ein Anle­ger auch ohne Eigen­bei­trag einen Anspruch auf Zula­ge erwirbt 13.
Wür­de das Alters­vor­sor­ge­ver­mö­gen des Zula­ge­be­rech­tig­tens dem­ge­gen­über auch auf von ihm geleis­te­ten, jedoch nicht geför­der­ten Bei­trä­gen beru­hen, wür­de zwar § 93 EStG kei­ne Anwen­dung fin­den, jedoch § 22 Nr. 5 Satz 2 EStG 14. Den Fall der Ent­nah­me und Reinves­ti­ti­on der unge­för­der­ten Erträ­ge hät­te die Bank den Rege­lun­gen der AltvDV ent­spre­chend dar­stel­len und ins­be­son­de­re die för­de­rungs­wür­di­gen Bei­trä­ge der ZfA mel­den müs­sen. Sol­che Mit­tei­lun­gen der Bank sind jedoch den Akten nicht zu ent­neh­men.
all­ge­mei­ne Mei­nung, so auch BMF, Schrei­ben vom 24.07.2013 – IV C 3‑S 2015/​11/​10002, BSt­Bl I 2013, 1022, Rz 122; Schmid­t/We­ber-Grel­let, EStG, 34. Aufl., § 22 Rz 125; Fischer in Kirch­hof, EStG, 14. Aufl., § 22 Rz 50; Myßen in Myßen/​Killat, Ren­ten, Raten, Dau­ern­de Las­ten, 15. Aufl.2014, Rz 1861[↩]