Source: http://m.hensche.de/Reine-Beitragszusage-als-Form-der-betrieblichen-Altersversorgung-Betriebsrentenstaerkungsgesetz-21.04.2017.html
Timestamp: 2017-10-19 01:39:58
Document Index: 572723

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 16', '§ 7', '§ 1', '§ 22', '§ 1', '§ 1', '§ 16', '§ 1', '§ 16', '§ 1', '§ 22', '§ 22', '§ 21', '§ 4', '§ 23', '§ 24', '§ 20', '§ 20', '§ 23', '§ 82', '§ 28', '§ 100', '§ 100']

HENSCHE Arbeitsrecht: Reine Beitragszusage als Form der betrieblichen Altersversorgung
Rei­ne Bei­trags­zu­sa­ge als Form der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung
Ta­rif­ver­trä­ge kön­nen künf­tig Be­triebs­ren­ten oh­ne Haf­tung des Ar­beit­ge­bers für spä­te­re Ren­ten­zah­lun­gen vor­se­hen: Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Stär­kung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung und zur Än­de­rung an­de­rer Ge­set­ze (Be­triebs­ren­ten­stär­kungs­ge­setz), vom 22.02.2017, Bun­des­tag-Drucks. 18/11286
21.04.2017. In der Re­gel er­lahmt der ge­setz­ge­be­ri­sche Ei­fer ei­ner Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on in den letz­ten Mo­na­ten vor der nächs­ten Bun­des­tags­wahl. Dann sind die Ge­mein­sam­kei­ten auf­ge­braucht und der Wahl­kampf tritt an die Stel­le des Ko­ali­ti­ons­frie­dens.
Über­ra­schen­der­wei­se ist die gro­ße Ko­ali­ti­on von SPD und SDU/CSU trotz der be­vor­ste­hen­den Bun­des­tags­wahl da­zu ent­schlos­sen, ei­ne grund­le­gen­de Re­form des Be­triebs­ren­ten­rechts zu ver­ab­schie­den.
Das ge­plan­te Be­triebs­ren­ten­stär­kungs­ge­setz soll es Ar­beit­ge­bern erst­mals er­mög­li­chen, Be­triebs­ren­ten mit der Maß­ga­be zu ver­spre­chen, dass die Bei­trags­zah­lung durch den Ar­beit­ge­ber das Be­triebs­ren­ten­ver­spre­chen er­füllt (rei­ne Bei­trags­zu­sa­ge, "pay and for­get"): Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Stär­kung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung und zur Än­de­rung an­de­rer Ge­set­ze (Be­triebs­ren­ten­stär­kungs­ge­setz), Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung, vom 22.02.2017, Bun­des­tag-Drucks. 18/11286.
Warum Betriebsrenten so sicher sind und warum viele Arbeitnehmer davon nichts haben
Zu den we­sent­li­chen Grundsätzen des der­zeit gel­ten­den Be­triebs­ren­ten­rechts gehört die Haf­tung des Ar­beit­ge­bers für die späte­ren Ren­ten­zah­lun­gen. Die­ser Grund­satz ist in § 1 Abs.1 Be­triebs­ren­ten­ge­setz (Be­trAVG) fest­ge­schrie­ben. Satz 1 und Satz 3 die­ser Vor­schrift lau­ten:
„Wer­den ei­nem Ar­beit­neh­mer Leis­tun­gen der Al­ters-, In­va­li­ditäts- oder Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus An­lass sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses vom Ar­beit­ge­ber zu­ge­sagt (be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung), gel­ten die Vor­schrif­ten die­ses Ge­set­zes. (…) Der Ar­beit­ge­ber steht für die Erfüllung der von ihm zu­ge­sag­ten Leis­tun­gen auch dann ein, wenn die Durchführung nicht un­mit­tel­bar über ihn er­folgt.“
Auf der Grund­la­ge des ak­tu­el­len Be­trAVG ist es Ar­beit­ge­bern da­her nicht möglich, ih­ren Ar­beit­neh­mern Be­triebs­ren­ten­zu­sa­gen zu ma­chen, die sich al­lein auf die Zah­lung lau­fen­der Prämi­en durch den Ar­beit­ge­ber be­zie­hen, z.B. zu ei­ner Le­bens­ver­si­che­rung, zu ei­nem Pen­si­ons­fonds oder zu ei­ner Pen­si­ons­kas­se. Das gilt gemäß § 1 Abs.2 Nr.1 und Nr.3 Be­trAVG auch für For­men der Be­triebs­ren­te wie die „bei­trags­ori­en­tier­te Leis­tungs­zu­sa­ge“ oder die Ent­gelt­um­wand­lung, bei de­nen man auf den ers­ten Blick nicht den­ken würde, dass der Ar­beit­ge­ber auch hier ei­ne ge­setz­li­che (Aus­fall-)Haf­tung für späte­re Ren­ten­zah­lun­gen trägt.
Ob­wohl der Ge­setz­ge­ber in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer wie­der Anläufe da­zu un­ter­nom­men hat, das Prin­zip der Ar­beit­ge­ber­haf­tung für Be­triebs­ren­ten­zah­lun­gen auf­zu­lo­ckern bzw. durch bei­trags­be­zo­ge­ne For­men von Be­triebs­ren­ten zu ergänzen, wur­de die stren­ge Ar­beit­ge­ber­haf­tung bis heu­te auf­recht­er­hal­ten. Dem­ent­spre­chend ver­pflich­tet § 16 Be­trAVG Ar­beit­ge­ber da­zu, al­le drei Jah­re über ei­ne (mögli­che) An­pas­sung der lau­fen­den Ren­ten­zah­lun­gen zu ent­schei­den.
Ergänzt wird die um­fas­sen­de Be­triebs­ren­ten-Haf­tung des Ar­beit­ge­bers durch ei­ne ge­setz­li­che In­sol­venz­si­che­rung. Sie greift ein, wenn Ar­beit­ge­ber in­sol­vent wer­den und aus die­sem Grund Be­triebs­ren­ten nicht mehr zah­len können (§§ 7 bis 15 Be­trAVG).
Die recht­li­che Ab­si­che­rung von Be­triebs­ren­ten ist po­si­tiv für die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer, die ei­ne An­wart­schaft auf ei­ne späte­re Be­triebs­ren­te ha­ben oder so­gar schon Be­triebs­rent­ner sind. Die Kehr­sei­te die­ser Rechts­si­cher­heit be­steht al­ler­dings dar­in, dass vie­le klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men gar nicht erst darüber nach­den­ken, ih­ren Ar­beit­neh­mern Be­triebs­ren­ten zu ver­spre­chen, da die da­mit ver­bun­de­nen, lang­fris­ti­gen fi­nan­zi­el­len und ju­ris­ti­schen Ri­si­ken für sie nicht trag­bar bzw. zu hoch sind. Und da das Be­trAVG Ar­beit­ge­ber zu Be­triebs­ren­ten­zu­sa­gen nun ein­mal nicht ver­pflich­tet, ge­hen Ar­beit­neh­mer klei­ner und mitt­le­rer Un­ter­neh­men oft leer aus.
Die der­zeit gülti­ge ge­setz­li­che Ab­si­che­rung von Be­triebs­ren­ten­an­wart­schaf­ten und Be­triebs­ren­ten­ansprüchen hat da­her den un­erwünsch­ten Ne­ben­ef­fekt, dass vie­le Ar­beit­neh­mer erst gar nicht in den Ge­nuss ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung kom­men.
An der Stel­le setzt der Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Stärkung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung (Be­triebs­ren­tenstärkungs­ge­setz) ein. In der Be­gründung zum Ge­setz­ent­wurf heißt es (S.1):
„Be­triebs­ren­ten sind noch nicht aus­rei­chend ver­brei­tet. Be­son­ders in klei­nen Un­ter­neh­men und bei Beschäftig­ten mit nied­ri­gem Ein­kom­men be­ste­hen Lücken. Des­halb sind wei­te­re An­stren­gun­gen und auch neue We­ge not­wen­dig, um ei­ne möglichst wei­te Ver­brei­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung und da­mit ver­bun­den ein höhe­res Ver­sor­gungs­ni­veau der Beschäftig­ten durch ka­pi­tal­ge­deck­te Zu­satz­ren­ten zu er­rei­chen.“
Künftig möglich: Betriebsrenten in Form der reinen Beitragszusage
Wich­tigs­ter Be­stand­teil des Ge­setz­ent­wur­fes ist die Einführung ei­ner neu­en Be­triebs­ren­ten­form, der „rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge“. Die ge­plan­te Ge­set­zesände­rung schreibt da­her in § 1 Abs.2 Nr.2 a) Be­trAVG neue Fas­sung (n.F.) fest, dass ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung im Sin­ne des Ge­set­zes auch dann vor­liegt, wenn
„der Ar­beit­ge­ber durch Ta­rif­ver­trag oder auf Grund ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges in ei­ner Be­triebs- oder Dienst­ver­ein­ba­rung ver­pflich­tet wird, Beiträge zur Fi­nan­zie­rung von Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung an ei­nen Pen­si­ons­fonds, ei­ne Pen­si­ons­kas­se oder ei­ne Di­rekt­ver­si­che­rung nach § 22 zu zah­len; die Pflich­ten des Ar­beit­ge­bers nach Ab­satz 1 Satz 3, § 1a Ab­satz 4 Satz 2, den §§ 1b bis 6 und § 16 so­wie die In­sol­venz­si­che­rungs­pflicht nach dem Vier­ten Ab­schnitt be­ste­hen nicht (rei­ne Bei­trags­zu­sa­ge)“.
Da die­se Re­ge­lung aus­drück­lich klar­stellt, dass § 1 Abs.1 Satz 3 Be­trAVG bei der rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge nicht gilt, ist ei­ne Haf­tung des Ar­beit­ge­bers für späte­re Ren­ten­zah­lun­gen bei die­ser Form der Be­triebs­ren­te aus­ge­schlos­sen. Auch die in § 16 Be­trAVG ent­hal­te­ne Pflicht des Ar­beit­ge­bers, al­le drei Jah­re über ei­ne mögli­che Ren­ten­erhöhung zu ent­schei­den, entfällt bei der rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge.
Weil der Ar­beit­ge­ber bei der rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge von lang­fris­ti­gen Haf­tungs­ri­si­ken und fi­nan­zi­el­len Rück­stel­lun­gen be­freit ist, setzt die­se Form der Be­triebs­ren­te im Un­ter­schied zum herkömmli­chen Be­triebs­ren­ten­recht auch kei­ne langjähri­ge „Be­triebs­treue“ des begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mers vor­aus. Da­her macht der Ge­setz­ent­wurf hier ei­ne Aus­nah­me von der die für „nor­ma­le“ Be­triebs­ren­ten gel­ten­den Re­gel, dass Ar­beit­neh­mer erst nach fünfjähri­gem Be­ste­hen ei­nes Be­triebs­ren­ten­ver­spre­chens ei­ne un­ver­fall­ba­re An­wart­schaft er­wer­ben, d.h. ei­ne An­wart­schaft, die von ei­ner vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­abhängig ist (§ 1b Abs.1 Satz 1 Be­trAVG). Ab­wei­chend von die­ser Re­gel sind Be­triebs­ren­ten­an­wart­schaf­ten auf­grund ei­ner rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge so­fort un­ver­fall­bar (§ 22 Abs.2 Satz 1 Be­trAVG n.F.).
An die Stel­le des Ar­beit­ge­bers, der bei der rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge nicht für die Erfüllung der Ren­ten­zah­lun­gen ein­ste­hen muss, tritt die Ver­sor­gungs­ein­rich­tung. Hier­zu sieht der Ge­setz­ent­wurf fol­gen­de Re­ge­lung vor (§ 22 Abs.1 Be­trAVG n.F.):
„Bei ei­ner rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge hat der Pen­si­ons­fonds, die Pen­si­ons­kas­se oder die Di­rekt­ver­si­che­rung dem Ver­sor­gungs­empfänger auf der Grund­la­ge des planmäßig zu­zu­rech­nen­den Ver­sor­gungs­ka­pi­tals lau­fen­de Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zu er­brin­gen.“
Tarifvertrag als notwendige Grundlage für Betriebsrenten in Form einer reinen Beitragszusage
Da­mit Be­triebs­ren­ten auf­grund rei­ner Bei­trags­zu­sa­gen nicht un­kon­trol­liert ins Kraut schießen und mögli­cher­wei­se zu ei­ner Art „Bil­lig­kon­kur­renz“ für be­ste­hen­de Be­triebs­ren­ten­sys­te­me wer­den, sieht die ge­plan­te Ge­set­zes­re­form vor, dass rei­ne Bei­trags­zu­sa­gen nur möglich sind,
wenn es ei­nen ent­spre­chen­den Ta­rif­ver­trag gibt, und
wenn die Ta­rif­par­tei­en sich an der Durchführung und Steue­rung ei­ner sol­chen Form der Al­ters­ver­sor­gung be­tei­li­gen (§ 21 Abs.1 Be­trAVG n.F.).
Bei der Durchführungs­be­tei­li­gung der Ta­rif­part­ner ha­ben die Ge­set­zes­ver­fas­ser vor al­lem sog. ge­mein­sa­me Ein­rich­tun­gen der Ta­rif­par­tei­en vor Au­gen, die in Form der So­zi­al­kas­sen der Bau­wirt­schaft seit Jahr­zehn­ten eta­bliert sind. Ge­setz­li­che Grund­la­ge für ge­mein­sa­me Ein­rich­tun­gen ist § 4 Abs.2 Ta­rif­ver­trags­ge­setz (TVG).
Bei der ta­rif­ver­trag­li­chen Ge­stal­tung von Be­triebs­ren­ten­sys­te­men und von ge­mein­sa­men Ein­rich­tun­gen sol­len Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­ber­verbände weit­ge­hend freie Hand ha­ben. Kon­kre­te Vor­ga­ben macht der Ge­setz­ent­wurf den Ta­rif­par­tei­en hier nicht.
Al­ler­dings „soll“ ein Ta­rif­ver­trag, der Be­triebs­ren­ten auf der Grund­la­ge rei­ner Bei­trags­zu­sa­gen er­laubt, ei­nen Si­che­rungs­bei­trag vor­se­hen (§ 23 Abs. 1 Be­trAVG n.F.). Mit die­sem vom Ar­beit­ge­ber zu tra­gen­den Zu­satz­bei­trag könn­ten Be­triebs­ren­ten bes­ser ab­ge­si­chert wer­den, in­dem ein zusätz­li­cher Ka­pi­tal­stock auf­ge­baut wird und/oder in­dem das Ka­pi­tal „kon­ser­va­ti­ver“ an­ge­legt wird (Ent­wurf, S.44).
Gemäß § 24 Be­trAVG n.F. können nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer die An­wen­dung fach­lich und räum­lich ein­schlägi­ger Ta­rif­verträge zur Be­triebs­ren­te in Form von rei­nen Bei­trags­zah­lung über­neh­men. Die­se Vor­schrift ist wich­tig, da vie­le klei­ne und mitt­le­re Ar­beit­ge­ber nicht ta­rif­ge­bun­den sind, d.h. für ih­ren Be­trieb bzw. Un­ter­neh­men kei­ne Ta­rif­verträge ab­sch­ließen und auch nicht Mit­glied ei­nes Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des sind. Wol­len sie und ih­re Ar­beit­neh­mer von der ge­setz­li­chen Neu­re­ge­lung Ge­brauch ma­chen, setzt das die Möglich­keit vor­aus, durch ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung be­ste­hen­de Be­triebs­ren­ten-Ta­rif­verträge über­neh­men zu können.
Die von den Ta­rif­par­tei­en ge­schaf­fe­nen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen sind al­ler­dings nicht da­zu ver­pflich­tet, nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Be­trie­be bzw. de­ren Ar­beit­neh­mer auf­zu­neh­men, d.h. es gibt hier kei­nen sog. Kon­tra­hie­rungs­zwang (Ent­wurf, Sei­te 44 f.).
Automatische Entgeltumwandlung zur Finanzierung von Betriebsrenten plus Widerspruchsrecht der Arbeitnehmer (Optionssystem)
Gemäß § 20 Abs.2 Be­trAVG n.F. kann in ei­nem Ta­rif­ver­trag ge­re­gelt wer­den,
„dass der Ar­beit­ge­ber für al­le Ar­beit­neh­mer oder für ei­ne Grup­pe von Ar­beit­neh­mern des Un­ter­neh­mens oder ein­zel­ner Be­trie­be ei­ne au­to­ma­ti­sche Ent­gelt­um­wand­lung einführt, ge­gen die der Ar­beit­neh­mer ein Wi­der­spruchs­recht hat (Op­ti­ons­sys­tem).“
Ei­ne der­ar­ti­ge Zwangs-Be­triebs­ren­te sieht das der­zeit gel­ten­de Be­trAVG nicht aus­drück­lich vor. Auch künf­tig ist für ei­ne au­to­ma­ti­sche Ent­gelt­um­wand­lung nicht nur ein Ta­rif­ver­trag not­wen­dig, son­dern außer­dem die Ein­hal­tung ge­setz­li­cher Ver­fah­rens­vor­schrif­ten. Ein „Nicht-Wi­der­spruch“ des Ar­beit­neh­mers ge­gen die ge­plan­te Ent­gelt­um­wand­lung führt nämlich nur dann zur Teil­nah­me an ei­nem Be­triebs­ren­ten­sys­tem und da­mit zur Ent­gelt­um­wand­lung (§ 20 Abs.2 Satz 2 Be­trAVG n.F.),
wenn das An­ge­bot zur Ent­gelt­um­wand­lung dem Ar­beit­neh­mer in Text­form vor­liegt,
und zwar drei Mo­na­te vor dem ers­ten Ge­halts­ab­zug bzw. vor der ers­ten Ent­gelt­um­wand­lung,
wenn der Ar­beit­neh­mer ei­ne min­des­tens ein­mo­na­ti­ge Erklärungs­frist für ei­nen mögli­chen Wi­der­spruch hat,
wenn der Ar­beit­ge­ber kon­kret vor­rech­net, wel­cher Be­trag und wel­cher Vergütungs­be­stand­teil in ei­nen Be­triebs­ren­ten­bei­trag um­ge­wan­delt wer­den soll, und
wenn der Ar­beit­neh­mer aus der Ent­gelt­um­wand­lung mit ei­ner Frist von höchs­tens ei­nem Mo­nat später wie­der aus­stei­gen kann.
Ei­ne in­halt­li­che Vor­ga­be für künf­ti­ge Ta­rif­verträge zur Ent­gelt­um­wand­lung ist im § 23 Abs.2 Be­trAVG n.F. ent­hal­ten. Die­se Vor­schrift lau­tet:
„Bei ei­ner rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge ist im Fall der Ent­gelt­um­wand­lung im Ta­rif­ver­trag zu re­geln, dass der Ar­beit­ge­ber min­des­tens 15 Pro­zent des um­ge­wan­del­ten Ent­gelts zusätz­lich als Ar­beit­ge­ber­zu­schuss an die Ver­sor­gungs­ein­rich­tung wei­ter­lei­ten muss, so­weit der Ar­beit­ge­ber durch die Ent­gelt­um­wand­lung So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträge ein­spart.“
Hin­ter die­ser Re­ge­lung steht die Über­le­gung, dass der Ar­beit­ge­ber bei
ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung
auf der Grund­la­ge ei­ner rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge
kei­ne Haf­tungs­ri­si­ken trägt, dafür aber den auf ihn ent­fal­len­den An­teil am So­zi­al­bei­trag spart. Die­se Er­spar­nis soll dem Ar­beit­neh­mer bzw. der dem Auf­bau der Be­triebs­ren­te zu­gu­te­kom­men.
Anrechnungsfreiheit von Betriebsrenten bis zu 202,00 EUR monatlich bei der Grundsicherung im Alter
Ergänzend zu den Ände­run­gen des Be­trAVG sol­len Vor­schrif­ten im Zwölf­ten Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB XII) geändert wer­den, die die An­rech­nung von Einkünf­ten bei der Grund­si­che­rung im Al­ter re­geln. Zusätz­li­che Al­ters­ren­ten sol­len künf­tig bis zu ei­nem Höchst­be­trag von der­zeit 202,00 EUR (Ge­setz­ent­wurf, S.46) an­rech­nungs­frei blei­ben, wie sich aus § 82 Abs.4 SGB XII n.F. er­gibt:
„(4) Bei der Hil­fe zum Le­bens­un­ter­halt und Grund­si­che­rung im Al­ter und bei Er­werbs­min­de­rung ist fer­ner ein Be­trag von 100 Eu­ro mo­nat­lich aus ei­ner zusätz­li­chen Al­ters­vor­sor­ge der Leis­tungs­be­rech­tig­ten zuzüglich 30 vom Hun­dert des die­sen Be­trag über­stei­gen­den Ein­kom­mens aus ei­ner zusätz­li­chen Al­ters­vor­sor­ge der Leis­tungs­be­rech­tig­ten ab­zu­set­zen, höchs­tens je­doch 50 vom Hun­dert der Re­gel­be­darfs­stu­fe 1 nach der An­la­ge zu § 28.“
Steuerliche Förderung der betrieblichen Altersversorgung bei Geringverdienern
Zu den wei­te­ren flan­kie­ren­den Maßnah­men zur Re­form des Be­trAVG gehört schließlich der „Förder­be­trag zur be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung (BAV-Förder­be­trag)“, mit dem der Ar­beit­ge­ber­bei­trag zur Be­triebs­ren­te künf­tig be­zu­schusst wer­den soll. Der BAV-Förder­be­trag wird (et­was thea­tra­lisch) in ei­nem neu­en § 100 Ein­kom­men­steu­er­ge­setz (EStG) ge­re­gelt.
Wie vie­le an­de­re steu­er­li­che „An­rei­ze“ wird auch der BAV-Förder­be­trag in klei­ner Münze aus­ge­zahlt. Gefördert wer­den Beiträge, mit de­nen sich der Ar­beit­ge­ber an den Prämi­en für ka­pi­tal­ge­deck­te Be­triebs­ren­ten von Ge­ring­ver­die­nern be­tei­ligt, d.h. von Ar­beit­neh­mern mit ei­nem mo­nat­li­chen Brut­to­lohn von höchs­tens 2.000,00 EUR. Hier sieht § 100 Abs.1 Satz EStG n.F. vor, dass Ar­beit­ge­ber von der ein­zu­be­hal­ten­den Lohn­steu­er für den ge­ring­ver­die­nen­den Ar­beit­neh­mer ei­nen Teil sei­nes BAV-Bei­trags ent­neh­men und bei der nächs­ten Lohn­steu­er- An­mel­dung ab­set­zen kann, al­ler­dings höchs­tens 144,00 EUR pro Ka­len­der­jahr. Da­zu heißt es in der Ge­set­zes­be­gründung (S.66):
„Der BAV-Förder­be­trag soll den Ver­brei­tungs­grad der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung von Ar­beit­neh­mern mit un­ter­durch­schnitt­li­chen Ein­kom­men erhöhen, denn der Ar­beit­ge­ber wird durch die staat­li­che Förde­rung mo­ti­viert, zusätz­li­che Mit­tel für die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung sei­ner Ar­beit­neh­mer auf­zu­brin­gen. Vom BAV-Förder­be­trag pro­fi­tie­ren Ge­ring­ver­die­ner, die kei­ne aus­rei­chen­den ei­ge­nen Mit­tel zur Verfügung ha­ben bzw. für die sich ei­ne auf Ent­gelt­um­wand­lung ba­sie­ren­de be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung auf­grund der nied­ri­gen und nicht vor­han­de­nen Lohn­steu­er­ent­las­tung steu­er­lich nicht rech­net.“
Stellungnahmen der Opposition und der Sozialpartner
Die Frak­ti­on DIE LIN­KE kri­ti­siert an dem Ge­setz­ent­wurf, dass er bei der Ent­gelt­um­wand­lung nur ei­ne ge­setz­li­che (Min­dest-)Be­tei­li­gung der Ar­beit­ge­ber in Höhe von 15 Pro­zent der Beiträge vor­sieht und die Ries­ter­ren­te wei­ter fort­schreibt, an­statt sie ab­zu­schaf­fen (Deut. Bun­des­tag, Sten. Be­richt, 10.03.2017, S.22386). Die rei­ne Bei­trags­zu­sa­ge lehnt DIE LIN­KE ab, da sie mit der Haf­tung des Ar­beit­ge­bers „das fes­te Ver­spre­chen ei­ner or­dent­li­chen und verläss­li­chen Be­triebs­ren­te“ be­sei­ti­ge.
Die Frak­ti­on BÜND­NIS 90/DIE GRÜNEN be­zwei­felt, dass mit der ge­plan­ten rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge auf ta­rif­ver­trag­li­cher Grund­la­ge die Ver­brei­tung von Be­triebs­ren­ten in klei­nen und mitt­le­ren Be­trie­ben gestärkt wird, da der ge­werk­schaft­li­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad der Ar­beit­neh­mer in die­sen Be­trie­ben dafür zu ge­ring sei (Deut. Bun­des­tag, Sten. Be­richt, 10.03.2017, S.22389). Außer­dem sei die Frei­stel­lung der Ar­beit­ge­ber von der Haf­tung für künf­ti­ge Ren­ten­zah­lun­gen nur für „klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men mit bis zu 50 Beschäftig­ten“ an­ge­mes­sen.
Die IG Me­tall be­wer­tet das So­zi­al­part­ner­mo­dell im Prin­zip po­si­tiv, d.h. die Abhängig­keit der Be­triebs­ren­te in Form ei­ner rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge von ei­ner not­wen­di­gen ta­rif­ver­trag­li­chen Grund­la­ge. Auch der BAV-Förder­bei­trag für Ge­ring­ver­die­ner und der Frei­be­trag für den Be­zug ei­ner Be­triebs­ren­te bei der Grund­si­che­rung im Al­ter wer­den für gut be­fun­den. Nach­bes­se­rungs­be­darf sieht die IG Me­tall bei der Ge­ring­ver­dienst­gren­ze für den BAV-Förder­be­trag (sie soll­te von 2.000,00 EUR auf 2.500,00 EUR pro Mo­nat an­ge­ho­ben wer­den), und bei der Wei­ter­ga­be der vom Ar­beit­ge­ber bei der Ent­gelt­um­wand­lung er­spar­ten So­zi­al­beiträge. Die er­spar­ten Ar­beit­ge­ber­an­tei­le am So­zi­al­bei­trag soll­ten die Ar­beit­ge­ber ge­ne­rell als Zu­zah­lun­gen zur Be­triebs­ren­te an den Ar­beit­neh­mer wei­ter­ge­ben und nicht nur in dem Fall, dass die Ent­gelt­um­wand­lung auf ta­rif­li­cher Grund­la­ge vor­ge­nom­men wird.
Die Stel­lung­nah­me des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des (DGB) ent­spricht im We­sent­li­chen den Be­wer­tun­gen der IG Me­tall, wo­bei der DGB ei­nen Kri­tik­punkt deut­li­cher her­aus­stellt, nämlich die Haf­tungs­frei­stel­lung des Ar­beit­ge­bers bei der Be­triebs­ren­te in Form der rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge. Der Ge­setz­ent­wurf geht, so die Kri­tik, über den zu­guns­ten des ein­zel­nen Ar­beit­ge­bers gel­ten­den (neu­en) Grund­satz des „pay and for­get“ hin­aus, in­dem er nämlich auch kei­nen Raum dafür lässt, dass die durchführen­de Ver­sor­gungs­ein­rich­tung bzw. Ver­si­che­rung leis­tungs­be­zo­ge­ne Ver­pflich­tun­gen ein­geht. Dies schränkt aus Sicht des DGB den Hand­lungs­spiel­raum der Ta­rif­par­tei­en ein und greift oh­ne sach­li­chen Grund in das Rechts­verhält­nis zwi­schen Ver­sor­gungs­träger und ver­si­cher­tem Ar­beit­neh­mer ein (Stel­lung­nah­me, S.4).
Die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­verbände (BDA) befürwor­tet in ih­rer Stel­lung­nah­me die ge­plan­te Einführung ei­ner rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge als Chan­ce zur Ver­brei­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge. Kri­ti­siert wird aber, dass ei­ne rei­ne Bei­trags­zu­sa­ge oh­ne ent­spre­chen­den Ta­rif­ver­trag nicht möglich sein soll, denn dann könn­te ei­ne sol­che Be­triebs­ren­te nur von Ar­beit­ge­bern an­ge­bo­ten wer­den, in de­ren Bran­che es Ta­rif­verträge zur Einführung der rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge über­haupt gibt. Kri­ti­siert wird außer­dem die der­zeit ge­plan­te ge­setz­li­che Vor­ga­be, dass Ta­rif­verträge über ei­ne rei­ne Bei­trags­zu­sa­ge ei­nen von der Ar­beit­ge­ber­sei­te auf­zu­brin­gen­den Si­che­rungs­bei­trag ent­hal­ten sol­len.
Fazit: Die reine Beitragszusage wird nicht viel bringen, wenn Betriebsrentner nicht finanziell entlastet werden
Die Möglich­keit ei­ner rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge bringt ei­ne grund­le­gen­de Ände­rung des Be­triebs­ren­ten­rechts, zu der sich der Ge­setz­ge­ber trotz jahr­zehn­te­lan­ger Dis­kus­si­on bis­her nicht hat­te durch­rin­gen konn­te. Auf­grund der er­for­der­li­chen ta­rif­ver­trag­li­chen Grund­la­ge für ein sol­ches „pay and for­get“ ist auch si­cher­ge­stellt, dass ge­werk­schaft­li­cher Sach­ver­stand miss­bräuch­li­che Ge­stal­tun­gen ver­hin­dert. Das ist im Prin­zip ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, denn so­lan­ge die Gewährung von Be­triebs­ren­ten ei­ne frei­wil­li­ge Ar­beit­ge­ber­leis­tung ist, darf sie nicht mit Haf­tungs­ri­si­ken ver­bun­den sein, die selbst für vie­le große Un­ter­neh­men kaum mehr trag­bar sind.
Frag­lich ist al­ler­dings, ob Ar­beit­neh­mer und (klei­ne) Ar­beit­ge­ber dem ex­trem kom­pli­zier­ten ge­setz­li­chen Be­triebs­ren­ten­recht und dem ständi­gen Dar­an-Her­um-Re­for­mie­ren über­haupt noch ver­trau­en oder ob sie ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge nicht lie­ber wie bis­her aus dem Weg ge­hen. Im­mer­hin soll die der­zeit ge­plan­te Re­form nichts dar­an ändern, dass Be­triebs­rent­ner wei­ter­hin (wie seit 2004 in­fol­ge der rot-grünen Re­form der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung) Kran­ken­ver­si­che­rungs- und Pfle­ge­beiträge auf ih­re be­trieb­li­chen Be­triebs­ren­ten zah­len müssen (d.h. ei­ne Ent­las­tung ist der­zeit nur für die sel­te­ne Kom­bi­na­ti­on von Be­triebs- und Ries­ter-Ren­te ge­plant). Hier muss sich der Staat ent­schei­den, ob er Be­triebs­ren­ten künf­tig fördern oder Be­triebs­rent­ner wie bis­her ab­zo­cken will.
In­dus­trie­ge­werk­schaft Me­tall: Be­triebs­ren­tenstärkungs­ge­setz. Be­triebs­ren­te: Wo das neue Ge­setz noch Lücken hat, 22.02.2017
Deut­scher Ge­werk­schafts­bund (DGB), 23.11.2016: Stel­lung­nah­me zum Re­fe­ren­ten­ent­wurf des BMAS und des BMF zum Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Stärkung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung und zur Ände­rung an­de­rer Ge­set­ze (Be­triebs­ren­tenstärkungs­ge­setz) vom 31.10.2016
Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­verbände (BDA), Neue Im­pul­se set­zen – Chan­cen für be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge nut­zen. Stel­lung­nah­me zum Ge­setz­ent­wurf ei­nes Be­triebs­ren­tenstärkungs­ge­set­zes pp., März 2017