Source: https://www.bfu-ulm.de/hintergrund/jahresberichte
Timestamp: 2020-07-12 04:16:14
Document Index: 101537500

Matched Legal Cases: ['§55', '§60', '§ 60', '§13', '§ 4', '§13', '§ 4']

Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm » Jahresberichte
Rechenschaftsberichte des Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm (BFU)
Methodik der Leistungserfassung
Mitarbeiter im Jahr 2014
Landesförderung für die Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer in Baden-Württemberg 2014
EFF-Projekte
Fachliche Einbindung des BFU im Jahr 2014
Die Öffentlichkeitsarbeit des BFU
Der Förderverein des BFU
Mitarbeiter im Jahr 2013
Landesförderung für die Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer in Baden-Württemberg in 2013 erhalten
Fachliche Einbindung des BFU im Jahr 2013
Jahresbericht 2018 des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm (BFU)
Download Jahresbericht 2018 (PDF 1,9 MB).
Jahresbericht 2015 des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm (BFU) ?
Download Jahresbericht 2015 (PDF 1,5 MB).
Jahresbericht 2014 des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm (BFU) ?
1. Methodik der Leistungserfassung ?
Für die Bewertung der Leistungen im Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm wurde im Juni 2011 eine Therapieevaluation eingeführt, die 2014 fortgesetzt wurde.
Zur Behandlungsevaluation wurden eine Anfangs-, Zwischen-, und Abschlusserhebung durchgeführt. Dabei wurden u. a. Fragen zur aktuellen Befindlichkeit wie auch zu Veränderungen im Laufe der Therapie erfasst, sowohl als Einschätzungen von Seiten des Therapeuten, wie auch als Einschätzungen von Seiten der Patienten. Aufgrund unzureichender Deutschkenntnisse wurde der Fragebogen als Interview während der Therapiestunde mit Hilfe eines Dolmetschers durchgeführt. Die Anfangserhebung wurde in der Regel am Ende der probatorischen bzw. diagnostischen Sitzungen erfasst. Diese lag bei 93 der 99 Patienten vor. Bei 6 Patienten fand lediglich ein Erstkontakt (1–2 Sitzungen) statt, daher wurden nur demographische Daten erfasst. Die Zwischenerhebung wurde am Ende eines Halbjahres erhoben und spiegelt bei Patienten, die ihre Behandlung noch nicht abgeschlossen haben, den aktuellen Therapiestand wider. Die Zwischenerhebung wurde nur bei Patienten erhoben, die bereits mindestens 5 Therapiesitzungen hatten. Am Ende der Therapie wurde eine Abschlusserhebung durchgeführt.
Die Datensätze der Zwischen- bzw. Abschlusserhebung lagen nur bei 52 der 99 Patienten vor. Von N = 47 lagen keine Zwischenerhebungsdaten vor. Das hat folgende Gründe:
9 Einzelpsychotherapie (< 5 Therapiesitzungen)
4 pausierend
14 Nur Diagnostik, es folgte keine Therapie
14 In diagnostischer Phase
6 Nur Erstkontakt
Durch die Daten der Zwischenerhebung konnten Angaben zum aktuellen Befinden gemacht werden, durch die Einbeziehung der Daten von Anfangs- und Abschlusserhebung konnten ebenso Veränderungen über die Zeit betrachtet werden.
Die deskriptive Analyse der Daten wurde mit dem Statistikprogramm SPSS (IBM SPSS Statistics Version 20; Brosius, 2010) berechnet. Die folgenden Werte sind auf- bzw. abgerundet.
1.1 Begünstigte ?
Im Berichtsjahr 2014 wurden im Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm (BFU) insgesamt 99 Patienten psychotherapeutisch versorgt. Davon waren N = 96 erwachsene traumatisierte Flüchtlinge und N = 3 akuttraumatisiert. Bei N = 93 wurde eine Anfangserhebung durchgeführt, bei N = 6, die sich im Erstkontakt befanden, demographische Daten erfasst.
Die Angebote für N=99 waren Folgende:
62 Einzelpsychotherapie
3 Einzelpsychotherapie und Kunsttherapie
wurden für 19 Patienten Psychologische Stellungnahmen verfasst
wurde mit 1 Patient ein Paargespräch durchgeführt
erhielten 4 Patienten psychosoziale Beratung
Ferner wurden für 2 Klienten – d. h. keine Patienten des BFU – eine Begutachtung im Rahmen des aufenthaltsrechtlichen Verfahrens durchgeführt.
Von den N=99 waren 26 Frauen und 73 Männer. Sie waren zwischen 18 und 64 Jahre alt (M[1] = 32,9; SD[2] = 10,0)
Die Hauptherkunftsländer waren Afghanistan (15,2%), Nigeria (12,1%) und die Türkei (9,1%).
Im Folgenden wird von den N = 52 Patienten berichtet, bei denen auch eine Zwischen- oder Abschlusserhebung durchgeführt wurde (Erklärung s. u.). In den einzelnen Kategorien kam es zu fehlenden Werten, weil nicht jeder Patient jede Frage beantwortete.
1.2 Aufenthaltsstatus ?
Die Häufigkeit eines relativ sicheren Aufenthalts (ein unbefristeter Aufenthalt, ein anerkanntes Asyl, oder ein Aufenthalt aus humanitären Gründen) lag zum Zeitpunkt der Zwischenerhebung bei: unbegrenzter Aufenthalt (1,9%); anerkanntes Asyl (7,7%); Aufenthalt aus humanitären Gründen (26,9%) (gesamt = 36,5%). Dieser relativ sichere Aufenthaltsstatus ist ein wesentlicher Faktor, der sich positiv auf das Gesamtbefinden der Patienten auswirkt. 3,8% waren Inländer (N = 2; beide akuttraumatisiert).
Beim Großteil der Patienten bestanden jedoch Unsicherheiten bezüglich des Aufenthaltsstatus: 25,0% hatten eine Aufenthaltsgestattung (§55AsylVfG) und 34,7% eine Duldung (§60aAufG).
1.3 Einschätzungen des Befindens aus Sicht der Therapeuten ?
Der Leidensdruck, die Therapiemotivation und Compliance / Mitarbeit wurden von Seiten der Therapeuten auf einer 5-stufigen Skala eingeschätzt (Kategorien: keine/r, etwas, mittel, deutlich, sehr), wobei keine/r einem Wert von 1 und sehr einem Wert von 5 entspricht.
Aus therapeutischer Sicht bestand bei 30,8% der Patienten ein deutlicher bis sehr starker Leidensdruck (M = 3,0; SD = 1,1). Die Therapiemotivation war nach Einschätzung der Therapeuten bei 44,2% der Patienten deutlich bis sehr stark ausgeprägt (M = 3,4; SD = 1,1). Eine deutliche bis sehr starke Mitarbeit/ Compliance zeigten 57,7% der Patienten (M = 3,7; SD = 0,9).
Im Vergleich zum Beginn der Therapie konnte nach Einschätzung der Therapeuten mehrheitlich eine deutliche Verbesserung des Befindens und der sozialen Situation festgestellt werden: So schätzten die Therapeuten das körperliche Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie von 75,0% der Patienten als besser oder deutlich besser, von 21,2% als unverändert ein (fehlend: 3,8%). Die Kategorien schlechter oder deutlich schlechter wurden in keinem der Fälle gewählt. Das psychische Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie wurde von den Therapeuten sogar von 84,7% als besser oder deutlich besser eingeschätzt, von 7,7% als unverändert und nur von 3,8% als schlechter oder deutlich schlechter (fehlend: 3,8%). Die soziale Situation im Vergleich zu Beginn der Therapie beschrieben die Therapeuten bei 71,2% als besser oder deutlich besser, von 21,2% als unverändert und nur von 3,8% als schlechter (fehlend: 3,8%).
1.4 GAF-Skala (Global Assessment of Functioning)[3] ?
Die GAF-Skala kodiert die globale Erfassung des Funktionsniveaus auf drei Ebenen (psychisch, sozial und beruflich). Diese Skala kann auch dazu dienen, Aussagen über den Fortschritt der Patienten anhand eines einzigen Maßes zu verfolgen. GAF-Werte werden zwischen 1 und 100 kodiert. Die psychischen, sozialen und beruflichen Funktionen sind auf einem hypothetischen Kontinuum von psychischer Gesundheit bis Krankheit gedacht. Ein Code von 91–100 würde zum Beispiel eine “Hervorragende Leistungsfähigkeit in einem breiten Spektrum von Aktivitäten; Schwierigkeiten im Leben scheinen nie außer Kontrolle zu geraten; keine Symptome” wiederspiegeln. Ein Code von 1–10 würde im Gegensatz dazu zum Beispiel eine “Ständige Gefahr, sich oder andere schwer zu verletzen (z. B. wiederholte Gewaltanwendung) ODER anhaltende Unfähigkeit, die minimale persönliche Hygiene aufrechtzuerhalten ODER ernsthafter Selbstmordversuch mit eindeutiger Todesabsicht” widerspiegeln.
Die Patienten zeigten zur Zwischenerhebung im Mittel einen Wert von 65,4 (Median = 61,5; SD = 12,0; N = 48), während sie zum Zeitpunkt der Anfangserhebung einen deutlich geringeren Mittelwert von 54,6 (Median = 53,0; SD = 8,3; N = 41) zeigten, d. h. die Patienten konnten sich während der psychotherapeutischen Behandlung deutlich stabilisieren. Ein Wert von 61–70 bezeichnet per Definition: „Einige leichte Symptome […] ODER einige leichte Schwierigkeiten hinsichtlich der sozialen, beruflichen oder schulischen Leistungsfähigkeit […], aber im allgemeinen eine relativ gute Leistungsfähigkeit, hat einige wichtige zwischenmenschliche Beziehungen.” Allgemein gilt als Voraussetzung für eine ambulante Psychotherapie ein GAF-Wert > 50 (Saß, Wittchen, Zaudig & Houben, 2003, S.47–49).
Zum Zeitpunkt der Zwischenerhebung lagen laut den GAF-Werten 34,7% im Bereich zwischen 50 und 59, 28,9% zwischen 60 und 69, 9,7% zwischen 70 und 79 und 19% hatten einen Wert ab 80 (GAF-Werte von 80 oder höher aus der Abschlusserhebung, bzw. von Patienten, die sich in der Abschlussphase befanden). In 7,7% der Fälle fehlten die Angaben.
1.5 Der Beeinträchtigungs-Schwere-Score (BSS)[4] ?
Beim Beeinträchtigungs-Schwere-Score (BSS) handelt es sich um ein theorieunabhängiges Experten-Ratingverfahren, mit dem die Beeinträchtigung eines Menschen durch seine psychogene Erkrankung eingeschätzt werden kann. Die Einschätzung der Beeinträchtigungsschwere erfolgt auf drei zentralen Dimensionen mit jeweils fünf Skalenstufen: 1. die körperliche Beeinträchtigung; 2. die Beeinträchtigung im psychischen Bereich und 3. die sog. sozialkommunikative Beeinträchtigung, d. h. die auf einer zwischenmenschlichen oder Verhaltensdimension. Der Summenwert ergibt den Schweregrad (zwischen 0 und max. 12), die Punktwerte der drei Dimensionen ergeben das Ausmaß der Beeinträchtigung. Ein Summenwert von 0–1 ist als optimale Gesundheit anzusehen, ein Summenwert von 10–12 verdeutlicht einen in jeder Hinsicht schwerst gestörten Patienten mit extremen psychischen Beeinträchtigungen in allen drei Dimensionen.
Der BSS lag zum Zeitpunkt der Anfangserhebung bei einem Mittelwert von 8,0 (SD = 2,3; N = 43). Zum Zeitpunkt der Zwischenerhebung lag der BSS im Mittel bei 5,4 (SD = 2,2; N = 48), d. h. die Beeinträchtigung der Patienten reduzierte sich während der psychotherapeutischen Behandlung deutlich.
Zur Zeit der Zwischenerhebung lagen laut den BSS-Werten 13,5% im Bereich einer außerordentlich schweren Erkrankung, 42,2% der Patienten im Bereich einer ausgeprägten Störung, 17,3% im Bereich einer deutlichen Störung, 11,6% im Bereich einer leichten Störung und 7,7% wurden als gesund eingestuft. Kein Patient lag im Bereich einer extrem schweren Erkrankung und in 4 Fällen (7,7%) lagen keine Daten vor.
1.6 Patienteneinschätzungen des Befindens ?
Zur Frage wie belastet die Patienten sich insgesamt erlebten, ergab sich auf einer Skala von 0 bis 10 zum Zeitpunkt der Zwischenerhebung ein durchschnittlicher Wert von 5,5 (SD = 3,0). Die Angst vor Abschiebung lag nach Angaben der Patienten auf einer Skala von 0 bis 10 bei einem Mittelwert von 5,2 (SD = 3,8). 32,5% gaben eine starke Angst vor Abschiebung an (Werte auf der Skala von 7 bis 10). Im Vergleich dazu hatten die Patienten bei der Anfangserhebung noch deutlich höhere Werte angegeben: die Belastung wurde mit durchschnittlich 8,0 (SD = 2,1), die Angst vor Abschiebung mit 8,5 (SD = 2,5) beziffert.
Befragungen der Patienten bestätigten den von den Therapeuten beschriebenen positiven Behandlungsverlauf: 76,9% der Patienten gaben an, dass sich ihr körperliches Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie verbessert oder sogar deutlich verbessert habe, 7,7% berichteten von einem unveränderten körperlichen Befinden und 1,9% von einem schlechteren körperlichen Befinden (fehlend: 13,5%). Die Kategorie deutlich schlechter wurde in keinem der Fälle gewählt.
Das psychische Befinden hatte sich im Vergleich zum Beginn der Therapie laut Patienten bei 80,8% verbessert oder deutlich verbessert, wurde von 1,9% als unverändert und von 3,8% als schlechter angegeben (fehlend: 13,5%). Die Kategorie deutlich schlechter wurde in keinem der Fälle gewählt.
69,2% der Patienten berichteten eine verbesserte oder deutlich verbesserte soziale Situation, 15,4% eine unveränderte und 1,9% eine schlechtere oder deutlich schlechtere Situation als zu Beginn der Therapie (fehlend: 13,5%).
Die Therapie wurde von den Patienten allgemein als sehr positiv und als sehr hilfreich eingeschätzt: 75,0% der Patienten gaben an, dass die Behandlung sehr oder ziemlich hilfreich sei, 7,7% empfanden sie als etwas hilfreich und 3,8% als kaum oder nicht hilfreich (fehlend: 13,5%).
78,8% gaben an, mit der Behandlung sehr oder ziemlich zufrieden zu sein, 5,8% waren etwas zufrieden und 1,9% kaum oder gar nicht zufrieden (fehlend: 13,5%).
2. Datenauswertung ?
Anzahl der statistisch erfassten Patienten ?
2014: N=99
Merkmale der Begünstigten ?
Minimum = 18 Jahre
Maximum = 64 Jahre
M = 32,9 Jahre; SD = 10,0
Leistungsangebote ?
Global Assessment of Functioning (GAF) der letzten 7 Tage ?
M = 54,6; Median = 53; SD = 8,3; N = 41
Beeinträchtigungs-Schwere-Score (BSS) ?
M = 8,0; SD = 2,3; N = 43
Patienteneinschätzungen des Befindens ?
„Wie belastet fühlen Sie sich derzeit insgesamt?“ ?
M = 8,0; SD = 2,1; N = 41
„Wie stark ist Ihre Angst vor Abschiebung?“ ?
M = 8,5; SD = 2,5; N = 38
Aufenthaltsstatus der Begünstigten ?
Einschätzungen des Befindens aus Sicht der Therapeuten ?
Leidensdruck ?
Mittelwert (M) = 3,0; (SD) = 1,1; N = 48
Therapiemotivation ?
M = 3,4; SD = 1,1; N = 49
Compliance/ Mitarbeit ?
M = 3,7; SD = 0,9; N = 49
Körperliches Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie ?
M = 2,0; SD = 0,7; N = 50
Psychisches Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie ?
M = 1,8; SD = 0,8; N = 50
Soziale Situation im Vergleich zum Beginn der Therapie ?
M = 2,1; SD = 0,8; N = 50
M = 65,4; Median = 61,5; SD = 12,0; N = 48
M = 5,4; SD = 2,2; N = 48
M = 5,5; SD = 3,0; N = 45
M = 5,2; SD = 3,8; N = 43
M = 1,7; SD = 0,7; N = 45
M = 1,8; SD = 0,7; N = 45
M = 2,0; SD = 0,8; N = 45
„Wie gut hilft Ihnen die Behandlung bei den Beschwerden, wegen derer Sie in Behandlung gekommen sind?“ ?
M = 4,3; SD = 0,9; N = 45
„Wie zufrieden sind Sie mit der Behandlung dieser Beschwerden und Probleme?“ ?
M = 4,6; SD = 0,8; N = 45
3. Mitarbeiter im Jahr 2014 ?
Die Leitung des BFU ist unterteilt in die Therapeutische Leitung (Psychologische Psychotherapeutin; angestellt) und die Organisatorische Leitung (Soziologe/Politologe; angestellt). Im Berichtsjahr konnte dank Landeszuschuss an das BFU und EFF-Förderung eine weitere Psychologin weiterbeschäftigt werden.
Die therapeutische und psychosoziale Versorgung der Patienten wurde durch eine weitere Psychotherapeutin und 2 KunsttherapeutInnen (Honorarkräfte) sichergestellt. Des Weiteren wurden eine Verwaltungskraft und ein Projektkoordinator angestellt beschäftigt. Auf Honorarbasis arbeiteten zudem ein Web-Master und ein Mitarbeiter für Finanzakquise und Öffentlichkeitsarbeit, eine externe Supervisorin für die Psychotherapeuten sowie eine weitere externe Supervisorin für die Kunsttherapeuten. Fünf PsychologiestudentInnen absolvierten 2014 ein Praktikum im BFU. Die Arbeit wurde außerdem von ehrenamtlichen Mitarbeitern/innen unterstützt. Im Berichtszeitraum kamen 15 Dolmetscher für 20 Sprachen v.a. in der Diagnostik und Therapie der Patienten zum Einsatz.
4. Haushaltsabschluss 2014 ?
Die Bilanz 2014 liegt noch nicht vor und wird zu gegebener Zeit nachgetragen
5. Landesförderung für die Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer in Baden-Württemberg 2014 ?
Im Zuge der Landtagswahl 2011 wurde – auf Bitte des BFU – im Koalitionsvertrag von SPD und Die GRÜNEN für die 5 Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer in Baden-Württemberg eine Landesförderung vereinbart. Dieser Koalitionsvertrag war Grundlage für die im Jahr 2012 erstmals gewährte Landesförderung. Diese Förderung bedeutet eine große Entlastung in Bezug auf die alljährliche Sicherstellung der Finanzierungsgrundlage des BFU mit der Aussicht, das bisherige strukturelle Finanzierungsdefizit zu minimieren bzw. zu egalisieren (vgl. oben). Außerdem bestand erstmals die Möglichkeit, personelle Ressourcen, die bisher mit der Akquise von Geldern beschäftigt waren, verstärkt in den Bereich der unmittelbaren Sozialberatung für BFU-Patienten einzusetzen. Dank der Landesförderung konnte seit 9.2013 eine zusätzliche 50%- Stelle für eine Psychologin eingerichtet werden.
6. EFF-Projekte ?
Das BFU führte im Jahr 2014 zwei durch den Europäischen Flüchtlingsfonds finanzierte Projekte durch, die beide im Rahmen von Projektverbünden stattfanden bzw. auch im Jahr 2014 fortgeführt wurden.
Das EFF-Projekt 11–073 im Verbund mit der PBV Stuttgart sichert „Psychosoziale und psychologische Hilfen für traumatisierte Flüchtlinge in Nord- und Südwürttemberg für 2012 – 2014“
Das EFF-Projekt 13–0999 im Verbund mit Refugio Villingen-Schwenningen gewährleistet „Psychologische und psychosoziale Hilfen für traumatisierte Flüchtlinge in Südwürttemberg und Südbaden“
Beide Projekte ergänzen sich damit in ihrer räumlichen Wirkungsweise ideal.
7. Fachliche Einbindung des BFU im Jahr 2014 ?
aktives Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft „LAG Folterüberlebende in Baden-Württemberg“
Gründungsmitglied der BAfF (Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V.)
Mitglied bei Amnesty International (Deutsche Sektion)
aktives Mitglied des Flüchtlingsrats Ulm/Alb-Donau-Kreis e.V.
aktives Mitglied des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg e.V.
aktives Mitglied des Arbeitskreis Menschrechtsbildung Ulm
Mitglied im Vorstand der AG West / Ulm
Mitarbeit am Runden Tisch UMF[5] des Staatlichen Schulamts Ulm
Mitarbeit am Runden Tisch Flüchtlinge in Ulm
Mitarbeit an der Gesprächsrunde der Menschenrechtsbeauftragten der Landesärztekammer Baden-Württemberg und der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg
8. Die Öffentlichkeitsarbeit des BFU ?
Das BFU konnte in 2014 seine lokale und regionale Vernetzung weiter ausbauen, mit einem stetig steigenden Bekanntheitsgrad bei Institutionen, Verbänden, Vereinen und Akteuren, die in der Flüchtlingsproblematik involviert sind.
Die Öffentlichkeitsarbeit des BFU umfasst die Gestaltung und ständige Aktualisierung der Homepage, Interviews für regionale wie überregionale Zeitungen, Reportagen im Fernsehen sowie die Organisation von Veranstaltungen. Ein wesentlicher Teil der Öffentlichkeitsarbeit wird von einer Honorarkraft geleistet, die in 2014 in Ermangelung von Drittmitteln über Spenden finanziert wurde. Weiter tragen ehrenamtliche Helfer aus dem Umfeld des BFU, der Förderverein und Kooperationspartner wie z.B. Amnesty International einen großen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit bei.
8.1. Die Webseite des BFU ?
Die Webseite des BFU wurde auch 2014 als ausführliche Dokumentationsplattform gepflegt. Neben Informationen über das BFU und zur Behandlung von Folteropfern im BFU finden Besucher der Homepage ausführliche Berichte zu den Themen Folter und Traumata, Fallbeispiele, Bezüge zur deutschen Geschichte, wissenschaftliche Beiträge, Literaturhinweise sowie Möglichkeiten des persönlichen Engagements, um folter-, kriegs- und gewalttraumatisierten Menschen zu helfen. Weiter informiert die Homepage über Bildungsangebote in Form von Fortbildungen für Fachpersonal sowie Vorträgen, Diskussionen und Workshops für Schulen, Universitäten und Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Zudem wird auf öffentliche Vorträge und Veranstaltungen des BFU über Folter, Menschenrechte, Flüchtlingsproblematik und Asyl hingewiesen. Nicht zuletzt dient die Website der Spendenwerbung und der Werbung für den Förderverein. Insgesamt entspricht der Umfang der Website knapp 500 Buchseiten, in 2014 verzeichnete sie rund 86.000 Besuche mit über 200.000 Seitenaufrufen.
8.2 Wanderausstellung gegen Folter ?
Gemeinsam mit Amnesty International hat das BFU eine Wanderausstellung „Die Würde des Menschen ist (un)antastbar“ mit sachlichen Informationen zu allen Themen rund um die Problematik der Folter gestaltet und bietet diese zusammen mit Rahmenveranstaltungen wie z.B. Vorträgen, Führungen für Schulklassen sowie Autorenlesungen und Konzertlesungen seit Jahren erfolgreich im gesamten deutschsprachigen Raum an. Insgesamt wurde die Ausstellung bisher in rund 130 Städten gezeigt, verbunden mit über 880 Rahmenveranstaltungen.
In 2014 wurde die Ausstellung aufgrund des großen Interesses dupliziert, so dass seit Mitte 2014 nun 2 Exemplare ausgeliehen werden können. Gezeigt wurde die Ausstellung 2014 in 10 Städten, jeweils in Verbindung mit öffentlichen Veranstaltungen sowie mit Führungen und Vorträgen für Schulklassen.
8.3. Öffentliche Veranstaltungen ?
Im Jahr 2014 konnten mit Referenten/innen des BFU oder der Mitwirkung von mit dem BFU verbundenen Fachleuten von Amnesty International und des Fördervereins des BFU 63 Veranstaltungen in 26 Städten durchgeführt werden, die von insgesamt rund 4.000 Personen besucht wurden. Dabei wurde durch Vorträge, Workshops, Lesungen und Fortbildungsseminare allgemein über Menschenrechte sowie spezifisch über die Verbreitung und Folgen der Folter, die Situation von Flüchtlingen und über die Arbeit des BFU informiert.
Viele Veranstaltungen fanden im Rahmen der Menschenrechtsbildung für Jugendliche oder Erwachsene an Schulen und Universitäten statt sowie zur Erwachsenenbildung an Volkshochschulen und Akademien (siehe 9./Menschenrechtsbildung). An der Universität Ulm wurde eine 12-teilige Vortragsreihe durchgeführt
Der überwiegende Teil der Veranstaltungen diente der allgemeinen Öffentlichkeitsarbeit und wurde für ein breites Publikum beworben.
Hinzu kamen 24 Fachveranstaltungen und andere Termine mit dem Leitungsteam des BFU, die sich an ein besonders interessiertes Publikum oder an Fachleute gewendet haben (siehe 8.4.), so dass insgesamt 87 Veranstaltungen verzeichnet werden konnten.
8.4 Fachveranstaltungen mit dem Leitungsteam des BFU ?
13.02.2014, Treffen bei der Landesärztekammer Baden-Württemberg, PD Dr. R. Kurth und M. Makowitzki
18.02.2014, Vortrag im Stadthaus Ulm, Referent: PD Dr. R. Kurth
19.02.2014, Treffen mit Kinderschutzbund Ulm, PD Dr. R. Kurth und M. Makowitzki
19.02.2014, Gemeinderatssitzung Stadt Ulm: Internationale Stadt, M. Makowitzki
20.02.2014, Vortrag bei Diakonie Ulm, Referent: PD Dr. R. Kurth
21.02.2014, Sitzung der Landesarbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren in Baden-Württemberg (LAG), M. Makowitzki
27.02.2014, EFF-Tagung bei Caritas Mannheim, Teilnahme durch M. Makowitzki
14.03.2014, Teilnahme an Treffen „Flüchtlingsrat B-W, M. Makowitzki
28.03.2014, Anti-Folter-Ausstellung (Ehingen), M. Makowitzki
31.03.2014, Vortrag Ehingen / Ausstellungseröffnung, U. Fiechtner
08.05.2014, Veranstaltung und Vortrag in DRK Aalen, Referent: M. Makowitzki
15.05.2014, Landesärztekammer Stuttgart, M. Makowitzki
15.05.2014, LAG-Sitzung und Koordinierungstreffen AMIF im DWW Stuttgart, M. Makowitzki
03.06.2014, Teilnahme an Sitzung „Flüchtlingsrat Ulm“, M. Makowitzki
26.06.2014, Info-Stand zum Gedenktag der Folteropfer, Hirschstraße Ulm, M. Makowitzki
02.07.2014, Vortrag an Universität Ulm, Herr Makowitzki / PD Dr. R. Kurth
09.07.2014, Vortrag in Ravensburg, PD Dr. R. Kurth
16.07.2014, Vortrag vor Schülern der Realschule Langenau, M. Makowitzki
19.09.2014, Vortrag im Kulturzentrum in Herbrechtingen, M. Makowitzki
09.10.2014, Sitzung bei Landesärztekammer in Stuttgart, M. Makowitzki / PD Dr. R. Kurth
13.11.2014, Vortrag im Landratsamt Biberach, PD Dr. R. Kurth / M. Makowitzki
26.11.2014, Vortrag, RehaVerein Heidenheim, PD Dr. R. Kurth
08.12.2014, Runder Tisch Flüchtlinge in Ulm, M. Makowitzki
10.12.2014, Treffen der LAG der PSZ in B-W in Stuttgart, M. Makowitzki
8.5. Spendenwerbung ?
Zusätzlich zu den Veranstaltungen und der Wanderausstellung, bei denen regelmäßig durch persönliche Ansprache und Verteilung der Flyer des BFU und seines Fördervereins um Spenden oder die Mitgliedschaft im Förderverein geworben wird, wurden 2014 mehrere E- Mailings zur Ansprache neuer Spender und Förderer auf den Weg gebracht. Der traditionelle Weihnachtsrundbrief des BFU an seine Spender, Förderer und Kooperationspartner wurde Anfang Dezember an bereits deutlich über 2000 Adressaten geschickt. Speziell für die Werbung zur Mitgliedschaft im oder der Kooperation mit dem Förderverein des BFU wurden weitere E- und Postmailings erstellt.
Bei insgesamt 10 Straßenaktionen und Informationsständen in Ulm und Neu-Ulm sowie bei insgesamt 22 Straßenaktionen in anderen Städten der Region wurden die Flyer von BFU und Förderverein verteilt.
Rund um den Schwörmontag sowie den Einstein-Marathon 2014 wurde in Zusammenarbeit mit dem Förderverein als Blickfang ein Doppeldecker-Bus von Amnesty International mit einer begehbaren Ausstellung über die Stop-Torture-Kampagne in Ulm, Neu-Ulm, Biberach, Riedlingen, Heidenheim und Aalen eingesetzt, um Spender und Förderer für das BFU zu gewinnen.
Für die weltweite Kampagne “Stop Torture” von Amnesty in 2014/2015 hat das BFU sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass die Rehabilitation von Folteropfern und die Zusammenarbeit mit Behandlungszentren in Deutschland bundesweit thematisiert wird. Das Thema “Unterstützung von Behandlungszentren in Deutschland” wird in 2015 einen Schwerpunkt der Kampagne bilden.
9. Menschenrechtsbildung ?
Bildungsangebote für Jugendliche und Erwachsene sind heute ein wesentlicher Bestandteil der Außenwirkung des BFU. Hier geht es nicht allein um die engeren Arbeitsgebiete des BFU, sondern auch um deren komplexe Hintergründe wie z.B. Geschichte und Gegenwart der Menschenrechte, Flucht und Asyl, kulturelle Konflikte, Ausbreitung der Folter in der Welt und vieles mehr.
Das BFU bietet mit eigenen Referenten/innen sowie mit Fachleuten seiner Kooperationspartner Unterrichtsbesuche in 8. – 13. Klassen aller Schularten ebenso an wie die Mitgestaltung von Seminaren für junge Erwachsene im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) oder im Bundesfreiwilligendienst (BFD) sowie Vorträge/Vorlesungen an Universitäten, Volkshochschulen und anderen Trägern der Erwachsenenbildung.
Neben Unterrichtsbesuchen an vielen Schulen in der Region wurden 2014 für mehrere Träger von FSJ- und BFD- Seminaren (u.a. Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Rotes Kreuz, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Diakonie, Internationaler Bund, Kliniken) rund 25 ganz- oder halbtägige Seminartage in ganz Süddeutschland durchgeführt. Hinzu kamen zahlreiche Vorträge an Volkshochschulen, Fortbildungsakademien sowie Einrichtungen der katholischen und evangelischen Erwachsenenbildung. Insgesamt können etwa 60% der unter 8.3. genannten Veranstaltungen der Menschenrechtsbildung zugeordnet werden.
9.1. Das BFU im “Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm” ?
Das BFU ist Gründungsmitglied des Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm (AK MRB), einem Zusammenschluss von 8 Ulmer Bildungseinrichtungen und Menschenrechtsorganisationen. Hintergrund der Gründung war u.a. die laut Ulmer Jugendstudie geringe Neigung unter Jugendlichen, die Demokratie als schützenswertes Gut anzusehen. Zur Unterstützung der Menschenrechtsbildung bietet der AK daher den Schulen in Ulm und Umgebung Fachleute und Zeitzeugen für Unterrichtsbesuche an, stellt Unterrichtsmaterialien zur Verfügung und organisiert Veranstaltungen an ausgewählten Orten in Ulm sowie Lehrerfortbildungen.
9.2. Zusammenarbeit mit Amnesty International in der Menschenrechtsbildung ?
Die Gründung des BFU ging auf eine Initiative von Amnesty-Mitgliedern in Ulm zurück, weshalb eine kontinuierliche Kooperation mit Amnesty International in der Natur der Sache lag und liegt. Im umfangreichen und häufig genutzten Angebot von Amnesty für die Menschenrechtsbildung für Jugendliche und Erwachsene ist das BFU heute bundesweit als Beispiel und Vorbild für ein erfolgreiches Menschenrechtsprojekt sehr stark vertreten. Sowohl bei Schulungen wie auch bei öffentlichen Veranstaltungen in ganz Deutschland wird die Arbeit der Psychosozialen Zentren am Beispiel der Arbeit des BFU und seiner Geschichte illustriert. Auch die Wanderausstellung des BFU wird von Amnesty in nahezu allen Bundesländern in Schulen und Universitäten eingesetzt.
Für das Jahr 2015 wurden die Voraussetzungen für die Gründung einer Publikationsreihe über Menschenrechtsthemen geschaffen, deren Einnahmen auch dem BFU zugute kommen werden. Das ehrenamtliche Herausgeberteam plant u.a. zum 20jährigen Jubiläum des BFU einen Sammelband mit Texten zur Geschichte und Gegenwart des BFU.
10. Der Förderverein des BFU ?
Der Förderverein (FV) des BFU ist mittlerweile auf rund 50 Mitglieder angewachsen. Der Förderverein unterstützt das BFU in der Öffentlichkeitsarbeit und Finanzakquise.
In 2014 konnten mehrere Veranstaltungen organisiert werden, darunter eine Straßenaktion zum „Internationalen Tag des Folteropfers“ in Ulm.
Der Förderverein freut sich über weitere aktive Mitglieder, um auch in Zukunft seine Aufgaben erfüllen zu können. Nähere Angaben zum Förderverein finden Sie unter foerderverein-bfu-ulm.de.
M = Mittelwert ↩
SD = Standardabweichung ↩
Saß, H., Wittchen, H.-U., Zaudig, M. & Houben, I. (Dt. Bearbeitung) (2003): Diagnostische Kriterien des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen. DSM-IV-TR. Göttingen: Hogrefe. ↩
Schepank, H. (1995). Der Beeinträchtigungs-Schwere-Score (BSS) – ein Instrument zur Bestimmung der Schwere einer psychogenen Erkrankung. Göttingen: Beltz Test GmbH. ↩
UMF = Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ↩
Jahresbericht 2013 des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm (BFU) ?
Für eine Bewertung der Leistungen im Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm wurde im Juni 2011 eine Therapieevaluation eingeführt, die in 2013 fortgesetzt wurde.
Zur Behandlungsevaluation wurden eine Anfangs-, Zwischen-, und Abschlusskatamnese durchgeführt. Eine Katamnese wird als ein Bericht bezeichnet, der dazu dient, den Behandlungserfolg zu überprüfen und zu dokumentieren. Dabei wurden u. a. Fragen zur aktuellen Befindlichkeit wie auch zu Veränderungen im Laufe der Therapie erfasst, sowohl als Einschätzungen von Seiten des Therapeuten, wie auch als Einschätzungen von Seiten der Patienten. Aufgrund der fehlenden Deutschkenntnisse der Patienten wurde der Fragebogen als Interview während der Therapiestunde durchgeführt. Der Fragebogen zur Anfangskatamnese wird in der Regel am Ende der diagnostischen Sitzungen erfasst. Die Zwischenkatamnese wird in der Regel am Ende eines Halbjahres erhoben und spiegelt bei Patienten, die ihre Behandlung noch nicht abgeschlossen haben, den aktuellen Therapiestand wider. Die Abschlusskatamnese wird bei Beendigung einer Behandlung durchgeführt. Durch die Daten der Zwischenkatamnese können Angaben zum aktuellen Befinden gemacht werden, durch die Einbeziehung von Anfangs- und Abschlusskatamnesedaten können ebenso Veränderungen über die Zeit betrachtet werden.
Die deskriptive Analyse der Daten wurde mit dem Statistikprogramm SPSS 22 (IBM SPSS Statistics Version 19; Brosius, 2010) berechnet. Die folgenden Werte sind abgerundet.
Im Berichtsjahr 2013 wurden im Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm (BFU) insgesamt 93 Patienten psychotherapeutisch und teils psychosozial versorgt. Davon waren 84 Patienten erwachsene traumatisierte Flüchtlinge, 8 Patienten akuttraumatisiert und ein 1 traumatisierter Jugendlicher.
Bei 93 Patienten wurde eine Anfangskatamnese durchgeführt (60 vollständig, 14 unvollständig, 19 alter Bogen). Die jeweiligen zu 100% fehlenden Daten sind als Missings zu werten. Von 49 Personen liegen keine Zwischen-oder Abschlusskatamnesen vor. Dies hat folgende Gründe
28 Personen waren nur zur Diagnostik da, es folgte keine Therapie
14 Personen befanden sich Ende 2013 noch in der Diagnostikphase
Mit 3 Personen fand nur ein Erstkontakt statt
2 Personen pausierten in 2013
Bei 2 Personen fehlen die Angaben (missings)
Außerdem liegen bei einigen Patienten unvollständige Zwischen bzw. Abschlusskatamnesen vor weshalb es zu „missings“ in den Datenanalysen kommt. Die Patienten befanden sich in der Regel in einer psychotherapeutischen Einzeltherapie, in Einzelfällen auch parallel dazu in einer Einzel- oder Gruppenkunsttherapie. 4 Patienten wurden außerdem psychosozial beraten und für 29 Patienten Stellungnahmen verfasst.
Die 28 Frauen und 65 Männer (N = 93) waren zwischen 17 und 70 Jahre alt, mit einem Mittelwert von 36,1 Jahren.
Die Hauptherkunftsländer waren die Türkei (15,1%, n=14), Nigeria und Afghanistan (jeweils 12,9% und n=12) und der Kosovo (10,8%; n=10). Weitere Herkunftsländer s. Punkt 25.1, Abbildung 1.
Im Folgenden werden die Daten der Zwischenkatamnese von N = 44 (Zwischenkatamnese (n=26) bzw. Abschlusskatamnese (n=18)) Patienten berichtet. Die berichteten Items sind bei Zwischen- und Abschlusskatamnese identisch.
Die Häufigkeit eines relativ sicheren Aufenthalts (ein unbefristeter Aufenthalt, ein anerkanntes Asyl, ein krankheitsbedingter Aufenthalt, Duldung oder Inländer) lag zum Zeitpunkt der Anfangskatamnese bei den erwachsenen traumatisierten Flüchtlingen bei:
unbefristete Aufenthaltserlaubnis (6,8%) + anerkanntes Asyl (9,1%) + krankheitsbedingter Aufenthalt (31,8%) + Duldung (31,8%) + Inländer (6,8%) = 86,3%
Aus therapeutischer Sicht bestand bei 45,5% der Patienten ein deutlicher bis sehr starker Leidensdruck (MW =3,2; SD = 1,0). Dabei fehlen die Angaben einer Person. Die Therapiemotivation war nach Einschätzung der Therapeuten bei 34,1% der Patienten deutlich bis sehr stark ausgeprägt (MW = 3,0; SD = 1,0). Eine deutliche bis sehr starke Mitarbeit/ Compliance zeigten 52,3% der Patienten (MW = 3,5; SD = 0,7). Bei den letzten beiden Kategorien fehlen jeweils die Angaben von zwei Personen.
Im Vergleich zum Beginn der Therapie konnte nach Einschätzung der Therapeuten mehrheitlich eine deutliche Verbesserung des Befindens und der sozialen Situation festgestellt werden: So schätzten die Therapeuten das körperliche Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie bei 79,6% der Patienten als besser oder deutlich besser, bei 13,6% als unverändert und bei 2,3 % (n=1) als schlechter ein. Bei zwei Personen (4,5%) sind keine Angaben vorhanden. Das psychische Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie wurde von den Therapeuten sogar bei 76,4% als besser oder deutlich besser eingeschätzt, bei 6,8% als unverändert und bei keiner Person als schlechter. Bei drei Personen (6,8%) sind keine Angaben vorhanden. Die soziale Situation im Vergleich zu Beginn der Therapie beschrieben die Therapeuten bei 75,0% als besser oder deutlich besser, bei 18,2% als unverändert und bei keiner Person als schlechter. Bei drei Personen (6,8%) sind keine Angaben vorhanden.
1.4 GAF-Skala (Global Assessment of Functioning) ?
Die GAF-Skala (Diagnostische Kriterien und Differenzialdiagnosen des diagnostischen und statistischen Manuals psychischer Störungen DSM-III; Basel; Beltz, 1989) kodiert die globale Erfassung des Funktionsniveaus auf drei Ebenen (psychisch, sozial und beruflich). Diese Skala kann auch dazu dienen, Aussagen über den Fortschritt der Patienten anhand eines einzigen Maßes zu verfolgen. GAF-Werte werden zwischen 1 und 100 kodiert. Die psychischen, sozialen und beruflichen Funktionen sind auf einem hypothetischen Kontinuum von psychischer Gesundheit bis Krankheit gedacht. Ein Code von 91–100 würde zum Beispiel eine “Hervorragende Leistungsfähigkeit in einem breiten Spektrum von Aktivitäten; Schwierigkeiten im Leben scheinen nie außer Kontrolle zu geraten; keine Symptome” wiederspiegeln. Ein Code von 1–10 würde im Gegensatz dazu zum Beispiel eine “Ständige Gefahr, sich oder andere schwer zu verletzen (z. B. wiederholte Gewaltanwendung) ODER anhaltende Unfähigkeit, die minimale persönliche Hygiene aufrechtzuerhalten ODER ernsthafter Selbstmordversuch mit eindeutiger Todesabsicht” widerspiegeln.
Von den n=44 Personen der Zwischenkatamnese liegt der GAF-Wert nur bei 22 Personen in der Anfangskatamnese vor. Grund dafür: einige Personen begannen ihre Therapie vor 2011 und hatten deshalb einen anderen Anfangskatamnese-Bogen, in welchem diese Werte nicht miterhoben wurden (n=19). Bei den restlichen drei Patienten liegen keine Angaben vor.
Es fehlen darüber hinaus die Werte der Zwischenkatamnese von 3 Personen (Missings).
Zum Zeitpunkt der Zwischenkatamnese zeigten die Patienten (N=41, fehlend: n=3) zeigten im Mittel einen Wert von 61,5 (SD = 11,2), während sie zum Zeitpunkt der Anfangskatamnese einen deutlich geringeren Mittelwert von 52,6 (SD = 8,3) zeigten, d. h. die Patienten konnten sich mittels der psychotherapeutischen Behandlung deutlich stabilisieren. Ein Wert von 51–60 bezeichnet per Definition: “Mäßig ausgeprägte Symptome (z.B. Affektverflachung, weitschweifige Sprache, gelegentliche Panikattacken) ODER mäßig ausgeprägte Schwierigkeiten bezüglich der sozialen, beruflichen oder schulischen Leistungsfähigkeit (z.B. wenige Freunde, Konflikte mit Arbeitskollegen, Schulkameraden oder Bezugspersonen)” Allgemein gilt als Voraussetzung für eine ambulante Psychotherapie ein GAF-Wert > 50.
1.5 Der Beeinträchtigungs-Schwere-Score (BSS) ?
Beim BSS (Schepank, H.; Beltz Test, 1995) handelt es sich um ein theorieunabhängiges Experten-Ratingverfahren, mit dem die Beeinträchtigung eines Menschen durch seine psychogene Erkrankung eingeschätzt werden kann. Die Einschätzung der Beeinträchtigungsschwere erfolgt auf drei zentralen Dimensionen mit jeweils fünf Skalenstufen: 1. die körperliche Beeinträchtigung; 2. die Beeinträchtigung im psychischen Bereich und 3. die sog. sozialkommunikative Beeinträchtigung, d. h. die auf einer zwischenmenschlichen oder Verhaltensdimension. Der Summenwert ergibt den Schweregrad (zwischen 0 und max. 12), die Punktwerte der drei Dimensionen ergeben das Ausmaß der Beeinträchtigung. Ein Summenwert von 0–1 ist als optimale Gesundheit anzusehen, ein Summenwert von 10–12 verdeutlicht einen in jeder Hinsicht schwerst gestörten Patienten mit extremen psychischen Beeinträchtigungen in allen drei Dimensionen.
Auch hier liegt der BSS-Wert der Anfangskatamnese nur bei 24 Patienten vor, was auf die alten Bögen und bei einem Patienten auf fehlende Angaben zurückzuführen ist (n= 19). Darüber treten bei der Zwischenkatamnese 3 Missings auf. Der BSS lag zum Zeitpunkt der Anfangskatamnese bei einem Mittelwert von 7,8 (SD = 2,1). Zum Zeitpunkt der Zwischenkatamnese lag der BSS im Mittel bei 5,8 (SD = 2,1), d. h. die Beeinträchtigung der Patienten konnte durch die psychotherapeutische Behandlung deutlich reduziert werden.
Befragungen der Patienten bestätigten den von den Therapeuten beschriebenen positiven Behandlungsverlauf: 61,4% der Patienten gaben an, dass sich ihr körperliches Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie verbessert oder sogar deutlich verbessert habe, 9,1% berichteten von einem unveränderten körperlichen Befinden. Das psychische Befinden hatte sich im Vergleich zum Beginn der Therapie laut Patienten bei 63,6% verbessert oder deutlich verbessert und wurde von 6,8% als unverändert angegeben. 59,1% der Patienten berichteten eine verbesserte oder deutlich verbesserte soziale Situation, 11,4% eine unveränderte. Dabei fehlen jeweils von 29,5% (n=13) der Patienten die Angaben.
Zur Frage wie belastet die Patienten sich insgesamt erleben, ergab sich auf einer Skala von 0 bis 10 ein durchschnittlicher Wert von 5,3 (SD = 2,5). Hier fehlten die Angaben von sechs Patienten (13,6%) Die Angst vor Abschiebung lag nach Angaben der Patienten auf einer Skala von 0 bis 10 bei einem Mittelwert von 4,3 (SD = 3,4). 20,5% gaben eine starke Angst vor Abschiebung an (Werte auf der Skala von 7 bis 10), wobei von 12 Personen (27,3%) keine Angaben vorhanden sind.
Die Therapie wurde von den Patienten allgemein als sehr positiv und als sehr hilfreich eingeschätzt: 70,5% der Patienten gaben an, dass die Behandlung sehr oder ziemlich hilfreich sei. 15,9% empfanden sie als etwas hilfreich. Weiterhin gaben 75,0% der Patienten an, dass sie mit der Behandlung sehr oder ziemlich zufrieden seien. 11,4% waren etwas zufrieden. Die Kategorien kaum und überhaupt nicht wurden von keinem Patienten verwendet. In beiden Kategorien fehlen die Angaben von sechs Personen (13,6%).
2.1 Begünstigte ?
Einteilung Trauma/Patient
Insgesamt behandelt: n = 93, davon 84 Erwachsene traumatisierte Flüchtlinge, 8 akuttraumatisierte Erwachsene, 1 traumatisiertes Kind
Gültig Erwachsene traumatisierte Flüchtlinge 84 90,3 90,3 90,3
Akuttraumatisierte Erwachsene 8 8,6 8,6 98,9
Kinder Flüchtlinge traumatisiert 1 1,1 1,1 100,0
Gesamt 93 100,0 100,0
Anfangserhebung
Anfangskatamnesen: 93 Personen (60 vollständig, 14 unvollständig, 19 alter Bogen)
Gültig ja 60 64,5 64,5 64,5
unvollständig 14 15,1 15,1 79,6
alter Bogen 19 20,4 20,4 100,0
Zwischenkatamnese Dezember: 26 Personen
Abschlusskatamnese: 18 Personen
Geschlecht: 65 männlich, 28 weiblich (30,1%)
Alter: 17–70 (M=36,1, SD=12,2) (N=93)
Alter 93 17,83 70,83 36,1272 12,24346
Gültige Werte (Listenweise) 93
Hauptherkunftsländer (über 10%): Türkei: 15,1% (n=14); Nigeria und Afghanistan jeweils 12,9% (n=12); Kosovo 10,8% (n=10).
2.2 Aufenthaltsstatus ?
2.2.1 Aufenthaltsstatus zum Zeitpunkt der Anfangskatamnese ?
Aufenthaltsstatus (Anfangskatamnese)
Relativ sicherer Aufenthalt: unbefristete Aufenthaltserlaubnis (1,1%) + anerkanntes Asyl (4,3%) + krankheitsbedingter Aufenthalt (2,2%) + Duldung (32,3%) + Inländer (4,3%) = 44,2%
Missings: 7,5%
Gültig Inländer 4 4,3 4,7 4,7
Asylantrag 32 34,4 37,2 41,9
Asylfolgeantrag 8 8,6 9,3 51,2
anerkanntes Asyl 4 4,3 4,7 55,8
Kh-bedingter Aufenthalt 2 2,2 2,3 58,1
Duldung 30 32,3 34,9 93,0
drohende Abschiebung 3 3,2 3,5 96,5
unbefristete Aufenthaltserlaubnis 1 1,1 1,2 97,7
sonstiges 2 2,2 2,3 100,0
Gesamt 86 92,5 100,0
Fehlend System 7 7,5
Gesamt 93 100,0
Die folgenden Daten beziehen sich auf die Personen der Zwischen- (n=26) und Abschlusskatamnese (n=18): n=44 Personen. Dabei liegen nicht von allen Patienten vollständige Zwischen bzw. Abschlusskatamnesen vor, weshalb es zu missings in den Datenanalysen kommt.
2.2.2 Aufenthaltsstatus zum Zeitpunkt Dezember 2013 (Zwischen- und Abschlusskatamnesen) ?
Therapeut: Aufenthaltsstatus (Zwischen- und Abschlusskatamnese)
Relativ sicherer Aufenthalt zum Zeitpunkt der Zwischenkatamnese: unbefristete Aufenthaltserlaubnis (6,8%) + anerkanntes Asyl (9,1%) + krankheitsbedingter Aufenthalt (31,8%) + Duldung (31,8%) + Inländer (6,8%) = 86,3%
Missings: n = 1
Gültig Inländer 3 6,8 7,0 7,0
Asylantrag 3 6,8 7,0 14,0
Asylfolgeantrag 1 2,3 2,3 16,3
anerkanntes Asyl 4 9,1 9,3 25,6
Kh-bedingter Aufenthalt 14 31,8 32,6 58,1
Duldung 14 31,8 32,6 90,7
unbegrenzter Aufenthalt 3 6,8 7,0 97,7
§ 60/2 1 2,3 2,3 100,0
Gesamt 43 97,7 100,0
Fehlend System 1 2,3
Gesamt 44 100,0
2.3. Einschätzungen des Befindens aus Sicht der Therapeuten ?
Therapeut: Leidensdruck
Deutlicher Leidensdruck 36,4%, sehr starker Leidensdruck 9,1%; deutlicher bis sehr starker Leidendruck: 44,5% (M=3,2; SD=1,0) Bei einer Person (2,3%) keine Angaben.
Gültig keiner 4 9,1 9,3 9,3
etwas 4 9,1 9,3 18,6
mittel 15 34,1 34,9 53,5
deutlich 16 36,4 37,2 90,7
sehr 4 9,1 9,3 100,0
Therapeut: Therapiemotivation
Deutliche Therapiemotivation 27,3%, sehr starke Therapiemotivation 6,8%; deutliche bis starke Therapiemotivation: 34,1% (M=3,0; SD=1,0). Bei zwei Personen (4,5%) keine Angaben
Gültig keiner 3 6,8 7,1 7,1
etwas 9 20,5 21,4 28,6
mittel 15 34,1 35,7 64,3
deutlich 12 27,3 28,6 92,9
sehr 3 6,8 7,1 100,0
Gesamt 42 95,5 100,0
Fehlend System 2 4,5
Therapeut: Compliance / Mitarbeit
Deutliche Mitarbeit/Compliance 45,5%, sehr starke Mitarbeit/Compliance 6,8%; deutliche bis starke Mitarbeit/Compliance: 52,3% (M=3,5; SD=0,7). Bei zwei Personen (4,5%) keine Angaben.
Gültig etwas 4 9,1 9,5 9,5
mittel 15 34,1 35,7 45,2
deutlich 20 45,5 47,6 92,9
Therapeut: Leidensdruck 31 1 5 3,61 ,844
Therapeut: Therapiemotivation 31 2 5 3,45 ,723
Therapeut: Compliance / Mitarbeit 31 3 5 3,77 ,560
Gültige Werte (Listenweise) 31
Therapeut: körperliches Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie
Körperliches Befinden im vgl. zum Anfang der Therapie (Therapeuteneinschätzung): deutlich besser 18,2%; besser 61,4% (insgesamt 79,6% deutlich besser oder besser) unverändert 13,6 %; schlechter 2,3%. Bei zwei Personen (4,5%) keine Angaben.
Gültig deutlich besser 8 18,2 19,0 19,0
besser 27 61,4 64,3 83,3
unverändert 6 13,6 14,3 97,6
schlechter 1 2,3 2,4 100,0
Therapeut: psychisches Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie
Psychisches Befinden im Vgl. zum Anfang der Therapie (Therapeuteneinschätzung): deutlich besser 20,5%; besser 65,9%; (insgesamt 76,4% deutlich besser oder besser) unverändert 6,8%; keine Person gibt eine Verschlechterung an. Bei drei Personen (6,8%) keine Angaben.
Gültig deutlich besser 9 20,5 22,0 22,0
besser 29 65,9 70,7 92,7
unverändert 3 6,8 7,3 100,0
Gesamt 41 93,2 100,0
Fehlend System 3 6,8
Therapeut: soziale Situation im Vergleich zum Beginn der Therapie
Soziale Situation im Vgl. zum Anfang der Therapie (Therapeuteneinschätzung): deutlich besser 20,5%; besser 54,5% (insgesamt 75,0% deutlich besser oder besser); 18,2% unverändert; keine Verschlechterung. Bei drei Personen (6,8%) keine Angaben.
besser 24 54,5 58,5 80,5
unverändert 8 18,2 19,5 100,0
2.4 GAF-Werte ?
Achtung! Von den n=44 Personen der Zwischenkatamnese liegt der GAF-Wert nur bei 22 Personen in der Anfangskatamnese vor und es treten 3 Missings bei der Zwischenkatamnese auf.
Mittelwert der GAF-Werte zu Therapiebeginn: M=52,6 (SD=8,3)
Mittelwert der GAF-Werte bei der Zwischenkatamnese/Abschlusskatamnese: M=61,5 (SD=11,2)
Dies ist eine Verbesserung im Vergleich zum Therapiebeginn.
Anfangskatamnese: GAF 22 34 66 52,64 8,301
Zwischenkatamnese: GAF 41 40 91 61,51 11,234
Gültige Werte (Listenweise) 22
2.5 BSS-Werte ?
Auch hier liegt der BSS-Wert der Anfangskatamnese nur bei 24 Patienten vor und bei der Zwischenkatamnese fehlen die Werte von 3 Personen (Missings)
Mittelwert BSS gesamt zu Therapiebeginn: M=7,8 (SD=2,1)
Mittelwert BSS gesamt bei der Zwischenkatamnese/Abschlusskatamnese: M=5,8 (SD=1,2)
BSSges_Anf 24 4,00 12,00 7,8333 2,11961
BSSges Zw 41 ,00 10,00 5,8780 2,12362
Gültige Werte (Listenweise) 24
2.6 Patienteneinschätzungen des Befindens ?
Patient: körperliches Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie
Körperliches Befinden im Vergleich zum Anfang der Therapie (Einschätzung von Patienten): deutlich besser 15,9%; besser 45,5% (insgesamt 61,4% deutlich besser oder besser); unverändert 9,1%; keine Verschlechterung. Keine Angaben von 13 Personen (22%).
Gültig deutlich besser 7 15,9 22,6 22,6
besser 20 45,5 64,5 87,1
unverändert 4 9,1 12,9 100,0
Gesamt 31 70,5 100,0
Fehlend System 13 29,5
Patient: psychisches Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie
Psychisches Befinden im Vergleich zum Anfang der Therapie (Einschätzung von Patienten): deutlich besser 13,6%; besser 50,0% (insgesamt 63,6% deutlich besser oder besser); unverändert 6,8%; keine Verschlechterung. Keine Angaben bei 13 Personen.
Gültig deutlich besser 6 13,6 19,4 19,4
besser 22 50,0 71,0 90,3
unverändert 3 6,8 9,7 100,0
Patient: soziale Situation im Vergleich zum Beginn der Therapie
Soziale Situation: (Einschätzung von Patienten): deutlich besser 6,8%; besser 52,3% (insgesamt 59,1% deutlich besser oder besser); unverändert 11,4%; keine Verschlechterung. Bei 13 Personen keine Angaben (29,5%).
Gültig deutlich besser 3 6,8 9,7 9,7
besser 23 52,3 74,2 83,9
unverändert 5 11,4 16,1 100,0
Derzeitige Belastung: Range von 1,5–10 mit M=5,3 und SD=2,9 (bei 6 Personen missings).
Angst vor Abschiebung: Range von 0–10 mit M=4,3 und SD=3,4 (bei fünf Personen trifft Abschiebung nicht zu, diese Frage wurde deshalb nicht beantwortet und bei weiteren sieben Personen keine Angaben).
Patient: Wie belastet derzeit? 38 1,50 10,00 5,3289 2,59229
Patient: Wie stark ist Angst vor Abschiebung? 32 ,00 10,00 4,3906 3,47278
Gültige Werte (Listenweise) 32
Patient: Wie stark ist Angst vor Abschiebung?
Starke Angst vor Abschiebung (Werte 7–10): 9 Personen (20,5%).
Gültig ,00 9 20,5 28,1 28,1
2,00 3 6,8 9,4 37,5
3,00 1 2,3 3,1 40,6
5,00 5 11,4 15,6 56,3
5,50 1 2,3 3,1 59,4
6,00 3 6,8 9,4 68,8
6,50 1 2,3 3,1 71,9
7,00 3 6,8 9,4 81,3
8,00 1 2,3 3,1 84,4
8,50 1 2,3 3,1 87,5
9,00 1 2,3 3,1 90,6
10,00 3 6,8 9,4 100,0
Gesamt 32 72,7 100,0
Fehlend System 12 27,3
Patient: hilft die Behandlung?
Hilft die Behandlung? Sehr hilfreich 43,2%, ziemlich hilfreich 27,3% (70,5% sehr oder ziemlich hilfreich), etwas hilfreich 15,9%. „Kaum“ oder „überhaupt nicht“ wurde nicht genannt. Keine Angaben von 6 Personen (13,6%).
Gültig Etwas 7 15,9 18,4 18,4
ziemlich 12 27,3 31,6 50,0
Sehr 19 43,2 50,0 100,0
Gesamt 38 86,4 100,0
Fehlend System 6 13,6
Patient: sind Sie zufrieden mit der Behandlung?
Wie zufrieden sind Sie mit der Behandlung? Sehr zufrieden 50,0%, ziemlich zufrieden 25,0% (75% sehr oder ziemlich zufrieden), etwas zufrieden 11,4%. „Kaum“ oder „überhaupt nicht“ wurde nicht genannt. Keine Angaben von 6 Personen (13,6%).
Gültig etwas 5 11,4 13,2 13,2
ziemlich 11 25,0 28,9 42,1
sehr 22 50,0 57,9 100,0
Weitere Einzelheiten zu unseren Patienten und Therapien finden Sie unter Statistik
3. Mitarbeiter im Jahr 2013 ?
Die Leitung des BFU ist unterteilt in die Therapeutische Leitung (Psychologische Psychotherapeutin; angestellt) und die Organisatorische Leitung (Soziologe/Politologe; angestellt). Im Berichtsjahr konnte dank Landeszuschuss an das BFU und EFF-Förderung eine weitere Psychologin angestellt werden.
Die therapeutische und psychosoziale Versorgung der Patienten wurde durch 2 weitere PsychotherapeutInnen und 2 KunsttherapeutInnen (Honorarkräfte) sichergestellt. Des Weiteren wurden eine Verwaltungskraft und ein Projektkoordinator angestellt beschäftigt. Auf Honorarbasis arbeiteten zudem ein Web-Master und ein Mitarbeiter für Finanzakquise und Öffentlichkeitsarbeit, ein externer Supervisor für die Psychotherapeuten sowie eine weitere externe Supervisorin für die Kunsttherapeuten. Vier Psychologiestudentinnen absolvierten 2013 ein Praktikum im BFU. Die Arbeit wurde außerdem von ehrenamtlichen Mitarbeitern/innen unterstützt. Im Berichtszeitraum kamen 15 Dolmetscher für 20 Sprachen v.a. in der Diagnostik und Therapie der Patienten zum Einsatz.
4. Haushaltsabschluss 2013 ?
In den folgenden grafischen Darstellungen finden Sie detaillierte Angaben zum Haushalt des BFU im Jahr 2013.
5. Landesförderung für die Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer in Baden-Württemberg in 2013 erhalten ?
Im Zuge der Landtagswahl 2011 wurde – auf Bitte des BFU – im Koalitionsvertrag von SPD und Die GRÜNEN für die 5 Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer in Baden-Württemberg eine Landesförderung vereinbart. Dieser Koalitionsvertrag war Grundlage für die im Jahr 2012 erstmals gewährte Landesförderung. Diese Förderung bedeutete eine große Entlastung in Bezug auf die alljährliche Sicherstellung der Finanzierungsgrundlage des BFU mit der Aussicht, das bisherige strukturelle Finanzierungsdefizit zu minimieren bzw. zu egalisieren (vgl. oben). Außerdem bestand erstmals die Möglichkeit, personelle Ressourcen, die bisher mit der Akquise von Geldern beschäftigt waren, verstärkt in den Bereich der unmittelbaren Sozialberatung für BFU-Patienten einzusetzen. Dank der Landesförderung konnte ab 9.2013 eine zusätzliche 50%- Stelle für eine Psychologin eingerichtet werden.
Das BFU führte im Jahr 2013 zwei durch den Europäischen Flüchtlingsfonds finanzierte Projekte durch, die beide im Rahmen von Projektverbünden stattfanden bzw. auch im Jahr 2014 fortgeführt werden.
7. Fachliche Einbindung des BFU im Jahr 2013 ?
Mitarbeit am Runden Tisch UMF (Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) des Staatlichen Schulamts Ulm
Mitarbeit im AK „Interkulturelle Öffnung in Psychiatrie und Behindertenhilfe“ in Baden-Württemberg
Kooperationsprojekt mit der Trauma-Ambulanz der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm (KJP).
Das BFU hat der KJP seinen Stamm von 15 geschulten Dolmetschern für folgende Sprachen zur Verfügung gestellt: Albanisch, Arabisch, Badini, Dari, Englisch, Farsi, Französisch, Hindi, Kurmanci, Panjabi, Pidgin-Englisch, Polnisch, Romani, Russisch, Serbokroatisch, Sorani, Türkisch. Somit können erstmals auch traumatisierte Kinder aus diesen Sprachregionen Nutzen von dem diagnostischen und therapeutischen Angebot der KJP ziehen.
Das BFU ist heute eine gut eingeführte, mit anderen lokalen und regionalen Einrichtungen eng vernetzte Institution, die bei ihren Ansprechpartnern hohes Ansehen genießt, jedoch in früheren Jahren nicht regelmäßig an die Öffentlichkeit trat und daher im öffentlichen Bewusstsein geringer als möglich verankert war. Seit 2010 wurde die Öffentlichkeitsarbeit des BFU neu organisiert mit dem Ziel, auf mehreren verschiedenen, kostensparenden Wegen eine verbesserte Präsenz in der Öffentlichkeit und damit auch in der Finanzbeschaffung bei Förderern und Stiftungen zu erreichen. Seitdem wird die Öffentlichkeitsarbeit des BFU in der Kombination aus einer Honorarkraft (auf Stundenbasis) sowie dem Einsatz ehrenamtlicher Kräfte aus dem Umfeld des BFU, seines Fördervereines und seiner Kooperationspartner wie z.B. Amnesty International Ulm geleistet.
8.1. Die Website des BFU ?
Die Website des BFU wurde 2009/2010 komplett überarbeitet und wird seitdem kontinuierlich als “Anker” für die Öffentlichkeitsarbeit ausgebaut. Auf ihr findet sich eine Fülle von Informationen zu den Themen Trauma, Folter, Behandlung von Folteropfern im BFU, Geschichte und Gegenwart der Folter, Fallbeispiele, Bezüge zur deutschen Geschichte, Literaturhinweise, wissenschaftliche Beiträge, Möglichkeiten zur Mitarbeit und vieles mehr. Das Ziel der stetigen Aktualisierung und Ergänzung der Website ist es, den Internetauftritt zu einem nachhaltigen Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit und Spendenwerbung des BFU zu machen und gleichzeitig fundierte Informationen zum Thema bereit zu stellen, die sowohl für die Öffentlichkeit wie auch für die Fachwelt interessant sind.
Inzwischen umfasst die Website umgerechnet über 450 Buchseiten und verzeichnet seit ihrem Neustart ein stetig wachsendes Interesse: während im Jahr 2008, vor Renovierung der Website, nur 5.702 Besucher/innen die Website des BFU aufgerufen haben, konnten im Jahr 2013 bereits deutlich über 90.000 Besucher/innen registriert werden.
8.2. Wanderausstellung gegen Folter ?
Gemeinsam mit Amnesty International hat das BFU eine Wanderausstellung mit sachlichen Informationen zu allen Themen rund um die Problematik der Folter gestaltet und bietet diese zusammen mit Rahmenveranstaltungen wie z.B. Vorträgen, Führungen für Schulklassen sowie Autorenlesungen und Konzertlesungen seit Jahren erfolgreich im gesamten deutschsprachigen Raum an. Insgesamt wurde die Ausstellung bisher in rund 120 Städten gezeigt, verbunden mit über 850 Rahmenveranstaltungen.
In 2013 wurde die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Förderverein des BFU vollständig renoviert und aktualisiert und steht seitdem in neuer Form zur Verfügung. Gezeigt wurde die Ausstellung 2013 in 6 Städten, jeweils in Verbindung mit öffentlichen Veranstaltungen sowie mit Führungen und Vorträgen für Schulklassen.
Zum Internationalen Tag des Folteropfers am 26. Juni sowie rund um den Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember wurde die Ausstellung jeweils für mehrere Wochen in Ulm in der Wengenkirche sowie im Weststadthaus gezeigt, in beiden Fällen verbunden mit gut besuchten öffentlichen Veranstaltungen sowie mit Führungen und Vorträgen für Schulen. Insgesamt haben 11 Schulklassen aus Ulm und der Region daran teilgenommen.
Für 2014/15 liegen Buchungs-Anfragen der Ausstellung aus 17 Städten in ganz Deutschland vor. Aufgrund des großen Interesses wurden Mittel für die Herstellung eines zweiten Exemplars der Ausstellung beantragt.
Im Jahr 2013 konnten mit Referenten/innen des BFU oder der Mitwirkung von mit dem BFU verbundenen Fachleuten von Amnesty International und des Fördervereins des BFU insgesamt 69 Veranstaltungen in 29 Städten durchgeführt werden, die von insgesamt rund 3.800 Personen besucht wurden. Dabei wurde durch Vorträge, Workshops, Lesungen und Fortbildungsseminare allgemein über Menschenrechte sowie spezifisch über die Verbreitung und Folgen der Folter, die Situation von Flüchtlingen und über die Arbeit des BFU informiert.
Viele Veranstaltungen fanden im Rahmen der Menschenrechtsbildung für Jugendliche oder Erwachsene an Schulen und Universitäten statt sowie zur Erwachsenenbildung an Volkshochschulen und Akademien. Für 2014 wurde eine 12-teilige Vorlesungsreihe für die Universität Ulm entwickelt, die als Muster auch anderen Hochschulen angeboten werden soll.
Hinzu kamen Fachveranstaltungen und andere Termine mit leitenden Mitarbeiter/innen des BFU, die sich an ein besonders interessiertes Publikum oder an Fachleute gewendet haben sowie Medientermine.
8.4 Fachveranstaltungen und Termine ?
16.01.2013 „Frühling der Freiheit“ Akademietheater Ulm: Interview des SWR 4 mit Herrn Makowitzki
18./19.01.2013, Ev. Akademie Bad Boll: „Grundrechtsschutz in Europa – Praxis vor Ort“: Teilnahme von Herrn Makowitzki
28.01.2013: Trauma-Regio-Gruppe im Oberlinhaus in Ulm: Teilnahme von Herrn Makowitzki
31.01.2013: Landesärztekammer Baden-Württemberg / Gesprächsrunde der Menschenrechtsbeauftragten der LÄK-Baden-Württemberg und der MR-Beauftragten der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg: Teilnahme von Herrn Makowitzki
19.02.2013: Landtag Stuttgart/Fraktion Die GRÜNEN: Einladung an Herrn Makowitzki zum Expertengespräch mit Fraktionsmitgliedern der GRÜNEN und Frau Dr. Rothe-Kirchberger (Landesärztekammer Baden-Württemberg)
26.02.2013: Flüchtlingsrat Ulm/Alb-Donaukreis: Teilnahme von Herrn Makowitzki
09.03.2013: Flüchtlingsrat Baden-Württemberg (Plenum) in Stuttgart: Teilnahme von Herrn Makowitzki
23.04.2013: Flüchtlingsrat Ulm/Alb-Donaukreis: Teilnahme von Herrn Makowitzki
25.04.2013: Landesärztekammer Baden-Württemberg / Gesprächsrunde der Menschenrechtsbeauftragten der LÄK-Baden-Württemberg und der MR-Beauftragten der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg: Teilnahme von Herrn Makowitzki (u.a. wg. Versorgungsbericht B-W, Altersfeststellung von UMF und Aufnahme von Syrern in Deutschland)
01.05.2013: 1. Mai-Stand des AK-Menschenrechtsbildung Ulm (BFU ist Mitglied): Teilnahme von Herrn Makowitzki.
02.05.2013: Heidemarie Wieczorek-Zeul (Bundesministerin a.D.) in Ulm zum Thema: Syrien und Naher Osten: Vortrag und Gespräch. Teilnahme von Herrn Makowitzki
10.06.2013: Trauma-Regio-Gruppe im Oberlinhaus in Ulm: Teilnahme von Herrn Makowitzki
25.06.2013: Radio-Interview beim SWR 4 zum Thema: „Internationaler Tag zur Unterstützung der Folteropfer“ am 26.06.2013: Teilnahme: Fr. PD Dr. Kurth (BFU) und Herr Makowitzki
26.06.2013 „Internationaler Tag zur Unterstützung der Folteropfer“ Veranstaltung im Wegensaal der ‚Katholischen Gemeinde zu den Wengen‘ in Ulm. Vortrag von Herrn Makowitzki
06.07.2013 Flüchtlingsrat Baden-Württemberg e.V.: Tagung in Stuttgart: Vortrag von Hr. Makowitzki in AG Gesundheitsversorgung
13./14.09.2013: Ev. Akademie Bad Boll: Fachtagung: „Flüchtlinge aus den südosteuropäischen Staaten“ Teilnahme durch Herrn Makowitzki
17.09.2013: Öffentliche Scheckübergabe der Kollekte der Aktionsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Ulm – Neu-Ulm an das BFU: Teilnehmer: Hr. Makowitzki
30.09.2013: Flüchtlingsrat Baden-Württemberg: Interview mit Herrn Makowitzki zu 25 Jahre Flüchtlingsrat Baden-Württemberg e.V.
01.10.2013: Koordinierungsstelle Internationale Stadt Ulm: Eröffnung der neuen Räume: Teilnahme durch Herrn Makowitzki
10.10.2013: Landesärztekammer Baden-Württemberg / Gesprächsrunde der Menschenrechtsbeauftragten der LÄK-Baden-Württemberg und der MR-Beauftragten der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg: Teilnahme von Herrn Makowitzki
15.10.2013: Flüchtlingsrat Ulm/Alb-Donaukreis: Teilnahme von Herrn Makowitzki
30.10.2013: Landesarbeitsgemeinschaft Folterüberlebende in Baden-Württemberg: Fachtagung im Diakonischen Werk in Stuttgart zum Thema „RESILIENZ“: Leitung: Frau Dinzinger und Hr. Makowitzki, Workshop von Frau Dr. Kurth
04./05.11.2013: BAFF-Tagung in Kiel: „Defizite in der Versorgung traumatisierter Flüchtlinge? – Versäumnisse in den staatlichen Verpflichtungen“ Teilnahme und Bericht im workshop „Von Pionierarbeit zur Versorgung: Hr. Makowitzki
11.11.2013: AK Asyl Bad-Waldsee: Bericht über die Arbeit des BFU: Referent: Hr. Makowitzki
18.11.2013: GUK Römerstraße, Ulm. Begehung zusammen mit der SPD-Gemeinderatsfraktion. Teilnahme und Bericht Hr. Makowitzki
25.11.2013: GUK Langenau: Begehung zusammen mit Herrn Martin Rivoir (MdL u. Stv. Fraktionsvorsitzender der SPD im Stuttgarter Landtag): Teilnahme mit anschließendem Pressegespräch: Hr. Makowitzki
05.12.2013: Weihnachtspost an 2000 Adressaten (Spender, Förderer und Kooperationspartner des BFU (Hinweis auf Förderung des BFU durch das Land Baden-Württemberg)
09./10.12.2013: Tag der Menschenrechte. Infoveranstaltungen an der KZ-Gedenkstätte Fort Oberer Kuhberg (DZOK), Ulm für Schüler der Realschule Weissenhorn. Leitung von 2 workshops für insg. 60 Schüler der 9. Klasse. Leitung: Hr. Makowitzki
Zusätzlich zu den Veranstaltungen und der Wanderausstellung, bei denen regelmäßig durch persönliche Ansprache und Verteilung der Flyer des BFU und seines Fördervereins um Spenden oder die Mitgliedschaft im Förderverein geworben wird, wurden 2013 mehrere E- Mailings zur Ansprache neuer Spender und Förderer auf den Weg gebracht. Der traditionelle Weihnachtsrundbrief des BFU an seine Spender, Förderer und Kooperationspartner konnte Anfang Dezember an bereits über 2000 Adressaten geschickt werden. Speziell für die Werbung zur Mitgliedschaft im oder der Kooperation mit dem Förderverein des BFU wurden weitere E- und Postmailings erstellt.
Bei insgesamt 8 Straßenaktionen und Informationsständen in Ulm und Neu-Ulm sowie bei insgesamt 19 Straßenaktionen in anderen Städten der Region wurden die Flyer von BFU und Förderverein verteilt.
Für die Wanderausstellung wurde ein eigenes Banner mit Werbung für Spenden an das BFU oder Mitgliedschaft im Förderverein hergestellt.
Das BFU bietet mit eigenen Referenten/innen sowie mit Fachleuten seiner Kooperationspartner Unterrichtsbesuche in 8. – 13. Klassen aller Schularten ebenso an wie die Mitgestaltung von Seminaren für Junge Erwachsene im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) oder im Bundesfreiwilligendienst (BFD) sowie Vorträge/Vorlesungen an Universitäten, Volkshochschule und anderen Trägern der Erwachsenenbildung.
Neben Unterrichtsbesuchen an vielen Schulen in der Region wurden 2013 für mehrere Träger von FSJ- und BFD- Seminaren (u.a. Caritas, Rotes Kreuz, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Diakonie, Internationaler Bund, Kliniken) rund 20 ganz- oder halbtägige Seminartage in ganz Süddeutschland durchgeführt. Hinzu kamen über 20 öffentliche Vorträge an Volkshochschulen und Bildungsakademien.
Zusätzlich zu Vorträgen und Seminaren spielt in der Menschenrechtsbildung auch die Betreuung längerfristiger Projekte eine Rolle. So wurde z.B. in 2013 eine Projektgruppe der Ulmer Steinbeis-Schule mehrere Monate bei der Erstellung einer Facharbeit über das BFU regelmäßig betreut, ebenso eine Projektgruppe der 11. Klassen des Johann-Vanotti-Gymnasiums Ehingen, die in 14 Teams verschiedene Aspekte der Thematik ausarbeitete und zusammen mit der Wanderausstellung öffentlich vorstellte.
Das BFU ist Gründungsmitglied des Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm (AK MRB), einem Zusammenschluss von 8 Ulmer Bildungseinrichtungen und Menschenrechtsorganisationen. Hintergrund der Gründung war u.a. die laut Ulmer Jugendstudie geringe Neigung unter Jugendlichen, die Demokratie als schützenswertes Gut anzusehen. Zur Unterstützung der Menschenrechtsbildung bietet der AK daher den Schulen in Ulm und Umgebung Fachleute und Zeitzeugen für Unterrichtsbesuche an, stellt Unterrichtsmaterialien zur Verfügung und organisiert Veranstaltungen an ausgewählten Orten in Ulm sowie Lehrerfortbildungen. Im Jahr 2013 konnte auf diesem Wege in einer ganzen Reihe von Veranstaltungen für Schüler, Studierende und Lehrer/innen über die Arbeit des BFU berichtet werden. In einem Kooperationsprokjekt mit der Realschule Weissenorn wurden mehrere Veranstaltungen gemeinsam mit der Schule gestaltet, darunter zwei Workshop-Tage rund um den “Internationalen Tag der Menschenrechte” am 10. Dezember in der Ulmer KZ-Gedenkstätte.
Die Gründung des BFU ging auf eine Initiative von Amnesty-Mitgliedern in Ulm zurück, weshalb eine kontinuierliche Kooperation mit Amnesty International in der Natur der Sache lag und liegt. Im umfangreichen und häufig genutzten Angebot von Amnesty für die Menschenrechtsbildung für Jugendliche und Erwachsene ist das BFU heute sowohl in der Region wie auch bundesweit als Beispiel und Vorbild für ein lokal und regional erfolgreiches Menschenrechtsprojekt sehr stark vertreten. Für die weltweite Kampagne “Stop Torture” von Amnesty in 2014/2015 hat das BFU sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass die Rehabilitation von Folteropfern und die Zusammenarbeit mit Behandlungszentren in Deutschland bundesweit thematisiert wird.
Unter dem Vorsitz von Dekan Matthias Hambücher und Pfarrer Otto Frey ist der Förderverein (FV) des BFU mittlerweile auf über 40 Mitglieder angewachsen. Der Förderverein unterstützt das BFU in der Öffentlichkeitsarbeit und Finanzakquise.
In 2013 konnte dank der Arbeit des Fördervereins die erfolgreiche Ausstellung “Die Würde des Menschen ist (un)antastbar” aktualisiert und neu gestaltet werden. In Ulm organisierte der FV zwei Ausstellungstermine mit mehreren Rahmenveranstaltungen zum Internationalen Tag des Folteropfers sowie zum Internationalen Tag der Menschenrechte. Dank der Hilfe des FV konnte das BFU auch in 2013 eine nachhaltige finanzielle Unterstützung erhalten.
Der Förderverein freut sich über weitere aktive Mitglieder, um auch in Zukunft seine Aufgaben erfüllen zu können. Nähere Angaben zum Förderverein finden Sie unter www.foerderverein-bfu-ulm.de.
Bericht 2012 ?
1. Patienten / Statistik ?
Im Juni 2011 wurde im Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm die Behandlungsevaluation komplett überarbeitet, seitdem basiert diese Evaluation auf einer Anfangs-, Zwischen-, und Abschlusserhebung. Diese Erhebungen dienen dazu, den Behandlungserfolg zu überprüfen und zu dokumentieren. Dabei wurden u. a. Fragen zur aktuellen Befindlichkeit wie auch zu Veränderungen im Laufe der Therapie erfasst, sowohl als Experteneinschätzungen des Therapeuten, als auch als Selbsteinschätzungen der Patienten. Die Daten zu Beginn werden in der Regel am Ende der fünf diagnostischen Sitzungen erhoben, die Zwischenerhebung am Ende eines jeden Halbjahres und die Abschlusserhebung bei Beendigung einer Behandlung. Durch die Daten der Zwischenerhebung können somit Angaben zum aktuellen Befinden gemacht werden, durch die Einbeziehung von Anfangs- und Abschlusserhebungsdaten können ebenso Veränderungen über die Zeit betrachtet werden.
Die deskriptive Analyse der Daten wurde mit dem Statistikprogramm SPSS (IBM SPSS Statistics Version 19; Brosius, 2010) berechnet.
Im Berichtszeitraum 2012 wurden im BFU insgesamt 89 Patienten aus 22 Ländern psychotherapeutisch und psychosozial versorgt. Die Patienten befanden sich in der Regel in einer psychotherapeutischen Einzeltherapie, in Einzelfällen auch parallel dazu in einer Einzel- oder Gruppenkunsttherapie. 2 Patienten wurden außerdem psychosozial beraten.
Die 27 Frauen und 62 Männer (N = 89) waren zwischen 13 und 68 Jahre alt, mit einem Mittelwert von 36,61 Jahren.
1.1 Aufenthaltsstatus
Die Häufigkeit eines relativ sicheren Aufenthalts (ein unbefristeter Aufenthalt, ein anerkanntes Asyl, oder ein krankheitsbedingter Aufenthalt) lag zum Zeitpunkt der Zwischenkatamnese bei den Patienten mit Migrationshintergrund (N = 80):
unbefristete Aufenthaltserlaubnis (2,5%) + anerkanntes Asyl (12,5%) + krankheitsbedingter Aufenthalt: (3,75%) =18,75%. Dieser sichere Aufenthaltsstatus ist ein wesentlicher Faktor, der sich positiv auf das Gesamtbefinden der Patienten auswirkt.
1.2 Einschätzung des Befindens aus Sicht der Therapeuten
Aus therapeutischer Sicht bestand bei 53,6% der Patienten ein deutlicher bis sehr starker Leidensdruck (MW =3,24; SD = 1,11). Die Therapiemotivation war nach Einschätzung der Therapeuten bei 41% der Patienten deutlich bis sehr stark ausgeprägt (MW = 3,41; SD = 1,11). Eine deutliche bis sehr starke Mitarbeit/ Compliance zeigten 55,4% der Patienten (MW = 3,65; SD = 0,91).
Im Vergleich zum Beginn der Therapie konnte nach Einschätzung der Therapeuten mehrheitlich eine deutliche Verbesserung des Befindens und der sozialen Situation festgestellt werden: So schätzten die Therapeuten das körperliche Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie bei 78,6% der Patienten als besser oder deutlich besser, bei 10,7% als unverändert und nur bei 3,6% als schlechter ein. Das psychische Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie wurde von den Therapeuten sogar bei 87,5% als besser oder deutlich besser eingeschätzt, bei 3,6% als unverändert und bei 3,6% als schlechter oder deutlich schlechter. Die soziale Situation im Vergleich zu Beginn der Therapie beschrieben die Therapeuten bei 62,5% als besser oder deutlich besser, bei 28,6% als unverändert und bei nur 3,6% als schlechter.
1.3 GAF-Skala (Global Assessment of Functioning)
Die GAF-Skala kodiert die globale Erfassung des Funktionsniveaus auf drei Ebenen (psychisch, sozial und beruflich). Diese Skala kann auch dazu dienen, Aussagen über den Fortschritt der Patienten anhand eines einzigen Maßes zu verfolgen. GAF-Werte werden zwischen 1 und 100 kodiert. Die psychischen, sozialen und beruflichen Funktionen sind auf einem hypothetischen Kontinuum von psychischer Gesundheit bis Krankheit gedacht. Ein Code von 91-100 würde zum Beispiel eine “Hervorragende Leistungsfähigkeit in einem breiten Spektrum von Aktivitäten; Schwierigkeiten im Leben scheinen nie außer Kontrolle zu geraten; keine Symptome” wiederspiegeln. Ein Code von 1-10 würde im Gegensatz dazu zum Beispiel eine “Ständige Gefahr, sich oder andere schwer zu verletzen (z. B. wiederholte Gewaltanwendung) ODER anhaltende Unfähigkeit, die minimale persönliche Hygiene aufrechtzuerhalten ODER ernsthafter Selbstmordversuch mit eindeutiger Todesabsicht” widerspiegeln.
Die Patienten (N=50) zeigten im Mittel einen Wert von 59,48 (SD = 15,48), während sie zum Zeitpunkt der Anfangskatamnese einen deutlich geringeren Mittelwert von 48,62 (SD = 11,32) zeigten, d. h. die Patienten konnten sich mittels der psychotherapeutischen Behandlung deutlich stabilisieren. Ein Wert von 51-60 bezeichnet per Definition: ” Mäßig ausgeprägte Symptome (z.B. Affektverflachung, weitschweifige Sprache, gelegentliche Panikattacken) ODER mäßig ausgeprägte Schwierigkeiten bezüglich der sozialen, beruflichen oder schulischen Leistungsfähigkeit (z.B. wenige Freunde, Konflikte mit Arbeitskollegen, Schulkameraden oder Bezugspersonen).” Allgemein gilt als Voraussetzung für eine ambulante Psychotherapie ein GAF-Wert > 50.
1.4 Der Beeinträchtigungs-Schwere-Score
Beim Beeinträchtigungs-Schwere-Score (BSS) handelt es sich um ein theorieunabhängiges Experten-Ratingverfahren, mit dem die Beeinträchtigung eines Menschen durch seine psychogene Erkrankung eingeschätzt werden kann. Die Einschätzung der Beeinträchtigungsschwere erfolgt auf drei zentralen Dimensionen mit jeweils fünf Skalenstufen: 1. die körperliche Beeinträchtigung; 2. die Beeinträchtigung im psychischen Bereich und 3. die sog. sozialkommunikative Beeinträchtigung, d. h. die auf einer zwischenmenschlichen oder Verhaltensdimension. Der Summenwert ergibt den Schweregrad (zwischen 0 und max. 12), die Punktwerte der drei Dimensionen ergeben das Ausmaß der Beeinträchtigung. Ein Summenwert von 0-1 ist als optimale Gesundheit anzusehen, ein Summenwert von 10-12 verdeutlicht einen in jeder Hinsicht schwerst gestörten Patienten mit extremen psychischen Beeinträchtigungen in allen drei Dimensionen.
Der BSS lag zum Zeitpunkt der Anfangskatamnese bei einem Mittelwert von 8,2 (SD = 2,41). Zum Zeitpunkt der Zwischenkatamnese lag der BSS im Mittel bei 5,86 (SD = 2,69), d. h. die Beeinträchtigung der Patienten konnte durch die psychotherapeutische Behandlung deutlich reduziert werden.
Laut den BSS-Werten lagen 14,3% der Patienten im Bereich einer außerordentlich schweren Erkrankung, 8,9% der Patienten im Bereich der schwersten Form und 7,1% der Patienten lagen im Bereich einer „optimalen Gesundheit“ (s. Qualitative Indikatoren).
1.5 Patienteneinschätzung des Befindens
Befragungen der Patienten bestätigten den von den Therapeuten beschriebenen positiven Behandlungsverlauf: 78,6% der Patienten gaben an, dass sich ihr körperliches Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie verbessert oder sogar deutlich verbessert habe und 7,1% berichteten von einem unveränderten körperlichen Befinden. Das psychische Befinden hatte sich im Vergleich zum Beginn der Therapie laut Patienten bei 84% verbessert oder deutlich verbessert und wurde von 1,8% als unverändert angegeben. 64,3% der Patienten berichteten eine verbesserte oder deutlich verbesserte soziale Situation, 19,6% eine unveränderte und 1,8% eine schlechtere soziale Situation im Vergleich zum Beginn der Behandlung.
Zur Frage wie belastet die Patienten sich insgesamt erleben, ergab sich auf einer Skala von 0 bis 10 ein durchschnittlicher Wert von 5,16 (SD = 2,87). Die Angst vor Abschiebung lag nach Angaben der Patienten auf einer Skala von 0 bis 10 bei einem Mittelwert von 4,55 (SD = 3,51). 25,1% gaben eine starke Angst vor Abschiebung an (Werte auf der Skala von 7 bis 10).
Die Therapie wurde von den Patienten allgemein als sehr positiv und als sehr hilfreich eingeschätzt: 82,2% der Patienten gaben an, dass die Behandlung sehr oder ziemlich hilfreich sei und 3,6% empfanden sie als etwas hilfreich. Weiterhin gaben 82,2% der Patienten an, dass sie mit der Behandlung sehr oder ziemlich zufrieden seien und 3,6% waren etwas zufrieden. Die Kategorien kaum und überhaupt nicht wurden von keinem Patienten verwendet.
2. Quantitative Indikatoren ?
Anzahl der Patienten 2012: N = 89
Merkmale der Begünstigten
Alter (N = 89):
Minimum (min) = 13 Jahre
Maximum (max) = 68 Jahre
Mittelwert (MW) = 36,61 Jahre
Standardabweichung (SD) = 12,21
Geschlecht (N = 89):
Nationalität (N = 89):
Aufenthaltsstatus der Begünstigten
3. Qualitative Indikatoren ?
Einschätzungen des Befindens aus Sicht der Therapeuten
Leidensdruck (N = 56):
Mittelwert (MW) = 3,24; Standardabweichung (SD) = 1,11
Therapiemotivation (N = 56):
MW = 3,41; SD = 1,11
Compliance/ Mitarbeit (N = 56):
MW = 3,65; SD = 0,91
Körperliches Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie (N = 56):
MW = 2,04; SD = 0,66
Psychisches Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie (N = 56):
MW = 1,89; SD = 0,64
Soziale Situation im Vergleich zum Beginn der Therapie (N = 56):
MW = 2,26; SD = 0,71
Beeinträchtigungs-Schwere-Score (BSS) (N = 56):
MW = 5,86; SD = 2,69
Patienteneinschätzungen des Befindens
„Wie belastet fühlen Sie sich derzeit insgesamt?“ (N = 56):
MW = 5,16; SD = 2,87
„Wie stark ist Ihre Angst vor Abschiebung?“ (N = 56):
MW = 4,55; SD = 3,51
MW = 1,79; SD = 0,58
MW = 1,69; SD = 0,51
MW = 2,02; SD = 0,76
„Wie gut hilft Ihnen die Behandlung bei den Beschwerden, wegen derer Sie in Behandlung gekommen sind?“ (N = 56):
MW = 1,4; SD = 0,57
„Wie zufrieden sind Sie mit der Behandlung dieser Beschwerden und Probleme?“ (N = 56):
4. Mitarbeiter im Jahr 2012 ?
Die Leitung des BFU ist unterteilt in die Therapeutische Leitung (Psychologische Psychotherapeutin; angestellt) und die Organisatorische Leitung (Soziologe/Politologe; angestellt). Die therapeutische und psychosoziale Versorgung der Patienten wurde ferner durch 5 weitere Psychotherapeuten (eine Ärztin sowie 4 PsychologInnen und 2 KunsttherapeutInnen (Honorarkräfte) sichergestellt. Des Weiteren wurden eine Verwaltungskraft und ein Projektkoordinator beschäftigt. Auf Honorarbasis arbeiteten zudem ein Web-Master und ein Mitarbeiter für Finanzakquise und Öffentlichkeitsarbeit, sowie ein externer Supervisor (Professor der Universität Ulm) für die Psychotherapeuten und das Team und eine externe Supervisorin für die Kunsttherapeuten. Die Arbeit wurde in der Hauptstelle Ulm von 2 ehrenamtlichen Mitarbeitern/innen und 6 Praktikantinnen unterstützt. Außerdem waren im Berichtszeitraum 15 Dolmetscher für 20 Sprachen v.a. in der Diagnostik und Therapie der Patienten im Einsatz. Für diese wurde im Jahr 2012 eine 4-tägige Fortbildung im BFU angeboten, die unsere Stuttgarter Kollegen von der PBV durchgeführt haben und die unter den DolmetscherInnen großen Anklang fand.
5. Finanzen ?
In den folgenden grafischen Darstellungen finden Sie detaillierte Angaben zu den Finanzen des BFU im Jahr 2012.
Der in der Bilanz für 2012 ausgewiesene Überschussbetrag in Höhe von 23.136,93 € wurde – erstmals nach Jahren defizitärer Haushalte – in die Rücklagen überführt. Bei strenger zeitlicher Abgrenzung von Projektzuschüssen, die noch das Jahr 2013 umfassen, würde der Überschuss jedoch mit 7.456,80 € weitaus niedriger ausfallen.
6. Landesförderung für die Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer in Baden-Württemberg in 2012 erhalten ?
Im Zuge der Landtagswahl 2011 wurde – auf Bitte des BFU – im Koalitionsvertrag von SPD und Die GRÜNEN für die 5 Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer in Baden-Württemberg eine Landesförderung vereinbart. Dieser Koalitionsvertrag war Grundlage für die in 2012 erstmals gewährte Landesförderung. Diese Förderung beutete eine große Entlastung in Bezug auf die alljährliche Sicherstellung der Finanzierungsgrundlage des BFU mit der Aussicht, das bisherige strukturelle Finanzierungsdefizit zu minimieren bzw. zu egalisieren (vgl. oben). Außerdem bestand erstmals die Möglichkeit, personelle Ressourcen, die bisher mit der Akquise von Geldern beschäftigt waren, verstärkt in den Bereich der unmittelbaren Sozialberatung für BFU-Patienten einzusetzen. Das weitere Ziel der Landesförderung, eine zusätzliche 50% Stelle für eine(n) Psychologin(en) einzurichten, konnte erst im Folgejahr 2013 erreicht werden.
7. Fachliche Einbindung des BFU im Jahr 2012 ?
(Gründungs)mitglied der BAfF (Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V.)
Mitarbeit am Runden Tisch UMF des Staatlichen Schulamts Ulm
Kooperation mit der Universität Ulm, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
8. Die Website des BFU ?
Die Website des BFU wurde 2009/ 2010 komplett überarbeitet und wird seitdem kontinuierlich ausgebaut. Auf ihr findet sich eine Fülle von Informationen zu den Themen Trauma, Folter, Behandlung von Folteropfern im BFU, Geschichte und Gegenwart der Folter, Fallbeispiele, Bezüge zur deutschen Geschichte, Literaturhinweise, Möglichkeiten zur Mitarbeit und vieles mehr. Das Ziel der stetigen Aktualisierung und Ergänzung der Website ist es, den Internetauftritt zu einem nachhaltigen Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit und die Spendenwerbung des BFU zu machen und gleichzeitig fundierte Informationen zum Thema bereit zu stellen. Inzwischen umfasst die Website umgerechnet über 300 Buchseiten und verzeichnet seit ihrem Neustart ein stetig wachsendes Interesse: während im Jahr 2008, vor Renovierung der Website, nur 5.702 Besucher/innen die Website des BFU aufgerufen haben, konnten im Jahr 2012 bereits 44.400 Besucher/innen registriert werden.
9. Veranstaltungen des BFU im Jahr 2012 ?
Im Jahr 2012 konnten unter aktiver Beteiligung von Mitarbeitern von Amnesty International Ulm ca. 65 Veranstaltungen im Umkreis von 100 km um Ulm durchgeführt werden, die von insgesamt rund 4.000 Personen besucht wurden. Die meisten Veranstaltungen fanden im Rahmen der Menschenrechtsbildung an Schulen und Universitäten statt sowie im Rahmen der Erwachsenenbildung an Volkshochschulen und Akademien. Dabei wurde durch Vorträge, Workshops, Lesungen und Fortbildungsseminare über Menschenrechte, die Verbreitung und Folgen der Folter sowie über die Arbeit des BFU berichtet.
Eine Besonderheit war die Teilnahme des BFU am Landespsychiatrietag im Juni 2012 in Stuttgart, wo wir als Mitglied des „AK Interkulturelle Öffnung in Psychiatrie und Behindertenhilfe“ in Baden-Württemberg einen workshop zum Thema „Migration und Psychiatrie“ mitgestaltet haben“. Dieses Thema war dort erstmalig auf der Agenda und soll in Zukunft dort einen festen Platz bekommen. Eine willkommene Unterstützung waren einige Benefizveranstaltungen von Künstlern, die sich im vergangenen Jahr für das BFU einsetzten. Im Rahmen der Feiern zum 50sten Geburtstag von Amnesty International wurde auf zahlreichen Veranstaltungen die Arbeit des BFU als vorbildliches Beispiel für den Aufbau eines humanitären Projekts in einer Region gewürdigt.
Das BFU war außerdem im Juni 2012 auf der Jahresversammlung der Deutschen Sektion von Amnesty International in Neu-Ulm mit einem eigenen Stand vertreten. Über die Ulmer Gruppe von Amnesty InternationaI konnten wir auf der Jahresversammlung einen Initiativantrag einreichen, das restriktive Asylbewerberleistungsgesetz, unter dem unsere Patienten leiden, entsprechend der EU-Aufnahmerichtlinie zu korrigieren. Die Deutsche Sektion von AI hat diesem Antrag mehrheitlich zugstimmt!
10. Förderverein des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm ?
Unter dem Vorsitz von Dekan Matthias Hambücher und Pfarrer Otto Frey ist der Förderverein des BFU mittlerweile auf 40 Mitglieder angewachsen. Dank erfolgreicher Stiftungsakquise konnte der Förderverein das BFU im Jahr 2012 finanziell nachhaltig unterstützen. Der Förderverein ist auf weitere aktive Mitglieder angewiesen, um auch in Zukunft seine Aufgaben erfüllen zu können. Nähere Angaben zum Förderverein finden Sie unter www.foerderverein-bfu-ulm.de.
11. Das BFU im Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm ?
Das BFU ist Gründungsmitglied des Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm (AK MRB), einem Zusammenschluss von 8 Ulmer Bildungseinrichtungen und Menschenrechtsorganisationen. Hintergrund des Engagements war die geringe Neigung unter Ulmer Jugendlichen, die Demokratie als schützenswertes Gut anzusehen (nur 20% der Jugendlichen sehen laut Ulmer Jugendstudie diese als schutzwürdig an). Zur Unterstützung der Menschenrechtsbildung bietet der AK daher den Schulen in Ulm und Umgebung Fachleute und Zeitzeugen für Unterrichtsbesuche an, stellt Unterrichtsmaterialien zur Verfügung und organisiert Veranstaltungen an ausgewählten Orten in Ulm sowie Lehrerfortbildungen. Im Jahr 2012 konnte auf diesem Wege in einer ganzen Reihe von Veranstaltungen für Schüler, Studierende und Lehrer/innen über die Arbeit des BFU berichtet werden. Weitere Informationen finden Sie unter: www.ulmer-menschenrechtsbildung.de
12. Danksagungen ?
Unser besonderer Dank für institutionelle, persönliche, finanzielle und ideelle Unterstützung der Arbeit des BFU geht an:
Roland Vogel (Amnesty International), Hilde Mattheis MdB/Ulm, Martin Rivoir MdL/Ulm, Jürgen Filius MdL/Ulm, Daniel Lede Abal MdL/Tübingen, UNO-Flüchtlingshilfe e.V., Deutscher Kinderschutzbund, Katja Mayrhöfer, Mario Stahr, Urs Fiechtner, Stephan Borowski, Eberhard Lorenz, Milena Cabeza, Beate Merx (radio7 Drachenkinder e.V.), SÜDWEST PRESSE/Aktion 100 000, Ulmer Bücherstube Jastram/Samy Wiltschek, Dekan Matthias Hambücher, Pfarrer Otto Frey, Ev. Kirchengemeinde Bad Waldsee, Stadt Ellwangen, Gudula Dinkelbach, Initiative Eine Welt Göppingen, Partnerschaft 3. Welt e.V./Ulm, Lisa Schanz, Prof. Dr. Eberhard Simsch, Gerhard Groz, Dr. Ulrich Vollmer, Susan Stuart, Rosalinde Eck, Dr. Helmut Zehender, Ingrid Grohe, Helmut Göhring, Generationenstiftung der Sparkasse Ulm, Norbert Schwinn, Norbert Berg, Sybille Borberg, Hartmut Bremer, Kurt und Mechthild Zimmermann, Wolfgang Altenpohl, Karin Haiges, Dr. Thomas Menge, Adelheid Gerbig, Eberhard Wolf, Walter Heinlein, Elisabeth und Richard Loewe, Rainer Zittrell, Norbert Schwinn, Christina Schwarz, Barbara Haug, Dr. Thomas Menge, Christoph Käss, Angelika Weingardt, Ulrike Huenigen-Meinel, Dr. Stefan Labouvie, Klaus und Ulla Merkle, Manfred Hilsenbeck, Albert Hierling, Dr. Werner Grimm, Jörn Heckmann, Dr. Eckhard Hölscher, Bärbel Kächele, Peter Benkesser, Sybille Boorberg, Gisela Jöster, Oliver Hauff, Monika Riepl, Eberhard Bischoff, Hartmut Noerpel-Schneider, Dr. Jörn Heckmann, Lothar Viola, Dr. Manfried Wüst, Dr. Erika von Möllendorff, Rita Jubt, Imma Hinrichs, Herwig Kuczewski, Dr. Trotz von Trotha, Klaus Metzger-Beck, Margarete Hofstetter, Elfriede Berg, Susann Weiblen, Bruno Schrempp, Ulrich Steenberg, Ruth Gauch, Iris und Günter Höfeld, Dr. Anja Hrbek. Hernan Vales.
Bericht 2011 ?
Im Berichtsjahr 2011 wurden im Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm (BFU) insgesamt 74 Patienten behandelt und betreut. Davon waren 59 Patienten erwachsene traumatisierte Flüchtlinge, 9 Kinder traumatisierter Flüchtlinge, 3 akuttraumatisierte Erwachsene, 2 deutsche Kinder und 1 Opfer staatlicher Gewalt in der DDR. Aufgrund der zu kleinen Fallzahlen der anderen Teilstichproben werden im Folgenden nur die Ergebnisse der erwachsenen traumatisierten Flüchtlinge (N=59) vorgestellt.
Einteilung der Patienten
Erwachsene traumatisierte Flüchtlinge 59
Kinder traumatisierter Flüchtlinge 9
Akuttraumatisierte Erwachsene 3
Deutsche Kinder 2
„DDR-Opfer“ 1
Ein Großteil der missings ist dadurch bedingt, dass die oben benannte Umstellung auf die neuen Fragebögen erst Mitte 2011 erfolgte.
1.1. Daten der Patienten zu Beginn der Therapie ?
Die 59 erwachsenen traumatisierten Flüchtlinge kamen aus 18 verschiedenen Staaten. Die Hauptherkunftsländer waren die Türkei (28,8%, n=17), der Kosovo (13,8%, n=8) und der Irak (11,9%; n = 7). Weitere Herkunftsländer waren Afghanistan, Algerien und Nigeria. Von den Patienten waren 44,1% Frauen und 55,9% Männer. Das Durchschnittsalter lag bei 36,2 Jahren (Range 18–62). 40,7% waren Muslime, 6,8% Christen und 10,2% hatten sonstige Religionen [42,4% missings].
42,4% der Patienten wohnten in einem Asylbewerberheim, 13,6% in einer Lager-Einzelwohnung, 30,5% hatten eine eigene Wohnung und 8,5% lebten bei Verwandten. [5,1% missings]
Fast die Hälfte der Patienten waren ledig (47,5%), etwas über ein Drittel verheiratet (39%), nur wenige geschieden (6,8%), verwitwet (3,4%) oder allein lebend (1,7%) [1,7% missings].
23,7% erhielten Sozialhilfe und 23,0% erhielten Bezüge nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. 8,5% waren in Teilzeit und 6,8% in Vollzeit berufstätig, während sich 1,7% als Schüler/in oder Auszubildende/r und 3,4% als Hausfrau/mann kennzeichneten. 1,7% der Patienten waren arbeitslos [32,2% missings].
Von den 59 Patienten erhielten alle zu Beginn eine Diagnostik. 91,5% begannen im Anschluss mit einer ambulanten Psychotherapie. Von den 8,5%, die keine Therapie erhielten, wollten 20% selbst keine Therapie. Weitere 20% wurden an eine andere Institution weitergeleitet [60% missings]. 7,4% der Patienten besuchten zusätzlich zur Psychotherapie eine Gruppenkunsttherapie und 54,2% wurden psychosozial beraten. Da die Deutschkenntnisse bei vielen Patienten für die Durchführung einer Psychotherapie nicht ausreichend waren, wurden die Therapien zu 89,8% mittels Dolmetscher durchgeführt.
Der Zugang zum BFU erfolgte zu einem Drittel über Ärzte/Kliniken (35,6%), Sozialdienste (25,4%), Rechtsanwälte (8,5%), Familie/Bekannte (3,4%), oder durch den Patienten selbst (6,8%) [20,3% missings].
44,1% der Patienten berichteten über traumatische Ereignisse bereits in ihrer Kindheit. Dabei waren die 5 häufigsten traumatischen Ereignisse (in der Häufigkeit absteigend sortiert):
Tod einer wichtigen Bezugsperson (35,5%)
Gewalterfahrung in der Familie in der Kindheit (24,2%)
Emotionale Vernachlässigung (19,4%)
Gewalterfahrung außerhalb der Familie während der Kindheit (12,9%)
Familienprobleme (Armut, Drogen/Alkohol, psychiatrische Störung der Eltern, 8,1%)
Alle Patienten beschrieben traumatische Ereignisse als Erwachsene. Dabei waren die 5 häufigsten (in der Häufigkeit absteigend sortiert):
Schläge allgemein (51,6%)
Verbale Gewalt, Bedrohungen (45,2%)
Bedrohung von Angehörigen (41,9%)
Gewalt/Traumatisierung Angehöriger (41,9%)
Gewalt/Traumatisierung anderer Menschen (Nicht-Familienmitglieder, 38,7%)
Nur 18,5% der Patienten erhielten nur eine Diagnose. Alle weiteren Patienten erhielten mindestens zwei Diagnosen (bis zu maximal fünf). Durch Mehrfachnennung kommt es zu einer Gesamtprozentzahl über 100%.
Bei 91,5% der Patienten wurde eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert, 72,9% der Patienten erhielten die Diagnose einer depressiven Störung, 23,7% erfüllten die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung sowie 18,6% die Kriterien einer somatoformen Störung. Die Diagnosen einer Abhängigkeitserkrankung sowie einer psychotischen Störung wurden bei jeweils 8,5% der Patienten vergeben. Sonstige Diagnosen: 15,3%.
62,8% der durchgeführten psychotherapeutischen Behandlungen wurden aus Flüchtlingsfonds der Europäischen Union (EFF), UNO-Flüchtlingshilfe und Amnesty International finanziert. 32,2% wurden durch Krankenkassen und Sozialhilfeträger finanziert [5% missings].
Schulbildung und beruflicher Abschluss der Patienten
49,2% der Patienten hatten keinen Schulabschluss, 5,1% hatten gar keine Schulbildung erhalten. 15,3% hatten einen Schulabschluss 8. Klasse und 8,5% der 10. Klasse. Nur 8,5% besaßen Abitur [13,6% missings]. 40,7% hatten keinen beruflichen Abschluss, 5,1% hatten eine berufliche Ausbildung aber ohne Abschluss, während nur 8,5% eine Lehre/Ausbildung abgeschlossen und gar nur 3,4% studiert haben [42,4% missings].
Zu Beginn der Behandlung hatten nur 25,5% einen relativ sicheren Aufenthaltsstatus (Inländer, anerkanntes Asyl, krankheitsbedingter Aufenthalt, unbefristete Aufenthaltserlaubnis) [13,6% missings]. Zum Zeitpunkt der Zwischenerhebung stieg dieser Anteil auf 32,2% [35,6% missings].
42,3% der Patienten wurden während der Therapie psychiatrisch mitbehandelt [47,5% missings], davon wurde bei 8,5% der Patienten diese Mitbehandlung vom BFU initiiert [72,9% missings].
1.2. Daten der Patienten zum Ende des Jahres ?
Im Jahre 2011 haben 33,9% (n=20) der Patienten ihre Behandlung abgeschlossen. Davon haben 40% ihre Behandlung selbst beendet, 10% wurden durch den Therapeuten beendet und 5% der Patienten wurden an andere Institutionen weitergeleitet [45% missings]. 66,1% (n=39) führten ihre Therapie fort.
Therapeutische Einschätzungen des Befindens
Die folgenden Daten wurden nur für die Patienten, die sich in fortlaufender Therapie befinden, berechnet (N=39).
Zum Ende des Jahres bestand aus therapeutischer Sicht bei 74,4% der 39 Patienten ein deutlicher bis sehr starker Leidensdruck, die Therapiemotivation war nach Einschätzung der Therapeuten bei 59% der Patienten deutlich bis sehr stark ausgeprägt und 64,1% zeigten laut Therapeuten eine deutliche bis sehr starke Compliance/Mitarbeit [7,7% missings].
Im Vergleich zu Beginn der Therapie konnte nach Einschätzung der Therapeuten mehrheitlich eine deutliche Verbesserung des Befindens und der sozialen Situation festgestellt werden: die Therapeuten schätzten das körperliche Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie bei 74,4% der Patienten als besser oder deutlich besser ein, bei 10,3% als unverändert und nur bei 7,7% als verschlechtert ein. Das psychische Befinden im Vergleich zu Beginn der Therapie wurde von den Therapeuten bei 87,2% als besser oder deutlich besser und nur bei 5,1% als unverändert eingeschätzt. Die soziale Situation im Vergleich zu Beginn der Therapie beschrieben die Therapeuten bei 71,8% als besser oder als deutlich besser und bei 20,5% als unverändert [7,7% missings].
Die Patienten bestätigten den oben beschriebenen positiven Behandlungsverlauf: 89,7% der Patienten gaben an, dass sich ihr körperliches Befinden im Vergleich zum Beginn der Therapie verbessert oder sogar deutlich verbessert habe, 5,1% berichteten von einem unveränderten körperlichen Befinden und nur 2,6% von einem deutlich schlechteren körperlichen Befinden. Das psychische Befinden hatte sich im Vergleich zu Beginn der Therapie laut Patienten bei 84,6% verbessert oder deutlich verbessert und wurde nur von 7,7% als unverändert angegeben. 76,9% der Patienten berichteten eine verbesserte oder deutlich verbesserte soziale Situation und 15,4% eine unveränderte im Vergleich zu Beginn der Behandlung [7,7% missings].
Zur Frage wie belastet die Patienten sich insgesamt erleben, ergab sich auf einer Skala von 0 bis 10 ein durchschnittlicher Wert von 7,1 (SD = 1,9), d. h. die meisten beschrieben sich zum Zeitpunkt der Befragung als insgesamt sehr belastet [7,7% missings].
Die Angst vor Abschiebung lag nach Angaben der Patienten auf einer Skala von 0 bis 10 bei einem Mittelwert von 6,9 (SD = 3,5), d. h. auch die Angst vor Abschiebung war im Durchschnitt sehr groß. 33,3% der BFU Patienten gaben dabei sogar die maximal vorstellbare Angst von 10 an [15,4% missings].
Die Therapie wurde von den Patienten allgemein als sehr positiv und als sehr hilfreich eingeschätzt: 79,5% der Patienten gaben an, dass die Behandlung sehr oder ziemlich hilfreich sei und 12,8% empfanden sie als etwas hilfreich. Weiterhin gaben 89,7% der Patienten an, dass sie mit der Behandlung sehr oder ziemlich zufrieden seien und 2,6% waren etwas zufrieden [7,7% missings].
2. Mitarbeiter im Jahr 2011 ?
Die Leitung des BFU ist unterteilt in die Therapeutische Leitung (Psychologische Psychotherapeutin; angestellt) und die Organisatorische Leitung (Soziologe/Politologe; angestellt).
Die Versorgung der Patienten wurde darüber hinaus durch 6 weitere Psychotherapeuten (eine Ärztin sowie 5 PsychologInnen) und 2 KunsttherapeutInnen (Honorarkräfte) sichergestellt. Des Weiteren eine Verwaltungskraft und ein Projektkoordinator beschäftigt. Auf Honorarbasis arbeiteten zudem ein Web-Master und ein Mitarbeiter für Finanzakquise und Öffentlichkeitsarbeit, sowie ein externer Supervisor (Professor der Universität Ulm) für die Psychotherapeuten und das Team und eine externe Supervisorin für die Kunsttherapeuten. Die Arbeit wurde in der Hauptstelle Ulm von 3 ehrenamtlichen Mitarbeitern/innen unterstützt. In der Nebenstelle Ludwigsburg arbeiteten es eine Leiterin und 3 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen.
3. Beirat ?
Der Beirat (2009 gegründet) tagte im Jahr 2011 ein Mal. Er setzt sich aus Vertretern der Universität Ulm, des Flüchtlingsrats Ulm/Alb-Donau-Kreis e.V., des PARITÄTischen, der Deutschen Sektion von Amnesty International und des RehaVerein für soziale Psychiatrie Donau-Alb e.V. (Träger des BFU) zusammen. Ziel des Beirats ist die Beratung und Unterstützung der Leitung des BFU in finanzieller und politischer Hinsicht.
4. Finanzen ?
In den folgenden grafischen Darstellungen finden Sie detaillierte Angaben zu den Finanzen des BFU im Jahr 2011.
Der Jahresfehlbetrag betrug 12.614,92 €, der durch den Träger des BFU, RehaVerein für soziale Psychiatrie Donau-Alb e.V., ausgeglichen werden musste.
5. Landesförderung für die Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer in Baden-Württemberg in 2011 vorbereitet ?
Im Zuge der Landtagswahl 2011 wurde – auf Bitte des BFU – im Koalitionsvertrag von SPD und Die GRÜNEN für die 5 Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer in Baden-Württemberg eine Landesförderung vereinbart. Dieser Koalitionsvertrag war Grundlage für die in 2012 erstmals gewährte Landesförderung. Für das BFU bedeutet diese Förderung eine große Entlastung in Bezug auf die alljährliche Sicherstellung der Finanzierungsgrundlage des BFU mit der Aussicht, das bisherige strukturelle Finanzierungsdefizit des BFU zu minimieren. Außerdem besteht erstmals die Möglichkeit, personelle Ressourcen, die bisher mit der Akquise von Geldern beschäftigt waren, verstärkt in den Bereich der unmittelbaren Sozialberatung für BFU-Patienten einzusetzen. Außerdem können jetzt mehr Personalanteile im Therapiesektor geschaffen werden.
6. Fachliche Einbindung des BFU im Jahr 2011 ?
aktives Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft „Folterüberlebende in Baden-Württemberg“
Mitglied des Flüchtlingsrats Ulm/Alb-Donau-Kreis e.V.
Mitglied des Arbeitskreis Menschrechtsbildung Ulm
Mitglied der Gesprächsrunde der Menschenrechtsbeauftragten der Landesärztekammer Baden-Württemberg
Mitglied in der AG West / Ulm
Kooperation mit der Landesärztekammer Baden-Württemberg und der Landespsychotherapeutenkammer BW
Im September 2011 erschien der 1. Versorgungsbericht zur ambulanten, psychosozialen und psychotherapeutischen Versorgung von traumatisierten MigrantInnen in Baden-Württemberg. Dieser entstand in Kooperation mit der Landesärztekammer Baden-Württemberg und der Landespsychotherapeutenkammer BW
Zusammen mit der Landespsychotherapeutenkammer Baden – Württemberg und mit Unterstützung der Akademie der Erzdiözese Rottenburg – Stuttgart werden in mehreren, internen Workshops neue Ansätze und Verbesserungsmöglichkeiten zur Thematik der Sprachlosigkeit im Gesundheitswesen zur Verständnis- und Dolmetscherproblematik für Baden – Württemberg diskutiert. Hierzu werden namhafte Referenten und Vertreter von Gesundheitsinstitutionen des Landes eingeladen. Der erste Workshop fand am 2. Dezember 2011 in der Katholischen Akademie Hohenheim-Stuttgart statt.
Kooperationen des BFU mit niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten
Das BFU stellt der KJP seinen Stamm von 15 geschulten Dolmetschern zur Verfügung für folgende Sprachen: Albanisch, Arabisch, Badini, Dari, Englisch, Farsi, Französisch, Hindi, Kurmanci, Panjabi, Pidgin-Englisch, Polnisch, Romani, Russisch, Serbokroatisch, Sorani, Türkisch. Somit können erstmals auch traumatisierte Kinder aus diesen Sprachregionen Nutzen von dem diagnostischen und therapeutischen Angebot der KJP ziehen.
7. Die Website des BFU ?
Die Website des BFU wurde 2009/ 2010 komplett überarbeitet und in 2011 deutlich ausgeweitet. Auf ihr findet sich eine Fülle von Informationen zu den Themen Trauma, Folter, Behandlung von Folteropfern im BFU, Geschichte und Gegenwart der Folter, Fallbeispiele, Bezüge zur deutschen Geschichte, Literaturhinweise, Möglichkeiten zur Mitarbeit und vieles mehr. Das Ziel der stetigen Aktualisierung und Ergänzung der Website ist es, den Internetauftritt zu einem nachhaltigen Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit und die Spendenwerbung des BFU zu machen und gleichzeitig fundierte Informationen zum Thema bereit zu stellen. Inzwischen umfasst die Website umgerechnet rund 300 Buchseiten und verzeichnet seit ihrem Neustart ein stetig wachsendes Interesse: während im Jahr 2008, vor Renovierung der Website, nur 5.702 Besucher/innen die Website des BFU aufgerufen haben, konnten im Jahr 2011 bereits 40.200 Besucher/innen registriert werden.
8. Veranstaltungen des BFU im Jahr 2011 ?
Im Jahr 2011 konnten unter Beteiligung von Mitarbeitern des BFU 52 Veranstaltungen in ganz Deutschland durchgeführt werden, die von insgesamt rund 3.600 Personen besucht wurden. Die meisten Veranstaltungen fanden im Rahmen der Menschenrechtsbildung an Schulen und Universitäten statt sowie im Rahmen der Erwachsenenbildung an Volkshochschulen und Akademien. Dabei wurde durch Vorträge, Workshops, Lesungen und Fortbildungsseminare über Menschenrechte, die Verbreitung und Folgen der Folter sowie über die Arbeit des BFU berichtet. Eine willkommene Unterstützung waren einige Benefizveranstaltungen von Künstlern, die sich für das BFU einsetzen, sowie zahlreiche Veranstaltungen zum 50sten Geburtstag von Amnesty International, bei denen die Arbeit des BFU als vorbildliches Beispiel für den Aufbau humanitärer Projekte in einer Region gewürdigt wurde.
9. Die Arbeit des Fördervereins des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm ?
Ende 2009 bildete sich ein Kreis von Freunden des BFU mit dem Ziel, einen Förderverein des BFU (FV) aus der Taufe zu heben, um die immer wieder angespannte Finanzsituation des BFU bessern zu helfen. Der „Förderverein des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm e.V.“ ist im April 2010 beim Registergericht Ulm als gemeinnütziger und mildtätiger Verein eingetragen worden und hat mittlerweile über 30 Mitglieder. Der FV konnte bereits einige Veranstaltungen als wertvolle Beiträge für die Öffentlichkeitsarbeit des BFU organisieren, darunter das mit ca. 400 Personen sehr gut besuchte Benefizkonzert mit dem Mikail-Aslan-Ensemble am 02. November 2011.
Auf Vermittlung des Fördervereins des BFU wurde am 26. November 2011 ein Benefiz-Konzert des DAIMLER-SINFONIE-ORCHESTERS im Rahmen der Aktion 100 000 der SÜDWEST PRESSE veranstaltet. Auch hier waren ca. 400 Konzertbesucher in der Pauluskirche in Ulm, die einen gelungenen Konzertabend mit Werken von Bizet, Sibelius, Brahms und Tschaikowsky hörten. Der Erlös ging an die Aktion 100 000, welche seit Jahren regelmäßig Therapieprojekte des BFU unterstützt, und dieses Mal 5.000.- € für die Kunsttherapie im BFU zur Verfügung stellte. Darüber hinaus war der Förderverein bei weiteren rund 30 Veranstaltungen im Ulmer Raum durch Infostände präsent.
Wir freuen uns über weitere Mitglieder im Förderverein – weitere Informationen und ein Beitrittsformular finden Sie unter: http://www.foerderverein-bfu-ulm.de
10. Das BFU im Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm ?
Das BFU ist Gründungsmitglied des Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm (AK MRB), einem Zusammenschluss von 8 Ulmer Bildungseinrichtungen und Menschenrechtsorganisationen. Hintergrund des Engagements ist die geringe Neigung unter Ulmer Jugendlichen, die Demokratie als schützenswertes Gut anzusehen (nur 20% der Jugendlichen sehen laut Ulmer Jugendstudie diese als schutzwürdig an). Zur Unterstützung der Menschenrechtsbildung bietet der AK daher den Schulen in Ulm und Umgebung Fachleute und Zeitzeugen für Unterrichtsbesuche an, stellt Unterrichtsmaterialien zur Verfügung und organisiert Veranstaltungen an ausgewählten Orten in Ulm sowie Lehrerfortbildungen. Im Jahr 2011 konnte auf diesem Wege in über 20 Veranstaltungen für Schüler, Studierende und Lehrer/innen über die Arbeit des BFU berichtet werden. Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.ulmer-menschenrechtsbildung.de
11. Danksagungen ?
Roland Vogel (Amnesty International), Hilde Mattheis MdB/Ulm, Martin Rivoir MdL/Ulm, Jürgen Filius MdL/Ulm, Daniel Lede Abal MdL/Tübingen, Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, Terre des Hommes Deutschland, UNO-Flüchtlingshilfe e.V., OEW-Energie-Beteiligung GmbH, Second Hand-Markt der Maria Suso-Gemeinde/Ulm, Katja Mayrhöfer, Mario Stahr, Urs Fiechtner, Stephan Borowski, Imran Gürtas, Karl-Heinz Irgang, Dr. Karl Holdik, Eberhard Lorenz, Milena Cabeza, Beate Merx (radio7 Drachenkinder e.V.), Otto-Kässbohrer-Stiftung/Dr. Götz Hartung, Louis-Leitz-Stiftung, Ernst-Prost-Stiftung, SÜDWEST PRESSE/Aktion 100 000, Ulmer Bücherstube Jastram/Samy Wiltschek, Katholische Gesamtkirchengemeinde Ulm, Dekan Matthias Hambücher, Evangelischer Diakonieverband Ulm/Alb-Donau/Otto Frey, Ev. Kirchengemeinde Bad Waldsee, Stadt Ellwangen, Gudula Dinkelbach, Initiative Eine Welt Göppingen, Partnerschaft 3. Welt e.V./Ulm, Lisa Schanz, Prof. Dr. Eberhard Simsch, Gerhard Groz, Dr. Ulrich Vollmer, Susan Stuart, Dr. Helmut Zehender, Ingrid Grohe, Helmut Göhring, Generationenstiftung der Sparkasse Ulm, Dorotheen-Stiftung, Norbert Schwinn, Bild hilft e.V., Sybille Borberg, Hartmut Bremer, Dr. Thomas Menge, Adelheid Gerbig, Hartmut Noerpel-Schneider, Eberhard Wolf, Rosalinde Eck, Andreas Link, Elisabeth Loewe, Christina Schwarz, Ulrike Huenigen-Meinel, Dr. Stefan Labouvie, Klaus und Ulla Merkle, Manfred Hilsenbeck, Albert Hierling, Dr. Werner Grimm, Jörn Heckmann, Dr. Eckhard Hölscher, Bärbel Kächele, Peter Benkesser, Gisela Jöster, Oliver Hauff, Margarete Hofstetter, Reinhart Müller, Wolfgang Rabus, Renate Schichtele, Ingrid Rumpf, Bruno Schrempp, Ulrich Steenberg, Birgit Thiemann, Hernan Vales, Burkhard Wolf.
Bericht 2010 ?
1. Patienten ?
Im Berichtsjahr 2010 wurden im Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm (BFU) einschließlich der Nebenstelle in Ludwigsburg 126 Patienten aus 26 Staaten behandelt und betreut. Der Frauenanteil unter den Patienten betrug 47,6%, das Durchschnittsalter lag bei 33,2 Jahre.
Im Berichtszeitraum wurden drei Patientengruppen betreut (Mehrfachnennungen möglich):
Folter-, „Stasi-„ und Bürgerkriegsopfer: 106 Patienten (84,1%)
Akuttrauma: 14 Patienten (11,1%)
Kinderkunsttherapie (deutsche und ausländische traumatisierte Kinder zwischen 9 und 17 Jahren): 21 Patienten (16,7%)
Die beiden Hauptherkunftsländer der Patienten waren die Türkei (18,3%; n=23), wobei es sich ausnahmslos um Kurden handelte, und das Kosovo (18,3%; n=23). Die weiteren Herkunftsländer waren: Irak (9,5%; n=12), Nigeria (8,7%; n=11), Kamerun (4,0%; n=5), Algerien (4,0%; n=5), Sierra Leone (3,2%; n=4), Pakistan (2,4%; n=3), Afghanistan, Eritrea, Albanien, Gambia, Togo (je 1,6%; n=2), Aserbaidschan, Bosnien, Georgien, Kroatien, Kongo, Liberia, Marokko, Serbien, Sudan, Syrien, Vietnam (je 0,8%; n=1). 12,7% (n=16) waren Deutsche, darunter 1 „Stasi“-Opfer, 13 Akuttraumatisierte und 2 deutsche Kinder.
Insgesamt wurden in Ulm und in der Nebenstelle Ludwigsburg 126 Patienten betreut. In Ulm wurden die Patienten vor allem psychotherapeutisch behandelt, aber auch teilweise psychosozial unterstützt. In Ludwigsburg wurden die Patienten vor allem psychosozial begleitet und bei ihrer Integration gefördert. Es wurden insgesamt 121 Patienten (96%) längerfristig psychotherapeutisch behandelt. 112 erwachsene Patienten (88,9%) (d.h. die im Berichtszeitraum neu aufgenommenen Patienten) wurden diagnostisch untersucht. Anschließend wurde bei 87 Patienten (77,7%) begonnen, psychotherapeutisch zu arbeiten. 9 erwachsene Patienten (7,1%) waren zusätzlich in Kunsttherapie und 9 Patienten (7,1%) in medizinischer Therapie (in Ludwigsburg). Psychosoziale Unterstützung erhielten 57 Patienten (45,2%) in Form von sozialer Beratung, 35 Patienten (27,8%) durch Unterstützung bei Behörden, 19 Patienten (15,1%) durch Vermittlung in Ausbildung/ Beruf, 18 Patienten (14,3%) durch stützende Begleitung, 16 Patienten (12,7%) durch Integrationsarbeit, 9 Patienten (7,1%) durch Vermittlung einer Wohnung, 5 Patienten (4%) durch Familienzusammenführung und 5 Patienten (4%) durch Beratung vor der Anhörung beim Bundesamt. In der Ulmer Hauptstelle wurde zudem bei 21 Kindern eine Kunsttherapie durchgeführt, meist wurden die Kinder von niedergelassenen Kinderärzten und Kinderpsychiatern an uns vermittelt.
Die Anzahl der Patienten sowie die Anzahl der Akuttrauma-Patienten von 2010 war mit 118 bzw. 14 Patienten vergleichbar wie in 2009. Die Anzahl der Akuttrauma-Patienten war mit 14 Patienten vergleichbar wie in 2009 (15 Patienten). Die meisten Akuttrauma-Therapien konnten in der Regel nach kurzer Zeit erfolgreich abgeschlossen werden. Bei den chronifizierten und komplex traumatisierten Folter- und Bürgerkriegsopfern hingegen ist eine längerfristige Therapie notwendig.
Da die Deutschkenntnisse bei vielen Patienten für die Durchführung einer Psychotherapie nicht ausreichend sind, wird überwiegend mit Hilfe von Dolmetschern gearbeitet. Dies war 2010 bei 61% aller Therapien erforderlich.
Der Zugang zum BFU erfolgte im Wesentlichen über Ärzte, Kliniken, Gesundheitsämter (30%), Bekannte/ Verwandte (23,8%), Beratungsstellen (20,6%), Kommunalbehörden (9,5%), Selbst (7,9%), Rechtsanwälte (1,6 %), ai – AK Asyl/ Flüchtlingsorganisationen (1,6%), Sonstige (2,4%).
Aufenthaltssituation
Von den Patienten mit Migrationshintergrund (n=111) hatten 2010 knapp 2/3 keinen gesicherten Aufenthalt: 29,0% waren Asylerstantragssteller, 26,9% stellten Asylfolgeanträge (d.h. aktuelle Duldung) und 7,5% standen sogar vor einer Abschiebung. Nur 15,1% hatten eine Aufenthaltserlaubnis (Anerkennung des Asyls oder meist krankheitsbedingter Aufenthalt), 7,5% waren Kontingentflüchtlinge.
Weitere Einzelheiten finden Sie unter Statistik.
2. Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm ?
Das BFU ist Gründungsmitglied des Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm (AK MRB). Der AK-MRB ist ein Zusammenschluss von 8 Ulmer Menschenrechtsorganisationen. Das Ziel des AK liegt darin, möglichst viele Schüler in Ulm und um Ulm herum zu erreichen, um beispielsweise Unterrichtseinheiten zum Thema Menschenrechte durchzuführen. Menschenrechtsbildung soll seit der Empfehlung der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2000 stärker im Schulunterreicht verankert werden. Hintergrund des Engagements ist die geringe Neigung unter den Ulmer Jugendlichen, die Demokratie als schützenswertes Gut anzusehen (nur 20% der Jugendlichen Ulmer sehen lt. Ulmer Jugendstudie diese als schutzwürdig an). Deshalb bietet der AK-MRB Ulm Schulbesuche und Veranstaltungen an ausgewählten Orten in Ulm sowie eine Vielzahl von Modulen mit Unterrichtseinheiten der Ulmer Menschenrechtseinrichtungen an. Im Jahr 2010 konnten so 200 Schüler erreicht werden. Der Arbeitskreis erhielt 2010 den „Ulmer Friedenspreis“ des Ulmer Vereins für Friedensarbeit. Dieser Preis ist mit 1000 € dotiert.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.ulmer-menschenrechtsbildung.de
3. Weitere Entwicklungen im und um das BFU herum ?
Der Beirat (2009 gegründet) tagte im Jahr 2010 zwei Mal. Er setzt sich aus Vertretern der Universität Ulm, des Flüchtlingsrats Ulm/Alb-Donau-Kreis e.V. und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und der deutschen Sektion von amnesty international und des REHA-Vereins zusammen. Ziel des Beirats ist die Beratung und Unterstützung der Leitung des BFU in finanzieller und politischer Hinsicht.
Die Arbeit des Fördervereins des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm
Ende 2009 bildete sich ein Kreis von Freunden des BFU mit dem Ziel, einen Förderverein des BFU (FV) aus der Taufe zu heben, um die immer wieder angespannte Finanzsituation des BFU bessern zu helfen. Der „Förderverein des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm e.V.“ ist im April 2010 beim Registergericht Ulm als gemeinnütziger und mildtätiger Verein eingetragen worden und hat mittlerweile 30 Mitglieder. Der FV konnte bereits einige Veranstaltungen als wertvolle Beiträge für die Öffentlichkeitsarbeit des BFU organisieren, darunter die gut besuchten Benefizkonzerte mit dem DC Jazz Lab am 08. August und mit dem Mikail Aslan Ensemble am 01. Oktober. In Zusammenarbeit mit dem BFU und Amnesty International Ulm konnten 2010 über 50 Vorträge in Baden-Württemberg und Bayern organisiert werden. Darüber hinaus war der Förderverein bei weiteren rund 60 Veranstaltungen durch Infostände präsent.
Wir freuen uns über weitere Mitglieder im Förderverein – weitere Informationen und ein Beitrittsformular finden Sie unter: www.foerderverein-bfu-ulm.de
Die Website des BFU
Die Website des BFU wurde 2009 und 2010 komplett überarbeitet und deutlich ausgeweitet (Redaktion: Urs Fiechtner und Patrick Mosby). Dort findet sich eine Fülle von Informationen zu den Themen Trauma, Folter, Behandlung von Folteropfern im BFU, Geschichte und Gegenwart der Folter, Fallbeispiele, Bezüge zur deutschen Geschichte, Literaturhinweise, Möglichkeiten zur Mitarbeit und vieles mehr. Das Ziel der Überarbeitung und stetigen Aktualisierung der Website ist es, den Internetauftritt zu einem nachhaltigen Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit und die Spendenwerbung des BFU zu machen und gleichzeitig fundierte Informationen zum Thema bereit zu stellen. Inzwischen umfasst die Website umgerechnet rund 280 Buchseiten und verzeichnet seit ihrem Neustart ein stetig wachsendes Interesse: während im Jahr 2008 noch 5.702 Besucher/innen die Website des BFU aufgerufen haben, konnten im Jahr 2010 bereits 28.071 Besucher/innen registriert werden. Für 2011 rechnen wir mit weiterhin ansteigenden Besucherzahlen.
Fachliche Einbindung des BFU
4. Veranstaltungen des BFU im Jahr 2010 ?
Im Jahr 2010 wurden unter Beteiligung von Mitarbeitern des BFU 47 Veranstaltungen mit ca. 3.250 Besuchern durchgeführt. Die meisten Veranstaltungen dienten der Sensibilisierung und Information der Öffentlichkeit. Dabei wurde durch Vorträge, Workshops, Lesungen und Informationsstände über Menschenrechte, Folter und das BFU im Speziellen informiert (ca. 40 Veranstaltungen). Des Weiteren wurden zwei Benefizkonzerte sowie vier Konzertlesungen zusammen mit dem Förderverein des BFU organisiert (s.o.). Im Rahmen der Gründung des Fördervereins, des 15 jährigen Bestehens des BFU und der Verleihung des Ulmer Friedenspreises fanden weitere Veranstaltungen statt. Hauptveranstaltungsorte waren Schulen, Universitäten und öffentliche Orte (z.B. Volkshochschule, Büchereien).
5. Mitarbeiter im Jahr 2010 ?
Die Leitung des BFU ist unterteilt in die Therapeutische Leitung (Psychologische Psychotherapeutin; angestellt) und die Organisatorische Leitung (Politologe; angestellt).
Die Versorgung der Patienten wurde darüber hinaus durch 8 weitere Psychotherapeuten (eine Ärztin sowie PsychologInnen) und 2 KunsttherapeutInnen (Honorarkräfte) sichergestellt. Des Weiteren gab es eine angestellte Verwaltungskraft. Auf Honorarbasis arbeiteten zudem ein Web-Master und ein Mitarbeiter für Finanzakquise und Öffentlichkeitsarbeit. Es gab einen externen Supervisor (Professor der Universität Ulm) für die Psychotherapeuten und eine externe Supervisorin für die Kunsttherapeuten. Die Arbeit wurde in der Hauptstelle Ulm von 2 ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt. In der Nebenstelle Ludwigsburg gab es eine Leiterin und 3 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen.
6. Finanzen ?
Das BFU wurde im Jahr 2010 finanziell gefördert durch den Europäischen Flüchtlingsfonds (EFF) (ca. 25%), die Deutsche Sektion von Amnesty International (ca. 20%), die UNO-Flüchtlingshilfe e.V. (ca. 5%), Stiftungen (5 %) und von Spendern und Förderern (ca. 20%). Eine Finanzierung der Therapien erfolgte u.a. über Krankenkassen (gemäß §13,2 SGB V), die örtlichen Sozialhilfeträger (gemäß §§ 4 und 6 AsylbLG) und über Berufsgenossenschaften (ca. 25%).
Im Jahr 2010 standen einem Aufwand in Höhe von 248.830 € Erlöse von 238.400 € gegenüber. Der Jahresfehlbetrag betrug 10.430 €.
7. Danksagungen ?
Unser besonderer Dank für ihre vielfältige persönliche, finanzielle und ideelle Unterstützung der Arbeit des BFU geht an
Roland Vogel (amnesty international), Urs Fiechtner, Hanna Schirovsky, Lothar Heusohn, Harm Senne, Katja Mayrhöfer, Mario Stahr, Dr. Karl Holdick, Beate Merx (radio7 Drachenkinder e.V.), Dr. Götz Hartung, Samy Wiltschek, Kath. Gesamtkirchengemeinde Ulm, Gudula Dinkelbach, Reinhard Köhler (Verein für Friedensarbeit Ulm e.V.), Dr. Ulrich Vollmer, Susan Stuart, Dr. Helmut Zehender, Ingrid Grohe, Helmut Göhring, Karl-und-Maria-Maier-Stiftung, children-for-a-better-world, Dorotheen-Stiftung, Norbert Schwinn, Evang.-Luth. Kirchengemeinde Neu-Ulm, Adelheid Gerbig, Hartmut Noerpel-Schneider, Eberhard Wolf, Weltladen Göppingen, Kath. Kirchengemeinde St.-Andreas Blaustein, Leslie ter-Jung, Andreas Link, Partnerschaft Dritte Welt e.V., Ulrike Huenigen-Meinel, Dr. Stefan Labouvie, Klaus und Ulla Merkle, Albert Hierling, Dr. Werner Grimm, Dr. Eckhard Hölscher, Peter Benkesser, Gisela Jöster, Oliver Hauff.
Bericht 2009 ?
Im Berichtsjahr 2009 wurden im Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm (BFU) einschließlich der Nebenstelle in Ludwigsburg 118 Patienten aus 21 Staaten behandelt und betreut. Der Frauenanteil unter den Patienten betrug 58,5%, das Durchschnittsalter 30,7 Jahre.
Im Berichtszeitraum wurden drei Patientengruppen behandelt und betreut (Doppelnennungen möglich):
Folteropfer und Bürgerkriegsopfer: 91 Patienten
Akuttrauma- und Missbrauchsopfer: 27 Patienten
Kinder (darunter Missbrauchsopfer: Kinderkunsttherapie): 20 Patienten
Haupherkunftsland der Patienten war erneut die Türkei, wobei es sich ausnahmslos um Kurden aus der Türkei handelte (22,1%), gefolgt von Deutschland (20,3%) und dem Kosovo (16,1%). Die Deutschen Patienten waren keine Folteropfer, sondern Patienten im Rahmen unseres neuen therapeutischen Angebots für Akuttraumatisierte Deutsche und Menschen mit Migrationshintergrund. Die weiteren Herkunftsländer waren: Irak (7,6%), Kamerun (3,4%) Algerien (2,5%), Sierra Leone, Albanien, China, Eritrea, Iran, Libanon (je 1,7%), sowie Patienten aus weiteren 9 Staaten.
Bei 68 erwachsenen Patienten in der Ulmer Hauptstelle wurde im Berichtszeitraum eine ausführliche Diagnostik durchgeführt. Bei 20 Kindern in der Ulmer Hauptstelle wurde eine Kunsttherapie durchgeführt, meist kamen die Kinder von niedergelassenen Kinderärzten und Kinderpsychiatern zu uns. Insgesamt 109 Patienten – darunter viele aus dem Vorjahr, befanden sich in längerfristiger therapeutischer Behandlung. Bei 84 Patienten wurde eine Psychotherapie durchgeführt, bei 18 Patienten eine Kunsttherapie, 11 Patienten wurden in der Nebenstelle Ludwigsburg medizinisch betreut. 45 Patienten erhielten soziale Beratung, 24 eine Vermittlung in Ausbildung/Beruf (v.a. in der Nebenstelle Ludwigsburg), bei 23 wurden Integrationsarbeit durchgeführt (v.a. Nebenstelle LB). Bei 32 Patienten erfolgte eine Unterstützung bei Behörden.
Der Zugang erfolgte im wesentlichen über Ärzte, Kliniken, Gesundheitsämter (27,1%), Bekannte/Verwandte (20,3%), Beratungsstellen (17,8%), Kommunal-behörden (11,9%), Selbst (5,1%), Rechtsanwälte (4,1 %), ai/Flüchtlings-organisationen (3,4%), Sonstige (8,4%). Etwa 65% der Patienten hatten keinen gesicherten Aufenthalt. 23 Patienten, denen ein Aufenthaltsrecht zuerkannt worden war, erhielten umfangreiche Unterstützung bei der Integration in die deutsche Gesellschaft.
Die Anzahl der Patienten ist 2009 trotz anhaltendem Bedarf gegenüber 2008 (145 Patienten) etwas zurückgegangen. Dies steht in engem Zusammenhang mit der Reduktion der Arbeit in unserer Nebenstelle in Ludwigsburg, die ausschließlich ehrenamtlich geleistet wirs. Die Mitarbeiterinnen dort haben auch aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters (alle Mitarbeiterinnen sind im Rentenalter) nicht mehr so viel Fallarbeit leisten können wie in den Jahren davor. Die Anzahl der Akuttrauma-Patienten in der Hauptstelle in Ulm lag 2009 bei 27 Patienten (=23%). Die meisten Akuttrauma-Therapien konnten meist nach kurzer Zeit erfolgreich abgeschlossen werden. Auch war die Arbeitsfähigkeit oder Schulfähigkeit der Patienten wieder hergestellt.
Bei den meist chronifiziert und komplex traumatisierten Folter- und Bürgerkriegsopfern dauert die Therapie im BFU meist längere Zeit. Insgesamt konnte im Berichtszeitraum bei 44 Patienten (Folter- und Bürgerkriegsopfer und Akuttrauma-Patienten) die Therapie mit einer deutlichen Besserung des Beschwerdebildes abgeschlossen werden.
Ein besonderes Highlight für die jugendlichen Patienten des BFU war der Aufenthalt von 10 traumatisierten Kindern auf der Finca von Peter Maffay auf Can Lompart auf Mallorca im August 2009. Dieser Aufenthalt erfolgte mit finanzieller Unterstützung durch die Peter-Maffay-Stiftung und TUI. Die Kinder und Jugendlichen wurden therapeutisch betreut von unserer Psychologin, Frau Anke Magill, und unserer Kunsttherapeutin, Frau Regine Schempp. Beide wurden unterstützt von einer Praktikantin und einer teilnehmenden Mutter, deren drei Kinder ebenfalls mitgehen durften. Für viele Kinder war es der erste Urlaub überhaupt, bzw. der erste Urlaub am Meer. Es war nach den Worten der Kinder ein unvergessliches Erlebnis.
2. EIF-Projekt ?
Im Berichtszeitraum wurde ferner das Projekt „Integrationsarbeit mit Migranten/Drittstaatenangehörigen – Demokratie und Politik International“ durchgeführt. Projektpartner waren die Volkshochschule Ulm und Amnesty International Ulm. Ziel dieses Projekts war es:
Durch eine aufsuchende Struktur jene Vereine von Drittstaatenangehörigen zu besuchen, die bislang wenig in die Stadtpolitik von Ulm integriert sind (hier: verschiedene kurdische Vereine)
Durch geeignete Themenauswahl deren Interesse an einer stärkeren Vernetzung mit den lokalpolitischen Strukturen Ulms zu befördern
Durch Einbeziehung von Lokalpolitikern in das Projekt die Hemmschwelle zu senken, sich selbständig und aktiv um die eigenen Interessen und Themen bei der Stadtspitze und der Verwaltung zu bemühen
Das Projekt war insgesamt erfolgreich. Es wurden 6 größere Veranstaltungen mit 3 größeren kurdisch-türkischen Vereinen Ulms durchgeführt. Dabei konnten 135 Personen/Drittstaatenangehörige erreicht werden. Positiv war, dass hochrangige Vertreter der Ulmer Stadtverwaltung sowie Ulmer Stadträte der SPD und CDU und der Freien Wählergemeinschaft aktiv an diesem Projekt mitwirkten. Die Resonanz der Besucher/kurdischen Vereinsmitglieder war durchweg positiv. Tenor der Veranstaltungen war: „Wir sind froh, dass wir erstmals nach 40 Jahren als Bestandteil der Stadtkultur wahrgenommen werden.“
3. Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm (ESF –Projekt) ?
Das BFU ist Gründungsmitglied des Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm (AK MRB). Der AK-MRB ist ein Zusammenschluss von 8 Ulmer Menschenrechtsorganisationen und wurde in 2009 von uns im Rahmen eines ESF-Projekts geleitet. Ziel war es, möglichst viele Schüler der Ulmer Weststadt zu erreichen. Menschenrechtsbildung soll seit der Empfehlung der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2000 stärker im Schulunterreicht verankert werden. Hintergrund des Engagements ist die geringe Neigung unter den Ulmer Jugendlichen, die Demokratie als schützenwertes Gut anzusehen (nur 20% der Jugendlichen Ulmer sehen lt. Ulmer Jugendstudie diese als schutzwürdig an). Deshalb bietet der AK-MRB Ulm Schulbesuche und Veranstaltungen an ausgewählten Orten in Ulm sowie eine Vielzahl von Modulen mit Unterrichtseinheiten der Ulmer Menschenrechts-einrichtungen an. Im Rahmen des ESF–Projekts konnten im Berichtszeitraum 600 Schüler erreicht werden. Der Arbeitskreis erhielt 2010 den „Ulmer Friedenspreis“.
Weitere Informationen finden Sie auf: ulmer-menschenrechtsbildung.de
4. Weitere Entwicklungen im und um das BFU herum ?
Das BFU wurde im Jahr 2009 gefördert durch den Europäischen Flüchtlingsfonds (EFF), durch den Europäischen Integrationsfonds (EIF), die Deutsche Sektion von Amnesty International, die UNO-Flüchtlingshilfe e.V. sowie von Spendern und Förderern. Eine Finanzierung der Therapien erfolgte u.a. über Krankenkassen (§13,2 SGB V), die örtlichen Sozialhilfeträger (§§ 4 und 6 AsylbLG) sowie über Berufsgenossenschaften und Stiftungsmittel.
Zur Unterstützung des BFU wurde 2009 auf Anregung der Geschäftsleitung des Trägers des BFU (REHA-Verein für soziale Psychiatrie Donau-Alb e.V.) ein Beirat gebildet. Dieser setzte sich zunächst aus Vertretern der Universität Ulm, des Flüchtlingsrats Ulm/Alb-Donau-Kreis e.V. und des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zusammen. Ziel des Beirats ist die Beratung der Leitung des BFU in finanzieller und politischer Hinsicht.
Ende 2009 bildete sich ein Kreis von Freunden des BFU mit dem Ziel, einen Förderverein des BFU aus der Taufe zu heben, um die immer wieder angespannte Finanzsituation des BFU bessern zu helfen. Der „Förderverein des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm e.V.“ ist im April 2010 beim Registergericht Ulm als gemeinnütziger und mildtätiger Verein eingetragen worden. Er hat mittlerweile 30 Mitglieder. Weitere Informationen zum Förderverein des BFU: foerderverein-bfu-ulm.de
Die Website des BFU wurde in 2009 und 2010 inhaltlich komplett überarbeitet und deutlich ausgeweitet. Insgesamt finden sich Informationen zum Thema Trauma, Folter, Behandlung von Folteropfern im BFU, Geschichte und Gegenwart der Folter, Fallbeispiele, Bezüge zur deutschen Geschichte, Literaturhinweise, Möglichkeiten zur Mitarbeit und vieles mehr. Zur Zeit umfasst die Website umgerechnet rund 250 Buchseiten und verzeichnet seit Ende 2009 stetig steigende Besucherzahlen.
Das BFU ist aktives Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft „Folterüberlebende in Baden-Württemberg“, der BAFF (Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V.) und des Flüchtlingsrats Ulm/Alb-Donau-Kreis e.V., des AK-MRB (vgl. oben) sowie in verschiedenen Fachorganisationen vertreten:
Mitarbeiter im Jahr 2009 ?
Dipl. Psych. Gerlinde Dötsch (Therapeutische Leitung, angestellt bis 9.2009 wegen Pensionierung, ab 10.2009 als Honorarkraft tätig)
Frau Dr. habil. Regina Kurth (Therapeutische Leitung, angestellt ab 12.2009)
Manfred Makowitzki MA (Organisatorische Leitung)
Prof. Dr. Harald C. Traue (Supervisor)
Dipl. Psych. Anke Magill (Psychologische Psychotherapeutin VT, bis 10.2009)
Dipl. Psych. Silvia Grabowski-Pamlitschka (Psychologische Psychotherapeutin /Honorarkraft)
Dipl. Psych. Nicole Leißner (Psychologin, Honorarkraft)
Dipl. Psych. Helmut Göhring (Psychologe, Honorarkraft)
Heidi Gauch (Leitung der Nebnestelle Ludwigsburg, Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, ehrenamtlich)
Cordula Gestrich (Gestalttherapeutin, Honorarkraft)
Karsten Kretschmer (Kunsttherapeut, Honorarkraft)
Regine Schempp (Kunsttherapeutin, Honorarkraft)
Christa Speidel (Verwaltungskraft, angestellt)
Dr. Ulrike Diem (Nebenstelle Ludwigsburg, ehrenamtlich)
Adelheid Garten (Nebenstelle Ludwigsburg, ehrenamtlich
Christa Rösch (Nebenstelle Ludwigsburg, ehrenamtlich)
Im Jahr 2009 standen einem Aufwand in Höhe von 252.983,70€, Erlöse von 237.245,26€ gegenüber.
Der Jahresfehlbetrag betrug -15.738,44 €.