Source: http://www.pax-westphalica.de/cgi-bin/ipomlst.pl?ip=ipm&art=11&dl=d1&pr=0&ul=0
Timestamp: 2019-02-19 01:16:30
Document Index: 338411588

Matched Legal Cases: ['§ 111', '§ 112', '§ 113', '§ 114', '§ 115', '§ 116', '§ 117', '§ 118', '§ 119', '§ 120']

Friedens=Schlusz Zwischen Dero Röm: Käyserlichen und Allerchristl: zu Franckreich Königl: Majestäten/ Wie auch desz H: Röm: Reichs hierzu Abgeordneten/ Chur= und Fürsten/ auch Ständen Gevollmächtigten und Abgesandten/ Zu Münster in Westphalen den 24. Newen/ oder 14. Alten Weinmonats deß 1648. Jahrs unterschrieben und besiegelt. Gedruckt im Jahr nach Christi Geburt M.DC.XLVIII. (14: Hist. Germ. C. 441; vgl. VD17: 14:017751U), Bl. D'-D2'.
[§ 111 IPM ± Art. XVII,1 IPO] Es versprechen und verhelffen die Kayserl. und Königl. Frantzös. auch der Reichs=Stände Legaten und Gevollmächtigte/ daß der Friede respectivè vom Käyser und König in Franckreich/ auch deß H. Röm. Reichs Churfürsten/ Fürsten und Ständen/ nach der Form und Weise/ so ihnen beiderseits gefällig/ geschlossen/ sol vor kräfftig und gültig gehalten werden/ und daß sie ohnfehlbar wollen præstiren und außrichten/ daß die gewöhnliche Instrumenta der Bekräfftigung/ innerhalb 8. Wochen/ von dem Tag der Vnterschreibung zu rechnen/ allhier zu Münster von beiden Seiten gebührlich sollen præsentiret und rechtmässig gegen= auch mit einander außgewechselt werden.
[§ 112 IPM = Art. XVII,2 IPO] Zu mehrer und besserer Versicherung und Bekräfftigung aller dieser Verträge/ sol diese Vergleichung an stat eines ewigwärenden Gesetzes/ kräfftiger Stifftung und Reichs=Verordnung seyn/ welche hinfüro ebenmässig wie andere Rechte/ und Fundamental=Gesetze deß H. R. Reichs expressè, namentlich aber dem nächstkünfftigen Reichstag/ und der Käyserl. Capitulation einverleibet werden/ und sol nicht weniger die Abwesenden/ als die Gegenwärtigen/ die Geist= als Weltliche/ sie seind gleich deß Reichs Stände oder nicht/ verpflichten und verobligiren und selbiges sol so wol denen Käyserlichen und der Stände Räthen und Officianten/ als den Richtern und Schöpffen/ aller Orten wo Gericht und Schöpffenstüle/ als eine gewisse Regul/ welcher sie stätig pariren und folge leisten sollen/ vorgeschrieben seyn.
[§ 113 IPM = Art. XVII,3 IPO] Wider diese itztgemeldte Vergleichung/ noch einigen Articul/ Schluß oder Clausul darinn verfasset/ sollen weder Geist= noch Weltliche/ gemeine oder sonderbare Rechten/ Decreta der Concilien/ Privilegien/ Indulten/ Edicten/ Commissionen/ Jnhibitionen/ Mandaten/ Decreten/ Rescripten/ Litispendentien/ und außgesprochene Vrtheil/ von was Zeiten sie immermehr her wären/ Käyserl. Capitulationen/ und andere der Geistlichen Ordens=Leute ihre Regulen oder Exemptionen/ weder der vergangenen noch zukünfftigen zeiten Protestationen/ Contradictionen/ Appellationen/ Jnvestituren/ Juramenten/ Renunciationen/ pacta seu dediditia, seu alia, viel weniger das Edict/ so Anno 1629. publiciret/ oder der Pragische Vertrag mit seinen Beylagen/ die Verträge mit den Päbsten/ oder das Interim von Anno 1548. oder sonst andere Statuten/ Decreten/ Dispensationen/ Absolutionen/ weder Geist= oder Weltliche/ unter was Namen und Prætext sie immer mögen erdacht werden/ allegirt/ gehöret/ noch irgendswo dieser Vergleichung entgegen lauffende Processen und Befehl/ sie seyn in petitorio/ possessorio/ Jnhibitorial= und anderwärtige Commissionen iemals beschlossen worden.
[§ 114 IPM = Art. XVII,4 IPO] Wer sich aber diesem offtgedachten Vertrag oder allgemeinen Fried/ entweder durch Rath oder Beystand widersetzen/ der Vollnziehung der Restitution widerstreben wird/ auch das jenige/ was bereits/ vermög und krafft der obengesetzten Convention/ und rechtmässig restituiret/ von newem nach geschehener Restitution/ ohne rechtmässige Erkändtnüß der Sachen/ und ordentlicher Execution deß Rechten wiederum zu besprechen sich wird gelüsten lassen/ er sey Geist= oder Weltliches Standes/ der sol in Straff deß gebrochenen Friedens ipso jure & facto verfallen seyn/ und sol wider ihn nach deß Reichs Satzungen und Gesetzen/ wegen der Restitution und Præstation mit völligen Effect procedirt werden.
[§ 115 IPM = Art. XVII,5 IPO] Der getroffene Fried aber sol nichts desto weniger seine Krafft behalten/ und sollen alle Mit=Consorten dieser Transaction, alle und iede Gesetze dieses Friedens/ wider einen iedwedern ohne Vnterscheid der Religion/ zu beschützen und handhaben schuldig seyn/ und so sichs begebe daß etwas dieser Dinge von einem oder andern würde gebrochen werden/ so soll der verletzte theil den Verletzer à via facti abmahnen/ die Sache aber selber entweder gütlicher Beylegung/ oder deß Rechtens erörterung/ unterwürffig machen.
[§ 116 IPM = Art. XVII,6-7 IPO] Im fall aber/ daß selbige Streitigkeit durch keine dieser gedachten mittel und wege innerhalb 3. Jahren möchte beygelegt werden/ so sollen alle und iede Consorten dieser Handlung/ ihre Rathschläge und Kräffte mit dem verletzten Theil conjungiren und vereinigen/ zu den Waffen greiffen/ und zugefügte Schmach rächen/ aber daß sie zuvor von dem notleidenden Theil unterrichtet und erinnert/ daß weder Freundschafft noch Recht haben statt finden können. Doch im übrigen alles mit dem Vorbehalt/ daß einem ieden Fürsten und Stand frey bleibe seine habende Jurisdiction/ Gesetze und Constitutionen/ an seinem Ort competenter zu üben/
und sol keinem der Stände deß Reichs frey stehen/ sein Recht weder mit Gewalt noch Waffen zu suchen/ sondern/ so etwan Streitigkeiten entstanden/ oder noch hinfüro entstehen würden/ sol ein ieder solches zu Recht anführen: wer hierwider handeln wird sol ein Brecher deß allgemeinen Friedens gehalten werden. Was aber durch Richterlichen Sententz wird definiert/ sol ohne unterscheid der Stände zur Execution gebracht werden/ also und dermassen/ wie es in den Reichs=Abschieden von vollziehung der Vrtheil befohlen.
[§ 117 IPM = Art. XVII,8 IPO] Damit auch der allgemeine Fried desto besser erhalten werde/ sollen die Kräyse wiederumb ergäntzet/ und alsobald/ wo und wann Tumult und Erregungen herfür blicken werden/ das jenige/ was in den Reichs=Abschieden von Vollzieh= und Erhaltung deß allgemeinen Friedens verfasset und gesetzt ist/ in Obacht und vor die hand genommen werden.
[§ 118 IPM = Art. XVII,9 IPO] So offt aber einer/ es wären Zeit und Begebenheit wie sie kämen/ Soldaten durch andere Grentzen und Gebiete führen wolte/ so sol von ihnen der Durchzug also angestellet werden/ daß auff unkosten dessen/ dem die durchziehende Soldatesca zustehet/ und zwar ohne Schaden/ nachtheil und verlust derer/ durch welcher Gebieth er gehet/ geschehe/ und d[a]nn sollen sie auch wol beobachten/ was von erhaltung deß allgemeinen Friedens die Reichsabschied beschliessen und ordnen.
[§ 119 IPM ~ Art. XVII,10-11 IPO] In gegenwärtigen Friedens=Tractaten sollen begriffen seyn alle die/ so vor außantwortung der Friedens=Ratification/ oder binnen 6. Monat hernach/ von einem oder andern Theil/ doch mit gemeinem Consens/ ernennet werden: Vnterdessen aber wird hierinn auff beiderseits Beliebung begriffen die Herrschafft Venedig/ als die mediatrix dieser Tractaten; Auch solle den Hertzogen von Saphoy und Modena/ daß Sie für den Allerchristlichsten König in Franckreich in Italia die Waffen geführt/ oder noch führen/ gar kein nachtheil bringen.
[§ 120 IPM ± Art. XVII,12 IPO] Zu deß allen Versicherung und mehrer Bekräfftigung/ haben so wol die Käyser= als Königliche Gesandten/ im Namen aber aller Chur=Fürsten/ Fürsten und Stände deß Reichs zu diesem Actu insonderheit (vermöge deß Schlusses so den 13. Octobr. deß unten benenten Jahrs/ an dem Tag der unterschreibung unter dem Sigill der Mäyntzischen Cantzley den Frantzösischen Gesandten außgeantwortet) Abgeordnete/ Als/ wegen des Churfürsten von Mäyntz/ Herr Nicolaus Georgius von Reigersperg/ Ritter/ Cantzler: Churfürsten von Bäyern/ Herr Johann Adolph Krebs/ Geheimer Rath: Churfürsten von Brandenburg/ Herr Johann/ Graff in Sain und Wittgenstein/ Herr in Homburg und Vallendar/ Geheimer Rath. Jm Namen deß Hauses Oesterreich: Herr Georg Vlrich Graff von Wolckenstein/ Käyserl. Hoff=Rath: Herr Cornelius Göbel/ Bischoffl. Bambergischer Rath: D. Sebastian Wilhelm [Meel]/ Bischoffl. Würtzburgischer Geheimer Rath: D. Johann Ernst/ Hertzogl. Bäyrischer Hoff=Rath: Herr Wolffgang Conrad von Thumbshirn/ Sächs. Altenburg= und Coburgischer Hoff=Rath: Herr Augustus Carpzovius Sächs. Altenburg= und Coburgischer Rath: Herr Johann Frombholdt/ Brandenburg= Culmbach= und Onolzbachischer geheimer Rath: Herr Henrich Langenbeck/ JC. Braunschweig=Lüneburgischer/ Cellischer Linie/ Geheimer Rath: Herr Jacob Lampadius Jctus, der Calenbergischen Linie Geheimer Rath/ etc. Pro-Cancellarius. Jm Namen der Graffen der Wetterauischen Banck: Herr Matthæus Wesembeck Jctus und Rath. Jm Namen Beider Bäncke: Herr Marcus Otto der Stadt Straßburg: Herr Johann Jacob Wolff/ der Stadt Regenspurg: Herr David Gloxinius/ der Stadt Lübeck/ [fehlt Kress von Kressenstein] respectivè Syndici, Rhatherren Räthe/ und Advocaten/ gegenwärtiges Friedens=Jnstrument mit eignen Händen und Pittschafften unterschrieben und bekräfftiget: auch haben gedachter Stände Deputirte ihrer Herren Principalen Ratification in abgeredter Form/ und obangesetztem Termino auszuantworten/ versprochen/ denen übrigen der Stände Gevollmächtigten frey stellende/ Sie ihre Namen unterschreiben/ und ihrer Herren Principalen Ratihabitionen beybringen möchten oder nicht; Jedoch auff solche mas und weise/ daß durch Vnterschreibung derer itzo genandten Deputirten/ die andern Stände alle und iede/ die nicht unterschreiben oder ratificiren/ so fest zu stäter Observan[z] und Haltung alles dessen/ was in diesem Friedens=Jnstrument begriffen/ verbunden/ als wäre es von Jhnen selber unterschrieben unnd ratificiret: Es sol auch von dem Directorio deß H. Röm. Reichs keine Protestation oder Contradiction/ wo die geschehe/ wieder die Subscription mehrermelter Deputirten angenommen werden/ oder gültig seyn.
Geschehen zu Münster in Westphalen den 24. Octobr. 1648.