Source: https://www.hensche.de/Reform_des_Mutterschutzgesetzes_gesetzlicher_Mutterschutz_soll_modernisiert_werden_16.34.html
Timestamp: 2019-11-22 07:52:05
Document Index: 16309729

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 7', '§ 2', '§ 16', '§ 4', '§ 4', '§ 10', '§ 27', '§ 3']

Reform des Mutterschutzgesetzes - HENSCHE Arbeitsrecht
ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/184
10.06.2016. Die Gro­ße Ko­ali­ti­on will das Mut­ter­schutz­ge­setz (MuSchG) re­for­mie­ren.
Künf­tig wer­den nicht nur Ar­beit­neh­me­rin­nen, son­dern auch Prak­ti­kan­tin­nen, Schü­le­rin­nen und Stu­den­tin­nen grund­sätz­lich in den ge­setz­li­chen Mut­ter­schutz ein­be­zo­gen.
An­wen­dungs­be­reich des Mut­ter­schutz­ge­set­zes
Ge­setz­li­che Schutz­fris­ten
Aus­schuss für Mut­ter­schutz beim Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fa­mi­lie, Se­nio­ren, Frau­en und Ju­gend (BM­FSFJ)
Fa­zit: Sinn­vol­le Ak­tua­li­sie­rung und Ergänzung des ge­setz­li­chen Mut­ter­schut­zes
Nach der bis­her gel­ten­den Ge­set­zes­fas­sung (§ 1 MuSchG) gilt der ge­setz­li­che Mut­ter­schutz nur für Ar­beit­neh­me­rin­nen und Heim­ar­bei­te­rin­nen.
Der Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung sieht dem­ge­genüber vor, dass künf­tig al­le Frau­en, die in ei­ner Beschäfti­gung im Sin­ne von § 7 Ab­satz 1 des Vier­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IV) ste­hen, un­ter das Ge­setz fal­len, wo­mit z.B. auch Fremd­geschäftsführe­rin­nen ei­ner GmbH er­fasst sind.
Darüber hin­aus wer­den künf­tig acht wei­te­re Per­so­nen­grup­pen vom An­wen­dungs­be­reich des MuSchG er­fasst, nämlich
Ent­wick­lungs­hel­fe­rin­nen (für sie gibt es al­ler­dings auch künf­tig kei­ne Lohn­er­satz­leis­tun­gen)
Frau­en, die ein Frei­wil­li­ges So­zia­les Jahr ab­sol­vie­ren,
An­gehöri­ge ei­ner geist­li­chen Ge­nos­sen­schaft, z.B. Dia­ko­nis­sen,
Schüle­rin­nen und Stu­den­tin­nen, so­weit die Aus­bil­dungs­stel­le Ort, Zeit und Ab­lauf der Aus­bil­dungs­ver­an­stal­tung
ver­pflich­tend vor­gibt oder die ein im Rah­men der schu­li­schen oder hoch­schu­li­schen Aus­bil­dung ver­pflich­tend vor­ge­ge­be­nes Prak­ti­kum ab­leis­ten (für sie gibt es al­ler­dings auch künf­tig kei­nen Kündi­gungs­schutz und kei­ne Lohn­er­satz­leis­tun­gen).
Über die bis­he­ri­ge Re­ge­lung hin­aus gilt die auf zwölf Wo­chen verlänger­te nach­ge­burt­li­che Schutz­frist nicht mehr nur bei Früh- und Mehr­lings­ge­bur­ten, son­dern auch dann, wenn vor Ab­lauf von acht Wo­chen nach der Ent­bin­dung bei dem Kind ei­ne Be­hin­de­rung im Sin­ne von § 2
Abs.1 Satz 1 Neun­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IX) ärzt­lich fest­ge­stellt wird.
Wie nach bis­he­ri­ger Rechts­la­ge ist auch in Zu­kunft die Kündi­gung ei­ner schwan­ge­ren Frau im All­ge­mei­nen un­zulässig, es sei denn, die zuständi­ge Ar­beits­schutz­behörde erklärt im Aus­nah­me­fall ei­ne Kündi­gung vor­ab für zulässig.
Ergänzend zu die­sem Son­derkündi­gungs­schutz zu­guns­ten von Schwan­ge­ren und frisch­ge­ba­cke­nen Müttern gilt künf­tig auch ein Kündi­gungs­ver­bot zu­guns­ten von Frau­en, die ei­ne Fehl­ge­burt nach der zwölf­ten Schwan­ger­schafts­wo­che durch­ge­macht ha­ben. Sie dürfen bis zum Ab­lauf von vier Mo­na­ten nach ei­ner sol­chen Fehl­ge­burt nicht gekündigt wer­den (§ 16 Abs.1 Satz 1 Nr.3 MuSchG n.F.).
Ein wich­ti­ger Be­stand­teil des ge­setz­li­chen Mut­ter­schut­zes sind ar­beits­schutz­recht­li­che Re­ge­lun­gen und Ver­bo­te, z.B. in Be­zug auf Über­stun­den, Nacht­ar­beit, Ar­beit un­ter großer Hit­ze usw.
Die­se Vor­schrif­ten wa­ren bis­lang teil­wei­se im MuSchG ent­hal­ten (und zwar in § 4 MuSchG), teil­wei­se in der Ver­ord­nung zum Schut­ze der Mütter am Ar­beits­platz (MuSch­ArbV), und zwar in §§ 4 und 5 so­wie in zwei An­la­gen zu die­ser Ver­ord­nung.
Die­se Vor­schrif­ten wer­den künf­tig im MuSchG ent­hal­ten sein, nämlich in den §§ 10 und 11 MuSchG n.F.
Künf­tig wird es beim Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fa­mi­lie, Se­nio­ren, Frau­en und Ju­gend (BM­FSFJ) ei­nen Aus­schuss für Mut­ter­schutz ge­ben. Ge­setz­li­che Grund­la­ge für sei­ne Ar­beit ist § 27 MuSchG n.F.
In dem höchs­tens 15köpfi­gen Aus­schuss sol­len die Ar­beit­ge­ber, die Aus­bil­dungs­stel­len, die Ge­werk­schaf­ten, die Stu­die­ren­den­ver­tre­tun­gen so­wie Lan­des­behörden und die Wis­sen­schaft ver­tre­ten sein.
Der Aus­schuss soll mögli­che Gefähr­dun­gen von schwan­ge­ren und stil­len­den Frau­en und ih­rem (un­ge­bo­re­nen) Kind nach wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­sen er­mit­teln. Außer­dem soll der Aus­schuss si­cher­heits­tech­ni­sche, ar­beits­me­di­zi­ni­sche und hy­gie­ni­sche Re­geln zum Schutz der schwan­ge­ren und stil­len­den Frau­en am Ar­beits­platz er­stel­len.
Der Ge­setz­ge­ber ver­spricht sich von dem Aus­schuss, dass auf neue­re wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­se in an­ge­mes­se­ner Zeit re­agiert wer­den kann.
An­ge­sichts des be­reits vor­han­de­nen und im We­sent­li­chen aus­rei­chen­den Schut­zes von Schwan­ge­ren und Frau­en nach der Ent­bin­dung kann es der­zeit nur die Auf­ga­be der Po­li­tik sein, den ge­setz­li­chen Mut­ter­schutz zu ak­tua­li­sie­ren und in ei­ni­gen Punk­ten zu ergänzen.
Das ist mit dem jetzt vor­lie­gen­den Ent­wurf ge­lun­gen. Das be­trifft ins­be­son­de­re die po­li­tisch um­strit­te­ne Ein­be­zie­hung von Schüle­rin­nen und Stu­den­tin­nen. In­dem es § 3 Abs.3 MuSchG neue Fas­sung (n.F.) zulässt, dass Stu­den­tin­nen nach der Ent­bin­dung auf die nach­ge­burt­li­che Schutz­frist ver­zich­ten, ver­hin­dert die ge­plan­ten Neu­re­ge­lung an die­ser Stel­le ei­nen zu star­ren und da­mit im Ein­zel­fall mögli­cher­wei­se kon­tra­pro­duk­ti­ven "Schutz".
Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Neu­re­ge­lung des Mut­ter­schutz­rechts, Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung, Stand 28.06.2016, Bun­des­tag Drucks. 18/8963
Hin­weis: Am 12.05.2017 hat der Bun­des­rat dem Ge­setz zur Neu­re­ge­lung des Mut­ter­schutz­rechts zu­ge­stimmt. Den ent­spre­chen­den Be­schluss des Bun­des­ra­tes fin­den Sie hier:
Be­schluss des Bun­des­ra­tes vom 12.05.2017 (Druck­sa­che 289/17)
16/085 DGB kri­ti­siert Ab­schwä­chung ge­plan­ter Mut­ter­schutz-Re­form
14.03.2016. (dpa) - Die ge­plan­te Ab­schwä­chung der Re­form des Mut­ter­schut­zes wur­de vom Deut­schen Ge­werk­schafts­bund (DGB) stark kri­ti­siert. "Wer den Mut­ter­schutz wirk­lich stär­ken will, der darf ...