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Timestamp: 2018-09-20 01:50:12
Document Index: 68664425

Matched Legal Cases: ['§ 303', '§ 303', '§ 26', '§ 242', '§ 17', '§ 242', '§ 25', '§ 303', '§ 22']

Prüfungsschema: versuchte mittelbare Täterschaft
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Verfasst am: 23 Okt 2005 - 17:30:04 Titel: Prüfungsschema: versuchte mittelbare Täterschaft
Stehe hier grade auf dem Schlauch, weil ich beim Prüfen einer versuchten mittelbaren Täterschaft Aufbauprobleme habe.
Könnte mir jemand kurz aufzeigen wie das zu prüfen ist?
Z.B. wo die Agrenzung Täterschaft / Teilnahme hinkommt? In den Tatentschluß?
Verfasst am: 24 Okt 2005 - 16:45:37 Titel:
Ich weiss nicht ob es richtig ist, aber ich würde so anfangen:
Tatentschluss ( hier würd ICH die abgrenzung vornehmen)
Denn: mittäterschaft: germeinsamer Tatentschluss (tatplan)
denn: mittelbarer Täter: Tatmittler wird durch Hintermann manipuliert
denn: Anstidter erweckt tatentschluss beim Angestifteten
Unmittelbares Ansetzen ( wenn entweder tatmittler unmittelbar ansetzt oder wenn der mittelbare täter die einwirkung auf das werkzeug beendet hat, das geschehen aus der hand gibt mit der vorstellung, der tatmittler werde ohne weitere zwischenakte zur TBverwirklichung ansetzen)
evtl. Rücktritt.
alles ohne gewähr aber Ich seh das so am sinnvollsten
Verfasst am: 28 Mai 2006 - 09:03:41 Titel:
ich bin über die Suchfunktion zu diesem Beitrag, der schon etwas älter ist, gekommen.
Ich weiß nämlich auch nicht, wie man versuchte mittelbare Täterschaft prüft. So wie oben vorgeschlagen, kann es doch nicht richtig sein, da versuchte mittelbare Täterschaft ja nicht zwangsläufig eine Nichtvollendung der Tat voraussetzt, sondern lediglich eine Nichtvollendung der mittelbaren Täterschaft.
Oder hab ich da was falsch verstanden? Aber ich glaube, oben ist genau genommen Versuch IN mittelbarer Täterschaft gemeint.
Könnte mir vielleicht jemand kurz erklären, wie man hier z.B. prüft?
Fall: T droht dem ihm körperlich weit unterlegenen W eine deftige Tracht Prügel an, wenn W nicht mittels eines ihm von T gereichten Pflastersteins das Geschäft des G einwerfe. Der verängstigte W zertrümmert mit einem "gelungenen" Wurf die Scheibe. Strafbarkeit von W und T?
A. Strafbarkeit des W nach § 303
1. OTB (+), da bzgl. Handlung nur vis compulsiva
2. STB (+)
II. RWK, Schuld (+)
III. Ergebnis: § 303 (+)
B. Strafbarkeit des T
I. Mittäterschaft? (-), da kein gemeinsamer Tatentschluss (??)
II. Mittelbare Täterschaft (-), da kein Defekt des W
III. Versuchte Mittelbare Täterschaft oder Anstiftung? (hier Abgrenzung vornehmen???)
Ja, und hier wäre ich am Problem. Wie geht es weiter? Oder ist der bisherige Aufbau schon komplett falsch? Die einzelnen Aufbauschema kann ich, aber wenn es so durcheinander geht... . Ich dachte mir, da ich ja immer mit dem Tatnächsten anfangen muss, geht es ja nicht anders... Oder muss ich versuchte mittelbare Täterschaft hier gar nicht prüfen?
Ich glaube ja, dass hier Anstiftung vorliegt. In diesem Fall könnte man den Zwang, die körperliche Unterlegenheit und Verängstigung des W auch gut unterbringen.
Muss ich auch noch Beihilfe prüfen, da T dem W den Pflasterstein gereicht hat?
Und: Wenn man versuchte mittelbare Täterschaft bejaht, muss man dann gar keine Teilnahme (also §§ 26 oder 27) mehr prüfen?
Zuletzt bearbeitet von Marina85 am 28 Mai 2006 - 09:22:10, insgesamt 2-mal bearbeitet
Verfasst am: 28 Mai 2006 - 09:19:24 Titel:
Wie sieht es mit folgendem Fall aus?
Fall: Hotelgast G bittet den Kellner K, ihm "seine" goldene Uhr aus Zimmer 13 zu holen. In Zimmer 13 wohnt in Wirklichkeit X. K erkennt, dass G ihn täuschen will, bringt ihm aber gleichwohl die Uhr, weil er dem geizigen X eins auswischen will. Strafbarkeit von G und K?
Hier liegt doch eindeutig ein Fall der versuchten mittelbaren Täterschaft des G vor, da G irrtümlich von einem Defekt (= Vorsatz bzgl. "fremd", § 242 (-) ) des K ausgeht. Oder ist Anstiftung doch möglich? Wie prüft man das?
Verfasst am: 28 Mai 2006 - 10:53:57 Titel:
Nicht zuviel Prüfungsschemata auswendig lernen, sondern flexibel bleiben, sonst werden plötzlich an sich einfache Dinge schwer.
In deinem ersten Fall fängst du mit W als Tatnähesten an. Beim rechtfertigenden Notstand kommst du dann - soweit du die Interessenabwegung zu seinen Gunsten ausfallen lässt - zu dem Problem, dass hier ein Fall des sog. Nötigungsnotstands vorliegt, weshalb ein Teil der Literatur hier nur entschuldigenden Notstand annimt, weil ansonsten eine Notwehr gegen die Handlung des Genötigten ebensowenig möglich ist wie eine Teilnahme an seiner Handlung. (vgl. bspw. Baumann/Weber/Mitsch, § 17 Rn. 80f)
Nimmst du daher entschuldigenden Notstand an, so fehlt es grundsätzlich an einer für eine mittelbare Täterschaft in Frage kommende Situation, da das Werkzeug tatbsetandsmäßig und rechtswidrig handelt. Wenn T sich jetzt trotzdem vorstellt, dass sein Opfer irgendeinen Defekt hat, fällt wohl das in den Bereich eines Wahndelikts. Wegen der vorsätzlichen, rechtswidrigen Haupttat kommt aber Anstiftung in Betracht.
Nimmst du das insoweit an, reicht zur Beihilfe ein Satz, da sie als die schwächerei Teilnahmeform ohnehin zurücktritt.
Der zweite Fall ist für deine "Aufbaufragen" besser geeignet. Hier würde ich überhaupt nicht auf gelernte Schemata zurückgreifen, hier reichen einige wenige Ausführungen beim Tatentschluss, nachdem du ja zuvor den Diebstahl des K durchgeprüft hast.
A. Strafbarkeit des G gem. §§ 242 I, 25 I Alt. 2
G müsste Tatentschluss, also Vorsatz zur Verwirklichung des objektiven Tabtestands durch K als Werkzeug gehabt haben. Die Tatsache, dass K in Wahrheit volldeliktisch handelte, steht einer Versuchsstrafbarkeit nicht entgegen, da es einzig auf die Vorstellung des Täters ankommt, weshalb auch der sog. untaugliche Versuch strafbar ist. Nach der Vorstellung des G sollte K die Uhr des X wegnehmen, sich dabei jedoch in einem vorsatzausschließenden Tatumstandsirrtum befinden, mithin also vorsatzlos und damit nicht volldeliktisch Handeln. G hatte nach seiner Vorstellung folglich Tatherrschaft kraft überlegenen Wissens über K als Werkzeug.
Unmittelbares Ansetzen liegt hier ja nach allen Ansichten vor.
Bei der vollendeten Anstiftung im zweiten Fall kommst du noch zu dem Problem, ob der Anstiftervorsatz grds. als "Minus" im Vorsatz bzgl. mittelbarer Täterschaft enthalten ist, obwohl dem W ja eigtl. der "Doppelvorsatz" fehlt. (vgl. die Nachweise bei Lackner/Kühl, § 25 Rn. 5)
Wie Du siehst, brauchst du hier kein Schema.
Zuletzt bearbeitet von Shafirion am 28 Mai 2006 - 14:51:38, insgesamt 3-mal bearbeitet
Verfasst am: 28 Mai 2006 - 10:59:00 Titel:
Hm... das muss ich mir jetzt noch mal in Ruhe anschauen . Eigentlich kenne ich Strafrecht bis jetzt nur nach bestimmten Aufbauschemata und nicht "flexibel". Das hört sich aber alles ganz schön schwer an...
Aber wie schon so oft: Danke dir für die Antwort!
Verfasst am: 28 Mai 2006 - 12:40:28 Titel:
Ich denke, da du ja die Strafbarkeit deines W aus § 303 I scheinbar ohne Weiteres bejaht hast, soltest du dir zunächst einmal die Konstellation des sog. Nötigungsnotstandes vor Augen führen, bspw. im Wessels/Beulke, Rn. 443. Vergleiche dazu auch hier.
Je nachdem, welcher Meinung man hier folgt, ist W also entweder gerechtfertig, oder entschuldigt.
Das wirkt sich dann freilich auch auf die mittelbare Täterschaft aus.
Im zweiten Fall hast du bei der Prüfung der Anstiftung zunächst ein Problem, denn der Vorsatz des T bezieht sich nicht auf eine vorsätzliche, rechtswidrige Haupttat, da nach der Vorstellung des T der W keinen Vorsatz bezüglich der Fremdheit der Sache hat. Es fehlt also mangels sog. Doppelvorsatzes eigtl. am Anstifervorsatz. Hier wird nun teilweise in der Literatur vertreten, dass der Anstiftervorsatz dennoch als Minus notwendigerweise im Vorsatz bezüglich der mittelbaren Täterschaft enthalten ist. Das ist aber schon ein etwas spezielleres Problem, schau dazu mal in den Lackner/Kühl (s.o.).
Was den Rat mit den Schemata angeht, bewegt man sich natürlich gerade im Strafrecht eng an den gängigen Schemata. Das tust du ja auch in dem vorliegenden Beispiel, wo du bei der Tatbestandsmäßigkeit zunächst den Tatentschluss prüft und anschließend das unmittelbare Ansetzen.
Nur kommt man hier in Probleme, wenn man zu starr auf seine Schemata zurückgreift. Denn letztlich versucht eine Tat, wer seiner Vorstellung nach zu ihr unmittelbar ansetzt. Von Nichtvollendung steht in § 22 nichts. Du machst es dir dort also nur unnötig schwer, wenn du versuchst die Problematik in bekannte Schemata zu quetschen, wo du auch einfach iRd Tatentschlusses (kurz) festellen kannst, dass T Vorsatz bezüglich einer mittelbaren Täterschaft hatte. Hier liegen ja auch keine wesentlichen Probleme der mittelbaren Täterschaft oder des Tatentschlusses.
Verfasst am: 05 Aug 2010 - 14:26:24 Titel: P: Tatmittler gibt Tatentschluss auf
Ich sitze gerade über einem ähnlichen Problem und komme nich sorecht weiter. Es geht um eine Hausarbeit für Fortgeschrittene.
A gibt T 2000€ damit er der B ein Fläschchen mit einer Flüssigkeit ins Gesicht spritzt. Es handelt sich um konzentrierte Salzsäure und A will B damit die Ausübung ihres Berufes als Prostetuierte unmöglich machen. A erzählt dem t jedoch, das die Flüssigkeit nur vorübergehende Schäden hervorrufe und nach einigen Tagen nichts mehr davon zu sehen sei. Auf dem Weg zur P bekommt der T jedoch bedenken und schüttet das Fläschchen aus. Geht zurck zu A und holt sich das restliche Geld.
Bei T habe ich bei versuchter schwerer KV schon den Tatentschluss verneint bzw habe ich geschrieben das er ihn erst hatte und dann jedoch fallen gelassen hat. Wie baue ich jetzt die Prüfung der versuchten mittelbaren Täterschaft des A bzw der versuchten Anstiftung auf?