Source: http://post-und-telekommunikation.de/PuT/KEP_1991_Jan-Dez.php
Timestamp: 2017-07-24 20:28:46
Document Index: 238856530

Matched Legal Cases: ['§ 44', 'Art. 1', '§ 44', '§ 45', '§ 39', '§ 238', '§ 264', '§ 266', '§ 37', 'Art. 24', 'Art. 131', '§ 17', '§ 17', '§ 42', 'Art. 28', '§ 6', '§ 63', '§ 37', '§ 17']

Post und Telekommunikation, Postreform 1989: Wirtschaftliche Situation Deutsche Bundespost POSTDIENST 1991
Januar bis Dezember 1991
Die Deutsche Bundespost POSTDIENST im Jahre 1991
In ihrem Geschäftsbericht 1991, dem 2. des jungen Unternehmens, beschreibt die Deutsche Bundespost POSTDIENST neben der Geschäftsentwicklung auch die Unternehmensziele. Im Folgenden Auszüge aus dem Geschäftsbericht. Hier finden Sie den vollständigen Geschäftsbericht 1991 und das Statistische Jahrbuch 1991.
Grafiken und Fotos: Deutsche Bundespost POSTDIENST - Geschäftsbericht 1991
Der POSTDIENST ist wie auch die TELEKOM und POSTBANK seit der Strukturreform der Deutschen Bundespost ein eigenständiges Unternehmen.
1991 war das 2. Geschäftsjahr des Unternehmens. Der Geschäftsbericht 1991 ist die erste gemeinsame Bilanz nach der Fusion mit der ehemaligen Deutschen Post.
Der POSTDIENST steht in vielen Bereichen im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft. Sie erfüllt zudem den ihr vom Staat vorgegebenen Infrastrukturauftrag einer flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung.
Einheitliches Angebotsspektrum und Qualitätsniveau für 79 Millionen Einwohner und die Wirtschaft in ganz Deutschland.
1991: AUF DEM WEG ZU EINEM ERFOLGREICHEN UNTERNEHMEN
1991 war das 2. Geschäftsjahr des jungen Unternehmens Deutsche Bundespost POSTDIENST. Vor dem Hintergrund der Herausforderungen durch die Wiedervereinigung Deutschlands wurde ein großer Schritt auf dem Weg zu einem erfolgreichen Unternehmen ín den alten und neuen Bundesländern getan.
In den alten Bundesländern wurden die wirtschaftlichen Ergebnisse deutlich gesteigert und wichtige strategische Grundlagen für die Zukunft geschaffen.
In den neuen Bundesländern ist im 1. vollen Geschäftsjahr nach der Fusion mit der Deutschen Post der ehemaligen DDR die dramatische Sanierungsaufgabe in allen Einzelheiten deutlich geworden. Hier wurden durch umfangreiche Sofortprogramme die Leistungen für unsere Kunden erheblich verbessert bzw. Dienstleistungen wie die Paket-Zustellung an der Haustür neu eingeführt. Gleichzeitig konnte durch einschneidende Maßnahmen, z.B. Stellenabbau, die von den übernommenen großen Verlusten geprägte wirtschaftliche Situation verbessert werden.
Alte Bundesländer: Deutliches wirtschaftliches Plus
In den alten Bundesländern wurden Erträge von insgesamt 22,3 Milliarden DM erwirtschaftet und damit eine Steigerung um fast 12 Prozent erzielt. Von den Umsatzerlösen in Höhe von insgesamt 19,4 Milliarden DM entfielen auf den Briefdienst 14,8 und auf den Frachtdienst 3,6 Milliarden DM. Im Zeitungsdienst betrugen die Erlöse 0,8 Milliarden DM. Die übrigen Erträge von 2,9 Milliarden DM enthalten vor allem die Kostenerstattungen der beiden Schwesterunternehmen TELEKOM und POSTBANK für die erbrachten Service- und Verbundleistungen.
Im Briefdienst wurde die Verkehrsmenge um 6 Prozent auf 13,9 Milliarden Sendungen erhöht. Mit über 3,5 Milliarden beförderten Massendrucksachen konnte in diesem Teilbereich eine Steigerung von 21 Prozent erreicht werden.
Trendwende im Frachtdienst
Im Frachtdienst (Pakete, Päckchen) gelang 1991 mit einem Mengenplus von 12 Prozent eine wichtige Trendwende. Erstmals ist es gelungen, Marktanteile zurückzugewinnen.
Die Aufwendungen (ohne Ablieferung und Steuern) stiegen 1991 auf 21,7 Milliarden DM. Sie lagen damit um 8,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Davon entfallen mit 16,7 Milliarden DM 77 Prozent auf den Personalbereich.
1991 konnte das Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit gegenüber dem Vorjahr fast vervierfacht werden. 1990 wurden 176 Millionen DM, 1991 665 Millionen DM erwirtschaftet. Nach der Ablieferung an den Bund, die nach wie vor 10 Prozent vom Umsatz betragt, wird für die alten Bundesländer ein Verlust von 1.190 Millionen DM ausgewiesen.
Neue Kurierdienste: EMS und GD Express Worldwide
Im Jahr 1991 nahm die „EMS Kurierpost GmbH” erfolgreich ihre Geschäftstätigkeit auf. In Kooperation mit der Deutschen Bundespost POSTDIENST werden von 450 Mitarbeitern flächendeckend Kurierdienstleistungen (Stadt, Land und international) angeboten. Bereits im 1. Geschäftsjahr wurden im nationalen Bereich rund 1 Million und im internationalen Bereich 1,6 Millionen Kuriersendungen befördert. Auch im 1. Quartal 1992 sind hohe Zuwachsraten zu verzeichnen.
Weltweiten Logistiknetz
Internationale Kurierdienstleistungen werden in einem weltweit wachsenden Wettbewerbsmarkt erbracht. Um den Kunden auch weiterhin ein konkurrenzfähiges erstklassiges Produkt anbieten zu können, haben sich die Postunternehmen von Frankreich, den Niederlanden, Schweden, Kanada und Deutschland mit dem internationalen Transport- und Kurierunternehmen TNT zum Gemeinschaftsunternehmen „GD Express Worldwide” verbunden. Der POSTDIENST hält den größten Anteil unter den Postunternehmen. Entstanden ist eines der 3 größten Kurierunternehmen in der Welt mit einem Logistiknetz und dem Sitz in Amsterdam. Bereits 1992 werden Umsätze von weit über 1 Milliarde US-Dollar erwirtschaftet werden. In Europa operiert eine Flotte von 16 eigenen hochmodernen Frachtjets. Die zentrale Drehscheibe ist in Köln. Das ist für Deutschland, wegen der Laufzeiten und Anschlüsse, außerordentlich attraktiv.
Neue Bundesländer: Erste Phase einer großen Sanierungsaufgabe
Das Ausmaß der Sanierungsaufgabe machen einige wenige Ergebniszahlen des ersten vollen Geschäftsjahres in den neuen Bundesländern deutlich:
Auf 100 DM Erträge in den neuen Bundesländern werden 47 DM Verlust nach Ablieferung erwirtschaftet. Auch bei Einrechnung der zusätzlich erbrachten Wertschöpfung, u.a. für die zusätzlichen West-Ost-Verkehre, verringert sich der Verlust lediglich um etwa 250 Millionen DM.
Deutsche Post: Leístungsstand um Jahrzehnte zurück
Insgesamt war der Leistungsstand der ehemaligen Deutschen Post 30 Jahre hinter dem Standard westeuropäischer Postunternehmen zurückgeblieben.
Einige Beispiele für die Verbesserungsmaßnahmen des ersten Jahres: Auf der Leistungsseite wurde bereits 1990 die 1. Phase der Angleichung der Produkte und Qualitäten gestartet. Seit 1991 wird auch in den neuen Bundesländern die gesamte Produktpalette angeboten. Bei den Briefen wurde mit dem Abbau der Zustellfachanlagen und einer flächendeckenden Hausbriefkastenzustellung begonnen, ebenso mit dem flächendeckenden Paketzustelldienst für 16 Millionen Einwohner. Allein 10.000 neue Kraftfahrzeuge wurden beschafft. Die Laufzeiten sind durch den Einbezug in das Nachtluftpostnetz entscheidend verbessert worden.
Aufbauarheit in den neuen Bundesländern: Das bedeutet auch mehr Service für die Postkunden durch die Umstellung von Zustellfachanlagen auf Hausbriefkästen.
Auf der Kostenseite wurde den Defiziten durch schnelle Investitionen, neue Organisationen und Abläufe sowie durch Personalanpassungen gegengesteuert. Allein 1991 wurden über 8.400 Stellen eingespart. Dieser notwendige Sanierungsschritt konnte sozialverträglich gestaltet werden, sodass nur knapp 300 Kündigungen erforderlich waren.
Einen ausführlichen Bericht des Vorstandsmitglieds Franz Schöll über die Zusammenführung der beiden Postsysteme in Ost und West finden Sie im Register „Der Gastbeitrag” unter dem Titel Die Vereinigung der Postdienste der Deutschen Bundespost und der Deutschen Post - Entwicklung, Stand, Perspektiven.
GESAMTENTWICKLUNG 1991: START AUF EINER NEUEN BASIS
Im Unterschied zu 1990 legt das Unternehmen POSTDIENST für 1991 erstmals eine konsolidierte Bilanz und eine gemeinsame Gewinn- und Verlustrechnung für beide Verkehrsgebiete West und Ost vor.
Die hochdefizitäre Situation in den neuen Bundesländern wirkt sich negativ auf die gemeinsame Gewinn- und Verlustrechnung aus. Das Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit beträgt konsolidiert -181 Millionen DM. Der Verlust nach Ablieferung in den neuen Bundesländern (über 1 Milliarde DM) belastet das konsolidierte Ergebnis enorm. Insgesamt ist ein Fehlbetrag nach Ablieferung von 2,2 Milliarden DM ausgewiesen. Davon werden 2,0 Milliarden DM dem Unternehmen POSTDIENST im Wege des gesetzlich vorgesehenen Finanzausgleichs durch die Deutsche Bundespost TELEKOM erstattet.
Insgesamt investierte das Unternehmen 1991 über 1,3 Milliarden DM. Davon entfiel 1 Viertel auf die neuen Bundesländer. Für 1992 ist eine Verdoppelung des Investitionsumfanges geplant. Der Schwerpunkt der Investitionstätigkeit lag in den Bereichen Grundstücke und Gebäude sowie Förder- und Verteilanlagen.
Solide Eigenkapitalquote von 46,6 Prozent
Die Eigenkapitalquote ist weiterhin solide, obgleich die Bilanz der Deutschen Post der ehemaligen DDR am 1. Januar 1991 mit einer Eigenkapitalquote von lediglich 17,8 Prozent (davon entfielen auf eine Sonderrücklage 818 Millionen DM = 15,9 Prozent der Bilanzsumme) übernommen wurde. Die Bilanzsumme am 31. Dezember 1991 erreichte 20,7 Milliarden DM. Der Eigenkapitalanteil lag mit 9,6 Milliarden DM bei 46,6 Prozent.
MITARBEITER: KOMPETENZ UND ENGAGEMENT
Am Jahresende 1991 waren im Verkehrsgebiet West 317.000 und im Verkehrsgebiet Ost 79.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Kopfzahl einschließlich Nachwuchskräfte) beschäftigt. Die Deutsche Bundespost POSTDIENST ist ein Dienstleistungsunternehmen, das seine Servicequalität jeden Tag neu erbringen muss. Dabei setzen die Post-Mitarbeiter den Maßstab für Qualität und damit Erfolg. Durch die Neustrukturierung des POSTDIENSTES und die Integration der neuen Bundesländer ist deutlich geworden, dass dieses Unternehmen über ein Mitarbeiter-Potenzial verfügt, mit dem auch besondere Herausforderungen bewältigt werden können. „Nur durch das Können und den motivierten Einsatz der Beschäftigten des POSTDIENSTES konnten wir unseren gemeinsamen Zielen im Geschäftsjahr 1991 ein so großes Stück näher kommen.”
Auch auf der Schiene ganz groß: Mit 500 eigenen Post-Waggons wird die reibungslose Logistik bei der Beförderung per Bahn sichergestellt.
So wurden in einer Qualitätsoffensive Brief im Frühjahr 1991 durch Zehntausende von Mitarbeitern die Laufzeit-Qualitätsverluste durch die Wiedervereinigung gemeistert. Eine Großkundenoffensive, die von einer neustrukturierten Vertriebsmannschaft nach vorne getragen wurde, brachte uns stolze Umsatzzuwächse, insbesondere im Frachtdienst. „Die ungewöhnlichen Aufgaben in den neuen Bundesländern - an erster Stelle die Sicherstellung einer nationalen Postversorgung für 16 Millionen Einwohner - wären ohne das Können und den engagierten Einsatz unserer Mitarbeiter nicht zu bewältigen gewesen.”
In den 1990er-Jahren wird der Wandel der Märkte und des Umfeldes für das Unternehmen POSTDIENST dramatisch sein. Dieser Wandel zwingt zur Anpassung von Unternehmenszielen, Geschäftsstrategien und Organisationsstrukturen.
Neue Wettbewerber und Monopolabbau
Ein Beispiel für den Wandel ist die Intensivierung des Wettbewerbs. Das Postgeschäft ist weltweit durch eine Verschärfung des Wettbewerbs geprägt. Zum direkten Wettbewerb durch private Transportdienste (teilweise auch durch ausländische Postunternehmen) kommt der indirekte Wettbewerb durch Telekommunikation (Telefax). Weitere Deregulierung und Reduzierung der geschützten Bereiche (Postmonopole) sind, insbesondere innerhalb der EG, unverkennbar. Dieser verstärkte Wettbewerb erfordert die in der Marktwirtschaft erprobten Managementstrukturen und -systeme. Die politischen Vorgaben müssen abgebaut, Handlungs- und Gestaltungsspielräume müssen vergrößert werden. Länder, die dieser Richtung nicht folgen, werden im Postwesen international zurückfallen.
Vor dem Hintergrund der Verpflichtungen durch das Postverfassungsgesetz verfolgt die notwendige Neuausrichtung 3 grundlegende Ziele:
Qualitätsführerschaft, auch im internationalen Maßstab
Umgestaltung von einer Behörde in eine moderne Unternehmensorganisation für Kunden und Mitarbeiter
Ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen unter Berücksichtigung der Infrastrukturaufgaben
Die strategische Neuausrichtung unserer Kerngeschäfte ist der Schlüssel für den Unternehmenserfolg des POSTDIENSTES. Im Mittelpunkt stehen die Bemühungen um kundenorientierte Marktpolitik und wirtschaftliche Produktionssysteme. „Nur durch gezielte Maßnahmen können wir rentabel wirtschaften und damit dauerhaft Arbeitsplätze für unsere Beschäftigten sichern.” Die einzelnen Strategien befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen.
NEUE KONZEPTE UND NEUE PRODUKTE
Erstes Frachtzentrum ist gebaut
Briefkonzept: Neues Leistungsangebot
Schalterdienst: Weniger Kosten und mehr Service
Postzeitungsdienst: Defizit zu hoch
Neues Postleitzahlensystem 1993
Gute Fortschritte macht die Umsetzung des neuen Frachtkonzeptes. In Hagen wurde das erste der geplanten 33 Frachtzentren baulich fertiggestellt. Mit Vorrang werden jetzt die Frachtzentren in den neuen Bundesländern gebaut.
Auch das neue Briefkonzept kommt zügig voran. Eine Neuausrichtung des Leistungsangebotes wird mit einer grundlegenden Veränderung des Produktionssystems verknüpft. Dies wird für den Kunden zahlreiche Vorteile bringen und dem Unternehmen helfen, in den 1990er-Jahren in dem mit Abstand größten Bereich die Zukunft zu sichern.
Im Schalterdienst will der POSTDIENST - neben einer deutlichen Kostenreduktion - eine nachhaltige Sicherung des Geschäftsvolumens und der Servicequalität erreichen. Diese Ziele müssen in enger Zusammenarbeit mit dem größten Nutzer, der POSTBANK, in ein Schalterkonzept umgesetzt werden.
Ein Problemfeld bleibt der Postzeitungsdienst, in dem 1992 mit einem Defizit von 890 Millionen DM zu rechnen ist. Ziel ist, bundesweit einen leistungsfähigen Zeitungs- und Zeitschriftenvertrieb anzubieten. Dazu sind erhebliche Qualitätsverbesserungen sowie Rationalisierungsmaßnahmen geplant und neue Preisstrukturen in den nächsten Jahren erforderlich.
Zur Stärkung der Effizienz wird das neue Postleitzahlensystem beitragen, das zum 1. Juli 1993 gültig wird. Hier sind die Vorbereitungen voll im Zeitplan. Das neue System ist übersichtlicher und ermöglicht eine rationellere und zuverlässigere Bearbeitung der Postsendungen.
FUNKTIONALE STRATEGIEN SCHAFFEN EINE SOLIDE BASIS
Bei den funktionalen Strategien wird es bei der Personalstrategie darauf ankommen, eine langfristige Arbeitsplatzsicherung durch wettbewerbskonforme Produktivitätsfortschritte und Personalentwicklungen zu erreichen. Soweit ein Stellenabbau damit verbunden ist, wird dieser sozialverträglich gestaltet werden. Durch das neue Frachtkonzept werden 3.000 Stellen bis 1995 abgebaut, wenn nicht eine weitere Ausweitung des Geschäftsvolumens diesen Abbau verringern kann. In der Verwaltung werden von ca. 60.000 Stellen durch Abbau überflüssiger Tätigkeiten und Einsatz moderner Methoden und Informationstechnologie 10.500 Stellen abgebaut. Im Brief- und Zeitungsdienst zielen neue Betriebssysteme auf eine Reduzierung von 20.000 der ca. 215.000 Stellen bis zum Jahr 2000.
Dieser Stellenabbau lässt sich bei einer jährlichen Gesamtfluktuation von rund 13.000 Beschäftigten durch eine Verringerung der Zahl der jährlichen Neueinstellungen verwirklichen.
Neben der Personalstrategie kommt der Anpassung der Organisationsstrukturen an den Wandel des Marktes und des Umfeldes eine entscheidende Bedeutung zu. Schließlich soll die gesamte Neuausrichtung des POSTDIENSTES in den 1990er-Jahren auf einer soliden Finanzbasis erfolgen.
In den neuen Bundesländern zielen alle Strategien auf einen Quantensprung in der Wirtschaftlichkeit und der Qualität und damit auf eine Vereinheitlichung der Postsysteme in beiden Teilen Deutschlands.
Der Vorstand der Deutschen Bundespost POSTDIENST:
v.li Richard Wohlfart, Dr. Edgar Ernst, Dr. Klaus Zumwinkel, Dieter Seegers-Krückeberg, Wolfhard Bender, Dr. Hans-Dieter Petram, Dr. Günter W. Tumm
ePOST: Neuer elektronischer Briefdienst
Kurierdienste: Neugründungen für weltweiten Service
Auf der CeBIT im März 1992 begann für das Unternehmen ein neues elektronisches Zeitalter im Dienste der Kunden. Der neue Dienst „ePOST” wurde erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Inzwischen läuft der Probebetrieb mit ausgewählten Kunden. Die Produktinnovation basiert auf der Idee, eine Nachricht so lange wie möglich in elektronischer Form zu transportieren und sie erst unmittelbar vor dem Zielort auszudrucken, zu kuvertieren, zu adressieren und in die bestehende Zustellorganisation einzuschleusen.
Ein grundlegender Wandel ist die Internationalisierung des Geschäftes. Das Unternehmen bereitet sich gezielt auf den künftigen Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt vor. Hier liegen erhebliche Chancen, aber auch Risiken. Die internationalen Dienste, die bislang erst 5 Prozent des gesamten Geschäftsvolumens ausmachen, werden sehr schnell an Bedeutung gewinnen. Die bislang im internationalen Bereich fehlende aktive Marktbearbeitung wird vorbereitet.
Kurierprodukte, d.h. sehr schnelle Beförderungen von Briefen, Dokumenten und Paketen, gehören zum Kern des Postgeschäfts. Hier sind auf den nationalen und internationalen Kurierdienstmärkten erhebliche Veränderungen im Gange. International werden nur wenige große weltweite Netzbetreiber überleben. In 1991 wurden für das nationale Geschäft die Tochter EMS Kurierpost GmbH und für das internationale Geschäft das Gemeinschaftsunternehmen GD Express Worldwide gegründet.
AKTUELLE LAGE: Poststreik und Tarifabschlüsse
Der nationale Poststreik im Mai 1991 war ein einschneidendes Ereignis für das Unternehmen POSTDIENST. Trotz 11 Tagen Streikdauer konnte allerdings die Postversorgung für die deutsche Wirtschaft und die Bürger sichergestellt werden, wenn auch mit teilweise erheblichen Problemen in den Ballungsgebieten. Viele Maßnahmen, z.B. zentrale und regionale Einsatzzentren, konzentrierter Beamteneinsatz und fallweiser Ersatz des Nachtluftpostnetzes durch ein Nachtstraßennetz, trugen zu diesem Erfolg bei.
Tarifabschlüsse wirtschaftlich nicht vertretbar
Die Umsatzentwicklung wurde dennoch stark beeinträchtigt. Im Frachtdienst sind über 400 gewerbliche Kunden zu Wettbewerbern gegangen. Den Großteil konnte der POSTDIENST allerdings wieder zurückgewinnen. Schließlich „sind aber die Tariferhöhungen von 6,09 Prozent für den POSTDIENST wirtschaftlich nicht vertretbar”. Insbesondere wenn man die Lohnnebenkosten und den Tarifabschluss im öffentlichen Dienst für die neuen Länder einbezieht, wird die Kostenexplosion bei den Löhnen deutlich. 1991 stiegen die Personalaufwendungen um 2,1 Milliarden DM und damit auf 18,9 Milliarden DM.
Im laufenden Jahr 1992 werden Personalaufwendungen um 1,8 Milliarden DM und damit um ca. 10 Prozent auf 20,7 Milliarden DM steigen. Diese Steigerungen von über 20 Prozent in 2 Jahren sind reine Lohnpreissteigerungen, da die Anzahl der Mitarbeiter sogar reduziert wird.
In den neuen Ländern verläuft die Umsatzentwicklung enttäuschend. Der POSTDIENST liegt erheblich unter Plan beim Briefdienst, wenn auch über dem Vorjahr. Bei der Qualität werden die für dieses Jahr angestrebten Laufzeiten (Zustellung 2 Tage nach Einlieferung) in über 80 Prozent der Fälle erreicht. Trotz des geplanten Abbaus von 5.400 Stellen wird wegen der hohen Lohntarifsteigerung eine erhebliche Kostensteigerung eintreten. Das Unternehmen rechnet mit einem Defizit für 1992 von deutlich über 1 Milliarde DM.
In den alten Bundesländern liegen wir - trotz der Streikeinbußen - leicht über dem Umsatzplan 1992. Bei den Kosten waren Streikkosten und der hohe Tarifabschluss für 1992 nicht eingeplant. Bei der Qualität wurde in diesem Jahr in allen Monaten, bis auf den Streik, die Laufzeit E+1 bei 90 Prozent der eingelieferten Briefe, im Frachtdienst E+2 bei über 80 Prozent der Pakete und Päckchen erreicht.
Veränderungen im Aufsichtsrat und VorstandDr. Edgar Ernst Nachfolger von Franz Schöll
Auf Vorschlag des Bundesministers für Post und Telekommunikation wurde durch Beschluss der Bundesregierung vom 28. August 1991 die Amtszeit der Aufsichtsratsmitglieder Ida Krinner (Vertreterin der Anwender und Kunden) sowie Alfred Breier (Vertreter des Bundes) und Gebhard Gotterbarm (Vertreter des Personals) um 5 Jahre verlängert.
Dr. Edgar ErnstFoto Deutsche Post World Net
Konrad Porzner, MdB a. D., ist auf eigenen Wunsch wegen Übernahme anderer wichtiger Aufgaben aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. An seiner Stelle wurde Dipl.-Ing. Helmuth Becker, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, durch Beschluss der Bundesregierung in den Aufsichtsrat berufen.
Mit Jahresende 1991 ist das Vorstandsmitglied Dipl.-Volksw. Franz Schöll in den Ruhestand eingetreten. Er war 14 Jahre als Ministerialdirektor im Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen tätig. Dem Vorstand des Unternehmens gehörte er von Anbeginn an und war in dieser Funktion 2 Jahre tätig.
Die Nachfolge hat Dr. Edgar Ernst angetreten. Seiner Berufung hat der Aufsichtsrat in der Sitzung vom 13. November l99l zugestimmt.
Die Geschäftszweige im Einzelnen
Briefdienst: Wachstumspotenzial vorhanden - Wettbewerb mit neuen Medien
Der Briefdienst konnte 1991 seine Rolle als bedeutendster Geschäftszweig des POSTDIENSTES festigen. Mit seinen vielfältigen Formen und Möglichkeiten der Übermittlung schriftlicher Nachrichten erwies er sich zudem als ein Bereich mit Wachstumspotenzial. 1991 stieg die Zahl der Sendungen insgesamt um ca. 6,0 Prozent.
Bei den eingelieferten Sendungen im Verkehrsgebiet West gab es gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von rund 6 Prozent. Im Verkehrsgebiet Ost stieg die Menge der eingelieferten Sendungen im Berichtsjahr um rund 6,4 Prozent. Einschließlich der aus dem Verkehrsgebiet Ost und dem Ausland eingegangenen Sendungen wurden insgesamt fast 16,3 Milliarden Briefsendungen, das sind Briefe, Postkarten, Briefdrucksachen, Drucksachen, Bücher-, Waren-, Blindensendungen, Massendrucksachen und Wurfsendungen befördert. Dies entspricht einer Zunahme von 760 Millionen Sendungen.
Der Briefdienst befindet sich trotz des Beförderungsvorbehalts in einem ausgeprägten Wettbewerb. Der Brief konkurriert in einem insgesamt wachsenden Kommunikationsmarkt mit den sich immer schneller entwickelnden elektronischen Medien. Die Massendrucksache steht im Wettbewerb mit anderen Werbemedien. Dennoch haben beide Segmente auch im Berichtsjahr Steigerungsraten aufzuweisen. Die Massendrucksache konnte sogar mehr als 23 Prozent Sendungsvolumen hinzugewinnen.
Allgemeine Geschäftsbedingungen ersetzen Postordnung
Eine zentrale Neuerung, die das Selbstverständnis als Dienstleister unterstreicht, sind die am 1. Juli 1991 im gesamten Bundesgebiet eingeführten Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) für den Briefdienst Inland. Sie ersetzen die bisherigen Verordnungen (Postordnung) und stellen die Rechtsbeziehungen zu den Kunden auf eine zivilrechtliche Grundlage. Vom gleichen Zeitpunkt an wurden in den alten wie in den neuen Bundesländern auch alle Dienstleistungen zu einheitlichen Entgelten angeboten. Das Porto für Briefsendungen war bereits zum 1. April 1991 angeglichen worden.
Elektronischer Briefservice - eine neue Qualität
Eine neue Qualität und damit neue Marktchancen erhält der Briefdienst durch die ePOST. Für diesen elektronischen Briefservice baut der POSTDIENST derzeit ein Netz mit zunächst 5 Empfangs- und Druckstationen auf. Mit der Installation des ersten technischen Systems in Frankfurt am Main wurde im Dezember 1991 begonnen.
Ab Mitte 1992 können die Postkunden, die bereits am Pilotbetrieb teilnehmen, ihre Briefsendungen über PC und kommerzielle Großrechner elektronisch einliefern und so von ihren technischen Einrichtungen aus auch Partner ohne eigene Endgeräte auf dem normalen Postweg erreichen.
Die aus den elektronischen Informationen in den empfängernahen Druckstationen zu Papier gebrachten Sendungen können als Briefe, Briefe mit Eilzustellung, Telebriefe, Briefdrucksachen, Drucksachen oder Massendrucksachen an die Empfänger weitergeleitet werden. Die Gestaltungsmöglichkeiten entsprechen dem im Geschäftsverkehr üblichen Schriftwechsel (z. B. Geschäftsbriefe, Rundschreiben, Rechnungen, Werbesendungen). Die Verwendung firmeneigener Briefbögen und Formulare ist ebenso möglich wie der Einsatz von Graphiken und elektronischen Overlays.
ePOST bietet auch internationale Verbindungen
Der elektronische Briefservice soll ab Ende 1992 mit gleichartigen Dienstleistungen anderer Länder verbunden werden. Die ePOST bietet dann im Bereich der internationalen Briefsendungen die Möglichkeit, deutlich verkürzte Laufzeiten zu erzielen.
Telebriefdienst auch in den neuen Bundesländern
Ein bereits am Markt erprobter elektronischer Service ist der Telebriefdienst. Er wird seit dem 25. November 1991 auch in den neuen Bundesländern angeboten. Zunächst sind 20 Städte mit 30 Postämtern an diesen Dienst angeschlossen. Der weitere Ausbau wird zügig fortgesetzt.
Ob Briefe, Päckchen oder Pakete, ob Großstadt oder Einzelhof: der POSTDIENST garantiert flächendeckend in ganz Deutschland die Zustellung bis an die Haustür.
Frachtdienst: Die Trendwende geschafft
Im Frachtdienst wurde 1991 die Trendwende erreicht. Im Wettbewerb mit den privaten Anbietern konnte der POSTDIENST mit einem erfreulichen Umsatzplus von 11,6 Prozent erstmals Marktanteile hinzugewinnen. Das Frachtgeschäft wurde zudem durch Veränderungen in der Logistik und eine Neuorganisation der Kundenbetreuung auf eine effizíentere Basis gestellt.
Gegenüber 1990 nahm die Gesamtzahl der eingelieferten Paketsendungen und Päckchen um 11 Prozent auf 640 Millionen zu. Die Umsatzerlöse erreichten 3,6 Milliarden DM. Getragen wurde die positive Entwicklung von den in den alten Bundesländern erzielten Zuwächsen (12 Prozent Mengensteigerung auf 609 Millionen Sendungen, 12 Prozent Umsatzsteigerung auf rund 3,4 Milliarden DM).
Demgegenüber konnten in den neuen Bundesländern lediglich eine Einlieferungsmenge von 31 Millionen Sendungen (- 4,9 Prozent) und Umsatzerlöse von 143,6 Millionen (+ 5,1 Prozent) erzielt werden.
Ein wesentlicher Teil der Absatz- und Umsatzsteigerung im Frachtdienst kann auf die im Geschäftsjahr 1991 weiter intensivierte Marktbearbeitung zurückgeführt werden. Der Bereich Geschäftskundenberatung wurde neu organisiert und in seiner Vertriebskapazität weiter ausgebaut. Optimale Beratung und Betreuung unserer Geschäftskunden sind auch weiterhin vorrangige Ziele des POSTDIENSTES.
Einheitliche Tarife für ganz Deutschland
Ein anderer entscheidender Grund für die positive Geschäftsentwicklung war die Leistungsstärke der Deutschen Bundespost POSTDIENST im Verkehr mit den neuen Bundesländern. Hier stellte sich die Aufgabe, die Leistungsfähigkeit des Produktionssystems auf das an die alten Bundesländer angeglichene Angebot und auf die wiederum erheblich angestiegenen Verkehrsmengen auszurichten.
Die intensive Umsetzung dieser Herausforderung führte dazu, dass der POSTDIENST auch 1991 der einzige Dienstleister war, der in den neuen Bundesländern Pakete in den geforderten Mengen und flächendeckend auch an private Empfänger verteilen konnte. Hinzu kam, dass der POSTDIENST für den Transport in die neuen Bundesländer die gleichen Tarife wie in den alten Bundesländern anbietet. Das Unternehmen erfüllte damit seine infrastrukturellen Verpflichtungen, obwohl es einen Produktionsapparat übernahm, der den Mengen-Anforderungen nicht gewachsen war und eine logistisch äußerst unwirtschaftliche Struktur aufwies.
Zum 1.Juli 1991 wurde das gesamte in den alten Bundesländern bereitstehende Dienstleistungsangebot des Frachtdienstes auch auf die neuen Bundesländer übertragen. Dazu gehören das Selbstbucherverfahren, die Sendungsart Postgut, die Wiedereinführung der Paketzustellung und die Aufhebung des gegenüber dem normalen Paket teureren Wirtschaftspakets.
Um diese deutliche Erweiterung des Leistungsangebots in die Praxis umzusetzen, waren große Anstrengungen erforderlich. Hierzu zählen die Einrichtung von 2.800 Paketzustellbezirken mit der dazu erforderlichen Bereitstellung und Qualifizierung von Personal, die Ausstattungen mit Fahrzeugen und weiteren Sachmitteln. Bis Ende 1991 konnte die Paketzustellung in den neuen Bundesländern bereits wieder zu 85 Prozent eingerichtet werden.
Dienstgüte und Laufzeiten erheblich verbessert
Auch in den übrigen Produktionsstufen konnte die Frachtbearbeitung bereits weitgehend vereinheitlicht werden. Die Dienstgüte und die Laufzeiten wurden durch technische und logistische Maßnahmen erheblich verbessert.
Begleitet wurden diese Bemühungen von einem nochmaligen starken Anwachsen der Verkehrsmenge in die neuen Bundesländer, insbesondere im 4. Quartal 1991. Hier waren Tagesmengen von bis zu 950.000 Paketen und Päckchen in den dortigen Umschlagstellen, der Eingangsverteilung und Auslieferung zu bewältigen. Das bedeutete eine teilweise Verdreifachung gegenüber 1990 und Verzehnfachung gegenüber 1989. Mit einer Reihe wirksamer Sofortmaßnahmen, z.B. Anmietung von Hallen und Kraftfahrzeugen, Heranziehen von Sachmittelreserven aus den alten Bundesländern, durch Einstellung von Arbeitskräften und den befristeten Einsatz betriebserfahrener Kräfte aus den alten Bundesländern wurde die erforderliche Leistungssteigerung erreicht.
Schalterdienst: Kundennähe das große Plus
Mit über 26.000 Standorten verfügt die Post über ein einmaliges Filialnetz. Diese Präsenz bietet insbesondere für die Hauptnutzer POSTDIENST und POSTBANK viele - zum Teil noch ungenutzte - Marktchancen. Für die Neuausrichtung des Schalterdienstes ist ein Konzept in Arbeit, dessen Detailplanung und Abstimmung mit den Partnerunternehmen eine der Kernaufgaben ist.
Für den POSTDIENST ist die strategische Neuausrichtung des Schalterdienstes eine zentrale Aufgabe im Wettbewerb um bestehende und neue Märkte. Die kundennahe Verfügbarkeit unserer Dienstleistungen ist dabei das großes Plus. Die Sicherstellung flächendeckender Verfügbarkeit, kundenfreundliche Öffnungszeiten, ein konkurrenzfähiger Service-Standard und eine hohe Effizienz der Organisation sind die Eckpunkte für das neue Schalterkonzept. Hinzu kommen Strategien für eine Ausweitung des bisherigen Angebotes unter Ausnutzung neuer Produkte und Märkte.
Der Postschalter ist für den POSTDIENST die Nahtstelle zum Kunden
Universalschalter bleibt Standard
Der Universalschalter sollte weiterhin der Schwerpunkt des Dienstleistungsangebotes sein. Hier findet der Kunde die ganze Palette der POSTDIENST-Produkte und Dienstleistungen. Ergänzend dazu sollen für komplexere Kundenwünsche Spezialschalter eingerichtet werden, z.B. für Bankberatungen und Verkauf von Postwertzeichen für Philatelisten. Der Paketschalter ist in diesem Sinne ebenso ein Spezialschalter.
Bei den Überlegungen zur Neuausrichtung des Schalterdienstes kommt aus POSTDIENST-Sicht der POSTBANK eine wesentliche Rolle zu. Nur so ist es möglich, das Schalternetz zu optimieren und bestmöglich auf die Kundenwünsche und auf die Anforderungen aller Netznutzer einzugehen. Die Erarbeitung, Umsetzung und spätere Führung des neuen Schalterkonzeptes sollte in gemeinsamer Verantwortung und Mitbestimmung zwischen POSTDIENST und POSTBANK erfolgen. Etwa 70 Prozent der erwachsenen Bundesbürger suchen mindestens einmal im Monat ein Postamt oder eine Poststelle auf. Eine Hochrechnung ergab über 34 Millionen Kundenkontakte im Monat.
Auch Dienstleistungen für Dritte
Über die Schalter des POSTDIENSTES werden im traditionellen Verbundbetrieb Dienstleistungen bzw. Produkte aller 3 Unternehmen der Deutschen Bundespost angeboten. Hinzu kommen Leistungen für Dritte - dies sind im Wesentlichen Leistungen für öffentliche Verwaltungen.
Neben dem reinen Verkauf nimmt der Bereich der Kundeninformation und -beratung einen immer größeren Stellenwert ein. Dies zeigt sich in der wachsenden Zahl von kundenfreundlich gestalteten besonderen Informations- und Beratungsbereichen, die in erster Linie den Privatkunden dienen. Die auf die speziellen Bedürfnisse von Geschäfts- und Großkunden ausgerichtete Beratung wird von besonders geschulten Kräften an anderer Stelle durchgeführt, am Schalter jedoch oft vermittelt.
Schalternetz nach Bedarf ausgerichtet
Die Schalterleistungen werden in Verkaufsstellen verschiedener Organisationsformen angeboten. In Abhängigkeit von der durchschnittlichen Nachfrage nach Schalterleistungen, die auf der Basis sogenannter Verkehrsmengenzählungen ermittelt wird, werden die Verkaufsstellen in Postämtern, Poststellen I und Poststellen II unterschieden. In den alten Bundesländern sind es über 17.000 Verkaufsstellen, in den neuen Bundesländern soll die Netzdichte an das Niveau der alten angepasst werden.
Zu diesem ortsfesten Schalternetz kommen in einigen ländlichen Regionen fahrbare Postschalter, die an Haltepunkten mit festgelegten Servicezeiten fast das gesamte Leistungsspektrum der Postämter anbieten.
Einen besonderen Service bietet der POSTDIENST für Ausstellungen und Messen, Kongresse, Sport- und sonstige Veranstaltungen an. Für solche Anlässe können auf Antrag des Veranstalters Sonderpostämter eingerichtet werden.
Kundennähe garantieren auch die knapp 7.000 „Amtlichen Abgabestellen für Postwertzeichen” und die rund 28.000 Briefmarkenautomaten.
Stärkung durch mehr Kooperation
Der internationale Brief- und Frachtdienst ist geprägt durch eine deutliche Intensivierung des grenzüberschreitenden Wettbewerbs. Der POSTDIENST hat auf die veränderten Rahmenbedingungen mit einer Verstärkung der Kooperation innerhalb der weltweiten Postorganisation reagiert und gemeinsame Aktivitäten beschlossen und umgesetzt.
927 Millionen Sendungen im internationalen Verkehr
1991 wurden insgesamt 387 Millionen Briefe, Postkarten, Drucksachen und Päckchen in das Ausland versandt. Den größten Anteil daran hat der Brief. 3 von 4 internationalen Briefsendungen werden in europäische Länder verschickt. Aus dem Ausland gingen rund 540 Millionen Briefsendungen ein.
Der internationale Briefdienst sieht sich zunehmender Konkurrenz durch andere Kommunikationsmittel gegenüber. Für eine eilige kurze Mitteilung wird zwischen Geschäftskunden immer häufiger der Telefaxdienst genutzt. Daneben agieren auf dem Kommunikationsmarkt sogenannte Remailfirmen, die Massendrucksachen deutscher Absender über postalische „Billigländer” nach Deutschland einliefern.
Behaupten konnte sich die internationale Massendrucksache, das Medium für die Direktwerbung. Der internationale Werbeantwortdienst wird nunmehr für 23 Länder angeboten.
Internationaler Frachtdienst: Rückgang abgeschwächt
Im internationalen Frachtdienst schwächte sich der seit 1989 zu verzeichnende Verkehrsmengenrückgang deutlich ab. Während es 1990 im Vergleich zum Vorjahr noch 9,5 Prozent waren, betrug der Rückgang 1991 nur noch 5,1 Prozent. Das Gesamtvolumen lag bei ca. 11,7 Millionen Sendungen im Paketeingang und -abgang.
Um dem Abwärtstrend weiter entgegenzuwirken, wurden erste Gespräche mit ausländischen Postverwaltungen zur Einführung von Consignment, einem neuen Paket-Logistik-Service für den internationalen Waren- und Güteraustausch, geführt. Dieser neue Service spricht gezielt gewerbliche Versender an und bietet diesen ein vereinfachtes, preisgünstigeres und schnelleres Versandverfahren für Kleingutsendungen.
Auch zur Verbesserung der Laufzeiten und der Zuverlässigkeit im internationalen Frachtdienst wurden Verhandlungen mit ausländischen Postverwaltungen aufgenommen. Ziel ist es hierbei, verbindliche Qualitätsstandards zu vereinbaren.
Ein weiteres Ziel ist die marktgerechte Umgestaltung der Produktpalette des internationalen Frachtdienstes. Hier erzielte die Arbeitsgruppe „Postpakete” der Europäischen Konferenz der Verwaltungen für Post und Fernmeldewesen (CEPT) im Juni 1991 unter deutschem Vorsitz Übereinstimmung über ein einheitliches Produktkonzept aller CEPT-Staaten mit klarer, an der Laufzeit orientierter Produktdifferenzierung.
Einen zusätzlichen Kundenservice kann der POSTDIENST durch die 1991 eingerichtete „Zentrale Auskunftsstelle für den Auslandspostdienst” mit Sitz in Frankfurt anbieten. Sie beantwortet sowohl Fragen der Geschäfts- als auch der Privatkunden zum internationalen Brief- und Frachtdienst.
Osteuropa: Verbindungen neu eingerichtet
Auch die politischen Veränderungen in Osteuropa wurden, was den Postverkehr angeht, von der Deutschen Bundespost POSTDIENST aktiv begleitet. So sind eine Reihe von direkten Postverbindungen, z. B. mit den baltischen Staaten, neu eingerichtet worden.
Den Willen zu einer verstärkten internationalen Kooperation bekräftigten die Mitgliedsländer der CEPT auch auf ihrer Außerordentlichen Vollversammlung im September 1991 auf Rhodos. Es wurde beschlossen, eine eigene Organisation der öffentlichen Betreiber des Postwesens zu gründen. Die Vorbereitungen laufen.
EntwicklungszusammenarbeitWeltpostverein als Basis für multilaterale Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern ist durch Berater und Experten sowie mit der Fortbildung von Fach- und Führungskräften aus diesen Ländern erfolgreich fortgesetzt worden. Im Rahmen der multilateralen Zusammenarbeit mit dem Weltpostverein, einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen, gab es Einsätze z.B. in Hongkong, Indonesien, Nigeria und Singapur. Bei den Beratern und Führungskräften handelte es sich um Stipendiaten der Bundesregierung und des Weltpostvereins, die beim POSTDIENST in der Praxis ihre Kenntnisse vertiefen und sich über neue Entwicklungen informieren konnten. Im Laufe des Jahres 1991 wurden Kräfte aus Ägypten, Äthiopien, Bangladesh, Bhutan, China, Fidji, Indien, Indonesien, Kiribati, Malediven, Myanmar, Pakistan, Philippinen, Senegal, Thailand, Tschad, Tunesien, Tuvalu und West-Samoa fortgebildet.
843.000 Sammler-Abonnements
Ein Jahr der Rekorde bei den Sondermarken und gleich mehrere neue Serviceangebote für Philatelisten waren die herausragenden Merkmale im Bereich der Philatelie.
Die Deutsche Bundespost POSTDIENST verfügt mit den 3 Versandstellen für Postwertzeichen in Berlin, Frankfurt am Main und Weiden über Spezialdienststellen, die 843.000 Sammler-Abonnements betreuen. Sie bilden das Rückgrat des Sammler-Services und haben durch den ständigen Kontakt mit Briefmarkensammlern eine hohe Kompetenz auf dem Gebiet der Philatelie.
Abgestimmt auf das aktuelle Nachfrageverhalten auf dem Philateliemarkt, wurden 1991 gleich mehrere neue Angebotsformen des Versandstellen-Abonnements eingeführt. Mit dem „Start-Abonnement”, dem „Probe-Abonnement”, dem „Geschenk-Abonnement” und der „Freundschaftswerbung” sind auf die verschiedenen Kundenwünsche ausgerichtete Produktinnovationen eingeführt worden, mit denen erfolgreich neue Abonnenten gewonnen werden konnten.
Neben dem Werben und Gewinnen neuer Kunden kommt - bei einem derart großen Bestand - der Pflege der vorhandenen Kunden eine ganz erhebliche Bedeutung zu. Um die erfreulich hohe Dauer der Abonnements weiter zu verbessern und die bestehende Kundenbindung zu vertiefen, wurde 1991 die Herausgabe einer eigenen Kundenzeitschrift „unser hobby” vorbereitet.
Weiterhin auf Erfolgskurs befinden sich die beiden Philatelieprodukte für Kinder und Jugendliche. Die „Markenkiste” - das Anfängerset für junge Briefmarkensammler - wurde 200.000-mal bis zum Ende des Berichtsjahres verkauft. Mit der seit Januar 1991 monatlich erscheinenden und am Postschalter erhältlichen Kinderzeitschrift „Salto” gelang es innerhalb weniger Monate, bei einer Verkaufsauflage von 120.000 Stück auf Anhieb einen Platz unter den 5 auflagenstärksten Kinderzeitschriften zu erreichen.
Sondermarken: neuer Rekord
Das Jahresprogramm der Sondermarken umfasste - bedingt durch die Zusammenfassung von 3 noch getrennt aufgestellten Emissionsplänen („Deutsche Bundespost”, „Deutsche Bundespost Berlin” und „DDR”) - insgesamt 81 Einzelwerte mit 23 Zuschlagsmarken, darunter 4 Blockausgaben und 2 Sondermarken-Zusammendrucke. Es war nicht nur das umfangreichste Programm, sondern auch interessant wie selten zuvor. Dazu trugen die ungewöhnliche Themenvielfalt sowie eine Reihe philatelistischer Besonderheiten in Druck, Anordnung und Zusammenstellung bei.
Der Sonderblock zum 200. Todestag von Wolfgang Amadeus Mozart war 1991 einer der philatelistischen Leckerbissen.
Der Entwurf des Markenblocks stammt von © Joachim Rieß, Chemnitz. Erstausgabetag: 5. November 1991Hier abgebildet mit freundlicher Zustimmung des Künstlers.Die Mozart-Blockausgabe brachte dem Künstler 1992 die „Robert Stolz Trophy for Music Philately” als weltweit schönste Musik-Briefmarke des Jahres 1991.
Einen Höhepunkt des Jahresprogramms bildete die deutsch-polnische Gemeinschaftsausgabe anlässlich des 750. Jahrestages der Schlacht bei Liegnitz im Jahre 1241. Die Sondermarken wurden in beiden Ländern motiv- und zeitgleich herausgegeben.
Von 1992 an werden die Jahresprogramme nur noch 60 Sondermarken enthalten. Der Umfang wird damit wesentlich geringer sein als die bisherigen Einzelprogramme zusammen. Dieses Volumen gewährleistet eine angemessene Berücksichtigung von Ausgabeanlässen auch in den neuen Bundesländern.
Postzeitungsdienst: mehr Wirtschaftlichkeit nötig
Die Zusammenführung des Postzeitungsvertriebs der Deutschen Post in den neuen Bundesländern und des Postzeitungsdienstes des POSTDIENSTES war 1991 die Kernaufgabe in diesem Bereich.
Ost und West: 2 völlig unterschiedliche Systeme
Der POSTDIENST musste hierbei 2 völlig unterschiedliche Systeme zusammenführen. Während der Postzeitungsdienst im Westen als Wettbewerbsdienst Tausende von Pressetiteln befördert und zustellt, war der Postzeitungsvertrieb der Deutschen Post in der ehemaligen DDR ein Grundpfeiler der staatlich gelenkten Informationspolitik.
Vor diesem Hintergrund wurde der Zeitungsdienst in den neuen Bundesländern als Vollservice angeboten. Die Annahme von Zeitungs- und Zeitschriftenbestellungen, Inkasso, Zeitungs- und Zeitschriftenvertrieb, Abonnementverwaltung und die Zustellung von Zeitungen und Zeitschriften war Aufgabe der Deutschen Post.
Neue Logistik für 3 Milliarden Zeitungen und Zeitschriften
Durch den bedingungslosen Vorrang für die staatlich geprägte Kontroll-Funktion des Zeitungsdienstes im Osten fehlte jegliche wirtschaftliche Orientierung. Der Weg der Zeitung/Zeitschrift zum Leser musste für zunächst über 3 Milliarden Zeitungen und Zeitschriften überprüft und neu gestaltet werden. Neue Vertriebswege wurden entwickelt, private Logistik- und Zustellnetze errichtet, Aufgaben sinnvoll von der Deutschen Post zu den Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen übertragen. Diese Herausforderung wurde vom Postzeitungsdienst in Abstimmung mit den Verlagen in Angriff genommen und ist inzwischen abgeschlossen.
Einheitlicher Standard beim Service-Angebot
Bundesweit wird es dann einen Standard im Postzeitungsdienst geben, der die Beförderung und Zustellung von Zeitungen und Zeitschriften umfasst. Die Kernprodukte des Postzeitungsdienstes sind dabei das Postvertriebsstück (eigentliche Postzeitungssendung), das Postzeitungsgut („Postzeitungs-Frachtsendung”) und die Streifbandzeitung („Postzeitungs-Briefsendung”).
Zur Konzentration auf diese Aufgabe dient die Einstellung von Spezialdiensten. So wurde Anfang 199Z der Gebühreneinzug für die ca. 5,5 Millionen Rundfunkteilnehmer in den neuen Bundesländern vom POSTDIENST an die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) übergeben.
Für die Übernahme des Einzelverkaufs von Zeitungen und Zeitschriften über den Kiosk wurde eigens die Posttochter „Postdienst Service GmbH” gegründet. Ziel ist es, auf wirtschaftlicher Basis eine bestmögliche Versorgung mit Presseprodukten zu sichern und die entsprechenden Arbeitsplätze zu erhalten.
Umsatzzuwachs: 100 Millionen DM
Insgesamt konnte der Postzeitungsdienst auf ein arbeitsreiches Geschäftsjahr 1991 zurückblicken: Die Sendungsmengen stiegen allein in den alten Bundesländem um 6 Prozent. Durch diesen Zuwachs konnte der Umsatz im Postzeitungsdienst um 100 Millionen DM gesteigert werden. Er beträgt mittlerweile im Verkehrsgebiet West 848 Millionen DM und im Verkehrsgebiet Ost 329 Millionen DM. Diesem erfreulichen Umsatzplus steht ein deutlich negatives Ergebnis entgegen. Durch das niedrige Preisniveau und die Integration der neuen Bundesländer erreichen die Verluste inzwischen fast 900 Millionen DM im Jahr.
Um einen wirtschaftlich orientierten und zukunftsstarken Service aufbauen zu können, wurde 1991 mit der Entwicklung von 3 „Eckpfeilern” zur Neukonzeption des Postzeitungsdienstes begonnen:
die Errichtung eines serviceorientierten Logistiknetzes zur Verbesserung der Leistungsqualität,
die Entwicklung eines markt- und kostenorientierten Tarifsystems und
die Rationalisierung in diesem Geschäftsfeld.
Durch Verknüpfung dieser Elemente sollen künftig bei gleichzeitiger Reduzierung der Kosten leistungsorientierte Angebote und Preise ermöglicht werden. So können schrittweise die Leistung und das Ergebnis verbessert werden.
Postrentendienst: Garant der sozialen Sicherung
Die Umsetzung der Rentenreform und die Einbeziehung der neuen Bundesländer in die Betreuung waren 1991 die besonderen Herausforderungen für den Postrentendienst, der mit seinen Leistungen wesentlich zum System der sozialen Sicherung in Deutschland beiträgt.
Im Auftrag der Versicherungsträger sind im Verkehrsgebiet West 187,5 Millionen Zahlungen mit einem Gesamtbetrag von rund 183 Milliarden DM angewiesen worden. Rentner in über 100 Ländern der Erde erhielten durch den Postrentendienst insgesamt 4,8 Milliarden DM ausgezahlt.
Ein Blick auf die umfangreiche Aktualisierungsarbeit zeigt, dass der Bestand weiter zugenommen hat. Ohne Berücksichtigung des Zuwachses aus den neuen Bundesländern haben die Rentenrechnungsstellen 1,4 Millionen Zahlfälle erstmals in den Bestand aufgenommen, 1 Million Rentenzahlungen wurden eingestellt.
In enger Zusammenarbeit mit den Trägern der Arbeiter-, Angestellten- und Unfallversicherung hat der Postrentendienst die Rentenanpassung 1991 durchgeführt. Neben der Neuberechnung der Beträge und ihrer Überweisungen hat der POSTDIENST die Rentenempfänger rechtzeitig über das Anpassungsergebnis informiert.
Zur Vorbereitung der Rentenreform 1992 sind in Abstimmung mit den Versicherungsträgern umfangreiche Umstellungsarbeiten vorgenommen worden.
Neue Bundesländer: 4,4 Millionen Rentenzahlfälle
In den neuen Bundesländern und in Ost-Berlin hat der Postrentendienst mit der Zahlung für April 1991 seine Dienstleistungen aufgenommen. Bis zum Juni 1991 wurden insgesamt 4,4 Millionen Zahlfälle mit einem Betragsvolumen von 2,4 Milliarden DM von der „Überleitungsanstalt Sozialversicherung” übernommen.
Der Übergang im Zahlungsverkehr vom Standard der ehemaligen DDR auf das auch in den neuen Ländern eingeführte bankleitzahlorientierte Überweisungsverfahren erforderte einen enormen Änderungsaufwand.
Für das Renten-Überleitungsgesetz, mit dem das Rentensystem ab Januar 1992 auf die neuen Bundesländer übertragen wurde, mussten die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden.
Zur Bewältigung des Zuwachses wurde die bestehende Rentenrechnungsstelle in Berlin personell aufgestockt und eine neue Rentenrechnungsstelle sowie ein Rechenzentrum in Leipzig eingerichtet. Dadurch konnten zusätzlich über 100 neue Arbeitsplätze in den neuen Bundesländern geschaffen werden.
Das Personal wurde durch erfahrene Mitarbeiter des Postrentendienstes aus den alten Bundesländern ausgebildet und in der Anfangszeit bei der praktischen Aufgabenerledigung vor Ort unterstützt.
Personal: Integration und Motivation
Die Zusammenführung des POSTDIENSTES mit der Deutschen Post der ehemaligen DDR zu einem gemeinsamen Unternehmen war 1991 die Hauptaufgabe im Personalbereich. Zum Jahresende waren insgesamt 396.152 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, davon 79.017 in den neuen Bundesländern.
Die Integration des Personals ist die zentrale Herausforderung bei der Zusammenführung der beiden Postverwaltungen in Ost und West. Auch im Postdienst zeigte sich, dass analog zu anderen Bereichen der ehemaligen DDR eine großzügige personelle Besetzung vorhanden war. Es musste zudem die Frage der Zumutbarkeit einer Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit bzw. des Amtes für Nationale Sicherheit geprüft werden. Neben einer Kündigung in diesem Bereich wurden zunächst nicht-postspezifische Aufgaben/Berufe aufgegeben, beispielsweise der Toto- und Lottoannahmedienst, Friseure, Masseure usw.
In einer 2. Phase musste der nötige Personalbedarf für die postalischen Aufgaben an die Kriterien in den alten Bundesländern ausgerichtet werden. Hierdurch war eine Personalanpassung in vielen Bereichen erforderlich.
Attraktive Abfindungsregelungen
Diese Reduzierungen konnten durchweg sozialverträglich gelöst werden. Möglich wurde dies durch eine großzügige postspezifische Vorruhestandsregelung und eine finanziell attraktive Abfindungsregelung. Die Angebote haben im Laufe des Jahres 1991 ca. 6.000 Beschäftigte genutzt. Dennoch konnte auf die Kündigungsmöglichkeiten des Einigungsvertrags nicht völlig verzichtet werden. Nach sorgfältiger Einzelfallprüfung wurden knapp 300 Kündigungen ausgesprochen.
Nach der Zusammenführung der Postdienste hat sich schnell gezeigt, dass neben Sachinvestitionen ein Know-how-Transfer im personellen Bereich dringend geboten ist. Nur so ist möglichst schnell eine Anpassung des Leistungsstandards in ganz Deutschland zu erreichen.
Aus diesem Grund wurde mit einem Personalaustauschprogramm begonnen, das auch noch 1992 fortgesetzt wird. Danach werden Führungskräfte wechselseitig in Ost und West beschäftigt, um dort ihre Sachkenntnisse einzubringen und die Beschäftigten in die neuen oder veränderten Aufgabengebiete einzuweisen. Es wurden außerdem zahlreiche Fortbildungsmaßnahmen durchgeführt.
Viele bestehende westliche Regelungen wurden modifiziert, um eine Anwendung in den neuen Bundesländern zu ermöglichen.
Siehe auch unter „Der Gastbeitrag” den ausführlichen Bericht des Vorstandsmitglieds Franz Schöll über die Zusammenführung der beiden Postsysteme in Ost und West „Die Vereinigung der Postdienste der Deutschen Bundespost und der Deutschen Post - Entwicklung, Stand, Perspektiven”.
Tarifabschlüsse 1991
Die Lohnrunde West schloss im Jahre 1991 mit einer Steigerung der Löhne und Gehälter um 6 Prozent ab.
Arbeits- und Tarifrecht voll übertragen
Die 1990 begonnenen Tarifverhandlungen zur Übertragung des bei der Deutschen Bundespost geltenden Arbeits- und Tarifrechts auf die Beschäftigten in den neuen Bundesländern wurden im Jahre 1991 abgeschlossen. Danach werden die wesentlichen Teile der tariflichen Regelungen des Tarifvertrags für Angestellte und des Tarifvertrags für Arbeiter auf die Beschäftigten der ehemaligen Deutschen Post übertragen. Das Kernstück war die Übernahme des Lohn- und Vergütungssystems zum 1. Juli 1991. Die Beschäftigten erhielten danach 60 Prozent des Westlohns. Darüber hinaus wurden für die Arbeiter neue Eingruppierungsregelungen und Strukturverbesserungen vereinbart. Diese Neuregelungen sind rückwirkend zum 1. Oktober 1990 in Kraft getreten. Dadurch ergaben sich Verbesserungen für fast jeden 2. Mitarbeiter.
Auch Rationalisíerungsschutz berücksichtigt
Ein weiterer wichtiger Teilbereich war die Übertragung des Rationalisierungsschutzes. Nach den im Dezember 1991 abgeschlossenen Tarifverhandlungen wurden mit Wirkung vom 1. Februar 1992 die in den alten Bundesländern geltenden Rationalisierungsschutzbestimmungen inhaltlich auf die neuen Bundesländer übertragen. Bis zum 2. Oktober 1991 gingen allerdings bei den Kündigungsbestimmungen die Vorschriften des Einigungsvertrags vor.
Die Gewährung der Leistungszulagen hat sich als ein geeignetes und notwendiges Mittel erwiesen, um individuelle Leistungen herausragender Mitarbeiter anzuerkennen, und damit geeignet, zu entsprechendem Einsatz zu motivieren und dadurch Qualitätssteigerungen zu erreichen. Vom Geschäftsjahr 1991 an sind beim POSTDIENST Leistungszulagen gezahlt worden. Der Schwerpunkt lag hier bei Beamten des einfachen und mittleren Dienstes im Betriebsdienst. Sie erhielten 95 Prozent aller Zulagen.
Im Tarifbereich sind Leistungszulagen bisher nicht gezahlt worden, weil ein entsprechender Tarifvertrag noch nicht abgeschlossen wurde.
Im Geschäftsjahr 1991 sind verschiedene zentrale Maßnahmen zur Verbesserung der Betriebsgüte oder zur Bewältigung großen Arbeitsanfalls durch die Zahlung von Belohnungen gefördert worden. So wurden bei der „Qualitätsoffensive Brief”, die von Mitte Mai bis Anfang August durchgeführt worden ist, zur Behebung von aufgetretenen Laufzeitverschlechterungen im Briefdienst in den alten Bundesländern im Einzelfall bis zu 300 DM gezahlt. Hinzu kam ein neues Modell von Sachprämien, die individuell oder gruppenweise vergeben wurden.
Zuschläge für Ballungsräume
Um auf die angespannte Personallage in den Ballungsräumen zu reagieren, griff der POSTDIENST auch die Möglichkeit der Gewährung von Sonderzuschlägen auf. Dieses vom Bundesinnenministerium geschaffene Instrument ermöglicht es, den Schwierigkeiten bei Dienststellen, die aus Arbeitsmarktgründen von dauerndem Personalmangel betroffen sind, gezielt entgegenzuwirken. Den Beschäftigten wird in den unteren und mittleren Gehaltsstufen ein Sonderzuschlag in Form von vorweg gewährten Dienstaltersstufen gezahlt.
Beim POSTDIENST wurden Sonderzuschläge in den Regionen des Rhein-Main-Gebietes, Stuttgart und München gezahlt.
Motivation durch 7.300 Beförderungen
Der schon im Vorjahr eingeschlagene Weg, verstärkt qualifizierte Kräfte durch Beförderungen zu motivieren und ihnen eine leistungsgerechte Bezahlung zu sichern, wurde 1991 fortgesetzt. Es konnten im einfachen und mittleren Dienst jeweils mehr als 5.500 und im gehobenen Dienst mehr als 1.800 Kräfte befördert werden.
Der POSTDIENST ist traditionell ein Unternehmen mit einem überproportional hohen Frauen-Anteil. Durch die neuen Bundesländer ist dieser Anteil noch erhöht worden. Im Verkehrsgebiet Ost sind 77 Prozent der Beschäftigten Frauen. Insgesamt betrug der Frauenanteil beim POSTDIENST 1991 rund 48 Prozent.
Die Zahlen unterstreichen, dass Frauenförderung für den POSTDIENST keine Nebensache ist. Zu den Aktivitäten in diesem Bereich gehört u.a. die Frauenbeauftragte der Generaldirektion, die bereits 1990 ihr Amt antrat.
Frauenförderung bezieht beim POSTDIENST alle Aspekte der Erwerbssituation von Frauen ein, z. B.:
Förderung von Frauen bei Einstellung und Beschäftigung
Förderung von Frauen bei Aus- und Weiterbildung
Förderung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen.
Die Frauenförderungs-Richtlinie ist die wesentliche Arbeitsgrundlage für die Tätigkeit der Frauenbeauftragten. Neben Beratung und Einzelfallerledigung wurde 1991 die Frauenkampagne „Gleiche unter Gleichen” gestartet. Mit Anzeigen in Frauenzeitschriften wurden diverse Berufe für Frauen im POSTDIENST vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt war es, die Rahmenbedingungen für Teilzeitbeschäftigung und Wiedereingliederung in den Beruf zu verbessern und den in Urlaub ohne Bezüge befindlichen Mitarbeiterinnen die Verbindung zum Unternehmen zu erhalten.
Die Übernahme von Aufgaben und Einrichtungen des Sozialwesens des POSTDIENSTES für das Personal in den neuen Bundesländern wurde 1991 Zug um Zug durchgeführt. Zu Beginn des Jahres wurden die Bundespostbetriebskrankenkasse und die Bundesausführungsbehörde für Unfallversicherung übertragen. Später folgten andere Einrichtungen des Sozialwesens, u.a. die Erholungsfürsorge und die Sozialbetreuung.
Der Wandel von der öffentlichen Verwaltung zum Unternehmen führte 1991 im Ausbildungsbereich zu neuen Ansätzen und Strategien. Auf die bereits eingetretenen bzw. auf die sich abzeichnenden Veränderungen wurde durch die Entwicklung neuer Berufsbilder für die Aufgaben im Wettbewerb reagiert.
Allen Nachwuchskräften Arbeitsplatz angeboten
Dies gilt in gleicher Weise für die neuen Bundesländer. Im Herbst 1991 wurden hier erstmalig 614 Nachwuchskräfte für den Bereich des einfachen und mittleren POSTDIENSTES eingestellt. Allen fertig ausgebildeten Nachwuchskräften des mittleren Dienstes in den neuen Bundesländern konnten freie Arbeitsplätze angeboten werden.
Durch den deutlichen Rückgang an Schulabgängern trat das Unternehmen deutlicher als in den Jahren zuvor als Wettbewerber auf dem Stellenmarkt für Auszubildende auf. Es ist gelungen, wenn auch regional unterschiedlich, die offenen Stellen weitgehend zu besetzen. Hier konnten der Vorteil einer attraktiven Ausbildung und die guten beruflichen Einstiegschancen des Unternehmens genutzt werden.
1991 in die Fortbildung 550 Millionen DM investiert
Neue und veränderte Anforderungen, die sich durch die Umstrukturierung des POSTDIENSTES zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen ergeben, erfordern neue Wege in der Fortbildung. Eine verstärkte Kundenorientierung, eine verbesserte Produktqualität und eine flexiblere Reaktion auf technischen oder wettbewerbsbedingten Wandel waren 1991 bevorzugte Themen der Fortbildung. Insgesamt investierte der POSTDIENST 1991 550 Millionen DM in die Fortbildung der Mitarbeiter.
Schwerpunkte der Maßnahmen waren die Fortbildung der Schalterkräfte im Bereich Postbankdienste und Dienstleistungsangebote sowie im Bereich Datenverarbeitung. In den neuen Bundesländern wurden die Anpassungsmaßnahmen 1991 verstärkt fortgeführt, um das Personal so schnell wie möglich an den Wissensstand des Personals im übrigen Bundesgebiet heranzuführen.
„Clip”: Der Computer hilft beim Lernen
Das bereits 1990 eingeführte computerunterstützte Lernen im POSTDIENST (Clip) wurde 1991 ausgebaut und verstärkt eingesetzt. Darüber hinaus wurden auch die Dienststellen in den neuen Bundesländern mit Lernstationen ausgestattet. Clip hat seine Bewährungsprobe bei der Einführung der „Allgemeinen Geschäftsbedingungen” zum 1. Juli 1991 bestanden. Über 40.000 Kräfte wurden innerhalb kurzer Zeit mit einem entsprechenden Lernprogramm qualifiziert. Die Akzeptanz bei den Mitarbeitern ist sehr hoch. Zudem erfolgt die Schulung erheblich kostengünstiger als in herkömmlichen Verfahren.
Die Führungskräftefortbildung konzentrierte sich 1991 auf 2 Schwerpunkte:
Auswahl von Bewerbern für Führungspositionen bei den Postämtern und Direktionen in den neuen Bundesländern. Bei rund 800 Bewerbern wurden die vorhandenen Führungseigenschaften mit der Methode „Assessment Center” überprüft.
Schulung von 370 Amtsvorstehern für Aufgaben als Großkundenbetreuer. Die stärkere Ausrichtung des POSTDIENSTES auf seine einzelnen Märkte und den Wettbewerb erforderte spezielle Schulungen für Führungskräfte. Hierzu wurden neue Schulungsprogramme konzipiert.
Aus dem Bericht des Hauptpersonalrats im Geschäftsbericht 1991
Erste gesamtdeutsche Personalwahlen
Das Jahr 1991 war für die Personalvertretung in zweifacher Hinsicht von besonderer Bedeutung. Erstmals nach der Neustrukturierung der Deutschen Bundespost wurden der Hauptpersonalrat und die Hauptjugend- und Auszubildendenvertretung bei der Generaldirektion der Deutschen Bundespost POSTDIENST gewählt. Diese Wahlen waren gleichzeitig die ersten gesamtdeutschen Personalrats- und Vertretungswahlen nach der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland.
Die Arbeitsschwerpunkte waren 1991 geprägt von den Vorstandsvorgaben zum „Strategischen Gesamtkonzept” (Fracht, Brief, Vertrieb, Verwaltung/Organisation/Führungssysteme) und vom Personalabbau im Verkehrsgebiet Ost.
Da der Einigungsvertrags den Handlungsspielraum der Personalvertretung in vielen Bereichen einschränkt (z.B. bei Kündigungen), ergaben sich für den Hauptpersonalrat nur in geringem Umfang Möglichkeiten, den Personalabbau im VGO einzudämmen. Beim Frachtkonzept hingegen gelang es in enger Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, beim Vorstand des POSTDIENSTES eine Vereinbarung über den Abschluss eines projektbezogenen Tarifvertrags durchzusetzen, um so Nachteile von den Beschäftigten abzuwenden bzw. sie zu begrenzen.
Privatisierung wird zum Thema
Für die Zukunft zeichnen sich weitere schwerwiegende Probleme ab. Parallel zur beabsichtigten Neukonzeption des POSTDIENSTES laufen die Bestrebungen des Bundesministers für Post und Telekommunikation zur Privatisierung der Postunternehmen. Erste Überlegungen zur Änderung des Artikels 87 des Grundgesetzes und zur Entbeamtung liegen bereits auf dem Tisch.
Für den Hauptpersonalrat und seine Vertretungen verschärft sich dadurch die ohnehin aufgrund der Umsetzung privatwirtschaftlicher Methoden eingetretene schwierige Situation.
Hauptpersonalrat: Ziele der weiteren Arbeit:
Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze,
Erhalt eines zumutbaren Arbeitsplatzes für jeden (keine Entlassungen),
gleiche Arbeits- und Lebensbedingungen in Ost- und Westdeutschland,
Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf allen Ebenen,
Wahrung und Verbesserung der beruflichen Perspektiven,
Erhalt von Verbundaufgaben innerhalb der DBP Unternehmen,
Abwehr der Privatisierung der DBP,
Sicherung der Daseinsvorsorge im POSTDIENST,
sozialverträgliche Realisierung der Betriebskonzepte.
Die 1. gemeinsame Bilanz für Verkehrsgebiete West und Ost nach der Fusion mit der Deutschen Post der ehemaligen DDR
Nachfolgend ein Auszug aus dem „Anhang zum Jahresabschluss 31. Dezember 1991 des öffentlichen Unternehmens Deutsche Bundespost POSTDlENST” (Quelle: Geschäftsbericht 1991)
Das Unternehmen DBP POSTDIENST hat seinen Jahresabschluss nach § 44 Postverfassungsgesetz (PostVerfG [= Art. 1 PostStruktG]) aufzustellen. § 44 PostVerfG bestimmt in Verbindung mit § 45 Abs. 1 und § 39 Abs. 2, dass bei der Erstellung des Jahresabschlusses die „Vorschriften über die Aufstellung des Jahresabschlusses” (Bilanzierungs-Richtlinie) zu beachten sind.
Die Bilanzierungs-Richtlinie DBP POSTDIENST, die zum Vorjahresabschluss nur im Entwurf vorlag, wurde vom Aufsichtsrat im März 1992 mit dem Zusatz verabschiedet, dass die Ausübung von Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechten nicht zur Begründung von Forderungen gegenüber dem Bund nach einer zusätzlichen Eigenkapitalausstattung herangezogen werden kann.
Entsprechend den Vorgaben des PostVerfG bestimmen sich die für die Bilanzierungs-Richtlinie maßgeblichen handelsrechtlichcn Grundsätze nach den Vorschriften über die Rechnungslegung im Dritten Buch des Handelsgesetzbuches (§§ 238 ff. HGB), wobei vorrangig die für große Kapitalgesellschaften maßgeblichen Vorschriften der §§ 264 ff. HGB übernommen worden sind, unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse der Deutschen Bundespost.
Mit dem Beitritt der ehemaligen DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 sind Vermögen und Schulden der ehemaligen Deutschen Post des Beitrittgebiets auf die DBP übergegangen. Aus arbeitstechnischen Gründen konnten jedoch für POSTDIENST und TELEKOM im Verkehrsgebiet Ost (VGO) nur eine gemeinsame DM-Eröffnungsbilanz zum 1.Juli 1990 sowie ein gemeinsamer Jahresabschluss für das 2. Halbjahr 1990 aufgestellt werden. Die in der gemeinsamen Schlussbilanz zum 31. Dezember 1990 ausgewiesenen Vermögens- und Schuldposten wurden zum 1. Januar 1991 auf die beiden Unternehmen aufgeteilt und in getrennten Aufteilungsbilanzen zusammengefasst.
In den Jahresabschluss zum 31. Dezember 1991 ist das Teilsondervermögen der ehemaligen Deutschen Post im Beitrittsgebiet erstmalig einbezogen, sodass dieser das Gesamtvermögen des Unternehmens DBP POSTDIENST ausweist, bestehend aus den beiden selbstständig bilanzierenden Teilsondervermögen Verkehrsgebiet West (kurz VGW) sowie Verkehrsgebiet Ost (kurz VGO).
Die Vorjahres-Vergleichszahlen der Bilanz enthalten demnach für das VGO die in der Teilungsbilanz zum 1. Januar 1991 ausgewiesenen Werte. Für die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) standen Vorjahreszahlen jedoch nur für das VGW zur Verfügung. Vorjahreszahlen im Text sind in Klammern gesetzt. Soweit nichts anderes angegeben ist, sind sämtliche Beträge in Millionen DM vermerkt.
Das Unternehmen beabsichtigt, mit Wirkung vom 1.Januar 1993 die kaufmännische Buchführung einzuführen. Diese wird das bisherige Finanzbuchführungssystem der gehobenen Kameralistik ablösen. Für die Übergangszeit bis zur Einführung der kaufmännischen Buchführung sieht die Bilanzierungs-Richtlinie Übergangsvorschriften vor.
Zum Zwecke einer unternehmensspezifischen Ausgestaltung des Jahresabschlusses wurden in Bilanz und GuV einige Anpassungen vorgenommen. Durch sie werden Klarheit und Übersichtlichkeit verbessert.
Die Gliederungen der Bilanz sowie der GuV gehen von den Gliederungsvorschriften der §§ 266 und 275 HGB aus. Jedoch sind wegen der Besonderheiten der Deutschen Bundespost und aufgrund der fortgeführten DM-Eröffnungsbilanz für das VGO Davon-Vermerke und zusätzliche Ausweisposten - wie z. B. Sonderverlustkonto aus Rückstellungsbildung, Sonderrücklage und Sonderposten mit Rücklageanteil aus öffentlichen Investitionszuschüssen - erforderlich.
Bei den Finanzanlagen wird dcr Posten „Ausleihungen für Wohnungsbauförderung” gesondert ausgewiesen. Es handelt sich dabei um eine Verbundaufgabe, die das Unternehmen DBP POSTDIENST für die gesamte DBP wahrnimmt und bilanziert.
Im Umlaufvermögen trägt der Ausweis der Forderungen gegen die Schwesterunternehmen DBP TELEKOM und DBP POSTBANK der besonderen Struktur der Unternehmensgliederung der DBP Rechnung. Entsprechendes gilt für den gesonderten Ausweis der langfristigen Verbindlichkeiten gegenüber der DBP POSTBANK.
Die GuV wurde um den Posten „Erträge aus Finanzausgleich” erweitert. Die Ergänzung beruht auf § 37 Abs. 3 PostVerfG, wonach zwischen den DBP-Unternehmen ein Finanzausgleich vorzunehmen ist, wenn ein Unternehmen die Aufwendungen aus den eigenen Erträgen nicht decken kann. lm Übrigen ist die GuV nach dem Gesamtkostenverfahren gegliedert.
Die Entwicklung des Anlagevermögens wird anhand eines Anlagespiegels (Anlage 1 (siehe Geschäftsbericht]) dargestellt. In analoger Anwendung der Übergangsvorschriften des Art. 24 Abs. 6 EGHGB werden dabei die Buchwerte der Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 1990 als ursprüngliche Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten betrachtet.
Die gegen Entgelt erworbenen immateriellen Vermögensgegenstände werden mit den Anschaffungskosten aktiviert und über 4 Jahre abgeschrieben. Die Vermögensgegenstände des Sachanlagevermögens werden mit ihren Anschaffungskosten (einschließlich Nebenkosten) bzw. Herstellungskosten abzüglich der planmäßigen und - soweit erforderlich - von außerplanmäßigen Abschreibungen ausgewiesen. Alle Wirtschaftsgüter des Sachanlagevermögens werden linear abgeschrieben.
Dabei werden Wohn-, Dienst- und Betriebsgebäude bis zu 60 Jahre, Technische Anlagen und Maschinen in längstens 15 Jahren, Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung in längstens 30 Jahren, überwiegend aber auf 4 bis 12 Jahre, abgeschrieben. Gebäudezugänge des Jahres 1991 wurden mit den steuerlich anerkannten Nutzungsdauern abgeschrieben. Geringwertige Anlagegüter werden im Zugangsjahr in voller Höhe im Aufwand verrechnet. Anlagen im Bau wurden erstmals zum Zeitpunkt der Bezugsfertigkeit bzw. der Inbetriebnahme umgebucht. Bei Gebäuden wurde die zunächst unterlassene Abschreibung im Jahr der Umbuchung nachgeholt. Die stark eingeschränkte wirtschaftliche und technische Verwertbarkeit des Sachanlagevermögens im VGO wurde durch Wertabschläge und Rückstellungen für notwendige Entkernungs- und Instandhaltungsmaßnahmen berücksichtigt.
Anteile an verbundenen Unternehmen und Beteiligungen sind zu Anschaffungskosten - z.T. vermindert um angemessene Abschreibungen - aktiviert. Die Ausleihungen sind zu Nennwerten bilanziert.
Unter den Vorräten werden Betriebsstoffe, Ersatzteile, Werkstatt- und Dienstbedarf sowie Postwertzeichen und andere Druckerzeugnisse zu Anschaffungskosten angesetzt. Für nicht mehr benötigte bzw. nicht gängige Bestände (insbesondere im VGO) wurden angemessene Abschläge vorgenommen.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände sind zum Nennwert abzüglich angemessener Einzelwertberichtigungen und pauschaler Abwertungen zur Deckung des allgemeinen Kreditrisikos bilanziert. Das bei der Aufnahme von Anleihen und Schuldscheindarlehen von den Gläubigern einbehaltene Disagio wird unter den aktiven Rechnungsabgrenzungsposten ausgewiesen und linear über die Laufzeit der Kredite abgeschrieben.
Von der Möglichkeit der Bildung eines Sonderverlustkontos aus Rückstellungsbildung als Ausgleich für erstmals gebildete Pflichtrückstellungen im VGO wurde im Vorjahr Gebrauch gemacht.
Die Rückstellungen fur Pensionen und ähnliche Verpflichtungen betreffen ausschließlich die seit dem Gj. 1990 erteilten Pensionszusagen sowie Verpflichtungen aus Nachversicherungen gemäß Art. 131 Grundgesetz sowie aus sonstigen Nachversicherungen. Sie werden nach versicherungsmathematischen Berechnungen mit dem Teilwert bilanziert. Der Abzinsungssatz beträgt 6 Prozent p.a. Bei der Bildung der übrigen Rückstellungen ist den erkennbaren Risiken und ungewissen Verbindlichkeiten angemessen Rechnung getragen worden. Sie sind in der Höhe bemessen, die nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendig ist.
Die Verbindlichkeiten wurden mit dem Nennwert oder dem höheren Rückzahlungsbetrag angesetzt. Null-Kupon-Postschatzanweisungen sind mit dem abgezinsten Barwert passiviert. Die Umrechnung der Fremdwährungsforderungen und -Verbindlichkeiten erfolgte zu Durchschnittskursen. Erforderliche Abwertungen auf den Stichtagskurs der Forderungen wurden vorgenommen.
Als immaterielle Vermögensgegenstände werden von Dritten erworbene anwendungsorientierte Software-Programme ausgewiesen.
Die Zugänge zu Anteilen an verbundenen Unternehmen von 7,5 Millionen DM betreffen insbesondere die Kapitalerhöhung bei der ISP Immobilien Service POSTDIENST GmbH, Bonn.
Eine Aufstellung über die verbundenen Unternehmen sowie die Beteiligungsunternehmen ist als Anlage 2 beigefügt. An Erträgen sind von verbundenen Unternehmen und von Beteiligungsunternehmen insgesamt 2 Millionen DM (7 Millionen DM) zugeflossen.
Von den in der Beteiligungsliste aufgeführten Beteiligungsunternehmen sind die Deutsche Postphilatelie GmbH und die PSG-Postdienst Service Gesellschaft mbH (PSG) im VGO bilanziert.
Die PSG hat den Vertrieb von Zeitungen (Bereich Einzelverkauf) übernommen. Der Bereich Abonnement wird von der DBP POSTDIENST noch bis zum 30. Juni 1992 weitergeführt. Der ehemalige Philateliebereich VEB Philatelie Wermsdorf wurde von der Deutschen Postphilatelie GmbH mit wirtschaftlicher Wirkung ab 1. Januar 1991 übernommen.
Der überwiegende Teil der ausgewiesenen Forderungen in Höhe von 4.712 Millionen DM (4.320 Millionen DM) betrifft mit 4.022 Millionen DM (3.697 Millionen DM) die DBP-Unternehmen TELEKOM und POSTBANK. Gegenüber DBP TELEKOM betragen die Forderungen 2.727 Millionen DM (3.697 Millionen DM), gegenüber DBP POSTBANK 1.295 Millionen DM (0 DM ). Von den Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen haben 2.005 Millionen DM eine Restlaufzeit von mehr als 1 Jahr; hiervon betreffen 1.973 Millionen DM die Ausgleichsforderung gegen DBP TELEKOM aus der Realteilung im VGO.
(3) SONDERVERLUSTKONTO AUS RÜCKSTELLUNGSBILDUNG VGO
Gemäß § 17 Absatz 4 des Gesetzes über die Eröffnungsbilanz in Deutscher Mark und die Kapitalneufestsetzung (DMBilG) konnte in der Eröffnungsbilanz zum 1. Juli 1990 in Höhe der erstmals gebildeten handelsrechtlichen Pflichtrückstellungen auf der Aktivseite der Bilanz ein Sonderverlustkonto aus Rückstellungsbildung als Bilanzierungshilfe gebildet werden. Das Sonderverlustkonto wurde im Geschäftsjahr entsprechend dem Verbrauch bzw. der Auflösung der betreffenden Rückstellungen um 24 Millionen DM abgeschrieben.
Das Kapital der DBP POSTDIENST beträgt am Bilanzstichtag unverändert 9.002.912.321 DM. Hiervon entfallen auf das VGW 8.903 Millionen DM, auf das VGO 100 Millionen DM. Zusätzlich besteht eine Sonderrücklage im VGO gem. § 17 Absatz 4 DMBilG. Sie wurde in Höhe des in der Eröffnungsbilanz zum 1. Juli 1990 erstmalig gebildeten Sonderverlustkontos bilanziert und unterliegt - unabhängig von der Entwicklung des Sonderverlustkontos - den Auflösungsbeschränkungen des DMBilG und darf nur zum Ausgleich von Verlusten verwendet werden. Im Geschäftsjahr wurde die Rücklage in Höhe von 178 Millionen DM aufgelöst und beträgt nunmehr 640 Millionen DM.
Nach dem PostVerfG soll die Eigenkapitalquote (Eigenkapital im Verhältnis zum Gesamtkapital) mindestens 1 Drittel betragen. Zur Sicherung einer angemessenen Eigenkapitalausstattung sollen nach § 42 Abs. 4 PostVerfG Gewinne im Unternehmen verbleiben, soweit das Eigenkapital 50 vom Hundert des Gesamtkapitals nicht überschreitet.
(5) SONDERPOSTEN MIT RÜCKLAGENANTEIL AUS ÖFFENTLICHEN INVESTITIONSAUSSCHÜSSEN FÜR DAS VGO
Im 2. Halbjahr 1990 sind dem Postdienst VGO öffentliche Fördermittel für die Durchführung von Infrastrukturverbesserungsmaßnahmen zugeflossen, die nicht von den Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten abgesetzt, sondern als Sonderposten passiviert wurden.
Die Auflösung des Sonderpostens erfolgt ab 1991 in Höhe der mittleren Nutzungsdauer der bezuschussten Anlagegüter; im Geschäftsjahr wurden 5 Millionen DM (20 Prozent) aufgelöst.
(6) RÜCKSTELLUNGEN FÜR PENSIONEN UND ÄHNLICHE VERPFLICHTUNGEN
Die Pensionsrückstellungen umfassen in entsprechender Anwendung des Art. 28 EGHGB nur die unmittelbaren Pensionsverpflichtungen, soweit sie aus ab 1. Januar 1990 neu begründeten Anwartschaften von beamteten Mitarbeitern und hieraus in den Jahren 1990 und 1991 eingetretenen Versorgungsansprüchen auf Witwen- und Waisenrenten resultieren. Die Verpflichtungen des POSTDIENSTES aus entsprechenden bis Ende 1989 erteilten Versorgungszusagen, für die keine Rückstellungen bestehen, betragen 45.005 Millionen DM. Für nicht beamtete Mitarbeiter bestehen mittelbare Versorgungszusagen über die Versorgungsanstalt der DBP (VAP). Die hieraus anteilig auf den POSTDIENST entfallenden mittelbaren Verpflichtungen, versicherungsmathematisch berechnet nach den Grundsätzen des § 6a EStG und nach Verrechnung des am Stichtag vorhandenen Kassenvermögens, sind ebenfalls nicht zurückgestellt; sie betragen 9.052 Millionen DM.
(7) RÜCKSTELLUNGEN FÜR STEUERN
Der POSTDIENST ist als öffentliches Unternehmen von den üblichen Steuerpflichten befreit; stattdessen besteht derzeit die Ablieferungsverpflichtung an den Bund nach § 63 Abs. 1 PostVerfG. Die für 1991 am Bilanzstichtag noch geschuldete restliche Ablieferung beträgt 110 Millionen DM (20 Millionen DM) und ist unter sonstige Verbindlichkeiten ausgewiesen.
Steuerliche Außenprüfungen bei der DBP für Umsatzsteuer und abzuführende Lohnsteuern haben für zurückliegende Zeiträume zu erwartende Nachzahlungen ergeben, die anteilig zurückgestellt wurden. Von den bilanzierten 64 Millionen DM (57 Millionen DM) Steuerrückstellungen betreffen 53 Millionen DM das VGW und 11 Millionen DM das VGO.
(8) SONSTIGE RÜCKSTELLUNGEN
Die sonstigen Rückstellungen decken alle erkennbaren Risiken und enthalten Vorsorgen u.a. für Urlaubslöhne und -gehälter, Überzeitarbeitsansprüche, Aufwendungen im Rahmen von Tarifverträgen, Beihilfen zu Krankenkosten, Altlastensanierungen, unterlassene Instandhaltungen, Wiederherstellungsverpflichtungen bei Mietobjekten, Verluste aus der Vermietung von Wohnungen an Postangehörige, Sozialplanverpflichtungen sowie Verpflichtungsüberschüsse aus dem Personalbereich, Eigentumsansprüche Dritter auf Grundvermögen, Abbau und Wiederherstellungsverpflichtungen von Postzustellanlagen sowie noch zu erbringende Leistungen für am Bilanzstichtag verkaufte Wertvorgaben für Freistempelmaschinen und Briefmarken. Die Erhöhung der Rückstellungen um 584 Millionen DM entfällt im Wesentlichen auf den Personalbereich.
(9) VERBINDLICHKEITEN
Bei den Anleihen handelt es sich um den postintern festgelegten prozentualen Anteil des Unternehmens DBP POSTDIENST an den von der DBP am Kapitalmarkt plazierten Postanleihen einschließlich der Null-Kupon-Anleihen. Der Bilanzausweis betrifft ausschließlich das VGW.
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten bestehen im Wesentlichen in der Form von Schuldscheindarlehen und durch die Übernahme eines „Altkredits”, der dem ehemaligen VEB Philatelie Wermsdorf gewährt wurde. Der Bilanzausweis gliedert sich auf in VGW mit 270 Millionen DM (220 Millionen DM) und VGO mit 18 Millionen DM (18 Millionen DM).
Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen ergeben sich aus Währungsverbindlichkeiten aus dem Abrechnungsverkehr mit ausländischen Postverwaltungen, aus Investitionen, Baureparaturen u.a. Auf das VGW entfallen 357 Millionen DM und auf das VGO 137 Millionen DM.
Die Verbindlichkeiten gegenüber dem Schwesterunternehmen DBP POSTBANK sind langfristiger Natur und konnten daher nicht mit den auf der Aktivseite ausgewiesenen kurzfristigen Forderungen gegenüber der POSTBANK saldiert werden. Sie betreffen ausschließlich das VGW.
Die sonstigen Verbindlichkeiten beinhalten im Wesentlichen Löhne, Gehälter und Bezüge, Ablieferungen an den Bund, Schuldscheindarlehen (soweit diese nicht in den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten enthalten sind), Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung und betrieblichen Zusatzversorgung, Sozialaufwendungen und Verbindlichkeiten im Rentendienst. Von den ausgewiesenen 1.680 Millionen DM (1.058 Millionen DM) betreffen das VGW 1.464 Millionen DM und das VGO 216 Millionen DM.
Der Verbindlichkeitenspiegel (Anlage 3 [siehe Geschäftsbericht]) gibt einen Überblick über die bestehenden Restlaufzeiten.
Zur Besicherung von Verbindlichkeiten wurden in geringfügigem Umfang Grundpfandrechte eingeräumt.
... C. ERLÄUTERUNGEN ZUR GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG
(2) UMSATZERLÖSE NACH DIENSTLEISTUNGSBEREICHEN
Umsatzerlöse für Marktleistungen an die Schwesterunternehmen DBP TELEKOM und DBP POSTBANK sowie den BMPT sind mit 1.201 Millionen DM enthalten; Kostenerstattungen aus Verbund- und Serviceleistungen an die Schwesterunternehmcn sind unter den Sonstigen betrieblichen Erträgen ausgewiesen.
Die übrigen Erträge enthalten neben geringfügigen aktivierten Eigenleistungen und Bestandsveränderungen die Sonstigen betrieblichen Erträge. Letztere umfassen im Wesentlichen Erträge aus Verbund- und Serviceleistungen an die Schwesterunternehmen DBP TELEKOM und DBP POSTBANK (2.404 Millionen DM). Hiervon entfallen auf TELEKOM 1.344 Millionen DM und auf POSTBANK 1.060 Millionen DM.
Die Aufwendungen für bezogene Leistungen von l.966 Millionen DM enthalten vor allem Beförderungskosten (1.177 Millionen DM), Instandhaltungen (482 Millionen DM) und die Inanspruchnahme von Dienstleistungen der Schwesterunternehmeri DBP TELEKOM und DBP POSTBANK ( 293 Millionen DM).
Die über die tarifliche Anhebung der Bezüge wesentlich hinausgehende Personalkostensteigerung im VGW gegenüber dem Vorjahr beruht auf Strukturverbesserungen bei Arbeitern aufgrund eines Sondertaritvertrages, Leistungs- und Ballungsraumzulagen und Arbeitsplatzvergütungen (einschl. Schaltervergütungen).
Diese Bezügeerhöhungen haben sich bei den sozialen Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und Unterstützung u.a. wegen der höheren Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und der Anpassung der Beamtenversorgungsbezuge sowie hoher Nachversicherungen für ausgeschiedene Beamte überproportional ausgewirkt.
(6) ABSCHREIBUNGEN
In den Abschreibungen auf Sachanlagen im VGO sind Auflösungen des Sonderpostens mit Rücklageanteil aus öffentlichen Investitionszuschüssen von 5 Millionen DM verrechnet. Die Abschreibungen auf immaterielle Anlagen und auf Sachanlagen enthalten außerplanmäßige Abschreibungen auf Gebäude, technische Anlagen und Maschinen, Kraftfahrzeuge und andere Gegenstände der Betriebs- und Geschäftsausstattung von insgesamt 136 Millionen DM. Wesentliche Ursachen waren die Ausbuchung eines in Vorjahren gebildeten Festwertes für Betriebsausstattung, Korrekturen bisher unter den Anlagen im Bau vorläufig aktivierter Beträge und nachträgliche Änderungen in der Zuordnung von Anlagegegenständen aus der Teilung der DBP. Von den außerplanmäßigen Abschreibungen entfallen 10 Millionen DM auf das VGO.
In den Sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind im Wesentlichen Verwaltungs- und Vertriebskosten wie Mieten, Pachten, Reisekosten, Provisionen und sonstige Gemeinkosten, der Aufwand für verschiedene Rückstellungszuführungen sowie die Bildung von Wertberichtigungen und Zuschüsse zu Selbstverwaltungseinrichtungen ausgewiesen.
Kostenbelastungen von den Schwesterunternehmungen DBP TELEKOM und DBP POSTBANK sind mit 156 Millionen DM enthalten.
(8) BETEILIGUNGS- UND ZINSERGEBNIS
(9) ABLIEFERUNGEN AN DEN BUND UND STEUERN
(10) ERTRÄGE AUS FINANZAUSGLEICH
Die Forderung auf horizontalen Finanzausgleich an das Schwesterunternehmen DBP TELEKOM gemäß § 37 Abs. 3 PostVerfG wurde als Abschlussbuchung in den Jahresabschluss eingestellt und dem Ergebnis des Geschäftsjahres 1991 gutgebracht.
(11) ERTRÄGE AUS DER AUFLÖSUNG DER SONDERRÜCKLAGE GEMÄSS § 17 ABS. 4 DMBilG
Die im VGO bestehende Sonderrücklage wurde im Geschäftsjahr in Höhe von 178 Millionen DM zum Ausgleich von Verlusten aufgelöst.
Die Aufwendungen im Berichtsjahr betragen für den Aufsichtsrat 0,6 Millionen DM (0,6 Millionen DM) und für den Vorstand 2,8 Millionen DM (2,6 Millionen DM).
Bonn, im Juni 1992
Bayern: SPD und Deutsche Postgewerkschaft befürchten „Kahlschlag” in der flächendeckenden Postversorgung
Bei einer von Postminister und Vorstand der Deutschen Bundespost POSTDIENST angekündigten „Neuordnung” befürchten SPD und Deutsche Postgewerkschaft (DPG) einen „Kahlschlag” in der flächendeckenden Postversorgung. Bei einer Pressekonferenz, über die die Süddeutsche Zeitung am 5. Juli 1991 berichtete, informierten der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Karl-Heinz Hiersemann, der SPD-Landtagsabgeordnete Willi Leichtle und der Bezirksvorsitzende der DPG, Günter Heidorn, über die Gefahren der geplanten Neuordnung im Postdienst.
So solle die Deutsche Bundespost POSTDIENST in die Einzelteile Schalterdienst, Briefdienst und Frachtdienst aufgeteilt und rentable Bereiche privatisiert werden. Heidorn sagte, der Schalterdienst solle „weitgehend aufgegeben” werden. Ein eigener Schalterdienst solle nur bei Postämtern mit mehr als 5 Schaltern weiterbetrieben werden. Kleine Postämter sollen in privatgeführte „Postshops” umgewandelt werden.
Nach Heidorns Prognose werde es in Bayern künftig „nicht viel mehr als 50 Postämter” mit vollem Diensteangebot geben. Würden die Bonner Pläne Wirklichkeit, werden Postkunden auf dem Land weite Wege zu einem Postschalter zugemutet, um ein Paket aufzugeben, ein Telefon anzumelden
oder Geld vom Postsparbuch oder Girokonto abzuheben.
Auch die EG-Kommission - so Hiersemann und Heidorn - will noch 1991 ein „EG-Grünbuch” zu den Postdiensten vorlegen, nach dem die Postunternehmen in Europa Zug um Zug liberalisiert werden sollen. Das Grünbuch sehe offenbar eine Einschränkung des Briefmonopols vor. Damit sei nach Überzeugung von SPD und DPG eine flächendeckende und einheitliche Postversorgung aller Bürger nicht mehr gegeben.
Die Kritiker befürchten zudem bei einer teilweisen Privatisierung der Deutschen Bundespost POSTDIENST eine Ausweitung des Verlustes, weil bisher rentable Bereiche wie der Briefdienst dem Wettbewerb ausgesetzt würden, während zuschussbedürftige Dienste bei der Post verblieben.
Die DPG sieht auch eine nachteilige Entwicklung der Verwaltungsstruktur. So könnten die Oberpostdirektionen in Nürnberg und Regensburg aufgelöst werden und die dortigen Arbeitsplätze wegfallen.
Hiersemann forderte die bayerische Staatsregierung auf, im Infrastrukturrat „Flagge zu zeigen” und sich mit den SPD-geführten Bundesländern „für eine in allen Bereichen voll funktionsfähige Post” einzusetzen.
Hier dank der freundlichen Zustimmung der „Süddeutsche Zeitung Content” der Artikel aus der Süddeutschen Zeitung:
Deutsche Bundespost POSTDIENST kündigt neue Postleitzahlen an:
„Wiedervereinigung macht neues Postleitzahlensystem nötig”
Die Deutsche Bundespost POSTDIENST kündigte am 6. November 1991 an, sie werde ein neues 5-stelliges Postleitzahlensystem für ganz Deutschland entwickeln und 1993 einführen. Das neue System werde notwendig, um anstelle der beiden bestehenden 4-stelligen Postleitzahlensysteme der Deutschen Bundespost im Westen und der Deutschen Post der DDR ein einheitliches System zu schaffen.
Das neue System bringt 3 Vorteile, so die Post in ihrer Pressemitteilung:
Die in Ost und West unterschiedlichen Postleitzahlen werden zu einem einheitlichen System für das ganze Land zusammengefasst. Die seit der Wiedervereinigung komplizierten Leitangaben für Brief- und Paketsendungen, z.B. W-5300 Bonn und O-5300 Weimar können entfallen.
Das neue System wird für die Kunden einfacher, übersichtlicher und verwechslungssicher.
Der Postbetrieb wird zuverlässiger, rationeller und schneller.
Hier die per Telex verbreitete Pressemitteilung: