Source: https://bravors.brandenburg.de/verordnungen/nsg_reitweiner_sporn
Timestamp: 2020-02-28 00:20:26
Document Index: 215040524

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 5', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 3', '§ 4', '§ 5', '§ 3', '§ 4', '§ 1', '§ 41', '§ 5', '§ 2', '§ 2']

Verordnung über das Naturschutzgebiet „Reitweiner Sporn mit Priesterschlucht, Mühlen- und Zeisigberg“
(GVBl.II/17, [Nr. 16])
geändert durch Artikel 6 der Verordnung vom 4. November 2019
(GVBl.II/19, [Nr. 91], S.10)
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche im Landkreis Märkisch-Oderland wird als Naturschutzgebiet festgesetzt. Das Naturschutzgebiet trägt die Bezeichnung „Reitweiner Sporn mit Priesterschlucht, Mühlen- und Zeisigberg“.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 117 Hektar. Es umfasst drei Teilflächen in folgenden Fluren:
Reitwein Reitwein 9 116 (anteilig), 117 bis 120, 121 (anteilig), 122 bis 153, 154 (anteilig);
Podelzig Podelzig 8 64 (anteilig), 69 (anteilig), 70 (anteilig), 88, 205 (anteilig), 208 (anteilig),
210 (anteilig), 303 (anteilig), 305 (anteilig), 306, 307 (anteilig), 308, 309,
310 (anteilig), 331 bis 334, 336 (anteilig), 337 (anteilig), 339 (anteilig);
Lindendorf Libbenichen 8 33 (anteilig), 36 (anteilig), 37, 38, 39 (anteilig).
(2) Die Grenze des Naturschutzgebietes ist in den in Anlage 2 aufgeführten Karten mit ununterbrochener roter Linie eingezeichnet; als Grenze gilt der innere Rand dieser Linie. Die in Anlage 2 Nummer 1 aufgeführten topografischen Karten im Maßstab 1 : 10 000 mit den Blattnummern 1 bis 3 ermöglichen die Verortung im Gelände. Maßgeblich für den Grenzverlauf ist die Einzeichnung in den in Anlage 2 Nummer 2 mit den Blattnummern 1 bis 6 aufgeführten Liegenschaftskarten.
(3) Für die in § 5 Absatz 1 Nummer 2 Buchstabe h benannten Flurstücke wird eine wirtschaftliche Nutzung ausgeschlossen.
(1) Schutzzweck des Naturschutzgebietes als Ausschnitt des steil abfallenden Geländes von der Lebuser Platte in das Oderbruch ist
die Erhaltung, Entwicklung und Wiederherstellung der Lebensstätten wild lebender Pflanzengesellschaften, insbesondere der basiphilen Trocken- und Halbtrockenrasen (Steppenrasen), Sandtrockenrasen, trockenen Sandheiden, Gras- und Staudenfluren, Laubgebüsche und Feldgehölze, naturnahen Laubwälder, Hutewälder, Quellen, Bäche, Gräben und extensiv genutzten Äcker;
die Erhaltung und Entwicklung der Lebensstätten wild lebender Pflanzenarten, darunter im Sinne von § 7 Absatz 2 Nummer 13 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützte Arten, insbesondere Grauscheidiges Federgras (Stipa pennata), Haar-Pfriemengras (Stipa capillata), Ebensträußiges Gipskraut (Gypsophila fastigiata), Wiesen-Kuhschelle (Pulsatilla pratensis subspecies nigricans), Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), Ähriger Blauweiderich (Veronica spicata), Rispige Graslilie (Anthericum ramosum), Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum) und Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium);
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als Lebens- und Rückzugsraum sowie potenzielles Wiederausbreitungszentrum wild lebender Tierarten, insbesondere der Insekten, Lurche, Kriechtiere, Vögel und Säugetiere, darunter im Sinne von § 7 Absatz 2 Nummer 13 und 14 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders und streng geschützte Arten, insbesondere Bibernell-Widderchen (Zygaena minos), Silbergrüner Bläuling (Polyommatus coridon), Veränderliches Widderchen (Zygaena ephialtes), Beilfleck-Widderchen (Zygaena loti), Rotbraunes Wiesenvögelchen (Coenonympha glycerion), Moorfrosch (Rana arvalis), Zauneidechse (Lacerta agilis), Grauammer (Emberiza calandra), Heidelerche (Lullula arborea), Neuntöter (Lanius collurio), Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria), Mittelspecht (Dendrocopos medius), Schwarzspecht (Dryocopus martius), Wespenbussard (Pernis apivorus), Wiedehopf (Upupa epops), Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii), Braunes Langohr (Plecotus auritus) und Großer Abendsegler (Nyctalus noctula);
die Erhaltung der steil abfallenden, überwiegend bewaldeten und teilweise als Weide genutzten Odertalhänge mit tiefen Erosionstälern wegen ihrer besonderen Eigenart und hervorragenden Schönheit;
die Erhaltung der Priesterschlucht aus naturgeschichtlichen Gründen und des Reitweiner Burgwalls aus landeskundlichen Gründen;
die Erhaltung der Hangwälder aus wissenschaftlichen Gründen zur Beobachtung und Erforschung ihrer Regeneration unter dem Einfluss der Robinie;
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als wesentlicher Teil des überregionalen Trockenrasen-Biotopverbundes am Rand des Odertales.
(2) Die Unterschutzstellung dient der Erhaltung und Entwicklung des Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung „Reitweiner Sporn mit Priesterschlucht, Mühlen- und Zeisigberg“ (§ 7 Absatz 1 Nummer 6 des Bundesnaturschutzgesetzes), das die ehemaligen Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung „Priesterschlucht“, „Zeisigberg“ und einen Teil des Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung „Trockenrasen am Oderbruch“ umfasst, mit seinen Vorkommen von
Trockenen europäischen Heiden als natürlichem Lebensraumtyp von gemeinschaftlichem Interesse im Sinne von § 7 Absatz 1 Nummer 4 des Bundesnaturschutzgesetzes;
Trockenen, kalkreichen Sandrasen, Subpannonischem Steppen-Trockenrasen und Schlucht- und Hangmischwäldern (Tilio-Acerion) als prioritären natürlichen Lebensraumtypen im Sinne von § 7 Absatz 1 Nummer 5 des Bundesnaturschutzgesetzes.
(3) Darüber hinaus ist besonderer Schutzzweck auf dem Flurstück 306 der Gemarkung Podelzig, Flur 8, auf den Flurstücken 118, 130, 141, 143 und 148 der Gemarkung Reitwein, Flur 9, die Erhaltung und die unbeeinflusste Entwicklung von Lebensstätten wild lebender Tierarten und Lebensgemeinschaften mit besonderer Bindung an Alt- und Totholz und die ungestörte Entwicklung naturnaher Laubwälder, insbesondere der Schlucht- und Hangmischwälder gemäß § 3 Absatz 2.
das Gebiet bis zum 31. Juli eines jeden Jahres außerhalb der Wege und auf dem Zeisigberg und in der Priesterschlucht außerhalb der Pfade zu betreten;
Grünland als Wiese oder Weide mit einer Besatzdichte von maximal 1,4 Raufutter verwertenden Großvieheinheiten (RGV) pro Hektar im Jahresmittel genutzt wird und § 4 Absatz 2 Nummer 15, 21 und 22 gilt,
die Errichtung ortsunveränderlicher Anlagen zur Weidehaltung mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde erfolgt;
die dem in § 5 Absatz 3 des Bundesnaturschutzgesetzes genannten Ziel entsprechende forstwirtschaftliche Bodennutzung mit der Maßgabe, dass
eine Nutzung nur einzelstammweise bis truppweise erfolgt, wobei in Waldbereichen mit Dominanz der Robinie eine Nutzung ausschließlich einzelstammweise erfolgt,
mindestens fünf dauerhaft markierte Stämme der lebensraumtypischen Baumarten je Hektar mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern in 1,30 Meter Höhe über dem Stammfuß bis zum Absterben und natürlichen Zerfall aus der Nutzung genommen sein müssen,
soweit möglich je Hektar mindestens fünf Stück dauerhaft markiertes stehendes Totholz der lebensraumtypischen Baumarten (mehr als 30 Zentimeter Durchmesser in 1,30 Meter Höhe über dem Stammfuß) nicht gefällt werden; starkes liegendes Totholz (ganze Bäume mit Durchmesser über 65 Zentimeter am stärksten Ende) verbleibt im Bestand,
auf den Entwicklungsflächen des in § 3 Absatz 2 genannten Schlucht- und Hangmischwaldes (Tilio-Acerion) auf den Flurstücken 303 und 332 bis 334 der Gemarkung Podelzig, Flur 8 und auf den Flurstücken 116, 122, 125, 127, 133 bis 140, 149, 150 und 152 der Gemarkung Podelzig, Flur 9, eine naturnahe Waldentwicklung mit einem Totholzanteil von mindestens 10 Prozent des aktuellen Bestandesvorrates zu sichern ist,
§ 4 Absatz 2 Nummer 21 gilt,
auf dem Flurstück 306 der Gemarkung Podelzig, Flur 8 und auf den Flurstücken 118, 130, 141, 143 und 148 der Gemarkung Reitwein, Flur 9, die forstwirtschaftliche Bodennutzung unzulässig ist;
Hegemaßnahmen gemäß § 1 der Fischereiordnung des Landes Brandenburg im Sinne einer Fischbestandskontrolle, -regulierung und -förderung mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde; die Zustimmung ist zu erteilen, wenn der Schutzzweck nicht beeinträchtigt wird;
transportable und mobile Ansitzeinrichtungen sind der unteren Naturschutzbehörde vor der Errichtung anzuzeigen. Die Naturschutzbehörde kann in begründeten Einzelfällen das Aufstellen verbieten, wenn es dem Schutzzweck entgegensteht; die Entscheidung hierzu soll unverzüglich erfolgen,
Ablenkfütterungen sowie die Anlage von Ansaatwildwiesen und die Anlage und Unterhaltung von Wildäckern sind unzulässig. Im Übrigen bleiben jagdrechtliche Regelungen nach § 41 des Jagdgesetzes für das Land Brandenburg unberührt;
die Nutzung und Unterhaltung des Rast- und Festplatzes an der „Osterquelle“ Libbenichen (Gemeinde Lindendorf, Gemarkung Libbenichen, Flur 8, Flurstück 38) einschließlich der Durchführung eines Osterfeuers;
die jährliche Durchführung eines Gottesdienstes der Kirchengemeinde in der Priesterschlucht;
die Imbissversorgung geführter Wandergruppen in der Priesterschlucht am Talweg im Westteil des Flurstücks 210 der Gemarkung Podelzig, Flur 8, jährlich zur Blütezeit des Adonisröschens in Abstimmung mit dem Flächennutzer;
die Unterhaltung vorhandener hölzerner Treppenstufen, Geländer, Sitzbänke und Informationstafeln im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde;
die sonstigen bei Inkrafttreten dieser Verordnung auf Grund behördlicher Einzelfallentscheidung rechtmäßig ausgeübten Nutzungen und Befugnisse in der bisherigen Art und in bisherigem Umfang;
Trockenrasenbiotope sollen mindestens zweimal jährlich mit Schafen und Ziegen in Koppelhaltung im Kurzumtrieb, nötigenfalls in Hütehaltung, auf Grundlage eines regelmäßig zu aktualisierenden Weideregimes beweidet werden. Alternativ können ein- bis zweischürige Mahd oder Mähweide durchgeführt werden;
als Initialmaßnahme sollen auf verbuschten Trockenrasen Gehölze für eine Beweidung in erforderlichem Umfang entfernt und die Krautschicht gemäht und abgeräumt oder abgeflämmt werden;
Teile vorhandener Wald- oder Gehölzflächen sollen gemäß des Managementplans oder nach einvernehmlicher Abstimmung mit der Forstbehörde zu Hutewald entwickelt und Streuschichtauflagen, soweit erforderlich, entfernt werden;
bei der Bewirtschaftung der Waldflächen sollen
in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde nichtheimische invasive Baumarten, insbesondere die Robinie, durch Endnutzung auf Kleinkahlschlägen in einem Umfang von 0,5 bis 1 Hektar mit nachfolgender Pflanzung von Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft oder durch entsprechende Voranbauten nach Auflichtung (flächenhaft, als Trupps oder Nester) zurückgedrängt werden; um Stock- und Wurzelausschläge der Robinie nach der Ernte gering zu halten, soll deren Rinde zunächst bis auf einen verbleibenden Steg geringelt und die Stämme erst im Folgejahr entnommen werden,
der Laubholzunter- beziehungsweise -zwischenstand aus Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft durch Freistellung begünstigt und in die nächste Bestandesgeneration übernommen werden,
die vorhandene Naturverjüngung von Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft bei der Bewirtschaftung berücksichtigt werden,
die Baumarten der natürlichen Waldgesellschaften, insbesondere Hainbuche und Winterlinde, soweit möglich auch durch Saat ergänzt werden,
die Verjüngungen von nichtheimischen invasiven Baumarten möglichst frühzeitig beseitigt werden, um den Aufwand einer späteren Entnahme der invasiven Art gering zu halten;
der Bereich des Grabens an der „Osterquelle“ am Ostrand der Teilfläche Mühlenberg (Gemarkung Libbenichen, Flur 8, Flurstück 33) soll als Amphibienlebensraum erhalten und entwickelt werden, indem insbesondere
ausreichend große unbeschattete Wasserflächen mit geringer Fließgeschwindigkeit erhalten oder entwickelt werden und entsprechend den Ansprüchen des Lebensraums schützende Vegetation, Laub und Totholz im und am Gewässer verbleiben,
der Rast- und Festplatz auf der Westseite des Grabens auf dem Flurstück 38 der Gemarkung Libbenichen, Flur 8, amphibiengerecht unterhalten wird.
(1) § 5 Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe a tritt am 1. Januar 2018 in Kraft. Im Übrigen tritt diese Verordnung am Tag nach der Verkündung in Kraft.
(2) Gleichzeitig tritt die Anordnung Nummer 3 über Naturschutzgebiete vom 11. September 1967 für die Naturschutzgebiete „Priesterschlucht“ und „Zeisigberg bei Wuhden“, veröffentlicht im Gesetzblatt der DDR Teil II Nummer 95 am 19. Oktober 1967, außer Kraft.
Potsdam, den 15. März 2017
Anlage 1 (zu § 2 Absatz 1) - Kartenskizze zur Lage des Naturschutzgebietes "Reitweiner Sporn mit Priesterschlucht, Mühlen- und Zeisigberg" 1.5 MB
Anlage 2 (zu § 2 Absatz 2) - Topografische Karten, Liegenschaftskarten 601.1 KB