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Timestamp: 2016-10-26 11:30:05
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Matched Legal Cases: ['Art. 36', 'Art. 41', 'Art. 41', 'Art. 36', 'Art. 41', 'Art. 41', 'Art. 41', 'Art. 41', 'Art. 41', 'Art. 41', 'Art. 41', 'Art. 41', 'Art. 36', 'Art. 36', 'Art. 36', 'Art. 41', 'Art. 41', 'Art. 41', 'Art. 66']

1C_565/2013 � � Urteil vom 12. Juni 2014
Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement, Dienststelle Raumentwicklung, Wirtschaftsf�rderung und Geoinformation (RAWI).
B.________ ist Eigent�mer der �berbauten Grundst�cke Nrn. ccc und ddd sowie des nicht �berbauten Grundst�cks Nr. eee in der Wohn- und Gewerbezone der Gemeinde Dagmersellen, unmittelbar �stlich der Wigger (Gew�sser Nr. 1001).
Am 24. April 2012 reichte er ein Baugesuch ein, um die bestehenden Geb�ude abzubrechen und an ihrer Stelle sowie auf Grundst�ck Nr. eee zwei Mehrfamilienh�user (Haus A und Haus B) und eine Autoeinstellhalle zu errichten. Haus A soll neun Wohnungen umfassen, Haus B vier Wohnungen. Im Erdgeschoss beider Geb�ude ist eine Dienstleistungsfl�che (B�ros, Gewerberaum) vorgesehen.
Gegen das Bauvorhaben erhob die A.________ AG Einsprache. Diese ist Eigent�merin des Grundst�cks Nr. fff, das n�rdlich an die Baugrundst�cke angrenzt.
Am 16. August 2012 bewilligte der Gemeinderat Dagmersellen das Bauvorhaben unter Bedingungen und Auflagen. Er wies die Einsprache der A.________ AG ab, soweit sie sich nicht erledigt hatte. Gleichzeitig wurde den Parteien die Verf�gung der kantonalen Dienststelle Raumentwicklung, Wirtschaftsf�rderung und Geoinformation (RAWI) vom 3. September 2012 er�ffnet, in der unter anderem gew�sserschutz- und wasserbaurechtliche Ausnahmebewilligungen in Bezug auf die Wigger erteilt wurden.
Gegen die Baubewilligung und die Verf�gung des RAWI reichte die A.________ AG Verwaltungsgerichtsbeschwerde ein. Am 30. April 2013 wies das Verwaltungsgericht Luzern (inzwischen: Kantonsgericht, 4. Abteilung) die Beschwerde ab.
Dagegen hat die A.________ AG am 3. Juni 2013 Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht erhoben. Sie beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und das Baubewilligungsgesuch abzuweisen. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an das Kantonsgericht zur�ckzuweisen.
Das Kantonsgericht und die Dienststelle RAWI schliessen auf Abweisung der Beschwerde. Der Gemeinderat Dagmersellen h�lt an seinem Entscheid vom 16. August 2012 und seinen vorinstanzlichen Antr�gen fest.
Das Bundesamt f�r Umwelt (BAFU) kommt in seiner Vernehmlassung zum Ergebnis, dass die Ausnahmebewilligung f�r das Bauen im Gew�sserraum der Wigger grunds�tzlich bundesrechtskonform sei. Es stelle sich jedoch die Frage, ob zur weitestgehenden Schonung des Gew�sserraums, die auch im dicht �berbauten Gebiet anzustreben sei, eine Verschiebung des Mehrfamilienhauses A weg vom Gew�sser m�glich w�re, sodass das Geb�ude ausserhalb des Gew�sserraumes erstellt werden k�nnte.
Mit Verf�gung vom 28. Juni 2013 wurde der Beschwerde aufschiebende Wirkung zuerkannt.
Am 12. Juni 2014 wurde die Sache in �ffentlicher Sitzung beraten.
Am 11. Dezember 2009 beschlossen die Eidgen�ssischen R�te einen indirekten Gegenentwurf zur Volksinitiative "Lebendiges Wasser (Renaturierungs-Initiative) " vom 3. Juli 2006. U.a. wurden im Gew�sserschutzgesetz vom 24. Januar 1991 (GSchG; SR 814.20) Bestimmungen zur Revitalisierung der Gew�sser und zur Sicherung und extensiven Bewirtschaftung des Gew�sserraumes eingef�hrt. Daraufhin wurde die Volksinitiative zur�ckgezogen (zun�chst bedingt und mit ungenutztem Ablauf der Referendumsfrist definitiv; vgl. BBl 2010 363; AS 2010 4291).
2.1.�Der mit der erw�hnten Gesetzgebung eingef�hrte Art. 36a Abs. 1 GSchG verpflichtet die Kantone, den Raumbedarf der oberirdischen Gew�sser festzulegen, der erforderlich ist f�r die Gew�hrleistung der nat�rlichen Funktionen der Gew�sser (lit. a), des Schutzes vor Hochwasser (lit. b) und f�r die Gew�ssernutzung (lit. c) (sog. Gew�sserraum). Der Bundesrat wird beauftragt, die Einzelheiten zu regeln (Abs. 2).
Zu den nat�rlichen Funktionen der Gew�sser geh�ren insbesondere der Transport von Wasser und Geschiebe, die Sicherstellung der Entw�sserung, die Selbstreinigung des Wassers und die Erneuerung des Grundwassers, die Ausbildung einer naturnahen Strukturvielfalt in den aquatischen, amphibischen und terrestrischen Lebensr�umen, die Entwicklung standorttypischer Lebensgemeinschaften, die dynamische Entwicklung des Gew�ssers und die Vernetzung der Lebensr�ume. Der Gew�sserraum ist ein wichtiger Lebensraum f�r Tiere und Pflanzen und dient zugleich der Vernetzung von Lebensr�umen. Er ist ein wichtiges Element der Kulturlandschaft und Erholungsraum f�r die Bev�lkerung (Erl�uternder Bericht des BAFU vom 20. April 2011, Parlamentarische Initiative Schutz und Nutzung der Gew�sser - �nderung der Gew�sserschutz-, Wasserbau-, Energie- und Fischereiverordnung [im Folgenden: Erl�uternder Bericht] S. 10 f.; Hans Stutz, Raumbedarf der Gew�sser - die bundesrechtlichen Vorgaben f�r das Planungs- und Baurecht, in: PBG aktuell 4/2011 S. 6 [im Folgenden: Raumbedarf]; derselbe, Uferstreifen und Gew�sserraum - Umsetzung durch die Kantone, in: URP 2012 S. 97 f. [im Folgenden: Uferstreifen]).
2.2.�Der hierf�r erforderliche Raumbedarf von Fliessgew�ssern wird in Art. 41a der Gew�sserschutzverordnung vom 28. Oktober 1998 [GSchV; SR 814.201]) konkretisiert, gem�ss dem "Leitbild Fliessgew�sser Schweiz, F�r eine nachhaltige Gew�sserpolitik" (BUWAL/BWG, 2003) und der Wegleitung "Hochwasserschutz an Fliessgew�ssern" (BWG, 2001) (vgl. Bericht der Kommission f�r Umwelt, Raumplanung und Energie des St�nderates vom 12. August 2008 zur Parlamentarischen Initiative "Schutz und Nutzung der Gew�sser", BBl. 2008 S. 8059 [im Folgenden: Kommissionsbericht]; Erl�uternder Bericht S. 3).
Ausgangspunkt ist dabei die nat�rliche Breite des Fliessgew�ssers (Erl�uternder Bericht S. 11). Art. 41a Abs.1 und 2 GSchV bezeichnen die minimale Breite des Gew�sserraums, die nicht unterschritten werden darf. Die Breite wird von den Kantonen erh�ht, wenn dies erforderlich ist, beispielsweise zur Gew�hrleistung des Hochwasserschutzes, des Raumbedarfs f�r eine Revitalisierung oder �berwiegender Interessen des Natur- und Landschaftsschutzes (Abs. 3). In dicht �berbauten Gebieten kann die Breite des Gew�sserraums den baulichen Gegebenheiten angepasst werden, soweit der Schutz vor Hochwasser gew�hrleistet ist (Abs. 4).
2.3.�Der Gew�sserraum muss extensiv gestaltet und bewirtschaftet werden (Art. 36a Abs. 3 GSchG i.V.m. Art. 41c Abs. 3 und 4 GSchV). Darin d�rfen nur standortgebundene, im �ffentlichen Interesse liegende Anlagen wie Fuss- und Wanderwege, Flusskraftwerke oder Br�cken erstellt werden (Art. 41c Abs. 1 Satz 1 GSchV). In dicht �berbauten Gebieten kann die Beh�rde jedoch f�r zonenkonforme Anlagen Ausnahmen bewilligen, soweit keine �berwiegenden Interessen entgegenstehen (Satz 2). Rechtm�ssig erstellte und bestimmungsgem�ss nutzbare Anlagen im Gew�sserraum sind in ihrem Bestand grunds�tzlich gesch�tzt (Abs. 2).
Bis zur definitiven Festlegung der Gew�sserr�ume sind die Nutzungseinschr�nkungen gem�ss Art. 41c Abs. 1 und 2 GSchV auf einem Streifen beidseitig des Gew�ssers zu beachten, dessen Breite von derjenigen der bestehenden Gerinnesohle abh�ngig ist (Ziff. 2 der �bergangsbestimmungen zur �nderung der GSchV vom 4. Mai 2011 [im Folgenden: �bBest. GSchV]; vgl. Erl�uternder Bericht S. 30). Damit soll sichergestellt werden, dass nach dem Inkrafttreten der Verordnung keine unerw�nschten neuen Anlagen errichtet werden (Erl�uternder Bericht S. 4 oben).
Die Wigger weist im streitigen Abschnitt eine Gerinnesohle von 12 m auf. Der �bergangsrechtliche Gew�sserraum umfasst daher einen Streifen von je 20 m entlang des Gew�ssers (�beBst. GSchV Abs. 2 lit. a und b) bzw. von 26 m ab Gew�ssermitte. Die Westfassaden der geplanten Bauten A und B kommen in einem Abstand von 18 m ab Gew�ssermitte zu stehen; die Sickermulde befindet sich rund 15 m und die �berh�ngenden Balkone von Haus B in 17 m Entfernung von der Gew�ssermitte. Das Bauvorhaben des Beschwerdegegners ist daher auf eine Ausnahmebewilligung nach Art. 41c Abs. 1 Satz 2 GSchV angewiesen.�
3.1.�Voraussetzung hierf�r ist, dass es sich bei den Bauparzellen um dicht �berbautes Gebiet" handelt. Dieser Begriff - der auch in Art. 41a Abs. 4 und Art. 41b Abs. 3 GSchV verwendet wird - kn�pft nicht an vorbestehende raumplanerische Begriffsbildungen an, sondern wurde mit Blick auf die Gew�sserraumthematik neu geschaffen. Es handelt sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, der durch Lehre und Rechtsprechung n�her konkretisiert werden muss (Stutz, Uferstreifen, URP 2012 S. 103 f.).
3.2.�Im Erl�uternden Bericht wird dargelegt, dass die Ausscheidung des Gew�sserraums von Fliessgew�ssern in St�dten oder Dorfzentren, die dicht �berbaut sind (z.B. st�dtische Quartiere in Basel am Rhein oder in Z�rich an der Limmat), oft nicht oder nur den Gegebenheiten angepasst sinnvoll sei. Der Schutz vor Hochwasser m�sse jedoch auch hier gew�hrleistet sein. Ausserhalb der dicht �berbauten Zentren, z.B. auch in locker �berbauten Aussenquartieren, sei dagegen der Gew�sserraum gem�ss den Vorgaben von Artikel 41a Abs�tze 1 - 3 GSchV auszuscheiden (Erl�uternder Bericht S. 12).
Im Gew�sserraum d�rften grunds�tzlich nur standortgebundene, im �ffentlichen Interesse liegende Anlagen neu erstellt werden; zur F�llung von Baul�cken seien jedoch in dicht �berbauten Gebieten Ausnahmen von diesem Grundsatz m�glich (Erl�uternder Bericht S. 4 oben). Dies solle eine Siedlungsentwicklung nach innen und eine aus Sicht der Raumplanung erw�nschte st�dtebauliche Verdichtung erm�glichen (Erl�uternder Bericht S. 15 oben).
3.3.�Stutz (Uferstreifen, URP 2012 S. 104; Raumbedarf, PBG 4/2011 S. 18) h�lt - im Sinne einer groben Ann�herung - fest, dass dicht �berbautes Gebiet vorliege, wenn die Grundst�cke in der Umgebung baulich weitgehend ausgen�tzt seien, das zur Bebauung geplante Grundst�ck in einer Kernzone oder Zentrumszone liege, in der Umgebung des zur Bebauung geplanten Grundst�cks bereits viele Bauten und Anlagen im Uferstreifen bzw. Gew�sserraum stehen oder die Bauparzelle eine Baul�cke bilde (im gleichen Sinne Christoph Fritzsche/ Peter B�sch/Thomas Wipf, Z�rcher Planungs- und Baurecht, 5. Auflage, Z�rich 2011, Band 2, S. 791).
3.4.�Das Bundesamt f�r Raumentwicklung (ARE) und das BAFU haben in Zusammenarbeit mit den Kantonen am 18. Januar 2013 das "Merkblatt Gew�sserraum im Siedlungsgebiet zur Anwendung des Begriffs 'dicht �berbaute Gebiete' der Gew�sserschutzverordnung" (im Folgenden: Merkblatt) erarbeitet.
Es stellt klar, dass Ausnahmen von den Gew�sserraumbestimmungen nicht generell in den Bauzonen, sondern nur in dicht �berbauten Gebieten erm�glicht werden sollen. Sinn und Zweck der Ausnahmeregelung sei es, Siedlungsgebiet zu verdichten und Baul�cken zu nutzen, sofern das Interesse an der Nutzung �berwiege. Es solle dort eine Ausnahme von den Mindestbreiten erm�glicht werden, wo der Gew�sserraum die nat�rlichen Funktionen auch auf lange Sicht nicht erf�llen k�nne. Dabei liege der Fokus auf dem Land entlang dem Gew�sser und nicht (wie beim raumplanerischen Begriff des weitgehend �berbauten Gebiets) auf dem Siedlungsgebiet als Ganzem (Merkblatt S. 3/4, Abschnitt B).
Das Merkblatt enth�lt eine Kriterienliste zur Bestimmung des dicht �berbauten Gebiets, betont aber, dass den Kantonen ein Spielraum zustehe. Es seien Aspekte der Gew�sser- und der Siedlungsentwicklung heranzuziehen und sowohl �bergeordnete Konzepte als auch die konkrete Situation vor Ort zu ber�cksichtigen. Die Kriterien seien nicht abschliessend und m�ssten fallweise gewichtet werden (Merkblatt S. 4, Abschnitt C).
F�r dicht �berbautes Gebiet spreche der Umstand, dass es sich um eine Zentrums- oder Kernzone oder einen Entwicklungsschwerpunkt handle; dagegen spreche das Vorhandensein bedeutender Gr�nr�ume oder von Gew�sserabschnitten mit �kologischer oder landschaftlicher Bedeutung (im Ist-Zustand oder nach getroffenen Aufwertungsmassnahmen). Zu ber�cksichtigen seien weiter die Bebaubarkeit und die Parzellenfl�che, die bauliche Nutzung in der Umgebung und die N�he zu �ffentlichen Anlagen an Gew�ssern. Im Einzelfall k�nnten Gew�sserzustand und -gr�sse eine Rolle spielen (Merkblatt S. 4/5, Kriterienliste).
Im Anhang des Merkblatts wird ein Schema zur Ermittlung von dicht �berbautem Gebiet wiedergegeben (S. 11). Danach ist f�r die Einzelfallbeurteilung ein Betrachtungsperimeter zu definieren. Dieser m�sse sich entweder logisch abgrenzen lassen (Strassengeviert, Topographie, Bebauungsmuster) oder mindestens eine Fl�che von 5'000 m� aufweisen (in L�ngsrichtung und nur einseitig des Gew�ssers). Sei dieser Perimeter weitgehend von Bauten und Anlagen frei (weniger als 50 % befestigte Strukturen), liege von vornherein kein dicht �berbautes Gebiet vor; ansonsten m�sse eine Einzelfallbeurteilung anhand der verschiedenen Kriterien vorgenommen werden.
Das Verwaltungsgericht hielt fest, dass die Baugrundst�cke nicht in einer Stadt oder in einem Dorfzentrum liegen. Dagegen seien zwei der drei Parzellen schon heute �berbaut, auch im Bereich des �bergangsrechtlich geltenden Gew�sserraums. Das knapp 1 ha grosse Grundst�ck Nr. eee k�nne als Baul�cke bezeichnet werden. Die Baugrundst�cke seien Teil eines rund 100-200 m breiten Siedlungsg�rtels (Ortsteil "A de Wigere"), der sich vom Bahnhof Dagmersellen �ber die Wohngebiete rund um den Birkenweg (Zone W2) bis zum Industriegebiet Sagi (Industriezone 1) und zur Nationalstrasse A2 erstrecke. In der Umgebung der Baugrundst�cke seien bereits viele Bauten und Anlagen im Gew�sserraum vorhanden (Terrainver�nderungen, Strassen, Schotterpl�tze, Wege usw.); insbesondere erstrecke sich entlang des Westufers der Wigger eine Erschliessungsstrasse f�r den n�rdlichen Teil des Industriegebiets Sagi in einem Abstand von rund 12 m ab Gew�ssermitte.
Die Wigger sei auf einem weiten Abschnitt dermassen verbaut, dass ihre nat�rlichen Funktionen im Bereich der Baugrundst�cke auch k�nftig beeintr�chtigt bleiben w�rden. Nach der �komorphologischen Klassifizierung durch die Dienststelle RAWI gelte die Wigger in diesem Bereich als stark beeintr�chtigtes Gew�sser. Es sei nicht ersichtlich, dass hier Verbesserungsmassnahmen geplant seien. Zwar sei die Wigger als Gesamtgew�sser ein Naturschutzobjekt von regionaler Bedeutung; dies bedeute aber nicht, dass ihr im Bereich der Baugrundst�cke eine erhebliche �kologische oder landschaftliche Bedeutung zukomme.
Das Verwaltungsgericht r�umte ein, dass in der Umgebung des Bauvorhabens siedlungsnahe Gr�nr�ume bestehen, die grunds�tzlich einen Hinweis f�r nicht dicht �berbautes Gebiet darstellen. In einer Gesamtw�rdigung der Verh�ltnisse erweise sich jedoch die Auffassung der Dienststelle RAWI als vertretbar, dass es sich um ein dicht �berbautes Gebiet handle.
Das BAFU geht in seiner Stellungnahme vom Strassengeviert aus, das durch die Autobahn A2 im Westen, die Langnauerstrasse im Norden, die Strasse Sagenmatte im Osten und die Sagenstrasse im S�den gebildet werde. Das so abgegrenzte Gebiet am nordwestlichen Siedlungsrand von Dagmersellen bilde eine funktionale Einheit, die sich von den angrenzenden Gebieten unterscheide. Das Gebiet sei zu mehr als 50 % bebaut; insbesondere durch die bestehende Erschliessungstrasse und die Industriegeb�ude am westlichen Ufer der Wigger sowie die bestehenden Geb�ude auf den Parzellen Nrn. fff, ccc und ddd �stlich der Wigger. Die grossen Gr�nr�ume n�rdlich der Langnauerstrasse und s�dlich der Sagenstrasse bef�nden sich ausserhalb dieses Perimeters.
Sowohl die Sagenstrasse als auch die Langnauerstrasse f�hrten mittels Br�cken �ber die Wigger. Auf dem Abschnitt zwischen Sagen- und Langnauerstrasse bestehe somit ein Engpass mit beschr�nkten Aufwertungsm�glichkeiten, der von den bestehenden Gr�nfl�chen im Norden und im S�den funktional weitgehend abgekoppelt sei. Durch das Bauvorhaben w�rden die ohnehin eingeschr�nkten Revitalisierungsm�glichkeiten an diesem Abschnitt der Wigger im Vergleich zur heute bestehenden Situation nur unwesentlich st�rker eingeschr�nkt, wohingegen sowohl flussauf- als auch flussabw�rts l�ngere Abschnitte mit geringen baulichen Restriktionen l�gen. Das Ziel des Gew�sserraums, n�mlich die Gew�hrleistung der nat�rlichen Funktionen eines Gew�ssers, sei daher im Bereich der Baugrundst�cke nur beschr�nkt erreichbar.
Zusammenfassend h�lt das BAFU fest, dass die Einstufung als dicht �berbautes Gebiet vertretbar erscheine, insbesondere aufgrund der beschr�nkten Aufwertungsm�glichkeiten. Es stelle sich jedoch die Frage, ob zur weitestm�glichen Schonung des Gew�sserraums, der auch im dicht �berbauten Gebiet anzustreben sei, eine Verschiebung des Mehrfamilienhauses A weg vom Gew�sser m�glich w�re, sodass das Geb�ude ausserhalb des Gew�sserraumes erstellt werden k�nnte. Dies lasse sich aus den vorliegenden Akten nicht beurteilen.
Die Beschwerdef�hrerin h�lt den vom BAFU zugrunde gelegten Betrachtungsperimeter f�r zu klein: Gem�ss Merkblatt m�sse dieser mindestens eine Fl�che von 5000 m� umfassen. Ihres Erachtens ist auf einen Perimeter abstellen, der durch die Autobahn A2 im Westen, die Langnauerstrasse im Norden bzw. Osten und den Wiggerweg im Osten bzw. S�den begrenzt werde. Dies habe zur Folge, dass der bedeutende Gr�nraum "A de Wigere" innerhalb des Betrachtungsperimeters liege und deshalb dicht �berbautes Gebiet zu verneinen sei.
Sie bestreitet, dass die Baugrundst�cke Teil des Siedlungsgebiets Sagen-/Birkenstrasse seien. Die Baugrundst�cke geh�rten vielmehr zu einem eigenst�ndigen Gebiet zwischen dem Siedlungsgebiet Sagen-/Birkenstrasse und dem Industriegebiet, das zahlreiche Gr�nfl�chen aufweise und damit nicht dicht �berbaut sei.
Der Begriff "dicht �berbautes Gebiet" ist ein Begriff der GSchV und damit des Bundesrechts, der bundesweit einheitlich auszulegen ist. Ein Spielraum der Kantone besteht nur beim Vollzug im Einzelfall.
Eine sachgerechte Planung setzt einen gen�gend gross gew�hlten Perimeter voraus (Hans Stutz, Anmerkung zum Urteil des Verwaltungsgerichts Aargau vom 27. September 2012, URP 2013 163). Planungsperimeter ist - zumindest in kleineren Gemeinden - in der Regel das Gemeindegebiet (vgl. �� 2 Abs. 2 und 11a Abs. 1 der Luzerner Gew�sserschutzverordnung vom 23. September 1997 [KGSchV, SRL Nr. 703], wonach der Kanton die erforderliche Breite des Gew�sserraums ermittelt, dessen verbindliche Festlegung aber durch die Gemeinden im Verfahren der Nutzungsplanung erfolgt). Dabei liegt der Fokus auf dem Land entlang der Gew�sser und nicht auf dem Siedlungs- oder Baugebiet als Ganzem (so zutreffend Merkblatt S. 4).
Wie die Beispiele im Erl�uternden Bericht zeigen, wollte der Verordnungsgeber eine Anpassung des Gew�sserraums bzw. Ausnahmebewilligungen vor allem in dicht �berbauten st�dtischen Quartieren und Dorfzentren zulassen, die (wie Basel und Z�rich) von Fl�ssen durchquert werden. In solchen Gebieten sollen die raumplanerisch erw�nschte st�dtebauliche Verdichtung und die Siedlungsentwicklung nach Innen erm�glicht und Baul�cken geschlossen werden k�nnen. Dagegen besteht in peripheren Gebieten, die an ein Fliessgew�sser angrenzen, regelm�ssig kein �berwiegendes Interesse an einer verdichteten �berbauung des Gew�sserraums. Hier muss daher der minimale Raumbedarf des Gew�ssers gem�ss Art. 41a Abs 2 und Art. 41b Abs. 1 GSchV respektiert und von nicht standortgebundenen Anlagen freigehalten werden.
Der Verordnungsgeber hat mit dem Begriff "dicht �berbaut" zum Ausdruck gebracht, dass eine "weitgehende" �berbauung (wie in Art. 36 Abs. 3 RPG) nicht gen�gt. Dabei ist zu ber�cksichtigen, dass Art. 36a GSchG als indirekter Gegenentwurf zur Volksinitiative "Lebendiges Gew�sser" konzipiert wurde (vgl. oben E. 2.1). Der R�ckzug der Initiative erfolgte nach Annahme des Gesetzes, aber vor Erlass der dazugeh�rigen Ausf�hrungsbestimmungen. Vor diesem Hintergrund ist der Begriff des "dicht �berbauten Gebiets", der Ausnahmen vom Grundsatz des Schutzes und der extensiven Nutzung des Gew�sserraums gem�ss Art. 36a GSchG erlaubt, restriktiv auszulegen.
Die Gemeinde Dagmersellen z�hlt rund 5000 Einwohner. Das Hauptsiedlungsgebiet befindet sich �stlich der Bahnlinie. Die Wigger fliesst westlich der Bahnlinie und wird durch einen Gr�ng�rtel vom Gemeindezentrum getrennt. Er wird im streitigen Bereich durchbrochen, durch das kleine Wohngebiet Sagenstrasse/Birkenweg (W2) und die daran angrenzenden �berbauten Parzellen der Wohn- und Gewerbezone. Das �stliche Ufer der Wigger ist lediglich auf einer L�nge von rund hundert Metern, auf vier Parzellen, �berbaut (darunter die Bauparzellen ddd und ccc und die Parzelle fff der Beschwerdef�hrerin). Mit Blick auf das gesamte Gemeindegebiet handelt es sich um ein peripher gelegenes Gebiet, das nicht als "dicht �berbaut" bezeichnet werden kann.
8.1.�Daran �ndert auch der Umstand nichts, dass die Wigger im fraglichen Abschnitt verbaut ist und die Aufwertungsm�glichkeiten aufgrund der beiden Br�cken beschr�nkt sind. Dieser Umstand kann im Rahmen der nach Art. 41c Abs. 1 Satz 2 GSchV gebotenen Interessenabw�gung f�r die Erteilung einer Ausnahmebewilligung sprechen, gen�gt aber f�r sich allein nicht, um "dicht �berbautes Gebiet" zu begr�nden. Der Gew�sserraum soll den Raumbedarf des Gew�ssers langfristig sicherstellen und ist unabh�ngig vom Bestehen konkreter Revitalisierungs- oder Hochwasserschutzprojekte auszuscheiden (Kommissionsbericht, BBl. 2008 S. 8059).
8.2.�Die Parzellen des Beschwerdegegners (Nrn. ddd, ccc und eee), die gemeinsam �berbaut werden sollen, ergeben zusammen eine relativ grosse Fl�che. Es erscheint nicht von vornherein ausgeschlossen, dass sie auch unter Respektierung des Gew�sserraums baulich sinnvoll genutzt werden k�nnen. Jedenfalls geniessen die bestehenden Bauten, auch soweit sie in den Gew�sserraum hineinragen, Bestandesschutz (Art. 41c Abs. 2 GSchV). Die noch nicht �berbaute Parzelle Nr. eee liegt ausserhalb des �bergangsrechtlichen Gew�sserraums; dieser steht daher der Schliessung dieser Baul�cke nicht entgegen. Insofern bedeutet die Verweigerung der Ausnahmebewilligung keine unzumutbare Einschr�nkung der Eigentumsfreiheit.
Handelt es sich nicht um ein "dicht �berbautes Gebiet", so kann keine Ausnahmebewilligung gem�ss Art. 41c Abs. 1 S. 2 GSchV erteilt werden. Das Bauprojekt des Beschwerdegegner, das 8 bis 11 m in den �bergangsrechtlichen Gew�sserraum hineinragt, kann daher nicht bewilligt werden. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, der angefochtene Entscheid aufzuheben und das Baugesuch abzuweisen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdegegner kosten- und entsch�digungspflichtig (Art. 66 und 68 BGG). Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens ist die Sache an das (zwischenzeitlich zust�ndig gewordene) Kantonsgericht zur�ckzuweisen.
Der Beschwerdegegner hat die Beschwerdef�hrerin f�r das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 3'000.-- zu entsch�digen.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens an das Kantonsgericht Luzern zur�ckgewiesen.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Gemeinderat Dagmersellen, dem Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement, Dienststelle Raumentwicklung, Wirtschaftsf�rderung und Geoinformation (rawi), dem Kantonsgericht Luzern, 4. Abteilung, und dem Bundesamt f�r Umwelt schriftlich mitgeteilt.�