Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201991,%201884
Timestamp: 2019-07-22 19:42:25
Document Index: 309374503

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 826', 'BGH', 'BGH', '§ 826', '§ 331', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 826', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Rechtsprechung: NJW 1991, 1884 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: BGH, 23.04.1991
https://dejure.org/1991,1603
BGH, 23.04.1991 - XI ZR 122/90 (https://dejure.org/1991,1603)
BGH, Entscheidung vom 23.04.1991 - XI ZR 122/90 (https://dejure.org/1991,1603)
BGH, Entscheidung vom 23. April 1991 - XI ZR 122/90 (https://dejure.org/1991,1603)
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Sittenwidrigkeit - Zwangsvollstreckung - Vollstreckungsbescheid - Schadensersatzanspruch - Rechenansatz - Versäumnisurteil
Keine Durchbrechung der Rechtskraft eines Vollstreckungsbescheides bei bloß unstimmiger Bezeichnung im Rechenansatz
ZIP 1991, 999
MDR 1991, 989
WM 1991, 1180
Rpfleger 1991, 325
Das Berufungsgericht ist mit Recht davon ausgegangen, daß nach gefestigter höchstrichterlicher Rechtsprechung ein Schuldner gemäß § 826 BGB die Herausgabe eines Vollstreckungsbescheides, in dem Ansprüche aus einem Ratenkreditvertrag tituliert sind, verlangen kann, wenn der Titel materiell unrichtig ist, der Titelgläubiger die Unrichtigkeit kennt und besondere Umstände hinzutreten, aufgrund derer es dem Gläubiger zugemutet werden muß, die ihm unverdient zugefallene Rechtsposition aufzugeben (BGHZ 101, 380, 384 f. [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86]; Senatsurteil vom 23. April 1991 - XI ZR 122/90, WM 1991, 1180, 1181 m.w.Nachw.).
Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes ist eine Durchbrechung der Rechtskraft eines Vollstreckungsbescheides nach § 826 BGB ausnahmsweise gerechtfertigt, wenn der Gläubiger einen Vollstreckungsbescheid über den Anspruch aus einem sittenwidrigen Ratenkreditvertrag erwirkt hat, obwohl er erkennen konnte, daß bei einer Geltendmachung im Klageverfahren bereits die gerichtliche Schlüssigkeitsprüfung nach § 331 ZPO - nach dem Stand der Rechtsprechung im Zeitpunkt der Beantragung des Vollstreckungsbescheides - zu einer Ablehnung des Klagebegehrens führen mußte (BGH, Urteil vom 18. Januar 1990 - III ZR 26/89, WM 1990, 421 [BGH 18.01.1990 - III ZR 26/89]; BGHZ 101, 380 [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86]; Senatsurteil vom 23. April 1991 aaO).
In diesen Fällen muss die Rechtskraft zurücktreten, wenn es mit dem Gerechtigkeitsgedanken schlechthin unvereinbar wäre, dass der Titelgläubiger seine Rechtsstellung unter Missachtung der materiellen Rechtslage zu Lasten des Schuldners ausnutzt; eine solche Anwendung des § 826 BGB muss jedoch auf besonders schwerwiegende, eng begrenzte Ausnahmefälle beschränkt bleiben, weil sonst die Rechtskraft ausgehöhlt, die Rechtssicherheit beeinträchtigt und der Rechtsfrieden in Frage gestellt würde (st. Rspr., vgl. BGH…, Urteil vom 24. September 1987 - III ZR 187/86, BGHZ 101, 380, zitiert juris Rn. 19; vom 23. April 1991 - XI ZR 122/90, NJW 1991, 1884, zitiert juris Rn. 8;… vom 9. Februar 1999 - VI ZR 9/98, NJW 1999, 1257, zitiert juris Rn. 15; jeweils mwN).
Solche Ausnahmefälle sind in der Rechtsprechung zum Konsumentenkredit unter der Voraussetzung bejaht worden, daß der Vollstreckungstitel materiell unrichtig ist, dem Titelgläubiger die Unrichtigkeit bekannt ist und besondere Umstände hinzutreten, aufgrund deren es dem Gläubiger zugemutet werden muß, die ihm zugefallene Rechtsposition aufzugeben (Senatsurteil vom 23. April 1991 - XI ZR 122/90 - WM 1991, 1180, 1181 m.Nachw.).
Dabei betont auch der für das Kreditrecht zuständige XI. Zivilsenat des BGH in ständiger Rechtsprechung, daß eine Anwendung dieser Norm auf besonders schwerwiegende, eng begrenzte Ausnahmefälle beschränkt bleiben muß, weil andernfalls die Rechtskraft ausgehöhlt, die Rechtssicherheit beeinträchtigt und der Rechtsfrieden in Frage gestellt würde (BGH NJW 91, 30 und NJW 91, 1884, jeweils mit weiteren Nachweisen).