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Timestamp: 2020-06-04 13:04:45
Document Index: 212110536

Matched Legal Cases: ['§ 69', '§ 37', '§ 275', '§ 288', '§ 288', 'BGH', '§ 319', 'BGH', 'BGH']

Betreuungsverfahren - und das dem Betroffenen nicht überlassene Sachverständigengutachten | Rechtslupe
Wird dem Betrof­fe­nen das im Ver­fah­ren ein­ge­hol­te Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten nicht recht­zei­tig vor dem Anhö­rungs­ter­min über­las­sen, lei­det die Anhö­rung an einem wesent­li­chen Ver­fah­rens­man­gel. Dann hat das Beschwer­de­ge­richt die­sen Man­gel durch die Über­sen­dung des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens an den Betrof­fe­nen und des­sen anschlie­ßen­de erneu­te Anhö­rung zu behe­ben [1].
Zieht das Beschwer­de­ge­richt für sei­ne Ent­schei­dung dage­gen eine neue Tat­sa­chen­grund­la­ge her­an, die nach der amts­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung datiert, gebie­tet dies eine erneu­te per­sön­li­che Anhö­rung des Betrof­fe­nen [2]. Zudem kann im Beschwer­de­ver­fah­ren nicht von einer Wie­der­ho­lung sol­cher Ver­fah­rens­hand­lun­gen abge­se­hen wer­den, bei denen das Gericht des ers­ten Rechts­zugs zwin­gen­de Ver­fah­rens­vor­schrif­ten ver­letzt hat. In die­sem Fall muss das Beschwer­de­ge­richt, vor­be­halt­lich der Mög­lich­kei­ten nach § 69 Abs. 1 Satz 2 und 3 FamFG, den betref­fen­den Teil des Ver­fah­rens nach­ho­len [3].
Die Ver­wer­tung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens als Grund­la­ge einer Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che setzt gemäß § 37 Abs. 2 FamFG vor­aus, dass das Gericht den Betei­lig­ten Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me ein­ge­räumt hat. Inso­weit ist das Gut­ach­ten mit sei­nem vol­len Wort­laut im Hin­blick auf die Ver­fah­rens­fä­hig­keit des Betrof­fe­nen (§ 275 FamFG) grund­sätz­lich auch ihm per­sön­lich zur Ver­fü­gung zu stel­len. Davon kann nur unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 288 Abs. 1 FamFG abge­se­hen wer­den [4].
So ließ sich etwa in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall aus der Gerichts­ak­te nicht erse­hen, dass der Inhalt des Gut­ach­tens dem Betrof­fe­nen in vol­lem Umfang bekannt gege­ben wor­den ist. Das Amts­ge­richt hat das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten erst zusam­men mit sei­ner Ent­schei­dung und ledig­lich der Kon­troll­be­treue­rin über­mit­telt. Eben­so wenig ent­hält das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten einen Hin­weis dar­auf, dass der Betrof­fe­ne durch des­sen Bekannt­ga­be Gesund­heits­nach­tei­le ent­spre­chend § 288 Abs. 1 FamFG zu befürch­ten hät­te [5]. Die­sen Man­gel hät­te das Land­ge­richt durch die Über­sen­dung des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens an den Betrof­fe­nen und des­sen anschlie­ßen­de erneu­te Anhö­rung behe­ben müs­sen.
vgl. BGH, Beschluss vom 28.09.2016 XII ZB 313/​16 FamRZ 2016, 2089 Rn. 5 mwN zu § 319 Abs. 1 Satz 1 FamFG[↩]
BGH, Beschluss vom 14.03.2018 XII ZB 503/​17 FamRZ 2018, 849 Rn. 9 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 17.05.2017 XII ZB 18/​17 FamRZ 2017, 1323 Rn. 11 mwN[↩]
Die Fris­ten­kon­trol­le des Pro­­­zes­s­­be­­vol­l­­mäch­­ti­g­­ten- und der… Anwalt­li­che Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te müs­sen einen elek­tro­ni­schen Fris­ten­ka­len­der so füh­ren, dass er die­sel­be Über­prü­fungs­si­cher­heit bie­tet wie ein her­kömm­li­cher Kalen­der. Es muss sicher­ge­stellt sein, dass kei­ne ver­se­hent­li­chen oder…