Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BauR%201992,%20226
Timestamp: 2018-06-18 02:07:47
Document Index: 23719032

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 1', '§ 4', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 320', 'BGH', '§ 9', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 559']

BGH, 10.10.1991 - VII ZR 289/90 - dejure.org
Aushandeln - AGB - Vertragsklausel - Individualabrede - Fertighaushersteller - Fertighaus - Fälligkeit der Zahlungen - Generalklausel
AGBG § 1 Abs. 2, § 4
AGB: Voraussetzungen eines Aushandelns
Zahlungsplan in Fertighausvertrag wirksam? (IBR 1992, 45)
Individualabrede oder AGB-Klausel? (IBR 1992, 46)
NJW 1992, 1107
MDR 1992, 378
WM 1992, 401
BB 1992, 522
DB 1992, 780
BauR 1992, 226
ZfBR 1992, 63
a) Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes liegt ein Aushandeln dann vor, wenn der Verwender den in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen enthaltenen "gesetzesfremden" Kerngehalt, also die den wesentlichen Inhalt der gesetzlichen Regelung ändernden oder ergänzenden Bestimmungen inhaltlich ernsthaft zur Disposition stellt und dem Verhandlungspartner Gestaltungsfreiheit zur Wahrung eigener Interessen einräumt mit zumindest der realen Möglichkeit, die inhaltliche Ausgestaltung der Vertragsbedingungen beeinflussen zu können (vgl. u. a. BGH, Urt. v. 10.10.1991 - VII ZR 289/90, NJW 1992, 1107, 1108;… Urt. v. 25.6.1992 - VII ZR 128/91, NJW 1992, 2759, 2760, jeweils m.w.N.;… BGHR AGBG § 1 Abs. 2 - Aushandeln l-10).
Sie werden noch nicht dadurch zu Individualvereinbarungen, dass der Verwender die Klausel lediglich auf den Einzelfall anpasst, sie in ihrem Regelungsgehalt aber unverändert lässt (BGH, Urteil vom 10. Oktober 1991 1 VII ZR 289/90 1 MDR 1992, 378).
Der Verwender muss den (gesetzesfremden) Kerngehalt seines vorformulierten Vertragstextes inhaltlich ernsthaft zur Disposition stellen und dem anderen Teil Gestaltungsfreiheit zur Wahrung eigener Interessen einräumen, d.h. der Vertragspartner muss die reale Möglichkeit erhalten, den Inhalt der Vertragsbedingungen zu beeinflussen (BGH, Urt. v. 10.10.1991, VII ZR 289/90, NJW 1992, 1107;… Urt. v. 25.06.1992, VII ZR 128/91, NJW 1992, 2759;… Urt. v. 03.11.1999, VIII ZR 269/98, NJW 2000, 1110).
Damit ist der Tatbestand, zu dem auch die in den Urteilsgründen getroffenen tatsächlichen Feststellungen zu zählen sind (vgl. BGH, Urt. v. 10. Oktober 1991 - VII ZR 289/90, NJW 1992, 1107, 1108; v. 29. April 1993 - IX ZR 215/92, NJW 1993, 1851, 1982, insoweit nicht in BGHZ 122, 297 abgedruckt), widersprüchlich.
Außerdem liegt auch keine Individualabrede vor, wenn die Parteien eine in dem vorgedruckten Formular enthaltene (unzulässige) Klausel in einer Ergänzung des Vertrages lediglich dem Einzelfall anpassen, ohne daß diese Ergänzung den Kerngehalt der vorformulierten Klausel verdrängt (BGH, Urteil vom 10. Oktober 1991 - VII ZR 289/90 - NJW 1992, 1107, 1108) [BGH 10.10.1991 - VII ZR 289/90].
Soweit Vorleistungspflichten daher nicht gesetzlich oder individualvertraglich vorgesehen sind, sondern durch AGB vereinbart werden, ist dies gegenüber Nichtkaufleuten wegen der Abweichung von §§ 320, 322 BGB nur wirksam, wenn eine solche Pflicht durch einen sachlichen Grund ausreichend gerechtfertigt ist, der auch bei einer Abwägung mit den hierdurch für den Käufer entstehenden Nachteilen Bestand hat (vgl. BT-Drucks. 7/3919, S. 28; BGH NJW 1985, 850, 851; NJW 1985, 855, 857; NJW 1986, 1613, 1614; WM 1992, 401, 402; OLG Köln NJW-RR 1992, 1047; OLG Stuttgart BB 1987, 2394, 2395;… Wolf/Horn/Lindacher, a.a.O., § 9 V 82, V 83 ff. m.w.N.;… Palandt-Heinrichs, a.a.O.).
In dieser Höhe verlieren sie das "Druckmittel" der Einrede des nichterfüllten Vertrages, tragen sie das Insolvenzrisiko der Beklagten (vgl. zur Forderung von "Sicherheiten" für vorleistungspflichtige Kunden z. B. BGH NJW 1986, 1613, 1614; WM 1992, 401, 403) und müssen, wenn es nicht zur ordnungsgemäßen Vertragserfüllung durch die Beklagte kommt, den bereits teilweise bezahlten Kaufpreis klageweise geltend machen.
Sie werden noch nicht dadurch zu Individualvereinbarungen, dass der Verwender die Klausel lediglich auf den Einzelfall anpasst, sie in ihrem Regelungsgehalt aber unverändert lässt (BGH, Urteil vom 10. Oktober 1991 - VII ZR 289/90 - MDR 1992, 378).
Zum Tatbestand des Berufungsurteils zählen auch in den Urteilsgründen wiedergegebene tatsächliche Feststellungen (BGH NJW 1992, 1107, 1108;… Kessal-Wulf , in: Vorwerk/Wolf, Beck-OK ZPO § 559 Rn. 3).