Source: https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/fulltext/000000453_90/276/
Timestamp: 2019-11-18 11:50:16
Document Index: 121409888

Matched Legal Cases: ['§ 53', '§ 34', '§ 35', '§ 36', '§ 37', '§ 38', '§ 39', '§ 40', '§ 24', '§ 41', '§ 42']

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a) ob der Rekruttirungspflichtige etwa bereits in das Kontingent frei- willig eingetretten sei? b) ob derselbe wegen eines Verbrechens nach § 53 verurtheilt wor- den, oder der Untersuchung unterliege und dessen Vertrettung bei der Conscriptions-Verhandlung etwa von Amtswegen zu veranlassen sei? c) ob dessen Verehlichung oder Auswanderung Statt hatte u s w. § 34 Nach geschehener Richtigstellung der Hauptliste wird am festgesetz- ten Tage, dh. 15. Februar zur Rekruttirung selbst geschritten und auf diesen Tag der Rckruttirungs-Rath versammelt, welcher aus dem Landvogte, dem Militär-Commandanten, einem Aktuar, dem Land- schafts- nebst einem zweiten Arzte u. zwei Ortsrichtern, wovon der eine aus der obern, der zweite aus der untern Landschaft von sämtli- chen Ortsrichtern auszuwählen u. vorzuschlagen sind, zu bestehen hat; wobei dem Landvogte die Geschäftsleitung obliegt. Dieser Rekruttirungs-Rath ist ermächtigt auf der Stelle alle zur Beför- derung des Geschäftes und zur Begründung seiner Beschlüsse erfor- derlichen Massregeln zu treffen. Derselbe hat alle Einwendungen u. Anbringen zu vernehmen, genau zu würdigen und beginnt sein Geschäft damit, dass er die Tauglichen von den Untauglichen, den gesetzlich Befreiten von den Nichtbefreiten der Ordnung nach ausscheide. § 35 Vor diesem Rekruttirungs-Rath müssen alle Jünglinge der aufgerufe- nen Altersklasse, wie sie der Ordnung nach in der Haupt-Rekrutti- rungsliste eingetragen sind, ohne Rücksicht auf ihre lauglich- oder Untauglichkeit oder sonstige Befreiungsgründe, noch auf An- oder Abwesenheit vorgerufen werden. Nur jene, welche aus der Liste bei der Berichtigung gestrichen werden, u. jene, die freiwillig ins Kontin- gent getreten sind, werden nicht gezogen; für Abwesende ist sogleich ein Vertretter zum Akte zu ernennen, § 36 Von den Aufgerufenen wird nach der Reihenfolge jeder einzelne zu- erst mit pflichtmässiger Genauigkeit durch einen Unteroffizier in fort- währender Anwesenheit des Rekruttirungs-Rathes unter das Mass gestellt, und gemessen, ob er die gesetzliche Grösse von fünf Schuh Wiener, oder 5 Schuh 5 Zoll Bayerisches Mass messe. Der zu Messen- de muss sich mit blossen Füssen, welche bei den Fersen zusammen stehen, mit zurückgezogenen abgeschlossenen Knien aus der Hüfte gehoben in senkrechter Haltung des Körpers auf den J'ritt des Mass- holzes stellen, woran der Massstab genau auf das Mass von fünf Wiener Schuh gerichtet, und nach Erforderniss zur genauen'Bestim- mung der wirklichen Grösse eines jeden Unterstellten zu erweitern ist. Das entfallene Mass ist mit aller Verlässigkeit in die .Rekruttirungsliste einzutragen. Diejenigen, welche unter dem Masse sind, kommen der versammelten aulgerufenen Jugend namhaft zu machen, damit sie von der Richtig- . keit des Masses sich selbst überzeugen können. Dieses ist in dem Loosungs-Protokolle einzuführen und anzumerken, welche Jünglinge nachgemessen worden seyen, und was sich dabei ergeben habe. § 37 Gleich nach der Messung ist an den Gemessenen die Frage zu stellen: ob er sich als dienstfähig erkläre oder wegen Gebrechen des Körpers Rückstellung verlange? Diejenigen, welche sich nach der Messung dienstfähig erklären, sind von der Visitation frei zu lassen. Bringt er ein Gebrechen an, so ist er der ärztlichen Visitation zu unterziehen. Das Resultat der Dienstfähig-oder
Unfähigkeit ist immer in der Rekruttirungsliste anzumerken, und das Gebrechen in der Rubrik „Anmerkung" kurz zu benennen. § 38 Die Visitation geschieht durch das aufgestellte ärztliche Personal ab- gesondert für jeden einzelnen Untersuchten. Hiebei ist ausser den Rekruttirungsbeamten Niemandem der Zutritt gestattet, und das ge- fundene Gebrechen darf durchaus nicht zur Öffentlichkeit gebracht werden. Wären die Ärzte in ihrem Befunde über die Diensttauglichkeit nicht einig oder zweifelhaft, u. könnte der Anstand nicht sogleich vor der Loosung behoben werden, so ist der Untersuchte zur Loosung zuzuziehen, dieser jedoch als zweifelhaft in der Liste anzumerken, und wenn ihn das Loos treffen würde, der Ausserzweifelstellung über Diensttauglichkeit nach der Loosung vorzubehalten. Könnte jene nicht mit voller Gewissheit erzweckt werden, so gehört der Untersuchte unter die zeitlich Befreiten. Zum Beweise ihrer Amtshandlungen haben die Ärzte ein fortlaufen- des Protokoll zu führen, in welches sie ihren Befund eintragen, jenes am Schlüsse fertigen und es als Beleg des Rekruttirungsaktcs dem Oberamtsvorsteher zur Aufbewahrung übergeben. § 39 Bei der Visitation ist immer streng darauf zu sehen, dass der Unter- suchte vollkommen phisische Tauglichkeit zu allen Kriegsdiensten besitze, widrigens er als zeitlich befreit rückzustellen ist. § 40 Auf die vorhin angeführten Verhandlungen folgt die Erwägung der Befreiungsansprüche, wenn welche angebracht worden sind und die, sofern sie unbezweifelt wären, sogleich von Fall zu Fall entschieden u. die Erkenntnisse des Rekruttirungsrath.es in die Liste eingetragen werden können. Da nach § 24, 27 u. 28 jeder Aufgerufene schon während der Rekrutti- rungsvorbereitung die Richtigkeit seiner Befreiungs-Ansprüche ins Reine zu bringen und sich bis zur Loosung um seine Behelfe umzuse- hen hat, so kann ihm nur in ausserordentlichen erwiesenen Fällen eine weitere Frist von längstens acht Tagen zur Beibringung seiner Befreiungsbehelfe bei sonstiger Abweisung ertheilt werden. Dieses ist in der Liste anzumerken, der Ansprecher aber für alle Fälle zur Loo- sung zuzuziehen u. sobald er innerhalb gedachter Frist die Behelfe beigebracht hat, ist zu entscheiden, ob die Rückstellung Statt finde oder nicht. § 41 Ist nun durch die gepflogenen Verhandlungen die Liste erschöpft, so ist diese dem Rekruttirungsrathe vorzulesen. Er hat sodann etwaige Irrungen und Fehler unverzüglich zu berichtigen, alle Fragen, die noch nicht entschieden sind, zu prüfen und solche nach Mehrheit der Stimmen zu entscheiden, wobei dem Landvogte die letzte Stimme gebühret. § 42 • Sind auf diese Weise die Verhandlungen zu Ende gebracht, so muss sogleich zur Loosung geschritten werden. 272