Source: https://www.hausarbeiten.de/document/210862
Timestamp: 2019-10-16 22:07:17
Document Index: 33217262

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 11', '§ 10', '§ 21', '§ 58', '§ 186', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 6', '§ 29', '§ 119', '§ 76', '§ 8', '§ 225']

Die Rechte und Pflichten von Aktionären im juristischen Zusammenhang | Hausarbeiten publizieren
1.1 Was ist eine Aktiengesellschaft
1.2 Was ist eine Aktie und welche gibt es?
1.3 Was ist ein Aktionär?
2. Die Rechte von Aktionären
2.1 Die Vermögensrechte
2.1.1 Das Dividendenrecht
2.1.2 Das Bezugsrecht
2.1.3 Das Liquidationserlösrecht
2.2 Verwaltungsrechte
2.2.1 Das Auskunftsrecht
2.2.2 Das Stimmrecht
2.2.3 Das Anfechtungsrecht
2.3 Die Rechte von Aktionären auf der Hauptversammlung
2.3.1 Das Recht auf Teilnahme an der Hauptversammlung
2.3.2 Das Rederecht auf der Hauptversammlung
2.3.3 Das Stimmrecht auf der Hauptversammlung
2.3.4 Das Auskunftsrecht auf der Hauptversammlung
2.4 Die Sonderrechte der Aktionäre
3. Die Pflichten von Aktionären
3.1 Die Hauptpflichten
3.2 Die Nebenpflichten
3.2.1 Die Treuepflicht
Das Interesse der deutschen Privatanleger an der Anlageform „Aktie“ hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, auch wenn die Aktieneuphorie mittlerweile Ihren Höhepunkt überschritten hat. Nach einer Studie des deutschen Aktieninstitutes - DAI - besaßen im Jahr 2000 rund 5,1 Millionen Einwohner Belegschaftsaktien sowie andere Aktien. Im Vergleich hierzu besaßen im Jahr 1997 nur rund 3,9 Millionen Deutsche Aktien. Nach den Erfahrungen mit dem neuen Markt im Boomjahr 2000 entwickelte sich die Anzahl der Aktienanleger stetig rückläufig. Im Jahr 2009, nach der Finanzmarktkrise, haben nur noch 2,8 Millionen Einwohner Belegschaftsaktien oder andere Aktien besessen. Ein Grund für das gefallene Interesse ist sicherlich auch die Entwicklung weiterer Finanzprodukte, wie z.B. von Zertifikaten. Doch gerade Zertifikate sind meistens viel zu komplex aufgebaut. Viele Anleger haben die Produkte, in denen sie investiert haben, oftmals nicht verstanden. Vor dem Hintergrund sollte die Aktie für viele Anleger wieder an Attraktivität gewinnen. Dennoch ist Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern wie den USA, Japan oder England, noch kein Land der Aktionäre. Auch wenn Deutschland - gemessen am Umsatz – den viertgrößten Aktienmarkt hinter diesen Ländern bildet.[1]
Die Aktien sind Risikokapital und die Aktionäre sind entsprechende Risikokapitalgeber, immer der Gefahr ausgesetzt, am Ende alles zu verlieren. Deshalb dürfen Aktionäre der Aktiengesellschaft sowie den Mitaktionären nicht schutzlos gegenüberstehen.
Demnach ist es Ziel dieser Arbeit, die unterschiedlichen Rechte und Pflichten eines Aktionärs hervorzuheben sowie rechtlich aufzuarbeiten.
1.1. Was ist eine Aktiengesellschaft?
Die Aktiengesellschaft ist eine juristische Person, bei der die Haftung für Verbindlichkeiten auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt ist und deren Gesellschafter mit Einlagen auf das in Aktien zerlegte Grundkapital beteiligt sind.[2] Auch die Aktiengesellschaft kann zu jedem gesetzlich zulässigem Zweck durch eine oder mehrere Personen errichtet werden[3] und ist stets Handelsgesellschaft.[4] Das Grundkapital der AG muss mindestens 50.000,00 EUR betragen[5], hiermit wird der Kapitalbetrag bezeichnet, der bei der Gründung der AG mindestens aufzubringen ist.[6] Die Organe der Aktiengesellschaft sind die Hauptversammlung, der Aufsichtsrat und der Vorstand. Die Hauptversammlung ist das Organ, in dem die Aktionäre ihre Rechte ausüben. Ihre Kompetenzen umfassen die sog. Grundlagenzuständigkeiten einschließlich der Satzungsänderungen und die Entscheidung über die Gewinnverwendung.[7] Die Hauptversammlung wählt den Aufsichtsrat und dieser ernennt und überwacht seinerseits den Vorstand.
Kennzeichnend für die Aktiengesellschaft ist die Verselbstständigung der Unternehmensleitung (Vorstand) gegenüber den Aktionären[8] sowie eine sehr starre Struktur. Die AG hält den Grundsatz der Satzungsstrenge. Eine Abweichung der Vorschriften des AktG ist nur möglich, wenn das Gesetz dies ausdrücklich zulässt. Entsprechend gering ist der verbleibende Gestaltungsspielraum.
Die besondere wirtschaftliche Bedeutung der AG liegt in der Aufbringung und langfristigen Bindung von Kapital. Betriebswirtschaftlich betrachtet leistet die AG die Transformation von kurzfristigen Geldanlagen der Aktionäre in langfristig gebundenes Unternehmenskapital. Der Aktionär kann die Aktie jederzeit verkaufen, ohne dass der Aktiengesellschaft ihre flüssigen Mittel entzogen werden.[9]
Aktiengesellschaften unterliegen mit Ihrem Jahresabschluss gesetzlichen Prüfungs- und Publizitätsvorschriften. Die Prüfung erfolgt durch einen Abschlussprüfer (Wirtschaftsprüfer). Die Publizität des Jahresabschlusses wird i. d. R. durch die Einreichung zum Handelsregister und bei größeren Kapitalgesellschaften durch die zusätzliche Veröffentlichung im Bundesanzeiger erreicht.[10]
Dem Begriff einer Aktie kommt eine dreifache Bedeutung zu. Eine Aktie bedeutet nach § 1 Abs. 2 AktG einen Bruchteil des Grundkapitals, entweder als Nennbetragsaktie von mindestens 1,00 EUR oder als (nennwertlose) Stückaktie.[11] Die Aktie verkörpert ferner die Mitgliedschaft, d.h. die Gesamtheit der Rechten und Pflichten des Aktionärs. Die Aktie stellt schließlich die Mitgliedschaft als verbriefende Urkunde (Wertpapier) dar. In Deutschland sind Aktien im deutschen Aktiengesetz (AktG) geregelt.
Mit einer Aktie ist der Aktieninhaber ein sog. Aktionär und somit zu einem bestimmten Prozentsatz Eigentümer des Unternehmens.
Bei den deutschen Aktien ist zwischen der Aktiengattung und der Aktienart zu differenzieren. Der Begriff der Aktiengattung ist in § 11 AktG definiert. Die Aktiengattungen werden nach den jeweiligen Rechten, die Sie gewähren, unterschieden, namentlich bei der Verteilung des Gewinns und des Gesellschaftsvermögens. Die Aktiengattungen sind Stammaktien und Vorzugsaktien. Hingegen sind keine Aktiengattungen Inhaber-, Namens- und Nennbetragsaktien. Die Aktienart beschreibt die wertpapiermäßige Verbriefung als Inhaberaktie oder als Namensaktie. Aktien müssen also auf den Inhaber oder auf den Namen lauten, denn dies ist in § 10 Abs. 1 AktG vorgeschrieben. Die Unterscheidungen sind relevant für die Übertragung des Eigentums an der Aktie.
Unabhängig von der Art und der Gattung können deutsche Aktien auch nach der Stückelung des Grundkapitals in Nennbetragsaktien und nennbetragslose Stückaktien unterteilt werden. Neben den deutschen Aktien gibt es auch ausländische Aktien. Hierbei wird unterschieden, ob es sich um Aktien eines ausländischen Unternehmens handelt, die an einer deutschen oder an einer ausländischen Börse notiert sind.[12]
Ein Aktionär ist der Besitzer von Aktien einer Aktiengesellschaft. Er ist somit Gesellschafter oder Miteigentümer des Unternehmens. Die Beteiligung an der Aktiengesellschaft kann der Aktionär nicht kündigen sondern muss diese - will er sie beenden – i. d. R. über die Börse verkaufen. Die Stellung als Aktionär kann durch die Gründung einer Aktiengesellschaft (originärer Erwerb) oder durch den Kauf am Sekundärmarkt bzw. durch Erbgang (derivativer Erwerb) erlangt werden. Aktionäre können sowohl natürliche als auch juristische Personen sein. Ein Aktionär muss i. d. R. keine Geschäftsführerbefugnis haben noch muss er bei der Aktiengesellschaft tätig sein.[13]
Weiterhin wird zwischen Mehrheitsaktionären und Minderheitsaktionären unterschieden. Die Kleinaktionäre sind Teilhaber, die aufgrund Ihrer geringen Beteiligung keinen merklichen Einfluss auf das Unternehmen ausüben können. Hingegen als Großaktionäre diejenigen Aktionäre gelten, die infolge ihrer Stimmrechte einen maßgeblichen Einfluss auf die Abstimmungen während der Hauptversammlung haben. Im Übrigen gilt gemäß § 21 Abs. 1 WpHG ein Aktionär mit 3% des Aktienbestandes bereits als Großaktionär.
Die Aktie verkörpert die gesamten Rechte der Aktionäre. Die Aktionärsrechte ergeben sich in Deutschland u. a. auch aus dem Aktiengesetz sowie aus der Satzung der betreffenden Gesellschaft. Die Rechtstellung der Aktionäre lässt sich - wie jeder Anteil an einer Gesellschaft – juristisch aufteilen in die Vermögensrechte (Dividende, Bezugsrechte, Liquidationserlös) und in die eigentl. Mitgliedschaftsrechte/ Verwaltungsrechte (Stimmrecht, Kontrolle),[14] auf welche nachfolgend genauer eingegangen wird.
Im Allgemeinen stellen Vermögensrechte des Aktionärs, die mit einer Aktie verbundenen Rechte auf die Anteile an dem Gesellschaftsvermögen dar. Hierunter zählen, z.B. das Dividendenrecht (Recht an einem Anteil am Bilanzgewinn), das Bezugsrecht bei Kapitalerhöhungen (Wahrung des Anteils am Grundkapital), das Rückgewährungsrecht bei Kapitalherabsetzungen[15] und das Recht auf die Beteiligung am Liquidationserlös.
Unter einer Dividende versteht man den Anteil am jährlichen Bilanzgewinn, der auf eine einzelne Aktie entfällt und auf den die Aktionäre einen Anspruch haben. Es werden jedoch nicht alle Gewinne an die Aktionäre verteilt, da auch Rücklagen gebildet werden müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.[16] Die Dividende wird in Euro pro Stück ausgedrückt. Gemäß § 58 Abs. 4 AktG wird nochmals die ausdrückliche Anordnung, dass der Bilanzgewinn an die Aktionäre zu verteilen ist, unterstrichen.[17] Die Dividende einer Aktie ist zu dem von dem Bilanzgewinn abhängig, welche das Unternehmen im Geschäftsjahr ausweisen kann. Der Anteil eines einzelnen Aktionärs am Gewinn richtet sich i. d. R. nach seinem Anteil am Gesellschaftskapital.
Das Bezugsrecht räumt den Aktionären bei einer Kapitalerhöhung ein subjektives Recht ein, auf die Zuteilung eines Teils von neuen Aktien, der jedoch dem bisherigem Anteil an dem Grundkapital entsprechen muss. Weiterhin stellt das Bezugsrecht sicher, dass die bisherige Stellung des Aktionärs erhalten bleibt und ist zu dem ein Ausgleich für den Wertverlust. Denn ohne das Bezugsrecht würde der Anteil des Aktionärs am Grundkapital prozentual sinken und die Stimmkraft des Aktionärs entsprechend reduziert werden. In diesem Fall spricht man von der sog. Verwässerung.[18] Das bestehende Stimmrechtsverhältnis soll also qualitativ gewahrt werden und mögliche Vermögensnachteile der Altaktionäre müssen quantitativ ausgeglichen werden.[19] Das Bezugsrecht begründet demnach keine Pflicht zur Teilnahme an der Kapitalerhöhung. Vielmehr verschafft das Bezugsrecht eine Berechtigung an dieser. Das Bezugsrecht ist in § 186 AktG geregelt. Im Rahmen des Bezugsrechts sind das Bezugsverhältnis, der Bezugspreis oder Bezugskurs und die Bezugsfrist von Bedeutung. Das Bezugsverhältnis besagt, für wie viele alte Aktien der Aktionär eine neue Aktie erwerben kann. Es ergibt sich also aus dem Verhältnis zwischen dem bisherigen Grundkapital und dem Erhöhungsbetrag. Der Bezugspreis oder Bezugskurs ist der Preis, der für eine junge Aktie von dem Altaktionär an die Gesellschaft zu zahlen ist. Der Preis besteht aus dem Nennwert und dem Aufgeld, auch Agio genannt.
[1] Vgl. Bergdolt, D. A., (2011) , Seite 1-2
[2] Vgl. § 1 AktG
[3] Vgl. §§ 1, 2 AktG
[4] Vgl. § 3 AktG
[5] Vgl. §§ 6, 7 AktG
[6] Vgl. §§ 29, 36 Abs. 2 AktG
[7] Vgl. § 119 Abs. 1 AktG
[8] Vgl. §§ 76 Abs. 1, 111 Abs., 119 Abs. 2 AktG
[9] Vgl. Boehme-Neßler, V., Schmidt-Rögnitz, A., (2005), Seite 239-240
[10] Vgl. Wöhe, G., Döring, U., (2008), Seite 237
[11] Vgl. § 8 Abs. 1 AktG
[12] Vgl. Bergdolt D. A., (2011), Seite 17-18
[13] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Aktion%C3%A4r, eingesehen am 20.02.2012
[14] Vgl. Hassenpflug, H., Schwind, H.-D., Melchior, R., (2011), Seite 94
[15] Vgl. § 225 Abs. 2 AktG
[16] Vgl. Bergdolt, D. A., (2011), Seite 81
[17] Vgl. Münchener Kommentar zum AktG, (2006), Rn. 1
[18] Vgl. Bergdolt, D. A., (2011), Seite 97
[19] Vgl. Münchener Kommentar zum AktG, (2006), Rn. 1
S. L. (Autor)
V210862
9783656384403
9783656386759
rechte pflichten aktionären
S. L. (Autor), 2012, Die Rechte und Pflichten von Aktionären im juristischen Zusammenhang, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/210862
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