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Timestamp: 2019-02-18 19:36:42
Document Index: 74943662

Matched Legal Cases: ['§ 30', '§ 30', '§ 30', '§ 30', '§ 31', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 43', '§ 29', 'BGH', '§ 199', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 31', '§ 30', 'BGH', '§ 30', '§ 30', '§ 30', '§ 30', '§ 29', '§ 30', '§ 30', '§ 30']

OLG Stuttgart, Beschluss vom 15.02.2013 – 14 U 5/13 « Löffler: Gesellschaftsrecht , Handelsrecht und Steuerrecht
1. § 30 GmbHG erfordert insbesondere das Vorliegen einer Unterbilanz (zu dieser Voraussetzung nur etwa Fastrich, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 30 Rn. 19 f.) zum jeweiligen Auszahlungszeitpunkt (vgl. nur Hommelhoff, in Lutter/Hommelhoff, GmbHG, 18. Aufl., § 30 Rn. 17).
2. Die Auffassung, auf verdeckte Gewinnausschüttungen sei ohne Rücksicht auf das Vorliegen der Voraussetzungen des § 30 GmbHG, insbesondere einer Unterbilanz, die Vorschrift des § 31 Abs. 1 GmbHG analog anwendbar, wird in der – meist älteren – Literatur vertreten (etwa Flume, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts, Erster Band, Zweiter Teil, Die juristische Person, 1983, S. 295; Winter, ZHR 148 [1984], 579, 589; Stengel/Scholderer, ZGR 1997, 41, 43; Hommelhoff, in Lutter/Hommelhoff, GmbHG, 18. Aufl., § 29 Rn. 54; früher auch Goerdeler/Müller, in: Hachenburg, GmbHG, 8. Aufl., § 29 Rn. 134 m. w. N. in Fn. 244, doch mittlerweile aufgegeben [Müller, in: Großkommentar zum GmbH, GmbHG, 1. Aufl., § 29 Rn. 169]). Der Senat folgt dieser Auffassung jedoch im Einklang mit der einhelligen Auffassung in der obergerichtlichen Rechtsprechung (OLG BrandenburgBitte wählen Sie ein Schlagwort:
, GmbHR 1997, 750; OLG FrankfurtBitte wählen Sie ein Schlagwort:
, GmbHR 2005, 550, 558) sowie der ganz herrschenden Meinung in der Literatur (s. nur etwa Verse, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl., § 29 Rn. 123 ff. m. w. N.; Ekkenga, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 1. Aufl., § 29 Rn. 268; Fastrich, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 29 Rn. 76; Müller, in: Großkommentar zum GmbH, GmbHG, 1. Aufl., § 29 Rn. 169; Pentz, in: Rowedder/Schmidt-Leithoff, GmbHG, § 29 Rn. 169) nicht.
3. In Betracht kommen jedoch Ansprüche aus Bereicherungsrecht (vgl. OLG BrandenburgBitte wählen Sie ein Schlagwort:
, GmbHR 1997, 750; Fastrich, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 29 Rn. 76; Ekkenga, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 1. Aufl., § 29 Rn. 268; Verse, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl., § 29 Rn. 125; dagegen etwa Müller, in: Großkommentar zum GmbH, GmbHG, 1. Aufl., § 29 Rn. 169) sowie ggf. Ansprüche wegen Verletzung der TreuepflichtBitte wählen Sie ein Schlagwort:
oder des Gleichbehandlungsgrundsatzes (Müller, in: Großkommentar zum GmbH, GmbHG, 1. Aufl., § 29 Rn. 169; Pentz, in: Rowedder/Schmidt-Leithoff, GmbHG, § 29 Rn. 169; dagegen etwa Ekkenga, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 1. Aufl., § 29 Rn. 268) und ggf. Ansprüche nach § 43 GmbHG, wenn es sich bei dem Gesellschafter zugleich um einen Geschäftsführer handelt (vgl. z. B. Verse, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl., § 29 Rn. 129).
4. Bezüglich der Verjährung ist der Gesellschaft die Kenntnis bzw. grob fahrlässige Unkenntnis ihrer weiteren Geschäftsführer außer dem beklagten Geschäftsführer zuzurechnen (vgl. BGH, NJW-RR 2011, 832; Palandt/Ellenberger, BGB, 72. Aufl., § 199 Rn. 25).
5. Verdeckte Gewinnausschüttungen liegen vor, wenn an den Gesellschafter Zahlungen geleistet wurden, ohne dass er – bei einem Drittvergleich unter Marktbedingungen – äquivalente Gegenleistungen erbracht habe (vgl. nur Fastrich, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 29 Rn. 68 sowie Ekkenga, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 1. Aufl., § 29 Rn. 257 f., jeweils m. w. N.). Der Umstand, dass die Auszahlungen von den Finanzbehörden in steuerlicher Hinsicht als verdeckte Gewinnausschüttungen eingestuft worden sind, hilft der Gesellschaft nicht, da es auf die steuerliche Einordnung nicht unmittelbar ankommt (vgl. auch OLG FrankfurtBitte wählen Sie ein Schlagwort:
, GmbHR 2005, 550, 557 f.; Fastrich, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 29 Rn. 68; Ekkenga, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 1. Aufl., § 29 Rn. 256; Verse, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl., § 29 Rn. 132 f.).
6. Bei § 31 Abs. 1 GmbHG trifft den Gesellschafter die Darlegungs- und Beweislast hinsichtlich des Einwands der Kompensation bzw. des Drittgeschäfts, da es sich dabei – bezogen auf §§ 30, 31 GmbHG – um Ausnahmetatbestände handelt (vgl. BGHZ 157, 72 – Tz. 15).
7. Der obliegt die Darlegungs- und Beweislast für eine Unterbilanz (vgl. KG, NZG 2000, 1224, 1225; OLG DüsseldorfBitte wählen Sie ein Schlagwort:
, GmbHR 2006, 535 f.; Habersack, in: Großkommentar zum GmbHG, 1. Aufl., § 30 Rn. 58; Verse, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl., § 30 Rn. 115 f.; Heidinger, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl., § 30 Rn. 142; Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 7. Aufl., § 30 Rn. 16; einschränkend wohl Ekkenga, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 1. Aufl., § 29 Rn. 291). Maßgeblich ist der Zeitpunkt der Auszahlungen und nicht der Zeitpunkt einer etwaigen Bilanzierung (s. nur Hommelhoff, in Lutter/Hommelhoff, GmbHG, 18. Aufl., § 30 Rn. 17; Verse, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl., § 30 Rn. 53). Ein Verlustausweis in der Bilanz führt nicht notwendig zur Unterbilanz (vgl. Fastrich, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 30 Rn. 19).
Schlagworte: Darlegungs- und Beweislast, Einlagenrückgewähr, Geschäftsführer, Gleichbehandlung, Kapitalerhaltung, Steuerrecht, Treuepflicht, Unterbilanz, verdeckte Gewinnausschüttung, Verjährung