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Timestamp: 2019-09-22 05:12:04
Document Index: 138072364

Matched Legal Cases: ['§ 308', '§226', '§ 16', '§ 33', '§ 308', 'BGH', 'BGH']

HA-StR, Anstiftung, Exzess und Error in persona
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Verfasst am: 29 März 2006 - 06:38:36 Titel: HA-StR, Anstiftung, Exzess und Error in persona
Ich schreib gerade Strafrechtshausarbeit und irgendwie gehen mir langsam die Ideen aus. Hoffentlich kann jemand helfen. Suchfunktion hab ich erfolglos bemüht.
A stiftet B an, den C maximal krankenhausreif zu schlagen, indem A den B dazu auffordert dem C einen "Denkzettel" zu verpassen. Aufgrund längerer Zusammenarbeit weiß der B, dass er C auch "nur" zusammenschlagen soll. Der B meint aber dem C eine Briefbombe schicken zu müssen, die jedoch der D in die Finger bekommt und sich beim Öffnen des "Briefs" ne Hand wegsprengt.
§ 308 StGB soll nicht geprüft werden.
Erst hab ich §§226,224,223 beim B geprüft und im subj. Tatb. nen unbeachtlichen error in persona angenommen. Dann will ich Anstiftung des A zur gefährlichen und schweren Körperverletzung prüfen.
Und da geht mein Problem los:
Ich eröter wie sich error in persona auf den Vorsatz des Anstifters auswirkt. Sprech die Unbeachtlichkeitstheorie, die Wesentlichkeitstheorie an und entscheid mich für die Aberratio-ictus-Theorie (weil die scheinbar h.M. ist) mit der Rechtsfolge: Fahrlässigkeitstat+versuchte Anstiftung am vollendetem Delikt.
Dann bin ich schon aus der Prüfung zur Anstiftung raus.
Ich denk aber, dass der Exzess des Haupttäters noch irgendwo reinmuss. Ich hab aber nicht die leiseste Ahnung wo genau. Was ist eigentlich insgesamt zuerst zu prüfen, error in persona oder Exzess? Soll man in dem Fall bei Anstiftung zur schweren KV im subj. Tatb. erst den Exzess des Haupttäters prüfen, den Anstifter für den überschießenden Teil der Tat haften lassen. Danach aber den error in persona ansprechen und wie er sich auf den Anstiftervorsatz auswirkt mit ensprechenden Rechtsfolgen der aberratio-ictus-theorie? Ich hab irgendwo nen riesen Fehler, seh ihn aber ned
Schönen Gruß und Danke für die Aufmerksamkeit (wer´s bis hier geschafft hat )
Edit: Wenn ich mein Zeug les bin ich selbst verwirrt.
Würd der B exzessmäßig gegenüber dem C ausschweifen, hätt ich kein Problem. Würd sich der B hinsichtlich seiner KV im Rahmen der Anstfitung halten, aber leider den D treffen gings auch noch. Nur wie krieg ich Exzess und Anstfitung bei ein und derselben Tat unter einen Hut?
Verfasst am: 29 März 2006 - 09:18:37 Titel:
ME liegt es zumindest nahe, zuerst auf den Exzeß einzugehen. Zumindest die Wesentlichkeitstheorie könnte man auch als offen dafür sehen, die Exzeßfrage in die Gesamtbewertung miteinzubeziehen. Die scheint mir übrigens hM zu sein (Rspr.+ größere Teile der Lit. = hM ? ) und liefert immerhin die gesetzesnächste Begründung, da sie nicht unter eine Rechtsfigur, sondern unter § 16 I subsumiert (und man kann sich uU den langweiligen aberratio-ictus-Streit sparen).
Verfasst am: 29 März 2006 - 10:59:02 Titel:
Dank Dir! So wirds jetzt auch gemacht.
Verfasst am: 29 März 2006 - 12:55:53 Titel:
ich schreibe grade an der selben hausarbeit!
liegt aber nicht bei b ein aberratio ictus vor und kein error in persona? b wusste ja nichts davon, dass d anstatt c die briefbombe öffnet. er irrt sich ja nicht in der person, sondern die umstände sind zufällig so, dass c verreist ist und d deswegen den brief öffnet. das wirkt sich dann aber auch auf die anstiftung des a aus, da die bekannten theorien (was passiert mit dem anstifter, wenn der direkte täter einem error in persona unterliegt?) dann ja nicht mehr passen. der aberratio ictus ist im gegensatz zum error in persona dann nicht mehr unbeachtlich.
ich habe es bislang folgendermaßen geprüft:
erst 223, 224, bei b geprüft, allerdings den aberratio ictus angenommen, der eben nicht unbeachtlich ist. deshalb weiter geprüft mit 229 und dann den versuch von 223, 224, 226 geprüft.
wie kann man denn den exzess da noch einbauen? unter welchem paragraphen (mir würde nur § 33 einfallen, der ja hier nicht zum tragen kommt!?)?
Verfasst am: 29 März 2006 - 12:58:50 Titel:
zur klarstellung hier mal der gesamte fall:
D bittet den H, der für ihn schon des öfteren etwas gröbere Angelegenheiten erledigt hat,
dem T — einem lästigen Dauerschuldner des D — einen ordentlichen Denkzettel zu verpassen.
Weiteres gibt er H nicht vor. H jedoch kennt die Sprache des D aus langjähriger Zusammenarbeit
und weiß, was zu tun ist: T soll kräftig zusammengeschlagen, letztlich aber
höchstens in einen für kurze Zeit krankenhausreifen Zustand versetzt werden.
Da H sich in den vergangenen Wochen viel Mühe gegeben hat, eine Briefbombe zu basteln,
die nun gerade fertig geworden ist, entschließt er sich kurzerhand, die Gelegenheit zu nutzen
und dem T den Denkzettel auf diese Weise zu verpassen. D erzählt er das freilich nicht. Es
handelt sich dabei um eine „kleine“ Briefbombe, bei deren Explosion ein tödlicher Ausgang
ausgeschlossen werden kann. Die Bombe explodiert in T‘s Wohnung,als G, ein guter Freund
des T, den Brief öffnet. T war kurzfristig verreist und G hatte es übernommen, sich um seine
Post zu kümmern. Durch die Briefexplosion verliert G eine Hand und behält bleibende großflächige
Narben am Unterarm.
D ist ziemlich verärgert über H’s Vorgehen und weist ihn lautstark zurecht. Daraufhin verbringt
H den ganzen Abend in einer Spielhalle. Spätnachts, auf seinem Heimweg, trifft er in
einer dunklen Seitenstraße den ihm unbekannten P, der ihn um ein paar Euro anbettelt. H,
immer noch übelgelaunt, verprügelt P, bis dieser auf dem Bürgersteig zu Boden sinkt. Dann
verlässt H eiligen Schritts den Schauplatz. In gehöriger Entfernung dreht er sich um; er beobachtet,
wie P versucht, sich aufzurichten. Da seine Kräfte aber nicht ausreichen, schafft er
es nur, sich ein Stück weiter zu bewegen. Schließlich bleibt er unglücklich auf der Straße
liegen. H ist dieser — ohne sein Zutun vonstatten gegangene — Verlauf ganz recht. Er befürchtet
bereits, P würde den Vorfall bei der Polizei anzeigen und diese könnte ihn als Täter
ermitteln. Jetzt geht er, durchaus realistisch, davon aus, P werde diese Nacht noch von einem
Auto überfahren und getötet werden. Zufrieden mit dieser Aussicht spaziert er nach
Hause und legt sich ins Bett.
P hat Glück — wenig später wird er von einer Passantin entdeckt, die ihn von der Straße
wegzieht und den Notarzt alarmiert.
Strafbarkeit der Beteiligten? (Nicht zu prüfen ist § 308 StGB)
Verfasst am: 29 März 2006 - 20:19:31 Titel:
So kurz nebenbei:
Briefbomben sind doch immer ein Fall mittelbarer Täterschaft. Währe vielleicht eine Erwähnung wert, auch wenn es sich im Ergebnis nicht auswirkt.
Verfasst am: 29 März 2006 - 22:09:16 Titel:
Also ich hab beim B error in persona angenommen, weil die Tat ja ned fehlgeschlagen ist, sondern sich der Vorsatz der Tat lediglich auf die Person bezieht, die dem Programmvorhaben entspricht, also den Brief öffnet. Grund dafür is auch, dass kein direkter Angriff vorliegt, sondern der Täter das Opfer in ne Sprengfalle laufen lässt.
Etz hätt ich gern noch ne Quelle hingeschrieben, habs aber ned zur Hand. Reich ich nach, wenn ichs find.
Briefbomben sind doch immer ein Fall mittelbarer Täterschaft.
Ich lös den Fall auch mit mittelbarer Täterschaft, hab allerdings schon nen ganzen Schwung Bücher in den Fingern gehabt, die Sprengfallen mit unmittelbarer Täterschaft lösen, was mich wiederum verunsichert hat.
Verfasst am: 29 März 2006 - 22:27:42 Titel:
Kurtiboy hat folgendes geschrieben:
Die Parallele zu den "Autobombenfällen" scheint mir recht klar, insofern würde ich mit der entsprechenden Argumentation auch von einem error in persona ausgehen.
Prinzipiell handelt es sich nach hL (und auch so ersichtlich) um einen Fall mittelbarer Täterschaft, Einsatz des Opfers als Tatmittler gegen sich selbst; die Irritation mag daher stammen, daß der BGH im "Apothekerfall" seltsamerweise von einem Fall unmittelbarer Täterschaft ausgegangen ist. Da aber aus der mittelbaren Täterschaft nicht wirklich fallrelevante Konsequenzen folgen, mag man darüber streiten, ob der BGH das Thema einfach übergangen hat.
Verfasst am: 29 März 2006 - 23:32:16 Titel:
ok, den error in persona verstehe ich jetzt auch. nur wie genau prüfe ich nun den exzeß? prüfe ich den exzeß des haupttäters nur beim anstifter im subjektiven tatbestand oder auch bei b bzw. h?
und wenn ich durch den exzeß des haupttäters bei der anstiftung zur schweren körperverletzung rauskomme, muss ich ja trotzdem vorher die kv + gefährliche kv prüfen, wo ich dann auf jeden fall den aberratio ictus streit ausführen muss, oder bin ich jetzt komplett auf dem holzweg!?
je länger ich drüber nachdenke, desto verwirrter bin ich...
Verfasst am: 03 Apr 2006 - 11:41:48 Titel:
kurtiboy: hast du die quelle gefunden? ich finde sie nämlich nicht....
wie würdet ihr den zweiten teil des falls lösen?