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Timestamp: 2017-01-22 16:19:14
Document Index: 127768268

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 4', '§ 10', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 87', '§ 23']

HENSCHE Arbeitsrecht: 1 ABR 77/10
Pause, Mitbestimmung in sozialen Angelegenheiten, Unterlassungsanspruch, Arbeitszeit
Arbeitsgericht Köln, Beschluss vom 18.11.2009, 7 BV 173/09Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.09.2010, 2 TaBV 11/10
BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT 1 ABR 77/10 2 TaBV 11/10Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln
Verkündet am 7. Fe­bru­ar 2012
2. Ar­beit­ge­be­rin und Be­schwer­deführe­rin,
- 2 - Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Linck und Prof. Dr. Koch so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Hay­en und Dr. Hann für Recht er­kannt:
Nach § 10 des für das Bo­den­per­so­nal der Ar­beit­ge­be­rin gel­ten­den Man­tel­ta­rif­ver­trags Nr. 14 ist den Ar­beit­neh­mern bei ei­ner tägli­chen Ar­beits­zeit von über 4,5 St­un­den ei­ne Pau­se von min­des­tens 20 Mi­nu­ten und bei ei­ner tägli­chen Ar­beits­zeit von über 6 St­un­den ei­ne Pau­se von min­des­tens - 3 - 30 Mi­nu­ten zu gewähren. In der bei der Ar­beit­ge­be­rin gel­ten­den „Be­triebs­ver­ein­ba­rung Pau­sen“ vom 7. Mai 2002 ist be­stimmt, dass die Pau­sen­zei­ten im Vor­aus in Dienst- und Schicht­plänen fest­ge­legt wer­den müssen. Die­se wer­den von der Ar­beit­ge­be­rin un­ter Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats auf­ge­stellt.
- 4 - Die Ar­beit­ge­be­rin hat zur Be­gründung ih­res Ab­wei­sungs­an­trags aus­geführt, ein Großteil der Fälle, in de­nen in den Pau­sen ge­ar­bei­tet wor­den sei, ha­be dar­auf be­ruht, dass die Tätig­keit der im Herbst 2008 ein­geführ­ten Per­so­nal­dis­po­nen­ten zeit­auf­wen­di­ger ge­we­sen sei als ge­plant. Dem ha­be sie zwi­schen­zeit­lich durch den Ein­satz ei­nes wei­te­ren Mit­ar­bei­ters Rech­nung ge­tra­gen. Die Nicht­ein­hal­tung von Pau­sen­zei­ten in an­de­ren Be­rei­chen sei auf den zeit­wei­se außer­gewöhn­lich ho­hen Kran­ken­stand zurück­zuführen.
II. Der An­trag zu 1) ist zulässig. Er be­darf al­ler­dings der Aus­le­gung. 1. Wie der Be­triebs­rat in der Anhörung vor dem Se­nat klar­ge­stellt hat, geht es ihm trotz der miss­verständ­li­chen For­mu­lie­rung nicht dar­um, bei der An­ord­nung von Ar­beit während der fest­ge­leg­ten Pau­sen­zei­ten mit­zu­be­stim­men. Ein sol­ches Ver­lan­gen wäre auch of­fen­sicht­lich rechts­wid­rig, weil auf­grund der zwin­gen­den ge­setz­li­chen Re­ge­lung in § 4 Arb­ZG und der Ta­rif­re­ge­lung in § 10 MTV die fest­ge­leg­ten Pau­sen zu gewähren sind und dem­zu­fol­ge die Ar­beit­neh­mer in die­ser Zeit kei­ne Ar­beits­pflich­ten tref­fen. Das Be­geh­ren des Be­triebs­rats ist auch nicht auf ei­ne Ver­schie­bung des Ar­beits­zei­t­en­des oder der Pau­se auf ei­nen späte­ren Zeit­punkt in­ner­halb ei­ner Schicht ge­rich­tet. Sei­nem ge­sam-
- 5 - ten Vor­brin­gen ist viel­mehr deut­lich zu ent­neh­men, dass es ihm al­lein dar­um geht zu ver­hin­dern, dass die Ar­beit­ge­be­rin während der in den ge­mein­sam auf­ge­stell­ten Dienst­plänen fest­ge­leg­ten Pau­sen­zei­ten Ar­beit an­ord­net oder Ar­beits­leis­tun­gen dul­dend ent­ge­gen­nimmt.
III. Der An­trag zu 1) ist be­gründet. 1. Der Be­triebs­rat kann nach § 23 Abs. 3 Be­trVG von der Ar­beit­ge­be­rin ver­lan­gen, es zu un­ter­las­sen, während der in den Dienst­plänen fest­ge­leg­ten Pau­sen­zei­ten für die be­tref­fen­den Mit­ar­bei­ter Ar­beit an­zu­ord­nen oder Ar­beits­leis­tun­gen ent­ge­gen­zu­neh­men.
- 6 - cc der Gründe, BA­GE 110, 252). Die­se ist nur dann aus­ge­schlos­sen, wenn aus fak­ti­schen oder recht­li­chen Gründen ei­ne Wie­der­ho­lung des be­triebs­ver­fas­sungs­wid­ri­gen Ver­hal­tens aus­schei­det (Fit­ting Be­trVG 25. Aufl. § 23 Rn. 65). Die Zu­si­che­rung, zukünf­tig be­triebs­ver­ein­ba­rungs­wid­ri­ges Ver­hal­ten zu un­ter­las­sen, genügt hierfür nicht (BAG 23. Ju­ni 1992 - 1 ABR 11/92 - zu B I 2 der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 23 Nr. 20 = EzA Be­trVG 1972 § 87 Ar­beits­zeit Nr. 51).
2. Der Ar­beit­ge­be­rin war für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­ver­pflich­tung nach § 23 Abs. 3 Satz 5 Be­trVG ein Ord­nungs­geld von bis zu 10.000,00 Eu­ro an­zu­dro­hen. Die wei­ter­ge­hen­de Ord­nungs­geld­an­dro­hung im Be­schluss des Ar­beits­ge­richts lässt die sich aus die­ser Vor­schrift - 7 - er­ge­ben­de Höchst­gren­ze außer Be­tracht (BAG 29. April 2004 - 1 ABR 30/02 - zu B V der Gründe, BA­GE 110, 252).
Hay­en Hann	m.hensche.de
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