Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/das-ausscheiden-eines-arbeitgebers-aus-der-versorgungsanstalt-des-bundes-und-der-laender-348445
Timestamp: 2019-12-09 23:15:32
Document Index: 370064047

Matched Legal Cases: ['§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 812', '§ 307', '§ 23', '§ 23', '§ 307', '§ 2', '§ 307', '§ 23', '§ 310', '§ 11', '§ 1', '§ 133', '§ 23', '§ 1', '§ 126', '§ 8', 'BGH', '§ 1', '§ 23', '§ 22', '§ 23', '§ 23', '§ 23', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 1', 'BGH', '§ 307', '§ 23', '§ 23', '§ 34', '§ 34', '§ 23', '§ 36', '§ 64', '§ 36', '§ 36', '§ 36', '§ 36', '§ 307', '§ 22', '§ 23', '§ 31', '§ 23', '§ 307', '§ 307', 'Art 49', '§ 44', '§ 44', '§ 44', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 20', '§ 23', '§ 249', '§ 6', '§ 249', '§ 6', '§ 23', '§ 307', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 23', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', 'BGH', 'BGH', '§ 545', '§ 73', '§ 73', 'BGH', 'BGH', 'Art.20', 'Art.20', '§ 23', 'Art.20', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 9', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 34', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 30', '§ 307', '§ 307', 'BGH', '§ 307', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 157', '§ 65']

Das Aus­schei­den eines Arbeit­ge­bers aus der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der | Rechtslupe
Das Ausscheiden eines Arbeitgebers aus der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder
Das Aus­schei­den eines Arbeit­ge­bers aus der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der
Eine Grund­ent­schei­dung der Tarif­ver­trags­par­tei­en, bei deren Umset­zung und inhalt­li­cher Aus­ge­stal­tung der Sat­zungs­ge­ber eine weit­ge­hen­de Gestal­tungs­frei­heit hat, setzt eine wirk­sa­me tarif­ver­trag­li­che Rege­lung vor­aus. Der Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 6 vom 24. Novem­ber 2011 zum Tarif­ver­trag über die betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung der Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes (Tarif­ver­trag Alters­ver­sor­gung – ATV) vom 1. März 2002 stellt hin­sicht­lich sei­ner rück­wir­kend zum 1. Janu­ar 2001 in Kraft gesetz­ten Rege­lun­gen zum Gegen­wert für Betei­li­gun­gen, die vor Abschluss die­ses Tarif­ver­tra­ges been­det wur­den, eine unzu­läs­si­ge ech­te Rück­wir­kung dar.
Die in § 23 Abs. 2 VBLS gere­gel­te vol­le Berück­sich­ti­gung von Ver­si­cher­ten ohne erfüll­te War­te­zeit bei der Berech­nung des Gegen­werts sowie die Aus­ge­stal­tung des Gegen­werts als Ein­mal­zah­lung eines Bar­werts benach­tei­li­gen den aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten unan­ge­mes­sen. Die Gegen­wert­re­ge­lung des § 23 Abs. 2 VBLS ist intrans­pa­rent, weil nicht alle Berech­nungs­grund­la­gen des Gegen­werts offen gelegt wer­den.
Mit die­ser Ent­schei­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof ein Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he 1 bestä­tigt, wonach § 23 Abs. 2 der Sat­zung der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der (VBLS), der die Zah­lung eines Gegen­werts für die bei der VBL ver­blei­ben­den Ver­sor­gungs­las­ten bei Been­di­gung einer Betei­li­gung regelt, wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten unwirk­sam ist.
Der Klä­ger ist Trä­ger­ver­ein einer Kli­nik und gehör­te dem Abrech­nungs­ver­band Ost der VBL seit 1996 an. Er kün­dig­te das Betei­li­gungs­ver­hält­nis zum 31. Dezem­ber 2003. Auf Grund­la­ge des § 23 Abs. 2 VBLS for­der­te die VBL einen Gegen­wert in Höhe von 957.125,77 € für neun Rent­ner und 135 Leis­tungs­an­wär­ter, der vom Klä­ger bezahlt wur­de. Nun­mehr ver­langt er die Rück­zah­lung eines Teil­be­tra­ges von 400.000 €.
Sowohl das erst­in­stanz­lich mit hier­mit befass­te Land­ge­richt Mann­heim 2 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he haben einen Rück­zah­lungs­an­spruch wegen Unwirk­sam­keit der Sat­zungs­be­stim­mung über den Gegen­wert bejaht. Mit ihrer Revi­si­on hat die VBL ihr Kla­ge­ab­wei­sungs­be­geh­ren vor dem Bun­des­ge­richts­hof wei­ter­ver­folgt – ohne Erfolg, der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on der VBL zurück­ge­wie­sen.
§ 23 Abs. 2 VBLS unter­liegt der vol­len AGB-recht­li­chen Inhalts­kon­trol­le. Eine Grund­ent­schei­dung der Tarif­ver­trags­par­tei­en, die eine weit­ge­hen­de Gestal­tungs­frei­heit des Sat­zungs­ge­bers bei deren Umset­zung und inhalt­li­cher Aus­ge­stal­tung zur Fol­ge hat, setzt eine wirk­sa­me tarif­ver­trag­li­che Rege­lung vor­aus. Die­se liegt hier nicht vor. Der Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 6 zum Tarif­ver­trag über die betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung der Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes (Tarif­ver­trag Alters­ver­sor­gung – ATV) vom 24. Novem­ber 2011 stellt hin­sicht­lich sei­ner rück­wir­kend zum 1. Janu­ar 2001 in Kraft gesetz­ten Rege­lun­gen zum Gegen­wert für Betei­li­gun­gen, die vor Abschluss die­ses Tarif­ver­tra­ges been­det wur­den, eine unzu­läs­si­ge ech­te Rück­wir­kung dar.
Die in § 23 Abs. 2 VBLS vor­ge­se­he­ne vol­le Berück­sich­ti­gung von Ver­si­cher­ten ohne erfüll­te War­te­zeit bei der Berech­nung des Gegen­werts benach­tei­ligt den aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten unan­ge­mes­sen. Wei­ter­hin liegt eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten in der Aus­ge­stal­tung des Gegen­werts als Ein­mal­zah­lung eines Bar­werts. Fer­ner ist § 23 Abs. 2 VBLS intrans­pa­rent, weil nicht alle Berech­nungs­grund­la­gen des Gegen­werts offen gelegt wer­den.
Aller­dings kann die durch die Unwirk­sam­keit der Gegen­wert­re­ge­lung in § 23 Abs. 2 VBLS ein­ge­tre­te­ne Sat­zungs­lü­cke nach den Grund­sät­zen der ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung auch durch eine neue Sat­zungs­re­ge­lung, die den aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten nicht unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt, mit Wir­kung für eine bereits been­de­te Betei­li­gung geschlos­sen wer­den.
AGB-Kon­trol­le der VBL-Sat­zung
Gleich­stel­lung von Arbeit­neh­mers mit und ohne War­te­zeit
Aus­gleich beim Aus­schei­den eines öffent­li­chen Arbeit­ge­bers
Intrans­pa­renz der Berech­nungs­grund­la­gen
Wei­te­re Unwirk­sam­keits­grün­de
Ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung
AGB-Kon­trol­le der VBL-Sat­zung[↑]
Dem aus der VBL aus­schei­den­den öffent­li­chen Arbeit­ge­ber steht damit ein Rück­zah­lungs­an­spruch aus unge­recht­fer­tig­ter Berei­che­rung gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1, 1. Alt. BGB zu. Die Gleich­stel­lung von Ver­si­cher­ten mit und ohne Erfül­lung der War­te­zeit bei der Berech­nung des Gegen­werts und die Aus­ge­stal­tung der Gegen­wert­for­de­rung als Ein­mal­zah­lung stellt eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung i.S. von § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB dar. In Fol­ge der Unwirk­sam­keit der Gegen­wert­re­ge­lung in § 23 Abs. 2 VBLS besteht für die For­de­rung der VBL der­zeit kein Rechts­grund.
§ 23 Abs. 2 VBLS unter­liegt der unein­ge­schränk­ten Inhalts­kon­trol­le des § 307 BGB.
Bei der Zusatz­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes ist zwi­schen dem arbeits­recht­li­chen, durch Tarif­ver­trag gere­gel­ten Grund­ver­hält­nis und dem ver­si­che­rungs­recht­li­chen, durch die Sat­zung der VBL gere­gel­ten Durch­füh­rungs­ver­hält­nis zu unter­schei­den. Die VBL schließt, obwohl sie eine Anstalt des öffent­li­chen Rechts ist 3, mit den an ihr betei­lig­ten Arbeit­ge­bern gemäß § 2 Abs. 1 VBLS pri­vat­recht­li­che Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge. Bei der Sat­zung der VBL han­delt es sich um pri­vat­recht­li­che All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen in Form All­ge­mei­ner Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen 4. Als sol­che unter­lie­gen sie grund­sätz­lich der rich­ter­li­chen Inhalts­kon­trol­le nach den §§ 307 ff. BGB. Aller­dings sind die­ser Inhalts­kon­trol­le im Hin­blick auf tarif­recht­li­che Beson­der­hei­ten ihrer­seits Schran­ken gesetzt. Die­se Schran­ken grei­fen indes hier nicht ein.
§ 23 VBLS ist eine ori­gi­nä­re Sat­zungs­re­ge­lung ohne tarif­recht­li­chen Ursprung. Es kann daher dahin­ste­hen, ob für Sat­zungs­be­stim­mun­gen, die mit tarif­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen inhalt­lich über­ein­stim­men, der Aus­schluss der Anwen­dung des AGB-Rechts gemäß § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB gilt 5.
Den Tarif­ver­trags­par­tei­en fehlt es nicht an der Tarif­macht zur Rege­lung des Gegen­werts 6. Die Tarif­macht reicht so weit, dass sie die Gestal­tung der Bei­trags­be­zie­hun­gen der Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer zur VBL umfasst 7. Dem ent­spricht es, dass die Tarif­ver­trags­par­tei­en wei­ter­ge­hend auch die finan­zi­el­len Fol­gen des Aus­schei­dens eines Betei­lig­ten regeln kön­nen.
Aller­dings fehlt es – vom jüngs­ten Tarif­ver­trag vom 24.11.2011 abge­se­hen – an tarif­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen zum Gegen­wert.
Die tarif­ver­trag­li­chen Bestim­mun­gen in § 11 des Ver­sor­gungs­ta­rif­ver­tra­ges vom 02.12.1966 8, § 1 Nr. 4 Buchst. b des Elf­ten Ände­rungs­ta­rif­ver­tra­ges zum Ver­sor­gungs­ta­rif­ver­trag 9 und Punkt 1.4 des Alters­vor­sor­ge­plans 2001 (Anla­ge 5 zum Tarif­ver­trag Alters­ver­sor­gung vom 01.03.2002) beschäf­ti­gen sich allein mit der Umla­ge­fi­nan­zie­rung. Dies stellt weder unmit­tel­bar noch inzi­dent eine tarif­ver­trag­li­che Rege­lung der finan­zi­el­len Fol­gen des Aus­schei­dens eines Betei­lig­ten dar.
Die Aus­le­gung des nor­ma­ti­ven Teils eines Tarif­ver­tra­ges folgt den für die Aus­le­gung von Geset­zen gel­ten­den Regeln. Aus­zu­ge­hen ist zunächst vom Wort­laut des Tarif­ver­tra­ges. Zu erfor­schen ist der maß­geb­li­che Sinn der Erklä­rung, ohne am Buch­sta­ben zu haf­ten (§ 133 BGB). Dabei ist der wirk­li­che Wil­le der Tarif­ver­trags­par­tei­en über den rei­nen Wort­laut hin­aus nur zu berück­sich­ti­gen, soweit er in den tarif­li­chen Nor­men sei­nen Nie­der­schlag gefun­den hat. Abzu­stel­len ist fer­ner auf den tarif­li­chen Gesamt­zu­sam­men­hang, weil die­ser Anhalts­punk­te für den wirk­li­chen Wil­len der Tarif­ver­trags­par­tei­en lie­fern und nur so der Sinn und Zweck der Tarif­norm zutref­fend ermit­telt wer­den kann 10.
In den genann­ten Tarif­ver­trä­gen ist der Wort­laut ein­deu­tig. In ihnen wird allein von der Umla­ge­fi­nan­zie­rung als lau­fen­der Finan­zie­rung aus den Umla­gen gespro­chen. Fol­ge­an­sprü­che der VBL bei Been­di­gung einer Betei­li­gung sind nicht Inhalt der Tarif­ver­trä­ge. Weder aus einem erwei­ter­ten Sinn der Finan­zie­rungs­be­stim­mun­gen über die lau­fen­de Umla­ge noch aus dem tarif­ver­trag­li­chen Gesamt­zu­sam­men­hang ist abzu­lei­ten, dass der finan­zi­el­le Aus­gleich der VBL beim Aus­schei­den eines Betei­lig­ten erfasst wer­den soll­te. Zwar mag die Gegen­wert­for­de­rung ver­si­che­rungs­ma­the­ma­tisch not­wen­dig sein. Dies bedeu­tet indes nicht, dass sie durch die Tarif­ver­trags­par­tei­en gere­gelt wer­den muss. Wie hier kann dies genau­so gut durch Sat­zungs­recht ohne tarif­ver­trag­li­chen Hin­ter­grund gesche­hen. Ein etwai­ger ander­wei­ti­ger Wil­le der Tarif­ver­trags­par­tei­en ist des­halb unbe­acht­lich, weil er in den tarif­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen weder im Wort­laut noch im Gesamt­zu­sam­men­hang einen Nie­der­schlag gefun­den hat. Eine hin­rei­chen­de Norm­klar­heit ist jedoch erfor­der­lich, da die Tarif­ver­trags­par­tei­en Grund­rech­te und ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­sät­ze zu beach­ten haben, zu denen in Fol­ge des Rechts­staats­prin­zips auch gehört, dass tarif­li­che Rege­lun­gen hin­rei­chend bestimmt sein müs­sen 11.
Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he ist, so der Bun­des­g­ge­richts­hof, zutref­fend dem Vor­trag der VBL nicht gefolgt, dass § 23 VBLS des­halb einen tarif­recht­li­chen Cha­rak­ter habe, weil sein Text von den Tarif­ver­trags­par­tei­en aus­ge­ar­bei­tet und der VBL zur Sat­zungs­ge­bung durch deren Gre­mi­en über­ant­wor­tet wor­den sei.
Ein Tarif­ver­trag ist ein schrift­li­cher Ver­trag zwi­schen einer Gewerk­schaft und einem oder meh­re­ren Arbeit­ge­bern oder einer Ver­ei­ni­gung von Arbeit­ge­bern, in dem Rechts­nor­men zur Rege­lung von Arbeits- und Wirt­schafts­be­zie­hun­gen fest­ge­setzt und Rech­te und Pflich­ten der Tarif­ver­trags­par­tei­en selbst begrün­det wer­den 12. Es kommt nicht ent­schei­dend dar­auf an, ob die Tarif­ver­trags­par­tei­en den Begriff Tarif­ver­trag ver­wen­det haben. Viel­mehr ist dar­auf abzu­stel­len, ob der Wil­le der Tarif­ver­trags­par­tei­en zur Norm­set­zung hin­rei­chend deut­lich zum Aus­druck kommt 13. Gemäß § 1 Abs. 2 TVG bedür­fen Tarif­ver­trä­ge der Schrift­form, womit die Anfor­de­run­gen des § 126 BGB zu erfül­len sind 14. Nach § 8 TVG sind die Arbeit­ge­ber ver­pflich­tet, die für ihren Betrieb maß­ge­ben­den Tarif­ver­trä­ge an geeig­ne­ter Stel­le im Betrieb aus­zu­le­gen.
Hier ist bereits ein Wil­le zur Norm­set­zung eines Tarif­ver­tra­ges nicht erkenn­bar. Wäre eine tarif­ver­trag­li­che Rege­lung gewollt gewe­sen, so hät­ten sich die Tarif­ver­trags­par­tei­en nicht dar­auf beschrän­ken dür­fen, einen Ent­wurf für Sat­zungs­re­ge­lun­gen zu ver­fas­sen und dem Sat­zungs­ge­bungs­ver­fah­ren der VBL zu über­las­sen, d.h. eine recht­li­che Wirk­sam­keit allein durch das Sat­zungs­recht der VBL her­bei­zu­füh­ren. Nur mit dem feh­len­den tarif­ver­trag­li­chen Norm­set­zungs­wil­len erklä­ren sich die feh­len­de Schrift­form und die aus­schließ­li­che Zulei­tung an den Ver­wal­tungs­rat der VBL mit dem Ziel, das Sat­zungs­ge­bungs­ver­fah­ren zu durch­lau­fen. Wer ledig­lich Sat­zungs­recht vor­be­rei­tet, will kein eige­nes Tarif­recht schaf­fen. Ande­res ergibt sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on nicht etwa aus dem BGH, Urteil vom 06.07.1994 15, das sich auf die Ermitt­lung des gemein­sa­men Wil­lens der Tarif­ver­trags­par­tei­en zur Beur­tei­lung einer Äqui­va­lenz­stö­rung beschränkt und wei­ter­ge­hen­de Aspek­te des Tarif­ver­trags­rechts – ins­be­son­de­re die Fra­ge, wann von einer tarif­ver­trag­li­chen Rege­lung gespro­chen wer­den kann – nicht zum Gegen­stand hat. Wei­ter­hin ist – wor­auf das Beru­fungs­ge­richt abge­ho­ben hat – das Form­erfor­der­nis des § 1 Abs. 2 TVG nicht gewahrt.
Der Ände­rungs­ver­trag Nr. 6 zum ATV, des­sen Nr. 1 die Zah­lung eines nach ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Grund­sät­zen zu bemes­sen­den Gegen­werts und damit die Ein­mal­zah­lung eines Bar­werts fest­schreibt, führt zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung.
Zwar ist die­ser Tarif­ver­trag im Revi­si­ons­ver­fah­ren zu berück­sich­ti­gen, weil das Revi­si­ons­ge­richt das zur Zeit sei­ner Ent­schei­dung gel­ten­de Recht anzu­wen­den hat 16. Das gilt im arbeits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren 17 genau­so für den nor­ma­ti­ven Teil eines Tarif­ver­tra­ges 18. Im Ver­hält­nis zum Klä­ger ent­fal­tet der Ände­rungs­ver­trag Nr. 6 zum ATV aber kei­ne Rechts­wir­kung. Dabei kann offen­blei­ben, zwi­schen wel­chen Tarif­ver­trags­par­tei­en der Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 6 geschlos­sen wur­de. Auch das Bestehen eines Gel­tungs­grun­des für den Tarif­ver­trag im Hin­blick auf das Aus­schei­den des Klä­gers zum 31.12.2003 kann dahin­ste­hen. Jeden­falls liegt eine zur Unwirk­sam­keit füh­ren­de ech­te Rück­wir­kung vor.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts tra­gen tarif­ver­trag­li­che Rege­lun­gen den imma­nen­ten Vor­be­halt ihrer rück­wir­ken­den Abän­de­rung durch Tarif­ver­trag in sich 19. Aller­dings ist die Gestal­tungs­frei­heit der Tarif­ver­trags­par­tei­en zur rück­wir­ken­den Ände­rung tarif­ver­trag­li­cher Rege­lun­gen durch den Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes der Norm­un­ter­wor­fe­nen begrenzt 20. Für die Gren­zen der Rück­wir­kung gel­ten die glei­chen Rege­lun­gen wie nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Rück­wir­kung von Geset­zen 20. Dem­nach ist eine rück­wir­ken­de Rege­lung nur in engen Gren­zen erlaubt. Eine so genann­te ech­te Rück­wir­kung, mit der der Gesetz­ge­ber nach­träg­lich ändernd in abge­schlos­se­ne Sach­ver­hal­te ein­greift, ist grund­sätz­lich unzu­läs­sig. Eine Aus­nah­me gilt unter ande­rem dann, wenn sich kein schüt­zens­wer­tes Ver­trau­en auf den Bestand des gel­ten­den Rechts bil­den konn­te. Hin­ge­gen ist eine unech­te Rück­wir­kung in der Regel zuläs­sig. Sie ist dann gege­ben, wenn eine Vor­schrift auf gegen­wär­ti­ge, noch nicht abge­schlos­se­ne Sach­ver­hal­te und Rechts­be­zie­hun­gen für die Zukunft ein­wirkt und damit die betrof­fe­ne Rechts­po­si­ti­on nach­träg­lich ent­wer­tet oder künf­ti­ge Rechts­fol­gen von Gege­ben­hei­ten aus der Zeit vor Ver­kün­dung der Norm abhän­gig macht 21.
Kenn­zei­chen der ech­ten Rück­wir­kung ist der Ein­griff in einen abge­wi­ckel­ten Tat­be­stand 22. So gilt im Abga­ben­recht ein Tat­be­stand als abge­wi­ckelt, wenn die Abga­ben­schuld bereits nach altem Recht ent­stan­den war 23. Bei gesetz­li­chen Ansprü­chen ist ein Tat­be­stand abge­wi­ckelt, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des bis­her gel­ten­den Anspruchs­tat­be­stands erfüllt waren; dage­gen kommt es auf die Zuer­ken­nung durch einen Bescheid nicht an 24. Mit­hin ist maß­ge­bend auf die Ver­wirk­li­chung der recht­li­chen Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen abzu­stel­len.
Bei der Gegen­wert­for­de­rung sind die­se recht­li­chen Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen mit der Been­di­gung der Betei­li­gung erfüllt. Sys­te­ma­tisch fin­det sich die Gegen­wert­for­de­rung in § 23 VBLS, der mit der Über­schrift "Aus­schei­den eines Betei­lig­ten" ver­se­hen ist. Ein Betei­lig­ter "schei­det aus der Betei­li­gung aus", wenn sie – wie z.B. nach einer Kün­di­gung gemäß § 22 VBLS – endet 25. Eige­ne Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen für das Ent­ste­hen der Gegen­wert­for­de­rung nennt § 23 Abs. 2 VBLS nicht; die­se Bestim­mung regelt nur die Berech­nungs­wei­se sowie das Pro­ze­de­re der Ermitt­lung der Höhe der Gegen­wert­for­de­rung. Hier­aus lässt sich ablei­ten, dass die Zah­lung des Gegen­werts sat­zungs­mä­ßi­ge Fol­ge der Been­di­gung der Betei­li­gung ist. Hier­für spricht wei­ter­hin § 23 Abs. 2 Satz 8 VBLS, wonach die Gegen­wert­for­de­rung für den Zeit­raum "vom Tag des Aus­schei­dens aus der Betei­li­gung bis zum Ende des Fol­ge­mo­nats nach Erstel­lung des ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Gut­ach­tens" zu ver­zin­sen ist. Dies setzt vor­aus, dass die Gegen­wert­for­de­rung vor ihrer Bezif­fe­rung bereits ent­stan­den ist. Durch das anschlie­ßen­de ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Gut­ach­ten wird ledig­lich die Höhe der For­de­rung bestimmt. § 23 Abs. 4 Satz 1 VBLS regelt die Fäl­lig­keit, wonach der Gegen­wert inner­halb eines Monats nach Zugang der Mit­tei­lung über die Höhe des Gegen­werts zu zah­len ist. Folg­lich liegt ein abge­schlos­se­ner Sach­ver­halt vor, wes­halb die im Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 6 zum ATV bestimm­te rück­wir­ken­de Inkraft­set­zung der dor­ti­gen Gegen­wert­re­ge­lun­gen zum 1.01.2001 eine ech­te Rück­wir­kung dar­stellt. Aus­nah­men vom Grund­satz der Unzu­läs­sig­keit ech­ter Rück­wir­kung etwa dass der Betrof­fe­ne mit einer Neu­re­ge­lung rech­nen muss­te, die gel­ten­de Rechts­la­ge unklar und ver­wor­ren war oder zwin­gen­de Belan­ge des Gemein­wohls wie die Ver­hin­de­rung von Mit­nah­me­ef­fek­ten eine ech­te Rück­wir­kung gebie­ten 26 sind nicht ersicht­lich.
Eine Grund­ent­schei­dung der Tarif­ver­trags­par­tei­en mit der Fol­ge, dass dem Sat­zungs­ge­ber bei deren Umset­zung und inhalt­li­chen Aus­ge­stal­tung eine weit­ge­hen­de Gestal­tungs­frei­heit zusteht 27, ist nicht gege­ben.
In sei­ner älte­ren Recht­spre­chung zum Gesamt­ver­sor­gungs­prin­zip hat der Bun­des­ge­richts­hof ganz all­ge­mein als Grund­ent­schei­dung der Tarif­ver­trags­par­tei­en ange­se­hen, in wel­chem Maß die Ver­sor­gung der Arbei­ter und Ange­stell­ten des öffent­li­chen Diens­tes an die Ver­sor­gung der Beam­ten ange­gli­chen wer­den soll 28. Wei­ter­hin wur­de auf das Gewicht der Rege­lung für die Belan­ge der Zusatz­ver­sor­gung abge­stellt 29. Hier klingt an, dass es sich bei einer Grund­ent­schei­dung um die Rege­lung prin­zi­pi­el­ler Belan­ge der Zusatz­ver­sor­gung han­deln muss. In der jün­ge­ren Recht­spre­chung fand bei der Fra­ge, ob eine Grund­ent­schei­dung gege­ben ist, stets Berück­sich­ti­gung, ob eine tarif­ver­trag­li­che Rege­lung vor­liegt 30.
In Fort­füh­rung die­ser Recht­spre­chung ist not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für eine Grund­ent­schei­dung der Tarif­ver­trags­par­tei­en, dass die Tarif­ver­trags­par­tei­en als sol­che und damit im Wege eines Tarif­ver­tra­ges han­deln. Zudem kann von einer Grund­ent­schei­dung als Rege­lung prin­zi­pi­el­ler Belan­ge der Zusatz­ver­sor­gung kei­ne Rede sein, wenn die Tarif­ver­trags­par­tei­en eine Rege­lung durch Tarif­ver­trag nicht für not­wen­dig erach­tet haben. Kei­ne Grund­ent­schei­dun­gen der Tarif­ver­trags­par­tei­en ent­hal­ten mit­hin sol­che Rege­lun­gen, die ledig­lich in von den Tarif­ver­trags­par­tei­en ent­wor­fe­nen Sat­zungs­ent­wür­fen ent­hal­ten sind und der VBL zur eigen­stän­di­gen Sat­zungs­ge­bung über­ant­wor­tet wur­den.
Damit wird nicht in die durch Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­te Tarif­au­to­no­mie ein­ge­grif­fen.
Es kann dahin­ste­hen, ob – wie dies das Beru­fungs­ge­richt annimmt – bereits der Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG nicht betrof­fen ist, da nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 31 die grund­ge­setz­lich geschütz­te Tarif­au­to­no­mie als Aus­han­deln und Abschlie­ßen von Tarif­ver­trä­gen ver­stan­den wird 32 und hier­bei Wesens­merk­mal die unmit­tel­ba­re und zwin­gen­de Wir­kung der tarif­ver­trag­li­chen Rege­lung ist 33. Selbst bei einem wei­te­ren Ver­ständ­nis des Schutz­be­reichs wür­de nicht in die grund­recht­lich geschütz­te Koali­ti­ons­frei­heit ein­ge­grif­fen. Denn die Tarif­au­to­no­mie wird durch den Gesetz­ge­ber aus­ge­stal­tet, der dabei einen erheb­li­chen Gestal­tungs­spiel­raum hat 34. Das Erfor­der­nis des Norm­set­zungs­wil­lens der Tarif­ver­trags­par­tei­en und das Schrift­form­erfor­der­nis des § 1 Abs. 2 TVG regeln inso­weit nur das "Wie" der Betä­ti­gung der Koali­ti­ons­frei­heit und gestal­ten die Tarif­au­to­no­mie ledig­lich aus.
Eine AGB­Kon­trol­le ent­fällt ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­on auch nicht unter dem Gesichts­punkt einer Preis­klau­sel.
Da es den Ver­trags­part­nern über­las­sen ist, Leis­tung und Gegen­leis­tung im Ver­trag frei zu bestim­men, unter­lie­gen blo­ße Abre­den über den unmit­tel­ba­ren Gegen­stand der Haupt­leis­tung und Ver­ein­ba­run­gen über das vom ande­ren Teil zu erbrin­gen­de Ent­gelt nicht der Inhalts­kon­trol­le 35. So ist in der Lebens­ver­si­che­rung das Haupt­leis­tungs­ver­spre­chen des Ver­si­che­rers dar­in zu sehen, dass in den Tarif­be­din­gun­gen neben dem vom Ver­si­che­rungs­neh­mer monat­lich zu zah­len­den Bei­trag die jewei­li­ge Ver­si­che­rungs­sum­me genannt wird 36. Rege­lun­gen für den Fall einer Ver­trags­kün­di­gung stel­len nur Modi­fi­zie­run­gen des Haupt­leis­tungs­ver­spre­chens dar 36. Auf die­ser Linie sind die von der VBL gewähr­ten Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen als Haupt­leis­tung und die hier­für ver­lang­te lau­fen­de Umla­ge als kor­re­spon­die­ren­des Ent­gelt auf­zu­fas­sen. Hin­ge­gen ent­steht die Gegen­wert­for­de­rung erst auf Grund der Kün­di­gung eines Betei­lig­ten als spä­te­res Ereig­nis und liegt außer­halb der nor­ma­len Ver­trags­ab­wick­lung 37. Dage­gen spricht nicht das BGH, Urteil vom 07.05.1997 38, in dem der Bun­des­ge­richts­hof zu den Rechts­fol­gen eines Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge aus­ge­führt hat, dass Anpas­sun­gen des Ver­trags­in­halts der VBL nicht fremd sind, und hier­bei den Gegen­wert bei­spiel­haft genannt hat. Dass die Gegen­wert­for­de­rung die Gegen­leis­tung des Ver­si­che­rungs­neh­mers für den Ver­si­che­rungs­schutz sein soll, wird damit – anders als die Revi­si­on meint – nicht zum Aus­druck gebracht. Eben­so ist die Fra­ge der Kon­troll­frei­heit einer Klau­sel nicht Gegen­stand jener Ent­schei­dung.
Gleich­stel­lung von Arbeit­neh­mers mit und ohne War­te­zeit[↑]
Zu Recht hat das Beru­fungs­ge­richt die Gleich­stel­lung von Ver­si­cher­ten mit und ohne Erfül­lung der War­te­zeit bei der Berech­nung des Gegen­werts als eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung i.S. von § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB betrach­tet.
Ent­ge­gen der Ansicht des Klä­gers fal­len Ver­si­cher­te vor Erfül­lung der War­te­zeit nicht schon bereits nach dem Wort­laut des § 23 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b) VBLS aus der Berech­nung des Gegen­werts her­aus.
Der Betei­lig­te, der die VBL ver­lässt, hat zur Deckung der aus dem Anstalts­ver­mö­gen nach dem Aus­schei­den zu erfül­len­den Ver­pflich­tun­gen einen Gegen­wert zu zah­len, der gemäß § 23 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b) VBLS die Ver­sor­gungs­punk­te von Anwart­schafts­be­rech­tig­ten umfasst. Eine Vor­aus­set­zung für die Ent­ste­hung des Leis­tungs­an­spruchs ist die Erfül­lung der War­te­zeit von 60 Mona­ten gemäß § 34 Abs. 1 Satz 1 VBLS. Hier­bei han­delt es sich um eine Min­dest­ver­si­che­rungs­zeit bei der VBL, die für die Anspruchs­ent­ste­hung zurück­ge­legt sein muss 39. Gemäß § 34 Abs. 1 Satz 2 VBLS wer­den nur sol­che Kalen­der­mo­na­te berück­sich­tigt, in denen der Betei­lig­te Umla­gen und Sanie­rungs­gel­der bezahlt. Dies bedeu­tet, dass die bei­trags­freie Ver­si­che­rung nach Been­di­gung der Betei­li­gung nicht bei der War­te­zeit zählt.
Der bei der Aus­le­gung maß­geb­li­che durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer 40 ori­en­tiert sich bei sei­nem Ver­ständ­nis nicht an der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur VBLS a.F. 41, son­dern am Wort­laut der Sat­zung. Da die VBLS den Begriff des Anwart­schafts­be­rech­tig­ten nicht defi­niert, ver­an­lasst § 23 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b) VBLS, wonach durch den Gegen­wert Ver­sor­gungs­punk­te von Anwart­schafts­be­rech­tig­ten aus­zu­glei­chen sind, den durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mer, nach einer Erläu­te­rung der Ver­sor­gungs­punk­te zu suchen. Gemäß § 36 Abs. 1 Satz 1 Buchst. a)) VBLS erge­ben sich Ver­sor­gungs­punk­te u.a. für das zusatz­ver­sor­gungs­pflich­ti­ge Ent­gelt, das nach § 64 Abs. 4 VBLS grund­sätz­lich der Arbeits­lohn ist. Da der Arbeit­neh­mer von Beginn sei­ner Beschäf­ti­gung an zu ent­loh­nen ist und mit Anmel­dung des Beschäf­tig­ten zusatz­ver­sor­gungs­pflich­ti­ges Ent­gelt vor­liegt, fal­len ab Beginn der Ver­si­che­rung Ver­sor­gungs­punk­te an. Daher wird der durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer davon aus­ge­hen, dass die durch den Gegen­wert aus­zu­glei­chen­den Ver­sor­gungs­punk­te auch zu die­sem Zeit­punkt begin­nen. Er hat kei­nen Anhalts­punkt dafür, dass durch den Begriff des "Anwart­schafts­be­rech­tig­ten" die Aus­gleichs­pflicht fünf Jah­re bis zum Ablauf der War­te­frist ver­scho­ben wer­den soll. Die wei­te­ren Rege­lun­gen in § 36 VBLS bestär­ken ihn viel­mehr dar­in, dass die Ver­sor­gungs­punk­te von Ver­si­che­rungs­be­ginn an aus­zu­glei­chen sind. § 36 Abs. 2 VBLS erklärt die Berech­nung der Ver­sor­gungs­punk­te. Hier­nach ergibt sich die Anzahl der Ver­sor­gungs­punk­te für ein Kalen­der­jahr aus dem Ver­hält­nis eines Zwölf­tels des zusatz­ver­sor­gungs­pflich­ti­gen Jah­res­ent­gelts zum Refe­renz­ge­halt von 1000 Euro mul­ti­pli­ziert mit dem Alters­fak­tor. § 36 Abs. 3 VBLS erklärt den Alters­fak­tor als jähr­li­che Ver­zin­sung von 3,25 v.H. wäh­rend der Anwart­schafts­pha­se und von 5,25 v.H. wäh­rend des Ren­ten­be­zugs.
Dem durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mer ist mit­hin klar, dass die Anwart­schafts­pha­se der Zeit­raum der Ver­si­che­rung vor dem Ren­ten­be­zug ist. Ein­schrän­kun­gen in Bezug auf die War­te­zeit fin­den sich nicht. § 36 Abs. 3 VBLS erläu­tert wei­ter­hin, dass sich der Alters­fak­tor nach der abge­druck­ten Tabel­le rich­tet, wobei als Alter die Dif­fe­renz zwi­schen dem jewei­li­gen Kalen­der­jahr und dem Geburts­jahr gilt. Die Tabel­le beginnt mit dem Alter 17 und dem Alters­fak­tor 3,1 und endet mit dem Alter 64 und älter mit einem Alters­fak­tor von 0,8. Dem durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mer erschließt sich nun­mehr, dass die Anwart­schafts­pha­se mit dem Beginn der Ver­si­che­rung anfan­gen muss. Wür­de die Anwart­schafts­pha­se erst nach einer War­te­zeit von fünf Jah­ren begin­nen, so beträ­fe die Tabel­le mit dem Alter 17 einen Ver­si­cher­ten, der bereits mit zwölf Jah­ren im öffent­li­chen Dienst beschäf­tigt wor­den wäre, was offen­sicht­lich unmög­lich ist.
Nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB ist eine for­mu­lar­mä­ßi­ge Ver­trags­be­stim­mung unwirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt. Letz­te­res ist der Fall, wenn der Ver­wen­der durch ein­sei­ti­ge Ver­trags­ge­stal­tung miss­bräuch­lich eige­ne Inter­es­sen auf Kos­ten sei­nes Ver­trags­part­ners durch­zu­set­zen ver­sucht, ohne von vorn­her­ein auch des­sen Belan­ge hin­rei­chend zu berück­sich­ti­gen und ihm einen ange­mes­se­nen Aus­gleich zuzu­ge­ste­hen 42. Die Anwen­dung die­ses Maß­stabs setzt eine Ermitt­lung und Abwä­gung der wech­sel­sei­ti­gen Inter­es­sen vor­aus 43.
Dabei sind die Grund­zü­ge der Finan­zie­rung der VBL zu beach­ten.
Die VBL prak­ti­zier­te im Abrech­nungs­ver­band Ost bis zum Aus­schei­den des Klä­gers ein Umla­ge­ver­fah­ren, bei dem – von einer Schwan­kungs­re­ser­ve abge­se­hen – die Bil­dung eines Kapi­tal­stocks nicht vor­ge­se­hen war. Im Umla­ge­ver­fah­ren wer­den die gezahl­ten Mit­tel unmit­tel­bar für die Finan­zie­rung der lau­fen­den Leis­tun­gen ein­ge­setzt 44. Für das Umla­ge­ver­fah­ren ist es unab­ding­bar, dass stets aus­rei­chend gro­ße und pro­duk­ti­ve Erwerbs­tä­ti­gen­ge­nera­tio­nen nach­wach­sen 45.
Die nach § 22 VBLS mög­li­che Kün­di­gung der Betei­li­gung berührt die Finan­zie­rung der VBL, da der aus­schei­den­de Arbeit­ge­ber mit Wirk­sam­wer­den der Kün­di­gung nicht mehr zur Anmel­dung sei­ner Arbeit­neh­mer ver­pflich­tet ist sowie kei­ne Umla­ge und kein Sanie­rungs­geld mehr bezah­len muss. Damit ist die Finan­zie­rungs­ba­sis geschmä­lert. Gleich­zei­tig erlö­schen jedoch die Ansprü­che der Beschäf­tig­ten des aus­schei­den­den Betei­lig­ten nicht. Mit der Been­di­gung der Betei­li­gung enden zwar die Pflicht­ver­si­che­run­gen, zugleich ent­ste­hen jedoch bei­trags­freie Ver­si­che­run­gen 46. Sobald der Ver­si­che­rungs­fall ein­tritt, hat der Beschäf­tig­te mit erfüll­ter War­te­zeit einen Anspruch gegen die VBL auf die Betriebs­ren­te für die Jah­re der Pflicht­ver­si­che­rung bis zur Kün­di­gung der Betei­li­gung. Bei Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls muss die VBL also für einen Beschäf­tig­ten leis­ten, für den wäh­rend der Betei­li­gung des Arbeits­ge­bers kein Kapi­tal­stock gebil­det wur­de und des­sen Arbeit­ge­ber sich nicht mehr mit Umla­gen an der Finan­zie­rung betei­ligt. Für den Gegen­wert die­ser finan­zi­el­len Las­ten bedarf es des finan­zi­el­len Aus­gleichs durch den aus­schei­den­den Betei­lig­ten.
Die Gleich­stel­lung von Ver­si­cher­ten mit und ohne erfüll­te War­te­zeit benach­tei­ligt den aus­ge­schie­de­nen Betei­li­gen unan­ge­mes­sen, weil dem von ihm gefor­der­ten finan­zi­el­len Aus­gleich kei­ne Belas­tung der VBL glei­chen Umfangs zu Grun­de liegt.
Die von § 23 Abs. 2 VBLS erfass­ten Ver­si­cher­ten ohne Erfül­lung der War­te­zeit kön­nen nur dann bei Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls Leis­tun­gen gel­tend machen, wenn sie nach dem Aus­schei­den des Betei­lig­ten bei einem ande­ren Arbeit­ge­ber, der Betei­lig­ter der VBL ist oder eine Über­lei­tung vor­nimmt (vgl. § 31 VBLS), ihre War­te­zei­ten auf­fül­len konn­ten. Dafür müss­te die bis­he­ri­ge Beschäf­ti­gung beim aus­schei­den­den Betei­lig­ten been­det wer­den und ein neu­es Arbeits­ver­hält­nis bei einem ande­ren Arbeit­ge­ber auf­ge­nom­men wer­den. In wel­chem Umfang dies tat­säch­lich der Fall ist und mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit daher von die­sem Per­so­nen­kreis jemals Ansprü­che gegen die VBL gel­tend gemacht wer­den, ist weder dar­ge­legt noch ersicht­lich. Den­noch muss der Aus­schei­den­de gemäß § 23 Abs. 2 VBLS beim Gegen­wert einen vol­len finan­zi­el­len Aus­gleich für die­se Ver­si­cher­ten leis­ten.
Für Klau­seln, für deren Rege­lungs­ge­gen­stand es wie hier am Maß­stab einer gesetz­li­chen Rege­lung fehlt, ist der Anwen­dungs­be­reich des § 307 Abs. 1 BGB eröff­net 47. Bei der hier­nach anzu­stel­len­den Inter­es­sen­ab­wä­gung ist auf Sei­ten der VBL zu berück­sich­ti­gen, dass sie einen Aus­gleich für die finan­zi­el­len Las­ten ver­lan­gen kön­nen muss, die ihr durch die Ver­sor­gung der Beschäf­tig­ten des aus­schei­den­den Betei­lig­ten ent­ste­hen, der kei­ne Umla­gen mehr zahlt. Auf Sei­ten des aus­schei­den­den Betei­lig­ten besteht ein legi­ti­mes Inter­es­se, die Zah­lun­gen an die VBL auf das not­wen­di­ge Maß zu begren­zen. Die Umla­gen­ge­mein­schaft hat nur ein recht­lich geschütz­tes Inter­es­se am Schutz vor Belas­tun­gen, denen sie auch tat­säch­lich aus­ge­setzt ist 48. Die­ses Maß wird hier über­schrit­ten, was zu einer unan­ge­mes­se­nen Benach­tei­li­gung des aus­schei­den­den Betei­lig­ten führt.
Die Gegen­ar­gu­men­te der Revi­si­on ver­mö­gen nicht zu über­zeu­gen:
Ihr Ein­wand, das Beru­fungs­ge­richt habe ver­kannt, dass gegen­über Unter­neh­men der Kon­troll­maß­stab des § 307 BGB groß­zü­gi­ger sei, greift nicht durch. Der bei der Abwä­gung maß­geb­li­che Ver­trags­part­ner bei Geschäf­ten die­ser Art 49 ist ein Arbeit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes. Es ist nicht ersicht­lich, war­um ein öffent­li­cher Arbeit­ge­ber mehr als die durch sei­ne Beschäf­tig­ten tat­säch­lich hin­ter­las­se­nen finan­zi­el­len Ren­ten­las­ten aus­glei­chen soll und es ihm daher zuzu­mu­ten wäre, den vol­len Gegen­wert für Ver­si­cher­te vor Erfül­lung der War­te­zeit ent­rich­ten zu müs­sen.
Anders als die Revi­si­on meint, ist für die Abwä­gung nicht ent­schei­dend, dass die VBL für sich eine im Han­dels­ver­kehr gel­ten­de Gewohn­heit bean­sprucht. Zwar kann die Bran­chen­üb­lich­keit einer Rege­lung ein Indiz für die Ange­mes­sen­heit sein 50. Allein aus der Üblich­keit las­sen sich aber kei­ne Aus­sa­gen über die Ein­hal­tung nor­ma­ti­ver Vor­ga­ben und die Aner­ken­nung durch die betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ablei­ten 51. Mit­hin wird die Unan­ge­mes­sen­heit einer Rege­lung nicht dadurch in Fra­ge gestellt, dass ent­spre­chen­de Klau­seln weit­hin üblich 52 oder über lan­ge Zeit unbe­an­stan­det geblie­ben sind 53. An einer Ver­kehrs­sit­te fehlt es des­halb, weil kei­ne Anhalts­punk­te bestehen, dass der frag­li­che Rege­lungs­ge­halt der Klau­sel von den betei­lig­ten Ver­kehrs­grup­pen gene­rell als maß­geb­lich und ange­mes­sen erach­tet wird 54.
Die Ein­be­zie­hung von Ver­si­cher­ten ohne erfüll­te War­te­zeit stellt kei­nen unter­ge­ord­ne­ten Teil des Gegen­werts dar. Es ist nicht ersicht­lich, dass die betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten nach dem Aus­schei­den des Betei­lig­ten über einen ande­ren Arbeit­ge­ber ihre War­te­zeit bei der VBL in einem Aus­maß auf­fül­len, das die vol­le Berück­sich­ti­gung die­ses Per­so­nen­krei­ses bei der Gegen­wert­for­de­rung recht­fer­ti­gen könn­te. Gegen den von der Revi­si­on ver­mit­tel­ten Ein­druck, dass die Auf­fül­lung der War­te­zeit und der Wech­sel der Beschäf­ti­gung der Nor­mal­fall sei, spricht wei­ter­hin, dass dem Arbeit­neh­mer auch nach Kün­di­gung der Betei­li­gung bei der VBL ein tarif­ver­trag­lich oder im Arbeits­ver­trag zuge­sag­ter Anspruch auf Zusatz­ver­sor­gung erhal­ten bleibt, sein Ver­sor­gungs­Ver­schaf­fungs­an­spruch gegen­über dem Arbeit­ge­ber also wei­ter­hin besteht 55. Mit einem Anteil von gut 16% an der gefor­der­ten Gegen­wert­sum­me liegt hier über­dies quan­ti­ta­tiv eine beacht­li­che Grö­ßen­ord­nung vor.
Die Mög­lich­keit der Erstat­tung geleis­te­ter Bei­trä­ge an die Ver­si­cher­ten gemäß § 44 Abs. 1 Satz 1 VBLS spricht nicht gegen die Unan­ge­mes­sen­heit der ange­grif­fe­nen Bestim­mung. Nach § 44 Abs. 1 Satz 1 VBLS kön­nen die bei­trags­frei Ver­si­cher­ten, die die War­te­zeit nicht erfüllt haben, bis zur Voll­endung ihres 67. Lebens­jah­res die Erstat­tung der von ihnen geleis­te­ten Bei­trä­ge ver­lan­gen. Gemäß § 44 Abs. 3 VBLS wer­den nur die von den Beschäf­tig­ten ent­rich­te­ten Eigen­an­tei­le aus­ge­zahlt. Es ist für den Bun­des­ge­richts­hof nicht ersicht­lich, was aus die­ser Rege­lung für die Ange­mes­sen­heit der Gegen­wert­for­de­rung fol­gern soll. Das Grund­pro­blem, dass der Arbeit­ge­ber poten­ti­ell nicht zu einem Leis­tungs­an­spruch füh­ren­de Ren­ten­an­wart­schaf­ten voll aus­fi­nan­zie­ren muss, wird nicht dadurch besei­tigt, dass den betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten deren Eigen­an­tei­le aus­ge­zahlt wer­den.
Nicht rele­vant ist die Pra­xis, dass die VBL unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen die For­de­rung ermä­ßigt. Eine wegen ihres Inhalts unwirk­sa­me Bestim­mung wird nicht dadurch wirk­sam, dass der Berech­tig­te davon nicht in vol­lem Umfang Gebrauch macht 56.
Der For­mu­lie­rung in § 23 Abs. 2 Satz 2 VBLS, wonach der Gegen­wert nach ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Grund­sät­zen zu berech­nen ist, ist nicht zu ent­neh­men, dass damit eine bloß antei­li­ge Berück­sich­ti­gung der Ver­sor­gungs­punk­te von Ver­si­cher­ten ohne erfüll­te War­te­zeit gemeint sein soll. Der durch­schnitt­li­che, an der VBL betei­lig­te Arbeit­ge­ber und Ver­si­che­rungs­neh­mer ver­steht § 23 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b) VBLS so, dass der Gegen­wert für sämt­li­che Ver­sor­gungs­punk­te zu leis­ten ist. § 23 Abs. 2 Satz 2 VBLS ver­an­lasst den durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mer zu kei­ner ande­ren Sicht­wei­se, da er selbst als öffent­li­cher Arbeit­ge­ber kei­ne ver­si­che­rungs­recht­li­chen Spe­zi­al­kennt­nis­se besitzt. Gegen die im Revi­si­ons­ver­fah­ren vor­ge­brach­te Sicht­wei­se der VBL spricht im Übri­gen die Selbst­aus­le­gung der Norm durch ihre bis­he­ri­ge Berech­nung der Gegen­wert­for­de­rung gegen­über dem Klä­ger, bei der gera­de kei­ne antei­li­ge Berück­sich­ti­gung vor­ge­nom­men wur­de.
Ob sich § 23 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b) VBLS – wie die Revi­si­on meint – als teil­ba­re Klau­sel ver­ste­hen lässt 57, kann dahin­ste­hen, da § 23 Abs. 2 VBLS eine wei­te­re unwirk­sa­me Rege­lung ent­hält, die die der­zei­ti­ge Gegen­wert­re­ge­lung ins­ge­samt gegen­stands­los macht.
Aus­gleich beim Aus­schei­den eines öffent­li­chen Arbeit­ge­bers[↑]
Eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des aus­schei­den­den Betei­lig­ten ist dar­in zu sehen, dass die­ser den zu leis­ten­den Aus­gleich durch die Zah­lung des Bar­werts der bei der VBL ver­blei­ben­den Ver­sor­gungs­last zu erbrin­gen hat.
Für den aus­schei­den­den Betei­lig­ten sind mit der der­zei­ti­gen Rege­lung erheb­li­che Nach­tei­le ver­bun­den:
Dabei ist auf die weit­rei­chen­den finan­zi­el­len Belas­tun­gen des aus­schei­den­den Betei­lig­ten abzu­he­ben.
Nach der Sat­zung der VBL ist der Gegen­wert als Ein­mal­zah­lung zu ent­rich­ten. Dies bedeu­tet, dass der aus­schei­den­de Betei­lig­te die Ver­sor­gungs­las­ten der künf­ti­gen Jahr­zehn­te, die von sei­nen Beschäf­tig­ten her­rüh­ren, auf ein­mal zu leis­ten hat. Dabei han­delt es sich gemäß § 23 Abs. 2 Sät­ze 2 bis 7 VBLS um einen – in der Sat­zung durch zahl­rei­che Kor­rek­tur­fak­to­ren ergänz­ten – Bar­wert 58 der der­zei­ti­gen und künf­ti­gen Leis­tun­gen der VBL. Dies stellt die kom­plet­te Erset­zung der Umla­ge­fi­nan­zie­rung durch eine Kapi­tal­de­ckung zu einem Stich­tag dar. In der Dis­kus­si­on um die Finan­zie­rung der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung wird ein Über­gang von der Umla­ge- zur Kapi­tal­de­ckung wegen der hohen Kos­ten und der Dop­pel­be­las­tung der Erwerbs­tä­ti­gen abge­lehnt 59. Eben­so wer­den bei der Finan­zie­rung der Alters­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes die hohen Über­gangs­kos­ten gegen einen Über­gang vom glei­ten­den Abschnitts­de­ckungs­ver­fah­ren zur voll­stän­di­gen Kapi­tal­de­ckung ein­ge­wandt 60. Schließ­lich ist die im Abrech­nungs­ver­band Ost ab dem 1.01.2004 vor­ge­nom­me­ne Ablö­sung der Umla­ge­fi­nan­zie­rung durch ein Kapi­tal­de­ckungs­ver­fah­ren aus gutem Grund nur schritt­wei­se und nicht zu einem Stich­tag vor­ge­se­hen. Struk­tu­rell steht der aus­schei­den­de Betei­lig­te vor ähn­li­chen Pro­ble­men: Die bestehen­den Anwart­schaf­ten und Ren­ten muss er kom­plett aus­fi­nan­zie­ren, d.h. auf ein­mal eine Kapi­tal­de­ckung schaf­fen. Gleich­zei­tig muss er wegen des Ver­sor­gungs­Ver­schaf­fungs­an­spruchs sei­ner Arbeit­neh­mer die­sen auch nach Been­di­gung der Betei­li­gung bei der VBL eine lau­fen­de Zusatz­ver­sor­gung gewähr­leis­ten. Mit der punk­tu­el­len Umstel­lung von einer Umla­ge­fi­nan­zie­rung zur voll­stän­di­gen Kapi­tal­de­ckung ver­langt die VBL dem aus­schei­den­den Betei­lig­ten mehr ab, als die betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung der VBL selbst leis­ten kön­nen muss.
Die­se Situa­ti­on trifft den aus­schei­den­den Betei­lig­ten umso här­ter, als sei­ne bis­he­ri­gen Auf­wen­dun­gen für die Zusatz­ver­sor­gung in Gestalt der Umla­ge durch Aus­keh­rung an die Leis­tungs­emp­fän­ger und feh­len­de Anrech­nung auf den Gegen­wert ver­lo­ren sind. Wei­ter­hin sind wegen der lau­fen­den Umla­ge­zah­lun­gen in der Regel kei­ne Rück­la­gen für die Erfül­lung der Gegen­wert­for­de­rung gebil­det wor­den. Daher ist es für den Aus­schei­den­den von gra­vie­ren­dem Nach­teil, dass die finan­zi­el­len Las­ten der Zusatz­ver­sor­gung für vie­le Jahr­zehn­te im Vor­aus auf ein­mal fäl­lig gestellt wer­den.
Die Ein­mal­zah­lung bedingt wei­ter­hin, dass alle der­zei­ti­gen und künf­ti­gen Leis­tun­gen der VBL in den kom­men­den Jah­ren in eine kon­kre­te Sum­me umge­rech­net wer­den müs­sen.
Die Bewer­tung von Zah­lun­gen der VBL, die unter Umstän­den erst in Jahr­zehn­ten zu erbrin­gen sind, birgt erheb­li­che Pro­gno­se­ri­si­ken (Lebens­er­war­tung, Zins­ent­wick­lung, etc.). Zwar gibt es für den Aus­schei­den­den kei­ne Nach­schuss­pflicht bei zu nied­ri­ger Kal­ku­la­ti­on und kei­ne Rück­erstat­tung bei zu hoher Kal­ku­la­ti­on. Das Risi­ko, dass sich die Pro­gno­sen als unzu­tref­fend erwei­sen, wird daher sowohl vom Aus­schei­den­den als auch von der VBL gemein­sam getra­gen, wobei aller­dings die VBL das Risi­ko einer zukünf­ti­gen Unter­de­ckung durch Sicher­heits­zu­schlä­ge wie etwa die Fehl­be­trags­ab­ga­be von 10 v.H. der Gegen­wert­for­de­rung gemäß § 23 Abs. 2 Satz 3 VBLS oder durch Anpas­sung der Rech­nungs­grund­la­gen zu ver­min­dern ver­sucht. Eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung ergibt sich aber bereits dar­aus, dass man den aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten einem der­art gra­vie­ren­den Pro­gno­se­ri­si­ko aus­setzt, obwohl dies nicht zwin­gend not­wen­dig ist, da es Mög­lich­kei­ten zur Aus­ge­stal­tung des Gegen­werts gibt, die die­ses Risi­ko nicht auf­wei­sen. Zu nen­nen ist etwa die so genann­te Erstat­tungs­lö­sung, bei der der Aus­schei­den­de die Ren­ten für sei­ne Arbeit­neh­mer zum jewei­li­gen Fäl­lig­keits­zeit­punkt erstat­tet 61, d.h. nicht heu­te künf­ti­ge Ren­ten mit einem pro­gnos­ti­zier­ten Bar­wert zahlt, son­dern künf­tig das aus­gleicht, was die VBL jeweils bei Fäl­lig­keit an sei­ne (ehe­ma­li­gen) Beschäf­tig­ten leis­tet.
Auf Sei­ten der VBL sind fol­gen­de Inter­es­sen maß­ge­bend:
Die Ein­mal­zah­lung nach gegen­wär­ti­ger Sat­zungs­la­ge erlaubt es den Par­tei­en, sich schnell von­ein­an­der zu tren­nen. So betont die VBL ihr Inter­es­se an einem "schnel­len Schnitt" und einer zügi­gen Ver­trags­ab­wick­lung. Dabei berück­sich­tigt sie nicht, dass der Begriff der zügi­gen Ver­trags­ab­wick­lung etwa im Waren­ver­kehr, wo die schnel­le Erfül­lung der gegen­sei­ti­gen Leis­tungs­pflich­ten regel­mä­ßig im Vor­der­grund steht, eine ande­re Bedeu­tung hat als bei der Zusatz­ver­sor­gung. Die VBL betreut ein Ver­si­che­rungs­ver­trags­ver­hält­nis, das zunächst auf unbe­stimm­te Zeit abge­schlos­sen wur­de. Auch nach einer Kün­di­gung hat sie sich wegen des Wei­ter­be­stehens der Ver­pflich­tun­gen gegen­über ihren Ver­si­cher­ten auf eine über vie­le Jah­re ange­leg­te Leis­tungs­pha­se und damit auf ein lan­ges Nach­wir­ken des gekün­dig­ten Betei­li­gungs­ver­hält­nis­ses ein­zu­stel­len. Einen "schnel­len Schnitt" gibt es unter Berück­sich­ti­gung der Leis­tungs­sei­te ohne­hin nicht. Daher stellt es für die VBL kei­nen über­mä­ßi­gen Nach­teil dar, sich auch beim finan­zi­el­len Aus­gleich der Ren­ten­las­ten auf einen län­ge­ren Abwick­lungs­zeit­raum ein­zu­stel­len. Dies ist zwar mög­li­cher­wei­se für die VBL mit einem erhöh­ten Ver­wal­tungs­auf­wand ver­bun­den. Jedoch ist die VBL nicht gehin­dert, den aus­schei­den­den Betei­lig­ten mit die­sen Kos­ten ange­mes­sen zu belas­ten. Das Inter­es­se der VBL an gerin­ge­rem Ver­wal­tungs­auf­wand ist daher gegen­über den Inter­es­sen des aus­schei­den­den Betei­lig­ten von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung.
Als zen­tra­len Vor­teil der Ein­mal­zah­lung betrach­tet die VBL das mini­mier­te Risi­ko einer Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Aus­schei­den­den. Bei einem zeit­lich gedehn­ten Aus­gleich der ver­blie­be­nen Ren­ten­las­ten fürch­tet sie eine Erhö­hung des Insol­venz­ri­si­kos.
Die­ses resul­tiert dar­aus, dass die VBL auch insol­venz­fä­hi­gen juris­ti­schen Per­so­nen eine Betei­li­gung ermög­licht, wobei die Sat­zung und hier­zu ergan­ge­nen Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen Nähe­res regeln. Bei einer unge­kün­dig­ten Betei­li­gung sieht sich die VBL in der Lage, die­ses Insol­venz­ri­si­ko auf zeit­lich unbe­stimm­te Zeit zu tra­gen. Dabei trifft sie aller­dings für den Fall der Pri­va­ti­sie­rung Vor­keh­run­gen, um die­sem Risi­ko zu begeg­nen (§ 20 Abs. 3 VBLS i.V.m. den Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen im Anhang 1 zur VBLS Ziff. III Abs. 1). Hier­nach kann eine Betei­li­gung nur auf­recht erhal­ten blei­ben, wenn die unwi­der­ruf­li­che Ver­pflich­tungs­er­klä­rung einer oder meh­re­rer juris­ti­scher Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts, deren Insol­venz­fä­hig­keit aus­ge­schlos­sen ist, bei­gebracht wird, wonach im Fal­le einer Been­di­gung der Betei­li­gung für die Erfül­lung aller finan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen des Betei­lig­ten gegen­über der Anstalt ein­ge­stan­den wird. Als Alter­na­ti­ve ist ein Zuschlag von 15 v.H. zur Umla­ge mög­lich. Zudem kann die VBL eine Deckungs­zu­sa­ge eines Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens oder eine ent­spre­chen­de Bank­bürg­schaft akzep­tie­ren.
Die der­zeit zur Begren­zung des Insol­venz­ri­si­kos allein vor­ge­se­he­ne Aus­ge­stal­tung des Gegen­werts als Ein­mal­zah­lung ist unver­hält­nis­mä­ßig. Zum einen trifft sie unter­schieds­los alle Betei­lig­ten und damit auch sol­che, die nicht insol­venz­fä­hig sind oder deren Insol­venz­ri­si­ko voll abge­si­chert ist – etwa weil nach einer Pri­va­ti­sie­rung die Garan­ti­er­klä­rung einer nicht insol­venz­fä­hi­gen juris­ti­schen Per­son des öffent­li­chen Rechts vor­ge­legt wur­de. Zum ande­ren schnei­det sie dem aus­schei­den­den Betei­lig­ten die Mög­lich­keit einer alter­na­ti­ven Insol­venz­si­che­rung wie die Garan­tie­er­klä­rung einer nicht insol­venz­fä­hi­gen juris­ti­schen Per­son des öffent­li­chen Rechts, die Deckungs­zu­sa­ge eines Ver­si­che­rers oder eine ent­spre­chen­de Bank­bürg­schaft ab. Es ist nicht nach­voll­zieh­bar, dass bei einer gekün­dig­ten Betei­li­gung der Insol­venz­schutz nicht aus­rei­chen soll, den die VBL bis­her bei einer unge­kün­dig­ten Betei­li­gung selbst als aus­rei­chend betrach­tet hat. Hier ist Raum für eine sinn­vol­le Neu­re­ge­lung der Sat­zungs­be­stim­mun­gen über den Gegen­wert. Daher ist es uner­heb­lich, dass die der­zei­ti­ge Sat­zungs­la­ge die­se Mög­lich­keit nicht vor­sieht. Vor die­sem Hin­ter­grund ist das von der VBL behaup­te­te Insol­venz­ri­si­ko gegen­über den Inter­es­sen des aus­schei­den­den Betei­lig­ten als unter­ge­ord­net zu betrach­ten.
Die gegen die­se Inter­es­sen­ab­wä­gung vor­ge­brach­ten Ein­wän­de über­zeu­gen den Bun­des­ge­richts­hof nicht.
So führt die Mög­lich­keit der Stun­dung nach § 23 Abs. 4 Satz 2 VBLS zu kei­nem Aus­gleich, der die Unan­ge­mes­sen­heit besei­tigt. Wie oben dar­ge­legt, wird eine wegen ihres Inhalts unwirk­sa­me Bestim­mung nicht dadurch wirk­sam, dass der Berech­tig­te davon nicht in vol­lem Umfang Gebrauch macht.
Auch ist es nicht zwin­gend, dass eine ande­re Aus­ge­stal­tung als die Ein­mal­zah­lung des­halb für den aus­schei­den­den Betei­lig­ten nach­tei­lig ist, weil er Rück­stel­lun­gen nach §§ 249, 253 HGB und § 6a EStG bil­den muss.
Eine Ver­sor­gungs­ver­pflich­tung des Arbeit­ge­bers ist eine unge­wis­se Ver­bind­lich­keit i.S. des § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB. Für eine sol­che darf eine Rück­stel­lung nur dann gebil­det wer­den, wenn aus der Sicht des Bilanz­stich­tags eine Inan­spruch­nah­me des Ver­pflich­te­ten wahr­schein­lich ist 62. Das gilt auch im Anwen­dungs­be­reich des § 6a EStG 63. Der Trä­ger des Betrie­bes muss nicht damit rech­nen, selbst aus der Ver­sor­gungs­ver­pflich­tung in Anspruch genom­men zu wer­den, wenn anfal­len­de Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nach den am Bilanz­stich­tag bestehen­den Erkennt­nis­sen vor­aus­sicht­lich von einer Ver­sor­gungs­kas­se wei­ter erbracht wer­den 63. Dies ist bei der so genann­ten Erstat­tungs­lö­sung der Fall, da die direk­ten Ansprü­che der Ver­si­cher­ten gegen die VBL von den lau­fen­den Erstat­tungs­zah­lun­gen des aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten an die VBL wäh­rend der Leis­tungs­pha­se nicht betrof­fen sind. Bei Been­di­gung der Betei­li­gung bleibt die bei­trags­freie Ver­si­che­rung des Arbeit­neh­mers erhal­ten und führt mit Erfül­lung der War­te­zeit und dem Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les zu direk­ten Ansprü­chen des Ver­si­cher­ten gegen­über der VBL. Ob dies bei ande­ren alter­na­ti­ven Model­len der Gegen­wert­ab­wick­lung genau­so ist, kann dahin­ste­hen. Jeden­falls ist der Ver­zicht auf eine Ein­mal­zah­lung des Gegen­werts nicht auto­ma­tisch mit Rück­stel­lun­gen des Arbeit­ge­bers ver­bun­den und des­halb für die­sen nicht zwangs­läu­fig nach­tei­lig.
Intrans­pa­renz der Berech­nungs­grund­la­gen[↑]
§ 23 Abs. 2 VBLS ist wei­ter­hin gemäß § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB intrans­pa­rent, weil nicht alle Berech­nungs­grund­la­gen des Gegen­werts offen gelegt wer­den.
Nach dem Trans­pa­renz­ge­bot ist der Ver­wen­der All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ent­spre­chend den Grund­sät­zen von Treu und Glau­ben gehal­ten, Rech­te und Pflich­ten sei­nes Ver­trags­part­ners mög­lichst klar und durch­schau­bar dar­zu­stel­len 64.
Dies bedeu­tet zum einen, dass die Klau­sel die wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le und Belas­tun­gen soweit erken­nen las­sen muss, wie dies nach den Umstän­den gefor­dert wer­den kann 65. Das ist hier der Fall. Der Gegen­wert lässt sich nicht im Vor­hin­ein berech­nen, da sich die Anzahl der Beschäf­tig­ten und die Höhe ihrer Anwart­schaf­ten wäh­rend des Betei­li­gungs­ver­hält­nis­ses ändern. Die Sat­zung legt inso­weit offen, dass die Berech­nung des Gegen­werts ein ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sches Gut­ach­ten erfor­dert. Aller­dings ist durch­schnitt­li­cher Ver­si­che­rungs­neh­mer bei § 23 Abs. 2 VBLS ein öffent­li­cher Arbeit­ge­ber, dem die Grund­ge­ge­ben­hei­ten der Zusatz­ver­sor­gung der VBL bekannt sind und der daher die wirt­schaft­li­che Bedeu­tung des Gegen­werts ein­zu­schät­zen ver­mag.
Zum ande­ren erfor­dert das Trans­pa­renz­ge­bot, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer sei­ne ver­trag­li­chen Rech­te und Pflich­ten erken­nen kann. Des­halb muss er in der Lage sein, die gegen ihn erho­be­ne Gegen­wert­for­de­rung nach­zu­voll­zie­hen und zu über­prü­fen. Der Ver­weis in § 23 Abs. 2 Satz 2 VBLS auf die Berech­nung nach ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Grund­sät­zen genügt hier­für nicht. § 23 Abs. 2 VBLS nennt zwar eini­ge Rech­nungs­grund­la­gen, aller­dings ohne den Anspruch auf Voll­stän­dig­keit zu erhe­ben. Berech­nungs­me­tho­de und Rech­nungs­grund­la­gen wie z.B. die zu Grun­de geleg­ten Ster­be­ta­feln sind weder aus der Sat­zung noch aus ver­öf­fent­lich­ten Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen voll­stän­dig ersicht­lich. Eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten liegt mit­hin in der Gefahr, dass er wegen unklar abge­fass­ter Bedin­gun­gen sei­ne Rech­te nicht wahr­nimmt 66, weil ihm die unkla­ren Berech­nungs­grund­la­gen die Mög­lich­keit zu einer eigen­stän­di­gen Über­prü­fung der gegen ihn erho­be­nen For­de­rung – ggf. mit­tels eines eige­nen Gut­ach­tens – neh­men. Dabei ist es nicht Auf­ga­be des Ver­si­che­rungs­neh­mers, sich durch eige­ne Gut­ach­ter feh­len­de Berech­nungs­pa­ra­me­ter zu erschlie­ßen.
Wei­te­re Unwirk­sam­keits­grün­de[↑]
Da § 23 Abs. 2 VBLS aus den genann­ten Erwä­gun­gen unwirk­sam ist, kommt es auf etwai­ge wei­te­re Unwirk­sam­keits­grün­de nicht an.
Ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung[↑]
Für die durch die unwirk­sa­me Gegen­wert­be­stim­mung ent­stan­de­ne Rege­lungs­lü­cke ist eine ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung zuzu­las­sen, die die Mög­lich­keit einer neu­en Sat­zungs­re­ge­lung ein­schließt.
Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he hat hier­zu in sei­nem Beru­fungs­ur­teil die Vor­aus­set­zun­gen für eine ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung bean­stan­dungs­frei bejaht und hier­bei ins­be­son­de­re her­aus­ge­stellt, dass der ersatz­lo­se Weg­fall der Gegen­wert­re­ge­lung für die VBL eine unzu­mut­ba­re Här­te wäre. Die ansons­ten eröff­ne­te Mög­lich­keit der aus­gleichs­lo­sen Abwäl­zung von Ren­ten­las­ten auf die ver­blie­be­nen Betei­lig­ten stell­te eine gra­vie­ren­de Belas­tung der Soli­dar­ge­mein­schaft dar. Eine Been­di­gung der Betei­li­gung ohne jeg­li­chen finan­zi­el­len Aus­gleich nimmt nicht ein­mal der Klä­ger für sich in Anspruch. Die Par­tei­en hät­ten bei sach­ge­rech­ter Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen nach Treu und Glau­ben des­halb ver­ein­bart, dass eine Neu­re­ge­lung des Gegen­werts im Sat­zungs­än­de­rungs­ver­fah­ren auch für die bereits been­de­te Betei­li­gung mög­lich sein soll.
Zur jet­zi­gen Aus­ge­stal­tung des Gegen­werts kom­men zahl­rei­che Alter­na­ti­ven in Betracht. In der Lite­ra­tur wer­den neben der bereits erwähn­ten Erstat­tungs­lö­sung wei­te­re Model­le, unter ande­rem die Über­nah­me der Ver­sor­gungs­las­ten durch den Ver­si­che­rungs­neh­mer und deren Erset­zung durch eine gleich­wer­ti­ge Leis­tung 67 dis­ku­tiert, ohne dass der Bun­des­ge­richts­hof die­se hier im Ein­zel­nen zu bewer­ten hät­te. Dies wider­spricht nicht dem Grund­satz, dass beim Vor­han­den­sein ver­schie­de­ner Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten zur Aus­fül­lung einer Ver­trags­lü­cke eine ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung zu unter­blei­ben hat, wenn kein Anhalts­punkt dafür vor­liegt, wel­che Rege­lung die Par­tei­en getrof­fen hät­ten 68. Der Zweck die­ses Grund­sat­zes liegt dar­in, die Par­tei­en vor einer Aus­wahl durch das Gericht nach des­sen eige­nen Kri­te­ri­en zu schüt­zen, weil dies mit dem Grund­satz der Pri­vat­au­to­no­mie unver­ein­bar wäre 69. Eine eige­ne Aus­wahl zwi­schen den ver­schie­de­nen denk­ba­ren Lösungs­mo­del­len hat das Beru­fungs­ge­richt zu Recht nicht getrof­fen. Es hat viel­mehr aus den Beson­der­hei­ten der betrieb­li­chen Zusatz­ver­sor­gung den hypo­the­ti­schen Par­tei­wil­len ermit­telt, dass der VBL eine Neu­re­ge­lung des Gegen­werts durch eine Sat­zungs­än­de­rung mög­lich sein soll, wenn die­se den aus­schei­den­den Betei­lig­ten nicht unan­ge­mes­sen betei­ligt.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Okto­ber 2012 – IV ZR 10/​11
Die VBL und ihr modi­fi­zier­tes Erstat­tungs­mo­dell Die Gegen­wert­re­ge­lung im sat­zungs­er­gän­zen­den Beschluss des Ver­wal­tungs­rats der VBL vom 21.11.2012 benach­tei­ligt die aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten unan­ge­mes­sen. Das Kon­zept der Ange­bots­um­stel­lungs­fle­xi­bi­li­tät ist kein geeig­ne­tes Kor­rek­tiv für…
OLG Karls­ru­he, Urteil vom 23.12.2010 – 12 U 224/​09[↩]
LG Mann­heim, Urteil vom 19.06.2009 – 7 O 124/​08 (Kart.) [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 20.07.2011 – IV ZR 76/​09, BGHZ 190, 314 Rn. 31 ff.[↩]
BGH, Urtei­le vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, BGHZ 174, 127 Rn. 30; vom 23.06.1999 – IV ZR 136/​98, BGHZ 142, 103, 105 ff.; vom 30.09.1998 – IV ZR 262/​97 – BGHZ 139, 333, 339[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 14.11.2007 aaO Rn. 32[↩]
a.A. Gan­sel, Die Been­di­gung der Betei­li­gung an einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se, 2009, S. 177 ff.[↩]
BGH, Urteil vom 20.07.2011 IV ZR 76/​09, BGHZ 190, 314 Rn. 54 ff.[↩]
GMBl. 1966, 627[↩]
GMBl. 1977, 454[↩]
BAG NZA 1996, 988, 989 f., ein­ge­hend zur Aus­le­gung von Tarif­ver­trä­gen Wiedemann/​Wank, Tarif­ver­trags­ge­setz 7. Aufl. § 1 Rn. 978 ff. m.w.N.[↩]
Henssler in Henssler/​Willemsen/​Kalb, Arbeits­recht Kom­men­tar 4. Aufl. TVG Einl. Rn. 18; Wiedemann/​Thüsing, Tarif­ver­trags­recht 7. Aufl. § 1, Rn. 229 ff.[↩]
Wiedemann/​Thüsing, Tarif­ver­trags­ge­setz 7. Aufl. § 1 Rn. 1, sie­he auch Däubler/​Reim, Tarif­ver­trags­ge­setz 2. Aufl. § 1 Rn.1; Henssler in Henssler/​Willemsen/​Kalb, Arbeits­recht Kom­men­tar 4. Aufl. TVG § 1 Rn. 1 ff.[↩]
BAGE 75, 116, 120 f.; Däubler/​Reim aaO Rn. 4a; Löwisch/​Rieble, Tarif­ver­trags­ge­setz 2. Aufl. § 1 Rn. 11[↩]
BAG, NZARR 2011, 30 Rn. 14[↩]
IV ZR 272/​93, VersR 1994, 1133[↩]
BGH, Urteil vom 26.02.1953 – III ZR 214/​50, BGHZ 9, 101; Münch­Komm-ZPO/Wen­zel 3. Aufl. § 545 Rn. 9[↩]
BAGE 7, 186, 198; Mül­ler­G­lö­ge in Germelmann/​Matthes, Arbeits­ge­richts­ge­setz 7. Aufl. § 73 Rn. 3; Ulrich in Schwab/​Weth, Arbeits­ge­richts­ge­setz 3. Aufl. § 73, Rn. 59[↩]
vgl. Ulrich aaO Rn. 13[↩]
BAG NZA 2008, 131, 132; BAGE 117, 53, 58 f.; BAGE 78, 309, 327 ff.[↩]
BAG aaO[↩][↩]
BGH, Urteil vom 20.07.2011 – IV ZR 76/​09, BGHZ 190, 314 Rn. 84[↩]
Dreier/​SchulzeFielitz, Grund­ge­setz 2. Aufl. Art.20 Rn. 156, Grzes­zick in Maunz/​Dürig, Grund­ge­setz Art.20 Rn. 80, Stand: Okto­ber 2011; Pieroth, Rück­wir­kung und Über­gangs­recht, 1981 S. 30[↩]
BVerfGE 19, 187, 195; vgl. auch BVerfGE 30, 392, 402; Grzes­zick aaO, Pieroth aaO[↩]
BVerfGE 30, 367, 386 f.[↩]
Gilbert/​Hesse, Die Ver­sor­gung der Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes, § 23 VBLS Rn. 2, Stand: Sep­tem­ber 2011[↩]
im Ein­zel­nen hier­zu Jarass in Jarass/​Pieroth, Grund­ge­setz 11. Aufl. Art.20 Rn. 72 m.w.N.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 14.11.2007 – IV ZR 76/​09, BGHZ 190, 314 Rn. 32 m.w.N.[↩]
BGH, Urteil vom 11.12.1985 – IVa ZR 251/​83, DöD 1986, 116[↩]
BGH, Urteil vom 02.05.1990 – IV ZR 211/​89, VersR 1990, 841 unter II 3 c[↩]
BGH, Urtei­le vom 20.07.2011 – IV ZR 76/​09, BGHZ 190, 314 Rn. 7, 51 ff.; vom 12.01.2011 – IV ZR 118/​10, VersR 2011, 611 Rn. 1, 19; vom 24.02.2010 – IV ZR 7/​09, NVwZRR 2010, 689 unter II 1; vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, BGHZ 174, 127 Rn. 32: Annah­me einer Grund­ent­schei­dung wegen Über­ein­stim­mung der ange­grif­fe­nen Sat­zungs­re­ge­lun­gen mit Bestim­mun­gen des ATV; BGH, Beschluss vom 10.03.2010 – IV ZR 333/​07, NVwZRR 2010, 572, Rn. 9: Grund­ent­schei­dung zur Stre­ckung und Linea­ri­sie­rung der Ver­sor­gungs­staf­fel abge­lei­tet aus dem 26. Ände­rungs­ta­rif­ver­trag vom 15.11.1991; BGH, Urteil vom 27.09.2000 – IV ZR 140/​99, VersR 2000, 1530 unter II 2 b: Ver­nei­nung einer Grund­ent­schei­dung man­gels tarif­li­cher Ver­an­ke­rung des Anrech­nungs­aus­schlus­ses in der DDR zurück­ge­leg­ter Sozi­al­ver­si­che­rungs­zei­ten; BGH, Urteil vom 16.03.1988 – IV ZR 154/​87, BGHZ 103, 370, 374 f., 384: Grund­ent­schei­dung zur Ein­füh­rung der Net­to­Ge­samt­ver­sor­gung abge­lei­tet aus dem 15. Ände­rungs­ta­rif­ver­trag zum Ver­sor­gungTV[↩]
vgl. BVerfGE 44, 322, 340 f.[↩]
Wiedemann/​Wiedemann, Tarif­ver­trags­recht 7. Aufl. Einl. Rn. 84[↩]
Erfur­ter Kommentar/​Dieterich 12. Aufl. GG Art. 9 Rn. 60; Löwisch/​Rieble, Tarif­ver­trags­ge­setz 2. Aufl. Grundl. Rn. 39[↩]
BVerfGE 92, 365, 394[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 09.05.2001 – IV ZR 121/​00, BGHZ 147, 354, 360 f.[↩]
BGH, Urteil vom 09.05.2001 aaO[↩][↩]
Gan­sel, Die Been­di­gung der Betei­li­gung an einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se, 2009 S. 182[↩]
IV ZR 181/​96 juris Rn. 23[↩]
Gilbert/​Hesse, Die Ver­sor­gung der Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes, § 34 VBLS Rn. 5, Stand: Sep­tem­ber 2011[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 24.06.2009 IV ZR 110/​07, VersR 2009, 1617 Rn. 7; BGH, Urteil vom 23.06.1993 IV ZR 135/​92, BGHZ 123, 83, 85[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 28.03.2007 – IV ZR 145/​06, VersR 2007, 1214 Rn. 11[↩]
BGH, Urtei­le vom 17.09.2009 – III ZR 207/​08, NJW 2010, 57 Rn. 18; vom 01.02.2005 – X ZR 10/​04, NJW 2005, 1774 unter II 2 a, jeweils m.w.N.[↩]
BGH, Urteil vom 13.07.1994, IV ZR 107/​93, BGHZ 127, 35, 42 ff.[↩]
Beckmann/​Hebler, Zusatz­ver­sor­gung der Arbeit­neh­mer des öffent­li­chen Diens­tes, 6. Aufl. S. 146[↩]
Wig­ger, Grund­zü­ge der Finanz­wis­sen­schaft, 2. Aufl. S. 222[↩]
Gan­sel, Die Been­di­gung der Betei­li­gung an einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se, 2009, S. 150; sie­he § 30 VBLS[↩]
Staudinger/​Coester, BGB, Neubearb.2006, § 307 Rn. 86[↩]
Gan­sel, Die Been­di­gung der Betei­li­gung an einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se, 2009, S.192[↩]
Staudinger/​Coester, BGB Neubearb.2006, § 307 Rn. 109[↩]
BGH, Urteil vom 27.02.1985 – VIII ZR 85/​84, NJW 1985, 2693 unter III 2[↩]
Fuchs in Ulmer/​Brandner/​Hensen, AGB-Recht 11. Aufl. § 307 Rn. 141[↩]
BGH, Urtei­le vom 05.03.1991 – XI ZR 75/​90, BGHZ 114, 9, 15; vom 17.01.1989 – XI ZR 54/​88, BGHZ 106, 259, 267 m.w.N.[↩]
BGH, Urteil vom 18.01.1996 – IX ZR 69/​95, BGHZ 132, 6, 12[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 30.10.1984 – VIII ARZ 1/​84, BGHZ 92, 363, 368[↩]
BAG, ZTR 2001, 35, 36[↩]
BGH Urtei­le vom 06.10.1982 – VIII ZR 201/​81, NJW 1983, 159 unter II 5 a; vom 28.10.1981 – VIII ZR 302/​80, BGHZ 82, 121, 128[↩]
vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 02.12.1992 – IV ZR 135/​91, BGHZ 120, 290, 294 f.[↩]
Gan­sel, Die Been­di­gung der Betei­li­gung an einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se, 2009 S. 152[↩]
Wig­ger, Grund­zü­ge der Finanz­wis­sen­schaft 2. Aufl. S. 224 f.[↩]
Heubeck/​Rürup, Finan­zie­rung der Alters­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes, 2000 S. 64 f.[↩]
im Ein­zel­nen hier­zu Niermann/​Fuhrmann, BetrAV 2010, 528, 532[↩]
BFH BB 2006, 1626, 1627; BFH BB 2009, 321, 322 f.; Buciek in Blü­mich, Ein­kom­men­steu­er­ge­setz, EStG § 5 Rn. 797a m.w.N. Stand: Febru­ar 2012[↩]
BFH aaO[↩][↩]
BGH, Urteil vom 24.03.1999 IV ZR 90/​98, BGHZ 141, 137, 143[↩]
BGH, Urteil vom 24.03.1999 aaO[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 23.11.1994 – IV ZR 124/​93, BGHZ 128, 54, 60 f.[↩]
so genann­te Über­nah­me­lö­sung, sie­he Gan­sel, Die Been­di­gung der Betei­li­gung an einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se, 2009, S. 226 ff.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 30.03.1990 – V ZR 113/​89, NJW 1990, 1723 unter 3 m.w.N., inso­weit in BGHZ 111, 110, 115 f. nicht voll­stän­dig abge­druckt[↩]
NK-BGB/­Loo­schel­ders, 2. Aufl. § 157 Rn. 26[↩]
§ 65 vblsÖffentlicher DienstVBLVBL-Rente