Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=09.06.2011&Aktenzeichen=B%208%20SO%2020/09%20R
Timestamp: 2019-04-22 19:15:14
Document Index: 173160564

Matched Legal Cases: ['§ 41', '§ 43', '§ 19', '§ 19', '§ 82', '§ 82', '§ 82', '§ 82', '§ 7', '§ 82', '§ 82', '§ 90', '§ 82', '§ 82', '§ 82', '§ 90', '§ 5', '§ 12', '§ 12', '§ 82', '§ 82', '§ 24', '§ 82', '§ 82', '§ 82', '§ 82', '§ 90', '§ 7', '§ 82', '§ 82', '§ 82', '§ 101', '§ 12', '§ 82']

BSG, 09.06.2011 - B 8 SO 20/09 R - dejure.org
Sozialhilfe - Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung - gemischte Bedarfsgemeinschaft nach SGB 2 - keine Anrechnung von Arbeitslosengeld II als Partnereinkommen - Einkommenseinsatz
Sozialhilfe; Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung; gemischte Bedarfsgemeinschaft nach SGB 2; keine Anrechnung von Arbeitslosengeld II als Partnereinkommen; Einkommenseinsatz; sozialgerichtliches Verfahren; Zurückverweisung
§ 41 Abs 1 SGB 12 vom 20.04.2007, § 43 Abs 1 Halbs 1 SGB 12 vom 21.03.2005, § 19 Abs 1 S 2 SGB 12 vom 27.12.2003, § 19 Abs 2 SGB 12 vom 27.12.2003, § 82 Abs 1 S 1 SGB 12 vom 02.12.2006
Einkommensanrechnung bei gemischten SGB II & SGB XII - Bedarfsgemeinschaften
SG Hamburg, 31.03.2009 - S 61 SO 432/08
BSGE 108, 241
NVwZ-RR 2012, 316
Typischerweise ist sogar die Regelung im SGB II privilegierend im Vergleich zum SGB XII. Wirkt sich diese Privilegierung im Einzelfall nicht aus, zwingt dies nicht aus Gleichbehandlungsgründen zur Anwendung der Regelung im SGB XII. Zudem sind auch die jeweils unterschiedlichen Entstehungshintergründe beider Leistungssysteme, die typisierte Unterschiedlichkeit der Anspruchsberechtigten für die Leistungen nach dem SGB II und dem SGB XII sowie die konzeptionellen Unterschiede beider Gesetze zu beachten (…vgl dazu nur Grube in Grube/Wahrendorf, SGB XII, 4. Aufl 2012, Einleitung RdNr 1 f, 14 ff, 19 ff, 33 ff) , an denen der Gesetzgeber seither im Wesentlichen festgehalten hat und die einer Harmonisierung beider Leistungssysteme durch die Rechtsprechung unter Vernachlässigung ihrer unterschiedlichen Normtexte Grenzen setzen (…vgl zum Argument der Harmonisierung - in jeweils anderen Zusammenhängen - BSG Urteil vom 11.12.2007 - B 8/9b SO 23/06 R - BSGE 99, 262 = SozR 4-3500 § 82 Nr. 3, RdNr 21;… BSG Urteil vom 23.3.2010 - B 8 SO 17/09 R - BSGE 106, 62 = SozR 4-3500 § 82 Nr. 6, RdNr 37 ff; BSG Urteil vom 9.6.2011 - B 8 SO 20/09 R - BSGE 108, 241 = SozR 4-3500 § 82 Nr. 8, RdNr 24; BSG Urteil vom 9.6.2011 - B 8 SO 11/10 R, juris RdNr 21; BSG Urteil vom 25.8.2011 - B 8 SO 19/10 R, juris RdNr 18;… BSG Urteil vom 6.9.2007 - B 14/7b AS 16/07 R - BSGE 99, 88 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 7, RdNr 15; vgl allg zur Harmonisierung von SGB II und SGB XII Stölting/Greiser, SGb 2010, 631) .
§ 82 Abs. 3 Satz 3 SGB XII als generelle Härteklausel für alle denkbaren Einkommen (dazu bereits BSGE 108, 241 ff RdNr 24 = SozR 4-3500 § 82 Nr. 8 mwN) ermöglicht insoweit die von den Klägern angestrebte Prüfung.
Denn der Einsatz als Einkommen oder als Vermögen würde - unterstellt, die Klägerin ist behinderungsbedingt auf ein Kraftfahrzeug angewiesen (vgl allgemein dazu nur Mecke in jurisPK-SGB XII, § 90 SGB XII RdNr 102 mwN) - entweder nach der für Einkommen geltenden generellen Härteklausel des § 82 Abs. 3 Satz 3 SGB XII (vgl dazu: BSGE 108, 241 ff RdNr 24 = SozR 4-3500 § 82 Nr. 8;… BSGE 106, 62 ff RdNr 32 = SozR 4-3500 § 82 Nr. 6) oder nach der bei Vermögen anzuwendenden Härteregelung des § 90 Abs. 3 SGB XII eine (besondere) Härte bedeuten, weil die von den Stiftungen gewährten Zuwendungen (Zuschüsse und Darlehen) - auch der Höhe nach - nur zweckgebunden für den Erwerb bzw die Umrüstung des Fahrzeugs erbracht worden sind, sodass eine Berücksichtigung des PKW als Einkommen oder als Vermögen trotz des den Verkehrswert von 7500 Euro bzw - wegen der Behinderung der Klägerin - von 9500 Euro (vgl § 5 Kraftfahrzeughilfeverordnung ;… BSGE 99, 77 ff RdNr 16 = SozR 4-4200 § 12 Nr. 5) übersteigenden Betrags für ein angemessenes Kraftfahrzeug (…dazu: BSGE 99, 77 = SozR 4-4200 § 12 Nr. 5;… BSGE 100, 139 ff RdNr 16 = SozR 4-3500 § 82 Nr. 4) unbillig wäre.
Das Urteil des BSG hinsichtlich der Bewilligung von Sozialhilfe in gemischten Bedarfsgemeinschaften, wenn der Partner Arbeitslosengeld II (Alg II) erhalte (BSG vom 9.6.2011 - B 8 SO 20/09 R - BSGE 108, 241 = SozR 4-3500 § 82 Nr. 8) , stehe dem nicht entgegen, weil dieses Urteil nicht eine Nachzahlung, sondern parallel bezogene Sozialleistungen betreffe.
Hierfür spreche außerdem die zwischenzeitliche Regelung des (früheren) Zuschlags zum Alg II nach § 24 SGB II aF als nicht zu berücksichtigendes Einkommen in § 82 Abs. 1 SGB XII, die mittlerweile nur gestrichen worden sei, weil dieser Zuschlag abgeschafft worden sei (BSG vom 9.6.2011 - B 8 SO 20/09 R - BSGE 108, 241 = SozR 4-3500 § 82 Nr. 8, RdNr 16 ff mwN) .
Hierbei ist zu beachten, dass bei der Klägerin Einkommen ihres Ehemanns nur insoweit berücksichtigt werden darf, als es nach sozialhilferechtlichen Maßstäben einzusetzen ist (vgl BSG Urteil vom 9.6.2011 - B 8 SO 20/09 R - BSGE 108, 241 = SozR 4-3500 § 82 Nr. 8, RdNr 24).
Dabei wird es zu beachten haben, dass die Berechnung der Sozialhilfeleistung nach Maßgabe des SGB XII nicht dazu führen darf, das Einkommen, das nach der Zielsetzung des Sozialgesetzbuchs Zweites Buch - Grundsicherung für Arbeitsuchende - (SGB II) für die Zeit, in der der Kläger erwerbsfähig war, geschont werden soll, gleichwohl zu Gunsten der dem SGB XII unterworfenen Person eingesetzt werden muss (BSGE 108, 241 ff RdNr 24 mwN = SozR 4-3500 § 82 Nr. 8;… vgl auch zum Vermögen BSGE 112, 61 ff RdNr 20 = SozR 4-3500 § 90 Nr. 5) .
Dass der Ehemann der Klägerin als Erwerbsfähiger dem Leistungssystem des SGB II unterworfen ist, dort höhere Freibeträge normiert sind und wegen des Ausschlusses der Klägerin von Leistungen nach dem SGB II (§ 7 Abs. 4 SGB II) eine sog gemischte Bedarfsgemeinschaft vorliegt (vgl hierzu BSGE 108, 241 ff RdNr 13 = SozR 4-3500 § 82 Nr. 8) , ändert hieran nichts.
Indes käme es dann auf die Einkommensverhältnisse der Klägerin und ihres Ehemanns an, zu denen das LSG keinerlei Feststellungen getroffen hat, und zwar weder zur Höhe der der Klägerin gezahlten Rente noch zum Einkommen des Ehemanns der Klägerin, das dieser offenbar neben dem Alg II bezieht; das Alg II selbst ist in entsprechender Anwendung des § 82 Abs. 1 Satz 1 SGB XII kein anrechenbares Einkommen (BSGE 108, 241 ff = SozR 4-3500 § 82 Nr. 8) .
Während ein Teilanerkenntnis zu Berechnungselementen ausgeschlossen ist, weil nach § 101 Abs. 2 SGG nur (Teil-)Ansprüche anerkannt werden können (…BSGE 103, 153 ff RdNr 12 = SozR 4-4200 § 12 Nr. 13; BSGE 108, 241 ff RdNr 22 = SozR 4-3500 § 82 Nr. 8; BSG, Urteil vom 9.6.2011 - B 8 SO 1/10 R - RdNr 12) , trifft dies für einen Teilvergleich nicht zu.
Als grundsätzlich absetzbar sind auch angemessene Beiträge zur Hausratversicherung (OVG Niedersachsen v. 29.11.1989 - 4 A 205/88 - FEVS 42, 104; BSG v. 09.06.2011 - B 8 SO 20/09 R in Anlehnung an BSG v. 09.12.2004 - B 7 AL 24/04 R - juris Rn. 38 - BSGE 94, 109 ff. zur Arbeitslosenhilfe.) anerkannt.
LSG Hamburg, 30.03.2017 - L 4 SO 40/16
Verwendung des Vermögens als Härtefall durch Anrechnung bei der Gewährung von …
SG Bremen, 12.02.2018 - S 38 AY 103/14