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Timestamp: 2019-09-17 16:34:26
Document Index: 128272307

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 50', '§ 17', '§ 2', '§ 2', '§ 50', '§ 3', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2']

Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSW vom 08.06.2011, RV/1178-W/11
RV/1178-W/11-RS1 Permalink
Wird das Diplomstudium Pharmazie zunächst an der Universität Wien betrieben und nach mehr als drei Semestern an der Karl Franzens-Universität Graz fortgesetzt, liegt in diesem Wechsel der Studieneinrichtung/des Studienortes kein Studienwechsel iSd § 17 StudFG, da beide Studien gleichwertig sind.
§ 50 Abs. 2 Z 3 StudFG, Studienförderungsgesetz 1992, BGBl. Nr. 305/1992
Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung des Bw., W.,R-Gasse, vertreten durch Dr. Markus Freund, Rechtsanwalt, 1010 Wien, Riemergasse 6, vom 4. November 2010 gegen den Bescheid des Finanzamtes Wien 2/20/21/22 vom 27. Oktober 2010 betreffend Familienbeihilfe ab 1. Oktober 2010 entschieden:
Der Berufungswerber (Bw.) beantragte die Zuerkennung der Familienbeihilfe für seine Tochter N., geb. am xx.xx.xxxx, ab Oktober 2010 wegen "Neuinskribierung".
Im Ermittlungsverfahren wurde der Bw. ersucht, die Exmatrikulationsbestätigung der Universität Wien sowie den Bescheid über die Anrechnung von Prüfungen durch die Universität Graz vorzulegen.
Mit Bescheid vom 27. Oktober 2010 wurde der Antrag des Bw., die Familienbeihilfe für seine Tochter ab 1.10.2010 zuzuerkennen, abgewiesen. In der Begründung wurde ausgeführt, bei einem Studienwechsel nach dem jeweils 3. inskribierten Semester (oder zweitem Ausbildungsjahr) bestehe Anspruch auf Familienbeihilfe erst dann, wenn die Studierende in dem nunmehr gewählten Studium so viele Semester wie in dem vor dem Studienwechsel betriebenen Studium zurückgelegt habe. Es seien daher alle Semester aus den vorherigen Studien, in denen eine Fortsetzungsmeldung vorgelegen und für die Familienbeihilfe bezogen worden sei, in Bezug auf die Wartezeit bis zur Wiedergewährung der Familienbeihilfe für das neue Studium heranzuziehen.
In der fristgerecht dagegen erhobenen Berufung brachte der Bw. vor, es liege kein Studienwechsel vor. Vielmehr studiere seine Tochter N. an der Uni Graz weiterhin Pharmazie wie auch schon in Wien. Sie habe in Wien exmatrikuliert und danach in Graz immatrikuliert, um dort den ersten Studienabschnitt fertig machen zu können. Es seien von der Uni Graz die in Wien absolvierten Prüfungen zum Großteil angerechnet worden. Die desaströsen Zustände an der Uni Wien seien hinlänglich bekannt. Er werde es nicht akzeptieren, dass er als Vater bzw. in der Folge seine Tochter dafür bestraft werde.
Die Berufung wurde mit Berufungsvorentscheidung als unbegründet abgewiesen. Ausgehend vom Vorliegen eines Studienwechsels nach dem 3. inskribierten Semester wurde ausgeführt, nicht als Studienwechsel gelte ein solcher, bei welchem die gesamte Vorstudienzeit für die Anspruchsdauer des nunmehr betriebenen Studiums berücksichtigt werde, weil sie dem nunmehr betriebenen Studium auf Grund der besuchten Lehrveranstaltungen und absolvierten Prüfungen nach Inhalt und Umfang der Anforderungen gleichwertig seien.
Laut der vorgelegten Liste der beantragten Anerkennung von der Universität Graz seien insgesamt 25 ECTS-Punkte aus dem Vorstudium an der Universität Wien auf das laufende Studium in Graz anerkannt worden. Im ersten Studienabschnitt seien aber noch einige Prüfungen abzulegen, da an der Uni Graz ein anderer Studienplan gelte als an der Uni Wien. Daher werde das Studium in Graz als neues Studium gewertet und somit als Studienwechsel nach dem 3. inskribierten Semester gezählt, welcher für den Anspruch auf Familienbeihilfe schädlich sei. Erst nach einer Wartezeit von 3 Semestern bestehe wieder Anspruch auf Familienbeihilfe. Nach der Berücksichtigung der angerechneten Prüfungen von 25 ECTS-Punkten (=1 Semester) verkürze sich die Wartezeit auf 2 Semester. Es bestehe daher ab Oktober 2011 wieder Anspruch auf Familienbeihilfe für die Tochter N..
Im Vorlageantrag wurde ausgeführt, der Rechtsansicht des Finanzamtes könne nicht gefolgt werden. Es sei lediglich zu beurteilen, ob ein günstiger Studienerfolg vorliege oder nicht.
Nach § 17 Abs. 1 Z 2 StudFG liege ein günstiger Studienerfolg nicht vor, wenn der Studierende das Studium nach dem jeweils dritten inskribierten Semester gewechselt habe. Das Gesetz spreche davon, dass der Studierende das Studium gewechselt habe. Die Tochter des Bw. habe jedoch nicht das Studium gewechselt, sondern es sei lediglich der Studienort von Wien nach Graz verlegt worden. Das Finanzamt setze zu Unrecht den im Gesetz genannten Wechsel des Studiums gleich mit einem Wechsel des Studienortes. Die Wortinterpretation des Wortes Studienwechsel ergebe eindeutig, dass damit nicht der Wechsel des Ortes, sondern nur ein Wechsel der Studienrichtung gemeint sei.
Es sei somit festzuhalten, dass weder der Umstieg auf einen neuen Studienplan noch ein Wechsel des Studienortes bei gleich bleibender Studienrichtung als Studienwechsel im Sinnes des StudFG gemeint sein könne. Dieses Verständnis ergebe sich nicht nur aus dem klaren Wortlaut der gesetzlichen Bestimmung, sondern werde auch in der Praxis der Österreichischen Hochschülerschaft in diesem Sinne verstanden und beurteilt.
Die Nichtgewährung der Familienbeihilfe über einen Zeitraum von zwei Semestern sei daher rechtswidrig, es bestehe vielmehr ein Anspruch auf Familienbeihilfe unmittelbar nach dem Wechsel des Studienortes.
Im Ermittlungsverfahren vor der Abgabenbehörde zweiter Instanz gab der Bw. über Ersuchen bekannt, dass die Tochter das Studium am 1.10.2007 begonnen und den Studienort nach Graz verlegt habe. Aus diesem Grund sei der Antrag auf Gewährung von Familienbeihilfe ab 1. Oktober 2010 wegen "Neuinskribierung" gestellt worden. Der erste Studienabschnitt sei bis dato noch nicht abgeschlossen worden.
Die Tochter des Bw. begann am 1. Oktober 2007 das Diplomstudium Pharmazie an der Universität Wien (Studienkennzahl A 449). Seit dem Wintersemester 2010/11 betreibt die Tochter des Bw. an der Karl Franzens-Universität Graz das Diplomstudium Pharmazie (Studienkennzahl B 449). Sämtliche, von der Tochter an der Universität Wien laut Sammelzeugnis vom 15.7.2010 abgelegte Prüfungen wurden von der Uni Graz anerkannt. Den ersten Studienabschnitt hat die Tochter des Bw. noch nicht abgeschlossen.
Gegenstand des Faches und Berufsziel sowie die Berufsfelder sind an beiden Universitäten im Wesentlichen ident, ebenso der Aufbau des Studiums: Das Diplomstudium Pharmazie besteht aus drei Studienabschnitten. Die gesetzliche Studiendauer beträgt 9 Semester, die Gesamtstundenzahl 225 Semesterstunden in Wien (223 Semesterstunden in Graz), davon entfallen sowohl in Wien als auch in Graz 23 Semesterstunden auf Freie Wahlfächer. An beiden Hochschulen beträgt die Studiendauer des ersten Studienabschnittes 2 Semester, des zweiten Studienabschnittes 5 Semester und des dritten Studienabschnittes 2 Semester.
Im oben angeführten Erkenntnis führt der Verwaltungsgerichtshof weiters aus: "Ein Studienwechsel iSd § 2 Abs. 1 lit b FLAG 1967, der beim Wechsel vom Studium einer Studienrichtung zum Studium einer anderen Studienrichtung vorliegt, ist vom Wechsel der Studieneinrichtung zu unterscheiden. So unterscheidet § 2 Abs. 1 lit b vorletzter Satz FLAG ausdrücklich zwischen dem Wechsel der Einrichtung und dem Wechsel des Studiums. Im übrigen regelt auch § 50 Abs. 2 Z 3 StudFG idF des BG BGBl. I Nur 76/2000 das Erlöschen des Anspruchs auf Studienbeihilfe, wenn der Studierende "ein anderes Studium" aufnimmt und lässt diese Regelung für den (auch dort vom Studienwechsel zu unterscheidenden) Wechsel der Studieneinrichtung gelten (arg.: "dies gilt auch für den Wechsel der in § 3 Abs. 1 genannten Einrichtungen")."
Im vorliegenden Fall hat die Tochter des Bw. an der Universität Wien das Diplomstudium Pharmazie mit der Kennzahl A 449 begonnen und betreibt nunmehr das Diplomstudium Pharmazie mit der Kennzahl B 449 an der Karl Franzens-Universität Graz. Beiden Studienplänen ist gemeinsam, dass das Studium aus drei Studienabschnitten besteht und die gesetzliche Studiendauer 9 Semester beträgt. Auch der Gegenstand des Faches und das Berufsziel sind in beiden Studienplänen gleich. Die in den einzelnen Studienabschnitten zu absolvierenden Lehrveranstaltungen sind ebenfalls im Wesentlichen ident. Eine Differenz besteht lediglich im Ausmaß der Gesamtstundenzahl: Diese beträgt an der Universität Wien 225 Semesterstunden, an der Universität Graz 223 Semesterstunden.
Liegt kein Studienwechsel vor, bleibt dennoch zu prüfen, ob die Tochter des Bw. die im § 2 Abs. 1 lit b FLAG 1967 angeführten Voraussetzungen für den Bezug der Familienbeihilfe erfüllt. Nach dieser Bestimmung ist eine Berufsausbildung nur dann anzunehmen, wenn die vorgesehene Studienzeit pro Studienabschnitt um nicht mehr als ein Semester überschritten wird. Dies gilt unabhängig vom Wechsel der Studieneinrichtung, da für den Anspruch auf Familienbeihilfe jedenfalls die vorher an der anderen Einrichtung zurückgelegte Studiendauer zu berücksichtigen ist (siehe Wimmer in Csaszar/Lenneis/Wanke, FLAG, § 2 Rz 95).
Für den vorliegenden Sachverhalt bedeutet dies:
Der Tochter des Bw. standen - um den Familienbeihilfenanspruch des Vaters aufrechtzuerhalten - für die Absolvierung des ersten Studienabschnittes 3 Semester (gesetzliche Mindeststudiendauer plus 1 Toleranzsemester) zur Verfügung. Diese drei Semester absolvierte sie an der Universität in Wien. Der Bw. bezog bis einschließlich Februar 2009 auch Familienbeihilfe für seine Tochter. Da der erste Studienabschnitt nicht in der laut FLAG zur Verfügung stehenden Studienzeit abgeschlossen wurde - Gründe im Sinne des § 2 Abs. 1 lit b 4. bis 9. Satz für eine Verlängerung der Studienzeit wurden nicht geltend gemacht - fiel der Anspruch auf Familienbeihilfe ab März 2009 weg. Bei einer in Studienabschnitte gegliederten Studienrichtung, wie dies beim Diplomstudium Pharmazie der Fall ist, lebt der Anspruch für einen weiteren Studienabschnitt erst mit dem Monat wieder auf, in dem der Abschluss des Studienabschnitts erfolgt.
Da die Tochter des Bw. den ersten Studienabschnitt laut Auskunft vom 31. Mai 2011 noch nicht beendet hat, lebte der Anspruch auf Familienbeihilfe noch nicht wieder auf.
Wimmer in Csaszar/Lenneis/Wanke, § 2 Rz 95
Findok-Nr: 53933.1, aufgenommen am: 01.08.2011 11:09:32, Dokument-ID: 9f431af3-80ab-4288-a502-7e41ee908512, Segment-ID: 15fadbc8-0e94-4562-9b70-86566a296d5e