Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=JZ%201979,%2031
Timestamp: 2019-02-19 08:02:45
Document Index: 67973515

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 211', 'BGH', '§ 211', '§ 304', '§ 211', '§ 211', '§ 211', '§ 211', '§ 211', 'BGH', '§ 211', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 204', 'BGH', '§ 204', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 251', '§ 211', '§ 322', 'BGH', 'BGH']

BGH, 19.09.1978 - VI ZR 141/77 - dejure.org
Prozessleitung - Eintritt der Beweisaufnahme - Säumnis einer Partei - Erfüllung einer Auflage - Verantwortung für den Prozessfortgang - Schadensersatz auf Grund eines Verkehrsunfalls - Einrede der Verjährung - Erfüllung von Auflagen zur Fortsetzung eines Prozesses
Kein Nichtbetreiben des Prozesses bei Nichtbefolgung eines Auflagenbeschlusses
MDR 1979, 215
VersR 1978, 114
VersR 1978, 1142
JZ 1979, 31
Es trifft zwar zu, daß nach nahezu einhelliger Meinung der Stillstand des Verfahrens im Sinne des § 211 Abs. 2 Satz 1 BGB dann nicht auf einer Untätigkeit der Parteien beruht, wenn die Verfahrensleitung ausschließlich beim Gericht lag, das für den Fortgang des Prozesses zu sorgen hatte (z.B. Motive I S. 333; BGH urteil vom 24. März 1977 - III ZR 19/75 = Warn 1977 Nr. 68 = VersR 1977, 646; Urteil vom 19. September 1978 - VI ZR 141/77 = LM BGB § 211 Nr. 12 = JZ 1979, 31; Urteil vom 10. Juli 1979 - VI ZR 81/78 = LM ZPO § 304 Nr. 42 = NJW 1979, 2307 m.abl.Anm. Grunsky, ZZP 93, 179, 180 f;… MünchKomm-von Feldmann a.a.O. § 211 Rdn. 7;… Johannsen a.a.O. § 211 Rdn. 8;… Erman/Hefermehl a.a.O. § 211 Rdn. 7;… Soergel/Augustin a.a.O. § 211 Rdn. 8).
Soweit es jedenfalls die Frage der Anwendbarkeit des § 211 Abs. 2 Satz 1 BGB betrifft, geht die Verantwortung für das Betreiben des Prozesses vom Gericht wieder auf den Kläger über, wenn das Gericht mit dessen ausdrücklichem Einverständnis von einer Terminsbestimmung auf unbestimmte Zeit absieht (offengelassen im Urteil des VI. Senats vom 19. September 1978 aaO).
Diese Beurteilung darf das Revisionsgericht uneingeschränkt nachprüfen (vgl. BGH, Urt. v. 19. September 1978 - VI ZR 141/77, VersR 1978, 1142).
Die unter § 211 Abs. 2 Satz 1 BGB fallenden Sachverhalte werden dadurch gekennzeichnet, daß die Parteien ohne triftigen Grund untätig bleiben; allerdings ist im Interesse der Rechtssicherheit auf die nach außen erkennbaren Umstände des Verfahrensstillstands im Verantwortungsbereich der Parteien abzustellen, nicht auf innerlich gebliebene Beweggründe oder auf eine Umgehungsabsicht (…BGH, Urt. v. 17. Oktober 1975 - I ZR 3/75, VersR 1976, 36 f; v. 19. September 1978 - VI ZR 141/77, aaO.; v. 21. Februar 1983 - VII ZR 4/82, NJW 1983, 2496 f; v. 20. Oktober 1987 - VI ZR 104/87, NJW-RR 1988, 279; v. 13. April 1994 - VIII ZR 50/93, NJW-RR 1994, 889 [BGH 13.04.1994 - VIII ZR 50/93]).
Keine Anwendung findet die Bestimmung dagegen, wenn das Gericht den Stillstand des Prozesses herbeigeführt hat (BGH, Urteil vom 19. September 1978 - VI ZR 141/77 = VersR 1978, 1142 unter II 2 a).
Nicht anders sah er den Fall, daß die Klagepartei auf einen Auflagen- und Beweisbeschluß nicht reagierte (VersR 1978, 1142 ).
Das Verfahren ist auch nicht im Anschluss an das erste Ergänzungsgutachten des Sachverständigen nach § 204 Abs. 2 S. 2 BGB zum Stillstand gekommen; denn auch insoweit lag die Leitung des Verfahrens in der Hand des Gerichts (vgl. BGH VersR 1978, 1142; NJW-RR 1994, 889; OLG Hamm NJW-RR 1999, 575 = VersR 1999, 860;… Palandt/Ellenberger, BGB, 69. Aufl., § 204 Rdn. 47).
OLG Hamm, 20.02.1998 - 20 U 205/97
Haben die Parteien gerichtliche Auflagen nicht befolgt und hat das Gericht daraufhin nichts unternommen, bleibt es bei der Verjährungsunterbrechung (im Anschluß an BGH NJW-RR 1994, 889 ; BGH NJW-RR 1995, 1336; VersR 1978, 1142 ).«.
Haben die Parteien gerichtliche Auflagen nicht befolgt und hat das Gericht daraufhin nichts unternommen, bleibt es bei der Verjährungsunterbrechung (…BGH aaO; VersR 1978, 1142 ).
OLG Hamm, 27.11.1998 - 20 U 116/98
Denn ein die Verjährungsunterbrechung beendender Still stand des Verfahrens kann nicht nur durch einen Gerichtsbeschluß (z.B. Anordnung des Rühens des Verfahrens gern. §§ 251, 251 a Abs. 5 ZPO), sondern auch durch Untätigkeit der Parteien herbeigeführt werden (BAG 24, 122 = AP Nr. 1 zu § 211 BGB; BAG AP Nr. 6 zu § 322 ZPO; BGH VersR 1978, 1142 [11433; BGH NJW 1968, 692 C6943).