Source: https://rheinland-pfalz.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de/bestandteile/
Timestamp: 2020-03-29 18:14:41
Document Index: 254546907

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 31', '§ 37', '§ 25', '§ 40', '§ 33', '§ 48', '§1']

Auf dieser Seite finden Sie länderspezifische Informationen für Rheinland-Pfalz.
Schulische Qualitätsentwicklung in Rheinland-Pfalz
Der vorangehende Text geht davon aus, dass schulische Leitbilder und Schulprogramme vertraute Elemente schulischer Qualitätsarbeit sind. Rheinland-Pfalz ist im Arbeitsfeld der schulischen Qualitätsentwicklung allerdings einen etwas anderen Weg gegangen, der hier kurz skizziert werden soll:
Die aktuelle schulische Qualitätsentwicklung an rheinland-pfälzischen Schulen knüpft an die Tradition der Qualitätsprogrammarbeit an, die im Jahr 2002 eingeführt und danach systematisch weiterentwickelt wurde.
Das zentrale Steuerungsinstrument der schulischen Qualitätsarbeit ist die schulische Zielvereinbarung, hinzu kommt die interne Schulevaluation.
Unterstützung bei dieser Arbeit soll der Orientierungsrahmen Schulqualität (ORS) geben. Die Thematik der sexuellen Gewalt ist im ORS ausgewiesen, allerdings in einer etwas allgemeineren sprachlichen Form. Der Bereich Schulkultur mit der Dimension Gesunde Schule und den darin verankerten Merkmalen Gesundheitsförderung sowie Gesundheitsförderndes und -erhaltendes Arbeitsumfeld bietet differenzierte Anknüpfungspunkte für die gezielte Positionierung einer Schule gegen sexuelle Gewalt und Kindesmissbrauch.
Im Sinne der konsequenten Arbeit an Zielen sollte die Einrichtung eines Schutzkonzeptes maßvoll in bestehende Entwicklungs- und Fortbildungskonzepte eingebettet werden, so dass eine Überforderung der einzelnen Schule und der handelnden Personen vermieden wird.
Fortbildungs- und Weiterbildungs-angebote in Rheinland-Pfalz
Das Pädagogische Landesinstitut Rheinland-Pfalz (PL) ist die Serviceeinrichtung des Ministeriums für Bildung für pädagogisch-psychologische Fortbildungsangebote und individuelle Beratung für Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulgemeinschaften. Fortbildungs- und Beratungsangebote des Pädagogischen Landesinstituts stehen Lehrkräften des Landes generell kostenfrei zur Verfügung.
Über die Abteilung 3 Schulpsychologische Beratung des PL erhalten Sie unter anderem bedarfsgerechte Beratung und Begleitung bei der Etablierung eines Schutzkonzepts gegen sexuelle Gewalt in der eigenen Schule. Das Pädagogische Landesinstitut arbeitet hierbei gerne eng mit den regional zuständigen Fachstellen (z.B. des Kinder- und Jugendschutzes, der Sexualpädagogik u.a.) zusammen, um adäquate Fortbildungsangebote zu ermöglichen und bestehende Kooperationsstrukturen zu stärken. Erfahren Sie mehr dazu auf dem Bildungsserver Rheinland-Pfalz.
Die Landeszentrale für Gesundheitsförderung RLP (LZG) bietet in Kooperation mit dem rheinland-pfälzischen Bildungsministerium Fortbildungen und Fachtage zu sexualpädagogischen Themen an. Mit den Fortbildungen soll das Personal an Kita und Schule darin unterstützt werden, Kinder in ihrer Sexualentwicklung umfassend und ganzheitlich zu fördern.
Auf Basis der Richtlinie Sexualerziehung für Schulen in Rheinland-Pfalz bietet die LZG seit 2009 in Kooperation mit dem BM eine dreiteilige Lehrerfortbildungsreihe (drei Module à 2 Tage) an. Der dritte Block widmet sich schwerpunktmäßig dem Themenbereich „Sexuelle Selbstbestimmung, Gefährdungen und Unterstützung“. In diesem Modul setzen sich Lehrkräfte mit sexuellen Rechten und sexueller Selbstbestimmung aber auch „anderen Gesichtern der Sexualität“ wie sexuelle Übergriffe, Medienwirkung auf Kinder, Pornografie und Grenzgänge/ -überschreitungen auseinander. Dabei werden für Schulen sexualpädagogisch bedeutsame Aspekte aufgegriffen, Möglichkeiten der Intervention, Präventions- sowie Rechtsinformationen besprochen und relevante Medien/Materialien sowie Unterstützungs- und Kooperationsmöglichkeiten benannt.
Die Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz bieten gefördert durch das Ministerium für Bildung jährlich Fortbildungen für Lehrkräfte zum Thema „Sexualisierte Gewalt – ein Thema für die Schule?!“ an. Auch die Kinderschutzdienste bieten Unterstützung für Fachkräfte als Vertrauenspersonen betroffener Kinder und Jugendlichen. Genauere Angaben dazu und zu weiteren Angeboten finden Sie auf dem Bildungsserver von Rheinland-Pfalz.
In der Trägerschaft der Katholischen Kirche bieten das Institut für Lehrerfort- und weiterbildung (ILF) und das Erziehungswissenschaftliche Fort- und Weiterbildungsinstitut der Evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz (EFWI) Fortbildungen und Beratung für alle an Schule Beteiligten an. Näheres zur Ausrichtung und zu den Programmen finden Sie unter www.ilf-mainz.de und www.efwi.de.
Die Fachstellen Kinder- und Jugendschutz der katholischen Bistümer haben ebenfalls Schutzkonzepte entwickelt und bieten Schulen Unterstützung an, nähere Informationen finden Sie unter http://www.praevention-kirche.de/startseite/.
Rahmenbedingungen für Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen in Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz besteht eine Pflicht zu Fortbildungen, aber ohne zeitliche und thematische Vorgaben. Finanziert werden sie je nach Anbieter unterschiedlich, Fortbildungen des Pädagogischen Landesinstituts sind kostenlos. Die Fortbildungsregelungen für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte in Rheinland-Pfalz stehen als Download zur Verfügung.
Gibt es in Rheinland-Pfalz rechtliche Vorgaben, auf die ein schulischer Verhaltenskodex Bezug nehmen kann?
Die wichtigste rechtliche Vorgabe ergibt sich aus dem in § 1 Abs. 5 Schulgesetz formulierten Distanzgebot: „Das Schulverhältnis ist als besonderes Obhutsverhältnis zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern geprägt von gegenseitigem Vertrauen, Achtung, Respekt und verantwortungsvollem Umgang mit Nähe und Distanz.“
Gibt es verbindliche Vorgaben, die die gemeinsame Nutzung sozialer Netzwerke von schulischen Beschäftigten und Schülerinnen bzw. Schülern betreffen?
Umfangreiche datenschutzrechtliche Hinweise zur Nutzung von sozialen Netzwerken im schulischen Kontext enthält das Handbuch „Schule.Medien.Recht“, dort insbesondere siehe Kapitel 2.7. In einem Merkblatt „Soziale Netzwerke“, das dort ebenfalls veröffentlicht ist, sind die wichtigsten Hinweise zusammengefasst, unter anderem, dass Facebook-Freundschaften zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern nicht in Betracht kommen.
Wie ist die Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern, von Eltern, dem Lehrkörper und anderen Beschäftigten im Schulgesetz geregelt?
Die Mitwirkung ist im Schulgesetz in folgenden Abschnitten geregelt: SchulG §§ 31-36 (Schülerinnen und Schüler), §§ 37-47 (Eltern), §§ 25-26 (Lehrkräfte, Schulleitung).
Die Partizipation wird auch durch die schulischen Beteiligungsrechte sichergestellt. So sollte das Schutzkonzept von der Gesamtkonferenz beschlossen werden. Die Zustimmung des Schulelternbeirats ist gemäß § 40 Abs. 6 Nr. 8 Schulgesetz erforderlich, und die Versammlung der Klassensprecherinnen und Klassensprecher sollte gemäß
§ 33 Abs. 1 Schulgesetz einbezogen werden. Der Schulausschuss sollte gemäß § 48 Abs. 2 gehört werden.
Welche schulgesetzlichen und curricularen Vorgaben gibt es in Rheinland-Pfalz zur Sexualerziehung?
Grundlage schulischer Sexualerziehung in Rheinland-Pfalz ist §1 des Landesgesetzes über die Schulen in Rheinland-Pfalz. Danach ist Sexualerziehung eine fächerübergreifende Aufgabe für alle Schularten und Schulstufen. Die Sexualerziehung soll die Schülerinnen und Schüler ihrem Alter und ihrem Reifegrad entsprechend in gebotener Zurückhaltung mit den Fragen der Sexualität vertraut machen sowie zu menschlicher, sozialer und gleichberechtigter Partnerschaft befähigen.
Die Sexualerziehung hat dabei die vom Grundgesetz und von der Verfassung für Rheinland-Pfalz vorgegebenen Wertentscheidungen für Ehe und Familie zu achten und dem Gebot der Toleranz Rechnung zu tragen.
Die Richtlinien zur Sexualerziehung für Schulen konkretisieren die Vorgaben im Schulgesetz als fächerübergreifende Aufgabe. Sie setzen den Akzent noch stärker auf die Unterstützung der Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung eines verantwortungsvollen und selbstbestimmten Umgangs mit Sexualität. Dabei werden Sexualität und Partnerschaft als wesentliche Bestandteile der menschlichen Existenz verstanden, auf die in der Regel das Wertesystem der Herkunftskultur nachhaltig einwirkt. Eine alters- und entwicklungsgemäße Sexualerziehung soll die Schülerinnen und Schüler befähigen, ihr Leben bewusst und in freier Entscheidung sowie in Verantwortung sich und anderen gegenüber zu gestalten. Das schließt ausdrücklich die Zusammenarbeit mit den Eltern ein. Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter: http://gesundheitsfoerderung.bildung-rp.de/sexualerziehung.
Berücksichtigt der Lehrplan „Sexualerziehung“ – oder der eines anderen Faches – Prävention von sexualisierter Gewalt?
In den rheinland-pfälzischen Sexualkunderichtlinien werden die zentralen Inhalte für die Sexualerziehung in der Primarstufe und in den Sekundarstufen I und II benannt. Dabei spielt auch das Thema „Prävention von sexualisierter Gewalt“ eine wichtige Rolle:
Prävention von sexueller Gewalt, z.B. Missbrauch, Grenzen und Grenzsetzungen
Sekundarstufen I und II:
Gesellschaftskontext (sexuelle Normen und Tabus, Familie und andere Formen des Zusammenlebens, rechtliche Grundlagen)
Gefahren und Gefährdungen (sexuell übertragbare Krankheiten, z.B. AIDS oder Hepatitis B, sexueller Missbrauch und Gewalt, Medien)
Zur Unterstützung aller Lehrkräfte beauftragt die Schulleitung Ansprechpartner für Prävention und Intervention hinsichtlich sexualisierter Gewalt.