Source: https://www.zfir-online.de/heft-10-2020/zfir-2020-392-4-86zu-widerruf-und-anfechtung-einer-auf-bauunterlagen-erteilten-nachbarzustimmung/
Timestamp: 2020-05-30 11:50:35
Document Index: 343853689

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 70', '§ 119', '§ 8', '§ 68', '§ 70', '§ 119', '§ 130', '§ 68', '§ 130', '§ 119', '§ 142', '§ 812']

Zu Widerruf und Anfechtung einer auf Bauunterlagen erteilten Nachbarzustimmung (VG Trier, Beschl. v. 19.11.2019 – 7 K 3469/19.TR) – ZfIR 2020, 392 | ZfIR online
RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH & Co. KG, Köln RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH & Co. KG, Köln 1433-0172 Zeitschrift für Immobilienrecht ZfIR 2020 Rechtsprechung in LeitsätzenBau-, Boden- und UmweltrechtLBauO RP §§ 8, 68 Abs. 1 Satz 2, 3, § 70 Abs. 1 Satz 1, 3; BGB §§ 119 ff., 13086. Zu Widerruf und Anfechtung einer auf Bauunterlagen erteilten Nachbarzustimmung LBauO RP§ 8 LBauO RP§ 68 LBauO RP§ 70 BGB§§ 119 ff. BGB§ 130 VG Trier, Beschl. v. 19.11.2019 – 7 K 3469/19.TRVG TrierBeschl.19.11.20197 K 3469/19.TR
1. Erklärt der Nachbar durch die Unterschrift auf den Bauunterlagen seine Zustimmung zu einem Vorhaben (§ 68 Abs. 1 Satz 2, 3 LBauO RP) und ficht er die Zustimmung zu einem späteren Zeitpunkt an, führt dies nicht zur Unzulässigkeit der Klage.
2. Die Wirksamkeit der Anfechtung ist vielmehr im Rahmen der Begründetheit bei der Frage zu prüfen, ob die subjektiv-öffentlichen Rechte des Nachbarn durch die Zustimmung erloschen sind.
3. Die Nachbarzustimmung kann analog § 130 BGB bis zum Eingang der Bauunterlagen bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde dieser gegenüber einseitig widerrufen werden.
4. Darüber hinaus kann die Nachbarzustimmung analog §§ 119 ff. BGB durch Erklärung gegenüber der zuständigen Bauaufsichtsbehörde wegen Irrtums, widerrechtlicher Drohung oder arglistiger Täuschung angefochten und dadurch rückwirkend (§ 142 Abs. 1 BGB) beseitigt werden.
5. Bei einer Anfechtung wegen arglistiger Täuschung ist auch ein Irrtum des Nachbarn beachtlich, der sich auf Tatsachen außerhalb der unterschriebenen Bauunterlagen bezieht.
6. Die Anfechtung eines privatrechtlichen Vertrages, der den Rechtsgrund für die Nachbarzustimmung darstellt, führt für sich genommen nicht zur Unwirksamkeit der Nachbarzustimmung, sondern allenfalls zu deren Kondizierbarkeit (§§ 812 ff. BGB).