Source: https://www.rechtslupe.de/allgmeines/rechtlicher-vorteil-fuer-minderjaehrige-und-das-niessbrauchsrecht-369678
Timestamp: 2020-08-06 16:56:24
Document Index: 361036012

Matched Legal Cases: ['§ 107', '§ 1629', '§ 1695', '§ 1909', '§ 1041', '§ 1049', '§ 677', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Rechtlicher Vorteil für Minderjährige - und das Nießbrauchsrecht | Rechtslupe
Rechtlicher Vorteil für Minderjährige - und das Nießbrauchsrecht
Die Bestel­lung eines Ergän­zungs­pfle­gers zur Geneh­mi­gung eines unent­gelt­li­chen Über­tra­gungs­ver­trags ist not­wen­dig, wenn die Eltern der min­der­jäh­ri­gen Über­neh­me­rin ein lebens­lan­ges Nieß­brauchs­recht an dem über­tra­ge­nen Grund­be­sitz erhal­ten sol­len und eine Pflicht der Eltern zur Über­nah­me von Kos­ten jeg­li­cher Art nicht ver­ein­bart ist [1].
Der Min­der­jäh­ri­ge bedarf gemäß den §§ 107, 108 BGB der Ein­wil­li­gung ihres gesetz­li­chen Ver­tre­ters, wenn es sich um den Abschluss eines nicht ledig­lich recht­lich vor­teil­haf­ten Geschäfts han­delt. Kön­nen die Eltern ihr Kind nicht ver­tre­ten, weil auch ein Vor­mund von der Ver­tre­tung aus­ge­schlos­sen wäre, § 1629 Abs. 2 Satz 1 BGB i. V. m. § 1695 Abs. 1 Nr. 1 BGB, ist gem. § 1909 BGB ein Ergän­zungs­pfle­ger zu bestel­len. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind bei der Bestel­lung eines Nieß­brauchs­rechts zuguns­ten des min­der­jäh­ri­gen Kin­des gege­ben.
Das Kind erlangt durch den Ver­trag nicht ledig­lich einen recht­li­chen Vor­teil. Ein auf den Erwerb einer Sache gerich­te­tes Rechts­ge­schäft ist für Min­der­jäh­ri­ge nicht ledig­lich recht­lich vor­teil­haft, wenn er in des­sen Fol­ge mit Ver­pflich­tun­gen belas­tet wird, für die er nicht nur ding­lich mit der erwor­be­nen Sache, son­dern auch per­sön­lich mit sei­nem sons­ti­gen Ver­mö­gen haf­tet [2]. Die Beur­tei­lung ist unab­hän­gig davon, ob die wei­ter­ge­hen­den Ver­pflich­tun­gen von dem Betei­lig­ten des Rechts­ge­schäfts ange­strebt wor­den sind; es genügt, wenn sie die gesetz­li­che Fol­ge des ange­streb­ten Rechts­ge­schäfts sind. Erfor­der­lich ist hier­für eine iso­lier­te Betrach­tung allein des ding­li­chen Erwerbs­ge­schäfts [3]. Haf­tet die Min­der­jäh­ri­ge nicht nur ding­lich mit dem erwor­be­nen Grund­stück, son­dern auch per­sön­lich mit dem eige­nen Ver­mö­gen, ist das Geschäft nicht ledig­lich recht­lich vor­teil­haft [4].
Dies ist hier der Fall. Eine Beschrän­kung der Haf­tung des min­der­jäh­ri­gen Kin­des auf den Grund­be­sitz ist nicht gege­ben. Zwar ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs der Erwerb eines Grund­stücks unter gleich­zei­ti­ger Bestel­lung eines Nieß­brauchs­rechts nicht von der Geneh­mi­gung eines Ergän­zungs­pfle­gers abhän­gig, wenn der Nieß­brau­cher gleich­zei­tig über die sich aus §§ 1041, 1047 BGB erge­ben­den Belas­tun­gen hin­aus auch die Kos­ten außer­ge­wöhn­li­cher Aus­bes­se­run­gen und Erneue­run­gen sowie die außer­ge­wöhn­li­chen Grund­stücks­las­ten zu tra­gen hat [5]. Hier­von ist der vor­lie­gen­de Sach­ver­halt jedoch zu unter­schei­den. Die Ver­trags­be­tei­lig­ten haben gera­de kei­ne der­ar­ti­ge Abre­de getrof­fen, dass die Nieß­brauchs­be­rech­tig­ten sämt­li­che Kos­ten pp. zu tra­gen hät­ten. Ihr Ein­wand, bei dem über­tra­ge­nen Grund­be­sitz han­de­le es sich um eine Acker­flä­che und Kos­ten, außer­ge­wöhn­li­che Aus­bes­se­run­gen und Erneue­run­gen sowie außer­ge­wöhn­li­che Grund­stücks­las­ten wür­den nicht anfal­len, ist uner­heb­lich. Denn der Anfall ent­spre­chen­der Kos­ten kann nicht mit Sicher­heit aus­ge­schlos­sen wer­den. Abge­se­hen davon bleibt die Mög­lich­keit, dass das min­der­jäh­ri­ge Kind gem. § 1049 BGB i. V. m. den §§ 677 ff. BGB den über­tra­gen­den Eltern Ersatz der Kos­ten für auf die Sache gemach­ten Ver­wen­dun­gen schul­det.
Soweit das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le in der Ent­schei­dung vom 16.02.2001 [6] eine ande­re Auf­fas­sung zur Geneh­mi­gungs­pflicht durch einen Ergän­zungs­pfle­ger ver­tre­ten haben soll­te, wird hier­an nicht fest­ge­hal­ten.
Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 7. Novem­ber 2013 – 4 W 186/​13
Auf­ga­be von OLG Cel­le, Beschluss vom 16.02.2001 – 4 W 324/​00[↩]
BGH NJW 2010, 3643, Rn. 6; BGH NJW 2005, 415, 417[↩]
BGH NJW 2010, 3643, Rn. 6; BGH NJW 2005, 415, 416 f.[↩]
BGH NJW 2005, 1430 f.[↩]
eben­so OLG Mün­chen NJW-RR 2012, 137[↩]
OLG Cel­le, Beschluss vom 16.02.2001 – 4 W 324/​00[↩]
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