Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VII%207/05
Timestamp: 2020-04-06 15:41:59
Document Index: 3362285

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 1154', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', 'BGH', '§ 130']

RG, 27.10.1905 - Rep. VII. 7/05 - dejure.org
RG, 27.10.1905 - Rep. VII. 7/05
https://dejure.org/1905,3
RG, 27.10.1905 - Rep. VII. 7/05 (https://dejure.org/1905,3)
RG, Entscheidung vom 27.10.1905 - Rep. VII. 7/05 (https://dejure.org/1905,3)
RG, Entscheidung vom 27. Januar 1905 - Rep. VII. 7/05 (https://dejure.org/1905,3)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1905,3) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Wirksamwerden einer schriftlichen Willenserklärung unter Anwesenden
Schriftliche Willenserklärung unter Anwesenden
RGZ 61, 414
RGZ 61, 415
Der Begriff des Erteilens verlangt vielmehr eine Entäußerung gegenüber dem Gläubiger, indem die schriftliche Erklärung diesem - und sei es nur vorübergehend (…vgl. BGH, Urt. v. 3. März 1976 - VIII ZR 209/74, WM 1976, 422, 423; v. 30. November 1977 - VIII ZR 69/76, WM 1978, 266, 267) - zur Verfügung gestellt wird (RGZ 61, 414, 415; RG WarnRspr 1909 Nr. 353; JW 1927, 38, 39; SeuffA 80 Nr. 82; HRR 1932 Nr. 1917; auch RG JW 1906, 558 = Gruchot 51, 181, 185 f; LZ 1918 Sp. 1067, 1068 - je zur Erteilung der Abtretungserklärung nach § 1154 BGB).
Zwar geht eine empfangsbedürftige, schriftlich verkörperte (Annahme-) Erklärung dem anderen Teil regelmäßig erst zu, wenn das Schriftstück in dessen Herrschaftsbereich gelangt (vgl. RGZ 61, 414).
§ 130 Abs. 1 BGB stellt den allgemeinen, die gesamte Lehre vom Abschlusse des Rechtsgeschäfts beherrschenden Grundsatz auf, daß der Erklärende nicht gebunden sein soll, solange er in der Lage ist, über das die Erklärung enthaltene Schriftstück selbst zu verfügen, wohl aber, sobald der Adressat die tatsächliche Verfügungsgewalt über das Schriftstück erlangt hat (RG v. 27.10.1905 - VII 7/05, RGZ 61, 414, 415).
In beiden vorgenannten Entscheidungen wird ausdrücklich an das RG-Urteil vom 27.10.1905, RGZ 61, 414 f. angeknüpft.
Die Vorschrift ist jedoch auf eine in dieser Weise unter Anwesenden abgegebene schriftliche (verkörperte) Willenserklärung entsprechend anzuwenden (vgl. RGZ 61, 414; MünchKomm-Förschler, BGB, § 130 Rz 1;… Palandt/Heinrichs, BGB, 43. Aufl., § 130 Anm. 4 a, jeweils m.w.N.).
a) Es entspricht allgemeiner Auffassung, daß eine verkörperte Willenserklärung unter Anwesenden zugeht (und damit entsprechend § 130 Abs. 1 Satz 1 BGB wirksam wird), wenn sie durch Übergabe in den Herrschaftsbereich des Empfängers gelangt (vgl. RGZ 61, 415;… BGH, Urt. v. 21. Februar 1996 - IV ZR 297/94, NJW-RR 1996, 641;… Förschler in MünchKomm z. BGB, 3. Aufl., § 130 Rdn. 18 m.w.N.).
Der Zugang ist erfolgt, wenn der Erklärungsempfänger die tatsächliche Verfügungsgewalt über das die Erklärung enthaltene Schriftstück erlangt hat (so schon RG 27. Oktober 1905 - VII 7/05 - RGZ 61, 414, 415).