Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Mehrere-Jahre-Werkstudent-und-als-fester-MA-wieder-nur-befristet-angestellt--f333305.html
Timestamp: 2019-11-11 22:32:48
Document Index: 44017539

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14']

www.frag-einen-anwalt.deArbeitsrechtArbeitsvertragMehrere Jahre Werkstudent und ...
| 22.10.2019 09:33 |
ich habe eine Frage zum Thema Arbeitsrecht. Ich war mehrere Jahre Werkstudent bei einem Unternehmen und bin jetzt fester Mitarbeiter, allerdings wieder nur mit befristeten Arbeitsvertrag. Meiner Meinung nach hätte ich eigentlich einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten müssen. Hier mal mein genauer Werdegang bei dem Unternehmen:
01.11.2016 – 31.10.2018 „normaler" Werkstudentenvertrag, welcher innerhalb dieser Zeit dreimal verlängert wurde.
01.11.2018 – 31.05.2019 "Spezieller Werkstudentenvertrag", der hier "Student in Praxis Vertrag" heißt und am Tarifvertrag angegliedert ist, womit eine Übernahme nach erfolgreicher Abschlussarbeit zusichert wird. Allerdings gab es dann Probleme in der Abteilung, weshalb das mit der Übernahme dann doch nicht geklappt hat.
01.06.2019 – 14.06.2019 kein Angestellter
15.06.2019 – 31.05.2021 befristeter Arbeitsvertrag als normaler Mitarbeiter
Wie sieht dazu die genaue Rechtslage aus?
Grundsätzlich ist ein "Werkstudent" oder auch ein "Student im Praxisvertrag" ein normaler Arbeitnehmer, der Gehaltsansprüche , Entgeltfortzahlungsansprüche, Urlaubsansprüche, etc. hat.
Für ihn wie auch den normalen Angestellten gilt grundsätzlich § 14 TzBfG Dieser lautet:
Ich gehe bei Ihnen innerhalb des Studentenlebens zunächst von einer kalendermäßigen Begristung aus. Diese Befristung hätet man angreigen können und zwar binnen 3 Wochen nach dem letzten Befristungsende, also bis zum 21.06.2019. Die Befristung noch vor Studienende war aufgrund zu langer Vorarbeitszeiten angreifbar (die zeitliche Befristung von 2 Jahren bzw. 3 Verlängerungen ohne Sachgrund wurde überschritten, vgl. § 14 Abs. 2 TzBfG).
Allerdings gilt dies nicht für den befristeten Vertrag als "normaler" Angestellter. Hier liegt leider eine Befristung mit Sachgrund vor. Denn hier gilt der gesetzlich geregelte Sachgrund des § 14 Abs. 1 Nr. 2 TzBfG, weil davon auszugehen ist, dass die Befristung geeignet ist, den ehemaligen Studenten in Arbeit zu bringen ( Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 10.10.2007, 7 AZR 795/06).
Eine Befristung mit Sachgrund ist grundsätzlich stets möglich, wobei der Sachgrund vom arbeitgber darzulegen und zu beweisen wäre. In Ihrem Fall ergibt sich der Sachgrund daraus, dass es sich um den ersten Arbeistvertrag nach dem Ende des Studiums handelt. Der arbeitgber wird keine Schwierigfkeiten haben dies darzulegen und zu beweisen.
FAZIT: Die Befristung ihres ersten Vertrag als "normaler" Mitarbeiter ist leider nach § 14 Abs. 1 Nr. 2 TzBfG zulässig. Sie sollten hiergegen nicht vorgehen, denn es liegt ein Sachgrund vor, der die Befristung rechtfertigt.
Eine weitere Befristung erscheint mir dennoch nicht möglich. Die Befristung nach § 14 abs. 1 Nr. 2 TzBfG ist nur einmalig geeignet, einen Sachgrund zu liefern. Eine weitere Befristung oder gar eine Verlängerung kann hierauf nicht gestützt werden. Da die vollen 2 Jahre des § 14 Abs. 2 TzBfG ausgeschöpft sind, kommt nach Ablauf dieser Befristung eine Verlängerung oder eine neue sachgrundlose Befristung nicht in Betracht. Der Arbeitgeber bräuchte einen anderen Sachgrund.
Endergebnis: Die derzeitige Befristung ist wirksam, aber ein neuer anschließender befristeter Vertrag ist nicht möglich wenn kein Sachgrund vorliegt, den der Arbeitgeber beweisen kann. Sie sollten daher die jetzige Befristung nicht angreifen, denn dies verspricht keinen Erfolg.
Sollte der Arbeitgeber Sie jedoch nach dem 31.05.2021 wieder befristet anstellen wollen, so lohnt es sich bei Ablauf der neuen Befristung ( 3 Wochen Frist beachten) eine sogenannte Entfristungsklage zu stellen, wenn nicht offensichtlich ein sachlicher Grund für die Befristung besteht. Diese Klage bezieht sich auf eine Feststellung des Gerichts, dass das Arbeitsverhältnis nicht wirksam befristet wurde und deswegen auch über das Befristungsdatum hinaus fortbesteht.
Bewertung des Fragestellers 22.10.2019 | 11:29
BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 22.10.2019