Source: https://rezac.cc/news_details/corona-wohnungsmieten.html
Timestamp: 2020-06-01 18:57:18
Document Index: 295402831

Matched Legal Cases: ['§ 1118', '§ 1118', '§ 17', '§ 29', '§ 29', '§ 6']

Corona & Wohnungsmieten - Rezac
Corona & Wohnungsmieten
Mit einem weiteren Maßnahmenpaket zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie hat der Nationalrat eine Reihe von Bundesgesetzen beschlossen, die weitreichende Auswirkungen auf Wohnungsmietverträge enthalten. Die Regelungen sehen u.a. etwa eine Mietzinsstundung und den Schutz vor Kündigung und Räumung vor, wenn Wohnungsmieter wegen der aktuellen Corona-Krise erheblich in ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit beeinträchtigt werden und so mit ihren Mietzinszahlungen im Zeitraum April bis Juni 2020 in Verzug geraten. Vorübergehend wird die Klagbarkeit des Anspruchs auf Mietzinszahlung für diese Mietzinsperioden ausgesetzt. Ebenso kann aus diesen Gründen keine Kündigung oder Räumungsklage eingeleitet werden. Aber zuerst die gute Nachricht für beide Seiten: befristete Wohnungsmietverträge, die im 2. Quartal 2020 auslaufen, können ausnahmsweise bis Jahresende verlängert werden.
Der Vermieter kann allein wegen eines Zahlungsrückstands einen Wohnungsmietvertrag weder kündigen noch dessen Aufhebung nach § 1118 ABGB fordern, wenn der Mieter einer Wohnung eine Mietzinszahlung, die im Zeitraum vom 1.4.2020 bis zum 30.6.2020 fällig wird, nicht oder nicht vollständig entrichtet, weil er als Folge der COVID-19-Pandemie in seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt ist.
kann der Vermieter bis 12.2020 keine Klage auf Zahlung des Mietzinses einbringen. Er darf hierfür auch nicht die einbehaltene Kaution zum Ausgleich der Mietrückstände verwenden. Die Fehlbeträge für diesen Zeitraum (samt Verzugszinsen beschränkt mit 4%) können erst nach dem 31.12.2020 eingeklagt werden. Der Mieter hat grundsätzlich also bis zum Jahresende Zeit, die Miete „nachzuzahlen“.
Dem Vermieter steht kein auf diesen Zahlungsverzug gestütztes Kündigungsrecht zu. Dazu ist der Vermieter erst berechtigt, sofern die für den o.g. Zeitraum geschuldeten Beträge (samt Verzugszinsen beschränkt mit 4%) nicht bis spätestens 06.2022 nachgezahlt werden.
Zu beachten ist weiters, dass dem Mieter vor dem 06.2022 auch keine außergerichtlichen Betreibungskosten für Zahlungsrückstände für das 2. Quartal 2020 angelastet werden können.
Heißt das, Wohnungsmieten müssen dzt. nicht mehr bezahlt werden?
Nein, die Zahlungspflicht für Wohnraummietverträge besteht weiter, aber es kommt zu einem vorübergehenden Ausschluss der Möglichkeit der gerichtlichen Geltendmachung von Zahlungsrückständen eines Wohnungsmieters, wenn dieser infolge der Corona-Pandemie in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist und daher die Miete in der Zeit zwischen April bis Juni 2020 nicht oder nicht vollständig entrichten konnte. Ab Jahresbeginn 2021 kann der Vermieter einen bis dahin nicht beglichenen Zahlungsrückstand gerichtlich einklagen, eine Kündigung oder Aufhebung des Mietvertrages nach § 1118 ABGB aus eben diesem Grund kann aber erst später, nämlich ab 1.7.2022 gerichtlich geltend gemacht werden. Das Vermieterrecht, eine unterbliebene Mietzinszahlung aus diesem Zeitraum zur Grundlage einer Vertragsauflösung zu machen, wird also um zwei Jahre hinausgeschoben, weil man damit rechnet, dass sämtliche wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erst nach dieser Zeit abgeklungen sein werden. Mit anderen Worten: Wird der Zahlungsrückstand nicht bis Ende des Jahres beglichen, kann der Vermieter ab Jänner 2021 zwar den Zahlungsrückstand aus dieser Periode gerichtlich geltend machen, aber eine Kündigung des Mietverhältnisses oder eine Räumungsklage aus diesem Grund wird jedoch erst eineinhalb Jahre später (ab Juli 2022) ermöglicht, weil der Kündigungs- und Räumungsausschluss gem. § 17 Abs 2 erst am 30.6.2022 außer Kraft tritt.
deren Mieten im Zeitraum von 1.4.2020 bis zum 30.6.2020 fällig sind bzw. werden
denen eine Bezahlung in Folge der COVID-19-Pandemie nicht (vollständig) möglich ist, da ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt ist.
Hintergrund der Regelung und Probleme der Beweislast
Grundsätzlich ist dies eine temporäre Ausnahmebestimmung zu den ansonsten geltenden Grundsätzen. „Sie ist daher jedenfalls insofern einschränkend auszulegen, als die Beschränkung der Rechtsfolgen jedenfalls nur eintritt, wenn die Einkommensverluste aufgrund der COVID-19-Pandemie dazu führen, dass der Mieter seiner Pflicht zur Mietzinszahlung nicht vollständig oder überhaupt nicht nachkommen kann.“ Hier zeigt sich, dass die Maßnahmen keinen Freibrief für Mieter bedeuten, die Miete nicht zu bezahlen sondern zum Schutz jener gedacht sind, die erheblich in ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit getroffen wurden, wenn es auch in der Praxis zu Abgrenzungsschwierigkeiten kommen wird, ab wann die Erheblichkeitsschwelle der Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit überschritten wird. Die Beweislast dafür trägt nach allgemeinen zivilrechtlichen Bestimmungen jedoch der Mieter.
Demonstrativ führt der Gesetzgeber nachfolgende Beispiele für die Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit an:
Für demnächst auslaufende Wohnungsmietverträge wurde eine von § 29 MRG abweichende Verlängerungsmöglichkeit geschaffen: bei befristeten Wohnungsmietverträgen (in Voll- und Teilanwendung des MRG), die nach dem 30.3.2020 und vor dem 1.7.2020 ablaufen, kann der Mietvertrag schriftlich (!) für einen Zeitraum bis zum Ablauf des 31.12.2020 oder für einen kürzeren Zeitraum verlängert werden.
Das heißt: Zur besseren Bewältigung der Krisensituation wurde temporär und ausnahmsweise die Möglichkeit einer Verlängerung von Wohnungsmietverträgen auf eine kürzere Zeit als drei Jahre geschaffen. Diese kurzfristige Verlängerung muss schriftlich erfolgen und unter den Erfordernissen gem. § 29 MRG erfolgen. Das bedeutet wie bisher, dass es einer schriftlichen (gemeint unterschriftlichen) Vereinbarung bedarf - ein einfaches E-Mail reicht für eine Unterschriftlichkeit nicht aus. Wird der Mietvertrag nach Ablauf dieses Verlängerungszeitraums weder vertraglich verlängert noch aufgelöst, gilt der Vertrag automatisch um weitere drei Jahre verlängert.
Um die Wohnungssuche in der gegenwärtigen Phase einzuschränken, wird Wohnungsmietern das Recht eingeräumt, einen Räumungsaufschub zu beantragen. Dieses Recht besteht unabhängig davon, aus welchem Grund das zugrunde liegende Vertragsverhältnis beendet wurde. Voraussetzung für den Aufschub (§ 6 Abs 1) ist ein dringendes Wohnbedürfnis des Antragstellers; außerdem dürfen dem Aufschub keine schweren persönlichen oder wirtschaftlichen Nachteile des Gläubigers entgegenstehen. Vor der Entscheidung über die Aufschiebung ist dem betreibenden Gläubiger Gelegenheit zur schriftlichen Äußerung zu geben.
Um zu verhindern, dass Personen in der aktuellen Situation aufgrund einer Delogierung unterstandslos werden - wodurch auch der Zweck der genannten Maßnahmen konterkariert würde - soll die Räumung von Wohnungen auf Antrag des Verpflichteten aufgeschoben werden können. Der Räumungsaufschub dauert bis zur Beendigung der zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 getroffenen Maßnahmen, aufgrund derer die Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. Anders als der Kündigungsaufschub setzt der Räumungsaufschub nicht voraus, dass es sich um eine durch die COVID-19-Pandemie verursachte Notlage handelt. Es spielt auch keine Rolle, ob es sich um eine Räumung aufgrund Kündigung oder Ablauf der Befristung handelt. Handelt es sich um eine Kündigung, so ist nicht nur der Kündigungsgrund des Zahlungsverzuges, sondern auch jeder andere Kündigungsgrund umfasst. Eingeschränkt wird der Räumungsaufschub nur insoweit, als es zur Abwendung schwerer persönlicher oder wirtschaftlicher Nachteile des betreibenden Gläubigers unerlässlich ist.