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Timestamp: 2020-03-29 00:49:09
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Matched Legal Cases: ['§ 249', '§ 12', '§ 23', '§ 30', '§ 138', '§ 249', '§ 230', '§ 249', '§ 249', '§ 249', '§ 250', '§ 251', '§ 255', '§ 249', '§ 255', '§ 249', '§ 255', '§ 13', '§ 244', '§ 250', '§ 224', '§ 250', '§ 250', '§ 250', '§ 250', '§ 250', '§ 251', '§ 11', '§ 249', '§ 239', '§ 223', '§ 224', '§ 316', '§ 255', '§ 253', '§ 255', '§ 252', '§ 250', '§ 251', '§ 316', '§ 316', '§ 249', 'Art. 140', '§ 142', '§ 143', '§ 289', '§ 249', '§ 249', '§ 249', '§ 249', '§ 242', '§ 249', '§ 185', '§ 249', '§ 255', '§ 249', '§ 249', '§ 250', '§ 224', '§ 250', '§ 251', '§ 256', '§ 249']

Der Tatbestand des Raubs ist in § 249 StGB normiert und lautet seit seiner letzten Veränderung am 1. April 1998 wie folgt:
Aufgrund der Mindeststrafandrohung von einem Jahr Freiheitsstrafe stellt der Raub gemäß § 12 Absatz 1 StGB ein Verbrechen dar. Daher sind nach § 23 Absatz 1 StGB der Versuch und nach § 30 Absatz 1 und 2 StGB bestimmte vorbereitende Handlungen strafbar. Nach § 138 Absatz 1 Nummer 7 StGB handelt es sich bei § 249 StGB ferner um einen Tatbestand, dessen Nichtanzeige strafbar sein kann. Der Raub ist ein Offizialdelikt, er wird daher ohne Strafantragserfordernis von Amts wegen verfolgt.
Der Tatbestand des Raubs dient mit seiner Kombination von Diebstahl und Nötigung dem Schutz zweier Rechtsgüter: dem Eigentum und der Willensfreiheit des Opfers.[1][2]
Die gegenwärtige Struktur der deutschen Raubdelikte, bei denen zwischen Raub und Erpressung unterschieden wird, beruht auf dem neunzehnten Abschnitt des preußischen Strafgesetzbuchs von 1851.[3] So fußt der moderne Raubtatbestand auf § 230 des preußischen StGB.[4] Nach der Reichsgründung wurde diese Norm als § 249 in das am 1. Januar 1872 in Kraft getretene Reichsstrafgesetzbuch integriert. Hiernach wurde mit Zuchthaus bestraft, wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine fremde bewegliche Sache einem anderen wegnahm, um sie sich selbst zuzueignen.
Am 4. August 1953 wurde das Reichsstrafgesetzbuch durch das dritte Strafrechtsreformgesetz als Strafgesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland neu bekannt gemacht. Eine Änderung des § 249 StGB erfolgte hierbei nicht. Eine erste Änderung dieser Norm erfolgte mit Wirkung zum 1. September 1969. Hierbei wurde im Zuge der Abschaffung des Zuchthauses die Zuchthausstrafe durch die Androhung einer Gefängnisstrafe abgelöst, deren Dauer mindestens ein Jahr beträgt. Eine weitere Änderung erfolgte durch das Strafrechtsreformgesetz von 1998, in dessen Rahmen bei § 249 StGB ein Merkmal des subjektiven Tatbestands ergänzt wurde. Hiernach kommt ein Raub auch in Fällen in Betracht, in denen der Täter die Beute nicht sich selbst, sondern einem Dritten zueignen will.[5]
Ebenfalls seit 1872 existiert die Raubqualifikation des § 250 StGB. Auch diese Norm erfuhr ihre größte Veränderung im Zuge des sechsten Strafrechtreformgesetzes von 1998. Hierbei wurden das überdurchschnittlich hohe Mindeststrafmaß von fünf Jahren Freiheitsstrafe verringert, der Tatbestand sprachlich überarbeitet und die qualifizierenden Merkmale neu gefasst.[6] Auch § 251 StGB ist seit 1872 Bestandteil des StGB. Diese Norm wurde mehrfach durch Strafrechtsreformgesetze überarbeitet.[7] § 255 StGB existiert schließlich seit 1872 im Wesentlichen unverändert.
→ Hauptartikel: Nötigung (Deutschland)#Merkmale und Auslegung
Gemäß § 249 Absatz 1 StGB kommen für die Begehung eines Raubs zwei Nötigungsmittel in Frage: Gewalt gegen eine Person und Drohung mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib oder Leben. Beide Handlungsvarianten setzen nicht voraus, dass der Adressat der Nötigung zugleich Gewahrsamsinhaber ist, sodass auch die Nötigung eines Dritten den Raubtatbestand erfüllen kann.[8]
Gewalt ist nach der Definition des Bundesgerichtshofs körperlich wirkender Zwang durch die Entfaltung von Kraft oder durch sonstige physische Einwirkung, die nach ihrer Intensität und Wirkungsweise dazu geeignet ist, die freie Willensentschließung oder Willensbetätigung eines anderen zu beeinträchtigen.[9] Exemplarisch sind beispielsweise das Niederschlagen[10] und das Einschließen[11]. Auch das Beibringen eines Betäubungsmittels zur Lähmung des Opfers stellt eine Gewaltanwendung dar.[12] Beim Entreißen des Beutestücks handelt es sich um Gewalt, sofern der Täter hierzu Kraft aufwenden muss, etwa weil das Opfer Widerstand leistet.[13] Keine Gewalt wendet der Täter hingegen an, indem er dem Opfer die Beute abnimmt, ohne dass dieses Widerstand leistet, etwa weil der Täter das Opfer mit seinem Angriff überrascht. In einem solchen Fall nutzt der Täter weniger Gewalt als vielmehr List.[14][15]
Unter einer Drohung versteht man das Ankündigen eines gegenwärtigen Übels, auf dessen Eintritt der Täter vorgibt, Einfluss zu haben.[16] Das angedrohte Übel kann sich entweder auf das Leben oder den Leib des Opfers beziehen. In letztgenanntem Fall muss es eine hinreichende Intensität besitzen, um dem Unrechtsgehalt des Raubs gerecht zu werden.[17][18] Dies trifft etwa auf die Androhung einer Körperverletzung zu.[19] Ein angedrohtes Übel ist gegenwärtig, wenn das Opfer davon ausgehen kann, dass sein Eintritt bevorsteht.[20] Sofern der Täter eine Garantenstellung gegenüber dem Opfer innehat, kann der Täter auch mit dem pflichtwidrigen Unterlassen der Abwendung einer Gefahr drohen.[18]
→ Hauptartikel: Diebstahl (Deutschland)#Objektiver Tatbestand
Hinsichtlich der Wegnahme ergeben sich im Ausgangspunkt keine Unterschiede im Vergleich zum Tatbestand des Diebstahls: Eine Wegnahme umfasst den Bruch fremden und die Begründung neuen Gewahrsams an einer beweglichen Sache.[21] Durch das Tatbestandsmerkmal der Wegnahme unterscheidet sich der Raub von der in § 255 StGB geregelten räuberischen Erpressung. Die Abgrenzung zwischen beiden Delikten gestaltet sich in vielen Fällen allerdings schwierig, da beide Tatbestände auf der Nötigung aufbauen, wodurch sie sich überschneiden.[22][23] Wie dieser Konflikt aufzulösen ist, ist in der Rechtswissenschaft umstritten:
Nach einer Ansicht, die auch von der Rechtsprechung vertreten wird[24][25], liegt der Unterschied zwischen beiden Delikten darin, dass sich der Täter beim Raub die Sache selbst nimmt, während er sie sich bei der räuberischen Erpressung vom Opfer übergeben lässt. Beurteilungsmaßstab ist also das äußere Erscheinungsbild des Geschehens, somit ein objektives Kriterium.[26][27][28]
Gegen diese Auffassung wenden einige Rechtswissenschaftler ein, dass sie nicht der Gesetzessystematik entspreche: § 249 und § 255 StGB seien als gleichwertige Delikte mit unterschiedlichen Schutzzwecken konzipiert.[29][30] Während der Raub dem Eigentumsschutz diene, schütze die räuberische Erpressung das Vermögen. Außerdem sei der Raub nach der Gegenauffassung wegen des identischen Strafmaßes beider Delikte überflüssig, was keine sinnvolle Auslegung des Gesetzes darstellen könne.[31] Daher grenzen sie Raub und räuberische Erpressung anhand der Sichtweise des Opfers ab, ähnlich wie es bei Diebstahl und Betrug geschieht. Als charakteristische Element der räuberischen Erpressung sehen sie an, dass die Handlung, die unmittelbar zur Vermögensschädigung führt, vom Opfer vorgenommen wird.[32] Zur Abgrenzung erweitern sie den objektiven Tatbestand der räuberischen Erpressung um das Kriterium der Vermögensverfügung, ein ungeschriebenes Tatbestandsmerkmal, das auch beim Betrug angewendet wird. Hierbei entschließt sich der Genötigte zur Übergabe in der Annahme, dass seine Handlung dafür notwendig ist, dass der Täter Gewahrsam am Tatobjekt erlangt. Eine Wegnahme liegt dagegen vor, wenn das Opfer davon ausgeht, dem Täter derart preisgegeben zu sein, dass der Täter unabhängig von seiner Mitwirkung Gewahrsam erlangt.[33][34]
Nach vorherrschender Auffassung ist eine solche Verknüpfung nicht erforderlich. Das Unrecht eines Raubs zeichne sich durch den Willen zur Kombination von Nötigung und Diebstahl aus, sodass es auf einen objektiven Zusammenhang nicht ankomme. Der objektive Tatbestand des Raubs ist daher nach dieser Ansicht bereits erfüllt, wenn der Täter Nötigung und Wegnahme begeht. Irrelevant sei demnach, ob die Nötigungshandlung die Wegnahme tatsächlich erlaubt oder erleichtert.[36][37][38]
Der subjektive Tatbestand des Raubs setzt sich aus den subjektiven Tatbestandsmerkmalen von Nötigung und Diebstahl zusammen. Daher muss der Täter mit bedingtem Vorsatz hinsichtlich des objektiven Tatbestands handeln, also die wesentlichen Tatumstände erkennen.
Weiterhin muss der Täter in der Absicht handeln, sich die Sache zuzueignen. Diese Zueignungsabsicht teilt sich in eine Aneignungsabsicht und einen Enteignungsvorsatz auf. Unter Aneignungsabsicht versteht man den zielgerichteten Willen des Täters. die Sache zumindest vorübergehend in Eigenbesitz zu nehmen. Mit Enteignungsvorsatz handelt der Täter, wenn er billigend in Kauf nimmt, dass der Eigentümer die ihm zustehende Sachherrschaft nicht wieder zurückerlangt.[42] Hieran fehlt es etwa, wenn der Täter die Sache zwar vorübergehend an sich nehmen will, allerdings plant, sie später dem Opfer wieder zurückzugeben oder der Täter die Sache als Druckmittel gegen das Opfer nutzen will.[43]
Darüber hinaus muss der Täter die Nötigung zwecks Ermöglichung der Wegnahme einsetzen wollen, etwa um tatsächlichen oder potentiellen Widerstand des Opfers zu überwinden. Diese Zweck-Mittel-Verbindung zwischen Nötigung und Wegnahme wird als Finalzusammenhang bezeichnet. Wegen dieses notwendigen Zusammenhangs kann eine Nötigung nur vor oder während der Wegnahme angewendet werden. Erfolgt die Nötigung erst nach Vollendung der Wegnahme oder fasst der Täter erst nach Begehung der Nötigung den Entschluss, das Opfer zu bestehlen, liegt daher mangels Finalzusammenhangs kein Raub vor.[44] Etwas anderes gilt allerdings im Fall der Nötigung durch Unterlassen: So wendet beispielsweise der Täter, der sein Opfer zunächst fesselt und sich anschließend zur Wegnahme einer Sache entschließt, dadurch Gewalt an, dass er sein Opfer nicht von seinen Fesseln befreit. Sofern der Täter sich bei seiner Wegnahme diesen Umstand bewusst zunutze macht und das Unterlassen der Befreiung wie von § 13 StGB gefordert einer Nötigung durch aktives Tun entspricht, begeht er einen Raub.[45][46][47]
Ein Versuch liegt vor, wenn der Täter zur Begehung eines Raubs entschlossen ist und unmittelbar zur Nötigung ansetzt, etwa indem er mit einer Angriffswaffe auf das Opfer zugeht.[48][49] Ein unmittelbares Ansetzen zur Wegnahme genügt hingegen in der Regel nicht, da sich auf diesem Wege kein Finalzusammenhang zwischen Nötigung und Wegnahme erreichen lässt.
→ Hauptartikel: Diebstahl_mit_Waffen;_Bandendiebstahl;_Wohnungseinbruchdiebstahl#Nummer 1
Strafschärfend wirkt sich zum einen das Beisichführen einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs aus. Dieser Qualifikationstatbestand entspricht § 244 Absatz 1 Nummer 1 StGB, weswegen er sich parallel zu diesem auslegen lässt.[50][51][52] Der Täter führt das Tatmittel bei sich, wenn er es bei der Tatbegehung derart bereithält, dass er es jederzeit ohne größeren Aufwand einsetzen kann.[53]
Gefährliche Werkzeuge sind demgegenüber Gegenstände, die einen solchen Zweck nicht aufweisen, jedoch für das Opfer ebenfalls mit einer besonderen Gefahr verbunden sind. Umstritten ist in der Rechtswissenschaft allerdings, nach welchen Kriterien diese Gefährlichkeit zu bestimmen ist. Der Gesetzgeber wollte bei der Einführung von § 250 Absatz 1 Nr. 1 a StGB an den Begriff des gefährlichen Werkzeugs nach § 224 StGB anknüpfen. Im Rahmen dieser Norm gelten solche Gegenstände als gefährliche Werkzeuge, die einem Dritten in der konkreten Art und Weise ihrer Verwendung erhebliche Verletzungen zuzufügen. Die Gefährlichkeit lässt sich also anhand der Verwendung des Tatmittels beurteilen.[59]
§ 250 Absatz 1 StGB setzt allerdings zu einem früheren Tatzeitpunkt an, indem er bereits das Mitführen bestraft. Daher kann sich die Gefährlichkeit des Tatmittels nicht erst aus dessen Verwendung ergeben, sondern muss losgelöst hiervon bestimmt werden. Schwierigkeiten bereitet hierbei, dass bei abstrakter Betrachtung annähernd jeder Gegenstand das Potential besitzt, jemanden erheblich zu verletzen. Ein Teil der Rechtswissenschaft stellt auf objektive Abgrenzungskriterien ab. Demnach stellt ein Gegenstand ein gefährliches Werkzeug dar, wenn er ein ähnliches Gefahrenpotential wie eine Waffe aufweist.[60][61] Dem wird entgegengehalten, dass dies zu unbestimmt sei, um eine sinnvollen Auslegung des § 250 StGB zu ermöglichen.[62] Andere fordern, dass sich der Täter in Bezug auf den Gegenstand vorbehält, diesen bei Tatbegehung gegen Menschen einzusetzen.[63][64] Hiergegen wird eingewandt, dass dieser Ansatz durch das Abstellen auf den Täterwillen mit erheblichen Beweisproblemen verbunden sei. Darüber hinaus überschneide sich die Norm bei dieser Auslegung mit der Nummer 1b, der Verwendung eines sonstigen Werkzeugs.[65][66]
→ Hauptartikel: Diebstahl_mit_Waffen;_Bandendiebstahl;_Wohnungseinbruchdiebstahl#Sonstige Werkzeuge oder Mittel
Unter den Tatbestand der Nummer 1b fallen insbesondere Scheinwaffen. Hierbei handelt es sich um Gegenstände, die für das Opfer lediglich gefährlich erscheinen, ohne tatsächlich eine Gefahr darzustellen. Beispielhaft sind etwa Spielzeugwaffen.[68][69] Nicht unter den Tatbestand subsumiert die Rechtsprechung demgegenüber Gegenstände, die offensichtlich ungefährlich sind, da sich der Täter hierbei nicht den Gegenstand, sondern ausschließlich den Anschein eines solchen Gegenstands zunutze mache. Eine Bestrafung nach § 250 StGB sei in derartigen Fallkonstellationen überzogen. Aus diesem Grund lehnte die Rechtsprechung die Anwendung des § 250 StGB beispielsweise in Fällen ab, in denen der Täter einen Lippenstift[70] oder ein Metallrohr[71] nutzte, um eine Waffe vorzutäuschen.
§ 250 Absatz 1 Nummer 1 c StGB setzt allerdings nicht voraus, dass eine solche Gesundheitsschädigung eintritt. Vielmehr genügt die konkrete Gefahr einer solchen. Eine konkrete Gefahr besteht, wenn der Eintritt der Schädigung derart wahrscheinlich ist, dass es aus Sicht des Opfers lediglich zufällig erscheint, ob sie eintritt oder nicht.[75][76]
Die Gefährdung muss unmittelbare Folge der Raubtat sein. Dies trifft etwa zu, wenn das bedrohte Opfer herzkrank ist und deswegen Gefahr läuft, aufgrund der Nötigung durch den Täter einen Herzinfarkt zu erleiden. Nicht ausreichend ist es demgegenüber, wenn das Opfer lediglich infolge der Wegnahme gefährdet wird, etwa weil der Täter lebensnotwendige Medikamente wegnimmt. In diesem Fall ist die Gefährdung des Opfers lediglich Folge des im Raub enthaltenen Diebstahls, aber nicht Folge des Raubs als Kombination von Diebstahl und Nötigung.[77]
→ Hauptartikel: Diebstahl_mit_Waffen;_Bandendiebstahl;_Wohnungseinbruchdiebstahl#Nummer 2
§ 251 StGB enthält eine Erfolgsqualifikation des Raubs, die zu einem Anstieg der Mindeststrafandrohung auf zehn Jahre Freiheitsstrafe führt. In Fällen, in denen die Schuld des Täters besonders schwer wiegt, kann das Gericht auch eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängen.[82] Nach § 11 Absatz 2 StGB wird das erfolgsqualifizierte Delikt als Kombination einer vorsätzlichen und einer fahrlässigen Tat insgesamt als Vorsatzdelikt behandelt. Somit ist der Versuch strafbar.
Nach § 249 Absatz 2 StGB verringert sich die Androhung der Freiheitsstrafe auf eine Spanne von sechs Monaten bis fünf Jahren, wenn ein minder schwerer Fall vorliegt, die Schuld des Täters vergleichsweise gering ist. Dies kommt beispielsweise in Betracht, wenn der Täter unter dem Einfluss von Rauschmitteln handelt[98] oder die Beute geringwertig ist[99].
Das Konkurrenzverhältnis zur Freiheitsberaubung (§ 239 StGB) richtet sich danach, ob die Freiheitsberaubung allein der Gewaltanwendung dient und hierdurch in der Verwirklichung des Raubtatbestands aufgeht oder ob ihr eine andere oder hierüber hinausgehende Funktion in der Tat zukommt. Im letztgenannten Fall kommt eine Tateinheit zwischen beiden Deliktsverwirklichungen in Betracht. Ähnliches gilt für Körperverletzungen (§ 223 StGB) und deren qualifizierte Begehungsformen (§ 224 StGB).[103] Zu einem dem Raub vorgelagerten räuberischen Angriff auf Kraftfahrer (§ 316a StGB) kann der Raub in Tateinheit stehen.[104]
Erfasste Fälle der Raubdelikte in den Jahren 1987–2015.
Das Bundeskriminalamt gibt jährlich eine Statistik über alle in Deutschland gemeldeten Straftaten heraus, die Polizeiliche Kriminalstatistik. Seit 1993 wird das gesamte Bundesgebiet erfasst. In den Statistiken von 1991 und 1992 wurden die alten Bundesländer und das gesamte Berlin erfasst. Frühere Statistiken erfassen lediglich die alten Bundesländer.
Die Kriminalstatistik führt Raub, räuberische Erpressung, räuberischen Angriff auf Kraftfahrer sowie den räuberischen Diebstahl unter einem Schlüssel zusammen. Die Anzahl der Raubtaten entwickelt sich seit mehreren Jahren rückläufig. Der Anteil der Raubdelikte an allen gemeldeten Straftaten liegt unterhalb von 1 %. Etwa die Hälfte der gemeldeten Taten wird durch die Ermittlungsbehörden aufgeklärt. Im Vergleich zu anderen Delikten liegt die Aufklärungsquote damit auf einem hohen Niveau.[107]
Vergleichsweise hoch ist mit nahezu 30 % ebenfalls der Anteil der Jugendlichen unter den Tatverdächtigen. Häufig begeht diese Altersgruppe Raubtaten in Form des Handtaschenraubs. Steigend entwickelt sich der Anteil der über sechzigjährigen Tatverdächtigen.[107] Der Schaden, der durch Raubdelikte jährlich verursacht wird, wird auf 59 Millionen Euro geschätzt.[108]
Polizeiliche Kriminalstatistik für Raubdelikte in der Bundesrepublik Deutschland[109]
Eng mit dem Raub verwandt ist die räuberische Erpressung (§ 255 StGB). Diesen Tatbestand erfüllt, wer eine Erpressung (§ 253 StGB) durch Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben begeht. Das Strafmaß der räuberischen Erpressung entspricht dem des Raubs, sodass die Raubqualifikationen auf eine Tat nach § 255 StGB Anwendung finden.[110]
Ebenfalls in engem Zusammenhang zum Raub steht der räuberische Diebstahl (§ 252 StGB). Auch dieser Tatbestand zeichnet sich durch die Verknüpfung von Wegnahme und Nötigung aus, weswegen das Strafmaß des räuberischen Diebstahls dem des Raubs entspricht. Daher finden auf den Tatbestand die Qualifikation des schweren Raubs (§ 250 StGB) und der Erfolgsqualifikation des Raubs mit Todesfolge (§ 251 StGB) Anwendung.[111][112]
Anders als beim Raub erfolgt der Einsatz von Nötigungsmitteln allerdings nicht zwecks Durchführung der Wegnahme, sondern erst nach der Wegnahme.[113] Der Tatbestand wurde für Situationen konzipiert, in denen der Täter nach Vollendung eines Diebstahls von einer Person bei der Tat betroffen wird. Ein Betreffen liegt vor, wenn der Täter innerhalb eines engen räumlich-zeitlichen Zusammenhangs zum Diebstahl am Tatort angetroffen wird. Nicht notwendig ist hierbei, dass das Opfer den Täter tatsächlich wahrnimmt.[114]
Der Tatbestand des räuberischen Diebstahls ist erfüllt, wenn der Täter in einer solchen Situation die hinzukommende Person nötigt, um sich im Besitz der Beute zu erhalten.[115] Dies ist etwa der Fall, wenn er bei seiner Flucht aus der Tatwohnung ihren Bewohner niederschlägt.[116]
Der in § 316a StGB normierte räuberische Angriff auf Kraftfahrer erfasst Einwirkungen auf einen Kraftfahrer oder Mitfahrer, die unter der Ausnutzung der besonderen Verhältnisse des Kraftfahrzeugverkehrs begangen werden, um im Anschluss einen Raub durchzuführen. Als besondere Verhältnisse gelten, die sich typischerweise aus der Teilnahme am öffentlichen Verkehr ergeben und dazu führen, dass das Opfer sich des Angriff lediglich eingeschränkt erwehren kann.[117][118][119]
§ 316a StGB enthält eine gegenüber § 249 StGB deutlich höhere Mindeststrafandrohung von fünf Jahren Freiheitsstrafe. Dies beruht darauf, dass sich das Opfer dem Angriff aufgrund der Straßenverkehrssituation lediglich eingeschränkt zur Wehr setzen kann und der Täter durch seinen Angriff eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer schafft.[120][121]
Die Raubdelikte des Schweizer Strafrechts ähneln denen des deutschen Rechts. Der Tatbestand des Art. 140 Absatz 1 StGB setzt voraus, dass jemand mit Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine Sache wegnimmt. Ebenfalls einen Raub stellt es dar, wenn jemand einen anderen der Gegenwehr unfähig macht und anschließend eine Sache wegnimmt. Mit einer Höchststrafe von zehn Jahren Freiheitsstrafe und der Möglichkeit der Anordnung einer Geldstrafe sind die Strafandrohungen des Schweizer Rechts allerdings milder als in Deutschland.[122]
Im österreichischen Strafrecht ist der Raub in § 142 und § 143 StGB geregelt. Den Tatbestand der räuberischen Erpressung kennt das österreichische Recht nicht. Den räuberischen Diebstahl behandelt es als besonderen Fall des Diebstahls, der mit einer milderen Strafandrohung als sein deutsches Pendant versehen ist, da der Diebstahl das prägende Element der Tat sei. Die Strafrahmen des Raubs entsprechen weitgehend denen des deutschen Rechts: Die Mindeststrafe für den Raub beträgt ein Jahr Freiheitsstrafe. Durch Qualifikationen und Erfolgsqualifikationen erhöht sich diese Strafe bis hin zur lebenslangen Freiheitsstrafe.[123]
Das französische Strafrecht behandelt den Raub als Qualifikation des Diebstahls, die mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe bestraft wird. Eine gegenüber dem deutschen Recht erhöhte Strafandrohung sehen allerdings qualifizierte Begehungsformen des Raubs vor, etwa der Raub mit Waffen, der mit mindestens zehn Jahren Freiheitsstrafe geahndet wird. Auch die Erpressung, die einen ähnlich wie im deutschen Recht weit gefassten objektiven Tatbestand besitzt, ist in ihrem Grundtatbestand mit einer milderen Strafe versehen, kann jedoch in bestimmten Fällen mit lebenslanger Freiheitsstrafe versehen werden.[124]
Im Strafrecht von England und Wales ist der Begriff des Diebstahls als Anknüpfungspunkt des Raubs wesentlich weiter gefasst als im deutschen Recht und umfasst beispielsweise auch die Pfandkehr (§ 289 StGB). Anders als die deutsche Rechtsprechung betrachten die englischen und walisischen Gerichte auch solche Taten als Raub, bei denen dem Opfer die Beute weniger durch das Anwenden von Gewalt als vielmehr durch Schnelligkeit weggenommen wird. Die Strafandrohung für einen Raub beträgt lebenslange Freiheitsstrafe.[125]
Thomas Fischer: Strafgesetzbuch mit Nebengesetzen . 62. Auflage. C. H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-66884-5, §§ 249-256.
Urs Kindhäuser: §§ 249-256. In: Urs Kindhäuser, Ulfrid Neumann, Hans-Ullrich Paeffgen (Hrsg.): Strafgesetzbuch . 5. Auflage. Nomos, Baden-Baden 2017, ISBN 978-3-8487-3106-0.
Kristian Kühl: §§ 249-256. In: Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3406652271 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
Joachim Vogel: §§ 249-256. In: Heinrich Wilhelm Laufhütte, Joachim Vogel (Hrsg.): Leipziger Kommentar zum Strafgesetzbuch. Bd. 8: §§ 242 bis 262 . 12. Auflage. De Gruyter, Berlin 2010, ISBN 978-3-89949-785-4.
↑ Günther Sander: § 249, Rn. 6. In: Günther Sander (Hrsg.): Münchener Kommentar zum Strafgesetzbuch . 2. Auflage. Band 4: §§ 185–262 StGB. C. H. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-60290-0.
↑ Thomas Fischer: Strafgesetzbuch mit Nebengesetzen . 62. Auflage. C. H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-66884-5, § 249, Rn. 4b.
↑ Kristian Kühl: § 255, Rn. 2. In: Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3406652271 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
↑ Thomas Fischer: Strafgesetzbuch mit Nebengesetzen . 62. Auflage. C. H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-66884-5, § 249, Rn. 6.
↑ Kristian Kühl: § 249, Rn. 4. In: Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3406652271 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
↑ Thomas Fischer: Strafgesetzbuch mit Nebengesetzen . 62. Auflage. C. H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-66884-5, § 250, Rn. 3.
↑ Kristian Kühl: § 224, Rn. 5. In: Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3406652271 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
↑ Thomas Fischer: Strafgesetzbuch mit Nebengesetzen . 62. Auflage. C. H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-66884-5, § 250, Rn. 29.
↑ Thomas Fischer: Strafgesetzbuch mit Nebengesetzen . 62. Auflage. C. H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-66884-5, § 251, Rn. 5.
↑ Günther Sander: § 256, Rn. 1. In: Günther Sander (Hrsg.): . 2. Auflage. C. H. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-60290-0.
↑ Günther Sander: § 249, Rn. 43. In: Günther Sander (Hrsg.): . 2. Auflage. C. H. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-60290-0.
↑ PKS-Zeitreihen 1987 bis 2016. Bundeskriminalamt, 23. Mai 2016, abgerufen am 9. September 2017.