Source: http://kunstrechtblog.de/reverse-graffiti-clean-art-teil-1/
Timestamp: 2018-05-21 20:52:31
Document Index: 106874491

Matched Legal Cases: ['§ 303', '§ 303', '§ 303', '§ 303', '§ 303', '§ 303']

Reverse Graffiti (Clean Art) - Teil 1 | Kunstrechtblog.de
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Reverse Graffiti (Clean Art) – Teil 1
Published by Corinna vom Berg at 1. März 2018
Reverse Graffiti bzw. Clean Art ist aktuell ein großes Thema in der Kunst. Dieser Beitrag ist der erste von insgesamt vier Beiträgen, welcher eine gute Übersicht über die Thematik vermittelt und insbesondere über die Strafbarkeit von Reverse Graffiti aufklärt.
San Francisco: Fast schon ironisch übersäten Abbildungen von Pflanzen, die vor Jahrhunderten vielleicht an genau dieser Stelle gestanden hätten, die schmutzigen Betonwände des Downtown Broadway Tunnels.
„Reverse Graffiti“, „Clean Art“ oder auch „Grime Writing“ nennt man die Technik, welcher sich der britische Künstler Paul Curtis, dessen Künstlername „Moose“ lautet, für dieses Werk bediente.
Um ein Bild zu schaffen verwenden die „Reverse Graffiti“ Künstler keinerlei Farben. Stattdessen säubern sie schmutzige Oberflächen wie Straßen, Unterführungen oder Hauswände. Mit Lappen, Bürste, Wasser und Reinigungsmittel werden die verdreckten Flächen derart gereinigt, dass der Kontrast zwischen den sauberen und schmutzigen Bereichen ein Bild ergibt.
Mit Hilfe dieses Kontrastes wollen viele Künstler, die sich dieser Technik bedienen (so auch der eingangs erwähnte „Moose“), auf das Problem der Umweltverschmutzung aufmerksam machen. Der Betrachter soll auf ironische und drastische Weise auf das aufmerksam gemacht werden, was im alltäglichen Leben kaum noch wahrgenommen würde: Wie verdreckt die Welt sei und wie einfach man etwas dagegen tun könne.
Auch in Deutschland ist dieser Trend seit einigen Jahren angekommen. Einige Kommunen gehen mit solchen Werken um, als würde es sich um herkömmliches Graffiti handeln. Jeder Fall wird also zur Anzeige gebracht. Grund dafür sei, dass die Teilsäuberung das Erscheinungsbild der Stadt ungefragt verändere und außerdem Kosten zur Säuberung der ganzen Wand erstünden, um das Reverse Graffiti zu entfernen.
In dieser Hinsicht macht es für eine Kommune oder eine Privatperson also keinen Unterschied, ob es sich um ein Reverse- oder ein herkömmliches Graffiti handelt.
Vor dem Hintergrund, dass bei einem Reverse Graffiti jedoch „nur“ Dreck von einer Sache abgetragen wird, der nicht etwa beabsichtigter Teil dieser Sache ist, sondern sich über die Jahre ungewollt angesammelt hat, stellt sich die Frage, ob der Urheber eines solchen Graffitis ebenso wegen Sachbeschädigung gem. § 303 StGB strafbar ist, wie der Urheber eines herkömmlichen Graffitis.
Strafbar wegen Sachbeschädigung ist, wer:
– rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört (§ 303 I StGB), oder
– unbefugt das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert (§ 303 II StGB).
Voraussetzung für eine Strafbarkeit nach beiden Varianten ist also zunächst, dass es sich bei dem Objekt, auf dem das Reverse Graffiti entsteht, um eine fremde Sache (das heißt eine Sache, die nicht im alleinigen Eigentum des Graffiti Künstlers steht) handelt.
Strafbarkeit gem. § 303 I StGB
Das Beschädigen oder Zerstören einer Sache, was eine Strafbarkeit gem. § 303 I StGB begründen würde, setzt eine Substanzverletzung voraus. Das bedeutet, dass der Künstler durch die Schaffung des Reverse Graffitis die Substanz seiner „Leinwand“ verletzen müsste, um nach dieser Variante strafbar zu sein.
Da Reverse-Graffiti Künstler sich meistens sehr robuste Objekte, wie Betonwände oder Straßen, als Basis für ihr Werk aussuchen, dürfte es recht selten vorkommen, dass die Verwendung eines Hochdruckreinigers oder anderer Säuberungsmittel, die für die partikuläre Säuberung verwendet werden, dazu führt, dass diese Flächen in ihrer Substanz verletzt werden. Dass der Urheber eines Reverse-Graffitis sich gem. § 303 I StGB strafbar macht, ist also sehr unwahrscheinlich.
Erfahren Sie im kommenden Teil 2 mehr Wissenswertes zur Thematik!
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