Source: https://www.haufe.de/recht/kanzleimanagement/mandantenfragen-am-telefon-haftungsrechtlich-eine-heisse-kiste_222_79620.html
Timestamp: 2017-02-22 06:31:12
Document Index: 263488912

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 663']

Mandantenfragen am Telefon: haftungsrechtlich eine heiße Kiste! | Recht | Haufe
Ein aufgeregter Mandant oder gar ein Noch-Nicht-Mandant in der Leitung mit einer aus seiner Sicht lebenswichtigen Frage? Vorsicht! Hier hat der Anwalt in der einen Hand den Hörer und steht mit einem Fuß bildlich gesprochen in der Haftungsfalle: Der BGH fährt bei telefonischen Auskünften ein strenge Linie.
Gilt ein Rat am Telefon als vertragliche Leistung, die das normale Haftungsprogramm im Falle eines Fehlers in Gang setzt?
Berater bewegen sich auf einem schmalen Grat, wenn sie telefonische Auskünfte auf Fragen geben, die ihnen spontan und ohne die Möglichkeit der Vorbereitung gestellt werden.
Das Schwert der Haftung hängt über ihnen, denn nach ständiger Rechtsprechung des BGH wird sehr schnell der stillschweigende Abschluss eines Auskunfts- oder Beratungsvertrags angenommen, wenn bestimmte Indizien vorliegen und die gesamten Umstände des jeweiligen Einzelfalles auf einen Rechtsbindungswillen der Parteien schließen lassen.
Indizien für Rechtsbindungswillen
Das spricht für einen Vertragsschluss
der Auskunftgeber wurde in solchen Verhandlungen als unabhängige neutrale Person einbezogen (BGH, Urteil v. 18.1.1972, VI ZR 184/70)
zwischen Auskunftgeber und –empfänger bestand bereits eine anderweitige Vertragsbeziehung (BGH, Urteil v. 14.11.1968, VII ZR 51/67).
Unentgeltlichkeit kein Hinweis auf Gefälligkeit!
Den Spruch vom geschenkten Gaul können Sie in diesem Zusammenhang vergessen: Die Tatsache, dass sich der Auskunftgeber für seinen Rat nicht bezahlen lässt, spricht nicht gegen den Abschluss eines verbindlichen Vertrags mit Haftungsfolge (BGH, Urteil v. 21.12.1989, IX ZR 234/88).
(1) Auf einen Dienstvertrag oder einen Werkvertrag, der eine Geschäftsbesorgung zum Gegenstand hat, finden, soweit in diesem Untertitel nichts Abweichendes bestimmt wird, die Vorschriften der §§ 663, 665 bis 670, 672 bis 674 und, wenn dem Verpflichteten das ...mehr