Source: https://www.ebnerstolz.de/de/abzug-von-refinanzierungszinsen-fuer-notleidende-gesellschafterdarlehen-260855.html
Timestamp: 2019-01-23 09:17:01
Document Index: 206036888

Matched Legal Cases: ['§ 32', '§ 20', '§ 20', '§ 32', '§ 32', '§ 20', '§ 20', '§ 32', '§ 3']

Das Finanz­amt lehnte es ab, die von den Klä­gern bei den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen erklär­ten Wer­bungs­kos­ten­über­schüsse aus der Gewäh­rung von Gesell­schaf­ter­dar­le­hen zu berück­sich­ti­gen. Es erließ einen ent­sp­re­chend geän­der­ten Ein­kom­men­steu­er­be­scheid für 2009 und einen inso­weit von der Erklär­ung abwei­chen­den Erst­be­scheid für 2010. Die Klä­ger erklär­ten, die GmbH habe bis­lang keine Aus­schüt­tun­gen geleis­tet. § 32d Abs. 2 Nr. 3 S. 4 EStG finde daher keine Anwen­dung, so dass die erklär­ten Wer­bungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen seien. Auch die Schuld­zin­sen im Zusam­men­hang mit den wei­te­ren Dar­le­hen seien abzieh­bar.
Das FG wies die Klage ab. Auf die Revi­sion der Klä­ger hob der BFH das Urteil auf und wies die Sache zur ander­wei­ti­gen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das FG zurück.
Die Fest­stel­lun­gen des FG tra­gen des­sen Wür­di­gung, dass ein Abzug der Schuld­zin­sen aus den Refi­nan­zie­rungs­dar­le­hen und der übri­gen Auf­wen­dun­gen als Wer­bungs­kos­ten in den Streit­jah­ren aus­ge­sch­los­sen ist, nicht voll­stän­dig.
Nimmt für die Ver­an­las­sungs­zei­träume ab 2009 ein min­des­tens zu 10 % am Stamm­ka­pi­tal betei­lig­ter Gesell­schaf­ter einer Kapi­tal­ge­sell­schaft ein Dar­le­hen bei einer Bank auf, um selbst ein ver­zins­li­ches Gesell­schaf­ter­dar­le­hen an die Kapi­tal­ge­sell­schaft aus­zu­rei­chen, sind die Schuld­zin­sen für das Refi­nan­zie­rungs­dar­le­hen grund­sätz­lich als Wer­bungs­kos­ten durch die Erträge aus dem Gesell­schaf­ter­dar­le­hen (§ 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG ver­an­lasst. Diese Wer­bungs­kos­ten kön­nen ohne die Beschrän­kun­gen des ansons­ten gel­ten­den Wer­bungs­kos­ten­ab­zugs­ver­bots (§ 20 Abs. 9, 2. Hs. EStG) bei den tarif­lich besteu­er­ten Kapi­ta­l­ein­künf­ten des Gesell­schaf­ters abge­zo­gen wer­den (§ 32d Abs. 2 Nr. 1 S. 1 b S. 1, § 32d Abs. 2 Nr. 1 S. 2 EStG). Dies gilt auch, wenn die Kapi­tal­ge­sell­schaft die geschul­de­ten Zins- und Til­gungs­zah­lun­gen aus dem Gesell­schaf­ter­dar­le­hen nicht erbringt.
Ver­zich­tet der Gesell­schaf­ter aber gegen­über der Kapi­tal­ge­sell­schaft auf sein Gesell­schaf­ter­dar­le­hen gegen Bes­se­rungs­schein, kann dies für Schuld­zin­sen, die auf das Refi­nan­zie­rungs­dar­le­hen gezahlt wer­den, bis zum Ein­tritt des Bes­se­rungs­falls zu einem Wech­sel des Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hangs der Auf­wen­dun­gen weg von den Kapi­ta­l­er­trä­gen aus dem Gesell­schaf­ter­dar­le­hen hin zu den Betei­li­gung­s­er­trä­gen gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG füh­ren. Ein sol­cher Wech­sel des Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hangs tritt ins­be­son­dere ein, wenn der Gesell­schaf­ter durch den Ver­zicht auf Zins- und Til­gungs­an­sprüche aus dem Gesell­schaf­ter­dar­le­hen die Eigen­ka­pi­tal­bil­dung und Ertrags­kraft der Gesell­schaft stär­ken will. Der Wech­sel des Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hangs hat zur Folge, dass die Schuld­zin­sen aus dem Refi­nan­zie­rungs­dar­le­hen nun­mehr dem Wer­bungs­kos­ten­ab­zugs­ver­bot des § 20 Abs. 9, 2. Hs. EStG unter­lie­gen.
Um wenigs­tens 60 % der Refi­nan­zie­rungs­zin­sen abzie­hen zu kön­nen, muss der Gesell­schaf­ter spä­tes­tens mit Abgabe der Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung für das Jahr des For­de­rungs­ver­zichts gem. § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG die Anwen­dung des sog. Tei­l­ein­künf­te­ver­fah­rens (§§ 3 Nr. 40, 3c Abs. 2 EStG) für die Divi­den­den aus der Kapi­tal­ge­sell­schaft und die damit im Zusam­men­hang ste­hen­den Wer­bungs­kos­ten bean­tra­gen, was im vor­lie­gen­den Fall nicht erfolgt war. Dies sollte zur Ver­mei­dung von Nach­tei­len in der Sanie­rungs­pra­xis bedacht wer­den.
31.10.2018 nach oben