Source: https://tba.zh.ch/internet/baudirektion/tba/de/laerm/laermvorsorge/bauvorhaben/leitfaden_bauen_im_laerm/ermittlungsort_der_laermbelastung.html
Timestamp: 2017-10-20 01:46:24
Document Index: 58183109

Matched Legal Cases: ['§ 302', 'Art. 39', 'Art. 39', '§ 302', 'Art. 39', 'Art. 39', '§ 302', 'Art. 31', '§ 302', 'BGE', 'Art. 31']

Ermittlungsort der Lärmbelastung (Ausgewählt)
Gesetzliche Grundlagen Kein offenes Fenster bei Arbeitsräumen in Betrieben Offenes Fenster bei Wohnräumen Beurteilungspunkt Fenster und Lüftungsfenster
Transparente Fassadenbauteile Dachflächenfenster und Oberlichter Lüftungstüren Lärmabgewandte Lüftung durchgehender Räume
§ 302 des Zürcherischen Bau- und Planungsgesetzes (PBG) verlangt, dass Fenster von Wohnräumen ins Freie führen müssen.
Die Lärmgrenzwerte sind gemäss Art. 39 LSV in der Mitte der offenen Fenster einzuhalten.
¹Bei Gebäuden werden die Lärmimmissionen in der Mitte der offenen Fenster lärmempfindlicher Räume ermittelt. Fluglärmimmissionen können auch in der Nähe der Gebäude ermittelt werden.
Kein offenes Fenster bei Arbeitsräumen in Betrieben
Anders als beim Wohnen ist beim Arbeiten der Bezug zur Umgebung kein Muss. Nach Praxis der Fachstelle Lärmschutz des Kantons Zürich wird deshalb eine kontrollierte Belüftung für Betriebsräume als zweckmässige Lärmschutzmassnahme gewertet. Die Einhaltung der massgebenden Lärmgrenzwerte am offenen Fenster gemäss LSV ist dementsprechend dort nicht erforderlich.
Eine Bewilligung ist bei Belastungen über den Immissionsgrenzwerten allerdings verbunden mit Auflagen bezüglich kontrollierter Belüftung.
Beim Wohnen heisst "im offenen Fenster messen" auch mit offenem Fenster leben. Art. 39 LSV und § 302 PBG garantieren in ihrer Kombination die Qualität einer Wohnlage bezüglich Lärmbelastung.
Komfortlüftung und Grenzwerte
Ausschlaggebend ist, dass das offene Fenster eine Verbindung zum Aussenraum schafft. Ein Fenster führt dann ins Freie, wenn der Weg ins Freie weder durch Bauwerke oder Erdmasse eingeschränkt wird. Ein Blick ins Freie durch eine Glaswand genügt nicht, damit sich dieses Gefühl einstellt.
Architektonisch bedeutet dies:
Die Fensteröffnung muss auf der ganzen Strecke vom Fensterrahmen bis zum Freien mindestens die gleichen Ausmasse besitzen.
Bei Fassadenfenstern muss die Sicht ins Freie auf Gesichtshöhe (ca. 1.5 m) und horizontal gewährleistet sein. Diese Höhe entspricht auch der Messhöhe im Freien nach Art. 39 LSV.
Die Lüftungswege dürfen keine anderen Wohneinheiten beeinträchtigen (z. B. durch Gerüche oder Geräusche).
Fenster müssen einen angemessenen Luftaustausch gewährleisten. Sie müssen mindestens 50 cm breit und 1 m hoch sein. Dies garantiert eine zur Lüftung notwendige vertikale Temperaturdifferenz.
Lüftungsfenster müssen als Drehfenster um mindestens 90 Grad oder als Schiebefenster geöffnet werden können und dürfen keine reinen Kippfenster sein.
Hotel-, Schul-, Spital- und Pflegezimmer werden hinsichtlich der Einhaltung der Grenzwerte und hinsichtlich der Bedingungen für die Ausgestaltung der Lüftungsfenster lärmempfindlichen Wohnräumen gleichgestellt.
Art. 39 Abs. 1 LSV bestimmt auch, dass in der Mitte dieses offenen Fensters gemessen bzw. für diesen Punkt die Belastung berechnet werden muss. Die Fenstermitte ist als Stellvertreter für die ganze Fensterfläche zu verstehen. Wird eine Lärmschutzmassnahme für die geometrische Fenstermitte berechnet oder an diesem Ort gemessen, so ist eine Wirkung nur anrechenbar, wenn im Innern des Raumes tatsächlich eine Lärmminderung nachgewiesen werden kann.
Berechnungen für die Fenstermitte sind dann problematisch, wenn sich aufgrund einer Hinderniswirkung im Fensterbereich grosse Pegelunterschiede ergeben. Als gültige Annäherung darf bei gängigen Raumfenstern und Balkontüren für Messungen und Berechnungen als Mitte eine Höhe von 1.5 m über dem Fussboden anzunehmen angenommen werden.
Ist nicht die ganze Fensterfläche öffenbar, so gilt die Mitte des öffenbaren Teils.
Bei Lärmberechnungen befindet sich der massgebende Empfangspunkt in der Fassadenflucht. Aspektwinkelreduktionen durch die Fensterbrüstung dürfen somit nicht berücksichtigt werden, da diese in der Praxis meist durch Reflexionen wieder kompensiert werden.
Fenster und Lüftungsfenster
Gemäss LSV muss der Nachweis erbracht werden, dass der IGW in der Mitte der Fenster der lärmempfindlichen Räume eingehalten werden kann.
Das Lüftungsfenster (LF) ist das am wenigsten belastete Fenster eines lärmempfindlichen Raumes mit einem einfach zu bedienenden Öffnungsmechanismus.
Wenn andere (öffenbare) Fenster vorhanden sind, so muss das LF 5% der Bodenfläche betragen. Wenn keine anderen Fenster bzw. nur festverschlossene Fassadenelemente zur Belichtung vorhanden sind, so muss das LF jedoch 10% der Bodenfläche umfassen. Das Planungs- und Baugesetz des Kantons Zürich (PBG) verlangt in § 302, dass die Fensterflächen für eine genügende Belichtung wenigstens 10 % der Bodenfläche des betreffenden Raumes betragen müssen.
Das Lüftungsfenster darf nicht durch andere Lärmarten über dem IGW belastet sein (Mehrfachlärmbelastungen).
Mit der Massnahme "Lüftungsfenster" wird die Grundrissoptimierung nach Art. 31 LSV in der Praxis realisierbar. Eine Ausnahmebewilligung wird jedoch benötigt, wenn ein Fenster pro Raum den Grenzwert nicht einhält.
Wichtig im Sinne eines praktizierten Lärmschutzes ist die Möglichkeit einer lärmabgewandten Lüftung unter dem Grenzwert. Fenster mit Grenzwertüberschreitungen dürfen öffenbar sein.
Transparente Fassadenbauteile
Das Bau- und Planungsgesetz des Kantons Zürich verlangt in § 302, dass Wohn- und Schlafräume mit Fenstern zu versehen sind, welche in ausreichendem Masse geöffnet werden können. Abweichungen sind bei besonderen Verhältnissen möglich, aus Lärmschutzgründen jedoch nicht notwendig.
Festverglasungen und transparente Fassadenbauteile sind wohnhygienisch problematisch. Sie erfüllen einen wichtigen Zweck des Fensters, die offene Verbindung von innen nach aussen, nicht und sind somit für die Bewohner unattraktiv. Die Belüftung der Räume muss anderweitig erfolgen und eine energetisch sinnvolle Stosslüftung wird verunmöglicht. Zudem wird die Aussenreinigung schwierig und muss für die oberen Geschosse technisch aufwändig gelöst werden.
Um im Wohnungsbau solche Konstruktionen zu verhindern, wird der Fensterbegriff gemäss kantonaler Praxis und der Vollzugshilfe Nr. 2.0 des Cercle Bruit Schweiz zum Bauen im Lärm weit gefasst. Dies entspricht auch der bundesgerichtlichen Sichtweise, die auch nicht oder nur teilweise öffenbare Fenster als massgeblichen Ermittlungsort beurteilt (BGE 122 II 33). Fenster im Sinne der LSV sind Fenster mit Öffnungsmechanismus bzw. mit Rahmen und Flügel, auch wenn diese verschraubt sind. Festverglasungen und transparente Fassadenbauteile gelten ebenfalls als Fenster, wenn ihre Schalldämmung wesentlich (> 5 dB) von derjenigen der restlichen Fassade abweicht.
Folglich gelten nur transparente Fassadenbauteile ohne Öffnungsmechanismus und mit entsprechend hoher Schalldämmung nicht als Fenster. Aus Sicht des Lärmschutzes und des Wohnkomforts sind transparente Fassadenbauteile bei Wohn-bauten weder sinnvoll noch zweckmässig, auch wenn sich damit Ausnahmebewilligungen nach Art. 31 Abs. 2 LSV vermeiden liessen.
Oberlichter (Flachdächer) und Dachflächenfenster (Schrägdächer) kommen in den Genuss einer vollständigen Abschirmung durch das Gebäude selbst.
Oberlichter sind grundsätzlich Belichtungsfenster ohne Bezug zum Aussenraum.
Bei Dachflächenfenstern im Schrägdach ist der verlangte Bezug zum Aussenraum vorhanden, wenn auch beschränkt. Die untere Kante solcher Fenster darf nicht höher als 1.5 m ab Fussboden sein. Höhere Fenster haben keinen Bezug zum Aussenraum und gelten analog zu Oberlichtern nur als Belichtungsfenster. Die zu erreichende Fenstergrösse (abhängig von Bodenfläche) kann auf mehrere Fenster aufgeteilt werden.
Dachflächenfenster müssen auf einfache Weise genügend weit öffenbar sein und ein witterungsunabhängiges Lüften ermöglichen (durch Schiebefenster nicht gewährleistet)
und dürfen in geöffnetem Zustand keine Reflektorwirkung ("Schallfänger") entwickeln.
Unerwünschte Reflektorwirkung bei geöffnetem Dachflächenfenster. Die untere Kante des Dachflächenfensters darf nicht höher als 1.5 m ab Fussboden sein.
Lüftungstüren
Eingangstüren zu Wohneinheiten sind keine Lüftungsfenster.
Sitzplatztüren gelten analog zu Balkon- und Loggia-Türen als Lüftungsfenster.
Aspekte der Sicherheit sind bei allen leicht zugänglichen Fenstern angemessen zu berücksichtigen.
Die Distanz zwischen Raum-Mittelpunkt und Lüftungsfenster darf nicht mehr als 12 m betragen. Die Distanzlinie muss vollständig im Raum verlaufen. Sie muss nicht eine Gerade sein.
In einzelnen geometrisch einfachen Fällen gilt Analoges auch für vertikale Umwege zwischen Lüftungsfenster und Raum-Mittelpunkt (Höhe: 1.5 m). Jede Lösung muss aber eine effiziente Lüftungsmöglichkeit garantieren. Dazu gehört auch die entsprechend dem grösseren Raumvolumen grössere Mindestfläche für das Lüftungsfenster (Skizze unten: Fläche Wohnraum EG zählt doppelt).