Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=14.10.1999&Aktenzeichen=IX%20ZR%20142/98
Timestamp: 2019-11-15 22:39:09
Document Index: 107477945

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 10', '§ 30', '§ 130', '§ 139', 'BGH', 'BGH', '§ 266', '§ 266', '§ 10', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 261', '§ 266', 'BGH', 'BGH', '§ 10', 'BGH', '§ 133', '§ 826', 'BGH', 'BGH']

BGH, 14.10.1999 - IX ZR 142/98 - dejure.org
https://dejure.org/1999,713
BGH, 14.10.1999 - IX ZR 142/98 (https://dejure.org/1999,713)
BGH, Entscheidung vom 14.10.1999 - IX ZR 142/98 (https://dejure.org/1999,713)
BGH, Entscheidung vom 14. Januar 1999 - IX ZR 142/98 (https://dejure.org/1999,713)
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Gesamtvollstreckung - Vollstreckung - Eröffnung - Gläubiger - Rücknahme - Schuldner - Zahlung - Anfechtung
Anfechtbarkeit einer Zahlung nach Rücknahme des Antrags auf Eröffnung der Gesamtvollstreckung
Eröffnung der Gesamtvollstreckung/Rücknahme des Antrags/Anfechtbarkeit von Rechtshandlungen
GesO § 10 Abs. 1 Nr. 4; KO § 30 Nr. 1 Alt. 2; InsO § 130 Abs. 2, § 139 Abs. 2
NJW 2000, 211
NJW 2000, 212
ZIP 1998, 1114
ZIP 1999, 1977
MDR 2000, 108
NZI 2000, 19
WM 1999, 2417
DB 2000, 212
Zurückgewiesene (vgl. RG WarnR 1929 Nr. 81) oder zurückgenommene (vgl. Senatsurt. v. 14. Oktober 1999 - IX ZR 142/98, ZIP 1999, 1977 f m.w.N.) Eröffnungsanträge blieben außer Betracht.
Ein rechtswirksam für erledigt erklärter oder zurückgenommener Insolvenzantrag, wie der Antrag der Beklagten vom 6. April 1999, ermöglicht keine Insolvenzanfechtung (vgl. BGHZ 149, 178, 180; 157, 350, 354; BGH, Urt. v. 14. Oktober 1999 - IX ZR 142/98, ZIP 1999, 1977, 1978).
Dieser darf nicht auf dem Umweg über § 266a StGB mittelbar durchbrochen werden (so schon Senatsurt. v. 14. Oktober 1999 - IX ZR 142/98, ZIP 1999, 1977, 1979).
Dem stehen Sondervorteile, die einzelnen Insolvenzgläubigern unter dem Druck eines Eröffnungsantrages gewährt werden, entgegen (vgl. schon Senatsurt. v. 14. Oktober 1999 - IX ZR 142/98, aaO).
Diese Erfahrungswerte verbieten einen Schluß des antragstellenden Gläubigers dahin, daß - nur weil er selbst Zahlungen erhalten hat - der Schuldner seine Zahlungen auch im allgemeinen wieder aufgenommen habe (vgl. Senatsurt. v. 14. Oktober 1999, aaO S. 1978; Beschl. v. 30. April 1998 - IX ZR 141/97, Leitsatz in ZInsO 1998, 141 f, zu OLG Dresden ZIP 1997, 1036 f; OLG Hamm ZIP 1996, 469 f; LG Magdeburg DZWIR 1999, 472, 473 f).
Zudem muß sich gerade einem Sozialversicherungsträger angesichts der partiellen Strafbewehrtheit seiner Forderungen (§ 266a StGB) die allgemeine Erfahrung aufdrängen, daß solche Ansprüche oft vorrangig vor anderen befriedigt werden, deren Nichterfüllung für den insolvenzreifen Schuldner weniger gefährlich ist (vgl. Senatsurt. v. 14. Oktober 1999, aaO S. 1978).
c) Danach kommt es nicht mehr entscheidend auf die Frage an, ob das Gesamtvollstreckungsverfahren letztlich aufgrund des Antrags der A. eröffnet worden ist (zur Bedeutungslosigkeit zurückgenommener Anträge vgl. Senatsurt. v. 14. Oktober 1999 - IX ZR 142/98, aaO S. 1977 f) und ob die Beklagte diesen Antrag kannte.
Diesen Standpunkt hatte der Senat bereits zu § 10 Abs. 1 Nr. 4 Fall 2 GesO eingenommen (vgl. BGH, Urt. v. 14. Oktober 1999 - IX ZR 142/98, ZIP 1999, 1977, 1978).
Daraus kann nicht abgeleitet werden, daß der Sozialversicherungsträger diejenigen Beträge, die er in fahrlässiger Unkenntnis der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners unter dem Druck der Strafdrohung empfangen hat, im Verhältnis zu anderen Gläubigern behalten darf (BGH, Urt. v. 14. Oktober 1999 - IX ZR 142/98, ZIP 1999, 1977, 1979).
Die Zurückverweisung gibt dem Berufungsgericht Gelegenheit, die zwischen den Parteien streitigen Fragen zu prüfen, ob die Schuldnerin im Zeitpunkt der Zustellung der Pfändungs- und Einziehungsverfügung die Zahlungen eingestellt hatte und ob dem Beklagten die Zahlungsunfähigkeit bekannt war oder den Umständen nach bekannt sein mußte (…vgl. dazu BGH, Urt. v. 8. Oktober 1998 - IX ZR 337/97, ZIP 1998, 2008, 2010 f; v. 14. Oktober 1999 - IX ZR 142/98, ZIP 1999, 1977, 1978).
Ist der Insolvenzgrund zunächst behoben worden, nachdem der Antrag mangels Masse abgewiesen worden war, und später erneut eingetreten, kann der erste Antrag nicht mehr ausschlaggebend sein (…BGH, Urt. v. 15. November 2007 - IX ZR 212/06, ZIP 2008, 235, 236; Rn. 11 ebenso zur GesO bereits BGH, Urt. v. 14. Oktober 1999 - IX ZR 142/98, NZI 2000, 19).
Darüber hinaus kann ein Gläubiger einen von ihm gestellten Antrag auf Eröffnung der Gesamtvollstreckung wieder zurücknehmen, etwa weil er zwischenzeitlich Zahlungen oder andere Zugeständnisse von dem Schuldner erhalten hat (vgl. BGH-Urteil vom 14. Oktober 1999 IX ZR 142/98, Zeitschrift für Wirtschaftsrecht 1999, 1977).
Dieser darf nicht auf dem Umweg über § 261 StGB mittelbar durchbrochen werden (so für § 266 a StGB BGH, Urteil vom 25.10.2001 - IX ZR 17/01 - = NJW 2002, 512; Urteil vom 14.10.1999 - IX ZR 142/98 - = NJW 2000, 211).
Insbesondere entspricht die Auffassung des Landgerichts, dass der Eröffnungsantrag der AOK vom 21. Februar 2002 aufgrund der erfolgten Rücknahme des Antrags bei der Fristberechnung außer Betracht zu bleiben hat, der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (vgl. BGH, ZIP 1999, 1977 zu § 10 Abs. 1 Nr. 4 GesO; siehe auch BGHZ 149, 178 ff.), der der Senat folgt.
Ihnen kann auf der Grundlage der §§ 133 ff. InsO sowie des § 826 BGB begegnet werden (vgl. BGHZ 149, 178 sowie auch bereits BGH, ZIP 1999, 1977).