Source: https://www.standort-hoefe.ch/de/scheindomiziele/definition-begriff-scheindomizil
Timestamp: 2020-08-09 13:50:34
Document Index: 206143954

Matched Legal Cases: ['Art. 127', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 4', 'BGE', 'BGer', 'Art. 3', 'BGer']

Definition Begriff Scheindomizil | Hoefe
Einen steuerrechtlichen Wohnsitz begründet eine Person gemäss dem harmonisierten Steuerrecht von Bund und Kantonen1 in Übereinstimmung mit der bundesgerichtlichen Rechtssprechung zu Art. 127 Abs. 3 BV dort, wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält und wo sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen befindet2. Der steuerrechtliche Wohnsitz entspricht im Wesentlichen dem zivilrechtlichen Wohnsitz, weicht aber in einigen Punkten davon ab3.
Als Mittelpunkt der Lebensinteressen gilt derjenige Ort, zu dem eine Person die intensivsten persönlichen Beziehungen unterhält, wobei die privaten Interessen in der Regel stärker gewichtet werden als die beruflichen Beziehungen. Der steuerrechtliche Wohnsitz setzt grundsätzlich einen physischen Aufenthalt an diesem Ort voraus. Zu welchem Ort die steuerpflichtige Person die stärksten Beziehungen unterhält, ist auf Grund der Gesamtheit der Umstände des Einzelfalls zu beurteilen. Abzustellen ist auf die objektiven, von aussen wahrnehmbaren Umstände, nicht bloss auf die erklärten Wünsche und gefühlsmässigen Bevorzugungen der steuerpflichtigen Person. Massgebend sind also nur die objektiv verifizierbaren Willenskundgebungen. Insofern ist der Steuerwohnsitz nicht frei wählbar4. Dem polizeilichen Domizil, wo die steuerpflichtige Person ihre Schriften hinterlegt hat und die politischen Rechte ausübt, kommt keine entscheidende Bedeutung zu.
Ein Scheindomizil ist vor diesem Hintergrund der fingierte Mittelpunkt der Lebensinteressen einer Person. Es ist ein Ort, zu dem intensive Beziehungen vorgetäuscht werden, um hier den (steuerrechtlichen) Wohnsitz begründen zu können, während sich der tatsächliche Schwerpunkt der persönlichen Interessen an einem anderen Ort befindet. Ein Scheindomizil liegt vor, wenn künstlich äussere Umstände geschaffen werden, welche die behauptete Wohnsitznahme beweisen sollen, ohne dass sich die steuerpflichtige Person dort aufhält und es an der Absicht des dauernden Verbleibens am entsprechenden Ort fehlt.
Quelle: Prof. Dr. Markus Reich, Definition des Begriffs Scheindomizil, Küsnacht 28.1.2003
Art. 3 Abs. 2 StHG; Art. 3 Abs. 2 DBG; § 4 Abs. 2 SZ StG
dazu und zum Folgenden BGE 125 I 54; BGer 17. Oktober 1997, StE 1998 A 24.21 Nr. 11; ERNST HÖHN/PETER MÄUSLI, Interkantonales Steuerrecht, 4. A. Bern 2000, 81 ff.; PETER LOCHER, Einführung in das interkantonale Steuerrecht, Bern 1999, 45 ff.
MAJA BAUER-BALMELLI/MARKUS NYFFENEGGER, Kommentar StHG, 2. A., Basel 2002, N 5 zu Art. 3 StHG
BGer 29. Juli 2002, StE 2003 A 24.21 Nr. 13