Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/gesellschaftsrecht/die-direktversicherung-des-geschaeftsfuehrers-in-der-krise-der-gmbh-338011
Timestamp: 2019-10-24 04:16:27
Document Index: 102238151

Matched Legal Cases: ['§ 129', '§ 18', '§ 140', '§ 143', 'BGH', 'BGH', '§ 133', '§ 129', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 129']

Direkt­ver­si­che­rung des Geschäfts­füh­rers in der Kri­se der GmbH | Rechtslupe
Ent­rich­tet eine GmbH nach dro­hen­der Zah­lungs­un­fä­hig­keit die Prä­mi­en für eine Direkt­ver­si­che­rung ihres Geschäfts­füh­rers wei­ter, auf wel­che die­ser nach sei­nem Anstel­lungs­ver­trag Anspruch hat, so benach­tei­ligt dies im Regel­fall trotz der als Gegen­leis­tung erhal­te­nen Diens­te die Gläu­bi­ger der Gesell­schaft und kann bei ent­spre­chen­dem Vor­satz gegen­über dem Geschäfts­füh­rer ange­foch­ten wer­den.
Wird von der Insol­venz­schuld­ne­rin nach Ein­tritt der wirt­schaft­li­chen Kri­se durch wei­te­re Prä­mi­en­zah­lun­gen der Rück­kaufs­wert einer Direkt­ver­si­che­rung für ihren Geschäfts­füh­rer erhöht, so kommt des­we­gen die Insol­venz­an­fech­tung in Betracht 1. Die Annah­me des Beru­fungs­ge­richts, die Prä­mi­en­zah­lun­gen an den Lebens­ver­si­che­rer sei­en wegen der Gegen­leis­tung des Beklag­ten im Sin­ne des § 129 Abs. 1 InsO nicht gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gend 2, ist rechts­feh­ler­haft. Denn für die Gläu­bi­ger der Insol­venz­schuld­ne­rin gewäh­ren die erbrach­ten Tätig­kei­ten des Beklag­ten kei­ne Zugriffs­mög­lich­keit, wie sie die zur Ent­rich­tung der Ver­si­che­rungs­prä­mi­en abge­flos­se­nen Zah­lungs­mit­tel boten 3.
Da sich die Ver­mö­gens­la­ge der Insol­venz­schuld­ne­rin im Anfech­tungs­zeit­raum wei­ter ver­schlech­ter­te, war das Inter­es­se der Gläu­bi­ger auch nicht dar­auf gerich­tet, dass der Beklag­te sei­ne Tätig­keit als Geschäfts­füh­rer unver­än­dert fort­setz­te, son­dern dass er bal­digst nach § 18 Abs. 1 InsO Insol­venz­an­trag stell­te. Die Fra­ge, ob bei einem ernst­haf­ten und aus­sichts­rei­chen Sanie­rungs­ver­such der Schuld­ne­rin durch den Beklag­ten eine objek­ti­ve Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung infol­ge der fort­dau­ern­den Prä­mi­en­zah­lun­gen zu sei­ner Ver­sor­gung hät­te ver­neint wer­den kön­nen, bedarf des­halb kei­ner Prü­fung. Jeden­falls in der Regel kann der Insol­venz­ver­wal­ter des Schuld­ners gegen­über dem Bezugs­be­rech­tig­ten die Rechts­hand­lun­gen anfech­ten, die auf Kos­ten der Mas­se den Wert der Direkt­ver­si­che­rung erhöht haben. Dies gilt gera­de dann, wenn das unwi­der­ruf­li­che Bezugs­recht, wie hier, in anfech­tungs­frei­er Zeit ent­stan­den ist 4.
Da der ein­zugs­be­rech­tig­te Gläu­bi­ger zuvor kei­ne gesi­cher­te Rechts­po­si­ti­on inne­hat, ist der anfech­tungs­recht­lich maß­ge­ben­de Zeit­punkt für die Ent­schei­dung über die Insol­venz­an­fech­tung nach § 140 Abs. 1 InsO statt der Ertei­lung der Ein­zugs­er­mäch­ti­gung die vom Schuld­ner sei­ner Bank erklär­te Geneh­mi­gung 5. Sie wird bei wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen glei­cher Grö­ßen­ord­nung an den­sel­ben Gläu­bi­ger von einem Unter­neh­mer regel­mä­ßig bereits kon­klu­dent vor Ablauf der Wider­spruchs­frist des Nr. 7 Abs. 3 AGB-Ban­ken erklärt 6.
Dabei bedarf es im ent­schie­de­nen Fall für den Bun­des­ge­richts­hof kei­ner Ent­schei­dung, ob der Geschäfts­füh­rer die gesam­te Wert­stei­ge­rung sei­nes unwi­der­ruf­li­chen Bezugs­rechts aus der Direkt­ver­si­che­rung für den Ver­si­che­rungs­fall oder den Rück­kaufs­fall, die infol­ge der ange­foch­te­nen Prä­mi­en­zah­lun­gen ein­ge­tre­ten ist, nach § 143 Abs. 1 InsO zur Insol­venz­mas­se zurück­ge­wäh­ren muss 7. Der Insol­venz­ver­wal­ter hat hier nur die im Anfech­tungs­zeit­raum geleis­te­ten Prä­mi­en­zah­lun­gen zurück­ver­langt, die auch vom Reichs­ge­richt als aus dem Ver­mö­gen des Ver­spre­chens­emp­fän­gers stam­mend in des­sen Kon­kurs als Anfech­tungs­ge­gen­stand aner­kannt wor­den sind 8.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Janu­ar 2012 – IX ZR 95/​11
BGH, Urteil vom 10.07.1997 – IX ZR 161/​96, NJW 1998, 312, 315, in BGHZ 136, 220 nicht mit abge­druckt[↩]
eben­so OLG Bran­den­burg, NZI 2002, 439, 440 f unter 2.[↩]
vgl. Jaeger/​Henckel, InsO, § 133 Rn.19[↩]
Münch­Komm-InsO/­Kirch­hof, 2. Aufl., § 129 Rn. 52[↩]
BGH, Urteil vom 19.12.2002 – IX ZR 377/​99, WM 2003, 524, 529; vom 04.11.2004 – IX ZR 22/​03, BGHZ 161, 49, 56 f; vom 29.05.2008 – IX ZR 42/​07, NZI 2008, 482 Rn. 11 ff, 16; vom 30.09.2010 – IX ZR 177/​07, WM 2010, 2167 Rn. 10 f; vom 21.10.2010 – IX ZR 240/​09, ZIn­sO 2010, 2293 Rn. 7[↩]
BGH, Urteil vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, BGHZ 186, 269 Rn. 48; vom 21.10.2010, aaO Rn. 8; vom 03.05.2011 – XI ZR 152/​09, WM 2011, 1267 Rn. 11; vom 27.09.2011 – XI ZR 328/​09, WM 2011, 2259 Rn. 15 f; vom 25.10.2011 – XI ZR 368/​09, ZIP 2011, 2398 Rn. 13; vom 01.12.2011 – IX ZR 58/​11[↩]
vgl. dazu etwa Schusch­ke, BGH-Report 2004, 198, 199 f; Kay­ser, Die Lebens­ver­si­che­rung in der Insol­venz des Arbeit­ge­bers, S. 72 f; Münch­Komm-InsO/­Kirch­hof, 2. Aufl. § 129 Rn. 52 am Ende[↩]
vgl. RGZ 61, 217, 219 f[↩]
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