Source: http://socialmediarecht.wordpress.com/2012/08/16/aus-aktuellem-anlass-der-praxisfall-zum-urheberrecht-das-zitat/
Timestamp: 2013-06-19 23:29:09
Document Index: 359701549

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 51', '§ 51', '§ 51', '§ 2', '§ 2', '§ 2']

Aus aktuellem Anlass: Der Praxisfall zum Urheberrecht “Das Zitat” | Social Media Recht Blog
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Aus aktuellem Anlass: Der Praxisfall zum Urheberrecht “Das Zitat”	Veröffentlicht am August 16, 2012	von Social Media Recht Ich bitte darum, unbedingt auch das Update am Ende des Artikels zur Kenntnis zu nehmen! .
Letzte Woche teilte mir mein geschätzter Ehemann mit “Du bist in der W&V, also im HR-Marketing Blog zu Social Media Guidelines”. Wie schön! Aber huch? Warum denn? Ein Interview habe ich nicht geführt?! Also, gesucht und den Artikel “Guidelines lösen nicht alle Probleme” von Raoul Fischer gefunden. Gleich im ersten Absatz ist mein Name fett gedruckt und ein direkter Link zu meinem Essay “Die Tücken der neuen Medien” bzw. “Social Media Guidelines – Wie sollten Unternehmensregeln gestaltet sein“, welcher erstmalig im Human Resources Manager, Ausgabe 03/12 erschien, gesetzt. Yeah! Wie schön. Es ist nicht zu verhehlen, dass derartige Erwähnungen das Herz erwärmen. Doch zur Freude gesellte sich beim Lesen zunehmendes Stirnrunzeln. Denn ein Drittel des Blogbeitrags besteht aus der originären Übernahme meines Textes, zum Großteil als “Zitat” gekennzeichnet. Ein weiterer nicht unerheblicher Teil besteht letztendlich ebenfalls aus dem Destillat meines Texts, der mehr oder weniger stark abgeändert wurde.
“Ja? Und? Warum erzählt sie uns das jetzt?” fragt sich nun der eine oder andere. Ich berichte davon, da anscheinend selbst ein Journalist den Umfang des Zitatrechts verkennt. Ein solcher “Irrtum” kann jedoch sowohl ärgerlich als auch teuer werden. Deswegen einfach für alle hier nochmal ein paar Anmerkungen dazu:
Doch ”Zitate dürfen aber nicht ein derartiges Ausmaß erreichen, dass die nicht mehr lediglich eine in dem zitierenden Werk vertretene Ansicht stützen, sondern dieses Werk über weite Strecken selbstständig tragen.” (BGH, GRUR 1982, 37 [40] – WK-Dokumentation). Bei einer Textübernahme von gut einem einem Drittel und weiteren Entlehnungen kann kaum noch die Rede davon sein, dass mit dem Zitat bloß eine “Ansicht gestützt” wird.
Wie der geneigte Leser also an diesen kurzen Ausführungen schon zu erkennen vermag, ist das “Zitat” oben nicht ohne Grund in Anführungsstriche gesetzt worden: Vom Zitatrecht nach § 51 UrhG ist die Übernahme meines bzw. die umfangreiche Entlehnung aus meinem Text nicht gedeckt.
Doch selbst wenn der Autor bewusst angenommen und sich darauf verlassen hätte, ich würde von einer kostenpflichtigen Abmahnung eben aus den vorgenannten Gründen in jedem Fall absehen, so hat er eine weitere mögliche Dimension des Falles wohl nicht beachtet: Schließlich ist der Artikel zunächst in der Printausgabe des Human Resources Manager erschienen. Nun hätte es durchaus sein können, dass die Nutzungsrechte an dem Text exklusiv an den HRM übertragen worden wären, mit der Ausnahme, dass ich den Text als pdf mit zeitlichem Abstand noch einmal auf meinem Blog veröffentlichen dürfte. In diesem Fall hätte der HRM zu Recht äußerst verärgert über das Plagieren “seines” Essays sein und mit einer kostenpflichtigen Abmahnung reagieren können. Auf mein mögliches und vermutetes Einverständnis wäre es dann gar nicht mehr angekommen. (Das ist nicht ohne Grund im Konjunktiv irrealis geschrieben, es gibt vorliegend keine Exklusiv-Vereinbarung).
Also, lieber Raoul Fischer, vielen Dank noch einmal für die positive Erwähnung! (Und für das “Futter” für diesen Blog…;-)). Doch aus genannten Gründen das nächste Mal vielleicht besser vorher einmal anrufen und fragen…. Ansonsten sehen wir uns beim CYQUEST Praxisseminar am 19. September 2012 in Hamburg - da gebe ich dann auch gerne ein Interview .
Im Beitrag “Rechtliche Hinweise zum Bloggen II: #guttenbergen und was sonst beim Texten zu vermeiden ist” habe ich ein wenig ausführlicher dargelegt, welche rechtlichen Klippen beim Texten zu umschiffen sind.
Und in den Artikeln “Was soll eigentlich dieses Urheberrecht? Teil 1 – Mit dabei SOPA, PIPA, Verhaftungen, Nutzer und Verletzte” und “Was soll eigentlich dieses Urheberrecht? Teil 2 – Mit dabei: ACTA, Pinterest, Abmahnungen” erläutere ich einmal grundlegend, was es denn nun mit dem deutschen Urheberrecht so auf sich hat.
Und weil es im Text vielleicht nicht deutlich genug wurde: Dass Journalisten auf andere Texte und insbesondere Fachartikel angewiesen sind, um neue Texte zu kreiieren ist ebenso klar, wie das Zitieren gängige Praxis ist. Die Grenze des Zitatrechts ist allerdings wahrlich nicht immer leicht zu erkennen. Und so ging es vorliegend nicht darum, einem Journalisten, der auch noch wohlwollend berichtete, aus Prinzip “auf die Finger zu hauen”, sondern vielmehr mit diesem Beispiel für das Zitatrecht und dessen Grenzen zu sensibilisieren. Mehr Wissen für alle also. Psst. Like to share?E-MailDruckenGefällt mir:Gefällt mir Lade...	Dieser Beitrag wurde unter Arbeitsrecht, Social Media Guidelines, Social Media Marketing, Urheberrecht abgelegt und mit Abmahnung, Übernahme fremder Texte, Kosten, Nutzungsrecht, Text, Urheberrecht, Zitat, Zitatrecht verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.	← “Pöbeln auf Facebook” oder “Was man als Arbeitnehmer besser nicht postet”
17 Antworten zu Aus aktuellem Anlass: Der Praxisfall zum Urheberrecht “Das Zitat” musenroessle schreibt:	August 16, 2012 um 4:44 nachmittags	Schön, daß das Problem so einvernehmlich gelöst wurde. Für juristische Laien ist das wirklich nicht so einfach zu erkennen wo die Grenzen des Zitatrechtes liegen und die Gefahr darum groß – oft auch ganz ohne böse Absicht – zuviel des Guten zu zitieren. Nicht schön, wenn dann deswegen jemand gleich mit der großen Abmahnkeule kommt…
Antwort	Social Media Recht schreibt:	August 20, 2012 um 7:40 vormittags	Vielen Dank. Dem Grunde nach ist es mit dem Urheberrecht aber ganz einfach: “Benutze keinen fremden Text (Bilder, Grafiken etc.), es sei denn, der Urheber hat es Dir erlaubt.” — Aber Sie haben natürlich recht, die Grenzen des Zitatrechts, welches eben eine Ausnahme zu dem eben genannten Grundsatz darstellt, zu erkennen, ist für den Laien im Zweifel schwierig.
Antwort	Rolf Schälike (@RolfSchaelike) schreibt:	August 17, 2012 um 1:20 vormittags	Hier noch eine Urteil des LG Hamburg 30http://bit.ly/R5EcPA Aus dem Urteil: Diese Art der Einbindung des Lebenslaufs in die Auseinandersetzung mit dessen Inhalt stellt ein Zitieren im Sinne des § 51 UrhG dar.
Antwort	Social Media Recht schreibt:	August 20, 2012 um 7:42 vormittags	Vielen Dank für die Bereitstellung eines Urteile zu § 51 UrhG, in welchem die Entscheidung gerade darauf hinauslief, dass das Zitat vom Umfang der Vorschrift gedeckt wurde.
Antwort	Rolf Schälike (@RolfSchaelike) schreibt:	August 17, 2012 um 1:29 vormittags	Noch eine Urteil des LG Hamburg 308 O 343/09 v. 27.05.2011 zum Zitatrecht aus dem Interview eines promineten Anwalts: http://bit.ly/StNgeq
Die letzte der streitgegenständlichen Interviewäußerungen, in der sich der Kläger zu der Frage äußert, ob einige Prominente heute gegenüber den Medien “zu empfindlich” seien, ist bereits nicht als Werk im Sinne des § 2 UrhG anzusehen, insbesondere nicht als Sprachwerk im Sinne des § 2 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. Abs. 2 UrhG. Zwar gelten nach den Grundsätzen der “Kleinen Münze” (auch) insoweit geringe Anforderungen (vgl. dazu: Schutz, in: Dreier/Schulze, UrhG, 3. Aufl., § 2, Rn. 85). Die fragliche Interviewäußerung des Klägers beschränkt sich jedoch im Wesentlichen auf den weder in sprachlicher noch in inhaltlicher Hinsicht als schöpferisch anzusehenden schlichten Hinweis, dass es durchaus auch Prominente gebe, die Ihren Erfolg nicht der Vermarktung ihres Privatlebens in den Medien, sondern allein ihren individuellen Leistungen verdankten.
Antwort	Social Media Recht schreibt:	August 20, 2012 um 7:43 vormittags	Und vielen Dank für die Bereitstellung eines Urteils, in dem der Werkbegriff erläutert wird. Auch das wird meine Leser sicherlich interessieren.
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Pingback: plus-me.at GOOGLE | Interessante Informationen zum Zitatrecht von +Nina Diercks Udo Kowalski schreibt:	Oktober 9, 2012 um 6:47 nachmittags	Guten Tag Frau Diercks,
über die Google Suche: “Nutzungsrechte Fotos noch zeitgemäß”
Ihren Praxisfall “Das Zitat” fand ich sehr spannend und die gütliche Einigung in jedem Fall erstrebenswert.
Da es in meinem Fall um die Nutzung von Fotos geht, fällt allerdings auf, das die Meinungen und Handlungen zu “einmal bezahlt, dann kann ich damit machen, was ich will” und auch ” merkt doch keiner” mittlerweile immer häufiger genutzt werden. Der auch fehlende Urhebervermerk versteht sich von selbst.
Antwort	Social Media Recht schreibt:	Oktober 10, 2012 um 1:53 nachmittags	Guten Tag, die Antwort auf Ihre Frage finden Sie in den Blogartikeln “Was soll eigentlich dieses Urheberrecht?” Teil & Teil 2:
Antwort	0timverhoeven0 schreibt:	Dezember 7, 2012 um 9:42 vormittags	Toller Artikel – einer der meiner Meinung nach 5 interessantesten deutschen Blog-Artikel in diesem Jahr im Kontext von Personalmarketing (auch wenn es natürlich kein Personalmarketing-Artikel ist, so ist der Artikel jedoch in der Zielgruppe weit verbreitet und sehr sinnvoll):
Antwort	Social Media Recht schreibt:	Dezember 7, 2012 um 1:23 nachmittags	Oh. Vielen Dank Tim! Da freut sich aber die Verfasserin. Antwort	Social Media Recht schreibt:	Dezember 7, 2012 um 1:23 nachmittags	Oh. Danke Tim! Da freut sich die Verfasserin! Antwort	Kommentar verfassen Antwort abbrechen