Source: https://www.kostenlose-urteile.de/FinG-Baden-Wuerttemberg_13-K-101218_Erben-eines-Fahrzeughalters-mit-Behinderung-koennen-rueckwirkende-Kfz-Steuerbefreiung-beantragen.news28736.htm
Timestamp: 2020-05-31 14:47:10
Document Index: 73984536

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 175', '§ 3', '§ 175', '§ 171', '§ 45']

Urteil > 13 K 1012/18 | FinG Baden-Württemberg - Erben eines Fahrzeughalters mit Behinderung können rückwirkende Kfz-Steuerbefreiung beantragen < kostenlose-urteile.de
Die Kläger des zugrunde liegenden Verfahrens sind Miterben des am 18. Juli 2017 verstorbenen Erblassers. Dieser war Halter eines Fahrzeugs bis zu dessen Abmeldung am 7. Mai 2017. Infolge der Abmeldung ermäßigte der Beklagte am 18. Mai 2017 die festgesetzte Kraftfahrzeugsteuer. Das Landratsamt stellte mit Bescheid vom 22. Juni 2017 für den Erblasser einen Grad der Behinderung von 100 sowie die Merkzeichen G, B, H, aG und RF seit dem 24. Februar 2017 fest. Im Januar 2018 beantragten die Kläger, das streitgegenständliche, nicht zweckentfremdet verwendete Fahrzeug nach § 3 a Absatz 1 Kraftfahrzeugsteuergesetz (KraftStG) rückwirkend ab dem 24. Februar 2017 von der Kraftfahrzeugsteuer zu befreien. Dies lehnte der Beklagte ab. Die Steuerbefreiung sei ein höchstpersönliches Recht und könne nicht auf die Erben übergehen. Nach dem Tod des Fahrzeughalters könne der Zweck der Steuerbefreiung, die Förderung der Mobilität behinderter Menschen, nicht mehr erreicht werden. Die Kläger hatten mit ihrer hiergegen gerichteten Klage Erfolg.
Antragsrecht ist kein höchstpersönliches Recht und hängt nicht von nicht beeinflussbaren Zufälligkeiten wie dem Tod ab
Das Finanzgericht Baden-Württemberg entschied, dass der Kraftfahrzeugsteuerbescheid nach § 175 Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO) zu ändern sei. § 3 a Absatz 1 KraftStG befreie das Halten von Kraftfahrzeugen "solange die Fahrzeuge für schwerbehinderte Personen zugelassen sind", die die gesetzlichen Voraussetzungen für die Befreiung erfüllen. Stichtag für die Kraftfahrzeugsteuerermäßigung sei grundsätzlich das Ausstellungsdatum des Schwerbehindertenausweises, sofern nicht im Ausweis ein früheres Datum für den Eintritt der Behinderung festgestellt werde - so im Streitfall. Grundsätzlich werde die Steuerbefreiung ab dem Tag der Antragstellung gewährt, da ein schriftlicher Antrag erforderlich sei. Abweichend hiervon sei nach § 175 Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 AO in Verbindung mit § 171 Absatz 10 AO der im Schwerbehindertenausweis genannte Tag der Feststellung der Behinderung für die Steuerbefreiung maßgebend. Die Erben des Halters seien als Gesamtrechtsnachfolger zur Antragstellung befugt. Forderungen aus dem Steuerschuldverhältnis gingen nach § 45 Absatz 1 Satz 1 AO auf diese über. Das Antragsrecht sei kein höchstpersönliches Recht. Es hänge nicht von nicht beeinflussbaren Zufälligkeiten wie dem Tod ab.
Quelle: Finanzgericht Baden-Württemberg, ra-online (pm/ab)
Urteile zu den Schlagwörtern: Erblasser | Kraftfahrzeugsteuer | Kfz-Steuer | Miterbe | Miterben | Rechtsnachfolge | Schwerbehinderung | Schwerbehinderter | Steuerbefreiung | Tod
Dokument-Nr. 28736
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