Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/pfeile-auf-der-fahrbahn-nur-blosse-fahrempfehlungen-373635
Timestamp: 2019-11-11 20:18:31
Document Index: 239057495

Matched Legal Cases: ['§ 41', '§ 41', '§ 41', '§ 9', '§ 41', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Pfei­le auf der Fahr­bahn – nur blo­ße Fah­remp­feh­lun­gen? | Rechtslupe
Pfeile auf der Fahrbahn - nur bloße Fahrempfehlungen?
Bei den auf dem Fal­ken­se­er Platz in Ber­lin-Span­dau zwi­schen den Leit­li­ni­en befind­li­chen Pfei­len han­delt es sich nicht um blo­ße Fah­remp­feh­lun­gen, son­dern um (ver­bind­li­che) Fahrt­rich­tungs­ge­bo­te.
Der Fal­ken­se­er Platz besteht aus einer kreis­för­mi­gen Grün­an­la­ge, um die ein mehr­spu­ri­ger, aus­schließ­lich gegen den Uhr­zei­ger­sinn zu befah­ren­der Stra­ßen­ring führt, in den von außen vier mehr­spu­ri­ge Stra­ßen ein­mün­den: im Nord­wes­ten der Fal­ken­se­er Damm, im Süd­wes­ten der Alt­städ­ter Ring, im Süd­os­ten die Stra­ße "Am Juli­us­turm" und im Nord­os­ten die Neu­en­dor­fer Stra­ße. Die in den Fal­ken­se­er Platz hin­ein­füh­ren­den Fahr­bah­nen die­ser Stra­ßen sind von den aus dem Platz her­aus­füh­ren­den Fahr­bah­nen jeweils durch einen begrün­ten Mit­tel­strei­fen getrennt. Im Bereich des Plat­zes befin­den sich zwölf Licht­zei­chen­an­la­gen, näm­lich jeweils drei im Bereich der vier Ein­mün­dun­gen, von denen jeweils eine den Ver­kehr auf den in den Platz hin­ein­füh­ren­den Fahr­bah­nen regelt, eine zwei­te den Ver­kehr auf den her­aus­füh­ren­den Fahr­bah­nen und eine drit­te den Ver­kehr auf dem Stra­ßen­ring. Die hier befind­li­chen Licht­zei­chen­an­la­gen sind jeweils in Höhe der Mit­tel­strei­fen der vier Ein­mün­dun­gen ange­bracht. Unmit­tel­bar vor ihnen und vor den Licht­zei­chen­an­la­gen der ein­mün­den­den Fahr­bah­nen befin­den sich jeweils Leit­li­ni­en (Zei­chen 340 der StVO) und Pfeil­mar­kie­run­gen (Zei­chen 297 der StVO).
Gemäß § 41 Abs. 1 StVO hat jeder Ver­kehrs­teil­neh­mer die durch Vor­schrifts­zei­chen nach Anla­ge 2 ange­ord­ne­ten Ge- oder Ver­bo­te zu befol­gen.
Zei­chen 297 der Anla­ge 2 (zu § 41 Abs. 1 StVO) ord­net ein Fahrt­rich­tungs­ge­bot an. Wer ein Fahr­zeug führt, muss der Fahrt­rich­tung auf der fol­gen­den Kreu­zung oder Ein­mün­dung fol­gen, wenn zwi­schen den Pfei­len Leit­li­ni­en (Zei­chen 340) oder Fahr­strei­fen­be­gren­zun­gen (Zei­chen 295) mar­kiert sind 1. Nach den vom Beru­fungs­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen han­delt es sich bei dem Stra­ßen­ring des Fal­ken­se­er Plat­zes um eine mehr­spu­ri­ge Stra­ße, deren Fahr­strei­fen jeweils durch Leit­li­ni­en (Zei­chen 340) mar­kiert sind. Vor der Halt­li­nie der Licht­zei­chen­an­la­ge in Höhe der Ein­mün­dung der Stra­ße "Am Juli­us­turm" befin­den sich zwi­schen den Leit­li­ni­en Rich­tungs­pfei­le. Da die Pfei­le auf dem drit­ten Fahr­strei­fen von links, den die Klä­ge­rin befuhr, nach rechts wei­sen, gebie­ten sie gemäß Zei­chen 297 der StVO als ver­bind­li­che Fahrt­rich­tung ein Abbie­gen nach rechts auf der fol­gen­den Kreu­zung oder Ein­mün­dung.
Die­se nach rechts wei­sen­den Rich­tungs­pfei­le gebie­ten als Fahrt­rich­tung ein Abbie­gen in die Neu­en­dor­fer Stra­ße
Bei der Aus­fahrt Neu­en­dor­fer Stra­ße han­delt es sich um die fol­gen­de Ein­mün­dung im Sin­ne des Zei­chens 297 der StVO. Dem steht ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on nicht ent­ge­gen, dass der Ver­kehrs­teil­neh­mer nach der Halt­li­nie die­ser Licht­zei­chen­an­la­ge zunächst die in den Stra­ßen­ring ein­mün­den­de Rich­tungs­fahr­bahn der Stra­ße "Am Juli­us­turm" pas­sie­ren muss, bevor er nach rechts in die Neu­en­dor­fer Stra­ße abbie­gen kann. Die ein­mün­den­de Rich­tungs­fahr­bahn ist nicht die nächs­te Ein­mün­dung im Sin­ne des Zei­chens 297 der StVO, son­dern eine nur in Gegen­rich­tung – als Ein­fahrt in den Stra­ßen­ring – befahr­ba­re Rich­tungs­fahr­bahn der ein­mün­den­den Stra­ße "Am Juli­us­turm". Weist eine ein­mün­den­de Stra­ße – wie hier – zwei von­ein­an­der durch Mit­tel­strei­fen getrenn­te Rich­tungs­fahr­bah­nen auf, han­delt es sich näm­lich nicht um zwei ver­schie­de­ne Ein­mün­dun­gen, son­dern, wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend aus­führt, um eine ein­zi­ge Stra­ßen­ein­mün­dung.
Die Über­le­gun­gen dazu, dass Ge- und Ver­bots­zei­chen sofort und aus sich selbst her­aus ver­ständ­lich sein müs­sen 2, ver­mö­gen nicht zu einer ande­ren Beur­tei­lung zu füh­ren. Es mag sein, dass die Ver­kehrs­füh­rung auf dem groß­räu­mi­gen Stra­ßen­ring des Fal­ken­se­er Plat­zes in Ber­lin-Span­dau ins­be­son­de­re von orts­un­kun­di­gen Kraft­fah­rern eine erhöh­te Auf­merk­sam­keit ver­langt. Die­se ist jedoch gera­de im Bereich von gro­ßen, stark befah­re­nen Kreu­zun­gen und Ein­mün­dun­gen von jedem Ver­kehrs­teil­neh­mer zu for­dern. Von einer unkla­ren Ver­kehrs­füh­rung kann nach den vom Beru­fungs­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen jeden­falls kei­ne Rede sein. Die zwi­schen den Leit­li­ni­en befind­li­chen Pfei­le geben mit hin­rei­chen­der Klar­heit die Fahrt­rich­tung für die nächs­te Aus­fahrt aus dem Stra­ßen­ring vor. Es han­delt sich nicht um blo­ße Fah­remp­feh­lun­gen, son­dern um (ver­bind­li­che) Fahrt­rich­tungs­ge­bo­te.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Febru­ar 2014 – VI ZR 161/​13
König in Hentschel/​König/​Dau­er, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 42. Aufl., § 41 StVO Rn. 248n; Bur­mann in Burmann/​Heß/​Jahnke/​Janker, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 22. Aufl., § 9 StVO Rn. 51; zu § 41 StVO aF vgl. BGH, Urteil vom 12.12 2006 – VI ZR 75/​06, VersR 2007, 262; OLG Hamm, VRS 48, 144, 146; OLG Düs­sel­dorf, Ver­k­Mitt 1972, Nr. 60; OLG Karls­ru­he, NJW 1975, 1666, 1667 f. mit Anmer­kung von Booß[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 13.02.1975 – 4 StR 508/​74, BGHSt 26, 73, 79 mwN[↩]
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