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Timestamp: 2019-09-22 19:22:54
Document Index: 88860316

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 20', 'BGH', '§ 19', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 23', '§ 23', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 20', 'Art. 2', 'Art. 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 32', 'BGH', '§ 23', 'BGH', 'BGH', 'EGMR', '§ 23', '§ 839']

BGH, 17.03.1994 - III ZR 15/93 - dejure.org
https://dejure.org/1994,439
BGH, 17.03.1994 - III ZR 15/93 (https://dejure.org/1994,439)
BGH, Entscheidung vom 17.03.1994 - III ZR 15/93 (https://dejure.org/1994,439)
BGH, Entscheidung vom 17. März 1994 - III ZR 15/93 (https://dejure.org/1994,439)
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Bindungswirkung - Amtshaftungsprozeß - Rechtswidigkeit einer staatsanwaltlichen Pressemitteilung - Ermittlung gegen Notar - Namentliche Nennung - Persönlichkeitsrecht - Schmerzensgeld
150 Polizisten bei Durchsuchung
NJW 1994, 1950
MDR 1994, 733
MDR 1994, 773
VersR 1994, 979
WM 1994, 992
afp 1994, 142
Dies beruht auf der Erwägung, dass Behörden in ihrer Informationspolitik unmittelbar an die Grundrechte gebunden sind und Amtsträger, wenn sie vor der Frage stehen, ob die Presse über amtliche Vorgänge informiert werden soll, die erforderliche Abwägung zwischen dem Informationsrecht der Presse und dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht vorzunehmen haben (…vgl. Senatsurteil vom 11. Dezember 2012 - VI ZR 314/10, AfP 2013, 57 Rn. 30; BGH, Urteil vom 17. März 1994 - III ZR 15/93, NJW 1994, 1950, 1951;… BVerfG, NJW-RR 2010, 1195 Rn. 35;… BeckOK GG/Huster/Rux, Art. 20 GG Rn. 169 ff. [Stand: 1. November 2013]).
Verletzen sie ihre Amtspflichten, kann ein Schadensersatzanspruch des Betroffenen wegen einer Verletzung seines allgemeinen Persönlichkeitsrechts gegen die zuständige Gebietskörperschaft als Träger der Behörde gegeben sein (vgl. BGH, Urteile vom 17. März 1994 - III ZR 15/93, aaO S. 1951 f.; vom 23. Oktober 2003 - III ZR 9/03, NJW 2003, 3693, 3697; OLG Hamburg, Ufita 70 (1974), 305, 309 ff.;… Wenzel/Burkhardt, Das Recht der Wort- und Bildberichterstattung, 5. Aufl., Kap. 6 Rn. 136;… Soehring in Soehring/Hoene, Presserecht, 5. Aufl., § 19 Rn. 38).
Danach kommt eine Namensnennung grundsätzlich nur in Fällen schwerer Kriminalität oder bei Straftaten in Betracht, die die Öffentlichkeit besonders berühren (BGH, Urteil vom 17. März 1994 - III ZR 15/93 - NJW 1994, 1950, 1952; vgl. auch LG Berlin, NJW-RR 1999, 1253 f.).
b) Keinen Bedenken begegnet auch die Auffassung des Berufungsgerichts, daß im Streitfall das Ausmaß des im Zeitpunkt der Veröffentlichung bestehenden Tatverdachtes einer Namensnennung nicht entgegenstand (vgl. hierzu Senatsurteil BGHZ 132, 13, 26 sowie BGH, Urteil vom 17. März 1994 (aaO)).
Ein solcher Anspruch kommt allerdings nur in Betracht, wenn es sich um einen schwerwiegenden Eingriff in das Persönlichkeitsrecht handelt und die Beeinträchtigung des Betroffenen nicht in anderer Weise befriedigend ausgeglichen werden kann (Senatsurteile BGHZ 78, 274, 280;… vom 10. Januar 1972, aaO S. 369; vom 17. März 1994, aaO S. 1952 m.w.N.).
Ob eine schwerwiegende Verletzung des Persönlichkeitsrechts vorliegt, die die Zahlung einer Geldentschädigung erfordert, ist aufgrund der gesamten Umstände des Einzelfalls zu beurteilen und hängt insbesondere von der Bedeutung und der Tragweite des Eingriffs, ferner von Anlaß und Beweggrund des Handelnden sowie von dem Grad seines Verschuldens ab (Senat, Urteil vom 17. März 1994, aaO S. 1953).
Das Revisionsgericht kann nur prüfen, ob die Wertungsgrenzen erkannt, der Prüfungsstoff als Wertungsgrundlage ausgeschöpft und die Denk- und Erfahrungssätze beachtet worden sind (Senat, Urteil vom 17. März 1994, aaO S. 1953).
1. Es ist anerkannt, dass ein Amtshaftungsanspruch wegen Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts die Zahlung einer Geldentschädigung für immaterielle Schäden zum Gegenstand haben kann (BGH Urt. v. 17. März 1994, III ZR 15/93, www.jurisweb.de S. Rz. 32 = NJW 1994, 1950 ff;… Urt. v. 23. Oktober 2003, III ZR 9/03, www.jurisweb.de Rz. 44 = NJW 2003, 3693).
Auch soweit es sich lediglich um einen Tatverdacht handelt, ist nach der Rechtsprechung des BGH anerkannt, dass eine Information der Öffentlichkeit nicht von vornherein wegen des Eingriffs in das Persönlichkeitsrecht ausgeschlossen ist (BGH Urt. v. 17. März 1994, III ZR 15/93, www.jurisweb.de Rz. 26 = NJW 1994, 1950 ff).
Nach herrschender Meinung ist eine Veröffentlichung mit namentlicher Identifizierung des Verdächtigen im Ermittlungsstadium im Hinblick hierauf nur ausnahmsweise zu rechtfertigen (BGH Urt. v. 17. März 1994, III ZR 15/93, www.jurisweb.de Rz. 26 m.w.N. = NJW 1994, 1950 ff m.w.N.).
Das Aufsehen, das der sog. Übernahmekampf gerade vor dem Hintergrund der schließlich wahr gewordenen Befürchtung insbesondere der Arbeitnehmerschaft erregt hat, dass die Mannesmann AG in der Folge unter Verlust von Arbeitsplätzen umstrukturiert und Firmenteile veräußert werden würden, ist ein weiterer Gesichtspunkt, der auch nach der Rechtsprechung des BGH (Urt. v. 17. März 1994, III ZR 15/93, www.jurisweb.de = NJW 1994, 1950 ff) im Rahmen der Gesamtabwägung zu berücksichtigen ist.
Wie bereits dargelegt hat die Staatsanwaltschaft, wenn sie vor der Frage steht, ob die Presse über amtliche Vorgänge informiert wird, abzuwägen zwischen dem Informationsrecht der Presse und dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht (Geheimhaltungsinteresse) des Betroffenen (BGH Urt. v. 17. März 1994, III ZR 15/93, www.jurisweb.de Rz. 21 = NJW 1994, 1950 ff).
Zu solchen Maßnahmen zählen nach der Rechtsprechung des BGH und der herrschenden Meinung auch Presseverlautbarungen der Staatsanwaltschaft (BGH Urt. v. 17. März 1994, III ZR 15/93, www.jurisweb.de Rz. 15 = NJW 1994, 1950 ff; OLG Stuttgart NJW 2001, 3797; OLG Hamm, NStZ 1995, 412, 414;… Kissel, GVG, 4. Auflage 2005, § 23 EGGVG, Rz. 36;… Karlsruher Kommentar-Schoreit, StPO, 5. Auflage 2003, § 23 EGGVG Rz. 28 m.w.N.; Wasmuth, Bemerkungen zum Rechtsschutz bei Klagen gegen Pressemitteilungen von Ermittlungsbehörden, NJW 1988, 1705, 1707).
Dem steht die frühere Entscheidung des gleichen (III.) Zivilsenats des BGH (BGH Urt. v. 17. März 1994, III ZR 15/93, www.jurisweb.de = NJW 1994, 1950 ff) nicht entgegen.
Dem Urteil des BGH vom 17. März 1994 (III ZR 15/93, www.jurisweb.de Rz. 41 = NJW 1994, 1950 ff) kann allenfalls entnommen werden, dass eine Kumulation möglich sein kann, wenn derselbe Beamte das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen erneut durch die gleiche Handlung verletzt.
Denn Behörden sind in ihrer Informationspolitik unmittelbar an die Grundrechte, namentlich das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Betroffenen, gebunden und zur Objektivität verpflichtet (vgl. BGH, Urteil vom 17. März 1994 - III ZR 15/93, NJW 1994, 1950, 1951;… BVerfG, NJW-RR 2010, 1195 Rn. 35;… BeckOK GG/Huster/Rux, Art. 20 GG Rn. 156 ff. [Stand: 1. Oktober 2012]).
Insbesondere bedarf es der Abwägung zwischen dem Informationsrecht der Presse und dem nach Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG geschützten allgemeinen Persönlichkeitsrecht (Geheimhaltungsinteresse) des jeweils Betroffenen (…vgl. BGH, Urt. v. 15.04.1980 - VI ZR 76/79 - NJW 1980, 1790 ; Urt. v. 17.03.1994 - III ZR 15/93 - NJW 1994, 1950 ) sowie - als Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts - dessen Recht auf informationelle Selbstbestimmung (…vgl. OVG NRW, Beschl. v. 27.06.2012, a.a.O., Rn. 42;… BGH, Urt. v. 23.06.2009 - VI ZR 196/08 - BGHZ 181, 328 = juris Rn. 27 f.).
Diese umfassende Abwägung ist gerichtlich voll nachprüfbar (…vgl. HessVGH, Urt. v. 23.02.2012, a.a.O.;… ebenso BVerwG, Urt. v. 23.06.2004 - 3 C 41.03 - BVerwGE 121, 115 , zu § 32 StUG; ebenso BGH, Urt. v. 17.03.1994, a.a.O., für den Amtshaftungsprozess wegen Persönlichkeitsrechtsverletzung durch eine Presseinformation der Staatsanwaltschaft; a.A. OLG Stuttgart, Beschl. v. 21.06.2001 - 4 VAs 3/01 - NJW 2001, 3797 , und OLG Karlsruhe, Beschl. v. 18.08.1980 - 3 VAs 9/80 - Justiz 1980, 451, jeweils für die Überprüfung einer Presseauskunft über ein Ermittlungsverfahren nach §§ 23 ff. EGGVG).
Dies ist der Fall, wenn die Namensnennung keinen eigenen Informationswert hat (vgl. BGH, Urt. v. 17.03.1994 - III ZR 15/93 - NJW 1994, 1950 ).
Das auf die Auskunft über dessen Namen gerichtete Informationsinteresse des Klägers ist daher, wie unter (6) ausgeführt (vgl. BGH, Urt. v. 17.03.1994, a.a.O.;… EGMR, Entsch. v. 14.11.2002, Urt. v. 10.01.2012, Urt. v. 17.01.2012, je a.a.O.), als sehr gering einzustufen.
Es gelten insoweit die gleichen Grundsätze, die der Senat für die Bindungswirkung einer im Verfahren nach §§ 23 ff EGGVG ergangenen Entscheidung des Strafsenats eines Oberlandesgerichts entwickelt hat (Senatsurteil vom 17. März 1994 - III ZR 15/93 = NJW 1994, 1950;… s. auch Staudinger/Wurm, BGB 13. Bearb. [2002] § 839 Rn. 439, 440).
OVG Niedersachsen, 20.02.2013 - 5 LA 101/12
Information der Presse über Ermittlungsverfahren gegen Polizeibeamte
KG, 14.01.1997 - Zs 1938/96
Zulässigkeit eines Antrags auf gerichtliche Entscheidung gegen eine erledigte …