Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=08.02.2007&Aktenzeichen=IX%20ZR%20188/05
Timestamp: 2020-07-06 12:57:16
Document Index: 200975822

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 675', '§ 280', '§ 204', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 08.02.2007 - IX ZR 188/05 - dejure.org
https://dejure.org/2007,744
BGH, 08.02.2007 - IX ZR 188/05 (https://dejure.org/2007,744)
BGH, Entscheidung vom 08.02.2007 - IX ZR 188/05 (https://dejure.org/2007,744)
BGH, Entscheidung vom 08. Februar 2007 - IX ZR 188/05 (https://dejure.org/2007,744)
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Pflicht eines Steuerberaters zur Empfehlung der Einholung einer verbindlichen Auskunft des Finanzamtes gemäß dem Gebot des sichersten Weges; Einkommensteuerrechtliche Beurteilung des Verkaufs sämtlicher Anteile an einer Kommanditgesellschaft (KG) nach einem ...
Zur Frage der Verpflichtung des Steuerberaters, dem Mandanten die Einholung einer Auskunft des Finanzamts zu empfehlen; zur einkommensteuerrechtlichen Beurteilung des Verkaufs sämtlicher Anteile an einer Kommanditgesellschaft nach einem "Tranchenmodell"
Steuerberater - Pflicht zur Einholung einer Auskunft bei dem Finanzamt
Anforderungen an die Beratung in steuerlichen Angelegenheiten; Gebot des sichersten Weges; Verkauf sämtlicher Anteile an einer KG nach einem "Tranchenmodell"
Auskunft der Finanzbehörde bei ungeklärter Rechtslage
Steuerberater müssen Mandanten ggf. auf Möglichkeit zur Einholung einer verbindlichen Auskunft beim Finanzamt hinweisen
BGB § 675 Abs. 1, § 280 Abs. 1 Satz 1; AO §§ 204 ff., 89 Abs. 2
Haftung des Steuerberaters wegen unterlassener Einholung einer Auskunft des Finanzamts nach unklarer Rechtslage bei "existenzieller Bedeutung" für Mandanten ("Unternehmensverkauf")
LG Freiburg, 06.11.2003 - 1 O 66/03
OLG Karlsruhe, 26.10.2005 - 13 U 138/03
NJW 2008, 442 (Ls.)
NJW-RR 2007, 1556
MDR 2007, 807
VersR 2007, 1526
WM 2007, 903
BB 2007, 905
DB 2007, 854
a) Ist der Steuerberater verpflichtet, den Mandanten auf die Möglichkeit einer verbindlichen Auskunft des Finanzamts hinzuweisen, hat er jenem doch die Entscheidung, ob er einen solchen Antrag stellen will, zu überlassen (im Anschluss an BGH, Urt. v. 8. Februar 2007 - IX ZR 188/05, WM 2007, 903, 904).
Dies kann die Verpflichtung des Steuerberaters einschließen, den Mandanten auf die Möglichkeit einer verbindlichen Auskunft des Finanzamts hinzuweisen und diese gegebenenfalls auch zu beantragen (BGH, Urt. v. 8. Februar 2007 - IX ZR 188/05, WM 2007, 903, 904).
Betrifft die Beratung in einem solchen Fall eine einschneidende, dauerhafte und später praktisch nicht mehr rückgängig zu machende rechtliche Gestaltung, hat der Steuerberater die Einholung einer Auskunft des Finanzamtes zu empfehlen (BGH, Urt. v. 8. Februar 2007 aaO).
Dazu hat er dem Auftraggeber den relativ sichersten und ungefährlichsten Weg zu dem angestrebten steuerlichen Ziel aufzuzeigen und die für den Erfolg notwendigen Schritte vorzuschlagen, damit der Mandant eine sachgerechte Entscheidung treffen kann (BGHZ 129, 386, 396 ;… BGH, Urt. v. 3. Dezember 1992 - IX ZR 61/92, WM 1993, 510, 511; v. 3. Juni 1993 - IX ZR 173/92, NJW 1993, 2799, 2800; v. 15. Juli 2004 - IX ZR 472/00, NJW 2004, 3487 m.w.N.; v. 8. Februar 2007 - IX ZR 188/05, WM 2007, 903 Rn. 8).
Er muss deshalb, wenn mehrere Möglichkeiten der rechtlichen Gestaltung in Betracht kommen, diejenige vorschlagen, welche die sicherste und gefahrloseste ist, und wenn mehrere Wege möglich sind, um den erstrebten Erfolg zu erreichen, muss er den zu wählen, auf den dieser am sichersten erreichbar ist (BGH Urt. v. 8.2.2007 - IX ZR 188/05, WM 2007, 903 f;… BGH Urt. v. 3.6.1993 - IX ZR 173/92, NJW 1993, 2799, 2800).
Notfalls muss sich der Berater die mandatsbezogenen Rechtskenntnisse ungesäumt verschaffen; soweit sie nicht zu seinem präsenten Wissen gehören; gegebenenfalls muss er sich in eine Spezialmaterie einarbeiten (BGH, Urteile vom 22. September 2005 - IX ZR 23/04, NJW 2006, 501; vom 8. Februar 2007 - IX ZR 188/05, NJW-RR 2007, 1156, Tz. 10; Fahrendorf, NJW 2006, 1911 f.).
Entgegen der Ansicht der Berufung durfte sich die Beklagte zudem nicht darauf beschränken, lediglich die von ihr selbst für zutreffend gehaltene steuerrechtliche Einschätzung mitzuteilen, sondern musste auch auf die Möglichkeit konkreter abweichender rechtlicher Bewertungen hinweisen (vgl. BGH, Urteil vom 08.02.2007 - Az. IX ZR 188/05 -, juris Rn. 8; BGH…, Urteil vom 03.06.1993 - Az. IX ZR 173/92 -, juris Rn. 11).
Die pflichtgemäße Steuerberatung verlangt daher sachgerechte Hinweise über die Art, die Größe und die mögliche Höhe eines Steuerrisikos, um den Auftraggeber in die Lage zu versetzen, eigenverantwortlich seine Rechte und Interessen zu wahren und eine Fehlentscheidung zu vermeiden (BGH, Urteil vom 08.02.2007 - Az. IX ZR 188/05 -, juris Rn. 9; BGH…, Urteil vom 20.10.2005 - Az. IX ZR 127/04 -, juris Rn. 13; BGH…, Urteil vom 11.05.1995 - Az. IX ZR 140/94 -, juris Rn. 23).
Das entsprach dem Gebot des sichersten Wegs, welches auch für Steuerberater gilt (BGH, Urt. v. 08.02.2007, IX ZR 188/05, NJW-RR 2007, 1556).
Auch der steuerliche Berater hat seinem Auftraggeber den relativ sichersten Weg zu dem angestrebten Ziel aufzuzeigen (BGH, Urteile vom 8. Februar 2007 - IX ZR 188/05, NJW-RR 2007, 1556, Rn. 9;… vom 19. Mai 2009 - IX ZR 43/08, WM 2009, 1376, Rn. 11; Zugehör, WM 2010, Sonderbeilage 1, Seite 13).