Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/unterbringung-entziehungsanstalt-abhaengigkeit-3120098
Timestamp: 2020-07-09 02:49:07
Document Index: 188398289

Matched Legal Cases: ['§ 64', '§ 64', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 64', 'BGH', 'BGH', '§ 63']

Unterbringung in der Entziehungsanstalt - ohne psychische Abhängigkeit | Rechtslupe
Unterbringung in der Entziehungsanstalt - ohne psychische Abhängigkeit
Unter­brin­gung in der Ent­zie­hungs­an­stalt – ohne psy­chi­sche Abhän­gig­keit
Für einen Hang gemäß § 64 StGB ist eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­sche Dis­po­si­ti­on zurück­ge­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne Nei­gung aus­rei­chend, immer wie­der Rausch­mit­tel zu kon­su­mie­ren, wobei die­se Nei­gung noch nicht den Grad einer psy­chi­schen Abhän­gig­keit erreicht haben muss.
Ein über­mä­ßi­ger Kon­sum von Rausch­mit­teln ist jeden­falls dann gege­ben, wenn der Betrof­fe­ne auf­grund sei­ner Nei­gung sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint [1]. Letz­te­res ist der Fall bei der Bege­hung von zur Befrie­di­gung des eige­nen Dro­gen­kon­sums die­nen­der Beschaf­fungs­ta­ten [2].
Dem Umstand, dass durch den Rausch­mit­tel­kon­sum die Gesund­heit sowie die Arbeits- und Leis­tungs­fä­hig­keit des Betrof­fe­nen beein­träch­tigt sind, kommt nur indi­zi­el­le Bedeu­tung zu. Das Feh­len sol­cher Beein­träch­ti­gun­gen schließt die Beja­hung eines Hangs nicht aus [3].
Eben­so wenig ist für einen Hang erfor­der­lich, dass beim Täter bereits eine Per­sön­lich­keits­de­pra­va­ti­on ein­ge­tre­ten ist [4].
Dem Vor­han­den­sein von Ent­zugs­er­schei­nun­gen kommt regel­mä­ßig eine indi­zi­el­le Bedeu­tung für einen Hang i.S.v. § 64 StGB zu, weil ihr Auf­tre­ten nach Abset­zen des Rausch­gifts Kenn­zei­chen einer phy­si­schen Abhän­gig­keit ist [5]. Aller­dings schließt das Aus­blei­ben von Ein­schrän­kun­gen der Arbeits- und Leis­tungs­fä­hig­keit einen Hang zum über­mä­ßi­gen Rausch­mit­tel­kon­sum nicht aus.
Han­delt es sich wie hier um Straf­ta­ten, die began­gen wer­den, um Rausch­mit­tel selbst oder Geld für ihre Beschaf­fung zu erlan­gen, liegt der erfor­der­li­che sym­pto­ma­ti­sche Zusam­men­hang [6] nahe [7].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Janu­ar 2017 – 1 StR 613/​16
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 26.10.2016 – 4 StR 408/​16, Rn. 6; vom 10.11.2015 – 1 StR 482/​15, NStZ-RR 2016, 113; und vom 21.08.2012 – 4 StR 311/​12, RuP 2013, 34 f.[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 26.10.2016 – 4 StR 408/​16, Rn. 6; vom 10.11.2015 – 1 StR 482/​15 aaO; und vom 25.07.2007 – 1 StR 332/​07, NStZ-RR 2008, 7[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 27.03.2008 – 3 StR 38/​08, StV 2008, 405 f.; van Gemme­ren in Mün­che­ner Kom­men­tar zum StGB, Band 2, 3. Aufl., § 64 Rn. 29 mwN; sie­he auch Schreiber/​Rosenau in Venzlaff/​Foerster/​Dreßing/​Habermeyer, Psych­ia­tri­sche Begut­ach­tung, 6. Aufl., Kapi­tel 8, S. 121[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 12.10.2016 – 1 StR 470/​16, Rn. 7 mwN[↩]
BGH aaO sowie Beschluss vom 28.08.2013 – 4 StR 277/​13, NStZ-RR 2014, 75[↩]
Unter­brin­gung in der Psych­ia­trie – und der län­ger andau­ern­de… Die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus nach § 63 StGB darf nur ange­ord­net wer­den, wenn zwei­fels­frei fest­steht, dass der Unter­zu­brin­gen­de bei der Bege­hung der Anlass­ta­ten…
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