Source: http://www.vdpp.de/themen/apotheken-versorgungsqualit%C3%A4t/leitfaden-apotheken-vdpp/
Timestamp: 2019-11-12 12:52:45
Document Index: 249161900

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 3', '§ 4', '§ 5', '§ 5', '§ 6', '§ 7', '§ 8']

VdPP-Pharmazie in sozialer Verantwortung - Leitfaden Apotheken VDPP
Leitfaden der Apotheken im VDPP
von Bernd Rehberg
Die im VDPP zusammengeschlossenen Leiter und Leiterinnen von Apotheken verpflichten sich zur Einhaltung folgender, festgelegter Grundsätze. Dies geschieht in der Erkenntnis der Notwendigkeit einer umfassenden und wirksamen Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, die sich nicht am Markt, sondern vorrangig am Patienten orientiert.
Die Apotheken leisten innerhalb unseres Gesundheitswesens einen wesentlichen Beitrag bei der Beratung und Therapie mit Arzneimitteln, und sie spielen durch ihre bürgernahe Position eine entscheidende Rolle in der Gesundheitsförderung, Vorsorge und Früherkennung von Krankheiten. Als erste AnsprechpartnerInnen bei Beschwerden und allen Gesundheitsfragen erfüllen wir damit eine wichtige wirtschaftliche und soziale Funktion innerhalb des Gesundheitswesens.
Mit diesem Leitfaden soll die Qualität unserer Arbeit transparent und das Ansehen unserer Apotheke nach innen und außen gestärkt werden.
Grundlage für die folgenden Grundsätze und Handlungsanweisungen als Qualitätsnorm für die alltägliche Berufsausübung, sind die Anforderungen der Berufsordnung, der Apothekenbetriebsordnung, der Arzneimittellieferverträge und der Tarifverträge.
Die Qualitätskriterien werden im regelmäßigen Austausch untereinander und mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwickelt und fortgeschrieben. Die zeitlichen und finanziellen Ressourcen stellen wir diesem Zweck zur Verfügung.
Im Kontakt mit anderen Organisationen oder Angehörigen des Gesundheitswesens wollen wir unsere Qualitätskriterien regelmäßig überprüfen, um eine optimale interdisziplinäre Betreuung unserer Patienten und Patientinnen zu gewährleisten.
§ 1 Leitbild der Apotheke
Jede Apotheke muss sich ein individuelles Leitbild erarbeiten. Es müssen Ziele, Aufgaben und Zukunftsvorstellungen der Arbeit der Apotheken als Maxime des Handelns und Auftretens formuliert werden.
Ziel der Beratung ist die Einrichtung einer pharmazeutischen Therapiebegleitung im Sinne von Pharmaceutical Care.
Die PatientInnen und KundInnen haben bei jeder Abgabe von Arzneimitteln Anspruch auf inhaltlich richtige und vollständige Information und Beratung. Die Gesprächsinitiative sollte von der Apotheke ausgehen.
Diese Beratung ist nicht umsatzorientiert und umfasst über die gesetzlichen Anforderungen hinaus Information über:
sinnvolle therapiebegleitende und prophylaktische Maßnahmen
bestehende und geeignete Selbsthilfe- und Rehabilitationsorganisationen für Suchtkranke, chronisch Kranke und Behinderte
Damit eine inhaltlich richtige und vollständige Information und Beratung der PatientInnen und KundInnen jederzeit gewährleistet ist, wird Fortbildung für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ermöglicht.
Zur Unterstützung und Vertiefung der individuellen Information und Beratung in der Apotheke werden Bücher und andere Medienprodukte zum Verkauf angeboten oder kostenlos mitgegeben. Auf keinen Fall werden solche Informationen angeboten, die geeignet sind, einen Vielverbrauch oder irrationalen Mehrverbrauch von AM in irgendeiner Weise zu initiieren oder zu fördern.
§ 3 Auswahl von Arzneimitteln in der Selbstmedikation
Es wird eine Empfehlungsliste für die Selbstmedikation erstellt, in der solche Arzneimittel aufgenommen werden, die folgenden Kriterien genügen sollen:
nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sinnvolle Zusammensetzung
hohe pharmazeutische Qualität
keine irreführende Namensbezeichnung
keine irreführende Werbung oder Marketingstrategie
keine frauenfeindliche Werbung oder Marketingstrategie
Es werden nur solche Arzneimittel empfohlen, die in der Empfehlungsliste enthalten sind. Außerdem können Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen empfohlen werden, wenn sie nach individueller Beurteilung einen Therapieerfolg erwarten lassen.
§ 4 Freiwahl und Nebensortiment
In der Freiwahl werden neben Arzneimitteln, Verbandstoffen, Hilfsmitteln und Krankenpflegeartikeln nur Mittel und Gegenstände angeboten, die zur Therapie oder Therapiebegleitung oder zur Gesundheitsvorsorge oder -pflege geeignet sind.
Die Artikel des Nebensortiments müssen folgende Qualitätsmerkmale aufweisen:
sinnvolle Zusammensetzung bzw. Konzeption nach anerkannten wissenschaftlichen Standards
hochwertige qualitative Beschaffenheit nach anerkannten pharmazeutischen, technischen und ökologischen Standards
keine irreführende Produktbezeichnung
angemessener Verkaufspreis.
diese gelten besonders für Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte.
§ 5 Werbung und Präsentation
Werbung für Arzneimittel, die einen Mehrverbrauch initiiert, vor allem in Rundfunk, Fernsehen, Internet, Zeitungen, Zeitschriften und Plakaten außerhalb der Apotheken, lehnen wir grundsätzlich ab, da dort keine fachlich fundierte Beratung eingebunden werden kann. Werbung im Sinne dieses § 5 ist Sichtwahl und Freiwahl in der Apotheke, in den Kundenzeitschriften und auf Handzetteln oder Apothekenflyern.
Nur solche Arzneimittel werden beworben, die in der Empfehlungsliste aufgenommen sind. Ausgenommen davon sind AM mit hohem Gewöhnungs- und Missbrauchspotential, für die unter keinen Umständen und in keiner Weise Werbung betrieben werden darf, insbesondere
Kombinationsschmerzmittel
Schmerzmittel enthaltende und nicht als Schmerzmittel deklarierte oder vermarktete Zubereitungen
H1-Antihistaminika oder H1-Antihistaminika enthaltene Zubereitungen, wenn sie als Schlafmittel, Beruhigungsmittel oder Psychopharmaka im weiteren Sinne deklariert sind oder vermarktet werden
Abführmittel, Abführmittel enthaltene oder als Abführmittel deklarierte oder vermarktete Zubereitungen, ausgenommen solche, die außer Quellstoffen, Milchzucker und Lactulose keine weiteren Wirkstoffe enthalten.
Die unter Abs. 1) festgelegten Regelungen gelten auch für jedwede weitere Aktivität oder Verhaltensweise, die geeignet ist, einen Mehrverbrauch und Vielgebrauch von solchen AM, für die nach 1) keine Werbung betrieben werden darf, zu fördern oder zu ermöglichen. Dazu gehört insbesondere die Präsentation solcher AM durch Sichtwahl, HV-Aufsteller oder Zahlteller. Ausgenommen ist die individuelle Empfehlung im Rahmen eines Beratungsgespräches.
§ 6 Rezeptur und Defektur; Labortätigkeit
Es wird dafür Sorge getragen, dass die Anfertigung von Rezepturen und Defekturen nach anerkannten und praktikablen Standards zur Qualitätssicherung (orientiert an den GMP- und GLP-Regeln) und anderen Normen (DIN, EN) ausgeführt werden. Dies gilt sowohl hinsichtlich der baulichen Beschaffenheit und Ausstattung der für diese Tätigkeiten vorgesehenen Räume, als auch für die Organisation der Anfertigung , sowie für die Dokumentation der einzelnen Arbeitsschritte.
§ 7 Interne Zusammenarbeit
Apothekenleiter, pharmazeutische MitarbeiterInnen und PKAs sollen sich regelmäßig fortbilden. Fortbildung wird im Arbeitsvertrag mit Rechten und Pflichten festgelegt.
Auszubildenden und PraktikantInnen werden alle Lehr- und Lernmittel in einer aktuellen Ausgabe zur Verfügung gestellt. Es werden Ausbildungsverantwortliche jeweils zugeordnet
3. Mitsprache- und Anhörungsrecht
Die MitarbeiterInnen haben ein Mitspracherecht bei Personalentscheidungen. Bei anderen betrieblichen Entscheidungen haben sie das Recht auf Anhörung. Zu diesen Zwecken können die MitarbeiterInnen aus ihren Reihen eine Obfrau / einen Obmann wählen, soweit dies nicht gesetzlich sowieso gefordert wird.
4. Verbot von Umsatzkontrollen und umsatzabhängigen Vergütungen
Kontrollen der individuellen Umsätze von Mitarbeitern finden nicht statt. Es werden keine Prämien oder andere Vergünstigungen für Zusatzverkäufe gewährt. Vergütungen für besondere Leistungen werden nicht umsatzabhängig (etwa durch Umsatzbeteiligung) gewährt
§ 8 Ökologische Aspekte - Umweltbilanz
Wir fühlen uns der Umwelt im besonderen verpflichtet. Über unser allgemeines umweltpolitisches Engagement hinaus ergreifen wir innerhalb unseres Betriebes folgende Maßnahmen:
Müllvermeidung, Mülltrennung
Abwasserminimierung
Auf umweltgerechte Verpackungen achten
Nur wiederverwendbare HV-Aufsteller und Zahlteller akzeptieren
Umweltschonende Labormethoden anwenden
Umweltverträgliche Büromaterialien benutzen
Umweltfreundliche Werbeartikel einsetzen
Eine Zusammenarbeit im Rahmen dieses Leitbildes wird angestrebt mit:
Herstellern und pharmazeutischen Großhandlungen
Ziel dieser Zusammenarbeit ist die optimale gesundheitliche Versorgung der Menschen im Einzugsbereich der Apotheke. In regelmäßigen Abständen sollte die Qualität der Zusammenarbeit überprüft werden.
Abgedruckt im Rundbrief 49
VdPP - Herbstseminar:
31. Oktober, Berlin
Notwendige Arzneimittel für alle - solidarisch finanziert!
VdPP-Herbstseminar 2019: Notwendige Arzneimittel für alle - solidarisch finanziert!
Fachkonferenz der dpgg:
https://www.plattformglobalegesundheit.de/win-win-oder-win-loose/
21. - 22. November, Bonn