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Timestamp: 2016-09-28 09:03:34
Document Index: 277880397

Matched Legal Cases: ['§ 263', '§ 324', '§ 177', '§ 178', '§ 177', '§ 177', '§ 113', '§ 100', '§ 303', '§ 74', '§ 149']

Kriminalit채tsentwicklung in Nordrhein-Westfalen 2012
62.05.02 (PKS)
Kriminalitätsentwicklung in NRW 2012
A Gesamtüberblick
B Differenzierte Darstellung der Kriminalitätsentwicklung
1 Bekannt gewordene Fälle/Häufigkeitszahlen
2 Aufgeklärte Fälle/Aufklärungsquote
3 Tatverdächtige (TV)
3.1 Tatverdächtige unter 21 Jahren
3.1.1 Unter 21-jährige Mehrfachtatverdächtige
3.1.2 Unter 21-jährige Tatverdächtige unter Alkoholeinfluss bei Tatausführung
3.1.3 Seniorinnen/Senioren als Tatverdächtige und Opfer
3.2 Nichtdeutsche Tatverdächtige
4 Entwicklung in einzelnen Deliktsbereichen
4.1 Gewaltkriminalität und andere Rohheitsdelikte
4.1.1 Raub
4.1.2 Gefährliche und schwere Körperverletzung
4.1.3 Vorsätzliche leichte Körperverletzung
4.2 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
4.2.1 Vergewaltigung und besonders schwere Fälle der sexuellen Nötigung
4.2.2 Sonstige sexuelle Nötigung
4.2.3 Sexueller Missbrauch von Kindern
4.2.4 Verbreitung, Besitz und Verschaffung von Kinderpornografie
4.3 Diebstahl
4.3.1 Fahrraddiebstahl
4.3.2 Taschendiebstahl
4.3.3 Wohnungseinbruchdiebstahl
Entwicklung der Tatverdächtigenzahlen
Schadenshöhe/Beutestruktur
Ermittlungskommissionen/-gruppen
Hypothesenprüfende Strukturanalyse
4.3.5 Diebstahl von unbaren Zahlungsmitteln
4.3.6 Kraftfahrzeugdelikte
4.4 Betrug
4.4.1 Waren- und Warenkreditbetrug
4.4.2 Betrug mittels rechtswidrig erlangter unbarer Zahlungsmittel
4.4.3 Erschleichen von Leistungen
4.5 Sonstige Straftaten gemäß StGB
4.5.1 Beleidigung
4.5.2 Sachbeschädigung
4.5.3 Rauschgiftkriminalität
4.6 Kriminalität im schulischen Bereich
4.7 Wirtschaftskriminalität
4.8 Computerkriminalität
4.9 Tatmittel Internet
Zu-/Ab-
1 511 469
1 518 363
Diebstähle insgesamt
417 739
413 503
darunter: Rauschgiftdelikte
425 Straftaten gegen das Leben: Das ist der niedrigste Stand der letzten 20 Jahre (1993: 739 Fälle).
Zum ersten Mal seit 2003 waren weniger als 50 000 Fälle der Gewaltkriminalität zu verzeichnen.
Der Anteil der unter 21-Jährigen an den Tatverdächtigen ist mit 23,9 % auf dem niedrigsten Stand der
letzten 42 Jahre.
2012 höchstes Fallaufkommen beim Wohnungseinbruchdiebstahl seit 1995 (damals 57 934 Fälle).
Rückgang bei der Straßenkriminalität: Höchststand war 1993 zu verzeichnen (562 099 Fälle).
Gravierender Rückgang des Taschendiebstahls: Minus 17,3 % im Vergleich zu 2011.
Der Diebstahl von Kraftwagen auf dem niedrigsten Stand seit 1971.
Der Fahrraddiebstahl ist auf dem zweitniedrigsten Stand der letzten 20 Jahren.
Abbildung 1 Anteile ausgewählter Deliktsbereiche an der Gesamtkriminalität
Deutliche Zunahmen gab es vor allem bei diesen Delikten:
Betrug (+ 27 162 Fälle oder + 11,5 %)
Beförderungserschleichung (+ 10 896 Fälle oder + 14,2 %)
Sonstiger Warenkreditbetrug (+ 3 991 Fälle oder + 8,23 %)
Anlagebetrug gem. § 263 StGB (+ 1 055 Fälle oder + 298,9 %)
Sonstiger Betrug (+ 15 880 Fälle oder + 22,5 %)
Wohnungseinbruchdiebstahl (+ 3 799 Fälle oder + 7,5 %)
Ausspähen und Abfangen von Daten (+ 1 116 Fälle oder + 34,3 %)
Rückgänge waren u. a. beim Taschendiebstahl (- 9 092 Fälle oder - 29,1 %), Diebstahl von unbaren Zahlungsmitteln (- 9 911 Fälle oder - 15,0 %), Beleidigung auf sexueller Grundlage (- 2 263 Fälle oder
- 22,6 %) und bei der Nötigung im Straßenverkehr (- 1 367 Fälle oder -17,6 %) zu verzeichnen.
Die Anzahl der Straftaten gegen das Leben einschließlich Versuche hat um 75 Fälle oder 15,0 % abgenommen (2011: 500 Fälle; 2012: 425 Fälle). Das ist der niedrigste Stand seit 20 Jahren. Die Anzahl der
Morde sank von 136 Fällen (2011) um 31 oder 22,8 % auf 105 Fälle (2011: 136) und die der Totschlagsdelikte um 29 oder 11,9 % auf 214 Fälle (2011: 243). Die Anzahl der fahrlässigen Tötungen (ohne Verkehrsdelikte) hat von 109 Fällen 2011 auf 93 Fälle (- 14,7 %) abgenommen.
2012 wurden 10 498 Sexualdelikte, insofern 459 Fälle oder 4,2 % weniger als im Vorjahr (10 957) erfasst. Die bekannt gewordenen Vergewaltigungen und schweren sexuellen Nötigungen haben um 330 auf
2 255 Fälle oder 17,1 % zugenommen (2011: 1 925). Die Anzahl der Fälle des sexuellen Missbrauchs
von Kindern sank um 66 Fälle oder 2,4 % (2011: 2 754, 2012: 2 688). Die Anzahl der Verbreitung pornografischer Erzeugnisse ging von 1 800 auf 1 780 (- 1,1 %) zurück.
Bei den Rohheitsdelikten ergab sich 2012 im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme um 605 Fälle oder
0,3 % (2011: 186 502, 2012: 187 107). Die Fallzahlen der gefährlichen und schweren Körperverletzung
sanken von 33 353 (2011) um 1 374 oder 4,1 % auf 31 979 Fälle. Auch 2012 stiegen die Fallzahlen der
vorsätzlichen leichten Körperverletzungen geringfügig an (2010: + 2,0 %; 2011: + 0,8 %): Mit 86 769 Fällen wurden 1 538 oder 1,8 % mehr Fälle erfasst als im Jahr zuvor (85 231 Fälle). Die Anzahl der Raube
stieg um 248 Fälle oder 1,7 % (2011: 14 319; 2012: 14 567). Im Zehnjahresvergleich stagnieren die
Raubstraftaten im unteren Drittel der Fallzahlen.
Für 2012 wurden 19 (Vorjahr 11) Fälle des erpresserischen Menschenraubes und wie schon 2011
4 Geiselnahmen erfasst.
Die rückläufige Entwicklung bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen (- 4,1 %) wirkt sich
auf die Gewaltkriminalität aus, die auf 49 159 um 850 Fälle (- 1,7 %) sank (2011: 50 009). Ihr Anteil an
der Gesamtkriminalität betrug 3,2 % (2011: 3,3 %). Somit setzt sich der seit 2008 rückläufige Trend fort
(Höchststand 2007: 53 420). Zum ersten Mal seit 2003 waren weniger als 50 000 Fälle der Gewaltkriminalität zu verzeichnen.
Bei fast allen Diebstahlsarten waren 2012 sinkende Fallzahlen zu erkennen.
2012 haben Polizeibehörden für NRW insgesamt 669 343 Diebstähle erfasst. Das entspricht 44,1 % der
Gesamtkriminalität (2011: 689 114 Fälle bzw. 45,6 %). Verglichen mit 2011 nahm die Diebstahlskriminalität um 19 771 Fälle oder 2,9 % ab. Rückgänge sind bei den Diebstählen ohne erschwerende Umstände,
deren Anzahl um 11 407 Fälle oder 3,2 % auf 342 617 Fälle sank und den Diebstählen unter erschwerenden Umständen (Rückgang um 8 364 oder 2,5 % auf 326 726 Fälle) zu verzeichnen.
Erstmals seit 2008 ist wieder ein Rückgang der Fallzahlen des Taschendiebstahls zu beobachten
(- 17,3 % im Vergleich zu 2011). Mit 43 615 Fällen ist es trotzdem noch der dritthöchste Wert der letzten
Die Anzahl der Fälle, zu denen unbare Zahlungsmittel als Diebesgut erfasst wurden, fiel von 66 239
Fällen im Jahr 2011 auf 56 328 (- 9 911 oder - 15,0 %).
Der Trend der im Zehnjahresvergleich insgesamt rückläufigen Anzahl der Diebstähle von Kraftwagen
setzte sich im Jahr 2012 fort. Die Anzahl sank um 412 oder 5,3 % auf 7 369 Fälle. Das ist der niedrigste
Stand seit 1971.
Die Anzahl der Ladendiebstähle sank deutlich um 6 852 oder 7,2 % auf 88 572 Fälle. Sie lag somit im
sechsten Jahr in Folge unter dem Wert von 100 000. Zwischen 1991 und 2006 variierten die Fallzahlen
zwischen 152 751 (1997) und 103 265 (2006).
Die Anzahl der Diebstähle an/aus Kfz ist nicht mehr mit den Vorjahren vergleichbar, weil 2012 die Deliktschlüssel Diebstahl in/aus
sowie an Kfz zusammengelegt wurden.Danach ist der Wert für 2012 „Diebstahl an/aus Kfz“ um den Wert „Diebstahl an Kfz“ erhöht.
Die höchste Steigerung gab es bei den Wohnungseinbruchdiebstählen (+ 3 799 Fälle oder + 7,5 %).
Ihre Anzahl stieg von 50 368 Fällen (2011) auf 54 167. Die Anzahl der Wohnungseinbruchdiebstähle
steigt seit 2008. 2012 wurde das höchste Fallaufkommen seit 1995 (bisheriger Höchststand mit 57 934
Fällen) registriert.
Die Fahrraddiebstähle nahmen um 3 881 Fälle oder 4,4 % auf 85 401 Delikte ab. Nach 2010 (83 833
Fälle) ist dies der zweitniedrigste Stand der letzten 20 Jahre. Das höchste Fallaufkommen wurde im Jahr
1992 mit 134 615 Fällen registriert.
Nach einer Steigerung der Vermögens- und Fälschungsdelikte im Vorjahr (284 343 Fälle; + 8,3 % im Vergleich zu 2010) sind 2012 mit 25 205 oder 8,9 % erneut deutlich mehr Fälle, nämlich 309 205 erfasst
worden. Ursächlich dafür ist ein Anstieg der Betrugsdelikte, deren Anzahl von 236 830 Fällen im Jahr
2011 auf 263 992 Fälle um 27 162 oder 11,5 % anstieg. Zu dieser Entwicklung führte vor allem die Steigerung der Anzahl der Beförderungserschleichungen um 10 896 Fälle oder 14,2 % (2011: 77 019; 2012:
87 915). Beförderungserschleichung ist Kontrollkriminalität. Anstiege oder Rückgänge stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Intensität der Kontrollen der Verkehrsbetriebe pp.. Anstiege stellen insofern eine Erhellung des Dunkelfeldes dar.
Betrugsfälle mit rechtswidrig erlangten Debitkarten ohne PIN stiegen nach Rückgängen in den Vorjahren erstmals seit 2005 wieder an. Der bisherige Höchststand war 2004 mit 18 182 Fällen erreicht. Nach
deutlichen Rückgängen, vor allem in den Jahren 2008 (- 38,9 %), 2009 (- 25,1 %) und 2010 (- 13,2 %)
stieg die Zahl 2012 um 294 Fälle (+ 11,7 %) auf 2 798 an.
Bei den Betrügereien mittels rechtswidrig erlangter Debitkarten mit PIN bzw. Kreditkarten waren jedoch Rückgänge zu verzeichnen. Beim Betrug mittels Debitkarten mit PIN war ein Rückgang um 1 228
oder 20,1 % auf 4 880 Fälle, mittels Kreditkarte um 75 oder 4,3 % auf 1 691 Fälle festzustellen.
Nach dem starken Rückgang der Fallzahlen des Computerbetruges 2011 um 1 129 Fälle (- 15,2 %) gab
es im Berichtsjahr einen erneuten Rückgang um 190 Fälle oder 3,0 % von 6 277 Fällen auf 6 087.
Die Anzahl der Waren- und Warenkreditbetrügereien sank nach einem leichten Anstieg im Vorjahr
(+ 2,8 %) um 1 528 oder 2,1 % auf 70 895 Fälle. Während der Warenbetrug deutliche Rückgänge zu verzeichnen hatte (- 5 533 Fälle oder - 23,5 %), stieg der sonstige Warenkreditbetrug erheblich an
(+ 3 991 Fälle oder + 8,2 %). Dazu zählen auch die als Tankbetrug (+ 1 500 Fälle oder + 6,8 %) erfassten Fälle, deren Anstieg insbesondere auf die steigenden Benzinkostenpreise zurückzuführen sein dürfte.
Ursächlich für den Rückgang beim Warenbetrug könnte u.a. sein, dass sich die Käufer vorsichtiger verhalten. Sie informieren sich vorab über unbekannte Shops oder nutzen vermehrt sichere Zahlungssysteme wie PayPal. Die vermehrte Nutzung von Paket-Stationen, die leicht angemeldet werden können, Warenbestellungen unter falschen Personalien an bestehende Adressen sowie die Zunahme so genannter
„Warenagenten“, die gegen Entlohnung Pakete weiterschicken, dürften den Anstieg beim Warenkreditbetrug hervorrufen.
Die Anzahl der Geld- und Wertzeichenfälschungen sank von 1 235 auf 1 158 Fälle (- 77 oder - 6,2 %).
Die Anzahl der sonstigen Straftaten gemäß StGB stieg geringfügig von 260 665 Fällen (2011) auf
262 172 Fälle. Das ist eine Zunahme von 1 507 Fällen oder 0,6 %..
Umweltdelikte (§§ 324, 324a, 325 - 330a StGB) nahmen von 1 237 auf 1 328 um 91 Fälle (+ 7,4 %) zu.
Ab 2008 werden Graffitifälle gesondert erfasst; ihre Anzahl ist seitdem rückläufig. Insgesamt sind 2012
21 697 Fälle angezeigt worden (2011: 22 470, Rückgang - 3,4 %), das entspricht 14,0 % der insgesamt
155 156 erfassten Sachbeschädigungen (2011: 14,4 %).
Entgegen der Entwicklung der vergangenen Jahre ging die Anzahl der Beleidigungen auf sexueller
Grundlage von 10 451 Fällen auf 8 088 (- 2 363 Fälle oder - 22,6 %) sehr deutlich zurück. Nur 527 der
über 8 000 Fälle insgesamt trugen dabei die Sonderkennung „Tatmittel Internet“ (2011: 245).
Die Anzahl der Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) ist 2012 nach einem Anstieg im
Vorjahr wieder leicht gesunken. Insgesamt wurden 53 204 Fälle erfasst; das sind 1 261 oder 2,3 % weniger als 2011 (54 465 Fälle).
Die Anzahl der Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asylverfahrens- und Freizügigkeitsgesetz/EU stieg erneut um 1 333 auf 11 977 Fälle (+ 12,5 %). Betrachtet man die letzten 20 Jahre, ist diese Fallzahl jedoch
sehr niedrig; der Höchststand war 2000 mit 23 404 Fällen zu verzeichnen.
Die Zahl aller Verstöße gg. strafrechtliche Nebengesetze nahm leicht um 118 (- 0,2 %) auf 79 270 Fälle
ab (2011: 79 388). Das ist überwiegend auf den Rückgang bei den BtM-Delikten zurückzuführen.
Die Straßenkriminalität insgesamt sank im Vergleich zum Vorjahr um 4 236 Fälle auf 413 503 (- 1,0 %).
Der Rückgang ist vor allem auf die Entwicklung bei den Taschendiebstählen (- 9 092 Fälle) zurückzuführen, die im Vorjahr um fast 12 000 Fälle angestiegen waren.
Der bisherige Höchststand von 574 482 Fällen der Straßenkriminalität war im Jahr 1992 erreicht.
Nach der uneinheitlichen Entwicklung in den Vorjahren und Rückgängen in den Jahren 2010 und 2011
stieg die Zahl der Fälle, die mit der Sonderkennung „Tatmittel Internet“ versehen wurden, mit + 6 347 Fällen oder + 13,2 % deutlich an. Insgesamt versahen die Polizeibehörden in NRW 54 339 Fälle (3,6 % aller
Fälle) mit dieser Kennung.
Tabelle 1 Übersicht Straftaten insgesamt
Straftaten auf 100 000 Einwohner
Straftaten gegen die sex. Selbstbestimmung
Vergewaltigung und besonders schwere Fälle
der sexuellen Nötigung
Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die
Diebstahlskriminalität insgesamt
- Diebstahl ohne erschwerende Umstände
- Diebstahl unter erschwerenden Umständen
Diebstahl von Kraftwagen
Diebstahl an/aus Kraftfahrzeugen
Betrug insgesamt
Sonstige Straftatbestände gemäß StGB
Widerstand gegen die Staatsgewalt und Straftaten gegen die öffentliche Ordnung
Wettbewerbs-, Korruptions- und Amtsdelikte
Rauschgiftdelikte gemäß BtMG
Direkte Beschaffungskriminalität
Zu-/ Abnahme in %
741 453
354 024
2012 konnten 481 260 Tatverdächtige (TV), demnach 12 753 oder 2,6 % weniger als im Jahr 2011
(494 013) ermittelt werden. 360 520 der Tatverdächtigen waren männlich (74,9 %). Ihre Zahl ging gegenüber dem Vorjahr um 8 807 oder 2,4 % zurück.
Die Zahl der weiblichen Tatverdächtigen sank ebenfalls und zwar auf 120 740 (25,1 %). Ihre Zahl ging um
3 946 oder 3,2 % unter den Höchststand seit ihrer Erfassung in der PKS, der mit 124 686 in 2011 erreicht
worden war, zurück.
359 453 Tatverdächtige hatten die deutsche Staatsangehörigkeit (2011: 373 933), das sind 14 480
oder 3,9 % weniger als im Vorjahr.
121 807 Tatverdächtige waren Nichtdeutsche. Ihre Anzahl nahm im Vergleich zu 2011 (120 080 TV) um
1 727 oder 1,4 % zu. Damit ist der Anteil der Nichtdeutschen an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen erneut seit 2008, nunmehr auf 25,3 %, gestiegen. Ihr Bevölkerungsanteil betrug 10,7 % (2011: 10,5 %).
Die Anzahl der unter 21-jährigen Tatverdächtigen nahm gegenüber 2011 um 9 954 oder 8,0 % und die
der über 21-Jährigen um 2 799 oder 0,8 % ab. Ihr Anteil an allen Tatverdächtigen betrug 23,9 % (2011:
25,3 %). Damit setzte sich die rückläufige Entwicklung des Anteils junger Tatverdächtiger seit 2001 fort.
Mit 23,9 % von allen ermittelten Tatverdächtigen war er insgesamt auf dem niedrigsten Stand seit über 40
Tabelle 2 Tatverdächtige insgesamt
- Kinder (unter 14 Jahre)
darunter: 8 bis unter 14 Jahre
- Jugendliche (14 bis unter 18 Jahre)
- Erwachsene (ab 21 Jahre)
%-Anteil der deutschen Tatverdächtigen
%-Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen
481 260
- 12 753
- 8 807
- 3 946
- 3 142
- 2 932
- 4 801
- 2 011
- 14 480
- 2 318
- 2 226
- 5 614
+ 1 727
+ 2 815
Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ)
TVBZ insgesamt
Kinder (8 bis unter 14 Jahre)
Erwachsene (ab 21 Jahre)
Zu-/ Abnahme
Ermittelte Tatverdächtige auf 100 000 der jeweiligen Bevölkerungsgruppe (ab 8 Jahre)
231 842 Menschen wurden im Jahr 2012 Opfer einer Straftat gegen das Leben, gegen die sexuelle
Selbstbestimmung, eines Rohheitsdeliktes oder einer Straftat gegen die persönliche Freiheit. Das sind
620 oder 0,3 % mehr Opfer als im Jahr zuvor. Die Opferbelastungszahl stieg von 1 296 im Jahr 2011
auf 1 299 (+ 3 oder + 0,2 %) und erreichte somit den Höchststand seit 1999 als die Opferbelastungszahl
erstmals ausgewiesen wurde.
26,5 % (2011: 28,3 %) waren jünger als 21 Jahre, 68,1 % (2011: 66,4 %) zwischen 21 und unter 60 Jahre
und 5,4 % (2011: 5,2 %) über 60 Jahre alt.
Angaben über Opfer und zu ihrer Beziehung zu den Tatverdächtigen werden in der PKS nur bei bestimmten Straftaten(-gruppen) erfasst. Im Jahr 2012 bestand bei 52,3 % (2011: 52,7 %) der Opfer eine Vorbeziehung zu den Tatverdächtigen. Bei 41,7 % (2011: 41,1 %) der Opfer stammten die Tatverdächtigen aus
ihrem sozialen Nahraum (Verwandtschaft/Bekanntschaft).
Seit 2008 liegen auch Daten über die räumliche und/oder soziale Beziehung zwischen den Opfern und
Tatverdächtigen vor (räumlich-soziale Nähe). 25 502 oder 11,0 % aller erfassten Opfer (2011: 24 155 Opfer; 10,4 %) lebten 2012 mit den Tatverdächtigen in einem Haushalt. 2 287 Opfer (1,0 %) standen in einem Erziehungs- oder Betreuungsverhältnis zu den Tatverdächtigen ohne gemeinsamen Haushalt (2011:
2 364 oder 1,0 %). 591 Menschen (2011: 516) einer Straftat im Gesundheitswesen zum Opfer gefallen
(z.B. Krankenhaus, Sanatorium/Pflegeheim, häusliche Pflege).
4 506 Opfern (2011: 4 817) waren hilflose Personen (z.B. aufgrund von Alkohol-/Drogen-/Medikamenteneinfluss, Behinderung oder Gebrechlichkeit).
Anzahl der Opfer auf 100 000 Einwohner
Tabelle 3 Opfer insgesamt
Opfer *
Fälle mit Opfererfassung
- 6 bis unter 14 Jahre
- 14 bis unter 16 Jahre
- 16 bis unter 18 Jahre
- 18 bis unter 21 Jahre
- ab 21 Jahre
Opfer-Tatverdächtigenbeziehung
Formale Beziehung
Kinder/Pflegekinder****
Eltern/Pflegeeltern****
Enkel****
Großeltern****
Sonstige (z. B. Lebenspartnerschaft, ehem.
Ehe-/Lebenspartner)
Verwandtschaft (gem. Definition bis 2007 **)
Bekanntschaft (gem. Definition bis 2007 **)
Landsmann ***
Flüchtige Vorbeziehung
Keine Vorbeziehung
- 1 307
- 1 124
+ 4 700
+ 1 743
- 2 429
+ 2 186
Erfassung nur bei den im Straftatenkatalog mit „O" gekennzeichneten Straftaten (Straftaten gegen das Leben, Sexualstraftaten, Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit sowie Körperverletzung im Amt, Widerstand
gegen Polizeivollzugsbeamte, Einschleusen mit Todesfolge, Verursachen des Todes durch BtM-Abgabe)
Seit 2008 werden die Opfer-Tatverdächtigen-Beziehungen „Verwandtschaft und Bekanntschaft“ differenzierter erfasst und
Verwandtschaft (einschließlich ehemalige Partner)“ erfasst.
*** Das Merkmal "Landsmann" wird nur bei Nichtdeutschen derselben Nationalität berücksichtigt und nur dann, wenn keine
Verwandtschaft oder Bekanntschaft besteht.
**** Nach der Umstellung 2011 aktuelle Bezeichnung aus Sicht des Täters. Demnach wird die familienrechtliche Stellung des
Opfers angegeben.
Für 2012 sind 1 518 363 Straftaten in der PKS für NRW erfasst worden. Im Vergleich zum Vorjahr stellt
dies eine Zunahme um 6 896 Straftaten oder 0,5 % dar.
Abbildung 2 Entwicklung der Fallzahlen und Aufklärungsquote
Die Häufigkeitszahl (Straftaten pro 100 000 Einwohner/innen) belief sich auf 8 510; 40 mehr als 2011.
Abbildung 3 Entwicklung der Häufigkeitszahl
Von den insgesamt bekannt gewordenen 1 518 363 Straftaten konnten 745 335 (2011: 1 511 469;
741 453) aufgeklärt werden, das entspricht einer Aufklärungsquote von 49,1 %.
Tabelle 4 Aufgeklärte Fälle und Aufklärungsquoten ausgewählter Deliktsbereiche
Rohheitsdelikte u. Straftaten gegen die persönliche Freiheit
Sonstige Straftatbestände gem. StGB
Vergewaltigung und besonders schwere Fälle der sexuellen Nötigung
Straftaten gegen das Aufenthalts-, Asylverfahrens- und Freizügigkeitsgesetz/EU
Abbildung 4 Aufgeklärte Fälle und AQ
2012 konnten in NRW 481 260 Tatverdächtige ermittelt werden. Verglichen mit dem Ergebnis für 2011
(494 013) stellt dies einen Rückgang um 12 753 oder 2,6 % dar.
Abbildung 5 Tatverdächtige und Tatverdächtigenbelastungszahl
Tabelle 5 Altersgruppen der Tatverdächtigen insgesamt
%-Anteil an Gesamtzahl der TV
Kinder - unter 14 Jahre -
Jugendliche - 14 bis unter 18 Jahre -
Heranwachsende - 18 bis unter 21 Jahre -
unter 21 Jahre - insgesamt -
Erwachsene - ab 21 Jahre -
TV - insgesamt
Die Anteile der Altersgruppen an allen Tatverdächtigen nahmen 2012 gegenüber 2011 bei den Kindern
um 0,5 Prozentpunkte, bei den Jugendlichen um 0,7 Prozentpunkte und bei den Heranwachsenden um
0,2 Prozentpunkte ab. Das führt dazu, dass der Anteil der über 21-Jährigen um 1,4 Prozentpunkte stieg.
2012 sind insgesamt 114 999 unter 21-jährige Tatverdächtige ermittelt (2011: 124 953) worden. Ihre Zahl
sank erneut, ggü. dem Vorjahr um 9 954 oder 8,0 %. Der Anteil der unter 21-Jährigen an allen Tatverdächtigen betrug 23,9 % (2011: 25,3 %). Das ist der niedrigste Stand seit mehr als 40 Jahren.
31 581 (27,5 %) von den jungen Tatverdächtigen waren weiblich und 83 418 (72,5 %) männlich.
Die Anzahl der tatverdächtigen Erwachsenen verringerte sich im Vergleich zu 2011 um 2 799 oder 0,8 %.
Tabelle 6 Tatverdächtigenbelastungszahlen insgesamt (2011/2012)
Kinder - 8 bis unter 14 Jahre -
8 bis unter 21 Jahre - insgesamt -
Die Bevölkerungszahl der Kinder ab 8 Jahren sank erneut, von 2010 zu 2011 um 2,9 %. Die Anzahl der
tatverdächtigen Kinder ab 8 Jahren nahm um 7,0 % ab. Insofern ergab sich für diese Altersgruppe 2012
eine TVBZ von 1 542 (- 230 oder - 13,0 %; 2011: 1 772).
Die Anzahl der tatverdächtigen Jugendlichen sank im Vergleich zu 2011 um 8,2 %, die Bevölkerungszahl dieser Altersgruppe nahm um 0,7 % ab. Die TVBZ sank erneut; von 6 992 im Jahr 2011 um 575 oder
8,2 % auf 6 417.
Rückgänge sind erneut auch bei den Heranwachsenden festzustellen: Für sie war ein Bevölkerungsrückgang von 2,0 % zu verzeichnen. Durch die Abnahme der Anzahl der Tatverdächtigen um 3,9 % sank
die TVBZ von 8 042 (2011) auf 7 881 im Jahr 2012 (- 161 oder - 2,0 %).
Für die Altersgruppen Kinder, Jugendliche und Heranwachsende sind das die niedrigsten TVBZ
im Zehnjahresvergleich.
Diese allgemein positive Entwicklung kann Folge des demografischen Wandels sein. Die Tatverdächtigenbelastungszahl der 8- bis unter 21-Jährigen folgt dem Trend der letzten drei Jahre und verringerte
sich erneut von 5 015 um 6 % auf 4 714. Die Mehrfachtatverdächtigenbelastungszahl für diese Altersgruppe ging von 290 auf 288 zurück. Bezogen auf die Altersgruppe der 8- bis unter 14-Jährigen ist die
Mehrfachtatverdächtigenbelastungszahl mit 37 die Niedrigste der letzten 10 Jahre.
Abbildung 6 Tatverdächtigenbelastungszahlen der unter 21-Jährigen insgesamt (2003-2012)
Die Abbildung zeigt den stetigen Rückgang der Kriminalitätsbelastung (TVBZ) der Kinder seit 2008.
Bei den Jugendlichen lässt sich dieser rückläufige Trend seit dem Jahr 2008 feststellen. Die Kriminalitätsbelastung dieser Altersgruppe hat 2012 ihren bisherigen Tiefststand erreicht.
Im Zehnjahresvergleich ist die Anzahl der unter 21-jährigen Tatverdächtigen mit 114 999 (2011: 124 953)
auf dem niedrigsten Stand. Ihr Anteil ist in diesem Zeitraum um 8,1 Prozentpunkte gesunken.
Tabelle 7 Delikte mit einem hohen Anteil an unter 21-jährigen Tatverdächtigen
Anteil TV U21 in %
auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen
Diebstahl - insgesamt -
- in/aus Dienst-, Büro-, Werkstatt- und Lagerräumen
- Wohnungseinbruchdiebstahl
- von Mopeds und Krafträdern
- von Fahrrädern
- darunter: Graffiti
- von/aus/an Kfz
Bei Körperverletzungen und beim Raub gingen die Anteile junger Tatverdächtiger schon 2009 und 2010
Keine echte Tatverdächtigenzählung, da dieser Wert aus mehreren Deliktschlüsseln errechnet wird.
Als Mehrfachtatverdächtige werden Tatverdächtige ab 8 Jahren bezeichnet, die in einem Jahr mit 5 oder
mehr Straftaten erfasst werden.
2012 sind 114 349 Tatverdächtige im Alter von 8 bis unter 21 Jahren ermittelt worden. 6 997 oder 6,1 %
von ihnen wurden als Mehrfachtatverdächtige (2011: 5,8 %) erfasst.
Die Bevölkerungszahl der Kinder sank von 2010 auf 2011 um 2,9 %. Auch die Anzahl mehrfachtatverdächtigen Kinder ging erneut zurück. Sie sank von 932 (2003) auf nunmehr 378 um 554 oder 59,4 % und
erreichte damit den niedrigsten Stand im Zehnjahresvergleich. Im Vergleich zu 2011 sank die Anzahl
mehrfachtatverdächtiger Kinder um 55 bzw. 12,7 %.
Bei den Jugendlichen ging sie von 3 235 (2011) auf 3 027 (- 208 oder - 6,4 %) bei einem Bevölkerungsrückgang unter den Jugendlichen um 0,7 %, zurück. Bei den Heranwachsenden stieg sie von 3 502 auf
3 592 (+ 90 oder + 2,6 %) bei einem Rückgang der entsprechenden Bevölkerungsgruppe um 2,0 %.
Der Anteil der Mehrfachtatverdächtigen an allen Tatverdächtigen in ihrer Altersgruppe betrug:
Kinder 2,3 % (2011: 2,3 %), Jugendliche 6,2 % (2011: 6,0 %) Heranwachsenden 7,3 % (2011: 6,8 %).
Tabelle 8 Mehrfachtatverdächtige unter 21
Anzahl der Mehrfachtatverdächtigen
(14 bis unter 18)
(18-21Jahre)
(8 bis unter 14)
8 bis unter 21 Jahre
-insgesamt8 473
Die Mehrfachtatverdächtigenbelastungszahl (MTVBZ) der Kinder ist seit 2003 stark, bei den Jugendlichen spürbar rückläufig. Bei den Heranwachsenden waren in diesem Zeitraum uneinheitliche Entwicklungen der MTVBZ zu verzeichnen.
Tabelle 9 Mehrfachtatverdächtigenbelastungszahlen der unter 21-Jährigen
Mehrfachtatverdächtigenbelastungszahlen
Kinder (8-U14)
Jugendliche (14-U18)
Heranwachsende (18-U21)
8- U21 insgesamt
Mehrfachtatverdächtige pro 100 000 Einwohner des jeweiligen Bevölkerungsanteils, jeweils ohne Kinder unter 8 Jahren.
Abbildung 7 Mehrfachtatverdächtigenbelastungszahlen der unter 21-Jährigen
15 411 oder 25,0 % von den insgesamt 61 599 alkoholisierten Tatverdächtigen waren 2012 unter 21 Jahre alt (2011: 15 921 oder 26,1 %). 13 973 (90,7 %) von ihnen waren männlich und 1 438 (9,3 %) weiblich
(2011: 91,4 % männlich; 8,6 % weiblich). 10 208 der alkoholisierten unter 21-Jährigen waren Heranwachsende (66,2 %), 5 151 Jugendliche (33,4 %) und 52 Kinder (0,3 %). Der Anteil angetrunkener/betrunkener
Heranwachsender stieg (2011: 65,0 %), die Anteile der Jugendlichen (2011: 34,4 %) und der Kinder
(2011: 0,6 %) sanken.
Alkoholisierte unter 21-Jährige traten zumeist mit Körperverletzungen (7 391 TV), Sachbeschädigungen
(3 481 TV) und Diebstählen (2 502 TV) in Erscheinung.
Bei der Gewaltkriminalität betrug der Anteil der unter 21-Jährigen an allen alkoholisierten Tatverdächtigen
29,7 % (2011: 31,6 %), bei der Straßenkriminalität 40,7 % (2011: 43,9 %).
Seit 10 Jahren ist die Zahl der über 60-jährigen Tatverdächtigen nur gering um 1,9 % oder 566 Tatverdächtige gestiegen (2003: 30 048.) und lag 2012 bei insgesamt 30 614. Der Anteil der Senioren an der
Bevölkerung (26,1 %, Zunahme 7,0 %) stieg deutlicher als der Anteil der Senioren an den Tatverdächtigen gesamt (Zunahme von 6,28 % auf 6,36 % = + 1,27 %). Folglich ist auch die TVBZ der über 60Jährigen im Zehnjahresvergleich zurückgegangen, und zwar von 681 auf 657. Die Entwicklung der Anzahl der Seniorinnen und Senioren als Tatverdächtige und ihres Anteils an allen Tatverdächtigen folgt bislang nicht der Entwicklung wie sie als Folge des demografischen Wandels teilweise (z. B. in Medien, von
Interessengruppen) vermutet wird.
2012 sind deutlich mehr Seniorinnen und Senioren Opfer von Straftaten geworden als 2003 (+ 41,0 %).
Im Zehnjahresvergleich hat die Zahl der Opfer -insgesamt- ähnlich stark zugenommen (+ 40,7 %). Der
Anteil der Opfer über 60 an allen Opfern ist daher fast gleich geblieben (2003: 5,39 bzw. 2012: 5,4 %).
Durch die höhere Zahl an Senioren als Opfer -insgesamt- ist die OBZ der Senioren seit 2003 (201) auf
269 deutlich gestiegen. Somit hat sich die Wahrscheinlichkeit, als Senior Opfer zu werden, erhöht, jedoch
nicht mehr als bei allen anderen Altersgruppen. So stieg die OBZ bei den Jugendlichen um 6,2 % von
2 700 auf 2 868, bei den Heranwachsenden um 41,0 % von 2 789 auf 3 932, bei den 21- bis 25-Jährigen
um 52,8 % von 2 214 auf 3 382, bei den 25- bis 40-Jähirgen um 82,0 % von 1 233 auf 2 244 und bei den
40- bis 60-Jährigen um 52,9 % von 683 auf 1 043.
Berücksichtigt werden muss bei dieser Betrachtung, dass sich aufgrund des demografischen Wandels die
Anteile der Altersgruppen zu den älteren Generationen hin verschieben. Bei den 40- bis 60-Jährigen lag
ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2011 bei 31,0 % (2002: 26,9 %), der der über 60-Jährigen
bei 26,1 % (2002: 24,4 %).
Am 31.12.2011 waren in Nordrhein-Westfalen 17 841 956 Einwohner registriert. Davon waren 1 908 121
Nichtdeutsche, das sind 10,7 % (31.12.2010: Bevölkerung = 17 845 154, davon 1 877 513 oder 10,5 %
Nichtdeutsche). Die nichtdeutsche Bevölkerung wuchs gegenüber dem Jahr zuvor um 30 608 oder 1,6 %,
die deutsche Bevölkerung verringerte sich um 33 806 oder 0,2 %.
2012 wurden insgesamt 121 807 nichtdeutsche Tatverdächtige registriert. Das sind 1 727 oder 1,4 %
mehr als 2011 (120 080). Die Anzahl deutscher Tatverdächtigen sank hingegen von 373 933 (2011) auf
359 453 (- 14 480 oder - 3,9 %).
Anzahlen Nichtdeutscher als Tatverdächtige bzw. ihre Anteile an allen Tatverdächtigen entwickelten sich
in den letzten 10 Jahren wie folgt:
Tabelle 10 Nichtdeutsche Tatverdächtige
Gesamtzahl der TV
Seit 2008 ist ein kontinuierlicher Anstieg der Anzahl nichtdeutscher Tatverdächtiger zu verzeichnen.
Zu berücksichtigen ist, dass Aussagen zur Staatsangehörigkeit von Tatverdächtigen nur bei den Delikten
möglich sind, die aufgeklärt werden konnten (2012: 49,1 %). Bei etwa der Hälfte der bekannt gewordenen
Fälle ist über die Tatverdächtigen nichts bekannt. Die zu aufgeklärten Fällen erfassten Tatverdächtigendaten können nicht unmittelbar auf die unaufgeklärten Fälle übertragen oder zu ihnen in Relation gesetzt
werden. Nicht alle nichtdeutschen Tatverdächtigen leben in Deutschland (z. B. Touristen, reisende Täter).
Zudem bleiben bei einem Vergleich zwischen Deutschen/Nichtdeutschen die zum Teil sehr großen strukturellen Unterschiede nach Alter, Lebensumständen und sozialer Lage unberücksichtigt.
Bei den folgenden Delikten ist der Anteil der Nichtdeutschen an den Tatverdächtigen besonders hoch:
Tabelle 11 Ausgewählte Straftatbestände und Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen
Vergewaltigung/bes. schwere sexuelle Nötigung
Kontoeröffnungs- und Überweisungsbetrug
Gewaltdelikte (Summenschlüssel)
davon Nichtdeutsche
Für 2012 wurden 49 159 Gewaltdelikte erfasst. Verglichen mit 2011 (50 009 Fälle) stellt das eine Rückgang um 850 Fälle oder 1,7 % dar. Der Anteil der Gewaltdelikte an allen Straftaten betrug 3,2 % (2011:
3,3 %). Seit dem Höchststand 2007 gehen die Fallzahlen der Gewaltkriminalität zurück.
Abbildung 8 Gewaltkriminalität (Fälle und AQ)
Von 49 159 Gewaltdelikten konnten 34 380 (69,9 %) aufgeklärt werden (2011: 36 059 bzw. 72,1 %).
Mord, Totschlag, Vergewaltigung, bes. schwere Fälle der sexuellen Nötigung, Raub, räuberische Erpressung, Körperverletzung mit
Todesfolge, gefährliche/schwere Körperverletzung, erpresserischer Menschenraub, Geiselnahme, Angriff auf den Luft-/Seeverkehr
Tabelle 12 Ausgewählte Deliktsbereiche der Gewaltkriminalität (Fälle und AQ)
Mord und Totschlag (Summe)
Vergewaltigung und bes. schwere Fälle der
sexuellen Nötigung
+ 72,7
Angriff auf den Luft- und Seeverkehr
Gewaltkriminalität - insgesamt -
Die Zahl der Morde sank von 136 (2011) auf 105 (+ 22,8 %). Dabei handelte es sich um 42 vollendete
Delikte (40,0 %) und um 63 (60,0 %) Versuche (2011: 63 vollendete [46,3 %] und 73 [53,7 %] versuchte).
Polizeibehörden in NRW wurden 2012 214 Totschlagsdelikte bekannt. Das waren 29 oder 11,9 % weniger Fälle als im Jahr zuvor (243 Fälle). 47 dieser Fälle wurden als vollendet (22,0 %) und 167 (78,0 %) als
Versuche registriert (2011: 60 bzw. 24,7 % vollendete und 183 bzw. 75,3 % versuchte).
Für Mord und Totschlag sind in den letzten 20 Jahren deutliche Schwankungen erkennbar. Der
Höchstwert mit 227 Morden in diesem Zeitraum liegt im Jahr 1993. Danach gibt es immer wieder Zu- und
Abnahmen zwischen - 24,5 % und + 13,6. Für 2012 wurde mit 105 Morden der niedrigste Wert der letzten
20 Jahre verzeichnet.
Die Fallzahlen für Totschlag sanken weniger stark. Aber auch hierbei gab es von Jahr zu Jahr Zu- und
Abnahmen zwischen - 13,1 % und + 18,0 %. Auch bei diesem Delikt wurde 2012 der niedrigste Wert in 20
Jahren erreicht (höchster Wert 1995 mit 430 Fällen).
Im Jahr 2012 wurden der Polizei 2 255 Vergewaltigungen/besonders schwere Fälle der sexuellen Nötigung bekannt. Dies bedeutet ggü. 2011 (1 925 Fälle) eine Zunahme um 330 Fälle oder 17,1 %.
Die Anzahl der erfassten Raubdelikte hat gegenüber dem Vorjahr geringfügig zugenommen. Mit 14 567
Fällen wurden 248 oder 1,7 % mehr Fälle registriert (2011: 14 319 Fälle).
Im Berichtsjahr wurden 31 979 gefährliche und schwere Körperverletzungen registriert, das sind 1 374
Fälle oder 4,1 % weniger als im Jahr 2011 (33 353 Fälle). Der Anteil der gefährlichen und schweren Körperverletzungen an der Gewaltkriminalität betrug 65,1 % (2011: 66,7 %).
Im Jahr 2012 wurden (wie 2011) 4 Geiselnahmen und 19 Fälle von erpresserischem Menschenraub
bekannt (2011: 11).
Seit 2005 ist kein Fall von Angriff auf den Luft- und Seeverkehr mehr bekannt geworden.
Insgesamt 44 842 Tatverdächtige einer Gewalttat konnten ermittelt werden (2011: 46 802). 16 413 oder
36,6 % von ihnen waren unter 21 Jahre alt. Das ist der niedrigste Anteil seit 1994 (35,5 %).
Abbildung 9 Anteil der unter 21-Jährigen an der Gewaltkriminalität
Altersgruppen der Tatverdächtigen (Gewaltkriminalität)
Die Anzahl der Kinder, die Gewalttaten begingen, ist seit 2009 (2 730 TV) rückläufig. 2012 sind 2 012
Kinder als Tatverdächtige erfasst (- 463 oder - 18,7 %). Das ist die niedrigste Anzahl seit 1996 (1 648
Tatverdächtige). Die Zahl Jugendlicher als Tatverdächtige bei Gewaltdelikten stieg von 8 662 (2000) bis
auf 11 300 im Jahr 2007. Ab 2008 sank ihre Anzahl bis auf 7 402 Tatverdächtige im Jahr 2012 auf den
niedrigsten Stand seit 1996. Die Abnahme gegenüber 2011 war mit 1 198 Tatverdächtigen oder 13,9 %
deutlich. 2012 sank die Anzahl der Heranwachsenden, die Gewalttaten begingen, gegenüber 2011 um
353 oder 4,8 % auf 6 999 Tatverdächtige. In dieser Altersgruppe sinken die Tatverdächtigenzahlen erst
seit 2010. Die Anzahl stieg vorher von 5 943 im Jahr 2000 bis auf 8 022 im Jahr 2010 um 35,0 %. Die
Zahl der erwachsenen Tatverdächtigen änderte sich 2012 ggü. 2011 wie folgt: Von 44 842 Tatverdächtigen insgesamt (2011: 46 802) waren 28 429 oder 63,4 % Erwachsene (2011: 28 375 oder 60,6 %).
Abbildung 10 Anzahl der unter 21-jährigen Tatverdächtigen (Gewaltkriminalität)
6 141 weibliche Tatverdächtige bei einer Gewalttat sind 2012 ermittelt worden, insofern 331 oder 5,1 %
weniger als im Vorjahr (6 472). Der Anteil weiblicher Tatverdächtiger stieg 2012 hingegen von 12,4 %
(2003) auf 13,7 % (2011 13,8 %).
In den einzelnen Altersgruppen ergeben sich jedoch unterschiedliche Werte: Bei den Kindern entwickelten sich die Anteile der Mädchen seit 2003 (19,2 %) ungleichmäßig und lagen 2012 wie schon 2011 bei
18,5 %. Bei den Jugendlichen entwickelte sich der Anteil weiblicher TV seit 2003 uneinheitlich von 17,0 %
auf 16,9 % im Berichtsjahr, bei den Heranwachsenden von 7,6 % auf 9,7 %.
Abbildung 11 Anzahl der unter 21-jährigen weiblichen Tatverdächtigen (Gewaltkriminalität)
Tatverdächtige bei Gewaltdelikten unter Alkoholeinfluss
Von den insgesamt ermittelten 14 401 tatverdächtigen Jugendlichen und Heranwachsenden, die 2012 einer Gewalttat verdächtigt wurden, standen 4 194 oder 29,1 % zur Tatzeit unter Alkoholeinfluss. Im
Vergleich zu 2011 (4 572 Alkoholisierte dieser Altersgruppe) bedeutet das eine Abnahme um 378 oder
8,3 %. Anteilsmäßig kam es allerdings zu einem Anstieg von 0,4 Prozentpunkten (2011: 28,7 %).
Im Zehnjahresvergleich stieg die Anzahl alkoholisierter Jugendlicher von 1 286 (2003) auf 1 768 (2010)
um 482 Tatverdächtige oder 37,5 %. Sie ging im Jahr 2011 erstmals wieder deutlich im Vergleich zu 2010
zurück (- 174 oder - 9,8 % auf 1 594 Tatverdächtige). 2012 setzte sich der Rückgang noch stärker fort.
Insgesamt wurden 1 325 alkoholisierte Jugendliche registriert; 269 (16,9 %) weniger als im Jahr zuvor.
Bei den Heranwachsenden stieg die Anzahl von 2003 (2 088) bis 2010 auf 3 241 um 61,7 %. Sie ging jedoch 2011 um 263 Tatverdächtige (- 8,0 %) und im Berichtsjahr um weitere 109 (- 3,7 %) auf 2 869 Heranwachsende als Tatverdächtige unter Alkoholeinfluss zurück.
9 Kinder sind 2012 als Tatverdächtige bei Gewaltdelikten ermittelt worden (2011: 16).
Abbildung 12 Unter 21-jährige Tatverdächtige unter Alkoholeinfluss (Gewaltkriminalität)
Opfer der Gewaltkriminalität
2012 sind 57 661 Personen als Opfer einer Gewalttat registriert worden; insofern 1 367 oder 2,3 % weniger als im Vorjahr (59 028). 67,3 % waren 2012 männlich und 32,7 % weiblich (2011: 67,8 % männlich
und 32,2 % weiblich).
2 871 Kinder (5,0 %), 6 899 Jugendliche (12,0 %), 7 875 Heranwachsende (13,7 %) und 40 016 Erwachsene (69,4 %) wurden 2012 Opfer einer Gewalttat (2011: 5,5 % Kinder,12,9 % Jugendliche, 14,3 % Heranwachsende, 67,3 % Erwachsene).
Abbildung 13 Opfer (Gewaltkriminalität)
Die Opferanzahl nahm bei den Jugendlichen seit 2003 um 20,1 % ab, bei den Heranwachsenden betrug
die Zunahme 19,7 % und bei den Erwachsenen 17,5 %. Die Anzahl der Kinder als Opfer hat sich in diesem Zeitraum um 29,8 % verringert.
Die Opferbelastungszahl bei den Gewaltdelikten sank wie schon im Vorjahr. Sie belief sich auf 323
(2011: 331). Im Vergleich zu 2003 (295) ist das eine Zunahme um 9,5 %. Auf die einzelnen Altersgruppen
verteilt ergibt sich dieses Bild:
Abbildung 14 Opferbelastungszahl (Gewaltkriminalität)
Opfer pro 100 000 Personen der entsprechenden Bevölkerungsgruppe
Anfang 2008 wurde die Erfassung der Beziehungen „Verwandtschaft“ und „Bekanntschaft“ geändert und
Verwandtschaftsbeziehungen genauer abgebildet. Zudem werden seitdem Straftaten von ehemaligen
(Ehe-)Partnern/Lebensgefährten, die zuvor als „Bekanntschaft“ erfasst wurden, als „Verwandtschaft“ gezählt. Die folgenden Daten lassen die Erfassungsänderung außer Acht, um Vergleiche mit den Vorjahren
Bei 60,8 % (2011: 60,2 %) der Gewaltopfer bestand 2012 zwischen Opfern und Tatverdächtigen keine
Vorbeziehung. Eine verwandtschaftliche Beziehung oder Bekanntschaft bestand bei 28,7 % der Gewaltopfer, wobei es sich in 7,0 % um Verwandtschaft und in 21,7 % um Bekanntschaft handelte (2011: Verwandtschaft oder Bekanntschaft 28,3 %, Verwandtschaft: 7,0 %, Bekanntschaft: 21,3 %).
Abbildung 15 Opfer-Tatverdächtigen-Beziehung (Gewaltkriminalität)
Räumlich-soziale Nähe zwischen Opfern und Tatverdächtigen
3 869 Opfer wohnten mit dem/den Tatverdächtigen im gemeinsamen Haushalt (2011: 3 887), 2 295 waren Nachbarn der Tatverdächtigen (2011: 2 003) und 279 standen in einem Erziehungs- oder Betreuungsverhältnis ohne gemeinsamen Haushalt zu dem/den Tatverdächtigen (2011: 235).
Alter der Tatverdächtigen und der Opfer
1 781 Menschen (darunter 1 131 bzw. 63,5 % Kinder) wurden Opfer von gewalttätigen Kindern (2011:
2 176, davon 1 345 oder 61,8 % Kinder). 7 654 Personen (2011: 8 765) sind von Jugendlichen angegriffen worden. 977 oder 12,8 % der Opfer waren Kinder (2011: 1 027 oder 11,5 %) und 3 138 oder 41,0 %
Jugendliche (2011: 3 722 oder 42,5 %). 8 409 (2011: 8 704) Menschen wurden Opfer von Heranwachsenden. 125 oder 1,5 % ihrer Opfer waren Kinder (2011: 100 oder 1,1 %), 1 418 oder 16,9 % Jugendliche
(2011: 1 488 oder 17,1 %), 2 309 oder 27,5 % Heranwachsende (2011: 2 578 oder 29,6 %).
10 716 unter 21-Jährige wurden Opfer eines Gewaltdeliktes durch Angehörige ihrer Altersgruppe.
28 927 (2011: 29 675) Menschen wurden Opfer von Erwachsenen. 498 oder 1,7 % waren Kinder (2011:
596 oder 2,0 %), 1 508 oder 5,2 % Jugendliche (2011: 1 523 oder 5,1 %), 3 238 oder 11,2 % Heranwachsende (2011: 3 390 oder 11,4 %), 22 228 oder 76,8 % Erwachsene bis 60 Jahren (2011: 22 683 oder
76,4 %) und 1 455 oder 5,0 % waren Opfer als Senioren ab 60 Jahren (2011: 1 483 oder 5,0 %).
Erfassung seit 2008.
Risiko-Opfergruppen der Gewaltkriminalität
Opfer - insgesamt
standen unter Alkoholeinfluss (2011: 1 109)
gehörten einem privaten Bewachungsgewerbe an (2011: 557)
waren Polizeiangehörige (2011: 446), darunter
- 617 Opfer von gefährlichen und schweren Körperverletzungen (2011: 418)
24 Opfer von Raubdelikten (2011: 20)
9 Opfer von Mord- und Totschlagsdelikten (2011: 8)
waren Lehrkräfte (2011: 37)
waren Obdachlose (2011: 49)
waren Anhalter/innen (2011: 8)
Die Zahl der registrierten Raubdelikte unterliegt in den letzten 10 Jahren nur leichten Schwankungen zwischen 14 157 (2008) und 15 614 (2004). Für 2012 wurden 14 567 Fälle (+ 248 oder + 1,7 % im Vergleich
zu 2011) erfasst. Die höchsten Zahlen wiesen mit 7 105 Fällen die sonstigen Raubüberfälle auf Straßen,
Wegen oder Plätzen auf, gefolgt vom Räuberischen Diebstahl mit 2 132 Fällen.
Die Tatverdächtigen erbeuteten Bargeld und Wertsachen im Wert von 19,3 Mio. € (2011: 15,6 Mio. €).
6 942 Fälle konnten aufgeklärt werden, das entspricht einer Aufklärungsquote von 47,7 % (2011: 7 106
geklärte Fälle oder 49,6 %).
Abbildung 16 Raubdelikte (Fallzahlen und AQ)
2012 sind 8 605 (2011: 8 733) Tatverdächtige ermittelt worden (- 128 oder - 1,5 % im Vergleich zu 2011).
90,8 % von ihnen waren männlich (2011: 90,7 %), 9,2 % weiblich (2011: 9,3 %).
4 279 der Tatverdächtigen waren jünger als 21 Jahre, das sind 49,7 % aller Tatverdächtigen beim Raub
(2011: 51,0 %). Die Ermittlungen richteten sich gegen 389 Kinder (4,5 %), 2 225 Jugendliche (25,9 %)
und 1 665 Heranwachsende (19,3 %). Die Anzahl der tatverdächtigen Kinder sank (seit 2003 um 45,8 %)
stetig. Die der Jugendlichen sinkt seit 2008 von 2 734 auf 2 225 (2012) und die der Heranwachsenden
nach jahrelangen Anstiegen seit 2010 (- 8,8 % sowie 2011 - 2,0 %) ebenfalls auf nunmehr 1 665 heranwachsende Tatverdächtige im Jahr 2012 (- 1,0 %).
Abbildung 17 Tatverdächtige (Raubdelikte)
Zur Tatzeit waren 1 491 Tatverdächtige oder 17,3 % alkoholisiert (2011: 17,7 %), darunter waren 223 Jugendliche (10,0 % der jugendlichen TV) und 363 Heranwachsende (21,8 %). Von den erwachsenen eines
Raubes Verdächtigen standen 902 (20,9 %) unter Alkoholeinfluss.
2012 sind 16 085 Personen Opfer eines Raubes (2011: 15 985 Personen) geworden. 10 439 von ihnen
waren männlich (64,9 %) und 5 646 weiblich (35,1 %). Der Opferanteil der unter 21-Jährigen sank auf
29,3 % (2011: 31,1 %). Seit 2006 nimmt der Opferanteil der unter 21-Jährigen ab; für 2006 belief er sich
auf 39,7 %.
Abbildung 18 Opfer (Raubdelikte)
Die Opferbelastungszahl (OBZ) für Raubdelikte blieb 2012 im Vergleich zu 2011 mit 90 unverändert. Das
größte Risiko, beraubt zu werden, trugen Heranwachsende mit einer OBZ von 292 (2011: 305) und für
Jugendliche mit 276 (2011: 286). Die Opferbelastungszahlen für die Altersgruppen Kinder (2012: 35) und
Jugendliche sinken seit 2007. Nur die der Erwachsenen stieg erneut leicht an (von 78 auf 80).
In den meisten Fällen bestand zwischen Opfern und Tatverdächtigen keine Vorbeziehung bzw. konnte sie
nicht festgestellt werden (2012: 83,0 %; 2011: 82,2 %).
48,8 % der Raube waren sonstige Raubüberfälle auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen (sog.
„Straßenraub“).
Abbildung 19 Raub auf Straßen, Wegen oder Plätzen (Fallzahlen und AQ)
2012 konnten 4 035 Personen als Tatverdächtige eines Straßenraubs ermittelt werden (2011: 4 086).
2 587 von ihnen oder 64,1 % (2011: 2 769 oder 67,8 %) waren jünger als 21 Jahre. Auffallend war der
stark rückläufige Trend bei den Kindern von 2003 bis 2012 (- 254 Tatverdächtige oder - 48,8 %). Die Anzahl der Jugendlichen sank 2012 gegenüber 2011 um 68 oder 4,5 % und die der Heranwachsenden um
54 oder 5,9 %. Altersgruppen der Tatverdächtigen:
Tabelle 13 Tatverdächtige (Raub auf Straßen, Wegen oder Plätzen)
Heran- unter 21 Jahre
816 oder 20,3 % der 4 035 ermittelten Tatverdächtigen waren bei der Tat alkoholisiert (2011: 838 oder
20,5 %). Wie die folgende Abbildung zeigt, ist die Anzahl der 14- bis unter 21-Jährigen seit 2003 von 318
auf 407 angestiegen (+ 89 Tatverdächtige oder + 30,0 %). Bei den Erwachsenen erhöhte sich die Anzahl
von 279 um 127 oder 45,5 % auf 406 Tatverdächtige.
Abbildung 20 Tatverdächtige unter Alkoholeinfluss (Raub auf Straßen, Wegen oder Plätzen)
2012 sind 7 718 Menschen (2011: 7 719) Opfer eines Straßenraubes (davon 6 241 männliche und 1 477
weibliche) geworden.
Der Anteil der unter 21-jährigen Opfer lag bei 44,4 % (2011: 47,2 %), der der Kinder bei 7,4 %, der der
Jugendlichen bei 21,7 % und der der Heranwachsenden bei 15,3 % (2011: Kinder 8,2 %, Jugendliche
22,8 %, Heranwachsende 16,1 %).
Generell (siehe auch zum Raub insgesamt) bestand bei 83,5 % der Opfer zwischen Opfern und Tatverdächtigen keine Vorbeziehung bzw. konnte keine festgestellt werden.
266 Kinder begingen einen Straßenraub zum Nachteil von 177 Kindern (66,5 %; 2011: 63,7 %).
Die Anzahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen weist zwischen 1995 bis 2007 hohe
jährliche Zuwachsraten auf. Seit 2008 ist die Entwicklung rückläufig. Der Trend setzte sich auch 2012 mit
31 979 erfassten Fällen fort (- 1 374 oder - 4,1 %). Das sind 4 957 oder 13,4 % weniger als 2007, in dem
der höchste Stand mit 36 963 Taten im Zehnjahresvergleich zu verzeichnen war.
Abbildung 21 Gefährliche und schwere Körperverletzung (Fälle und AQ)
35 656 (2011: 37 674) Tatverdächtige konnten 2012 ermittelt werden (- 2 018 oder - 5,4 %), von ihnen
waren wie schon 2010 und 2011 84,9 % männlich und 15,1 % weiblich.
Unter den Tatverdächtigen waren 1 677 Kinder, 5 511 Jugendliche, 5 373 Heranwachsende und 23 095
Erwachsene. Bei den Kindern bedeutet dies gegenüber 2011 einen deutlichen Rückgang um 19,4 %, bei
den Jugendlichen um 17,7, bei den Heranwachsenden um 7,0 % und bei den Erwachsenen war ein
leichter Rückgang von 0,1 % zu verzeichnen. Im Vergleich zu 2003 sind die Anzahl der tatverdächtigen
Kinder von 2 054 um 18,4 % auf 1 677 im Jahr 2012 und die der jugendlichen Tatverdächtigen von 7 052
um 21,9 % auf 5 511 erheblich gesunken. Die Anzahl der Heranwachsenden stieg in dieser Zeit von
5 001 um 7,4 % auf 5 373, die der erwachsenen Tatverdächtigen von 20 618 um 12,0 % auf 23 095.
Abbildung 22 Tatverdächtige (Gefährliche und schwere Körperverletzung)
Abbildung 23 Tatverdächtige unter Alkoholeinfluss (Gefährliche und schwere Körperverletzung)
12 182 oder 34,2 % der 35 656 ermittelten Tatverdächtigen standen zur Zeit der Tat unter Alkoholeinfluss (2011: 12 656 oder 33,6 %). Die Anzahl der 14- bis unter 21-Jährigen ist seit 2003 von 2 948 oder
28,8 % auf 5 993 oder 49,2 % angestiegen (+ 3 045 oder 103,3 %). Bei den Erwachsenen erhöhte sich
die Anzahl von 7 258 um 1 387 oder 19,1 % auf 8 645 Tatverdächtige. Gegenüber 2011 sank die Anzahl
der alkoholisierten jugendlichen TV um 238 oder 18,1 %, die der heranwachsenden um 161 (- 6,2 %).
Abbildung 24 Tatverdächtige unter Alkoholeinfluss (Gefährliche und schwere Körperverletzung)
Opfer einer gefährlichen oder schweren Körperverletzung wurden 2012 insgesamt 38 830 Personen. Das
sind 1 785 oder 4,4 % weniger als im Vorjahr (2011: 40 615). Im Zehnjahresvergleich hat sich die Anzahl
der Opfer um 4 277 oder 12,4 % erhöht (2003: 34 553), obwohl die Zahlen seit 2009 rückläufig sind.
Die Opferanzahl der Kinder sank von 2 572 auf 1 988 um 584 oder 22,7 %, die der Jugendlichen von
5 107 auf 4 263 (- 16,5 %). Dagegen nahmen die Opferzahlen der Heranwachsenden von 4 650 auf
5 610 (+ 20,6 %) und die der Erwachsenen von 22 224 auf 26 969 Opfer (+ 21,4 %) zu.
Das Risiko, Opfer einer gefährlichen oder schweren Körperverletzung zu werden, stieg trotz eines Rückganges in den letzten Jahren im Zehnjahresvergleich an. Entfielen 2003 auf 100 000 Einwohner 191 Opfer (OBZ), waren es im Berichtsjahr 218 (2011: 228).
Besonders hoch ist das Opferrisiko bei Jugendlichen (2003: 630; 2012: 557) und bei Heranwachsenden
(2003: 792; 2012: 897). Allerdings sank die Opferbelastungszahl 2012 gegenüber 2011 für die Kinder von
101 auf 89 (- 12 oder -12,2 %), für Jugendliche von 648 auf 557 (- 91 oder - 14,0 %) und für Heranwachsende von 956 auf 897 (- 59 oder - 6,2 %). Bei den Erwachsenen ging die Opferbelastungszahl um
2 oder 1,2 % zurück (2011: 192; 2012: 190).
Abbildung 25 Opferbelastungszahl (Gefährliche und schwere Körperverletzung)
Zur Opfer-Tatverdächtigen-Beziehung ist festzustellen, dass 20 874 oder 53,8 % der Opfer keine Vorbeziehung zum Tatverdächtigen hatte (einschließlich nicht feststellbar/ungeklärt). 34,5 % der Opfer waren
mit den jeweiligen Tatverdächtigen verwandt oder bekannt (13 390; in 2011: 13 640 Opfer oder 33,6 %).
Bei 1 461 Opfern waren Opfer und Tatverdächtige Ehepartner/eingetragene Lebenspartner und bei 1 364
Opfern Lebensgefährten. Diese insgesamt 2 825 Opfer könnten somit der „Häuslichen Gewalt“ zugerechnet werden (2011: 2 989).
Häusliche Gewalt wird angenommen, wenn es in einer häuslichen Gemeinschaft ehelicher oder nichtehelicher Art oder sonstiger
Art, die entweder noch besteht oder in Auflösung befindlich ist oder seit einiger Zeit aufgelöst ist, zur Gewaltanwendung kommt.
Häusliche Gewalt setzt nicht die Tatbegehung in der gemeinsamen Wohnung voraus. Tatorte können auch Geschäftsräume oder
der öffentliche Raum sein.
Abbildung 26 Opfer-Tatverdächtigen-Beziehung (Gefährliche und schwere Körperverletzung)
Räumlich-soziale Nähe zwischen Opfer und Tatverdächtigen
3 313 Opfer wohnten mit dem/den Tatverdächtigen im gemeinsamen Haushalt (2011: 3 311 Opfer), 2 039
waren Nachbarn der Tatverdächtigen (2011: 1 787 Opfer) und 244 standen in einem Erziehungs- oder
Betreuungsverhältnis ohne gemeinsamen Haushalt zu den Tatverdächtigen (2011: 211).
Alter der Tatverdächtigen und ihrer Opfer
1 291 Menschen (davon 863 oder 66,8 % Kinder) wurden Opfer von Kindern (2011: 1 720, darunter 1 080
oder 62,8 % Kinder).
Opfer von Jugendlichen wurden 2012 5 231 Personen (2011: 6 207 Opfer). Unter ihnen waren 618 oder
11,8 % Kinder (2011: 691 oder 11,1 %) und 2 143 oder 41,0 % Jugendliche (2011: 2 634 oder 42,4 %).
Gegenüber 6 216 Personen traten Heranwachsende als Täter in Erscheinung (2011: 6 644 Opfer). Unter
den Opfern waren 76 oder 1,2 % Kinder (2011: 64 oder 1,0 %), 891 oder 14,3 % Jugendliche (2011:
1 001 oder 17,0 %) und 1 844 oder 29,7 % Heranwachsende (2011: 2 103 oder 31,7 %).
Insgesamt wurden 7 641 unter 21-Jährige Opfer einer gefährlichen oder schweren Körperverletzung
durch Tatverdächtige ihrer Altersgruppe (2011: 9 089).
Besondere Opfermerkmale
617 Opfer (2011: 418; 2010: 397) waren Polizeivollzugsbeamte (+ 199).
410 Opfer einer gefährlichen oder schweren Körperverletzung (2011: 457) standen so stark unter Alkoholeinfluss, dass sie als hilflose Person erfasst wurden.
Gefährliche und schwere Körperverletzung auf Straßen, Wegen oder Plätzen
2012 wurden 17 441 oder 54,5 % (2011: 57,3 %) der gefährlichen und schweren Körperverletzungen im
öffentlichen Raum auf Straßen, Wegen oder Plätzen begangen (- 1 685 Fälle oder - 8,8 %).
Abbildung 27 Gefährliche/schwere Körperverletzung auf Straßen, Wegen, Plätzen (Fälle und AQ)
2012 wurden 20 297 Tatverdächtige einer gefährlichen oder schweren Körperverletzung im öffentlichen
Raum ermittelt (2011: 22 541). 1 104 davon waren Kinder (5,4 %), 4 074 Jugendliche (20,1 %), 3 774 Heranwachsende (18,6 %) und 11 345 Erwachsene (55,9 %).
Abbildung 28 Tatverdächtige (gefährliche/schwere Körperverletzung auf Straßen, Wegen, Plätzen)
7 241 oder 35,7 % der Tatverdächtigen waren zur Tatzeit alkoholisiert (2011: 7 675 oder 34,1 %), darunter waren 886 oder 12,2 % Jugendliche und 1 819 Heranwachsende (25,1 %). Sofern es sich um Taten
im öffentlichen Raum handelte, betrug der Anteil der unter Alkoholeinfluss stehenden Jugendlichen
21,7 %, der der Heranwachsenden 48,2 %.
17 576 der insgesamt 21 759 Opfer waren männlich (80,8 %) und 4 183 weiblich (19,2 %).
1 226 der Opfer waren Kinder (5,6 %), 2 960 Jugendliche (13,6 %), 3 653 Heranwachsende (16,8 %) und
13 920 Erwachsene (64,0 %).
Abbildung 29 Opfer (Gefährliche und schwere Körperverletzung auf Straßen, Wegen oder Plätzen)
Die Anzahl vorsätzlicher leichter Körperverletzungen nahm in den zurückliegenden Jahren mit Ausnahme
des Jahres 2008 zu. Mit 86 769 Fällen ergab sich im Jahr 2012 ein erneuter Anstieg um 1 538 Fälle oder
1,8 %. Dies ist der bisher höchste Stand seit 2003 (66 127 Fälle) und stellt eine Steigerung um 31,2 %
Abbildung 30 Vorsätzliche leichte Körperverletzung (Fälle und AQ)
Von den insgesamt ermittelten 79 470 Tatverdächtigen (2011: 79 118) waren 2 439 Kinder (3,1 %),
7 784 Jugendliche (9,8 %), 8 083 Heranwachsende (10,2 %) und 61 164 Erwachsene (77,0 %). Die Anzahl der unter 21-jährigen Tatverdächtigen sank 2012 (18 306) gegenüber 2011 (19 450) um 5,9 % und
die der Erwachsenen stieg um 2,5 % (2012: 61 164; 2011: 59 668).
Abbildung 31 Tatverdächtige (Vorsätzliche leichte Körperverletzung)
Von den 79 470 Tatverdächtigen waren zur Tatzeit 21 740 (27,4 %) alkoholisiert (2011: 20 702 oder
26,2 %). Das traf für 1 127 (14,5 %) der 7 784 ermittelten Jugendlichen, 3 110 (38,5 %) der 8 083 Heranwachsenden und 17 500 (28,6 %) der 61 164 Erwachsenen zu.
Abbildung 32 Tatverdächtige unter Alkoholeinfluss (Vorsätzliche leichte Körperverletzung)
97 320 Personen wurden 2012 Opfer einer vorsätzlichen leichten Körperverletzung (2011: 95 714). Die
Zahl der unter 21-jährigen Opfer nahm gegenüber 2011 um 1 257 oder 4,4 % ab, die der erwachsenen
Opfer stieg um 2 863 oder 4,3 %.
In den letzten 10 Jahren zeigten sich bei Opfern ab 21 Jahren die höchsten Anstiege bei den Fallzahlen;
von 46 193 (2003) um 23 678 oder 51,3 % auf 69 871 Opfer (2012). Bei den unter 21-Jährigen zeigt sich
ein Anstieg von 22 084 (2003) um 5 365 oder 24,3 % auf 27 449 Opfer. Wie der folgenden Abbildung zu
entnehmen ist, stagniert die Zahl seit 2007.
Abbildung 33 Opfer (Vorsätzliche leichte Körperverletzung)
Die Opferbelastungszahl entwickelte sich entsprechend: Sie stieg von 378 im Jahr 2003 auf 545 im Jahr
2012 (+ 44,2 %). Besonders hoch war die Belastung bei den Heranwachsenden (2003: 1 346; 2012:
1 852; Steigerung + 37,6 %) und Jugendlichen (2003: 1 216; 2012: 1 326; Steigerung + 9,0 %).
Im Vergleich zu 2011 veränderte sich die Opferbelastungszahl 2012 kaum. Bei den Kindern sank sie von
271 auf 255 (- 16), bei den Jugendlichen von 1 370 auf 1 326 (- 44), bei den Heranwachsenden von 1 874
auf 1 852 (- 22) und bei den Erwachsenen stieg sie von 473 auf 492 (+ 19).
Abbildung 34 Opferbelastungszahl (Vorsätzliche leichte Körperverletzung)
Den Angaben zur Opfer-Tatverdächtigen-Beziehung zufolge stammte mehr als die Hälfte der Opfer
(50,2 %) aus dem sozialen Nahraum des Tatverdächtigen (Verwandtschaft und Bekanntschaft). 16 017
Opfer lebten mit den Tatverdächtigen im gemeinsamen Haushalt. 7 686 Opfer wurden von ihren Ehepartnern verletzt. Diese Delikte könnten der Häuslichen Gewalt zugeschrieben werden.
Für 2012 wurden 10 498 (2011: 10 957) Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erfasst. Das
sind 459 Fälle oder 4,2 % weniger als im Vorjahr.
2 225 Vergewaltigungen und besonders schwere Fälle der sexuellen Nötigung gemäß § 177 Abs. 2, 3
und 4 und § 178 StGB wurden registriert, was im Vergleich zu 2011 (1 925) einer Zunahme um 330 Fälle
oder 17,1 % entspricht. Nach den Rückgängen in den Jahren 2004 bis 2007 ist seit 2009 wieder ein Anstieg der Fallzahlen zu verzeichnen.
Abbildung 35 Vergewaltigung (Fälle und AQ)
71,9 % der Tatverdächtigen waren erwachsen (2011: 74,7 %) und 28,1 % jünger als 21 Jahre (2011:
25,3 %). 576 oder 31,7 % der insgesamt 1 816 ermittelten Tatverdächtigen standen zur Tatzeit unter Alkoholeinfluss (2011: 26,8 %).
2 217 Opfer einer Vergewaltigung oder einer besonders schweren sexuellen Nötigung waren weiblich
(96,5 %) und 81 männlich (3,5 %). 957 (41,6 %) waren unter 21-Jährige, 79 von ihnen Kinder (3,4 %),
509 Jugendliche (22,1 %) und 419 Heranwachsende (18,2 %).
Opfer-Tatverdächtigen-Beziehungen: Von 2 298 Opfern einer Vergewaltigung oder besonders schweren sexuellen Nötigung waren 1 343 (58,4 %) mit den Tatverdächtigen verwandt oder bekannt (2011:
61,5 %). Dabei handelte es sich u.a. um 188 Ehepartner, 195 ehemalige Ehepartner/Lebensgefährten
und 125 Lebensgefährten. 72,1 % (2011: 74,3 %) der Opfer hatten zu den Tatverdächtigen zumindest eine flüchtige Vorbeziehung. Bei 27,9 % bestand keine Vorbeziehung zwischen den Opfern und den Tatverdächtigen bzw. konnte sie nicht eindeutig geklärt werden.
Abbildung 36 Opfer-Tatverdächtigen-Beziehung (Vergewaltigung)
Die Anzahl der erfassten sonstigen sexuellen Nötigungen gemäß § 177 Abs. 1 und 5 StGB ging um 717
oder 46,4 % auf 827 Fällen (2011: 1 544) zurück. Die der sonstigen Straftaten gemäß § 177 Abs. 2 Nr. 1,
Abs. 3 und 4 StGB nahm im gleichen Zeitraum hingegen um 557 Fälle oder 47,9 % zu.
Abbildung 37 Sonstige sexuelle Nötigung (Fälle und AQ)
Insgesamt konnten 643 Tatverdächtige ermittelt werden. 205 von ihnen waren unter 21-Jährige (31,9 %)
und 438 Erwachsene (68,1 %). 2011 waren von den insgesamt 1 279 Tatverdächtigen 393 jünger als 21
Jahre (30,7 %) und 886 erwachsen (69,3 %).
23,5 % (2011: 24,6 %) der Tatverdächtigen standen zur Tatzeit unter Alkoholeinfluss.
Von 863 Opfern waren 63 männlich (7,3 %) und 800 weiblich (92,7 %). 444 waren jünger als 21 Jahre
(51,4 %) und 419 erwachsen (48,6 %). Der Anteil der Verwandtschafts- bzw. Bekanntschaftsbeziehungen
betrug 50,6 % (2011: 47,0 %). 37,8 % der Opfer hatten keine Vorbeziehung zu den Tatverdächtigen bzw.
blieb diese ungeklärt (2011: 37,7).
Von 2003 bis 2009 war die Anzahl der Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern gesunken, 2010 und
2011 stieg sie wieder. Im Jahr 2012 ging sie von 2 754 auf 2 688 Fälle zurück (- 66 Fälle oder - 2,4 %).
2012 konnte mit 79,8 % die zweithöchste Aufklärungsquote im Zehnjahresvergleich erreicht werden.
Abbildung 38 Sexueller Missbrauch von Kindern (Fälle und AQ)
433 Fälle (16,1 %) exhibitionistischer Handlungen vor Kindern sind 2012 registriert worden mit insgesamt
602 Opfern. Diese hatten zu 89,5 % keine Vorbeziehung zu den Tatverdächtigen bzw. konnte eine solche
nicht festgestellt werden (2011: 88,7 %).
Bei den weiteren 2 255 Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern mit insgesamt 2 479 Opfern sind
erfahrungsgemäß andere Opfer-Tatverdächtigen-Beziehungen festzustellen: 63,2 % der Opfer waren mit
den Tatverdächtigen verwandt/bekannt: Fast zwei Drittel dieser Fälle ereigneten sich im sozialen Nahraum.
Von den 1 898 ermittelten Tatverdächtigen waren 34,8 % (2003: 28,6 %; 2011: 35,6 %) unter 21-Jährige
und 65,2 % (2003: 71,4 %; 2011: 64,4 %) Erwachsene.
Im Forschungsbericht des KFN zur Repräsentativbefragung Sexueller Missbrauch 2011 wurde festgestellt, dass es im Vergleich zum Jahr 1992 einen deutlichen Rückgang des Missbrauchs gab. Belegt werden kann diese Feststellung auch anhand von PKS-Daten. 1992 wurden für NRW 4 489 Fälle erfasst.
Die Fallzahlen in diesem Deliktsbereich schwanken von Jahr zu Jahr erheblich, was vor allem auf den
Zeitpunkt des Abschlusses von Umfangsverfahren mit einer Vielzahl von Einzeltaten zurückzuführen ist.
Im Jahr 2012 ging die Fallzahl des Besitzes und Verschaffung von Kinderpornografie im Vergleich zu
2011 (737 Fälle) um 218 Fälle oder 29,6 % auf 519 Fälle zurück.
Die Aufklärungsquote, die im Jahr 2011 im Zehnjahresvergleich mit 81,7 % den Tiefststand markierte,
stieg im Berichtsjahr auf 90,4 %.
Die Anzahl der bekannt gewordenen Fälle der Verbreitung von Kinderpornografie stieg von 562 im
Jahr 2011 um 275 oder 48,9 % auf 837 Fälle im Jahr 2012. Die Aufklärungsquote war 2012 mit 49,1 %
deutlich niedriger als im Vorjahr (64,2 %). Wie schon zu den Ergebnissen 2011 dargestellt, wird die geringe Quote u. a. auf die Folgen des BVerfG-Urteils vom 02.03.2010 zum Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung (§§ 113a und 113b TKG sowie § 100g Abs. 1 Satz 1) zurückgeführt.
http://www.kfn.de/home/_Erster_Forschungsbericht_zur_Repraesentativbefragung_Sexueller_Missbrauch_2011.htm
Die PKS weist für 2012 18 Fälle von gewerbs- beziehungsweise bandenmäßiger Verbreitung von Kinderpornografie aus (2011: 13). Die Tatverdächtigen in diesem Deliktsbereich sind generell fast ausschließlich
männlich (97,3 %). Von den insgesamt ermittelten 877 Tatverdächtigen waren 71 (8,1 %) unter 21 Jahre
alt (2011: 6,9 %) und 806 (91,9 %) erwachsen (2011: 93,1 %).
Die Anzahl der erfassten Diebstähle - insgesamt - entwickelte sich in den vergangenen zehn Jahren trotz
leichter Schwankungen tendenziell rückläufig. 2012 wurden mit 669 343 Fällen 19 771 oder 2,9 % weniger Fälle als 2011 und 32 195 Fälle oder 5,1 % mehr registriert als 2009, dem Jahr mit der geringsten Anzahl von Diebstahlsfällen seit 1976 (613 524 Fälle).
Der Höchststand der letzten 10 Jahre war 2003 mit 779 456 Fällen erreicht; 14,1 % höher als 2012.
Abbildung 39 Diebstahl (Fälle und AQ)
Die Anzahl der Diebstähle ohne erschwerende Umstände ging von 354 024 Fällen um 11 407 Fälle
oder 3,2 % auf 342 617 Fälle zurück.
Abbildung 40 Diebstähle ohne erschwerende Umstände (Fälle und AQ)
Die Anzahl der Diebstähle unter erschwerenden Umständen sank von 335 090 Fällen im Jahr 2011 um
8 364 Fälle oder 2,5 % auf 326 726 Fälle im Berichtsjahr.
Abbildung 41 Diebstähle unter erschwerenden Umständen (Fälle und AQ)
2012 wurden 114 385 Tatverdächtige ermittelt. 8 436 (7,4 %) waren Kinder, 19 819 Jugendliche
(17,3 %), 11 554 Heranwachsende (10,1 %) und 74 576 Erwachsene (65,2 %). Im Vergleich zu 2011
(121 748 TV) nahm die Anzahl der Kinder um 1 712 (- 20,3 %), die der Jugendlichen um 2 965 (- 15,0 %),
die der Heranwachsenden um 885 (- 7,7 %) und die der Erwachsenen um 1 801 (- 2,4 %) ab.
Abbildung 42 Tatverdächtige (Diebstahl insgesamt)
Die Zahl der Konsumenten harter Drogen, die eines Diebstahls verdächtig sind, ging seit 2004 zurück
und stieg im Jahr 2009 gegenüber 2008 (7,5 %) auf 9 946 an. Im Berichtsjahr sank die Anzahl im Vergleich zum Vorjahr von 10 603 um 1 458 oder 13,8 % auf 9 145. Das ist der niedrigste Stand in den letzten 10 Jahren (2004: Höchststand 13 079).
Abbildung 43 Tatverdächtige Konsumenten harter Drogen (Diebstahl insgesamt)
2008 unterschritt die Zahl der Fahrraddiebstähle erstmals seit 2000 die Grenze von 100 000 Fällen. 2012
setzte sich der rückläufige Trend der Vorjahre nach der Unterbrechung in 2011 fort. Mit 85 401 war das
Fallaufkommen um 3 881 Fälle oder 4,4 % niedriger als 2011 (89 282). Es ist der zweitniedrigste Wert in
den zurückliegenden 10 Jahren.
Abbildung 44 Diebstahl von Fahrrädern (Fälle und AQ)
Nach den Rückgängen 2005 bis 2007 und anschließender Stagnation, stiegen die Fallzahlen 2009 leicht,
2010 und 2011 wieder stark an. 2012 sank die Anzahl um 9 092 Fälle oder 17,3 % (2011: 52 707). Im
Zehnjahresvergleich war der Tiefststand 2007 und der Höchststand 2011 (32 298 bzw. 52 707) erreicht.
Die Aufklärungsquote (5,2 %) blieb trotz der erheblichen Veränderungen der Fallzahlen in den letzten
Jahren auch 2012 wieder nahezu unverändert.
Abbildung 45 Taschendiebstahl (Fälle und AQ)
Bei der Bewertung von Angaben zu Tatverdächtigen ist zu beachten, dass die Aufklärungsquote sehr
niedrig ist. Informationen zu ermittelten Tatverdächtigen können aufgrund ihrer geringen Anzahl nicht ohne weiteres hochgerechnet und auf unbekannt gebliebene Tatverdächtige übertragen werden.
Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger stieg seit 2008 wieder an (2012: 73,3 %). 2012 waren von
2 072 Tatverdächtigen 1 518 Nichtdeutsche, die oft aus Südosteuropa (Zunahmen besonders aus Bulgarien und Rumänien) stammten. Die Nationalitäten waren 2012 wie folgt verteilt:
8,0 % stammten aus Serbien (2011: 7,4 %), 22,8 % aus Rumänien (2011: 12,1 %), 17,1 % aus Bulgarien
(2011: 34,6 %) und 16,5 % aus Bosnien-Herzegowina (2011: 16,5 %). Diese vier Bevölkerungsgruppen
stellten 64,4 % der ermittelten Tatverdächtigen. Die Anzahl der bulgarischen Tatverdächtigen stieg von 20
(2004) auf 260 (2012) und die der rumänischen im gleichen Zeitraum von 89 auf 346 (+ 257).
Die Entwicklung der Fallzahlen des Taschendiebstahls und der Anteile rumänischer und bulgarischer Tatverdächtiger folgt zeitlich der Migrationswelle aus diesen Herkunftsländern.
Tabelle 14 Tatverdächtige Deutsche/Nichtdeutsche (Taschendiebstahl)
Nichtdeutsche TV
Anteil in % an insgesamt
Tabelle 15 Tatverdächtige ausgewählter Nationalitäten (Taschendiebstahl)
an nichtdeutschen
TV in %
Die KPB NRW haben die Empfehlungen in der Anfang 2011 veröffentlichten Konzeption zur „Bekämpfung
von Taschendiebstahlbanden in NRW“ für den örtlichen Bedarf fortentwickelt und mit Nachdruck umgesetzt. Sie umfasste u.a. eine präventive Öffentlichkeitskampagne und verstärkte Netzwerkarbeit mit anderen Verantwortungsträgern. Beispiele für die Umsetzung der Konzeption in den Behörden:
Mit den Maßnahmen scheinen bulgarische Tatverdächtige zuerst erreicht worden zu sein. Deren Anzahl
halbierte sich 2012 gegenüber 2011. Ein Grund dafür könnte sein, dass von Beginn an konzertierte Maßnahmen des PP und der Stadt Dortmund in der sogenannten „Dortmunder Nordstadt“ stattfanden, wo sich
vor allem bulgarische Tatverdächtige niedergelassen hatten.
Das PP Aachen entwarf ein mehrsprachiges Plakat für Weihnachtsmärkte, das landesweit nutzbar gemacht wurde.
Entwickelt von den KPB Aachen, Mettmann und Bochum in Kooperation mit dem LKA NRW.
Die KPB Mettmann informierte mit einem „Infomobil“ auf verschiedenen Märkten.
Das PP Bochum und das Ordnungsamt, die Bundespolizei, die örtlichen Verkehrsbetrieben und Deutsche
Bahn AG organisierten einen Aktionstag gegen Taschendiebstahl im Bochumer Hauptbahnhof.
Das PP Düsseldorf hat mit Beratung der Zentralstelle Evaluation des LKA NRW das Konzept "Düsseldorf
- Sichere Messestadt" zur Bekämpfung von Taschendiebstählen entwickelt, das im Bereich der Düsseldorfer Messe von 2011 zu 2012 zur Halbierung der Fallzahlen von 110 auf 55 Fälle und der Schadenssumme von 67 976 € auf 19 090 € beigetragen hat
Im Jahr 2012 stiegen die Fallzahlen beim Wohnungseinbruchdiebstahl erneut; im Vergleich zum Vorjahr
um 3 799 Fälle oder 7,54 % auf 54 167. Damit setzte sich der Trend steigender Fallzahlen seit dem Jahr
2007 (37 393 Fälle) moderater als noch im Jahr 2011 fort.
24 466 Fälle (45,2 %) waren Tageswohnungseinbrüche (2011: 22 773 oder 45,2 % der WED).
7 470 Fälle konnten aufgeklärt werden. Die Aufklärungsquote stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
(6 856 geklärte Fälle) von 13,6 % auf 13,8 %. Im Vergleich zu 2008 ging sie von 16,1 % um 2,3 Prozentpunkte zurück.
21 714 Fälle (40,1 %) waren Versuche. Der Anteil der Versuche hat sich seit 2008 (39,1 %) erhöht.
Die Häufigkeitszahl stieg von 211 im Jahr 2008 auf 304. Das ist der höchste Wert seit 1995 (325).
Neben den Entwicklungen im Land NRW sind im Folgenden Informationen zum Auswerteverbund Wohnungseinbruch Ruhr (AWR) abgebildet, der einen einheitlichen kriminalgeografischen Raum betrifft. Zu
ihm gehören die KPB Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Oberhausen, Recklinghausen, Ennepe-Ruhr-Kreis, Mettmann und Wesel.
Abbildung 46 Fallzahlen und Aufklärungsquote - Entwicklung
Kriminalit채tsentwicklung in NRW 2012
Abbildung 47 Tatzeitbeginn bei F채llen, deren Tatzeit sich 체ber nur einen Tag erstreckt
Abbildung 48 Entwicklung im Auswerteverbund Wohnungseinbruch Ruhr nach KPB
Tabelle 16 Fallzahlen Wohnungseinbruchdiebstahl (435.00) Entwicklung
Tabelle 17 Fallzahlen Tageswohnungseinbruch (436.00) - Entwicklung
Tabelle 18 Fallzahlen und AQ - Entwicklung im Auswerteverbund Wohnungseinbruch Ruhr (AWR)
Kreispolizeibezirk
PP Gelsenkirchen
LR Wesel
LR Ennepe-Ruhr-Kreis
Im Vergleich zum Jahr 2011 gab es in 14 KPB Rückgänge bei der Zahl der Wohnungseinbruchdiebstähle.
In 33 KPB kam es zu teilweise deutlichen Steigerungen der Fallzahlen. Auffällig ist die in einigen KPB
(vor allem in Recklinghausen) feststellbare Verbesserung der AQ trotz steigender Fallzahlen, die vor allem auf intensive und erfolgreiche Ermittlungen gegen Täterbanden zurückzuführen sein könnte.
Die Präventions- und Medienkampagne „Riegel vor!“ (s. Bericht LKA NRW zur LPK PKS NRW 2011) dürfte zu mehr Hinweisen aus der Bevölkerung an die Polizei bei verdächtigen Beobachtungen.
Im Auswerteverbund Wohnungseinbruch Ruhr stieg die Fallzahl von 14 814 Fällen (2010) auf 17 933 Fälle im Jahr 2012. Gleichzeitig konnte die AQ aber von 11,8 % auf 14,7 % gesteigert werden. Die Verbesserung der Aufklärungsleistung spiegelt die erfolgreiche regionale Umsetzung der Handlungsempfehlungen und den Fahndungsdruck des AWR auf die Einbrecherszene wider.
Das PP Hagen konnte eine rumänische Tätergruppe ermitteln, die für eine Serie von Einbrüchen in
Wohnungen und Geschäfte auch in anderen Ländern und den Mord an einer alten Dame im Mai 2012
verantwortlich gemacht wird. Die Zielfahndung des LKA NRW spürte zwei Hauptverdächtige des Mordes
in Rumänien auf. Ein weiterer Hauptverdächtiger ist durch einen DNA-Treffer in den Niederlanden
identifiziert worden. Alle drei wurden sitzen mittlerweile in Deutschland in Untersuchungshaft.
Dem PP Recklinghausen gelang es 2012 vor allem mit der Ermittlungskommission „Phönix“, mehr als 500
Einbrüche zu klären. Ganz maßgeblich dafür war das Zusammenspiel von Kräften aller Direktionen, das
Ausschöpfen der rechtlichen Möglichkeiten und intensive überregionale Zusammenarbeit.
Abbildung 49 Fallzahlen in den Kreispolizeibezirken 2012
Abbildung 50 Entwicklung der Häufigkeitszahlen des Wohnungseinbruchdiebstahls in den einzelnen Kreispolizeibezirken
M i n d e n -L ü b b e c k e
Ste i n fu rt
He rfo rd
Bo rk e n
Bi e l e fe l d
M ü n s te r
Gü te rs l o h
Co e s fe l d
Wa re n d o rf
Kl e v e
Re c k l i n g h a u s e n
We s e l
Hö x te r
Pa d e rb o rn
Ge l s e n k i rc h e n
Un n a
Ob e rh a u s e n
So e s t
Bo c h u m
Kre fe l d
Vi e rs e n
Du i s b u rg
Ha g e n
En n e p e -Ru h r-Kre i s
M e ttm a n n
Ho c h s a u e rl a n d k re i s
Dü s s e l d o rf
Wu p p e rta l
Do rtm u n d
M ä rk i s c h e r Kre i s
M önc hengladbac h
Rh e i n -Kre i s Ne u s s
He i n s b e rg
Ol p e
Rh e i n .-Be rg . Kre i s
Ob e rb e rg i s c h e r Kre i s
Rh e i n -Erft-Kre i s
Si e g e n -Wi ttg e n s te i n
Dü re n
Rh e i n -Si e g -Kre i s
Aa c h e n
Bo n n
Eu s k i rc h e n
Häufigkeitszahl WED
Abbildung 51 Fallzahlen Wohnungseinbruchdiebstahl - prozentuale Zu-/Abnahmen KPB 2011/2012
Abbildung 52 Fallzahlen - Entwicklung im Auswerteverbund Wohnungseinbruch Ruhr (AWR)
Für 2012 wurden 5 236 Tatverdächtige des Wohnungseinbruchdiebstahls zur PKS gemeldet. Gegenüber
dem Vorjahr ist das ein Rückgang um 3,4 % (2011: 5 419). Die Anzahl der Tatverdächtigen entwickelte
sich von 2008 bis 2012 uneinheitlich und korrelierte bis auf das Ergebnis des Jahres 2012 mit der Anzahl
aufgeklärter Fälle. 2012 kam es zu einem Anstieg der Anzahl aufgeklärter Fälle, die Zahl ermittelter
Tatverdächtiger sank hingegen. Das bedeutet, dass es den Polizeibehörden gelungen ist, den einzelnen
Tatverdächtigen mehr Fälle nachzuweisen.
Tabelle 19 Entwicklung der Anzahl der Tatverdächtigen nach Geschlecht
Abbildung 53 Entwicklung der Anzahl der Tatverdächtigen und der aufgeklärten Fälle
Die Tatverdächtigen des Wohnungseinbruchdiebstahls waren im Jahr 2012 zu 85,4 % männlich (4 472
TV) und zu 14,6 % weiblich (764 TV). Dieser Anteil hat sich seit 2008 nur unwesentlich geändert.
Abbildung 54 Entwicklung der Anzahl der Tatverdächtigen männlich/weiblich
Abbildung 55 Tatverdächtige männlich/weiblich nach Alter 2012
Das durchschnittliche Alter der Tatverdächtigen zur Tatzeit lag bei 27,8 Jahren (2011: 27,0 Jahre). Bei
den nichtdeutschen Tatverdächtigen ist das Durchschnittsalter nur unbedeutend geringer (27,6). Wie die
folgende Abbildung zeigt, werden Einbrüche von deutschen Tatverdächtigen eher episodenhaft von der
Altersgruppe der Heranwachsenden begangen.
Abbildung 56 Alter der deutschen Tatverd채chtigen 2012
Abbildung 57 Alter der nichtdeutschen Tatverd채chtigen 2012
Abbildung 59 Altersgruppen der TV 2012
Abbildung 58 Altersgruppen der TV 2011
Erkennbar ist, dass der Anteil der über 21-jährigen Tatverdächtigen im Vergleich zum Vorjahr zunahm.
Die Anteile der Altersgruppen Kinder, Jugendliche und Heranwachsende sanken.
Tabelle 20 Entwicklung der Altersgruppen der Tatverdächtigen
Trotz des sinkenden Anteils der Jugendlichen und Heranwachsenden an den Tatverdächtigen ist ihr Anteil, gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil der eigenen Altersgruppe, noch sehr hoch, wenn auch rückläufig (siehe die folgende Abbildung).
Abbildung 60 Entwicklung der Altersgruppen der Tatverdächtigen (TVBZ)
Von den 5 236 Tatverdächtigen waren 1 851 (35,4 %) Nichtdeutsche. Das ist die höchste absolute Zahl
von ermittelten nichtdeutschen Tatverdächtigen seit mindestens 1981. Von den nichtdeutschen Tatverdächtigen waren 83,1 % polizeilich in Erscheinung getreten. Im Jahr 2011 waren 1 711 Nichtdeutsche als
Tatverdächtige (31,6 %) ermittelt worden.
Seit 2008 ist der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen von damals 25,0 % auf nun 35,4 % gestiegen.
Von den Nichtdeutschen waren 362 (19,6%) Serben, gefolgt von Türken (236 oder 12,7 %), Rumänen
(167 oder 9,0 %) und Polen (128 oder 6,9 %). 2011 waren es 344 (20,1 %) Serben, 283 (16,5 %) Türken,
116 (6,8 %) Rumänen und 104 (6,1 %) Polen.
Abbildung 61 Am häufigsten als nichtdeutsche TV ermittelte Nationalitäten 2008 und 2012
Tabelle 21 Entwicklung der Anzahl der Tatverdächtigen nach Nationalitäten
Land/EU-Land
Tabelle 22 Aufenthaltsanlass nichtdeutscher TV und ihr Anteil an den TV insgesamt 2012
Arbeit- Gewerbenehmer treibender
Asylbew.
Tatort-Wohnsitz-Beziehung
3 065 Tatverdächtige (58,5%) hatten 2012 ihren Wohnsitz in der Tatortgemeinde (niedrigster Wert seit
2008), 385 (7,4 %) im gleichen Landkreis, 967 (18,5 %) in NRW, 320 (6,1 %) in anderen Ländern und 385
(7,4 %) im Ausland (Höchstwert seit 2008). 175 Tatverdächtige (3,3 %) wurden mit „ohne festen Wohnsitz“ (ofW) erfasst. Bei 425 Tatverdächtigen (8,1%) war der Wohnsitz unbekannt.
2011 hatten 3 411 der Tatverdächtigen (62,9 %) ihren Wohnsitz in der Tatortgemeinde, 405 (7,5 %) im
gleichen Landkreis, 868 (16,0 %) in NRW, 272 (5,0 %) in anderen Ländern und 162 (3,0 %) im Ausland.
Bei 679 Tatverdächtigen (12,5 %) war der Wohnsitz ofW oder unbekannt (diese Tatort-WohnsitzBeziehung ist erstmals für das Jahr 2012 getrennt ausweisbar und wurde vorher nur als ofW erfasst).
Prozentwerte über 100 % kommen durch die Zugehörigkeit zu verschiedenen Tatort-WohnsitzBeziehungen im Erfassungszeitraum zustande.
Abb. 62 Tatort-Wohnsitz-Beziehung 2011
Abb. 63 Tatort-Wohnsitz-Beziehung 2012
Abbildung 64 Tatort-Wohnsitz-Beziehung 2008-2012
Tabelle 23 Übersicht Tatort-Wohnsitzbeziehung 2008-2012
Tatortgemeinde
Landkreis des
übriges NRW
andere Bundes-
Sonstige Angaben zu TV und aufgeklärten Fällen
Bei den 7 470 in 2012 aufgeklärten Fällen (2011: 6 856) handelte der Tatverdächtige in 3 556 (2011:
3 737) Fällen allein. Die Tatverdächtigen waren in 6 686 Fällen bereits polizeilich in Erscheinung getreten;
im Vorjahr waren das 6 114 Mal der Fall. 1 621 Taten sind Konsumenten harter Drogen zuzurechnen und
bei 271 Taten standen die Tatverdächtigen unter Alkoholeinfluss (2011: 1 299 bzw. 313 Fälle).
In 21 Fällen führten die Tatverdächtigen eine Schusswaffe mit sich (2011: 22 Fälle).
Tabelle 24 Sonstige Angaben zu Fällen und Tatverdächtigen 2008-2012
aufgekl.
alleinhandelnde TV
als TV bereits in
harter Drogen
TV unter
Die Abbildung bildet die Fallzahlen pro Erfassungsmonat ab. Grundsätzlich ist es auch möglich, eine Tatzeitstatistik zu erstellen. Diese Daten liegen jedoch erst im April des jeweiligen Folgejahres vor.
Abbildung 65 Fallzahlen in den Erfassungsmonaten 2012
Abbildung 66 Verteilung der Fälle auf die Wochentage 2012
Gemäß den gemeldeten Tatzeiträumen werden die meisten Wohnungseinbruchdiebstähle an Freitagen
(18,2 %) und Samstagen (17,9 %) begangen. Sonntags geschehen die wenigsten Einbrüche.
Fälle, die als Versuche in die PKS eingehen, werden ohne Schadenssumme erfasst.
Die Gesamtschadenshöhe der 32 452 vollendeten Fälle von Wohnungseinbruchdiebstahl lag im Jahr
2012 bei 160 171 173 €. Die durchschnittliche Schadenshöhe betrug 4 936 €; bei den nicht aufgeklärten
Fällen war sie mit 5 128 € höher als bei den aufgeklärten Fällen (3 971 €).
Bei den nicht aufgeklärten Fällen lag die durchschnittliche Schadenshöhe mit 5 182 € deutlich über der
der aufgeklärten Fälle (3 971 €).
Die Spannweite reichte bei allen Fällen von 1 202 Fällen mit unter 15 € Schaden bis zu 299 Fällen mit einem Schaden von 50 000 oder mehr €. Die häufigste gemeldete „Schadensklasse“ ist die zwischen 2 500
und 5 000 € (11 553 Fälle).
Tabelle 25 Fallzahlen mit Schadenshöhen 2003 bis 2012
Schadenssumme in
134 685 896
126 021 304
109 313 536
101 089 137
753 481
103 304 312
109 278 423
998 517
123 239 513
941 529
138 482 599
153 712 624
1 202 529
160 171 173
802 468
Abbildung 67 Gestaffelte Schadenshöhe 2008-2012
Abbildung 68 Schadenshöhe und Fallzahlen 2008-2012
Angaben zu den entwendeten Gegenständen werden in der PKS nicht erfasst.
Laut FINDUS sind in 2012 mindestens 20,4 Millionen € Bargeld (2011: 16,5 Millionen €) und 382 Fahrzeuge (2011: 478) entwendet worden, insbesondere Pkw und Fahrräder.
Für 2012 wurden ca. 25 000 Geräte (2011: 34 000) in FINDUS erfasst, die bei Wohnungseinbruchdiebstählen entwendet wurden. Die Täter stahlen dabei vor allem Mobiltelefone, DVD/CD-Geräte, Video- und
Filmkameras, TV-Geräte, Fotoapparate, PC und Zubehör, Spielkonsolen sowie Navigationsgeräte (zusammen etwa 23 000 Stück). Von ca. 47 000 (2011: 76 000) Gegenständen, die unter dieser Rubrik erfasst worden sind, hatten Behältnisse (beispielsweise Taschen und Tresore) sowie Schmuck und Uhren
einen Anteil von ca. 40 000 (2011: 54 000) Stück.
Die genannten Gegenstandsarten stellen mit erheblichem Abstand das am häufigsten erfasste Diebesgut
bei Wohnungseinbrüchen dar.
Zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls hatten 30 KPB NRW 2012 insgesamt etwa 60 Ermittlungskommissionen/-gruppen eingerichtet, die überwiegend gegen überörtliche Täter/-gruppen ermittelten. 20 dieser Ermittlungskommissionen/-gruppen waren im Januar 2013 noch nicht abgeschlossen.
Die Hälfte der Ermittlungsverfahren richtete sich gegen Straftäter, die dem ehemaligen Staatenverbund
„Jugoslawien“ entstammen (Serbien, Bosnien, Kroatien, Albanien und Mazedonien). Zudem wurde gegen
Tatverdächtige aus Deutschland, Türkei, Rumänien, den Niederlanden, Marokko sowie Georgien ermittelt
(Rangfolge jeweils absteigend).
Die Kriminalistisch-kriminologische Forschungsstelle des LKA NRW hat den ersten Teil einer hypothesenprüfenden Strukturanalyse zum Wohnungseinbruchdiebstahl im November 2012 erstellt. Das Fallaufkommen war bisher innerhalb der Kalenderjahre bestimmt durch eine ausgeprägte Periodizität:
In der dunklen Jahreszeit stieg das Fallaufkommen stark an, in den Sommermonaten erreichte es den
niedrigsten Stand. Die Aufklärungsquote zeigte im Vergleich zur Entwicklung der Fallzahlen einen antizyklischen Verlauf: Sie stieg z.B. immer dann an, wenn die Fallzahlen sanken. Die absolute Zahl der aufgeklärten Fälle war damit, unabhängig vom tatsächlichen Fallaufkommen, über die Monate stabil. Diese
Verläufe lassen vermuten, dass die in den Wintermonaten auftretenden Täter für die Polizei schwerer zu
ermitteln sind.
Mittels einer Analyse von Einzeldatensätzen der PKS NRW der Jahre 2008 bis 2011 wurde diese Hypothese geprüft: „Das hohe Fallaufkommen beim Wohnungseinbruch während der dunklen Jahreszeit (Winterhalbjahr) ist auf das Auftreten professioneller Täter zurückzuführen“. Der Prüfung lag die Idee zugrunde, dass sich drastische Veränderungen in der Täterstruktur auch ansatzweise in den Tatverdächtigenstrukturen der aufgeklärten Fälle zeigen.
Im Ergebnis konnten keine Hinweise zur Falsifizierung o. g. Hypothese gewonnen werden.
Die folgenden Befunde haben wesentlich zu diesem Ergebnis beigetragen:
Die AQ wird wesentlich von der Beutehöhe beeinflusst. Je höher die Beute, desto geringer die AQ.
Unter der Annahme, dass es sich bei Taten mit hohen Schadenssummen eher um die Taten professionellerer Täter handelt, war hypothesenkonform zu vermuten, dass in den Wintermonaten die Taten
mit den höheren Schadenssummen begangen werden.
Eine Prüfung dieser Vermutung führte genau zu diesem Ergebnis. Bei Wohnungseinbrüchen mit einer
Tatzeit in den Wintermonaten ist die Beute gegenüber den Taten im Sommer deutlich höher.
Tatverdächtige mit nicht deutscher Staatsangehörigkeit erzielen gegenüber deutschen Tatverdächtigen höhere Beute. Unter der Annahme, dass die Schadenshöhe ein Indikator für die Professionalität
der Tatverdächtigen ist, war zu prüfen, ob der Anteil nicht deutscher Tatverdächtiger an allen registrierten Tatverdächtigen in den Wintermonaten größer als in den Sommermonaten ist.
Fall Informationen durchsuchen mit System
Die Prüfung bestätigte diese Annahme. Bei den nicht deutschen Tatverdächtigen waren solche mit
türkischer oder serbischer Staatsangehörigkeit mit Abstand zu den anderen Staatsangehörigkeiten
am zahlreichsten vertreten. Bei einer differenzierten Betrachtung dieser Tatverdächtigengruppen
zeigten sich erhebliche Unterschiede. Während sich die Tatverdächtigen mit türkischer Staatsangehörigkeit nur wenig von den deutschen Tatverdächtigen unterschieden, zeigten die Tatverdächtigen mit
serbischer Staatsangehörigkeit ein gänzlich anderes Bild: Sie erzielten im Vergleich deutlich höhere
Beute und die Fälle dieser Tatverdächtigen nahmen im Winter erheblich zu.
Die Höhe der Beute steht mit dem Wohnsitz der Tatverdächtigen in einem Zusammenhang: Tatverdächtige ohne Wohnsitz in Deutschland, ohne festen Wohnsitz oder mit unbekanntem Wohnsitz erzielten deutlich höhere Beute als Tatverdächtige mit einem Wohnsitz in Deutschland.
Der Anteil der erstgenannten Tatverdächtigengruppe an allen registrierten Tatverdächtigen ist zudem
in den Wintermonaten am höchsten.
Die Tatverdächtigen, die die Merkmale Nichtdeutsche, Schadenssumme höher als 1 000 €, nicht alleinhandelnd und keinen Wohnsitz in Deutschland, ohne festen Wohnsitz oder mit unbekanntem
Wohnsitz in dieser Zusammensetzung aufwiesen, hatte in den Wintermonaten einen deutlich größeren Anteil an allen Tatverdächtigen als in den Sommermonaten.
4.3.4 Ladendiebstahl
Zwischen 2003 und 2008 sank die Zahl der Ladendiebstähle stark (- 28 806 Fälle oder - 23,5 %). Nach
leichten Schwankungen 2009 bis 2011 kam es 2012 zu einem deutlichen Rückgang auf 88 572 Fälle
(2011: 95 424), was einer Abnahme um 6 852 Fälle oder 7,2 % entspricht.
Da Ladendiebstähle in aller Regel nur dann zur Anzeige kommen, wenn die Tat auffällt, ist die Aufklärungsquote hoch. 2012 lag sie bei 90,5 % (- 1,2 Prozentpunkte).
Abbildung 69 Ladendiebstahl (Fälle und AQ)
Für 2012 sind in der PKS 56 328 Diebstähle von unbaren Zahlungsmitteln erfasst worden (9 911 Fälle
oder 15,0 % weniger als 2011).
Zu beachten ist, dass sie aufgrund des kombinierten Diebstahlschlüssels (Tatörtlichkeit und -objekt) zum
größten Teil auch bei anderen Diebstahlsarten gezählt wurden. Unbare Zahlungsmittel werden in der Regel beim Diebstahl von Geldbörsen in Verbindung mit z.B. Taschendiebstahl, Wohnungseinbruch oder
Diebstahl aus Kraftfahrzeugen gestohlen. Auffallend ist, dass der Betrug mittels rechtswidrig erlangter
unbarer Zahlungsmittel nicht in gleichem Maße abnahm (siehe auch Nr. 4.4 Betrugsdelikte).
Abbildung 70 Diebstahl von unbaren Zahlungsmitteln (Fälle und AQ)
Stand seit 1971. Die höchste Anzahl nach 1971 gab es im Jahr 1993 mit 26 807 Fällen.
Abbildung 71 Diebstahl von Kraftfahrzeugen (Fälle und AQ)
Der Langzeitvergleich zeigt, dass die Fallzahlen oft erheblichen Schwankungen unterliegen. Trotz zwischenzeitlicher Anstiege sind die Fallzahlen seit Anfang der 1990er Jahre insgesamt rückläufig, obwohl
die Anzahl der in NRW zugelassenen Kraftfahrzeuge seitdem deutlich anstieg.
Zum Jahresbeginn 2012 wurde der Deliktschlüssel *50.00 (Diebstahl in/aus Kfz) aufgrund bundeseinheitlicher Erfassungsänderungen in Diebstahl an/aus Kfz geändert. Dabei wurde der bisherige Deliktschlüssel
*55.00 (Diebstahl an Kfz) gestrichen und die darunter erfassten Fälle (im Jahr 2011 waren das 33 559)
dem Deliktschlüssel *50.00 zugerechnet. Dadurch ist der Deliktschlüssel nur noch bedingt mit dem Vorjahr vergleichbar; die Fallzahlen haben sich erhöht.
Für das Jahr 2012 waren 113 550 Fälle (2011: 88 622) zu verzeichnen (+ 24 928 Fälle oder + 28,1 %).
Abbildung 72 Diebstahl an/aus Kraftfahrzeugen (Fälle)
Die Zahl der Betrugsfälle erreichte 2005 mit 232 312 Fällen den zwischenzeitlich höchsten Stand. Nach
Rückgängen in den Jahren 2006 bis 2008 und 2010 stieg die Zahl im Berichtsjahr deutlich (+ 27 162 oder
11,5 %) im Vergleich zu 2011 und erreichte mit 263 992 Fällen einen neuen Höchststand.
Abbildung 73 Betrug (Fälle und AQ)
Die hohen Fallzahlen sind vor allem auf die steigenden Zahlen beim Erschleichen von Leistungen (zumeist Beförderungserschleichung) zurückzuführen. Sie stiegen 2012 von 77 019 Fällen (2011) um 10 896
Fälle oder 14,2 % auf 87 915. Dieser Anstieg ist auf ein geändertes Anzeigeverhalten der Deutschen
Bahn AG und örtlicher Verkehrsbetriebe zurückzuführen (siehe auch 4.4.3).
Betrugsarten mit hohen Steigerungsraten im Vergleich zu 2011 sind zudem beispielsweise Sonstiger
Warenkreditbetrug (+ 3 991 Fälle oder + 8,2 %), darin enthalten ist u.a. der Tankbetrug mit
+ 1 500 Fällen oder + 6,8 %), Betrug mit rechtswidrig erlangten Daten von Zahlungskarten (+ 1 184 Fälle
oder + 37,6 %), Leistungsbetrug (+ 2 592 Fälle oder + 37,5 %), Leistungskreditbetrug (+ 2 261 Fälle oder
+ 22,3 %).
2012 wurden 70 895 Waren- und Warenkreditbetrügereien 1 528 oder 2,1 % weniger erfasst als im Vorjahr (2011: 72 423 Fälle).
Die Anzahl der Fälle von Warenbetrug ging um 5 533 Fälle oder 23,5 % von 23 588 auf 18 055 Fälle zurück. Die der Warenkreditbetrügereien stieg von 48 835 um 4 005 Fälle oder 8,2 % auf 52 840 Fälle.
Tabelle 26 Ausgewählte Betrugsdelikte (Fälle)
Grundstücks- und Baubetrug
Beteiligungs- und Kapitalanlagebetrug
Geldkreditbetrug
Betrug mit rechtswidrig erlangter unbarer Zahlungsmittel
Arbeitsvermittlungsbetrug
Betrug z.N. von Versicherungen
Betrug z.N. von Sozialversicherungen
Sonstiger Betrug
1 441 + 1 031
88 964 + 11 432
9 501 + 2 592
12 404 + 2 261
42 417 + 10 512
+ 251,5
Der durch Betrug verursachte Vermögensschaden belief sich auf 444,9 Mio. € (2011: 557,5 Mio. €). Trotz
des Anstiegs der Fallzahlen ist der Vermögensschaden zurückgegangen (- 19,9 %). Das ist vor allem
darauf zurückzuführen, dass fast die Hälfte der Fallsteigerung Beförderungserschleichungen mit geringen
Schadenshöhen waren und dass nur ein Fall mit einer herausragenden Schadenshöhe (40 Mio. €) erfasst
wurde. Im Vorjahr wurden hingegen fünf Fälle mit einem Gesamtschaden von 205 Mio. € bekannt.
Die Anzahl der Waren- und Warenkreditbetrügereien sank nach einem leichten Anstieg im Vorjahr (2011:
72 423 Fälle; zu 2010 ein Plus von 2,8 %) um 1 528 Fälle oder 2,1 % auf 70 895 Fälle.
Während der Warenbetrug deutliche Rückgänge zu verzeichnen hatte (- 5 533 Fälle oder - 23,5 %), stieg
der sonstige Warenkreditbetrug erheblich um 3 991 Fälle oder 8,2 % an. Dazu zählen auch die unter
Tankbetrug (+ 1 500 Fälle oder + 6,8 %) erfassten Fälle, deren Anstieg vor allem auf die steigenden Benzinkosten zurückzuführen sein dürfte.
Ursache für den Rückgang beim Warenbetrug dürfte u.a. sein, dass sich die Käufer vorsichtiger verhalten. Sie informieren sich vorab über ggf. dubiose Shops oder nutzen vermehrt sichere Zahlungssysteme
wie PayPal. Die vermehrte Nutzung von Paket-Stationen, die leicht angemeldet werden können, Warenbestellungen unter falschen Personalien an bestehende Adressen sowie die Zunahme sogenannter
„Warenagenten“, die gegen Entlohnung Pakete weiterschicken, dürften ursächlich für den Anstieg beim
Warenkreditbetrug sein.
Der seit 2004 rückläufige Trend bei dieser Betrugsart setzte sich ab 2010 nicht fort. Nach dem Höchststand im Jahr 2004 (32 090 Fälle) ging die Anzahl bis 2009 auf 13 033 Fälle zurück (- 19 057 oder
- 59,4 %). Im Jahr 2012 stieg sie im Vergleich zu 2011 um 220 oder 1,5 % auf 14 542 Fälle an. Das ist
gleichwohl nur knapp die Hälfte des Spitzenwerts 2004.
Abbildung 74 Betrug mittels rechtswidrig erlangter unbarer Zahlungsmittel (Fälle und AQ)
Tabelle 27 Einzelne Delikte des Betrugs mittels rechtswidrig erlangter unbarer Zahlungsmittel
Betrug mittels rechtswidrig erlangter…
unbarer Zahlungsmittel
Debitkarten ohne PIN (Lastschriftverfahren)
Debitkarten mit PIN
Daten von Zahlungskarten
sonstiger unbarer Zahlungsmittel
AQ in % AQ in %
Zur Verhinderung des Betrugs mittels unbarer Zahlungsmittel haben Polizei, Sperr-Notruf 116116 und
Einzelhandel bereits 2007 eine gemeinsame Initiative ins Leben gerufen. Bürgern stehen Tipps zum
Schutz gegen EC- und Kreditkartenbetrug zur Verfügung, siehe unter www.polizei-beratung.de.
Betrug mittels rechtswidrig erlangter Debitkarten ohne PIN
Zahlreiche Präventionsmaßnahmen wie die Abschaffung des elektronischen Lastschriftverfahrens und
vermehrte Ausgabe von Karten mit PIN durch die Geldinstitute, Umstellung großer Handelsketten auf die
Annahme von Debitkarten mit PIN, Maßnahmen wie KUNO etc. dürften für die starken Rückgänge der
Fallzahlen seit 2005 verantwortlich sein.
Wie die folgende Abbildung zeigt, endete der seit 2005 rückläufige Trend im Berichtsjahr. Im Vergleich
zum Vorjahr ist eine Zunahme um 294 Fälle oder 1,5 % feststellbar, aber verglichen mit dem Höchststand
der letzten Jahre (2004) ist die Fallzahl jedoch um 15 458 Fälle oder 85,0 % niedriger.
Bemerkenswert ist, dass die Fallzahlen in diesem Deliktsbereich wieder ansteigen, obwohl die Anzahl der
entwendeten unbaren Zahlungsmittel zurückging. Dies kann ein Anzeichen dafür sein, dass gestohlene
unbare Zahlungsmittel nun wieder vermehrt zum Betrug eingesetzt werden und nicht nur „Beifang“ sind.
Für die Prävention des Lastschriftbetrugs stehen im Internet des LKA (http://www.polizei.nrw.de/lka) Präventionstipps zum Download.
Abbildung 75 Betrug mittels rechtswidrig erlangter Debitkarten ohne PIN (Fälle und AQ)
Betrug mittels rechtswidrig erlangter Kreditkarten
Nach Rückgängen der Fallzahlen in den Jahren 2006, 2007 sowie 2009 und Anstiegen in den Jahren
2010 und 2011 gingen die Fallzahlen in 2012 im Vergleich zum Vorjahr zurück. Die Anzahl der Delikte
sank von 1 766 Fällen um 75 Fälle oder 4,3 % auf 1 691 Fälle im Berichtsjahr. Die Abnahme der Betrugsdelikte mittels rechtswidrig erlangter Kreditkarten dürfte durch die zeitgleiche Abnahme der Taschendiebstähle im Vergleichszeitraum zu erklären sein, bei denen neben Bargeld häufig Kreditkarten erbeutet
Die Schadenssumme in diesem Bereich sank von 1 604 420 € auf 1 378 317 €.
Zum Betrug mittels rechtswidrig erlangter Debitkarten mit PIN siehe 4.8 Computerkriminalität.
Das Fallaufkommen hängt weitgehend von der Anzahl der Beförderungserschleichungen und somit von
Kontrollen und Anzeigen der Verkehrsbetriebe ab. Wurden im Jahr 2010 noch 17 746 Fälle durch die
Bundespolizei gemeldet, waren es 2011 bereits 45 225 Fälle. Für das Jahr 2012 meldete die Bundespolizei 55 795 Fälle.
Waren in den Jahren 2006 (- 12,5 %; 47 570 Fälle) und 2007 (- 9,8 %; 42 896 Fälle) beachtliche Abnahmen zu verzeichnen, stieg die Anzahl der Fälle seit 2008 an (2008: + 8,2 %, 46 398 Fälle; 2009: + 6,1 %,
49 205 Fälle; 2010: + 2,3 %, 50 346 Fälle; 2011: + 54,0 %, 77 532 Fälle). Im Berichtsjahr wurden 88 964
Fälle erfasst. Das sind 11 432 oder 14,7 % mehr als im Jahr 2011 (77 352 Fälle).
Der mit Ausnahme des Vorjahres seit Jahren steigende Trend bei der Anzahl der Beleidigungen setzte
sich 2012 mit 47 107 Fällen (2011: 46 115) fort (+ 992 Fälle oder + 2,2 %). Die Zunahme in den letzten
zehn Jahren betrug 66,1 %. Ob diese Entwicklung auf einen tatsächlichen Anstieg der Fälle oder ein geändertes Anzeigeverhalten zurückzuführen ist, kann aus den PKS-Daten nicht geschlossen werden.
Beleidigungen auf sexueller Grundlage (8 088 Fälle) hatten 2012 einen Anteil von 17,2 % an den Beleidigungen insgesamt (2011: 10 451 oder 22,7 %). Nur 527 von ihnen sind mit „Tatmittel Internet“ gekennzeichnet worden (6,5 %), was nicht der kriminalistischen Lageeinschätzung entspricht.
Abbildung 76 Beleidigung (Fälle und AQ)
2012 wurden 155 156 Sachbeschädigungen (1 084 Fälle oder 0,7 % weniger als 2011) angezeigt.
Abbildung 77 Sachbeschädigung (Fälle und AQ)
Bei 41,9 % der Delikte handelte es sich um Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen (2011: 42,4 %).
Von diesen wurden 65 083 Fälle erfasst, das sind 1,8 % weniger als 2011 (66 296 Fälle). Zugenommen
hat die Anzahl der sonstigen Sachbeschädigungen auf Straßen, Wegen oder Plätzen von 38 820 Fällen
(2011) auf 60 836 im Berichtsjahr (+ 22 016 oder + 56,7 %). Diese Zunahme geht jedoch einher mit einer
fast identischen Abnahme (- 22 239 Fälle) der Sachbeschädigungen gemäß Deliktschlüssel 674010 .
2012 wurden 21 697 Fälle von Graffiti erfasst, das sind 773 oder 3,4 % weniger als 2011 (22 470). Der
Anteil von Graffiti an allen Sachbeschädigungen betrug 14,0 % (2011: 14,4 %).
Die Aufklärungsquoten betrugen bei Sachbeschädigungen insgesamt 22,2 %, bei denen an Kraftfahrzeugen 16,0 %, bei denen auf Straßen, Wegen oder Plätzen 20,6 % und bei Graffiti 18,5 % (2011: insgesamt
23,2 %, an Kraftfahrzeugen 16,7 %, auf Straßen, Wegen, Plätzen 18,7 %, Graffiti 20,1 %).
33 530 Tatverdächtige konnten ermittelt werden. 41,7 % (13 978) waren jünger als 21. 27,7 % (9 292) der
Tatverdächtigen waren zur Tatzeit alkoholisiert. Bei den unter 21-Jährigen betrug dieser Anteil 24,9 %.
Schwankungen der Fallzahlen beruhen auch auf den Schwerpunktsetzungen und der Intensität, mit der
Polizei und Zoll bei der Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität (Kontrollkriminalität) vorgehen.
Die Anzahl der Rauschgiftdelikte in NRW ist 2012 (53 644 Fälle) gegenüber 2011 (55 031 Fälle) um
2,5 % zurückgegangen. Der rückläufige Trend im 10-Jahres-Vergleich setzte sich nach der Zunahme der
Fallzahl 2011 im Vorjahr wieder durch. Die Aufklärungsquote lag mit 92,1 % (92,8 %) leicht unter der für
2011. Neben einer Zunahme der Fälle des Erwerbs und Besitzes von BtM um 3,6 % nahm der Handel
und Schmuggel deutlich ab (- 2 748 Fälle oder - 15,8 %). Das gilt besonders bei den vom Zoll gemeldeten
Schmuggelfällen, die einen Rückgang von 7 704 (2011) auf 6 012 Fälle um 22,0 % verzeichneten.
In fast allen Deliktsbereichen setzte sich der Rückgang der Fallzahlen im Zusammenhang mit Heroin fort.
Bei den so genannten Konsumentendelikten sind sie in den letzten 10 Jahren von 6 715 (2003) um
59,0 % auf 2 750 Fälle (2012) zurückgegangen. Straftaten mit Cannabisprodukten haben immer noch den
höchsten Anteil an der Rauschgiftkriminalität in allen Deliktsbereichen. Bei den Konsumentendelikten
zeigte sich bei ihnen in den vergangenen 10 Jahren eine moderate Steigerung um 5,6 %.
Die Zahl der Tatverdächtigen der Rauschgiftkriminalität ging analog zu den Fallzahlen von 48 376 (2011)
um 3,5 % auf 46 678 zurück. Die Anzahl der unter 21-Jährigen stieg leicht um 1,6 % (2011:
12 142; 2012: 12 334) an.
Bei Ermittlungen nach Auseinandersetzungen im Rockermilieu hat das PP Düsseldorf einen Hochbunker
in Düsseldorf durchsucht und eine Cannabisplantage mit ca. 3 000 Pflanzen gefunden.
Im Zuge eines Geldwäscheverfahrens gegen ein führendes Mitglied der Bandidos hat das PP Duisburg in
einer Wohnung ein großes BtM-Lager (ca. 13,5 kg Marihuana, ca. 8,5 kg Amphetamin, 10 kg Amphetaminoel, ca. 750 g Kokain, 4.400 Tabletten Ecstasy und 66.000 Ketamin-/Mephedron-Tabletten), 27 scharfe Schusswaffen und große Mengen Munition aufgefunden und beschlagnahmt.
Unter „schulischem Bereich“ werden die Tatörtlichkeiten Schule (1. bis 13. Klasse), Fachhochschule/Hochschule und sonstige Bildungseinrichtung zusammengefasst.
Von den 1 518 363 Straftaten insgesamt sind 2012 28 247 (1,9 %) im schulischen Bereich registriert worden (2011: 28 328 oder 1,9 %), das ist ein Rückgang um 81 Fälle (- 0,3 %). An den Straftaten an Schulen
(1. bis 13. Klasse) (11 108 Fälle) waren Tatverdächtige aus den einzelnen Altersgruppen wie folgt beteiligt: Kinder 2 880, Jugendliche 5 859, Heranwachsende 1 018 und Erwachsene 1 341.
1 247 (2,5 %) der insgesamt 49 159 registrierten Fälle der Gewaltkriminalität wurden im schulischen Bereich verübt (2011: 2,8 %). Sie verteilten sich wie folgt: An Schule (1. bis 13. Klasse) ereigneten sich
1 111 Fälle erfasst (2011: 1 381), an Fachhochschulen/Hochschulen 17 Fälle (2011: 21 Fälle) und an
sonstigen Bildungseinrichtungen 119 Fälle (2011: 84 Fälle).
Sachbeschädigung gem. § 303 StGB ohne Sachbeschädigung an Kfz und sonst. Sachbeschädigung auf Straßen/Wegen/Plätzen
Tabelle 28 Ausgewählte Straftaten im schulischen Bereich
Straftaten – insgesamt
Körperverletzung – insgesamt
- gefährliche und schwere Körperverletzung
- vorsätzliche leichte Körperverletzung
Nötigung, Bedrohung
Diebstahl – insgesamt
Rauschgiftdelikte (BtMG)
Fälle der Wirtschaftskriminalität werden in der PKS von der Sachbearbeitung aufgrund einer vorgegebenen Definition 14 mittels einer Sonderkennung ausgewiesen. Bei der Bewertung der Daten muss berücksichtigt werden, dass sich die Anzahl der Fälle nach der Anzahl der Handlungen und Geschädigten richtet. Durch einzelne Umfangsverfahren kann es von Jahr zu Jahr zu starken Schwankungen kommen.
Abbildung 78 Wirtschaftskriminalität (Fälle und Schaden)
Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre hat die Wirtschaftskriminalität in NRW einen Anteil von ca. 1% aller
statistisch registrierten Straftaten und ist für ca. 50 % der insgesamt verursachten Schäden ursächlich
(Geldwert des entwendeten Gutes). Tendenziell ist die Schadensentwicklung deutlich rückläufig. Die Fallzahlen verzeichneten einen leichten Anstieg.
Im Jahr 2012 erfasste die Polizei NRW insgesamt 17 684 (2011: 12 602) Delikte als Wirtschaftskriminalität. Dies entspricht einem Anstieg um 5 082 Fälle oder 40,3 %. Im Zehnjahresvergleich ist dies der zweit-
Alle in § 74c I Nr. 1-6b GVG (ohne Computerbetrug) aufgeführten Straftaten sowie Delikte, die im Rahmen tatsächlicher oder vorgetäuschter wirtschaftlicher Betätigung begangen werden und über eine Schädigung von Einzelnen hinaus das Wirtschaftsleben beeinträchtigen oder die Allgemeinheit schädigen können und/oder deren Aufklärung besondere kaufmännische Kenntnisse erfordert.
höchste Stand nach 2009. Der erfasste Gesamtschaden belief sich auf 701 Mio. € (2011: 896 Mio. €) was
einem Rückgang um 21,8 % entspricht. Mit Ausnahme von 2008 (545 Mio. €) ist dies seit 2003 der geringste Schadenswert. Der durchschnittliche Gesamtschaden pro Wirtschaftsdelikt lag bei 39 615 € (2011:
71 132).
Im Zehnjahresvergleich ist trotz der rückläufigen Tendenz der vergangenen drei Jahre insgesamt ein Anstieg der Fallzahlen der Wirtschaftskriminalität zu beobachten. Auch für die Bereiche der „Insolvenzdelikte“
sowie der „Wirtschaftskriminalität im Zusammenhang mit Arbeitsverhältnissen“ sind in den letzten zehn
Jahren Steigerungen der Fallzahlen festzustellen. Sie werden hauptsächlich von den Delikten „Insolvenzverschleppung“ sowie „Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt“ bestimmt, die in den vergangenen Jahren üblicherweise in engem Zusammenhang standen.
Ursächlich für den deutlichen Anstieg der Fallzahlen in 2012 ist fast ausschließlich der Deliktsbereich
„Wirtschaftskriminalität bei Betrug“ mit den Einzeldelikten „Anlagebetrug“, „Leistungsbetrug“ und „sonstige
weitere Betrugsarten“: Beim Anlagebetrug erfolgte 2012 ein Anstieg um 299 % auf 1 408 Fälle (2011:
353). Einen wesentlichen Anteil daran hatte ein Umfangsverfahren des PP Bielefeld.
In dem Verfahren des PP Bielefeld mit allein 891 Fällen wurde ein Gesamtschaden von ca. 14 Mio. €
festgestellt. Der Beschuldigte hatte unter Abgabe falscher Garantien nicht werthaltiges Bau- und Ackerland in Paraguay an Anleger (russische Spätaussiedler) verkauft.
Die KPB Viersen erfasste 948 Delikte des Leistungsbetruges, bei denen der Beschuldigte die Eintragung
in Gewinnspiele gegen Zahlung einer Gebühr von 108 € entgegen seiner Zusage nicht vornahm.
Das PP Dortmund erfasste 331 Fälle des sonstigen weiteren Betruges, bei denen die Beschuldigten unter
wechselnder Beteiligung und Firmierung nicht werthaltige Immobilien (Schrottimmobilien) zu weit überhöhten Preisen an Kredit suchende Personen veräußerten. Der erfasste Schaden beträgt 27,1 Mio. €.
Das PP Krefeld erfasste im Rahmen von fünf gegen denselben Haupttäter gerichteten Sammelverfahren
insgesamt 1 168 Fälle des sonstigen weiteren Betruges wegen des ungerechtfertigten Versandes von
Forderungsschreiben aus angeblichen Beteiligungen an Gewinnspielen. Der bisher zu dem gesamten
Tatkomplex erfasste Schaden beträgt 1 288 329 €. In einem weiteren gegen den gleichen Täterkreis gerichteten Verfahren wurde ein Schaden von 457 000 € festgestellt.
Tabelle 29 Ausgewählte Delikte der Wirtschaftskriminalität
Das bereits zur Wirtschaftskriminalität bei Betrug“ dargestellte Einzeldelikt „Anlagebetrug“ bestimmt maßgeblich auch die Deliktsbereiche „Wirtschaftskriminalität im Anlage- und Finanzbereich“ (+ 174,5 %) und
„Betrug und Untreue im Zusammenhang mit Beteiligungen und Kapitalanlagen“ (+ 222,0 %).
In der PKS werden die in der folgenden Tabelle genannten Straftatbestände zur „Informations- und Kommunikations-Kriminalität (IuK-Kriminalität) im engeren Sinne (Computerkriminalität)“ zusammengefasst.
Die Fallzahlen schwanken von Jahr zu Jahr teilweise stark. Maßgeblich für die Fallzählung ist die Anzahl
der Handlungen der Tatverdächtigen, die in einem Ermittlungsvorgang ermittelt werden. Die Anzahl der
Geschädigten ist dabei nicht relevant. So können Umfangsverfahren mit vielen Geschädigten oft als nur
ein Fall in der PKS erfasst werden oder als ein Fall pro Geschädigtem, wenn der Tatverdächtige bei jedem Opfer wieder neu gehandelt hat.
Tabelle 30 Delikte der Computerkriminalität
Computerkriminalität - insgesamt
Fälschung beweiserheblicher Daten,
Datenveränderung/Computersabotage
Ausspähen, Abfangen von Daten
Betrug mittels rechtswidrig erlangter
Debitkarten mit PIN (GAA)
Betrug mit Zugangsberechtigungen zu
Kommunikationsdiensten
Softwarepiraterie - private Anwendung
Softwarepiraterie - gewerbsmäßig
2012 Fälle
22 228 + 2 192 + 10,9
2 278 + 284 + 14,2
4 118 + 2 620 + 174,9
4 373 + 1 116 + 34,3
4 880 - 1 228
+ 13 + 108,3
+ 39 + 433,3
2012 stieg die Anzahl der unter dem Summenschlüssel Computerkriminalität zusammengefassten Straftaten um 2 192 oder 10,9 % auf 22 228 Fälle. Der Anstieg fällt somit stärker aus als in den letzten drei
Jahren (2009: 15 541, 2010: 19 775, 2011: 20 036).
3 753 Tatverdächtige (2011: 4 202) konnten ermittelt werden. Unter ihnen waren 783 oder 20,9 % Nichtdeutsche. Die im Vergleich zur Anzahl aufgeklärter Fälle niedrige Tatverdächtigenanzahl deutet darauf
hin, dass einzelnen Tatverdächtigen oft mehrere Taten nachgewiesen werden konnten.
Abbildung 79 Computerkriminalität (Fälle)
Gravierende prozentuale Zu- oder Abnahmen sind teilweise den sehr niedrigen absoluten Zahlen geschuldet. Zur Computerkriminalität werden sehr unterschiedliche Delikte gezählt, deren Fallzahlen und
Aufklärungsquoten stark variieren und die teilweise nicht miteinander vergleichbar sind. Die Aussagekraft
einer „Gesamt-Aufklärungsquote“ über alle diese Delikte ist daher gering. Sinnvoller ist es, die Aufklärungsquoten der einzelnen Delikte zu betrachten.
Hauptursächlich für den Anstieg der Fallzahlen ist die Verbreitung und Infizierung von Opfer-PCSystemen mit Schadsoftware, vor allem sogenannter Ransomware (Schadsoftware, die den Zugriff auf
den Opfer-PC durch Verschlüsselung unterbindet und zudem ein „Lösegeld“ zur Freischaltung fordert).
Neben dem schon im Jahr 2011 häufig verbreiteten „BKA-Trojaner“ kursieren inzwischen zahlreiche Va15
rianten wie „GEMA-; „GVU“- oder „Windows-Verschlüsselungs“-Trojaner (auch „ZIP-Trojaner“ genannt).
Die in einschlägigen Foren weit verbreitete „Schadsoftware im Baukastenprinzip“ stellt dabei, neben der
konspirativen Vorgehensweise der Täter, ein zunehmendes Problem dar.
Betrug mittels rechtswidrig erlangter Debitkarten mit PIN
Auch bei diesem Delikt dürfte der Rückgang der Fallzahlen um 20,1 % (- 1 228 Fälle) mit dem gleichzeitigen Rückgang der Taschendiebstähle einhergehen und insofern durch den leichtfertigen Umgang der
Geschädigten mit ihrer PIN entstehen, die trotz aller Warnungen oft als Notiz in der Geldbörse oder Handtasche mitgeführt wird.
Der erneute Rückgang um 190 Fälle (- 3,0 %) ist zum einen mit den zunehmend wirksamen technischen
Sicherungen (z.B. chipTAN oder smsTAN) beim Online-Banking gegen das sog. „Phishing“ zu erklären,
zum anderen dürfte er mit der fortschreitenden flächendeckenden Einführung des EMV-Chips in Europa
zumindest in Teilen erklärbar sein.
Hierunter wurden überwiegend Fälle erfasst, bei denen Telekommunikationsanlagen von Unternehmen
und Privatpersonen manipuliert wurden (z.B. Eindringen über Fernwartungsoptionen mit anschließenden
Gesprächsvermittlungen ins Ausland). Nachdem sie die Zugangsberechtigungen (z. B. Passwörter)
überwunden haben, verursachen die Tatverdächtigen zu ihren Gunsten Dienstleistungen bei Telekommunikationsunternehmen auf Kosten der Berechtigten. 2012 sind 419 Fälle erfasst worden. Das sind 462
Fälle oder 52,4 % weniger als im Vorjahr (2011: 881 Fälle).
Fälschung beweiserheblicher Daten, Täuschung im Rechtsverkehr bei der Datenverarbeitung
Der Anstieg um 284 Fälle oder 14,2 % von 1 994 im Jahr 2011 auf 2 278 Fälle könnte durch die zunehmend greifenden Schutz- und Verhaltensmaßnahmen zur Verhinderung von erfolgreichem „Phishing“ mit
anschließendem Vermögensschaden begründet sein. Dies führt zu einer geänderten strafrechtlichen Bewertung als Vorbereitungshandlung durch die Fälschung beweiserheblicher Daten statt eines Computerbetrugs (siehe entsprechenden Rückgang bei Computerbetrug).
Im Jahr 2012 wurden 4 118 Fälle erfasst. Das sind 2 620 Fälle oder 174,9 % mehr als im Vorjahr (2011:
1 498 Fälle). Bereits in 2011 hatte es fast eine Verdoppelung der Fallzahl gegeben. Hierbei spielen Ang17
riffe mittels Schadsoftware eine zunehmende Rolle. Auch die Anzeige von DDoS-Angriffen auf Webpräsenzen und Onlineshops nahm zu. Es ist zu vermuten, dass diese Fälle künftig noch häufiger auftreten.
Nach wie vor ist von einem großen Dunkelfeld auszugehen, da betroffene Firmen Reputationsverluste befürchten und deshalb auf Strafanzeigen verzichten.
Ausspähen, Abfangen von Daten einschl. Vorbereitungshandlungen
Die Fallzahlen stiegen 2012 von 3 257 Fällen um 1 116 oder 34,3 % auf 4 373 Fälle an. Der deliktische
Schwerpunkt lag beim Ausspähen von Daten (3 276 Fälle oder 74,9 %).
Grund für den Anstieg der Fallzahlen im Vergleich zu 2011 ist die Zunahme der Vorbereitung des Ausspähens und Abfangens von Daten, zu der die Vorbereitungshandlungen zum „Skimming“ erfasst werden. „Skimming“ selbst ist seit Mitte 2010 strafrechtlich als Vorbereitung der Geld- und Wertzeichenfälschung gemäß §§ 149, 152a, 152b StGB zu werten.
E-Mail mit angehangener ZIP-Datei, die ausführbare Schadsoftware enthält.
Mit EMV wird ein technischer Standard für die Kommunikation zwischen Chipkarte und Terminal zur Abwicklung von girocard- (ehemals ec-Karte) oder Kreditkarten-Transaktionen bezeichnet. Der internationale Standard wurde gemeinsam von Europay International, MasterCard International sowie Visa International definiert. Auf Grundlage dieses Standards lässt sich eine MultiapplikationsChipkarte erstellen, die
1. die im Chip gespeicherten Daten gegen Verfälschung und auch gegen Kopieren schützt und
2. Karteninhabern den Zugang zu einem breiten Spektrum verschiedener Anwendungen/Dienstleistungen ermöglicht.
Der EMV-Standard ist seit dem 01.01.2011 in Europa verpflichtend.
(Quelle: https://www.kartensicherheit.de/de/pub/oeffentlich/sicherheitsprodukte/emv_chip.php)
Distributed Denial of Service: Absichtlich herbeigeführte Serverüberlastung
Das LKA NRW leitete Ende April 2012 Ermittlungen wegen Erpressungen zum Nachteil von Onlineshops
ein. Die zunächst unbekannten Täter missbrauchten mehrere ferngesteuerte PC („Bots“) ahnungsloser
Internet-Nutzer zu DDoS-Angriffen auf Internetseiten der Webshops, um von den Inhabern die Zahlung
hoher Geldbeträge zu erzwingen. Anderenfalls würden die Angriffe und damit verbundene Umsatzverluste weitergehen. Von mindestens 35 Angriffszielen wurden 22 tatsächlich erpresst. Ein Opfer zahlte nachweislich 10 000 US-Dollar Schutzgeld. Der bisher bekannte Gesamtschaden durch die Angriffe, Erpressungen und weitere Betrügereien beläuft sich nach Angaben der Unternehmen auf ca. 3 Mio. €. Die polizeilichen Ermittlungen dauern an. Insgesamt wurden bislang ca. 100 Terabyte an Daten ausgewertet.
Ein weiteres Botnetz störte die Internetpräsenz eines deutschen Konzerns einen Tag lang mit DDOSAttacken und beeinträchtigte wichtige Arbeitsabläufe. Durch den umfangreichen Ausbau seiner Technik
und unter Zuhilfenahme spezialisierter Dienstleister konnte das Unternehmen den Betrieb wiederherstellen. Auswertungen und Ermittlungen des LKA NRW überführten den Betreiber des Botnetzes in Bayern.
Die Sonderkennung „Tatmittel Internet“ wird zu Fällen erfasst, bei denen für die Tatbestandsverwirklichung das Internet als (wesentliches) Tatmittel verwendet wird (in der Regel Betrugs- oder so genannte
Äußerungs- bzw. Verbreitungsdelikte). Wenn das Internet bei der Tatbegehung nur eine untergeordnete
Rolle spielt, z. B. bei vorgelagerten Aktivitäten wie Kontakten/Kontaktversuchen zwischen Tatverdächtigem und Opfer, soll die Sonderkennung nicht vergeben werden.
2012 sind 54 339 (2011: 47 992) Fälle mit dieser Sonderkennung markiert worden. Das entspricht einer
Zunahme um 6 347 Fälle oder 13,2 %.
Straftaten mit dieser Kennung hatten einen Anteil von 3,6 % an der Gesamtkriminalität (2011: 3,2 %). In
66,2 % (2011: 79,0 %) der Fälle handelt es sich um Betrugsdelikte. Zu den Fällen mit „Tatmittel Internet“
sind 16 790 (2011: 14 445) Tatverdächtige erfasst worden, davon 2 267 oder 13,5 % Nichtdeutsche
(2011: 2 019).
Tabelle 31 Ausgewählte Delikte mit Tatmittel Internet
Zu/Abnahmen
Fälle mit „Tatmittel Internet“ insgesamt
Verbreitung pornografischer Erzeugnisse, darunter
- Besitz/Verschaffung von Kinderpornografie
- Verbreitung von Kinderpornografie
Betrug, darunter:
- Waren- und Warenkreditbetrug
- Betrug mittels rechtswidrig erlangter unbarer Zahlungsmittel
- Betrug mit Zugangsberechtigungen zu Kommunikationsdiensten
Fälschung beweiserheblicher Daten, Täuschung im
Rechtsverkehr bei Datenverarbeitung
Straftaten gegen Urheberrechtsbestimmungen, darunter
- Softwarepiraterie
- private Anwendung
- gewerbsmäßig
- 1 936
+ 41,2
+ 131,0
+ 2 547
+ 182,8
+ 87,5
+ 457,1
Sachgebiet 31.6
EKHK Friedhelm Krahwinkel
KKin Barbara Mühlenhöver
KHK Olaf Dreve
(0211) 939 - 3160 oder Polizeinetz 07 - 224 - 3160
(0211) 939 - 193160 oder Polizeinetz 07 - 224 - 19 3160
33-sg316pks.lka@polizei.nrw.de
Telefon: (0211) 939-0
Telefax: (0211) 939-4419
landeskriminalamt@polizei.nrw.de
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