Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Betriebsrat_Kuendigung_Hausverbot_LAG_Muenchen_11TaBVGa16-08.html
Timestamp: 2018-01-24 05:29:39
Document Index: 49582873

Matched Legal Cases: ['§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 84', '§ 37', '§ 85', '§ 916', '§ 935', '§ 78', '§ 37', '§ 85', '§ 12', '§ 92']

HENSCHE Arbeitsrecht: 11 TaBVGa 16/09
Schlag­worte: Betriebsratsmitglied, Freistellung, Kündigung: Verhaltensbedingt
Akten­zeichen: 11 TaBVGa 16/09
Ent­scheid­ungs­datum: 18.11.2009
Leit­sätze: Der Ar­beit­ge­ber kann durch einst­wei­li­ge Verfügung im Be­schluss­ver­fah­ren ver­pflich­tet wer­den, ei­nem Be­triebs­rats­mit­glied, das we­gen Still­le­gung ei­ner Be­triebs­ab­tei­lung ei­ne or­dent­li­che be­triebs­be­ding­te Kündi­gung er­hal­ten hat und mit dem der Ar­beit­ge­ber sich in ei­nem Ab­fin­dungs­ver­gleich auf ei­ne Frei­stel­lung von der Ar­beits­leis­tung ge­ei­nigt hat, für den Rest der Kündi­gungs­frist un­ge­hin­der­ten - auch nicht durch Mit­tei­lungs­pflich­ten ein­ge­schränk­ten - Zu­tritt zur Ausübung des Be­triebs­rats­amts zum Be­triebs­gelände zu gewähren, wenn schutzwürdi­ge In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers an ei­ner Be­gren­zung des Zu­tritts­rechts nicht gel­tend ge­macht wor­den sind.
11 TaBV­Ga 16/09
32 BV­Ga 30/09
(ArbG München)
Verkündet am: 18.11.2009
Ur­kunds­be­am­ter
Lan­des­ar­beits­ge­richt München
in dem einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren im Be­schluss­ver­fah­ren mit den Be­tei­lig­ten
1. BR d. b. AG,
ver­tre­ten durch den Vor­sit­zen­den P. H.
- An­trag­stel­ler, Be­tei­lig­ter zu 1) und Be­schwer­deführer -
2. Herr S. S.
c/o BR d. b. AG
- An­trag­stel­ler, Be­tei­lig­ter zu 2) und Be­schwer­deführer -
3. Herr P. S.
- An­trag­stel­ler, Be­tei­lig­ter zu 3) und Be­schwer­deführer -
Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te der Bet. zu 1) – 3):
Rechts­anwälte R. H.
4. Fir­ma b. AG
ver­tre­ten durch den Vor­stand S. P.
- Be­tei­lig­te zu 4) -
Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te des Bet. zu 4):
Rechts­anwälte W.
hat die 11. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts München auf Grund der münd­li­chen Anhörung vom 18. No­vem­ber 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Oben­aus und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Hagn und Hell­mich-Ga­se
Die Be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts München vom 16. Ju­li 2009, Az.: 32 BV­Ga 30/09, wird zurück­ge­wie­sen.
Der an­trag­stel­len­de Be­triebs­rat und der Be­tei­lig­te zu 2), der Mit­glied des Be­triebs­ra­tes ist, be­geh­ren die Auf­he­bung ei­nes Haus­ver­bots, das die Ar­beit­ge­be­rin ge­genüber dem Be­tei­lig­ten zu 2) aus­ge­spro­chen hat, so­wie un­ge­hin­der­ten, d.h. auch durch kei­ne Mit­tei­lungs­pflich­ten be­schränk­ten - Zu­tritt des Be­tei­lig­ten zu 2) zum Be­trieb zur Ausübung des Am­tes als Be­triebs­rat.
Mit Schrei­ben vom 30.03.2009 kündig­te die Ar­beit­ge­be­rin das Ar­beits­verhält­nis des Be­tei­lig­ten zu 2) „or­dent­lich frist­ge­recht zum 30.09.2009". Mit Schrei­ben vom 07.04.2009
stell­te die Ar­beit­ge­be­rin den Be­tei­lig­ten zu 2) mit so­for­ti­ger Wir­kung von der Ar­beits­leis­tung frei.
Mit Schrei­ben vom 26.05.2009 teil­te die Ar­beit­ge­be­rin dem Be­tei­lig­ten zu 2) un­ter dem Be­treff „Haus­ver­bot“ fol­gen­des mit:
„Sehr ge­ehr­ter Herr S.,
hier­mit spre­chen wir Ih­nen ge­genüber für die Be­triebsräume der B. AG und da­mit auch für sämt­li­che Fi­lia­len der B. AG ein Haus­ver­bot aus. Verstöße hier­ge­gen wer­den wir als Haus­frie­dens­bruch straf­recht­lich ver­fol­gen.
Die­ses Haus­ver­bot ist aus­ge­nom­men für Fälle von er­for­der­li­cher BR-Ar­beit. Die Er­for­der­lich­keit der BR-Ar­beit wei­sen Sie vor Be­tre­ten un­se­rer Be­triebsräume schrift­lich zu un­se­ren Händen nach, in­dem Sie Ih­re ge­plan­te BR-Ar­beit stich­punkt­ar­tig dar­stel­len.
Vor­stands­vor­sit­zen­der b. AG“
Mit An­walts­schrei­ben vom 05.06.2009 for­der­te der Be­triebs­rat die Ar­beit­ge­be­rin u. a. auf, schrift­lich zu erklären, dass das Haus­ver­bot für den Be­tei­lig­ten zu 2) auf­ge­ho­ben, die­ser ab so­fort wie­der beschäftigt und des­sen aus­ste­hen­der Lohn un­verzüglich nach­ge­zahlt wird.
Das Ant­wort­schrei­ben der Anwälte der Ar­beit­ge­be­rin ging auf die­se Auf­for­de­rung des Be­triebs­rats in­halt­lich nicht ein.
In dem beim Ar­beits­ge­richt München vom Be­tei­lig­ten zu 2) ein­ge­lei­te­ten Kündi­gungs­rechts­streit mit dem Az.: 23 Ca 5940/09 schlos­sen der Be­tei­lig­te zu 2) und die Ar­beit­ge­be­rin am 27. Au­gust 2009 ei­nen Pro­zess­ver­gleich, in dem sie ver­ein­bar­ten, dass das Ar­beits­verhält­nis auf­grund or­dent­li­cher be­triebs­be­ding­ter Ar­beit­ge­berkündi­gung zum 31.12.2009 we­gen Still­le­gung der Be­triebs­ab­tei­lung en­den wer­de, dass der Be­tei­lig­te zu 2) bei un­wi­der­ruf­li­cher Frei­stel­lung frei­ge­stellt wer­de, dass die Ar­beit­ge­be­rin ei­ne Ab­fin­dung von 150.000,00 € brut­to zah­len wer­de, dass kei­ne wei­te­ren ge­gen­sei­ti­gen Ansprüche mehr bestünden und dass für den Fall, dass die Ab­fin­dung nicht ge­zahlt wer­de, das Ar­beits­verhält­nis über den 31.12.2009 hin­aus un­gekündigt fort­geführt wer­de.
Mit ih­rem beim Ar­beits­ge­richt München am 18. Ju­ni 2009 ein­ge­gan­gen An­trag auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung im Be­schluss­ver­fah­ren vom sel­ben Tag ha­ben der Be­triebs­rat so­wie der Be­tei­lig­te zu 2) – der Be­tei­lig­te zu 3) ist zwi­schen­zeit­lich aus dem Ver­fah­ren aus­ge­schie­den – un­ter Berück­sich­ti­gung späte­rer An­trags­um­stel­lung die ge­richt­li­che Ver­pflich­tung der Ar­beit­ge­be­rin be­an­tragt, bis zu ei­ner rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che, es zu un­ter­las­sen, das Haus­ver­bot auf­recht­zu­er­hal­ten. Wei­ter­hin ha­ben sie be­gehrt, die Ar­beit­ge­be­rin zu ver­pflich­ten, dem Be­tei­lig­ten zu 2) zur Ausübung sei­nes Amts un­ge­hin­der­ten Zu­gang zum Be­triebs­gelände zu gewähren und es zu un­ter­las­sen, vom Be­tei­lig­ten zu 2) zu ver­lan­gen, sei­ne be­ab­sich­tig­ten Be­triebs­ratstätig­kei­ten schrift­lich bei der Ar­beit­ge­be­rin an­zu­zei­gen.
Zur Be­gründung ha­ben der Be­triebs­rat und der Be­tei­lig­te zu 2) aus­geführt, das verhäng­te Haus­ver­bot ver­s­toße ge­gen das Be­hin­de­rungs­ver­bot des § 78 Satz 1 Be­trVG so­wie ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 78 Satz 2 Be­trVG.
Der Be­triebs­rat und der Be­tei­lig­te zu 2) ha­ben erst­in­stanz­lich be­an­tragt:
I. Der Be­tei­lig­ten zu 4) wird auf­ge­ge­ben, es bis zu ei­ner rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che zu un­ter­las­sen, ge­genüber dem Be­tei­lig­ten zu 2) das Haus­ver­bot vom 26.05.2009 auf­recht zu er­hal­ten.
II. Der Be­tei­lig­ten zu 4) wird bis zu ei­ner Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che auf­ge­ge­ben, dem Be­tei­lig­ten zu 2) zur Ausübung sei­nes Am­tes als Be­triebs­rat un­ge­hin­dert Zu­tritt zum im Be­zirk des Be­tei­lig­ten zu 1) be­find­li­chen Be­trieb und ge­sam­ten Be­triebs­gelände zu gewähren.
III. Im Fal­le des Un­ter­lie­gens mit dem An­trag zu I. und / oder II.: Im Fal­le des Un­ter­lie­gens mit dem An­trag zu I. wird der Be­tei­lig­ten zu 4) bis zu ei­ner Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, vom Be­tei­lig­ten zu 2) vor des­sen Be­tre­ten des Be­trie­bes zu ver­lan­gen, sei­ne be­ab­sich­tig­ten Be­triebs­ratstätig­kei­ten schrift­lich beim Be­tei­lig­ten zu 2) an­zu­zei­gen.
IV. Der Be­tei­lig­ten zu 4) wird auf­ge­ge­ben, es bis zu ei­ner Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che zu un­ter­las­sen, den Be­tei­lig­ten zu 2) von sei­ner Ver­pflich­tung der Ar­beits­leis­tung ein­sei­tig frei­zu­stel­len.
V. Für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Ver­pflich­tun­gen aus den Zif­fern I. und / oder II. und / oder III. und / oder IV. wird der Be­tei­lig­ten zu 4) ein Ord­nungs­geld bis zu € 250.000,00, des­sen Höhe in das Er­mes­sen des an­ge­ru­fe­nen Ge­richts ge­stellt wird, an­ge­droht.
Die Ar­beit­ge­be­rin hat er­wi­dert, die Er­tei­lung des Haus­ver­bots stel­le we­der ei­ne Störung der Be­triebs­ratstätig­keit im Sin­ne von § 78 Ab­satz 1 Satz 1 Be­trVG noch ei­ne Be­nach­tei­li­gung gemäß § 78 Ab­satz 1 Satz 2 Be­trVG dar. Das er­ge­be sich schon dar­aus, dass das Haus­ver­bot aus­drück­lich für Fälle von er­for­der­li­cher Be­triebs­ar­beit nicht gel­te. Der Be­tei­lig­te zu 2) könne al­so die Be­triebsräume je­der­zeit be­tre­ten, so­weit dies für sei­ne Be­triebs­rats­ar­beit er­for­der­lich ist. Durch die­se Ge­stal­tung wäre ei­ne erklärte Störung der Be­triebs­ratstätig­keit aus­ge­schlos­sen. Auch der An­trag zu II. sei zurück­zu­wei­sen. Die schrift­li­che An­zei­ge der Be­triebs­ratstätig­keit durch die Be­tei­lig­ten zu 2) sei das ein­zi­ge Mit­tel, die Ein­hal­tung des Haus­ver­bots zu kon­trol­lie­ren. Die­se An­zei­ge sei da­her er­for­der­lich und an­ge­mes­sen. Ei­ne Störung der Be­triebs­ratstätig­keit sei hier­mit nicht ver­bun­den. Das Vor­lie­gen ei­nes Verfügungs­grun­des wer­de be­strit­ten. Es sei ins­be­son­de­re nicht zu er­ken­nen, war­um ei­ner der Anträge be­son­ders eil­bedürf­tig sein sol­le. Der Be­tei­lig­te zu 2) könne sei­ner Be­triebs­ratstätig­keit un­ge­hin­dert nach­ge­hen.
Das Ar­beits­ge­richt München hat durch Be­schluss vom 16. Ju­li 2009, der der Ar­beit­ge­be­rin am 10. Au­gust 2009 zu­ge­stellt wor­den ist, den Anträgen mit Aus­nah­me des An­tra­ges IV. statt­ge­ge­ben und zur Be­gründung aus­geführt, die Anträge sei­en zulässig und be­gründet. Beim An­trag Ziff. III han­de­le es sich um ei­ne Präzi­sie­rung des un­ter Zif­fer II. ste­hen­den Be­geh­rens. Ein Verfügungs­an­spruch sei ge­ge­ben. Gemäß § 78 Satz 1 Be­trVG dürf­ten Mit­glie­der des Be­triebs­rats in der Ausübung ih­rer Tätig­keit nicht gestört oder be­hin­dert wer­den. Bei Verstößen ge­gen das Be­hin­de­rungs­ver­bot könn­ten so­wohl der Be­triebs­rat als auch be­trof­fe­ne Be­triebs­rats­mit­glie­der Un­ter­las­sungs­ansprüche gel­tend ma­chen. Die Ver­wei­ge­rung des Zu­tritts zum Be­triebs­gelände stel­le ei­ne ob­jek­ti­ve Be­hin­de­rung der Be­triebs­ratstätig­keit dar. Da­bei be­schränke sich die Tätig­keit ei­nes Be­triebs­rats­mit­glieds nicht auf vor­her­seh­ba­re Tätig­kei­ten, son­dern sei zum Teil auch kurz­fris­tig er­for­der­lich. Zu­dem un­ter­lie­ge die Tätig­keit ei­nes Be­triebs­rats­mit­glieds in nur sehr ein­ge­schränk­tem Um­fang des­sen zeit­li­cher Dis­po­si­ti­on. Sch­ließlich bedürfe ein Be­triebs­rats­mit­glieds zur Ausübung sei­nes Am­tes auch des Kon­tak­tes zur Be­leg­schaft, wie sich u. a. aus § 84 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG er­ge­be. Im Hin­blick dar­auf stel­le ein Haus­ver­bot re­gelmäßig ei­ne Be­hin­de­rung der Be­triebs­ratstätig­keit dar. Das schließe al­ler­dings ein Haus­ver­bot nicht schlecht­hin aus. Bei gra­vie­ren­den Pflicht­ver­let­zun­gen kom­me, so­fern mil­de­re Mit­tel nicht genügten, ein Haus­ver­bot in Be­tracht. Auch ein sol­ches Haus­ver­bot dürfe in­des die zur Ausübung des Am­tes er­for­der­li­che An­we­sen­heit nicht um­fas­sen. Vor­lie­gend sei ein Grund
für ein Haus­ver­bot nicht an­satz­wei­se er­kenn­bar. Ei­ne ein­ge­schränk­te, An­we­sen­heits­zei­ten für Be­triebs­ratstätig­keit aus­neh­men­de Auf­recht­er­hal­tung des Haus­ver­bots schei­de vor­lie­gend aus. Da je­des Haus­ver­bot ei­ne Be­hin­de­rung der Be­triebs­ratstätig­keit dar­stel­le und an­de­rer­seits vor­lie­gend kei­ne Gründe für ein Haus­ver­bot ge­ge­ben sei­en, müssen der Be­triebs­rat und der Be­tei­lig­te zu 2) die mit ei­nem ein­ge­schränk­ten Haus­ver­bot ver­bun­de­nen Be­hin­de­run­gen der Be­triebs­ratstätig­keit nicht hin­neh­men. Die Ar­beit­ge­be­rin sei ver­pflich­tet, das Haus­ver­bot auf­zu­he­ben und dem Be­tei­lig­ten zu 2) un­ge­hin­der­ten Zu­tritt zum Be­triebs­gelände zu ge­stat­ten. Aus dem Ver­bot, die Be­triebs­ratstätig­keit durch ein Haus­ver­bot zu be­hin­dern, fol­ge auch das Ver­bot ge­genüber der Ar­beit­ge­be­rin, vom Be­tei­lig­ten zu 2) zu ver­lan­gen, dass die­ser die Er­for­der­lich­keit der Be­triebs­ratstätig­keit nach­wei­se bzw. die ge­plan­te Be­triebs­ratstätig­keit dar­stel­le. Die Er­for­der­lich­keit der Be­triebs­ratstätig­keit sei in § 37 Ab­satz 2 Be­trVG ge­re­gelt. In­so­weit be­ste­he ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum des Be­triebs­rats­mit­glieds. Wenn ei­ne Be­triebs­ratstätig­keit er­for­der­lich sei, bedürfe sie kei­ner Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers. Es rei­che, wenn das Be­triebs­rats­mit­glied dem Ar­beit­ge­ber oh­ne nähe­re Spe­zi­fi­zie­rung der be­ab­sich­tig­ten Tätig­keit all­ge­mein mit­tei­le, dass er be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Auf­ga­ben wahr­neh­men wol­le. Ei­ne kon­kre­te und sei es auch nur stich­wort­ar­ti­ge Um­schrei­bung der be­ab­sich­tig­ten Be­triebs­ratstätig­keit dürfe der Ar­beit­ge­ber vom Be­triebs­rats­mit­glied nicht ver­lan­gen.
Ge­gen den Be­schluss vom 16. Ju­li 2009 hat die Ar­beit­ge­be­rin mit Schrift­satz vom 14. Au­gust 2009, der beim Lan­des­ar­beits­ge­richt München am 17. Au­gust 2009 ein­ge­gan­gen ist, Be­schwer­de ein­ge­legt.
Zur Be­gründung ih­rer Be­schwer­de trägt sie vor, ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts lägen Be­hin­de­run­gen des Be­tei­lig­ten zu 2) bei der Ausübung sei­ner Tätig­keit als Be­triebs­rats­mit­glied durch das mit Schrei­ben vom 26.05.2009 aus­ge­spro­che­ne Haus­ver­bot nicht vor. Ein Verfügungs­an­spruch be­ste­he da­her nicht. Ein Ver­s­toß ge­gen das Be­hin­de­rungs­ver­bot lie­ge nicht vor, weil das Haus­ver­bot ge­ra­de für die Fälle von er­for­der­li­cher Be­triebs­ratstätig­keit nicht gel­te. Der Be­tei­lig­te zu 2) ha­be al­so un­ein­ge­schränk­ten Zu­tritt zum Be­triebs­gelände und den Be­triebsstätten, so­weit dies für sei­ne Be­triebs­rats­ar­beit er­for­der­lich sei. Nach An­sicht der 9. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts München (Be­schluss vom 28. Sep­tem­ber 2005, Az.: 9 TaBV 58/05) bedürfe es ei­ner ge­ne­rel­len Auf­he­bung ei­nes Haus­ver­bots dann nicht, wenn si­cher­ge­stellt sei, dass der Zu­tritt des be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mers zum Be­triebs­gelände in sei­ner
Ei­gen­schaft als Be­triebs­rats­mit­glied zur Ausübung von er­for­der­li­cher Be­triebs­ratstätig­keit nicht ver­wehrt sei. Der Ar­beit­ge­ber könne dem Ar­beit­neh­mer den Zu­tritt zum Be­trieb un­ter­sa­gen und zwar ins­be­son­de­re dann, wenn der be­tref­fen­de Ar­beit­neh­mer von der Pflicht zur Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt sei. Nicht un­ter­sa­gen könne er da­ge­gen den Zu­tritt in sei­ner Ei­gen­schaft als Be­triebs­rats­mit­glied zur Ausübung er­for­der­li­cher Be­triebs­ratstätig­keit. Nach­dem die Ar­beit­ge­be­rin den Be­tei­lig­ten zur 2) mit Schrei­ben vom 07.04.2009 frei­ge­stellt ha­be, sei sie be­fugt, im Rah­men ih­res Haus­rechts dem Be­tei­lig­ten zu 2) als Ar­beit­neh­mer den Zu­tritt zum Be­triebs­gelände zu un­ter­sa­gen. Zur Ausübung die­ses Haus­rechts bedürfe es kei­ner Be­gründung. Auf­grund sei­ner Frei­stel­lung ha­be der frei­ge­stell­te Ar­beit­neh­mer auch kein schutzwürdi­ges In­ter­es­se da­hin­ge­hend, wei­ter­hin im Be­trieb an­we­send zu sein. Im Übri­gen sei zu berück­sich­ti­gen, dass der Vergütungs­an­spruch oh­ne­hin wei­ter be­ste­he.
Die Ar­beit­ge­be­rin trägt wei­ter vor, der An­trag Zif­fer III. sei eben­falls un­be­gründet. Die Ein­hal­tung des Haus­ver­bots müsse nämlich vom Ar­beit­ge­ber kon­trol­liert wer­den können. Der Ar­beit­ge­ber müsse die Möglich­keit ha­ben zu er­ken­nen und zu dif­fe­ren­zie­ren, wo­durch die An­we­sen­heit des frei­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers be­dingt ist. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt München ha­be in sei­ner zi­tier­ten Ent­schei­dung das Be­triebs­rats­mit­glied da­zu ver­pflich­tet, dem Ar­beit­ge­ber vor­her mit­zu­tei­len, wenn er sei­nen Zu­tritt oder sein Ver­blei­ben im Be­trieb für er­for­der­lich hal­te, und den Grund hierfür sum­ma­risch an­zu­ge­ben.
Die Ar­beit­ge­be­rin be­an­tragt
den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts München vom 16. Ju­li 2009, Az.: 32 BV­Ga 30/09, da­hin­ge­hend ab­zuändern, dass sämt­li­che Anträge zurück­ge­wie­sen wer­den.
Der Be­triebs­rat und der Be­tei­lig­te zu 2) be­an­tra­gen,
die Be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin zurück­zu­wei­sen.
Zur Be­gründung führen sie aus, die Ar­beit­ge­be­rin ha­be zu Be­ginn des Ver­fah­rens kei­nen Grund für das Haus­ver­bot ge­nannt. Erst im Ver­lauf des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens sei geäußert wor­den, der Be­tei­lig­te zu 2) ha­be die be­trieb­li­chen Abläufe gestört. Erst im Ter­min des Haupt­sa­che­ver­fah­rens ha­be ei­ne Pro­zess­ver­tre­te­rin der Ar­beit­ge­be­rin erklärt,
dass kei­ne Gründe für den Aus­spruch des Haus­ver­bo­tes vorlägen. Das Haus­ver­bot sei gleich­wohl be­gründet, weil der Ar­beit­ge­ber je­der­zeit auch grund­los von sei­nem Haus­ver­bot Ge­brauch ma­chen könne. Die Ar­beit­ge­be­rin ver­ken­ne, dass die von ihr zi­tier­te Ent­schei­dung des LAG München auf ei­nem an­de­ren Sach­ver­halt be­ruht ha­be. In dem dort ent­schie­de­nen Fall sei das Ver­trau­ens­verhält­nis be­reits nach­hal­tig gestört ge­we­sen. Die 9. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts ha­be si­cher nicht die Ab­sicht ge­habt, mit ih­rer Ent­schei­dung dem Ar­beit­ge­ber die Möglich­keit zu schaf­fen, grund­los Haus­ver­bo­te ge­genüber Be­triebs­rats­mit­glie­dern aus­zu­spre­chen.
Hin­sicht­lich des wei­te­ren Er­geb­nis­ses der Anhörung wird auf die von den Be­tei­lig­ten ge­wech­sel­ten Schriftsätze ergänzend Be­zug ge­nom­men.
Die Be­schwer­de ist zulässig, je­doch un­be­gründet.
Das Ar­beits­ge­recht hat zu­tref­fend und mit zu­tref­fen­der Be­gründung den Verfügungs­anträgen statt­ge­ge­ben.
Zum Be­schwer­de­vor­brin­gen wird be­merkt:
Das Be­schwer­de­ge­richt schließt sich der Be­ur­tei­lung des Ar­beits­ge­richts an, das im Ver­fah­ren des vorläufi­gen Rechts­schut­zes der Ar­beit­ge­be­rin auf­er­legt hat, dem Be­tei­lig­ten un­ge­hin­der­ten Zu­tritt zu den Be­triebsräum­en zu gewähren. Die Gewährung un­ge­hin­der­ten Zu­tritts um­sch­ließt den Ver­zicht auf das Ver­lan­gen fall­be­zo­ge­ner Kom­mu­ni­ka­ti­on über die Tat­sa­che der Wahr­neh­mung er­for­der­li­cher Be­triebs­ratstätig­keit. Auch dies ist vom Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend kon­sta­tiert wor­den.
1. Der Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung ist gemäß § 85 Abs. 2 ArbGG auch in
An­ge­le­gen­hei­ten zulässig, über die im Be­schluss­ver­fah­ren zu ent­schei­den ist, wo­bei sich das Ver­fah­ren nach den Vor­schrif­ten der §§ 916 ff. ZPO rich­tet. Der einst­wei­li­ge Rechts­schutz dient da­bei vor al­lem der Si­che­rung ei­nes An­spruchs oder der vorläufi­gen
Re­ge­lung ei­nes Rechts­verhält­nis­ses (§§ 935, 940 ZPO). Darüber hin­aus kommt auch der Er­lass ei­ner so ge­nann­ten Leis­tungs­verfügung in Be­tracht, durch die der gel­tend ge­mach­te An­spruch nicht nur ge­si­chert, son­dern be­reits be­frie­digt wird. Sie ist im­mer dann zu­zu­las­sen, wenn dies zur Ab­wen­dung we­sent­li­cher Nach­tei­le un­umgäng­lich ist, was auf­grund ei­ner um­fas­sen­den Abwägung der Umstände des Ein­zel­falls fest­ge­stellt wer­den muss. Da­bei ist zum ei­nen zu berück­sich­ti­gen, wie ge­wiss der Be­stand des gel­tend ge­mach­ten An­spruchs ist. Zum an­de­ren muss be­ur­teilt wer­den, ob und ggf. in­wie­weit es dem An­trag­stel­ler zu­ge­mu­tet wer­den kann, den An­spruch in ei­nem Haupt­sa­che­ver­fah­ren zu ver­fol­gen.
Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze ist die Be­schwer­de­kam­mer in Übe­rein­stim­mung mit dem Ar­beits­ge­richt zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass die in ih­rer Ge­samt­heit auf ei­nen zeit­lich nicht be­schränk­ten oder durch Mit­tei­lungs­pflich­ten ein­ge­grenz­ten Zu­tritt ge­rich­te­ten Anträge des Be­triebs­rats und des Be­tei­lig­ten zu 2) be­gründet sind.
2. Wie das Ar­beits­ge­richt im Ein­zel­nen zu­tref­fend erläutert hat, dürfen die Mit­glie­der des Be­triebs­rats gemäß § 78 Be­trVG bei der Ausübung ih­rer Be­triebs­ratstätig­keit nicht be­hin­dert wer­den. Da die Auf­ga­ben des Be­triebs­rats re­gelmäßig im Be­trieb zu er­le­di­gen sind, folgt aus dem Recht auf un­gestörte Amts­ausübung auch ein Recht auf Zu­tritt zum Be­trieb. Die­ses Recht ist nicht auf be­stimm­te Zei­ten be­schränkt. Viel­mehr kann ei­ne Tätig­keit des Be­triebs­rats zu je­der Zeit im Be­trieb er­for­der­lich wer­den. Die Be­triebs­rats­mit­glie­der müssen des­halb auch je­der­zeit die Möglich­keit ha­ben, den Be­trieb zur Durchführung ih­rer ge­setz­li­chen Auf­ga­ben zu be­tre­ten. Das Zu­gangs­recht ist aus­sch­ließlich an die Mit­glied­schaft im Be­triebs­rat ge­bun­den. Es wird we­der von ei­ner in­di­vi­du­al­recht­li­chen Frei­stel­lung von der Ar­beit noch von der Ab­sicht des Ar­beit­ge­bers berührt, das Ar­beits­verhält­nis des Be­triebs­rats­mit­glieds zu be­en­den (LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 2. Sep­tem­ber 2009, Az.: 17 TaBV­Ga 1372/09 zit. n. Ju­ris). So­weit in­di­vi­du­al­recht­lich ei­ne Ver­pflich­tung des Be­triebs­rats­mit­glieds an­er­kannt ist, sich beim Ver­las­sen des Ar­beits­plat­zes zur Wahr­neh­mung be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Auf­ga­ben ab­zu­mel­den und sich nach Be­en­di­gung die­ser Tätig­keit wie­der zurück­zu­mel­den, dient dies der sich aus dem Ar­beits­ver­trag er­ge­ben­den Ver­pflich­tung, es dem Ar­beit­ge­ber zu ermögli­chen, von der Dau­er der Ab­we­sen­heit Kennt­nis zu er­lan­gen und ihn in die La­ge zu ver­set­zen, in­halt­li­che Dis­po­si­tio­nen zu tref­fen. Ei­ne sol­che Ver­pflich­tung ist je­doch nicht durch den Zweck ge­recht­fer­tigt zu kon­trol­lie­ren, ob das Be­triebs­rats­mit­glied von sei­nem Be­ur­tei­lungs­spiel­raum in rich­ti­ger Wei­se Ge­brauch
ge­macht hat. Letz­te­res würde das Be­triebs­rats­mit­glied ei­nem mit dem Be­hin­de­rungs­ver­bot nicht ver­ein­ba­ren Recht­fer­ti­gungs­zwang aus­set­zen (Fit­ting u.a., 24. Auf­la­ge, § 37, Rz. 50-53).
Der Be­tei­lig­te zu 2) hat da­nach ein zeit­lich nicht be­schränk­tes Recht, den Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin zur Durchführung von Auf­ga­ben des Be­triebs­rats zu be­tre­ten, oh­ne der Ar­beit­ge­be­rin hier­von un­ter An­ga­be der Art der wahr­zu­neh­men­den Auf­ga­be Mel­dung ma­chen zu müssen. Er ist nach wie vor Mit­glied des Be­triebs­rats. Dass die aus­ge­spro­che­ne be­triebs­be­ding­te Ar­beit­ge­berkündi­gung hier­an et­was ändert oder geändert ha­be, be­haup­tet auch die Ar­beit­ge­be­rin nicht. Aber auch die Tat­sa­che, dass die Ar­beit­ge­be­rin den Be­tei­lig­ten zu 2) von der Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung ent­bun­den hat, ist für sein Zu­tritts­recht oh­ne Be­lang. Die Frei­stel­lung spricht so­gar ge­gen die von der Ar­beit­ge­be­rin dem Be­tei­lig­ten zu 2) auf­er­leg­te An­zei­ge­pflicht. Im lau­fen­den Ar­beits­verhält­nis folgt die Recht­fer­ti­gung ei­ner Mel­de­pflicht des nicht frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glieds aus der Tat­sa­che, dass der Ar­beit­ge­ber die Möglich­keit ha­ben muss, über die Ar­beits­kraft des Be­triebs­rats­mit­glieds zu dis­po­nie­ren. Die­se Not­wen­dig­keit entfällt, nach­dem die Ar­beit­ge­be­rin den Be­tei­lig­ten zu 2) von sei­ner Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt hat und da­mit aus­drück­lich auf ei­ne Dis­po­si­ti­on über sei­ne Ar­beits­kraft ver­zich­tet hat. Auch die von der Ar­beit­ge­be­rin pos­tu­lier­te Kon­troll­not­wen­dig­keit kann die An­zei­ge­pflicht nicht recht­fer­ti­gen. Die Ar­beit­ge­be­rin hat nämlich kei­ner­lei An­halts­punk­te dafür vor­ge­tra­gen, dass der Be­tei­lig­te zu 2) in ir­gend­ei­ner Wei­se die Wahr­neh­mung sei­ner Be­triebs­rats­auf­ga­ben auf dem Be­triebs­gelände da­zu nut­zen wer­de, der Ar­beit­ge­be­rin Scha­den zu­zufügen oder Be­triebs­abläufe zu stören.
Zu die­sen Über­le­gun­gen steht auch nicht die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 28. Sep­tem­ber 2005, a.a.O., in Wi­der­spruch. Bei dem dort ent­schie­de­nen Fall war das Ver­trau­ens­verhält­nis zwi­schen dem Be­triebs­rats­mit­glied und dem Ar­beit­ge­ber be­reits nach­hal­tig gestört. Außer­dem la­gen ein An­trag des Ar­beit­ge­bers auf Er­set­zung der Zu­stim­mung zur be­ab­sich­tig­ten außer­or­dent­li­chen Kündi­gung des Be­triebs­ob­manns so­wie ei­ne Straf­an­zei­ge ge­gen ihn vor. Dies war hin­rei­chen­der An­lass, die Zu­trittsmöglich­keit des Be­triebs­ob­manns auf die Durchführung er­for­der­li­cher Be­triebs­ratstätig­keit zu be­schränken und Re­ge­lungs­me­cha­nis­men vor­zu­se­hen, die es dem Ar­beit­ge­ber ermöglich­ten fest­zu­stel­len, ob der Be­triebs­ob­mann sei­ne An­we­sen­heits­zei­ten auf die Ausübung er­for­der­li­cher Be­triebs­ratstätig­keit be­schränk­te.
Ver­gleich­ba­re Anlässe für ei­ne Be­schränkung des Zu­tritts­rechts sind im vor­lie­gen­den Fall nicht er­sicht­lich.
3. Für die er­las­se­ne einst­wei­li­ge Verfügung be­steht auch ein Verfügungs­grund.
Bei der Gewährung des Zu­trit­tes zum Be­trieb zum Zwe­cke der Ausübung des Be­triebs­rats­am­tes han­delt es sich um ei­ne sog. Be­frie­di­gungs­verfügung (vgl. Wal­ker, der einst­wei­li­ge Rechts­schutz im Zi­vil­pro­zess und im ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren, Rz. 817). An den Verfügungs­grund sind bei ei­ner Be­frie­di­gungs­verfügung grundsätz­lich stren­ge An­for­de­run­gen zu stel­len, da durch sie die Haupt­sa­che zu­min­dest teil­wei­se vor­weg­ge­nom­men wird. Er­for­der­lich ist, dass der An­trag­stel­ler auf die so­for­ti­ge An­spruch­serfüllung an­ge­wie­sen ist (vgl. Wal­ker a. a. O. Rz. 246). Das ist zu be­ja­hen, wenn die nicht so­for­ti­ge Be­frie­di­gung ei­nen - zu­min­dest tem­porären - endgülti­gen Rechts­ver­lust be­deu­tet (vgl. Wal­ker a. a. O. Rz. 247). Ei­ne einst­wei­li­ge Verfügung, die dem An­trag­stel­ler ei­ne Be­frie­di­gung in der Haupt­sa­che ver­schafft und im Ge­gen­zug dem An­trags­geg­ner ei­nen nicht zu er­set­zen­den Nach­teil bringt, darf nur er­ge­hen, wenn die In­ter­es­sen des An­trag­stel­lers ein­deu­tig über­wie­gen (vgl. Wal­ker a.a.O. Rz. 259). Hier­bei ist in ers­ter Li­nie die ob­jek­ti­ve ma­te­ri­el­le Rechts­la­ge zu berück­sich­ti­gen, al­so der zu er­war­ten­de Aus­gang des Haupt­sa­che­ver­fah­rens (vgl. Wal­ker a.a.O. Rz. 261). Je wahr­schein­li­cher ein Ob­sie­gen des An­trag­stel­lers im Haupt­sa­che­ver­fah­ren ist, um­so mehr ge­hen sei­ne In­ter­es­sen de­nen des An­trags­geg­ners vor. Im vor­lie­gen­den Fal­le ist das Zu­tritts­recht des Be­tei­lig­ten zu 2) ge­ge­ben, so­dass von ei­nem Ob­sie­gen des An­trag­stel­lers auch im Haupt­sa­che­ver­fah­ren aus­zu­ge­hen wäre.
Es kann auch we­der dem Be­tei­lig­ten zu 2) noch dem Be­triebs­rat zu­ge­mu­tet wer­den, den An­spruch in ei­nem Haupt­sa­che­ver­fah­ren zu ver­fol­gen. Die Zwangs­voll­stre­ckung fin­det nur aus rechts­kräfti­gen Be­schlüssen des Ar­beits­ge­richts statt (§ 85 Abs. 1 ArbGG). An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass die Ar­beit­ge­be­rin auf ih­rem Stand­punkt nach­hal­tig und un­ter An­dro­hung recht­li­cher Kon­se­quen­zen (Dro­hung mit straf­recht­li­cher Ver­fol­gung bei Zu­wi­der­hand­lung ge­gen das Haus­ver­bot) be­harrt, muss da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Be­triebs­rat so­wie der Be­tei­lig­te zu 2) vor Ab­schluss der Be­schwer­de­instanz in der Haupt­sa­che, min­des­tens aber bis zur Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses am 31.12.2009, sein Zu­tritts­recht nicht durch­set­zen könn­te. Während die­ses Zeit­raums wäre
der An­trag­stel­ler an ei­ner un­ein­ge­schränk­ten Be­triebs­ratstätig­keit ge­hin­dert, oh­ne dass es hierfür ei­ne sach­li­che Recht­fer­ti­gung gibt.
Ei­ne Kos­ten­ent­schei­dung ist nicht ver­an­lasst, § 12 Abs. 5 ArbGG.
Die­se Ent­schei­dung ist nicht an­fecht­bar (§§ 92 Abs. 1 Satz 3 i.V.m. 85 Abs. 2 ArbGG).
Dr. Oben­aus
Hell­mich-Ga­se
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