Source: https://www.wko.at/branchen/information-consulting/versicherungsmakler-berater-versicherungsangelegenheiten/faq-zum-lehrplan-zur-weiterbildung-der-versicherungsmakler.html
Timestamp: 2019-10-20 08:53:47
Document Index: 187719493

Matched Legal Cases: ['§ 137', 'Art. 10', '§ 137', '§ 137', '§ 137', '§ 376', '§ 173', '§ 137', '§ 137']

FAQ zum Lehrplan zur Weiterbildung der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten - WKO.at
FAQ zum Lehrplan zur Weiterbildung der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten
Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten sind zur beruflichen Weiterbildung verpflichtet.
Diese Zusammenfassung der wesentlichsten Fragen und Antworten soll Sie dabei unterstützen. Wenn Sie weitere Fragen haben, können Sie sich selbstverständlich an den Fachverband wenden (ihrversicherungsmakler@wko.at).
Bitte beachten Sie, dass diese Ausführungen die Rechtsmeinung des Fachverbands darstellen und diese Auslegung für Behörden nicht verbindlich ist.
Fragen und Antworten finden Sie zu den Bereichen
Allgemeines und Rechtsgrundlagen,
Inhalte des Weiterbildungslehrplans,
Inhalte der Module sowie die
Bildungsinstitutionen und weitere Anforderungen sowie
1. Wo ist die Weiterbildungsverpflichtung für Versicherungsmakler geregelt?
2. Was bedeutet die Weiterbildungsverpflichtung grundsätzlich?
3. Welche Unterscheidung nimmt die GewO hinsichtlich des zur Weiterbildung verpflichteten Personenkreises vor?
4. Unterliegt ein handelsrechtlicher Geschäftsführer einer OG, der nicht gewerberechtlicher Geschäftsführer ist, der Weiterbildungsverpflichtung, und wenn ja, in welchem Umfang?
5. Gibt es noch Fortbildungspunkte ("Credits")?
6. Haben teilzeitbeschäftigte Mitarbeiter, die an der Versicherungsvermittlung mitwirken, nur eine aliquote Weiterbildungsverpflichtung?
7. Was gilt im Fall der Versicherungsvermittlung in Nebentätigkeit?
8. Ab wann gilt die Verpflichtung zur Weiterbildung?
9. Werden die Pausen während einer Weiterbildungsveranstaltung auf die Weiterbildungsverpflichtung angerechnet?
10. Muss eine Schulung bei der Gewerbebehörde vorab gemeldet werden?
11. Werden Weiterbildungsangebote aller Bildungsinstitutionen angerechnet?
12. Wer hat wie viele Stunden welchen Inhalts zu absolvieren?
13. Wie sind die in Weiterbildungsveranstaltungen zu vermittelnden Inhalte eingeteilt?
14. Was ist Inhalt der einzelnen Module?
15. Was sind "bestimmte unabhängige Bildungsinstitutionen"?
16. Welchen weiteren Anforderungen unterliegen Schulungen?
17. Kontrolliert der Fachverband der Versicherungsmakler, ob eine Schulung den aufgeführten Anforderungen entspricht?
18. Was hat der Makler in der Praxis zu tun?
19. Werden Schulungen, die vom 1.1.2019 bis zum 12.7.2019, also bis zum Inkrafttreten des Lehrplanes absolviert wurden, angerechnet?
Allgemeines & Rechtsgrundlagen
In § 137b Abs. 3 und 3a GewO, diese beruhen auf Art. 10 der IDD (Versicherungsvertriebsrichtlinie). Darauf aufbauend hat der Fachverband der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten einen Lehrplan erlassen.
Gemäß GewO sind Gewerbeinhaber und Leitungsorgane und Mitarbeiter, die an der Versicherungsvermittlung beteiligt sind, zur Weiterbildung im Ausmaß von 15 Stunden verpflichtet.
Einzelunternehmern sowie Personen in Leitungsorganen von Gesellschaften (z. B. GmbH-Geschäftsführer), die für die Versicherungsvermittlung maßgeblich verantwortlich sind (§ 137b Abs. 1 erster und zweiter Satz GewO)
direkt bei der Versicherungsvermittlung mitwirkenden Beschäftigten (§ 137b Abs. 1 dritter Satz bzw. § 137b Abs. 2 GewO).
Dazu können auch Mitglieder eines Leitungsorgans zählen, wie etwa einzelne von mehreren handelsrechtliche Geschäftsführer, wenn sie nicht maßgeblich für die Versicherungsvermittlung verantwortlich sind.
Bei einer OG ist grundsätzlich davon auszugehen, dass alle Gesellschafter maßgeblich verantwortlich sind – daher unterliegen sie grundsätzlich den selben Bestimmungen wie Einzelunternehmer sowie allgemein Personen in Leitungsorganen von Gesellschaften. In größeren Unternehmen mit mehreren Gewerbeberechtigungen kann die Verantwortung anders verteilt sein: wenn ein Mitglied des Leitungsorgans eines Unternehmens für die Versicherungsvermittlung nicht maßgeblich verantwortlich ist, aber an der Vermittlung mitwirkt, gelten wiederum die Regeln für die an der Versicherungsvermittlung mitwirkenden Beschäftigten.
Wie bereits erwähnt, haben alle weiterbildungsverpflichteten Personen Schulungen im Ausmaß von mindestens 15 Stunden pro Jahr zu absolvieren. Das heißt, dass im Gegensatz zum Regime der bisherigen freiwilligen Weiterbildung, demgemäß man Fortbildungspunkte erhielt, nun nur Nettostunden zählen, es gibt keine Fortbildungspunkte mehr.
Nein, dies lässt sich weder aus der diesbezüglichen Regelung der IDD, noch aus der GewO herauslesen. Daher haben auch teilzeitbeschäftigte Mitarbeiter, die an der Versicherungsvermittlung mitwirken, die Weiterbildungsverpflichtung gänzlich zu erfüllen.
Hier sind mindestens 5 Stunden Weiterbildung verpflichtend.
Abzustellen ist dabei auf das Kalenderjahr (erstmals ab 1.1.2019, § 376 Z 18 Abs. 10 GewO), die Verpflichtung zur Weiterbildung besteht ab dem der Eintragung in das GISA nächstfolgende Kalenderjahr (§ 173b Abs. 3 GewO).
Nein, bei der Erfüllung der quantitativen Anforderungen an die Weiterbildungsverpflichtung ist zu berücksichtigen, dass die reine Schulungszeit heranzuziehen ist. Allfällige Pausen im Laufe eines Schulungstages sind daher in Abzug zu bringen.
Dauert eine Schulung von 09:00 bis 17:00 Uhr (= 8 "brutto"-Stunden) und sind darin je eine halbstündige Vormittags- und Nachmittagspause sowie eine einstündige Mittagspause inkludiert, errechnen sich daraus 6 "netto"-Schulungsstunden, die zur verpflichtenden Weiterbildung zählen.
Nein, das ist nicht notwendig. Die abgehaltenen Schulungen sind jedoch zu dokumentieren, die entsprechenden Schulungsnachweise (Seminarbestätigungen u.dgl.) sind am Gewerbestandort zumindest 5 Jahre zur jederzeitigen Einsichtnahme durch die Behörde bereitzuhalten.
Nach § 137b Abs. 3a GewO haben die zuständigen Fachorganisationen der WKÖ Weiterbildungslehrpläne zu erstellen und – nach entsprechender Bestätigung durch das Wirtschaftsministerium – zu veröffentlichen. In diesen Lehrplänen ist der unterschiedliche Personenkreis (Einzelunternehmer & Personen in Leitungsorganen von Gesellschaften einerseits; Beschäftigte andererseits) zu berücksichtigen.
Einzelunternehmer & Personen in Leitungsorganen von Gesellschaften: Für sie gilt, dass ein Teil der Weiterbildungsverpflichtung nur bei bestimmten unabhängigen Bildungsinstitutionen durchgeführt werden kann.
Zur Weiterbildung verpflichtete Mitarbeiter: Sie dürfen auch bei "abhängigen" Anbietern (z. B. Versicherungsunternehmen) geschult werden, können sich aber auch einer (teilweisen oder gänzlichen) internen Weiterbildung unterziehen.
Die Inhalte des Weiterbildungslehrplans im Überblick:
Vorschriften für Einzelunternehmer sowie Personen in Leitungsorganen von Gesellschaften:
Für die Absolvierung der 15 Stunden gelten folgende Vorgaben:
mind. 5 Stunden aus Modul 1
mind. 5 Stunden aus Modul 2
mind. 10 Stunden bei geeigneten, unabhängigen Bildungsinstituten
"vereinfachtes Lernen" in ausgewogenem Verhältnis zu Präsenzveranstaltungen
Vorschriften für an der Vermittlung mitwirkende Beschäftigte:
Inhalte aus den Modulen 1 oder 2, je nach Art der wahrgenommenen Aufgaben
interne Schulung möglich
"vereinfachtes Lernen" möglich
Vorschriften bei Nebentätigkeit:
5 Stunden aus Modul 1 oder 2
Leitungsorgane und Gewerbetreibende absolvieren mind. 2,5 Stunden bei geeigneten, unabhängigen Bildungsinstituten
"vereinfachtes Lernen" in ausgewogenem Verhältnis zu Präsenzveranstaltungen (Leitungsorgane) oder unbegrenzt möglich (Mitarbeiter)
interne Schulung für Mitarbeiter möglich
Die Inhalte der Module:
Das Modul 1 steht unter dem Thema "Rechtskompetenz und Berufsrecht", Modul 2 unter dem Thema "Fach- und Spartenkompetenz".
Es wurden bewusst 2 Module vorgesehen, um die Auswahlmöglichkeit und die praktische Abwicklung so einfach wie möglich zu halten. Gleichzeitig kann der Gewerbetreibende / das Leitungsorgan auf spezifische Erfordernisse seines Geschäftsbetriebes Rücksicht nehmen, ohne ein Grundwissen über aktuelle Entwicklungen auch in anderen Bereichen zu vernachlässigen.
Modul1: Rechtskompetenz und Berufsrecht
Versicherungsvertragsrecht, inklusive
– Verbraucherschutzrecht
– Gesetze zur Bekämpfung der Geldwäsche
– Steuergesetze
– Arbeits- und Sozialgesetze
Allgemeines Privatrecht, inklusive
– Mindestkenntnisse des Versicherungsmarktes
Gewerberecht inklusive Standes- und Ausübungsregeln
Sozialversicherungsrecht, inklusive
– Mindestkenntnisse der Organisation und der Leistungen, die durch das Rentensystem garantiert sind
Berufsethik und Beschwerdemanagement, inklusive
– Mindestkenntnisse der ethischen Standards im Geschäftsleben
– Mindestkenntnisse der Bearbeitung von Beschwerden
Modul 2: Fach- und Spartenkonferenz
Versicherungsanlageprodukte, inklusive
– Mindestkenntnisse der Vorzüge und Nachteile verschiedener Anlageoptionen für Versicherungsnehmer
– erforderliche Mindestkenntnisse der finanziellen Risiken, die die Versicherungsnehmer tragen
Rück- und Mitversicherung
Polizzenprüfung, inklusive
– Mindestkenntnisse von Versicherungsanlageprodukten, einschließlich Vertragsbedingungen, Nettoprämien und gegebenenfalls garantierter und nicht garantierter Leistungen
– Mindestkenntnisse der Policen, die Lebensrisiken abdecken und anderer Sparprodukten
– Mindestkenntnisse der Policen, einschließlich Vertragsbedingungen, garantierter Leistungen und gegebenenfalls Nebenrisiken
Schadenabwicklung, inklusive
– Mindestkenntnisse der Bearbeitung von Schadensfällen
Qualitätsmanagement, inklusive
– Mindestkenntnisse der Einschätzung der Bedürfnisse der Kunden
–Mindestkenntnisse des Versicherungsmarktes, des Marktes für Sparprodukte und anderer relevanter Märkte für Finanzdienstleistungen
– Mindestfinanzkompetenz
– Umgang mit Interessenskonflikten
Die Bildungsinstitutionen und weitere Anforderungen:
§ 137b Abs. 3a GewO normiert, dass Einzelunternehmer sowie Personen in Leitungsorganen von Gesellschaften zumindest die Hälfte der Weiterbildungsverpflichtung bei bestimmten unabhängigen Bildungsinstitutionen absolvieren müssen. Nachdem die GewO dazu keine weiteren Ausführungen enthält, hat der Weiterbildungslehrplan hat eine Konkretisierung dieser Begrifflichkeiten ("bestimmte unabhängige" Bildungsinstitutionen) vorzunehmen.
Was die Unabhängigkeit des Bildungsinstitutes anbelangt, bestimmt der Lehrplan, dass diese dann vorliegt, wenn an der Bildungsinstitution kein Versicherungsunternehmen oder dessen Mutter- oder Tochterunternehmen eine Beteiligung an den Stimmrechten oder am Kapital der Bildungsinstitution hält oder keinen wesentlichen Einfluss auf die Inhalte der facheinschlägigen Bildungsangebote ausübt.
Wie erwähnt, ist dem Gesetzeswortlaut zufolge nicht jedes unabhängige Bildungsinstitut geeignet, sondern bloß "bestimmte", sodass der Lehrplan Kriterien vorsehen muss, nach denen sich die Eignung eines Bildungsinstitutes (als "bestimmtes unabhängiges") bemisst. Die Kriterien, die der Lehrplan dazu aufstellt, orientieren sich insb. an der Gewährleistung hinreichender Qualifikation der Bildungseinrichtung.
Demnach ist als Eignung erforderlich, dass das Bildungsinstitut eine der nachstehenden Punkte erfüllt:
einschlägige Fachorganisation (FV/FG Versicherungsmakler; BG/LG Versicherungsagenten; FV/FG Finanzdienstleister – soweit fachlich zur Leben- oder Unfallversicherung gehörig bzw. für Leasingunternehmen in Nebentätigkeit);
Gütesiegel einer vom Fachverband betrauten Einrichtung der beruflichen Aus- und Weiterbildung mit langjähriger Erfahrung: Als solche Einrichtung wurde vom Fachverband das Institut für Bildungswirtschaft (ibw) betraut.
Zertifizierung nach Ö-Cert;
Universität, Fachhochschule, Privatuniversität.
Sie müssen facheinschlägig sein, sie haben den speziellen Anforderungen der Versicherungsmakler Rechnung zu tragen. Absatzorientierte Produktinformation, das Selbststudium von einschlägiger Fachliteratur sowie eigene Vortragstätigkeiten sind nicht zur Erfüllung der Weiterbildungsverpflichtung geeignet!
Nein, dazu ist der Fachverband nicht befugt. Ob eine Schulung angerechnet wird, obliegt schlussendlich der Gewerbebehörde.
Diese wird sich bei der Prüfung an den im Anhang I der IDD bzw. Anlage 9 der Gewerbeordnung genannten Inhalten zu orientieren haben. Sie finden sich thematisch in den beiden Modulen 1 und 2 des Lehrplanes wieder.
Weiterbildungsverpflichtung einhalten
Weiterbildungen der Mitarbeiter organisieren; dabei darauf achten, dass die vom Beschäftigten wahrgenommenen Aufgaben hinreichend Berücksichtigung finden
Dokumentation der absolvierten Schulungen (auch für die Mitarbeiter)
(Weder die GewO noch der Lehrplan schreiben eine bestimmte Art der Dokumentation vor; es können daher analoge Ablagen und/oder elektronische Archive verwendet werden.)
Archivieren Sie nicht nur die Schulungsnachweise, die Sie von den Bildungsanbietern zur Verfügung gestellt bekommen; legen Sie z. B. eine Excel-Tabelle an, in die Sie sämtliche Schulungen eintragen. Dies erleichtert die Vorlage bzw. den Nachweis bei Prüfungen durch die Gewerbebehörden.
Archivierung der Schulungsnachweise/-übersichten für zumindest 5 Jahre am Standort des Gewerbes.
Im Fall einer Prüfung durch die Gewerbebehörden sind die Unterlagen vorzulegen.
Überprüfung der DSGVO-Datenverarbeitungsverzeichnisse. Im Hinblick auf die gesetzliche Aufbewahrungsfrist der Schulungsdokumente von 5 Jahren sind evtl. die Datenverarbeitungsverzeichnisse zu adaptieren.
Nach mündlicher Auskunft des BMDW gelten solche Schulungen als geeignete Schulungen, wenn sich die Lerninhalte mit den Inhalten der Anlage 9 der GewO (somit der Module 1 oder 2 des Lehrplans) decken und sollten daher angerechnet werden.
Fachschulungen der Fachgruppen der Versicherungsmakler