Source: https://www.paychex.de/news-liste/400-euro-jobs-und-zusatzliche-arbeitgeberleistungen.html
Timestamp: 2018-02-21 09:22:04
Document Index: 51861033

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 3', '§ 1', '§ 1', '§ 8', '§ 1', '§ 9', '§ 3']

400-Euro-Jobs und zusätzliche Leistungen | Paychex
400-Euro-Jobs sind an ein regelmäßiges Arbeitsentgelt gebunden, das max. 400 €uro betragen darf. Es gibt aber diverse steuerfreie, zusätzliche Leistungen, die ein Arbeitgeber nutzen kann, um einen 400-Euro-Job auch für den Arbeitnehmer attraktiver zu gestalten. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie diese Leistungen aussehen und wie sich deren Abrechnung darstellt.
Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung liegt vor, wenn das Arbeitsentgelt regelmäßig höchstens 400 € im Monat beträgt (§ 8 Abs. 1 Nr. 1 SGB IV). Dabei sind einmalig gezahlte Arbeitsentgelte wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld dem regelmäßig monatlichen Arbeitsentgelt anteilig hinzuzurechnen und können so schnell zu einem sozialversicherungspflichtigen Job führen. Was viele nicht wissen: Auch Arbeitnehmer in einem 400-Euro-Job können zusätzlich steuerfreie Zahlungen und pauschal besteuerte Leistungen des Arbeitgebers erhalten, die bei der Prüfung und Beurteilung der Arbeitsentgeltgrenze für eine geringfügig entlohnte Beschäftigung nicht berücksichtigt werden. Durch diese zusätzlichen Leistungen des Arbeitgebers können in verschiedenen Branchen, z.B. auch in der Gastronomie, 400-Euro-Jobs attraktiver gestaltet werden.
Bei der Prüfung der 400-Euro-Grenze werden beispielsweise nicht berücksichtigt:
• steuerfreie Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit
• Rabattfreibetrag in Höhe von jährlich 1.080 €
• zusätzlich gewährte Fahrtkostenzuschüsse für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, die der Arbeitgeber pauschal mit 15% versteuert
• Aufwendungen des Arbeitgebers für die Gesundheitsförderung in Höhe von jährlich 500 €
Neben dem Arbeitsentgelt von 400 € können zusätzlich Zuschläge für tatsächlich geleistete Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit gezahlt werden, die folgende Zuschlagssätze des Grundlohns nicht übersteigen dürfen (§ 3b EStG):
Sonntagsarbeit von 0 Uhr bis 24 Uhr 50% Als Sonn- und Feiertagsarbeit gilt auch die Arbeitszeit von 0 Uhr bis 4 Uhr des auf den Sonn- oder Feiertag folgenden Tages, wenn die Arbeit vor 0 Uhr aufgenommen wurde.
Arbeit an gesetzlichen Feiertagen von 0 Uhr bis 24 Uhr am 31. Dezember ab 14 Uhr 125%
am 24. Dezember ab 14 Uhr sowie am 25. und 26. Dezember und am 1. Mai 150%
Nachtarbeit von 20 Uhr bis 6 Uhr 25% —
von 0 Uhr bis 4 Uhr 40% Die Arbeit muss vor 0 Uhr aufgenommen worden sein.
Hinweis: Sonntag, Feiertag- und Nacht-Zuschläge sind dem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsentgelt hinzuzrechnen, soweit das Arbeitsentgelt, auf dem sie berechnet werden, mehr als 25 € pro Stunde beträgt (§ 1 Abs. 1 Nr. 1 SvEV).
Eine Kaltmamsell arbeitet in einem Restaurant monatlich 40 Stunden mit einem Stundenlohn von 10€. Für Sonntagsarbeit wird ein Zuschlag von 50 %, für Feiertagsarbeit ein Zuschlag von 90 % und für Nachtarbeit ein Zuschlag von 25 % vereinbart. Im Juni 2010 Arbeitet sie an jedem Samstag und Sonntag in der Zeit von 17 Uhr bis 22 Uhr. Es werden folgende Stunden abgerechnet:
40 Stunden Arbeit mit 10€/Std. 400,00€
Zuschlag für Sonntagsarbeit 20 Stunden x 10€/Std. x 50% 100,00€
Zuschlag für Nachtarbeit (nach 20 Uhr) 16 Stunden x 10€/Std. x 25 % 40,00€
Die Kaltmamsell erhält für Juni 2010 insgesamt 540,00 €. Die steuerfreien Zuschläge werden jedoch nicht bei der 400-Euro-Grenze berücksichtigt.
Wird kein Stundenlohn, sondern eine monatliche Vergütung vereinbart, ist für die Bestimmung der Zuschläge der monatliche Arbeitslohn von 400 € in einen Stundengrundlohn umzurechnen. Dabei ist die regelmäßige individuelle Wochenarbeitszeit des Arbeitnehmers mit dem Faktor 4,35 zu multiplizieren.
Ein Barkeeper arbeitet wöchentlich 10 Stunden und erhält dafür monatlich 400 €. Der Stundengrundlohn, der für die Ermittlung der SFN-Zuschläge maßgebend ist, beträgt dann:
400 € : (4,35 x 10 Std.) = 9,20 €.
Die steuerfreien Zuschläge sind im Lohnkonto des Arbeitnehmers dem Betrag nach gesondert auszuweisen. Außerdem muss auch überprüft werden können, ob die Voraussetzungen für die Steuerfreiheit der gezahlten Zuschläge vorgelegen haben. Dazu gehört die Erfassung von Datum, Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden und Uhrzeit. In welcher Form diese Aufzeichnung erfolgt, ist dem Arbeitgeber überlassen. In der Praxis ist es üblich, diese Daten in Stundenzetteln zu erfassen.
Im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung sind Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit stets dem Arbeitsentgelt hinzuzurechnen (§ 1 Abs. 2 SvEV).
Da in der Gastronomie die Mahlzeiten vorrangig für Gäste angeboten werden, kann der Rabattfreibetrag von 1.080 € (§ 8 Abs. 3 EStG) auch für die dort Beschäftigten genutzt werden, wenn sie sich aus der Speisekarte Mahlzeiten frei auswählen können.
Der anzusetzende Wert für die Mahlzeiten ist aus den Preisen laut Speisekarte zu ermitteln. Auch bei diesen Sachbezügen ist ein Bewertungsabschlag von 4% vorzunehmen. Dabei kann für Beschäftigte in einem 400-Euro-Job der Rabattfreibetrag voll ausgenutzt werden, d.h. der Wert der Mahlzeiten darf insgesamt höchstens 1.125 € betragen (96% x 1.125 € = 1.080 €).
Eine Serviererin arbeitet nur in der Saison an wöchentlich drei Tagen in einem Restaurant und erhält dort kostenlose Mahlzeiten, die sie aus der Speisekarte des Restaurants frei wählen kann.
Gesamtpreis der arbeitstäglichen Mahlzeiten lt. Speisekarte 918,00 €
./. Abschlag von 4 % 36,72 €
= anzusetzender Wert für Mahlzeiten 881,28 €
Diese Sachbezüge sind im Lohnkonto aufzuzeichnen, auch wenn sie aufgrund des Rabattfreibetrags steuerfrei bleiben. Sie werden nicht auf das Arbeitsentgelt für die geringfügig entlohnte Beschäftigung angerechnet.
Die Arbeitnehmer können den jährlichen Rabattfreibetrag bei jedem Dienstverhältnis in voller Höhe in Anspruch nehmen, unabhängig davon, ob es sich um ein normales Arbeitsverhältnis handelt oder um eine Teilzeit- oder Aushilfsbeschäftigung.
Pauschal besteuerte Fahrtkostenzuschüsse
Gewährt der Arbeitgeber zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn Zuschüsse für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte und versteuert sie pauschal mit 15%, sind diese Zuschüsse nicht dem sozialversicherungsrechtlichen Arbeitsentgelt hinzuzurechnen (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 SvEV) und bleiben somit auch bei der Prüfung der 400-Euro-Grenze unberücksichtigt.
Bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel kann ein pauschal besteuerter Zuschuss bis zur Höhe der tatsächlichen Aufwendungen des Arbeitnehmers gewährt werden, höchstens jedoch bis zur abziehbaren Entfernungspauschale von 0,30 € je Entfernungskilometer (§ 9 Abs. 2 EStG). Da in 400-Euro-Jobs Beschäftigte oftmals nicht an allen Arbeitstagen eingesetzt werden, ist dann auch aufzuzeichnen, an wie vielen Tagen im Monat Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte angefallen sind.
Eine Beiköchin arbeitet an 10 Tagen im Monat in einem Restaurant und erhält 400 € monatlich. Zur Arbeit fährt sie mit dem PKW. Die einfache Entfernung zwischen Wohnung und Restaurant beträgt 26 km.
Als pauschal besteuerter monatlichen Fahrtkostenzuschuss kann zusätzlich zum Arbeitsentgelt (400 €) gewährt werden.
26 km x 0,30 €/km x 10 Arbeitstage = 78 €
Besonders zu beachten ist, dass die Pauschsteuer in Höhe 2% (von 400 € = 8 €) gemeinsam mit den Arbeitgeberbeiträgen zur KV (13%) und RV (15%) an die Minijobzentrale zu entrichten sind, während die Pauschallohnsteuer in Höhe von 15% (von 78 € = 11,70 €) zzgl. PSolZ und PKiSt mit der Lohnsteueranmeldung an das Betriebsstättenfinanzamt abzuführen ist.
Arbeitgeberleistungen, die der Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes dienen und zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden, sind (nach § 3 Nr. 34 EStG) bis zu 500 € je Arbeitnehmer und Kalenderjahr steuerfrei und können somit auch geringfügig entlohnten Beschäftigten zugute kommen. Für den Bereich der Gastronomie bietet sich an, den Beschäftigten Leistungen zur Vorbeugung, Reduzierung und zum Ausgleich arbeitsbedingter Belastungen zu gewähren oder durch Barzuschüsse zu finanzieren. Damit können beispielsweise die (nachgewiesene) Teilnahme an einem Rückenschul- oder Yoga- und Pilates-Kurs finanziert oder Massagen zur Linderung arbeitsbedingter Belastungen des Bewegungsapparates angeboten bzw. vom Arbeitgeber bezuschusst werden.
Nicht steuerbefreit ist die Übernahme bzw. Bezuschussung von Mitgliedsbeiträgen an Sportvereine und Fitnessstudios.
Hier finden Sie das Lohn-Update "400-Euro-Jobs in der Gastronomie und zusätzliche Arbeitgeberleistungen" zum Download als pdf-Datei.