Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/alkoholkonsum-und-die-beurteilung-der-steuerungsfaehigkeit-3139805
Timestamp: 2019-11-15 23:21:00
Document Index: 50989962

Matched Legal Cases: ['§ 20', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 20', 'BGH', 'BGH', '§ 21', 'BGH', 'BGH', '§ 21']

Alko­hol­kon­sum – und die Beur­tei­lung der Steue­rungs­fä­hig­keit | Rechtslupe
Alkoholkonsum - und die Beurteilung der Steuerungsfähigkeit
Alko­hol­kon­sum – und die Beur­tei­lung der Steue­rungs­fä­hig­keit
Der indi­zi­el­le Beweis­wert eines intak­ten Erin­ne­rungs­ver­mö­gens ist für die Beur­tei­lung der Steue­rungs­fä­hig­keit ganz gene­rell pro­ble­ma­tisch 1.
Dar­über hin­aus ist das vom Gericht im Anschluss an den Sach­ver­stän­di­gen her­an­ge­zo­ge­ne Kri­te­ri­um des angeb­lich genau­en und detail­lier­ten Erin­ne­rungs­ver­mö­gens ange­sichts des Umstan­des, dass das Land­ge­richt die Ein­las­sung des Ange­klag­ten zum unmit­tel­ba­ren Tat­ge­sche­hen – in recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se – nicht für glaub­haft hält, schon des­halb nicht trag­fä­hig 2.
Auch kön­nen äuße­res Leis­tungs­ver­hal­ten und inne­re Steue­rungs­fä­hig­keit bei hoher Alko­hol­ge­wöh­nung durch­aus weit aus­ein­an­der fal­len 3. Bei Alko­ho­li­kern zeigt sich oft eine durch "Übung" erwor­be­ne erstaun­li­che Kom­pen­sa­ti­ons­fä­hig­keit im Bereich grob­mo­to­ri­scher Auf­fäl­lig­kei­ten 4.
Des­wei­te­ren ist ein Tatrich­ter von einer Berech­nung der Blut­al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­on zur Tat­zeit nicht schon dann ent­bun­den, wenn die Anga­ben des Ange­klag­ten zum kon­su­mier­ten Alko­hol nicht exakt sind 5. Viel­mehr ist eine Berech­nung der Blut­al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­on auf­grund von Schät­zun­gen unter Berück­sich­ti­gung des Zwei­fels­sat­zes auch dann vor­zu­neh­men, wenn die Ein­las­sung des Ange­klag­ten sowie gege­be­nen­falls die Bekun­dun­gen von Zeu­gen zwar kei­ne siche­re Berech­nungs­grund­la­ge erge­ben, jedoch eine unge­fäh­re zeit­li­che und men­gen­mä­ßi­ge Ein­gren­zung des Alko­hol­kon­sums ermög­li­chen 6.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Janu­ar 2019 – 1 StR 448/​18
vgl. Fischer, StGB, 66. Aufl., § 20 Rn. 24a f.[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 07.02.2012 – 5 StR 545/​11, NStZ-RR 2012, 137, 138[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 28.02.2018 – 4 StR 530/​17, NStZ-RR 2018, 136; vom 10.01.2012 – 5 StR 517/​11, Stra­Fo 2012, 109; und vom 12.06.2007 – 4 StR 187/​07, NStZ 2007, 696[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 28.02.2018 – 4 StR 530/​17, aaO; und vom 12.06.2007 – 4 StR 187/​07, aaO; Fischer, StGB, 66. Aufl., § 20 Rn. 23a[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 28.04.2010 – 5 StR 135/​10, NStZ-RR 2010, 257, 258; und vom 20.11.1990 – 2 StR 424/​90, BGHR StGB § 21 Blut­al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­on 23[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 28.04.2010 – 5 StR 135/​10, aaO; und vom 17.03.1994 – 4 StR 54/​94, BGHR StGB § 21 Blut­al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­on 29; Urteil vom 13.05.1993 – 4 StR 183/​93, StV 1993, 519[↩]
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