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Timestamp: 2018-04-25 02:49:05
Document Index: 35359097

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§19', '§ 1', '§ 1', '§ 19', '§ 19', '§ 14']

Kleinunternehmerregelung § 19 UStG - Wissen & Tipps
Kleinunternehmerregelung §19 UStG –
Besonders am Anfang der Selbstständigkeit stehen viele Unternehmer vor der Frage, ob sie von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen wollen oder nicht. Diese Entscheidung ist wichtig, denn sie ist – wenn man sich für die Regelbesteuerung entscheidet – auf sehr lange Sicht bindend. Was gibt es bei dieser Frage besonders zu beachten? Welche Vor- und Nachteile hat man als Kleinunternehmer? Wer darf überhaupt Kleinunternehmer sein? Auf die wichtigsten Fragen zur Kleinunternehmerregelung gibt dieser Artikel Antworten.
Unternehmer und Kleinunternehmer
Um die Kleinunternehmerregelung zu verstehen, muss man das Umsatzsteuerrecht kennen.
Mit der Umsatzsteuer besteuert der Gesetzgeber den Konsum.
Bei jedem Umsatz erhebt der ausführende Unternehmer von seinem Kunden Umsatzsteuer.
Diese Umsatzsteuer gibt der Unternehmer an das Finanzamt weiter.
Nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG sind Lieferungen und sonstige Leistungen, die ein Unternehmer gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt, umsatzsteuerpflichtig.
Die Regel: Umsatzsteuerpflicht des Unternehmers
Die Umsatzsteuerpflicht trifft Unternehmer. Unter den Begriff des Unternehmers fällt jeder, der als Gewerbetreibender oder Freiberufler tätig ist. Auch juristische Personen sind – soweit sie wirtschaftlich tätig sind – als Unternehmen umsatzsteuerpflichtig. Im Einzelnen bestimmt sich die Eigenschaft als Unternehmen im Sinne des Umsatzsteuergesetzes nach folgenden Kriterien:
Nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen (nicht notwendigerweise Gewinn),
die selbstständig ausgeübt wird (auf eigene Rechnung und Verantwortung).
Die Ausnahme: Kleinunternehmer
19 Abs. 1 UStG stellt eine Ausnahme von der Regel auf, dass jedes Unternehmen auf seine Umsätze Umsatzsteuer berechnen muss. Was sind die Voraussetzungen der Kleinunternehmerregelung?
Der Status als Kleinunternehmer ist mit Vor- und Nachteilen verbunden. Die Entscheidung für oder gegen die Kleinunternehmerregelung kann aber immer nur individuell getroffen werden.
Der wichtigste Vorteil als Kleinunternehmer liegt vor allem in dem Wegfall von bürokratischem Aufwand. Dies wird vor allem von Existenzgründern geschätzt.
Keine monatlichen oder vierteljährlichen Umsatzsteuervoranmeldungen
Keine Unterscheidung zwischen Netto- und Bruttobeträgen
Trotz des geringeren Aufwands für steuerliche Belange ist die Kleinunternehmereigenschaft auch mit Nachteilen verbunden, die vor allem nach längerer Zeit in der Selbstständigkeit spürbar werden:
Der Status als kleiner Unternehmer ist vor allem langfristig negativ.
Kleinunternehmer und Kleingewerbe
Die Begriffe Kleinunternehmer oder Kleingewerbe werden oft verwechselt oder gleichgesetzt. Sie haben prinzipiell jedoch nichts miteinander zu tun. Denn vor allem ist die Kleinunternehmerregelung ausschließlich in Bezug auf die Umsatzsteuer relevant. Der Begriff Kleingewerbe ist lediglich eine Abgrenzung zum Handelsgewerbe eines Kaufmanns, für den die Regelungen des Handelsgesetzbuchs gelten. Dieser ist zur doppelten Buchführung verpflichtet und muss Bilanzen erstellen. Ein Kleingewerbetreibender muss dies nicht.
Begriff Rechtsgrundlage Merkmal
Kleinunternehmer UStG (Umsatzsteuerrecht) Vorjahresumsatz nicht über 17.500 Euro, laufender Jahresumsatz voraussichtlich nicht höher als 50.000 Euro.
Kleingewerbetreibender HGB (Handelsrecht) Unternehmen erfordert nach Art und Umfang keinen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb (§ 1 Abs. 2 HGB).
Alle Kleinunternehmer sind Kleingewerbetreibende (wenn sie nicht Freiberufler sind).
Nicht alle Kleingewerbetreibenden sind Kleinunternehmer.
Wer die Kleinunternehmerregelung nicht in Anspruch nimmt, muss für alle Verkäufe an Kunden Umsatzsteuer berechnen. Diese Umsatzsteuer nimmt jedes Unternehmen stellvertretend für das Finanzamt ein. Nach jeder Umsatzsteuervoranmeldung muss der Unternehmer diese Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Er kann jedoch von dieser Umsatzsteuerschuld die Umsatzsteuer abziehen, die er selbst bezahlt hat. Das ist die sogenannte Vorsteuer.
Beispiel: Unternehmer A stellt dem Kunden K für die Lieferung von Fahrzeugteilen 1.000 Euro in Rechnung. Er berechnet zusätzlich 19 % Umsatzsteuer. Der Kunde zahlt also 1.190 Euro. Zugleich bezahlt der Unternehmer A für den ihm von dem Unternehmen B gelieferten Computer einen Betrag von 357 Euro. Der Nettobetrag beträgt 300 Euro, der Umsatzsteueranteil beträgt 57 Euro. Wie sieht es aus mit der Zahllast gegenüber dem Finanzamt?
19 Abs. 2 UStG eröffnet jedem Unternehmer mit geringeren Umsätzen die Möglichkeit, auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten. Wer mit diesem Gedanken spielt, sollte dabei Folgendes bedenken:
Die Erklärung muss bis zur Unanfechtbarkeit der Steuerfestsetzung erfolgen.
Der Verzicht auf den Status als Kleinunternehmer ist fünf Jahre bindend.
Existenzgründer müssen ihre Umsätze im Gründungsjahr schätzen.
Ist davon auszugehen, dass die Umsätze unterhalb von 17.500 € liegen, ist die Kleinunternehmerregelung anwendbar. Auf die tatsächlichen Umsätze kommt es nicht an.
Übersteigen die Einnahmen im Gründungsjahr den Grenzbetrag von 17.500 €, kann der Unternehmer im folgenden Jahr die Kleinunternehmerregelung nicht mehr in Anspruch nehmen. Er ist dann umsatzsteuerpflichtig.
Auch auf die Ausgaben, die den Gewinn mindern, kommt es nicht an. Maßgebend sind allein die Umsätze – also die Einnahmen. Selbst wenn der Gewinn aufgrund hoher Ausgaben gegen null tendiert, sind allein die Einnahmen entscheidend. Die Ausgaben vermindern lediglich die Einkommensteuerpflicht.
Umsatz: Netto oder Brutto?
Bei der Berechnung ist vom Bruttoumsatz auszugehen. § 19 Abs. 1 Satz 1 UStG spricht ausdrücklich davon, dass der Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden Steuer maßgeblich ist. Die Nettogrenze beträgt bei einem Steuersatz von 19 Prozent 14.705,88 €. Der Kleinunternehmer darf also netto maximal 14.705,88 € vereinnahmen.
Umsatzerfassung im Gründungsjahr
Beginnt der Unternehmensgründer seine Tätigkeit erst im Laufe des Jahres, ist der prognostizierte Umsatz auf den Jahreswert hochzurechnen. Die Grenze von 17.500 € bezieht sich stets auf ein Jahr. Ein angebrochener Monat wird wie ein voller Monat bewertet.
Beispiel: Müller eröffnet sein Unternehmen am 1. Juni 2016. Bis zum 31. Dezember 2016 kalkuliert er einen Umsatz von 14.500 € inkl. Umsatzsteuer. Sein geschätzter monatlicher Bruttoumsatz beträgt somit 2.071,42 €. Dieser Monatsumsatz wird auf 12 Monate hochgerechnet und ergibt einen Jahresumsatz von 24.857 €. Somit kann er im Jahr der Unternehmenseröffnung nicht die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen.
Wer im Lauf des Jahres erstmalig unternehmerisch tätig wird, kann als Vorjahresumsatz zwangsläufig nur null Euro ausweisen. Daher wird die 17.500-€-Grenze im Jahr der Unternehmenseröffnung auf das laufende und nicht auf das vorangegangene Kalenderjahr angewandt. Die Kleinunternehmerregelung ist auch dann nur anwendbar, wenn die Schätzung unterhalb des Grenzwertes liegt.
Umsatzgrenze im Folgejahr
Der Kleinunternehmer muss eine weitere Umsatzgrenze von 50.000 € im Blick haben. Nur wenn sein Umsatz auch in dem Jahr, das auf das für die Umsatzgrenze von 17.500 € maßgebliche Jahr folgt, unter 50.000 € bleibt, ist die Kleinunternehmerregelung anwendbar. Auch hier gilt der Bruttoumsatz. Die Nettogrenze beträgt bei einem Steuersatz von 19 % 42.016,81 €.
Beispiel: Müller betreibt ein Restaurant. Seine Umsätze betrugen im vorausgegangenen Jahr 14.500 €. Im laufenden Jahr rechnet er mit einer Steigerung auf 45.000 €. Da er damit die Nettogrenze von 42.016,81 € übersteigt, muss er auf seine Umsätze Umsatzsteuer erheben und ausweisen.
Konsequenzen bei Fehleinschätzungen
Da für die Einschätzung der Umsatzgrenzen die Prognose zum Zeitpunkt der Unternehmenseröffnung und am Jahresanfang maßgebend ist, ändert ein davon abweichender Jahresumsatz prinzipiell nichts am Status als Kleinunternehmer im laufenden Jahr. Konsequenzen ergeben sich erst im Folgejahr. Jeder Kleinunternehmer muss im eigenen Interesse am Jahresende prüfen, ob sein Umsatz im abgelaufenen Jahr die Umsatzgrenzen überstiegen hat. Ist dies der Fall, ist der Sonderstatus für das neue Jahr verloren. Er wird dann ab dem 1. Januar des Folgejahres regulär besteuert, ohne dass er das Finanzamt eigens informieren müsste.
Beispiel: Müller erzielte im Jahr 2014 11.500 € Umsatz. Im Jahr 2015 erreichte er 55.000 €. Für das Jahr 2015 gilt er trotz Überschreitens der Umsatzgrenze immer noch als Kleinunternehmer. Erst im Jahr 2016 entfällt sein Sonderstatus. Er unterliegt der Regelbesteuerung und muss für die Umsätze des Jahres 2016 Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Dies ist auch dann maßgebend, wenn er bereits zu Beginn des Jahres 2016 weiß, dass seine Einnahmen unter den Umsatzgrenzen liegen werden (BFH VB 164/06). Liegt der Umsatz in 2016 dann tatsächlich wieder unterhalb der Umsatzgrenze, zählt Müller erst im Jahr 2017 wieder als Kleinunternehmer.
Status der Selbstständigkeit § 19 Abs. 1 UStG vorteilhaft? Begründung
Vollerwerbs-Gründer Nein Es werden langfristig höhere Einnahmen angestrebt und damit die Regelbesteuerung
Nebenberuflich Gewerbetreibende oder Selbstständige im B2B-Bereich Nein Verzicht auf den Vorsteuerabzug, Amateur-Image
Nebenberuflich Gewerbetreibende und Selbstständige im Privatkundengeschäft Unter Umständen ja Niedrigere Endkundenpreise möglich, vorteilhaft bei geringen Investitionskosten
Die Rechnungen des Kleinunternehmers
Auch ein Kleinunternehmer ist verpflichtet, jedem Kunden ordnungsgemäße Rechnungen auszustellen. Ihr maßgeblicher Inhalt ist in § 14 Abs. 4 UStG nachzulesen. Wichtig ist, den Kunden als Rechnungsempfänger zu informieren, dass der Rechnungsaussteller ein Kleinunternehmer ist. Der Rechnungsempfänger kann dann, falls er selbst gewerblich oder freiberuflich tätig ist, aus der Rechnung keine Vorsteuer geltend machen. In der Praxis ist folgender Hinweis üblich: