Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Erbfolge-bei-Kinderlosigkeit--f12071.html
Timestamp: 2019-12-09 18:26:17
Document Index: 201019414

Matched Legal Cases: ['§ 1944', '§ 1944', '§ 2357', '§ 2358', '§ 1930', '§ 197', '§ 2018']

Erbfolge bei Kinderlosigkeit (Erbrecht) - frag-einen-anwalt.de
www.frag-einen-anwalt.deErbrechtErbeErbfolge bei Kinderlosigkeit
05.04.2006 14:49 |
Wer ist hier dann der nächste Erbe ?
In welchem Zeitraum muss der Erbschein gestellt sein?
Die Ausschlagungsfrist des Neffen würde in Abweichung vom 6-Wochen-Grundsatz nach § 1944 I BGB gem. § 1944 II 2 BGB in diesem Fall nicht vor „Verkündung der Verfügung“ zu laufen beginnen. „Verkündung der Verfügung“ meint die amtliche Verlautbarung des mit Ihrem Bericht noch ungewissen Testaments.
Schlägt er die Erbschaft aus, ist er „aussen vor“. M.a.w., er kann nicht bestimmen, wer dann erbt. Es tritt dann in der Tat die gesetzliche Erbfolge ein.
Falls nach einer unterstellten Ausschlagung der Erbschaft das gesetzliche Erbrecht (unter dem Vorbehalt, dass dies die Folge des noch nicht bekannten Testaments wäre) eingreift, kämen in der Tat mit Ihrem Bericht Halb- und Stiefbruder als gesetzliche Erben in Betracht. Hier ist Ihr Bericht aber wirklich nicht „beurteilungssicher“, zumal der Halbbruder ja auch gesondert testamentarisch bedacht sein könnte (falls das dementsprechende Testament noch ans Tageslicht gerät).
Der Erbschein wird bekanntlich nur auf Antrag erteilt. Antragsberechtigt sind der endgültige Erbe oder Miterbe, nicht dagegen der vorläufige Erbe. Eine Fristbestimmung für die Erteilung ist dem nach § 2357 BGB zuständigen Nachlaßgericht nicht zwingend aufgegeben – schon weil es ja im Einzelfall umfangreiche Ermittlungen vornehmen oder die Betroffenen anhören muss (§§ 2358 I, 2360 BGB). Wegen dieser Ermittlungspflicht von Amts wegen und der Ausschöpfung aller Erkenntnisquellen ist in Ihrem, ja noch offenem Fall, eine sichere Prognose nicht möglich.
Auf Grundlage Ihres knappen Berichts ist diese Frage gegenwärtig nicht zu beantworten – siehe bitte Teilantwort Ziff.3.
Wenn ich Sie richtig verstanden habe – Ja. Denn hier gilt das System der Ordnungen (Parentelen), siehe § 1930:
„Ein Verwandter ist nicht zur Erbfolge berufen, solange ein Verwandter einer vorhergehenden Ordnung vorhanden ist.“
Nachfrage vom Fragesteller	10.04.2006 | 16:22
Die Verstorbene war ein Einzelkind aus der ersten Beziehung Ihrer Mutter, ihr Vater verstarb bereits in ihrer frühsten Kindheit.
Die Mutter heiratete erneut. Der neue Ehepartner der Mutter brachte einen Sohn* mit in die Ehe.
Die Mutter ist bereits seit Jahren verstorben.
Am Leben und somit mögliche Erben sind also nur noch der Stiefbruder und der Halbbruder.
2. *Findet der (angeheiratete) Stiefbruder in dieser
Nachlasssache überhaupt Berücksichtigung in der direkten
Erbrangfolge?
2. Wie und durch wen werden die Erben eigentlich ermittelt, wenn
kein Testament vorliegt?
3. Muss der Halbbruder den Erbschein beantragen und in welchem
Zeitraum, oder erfolgt die Benachrichtigung des
Nachlassgerichtes automatisch durch die zuständige
Gemeindeverwaltung die die Sterbeurkunde ausgestellt hat?
4. Sollte das besagte Testament bei Wohnungsräumung dennoch zum
Vorschein kommen, kann dies dann jederzeit noch beim
Nachlassgericht nachgereicht werden?
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 10.04.2006 | 17:21
Der „angeheiratete“, also mit in die neue Ehe gebrachte Stiefbruder kommt, wenn ich Ihren präzisierten Bericht recht verstand, nicht für die gesetzliche Erbfolge in Betracht.
Erbrechtliche Ansprüche unterliegen idR der weiten dreissigjährigen Verjährung (§ 197 I 2 BGB). Deshalb greift nach einem evt. Auffinden des Testaments in der Tat noch eine Weile u.a. ein Herausgabeanspruch gegen den dann –nur- Erbschaftsbesitzer nach § 2018 BGB.