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Timestamp: 2020-07-05 15:58:50
Document Index: 117757589

Matched Legal Cases: ['§ 370', '§ 25', '§ 27', '§ 27', '§ 13', 'EuG', '§ 10', 'Art. 72', 'Art. 105', 'Art. 106', '§ 261', '§ 370', '§ 370', '§ 370', '§ 369', '§ 370', '§ 370', '§ 370', '§ 26', '§ 26', '§ 370', '§ 370', '§ 15', '§ 53', '§ 3', '§ 3', 'Art. 14', '§ 3', 'Art. 24', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 6', '§ 1', '§ 4', '§ 1', 'EuG', 'EuG', '§ 370', '§ 370', '§ 370', '§ 370', '§ 370', '§ 370', '§ 370', 'BGH', '§ 370', 'BGH']

von Felix Scholz (Autor)
1.2. Eingrenzung
2. Terminologische Klarstellung
3. Das Umsatzsteuersystem der BRD, dessen Betrugsanfälligkeit und Methoden zur Prävention
3.1. Charakter des deutschen Umsatzsteuersystems
3.1.1. Besteuerungssystematik und Einordnung in das deutsche Steuerrecht
3.1.2. Aufkommen und Gesetzgebungskompetenz
3.2. Umsatzsteuerbetrug
3.2.1. Steuerhinterziehung § 370 AO
3.2.1.1. Grundsatz und objektiver Tatbestand
3.2.1.2. Subjektiver Tatbestand
3.2.2. Steuerhinterziehung bei Ausgangsumsätzen
3.2.2.1. Der Kettenbetrug
3.2.2.2. Der unversteuerte Endverbrauch
3.2.2.3. Der Missing-Trader-Betrug
3.2.2.4. Das Umsatzsteuerkarussell
3.2.3. Steuerhinterziehung bei Eingangsumsätzen
3.2.4. Auswirkungen auf das Steueraufkommen
3.2.5. Synoptische Darstellung der Betrugsformen
3.3. Gesetzliche Präventionsmodelle
3.3.1. Einführung des § 25d UStG
3.3.2. Die Umsatzsteuer-Nachschau § 27b UStG
3.3.3. Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer § 27a UStG und MIAS
3.3.4. Das Reverse-Charge-Modell § 13b UStG
3.3.4.1. Funktionsweise und Leitidee
3.3.4.2. Neuerungen und Kritik
4. Konzeptionen zur Verhütung der Betrugsproblematik
4.1. Endgültiger Systemwechsel zum Reverse-Charge
4.2. Modell des Vorsteuervortrags
4.3. System der Überrechnung
5.1. Auswertung ermittelter Erkenntnisse
5.2. Ausblick und Perspektiven
7. Verzeichnis der Gerichtsentscheidungen
Nach Schätzungen werden in Deutschland jährlich 65,5 Mrd. € an Steuern hinterzogen. Dies entspricht einem betrugsinduzierten Steuerausfall von 10,2 % der gesamten Steuereinnahmen der Bundesrepublik. Durch die stagnierende Betrugsquote von 2,3 % gemessen am Bruttoinlandsprodukt entstehen dem Fiskus erhebliche Schäden, die letztlich wieder zuungunsten der steuerehrlichen Wirtschaftssubjekte weiterbelastet werden.1 Die Umsatzsteuer mit einem Anteil von rund einem Drittel am gesamten Steueraufkommen ist in der letzten Dekade vor allem durch einzelne Betrugsfälle beträchtlichen Ausmaßes immer mehr ins Visier der Behörden gerückt.
So entstand dem Staat beispielsweise im Jahr 2001 durch das sogenannte Umsatzsteuerkarussell, welches von einer kleinen Personengruppe in Bayern initiiert wurde, der bislang größte Schaden in Höhe von ca. 365 Mio. €.2
In der folgenden Arbeit sollen nach einem kurzen Einblick in das deutsche Umsatzsteuersystem zunächst der Tatbestand der Steuerhinterziehung erläutert sowie prägnante Betrugsarten dargestellt und bezüglich ihren wirtschaftlichen Auswirkungen analysiert werden. Darauffolgend werden ausgewählte Modelle der Gesetzgebung zur Prävention vorgestellt und auf deren Effizienz und Entwicklung im Kampf gegen den Umsatzsteuerbetrug hin untersucht. Ziel dieser steuerökonomischen Investigation ist es festzustellen, ob die derzeitigen Methoden der Betrugsverhütung zweckdienlich sind und für die Zukunft mit einer Abschaffung der Betrugsproblematik ernsthaft zu rechnen ist.
Im letzten Schritt, sollen weitere Konzepte vorgestellt und im Falle einer systembedingten Betrugsanfälligkeit Lösungsansätze eigenständig erarbeitet werden. Hierbei wird im Schwer- punkt auf die im derzeitigen Umsatzsteuersystem neben der Steuerschuld des Leistenden bestehende Umkehr der Steuerschuld auf den Leistungsempfänger, das sogenannte „Re- verse-Charge-Modell“ eingegangen, zumal ein ganzheitlicher Übergang zu dieser Methode regelmäßig Diskussionen basierend auf einer wissenschaftlichen Kosten/Nutzen-Analyse aufwirft.
Aufgrund der Beschränkung auf maximal 30 Textseiten, werden in den Punkten 3.2. ff. die Umsatzsteuerausfälle nur isoliert bezogen auf das rechtswidrige Handeln durch Steuerumgehung und Hinterziehung („evasion“) betrachtet, obgleich diese auch auf Insolvenzen und Steuervermeidung zurückzuführen sind. Steuervermeidung („avoidance“) bezeichnet die legale Ausschöpfung rechtlicher Gestaltungsspielräume.3 Die Darstellung der Betrugsformen ist indes aus vorgenanntem Grund nicht abschließend gewählt.
Da es sich im Bereich der Umsatzsteuer häufig um schwere, organisierte Bandenverbrechen handelt, wird der Tatbestand der Ordnungswidrigkeit ausgegrenzt und unmittelbar in den Straftatbestand der Steuerhinterziehung übergeleitet. Dieser wird zum allgemeinen Verständnis in Grundzügen erläutert.
Betreffend die Betrugsformen wird insbesondere auf die Steuerhinterziehung auf der Ausgangsseite eingegangen, zumal hierdurch wesentlich mehr Betrugsstrategien im Vergleich zur eingangsseitigen Hinterziehung entwickelt wurden.
Des Weiteren werden bei gesetzlichen Präventionsmodellen, die der betrugsbedingten Um- satzsteuerausfallrate entgegenwirken sollen, nur ausgewählte Modelle aufgeführt. Betreffend das in Punkt 3.3.4. ff. erörterte Reverse-Charge-Modell, wird nur Bezug zu aktuel- ler Rechtsprechung hergestellt, sofern diese für die zu untersuchende Hauptproblematik ziel- führend ist. Der Schwerpunkt bei diesem Präventionsmodell soll nicht in der Darlegung der Funktionsweise, sondern vielmehr in der kritischen Betrachtung dessen Rentabilität beste- hen. Auf Randthematiken wie beispielsweise die Rechnungsstellung wird nicht explizit ein- gegangen.
Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 4 5 6 7 8 9
Im Allgemeinen wird die Umsatzsteuer zu den indirekten Steuern gezählt.10 Die Identität des Steuerschuldners und des Steuerträgers fällt hierbei im Gegensatz zu allen Personen- und Realsteuern auseinander.11 Charakteristisch für indirekte Steuern ist die Überwälzung der Steuerlast wie beispielsweise bei der Umsatzsteuer selbst, die rechtlich vom Unternehmer, wirtschaftlich jedoch vom Endverbraucher getragen wird.12 Gesetzessystematisch ist die Umsatzsteuer als Verkehrssteuer einzuordnen. Dementspre- chend sind die Vorschriften der AO über die Verbrauchsteuern nicht anzuwenden.13 Aus materieller Sicht jedoch, betrachtet der EuGH die Umsatzsteuer als Verbrauchsteuer, da die Erhebung nicht durch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, sondern dem bloßen Leis- tungsverkehr induziert ist.14
Das Umsatzsteuersystem besteuert die Umsätze der Unternehmer, ohne auf die Verwen- dung beim Empfänger abzustellen, um die Besteuerung von Umsätzen an andere Unter- nehmer zu gewährleisten. Somit wird die Besteuerung auf jeder wirtschaftlichen Ebene in- nerhalb einer Lieferkette sichergestellt.15 Dieses System wird als Allphasen-System bezeich- net.16
Innerhalb einer Lieferkette werden die Umsätze anhand des Entgeltes abzüglich der Um- satzsteuer gemäß § 10 Abs. 1 S. 1 UStG bemessen, um eine Kumulierung der Steuer und somit die Erhebung der Steuer auf die Steuer zu vermeiden. Die Möglichkeit des Vorsteuer- abzugs durch den Unternehmer gewährleistet, dass der Verbraucher nicht abhängig von der Anzahl der Vertriebsstufen belastet wird. Demnach wird nur der Mehrwert, ergo die Erhö- hung des Entgeltes besteuert und die Neutralität des Wettbewerbs sichergestellt.
Aus der Korrektur der Umsatzsteuervorbelastung folgt das sogenannte Netto-Allphasen- Umsatzsteuersystem mit Vorsteuerabzug.17
Anhand der in der Grafik dargestellten Verteilung der Steuereinnahmen der BRD im Jahr 2014 lässt sich die Relevanz der Mehrwertsteuer ableiten.
Ohne Einfuhrumsatzsteuer belief sich das Umsatzsteueraufkommen in 2014 auf 154.228 Mio. Euro, etwa ein Drittel der gesamten Steuereinnahmen.18
Abb. 1: Steuereinnahmen 2014 (ohne reine Gemeindesteuern)19
Gemäß Art. 72 Abs. 1 GG hat der Bund die konkurrierende Gesetzgebung über die Umsatzsteuer, da ihm das Aufkommen im Sinne des Art. 105 Abs. 2 GG zum Teil zusteht. Die Umsatzsteuer steht als Gemeinschaftssteuer dem Bund, den Ländern und auch den Gemeinden zu (Art. 106 Abs. 3 GG).20
Die Aufteilung erfolgt prozentual, wobei dem Bund 53,21 v.H., den Ländern 44,56 v.H. und den Gemeinden 2,23 v.H. zustehen.21
Die Anteile sind jedoch weitgehend als variabel zu betrachten, da diese durch ein einfaches Bundesgesetz22 geändert werden können. Da das Aufkommen den Ländern teilweise zufließt, bedarf das Gesetz der Zustimmung des Bundesrates.23
Aus den §§ 261 ff. StGB i.V.m § 370 AO begründet sich die Strafbarkeit bei Steuerhinterzie- hungen. Die Steuerhinterziehung gilt als das zentrale Delikt des Steuerstrafrechts.24 Die Vorschrift soll das öffentliche Interesse am vollständigen und rechtzeitigen Aufkommen sowie das Vermögen des ehrlichen Steuerschuldners schützen.25 Hierfür sieht das Steuer- strafrecht gem. § 370 Abs. 1 AO eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren vor. In besonders schweren Fällen wird die Tat nach § 370 Abs. 3 AO mit Freiheitsentzug von sechs Monaten bis zu zehn Jahren sanktioniert. Bezüglich des Umsatzsteuerbetrugs kann die Verschärfung des Strafrahmens beispielsweise bei fortgesetzter Hinterziehung durch gefälschte Belege eintreten, die jedoch dem Finanzamt wiederholt eingereicht, oder dem Außenprüfer wiederholt vorgelegt sein mussten.26 Weiterhin ist dies bei bandenmäßiger Ver- kürzung von Umsatz- oder Verbrauchssteuern bzw. der ungerechtfertigten Erlangung von Steuervorteilen aus vorgenannten Steuerarten möglich.
Der Tatbestand der Steuerhinterziehung wird objektiv im Sinne der §§ 369, 370 Abs. 1 Nr. 1- 3 AO durch Tathandlungen wie der Falschangabe bzw. Nichtangabe von steuerlich erheblichen Tatsachen sowie der Nichtverwendung von Steuerzeichen ausgelöst. Die Falschangabe erfordert hierbei als einzige Handlung das aktive Tun, während letztere auf die pflichtwidrige Unterlassung abstellen.27
Welche Tatsachen steuerlich erheblich sind, ergibt sich aus dem materiellen Steuerrecht, ergo aus den Einzelsteuergesetzen.28
Weil ein Rückgriff auf Einzelsteuergesetze notwendig ist, um die Tathandlungen gem. § 370 Abs. 1 Nr. 1-3 AO exakt auslegen zu können, wird die Vorschrift auch als Blankettstrafnorm bezeichnet.29
Insbesondere die nach dem UStG oder der UStDV erforderlichen formellen Nachweise führen letztlich dazu, dass die Umsatzsteuerhinterziehung im Steuerstrafrecht zu den häufig begangenen und rechtlich kompliziertesten Delikten gehört.30
Neben der Tathandlung wird weiterhin der Taterfolg vorausgesetzt. Durch die Tathandlung muss eine Steuerverkürzung oder eine ungerechtfertigte Vorteilserlangung gem. § 370 Abs.
4 AO eingetreten sein. Steuern sind verkürzt, wenn sie nicht, nicht in voller Höhe oder nicht rechtzeitig festgesetzt worden sind. Damit stellt die Norm die Vermögensgefährdung im Festsetzungsverfahren dem Vermögensschaden gleich.31 Ein ungerechtfertigter Steuervorteil liegt vor, wenn dem Täter zu Unrecht ein Vorteil gewährt oder belassen wurde, der auch nicht zwangsläufig in Form eines Verwaltungsaktes gewährt worden sein musste. Als ungerechtfertigt werden somit Vorteile bezeichnet, die gewährt wurden, obgleich die Voraussetzungen von Gesetzes wegen nicht erfüllt waren. Die Vergütung von Vorsteuern ist beispielsweise als klassischer Steuervorteil zu qualifizieren.32
Die Steuerhinterziehung ist gem. § 370 AO objektiv als Erklärungsdelikt zu verstehen. Aus diesem Grund, kennt das UStG als einziges Einzelsteuergesetz noch eine weitere Strafnorm, den § 26c UStG. Diese wurde für die fortgesetzte, gewerbs- oder bandenmäßige Begehung einer Steuerordnungswidrigkeit im Sinne des § 26b UStG eingeführt und soll § 370 AO insoweit ergänzen, als dass eine Strafbarkeit gem. vorgenannter Vorschrift trotz ordnungsgemäß erklärter, aber gleichwohl nicht abgeführter USt in Betracht kommt.33
Alle objektiven Tatbestände des § 370 AO setzen i.V.m. § 15 StGB vorsätzliches Handeln des Täters als subjektives Kriterium voraus. Hierbei ist eine Bereicherungsabsicht nicht er- forderlich. Vorsatz definiert das Wissen der äußeren Tatumstände einer Strafnorm und den Willen zu ihrer Verwirklichung. (Wissen und Wollen)34 Die Tat muss demnach in Kenntnis der Rechtsfolge auf die Tathandlung und den Taterfolg begangen worden sein.35 Die Tatbestände können durch sämtliche Vorsatzformen verwirklicht werden. Der bedingte Vorsatz „dolus eventualis“, also ein billigendes In-Kauf-Nehmen, reicht somit aus.
Für das Steuerrecht ergibt sich hieraus die Ansicht, dass der Täter den Steueranspruch dem Grunde und der Höhe nach kennt oder zumindest für möglich hält und ihn auch verkürzen will.36
Sind beide Tatbestandsmerkmale bereits in der Umsatzsteuervoranmeldung erfüllt und un- terlässt der Unternehmer bewusst deren Berichtigung in der Umsatzsteuerjahreserklärung, erwächst erneut eine Strafhandlung, die als Tatmehrheit gem. § 53 StGB aufsummiert wird.37
Der Kettenbetrug, der überwiegend im Bau- und Dienstleistungsgewerbe vorkommt, hat jährlich verheerende gesamtwirtschaftliche Auswirkungen zur Folge. So werden rund 500.000 Arbeitsplatzverluste, 64 Mrd. Euro Steuerausfälle (Umsatz- und Einkommensteuer) sowie 56 Mrd. Euro Einbuße von Sozialversicherungsbeiträgen verzeichnet.38
Funktional betrachtet, bedienen sich die Betrüger einem ausgesprochen komplexen Modell, dessen Rückverfolgung durch die Finanzverwaltung zum Ursprung sich aufgrund der Zwischenschaltung mehrerer Subunternehmerketten (gegebenenfalls mit Auslandsbezug) als äußerst schwierig gestaltet. Erfolge in der Beitreibung beschränken sich deshalb und wegen unregelmäßiger Baustellenkontrollen auf Zufallsereignisse.39
Ein Initiator gründet über Mithelfer, sogenannte Strohmänner, Scheinfirmen (Subunterneh- men), die allesamt einem Generalsubunternehmer40 ihre Tätigkeit anbieten und Werk- /Dienstverträge zum Schein abschließen. Die Subunternehmen selbst führen keine Leistun- gen an den Generalsubunternehmer aus, sondern überschatten die Tätigkeiten von meist ausländischen Kolonnen, die ein Kolonnenschieber illegal auf Stundenlohnbasis beschäf- tigt.41
Die Subunternehmer stellen eine Rechnung mit gesondertem Umsatzsteuerausweis an den Generalsubunternehmer über die von ihnen (nicht) erbrachten Leistungen und erklären die vereinnahmten Steuern dementsprechend nicht. Der Generalsubunternehmer selbst, zieht für die (nicht) empfangene Leistung die Vorsteuer ab und stellt eine Rechnung an den Generalunternehmer mit Gewinnaufschlag.42
Die dadurch vereinnahmte Umsatzsteuer wird, wie beim Subunternehmer, ebenfalls nicht deklariert. In Höhe des Gewinnaufschlages ist indes zusätzliches Betrugspotential entstan- den. Letztlich entsteht die Umsatzsteuer betreffend, ein Aufkommensdefizit in Höhe der zuletzt durch den Generalunternehmer abgezogenen Vorsteuer.
Lohnsteuer und Sozialabgaben werden ebenfalls unterschlagen, da diese vereinnahmt aber nicht abgeführt werden.43 Diese Betrugsform schädigt jedoch nicht nur das Steueraufkommen, sondern auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der ehrlichen Marktteilnehmer, die mit den konkurrenzlos günstigen Dumpingpreisen44 nicht mithalten können und in vielen Fällen Insolvenz anmelden müssen.45
Wie in der terminologischen Klarstellung beschrieben, besteht für den Unternehmer unter den dort genannten Voraussetzungen die Möglichkeit, die Vorsteuer auf Eingangsumsätze abzuziehen.
Beabsichtigt der Unternehmer bei Leistungsbezug, den erworbenen Gegenstand oder die bezogene Leistung für eine unentgeltliche Wertabgabe gemäß §§ 3 Abs. 1b, 9a i.V.m 3f UStG zu verwenden, ist schon bei Bezug kein Vorsteuerabzug zu gewähren, da die Leistung von Anfang an nicht dem Unternehmen zugeordnet werden kann. Somit unterliegt die Wertabgabe auch nicht der Besteuerung.46
Wird jedoch aus dem Unternehmen ein Gegenstand oder eine sonstige Leistung, bei dessen/deren Bezug die Vorsteuer abgezogen wurde, unentgeltlich abgegeben, kann die Abgabe unter den Voraussetzungen in den vorgenannten Gesetzen zur Lieferung bzw. sonstigen Leistung gegen Entgelt mit der Folge führen, dass der Unternehmer die abgezogene Vorsteuer nachträglich entrichten muss.47
Hieraus ergibt sich jene Betrugsproblematik, dass der Unternehmer die Vorsteuer aus der Eingangsrechnung abzieht, jedoch vorsätzlich die unentgeltliche Wertabgabe nicht gesetzmäßig deklariert.
Im Vergleich zum Kettenbetrug kommt es in den meisten Fällen zu wesentlich geringeren Steuerausfällen, die die Verdrängung der Mitwettbewerber nicht zur Folge haben.
1 Vgl. Schiller, F. (2014), S. 27; BMF (2015a), S. 1 f.
2 Vgl. Dathe, A. (2006), S. 23
3 Vgl. Sandmo, A. (2005), S. 645
4 Vgl. § 3 Abs. 1 und Abs. 9 S. 1 UStG; aus Gründen der Übersichtlichkeit wird in Tabellen und Synopsen der Gesetzestext überwiegend im Rahmen der Fußnoten zitiert.
5 Vgl. Art. 14 Abs. 1 MwStSystRL; § 3 Abs. 1 UStG; s.o.
6 Vgl. Art. 24 Abs. 1 MwStSystRL; § 3 Abs. 9 UStG
7 Vgl. Feldt, M. u.a. (2011), S. 3 f.; § 3 Abs. 6 S. 1 und Abs. 7 S. 1 UStG
8 Vgl. Feldt, M. u.a. (2011), S. 4 f.; § 3a Abs. 2 ff. UStG.
9 Voraussetzungen im Sinne des § 6a Abs. 1 f. UStG. Das Gemeinschaftsgebiet umfasst das Inland und die übri- gen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die nach dem Gemeinschaftsrecht als Inland dieser Mitgliedstaaten gelten. Vgl. § 1 Abs. 2a S. 1 UStG. Rechtsfolge ist gemäß § 4 Nr. 1 lit. b) UStG die Steuerbefreiung des Umsat- zes.
10 Vgl. Vanheiden, U. (2015), S. 6
11 Vgl. Grashoff, D. (2012), Rn. 24
12 Vgl. ebenda, Rn. 24; Kurz, D./Meissner, G. (2014), S.1
13 Vgl. Robisch, M. in Bunjes, J. (2015), vor § 1, Rn. 25
14 Vgl. ebenda, Rn. 24
15 Vgl. Stadie, H. (2005), S.3
17 Vgl. Vanheiden, U. (2015), S. 5 f.; EuGH-Urteil vom 14.2.1985, RS 268/83 „Rompelman“, Slg 655; EuGH-Urteil vom 6.4.1995, RS C4/94 „BLP Group“, Slg I-983
18 Vgl. BMF (2015a), S. 1 f.
19 Mit Änderungen entnommen aus ebenda (2015a), S. 1 f.; Zahlen veranschaulicht
20 Vgl. Stadie, H. (2005), S.11
21 Vgl. MFW (2015), Kurzübersicht zum bundesstaatlichen Finanzausgleich, S. 3
22 Finanzausgleichsgesetz, kurz: FAG
23 Vgl. MFW (2015), Kurzübersicht zum bundesstaatlichen Finanzausgleich, S. 3
24 Vgl. Webel, K. in Schwarz, B./Pahlke, A. (2015), § 370 AO, Rz. 1
25 Vgl. Wedelstädt von, A. (2015), S. 1
26 Vgl. Webel, K. in Schwarz, B./Pahlke, A. (2015), § 370 AO, Rz. 168 ff.
27 Vgl. Nordhoff, D. (2009), S. 43
28 Vgl. Wedelstädt von, A. (2015), S. 2
29 Vgl. Jäger, M. in Klein, F. (2014), § 370 AO, Rn. 5
30 Vgl. Nordhoff, D. (2009), S. 44
31 Vgl. Jäger, M. in Klein, F. (2014), § 370 AO, Rn. 120, 125
32 Vgl. ebenda, § 370 AO, Rn. 121, 125
33 Vgl. ebenda, § 370 AO, Rn. 480 ff.
34 Vgl. Ransiek, A. in Kohlmann, G. (2014), § 370 AO, Rz. 600 ff.
35 Vgl. Nordhoff, D. (2009), S. 47
36 BGH-Urteil vom 8.09.2011 StR 38/11, 465; Jäger, M. in Klein, F. (2014), § 370 AO, Rn. 171
37 BGH-Urteil vom 17.03.2005 StR 328/04, NStZ 2005, 517
38 Vgl. Bundesrechnungshof (2003), S. 25
39 Vgl. Ebenda, S. 29
40 Dieser wird ebenfalls durch den Initiator bestimmt.
41 Vgl. Bundesrechnungshof (2003), S. 30
43 Vgl. Ebenda, S. 31
44 Aufgrund der durch Schwarzarbeit entstehenden Billiglöhne und Gewinne durch Hinterziehung.
45 Vgl. O.V. (2013), Pressemitteilung der Finanzbehörde Hamburg.
46 BFH-Urteil vom 13.1.2011, V R 12/08, BStBl II 2012, 61; BFH-Urteil vom 9.12.2010, V R 17/10, BStBl II 2012, 53
47 Vgl. Radeisen, R. (2014), S.1
9783668159877
9783668159884
v316744
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart – Rechnungslegung und Steuern
Steuern Umsatzsteuer Steuerbetrug Steuerhinterziehung Reverse-Charge Vorsteuervortrag Vorsteuer
Felix Scholz (Autor)