Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/betreuung-trotz-vorsorgevollmacht-der-ungeeignete-bevollmaechtigte-366134
Timestamp: 2019-11-12 21:55:56
Document Index: 209749148

Matched Legal Cases: ['§ 1896', '§ 1897', '§ 1897', '§ 26', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Betreu­ung trotz Vor­sor­ge­voll­macht – der unge­eig­ne­te Bevoll­mäch­tig­te | Rechtslupe
Betreu­ung trotz Vor­sor­ge­voll­macht – der unge­eig­ne­te Bevoll­mäch­tig­te
Gemäß § 1896 Abs. 2 BGB darf ein Betreu­er nur für Auf­ga­ben­krei­se bestellt wer­den, in denen die Betreu­ung erfor­der­lich ist. Die Betreu­ung ist nicht erfor­der­lich, soweit die Ange­le­gen­hei­ten des Voll­jäh­ri­gen durch einen Bevoll­mäch­tig­ten eben­so gut wie durch einen Betreu­er besorgt wer­den kön­nen. Eine wirk­sam erteil­te Vor­sor­ge­voll­macht steht daher der Bestel­lung eines Betreu­ers grund­sätz­lich ent­ge­gen, sofern gegen die Wirk­sam­keit der Voll­machts­er­tei­lung kei­ne Beden­ken bestehen 1 oder der Bevoll­mäch­tig­te unge­eig­net ist, die Ange­le­gen­hei­ten des Betrof­fe­nen zu besor­gen, ins­be­son­de­re weil zu befürch­ten ist, dass die Wahr­neh­mung der Inter­es­sen des Betrof­fe­nen durch jenen eine kon­kre­te Gefahr für das Wohl des Betrof­fe­nen begrün­det. Dies ist der Fall, wenn der Bevoll­mäch­tig­te wegen erheb­li­cher Beden­ken an sei­ner Geeig­net­heit oder Red­lich­keit als unge­eig­net erscheint 2.
Zudem hat das Betreu­ungs­ge­richt nach § 1897 Abs. 4 Satz 1 BGB einem Vor­schlag des Betrof­fe­nen, eine Per­son zum Betreu­er zu bestel­len, zu ent­spre­chen, sofern die Bestel­lung des vor­ge­schla­ge­nen Betreu­ers dem Wohl des Betrof­fe­nen nicht zuwi­der­läuft. Ein sol­cher Vor­schlag erfor­dert in der Regel weder Geschäfts­fä­hig­keit noch natür­li­che Ein­sichts­fä­hig­keit 3. Nach § 1897 Abs. 4 Satz 1 BGB steht dem Tatrich­ter bei der Aus­wahl des Betreu­ers kein Ermes­sen zu. Es ist die Per­son zum Betreu­er zu bestel­len, die der Betreu­te wünscht 4. Der Wil­le des Betreu­ten kann aber dann unbe­rück­sich­tigt blei­ben, wenn die Bestel­lung der vor­ge­schla­ge­nen Per­son dem Wohl des Betreu­ten zuwi­der­läuft. Dies setzt vor­aus, dass sich auf­grund einer umfas­sen­den Abwä­gung aller rele­van­ten Umstän­de Grün­de von erheb­li­chem Gewicht erge­ben, die gegen die Bestel­lung der vor­ge­schla­ge­nen Per­son spre­chen. Es muss die kon­kre­te Gefahr bestehen, dass der Vor­ge­schla­ge­ne die Betreu­ung des Betrof­fe­nen nicht zu des­sen Wohl füh­ren kann oder will 5.
Nach § 26 FamFG hat das Gericht von Amts wegen alle zur Fest­stel­lung der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen erfor­der­li­chen Ermitt­lun­gen durch­zu­füh­ren. Das gilt auch für das Beschwer­de­ge­richt, das in den Gren­zen der Beschwer­de voll­stän­dig an die Stel­le des Gerichts ers­ter Instanz tritt und das gesam­te Sach- und Rechts­ver­hält­nis, wie es sich zur Zeit sei­ner Ent­schei­dung dar­stellt, sei­ner Beur­tei­lung zu unter­zie­hen hat 6. Über Art und Umfang die­ser Ermitt­lun­gen ent­schei­det zwar grund­sätz­lich der Tatrich­ter nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen. Das Rechts­be­schwer­de­ge­richt hat jedoch u.a. nach­zu­prü­fen, ob das Beschwer­de­ge­richt die Gren­zen sei­nes Ermes­sens ein­ge­hal­ten hat, fer­ner, ob es von unge­nü­gen­den Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen aus­ge­gan­gen ist 7.
Eine ent­spre­chen­de tatrich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung setzt aber ver­fah­rens­recht­lich vor­aus, dass dem als Betreu­er Vor­ge­schla­ge­nen zunächst mit den Mit­tei­lun­gen, auf die das Gericht die Zwei­fel an des­sen Eig­nung als Betreu­er stüt­zen will, kon­fron­tiert wird und er Gele­gen­heit erhält, sich hier­zu per­sön­lich vor Gericht zu äußern 8. Eine sol­che Gele­gen­heit ist in dem vor­lie­gen­den Ver­fah­ren dem Vater der Betrof­fe­nen nicht ein­ge­räumt wor­den. Damit sind die an eine ermes­sens­feh­ler­freie amts­we­gi­ge Tat­sa­chen­er­mitt­lung zu stel­len­den Anfor­de­run­gen nicht erfüllt.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. August 2013 – XII ZB 206/​13
BGH, Beschluss vom 15.12.2010 – XII ZB 165/​10, Fam­RZ 2011, 285 Rn. 11 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 13.04.2011 – XII ZB 584/​10, Fam­RZ 2011, 964 Rn. 15 mwN[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 15.12.2010 – XII ZB 165/​10, Fam­RZ 2011, 285 Rn. 14; und vom 16.03.2011 – XII ZB 601/​10, Fam­RZ 2011, 880 Rn. 21[↩]
vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 15.09.2010 – XII ZB 166/​10, Fam­RZ 2010, 1897 Rn.20 mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 15.09.2010 – XII ZB 166/​10, Fam­RZ 2010, 1897 Rn.20 mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 05.01.2011 – XII ZB 240/​10, Fam­RZ 2011, 367 Rn. 8[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 13.04.2011 – XII ZB 584/​10, Fam­RZ 2011, 964 Rn. 16 mwN[↩]
vgl. auch BGH, Beschluss vom 15.12.2010 – XII ZB 165/​10, Fam­RZ 2011, 285 Rn. 18[↩]
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