Source: https://community.beck.de/2019/12/16/ausufernde-jugendgewalt
Timestamp: 2020-04-05 19:57:20
Document Index: 27288362

Matched Legal Cases: ['Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 16', '§153', '§153']

Ausufernde Jugendgewalt? | beck-community
Rechtsgebiete: StrafrechtJugendstrafrechtKriminologie96|10419 Aufrufe
Harry Hirsch kommentiert am Di, 2019-12-17 09:43 Permanenter Link
"Zwar macht sich zwischenzeitlich die Zuwanderung ... durchaus bemerkbar; der Anteil von Personen mit Migrationshintergrund an den Tatverdächtigen ist seit 2015 erheblich gestiegen." Meinen Sie wirklich "zwischenzeitlich" oder doch "inzwischen"? Das ist ja ein erheblicher Unterschied. Ansonsten: Ein erhellender Artikel, den aber gewisse Kreise nicht zur Kenntnis nehmen dürften, weil er ihrer Filterblase widerspricht.
Prof. Dr. Henning Ernst Müller kommentiert am Di, 2019-12-17 11:58 Permanenter Link
die Formulierung "zwischenzeitlich" ist mit Bedacht gewählt. Die Zuwanderung hat sich "zwischenzeitlich" in den Fallzahlen bemerkbar gemacht, mittlerweile aber deutlich weniger. Bei den Anteilen an den Tatverdächtigen macht sich die Zuwanderung allerdings immer noch bemerkbar durch einen höheren Prozentsatz. Allerdings müssen drei Entwicklungen berücksichtigt werden, die sich voraussichtlich überlappend in der Fall- und Tatverdächtigenstatistik niederschlagen (werden):
- der deutliche Rückgang der Zuwanderungszahlen (insbes. hins. junger Männer und Jugendlicher) seit 2017
- die Alterung (wer 2015 als Jugendlicher oder Heranwachsender gekommen ist, ist inzwischen zumindest Heranwachsender oder gar Erwachsener), die ohnehin auf die Devianz/Straftatenbegehung reduzierenden Einfluss hat
- die (zwar langsame, aber nicht zu vernachlässigende) Integration derjenigen, die schon längere Zeit in Deutschland verbracht haben und zunehmend neben Sprachkenntnissen einen gesicherteren Aufenthaltsstatus/Ausbildung/Arbeitsstelle bekommen, und daher anomische Zustände beseitigt werden, die noch in den Jahren 2015/2016 vorherrschten, bei gleichzeitiger vermehrter Abschiebung derjenigen, die keinen Aufenthaltsstatus bekommen bzw. zu erwarten haben.
Aus allen drei Gründen scheint mir "zwischenzeitlich" die richtige Wortwahl zu sein.
Leider kann ich niemanden dazu bewegen, diesen Beitrag zu lesen, der ihn nicht lesen will. Aber vielleicht kann der Beitrag ja in der Diskussion mit Personen, die sachlichen Argumenten zugänglich sind, etwas ausrichten.
Alexander Würdinger kommentiert am Mi, 2019-12-18 08:07 Permanenter Link
auch wenn ich es sehr bedauere, dass Sie auf meine Themen nicht eingehen, handhabe ich es umgekehrt so, mich zu Ihren Themen zu äußern.
In diesem Fall haben Sie in der Tat ein äußerst relevantes Thema aufgegriffen. Ich würde es auch als geradezu heldenhaft bezeichnen wollen (das meine ich tatsächlich ohne jede Ironie), wie Sie offenbar die Absicht verfolgen, sich gegen die Berichterstattung der Mehrheit der Medien auf Bildzeitungs-Niveau zu stemmen. Ich brauche allerdings nicht besonders zu betonen, dass ich diesen Kampf für schlicht aussichtslos halte. Umso mehr gebührt Ihnen Dank für Ihre Bemühungen.
Micha kommentiert am Di, 2019-12-17 12:13 Permanenter Link
Ich denke, das die Differenz zwischen echten Zahlen und gefühlter Wirklichkeit dem Umstand geschuldet ist, das durch die "sozialen" Medien viel mehr über die wenigen Gewalttaten berichtet wird. Dadurch sieht der OttoNormalVerbraucher gefühlt viel mehr Gewalt, obwohl sie rückläufig ist.
Leser kommentiert am Mi, 2019-12-18 09:48 Permanenter Link
- Man muss sich m. E. hüten, Statistiken und wissenschaftlichen Untersuchungen grundsätzlich zu misstrauen. Diese Ablehnung von Expertenwissen, von nachprüfbaren Fakten ist ein Merkmal von Populismus. Daher sind die o. g. Untersuchungsergebnisse sehr ernst zu nehmen und als Indiz zu verstehen, dass etwas an der öffentlichen Wahrnehmung nicht stimmt. Aber: Kriminalitätsstatistiken sind sehr, sehr problematisch. Würde alle Polizisten entlassen, würde die PKS einen scharfen Rückgang der Straftaten auswerfen. Ist der öffentliche Raum derart unsicher, dass sich niemand heraustraut, geht die Gewalt zurück. Sinkt die Gewalt auf Dorffesten und steigt die Gewalt in städtischen Vergnügungsvierteln, mag das insgesamt einen Rückgang bedeuten, macht aber den wirtschaftlich und politisch wichtigen Lebensraum Stadt nicht sicherer. Bilden sich "rechtsfreie Räume", die wiederum alle Kriminellen anziehen, mag die Zahl angezeigter Straftaten zurückgehen, aber von einem funktionierenden Staat mag man da nicht sprechen. Ich fürchte daher, dass man mit einem globalen Blick, mit gesamtdeutschen Statistiken hier zu pauschal urteilt.
- Wahrscheinlich liegt aber zumindest auch eine Fehlwahrnehmung vor. Ich schätze, dass die Toleranz für Gewalttaten gesunken und die Angst davor gestiegen ist, was mir auch zur demographischen Entwicklung zu passen scheint. Es wäre für die Diskussion förderlich, das Kind auch so zu nennen, und bspw. nicht vermeintlich steigende Kriminalität zu kritisieren, sondern für eine weitere Reduzierung einzutreten. Im Umweltbereich bspw. hat sich auch eine Verschiebung dessen ergeben, was die Bevölkerung hinzunehmen bereit ist.
Gast kommentiert am Fr, 2019-12-27 14:06 Permanenter Link
Hier gibt es einfach mehrere, teil gegenläufige Entwicklungen, die eine einfache Kriminalstatistik in dieser Form nicht hinreichend abbildet. In der Tat ist die Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen sogar eher etwas rückläufig, insbesondere im ländlichen Raum. Gegenläufig hierzu ist der Anstieg exzessiver Gewalt in städtischen Problemvierteln, "no-go-areas", clanregierten Stadtvierteln, und auch durch Horden junger Männer mit Migrationshintergrund. Beispiel: "Böllerverbot" in mehreren Stadtvierteln Berlins, um das Schmeißen von Böllern auf Polizisten durch "Horden junger Männer" (so O-Ton Polizei) zu unterbinden. Eine Rolle spielt auch die zunehmende Erfahrung junger Frauen, in manchen deutschen Städten nachts eben nicht mehr allein auf die Straße zu gehen. Auch dieses Verhalten wirkt sich natürlich günstig auf die Kriminalstatistik aus und wird auch durch die Meldungen in den Medien begünstigt. Das Ergebnis (besseres Vermeidungsverhalten) ist allerdings nicht unbedingt das, was wir uns unter einer wünschenswerten Kriminalentwicklung in Deutschland vorstellen.
Prof. Dr. Henning Ernst Müller kommentiert am Fr, 2019-12-27 17:49 Permanenter Link
In der Tat ist die Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen sogar eher etwas rückläufig, insbesondere im ländlichen Raum. Gegenläufig hierzu ist der Anstieg exzessiver Gewalt in städtischen Problemvierteln, "no-go-areas", clanregierten Stadtvierteln, und auch durch Horden junger Männer mit Migrationshintergrund.
Das KANN so sein, und es klingt für Menscehn, die dei Nachrichten verfolgen, auch plausibel. Aber Sie nennen dafür keinerlei Quellen. Deshalb handelt es sich wohl nur um eine Vermutung Ihrerseits.
Beispiel: "Böllerverbot" in mehreren Stadtvierteln Berlins, um das Schmeißen von Böllern auf Polizisten durch "Horden junger Männer" (so O-Ton Polizei) zu unterbinden.
Ich habe während der 1980er und 1990er Jahre in Berlin gewohnt - in einem der Viertel, das damals schon, bei höheren Kriminalitätsraten übrigens, in der Presse als "No-Go-Area" bezeichnet wurde. Ein Viertel, das besonders betroffen war von den tagelangen Böllerattacken, nicht nur auf Polizisten. Sie haben recht: Ja, in Berlin herrscht zw. dem 27.12 und Anfang Januar nahezu Ausnahmezustand, weil sich etliche Berliner Jugendliche/Heranwachsende (darunter viele mit Migrationshintergrund) einen zweifelhaften Spaß daraus machen, andere mit Böllern zu terrorisieren. Ich will nur sagen: Das ist kein neues Phänomen. Ob ein Verbot dagegen hilft, weiß ich nicht. Was ich aber weiß: Das Böllerverbot ist sicher kein "Beispiel" dafür, dass in bestimmten Stadtvierteln ein Anstieg "exzessiver Gewalt" zu beobachten ist.
Als die (kriminelle) Tötungsrate in New York City stark zurückging (inzw. auf ein Zehntel des Höchststands in den 1980ern), hat der Innensenator den damaligen New Yorker Polizeichef nach Berlin eingeladen, um von ihm zu lernen. Als der dann seine Statistik zeigte, merkte man, dass vielleicht lieber ER von Berlin lernen sollte als umgekehrt. Denn die Tötungsraten sind in New York City immer noch dreimal so hoch wie die in Berlin (trotz von Ihnen vermuteter "exzessiver Gewalt").
Eine Rolle spielt auch die zunehmende Erfahrung junger Frauen, in manchen deutschen Städten nachts eben nicht mehr allein auf die Straße zu gehen. Auch dieses Verhalten wirkt sich natürlich günstig auf die Kriminalstatistik aus und wird auch durch die Meldungen in den Medien begünstigt.
Dass junge Frauen vorsichtig sind und dadurch auch Angriffe vermieden werden, ist ebenfalls eine plausible Vermutung für ein "Dunkelfeld, das gar nicht erst entsteht". Ein "Anstieg exzessiver Gewalt" lässt sich damit aber nicht belegen.
Das Ergebnis (besseres Vermeidungsverhalten) ist allerdings nicht unbedingt das, was wir uns unter einer wünschenswerten Kriminalentwicklung in Deutschland vorstellen.
Da stimme ich Ihnen natürlich zu. Allerdings stimmt der Zusammenhang nicht: Es ist KEINE Aussage zur Realität der Straftatenbegehung, wenn man die (behauptet zunehmende) Furcht als Indiz dafür ansehen will, dass Straftaten trotz gegensätzlicher Statistik eben doch irgendwie ansteigen. Nach allem, was wir über Kriminalitätsfurcht wissen (und die ist ziemlich gut erforscht) ist sie relativ weit entfernt von der realen Kriminaliätsentwicklung. Aber man muss sie natürlich ernst nehmen.
Sonja Ehrlich kommentiert am Fr, 2019-12-27 23:47 Permanenter Link
Wenn ich mir Facebook und Co. so ansehe, nehme ich eher eine Verrohung in der Gesellschaft wahr.
Dass diese ausschließlich digital vorhanden ist, halte nicht nur ich für unrealistisch.
Insoweit : glaube nie einer Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.
Jüngstes Beispiel : Renate Künast und ihre Klage wegen diverser angeblich sachbezogener Beschimpfungen.
Mag sein, dass Jugendkriminalität zurückgeht.
Wenn man mal die anderen Zeichen der Zeit mit einbezieht, erscheint mir das allerdings nicht wirklich plausibel.
Gast kommentiert am Sa, 2019-12-28 09:45 Permanenter Link
Persönliche Eindrücke, auch die von einzelnen Kommentatoren aus dem Beck-Blog, haben weniger Aussagekraft als geprüfte und methodisch adäquate Statistiken, für die auch Juristen und Mediziner eben keine wirklichen Experten sind.
Wenn z.B. einem Juristen wie RA Strate ein hohes Renommee zugestanden wird in Sachen Wiederaufnahmen, dann leitet das sich doch aus einer nach seinen Angaben etwas höheren Erfolgsquote der von ihm betriebenen Wiederaufnahmen ab, als sie dem allgemeinen Durchschnitt entspricht. Diese rein statistische Aussage wäre auch leicht nachprüfbar auf Signifikanz von jedem Statistiker, der die Anzahl aller seiner von ihm betriebenen Wiederaufnahmen kennt und wieviele davon zu einem milderen Urteil als vorher führten, denn das alleine zählt doch als Erfolg. Hat ein RA lediglich eine einzige Wiederaufnahme betrieben und gleich Erfolg damit gehabt, dann hat er zwar 100% als Erfogsquote, aber damit doch noch kein Renommee.
Jeder Statistiker würde ihn auch zu Recht auslachen, wenn er damit prahlen würde, weil dies Erfolgsquote ohne Signifikanz wäre.
"glaube nie einer Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast."
Das ist dem Unwissen über das Erkennen von Fälschungen und dem Prüfen und Bewerten von seriösen Statistiken geschuldet, wobei eben auch immer die Methodenkritik dazugehört.
Sonja Ehrlich kommentiert am Sa, 2019-12-28 10:52 Permanenter Link
Sie wissen doch gar nicht, was ich weiß oder nicht weiß.
Statistiken erfassen immer nur eine bestimmte Personengruppe.
Herr Professor Müller hat die Problematik von Statistiken noch sehr umfangreiche ausgeführt.
Sie, werter Herr R., sind auch kein ausgewiesener Experte für Statistiken. Informatiker übrigens schon ;)
Gast kommentiert am Sa, 2019-12-28 12:39 Permanenter Link
Sie können ja höchstens nur nach Ihren Kommentaren bewertet werden, alles andere entzieht sich doch jeder Kenntnis des gewöhnlichen Lesers, das gilt auch für andere Kommentatoren.
Sonja Ehrlich kommentiert am Sa, 2019-12-28 14:13 Permanenter Link
Aber Sie natürlich. Sie können ja alles, vom Mediziner über den Juristen über den Mathematiker über den Informatiker können Sie alles.
Warum dann trotzdem immer so viel Blödsinn dabei herauskommt, das ist nun wirklich Ihr ganz persönliches Geheimnis.
Sonja Ehrlich kommentiert am Sa, 2019-12-28 10:55 Permanenter Link
"Diese rein statistische Aussage wäre auch leicht nachprüfbar auf Signifikanz von jedem Statistiker, der die Anzahl aller seiner von ihm betriebenen Wiederaufnahmen kennt und wieviele davon zu einem milderen Urteil als vorher führten, denn das alleine zählt doch als Erfolg."
Diese Aussage ist von vorne bis hinten grober Unfug und zeigt, dass Sie von Statistiken selbst gar nichts verstanden haben.
Gast kommentiert am Sa, 2019-12-28 12:42 Permanenter Link
Selbstverständlich ist die Angabe eine persönlichen Erfolgsquote eines RA nur eine ganz einfache Statistik.
Gast kommentiert am Sa, 2019-12-28 10:04 Permanenter Link
Zur Sache selbst: Jeder, der aus der Migration seit 2015 signifikante (Prognose-)Aussagen zur (weiteren) Entwicklung von Kriminalität in allen Bereichen machen möchte, dem ist der kurze Zeitraum von lediglich 4 Jahren seit 2015 entgegen zu halten.
Dazu müssen einheitliche Statistiken über viel mehr als 4 Jahre erstellt werden (über Generationen am besten hinweg), aber auch nach gleichen Kriterien erstellt bezüglich der Erhebung von Daten, oder dann aufwendig bereinigt, wenn sich die Erhebungskriterien ändern, was doch meistens der Fall dabei ist.
Sonst hat der Populismus leichtes Spiel.
Sonja Ehrlich kommentiert am Sa, 2019-12-28 10:53 Permanenter Link
Vielleicht haben Sie es ja jetzt auch begriffen.
Gast kommentiert am Sa, 2019-12-28 12:44 Permanenter Link
Womit Sie nichts anders als einen Zirkelschluß durch Wiederholung getätigt haben.
Gast kommentiert am Sa, 2019-12-28 13:47 Permanenter Link
Sie dürfen dann jetzt folgende Statistiken mal interpretieren als Statistik-Experte aus der Informatik:
Aus der PKS 2018 für den Freistaat Sachsen die Angaben zu gefährlicher und schwerer Körperverletzung von 2014 bis 2018 mit einer Aufschlüsselung nach Deutsche und Nichtdeutsche bei den Tatverdächtigen, KV allgemein wurde da nicht extra aufgeführt.
Aus der PKS 2018 für den Freistaat Bayern die Angaben zur Körperverletzung allgemein. Auf der Seite 22 des PDF sind aufgeschlüsselt die Tatverdächtigen der Jahre 2009, 2017, 2018 und zwar differenziert nach Deutsche, Nichtdeutsche und Zuwanderer.
Beide Statistiken haben zwar unterschiedliche Modalitäten, die Prozentzahlen der Tatverdächtigen übersteigen indes den jeweiligen Bevölkerungsanteil der beiden Freistaaten.
Bie den Wohnungseinbrüchen in Bayern für 2018 sind Prozentzahlen auf der Seite 33 des PDF zu lesen, die ich hier nicht zitiere. Die müssen Sie schon selber lesen, ebenso die Zahlen beim Wohnungseinbruch in Sachsen.
Sind doch interessante Unterschiede.
Sonja Ehrlich kommentiert am Sa, 2019-12-28 14:14 Permanenter Link
Darf ich nicht. Sie haben ja ganz allein die Weisheit und das Wissen gepachtet und jede andere Meinung ist ohnehin unqualifiziert.
Da wirds schnell leer in den Diskussionen.
Gast kommentiert am Sa, 2019-12-28 17:29 Permanenter Link
Mit der eristischen Dialektik können Sie bei mir nicht wirklich punkten, die ist doch auch schon mindestens seit Arthur Schopenhauer bekannt.
Dr. Egon Peus kommentiert am Sa, 2019-12-28 15:19 Permanenter Link
Dem ist mehrfach beizupflichten. Interessant sind regelmäßig nur Langzeitübersichten. So pflege ich wirtschaftsorientierte Debatten abzubrechen, wenn andere sich weigern, Statistiken für die Zeit seit 1948 zu akzeptieren. Es hat zwei strukturelle tiefstgreifende und längstwirkende Knicks gegeben: ab 1974 die öffentliche Verschuldung, seit 1976 die Arbeitslosigkeit.
Andererseits ist es in Debatten ein oft betriebenes Spielchen, bei tedenziell ungewünschten Hinweisen die Frage vorzuhalten: und wo sind die Belege? Nun, bei manchen Dingen, die eben allgemein bekannt sind, braucht man so etwas gar nicht. Früher kostete ein Brief 20 Pfennig. Nun - ich weiß es einfach, ich habe doch als Kind und Jugendlicher eben so geklebt. Da können Gutigutis gerne von "Populismus" schwadronieren - manches weiß die Bevölkerung eben. So mancher auch den Umrechnungskurs 1 : 1,95583. 20 Pfennig sind also geringfügig mehr als 10 Euro-Cent. -
Das Volk weiß aber auch , dass manches umgekehrt gute Richtung gewonnen hat. In Kinderzeiten war, gerade zu Weihnachten, einmal die Gelegenheit, mit Mutters Schwester in Canada zu telephonieren. Herzrasen des Vaters - das kostete damals leicht 50 DM, immerhin etwa 25 Euro. Seit Entsorgung des Beamtenapparats und ZUgang zur Freiheit - was kosten Telephon und mail heute? Horror für zeitgeistige Gutmenschen ist freiich, dass magels nennenswerter Kosten auch freie, breitgestreute, dezentrale, individuelle Meinungsäußerung möglich ist und auch stattfindet. Die , die das im Wissen um ihren Untergang als Meinungsdiktatoren des Zeitgeistes und framedefinierte zwangsbeitragsfinanzierte Rundfünkler aufzuhalten versuchen, reden dann von "roh", "Hass und Hetze", "populistisch" ( im Glauben, dieses Wörtlein eigne sich noch als Kotbröckchen der Missachtung - es ist eher klassische Hochachtung der Demokratie, SPQR!) , "pipapo-extrem"- "pipapo-extremistisch", "pipapo-radikal", rectsnationl, nazi , nazistisch und was solche Verbalorgien des Selbsteierkraulens so alles sind.
Langfriststatistiken - in der Tat, wären wertvoll. Seit 1950 - Gewaltkriminalität Biodeutsche, Deutschpässler mit weiterer Staatsangehörigkeit, Nichtdeutsche. Manches ist ja aufbereitet. Leider wurde hier ein Hinweis auf eine beachtenswerte Studie und Auswertung der Leipziger Strafrechts-Ordinaria Elisa Hoven weggelöscht. Weiß jemand, warum?
Dr. Egon Peus kommentiert am Sa, 2019-12-28 15:40 Permanenter Link
Um Fakten von Vorurteilen klar abzugrenzen: Es wäre gewiss ein Vorurteil, wenn her ein Literaturverweis deswegen weggelöscht worden wäre, weil die Autorin jünger und wesentlich hübscher als der hiesige Löschknopfaugust ist.
Dr. Egon Peus kommentiert am Di, 2019-12-17 18:55 PERMANENTER LINK
Sehr geehrter Herr Professor Müller, besten Dank, zunächst auch für den Hinweis auf Fischer. Nun kann man die Vielzahl der berührten Aspekte abgleichend behandeln. Öffentliche Wirkung? Nun, Sie können niemanden dazu bewegen, einen (bezahlungspflichtigen) Artikel zu lesen. Aber die Chance hat man eben doch - das ist anders beim Löschen. Dann ist ein Beitrag weg. Illustrativ auch dem genre nach Fischer:
In Kassel ist ein Mann durch eine Gewalttat zu Tode gekommen. Die öffentliche Behandlung dieses Geschehens wirft ein grelles Schlaglicht auf den Zustand der Gesellschaft. leicht modifiziertes Zitat Ende.......... Bitte überlegen Sie einmal, wann Sie zuletzt in ARD oder ZDF............... etwa im Laufe der Wochen gefühlt vierhundert Mal gehört hätten: Verlautbarungen und Berichten folgt, ist die Tat, vorab und auf jeden Fall, als entsetzlich, grauenhaft, fürchterlich, schockierend, zutiefst verstörend, unfassbar usw. Oder lange Filmberichte über die pomphafte Beerdigung eines ( Art. 1 GG: EINES Menschen ), mit Ministerpräsident, Ministern, Bischöfen , Militär-, Polizeiehrenwachen. Zu Zustand der Gesellschaft gehört auch, dass durch Anstoßen auf Bahnsteigen in Voerde und Frankfurt "zu Tode gekommene" keineswegs bei einer Trauerfeier mit Bundesgrenzschutz, Militär und Polizeiehrenwachen begleitet wurden, soweit berichtet. Oder übersehe ich da etwas - ich wäre für belegten Hinweis dankbar. Bei dem medialen Vergleich wären auch die Zahl und Größe der Artikel in der Presse messbar. Es gibt weiterführende Literatur, jüngst etwa die Leipziger Ordinaria im Strafrecht Hoven u.a.: https://kripoz.de/2019/05/29/kriminalitaet-in-deutschland-im-spiegel-von... - Aber wie gesagt - in Kassel ist ein Mann durch eine Gewalttat zu Tode gekommen. Die öffentliche Behandlung dieses Geschehens wirft ein grelles Schlaglicht auf den Zustand der Gesellschaft. Ich sehe mehrere grelle Schlaglichter. Und mehrere Dunkelfelder. Herr Kutschaty hat ein kluges Wort gesagt:
WER DIE WAHRHEIT NUR HALB SAGT, DER LÜGT AUCH.
Kutschaty Interview Deutschlandfunk 16. August 2018
Es war zwar nicht selbstgesetzte Aufgabe der Autoren in KriPoz, eine direkte Faktenkontrolle anzustellen, aber dass auch nur eine der ausgewerteten Aussagen sachlich unzutreffend sei, sagen sie an keiner Stelle.
Dr. Egon Peus kommentiert am Di, 2019-12-17 20:40 PERMANENTER LINK
Derzeit steht wieder das Thema „Gewalt im öffentlichen Raum“ im Fokus von Medienöffentlichkeit und Politik.In der Tat. In Kassel ist ein Mann durch eine Gewalttat zu Tode gekommen. Die öffentliche Behandlung dieses Geschehens wirft ein grelles Schlaglicht auf den Zustand der Gesellschaft. leicht modifiziertes Zitat Ende.......... Bitte überlegen Sie einmal, wann Sie zuletzt in ARD oder ZDF............... etwa im Laufe der Wochen gefühlt vierhundert Mal gehört hätten:
Jetzt 401 mal: am 17.12.2019 heute, zdfd, 19:01 Uhr. Sarg, ehrenbewacht links und rechts von Uniformierten. Im Fischer-Jargon: "ein Mann durch eine Gewalttat zu Tode gekommen".. 2. Juni 2019, "Die öffentliche Behandlung dieses Geschehens" - am 13.6.2019 ein Ministerpräsident, 2 Ex-Ministerpräsdenten ein Bischof, uniformierte Ehrenwachen , 6 Monate und 4 Tage später: zdf heute19:01 Uhr: das Bild vom 13.6.2019.
Der überblickskundige Fischer möge bekanntgeben, inwieweit die beiden ebenso "durch eine Gewalttat zu Tode gekommenen" Menschen von Voerde und Frankfurt parallel in den "Fokus von Medienöffentlichkeit und Politik" gerückt worden sind. Nach der Wägung von Art. 1 GG ist ein Mensch ein Mensch. Wollte dem jemand widersprechen?
Dr. Egon Peus kommentierte zu Ausufernde Jugendgewalt?5
Um zu Herrn Gast zurückzuehrn: Statistisch wäre einmal aufzuarbeiten, wieviel Fälle, Berichtsanlässe im zwangsbeitragsfnanzierten Rundfunk, in Presse und Journaile, sowie nach Dauer/Länge und Zeilenzahl sowie Fettheit der Überschrift Ergänzng mit Bild, gewonnen haben:
a) EIN Toter i Voerde
b)EIN Toter in Kassel
c) EIN Toter in Frankfurt aM
d) EIN Toter in Chemnitz
e) EIN Toter in Köthen
f) EIN Toter in Augsburg.
Statistiken könnten auch die Zahl der zu Ehrenwachen für die Opfer eingeteilten und angetretenen Uniformierten, die (Ex-)Ministerpräsidenten und Bischöfe angeben.
Gast kommentiert am Sa, 2019-12-28 17:43 Permanenter Link
Peus' Link auf Hestermann/Hoven, Kriminalität in Deutschland im Spiegel von Pressemitteilungen der Alternative für Deutschland (AfD) ist wirklich sehr interessant zu lesen. Fazit: "Populistische Kriminalitätsrhetorik überzeichnet die Gefahren für die Sicherheit des Einzelnen und entwirft das Bild einer von Verbrechen bedrohten Gemeinschaft... Eine übertriebene Kriminalitätsfurcht ist für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in hohem Maße schädlich; sie beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität des Einzelnen, sondern beschädigt den Gemeinsinn und führt zu einem Verlust des Vertrauens in staatliche Institutionen. Populistische Kriminalpolitik birgt zudem das Risiko, dass kriminologische Befunde ignoriert, Langzeitfolgen ausgeblendet und kurzfristige Lösungen komplexeren Konzepten vorgezogen werden."
Dr. Egon Peus kommentiert am Sa, 2019-12-28 20:37 Permanenter Link
Herrn Gast danke ich für die anerkennende Würdigung des Literaturhinweises. Diese exzellente Ausarbeitung der beiden Autoren ist gewiss in mehrfacher Hinsicht auswertungsfähig. Das erkennntnisleitende Interesse wird wohl im Auswertungsschluss ausgedrückt: Kriminalitätsphänomene überzeichnet und andere ausblendet.
Es geht also um die Auswahl, Gewichtung der berichteten Fakten sowie eventuell noch die wertende Darstellung. Im Rahmen von Meinungsfreiheit wird man das wahrnehmen wie auch kritisieren dürfen. Eventuell spielt eine Rolle, inwieweit man auch gewichtungsmäßig permanente Hervorhebung dessen, was ohnehin "alle" hervorheben, erwarten soll. Oben habe ich ja a) - f) sechs Einzelfälle , im Sinne von Art. 1 GG je EIN getöteter Mensch, genannt, allerdings auch auf die wahrnehmbare Verschiedenheit in der öffentlichen Behandlung verwiesen. Jeder kann ja in diesen Tagen prüfen, wie oft und durch wen in etwaigen Jahresrückblicken des jeweils EINEN Toten in Kassel bzw. in Köthen gedacht wird.
Die Grenzen von Statistik und den Wert individueller auch bürgerschaftlicher Wahrnehmung kann ich ja mich bemühen zu exemplifizieren. Manche heben die moralische besondere Verworfenheit von Attacken auf religiöse Versammlungsstätten hervor. Im Prinzio zu Recht. Ich allerdings erfahre an EINEM Tage folgndes:
a) in Bochum - Sevinghausen Herz Jesu, Einbruch und Raub ( WAZ 28.12.2019 )
b9 in Bochum-Dahlhausen: Luther-Kirche Einbruch und Raub (WAZ 28.12.2019
c) in katholisch.de:, 28.12.2019 zwischen 20. und 22. 12.2019: in Bergzabern Reliquie der Hl.Edith Stein gestohlen.
Tragfähige Statistiken, wie oft jährhlich in Deutschland christliche und katholische Kirchen bzw. Geistlche Opfer bzw. Objekte von Verbrechen werden, scheinen dünn gesät. Da stellen sich Aufgaben.
Waldemar R. Kolos kommentiert am So, 2019-12-29 09:19 Permanenter Link
Ein Rückgang der statistisch erfassten Gewaltstraftaten von Jugendlichen und Heranwachsenden könnte aber theoretisch auch darauf zurückgeführt werden, dass dieser Täterkreis zunehmend dreister und professioneller sich den Ermittlungen entziehen kann und erst gar nicht erwischt wird, die begangene Tat also allenfalls in der allgemeinen Kriminalstatistik gegen Unbekannt auftaucht. Denkbar wäre, dass der Rückgang-Trend in der Kriminalstatistik bei Erwachsenen noch stärker ist als aus der Statistik zu entnehmen und eine mögliche statistische Verschiebung zu Lasten der Erwachsenenkriminalität trotzdem kompensiert wird, ohne den Trend der Erwachsenenkriminalität an sich zu verändern.
Eigentlich möchte ich gerne der positiven Statistik zufolge daran glauben, dass der Trend bei Jugendkriminalität und Jugendgewalt dem allgemeinen Trend folgt und im Rückgang begriffen sei. Das fällt mir aber nicht leicht, wenn ich bedenke, dass Jugendgewalt und -kriminalität nicht einmal an Schulen rückgängig zu sein scheint. Eine bundesweite Statistik dazu (also auf Schulen beschränkt) habe ich aber noch nicht gefunden.
Prof. Dr. Henning Ernst Müller kommentiert am Mo, 2019-12-30 23:01 Permanenter Link
Warum meinen Sie, die Gewalt an Schulen gehe nicht zurück? Nur so ein Gefühl? In der Tat sind es die Statistiken der Unfallkassen ("Raufunfallstatistik"), die hier seit Jahren eine rückläufige Entwicklung zeigen, unabhängig von Strafanzeigen/Strafverfahren.
Hier noch der Link zu einem Presse-Artikel aus diesem Jahr.
Dr. Egon Peus kommentiert am Di, 2019-12-31 01:33 Permanenter Link
Sehr geehrter Herr Professor Müller, zwischen allgemeiner oder gar veröffentlichter Statistik und "Gefühl" gibt es persönliche Wahrnehmungen. So die Mitteilung von Lehrern, dass dienstlich/aufsichtlich Strafanzeigen wegen Delikten von Schülern unerwünscht seien. So die persönliche Wahrnehmung, dass ein Lehrer verletzt und bandagiert wochenlang herumläuft, verbunden mit seiner Schilderung, dass gewalttätige Schüler die Verletzung herbeigeführt haben. Seit ca 30 Jahren im persönlchen Umfeld die Darlegung von Lehrern , dass ganz generell die Schulaufsicht völlig charakterlos und nachgiebig gegenüber Eltern und Schülern agieren lässt, auch jenseits von Gewalt oder Delikten im strafrechtlichen Sinne. Vor ca 25 Jahren die Worte eines Gymnasialschulleiters, auch Presbyters, wonach breitflächig in der Jugend jedwede Moral abhandengekommen sei, mit Ausnahme vielleicht (damals) noch , Du sollst nicht töten. Klassisch waren (sind sogar pro forma noch) Diebstahl und Sachbeschädigung Straftaten. Aber wenn von Oberpolitebene gedröhnt wird, Zucht, Ordnung Disziplin und Sauberkeit seien ja nun "Tugenden", mit denen man ein KZ führe ......... Es fällt auf, bis in Jugend hinein, wie oft von Messerattacken berichtet wird, und davon, dass Darniederliegende heftig weiterhin mit Fußtritten gegen den Kopf traktiert werden. Teils in Videofilmen sichtbar. Solche im Volk vorhandenen Wahrnehmungen werden nicht deshalb irrelevant, Gefühl oder Populismus, weil manches nicht in "Statistiken" aufsummiert wird. Sind aber manche solcher Erscheinungen staatsamtlich mehr oder weniger unterdrückt, so bleibt nur bürgerschaftliches Engagement, das so etwas selbst organisiert . Der Willy Brandt'sche Mündige Bürger müsste das eigentlich leisten können. Bietet er aber auch nur an, Informationen über Dienstpflichtverletzungen von Lehrern zu sammeln und behördlich/parlamentarisch prüfen zu lassen, so findet sich gewiss ein Gericht, das das verbietet, zeitgeistige Empö sowieso. Der übernächste Schritt, Bürgerwehren patrouillieren zu lassen, soll ganz schlimm sein. Aber dazwischen, Meldungen über Straftaten zu sammeln, das wäre doch schon was. Der Leipziger (SPD-) OB hat übrigens vor einiger Zeit öffentlich (FAZ) bedauert, die Strafverfolgung sei "zu luschig". Die Informationserteilung durch Behörden übrigens auch. Wenn wir schon bei Jugend /junge Erwachsene sind: MDR, Spiegel und diverse berichteten von einem Gewaltverbrechen am 16.1.2016 in Oschersleben ( heimkehrende Demonstrationsteilnehmer am Bahnhof mit Eisenstangen überfallen, einer lebensgefährlich verletzt). Man glaube nicht , mittlerweile innerhalb von knapp 4 Jahren hätte die StA Magdeburg oder jener SPD-OB ( Präsident des Städtetages) die wiederholte Frage beantwortet, was aus den strafrechtlichen Ermittlungen zu jenem (wohl: Tötungs-) Verbrechen geworden sei. Wie aus diesem Fall irgendene Statistik "gefüttert"worden ist, ist demzufolge ebenfalls nicht nachvollziehbar.
Waldemar R. Kolos kommentiert am Di, 2019-12-31 11:41 Permanenter Link
Nicht nur so ein Gefühl. Auch SPON schreibt am 27.03.2018:
"SPIEGEL ONLINE hat dieses Interview zum Anlass genommen für einen Text über die Gewalt an Schulen. In diesem Artikel, der am Montagabend erschienen ist, haben wir Daten von der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention des deutschen Jugendinstituts sowie von anderen Jugendgewaltforschern zitiert, wonach die Gewalt an Schulen in Deutschland kontinuierlich seit den Neunzigerjahren gesunken sei.
In der Zwischenzeit haben wir festgestellt, dass diese Daten mittlerweile teilweise überholt sind: Aktuelle Statistiken zeigen, dass die Anzahl der Gewalttaten an Schulen in einigen Bundesländern seit 2015 gestiegen ist. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen, und möchte hier noch einmal auf die jüngsten Gewaltstatistiken einiger Landeskriminalämter hinweisen."
Waldemar R. Kolos kommentiert am Di, 2019-12-31 11:44 Permanenter Link
Dr. Egon Peus kommentiert am So, 2019-12-29 10:53 Permanenter Link
Sehr geehrter Herr Kolos, Sie verweisen zu Recht auf die Unsicherheiten bei Auswertung jedweder Statistik dieser Art. Sie geben nicht quasi auf dem Silbertablett alle Regieanweisungen für politische Entscheidungen. Andererseits soll der demos der Demokratie ja wohl so rational wie möglich Bekämpfenswertes bekämpfen. Nur das ist ja innerer Sinn sinnvoller Statistik. Und da helfen Differenzietungen. Vor wenigen Tagen las ich das zu dem umstrittenen "Hartz IV". Es ist danach eine fulminante Erfolgsgeschichte, soweit es die Planungen um 2003 angeht. Gewaltiger Rückgang der Bedürftigen, soweit es die 2003 in Rede stehenden, also klassisch Mitglieder des deutschen Arbeitsmarktes angeht. Warum dann doch riesiger Zuwachs? Nun, wegen derer, die zu bezeichnen das Diktat des Pressekodex im Rahmen der Kriminalitätsberichterstattung verbietet.
Sie verweisen mit Recht auf die Dunkelfeldprobematik. Nun, was Sie zu Schulen begehren: wegen des political-correct-Terrors der Schulaufsichten werden ja Strafanzeigen von Betroffenen an Schulen soweit wie irgendmöglich inhibiert. Und eine breite Strömung wünscht ja, dass Messerstiche von unter 14-jährigen im Dunkelfeld bleiben. Eine Statistik, wie von Ihnen gewünscht, würde freies bürgerschaftliches Engagement voraussetzen. Eltern bekommen ja so manches mit. Selbst dann bliebe wohl noch Dunkelfeld. Welches Mädchen würde schon wagen , von der Vergewaltigung durch einen 13-jährigen Mitschüler zu sprechen, mit dem weiter zusammen die Schule zu besuchen sie gezwungen ist? Erst recht, nachdem im Bundestag am 18. Oktober 2019 das klare Begehren, Verbrechen primär zu bekämpfen, als - Protokoll S. 14752 - "in hohem Maße - in hohem Maße -" als rügebedürftig gebrandmarkt worden ist. Kriminalität kann man primär bekämpfen, namentlich indem man die besonders einschlägigen Personenkreise ruhigstellt, ggf. mit dem Instrumentarium des Art. 16 GG. Es überzeugt nicht jeden, statt dessen nur sekundär aus Steuermitteln Opfer zu entschädigen. Ergänzend, ja gewiss. Aber niemals den Blick auf die primäre Verbrechensbekämpfung verlieren!
Waldemar R. Kolos kommentiert am So, 2019-12-29 13:02 Permanenter Link
Ich meinte (um es nur richtig zu stellen) nicht das sogenannte Dunkelfeld der Kriminalität, also Straftaten von denen die Ermittlungsbehörden keine Kenntnis haben und sie daher statistisch nicht erfasst werden können. Das ist eine andere Baustelle. Gemeint war die statistische Behandlung von Straftaten, die der Staatsanwaltschaft und der Polizei sehr wohl bekannt sind, der Täter aber nicht ermittelt werden kann. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln in diesen Fällen gegen Unbekannt. Wenn der Täter aber nicht ermittelt wird, dann kann man ja nicht wissen, ob es sich um einen Jugendlichen, Heranwachsenden oder Erwachsenen handelt.
Als erstes dürfte sich dann die Frage stellen, wie behandelt man statistisch diese Fälle. Fallen sie gänzlich in die Statistik für Erwachsene oder nur anteilig nach dem Verhältnis der Erwachsenenkriminalität zu Jugendkriminalität? Jedenfalls wäre die Kriminalstatistik in diesem Punkt (also bei Trennung zw. Erwachsenen und Jugendlichen) nicht mehr deskriptiv, was sie aber im Übrigen ja sein dürfte, zumal die Datenblätter heute digital erhoben und überwacht werden (können). Früher als die Datenblätter noch handschriftlich ausgefüllt wurden, hätte ich noch kein Cent auf die darauf basierende Statistik gegeben.
Prof. Dr. Henning Ernst Müller kommentiert am Mo, 2019-12-30 23:10 Permanenter Link
Es handelt sich um zwei verschiedene Statistiken, die Fallstatistik enthält keine Daten zu den Tätern, unterscheidet also nicht zwischen Erwachsenen und Jugendlichen als Täter-innen. Diese Differenzierung ist nur bei der Tatverdächtigenstatistik möglich. Ihr Einwand, die Jugendkriminalität sei möglöicherweise dadurch nur scheinbar rückläufig, weil die Jugendlichen sich heute weniger leicht polizeilich "erwischen" lassen, ist also möglich. Ich sehe zu dieser Vermutung allerdings keinerlei Anlass. Kriminologisch wäre es auch wenig plausibel, dass sich Jugendgewaltkriminalität heute leichter verbergen lässt. Bei (geplanten) Vermögensdelikten oder BtM-Delinquenz könnte man eher vermuten, dass sich hier technischer Fortschritt o.ä. auf das entspr. Geschick auswirkt.
Dr. Egon Peus kommentiert am Di, 2019-12-31 01:48 Permanenter Link
Sehr geehrter Herr Professor Müller, gern kann man meine Erfahrungenn natürlich als "Gefühl" abtun. Nach Begleitung von 5 Kindern in 64 Schuljahren ( einer hat eine Klasse übersprungen, sonst wären es 65 Schuljahre ) berichte ich, dass um 1985 - ca. 2012 jedenfalls in diesen Einblicksbereichen Schülergewalt mit Messern und körperliche Attacken auf Lehrer nicht wahrzunehmen waren. Über die nachhaltige Unterdrückung von schulbezogenen Strafanzeigen habe ich bereits berichtet.
Sonja Ehrlich kommentiert am Di, 2019-12-31 01:51 Permanenter Link
Und wie viele Fälle, zu denen Beamte gerufen werden, werden gar nicht erst erfasst, weil die Beamten schlicht und ergreifend zu faul sind und sich gegenüber Jugendlichen gerne auch mal als Erzieher aufspielen frei nach dem Motto "ich halte jetzt hier mal einen Vortrag, aber dann lass ich es Dir auch durchgehen, wenn Du nur halbwegs eingeschüchtert tust".
Geht ja nur um Halbstarke, da sind kleine Prügeleien doch nichts Wildes, haben wir früher doch auch so gemacht.
Ich glaube auch nicht daran, dass Jugendkriminalität zurückgeht, ganz im Gegenteil. Wenn man sich anschaut, was für Konzepte es in Schulen beispielsweise bei Gewalt - und Mobbingdelikten gibt, dann wird einem ganz schlecht.
Der eine Schüler schlägt den anderen: beide Schüler müssen einen Aufsatz schreiben, der Täter, warum er geschlagen hat und das Opfer, was es selbst dazu beigetragen hat, dass es geschlagen wurde.
Kein Witz, ist ein neues sozialpädagogisches Konzept in ganz vielen Schulen.
Oder neulich die elfjährige Tochter meiner Freundin: es wurde von mobbenden Mitschülern eine Facebook-Seite erstellt mit Fotos der Tochter meiner Freundin und Aufrufen sexueller Natur. Zwei ausländische Mitschüler, die die Tochter meiner Freundin schon länger immer wieder ärgern und mit deren Selbstbewusstsein und Schlagfertigkeit ein Problem haben.
Jetzt glauben Sie mal bitte nicht, dass die Schulleitung die Eltern informiert hätte. Es wurde die Polizei gerufen, die hat die Löschung der Seite verfügt, aber auch diese hat die Eltern nicht informiert!!!
Und die beiden Mitschüler tyrannisieren konsequent jede Menge andere Mitschüler und Mitschülerinnen, sexualisierte Gewalt und körperliche Gewalt. Was sagt die Rektorin, wenn über diese beiden Persönchen Beschwerden erhoben werden ?!
Das müssen wir alle hinnehmen, das sind traumatisierte Kinder aus islamischen Ländern.
Oder ein Bekannter von uns, arbeitet als Sicherheitsdetektiv in einem Kaufhaus, ist selbst Türke.
Die Jugendlichen klauen und wenn man sie erwischt, zeigen Sie ein Attest von einem Arzt vor, dass sie traumatisiert sind und dann lautet die Anweisung der Polizei : Lasst sie gehen, das sind traumatisierte Flüchtlinge. Dabei sind die jungen Damen und Herren kack frech und kokettieren regelrecht mit solchen Attesten und ihrem Flüchtlingsstatus.
Bevor jetzt hier Gemecker kommt: eine Hälfte von mir ist selbst aus dem Iran. Ich habe also nichts gegen Moslems oder Flüchtlinge aus arabischen oder islamischen Ländern. War selbst mal mit einem Syrer verheiratet.
Oder noch eine Story: ich habe mal ein halbes Jahr bei einer Schule im sozialen Brennpunkt die Nachmittagsbetreuung für die 12 bis 13 Jährigen gemacht, dienstags die Jungs, donnerstags die Mädchen. Ehrenamtlich. Überwiegend islamisch, ein zwei, deutsche Jugendliche dazwischen. Lehrer ständig krank.
Ein junger Mann, gerade einmal 13 Jahre alt, zart gebaut, ein unschuldiges Gesicht, zum Knuddeln niedlich. Stahl in meinem Unterricht seinem Klassenkameraden das Handy. Ich sagte ihm und seiner Clique: ich verlasse jetzt den Raum und schließe die Tür. Keiner verlässt den Raum. Ich komme in exakt 5 Minuten wieder rein und dann ist das Handy wieder da. Wenn nicht, rufe ich die Polizei.
Daraufhin bekomme ich zur Antwort: ich springe hier aus dem Fenster aus dem ersten Stock und haue so ab.
Ich sage: okay, mach das, wenn Du Dir ein Bein brichst, hast Du es selbst zu verantworten.
Er sagt: nein, dann sage ich, Sie haben mich in den Suizid getrieben und ich wollte aus dem Fenster springen.
Ich sage: hier sind zehn andere Jugendliche, mal sehen, ob die das alle so aussagen werden.
Ich sage jetzt hier nicht mehr, außer, ich habe den Raum verlassen, ich kam nach fünf Minuten wieder, es gab noch einen vielleicht nicht ganz so legalen Wortwechsel unter "uns Moslems" (Dein Vater Moslem, Du automatisch auch Muslim! (ob man will oder nicht, egal)).
Dann wurde das Handy rausgerückt. Natürlich habe ich die Schulleitung informiert, die Clique erhielt einen Verweis und durfte nicht mit zur Klassenfahrt.
Der junge Mann, 13 Jahre alt, optisch die Unschuld in Person, manipulativ im Verhalten, dass man seinen Hut zieht, Polizei und Staatsanwaltschaft gut bekannt wegen Dealens mit Drogen, versuchtem Totschlag, diversen schweren Körperverletzungsdelikten.
Mein Vorteil war, dass ich eine gewisse Autorität hatte, da ich als Frau sehr selbstsicher aufgetreten bin, eine Männerberuf hatte, der die Jungs neugierig gemacht hat (Informatik) und eben optisch aus dem Kulturkreis komme und die Gepflogenheiten selbstverständlich in und auswendig kenne und dazu nicht, wie es typisch deutsch ist, mit der Polizei drohe, worauf im Grunde nur der Deutsche mit Respekt reagiert, sondern das Ganze unter Moslems ausgemacht habe ;)
Tut mir leid, Herr Professor Müller, aber dass die Jugendkriminalität abnehmen würde, das kann ich aus meinen eigenen Erfahrungen und den Berichten meiner Freundinnen, die alle selbst schulpflichtige Kinder haben, und auch dem Feedback der Lehrer von dort überhaupt nicht bestätigen.
Andererseits begegnen mir bei meinen Ausritten häufig auch männliche Jugendliche, die einen sprachlos machen, weil sie tatsächlich absolut vorbildlich auf mich als Reiter Rücksicht nehmen und einen ungefragt und freundlich grüßen, dass man sich tatsächlich im ersten Moment fragt, ob man gerade nur verschaukelt wird. Bis sie einem dann das nächste Mal begegnen und wieder freundlich und höflich grüßen, wenn sie mit dem Fahrrad an einem vorbeifahren.
Vor allem: was wollen Sie uns denn mit der Behauptung, die Jugendkriminalität gehe zurück, sagen?
Die Jugend ist nicht so verkommen, wie es ihr nachgesagt wird?
Der antiautoritäre Erziehungsstil trägt nun Früchte und war doch gut?
Die Generation 40 bis 50, die heutzutage erschreckend unmöglich im Benehmen ist, hat eine Nachkommenschaft ganz und gar nicht nach Ihrem Ebenbild erzogen?
Der mutmaßliche Rückgang der Jugendkriminalität scheint Ihnen sehr wichtig zu sein... Warum?
Gast kommentiert am Di, 2019-12-31 09:58 Permanenter Link
Was soll Ihre Message sein? Der mutmaßliche Rückgang der Jugendkriminalität scheint Ihnen sehr wichtig zu sein... Warum?
Die Antwort liegt auf der Hand: Weil das eine gute Nachricht ist und manchmal auch gute Nachrichten transportiert werden müssen um den Eindruck zu vermeiden, dass alles nur immer schlechter wird, weil immer nur schlechte Nachrichten kommuniziert werden als gäbe es eine Sucht nach schlechten Nachrichten. Ein Prosit auf das neue Jahr mit hoffentlich vielen weiteren derart guten Nachrichten!
Gast kommentiert am Di, 2019-12-31 10:05 Permanenter Link
Wer hat`s so schon beklagt, aber noch in seiner Sprache?
Gast kommentiert am Di, 2019-12-31 11:41 Permanenter Link
Auf dieser Website werden Ihre Fragen dazu beantwortet:
Sonja Ehrlich kommentiert am Di, 2019-12-31 11:55 Permanenter Link
War zwar keine ernstgemeinte Frage, trotzdem netter Link.
Ja. Die Welt gibt es auch noch 4019 Jahre später. Ob man sich jetzt auf Autoren verlassen sollte, deren Vorhersagen nicht eintreffen....?!
Dr. Egon Peus kommentiert am Di, 2019-12-31 11:45 Permanenter Link
Soweit zuordnungsfähig: Sokrates, Platon, Aristoteles. - Diese Zitate werden in der allemeinen öffentlichen Debatte gern vorgebracht, um Realprobleme zu verniedlichen und klare Aufassungen zu veralbern. Rchtig scheint mir, nicht eine permanente monodirektionale Entwicklung anzunehmen. Vielmehr gibt es auch Wellenbewegungen. In der jüngeren Zeit erheblich beeinflusst durch multimediale Breitenwirkungen. Da zu Recht auch der Hinweis auf gute Entwicklungen gegeben wird: Aus anderweitig angedeuteten Gründen hatte ich in den letzten Jahren vielfach Gelegenheit, an Feiern von Jugendlichen teilzunehmen (Abitur; Bachelor- bzw. Masterabschlussfeiern an der Universität). Wenn ich das so mit dem versifften Anthropoidmaterial der perversen post68er , nach Aussehen, Kleidung, Benehmen, Werten und Vorträgen vergleiche - eine ganz durchgreifende erhebende Besserung. Die Abiturientia eines der Söhne beging die Feier 2007 in einem türkisch geprägten Fest- und Hochzeitssaal - eine saubere Pracht ohnegleichen. Wenn ich dagegen die abgekifften Würmel an Universitäten der 1980er und 1990er Jahre im Geiste dagegen halte - eine Wonne der Besserung! Weiße Hemden, Krawatten, ordentliche Anzüge. Die jungen Damen mit Eleganz. Akademische Vorträge von Absolventen - auch Damen dem Namen und Aussehen nach orientalischer Herkunft - in bestem Deutsch, in der Sache interessant, gut gegliedert, lebendig, zB Antike und Archäologie, Ausgrabungen, Kunst. Auch in rechten persönlichen Umfeldern - brillante junge Damen und Herren. In Deutschland und international. Wer seit ca. 1995 als Eltern internationalen Jugendaustausch von Schulen miterlebt hat, weiß und hat erfahren intellektuelle, aber eben auch verhaltensmäßige, ethische und sittliche Spitzenpersönlichkeiten. Mir sind da besonders zwei Ungarinnen und zwei Spanierinnen in lebhaftem Blick, und wenn man weiter Austausch der eigenen Kinder mit Ungarn, Italien, Spanien, Tschechei, Frankreich, mehrfach diverse Söhne Griechenland, miterlebt und begleitet hat ( nicht durch Mitreise, nein, das waren Einzelreisen der Kinder oder Gruppen/Klassen), der hat einen Blick für Elite. Auch in deutschen Familien gibt es sie. Und da lohnt jede Elitenförderung. Ob es irgendwo sonst, gar in Bayern, ein Gymnasium gibt, das mit Schulen aus 16 Nationen (incl. Russland, Ukraine, Bulgarien, Tschechei, Slowakei, Ungarn, Griechenland, Italien, Belgien, und um es dranzuhängen: auch Frankreich und England in Kontakt und Schüleraustausch steht? Bei dieser Gelegenheit: bei Examensfeiern bekommt man die Themen von studentischen Arbeiten genannt. Da aber unterhalb der publikationspflichtigen Dissertation, werden sie wohl an den Lehrstühlen alsbald geshreddert. Viele würde ich nach Thema gerne lesen. Möglich wäre das durch pdf-Einstellung in etwa Fakultätsseiten. Geschieht das? Äußerst selten. Da plakative Begriffe wie "Vogelschiss" in öffentlichen Debatten erfreulicn die Aufmerksamkeit schärfen - die XY-Universität "ist eine RIESIGE INTELLEKTUELLE MÜLLKIPPE". Man bekommt die Publikation von studentischen Arbeiten mühsam voran. Auch da kann Engagement "Mündiger Bürger" Gutes zustandebringen.
Sonja Ehrlich kommentiert am Di, 2019-12-31 12:04 Permanenter Link
Abiturienten zähle ich eigentlich nicht mehr unter Jugendliche!
In der Tat ist Bildungsnähe durchaus ein Indikator für gewalttätiges handeln. Jedenfalls physische Gewalt. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass auch gebildete Menschen gewalttätig sind, nur dass diese Gewalt dort eben häufig im verbal-emotionalen Bereich liegt und nicht minder schwer in ihren Auswirkungen ist, gleichwohl aber in den Statistiken nicht erfasst wird.
Und auch in Arzt- und Richter-Familien gibt es dunkle Materie. Es ist nicht alles Gold was glänzt. Es wird nur besser vertuscht, unter den Deckmantel des Schweigens gekehrt, dem spießbürgerlichen Anschein und Stand gemäß ;)
Oft genug sind die Söhne und Töchter von so anerkannten Berufsträgern verzogene Sprösslinge sondergleichen, mit der Grundeinstellung "mir kann keiner was, mein Papa ist Arzt" oder Richter oder oder oder...
Gewalt gehört zum Menschen wie seine Atemzüge.
Gewalt war, Gewalt ist und Gewalt wird immer sein. Vielleicht hat die Jugend auch einfach mehr Kraft zur Gewalt, seelisch wie physisch.
Egal wie es ist, ich bleibe dabei, ich vertraue nicht irgendeiner Statistik, sondern relevant ist das Umfeld, in dem ich lebe. Die Menschen, denen ich begegne, wenn ich auf die Straße gehe, diese definieren meine Wahrnehmung, egal, was irgendeine Statistik oder ein Medienbericht behauptet.
Muss ich in den Feinkostladen gehen, um von der Kassiererin an der Kasse angesehen und begrüßt zu werden oder gibt es das auch bei Aldi?
Werde ich überhaupt nicht mehr gegrüßt, nicht mal dann, wenn ich zuerst grüße oder sprechen mich die ladenverkäufer im Geschäft aktiv an, ob ich Unterstützung brauche?
Hat man Geduld mit dem Senior, der an der Kasse mit 1 Cent Stücken bezahlt oder werden alle in der Schlange unruhig, sind genervt...
Danach richtet sich die Wahrnehmung des Menschen und nicht nach irgendeiner Statistik.
Gast kommentiert am Di, 2019-12-31 12:36 Permanenter Link
Individuelle Wahrnehmungen von Geschädigten oder Zeugen in einem Strafprozess sind nunmal relativ unzuverlässig, deshalb werden auch statistisch quantifizierte und belegte Sachbeweise durch z.B. einen DNA-Abgleich oder einen Faserspurenabgleich aus Laboren den Wahrnehmungen zu Recht vorgezogen. Das ist doch auch ein Punkt, der die Wichtigkeit und Überlegenheit von statistischen Aussagen aufzeigt.
Gast kommentiert am Di, 2019-12-31 12:47 Permanenter Link
Das menschliche Gehirn als Daten-Speicher ergänzt z.B. fast immer auch lückenhafte optische Wahrnehmungen, Menschen sehen auch, was sie sehen wollen, danach ist eine vielleicht entscheidende Situation aber vorbei, was bleibt ist die Wahrnehmung als Erinnerung an diese Situation.
Da vertraue ich mehr den Messungen, die nämlich meistens auch wiederholt werden können. Aber diese Diskussionen sind doch auch schon öfters hier geführt worden.
Sonja Ehrlich kommentiert am Di, 2019-12-31 14:48 Permanenter Link
"Da vertraue ich mehr den Messungen, die nämlich meistens auch wiederholt werden können."
Ja, dann befragen Sie doch einen Tag später genau die selben Probanden und die Statistik sieht anders aus.
Ihre Argumentation ist nicht zu Ende gedacht!
Gast kommentiert am Di, 2019-12-31 19:29 Permanenter Link
Ist doch zu Ende gedacht, denn bei großen Abweichungen von einzelnen Wiederholungsmessungen kann daraus immer noch eine valide Statistik erstellt werden.
Zwei Messungen reichen aber nicht aus, dann braucht man ganze Meßreihen, die statistisch ausgewertet werden mit statistischen Angaben dazu, bei einer angenommenen Normalverteilung (Gaußverteilung) der einzelnen Meßwerte wird mindestens der Mittelwert und die Standardabweichung angegeben und die Zahl der Messungen.
Ein schönes und gutes neues Jahr aber nun allen Lesenden (m/w/d).
Sonja Ehrlich kommentiert am Di, 2019-12-31 14:46 Permanenter Link
Dass Menschen lügen oder sich subjektive Erinnerungskonstrukte schaffen, ist Teil unseres Lebens. Selektive Wahrnehmung macht auch bei Statistiken keinen Halt, ganz im Gegenteil sind Statistiken immer selektiv und relativ. Aber diesen wissenschaftlichen Fakt anzuerkennen, weigern Sie sich konsequent.
Gast kommentiert am Di, 2019-12-31 19:33 Permanenter Link
Nein, ganz im Gegenteil, siehe oben und auch noch frühere Kommentare dazu, die ich aber jetzt nicht mehr wiederholen möchte.
Dr. Egon Peus kommentiert am So, 2019-12-29 15:13 Permanenter Link
Dem kann ich folgen,sehr geehrter Herr Kolos. Wie stets, kommt es darauf an, zu klären, was man meint. Ich hatte "Dunkelfeld" der Kriminalität eher wie üblich als diejenigen Straftaten bezeichnen wollen die gar nicht behördlich aufgegriffen werden. Oder im Sprachmodus Prof Singelnstein/Bochum zur Gewalt durch Polizeibeamte: "Befragung zeigt ein erhebliches Dunkelfeld. Ein Grund dafür ist, dass die Betroffenen die Erfolgsaussichten einer Anzeige gering einschätzen." vgl. https://news.rub.de/presseinformationen/wissenschaft/2019-09-17-kriminol...
Dabei zeigen seine eigenenweiteren Ausführungen, dass jene "Untersuchung" augenscheinlich oszilliert im Unklaren: "Zwischenbericht. Er zeigt unter anderem, dass in 86 Prozent der berichteten Vorfälle kein Strafverfahren durchgeführt wurde, die Fälle also nicht in die Statistik eingingen."
Das sind ganz verschiedene Schritte, die zu statistisch sehr divergenten Zahlen führen:
a) Anzeigen bei der Polizei / Ermittlung von Amts wegen
b) durchermittelt; aa) kein Verdacht im Ergebnis
bb) kein Verdächtiger ausermittelt
c) Weitergabe an Staatsanwaltschaft
d) Staatsanwaltschaft ermittelt
aa) kein Verdacht in tatsächlicher Hinsicht, ggf. Verjährung
bb) Täter nicht zu ermitteln
cc) Anklage beim Strafgericht ( bzw. Strafbefehl)
e) Gericht:
aa) lehnt Eröffung eines Hauptverfahrens ab
bb)eröffnet und führt Verfahren durch
aaa) Freispruch
bbb)Verurteilung.
Wohl sachlogisch zwingend reduzieren sich die Zahlen von Stufe zu Stufe.
Singelnsteins Mitteilungen haben übrgens einen köstlichen soziokulturellen Gehalt: "Die Befragten sind mit 72 Prozent insgesamt eher männlich, außerdem jung und hoch gebildet. „Das Durchschnittsalter der Betroffenen zur Zeit des Vorfalls liegt bei 26 Jahren“, berichtet Tobias Singelnstein. 71 Prozent der Befragten haben Fach- oder Hochschulreife. 16 Prozent haben einen Migrationshintergrund." Im Klartext, nach meinem Eindruck: post 68er Antifante der Linkskorientierung, universitär orientiert ( ggf. wie Juso-Vorsitz 20 Semester studierend) - die es mit hohem Intellekt schaffen wie gewisse Fernsehreporter, sich aufzudrängen, und wenn man sie dann in die Schranken weist, herzergreifend von erlittener Gewalt jammern. Eine herzerwärmende Klärung privat hat ja laut Pressenachrichten Herr Grönemeyer zuwege gebracht - Frau Nahles folgend ( "eins auf die Fr..."). Das sollte mal ein Polizist versuchen...............!
Sonja Ehrlich kommentiert am So, 2019-12-29 23:33 Permanenter Link
Schade, dass Sie sich immer auf so abstoßende Art und Weise ausdrücken müssen. Manchmal haben Die ja gute Argumente, aber bei dem Duktus wendet man sich dann doch wieder ab.
Waldemar R. Kolos kommentiert am Mo, 2019-12-30 14:53 Permanenter Link
Die PKS betrifft nur die "Schritte" a) und b). Die nächsten "Schritte" werden dann von der StVS erfasst. Vgl. Qualitätsbericht des Statistischen Bundesamts zur Strafverfolgungsstatistik vom 24.05.2019 unter 7.1., Seite 6:
"Die Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts (PKS) beschreibt, ebenso wie die Strafverfolgungsstatistik, die registrierte Kriminalität. Während die PKS auf den Abschluss der polizeilichen Ermittlungen abstellt und den Tatverdacht bewertet, beschreibt die Strafverfolgungsstatistik die Bewertung der Tat bei der strafgerichtlichen Entscheidung. Da sich der Tatverdacht nicht immer beweisen lässt, unterscheidet sich zunächst das Ausmaß der registrierten Kriminalität, wie es in den beiden Statistiken dargestellt ist. Zudem können die Strafgerichte (und zuvor bereits die Staatsanwaltschaften) trotz erwiesener Schuld bei geringfügigen Straftaten Strafverfahren ohne strafrechtliche Sanktionen einstellen. Dadurch verschiebt sich die in der Strafverfolgungsstatistik abgebildete Deliktstruktur hin zu der schwereren Kriminalität. Grundsätzlich ist eine straftatenspezifische Gegenüberstellung von PKS und Strafverfolgungsstatistik nur eingeschränkt möglich, weil es im Lauf der Strafverfolgung häufig zu einer Umbewertung des Tatvorwurfs (etwa von Mord zur Körperverletzung mit Todesfolge) kommt. Ohnehin bleibt in der PKS die Straßenverkehrskriminalität unberücksichtigt, während Abgeurteilte und Verurteilte wegen Straßenverkehrsdelikten in der Strafverfolgungsstatistik erfasst werden. Die Meldungen zu Verurteilungen von den Berichtsstellen an die Strafverfolgungsstatistik gehen weitgehend parallel auch an das Bundeszentralregister, wo sie für Zwecke der Strafverfolgung und Strafvollstreckung genutzt werden. Von einer Verzahnung dieser beiden Datensammlungen wird bisher aus datenschutzrechtlichen wie aus organisatorisch-technischen Gründen abgesehen."
https://www.destatis.de/DE/Methoden/Qualitaet/Qualitaetsberichte/Justiz-Rechtspflege/strafverfolgung.pdf?__blob=publicationFile&v=1
Sonja Ehrlich kommentiert am Mo, 2019-12-30 16:25 Permanenter Link
Letzte mir bekannte Verfahrenseinstellung wegen Geringfügigkeit gemäß §153 (1) StPO :
Freiheitsberaubung von über 24 Stunden, diverse gefährliche und einfache Körperverletzungsdelikte, Taterfolg schwere Körperverletzung.
Trotzdem Einstellung gemäß §153 (1) Satz 2 StPO.
War zwar keine Jugendkriminalität, aber trotzdem kriminell.
Ein sehr solides Beispiel, warum Statistiken nicht unbedingt die Lebensrealität widerspiegeln.
Vor allem nicht beim Opportunitätsprinzip oder beim zu solchem künstlich herunter reduzierten.