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Timestamp: 2020-02-25 20:04:21
Document Index: 153940037

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 58', 'Art. 170', 'Art. 58', 'Art. 137', 'Art. 184']

In der Rechtssache C‑614/19 P
1 Mit ihrem Rechtsmittel beantragt die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG die Aufhebung des Urteils des Gerichts der Europäischen Union vom 6. Juni 2019, Porsche/EUIPO – Autec (Personenkraftwagen) (T‑210/18, nicht veröffentlicht, im Folgenden: angefochtenes Urteil, EU:T:2019:380), mit dem das Gericht ihre Klage auf Aufhebung der Entscheidung der Dritten Beschwerdekammer des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) vom 19. Januar 2018 (Sache R 941/2016‑3) zu einem Nichtigkeitsverfahren zwischen der Autec AG und der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG abgewiesen hat.
6 Im vorliegenden Fall macht die Rechtsmittelführerin zur Stützung ihres Antrags auf Zulassung des Rechtsmittels geltend, dass es Fragen aufwerfe, die für die Einheit, die Kohärenz oder die Entwicklung des Unionsrechts bedeutsam seien, und bringt acht Argumente vor.
9 Drittens impliziere die Prüfung der Eigenart eines Musters nach Art. 6 der Verordnung (EG) Nr. 6/2002 des Rates vom 12. Dezember 2001 über das Gemeinschaftsgeschmacksmuster (ABl. 2002, L 3, S. 1), entgegen der vom Gericht vertretenen Auffassung, zunächst den Gesamteindruck des einen, und sodann den Gesamteindruck des anderen Musters festzustellen. Der Standpunkt des Gerichts stelle daher die Kohärenz und die Einheit des Unionsrechts in Frage.
10 Viertens habe das Gericht die Rechtsprechung des Gerichtshofs nicht beachtet, wonach es Sache des Inhabers des älteren Musters sei, darzulegen und zu beweisen, dass das von ihm als nichtig angegriffene Geschmacksmuster durch das ältere Muster vorweggenommen worden sei, und zwar vollumfänglich. Die abweichende Beurteilung des Gerichts stelle daher die Einheit und die Kohärenz des Unionsrechts in Frage.
11 Fünftens werde dem Inhaber des angegriffenen Geschmacksmusters durch bestimmte Feststellungen des Gerichts der Beweis abgeschnitten, dass es über die Übereinstimmungen nach Maßgabe der betreffenden Teilansichten hinaus zahlreiche Unterschiede zwischen den einander gegenüberstehenden Mustern gebe, die zu einem erheblich abweichenden Gesamteindruck führten.
12 Sechstens habe das Gericht einen Rechtsfehler begangen, indem es den informierten Benutzer unabhängig von den konkreten Mustern bzw. Erzeugnissen und ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Marktgegebenheiten definiert habe. Die Frage, ob dieser Ansatz richtig ist oder nicht, berühre die Einheit und die Kohärenz des Unionsrechts.
13 Siebtens werde die Präferenzentscheidung zwischen dem einen und dem anderen Muster nach Maßgabe der Informiertheit und der Aufmerksamkeit des informierten Benutzers getroffen. Daher stelle sich die Frage, ob man im vorliegenden Fall bei der Bestimmung der Eigenart nach Maßgabe der Erzeugnisangabe des betreffenden Geschmacksmusters auf Kraftfahrzeuge im Allgemeinen abstellen könne oder ob zumindest bei Kraftfahrzeugen, die gegebenenfalls über Jahrzehnte auf dem Markt seien, der informierte Benutzer enger zu definieren sei, nämlich nach Maßgabe der tatsächlichen Marktverhältnisse. Soweit ersichtlich, habe der Gerichtshof noch keine Gelegenheit gehabt, über diese Frage zu befinden; deshalb werde mit ihr die Entwicklung des Unionsrechts angesprochen.
14 Abschließend bringt die Rechtsmittelführerin achtens unter Berufung auf das Grünbuch der Europäischen Kommission über den rechtlichen Schutz gewerblicher Muster und Modelle vor, dass die Gestaltungsfreiheit des Entwerfers, die nach Art. 6 der Verordnung Nr. 6/2002 bei der Beurteilung der Eigenart zu berücksichtigen sei, auch durch „Marketing constrains“ sowie durch „Deep-routed Marketing requirements by the clients“ eingeschränkt sein könne. Dies habe gegebenenfalls zur Folge, dass auch kleinere Abweichungen von Geschmacksmustern im Vergleich zum vorbekannten Formenschatz ausreichen könnten, die Eigenart eines Geschmacksmusters zu begründen. Der Gerichtshof habe jedoch dazu bislang nicht Stellung nehmen können, so dass eine für die Entwicklung des Unionsrechts bedeutsame Frage angesprochen sei.
15 Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass es Sache der Rechtsmittelführerin ist, den Nachweis zu erbringen, dass die mit ihrem Rechtsmittel aufgeworfenen Fragen für die Einheit, die Kohärenz oder die Entwicklung des Unionsrechts bedeutsam sind (Beschluss vom 16. September 2019, Kiku/CPVO, C‑444/19 P, nicht veröffentlicht, EU:C:2019:746, Rn. 11).
16 Außerdem muss, wie sich aus Art. 58a Abs. 3 der Satzung des Gerichtshofs der Europäischen Union in Verbindung mit Art. 170b Abs. 4 der Verfahrensordnung ergibt, der Antrag auf Zulassung des Rechtsmittels sämtliche Angaben enthalten, die erforderlich sind, um es dem Gerichtshof zu ermöglichen, über die Zulassung des Rechtsmittels zu entscheiden und im Fall der teilweisen Zulassung des Rechtsmittels dessen Gründe oder Teile zu bestimmen, auf die sich die Rechtsmittelbeantwortung beziehen muss. Da der Mechanismus der vorherigen Zulassung von Rechtsmitteln nach Art. 58a dieser Satzung die Kontrolle durch den Gerichtshof auf die Fragen beschränken soll, die für die Einheit, die Kohärenz oder die Entwicklung des Unionsrechts bedeutsam sind, sind vom Gerichtshof nämlich nur die Gründe im Rahmen des Rechtsmittels zu prüfen, die solche Fragen aufwerfen; dies muss vom Rechtsmittelführer nachgewiesen worden sein (Beschluss vom 10. Oktober 2019, KID-Systeme/EUIPO, C‑577/19 P, nicht veröffentlicht, EU:C:2019:854, Rn. 12 und die dort angeführte Rechtsprechung).
17 Daher muss ein Antrag auf Zulassung des Rechtsmittels in jedem Fall klar und genau die Gründe angeben, auf die das Rechtsmittel gestützt wird, ebenso genau und klar die von jedem Rechtsmittelgrund aufgeworfene Rechtsfrage benennen, erläutern, ob diese Frage für die Einheit, die Kohärenz oder die Entwicklung des Unionsrechts bedeutsam ist, und speziell darlegen, warum diese Frage im Hinblick auf das geltend gemachte Kriterium bedeutsam ist. Was insbesondere die Rechtsmittelgründe betrifft, muss der Antrag auf Zulassung des Rechtsmittels nähere Angaben zu der Bestimmung des Unionsrechts oder der Rechtsprechung enthalten, gegen die durch das angefochtene Urteil verstoßen worden sein soll, in gedrängter Form darlegen, worin der vom Gericht angeblich begangene Rechtsfehler besteht, und Ausführungen dazu machen, in wie weit sich dieser Fehler auf das Ergebnis des angefochtenen Urteils ausgewirkt hat (Beschluss vom 10. Oktober 2019, KID-Systeme/EUIPO, C‑577/19 P, nicht veröffentlicht, EU:C:2019:854, Rn. 13 und die dort angeführte Rechtsprechung). Ist der gerügte Rechtsfehler das Ergebnis einer Verletzung der Rechtsprechung, muss der Antrag auf Zulassung des Rechtsmittels in gedrängter Form, aber klar und genau darlegen, erstens, wo der behauptete Widerspruch zu finden ist, indem sowohl die Randnummern des mit dem Rechtsmittel angefochtenen Urteils oder Beschlusses, die der Rechtsmittelführer in Frage stellt, als auch die Randnummern der Entscheidung des Gerichtshofs oder des Gerichts angegeben werden, die missachtet worden sein sollen, und zweitens die konkreten Gründe, aus denen ein solcher Widerspruch eine für die Einheit, die Kohärenz oder die Entwicklung des Unionsrechts bedeutsame Frage aufwirft (vgl. in diesem Sinne Beschluss vom 7. Oktober 2019, L’Oréal/EUIPO, C‑586/19 P, nicht veröffentlicht, EU:C:2019:845, Rn. 16).
18 Ein Antrag auf Zulassung des Rechtsmittels, der die in der vorstehenden Randnummer des vorliegenden Beschlusses angeführten Angaben nicht enthält, ist nämlich von vornherein nicht geeignet, zu belegen, dass das Rechtsmittel eine für die Einheit, die Kohärenz oder die Entwicklung des Unionsrechts bedeutsame Frage aufwirft, die seine Zulassung rechtfertigt (Beschluss vom 10. Oktober 2019, KID-Systeme/EUIPO, C‑577/19 P, nicht veröffentlicht, EU:C:2019:854, Rn. 14).
19 Insoweit ist erstens hinsichtlich der in den Rn. 7, 8 und 10 des vorliegenden Beschlusses genannten Argumente, wonach das Gericht von der einschlägigen Rechtsprechung des Gerichtshofs abgewichen sei, zu betonen, dass ein solches Vorbringen entsprechend der dem Urheber eines Antrags auf Zulassung des Rechtsmittels obliegenden Beweislast für sich genommen nicht als Nachweis dafür ausreicht, dass das vorliegende Rechtsmittel eine für die Einheit, die Kohärenz oder die Entwicklung des Unionsrechts bedeutsame Frage aufwirft, da der Antragsteller hierfür sämtliche in Rn. 17 des vorliegenden Beschlusses angeführten Anforderungen erfüllen muss (vgl. in diesem Sinne Beschluss vom 7. Oktober 2019, L’Oréal/EUIPO, C‑586/19 P, nicht veröffentlicht, EU:C:2019:845, Rn. 16). Im vorliegenden Fall behauptet die Rechtsmittelführerin aber lediglich, dass das Gericht gegen die einschlägige Rechtsprechung des Gerichtshofs verstoßen habe, ohne jedoch diese Anforderungen zu erfüllen.
20 Zweitens ist zu dem Vorbringen in den Rn. 9, 11 und 12 des vorliegenden Beschlusses im Hinblick auf die vom Gericht angeblich begangenen Rechtsfehler darauf hinzuweisen, dass es dem vorliegenden Antrag auf Zulassung des Rechtsmittels an Genauigkeit hinsichtlich der Bestimmung des Unionsrechts oder der Rechtsprechung fehlt, gegen die vom Gericht verstoßen worden sein soll, als es die die im Rahmen des in den Rn. 11 und 12 dargelegten Vorbringens gerügten Rechtsfehler begangen habe. In jedem Fall gestattet es der Umstand, dass ein Rechtsmittel bestimmte, dem mit ihm angefochtenen Urteil eigene Rechtsfragen aufwirft, nicht schon an sich, davon auszugehen, dass das Rechtsmittel vom Gerichtshof zugelassen werden muss. Der Rechtsmittelführer muss nämlich nachweisen, dass sein Rechtsmittel unabhängig von den darin angesprochenen Rechtsfragen eine oder mehrere Rechtsfragen aufwirft, die für die Einheit, die Kohärenz oder die Entwicklung des Unionsrechts bedeutsam ist bzw. sind, wobei die Tragweite dieses Kriteriums über den Rahmen des mit Rechtsmittel angefochtenen Urteils und letztlich den dieses Rechtsmittels hinausgeht (vgl. in diesem Sinne Beschluss vom 7. Oktober 2019, L’Oréal/EUIPO, C‑586/19 P, nicht veröffentlicht, EU:C:2019:845, Rn. 11 und 12). Ein solcher Nachweis ist dem vorliegenden Antrag jedoch nicht zu entnehmen.
21 Abschließend ist drittens zum Vorbringen in den Rn. 13 und 14 des vorliegenden Beschlusses, wonach das Rechtsmittel neue Rechtsfragen im Hinblick auf die Rechtsprechung des Gerichtshofs aufwerfe, festzustellen, dass es dem vorliegenden Antrag auf Zulassung des Rechtsmittels auch an Genauigkeit hinsichtlich der Bestimmung des Unionsrechts oder der Rechtsprechung fehlt, gegen die vom Gericht verstoßen worden sein soll, als es entschieden habe, dass bei der Bestimmung der Eigenart nach Maßgabe der Erzeugnisangabe des Geschmacksmusters auf Kraftfahrzeuge im Allgemeinen abzustellen sei. Darüber hinaus bedeutet der Umstand, dass eine Rechtsfrage vom Gerichtshof nicht untersucht worden ist, noch nicht, dass diese Frage für die Entwicklung des Unionsrechts zwangsläufig bedeutsam ist. Der Rechtsmittelführer ist nämlich stets verpflichtet, eine solche Bedeutung nachzuweisen, indem er genaue Angaben nicht nur zur Neuheit dieser Frage macht, sondern auch zu den Gründen, aus denen die Frage im Hinblick auf diese Entwicklung bedeutsam ist (Beschluss vom 30. September 2019, All Star/EUIPO, C‑461/19 P, nicht veröffentlicht, EU:C:2019:797, Rn. 16). Im vorliegenden Fall beschränkt sich die Rechtsmittelführerin auf die Behauptung, dass das Interesse der im Rahmen dieses Vorbringens angeführten Rechtsfragen in der Entwicklung des Unionsrechts bestehe, und verweist insoweit darauf, dass hierzu keine Rechtsprechung des Gerichtshofs vorliege, ohne jedoch weitere Ausführungen zu machen.
22 Folglich hat die Rechtsmittelführerin nicht den von ihr zu führenden Nachweis dafür erbracht, dass die in ihrem Rechtsmittel aufgeworfenen Fragen für die Einheit, die Kohärenz oder die Entwicklung des Unionsrechts bedeutsam sind.
23 Nach alledem kann das Rechtsmittel nicht zugelassen werden.
24 Nach Art. 137 der Verfahrensordnung, der nach deren Art. 184 Abs. 1 auf das Rechtsmittelverfahren Anwendung findet, wird über die Kosten in dem das Verfahren beendenden Beschluss entschieden.
25 Da der vorliegende Beschluss ergeht, bevor die Rechtsmittelschrift den anderen Parteien des Verfahrens zugestellt worden ist und ihnen Kosten entstehen konnten, ist zu entscheiden, dass die Rechtsmittelführerin ihre eigenen Kosten trägt.