Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=V%20ZR%20196/14
Timestamp: 2019-04-24 01:02:15
Document Index: 14746109

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 538', '§ 554', '§ 538', '§ 538', 'Art. 103', '§ 346', '§ 280', '§ 281', '§ 426', '§ 421', '§ 538', '§ 554', '§ 551', '§ 538', '§ 554', '§ 538', '§ 554', '§ 538', '§ 538', 'BGH', 'BGH', '§ 539', '§ 538', 'BGH', 'BGH', '§ 539', '§ 538', 'BGH', '§ 539', '§ 538', 'Art. 103', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 103', 'BGH', '§ 538', 'BGH', '§ 139', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 304', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 22.01.2016 - V ZR 196/14 - dejure.org
ZPO § 538 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1, § 554 Abs. 3 Satz 2
§ 538 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO, Art. ... 103 GG, § 538 Abs. 1 ZPO, Art. 103 Abs. 1 GG, § 346 Abs. 1 BGB, § 280 Abs. 1, 3, § 281 BGB, § 426 BGB, § 421 Satz 1 BGB, § 538 Abs. 2 ZPO, § 554 Abs. 3 Satz 2, § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchstabe b ZPO
§ 538 Abs 2 S 1 Nr 1 ZPO, § 554 Abs 3 S 2 ZPO
Zurückverweisung durch das Berufungsgericht: Vorliegen eines wesentlichen, eine Beweisaufnahme erfordernden Verfahrensmangels; Fehlen von für die Anschlussrevision erforderlichen Feststellungen
Beurteilung über das Vorliegen eines wesentlichen Verfahrensmangels durch Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör allein auf Grund des materiell-rechtlichen Standpunkts des Erstgerichts; Notwendigkeit einer umfangreichen oder aufwendigen Beweisaufnahme im Rahmen der Korrektur eines wesentlichen Verfahrensfehlers
Zur Zeugenvernehmung des einen Grundstückskaufvertrag beurkundenden Notars zur Feststellung des Inhalts einer vereinbarten Freistellungsverpflichtung des Käufers
ZPO § 538 Abs. 2 S. 1 Nr. 1; ZPO § 554 Abs. 3 S. 2
Wann liegt ein wesentlicher Verfahrensmangel vor?
Beurteilung eines wesentlichen Verfahrensmangels
Wann liegt ein wesentlicher Verfahrensmangel i.S.d. § 538 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO vor? (IBR 2016, 743)
LG Leipzig, 02.10.2013 - 4 O 2994/12
OLG Dresden, 08.07.2014 - 14 U 1754/13
NJW 2016, 2274
MDR 2016, 1044
BauR 2016, 1368
Ob ein wesentlicher Verfahrensmangel im Sinne von § 538 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO vorliegt, ist allein aufgrund des materiell-rechtlichen Standpunkts des erstinstanzlichen Gerichts zu beurteilen, auch wenn das Berufungsgericht ihn für verfehlt erachtet (st. Rspr.; Bestätigung von BGH, Urteile vom 9. Juli 1955, VI ZR 116/54, BGHZ 18, 107, 109 f. [zu § 539 ZPO aF];… vom 1. Februar 2010, II ZR 209/08, WM 2010, 892 Rn. 11;… vom 26. Oktober 2011, VIII ZR 222/10, NJW 2012, 304 Rn. 12;… vom 14. Mai 2013, VI ZR 325/11, NJW 2013, 2601 Rn. 7 und vom 22. Januar 2016, V ZR 196/14, NJW 2016, 2274 Rn. 12).
aa) Das Berufungsgericht hat zwar im Ausgangspunkt rechtsfehlerfrei angenommen, dass es einen wesentlichen Verfahrensmangel im Sinne von § 538 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO darstellen kann, wenn das erstinstanzliche Gericht den Anspruch einer Partei auf rechtliches Gehör dadurch verletzt, dass es den Kern ihres Vorbringens verkennt und daher eine entscheidungserhebliche Frage verfehlt oder einen wesentlichen Teil des Klagvortrags übergangen hat (BGH, Urteile vom 3. November 1992 - VI ZR 362/91, NJW 1993, 538 unter II 2 a mwN; vom 19. März 1998 - VII ZR 116/97, NJW 1998, 2053 unter II 1 [insoweit nicht abgedruckt in BGHZ 138, 176]; vom 6. November 2000 - II ZR 67/99, NJW 2001, 1500 unter II 1 [jeweils zu § 539 ZPO aF];… vom 26. Oktober 2011 - VIII ZR 222/10, aaO; vom 22. Januar 2016 - V ZR 196/14, NJW 2016, 2274 Rn. 12 [jeweils zu § 538 ZPO]).
(1) Vielmehr ist die Frage, ob ein wesentlicher Verfahrensmangel im Sinne dieser Vorschrift gegeben ist, allein aufgrund des materiell-rechtlichen Standpunkts des Erstgerichts zu beurteilen, auch wenn dieser unrichtig sein sollte oder das Berufungsgericht ihn als verfehlt erachtet (st. Rspr.;… vgl. BGH, Urteile vom 3. November 1992 - VI ZR 362/91, aaO;… vom 5. Oktober 1994 - XII ZR 15/93, aaO unter II 1; vom 10. Dezember 1996 - VI ZR 314/95, NJW 1997, 1447 unter II 2 b mwN;… vom 19. März 1998 - VII ZR 116/97, aaO;… vom 6. November 2000 - II ZR 67/99, aaO [jeweils zu § 539 ZPO aF];… vom 1. Februar 2010 - II ZR 209/08, aaO;… vom 26. Oktober 2011 - VIII ZR 222/10, aaO;… vom 14. Mai 2013 - VI ZR 325/11, aaO mwN; vom 22. Januar 2016 - V ZR 196/14, aaO mwN [jeweils zu § 538 ZPO]).
Dies gilt auch, soweit eine Verletzung des Anspruchs auf Gewährung rechtlichen Gehörs (Art. 103 Abs. 1 GG) in Frage steht (…vgl. BGH, Urteile vom 3. November 1992 - VI ZR 362/91, aaO;… vom 19. März 1998 - VII ZR 116/97, aaO;… vom 6. November 2000 - II ZR 67/99, aaO;… vom 26. Oktober 2011 - VIII ZR 222/10, aaO; vom 22. Januar 2016 - V ZR 196/14, aaO).
Nach Wortlaut und Sinn der Vorschrift, den Aufwand mehrfacher Bearbeitung klein zu halten und Verfahrensverzögerungen durch Hin- und Herschieben von Fällen in den Instanzen zu vermeiden, genügt es hierfür nicht, dass den Parteien Gelegenheit zu weiterem Vortrag zu geben ist und danach möglicherweise eine umfangreiche oder aufwändige Beweisaufnahme erforderlich wird (vgl. BGH…, Urteil vom 14. Mai 2013 - II ZR 76/12, NJW-RR 2013, 1013 Rn. 9 und 11; Urteil vom 22. Januar 2016 - V ZR 196/14, NJW 2016, 2274 Rn. 19).
Eine umfangreiche oder aufwändige Beweisaufnahme muss vielmehr sicher zu erwarten sein (…BGH, Urteile vom 2. März 2017 - VII ZR 154/15, NJW-RR 2017, 531 Rn. 11 f und vom 22. Januar 2016 - V ZR 196/14, NJW 2016, 2274 Rn. 19).
Dieser Verfahrensmangel besteht auch unter Zugrundelegung des materiell-rechtlichen Standpunkts des Landgerichts (vgl. BGH, NJW 2016, 2274), weil es auch nach dessen Rechtsauffassung auf die Höhe der Mängelbeseitigungskosten entscheidend ankommt.
Die Nichtberücksichtigung eines erheblichen Beweisangebots, die im Prozessrecht keine Stütze hat, verstößt gegen Art. 103 Abs. 1 GG und stellt einen wesentlichen Verfahrensmangel dar (vgl. BGH, Urteil vom 22.01.2016 - V ZR 196/14, juris).
Im Sinne von § 538 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 ZPO notwendig ist eine umfangreiche oder aufwändige Beweisaufnahme, wenn sie durch oder infolge der Korrektur des wesentlichen Verfahrensfehler sicher zu erwarten ist (BGH, Urteil vom 22.01.2016 - V ZR 196/14, juris Rn. 19…, Urteil vom 02.03.2017 -VII ZR 154/15, juris Rn. 11).
Der Verstoß gegen das rechtliche Gehör durch Nichtberücksichtigung unstreitigen Tatsachenvortrages, Nichterteilung eines notwendigen Hinweises gem. § 139 ZPO sowie Nichtberücksichtigung eines erheblichen Beweisangebots ist so erheblich, dass das Verfahren keine ordnungsgemäße Grundlage für die Entscheidung darstellt (BGH BeckRS 2018, 14703; BGH BeckRS 2017, 103968; BGH NJW 2016, 2274; BGH WuM 2016, 628; BGH NJW 2001, 1500).
Das Landgericht hat durch ein Zwischenurteil über den Grund im Sinne des § 304 ZPO entschieden, obwohl der Erlass eines Grundurteils unter Zugrundelegung seiner materiell-rechtlichen Bewertung (vgl. BGH, NJW 2016, 2274 ) in der vorliegenden Prozesssituation unzulässig war.
Ob die Verkennung der Substanziierungsanforderungen bereits einen Verfahrensfehler darstellt (vgl. z.B. Urteil des BGH vom 22.1.2016, Az.: V ZR 196/14), kann hier dahinstehen.
cc) Ob die Verkennung der Substantiierungsanforderungen bereits als solches einen Verfahrensfehler darstellt (vgl. z.B. BGH, Urteil vom 22. Januar 2016, V ZR 196/14, juris), kann hier dahinstehen.