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Timestamp: 2016-10-24 23:53:14
Document Index: 270105696

Matched Legal Cases: ['Art. 11', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'in fine', 'BGE', 'Art. 44', 'BGE', 'Art. 99']

8C_331/2015 � � Urteil vom 21. August 2015
A.________ ist als Gesch�ftsf�hrer bei der B.________ AG, Zargen- und T�rmontagen, angestellt und bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Am 14. Dezember 2012 st�rzte er in der Gesch�ftsfiliale der B.________ AG auf einer Treppe (Schadenmeldung UVG vom 9. Januar 2013). Laut Bericht des Dr. med. C.________, Facharzt FMH Innere Medizin, vom 25. Januar 2013 war bei zu diagnostizierendem Sch�delhirntrauma mit Commotio cerebri und Distorsion der HWS (Halswirbels�ule) ein ad�quater R�ckgang der Beschwerden unter Schonung und Einnahme von Analgetika festzustellen. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung; Taggeld). Ab 18. Februar 2013 war der Versicherte bei persistierenden belastungsabh�ngigen Schmerzen wieder vollzeitlich arbeitst�tig (Bericht des Dr. med. C.________ vom 3. April 2013). Gem�ss Telefonnotiz der SUVA vom 21. Mai 2013 nahm der Versicherte zur Kenntnis, dass der Fall unter Vorbehalt des R�ckfallmelderechts abgeschlossen werde.
Am 7. Januar 2014 meldete A.________ der SUVA telefonisch, er sei wegen Nacken- und Halsbeschwerden erneut bei Dr. med. C.________ in Behandlung. Dieser Arzt hielt gest�tzt auf eine am 6. Januar 2014 durchgef�hrte cervikale Kernspintomographie der Klinik D.________, fest, es best�nden behandlungsbed�rftige, multifaktorielle HWS-Beschwerden mit Exacerbation durch das Trauma vom 14. Dezember 2012; der Versicherte verm�ge den Kopf nicht �ber die Horizontale anzuheben (Bericht vom 20. Januar 2014). Dr. med. E.________, Kreisarzt der SUVA, erl�uterte am 27. Januar 2014, bei fehlenden unfallbedingten strukturellen L�sionen an der HWS sei von einer Ausheilung der Distorsionsfolgen sp�testens sechs Monate nach dem Unfall auszugehen. Zur Eingabe des Dr. med. C.________ vom 17. Februar 2014 �usserte er sich am 20. Februar 2014 dahingehend, dass auf der radiologischen Aufnahme der HWS vom 6. Januar 2014 durchgehend fortgeschrittene degenerative Ver�nderungen ohne Hinweise auf Nervenwurzelkompressionen sichtbar geworden und die beklagten Beschwerden als nat�rlicher Verlauf einer degenerativen Erkrankung der HWS, wie sie epidemiologisch geh�uft auftrete, zu betrachten seien. Gest�tzt auf die Ausk�nfte des Dr. med. E.________ stellte die SUVA mit Verf�gung vom 25. Februar 2014 fest, der gemeldete R�ckfall sei nicht sicher oder �berwiegend wahrscheinlich mit den Folgen des Unfalles vom 14. Dezember 2012 in Verbindung zu bringen. Im Einspracheverfahren machte der Versicherte der Abkl�rungsperson der SUVA gegen�ber erneut geltend, dass er nicht allein aufgrund altershalber aufgetretener Abn�tzungserscheinungen an Beschwerden im Bereich des Nackens leide (vgl. Protokoll vom 8. April 2014). Nach R�cksprache mit Dr. med. E.________ (Stellungnahme vom 28. April 2014) lehnte die SUVA die Einsprache ab (Einsprachentscheid vom 25. Juli 2014).
Die hiegegen eingereichte Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau ab (Entscheid vom 18. M�rz 2015).
Mit Beschwerde l�sst A.________ beantragen, unter Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids sei festzustellen, dass unfallbedingte Nackenbeschwerden vorl�gen und die Vorinstanz (recte wohl: SUVA) sei anzuweisen, die unfallbedingten Einschr�nkungen abzugelten; eventualiter sei das Verfahren an die Vorinstanz zur�ckzuweisen mit dem Auftrag, die Gesundheitsfolgen des Unfalles vom 14. Dezember 2012 neu zu beurteilen.
2.1.1.�Die vom Unfallversicherer einmal anerkannte Leistungspflicht entf�llt erst, wenn dieser nachweist, dass der Gesundheitszustand erreicht ist, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder wie er sich nach dem schicksalsm�ssigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall fr�her oder sp�ter eingestellt h�tte (Status quo sine; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f., U 180/93 E. 3b mit Hinweisen). Trifft ein Unfall auf einen vorgesch�digten K�rper und steht aus �rztlicher Sicht fest, dass weder der Status quo ante noch der Status quo sine je wieder erreicht werden k�nnen, so spricht die Rechtsprechung von einer richtunggebenden Verschlimmerung (vgl. RUMO-JUNGO/HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz �ber die Unfallversicherung [UVG], 4. Aufl., Z�rich/Basel/Genf 2012, S. 54 mit Hinweis auf das Urteil 8C_467/2007 vom 25. Oktober 2007 E. 3.1).
2.1.2.�Gem�ss Art. 11 UVV werden Versicherungsleistungen auch f�r R�ckf�lle und Sp�tfolgen gew�hrt. Bei einem R�ckfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu �rztlicher Behandlung, m�glicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunf�higkeit kommt; von Sp�tfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe l�ngerer Zeit organische oder psychische Ver�nderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild f�hren k�nnen. R�ckf�lle und Sp�tfolgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend k�nnen sie eine Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers nur ausl�sen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitssch�digung ein nat�rlicher und ad�quater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 f. E. 2c S. 296 f. mit Hinweisen)
2.2.1.�Ob zwischen einem sch�digenden Ereignis und einer gesundheitlichen St�rung ein nat�rlicher Kausalzusammenhang besteht, ist Tatfrage, wor�ber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweisw�rdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse M�glichkeit eines Zusammenhangs gen�gt f�r die Begr�ndung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 119 V 335 E. 1 S. 338; 118 V 286 E. 1b S. 289 f., je mit Hinweisen). Die Parteien tragen im Sozialversicherungsrecht in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausf�llt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift erst Platz, wenn es sich als unm�glich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweisw�rdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit f�r sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b S. 264).
2.2.2.�Bei R�ckf�llen und Sp�tfolgen obliegt es der versicherten Person, das Vorliegen eines nat�rlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem neuen Beschwerdebild und dem Unfall mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Je gr�sser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeintr�chtigung ist, desto strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des nat�rlichen Kausalzusammenhangs zu stellen (RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191, U 93/96 E. 1c in fine). Bei Beweislosigkeit f�llt der Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328, U 180/93 E. 3b). Werden durch einen Unfall Beschwerden verursacht, �bernimmt die Unfallversicherung den durch das Unfallereignis verursachten Schaden, sp�tere Gesundheitsst�rungen dagegen nur, wenn eindeutige Br�ckensymptome gegeben sind (Urteil 8C_521/2008 vom 5. Dezember 2011 E. 2.2.2 mit Hinweisen).
2.2.3.1.�Der Beweis des nat�rlichen Kausalzusammenhangs bzw. dessen Wegfallen ist in erster Linie mit den Angaben medizinischer Fachpersonen zu f�hren. Dabei ist zu beachten, dass �rztliche Ausk�nfte, die allein auf der Argumentation beruhen, die gesundheitlichen Beeintr�chtigungen seien erst nach dem Unfall aufgetreten, beweisrechtlich nicht zu verwerten sind (vgl. zur Unzul�ssigkeit der Beweismaxime "post hoc ergo propter hoc": BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 341; SVR 2010 UV Nr. 10 S. 40, 8C_626/2009 E. 3.2).
2.2.3.2.�In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass bei Entscheiden gest�tzt auf versicherungsinterne �rztliche Beurteilungen, die im Wesentlichen oder ausschliesslich aus dem Verfahren vor dem Sozialversicherungstr�ger stammen, an die Beweisw�rdigung strenge Anforderungen zu stellen sind. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverl�ssigkeit und Schl�ssigkeit der �rztlichen Feststellungen, ist eine versicherungsexterne medizinische Begutachtung im Verfahren nach Art. 44 ATSG oder ein Gerichtsgutachten anzuordnen (BGE 135 V 465 E. 4 S. 467 ff.; 122 V 157 E. 1d S. 162).
3.1.�Das kantonale Gericht hat erkannt, dass zur Beurteilung des nat�rlichen Kausalzusammenhangs der geltend gemachten Beschwerden im Bereich der HWS mit dem Unfall vom 14. Dezember 2012 in allen Teilen auf die schl�ssigen Ausk�nfte des Dr. med. E.________, vor allem diejenige vom 20. Februar 2014, abzustellen sei. Der Umstand, dass der Kreisarzt den Versicherten nie pers�nlich untersucht habe, schm�lere den Beweiswert seiner Stellungnahmen nicht, zumal ihm s�mtliche medizinischen Unterlagen vorgelegen h�tten. Er habe in Kenntnis der Ergebnisse des im Zentrum stehenden MRI (magnetic resonance imaging) der HWS vom 6. Januar 2014 und in �bereinstimmung mit dem Radiologen festgestellt, dass die degenerativen Ver�nderungen die Bandscheibensegmente C3 bis C7 betrafen, ohne dass eine akute Traumafolge dargestellt werden konnte. Insgesamt entspr�chen die aktuellen Beschwerden demjenigen Zustand, wie er sich nach dem schicksalsm�ssigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall fr�her oder sp�ter wahrscheinlich eingestellt h�tte. Selbst wenn der nat�rliche Kausalzusammenhang weiterhin zu bejahen sei, m�sse jedenfalls die Ad�quanz verneint werden.
3.2.1.�Ausweislich der Akten wurde nach dem Unfall vom 14. Dezember 2012 erstmals am 6. Januar 2014 ein MRI der HWS erstellt. Der Radiologe der Klinik D.________ hielt fest (Bericht vom 7. Januar 2014), es best�nden fortgeschrittene degenerative Ver�nderungen, die m�glicherweise auch mit einer �lteren Traumaanamnese korrelierten und die zu einem vollst�ndigen Verlust der physiologischen Lordose und zu einer Kyphosierung der HWS im mittleren Drittel f�hrten. Dr. med. E.________ setzte sich mit diesem, von der Vorinstanz zumindest implizit als zentral eingestuften Befund, nicht auseinander. Er hielt in den Stellungnahmen vom 27. Januar und 20. Februar 2014 ohne weitere Begr�ndung und ohne Hinweise auf medizinisch fundierte Erfahrungswerte fest, es l�gen keine unfallbedingten strukturellen Ver�nderungen vor und die erneut beklagten Beschwerden seien als nat�rlicher Verlauf der degenerativen Erkrankung zu betrachten. Namentlich beleuchtete Dr. med. E.________ die Frage nicht, dass der Radiologe der Klinik D.________ aufgrund des MRI vom 6. Januar 2014 in Kenntnis des Unfalles vom 14. Dezember 2012 einzig eine akute Traumafolge ausschloss, nicht aber Folgen eines �lteren Ereignisses. Nachdem sich der Kreisarzt mangels eigener klinischer Untersuchung des Versicherten und mangels Einholung der Anamnese zu den vor dem Unfall vom 14. Dezember 2012 bestandenen pathologischen Befunde offensichtlich kein zuverl�ssiges Bild zum Krankheitsgeschehen machen konnte, ist mit dem Beschwerdef�hrer festzustellen, dass zumindest geringe Zweifel an seinen Ausk�nften bestehen. Insbesondere bleibt unklar, ob die klinisch wie radiologisch festgestellte Kyphose im Bereich des mittleren Drittels der HWS, weswegen der Versicherte den Kopf offenbar nicht mehr �ber die Horizontale zu heben vermochte (vgl. Bericht des Dr. med. C.________ vom 20. Januar 2014), schon vor oder erst nach dem Unfall vom 14. Dezember 2012 vorlag.
3.2.2.�Unter diesen Umst�nden h�tte das kantonale Gericht die vom Versicherten im vorinstanzlichen Verfahren beantragten �rztlichen Ausk�nfte einholen m�ssen. Nachdem es dies unterliess, stellen die vom Beschwerdef�hrer im bundesgerichtlichen Verfahren neu aufgelegten Berichte des Dr. med. F.________, Facharzt FMH f�r Neurochirurgie, Klinik D.________, vom 11. November 2014 sowie des Dr. med. G.________, Oberarzt mbF, Klinik f�r Neurologie, Spital H.________, vom 10. Dezember 2014, keine unzul�ssigen neuen Beweismittel in Sinne von Art. 99 Abs. 1 BGG dar. Gest�tzt darauf macht der Beschwerdef�hrer geltend, der MRI-Befund vom 6. Januar 2014 werde bez�glich der "grotesken Kyphosierung HWK 4/5" als unfallbedingt beurteilt.
3.2.3.�Zutreffend ist, dass sich aus diesen medizinischen Ausk�nften eine m�glicherweise unfallbedingte Aufw�lbung der HWS ergibt. Zuverl�ssig l�sst sich indessen nach wie vor nicht beurteilen, ob diese Kyphose auf den Unfall vom 14. Dezember 2012 zur�ckzuf�hren war. So hielt Dr. med. G.________ allein fest, aufgrund des residuellen klinischen Befundes sei eine stattgehabte Contusio spinalis bei besagtem Sturzereignis denkbar. Den Angaben des Dr. med. F.________ vom 11. November 2014 ist zu entnehmen, dass die bisher erfolgte Bildgebung keine Ver�nderungen zeigte, er glaube aber, dass die groteske Kyphosierung als unfallbedingt anzusehen sei. Beide �rzte geben nicht an, wie sich das Beschwerdebild vor dem Unfall vom 14. Dezember 2012 darstellte, noch geben sie an, inwiefern sich das Krankheitsbild seither entwickelte. Daher kann auch gest�tzt auf diese �rztlichen Ausk�nfte nicht mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit geschlossen werden, es habe weiterhin ein Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 14. Dezember 2012 und dessen Folgen bestanden.
3.2.4.�Die Sache ist an das kantonale Gericht zur�ckzuweisen, damit es ein medizinisches Gutachten insbesondere zur Frage einhole, ob eine objektiv nachweisbare unfallbedingte Sch�digung an der HWS vorliege und ob bzw. wann der Status quo sine vel ante eingetreten sei. Unter diesen Umst�nden ist auf die von den Parteien gef�hrte Diskussion, ob die geltend gemachten Leistungsanspr�che unter dem Aspekt des Grundfalles oder aber demjenigen eines R�ckfalles zu pr�fen seien, nicht n�her einzugehen.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom 18. M�rz 2015 sowie der Einspracheentscheid der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) vom 25. Juli 2014 werden aufgehoben. Die Sache wird zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zur�ckgewiesen. Im �brigen wird die Beschwerde abgewiesen