Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bfh/2013-11-21/ix-r-23_12
Timestamp: 2017-09-23 22:30:33
Document Index: 106785786

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4']

BFH, 21.11.2013 - IX R 23/12 - Vorlage an den Großen Senat betreffend die Voraussetzungen der Abzugsfähigkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer; Aufteilbarkeit der Aufwendungen | anwalt24.de
Beschl. v. 21.11.2013, Az.: IX R 23/12
Referenz: JurionRS 2013, 52824
Aktenzeichen: IX R 23/12
FG Niedersachsen - 24.04.2012 - AZ: 8 K 254/11
BFH - 27.07.2015 - AZ: GrS 1/14
BFH - 16.02.2016 - AZ: IX R 23/12
§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 b EStG
BFHE 243, 563 - 571
AuA 2014, 237
AuR 2014, 108 (Pressemitteilung)
AuR 2014, 124-125
BBK 2014, 315
BFH/NV 2014, 434-437
BStBl II 2014, 312-316
DB 2014, 274-277
DStR 2014, 6-8
DStR 2014, 254-258
EStB 2014, 83
FR 2014, 371-375
HFR 2014, 202-204
KÖSDI 2014, 18761
NJW 2014, 1264
NVwZ 2014, 7-8 (Pressemitteilung)
NWB 2014, 410
NWB 2014, 488
NWB direkt 2014, 115
NWB direkt 2014, 141
NZA-RR 2014, 259
StBW 2014, 121
StBW 2014, 133
STFA 2014, 28-29
StuB 2014, 154
StX 2014, 99-100
ZfIR 2014, 163
ZfIR 2014, 5 (Pressemitteilung)
Der Senat verneint die erste und bejaht die zweite Vorlagefrage. Er beabsichtigt, die Revision des FA als unbegründet zurückzuweisen. Der Senat vertritt die Auffassung, dass der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers die (nahezu) ausschließliche betriebliche/berufliche Nutzung des jeweiligen Raumes nicht voraussetzt. Die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sind daher entsprechend den Grundsätzen des Beschlusses des Großen Senats des BFH in BFHE 227, 1, BStBl II 2010, 672 aufzuteilen.
Die Literatur hält teilweise die Aufteilung der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer wegen der Aufgabe der Rechtsprechung zum Aufteilungs- und Abzugsverbot durch die Entscheidung des Großen Senats für geboten oder zumindest die Voraussetzung der (nahezu) ausschließlichen Nutzung für zweifelhaft (Wied in Blümich, § 4 EStG Rz 832; Nacke in Littmann/ Bitz/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, § 4 EStG Rz 1769; Wesselbaum-Neugebauer, Finanz-Rundschau 2007, 416 <418> im Vorgriff auf die Entscheidung des Großen Senats). Der Wortlaut des § 4 Abs. 5 Nr. 6 b EStG stehe einer Aufteilung der Kosten nicht entgegen (Bergkemper, [...] PraxisReport Steuerrecht 2/2011, Anm. 1). Eine Aufteilung sei bei nahezu allen gemischt genutzten Wirtschaftsgütern anerkannt (Paus, Deutsche Steuer-Zeitung 2010 --DStZ--, 688, 690).
Nach Auffassung des vorlegenden Senats sind die Vorlagefragen dahin zu entscheiden, dass der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers eine (nahezu) ausschließliche betriebliche/berufliche Nutzung nicht voraussetzt und die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer entsprechend den Grundsätzen des Beschlus-ses des Großen Senats des BFH in BFHE 227, 1, BStBl II 2010, 672 aufzuteilen sind.
d) Auch die Auslegung von § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 b EStG als lex specialis ergibt nicht, dass Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht aufzuteilen wären. Vielmehr setzt die Abzugsbeschränkung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 b EStG das Vorliegen von nach allgemeinen Grundsätzen (§ 4 Abs. 4 EStG) abziehbaren Aufwendungen voraus und begrenzt deren Abzug typisierend im Hinblick auf die allgemeine Einbindung des Arbeitszimmers in den privaten Wohnbereich (vgl. BFH-Urteil in BFHE 201, 27, BStBl II 2003, 185). Der Beschluss des BVerfG in BVerfGE 126, 268 [BVerfG 06.07.2010 - 2 BvL 13/09] steht einer dahin gehenden Auslegung nicht entgegen, da das BVerfG keine Detailauslegung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 b EStG vornimmt.