Source: https://steuerrecht-anwalt.berlin/soll-besteuerung-oder-ist-besteuerung/
Timestamp: 2020-03-31 09:13:44
Document Index: 146463831

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 16', '§ 20', '§ 148', '§ 18', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 3', '§ 3', '§ 240']

Soll-Besteuerung oder Ist-Besteuerung? - Anwaltskanzlei Wudtke Berlin
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Die Umsatzsteuer entsteht im Regelfall der Soll-Besteuerung für Lieferungen und sonstige Leistungen gemäß § 13 I Nr.1a UStG bei der Berechnung der Steuer nach vereinbarten Entgelten gemäß § 16 I UStG mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem die Leistungen bzw. Teilleistungen ausgeführt worden sind. Dies bedeutet für den Steuerzahler aber im ungünstigsten Fall, dass er die Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen muss, obwohl er sie vom Kunden überhaupt noch nicht erhalten hat. Bei großen Rechnungsbeträgen kann der Unternehmer plötzlich als Schuldner gegenüber dem Finanzamt dastehen und sogar Säumniszuschläge kassieren.
Ist-Besteuerung mit oder ohne Antrag?
Eine Lösung dieses Problems ist die sog. Ist-Besteuerung. Das FA kann nämlich auf Antrag gemäß § 20 UStG gestatten, dass ein Unternehmer, 1. dessen Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 500.000 Euro betragen hat, oder 2. der von der Verpflichtung, Bücher zu führen und aufgrund jährlicher Bestandsaufnahmen regelmäßig Abschlüsse zu machen, nach § 148 AO befreit ist, oder 3. soweit er Umsätze aus einer Tätigkeit als Angehöriger eines freien Berufs im Sinne des § 18 EStG ausführt, die Steuer nicht nach den vereinbarten Entgelten, sondern nach den vereinnahmten Entgelten berechnet. In diesem Fall richtet sich also die Entstehung der Steuer nicht nach der Ausführung der Leistung, sondern nach dem Zufluss des Entgeltes. Dies ergibt sich aus § 13 I Nr.1b UStG. Wer die obigen Voraussetzungen jedoch nicht erfüllt und dessen Antrag daher auch vom FA abgelehnt werden müsste, hat noch eine weitere Chance die Vorteile der Ist-Besteuerung zu erlangen. Gemäß § 13 I Nr.1a Satz 4 UStG heißt es dazu: „Wird das Entgelt oder ein Teil des Entgelts vereinnahmt, bevor die Leistung oder die Teilleistung ausgeführt worden ist, so entsteht insoweit die Steuer mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem das Entgelt oder das Teilentgelt vereinnahmt worden ist. Hier tritt demnach kraft Gesetzes, d.h. ohne Antragstellung die Ist-Besteuerung an die Stelle der Soll-Besteuerung.
Weder Ist-Besteuerung noch Soll-Besteuerung?
Die Ist-Besteuerung oder auch die Sollbesteuerung ist vom Vorhandensein eines Entgeltes abhängig. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen der Entstehungszeitpunkt der Ausgangsumsatzsteuer bei unentgeltlichen Leistungen bestimmt werden muss. Dies ist z.B. der Fall bei einer Privatentnahme. Hier gibt es keine Unterscheidung zwischen der Ist-Besteuerung und der Soll-Besteuerung. Die Umsatzsteuer entsteht hier nach § 13 I Nr.2 UStG mit Ablauf des Veranlagungszeitraums, in dem die unentgeltliche Leistung ausgeführt worden ist. Dies betrifft die Fälle des § 3 Abs. 1b UStG und § 3 Abs.9a UStG. Auch kleine private Fahrten mit dem Dienstwagen müssten daher der Umsatzsteuer unterworfen werden. Erfolgt dies nicht liegt eine Steuerhinterziehung vor, jedoch werden Säumniszuschläge bei rückständigen Steuern unter 50 Euro gemäß § 240 AO nicht erhoben.