Source: https://www.wbs-law.de/allgemein/fifa-bgh-zu-zwangsabstieg-des-sv-wilhelmshaven-21601/
Timestamp: 2020-01-22 11:24:11
Document Index: 297742443

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

FIFA - BGH zu Zwangsabstieg des SV Wilhelmshaven
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FIFA – BGH zu Zwangsabstieg des SV Wilhelmshaven
Der SV Wilhelmshaven wurde aufgrund einer nicht gezahlten Ausbildungsentschädigung für einen argentinischen Spieler von der FIFA zum Zwangsabstieg verdonnert. Doch nicht alles was in Zürich entschieden wird, müssen Verbände wie der Norddeutsche Fußballverband, auch umsetzen. Der BGH urteilte nun im Sinne des SV Wilhemshaven und hielt den Zwangsabstieg für rechtswidrig.
Im Jahre 2012 wurde der SV Wilhelmshaven zu einem Zwangsabstieg aus der vierten Liga durch den Norddeutschen Fußballverband e.V. gezwungen. Der SV Wilhelmshaven hatte sich jahrelang geweigert, eine Ausbildungsentschädigung an den Ausbildungsverein eines argentinischen Nachwuchsspieler zu zahlen. Die FIFA hatte daraufhin ihren Regularien entsprechend Schritte gegen den Verein eingeleitet und setzte über den Norddeutschen Fußballverband e.V. den Zwangsabstieg um.
Satzung des Norddeutschen Fußballverbandes e.V. bietet keine Grundlage
Der SV Wilhelmshaven klagte am Ende der Spielzeit 2013/14 zunächst erfolglos vor dem Landesgericht gegen die FIFA Entscheidung, jedoch erfolglos. Das Berufungsgericht, das OLG Bremen, hatte die Unwirksamkeit des Zwangsabstiegs daraufhin jedoch festgestellt (Urt. v. 30.12.2014, Az. 2 U 67/14). Nun bestätigte der Bundesgerichtshof dieses Berufungsurteil.
Der BGH begründete sein Urteil damit, dass eine solche vereinsrechtliche Disziplinarstrafe, wie sie die FIFA verhängt hatte, nur vollzogen werden darf, wenn sie eindeutig in der Vereinssatzung formuliert ist. Die Vereine müssen anhand der Vereinssatzung die Möglichkeit haben, diese hinzunehmen und gewisse Vorkehrungen gegen eine solche Strafe vornehmen zu können.
In der Satzung des Norddeutschen Fußballverbandes e.V. gibt es eine solche eindeutige Regel bezüglich der Nichtzahlung von Ausbildungsentschädigungen jedoch nicht. In den DFB- und FIFA-Satzungen gibt es zwar eine solche Regelung, diese gilt allerdings nur für direkte Mitglieder der Verbände. Der SV Wilhelmshaven ist jedoch nur Mitglied des Norddeutschen Fußballverbandes e.V. und gerade nicht der FIFA und hat sich insofern auch nur an dessen Satzung zu halten.
Zahlung der Ausbildungsentschädigung weiter fraglich
Die Frage, ob der SV Wilhelmshaven dennoch die von der FIFA geforderte Ausbildungsentschädigung zahlen muss, blieb indes offen. Zwar wurde mit dem DFB ein Vertrag über die Zulassung zur Regionalliga abgeschlossen, ob der Verein die geforderte Summe jedoch tatsächlich zahlen muss, das muss in einem weiteren, auf Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche gerichteten, Verfahren geklärt werden. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs richtet sich lediglich auf den angeordneten Zwangsabstieg. Der Verein unterliegt laut BGH zwar den durch den Vertrag mit dem DFB geltenden Wettkampfregeln, die Regelung über eine Ausbildungsentschädigung wird aber nicht als Wettkampfregel angesehen. Der argentinische Spieler hätte trotzdem am Wettkampf, nämlich am Spielbetrieb der vierten Liga, teilnehmen dürfen. Die Ausbildungsentschädigung steht daher nicht in einem Zusammenhang mit den für den Wettkampf geltenden Regeln.
SV Wilhelmshaven verlangt Entschädigung
Nach dieser Entscheidung verlangte der SV Wilhelmshaven, der mittlerweile in der siebten Liga spielt, eine erneute Eingliederung in die vierte Liga und eine Entschädigung für den durch den Zwangsabstieg entstandenen finanziellen Schaden. „ Wir waren immer zu einer gütlichen Regelung bereit (…)“ sagte Aufsichtsrat Naraschewski und fügte bei „ Es steht fest, dass man dem Verein Unrecht getan hat.“
Die FIFA allerdings wird in zukünftigen Fällen vermutlich ähnlich agieren und versuchen, die eigenen Beschlüsse durch die Verbände umsetzen zu lassen. (LuN)