Source: https://www.ebnerstolz.de/de/KfW-Darlehen-Verwendung-von-Formularklauseln-ueber-Abzugsbetraege-bei-Foerderdarlehen-90456.html
Timestamp: 2019-07-20 09:29:20
Document Index: 30145117

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 812', '§ 502', '§ 307', '§ 2', '§ 500', '§ 502', '§ 502', '§ 307', '§ 511', '§ 307', '§ 500', '§ 502']

KfW-Darlehen: Verwendung von Formularklauseln über Abzugsbeträge bei Förderdarlehen - Ebner Stolz
KfW-Darlehen: Verwendung von Formularklauseln über Abzugsbeträge bei Förderdarlehen
Die vier vor­lie­gen­den Ver­fah­ren betref­fen Ansprüche von Dar­le­hens­neh­mern auf Rück­zah­lung von Abzugs­be­trä­gen, die Kre­di­t­in­sti­tute im Rah­men von aus För­der­mit­teln der Kre­di­t­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW) gewähr­ten Dar­le­hen auf­grund for­mular­mä­ß­i­ger Bestim­mun­gen in den Dar­le­hens­ver­trä­gen i.H.v. jeweils 4 Pro­zent des Dar­le­hens­nenn­be­tra­ges ein­be­hiel­ten. Zur Refi­nan­zie­rung hat­ten die Kre­di­t­in­sti­tute mit der KfW jeweils Dar­le­hens­ver­träge abge­sch­los­sen, die eben­falls Abzugs­be­träge i.H.v. 4 Pro­zent des Dar­le­hens­nenn­be­tra­ges zuguns­ten der KfW vor­sa­hen. In drei Fäl­len (XI ZR 454/14, XI ZR 63/15 und XI ZR 73/15) wur­den die Dar­le­hens­ver­träge vor dem 11.6.2010 gesch­los­sen, in einem nach die­sem Zeit­punkt (XI ZR 96/15).
In die­sem Ver­fah­ren (so auch in XI ZR 63/15 und XI ZR 73/15) wurde in den zwi­schen den kla­gen­den Dar­le­hens­neh­mern und dem Kre­di­t­in­sti­tut gesch­los­se­nen Dar­le­hens­ver­trag fol­gende strei­tige Klau­sel über Abzugs­be­träge ein­be­zo­gen, die die Dar­le­hens­neh­mer für unwirk­sam hal­ten:
"Es wird ein Disa­gio (Abzug vom Nenn­be­trag des Kre­dits) von 4,00 v.H. erho­ben. Die­ses umfasst eine Risi­ko­prä­mie von 2,0 v.H. für das Recht zur außer­plan­mä­ß­i­gen Til­gung d. Kre­dits wäh­rend d. Zins­fest­sch­rei­bung u. 2,0 % Bear­bei­tungs­ge­bühr."
Die Kla­gen aller Dar­le­hens­neh­mer waren in den Tat­sa­chen­in­stan­zen erfolg­los. Die Revi­sio­nen der Dar­le­hens­neh­mer in den drei Fäl­len, in denen die Dar­le­hens­ver­träge vor dem 11.6.2010 gesch­los­sen wur­den, hat­ten vor dem BGH kei­nen Erfolg. In dem Ver­fah­ren XI ZR 96/15, dem ein nach die­sem Tag abge­sch­los­se­ner Dar­le­hens­ver­trag zugrunde lag, hob der BGH das Beru­fung­s­ur­teil auf und ver­wies die Sache zur neuen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das LG zurück.
Den kla­gen­den Dar­le­hens­neh­mern steht kein Anspruch auf Rück­zah­lung des Abzugs­be­trags gemäß § 812 Abs. 1 S. 1 BGB zu, weil die strei­tige Klau­sel wirk­sam ist.
Die strei­tige Klau­sel ent­hält zwei inhalt­lich von­ein­an­der zu tren­nende Rege­lun­gen. Der Abzugs­be­trag von 4 Pro­zent ist näm­lich in eine Bear­bei­tungs­ge­bühr von 2 Pro­zent und in eine Risi­ko­prä­mie von 2 Pro­zent auf­ge­teilt, die jeweils Gegen­stand einer eigen­stän­di­gen AGB-recht­li­chen Wirk­sam­keits­prü­fung sind. Die den Dar­le­hens­neh­mern in der Klau­sel ein­ge­räumte Mög­lich­keit, das För­der­dar­le­hen, auf das § 502 BGB in der ab dem 11.6.2010 gel­ten­den Fas­sung keine Anwen­dung fin­det, jeder­zeit wäh­rend der andau­ern­den Zins­bin­dung zu til­gen, ohne zur Abgel­tung der recht­lich gesi­cher­ten Zin­s­er­war­tung des beklag­ten Kre­di­t­in­sti­tuts eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­d­i­gung zah­len zu müs­sen (Risi­ko­prä­mie), stellt einen wirt­schaft­li­chen Vor­teil dar. Diese somit zusätz­lich ange­bo­tene Leis­tung darf die Beklagte geson­dert in Form einer Risi­ko­prä­mie - hier i.H.v. 2 Pro­zent des Dar­le­hens­nenn­be­tra­ges - bep­rei­sen, ohne dass dies einer AGB-recht­li­chen Inhalts­un­ter­kon­trolle unter­liegt.
Soweit die Klau­sel dar­über hin­aus eine Bear­bei­tungs­ge­bühr i.H.v. 2 Pro­zent vor­sieht, han­delt es sich zwar um eine kon­troll­fähige Preis­ne­ben­ab­rede. Denn mit der Bear­bei­tungs­ge­bühr wird Auf­wand bep­reist, der keine Son­der­leis­tung betrifft, son­dern der Beschaf­fung des För­der­dar­le­hens dient und damit bei der ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­trags­er­fül­lung durch das Kre­di­t­in­sti­tut ent­steht. Dass die­ser Auf­wand nicht unmit­tel­bar bei dem beklag­ten Kre­di­t­in­sti­tut ent­stan­den ist, son­dern von die­sem einem Drit­ten, hier der KfW, zu erstat­ten ist, ändert an der Kon­troll­fähig­keit der Klau­sel nichts. Die Klau­sel hält jedoch einer AGB-recht­li­chen Inhalts­kon­trolle stand, da sie die Dar­le­hens­neh­mer auf der Grund­lage einer umfas­sen­den Inter­es­sen­ab­wä­gung nicht ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen i.S.d. § 307 Abs. 1 S. 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB benach­tei­ligt.
Bei der Abwä­gung war auf die mit den För­der­be­din­gun­gen ver­folg­ten Zwe­cke der För­de­rung abzu­s­tel­len. Denn bei dem Dar­le­hen han­delt es sich nicht um eines, das nach den Bedin­gun­gen des Kapi­tal­mark­tes ver­ge­ben wurde, son­dern um die zweck­ge­bun­dene Gewäh­rung beson­ders güns­ti­ger Mit­tel zur För­de­rung wirt­schafts­po­li­ti­scher Ziele, bei der das Bear­bei­tungs­ent­gelt Teil der vor­ge­ge­be­nen För­der­be­din­gun­gen ist. Die Gewäh­rung der För­der­dar­le­hen dient von vorn­he­r­ein nicht der Ver­fol­gung eigen­wirt­schaft­li­cher Inter­es­sen der KfW, son­dern beruht auf dem staat­li­chen Auf­trag, in den von § 2 Abs. 1 Kred­Anst­WiAG erfass­ten Berei­chen finan­zi­elle För­der­maß­nah­men durch­zu­füh­ren. In den wirt­schaft­li­chen Vor­tei­len sol­cher För­der­dar­le­hen gegen­über Kre­di­ten zu Markt­be­din­gun­gen geht bei der gebo­te­nen pau­scha­li­sie­ren­den Gesamt­be­trach­tung eine nach den För­der­be­din­gun­gen zu erhe­bende, lauf­zeit­un­ab­hän­gige Bear­bei­tungs­ge­bühr auf.
Der hier zu Grunde lie­gende Dar­le­hens­ver­trag wurde nach Inkraft­t­re­ten des Geset­zes zur Umset­zung der Ver­brau­cher­k­re­di­tricht­li­nie am 11.6.2010 gesch­los­sen. Nach dem dabei neu ein­ge­führ­ten § 500 Abs. 2 BGB ist ein Dar­le­hens­neh­mer berech­tigt, seine Ver­bind­lich­kei­ten aus einem Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag jeder­zeit ganz oder teil­weise zu erfül­len. Die von ihm im ungüns­tigs­ten Fall gem. § 502 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 BGB zu zah­lende Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­d­i­gung darf 1 Pro­zent des vor­zei­tig zurück­ge­zahl­ten Betrags nicht über­sch­rei­ten und ist damit stets gerin­ger als der von der Beklag­ten in die­sem Fall ein­be­hal­tene Abzugs­be­trag i.H.v. 4 Pro­zent des Dar­le­hens­nenn­be­trags. Dem­zu­folge würde die Klau­sel bei der Bep­rei­sung des Ver­zichts auf die Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­d­i­gung zu Las­ten des Klä­gers von § 502 Abs. 1 BGB abwei­chen und unter­läge gem. § 307 Abs. 3 S. 1 BGB der AGB-recht­li­chen Inhalts­kon­trolle.
Da zudem gem. § 511 S. 1 BGB von den genann­ten gesetz­li­chen Rege­lun­gen bei einem Ver­brau­cher­dar­le­hen nicht zum Nach­teil des Ver­brau­chers abge­wi­chen wer­den darf, würde die strei­tige Klau­sel den Klä­ger unan­ge­mes­sen i.S.d. § 307 Abs. 1 S. 1 BGB benach­tei­li­gen und wäre damit im Rah­men des im Revi­si­ons­ver­fah­ren zu unter­s­tel­len­den Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­tra­ges unwirk­sam. Da das LG jedoch keine tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen hat, ob der vor­lie­gende Dar­le­hens­ver­trag ein Ver­brau­cher­dar­le­hen dar­s­tellt, kann nicht absch­lie­ßend beur­teilt wer­den, ob die § 500 Abs. 2, § 502 Abs. 1 BGB auf das vor­lie­gende Dar­le­hen anzu­wen­den sind. Des­we­gen war die Sache zur neuen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das LG zurück­zu­ver­wei­sen, damit feh­lende tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen zur Anwen­dung neuer Rege­lun­gen des Ver­brau­cher­dar­le­hens­rechts nach­ge­holt wer­den kön­nen.