Source: https://jugend-sat.verdi.de/jav/jav-von-a-bis-z/++co++d62ad560-4eda-11e9-941f-001a4a160100
Timestamp: 2019-04-25 01:53:46
Document Index: 269157832

Matched Legal Cases: ['§12', '§ 70', '§ 61', '§ 67', '§ 75', '§ 67', '§ 98', '§ 75', '§ 15']

ver.di – A wie Antidiskriminerung
A wie Antidiskriminerung
A wie Antidiskriminierungsarbeit
Benachteiligung und Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Weltanschauung, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung etc. machen leider auch nicht vor der Arbeitswelt halt. Zwar ist der Arbeitgeber aufgrund des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz vor derartigen Benachteiligungen zu ergreifen (§12 Abs. 1 AGG). Die Realität in den Betrieben und Dienststellen sieht jedoch oftmals anders aus.
Um dem entgegenzuwirken, gehört es auch zu euren Aufgaben als JAV, Maßnahmen gegen derartige Benachteiligungen beim Betriebs- bzw. Personalrat zu beantragen (§ 70 Abs. 1 BetrVG bzw. § 61 Abs. 1 i.V.m. § 67 Abs. 1 BPersVG) und die Gleichstellung aller Jugendlichen und Auszubildenden im Betrieb bzw. der Dienststelle aktiv zu fördern. Euer Betriebs- bzw. Personalrat ist hierzu ebenfalls gesetzlich verpflichtet (vgl. § 75 BetrVG bzw. § 67 Abs. 1 BPersVG).
Die Maßnahmen, die erforderlich sind, um die jeweiligen Benachteiligungen und Diskriminierungen zu beenden, können dabei sehr vielfältig sein und hängen vom konkreten Fall ab. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Unter Umständen geht es darum, Sprachbarrieren für Beschäftigte mit Migrationshintergrund abzubauen – in diesem Fall solltet ihr als JAV beispielsweise über den Betriebs- bzw. Personalrat arbeitgeberfinanzierte Sprachkurse beantragen. Völlig anders wäre der Fall, wenn einzelne Auszubildende aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts etc. von einem Ausbilder diskriminiert würden. Je nach Häufigkeit und Schwere der Vorkommnisse solltet ihr als JAV hier auch in Betracht ziehen, die Ablösung des entsprechenden Ausbilders beim Betriebs- bzw. Personalrat zu beantragen. (Dieser hat diesbezüglich ein starkes Mitbestimmungsrecht nach § 98 BetrVG bzw. § 75 Abs. 3 Nr. 6 BPersVG.) Welche Maßnahmen also im konkreten Diskriminierungsfall erforderlich und geeignet sind, solltet ihr zunächst ausführlich in eurer JAV-Sitzung, ggf. auch gemeinsam mit eurem Betriebs- bzw. Personalrat besprechen.
Weigert sich euer Arbeitgeber, die erforderlichen Maßnahmen gegen eine Benachteiligung zu ergreifen, so kann er nach § 15 AGG zur Zahlung einer Entschädigung oder von Schadenersatz verpflichtet werden. Doch so weit sollte es gar nicht erst kommen: Damit alle Seiten im Betrieb bzw. der Dienststelle sensibel mit dem Thema umgehen, empfiehlt es sich, beim Betriebs- bzw. Personalrat auf eine entsprechende Betriebs- bzw. Dienstvereinbarung hinzuwirken. Wie diese aussehen könnte, seht ihr auf:
www.aktiv-gegen-diskriminierung.info/betriebsvereinbarungen
Wenn ihr euch als JAV zum Thema Antidiskriminierungsarbeit weiterbilden wollt, die ver.di Jugend bietet dazu viele nützliche Seminare an. Schaut doch einfach mal unter: www.jav.info/bildung
Und für Leseratten: Im Herbst diesen Jahres erscheint auch unser neuer Solidarity-Reader, mit vielen interessanten Informationen, Tipps und Hinweisen rund um das Thema Antidiskriminierung.