Source: https://www.weka.ch/themen/recht/gesellschaftsrecht/transaktionen-ma/article/sanierung-gefahr-der-ueberschuldung-gemaess-art-725-or/
Timestamp: 2018-02-26 01:45:07
Document Index: 137298405

Matched Legal Cases: ['Art. 725', 'Art. 725', 'Art. 725', 'Art. 725', 'Art. 725', 'Art. 671']

Sanierung: Gefahr der Überschuldung gemäss Art. 725 OR
Die meisten bilanziellen Probleme der Sanierung stellen sich aufgrund von Art. 725 OR. Diese werden dann bewusst, wenn die Jahresbilanz erstellt wird und führen dann oft zu Auseinandersetzungen zwischen Verwaltungsrat und Revisionsstelle.
Falls das Aktienkapital zur Hälfte aufgebraucht ist, besteht eine latente Überschuldungsgefahr gemäss Art. 725 Abs. 1 OR wie folgt:
"Zeigt die letzte Jahresbilanz, dass die Hälfte des Aktienkapitals und der gesetzlichen Reserven nicht mehr gedeckt ist, hat der Verwaltungsrat unverzüglich eine Generalversammlung einzuberufen und an dieser Massnahmen der Sanierung zu beantragen."
Beispiel von Art. 725 Abs. 1 OR
Aktienkapital: CHF 1 000
Gesetzliche Reserven: CHF 500
Total: CHF 1 500
Gewinnvortrag vom Vorjahr: CHF 670
Verlust laufendes Jahr: CHF - 1 470
Total: CHF - 800
(teilweiser Kapitalverlust): CHF 700
Der Bilanzverlust von Tausend CHF – 800 beträgt mehr als 50% des Kapitals und der gesetzlichen Reserven (TCHF 750). Es besteht jedoch noch keine Überschuldung. Die Aktiven sind weiterhin höher als die Verbindlichkeiten. Das heisst, dass die Gläubiger weiterhin gedeckt sind. Der Verwaltungsrat muss trotzdem (vorsichtshalber) die Generalversammlung darüber informieren, dass die Aktien nicht mehr voll gedeckt sind und ihr Massnahmen der Sanierung vorschlagen. Oft bleibt aber sowohl der Verwaltungsrat als auch die Generalversammlung untätig. Die Aktionäre schreiben ihr Engagement ab, und für sie ist die Sache erledigt. Sie können normalerweise nicht zu einem Nachschuss verpflichtet werden.
Bilanzielle Mittel der Sanierung bei Überschuldung
Die folgenden Massnahmen können zu einer Bilanz - Sanierung gemäss Art. 725 Abs. 1 OR beitragen:
Verkauf von Aktiven (z.B. Liegenschaften)
Patronatserklärungen (vor allem in Konzernen)
Subordinieren von Aktionärs- oder Gläubigerdarlehen (Rangrücktritt auf Passivdarlehen)
Garantie von Hauptaktionär/Gläubiger
an Gesellschaft/Revisionsstelle
an Gläubigerbanken
Kapitaleinschüsse von Aktionären verbucht als
Agio/gesetzliche Reserven
kann für Abschreibungen verwendet werden nach Art. 671 Abs. 3 OR
Gewinnung neue(r) Aktionär(e) für Kapitaleinschuss
Forderungsverzicht von Gläubigern
Kapitalherabsetzung (Kapitalschnitt)
Kapitalherabsetzung mit gleichzeitiger Wiedererhöhung
Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital
Schaffung von Vorzugsaktien, Partizipationskapital
Ausgabe von Genussscheinen
Management Buy-Out (MBO) für Teilbereiche
Verkauf eines Teils oder aller Aktien der Gesellschaft zu einem Pro-Memoria-Franken an einen finanzkräftigen Aktionär bzw. Konzern
Fusion/Zusammenschluss mit stärkerem Partner
Stillhalteabkommen der Banken
Kreditlimiten bleiben erhalten
werden gleichmässig gebraucht
Zinsstundung
Aufwertung von
bis Anschaffungskosten: Erfolgswirksam zur Verlustdeckung,
bis vorsichtiger Verkehrswert (nach latenten Steuern): Erfolgsneutral in Aufwertungsreserve, aufgrund Gutachten und Prüfbericht, Ausweis im Anhang
Sanierung der Bilanz durch Abschreibung von Immobilien auf Agio
Die Situation entsteht meistens durch Verluste in den Vorjahren. Neben der Sanierung der Bilanz sind oft auch Liquiditätsspritzen und operative Verbesserungen notwendig.
Verbesserung der Ertragslage
Mittel- bis langfristig ist der Verbesserung der Ertragslage jedoch höchste Priorität einzuräumen, z.B. durch:
Einholung von Konkurrenzofferten für externe Leistungen und Wareneinkäufe
Verlängerung von Zahlungsfristen von Kreditoren
Insbesondere zum Verkauf von Aktiven
Beim Verkauf von Aktiven (Devestitionen) kommen vor allem nichtbetriebliche Aktiven in Frage wie:
nicht mehr gebrauchte Maschinen
Minderheitsbeteiligungen Wertschriften
Bei den Devestitionen und dem Abbau der Aktiven kann es sich jedoch auch um den Abbau des betrieblichen Umlaufvermögens handeln wie:
Lagerabbau durch Verminderung des Einkaufs (z.B. Just in time [JIT])
Schlecht laufende Waren werden an die Lieferanten zurückgeschoben. Dies vermindert sowohl die Lager wie auch die Lieferantenkreditoren
Debitorenbewirtschaftung
Einforderung von Vorauszahlungen von den Kunden
Sale and Lease Back als Alternative zum Verkauf betrieblich genutzter Sachanlagen Allenfalls kommt ein Sale and Lease Back in Frage für betrieblich genutzte Sachanlagen:
Die Liegenschaft wird aufgrund einer Verkehrswertschatzung verkauft, an z.B.
Der Vorteil des Sale and Lease Back ist der rasche Liquiditätszufluss und der ausserordentliche Gewinn aus der Transaktion. Es geht jedoch meistens um Verwertung von Substanz (Verkauf des Tafelsilbers). Der Nachteil dieser Transaktionen liegt aber darin, dass die zukünftigen Perioden mit höheren Mieten (Leasinggebühren) belastet werden.
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Nächster Termin: 18. April 2018