Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NZV%202006,%20147
Timestamp: 2019-03-24 01:41:12
Document Index: 256407722

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 7', '§ 7', '§ 7']

OLG Jena, 08.12.2005 - 1 U 474/05 - dejure.org
Fahrstreifenwechsel bei Kolonnenbildung
Vorsicht beim Überholen im Kolonnenverkehr
NZV 2006, 147
Eine Haftung der Beklagtenseite über die allgemeine Betriebsgefahr (20%) des Lkws der Beklagten hinaus ist somit hier bereits deshalb gerechtfertigt, weil der Unfall entsprechend dem Ergebnis der Beweisaufnahme in ganz überwiegendem Maße von dem vom Erstbeklagten geführten Lkw der Marke Scania verursacht worden ist (BGH, VersR 1970, Seite 89; OLG Karlsruhe, Schaden-Praxis 2009, Seiten 66 f.; OLG Brandenburg, Urteil vom 13.03.2008, Az.: 12 U 145/07, u.a. in: Schaden-Praxis 2008, Seiten 245 f.; OLG Brandenburg, Urteil vom 21.06.2007, Az.: 12 U 2/07, u.a. in: "juris"; OLG Jena, NZV 2006, Seiten 147 f.; OLG München, DAR 2005, Seiten 684 f., Nr. 290; OLG Saarbrücken, Schaden-Praxis 2004, Seite 316; KG Berlin, VRS Band 106, Seite 23; OLG Düsseldorf, Schaden-Praxis 2003, Seiten 335 f.; OLG Hamm, NZV 2000, Seiten 85 f. = ZfSch 2000, Seite 57; OLG Bremen, VersR 1997, Seiten 253 f.; OLG Hamm, VRS Band 81, Seiten 342 f.; OLG Frankfurt/Main, NZV 1989, Seiten 75 f.; OLG Celle, VersR 1972, Seite 1145; OLG Köln, MDR 1965, Seite 43, Nr. 43; LG Berlin, Beschluss vom 12.06.2006, Az.: 24 S 43/06, u.a. in: "juris"; LG Berlin, Schaden-Praxis 2002, Seite 51; AG Berlin-Mitte, Schaden-Praxis 2009, Seite 142; AG Hamburg-Blankenese, VersR 2005, Seite 1549).
Bei dichtem Verkehr oder Kolonnenbildung ist das Wechseln in einen anderen Fahrstreifen zudem in aller Regel auf das Ausnutzen größerer Lücken beschränkt, die einen ausreichenden Abstand nach hinten und von vorne ermöglichen (OLG Jena, NZV 2006, Seiten 147 f.; OLG Düsseldorf, VersR 1997, Seite 334; OLG Hamm, VersR 1992, Seite 624; KG Berlin, VersR 1978, Seite 1072).
Wer sich aber - wie der Erstbeklagte - ohne sorgfältige Rückschau und ohne Setzen des Fahrtrichtungsanzeigers auf den anderen Fahrstreifen begeben will und hierdurch ein bereits auf diesen Fahrstreifen fahrendes Fahrzeug gefährdet, handelt dementsprechend immer grob verkehrswidrig (BGH, VersR 1970, Seite 89; BGH, VersR 1965, Seite 82; OLG Jena, NZV 2006, Seiten 147 f.; OLG Hamm, VersR 1992, Seite 624).
Ein gegen den Zeugen S. sprechender Anscheinsbeweis, der sich letztlich auf die Nichteinhaltung eines der Geschwindigkeit entsprechenden Sicherheitsabstandes oder auf Unaufmerksamkeit gründen könnte, ist bereits dann ausgeräumt, wenn der andere Verkehrsteilnehmer - wie hier der Erstbeklagte - erwiesenermaßen im zeitlichen und örtlichen Zusammenhang mit dem Unfallgeschehen einen Fahrstreifenwechsel vom rechten Fahrstreifen nach links vorgenommen hat (BGH, VersR 1970, Seite 89; OLG Karlsruhe, Schaden-Praxis 2009, Seiten 66 f.; OLG Brandenburg, Urteil vom 21.06.2007, Az.: 12 U 2/07, u.a. in: "juris"; OLG Jena, NZV 2006, Seiten 147 f.; OLG Saarbrücken, Schaden-Praxis 2004, Seite 316; OLG Düsseldorf, Schaden-Praxis 2003, Seiten 335 f.; OLG Hamm, NZV 2000, Seiten 85 f.; OLG Bremen, VersR 1997, Seiten 253 f.; OLG Hamm, VersR 1992, Seite 624; KG Berlin, VerkMitt 1988, Seite 49, Nr. 48; OLG Celle, VersR 1982, Seite 960; KG Berlin, VRS Band 106, Seite 23; OLG Hamm, VRS Band 81, Seiten 342 f.; OLG Frankfurt/Main, NZV 1989, Seiten 75f.; OLG Celle, VersR 1972, Seite 1145; OLG Köln, MDR 1965, Seite 43, Nr. 43; LG Berlin, Schaden-Praxis 2002, Seite 51; AG Hamburg-Blankenese, VersR 2005, Seite 1549).
Im Ergebnis der Abwägung der Verursachungsbeiträge sieht das erkennende Gericht zwar ein deutliches Überwiegen auf der Seite der Beklagten (vgl. u.a.: BGH, VersR 1970, Seite 89; OLG Karlsruhe, Schaden-Praxis 2009, Seiten 66 f.; OLG Brandenburg, Urteil vom 13.03.2008, Az.: 12 U 145/07, u.a. in: Schaden-Praxis 2008, Seiten 245 f.; OLG Brandenburg, Urteil vom 21.06.2007, Az.: 12 U 2/07, u.a. in: "juris"; OLG Jena, NZV 2006, Seiten 147 f.; OLG München, DAR 2005, Seiten 684 f., Nr. 290; OLG Saarbrücken, Schaden-Praxis 2004, Seite 316; KG Berlin, VRS Band 106, Seite 23; OLG Düsseldorf, Schaden-Praxis 2003, Seiten 335 f.; OLG Hamm, NZV 2000, Seiten 85 f. = ZfSch 2000, Seite 57; OLG Bremen, VersR 1997, Seiten 253 f.; OLG Hamm, VRS Band 81, Seiten 342 f.; OLG Frankfurt/Main, NZV 1989, Seiten 75 f.; OLG Celle, VersR 1972, Seite 1145; OLG Köln, MDR 1965, Seite 43, Nr. 43; LG Berlin, Beschluss vom 12.06.2006, Az.: 24 S 43/06, u.a. in: "juris"; LG Berlin, Schaden-Praxis 2002, Seite 51; AG Berlin-Mitte, Schaden-Praxis 2009, Seite 142; AG Hamburg-Blankenese, VersR 2005, Seite 1549).
Er ist untersagt, wenn eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer nicht auszuschließen oder sogar zu gewärtigen ist (vgl. OLG Jena NZV 2006, 147, 148; Saarländisches OLG Saarbrücken MDR 2006, 329 - 330; OLG Hamm NZV 2002, 373; OLG Hamm NZV 1995, 194).
Er brauchte allerdings nicht damit zu rechnen, dass ein Vorausfahrender - wie hier der Drittwiderbeklagte - sein Fahrzeug ohne Einhaltung eines ausreichenden Sicherheitsabstandes plötzlich verkehrswidrig auf die von ihm befahrene Überholspur lenken würde (vgl. OLG Jena NZV 2006, 147, 148).
Zum Überholen auf der Autobahn darf der Überholer nämlich dann nicht mehr ansetzen, wenn dadurch ein nachfolgender schnellerer Kraftfahrer, der sich seinerseits, wie hier, auf der Überholspur befindet, zu einem raschen und erheblichen Herabsetzen seiner Geschwindigkeit genötigt und dadurch gefährdet wäre (vgl. OLG Jena NZV 2006, 147, 148).
Allein das Kerngeschehen eines "Heckanstoßes" als solches reicht dann als Grundlage eines Anscheinsbeweises nicht aus, wenn weitere Umstände des Unfallereignisses bekannt sind, die als Besonderheiten gegen die bei derartigen Fallgestaltungen gegebene Typizität sprechen (vgl. OLG Jena NZV 2006, 147; OLG Saarbrücken MDR 2006, 329; OLG Schleswig NZV 1993, 152; OLG Hamm NZV 1992, 320; OLG Köln VersR 1978, 143; KG Berlin DAR 2006, 322; OLG Düsseldorf SP 2003, 335).
Hier hat die erstinstanzliche Beweisaufnahme ergeben, dass sich der Auffahrunfall in einem engen zeitlichen und örtlichen Zusammenhang zu dem Fahrstreifenwechsel des Beklagten zu 1. zutrug (OLG Jena NZV 2006, 147; OLG Jena NZV 2006, 147, 148; OLG Saarbrücken MDR 2006, 329; OLG Naumburg NJW-RR 2003, 809).
Auch hier setzt die Einhaltung der äußersten Sorgfalt eine ausreichende Beobachtung des rückwärtigen Verkehrsraums voraus, die unter Umständen, insbesondere bei längerem Ablauf des Fahrstreifenwechsels eine zweite Rückschaupflicht umfasst (…Hentschel, aaO, § 7 Rn. 17 mit weiterem Nachw.; OLG Jena, NZV 2006, 147, 148; OLG Saarbrücken, MDR 2006, 329; OLG Hamm, NZV 2002, 373).
Alleine die Betriebsgefahr rechtfertigt keine Mithaftung (Senat, NZV 2005, 527f.; OLG Jena, NZV 2006, 147 ; OLG Hamm, DAR 2005, 285; KG VRS 109 10; MDR 03 1228).
Wie bereits ausgeführt, ist wegen der hohen Sorgfaltsanforderungen des § 7 Abs. 5 StVO grundsätzlich von einer vollen Haftung des Spurwechslers bei einer Kollision mit dem Geradeausverkehr auszugehen (…Burmann/Heß/Jahnke/Janker, Straßenverkehrsrecht, 23. Aufl., § 7 StVO, Rdnr. 25 mit Hinweis auf OLG Hamm NZV 2010, 79; OLG Jena NZV 2006, 147 sowie OLG Frankfurt OLGR 1998, 21).