Source: http://www.rechtsanwalt-arbeitsrecht-berlin.com/Kategorie-und-Kategorien/personalberatung/
Timestamp: 2018-04-26 11:42:14
Document Index: 269878566

Matched Legal Cases: ['EuG', '§ 31', '§ 68', '§ 116', '§ 14', '§ 23', '§ 814', '§ 7', '§ 22', '§ 2', '§ 2', '§ 22']

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EuGH C – 46/17 28.02.2018
Der Europ. Gerichtshof stellt fest, dass das Verbot der Diskriminierung wegen des Alters einer nationalen Bestimmung wie der in Rede stehenden nicht entgegensteht, die bei Arbeitnehmern, die die Regelaltersgrenze erreicht haben, das Hinausschieben des Zeitpunkts der Beendigung des Arbeitsverhältnisses von einer befristet erteilten Zustimmung des Arbeitgebers abhängig macht.
Landesarbeitsgericht Hessen: Kündigung eines Bäckers wegen des Antritts einer Freiheitsstrafe von mehr als 2 Jahren wirksam
Es entspricht der ständigen Rechtsprechung, dass ein Arbeitgeber eine Kündigung aussprechen darf, wenn zu diesem Zeitpunkt damit zu rechnen ist, dass der Arbeitnehmer länger als zwei Jahre ausfallen wird. Überbrückungsmaßnahmen sind nicht erforderlich, der Arbeitsplatz kann endgültig neu besetzt werden. Dies war auch für den jungen Vater nicht anders zu bewerten. Als er die Freiheitsstrafe antrat, stand nicht sicher fest, ob er seine Strafe vollständig verbüßen oder z.B. früh in den offenen Vollzug wechseln würde. Entwicklungen in der Vollzugszeit, die erst nach der Kündigung eintraten, sind nicht erheblich.
wirtschaftliche und strafrechtliche Risiken der Zusammenarbeit mit freien Mitarbeitern +++ Scheinselbstständigkeit von Honorarkräften (Teil 1 Arbeitsrecht)
Folgen der nachträglichen Feststellung der Scheinselbstständigkeit von Honorarkräften
Die Betriebsprüfer der Rentenversicherung und der Finanzämter verlangen zielorientiert die Vorlage der Unterlagen über sog. Fremdleistungen und die dazugehörenden Verträge und Rechnungen.
Die gewonnenen Daten werden zwischen den Behörden ausgetauscht. (§ 31a AO,§ 68 SGB X). Die Gerichte haben „grundsätzlich“ die in ihren Verfahren gewonnenen Erkenntnisse von Steuerstraftaten an das Bundesamt für Steuern in Bonn zu melden (§ 116 AO).
Handelt es sich tatsächlich um ein Arbeitsverhältnis stellt sich die Frage, wie dieses Rechtsverhältnis für die Vergangenheit abzuwickeln ist. Die Fiktion des Nettogehalts nach § 14 II 2 SGB IV findet nach Auffassung des BAG auf das Arbeitsrecht keine Anwendung (BAG, NZA 2010, 881; BAG, ArbRAktuell 2012; Bodem AuA 2009, 540) Das Honorar ist daher Bruttoarbeitsentgelt. Der Mitarbeiter kann vor den Arbeitsgerichten daher sein Honorar nur als Bruttoentgelt einklagen, nicht als Nettolohn. Zudem hat er den Schutz des Kündigungsschutzgesetzes, wenn das Unternehmen mehr als 10 Vollzeitstellen (mehr als 30 Wochenstunden pro Stelle = Vollzeitstelle) dauerhaft hat (§ 23 KschG)
In Einzelfällen können die Unternehmen einen Anspruch auf Rückzahlung des zu viel gezahlten Honorars haben, wenn es Vergütungsstrukturen in den Unternehmen gibt, wonach der freie Mitarbeiter als Arbeitnehmer eine geringere Verfügung erhalten hätten und sich die Parteien vor der Zusammenarbeit darauf geeinigt haben, dass der freie Mitarbeiter nach der Vergütungsstruktur des Unternehmens für freie Mitarbeiter verfügtet wird. Hieran wird es aber im Regelfall fehlen, da Unternehmen dieses Strukturen (Ausnahme TV- und Rundfunkanstalten) gar nicht besitzen.
Haben die Parteien bewusst das Arbeitsrecht umgangen, um Sozialversicherungsabgaben zu ersparen, wird man den Rückforderungsanspruch des Arbeitgebers schon an seiner Kenntnis im Sinne von § 814 BGB scheitern lassen müssen.
Praxistipp: Der Arbeitgeber ist gut beraten, mögliche Ansprüche auf Rückzahlung überzahlter Gehälter / Honorare unter Beachtung vertraglicher, tariflicher Verfallsfristen und der Verjährungsfristen sofort schriftlich einzufordern und ggfs. vor den Arbeitsgerichten geltend zu machen. Nicht selten wird der Auftraggeber ein höheres Honorar gezahlt haben, als einem vergleichbaren Arbeitnehmer an Bruttolohn.
Auch hier gilt: Sicherheit verschaft auch für spätere arbeitsrechtliche Folgen, die Vorabbeurteilung der Sozialversicherungsträger nach § 7a SGB IV. Dieses Verfahren zwingt die Unternehmen, sich über die sicheren Strukturen ihrer Zusammenarbeit mit Fremddienstleistern Gedanken zu machen und sichere Lösungen zu entwickeln, bevor die Honorarkraft Kündigungsschutz hat, Beiträge zur Sozialversicherung nachträglich vom Unternehmen allein zu tragen und für nicht abgeführte Lohnsteuer gehaftet wird und dass alles ohne Betrachtung möglicher strafrechtlicher Risiken
Baubranche: Ab 01.03.2018 gilt ein Mindestlohn für Ungelernte (Lohngruppe 1)und beträgt bundesweit 11,75 EUR/Stunde.
Ab 01.03.2019 steigt der Mindestlohn auf 12,20 EUR.
Der Mindestlohn für Facharbeiter (Lohngruppe 2) entspricht in den Neuen Bundesländern der Lohngruppe 1; in den Alten Bundesländern beträgt er 14,95 EUR. Ab 01.03.2019 dann 15,20 EUR;
in Berlin liegt der Mindestlohn bei 14,80 EUR/Stunde und erhöht sich ab 01.03.2019 auf 15,05 EUR/Stunde.
Dachdeckerhandwerk: gelernte Dachdecker erhalten einen Mindestlohn von 12,90 EUR, ungelernte einen Mindestlohn von 12,20 EUR.
Ab dem 01.01.2019 steigt der Mindestlohn für Fachkräfte auf 13,20 EUR.
Gebäudereinigung: Alte Bundesländer (inkl. Berlin) Innenreinigung (Lohngruppe 1) mindestens 10,30 EUR/ Stunde; in den neuen Bundesländern 9,55 EUR/ Stunde.
Glas- und Fassadenreinigung (Lohngruppe 6) 13,55 EUR/Stunde in den alten Bundesländern und 12,18 EUR in den neuen Bundesländern.
In der Pressemitteilung heißt es: „Nach Ansicht des Dritten Senats des Bundesarbeitsgerichts ist die durch diese Altersabstandsklausel bewirkte unmittelbare Benachteiligung wegen des Alters gerechtfertigt. Der Arbeitgeber, der eine Hinterbliebenenversorgung zusagt, hat ein legitimes Interesse, das hiermit verbundene finanzielle Risiko zu begrenzen. Die Altersabstandsklausel ist auch erforderlich und angemessen. Sie führt nicht zu einer übermäßigen Beeinträchtigung der legitimen Interessen der versorgungsberechtigten Arbeitnehmer, die von der Klausel betroffen sind.
Zudem werden wegen des Altersabstands von mehr als 15 Jahren nur solche Ehegatten von dem Ausschluss erfasst, deren Altersabstand zum Ehepartener den üblichen Abstand erheblich übersteigt.“
Der Fall: Die Klägerin ist 1968 geboren. Sie hat ihren 1950 geborenen und 2011 verstorbenen Ehemann im Jahr 1995 geheiratet. Dem verstorbenen Ehemann der Klägerin war von seinem Arbeitgeber ua. eine Hinterbliebenenversorgung zugesagt worden. Nach der Versorgungsordnung setzt der Anspruch auf Leistungen an die Ehegatten voraus, dass sie nicht mehr als 15 Jahre jünger als der Versorgungsberechtigte sind.
Bundesarbeitsgericht 20. Februar 2018 – 3 AZR 43/17 –
Vorinstanz: Landesarbeitsgericht Köln 31. August 2016 – 11 Sa 81/16 –
Minijob + Arbeitszeitkonto
Gerade viele gemeinnützige Vereine bezahlen Tätigkeiten auf 450 EUR Basis, nicht selten in Kombination mit der Übungsleiterpauschale von 2.400 EUR im Jahr (monatlich 200 EUR), so dass der Übungsleiter / Trainer monatlich 650 EUR erhält. Ehrenamtspauschalen wiederum fallen nicht unter das Mindestlohngesetz (§ 22 Abs. 3 MiLoG)
Gleichzeitig erfordern die Schließ- /Öffnungszeiten der Sporthallen und -plätze von Vereinen und Übungsleitern viel Flexibilität, die mit der Ehrenamtspauschale einerseits und einem Arbeitzeitkonto für die Stunden des Minijobs in den Griff bekommen werden kann.
Bedarf an flexiblen Arbeitszeiten besteht gerade in gemeinnützigen Vereinen. Deshalb lässt § 2 Abs.2 MiLoG unter engen Voraussetzungen die Führung von Arbeitszeitkonten zu. Das Arbeitszeitkonto muss schriftlich vereinbart werden. Die dort erfassten Arbeitsstunden (nur Plusstunden) dürfen monatlich jeweils 50 % der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit nicht übersteigen (§ 2 Abs.2 Satz 3 MiLoG).
Bei den 450 EUR Minijobs sind das bei einer (sozialversicherungsfreien) Höchstarbeitszeit von 50 Stunden (450 EUR /8,84 EUR) maximal 25 Stunden monatlich + X Stunden für die ehrenamtliche Tätigkeit. (§ 22 Abs. 3 MiLoG)
Weder für die Erfassung noch für das Entnehmen von Plusstunden macht das MiLoG weitere Vorgaben. Folglich können Plusstunden auch länger als 12 Monate auf dem Arbeitszeitkonto verbleiben.
Sicherzustellen ist, dass das tatsächlich gezahlte und auf den Mindestlohn anrechenbare Monatseinkommen unter Berücksichtigung der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden mindestens den darauf entfallenden Mindestlohnbetrag erreicht.
Der Verein als Arbeitgeber, rechtssichere Gestaltung bezahlter Tätigkeiten im Verein, Vortragsunterlagen vom 29.01.2018
Ehrenamt und Minijob, die Kombinationen zwischen Ehrenamtspauschale, Übungsleiterpauschale und Minijob und alle Fragen im Zusammenhang mit der Beschäftigung von Honorarkräften in Sportvereinen standen gestern Abend im Mittelpunkt des Vortrags von Rechtsanwalt Bodem und der anschließenden regen Diskussion in der Gerhard-Schlegel-Sportschule des Landessportbund Berlin.
Der Verein als Arbeitgeber – Vortragsunterlagen als pdf-Datei