Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/fristenkontrolle-postausgangskontrolle-380422
Timestamp: 2020-04-07 13:02:02
Document Index: 150454840

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Frist­wah­ren­des Tele­fax – Fris­ten­kon­trol­le und Post­aus­gangs­kon­trol­le | Rechtslupe
Fristwahrendes Telefax - Fristenkontrolle und Postausgangskontrolle
Frist­wah­ren­des Tele­fax – Fris­ten­kon­trol­le und Post­aus­gangs­kon­trol­le
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gehört es zu den Auf­ga­ben des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten, dafür zu sor­gen, dass ein frist­ge­bun­de­ner Schrift­satz recht­zei­tig gefer­tigt wird und inner­halb der Frist bei dem zustän­di­gen Gericht ein­geht. Zu die­sem Zweck muss der Anwalt eine zuver­läs­si­ge Fris­ten­kon­trol­le orga­ni­sie­ren und ins­be­son­de­re einen Fris­ten­ka­len­der füh­ren.
Erst nach der Fris­ten­kon­trol­le darf die frist­wah­ren­de Maß­nah­me im Kalen­der als erle­digt gekenn­zeich­net wer­den. Die Erle­di­gung frist­ge­bun­de­ner Sachen ist am Abend eines jeden Arbeits­ta­ges anhand des Fris­ten­ka­len­ders zu über­prü­fen 1.
Der Pflicht zur wirk­sa­men Aus­gangs­kon­trol­le frist­wah­ren­der Schrift­sät­ze genügt der Rechts­an­walt nur dann, wenn er sei­ne Ange­stell­ten anweist, nach einer Über­mitt­lung per Tele­fax anhand des Sen­de­pro­to­kolls zu prü­fen, ob der Schrift­satz voll­stän­dig und an den rich­ti­gen Emp­fän­ger über­mit­telt wor­den ist 2.
Die­se zwin­gend not­wen­di­ge Aus­gangs­kon­trol­le muss sich ent­we­der für alle Fäl­le aus einer all­ge­mei­nen Kanz­lei­an­wei­sung oder in einem Ein­zel­fall aus einer kon­kre­ten Ein­zel­an­wei­sung erge­ben 3. Fehlt es an einer all­ge­mei­nen Anwei­sung, muss sich die Ein­zel­an­wei­sung, einen Schrift­satz sogleich per Tele­fax an das Rechts­mit­tel­ge­richt abzu­sen­den, in glei­cher Wei­se auf die Aus­gangs­kon­trol­le erstre­cken.
Die Kanz­lei­an­ge­stell­ten sind zusätz­lich anzu­wei­sen, die Frist erst nach einer Kon­trol­le der voll­stän­di­gen Über­mitt­lung anhand des Sen­de­pro­to­kolls zu strei­chen 4. Eine kon­kre­te Ein­zel­an­wei­sung des Rechts­an­walts an sein Büro­per­so­nal, einen frist­wah­ren­den Schrift­satz per Tele­fax zu über­sen­den, macht die wei­te­re Aus­gangs­kon­trol­le nicht ent­behr­lich 5.
Für eine den genann­ten Maß­stä­ben genü­gen­de all­ge­mei­ne Kanz­lei­an­wei­sung zur Über­mitt­lung frist­wah­ren­der Schrift­sät­ze per Tele­fax genügt nicht die all­ge­mei­ne Anwei­sung, aus­ge­hen­de Tele­fax­schrei­ben auf einen erfolg­rei­chen Ver­sand zu kon­trol­lie­ren bzw. zu über­prü­fen, sofern nicht ersicht­lich ist, wie die­se Über­prü­fung aus­ge­stal­tet sein soll. So war im vor­lie­gen­den Fall ins­be­son­de­re nicht ersicht­lich, dass die Kanz­lei­an­ge­stell­ten des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ange­wie­sen waren, anhand des Sen­de­pro­to­kolls zu über­prü­fen, dass der Schrift­satz voll­stän­dig und an die rich­ti­ge Fax­num­mer über­mit­telt wor­den war, und dem­ge­mäß die Erle­di­gung im Fris­ten­ka­len­der zu ver­mer­ken.
Eine aus­rei­chen­de all­ge­mei­ne Orga­ni­sa­ti­ons­an­wei­sung war nicht des­halb ent­behr­lich, weil der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers den Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­ten ange­wie­sen hat­te, die Beru­fungs­be­grün­dungs­schrift am 9.09.2013 vor­ab per Tele­fax zu über­sen­den und den erfolg­rei­chen Ver­sand zu kon­trol­lie­ren. Auch bei einer sol­chen Ein­zel­an­wei­sung müs­sen aus­rei­chen­de Sicher­heits­vor­keh­run­gen dage­gen getrof­fen wer­den, dass sie in Ver­ges­sen­heit gerät und die zu tref­fen­de Maß­nah­me unter­bleibt 6. Beson­de­re Vor­keh­run­gen kön­nen ent­behr­lich sein, wenn die Büro­kraft ange­wie­sen ist, den Schrift­satz sofort und vor allen ande­ren Arbei­ten per Tele­fax zu ver­sen­den 7. Eine sol­che Anwei­sung, auf deren Befol­gung sich der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers unab­hän­gig von all­ge­mei­nen Orga­ni­sa­ti­ons­an­wei­sun­gen hät­te ver­las­sen dür­fen, hat er sei­nem Mit­ar­bei­ter nicht erteilt. Ins­be­son­de­re ergibt sich aus dem Wie­der­ein­set­zungs­ge­such nicht, dass der Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­te kon­kret ange­wie­sen war, anhand des Sen­de­pro­to­kolls die ord­nungs­ge­mä­ße Über­mitt­lung zu kon­trol­lie­ren und auf die­ser Grund­la­ge die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist im Fris­ten­ka­len­der als erle­digt zu ver­mer­ken.
Die unge­nü­gen­de Orga­ni­sa­ti­on der Aus­gangs­kon­trol­le im Büro sei­nes Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten und die unzu­rei­chen­de Ein­zel­an­wei­sung waren für die Frist­ver­säu­mung ursäch­lich. Die Kau­sa­li­tät ent­fiel nicht des­halb, weil der Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­te die ihm auf­ge­ge­be­ne Über­mitt­lung der Beru­fungs­be­grün­dungs­schrift auf sei­ne Kol­le­gin über­tra­gen hat­te. Für die Beur­tei­lung, ob ein Orga­ni­sa­ti­ons­feh­ler für die Ver­säu­mung einer Frist ursäch­lich gewor­den ist, muss von einem ansons­ten pflicht­ge­mä­ßen Ver­hal­ten aus­ge­gan­gen wer­den und darf kein wei­te­rer Feh­ler hin­zu­ge­dacht wer­den 8.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Juli 2014 – IV ZB 40/​13
BGH, Beschlüs­se vom 28.02.2013 – I ZB 75/​12, NJW-RR 2013, 1008 Rn. 6; vom 23.01.2013 XII ZB 559/​12, NJW-RR 2013, 572 Rn. 6; vom 12.04.2011 – VI ZB 6/​10, NJW 2011, 2051 Rn. 7; jeweils m.w.N.[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 28.02.2013 aaO; vom 24.10.2013 – V ZB 154/​12, NJW 2014, 1390 Rn. 8; vom 17.07.2013 – XII ZB 115/​13, NJW-RR 2013, 1328 Rn. 6; vom 15.06.2011 XII ZB 572/​10, NJW 2011, 2367 Rn. 13; vom 23.10.2003 – V ZB 28/​03, NJW 2004, 367 unter – II 2; jeweils m.w.N.[↩]
BGH, Beschluss vom 15.06.2011 aaO m.w.N.[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 15.06.2011 aaO m.w.N.; vom 07.07.2010 XII ZB 59/​10, NJW-RR 2010, 1648 Rn. 12 ff.[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 28.02.2013 aaO Rn. 8 m.w.N.; vom 15.06.2011 aaO[↩]
BGH, Beschluss vom 23.01.2013 aaO Rn. 9 m.w.N.[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 23.01.2013 aaO Rn. 10; vom 15.11.2007 – IX ZB 219/​06, NJW 2008, 526 Rn. 12 m.w.N.; vom 04.04.2007 – III ZB 85/​06, NJW-RR 2007, 1430 Rn. 9 m.w.N.[↩]
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