Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerfGE%20115,%2081
Timestamp: 2020-07-10 13:56:01
Document Index: 79460044

Matched Legal Cases: ['Art 19', 'Art. 3', '§ 42', '§ 556', 'BGH', '§ 88', '§ 90', '§ 47', '§ 49', '§ 22']

BVerfG, 17.01.2006 - 1 BvR 541/02, 1 BvR 542/02 - dejure.org
BVerfG, 17.01.2006 - 1 BvR 541/02, 1 BvR 542/02
https://dejure.org/2006,157
BVerfG, 17.01.2006 - 1 BvR 541/02, 1 BvR 542/02 (https://dejure.org/2006,157)
BVerfG, Entscheidung vom 17.01.2006 - 1 BvR 541/02, 1 BvR 542/02 (https://dejure.org/2006,157)
BVerfG, Entscheidung vom 17. Januar 2006 - 1 BvR 541/02, 1 BvR 542/02 (https://dejure.org/2006,157)
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Zu dem aus GG Art 19 Abs 4 folgenden fachgerichtlichen Rechtsschutz gegen untergesetzliche Rechtssätze
Verfassungsrechtliche Anforderungen an einen effektiven Rechtsschutz gegen Rechtsverordnungen; Zulässigkeit der unterschiedlichen Behandlung von Einwohnern verschiedener Länder bei der Gewährung landwirtschaftlicher Ausgleichszahlungen durch Rechtsverordnung; Umfang des ...
Art. 3 Abs. 1 GG; §§ 42, 43 VwGO; 90 BVerfGG
Prozessuale Geltendmachung der gleichheitswidrigen Vorenthaltung einer Begünstigung durch eine VO
VG Oldenburg, 06.02.2001 - 12 A 2150/99
VG Oldenburg, 06.02.2001 - 12 A 2154/99
OVG Niedersachsen, 15.02.2002 - 10 LA 1330/01
OVG Niedersachsen, 18.02.2002 - 10 LA 1331/01
BVerfG, 08.05.2007 - 1 BvR 541/02
BVerfGE 115, 81
NJW 2006, 2618 (Ls.)
NVwZ 2006, 922
Es geht nicht darum (anstelle des Verordnungsgebers) das Vorliegen der Voraussetzungen des § 556d Abs. 2 Satz 2, 3 BGB festzustellen, sondern nur um die Frage, ob der Verordnungsgeber den ihm eingeräumten Spielraum überschritten hat (vgl. BVerfG, Beschl. v. 17.01.2006 - 1 BvR 541/02, 1 BvR 542/02, NJW 2006, 2618, Rn. 45 ff.;… BVerwG, Urt. v. 12.12.1979 - 8 C 2/79, in NJW 1980, 1970, Rn. 18f.;… BGH, Urt. v. 04.11.2015 - VIII ZR 217/14, a.a.O., Rn. 93).
Die Revision geht mit dem Berufungsgericht zutreffend davon aus, dass den Zivilgerichten im Rahmen eines Rechtsstreits über ein Mieterhöhungsverlangen die Verpflichtung obliegt, die Vereinbarkeit einer einschlägigen Kappungsgrenzen-Verordnung mit höherrangigem Recht zu prüfen, und ihnen im Falle einer Unwirksamkeit der Rechtsverordnung auch eine Verwerfungskompetenz (BVerfG, NVwZ 2006, 922, 923 f.; BVerfGK 16, 418, 442) zukommt.
Deren verfassungsrechtliche Nachprüfung obliegt vielmehr in Fällen ihrer Entscheidungserheblichkeit nach ständiger Rechtsprechung (uneingeschränkt) jedem Richter (BVerfGE 48, 40, 45), dem insoweit auch eine Verwerfungskompetenz zukommt (BVerfG, NVwZ 2006, 922, 923 f.; BVerfGK 16, 418, 442).
Sie können im Falle unterlassener Umsetzung sogar die Möglichkeit zur Inanspruchnahme des untergesetzlichen Normgebers im Wege der sog. Normerlassklage vor den Verwaltungsgerichten eröffnen (vgl. BVerfG, Beschl. v. 17. Januar 2006 - 1 BvR 542/02, BVerfGE 115, 81;… BVerwG, Urt. v. 4. Juli 2002 - 2 C 13/01, NVwZ 2002, 1505, Urt. v. 28. November 2007 - 9 C 10/07, DVBl 2008, 520;… Urt. v. 5. September - - 7 C 21/12, BVerwGE 147, 312; Schenke, NJW 2017, 1062, 1067).
Von der Verfassungsgerichtsbarkeit kann jedoch eine tatsächlich wirksame gerichtliche Kontrolle mit Blick auf (Einzelpersonen-)Gesetze schon deshalb nicht gewährleistet werden, weil deren Prüfungsmaßstab auf die Verletzung spezifischen Verfassungsrechts beschränkt ist (vgl. BVerfGE 107, 395 ; 115, 81 ;… Ronellenfitsch, DÖV 1991, S. 771 ).
Dem entspricht die Rechtsprechung des BVerfG, das in seinem Beschluss vom 17. Januar 2006 (1 BvR 541/02 ua - NVwZ 2006, 922) unter Hinweis ua auf das Urteil des BSG vom 13. Januar 1993 (…BSGE 72, 15 = SozR 3-2500 § 88 Nr. 2) eine Verpflichtung des von einer Rechtsverordnung des Bundes betroffenen Bürgers postuliert, vor Erhebung einer Verfassungsbeschwerde Feststellungsklage gegen die Bundesrepublik Deutschland als Normgeber zu erheben, wenn er sich durch Regelungen in der Rechtsverordnung beeinträchtigt sieht.
Legt der Betroffene unmittelbar Verfassungsbeschwerde ein, ist diese als Urteilsverfassungsbeschwerde wegen fehlender Erschöpfung des Rechtsweges nach § 90 Abs. 2 Bundesverfassungsgerichtsgesetz (BVerfGG) bzw als Rechtssatzverfassungsbeschwerde wegen Fehlens unmittelbarer Betroffenheit unzulässig, unabhängig davon, ob die in Rede stehende Rechtsverordnung von § 47 VwGO erfasst wird und folglich eine unmittelbare Klagemöglichkeit eröffnet ist (BVerfG, Beschluss vom 17. Januar 2006, aaO).
Das schließt jedoch nicht aus, über den Ausnahmefall der zulässigen Normerlassklagen hinaus - wenn etwa das Recht des Betroffenen auf Gleichbehandlung den Erlass oder die Änderung einer Rechtsnorm gebietet (BVerfG, Beschluss vom 17. Januar 2006 a.a.O. ; BVerwG, Urteile vom 4. Juli 2002 - BVerwG 2 C 13.01 - Buchholz 240 § 49 BBesG Nr. 2 und vom 7. September 1989 - BVerwG 7 C 4.89 - Buchholz 415.1 AllgKommR Nr. 93) - eine Feststellungsklage gegen den Normgeber auch für zulässig zu halten, wenn mangels administrativen Vollzugs kein konkretes Rechtsverhältnis zwischen Normanwender und Normadressat begründet, die Rechtsbeeinträchtigung bereits unmittelbar durch die Norm bewirkt wird und effektiver Rechtsschutz nur im Rechtsverhältnis zwischen Normgeber und Normadressat gewährt werden kann.
VerfGH Sachsen, 28.05.2020 - 50-IV-20
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