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Timestamp: 2017-02-20 09:06:14
Document Index: 299207432

Matched Legal Cases: ['Art. 69', 'Art. 90', 'Art. 69', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 3', 'Art. 3', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 58', 'Art. 4', 'Art. 58', 'Art. 4', 'Art. 74', 'Art. 76', 'Art. 63', 'Art. 74', 'Art. 39', 'Art. 40', 'Art. 3', 'Art. 76', 'de lege ferenda', 'de lege ferenda', 'de lege ferenda', 'Art. 4', 'in dubio', 'in dubio', 'Art. 74', 'Art. 41', 'Art. 101', 'Art. 149', 'BGE', 'Art. 76', 'Art. 52', 'Art. 22']

Inhalt. Editorial 3. Geleitwort 4. Recht/Droit. Verkehrsstrafrecht nach der Via Sicura 5 Jürg Boll - PDF
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1 Editorial 3 Geleitwort 4 /Droit Verkehrsstrafrecht nach der Via Sicura 5 Jürg Boll Schleudertrauma und weitere «PÄUSBONOG» 5 Iris Herzog-Zwitter Unfallversicherungsrechtliche Deckung 3 von Verkehrsunfällen Ueli Kieser Radfahrunfall 35 Haftung des Radfahrers Haftung für verletzte Radfahrer Hardy Landolt Nationales Versicherungsbüro (NVB) & 47 Nationaler Garantiefonds (NGF) Martin Metzler Schutz von Verkehrsflächen im 65 Privateigentum, insbesondere Parkplätzen Christoph J. Rohner Aktuelle Fragen des Administrativ- 74 massnahmenrechts: Zwischen Warnungs- und Sicherungsentzug René Schaffhauser STRASSENVERKEHR / CIRCULATION ROUTIÈRE 4/04 SONDERNUMMER2 Impressum Strassenverkehr Circulation routière Interdisziplinäre Zeitschrift / Revue interdisciplinaire 6. Jahrgang Nr. 3/04 Herausgeber Prof. em. Dr. iur. et Dr. phil. I Hans Giger, Universität Zürich, sanwalt Prof. Edit Seidl, Mediatorin IRP-HSG, Andragogin und Ökonomin Beirat lic. iur. Daniel Blumer, sanwalt, Kommandant der Stadtpolizei Zürich, Präsident der Verkehrskommission der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten (KKPKS) Dr. rer. pol. Brigitte Buhmann, Direktorin, Beratungsstelle für Unfallverhütung lic. iur. Beat Hensler, a. Kommandant der Luzerner Polizei; a. Präsident der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten der Schweiz ( KKPKS) Dr. iur. Thierry Luterbacher, sanwalt, CEO AXA ARAG lic. phil. I Peter-Martin Meier, Präsident Verkehrssicherheitsrat a. Bundesrat und Bundespräsident Dr. h.c. Adolf Ogi, Vorsteher des Eidgenössischen Verkehrs- und Energiedepartements Dr. iur. Frank Th. Petermann, sanwalt, Präsident der Vereinigung der Schweizer Medizinalrechtsanwälte lic. iur. Evalotta Samuelsson, sanwältin, Vorstandsmitglied der Unfallopfer- und Patientenrechtsberatungsstelle U.P. Prof. em. Dr. iur. Dr. h.c. mult. Herbert Schambeck, Universtiät Linz/Ö, Präsident des Bundesrates i.r. der Republik Österreich Prof. em. Dr. iur. Ivo Schwander, Professor für Internationales Privatrecht, svergleichung und Schweizerisches Privatrecht, Universität St. Gallen Prof. Dr. med. Michael Thali, Executive MBA HSG, Direktor, Institut für smedizin, Universität Zürich Prof. em. Dr. oec. Dr. phil. II Hugo Tschirky, Institut Technology and Innovation Management, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich Urs Wernli, Zentralpräsident Auto Gewerbe Verband Schweiz Willi Wismer, Präsident Zürcher Fahrlehrer Verband Redaktion Chefredaktion Prof. em. Dr. iur. et Dr. phil. I Hans Giger, Universität Zürich, sanwalt Redaktioneller Ausschuss Prof. em. Dr. iur. et Dr. phil. I Hans Giger, Universität Zürich, sanwalt lic. iur. Manfred Dähler, sanwalt Prof. Dr. iur. André Kuhn, Professeur de criminologie et de droit pénal aux Universités de Lausanne et de Neuchâtel, Membre fondateur Centre interdisciplinaire de droit et d étude de la circulation routière CIDECR Prof. Edit Seidl, Mediatorin IRP-HSG, Andragogin und Ökonomin Schriftleitung Prof. Edit Seidl, Mediatorin IRP-HSG, Andragogin und Ökonomin Prof. Dr. iur. André Kuhn, Professeur de criminologie et de droit pénal aux Universités de Lausanne et de Neuchâtel, Membre fondateur Centre interdisciplinaire de droit et d étude de la circulation routière CIDECR (französisch) Redaktion Dr. iur. Roland Brehm, a. Lehrbeauftragter Universitäten Genf und Fribourg Prof. Dr. phil. I Amos S. Cohen, Verkehrspsychologe, Universität Zürich lic. iur. Manfred Dähler, sanwalt Prof. Dr. med. Volker Dittmann, Leitender Arzt Forensische Psychiatrie, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel Prof. em. Dr. iur. et Dr. phil. I Hans Giger, Universität Zürich, sanwalt Dr. Markus Hackenfort, Projektleiter Unfallforschung, Zentrum für Verkehrs- und Sicherheitspsychologie am IAP der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW Prof. Dr. rer. nat. Lutz Jäncke, Ordinarius am Lehrstuhl für Neuropsychologie, Psychologisches Institut, Universität Zürich Prof. Dr. iur. Ueli Kieser, sanwalt, Titularprofessor an der Universität St. Gallen Prof. Dr. iur. André Kuhn, Professeur de criminologie et de droit pénal aux Universités de Lausanne et de Neuchâtel, Membre fondateur Centre interdisciplinaire de droit et d étude de la circulation routière CIDECR Prof. Dr. iur. Moritz Kuhn, Universität Zürich Cédric Mizel, avocat, Service des automobiles et de la navigation, Neuchâtel, Chargé d enseignement à l Université de Neuchâtel lic. iur. Yann Moor, sanwalt, Prof. Giger & Dr. Simmen sanwälte, Zürich Fürsprecher Andreas A. Roth Prof. Dr. iur. Baptiste Rusconi, Université de Lausanne, avocat Prof. Dr. rer. publ. Dr. h.c. René Schaffhauser, em. Professor für Öffentliches, Universität St. Gallen Prof. Dr. iur. Martin Schubarth, Universität Basel, Ancien Président du Tribunal fédéral, Avocat-Conseil Prof. Edit Seidl, Mediatorin IRP-HSG, Andragogin und Ökonomin Dr. iur. Philippe Weissenberger, sanwalt, Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. iur. Franz Werro, Universität Freiburg i.ü. und Georgetown University Law Center, Washington D.C. Dr. h.c. Hans Wiprächtiger, sanwalt, ehem. Bundesrichter Prof. Dr. iur. Piermarco Zen-Ruffinen, Doyen Faculté de droit, Université de Neuchâtel, Membre fondateur Centre interdisciplinaire de droit et d étude de la circulation routière CIDECR Auslandskorrespondenz Prof. Dr. iur. Christian Huber, Lehrstuhl für Bürgerliches, Wirtschaftsrecht und Arbeitsrecht, RWTH Aachen RA Ulrike Karbach, Fachanwältin für Verkehrsrecht Dr. iur. Markus Schäpe, sanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht, Leiter ADAC Verkehrsrecht, München Redaktionsadresse Strassenverkehr/Circulation routière Postfach 377, 80 Zürich Tel , Fax Übersetzungen Leadübersetzungen in die französische Sprache LT LAWTANK, Laupenstrasse 4, 300 Bern Abonnemente und Verlag Dike Zeitschriften AG, Zürich/St. Gallen Postadresse: Weinbergstrasse 4, 8006 Zürich Tel , Fax Erscheint 3-mal jährlich Abonnementspreise Jahresabonnement Schweiz: CHF 48. (inkl. Versandkosten) Jahresabonnement Ausland: Euro 0. (exkl. Versandkosten) für Studierende: CHF 49. (inkl. Versandkosten) Einzelheft: CHF 4. (exkl. Versandkosten) Kündigungen für die neue Abonnementsperiode sind schriftlich und bis spätestens 3. Oktober des vorangehenden Jahres mitzuteilen. Beanstandungen können nur innert 8 Tagen nach Eingang der Sendung berücksichtigt werden. Für durch die Post herbeigeführte Beschädigungen sind Reklamationen direkt bei der Poststelle am Zustellort anzubringen. Anzeigenverkauf und -beratung WINCONS AG, Fischingerstrasse 66, CH-8370 Sirnach Tel. +4 (0) , Fax +4 (0) Alle Urheber- und Verlagsrechte an dieser Zeitschrift und allen ihren Teilen sind vorbehalten. Das zum Nachdruck, zur Vervielfältigung, Mikroverfilmung, Übernahme auf elektronische Datenträger und andere Verwertungen jedes Teils dieser Zeitschrift steht ausschliesslich der Dike Zeitschriften AG zu. ISBN: ISSN: SONDERNUMMER STRASSENVERKEHR / CIRCULATION ROUTIÈRE 4/043 Vermehrt sehen wir uns mit einem eher jüngeren Phänomen unseres s konfrontiert: Mit den Konflikten, die sich aus der Mobilität auf der Strasse ergeben. Man kann es nicht genug wiederholen: Der rapid zunehmende Verkehr Lastwagen, Autos aller Grösse und Motorleistung, Motorradfahrer, Velofahrer und Fussgänger ist vorab in einer Stadt kaum mehr denkbar ohne eine allumfassende Reglementierung der damit verbundenen Gefahrenzonen. Die Bewältigung der immer häufiger auftretenden Verstösse mit all ihren im Einzelfall kaum mehr überschaubaren Konsequenzen führte denn auch zu einer relativ raschen Ergänzung wie auch Erneuerung der zivil-, massnahme- und strafrechtlichen Normen. Während noch vor einigen Jahren diese Materie ein eher marginales Dasein in der Welt von swissenschaft und Praxis fristete, erleben wir in jüngster Zeit einen Aufschwung von Aktivitäten, die sich mit dem tatbeständlichen wie rechtlichen Schicksal der am Verkehr Beteiligten beschäftigen: Kommentare, Handbuch zur bundesgerichtlichen sprechung, Jahrbuch und zahllose Beiträge in Periodika beleben nebst der Interdisziplinären Zeitschrift für Strassenverkehr wie auch der zur Tradition gewordenen Werkstattgespräche in Zürich, organisiert durch das Forschungsinstitut Strassenverkehr swissenschaft und Praxis in vielfältiger Weise. Das gleiche Ziel verfolgt seit drei Jahren die Zürcher Tagung zum Strassenverkehrsrecht des Europainstitutes an der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit unserem Periodikum, die dieses Mal unter der Leitung von Prof. Dr. Hardy Landolt stand. Die einzelnen Beiträge fokussieren sich weitgehend auf haftpflicht- und versicherungsrechtliche Probleme, verschaffen aber auch wertvolle Einblicke in das Verkehrsstrafrecht und die administrativmassnahmerechtlichen Aspekte. Ihr Hans Giger, Herausgeber Editorial STRASSENVERKEHR / CIRCULATION ROUTIÈRE 4/03 SONDERNUMMER 34 Geleitwort Geleitwort der Veranstalter Die Zürcher Tagung zum Strassenverkehrsrecht fand am 7. Oktober 04 zum dritten Mal statt und stiess wie in den Vorjahren auf reges Interesse. Die diesjährige Strassenverkehrsrechtstagung war thematisch breit aufgestellt. Im Vordergrund stand die Schadenerledigung im Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall. Im Rahmen von fünf Referaten wurden der schweizerische und der internationale Verkehrsunfall aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Ueli Kieser äusserte sich zur unfallversicherungsrechtlichen Deckung von Verkehrsunfällen, während sich Iris Herzog-Zwitter mit der umstrittenen Ersatzpflicht für Schleudertrauma und weitere «PÄUSBONOG» befasste. Hardy Landolt schliesslich stellte die Haftung des Radfahrers der Haftung für verletzte Radfahrer gegenüber. Die Feinheiten der Regelungsmechanismen bei internationalen Verkehrsunfällen wurden den Tagungsteilnehmern von Martin Metzler und Oskar Riedmeyer (Beitrag O. Riedmeyer nicht in dieser Ausgabe) näher gebracht. Der erste Referent stellte das Nationale Versicherungsbüro (NVB) und den Nationalen Garantiefonds (NGF) der Schweiz dar. Der zweite Referent widmete sich der europäischen Perspektive und zeigte auf, dass die Schadenregulierungsmechanismen zunehmend von internationalen Entwicklungen, insbesondere der sprechung des Europäischen Gerichtshofs, beeinflusst werden. Die weiteren Referate befassten sich mit verwaltungsund strafrechtlichen Aspekten des Strassenverkehrs, wobei insbesondere aktuelle Fragen und ungelöste Probleme aus der Praxis aufgegriffen werden. René Schaffhauser erörterte aktuelle Fragen des Administativmassnahmenrechts und erinnerte daran, dass die Praxis nicht immer mit der gebotenen Aufmerksamkeit zwischen War- Andreas Kellerhals Hardy Landolt nungs- und Sicherungsentzug unterscheidet, worunter der sschutz leidet. Jürg Boll vermittelte einen umfassenden Überblick über das Verkehrsstrafrecht nach der Via sicura. Christoph J. Rohner schliesslich erläuterte, wie Verkehrsflächen im Privateigentum, insbesondere Parkplätze, geschützt werden können. Die Veranstalter bedanken sich sowohl bei den Tagungsteilnehmern als auch den Referenten für die engagierten Ausführungen und Diskussionsbeiträge sowie für ihre Bereitschaft, die schriftlichen Beiträge in dieser Zeitschrift zu veröffentlichen. Allen Leserinnen und Lesern wünschen wir eine spannende und lehrreiche Lektüre. Andreas Kellerhals Prof. Dr. iur., LL.M., sanwalt und Notar, Direktor des Europa Instituts an der Universität Zürich Hardy Landolt Prof. Dr. iur. LL.M., sanwalt und Notar, Lehrbeauftragter für Privat- und Sozialversicherungsrecht sowie Haftpflichtrecht an der Universität St. Gallen, Mitglied der Redaktion des Jahrbuches zum Strassenverkehrsrecht, Tagungsleiter 4 SONDERNUMMER STRASSENVERKEHR / CIRCULATION ROUTIÈRE 4/045 Verkehrsstrafrecht nach der Via Sicura Unter dem Projekt «Via Sicura» versteht man ein Bündel von Massnahmen, welche das Ziel haben, die Anzahl der im Strassenverkehr getöteten und schwer verletzten Personen innerhalb von zehn Jahren signifikant zu senken. Im strafrechtlichen Bereich bringen die Massnahmen gegen sogenannte Raser (Freiheitsstrafe mindestens ein Jahr und Führerausweisentzug mindestens zwei Jahre) den grössten Gewinn an Verkehrssicherheit. Bei alkoholisierten Fahrzeuglenkern werden auch bei Werten von 0,8 Promillen und mehr grundsätzlich keine Blutproben mehr durchgeführt und der Atemalkoholwert als Beweismittel verwendet. Die Abschaffung der absolut beweissicheren Blutprobe verunmöglicht den zuverlässigen Nachweis des Konsums einer bestimmten Menge an Alkohol. I. Qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln. Entstehungsgeschichte a. Materialien b. Gesetzesänderung. Tatbestandselemente a. Objektiver Tatbestand b. Subjektiver Tatbestand 3. Anwendungsfälle a. Geschwindigkeitsexzesse b. Waghalsiges Überholen c. Teilnahme an nicht bewilligten Rennen mit Motorfahrzeugen II. Einziehung und Verwertung von Motorfahrzeugen. Einziehung nach Art. 69 StGB. Einziehung nach Art. 90a SVG 3. Konkurrenz zur Sicherungseinziehung nach Art. 69 StGB III. Fahren in angetrunkenem Zustand: Atemalkoholkonzentration als Beweismittel ab 0,8 Promille IV. Fahren unter Missachtung Alkoholverbot V. Warnungen vor Verkehrskontrollen VI. Strafbestimmungen zur Durchsetzung von Auflagen im Führerausweis. sgrundlage für Auflagen zur Reduktion der Rückfallgefahr. Datenaufzeichnungsgeräte (Blackbox) 3. Alkohol-Wegfahrsperre 4. Bewilligung von Ausnahmen 5. Strafbestimmungen bei Missachtung der Auflagen 6. Inkraftsetzung der Bestimmungen VII. Halterhaftung für Ordnungsbussen. Beweggründe für Einführung Halterhaftung. Ablauf 3. Fahrzeuge von juristischen Personen * Dr. iur. Jürg Boll, Staatsanwalt, Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, Abteilungsleiter. I. Qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln. Entstehungsgeschichte a. Materialien Botschaft des Bundesrates Nr vom 0. Oktober 00 zu Via Sicura, Handlungsprogramm des Bundes für mehr Sicherheit im Strassenverkehr Botschaft des Bundesrates Nr..053 vom 9. Mai 0 zur Volksinitiative «Schutz vor Rasern» Parlamentarische Beratungen der Botschaft zu Via Sicura Sitzung Ständerat vom (Erstrat) 3 Sitzung Ständerat vom (Fortsetzung) 4 Sitzung Nationalrat vom 9..0 (Zweitrat) 5 Sitzung Nationalrat vom 0..0 (Fortsetzung) 6 Sitzung Ständerat vom 8..0 (Differenzen) 7 Sitzung Nationalrat vom (Differenzen) 8 Sitzung Ständerat vom.6.0 (Differenzen) 9 Sitzung Nationalrat vom.6.0 (Differenzen) 0 Sitzung Ständerat vom (Schlussabstimmung) Sitzung Nationalrat vom (Schlussabstimmung) Strassenverkehrsgesetz (SVG), Änderung vom 5. Juni 0 BBl ff. BBl ff. 3 AB 0 S 66 ff. 4 AB 0 S 667 ff. 5 AB 0 N 8 ff. 6 AB 0 N 4 ff. 7 AB 0 S 9 ff. 8 AB 0 N 766 ff. 9 AB 0 S 50 ff. 0 AB 0 N 045 ff. AS Jürg Boll* STRASSENVERKEHR / CIRCULATION ROUTIÈRE 4/04 SONDERNUMMER 56 Schleudertrauma und weitere «PÄUSBONOG» liche Aspekte Das Thema Schleudertrauma und weitere «PÄUSBO- NOG» (pathogenetisch ätiologisch unklare syndromale Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage) befasst seit Jahren Juristen und Mediziner. Insbesondere das Fehlen von klaren Vorgaben in der Medizin bei der Beurteilung von pathogenetisch ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage führt zur sunsicherheit. Die Publikation gibt einerseits einen Überblick über den aktuellen Stand der sprechung im Sozialversicherungsrecht mit Bezug auf das Haftpflichtrecht und andererseits wird das Thema die «Harmlosigkeitsgrenze» in Grundzügen besprochen. I. Schleudertrauma und weitere «PÄUSBONOG». Einleitung. HWS-PÄUSBONOG a. sprechung: PÄUSBONOG im Sozialversicherungsrecht b. Medizin c. sprechung: PÄUSBONOG im Haftpflichtrecht 3. Krankheitsmodell a. Krankheitsmodell: bio-psychisches-soziales versus bio-psychisches 4. Schlussfolgerung II. Harmlosigkeitsgrenze im Haftpflichtrecht. These Kramer. sprechung 3. Schlussfolgerung I. Schleudertrauma und weitere «PÄUSBONOG». Einleitung Einleitend die Einführungsworte von Kramer anlässlich seines Referates am HWS-Kongress 00 in Bern: «Das Thema meines Referats klingt für Uneingeweihte juristisch-dogmatisch, ja geradezu harmlos. Wer sich mit der haftpflichtrechtlichen und sozialversicherungsrechtlichen Zurechnung von Folgen eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule (HWS) näher befasst, erkennt aber Iris Herzog-Zwitter* sofort, mit welch ungewöhnlicher Vehemenz, oft geradezu Aggressivität, hier um jede argumentative Position gekämpft wird. Namentlich die sprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG) hat, wie Ulrich Meyer-Blaser richtig beobachtet, ein «Echo ausgelöst, welches für Urteile» dieses Gerichts ansonsten gänzlich «unüblich ist». 3 Jahre später hat das Thema Schleudertrauma insbesondere im Sozialversicherungsrecht nicht an Brisanz verloren. Seit einem höchstrichterlichen Grundsatzurteil der beiden vereinigten sozialversicherungsrechtlichen Kammern des Bundesgerichts in Luzern aus dem Jahr 00 steht nun das Schleudertrauma weiterhin im Brennpunkt der dogmatischen juristischen und medizinischen Diskussion. Mit dem Urteil BGE 36 V 79 hat das Bundesgericht ein Grundsatzurteil gefällt, indem es die analoge Anwendung der zur Beurteilung anhaltenden somatoformen Schmerzstörungen entwickelten sprechung auf die spezifische und unfalladäquate HWS-Verletzungen (Schleudertrauma) ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle bestätigte. Per Analogiam wurde die sprechung zur somatoformen Schmerzstörung auf weitere Krankheitsbilder ausgedehnt: Fibromyalgien, dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen, Chronic Fatigue Syndrome (CFS; chronisches Müdigkeitssyndrom), Neurasthenie, dissoziative Bewegungsstörungen, nichtorganische Hypersomnie, leichte Persönlichkeitsveränderung bei chronischem Schmerzsyndrom. 3 * Dr. iur. Iris Herzog-Zwitter, CAS IRP-HSG in Haftpflicht- und Versicherungsrecht, Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG, Bern. Kramer, Schleudertrauma: Das Kausalitätsproblem im Haftpflicht- und Sozialversicherungsrecht, BJM 00, S. 53. BGE 36 V 79; BGE 9C_903/007 vom 30. April BGE 39 V 547 E... STRASSENVERKEHR / CIRCULATION ROUTIÈRE 4/04 SONDERNUMMER 57 Unfallversicherungsrechtliche Deckung von Verkehrsunfällen Der Beitrag geht ein auf drei getrennte Fragen: Im Vordergrund steht zunächst ein Überblick über die Unfallversicherung. Dann folgt eine Diskussion der Frage, unter welchen Voraussetzungen ein Verkehrsunfall ein «Unfall» im Sinne von Art. 4 ATSG ist. Zum dritten wird die Frage besprochen, wann bezogen auf einen Verkehrsunfall eine hinreichende Kausalität zur gesundheitlichen Einbusse besteht. Der Beitrag schliesst mit einer Zusammenstellung von einigen aktuellen Gerichtsurteilen. I. Unfallversicherung ein Überblick über das Unfallversicherungsgesetz. Versicherungsunterstellung. Finanzierung 3. Leistungsrecht a. Versicherte Risiken b. Leistungsspektrum 4. Weitere Besonderheiten 5. Praktisches Beispiel 6. Organisation 7. Bezüge zu den anderen Sozialversicherungszweigen II. Kriterien des Unfallbegriffs nach Art. 4 ATSG. Allgemeines. Plötzlichkeit 3. Unfreiwilligkeit 4. Ungewöhnlichkeit 5. Äusserer Faktor III. Verkehrsunfall und unkoordinierte Bewegung IV. Verkehrsunfall als Schreckereignis V. Kausalität in der Unfallversicherung. Allgemeines. Natürlicher Kausalzusammenhang 3. Adäquater Kausalzusammenhang 4. Kausalzusammenhang bei somatischen Gesundheitseinschränkungen und beim Schreckereignis 5. Kausalzusammenhang bei psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen 6. Kausalzusammenhang bei HWS-Verletzung VI. Zusammenstellung von aktuellen Urteilen zu Verkehrsunfällen. Unfallereignis. Natürlicher Kausalzusammenhang 3. Einteilung der Unfälle: leicht mittel schwer 4. Adäquater Kausalzusammenhang Ueli Kieser* I. Unfallversicherung ein Überblick über das Unfallversicherungsgesetz. Versicherungsunterstellung Die obligatorische Unfallversicherung ist als Arbeitnehmerversicherung ausgestaltet; obligatorisch versichert sind alle in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmenden (Art. a UVG). Der obligatorischen Unfallversicherung sind alle in der Schweiz unselbstständigerwerbenden Personen unterstellt, wobei von einem weiten Begriff ausgegangen wird. Die obligatorische Versicherung beginnt mit dem Arbeitsantritt (Art. 3 Abs. UVG), wobei die sprechung es bei Angestellten im Monatslohn nicht genügen lässt, dass der Lohnanspruch entsteht, sondern fordert, dass sich die betreffende Person auf den Arbeitsweg begibt. 3 Diese sprechung ist nicht mehr begründbar, weil sie unberücksichtigt lässt, dass die Unfallversicherung in Entsprechung zum Lohn Prämien bezieht. Der Wortlaut von Art. 3 Abs. UVG lässt ohne weiteres zu, dass ebenso wie das Ende der Beginn der Unfalldeckung in Entsprechung zum Lohnanspruch festgelegt wird. 4 Die bisherige, in der Ausrichtung von Stundenlöhnen gründende sprechung bedarf einer zwingenden Änderung. Bis dahin bleibt einzig zu prüfen, ob die betreffende Person bereits * Prof. Dr. iur. Ueli Kieser, sanwalt Zürich/St. Gallen. Der Beitrag greift verschiedene frühere Beiträge des Verfassers auf; diese wurden mit Blick auf den vorliegenden Aufsatz aktualisiert und in den gegenseitigen Bezügen geschärft. Für die Mitarbeit bei der Publikation danke ich Marian Nedi und Raphael Zellweger, beides Wissenschaftliche Mitarbeitende am IRP-HSG. Vgl. Art. a Abs. UVG. Erfasst sind etwa Schnupperlehrlinge (vgl. BGE 4 V 303 f.). 3 Vgl. BGE 8 V 79 f. Keine Versicherungsdeckung besteht sodann, wenn zu Beginn der Arbeit bezahlte Ferien bezogen werden (vgl. BGE 9 V f.). 4 Die altrechtliche Praxis (vgl. BGE 8 V 78 ff.) wird in der neuesten sprechung bestätigt, vgl. BGE 36 V 344 f. STRASSENVERKEHR / CIRCULATION ROUTIÈRE 4/04 SONDERNUMMER 38 Radfahrunfall Haftung des Radfahrers Haftung für verletzte Radfahrer Die Haftungsordnung bei Radfahrunfällen unterscheidet sich, ob ein Radfahrer Schaden verursacht hat oder verletzt bzw. getötet worden ist. Das SVG statuiert in Art. 58 SVG eine Gefährdungshaftung, wenn Motorfahrzeuge am Unfall beteiligt sind. Die Verschuldenshaftung von Art. 4 OR demgegenüber ist anwendbar, wenn ein Radfahrer einen Schaden verursacht hat oder ein Radfahrer durch ein nicht in Betrieb befindliches Motorfahrzeug geschädigt worden ist. Der vorliegende Beitrag befasst sich mit den Besonderheiten der Haftung des Radfahrers. I. Einleitung II. Haftungsgrundlage. Gefährdungshaftung (Art. 58 SVG). Verschuldenshaftung (Art. 4 OR) a. Anwendbarkeit der Verschuldenshaftung für sämtliche Fahrräder b. Passivlegitimation 3. Verjährung III. Haftungsvoraussetzungen. Allgemeines. Widerrechtlichkeit a. Allgemeines b. Erfolgshaftung des schadenverursachenden Radfahrers c. Verhaltenshaftung des schadenverursachenden Radfahrers d. Verhaltenspflichten der Radfahrer 3. Verschulden IV. Umfang der Haftung. Kollision Radfahrer Motorfahrzeug a. Allgemeines b. Betriebsgefahr c. Verschulden. Kollision Radfahrer Fussgänger V. Versicherungspflicht. Wegfall der Versicherungspflicht für Fahrräder. Versicherungspflicht für Motorfahrräder und E-Bikes 3. Versicherungspflicht für radsportliche Veranstaltungen 4. Ausfalldeckung durch den Nationalen Garantiefonds 5. Regress auf haftpflichtige Radfahrer I. Einleitung 03 ereigneten sich auf den Schweizer Strassen insgesamt Unfälle mit Personenschaden. Dabei wur- den 69 Menschen getötet sowie 4 9 schwer und 7 50 leicht verletzt. Als getötet sind Personen angeführt, die an der Unfallstelle ihr Leben verloren haben oder innert 30 Tagen nach dem Unfall an dessen Folgen gestorben sind. Schwerverletzte weisen starke Beeinträchtigungen auf, welche normale Aktivitäten zu Hause für mindestens 4 Stunden verhindern. Leichtverletzte sind nur gering beeinträchtigt; sie haben beispielsweise oberflächliche Hautverletzungen ohne nennenswerten Blutverlust oder sind in ihrer Bewegungsfähigkeit leicht eingeschränkt. Das Sterberisiko pro zurückgelegter Distanz ist bei der Benutzung eines Fahrrades mit 40 im Vergleich zur Benutzung eines Personenwagens mit 5 um ein Vielfaches höher, aber im Vergleich zur Benutzung eines Motorrades mit 98 um die Hälfte verringert 3. Unfälle mit Personenschaden 03 Hardy Landolt* Total Mit Getöteten Mit Schwerverletzten Mit Leichtverletzten Unfälle Innerorts Ausserorts Auf der Autobahn Quelle: Bundesamt für Strassen/Stand: April 04 Verunfallte Personen nach Verkehrsmittel 03 Total Getötete Schwerverletzte Leichtverletzte Verunfallte insgesamt Personenwagen Motorrad Fahrrad (inkl. E-Bike) Zu Fuss Übrige Quelle: Bundesamt für Strassen/Stand: April 04 * Prof. Dr. iur. Hardy Landolt, sanwalt und Notar, LL.M., Titularprofessor für Privat- und Sozialversicherungsrecht sowie Haftpflichtrecht an der Universität St. Gallen. Ein Verkehrsunfall liegt dann vor, wenn mindestens ein motorisiertes oder unmotorisiertes (z.b. Fahrrad) Fahrzeug in einen Unfall auf öffentlichen Strassen und Plätzen verwickelt ist. Weiterführend 06/blank/0/aktuel.html (zu letzt besucht am 7..04). 3 Vgl. Bundesamt für Statistik, Verkehrsunfälle in der Schweiz 03, Neuenburg 04, 3. STRASSENVERKEHR / CIRCULATION ROUTIÈRE 4/04 SONDERNUMMER 359 Nationales Versicherungsbüro (NVB) & Nationaler Garantiefonds (NGF) Die im Schweizer Strassenverkehrsgesetz (SVG) verankerten Institutionen NVB & NGF haben den Auftrag, durch Unfälle im Strassenverkehr Geschädigten ausreichenden Versicherungsschutz zu bieten. Unter bestimmten Bedingungen haften sie für in der Schweiz durch ausländische Motorfahrzeuge und Anhänger verursachte Schäden. Sodann auch für Schäden von nicht ermittelten oder nicht versicherten Motorfahrzeugen und Anhängern sowie für Radfahrer oder Benützer fahrzeugähnlicher Geräte, sofern keine andere Versicherung für den Schaden aufkommt. Das auf das Jahr 949 zurückgehende «Grüne Karte-System» bildete die Basis zu einem europaweiten, differenzierten Regelsystem des Verkehrsopferschutzes, in welches auch die Schweiz eingebunden ist. I. Erster Überblick II. Ausländische Motorfahrzeuge und Anhänger; Versicherung und Schadenregulierung III. Ausfallschutz des NGF; Besonderheiten und Schadenregulierung IV. Gemeinsame Bestimmungen für NVB & NGF V. Das «Swiss Interclaims Agreement» und das Schadenreglement von NVB & NGF VI. Besucherschutz in Europa und der Schweiz. Ausgangslage in der EU bzw. im EWR. Umsetzung in der Schweiz 3. Besucherschutz-Abkommen der Schweiz 4. Innerstaatliche Wirkung der Besucherschutz- Bestimmungen 5. Das Besucherschutz-Abkommen des «Council of Bureaux» I. Erster Überblick Der Gesetzgeber statuierte in Art. 74 Abs. des Strassenverkehrsgesetzes (SVG) : «Die in der Schweiz zum Betrieb der Motorfahrzeug-Haftpflicht versicherung zugelassenen Versicherungseinrichtungen bilden und betreiben gemeinsam das Nationale Versicherungsbüro, das eigene spersönlichkeit hat.» In Art. 76 Abs. SVG heisst es fast wortgleich: «Die in der Schweiz zum Betrieb der Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherung zugelassenen Versicherungseinrichtungen bilden und betreiben gemeinsam den Nationalen Garantiefonds, der eigene * Dr. iur. Martin Metzler, sanwalt, Präsident Nationales Versicherungsbüro (NVB) & Nationaler Garantiefonds (NGF) Schweiz, Zürich. Fassung gemäss BG vom , i.k. seit..996 (AS 995, 546, 5464; BBl 995 I 49). SR Martin Metzler* spersönlichkeit hat.» Was bezweckt diese gesetzgeberische «Grundsteinlegung»? Angesichts der allgemeinen Versicherungspflicht für Motorfahrzeuge 3 müssen auch ausländische Motorfahrzeuge in die Versicherungspflicht eingebunden werden. Dies wird mit dem Nationalen Versicherungsbüro bewerkstelligt, indem ihm vorab folgende Aufgabe obliegt: Es deckt die Haftung für Schäden, die durch ausländische Motorfahrzeuge und Anhänger in der Schweiz verursacht werden, soweit nach dem Strassenverkehrsgesetz eine Versicherungspflicht besteht. 4 Mithin ist das Nationale Versicherungsbüro sozusagen der «Versicherer aller ausländisch immatrikulierten Fahrzeuge». 5 In Ergänzung dazu hat der Nationale Garantiefonds vorab folgende Aufgaben: Er deckt die Haftung für Schäden, die in der Schweiz verursacht werden durch: Erstens nicht ermittelte oder nicht versicherte Motorfahrzeuge und Anhänger, soweit nach dem Strassenverkehrsgesetz eine Versicherungspflicht besteht 6, sodann zweitens Radfahrer oder Benützer fahrzeugähnlicher Geräte, sofern der Schädiger nicht ermittelt werden kann oder der Schaden weder vom Schädiger noch von einer Haftpflichtversicherung noch von einer für ihn verantwortlichen Person oder einer anderen Versicherung gedeckt wird. 7 3 Art. 63 SVG. 4 Art. 74 Abs. lit. a SVG. 5 Art. 39 sowie Art. 40 VVV ( SR 74.3); «Eine über die schweizerische Mindestdeckung hinausgehende Forderung wird erfüllt, wenn das schädigende Fahrzeug aus einem Staat stammt, der eine höhere gesetzliche Mindestdeckung vorschreibt oder für das schädigende Fahrzeug aufgrund der Versicherungspolice eine höhere Deckung besteht und aus dem Ausland die entsprechende Deckungszusage vorliegt. Der Deckungsanspruch unterliegt im Übrigen denselben Regeln wie das direkte Forderungsrecht gegen einen Versicherer im Sinne von Artikel 65 Abs. SVG.» 6 Die massgebliche Mindestversicherung beträgt grundsätzlich 5 Mio. CHF je Unfallereignis für Personen- und Sachschaden zusammen. Diese und weitere Vorgaben in: Art. 3 VVV. 7 Art. 76 Abs. lit. a SVG. STRASSENVERKEHR / CIRCULATION ROUTIÈRE 4/04 SONDERNUMMER 4710 Schutz von Verkehrsflächen im Privateigentum, insbesondere Parkplätzen Private Eigentümer von Verkehrsflächen werden bei der Nutzungsbeschränkung ihres Eigentums durch unsere sordnung teilweise stark limitiert. Dieser Beitrag zeigt auf, welche Möglichkeiten dem privaten Strasseneigentümer zum wirksamen Schutz seines Eigentums verbleiben. Bezüglich zivilrichterlicher Verbotstafeln kommt der Autor zum Schluss, dass bei einem komplexeren Verbotsinhalt als einem Fahr- oder Parkverbot ein Konflikt mit dem Strassenverkehrsrecht besteht. Christoph J. Rohner * I. Problemstellung. Einleitung. Verschiedene Konstellationen von Verkehrsflächen im Privateigentum 3. Bedürfnisse des privaten Strasseneigentümers II. Allgemeine Schutzbehelfe des privaten Strasseneigentümers. Verwarnen. Strafanzeige erheben 3. Abschleppen lassen 4. Umtriebsentschädigung einfordern III. Strassenverkehrsrechtliche Einschränkungen der Verfügungshoheit. Signalisationsvorschriften. Reklamevorschriften 3. Beschränkung der richterlich erwirkten Verbotstafeln? 4. Verbot für Verkehrshindernisse IV. Mögliche Schutzmassnahmen des privaten Strasseneigentümers. Blosse Kennzeichnung. Verkehrsanordnung 3. Zivilrichterliches Verbot 4. Bauliche Massnahmen V. Gesamtbeurteilung und Überlegungen de lege ferenda. Gesamtbeurteilung. Überlegungen de lege ferenda VI. Fazit I. Problemstellung. Einleitung Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit werde ich regelmässig mit der Fragestellung konfrontiert, ob eine bestimmte Massnahme zum Schutz von Verkehrsflächen im Privateigentum mit unserer sordnung, namentlich den Vorgaben des SVG, zu vereinbaren sei. Hintergrund dieser Anfragen ist die Anziehungskraft solcher Verkehrsflächen in der Regel sind es die Vorplätze und Innenhöfe von Wohnblöcken oder Geschäftshäusern als Autoabstellgelegenheiten an Orten, wo das Parkplatzangebot besonders knapp und/oder die Benützung von Parkhäusern entsprechend teuer ist. Genervte Eigentümer neigen dazu, sich gegen solche unliebsame Fremdnutzung mit einer Strafanzeige oder gar durch Aufbieten eines Abschleppdienstes zur Wehr zu setzen. Vor allem Eigentümer, die mit diesen Massnahmen schon schlechte Erfahrungen gemacht haben oder deren Aufwand scheuen, werden sich Gedanken machen, mit welchen Zusatzmassnahmen sie künftig allenfalls eine bessere Präventivwirkung erzielen können, sodass die unliebsame Fremdnutzung ihres Privatgrundes künftig nicht mehr (so oft) vorkommt. Zu denken ist bspw. an bauliche Schutzmassnahmen (Barriere, Poller, Absperrpfosten), an zivilrichterliche Verbotstafeln, an konventionelle Verkehrssignale oder auch einfach an eine deutlichere Kennzeichnung als Privatgrund allenfalls verbunden mit einer Androhung des Abschleppens. Der Schwerpunkt der nachfolgenden Ausführungen betrifft die Beurteilung solcher Schutzmöglichkeiten, insbesondere zivilrichterlicher Verbotstafeln, aus strassenverkehrsrechtlicher Sicht. Für eine angemessene Beurteilung müssen aber auch andere Aspekte einbezogen werden. Eine umfassende Analyse der Schutzmöglichkeiten soll aufzeigen, dass nach geltendem nicht jedes Schutzbedürfnis von privaten Strasseneigentümern auf beliebige Weise abgedeckt werden kann. Abschliessend werden deshalb auch noch mögliche Lösungsansätze de lege ferenda skizziert. * Dr. iur. Christoph J. Rohner, Fachbereichsleiter Verkehrsverhalten, Bundesamt für Strassen (ASTRA), Bern. Strassenverkehrsgesetz vom 9. Dezember 958 (SVG), SR Im Rahmen des zugehörigen Referats wurden einleitend Bilder diverser in der Praxis anzutreffenden Schutzmassnahmen gezeigt; teilweise auch von solchen, die offensichtlich nicht den rechtlichen Vorgaben entsprechen. STRASSENVERKEHR / CIRCULATION ROUTIÈRE 4/04 SONDERNUMMER 6511 Aktuelle Fragen des Administrativmassnahmenrechts: Zwischen Warnungsund Sicherungsentzug René Schaffhauser* I. Basics zum Warnungs- und zum Sicherungsentzug. Zum Warnungsentzugsverfahren. Zum Sicherungsentzugsverfahren II. Beispiele von Fehlverhalten in der jüngsten sprechung. Kein Entzug der aufschiebenden Wirkung bei Beschwerde gegen Warnungsentzug. Anordnung einer verkehrspsychiatrischen Begutachtung 3. Anordnung einer verkehrspsychologischen Untersuchung 4. Anordnung einer psychologischen Eignungsuntersuchung/ Aufschiebende Wirkung einer dagegen erhobenen Beschwerde 5. Sicherungsentzug des Führerausweises D wegen Diabetes I. Basics zum Warnungs- und zum Sicherungsentzug. Zum Warnungsentzugsverfahren Ein Warnungsentzug wird grundsätzlich dann erlassen, wenn ein Fahrzeuglenker, über dessen Fahreignung und Fahrkompetenz (dazu Art. 4 SVG) keine Zweifel bestehen, eine Verkehrsregelverletzung begangen hat, die nicht im Ordnungsbussenverfahren oder mit einer Verwarnung geahndet wird. Typisches Beispiel ist etwa das Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts um 0 km/h. Der Warnungsentzug ist eine der Strafe zwar ähnliche, aber von dieser unabhängige Massnahme der Verwaltung mit präventivem Charakter; er soll den davon Betroffenen ermahnen, sich in Zukunft verkehrsregelkonform zu verhalten. * Prof. em. Dr. Dr. h.c. René Schaffhauser, emeritierter Titularprofessor für Öffentliches an der Universität St. Gallen, Mitglied des Academic Advisory Board des Institute for European Traffic Law, Luxemburg, Herausgeber des Jahrbuchs zum Strassenverkehrsrecht, Verantwortlicher von «StrassenverkehrsrechtPraxis Online» (WEKA), Konsulent der Anwaltskanzlei Dähler & Lippuner, St. Gallen. Referat anlässlich der 3. Zürcher Tagung zum Strassenverkehrsrecht, 7. Oktober 04. Der Vortragsstil wurde weitgehend beibehalten. Können kann befreien. Der Beitrag zeigt wichtige Charakteristika des Warnungs- und des Sicherungsentzugs auf. Daraus ergeben sich recht klare Regeln über das Vorgehen, das zu beachten ist, wenn eine dieser Massnahmen in Frage steht oder ausgesprochen wird. Anschliessend wird anhand einiger Beispiele der neuesten bundesgerichtlichen sprechung aufgezeigt, dass und in welcher Weise in den kantonalen Verfahren immer wieder gegen diese elementaren Regeln verstossen wird. Steht ein Warnungsentzug in Frage, hat die Verwaltung, die für die Erteilung und den Entzug der Ausweise zuständig ist (Art. Abs. SVG), gemäss der bundesgerichtlichen sprechung grundsätzlich das rechtskräftige Strafurteil abzuwarten, bevor sie eine Entzugsverfügung ausspricht. Damit soll vermieden werden, dass anlässlich eines Delikts zwei staatliche Behörden sich widersprechende Beurteilungen vornehmen (indem etwa der Strafrichter davon ausgeht, die Geschwindigkeitsmessung sei wegen eines gravierenden Messfehlers ungültig, die Verwaltung aber trotzdem einen Warnungsentzug ausspricht). Dabei geht es um die Einheit der sordnung. Hat der Strafrichter ein Urteil bzw. einen Strafbefehl erlassen, muss sich der Betroffene dagegen zur Wehr setzen, wenn er die Meinung vertritt, es sei z.b. der Sachverhalt unrichtig erhoben worden. Tritt das Strafurteil bzw. der Strafbefehl in skraft, wird dieses Dokument der Verwaltung übermittelt. Die Verwaltung wird nun ein Warnungsentzugsverfahren einleiten. Erlässt sie eine Verfügung (z.b. Warnungsentzug für 3 Monate), kann sich der Betroffene auch dagegen mit einem smittel zur Wehr setzen. Er kann aber wie eben gezeigt grundsätzlich den vom Strafrichter ermittelten Sachverhalt nicht mehr thematisieren. Die Verfügung der Verwaltungsbehörde hat grundsätzlich aufschiebende Wirkung, was bedeutet, dass sie erst dann vollzogen werden kann, wenn die Verfügung in skraft getreten ist. Um einen Warnungsentzug zu vollziehen, ist mithin zunächst ein rechtskräftiges Strafurteil und anschliessend eine rechtskräftige Verfügung bzw. ein solches Urteil abzuwarten. Würde keine rechtskräftige Verfügung abgewartet, könnte sich die Situation ergeben, dass der Betroffene seinen Warnungsentzug bereits angetreten oder gar absolviert hat und anschliessend könnte gerichtlich festgestellt 74 SONDERNUMMER STRASSENVERKEHR / CIRCULATION ROUTIÈRE 4/04 Mehr anzeigen
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