Source: https://www.ipwiki.de/markenrecht:boesglaeubige_markenanmeldung
Timestamp: 2020-08-13 23:29:37
Document Index: 89819235

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 37', '§ 50', '§ 50', '§ 8', '§ 8', '§ 3', '§ 8', '§ 8', 'Art. 3', '§ 8', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 51', 'EuG', 'Art. 4', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG']

markenrecht:boesglaeubige_markenanmeldung [ipwiki]
Zuletzt angesehen: • boesglaeubige_markenanmeldung
markenrecht:boesglaeubige_markenanmeldung
§ 8 (2) Nr. 10 MarkenG
Von der Eintragung ausgeschlossen [→ absolute Schutzhindernisse] sind Marken, die bösgläubig angemeldet worden sind.
§ 37 (1) MarkenG → Bösgläubige Markenanmeldung als Eintragungshindernis
§ 50 (1) MarkenG → Bösgläubige Markenanmeldung als Nichtigkeitsgrund
→ Bösgläubigkeit des Anmelders
→ Einwand der Sittenwidrigkeit
→ Wettbewerbswidrige Markenanmeldung (Wettbewerbsrecht)
→ Agentenmarke
→ Benutzungswille
Gemäß § 50 Abs. 1 MarkenG i. V. m. § 8 Abs. 2 Nr. 10 MarkenG wird die Eintragung einer Marke auf Antrag gelöscht, wenn sie bösgläubig angemeldet [→ Bösgläubigkeit des Anmelders] worden ist.1)
In erster Linie sollen Fälle erfasst werden, bei denen die Anmeldung der Marke nur dem Ziel dient, Unterlassungs- oder Geldersatzansprüche gegen Dritte durchzusetzen.2)
Mit dem Schutzhindernis des § 8 Abs. 2 Nr. 10 MarkenG soll den Fällen begegnet werden, in denen Privat- oder Geschäftsleute bestimmte Bezeichnungen als „Hinterhaltsmarken“ schützen lassen, um ihre formelle Rechtsposition zur Geltendmachung ungerechtfertigter Lizenz- oder Abmahnkostenerstattungsansprüche auszunutzen.3)
Den aus einer Marke hergeleiteten Ansprüchen kann im Wege der Einrede entgegengehalten werden, dass auf Seiten des Markeninhabers Umstände vorliegen, die die Geltendmachung des markenrechtlichen Schutzes als eine wettbewerbswidrige Behinderung im Sinne von §§ 3, 4 Nr. 10 UWG [→ Gezielte Behinderung, →Wettbewerbswidrige Markenanmeldung] erscheinen lassen.4)
Das ist der Fall, wenn die Klagemarke bösgläubig im Sinne von § 8 Abs. 2 Nr. 10 MarkenG angemeldet worden ist.5)
Der Begriff der Bösgläubigkeit ist umfassend unter Berücksichtigung aller im Einzelfall erheblichen Faktoren zu beurteilen. Maßgeblich ist die Absicht des Anmelders zum Zeitpunkt der Anmeldung, die anhand der objektiven Umstände zu bestimmen ist.6)
Soweit der Senat bislang bezüglich des Eintragungshindernisses des § 8 Abs. 2 Nr. 10 MarkenG, der der Umsetzung des Art. 3 Abs. 2 Buchst. d MarkenRL dient, den Zeitpunkt der Entscheidung über die Eintragung der Marke für maßgeblich gehalten hat7), hält er an dieser Rechtsprechung nicht fest.8)
Eine Markenanmeldung ist bösgläubig im Sinne von § 8 Abs. 2 Nr. 10 MarkenG, wenn der Anmelder das angemeldete Zeichen nicht als Marke, das heißt als Herkunftshinweis, benutzen, sondern die formale Rechtsstellung als Inhaber eines Kennzeichenrechts lediglich zum Zwecke der rechtsmissbräuchlichen oder sittenwidrigen Behinderung Dritter einsetzen will.9)
Für die Beurteilung der Bösgläubigkeit des Markeninhabers kann dessen Interesse zu berücksichtigen sein, einen weiterreichenden rechtlichen Schutz seines Zeichens sicherzustellen, wenn es sich dabei im Zeitpunkt der Anmeldung um ein bekanntes Zeichen handelt.10)
BPatG, Beschl. v. 17. April 2014 - 30 W (pat) 32/12
Begründung des Regierungsentwurfs zum Geschmacksmusterreformgesetz, BT-Drucks. 15/1075, S. 67 = BlPMZ 2004, 222, 253
BGH, Urteil v. 2. April 2009 - I ZB 9/06; m.V.a. BT-Drucks. 15/1075, S. 67 unter Hinweis auf BGH, Urt. v. 23.11.2000 - I ZR 93/98, GRUR 2001, 242, 244 = WRP 2000, 160 - Classe E
BGH, Urteil vom 23. September 2015 - I ZR 105/14 - Goldbären; m.V.a. BGH, Urteil vom 3. Februar 2005 - I ZR 45/03, GRUR 2005, 414, 417 = WRP 2005, 610 - Russisches Schaumgebäck; Urteil vom 26. Juni 2008 - I ZR 190/05, GRUR 2008, 917 Rn. 19 = WRP 2008, 1319 - EROS
BGH, Urteil vom 23. September 2015 - I ZR 105/14 - Goldbären
BGH, Urteil vom 23. September 2015 - I ZR 105/14 - Goldbären; vgl. zu Art. 51 Abs. 1 Buchst. b GMV aF EuGH, Urteil vom 11. Juni 2009 - C-529/07, Slg. 2009, I-4893 = GRUR 2009, 763 Rn. 37 ff., 53 - Lindt & Sprüngli/Franz Hauswirth; zu Art. 4 Abs. 4 Buchst. g MarkenRL EuGH, Urteil vom 27. Juni 2013 - C-320/12, GRUR 2013, 919 Rn. 36 f. = WRP 2013, 1166 - Malaysia Dairy Industries; BGH, Beschluss vom 2. April 2009 - I ZB 8/06, GRUR 2009, 780 Rn. 18 = WRP 2009, 820 - Ivadal
vgl. BGH, Beschluss vom 2. April 2009 - I ZB 8/06, GRUR 2009, 780 Rn. 11 = WRP 2009, 820 - Ivadal I
BGH, Beschluss vom 15. Oktober 2015 - I ZB 69/14; vgl. BGH, Beschluss vom 18. April 2013 - I ZB 71/12, GRUR 2013, 1143 Rn. 15 = WRP 2013, 1478 - Aus Akten werden Fakten; Beschluss vom 17. Oktober 2013 - I ZB 65/12, GRUR 2014, 483 Rn. 22 = WRP 2014, 438 - test
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 23. September 2015 - I ZR 105/14 - Goldbären, BGH, GRUR 2009, 780 Rn. 11 und 19 - Ivadal, mwN
BGH, Urteil vom 23. September 2015 - I ZR 105/14 - Goldbären; m.V.a. EuGH, GRUR 2009, 763 Rn. 51 f. - Lindt & Sprüngli/Franz Hauswirth
markenrecht/boesglaeubige_markenanmeldung.txt · Zuletzt geändert: 2017/01/24 14:09 (Externe Bearbeitung)