Source: https://www.juracademy.de/internationales-privatrecht/gerichtsstandsvereinbarungen.html
Timestamp: 2017-10-18 00:14:36
Document Index: 49307726

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'BGH', 'EuG', 'Art. 23', 'EuG', 'EuG', 'Art. 25', 'EuG', 'Art. 25', 'EuG', 'Art. 25', 'EuG', 'Art. 25', 'EuG', 'Art. 25', 'EuG', 'EuG', 'Art. 25', 'EuG', 'EuG', 'Art. 1', 'Art. 27', 'Art. 3', 'Art. 1', 'Art. 25', 'EuG', 'Art. 25', 'EuG', '§ 38', 'EuG', 'Art. 23', 'EuG', 'Art. 23', 'EuG', 'Art. 23', 'Art. 23', 'EuG', 'Art. 23', 'EuG', 'Art. 23', 'Art. 23', 'EuG', 'Art. 23', 'EuG', 'Art. 23', 'EuG', '§ 38', 'Art. 24', 'EuG', '§ 39', 'EuG']

Gerichtsstandsvereinbarungen nach EuGVO & ZPO
Internationales Privatrecht - Internationale Zuständigkeit in Zivil- und Handelssachen nach EuGVO und ZPO - Gerichtsstandsvereinbarungen
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Internationale Zuständigkeit in Zivil- und Handelssachen nach EuGVO und ZPO - Gerichtsstandsvereinbarungen
Vgl. hierzu auch BGH NJW 2011, 3372 m. Anm. Müller.
Voraussetzung für eine wirksame Gerichtsstandsvereinbarung war nach der EuGVO a.F., dass mindestens eine der Parteien ihren Wohnsitz in einem Mitgliedstaat hat und die Zuständigkeit eines in der EU liegenden Gerichts vereinbart worden ist (vgl. Art. 23 Abs. 1 S. 1 EuGVO a.F.). Nach der Neufassung der EuGVO kommt es nicht mehr darauf an, dass eine Partei der Gerichtsstandsvereinbarung ihren Wohnsitz in einem Mitgliedstaat der EU hat („Haben die Parteien unabhängig von ihrem Wohnsitz…“, Art. 25 Abs. 1 S. 1 EuGVO). Weiterhin erforderlich ist jedoch, dass das prorogierte Gericht in einem Mitgliedstaat liegt.
Prorogation meint die Begründung der Zuständigkeit eines Gerichts durch Parteivereinbarung, Derogation die Abwahl einer gesetzlich vorgesehenen Zuständigkeit, vgl. Staudinger/Steinrötter JuS 2015, 1, 4.
Gericht in der EU liegen, ist Art. 25 EuGVO anwendbar; deutsche Gerichte sind international zuständig.
Gerichtsstandsvereinbarungen können erfolgen in schriftlicher oder mündlicher Form mit schriftlicher Bestätigung (Art. 25 Abs. 1 S. 3 lit. a EuGVO) oder einer Form, die den Gepflogenheiten der Parteien (lit. b) bzw. einem Handelsbrauch (lit. c) entspricht. Vereinbarungen in E-Mails genügen auch, was sich aus Art. 25 Abs. 2 EuGVO ergibt.
Diese Formvorschriften sind von den Anforderungen an das Zustandekommen der Gerichtsstandsvereinbarung zu trennen. Nach der Neuregelung des Art. 25 Abs. 5 EuGVO ist die Gerichtsstandsvereinbarung als eine vom Hauptvertrag unabhängige Vereinbarung zu behandeln. Dieses Verständnis entsprach bereits der h.M. zur EuGVO a.F.
v. Hein RIW 2013, 97, 105.
Die Wirksamkeit der Gerichtsstandsvereinbarung wurde durch den ebenfalls neu gefassten Art. 25 Abs. 1 S. 1 EuGVO ausdrücklich zur Voraussetzung gemacht. Maßgeblich für die Prüfung der Wirksamkeit der Gerichtsstandsvereinbarung ist das Recht des Gerichtes, dessen Zuständigkeit vereinbart wurde.
Dieses sog. Prorogationsstatut ist schwierig zu bestimmen. Es handelt sich um eine Gesamtverweisung auf die lex fori (siehe Erwägungsgrund 20 EuGVO). Gem. Art. 1 Abs. 2 lit. e Rom I-VO findet die Rom I-VO indes keine Anwendung auf Gerichtsstandsvereinbarungen. Daher müsste an sich Rückgriff auf das EGBGB genommen werden. Indessen wurde das Schuldvertragskollisionsrecht in Art. 27 ff. EGBGB längst aufgehoben. Fraglich ist, wie diese Lücke im Kollisionsrecht zu schließen ist. Nach wohl h.M. sind die Art. 3 ff. Rom I-VO analog anzuwenden, vgl. Staudinger/Steinrötter JuS 2015, 1, 5 sowie v. Hein RIW 2013, 97, 105 m.w.N. Dogmatisch befriedigend ist das freilich kaum, wenn man berücksichtigt, dass die Verordnung ausdrücklich ihre Nichtanwendung in Art. 1 Abs. 2 lit. e Rom I-VO vorschreibt.
Die Wirksamkeit wird dabei nach Art. 25 Abs. 1 S. 1 EuGVO vermutet („es sein denn, die Vereinbarung ist nach dem Recht dieses Mitgliedstaates materiell nichtig“).
Wenn die Prorogation eines drittstaatlichen Gerichts vereinbart wurde, bestimmt nicht Art. 25 EuGVO sondern die – inhaltlich teils abweichenden – §§ 38, 40 ZPO (analog) über die Wirksamkeit einer Gerichtsstandsvereinbarung.
Eine Gerichtsstandvereinbarung im Rahmen der EuGVO
setzt den Wohnsitz jeder Partei in einem Mitgliedsstaat voraus. (Begründung: Der Wohnsitz einer Partei in einem Mitgliedsstaat genügt, Art. 23 Abs. 1 S. 1 EuGVO.)
begründet eine ausschließliche Zuständigkeit. (Begründung: Ein wirksam vereinbarter Gerichtsstand begründet - so nicht ausdrücklich anders vereinbart - einen ausschließlichen Gerichtsstand, Art. 23 Abs. 1 S. 2 EuGVO.)
kann konkludent vereinbart werden. (Begründung: Wenn die konkludente Vereinbarung den Gepflogenheiten der Parteien oder einem Handelsbrauch entspricht, so ist dies formwirksam, Art. 23 Abs. 1 S. 3 lit. b und c.)
kann per Email vereinbart werden. (Begründung: Die Vereinbarung per Email ist gem. Art. 23 Abs. 2 EuGVO zulässig.)
kann per Email vereinbart werden? (Begründung: Die Vereinbarung per Email ist gem. Art. 23 Abs. 2 EuGVO zulässig.)
kann konkludent vereinbart werden? (Begründung: Wenn die konkludente Vereinbarung den Gepflogenheiten der Parteien oder einem Handelsbrauch entspricht, so ist dies formwirksam, Art. 23 Abs. 1 S. 3 lit. b und c.)
begründet eine ausschließliche Zuständigkeit? (Begründung: Ein wirksam vereinbarter Gerichtsstand begründet - so nicht ausdrücklich anders vereinbart - einen ausschließlichen Gerichtsstand, Art. 23 Abs. 1 S. 2 EuGVO.)
setzt den Wohnsitz jeder Partei in einem Mitgliedsstaat voraus? (Begründung: Der Wohnsitz einer Partei in einem Mitgliedsstaat genügt, Art. 23 Abs. 1 S. 1 EuGVO.)
Welche Gerichtsstände stehen nebeneinander zur Wahl des Klägers?
Allgemeine Gerichtsstände. (Begründung: Wird der allgemeine Gerichtsstand nicht durch einen ausschließlichen verdrängt, steht er neben einem besonderen Gerichtsstand zur Wahl des Klägers.)
Besondere Gerichtsstände. (Begründung: Auch ein besonderer Gerichtsstand steht frei zur Wahl des Klägers neben dem allgemeinen Gerichtsstand.)
Ausschließliche Gerichtsstände. (Begründung: Ist ein ausschließlicher Gerichtsstand gegeben, so bestimmt dieser alleine die gerichtliche Zuständigkeit. Weder eine abweichende Gerichtsstandvereinbarung, noch die Abweichung durch rügelose Einlassung sind möglich, Art. 23 EuGVO/§§ 38, 40 ZPO bzw. Art. 24 EuGVO/§ 39 ZPO.)
Halb zwingende Gerichtsstände. (Begründung: Auch halb zwingende Gerichtsstände verdrängen einen allgemeinen oder die besonderen Gerichtsstände. Jedoch lässt die Rechtsprechung des EuGH unter bestimmten Voraussetzungen eine Veränderung in Folge rügeloser Einlassung oder eine abweichende Gerichtsstandvereinbarung zu.)