Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=16.01.1997&Aktenzeichen=IX%20ZR%20250/95
Timestamp: 2019-12-14 00:20:13
Document Index: 48654616

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 765', '§ 138', 'BGH', '§ 781', '§ 781', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 16.01.1997 - IX ZR 250/95 - dejure.org
https://dejure.org/1997,515
BGH, 16.01.1997 - IX ZR 250/95 (https://dejure.org/1997,515)
BGH, Entscheidung vom 16.01.1997 - IX ZR 250/95 (https://dejure.org/1997,515)
BGH, Entscheidung vom 16. Januar 1997 - IX ZR 250/95 (https://dejure.org/1997,515)
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§ 765, § 138 Abs. 1 BGB, Überrumpelung
Sittenwidrigkeit einer Bürgschaft bei Übernahme durch vermögenslosen GmbH-Gesellschafter nach überraschender Androhung der Kreditkündigung
Der überrumpelte Gesellschafter
Sittenwidrigkeit der Bürgschaft eines GmbH-Gesellschafters
NJW 1997, 1980
ZIP 1997, 446
MDR 1997, 468
NJ 1997, 310
WM 1997, 511
DB 1997, 671
Es genügt bereits der gute Glaube bzw. ein berechtigtes Interesse an dem erstrebten Erfolg (BGH, Urt. v. 16.01.1997 - IX ZR 250/95, NJW 1997, 1980; BAG NJW 1999, 2059;… Staudinger/Singer-v. Finckenstein, aaO Rdn. 69).
Solche Belastungen können sich insbesondere daraus ergeben, dass der Gläubiger die Geschäftsunerfahrenheit oder eine seelische Zwangslage des Schuldners ausnutzt oder ihn auf andere Weise in seiner Entscheidungsfreiheit unzulässig beeinträchtigt (BAG 22. Oktober 1998 - 8 AZR 457/97 - zu I 4 e der Gründe, AP BGB § 781 Nr. 5 = EzA BGB § 781 Nr. 5 unter Hinweis auf BGH 16. Januar 1997 - IX ZR 250/95 - zu II 3 der Gründe mwN, NJW 1997, 1980).
Es verstößt grundsätzlich nicht gegen die guten Sitten, sich in eigener Verantwortung auch zu Leistungen zu verpflichten, die nur unter besonders günstigen Bedingungen erbracht werden können (BGH 16. Januar 1997 - IX ZR 250/95 - zu II 3 der Gründe mwN, NJW 1997, 1980).
Entsprechende Voraussetzungen können jedoch auch dann gegeben sein, wenn zwischen dem Bürgen und dem Hauptschuldner eine entsprechende persönliche Beziehung nicht besteht (vgl. Senatsurt. v. 16. Januar 1997 - IX ZR 250/95, WM 1997, 511, 512 f).
Die Bank darf im allgemeinen davon ausgehen, daß derjenige, der sich an einer Gesellschaft beteiligt, dies aus eigenen finanziellen Interessen tut und schon deshalb durch die Haftung kein ihm unzumutbares Risiko auf sich nimmt (vgl. Senatsurt. v. 15. Februar 1996 - IX ZR 245/94, WM 1996, 588, 592; v. 16. Januar 1997 - IX ZR 250/95, WM 1997, 511, 513).
Entsprechende Voraussetzungen sind insbesondere dann gegeben, wenn die Entscheidungsfreiheit des Bürgen in rechtlich anstößiger Weise beeinträchtigt wurde und der Gläubiger sich dies zurechnen lassen muß (…Senatsurt. v. 25. April 1996, aaO., S. 1124 f.; v. 16. Januar 1997 - IX ZR 250/95 -, WM 1997, 511, 512).
Wenn - wie hier - die Grundsätze zur Sittenwidrigkeit von Ehegattenbürgschaften nicht anwendbar sind, können nur besondere, dem Kreditinstitut zurechenbare Umstände, etwa die Ausnutzung der geschäftlichen Unerfahrenheit (BGH, Urteil vom 16. Januar 1997 - IX ZR 250/95, WM 1997, 511, 512) oder die Beeinträchtigung der Willensbildung und Entschließungsfreiheit durch Irreführung (BGH, Urteil vom 18. Dezember 1997 - IX ZR 271/96, WM 1998, 239, 240, insoweit in BGHZ 137, 329 ff. nicht abgedruckt), Schaffung einer seelischen Zwangslage (BGH, Urteil vom 16. Januar 1997 - IX ZR 250/95, WM 1997, 511, 512) oder Ausübung unzulässigen Drucks (BGH, Urteile vom 15. Februar 1996 - IX ZR 245/94, WM 1996, 588, 592 und vom 18. Dezember 1997 - IX ZR 271/96, WM 1998, 239, 240, insoweit in BGHZ 137, 329 ff. nicht abgedruckt) die Bürgschaft eines Gesellschafters sittenwidrig erscheinen lassen (…Nobbe/Kirchhof aaO S. 13 f.).
Wie seinem Urteil vom 16. Januar 1997 (VK ME 250/97 [richtig: IX ZR 250/95 - d. Red.] , WM 1997, 511, 513) zu entnehmen ist, ist dies auch bei einer Beteiligung in Höhe von 10% an der darlehensnehmenden GmbH möglich, ohne daß der betroffene Gesellschafter als Geschäftsführer für deren Kreditaufnahmeverhalten verantwortlich sein muß.
Besondere Umstände, die dazu führen können, daß Gesellschafterbürgschaften ausnahmsweise als sittenwidrig anzusehen sind (vgl. BGHZ 137, 329 ff.; BGH, Urteil vom 16. Januar 1997 - IX ZR 250/95, WM 1997, 511, 513;… vom 18. September 2001, aaO S. 2157), hat die Beklagte nicht vorgetragen.
Für die Rechtmäßigkeit des angestrebten Erfolgs ist das Bestehen eines hierauf gerichteten Rechtsanspruchs nicht Voraussetzung (BGH Urteil vom 16. Januar 1997 - IX ZR 250/95 - NJW 1997, 1980 ff., zu II 2 b der Gründe, m.w.N.).
Solche Belastungen können sich insbesondere daraus ergeben, daß der Gläubiger die Geschäftsunerfahrenheit oder eine seelische Zwangslage des Schuldners ausnutzt oder ihn auf andere Weise in seiner Entscheidungsfreiheit unzulässig beeinträchtigt (BGH Urteil vom 16. Januar 1997 - IX ZR 250/95 - NJW 1997, 1980 ff., zu II 3 der Gründe, m.w.N.).
BGH, 20.11.2001 - IX ZR 324/99
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