Source: https://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/schutzgebiete/einzelnen_naturschutzgebiete/verordnungstext-zum-naturschutzgebiet-wernershoehe-41967.html
Timestamp: 2019-09-23 08:04:28
Document Index: 50253144

Matched Legal Cases: ['§ 24', '§ 2', '§ 3', '§ 24', '§ 4', '§ 4', '§ 53', '§ 4', '§ 64', '§ 329', '§ 330', '§ 65', '§ 4']

Verordnungstext zum Naturschutzgebiet "Wernershöhe" | Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Verordnungstext zum Naturschutzgebiet "Wernershöhe"
Das Gebiet ist seit 28.12.2017 überwiegend (bis auf den Nordteil) gelöscht und durch das neue Naturschutzgebiet HA 241 "Trockenlebensräume - Sieben Berge, Vorberge" geschützt.
Verordnung über das Naturschutzgebiet Wernershöhe in der Samtgemeinde Sibbesse, Gemeinde Westfeld, Landkreis Hildesheim, vom 10.07.1995
Aufgrund der §§ 24, 29 und 30 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes in der Fassung vom 02.07.1990 (Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt - Nds. GVBl. -, S. 235), zuletzt geändert am 18.10.1993 (Nds. GVBl. S. 444), wird verordnet:
(1) Das in den §§ 2 und 3 näher bezeichnete Gebiet wird zum Naturschutzgebiet "Wernershöhe" erklärt.
(2) Das Naturschutzgebiet ist rd. 87 ha groß.
(1) Das Naturschutzgebiet liegt südwestlich des Ortes Wrisbergholzen in den Fluren 2 und 3 der Gemarkung Wrisbergholzen, Gemeinde Westfeld, Samtgemeinde Sibbesse, Landkreis Hildesheim.
(2) Die genaue Abgrenzung des Naturschutzgebietes ergibt sich aus der mitveröffentlichten Karte, die Bestandteil dieser Verordnung ist. Die Grenze ist dort durch eine Punktreihe dargestellt. Sie verläuft auf der gedachten Linie, die die Punkte von außen berührt.
§ 3 Schutzgegenstand und Schutzzweck
(1) Das Naturschutzgebiet "Wernershöhe" liegt auf einer Kalkkuppe am Ostrand des Alfelder Berglandes. Es repräsentiert eine früher weit verbreitete Kulturlandschaftsform der Mittelgebirgsregion, die in dieser Größe und hervorragenden Ausprägung heute eine landesweite Bedeutung für den Naturschutz hat.
Die flachgründigen Kalkböden (Rendzinen) ließen nur extensive Ackerbauformen zu. Diese haben sich bis heute in weiten Teilen des Naturschutzgebietes erhalten. Sie zeichnen sich durch eine besonders artenreiche und zudem hochgradig gefährdete Begleitflora und -fauna aus. Die schutzwürdigen Ackerwildkrautgesellschaften besiedeln hier auch das Innere der noch genutzten Äcker.
Am Rande der Kalkäcker liegen Fragmente orchideen- und enzianreicher Halbtrockenrasen bzw. Wacholdertriften. Die in diesem Vegetationsbestand anzutreffenden Pflanzen- und Tierarten sind besonders licht- und wärmebedürftig. Sie sind ebenfalls in ihrem Bestand bedroht, da die extensive Beweidung mit Schafen und Ziegen, durch die diese Lebensgemeinschaft entstanden ist, inzwischen aufgegeben worden ist. Große Flächen sind aufgeforstet worden, die übrigen drohen zu verbuschen.
In Randbereichen befinden sich ungenutzte Niederwälder und Eichen-Hainbuchenwälder sowie Mischwälder mit alten Hutebäumen (vorwiegend Eichen und Hainbuchen).
(2) Schutzzweck dieser Verordnung ist der Erhalt, die Pflege und die Entwicklung der Lebensstätten schutzbedürftiger Arten und Lebensgemeinschaften sowie der besonderen Eigenart, Vielfalt und Schönheit des Gebietes. Hierzu gehört:
- die dauerhaft extensive Nutzung der Ackerflächen,
- die Entwicklung von Halbtrockenrasen auf Teilen der Ackerflächen,
- die weitgehende Freistellung der Halbtrockenrasen von Gebüsch,
- die Entfernung der Aufforstungen auf Halbtrockenrasen bzw. ehemaligen Halbtrockenrasen,
- die extensive Beweidung der Halbtrockenrasen, ersatzweise die Mahd,
- die Erhaltung von struktur- und artenreichen Laubwäldern und Gebüschen aus standortgerechten einheimischen Arten,
- die Umwandlung von Nadelholzbeständen in standortgerechte Laubwälder aus einheimischen Arten im Zuge der forstlichen Bewirtschaftung,
- die Erhaltung der Hutebäume sowie die Auflichtung der ehemaligen Hutungen.
(1) Im Naturschutzgebiet sind gemäß § 24 Abs. 2 Satz 1 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes alle Handlungen verboten, die das Gebiet oder einzelne seiner Bestandteile zerstören, beschädigen oder verändern.
(2) Das Naturschutzgebiet darf außerhalb der in der Örtlichkeit gekennzeichneten Wege nicht betreten werden.
(3) Darüber hinaus sind folgende Handlungen verboten, die das Naturschutzgebiet oder einzelne seiner Bestandteile gefährden oder stören können:
1. wildlebende Tiere einschließlich ihrer Entwicklungsformen zu füttern oder sie innerhalb oder von außerhalb des Naturschutzgebietes zu stören.
2. Hunde frei laufen zu lassen.
3. Es ist verboten, innerhalb des Naturschutzgebietes Motorsport- und Modellsportgeräte zu betreiben. Dies gilt auch für nicht zulassungspflichtige Luftfahrzeuge aller Art, und zwar im Naturschutzgebiet sowie außerhalb in einer 500 m breiten Zone um das Naturschutzgebiet herum.
(4) Im Jagdrecht geregelte Belange werden durch die Verordnung nicht berührt. Dies gilt jedoch nicht für die Anlage von Wildäckern außerhalb von Ackerflächen und Ackerbrachen, das Ausbringen von Futtermitteln auf Halbtrockenrasen, die Errichtung von nicht fest mit dem Boden verbundenen Einrichtungen (Futterplätze, Salzlecken, Ansitze, Jagdschirme und ähnliches), sowie fest mit dem Boden verbundenen Hochsitzen und anderen baulichen Anlagen.
Von den Verboten des § 4 sind freigestellt:
2. das zur Bewirtschaftung benachbarter Flächen erforderliche Durchfahren des Naturschutzgebietes auf den Wegen;
3. die ordnungsgemäße, landwirtschaftliche Bodennutzung auf den in der Karte zur Verordnung entsprechend dargestellten Flächen mit Ausnahme der Umwandlung von Grünland;
4. die ordnungsgemäße forstliche Nutzung unter ausschließlicher Einbringung und Förderung standortgerechter, einheimischer Gehölze sowie unter Erhalt der Saumbereiche, der alten Hutebäume und der Allee im Norden des Naturschutzgebietes;
5. das Betreten und Lagern in der St. Florian-Hütte und auf der umgebenden Rasenfläche sowie das Mähen dieser Rasenfläche, ferner das genehmigte traditionelle Osterfeuer an der St. Florian-Hütte;
6. die Durchführung von traditionellen Musikveranstaltungen an der in der Karte zur Verordnung gekennzeichneten Stelle;
7. die ordnungsgemäße Unterhaltung und Instandsetzung der 900-V-Luftkabeltrasse.
- die Beweidung oder das Mähen der Halbtrockenrasen und Wacholdertriften sowie das Entfernen des anfallenden Mähgutes,
- die Beseitigung von Gebüschen und Aufforstungen auf (ehemaligen) Halbtrockenrasen und Magerrasen,
- die Bewirtschaftung brachgefallener Ackerflächen.
(1) Die obere Naturschutzbehörde genehmigt für die nachfolgend aufgeführten Maßnahmen auf Antrag eine Ausnahme von den Verboten des § 4 dieser Verordnung, sofern dadurch im Einzelfall der Schutzzweck dieser Verordnung nicht beeinträchtigt wird:
1. das Betreten des Gebietes für Wissenschaft und Lehre einschließlich der hierfür erforderlichen Maßnahmen,
2. Maßnahmen zum Schutz, zur Erhaltung, zur Pflege und zur Entwicklung des Gebietes und seiner landschaftlichen Eigenart sowie dem Schutzzweck dienende ökologische Untersuchungen,
3. die ordnungsgemäße Unterhaltung und Instandsetzung der Wege,
4. die Errichtung von nicht fest mit dem Boden verbundenen jagdwirtschaftlichen Einrichtungen außerhalb von Halbtrockenrasen,
5. die Instandsetzung der Anlage für Musikveranstaltungen.
(2) Im übrigen kann die obere Naturschutzbehörde gemäß § 53 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes auf Antrag eine Befreiung von den Verboten dieser Verordnung gewähren.
(1) Wer den in § 4 dieser Verordnung aufgeführten Verboten zuwiderhandelt, begeht gemäß § 64 Nr. 1 oder Nr.4 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes eine Ordnungswidrigkeit oder gemäß § 329 Abs. 3 oder § 330 Strafgesetzbuch eine strafbare Handlung.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann gemäß § 65 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes mit einer Geldbuße bis zu 50.000,- DM, bei Verstößen gegen § 4 Abs. 1 und Abs. 2 dieser Verordnung bis zu 100.000,- DM geahndet werden.
Diese Verordnung ist am 09.06.1994 in Kraft getreten.
503 - 22222 HA 168
Hannover, den 10.07.1995
Abl. RBHan. 1995/Nr.17 (Seite 623)