Source: https://kanzleimitte.de/bsq-bauspar-ag-anspruch-auf-bonusverzinsung-auch-nach-kuendigung/
Timestamp: 2019-01-19 16:46:12
Document Index: 354497926

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 242', '§ 489', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 489', 'BGH', 'BGH', '§ 15']

BSQ Bauspar AG: Anspruch auf Bonusverzinsung auch nach Kündigung - JUSTUS Rechtsanwälte
Veröffentlicht am 18. April 2018 8. Oktober 2018 von Justus
Ansprüche gegen die Bausparkasse auf Bonusverzinsung und die Erstattung der Abschlussgebühr – bestehen trotz Kündigung weiter
Bonuszinsen Kündigung Bausparkasse
Häufig kommt es im Rahmen der fristgerechten Kündigung von Bausparverträgen seitens der Bausparkasse als Darlehensnehmer zur Weigerung der Auszahlung von Bonuszinsen und der Erstattung einer Abschlussgebühr gegenüber dem Vertragspartner. Trotzdem können die Darlehensgeber ihre Ansprüche auf die Bonusverzinsung und die Erstattung der Abschlussgebühr immer noch geltend machen, wie neulich ein Fall der JUSTUS Rechtsanwälte gegen die BSQ Bauspar AG ergeben hat. Hier ging es immerhin um 30.000,- €.
Wir haben Bausparer zu Kündigungen der LBS Baden-Württemberg, der BHW, der Debeka, der Wüstenrot, der LBS West, der Aachener Bausparkasse, BSQ und anderen vertreten.
Folgen der Kündigung und Weigerung der Rückzahlung durch die BSQ Bauspar AG
Im konkreten Fall erklärte die Bausparkasse unter Einhaltung der maßgeblichen Frist die Kündigung. Dabei unterblieb die Auszahlung der im Kontoauszug des Bausparkontos des Vertragspartners ausgewiesenen Bonuszinsen und der vereinnahmten Abschlussgebühr. Dies wurde durch die BSQ Bauspar AG damit begründet, dass der Darlehensgeber weder den Bausparvertrag seinerseits gekündigt, noch auf die Inanspruchnahme eines Bauspardarlehens verzichtet hat. Somit lagen für die BSQ Bauspar AG die Voraussetzungen für die Gewährung der Bonusverzinsung und die Erstattung der Abschlussgebühr nicht vor.
Hierzu beruft Sie sich auf die folgende nach unserer Auffassung unwirksame Klausel der Tarife Q12, Tarif Q8, u.a. der ABB:
Der Bonus nach Absatz 1 wird gewährt, wenn
– Der Bausparer nach § 15 kündigt oder auf das zugeteilte Bauspardarlehen verzichtet und
– der Bausparvertrag zu diesem Zeitpunkt mindestens 7 Jahre bestanden hat
– und die Bewertungszahl mindestens 160 beträgt.
Pflichten der BSQ Bauspar AG zum Hinweis auf einen Anspruchsverlust
Entgegen der Ansicht der Bausparkassen ergibt sich jedoch unabhängig vom Darlehensverzicht ein Anspruch auf die Bonusverzinsung und die Erstattung der Abschlussgebühr daraus, dass die Rechtsfolge für den Darlehensgeber überraschend war.
Die Vertragsbeendigung beruhte nämlich auf einer unangekündigten Kündigung durch die BSQ Bauspar AG. Es war dabei nicht nachvollziehbar, dass die Beendigung des Vertrags aufgrund einer Kündigung der Bausparkasse zum Verlust der Ansprüche führen sollte, während ein zum selben Zeitpunkt ausgesprochener Verzicht auf den Darlehensanspruch den Anspruch auf Zahlung der Bonuszinsen und Erstattung der Abschlussgebühr erhalten hätte.
Aus diesem Grund war die BSQ Bauspar AG verpflichtet gewesen, auf die Gefahr des Entfallens besonderer Leistungen hinzuweisen, wenn ein derartiger Anspruchsverlust droht. Damit hätte der Vertragspartner die Gelegenheit gehabt, durch ein eigenes Tätigwerden den Anspruch auf die hiervon abhängigen Leistungen zu wahren. Dieser Pflicht ist die BSQ Bauspar AG vor der Kündigung nicht nachgekommen.
Schlichtungspruch: Bedeutung der Verletzung der Hinweispflicht der BSQ Bauspar AG für ihre Vertragspartner
Nach ständiger Entscheidungspraxis der Schlichter des Verbandes der Privaten Bausparkassen e.V. sind die Bausparkassen verpflichtet, auf die Gefahr des Verlustes bzw. Wegfalls besonderer vertraglicher Leistungen hinzuweisen, wenn einem Bausparer nach den ABB-Bestimmungen ein derartiger Anspruchsverlust droht. Die Verletzung dieser aus den Grundsätzen von Treu und Glauben (§ 242 BGB) folgenden Hinweispflicht kann Schadensersatzansprüche gegen die Bausparkasse auslösen.
Der Bausparkasse ist dabei nach Treu und Glauben im Sinne unzulässiger Rechtsausübung verwehrt, sich gegenüber dem Bausparer auf den etwaigen formalen Rechtsverlust seiner Ansprüche nach den ABB-Bestimmungen zu berufen und somit die Bonusverzinsung und die Erstattung der Abschlussgebühr zu versagen.
Dem Vertragspartner muss daher stets die Gefahr eines drohenden Rechtsverlustes vor Augen geführt und damit Gelegenheit gegeben werden, durch eigenes Verhalten den Anspruch auf die nach den ABB-Bestimmungen hiervon abhängigen Leistungen rechtssicher zu erhalten.
Leider akzeptiert die BSQ erfahrungsgemäß solche Schlichtungssprüche nicht, wenn sie nicht muss, sondern bietet nur einen niedrigen Vergleichsbetrag an. Hier ist ein Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht einzuschalten und ggf. Klage zu erheben. Denn dei Rechtsprechung steht heir auf Seiten der Bausparer. Wir haben in unseren Fällen vom Gericht Vorschläge zu Zahlung von über 75 % erhalten.
Laut Presseberichten hat das Amtsgericht Nürnberg mit Teilurteil vom 14.09.2017 – Az.: 31 C 160/17 die BSQ Bauspar AG zur Zahlung sämtlicher Bonuszinsen an den Bausparer verurteilt (noch nicht rechtskräftig).
Kündigungen der BSQ Bauspar AG:
Offenbar will sie die BSQ sich in Zeiten momentan niedriger Zinsen von einem noch gut verzinsten Produkt zu Lasten ihrer Kunden verabschieden, und erklärt massenhaft Kündigungen.
Die vormalige Quelle Bausparkasse hatte allerdings darauf verzichtet, sich im Kleingedruckten eine Kündigungsmöglichkeit auszubedingen. Diesen Fehler versucht nun ihre Rechtsnachfolgerin BSQ Bauspar AG vor dem Hintergrund gesunkener Marktzinsen auf dem Rücken der Kunden zu korrigieren.
Für dieses Verhalten fehlt es nicht nur an einer gesetzlichen oder vertraglichen Kündigungsmöglichkeit. Nach unserer Ansicht ist die BSQ ist verpflichtet, den Vertrag zu den vereinbarten Zinsen weiterzuführen.
Kündigung 10 Jahre nach Zuteilung mit Ausnahmen zulässig:
Immer wieder kündigen Bausparkassen Verträge, die zuteilungsreif, aber noch nicht voll angespart sind. Dazu stützen sich die Kassen auf ein Kündigungsrecht nach § 489 Absatz 1 Nr. 2 BGB.
Das Landgericht Nürnberg- Fürth sah mit Urteil vom 29.02.2016 (Az.: 6 O 5366/15) diese Kündigungn noch als rechtswidrig an.
Allerdings hat der Bundesgerichtshof (BGH) mit seinen Urteilen vom 21. Februar 2017 (BGH, XI ZR 272/16 und XI ZR 185/16) nun deutlich gemacht, dass Bausparverträge im Regelfall 10 Jahre nach Zuteilungsreife kündbar sind. Eine wichtig Ausnahme macht der BGH: Ist im Vertrag ein (Zins-)Bonus vereinbart, kann die Bausparkasse erst 10 Jahre nachdem der Kunde die Voraussetzungen für den Bonus erfüllt hat kündigen.
Bausparer sollten eine Kündigung der BSQ Bauspar AG sofort fachanwaltlich prüfen lassen. Sollten Ihnen ebenfalls die Auszahlung der Bonusverzinsung und die Erstattung der Abschlussgebühr nach Kündigung seitens der Bausparkasse verweigert worden sein, zögern Sie sich nicht, mit uns so schnell wie möglich in Kontakt zu treten.
Für unsere kostenfreie Erstberatung nutzen Sie einfach unser Kontaktformular oder rufen Sie uns gleich an.
foto: USA-Reiseblogger/pixabay
KategorienBAUSPARVERTRÄGE UND KÜNDIGUNG, News SchlagwörterABB, Abschlussgebühren, Bausparkassen, Bausparvertrag, Bonusverzinsung, Bonuszinsen, BSQ Bauspar AG, Fachanwalt, Hinweispflicht, Klausel, kostenfreie Erstebratung, Kündigung, QUELLE BAUSPARKASSE, Rechtsanwalt, Tarif Q12, Urteil, Zinsen
3 Antworten auf „BSQ Bauspar AG: Anspruch auf Bonusverzinsung auch nach Kündigung“
Joachim Engelhardt sagt:
14. Juli 2018 um 17:59 Uhr
Sehr guter Hinweis, aber wann und welches Gericht in Nürnberg hat dazu entschieden ?
Das angeführte Urteil des LG Nürnberg vom 29.02.16 ist zumindest in Teilen überholt, da die Kündigung nach § 489 BGB zwischenzeitlich durch den BGH positiv entschieden wurde. Inwieweit die Hinweispflicht der BSQ in diesem Fall behandelt wurde, ist leider nicht ersichtlich. Für ein Zitat wären die Besucher Ihrer hervorragenden website sicherlich sehr dankbar. Meines Wissens verneint die BSQ ungerührt dieser Entscheidung die Hinweispflicht.
Helge Evers sagt:
Sehr guter Kommentar und natürlich auch eine sehr informative Website! Tatsächlich erhielt ich im August 2018 ein Schreiben von BSQ: “Mittlerweile hat das Guthaben Ihres Bausparvertrages zusammen mit dem Bonuskonto bereits die Bausparsumme überschritten. (… u.a. Berufung auf BGH Grundsatzurteil am 21.02.2017, AZ: XI ZR 467/15) Der Bonus wird (…) nur gewährt, wenn der Bausparer nach § 15 ABB kündigt oder auf das Darlehen verzichtet. Ihr Vertrag wurde fortgesetzt und wird als nicht zugeteilter Vertrag geführt.” Im Anhang befindet sich dann ein Auszahlungsformular über das “Guthaben”. Welche Summe denn nun zur Auszahlung ansteht, bleibt offen. Wahrscheinlich bleibt auch hier nur der Klageweg.
31. August 2018 um 9:49 Uhr
Vielen Dank für das Kompliment Herr Evers,
bitte wenden Sie sich doch einfach über das Kontaktformular oder Email an uns. Die Erstberatung ist kostenfrei.
Vorheriger Beitrag PrismaLife AG – Beschwerde vom Bundesgerichtshof abgelehnt
Nächster Beitrag LogisFonds I GmbH fordert Anleger zur Nachzahlung auf
BAUSPARVERTRÄGE UND KÜNDIGUNG19