Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/pippi-langstrumpf-kostuem-3110196
Timestamp: 2020-08-12 18:53:04
Document Index: 47838932

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 9', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 9', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 3', 'Art. 12', 'Art. 12', '§ 3', '§ 4', '§ 5', '§ 5', '§ 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 4', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 4', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 4', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 3', 'BGH', '§ 4', 'BGH', 'BGH', '§ 4']

Pippi-Langstrumpf-Kostüm - und der Schutz literarischer Figuren | Rechtslupe
Pippi-Langstrumpf-Kostüm - und der Schutz literarischer Figuren
2. Juni 2016 Rechtslupe
Pip­pi-Lang­strumpf-Kos­tüm – und der Schutz lite­ra­ri­scher Figu­ren
Bei der Prü­fung, ob eine lite­ra­ri­sche Figur (hier: Pip­pi Lang­strumpf) durch Über­nah­me von äuße­ren Merk­ma­len in eine ande­re Pro­dukt­art (hier: Kar­ne­vals­kos­tüm) gemäß § 4 Nr. 9 UWG nach­ge­ahmt wird, sind kei­ne gerin­gen Anfor­de­run­gen zu stel­len.
Der Schutz der Ver­wert­bar­keit einer fik­ti­ven Figur außer­halb des Urhe­ber­rechts sowie der Schutz der vom Rech­te­inha­ber im Bereich der wirt­schaft­li­chen Ver­wer­tung die­ser Figur erbrach­ten Inves­ti­tio­nen („cha­rac­ter mer­chan­di­sing“) in Form eines Schutz­rechts über die Gene­ral­klau­sel nach § 3 Abs. 1 UWG ist ange­sichts der im Lau­ter­keits, Mar­ken- und Design­recht vor­han­de­nen Schutz­mög­lich­kei­ten nicht gebo­ten.
Das Anbie­ten einer Nach­ah­mung kann nach § 4 Nr. 9 UWG wett­be­werbs­wid­rig sein, wenn das nach­ge­ahm­te Pro­dukt wett­be­werb­li­che Eigen­art auf­weist und beson­de­re Umstän­de wie eine ver­meid­ba­re Täu­schung über die betrieb­li­che Her­kunft (§ 4 Nr. 9 Buchst. a UWG) oder eine unan­ge­mes­se­ne Beein­träch­ti­gung oder Aus­nut­zung der Wert­schät­zung des nach­ge­ahm­ten Pro­dukts (§ 4 Nr. 9 Buchst. b UWG) hin­zu­tre­ten, aus denen die Unlau­ter­keit folgt. Dabei besteht eine Wech­sel­wir­kung zwi­schen dem Grad der wett­be­werb­li­chen Eigen­art, der Art und Wei­se und der Inten­si­tät der Über­nah­me sowie den beson­de­ren wett­be­werb­li­chen Umstän­den. Je grö­ßer die wett­be­werb­li­che Eigen­art und je höher der Grad der Über­nah­me sind, des­to gerin­ge­re Anfor­de­run­gen sind an die beson­de­ren Umstän­de zu stel­len, die die Unlau­ter­keit der Nach­ah­mung begrün­den und umge­kehrt [1]. Liegt nach die­sen Grund­sät­zen eine unlau­te­re geschäft­li­che Hand­lung im Sin­ne von § 4 Nr. 9 UWG vor, kommt wie von der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin im Streit­fall gel­tend gemacht bei schuld­haf­tem Ver­hal­ten im Sin­ne von § 9 Satz 1 UWG ein Anspruch auf Scha­dens­er­satz in Betracht, der nach der Berech­nungs­me­tho­de der Lizenz­ana­lo­gie ermit­telt wer­den kann [2].
Von die­sen Grund­sät­zen aus­ge­hend ver­neint der Bun­des­ge­richts­hof im vor­lie­gen­den Fall die Vor­aus­set­zun­gen einer Her­kunfts­täu­schung gemäß § 4 Nr. 9 Buchst. a UWG sowie einer Ruf­aus­beu­tung und Ruf­be­ein­träch­ti­gung im Sin­ne von § 4 Nr. 9 Buchst. b UWG. Zwar kann die lite­ra­ri­sche Figur „Pip­pi Lang­strumpf“ gemäß § 4 Nr. 9 UWG Schutz genie­ßen. Im Streit­fall fehlt es jedoch an einer Nach­ah­mung im Sin­ne die­ser Bestim­mung.
Die lite­ra­ri­schen Figur „Pip­pi Lang­strumpf“ fällt unter den Schutz des § 4 Nr. 9 UWG.
Der Begriff der Waren und Dienst­leis­tun­gen im Sin­ne von § 4 Nr. 9 UWG ist weit aus­zu­le­gen. Gegen­stand des lau­ter­keits­recht­li­chen Nach­ah­mungs­schut­zes kön­nen Leis­tungs- und Arbeits­er­geb­nis­se aller Art sein [3]. Dazu kön­nen wovon das Ober­lan­des­ge­richts Köln zutref­fend aus­ge­gan­gen ist grund­sätz­lich auch fik­ti­ve Figu­ren gehö­ren, die im Wege des soge­nann­ten „cha­rac­ter mer­chan­di­sing“ wirt­schaft­lich ver­wer­tet wer­den [4]. Inso­weit gel­ten die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze. Maß­ge­bend ist, ob dem Erzeug­nis wett­be­werb­li­che Eigen­art zukommt, ob also sei­ne kon­kre­te Aus­ge­stal­tung oder bestimm­te Merk­ma­le geeig­net sind, die inter­es­sier­ten Ver­kehrs­krei­se auf sei­ne betrieb­li­che Her­kunft oder sei­ne Beson­der­hei­ten hin­zu­wei­sen [5].
Der Bun­des­ge­richts­hof geht auch von einer über­durch­schnitt­lich bis über­ra­gend hohen wett­be­werb­li­chen Eigen­art der Roman­fi­gur „Pip­pi Lang­strumpf“ aus. Das Ober­lan­des­ge­richt Köln [6] hat Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen, wel­che Gestal­tungs­merk­ma­le die wett­be­werb­li­che Eigen­art im Ein­zel­nen begrün­den. Hier­zu hat es auf die vom Bun­des­ge­richts­hof in der Ent­schei­dung „Pip­pi-Lang­strumpf-Kos­tüm I“ [7] nicht bean­stan­de­ten – Aus­füh­run­gen in sei­nem ers­ten im Streit­fall ergan­ge­nen Urteil Bezug genom­men, mit denen es die urhe­ber­recht­li­che Schutz­fä­hig­keit der lite­ra­ri­schen Figur „Pip­pi Lang­strumpf“ als Sprach­werk im Sin­ne des § 2 Abs. 1 Nr. 1 UrhG fest­ge­stellt hat. Dar­aus ergibt sich, dass das Ober­lan­des­ge­richts Köln die wett­be­werb­li­che Eigen­art in der im Werk von Astrid Lind­gren detail­liert beschrie­be­nen beson­de­ren eigen­schöp­fe­ri­schen Kom­bi­na­ti­on von äuße­ren Merk­ma­len und aus­ge­präg­ten Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten der Figur „Pip­pi Lang­strumpf“ gese­hen hat [8]. Es hat auf die­ser Grund­la­ge zutref­fend ange­nom­men, der im Kin­der­buch beschrie­be­ne Cha­rak­ter sei indi­vi­du­ell und unver­wech­sel­bar.
Die Bestim­mung des § 4 Nr. 9 UWG setzt fer­ner das Ange­bot einer Nach­ah­mung vor­aus. Dar­an fehlt es im Streit­fall.
Der lau­ter­keits­recht­li­che Nach­ah­mungs­schutz gemäß § 4 Nr. 9 UWG bezieht sich immer nur auf ein kon­kre­tes Erzeug­nis. Das Ange­bot einer Nach­ah­mung setzt vor­aus, dass die frem­de Leis­tung ganz oder teil­wei­se als eige­ne Leis­tung ange­bo­ten wird [9]. Wird nicht die Leis­tung des Drit­ten ver­mark­tet, son­dern eine eige­ne Leis­tung ange­bo­ten, liegt kei­ne Nach­ah­mung vor [10]. Eigen­stän­di­ge Leis­tun­gen, die ledig­lich an das Erzeug­nis anknüp­fen, stel­len kei­ne Nach­ah­mung des Erzeug­nis­ses dar [11]. Für die Annah­me einer Nach­ah­mung ist es des­halb nicht aus­rei­chend, eine frem­de Leis­tung nur als Vor­spann für eige­ne, anders­ar­ti­ge Ange­bo­te aus­zu­nut­zen [12]. Vor­lie­gend geht die Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin weder gegen die Über­nah­me der von ihr als Schutz­ge­gen­stand gel­tend gemach­ten lite­ra­ri­schen Figur „Pip­pi Lang­strumpf“ in einem lite­ra­ri­schen Erzeug­nis vor noch hat sie ihre Kla­ge auf den Vor­wurf gestützt, die Händ­le­rin habe die Nach­ah­mung eines von der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin selbst oder von einem Lizenz­neh­mer her­ge­stell­ten und ver­trie­be­nen Kos­tüms abge­bil­det. Sie ist viel­mehr der Ansicht, das von der Händ­le­rin abge­bil­de­te Kos­tüm sei eine unlau­te­re Nach­ah­mung der lite­ra­ri­schen Figur „Pip­pi Lang­strumpf“ im Sin­ne von § 4 Nr. 9 UWG. An die Nach­ah­mung einer Roman­fi­gur durch Über­nah­me von Merk­ma­len, die wett­be­werb­lich eigen­ar­tig sind, in eine ande­re Pro­dukt­art sind kei­ne gerin­gen Anfor­de­run­gen zu stel­len. Ande­ren­falls wür­de die im Inter­es­se der Wett­be­werbs­frei­heit grund­sätz­lich bestehen­de Nach­ah­mungs­frei­heit [13] unan­ge­mes­sen ein­ge­schränkt.
Nach die­sen Maß­stä­ben fehlt es im Streit­fall an einer Nach­ah­mung der Roman­fi­gur „Pip­pi Lang­strumpf“ durch die ange­grif­fe­nen Abbil­dun­gen der Kar­ne­val­kos­tü­me. Zwi­schen den Merk­ma­len, die die Roman­fi­gur der „Pip­pi Lang­strumpf“ aus­ma­chen, und der Gestal­tung des Kos­tüms bestehen nur gerin­ge Über­ein­stim­mun­gen. Die von den ange­grif­fe­nen Abbil­dun­gen gezeig­ten kos­tü­mier­ten Per­so­nen wei­sen viel­mehr eine Viel­zahl der für die Annah­me einer wett­be­werb­li­chen Eigen­art der lite­ra­ri­schen Gestalt der „Pip­pi Lang­strumpf“ maß­geb­li­chen äuße­ren Merk­ma­le (kar­tof­fel­för­mi­ge Nase, rie­sig brei­ter Mund, gel­bes Kleid, sicht­ba­re blaue Hose mit wei­ßen Punk­ten, ver­schie­den gestal­te­te Strümp­fe, viel zu gro­ße schwar­ze Schu­he) nicht auf [14].
Soweit der Vor­wurf einer wett­be­werbs­wid­ri­gen Leis­tungs­über­nah­me auch damit begrün­det wird, dass der ange­spro­che­ne Ver­kehr auf­grund der Bekannt­heit und Beliebt­heit der Figur „Pip­pi Lang­strumpf“ und der dar­auf auf­bau­en­den umfang­rei­chen Mer­chan­di­sing-Akti­vi­tä­ten der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin und ihrer Lizenz­neh­mer sol­che Mer­chan­di­sing-Arti­kel, wie die von der Händ­le­rin abge­bil­de­ten Kos­tü­me, der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin zuord­nen wür­den, liegt eine wett­be­werbs­wid­ri­ge Nach­ah­mung im Sin­ne von § 4 Nr. 9 UWG eben­falls nicht vor. Gegen­stand des inso­weit gel­tend gemach­ten Leis­tungs­schut­zes ist nicht die lite­ra­ri­sche Figur und damit das Ergeb­nis des schöp­fe­ri­schen Akts der Autorin Astrid Lind­gren. Die Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin begehrt der Sache nach viel­mehr Schutz für die an die­se lite­ra­ri­sche Leis­tung anknüp­fen­de eigen­stän­di­ge Leis­tung. Die­se besteht dar­in, dass sie durch den umfang­rei­chen Ver­trieb und die Lizen­zie­rung von Mer­chan­di­sin­gar­ti­keln mit Bezug auf „Pip­pi Lang­strumpf“, also durch die kom­mer­zi­el­le Ver­wer­tung der lite­ra­ri­schen Figur und deren Beliebt­heit jen­seits des lite­ra­ri­schen Werks Astrid Lind­grens, eine wei­te­re Leis­tung erbracht hat. Dem­entspre­chend beein­träch­ti­gen die vor­lie­gend von der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin ange­grif­fe­nen Abbil­dun­gen von Kos­tü­men und damit von poten­ti­el­len Mer­chan­di­sin­gpro­duk­ten nicht die Leis­tung, die bei der Schaf­fung der lite­ra­ri­schen Figur „Pip­pi Lang­strumpf“ erbracht wur­de, son­dern allen­falls Leis­tun­gen, die von der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin im Bereich des Mer­chan­di­sing erbracht wor­den sein mögen und die ledig­lich an die lite­ra­ri­sche Figur und ihre Beliebt­heit anknüp­fen. Dass die Händ­le­rin mit den bean­stan­de­ten Kos­tü­men nicht nur an kon­kre­te Mer­chan­di­sin­gpro­duk­te der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin oder ihrer Lizenz­neh­mer anknüpft, son­dern die­se nach­ge­ahmt und das Ober­lan­des­ge­richts Köln ent­spre­chen­den Vor­trag hier­zu ver­fah­rens­feh­ler­haft über­gan­gen hat, zeigt die Revi­si­on nicht auf.
Der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin steht auch kein unmit­tel­bar auf § 3 Abs. 1 UWG in Ver­bin­dung mit § 9 Satz 1 UWG gestütz­ter Scha­dens­er­satz­an­spruch zu.
Das Ober­lan­des­ge­richts Köln hat ange­nom­men, es sei­en im Streit­fall kei­ne sons­ti­gen Unlau­ter­keits­tat­be­stän­de außer­halb der nicht abschlie­ßen­den Rege­lung des § 4 Nr. 9 UWG erfüllt. Dafür genü­ge es nicht, dass die Händ­le­rin mit den bei­den bean­stan­de­ten Abbil­dun­gen und der dadurch her­vor­ge­ru­fe­nen Asso­zia­ti­on zur Figur „Pip­pi Lang­strumpf“ bewusst eine frem­de schöp­fe­ri­sche Leis­tung kom­mer­zi­ell aus­ge­nutzt habe, deren Ver­wen­dung in der Regel nur auf­grund einer Lizenz­ge­wäh­rung gestat­tet wer­de. Die Begrün­dung eines neu­en Schutz­rechts für Roman­fi­gu­ren, um eine wirt­schaft­li­che Ver­wert­bar­keit sol­cher Figu­ren außer­halb des urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Kon­tex­tes mög­lich zu machen, kom­me auf­grund der ein­deu­ti­gen Geset­zes­sys­te­ma­tik nicht in Betracht. Die­se Beur­tei­lung hält der recht­li­chen Nach­prü­fung stand.
Aller­dings wird im Schrift­tum ver­ein­zelt ange­nom­men, dass das „cha­rac­ter mer­chan­di­sing“, das heißt die Ver­wen­dung bekann­ter fik­ti­ver Figu­ren, unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen dem wett­be­werb­li­chen Leis­tungs­schutz unter­fal­len kann [15]. Dabei gehe es nicht wie beim wett­be­werb­li­chen Leis­tungs­schutz gemäß § 4 Nr. 9 UWG um die Bewer­tung von Hand­lungs­un­recht, son­dern um die Her­aus­bil­dung eines neu­en Schutz­rechts, des­sen Wur­zeln zum einen in den erheb­li­chen Inves­ti­tio­nen und zum ande­ren im Eigen­wert der Gestal­tun­gen, d.h. ihrer Ver­wert­bar­keit auch sche Figur und ihre Beliebt­heit anknüp­fen. Dass die Händ­le­rin mit den bean­stan­de­ten Kos­tü­men nicht nur an kon­kre­te Mer­chan­di­sin­gpro­duk­te der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin oder ihrer Lizenz­neh­mer anknüpft, son­dern die­se nach­ge­ahmt und das Ober­lan­des­ge­richts Köln ent­spre­chen­den Vor­trag hier­zu ver­fah­rens­feh­ler­haft über­gan­gen hat, zeigt die Revi­si­on nicht auf.
Aller­dings wird im Schrift­tum ver­ein­zelt ange­nom­men, dass das „cha­rac­ter mer­chan­di­sing“, das heißt die Ver­wen­dung bekann­ter fik­ti­ver Figu­ren, unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen dem wett­be­werb­li­chen Leis­tungs­schutz unter­fal­len kann [15]. Dabei gehe es nicht wie beim wett­be­werb­li­chen Leis­tungs­schutz gemäß § 4 Nr. 9 UWG um die Bewer­tung von Hand­lungs­un­recht, son­dern um die Her­aus­bil­dung eines neu­en Schutz­rechts, des­sen Wur­zeln zum einen in den erheb­li­chen Inves­ti­tio­nen und zum ande­ren im Eigen­wert der Gestal­tun­gen, d.h. ihrer Ver­wert­bar­keit auch außer­halb des enge­ren, urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Kon­tex­tes, lie­gen [16].
Die­ser Auf­fas­sung tritt der Bun­des­ge­richts­hof nicht bei. Er hat bis­lang offen­ge­las­sen, ob ein unmit­tel­ba­rer Leis­tungs­schutz auf der Grund­la­ge der Gene­ral­klau­sel des § 3 Abs. 1 UWG gewährt wer­den kann [17]. Die­se Fra­ge muss auch im Streit­fall nicht abschlie­ßend beant­wor­tet wer­den.
Die rich­ter­recht­li­che Schaf­fung eines Leis­tungs­schutz­rech­tes im Rah­men des § 3 Abs. 1 UWG, wel­ches dem Schutz der Ver­wert­bar­keit einer fik­ti­ven Figur außer­halb des Urhe­ber­rechts sowie dem Schutz der vom Rech­te­inha­ber im Bereich der wirt­schaft­li­chen Ver­wer­tung die­ser Figur erbrach­ten Inves­ti­tio­nen dient, ist nicht bereits des­halb gebo­ten, weil dies die gemäß Art. 12 Abs. 1 Satz 2 GG grund­recht­lich geschütz­ten Inter­es­sen des Inha­bers der Rech­te an der Figur nahe­le­gen. Eine allein der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin als Rech­te­inha­ber zuge­wie­se­ne Ver­wer­tungs­be­fug­nis wür­de die Wett­be­werbs­frei­heit und damit auch die Inter­es­sen der All­ge­mein­heit sowie die eben­falls grund­recht­lich geschütz­ten Inter­es­sen der Händ­le­rin (Art. 12 Abs. 1 Satz 2 GG) ein­schrän­ken und kommt daher nur bei einem über­wie­gen­den Inter­es­se der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin in Betracht [18].
Ein sol­ches über­wie­gen­des Inter­es­se der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin kann nicht ange­nom­men wer­den. Ins­be­son­de­re ist der von der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin begehr­te Rechts­schutz nicht erfor­der­lich, um für sie ein Leis­tungs­er­geb­nis zu schüt­zen, für das sie erheb­li­che Inves­ti­tio­nen getä­tigt hät­te und des­sen Erbrin­gung und Bestand ohne die­sen Rechts­schutz ernst­lich in Gefahr gerie­te.
Es ist nicht ersicht­lich, dass ohne die Anwen­dung der Gene­ral­klau­sel gemäß § 3 Abs. 1 UWG eine Schutz­lü­cke ent­steht, die geschlos­sen wer­den müss­te, um die Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin in der wirt­schaft­li­chen Ver­wer­tung ihrer Leis­tung nicht recht­los zu stel­len. Die von der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin oder ihren Lizenz­neh­mern ver­trie­be­nen kon­kre­ten Mer­chan­di­sin­gar­ti­kel sind gegen Nach­ah­mun­gen unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Nr. 9 UWG geschützt. Der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin steht es zudem frei, das Erschei­nungs­bild sol­cher Pro­duk­te als Mar­ke und Design schüt­zen zu las­sen sowie Geschmacks­mus­ter­schutz in Anspruch zu neh­men. Dar­über hin­aus­ge­hend ist es weder wett­be­werbs­recht­lich noch zum Schutz des Rechts am ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb gebo­ten, den­je­ni­gen, der eine Leis­tung erbringt, grund­sätz­lich auch an allen spä­te­ren Aus­wer­tungs­ar­ten sei­ner Leis­tung zu betei­li­gen [19].
Das grund­ge­setz­lich geschütz­te Recht der Urhe­ber­rechts­in­ha­be­rin auf wirt­schaft­li­che Ver­wer­tung der Figur „Pip­pi Lang­strumpf“ begrün­det kei­nen Schutz für jede wirt­schaft­li­che Nut­zung, die auf die­se Figur Bezug nimmt [20]. Das Ange­bot gewerb­li­cher Leis­tun­gen, die auf Arbeits­er­geb­nis­sen von Mit­be­wer­bern auf­bau­en, ist viel­mehr, wie bei­spiels­wei­se die Zuläs­sig­keit des Ver­triebs von Ersatz­tei­len und Zube­hör zu den Waren eines ande­ren zeigt, recht­lich grund­sätz­lich nicht zu bean­stan­den [21]. Dass im Streit­fall die Gefahr eines Markt­ver­sa­gens, das heißt die Gefahr besteht, dass auf­grund der Umstän­de weder der Ori­gi­nal­her­stel­ler noch Kon­kur­ren­ten in den Markt mit Mer­chan­di­sin­gpro­duk­ten inves­tie­ren [22], ist weder vor­ge­tra­gen wor­den noch sonst ersicht­lich.
Der gel­tend gemach­te Scha­dens­er­satz­an­spruch ist schließ­lich auch nicht wegen des Ver­sto­ßes gegen das Irre­füh­rungs­ver­bot gerecht­fer­tigt.
Ohne Erfolg macht die Revi­si­on gel­tend, auf­grund der Bezeich­nung der abge­bil­de­ten Kos­tü­me als „Püp­pi“ wer­de der Ver­kehr von wirt­schaft­li­chen oder ver­trag­li­chen Ver­bin­dun­gen zwi­schen den Par­tei­en aus­ge­hen und unter­lie­ge damit einer Ver­wechs­lung gemäß § 5 Abs. 2 UWG.
Es kann offen­blei­ben, ob das Her­vor­ru­fen einer Ver­wechs­lungs­ge­fahr im Sin­ne von § 5 Abs. 2 UWG einen vor­lie­gend gel­tend gemach­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch in Form der Lizenz­ana­lo­gie recht­fer­ti­gen kann. Im Streit­fall hat das Ober­lan­des­ge­richts Köln ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­on eine Ver­wechs­lungs­ge­fahr gemäß § 5 Abs. 2 UWG rechts­feh­ler­frei ver­neint. Es hat ange­nom­men, der Ver­kehr wer­de in der Bezeich­nung des Kos­tüms als „Püp­pi“ zwar eine unmiss­ver­ständ­li­che Anspie­lung auf „Pip­pi“ sehen. Die­se wer­de der Ver­brau­cher jedoch als eine offen­sicht­li­che Umge­hung der Ori­gi­nal­be­zeich­nung ver­ste­hen. Er wer­de des­halb zu dem Schluss kom­men, dass gera­de kei­ne ver­trag­li­chen Bezie­hun­gen zwi­schen den Par­tei­en bestün­den. Die­se auf tatrich­ter­li­chem Gebiet lie­gen­de Beur­tei­lung lässt kei­nen Rechts­feh­ler erken­nen.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Novem­ber 2015 – I ZR 149/​14
BGH, Urteil vom 28.05.2009 – I ZR 124/​06, GRUR 2010, 80 Rn. 21 = WRP 2010, 94 LIKEa­BIKE; Urteil vom 24.01.2013 – I ZR 136/​11, GRUR 2013, 951 Rn. 14 = WRP 2013, 1188 Regal­sys­tem; Urteil vom 17.07.2013 – I ZR 21/​12, GRUR 2013, 1052 Rn. 15 = WRP 2013, 1339 Ein­kaufs­wa­gen III; Urteil vom 22.01.2015 – I ZR 107/​13, GRUR 2015, 909 Rn. 9 = WRP 2015, 1090 Exzen­ter­zäh­ne[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 17.06.1992 – I ZR 107/​90, GRUR 1993, 55, 57 = WRP 1992, 700 Tchibo/​Rolex II, mwN[↩]
BGH, Urteil vom 22.03.2012 – I ZR 21/​11, GRUR 2012, 1155 Rn.19 = WRP 2012, 1379 Sand­mal­kas­ten; Urteil vom 23.09.2015 – I ZR 105/​14, GRUR 2015, 1214 Rn. 73 = WRP 2015, 1477 Gold­bä­ren[↩]
vgl. Ohly in Ohly/​Sosnitza, UWG, 6. Aufl., § 4 Rn. 9/​27; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm, UWG, 33. Aufl., § 4 Rn.09.22; Wie­be in MünchKomm-.Lauterkeitsrecht, 2. Aufl., § 4 Nr. 9 UWG Rn. 53; Kur, GRUR 1990, 1, 10 f.[↩]
st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 15.04.2010 – I ZR 145/​08, GRUR 2010, 1125 Rn. 21 = WRP 2010, 1465 Femur-Teil[↩]
OLG Köln, GRUR-RR 2014, 393[↩]
BGH GRUR 2014, 258[↩]
vgl. BGH, GRUR 2014, 258 Rn. 31 Pip­pi-Lang­strumpf-Kos­tüm I[↩]
Köh­ler in Köhler/​Bornkamm aaO § 4 Rn.09.38; Ohly in Ohly/​Sosnitza aaO § 4 Rn. 9/​45; Großkomm.UWG/Leistner, 2. Aufl., § 4 Nr. 9 Rn. 139[↩]
BGH, Urteil vom 17.07.2003 – I ZR 259/​00, BGHZ 156, 1, 18 Paper­boy; Urteil vom 30.04.2009 – I ZR 42/​07, BGHZ 181, 77 Rn. 43 DAX[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 28.10.2010 – I ZR 60/​09, BGHZ 187, 255 Rn. 16 Hartplatzhelden.de[↩]
Ohly in Ohly/​Sosnitza aaO § 4 Rn. 9/​45; Wie­be in MünchKomm-.Lauterkeitsrecht aaO § 4 Nr. 9 UWG Rn. 79[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 11.01.2007 – I ZR 198/​04, GRUR 2007, 795 Rn. 51 = WRP 2007, 1076 – Hand­ta­schen; Urteil vom 26.06.2008 – I ZR 170/​05, GRUR 2008, 1115 Rn. 32 = WRP 2008, 1510 – ICON; Urteil vom 13.09.2012 – I ZR 230/​11, BGHZ 194, 314 Rn. 68 – Bio­mi­ne­ral­was­ser; Urteil vom 27.03.2013 – I ZR 9/​12, GRUR 2013, 1213 Rn. 63 = WRP 2013, 1620 – SUMO; Ohly in Ohly/​Sosnitza aaO § 4 Rn. 9/​15; Ull­mann in juris­PK-UWG, 3. Aufl., § 4 Nr. 9 Rn. 34[↩]
vgl. bereits BGH, GRUR 2014, 258 Rn. 48 – Pip­pi-Lang­strumpf-Kos­tüm I[↩]
vgl. Kur, GRUR 1990, 1, 10 ff.[↩][↩]
Kur, GRUR 1990, 1, 11[↩]
vgl. BGHZ 187, 255 Rn.19 Hartplatzhelden.de[↩]
vgl. BGHZ 187, 255 Rn. 25 Hartplatzhelden.de; Ohly in Ohly/​Sosnitza aaO § 4 Rn. 9/​79; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm aaO § 3 Rn. 90[↩]
BGHZ 187, 255 Rn. 28 Hartplatzhelden.de; Ohly in Ohly/​Sosnitza aaO § 4 Rn. 9/​79[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 12.11.2009 – I ZR 83/​07, GRUR 2010, 642 Rn. 60 = WRP 2010, 764 WM-Mar­ken[↩]
BGHZ 187, 255 Rn. 28 Hartplatzhelden.de[↩]
vgl. Peu­kert, WRP 2010, 316, 320; Ohly in Ohly/​Sosnitza aaO § 4 Rn. 9/​79[↩]
Der Streit um die Ver­wert­bar­keit von Beweis­mit­teln – und die… Ver­fah­rens­vor­gän­ge sind im Urteil grund­sätz­lich nicht zu erör­tern. Ins­be­son­de­re sind Aus­füh­run­gen zur Ver­wert­bar­keit von Beweis­mit­teln von Rechts wegen nicht gebo­ten; zur Ver­mei­dung der Über­frach­tung der…
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