Source: https://www.rechtslupe.de/allgmeines/merkzeichen-ag-339046?pk_campaign=feed&pk_kwd=merkzeichen-ag
Timestamp: 2020-01-19 05:11:08
Document Index: 283138283

Matched Legal Cases: ['§ 69', '§ 69', '§ 6', '§ 3', '§ 46', '§ 3', '§ 145', '§ 40', '§ 33', '§ 46', '§ 2', '§ 1', '§ 30', '§ 35', 'Art 84', '§ 6', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 30', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 6', '§ 46', '§ 46', 'Art. 3', '§ 4', '§ 46', 'Art. 84', '§ 6', '§ 3']

Merk­zei­chen "aG" | Rechtslupe
Mit der feh­len­den gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung für den Nach­teils­aus­gleich "aG" in den "Ver­sor­gungs­me­di­zi­ni­schen Grund­sät­zen" (VG) hat­te sich aktu­ell erneut 1 das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg zu befas­sen:
Auf Antrag des behin­der­ten Men­schen tref­fen die für die Durch­füh­rung des Bun­des­ver­sor­gungs­ge­set­zes zustän­di­gen Behör­den, wenn neben dem Vor­lie­gen einer Behin­de­rung wei­te­re gesund­heit­li­che Merk­ma­le Vor­aus­set­zung für die Inan­spruch­nah­me von Nach­teils­aus­glei­chen sind, die erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen (§ 69 Abs. 4 SGB IX). Auf Antrag des behin­der­ten Men­schen stel­len die zustän­di­gen Behör­den auf Grund einer Fest­stel­lung der Behin­de­rung einen Aus­weis über die gesund­heit­li­chen Merk­ma­le aus (§ 69 Abs. 5 SGB IX).
Zu die­sen Merk­ma­len gehört die außer­ge­wöhn­li­che Geh­be­hin­de­rung im Sin­ne des § 6 Abs. 1 Nr. 14 StVG oder ent­spre­chen­der stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­cher Vor­schrif­ten, für die in den Schwer­be­hin­der­ten­aus­weis das Merk­zei­chen aG ein­zu­tra­gen ist (§ 3 Abs. 1 Nr. 1 SchwbA­wV – Vier­te Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des Schwer­be­hin­der­ten­ge­set­zes). Die­se Fest­stel­lung zieht stra­ßen­ver­kehrs­recht­lich die Gewäh­rung von Park­erleich­te­run­gen im Sin­ne des § 46 Abs. 1 Nr. 11 StVO nach sich, ins­be­son­de­re die Nut­zung von geson­dert aus­ge­wie­se­nen Behin­der­ten­park­plät­zen (Roll­stuhl­fah­rer­sym­bol, Zusatz­zei­chen 1020-11, 1044-10, 1044-11 StVO) und die Befrei­ung von ver­schie­de­nen Park­be­schrän­kun­gen (zum Bei­spiel vom ein­ge­schränk­ten Hal­te­ver­bot für die Dau­er von drei Stun­den). Dar­über hin­aus führt sie unter ande­rem zur Befrei­ung von der Kraft­fahr­zeug­steu­er (§ 3a Abs. 1 Kraft­StG) bei gleich­zei­ti­ger Mög­lich­keit der unent­gelt­li­chen Beför­de­rung im öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr (§ 145 Abs. 1 SGB IX) und gege­be­nen­falls zur Aus­nah­me von all­ge­mei­nen Fahr­ver­bo­ten nach § 40 BIm­SchG. Sie macht die steu­er­li­che Gel­tend­ma­chung von Kos­ten des Kraft­fahr­zeu­ges, soweit sie nicht schon Wer­bungs- oder Betriebs­kos­ten sind, als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen im Sin­ne des § 33 EStG in ange­mes­se­nem Umfang mög­lich.
Aus­gangs­punkt für die Fest­stel­lung der außer­ge­wöhn­li­chen Geh­be­hin­de­rung ist Abschnitt II Nr. 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO (All­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­vor­schrift zur Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung; abge­druckt noch in „Anhalts­punk­te für die ärzt­li­che Gut­ach­ter­tä­tig­keit im sozia­len Ent­schä­di­gungs­recht und nach dem Schwer­be­hin­der­ten­recht (Teil 2 SGB IX)“ 2; nicht mehr in der Anla­ge „Ver­sor­gungs­me­di­zi­ni­sche Grund­sät­ze“ [VG] zu § 2 der Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des § 1 Abs. 1 und 3, § 30 Abs. 1 und § 35 Abs. 1 BVG). Dies ist, obwohl nach Art 84 Abs. 2 Grund­ge­setz erlas­se­ne Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten kei­ne unmit­tel­ba­re Außen­wir­kung ent­fal­ten 3, stän­di­ge höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung 4. Danach ist außer­ge­wöhn­lich geh­be­hin­dert im Sin­ne des § 6 Abs. 1 Nr. 14 StVG, wer sich wegen der Schwe­re sei­nes Lei­dens dau­ernd nur mit frem­der Hil­fe oder nur mit gro­ßer Anstren­gung außer­halb sei­nes Kraft­fahr­zeu­ges bewe­gen kann (Abschnitt II Nr. 1 Satz 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO). Hier­zu zäh­len Quer­schnitts­ge­lähm­te, Dop­pel­ober­schen­kel­am­pu­tier­te, Dop­pel­un­ter­schen­kel­am­pu­tier­te, Hüft­ex­ar­ti­ku­lier­te und ein­sei­tig Ober­schen­kel­am­pu­tier­te, die dau­ernd außer Stan­de sind, ein Kunst­bein zu tra­gen, oder nur eine Becken­korb­pro­the­se tra­gen kön­nen oder zugleich unter­schen­kel- oder armam­pu­tiert sind (Abschnitt II Nr. 1 Satz 2 Halb­satz 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO), sowie ande­re Schwer­be­hin­der­te, die nach ver­sor­gungs­ärzt­li­cher Fest­stel­lung, auch auf Grund von Erkran­kun­gen, dem vor­ste­hen­den Per­so­nen­kreis gleich­zu­stel­len sind (Abschnitt II Nr. 1 Satz 2 Halb­satz 2 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO).
Zwar ent­hal­ten die VG hin­sicht­lich der Beur­tei­lung der Vor­aus­set­zun­gen für die Fest­stel­lung des Nach­teils­aus­gleichs aG wei­te­re Kri­te­ri­en. Danach darf die Annah­me einer außer­ge­wöhn­li­chen Geh­be­hin­de­rung nur auf eine Ein­schrän­kung der Geh­fä­hig­keit und nicht auf Bewe­gungs­be­hin­de­run­gen ande­rer Art bezo­gen wer­den (VG Teil D Nr. 3 c Satz 1, S. 142), ist bei der Fra­ge der Gleich­stel­lung von behin­der­ten Men­schen mit Schä­den an den unte­ren Glied­ma­ßen zu beach­ten, dass das Geh­ver­mö­gen auf das Schwers­te ein­ge­schränkt sein muss und ist des­halb als Ver­gleichs­maß­stab am ehes­ten das Geh­ver­mö­gen eines Dop­pel­ober­schen­kel­am­pu­tier­ten her­an­zu­zie­hen (VG Teil D Nr. 3 c Satz 2, S. 142) und sind als Erkran­kun­gen der inne­ren Orga­ne, die eine sol­che Gleich­stel­lung recht­fer­tig­ten, bei­spiels­wei­se Herz­schä­den mit schwe­ren Dekom­pen­sa­ti­ons­er­schei­nun­gen oder Ruhe­in­suf­fi­zi­enz sowie Krank­hei­ten der Atmungs­or­ga­ne mit Ein­schrän­kung der Lun­gen­funk­ti­on schwe­ren Gra­des anzu­se­hen (VG Teil D Nr. 3 c Satz 5, S. 142). Den VG las­sen sich aber im Ergeb­nis kei­ne wei­te­ren Beur­tei­lungs­kri­te­ri­en für die Fest­stel­lung der gesund­heit­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des begehr­ten Nach­teils­aus­gleichs ent­neh­men. Denn die VG sind hin­sicht­lich der getrof­fe­nen Rege­lun­gen für die nach dem Schwer­be­hin­der­ten­recht zu beur­tei­len­den Nach­teils­aus­glei­che G, „Berech­ti­gung für eine stän­di­ge Beglei­tung“ (B), aG, „Gehör­lo­sig­keit“ (Gl) und „Blind­heit“ (Bl) unwirk­sam, da es inso­weit an einer gesetz­li­chen Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung fehlt. Eine sol­che Ermäch­ti­gung fin­det sich näm­lich – mit Aus­nah­me des Nach­teils­aus­gleichs „Hilf­lo­sig­keit“ (H) – weder in § 30 Abs. 17 BVG, noch in sons­ti­gen Rege­lun­gen des BVG oder des SGB IX (LSG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 04.11.2010 – L 6 SB 2556/​09, unter Hin­weis auf LSG Baden-Würt­tem­berg, Urtei­le vom 14.08.2009 – L 8 SB 1691/​08; und vom 24.09.2010 – L 8 SB 4533/​09; Dau, juris­PR-SozR 4/​2009, Anm. 4; so zuletzt auch LSG Baden-Würt­tem­berg., Urteil vom 09.05.2011 – L 8 SB 2294/​10)).
Wäh­rend die in Abschnitt II Nr. 1 Satz 2 Halb­satz 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO auf­ge­führ­ten Schwer­be­hin­der­ten rela­tiv ein­fach zu bestim­men sind, ist dies bei der Grup­pe der gleich­ge­stell­ten Schwer­be­hin­der­ten nicht ohne Pro­ble­me mög­lich. Ein Betrof­fe­ner ist gleich­zu­stel­len, wenn sei­ne Geh­fä­hig­keit in unge­wöhn­lich hohem Maße ein­ge­schränkt ist und er sich nur unter eben­so gro­ßen Anstren­gun­gen wie die erst­ge­nann­ten Grup­pen von Schwer­be­hin­der­ten oder nur noch mit frem­der Hil­fe fort­be­we­gen kann 5. Schwie­rig­kei­ten berei­tet hier­bei der Ver­gleichs­maß­stab, weil die ver­schie­de­nen, in Abschnitt II Nr. 1 Satz 2 Halb­satz 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO auf­ge­zähl­ten Grup­pen in ihrer Wege­fä­hig­keit nicht homo­gen sind und ein­zel­ne Ver­tre­ter die­ser Grup­pen – bei gutem gesund­heit­li­chem All­ge­mein­zu­stand, hoher kör­per­li­cher Leis­tungs­fä­hig­keit und opti­ma­ler pro­the­ti­scher Ver­sor­gung – aus­nahms­wei­se nahe­zu das Geh­ver­mö­gen eines Nicht­be­hin­der­ten errei­chen kön­nen 6. Sol­che Beson­der­hei­ten kön­nen aber ange­sichts des mit der Zuer­ken­nung des Merk­zei­chens aG bezweck­ten Nach­teils­aus­gleichs nicht als Maß­stab für die Bestim­mung der Gleich­stel­lung her­an­ge­zo­gen wer­den. Viel­mehr muss sich die­ser strikt an dem der ein­schlä­gi­gen Rege­lung vor­an­ge­stell­ten Ober­satz ori­en­tie­ren; dies ist Abschnitt II Nr. 1 Satz 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO bezie­hungs­wei­se § 6 Abs. 1 Nr. 14 StVG 7. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass Park­raum für die­je­ni­gen Schwer­be­hin­der­ten geschaf­fen wer­den soll­te, denen es unzu­mut­bar ist, län­ge­re Wege zu Fuß zurück­zu­le­gen 8. Wegen der begrenz­ten städ­te­bau­li­chen Mög­lich­kei­ten, Raum für Park­erleich­te­run­gen zu schaf­fen, sind hohe Anfor­de­run­gen zu stel­len, um den Kreis der Begüns­tig­ten klein zu hal­ten 5.
Für die Gleich­stel­lung ist bei dem Rest­geh­ver­mö­gen des Betrof­fe­nen anzu­set­zen. Dabei lässt sich ein anspruchs­aus­schlie­ßen­des Rest­geh­ver­mö­gen grif­fig weder quan­ti­fi­zie­ren noch qua­li­fi­zie­ren 7. Weder der gestei­ger­te Ener­gie­auf­wand noch eine in Metern aus­ge­drück­te Weg­stre­cke tau­gen grund­sätz­lich dazu. Denn die maß­geb­li­chen stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­chen Vor­schrif­ten stel­len nicht dar­auf ab, über wel­che Weg­stre­cke ein schwer­be­hin­der­ter Mensch sich außer­halb sei­nes Kraft­fahr­zeu­ges zumut­bar noch bewe­gen kann, son­dern dar­auf, unter wel­chen Bedin­gun­gen ihm dies nur noch mög­lich ist: näm­lich nur mit frem­der Hil­fe oder nur mit gro­ßer Anstren­gung. Wer die­se Vor­aus­set­zung prak­tisch von den ers­ten Schrit­ten außer­halb sei­nes Kraft­fahr­zeu­ges an erfüllt, qua­li­fi­ziert sich für den ent­spre­chen­den Nach­teils­aus­gleich auch dann, wenn er gezwun­ge­ner­ma­ßen auf die­se Wei­se län­ge­re Weg­stre­cken zurück­legt. Der gleich­zu­stel­len­de Per­so­nen­kreis beschränkt sich daher auf Schwer­be­hin­der­te, deren Geh­fä­hig­keit in unge­wöhn­lich hohem Maß ein­ge­schränkt ist und die sich nur unter eben­so gro­ßen kör­per­li­chen Anstren­gun­gen fort­be­we­gen kön­nen wie die in Abschnitt II Nr. 1 Satz 2 Halb­satz 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO ein­zeln auf­ge­führ­ten Ver­gleichs­grup­pen 9.
Auch soweit die­se gro­ßen kör­per­li­chen Anstren­gun­gen fest­zu­stel­len sind, kann nicht allein auf eine gegrif­fe­ne Grö­ße wie die schmerz­frei zurück­ge­leg­te Weg­stre­cke abge­stellt wer­den. Unab­hän­gig von der Schwie­rig­keit, eine sol­che Weg­stre­cke objek­tiv feh­ler­frei und ver­wert­bar fest­zu­stel­len, ist die Tat­sa­che, dass ein Betrof­fe­ner nach einer bestimm­ten Stre­cke eine Pau­se machen muss, ledig­lich Indiz für eine Erschöp­fung. Für die Zuer­ken­nung des Nach­teils­aus­gleichs aG rei­chen über­dies nicht irgend­wel­che Erschöp­fungs­zu­stän­de aus. Sie müs­sen in ihrer Inten­si­tät viel­mehr gleich­wer­tig mit den Erschöp­fungs­zu­stän­den sein, die Schwer­be­hin­der­te der in Abschnitt II Nr. 1 Satz 2 Halb­satz 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO ein­zeln auf­ge­führ­ten Grup­pen erlei­den. Grad­mes­ser hier­für kann die Inten­si­tät der Schmer­zen bezie­hungs­wei­se der Luft­not nach dem Zurück­le­gen einer bestimm­ten Weg­stre­cke sein. Ein sol­ches Erschöp­fungs­bild lässt sich unter ande­rem aus der Dau­er der erfor­der­li­chen Pau­se sowie den Umstän­den her­lei­ten, unter denen der Schwer­be­hin­der­te nach der Pau­se sei­nen Weg fort­setzt. Nur kur­zes Pau­sie­ren mit anschlie­ßen­dem Fort­set­zen des Weges ohne zusätz­li­che Pro­ble­me ist im Hin­blick auf den durch die Ver­gleichs­grup­pen gebil­de­ten Maß­stab zumut­bar 9.
Ob die danach erfor­der­li­chen gro­ßen kör­per­li­chen Anstren­gun­gen beim Gehen vor­lie­gen, ist Gegen­stand tatrich­ter­li­cher Wür­di­gung, die sich auf alle ver­füg­ba­ren Beweis­mit­tel, wie Befund­be­rich­te der behan­deln­den Ärz­te, Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten oder einen dem Gericht per­sön­lich ver­mit­tel­ten Ein­druck, stüt­zen kann. Gera­de bei mul­ti­mor­bi­den Schwer­be­hin­der­ten liegt auf der Hand, dass allein das Abstel­len auf ein star­res Kri­te­ri­um kei­ne sach­ge­rech­te Beur­tei­lung ermög­licht, weil es eine Gesamt­schau aller rele­van­ten Umstän­de eher ver­hin­dert. Gera­de die Anwen­dung eines ein­zel­nen star­ren Kri­te­ri­ums birgt die Gefahr eines Ver­sto­ßes gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 Grund­ge­setz 9.
Ein an einer bestimm­ten Weg­stre­cke und einem Zeit­maß ori­en­tier­ter Maß­stab liegt auch nicht wegen der Metho­de nahe, mit der die gesund­heit­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des Merk­zei­chens G fest­ge­stellt wer­den (ver­glei­che dazu VG Teil D Nr. 1, S. 139 und 140). Denn für den Nach­teils­aus­gleich aG gel­ten gegen­über dem Nach­teils­aus­gleich G nicht gestei­ger­te, son­dern ande­re Vor­aus­set­zun­gen (BSG, Urteil vom 13.12.1994 – 9 RVs 3/​94, SozR 3 – 3870 § 4 Nr. 11).
Eben­so wenig lässt sich ein allein maß­geb­li­ches Weg­stre­cken-Zeit-Kri­te­ri­um aus dem stra­ßen-ver­kehrs­recht­li­chen Zweck des Nach­teils­aus­gleichs aG her­lei­ten. Inso­fern kommt es nicht auf die übli­cher­wei­se auf Groß­park­plät­zen zurück­zu­le­gen­de Stre­cke zwi­schen all­ge­mein nutz­ba­ren Park­plät­zen und Gebäu­de­ein­gän­gen an. Der Nach­teils­aus­gleich aG soll die stark ein­ge­schränk­te Geh­fä­hig­keit durch Ver­kür­zung der Wege infol­ge der gewähr­ten Park­erleich­te­run­gen aus­glei­chen 10. Ein bestimm­tes Weg­stre­cken­kri­te­ri­um erschie­ne nur dann als sach­ge­recht, wenn die betref­fen­de Weg­stre­cke grund­sätz­lich geeig­net wäre, den bestehen­den Nach­teil aus­zu­glei­chen. Das könn­te es nahe­le­gen, auf die Plat­zie­rung geson­dert aus­ge­wie­se­ner Behin­der­ten­park­plät­ze abzu­stel­len. Aber auch die­sem Ansatz ist nicht zuzu­stim­men. Abge­se­hen davon, dass es kei­ne empi­ri­schen Unter­su­chun­gen zur durch­schnitt­li­chen Ent­fer­nung zwi­schen geson­dert aus­ge­wie­se­nen Behin­der­ten­park­plät­zen und den Ein­gän­gen zu Ein­rich­tun­gen des sozia­len, wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Lebens gibt, greift die allei­ni­ge Aus­rich­tung auf Behin­der­ten­park­plät­ze (Zusatz­zei­chen 1020-11, 1044-10, 1044-11 StVO) zu kurz. Denn dane­ben wer­den nach Abschnitt I Nr. 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO wei­te­re umfang­rei­che Park­erleich­te­run­gen, wie zum Bei­spiel die Aus­nah­me vom ein­ge­schränk­ten Hal­te­ver­bot, gewährt 9.
Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 9. Juni 2011 – L 6 SB 6140/​09
im Anschluss an LSG Baden-Würt­tem­berg – L 8 SB 1691/​08[↩]
Aus­ga­be 2008 [AHP], Nr. 27, S. 135[↩]
Ler­che in Maunz-Dürig, Grund­ge­setz, Kom­men­tar, Stand Janu­ar 1985, Art. 84, Rz. 94 bis 103[↩]
zuletzt in BSG, Urteil vom 05.07.2007 – B 9/​9a SB 5/​06 R[↩]
BSG, Urteil vom 11.03.1998 – B 9 SB 1/​97 R, BSGE 82, 37[↩][↩]
BSG, Urteil vom 10.12.2002 – B 9 SB 7/​01 R – BSGE 90, 180[↩]
BSG, Urteil vom 10.12.2002 – B 9 SB 7/​01 R, BSGE 90, 180[↩][↩]
BT-Drucks 8/​3150, S. 9 und 10 in der Begrün­dung zu § 6 StVG[↩]
BSG, Urteil vom 05.07.2007 – B 9/​9a SB 5/​06 R; BSG, Urteil vom 29.03.2007 – B 9a SB 5/​05 R, Behin­der­ten­recht 2008, 138; BSG, Urteil vom 29.03.2007 – B 9a SB 1/​06 R, Ver­sorg­Verw 2007, 61[↩][↩][↩][↩]
BSG, Urteil vom 06.11.1985 – 9a RVs 7/​83 – SozR 3870 § 3 Nr. 18[↩]
BehindertenparkplatzMerkzeichen "aG"Merkzeichen "G"SchwerbehindertenausweisSchwerbehinderung