Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=L%206%20AS%2011/17%20B%20ER
Timestamp: 2019-01-20 07:56:33
Document Index: 278506748

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 7', '§ 86', '§ 86', '§ 7', '§ 7', 'Art. 10', 'Art. 24', 'Art. 24', 'Art. 7', 'Art. 4', 'Art. 10', '§ 7', 'EuG', 'Art. 24', 'EuG', 'Art. 4']

LSG Schleswig-Holstein, 17.02.2017 - L 6 AS 11/17 B ER - dejure.org
LSG Schleswig-Holstein, 17.02.2017 - L 6 AS 11/17 B ER
§ 7 Abs 1 S 2 Nr 2 aF SGB 7, § 7 Abs 1 S 2 Nr 2c nF SGB 7, § 86b Abs 2 S 2 SGG
SGG § 86b Abs. 2 S. 2, SGB II § ... 7 Abs. 1 S. 2 Nr. 2, SGB II § 7 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 a.F., SGB II § 7 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 Bst. c, VO 492/2011 Art. 10, RL 2004/38/EG Art. 24 Abs. 2, RL 2004/38/EG Art. 24 Abs. 1, VO 492/2011 Art. 7 Abs. 2, VO 883/2004 Art. 4,
Unionsbürger, Leistungsausschluss, Unionsrecht, Sozialleistungen, Änderung der Rechtslage, Sozialleistungen, Kind, Kinder, tatsächlicher Schulbesuch, Schulbesuch, SGB II, Bedarfsgemeinschaft, Sozialhilfe, freizügigkeitsberechtigt, Wanderarbeitnehmer, Wanderarbeitnehmerverordnung, Sozialrecht, Aufenthalt zum Zweck der Arbeitssuche, Arbeitssuche, Arbeitslosigkeit, Gleichheitsgrundsatz, Neuregelung
Verpflichtung zur Gewährung vorläufiger Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem SGB II; Leistungsausschluss für EU-Ausländer; Anderes Aufenthaltsrecht als ein solches zum Zwecke der Arbeitsuche; Gemeinschaftsrechtskonformität
Arbeitsuchende EU-Ausländer können als Eltern ihrer schulpflichtigen minderjährigen Kinder weiterhin Leistungen nach dem SGB II erhalten - Gemeinschaftsrechtlich normierter Gleichbehandlungsgrundsatz verbietet Schlechterstellung von Unionsbürgern gegenüber Inländern
SG Kiel, 13.01.2017 - S 31 AS 321/16
Da sich weder aus dem Vortrag der Beteiligten noch aus den Verwaltungsvorgängen oder anderweitig ergibt, dass der Antragsteller weiterhin die Schule besucht oder eine Berufsausbildung absolviert und er deshalb ein Aufenthaltsecht nach Art. 10 VO (EU) Nr. 492/2011 haben könnte, besteht kein Anlass zu prüfen, ob der weitere Ausschlusstatbestand des § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 c) SGB II mit Unionsrecht oder Verfassungsrecht vereinbar ist (vgl. hierzu Schleswig-Holsteinisches LSG, Beschluss vom 17.02.2017 - L 6 AS 11/17 B ER - Rn. 25 ff.).
Sie haben auf den Beschluss des Landessozialgerichts (LSG) Schleswig-Holstein vom 17.02.2017 (L 6 AS 11/17 B ER) hingewiesen, der ihre Auffassung stütze.
Auch in weiten Teilen der Rechtsprechung der Landessozialgerichte wird mit im Wesentlichen gleicher Argumentation von einer (überwiegend wahrscheinlichen) Europarechtswidrigkeit des Leistungsausschlusses ausgegangen (Schleswig-Holsteinisches LSG, Beschluss vom 17. Februar 2017 - L 6 AS 11/17 B ER -, juris, Rn. 23 ff.; LSG Sachsen-Anhalt…, Beschluss vom 6. Juni 2017 - L 2 AS 567/17 B ER -, juris, Rn. 40; LSG für das Land NRW…, Beschluss vom 21. August 2017 - L 19 AS 1577/17 B ER -, juris, Rn. 29 ff.;… Beschluss vom 26. September 2017 - L 6 AS 380/17 B ER -, juris, Rn. 27 ff.; a. A. Thüringer LSG…, Beschluss vom 1. November 2017 L 4 AS 1225/17 B ER -, juris, Rn. 28).
Die Ausbildung der Kinder und die Arbeitnehmereigenschaft des Antragstellers zu 1) als Elternteil hat damit als notwendige, aber auch ausreichende Bedingung zumindest zum Teil im Sinne einer auch zeitlichen Überschneidung gleichzeitig vorgelegen (ebenso SG Kiel Beschluss vom 13.01.2017 - S 31 AS 321/16 ER - juris; bestätigt von Schleswig-Holsteinisches LSG Beschluss vom 17.02.2017 - L 6 AS 11/17 B ER - juris).
Der Zugang zur Ausbildung ist sogar so umfassend auszulegen, dass auch die finanziellen Ressourcen umfasst sind, die benötigt werden, um die Ausbildung abzuschließen, ansonsten das gewährleistete Aufenthaltsrecht im Aufnahmestaat aus wirtschaftlichen Gründen ins Leere laufen würde (LSG Schleswig-Holstein Beschluss vom 17.02.2017, aaO; vgl. EuGH Urteil vom 23.02.2010 - C-480/08 - Texeira; Urteil vom 23.02.2010 - C-310/08 - Ibrahim).
Denn der Gleichheitsgrundsatz gilt lediglich "vorbehaltlich spezifischer und ausdrücklich im Vertrag und im abgeleiteten Recht vorgesehener Bestimmungen" (vgl. Erwägungsgrund 20 der Unionsbürgerrichtlinie; LSG Schleswig-Holstein Beschluss vom 17.02.2017, L 6 AS 11/17 B ER;… Derksen in info also 6/2016, S. 259).
Der Gleichbehandlungsgrundsatz nach Art. 24 Abs. 1 S. 1 sowie dessen Erstreckung auf den Personenkreis nach Abs. 1 S. 2 RL 2004/38/EG setzen damit ein Aufenthaltsrecht aus dieser Richtlinie selbst voraus (LSG Schleswig-Holstein, Beschluss vom 17.02.2017 - L 6 AS 11/17 B ER).
Weil aber im einstweiligen Rechtsschutzverfahren eine Vorlage an den EuGH untunlich ist, entscheidet der Senat im Rahmen einer Folgenabwägung (so auch das Schleswig-Holsteinische LSG, Beschluss vom 17. Februar 2017, L 6 AS 11/17 B ER, zitiert nach juris, Rn. 23 ff.),.
Somit dürfte das Gleichbehandlungsgebot nach Art. 4 VO (EG) 883/2004 Anwendung finden und die neue Ausschlussreglung europarechtswidrig sein (Beschluss vom 17. Februar 2017, L 6 As 11/17 B ER, zitiert nach juris, Rn. 26).
SG Köln, 28.04.2017 - S 25 AS 1170/17