Source: https://notizen.duslaw.de/2008/02/
Timestamp: 2018-05-22 05:42:53
Document Index: 352882913

Matched Legal Cases: ['§ 245', '§ 8', 'Art. 14', 'Art. 14', '§ 243', '§ 161']

Februar 2008 - Unternehmensrechtliche Notizen
1. Rheinische Gesellschaftsrechtskonferenz
29. Februar 2008 Ulrich Noack Kommentar hinterlassen
Das Insti­tut für Gesell­schafts­recht der Uni­ver­si­tät zu Köln führt in Koope­ra­tion mit dem Insti­tut für Unter­neh­mens­recht der Hein­rich-Heine-Uni­ver­si­tät Düs­sel­dorf und der VGR am Frei­tag, dem 4. April 2008, die ​„1. Rhei­ni­sche Gesell­schafts­rechts­kon­fe­renz” durch. Die Tagung fin­det im neuen Senats­saal der Uni­ver­si­tät zu Köln, Haupt­ge­bäude, Alber­tus-Magnus-Platz, 50923 Köln statt. Sie beginnt um 17.oo Uhr. Die Teil­nahme ist kos­ten­los. Anmel­dun­gen tele­fo­nisch unter: 0221 / 470‑5694 oder post-​ifg@​uni-​koeln.​de . Ein­zel­hei­ten hier.
„As of Jan.1, it became man­da­tory for all Nor­we­gian com­pa­nies listed on the Oslo Stock Exchange to ensure that at least 40 per­cent of direc­tors were women.”
Ich finde das keine gute Rege­lung. Vom Staat ver­ord­nete Geschlech­ter­quo­ten haben in pri­va­ten Kor­po­ra­tio­nen nichts zu suchen.
Allgemeines Ausländisches Gesellschaftsrecht Rechtspolitik
18. Februar 2008 Ulrich Noack 2 Kommentare
Der ​„Ber­li­ner Kreis” (eine kleine Runde von Unter­neh­mens­ju­ris­ten, Rechts­an­wäl­ten und Pro­fes­so­ren) befasste sich in der ver­gan­ge­nen Woche mit der Reform des Anfech­tungs­rechts. Näher dazu dem­nächst in der ZIP. Ich habe mei­nem Vor­trag fol­gende The­sen zugrunde gelegt (zT auf Grund der Dis­kus­sion modi­fi­ziert):
Mindestanteil als Reaktion auf die 1-Euro-Stückelung
Die Gesetz­ge­bung sollte wie­der für eine Balance sor­gen und ange­sichts der ato­mi­sier­ten Akti­en­stü­cke­lung jeden­falls einen ganz gerin­gen Min­dest­an­teil für die Anfech­tung ver­lan­gen.
Dies bedeu­tet ledig­lich eine kom­ple­men­täre Fol­ge­an­pas­sung bei § 245 AktG, nach­dem bei § 8 AktG die Gewichte ver­scho­ben wur­den. Von einer Anfech­tungs­ein­schrän­kung kann daher nicht die Rede sein.
2. Das Anfechtungssystem und seine Probleme
Das struk­tu­relle Pro­blem liegt in der Weite des Tat­be­stands und der Schärfe der Rechts­folge. Jeder Aktio­när kann ohne eigene Betrof­fen­heit anfech­ten. Jeder Geset­zes- oder Sat­zungs­ver­stoß berech­tigt zur Anfech­tung mit der Folge der Nich­tig­erklä­rung, auch wenn der Beschluss der Gesell­schaft nütz­lich ist.
Die­ses her­ge­brachte Sys­tem ist einer heu­ti­gen bör­sen­no­tier­ten Akti­en­ge­sell­schaft nicht mehr ange­mes­sen. Die über­schie­ßende Rechts­folge, die Blo­cka­de­wir­kung und die feh­lende Ver­hal­tens­steue­rung geben Anlass, mit einem spür­ba­ren Quo­rum zu reagie­ren.
Die Dog­ma­tik des Beschluss­rechts erfor­dert nicht, dass Män­gel von ein­zel­nen Aktio­nä­ren gel­tend gemacht wer­den.
Der (strei­tige) Grund­satz, das Mit­glied habe einen Anspruch auf Beach­tung von Gesetz und Sat­zung durch die Gesell­schafts­or­gane erfor­dert eben­falls nicht die Indi­vi­dual­klage.
3. Das Quorum (und einige Gegenargumente)
Als all­ge­mei­nes Quo­rum sollte gel­ten: Anfech­tungs­be­fugt ist, wer 1% des Grund­ka­pi­tals oder den antei­li­gen Betrag am Grund­ka­pi­tal von 100 000 € erreicht. Das Erfor­der­nis eines Wider­spruchs zur Nie­der­schrift kann ent­fal­len. Das Frei­ga­be­ver­fah­ren kann grund­sätz­lich bei­be­hal­ten wer­den.
(Von der BaFin) aner­kannte Aktio­närs­ver­ei­ni­gun­gen soll­ten ein Kla­ge­recht unab­hän­gig von dem Min­dest­an­teil haben.
Gegen das Quo­rum kann nicht ein­ge­wandt wer­den, dass es zu ​„umge­hen” ist. Wenn meh­rere Aktio­näre den Min­dest­an­teil errei­chen, so ist das maß­geb­li­che Kri­te­rium eben erfüllt.
Gegen das Quo­rum kann nicht ein­ge­wandt wer­den, dass der damit ver­bun­dene Ver­lust der Indi­vi­du­al­be­fug­nis den hohen Stan­dard der Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung der Haupt­ver­samm­lung beein­träch­tigt. Viel­mehr ist heute von einer Über­re­gu­lie­rung zu spre­chen, die das Organ Haupt­ver­samm­lung teil­weise zu dena­tu­rie­ren scheint.
Gegen das Quo­rum kann nicht der angeb­li­che Grund­rechts­schutz des ​„Anteils­ei­gen­tums” gem. Art. 14 GG ein­ge­wandt wer­den. Der Min­dest­an­teil ist eine Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung nach Art. 14 I 2 GG, der dem legi­ti­men Zweck dient, die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der (bör­sen­no­tier­ten) Akti­en­ge­sell­schaft zu sichern.
Bei einer ver­steck­ten Ein­füh­rung eines Quo­rums durch Refor­mu­lie­rung der Inter­es­sen­ab­wä­gungs­klau­sel im Frei­ga­be­ver­fah­ren (Höhe der wirt­schaft­li­chen Betei­li­gung des Antrags­geg­ners <sic!> vs. Nach­teile für die Gesell­schaft durch Nicht­ein­tra­gung) han­delte es sich um die Ein­schrän­kung der Anfecht­bar­keit durch den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit.
5. Materielle und formelle Beschlussmängel
Die Anfech­tungs­gründe sol­len neu sor­tiert wer­den: Inhalts­feh­ler des Beschlus­ses füh­ren grund­sätz­lich zur kas­sa­to­ri­schen Anfech­tung, Ver­fah­rens­feh­ler haben diese Folge grund­sätz­lich nicht (son­dern berech­ti­gen zu ande­ren Behel­fen, etwa Infor­ma­ti­ons­er­zwin­gung und pau­scha­lier­ten Scha­dens­er­satz) – so könnte man schon bei unbe­fan­ge­nem Lesen von § 243 Abs. 1 AktG ent­schei­den.
Mög­lich und recht­lich sank­ti­ons­los ist jeden­falls die Erklä­rung einer gene­rel­len Ableh­nung (Lut­ter im Köl­ner­Kom­m­AktG, 3. Aufl , 2006, § 161 Rn. 50).
10. Februar 2008 Ulrich Noack Kommentar hinterlassen
Tagungs­bände sind in ihrem Wert umstrit­ten (Hoe­ren NJW 2001, 2229 con­tra, E.Lorenz NJW 2001, 3241 pro). Das soll nicht hin­dern, das vor kur­zem erschie­nene ​„Jahr­buch jun­ger Zivil­rechts­wis­sen­schaft­ler” (2007) so gut es geht zu pro­pa­gie­ren.
Unter das Gene­ral­thema ​„Recht und Wirt­schaft” stellte die Gesell­schaft im Sep­tem­ber 2007 ihre 18. Jah­res­ta­gung, die an der Juris­ti­schen Fakul­tät in Düs­sel­dorf statt­fand. Diese Begriffe, so belehrt das Vor­wort, stün­den ​„in einem syn­al­lag­ma­ti­schen Ver­hält­nis”. Ohne Recht neige Wirt­schaft zu Extre­men, ohne Wirt­schaft gebe es kein Wirt­schafts­recht.
Der Band ent­hält Auf­sätze u.a. zur ​„Gesamt­hand im Gesell­schafts­recht – sinn­vol­les Rechts­in­sti­tut oder ver­zicht­ba­res Relikt” (Ant­wort des Autors Staake: letz­te­res) oder zu ​„Cor­po­rate Gover­nance in Wirt­schafts­auf­sicht und all­ge­mei­nem Gesell­schafts­recht” oder zu ​„Inter­na­tio­na­li­sie­rung der Rech­nungs­le­gung und pri­vate Regel­ge­ber”. Hier das Inhalts­ver­zeich­nis.
From the results of the study it emer­ges that the 2nd Com­pany Law Direc­tive is a fle­xi­ble instru­ment inso­far as it requi­res a limi­ted (almost sym­bo­lic) amount of legal capi­tal and allows Mem­ber Sta­tes to impose hig­her capi­tal requi­re­ments if they so wish. Moreo­ver, under the Second Com­pany Law Direc­tive, Mem­ber Sta­tes remain free to require or allow com­pa­nies to pre­pare indi­vi­dual IFRS-based accounts for divi­dend dis­tri­bu­ti­ons pur­po­ses. The Second Com­pany Law Direc­tive alre­ady allows Mem­ber Sta­tes to intro­duce de facto no-par value sha­res; its requi­re­ment for an expert eva­lua­tion of con­tri­bu­ti­ons in kind has recently been signi­fi­cantly sim­pli­fied and its limi­ta­ti­ons to share buy backs signi­fi­cantly libe­ra­li­zed. Moreo­ver, the Second Com­pany Law Direc­tive alre­ady allows Mem­ber Sta­tes to adopt some of the sol­vency-based sys­tems exis­ting out­side the EU as well as some of the alter­na­tive pro­po­sals for reform, except the pos­si­bi­lity to dis­tri­bute pro­fits in the pre­sence of a nega­tive balance sheet. Finally, it appears from the study that the com­pli­ance costs of the 2nd Direc­tive are rather limi­ted, and not hig­her than those requi­red by the alter­na­tive regimes out­side the EU.”