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Timestamp: 2017-05-29 20:45:19
Document Index: 211293439

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 2', '§ 3', '§ 4', '§ 5', '§ 6', '§ 7', '§ 8', '§ 9', '§ 10', '§ 11', '§ 12', '§ 13', '§ 14', '§ 15', '§ 16', '§ 17', '§ 18', '§ 19', '§ 20', '§ 21', '§ 23', '§ 24', '§ 25', '§ 26', '§ 27', '§ 28', '§ 29', '§ 30', '§ 31', '§ 29', '§ 32', '§ 33', '§ 34', '§ 35', '§ 36', '§ 37', '§ 38', '§ 39', '§ 40', '§ 41', '§ 42', '§ 43', '§ 44', '§ 45', '§ 46', '§ 47', '§ 48', '§ 49', '§ 50', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 4']

Theodor Althaus: Grundrechte des Deutschen Volkes 1848
Bis hierher die Leseprobe. Hier nun der Gesetzestext im Wortlaut: Reichsgesetz, betreffend die Grundrechte des deutschen
Volkes vom 27. Dezember 1848
Der Reichsverweser, in Ausführung des Beschlusses der
Reichsversammlung vom 21. Dezember 1848, verkündet als Gesetz: I. Grundrechte des deutschen Volkes
Dem deutschen Volke sollen die nachstehenden Grundrechte
gewährleistet sein. Sie sollen den Verfassungen der deutschen Einzelstaaten zur Norm
dienen, und keine Verfassung oder Gesetzgebung eines deutschen Einzelstaates
soll dieselben je aufheben oder beschränken können. Artikel 1.
§ 1. Das deutsche Volk besteht aus den Angehörigen der
Staaten, welche das deutsche Reich bilden. § 2. Jeder Deutsche hat das deutsche Reichsbürgerrecht. Die
ihm Kraft dessen zustehenden Rechte kann er in jedem deutschen Lande ausüben.
Ueber das Recht, zur deutschen Reichsversammlung zu wählen, verfügt das
Reichswahlgesetz. § 3. Jeder Deutsche hat das Recht, an jedem Orte des
Reichsgebietes seinen Aufenthalt und Wohnsitz zu nehmen, Liegenschaften jeder Art
zu erwerben und darüber zu verfügen, jeden Nahrungszweig zu betreiben, das
Gemeindebürgerrecht zu gewinnen. Die Bedingungen für den Aufenthalt und Wohnsitz werden durch
ein Heimathsgesetz, jene für den Gewerbebetrieb durch eine Gewerbeordnung für
ganz Deutschland von der Reichsgewalt festgesetzt. § 4. Kein deutscher Staat darf zwischen seinen Angehörigen
und andern Deutschen einen Unterschied im bürgerlichen, peinlichen und Prozeß-Rechte
machen, welcher die letzteren als Ausländer zurücksetzt. § 5. Die Strafe des bürgerlichen Todes soll nicht
stattfinden, und da, wo sie bereits ausgesprochen ist, in ihren Wirkungen aufhören,
soweit nicht hierdurch erworbene Privatrechte verletzt werden. § 6. Die Auswanderungsfreiheit ist von Staats wegen nicht
beschränkt; Abzugsgelder dürfen nicht erhoben werden. Die Auswanderungsangelegenheit steht unter dem Schutze und
der Fürsorge des Reichs. Artikel 2.
§ 7. Vor dem Gesetze gilt kein Unterschied der Stände. Der
Adel als Stand ist aufgehoben. Alle Standesvorrechte sind abgeschafft. Die Deutschen sind vor dem Gesetze gleich. Alle Titel, insoweit sie nicht mit einem Amte verbunden
sind, sind aufgehoben und dürfen nie wieder eingeführt werden. Kein Staatsangehöriger darf von einem auswärtigen Staate
einen Orden annehmen. Die öffentlichen Ämter sind für alle Befähigten gleich
zugänglich. Die Wehrpflicht ist für alle gleich; Stellvertretung bei
derselben findet nicht statt.
§ 8. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. Die Verhaftung einer Person soll, außer im Falle der
Ergreifung auf frischer That, nur geschehen in Kraft eines richterlichen, mit
Gründen versehenen Befehls. Dieser Befehl muß im Augenblicke der Verhaftung
oder innerhalb der nächsten vier und zwanzig Stunden dem Verhafteten zugestellt
werden. Die Polizeibehörde muß Jeden, den sie in Verwahrung genommen
hat, im Laufe des folgenden Tages entweder freilassen oder der richterlichen
Behörde übergeben. Jeder Angeschuldigte soll gegen Stellung einer vom Gericht
zu bestimmenden Caution oder Bürgschaft der Haft entlassen werden, sofern
nicht dringende Anzeigen eines schweren peinlichen Verbrechens gegen
denselben vorliegen. Im Falle einer widerrechtlich verfügten oder verlängerten
Gefangenschaft ist der Schuldige und nöthigenfalls der Staat dem Verletzten zur
Genugthuung und Entschädigung verpflichtet. Die für das Heer- und Seewesen erforderlichen Modificationen
dieser Bestimmungen werden besonderen Gesetzen vorbehalten. § 9. Die Todesstrafe, ausgenommen wo das Kriegsrecht sie
vorschreibt, oder das Seerecht im Fall von Meutereien sie zuläßt, so wie die
Strafen des Prangers, der Brandmarkung und der körperlichen Züchtigung, sind
abgeschafft. § 10. Die Wohnung ist unverletzlich. Eine Haussuchung ist nur zulässig: 1. In Kraft eines richterlichen, mit Gründen versehenen
Befehls, welcher sofort oder innerhalb der nächsten vier und zwanzig Stunden dem
Betheiligten zugestellt werden soll, 2. Im Falle der Verfolgung auf frischer That, durch den
gesetzlich berechtigten Beamten, 3. In den Fällen und Formen, in welchen das Gesetz
ausnahmsweise bestimmten Beamten auch ohne richterlichen Befehl dieselbe gestattet. Die Haussuchung muß, wenn thunlich, mit Zuziehung von
Hausgenossen erfolgen. Die Unverletzlichkeit der Wohnung ist kein Hinderniß der
Verhaftung eines gerichtlich Verfolgten. § 11. Die Beschlagnahme von Briefen und Papieren darf, außer
bei einer Verhaftung oder Haussuchung, nur in Kraft eines
richterlichen, mit Gründen versehenen Befehls vorgenommen werden, welcher sofort oder
innerhalb der nächsten vier und zwanzig Stunden dem Betheiligten
zugestellt werden soll. § 12. Das Briefgeheimniß ist gewährleistet. Die bei strafgerichtlichen Untersuchungen und in
Kriegsfällen nothwendigen Beschränkungen sind durch die Gesetzgebung festzustellen. Artikel 4.
§ 13. Jeder Deutsche hat das Recht, durch Wort, Schrift,
Druck und bildliche Darstellung seine Meinung frei zu äußern. Die Preßfreiheit darf unter keinen Umständen und in keiner
Weise durch vorbeugende Maßregeln, namentlich Censur, Concessionen,
Sicherheitsbestellungen, Staatsauflagen, Beschränkungen der Druckereien oder des
Buchhandels, Postverbote oder andere Hemmungen des freien Verkehrs beschränkt,
suspendirt oder aufgehoben werden. Ueber Preßvergehen, welche von Amts wegen verfolgt werden,
wird durch Schwurgerichte geurtheilt. Ein Preßgesetz wird vom Reiche erlassen werden. Artikel 5.
§ 14. Jeder Deutsche hat volle Glaubens- und
Gewissensfreiheit. Niemand ist verpflichtet, seine religiöse Ueberzeugung zu
offenbaren. § 15. Jeder Deutsche ist unbeschränkt in der gemeinsamen
häuslichen und öffentlichen Uebung seiner Religion. Verbrechen und Vergehen, welche bei Ausübung dieser Freiheit
begangen werden, sind nach dem Gesetze zu bestrafen. § 16. Durch das religiöse Bekenntniß wird der Genuß der
bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte weder bedingt noch beschränkt. Den
staatsbürgerlichen Pflichten darf dasselbe keinen Abbruch thun. § 17. Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre
Angelegenheiten selbstständig, bleibt aber den allgemeinen Staatsgesetzen
unterworfen. Keine Religionsgesellschaft genießt vor andern Vorrechte
durch den Staat; es besteht fernerhin keine Staatskirche. Neue Religionsgesellschaften dürfen sich bilden; einer
Anerkennung ihres Bekenntnisses durch den Staat bedarf es nicht. § 18. Niemand soll zu einer kirchlichen Handlung oder
Feierlichkeit gezwungen werden. § 19. Die Formel des Eides soll künftig lauten: "So
wahr mir Gott helfe".
§ 20. Die bürgerliche Gültigkeit der Ehe ist nur von der
Vollziehung des Civilactes abhängig; die kirchliche Trauung kann nur nach
der Vollziehung des Civilactes stattfinden. Die Religionsverschiedenheit ist kein bürgerliches
Ehehinderniß.
§ 21. Die Standesbücher werden von den bürgerlichen Behörden
geführt. Artikel 6. § 23. Das Unterrichts- und Erziehungswesen steht unter der
Oberaufsicht des Staates, und ist, abgesehen vom Religionsunterricht, der
Beaufsichtigung der Geistlichkeit als solcher enthoben. § 24. Unterrichts- und Erziehungsanstalten zu gründen, zu
leiten und an solchen Unterricht zu ertheilen, steht jedem Deutschen frei, wenn er
seine Befähigung der betreffenden Staatsbehörde nachgewiesen hat. Der häusliche Unterricht unterliegt keiner Beschränkung. § 25. Für die Bildung der deutschen Jugend soll durch
öffentliche Schulen überall genügend gesorgt werden. Eltern oder deren Stellvertreter dürfen ihre Kinder oder Pflegebefohlenen
nicht ohne den Unterricht lassen, welcher für die unteren
Volksschulen vorgeschrieben ist. § 26. Die öffentlichen Lehrer haben die Rechte der
Staatsdiener. Der Staat stellt unter gesetzlich geordneter Betheiligung
der Gemeinden aus der Zahl der Geprüften die Lehrer der Volksschulen an. § 27. Für den Unterricht in Volksschulen und niederen
Gewerbeschulen wird kein Schulgeld bezahlt. Unbemittelten soll auf allen öffentlichen
Unterrichtsanstalten freier Unterricht gewährt werden. § 28. Es steht einem jeden frei, seinen Beruf zu wählen und
sich für denselben auszubilden, wie und wo er will. Artikel 7.
§ 29. Die Deutschen haben das Recht, sich friedlich und ohne
Waffen zu versammeln; einer besonderen Erlaubniß dazu bedarf es nicht.
Volksversammlungen unter freiem Himmel können bei dringender
Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit verboten werden. § 30. Die Deutschen haben das Recht, Vereine zu bilden.
Dieses Recht soll durch keine vorbeugende Maßregel beschränkt werden. § 31. Die in den §§ 29 und 30 enthaltenen Bestimmungen
finden auf das Heer und die Kriegsflotte Anwendung, insoweit die militärischen
Disciplinarvorschriften nicht entgegenstehen. Artikel 8.
§ 32. Das Eigenthum ist unverletzlich. Eine Enteignung kann nur aus Rücksichten des gemeinen
Besten, nur auf Grund eines Gesetzes und gegen gerechte Entschädigung vorgenommen
werden. Das geistige Eigenthum soll durch die Reichsgesetzgebung
geschützt werden. § 33. Jeder Grundeigenthümer kann seinen Grundbesitz unter
Lebenden und von Todes wegen ganz oder theilweise veräußern. Den
Einzelstaaten bleibt überlassen, die Durchführung des Grundsatzes der Theilbarkeit alles
Grundeigenthums durch Uebergangsgesetze zu vermitteln. Für die todte Hand sind Beschränkungen des Rechts,
Liegenschaften zu erwerben und über sie zu verfügen, im Wege der Gesetzgebung aus
Gründen des öffentlichen Wohls zulässig. § 34. Jeder Unterthänigkeits- und Hörigkeitsverband hört für
immer auf. § 35. Ohne Entschädigung sind aufgehoben: 1. Die Patrimonialgerichtsbarkeit und die grundherrliche
Polizei, sammt den aus diesen Rechten fließenden Befugnissen, Exemtionen und
Abgaben. 2. Die aus dem guts- und schutzherrlichen Verbande
fließenden persönlichen Abgaben und Leistungen. Mit diesen Rechten fallen auch die Gegenleistungen und
Lasten weg, welche dem bisher Berechtigten dafür oblagen. § 36. Alle auf Grund und Boden haftenden Abgaben und
Leistungen, insbesondere die Zehnten, sind ablösbar: ob nur auf Antrag des Belasteten
oder auch des Berechtigten, und in welcher Weise, bleibt der Gesetzgebung
der einzelnen Staaten überlassen. Es soll fortan kein Grundstück mit einer unablösbaren Abgabe
oder Leistung belastet werden. § 37. Im Grundeigenthum liegt die Berechtigung zur Jagd auf
eignem Grund und Boden. Die Jagdgerechtigkeit auf fremden Grund und Boden,
Jagddienste, Jagdfrohnden und andere Leistungen für Jagdzwecke sind ohne Entschädigung
aufgehoben. Nur ablösbar jedoch ist die Jagdgerechtigkeit, welche
erweislich durch einen lästigen mit dem Eigenthümer des belasteten Grundstücks
abgeschlossenen Vertrag erworben ist; über die Art und Weise der Ablösung haben die
Landesgesetzgebungen das Weitere zu bestimmen. Die Ausübung des Jagdrechts aus Gründen der öffentlichen Sicherheit
und des gemeinen Wohls zu ordnen, bleibt der Landesgesetzgebung
vorbehalten. Die Jagdgerechtigkeit auf fremdem Grund und Boden darf in
Zukunft nicht wieder als Grundgerechtigkeit bestellt werden. § 38. Die Familienfideicommisse sind aufzuheben. Die Art und
Bedingungen der Aufhebung bestimmt die Gesetzgebung der einzelnen Staaten. Ueber die Familienfideicommisse der regierenden fürstlichen
Häuser bleiben die Bestimmungen den Landesgesetzgebungen vorbehalten. § 39. Aller Lehensverband ist aufzuheben. Das Nähere über
die Art und Weise der Ausführung haben die Gesetzgebungen der Einzelstaaten
anzuordnen. § 40. Die Strafe der Vermögenseinziehung soll nicht
stattfinden. Artikel 9.
§ 41. Alle Gerichtsbarkeit geht vom Staate aus. Es sollen
keine Patrimonialgerichte bestehen. § 42. Die richterliche Gewalt wird selbstständig von den
Gerichten geübt. Cabinets- und Ministerialjustiz ist unstatthaft. Niemand darf seinem gesetzlichen Richter entzogen werden.
Ausnahmegerichte sollen nie stattfinden.
§ 43. Es soll keinen privilegirten Gerichtsstand der
Personen oder Güter geben. Die Militärgerichtsbarkeit ist auf die Aburtheilung
militärischer Verbrechen und Vergehen, so wie der Militär-Disciplinarvergehen beschränkt,
vorbehaltlich der Bestimmungen für den Kriegsstand. § 44. Kein Richter darf, außer durch Urtheil und Recht, von
seinem Amt entfernt, oder an Rang und Gehalt beeinträchtigt werden. Suspension darf nicht ohne gerichtlichen Beschluß erfolgen. Kein Richter darf wider seinen Willen, außer durch
gerichtlichen Beschluß in den durch das Gesetz bestimmten Fällen und Formen, zu einer
andern Stelle versetzt oder in Ruhestand gesetzt werden. § 45. Das Gerichtsverfahren soll öffentlich und mündlich
sein. Ausnahmen von der Oeffentlichkeit bestimmt im Interesse der
Sittlichkeit das Gesetz. § 46. In Strafsachen gilt der Anklageprozeß. Schwurgerichte sollen jedenfalls in schwereren Strafsachen
und bei allen politischen Vergehen urtheilen. § 47. Die bürgerliche Rechtspflege soll in Sachen besonderer
Berufserfahrung durch sachkundige, von den Berufsgenossen frei gewählte
Richter geübt oder mitgeübt werden. § 48. Rechtspflege und Verwaltung sollen getrennt und von
einander unabhängig sein. Ueber Competenzconflicte zwischen den Verwaltungs- und
Gerichtsbehörden in den Einzelstaaten entscheidet ein durch das Gesetz zu
bestimmender Gerichtshof. § 49. Die Verwaltungsrechtspflege hört auf; über alle
Rechtsverletzungen entscheiden die Gerichte. Der Polizei steht keine Strafgerichtsbarkeit zu. § 50. Rechtskräftige Urtheile deutscher Gerichte sind in
allen deutschen Landen gleich wirksam und vollziehbar. Ein Reichsgesetz wird das Nähere bestimmen. II. Einführungs-Gesetz
Die Grundrechte des deutschen Volks werden im ganzen Umfange
des deutschen Reichs unter nachfolgenden Bestimmungen hiermit eingefügt: Artikel 1.
Mit diesen Reichsgesetze treten in Kraft die Bestimmungen: 1) der Paragraphen eins und zwei, 2) des Paragraphen drei, jedoch in Beziehung auf Aufenthalt,
Wohnsitz und Gewerbebetrieb unter Vorbehalt der in Aussicht gestellten
Reichsgesetze, 3) der Paragraphen vier, fünf und sechs, 4) des Paragraphen sieben unter Vorbehalt der in Art. 3 und
8 dieses Gesetzes enthaltenen Beschränkungen, 5) des Paragraphen acht, und zwar rücksichtlich des letzten,
Heer und Seewesen betreffenden, Absatzes unter Verweisung auf Art. 3 dieses
Gesetzes, 6) des Paragraphen zehn, unter Vorbehalt der unter Art. 3
und 7 enthaltenen Bestimmungen, 7) des Paragraphen eilf und zwölf, 8) des Paragraphen dreizehn, mit der Maßgabe, daß, wo
schwurgerichte noch nicht eingeführt sind, bis zu deren Einführung über Preßvergehen
die bestehenden Gerichte entscheiden, 9) der Paragraphen vierzehn, fünfzehn, sechszehn, so wie des
zweiten und dritten Absatzes im Paragraphen siebzehn, und des Paragraphen
achtzehn, 10) der Paragraphen zweiundzwanzig, vierundzwanzig,
fünfundzwanzig und achtundzwanzig, 11) der Paragraphen neunundzwanzig, dreißig und
einunddreißig, 12) des Paragraphen zweiunddreißig, des zweiten Absatzes im
Paragraphen dreiunddreißig, der Paragraphen vierunddreißig,
fünfunddreißig mit Ausnahme des ersten Absatzes (Art. 3 Nr. 8), des zweiten Absatzes im
Paragraphen sechsunddreißig, dann siebenunddreißig unter Vorbehalt der
über die Ablösung der betreffenden Jagdgerechtigkeiten und über die Ausübung des
Jagdrechts zu erlassenden Gesetze (Art. 4), 13) des Paragraphen zweiundvierzig und des ersten Absatzes
im Paragraphen vierundvierzig. Alle Bestimmungen einzelner Landesrechte, welche hiermit in
Widerspruch stehen, treten außer Kraft. Artikel 2.
In Beziehung auf den im Paragraphen siebenzehn
ausgesprochenen Grundsatz der Selbstständigkeit der Religionsgesellschaften sollen die
organischen Einrichtungen und Gesetze, welche für die bestehenden
Kirchen zur Durchführung dieses Princips erforderlich sind, in den Einzelstaaten
möglichst bald getroffen und erlassen werden. Artikel 3.
Abänderungen oder Ergänzungen der Landesgesetzgebungen,
soweit dieselben durch die folgenden Bestimmungen der Grundrechte geboten sind,
sollen ungesäumt auf verfassungsmäßigem Wege getroffen werden, und zwar 1) statt der im Paragraphen neun und Paragraphen vierzig
abgeschafften Strafen des Todes, des Prangers, der Brandmarkung, der körperlichen
Züchtigung und der Vermögenseinziehung durch gesetzliche Feststellung einer
anderweiten Bestrafung der betreffenden Verbrechen; 2) durch Ausfüllung der Lücken, welche in Folge der im
Paragraphen sieben ausgesprochenen Aufhebung der Standesunterscheide im
Privatrechte eintreten; 3) durch Regelung der Wehrpflicht auf Grund der im
Paragraphen sieben enthaltenen Vorschrift; 4) durch Feststellung der beim Heer- und Seewesen
vorbehaltenen Modificationen des Paragraphen acht; 5) durch Erlassung der Gesetze, welche den dritten im
Paragraphen zehn erwähnten Fall der Haussuchung ordnen; 6) durch Erlassung der nach Paragraph neunzehn, zwanzig und
einundzwanzig erforderlichen Vorschriften über Eid, Ehe und Standesbücher;
7) durch Einrichtung des Schulwesens auf Grund der
Paragraphen dreiundzwanzig, sechsundzwanzig und siebenundzwanzig; 8) durch Aenderungen im Gerichts- und Verwaltungswesen,
gemäß den Bestimmungen des Paragraphen fünfunddreißig im ersten Absatz, der
Paragraphen einundvierzig, dreiundvierzig im zweiten und dritten Absatze, sowie der
Paragraphen fünfundvierzig bis einschließlich neunundvierzig. Artikel 4.
Ebenso ist ungesäumt die weitere Feststellung der in den
Paragraphen dreiunddreißig, sechsunddreißig bis einschließlich
neununddreißig geordneten Eigenthumsverhältnisse in den einzelnen Staaten vorzunehmen.
Die Erlassung und Ausführung der vorstehend gedachten neuen
Gesetze sollen von Reichs wegen überwacht werden. Artikel 6.
Bis zur Erlassung der in den Paragraphen drei, dreizehn,
zweiunddreißig und fünfzig erwähnten Reichsgesetze sind die betreffenden
Verhältnisse der Landesgesetzgebung unterworfen. Artikel 7.
In den Fällen, in welchen nach dem Vorstehenden neue Gesetze
erforderlich oder in Aussicht gestellt sind, bleiben bis zur Erlassung
derselben für die betreffenden Verhältnisse die bisherige Gesetze in Kraft.
Rücksichtlich der Haussuchung bleibt denjenigen öffentlichen Beamten, welche
zum Schutz der Abgabenerhebung und des Waldeigenthums zur Haussuchung
befugt sind, vorläufig diese Befugniß. Artikel 8.
Abänderungen der Grundverfassung einzelner deutscher
Staaten, welche durch die Abschaffung der Standesvorrechte nothwendig werden, sollen
innerhalb von sechs Monaten durch die gegenwärtigen Organe der
Landesgesetzgebung nach folgenden Bestimmungen herbeigeführt werden: 1) die durch die Verfassungsurkunden für den Fall der
Verfassungsänderungen vorgeschriebenen Erschwerungen der Beschlußnahme finden
keine Anwendung, vielmehr ist in den Formen der gewöhnlichen Gesetzgebung zu
verfahren; 2) wenn in Staaten, wo zwei Kammern bestehen, dieser Weg
keine Vereinigung herbeiführen sollte, so treten diese zusammen, um in einer
Versammlung durch einfache Stimmenmehrheit die erforderlichen Beschlüsse zu
fassen. Uebrigens bleibt es den gegenwärtigen Organen der
Landesgesetzgebung unbenommen, sich darüber, daß die gedachten Abänderungen durch eine neu
zu wählende Landesversammlung vorgenommen werden, zu vereinbaren, für
welche Vereinbarung die Bestimmungen unter 1) und 2) gleichfalls maßgebend sind.
Sind in der bezeichneten Frist die betreffenden Gesetze
nicht erlassen, so hat die Reichsgewalt die Regierung des einzelnen Staates
aufzufordern, ungesäumt auf Grundlage des Reichswahlgesetzes eine aus einer einzigen
Kammer bestehenden Landesversammlung zur Revision der Landesverfassung und
übrigen Gesetzgebung in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen der Nationalversammlung
zu berufen. Frankfurt, am 27. Dezember 1848 Der Reichsverweser Erzherzog Johann Die Reichsminister H. v. Gagern v. Peucker v. Beckerath Duckwitz R. Mohl Das vorstehende Reichsgesetz wurde in die Verfassung des
deutschen Reiches vom 28. März 1849 übernommen, doch waren die Bestimmungen des
Gesetzes als unmittelbares Recht in Deutschland in Kraft und wurden erst
durch Bundesbeschluß (Beschluß der Bundesversammlung des Deutschen Bundes) vom
23. August 1851 formal außer Kraft gesetzt.
Quellen: Reichsgesetzblatt 1848 8. Stück, Ausgegeben Frankfurt a. M.,
den 28. December S. 49, 57
Ernst Rudolf Huber, Dokumente zur deutschen
Verfassungsgeschichte Band 1, Verlag Kohlhammer
© 4. Dezember 2000 - 21. Dezember 2001
Hintergrundinformation zu:
Grundrechte für Deutschland und für Hannover