Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/reisekosten-zum-gerichtstermin-und-die-kostenerstattung-3105178
Timestamp: 2020-03-29 00:32:25
Document Index: 174770711

Matched Legal Cases: ['§ 137', '§ 278', '§ 278', '§ 279', '§ 139', 'BGH', 'BGH', '§ 139']

Rei­se­kos­ten zum Gerichts­ter­min – und die Kos­ten­er­stat­tung | Rechtslupe
Reisekosten zum Gerichtstermin - und die Kostenerstattung
Durch die Teil­nah­me an einem gericht­li­chen Ter­min ver­an­lass­te Rei­se­kos­ten einer Par­tei sind grund­sätz­lich erstat­tungs­fä­hig, gleich ob sie anwalt­lich ver­tre­ten oder ihr per­sön­li­ches Erschei­nen ange­ord­net ist, es sich um einen Ver­hand­lungs­ter­min oder um einen Beweis­auf­nah­me­ter­min han­delt 1.
Da der Grund­satz der Münd­lich­keit in der münd­li­chen Ver­hand­lung sei­ne urei­gens­te Aus­prä­gung fin­det und der Par­tei dort auch im Anwalts­pro­zess auf Antrag das Wort zu ertei­len ist (§ 137 Abs. 4 ZPO), sind der Par­tei Rei­se­kos­ten zu erstat­ten, die ihr die Anwe­sen­heit in einem gericht­li­chen Ver­hand­lungs­ter­min ermög­li­chen 1.
ie per­sön­li­che Anwe­sen­heit der Par­tei ist vor dem Hin­ter­grund der Ver­pflich­tung des Gerichts, über die Güte­ver­hand­lung (§ 278 Abs. 2 ZPO) hin­aus in jeder Lage des Ver­fah­rens auf eine güt­li­che Bei­le­gung des Rechts­streits hin­zu­wir­ken (§ 278 Abs. 1 ZPO), und der durch die ZPO-Reform ver­stärk­ten mate­ri­el­len Pro­zess­lei­tungs­pflicht des Gerichts, die sich ins­be­son­de­re durch die Aus­übung des Fra­ge­rechts in der münd­li­chen Ver­hand­lung ver­wirk­licht (§ 279 Abs. 3, § 139 ZPO), aus Grün­den der Pro­zess­öko­no­mie viel­fach sach­ge­recht und ziel­füh­rend 1.
Den von dem Gesetz ver­folg­ten Zwe­cken der Stär­kung des Schlich­tungs­ge­dan­kens und der Beto­nung der rich­ter­li­chen Auf­klä­rungs- und Hin­weis­pflicht 2 ent­spricht es häu­fig am ehes­ten, mit der Par­tei selbst das Streit­ver­hält­nis und damit zugleich das Für und Wider eines Ver­gleichs in münd­li­cher Ver­hand­lung zu erör­tern 1.
Zwar führt dies nicht dazu, dass aus­nahms­los jede oder gar belie­big vie­le Rei­sen der Par­tei an den Ort des Pro­zess­ge­richts erstat­tungs­fä­hig wären 3. Viel­mehr kommt eine Erstat­tung nicht in Betracht, wenn von vorn­her­ein erkenn­bar ist, dass eine güt­li­che Eini­gung aus­schei­det oder die Par­tei zur Klä­rung des Sach­ver­halts aus per­sön­li­cher Kennt­nis nichts bei­tra­gen kann 3.
Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 1. Juni 2015 – 1 W 136/​15
BGH, Beschluss vom 13.12 2007 – IX ZB 112/​05, NJW-RR 2008, 654, Rn. 11[↩][↩][↩][↩]
BT-Drs. 14/​4722 S. 60[↩]
BGH, Beschluss vom 13.12 2007 – IX ZB 112/​05, NJW-RR 2008, 654, Rn. 12[↩][↩]
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