Source: https://www.wernerschell.de/forum/neu/viewtopic.php?f=3&t=14612
Timestamp: 2020-08-10 08:57:45
Document Index: 21667914

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 9']

Pflegeheime in Mönchengladbach - Staatsanwalt aktiv - Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Pflegeheime in Mönchengladbach - Staatsanwalt aktiv
Beitrag von Gaby Modig » 14.08.2010, 06:54
Fortsetzung zu den Forumsberichten:
Gemeinsame Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei Mönchengladbach - Weitere Durchsuchungen in Mönchengladbacher Pflegeeinrichtungen
http://www.polizei-nrw.de/presseportal/ ... 8-609.html
Mönchengladbach - 13.08.2010 - 15:25 - Weitere Durchsuchungen in Mönchengladbacher Pflegeeinrichtungen
Im vergangenen Monat hat die Polizei in Mönchengladbach Pflegeeinrichtungen durchsucht und Patientenakten beschlagnahmt. Ausgangspunkt der Ermittlungsverfahren waren drei Strafanzeigen.
Bei der nachfolgenden Auswertung von Unterlagen und durch Hinweise aus der Bevölkerung ergaben sich Anhaltspunkte für weitere – möglicherweise – strafbare Pflegefehler. Für diese Fälle wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. Insgesamt wird derzeit in 31 Fällen ermittelt. Betroffen sind Pflegeeinrichtungen unterschiedlicher Träger.
Ein wichtiges Beweismittel sind in diesen Fällen die Kranken- und Pflegeakten. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach erwirkte daher entsprechende Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschlüsse. Die Polizei hat diese Beschlüsse heute vollstreckt. Es wurden Akten als mögliche Beweismittel beschlagnahmt.
Erst nach Durchführung weiterer Ermittlungen – hierzu gehören die Auswertung der Beweismittel durch Sachverständige sowie Vernehmungen – kann geprüft werden, ob tatsächlich Pflegefehler vorliegen und diese als Körperverletzungen im strafrechtlichen Sinne zu werten und daher als Straftaten zu ahnden sind; in den Fällen, in denen Pflegende verstorben sind, wäre für das Vorliegen einer fahrlässigen Tötung insbesondere der Nachweis erforderlich, dass der Pflegefehler todesursächlich war.
Die Ermittlungen werden sich voraussichtlich über einen längeren Zeitraum erstrecken.
Mönchengladbach - Weitere Altenheime durchsucht
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 13.08.2010
Mönchengladbach (RP) Der Pflegeheim-Skandal weitet sich immer mehr aus. Die Polizei hat am Freitag gleich eine ganze Reihe von Altenheimen durchsucht. Ermittelt wird wegen möglicher Körperverletzung und fahrlässiger Tötung in 31 Fällen. .... Die weiteren Ausführungen finden sich unter http://www.rp-online.de/niederrheinsued ... 93680.html
Wegen Todesfällen Heime durchsucht
Die Ermittlungen wegen möglicher Pflegefehler sind ausgedehnt worden. Es sind mittlerweile 34 verdächtige Fälle im Visier.
Mönchengladbach. Die Polizei hat am Freitag weitere Pflegeheime in Mönchengladbach durchsucht und Akten beschlagnahmt. Weitere Details wie die Namen der Einrichtungen oder Träger sollen angesichts der laufenden Ermittlungen noch nicht bekannt gegeben werden. Staatsanwaltschaft und Polizei sprechen lediglich von „Pflegeeinrichtungen unterschiedlicher Träger“.
Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ..... Weiter unter http://www.wz-newsline.de/?redid=913562
Gestern, 13.08.2010, berichtete der WDR-Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf,
über die neuen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Der Beitrag ist für voraussichtlich 7 Tage im Netz anschaubar:
.... Wie ich schon an anderer Stelle bemerkte (Mängel in Pflegeheim in Hopsten), sind staatsanwaltschaftliche Aktivitäten kaum ein geeignetes Mittel, die Mängel im Pflegesystem zu beseitigen. Dennoch sind anscheinend die erhobenen Vorwürfe gravierend, so dass den Beanstandungen natürlich nachgegangen werden muss.
viewtopic.php?t=14611
Beitrag von thorstein » 14.08.2010, 13:26
Dass die Rahmenbedingungen -Personalschlüssel - in der stationären Altenpflege nicht ausreichen, um die körperliche Unversehrtheit der BewohnerInnen zu garantieren, ist ja nun wirklich keine Neuigkeit mehr. Allerdings konnten sich alle Beteiligten bislang darauf verlassen, dass die daraus sich ergebenden, auch strafrechtlich relevanten Vorfälle nicht weiter verfolgt wuden. Und falls doch,handelte es sich immer nur um bedauerliche Einzelfälle.
Man stelle sich vor, eine Staatsanwaltschaft stellt nun flächendeckend fest, dass es sich eben nicht um Einzelfälle handelt, sondern um ein systemimmanentes Problem, welches jedes Pflegeheim in diesem Lande betrifft. Und man stelle sich vor, diese Staatsanwaltschaft hätte den Mut, diese Fälle nicht quasi als Gottesurteil unter den Tisch fallen zu lassen, sondern tatsächlich jeden Fall zu untersuchen und gegebenenfalls anzuklagen.
Jede andere Staatsanwaltschaft in diesem Land müßte sich dann fragen, was in ihrem Zuständigkeitsgebiet denn so anders ist als in Mönchengladbach. Spannende Fragen.
Bislang ist es den Verantwortlichen immer gelungen, systemrelevante Fragen zu umgehen. Der Druck auf die Staatsanwaltschaft wird womöglich dann zu gross, wenn die politisch zu verantwortenden Rahmenbedingungen ins Blickfeld geraten.
Mängel im Pflegesystem bereits amtlich bestätigt
Beitrag von Gaby Modig » 15.08.2010, 09:10
thorstein hat geschrieben: ..... Vielleicht wird ja gerade umgekehrt ein Schuh daraus. Vielleicht ist die starfrechtliche Seite der Unterversorgung der einzige Hoffnungsschimmer in diesem durch und durch verlogenen System. Es ist doch kein Zufall, dass alle grossen Parteien in diesem Land einen Pflegenotstand schlichtweg leugnen. Und daran muss sich auch überhaupt nichts ändern, weil die Betroffenen, die eigentlichen Opfer dieses Systems sich nicht wehren können und naturgemäss versterben.
man liest immer wieder von strafrechtlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit sog. Pflegefehlern. Man meint auf Anhieb immer, diese Fehler müssten konkreten Pflegepersonen zugerechnet werden können.
Da es sich aber letztlich meist um systemische Mängel handelt, die zu solchen Fehlern führen, sind strafrechtliche Konsequenzen nur eher selten möglich. Es sei denn, es gäbe eine Möglichkeit, Träger, Kassenvertreter bzw. Politiker, die die systemischen Mängel zu verantworten haben, anzuklagen.
Hat nicht der BGH in einigen Grundsatzentscheidungen (2005?) klargestellt, dass Regressleistungen an gesetzliche Krankenkassen wegen verschiedener Verletzungen von HeimbewohnerInnen (meist Stürze mit Folgebehandlungen) nicht möglich seien, weil die vorgegebenen sachlichen und personellen Ausstattungen der Heime eine zu weit gehende Fürsorge nicht möglich machen? Das sei systemisch bedingt und müsse dann so hingenommen werden. Hat damit der BGH nicht klar und unmissverständlich die systemischen Unzulänglichkeiten "amtlich" bestätigt?
Leider hat es aber der BGH seinerzeit versäumt, diese Situationen klar und unmissverständlich zu kritisieren oder gar Korrekturbedarf anzumahnen. Er hat sich einer Kritik des Gesetzgebers enthalten. M.E. mehr als bedauerlich.
Pflegereform = dringend geboten
Beitrag von PflegeCologne » 16.08.2010, 07:00
Pflegerischen Mängel wie in Mönchengladbach gibt es m.E. überall. Nur in MG sind jetzt einige Leute bereit, die Missstände konkret zu benennen. Daher die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Dabei wird aber so gut wie nichts herauskommen. Vielleicht wird der eine oder andere Fehler vorwerfbar einigen Personen zugeordnet werden können. Das große Probleme, die systemische Mangelsituation, bleibt aber - und das ist der eigentliche Skandal. Es geht eben nicht nur um Einzelfälle, sondern um das ganze System, das mängelbehaftet ist. Klagen wir doch diejenigen an, die das System (mit) zu verantworten haben und sich immer wieder weg ducken.
Ich setze immer die Hoffnung auf die anstehende Reform.
Pflege-Missstände in Heimen
Beitrag von Presse » 16.08.2010, 07:54
Pflege-Missstände in Heimen: Staatsanwaltschaft ermittelt in 31 Fällen
MÖNCHENGLADBACH (dpa). Die Staatsanwaltschaft in Mönchengladbach hat ihre Ermittlungen wegen des Verdachts von schweren Missständen in Pflegeheimen (wir berichteten) massiv ausgeweitet. Mittlerweile werde in 31 Fällen ermittelt, teilte die Behörde am Freitag mit. .... (mehr)
http://www.aerztezeitung.de/politik_ges ... sid=615040
Ermittlungen in Pflege-Skandal in Mönchengladbach
Die Staatsanwaltschaft in Mönchengladbach hat ihre Ermittlungen wegen des Verdachts von schweren Missständen in Pflegeheimen massiv ausgeweitet. Mittlerweile werde in 34 Fällen ermittelt, teilte die Behörde am Freitag mit. «Betroffen sind Pflegeheime unterschiedlicher Träger.» Zugleich wurden am Freitag zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen Einrichtungen durchsucht sowie Kranken- und Pflegeakten der Bewohner beschlagnahmt.
http://www.journalmed.de/newsview.php?id=31066
Zuletzt geändert von Presse am 17.08.2010, 06:52, insgesamt 1-mal geändert.
Pflegemängel in Heimen – ´Mönchengladbach ist überall`
Beitrag von ProPflege » 16.08.2010, 13:12
Pflegemängel in Heimen – „Mönchengladbach ist überall“
Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist deshalb groß
Brief an Staatsanwaltschaft in Mönchengladbach, Heimaufsicht, MDK, zahrleiche Medien .... (interessierte Personen)
ich habe mich als Vertreter von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk seit einigen Wochen intensiv in die Abarbeitung der in Mönchengladbach angesprochenen Pflegemängel eingemischt und dabei auch gewichtige Anstöße zum Umgang mit solchen Mängeln geben können. Es ist im Rahmen dieser Aktivitäten auch gelungen, Maßnahmen in Gang zu bringen, die in einigen Bereichen verbesserte Pflegebedingungen gewährleisten können. Dennoch war es erforderlich, die Heimaufsicht in Mönchengladbach ergänzend auf einige Umstände aufmerksam zu machen, die dann offensichtlich zu weiteren Prüfungen, auch des MDK, geführt haben.
Daraufhin hat es ein großes Medienecho gegeben, das wiederum zu weiteren Mängelanzeigen geführt hat. Im Gefolge dieser Anzeigen wurde Polizei und Staatsanwaltschaft erneut tätig und informierte am 13.08.2010 über weitere Ermittlungen in mehreren Pflegeheimen. Bis zum 16.08.2010 hat es seitens der Staatsanwaltschaft keine näheren Hinweise zu den neuerlichen Ermittlungen gegeben. Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist deshalb groß.
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk hält es nach all dem für geboten, dass die Staatsanwaltschaft in Mönchengladbach die Öffentlichkeit über die neuen Verdachtsfälle konkret informiert und damit einen Beitrag leistet, die vielfältigen Fragen aus der Bevölkerung, aber auch der Verantwortlichen im Gesundheits- und Pflegesystem, zumindest soweit zu beantworten, dass das Ausmaß der Pflegemängel einigermaßen eingeschätzt werden kann. Es muss nämlich davon ausgegangen werden, dass möglicherweise eine große Zahl der Anzeigen systemische Mängel betreffen, und wohl eher selten konkreten Personen strafrechtlich relevant zugerechnet werden können.
Dazu hat es im hiesigen Internetform bereits interessante Texteinstellungen gegeben, die ich wie folgt vorstelle:
-- „Dass die Rahmenbedingungen - Personalschlüssel - in der stationären Altenpflege nicht ausreichen, um die körperliche Unversehrtheit der BewohnerInnen zu garantieren, ist ja nun wirklich keine Neuigkeit mehr. Allerdings konnten sich alle Beteiligten bislang darauf verlassen, dass die daraus sich ergebenden, auch strafrechtlich relevanten Vorfälle nicht weiter verfolgt wurden. Und falls doch, handelte es sich immer nur um bedauerliche Einzelfälle.
Jede andere Staatsanwaltschaft in diesem Land müsste sich dann fragen, was in ihrem Zuständigkeitsgebiet denn so anders ist als in Mönchengladbach. Spannende Fragen.
Bislang ist es den Verantwortlichen immer gelungen, systemrelevante Fragen zu umgehen. Der Druck auf die Staatsanwaltschaft wird womöglich dann zu groß, wenn die politisch zu verantwortenden Rahmenbedingungen ins Blickfeld geraten.“
-- „Man liest immer wieder von strafrechtlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit sog. Pflegefehlern. Man meint auf Anhieb immer, diese Fehler müssten konkreten Pflegepersonen zugerechnet werden können.
Leider hat es aber der BGH seinerzeit versäumt, diese Situationen klar und unmissverständlich zu kritisieren oder gar Korrekturbedarf anzumahnen. Er hat sich einer Kritik des Gesetzgebers enthalten. M.E. mehr als bedauerlich.“
-- „Pflegerischen Mängel wie in Mönchengladbach gibt es m.E. überall. Nur in MG sind jetzt einige Leute bereit, die Missstände konkret zu benennen. Daher die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Dabei wird aber so gut wie nichts herauskommen. Vielleicht wird der eine oder andere Fehler vorwerfbar einigen Personen zugeordnet werden können. Das große Probleme, die systemische Mangelsituation, bleibt aber - und das ist der eigentliche Skandal. Es geht eben nicht nur um Einzelfälle, sondern um das ganze System, das mängelbehaftet ist. Klagen wir doch diejenigen an, die das System (mit) zu verantworten haben und sich immer wieder weg ducken.
Ich setze immer die Hoffnung auf die anstehende Reform.“
Quelle: viewtopic.php?t=14612
Diesen Forumsäußerungen kann von hier weitgehend zugestimmt werden. Insbesondere wird noch einmal hervorgehoben, dass die Pflege-Rahmenbedingungen völlig ungenügend sind und daher eine Pflegereform an „Haupt und Gliedern“ dringlich ist. Der tatsächlich gegebene Pflegenotstand muss behoben werden!
Angemessene Pflegebedingungen können dauerhaft weder durch vermehrtes Prüfen noch durch strafrechtliche Sanktionen durchgesetzt werden. Siehe dazu die Pressemitteilung vom 03.08.2010:
Tipp für die Medien:
Man müsste eigentlich im Zusammenhang mit der laufenden Berichterstattung einmal allgemein darüber informieren, wie man bei vermeintlichen Pflegefehlern, unangemessenen Pflegesituationen usw. umgeht. Das wäre einmal für die Angehörigen, aber auch für die Pflegekräfte wichtig. Für nähere Informationen stehe ich gerne zur Verfügung.
Die Medien berichten erneut lebhaft - siehe z.B.:
http://www.bz-mg.de/gesundheit-soziales ... erall.html
Keine voreilige Schlüsse ziehen!
Beitrag von Lutz Barth » 16.08.2010, 13:47
Mit Interesse verfolge ich den Thread, wenngleich ich auch diesbezüglich - analog den "Sterbehilfe-Fällen" für etwas Zurückhaltung plädieren möchte.
Der BGH hat mit den beiden zentralen Entscheidungen zur Sturzproblematik keinesfalls die "systemischen Unzulänglichkeiten amtlich bestätigt", sondern allenfalls Haftungskriterien bemüht, die sich an den personellen und wirtschaftlichen Zumutbarkeiten orientieren. Ob dies weise war, steht indes zu bezweifeln an, hat doch ansonsten der BGH in etlichen Entscheidungen darauf hingewiesen, dass "Kostenargumente" an sich nicht (!) durchschlagend sind (bis hin zur Verpflichtung der Einrichtung einer Sitzwache).
Ferner gebe ich zu bedenken, dass die strafrechtliche Zuordnung von Pflegemängeln durchaus im Bereich des Möglichen liegt, ja liegen muss, wenn und soweit wir über die konkrete Handlung der Einzelnen hinaus auch die (strafrechtlichen) Folgen von Organisationspflichtverletzungen in den Fokus der Betrachtungen einbeziehen. Mit dem eher unspezifisch gehaltenen Hinweis auf "systemische Mängel oder Unzulänglichkeiten" wird der um Aufklärung eines konkreten Sachverhalts Bemühte kaum etwas anfangen können, zumal es auch darum geht, entweder pflegerische "Fehlschläge" oder "Organisationsverschulden" aufzuklären, die unmittelbar zu Körperverletzungstatbeständen, ggf. auch mit Todesfolge, geführt haben.
Sofern das Argument von "Systemmängeln" für sich genommen alleine einschlägig sein sollte, könnten die Ermittlungen gleich eingestellt werden. Hiervon freilich ist die Frage zu unterscheiden, ob aus den sozialversicherungsrechtlichen Vorgaben des Leistungsrechts nicht nur eine zivilrechtliche, sondern auch strafrechtliche Beurteilung anbefohlen ist, die eben den Maßstab des Sozialrechts gebührend zu berücksichtigen hat.
Die in der Sterbehilfe-Debatte gelegentlich diskutierte Frage, ob das Zivilrecht das erlauben dürfe, was das Strafrecht verbietet (oder nunmehr auch nach der aktuellen Entscheidung des BGH im umgekehrten Sinne), könnte nun auch für das Leistungsrecht gestellt werden.
Beitrag von WernerSchell » 16.08.2010, 14:17
es versteht sich, dass ArbeitnehmerInnen für ihr Handeln einstehen müssen. Diesbezüglich informiere ich seit Jahrzehnten und mache immer wieder auf arbeits-, zivil- und strafrechtliche Verantwortlichkeiten aufmerksam. Siehe dazu auch meine Veröffentlichung http://www.pflegerechtportal.de Selbst die Berufsgesetze lassen bei Unverzulässigkeit weitere Folgerungen zu.
Es ist aber so, dass es in den Gesundheits- und Pflegesystemen (Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen) eindeutige personelle Unterbesetzungen gibt, die zwangsläufig dazu führen, dass die eine oder andere Verrichtung nicht oder nicht komplett erbracht werden kann (vorsichtig formuliert). Um insoweit Aufmerksamkeit zu wecken, erscheinen mir Überlastungsanzeigen wichtig. Sie sind aber kein Allheilmittel.
Im Kölner Raum hat es im vergangenen Jahr eine Umfrage unter Pflegekräften gegeben: Diese führte dazu, dass 96% der Befragten meinten, Pflege-Standars nicht oder nur unvollkommen anwenden zu können. Die Arbeitsverdichtungen seien gewaltig, erdrückend. Klar, dass es unter solchen Umständen zu unbefriedigenden Pflegesituationen kommt / kommen muss.
Die sich insoweit ergebenden Verantwortlichkeiten kann man nicht dauerhaft den ohnehin gebeutelten Pflegekräften anlasten, gar mit noch mehr Prüfungen, Strafanzeigen usw. drohen. Das halte ich nicht für akzeptabel. Daher habe ich mich auch gegenüber dem Caritasverband in Mönchengladbach dafür eingesetzt, dass endlich einmal "oben" die Reißleine gezogen und nicht immer nur nach unten getreten wird. Das hat man zeitgerecht verstanden und zwei Führungskräfte gefeuert.
Daher werbe ich in aller Deutlichkeit dafür, auch die Pflegekräfte pfleglich zu behandeln. Die immer wieder behauptete Wertschätzung und Anerkennung muss umgesetzt werden. Und das geht nur, indem die Pflege-Rahmbedingungen verbessert werden. Mit anderen Worten: Der Pflegenotstand muss behoben werden.
Nichts anderes will ich bewirken helfen - und dabei werden natürlich Verantwortlichkeiten im Einzelfall immer wieder hinterfragt werden müssen. Sie dürfen unterstellen, dass mir das klar ist.
Re: Pflegenotstand beheben = menschenwürdige Pflege
Beitrag von Bajuware » 16.08.2010, 14:42
WernerSchell hat geschrieben: .... Daher werbe ich in aller Deutlichkeit dafür, auch die Pflegekräfte pfleglich zu behandeln. Die immer wieder behauptete Wertschätzung und Anerkennung muss umgesetzt werden. Und das geht nur, indem die Pflege-Rahmbedingungen verbessert werden. Mit anderen Worten: Der Pflegenotstand muss behoben werden.
Nichts anderes will ich bewirken helfen - und dabei werden natürlich Verantwortlichkeiten im Einzelfall immer wieder hinterfragt werden. ...
Dem kann ich nur beipflichten. Nicht immer nur auf die Kleinen - und die Großen lässt man laufen.
Grüß Gott - Bajuware
@W. Schell
Beitrag von Lutz Barth » 16.08.2010, 17:39
Sehr geehrter Herr Schell.
Ihr Engagement steht sicherlich außer Frage und freilich müssen die Rahmenbedingungen geändert werden. Allerdings "beklage" ich seit geraumer Zeit das gebetsmühlenartige Klagen der Professionellen, bei denen die Botschaft letztlich darauf zu reduzieren ist, dass diese sich unverstanden, nicht wertgeschätzt und einiges mehr fühlen. Hier könnte allerdings ein Blick in die nähere Historie aufschlussreich sein, wonach dies u.a. auch auf selbstgemachte Leiden zurückzuführen ist und da frage ich mich dann tatsächlich, wann die Pflege als Profession gedenkt, Tacheles zu reden.
Die Visionen der Berufsverbände mögen einstweilen beruhigend wirken, aber derjenige, der da glaubt, es werde sich mit einer Pflegekammer alles ändern, weil diese u.a. dafür Sorge tragen werden, dass die Pflege sicherer wird, könnte maßlos enttäuscht werden.
Fakt dürfte sein, dass einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft hier ganz enge Grenzen gesetzt werden und da frage ich mich schon, warum man/frau sich im Zweifel der Mobilität, u.a. auch gehörigen Druck zu entfalten, begeben möchte. Es ist nun wahrlich nicht damit getan, irgendwelche Pflegebetten auf die Zugspitze zu hiefen und ständig daran zu erinnern, dass die professionell Pflegenden sich mißverstanden und nicht anerkannt fühlen. Professionalität könnte sich vielmehr auch darin zeigen, endlich "Butter bei die Fische zu bringen", wie wir Norddeutsche zu sagen pflegen und nicht ständig "jammern". Und selbst dann werden wir vielleicht feststellen, dass das System ein Bollwerk errichtet hat, dass zu verändern mehr als schwierig sein dürfte und demzufolge eine "konzertierte Aktion" erfordert, die in erster Linie auf Art. 9 GG fusst und entsprechende "Macht" zu entfalten in der Lage ist.
Wir benötigen keinen exklusiven, weiteren Debattierklub von Funktionären, sondern eine wirkmächtige Basis, die einerseits für ihre Interessen und damit partiell auch für die Interessen der Patienten und zu Pflegenden eintritt und die sich ständig Gehör verschaffen muss.
Altenheime: Mitarbeiter empört
Beitrag von Presse » 17.08.2010, 08:01
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 16.08.2010
Mönchengladbach (RP) Der Geschäftsführer des Diakonischen Werks, Heinz-Herbert Paulus, hält die Razzien von Polizei und Staatsanwaltschaft für „völlig überzogen“. Dies habe zur Verunsicherung bei Mitarbeitern gesorgt. Die Ermittlungen wegen möglicher Körperverletzung und fahrlässiger Tötung in 34 Fällen laufen auf Hochtouren.
Der Skandal im Caritas-Seniorenzentrum Giesenkirchen und die Ermittlungen der Polizei in 34 Fällen wegen möglicher schwerer strafbarer Pflegefälle ist Wasser auf Schells Mühlen, der seit Jahren für bessere Bedingungen in Alten- und Pflegeheimen kämpft. „Eines steht für mich fest: Wenn wir die Pflegebedingungen nicht erheblich verbessern und mehr Personal in die Häuser bringen, werden sich solche Fälle wiederholen“, sagt er.
http://www.rp-online.de/niederrheinsued ... 94594.html
Einheit in der Vielfalt: "Aktionsbündnis Pflege"
Beitrag von Brigitte Bührlen » 17.08.2010, 10:24
Mönchengladbach ist überall: Jeder, der sich mit Pflege beschäftigt, weiß das!
Millionen wissen es: Politiker, Wohlfahrtsverbände, Selbsthilfeorganisationen, Pflegekräfte, Juristen, Mediziner, Pfarrer, Journalisten, Otto Normalbürger .........
Eigentlich wissen wir alle, dass das Preis-Leistungsverhältnis in der Pflege hinten und vorne nicht stimmt.
Pflege ist ein boomender Markt , auf dem sich viele tummeln, die häufig nur in der Theorie gute Pflege leisten.
Es gibt eine Unmenge von Studien, Projekten, Kongressen, Tagungen, Schriften zum Thema.
Wieviele Leitbilder, wieviele schöne schwarze Buchstaben auf weissem Papier gibt es ? Was wird damit in der Praxis bewirkt?
Wir brauchen transparente Rahmenbedingungen, die es Menschen ermöglichen sich um andere Menschen zu kümmern, sich auch emotional aufeinander einzulassen.
Pflege ist ganzheitlich, da geht es neben dem Körper auch um Geist und Seele sowohl des Gepflegten als auch des Pflegenden.
Allein der Pflegebedürftige (also heute oder morgen jeder von uns!) rechtfertigt das ganze Pflegesystem.
Was fehlt ist eine Lobby von uns Bürgern für Gepflegte und Pflegende.
Nur wir, die Bevölkerung kann etwas bewirken, wir sind Wähler und Finanziers des Systems.
Wie viele Organisationen, Gruppierungen, Initiativen und Einzelpersonen beschäftigen sich im ganzen Land mit Pflegemissständen?
Sollte es wirklich unmöglich sein ein "Aktionsbündnis Pflege" zu gründen?
Ich denke, wir müssen gemeinsam handeln, mit Beschreiben und Beklagen des Ist-Zustandes bewirken wir zu wenig.
Wir sollten in Zukunft als "Einheit in der Vielfalt" agieren
Wenn eine solche Initialzündung von Neuss ausgehen würde: wunderbar!
betroffenerVerwandter
Registriert: 20.08.2010, 20:14
Beitrag von betroffenerVerwandter » 22.08.2010, 17:03
Die Zustände wären andere, wenn zeitgerecht präventiv gegen die Verantwortlichen vorgegangen würde ! Viele alte Menschen hätten vor Schaden bewahrt werden können ...
Seit einiger Zeit wird über die Zustände in der Mönchengladbacher Heimversorgung geklagt. Sicherlich hätten, wenn dies nicht vertuscht worden wäre, viele alte Menschen vor Schaden bewahrt werden können. - Bis heute ist niemand zur Rechenschaft gezogen worden !
Re: Pflegemängel in Heimen – ´Mönchengladbach ist überall`
Beitrag von ProPflege » 23.08.2010, 09:48
ProPflege hat geschrieben: ....
ich habe mich mit dem nachfolgenden Brieftext vom 16.08.2010 geäußert und eine Sachstandsmitteilung erbeten. Leider habe ich bis heute keine Rückmeldung erhalten. Ich darf daher an die Erledigung erinnern. Dies auch deshalb, weil hier ständig Anfragen, per Telefon und E-Mail, eingehen und die Menschen wissen wollen, wie die Ermittlungssituation ist und konkret welche Einrichtungen betroffen sind. Die Verunsicherung ist groß!
Für Ihre Bemühungen vielen Dank!
Brieftext vom 16.08.2010: - siehe oben !
Beitrag von thorstein » 23.08.2010, 21:19
Mit dem eher unspezifisch gehaltenen Hinweis auf "systemische Mängel oder Unzulänglichkeiten" wird der um Aufklärung eines konkreten Sachverhalts Bemühte kaum etwas anfangen können, zumal es auch darum geht, entweder pflegerische "Fehlschläge" oder "Organisationsverschulden" aufzuklären, die unmittelbar zu Körperverletzungstatbeständen, ggf. auch mit Todesfolge, geführt haben.
Warum werden von ihnen Dienstpläne und/ oder vereinbarte Personalschlüssel als unspezifisch gehaltene Hinweise interpretiert. Wie konkret oder spezifisch hätten sie es denn gerne?