Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerfGE%206,%2055
Timestamp: 2019-04-25 15:21:36
Document Index: 259434499

Matched Legal Cases: ['Art. 100', 'Art. 6', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 6', '§ 26', '§7', '§7', '§ 32', '§ 8']

Art. 100 Abs. 1 GG;
Art. 6 Abs. 1 GG als 'Grundsatznorm', Bedeutung von Art. 3 Abs. 2 GG
Zusammenveranlagung zur Einkommenssteuer der Ehegatten; Befugnis und Verpflichtung zur Vorlage an das Bundesverfassungsgericht; Heilung eines Verfahrensmangels bei Vorlagen an das Bundesverfassungsgericht; Zulässigkeit eines Normenkontrollantrages; Begriff des vorkonstitutionellen Rechts; Prüfungszuständigkeit des Bundesverfassungsgerichts für vorkonstitutionelle Normen; Begrenzung des gesetzgeberischen Ermessensspielraum; Unvereinbarkeit einer gesetzlichen Bestimmung mit einer speziellen Grundsatznorm; Schutzbereich und dessen Grenzen des Grundrechts von "Ehe und Familie"; Bedeutung des Grundrechts "Ehe und Familie" für das Steuerrecht; Maßstab für die Gleichberechtigung der Frau; Grundsatz der Individualbesteuerung; "Edukationseffekt" bei der Zusammenveranlagung der Ehegatten; Grundsatz der Gleichberechtigung der Geschlechter; Grundsatz der allgemeinen Steuergerechtigkeit
2:0 für Zehentmaier
DB 1957, 179
Art. 3 Abs. 1 GG bindet den Steuergesetzgeber an den Grundsatz der Steuergerechtigkeit (BVerfGE 6, 55 ), der gebietet, die Besteuerung an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit auszurichten.
Damit sind Bestimmungen unvereinbar, welche die Familie schädigen, stören oder sonst beeinträchtigen könnten (vgl. BVerfGE 6, 55 ; 55, 114 ).
Zur steuerlichen Abbildung einer solchen Gemeinschaft wären auch andere gesetzliche Ausgestaltungsmöglichkeiten gegeben gewesen, zum Beispiel der Abzug von Unterhaltsaufwendungen wie beim Realsplitting oder auch die Zusammenveranlagung ohne Anwendung des Splittingtarifs, wie dies vor der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 17. Januar 1957 (BVerfGE 6, 55) der Fall gewesen sei.
Diese Gleichbehandlung entspricht auch der Intention des historischen Gesetzgebers, der zur Vermeidung der durch die bloße Zusammenveranlagung entstandenen Benachteiligung von Ehepartnern (BVerfGE 6, 55) bewusst nicht ausschließlich die getrennte Veranlagung bestimmt, sondern das Splittingverfahren eingeführt hat.
a) Art. 6 Abs. 1 GG enthält eine wertentscheidende Grundsatznorm für das gesamte die Familie betreffende private Recht (vgl. BVerfGE 6, 55 ).
Diese extensive Auslegung entspricht dem in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts aufgestellten Grundsatz, wonach in Zweifelsfällen diejenige Auslegung zu wählen ist, welche die juristische Wirkungskraft der Grundrechtsnorm am stärksten entfaltet" (BVerfGE 32, 54 [71]; 6, 55 [72]).
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