Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/operation-ohne-wirksame-einwilligung-und-der-hypothetische-schaden-ohne-operation-3109038
Timestamp: 2020-07-02 23:36:52
Document Index: 215564904

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Operation ohne wirksame Einwilligung - und der hypothetische Schaden ohne Operation | Rechtslupe
Operation ohne wirksame Einwilligung - und der hypothetische Schaden ohne Operation
Ope­ra­ti­on ohne wirk­sa­me Ein­wil­li­gung – und der hypo­the­ti­sche Scha­den ohne Ope­ra­ti­on
Hat eine – man­gels wirk­sa­mer Ein­wil­li­gung – rechts­wid­rig aus­ge­führ­te Ope­ra­ti­on zu einer Gesund­heits­be­schä­di­gung des Pati­en­ten geführt, so ist es Sache der Behand­lungs­sei­te zu bewei­sen, dass der Pati­ent ohne den rechts­wid­rig aus­ge­führ­ten Ein­griff die­sel­ben Beschwer­den haben wür­de, weil sich das Grund­lei­den in min­des­tens ähn­li­cher Wei­se aus­ge­wirkt haben wür­de [1].
In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ist die Ent­fer­nung des Tumors rechts­wid­rig, näm­lich ohne die erfor­der­li­che Ein­wil­li­gung der Eltern erfolgt. Die post­ope­ra­tiv fest­stell­ba­re apal­li­sche Schä­di­gung der Toch­ter beruh­te kau­sal auf der Tumor­re­sek­ti­on. Unter die­sen Umstän­den waren die Eltern nicht ver­pflich­tet, zudem dar­zu­le­gen und zu bewei­sen, dass die gel­tend gemach­ten Schä­den – die Ope­ra­ti­on hin­weg­ge­dacht – nicht ohne­hin auf­grund der Grund­er­kran­kung ihrer Toch­ter ein­ge­tre­ten wären.
Hat eine rechts­wid­rig aus­ge­führ­te Ope­ra­ti­on zu einer Gesund­heits­be­schä­di­gung des Pati­en­ten geführt, so ist es Sache des beklag­ten Arz­tes zu bewei­sen, dass der Pati­ent ohne den rechts­wid­rig aus­ge­führ­ten Ein­griff die­sel­ben Beschwer­den haben wür­de, weil sich das Grund­lei­den in min­des­tens ähn­li­cher Wei­se aus­ge­wirkt haben wür­de [2]. Dies ent­spricht dem all­ge­mei­nen Grund­satz, wonach der Schä­di­ger zu bewei­sen hat, dass sich ein hypo­the­ti­scher Kau­sal­ver­lauf bzw. eine Reser­ve­ur­sa­che eben­so aus­ge­wirkt haben wür­de, wie der tat­säch­li­che Gesche­hens­ab­lauf [3].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. März 2016 – VI ZR 467/​14
im Anschluss an BGH, Urteil vom 05.04.2005 – VI ZR 216/​03, VersR 2005, 942[↩]
BGH, Urtei­le vom 13.01.1987 – VI ZR 82/​86, VersR 1987, 667, 668; vom 05.04.2005 – VI ZR 216/​03, VersR 2005, 942; vgl. auch BGH, Urtei­le vom 07.10.1980 – VI ZR 176/​79, BGHZ 78, 209, 214; vom 06.12 1988 – VI ZR 132/​88, BGHZ 106, 153, 156[↩]
BGH, Urteil vom 05.04.2005, aaO[↩]
Wenn nur der Chef­arzt ope­rie­ren soll Ein Pati­ent, der nur durch den Chef­arzt ope­riert wer­den will und nicht durch sei­nen Ver­tre­ter, hat dies bei sei­ner Ein­wil­li­gung zur Ope­ra­ti­on oder in sei­nem…
ArzthaftungBeweislastEinwilligungOperation