Source: https://studylibde.com/doc/2525279/integration-des-marktliquidit%C3%A4tsrisikos-in-das
Timestamp: 2020-05-27 02:27:04
Document Index: 378097801

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 2', '§ 3', '§ 3', '§ 20', '§ 3']

Integration des Marktliquiditätsrisikos in das
Frankfurt School – Working Paper Series
Risikoanalysekonzept des Value at Risk
Florian Völker, Heinz Cremers & Christof Panzer
Most traditional Value at Risk models neglect market liquidity risk and hence only
consider the market price risk (i.e. risk associated with holding a certain position).
In order to fully capture the market risk associated to holding and trading a position, we first define market liquidity risk, its dimensions (tightness, depth, resiliency,
immediacy) and causes (exogenous / endogenous). We then present and evaluate different liquidity-adjusted Value at Risk models which capture one or more dimensions
of market liquidity risk and thereby present a more true view on the overall market risk.
This paper also spotlights how Basel III regulation defines liquid assets, derived from
the Liquidity Coverage Ratio (LCR) framework, and evaluates if this regulation adequately reflects market liquidity risk. We conclude that the LCR concept is flawed as
the defined buckets of liquid assets do not reflect the true liquidity of certain assets.
Furthermore it can be said that the defined buckets might result in heightened systematic risk as banks will focus on certain asset classes. Additionally the corporate
fixed income sector might experience a crowding out as these assets will appear less
rewarding to banks.
Keywords: Market Risk, Market Liquidity Risk, Market Microstructure, Liquidityadjusted Value-at-Risk, Basel III, Liquidity Coverage Ratio, Liquid Assets
JEL Classification: C1, C14, C16, D4, G1, G32
ISSN: 1436-9753
Florian Völker
Florian [email protected]
Christof Panzer, Dipl.-Betriebsw. (FH)
Furthammer 6a
95709 Tröstau
This article was published in Frankfurt.
Abkürzungs- und Symbolverzeichnis
2 Das Marktliquiditätsrisiko
2.1 Definition des Marktliquiditätsrisikos . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.2 Abgrenzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3 Aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen
3.1 Bestehende Rahmenbedingungen und Empfehlungen . . . . . . . . . . .
3.2 Reformbemühungen und geplante Änderungen . . . . . . . . . . . . . .
4 Modellierung von Marktliquiditätsrisiken
4.1 Die Marktbreite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
4.1.1 Elemente der Geld-Brief-Spanne . . . . . . . . .
4.1.2 Risikomodellierung der exogenen Komponente .
4.1.3 Risikomodellierung der endogenen Komponente
4.2 Die Markttiefe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
4.2.1 Risikomodellierung der exogenen Komponente .
4.2.2 Risikomodellierung der endogenen Komponente
4.3 Die Marktelastizität . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Integration des Marktliquiditätsrisikos in das
LiqAdj-VaR
Available Stable Funding (Verfügbare stabile Refinanzierung)
Liquiditätsverordnung
Long Term Capital Management (US Hedge Fund)
Methode kleinster Quadrate
Außerbörslicher Handel
Parametrischer Value at Risk
Required Stable Funding (Benötigte stabile Refinanzierung)
Temporärer Abschlag der Geld-Brief-Spanne
Koeffizient des permanenten Preise↵ekts
Liquiditätskoeffizient
Koeffizient zur Anpassung des Erwartungswertes im VaR-Modell
Korrekturfaktor im VaR-Modell zur Berücksichtigung der Kurtosis
Koeffizient des temporären Preise↵ekts
Kurtosis oder Wölbung
Normalverteilte unabhängige Zufallsvariable
Drift des Preises
Koeffizient zur Anpassung der Standardabweichung im VaR-Modell
Standardabweichung, Volatilität
Standardabweichung der durchschnittlichen rel. Geld-Brief-Spanne
Zeitintervall zwischen zwei Teilorders
Koeffizient des Verhältnisses zwischen Transaktionskosten und
Koeffizient der Transaktionskosten des Market Makers
Koeffizient des Grades der Informationsasymmetrie
Exogene Liquiditätskosten
Unsystematisches Risiko eines Portfolios
Illiquidtätsratio nach Amihud (2002)
Gesamtes zu veräußerndes Handelsvolumen
Gleichgewichtspreis vor Orderausführung
Ausführungpreis
Gleichgewichtspreis nach Orderausführung
Erzielbarer Ausführungspreis
Preisfunktion / Preisbildungsfunktion
N ⇥ 1 Vektor der Portfoliopositionen
Benchmarktrendite
Durchschnittliche relative Geld-Brief-Spanne
Implizite Geld-Brief-Spanne
Absolute Ordergröße
Durchschnittliche absolute Ordergröße
Tägliches Handelsvolumen
Größe der aktuellen Teilorder
Handelsrichtungsindikator: Kauforder = +1 / Verkaufsorder = -1
Exogene Preisfaktoren
Dichtefunktion des Nettoportfoliowertes (NAV)
Anfänglicher Portfoliobestand in einer Position
Größe der bereits ausgeführten Teilorders
Die Liquidität und Marktfähigkeit der verschiedensten Finanzprodukte hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen. So gab es stets neue Finanzinnovationen, die es
den Banken ermöglichten immer flexibler zu agieren und die Finanzmärkte transformierten sich vom langsamen, behäbigen Parketthandel hin zum schnelleren, effizienteren und liquideren Computerhandel. So finden, nach Angaben der Deutschen Börse
AG, über 95% des Börsenhandels in deutschen Titeln auf der elektronischen Handelsplattform Xetra statt, der Rest verteilt sich auf den Präsenzhandel und die lokalen
Börsen. Hierdurch konzentriert sich ein Großteil der Liquidität auf einen Handelsplatz.
Diese Entwicklung wird auch klassische OTC (Over-The-Counter) Märkte betre↵en, da
Finanzprodukte wie Credit Default Swaps oder Interest Rate Swaps in naher Zukunft
Stück für Stück standardisiert und auf elektronischen Plattformen angeboten werden.
Diese technische Evolution findet an zahlreichen Märkten statt, darf die Marktteilnehmer aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es durchaus zu Situationen kommen
kann, in denen sie ihre Positionen nicht ohne weiteres zu einem fairen Marktpreis
schnell und günstig glattstellen können. Dies zeigte sich beispielsweise 1998 als der
Kollaps des Long Term Capital Management (LTCM) Hedge Fonds das Austrocknen
einiger lokaler Bondmärkte zur Folge hatte. Auch der von David Einhorn gemanagte Hedge Fonds Greenlight Capital musste ähnliche Erfahrungen machen als er seine
Leerverkäufe von VW Stammaktien während des Übernahmepokers zwischen Porsche
und VW nicht oder nur mit astronomisch hohen Verlusten glattstellen konnte. Auch
in den Jahren 2007/2008, während der sogenannten Credit Crisis“, zeigte sich diese
Marktilliquidität in einigen Anlageklassen; beispielsweise als sich auch für zahlreiche
durchaus hochwertige Asset Backed Securities kein fairer Marktpreis mehr finden ließ.
Aufgrund dieser Krisen wird die Marktliquidität auch in Zukunft vermehrt im Fokus der Aussichtsbehörden stehen. Erste Ansätze für diese Entwicklung lassen sich
unter anderem im Konzeptpapier Basel III“ des Baseler Ausschusses der Bank for In”
ternational Settlements (BIS) finden. Trotz dieser regulatorischen Ansatzpunkte wird
dem Marktliquiditätsrisiko, im Speziellen im Risikomanagement, noch nicht genügend
Bedeutung eingeräumt.
Im Rahmen dieser Bachelor-Thesis soll zunächst der Begri↵ Marktliquiditätsrisiko“
definiert und gegenüber anderen, ähnlichen Risikoarten abgegrenzt werden. Es wird
hierbei auf die verschiedenen Dimensionen der Marktliquidität und deren Zusammenhänge eingegangen werden. Im Anschluss werden die neusten aufsichtsrechtlichen Vorgaben bezüglich des Managements der Liquiditätsrisiken, insb. des Marktliquiditätsrisikos, betrachtet. Danach werden verschiedene empirische Methoden zur Messung und
Steuerung des Marktliquiditätsrisikos dargestellt und eine Bewertung dieser getro↵en.
Das Marktliquiditätsrisiko
Definition des Marktliquiditätsrisikos
Eine einheitliche und abschließende Definition von Marktliquidität und folglich des
Marktliquiditätsrisikos ist in der Literatur nicht gegeben. So definiert beispielsweise die Deutsche Bundesbank (2008, p.60) die Marktliquidität als eine Eigenschaft
von Finanzmärkten (oder Märkten im Allgemeinen), die es den Marktteilnehmern
ermöglicht, Vermögensgegenstände zu beliebigen Zeitpunkten und ohne hierdurch verursachte Preisänderungen zu veräußern. Leider ist diese Definition unvollständig und
muss um den Erwerb von Vermögensgegenständen erweitert werden. Diese Ergänzung
berücksichtigt somit das Eindecken von Leerverkäufen und ist deshalb vollständiger.
Diese Berücksichtigung wird unter anderem von der Banque de France (vgl. Bervas;
2006, p.64) getro↵en. Die so definierte Marktliquidität lässt sich somit im Folgenden
in vier Dimensionen darstellen und quantifizieren (vgl. Kyle; 1985; Black; 1971):
Marktbreite, als Spanne zwischen Geld- und Briefseite, misst die indirekten Kosten,
die durch das kurzfristige Auflösen einer Position entstehen würden.
Markttiefe, die angibt welches Transaktionsvolumen ohne Auswirkung auf den Marktpreis sofort gehandelt werden kann.
Marktelastizität, als Auskunft über die Geschwindigkeit, mit welcher der Marktpreis
nach einer getätigten, den Marktpreis beeinflussenden Transaktion wieder auf das
Marktgleichgewichtsniveau zurückkehrt.
Dauer der Orderausführung, die widerspiegelt welche Zeit zwischen Orderaufgabe
und vollständiger Ausführung vergeht.
Die Marktbreite ist für den Händler eine Messgröße für die indirekten Transaktionskosten, d.h. ohne Berücksichtigung der direkten Kosten wie Brokercourtage, Börsenspesen
oder sonstigen Ticketkosten. Ferner ist die Marktbreite von Produkt zu Produkt unterschiedlich. Der Liquiditätsfaktor Markttiefe ist an einigen Börsenplätzen teilweise
ersichtlich, da den Marktteilnehmer graduell Einblick in das Orderbuch (und somit in
die sogenannte Orderbuchtiefe) gewährt wird. Die Größen Marktelastizität und Dauer
der Orderausführung hingegen sind für die Marktteilnehmer nicht vor Orderaufgabe
greifbar. Somit sind die Dimensionen zumindest teilweise unbekannt, stellen aber die
wesentlichen Indikatoren für die Fähigkeit eines Marktes oder Teilmarktes dar, größere
Handelsvolumina ohne negative Auswirkung auf den Preis umzusetzen.
Folglich beschreibt das Marktliquiditätsrisiko jenes Risiko, aufgrund dessen der Preis
eines Vermögensgegenstands im Zeitpunkt des Erwerbs oder der Veräußerung vom
erwarteten fairen Marktpreis im unzureichend liquiden Markt abweicht und somit ein
Verlust in bestimmter Höhe realisiert werden würde.
Abbildung 1: Dimensionen der Marktliquidität (vgl. Bervas; 2006, p.65)
Anmerkung: Die Geldseite PBid und der Briefseite PAsk sind für die Ordergrößen OA und OA’ gegeben.
Die Geld-Brief-Spanne spiegelt die Marktbreite wieder. Die Losgrößen OA und OA’ können ohne
adverse Preisbewegung gehandelt werden und geben die Markttiefe wieder. Die Bereiche links von
A bzw. rechts von A’ spiegeln das Ausmaß der adversen Preisbewegung wieder, die durch großes
Ordervolumen ausgelöst werden kann. Der Aspekt Marktelastizität wird durch das Rückkehren des
Marktpreises in den Bereich AA’ wiedergegeben. Die Dauer der Orderausführung wird in der Grafik
Einzelne Größen wie börsentäglich getätigte Umsätze (Stückvolumen, Wertvolumen
und relatives Wertvolumen) oder die Frequenz von Transaktionen sind hingegen nicht
für die Definition oder als Messgröße heranzuziehen. Diese sind einerseits nur vergangenheitsbezogen und können andererseits durch Faktoren wie hohen Taktfrequenzen
mit niedrigen Volumina oder sehr wenigen gehandelten Stückzahlen in teuren Stücken
verzerrt sein (vgl. Gomber und Schweickert; 2002; Johnson; 2008).
Andere für die Definition zu berücksichtigende Aspekte sind die endogenen bzw. exogenen Komponenten des Marktliquiditätsrisikos, d.h. die Ursachen für die Illiquidität
eines Marktes (vgl. Bangia et al.; 1999, pp.3–4):
Exogene Ursachen für Illiquidität sind die Charakteristiken eines (Teil-)Marktes.
Diese können nicht durch einzelne Marktteilnehmer beeinflusst werden (ausgenommen im Oligopol & Monopol), sehr wohl aber durch alle Marktteilnehmer
gemeinsam. So gilt beispielsweise der Devisenmarkt für G7-Währungen als sehr
liquide wohingegen der Markt für Nigerianische Unternehmensanleihen eher dünn
sein dürfte.
Endogene Ursachen für Illiquidität sind hingegen die (zu großen) Handelspositionen
eines einzelnen Marktteilnehmers und die durch sie ausgelösten adversen E↵ekte
auf den Marktpreis. Die kritische Masse, die zu adversen Preisbewegungen führt,
variiert abhängig von Marktteilnehmer und Markt.
Um die Problemstellungen rund um die Messung und Steuerung des Marktliquiditätsrisikos, im Sinne von durch Handelsaktivität ausgelöste adverse Marktbewegungen,
tiefer analysieren zu können, muss dieses Risiko zunächst exakt abgegrenzt werden, da
der Begri↵ Liquiditätsrisiko in der Finanzwelt verschieden und missverständlich verwendet wird. Unter dem Begri↵ Liquiditätsrisiko kann im Bankwesen unter anderem
Abrufrisiko beschreibt das Risiko, dass es zu einem sogenannten bank run“ kommt,
die Kunden der Bank plötzlich unerwartet viele ihrer Einlagen liquidieren und
die betro↵ene Bank daraufhin zahlungsunfähig / insolvent wird.
Terminrisiko beschreibt das Risiko, dass geplante Zahlungseingänge nicht oder nur
verspätet eintre↵en und somit die Liquiditätslage der Bank massiv gestört wird.
Refinanzierungsrisiko beschreibt das Risiko, dass die Fristentransformation bzw.
Fristenkongruenz zwischen Aktiv- und Passivseite der Bankbilanz erheblich gestört
ist, was wiederum bedeutet, dass die betro↵ene Bank nicht mehr über eine ausreichende Refinanzierung ihrer Aktivseite bzw. Anlagen verfügt.
Marktliquiditätsrisiko beschreibt jenes Risiko, aufgrund dessen der Preis eines Vermögensgegenstands im Zeitpunkt des Erwerbs oder der Veräußerung vom erwarteten fairen Marktpreis im unzureichend liquiden Markt abweicht und somit ein
Verlust realisiert werden würde.
Die ersten drei Risikoarten (Abruf-, Termin- und Refinanzierungsrisiko) werden definitorisch häufig unter dem Begri↵ des allgemeinen Refinanzierungsrisikos zusammengefasst, da sie alle direkt oder indirekt ein Risiko beschreiben, das mit der jederzeitigen
Zahlungsfähigkeit des Kreditinstitutes zusammenhängt.
Das Marktliquiditätsrisiko hingegen wird in der Literatur (vgl. Bangia et al.; 1999,
pp.3–4) als Komponente des Marktrisikos klassifiziert. Es wird argumentiert, dass das
Zusammenspiel aus Marktpreisrisiko und Marktliquiditätsrisiko den realisierbaren Gegenwert einer Handelsposition beschreibt. Das Marktliquiditätsrisiko tritt nur im Zeitpunkt des Erwerbs oder der Veräußerung auf, wohingegen das Marktpreisrisiko während
der gesamten Haltedauer der Position besteht (vgl. Berkowitz; 2000). Diese Definition
und Abgrenzung gegenüber den Refinanzierungsrisiken ist berechtigt. Aber sowohl Refinanzierungsrisiken als auch Marktrisiken gehören zur Gruppe der Finanzrisiken.
Abbildung 2: Einordnung der Risikoarten
Des Weiteren muss das Marktliquiditätsrisiko noch vom Marktpreisrisiko abgegrenzt
werden. Beide Risikoarten lassen sich unter dem Sammelbegri↵ Marktrisiko zusammenfassen. Das Marktpreisrisiko beschreibt die Gefahr, dass sich der Marktpreis eines
Vermögensgegenstandes entgegen der Erwartung des Investors entwickelt. Dieses Risiko
besteht schon bei bloßem Eingehen einer Position, wohingegen das Marktliquiditätsrisiko erst bei Handelsaktivität sichtbar wird. Das Marktpreisrisiko wird darüber hinaus
noch nach systematischem (nicht diversifizierbarem) und unsystematischem (diversifizierbarem) Risiko unterschieden (vgl. Brealey et al.; 2008, pp.192–193).
Neben den Marktrisiken gehört noch das Kreditrisiko zu der Gruppe der Ertragsrisiken.
Das Kreditrisiko bezeichnet die Gefahr, dass ein Kreditnehmer den gewährten Kredit
und eventuell ausstehende Zinszahlungen nicht, nicht pünktlich oder nicht vollständig
tilgt. Zum Kreditrisiko werden auch erhöhte Kosten gezählt, die aufgewendet werden
müssen um die ausstehenden Zahlungen beizubringen.
Als drittes Risiko nennen die MaRisk (Mindestanforderungen an das Risikomanagement) das operationelle Risiko. Auch das operationelle Risiko wird den Ertragsrisiken
zugeordnet. Die operationellen Risiken beschreiben alle betrieblichen Risiken durch die
dem Kreditinstitut ein Schaden entstehen kann, hierzu gehören beispielsweise Betrug
durch Mitarbeiter, Systemausfälle oder mangelhafte interne Prozesse. Nach MaRisk
sind lediglich die drei Ertragsrisikoarten mit Eigenkapital zu unterlegen. Für die Liquiditätsrisiken im Sinne von Refinanzierungsrisiken werden lediglich qualitative, nicht
quantifizierte Mindestanforderungen angeführt.
Im Folgenden wird nun auf die gesetzlichen Anforderungen bzgl. des Marktliquiditätsrisikos eingegangen, da dies einer der thematischen Schwerpunkte der vorliegenden
Im folgenden Abschnitt sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die aufsichtsrechtlichen Empfehlungen bezüglich der Liquidität im Allgemeinen und der Marktliquiditätsrisiken im Speziellen näher beleuchtet werden. Es soll auch ersichtlich werden wie
die Aufsichtsbehörden die Risiken im Laufe der Zeit neu interpretieren. Darüber hinaus
soll analysiert werden ob und ggf. wie der Gesetzgeber Vermögensgegenstände als li”
quide“ definiert. Zu den relevantesten Quellen hierfür gehören das Kreditwesengesetz
(KWG), die darauf aufbauende Liquiditätsverordnung (LiqV), die mit den Mindestanforderungen für das Risikomanagement (MaRisk) umgesetzten Basel-II-Richtlinien
sowie die zwei weiteren Empfehlungen des Baseler Komitees Sound Practices for Ma”
naging Liquidity in Banking Organisations“ und Principles for Sound Liquidity Risk
Management and Supervison“. Im Anschluss der Analyse folgt ein Ausblick auf geplante aufsichtsrechtliche Änderungen.
Bestehende Rahmenbedingungen und Empfehlungen
Die älteste und allgemeinste Bestimmung bezüglich der Liquidität findet man im Kreditwesengesetz, dessen erste Fassung bereits im Jahr 1934 verö↵entlicht wurde. Hierin
heißt es in der aktuellen Fassung in § 11 (1) S.1 KWG: Institute müssen ihre Mittel so
anlegen, dass jederzeit eine ausreichende Zahlungsbereitschaft (Liquidität) gewährleistet
ist (. . . ).“ Dies bedeutet nun einerseits, dass kurzfristige, dispositive und längerfristige, strukturelle Liquiditätsrisiken vermieden werden müssen. Indirekt bedeutet diese
Ö↵nungsklausel auch, dass Aktiva schnell liquidierbar sein sollen um jederzeitige Zahlungsbereitschaft zu garantieren.
Diese noch sehr vage und interpretierbare Norm wird seit 2007 durch die Liquiditätsverordnung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) konkretisiert.
Den wesentlichen Grundstein stellt § 2 (1) LiqV dar: Die Liquidität eines Instituts gilt
als ausreichend, wenn die zu ermittelnde Liquiditätskennzahl den Wert von eins nicht
unterschreitet. Die Liquiditätskennzahl gibt das Verhältnis zwischen den im Laufzeitband 1 verfügbaren Zahlungsmitteln und den während des Zeitraums abrufbaren Zahlungsverpflichtungen an.“ Zusammengefasst dargestellt muss demnach erfüllt sein:
Zahlungsmittel des Lauf zeitbandes
Zahlungsverpf lichtungen des Lauf zeitbandes
Diese Vorschrift verdeutlicht, dass der Gesetzgeber der dispositiven Liquidität in Laufzeitband 1 (täglich oder in bis zu einem Monat fällig) fokussiert. Insgesamt decken die
vier Laufzeitbänder nur eine Laufzeit von bis zu zwölf Monaten ab. Die Beachtung der
Aufsicht findet im Detail nur Laufzeitband 1, die Bänder 2-4 werden nur beobachtet.
Der mit Bezug zu den Marktliquiditätsrisiken aufschlussreichste Teil ist die Definition des Gesetzgebers für liquide Aktiva; d.h. Aktiva, die als schnell und ohne adverse Preisbewegung liquidierbar gelten. Hierzu werden Zahlungsmittel oder für diesen
Zweck äquivalente Aktiva unabhängig von Laufzeiten in § 3 (1) LiqV als liquide definiert. Im Sinne des § 3 (1) LiqV gelten der Kassenbestand, Guthaben bei Zentralbanken, Inkassopapiere, unwiderrufliche Kreditzusagen von anderen Kreditinstituten,
börsennotierte Wertpapiere, die nach dem strengen Niederstwertprinzip bewertet werden, zentralbankfähige Wertpapiere, gedeckte Schuldverschreibungen i.S.d. § 20a KWG
und Fondsanteile i.H.v. 90% ihres Anteilswertes, sofern sie nach strengem Niederstwertprinzip bewertet werden, als generell liquide. Darüber hinaus werden unter anderem
Forderungen an Zentralbanken, Kreditinstitute und Kunden, bei der Zentralbank refinanzierbare Wechsel sowie andere festverzinsliche Wertpapiere als liquide erachtet,
wenn ihre Laufzeit kleiner ein Jahr ist. Diesen Zahlungsmitteln gegenüber stehen prozentual gewichtete Zahlungsverpflichtungen entsprechend ihrer Laufzeiten.
Insbesondere bemerkenswert ist, dass die Vermögenswerte des Postens Börsennotierte
Wertpapiere“ (§ 3 (1) Nr. 5 LiqV) allein aufgrund ihrer Notierung an einer Börse als
liquide Zahlungsmittel gelten. Marktliquiditätsrisiken finden somit zwar explizit keine
Beachtung, aber es ist zumindest mit der Börsennotierung eine Mindestanforderung an
die Liquidierbarkeit der Aktiva formuliert. Insgesamt ist anzumerken, dass der Gesetzgeber das Hauptaugenmerk auf Refinanzierungsrisiken legt.
In den Empfehlungen des Baseler Komitees Sound Practices for Managing Liquidi”
ty in Banking Organisations“ (BIS; 2000) werden die Marktliquiditätsrisiken hingegen
nicht thematisiert. Das Hauptaugenmerk liegt abermals auf den Refinanzierungsrisiken. Die Liquidierbarkeit von Aktiva als Risikokomponente findet erst in den Jahren
2006/2007 mit Umsetzung der Basel-II-Richtlinien in den MaRisk wieder Bedeutung.
Dies geschieht einerseits im Rahmen der Marktpreisrisiken; so heißt es in BTR 2.1 Nr.
3: Die Verfahren zur Beurteilung der Marktpreisrisiken sind regelmäßig zu überprüfen.
Es ist zu überprüfen, ob die Verfahren auch bei schwerwiegenden Marktstörungen zu
verwertbaren Ergebnissen führen. (. . . )“ Zu den schwerwiegenden Marktstörungen ist
ausdrücklich auch die erschwerte Liquidierbarkeit von Aktiva zu zählen. Somit muss
das Marktliquiditätsrisiko als Komponente des Marktrisikos in die Risikomodelle einfließen. Andererseits findet das Marktliquiditätsrisiko Erwähnung in BTR 3.1 Nr. 4
bzgl. der Liquiditätsrisiken (i.S.v. Refinanzierungsrisiken). Hier heißt es, dass auch bei
angespanntem Marktumfeld die Liquidierbarkeit von Vermögensgegenständen gegeben
sein muss. Dabei sei insbesondere auch auf den Liquiditätsgrad der Vermögenswerte zu
achten, denn im Falle einer kurzfristig eintretenden Verschlechterung der Liquiditätssituation hat das Institut eine ausreichend bemessene, nachhaltige Liquiditätsreserve
(z.B. hochliquide, unbelastete Vermögensgegenstände) vorzuhalten.
Das Marktliquiditätsrisiko rückte, durch die Ereignisse der Finanzkrise, in den Jahren
nach 2007 verstärkt in den Fokus der Aufsichtsbehörden. Die Principles for Sound
Liquidity Risk Management and Supervison“ (BIS; 2008) erwähnen gleich zu Beginn
das Marktliquiditätsrisiko. Hier heißt es in Principle 1 Sec. 8: A bank should hold
an adequate liquidity cushion comprised of readily marketable assets to be in a position to survive such periods of liquidity stress. (. . . ) A bank should use appropriately
conservative asssumptions about the marketability of assets and its access to funding.“
Hierbei wird - wie auch in den MaRisk - keine Aussage über Kriterien getro↵en, anhand derer sich die ausreichende Marktliquidität eines Vermögengegenstands messen
lässt. Besonders erwähnenswert ist darüber hinaus Principle 5 Sec. 23, die erstmals
das Marktliquiditätsrisiko (market liquidity risk) explizit nennt und es vom Refinanzierungsrisiko (funding liquidity risk) abgegrenzt betrachtet. Bis zu diesem Zeitpunkt
wurde das Marktliquiditätsrisiko immer mit dem Marktpreisrisiko verknüpft oder aber
im Zusammenhang mit der Liquiditätsreserve als Teil des Refinanzierungsrisikos betrachtet (vgl. Abb. 2).
Reformbemühungen und geplante Änderungen
In den darau↵olgenden Jahren begann ein wichtiger Reformprozess des Risikomanagements und der aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen. Deren Neuerungen fixieren
internationale Rahmenvereinbarungen zu Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften besser bekannt als Basel-III-Richtlinien. Das Ziel des Basel-III-Reformpakets ist es mit
strengeren globalen Regeln für Eigenkapital und Liquidität die Widerstandsfähigkeit
des Bankensektors zu stärken. Intention der Reform ist somit, die Resistenz des Bankensektors gegenüber Schocks aus Stresssituationen im Finanzsektor und in der Wirtschaft, unabhängig von ihrem Ursprung, zu verbessern und so die Gefahr zu verringern,
dass sich Probleme im Finanzsektor auf die Realwirtschaft auswirken (vgl. BIS; 2011).
Im für das Marktliquiditätsrisiko relevanten Liquiditätsteil des Basel-III-Reformpakets
wurde das Rahmenkonzept um zwei Mindeststandards für die Liquiditätsbescha↵ung
ergänzt. Im Rahmen der Liquiditätsbescha↵ung wird auch die Liquidierbarkeit von Aktiva (und somit das Marktliquiditätsrisiko) betrachtet. Die beiden Mindeststandards
dienen zwei unterschiedlichen, aber sich ergänzenden Zielen. Das erste und für uns relevantere Ziel besteht in der Verbesserung der kurzfristigen Widerstandskraft des Liquiditätsrisikoprofils von Banken und bezieht sich somit auf die kurzfristigen, dispositiven
Liquiditätsrisiken (i.S.v. Refinanzierungsrisiken). Es soll sichergestellt werden, dass jede
Bank über ausreichend erstklassige, liquide Aktiva verfügt, um eine erhebliche, einen
Monat andauernde Stresssituation zu überstehen. Zu diesem Zweck entwickelte der
Baseler Ausschuss das Liquidity Coverage Ratio (LCR).
Zur Förderung der Widerstandsfähigkeit der Banken bei Störungen der längerfristigen,
strukturellen Liquidität wurde das Net Stable Funding Ratio (NSFR) gescha↵en. Es
soll einen einjährigen Zeitraum abdecken und zu einer tragfähigen Fristenstruktur bzw.
Refinanzierung führen (vgl. BIS; 2010).
Im LCR sollen die gestressten Nettomittelabflüsse auf der Passivseite durch eine Liquiditätsreserve in Form von ausreichend liquiden, lastenfreien und qualitativ hochwertigen Vermögenswerten gedeckt sein. Folglich muss die Liquiditätslücke einer Bank
jederzeit durch den Verkauf von Aktiva abgesichert werden können. Somit dient das
LCR als Begrenzung der kumulierten Liquiditätsabflüsse, die im Stressszenario in 30
Geschäftstagen auftreten dürfen. Das LCR soll 100% nicht unterschreiten:
Liquide, qualitativ hochwertige V ermögenswerte
N ettomittelabf lüsse im 30tägigen Stressszenario
Grundsätzlich kommen für den Zähler des LCR nur Aktiva infrage, die in gestressten
Märkten unverzüglich und ohne wesentliche Abschläge liquidierbar sind. Darüber hinaus sollen diese Vermögenswerte nicht zur Besicherung anderer Transaktionen dienen
und sollten im Idealfall notenbankfähig sein (vgl. Brzenk et al.; 2011, p.4). Der Baseler
Ausschuss unterscheidet ferner zwischen Aktiva der Stufe 1 und der Stufe 2. Aktiva
der Stufe 1 dürfen unbegrenzt in den Zähler einfließen, Aktiva der Stufe 2 hingegen
nur bis zu einer Höhe von 40% des Bestandes an Aktiva der Stufe 1. Zu den Aktiva
der Stufe 1 gehören nur Barmittel, Zentralbankguthaben und marktgängige Wertpapiere, die Forderungen gegenüber Staaten, Zentralbanken, sonstigen ö↵entlichen oder
supranationale Stellen, verbriefen. Die Aktiva der Stufe 1 müssen darüber hinaus sämtliche der folgenden Voraussetzungen erfüllen: sie müssen eine KSA-Risikogewichtung
von 0% haben, an einem großen, tiefen und aktiven Repo- oder Kassamarkt mit geringem Konzentrationsgrad auch unter Stressbedingungen verlässlich handelbar sein
und sie dürfen nicht eine Verbindlichkeit des Finanzinstitutes bzw. eines verbundenen
Unternehmens sein. Von der KSA-Risikogewichtung von 0% darf bei Staatsanleihen in
Landeswährung abgewichen werden, wenn sie im Heimatland der Bank begeben wurden
oder für eine ausländische Bank in dieser Währung Refinanzierungsrisiken anfallen. Eine weitere Ausnahme von der Regelung bzgl. der 0%-Gewichtung sind Staatsanleihen in
Fremdwährung, wenn der Bank in eben dieser Fremdwährung ein Refinanzierungsrisiko
anfällt. Aktiva der Stufe 1 sind zum Marktwert anzusetzen. Aktiva der Stufe 2 hingegen sind mit einem Abschlag von 15% anzusetzen. Zu den Aktiva der Stufe 2 gehören
marktgängige Wertpapiere, die Forderungen gegenüber Staaten, Zentralbanken, sonstigen ö↵entlichen oder supranationale Stellen verbriefen, wenn sie die oben genannten
Anforderungen erfüllen und ein KSA-Risikogewicht von 20% aufweisen. Ferner gehören
zu den Aktiva der Stufe 2 gedeckte Schuldverschreibungen und Unternehmensanleihen,
wenn diese Anleihen nicht von einem Finanzinstitut oder verbundenen Unternehmen
emittiert worden sind. Auch dürfen sie nicht schlechter als AA- (oder vergleichbar)
bewertet sein. Die durch Stressszenarien bedingten Nettomittelabflüsse fließen in den
Nenner ein. Die Szenarien sind von den nationalen Aufsehern zu definieren und beinhalten instituts- und systemspezifische Schocks (vgl. Brzenk et al.; 2011, p.4).
Das LCR wird durch das NSFR um eine längerfristige, strukturelle Liquiditätskomponente ergänzt. Da das NSFR den Schwerpunkt bei den Refinanzierungsrisiken und
der Fristentransformation setzt, ist es im Rahmen der Betrachtung von Marktliquiditätsrisiken weniger relevant als das LCR. Folglich befindet sich an dieser Stelle nur
eine grobe Zusammenfassung.
Die NSFR-Kennzahl soll sicherstellen, dass die Vermögenswerte zumindest anteilig
durch langfristig gesicherte stabile Mittel refinanziert werden. Das NSFR stellt zu diesem Zweck die verfügbare stabile Refinanzierung (Available Stable Funding, ASF) in
Verhältnis zur geforderten stabilen Refinanzierung (Required Stable Funding, RSF).
N SF R =
V erf ügbare stabile Ref inanzierung
Gef orderte stabile Ref inanzierung
Der Zähler des NSFR ist die Summe der mit den jeweiligen ASF-Faktor gewichteten
Passiva. Der ASF-Faktor soll die Stabilität der Passiva zum Ausdruck bringen. Den
Passiva stehen im Nenner die mit den entsprechenden RSF-Faktor gewichteten Aktiva
gegenüber. Der RSF-Faktor soll festlegen mit welcher Gewichtung Aktiva nach Vorstellung des Baseler Komitees mit langfristigen Passiva unterlegt werden sollen. Durch die
Gewichtung soll also der Liquiditätseigenschaft der Aktiva Rechnung getragen werden.
Der für die Betrachtung von Marktliquiditätsrisiken interessantere Teil ist die durch das
Baseler Komitee gegeben qualitativen Merkmale eines liquiden Marktes. Diese Merkmale werden im Rahmen der Definition der liquiden, qualitativ hochwertigen Vermögenswerte des LCR genannt. Ein liquider Markt impliziert geringe Marktliquiditätsrisiken.
Entsprechend der in Tabelle 1 aufgezeigten Merkmale können liquide Aktiva dann als
erstklassig gelten, wenn davon ausgegangen werden kann, dass selbst in einzelfallspezifischen oder marktweiten Stresssituationen von der Liquidierbarkeit ohne adverse
Preisbewegungen ausgegangen werden kann.
Geringes Kredit- und Marktrisiko
Leichtigkeit und Sicherheit der Bewertung
Wenig Korrelation mit risikobehafteten Aktiva
Notiert an entwickelter & anerkannter Börse
Marktbezogene Merkmale
Aktiver und bedeutender Markt
Präsenz engagierter Market Maker
Geringe Marktkonzentration
Safe Haven“
Tabelle 1: Merkmale erstklassiger liquider Aktiva (vgl. BIS; 2010)
Einerseits ist die erstmalige Nennung der Merkmale eines liquiden Marktes durch eine
Aufsichtsbehörde äußerst hilfreich. Alle qualitativen Merkmale haben logisch nachvollziehbare Auswirkungen auf die Marktliquidität und das Marktliquiditätsrisiko. Andererseits sind leider nur qualitative Merkmale genannt von denen die wenigsten quantifizierbar sein dürften. Aber dennoch dürften alle genannten weichen“ Merkmale Auswir”
kungen auf die definierten und messbaren Faktoren der Marktliquidität (Marktbreite,
Markttiefe, Marktelastizität und Dauer der Orderausführung) haben. Somit sind die
qualitativen Merkmale eines liquiden Marktes in den vier messbaren Dimensionen enthalten.
Ergänzend stellt sich die Frage, inwiefern diese Merkmale auf die in den Basel-IIIRichtlinien explizit genannten Aktiva der Stufen 1 & 2 zutre↵en? Eine objektive, nachvollziehbare und quantitativ greifbare Darlegung, welche Aktiva als liquide gelten und
somit für Liquiditätsreserven geeignet sind, wäre erstrebenswert. Dies ist insbesondere
der Fall, da für das Liquidity Coverage Ratio staatliche und staatsnahe Obligationen
bevorzugt werden. Private Schuldverschreibungen sind dagegen nur sehr begrenzt und
nur unter strengen Auflagen für die Liquiditätsreserve einsetzbar. Folglich ist eine Verteuerung der Finanzierungskosten für den privaten Sektor oder gar ein Crowding Out
denkbar (vgl. BaFin; 2011, p.16).
In den folgenden Abschnitten sollen die Messung und Steuerung des Marktliquiditätsrisikos anhand der quantifizierbaren Größen mit Hilfe statistischer Methoden dargestellt
Modellierung von Marktliquiditätsrisiken
Zunächst widmet sich dieses Kapitel der Marktbreite um anschließend die Markttiefe
und die Marktelastizität zu betrachten. Diese Einteilung ist sinnvoll, da eine normalgroße Order zunächst nur der Marktbreite, also der Geld-Brief-Spanne ausgesetzt ist.
Sollte sich das Ordervolumen jedoch als zu groß erweisen – es übersteigt in diesem Fall
die Quotierungs- bzw. Markttiefe – wird die Order adverse Preisbewegungen auslösen.
Marktbreite und Markttiefe können aber auch aufgrund exogener Faktoren variieren.
Abschließend gibt die Marktelastizität an, mit welchem Tempo sich ein Markt von einer solchen adversen Preisbewegung erholen kann.
Die Marktbreite wird anhand der Mikrostruktur der Märkte erläutert. Es wird darüberhinaus darauf eingegangen, aus welchen Komponenten sich die Geld-Brief-Spanne zusammensetzt. Die wesentlichen Quellen hierfür sind O’Hara (2011), Lin et al. (1995)
und das Market Impact Model von Torre und Ferrari (1999). Des Weiteren wird sowohl
bei Betrachtung der Marktbreite als auch der Markttiefe zunächst auf die exogenen,
dann auf die endogenen Aspekte eingegangen. Die wichtigsten Beiträge auf dem Gebiet
der Marktliquiditätsrisiken, die in diesem Teil Erwähnung finden, sind Bangia et al.
(1999), Angelidis und Benos (2006) sowie Amihud (2002) und Berkowitz (2000).
Die Marktbreite
Elemente der Geld-Brief-Spanne
Warum gibt es überhaupt eine Geld-Brief-Spanne? Müsste es in einem Polypol, das sich
für Finanzmärkte vermuten lässt, nicht genau einen fairen Marktpreis geben? Genau
diese Fragen versuchen O’Hara (2011) und Torre und Ferrari (1999) zu klären.
Unter Annahme eines Finanzmarktes, an dem verschiedenste Investoren Wertpapieraufträge zur Erfüllung aufgeben, ist trivial ersichtlich, dass sich Kauf- und Verkaufsorders
in den seltensten Fällen zum gleichen Zeitpunkt ausgeglichen gegenüberstehen. Anhand von Daten der New York Stock Exchange stellen Torre und Ferrari (1999) hierzu
fest, dass sich Kaufs- und Verkaufsseite in der Tat in nur 20% der Fälle ausgeglichen
gegenüberstehen. Dieses Ergebnis lässt sich auf Börsen mit anderen Systemen der Orderzusammenführung übertragen und ist dort auch jederzeit in den Orderbüchern zu
beobachten. Damit nun überhaupt ein flüssiger Handel an den diversen Börsen stattfinden kann, haben sich Market Maker etabliert. Die Market Maker haben im Gegensatz
zum Investor keinerlei Absicht eine Position langfristig aus Renditegründen zu halten.
Sie wollen lediglich einen minimalen aber ausreichenden Vorrat an Wertpapieren halten
um Transaktionen abzuwickeln. Die Market Maker wollen mit ihrer Dienstleistung
Gewinne erzielen. Investoren hingegen halten eine Position mit der Intention eine Rendite zu erhalten. Die Investoren sind Liquiditätsnachfrager, die Market Maker Liquiditätsanbieter. Die Market Maker stellen, unter Einhaltung gewisser börsenabhängiger
Rahmenbedingungen, kontinuierlich Kaufs- und Verkaufspreise um eine Markträumung in fortlaufenden Auktionen möglichst weitgehend herbeizuführen und den Handel
somit am Laufen zu halten. Außerdem müssen sie darauf achten, immer genügend
Wertpapiere und Geld anbieten zu können, um ihrer Funktion gerecht zu werden. Die
Eintrittsbarriere für Market Maker wird im Allgemeinen als relativ gering erachtet.
Somit kann festgehalten werden, dass es sich bei den meisten Finanzmärkten nicht
wie gedacht um ein Polypol handelt, sondern um eine Mischform zwischen Oligopol
und Polypol (vgl. O’Hara; 2011; Torre und Ferrari; 1999). Außerdem würden gewinnsuchende Market Maker im Polypol einen Gewinn von Null erwirtschaften, da hier der
Grenzertrag den Grenzkosten entsprechen muss. Dennoch lässt sich auch für diese hybriden Märkte feststellen, dass Angebot und Nachfrage den fairen Gleichgewichtspreis
bestimmen. Um diesen fairen Marktpreis bewegen sich nun die Geld-/Briefpreise. Diese
reflektieren die Kosten des Market Makers für die Bereitstellung von Marktliquidität
(inkl. anfallender Transaktionskosten) und das Eingehen von Risiken. Da der Preis
für die Bereitstellung von Liquidität genauso Angebot und Nachfrage ausgesetzt ist,
schwankt auch die Breite der Geld-Brief-Spanne.
Diese Elemente der relativen Geld-Brief-Spanne untersuchen Lin et al. (1995) im Zusammenhang mit den Ordergrößen näher. Lin et al. (1995) formulierten die Vermutung,
dass die Kosten für Bereitstellung von Marktliquidität und die Transaktionskosten
einen hohen Fixkostenanteil enthalten und deshalb mit zunehmender Ordergröße prozentual abnehmen müssten. Das Risiko nimmt aber bei größerem Ordervolumen zu, dies
müsste entsprechend größere Kosten verursachen. Um diese Vermutung zu überprüfen,
untersuchten sie die quotierten Geld-/Briefpreise und die e↵ektiven gehandelten Geld/Briefpreise für Werte mit verschieden hohen täglichen Umsätzen. Die absolute GeldBrief-Spanne ist definiert als (PAsk,t PBid,t ) mit PBid,t als Geldseite und PAsk,t als Briefseite zum Zeitpunkt t. Der mittleren Preis PM id,t als (PAsk,t + PBid,t )/2. Hieraus lässt
sich nun die quotierte, relative Geld-Brief-Spanne als (PAsk,t PBid,t )/PM id,t definieren.
Ihr gegenüber steht die e↵ektive, relative Geld-Brief-Spanne als 2 · |log(Pt /PM id,t )|. Die
e↵ektive, relative Geld-Brief-Spanne ergibt sich aus Preisen, zu denen tatsächlich Umsatz stattgefunden hat. Die quotiere, relative Geld-Brief-Spanne spiegelt hingegen nur
Quotierungen wider zu denen nicht zwingend Umsatz stattgefunden hat.
Ferner wurden Daten von 253 Handelstagen des Jahres 1988 der NYSE analysiert.
In Tabelle 2 sind jeweils die 50 umsatzschwächsten und umsatzstärksten Handelsdaten
aus einer Stichprobe von 150 Wertpapieren erfasst.
Ähnliche Untersuchungen mit im Wesentlichen gleichen Ergebnissen lassen sich beispielsweise bei Sofianos (2004) oder Amihud und Mendelson (1986) finden.
Ordergröße(Perzentil)
Kleine tägliche Umsätze
Große tägliche Umsätze
Quotierte, rel. Spanne
E↵ektive, rel. Spanne
2,245%
Tabelle 2: Durchschnittliche quotierte & e↵ektive rel. Geld-Brief-Spannen (vgl. Lin et al.; 1995)
Wie anhand der empirischen Daten ersichtlich ist, kommt der Preise↵ekt voll zu tragen,
da die Spannen bei geringen täglichen Umsätzen größer sind als bei höheren Umsätzen.
Dies bedeutet, dass Fixkostenblöcke wie Personalkosten, Geschäftsausstattung oder
Kapitalkosten proportional zum Umsatz abnehmen. Anhand der Gegenüberstellung
der Perzentile der Ordergrößen lässt sich leicht eine zunehmende Ausweitung der relativen Spannen bei größeren Ticketgrößen erkennen. Die Market Maker stellen bei
großen Orders demzufolge breitere Spannen um sich gegen Risiken abzusichern. Sie
verhalten sich risikoavers. Hieraus lässt sich schlussfolgern, dass breitere Spannen die
höheren Marktpreisrisiken der Market Maker widerspiegeln. In die Betrachtung der
Marktpreisrisiken fließen im Wesentlichen zwei Dimensionen ein. Zum Einen weiß der
Market Maker nicht zu welchem Preis er seine Position glattstellen kann und zum Anderen ist ihm unbekannt, wie lange es dauern wird, bis er dies erreichen kann. Eine
lange Dauer bis zur Glattstellung seiner Position ist nicht wünschenswert, da eine lange
Haltedauer einer gegebenen Position flüssige Mittel bindet und somit die Rendite senkt,
ein größeres Marktpreisrisiko impliziert sowie eine unvorteilhafte Allokation seines Eigenkapitals darstellt (vgl. Torre und Ferrari; 1999). Abschließend kann gesagt werden,
dass die Ausweitung der Spannen durch die risikoaversen Market Maker den Transfer von Risiken auf die Investoren darstellt. Die Investoren tragen somit den Großteil
der Marktrisiken, der Market Maker wälzt diese ab. Die so den Investoren anhaftenden Marktliquiditätsrisiken lassen sich auf Grund ihrer Charakteristiken ähnlich wie
Marktpreisrisiken behandeln und modellieren.
Risikomodellierung der exogenen Komponente
Den aktuell wichtigsten Beitrag zur Modellierung des exogenen Marktliquiditätsrisikos
anhand der Marktbreite haben Bangia et al. (1999) geleistet. Dieser Abschnitt wird sich
daher im Wesentlichen an ihrer Arbeit orientieren, aber auch Verbesserungen aufzeigen.
Zunächst sei aber festgehalten, dass die gängigen Value at Risk-Modelle, die derzeit
sowohl zur Modellierung von Marktpreis- als auch Kreditrisiken genutzt werden, dem
Marktliquiditätsrisiko keine Rechnung tragen. Bestenfalls wird das Marktpreisrisiko
einer großen, illiquiden Position mit dem Faktor T angepasst. Der Faktor T gibt
hierbei wieder wie lange sich die endgültige Glattstellung aufgrund der Illiquidität
verzögert. So lässt sich bspw. ein VaR, der auf 1-Tagesbasis vorliegt, auf sieben Tage
skalieren, wenn die endgültige Glattstellung statt eines Tages sieben Tage in Anspruch
nimmt (vgl. Diebold et al.; 1998, 104–107). Um diese nicht zufriedenstellende Notlösung
zu verbessern, schlagen Jarrow und Subramanian (1997) einen sogenannten Liquidity
Adjusted Value at Risk (LiqAdj-VaR) vor. Dieser soll das VaR-Konzept um einen Liquiditätsabschlag, die Schwankung des Liquiditätsabschlages sowie um das Zeitfenster
für die Glattstellung einer Position erweitern. Leider gibt es für derart weitgehende
Anpassungen des VaR-Modells bis dato keine ausreichenden Daten, auch wenn eine
entsprechende Anpassung vielversprechend scheint (vgl. Bangia et al.; 1999, p.2).
Aus diesem Grund betrachten Bangia et al. (1999) ausschließlich das exogene Marktliquiditätsrisiko anhand der empirischen Verteilung der Geld-Brief-Spannen. Bangia betrachtet folglich die Marktliquiditätsrisiken, die innerhalb der exogen gegebenen GeldBrief-Spanne, also links der Quotierungs- bzw. Markttiefe in Abb. 3, auftreten. Sollte
eine Order zu groß für die gegebene Geld-Brief-Spanne sein, werden endogene Marktliquiditätsrisiken ausgelöst, d.h. es kommt zu adversen Preisbewegungen bei Ausführung
der Order. Die Vorteile dieser Betrachtungsweise sind, dass exogene Marktliquiditätsrisiken sowohl kleine als auch große Marktteilnehmer betre↵en, die Daten zur Quantifizierung der exogenen Risiken leicht zugänglich sind und dass es sich leicht in die
bestehenden VaR-Modelle integrieren lässt.
Abbildung 3: E↵ekt der Losgröße auf die Geld-Brief-Spanne (vgl. Bangia et al.; 1999, p.5)
Zunächst sei die Tagesrendite rt eines Finanzproduktes im Zeitpunkt t definiert als
logarithmische Di↵erenz der mittleren Preise PM id :
rt = ln(PM id,t )
ln(PM id,t 1 ) = ln
PM id,t
PM id,t 1
Der Erwartungswert µrt der empirischen Tagesrenditen rt ist:
µr t =
Und die beobachtete Standardabweichung
der empirischen Tagesrenditen rt :
µr t ) 2
Unterstellt man nun einen Zeithorizont von einem Tag und dass die Tagesrenditen des
Finanzproduktes normalverteilt sind, wird der Wert des Produktes mit einem Konfidenzniveau von 99% (N1 0,99 = 2,3263) nicht unter P0,99 fallen:
P0,99 = PM id,t · e(µrt
Für den Erwartungswert der Tagesrenditen µrt kann man, ohne zu stark zu vereinfachen, annehmen, dass dieser nahe bzw. gleich Null ist. Somit ergibt sich für den
normalen parametrischen VaR (P-VaR):
V aR = PM id,t · [1
da µrt = 0 für einen Tag
Bangia und seine Mitautoren weisen darauf hin, dass ihre Erläuterungen aus Vereinfachung eine Normalverteilung der Renditen annehmen, dies aber in Realität nicht der
Fall ist. Unter realen Bedingungen sind die Varianzen und somit die Standardabweichungen bei Finanzprodukten nicht konstant, sondern ändern sich im Laufe der Zeit.
Ebenso entspricht es der Erfahrung, dass die Renditen eines Produktes nicht unkorreliert sind, d.h. die historische Rendite bedingt zu einem gewissen Grad die zukünftige Rendite. Um diesen Beobachtungen Rechnung zu tragen, verwenden Bangia et al.
(1999) exponentiell gewichtete, gleitende Durchschnitte (exponentially weighted moving averages; EWMA) der historischen, quadrierten Renditen für ihre späteren Analysen. Dies ist der Standard im Finanzwesen und wird bspw. in RiskMetrics angewandt.
Der somit erhaltene, normale parametrische VaR enthält laut Bangia et al. (1999) nur
die Marktpreisrisiken des PM id,t , berücksichtigt aber nicht die Geld-Brief-Spanne oder
die Volatilität eben dieser Spanne. Um diese Faktoren in den normalen VaR-Ansatz zu
integrieren, betrachtet Bangia die durchschnittliche, relative Geld-Brief-Spanne S. Die
durchschnittliche, relative Geld-Brief-Spanne wird definiert als:
1 X PAsk,t PBid,t
Folglich erwarten wir für den Geldkurs PBid,t :
PAsk,t = PM id,t + S
PBid,t = PM id,t
Und analog für den Briefkurs PAsk,t :
Bangia et al. legen ihren Fokus auf unübliche Tail-Events, die exogen durch die Rahmenbedingungen eines Marktes gegeben sind (exogene Marktliquiditätsrisiken). Aus
diesem Grund definieren sie als Maßeinheit des exogenen Marktliquiditätsrisikos Konfidenzniveaus oder auch die Wahrscheinlichkeit eines Tail-Events. Hierzu werden zunächst
die exogenen Liquiditätskosten (Exogenous Cost of Liquidity, COL) definiert:
COL = [PM id,t · (S + ae)]
Zur Berechnung der COL werden der mittlere Preis PM id,t , die durchschnittliche GeldBrief-Spanne S sowie ein Vielfaches a der Spread-Volatilität e herangezogen. Der Skalierungsfaktor a ist so zu bestimmen, dass eine Normalverteilung mit gleichem Erwartungswert und gleicher Standardabweichung die historischen Geld-Brief-Spannen
möglichst genau abdeckt und somit den Fat-Tails Rechnung trägt.
Dieser Methodik folgend wurden drei Anleihen untersucht. Es handelt sich um eine
Anleihe der BASF SE (ISIN: DE000A0EUB86), um einen Pfandbrief der Deutschen
Pfandbriefbank (ISIN: DE000A0EULH0) und um eine Anleihe der Bundesrepublik
Deutschland (ISIN: DE0001030500). Es wurden jeweils die Handelsdaten von Mai 2006
bis November 2011 herangezogen, da ein solch langer Zeitraum die Märkte und somit die Geld-Brief-Spannen in allen erdenklichen Situationen widerspiegelt. Somit ist
gewährleistet, dass auch extreme historische Daten in die Betrachtung einfließen.
Erwartungsgemäß hat die Bundesanleihe sowohl die geringste erwartete Geld-BriefSpanne (S = 0,0521%), als auch die geringste Spread-Volatilität (e = 0,0472%). Überraschender sind die Ergebnisse der Unternehmensanleihe (S = 0,2107%; e = 0,0819%)
und des Pfandbriefs (S = 0,2128%; e = 0,0889%). Die Unternehmensanleihe schneidet
bei beiden Kennzahlen leicht besser ab als der Pfandbrief. Dieses Ergebnis würde implizieren, dass der Markt für Unternehmensanleihen zumindest gleich liquide ist wie
der für Pfandbriefe und folglich die Marktliquiditätsrisiken ähnlich sind. Die Ergebnisse
sind in Abbildung 4 grafisch dargestellt.
Abbildung 4: Dichtefunktionen der relativen Geld-Brief-Spannen
Da angenommen wird, dass die Marktpreisrisiken und die Kosten der Market Maker an
die Investoren in Form von sich ändernden Geld-Brief-Spannen weitergereicht werden,
lassen sich diese auch ähnlich der Marktpreisrisiken modellieren. Bangia et al. (1999,
p. 8) tre↵en des Weiteren die vereinfachte Annahme, dass adverse Bewegungen der
Geld-Brief-Spanne zeitgleich mit adversen Preisbewegungen des Marktpreises eintreten. Sie argumentieren, dass extreme Preisänderungen mit extremen Ausweitungen der
Geld-Brief-Spanne im Wesentlichen korrelieren. Somit erhält man für den schlimmsten
Fall, der mit einer 1%igen Wahrscheinlichkeit auftritt, den Preis P0,99
P0,99
= PM id,t · e(
[PM id,t · (S + ae)]
Sowie für die Kombination von Marktpreis- und Markliquiditätsrisiken den Liquidity
Adjusted Value at Risk:
LiqAdj
] + [PM id,t · (S + ae)]
Ferner schlagen Bangia et al. (1999) vor, dass der P-VaR um einen Korrekturfaktor
✓ erweitert wird. Dies liegt darin begründet, dass historische Renditen normalerweise
nicht normalverteilt sind sondern eine Leptokurtosis aufweisen. Das bedeutet, dass
ein Exzess über die Gauß’sche Normalverteilung hinaus besteht. Ein Vergleich der
Verteilungsfunktionen für unsere Beispiel-Anleihen ist Abbildung 5 zu entnehmen.
Abbildung 5: Vergleich der Verteilungen mit der Normalverteilung
Unter Berücksichtigung des Korrekturfaktors ✓ erhält man nun:
V aR = PM id,t · (1
2,3263✓
Wobei der Korrekturfaktor ✓ wie folgt definiert ist:
✓ = 1, 0 + ln(/3)
Des Weiteren ist die Kurtosis  durch das vierte zentrale Moment nach Normierung
= ✓
x)4
Für eine Normalverteilung muss folglich gelten, dass ✓ = 1 und  = 3 ist und somit
keine Anpassung nötig ist. Die Konstante ist abhängig vom gewählten Konfidenzniveau. Für ein 99%-Konfidenzniveau wäre die Konstante = 0,4. Hieraus kann nun
der Korrekturfaktor für alle übrigen beobachteten Verteilungen durch Regression der
parametrischen Verteilung gegen die empirische Verteilung bestimmt werden. Schlussendlich kann somit eine Verteilung simuliert werden, die auch die Abweichungen von
der Normalverteilung enthält.
Als Alternative zur Anpassung nach Bangia et al. (1999) bietet sich die Integration der mathematisch fundierteren Cornish-Fisher-Adjustierung an, welche das Quantil
einer Verteilungsfunktion auf Basis der ersten vier Momente näherungsweise zu bestimmen versucht. Hierdurch erhält man ausgehend vom Faktor q↵ eines ↵–Quantils einer
Normalverteilung den korrigierten Faktor qb↵ . Bei gegebener Kurtosis  und Schiefe
qb↵ = q↵ +
q↵ 1 +
q↵ 3q↵ 
2q↵3 5q↵ 2
Somit ergibt sich für den LiqAdj-VaR nach Integration der Cornish-Fisher-Adjustierung:
e(bq↵
Das Modell von Bangia et al. (1999) behebt auf den ersten Blick zweifellos einige Einschränkungen, welche die klassischen VaR-Modelle aufweisen. So berücksichtigt es unter
anderem die auftretenden exogenen E↵ekte von schwankenden Geld-Brief-Kursen.
Trotz dieser Fortschritte weist es aber auch einige Schwachstellen auf. Der erste und
o↵ensichtlichste Punkt ist die Nichtberücksichtigung der Markt- bzw. Quotierungstiefe. Es wird somit davon ausgegangen, dass immer innerhalb der Geld-Brief-Spanne
gehandelt werden kann. Das Model vernachlässigt also endogene E↵ekte auf die GeldBrief-Kurse, was nicht realistisch ist. Der zweite, weniger o↵ensichtliche Mangel ist ein
Timing-Problem. Es wird mit dem gebräuchlichen VaR-Modell der unter Annahme eines gewissen Konfidenzniveaus erwartete Preis modelliert; die Schwankung des Spreads
bezieht sich aber auf den aktuellen PM id,t und nicht auf den erwarteten Preis.
Als Korrektur schlägt z.B. Loebnitz (2006) ausgehend von Formel (17) folgende Anpassung (18) vor:
] + [PM id,t · [1
] · (S + ae)] (18)
Abschließend ist das Model von Bangia et al. (1999), insbesondere mit der Anpassung
nach Loebnitz (2006), als wesentliche Verbesserung der derzeit in Verwendung befindlichen VaR-Modelle zu beurteilen, obwohl es nur exogene Veränderungen des Spreads
berücksichtigen kann.
Risikomodellierung der endogenen Komponente
Im Folgenden soll das Risikomodellierungskonzept von Angelidis und Benos (2006),
welches sowohl die exogene als auch die endogene Komponente berücksichtigt, vorgestellt werden. Es berücksichtigt somit die Größe der am Markt platzierten Order. Ihr
Konzept erlaubt darüberhinaus auch eine getrennte Betrachtung der endogenen Komponente. Des Weiteren ist bei ihrem Modell eine Integration in bestehende VaR-Ansätze
problemlos möglich. Allerdings kann dieses Modell eben so wenig wie der Ansatz von
Bangia et al. (1999) expliziten Orderkosten Rechnung tragen.
Angelidis und Benos (2006) bauen ihr Modell auf bestehenden Marktstrukturmodellen
(Torre und Ferrari; 1999; Madhavan et al.; 1997; Hausman et al.; 1992) auf. So wird
zunächst ein Handelsrichtungsindikator“ Xt eingeführt, der den Wert +1 annimmt,
wenn es sich um eine Kauforder handelt bzw. 1 bei einer Verkaufsorder. Ferner spiegelt der Koeffizient
0 die fixen Kosten je Aktie wider, welche dem Market Maker durch die Liquiditätsbereitstellung entstehen. Außerdem gibt
an wie sich die
Transaktionskosten zu den durch die Informationsasymmetrie entstehenden (Risiko-)
Kosten verhalten. Ist beispielsweise < 0, dann verringern sich die Gesamtkosten, da
der Marktteilnehmer dem Market Maker unbewusst hilft ungewollte Marktpositionen
abzubauen und es stehen somit die Transaktionskosten im Vordergrund. Sollte aber
> 0 sein, zwingt der Marktteilnehmer dem Market Maker eine ungeliebte Position
auf und die Gesamtkosten steigen in Folge dessen. Es ist zu berücksichtigen, dass die
Transaktionskosten unabhängig von der Ordergröße Vt sind, im Gegensatz zu . Der
durch das unten angeführte Informationsasymmetriemodell erhaltene Erwartungswert
des Preises Pt wird als µPt und die absolute Ordergröße als Vt notiert. Somit erhalten
wir unter Berücksichtigung der Marktstrukturmodelle für den Market Maker folgendes
Inventarkostenmodell:
Pt = µPt + Xt + (Xt
Um dieses Modell zu verdeutlichen, nehmen wir zunächst vereinfacht an, dass der
erwartete Preis µPt = 10,00 GE beträgt und die Fixkosten je Aktie
= 0,20 GE
betragen. Ferner nehmen wir an, dass der Market Maker eine Kauforder Xt = +1 über
25 Aktien annimmt und dass er einen ungewollt großen Vorrat dieser Aktie hält und
froh ist diesen abzubauen, d.h. = 0,01. Nun bildet er den Preis wie folgt:
Pt = 10,00 + 0,20
0,05 = 10,15 GE
Anzumerken ist hier, dass Angelidis und Benos (2006) einen konkaven Verlauf der vap
riablen Kosten annehmen und dies durch Vt modellieren. Dies deckt sich mit dem
Modell von Torre und Ferrari (1999) und den empirischen Untersuchungen von Lin
et al. (1995). Die Transaktionskosten nehmen insgesamt also mit zunehmender Ordergroße pro gehandeltem Wertpapier ab.
Im nächsten Schritt wird zur Modellierung des Erwartungswertes µPt ein Informationsasymmetriemodell herangezogen. Der Faktor !
0 gibt in diesem Modell den Grad
der Informationsasymmetrie zwischen Market Maker und dem jeweiligen Kontrahenten wieder (vgl. O’Hara; 2011, pp.153–160). Hierbei gilt: Je größer !, desto größer der
Informationsvorsprung des Kontrahenten. Der Termteil [Xt E(Xt | Xt 1 )] spiegelt
das Überraschungsmoment des Orderflusses für den Market Maker wider. Dies soll zum
Ausdruck bringen, dass z.B. häufig eingehende Kauforders den Market Maker dazu bewegen einen höheren Wert der Aktie anzunehmen, d.h. er korrigiert seine Erwartung
für den Preis nach oben.
µP t = µP t
Vt [Xt
E(Xt | Xt 1 )]
Durch Zusammenführung beider Modelle (Inventarkostenmodell und Informationsasymmetriemodell) und unter Berücksichtigung des Fehlerterms "t stellen Angelidis und
Benos (2006) folgendes Preisänderungsmodell für Intraday-Bewegungen auf:
Vt [Xt E(Xt | Xt 1 )]+ (Xt Xt 1 )+ (Xt Vt Xt 1 Vt 1 )+"t (21)
Anhand des Preisänderungsmodells (21) ergibt sich für den Geldkurs PBid,t (wenn demzufolge Xt = 1) und den Briefkurs PAsk,t (wenn Xt = +1):
PBid,t = µt
PAsk,t = µt
Vt [1 + E(Xt | Xt 1 )]
Vt [1
E(Xt | Xt 1 )] + ( +
Konkludent ergibt sich für die implizierte Geld-Brief-Spanne SImpl :
SImpl = 2[
Vt (! + ) + ]
Der implizierte Spread korreliert daher positiv mit der absoluten Ordergröße Vt , dem
Grad der Informationsasymmetrie ! und den Transaktionskosten . Die Korrelation
mit hängt hingegen von dessen Vorzeichen ab.
Zur Schätzung der fehlenden Parameter innerhalb eines gegebenen Datensatzes von
Handelsdaten empfehlen die Autoren die Anwendung der Momentenmethode (Generalized Method of Moments), da sie im Gegensatz zur Maximum Likelihood Methodeweniger starke Annahmen bezüglich der Verteilungsfunktion erfordert. Die Integration
der so erhaltenen impliziten Geld-Brief-Spanne erfolgt, analog zu dem Modell von Bangia et al. (1999), relativ einfach:
V aR = V aR + [
Vt↵ (! + ) + ]
Hierbei spiegelt Vt↵ das ↵0 –Quantil der gehandelten Ordergrößen wider. Durch die
Berücksichtigung der Ordergrößen fließt das endogene Marktliquiditätsrisiko mit in die
LiqAdj-VaR Betrachtung ein. Die Geld-Brief-Spanne wird somit in Abhängigkeit der
Ordergröße modelliert. Diese Betrachtung enthält demnach sowohl die exogene als auch
die endogene Komponente des Marktliquiditätsrisikos. Das endogene Marktliquiditätsrisiko kann aber wie folgt herausgelöst werden:
<[ V (! + ) + ]
Endogene Komponente =
Vt (! + ) + ] wenn Vt
Durch Untersuchungen anhand ihres Modells konnten Angelidis und Benos (2006) feststellen, dass das Marktliquiditätsrisiko liquider Aktien der Athener Börse nur 3,40%
des gesamten Marktrisikos ausmacht. Bei illiquideren Werten liegt der Anteil hingegen
bei bis zu 11%. Des Weiteren bestätigten ihre Untersuchungen die Ergebnisse Lin et al.
(1995), wonach die Transaktionskosten der Market Maker bei steigender Ordergröße
abnehmen und die Risikokosten hingegen steigen.
Die Vorteile des Modells von Angelidis und Benos (2006) liegen auf der Hand, es berücksichtigt sowohl die endogene als auch die exogene Komponente des Marktliquiditätsrisikos, wohingegen Bangia et al. (1999) nur die exogene Komponente berücksichtigen.
Ferner lassen sich die exogene und die endogene Komponente getrennt voneinander
betrachten. Problematisch an ihrem Modell sind allerdings die zugrunde liegenden Annahmen bezüglich der Marktstruktur. Beide Modelle (Inventarkosten- und Informationsasymmetriemodell) sind noch nicht ausführlich auf ihre Gültigkeit empirisch geprüft
worden. Ein weiterer Einwand ist, dass die fehlenden Parameter für die Modellierung
der impliziten Geld-Brief-Spanne anhand historischer Daten geschätzt werden.
Die historischen Daten beziehen sich allerdings auf quotierte und nicht auf e↵ektive
Geld-Brief-Spannen. Für eine Berücksichtigung der e↵ektiven Geld-Brief-Spannen fehlen aber die empirischen Daten (vgl. Loebnitz; 2006).
Abschließend ist das Modell von Angelidis und Benos (2006) als praktikable und sinnvolle Erweiterung des Modells von Bangia et al. (1999) zu bewerten. Es gelingt die Integration der endogenen Komponente trotz einiger theoretischer Schwachstellen. Dennoch
sollte in Zukunft versucht werden ein Modell zu finden, dessen theoretische Grundlagen
besser belegbar sind und für dessen praktische Anwendung alle Daten leicht verfügbar
Der folgende Abschnitt widmet sich der Liquiditätsdimension Marktbreite. Nach einer
kurzen Heranführung wird wieder zunächst die exogene und anschließend die endogene
Komponente betrachtet.
Die Markttiefe
Die Markttiefe spiegelt die Eigenschaft eines Marktes wider, dass an ihm große Orders ohne adverse Preisbewegungen gehandelt werden können. Eine hohe Markttiefe
ermöglicht es den Marktteilnehmern somit Orders mit einer hohen Preiskontinuität zu
handeln. Dies bedeutet, dass an einem liquiden Markt Wertpapiere mit großem Ordervolumen bei kontinuierlichen Preisen gehandelt werden können. An einem illiquiden
Markt kann es hingegen zu Preissprüngen bei zu großen Orders (die Quotierungs- bzw.
Markttiefe übersteigend) kommen. Die Preiskontinuität ist in Abbildung 6 anhand der
Stetigkeit und der Steigung der Briefseite für verschieden liquide Märkte dargestellt.
Abbildung 6: Vergleich der Angebotskurven
Anmerkung: Ab A ist die Angebotsfunktion des illiquiden Marktes unstetig und weist eine höhere
Steigung auf, d.h. der Preis liegt über dem durch die Nachfrager erwarten Preis im liquiden Markt.
Der Verlauf der stetigen Angebotskurve im perfekt liquiden Markt lässt sich relativ einfach durch das Gewinnstreben der Anbieter erklären: Je höher der Preis, desto höher
der Gewinn einer Position, sodass folglich eine größere Menge des Wertpapieres angeboten wird. Der Verlauf der Kurve im illiquiden Markt lässt sich dahingegen durch
Theorien der Behavorial Finance erklären (vgl. Holthausen et al.; 1987, p. 240). Hier
sei nur gesagt, dass verschiedene Ansätze versuchen die Preissprünge durch das irrationale Verhalten der Market Maker sowie die Informationsasymmetrie zu erklären (vgl.
Grossman und Miller; 1988; Kamara; 1994; O’Hara; 2011). Schlussendlich spiegeln Stetigkeit und Steigung der Angebots- bzw. Nachfragefunktion die Marktliquidität wider.
Marktliquiditätsrisiken lassen sich demnach über das Verhältnis von Preisänderung
und korrespondierender Ordergröße messen. Auf den folgenden Seiten wird das Illiquiditätsmaß nach Amihud (2002) zur Messung der exogene Komponente der Markttiefe
vorgestellt um anschließend den Ansatz von Berkowitz (2000) bezüglich der endogenen
Komponente aufzugreifen.
Amihud (2002) untersuchte anhand des amerikanischen Aktienmarktes, ob illiquidere Titel eine höhere Rendite versprachen als liquide Werte. Ihm war bekannt, dass
es gute und genaue Liquiditätsmaße, wie beispielsweise die quotierte oder e↵ektive
Geld-Brief-Spanne, gab um den Liquiditätsgrad von Einzelwerten zu quantifizieren. Er
wusste auch, dass diese Maße die adversen Preisbewegungen und deren Eintrittswahrscheinlichkeit gut wiedergaben, aber all jene Messsysteme erforderten Annahmen zur
Marktstruktur und teilweise sehr detaillierte Marktdaten. Diese Marktdaten waren für
seine langfristige Untersuchung nicht verfügbar. Aus diesem Grund entwickelte er die
sogenannte Illiquiditätsratio. Die Illiquiditätsratio ILLIQi der Aktie i ist definiert als
der Durchschnitt der täglichen, absoluten, logarithmischen Rendite | ri,t | im Verhältnis
zum täglich umgesetzten Handelsvolumen V OLi,t :
1 X | ri,t |
ILLIQi =
T t=1 V OLi,t
Eine hohe ILLIQ-Ratio bezeichnet eine hohe Illiquidität und somit eine geringe Liquidität, da ein geringes Handelsvolumen mit einer relativ hohen Preisbewegung verbunden wird.
In seiner Untersuchung kam Amihud (2002) zu dem Fazit, dass eine hohe Illiquidität im
Rückblick eine hohe Rendite erwarten lässt. Illiquidität und Rendite eines Wertpapieres
korrelieren demnach positiv und eine liquide Aktie wird aller Erwartung nach weniger
Rendite erwirtschaften als eine illiquide. Die Illiquidität ist daher eine Risikokomponente für die der Investor eine Vergütung verlangt und auch bekommt. Allerdings ist
das Verhältnis von Rendite und Illiquidität keinesfalls konstant sondern variiert mit der
Zeit. Er stellt auch fest, dass Marktliquiditätsrisiken für Aktien kleiner Firmen (i.S.v.
geringer Marktkapitalisierung) höher sind als für Titel mit großer Marktkapitalisierung.
Die Vorteile seiner Kennzahl sind zweifellos die einfache Handhabung und die sehr geringe benötigte Datenbasis. Somit ist es möglich auch lange Zeitreihen zu erfassen, da
für langfristige Zeiträume in den seltensten Fällen detaillierte Daten verfügbar sind. Allerdings liegt in der kleinen Datenbasis auch einer der größten Nachteile, da keinesfalls
alle Aspekte des Marktliquiditätsrisikos erfasst werden können. Auch mangelt es seiner Kennzahl an Interpretierbarkeit und es fehlt die Vergleichbarkeit über verschiedene
Anlageklassen hinweg. Auch erfasst die ILLIQ-Ratio nur die exogene Komponente des
Marktliquiditätsrisikos und eine Integration in ein bestehendes VaR-System ist nicht
ohne weiteres möglich.
Dennoch soll auf den folgenden Seiten die ILLIQ-Ratio der drei Beispielanleihen berechnet und verglichen werden um einen ersten Eindruck über die exogen gegebene
Markttiefe zu gewinnen. Im Anschluss wird die Verteilung der Handelsvolumina und
der verknüpften Tagesrenditen untersucht. Daneben wird auch der Zusammenhang zwischen Handelsvolumen und Rendite dargestellt sowie die Korrelation beider Merkmale
untersucht. Darüberhinaus soll versucht werden, die Idee Amihuds in das VaR-Konzept
Zunächst erhält man, dem Modell Amihud (2002) folgend, die ILLIQ-Ratios der drei
Anleihen. Die Ratio beträgt überraschenderweise für die Unternehmensanleihe nur
0,000224 Basispunkte und für die Staatsanleihe nur geringfügig höhere 0,000225 Basispunkte. Die Staatsanleihe und die Unternehmensanleihe sind somit ähnlich illiquide
und weisen ähnliche Marktliquiditätsrisiken auf. Auch wurden beide Papiere an ähnlich
vielen Tagen gehandelt. Die Unternehmensanleihe wurde an 1237 von 1392 Tagen aktiv
gehandelt, die Staatsanleihe respektive an 1354 von 1392 Tagen. Das schlechteste Ergebnis weist mit Abstand der Pfandbrief auf. Hier beträgt das ILLIQ-Ratio 0,000537
Basispunkte und das Wertpapier wurde an nur 955 von 1392 Tagen gehandelt. Alle
Ergebnisse, sowie das Zusammenspiel von Handelsvolumen und logarithmierter Tagesrenditen, sind in Abbildung 7 nochmals grafisch aufgearbeitet.
Abbildung 7: Handelsvolumen/Rendite-Verhältnis
Diese Ergebnisse stehen im Kontrast zu den Ergebnissen nach Bangia et al. (1999).
In beiden Modellen weist zwar der Pfandbrief das schlechteste Ergebnis auf, aber im
Modell nach Bangia et al. (1999) sind die Marktliquiditätsrisiken der Staatsanleihe
deutlich geringer als die der Unternehmensanleihe. Dies ist im Modell nach Amihud
(2002) nicht der Fall. Um nun detaillierter den Zusammenhang zwischen täglichen Handelsvolumen und absoluter, logarithmischer Tagesrendite zu beleuchteten, bietet es sich
zunächst an, die Korrelation zu untersuchen. Ein hoher Korrelationskoeffizient würde
bedeuten, dass bei niedrigen Handelsvolumen V OLi,t ein betragsmäßig hoher Wert für
ri,t ausgeschlossen werden kann. Das untersuchte Wertpapier wäre somit liquide, da
relativ kleine Handelsvolumen keine großen Wertänderungen zur Folge hätten. Für die
drei beispielhaft untersuchten Anleihen sind die Ergebnisse in Tabelle 3 dargestellt.
BASF SE ANL. 05/12
Dt. Pfandbriefbank 05/12 S.896
Bundesanleihe v. 06/16 I/L
27,5336
15,7395
32,7754
Tabelle 3: Korrelationskoeffizient & Kovarianz des Handelsvolumens und der Rendite
Wie anhand dieser Daten ersichtlich ist, korrelieren tägliches Handelsvolumen V OLi,t
und absolute Rendite ri,t nur unzureichend. Somit ist eine hinreichende Korrelation
nicht gegeben und es kann nicht mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden,
dass bei niedrigem Handelsvolumen große Werte für | ri,t | auftreten. Dies entspricht
auch den Beobachtungen. Da aber davon auszugehen ist, dass hohe Handelsvolumen
zumindest mit hohen Erwartungswerten und hohen Standardabweichung für | ri,t |
einhergehen, drängt es sich auf die Verteilung der Renditen innerhalb zu definierender
Handelsvolumenintervalle zu untersuchen. Hierzu sind alle beobachteten Daten in regelmäßige und gleichgroße Intervalle eingeteilt worden und es wird die Verteilung von
| ri,t | je Intervall untersucht. Die Ergebnisse sind in Tabelle 4 zu finden.
Intervall [I]
µI [in %]
I [in %]
Tabelle 4: Erwartungswert & Standardabweichung der abs. Renditen je Handelsvolumenintervall
An den Ergebnissen ist deutlich ersichtlich, dass in Intervallen mit höheren Handelsvolumen tendenziell große Werte für Erwartungswert und Standardabweichung auftreten
(vgl. Holthausen et al.; 1987, p.244). Allerdings sei einschränkend angemerkt, dass sich
bei der Unternehmensanleihe und dem Pfandbrief in den Intervallen 6-9 und bei der
Staatsanleihe in den Intervallen 8-9 nur noch sehr wenige Datenpunkte befinden und
die Ergebnisse dieser Intervalle nur bedingt repräsentativ sind. Anhand der Auswertung ist ersichtlich, dass sich je nach betrachtetem Handelsvolumenintervall sowohl der
Erwartungswert als auch die Standardabweichung von denen der gesamten beobachteten Daten stark unterscheiden. Die unter Berücksichtigung aller Daten festgestellten
Erwartungswerte und Standardabweichungen betragen für die Unternehmensanleihe
µ = 0,0860% sowie = 0,1004%, für den Pfandbrief µ = 0,1182% sowie = 0,1764%,
und für die Staatsanleihe µ = 0,1274% sowie = 0,1147%. Der Vergleich der Dichtefunktion der Gesamtmenge und des am stärksten abweichenden Intervalls in Abbildung
8 verdeutlichen diese Diskrepanz.
Abbildung 8: Diskrepanz der Dichten von Gesamtmenge & Intervall
Um der Diskrepanz von Erwartungswert und Standardabweichung zwischen Gesamtmenge und Intervallen der beobachteten Daten Rechnung zu tragen, lässt sich der
parametrische Ansatz des VaR-Konzeptes modifizieren. Der parametrische Ansatz ist
prinzipiell gegeben durch:
V aR = Pt · e(µ
2,3263 )
Dieser Ansatz wird zur Berücksichtigung des exogenen Marktliquiditätsrisikos durch
⌘V oli,t und ⇢V oli,t erweitert, um die Abhängigkeit des Erwartungswertes und der Standardabweichung vom Handelsvolumen V oli,t widerzuspiegeln.
V aR = Pt · e[(µ·⌘V oli,t )
2,3263 ·⇢V oli,t ]
Für die Unternehmensanleihen erhält man unter Ausschluss der Intervalle 6-9, beispielsweise durch lineare Regression (Methode kleinster Quadrate; MkQ), für ⌘V oli,t
und ⇢V oli,t folgende vom Handelsvolumen V oli,t abhängige Werte:
⌘V oli,t =
0,0000002% · V oli,t + 0,06%
⇢V oli,t =
0,0000002% · V oli,t + 0,07%
Das Bestimmtheitsmaß für ⌘V oli,t beträgt R2 = 0,7722 und für ⇢V oli,t beläuft es sich
R2 = 0,8320. Der auf den ersten Blick kleine Faktor im Zähler rührt von den hohen, für
Anleihen üblichen Stückelungen her. Durch die Anpassung des Erwartungswertes und
der Standardabweichung an die Handelsvolumina kann der exogenen Komponente der
Marktliquiditätsrisiken Rechnung getragen werden. Solch einen linearen Zusammenhang zwischen Marktliquiditätsrisiken und Handelsvolumen unterstellen auch Almgren
und Chriss (2001). Es ist einem Händler somit möglich seine Risikopositionen an turbulenten Tagen mit hohem Handelsvolumen, beispielsweise bei Verö↵entlichung wichtiger
Wirtschaftsdaten, realistischer zu bewerten.
Da die Steuerung der Risiken mit Hilfe des VaR-Konzeptes geschieht, gelten selbstverständlich auch alle Mängel des VaR-Konzeptes. Hierzu gehören beispielsweise die
Annahme von normalverteilten Renditen, die begrenzte Aussagekraft historischer Daten oder die nicht in jedem Fall gegebene Subadditivität von Einzelpositionen. Daneben kann das Modell, eben so wenig wie die ILLIQ-Ratio von Amihud (2002), darüber
Auskunft geben, wie die exogene Risikokomponente verursacht wird. Zu den Vorteilen
dieses Modells gehören andererseits die geringe benötigte Datenbasis (vgl. Bangia et al.;
1999) und somit die Eignung für langfristige Untersuchungen. Weitere Vorteile sind die
einfache Handhabung und die leichte Integration in bestehende VaR-Konzepte. Auch
kann die jeweilige exogene Komponente der Markttiefe getrennt vom Marktpreisrisiko
als Di↵erenz des normalen VaR und des LiqAdj-VaR betrachtet werden.
Im Folgenden wird nun die endogene Komponente der Markttiefe näher beleuchtet.
In seinem im Jahr 2000 erschienen Artikel Breaking the silence“ versucht Berkowitz
die Geschehnisse der Russlandkrise zu analysieren und die endogene Komponente der
Markttiefe zu quantifizieren sowie in bestehende VaR-Modelle zu integrieren. Hierzu
wird gleich zu Beginn das endogenen Marktliquiditätsrisiko der Markttiefe definiert:
[market] liquidity risk is the uncertain change in portfolio value caused by liquidating
assets to meet future cash requirements, above and beyond exogenous changes in factor
prices“ (Berkowitz; 2000, p.106). Somit gibt die endogene Komponente nach Berkowitz
den Seller Impact“ auf den Preis wieder und ist mit unserer Vorstellung der endogen
ausgelöste adverse Preisbewegung fast deckungsgleich.
Zunächst wird die gegebene Dichtefunktion des Nettovermögens Yt eines Wertpapierportfolios im Zeitpunkt t beschrieben. Hierzu wird angenommen, dass h exogene Faktoren xt in Verbindung mit einer Preisfunktion P (xt ) den Wert des Portfolios abbilden.
Somit stellt dieses Preisbildungsmodell den Wert aller Titel des Portfolios als Funktion
der Faktoren dar. Zu diesen exogenen Faktoren zählen beispielsweise das allgemeine
Zinsniveau, die konjunkturelle Situation oder auch Devisenkurse. Selbstverständlich
lässt sich dieses Modell auch auf ein einzelnes Wertpapier, d.h. ein Portfolio mit nur
einem Titel, anwenden. Nun lässt sich für den Zeitpunkt t + 1 schließen:
Yt+1 = Q0t P (xt+1 ) + et
In diesem ersten Bewertungsmodell stellt Q0t den transponierten N ⇥ 1 Vektor Qt der
einzelnen Portfoliopositionen dar. Den N Wertpapieren sind die h exogenen Faktoren
zuzuordnen. et spiegelt das unsystematische Risiko des Portfolios wider.
Des Weiteren wird für die kumulative Verteilungsfunktion Ybt+1 angenommen, dass sie
sich aus der Verteilungsfunktion der Faktoren x
bt+1 näherungsweise bestimmen lässt.
Folglich ergibt sich durch Simulation der Faktoren die Verteilungsfunktion:
Ybt+1 = Q0t P (b
xt+1 )
Außerdem wird im Ansatz nach Berkowitz (2000) angenommen, dass die eigenen im
Portfolio gehaltenen Wertpapierpositionen Qt keinen Einfluss auf die Preisfunktion haben.
Die Aufgabe des Händlers ist nun, die Menge Mt aus dem Portfoliobestand so zu
veräußern, dass die Preise des verbleibenden Portfoliobestands möglichst unberührt
durch den Verkauf bleiben und zeitgleich der Ertrag Gt maximiert wird. Der Händler
kann hierzu die komplette zu veräußernde Menge Mt in Orders mit der Größe Vt teilen.
max Gt = max
Pt V t
V t = Mt
Demnach lässt sich die Preisbildung nach einer Verkaufsorder, unter Berücksichtigung
der endogen ausgelösten Preisbewegung ⇣Vt , beschreiben durch:
P t = Pt
⇣Vt + xt
Für eine Kauforder gilt analog +⇣Vt . Unter diesen Bedingungen gilt im Marktgleichgewicht, dass die optimale Verkaufsstrategie Vt⇤ = Mt /T ist (Bertsimas und Lo; 1998).
Somit ergibt sich als Erwartung für die Preisentwicklung einer Portfolioposition:
Pbt+1 = Pt + xt+1
⇣Vt⇤
Folglich ist für das gesamte Portfolio zu erwarten, dass gilt:
Ybt+1 = Q0t Pbt+1 = Q0t (Pt + xt+1
⇣Vt⇤ )
Der erste Teil des Terms Q0t (Pt + xt+1 ) spiegelt die exogene Komponente wider, der
zweite Teil Q0t ( ⇣Vt⇤ ) hingegen die endogene Komponente. Innerhalb dieses Modells
lässt sich der Liquiditätskoeffizient ⇣ der endogenen Komponente durch Regression und
unter Zuhilfenahme historischer Daten des Portfolios relativ einfach schätzen mit:
⇣Vt⇤ + xt+1 + "t
Außerdem ist der Erwartungswert für das Portfolio unter Berücksichtigung der endogenen Komponente ermittelbar durch:
Et (Yt+1 ) = Q0t (Pt
⇣E(Vt⇤ ) + E(xt+1 ))
Die durch die eigene Handelsaktivität zusätzliche Varianz lässt sich beschreiben durch:
Q0t (var [⇣Vt ])Qt
Die durch das Modell nach Berkowitz (2000) erhaltenen Werte für den Erwartungwert und die Varianz lassen sich relativ einfach und nahtlos in ein parametrisches
VaR-Modell einfügen. Auch ist anzumerken, dass dieses Modell durch die Verwendung
historischer Portfoliodaten neben der Markttiefe zwangsläufig auch die Marktbreite
berücksichtigt. Die Daten vergangener Transaktionen im Portfolio enthalten gezwungenermaßen auch die realisierte Geld-Brief-Spanne (vgl. Loebnitz; 2006, p.74).
In seinem Artikel untersuchte Berkowitz (2000) mit Hilfe seines Modells vier verschiedene Portfolien (Agressive growth, growth, growth & income und precious metals).
Diese Portfolien setzen sich wiederum aus den aggregierten Daten von über 500 US Investmentfonds zusammen. Als Ergebnis dieser Untersuchung lässt sich festhalten, dass
für das Portfolio Agressive growth“ nur minimale Marktliquiditätsrisiken im Zeitraum
von Juni 1999 bis Januar 2000 bestanden. Die Marktliquiditätsrisiken der Portfolien
Growth“ und Growth and income“ waren hingegen (fast) nicht existent. Im Kontrast
hierzu steht das precious metal“ Portfolio mit deutlich ersichtlichem Marktliquiditäts”
risiko. Die Abbildung gibt den LiqAdj-VaR als gestrichelte Linie wieder, den P-VaR
hingegen als durchgezogene Linie.
Abbildung 9: Vergleich des VaR mit und ohne Marktliquiditätsrisiko (Berkowitz; 2000)
Dieses Ergebnis lässt sich durch das für US Aktienmärkte relativ ruhige Jahr 1999
erklären. In den Jahren 1998–1999 standen vielmehr Russland und Brasilien im Fokus
der Investoren. Beide Länder sind große Rohsto↵produzenten und haben folglich großen
Einfluss auf die Rohsto↵märkte; den für Edelmetalle eingeschlossen. Insofern sind die
Ergebnisse von Berkowitz (2000) nicht aussagekräftig genug. Ein Vergleich von USAnleihen mit Anleihen Russlands oder Brasiliens wäre hinsichtlich der Marktliquiditätsrisiken im Jahr 1999 aufschlussreicher gewesen.
Dennoch ist das Modell an und für sich attraktiv. Für die Verwendung des Ansatzes
sprechen unter Anderem die relativ einfache Handhabung und die geringe benötigte Datenmenge. Ähnliche Modelle, bspw. der Ansatz von Jarrow und Subramanian (1997),
erfordern wesentlich detaillierte Daten, welche insbesondere für lange Zeitreihen oft
nicht verfügbar sind. Des Weiteren spricht die relativ gute Definition und Erfassung
der endogenen Komponente des Marktliquiditätsrisikos für das Modell nach Berkowitz
(2000). Von Nachteil ist hingegen, dass die exogene nicht präzise von der endogenen
Komponente getrennt werden kann, da die historischen Daten beide Komponenten enthalten. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die unter normalen Marktumständen
gewonnen Daten des Seller Impact“ bei extremen, durch den Markt gesetzten Rah”
menbedingungen Bestand haben.
Der folgende Abschnitt befasst sich mit der Marktelastizität. Demnach also mit welcher Geschwindigkeit der Marktpreis nach einer adversen Preisbewegung zum Gleichgewichtspreis zurückkehrt. Es wird auch aufgezeigt, wie sich diese Zeitspanne quantifizieren lässt um die Marktelastizität schlussendlich in ein VaR-Modell zu integrieren.
Die Marktelastizität
Wie bereits bekannt ist, beschreibt die Marktelastizität, wie lange es dauert bis der
Marktpreis nach einer adversen Preisbewegung wieder auf das Marktgleichgewichtsniveau zurückkehrt (Kyle; 1985). Um die Marktelastizität messbar zu machen, muss
zunächst definiert werden, was eine große“, den Preis beeinflussende Order ist. Holt”
hausen et al. (1987) nennen zwecks der Quantifizierung zunächst drei Möglichkeiten:
Prozentualer Anteil der Order am insgesamt ausgegebenen Kapital,
Verhältnis der Order zum durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen,
Absoluter Gegenwert der Order.
Durch ihre Forschung kommen Holthausen et al. (1987) aber zu dem Ergebnis, dass
lediglich die ersten beiden Möglichkeiten hinreichende Aussagekraft besitzen. Sie geben
aber keinerlei absolute Größen an; diese müssten erwartungsgemäß auch von Markt zu
Markt variieren. Nach einer solchen Quantifizierung großer Orders stellt sich zunächst
die Frage, wie der Preis bei Ausführung einer solchen Order reagieren wird. Hierbei
wird nach Holthausen et al. (1987) zwischen temporären und permanenten Preiseffekten unterschieden. Diese Unterscheidung ist auch bei Hisata und Yamai (2000) zu
finden. Temporäre E↵ekte verschwinden nach einiger Zeit bzw. nach einigen Orders
wieder, permanente E↵ekte haben einen andauernden E↵ekt auf den Preis. Dieses Zusammenspiel wird in Abbildung 10 dargestellt.
Abbildung 10: Permanente & temporäre Preise↵ekte (Holthausen et al.; 1987)
Pp ist hierbei der Marktpreis direkt vor Orderausführung, Pb der Preis zu dem die Order abgewickelt wird und Pc der neue Gleichgewichtspreis nach Orderausführung. Der
temporäre Preise↵ekt wird gemessen durch ln PPcb , der permanente Preise↵ekt hingegen
durch ln PPpc . Hieraus ergibt sich der komplette Preise↵ekt als ln PPpb . Als Gründe für diese
Preise↵ekte werden die (Opportunitäts-)Kosten einer unverzüglichen Orderausführung,
unelastische Angebots- bzw. Nachfragekurven und Informationsasymmetrien genannt.
Holthausen et al. (1987) stellen in ihren Untersuchungen fest, dass temporäre Preiseffekte bei verkäuferinitiierten Orders überwiegen, wohingegen bei käuferinitiierten Orders die permanenten E↵ekte überwiegen sollen. Dies wird dadurch begründet, dass
die Verkäufer bei käuferinitiierten Orders eine Art Prämie zusätzlich zum Marktpreis
erwarten. Bei verkäuferinitiierten Orders erwarten die Käufer am Markt hingegen einen
Preisnachlass ggb. dem Marktpreis. Dieser Preisnachlass ist aber nur temporär.
Eine naheliegende Methode die Dauer der temporären Preise↵ekte zu messen ist, die
Marktpreise direkt vor und direkt nach einer großen Order zu beobachten, um festzustellen wie viele Preisfeststellungen nötig sind bis ein neuer Gleichgewichtspreis gefunden ist. Eine solche Auswertung empirischer Daten ist bei Holthausen et al. (1990) zu
finden. Zur Quantifizierung dieses Zusammenhangs wird zunächst eine Benchmarkrendite rben kalkuliert. rben ergibt sich aus allen N beobachteten Orders, die in der zehn
Zeitpunkte umfassenden Benchmarkperiode von t = 20 bis t = 11 gehandelt worden sind:
(rb,t )
N b=1 10 t= 20
Mit Hilfe dieser Benchmarkrendite rben wird nun die durchschnittliche, die Benchmarkrendite übersteigende, Exzessrendite rex,t der größten B Orders (B 2 N ) festgestellt. Es wurden jeweils fünf Orderperioden vor und nach den großen Orders in t = 0
betrachtet und somit ist t = 5, . . . , +5 gegeben:
rex,t
(rb,t
rben )
Dieses Vorgehen lässt sich, mit der Benchmarkrendite auf 0-Niveau skaliert, wie folgt
Abbildung 11: Prinzipskizze der Benchmark- und Exzessrenditen
Man kam zu dem Ergebnis, dass ein neuer Gleichgewichtspreis bei verkäuferinitiierten
Orders nach drei folgenden Transaktionen gefunden wird. Dabei geschieht die größte
Annährung an den Gleichgewichtspreis in nur einer Transaktion. Bei käuferinitiierten
Orders hingegen wird der neue Gleichgewichtspreis schon nach nur einer Transaktion
gefunden. Holthausen et al. (1990) stellen somit einen signifikanten Zusammenhang
zwischen Preise↵ekt und Ordergröße fest. Mit dieser Methodik wurden für verkäuferinitiierte Orders die in Tabelle 5 zusammengefassten Werte festgestellt.
rex,t [in %]
Tabelle 5: Durchschnittliche Exzessrendite rex,t in t =
5, . . . , +5 (vgl. Holthausen et al.; 1990, p.78)
Anhand dieser Ergebnisse ist ersichtlich, dass nach Handel der großen Order in t = 0 ein
neuer Gleichgewichtspreis schnell gefunden wird. Die größte Annäherung an den neuen
Gleichgewichtspreis geschieht fast augenblicklich in t = 1. Der temporäre Preise↵ekt
wird somit sehr schnell aufgehoben. Durch diese neuere Untersuchung kann die Aussage der ersten Verö↵entlichung (Holthausen et al.; 1987), bezüglich des Überwiegens der
temporären Preise↵ekte bei verkäuferinitiierten Orders, nicht aufrecht erhalten werden.
Die Aussage bezüglich käuferinitiierter Orders erwies sich dahingegen als korrekt; auch
hier überwiegen die permanenten E↵ekte auf den Preis.
Aus den Ergebnissen von Holthausen et al. (1987, 1990) und unter Zuhilfenahme des
Market Impact Modells von Almgren und Chriss (2001) folgern Hisata und Yamai
(2000) richtigerweise, dass es sich bei Betrachtung der Marktelastizität mehr um ein
Kostenoptimierungsproblem und weniger um ein Marktliquiditätsproblem handelt. Die
Marktliquiditätsrisiken, die bei Ausführung großer Orders auftreten, sind bereits in der
Analyse der Marktbreite und Markttiefe erfasst. Bei Betrachtung der Marktelastizität
geht es hingegen um die optimale Ausführung mehrerer Orders bzw. um die optimale
Aufteilung einer großen in mehrere kleine Orders. Dennoch ist eine Untersuchung der
Marktelastizität interessant um die Möglichkeit der Aufteilung von Orders widerzuspiegeln, da dies einer Minimierung des Marktliquiditätsrisikos gleich kommt.
Hierzu definieren Hisata und Yamai (2000) den für den Marktteilnehmer möglichen
erzielbaren (Verkaufs-)Preis Pek in einem zeitdiskreten Modell. In diesem zeitdiskreten
Modell wird zunächst angenommen, dass der zur Verfügung stehende Verkaufszeitraum
in N Zeitpunkte (t0 , . . . , tN ) unterteilt wird. Innerhalb dieses Verkaufszeitraums wird
ferner nur zu jedem Zeitpunkt tk (k = 0, . . . , N ) gehandelt. Die Gesamtorder wird
gleichmäßig auf die Handelszeitpunkte tk aufgeteilt und somit gilt:
Pek = P0 +
⌧ 2 ⇠j + ⇡tk
◆vk
Hierbei wird im ersten Teil des Terms die normale Preisbewegung, d.h. das Marktpreisrisiko, als arithmetische Zufallsbewegung modelliert. ist die Standardabweichung des
Preises, ⌧ das Zeitintervall zwischen den einzelnen Orders und ⇠j sind normalverteilte,
unabhängige Zufallsvariablen. Zusätzlich gibt ⇡ den Drift des Preises wieder. Der zweite
Teil des Terms gibt den permanenten Preise↵ekt auf die noch im Portfolio befindlichen
Wertpapiere wieder. Z ist der anfängliche Bestand, zk ist die bereits gehandelte Menge
und der Koeffizient des permanenten Preise↵ektes. Der dritte Teil der Gleichung spiegelt den temporären Preise↵ekt wider. Hierbei ist der temporäre Abschlag innerhalb
der Geld-Brief-Spanne, ◆ der Koeffizient des temporären Preise↵ekts und vk die Größe
der aktuell auszuführenden Order. Bei dieser Bestimmung des möglichen Preises Pek
handelt es sich um eine Verkaufsorder, bei einer Kauforder sind die Termteile zwei und
drei zu addieren statt zu subtrahieren, da die Preise bei großen Käufen steigen müssen.
Die Kosten, die aufgrund der Marktliquiditätsrisiken entstehen, lassen sich nun als
Di↵erenz zwischen dem anfänglichen Portfoliowert ZP0 und der im Verkauf erzielten
Erlöse darstellen:
C = ZP0
Aus diesen Kosten C lässt sich nun derer Erwartungswert E(C) und Varianz V (C)
⌧ zk + Z + Z + ◆ + ⌧
⌧ vk2
In der Praxis gilt es nun, den Erwartungswert und die Varianz der Kostenfunktion zu
minimieren, um nach Möglichkeit den anfänglich fairen Wert ZP0 zu erzielen bzw. um
bei einem Kauf nicht zu teuer zu kaufen.
Hisata und Yamai (2000) definieren ihren LiqAdj-VaR, unter Annahme der Normalverteilung, dem Konfidenzniveau ↵ und der optimalen Orderausführung, im zeitdiskreten
Marktmodell daher als:
V aR = N↵
Mit diesem Modell kamen Hisata und Yamai (2000) zusammengefasst zu der Feststellung, dass der konventionelle VaR die Risiken bei liquiden Titeln überschätzt und bei
illiquiden Titeln tendenziell unterschätzt.
Das Modell nach Hisata und Yamai (2000) beinhaltet nahezu alle Aspekte der Marktliquiditätsrisiken und spiegelt die tatsächlichen Risiken auch sehr gut wider, dennoch
ist es an einigen Stellen problematisch. So kann bei Modellierung der Preisbildungsfunktion für Pk weder eine genaue Trennung zwischen den einzelnen Komponenten
(Markttiefe / Marktbreite / Marktelastizität) noch eine genaue Di↵erenzierung nach
der jeweiligen Ursache (exogen / endogen) erkannt werden. Es scheint, als wenn nur
die endogenen Ursachen betrachtet werden. Deshalb kann folglich nach Integrierung
der Preisbildungsfunktion in ein VaR-Modell auch keine Aussage über die Ursache und
Herkunft eines steigenden oder fallenden VaR getro↵en werden. Auch ist die dafür
benötigte Datenmenge nicht ohne weiteres verfügbar.
Rückblickend sind alle vorgestellten Modelle sehr gut geeignet um die jeweilige untersuchte Komponente des Marktliquiditätsrisikos zu erfassen. Oftmals ist die betrachtete
Komponente (Bangia et al.; 1999; Amihud; 2002) sehr genau beschrieben und abgegrenzt, allerdings gelingt dies gerade bei den komplexeren Modellen (Angelidis und
Benos; 2006; Berkowitz; 2000; Hisata und Yamai; 2000) nicht immer reibungslos. Daher sollte das Hauptaugenmerk in Zukunft darauf gelegt werden Modelle zu scha↵en,
die zwar alle Komponenten möglichst genau erfassen, gleichzeitig aber auch genügend
Trennschärfe besitzen diese untereinander abzugrenzen. Die Modelle von Torre und
Ferrari (1999), Hisata und Yamai (2000) sowie Almgren und Chriss (2001) scha↵en es
(fast) alle Komponenten zu erfassen, es mangelt ihnen aber leider an genügend Abgrenzung. Der Versuch aller Modelle sich in bestehende VaR-Modelle zu integrieren,
ist als sehr positiv und praxisrelevant zu bewerten. So sollte es nahezu jeder Bank in
Zukunft gelingen das Marktliquiditätsrisiko in ihre bestehenden Systeme zu integrieren.
Diese bisher unpräzise und uneinheitliche Darstellung hat auch Auswirkungen auf die
aufsichtsrechtliche Behandlung des Marktliquiditätsrisikos. Wie durch die durchgeführten Untersuchungen der exogenen Komponenten der Marktbreite und der Markttiefe
o↵ensichtlich geworden ist, spiegeln die aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen die
festgestellten Marktliquiditätsrisiken nicht korrekt wider. Der eigentlich als sicher geltende Pfandbrief hat in jeder unserer Untersuchungen schlechtere Resultate als die Unternehmensanleihe erzielt. Es gilt demnach für die Aufsicht geeignete Liquiditätsmaße
zu finden, statt pauschale Aussagen zu tre↵en. Insbesondere unter Berücksichtigung der
momentan anstehenden Umsetzung von Basel III auf europäischer Ebene durch CRD
IV (Capital Requirements Directive), welche Staatsanleihen und Pfandbriefe gegenüber
Unternehmensanleihen massiv bevorzugt, ist diese Pauschalierung nicht tragfähig.
Sollte dieser Entwurf nicht präziser formuliert und mit quantitativen Argumenten unterlegt werden, kann es zu einem Crowding Out des Sektors für Unternehmensanleihen
kommen. Dies würde die Refinanzierung für Nicht-Finanzunternehmen immens verteuern. Auch würde das Risiko der Banken bei Fokussierung auf einige wenige Anlageklassen wie Staatsanleihen und Pfandbriefe steigen, da die Diversifikationsmöglichkeiten eingeschränkt werden. Dies könnte laut einem Artikel des Wall Street Journal
(2011) im schlimmsten Fall auch zu einer Blase im Staatsanleihensektor führen. Hierzu
tragen die Nullgewichtung von Staatsanleihen und die Eingruppierung als Aktiva der
Stufe 1 im Rahmen des Liquidity Coverage Ratio bei. Die aktuellen und geplanten
aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen verleiten Banken gerade dazu, gemäß Aufsichtsrecht scheinbar risikolosen Staatsanleihen anzuhäufen. So merkt der ehemalige
Privatkunden-Vorstand der Commerzbank AG, Achim Kassow, trocken an:
The regulatory incentive which results from the 0% risk weight is apparent: banks
in Member States are e↵ectively encouraged to place their most liquid assets into the
worst possibel government debt, maximizing the yield with a regulatory capital requirement of zero.“ Dieser Trend der gesetzlich geforderten Anhäufung von Risiken ist
besorgniserregend. Demnach gilt zu ho↵en, dass die Forschung zur Quantifizierung der
Marktliquiditätsrisiken schnell voranschreitet und in die Gesetzgebung einfließt. Den
Entwurf zu CRD IV gilt es vor Implementierung in EU-Recht und in nationale Gesetze
grundlegend zu überarbeiten.
Leider ist dies laut Berichten der Financial Times (2012) nicht angedacht und die
Aufsichtsorgane wollen an ihrem bisherigen Entwurf zu CRD IV festhalten. Trotzdem
scheint es, als wollten die Aufsichtsbehörden eine zeitlich begrenzte Verletzung des LCR
zulassen, wenn die entsprechende Bank darlegen kann, wie sie sich aus dieser Situation
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What Makes Chinese Firms Productive? Learning from Indigenous and Foreign Sources of Knowledge
Philipp Boeing / Elisabeth Mueller / Philipp Sandner
Krones, Julia / Cremers, Heinz
Eine Analyse des Credit Spreads und seiner Komponenten als Grundlage für Hedge Strategien mit Kreditderivaten
Boldyrev, Ivan A. / Herrmann-Pillath, Carsten
Moral Sentiments, Institutions, and Civil Society: Exploiting Family Resemblances between Smith and Hegel to
Resolve Some Conceptual Issues in Sen’s Recent Contributions to the Theory of Justice
Mehmke, Fabian / Cremers, Heinz / Packham, Natalie
Validierung von Konzepten zur Messung des Marktrisikos - insbesondere des Value at Risk und des Expected Shortfall
Tinschert, Jonas / Cremers, Heinz
Schultz, André / Kozlov, Vladimir / Libman, Alexander
Börner, René / Goeken, Matthias / Rabhi, Fethi
SOA Development and Service Identification – A Case Study on Method Use, Context and Success Factors
Mas, Ignacio / Klein, Michael
Harhoff, Dietmar / Müller, Elisabeth / Van Reenen, John
Decarolis, Francesco/ Klein, Michael
Auctions that are too good to be true
Eaton, Sarah / Kostka, Genia
Behley, Dustin / Leyer, Michael
Evaluating Concepts for Short-term Control in Financial Service Processes
Braun, Daniel / Allgeier, Burkhard / Cremres, Heinz
Kostka, Genia / Moslener, Ulf / Andreas, Jan G.
Barriers to Energy Efficency Improvement: Empirical Evidence from Small- and-Medium-Sized Enterprises in China
Löchel, Horst / Xiang Li, Helena
Neuroökonomik, Institutionen und verteilte Kognition: Empirische Grundlagen eines nicht-reduktionistischen naturalistischen Forschungsprogramms in den Wirtschaftswissenschaften
Libman, Alexander/ Mendelski, Martin
Environmental Protection Bureau Leadership at the Provincial Level in China: Examining Diverging Career Backgrounds and Appointment Patterns
Durst, Susanne / Leyer, Michael
Enrichment with Growth
A Spatial Interpretation of the Persistency of China’s Provincial Inequality
Libman, Alexander / Schultz, André
Kostka, Genia / Shin, Kyoung
Energy Service Companies in China: The Role of Social Networks and Trust
Andriani, Pierpaolo / Herrmann-Pillath, Carsten
Klein, Michael / Mayer, Colin
Cremers, Heinz / Hewicker, Harald
Roßbach, Peter / Karlow, Denis
Libman, Alexander / Herrmann-Pillath, Carsten / Yarav, Gaudav
Herrmann-Pillath, Carsten / Andriani, Pierpaolo
Christian Büchler, Marius Buxkaemper, Christoph Schalast, Gregor Wedell
Incentivierung des Managements bei Unternehmenskäufen/Buy-Outs mit Private Equity Investoren
Revisiting the Gaia Hypothesis: Maximum Entropy, Kauffman´s “Fourth Law” and Physiosemeiosis
Boeing. Philipp / Sandner, Philipp
The Innovative Performance of China’s National Innovation System
From Boom to Bust: How different has microfinance been from traditional banking?
Libman Alexander / Vinokurov, Evgeny
Is it really different? Patterns of Regionalisation in the Post-Soviet Central Asia
Subnational Resource Curse: Do Economic or Political Institutions Matter?
Kostka, Genia / Hobbs, William
Embedded Interests and the Managerial Local State: Methanol Fuel-Switching in China
Energy Efficiency in China: The Local Bundling of Interests and Policies
Umber, Marc P. / Grote, Michael H. / Frey, Rainer
Europe Integrates Less Than You Think. Evidence from the Market for Corporate Control in Europe and the US
Vogel, Ursula / Winkler, Adalbert
Words or Deeds – What Matters? Experience of Decentralization in Russian Security Agencies
Kostka, Genia / Zhou, Jianghua
Rethinking Evolution, Entropy and Economics: A triadic conceptual framework for the Maximum Entropy Principle as
applied to the growth of knowledge
Heidorn, Thomas / Kahlert, Dennis
Implied Correlations of iTraxx Tranches during the Financial Crisis
Fritz-Morgenthal, Sebastian G. / Hach, Sebastian T. / Schalast, Christoph
Birkmeyer, Jörg / Heidorn, Thomas / Rogalski, André
Determinanten von Banken-Spreads während der Finanzmarktkrise
Bannier, Christina E. / Metz, Sabrina
Heidorn, Thomas / Kaiser, Dieter G. / Voinea, André
The Evolutionary Approach to Entropy: Reconciling Georgescu-Roegen’s Natural Philosophy with the Maximum
Heidorn, Thomas / Löw, Christian / Winker, Michael
Herrmann-Pillath, Carsten / Libman, Alexander / Yu, Xiaofan
Lang, Michael / Cremers, Heinz / Hentze, Rainald
Ratingmodell zur Quantifizierung des Ausfallrisikos von LBO-Finanzierungen
Bannier, Christina / Feess, Eberhard
When high-powered incentive contracts reduce performance: Choking under pressure as a screening device
Bannier, Christina E. / Behr, Patrick / Güttler, Andre
Schäffler, Christian / Schmaltz, Christian
Dimensionen des Wissens: Ein kognitiv-evolutionärer Ansatz auf der Grundlage von F.A. von Hayeks Theorie der
„Sensory Order“
Hankir, Yassin / Rauch, Christian / Umber, Marc
It’s the Market Power, Stupid! – Stock Return Patterns in International Bank M&A
Cremers, Heinz / Walzner, Jens
Heidorn, Thomas / Schmaltz, Christian
Bannier, Christina E. / Hirsch, Christian
The economic function of credit rating agencies - What does the watchlist tell us?
Winkler, Adalbert / Vogel, Ursula
Finanzierungsstrukturen und makroökonomische Stabilität in den Ländern Südosteuropas, der Türkei und in den GUSStaaten
Heidorn, Thomas / Rupprecht, Stephan
Einführung in das Kapitalstrukturmanagement bei Banken
Rossbach, Peter
Diversity Management und diversi-tätsbasiertes Controlling: Von der „Diversity Scorecard“ zur „Open Balanced
Hölscher, Luise / Clasen, Sven
Erfolgsfaktoren von Private Equity Fonds
Is there a hold-up benefit in heterogeneous multiple bank financing?
Roßbach, Peter / Gießamer, Dirk
Schalast, Christoph:
Staatsfonds – „neue“ Akteure an den Finanzmärkten?
Schalast, Christoph / Alram, Johannes
Schalast, Christoph / Bolder, Markus / Radünz, Claus / Siepmann, Stephanie / Weber, Thorsten
Transaktionen und Servicing in der Finanzkrise: Berichte und Referate des Frankfurt School NPL Forums 2008
Werner, Karl / Moormann, Jürgen
Efficiency and Profitability of European Banks – How Important Is Operational Efficiency?
Moralische Gefühle als Grundlage einer wohlstandschaffenden Wettbewerbsordnung:
Ein neuer Ansatz zur erforschung von Sozialkapital und seine Anwendung auf China
Heidorn, Thomas / Kaiser, Dieter G. / Roder, Christoph
Schalast, Christoph / Benita, Barten
Private Equity und Familienunternehmen – eine Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung deutscher
Maschinen- und Anlagenbauunternehmen
Bannier, Christina E. / Grote, Michael H.
Equity Gap? – Which Equity Gap? On the Financing Structure of Germany’s Mittelstand
The Naturalistic Turn in Economics: Implications for the Theory of Finance
Schalast, Christoph (Hrgs.) / Schanz, Kay-Michael / Scholl, Wolfgang
Aktionärsschutz in der AG falsch verstanden? Die Leica-Entscheidung des LG Frankfurt am Main
Bannier, Christina E./ Müsch, Stefan
Cremers, Heinz / Vetter, Michael
Heidorn, Thomas / Pleißner, Mathias
Determinanten Europäischer CMBS Spreads. Ein empirisches Modell zur Bestimmung der Risikoaufschläge von
Schalast, Christoph (Hrsg.) / Schanz, Kay-Michael
Schaeffler KG/Continental AG im Lichte der CSX Corp.-Entscheidung des US District Court for the Southern District
Hölscher, Luise / Haug, Michael / Schweinberger, Andreas
Analyse von Steueramnestiedaten
Heimer, Thomas / Arend, Sebastian
Heimer, Thomas / Hölscher, Luise / Werner, Matthias Ralf
Böttger, Marc / Guthoff, Anja / Heidorn, Thomas
Loss Given Default Modelle zur Schätzung von Recovery Rates
Almer, Thomas / Heidorn, Thomas / Schmaltz, Christian
The Dynamics of Short- and Long-Term CDS-spreads of Banks
Barthel, Erich / Wollersheim, Jutta
Kulturunterschiede bei Mergers & Acquisitions: Entwicklung eines Konzeptes zur Durchführung einer Cultural Due
Heidorn, Thomas / Kunze, Wolfgang / Schmaltz, Christian
Produktivität und Effizienz in Banken – Terminologie, Methoden und Status quo
Löchel, Horst / Pecher, Florian
The Strategic Value of Investments in Chinese Banks by Foreign Financial Insitutions
Schalast, Christoph / Morgenschweis, Bernd / Sprengetter, Hans Otto / Ockens, Klaas / Stachuletz, Rainer /
Der deutsche NPL Markt 2007: Aktuelle Entwicklungen, Verkauf und Bewertung – Berichte und Referate des NPL
Schalast, Christoph / Stralkowski, Ingo
10 Jahre deutsche Buyouts
Bannier, Christina E./ Hirsch, Christian
Demidova-Menzel, Nadeshda / Heidorn, Thomas
Hölscher, Luise / Rosenthal, Johannes
Bannier, Christina / Hänsel, Dennis
Bannier, Christina
“Smoothing“ versus “Timeliness“ - Wann sind stabile Ratings optimal und welche Anforderungen sind an optimale
Berichtsregeln zu stellen?
Cremers, Heinz / Löhr, Andreas
Commodities in Asset Management
Risikosteuerung mit Kreditderivaten unter besonderer Berücksichtigung von Credit Default Swaps
Cremers, Heinz / Traughber, Patrick
Handlungsalternativen einer Genossenschaftsbank im Investmentprozess unter Berücksichtigung der Risikotragfähigkeit
Heidorn, Thomas / Kaiser, Dieter G. / Muschiol, Andrea
Jobe, Clemens J. / Ockens, Klaas / Safran, Robert / Schalast, Christoph
Work-Out und Servicing von notleidenden Krediten – Berichte und Referate des HfB-NPL Servicing Forums 2006
Abrar, Kamyar / Schalast, Christoph
Fusionskontrolle in dynamischen Netzsektoren am Beispiel des Breitbandkabelsektors
Schalast, Christoph / Schanz, Kay-Michael
Wertpapierprospekte: Markteinführungspublizität nach EU-Prospektverordnung und Wertpapierprospektgesetz 2005
Dickler, Robert A. / Schalast, Christoph
Distressed Debt in Germany: What´s Next? Possible Innovative Exit Strategies
Belke, Ansgar / Polleit, Thorsten
Heterogenität von Hedgefondsindizes
Baumann, Stefan / Löchel, Horst
The Endogeneity Approach of the Theory of Optimum Currency Areas - What does it mean for ASEAN + 3?
Heidorn, Thomas / Trautmann, Alexandra
(How) Do Stock Market Returns React to Monetary Policy ? An ARDL Cointegration Analysis for Germany
Daynes, Christian / Schalast, Christoph
Aktuelle Rechtsfragen des Bank- und Kapitalmarktsrechts II: Distressed Debt - Investing in Deutschland
Becker, Gernot M. / Harding, Perham / Hölscher, Luise
Richard, Jörg / Schalast, Christoph / Schanz, Kay-Michael
Moormann, Jürgen / Stehling, Frank
Sokolovsky, Zbynek / Strohhecker, Jürgen
Eberle, Günter Georg / Löchel, Horst
Frank, Axel / Moormann, Jürgen
Cremers, Heinz / Robé, Sophie / Thiele, Dirk
Das Geschäft mit Derivaten und strukturierten Produkten: Welche Rolle spielt die Bank?
Hübsch, Arnd / Walther, Ursula
Detering, Nils / Zhou, Qixiang / Wystup, Uwe
Volatilität als Investment. Diversifikationseigenschaften von Volatilitätsstrategien
Scholz, Peter / Walther, Ursula
The Trend is not Your Friend! Why Empirical Timing Success is Determined by the Underlying’s Price Characteristics
and Market Efficiency is Irrelevant
Beyna, Ingo / Wystup, Uwe
Detering, Nils / Weber, Andreas / Wystup, Uwe
Veiga, Carlos / Wystup, Uwe
Ratings of Structured Products and Issuers’ Commitments
On the Calibration of the Cheyette. Interest Rate Model
Investment Certificates under German Taxation. Benefit or Burden for Structured Products’ Performance
Esquível, Manuel L. / Veiga, Carlos / Wystup, Uwe
Unifying Exotic Option Closed Formulas
Packham, Natalie / Schlögl, Lutz / Schmidt, Wolfgang M.
Reiswich, Dimitri / Wystup, Uwe
Reiswich, Dimitri / Tompkins, Robert
Keller-Ressel, Martin / Kilin, Fiodar
Forward-Start Options in the Barndorff-Nielsen-Shephard Model
Griebsch, Susanne / Wystup, Uwe
On the Valuation of Fader and Discrete Barrier Options in Heston’s Stochastic Volatility Model
Packham, Natalie / Schmidt, Wolfgang
Hakala, Jürgen / Wystup, Uwe
Weber, Andreas / Wystup, Uwe
Vergleich von Anlagestrategien bei Riesterrenten ohne Berücksichtigung von Gebühren. Eine Simulationsstudie zur
Verteilung der Renditen
Riesterrente im Vergleich. Eine Simulationsstudie zur Verteilung der Renditen
Becker, Christoph / Wystup, Uwe
Default Swaps and Hedging Credit Baskets
Griebsch, Susanne/ Kühn, Christoph / Wystup, Uwe
Instalment Options: A Closed-Form Solution and the Limiting Case
On the Cost of Delayed Currency Fixing Announcements
http://www.frankfurt-school.de/content/de/research/workingpapers.html
Sonnemannstr. 9 – 11  D – 60314 Frankfurt/M.  Germany
Phone: +49 (0) 69 154 008 – 734  Fax: +49 (0) 69 154 008 – 4734
Further information about Frankfurt School of Finance & Management
may be obtained at: http://www.fs.de