Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Enterbung-des-eigenen-Kindes--f277930.html
Timestamp: 2019-05-24 13:48:34
Document Index: 355194273

Matched Legal Cases: ['§ 2303', '§ 2311', '§ 2314', '§ 2314', '§ 260', '§ 259', '§ 2333']

Enterbung des eigenen Kindes (Erbrecht) - frag-einen-anwalt.de
www.frag-einen-anwalt.deErbrechtErbeEnterbung des eigenen Kindes
Zusammenfassung: Ihre Frage betrifft das Erbrecht, und insbesondere das Pflichtteilsrecht.
Vater A zerwirft sich mit Tochter B und setzt daher Freund C als alleinigen und ausschließlichen Erben ein mit Verzicht der Festlegung weiterer Erbschaftsfolgen - erwartete Erbschaft über 100.000.- €.
Grund für das Zerwürfnis: B hat sich seit 10 Jahren nicht mehr um A gekümmert, diese selbst in gesundheitlicher Not im Stich gelassen.
B pocht nun über einen Anwalt auf ihren Pflichtanteil von 50% und möchte ein Nachlassverzeichnis von A erhalten. B verzichtet derzeit auf einen Präsenzbesuch der Wohnung, möchte diesen nur wahrnehmen, wenn kein Verzeichnis beigebracht wird
- Hat B überhaupt selbst einen Anspruch auf solch ein Nachlassverzeichnis - oder das Nachlassgericht respektive Finanzamt wegen Erbschaftssteuer?
- Muss A der B Zutritt zur Wohnung gewähren?
- Ist der Pflichtanteil angreifbar?
- Erbt B ggf. einen Pflichtanteil an der Wohnung samt Inventar oder kann C über das Inventar frei verfügen?
- Sollt A sich einen Fachanwalt zu Rate ziehen?
Erbe Erbe Erbschaft Anspruch erben
vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich im hiesigen Format (www.frag-einen-anwalt.de) gerne wie folgt beantworten möchte:
Ihre Frage betrifft das Erbrecht, und insbesondere das Pflichtteilsrecht.
Es gilt im Erbrecht die goldene Regel: Bevor Du willst erben - einer muß sterben. Das gilt auch für Pflichtteilsansprüche nach §§ 2303 ff BGB.
Also : Solange A noch lebt, hat B lediglich ein sogenannte Anwartschaftsrecht d.h. die Aussicht einmal etwas zu erben bzw. bei Enterbung den Pflichtteilsanspruch gegen die Erben des A geltend (hier ggf. C) zu machen.
Es gibt (noch) keinen Nachlass, keine Erbschaft o.ä., sondern erfreut sich des Lebens und kann über sein Vermögen frei im Rahmen der Gesetze verfügen. B könnte ggf. allenfalls Unterhaltsansprüche gegen ihren Vater A o.ä. prüfen (lassen).
Etwas anderes gilt ggf. wenn es B eigentlich um Pflichtteilsansprüche o.ä. nach ihrer Mutter (verheiratet mit A ? (Ehegatten-)Testament ? Berliner Testament ?) geht.
Der Pflichteilsanspruch einer pflichtteilsberechneten Person richtet sich gegen den oder die Erben. Es ist ein Zahlungsanspruch, dessen Höhe abhängig von der gesetzlichen Erbfolge, und dem Wert des Nachlass § 2311 BGB ist. Pflichtteilsberechtigte Personen haben Auskunftsansrüche vgl.
§ 2314 BGB (zur Auskunftspflicht des Erben) wonach gilt :
Also wenn B schon mit einem Anwalt daherkommt, sollten deren Ansprüche ggf. auch anwaltlich geprüft werden.
Nachfrage vom Fragesteller	24.08.2015 | 19:59
die §§ habe ich mir längst alle durchgelesen, ein Rezitieren wäre nicht nötig gewesen. Die einzige Kernaussage, die ich hier herauslesen kann ist, dass C sich selbst auch einen Anwalt nehmen sollte... - dies ist mir als Antwort ehrlich gesagt zu dürftig.
Bitte beantworten Sie die Fragen verständlich ohne Juristendeutsch in klaren Aussagen, also auch mit einem klaren Ja und nein samt kurzer Erläuterung:
- Ist der Pflichtanteil angreifbar (konkret wegen Zerwürfnis)?
Es existiert kein Lebensgefährte mehr von A, daher wäre B als Tochter per Gesetz Alleinerbin, wenn C hier nicht als solcher notariell eingesetzt worden wäre...
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 25.08.2015 | 12:44
bestend Dank für die "Nachfrage". Womöglich haben Sie die einschlägigen §§ zwar gelesen aber nicht verstanden ?
Deshalb nocheinmal sehr dutlich der Hinweis, dass die Frage schlecht verständlich ist, weil A ja offenkundig noch lebt !?!
Grundsätzlich hat der Pflichtteilsberechtigte Auskunftsansprüche gegen den/die Erben. Der Erbe hat den Nachlass zu sichern und über den Bestand des Nachlasses Auskunft zu erteilen. Diese Auskünfte sollten ggf. auch belegt werden können.
§ 2314 BGB verweis auf § 260 BGB, der die Pflichten bei Herausgabe oder Auskunft über Inbegriff von Gegenständen des Erben konkretisiert:
(3) Die Vorschrift des § 259 Abs. 3 (In Angelegenheiten von geringer Bedeutung besteht eine Verpflichtung zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung nicht.) findet Anwendung.
Auch um Fragen des Steuerrechts zu klären vgl. Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz ErbStG, sind gegenüber dem Nachlassgericht Angaben zum Wert der Erbschaft zu machen.
Im einzelnen zu Ihren Fragen im Verhältnis zwischen Erben und Pflichtteilsberechtigten: i
- Hat B überhaupt selbst einen Anspruch auf solch ein Nachlassverzeichnis - oder das Nachlassgericht respektive Finanzamt wegen Erbschaftssteuer? JA (s.o.)
- Muss A der B Zutritt zur Wohnung gewähren? NEIN - keine Anspruchsgrundlage ersichtlich
- Ist der Pflichtanteil angreifbar (konkret wegen Zerwürfnis)? k.A. weil § 2333 BGB aufgrund fehlender Angaben nicht geprüft werden kann - wohl NEIN
- Erbt B ggf. einen Pflichtanteil an der Wohnung samt Inventar oder kann C über das Inventar frei verfügen? NEIN (der Anspruch ist ein Zahlungsanspruch auf Geld)
- Sollt A sich einen Fachanwalt zu Rate ziehen? ... also an dieser Stelle erlaube ich mir den Hinweis, dass es kaum bei einer Erstberatung bleiben kann z.B. weil Wichtige weitere Informationen fehlen.
Sollten noch Fragen offen geblieben sein wenden Sie Sich gerne an einen Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt - gerne auch an mich.