Source: https://www.slideserve.com/eagan/obligationenrecht-allgemeiner-teil-1333392
Timestamp: 2018-10-20 03:08:40
Document Index: 304998660

Matched Legal Cases: ['Art 7', 'Art 552', 'Art 104', 'Art. 190', 'Art 313', 'Art 253', 'Art 929', 'Art 5', 'Art 186', 'Art 302', 'Art 124', 'Art 184', 'Art 184', 'Art 41', 'Art 4', 'Art. 41', 'Art. 4', 'BGE', 'Art 184', 'Art 188', 'Art 2', 'Art. 8', 'Art 97', 'Art 41', 'Art 52', 'Art 82', 'Art 83', 'BGE', 'Art. 29', 'Art 895', 'Art 898', 'Art. 82', 'Art 184', 'Art 82', 'Art 83', 'Art 82', 'Art 83', 'Art 895', 'Art 492', 'Art 111', 'Art 408', 'Art 793', 'Art 717', 'Art 715', 'Art 895', 'Art 268', 'Art 434', 'Art 418', 'Art 837', 'Art 20', 'Art 97', 'Art 97', 'Art 20', 'Art 197', 'Art 20', 'Art 97', 'Art 103', 'Art 299', 'Art 54', 'BGE', 'Art 119', 'Art 185', 'Art 264', 'Art 97', 'Art 97', 'Art 99', 'Art 107', 'Art 97', 'Art 97', 'Art 44', 'Art 102', 'Art 102', 'Art 103', 'Art 104', 'Art 104', 'Art 104', 'Art 106', 'Art 106', 'Art 103', 'Art 103', 'Art 103', 'Art 97', 'Art 107', 'Art 108', 'Art 108', 'Art 108', 'Art 107', 'Art 103', 'Art 107', 'Art 107', 'Art 109', 'Art 82', 'Art 192', 'Art 367', 'Art 97', 'Art 97']

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OBLIGATIONENRECHT - Allgemeiner Teil
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OBLIGATIONENRECHT - Allgemeiner Teil. Helmut Heiss. A. Rechtsquellen. I. OR ► BG betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht) vom 30. März 1911; SR 220 ► formell selbstständiges Gesetz mit eigener Gliederung und Artikelzählung.
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OBLIGATIONENRECHT-Allgemeiner Teil
OR AT Helmut Heiss
►BG betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht) vom 30. März 1911; SR 220
►formell selbstständiges Gesetz mit eigener Gliederung und Artikelzählung
►Materielle Einheit mit dem ZGB
● Anwendung von Bestimmungen des ZGB im OR (Einleitung; tlw. Personenrecht)
● Anwendung der allgemeinen Bestim-	mungen des OR (Entstehung, Erfüllung und Aufhebung der Verträge) auf andere zivil-	rechtliche Verhältnisse [s. Art 7 ZGB]	→ Vertragsrecht des OR = „allgemeine Rechtsgeschäftslehre“
► Monistisches System
● keine Zweiteilung in ZGB/OR und HGB	(so auch: Niederlande, Italien; anders: Österreich, Deutschland)
● Handelsrecht im OR mitgeregelt
→ Art 552 ff OR
→ Einzelvorschriften für Kaufleute (Art 104 III [Verzugszinsen], Art. 190 et al. [Handelskauf], Art 313 II [kaufmännisches Darlehen])
II. Nebengesetze
►Sondergesetze für Vertragstypen	(LPG, VVG)
►Konsumentenschutzrecht
(PrHG, KKG, PauRG)
►Wettbewerbsrecht
(UWG, KG, PüG)
►Immaterialgüterrecht
(PatG, URG, MSchG)
► VO über die Miete und Pacht von Wohn- und Geschäftsräumen (VMWG) vom 9. Mai 1990; SR 221.213.11 (gestützt auf Art 253 a III OR)
► Handelsregisterverordnung (HregV) vom 7. Juni 1937; SR 221.411	(gestützt auf Art 929 und 936 OR)
IV. Internationales Einheitsrecht
►UN-Kaufrecht (CISG)
►Transportrecht!
►nur bei ausdrücklichem Vorbehalt im OR (vgl. Art 5 I ZGB)
►z.B. Art 186, 236, 359, 418 OR
VI. Verkehrssitte
► nur bei ausdrücklichem Verweis des OR relevant („indirekter Gesetzesinhalt“)
► Art 302 – 304 (Ortsgebrauch)
►Art 124 III, 429 (Handelsbrauch)
►Art 184 II, 189 I, 201, 211 II (Geschäftsübung)
B. Die „Obligation“
►Rechtsverhältnis, aufgrund dessen eine Person, der Gläubiger, von einer anderen, dem Schuldner, eine Leistungfordern kann = Schuldverhältnis i.e.S.
►Gesamtes Rechtsverhältnis von Gläubiger und Schuldner mit allen vertraglichen und gesetzlichen Ansprüchen (aus Haupt- und Nebenpflichten) und Gestaltungsrechten (Anfechtung, Rücktritt, Kündigung, Wandelung,…) = Schuldverhältnis i.w.S.
►Verständnis vom Schuldverhältnis i.w.S. ist realitätsnah, weil in aller Regel nicht nur eine (Haupt-)Leistung geschuldet wird.
a. Forderung = relatives Recht	→ Dritte nicht betroffen
►BeispielV verkauft sein Buch zunächst an K1, später noch einmal an K2, dem er es auch übergibt und über-	eignet. K1 fordert von K2 die Herausgabe des Buches.
● Grundsatz: Anspruch nach Art 184 I OR steht K1 nur gegen V zu („relatives“ Recht) → kein Anspruch von K1 gegen K2
● Ausnahme: K2 verleitet V in der Absicht,	seinen Wettbewerber K1 zu schädigen, zum Vertragsbruch → Art 41 II OR bzw. Art 4 UWG
„Eingriff in fremde Forderungsrechte“
Ansprüche aus KV1
Ansprüche aus KV2
KEIN Anspruch aus KV1
Ggf. Ansprüche aus:
● Art. 41 II OR
● Art. 4 lit a UWG
FS 1: BGE 114 II 91 („Dior“)
KEINE Ansprüche aus Vertriebsvertrag mit VH
→ ggf. Ansprüche aus:
Anspruch auf Unterlassung von
Weiterverkäufen an Händler
(Vertriebsvertrag)
Anspruch auf Lieferung (Kaufvertrag)
b. Leistung = Tun, Dulden oder Unterlassen des Schuldners
►Tun: Zahlung von Geld, Übergabe einer Sache
►Dulden: Benutzung eines Weges
►Unterlassen: Konkurrenzverbot des AN
c. Synallagma = mehrere Leistungen stehen in einem Austauschverhältnis, sodass jede Partei zugleich Gläubigerin und Schuldnerin ist
►BeispielK kauft von V ein Auto zum Preis von 24.000,- SFr
→ K ist Gläubiger hinsichtlich des Autos, Schuldner hinsichtlich des Geldes
→ V ist Gläubiger hinsichtlich des Geldes, Schuldner hinsichtlich des Autos
→ vgl. Art 184 I OR - „vollkommen zweiseitiger“ oder „synallagmatischer“ Vertrag
d. Unvollkommen zweiseitiger Vertrag = die gegenseitig geschuldeten Leistungen stehen nicht im Austauschverhältnis
Freund F erledigt unentgeltlich ein Geschäft des H und wendet dafür 20,- chF Fahrtspesen auf (unentgeltlicher Auftrag)
→ H ist Gläubiger hinsichtlich der Geschäfts-	besorgung, Schuldner hinsichtlich des Aufwandersatzes
→ F ist Gläubiger hinsichtlich des Aufwander-	satzes, Schuldner hinsichtlich der Geschäfts-	besorgung
→ aber: die Leistungen stehen in keinem Austauschverhältnis (Aufwandersatz ist kein „Entgelt“) = „unvollkommen zweiseitiger“ Vertrag
KEINEntgelt!
e. Einseitig verpflichtender Vertrag = nur eine Partei schuldet eine Leistung
►BeispielGroßvater O schenkt seinem Enkel E ein Buch
→ O ist nur Schuldner, E nur Gläubiger
→ „einseitig verpflichtender“ Vertrag
f. Pflichten des Schuldners
►Hauptleistungspflichten = charakterisieren die Obligation, insbesondere den Vertrag (z.B. Kauf: Kaufgegenstand und Kaufpreis)
►Nebenleistungspflichten = selbstständige Nebenpflichten → G hat klagbaren Erfüllungs-	anspruch (z.B. Überlassung von Ursprungs-	zeugnissen einer Ware an K)
►Sonstige Nebenpflichten = unselbständige Nebenpflichten → G hat keinen Erfüllungs-	anspruch (z.B. V muss Sache bis zur Übergabe verwahren = Obhutspflicht)
g. Rechtsgrund für Nebenpflichten
►Vertragsabrede
►Gesetz (z.B. Kostentragung beim Kauf gem. Art 188 OR)
►Treu und Glauben (Art 2 I ZGB)
h. Typenvon Nebenpflichten
►Obhuts- und Schutzpflichten(z.B. Obhut und Schutz für Besucher von Veranstaltungen)
►Mitteilungspflichten(z.B. Aufklärung durch Arzt)
►Verschaffungspflichten(z.B. Herausgabe von Ursprungszeugnissen)
►Mitwirkungspflichten(z.B. Erlangen einer erforderlichen behördlichen Bewilligung, vgl. BewG)
II. Einteilung der Obligationen
1. Nach der Dauer
► Ziel- oder einfaches Schuldverhältnis = endet mit der einmaligen Erbringung der Leistung (z.B. Kaufvertrag über ein Buch; auch:	Ratenkauf!)
►Dauerschuldverhältnis = Leistungen werden über einen Zeitraum hinweg erbracht (z.B. Miete, Arbeitsvertrag, Gesellschaftsvertrag; auch: Sukzessivlieferungsverträge [Strombezug])
2. Nach dem Entstehungsgrund
„vertragliche“
Schuldvertrag (Kauf)
Einseitiges verpflichtendes RG (z.B. Auslo-bung, Art. 8 I OR)
CicVertrauenshaftung„faktischer V“
3. Exkurs: Anspruchskonkurrenz
► Sachverhalt erfüllt Tatbestand mehrerer Anspruchsgrundlagen → Ansprüche des G bestehen unabhängig voneinander, G kann das Geschuldete aber nur einmal verlangen
► BeispielArzt begeht Behandlungsfehler → Patient hat Schadenersatzansprüche aus dem Behandlungs-	vertrag (Art 97 I OR) und aus Delikt (Art 41 I OR, Körperverletzung), kann aber nur einmal Schadenersatz fordern
C. Obligationenrechtliche Ansprüche
I. Erfüllungsanspruch1. Durchsetzung
Staatliche Durchsetzung
Voraussetzungen (Art 52 III OR):
● staatliche Hilfe zu spät● Anspruchsvereitelung droht
Rechtsfolge:● keine Ersatzpflicht
2. „Indirekte“ Durchsetzung (insb. bei synallagmatischen Leistungen) (1)
… des nicht erfüllten Vertrags(Art 82 OR)
● bei Zug-um-Zug-
● Sicherungsfunktion
● Erfüllungsdruck
● Verurteilung „Zug um Zug“
… der Unsicherheit(Art 83 OR)
● auch bei Vorlei- stungspflicht
● Erfüllungsdruck● Sicherheitsleistung● Vertragsrücktritt
FS 2: BGE 105 II 28
Devisentermingeschäft (US $/chF) Abschluss: 13.11.1973
vereinbarter Vollzug: 15.10.1974
9.10.1974: verlangt Sicherheiten
bis 11.10.74
11.10.1974: Rücktritt
- beantragt Stundung
gem. Art. 29 ff BankG
- schliesst Schalter
2. „Indirekte“ Durchsetzung (insb. bei synallagmatischen Leistungen)
Retentionsrecht nach Art 895 ZGB
[vgl. Faustpfand;Art 898 ZGB]
1. K bezahlt den Kaufpreis nicht
→ V kann gem. Art. 82 OR die Lieferung des Kaufgegenstandes bis zur Zahlung durch K verweigern
2. V hat sich zur Lieferung des verkauften Gegenstandes gegen Ratenzahlung des Kaufpreises durch K verpflichtet
→ das Zug-um-Zug-Prinzip (Art 184 II OR) ist vertraglich abbedungen, V kann die Lieferung nicht unter Berufung auf Art 82 OR verweigern
→ V kann sich ggf. auf Art 83 OR (Unsicherheitseinrede) berufen
3. Werkbesteller B bezahlt den Werklohn des U nicht
→	U kann die Einreden nach Art 82 OR (und ggf. Art 83 OR) erheben und das Retentionsrecht nach Art 895 ZGB geltend machen
3. Besicherung von Forderungen
● Bürgschaft (Art 492 ff OR)
● GarantieV (Art 111 OR)
● Kreditauftrag (Art 408 ff OR)
● Schuldbeitritt
● ev. Schuldübernahme
● Patronatserklärung
[nur ganz vereinzelt]
● Pfandrecht (Art 793 ff und 884 ZGB)
● Sicherungsübereignung (vgl Art 717 ZGB)●Sicherungszession
● Eigentumsvorbehalt (Art 715, 716 ZGB)
● Retentionsrecht → Allg. (Art 895 ZGB)
→ Geschäftsraummiete /-pacht, (Art 268, 299c OR)
→ Kommission (Art 434 OR) → Agentur (Art 418o OR)
● Grundpfandrecht
→ Verkäufer, Bauhandwerker (Art 837 I 1 und 3ZGB)
4. Prüfschema: Vertraglicher Anspruch
►Anspruch entstanden?
● Vertrag zustande gekommen? (Konsens)
● Vertrag wirksam? (rechtshinderndeEinwen-	dungen, z.B. Nichtigkeit gem. Art 20 OR)
►Anspruch erloschen?
● rechtsvernichtende Einwendungen?	(z.B. Untergang durch Erfüllung)
►Anspruch durchsetzbar?	● Einreden?(dauernde, aufschiebende, beschränkende)
II. Ansprüche aus Vertragsverletzung („Leistungsstörungsrecht“)
1. Typen von Vertragsverletzungen
(ohne culpa in contrahendo [↓])
Art 97 ff OR
„Leistungsstörungen“
NICHT-Leistung i.w.S.
SCHLECHT-Leistung
Nachträg-liche oder anfänglich subjektive
Art 97 ff,119 OR
Anfänglich objektive
(Art 20OR)
leistung=
zB Art 197
2. Nicht- oder Schlechtleistung?
● kein Leistungsanbot bei Fälligkeit
● Leistungsanbot am falschen Ort
● G verweigert Annahme der Leistung rechtmäßig● Aliud-Leistung:
- Identitätsaliud
(Kuh „Erna“ statt „Resi“)
- Gattungsaliud („Reis“ statt „Mais“)
● Minus-Lieferung
= tlw. Nicht-Leistung
● nicht vertragsgemäße Leistung (Abweichung von „Ist“ und „Soll“)
● verkaufte „Gans“ entpuppt sich als „Ente“
● Lieferung von „100g-“ statt „500g-Packungen“ = Quantitätsmangel
3. Nichtleistung i.e.S.: Unmöglichkeit (U)
► U = Leistung kann dauerhaft nicht erbracht	werden
► „anfänglich“ = U besteht spätestens bei Vertragsschluss
► „nachträglich“ = nach Vertragsschluss eintretende U
► „subjektiv“ = nur Schuldner kann die Leistung nicht erbringen (ein Dritter hingegen schon!)
► „objektiv“ = niemand kann die Leistung erbringen
b. Einteilung der Unmöglichkeitsfälle nach der Ursache
► Tatsächliche U
= Leistung kann aufgrund der tatsächlichen Umstände nicht erbracht werden
Beispiele/Abgrenzungen
● Verkaufter Dackel „Bello“ stirbt vor Übergabe an den Käufer (Untergang des Stücks bei Stückschuld)
● Verkaufter VW Golf (Identifikation im KaufV durch Fahrgestell- und Motornummer) wird durch Feuer beim Autohändler vor Lieferung an den Kunden zerstört → = Untergang des Stücks bei Stückschuld, aber: meist kommt es dem Käufer in diesen Fällen – trotz vereinbarter Stückschuld – nicht auf das konkrete Stück an → Lieferung eines anderen VW Golf vertraglich zulässig (Auslegung!) und möglich!
● Von lagerndem Speiseöl wird 1/3 verkauft (begrenzte Gattungsschuld; „Vorratsschuld“). Eine Überschwemmung zerstört:
a) den gesamten Vorrat → U
b) ¾ des Vorrats → teilweise U
c) ½ des Vorrats → keine U
● V verkauft an K 1 Stück der in limitierter Zahl angefertigten Sonderedition eines Kommentars zum OR mit Ledereinband (begrenzte Gattungsschuld) → U, wenn gesamte Gattung untergeht
● V verkauft an K 5 Tonnen Weizen. Der bei V lagernde Weizen wird durch Feuer zerstört → keine U, (unbegrenzte) Gattungsschuld (V kann neuen Weizen ankaufen und liefern!)
● V liefert Torte nach absolutem Fixtermin (Geburtstag) = U
► Rechtliche U
= Leistung kann aufgrund rechtlicher Hindernisse nicht erbracht werden
● Die Lieferung und Montage eines Kraftwerks in den Irak scheitert an einem UN-Embargo
→ objektive rechtliche U
● Die Behörde untersagt den vertraglich verein-	barten Bau → objektive rechtliche U
● Aber: V macht geltend, die Lieferung des von ihm an K verkauften Gemäldes von Picasso sei unmöglich, weil nicht er sondern ein Dritter D Eigentümer sei → keine U; V trifft eine Beschaf-	fungspflicht bei D (Anmerkung: der Verkauf fremder Sachen ist daher auch kein Vertrag mit „widerrecht-	lichem Inhalt“ iSv Art 20 I OR!) → erst wenn fest steht, dass D nicht veräußert, liegt subjektive U vor
► Wirtschaftliche U
= Leistung kann aufgrund wirtschaftlicher Unzumutbarkeit für den Schuldner nicht erbracht werden
● Der verkaufte Ring im Wert von 1.000,- chF versinkt im Meer und könnte nur durch Aufwendung überaus hoher Kosten gefunden und geborgen
werden → wirtschaftliche U
● = Lehrbuchbeispiel: zeigt, dass es sich um Extremfälle handeln muss!
● Gegenbeispiel: V verkauft Speiseöl an Einzel-	händler zum Preis von 1,- chF je Liter; durch eine Steigerung der Rohölpreise klettern seine Produktionskosten auf 1,05 chF je Liter → wirtschaftlich unergiebiges Geschäft, aber keine wirtschaftliche U
● U.U.: clausula rebus sic stantibus
c. Rechtsfolgen der U (1)
aa. Schuldner hat U nicht zu verantworten
► „…zu verantworten…“
Verschulden (Art 97, 101 OR)
Art 103 OR: Zufall und höhere Gewalt
Sondervorschriften (Art 299b, 306 III, 474 II, 487, 490 OR)
Art 54 OR: Billigkeit
ggf.: Vertragsabrede („Garantie“)
FS 3: BGE 111 II 252
●	Vertrag über die Lieferung einer „Verdampfungs- und Kondensierungs-anlage“
●	Bundesamt für Energiewirtschaft verfügt Ausfuhrverbot
→ Lieferant beruft sich auf „objektive, nicht zu vertretende U“
→ BG: Vorhersehbarkeit des Verbot begründet Verschulden
c. Rechtsfolgen der U (2)
►Untergang der Forderung ex lege
= G trägt die Leistungsgefahr (Art 119 I OR),	kann aber ggf. ein stellvertretendes commodum (zB Ersatzansprüche aus Delikt oder Versicherungsvertrag) fordern
►Folgewirkung bei synallagmatischen Verträgen	→
Untergang der Gegenforderung	= S trägt die Gegenleistungs- oder Preisgefahr
Ausnahmen (= auch Preisgefahr bei G):
Preisgefahr geht vorzeitig auf G über (zB Art 185 I OR)
G hat Unmöglichkeit zu verantworten (hier aber Vorteilsanrechnung analog Art 264 III, 324 II OR)
c. Rechtsfolgen der U (3)
bb. Schuldner hat U zu verantworten
► Schadenersatzanspruch (Art 97 I OR)
= Vertragsverhältnis bleibt erhalten, sekundäre SchE-Pflicht ersetzt Leistungs-	pflicht → SchE-Pflicht untersteht den-	selben Regeln (Verjährung, Sicherungs-	rechte)
c. Rechtsfolgen der U (4)
● Verschulden (Art 97 I OR)
- objektivierter Fahrlässigkeitsbegriff (Art 99 OR)
- Vermutung des Verschuldens
● Schaden
= unfreiwillige Vermögensminderung (hypothetisches Vermögen – tatsächliches Vermögen; Differenztheorie)
= natürliche und adäquate Ursächlichkeit
c. Rechtsfolgen der U (5)
► Schadenbemessung
● Erfüllungs- oder positives Interesse bzw Nichterfüllungsschaden = G ist so zu stellen, wie er stünde, wenn der Vertrag ordnungs-	gemäss erfüllt worden wäre
● Wert der unmöglichen Leistung + Folgeschaden
c. Rechtsfolgen der U (6)
● unmögliche Leistung im Synallagma:
- Wert der unmöglichen Leistung – Wert der ersparten Gegenleistung (Differenztheorie)
- wahlweise: Erbringung der Gegen-
leistung und Ersatz des Werts der un-	möglichen Leistung (Austauschtheorie)
► Rücktritt (analog Art 107 II OR)
● zur Wahl des G (anstelle des SchE nach Art 97 I OR)
● Rückgewähr der bereits erbrachten Gegenleistung
c. Rechtsfolgen der U (7)
c. Rechtsfolgen der U (8)
► stellvertretendes commodum
● G muss Gegenleistung erbringen
c. Rechtsfolgen der U (9)
► von beiden Parteien zu verantwortende U
● Leistungspflicht des S der unmöglichen Leistung geht unter
● Gegenleistungspflicht des G bleibt bestehen
● G hat SchE-Anspruch (Art 97 I OR), der nach Art 44 I OR zu kürzen ist
4. Spätleistung: Schuldnerverzug (SV)
a. Voraussetzungen (Art 102 I OR)
● Fälligkeit der Forderung
● Mahnung durch G
- Erklärung des G
- Leistungsverlangen
- i.d.R. Angabe von Quantität, Qualität und Erfüllungsort
- Zugang bei S („empfangsbedürftig“)
- hL/Rsp: vorsorgliche Mahnung möglich
● Nichtleistung
b. Insbesondere: Verfallstaggeschäft (Art 102 II OR)
● „bestimmter Verfalltag“
- ausdrückliche Nennung des Datums im Vertrag
- Folge einer (wirksamen) Kündigung (zB eines Darlehens „auf den 30.11.2007“)
● Ablauf des Verfalltags
● KEINE Mahnung erforderlich
c. Insbesondere: Antizipierter Vertragsbruch
d. Rechtsfolgen allgemein
aa. Ersatz des Verspätungsschadens (Art
103 I OR)
● Verzug
● Verschulden (Beweislastumkehr!, Art 103 II OR)
→ G ist so zu stellen, wie er stünde, wenn rechtzeitig erfüllt worden wäre!
bb. Insb. Geldforderungen
● Verzug (auch ohne Verschulden!)
→ Verzugszinsen (Art 104 OR)
- 5% oder höherer vereinbarter Zins (Art 104 I und II OR)
- unter Kaufleuten: höherer „üblicher Bankdiskonto am Zahlungsort“ kann verrechnet werden (Art 104 III OR)
● + Verschulden (Beweislastumkehr!, Art 106 I OR)
→ zusätzlich Verspätungsschaden, der nicht durch Verzugszinsen gedeckt ist (Art 106 I OR)
cc. Haftung für Zufall (Art 103 I OR)
● Verschulden betr. Verzug (Beweislastumkehr!, Art 103 II OR)
● zufälliges Unmöglichwerden der Leistung
● Leistung hätte Unmöglichwerden ver- hindert (Einwand des „rechtmässigen Alternativverhaltens“ zulässig; Art 103 II OR)
→ S haftet nach Art 97 I OR ohne Verschulden (kein Entlastungsbeweis!)
e. Optionen des G bei synallagmatischen Verträgen
● Verzug (hierzu oben)
● angemessene Nachfrist (Art 107 I OR)
= „angemessen“ mit Blick auf Interessen der Parteien sowie Art und Umfang der Leistung
● Nichtleistung bei Ablauf der Nachfrist
bb. Entfall der Nachfristsetzung
● ernsthafte und endgültige Leistungs-	verweigerung durch S (Art 108 Z 1 OR)
● Verzug macht Leistung für G nutzlos	(Art 108 Z 2 OR; zB „Saisonartikel“)
● relatives Fixgeschäft (Art 108 Z 3 OR; „genauer“ oder „spätester“ Leistungszeitpunkt vereinbart)
[Beachte: bei absolutem Fixgeschäft liegt Unmöglichkeit der Leistung vor!]
cc. Option I: Erfüllung und Verspätungs-	schaden (Art 107 II Alt 1 OR)
= Rechtsfolgen nach Art 103ff OR
dd. Option II: Verzicht auf Erfüllung und Nichterfüllungsschaden (Art 107 II Alt 2 OR)
● unverzüglicher Verzicht
● Verschulden des S
→ Nichterfüllungsschaden („positives Interesse“) = wahlweise Berechnung nach Austausch- oder Differenztheorie
ee. Option III: Verzicht und Rücktritt (Art 107 II Alt 3 OR)
● Rücktrittserklärung
→ Vertrag wandelt sich in ein vertragliches Rückabwicklungsverhältnis (Art 109 I OR)
- vertraglicher (kein dinglicher!) Rück-	gewähranspruch
- vertragsrechtliche Regeln anwendbar	(zB Art 82f, 97 I, 119 OR)
● + Verschulden
→ Ersatz des Vertrauensschadens = G ist in die Vermögensposition zu bringen, in der er wäre, hätte er nicht auf das Bestehen des Vertrages vertraut
5. Schlechterfüllung
= Leistung wird erbracht, jedoch nicht wie geschuldet („Qualitätsmangel“ [↑])
b. Rechtsbehelfe
aa. (ohne Verschulden) Gewährlei-	stung + (bei Verschulden) Mangel-	folgeschaden (zB Art 192 ff, 197 ff OR [Kauf]; Art 367 ff OR [Werkvertrag])
bb. pVV (positive Vertragsverletzung) = Art 97 ff OR
b. Verhältnis der Rechtsbehelfe zueinander
aa. Vertragstypenregelung kennt keine Gewährleistung → nur pVV
bb. Vertragstypenregelung kennt Gewährleistung
● Anspruchskonkurrenz
= Kauf → Gewährleistung oder pVV
● Subsidiarität der pVV
= Werkvertrag → nur Gewährleistung
c. Voraussetzungen der Haftung aus pVV
● Schlechterfüllung
● Schaden des G
6. Haftung für Nebenpflichtverletzungen
= Haftung aus pVV (Art 97 ff OR)