Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/kurzarbeit-und-beschaeftigungsgesellschaft-321999
Timestamp: 2020-02-25 15:59:37
Document Index: 46783533

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 613', '§ 175', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 112', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 77', '§ 112', '§ 77']

Kurz­ar­beit und Beschäf­ti­gungs­ge­sell­schaft | Rechtslupe
Kurzarbeit und Beschäftigungsgesellschaft
Ein bestehen­des Arbeits­ver­hält­nis wird im Sin­ne von § 3 Nr. 9 EStG auf­ge­löst, selbst wenn der Arbeit­neh­mer mit des­sen Auf­he­bung zugleich in ein neu­es (befris­te­tes) Arbeits­ver­hält­nis mit einer exter­nen Beschäf­ti­gungs-Gesell­schaft und Qua­li­fi­zie­rungs-Gesell­schaft ein­tritt.
Sind monat­li­che Zah­lun­gen nach der Betriebs­ver­ein­ba­rung (Sozi­al­plan) unter Berück­sich­ti­gung der maß­ge­ben­den Aus­le­gungs­grund­sät­ze zum Aus­gleich der durch Kurz­ar­beit ent­ste­hen­den Nach­tei­le und für die Dau­er der Kurz­ar­beit erbracht, stel­len die gezahl­ten Zuschüs­se zum Kurz­ar­bei­ter­geld kei­ne steu­er­freie (ratier­li­che) Abfin­dung, son­dern steu­er­pflich­ti­gen Arbeits­lohn dar.
Gemäß § 3 Nr. 9 Satz 1 EStG sind Abfin­dun­gen wegen einer vom Arbeit­ge­ber ver­an­lass­ten Auf­lö­sung des Dienst­ver­hält­nis­ses bis zu einer bestimm­ten Höchst­gren­ze 1 steu­er­frei.
Die Auf­lö­sung des Dienst­ver­hält­nis­ses ver­langt des­sen end­gül­ti­ge Been­di­gung. Im Fal­le des Wech­sels des Arbeit­ge­bers wird aber eine rein for­ma­le Betrach­tung der Ziel­set­zung des § 3 Nr. 9 EStG (sozi­al­po­li­tisch begrün­de­ter Aus­gleich der Fol­gen eines Arbeits­platz­ver­lus­tes) nicht gerecht. Ent­schei­dend ist viel­mehr, wie die Betei­lig­ten nach den Umstän­den des Ein­zel­fal­les die Umset­zung des Arbeit­neh­mers aus­ge­stal­tet haben. Wird das bestehen­de Dienst­ver­hält­nis bei Umset­zung eines Arbeit­neh­mers inner­halb eines Kon­zerns oder anläss­lich eines Betriebs­über­gangs zwar mit einem neu­en Arbeit­ge­ber, aber im Übri­gen in Bezug auf den Arbeits­be­reich, die Ent­loh­nung und unter Wah­rung des sozia­len Besitz­stan­des im Wesent­li­chen unver­än­dert fort­ge­setzt, so ist ein die steu­er­freie Abfin­dung recht­fer­ti­gen­der Arbeits­platz­ver­lust nicht gege­ben 2.
Dage­gen wird ein bestehen­des Arbeits­ver­hält­nis im Sin­ne von § 3 Nr. 9 EStG auf­ge­löst, wenn die Arbeits­ver­trags­par­tei­en –selbst im Zusam­men­hang mit einem Betriebs­über­gang und ohne Umge­hung der Rechts­fol­gen des § 613a BGB– das Arbeits­ver­hält­nis wirk­sam auf­he­ben, auch wenn Arbeit­neh­mer zugleich 3 zur Ver­mei­dung einer Ent­las­sung in ein befris­te­tes Arbeits­ver­hält­nis mit einer (gemäß § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB III auch betriebs­or­ga­ni­sa­to­risch eigen­stän­di­gen) exter­nen BQG ein­tre­ten 4. Die­ser Auf­fas­sung tritt der Bun­des­fi­nanz­hof bei.
Eine sol­che vom Arbeit­ge­ber ver­an­lass­te Ver­trags­auf­lö­sung des Dienst­ver­hält­nis­ses liegt vor, wenn der Arbeit­ge­ber die ent­schei­den­den Ursa­chen für die Auf­lö­sung gesetzt hat. Das ist anhand der Umstän­de des Ein­zel­falls vom FG als Tat­sa­chen­in­stanz zu ent­schei­den. Dabei ist nicht die arbeits­recht­li­che Beur­tei­lung der Auf­lö­sung maß­geb­lich, son­dern allein der Umstand, wer die Auf­lö­sung "betrie­ben" hat, von wem also die (Initia­ti­ve zur) Been­di­gung des Dienst­ver­hält­nis­ses aus­ge­gan­gen ist 5.
Abfin­dun­gen im Sin­ne des § 3 Nr. 9 EStG sind Leis­tun­gen an den Arbeit­neh­mer, die Nach­tei­le des Arbeit­neh­mers aus dem Ver­hal­ten des bis­he­ri­gen Arbeit­ge­bers aus­glei­chen sol­len. Die Norm erfasst alle Leis­tun­gen zur Abgel­tung von Inter­es­sen, die durch den Arbeits­platz­ver­lust infol­ge Auf­lö­sung des Dienst­ver­hält­nis­ses beein­träch­tigt sind, soweit die Auf­lö­sung vom Arbeit­ge­ber ver­an­lasst oder gericht­lich aus­ge­spro­chen wur­de 6. Unter § 3 Nr. 9 EStG fal­len nur sol­che Leis­tun­gen, die gera­de durch die Auf­lö­sung des bis­he­ri­gen Dienst­ver­hält­nis­ses bedingt sind; der ein­fa­che Kau­sal­zu­sam­men­hang genügt nicht. Erfor­der­lich ist ein unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang der Zah­lung mit dem auf­ge­lös­ten Dienst­ver­hält­nis 7.
Zwar kommt es auf die Art der Zah­lung (Ein­mal­be­trag, Teil­be­trä­ge) und deren Bezeich­nung nicht an 8. So kön­nen "Abfin­dun­gen" auch als lau­fen­de (wie­der­keh­ren­de) Beträ­ge gezahlt wer­den 9. Hin­sicht­lich der Zweck­ge­richt­etheit der Zah­lung ("wegen") ist aber ent­schei­dend auf die Abfas­sung der Ver­ein­ba­run­gen 10 und deren Aus­le­gung abzu­stel­len 11. So hat der Bun­des­fi­nanz­hof in einem Sach­ver­halt monat­li­che Zuzah­lun­gen des Arbeit­ge­bers zum Kurz­ar­bei­ter­geld nicht als Abfin­dun­gen gemäß § 3 Nr. 9 EStG beur­teilt, weil die­se nicht wegen der Auf­lö­sung des Dienst­ver­hält­nis­ses, son­dern wegen Kurz­ar­beit im Rah­men eines zwar bereits gekün­dig­ten, aber noch bestehen­den Arbeits­ver­hält­nis­ses gezahlt wur­den 12.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. Juli 2010 – IX R 23/​09
in den hier maß­geb­li­chen Streit­jah­ren höchs­tens 24.000 DM (1998) bzw. 16.000 DM (1999) [↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 13.12.2005 – XI R 8/​05, BFH/​NV 2006, 1071; vom 02.04.2008 – IX R 82/​07, BFH/​NV 2008, 1325[↩]
vgl. dazu BAG, Urtei­le vom 28.04.1987 – 3 AZR 75/​86, BAGE 55, 228, ZIP 1988, 120; vom 10.12.1998 – 8 AZR 324/​97, BAGE 90, 260, ZIP 1999, 320, DB 1999, 537[↩]
vgl. BAG, Urteil vom 30.03.2004 – 1 AZR 85/​03, AP Nr. 170 zu § 112 BetrVG 1972; vom 18.08.2005 – 8 AZR 523/​04, BAGE 115, 340, ZIP 2006, 148, DB 2006, 107; vom 23.11.2006 – 8 AZR 349/​06, ZIP 2007, 643, BB 2007, 1054[↩]
vgl. dazu BFH, Urtei­le vom 11.01.1980 – VI R 165/​77, BFHE 129, 479, BSt­Bl II 1980, 205; vom 10.11.2004 – XI R 51/​03, BFHE 208, 186, BSt­Bl II 2005, 441; und XI R 64/​03, BFHE 207, 336, BSt­Bl II 2005, 181, m.w.N.[↩]
BFH, Urtei­le vom 16.12.1992 – XI R 33/​91, BFHE 170, 369, BSt­Bl II 1993, 447; vom 16.07.1997 – XI R 85/​96, BFHE 183, 532, BSt­Bl II 1997, 666, je m.w.N.[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 170, 369, BSt­Bl II 1993, 447; vom 01.08.2007 – XI R 18/​05, BFH/​NV 2007, 2104[↩]
Schmidt/​Heinicke, EStG, 25. Aufl., § 3 ABC, Stich­wort "Abfin­dun­gen …", S. 86; Hand­zik in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 3 Rz 289, 290; Kreft in Herrmann/​Heuer/​Raupach –HHR – , § 3 Nr. 9 EStG Rz 11[↩]
BFH, Urteil vom 11.01.1980 – VI R 165/​77, BFHE 129, 479, BSt­Bl II 1980, 205; von Beckerath in Kirch­hof, EStG, 6. Aufl., § 3 Nr. 9 Rz 38[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 15.10.2003 – XI R 17/​02, BFHE 203, 490, BSt­Bl II 2004, 264; Schmidt/​Heinicke, a.a.O., § 3 ABC, Stich­wort "Abfin­dun­gen …", S. 85; Kreft/​HHR, § 3 Nr. 9 EStG Rz 14[↩]
zur wegen ihrer aus § 77 Abs. 4 Satz 1, § 112 Abs. 1 Satz 3 BetrVG fol­gen­den nor­ma­ti­ven Wir­kung wie Tarif­ver­trä­ge vor­zu­neh­men­den Aus­le­gung von Sozi­al­plä­nen als Betriebs­ver­ein­ba­rung sie­he BAG, Urtei­le vom 12.11.2002 – 1 AZR 632/​01, BAGE 103, 312, DB 2003, 1686, BB 2003, 2401; vom 02.03.2004 – 1 AZR 272/​03, AP Nr. 13 zu § 77 BetrVG 1972 Aus­le­gung[↩]
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