Source: https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/fulltext/000079678/30/
Timestamp: 2019-12-15 15:16:15
Document Index: 233028091

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 1', '§ 44', 'Art. 101', '§ 45', 'Art. 181', '§ 47', 'Art. 55']

https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000079678/30/
Begriffe und Zweck der Unterscheidung § 2 Abgrenzung von öffentlichem Recht und, Privatrecht I. Begriffe und Zweck der Unterscheidung Die liechtensteinische Rechtsordnung beruht, wie alle kontinental­ europäischen Ordnungen, auf der Unterscheidung zwischen Privat- (oder Zivilrecht und öffentlichem Recht. Das Privatrecht ordnet die Rechtsbeziehungen zwischen Privatpersonen1 und vereinzelt auch die Rechtsbeziehungen zwischen Privaten und dem Staat. Im Privatrecht treten die von einem Rechtsverhältnis erfassten Personen
partner­ schaftlich auf. Eine rechtliche Über- und Unterordnung der beteiligten Rechtssubjekte ist nicht möglich. Freilich bewirkt die faktische Un­ gleichheit der Parteien im Privatrecht eine tatsächliche Machtdifferenz. Diese stellt das partnerschaftliche Miteinander des Privatrechts faktisch in Frage. Zu denken ist beispielsweise an die Submissionen2, wo dem Gemeinwesen infolge seiner Nachfragemacht eine gewichtige Stellung zukommt. Ferner bestehen Ungleichgewichte im Arbeitsrecht oder im Kindesrecht. Liechtenstein hat sich durch die teilweise an das schweizerische Obli­ gationenrecht angepasste Übernahme des Allgemeinen bürgerlichen Ge­ setzbuchs (ABGB) eine Kodifikation des Privatrechts gegeben3.
Das Personen- (PGR) und das Sachenrecht (SR) sind in eigenen Teil­ kodifikationen zusammengefasst. Daneben bestehen einige privat­ rechtliche Spezialgesetze, wie etwa das Ehegesetz4, die Gesetze über das Wertpapierrecht5 und das geistige Eigentum6. Das öffentliche Recht ist nicht in einer Gesamtkodifikation zusammengefasst, sondern in zahlrei­ chen Spezialgesetzen für die jeweiligen Gebiete normiert. Einzig das Landesverwaltungspflegegesetz mit seinem ausgeprägten Detaillierungs­ 1 Vgl. § 1 ABGB. 2 Vgl. S. 153 f. 3 Die Schlussbestimmungen des PGR übernehmen für Liechtenstein wichtige Bestim­ mungen des schweizerischen Obligationenrechts, so § 44 die Hilfspersonenhaftung des Art. 101 OR oder §§ 45 f. die Geschäftsübernahme der Art. 181 f. OR oder § 47 die Ge­ schäftsherrenhaftung des Art. 55 OR. 4 Ehegesetz vom 13.12.1973, LR 212.10. 5 Vgl. das Gesetz vom 24.11.1971 betreffend das Wechselrecht, LR 218.01 oder das Ge­ setz vom 24.11.1971 betreffend das Scheckrecht, LR 218.02. 6 Vgl. z.B. Gesetz vom 26.10.1928 betreffend das Urheberrecht an Werken der Literatur und Kunst (URG), LR 231.1. 29