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Timestamp: 2016-10-28 19:40:51
Document Index: 205583126

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 99', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_444/2015 (14.10.2015)
8C_444/2015 {T�0/2} � � Urteil vom 14. Oktober 2015
Die 1975 geborene A.________ war Lageristin bei der Firma B.________ AG und damit bei der Generali Allgemeine Versicherungen AG (nachfolgend Generali) obligatorisch unfallversichert. Am 8. September 2009 sprang sie in suizidaler Absicht vom Balkon ihrer im 3. Stock befindlichen Wohnung. Sie zog sich dabei erhebliche Verletzungen zu. Die Generali kam f�r die Heilbehandlung und das Taggeld auf. Sie holte diverse medizinische Berichte, ein Gutachten des Dr. med. C.________, Orthop�dische Chirurgie FMH, vom 8. April 2011 und ein interdisziplin�res Gutachten der Institution D.________ vom 30. Oktober 2012 ein. Auf die zum letztgenannten Gutachten abgegebene Stellungnahme der behandelnden Psychiaterin Frau Dr. med. E.________ vom 14. Februar 2013 antwortete die Institution D.________ am 11. M�rz 2013. Am 12. April 2013 verf�gte die Generali, f�r die Beschwerden am Bewegungsapparat w�rden die kurzfristigen Leistungen bis 16. Februar 2011 erbracht; f�r andere Einschr�nkungen w�rden ab 25. September 2012 mangels nat�rlicher Unfallkausalit�t keine Leistungen mehr erbracht; weiter verneinte sie den Anspruch auf Invalidenrente und Integrit�tsentsch�digung. Hieran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 4. September 2013 fest.
Hiegegen erhob die Versicherte beim Kantonsgericht Luzern Beschwerde. Sie legte eine fach-psychiatrische Stellungnahme der���Gutachtenstelle F.________ vom 25. September 2013 auf. Die Vorinstanz holte eine Stellungnahme der Institution D.________ vom 4. M�rz 2015 ein. Hierzu nahmen die Versicherte am 12. M�rz 2015 und die Generali am 18. M�rz 2015 Stellung. Die Versicherte reichte eine weitere Stellungnahme der Gutachtenstelle F.________ vom 16. April 2015 ein, wozu sich die Generali am 29. April 2015 vernehmen liess. Mit Entscheid vom 28. Mai 2015 wies die Vorinstanz die Beschwerde ab.
Mit Beschwerde beantragt die Versicherte, in Aufhebung des kantonalen Entscheids seien ihr f�r die kognitiven Beschwerden die vollen Leistungen (Heilkosten, Rente, Integrit�ts- und Hilflosenentsch�digung) zuzuerkennen; eventuell sei die Sache zu weiteren Abkl�rungen an die Generali zur�ckzuweisen; ihr seien die Kosten f�r die Stellungnahme der Gutachtenstelle F.________ vom 25. September 2013 aufzuerlegen.
Die Vorinstanz hat die Grundlagen �ber den f�r die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers erforderlichen nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem Gesundheitsschaden (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111), den Untersuchungsgrundsatz und den Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 138 V 218 E. 6 S. 221) sowie den Beweiswert von Arztberichten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232) richtig dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Streitig und zu pr�fen ist, ob die kognitiven St�rungen der Versicherten unfallkausal sind.
Die Vorinstanz hat in W�rdigung der medizinischen Akten mit einl�sslicher Begr�ndung - auf die verwiesen wird - erwogen, bez�glich der Kopfverletzung sei dem Gutachten der Institution D.________ vom���30. Oktober 2012 samt ihren Stellungnahmen vom 11. M�rz 2013 und 4. M�rz 2015 uneingeschr�nkter Beweiswert beizumessen. Die Gutachter h�tten nach einl�sslicher Diskussion der Faktenlage dargelegt, eine traumatische Genese sei nicht wahrscheinlicher als eine krankheitsbedingte. Gest�tzt hierauf sei der Nachweis einer �berwiegend wahrscheinlichen Unfallurs�chlichkeit hinsichtlich der fortbestehenden kognitiven Ausf�lle nicht erbracht, auch nicht im Sinne einer Teilurs�chlichkeit.
Die R�gen der Versicherten verm�gen an diesem Ergebnis nichts zu �ndern. Festzuhalten ist insbesondere Folgendes.
4.1.�Die Versicherte reicht neu ein Arbeitszeugnis der B.________ AG vom 30. September 2010 ein, legt jedoch nicht dar, dass ihr seine vorinstanzliche Beibringung trotz hinreichender Sorgfalt prozessual unm�glich bzw. objektiv unzumutbar war. Es ist somit unbeachtlich (Art. 99 Abs. 1 BGG; nicht publ. E. 1.3 des Urteils BGE 138 V 286, in SVR 2012 FZ Nr. 3 S. 7 [8C_690/2011]; ARV 2014 S. 226 E. 4 [8C_211/2014]). Soweit die Versicherte neu Ausdrucke der im Internet zug�nglichen Homepages der Teilgutachterin Frau Dipl.-Psych. G.________ der Institution D.________ und der Deutschen Gesellschaft f�r Neuropsychologie auflegt, ist dies zul�ssig (nicht publ. E. 2.3 des Urteils BGE 136 V 395, in SVR 2011 KV Nr. 5 S. 20 [9C_334/2010]).
4.2.�Nicht gefolgt werden kann dem Einwand der Versicherten, durch den Beizug wichtiger medizinischer Akten erst im vorinstanzlichen Verfahren sei ihr Geh�rsanspruch verletzt worden. Denn sie macht nicht geltend, vorinstanzlich habe sie zu diesen Akten nicht Stellung nehmen k�nnen.
4.3.�Die Versicherte r�gt weiter, die psychiatrische Abkl�rung im Rahmen der Begutachtung der Institution D.________ sei mit 1 1/2 Stunden zu kurz gewesen. Hierzu ist festzuhalten, dass es f�r den Aussagegehalt eines medizinischen Gutachtens nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommt. Zwar muss der zu betreibende zeitliche Aufwand der Fragestellung und der zu beurteilenden Pathologie angemessen sein; zuvorderst h�ngt der Aussagegehalt einer Expertise aber davon ab, ob sie inhaltlich vollst�ndig und im Ergebnis schl�ssig ist (Urteil 8C_924/2014 vom 2. April 2015 E. 4.2). Dies trifft hier zu.
4.4.�Die Versicherte wendet ein, die neuropsychologische Teilgutachterin der Institution D.________ Frau Dipl.-Psych. G.________ sei nicht fachkompetent, da sie nicht zertifizierte Neuropsychologin sei. Dieser Einwand ist unbehelflich. Denn beim Gutachten der Institution D.________ handelt es sich - wie die Vorinstanz richtig feststellte - um eine interdisziplin�re Beurteilung, bei der auch ein neurologischer Facharzt mitwirkte, dem in Bezug auf die Begutachtung hirnorganischer Sch�digungen besonderes Gewicht zukommt. Zudem wies die Vorinstanz zu Recht darauf hin, dass es die Neuropsychologie nach derzeitigem Wissensstand nicht vermag, selbstst�ndig die Beurteilung der Genese der festgestellten Beschwerden abschliessend vorzunehmen (BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 341; Urteil 8C_137/2014 vom 5. Juni 2014 E. 5).
4.5.�Die Versicherte bem�ngelt, die Gutachter der Institution D.________ h�tten keine Fremdanamnese erhoben, obwohl dies zur Einsch�tzung des Aktivit�ts- und Partizipationsniveaus vor dem Ereignis und im Hinblick auf die Abkl�rung der medizinischen Befundlage, insbesondere die Diagnose der psychischen Erkrankung notwendig gewesen w�re. Unklar bleibe n�mlich, ob die Diagnose einer Schizophrenie korrekt sei. Vor dem Ereignis sei von einer akuten polymorphen psychotischen St�rung ausgegangen worden; erst danach sei eine Schizophrenie diagnostiziert worden. Die Differenzierung zwischen diesen beiden Diagnosen sei wichtig, weil die erstgenannte mit einer g�nstigen Prognose verbunden sei, die mit den bei ihr nachgewiesenen Defiziten unvereinbar sei. Frau Dr. med. E.________ habe am 14. Februar 2013 eine Schizophrenie verneint und die mentalen Defizite als Symptome der Hirnsch�digung taxiert.
Eine Fremdanamnese mag zwar h�ufig w�nschenswert sein, ist aber nicht zwingend erforderlich (Urteil 8C_323/2014 vom 23. Juli 2014���E. 5.2.1). Dass die Gutachter�der Institution D.________ keine solche erhoben, mindert den Beweiswert ihrer Expertise aufgrund der Aktenlage nicht.
Aufgrund der Hospitalisation der Versicherten vom 24. August bis������ 4. September 2009 - mithin f�r die Zeit vor dem Ereignis vom��������� 8. September 2009 - diagnostizierte die Klinik H.________ eine akute polymorphe psychotische St�rung mit Symptomen einer Schizophrenie/ohne akute Belastung (ICD-10 F23.10; Bericht vom 8. Dezember 2009). In den Berichten dieser Klinik vom 17. Dezember 2010, der Psychiatrie I.________ vom 14. Oktober 2011, der Klinik K.________ vom 24. Oktober 2011, und der Frau Dr. med. E.________ vom 20. Februar 2012 wurde eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Diese gab im letztgenannten Bericht an, es liege eine deutliche mentale Einschr�nkung vor, wobei unklar bleiben m�sse, ob sie prim�r durch die Schizophrenie oder durch das erhebliche Polytrauma mitbedingt sei. Auch in diesem Lichte ist es nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz gest�tzt auf das Gutachten der Institution D.________ vom 30. Oktober 2012 erwog, die Unfallkausalit�t der kognitiven St�rungen der Versicherten sei bloss m�glich, was f�r die Leistungspflicht der Generali nicht ausreiche. Wenn Frau Dr. med. E.________ im Bericht vom 14. Februar 2013 - zu dem die Institution D.________ am 11. M�rz 2013 Stellung nahm - die neuropsychologischen Einschr�nkungen nunmehr als �berwiegend wahrscheinlich unfallbedingt ansah, kann dem nicht gefolgt werden, da behandelnde �rzte in Zweifelsf�llen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5. S. 470).
4.6.�Die Versicherte wendet ein, mit Schreiben vom 11. Dezember 2009 habe die Generali ihre Leistungspflicht f�r den Unfall vom��������� 8. September 2009 anerkannt. Danach habe sie Taggelder und Heilungskosten f�r die Behandlung des Polytraumas, also auch f�r das Sch�delhirntrauma erbracht. Anfangs habe naturgem�ss die orthop�dische Versorgung mit mehreren Operationen im Vordergrund gestanden. Unter anderem sei die Generali auch f�r die Kosten der neuropsychologischen Untersuchung in der Klinik K.________ vom 9. Dezember 2009 aufgekommen. F�r den Wegfall der nat�rlichen Kausalit�t treffe demnach die Generali die Beweislast. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Generali ihre Leistungspflicht f�r die zerebralen Ausf�lle nie anerkannt hat. Sie hat nur Leistungen f�r die organischen Beschwerden erbracht. Die Rechtsprechung zur Umkehr der Beweislast (SVR 2009 UV Nr. 3 E. 2.2 [8C_354/2007]) findet daher auf die vorliegende Konstellation keine Anwendung.
Da von weiteren Abkl�rungen keine entscheidrelevanten Ergebnisse mehr zu erwarten waren, verzichtete die Vorinstanz darauf zu Recht (antizipierte Beweisw�rdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236; Urteil 8C_391/2015 vom 11. August 2015 E. 3.5).
Die Versicherte verlangt, die Kosten f�r die Stellungnahme der Gutachtenstelle F.________ vom 25. September 2013 seien der Generali aufzuerlegen. Die Vorinstanz verneinte dies zu Recht, da sich der medizinische Sachverhalt auch ohne diese Stellungnahme schl�ssig feststellen liess (BGE 115 V 62; RKUV 2004 Nr. U 503 S. 186 E. 5 [U 282/00]; Urteil U 414/05 vom 7. Juni 2006 E. 6).