Source: https://www.finanztip.de/kfz-reparaturkosten/
Timestamp: 2018-09-25 04:01:53
Document Index: 186438649

Matched Legal Cases: ['§ 249', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 249', 'BGH']

Reparaturkosten und Kfz-Versicherung - Finanztip
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Versicherung muss auch Kosten einer Markenwerkstatt zahlen
Kfz-Haftpflicht- und Kaskoversicherungen müssen grundsätzlich die Kosten für eine Reparatur übernehmen – unabhängig davon, ob Geschädigte den Schaden reparieren lassen oder nicht.
Dabei können auch die Kosten einer Markenwerkstatt in Rechnung gestellt werden.
Die Versicherung darf einwenden, sie werde nur die Kosten einer günstigeren, nicht markengebundenen Werkstatt ersetzen, sofern diese mühelos erreichbar ist und einen vergleichbaren Qualitätsstandard hat.
Verbraucher können sich dagegen wehren, falls das Auto nicht älter als drei Jahre ist oder sie es bisher immer in einer Markenwerkstatt haben warten lassen. Dann darf die Versicherung den Anspruch nicht kürzen.
Sie stehen im Stau, der nachfolgende Fahrer passt nicht auf, und es gibt einen Knall – Auffahrunfall. Wie hoch der Schaden ist, kann ein Laie schwer beurteilen. Deshalb ist der Weg zu einer Fachwerkstatt oder gleich zu einem Kfz-Sachverständigen nötig. Die Experten begutachten den Schaden und machen einen Kostenvoranschlag für die Reparatur. Die Versicherung des Unfallverursachers muss grundsätzlich die Kosten für eine Reparatur übernehmen – unabhängig davon, ob Sie den Schaden reparieren lassen oder nicht.
Versicherer versuchen allerdings immer wieder, möglichst wenig zu zahlen und den Anspruch mit verschiedenen Begründungen zu kürzen. Wer dann eine Rechtsschutzversicherung hat, ist in einer guten Position und muss keine Anwalts- oder Gerichtskosten befürchten. Es gibt auch reine Verkehrsrechtsschutzversicherungen, die viel günstiger sind als ein umfassender Rechtsschutz.
Reparaturkosten in der Haftpflichtversicherung
Geschädigte können das Geld für eine Reparatur von der Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers verlangen, das ist gesetzlich festgeschrieben (§ 249 Abs. 2 Satz 1 BGB).
Dazu muss das Unfallopfer der Versicherung beweisen, dass deren Kunde ihm einen Schaden zugefügt hat, und darlegen, wie hoch der Schaden ist. Ein Unfallprotokoll der Polizei und Zeugenaussagen reichen aus, um den Unfall zu belegen. Die Höhe des Schadens lässt sich in der Regel durch ein Sachverständigengutachten dokumentieren, das der Besitzer des beschädigten Fahrzeugs in Auftrag gibt.
Danach ist zunächst zu entscheiden, ob ein wirtschaftlicher Totalschaden vorliegt. Dann kann die Versicherung auf sogenannter Totalschadenbasis abrechnen – sie ersetzt dann den Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert und nicht die Reparaturkosten. Es gibt eine Ausnahme: Die höheren Reparaturkosten gibt es dann, wenn der Halter des kaputten Autos die Reparatur tatsächlich fachgerecht vornehmen lässt und die Kosten den Wiederbeschaffungswert um höchstens 30 Prozent übersteigen.
Liegt kein wirtschaftlicher Totalschaden vor, können Sie entscheiden, ob Sie Ihren Wagen reparieren lassen oder nicht. Sie können sich auch allein die Reparaturkosten nach dem Kostenvoranschlag oder dem Sachverständigengutachten bezahlen lassen.
Bei Reparatur gilt freie Werkstattwahl
Sofern sich der Geschädigte für die Reparatur entscheidet, kann er wählen, wie und wo er die Reparaturarbeiten durchführen lässt: in einer markengebundenen Fachwerkstatt oder in einer freien Kfz-Werkstatt.
Ist das Fahrzeug schon ein paar Jahre alt und der Schaden nicht besonders hoch, bietet sich eine möglichst preisgünstige Reparatur an. Auch wenn Sie die um einiges günstigere, nicht markengebundene Werkstatt beauftragen, haben Sie Anspruch auf den Betrag, der bei einer markengebundenen Fachwerkstatt angefallen wäre. Der Unterschied zwischen den beiden Kostenvoranschlägen kann ganz beträchtlich sein. Sie müssen der Versicherung die tatsächliche Rechnung nicht vorlegen.
Auch wenn Sie sich dazu entscheiden, den Schaden nicht reparieren zu lassen, muss die Haftpflichtversicherung die sogenannten fiktiven Reparaturkosten ersetzen. Das gilt genauso, falls Sie den Unfallwagen ohne Reparatur verkaufen. Dabei können Sie grundsätzlich die Kosten einer markengebundenen Fachwerkstatt einfordern, die ein Sachverständiger auf dem allgemeinen regionalen Markt ermittelt hat (BGH, Urteil vom 29. April 2003, Az. VI ZR 398/02; Urteil vom 20. Oktober 2009, Az. VI ZR 53/09; Urteil vom 22. Juni 2010, Az. VI ZR 302/08 und Az. 337/09).
Häufig wendet der Haftpflichtversicherer allerdings ein, es könnten nur die Kosten einer günstigeren, mühelos zugänglichen, nicht markengebundenen Werkstatt ersetzt werden. Das ist zulässig.
Es gibt dazu aber vier wichtige Ausnahmen, bei denen der Haftpflichtversicherer die Reparaturkosten einer markengebundenen Fachwerkstatt ersetzen muss und nicht kürzen darf:
1. Nicht älter als drei Jahre
Ist Ihr Auto nicht älter als drei Jahre, können Sie auf den Ersatz der Kosten einer markengebundenen Fachwerkstatt bestehen (BGH, Urteil vom 20. Oktober 2009, Az. VI ZR 53/09).
2. Immer in der Fachwerkstatt repariert
Wurde der Wagen in der Vergangenheit immer in einer markengebundenen Fachwerkstatt gewartet und repariert, müssen Sie sich nicht auf eine günstigere Referenzwerkstatt verweisen lassen. Das gilt auch, wenn das Auto älter als drei Jahre ist (BGH, Urteil vom 20. Oktober 2009, Az. VI ZR 53/09).
3. Günstigere Werkstatt ist zu weit vom Wohnort entfernt
Liegt die von der Versicherung benannte, günstigere Werkstatt weit von Ihrem Wohnort entfernt, ist sie nicht mühelos erreichbar. Das Amtsgericht Frankfurt am Main beurteilte eine Distanz von 20 Kilometern zur günstigeren Werkstatt schon als nicht zumutbar (Urteil vom 27. August 2010, Az. 380 C 3652/09). Eine Entfernung von 130 Kilometern ist auf jeden Fall unzumutbar, auch wenn die Versicherung die Transportkosten übernimmt (BGH, Urteil vom 28. April 2015, Az. VI ZR 267/14).
4. Referenzwerkstatt hat keine marktüblichen Preise
Die von der Versicherung benannte Referenzwerkstatt ist nur deshalb kostengünstiger, weil keine marktüblichen Preise, sondern vertraglich vereinbarte Sonderkonditionen mit der Versicherung zugrunde liegen (BGH, Urteil vom 28. April 2015, Az. VI ZR 267/14; Urteil vom 22. Juni 2010, Az. VI ZR 337/09). Das ist schwer zu beweisen. In dem konkreten Fall war am Büroeingang der Werkstatt ein Hinweisschild mit der Aufschrift angebracht: „Schadenservice Spezial-Partnerwerkstatt VHV Versicherungen". Das allein reicht aber noch nicht aus, um darzulegen, dass vereinbarte Sonderkonditionen in der Werkstatt gelten.
Service-Heft pflegen
Sofern Sie Ihr Auto regelmäßig in die Inspektion geben, sollten Sie sich das auch in einem Service-Heft bestätigen lassen. Will die Versicherung bei einem Schaden die Kosten kürzen, können Sie ohne großen Aufwand das Service-Heft vorlegen.
Dann muss die Versicherung die Mehrwertsteuer ersetzen
Der Versicherer hat die Umsatzsteuer auf die Reparaturkosten zu ersetzen, sofern sie tatsächlich angefallen ist (§ 249 Abs. 2 S. 2 BGB). Lässt der Geschädigte die Reparatur in einer Werkstatt erledigen, kann er verlangen, die angefallene Umsatzsteuer in vollem Umfang ersetzt zu bekommen. Repariert er den Wagen selbst oder bedient er sich fremder Hilfe, erhält er die Steuer nur in der Höhe, in der sie zur Reparatur angefallen ist, etwa wenn er Umsatzsteuer beim Kauf von Ersatzteilen gezahlt hat. Verzichtet er auf die Reparatur, kann er auch keine Umsatzsteuer von der Versicherung verlangen.
Reparaturkosten in der Kaskoversicherung
Auch Kaskoversicherte können bei einem Unfall wählen, ob sie den Wagen reparieren lassen oder nicht. Verzichten sie auf eine Reparatur, können sie fiktiv auf Basis des Sachverständigengutachtens abrechnen. Der Versicherer muss dabei die Kosten einer Markenwerkstatt übernehmen, falls diese im Einzelfall erforderlich sind. Das ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs der Fall, sofern
nur in der Markenwerkstatt eine vollständige und fachgerechte Instandsetzung des Fahrzeugs möglich ist oder
es sich um ein neueres Fahrzeug handelt oder
der Kaskoversicherte bisher stets in einer markengebundenen Fachwerkstatt hat warten und reparieren lassen.
Kann der Kaskoversicherte eine dieser drei Konstellationen beweisen, muss die Versicherung die Kosten der Markenwerkstatt bezahlen (BGH, Urteil vom 11. November 2015, Az. IV ZR 426/14). In dem Fall hatte die Kaskoversicherung die Rechnung immerhin um 3.000 Euro gekürzt.
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