Source: http://www.hensche.de/AGB-Kontrolle_Kurzarbeitsklausel_in_Arbeitsvertaegen_nur_mit_Ankuendigungsfrist_LAG_Berlin-Brandenburg_2Sa1230-10.html
Timestamp: 2017-11-24 05:22:57
Document Index: 42253728

Matched Legal Cases: ['§ 611', '§ 307', '§ 169', '§ 310', '§ 305', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 611', '§ 2', '§ 611', '§ 2', '§ 307', '§ 307', '§ 169', '§ 310', '§ 169', '§ 307', '§ 611', '§ 2', '§ 106', '§ 307', '§ 169', '§ 87', '§ 87', '§ 106', '§ 169', '§ 169', '§ 169', '§ 169', '§ 310', '§ 169', '§ 169']

LAG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 07.10.2010, 2 Sa 1230/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 07.10.2010, 2 Sa 1230/10
Schlagworte: AGB-Kontrolle, Kurzarbeit
Aktenzeichen: 2 Sa 1230/10
1. In Arbeitsverträgen vorformulierte Klauseln, die dem Arbeitgeber die einseitige Anordnung von Kurzarbeit ermöglichen, stellen eine Abweichung von §§ 611 BGB, 2 KSchG dar.
3. Solche Klauseln können auch dann gem. § 307 Abs 1, 2 BGB unwirksam sein, wenn sie Regelungen über Umfang und Ausmaß der Kurzarbeit, Festlegung des betroffenen Personenkreises, Art und Weise der Einbeziehung des Personenkreises u. ä. völlig offen lassen.
4. Die bloße Bezugnahme auf die Vorschriften der §§ 169 ff SGB 3 führt weder für sich genommen noch über die Regelung des § 310 Abs 4 BGB zu einer Legitimation der Klauseln, die den genannten Grundsätzen nicht entsprechen.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Potsdam, Urteil vom 22.04.2010, 8 Ca 2793/09
am 7. Ok­to­ber 2010
8 Ca 2793/09
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 7. Ok­to­ber 2010
durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts Dr. B. als Vor­sit­zen­den
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Sch. und B.
I. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pots­dam vom
22.04.2010 – 8 Ca 2793/09 – wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
Die Kläge­rin war in der Zeit vom 24. Sep­tem­ber 2001 bis zum 12. März 2010 (Ei­genkündi­gung) als kaufmänni­sche An­ge­stell­te bei der Be­klag­ten, ei­nem Un­ter­neh­men des Spe­di­ti­ons­ge­wer­bes, ge­gen ein Brut­to­ent­gelt von 1.600,00 EUR bei ei­ner 42-St­un­den-Wo­che beschäftigt.
Im Ar­beits­ver­trag vom 24. Sep­tem­ber 2001 ist un­ter an­de­rem ver­ein­bart:
2.1.1 Al­ler­dings ist die Re­ge­lung in Zif­fer 5 des von der Be­klag­ten vor­for­mu­lier­ten Ar­beits­ver­tra­ges im Hin­blick auf die Fra­ge der „Ein­be­zie­hung“ der Klau­sel in die ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung nicht zu be­an­stan­den; die Re­ge­lung ist als ei­genständi­ge Re­ge­lung im Ar­beits­ver­trag klar ge­kenn­zeich­net und deut­lich her­aus­ge­stellt. Es han­delt sich auch nicht um ei­ne „über­ra­schen­de Klau­sel“ im Sin­ne von § 305 c BGB; Kurz­ar­beits­klau­seln stel­len im Rah­men ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses kei­ne un­gewöhn­li­chen Klau­seln dar, mit de­nen der Ar­beit­neh­mer nicht rech­nen müss­te.
2.1.2 Al­ler­dings hält die Klau­sel in Zif­fer 5 des Ar­beits­ver­tra­ges ei­ner In­halts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1, 2 BGB nicht stand.
2.1.2.1 Nach die­ser Vor­schrift sind Be­stim­mun­gen in all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Gemäß § 307 Abs. 2 BGB ist ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung im Zwei­fel dann an­zu­neh­men, wenn ei­ne Be­stim­mung mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken der ge­setz­li­chen Re­ge­lung, von der ab­ge­wi­chen wird, nicht zu ver­ein­ba­ren ist oder we­sent­li­che Rech­te oder Pflich­ten, die sich aus der Na­tur des Ver­tra­ges er­ge­ben, so ein­schränkt, dass die Er­rei­chung des Ver­trags­zwecks gefähr­det ist.
Un­an­ge­mes­sen ist da­bei je­de Be­ein­träch­ti­gung ei­nes recht­lich an­er­kann­ten In­ter­es­ses des Ar­beit­neh­mers, die nicht durch be­gründe­te und bil­li­gens­wer­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ge­recht­fer­tigt ist oder durch gleich­wer­ti­ge Vor­tei­le aus­ge­gli­chen wird (BAG vom 04.03.2004 – 8 AZR 196/03 – NZA 2004, 727 m.w.N.). Bei der Fest­stel­lung ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung be­darf es ei­ner um­fas­sen­den Würdi­gung der bei­der­sei­ti­gen Po­si­tio­nen un­ter Berück­sich­ti­gung des Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben. Da­bei ist bei der Be­ur­tei­lung der Un­an­ge­mes­sen­heit ein ge­ne­rel­ler, ty­pi­sie­ren­der, vom Ein­zel­fall los­gelöster Maßstab an­zu­le­gen. Zu prüfen ist, ob der Klau­sel­in­halt bei der in Re­de ste­hen­den Art des Rechts­geschäftes
Ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung ist nach § 307 Abs. 2 BGB im Zwei­fel dann an­zu­neh­men, wenn ei­ne Be­stim­mung mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken der ge­setz­li­chen Re­ge­lung, von der ab­ge­wi­chen wird, nicht zu ver­ein­ba­ren ist (Nr. 1). Lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen des § 307 Abs. 2 BGB vor, so wird ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung ver­mu­tet (BAG vom 08.08.2007 – 7 AZR 855/06 – NZA 2008, 229).
2.1.2.2 Die Re­ge­lung in Zif­fer 5 des hier streit­ge­genständ­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges stellt ei­ne sol­che un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne von § 307 Abs. 2 BGB dar, weil sie ei­ne Ab­wei­chung von der ge­setz­li­chen Re­ge­lung der §§ 611 BGB ei­ner­seits und § 2 KSchG an­de­rer­seits vor­nimmt, oh­ne dass dies nach den ge­nann­ten Kri­te­ri­en bil­li­gens­wert wäre.
2.1.2.2.1 Die Einführung von Kurz­ar­beit be­wirkt ei­ne (zeit­wei­se) Her­ab­set­zung der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten und be­triebsübli­chen Ar­beits­zeit, mit der ei­ne pro­por­tio­na­le Verkürzung der (syn­al­lag­ma­tisch) ver­trag­lich ge­schul­de­ten Ar­beits­vergütung ein­her­geht. Die vol­le Vergütungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers wird für die Dau­er der Kurz­ar­beits­pe­ri­ode be­fris­tet zeit­an­tei­lig sus­pen­diert.
Die­se vergütungs­recht­li­che Fol­ge der Einführung von Kurz­ar­beit stellt sich als Ab­wei­chung von § 611 BGB dar; zu­gleich liegt in ihr ei­ne Ab­wei­chung von § 2 KSchG, der – für den Fall der An­wend­bar­keit die­ser Vor­schrift – vor­sieht, dass ent­spre­chen­de Ver­tragsände­run­gen nur über den Weg ei­ner Ände­rungskündi­gung möglich wären. Denn es ist an­er­kannt, dass der Ar­beit­ge­ber Kurz­ar­beit nicht al­lei­ne im We­ge des Di­rek­ti­ons­rechts an­ord­nen könn­te (BAG vom 16.12.2008 – 9 AZR 164/08 – NZA 2009, 689).
2.1.2.2.2 In der Li­te­ra­tur wird die Auf­nah­me ei­ner Kurz­ar­beits­klau­sel in den Ar­beits­ver­trag im Grund­satz als zulässig an­ge­se­hen (vgl. Bau­er/Günther, BB 2009, 662; Müller/De­eg, ArbR Ak­tu­ell 2010, 209). An die For­mu­lie­rung ei­ner
ent­spre­chen­den Klau­sel wer­den im Hin­blick auf die dar­ge­leg­ten Schnitt­li­ni­en mit § 307 Abs. 2 BGB un­ter­schied­li­che An­for­de­run­gen ge­stellt. Die Zulässig­keit der Klau­seln wird bei­spiels­wei­se un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­ner Ana­lo­gie zu den „Ände­rungs­vor­be­hal­ten“ in Ar­beits­verträgen ge­se­hen, hin­sicht­lich de­rer das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG vom 07.12.2005 – 5 AZR 535/04 – NZA 2006, 423) bei ei­nem Pro­zent­satz von 25 % kei­ne Be­den­ken geäußert hat (Bau­er/Günther a.a.O). Ein Ver­s­toß ge­gen die Vor­schrift des § 307 Abs. 2 BGB sei nicht an­zu­neh­men, wenn das An­ord­nungs­recht für die Kurz­ar­beit mit der Be­wil­li­gung und Gewährung von Kurz­ar­beits­geld durch die Bun­des­agen­tur für Ar­beit im Sin­ne von §§ 169 ff. SGB III ge­kop­pelt wer­de. In die­sem Zu­sam­men­hang wird teil­wei­se auf die Vor­schrift des § 310 Abs. 4 BGB und dar­auf ver­wie­sen, dass recht­li­che Be­son­der­hei­ten des Ar­beits­verhält­nis­ses ins­be­son­de­re Rechts­vor­schrif­ten sei­en, die im Ar­beits­recht von be­son­de­rer Be­deu­tung sei­en, al­so auch die §§ 169 ff. SGB III. Ver­wie­sen wird dar­auf, dass die Kurz­ar­beit der Ver­mei­dung be­triebs­be­ding­ter Kündi­gun­gen die­ne und dass hier­von bei­de Par­tei­en pro­fi­tier­ten (Müller/De­eg, ArbR Ak­tu­ell 2010, 209). Als not­wen­dig wird auch die Fi­xie­rung ei­ner Ankündi­gungs­frist an­ge­se­hen, die da­bei teil­wei­se eher der Ausübungs­kon­trol­le zu­ge­wie­sen wird. In ei­ner Ankündi­gungs­frist müsse der Ar­beit­neh­mer in die La­ge ver­setzt wer­den, sich auf die geänder­ten Umstände ein­zu­stel­len. Ta­rif­verträge zur Kurz­ar­beit sähen Ankündi­gungs­fris­ten zwi­schen fünf Ar­beits­ta­gen und vier Wo­chen vor (Müller/De­eg, a.a.O.).
2.1.2.2.3 Für den Streit­fall kann es da­hin­ste­hen, ob über­haupt und be­ja­hen-den­falls un­ter wel­chen in­halt­li­chen Vor­aus­set­zun­gen Klau­seln im Ar­beits­ver­trag zulässig sind, die dem Ar­beit­ge­ber ein ein­sei­ti­ges An­ord­nungs­recht für Kurz­ar­bei­ten einräumt. Denn die hier streit­ge­genständ­li­che Klau­sel in Zif­fer 5 des Ar­beits­ver­tra­ges hält ei­ner Über­prüfung an der Vor­schrift des § 307 Abs. 1, 2 BGB je­den­falls nicht stand.
Die Klau­sel enthält kei­ne Ankündi­gungs­frist für die An­ord­nung von Kurz­ar­beit. Be­reits die­ser Um­stand führt für sich ge­nom­men zur Un­wirk­sam­keit der Klau­sel. Denn nach dem Wort­laut der Klau­sel wäre es möglich, dass der Ar­beit­ge­ber von ei­nem auf den an­de­ren Tag Kurz­ar­beit an­ord­net und da­mit den dem Ar­beit­neh­mer zu sei­ner Exis­tenz­si­che­rung
die­nen­den Vergütungs­an­spruch ganz oder teil­wei­se so­fort zu Fall bräch­te. Dies mit den ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen des § 611 BGB und des § 2 KSchG schlech­ter­dings nicht ver­ein­bar. Im Hin­blick auf die exis­tenz­si­chern­de Funk­ti­on der Ar­beits­vergütung ist in die­sem spe­zi­el­len Kon­text auch nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass die oh­ne­hin an­zu­wen­den­de Re­ge­lung des § 106 Ge­wO ein aus­rei­chen­des Kor­rek­tiv sei, so dass auf ei­ne Ankündi­gungs­frist ver­zich­tet wer­den könn­te, wie es der 9. Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts für die Fra­ge ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­set­zungs­klau­sel an­ge­nom­men hat (BAG vom 13.04.2010 – 9 AZR 36/09 – BB 2010, 2432). Denn in je­ner Kon­stel­la­ti­on geht es (nur) um die Fra­ge des Ar­beits­or­tes, die Ar­beits­vergütung steht dem­ge­genüber nicht in Re­de. Im Rah­men der Klau­sel­kon­trol­le ist es da­her im Be­zugs­punkt die­ser Fra­ge auch nicht möglich, die ver­wand­te For­mu­lie­rung – „nach de­ren Ankündi­gung“ so aus­zu­le­gen, dass ein an­ge­mes­se­ner (?) Ankündi­gungs­zeit­raum durch Aus­le­gung zu er­mit­teln wäre.
Die ge­nann­te Klau­sel in Zif­fer 5 des Ar­beits­ver­tra­ges stellt wei­ter­hin auch des­we­gen ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne von § 307 Abs. 1, 2 BGB dar, weil sie kei­ner­lei Be­gren­zun­gen des Um­fan­ges der Kurz­ar­beit und kei­ner­lei Maßga­ben zur per­so­nel­len Kon­kre­ti­sie­rung der Kurz­ar­beit auf­stellt.
Bei der Einführung von Kurz­ar­beit im Sin­ne von §§ 169 ff. SGB III er­gibt sich ei­ne Viel­zahl von Re­ge­lungs­not­wen­dig­kei­ten. Dies be­trifft bei­spiels­wei­se Um­fang und Aus­maß der Kurz­ar­beit, den be­trof­fe­nen be­trieb­li­chen Be­reich, den be­trof­fe­nen Per­so­nen­kreis, die Art und Wei­se der Ein­be­zie­hung die­ses Per­so­nen­krei­ses und vie­les mehr. In die­sem Zu­sam­men­hang ist an­er­kannt, dass dann, wenn Kurz­ar­beit im Rah­men des § 87 Abs. 1 Zif­fer 3 Be­trVG durch ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung ein­geführt wer­den soll, die Be­triebs­par­tei­en Re­ge­lun­gen bezüglich die­ser Punk­te vor­neh­men müssen, wenn da­von aus­ge­gan­gen wer­den soll, dass der Be­triebs­rat von sei­nem Mit­be­stim­mungs­recht in dem aus­rei­chen­den Um­fan­ge Ge­brauch ge­macht hat, wie es für die ein­schnei­den­de Wir­kung ei­ner sol­chen Be­triebs­ver-ein­ba­rung auf das Ein­zel­ar­beits­verhält­nis ge­for­dert wird (vgl. bei­spiels­wei­se LAG Ba­den-Würt­tem­berg vom 25.11.2005 – 2 Sa 112/04 -; LAG Rhein­land-Pfalz vom 30.03.2006 – 11 Sa 609/05 -). Mit den ge­nann­ten Kri­te­ri­en wird deut­lich, dass die Aus­wir­kun­gen der Einführung von Kurz­ar­beit auf ein­zel­ne
Be­rei­che und ein­zel­ne Ar­beits­verhält­nis­se höchst­un­ter­schied­lich sein können, so dass hier das Bedürf­nis nach ei­ner „ge­rech­ten Ver­tei­lung“ im We­ge ei­ner mit­be­stimm­ten Re­ge­lung er­kenn­bar wird. Im Hin­blick auf den (teil­wei­sen) Ver­lust der Ar­beits­vergütung be­steht ein Schutz­bedürf­nis für die Ar­beit­neh­mer, dem im mit­be­stimm­ten Be­reich durch die Be­tei­li­gung des Be­triebs­ra­tes Rech­nung ge­tra­gen wird.
Nichts an­de­res kann gel­ten, wenn es dem Ar­beit­ge­ber ver­trag­lich ge­stat­tet sein soll­te, ein­sei­tig Kurz­ar­beit ein­zuführen. Auch hier be­darf es der ge­nann­ten Re­ge­lun­gen, um ei­nen ver­gleich­ba­ren Schutz­be­reich auf­zu­stel­len, wie er im mit­be­stimm­ten Be­trieb durch die Be­tei­li­gung des Be­triebs­ra­tes nach § 87 Abs. 1 Nr. 3 Be­trVG be­wirkt wird.
Sol­che Re­ge­lun­gen müssen in der Klau­sel selbst ent­hal­ten sein; ei­ne bloße Ausübungs­kon­trol­le un­ter dem Ge­sichts­punkt des § 106 Ge­wO reich­te zur Auf­recht­er­hal­tung ei­nes sol­chen Schutz­be­rei­ches nicht aus. Denn die­se Ausübungs­kon­trol­le könn­te sich, bei an­sons­ten er­folg­ter An­er­ken­nung ei­ner Kurz­ar­beits­klau­sel oh­ne ent­spre­chen­de Re­ge­lun­gen, nur auf das­je­ni­ge be­zie­hen, was in der – so an­er­kann­ten – Re­ge­lung ent­hal­ten wäre. Die Ver­la­ge­rung des Schutz­be­rei­ches in den Sek­tor (bloßen) Ausübungs­kon­trol­le reicht mit­hin nicht aus. Viel­mehr muss – wenn man dies­bezügli­che Klau­seln über­haupt zu­las­sen will – in der Klau­sel selbst zum Aus­druck kom­men, in­wie­weit und mit wel­chem Schutz­be­reich der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer im Fal­le der Einführung (wel­cher?) Kurz­ar­beit be­trof­fen sein kann. Denn nur so könn­te er selbst so­wohl im Vor­hin­ein er­ken­nen, wel­che Ein­schnit­te ihn er­war­ten können, als auch im Nach­hin­ein über­prüfen (las­sen), ob die ihm ver­trag­lich ein­geräum­te Rechts­po­si­ti­on im kon­kre­ten Fall tan­giert wor­den war oder nicht.
Die streit­ge­genständ­li­che Klau­sel enthält sol­che Re­ge­lun­gen nicht. Sie spricht da­von, dass Kurz­ar­beit „für den Be­trieb, ei­ne Be­triebs­ab­tei­lung oder ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer“ ein­geführt wer­den kann, wenn sie vom Ar­beits­amt an­er­kannt wor­den ist. Al­le die so­eben dar­ge­stell­ten Fra­gen blei­ben in der so for­mu­lier­ten Klau­sel of­fen. We­der wird deut­lich, wel­che Be­triebs­ab­tei­lung bei­spiels­wei­se und wel­che Ar­beit­neh­mer bei­spiels­wei­se be­trof­fen sein wer­den, noch wird er­kenn­bar, in­wie­weit et­wa bei der Fra­ge der Einführung von dem Um­fan­ge Ge­brauch ge­macht wer­den soll, den die Bun­des­agen­tur
be­wil­ligt hat. Die hier streit-ge­genständ­li­che Klau­sel genügt all die­sen ge­nann­ten An­for­de­run­gen nicht.
Ent­ge­gen der in der Li­te­ra­tur geäußer­ten Auf­fas­sung lie­fern auch nicht be­reits die §§ 169 ff. SGB III ei­nen le­gis­la­ti­ven An­satz, Kurz­ar­beits­klau­seln der vor­lie­gen­den Art ei­ne Wirk­sam­keit zu ver­lei­hen. Da­bei ist zum ei­nen fest­zu­stel­len, dass §§ 169 ff. SGB III die so­zi­al­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und ar­beitsförde­rungs­recht­li­chen Fol­ge­wir­kun­gen der Einführung von Kurz­ar­beit re­geln. Es ist schon von da­her zwei­fel­haft, ob sie in die­ser Funk­ti­on über­haupt ge­eig­net sind, An­knüpfungs­punkt für die Fra­ge zu sein, ob ge­gen we­sent­li­che Grund­ge­dan­ken ei­ner ge­setz­li­chen (ar­beits­recht­li­chen) Re­ge­lung ver­s­toßen wer­de (so aber Bau­er/Günther, BB 2009, 662). Zu Recht ver­wei­sen Müller/De­eg (a.a.O.) dar­auf, dass sich aus den Re­ge­lun­gen der §§ 169 ff. SGB III zwin­gen­de Rück­schlüsse auf den zulässi­gen Um­fang der Kurz­ar­beit und da­mit den zulässi­gen Ein­griff in das Sy­nal­lag­ma nicht zie­hen las­sen. Zum an­de­ren aber ist fest­zu­stel­len, dass die §§ 169 ff. SGB III die ar­beits­recht­li­che Zulässig­keit der An­ord­nung von Kurz­ar­beit ih­rer­seits ge­ra­de vor­aus­set­zen; ar­beits­recht­li­che Aus­sa­gen tref­fen die ent­spre­chen­den Vor­schrif­ten nicht und können sie auch nicht tref­fen (so zu­tref­fend Müller/De­eg, a.a.O.).
Ei­ne Le­gi­ti­mie­rung ei­ner un­be­stimm­ten Kurz­ar­beits­klau­sel über die Vor­schrift des § 310 Abs. 4 BGB in Ver­bin­dung mit §§ 169 ff. SGB III kommt eben­falls nicht in Be­tracht. Es mag zwar zu­tref­fen, dass Kurz­ar­beit für das Ar­beits­le­ben kei­ne gänz­lich aus­ge­schlos­se­ne und nicht ins Kalkül zu zie­hen­de „Be­son­der­heit“ dar­stellt. Dass ei­ne sol­che in der Kop­pe­lung mit dem So­zi­al­recht möglich ist, sagt aber über die ar­beits­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und ins­be­son­de­re de­ren Fol­gen nichts aus. Die Re­ge­lun­gen der §§ 169 ff. SGB III können da­her nicht als „ar­beits­recht­li­che Be­son­der­heit“ an­ge­se­hen wer­den, die ih­rer­seits die in­di­vi­du­al­recht­li­chen und ta­rif­recht­li­chen Ver­bind­lich­kei­ten im Ar­beits­verhält­nis außer Kraft zu set­zen in der La­ge wären.
zur Übersicht 2 Sa 1230/10