Source: https://www.jurion.de/urteile/bfh/2015-01-20/ii-r-9_11/
Timestamp: 2019-05-24 03:59:58
Document Index: 251210539

Matched Legal Cases: ['§ 16', 'Art. 1', '§ 37', '§ 10', '§ 19', '§ 19', '§ 37', 'Art. 6', '§ 19', '§ 13', 'Art. 3']

Urt. v. 20.01.2015, Az.: II R 9/11
Referenz: JurionRS 2015, 11673
FG Düsseldorf - 12.01.2011 - AZ: 4 K 2574/10 Erb
BFH - 05.10.2011 - AZ: II R 9/11
BFH - 27.09.2012 - AZ: II R 9/11
BFH/NV 2015, 693-694
UVR 2015, 173
ZEV 2015, 242-243
Nach Berücksichtigung des für Personen der Steuerklasse II vorgesehenen Freibetrags von 20.000 EUR gemäß § 16 Abs. 1 Nr. 5 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes in der für Erwerbe, für die die Steuer nach dem 31. Dezember 2008 entstanden ist, geltenden Fassung --ErbStG-- (Art. 1 des Erbschaftsteuerreformgesetzes --ErbStRG-- vom 24. Dezember 2008, BGBl. I 2008, 3018, § 37 Abs. 1 ErbStG) und nach Abrundung gemäß § 10 Abs. 1 Satz 6 ErbStG verblieb ein steuerpflichtiger Erwerb von 31.200 EUR, für den der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt --FA--) die Erbschaftsteuer unter Anwendung des für die Steuerklasse II geltenden Steuersatzes von 30% (§ 19 Abs. 1 ErbStG) auf 9.360 EUR festsetzte.
Einspruch und Klage, mit denen der Kläger eine Herabsetzung der Steuer auf 4.680 EUR begehrte, blieben erfolglos. Der Kläger war der Meinung, der in § 19 Abs. 1 i.V.m. § 37 Abs. 1 ErbStG in der für Steuerentstehungszeitpunkte nach dem 31. Dezember 2009 geltenden Fassung des Art. 6 des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes vom 22. Dezember 2009 --ErbStG n.F.-- (BGBl. I 2009, 3950) für steuerpflichtige Erwerbe in der Steuerklasse II vorgesehene Steuersatz von 15% sei aus Gründen der Gleichbehandlung auch im Streitfall anzuwenden.
die Vorentscheidung aufzuheben und unter Änderung des Erbschaftsteuerbescheids vom 17. Februar 2010 in Gestalt der Einspruchsentscheidung die Erbschaftsteuer auf 4.680 EUR herabzusetzen.
Der Bundesfinanzhof (BFH) hat durch Beschluss vom 27. September 2012 II R 9/11 (BFHE 238, 241, BStBl II 2012, 899 [BFH 27.09.2012 - II R 9/11]) das Verfahren ausgesetzt und die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) darüber eingeholt, ob § 19 Abs. 1 i.V.m. §§ 13a und 13b ErbStG wegen Verstoßes gegen den allgemeinen Gleichheitssatz (Art. 3 Abs. 1 GG) verfassungswidrig ist.
1. Wie der BFH im Beschluss in BFHE 238, 241, [BFH 27.09.2012 - II R 9/11] BStBl II 2012, 899 [BFH 27.09.2012 - II R 9/11] (Rz 69 bis 77) im Einzelnen dargelegt hat, ist die Gleichstellung von Personen der Steuerklasse II und III im Jahr 2009 verfassungsrechtlich hinzunehmen. Der Gesetzgeber ist von Verfassungs wegen nicht verpflichtet, Erwerber der Steuerklasse II besser zu stellen als Erwerber der Steuerklasse III. Auf diese Ausführungen wird Bezug genommen.
2. Die vom BVerfG im Urteil in DStR 2015, 31, [BVerfG 17.12.2014 - 1 BvL 21/12] festgestellten Verfassungsverstöße führen aufgrund der vom BVerfG getroffenen Weitergeltungsanordnung ebenfalls nicht zu einem Erfolg der Revision.