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Timestamp: 2016-10-01 00:10:42
Document Index: 105881162

Matched Legal Cases: ['§ 267', '§ 267', '§ 289', '§ 289', '§ 289', '§ 289', '§ 264', '§ 289']

Lagebericht: Was steht drin? | akademie.de
Diese Website durchsuchen: Texte, die verkaufenJahresabschluss: Lagebericht erstellenWas steht drin?	öffentlich
Redaktion Druckversion Lagebericht erstellen für den Jahresabschluss [Inhaltsverzeichnis]
Beitrag bewerten	Ersten Kommentar schreiben	Von: Josef Ellenrieder Stand: 3. Februar 2012	Lagebericht: Was steht drin?	Wirtschaftsbericht Risikobericht Nachtragsbericht Prognosebericht F&E-Bericht Zweigniederlassungsbericht BilMoG
Nach deutschem Handelsrecht müssen mittelgroße (§ 267 Abs. 2 HGB) und große Kapitalgesellschaften (§ 267 Abs. 3 HGB) und GmbH & Co KG's einen Lagebericht nach den Vorschriften des § 289 HGB erstellen.
Der Lagebericht stellt ein eigenständiges und ergänzendes Informationsinstrument zur wirtschaftlichen Gesamtbeurteilung dar. Der Lagebericht hat die Aufgabe, losgelöst von den einzelnen Posten des Jahresabschlusses das Gesamtbild des Unternehmens nach dem Grundsatz des "True and Fair View" darzustellen - und dabei auch auf die Risiken der künftigen Entwicklung einzugehen. Der Lagebericht fußt weniger auf Zahlenkolonnen und Schaubildern. Vielmehr geht es darum, Informationen, die sich nicht allein oder nur schwer mit Zahlen darstellen lassen, "verbal" zu erläutern.
Die wesentlichen Inhalte des Lageberichts sind:
Risikobericht,
Nachtragsbericht,
Prognosebericht,
F&E-Bericht,
Niederlassungsbericht.
Was steht nun im Einzelnen in den jeweiligen Berichten? Welche Angaben sind in welcher Form an welcher Stelle anzuführen?
Im Wirtschaftsbericht werden
der Geschäftsverlauf (unter Einbeziehung des Geschäftsergebnisses),
die Lage der Gesellschaft sowie
die Risiken der künftigen Entwicklung
dargestellt. Im Berichtsteil zum Geschäftsverlauf und der Lage der Gesellschaft sind Angaben zum abgelaufenen Geschäftsjahr gefordert. Um die Lage der Gesellschaft am Ende des Geschäftsjahres beurteilen zu können, sind Informationen zum speziellen Wirtschaftszweig, aber auch zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu liefern.
Die Angaben zum Unternehmen müssen dabei nicht nach Vermögens-, Finanz- und Ertragslage getrennt werden. Ziel des Verlaufs- oder Wirtschaftsberichts ist es, die wesentlichen Einflussfaktoren herauszustellen, die während des Jahres für das im stichtagsbezogenen Jahresabschluss dokumentierte Bild der wirtschaftlichen Lage bestimmend waren. Hierzu gehören Informationen über die Absatz-, Beschaffungs- und Produktionsseite des Unternehmens.
In erster Linie sind Ausführungen zur Ertrags- und Marktentwicklung, gegebenenfalls nach unterschiedlichen produktbezogenen oder regionalen Märkten, zu Investitionen, Mitarbeitern, Kapitalmaßnahmen, Änderungen im Beteiligungsbereich oder der Vertriebsorganisation zu machen. Auch besondere Begebenheiten sind hier zu erwähnen.
Zur Darstellung des Geschäftsverlaufes können beispielsweise folgende Informationen herangezogen werden:
Welche Marktstellung hat das Unternehmen?
Wie ist die Struktur der Gesellschaft?
Wie sieht das Produktionsprogramm aus?
Wie haben sich die Auftragseingänge entwickelt?
Wie sieht der Umsatzverlauf aus?
Welche Investitionen wurden getätigt und wie wurden sie finanziert?
Wie sind die Produktionsanlagen ausgelastet?
Welche Rationalisierungsmaßnahmen wurden durchgeführt?
Wie sehen Personalentwicklung und Beschäftigungsgrad aus?
Das Geschäftsergebnis ist bei der Darstellung des Geschäftsverlaufs einzubeziehen. Dies kann beispielsweise durch die Angabe von Kennzahlen sowie der wesentlichen Ertragsquellen, Kostenkategorien und Rentabilitätsgrößen geschehen.
Im Verlaufsbericht sind auch die Risiken der zukünftigen Entwicklung der Gesellschaft aufzuführen. Üblicherweise wird von einem Zeitraum von einem Jahr ausgegangen, auf den sich die Risikobetrachtung beziehen soll.
Die Beschreibung der Risiken kann durch Ausführungen der Risikobewältigungsmaßnahmen ergänzt werden.
Als Pflichtbestandteil des Lageberichts unterliegt auch der Risikobericht einer expliziten Prüfungspflicht durch den Abschlussprüfer. Zu den berichtspflichtigen Risiken zählen
strategische Risiken,
EDV-Risiken,
finanzwirtschaftlichen und sonstige Risiken.
Wenn eine Quantifizierung der Risiken methodisch möglich ist, sollte über das Nettorisiko nach Berücksichtigung der Risikobewältigungsmaßnahmen berichtet werden.
Vorgänge von besonderer Bedeutung nach dem Abschlussstichtag werden im Nachtragsbericht erfasst. Der Nachtragsbericht soll Angaben enthalten, die
sowohl in positiver wie in negativer Hinsicht von besonderer Bedeutung
und die nach dem Bilanzstichtag eingetreten sind.
Dazu gehören rückläufige wie gestiegene Umsätze, regionale Markteinbrüche oder Marktausweitungen, bedeutsame Einzelverluste wie -gewinne, gesetzliche Auflagen wie Entlassungen und Veränderungen des Konzernbereichs.
Es handelt sich um Informationen, die zu einer anderen Darstellung des Wirtschaftsberichts geführt hätten, wenn die Vorgänge bereits im abgelaufenen Jahr eingetreten wären.
Der Zeitraum der Berichterstattung endet spätestens mit der Auslieferung des Lageberichts an die Adressaten. Durch die Verkürzung der Zeiträume bis zur Bilanzerstellung finden sich immer seltener Angaben zum Nachtragsbericht im Lagebericht.
Die voraussichtliche Entwicklung der Kapitalgesellschaft wird im Prognosebericht aufgeführt.
Die Berichterstattung über die voraussichtliche künftige Entwicklung der Gesellschaft liefert das Bindeglied zwischen dem abgelaufenen Geschäftsjahr und der laufenden Berichtsperiode. Inhaltlich entsprechen die Angaben dem Wirtschaftsbericht.
Der Prognosezeitraum soll zwei Jahre umfassen, da häufig schon die Geschäftszahlen für das erste Quartal vorliegen und nur so Informationswirkungen erwartet werden können.
Die Qualität des Prognoseberichts ist abhängig vom Präzisionsgrad der Aussagen, der Zuverlässigkeit und der Plausibilität der Prognosen, was die Angabe der Prämissen der Planung erforderlich macht.
Über den Bereich Forschung und Entwicklung sind im F&E-Bericht Angaben zu machen.
Der Forschungsbericht umfasst das abgelaufene Geschäftsjahr.
Berichtspflichtig sind die Forschungsaktivitäten. Zum Standard gehören auch Angaben über die Anzahl der beschäftigten Personen in diesem Bereich und die Aufwendungen. Die Probleme, die mit dem Forschungsbericht verbunden sind, beziehen sich auf die Abgrenzung der Forschungsaufwendungen, die Gefahr der Fehlinterpretation und den Verlust von Wettbewerbsvorteilen.
Auf Angaben darf allerdings nur verzichtet werden, wenn durch die Angaben das Wohl der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder gefährdet wäre. Werden aus der Berichterstattung Wettbewerbsnachteile unterstellt, kann lediglich auf Detailangaben verzichtet werden.
Die bestehenden Zweigniederlassungen sind im Zweigniederlassungsbericht zu nennen. Im Bericht über die Zweigniederlassungen müssen die in- und ausländischen Zweigniederlassungen mit ihren Orten genannt werden, gegebenenfalls mit ihren Bezeichnungen, wenn diese die Hauptniederlassung nicht erkennen lassen. Wesentliche Veränderungen, wie Sitzverlegung, sind darzustellen. Bei einer Vielzahl von Zweigniederlassungen können sie regional zusammengefasst werden.
Da der Lagebericht nicht durch die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung eingeschränkt ist, besteht insbesondere durch die Aufnahme prospektiver Angaben die Möglichkeit, die wirtschaftliche Lage umfassender darzustellen, als es durch den Jahresabschluss möglich ist. Zu nennen wären auch Mehrjahresübersichten, Kapitalflussrechnungen und Wertschöpfungsrechnungen.
Folgende Ergänzungen wurden aufgenommen:
Nach § 289 Abs. 4 HGB müssen AG's und KGaA's, die den organisierten Markt in Anspruch nehmen, auf Angaben nach § 289 Abs. 4 S. 1 HGB, die im Anhang zu machen sind, im Lagebericht verweisen.
Nach § 289 Abs. 5 HGB müssen kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften im Sinn des § 264d HGB im Lagebericht die wesentlichen Merkmale des internen Kontroll- und des Risikomanagementsystems im Hinblick auf den Rechnungslegungsprozess beschreiben.
Nach § 289 a HGB müssen börsennotierte und ihnen gleich gestellte Aktiengesellschaften eine Erklärung zur Unternehmensführung in ihren Lagebericht aufnehmen. Alternativ kann diese Erklärung auch auf der Internetseite der Gesellschaft öffentlich zugänglich gemacht werden, in diesem Fall ist in den Lagebericht eine Bezugnahme aufzunehmen, welche die Angabe der Internetseite enthält.
Der Lagebericht unterliegt in allen Teilen der Prüfungs- und Offenlegungspflicht.