Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BAG&Datum=18.11.2008&Aktenzeichen=9%20AZR%20865/07
Timestamp: 2020-06-05 11:02:23
Document Index: 381544764

Matched Legal Cases: ['§ 611', '§ 241', '§ 5', '§ 611', 'Art. 33', '§ 611', 'Art. 33', '§ 611', 'Art. 33', '§ 611', 'Art. 33', '§ 611', 'Art. 33', 'Art. 33', '§ 611', '§ 611', '§ 1004', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 611', 'Art. 33', '§ 611', 'Art. 33', '§ 611', 'Art. 33', '§ 611', 'Art. 33', '§ 50', '§ 11']

BAG, 18.11.2008 - 9 AZR 865/07 - dejure.org
https://dejure.org/2008,1387
BAG, 18.11.2008 - 9 AZR 865/07 (https://dejure.org/2008,1387)
BAG, Entscheidung vom 18.11.2008 - 9 AZR 865/07 (https://dejure.org/2008,1387)
BAG, Entscheidung vom 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 (https://dejure.org/2008,1387)
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Schuldrechtlicher Entfernungsanspruch bei Rechtswidrigkeit der Regelbeurteilung; Beurteilungsfrist; Fehler im Beurteilungsverfahren
Regelbeurteilung; Beurteilungsfrist
Fehler im Beurteilungsverfahren - Entfernung einer dienstlichen Beurteilung aus der Personalakte
ArbG Koblenz, 20.12.2006 - 2 Ca 1625/06
BAGE 128, 299
NJW 2009, 1627
NVwZ 2009, 406
NZA 2009, 206
DB 2009, 458
Auch für Angestellte dürfen formalisierte Regelbeurteilungen erstellt werden (BAG, Urteil vom 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 - BAGE 128, 299 Rn. 15); die Gleichstellung von Angestellten und Beamten in Beurteilungsrichtlinien ist ebenfalls nicht zu beanstanden (BAG…, Urteil vom 24. Januar 2007 - 4 AZR 629/06 - BAGE 121, 91 Rn. 44).
Ergibt die weitere Aufklärung des Landesarbeitsgerichts keine plausible Begründung, hat die Klägerin aus § 611 Abs. 1, § 241 Abs. 2 BGB iVm. § 5 Abs. 1 bis 3 der Richtlinie und Abschn. A Ziff. 3.4 der Anlage 2 der Richtlinie einen schuldrechtlichen Anspruch auf Entfernung der Beurteilung aus der Personalakte (vgl. Senat 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 - Rn. 13, AP BGB § 611 Personalakte Nr. 2 = EzA GG Art. 33 Nr. 35).
Beurteilungen sollen ein möglichst objektives und vollständiges Bild der Person, der Tätigkeit und der Leistung des Beurteilten vermitteln (Senat 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 - Rn. 14 f., AP BGB § 611 Personalakte Nr. 2 = EzA GG Art. 33 Nr. 35).
Sie können darauf kontrolliert werden, ob der Beurteiler allgemeine Beurteilungsmaßstäbe beachtet, alle wesentlichen Umstände berücksichtigt und ein fehlerfreies Verfahren eingehalten hat (Senat 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 - Rn. 16, AP BGB § 611 Personalakte Nr. 2 = EzA GG Art. 33 Nr. 35).
Das beklagte Land war verpflichtet, die Richtlinie bei der dienstlichen Beurteilung der Klägerin zu beachten (vgl. Senat 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 - Rn. 19 f., AP BGB § 611 Personalakte Nr. 2 = EzA GG Art. 33 Nr. 35).
Eine Bindung im Außenverhältnis zu Dritten tritt jedoch ein, wenn sich die Vorschriften inhaltlich nicht nur an nachgeordnete Dienststellen, sondern auch an Arbeitnehmer richten (Senat 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 - Rn. 19 f., AP BGB § 611 Personalakte Nr. 2 = EzA GG Art. 33 Nr. 35).
Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf Entfernung einer dienstlichen Beurteilung aus seiner Personalakte, wenn sich ein Fehler im Beurteilungsverfahren auf das Beurteilungsergebnis auswirken kann (BAG, Urteil vom 18.11.2008 - 9 AZR 865/07 -, BAGE 128, 299-307).
Dienstliche Beurteilungen sind grundsätzlich zulässig (BAG, Urteil vom 18.11.2008 - 9 AZR 865/07 -, BAGE 128, 299-307, Rn. 14).
Ein solcher Verfahrensverstoß führt zur Rechtswidrigkeit der Beurteilung und zu einem schuldrechtlichen Entfernungsanspruch des Arbeitnehmers (BAG, Urteil vom 18.11.2008 - 9 AZR 865/07 -, BAGE 128, 299-307, Rn. 15-16).
Der beachtlicher Verfahrensfehler indiziert, dass eine sachlich unzutreffende Beurteilung zur Personalakte gelangt ist (vgl. BAG, Urteil vom 18.11.2008 - 9 AZR 865/07 -, BAGE 128, 299-307, Rn. 17).
In einem solchen Fall hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Entfernung der Beurteilung aus der Personalakte (BAG, Urteil vom 18.11.2008 - 9 AZR 865/07 -, BAGE 128, 299-307, Rn. 26).
Im öffentlichen Dienst gewinnt der vollständige und lückenlose Aufschluss über den beruflichen Werdegang besondere Bedeutung, weil sich Einstellung und Beförderung von Arbeitnehmern und Beamten nach dem Prinzip der Bestenauslese des Art. 33 Abs. 2 GG richten (BAG, Urteil vom 18.11.2008 - 9 AZR 865/07 -, BAGE 128, 299-307, Rn. 31).
Kann aber ein Verfahrensfehler Auswirkungen auf das Beurteilungsergebnis haben, tritt das berechtigte Interesse des Arbeitgebers an der Vollständigkeit und Kontinuität der Akten jedoch zurück (BAG, Urteil vom 18.11.2008 - 9 AZR 865/07 -, BAGE 128, 299-307, Rn. 32).
Deshalb kann der Arbeitnehmer sowohl auf der Grundlage der §§ 611, 241 Abs. 2 BGB als Folge eines Verstoßes gegen die arbeitsvertragliche Nebenpflicht (offen gelassen in BAG…, Urteil vom 15.04.1999 - 7 AZR 716/97 - AP Nr. 22 zu § 611 Abmahnung, zu I 3 a der Gründe = Rn. 19; siehe auch BAG, Urteil vom 18.11.2008 - 9 AZR 865/07 - NZA 2009, 206, 209, zu A I der Gründe = Rn. 13, betrifft Entfernung einer Regelbeurteilung aus der Personalakte) als auch quasinegatorisch gem. §§ 1004, 242 BGB analog - die Analogie betrifft die Gleichsetzung des Persönlichkeitsrechts mit dem darin geregelten Eigentumsrecht - die Beseitigung dieser Beeinträchtigung verlangen, wenn die Abmahnung alternativ formell nicht ordnungsgemäß zustande gekommen ist, unrichtige Tatsachenbehauptungen enthält, auf einer unzutreffenden rechtlichen Bewertung des Verhaltens des Arbeitnehmers beruht, den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt oder kein schutzwürdiges Interesse des Arbeitgebers am Verbleib der Abmahnung in der Personalakte mehr besteht (BAG…, Urteil vom 27.11.2008 - 2 AZR 675/07 - a. a. O., zu B I 2 a der Gründe mit zahlreichen Nachweisen = Rdnr. 16).
Sie können darauf kontrolliert werden, ob der Beurteiler allgemeine Beurteilungsmaßstäbe beachtet, alle wesentlichen Umstände berücksichtigt und ein fehlerfreies Verfahren eingehalten hat (BAG…, Urteil vom 18. August 2009 - 9 AZR 617/08 - NZA 2010, 115, 118 Rz. 34; vom 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 - AP BGB § 611 Personalakte Nr. 2 Rz. 16, jeweils m. w. N.).
Ein solcher Verfahrensverstoß führt zur Rechtswidrigkeit der Beurteilung und zu einem schuldrechtlichen Entfernungsanspruch des Arbeitnehmers (BAG, Urteil vom 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 - AP BGB § 611 Personalakte Nr. 2 Rz. 16).
Der Arbeitgeber hat grundsätzlich das legitime Anliegen, dass die von ihm geführten Personalakten vollständig sind (BAG, Urteil vom 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 - AP BGB § 611 Personalakte Nr. 2 Rz. 31 m. w. N.).
Gelangen Beurteilungen nicht nur formell zu Unrecht in die Personalakten, sondern kann der Verfahrensfehler zudem Auswirkungen auf das Beurteilungsergebnis haben, tritt das berechtigte Interesse des Arbeitgebers an der Vollständigkeit und Kontinuität der Akten jedoch zurück (BAG, Urteil vom 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 - AP BGB § 611 Personalakte Nr. 2 Rz. 32 m. w. N.).
Dienstliche Beurteilungen sind gerichtlich nur eingeschränkt überprüfbar (vgl. BAG 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 - AP Nr. 2 zu § 611 BGB Personalakte = NZA 2009, 206 = NJW 2009, 1627 = EzA Art. 33 GG Nr. 35, Rn. 15).
Verfahrensmängel müssen sich auf das Beurteilungsergebnis ausgewirkt haben können (vgl. BAG 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 - AP Nr. 2 zu § 611 BGB Personalakte = NZA 2009, 206 = NJW 2009, 1627 = EzA Art. 33 GG Nr. 35, Rn. 16).
Der Arbeitnehmer kann mit Blick auf den beabsichtigten Schutz seines Erinnerungsvermögens auch nicht auf sein Recht zur Gegendarstellung verwiesen werden (vgl. BAG 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 - AP Nr. 2 zu § 611 BGB Personalakte = NZA 2009, 206 = NJW 2009, 1627 = EzA Art. 33 GG Nr. 35, Rn. 31 f.) .
Das grundsätzlich berechtigte Interesse des Arbeitgebers an einer vollständigen und durchgehend geführten Personalakte tritt ausnahmsweise zurück (vgl. BAG 18. November 2008 - 9 AZR 865/07 - AP Nr. 2 zu § 611 BGB Personalakte = NZA 2009, 206 = NJW 2009, 1627 = EzA Art. 33 GG Nr. 35, Rn. 33) .
Darüber hinaus besteht nach der Rechtsprechung des BAG ein schuldrechtlicher Anspruch auf Entfernung von Unterlagen aus der Personalakte, wenn Fehler in einem formalisierten Beurteilungsverfahren zu Tage getreten sind, vgl. BAG, Urt. v. 18.11.2008 - 9 AZR 865/07.
Beurteilungen sollen ein möglichst objektives und vollständiges Bild der Person, der Tätigkeit und der Leistung des Beurteilten vermitteln, vgl. BAG, Urteil vom 18.11.2008 - 9 AZR 865/07 -.
Sie können darauf kontrolliert werden, ob der Beurteiler allgemeine Beurteilungsmaßstäbe beachtet, alle wesentlichen Umstände berücksichtigt und ein fehlerfreies Verfahren eingehalten hat, vgl. BAG, Urteil vom 18.11.2008 - 9 AZR 865/07 -.
vgl. aber BAG, Urteil vom 18. November 2008- 9 AZR 865/07 -, BAGE 128, 299 = NVwZ 2009, 406 = juris, Rn. 17, 27, zu den BRZV in der Fassung vom 1. Januar 2005 in einem Fall, in dem die Beurteilung später als innerhalb der vorgesehenen 6-Monatsfrist bekannt gegeben wurde; im Ergebnis auch Nds. OVG, Beschluss vom 22. April 2013- 5 ME 81/13 -, DÖD 2013, 181 = juris, Rn. 6 f., und VG Oldenburg, Urteil vom 25. Februar 1975- 1 A 682/74 -, ZBR 1975, 119; kritisch zum Urteil des BAG Lemhöfer, in: Lemhöfer/Leppek, BLV, Stand: Mai 2014, BLV 2009 § 50 Rn. 21, und Schnellenbach, Beamtenrecht in der Praxis, 8. Aufl. 2013, § 11 Rn. 73.
Die Klägerin hat einen Anspruch auf Entfernung einer dienstlichen Beurteilung, wenn sie fehlerhaft ist, vergleiche BAG vom 18. November 2008 - 9 AZR 865/07, JURIS.
Dienstliche Beurteilungen können darauf überprüft werden, ob der Beurteilte allgemeine Beurteilungsmaßstäbe beachtet, alle wesentlichen Umstände berücksichtigt und ein fehlerfreies Verfahren eingehalten hat, vergleiche BAG vom 8. Mai 2001 - 9 AZR 208/00, JURIS ; BAG vom 18. November 2008, 9 AZR 865/07, JURIS.
Allein die Möglichkeit der Auswirkung auf die Quantität der Arbeitsleistung reicht jedoch für die Beachtlichkeit des Verfahrensfehlers aus, vergleiche BAG vom 18. November 2008, 9 AZR 865/07, JURIS.
LAG Baden-Württemberg, 15.11.2012 - 4 Ta 15/12
Zwangsvollstreckung - Entfernung einer Abmahnung aus der Personalakte