Source: https://www.medienrecht-urheberrecht.de/urheberrecht/743-foto-klau-was-tun-als-fotograf.html
Timestamp: 2019-07-19 20:51:01
Document Index: 235089668

Matched Legal Cases: ['§ 97', '§ 97', 'BGH', 'BGH', '§ 13', '§ 101']

Hilfe, meine Fotos wurden geklaut! Was kann ich als Fotograf tun? - Kanzlei Janke + Schult | Fachanwalt für Urheber- u. Medienrecht
Für das berühmte Foto eines Fischfilets in Tomatensoße kocht sogar der eine oder andere Fotograf selbst den Fisch und die Soße, um ein ansprechendes Foto zu erlangen. Genau diese Produktfotos sind es nämlich, die uns oftmals enttäuscht in das Innere der Konserve blicken lassen, wo dann laut Produktfoto die Erwartungshaltung nicht wirklich befriedigt wird. Ein anderes Beispiel sind die Burger-Fotos der namenhaften Fastfood-Ketten. Der Burger in der Hand im Vergleich zum Hochglanzfoto auf dem Bestellflyer sieht dann doch etwas profaner aus.
Es ist daher mehr als verständlich, wenn dann der Fotograf seine professionellen Fotografien bei seinem Konkurrenten oder auf irgendeiner Speisekarte wiederfindet, ohne eine Zustimmung gegeben zu haben.
Dem Fotografen stehen jedoch Dank des immer mehr an Bedeutung erlangenden Urheberrechts eine Hand voll Ansprüche gegen den Verletzter zur Verfügung, denn keinesfalls braucht er die nicht lizenzgemäße Verwendung seines Fotos hinnehmen, sondern kann dagegen mit einer Abmahnung vorgehen. Ziel einer Abmahnung ist, die Rechtsverletzung umgehend zu beenden und ein gerichtliches Verfahren zu vermeiden. Weiterhin wird der Rechtsverletzer verpflichtet, ein Vertragsstrafeversprechen zu Ihren Gunsten abzugeben. Sollte er das Foto erneut verwenden, muss dieser eine hohe Vertragsstrafe an Sie zahlen.
jede weitere Verwendung Ihres Fotos zu unterlassen sowie eine Unterlassungserklärung mit einem Vertragsstrafeversprechen abzugeben,
einen Schadensersatz zu zahlen und
die Ihnen mit der Rechtsverfolgung entstandenen Kosten (z.B. Rechtsanwaltsgebühren) zu ersetzen.
Natürlich können sie als Fotograf auch selbst abmahnen. Geht die selbst ausgesprochene Abmahnung jedoch fehl, möchten wir sie darauf hinweisen, dass die Rechtsprechung dann jedoch die Auffassung vertritt, dass für den Fall einer nachträglichen Anwaltsbeauftragung keine Kosten durch den Verletzer zu erstatten sind.
Unterlassung - Beendigung der Rechtsverletzung
Der Unterlassungsanspruch folgt aus § 97 Abs. 1 UrhG. Hierfür ist eine sogenannte Wiederholungsgefahr nötig, die, so die ständige Rechtsprechung, im Falle einer Rechtsverletzung vermutet wird. Die vermutete Wiederholungsgefahr umfasst auch jede gleichartige Verletzungshandlung.
Schadensersatz für unlizenzierte Bildnutzung
Als Entschädigung für die bisherige unberechtigte Nutzung des Fotos steht dem Fotografen gem. § 97 UrhG ein Anspruch auf Schadensersatz zu. Daraus kann er von der Gegenseite denjenigen Betrag fordern, den vernünftige Vertragsparteien für die Nutzung des betreffenden Fotomaterials als angemessene Vergütung vereinbart hätten (sog. Lizenzanalogie), so die ständige Rechtsprechung des BGH.
„Bei der Berechnung der Höhe des zu leistenden Schadensersatzes im Wege der Lizenzanalogie ist zu fragen, was vernünftige Vertragspartner als Vergütung für die vom Verletzer vorgenommenen Benutzungshandlungen vereinbart hätten. Zu ermitteln ist der objektive Wert der Benutzungsberechtigung. Dabei ist unerheblich, ob und inwieweit der Verletzer selbst bereit gewesen wäre, für seine Nutzungshandlungen eine Vergütung zu zahlen (…) Im Zusammenhang mit der unberechtigten Nutzung einer Fotografie im Internet wird es dabei unter anderem auf die Intensität der Nutzung, insbesondere ihre Dauer, und die Qualität des Lichtbilds ankommen (…) Soweit damit objektiv eine Erhöhung des wirtschaftlichen Werts der Bildernutzung verbunden ist, wird ferner der für die Erstellung des Lichtbilds erforderliche Aufwand zu berücksichtigen sein (…) Maßgebliche Bedeutung kommt einer zur Zeit der Verletzungshandlung am Markt durchgesetzten eigenen Lizenzierungspraxis des Rechtsinhabers zu …“ BGH, I ZR 187/17.
Zuschlag wegen fehlender Urheberangabe
Weiterhin wird berücksichtigt, ob bei der unbefugten Einblendung des Bildes der Urheber genannt wird. Darauf hat der Urheber gem. § 13 UrhG einen Anspruch.
Wird der Urheberrechtsvermerk nicht angebracht oder gar entfernt, erkennt die Rechtsprechung die Erhöhung des Schadensersatzes von 100% an. Zuzüglich der Mehrwertsteuer ergibt sich daraus die zu zahlende Lizenzgebühr. Sofern zwischen den Parteien bereits ein Lizenzvertrag besteht, so gilt für die Schadensberechnung im Wege der Lizenzanalogie die vertraglich vereinbarte Vergütung.
Auskunft über den Umfang der Fotonutzung
Sofern dem Fotografen und Urheber nicht bekannt ist, wie lange die Gegenseite sein Foto schon verwendet, in welchem Umfang und in welcher Art über die konkrete Nutzung hinaus, steht ihm ein diesbezüglicher Auskunftsanspruch aus § 101 UrhG zu.
Der Auskunftsanspruch ist insbesondere gerade dazu geeignet, den Schadenersatz konkret beziffern zu können, denn Nutzungsrechte werden preislich natürlich „teurer“ je länger die Rechteverletzung erfolgt.
Kosten der Rechtsverteidigung = Abmahnkosten
Fazit: Lassen Sie sich den Fotoklau nicht gefallen. Nur so können Sie Ihre Fotos dauerhaft und gewinnbringend vermarkten. Sie gehen schließlich auch nicht in ein Geschäft und nehmen sich die Waren ohne zu bezahlen.
Gern beraten und unterstützen wir Sie beim Schutz und der Durchsetzung der Urheberrechte an Ihren Fotos. Sie erreichen uns:
Bild: Minerva Studio/ Fotolia.com