Source: http://swissblawg.ch/2017/06/2c_5822016-submission-unzulaessige-quersubventionierung-bei-einem-staatlichen-anbieter-amtl-publ.html
Timestamp: 2017-12-16 22:45:10
Document Index: 103417104

Matched Legal Cases: ['Art. 27', 'Art. 94', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 25', 'Art. 35', 'Art. 27', 'Art. 12']

2C_582/2016: Submission — Unzulässige Quersubventionierung bei einem staatlichen Anbieter (amtl. Publ.) - swissblawg
NextBR: BEPS-Abkommen zur Umsetzung des OECD BEPS-Projektes unterzeichnet
Martin Rauber	• 13. Juni 2017
Gegen­stand die­ses Urteils bil­de­te das offe­ne Ver­ga­be­ver­fah­ren, in wel­chem das BAKOM einen Auf­trag für die Ana­ly­se des Online-Ange­bots der SRG aus­ge­schrie­ben hat­te. Die Uni­ver­si­tät Zürich sowie die A. AG reich­ten je ein Ange­bot ein. Da das Ange­bot der Uni­ver­si­tät Zürich bes­ser bewer­tet wur­de, erteil­te das BAKOM ihr den Zuschlag. Die A. AG erhob gegen den Zuschlag Beschwer­de an das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, wel­ches die Beschwer­de mit Urteil vom 13. April 2016 gut­hiess und die Sache zur Prü­fung, ob die Uni­ver­si­tät Zürich wegen Ver­let­zung ver­ga­be­recht­li­cher Grund­sät­ze vom Ver­fah­ren aus­zu­schlie­ssen ist, an das BAKOM zurück­wies (Pro­zess-Nr. B-3797/2015). Das UVEK, ver­tre­ten durch das BAKOM, erhob gegen die­ses Urteil Beschwer­de in öffent­lich-recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten an das Bun­des­ge­richt, wel­ches das Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts stütz­te.
Vom Bun­des­ge­richt zu klä­ren war die Fra­ge, ob die Ein­hal­tung des ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sat­zes der Wett­be­werbs­neu­tra­li­tät staat­li­chen Han­delns zu den ver­ga­be­recht­li­chen Grund­sät­zen gehört, deren Nicht-Ein­hal­tung zum Aus­schluss der Bewer­be­rin im Ver­ga­be­ver­fah­ren füh­ren kann bzw. muss. Die A. AG warf der Uni­ver­si­tät Zürich vor, ihre Dienst­lei­stun­gen mit Steu­er­gel­dern quer­sub­ven­tio­niert, mit­hin kein kosten­decken­des Ange­bot abge­ge­ben und dadurch den Wett­be­werb ver­zerrt zu haben. Das UVEK hielt dage­gen, dass uner­wünsch­te Quer­sub­ven­tio­nie­run­gen durch die kan­to­na­len Erlas­se, das UWG oder allen­falls das KG und nicht mit Mit­teln des öffent­li­chen Beschaf­fungs­rechts zu ver­mei­den sei­en. Dass die Wett­be­werbs­neu­tra­li­tät staat­li­chen Han­delns im Rah­men eines Ver­ga­be­ver­fah­ren zu prü­fen sei, fin­de in der gesetz­li­chen Rege­lung kei­ne Stüt­ze und spren­ge den Rah­men des Beschaf­fungs­rechts.
Das Bun­des­ge­richt erin­ner­te zunächst dar­an, dass sich der Grund­satz der Wett­be­werbs­neu­tra­li­tät aus Art. 27 BV und Art. 94 BV ergibt und den Staat ver­pflich­tet, in sei­ner pri­vat­wirt­schaft­li­chen Tätig­keit wett­be­werbs­neu­tral zu han­deln, d.h. den glei­chen Wett­be­werbs­be­din­gun­gen unter­wor­fen zu sein wie ein ent­spre­chen­des pri­va­tes Unter­neh­men (E. 4.2 und E. 4.3).
Gestützt auf die Aus­le­gung von Art. 11 BöB kam das Bun­des­ge­richt sodann zum Schluss, dass die Ver­let­zung des Grund­sat­zes der Wett­be­werbs­neu­tra­li­tät durch einen Anbie­ter mit staat­li­chem Hin­ter­grund einen Aus­schluss­tat­be­stand im Sin­ne die­ser Bestim­mung dar­stel­len kön­ne. Dabei erwog es:
Die gram­ma­ti­ka­li­sche Aus­le­gung von Art. 11 BöB mache durch die Ver­wen­dung des Worts “ins­be­son­de­re” deut­lich, dass die Auf­zäh­lung der Aus­schluss­grün­de in Art. 11 BöB nicht abschlie­ssend sei (E. 4.4).
Das histo­ri­sche Aus­le­gungs­ele­ment erach­te­te das Bun­des­ge­richt als wenig auf­schluss­reich. Die Bot­schaft ver­wei­se auf schwer­wie­gen­de Grün­de, die im Gesetz auf­ge­führt sei­en und einen Aus­schluss recht­fer­ti­gen könn­ten (E. 4.4.1).
In teleo­lo­gi­scher Hin­sicht sei­en pri­mär die gesetz­lich und staats­ver­trag­lich fest­ge­setz­ten Zie­le des öffent­li­chen Beschaf­fungs­rechts zu berück­sich­ti­gen. Dabei erwog das Bun­des­ge­richt, dass der Grund­satz der Wett­be­werbs­neu­tra­li­tät eng mit der Errei­chung wich­ti­ger Ziel­set­zun­gen des Beschaf­fungs­rechts (Stär­kung des Wett­be­werbs, Wirt­schaft­lich­keit und Gleich­be­hand­lung der Anbie­ter) ver­bun­den sei. Die Beach­tung die­ses Grund­sat­zes oblie­ge dabei in erster Linie der Ver­ga­be­stel­le (E. 4.4.2).
In Ver­bin­dung mit einer syste­ma­ti­schen Aus­le­gung der gesetz­li­chen Aus­schluss­tat­be­stän­de erge­be sich, dass ein staat­li­cher Anbie­ter vom Ver­ga­be­ver­fah­ren aus­zu­schlie­ssen sei, falls er sich sei­ner­seits nicht an den Grund­satz der Wett­be­werbs­neu­tra­li­tät hal­te. Dies obschon sich der Zuschlag an einen staat­li­chen Anbie­ter, der gegen die­sen Grund­satz ver­stösst, ledig­lich mit­tel­bar wett­be­werbs­ver­zer­rend aus­wir­ke (was auch bei ver­schie­de­nen, gesetz­lich aus­drück­lich gere­gel­ten Aus­schluss­tat­be­stän­den der Fall sei). Nicht gefolgt wer­den kön­ne der Argu­men­ta­ti­on des UVEK. Zwar sei es nicht Auf­ga­be des Beschaf­fungs­rechts, die Ein­hal­tung des UWG und des KG sicher­zu­stel­len. Dies schlie­sse indes­sen nicht aus, dass gewis­se Sach­ver­hal­te neben einer kar­tell- oder lau­ter­keits­recht­li­chen auch eine beschaf­fungs­recht­li­che Rele­vanz auf­wei­sen (E. 4.4.3).
Ein staat­li­cher Anbie­ter, des­sen Offer­te gegen den Grund­satz der Wett­be­werbs­neu­tra­li­tät ver­sto­sse (nament­lich indem sie auf einer unzu­läs­si­gen Quer­sub­ven­tio­nie­rung beru­he), müs­se des­halb aus­ge­schlos­sen wer­den. Anders müss­te ent­schie­den wer­den, wenn der Fehl­be­trag des staat­li­chen Unter­an­ge­bots nicht auf unzu­läs­si­ge Wei­se mit Steu­er­mit­teln oder Erträ­gen aus dem Mono­pol­be­reich, son­dern etwa mit dem Erlös aus der (son­sti­gen) pri­vat­wirt­schaft­li­chen Tätig­keit gedeckt wer­de. Das­sel­be gel­te, wenn die Offer­te von recht­mä­ssig aus­ge­rich­te­ten staat­li­chen Sub­ven­tio­nen (mit-)beeinflusst sei (E. 4.5). Da die­ser Aus­schluss­grund der Errei­chung zen­tra­ler ver­ga­be­recht­li­cher Ziel­set­zun­gen die­ne, bestehe für die Ver­ga­be­be­hör­de wenig Spiel­raum, von einem Ver­fah­rens­aus­schluss abzu­se­hen. Ein Aus­schluss sei dann nicht ver­hält­nis­mä­ssig, wenn eine an sich unzu­läs­si­ge Quer­sub­ven­tio­nie­rung am Aus­gang des Ver­ga­be­ver­fah­rens nichts ände­re (E. 4.6).
Schliess­lich bestä­tig­te das Bun­des­ge­richt, dass die Ver­ga­be­stel­le eine Abklä­rungs- bzw. Unter­su­chungs­pflicht tref­fe, falls sich im Ver­ga­be­ver­fah­ren kon­kre­te Anhalts­punk­te für einen Ver­stoss gegen den Grund­satz der Wett­be­werbs­neu­tra­li­tät erge­ben wür­den. Eine sol­che Pflicht erge­be sich indes­sen nicht, wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­den hat­te, aus Art. 25 Abs. 4 VöB, son­dern aus der Grund­rechts­bin­dung der Ver­ga­be­be­hör­de (Art. 35 Abs. 2 i.V.m. Art. 27 BV) sowie aus dem Grund­satz der Rechts­an­wen­dung von Amtes wegen und der Unter­su­chungs­ma­xi­me (Art. 12 VwVG) (E. 5).
In casu ging gemäss Bun­des­ge­richt gestützt auf die ver­bind­li­chen Fest­stel­lun­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aus der Preis­kal­ku­la­ti­on der Uni­ver­si­tät Zürich her­vor, dass deren Ange­bot nicht kosten­deckend war, da der Auf­wand des Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen nicht zu den Pro­jekt­ko­sten gerech­net wur­de. Es lagen mit­hin genü­gend Anhalts­punk­te dafür vor, dass die Uni­ver­si­tät Zürich mit ihrer Offer­te den Grund­satz der Wett­be­werbs­neu­tra­li­tät ver­letzt haben könn­te. Das BAKOM wäre des­halb ver­pflich­tet gewe­sen, nähe­re Abklä­run­gen zu tref­fen (E. 6).
Beschwerden von Uni/ETH gegen ein Verbot von Tierversuchen abgewiesen
8C_844/2011: Unispital Zürich: unzulässige Pauschalentschädigung für Überzeit (amtl. Publ.)