Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bsg/2015-12-16/b-14-as-33_14-r
Timestamp: 2018-01-18 00:32:38
Document Index: 30769948

Matched Legal Cases: ['§ 170', '§ 7', 'EuG', 'EuG', 'Art 70', 'Art 24', 'Art 24', 'Art 7', 'Art 4', 'EuG', 'EuG']

BSG, 16.12.2015 - B 14 AS 33/14 R | anwalt24.de
Urt. v. 16.12.2015, Az.: B 14 AS 33/14 R
Referenz: JurionRS 2015, 39135
Aktenzeichen: B 14 AS 33/14 R
LSG Nordrhein-Westfalen - 05.05.2014 - AZ: L 19 AS 430/13
ZfF 2016, 133-134
BSG, 16.12.2015 - B 14 AS 33/14 R
Az: B 14 AS 33/14 R
L 19 AS 430/13 (LSG Nordrhein-Westfalen)
S 11 AS 4730/11 (SG Köln)
1. ..............................,
2. ..............................,
Klägerinnen und Revisionsbeklagte,
Prozessbevollmächtigte zu 1. und 2.: ..............................,
Pohligstraße 3, 50969 Köln,
Der 14. Senat des Bundessozialgerichts hat auf die mündliche Verhandlung vom 16. Dezember 2015 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. V o e l z k e , die Richter Prof. Dr. B e c k e r und Dr. F l i n t sowie die ehrenamtlichen Richterinnen R u l a n d und S c h u m m e r
Auf die zulässige Revision des Beklagten ist das Urteil des LSG vom 5.5.2014 aufzuheben und der Rechtsstreit zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an dieses Gericht zurückzuverweisen (§ 170 Abs 2 Satz 2 Sozialgerichtsgesetz [SGG]).
Durchgreifende Gründe, dieses völkerrechtliche Abkommen zwischen bestimmten Staaten, die zwar (mittlerweile) größtenteils zur EU gehören, auf die Staatsangehörigen auch anderer Mitgliedstaaten der EU auszudehnen (so wohl Eichenhofer in seiner Anmerkung zu dem Urteil des BSG vom 19.10.2010, aaO, SGb 2011, 458 ff [BSG 19.10.2010 - B 14 AS 23/10 R]), sind nicht zu erkennen. Im Übrigen ist die Anknüpfung an die Staatsangehörigkeit, auf die die dahin gehenden Überlegungen gestützt werden, ein typisches Merkmal völkerrechtlicher Verträge und in der Konsequenz müssten alle völkerrechtlichen Verträge, die Deutschland geschlossen hat, automatisch auch für alle in Deutschland lebenden EU-Ausländer gelten, was zB für die sozialrechtskoordinierenden Vorschriften innerhalb der EU erhebliche Probleme nach sich ziehen dürfte.
8. Mit EU-Recht ist dieser Leistungsausschluss der Klägerin zu 1 nach § 7 Abs 1 Satz 2 SGB II vereinbar, wie sich aus den Entscheidungen des EuGH vom 11.11.2014 (C-333/13 - Dano, NJW 2015, 145 ff [EuGH 11.11.2014 - C-333/13]) und vom 15.9.2015 (C-67/14 - Alimanovic, SGb 2015, 638 ff) ergibt. Auch wenn Arbeitslosengeld II und Sozialgeld nach dem SGB II als besondere beitragsunabhängige Geldleistungen iS des Art 70 VO Nr 883/2004/EG und als "Sozialhilfe" iS des Art 24 Abs 2 RL 2004/38/EG eingeordnet werden, stehen Art 24 Abs 1 iVm Art 7 Abs 1 Buchst b RL 2004/38/EG und Art 4 VO Nr 883/2004/EG der Regelung eines Mitgliedstaats nicht entgegen, nach der Staatsangehörige anderer Mitgliedstaaten vom Bezug dieser Leistungen ausgeschlossen werden, sofern diesen Staatsangehörigen im Aufnahmemitgliedstaat kein Aufenthaltsrecht nach der RL 2004/38/EG zusteht (EuGH Urteil vom 11.11.2014, aaO, RdNr 84). Gleiches gilt für Unionsbürger anderer EU-Staaten (einschließlich ihrer Familienangehörigen), die nach Deutschland eingereist sind, um Arbeit zu suchen, wenn sie nicht Arbeitnehmer oder Selbstständige sind oder ihnen dieser Status erhalten geblieben ist (EuGH Urteil vom 15.9.2015, aaO, RdNr 63).