Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/verguetungsanpassung-im-urheberrecht-369176
Timestamp: 2020-07-08 14:28:27
Document Index: 25585500

Matched Legal Cases: ['Art. 12', '§ 32', '§ 32', '§ 132', '§ 11', '§ 36', '§ 32', '§ 132', '§ 32', '§ 32', '§ 36', '§ 32', '§ 132', '§ 32', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art.19', 'Art. 2', 'Art. 12', 'Art. 12', '§ 32', '§ 32', '§ 32', 'Art. 14', 'Art.20', 'Art. 28', '§ 32', 'Art. 14', 'Art. 12', 'Art. 2', '§ 32', '§ 36', '§ 138', '§ 543', '§ 22', '§ 97', '§ 46', '§ 47', '§ 49', '§ 53', '§ 32', '§ 11', 'Art. 27', 'Art. 15', '§ 32', 'Art. 12', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 36', '§ 32', '§ 312', '§ 495', '§ 32', '§ 132', '§ 32', 'Art.20', '§ 132', '§ 32', '§ 132', '§ 32', '§ 32', '§ 132', '§ 32', '§ 132', '§ 32', '§ 32', 'Art. 14', 'Art. 3', 'Art.19', 'Art. 3', '§ 32', '§ 32', '§ 32', 'Art. 3', '§ 32', '§ 32', 'Art. 12', '§ 32', 'Art. 12', '§ 32', '§ 36', 'BGH', 'BGH', '§ 32', '§ 32', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 32', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Vergütungsanpassung im Urheberrecht | Rechtslupe
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat zwei Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs zur Ange­mes­sen­heit von Über­set­zer­ho­no­ra­ren im Ver­lags­we­sen zurück­ge­wie­sen. Weder die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen noch die maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten des Urhe­ber­rechts ver­sto­ßen dem­nach gegen das Grund­ge­setz:
Der Gesetz­ge­ber darf die durch Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­te Frei­heit, das Ent­gelt für beruf­li­che Leis­tun­gen ein­zel­ver­trag­lich zu ver­ein­ba­ren, durch zwin­gen­des Geset­zes­recht begren­zen, um sozia­len oder wirt­schaft­li­chen Ungleich­ge­wich­ten ent­ge­gen­zu­wir­ken.
Eine Rege­lung im Urhe­ber­recht, die einen Anspruch auf gericht­li­che Kon­trol­le der Ange­mes­sen­heit ver­trag­lich ver­ein­bar­ter Ver­gü­tun­gen für die Werk­nut­zung gewährt, ist mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.
Die gesetz­li­chen Neu­re­ge­lun­gen
Die Hono­rar­re­ge­lun­gen und die Berufs­frei­heit
Anwend­bar­keit der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung auf Alt­fäl­le
Die Rechts­an­wen­dung durch den Bun­des­ge­richts­hof
Die gesetz­li­chen Neu­re­ge­lun­gen[↑]
Der neu gefass­te § 32 UrhG gibt Urhe­bern die Mög­lich­keit, Ver­trä­ge über die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten und die Erlaub­nis zur Werk­nut­zung auf die Ange­mes­sen­heit der in ihnen ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung gericht­lich über­prü­fen zu las­sen. Grund­la­ge des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens waren ein Gesetz­ent­wurf der Frak­tio­nen von SPD und BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN [1] und ein gleich­lau­ten­der Regie­rungs­ent­wurf [2]. Danach soll­te in § 32 Abs. 1 UrhG n.F. ein gesetz­li­cher Anspruch des Urhe­bers "auf eine nach Art und Umfang der Werk­nut­zung ange­mes­se­ne Ver­gü­tung" gegen jeden Werk­nut­zer begrün­det wer­den. Als Über­gangs­re­ge­lung sah § 132 Abs. 3 Satz 2 UrhG in der Fas­sung des Ent­wurfs vor, dass der gesetz­li­che Ver­gü­tungs­an­spruch nur für Nut­zungs­hand­lun­gen nach Ver­kün­dung der Neu­re­ge­lung gel­ten soll­te, soweit die Rech­te­ein­räu­mung nicht mehr als zwan­zig Jah­re vor die­sem Zeit­punkt erfolgt war [3]. In der abge­än­der­ten Fas­sung des Rechts­aus­schus­ses [4] wur­de der Gesetz­ent­wurf vom Bun­des­tag nahe­zu ein­stim­mig ange­nom­men; der Bun­des­rat rief den Ver­mitt­lungs­aus­schuss nicht an. Die beschlos­se­ne Fas­sung führ­te statt eines gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­an­spruchs einen Anspruch des Urhe­bers gegen­über dem Werk­nut­zer auf Anhe­bung der ver­trag­li­chen Ver­gü­tung auf ein ange­mes­se­nes Maß ein und beschränk­te die Anwend­bar­keit der Neu­re­ge­lung in einer geän­der­ten Über­gangs­re­ge­lung.
Das Gesetz zur Stär­kung der ver­trag­li­chen Stel­lung von Urhe­bern und aus­üben­den Künst­lern vom 22. März 2002 [5] trat am 1. Juli 2002 in Kraft. Die für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren wesent­li­chen Neu­re­ge­lun­gen fin­den sich in den §§ 11, 32, 36 und 132 UrhG.
Der an Stel­le des § 36 UrhG a.F. neu ein­ge­füg­te § 32a UrhG räumt dem Urhe­ber einen ergän­zen­den Ver­gü­tungs­an­spruch ein, wenn sich auf­grund der fak­ti­schen Ent­wick­lung nach Ver­trags­schluss ein auf­fäl­li­ges Miss­ver­hält­nis zwi­schen der ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung und den Erträ­gen und Vor­tei­len des Werk­ver­werters aus der Nut­zung des Werks ergibt ("Best­sel­ler-Para­graph").
§ 132 UrhG ent­hält unter ande­rem eine Über­gangs­re­ge­lung für die Neu­fas­sung des § 32 UrhG, die eine Anwen­dung der am 1.07.2002 in Kraft getre­te­nen Neu­fas­sung des § 32 UrhG auf Ver­trags­schlüs­se ab dem 1.06.2001 bewirkt, also dem Zeit­punkt, zu dem der Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung dem Bun­des­rat zuge­lei­tet wor­den war [6].
Nach der Geset­zes­be­grün­dung beruht das Urhe­ber­recht auf dem Grund­ge­dan­ken, Urhe­ber ange­mes­sen an dem wirt­schaft­li­chen Nut­zen ihrer Arbeit und ihrer Wer­ke zu betei­li­gen (Betei­li­gungs­grund­satz). Die­ser Gedan­ke sei zum Teil umge­setzt, nicht aber dort, wo frei­be­ruf­li­chen Urhe­bern, etwa lite­ra­ri­schen Über­set­zern, struk­tu­rell über­le­ge­ne Ver­wer­ter gegen­über stün­den. Die Geset­zes­re­form stär­ke die Rechts­stel­lung der Urhe­ber als regel­mä­ßig schwä­che­rer Par­tei gegen­über den Ver­wer­tungs­un­ter­neh­men, indem sie einen Ord­nungs­rah­men schaf­fe, inner­halb des­sen die Par­tei­en eigen­ver­ant­wort­lich zu ange­mes­se­nen Abspra­chen kom­men könn­ten, die auch der hete­ro­ge­nen Struk­tur der Kul­tur­wirt­schaft, zum Bei­spiel für den Bereich der Klein­ver­la­ge, Rech­nung trü­gen [7].
Im Jahr 2005 einig­ten sich der Ver­band deut­scher Schrift­stel­ler in der Ver­ein­ten Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (ver.di) und eine Viel­zahl von Ver­la­gen gemäß § 36 UrhG auf "Gemein­sa­me Ver­gü­tungs­re­geln für Autoren bel­le­tris­ti­scher Wer­ke in deut­scher Spra­che" (im Fol­gen­den: Ver­gü­tungs­re­geln für Autoren). Dem­ge­gen­über schei­ter­te der Ver­such des Ver­bands deutsch­spra­chi­ger Über­set­zer lite­ra­ri­scher und wis­sen­schaft­li­cher Wer­ke e.V. und der deut­schen Ver­la­ge, Ver­gü­tungs­re­geln für die Hono­rie­rung von Über­set­zungs­leis­tun­gen auf­zu­stel­len [8].
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den rich­ten sich gegen eine im Jahr 2002 novel­lier­te Rege­lung im Urhe­ber­rechts­ge­setz sowie gegen zwei dar­auf beru­hen­de Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs zur Ange­mes­sen­heit von Über­set­zer­ho­no­ra­ren im Ver­lags­we­sen. Die Beschwer­de­füh­re­rin ist ein Hard­co­ver-Ver­lag.
§ 32 UrhG gibt Urhe­bern die Mög­lich­keit, Ver­trä­ge über die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten und die Erlaub­nis zur Werk­nut­zung gericht­lich auf die Ange­mes­sen­heit der ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung über­prü­fen zu las­sen. Soweit die ver­ein­bar­te Ver­gü­tung nicht ange­mes­sen ist, kann der Urhe­ber von sei­nem Ver­trags­part­ner die Ein­wil­li­gung in die Ände­rung des Ver­tra­ges ver­lan­gen, so dass dem Urhe­ber die ange­mes­se­ne Ver­gü­tung gewährt wird. Die­se Rege­lung trat zum 1.07.2002 in Kraft. § 132 Abs. 3 Satz 3 UrhG bestimm­te ergän­zend, dass die Rege­lung auch auf Ver­trä­ge anwend­bar ist, die seit dem 1.06.2001 und bis zum 30.06.2002 geschlos­sen wor­den sind, sofern von dem ein­ge­räum­ten Recht oder der Erlaub­nis nach dem 30.06.2002 Gebrauch gemacht wird.
Mit der Neu­re­ge­lung ver­folg­te der Gesetz­ge­ber das Ziel, die Rechts­stel­lung der Urhe­ber als regel­mä­ßig schwä­che­rer Par­tei gegen­über den Ver­wer­tungs­un­ter­neh­men zu stär­ken. Das Urhe­ber­recht beru­he auf dem Grund­ge­dan­ken, Urhe­ber ange­mes­sen an dem wirt­schaft­li­chen Nut­zen ihrer Arbeit und ihrer Wer­ke zu betei­li­gen. Die­ser Gedan­ke sei zum Teil umge­setzt, nicht aber dort, wo frei­be­ruf­li­chen Urhe­bern, etwa lite­ra­ri­schen Über­set­zern, struk­tu­rell über­le­ge­ne Ver­wer­ter gegen­über stün­den.
Der Klä­ger des ers­ten Aus­gangs­ver­fah­rens [9] über­setz­te auf­grund eines Ver­trags mit der Beschwer­de­füh­re­rin das Sach­buch "Dest­ruc­ti­ve Emo­ti­ons – Dia­log mit dem Dalai Lama". Die Ver­ein­ba­rung umfass­te ein Sei­ten­ho­no­rar von 19 € pro Norm­sei­te, ein pro­zen­tua­les Absatz­ho­no­rar bei Ver­kauf von mehr als 15.000 Exem­pla­ren und eine Betei­li­gung an Lizenz­erlö­sen aus der Ver­wer­tung von Neben­rech­ten. Die Beschwer­de­füh­re­rin bezahl­te rund 13.500 € an den Klä­ger. Des­sen Kla­ge auf Ver­trags­an­pas­sung blieb vor dem Land­ge­richt und dem Ober­lan­des­ge­richt erfolg­los. Der Bun­des­ge­richts­hof hob die­se Urtei­le teil­wei­se auf und ver­ur­teil­te die Beschwer­de­füh­re­rin dazu, in eine Anhe­bung der Absatz- und Neben­rechts­be­tei­li­gung ein­zu­wil­li­gen, Aus­kunft zu ertei­len und 6.841,22 € nach­zu­zah­len [10].
Der Klä­ger im zwei­ten Aus­gangs­ver­fah­ren [11] über­setz­te auf­grund eines Ver­trags mit der Beschwer­de­füh­re­rin vom Februar/​März 2002 den Roman "Drop City" von T. C. Boyle. Ver­ein­bart wur­den ein Sei­ten­ho­no­rar von 18,50 € pro Norm­sei­te, ein pro­zen­tua­les Absatz­ho­no­rar bei Ver­kauf von mehr als 20.000 Exem­pla­ren und eine Betei­li­gung an Lizenz­erlö­sen. Der Klä­ger erhielt rund 18.000 Euro von der Beschwer­de­füh­re­rin. Auch in die­sem Ver­fah­ren hob der Bun­des­ge­richts­hof klag­ab­wei­sen­de Urtei­le des Land­ge­richts und des Ober­lan­des­ge­richts teil­wei­se auf [12]. Er ver­ur­teil­te die Beschwer­de­füh­re­rin, in eine Anhe­bung der Absatz- und Neben­rechts­be­tei­li­gung ein­zu­wil­li­gen, Aus­kunft zu ertei­len und 13.073,04 € nach­zu­zah­len.
Die Hono­rar­re­ge­lun­gen und die Berufs­frei­heit[↑]
§ 32 Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 Satz 2 UrhG ist mit der Berufs­frei­heit (Art. 12 Abs. 1 GG) ver­ein­bar. Der Gesetz­ge­ber ist von Ver­fas­sungs wegen nicht gehin­dert, eine Rege­lung zu tref­fen, die den Urhe­bern einen Anspruch auf gericht­li­che Kon­trol­le der von ihnen geschlos­se­nen Ver­trä­ge auf die Ange­mes­sen­heit der ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung gewährt.
Die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen betref­fen die Berufs­frei­heit der Ver­wer­ter. Art. 12 Abs. 1 GG schützt die Frei­heit der Berufs­aus­übung als Grund­la­ge der per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Lebens­füh­rung. Das Grund­recht umschließt auch die Frei­heit, das Ent­gelt für beruf­li­che Leis­tun­gen ver­bind­lich aus­zu­han­deln [13]. Ver­gü­tungs­re­geln und hier­auf grün­den­de Ent­schei­dun­gen, die auf die Ein­nah­men, wel­che durch eine beruf­li­che Tätig­keit erzielt wer­den kön­nen, und damit auch auf die Exis­tenz­er­hal­tung von nicht uner­heb­li­chem Ein­fluss sind, beschrän­ken die Frei­heit der Berufs­aus­übung [14]. Auf den Schutz des Art. 12 Abs. 1 GG kann sich die Beschwer­de­füh­re­rin als juris­ti­sche Per­son gemäß Art.19 Abs. 3 GG beru­fen [15].
Die Ver­trags­frei­heit wird zwar auch durch das Grund­recht der all­ge­mei­nen Hand­lungs­frei­heit gemäß Art. 2 Abs. 1 GG geschützt [16]. Betrifft eine gesetz­li­che Rege­lung jedoch die Ver­trags­frei­heit – wie hier – gera­de im Bereich beruf­li­cher Betä­ti­gung, die ihren spe­zi­el­len Schutz in Art. 12 Abs. 1 GG gefun­den hat, tritt die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit als Prü­fungs­maß­stab zurück [17].
Der Gesetz­ge­ber darf die durch Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­te Frei­heit, das Ent­gelt für beruf­li­che Leis­tun­gen ein­zel­ver­trag­lich zu ver­ein­ba­ren, jedoch durch zwin­gen­des Geset­zes­recht begren­zen, um sozia­len oder wirt­schaft­li­chen Ungleich­ge­wich­ten ent­ge­gen­zu­wir­ken [18]. Wie auch bei sons­ti­gen pri­vat­recht­li­chen Rege­lun­gen, die der frei­en Ver­trags­ge­stal­tung Gren­zen set­zen, geht es bei pri­vat­recht­li­chen Preis­re­ge­lun­gen um den Aus­gleich wider­strei­ten­der Inter­es­sen [19]. Inso­weit han­delt es sich nicht um ein­sei­ti­ge Ein­grif­fe des Staa­tes in die Frei­heits­aus­übung Pri­va­ter, son­dern um einen Aus­gleich, bei dem die Frei­heit der einen mit der Frei­heit der ande­ren in Ein­klang zu brin­gen ist. Dabei kol­li­die­ren­de Grund­rechts­po­si­tio­nen sind hier­für in ihrer Wech­sel­wir­kung zu erfas­sen und – unter Berück­sich­ti­gung des sozi­al­staat­li­chen Auf­trags – nach dem Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz so in Aus­gleich zu brin­gen, dass sie für alle Betei­lig­ten mög­lichst weit­ge­hend wirk­sam wer­den [20].
Ent­spre­chend kann die hier­bei vor­zu­neh­men­de Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung und Abwä­gung nicht allein aus der Per­spek­ti­ve eines ein­zel­nen Grund­rechts vor­ge­nom­men wer­den, son­dern hat sich auf den Aus­gleich zwi­schen gleich­be­rech­tig­ten Grund­rechts­trä­gern zu bezie­hen. Will der Gesetz­ge­ber einen sol­chen Aus­gleich den Gerich­ten im Ein­zel­fall über­ant­wor­ten, genügt es, wenn die­se auf der Grund­la­ge der maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten die Mög­lich­keit haben, zu einer der Ver­fas­sung ent­spre­chen­den Zuord­nung der kol­li­die­ren­den Rechts­gü­ter zu gelan­gen [21].
Für die Her­stel­lung eines sol­chen Aus­gleichs ver­fügt der Gesetz­ge­ber über einen wei­ten Beur­tei­lungs- und Gestal­tungs­spiel­raum [22]. Die Ein­schät­zung der für die Kon­flikt­la­ge maß­geb­li­chen öko­no­mi­schen und sozia­len Rah­men­be­din­gun­gen liegt in sei­ner poli­ti­schen Ver­ant­wor­tung, eben­so die Vor­aus­schau auf die künf­ti­ge Ent­wick­lung und die Wir­kun­gen sei­ner Rege­lung. Das­sel­be gilt für die Bewer­tung der Inter­es­sen­la­ge, das heißt die Gewich­tung der ein­an­der ent­ge­gen­ste­hen­den Belan­ge und die Bestim­mung ihrer Schutz­be­dürf­tig­keit [23]. Der Gesetz­ge­ber ist nicht dar­an gehin­dert, jen­seits all­ge­mein-zivil­recht­li­cher Gene­ral­klau­seln spe­zi­el­le Schutz­me­cha­nis­men ein­zu­füh­ren, auch wenn er hier­zu nicht auf­grund des Ein­grei­fens grund­recht­li­cher Schutz­pflich­ten ange­hal­ten sein mag. Ins­be­son­de­re kann er durch spe­zi­el­le Schutz­vor­schrif­ten zuguns­ten des typi­scher­wei­se unter­le­ge­nen Ver­trags­teils einen stär­ke­ren Schutz vor­se­hen, als ihn die Gerich­te durch Anwen­dung der bestehen­den Gene­ral­klau­seln im kon­kre­ten Fall gewäh­ren könn­ten. Eine Grund­rechts­ver­let­zung kann in einer sol­chen Lage nur fest­ge­stellt wer­den, wenn eine Grund­rechts­po­si­ti­on den Inter­es­sen des ande­ren Ver­trags­part­ners in einer Wei­se unter­ge­ord­net wird, dass in Anbe­tracht der Bedeu­tung und Trag­wei­te des betrof­fe­nen Grund­rechts von einem ange­mes­se­nen Aus­gleich nicht mehr gespro­chen wer­den kann [24].
In der Rege­lung des § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG liegt kei­ne über­mä­ßi­ge Beein­träch­ti­gung der Berufs­frei­heit der Ver­wer­ter.
Die Rege­lung des § 32 UrhG soll die Inter­es­sen des Ver­werters – hier des beschwer­de­füh­ren­den Ver­lags – einer­seits und die Inter­es­sen des Urhe­bers ande­rer­seits dadurch in Ein­klang brin­gen, dass der Urhe­ber vom Ver­wer­ter eine ange­mes­se­ne Ver­gü­tung für die Ein­räu­mung der Nut­zungs­rech­te ver­lan­gen kann und das Recht erhält, die Ange­mes­sen­heit der Ver­gü­tung gericht­lich über­prü­fen zu las­sen. Bei der Rege­lung der Ver­gü­tung der Urhe­ber durch § 32 Abs. 1 UrhG steht der Berufs­frei­heit der Ver­wer­ter die eben­falls grund­recht­lich geschütz­te Ver­trags­frei­heit der Urhe­ber sowie deren Recht auf die Ver­wer­tung ihres geis­ti­gen Eigen­tums im Sin­ne von Art. 14 Abs. 1 GG gegen­über. Zu den kon­sti­tu­ie­ren­den Merk­ma­len des Urhe­ber­rechts als Eigen­tum im Sin­ne der Ver­fas­sung gehö­ren dabei die grund­sätz­li­che Zuord­nung des ver­mö­gens­wer­ten Ergeb­nis­ses der schöp­fe­ri­schen Leis­tung an den Urhe­ber im Wege pri­vat­recht­li­cher Nor­mie­rung sowie sei­ne Frei­heit, in eige­ner Ver­ant­wor­tung dar­über ver­fü­gen zu kön­nen [25].
Die vom Gesetz­ge­ber gewähl­te Lösung genügt den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen. Sie bringt die sich gegen­über­ste­hen­den Grund­rech­te in einen scho­nen­den Aus­gleich, der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­an­for­de­run­gen gerecht wird. Indem die­se Vor­schrif­ten sozia­len und wirt­schaft­li­chen Ungleich­ge­wich­ten ent­ge­gen­wir­ken, ver­wirk­li­chen sie zudem die objek­ti­ven Grund­ent­schei­dun­gen des Grund­rechts­ab­schnitts und damit zugleich das grund­ge­setz­li­che Sozi­al­staats­prin­zip aus Art.20 Abs. 1, Art. 28 Abs. 1 GG [26].
Der Gesetz­ge­ber hat den Inter­es­sen­kon­flikt zwi­schen Ver­wer­tern und Urhe­bern ange­sichts der gestör­ten Ver­trags­pa­ri­tät berech­tig­ter­wei­se für rege­lungs­be­dürf­tig gehal­ten.
§ 32 UrhG soll ins­be­son­de­re Urhe­bern mit schwa­cher Ver­hand­lungs­po­si­ti­on und nied­ri­gem Ein­kom­men hel­fen, ihr Urhe­ber­recht auch wirt­schaft­lich zu rea­li­sie­ren. Die Geset­zes­no­vel­le kann damit den Schutz­zweck des Art. 14 Abs. 1 GG und des Sozi­al­staats­prin­zips für sich in Anspruch neh­men [27]. Außer­dem erfor­dert der grund­recht­li­che Schutz der Pri­vat­au­to­no­mie aus Art. 12 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 GG, dass sich die in einem Ver­trags­schluss lie­gen­de Selbst­be­stim­mung nicht auf­grund des star­ken Über­ge­wichts einer Par­tei in Fremd­be­stim­mung der ande­ren Par­tei ver­kehrt [28].
Das Ver­hält­nis von Urhe­bern und Ver­wer­tern ist von gegen­sei­ti­ger Abhän­gig­keit geprägt [29], da die höchst­per­sön­li­chen Leis­tun­gen von Urhe­bern der Ver­mark­tung bedür­fen. Der Gesetz­ge­ber ist in nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se davon aus­ge­gan­gen, dass die ange­mes­se­ne Betei­li­gung der Urhe­ber am wirt­schaft­li­chen Nut­zen ihrer Arbeit und Wer­ke (Betei­li­gungs­grund­satz) nur teil­wei­se gewähr­leis­tet ist [30]. Urhe­ber stel­len nach der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs regel­mä­ßig die schwä­che­re Par­tei dar, ihre wirt­schaft­li­che Lage sei häu­fig schwie­rig. Frei­be­ruf­li­che lite­ra­ri­sche Über­set­zer erhiel­ten zumeist nur kärg­li­che Pau­schal­ho­no­ra­re. Man­che frei­be­ruf­lich täti­gen Urhe­ber befän­den sich in einer arbeit­neh­mer­ähn­li­chen Abhän­gig­keit von ihren Auf­trag­ge­bern. Auf der Sei­te der Ver­wer­ter agier­ten Unter­neh­men unter­schied­li­cher Grö­ße, dar­un­ter auch glo­bal han­deln­de Groß­un­ter­neh­men. Die für eine mehr­stu­fi­ge Ver­mark­tung erfor­der­li­chen Rech­te über­trü­gen die Urhe­ber häu­fig bereits im ers­ten Ver­trag, um des­sen Abschluss nicht zu gefähr­den; die Neben­rech­te wür­den dann häu­fig ohne ange­mes­se­ne Betei­li­gung der Urhe­ber ver­wer­tet [31].
Dem Gesetz­ge­ber kann nicht vor­ge­hal­ten wer­den, er hät­te das Vor­lie­gen struk­tu­rel­ler Ungleich­ge­wich­te zwi­schen Urhe­bern und Ver­wer­tern vor­ab durch eine recht­stat­säch­li­che Unter­su­chung wei­ter auf­klä­ren müs­sen [32]. Deut­li­che, eini­ge Jah­re vor der Novel­le auch recht­stat­säch­lich auf­ge­ar­bei­te­te Anzei­chen für sol­che Ungleich­ge­wich­te in Teil­be­rei­chen der Medi­en­wirt­schaft [33] und die Viel­zahl ein­schlä­gi­ger Stel­lung­nah­men aus inter­es­sier­ten Krei­sen und der Wis­sen­schaft [34] berei­te­ten dafür die Grund­la­ge.
Die gericht­li­che Ange­mes­sen­heits­kon­trol­le nach § 32 Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 Satz 2 UrhG ist ein geeig­ne­tes Mit­tel, um den vom Gesetz­ge­ber erstreb­ten Aus­gleich zu errei­chen.
Ein Mit­tel ist bereits dann im ver­fas­sungs­recht­li­chen Sin­ne geeig­net, wenn mit sei­ner Hil­fe der gewünsch­te Erfolg geför­dert wer­den kann, wobei die Mög­lich­keit der Zweck­er­rei­chung genügt. Auf dem Gebiet der Arbeitsmarkt‑, Sozi­al- und Wirt­schafts­ord­nung ver­fügt der Gesetz­ge­ber über einen beson­ders weit­ge­hen­den Ein­schät­zungs- und Pro­gno­se­spiel­raum [35]. Zu die­sem Gebiet zählt das Urhe­ber­ver­trags­recht jeden­falls inso­weit, als die Rege­lung – wie hier – in Berei­chen Anwen­dung fin­den soll, die teil­wei­se von arbeit­neh­mer­ähn­li­chen Abhän­gig­keits­ver­hält­nis­sen und struk­tu­rel­len Dis­pa­ri­tä­ten der Ver­trags­part­ner geprägt sind [36].
Es sind kei­ne gleich wirk­sa­men Mit­tel zur Errei­chung des ange­streb­ten Schut­zes der Urhe­ber ersicht­lich, mit denen eine wei­ter­ge­hen­de Scho­nung der Inter­es­sen der Ver­wer­ter ein­her­gin­ge.
Eine gesetz­li­che Rege­lung, die ein gericht­li­ches Ein­schrei­ten davon abhän­gig mach­te, ob im kon­kre­ten Fall eine erheb­lich unglei­che Ver­hand­lungs­po­si­ti­on und eine hier­auf beru­hen­de unge­wöhn­li­che Benach­tei­li­gung des Urhe­bers oder ein auf­fäl­li­ges Miss­ver­hält­nis besteht, könn­te das vom Gesetz­ge­ber ange­nom­me­ne struk­tu­rel­le Ungleich­ge­wicht zwi­schen Urhe­bern und Ver­wer­tern nicht in eben­so wirk­sa­mer Wei­se kor­ri­gie­ren; zudem wären die Urhe­ber mit dem im Ein­zel­fall schwer zu füh­ren­den Beweis einer "erheb­lich unglei­chen Ver­hand­lungs­po­si­ti­on" belas­tet.
Glei­ches gilt für die im Lau­fe des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens von Sei­ten der Ver­wer­ter­ver­bän­de vor­ge­schla­ge­ne "klei­ne Lösung", die auf einen weni­ger weit­ge­hen­den Schutz des Urhe­bers etwa im Rah­men des "Best­sel­ler-Para­gra­phen" in der frü­he­ren Fas­sung des § 36 UrhG oder durch die Anwen­dung von § 138 BGB ziel­te [37]. Mit der Reform beab­sich­tig­te der Gesetz­ge­ber nicht einen Schutz der Urhe­ber nur in Fäl­len eines kras­sen Miss­brauchs der Ver­hand­lungs­macht durch die Ver­wer­ter, son­dern eine gesetz­li­che Rege­lung, mit der sich hin­sicht­lich der Ver­gü­tung ein all­ge­mei­ner und umfas­sen­der Inter­es­sens­aus­gleich zwi­schen Urhe­bern und Werk­nut­zern her­stel­len lässt [38].
Die Rege­lung der gericht­li­chen Ange­mes­sen­heits­prü­fung von Urhe­ber­ver­gü­tun­gen bringt die Grund­rech­te der Betrof­fe­nen zu einem ange­mes­se­nen Aus­gleich.
Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der unbe­stimm­te Rechts­be­griff der "Ange­mes­sen­heit" der Aus­le­gung durch die Gerich­te über­ant­wor­tet ist.
Die Annah­me des Gesetz­ge­bers, die Gerichts­pra­xis wer­de in der Lage sein, den Begriff der Ange­mes­sen­heit unter Berück­sich­ti­gung der Ein­zel­fall­um­stän­de hin­rei­chend rechts­si­cher aus­zu­le­gen [39], kann nicht schon des­we­gen als wider­legt gel­ten, weil die Instanz­ge­rich­te im Vor­feld der "Tal­king to Addison"-Entscheidung des Bun­des­ge­richts­hofs unter­schied­li­che Ver­gü­tungs­mo­del­le favo­ri­siert haben. Es ist Auf­ga­be des Bun­des­ge­richts­hofs als höchs­tem Zivil­ge­richt, eine ein­heit­li­che Recht­spre­chung zu sichern (vgl. § 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 ZPO).
Der Begriff der ange­mes­se­nen Ver­gü­tung ist im Urhe­ber­recht auch nicht gänz­lich neu (vgl. § 22 Abs. 2 Ver­lagsG) [40]. Bei Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen und Ver­let­zun­gen ande­rer Schutz­rech­te ist in stän­di­ger Recht­spre­chung aner­kannt, dass Urhe­ber oder ander­wei­ti­ge Rech­te­inha­ber Scha­dens­er­satz in Höhe einer ange­mes­se­nen Lizenz­ge­bühr ver­lan­gen kön­nen [41] (vgl. nun­mehr § 97 Abs. 2 UrhG). Der Begriff der ange­mes­se­nen Ver­gü­tung wird dar­über hin­aus in zahl­rei­chen ande­ren urhe­ber­recht­li­chen Bestim­mun­gen auf­ge­grif­fen (sie­he nur § 46 Abs. 4, § 47 Abs. 2 Satz 2, § 49 Abs. 1 Satz 2, § 53a Abs. 2 UrhG). In § 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG und der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs fin­den sich zudem Anhalts­punk­te für die Aus­le­gung der Vor­schrift.
Die Grün­de, die den Gesetz­ge­ber zu der zur Prü­fung gestell­ten Rege­lung ver­an­lasst haben, haben erheb­li­ches Gewicht. Grund­ge­dan­ke des deut­schen Urhe­ber­rechts ist die ange­mes­se­ne Betei­li­gung der Urhe­ber am wirt­schaft­li­chen Nut­zen ihrer Wer­ke [42], was inzwi­schen in § 11 Satz 2 UrhG auch eine aus­drück­li­che gesetz­li­che Rege­lung gefun­den hat. Die grund­sätz­li­che Zuord­nung des ver­mö­gens­wer­ten Ergeb­nis­ses der schöp­fe­ri­schen Leis­tung an den Urhe­ber sowie die Frei­heit, in eige­ner Ver­ant­wor­tung dar­über ver­fü­gen und sei­ne Leis­tung wirt­schaft­lich zu ange­mes­se­nen Bedin­gun­gen ver­wer­ten zu kön­nen, genie­ßen den Schutz des Eigen­tums­grund­rechts; sie machen den grund­ge­setz­lich geschütz­ten Kern des Urhe­ber­rechts aus [43].
Der Anspruch des Urhe­bers auf eine ange­mes­se­ne Ver­gü­tung ist auch Gegen­stand völ­ker- und euro­pa­recht­li­cher Gewähr­leis­tun­gen. So ist bereits in Art. 27 der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rech­te ein Anspruch auf Schutz der ideel­len und Ver­mö­gens­in­ter­es­sen der Urhe­ber ver­an­kert, die sich aus ihrer wis­sen­schaft­li­chen, lite­ra­ri­schen oder künst­le­ri­schen Urhe­ber­schaft erge­ben. Der Inter­na­tio­na­le Pakt über wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Rech­te vom 19.12.1966 (Inter­na­tio­nal Covenant on Eco­no­mic, Social and Cul­tu­ral Rights) [44] ent­hält in Art. 15 Abs. 1 Buch­sta­be c das Recht, "den Schutz der geis­ti­gen und mate­ri­el­len Inter­es­sen zu genie­ßen, die (jedem) Urhe­ber von Wer­ken der Wis­sen­schaft, Lite­ra­tur oder Kunst erwach­sen". Der für die Aus­le­gung und die Anwen­dung des Pakts zustän­di­ge Aus­schuss lei­tet dar­aus die Not­wen­dig­keit der Erhal­tung eines ange­mes­se­nen Lebens­stan­dards für Autoren und eines adäqua­ten finan­zi­el­len Aus­gleichs für die Nut­zung geis­ti­gen Eigen­tums ab [45]. Die Erfor­der­lich­keit einer ange­mes­se­nen Ver­gü­tung fin­det sich auch in Erwä­gungs­grund 10 der Richt­li­nie 2001/​29/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 22.05.2001 zur Har­mo­ni­sie­rung bestimm­ter Aspek­te des Urhe­ber­rechts und der ver­wand­ten Schutz­rech­te in der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft [46].
Aller­dings wird durch die Rege­lung in § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG die Berufs­aus­übungs­frei­heit der Ver­wer­ter nicht uner­heb­lich beein­träch­tigt. Die Frei­heit, den Inhalt der Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­run­gen mit Urhe­bern aus­han­deln zu kön­nen, ist ein wesent­li­cher Bestand­teil der Berufs­aus­übung von Ver­wer­tern urhe­ber­recht­lich geschütz­ter Wer­ke, weil die­se Ver­trags­be­din­gun­gen ihren wirt­schaft­li­chen Erfolg mit­be­stim­men und damit für die durch Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­te, der Schaf­fung und Auf­recht­erhal­tung einer Lebens­grund­la­ge die­nen­de Tätig­keit kenn­zeich­nend sind [47]. Zugleich gehört die Ver­ein­ba­rung des geschul­de­ten Prei­ses für eine Leis­tung zum Kern der Pri­vat­au­to­no­mie und wird in der Regel dem Markt­me­cha­nis­mus über­las­sen. Grund­sätz­lich ist es daher nicht Auf­ga­be der Fach­ge­rich­te, ver­trag­lich fest­ge­leg­te Bewer­tungs- und Preis­fin­dungs­maß­stä­be dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob sie zu einem "ange­mes­se­nen" Preis füh­ren [48]. Von die­sem Grund­satz weicht der Gesetz­ge­ber hier ab und über­trägt den Zivil­ge­rich­ten die­se Auf­ga­be.
Zudem wird die Funk­ti­on eines Ver­trags, für bei­de Sei­ten Rechts- und Pla­nungs­si­cher­heit zu schaf­fen, beein­träch­tigt [49]. Ver­wer­ter kön­nen bis zum Ein­tritt der Ver­jäh­rung eines etwai­gen Anspruchs aus § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG nicht sicher sein, ob ihre Kal­ku­la­ti­ons­grund­la­ge, in die das Hono­rar für den Über­set­zer Ein­gang fin­det, Bestand hat. Ein durch eine nach­träg­li­che Ver­trags­än­de­rung bewirk­tes höhe­res Über­set­zer­ho­no­rar kann in aller Regel dann nicht mehr durch höhe­re Ein­nah­men oder gerin­ge­re Aus­ga­ben an ande­rer Stel­le auf­ge­fan­gen wer­den.
Bei einer Gesamt­be­trach­tung der durch die Rege­lung des § 32 Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 Satz 2 UrhG tan­gier­ten Inter­es­sen und Rechts­po­si­tio­nen steht die Beein­träch­ti­gung der Berufs­aus­übungs­frei­heit der Ver­wer­ter nicht außer Ver­hält­nis zu dem Schutz des Inter­es­ses der Urhe­ber an einer ange­mes­se­nen Betei­li­gung am wirt­schaft­li­chen Nut­zen ihrer Wer­ke. § 32 UrhG nimmt den Ver­wer­tern nicht jeg­li­chen Ver­hand­lungs­spiel­raum hin­sicht­lich Höhe und Moda­li­tä­ten der Urhe­ber­ver­gü­tung, son­dern schließt ledig­lich eine Aus­nut­zung ihrer Ver­hand­lungs­stär­ke durch Ver­ein­ba­rung einer unan­ge­mes­sen nied­ri­gen Ver­gü­tung aus [50].
Dabei han­delt es sich nicht um eine all­ge­mei­ne Beschrän­kung der Ver­trags­frei­heit im Wirt­schafts­le­ben, son­dern um eine Aus­nah­me­re­ge­lung für einen Bereich, in dem der Gesetz­ge­ber von einem typi­scher­wei­se bestehen­den Ver­hand­lungs­un­gleich­ge­wicht der Par­tei­en aus­ge­hen durf­te.
Die Mög­lich­keit der Fest­set­zung der ange­mes­se­nen Ver­gü­tung im Ein­zel­fall durch die Gerich­te lässt aus­rei­chen­den Spiel­raum für die Berück­sich­ti­gung der Inter­es­sen der Ver­wer­ter. Der Wort­laut von § 32 Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 Satz 2 UrhG for­dert inso­fern eine umfas­sen­de Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de, soweit sich die­se auf Art und Umfang der ein­ge­räum­ten Nut­zungs­mög­lich­keit aus­wir­ken [51]. Ein ver­fah­rens­recht­li­cher Schutz gegen unbe­rech­tig­te Ände­rungs­ver­lan­gen wird dadurch bewirkt, dass es dem Urhe­ber obliegt, die Vor­aus­set­zun­gen des Anspruchs auf eine Kor­rek­tur des Ver­trags dar­zu­le­gen und zu bewei­sen [52].
Dar­über hin­aus tra­gen auch die Mög­lich­keit, mit den Urhe­bern gemein­sa­me Ver­gü­tungs­re­geln im Sin­ne von § 36 UrhG auf­zu­stel­len, sowie die unwi­der­leg­li­che Ver­mu­tung der Ange­mes­sen­heit der dadurch fest­ge­leg­ten Ver­gü­tung [53] den Inter­es­sen der Ver­wer­ter Rech­nung. Dies ver­mag zwar die Ein­bu­ße an indi­vi­du­el­ler Frei­heit des ein­zel­nen Ver­werters nicht voll­stän­dig zu kom­pen­sie­ren [54], ange­sichts des wei­ten Gestal­tungs­spiel­raums des Gesetz­ge­bers stellt die gefun­de­ne Gesamt­re­ge­lung aber einen ange­mes­se­nen Aus­gleich der wider­strei­ten­den Inter­es­sen dar.
Von Ver­fas­sungs wegen ist nicht zu bean­stan­den, dass nur die Urhe­ber, nicht aber die Ver­wer­ter eine Ange­mes­sen­heits­kon­trol­le nach § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG errei­chen kön­nen. Die Vor­schrift soll eine typi­scher­wei­se bestehen­de struk­tu­rel­le Dis­pa­ri­tät kor­ri­gie­ren. Der Gesetz­ge­ber durf­te – bei gene­ra­li­sie­ren­der Betrach­tung des betref­fen­den Wirt­schafts­zweigs [55] – mit der ange­grif­fe­nen Vor­schrift typi­sie­rend auf das von ihm ange­nom­me­ne struk­tu­rel­le Ungleich­ge­wicht zwi­schen Urhe­bern und Ver­wer­tern in vie­len Berei­chen der Medi­en­land­schaft reagie­ren [56]. Da die­se Dis­pa­ri­tät nach der ver­tret­ba­ren Annah­me des Gesetz­ge­bers typi­scher­wei­se zu Las­ten der Urhe­ber geht [57], war der Gesetz­ge­ber nicht gehal­ten, auch eine zuguns­ten der Ver­wer­ter anwend­ba­re Preis­kon­trol­le vor­zu­se­hen. Schutz­me­cha­nis­men, die nur eine Par­tei begüns­ti­gen, sind dem Zivil­recht nicht fremd (vgl. § 312d Abs. 1 Satz 1 BGB; § 495 Abs. 1 BGB) [58]. Zudem schließt die Defi­ni­ti­on der Ange­mes­sen­heit in § 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG nicht aus, gege­be­nen­falls auch die Schutz­be­dürf­tig­keit von Unter­neh­men auf Ver­werter­sei­te im Rah­men der gericht­li­chen Ange­mes­sen­heits­prü­fung zu berück­sich­ti­gen [59].
Anwend­bar­keit der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung auf Alt­fäl­le[↑]
Soweit die Über­gangs­re­ge­lung des § 132 Abs. 3 Satz 3 UrhG anord­net, dass § 32 UrhG auch auf Ver­trä­ge anwend­bar ist, die vor Inkraft­tre­ten der Neu­re­ge­lung geschlos­sen wur­den, ver­stößt dies im hier zu ent­schei­den­den Fall nicht gegen das rechts­staat­li­che Rück­wir­kungs­ver­bot aus Art.20 Abs. 3 GG. Gemäß § 132 Abs. 3 Satz 3 UrhG fin­det § 32 UrhG auch auf Ver­trä­ge Anwen­dung, die zwi­schen dem 1. Juni 2001 und dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes am 1. Juli 2002 geschlos­sen wur­den, sofern von dem ein­ge­räum­ten Recht nach dem 30. Juni 2002 Gebrauch gemacht wur­de. Am Stich­tag des 1. Juni 2001 wur­de der Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung für die Neu­re­ge­lung an den Bun­des­rat über­sandt [6].
Die Fra­ge, ob die Rege­lung des § 132 Abs. 3 Satz 3 UrhG in der Aus­le­gung des Bun­des­ge­richts­hofs – der­zu­fol­ge § 32 UrhG bei vor dem 30. Juni 2002 geschlos­se­nen Ver­trä­gen auch auf Ver­wer­tungs­hand­lun­gen vor die­sem Datum Anwen­dung fin­det, wenn in der Zeit danach noch Ver­wer­tungs­hand­lun­gen statt­ge­fun­den haben [60] – eine ech­te Rück­wir­kung ent­fal­tet [61], bedarf hier kei­ner Ent­schei­dung, weil das über­setz­te Werk "Drop City" erst 2003 erschie­nen ist und auch die Taschen­buch­li­zen­zie­rung erst 2003 erfolg­te. Somit kön­nen im Streit­fall vor Inkraft­tre­ten von § 32 UrhG n.F. kei­ne ver­gü­tungs­aus­lö­sen­den Ver­käu­fe statt­ge­fun­den haben.
Nach den Maß­stä­ben zur Beur­tei­lung von Rege­lun­gen mit unech­ter Rück­wir­kung [62] ver­stößt § 132 Abs. 3 Satz 3 UrhG nicht gegen das rechts­staat­li­che Rück­wir­kungs­ver­bot. Abge­se­hen davon, dass die ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz­wür­dig­keit des Ver­trau­ens in die Anwend­bar­keit einer unan­ge­mes­sen nied­ri­gen Ver­gü­tungs­re­ge­lung bereits zwei­fel­haft ist, ist die gering­fü­gig belas­ten­de Rück­wir­kung der Berufs­aus­übungs­re­ge­lung des § 32 UrhG jeden­falls durch das mit ihr ver­folg­te gesetz­ge­be­ri­sche Ziel gerecht­fer­tigt [63].
Die durch § 132 Abs. 3 Satz 3 UrhG bewirk­te Rück­wir­kung soll ver­hin­dern, dass die Neu­re­ge­lung des § 32 UrhG erst in fer­ner Zukunft Wir­kung ent­fal­tet und Wer­ke, bei denen nach bereits geschlos­se­nen Ver­trä­gen kei­ne zusätz­li­che Ver­gü­tung zu zah­len wäre, mit jenen in Kon­kur­renz tre­ten, deren Nut­zungs­rech­te nach der Neu­re­ge­lung über­tra­gen wur­den [64].
Die dem § 32 Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 Satz 2 UrhG zugrun­de lie­gen­de Kon­zep­ti­on des Gesetz­ge­bers ist von aus­rei­chen­dem Gewicht, um auch die ange­ord­ne­te, sich über einen nur kur­zen Zeit­raum erstre­cken­de Rück­wir­kung der Neu­re­ge­lung zu recht­fer­ti­gen. Die Rege­lung ver­sagt Ver­gü­tungs­ab­re­den in Werk­ver­wer­tungs­ver­trä­gen den Schutz durch die Rechts­ord­nung, sofern sie in den 13 Mona­ten vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes (1. Juli 2002)) – also einem über­schau­ba­ren Zeit­raum – getrof­fen wur­den und den Urhe­ber als Ver­trags­part­ner unan­ge­mes­sen benach­tei­li­gen. Als Schöp­fer geis­ti­gen Eigen­tums (Art. 14 Abs. 1 GG) bedarf der Urhe­ber auch des Schut­zes gegen Klau­seln, die in frü­he­ren Ver­trä­gen die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten an sei­ner Schöp­fung ohne ange­mes­se­ne Ver­gü­tung vor­se­hen, zumal Nut­zungs­ver­trä­ge wegen der urhe­ber­recht­li­chen Schutz­dau­er regel­mä­ßig lang­jäh­ri­ge Aus­wir­kun­gen ent­fal­ten [65].
Die Rechts­an­wen­dung durch den Bun­des­ge­richts­hof[↑]
Die Geset­zes­aus­le­gung und ‑anwen­dung durch den Bun­des­ge­richts­hof in bei­den Urtei­len hält der ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Kon­trol­le stand. Das gilt im Hin­blick auf das Recht auf Gleich­be­hand­lung aus Art. 3 Abs. 1 GG, das vor­lie­gend in sei­ner Aus­prä­gung als Will­kür­ver­bot her­an­zu­zie­hen ist, im Hin­blick auf die Wett­be­werbs­frei­heit sowie auf die Gren­zen rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung. Auf die ent­spre­chen­den Grund­rech­te kann sich die Beschwer­de­füh­re­rin nach Art.19 Abs. 3 GG beru­fen.
Die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs ver­let­zen die Beschwer­de­füh­re­rin nicht durch objek­tiv will­kür­li­che Rechts­an­wen­dung in ihrem Recht aus Art. 3 Abs. 1 GG.
Regel­mä­ßig ist es nicht Sache des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, den Zivil­ge­rich­ten vor­zu­ge­ben, wie sie im Ergeb­nis zu ent­schei­den haben [36]. Die Schwel­le eines Ver­sto­ßes gegen Ver­fas­sungs­recht, den das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu kor­ri­gie­ren hat, ist erst erreicht, wenn die Aus­le­gung der Zivil­ge­rich­te Feh­ler erken­nen lässt, die auf einer grund­sätz­lich unrich­ti­gen Anschau­ung von der Bedeu­tung der betrof­fe­nen Grund­rech­te beru­hen und auch in ihrer mate­ri­el­len Bedeu­tung für den kon­kre­ten Rechts­fall von eini­gem Gewicht sind, ins­be­son­de­re weil dar­un­ter die Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Rechts­po­si­tio­nen im Rah­men der pri­vat­recht­li­chen Rege­lung lei­det [66].
Nach die­sem Maß­stab begeg­net es kei­nen Beden­ken, dass der Bun­des­ge­richts­hof nicht die "Mit­tel­stands­emp­feh­lun­gen" des Über­set­zer­ver­bands, son­dern die Ver­gü­tungs­re­geln für Autoren als Ori­en­tie­rungs­hil­fe zur Bemes­sung der ange­mes­se­nen Ver­gü­tung im Sin­ne von § 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG her­an­ge­zo­gen hat [67]. Aus dem Umstand allein, dass die Ver­gü­tungs­re­geln für Autoren erst knapp drei Jah­re nach dem Abschluss des streit­ge­gen­ständ­li­chen Ver­trags in Kraft tra­ten, lässt sich ihre Unge­eig­net­heit als Ori­en­tie­rungs­hil­fe für frü­her abge­schlos­se­ne Ver­trä­ge nicht ablei­ten, zumal kei­ne Anhalts­punk­te vor­lie­gen, dass zwi­schen 2002 und 2005 nen­nens­wer­te Hono­rar­stei­ge­run­gen erfolg­ten. Die Mit­tel­stands­emp­feh­lun­gen beruh­ten dem­ge­gen­über auf einer frü­he­ren, von § 32 UrhG gera­de modi­fi­zier­ten Rechts­la­ge.
Eben­falls ohne Ver­fas­sungs­ver­stoß durf­te der Bun­des­ge­richts­hof zwi­schen dem Sei­ten­ho­no­rar einer­seits sowie der nach § 32 UrhG geschul­de­ten Ver­gü­tung für die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten und die Erlaub­nis der Werk­nut­zung ande­rer­seits dif­fe­ren­zie­ren. Das Modell des Bun­des­ge­richts­hofs zur Berech­nung der Absatz­be­tei­li­gung ist jeden­falls eben­so ver­tret­bar wie das von der Beschwer­de­füh­re­rin ver­tre­te­ne Modell einer Gesamt­schau der bei­den Kom­po­nen­ten. Der Bun­des­ge­richts­hof trägt dabei ins­be­son­de­re dem Umstand Rech­nung, dass das nicht rück­zahl­ba­re, nach Norm­sei­ten berech­ne­te Hono­rar des Über­set­zers im Wesent­li­chen Werk­lohn­cha­rak­ter hat [68].
Nicht objek­tiv will­kür­lich im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 GG ist auch die Anknüp­fung des Über­set­zer­an­teils an den Anteil des aus­län­di­schen Autors bei der Betei­li­gung an den Erlö­sen aus der Neben­rechts­ver­ga­be.
Der Bun­des­ge­richts­hof geht von dem Grund­satz aus, die Über­set­zer­ver­gü­tung sei auf ein Fünf­tel der Ver­gü­tung des Autors zu ermä­ßi­gen, greift aber als Berech­nungs­grund­la­ge nicht auf die (hypo­the­tisch) nach den Ver­gü­tungs­re­geln für Autoren geschul­de­te Ver­gü­tung eines deutsch­spra­chi­gen Autors zurück, son­dern auf die tat­säch­li­che Betei­li­gung des fremd­spra­chi­gen Autors. Dies begeg­net kei­nen grund­recht­li­chen Beden­ken. Das gilt im Ergeb­nis auch für das bei der Bestim­mung der Neben­rechts­be­tei­li­gung in den Urtei­len des Bun­des­ge­richts­hofs zugrun­de geleg­te Ver­ständ­nis des Begriffs "Autoren­an­teil".
Unter "Autoren­an­teil", von dem der Über­set­zer grund­sätz­lich ein Fünf­tel erhält, ver­steht der Bun­des­ge­richts­hof in bei­den Urtei­len den Anteil an den Neben­rechts­er­lö­sen, den die Beschwer­de­füh­re­rin ins­ge­samt zum Erwerb der Neben­rech­te vom Ori­gi­nal­au­tor auf­zu­wen­den hat. Die Berech­nung des Bun­des­ge­richts­hofs läuft dar­auf hin­aus, den Über­set­zer zusätz­lich auch mit einem Fünf­tel der Ver­gü­tung des aus­län­di­schen Ver­lags und des oder der Agen­ten am Taschen­buch­li­zenz­erlös zu betei­li­gen. Damit maß der Bun­des­ge­richts­hof dem Begriff des Autoren­an­teils die glei­che wei­te Bedeu­tung zu wie die Par­tei­en im Aus­gangs­ver­fah­ren, wel­che die Antei­le für Agen­ten und Ver­lag ein­schloss.
An die­ser Bewer­tung ändern die Beschlüs­se über die Zurück­wei­sung der Anhö­rungs­rü­gen nichts. In die­sen führ­te der Bun­des­ge­richts­hof aus, das als über­gan­gen gerüg­te Vor­brin­gen der Beschwer­de­füh­re­rin zu dem enge­ren Ver­ständ­nis des Begriffs "Autoren­an­teil" sei nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich für die Ver­ur­tei­lung zur Ein­wil­li­gung in die Ver­trags­än­de­rung, da im Tenor inso­fern nur vom "Autoren­an­teil" die Rede sei. Die­se Fest­stel­lung ist nur dann nach­voll­zieh­bar, wenn dem Begriff des Autoren­an­teils in den Beschlüs­sen über die Anhö­rungs­rü­gen das von der Beschwer­de­füh­re­rin ver­tre­te­ne enge­re Ver­ständ­nis, nach dem der an Agen­ten und den aus­län­di­schen Ver­lag abzu­füh­ren­de Anteil nicht ein­zu­be­zie­hen ist, zugrun­de gelegt wird.
Legt man die Berech­nung des Autoren­an­teils für den ten­orier­ten Zah­lungs­an­spruch dage­gen nach der ursprüng­li­chen Urteils­be­grün­dung aus [69], muss der Autoren­an­teil im Sin­ne eines ein­heit­li­chen Begriffs­ver­ständ­nis­ses auch bei der Ein­wil­li­gung in die Ver­trags­än­de­rung so ver­stan­den wer­den, dass er auch den Anteil des Agen­ten und des aus­län­di­schen Ver­lags ein­schließt. Danach war das ent­spre­chen­de Vor­brin­gen der Beschwer­de­füh­re­rin in den Anhö­rungs­rü­gen durch­aus ent­schei­dungs­er­heb­lich. Ob die­ses Vor­ge­hen des Bun­des­ge­richts­hofs will­kür­lich war, ist vor­lie­gend jedoch nicht zu prü­fen, da die Beschwer­de­füh­re­rin nur das wei­te Ver­ständ­nis des Begriffs "Autoren­an­teil" in den Urtei­len angreift, nicht aber einen Will­kür­ver­stoß durch die Beschlüs­se über die Anhö­rungs­rü­gen gel­tend macht.
Es wird Auf­ga­be der Fach­ge­rich­te sein, den Umfang des Autoren­an­teils unter Berück­sich­ti­gung der Anhö­rungs­rü­ge­be­schlüs­se des Bun­des­ge­richts­hofs näher zu bestim­men. Dabei erscheint es jeden­falls ver­tret­bar, neben der dem Ori­gi­nal­au­tor zuflie­ßen­den Ver­gü­tung auch die Antei­le von Agen­ten mit­ein­zu­be­zie­hen, derer sich der Ori­gi­nal­au­tor bedient. Denn auch die Absatz­ver­gü­tung des Über­set­zers ori­en­tiert sich all­ge­mein an der Ver­gü­tung des Autors, selbst wenn die­ser einen Agen­ten ein­be­zo­gen hat und einen Teil der Ver­gü­tung an ihn abfüh­ren muss. Die­se Wer­tung trifft aber auf die Berück­sich­ti­gung des an den aus­län­di­schen Ver­lag abzu­füh­ren­den Anteils nicht in glei­cher Wei­se zu.
Die Aus­le­gung von § 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG durch den Bun­des­ge­richts­hof ist auch inso­fern nicht objek­tiv will­kür­lich, als sie mit­tel­bar eine Ungleich­be­hand­lung von rei­nen Hard­co­ver­ver­la­gen gegen­über soge­nann­ten Kon­zern­ver­la­gen bewirkt, die selbst in der Lage sind, eine Taschen­buch­aus­ga­be zu publi­zie­ren. Zwar haben die unter­schied­li­chen Berech­nungs­mo­del­le für die Absatz- und die Neben­rechts­be­tei­li­gung nach den Berech­nun­gen der Beschwer­de­füh­re­rin zur Fol­ge, dass sie auf­grund der Fremd­ver­ga­be der Taschen­buch­rech­te unge­fähr das Dop­pel­te im Ver­gleich zu einer eige­nen Taschen­buch­aus­ga­be mit dem glei­chen Laden­preis für die Über­set­zung zah­len muss. Die dadurch bewirk­te Ungleich­be­hand­lung von rei­nen Hard­co­ver- und Kon­zern­ver­la­gen bei der Ver­mark­tung von Taschen­buch­aus­ga­ben kann aber jeden­falls mit der unter­schied­li­chen Risi­ko­tra­gung gerecht­fer­tigt wer­den. Ein Hard­co­ver­ver­lag erhält Ein­nah­men aus der Lizen­zie­rung von Taschen­buch­rech­ten ohne wirt­schaft­li­ches Risi­ko und ohne eige­ne Inves­ti­tio­nen. Dage­gen trägt ein Kon­zern­ver­lag bei der Her­aus­ga­be einer eige­nen Taschen­buch­aus­ga­be das wirt­schaft­li­che Risi­ko.
Soweit die Beschwer­de­füh­re­rin meint, die im Ver­hält­nis zur Autoren­ver­gü­tung teil­wei­se weit über ein Fünf­tel hin­aus­ge­hen­de Gesamt­ver­gü­tung der Klä­ger zei­ge die Unan­ge­mes­sen­heit der Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs, ist dar­an zu erin­nern, dass es bei der Bestim­mung der ange­mes­se­nen Ver­gü­tung allein auf den Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses ankommt [70]. Da sich die tat­säch­li­che Ver­gü­tung anders ent­wi­ckeln kann, als von den Par­tei­en bei Ver­trags­schluss erwar­tet, bil­det sie regel­mä­ßig kei­nen taug­li­chen Maß­stab für die nach­träg­li­che Kor­rek­tur von Ver­gü­tungs­ab­re­den. Hin­zu kommt, dass Bezugs­punkt für einen Ver­gleich der Über­set­zer­ver­gü­tung mit der Autoren­ver­gü­tung anhand der Fünf­tel­re­ge­lung ohne­hin nicht das tat­säch­lich gezahl­te Auto­ren­ho­no­rar sein könn­te, son­dern allen­falls ein gemäß den Vor­ga­ben des § 32 Abs. 2 UrhG ange­mes­se­nes Auto­ren­ho­no­rar. Zu der Fra­ge, ob die in den vor­lie­gen­den Sach­ver­hal­ten aus­be­zahl­ten Auto­ren­ho­no­ra­re ange­mes­sen waren, trägt die Beschwer­de­füh­re­rin jedoch nichts vor.
Die Rüge einer Ver­let­zung der Wett­be­werbs­frei­heit (Art. 12 Abs. 1 GG) der Hard­co­ver- gegen­über Kon­zern­ver­la­gen ist unbe­grün­det. Zwar mag die Rege­lung des § 32 UrhG die Wett­be­werbs­si­tua­ti­on der Beschwer­de­füh­re­rin beein­flus­sen. Hier­bei han­delt es sich aber ledig­lich um fak­tisch-mit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen, die den Schutz­be­reich von Art. 12 Abs. 1 GG nicht berüh­ren [71].
Schließ­lich liegt kei­ne unzu­läs­si­ge Rechts­fort­bil­dung durch den Bun­des­ge­richts­hof vor. Dies wäre ledig­lich der Fall, wenn die Aus­le­gung den kla­ren Wort­laut des Geset­zes hint­an­stellt, kei­nen Wider­hall im Gesetz fin­det und vom Gesetz­ge­ber nicht aus­drück­lich oder – bei Vor­lie­gen einer erkenn­bar plan­wid­ri­gen Geset­zes­lü­cke – still­schwei­gend gebil­ligt wird [72]. Der Gesetz­ge­ber hat jedoch mit § 32 Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 Satz 2 UrhG den Gerich­ten die Auf­ga­be über­tra­gen, in Erman­ge­lung gemein­sa­mer Ver­gü­tungs­re­geln im Sin­ne von § 36 UrhG eine dem Ein­zel­fall ange­mes­se­ne Ver­gü­tung zu ermit­teln. Die Aus­fül­lung des unbe­stimm­ten Rechts­be­griffs der Ange­mes­sen­heit obliegt den Fach­ge­rich­ten. Dass sich der Bun­des­ge­richts­hof dabei dem Sinn und Zweck des Geset­zes ent­zo­gen hät­te, ist für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht ersicht­lich.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 23. Okto­ber 2013 – 1 BvR 1842/​11 und 1 BvR 1843/​11
BT-Drs. 14/​6433[↩]
BT-Drs. 14/​7564[↩]
BT-Drs. 14/​6433, S. 6, 20[↩]
BT-Drs. 14/​8058[↩]
BGBl I S. 1155[↩]
vgl. BT-Drs. 14/​8058, S. 22[↩][↩]
BT-Drs. 14/​6433, S. 7-12[↩]
vgl. näher von Rom, Der Schutz des Über­set­zers im Urhe­ber­recht, 2007, S. 128 f.[↩]
1 BvR 1843/​11[↩]
BGH, Urteil vom 20.01.2011 – I ZR 19/​09[↩]
1 BvR 1842/​11[↩]
BGH, Urteil vom 20.01.2011 – I ZR 20/​09 -[↩]
vgl. BVerfGE 101, 331, 347; 117, 163, 181 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 101, 331, 347[↩]
vgl. BVerfGE 106, 275, 298 m.w.N.; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 65, 196, 210; 74, 129, 151 f.[↩]
vgl. BVerfGE 68, 193, 223 f.; 77, 84, 118; 95, 173, 188; 116, 202, 221[↩]
vgl. BVerfGE 81, 242, 255[↩]
vgl. BVerfGE 89, 214, 232; 97, 169, 176; 129, 78, 101 f.[↩]
vgl. BVerfGE 115, 205, 235[↩]
vgl. BVerfGE 97, 169, 176; 129, 78, 101[↩]
vgl. BVerfGE 81, 242, 255; 97, 169, 176 f.[↩]
vgl. BVerfGE 97, 169, 176 f.[↩]
vgl. BVerfGE 8, 274, 329; 81, 242, 255[↩]
vgl. Dietz, IIC 2002, S. 828, 832; Loe­wen­heim, in: Schricker/​ders., Urhe­ber­recht, 4. Aufl.2010, Ein­lei­tung Rn. 14[↩]
vgl. BVerfGE 81, 242, 255; 89, 214, 232; 103, 89, 100 f.[↩]
vgl. Bay­reu­ther, UFITA 2002, S. 623, 632 f.[↩]
vgl. BT-Drs. 14/​6433, S. 7 ff.; vgl. auch Voß, Der Anspruch des Urhe­bers auf die ange­mes­se­ne Ver­gü­tung und die wei­te­re ange­mes­se­ne Betei­li­gung, 2005, S. 11 ff. m.w.N.; Wandtke/​Grunert, in: Wandtke/​Bullinger, Pra­xis­kom­men­tar zum Urhe­ber­recht, 3. Aufl.2009, § 32 Rn. 30 m.w.N.; Nies/​Rehberg, Zur Hono­rar- und Ein­kom­mens­si­tua­ti­on der Über­set­ze­rin­nen und Über­set­zer, Stu­die des Insti­tuts für Medi­en­for­schung und Urba­nis­tik e.V. im Auf­trag des Ver­bands deutsch­spra­chi­ger Über­set­zer lite­ra­ri­scher und wis­sen­schaft­li­cher Wer­ke e.V., Juni 2004, S. 8 ff.[↩]
vgl. BT-Drs. 14/​6433, S. 9 f.[↩]
so aber Gounala­kis, in: ders./Heinze/Dörr, Urhe­ber­ver­trags­recht. Ver­fas­sungs- und euro­pa­recht­li­che Bewer­tung des Ent­wurfs der Bun­des­re­gie­rung vom 30.05.2001, 2001, S. 97 – 105[↩]
vgl. Voß, a.a.O., S. 13 m.w.N.; vgl. auch Bay­reu­ther, a.a.O., S. 641; von Rom, a.a.O., S. 140[↩]
vgl. BT-Drs. 14/​6433, S. 7 f.[↩]
vgl. BVerfGE 63, 88, 115; 67, 157, 175; 96, 10, 23; 103, 293, 307[↩]
vgl. BVerfGE 129, 78, 102[↩][↩]
vgl. auch Bay­reu­ther, a.a.O., S. 644 ff.; Grzes­zick, AfP 2002, S. 383, 387 f.[↩]
vgl. BT-Drs. 14/​6433, S. 8; Schlink/​Poscher, Ver­fas­sungs­fra­gen der Reform des Urhe­ber­ver­trags­rechts, S. 43 (Janu­ar 2002) [↩]
vgl. Gounala­kis, a.a.O., S. 62 ff., 63; skep­tisch Schricker/​Haedicke, in: Schricker/​Loewenheim, a.a.O., § 32 Rn. 29[↩]
Schlink/​Poscher, a.a.O., S. 31[↩]
sie­he nur BGH, Urteil vom 30.05.1995 – X ZR 54/​93, GRUR 1995, S. 578 f.[↩]
vgl. BGHZ 11, 135, 143; 17, 266, 282; 141, 13, 35[↩]
vgl. BVerfGE 31, 229, 240 f.; 79, 1, 25; 129, 78, 101; zur frü­he­ren natur­recht­li­chen Begrün­dung vgl. BGHZ 17, 266, 278 – Magnet­ton­band[↩]
UNTS 993, S. 3, BGBl 1973 II S. 1570[↩]
vgl. Com­mit­tee on Eco­no­mic, Social and Cul­tu­ral Rights, Gene­ral Com­ment No. 17 (2005), 35th ses­si­on, UN Doc E/C.12/GC/17 (2006), Zif­fern 23 f.[↩]
ABl Nr. L 167 vom 22.06.2001, S. 10[↩]
vgl. BVerfGE 116, 202, 226[↩]
vgl. BGHZ 143, 128, 140[↩]
vgl. Ory, AfP 2006, S. 9, 12; Rit­gen, JZ 2002, S. 114, 120[↩]
vgl. Schlink/​Poscher, a.a.O., S. 45[↩]
vgl. BGHZ 182, 337, 358 f.[↩]
vgl. nur Kott­hoff, in: Dreyer/​Kotthoff/​Meckel, Urhe­ber­recht, 3. Aufl.2013, § 32 Rn. 13 m.w.N.[↩]
vgl. BT-Drs. 14/​8058, S. 18[↩]
vgl. Grzes­zick, a.a.O., S. 385[↩]
vgl. BVerfGE 68, 193, 219; 70, 1, 30[↩]
vgl. BVerfGE 75, 108, 159; zur Typi­sie­rungs­be­fug­nis des Gesetz­ge­bers unter Gleich­heits­aspek­ten BVerfGE 100, 138, 174; 103, 310, 319; 112, 268, 280[↩]
vgl. BT-Drs. 14/​6433, S. 7 ff.[↩]
zum arbeits­recht­li­chen Kün­di­gungs­schutz s. BVerfGE 97, 169, 176 ff.[↩]
vgl. BT-Drs. 14/​6433, S. 8 f.[↩]
vgl. BGHZ 182, 337, 344 f.; BGH, Urteil vom 20.01.2011 – I ZR 20/​09, "Drop City", ZUM 2011, S. 403, 405[↩]
zur Unter­schei­dung vgl. BVerfGE 98, 17, 39; 101, 239, 263; 132, 302, 318 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 95, 64, 86; 101, 239, 263; 122, 374, 394 f.; 132, 302, 318[↩]
vgl. BVerfGE 123, 186, 261[↩]
vgl. BT-Drs. 14/​6433, S.19 f.[↩]
vgl. BT-Drs. 14/​7564, S. 13[↩]
vgl. BVerfGE 89, 1, 9 f.; 95, 28, 37; 97, 391, 401; 112, 332, 358 f.; 129, 78, 102[↩]
vgl. auch BT-Drs. 14/​8058, S. 18[↩]
vgl. Ber­ger, ZUM 2003, S. 521, 522; Czy­chow­ski, GRUR 2010, S. 793, 794; Jacobs, GRUR 2011, S. 306, 307; Wandt­ke, NJW 2010, S. 777[↩]
vgl. BGHZ 122, 16, 18; 142, 388, 391[↩]
vgl. BGHZ 182, 337, 345[↩]
vgl. BVerfGE 105, 252, 273; 105, 279, 303; 116, 135, 153[↩]
vgl. BVerfGE 128, 193, 209 ff. m.w.N.[↩]
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