Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=07.01.2008&Aktenzeichen=II%20ZR%20229/05
Timestamp: 2019-04-20 15:18:33
Document Index: 357505452

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 57', '§ 71', '§ 826', '§ 823', '§ 399', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 826', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 826', 'BGH']

BGH, 07.01.2008 - II ZR 229/05 - dejure.org
Verstoß gegen den lauteren Rechtsverkehr auf dem Kapitalmarkt durch vorsätzliche unlautere Beeinflussung des Kapitalmarktpublikums durch Mitteilung grob unrichtiger Unternehmenskennzahlen; Ursächlichkeit von zur Täuschung des Börsenpublikums in einen Verkaufsprospekt aufgenommene und überwiegend frei erfundene Unternehmenszahlen für eine Kaufentscheidung; Nachweis der konkreten haftungsbegründenden Kausalität für eine Willensentschließung zum Kauf i. R. d. Überprüfung eines Schadensersatzanspruchs; Anforderungen an die haftungsbegründende Kausalität im Rahmen der Fallgruppe der sog. Informationsdeliktshaftung; Schutz der Integrität der Willensentschließung eines potentiellen Anlegers vor einer unlauteren irreführenden Beeinträchtigung durch falsche Prospekt-Publizität oder Adhoc-Publizität; Prospekthaftung bei ursächlichem Zusammenhang zwischen einem fehlerhaften Prospekt und einem Erwerb von Wertpapieren
Haftung wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung durch fehlerhaften Prospekt oder Ad-hoc-Meldung nur bei Kausalität für Anlageentschluss ("Comroad VI")
Enttäuschtes allgemeines Anlegervertrauen weder im Rahmen der Informationsdeliktshaftung noch im Bereich des Primärmarkts ausreichend für den Nachweis seiner Kausalität für den Kaufentschluss des getäuschten Anlegers ("ComROAD VI")
"ComROAD VI"; Anforderungen an den Nachweis der Kausalität fehlerhafter Ad-hoc-Publizität für den Willensentschluss des Anlegers
Schadensrecht - Informationsdeliktshaftung wegen fehlerhafter Ad-hoc-Publizität
Beweislast bei Aktienkauf bei extrem unseriöser ad hoc Mitteilung
Prospekthaftung: Kausalitätsnachweis auch bei extrem unseriösen fehlerhaften ad-hoc Meldungen oder sonstiger Kapitalmarktinformation
Anleger müssen bei grob falschen Kapitalmarktinformationen Ursächlichkeit für Kaufentschluss nachweisen
Beweislast bei Aktienkauf für den konkreten Kaufentscheid selbst bei extrem unseriöser "ad hoc Mitteilung"
Fehlerhafte Ad-hoc-Publizität; Verkaufsprospekthaftung; Informationsdeliktshaftung
Haftung bei fehlerhaftem Prospekt oder fehlerhafter Adhoc-Meldung nur bei Kausalität für den Anlageentschluss (Dr. Martin Imhof)
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 07.01.2008, Az.: II ZR 229/05 (Auch im Bereich des Primärmarktes ist der Nachweis der Kausalität der falschen Prospektangaben für den Aktienerwerb zu führen)" von Rechtsanwältin Sylvia Wünsche, original erschienen in: BB 2008, 691 - 692.
LG Frankfurt/Main - 7 O 52/02 BGH - II ZR 229/05
LG Frankfurt/Main, 21.07.2003 - 7 O 52/02
VersR 2008, 1366
WM 2008, 395
BB 2008, 688
DB 2008, 635
NZG 2008, 382
Dabei ist - wie der Senat bereits durch Urteil vom 9. Mai 2005 (II ZR 287/02, ZIP 2005, 1270, 1272 f. - EM.TV) entschieden hat - die Naturalrestitution als Form des Schadensausgleichs nicht durch die besonderen aktienrechtlichen Gläubigerschutzvorschriften über das Verbot der Einlagenrückgewähr (§ 57 AktG) und das Verbot des Erwerbs eigener Aktien (§ 71 AktG) begrenzt oder gar ausgeschlossen; die hiergegen gerichtete Kritik der Revision der Beklagten zu 1 gibt dem Senat zu einer Änderung seiner Rechtsprechung keine Veranlassung (vgl. dazu schon: Sen.Beschl. v. 28. November 2005 - II ZR 80/04, ZIP 2007, 681 Tz. 3 - ComROAD I; v. 26. Juni 2006 - II ZR 153/05, ZIP 2007, 326, 327 Tz. 9 - ComROAD III;… Urt. v. 4. Juni 2007 - II ZR 147/05, ZIP 2007, 1560, 1561 Tz. 11 - ComROAD IV; Urt. v. 7. Januar 2008 - II ZR 229/05 und - II ZR 68/06, ZIP 2008, 407 ff. und 410 ff., jeweils Tz. 11 - ComROAD VI und VII).
Geschützt wird sowohl im Bereich des Primärmarktes der sog. Verkaufsprospekthaftung als auch bei der den Sekundärmarkt betreffenden Informationsdeliktshaftung für fehlerhafte Ad-hoc-Mitteilungen die Integrität der Willensentschließung des potentiellen Anlegers vor einer unlauteren irreführenden Beeinträchtigung durch falsche Prospekt- oder Ad-hoc-Publizität (…Sen.Urt. v. 4. Juni 2007 - II ZR 147/05, ZIP 2007, 1560, 1563 Tz. 30 - ComROAD IV; v. 7. Januar 2008 - II ZR 229/05 und - II ZR 68/06, ZIP 2008, 407 ff. und 410 ff., jeweils Tz. 15 - ComROAD VI und VII).
Denn geschützt wird auch insoweit im Rahmen des § 826 BGB nicht das allgemeine Vertrauen in die Zuverlässigkeit des der Neuemission an der Börse vorgelagerten Börsenzulassungsverfahrens einschließlich der Begleitung des Börsengangs durch eine Bank, sondern die konkrete Anlageentscheidung kaufwilliger Anleger vor unzutreffenden Angaben des Prospekts selbst, der als direkte Informationsquelle für die Börsenpreisbildung maßgeblich ist und daher die Anlageentscheidung unmittelbar beeinflusst (…vgl. auch Sen.Urt. v. 26. September 2005 - II ZR 380/03, ZIP 2005, 2012, 2015 - zu § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 399 AktG: Erfordernis eines bewussten Verhaltens im - konkreten - Vertrauen in die Richtigkeit relevanter Angaben;… Sen.Urt. v. 4. Juni 2007 - II ZR 147/05, ZIP 2007, 1560, 1562 Tz. 34 - ComROAD IV; v. 7. Januar 2008 - II ZR 229/05 und - II ZR 68/06, ZIP 2008, 407 ff. und 410 ff., jeweils Tz. 19 - ComROAD VI und VII).
Auch im Übrigen erscheint unter Schutznormaspekten die vom Berufungsgericht konstruierte "generelle" - also unabhängig von der Kenntnis des potentiellen späteren Anlegers postulierte - Kausalität eines Prospektmangels unvertretbar, weil sie im Sinne einer "Dauerkausalität" auf unabsehbare Zeit auch jedem beliebigen späteren Aktienerwerber auf dem Sekundärmarkt - wie hier - stets zugute kommen würde ohne Rücksicht darauf, ob das Schutzgut der Norm - hier die Integrität seiner Willensentschließung - überhaupt berührt wird (…Sen.Urt. v. 4. Juni 2007 - II ZR 147/05, ZIP 2007, 1560, 1564 Tz. 35 - ComROAD IV; v. 7. Januar 2008 - II ZR 229/05 und - II ZR 68/06, ZIP 2008, 407 ff. und 410 ff., jeweils Tz. 20 - ComROAD VI und VII).
Soweit der Kläger nunmehr erstmals in der Revisionsinstanz unter Berufung auf die Rechtsprechung des 5. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt (vgl. OLG Frankfurt, Beschl. v. 7. November 2003 - 5 W 31/03, AG 2004, 453 sowie weitere Entscheidungen, die derzeit im Revisionsverfahren vor dem Senat - II ZR 229/05 und II ZR 68/06 - anhängig sind) neue Kausalitätsaspekte zu entwickeln versucht, die das Erfordernis des Kausalitätsnachweises zwischen den konkreten fehlerhaften Ad-hoc-Mitteilungen der Beklagten und den Willensentschlüssen des Klägers zum Aktienkauf überflüssig machen sollen, vermag der Senat dem aus Rechtsgründen nicht zu folgen.
Geschützt wird sowohl im Bereich des Primärmarktes der sog. Verkaufsprospekthaftung als auch bei der den Sekundärmarkt betreffenden Informationsdeliktshaftung die Integrität der Willensentschließung des potentiellen Anlegers (so zu einer unlauteren irreführenden Beeinträchtigung durch falsche Prospekt- oder Ad-hoc-Publizität BGH…, Urteil vom 03. März 2008 - II ZR 310/06, NJW-RR 2008, 1004, bei juris Rz. 15 - ComROAD VIII, u.H. auf BGH, Urteile vom 04. Juni 2007 - II ZR 147/05, ZIP 2007, 1560, 1563 Tz. 30 - ComROAD IV; und vom 07. Januar 2008 - II ZR 229/05 und - II ZR 68/06, ZIP 2008, 407 ff. und 410 ff., jeweils Tz. 15 - ComROAD VI und VII).
Damit ist ein das Kauf- und Verkaufsverhalten beeinflussendes wiederholtes Verbreiten grob falscher Ad-hoc-Mitteilungen an die Marktteilnehmer gemeint (BGHZ 160, 134 - in Juris Rz. 33ff - 160, 149 - in Juris Rz. 33ff - BGH NJW 2008, 76 - in Juris Rz. 10 - BGH NJW-RR 2008, 1004 - in Juris Rz. 9ff - BGH WM 2008, 395 - in Juris Rz. 9ff - OLG Düsseldorf WM 2009, 1655 - in Juris Rz. 32f - Palandt/Sprau a.a.O. Rz. 35a zu § 826), aber auch die Verbreitung sonstiger grob falscher Informationen, die zu einer Anlageentscheidung führen, wie etwa die Vorspiegelung einer aktienrechtlich nicht gegebenen Kündigungsmöglichkeit.
Die Aufweichung der Kausalitätsvoraussetzungen im Sinne der Theorie eines allgemeinen Marktbetruges ("fraud on the market") hat der Bundesgerichtshof mehrfach ausdrücklich abgelehnt (BGHZ 160, 134 - in Juris Rz. 43-45 - BGH NJW 2008, 76 - in Juris Rz. 16 m.w.N. - BGH NJW-RR 2008, 1004 - in Juris Rz. 16f - BGH WM 2008, 395 - in Juris Rz. 16f -).
Zur haftungsbegründenden Kausalität fehlerhafter Ad-hoc-Publizität auf dem Sekundärmarkt und falscher Prospektangaben im Bereich des Primärmarktes für den Willensentschluss des Anlegers (vgl. Sen.Urt. v. 7. Januar 2008 - II ZR 229/05, z.V.b.).
Der Anleger hat wegen der Individualität seiner Willensentscheidung bei Kapitalmarktinformationen stets den Nachweis des konkreten Kausalzusammenhangs zwischen einer fehlerhaften Kapitalmarktinformation und seiner Anlageentscheidung zu führen (vgl. BGH, Urteil vom 04.06.2007 - II ZR 147/05, WM 2007, 1557; BGH, Urteil vom 07.01.2008 - II ZR 229/05, WM 2008, 395).
Andernfalls würde man auf den konkreten Kausalzusammenhang zwischen Täuschung und Willensentscheidung verzichten und statt dessen - in Anlehnung an die sogenannte "fraud-on-the-market-theory" des US-amerikanischen Kapitalmarktrechts - an das enttäuschte allgemeine Anlegervertrauen in die Integrität der Marktpreisbildung anknüpfen; dieser Denkansatz würde zu einer uferlosen Haftungsausweitung führen (…BGH NZG 2007, 356 [juris Rn. 9-11] "ComROAD I";… BGH NZG 2007, 346 [juris Rn. 9] "ComROAD II";… BGH NZG 2007, 269 [juris Rn. 5 "ComROAD III";… BGH NZG 2007, 707 [juris Rn. 16] "ComROAD IV";… BGH NZG 2007, 711 [juris Rn. 16] "ComROAD V"; BGH NZG 2008, 382 [juris Rn. 16] "ComROAD VI";… BGH NZG 2008,.
Dies gilt nach der Rechtsprechung ausdrücklich auch im Bereich der Informationsdeliktshaftung (BGH NJW 2004, 2664 [juris Rn. 46] "Infomatec II"; BGH NZG 2007, 711 [juris RN. 25] "ComROAD V"; BGH NZG 2008, 382 [juris Rn. 24] "ComROAD VI";… BGH NZG 2008, 385 [juris Rn. 24] "ComROAD VII";… BGH BZG 29008, 386 [juris Rn. 27] "ComROAD VIII").
Das gilt auch dann, wenn die Kapitalmarktinformation vielfältig und extrem unseriös gewesen sein sollte; das enttäuschte allgemeine Anlegervertrauen in die Integrität der Marktpreisbildung reicht nicht aus (…BGH, Urteil v. 19.7. 2004, Az. II ZR 218/03 = BGHZ 160, 134 - Infomatec I Rn. 41 ff. bei juris; BGH, ZIP 2007, 679; NJW 2008, 76; NJW-RR 2008, 1004; ZIP 2008, 407 [BGH 07.01.2008 - II ZR 229/05] ).
LG Hamburg, 10.06.2009 - 329 O 377/08
Haftung von Aktiengesellschaft sowie Aufsichtsratsvorsitzendem bzw. …
Im Rahmen der Haftung gemäß § 826 BGB ist der Nachweis der konkreten Kausalität für den Willensentschluss des Anlegers notwendig (vgl. nur BGH, Urteil vom 07.01.2008 - Az.: II ZR 229/05).