Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/35469-335469
Timestamp: 2020-01-29 10:48:41
Document Index: 165502677

Matched Legal Cases: ['§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 139', '§ 156', 'BGH']

Rich­ter­li­che Hin­weis­pflicht | Rechtslupe
Rich­ter­li­che Hin­weis­pflicht
Das Erfor­der­nis, einen Hin­weis nach § 139 ZPO akten­kun­dig zu machen, ihn ins­be­son­de­re wenn er erst in der münd­li­chen Ver­hand­lung erteilt wird zu pro­to­kol­lie­ren, hat auch die Funk­ti­on, dass der Hin­weis in einer Form erteilt wird, die der betrof­fe­nen Par­tei die Not­wen­dig­keit einer pro­zes­sua­len Reak­ti­on und sei es nur in der Form eines Antrags nach § 139 Abs. 5 ZPO deut­lich vor Augen führt.
Nach § 139 ZPO darf das Gericht – von Neben­for­de­run­gen abge­se­hen – sei­ne Ent­schei­dung nicht auf einen Gesichts­punkt stüt­zen, den eine Par­tei erkenn­bar über­se­hen oder für uner­heb­lich gehal­ten hat, wenn es nicht dar­auf hin­ge­wie­sen und Gele­gen­heit zur Äuße­rung gege­ben hat (§ 139 Abs. 2 Satz 1 ZPO). Zudem hat das Gericht dahin zu wir­ken, dass die Par­tei­en sach­dien­li­che Anträ­ge stel­len (§ 139 Abs. 1 Satz 2 ZPO). Hin­wei­se hat das Gericht so früh wie mög­lich zu ertei­len und akten­kun­dig zu machen (§ 139 Abs. 4 Satz 1 ZPO).
Die Ertei­lung des erfor­der­li­chen Hin­wei­ses kann nur durch den Inhalt der Akten bewie­sen wer­den (§ 139 Abs. 4 Satz 2 ZPO). Im Übri­gen ver­folgt das Gesetz mit dem Erfor­der­nis, den Hin­weis akten­kun­dig zu machen, nicht nur den Zweck, Streit dar­über zu ver­mei­den, ob eine bestimm­te Fra­ge in der münd­li­chen Ver­hand­lung erör­tert wor­den ist; das Erfor­der­nis der Doku­men­ta­ti­on sorgt dar­über hin­aus auch dafür, dass der Hin­weis in einer Form erteilt wird, die der Par­tei, an die er sich rich­tet, die Not­wen­dig­keit einer pro­zes­sua­len Reak­ti­on – und sei es nur in der Form ei-nes Antrags nach § 139 Abs. 5 ZPO – deut­lich vor Augen führt.
Unter­lässt das Gericht den nach der Pro­zess­la­ge gebo­te­nen Hin­weis nach § 139 Abs. 1 ZPO und erkennt es aus einem nicht nach­ge­las­se­nen Schrift­satz der betrof­fe­nen Par­tei, dass die­se sich offen­sicht­lich in der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht aus­rei­chend hat erklä­ren kön­nen, ist gemäß § 156 Abs. 2 Nr. 1 ZPO die münd­li­che Ver­hand­lung wie­der­zu­eröff­nen 1.
st. Rspr.; BGH, Urteil vom 07.10.1992 – VIII ZR 199/​91, NJW 1993, 134; Beschluss vom 15.02.2005 – XI ZR 144/​03, Fam­RZ 2005, 700; Urteil vom 18.09.2006 – II ZR 10/​05, NJWRR 2007, 412 Rn. 4; Urteil vom 31.03.2010 – I ZR 34/​08, GRUR 2010, 1117 Rn. 39 = WRP 2010, 1475 – Gewähr­leis­tungs­aus­schluss im Inter­net[↩]