Source: http://welt-der-bwl.de/Disagio
Timestamp: 2018-10-19 08:48:55
Document Index: 40150584

Matched Legal Cases: ['§ 250', '§ 250', '§ 266', '§ 5', '§ 250', '§ 268']

Disagio bzw. Damnum: Definition und Beispiel | Rechnungswesen - Welt der BWL
Als Disagio bzw. Damnum bezeichnet man zum einen den Unterschiedsbetrag zwischen dem erhaltenen Betrag (Auszahlungsbetrag) und dem Rückzahlungsbetrag eines Darlehens.
Disagio Beispiel
Ein Unternehmen nimmt bei seiner Hausbank ein Darlehen mit einer Laufzeit von 5 Jahren in Höhe von 10 Mio. € auf, davon werden jedoch lediglich 9,5 Mio. € an das Unternehmen ausbezahlt, während 5 % der Kreditsumme als Disagio einbehalten werden.
Der Differenzbetrag in Höhe von 500.000 € ist dann das Disagio. Das Disagio stellt eine Art "vorausbezahlter Zins" dar und fließt in die Betrachtung des Effektivzinssatzes ein.
Zum anderen bezeichnet das Disagio auch andere Abschläge, z.B., wenn ein Wertpapier unter dem Nominalwert ausgegeben wird.
Alternative Begriffe: Abgeld.
Die Verbuchung eines Disagios ist handelsrechtlich in § 250 Abs. 3 HGB geregelt.
Disagio aktivieren (Aktivierungswahlrecht)
Nach § 250 Abs. 3 Satz 1 HGB darf (Wahlrecht) der Unterschiedsbetrag (das Disagio) in den Rechnungsabgrenzungsposten auf der Aktivseite (Aktiver Rechnungsabgrenzungsposten, kurz: ARAP, Bilanzposten § 266 Abs. 2 C. HGB Rechnungsabgrenzungsposten) aufgenommen werden.
Steuerlich hingegen ist eine Aktivierung verpflichtend (§ 5 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG), d.h., eine alternative Verbuchung als sofortiger Aufwand ist steuerlich nicht zulässig.
Abschreibung Disagio
Das aktivierte Disagio ist durch planmäßige jährliche Abschreibungen, die über die Laufzeit der Verbindlichkeit verteilt werden können, zu tilgen (§ 250 Abs. 3 Satz 2 HGB); es kann auch kürzer abgeschrieben werden.
Beispiel: Aktivierung und planmäßige Abschreibung des Disagios
Angenommen, bei dem oben als Beispiel angegebenen Darlehen über 10 Mio. € handelt es sich um ein Fälligkeitsdarlehen, das zum Ende der 5-jährigen Laufzeit in einem Betrag getilgt wird.
In dem Fall könnte das Disagio in Höhe von 500.000 € zu Beginn der Kreditlaufzeit (z.B. 1. Januar 2012) als Rechnungsabgrenzungsposten aktiviert werden und anschließend in den 5 Jahren der Darlehenslaufzeit (2012 bis 2016) linear in Höhe von jährlich 100.000 € abgeschrieben bzw. aufgelöst werden.
Bankguthaben 9.500.000 €, Aktiver Rechnungsabgrenzungsposten (Disagio) 500.000 € an Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 10.000.000 €.
Die Abschreibung in Höhe von 100.000 € jährlich wird als Zinsaufwand (GuV-Posten: Zinsen und ähnliche Aufwendungen) verbucht.
Anhangsangabe nach § 268 Abs. 6 HGB
Im Falle der Aktivierung des Disagios ist dieses in der Bilanz gesondert auszuweisen oder alternativ im Anhang anzugeben.
Lineare vs. degressive Abschreibung des Disagios
Während bei einem Fälligkeitsdarlehen (das erst am Ende der Laufzeit getilgt wird) die o.g. lineare Abschreibung des Disagios als angemessen gilt, ist für ein Tilgungsdarlehen (bei dem bereits während der Laufzeit Tilgungen erfolgen) eine degressive Abschreibung des Disagios (z.B. mittels der Zinsstaffelmethode) sachgerecht.
Dadurch werden die ersten Jahre, bei denen der Darlehensbetrag noch hoch ist, stärker mit Zinsaufwendungen belastet.
Disagio als Zinsaufwand
Im Umkehrschluss bedeutet das Wahlrecht, dass das Disagio handelsrechtlich alternativ auch sofort und in voller Höhe als Zinsaufwand verbucht werden darf.
Beispiel: Sofortige Verbuchung des Disagios als Zinsaufwand
Bei dem obigen Beispiel könnte das Disagio in Höhe von 500.000 € handelsrechtlich auch sofort und in voller Höhe in 2012 als Zinsaufwand verbucht werden.
Bankguthaben 9.500.000 €, Zinsaufwand 500.000 € an Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 10.000.000 €.
Gegenstück zum Disagio: das Agio
Das Gegenstück zum Disagio ist das Agio, das ein Aufgeld bzw. einen Aufschlag darstellt.
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