Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VerfGH%20Sachsen&Datum=23.04.2008&Aktenzeichen=87-I-06
Timestamp: 2020-07-12 06:07:03
Document Index: 291479495

Matched Legal Cases: ['Art. 59', 'Art. 94', 'Art. 81', '§ 29', 'Art. 110', 'Art. 3', 'Art. 114', 'Art. 114', 'Art. 114', 'Art. 48', 'Art. 51']

VerfGH Sachsen, 23.04.2008 - 87-I-06 - dejure.org
https://dejure.org/2008,5970
VerfGH Sachsen, 23.04.2008 - 87-I-06 (https://dejure.org/2008,5970)
VerfGH Sachsen, Entscheidung vom 23.04.2008 - 87-I-06 (https://dejure.org/2008,5970)
VerfGH Sachsen, Entscheidung vom 23. April 2008 - 87-I-06 (https://dejure.org/2008,5970)
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Zulässigkeit einer Antragstellung im Organstreitverfahren durch eine Landtagsfraktion in Sachsen trotz entgegenstehendes Aussage des Parlamentes; Heranziehung auf englisch oder französisch verfasster EU-Verordnungen zu Interpretation des deutschen Textes; ...
sachsen.de (Pressemitteilung - vor Ergehen der Entscheidung, 11.01.2008)
Mündliche Verhandlung im Verfahren über die Verletzung von Mitwirkungs- und Informationsrechten des Sächsischen Landtages
Verletzung von Mitwirkungs- und Informationsrechten des Landtags
VerfGH Sachsen, 26.05.2008 - 87-I-06
NVwZ 2008, 585
NVwZ-RR 2008, 585
DÖV 2008, 1012
aa) Im Organstreitverfahren können nur die in einem Verfassungsrechtsverhältnis gründenden Rechtspositionen der beteiligten Organe oder Organteile geltend gemacht werden (SächsVerfGH, Urteil vom 23. April 2008 - Vf. 87-I-06; vgl. BVerfGE 118, 277 [318]).
aa) Sie kann Rechte des Sächsischen Landtages im eigenen Namen verfolgen (SächsVerfGH, Urteil vom 23. April 2008 - Vf. 87-I-06).
Die Antragstellerin ist befugt, Rechte des Sächsischen Landtages unabhängig davon geltend zu machen, ob dieses Vorgehen von dessen mehrheitlichem Willen getragen wird (SächsVerfGH, Urteil vom 23. April 2008 - Vf. 87-I-06; vgl. BVerfGE 45, 1 [29 f.]).
Beeinträchtigungen können darüber hinaus auch aus Handlungen resultieren, die Vorwirkungen auf zukünftige Haushalte entfalten (vgl. SächsVerfGH, Urteil vom 23. April 2008 - Vf. 87-I-06).
Das parlamentarische Budgetrecht erfüllt damit eine besondere demokratische Legitimationsfunktion für finanzwirksames Staatshandeln und ist zugleich ein wesentliches Instrument der parlamentarischen Regierungskontrolle, die eine rechtsstaatliche Demokratie maßgeblich prägt (SächsVerfGH, Urteil vom 23. April 2008 - Vf. 87-I-06; vgl. BVerfGE 55, 274 [303]; 70, 324 [356]).
Die Dispositionsfreiheit des Gesetzgebers in Bezug auf die Zuweisung und Verwendung der dem Staat zur Verfügung stehenden Mittel ist auch bezogen auf künftige Haushaltsperioden zu schützen, mit der Folge, dass deren Vorbelastung unter dem Vorbehalt einer ausdrücklichen parlamentarischen Ermächtigung steht (vgl. VerfGH Rh.-Pf. NVwZ-RR 1998, 145 [147 f.]; vgl. auch SächsVerfGH, Urteil vom 23. April 2008 - Vf. 87-I-06).
Danach ist es Aufgabe der Staatsregierung, in Ausübung der ihr nach Art. 59 Abs. 1 Satz 2 SächsVerf zustehenden Leitungskompetenz eigenverantwortlich die den Erfordernissen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit entsprechende Haushaltsplanung aufzustellen (SächsVerfGH, Urteil vom 23. April 2008 - Vf. 87-I-06) und für eine ebenfalls diesen Erfordernissen genügende Ausführung des Haushaltsplans (Art. 94 Abs. 2 SächsVerf) Sorge zu tragen.
Das Gebot der Organtreue verschafft keinem Verfassungsorgan das Recht, unter Berufung auf die Treuepflicht in den Kernbereich der Kompetenzen eines anderen Verfassungsorgans einzudringen (vgl.: VerfGH Sachsen, Urteil vom 29.02.2008 - Vf.87-I-06, juris Rn. 97).
Aus dem Grundsatz der Gewaltenteilung ergibt sich, dass der Regierung ein Kernbereich exekutiver Eigenverantwortung zusteht, der vom Parlament nicht ausgeforscht werden darf (vgl.: BVerfG…, Beschluss vom 30.03.2004 - 2 BvK 1/01, BVerfGE 110, S. 199 ; BVerfG…, Urteil vom 17.07.1984 - 2 BvE 11/83 und 2 BvE 15/83, BVerfGE 67, S. 100 ; VerfGH Sachsen, Urteil vom 29.02.2008 - Vf.87-I-06, juris Rn. 115; VerfG Brandenburg…, Beschluss vom 16.11.2000 - LVG 31/00 -, juris Rn. 52; VerfG Hamburg…, Urteil vom 20.05.2003 - LVG 9/02 -, juris Rn. 75).
VerfGH 35/07 31 Eine Pflicht, parlamentarischen Informationsbegehren zu entsprechen, besteht demnach dann nicht, wenn die Information zu einem Mitregieren des Parlaments bei Entscheidungen führen kann, die in die alleinige Kompetenz der Regierung fallen (vgl.: BVerfG…, Beschluss vom 30.03.2004 - 2 BvK 1/01, BVerfGE 110, S. 199 ; VerfGH Sachsen, Urteil vom 29.02.2008 - Vf.87-I-06, juris Rn. 115).
Sie enthält nicht die Befugnis, in laufende Verhandlungen und Entscheidungsvorbereitungen einzugreifen (vgl.: BVerfG…, Beschluss vom 30.03.2004 - 2 BvK 1/01, BVerfGE 110, S. 199 m.w.N.; BVerfG…, Urteil vom 17.07.1984 - 2 BvE 11/83 und 2 BvE 15/83, BVerfGE 67, S. 100 ; VerfGH Sachsen, Urteil vom 29.02.2008 - Vf.87-I-06, juris Rn. 115).
Haushaltsgesetz und Haushaltsplan enthalten die wirtschaftlichen Grundsatzentscheidungen für zentrale Bereiche der Politik (…vgl. VerfGH NRW, OVGE 45, 308, 315 = juris Rn. 71;… BVerfGE 70, 324, 355 = juris Rn. 125;… 130, 318, 343 = juris Rn. 105); sie spiegeln damit die Gesamtpolitik der Regierung und der diese stützenden Parlamentsmehrheit wider (…vgl. BVerfGE 79, 311, 328 f. = juris Rn. 55 f.;… 130, 318, 343 = juris Rn. 107; SächsVerfGH, NVwZ-RR 2008, 585, 586 = juris Rn. 70).
105 Die Aufstellung des Haushaltsplanentwurfs obliegt sowohl von Verfassungs (…vgl. VerfGH NRW, OVGE 55, 285, 290 = juris Rn. 53;… Kamp, in: Heusch/Schönenbroi-cher, Die Landesverfassung Nordrhein-Westfalen, 2010, Art. 81 Rn. 73) als auch von Gesetzes wegen (§ 29 Abs. 1 Satz 1 LHO NRW) allein der Landesregierung; ihr steht insoweit eine Prärogative (vgl. SächsVerfGH, NVwZ-RR 2008, 585, 586 = juris Rn. 70) bzw. ein Initiativmonopol (vgl. Isensee, JZ 2005, 971, 975;… Siekmann, in: Sachs, Grundgesetz, 7. Auflage 2014, Art. 110 Rn. 75) zu.
Zu diesem Zweck sind ihnen grundsätzlich diejenigen Informationen zur Verfügung zu stellen, die zur sachverständigen Beurteilung des Haushaltsplans erforderlich sind (…vgl. BVerfGE 70, 324, 355 = juris Rn. 124;… 92, 130, 137 = juris Rn. 19;… 110, 199, 225 = juris Rn. 70; SächsVerfGH, NVwZ-RR 2008, 585, 592 f. = juris Rn. 145, 157).
aa) Das verfassungsrechtliche Gebot der Organtreue ist im Grundsatz der Gewaltenteilung (Art. 3 Abs. 1 und 2 SächsVerf) verwurzelt und sichert im Geflecht der interorganschaftlichen Beziehungen die Einheit der staatlichen Ordnung (SächsVerfGH, Urteil vom 23. April 2008 - Vf. 87-I-06 - NVwZ-RR 2008, 585 [589]; Voßkuhle, NJW 1997, 2217).
2008 - Vf. 87-I-06 - NVwZ-RR 2008, 585 [589]; Schenke, Die Verfassungsorgantreue, 1977, S. 26 f., 29; Voßkuhle, a.a.O., 2217).
Der Grundsatz der Organtreue führt aber nicht dazu, dass die Kompetenzen des einen Verfassungsorgans durch das andere aufgehoben oder eingeschränkt werden (SächsVerfGH, Urteil vom 23. April 2008 - Vf. 87-I-06 - NVwZ-RR 2008, 585 [589]; HVerfG…, Urteil vom 15. Dezember 2004 - 6/04 - juris Rn. 76) bb) Der Grundsatz der Verfassungsorgantreue ist zwar - obwohl es sich bei dem Rechnungshof nicht um ein staatsleitendes, zu verbindlichen Entscheidungen berufenes Verfassungsorgan handelt (…Schwarz, a.a.O., Art. 114 Abs. 2 Rn. 77; Stern, DÖV 1990, 264;… Engels, a.a.O., Art. 114 Rn. 147;… Kube, a.a.O., Art. 114 Rn. 62) - auch auf den Antragsteller anwendbar.
f) Diese nach der Thüringer Verfassung bestehende Rechtslage zur rechtlichen Unverbindlichkeit schlichter Parlamentsbeschlüsse wird weder in der Literatur zum Thüringer Verfassungsrecht (…vgl. Linck, in: Linck/Jutzi/Hopfe, Die Verfassung des Freistaats Thüringen, 1994, Art. 48 Rn. 30 f.) noch durch die Rechtsprechung zum Verfassungsrecht anderer Länder der Bundesrepublik Deutschland in Frage gestellt (vgl. BayVerfGH, Entscheidung vom 30. September 1959 - Vf. 86-VI-58 - VerfGH n. F. 12, 119 [126 f.]; Entscheidung vom 21. Juli 1965 - Vf.67-VI-63 - VerfGH 18, 79 [84]; Entscheidung vom 17. Juni 1993 - Vf.85-VI-91 - VerfGH 46, 176 [182]; BerlVerfGH…, Urteil vom 22. November 2005 - 217/04 - juris Rn. 48; SächsVerfGH, Urteil vom 29. Februar 2008 - Vf. 87-I-06 - juris Rn. 111).
Dies bedeutet aber zugleich, dass dem Grundsatz der Organtreue nur eine kompetenzschützende, nicht aber auch eine kompetenzbegründende Funktion zukommt (ThürVerfGH, Urteil vom 19. Dezember 2008 - VerfGH 35/07 - S. 30 des Umdrucks; SächsVerfGH, Urteil vom 29. Februar 2008 - Vf. 87-I-06 - juris Rn. 97).
Urteil vom 29. Januar 2004 - Vf. 52-I-02; Urteil vom 23. April 2008 - Vf. 87-I-06 m.w.N.;.
23. April 2008 - Vf. 87-I-06).
Die Beteiligten streiten über den Inhalt ihrer in einem wechselseitigen Verfassungsrechtsverhältnis gründenden Rechtspositionen (SächsVerfGH, Urteil vom 23. April 2008 - Vf. 87-I-06; vgl.
Hierzu gehören sämtliche internen Abstimmungs- und Willensbildungsprozesse sowie Planungen innerhalb der Staatsregierung, die der Vorbereitung von Regierungsentscheidungen dienen (SächsVerfGH Urteil vom 29. Februar 2008, Vf. 87-I-06).
Die Pflicht zur Verfassungsorgantreue, die das wechselseitige Verhältnis des Landtages und seiner Teile einerseits und der Staatsregierung und ihrer Teile andererseits beherrscht (SächsVerfGH, Urteil vom 23. April 2008 - Vf. 87-I-06 m.w.N.), hätte es ihr aber auch in diesem Fall geboten, die Frage insoweit - durch wörtliche Zitate und/oder sinngemäße Zusammenfassungen - zu beantworten, wie sie dies bei verfassungsgemäßer Wahrnehmung ihrer Verweigerungsrechte aus Art. 51 Abs. 2 SächsVerf im Hinblick auf Geheimhaltungsbedürfnisse für geboten erachten musste.
VerfGH, Urteil vom 23. April 2008 - Vf. 87-I-06; st. Rspr.; vgl. zu Streitigkeiten über das Hausrecht und die Polizeigewalt eines Parlamentspräsidenten ergänzend: StGH BW, Urteil vom 28. Januar 1988, NJW 1988, 3199; H. H. Klein in Maunz-Dürig, GG, 58. Lfg.
Antrag auf Teilnahme des NPD-Abgeordneten Storr an Festakten im eA-Verfahren …
Organstreitverfahren; Zustimmung des Landtagspräsidenten zur Durchsuchung eines …
VerfGH Sachsen, 17.07.2014 - 94-I-14