Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=2%20AZR%20366/89
Timestamp: 2019-08-21 10:40:17
Document Index: 41661873

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 138', '§ 1', '§ 1', '§ 102', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 102', '§ 1', '§ 1', '§ 102', '§ 1', '§ 1', '§ 102', '§ 2']

BAG, 02.11.1989 - 2 AZR 366/89 - dejure.org
https://dejure.org/1989,1398
BAG, 02.11.1989 - 2 AZR 366/89 (https://dejure.org/1989,1398)
BAG, Entscheidung vom 02.11.1989 - 2 AZR 366/89 (https://dejure.org/1989,1398)
BAG, Entscheidung vom 02. November 1989 - 2 AZR 366/89 (https://dejure.org/1989,1398)
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Soziale Rechfertigung einer krankheitsbedingten Kündigung - Mitteilungspflicht des Arbeitgebers - Krankheitsbedingte Fehlzeiten - Ordnungsmäßigkeit der Betriebsratsanhörung - Aufschlüsselung der aufgrund eines Arbeitsunfalls entfallenden Lohnfortzahlungskosten - Wirbelsäulenveränderungen nach Scheuermann'scher Krankheit - Überdurchschnittlich häufige krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit - Larvierte Depression - Negative Gesundheitsprognose
KSchG § 1; ZPO §§ 138, 139, 286
ArbG Hamburg, 15.06.1987 - H 2 Ca 109/87
LAG Hamburg, 21.11.1988 - H Sa 78/87
Diese Einschränkung beruht auf der Anwendung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes im Rahmen des § 1 Abs. 2 KSchG (BAG 2. November 1989 - 2 AZR 366/89 - RzK I 5g Nr. 33;… KR-Etzel 6. Aufl. § 1 KSchG Rn. 272).
Der Arbeitgeber kommt dagegen seiner Unterrichtungspflicht nicht nach, wenn er aus seiner Sicht dem Betriebsrat bewußt unrichtige oder unvollständige Sachdarstellungen unterbreitet (BAG 8. September 1988 - 2 AZR 103/88 - BAGE 59, 295; 2. November 1989 - 2 AZR 366/89 - RzK III 1b 13;… KR-Etzel 6. Aufl. § 102 BetrVG Rn. 63 a).
Wenn eine Umsetzungsmöglichkeit besteht, führt die Krankheit nicht zu einer erheblichen Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen (…Senat 24. November 2005 - 2 AZR 514/04 - aaO; 2. November 1989 - 2 AZR 366/89 - RzK III 1b 13;… KR-Griebeling 8. Aufl. § 1 KSchG Rn. 346).
Wenn eine Umsetzungsmöglichkeit besteht, führt die Krankheit zudem nicht zu einer erheblichen Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen (Senat 2. November 1989 - 2 AZR 366/89 - RzK III 1b 13;… KR-Etzel 7. Aufl. § 1 KSchG Rn. 346).
Die Umsetzungsmöglichkeit ist deshalb nicht erst im Rahmen der Interessenabwägung, sondern bereits in der zweiten Stufe noch beim Kündigungsgrund (erhebliche Beeinträchtigung) zu prüfen (…vgl. Senatsurteile vom 9. April 1987, a.a.O., zu B IV 3 der Gründe sowie vom 2. November 1989 - 2 AZR 366/89 - nicht veröffentlicht, zu B IV 3 a und b der Gründe).
Eine in diesem Sinne objektiv unvollständige Anhörung verwehrt es dem Arbeitgeber allerdings, im Kündigungsschutzprozess Gründe nachzuschieben, die über die Erläuterung des mitgeteilten Sachverhalts hinausgehen (BAG 11. Dezember 2003 - 2 AZR 536/02 - AP KSchG 1969 § 1 Soziale Auswahl Nr. 65 = EzA BetrVG 2001 § 102 Nr. 5; 7. November 2002 - 2 AZR 599/01 - AP KSchG 1969 § 1 Krankheit Nr. 40 = EzA KSchG § 1 Krankheit Nr. 50; 8. September 1988 - 2 AZR 103/88 - BAGE 59, 295; 2. November 1989 - 2 AZR 366/89 - RzK III 1b 13;… KR-Etzel 7. Aufl. § 102 BetrVG Rn. 63a).
Eine in diesem Sinne objektiv unvollständige Anhörung verwehrt es dem Arbeitgeber allerdings, im Kündigungsschutzprozess Gründe nachzuschieben, die über die Erläuterung des mitgeteilten Sachverhalts hinausgehen (BAG 7. November 2002 - 2 AZR 599/01 - AP KSchG 1969 § 1 Krankheit Nr. 40 = EzA KSchG § 1 Krankheit Nr. 50; 8. September 1988 - 2 AZR 103/88 - BAGE 59, 295; 2. November 1989 - 2 AZR 366/89 - RzK III 1 b 13;… KR-Etzel 6. Aufl. § 102 BetrVG Rn. 63 a).
Durch die kombinierte Mitteilung der Krankheitszeiten des Klägers nebst der Entgeltfortzahlung, die an sich ausreichen könnten, um zur Ordnungsgemäßheit der Betriebsratsanhörung zu kommen (BAG, Urteil vom 02.11.1989, 2 AZR 366/89 bei juris Rdnr. 39) mit dem prognostischen Element des Abbruchs einer Schmerztherapie hat die Beklagte - anders als in dem vom BAG entschiedenen Fall in der Entscheidung vom 02.11.1989, aaO - gegenüber dem Betriebsrat zu erkennen gegeben, dass sie den Kündigungsentschluss gerade eben nicht ausschließlich auf die mitgeteilten krankheitsbedingten Fehlzeiten stützt, sondern durch den erhobenen Vorwurf, nicht alles dafür getan zu haben, seine Arbeitskraft vollständig wiederherzustellen, quasi eine Kombinationsursache für die zu treffende negative Prognose zum Kündigungsgrund erhoben hat.
[142] S. statt vieler BAG 2, 11.1989 - 2 AZR 366/89 - RzK III 1 b Nr. 13 (Volltext auch in "Juris") [B.IV.3 b.]: "Die Umsetzungsmöglichkeit ist deshalb nicht erst im Rahmen der Interessenabwägung, sondern bereits in der zweiten Stufe noch beim Kündigungsgrund (erhebliche Beeinträchtigung) zu prüfen"; 26.1.1995 - 2 AZR 428/94 - BAGE 79, 169 = AP § 2 KSchG 1969 Nr. 37 = NZA 1995, 628 [II.2.]: "Mit einer Kündigung ... greift der Arbeitgeber in das Arbeitsverhältnis ein, das für den Arbeitnehmer regelmäßig die Grundlage für seine Lebensgestaltung bedeutet.