Source: http://treubau.de/news-reader/haushaltsnahe-dienstleistungen-35a-einkommensteuergesetz.html
Timestamp: 2017-08-20 05:59:26
Document Index: 151712821

Matched Legal Cases: ['§35', '§35', '§35', '§35', '§ 35', '§35', '§35']

Haushaltsnahe Dienstleistungen (§35a Einkommensteuergesetz) - Treubau
Haushaltsnahe Dienstleistungen (§35a Einkommensteuergesetz)
Rundschreiben von Michael von Hauff und Dr. Eberhard Tichy
Treubau-Information:
der Gesetzgeber hat in 2003 beschlossen und zum 3.11.06 (sogar mit Rückwirkung für 2006) entschieden, daß jeder, der Steuern auf Einkommen bezahlt, Kosten für bestimmte Tätigkeiten, die er oder die sein WEG-Verwalter für ihn beauftragt, in gewissem Umfang von seiner Steuerlast abziehen kann (§35a Einkommensteuergesetz). Die Vorteile dieser Vor-schrift wurden in 2006 mit Wirkung bereits ab 2006 um Kosten für Handwerkerleistungen ausgeweitet. Die gesamte Steuerersparnis beträgt dabei nicht, wie in der Öffentlichkeit teilweise falsch berichtet wird, bis zu 600 Euro, sondern in Summe bis zu 4.100,-- Euro pro Jahr und Haushalt. Das heißt nicht, daß jeder Steuerpflichtige jedes Jahr diese Ersparnis haben wird. Aber unsere Hochrechnungen ergeben allein aus Aufträgen der Wohnungseigentümergemeinschaft im Querschnitt eine mittelfristige Ersparnis von durchschnittlich 150 – 250 Euro pro Eigentümer und Jahr.
Leider ist das Verfahren äußerst bürokratisch und kompliziert. Da es sich um die Kombination mehrerer verschiedener Steuernachlässe handelt, die alle im §35a Einkommensteuergesetz behandelt sind, ist es für Privatleute ohne Steuerberater ziemlich schwierig, die vorgesehenen Vergünstigungen wahrzunehmen. Noch schwieriger ist es, unter den Bedingungen der Wohnungseigentümergemeinschaft und angesichts der besonderen Bedingungen des Gesetzgebers die Masse der in Frage kommenden Aufträge, Arbeitsverhältnisse und Zah-lungsvorgänge korrekt auszusortieren und richtig aufzubereiten.
Neben den Aufwendungen, die aus Aufträgen und Beschäftigungsverhältnissen stammen, die über die WEG-Verwaltung anfallen, haben Sie normalerweise weitere, die direkt in Ihrem Haushalt entstehen und ebenfalls zu einem Steuerabzug führen können.
Worum geht es beim § 35a EStG:
Der Gesetzgeber wollte ein Instrument schaffen, das dazu beiträgt, die Schwarzarbeit einzudämmen. Es sollte diesmal nicht die „Peitsche“ sondern das „Zuckerbrot“ sein. Deshalb wurde bestimmt, daß jedermann Steuern sparen kann, wenn er einen Auftrag im Bereich der Dienstleistungen und Arbeiten, die typischerweise oft in Nachbarschaftshilfe ohne Rechnung erledigt werden, gesetzeskonform abwickelt.
Solche Dienstleistungen können beispielsweise sein: Hilfe im Haushalt, Pflegedienste, Malerarbeiten in der Wohnung, Rasenmähen, Mithilfe beim Umzug, Anschließen von Haushaltsmaschinen, Hilfe im Garten, kleine Reparaturen in Haus und Garten, Beaufsichtigung der Kinder usw.
Zunächst war die Regelung für selbstnutzende Eigentümer und Mieter, die manche dieser Kosten in ihrem Mietvertrag geregelt haben, gedacht. Nicht in Anspruch nehmen können die Vergünstigung alle diejenigen, die solche Kosten ohnehin steuerlich berücksichtigen können, also Vermieter und Gewerbetreibende. Ursprünglich sollte die Vorschrift nur für solche Dienstleistungsaufträge gültig sein, die der Auftraggeber selbst für seine eigenen vier Wände in Auftrag gibt.
Im Ergebnis wurde die Gültigkeit des §35a EStG nun massiv ausgeweitet. Jetzt gilt er auch für solche Leistungen, die der Verwalter nach WEG für seine Auftraggeber im gemeinschaftlichen Eigentum veranlaßt. Zusätzlich auch für Handwerksrechnungen nahezu aller Art und ebenso für Dienstpersonal, soweit es sozialversicherungspflichtig bei der Wohnungseigentümergemeinschaft angestellt ist. Der Geltungsbereich wurde so sehr ausgeweitet, daß es inzwischen ausgesprochen schwierig ist, eine exakte Abgrenzung zu nicht geförderten Tatbeständen festzustellen. Da außerdem die Förderung teils 10, teils 12 und teils 20 % der jeweiligen Kosten mit jeweils anderen Obergrenzen ausmacht, ist, was die Wohnungsei-gentümergemeinschaft angeht, hier eine professionelle Bearbeitung notwendig, um für jeden von Ihnen das Richtige im richtigen Zusammenhang zu bescheinigen.
Die Bescheinigung ist kein Teil der WEG-Abrechnung
Da die Bescheinigungen nach rein steuerlichen Gegebenheiten zusammengestellt werden müssen, können wir Sie nur bitten, gar nicht erst den Versuch zu unternehmen, einen rech-nerischen Zusammenhang zwischen Ihren Abrechnungen nach WEG und dieser Steuerbe-scheinigung herstellen zu wollen. Denken Sie z.B. an abweichende Wirtschaftsjahre (in vielen Wohnungseigentümergemeinschaften), wogegen bei der Einkommensteuer strikt das Kalenderjahr gilt. Daß in der Wohnungseigentümergemeinschaft Eigentümerwechsel nicht zu einer gespaltenen Abrechnung führen, wohl aber die Steuerbescheinigung vom Tag der Kostenbelastung ausgehen muß. Oder daran, daß in der Steuerbescheinigung nur die reinen Dienstleistungen und Fahrtkosten des Handwerkers, nicht aber die Materialkosten ent-halten sein dürfen.
Eine besondere Variante betrifft die Vermieter von Eigentumswohnungen. Sie können den Steuerabzug nach §35a EStG nicht in Anspruch nehmen. Sie können aber wie bisher Ko-sten, die im Zusammenhang mit der Vermietung entstehen, in der sogenannten Erklärung V+V angeben und abrechnen lassen. Sie sind aber von Gesetzes wegen verpflichtet, ihren Mietern die notwendigen Informationen zukommen zu lassen, die diese benötigen, um ihrer-seits in den Genuß der Steuervergünstigung zu kommen. Deshalb ist die Steuerbescheinigung auch für vermietende Eigentümer eine wichtige Unterlage. Denn sie enthält auch die-jenigen Aufwendungen der Wohnungseigentümergemeinschaft, die der Vermieter über die Betriebskostenabrechnung (auf Grundlage des jeweiligen Mietvertrages) weitergeben und der Mieter wiederum als Steuerabzug bei seinem Finanzamt geltend machen darf.