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Timestamp: 2017-04-23 12:15:10
Document Index: 189745390

Matched Legal Cases: ['Art. 10', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 8', 'Art 7', 'Art. 10', 'Art. 5', 'Art. 7', 'Art. 2', 'Art. 8', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 11', 'Art. 2', 'Art. 2', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Rechtsgutachten über die Umsetzung der 22. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes - PDF
Rechtsgutachten über die Umsetzung der 22. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes
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1 Rechtsgutachten über die Umsetzung der 22. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes erstattet von Prof. Dr. Eckard Rehbinder Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Juli 20042 Inhaltsverzeichnis Seite Literaturverzeichnis... 3 Fragenkatalog... 4 I Grenzwerte Rechtsnatur der Grenzwerte Messungen und Prognosen Geschützte Personen und Schutzobjekte Ort der Einhaltung der Grenzwerte II Luftreinhalte- und Aktionsplan Notwendigkeit der Aufstellung eines Luftreinhalte- oder Aktionsplans Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung Rechtsfolgen bei nicht fristgerecht aufgestelltem oder unzulänglichem Luftreinhalte- oder Aktionsplan III Maßnahmenplanung Geschützter Personenkreis und Gebietsbezug von Luftreinhalte- und Aktionsplan Adressaten von Maßnahmen Kooperation mit den Straßenbau- und Straßenverkehrsbehörden Sonstige Probleme der Maßnahmenplanung IV Maßnahmenumsetzung Bindungswirkung des Luftreinhalte- und Aktionsplans Maßnahmen gegenüber Anlagen nach dem Bundes- Immissionsschutzgesetz Maßnahmen im Verkehrsbereich Planung (Bauleitplanung, Regionalplanung und Verkehrsplanung) Wirkungsanalyse V Planunabhängige Maßnahmen Allgemeines Anlagen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz Maßnahmen im Verkehrsbereich Planung (Bauleitplanung, Regionalplanung und Verkehrsplanung) VI Kostenfragen Allgemeine Grundsätze Einzelfragen VII Rechtsschutz Verwaltungsgerichtlicher Rechtsschutz Amtshaftung und andere öffentlichrechtliche Ersatzleistungen Privatrechtliche Ersatzansprüche VIII Zusammenfassung: Pflichten der Gemeinden3 Literaturverzeichnis (aufgenommen wurde nur häufig zitierte Literatur) Assmann/Koch/Vollmer, Pläne im Immissionsschutz: Luftreinhalte-, Maßnahmenund Aktionspläne, Immissionsschutz 2000, 84 Feldhaus, Bundes-Immissionsschutzgesetz, Stand 2003 Gerhold/Weber, Verschärfung von Immissionswerten durch EG-Richtlinien und ihre Folgen, NVwZ 2000, 1138 Jarass, Bundes-Immissionsschutzgesetz, 5. Aufl ders., Luftqualitätsrichtlinien der EU und die Novellierung des Immissionsschutzrechts, NVwZ 2003, 257 Koch/Scheuing (Hrg.), Gemeinschaftskommentar zum Bundes-Immissionsschutzgesetz, Stand 2000 (GK) Länderausschuss für Immissionsschutz, Durchsetzung von Luftreinhalte- und Lärmminderungsplänen nach 47 III, 47a IV BImSchG, NVwZ 1991, 1161 Landmann/Rohmer, Umweltrecht, herausgegeben von Hansmann, Stand 2004 (LR) Rengeling (Hrg.), Handbuch zum europäischen und deutschen Umweltrecht, 2. Aufl (EUDUR) Schulze-Fielitz, Rechtsfragen der Durchsetzung von Luftreinhalte- und Lärmminderungsplänen, UPR 1992, 41 Trute, Das Planungsinstrumentarium des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, in: Koch/Lechelt (Hrg.), Zwanzig Jahre Bundes-Immissionsschutzgesetz, 1994, S. 155 ff. Ule/Laubinger (Hrg.), Bundes-Immissionsschutzgesetz, Stand 2003 (UL) 34 Fragenkatalog Klärungsbedürftige Fragen im Zusammenhang mit den Luftqualitätsrichtlinien der EU bzw. 22. BlmSchV mit Legende Fragen zu den Immissionswerten - Welche Verbindlichkeit haben die verschiedenen Immissionswerte? Tz.1-9 S - Können die Grenzwerte der aktualisierten 22. BlmSchV, weiterhin einer Abwägung unterliegen analog zur derzeitigen Genehmigungspraxis? Wann überhaupt ist eine Abwägung möglich bzw. unmöglich? Tz. 6-7, 30 - Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Unsicherheiten bei Prognose und Messung? Tz Welche Rechtsqualität haben Prognosewerte (nach 10 der 22. BlmSchV sind im GW-Bereich Messungen heranzuziehen)? Tz DD DD M Fragen zum Luftreinhalteplan - Nach 47 BlmSchG ist die Öffentlichkeit bei der Aufstellung von Luftreinhalteplänen zu beteiligen. In welcher Mindestform hat dies zu erfolgen? Tz Wer trägt die Kosten für die Bereitstellung notwendiger und noch zu erhebender Daten für den Luftreinhalteplan (z. B. belastbare Verkehrszahlen), das Land oder die Stadt? Tz Für die Erstellung von Luftreinhalteplänen werden regelmäßig Gutachten (privater Ingenieurbüros) erforderlich, aus denen sich eine Bewertung einzelner möglicher bzw. notwendiger Maßnahmen ergibt. Wer ist Kostenträger solcher Gutachten? Die zuständige Immissionsschutzbehörde (Land) oder die Kommune, die von der Regelung profitiert? Was gilt, wenn eine Region in die Regelung einbezogen wird? Tz Wie werden die Prüfverfahren (Modellrechnungen) und die Messungen finanziert? Tz Welche Konsequenzen sind zu erwarten, wenn Luftreinhaltepläne nach der 22. BlmSchV nicht fristgerecht fertig werden? Tz , S S S H S 45 Fragen zur Maßnahmenplanung - Festlegung der Emittenten, die bei der Maßnahmenplanung im Rahmen der Erstellung eines Luftreinhalteplans betrachtet werden. In 47 Abs. 4 S. 1 BlmSchG wird festgelegt, dass die Maßnahmen zur dauerhaften Verminderung von Luftverunreinigungen entsprechend des Verursacheranteils, unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit gegen alle Emittenten, zu richten sind, die zum Überschreiten der Immissionswerte beitragen. S Hauptverursacher der Immissionen (z. B. NO 2 ) sei mit ca. 80 % der Straßenverkehr. Die Emissionen aus Industrie, Gewerbe und Kleinfeuerungsanlagen sind mit knapp 10 % Verursacheranteil von untergeordneter Bedeutung. Ebenso der Beitrag durch den Ferntransport mit etwas mehr als 10 %. Ist es - auch unter Verhältnismäßigkeits- Aspekten - vertretbar, bei der Maßnahmeplanung zur Erstellung eines Luftreinhalteplans für die LHS Stuttgart andere Emittenten als den Straßenverkehr außer acht zu lassen? Deren Verursacheranteil wird sich künftig durch die Anpassung der Grenzwerte an neuere gesetzliche Vorgaben (z. B. TA Luft 2002) weiter reduzieren. Tz Nach 47 IV 1 BlmSchG sind die Maßnahmen entsprechend des Verursacheranteils unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit gegen alle Emittenten zu richten, die zum Überschreiten...betragen. Die 40 ff BlmSchG sehen mehrere Sonderregelungen für den Verkehrsbereich vor, die der Emittentengruppe der Anlagen nicht eingeräumt werden. M Besteht damit die Gefahr, dass der Anlagenbereich stärker herangezogen wird (Anm.: diese Bedenken hat bereits der Bundesrat im Gesetzgebungsverfahren vorgebracht)? Tz Es ist zu klären, welcher Personenkreis zu schützen ist. In Abschnitt I a) i) des Anhangs 2 zur 22. BlmSchV wird hierzu folgende Formulierung verwendet: Konzentrationen, denen die Bevölkerung über einen Zeitraum ausgesetzt sein werden, der der Mittelungszeit des betreffenden Immissionsgrenzwertes Rechnung trägt. Die Mittelungszeit beträgt ein Jahr. Mit diesen Regelungen wird sicherlich nicht das individuelle Risiko des ganzjährigen Einatmens der Luftschadstoffe beschrieben, sondern die Belastung der Bevölkerung im Allgemeinen. S Der zu schützende Personenkreis umfasst sicher auf jeden Fall die Wohnbevölkerung und die arbeitende Bevölkerung. Darüber hinaus sind sicher auch Orte von Bedeutung, an denen die üblicherweise anzunehmende durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Personen dem Mittelungszeitraum des betreffenden Immissionsgrenzwertes entspricht. Sind zu schützen auch Orte, an denen sich zwar ständig Menschen aufhalten, deren Verweilzeit im Vergleich zum Mittelungszeitraum des betreffenden Immissionsgrenzwertes aber in der Regel gering ist, wie beispielsweise Bahnsteige und Bushaltestellen? Tz Wo sind die Grenzwerte der 22.BImSchV einzuhalten: Wohngebiet, Gewerbegebiet, Straßenraum? Tz D - Es zeichnet sich ab, dass bestimmte Grenzwerte bestimmter Schadstoffe nur unterschritten werden können, wenn (mindestens zeitweise in großen Teilen des Stadtge- 56 biets) der gesamte Kfz-Verkehr, ausgenommen Fahrzeuge mit EURO-Norm 5 (und evtl. 4), verboten wird. Für die Kennzeichnung einer solchen Regelung gibt es bisher weder ein Zusatzzeichen zum Zeichen 270 StVO noch Plaketten für die privilegierten Fahrzeuge. Wie ist zu verfahren, solange der Gesetzgeber nicht tätig wurde? Tz Kann ein Gebietsbezug zwischen den Punkten (Straßen) mit Überschreitung der Grenzwerte (bzw. GW + Toleranzmarge) und Maßnahmen hergestellt werden, ggf. welcher? Tz S M - Definition des Begriffs Gebiet. Tz. 25 Aus der 22. BlmSchV geht nicht eindeutig hervor, wie der Begriff Gebiet genau definiert ist. Handelt es sich dabei um das jeweilige Stadtgebiet, einen Landkreis oder gar um eine Region? Tz. 25 In diesem Zusammenhang wäre auch zu klären, wie die Wirksamkeit von punktuellen, straßenbezogenen Maßnahmen auf ein Gebiet gesehen bzw. bewertet wird. Es steht außer Frage, dass Maßnahmen nur in bestimmten Straßen regelmäßig zu negativen Auswirkungen in benachbarten Straße führen. Verbesserungen in einem Gebiet können daher solche punktuellen Maßnahmen nicht bewirken. Sind daher nur globale, für das gesamte Gebiet wirksame Maßnahmen geeignet, die Schadstoffkonzentrationen in einem Gebiet zu reduzieren? Tz. 26, 30 M - Konkurrenz von mehreren Maßnahmen zur Schadstoffreduzierung: Für den Fall, dass mehrere Maßnahmen für eine Schadstoffreduzierung möglich sind, z. B. eine Verkehrsbeschränkung und eine Maßnahme gegen eine ortsfeste Anlage, stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien - abgesehen von der Wirksamkeit der Maßnahmen - der einen oder anderen Maßnahme der Vorzug gegeben wird. Hier wäre insbesondere zu klären, ob der Umstand, dass Verkehrsbeschränkungen eine weit größere Zahl von Personen betreffen, damit einschneidender sind und bzgl. der notwendigen Beschilderung und der Kontrolle durch die Polizei auch aufwändiger sind, bei der Abwägung eine besondere Rolle spielt. Tz Wie sind passive Immissionsschutzmaßnahmen zu bewerten, z.b. Verlagerung von Aufenthaltsräumen nach hinten oder mechanische Belüftung? Tz Sind Mautregelungen (z. B. nach Schadstoffausstoß gestaffelt) als Maßnahmen möglich? Tz Müssen in jedem Fall kurzfristige Maßnahmepläne ergriffen werden - auch wenn das Problem nur mit stadtweiten Konzepten zu lösen ist? Tz. 30 M D S DD - Öffentlichkeitsbeteiligung Im Hinblick auf die in 47 Abs. 5 BlmSchG festgelegte Beteiligung der Öffentlichkeit ist zu fragen, ob die Öffentlichkeit auch Maßnahmenvorschläge gegen den Willen der beteiligten Behörden ggf. durchsetzen kann bzw. solche Maßnahmenvorschläge bei einem Dissens der Regierung von Oberbayern vorgeschlagen werden müssen. Tz Wer trägt die Kosten für die erforderlichen Planungen, Zuarbeiten und vor allem für die Umsetzung der Maßnahmen? Tz M DD 67 Fragen zur Maßnahmenumsetzung - Kann ein Anlagenbetreiber mit einer bestandskräftigen Genehmigung verpflichtet werden, seinen Schadstoffausstoß auf die tatsächliche Emissionsmenge zu begrenzen, obwohl seine Emissionsrechte aus Bescheid eine höhere Menge zulassen (z. B. wenn der Betreiber seine rechtlich mögliche Produktionskapazität nicht ausschöpft)? Tz Wären Regelungen der Art, dass alle Anlagen, die einen Beitrag von größer oder gleich 1 % des zu betrachtenden Immissionsgrenzwertes leisten, zu Maßnahmen herangezogen werden, mit den Grundsätzen der Verhältnismäßigkeit vereinbar? Tz Unter welchen Voraussetzungen können Emissionsminderungsmaßnahmen angeordnet werden, die über den gültigen Stand der Technik hinausgehen? Tz Inwieweit besteht die Möglichkeit, über gemeindliche Verordnungen auf der Grundlage von Ländervorschriften (z. B. Art. 10 BayImSchG) im Vergleich zur 1. BlmSchV strengere Anforderungen an Feuerungsanlagen zu stellen, um Immissionsgrenzwerte einhalten zu können? Tz Durchsetzung von Maßnahmen nach 40 (1) BlmSchG: Wer entscheidet über Art und Umfang der Verkehrsmaßnahmen? Wie groß ist der Spielraum für Ausnahmen ( Gründe des Allgemeinwohls )? Tz Wie sind unaufschiebbare und überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit definiert (Ausnahmen nach 40 Abs. 1 Satz 2 BImSchG)? Tz Können Straßenverkehrsbehörden (Auftragsverwaltung des Bundes) ihr Einvernehmen verweigern, wenn als Maßnahme Verkehrsreduzierungen geplant werden müssen? (Bei der 23. BlmSchV war die Verweigerung regelmäßig der Fall) Tz Bei der Luftreinhalteplanung sind, wenn erforderlich, alle Quellen gemäß ihrem Emissionsanteil zu berücksichtigen. Wer setzt dann Maßnahmen gegenüber dem Bund durch (z. B. Autobahn - Baulast des Bundes), welcher rechtlichen Konstruktion Bedarf es da? Können Behörden, die die Auftragsverwaltung für die Bundesrepublik vornehmen, die Bundesrepublik beauflagen? Tz. 54, 69 - Welche Rechtsfolge gilt, wenn bei geplanten Maßnahmen das Einvernehmen mit der Straßenbau- und Straßenverkehrsbehörde nicht herzustellen ist ( 47 Abs. 4 BImSchG); insbesondere bei Maßnahmen in Aktionsplänen? Tz M M M M H M DD DD M - Abstimmung von verkehrsbezogenen Maßnahmen zwischen den Regierungen und den jeweiligen unteren Straßenverkehrsbehörden: Was geschieht, wenn die von der Straßenverkehrsbehörde vorgeschlagenen Maßnahmen zur Reduzierung der verkehrsbedingten Schadstoffe von der Regierung als nicht ausreichend oder als nicht zielführend angesehen werden und in weiterer Folge eine Einigung zwischen der Regierung einerseits und der Straßenverkehrsbehörde andererseits - wie eigentlich nach 47 Abs. 4 Satz 2 BlmSchG vorgegeben - nicht herbeigeführt werden kann? Wie soll in diesem Fall das Verfahren zur Aufstellung eines Luftreinhalte- oder Aktionsplanes weitergeführt werden. Kann die Regierung notfalls eine von ihr favorisierte verkehrliche Maßnahme zur Reduzierung der verkehrsbedingten Luftschadstoffe auch gegen den Widerstand der Straßenverkehrsbehörde durchsetzen? Tz M 78 - Probleme beim konkreten Vollzug von Verkehrsbeschränkungen aus Immissionsschutzgründen: Kann die Regierung von Oberbayern oder das Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen an das Staatsministerium des Innern herantreten, um ausreichende Kontrollen für eine Lkw -Sperre durch die Polizei zu gewährleisten? Tz , M Die Stadt München, Kreisverwaltungsreferat, verfolgt zumindest als Denkansatz die Sperrung des Stadtgebietes München für nicht schadstoffarme Lkws und evtl. auch Reisebusse. Ohne in die näheren Details solcher Maßnahmen einzugehen, muss deutlich betont werden, dass solche Maßnahmen nur dann eine gewissen Wirksamkeit entfalten könne, wenn z. B. eine Lkw-Sperre auch von den Vollzugskräften der Polizei vor Ort durchgesetzt wird und entsprechende Kontrollen durchgeführt werden. In diesem Zusammenhang wurde jedoch von den Vertretern der Polizei mehrmals deutlich gemacht, dass eine Kontrolle der Einhaltung dieser Lkw-Sperre nur sporadisch, im Rahmen des normalen Streifendienstes möglich wäre. Unter dieser Voraussetzung würde eine solche Lkw-Sperre praktisch keine Wirksamkeit auch in Bezug auf die gewünschten Schadstoffreduzierungen besitzen. Tz , Wer führt Wirksamkeitsanalysen für die durchgeführten Maßnahmen durch und finanziert diese? Tz , Wer ist für das Monitoring bei der Umsetzung der geplanten Programme und Maßnahmen nach den zukünftigen Anforderungen der Strategischen Umweltprüfung (SUP) zuständig und führt diese durch? Tz.115 H H - Wer trägt die Kosten der Maßnahmen (z. B. Beschilderung)? Tz S - Die Kosten von Maßnahmen werden i. d. R. nicht vom Ersteller der Luftreinhaltepläne übernommen; welche Folge gilt bei einer Nichtübernahme der Kosten durch den jeweiligen Maßnahmeträger? Tz. 52, 62-69, M Erfolglosigkeit der durchgeführten Maßnahmen - Welche Konsequenzen sind zu erwarten, wenn trotz fundierter Maßnahmenplanung und Umsetzung der Maßnahmen die Grenzwerte der 22. BlmSchV nicht eingehalten werden können? Tz , S Fragen zu sonstigen Verfahren, Genehmigungen oder Anordnungen - Bindungswirkung des LP bei Ermessensentscheidungen: Kann der LP die Vollzugsbehörde eines anderen Kompetenzträgers in der Ermessensausübung im konkreten Einzelfall beschränken? Kann der LP die Ermessensausübung ersetzen? Tz M 89 - Deutschland hat die Luftqualitätsrahmen- und die bisher dazu ergangenen Tochterrichtlinien im BlmSchG und in der 22. BlmSchV umgesetzt. Für die Beurteilung von immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftigen und auch nicht genehmigungsbedürftigen Anlagen wurden die EU-Immissionsgrenzwerte in der neuen TA Luft 2002 umgesetzt. Nach Ziffer a wurde für die von einer Anlage ausgehende Zusatzbelastung eine Irrelevanzschwelle von 3 % des jeweiligen Immissions-Jahreswertes festgelegt. Damit dürfen immissionsschutzrechtliche Genehmigungen auch erteilt werden, wenn der Betrieb der Anlage dazu führt, dass Immissionswerte überschritten oder bestehende Überschreitungen verschärft werden. Ist diese Irrelevanz-Klausel mit EG-Recht vereinbar? Tz Das Gutachten sollte ferner Ausführungen zur Anwendung der 20, 21 BlmSchG bei Überschreiten der Immissionswerte machen. Tz Zulassung von nicht genehmigungsbedürftigen Anlagen: Bei nicht genehmigungsbedürftigen Anlagen lässt 22 I BlmSchG unvermeidbare schädliche Umwelteinwirkungen in gewissem Umfang zu. Inwieweit ist dies mit EG- Recht vereinbar? Tz , Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Formulierung in 50 BImSchG ist bei der Abwägung der betroffenen Belange die Erhaltung der bestmöglichen Luftqualität als Belang zu berücksichtigen? Ist danach in Bebauungsplänen die Luftqualität in allen Fällen (in den festgelegten Gebieten) explizit abzuwägen? Tz Welche Rechtsverbindlichkeit haben die Grenzwerte für städtebauliche bzw. verkehrliche Planungen (Bebauungspläne, Planfeststellungsverfahren)? Ist ein Projekt genehmigungsfähig, wenn in einer Prognose eine Überschreitung der Grenzwerte festgestellt wird? Tz Sind Bebauungspläne genehmigungsfähig, wenn eine Überschreitung von Grenzwerten der 22. BlmSchV prognostiziert ist? Tz M S M M M M S Fragen zum Rechtsschutz - Wer kann wie, wo und wann gegen wen klagen, wenn die Grenzwerte nicht eingehalten werden? Tz Wer kann die Einhaltung der Grenzwerte fordern bzw. einklagen? Welche Fristen bis zur möglichen Einhaltung gelten als angemessen? Tz , Klage auf Einhaltung der Grenzwerte: Wer ist der Beklagte? Immer die Kommune? Wie steht es mit dem Verursacherprinzip? Tz Kann die Einhaltung der Grenzwerte eingeklagt werden (z. B. Klagerecht von Bürgern)? Ist die Einhaltung der nach 22. BlmSchV festgelegten Grenzwerte auch von Privatpersonen, Verbänden und sonstigen juristischen Personen des öffentlichen o- der privaten Rechts einklagbar bzw. kann sie durchgesetzt werden? Gibt es hier eine Rechtsweggarantie oder sind die Grenzwerte nur verwaltungsintern einzufordern? Tz S DD H M 910 - Wer haftet bei Nichteinhaltung der Grenzwerte? Tz , M - Kann die Umsetzung von Maßnahmen eingeklagt werden? Tz. 158 M - Angenommen, die zuständige Vollzugsbehörde kommt ihren Anlagenüberwachungspflichten nicht in vollem Umfang nach und das Vollzugsdefizit führt zu Immissionsgrenzwertüberschreitungen, welche Schadensersatzpflichten können für die Behörde daraus erwachsen? Tz Welche Schadensersatzansprüche können entstehen, und gegen wen müssten sie gerichtet sein, wenn Luftreinhalteplanungen zu Einschränkungen für Industrie, Transportgewerbe und Bürger führen, die wirtschaftliche Folgen haben? Tz M DD Weiterer Regelungsbedarf - Welche Gesetze bzw. Verordnungen müssen im Zuge der Umsetzung der 22. BlmSchV geändert werden (z. B. StVO)? Tz Welche Möglichkeiten der Einflussnahme auf Landes- und Bundesregierung haben die Kommunen, um für die Lufthygiene wichtige politische Entscheidungen voranzubringen? (Stichworte: Verkehrspolitik, Dieselrußfilter, Entfernungspauschale und Eigenheimzulage). ( ) (keine juristische Frage) S H 1011 I Grenzwerte 1 Rechtsnatur der Grenzwerte 1 Die 22. BImSchV unterscheidet zwischen Immissionsgrenzwerten und Alarmschwellen. Für sie verwendet man den zusammenfassenden Begriff Immissionswerte. 1 2 Während das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil vom die Rechtsnatur der Immissionsgrenzwerte der BImSchV noch offen gelassen hat, ergibt sich aus zwei neueren, noch nicht schriftlich vorliegenden Urteilen 3, dass das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich von Verbindlichkeit der Immissionsgrenzwerte ausgeht. Auch entspricht es einhelliger Meinung im Schrifttum, 4 dass diese verbindlich sind. Die Verbindlichkeit der Werte folgt bereits aus deren Definition in Art. 2 Nr. 5 der Luftqualitätsrahmenrichtlinie (RL 96/62) und Art. 2 Nr. 5 der beiden ersten Tochterrichtlinien (RL 1999/30 und 2000/69), deren Umsetzung die 7. Novelle zum Bundes-Immissionsschutzgesetz von 2002 und die 22. BImSchV dienen. Bestätigt wird diese Deutung durch die Gegenüberstellung der Begriffe "Grenzwert" und "Zielwert" im Definitionsartikel der RL 96/62 (Art. 2 Nr. 5 und Nr. 6). Danach sind die Grenzwerte zu einem bestimmten Termin einzuhalten und dürfen danach nicht mehr überschritten werden, während ein Zielwert nur soweit wie möglich in einem bestimmten Zeitraum erreicht werden muss. 3 Auch das gesetzliche Instrumentarium zur Einhaltung der Grenzwerte lässt sich nur vor dem Hintergrund ihrer Verbindlichkeit verstehen. Werden die Immissionsgrenzwerte einschließlich Toleranzschwellen vor dem Zeitpunkt ihres Inkrafttretens nicht eingehalten, so ist ein Luftreinhalteplan aufzustellen ( 47 Abs. 1 BImSchG, Art. 8 Abs. 3 LQRRL). Bei Gefahr einer Überschreitung nach Inkrafttreten der Immissionsgrenzwerte sind in einem Aktionsplan kurzfristig Maßnahmen zu treffen, die die Gefahr der Überschreitung verringern oder den Zeitraum der Überschreitung verkürzen ( 47 Abs. 2 BImSchG, Art 7 Abs. 3 LQRRL). Entsprechendes gilt für die Überschreitung der Alarmschwellen, die nur für SO 2 und NO 2 festgesetzt sind ( 2 Abs. 6, 3 Abs BImSchV). 4 Die Verbindlichkeit der Immissionswerte bezieht sich auf die in der 22. BImSchV bzw. der RL 1999/30 genannten Zeitpunkte. Dies bedeutet, dass für die Zeit vor dem , die Zeit ab diesem Zeitpunkt und die Zeit ab dem unterschieden werden muss. Allerdings haben die zu einem späteren Zeitpunkt geltenden Immissionswerte bereits Vorwirkungen, da der Luftreinhalteplan nach 47 Abs. 1 BImSchG gerade darauf abzielt, die Einhaltung künftig geltender Immissionswerte zu dem jeweils in Betracht kommenden Zeitpunkt sicherzustellen. Auch planunabhängige Maßnahmen können geboten sein (siehe unter V) Zur Terminologie s. Begr., BT-Drucks. 14/8450, S. 12; Jarass, NVwZ 2003, 257, 260. NVwZ 2004, 100. Urt. vom , 9 A 5.03 und 9 A 6.03 (B 170 Dresden), zitiert nach der Pressemitteilung. Hansmann, LR Vorbem. 3.1 EU Rdnr. 19; Jarass, NVwZ 2003, 257, 258, 260; Scheuing, GK 48a Rdnr. 47 f., 66; Gerhold/Weber, NVwZ 2000, 1138 f.; ebenso Begr., BT-Drucks. 14/9404, S12 5 Eine Besonderheit gilt für die 2. Stufe des Immissionsgrenzwertes für Partikel (PM 10 ). Hierbei handelt es sich im Hinblick auf die Revisionsklausel nach Art. 10 Abs. 2 RL 1999/30 nicht um einen verbindlichen Grenzwert, sondern nur um einen Richtwert. Art. 5 Abs. 1 RL 1999/30 verweist insoweit auf Anhang III Abschnitt I, in dem dieser Wert ausdrücklich als bloßer Richtwert bezeichnet wird. Dementsprechend ist er nicht in die 22. BImSchV aufgenommen worden. 5 6 Die Immissionsgrenzwerte unterliegen grundsätzlich keiner Relativierung durch Abwägung. Entsprechend Anhang II LQRRL wurde bei ihrer Festsetzung bereits die wirtschaftliche und technische Durchführbarkeit als Ausdruck der "großen Verhältnismäßigkeit" beachtet. 6 Dies kommt insbesondere in der zeitlichen Staffelung der Immissionsgrenzwerte einschließlich Toleranzmargen zum Ausdruck, auch wenn es sich hierbei nur um einen geringen zeitlichen Aufschub handelt. Für Benzol gibt es zudem eine Verlängerungsmöglichkeit für die Einhaltung des Grenzwertes ( 6 Abs BImSchV). All das zeigt, dass das Gesetz von grundsätzlicher Verbindlichkeit ausgeht. Entsprechendes gilt für die Alarmschwellen. 7 Allerdings besteht auf der Maßnahmenebene insofern Flexibilität, als die Behörden entscheiden können, wie und gegen wen die Immissionswerte durchgesetzt werden. 7 Außerdem gewährt das Regime der Aktionspläne bei (drohender) Überschreitung von Immissionsgrenzwerten und Alarmschwellen nach deren Inkrafttreten den Behörden insofern einen gewissen Spielraum, als Aktionspläne die Gefahr einer Überschreitung (nur) verringern und den Zeitraum einer bereits erfolgten Überschreitung (nur) verkürzen sollen ( 47 Abs. 2 BImSchG, Art. 7 Abs. 3 LQRRL). Damit wird impliziert, dass kurzzeitige Überschreitungen ggf. hinzunehmen sind (vgl. unten II 1). 8 Es besteht allerdings Streit über die Art der Verbindlichkeit im Einzelnen. Überwiegend wird angenommen, dass es sich um außenrechtswirksame Normen handelt, zum Teil geht man aber auch davon aus, dass sich die Werte nur an die Behörden richten und diesen Maßnahmen abverlangen. 8 Diese Frage ist aber im vorliegenden Zusammenhang zunächst ohne Bedeutung (siehe V 1). 9 Über die rechtliche Einordnung der Toleranzmargen, die hinsichtlich der im Jahre 2010 einzuhaltenden Immissionsgrenzwerte für NO 2, Benzol und Blei bestehen, gibt es im Schrifttum wenig explizite Stellungnahmen. Aus der gesetzlichen Regelung wird man entnehmen müssen, dass es sich hierbei nicht um (strikt verbindliche) Grenzwerte handelt. Dies wird in der Amtlichen Begründung zur 22. BImVO 9 ausdrücklich festgestellt; es wird ausgeführt, dass die Luftqualitätsrahmenrichtlinie bei Überschreitung von Toleranzmargen keine tatsächlichen Maßnahmen zur Schadstoffreduzierung fordere. 1 Nr BImSchV definiert (leicht abweichend von Art. 2 Nr. 8 LQRRL, aber in der Sache gleichsinnig) Toleranzmargen als einen in jährlichen Stufen abnehmenden Wert, um den der Immissionsgrenzwert innerhalb der festgesetzten Fristen überschritten werden darf, ohne die Erstellung eines Luftreinhalteplans zu bedingen. Es handelt sich danach also nur um Planungswerte, da an Vgl. Begr., BT-Drucks. 14/9404, S. 31. Begr., BT-Drucks. 14/9404, S. 30. Hansmann, LR Vorbem. 3.1 EU Rdnr. 21; Jarass, NVwZ 2003, 257, 258. Vgl. Jarass, NVwZ 2003, 257, 260; Scheuing, GK 48a Rdnr. 47, 48, 66 einerseits; Hansmann, LR 22. BImSchV Rdnr. 9; Vorbem. 3.1 EU Rdnr. 21; TA Luft Nr. 4.2 Rdnr. 4 andererseits. BT-Drucks. 14/9404, S. 30, 33; so wohl auch Jarass, NVwZ 2003, 257,13 sonsten eine Pflicht zur Aufstellung eines Aktionsplans ausgelöst werden müsste. Auch die systematische Auslegung ergibt eindeutig, dass Toleranzmargen bloße Planungswerte sind. Eine Überschreitung des künftig geltenden Immissionsgrenzwertes zuzüglich der jeweiligen Toleranzmargen löst die Pflicht zur vorsorglichen Aufstellung eines Luftreinhalteplans aus, um die fristgerechte Einhaltung des (im Zeitverlauf verschärften) Immissionsgrenzwertes zu gewährleisten ( 47 Abs. 1 BImSchG, Art. 8 Abs. 3 LQRRL). 10 Auch werden bei der Pflicht zur Aufstellung eines Aktionsplans, welcher der Verhütung drohender Überschreitungen oder Beseitigung von Überschreitungen bereits in Kraft befindlicher Immissionsgrenzwerte dient, die Toleranzmargen nicht genannt ( 47 Abs. 2 BImSchG, Art. 7 Abs. 3 LQRRL). Dies kann man nur damit begründen, dass sie aus der Sicht des Gesetzgebers eben keine verbindlichen Grenzwerte sind, ihre Überschreitung vielmehr nur eine Planungspflicht für die Zukunft auslöst, weil dann die nicht entfernte Möglichkeit besteht, dass der künftig geltende Immissionsgrenzwert nicht eingehalten werden kann. 2 Messungen und Prognosen 10 Die Luftqualität ist auf der Grundlage der bereits vorliegenden Ausgangsbeurteilung ( BImSchV) nach BImSchV je nach Ergebnis der Ausgangsuntersuchung und z. T. auch Art des Gebiets nach unterschiedlich anspruchsvollen (genauen) Methoden zu ermitteln. Eine Messpflicht gilt grundsätzlich: in Ballungsräumen, wenn die unteren Beurteilungsschwellen nach Anlage 1 überschritten sind und unabhängig davon stets für NO 2 und Schwebestaub, in sonstigen Gebieten, wenn die unteren Beurteilungsschwellen überschritten sind. 11 Liegt allerdings die Luftqualität in diesen Gebieten über einem repräsentativen Zeitraum zwischen oberer und unterer Beurteilungsschwelle, so kann eine Kombination von Messungen und Modellrechnungen gewählt werden ( 10 Abs BImSchV). Daraus folgt, dass nur bei Überschreitung der oberen Beurteilungsschwellen stets zu messen ist. Unterhalb der unteren Beurteilungsschwellen kann die Luftqualität durch Modellrechnungen oder Schätzverfahren ermittelt werden ( 10 Abs BImSchV). Aus der Stufung der Anforderungen ergibt sich, dass der Verordnungsgeber gewisse Ungenauigkeiten bei der Beurteilung der Luftqualität abhängig von Datenverfügbarkeit in Kauf nimmt In diesem Rahmen ist die Frage von Bedeutung, wie bei der Beurteilung der Luftqualität nach der 22. BImSchV mit Mess- und Prognoseunsicherheiten umzugehen ist, insbesondere welche Auswirkungen diese auf die Feststellung einer (drohenden) Ü- berschreitung oder einer Nichtüberschreitung der Immissionsgrenzwerte, Alarmschwellen und Toleranzmargen mit den daran geknüpften Rechtsfolgen haben. 13 Die 22. BImSchV legt die Randbedingungen für die Beurteilung der Luftqualität grundsätzlich verbindlich fest. 12 Sie bestimmt die Lage und Mindestzahl von Mess Begr., BT-Drucks. 14/9404, S. 32; Hansmann, LR Vorbem. 3.1 EU Rdnr. 31. Jarass, NVwZ 2003, 257, 261. Begr., BT-Drucks. 14/9404, S. 31 f.; Jarass, NVwZ 2003, 257,14 stationen ( 10 Abs. 7, Anlagen 2 und BImSchV). Sie trägt Messunsicherheiten durch Regelungen über die Mittelung von Messergebnissen, die Zahl der zulässigen Überschreitungen der Werte (Perzentile) und Qualitätsanforderungen an Messungen Rechnung. 14 Für die NO 2 -Stundenmittelwerte zum Beispiel gilt bis 2009 ein 98-Perzentil ( 3 Abs BImSchV), während ab 2010 bis zu 18 Überschreitungen pro Jahr zulässig sind (was einem weitaus höheren Perzentil entspricht). Bei Schwebestaub/Partikeln sind hinsichtlich der ab 2005 geltenden Tagesmittelwerte 35 Überschreitungen im Kalenderjahr möglich ( 4 Abs BImSchV). Bei SO 2 sind hinsichtlich der Tagesmittelwerte drei und hinsichtlich der Stundenmittelwerte 24 Überschreitungen im Kalenderjahr zugelassen. Auch für die unteren und oberen Beurteilungsschwellen, die für die Zulässigkeit anderer Beurteilungsverfahren als Messungen erheblich sind, gibt die 22. BImSchV die Zahl der zulässigen Überschreitungen an ( 10 Abs. 2, Anlage BImSchV). Schließlich enthält die 22. BImSchV in 10 Abs. 3-6 mit Anlage 4 Qualitätsziele für die Datenqualität hinsichtlich Genauigkeit bzw. Unsicherheit, Mindestzeitdauer von Messungen und Messdatenerfassung sowie für die Genauigkeit bzw. Unsicherheit von Modellberechnungen und Schätzverfahren; ferner schreibt sie in 10 Abs. 8 mit Anlage 5 Referenzmethoden für die Beurteilung vor (von denen nur bei belegter Gleichwertigkeit anderer Methoden abgewichen werden kann). Keine genauen Festlegungen gibt es allerdings für die Art zulässiger Modellberechnungen und Schätzverfahren. 13 Abweichungen zwischen den jeweiligen Beurteilungen sind hier hinnehmbar, weil die Zulässigkeit ungenauerer Beurteilungen sich auf Gebiete beschränkt, die weit unterhalb der Grenzwerte liegen. Es ist davon auszugehen, dass hier die national üblichen Verfahren anzuwenden sind, z. B. nach Ziff. 2.6 Anlage C TA Luft (die freilich auf Punktquellen zugeschnitten ist). 15 Die mittels Messungen, Modellberechnungen oder Schätzungen ermittelte Luftqualität ist grundsätzlich für die Beurteilung einer Überschreitung oder Einhaltung der Immissionsgrenzwerte einschließlich Toleranzmargen oder Alarmschwellen geeignet. Soweit Messungen ausschließlich oder in Kombination mit Modellberechnungen vorgenommen worden sind, folgt dies daraus, dass die Verordnung Messungenauigkeiten durch die Definition der Grenzwerte und Qualitätssicherungsziele ausreichend Rechnung trägt. 16 Entsprechendes gilt grundsätzlich auch für reine Modellberechnungen und Schätzverfahren. Es ist richtig, dass Immissionswerte und Ermittlungsverfahren eine Einheit bilden. Daher kann z. B. die Bindungswirkung von Immissionswerten in Form von Verwaltungsvorschriften entfallen, wenn die Ermittlungsverfahren veraltet sind. 14 Soweit ausreichende Beurteilungsverfahren nicht festgelegt sind, kann man diskutieren, ob und inwieweit die zuständigen Behörden bei der Sachverhaltsermittlung einen gewissen Einschätzungsspielraum besitzen, 15 obwohl eine völlig eigenverantwortliche Ermittlung abzulehnen ist. 16 Außerdem ist der Grundsatz zu beachten, dass Vgl. Anlage 5 Ziff. VIII, wo darauf hingewiesen wird, dass es noch keine Referenzmethoden gibt; Art. 7 Abs. 5, Anhang IX Abschnitt VI RL 1999/30 ist offen! BVerwG, NVwZ 1988, 82; NVwZ-RR 1996, 498; 1997, 279; OVG Lüneburg, NVwZ 1985, 357, 358; Kutscheidt, NVwZ 1983, 581, 583; ders., NVwZ 1989, 193, 196; Hansmann, NuR 1999, 10, 14. Vgl. Kutscheidt, LR 3 Rdnr. 8b; Ohms, DVBl. 2002, 1365, 1367, 1373; Stellens/Bonk/Sachs, VwVfG, 6. Aufl. 2001, 24 Rdnr. 16, 26 Rdnr. 4. BVerwGE 85, 368 = NVwZ 1991,15 Prognosen auf der sicheren Seite liegen müssen (Notwendigkeit einer konservativen Abschätzung). 17 Diese Überlegungen führen jedoch nicht dazu, die Luftqualitätsbeurteilung auf Grund von Modellrechnungen und Schätzungen grundsätzlich in Zweifel zu ziehen. Grundlage der Zulassung ungenauerer Verfahren (Modellberechnungen und Schätzverfahren) ist die Ausgangsbeurteilung der Luftqualität, deren Zuverlässigkeit die Kommission bewerten kann (Art. 11 Nr. 1 Buchst. d LQRRL) und bewertet hat. Diese Verfahren können als alleinige Verfahren nur unterhalb der unteren Beurteilungsschwelle angewandt werden; diese bildet einen ausreichenden Sicherheitspuffer für Prognoseunsicherheiten. Entsprechendes gilt für Beurteilungen zwischen unterer und oberer Beurteilungsschwelle. Durch das Erfordernis einer zeitlich repräsentativen Einhaltung der Marge zwischen den beiden Schwellen, die immer noch erhebliche Entfernung der oberen Beurteilungsschwelle vom Grenzwert und die bloße Abschwächung, nicht aber den Wegfall des Messerfordernisses, sind auch in diesem Bereich ausreichende Vorkehrungen für eine konservative Beurteilung der Luftqualität getroffen. 3 Geschützte Personen und Schutzobjekte 17 Die Immissionsgrenzwerte der 22. BImSchV dienen nach dem Wortlaut der Verordnung überwiegend dem Schutz der menschlichen Gesundheit (vgl. 2 Abs. 1, 2, 4, 3 Abs. 1, 2, 4 Abs. 2, 4, 5 Abs. 1, 2, 6 Abs. 1, 7 Abs BImSchV). Das Gleiche gilt für die Alarmschwellen ( 3 Abs BImSchV). Daneben zielen einzelne Werte zugleich auch auf den Schutz der Umwelt ab ( 2 Abs. 1, 3 Abs. 1, 4 Abs BImSchV), und unter den ab 2005 geltenden Werten gibt es z. T. besondere Immissionswerte zum Schutz der Umwelt, d. h. der Vegetation und von Ökosystemen ( 2 Abs. 5, 3 Abs BImSchV). Soweit nicht besonders vermerkt, gelten die Überlegungen des Gutachtens, bei denen die gesundheitsbezogenen Werte im Vordergrund stehen, auch für die Immissionswerte zum Schutz der Umwelt. 18 Hinsichtlich der Bestimmung des geschützten Personenkreises kann man sicherlich nicht unmittelbar auf die Gesichtspunkte zurückgreifen, die im Rahmen des Bundes- Immissionsschutzgesetzes entwickelt worden sind, das in 3 Abs. 1 und 5 Abs. 1 Nr. 1 zwischen Nachbarschaft und Allgemeinheit unterscheidet. Nach h. M. gehören zu den Nachbarn Angehörige der Wohnbevölkerung, Arbeitnehmer und andere Personen mit ständigem Aufenthalt auf einem Grundstück wie Schüler oder Auszubildende. 18 Allgemein schließt man Personen mit einer hinreichenden Dauer des Aufenthalts im Einwirkungsbereich der Emissionsquelle ein, d. h. Personen, die nachhaltig und auf Dauer betroffen sind. 19 Dies bedeutet insbesondere, dass Personen, die sich nur gelegentlich oder zufällig im Einwirkungsbereich der Emissionsquelle aufhalten (Besucher, Kunden, Touristen, Handwerker, Fahrrad- und Motorradfahrer) nicht als Nachbarn gelten. Sie sind aber in dem Begriff der Allgemeinheit enthalten. Die Einordnung einer Person in den Begriff des Nachbarn verschafft dieser ein eigenes Recht, das insbesondere im Wege des verwaltungsgerichtlichen Rechtsschutzes Hansmann, LR TA Luft Nr Rdnr. 5, 8; Ohms, DVBl. 2002, 1365, BVerwG, NJW 1983, 1507; OVG Lüneburg, DVBl. 1984, 890 f.; VGH Mannheim, NVwZ-RR 1995, 639, 641; Dietlein, LR 5 Rdnr. 87; Kutscheidt, LR 3 Rdnr. 6b; Jarass, 3 Rdnr. 23; Roßnagel, GK 5 Rdnr Dietlein, LR 5 Rdnr. 87; Kutscheidt, LR 3 Rdnr. 6b; Begr., BT-Drucks. 7/179, S16 geltend gemacht werden kann. Personen, die zur Allgemeinheit gehören, werden "reflexartig" ohne eigenes subjektives Recht geschützt. 19 Eine derartige Unterscheidung ist der Luftqualitätsrahmen-Richtlinie und den Richtlinien 1999/30 und 2000/69 fremd und sie kann deshalb auch nicht für die 22. BImSchV gelten. Welcher Personenkreis geschützt ist, kann nicht anhand des dem bisherigen (autonomen) Recht entlehnten Gegensatzpaares "Nachbarschaft" und "Allgemeinheit", sondern muss im Ansatzpunkt auf Grund der Struktur der Grenzwerte bestimmt werden. Es geht um den Schutz gegen Expositionen von Angehörigen der Bevölkerung während der Mittlungszeit des jeweiligen Grenzwertes. Soweit Immissionsgrenzwerte als Stunden- oder Tagesmittelwerte ausgestaltet sind, ist davon auszugehen, dass die 22. BImSchV auch relativ kurzzeitige Expositionen als gesundheitlich relevant ansieht. Die Richtigkeit dieser Betrachtungsweise lässt sich auch aus 10 Abs. 7 in Vbg. mit Anlage BImSchV herleiten. Nach Anlage 2 Ziff. I a (i) sind die Messstellen so einzurichten, dass "Daten zu den Bereichen innerhalb von Gebieten und Ballungsräumen gewonnen werden, in denen die höchsten Konzentrationen auftreten, denen die Bevölkerung wahrscheinlich direkt oder indirekt über einen Zeitraum ausgesetzt wird, der der Mittelungszeit des betreffenden Immissionsgrenzwertes Rechnung trägt". In Bezug auf Benzol und Kohlenmonoxid stellt Anlage 2 Ziff. I a (ii) auf einen Zeitraum ab, der für die Exposition der Bevölkerung allgemein repräsentativ ist; dies hängt damit zusammen, dass für Benzol nur ein Jahresmittelwert besteht ( 6 Abs BImSchV) und für Kohlenmonoxid der höchste Achtstundenmittelwert eines Tages gilt. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass in Anlage 2 Ziff. II hinsichtlich der Probenahmen für den Verkehr für NO 2 und CO ausdrücklich Messungen höchstens 5 m vom Fahrbahnrand verlangt werden. Damit sind insoweit auch Personen, die sich auf Bürgersteigen aufhalten, z. B. in Straßencafés, in den Schutzbereich der betreffenden Grenzwerte einbezogen. 20 Aus alledem ist zu folgern, dass je nach Struktur des Grenzwertes auch Personen mit kurzzeitigem Aufenthalt im Einwirkungsbereich der Emissionsquelle geschützt sind. Aus 10 Abs. 7 in Vbg. mit Anlage 2 Ziff. I und II 22. BImSchV ergibt sich also eine Erweiterung des geschützten Personenkreises über den Begriff der Nachbarschaft hinaus. Jedenfalls Personen, die sich typischerweise dauernd oder wiederholt innerhalb der jeweiligen Mittelungszeit des Grenzwertes bei SO 2 und NO 2 innerhalb einer Stunde, bei CO am Tage im Einwirkungsbereich der Emissionsquelle aufhalten, sind durch die betreffenden Grenzwerte geschützt. 20 Bei typischen Aufenthalten unterhalb der Mittelungszeit, z. B. an Bushaltestellen und Bahnsteigen, scheidet dagegen ein Schutz aus. 21 Dies bedeutet nicht notwendig, dass Personen mit nur gelegentlichem Aufenthalt in der Mittelungszeit geschützt werden sollen. Dagegen spricht, dass gelegentliche Expositionen gesundheitlich grundsätzlich zu vernachlässigen sind und dem Konzept der Grenzwerte eine typisierende Betrachtungsweise zugrunde liegt Nicht geschützt sind Arbeitnehmer am Arbeitsplatz (Art. 2 Nr. 1 LQRRL). Ob dies ganze Werksgelände und damit praktisch Arbeitnehmer ausschließt, ist aus der Richtlinie nicht zu entnehmen. Der deutschen Tradition würde es widersprechen. Gesundheitsbezogene Immissionswerte gelten grundsätzlich einheitlich für das ge Hansmann, LR TA Luft Nr. 6.1 Rdnr. 7. Ebenso Hansmann, LR TA Luft Nr Rdnr17 samte Staatsgebiet; eine Differenzierung zwischen Gebieten unterschiedlicher Qualität etwa Wohn-, Gewerbe- und Industriegebiete findet nicht statt. Hansmann 22 folgert aus den Regelungen der RL 1999/30 über die Messorte mit der Bezugnahme auf die höchste relevante oder repräsentative Exposition der Bevölkerung, dass abgeschlossene Betriebsgelände nicht erfasst seien. Wäre diese Argumentation richtig, so müssten auch viele andere Flächen, zu denen kein freier Zugang besteht, wie Schulen, Vereinssportplätze oder Sanatorien, aus dem Schutz ausgeschlossen werden. Dies ist wenig plausibel. Die enge Wortlautauslegung des Begriffs "an Arbeitsplätzen" mit dem daraus folgenden Vorrang lediglich des Arbeitsschutzrechts verdient daher den Vorzug. 23 Im Ergebnis ist festzustellen, dass nach der 22. BImSchV Personen geschützt sind, die sich typischerweise oder wiederholt innerhalb des Mitteilungszeitraums des Grenzwertes im Einwirkungsbereich der Emissionsquelle aufhalten. Neben der Wohnbevölkerung, Arbeitnehmern (beschränkt auf Einwirkungen auf die Außenluft durch Drittquellen) und Schülern oder Auszubildenden kommen auch Personen mit kurzzeitigem Aufenthalt während des Mittelungszeitraums in Betracht, wenn es sich nicht lediglich um gelegentliche Aufenthalte handelt. Der Schutzbereich von Grenzwerten mit Stundenmittelwerten und von Alarmschwellen bezieht sich daher auch auf Straßenverkäufer, Straßenmusiker, regelmäßige Besucher von Straßencafés, ggf. auch Sportler mit regelmäßigem Trainingsaufenthalt, nicht dagegen auf Personen auf Haltestellen, Bahnsteigen, Laufpublikum auf Bürgersteigen, Kunden, Arbeitnehmer mit temporärem Einsatz und dgl. 24 Die umweltbezogenen Immissionswerte sind dagegen nicht auf Einzelobjekte der Natur, sondern auf die Vegetation und Ökosysteme und damit auf größerflächige Schutzgüter bezogen. Dies kommt insbesondere in den Messvorschriften nach Anlage 2 Ziff. I Buchst. b 22. BImSchV zum Ausdruck, wo auf Repräsentativität für ein größeres Gebiet abgestellt wird. 4 Ort der Einhaltung der Grenzwerte 25 Die Frage, wo die Immissionsgrenzwerte und Alarmwerte der 22. BImSchV eingehalten werden müssen, wirft deshalb Zweifel auf, weil die Verordnung, wie auch die Luftqualitätsrahmenrichtlinie und die Richtlinie 1999/30 und 2000/62, auf Ballungsräume und von den Mitgliedstaaten zu bezeichnende (sonstige) Gebiete abstellt. Ballungsräume sind Gebiete mit mehr als Einwohnern und mehr als 100 km 2 Fläche ( 1 Nr BImSchV). Die sonstigen Gebiete sind nicht definiert. Es handelt sich um Gebiete, in denen eine Überschreitung der Immissionswerte möglich erscheint. Art. 2 Nr. 9 LQRRL überlässt die Festsetzung dieser Gebiete den Mitgliedstaaten, die insoweit grundsätzlich frei sind. 23 Allerdings gibt es hierzu einen EU-Leitfaden, 24 in dem Empfehlungen zur Abgrenzung von Gebieten gegeben werden, um die Praxis der Mitgliedstaaten zu harmonisieren. Danach wird ebenfalls eine großräumige Betrachtungsweise zugrunde gelegt. Es soll sich um Gebiete mit über LR Vorbem EU Rdnr. 16. Vgl. Hansmann, LR Vorbem. 3.1 EU Rdnr. 23. Guidance on Assessment under the EU Air Quality Directives, 1718 Einwohnern und einer Fläche von 10 bis 100 km 2 handeln. Eine großräumige Betrachtungsweise wird auch durch die Regelungen über die Mindestzahl der Messungen diffuser Quellen nach Anlage 3 der 22. BImSchV nahe gelegt, wonach für eine Bevölkerung bis zu Einwohner bei Überschreitung der oberen Beurteilungsschwellen nur eine Messstation vorgesehen ist. 26 Ballungsräume und Gebiete sind jedoch lediglich Planungsräume und Einheiten für die Information und Beteiligung der Öffentlichkeit. Dies ergibt sich insbesondere aus der Pflicht zur Klassifizierung der Ballungsräume und Gebiete, den Regelungen über die Aufstellung von Luftreinhalte- und Aktionsplänen und den Vorschriften über die Information und Beteiligung der Öffentlichkeit ( 9 Abs. 2, 11, 12, 22. BImSchV). Man kann daraus nicht ableiten, dass auch für die Einhaltung der Grenzwerte eine großräumige Betrachtungsweise zugrunde zu legen ist. Planungsraum und Ort der Einhaltung der Grenzwerte sind vielmehr zu unterscheiden. Bei der Definition von Immissionsgrenzwerten und Alarmschwellen fehlt jeglicher Gebietsbezug ( 1 Nr. 3, BImSchV). Bei den Vorschriften über die Zahl der Messpunkte handelt es sich nur um Mindestregelungen. Aus der Anlage 2 Ziff. I a 22. BImSchV ergibt sich zudem, dass grundsätzlich zu messen ist, wo die Exposition der Bevölkerung am größten ist und im Übrigen, wo repräsentative Ergebnisse zu erwarten sind. Einbezogen werden insbesondere Straßenschluchten 25 und Bürgersteige. Eine kleinräumige Betrachtungsweise hinsichtlich der Einhaltung der Grenzwerte liegt auch Anlage 4 Ziff. II 22. BImSchV zugrunde, wonach, wenn die Beurteilung der Luftqualität neben Messungen oder ausschließlich durch Modellrechnungen oder Schätzverfahren erfolgt, die Flächen und Straßenlängen mit Überschreitungen sowie geographische Bereiche, die potenziell einer Konzentration oberhalb der oberen Beurteilungsschwelle ausgesetzt sind, besonders beschrieben werden sollen. Auch nach dem EU-Leitfaden sollen, wenn die Grenzwerte in einem Teil eines Gebiets, z. B. stark befahrenen Straßen, überschritten werden, die Luftqualität in den übrigen Gebieten aber gut ist, die Mitgliedstaaten ergänzende Informationen veröffentlichen, die diesen Umstand offenbaren und erklären. Bei den Immissionswerten zum Schutz der Vegetation und von Ökosystemen legen die Messvorschriften der 22. BImSchV (Anlage 2 Ziff. I Buchst. b) dagegen eine größerräumige Betrachtungsweise nahe, da es grundsätzlich auf die Repräsentativität für ein Gebiet von mehr als 1000 km 2 und in größerer Entfernung von Ballungsgebieten und Siedlungen ankommt. Auch soweit wegen geographischer Besonderheiten ein kleineres Gebiet oder ein Gebiet in geringerer Entfernung gewählt werden soll oder kann, bleibt der Gebietsbezug der Messvorschriften erhalten. 27 Aus alldem ist zu folgern, dass die gesundheitsbezogenen Immissionswerte kleinräumig am Ort der höchsten Exposition einzuhalten sind. Ballungsräume und (sonstige) Gebiete mit Grenzwertüberschreitungen ( 11 Abs BImSchV) sind auch solche, in denen nur in einzelnen örtlichen Bereichen die Werte überschritten werden. Diese kleinräumige Betrachtungsweise hat im deutschen Recht auch bisher bereits im Bereich der Anlagenzulassung gegolten, wenngleich auf der Ebene der Messungen eine gewisse geographische Mittelung erfolgen konnte. Ihre Ausdehnung auf andere Belastungsquellen ist sicherlich gewöhnungsbedürftig und mag im Hinblick auf den Rechtsschutz auch zu Schwierigkeiten führen. Sie ist jedoch nach dem 25 Hansmann, LR Vorbem EU Rdnr19 Schutzziel und der Struktur der gesundheitsbezogenen Immissionswerte der 22. BImSchV geboten. II Luftreinhalte- und Aktionsplan 1 Notwendigkeit der Aufstellung eines Luftreinhalte- oder Aktionsplans 28 Nach 47 Abs. 1 BImSchG sind Luftreinhaltepläne aufzustellen, wenn Immissionsgrenzwerte einschließlich festgelegter Toleranzmargen überschritten werden; der Plan legt Maßnahmen zur dauerhaften Verminderung der Luftverunreinigungen fest. Mit der Bezugnahme auf die Toleranzmargen wird zum Ausdruck gebracht, dass im Vorfeld des Inkrafttretens der Immissionsgrenzwerte durch vorsorgliche Maßnahmen die künftige Einhaltung der Immissionsgrenzwerte sichergestellt werden soll Aktionspläne sind nach 47 Abs. 2 BImSchG aufzustellen, wenn die verbindlich gewordenen Immissionsgrenzwerte oder die Alarmschwellen überschritten werden oder eine solche Überschreitung droht. 27 Aktionspläne müssen kurzfristig zu ergreifende Maßnahmen vorsehen, die die Gefahr der Überschreitung der Grenzwerte verringern oder den Zeitraum, in dem diese tatsächlich überschritten sind, verkürzen. Damit ist impliziert, dass Aktionspläne auch kurzfristig wirken sollen. Es kommen insbesondere Maßnahmen der in den früheren Smogverordnungen vorgesehen Art, z. B. Betriebseinschränkungen oder Verkehrsbeschränkungen, in Betracht Aktionspläne sind nach dem Gesetz auch dann aufzustellen, wenn die betreffenden Luftverunreinigungen dauerhaft nur durch langfristige Maßnahmen zu bewältigen sind. Das Gesetz verlangt aber wohl keine absolute Einhaltung der Grenzwerte durch Luftreinhalteplanung. Es verlangt im Fall der bereits vorliegenden Überschreitung nur die Eignung der Maßnahmen, den Überschreitungszeitraum zu verkürzen (wozu auch eine Verminderung der Überschreitung gehören sollte), und im Fall bloßer Gefahr der Überschreitung die Verringerung dieser Gefahr. Obwohl der Europäische Gerichtshof 29 (Emissions-)Grenzwerten im Bereich der Luftreinhaltung eine strikte Verbindlichkeit zugesprochen hat das Ziel müsse erreicht werden, bloße Maßnahmen der Behörden genügten nicht, spricht die der Luftqualitätsrahmenrichtlinie entnommene Formulierung des Gesetzes dafür, dass unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit ein gewisser Spielraum hinsichtlich des Zeitpunkts der Einhaltung der Grenzwerte besteht. Dieser ist allerdings bei der Überschreitung von Alarmschwellen entsprechend dem größeren Gesundheitsrisiko weitaus geringer als bei der von Immissionsgrenzwerten. Es kommt hinzu, dass die Pflicht zur Aufstellung von Aktionsplänen ihre Grenze am Grundsatz der Geeignetheit findet; dies kommt in 47 Abs. 2 BImSchG selbst zum Ausdruck. Dies ist insbesondere bei Überschrei Begr., BT-Drucks. 14/8450, S. 13; Assmann/Koch/Vollmer, Immissionsschutz 2000, 84, 87; Hansmann, LR 47 Rdnr. 3, 8, 12; Jarass, NVwZ 2003, 257, 261. Assmann/Koch/Vollmer, Immissionsschutz 2000, 84, 87 und 90 f.; Hansmann, LR 47 Rdnr. 3, 8, 13; Jarass, NVwZ 2003, 257, 261. Begr., BT-Drucks. 14/8450, S. 13; Assmann/Koch/Vollmer, Immissionsschutz 2000, 84, 87, 90 f.; Hansmann, NuR 1999, 10, 11; Jarass, NVwZ 2003, 257, 262. EuGH, Slg. 2002, I-5679 Tz. 25 ff. Kommission./. Frankreich; Slg. 2002, I-6407 Tz. 27 Kommission./. Spanien. 1920 tung der Immissionsgrenzwerte auf Grund einer dauerhaft schlechten Luftqualität von Bedeutung. Dagegen wird bei Überschreitung der Alarmschwellen sowie bei punktuellen Grenzwertüberschreitungen durch den Straßenverkehr oft mit verkehrsregelnden Maßnahmen kurzfristig Abhilfe geschaffen werden können. Soweit sich geeignete kurzfristige Maßnahmen nicht anbieten, ist ggf. auch Platz für mittel- und langfristig wirkende Maßnahmen, die ebenfalls im Aktionsplan festzusetzen sind. Dies folgt aus der allgemeinen Pflicht der Mitgliedstaaten zur Einhaltung der Immissionswerte, die gegenüber dem Wortlaut des Gesetzes vorrangig ist. 47 Abs. 1 BImSchG gilt dagegen nicht mehr nach Inkrafttreten der Grenzwerte, sodass eine Änderung des Luftreinhalteplans wohl ausscheidet. 30 Bei alldem bleibt darauf hinzuweisen, dass das Planungskonzept der Luftqualitätsrahmenrichtlinie insofern einseitig ist, als es die vorrangige Bedeutung genereller technischer Maßnahmen an Fahrzeugen, z. B. die Erstausstattung und Nachrüstung von Dieselfahrzeugen mit Rußund Stickoxidfiltern, praktisch ignoriert. Sollte sich das Planungskonzept der Richtlinie nicht als zielführend erweisen, werden hier politische Lösungen gesucht werden müssen. 2 Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung 31 Nach 47 Abs. 5 S. 2 BImSchG ist die Öffentlichkeit bei der Aufstellung der Luftreinhaltepläne und Aktionspläne zu beteiligen. Daneben müssen die Pläne der Öffentlichkeit zugänglich sein ( 47 Abs. 5 S. 3 BImSchG, 12 Abs BImSchV). Nähere Regelungen über Art und Umfang der Öffentlichkeitsbeteiligung sind im Bundes-Immissionsschutzgesetz und der 22. BImSchV nicht getroffen worden. 32 Aus allgemeinen Erwägungen ergibt sich, dass Öffentlichkeitsbeteiligung sich auf die Mitwirkung bei der Entscheidungsvorbereitung beschränkt, aber nicht Teilhabe an der Entscheidung selbst bedeutet. Nach Auffassung des Schrifttums 31 kann zur Bestimmung von Art und Umfang der Öffentlichkeitsbeteiligung 3 BauGB herangezogen werden. Eine zusätzliche Orientierung dürften die Regelungen des 73 Abs. 3-5 VwVfG hinsichtlich des Planfeststellungsverfahrens und 9 Abs. 3 UVPG hinsichtlich der Öffentlichkeitsbeteiligung in vorgelagerten Verfahren bieten. Hieraus erschließt sich als Mindestinhalt der Öffentlichkeitsbeteiligung, dass das Vorhaben öffentlich (z. B. in der Presse) bekannt zu machen ist, die wesentlichen Planunterlagen während einer angemessenen Zeit auszulegen sind, Gelegenheit zur Äußerung zu geben ist und die Öffentlichkeit von der Entscheidung über den Plan zu unterrichten ist. 32 Als angemessene Frist kann man auf Grund der genannten Vorschriften einen Monat ansetzen. Eine zusätzliche Äußerungsfrist von zwei Wochen wie nach 73 Abs. 4 VwVfG (und 10 Abs. 3 BImSchG im Genehmigungsverfahren) ist nicht zwingend geboten, da 3 BauGB und 9 Abs. 3 UVPG hierauf verzichten. Das Umsetzungsgesetz zur Plan-UVP wird aber wohl eine zusätzliche Äußerungsfrist von einem Monat vorschreiben Begr., BT-Drucks. 14/8450, S. 12 f.; vgl. aber Assmann/Koch/Vollmer, Immissionsschutz 2000, 84, 91. Hansmann, LR 47 Rdnr. 19. Hansmann, LR 47 Rdnr Mehr anzeigen
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