Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201991,%201415
Timestamp: 2020-04-02 19:36:54
Document Index: 190167731

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 43', '§ 936', '§ 932', 'BGH', '§ 286', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 932', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 932', '§ 932', '§ 932', '§ 932', '§ 25', '§ 936', '§ 932', '§ 932', '§ 366', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 932', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 932', 'BGH', 'BGH']

BGH, 11.03.1991 - II ZR 88/90 - dejure.org
https://dejure.org/1991,722
BGH, 11.03.1991 - II ZR 88/90 (https://dejure.org/1991,722)
BGH, Entscheidung vom 11.03.1991 - II ZR 88/90 (https://dejure.org/1991,722)
BGH, Entscheidung vom 11. März 1991 - II ZR 88/90 (https://dejure.org/1991,722)
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Italienische Autohypothek
Internationales Privatrecht, Wirksamkeit einer italienischen Autohypothek in Deutschland als Sicherungsübereignung, "Transpositionslehre" (vgl. nunmehr Art. 43 EGBGB), zu den Voraussetzungen eines gutgläubigen lastenfreien Erwerbs in diesem Fall (§ 936 BGB)
Transposition nach Statutenwechsel im Internationalen Privatrecht: Dingliches Recht nach ausländischem Statut vs. numerus clausus-Prinzip im deutschen Sachenrecht ("Autohypothek-Fall")
Verkauf eines mit einer italienischen Autohypothek belasteten PKW (Ferrari 208 Turbo) - Gutgläubiger Erwerb lastenfreien Eigentums - Eintritt eines Statutenwechsels mit der Verbringung des Kraftfahrzeugs nach Deutschland - Anerkennung eines dem deutschen Recht fremden ...
BGB §§ 932, 936
NJW 1991, 1415
MDR 1991, 807
NZV 1991, 267 (Ls.)
WM 1991, 811
Beim Kauf von Gebrauchtwagen sind bei fehlender Identität zwischen dem Veräußerer eines gebrauchten Pkw und dem letzten in dem Kraftfahrzeugbrief bzw. in der Zulassungsbescheinigung Teil II verzeichneten Halter in aller Regel Verdachtsmomente vorhanden, die die Annahme einer Nachforschungspflicht rechtfertigen (vgl. BGH, Urteil vom 11.03.1991 - II ZR 88/90 -, Rn. 17, juris; Urteil des Senats vom 02.03.1989 - 5 U 202/88 -, juris; OLG Köln…, Beschluss vom 28. April 2014 - 11 U 14/14 -, Rn. 4, juris).
Durch die Verbringung des Pkw nach Deutschland ist ein Statutenwechsel eingetreten, denn die Wirksamkeit einer Eigentumsübertragung beurteilt sich nach dem Recht des Lageorts (allg. M.; vgl. Sen.Urt. v. 11. März 1991 - II ZR 88/90, NJW 1991, 1415).
Die Nachprüfung durch das Revisionsgericht ist darauf beschränkt, ob der Rechtsbegriff der groben Fahrlässigkeit verkannt wurde oder ob Verstöße gegen § 286 ZPO, gegen Denkgesetze oder Erfahrungssätze vorliegen (BGHZ 10, 14, 16 [BGH 11.05.1953 - IV ZR 170/52];… BGH, Urt. v. 5. Oktober 1989 - IX ZR 265/88, NJW 1990, 899, 900 m.w.N.; Sen.Urt. v. 11. März 1991, aaO. S. 1417 unter 3).
Grob fahrlässig im Sinne des § 932 Abs. 2 BGB handelt, wer die bei dem betreffenden Erwerbsvorgang erforderliche Sorgfalt in ungewöhnlichem Maße verletzt und das unbeachtet läßt, was im gegebenen Fall jedem hätte einleuchten müssen (BGHZ 10, 14, 16 [BGH 11.05.1953 - IV ZR 170/52]; Sen.Urt. v. 11. März 1991, aaO. S. 1417).
Nach ständiger Rechtsprechung muß sich der Erwerber eines Kraftfahrzeugs, der sich auf gutgläubigen Erwerb des Eigentums berufen will, zumindest die Fahrzeugpapiere vorlegen lassen, um die Berechtigung des Veräußerers überprüfen zu können (BGHZ 68, 323, 325; Sen.Urt. v. 11. März 1991, aaO. m.w.N.).
Dies kann, wie der Senat schon im Urteil vom 11. März 1991 (aaO. S. 1416) ausgeführt hat, nicht richtig sein.
Damit, daß der Nebenintervenient zu 1 auch bei Durchführung der gebotenen Nachforschungen nichts von der Unterschlagung des Pkw erfahren hätte, kann die Revision schon deswegen nicht gehört werden, weil es auf die Ursächlichkeit der unterlassenen, nach Lage des Falles aber erforderlichen Anstrengungen bei der Beurteilung der Gutgläubigkeit im Regelfall nicht ankommt, vielmehr allein darauf abzustellen ist, ob überhaupt die gebotenen Nachforschungen angestellt worden sind (Sen.Urt. v. 11. März 1991, aaO. S. 1417 m.w.N.).
Wenn sich die Beklagte, obwohl bei ihr als Handelsgesellschaft eine gewisse Geschäftserfahrenheit vorausgesetzt werden kann, durch die Besonderheiten beim Kauf eines aus dem Ausland eingeführten Gebrauchtwagens überfordert fühlte, hätte sie sich fachkundiger Hilfe bedienen müssen (Sen.Urt. v. 11. März 1991, aaO. S. 1416 unter 2 b aa).
a) Nach der ständigen höchstrichterlichen Rechtsprechung, die der VIII. Zivilsenat (…vgl. z.B. Urt. v. 2. Dezember 1958 - VIII ZR 212/57, WM 1959, 138, 139;… Urt. v. 9. Oktober 1963 - VIII ZR 210/62, WM 1963, 1186;… Urt. v. 27. Januar 1965 - VIII ZR 62/63, NJW 1965, 687 f.;… Urt. v. 23. Mai 1966 - VIII ZR 60/64, WM 1966, 678;… Urt. v. 5. Februar 1975 - VIII ZR 151/73, NJW 1975, 735, 736) mit Zustimmung anderer Senate des Bundesgerichtshofs (…vgl. BGH, Urt. v. 14. Februar 1967 - VI ZR 140/65, WM 1967, 562, 563;… BGH, Urt. v. 20. Februar 1967 - III ZR 134/65, NJW 1967,.1022, 1024) und des Schrifttums (…vgl. z.B. Staudinger/Wiegand, BGB, 13. Aufl. [1995] § 932 RdNr. 90 und 140 ff.;… Soergel/Mühl, BGB, 12. Aufl. § 932 Rdr. 18;… MünchKomm. z. BGB/Quack, 2. Aufl. § 932 RdNr. 37, 48 und 83-85;… Erman/Michalski, BGB, 9. Aufl. § 932 RdNr. 11;… Jagusch/Hentschel, 33. Aufl. § 25 StVZO RdNr. 4;… Reinking/Eggert, Der Autokauf, 5. Aufl. RdNr. 1483, 1489-1498 m.w.N.) in einer Reihe von Entscheidungen entwickelt hat, die auch von dem jetzt für Eigentumsansprüche zuständigen erkennenden Senat (Sen.Urt. v. 11. März 1991 - II ZR 88/90, LM § 936 Nr. 1;… Sen.Urt. v. 13. April 1994 - II ZR 196/93, LM § 932 Nr. 43) übernommen worden ist, begründet beim Kauf gebrauchter Kraftfahrzeuge der Besitz desselben allein nicht den für den Gutglaubenserwerb nach § 932 BGB bzw. § 366 HGB erforderlichen Rechtsschein.
Vielmehr gehört es regelmäßig zu den Mindesterfordernissen (…BGH, Urt. v. 9. Oktober 1963 - VIII ZR 210/62, WM 1963, 1186;… BGH, Urt. v. 23. Mai 1966 - VIII ZR 60/64, WM 1966, 678;… BGH, Urt. v. 5. Februar 1975 - VIII ZR 151/73, NJW 1975, 735, 736;… Staudinger/Wiegand aaO. § 932 RdNr. 158) gutgläubigen Erwerbs eines solchen Kraftfahrzeugs, daß sich der Käufer den Kraftfahrzeugbrief vorlegen läßt, um die Berechtigung des Veräußerers prüfen zu können (Sen.Urt. v. 11. März 1991 aaO. m.w.N.).
Diese gefestigte Rechtsprechung wird von der Erwägung getragen, daß bei gebrauchten Kraftfahrzeugen jeder Teilnehmer am Rechtsverkehr, auch wenn er keine genaue Kenntnis von den rechtlichen Voraussetzungen und Folgen einer Sicherungsübereignung hat, wissen muß, daß Kraftfahrzeuge oftmals als Sicherheit für einen bei ihrer Anschaffung gewährten Kredit dienen (Sen.Urt. v. 11. März 1991 aaO. m.w.N.) und daß deswegen der Umstand, daß der Veräußerer den Kraftfahrzeugbrief nicht vorlegen kann, Argwohn erwecken und zu weiteren Nachforschungen Anlaß geben muß (…Sen.Urt. v. 13. April 1994 aaO.), jedenfalls aber nicht das schützenswerte Vertrauen rechtfertigt, der Besitzer des Gebrauchtwagen sei Eigentümer oder doch zur Verfügung über die Sache ermächtigt.
Solche weiteren Nachforschungen sind immer dann angezeigt, wenn die Person des im Brief Eingetragenen nicht mit der des Veräußerers übereinstimmt oder weitere Umstände der Veräußerung zweifelhaft sind (BGH NJW 1991, 1415, 1416; BGH WM 1975, 362, 363).
Von wesentlicher Bedeutung für das Vorliegen einer solchen Verdachtsituation können insbesondere die Veräußerungssituation und ein offenkundig günstiger Preis sein (vgl. BGH NJW 1991, 1415, 1417).
Eigentümer des I D war zu diesem Zeitpunkt mangels gutgläubigen Erwerbs durch die Firma J immer noch der Zeuge F. Aufgrund der fehlenden Zwischeneintragung des S in der Zulassungsbescheinigung Teil II waren erhebliche Verdachtsmomente gegeben, die die Firma J zu einer Überprüfung der Eigentümerstellung des Veräußerers hätten veranlassen müssen (vgl. BGH NJW 1991, 1415 - Rn. 17 zitiert nach juris;… vgl. Palandt/Bassenge, a.a.O., § 932 BGB, Rn. 13).
Aber auch beim Erwerb eines im Ausland angemeldeten Wagens muss der Käufer keinesfalls weniger Vorsicht walten lassen, als wenn er ein in Deutschland zugelassenes Fahrzeug erwerben würde (BGH NJW 1991, 1415, 1416).
Hinzukommt im vorliegenden Fall, dass nach ständiger Rechtsprechung beim Gebrauchtwagenkauf immer dann Anlass zu weitergehenden Nachforschungen besteht, wenn Veräußerer und in den Papieren - hier im Kentekenbewijs - verzeichneter Verfügungsberechtigter nicht identisch sind (BGH NJW 1991, 1415, 1417).
OLG Köln, 28.04.2014 - 11 U 14/14
OLG Karlsruhe, 06.07.2000 - 9 U 159/99
Verfügung eines Nichtberechtigten; Besitzloses Pfandrecht ; Kraftfahrzeug; …
LG Berlin, 05.07.1996 - 534 Qs 70/96
Sicherstellung des Pkw aufgrund der Erlangung dieses PKW durch Unterschlagung