Source: https://www.jagdschule-edelweiss.de/2019/04/04/zelten-im-wald/
Timestamp: 2019-12-07 01:23:22
Document Index: 284636284

Matched Legal Cases: ['§2', '§ 59', '§ 14', 'Art. 13', 'Art. 17', 'Art. 46', 'Art. 17', '§ 69']

Zelten im Wald? – Natur- und Jagdschule Edelweiss
Immer wieder kommt die Frage auf ob man als Outdoor-Freund und Bushcrafter einfach in der freien Natur – respektive Wald – übernachten darf.
Doch wie ist das eigentlich? Gibt es dazu eine einheitliche Gesetzgebung? Auf was muss und sollte man achten?
Will man im Wald eine Tour machen und übernachten müssen wir uns zunächst erst einmal klar machen was Wald überhaupt ist.
Grundsätzlich definiert der Gesetzgeber Wald folgendermaßen:
„§2 Bundeswaldgesetz
(1) Wald im Sinne dieses Gesetzes ist jede mit Forstpflanzen bestockte Grundfläche. Als Wald gelten auch kahlgeschlagene oder verlichtete Grundflächen, Waldwege, Waldeinteilungs- und Sicherungsstreifen, Waldblößen und Lichtungen, Waldwiesen, Wildäsungsplätze, Holzlagerplätze sowie weitere mit dem Wald verbundene und ihm dienende Flächen.“
Darf man den Wald frei betreten?
Das Bundesnaturschutzgesetz sagt dazu folgendes:
„§ 59 Betreten der freien Landschaft
(2) Das Betreten des Waldes richtet sich nach dem Bundeswaldgesetz und den Waldgesetzen der Länder sowie im Übrigen nach dem sonstigen Landesrecht. Es kann insbesondere andere Benutzungsarten ganz oder teilweise dem Betreten gleichstellen sowie das Betreten aus wichtigen Gründen, insbesondere aus solchen des Naturschutzes und der Landschaftspflege, des Feldschutzes und der land- und forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung, zum Schutz der Erholungsuchenden, zur Vermeidung erheblicher Schäden oder zur Wahrung anderer schutzwürdiger Interessen des Grundstücksbesitzers einschränken.“
Das Bundeswaldgesetz ergänzt:
„§ 14 Betreten des Waldes
(2) Die Länder regeln die Einzelheiten. Sie können das Betreten des Waldes aus wichtigem Grund, insbesondere des Forstschutzes, der Wald- oder Wildbewirtschaftung, zum Schutz der Waldbesucher oder zur Vermeidung erheblicher Schäden oder zur Wahrung anderer schutzwürdiger Interessen des Waldbesitzers, einschränken und andere Benutzungsarten ganz oder teilweise dem Betreten gleichstellen.“
Das Bayrische Waldgesetz hat einen ähnlichen Passus:
„Art. 13 Betreten des Waldes
(3) Das Radfahren, das Fahren mit Krankenfahrstühlen und das Reiten ist im Wald nur auf Straßen und geeigneten Wegen zulässig. Die Vorschriften des Straßen- und Wegerechts und des Straßenverkehrsrechts bleiben unberührt.“
Das Betreten von Wald ist also jedermann zum Zweck der Erholung gestattet. Der Zweck wird nicht weiter ausgeführt. Die Nutzung erfolgt jedoch auf eigene Gefahr.
Wem gehört der Wald überhaupt?
Die Eigentumsverhältnisse des Grund und Bodens sind durch das Bundeswaldgesetz definiert. Eigentümer sind die Waldbesitzer und/oder Nutzungsberechtigten. Durch das Jedermannsrecht ist es gestattet den Grund des Eigentümers zu betreten und zur Erholung zu nutzen! Das ist an sich keine Selbstverständlichkeit! Ein rücksichtvoller Umgang mit dem Eigentum anderer – jenseits der Punkte Natur- und Umweltschutz, Artenrecht und co. – sollte selbstverständlich sein.
Hinsichtlich des Feuer Machens findet sich im Bayrischen Waldgesetz in Art. 17 dazu:
„Feuergefahr
(1) Wer in einem Wald oder in einer Entfernung von weniger als 100 m davon
Diese darf nur erteilt werden, wenn das Vorhaben den Belangen der Sicherheit, der Landeskultur, des Naturschutzes und der Erholung nicht zuwiderläuft und Belästigungen möglichst ausgeschlossen sind.
3. ein nach Abs. 1 Nr. 2 angezündetes Feuer unbeaufsichtigt oder ohne ausreichende Sicherungsmaßnahmen gelassen werden.
(5) Abs. 2 Nr. 1 gilt nicht bei Maßnahmen zur Rettung von Menschen oder von bedeutsamen Sachwerten aus Gemeingefahr oder bei Rettungsübungen.“
Das Feuer machen ist also im Wald und einer Entfernung von 100 m ganzjährig verboten, ebenso wie das Rauchen zwischen dem 1. März bis 31. Oktober . Ausgenommen von diesen Regelungen sind Forstarbeiter und Jagdausübungsberechtigte.
Das bayrische Waldgesetz sagt dazu
„Art. 46 Ordnungswidrigkeiten
(4) Mit Geldbuße kann belegt werden, wer vorsätzlich oder fahrlässig in einem Wald unbefugt […]
3. Zelte oder Wohnwagen aufstellt,
4. entgegen Art. 17 Abs. 3 in der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober raucht.“
Doch was bedeutet das in der Umsetzung?
Übernachten könnte zwar – je nach Auslegung – zur Erholung des Menschen interpretiert werden, gilt jedoch wiederum auch nicht als gängige Praxis. Zelten und campieren, längeres Verweilen ist somit ausgeschlossen.
Biwakieren mit/ohne Tarp könnte – leider auch wieder je nach Auslegung – sowohl als campieren oder als Erholung interpretiert werden. Insofern gibt es keine genauere Definition zur Lage. Dennoch sollte grundsätzlich eher vom negativen Fall ausgegangen werden.
Im Umgang mit Natur- und Umwelt ist darauf hinzuweisen, das der Aufenthalt zur Erholung im Wald zwar gestattet ist, eine Beunruhigung der Tierwelt durch das Betreten von zum Beispiel Wildruhezonen und Dickungen verboten ist. Ebenso das beschädigen eines Standortes von möglicherweise unter Schutz stehenden Pflanzen
Hinsichtlich des Naturschutzes ist im Bundesnaturschutzgesetz zu lesen:
„§ 69 Bußgeldvorschriften
(2) Ordnungswidrig handelt, wer […]
b) eine wild lebende Pflanze oder ihre Entwicklungsformen zerstört […]“
Alles in allem ist ein sensibler Umgang mit der Natur, der Flora und Fauna wichtig, eine Kenntnis der Rechtslage wichtig und fast unabdingbar.
Was kann man also praktisch tun wenn man eine Tour plant?
Die offene Kommunikation mit dem Eigentümer des Waldes, dem Förster, dem Pächter des Jagdrechtes wäre angebracht. Zum einen um auf der rechtlich einwandfrei sicheren Seite zu sein und zudem um die eigene Sicherheit zu wahren. Zum einen weiß dann der Besitzer, wo man ist, zum anderen können beiderseitig unangenehme Situationen bei der Jagdausübung vermieden werden.
Welche Grundsätze kann man „mitnehmen“?
Rücksichtvoller Umgang mit Natur- und Umwelt
Lärm vermeiden (man sieht selber auch mehr)
Kein bushcraften in Naturschutzgebieten und/oder Nationalparks
Müll immer mitnehmen und fachgerecht entsorgen
bei Verwendung von Wasser aus Bächen etc. dieses entweder abkochen oder mit Wasserreinigungsmitteln versetzen
Feuer nur an öffentlich ausgeschriebenen Stellen entfachen oder nach Beantragung einer Ausnahmegenehmigung (über Forstämter)
nur Leseholz zum Feuer machen verwenden
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