Source: https://www.sz.ch/behoerden/staatskanzlei-departemente/umweltdepartement/amt-fuer-wasserbau/revitalisierungsplanung.html/72-416-387-379-4086-4996
Timestamp: 2019-06-24 19:34:34
Document Index: 191849403

Matched Legal Cases: ['Art. 41', 'Art. 43', 'Art. 39', 'Art. 9', 'Art. 38', '§ 43']

Das Amt für Wasserbau hat gemäss den Vorgaben der Bundesgesetzgebung die strategische Planung betreffend Renaturierung der Gewässer erstellt.
Unter dem Oberbegriff der Renaturierung fallen insbesondere die Revitalisierungen von Gewässern, also die ökologische Aufwertung von Seen und Fliessgewässern. Weiter gehören auch die Sanierung des Geschiebehaushalts bei Fliessgewässern, die Sanierung negativer Auswirkungen von Schwall und Sunk bei Wasserkraftwerken sowie die Wiederherstellung der Fischgängigkeit dazu. Die Ergebnisse aus der strategischen Planung zu diesen Themen sind unten zusammengestellt. Weitergehende Detailinformationen können beim Amt für Wasserbau angefragt werden
In Art. 41d Abs. 1 der Gewässerschutzverordnung (GSchV) weist der Bund die Kantone an die Grundlagen für die Planung der Revitalisierungen der Gewässer zu erarbeiten.
Der Kanton Schwyz hat im Jahr 2014 eine strategische Revitalisierungsplanung für die Abschätzungen zum ökologischen Aufwertungspotential erstellt. Diese konzeptionelle Arbeit kann als Arbeitsgrundlage für konkrete Revitalisierungsideen oder Priorisierungen von Gewässeraufwertungsmassnahmen dienen.
Karten strategische Revitalisierungsplanung
Als massgebende Grundlage für die strategische Revitalisierungsplanung diente die ökomorphologische Erhebung und Kartierung, welche durch das Amt für Umweltschutz ausgeführt wurde.
Gemäss Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer (GSchG) dürfen Anlagen den Geschiebehaushalt dahingehend nicht verändern, dass die einheimischen Pflanzen und Tiere, deren Lebensräume, der Grundwasserhaushalt und der Hochwasserschutz beeinträchtigt werden.
Der Kanton Schwyz hat im Jahr 2014 die notwendige strategische Planung zur Sanierung Geschiebehaushalt erstellt. Darin werden sämtliche für den Geschiebetrieb massgeblichen Anlagen untersucht und auf ihre Beeinträchtigung des Geschiebehaushaltes quantifiziert.
Basierend auf der strategischen Planung erarbeitet der Kanton suk­zes­si­ve die Studien über Art und Umfang von Massnahmen zu den sanierungspflichtigen Anlagen.
Übersicht sanierungspflichtige Anlagen
Sanierung Geschiebehaushalt Los Nordost
Sanierung Geschiebehaushalt Los Südwest und Muota
Sanierung Geschiebehaushalt Los Sihl
Gemäss Art. 39a Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer (GSchG) sind kurzfristige künstliche Änderungen des Wasserabflusses in einem Gewässer (Schwall-Sunk), welche die einheimischen Tiere und Pflanzen, sowie deren Lebensräume wesentlich beeinträchtigen, durch den Inhaber des Wasserkraftwerks mit baulichen Massnahmen zu verhindern oder zu beseitigen.
Der Kanton Schwyz hat im Jahr 2014 die notwendige strategische Planung zur Sanierung Schwall-Sunk erstellt. Darin werden sämtliche für Wasserkraftanlagen auf eine Verursachung von Schwall oder Sunk untersucht.
Basierend auf der strategischen Planung sind die Inhaber der sanierungspflichtigen Anlagen angehalten verschiedene Varianten von Sanierungsmassnahmen zu prüfen.
Sanierung Schwall-Sunk Technischer Bericht
Parallel zu den oben aufgeführten strategischen Planungen hat das Amt für Natur, Jagd und Fischerei die Planung zur Wiederherstellung der Fischwanderung basierend auf der Forderung aus Art. 9b der Verordnung zum Bundesgesetz über die Fischerei (VBGF) erarbeitet.
Sanierung Fischgängigkeit Technischer Bericht
Im Rahmen des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer (GSchG) weist der Bund in Art. 38a die Kantone an, für Revitalisierungen von Gewässern zu sorgen. Sie sollen dabei den Nutzen für die Natur und Landschaft sowie die wirtschaftlichen Auswirkungen berücksichtigen.
Der Kanton Schwyz hat diesen Auftrag entgegengenommen und ihn im Wasserrechtsgesetz (WRG) in § 43 wie folgt formuliert:
1 Behörden und Amtsstellen des Kantons, der Bezirke und Gemeinden sorgen dafür, dass öffentliche und private Gewässer als Lebensräume für einheimische Tier- und Pflanzenarten sowie als Landschaftselemente erhalten und wenn möglich verbessert werden.
2 Kanton und Bezirke unterstützen und fördern Massnahmen, die der Revitalisierung eines Fliessgewässers dienen oder einen naturnahen Hochwasserschutz darstellen.
Der Kanton fördert Bezirke, Gemeinden, Private, Stiftungen und andere Körperschaften in den Bestrebungen, wertvolle Lebensräume neu zu schaffen oder bestehende aufzuwerten. Zudem achtet er darauf, dass im Rahmen von Hochwasserschutzprojekten die Massnahmen nach bester Möglichkeit einem naturnahen Zustand gleichkommt.
Die Gesetztesgrundlagen können über untenstehende Links eingesehen werden.
Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (GSchG)
Wassserrechtsgesetz des Kantons Schwyz (WRG)
Ziele der Revitalisierung
Mit der Umsetzung von Revitalisierungen und Erfüllung des Bundesauftrags werden folgende Ziele angestrebt (Aufzählung nicht abschliessend):
Verbessern der Eigendynamik und Strukturvielfalt von Gewässern;
Wiederherstellen des natürlichen Geschiebetransports und Förderung einer morphologischen Vielfalt;
Erstellen und vernetzen von gewässernahen Lebensräumen;
Wiederherstellen der aquatischen Längsvernetzung;
Verbessern der terrestrischen Quer- und Längsvernetzung;
Verbessern der standortgerechten Ufervegetation;
Verbessern des Hochwasserschutzes: Durch die Renaturierung von Bächen kann die Abflusskapazität des Gerinnes verbessert und die Fliesszeit der Gewässer verlängert werden;
Reaktivieren der Selbstreinigungskraft;
Schaffen von naturnahen Erholungsräumen, welche für die Bevölkerung zugänglich sind.
Aktuelle Revitalisierungsprojekte
Hopfräben, Ingenbohl (in Ausführung)
Mit der Revitalisierung Im Gebiet Hopfräben in Ingenbohl wird ein Teilrückbau des künstlichen Dammes, die Schaffung einer Flachwasserzone, das Erstellen eines neuen Hechtengrabens sowie verschiedener Amphibiengewässer angestrebt. Zudem soll mit dem Projekt die bestehende Erholungsnutzung besser vom angrenzenden Naturschutzgebiet getrennt werden. Sämtliche Massnahmen bilden Teil der Umsetzung des kantonalen Nutzungsplans Hopfräben.
Es ist geplant mit den Arbeiten Ende Sommer 2019 zu beginnen.
Riethofbach und Pfäffiker Ried, Freienbach (abgeschlossen)
Der Riethofbach ist bei Normalwetter ein kleiner, jedoch permanent wasserführender Bach mit kleinem Einzugsgebiet oberhalb des Ortsteils Pfäffikon. Mit dem Projekt wurde der teilweise eingedolte und stark kanalisierte Unterlauf geöffnet und strutkurell aufgewertet. Es sind nach der Revitalisierung örtlich tiefe Wasserstellen, wie auch schilfbewachsene Flachwasserzonen mit Übergängen ins Naturschutzgebiet vorhanden.
Zu Schaffung von ökologisch wertvollen Flachwasserzonen im Seebereich wurden dem Ufer vorgelagert ein Riff geschüttet um die natürlichen, wie auch künstlich erzeugten Wellen auf das Ufer zu brechen. Sowohl der revitalisierte Bach, als auch das aufgewertete Seeufer bietet neu unzähligen Tierarten einen Lebensraum.
Die angestrebten Ziele (Schilfgesellschaften, Fisch- und Libellenpopulation, sowie die Gewässerqualität) werden im Rahmen einer Wirkungskontrolle bis zum Jahr 2022 genauer untersucht.
Krebsbach, Wollerau (abgeschlossen)
Der Krebsbach wies vor der Revitalisierung auf dem ganzen Abschnitt gleichbleibende Wassertiefen und wenig vielfältige Strukturen auf. Mit dem Projekt wurde eine Steigerung der Bachdynamik und eine Variabilität an Strukturen angestrebt. Zudem wurden gezielt Hoch- und Mittwelwasserschutzräume, sowie Niederwasserlebensräume zur Fortpflanzung und zum Schutze von Jung- und Alttieren geschaffen.
Zu fördernde Lebensräume zur Erhöhung der Populationsdichte: Bachforelle, Äsche, Groppe, Krebsarten (Stein- und Edelkrebs)
Hesigenbächli, Muotathal (abgeschlossen)
Ziel dieses Revitalisierungsprojekts war die Offenlegung des bis dahin eingedolten Fliessgewässers mit einer entsprechenden Ausgestaltung als flach verlaufendender, langsam fliessender Wiesenbach. Der offen gelegte Wiesenbach soll als Fischgewässer und Lebensraum für Amphibien dienen. Der gewässernahe Raum wurde durch Hochstauden im Übergangsbereich zum Wasser und einer artenreichen Fromentalwiese im terrestrischen Teil des Gewässerraums ausgebildet.
Zu fördernde Leitarten: Bachforelle, Elritze, Groppe, Erdkröte, Bergmolch