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Timestamp: 2019-08-23 02:20:42
Document Index: 358460225

Matched Legal Cases: ['Art. 7', '§ 7', 'Art. 7', '§ 1', '§ 15', '§ 15', '§ 7', 'Art. 7', 'EuG']

Über­tra­gung tarif­li­chen Mehr­ur­laubs | Rechtslupe
18. April 2017 Rechtslupe
Über­tra­gung tarif­li­chen Mehr­ur­laubs
Auf­grund der Vor­ga­ben des Art. 7 der Arbeits­zeit­richt­li­nie1 ist § 7 Abs. 3 BUr­lG uni­ons­rechts­kon­form dahin gehend aus­zu­le­gen, dass der gesetz­li­che Min­dest­ur­laub nicht vor Ablauf von 15 Mona­ten nach dem Ende des Urlaubs­jah­res erlischt, wenn der Arbeit­neh­mer bis zum Ende des Urlaubs­jah­res und/​oder des Über­tra­gungs­zeit­raums krank und des­halb arbeits­un­fä­hig ist2.
Die­se Grund­sät­ze gel­ten nicht zwin­gend auch für einen tarif­li­chen Mehr­ur­laub. Die Tarif­ver­trags­par­tei­en kön­nen viel­mehr ein vom BUr­lG abwei­chen­des, eigen­stän­di­ges Fris­ten­re­gime ver­ein­ba­ren.
Tarif­ver­trags­par­tei­en kön­nen Urlaubs- und Urlaubs­ab­gel­tungs­an­sprü­che, die den von Art. 7 Abs. 1 der Arbeits­zeit­richt­li­nie gewähr­leis­te­ten und von §§ 1, 3 Abs. 1 BUr­lG begrün­de­ten Anspruch auf Min­dest­jah­res­ur­laub von vier Wochen über­stei­gen, frei regeln3. Die­se Befug­nis schließt die Befris­tung des tarif­li­chen Mehr­ur­laubs ein4.
Für einen Rege­lungs­wil­len der Tarif­ver­trags­par­tei­en, den tarif­li­chen Mehr­ur­laub einem eige­nen, von dem des gesetz­li­chen Min­dest­ur­laubs abwei­chen­den Fris­ten­re­gime zu unter­stel­len, müs­sen deut­li­che Anhalts­punk­te vor­lie­gen. Feh­len sol­che, ist von einem Gleich­lauf des gesetz­li­chen Urlaubs­an­spruchs und des Anspruchs auf tarif­li­chen Mehr­ur­laub aus­zu­ge­hen. Ein Gleich­lauf ist nicht gewollt, wenn die Tarif­ver­trags­par­tei­en ent­we­der bei der Befris­tung und Über­tra­gung bzw. beim Ver­fall des Urlaubs zwi­schen gesetz­li­chem Min­dest­ur­laub und tarif­li­chem Mehr­ur­laub unter­schie­den oder sich vom gesetz­li­chen Fris­ten­re­gime gelöst und eigen­stän­di­ge; vom BUr­lG abwei­chen­de Rege­lun­gen zur Befris­tung und Über­tra­gung bzw. zum Ver­fall des Urlaubs­an­spruchs getrof­fen haben5.
Die Tarif­ver­trags­par­tei­en des Man­tel­ta­rif­ver­trags für die gewerb­li­chen Arbeit­neh­mer in der Papier, Pap­pe und Kunst­stof­fe ver­ar­bei­ten­den Indus­trie haben den tarif­li­chen Mehr­ur­laub einem eigen­stän­di­gen; vom BUr­lG abwei­chen­den Fris­ten­re­gime unter­stellt.
Nach dem Wort­laut von § 15 Abschn. I Ziff. 7 MTV muss der Urlaub im lau­fen­den Urlaubs­jahr gewährt und genom­men wer­den (Satz 1) und erlischt, wenn er nicht bis zum 31.03.des fol­gen­den Jah­res gel­tend gemacht wor­den ist (Satz 3). Dar­aus wird der Wil­le der Tarif­ver­trags­par­tei­en deut­lich, der Arbeit­neh­mer kön­ne sei­nen Urlaub ohne beson­de­re Grün­de vom 01.01.eines Kalen­der­jah­res bis zum 31.03.des Fol­ge­jah­res gel­tend machen. Nach § 15 Abschn. I Ziff. 7 Satz 2 MTV ist eine Über­tra­gung „auf” das Fol­ge­jahr zwar nur aus­nahms­wei­se statt­haft. Der MTV ent­hält aber kei­ne Kri­te­ri­en, wann ein sol­cher Aus­nah­me­fall vor­lie­gen soll. Es han­delt sich daher ledig­lich um eine rechts­fol­gen­lo­se Auf­for­de­rung an die Tarif­un­ter­wor­fe­nen, den Urlaub im Regel­fall im Bezugs­zeit­raum zu neh­men und zu gewäh­ren. Damit weicht der MTV vom Fris­ten­re­gime des § 7 Abs. 3 Satz 1 bis Satz 3 BUr­lG ab. Danach geht der nicht genom­me­ne Urlaub grund­sätz­lich am 31.12 des Kalen­der­jah­res unter und wird nur bei Vor­lie­gen der gesetz­li­chen Über­tra­gungs­grün­de bis zum 31.03.des Fol­ge­jah­res über­tra­gen. Die tarif­li­che Rege­lung unter­schei­det sich vom BUr­lG inso­weit, als der Urlaubs­an­spruch auch ohne das Vor­lie­gen von Über­tra­gungs­vor­aus­set­zun­gen zumin­dest bis zum 31.03.des Fol­ge­jah­res besteht und bis zu die­sem Zeit­punkt gel­tend gemacht wer­den kann6.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 14. Febru­ar 2017 – 9 AZR 207/​16
Tarif­li­cher Mehr­ur­laub – und die Ver­fall­fris­ten Der Anspruch auf tarif­li­chen Mehr­ur­laub kann in dem Tarif­ver­trag abwei­chend von den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen befris­tet wer­den. Auf­grund der Vor­ga­ben des Art. 7 der Arbeits­zeit­richt­li­nie 2003/​88/​EG ((Richt­li­nie 2003/​88/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments…
Richt­li­nie 2003/​88/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 04.11.2003 über bestimm­te Aspek­te der Arbeits­zeit­ge­stal­tung, ABl. EU L 299 vom 18.11.2003 S. 9↩
grdl. BAG 7.08.2012 – 9 AZR 353/​10, Rn. 23 ff., BAGE 142, 371↩
vgl. EuGH 3.05.2012 – C‑337/​10 – [Nei­del] Rn. 34 ff. mwN; BAG 12.04.2011 – 9 AZR 80/​10, Rn. 21, BAGE 137, 328↩
BAG 7.08.2012 – 9 AZR 760/​10, Rn. 18, BAGE 143, 1↩
BAG 15.12 2015 – 9 AZR 747/​14, Rn. 14; 22.05.2012 – 9 AZR 575/​10, Rn. 12; zum Ver­zicht auf Über­tra­gungs­grün­de vgl. BAG 14.02.2017 – 9 AZR 386/​16, Rn. 15↩
vgl. zu einer ähn­lich lau­ten­den Tarif­vor­schrift BAG 17.11.2015 – 9 AZR 275/​14, Rn. 28↩
tariflicher MehrurlaubUrlaub