Source: http://exit.1kcloud.com/ep1mkMzg/
Timestamp: 2019-09-15 16:59:45
Document Index: 43434401

Matched Legal Cases: ['Art. 10', 'Art. 8', 'Art. 115', 'Art.2', 'Art. 253', 'Art. 8', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 60', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 959', 'Art. 8', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 11', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 13', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 15', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 18', 'Art. 20', 'Art. 21', 'Art. 21', 'Art. 21', 'Art. 21', 'Art. 22', 'Art. 23', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 24', 'Art. 24', 'Art. 25']

EXIT INFO 2.2019
F r e i t a g 1 7 . M a i : G V u m 1 8 . 3 0 U h r i m « Vo l k s h a u s » Z ü r i c h SEL B ST BEST I M MUNG IM L EBEN UND IM ST ER BEN I N FO 2 . 1 9 Die Liberalisierung des Altersfreitods vorantreiben Legalinspektion: Behördenaufwand reduzieren Rücktritte aus dem Vorstand Neue Kandidaten stellen sich vor Kommen Sie an die GV! Traktanden und Berichte Seite 4–6 Seite 8 Seite 10–14 Seiten 15–17 Seite 18–35
INHALT Das Bildthema 2.19 von Hilde Eberhard sind Bäume. Sie gehören zu den langlebigsten Ge- schöpfen der Welt und können hunderte bis tau- sende Jahre alt werden. Bäume liefern uns Nahrung und Schutz, für einige Völker sind sie sogar Lebensgrundlage. Wir fühlen uns eng mit ihnen verbunden, ste- hen sie doch aufrecht, wachsen und vergehen wie wir. In Religion und Mythologie wird den Bäumen eine grosse Kraft zugesprochen. Der sogenannte Weltenbaum taucht in verschiede- nen Kulturen auf und ist ein uraltes Sinnbild da- für, dass alles Leben im Universum miteinander verbunden ist. EXITORIAL 3 GENERALVERSAMMLUNG 2019 Bericht der Arbeitskommission Altersfreitod 4–6 MEINUNG Altersfreitod konkret LEGALINSPEKTION Den Aufwand der Behörden reduzieren SCHICKSAL Im Wellental der Gefühle 6–7 8 9 37. GV EXIT (Deutsche Schweiz) Wegbeschrieb und Einladung Jahresberichte Vorstand und Geschäftsstelle Jahresbericht GPK Finanzen Jahresbericht palliacura Wahlen Anträge von Mitgliedern EXIT-STATUTEN PAGINA IN ITALIANO RÜCKTRITTE AUS DEM VORSTAND Saskia Frei Jean-Claude Düby Ilona Bethlen 10–11 12–13 13–14 PALLIACURA MEDIENSCHAU BÜCHER INTERVIEW Kandidatin Ressort Recht Kandidat Ressort Finanzen Kandidat Ressort Freitodbegleitung MITGLIEDERFORUM 15 16 17 ICH BIN EXIT-MITGLIED, WEIL … ADRESSEN/IMPRESSUM 18–19 20–25 26 27–33 34 35 35 36–37 38 39 40–42 43 44 46 47 2 EXIT-INFO 2.2019
EXITORIAL INTERN Adieu und auf Wiedersehen! schlagen dürfen. Erfahren Sie Nä- heres über die Kandidatin und die beiden Kandidaten auf den Seiten 15 bis 17 in diesem Heft. Als meine Nachfolgerin stellt sich Dr. Marion Schafroth, die bisherige Vizepräsidentin, zur Wahl. Jürg Wiler, verantwortliches Vorstands- mitglied für den Bereich Kommuni- kation, stellt sich als Vizepräsident zur Verfügung. Ich bitte Sie, dem neuen Vorstand das gleiche Ver- trauen entgegenzubringen, wie ich dies habe erleben dürfen. Unser Verein wird in drei Jahren 40 Jahre alt. Das Gerüst unserer stetig gewachsenen Organisation stammt noch aus den Pionierjahren von EXIT. Höchste Zeit also für eine Totalrevision unserer Statuten! So- wohl von Seiten des Vorstandes als auch durch Hinweise von engagier- ten Mitgliedern steht für die vorge- sehene Revision eine Vielzahl von Themenbereichen an. Bereits im Jahre 2018 hat deshalb der Vorstand beschlossen, eine Kommission für die Überarbeitung unserer Statu- ten im Rahmen einer Totalrevision einzusetzen. Sie werden über den Verlauf der Arbeiten regelmässig orientiert. Unser Verein ist für die Zukunft gut gewappnet. Wir gehen davon aus, dass unsere Organisation mitgliedermässig weiter wachsen wird. Selbstbestimmung im Leben und am Lebensende ist für immer mehr Menschen in der Schweiz ein zentrales Anliegen. Mit dem vom Vorstand verabschiedeten Konzept «2030» wird sich unsere Geschäfts- stelle in Zürich durch neu geschaf- fene Arbeitsstellen zu einem eigent- lichen Kompetenzzentrum für die immer komplexer werdenden Be- lange, speziell auch für alle Fragen rund um den Altersfreitod, weiter- entwickeln. Ich wünsche Ihnen und EXIT für die Zukunft nur das Allerbeste. Persönlich freue ich mich auf wei- tere Begegnungen mit Ihnen an den kommenden Generalversammlun- gen. SASKIA FREI, PRÄSIDENTIN Liebe Leserin, lieber Leser Es ist mein letztes Editorial, wel- ches ich als Präsidentin von EXIT schreibe. Nach drei Amtsperioden, mithin also nach neun Jahren, trete ich genauso wie die beiden Vorstands- mitglieder Jean-Claude Düby und Ilona Bethlen an der nächsten Ge- neralversammlung nicht mehr zur Wiederwahl an. Mein Amt als Präsidentin un- serer Organisation war mir stets Ehre und Verpflichtung. Umso mehr freut es mich, dass wir Ih- nen drei bestens qualifizierte neue Vorstandsmitglieder zur Wahl vor- EXIT-INFO 2.2019 3
GENERALVERSAMMLUNG 2019 Die Liberalisierung des Al Die Arbeitskommission Altersfreitod hat ihren Tätigkeitsbericht und ihre Anträge zu Handen der Generalversammlung vom 17. Mai vorgelegt. In die vorgeschlagenen Massnahmen für einen erleichter- ten Zugang von betagten Menschen zum Sterbemittel eingeﬂossen sind sowohl ethische als auch rechtliche Erkenntnisse. 1. Auftrag an die Kommission An der GV 2017 wurde eine Arbeits- kommission gebildet mit dem Auf- trag, für betagte Menschen Mass- nahmen für einen erleichterten Zugang zum Sterbemittel Natrium- Pentobarbital (NaP) vorzuschlagen und diese Massnahmen an der GV 2018 zu präsentieren. An der GV 2018 wurden zwei An- träge gutgeheissen: erstens Fortfüh- rung der Kommissionsarbeit für ein Jahr, um an der GV 2019 wieder zu berichten; zweitens Zustimmung zu den Massnahmen betr. Verein- fachung der Legalinspektion und erneute Berichterstattung an die GV 2019. 2. Vorgehen und Tätigkeit der Kommission Tätigkeit bis zur GV 2018: Es kann auf den ausführlichen Bericht im EXIT-Info 2/2018 auf den Seiten 6 bis 8 verwiesen werden. Tätigkeit nach der GV 2018: Der erhaltene Auftrag wurde von der Kommission wie folgt weiterbehan- delt: In fünf zusätzlichen Sitzungen hat die Kommission über mögliche Vorschläge beraten. Wegleitend wa- ren hierbei das von Prof. Klaus Peter Rippe erhaltene Memorandum zu den ethischen Fragen, ein Kolloqui- um mit Prof. Christian Schwarzen- egger und ein rechtliches Memoran- dum von PD Dr. Daniel Häring. 3. Erkenntnisse in ethischer und rechtlicher Hinsicht Die ethischen Abklärungen haben ergeben: Im ethischen Diskurs wird aner- kannt, dass jeder Mensch das Recht hat, autonom darüber zu entschei- 4 den, ob er sein Leben beenden will. Dies wiederum rechtfertigt es, Ster- behilfe zu leisten. Bei dieser Hilfe darf und muss jedoch verlangt werden, dass der Entscheid des Sterbewilligen gewissen Kriterien entspricht. In erster Linie muss der Entscheid autonom gefällt werden, was Urteilsfähigkeit voraussetzt. Der Beizug eines Arztes zur Beurtei- lung dieser Bedingung erscheint als sinnvoll, weil der Arzt hiefür über die nötigen Fachkenntnisse verfügt. In zweiter Linie muss die Sterbe - hilfeorganisation die Wohlerwogen- heit und Konstanz des Sterbewun- sches als Voraussetzungen prüfen. Besteht bei betagten Menschen ein Leiden und ist künftiges Leid zu erwarten, muss dies berücksichtigt werden und es kann Sterbehilfe ge- leistet werden. Eine Krankheitsdia- gnose ist nicht Bedingung. Bei der Beurteilung des Leidens darf so- dann die subjektive Beurteilung des Betroffenen berücksichtigt werden. Die rechtlichen Abklärungen haben ergeben: Für die Sterbehilfe massgeblich ist das in der Bundesverfassung (Art. 10 Abs. 2 BV) und der Men- schenrechtskonvention (Art. 8 Abs. 1 EMRK) garantierte Selbstbestim- mungsrecht. Demgegenüber muss jedoch die staatliche Pflicht zum Schutz des Lebens beachtet wer- den. Das Selbstbestimmungsrecht gilt somit nicht unbeschränkt und kann vom Gesetzgeber einer Kont- rollpflicht unterworfen werden. In diesem Spannungsfeld erlaubt jedoch das Strafgesetzbuch (Art. 115 StGB), dass Sterbehilfe geleistet wird, wenn keine selbstsüchtigen Beweggründe vorliegen (Entkri- minalisierung der Sterbehilfe). Für die Abgabe des NaP ist die gesetz- lich vorgeschriebene Rezeptpflicht gemäss dem Betäubungsmittelge- setz (BetmG) zu beachten, welches wiederum auf internationalen Ver- trägen beruht. Im Rahmen dieser Rezeptpflicht ist der Beizug eines Arztes unerlässlich, welcher die im Heilmittelgesetz (HMG) geregelte berufliche Sorgfaltspflicht zu be- achten hat. Für die Beurteilung die- ser Sorgfaltspflicht sind einerseits die beruflichen Standesregeln und andererseits die gerichtliche Recht- sprechung zu beachten. Mittlerwei- EXIT-INFO 2.2019
GENERALVERSAMMLUNG 2019 Altersfreitods vorantreiben le hat die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) neue Richtlinien erlassen, welche die Rezeptausstellung auch bei nicht zum Tode führenden Di- agnosen erlaubt. Nach wie vor sind jedoch zu prüfen: Urteilsfähigkeit sowie die Wohlerwogenheit und Konstanz des Sterbewunsches. Die Anwendung dieser Kriterien muss im Einzelfall beurteilt werden, wo- bei Umfragen ergeben haben, dass ein Grossteil der Bevölkerung einer liberalen Anwendung dieser Vor- aussetzung zustimmt. Dies wiede- rum beeinflusst die Weiterentwick- lung der Rechtsprechung. Folge der heutigen Rechtslage ist, dass dem Arzt bei der Verwendung des NaP eine zentrale Rolle zu- kommt. Ob dies sinnvoll ist, wird auch von den Ärzten unterschied- lich beurteilt. Eine «Entmedizinali- sierung» wird als Postulat für eine weitere Zukunft bestehen bleiben. Der weitere gesellschaftliche Dis- kurs wird diesbezüglich massgeb- lich bleiben. 4. Anträge der Kommission zu Handen der GV 2019 1. Der Altersfreitod stellt eine be- sondere Kategorie der Sterbebeglei- tung dar. EXIT versteht unter einem «Altersfreitod» den assistierten Su- izid eines betagten Menschen, der nicht an einer tödlichen Krankheit leidet, aber wegen der Summe sei- ner Beschwerden und Leiden seine Lebensqualität als beeinträchtigt empfindet. Hierbei umfasst der Be- EXIT-INFO 2.2019 griff «Leiden» die Verminderung von körperlichen Funktionen, ab- nehmende Sinnesleistungen und Defizite in der Leistungsfähigkeit, ohne dass eine zum Tode führende Krankheit vorliegen muss. Zusätz- lich finden psychosoziale Faktoren und das Wissen um zu erwartendes Leiden ihren berechtigten Platz bei der Beurteilung des Leidens im und am Alter. (EXIT erfasst diese Fälle von Altersfreitod in der Statistik un- ter dem Begriff «Polymorbidität»). 2. EXIT stellt für Menschen, die einen Altersfreitod erwägen, ein Be- ratungsangebot zur Verfügung und macht dieses seinen Mitgliedern re- gelmässig bekannt (EXIT-Info und Homepage). 3. EXIT fördert bei allen Mitar- beitern, die Mitglieder telefonisch oder im direkten Kontakt beraten, das Bewusstsein für die besonde- ren Bedürfnisse betagter Menschen und schult interessierte Mitglieder des Freitodbegleitungsteams sowie sich zur Verfügung stellende Kon- siliarärzte speziell im Hinblick auf unterstützende Begleitung beim Wunsch nach Altersfreitod. 4. EXIT, insbesondere der Vor- stand, setzt sich kontinuierlich ein für die weitergehende Enttabuisie- rung des Altersfreitods in Öffent- lichkeit, Ärzteschaft, Politik und bei den Behörden. 5. Die Abgabe des Sterbemittels ohne ärztliches Rezept bleibt ein Fernziel. 6. Die Arbeitskommission Libe- ralisierung Altersfreitod hat ihre Aufgabe erfüllt. Daher beschliesst die GV deren Aufhebung. 5. Begründung der Kommis- sion zu den Anträgen Zum Antrag Ziffer 1: Es braucht innerhalb der Organisa- tion EXIT eine Einigung darüber, was unter dem Begriff «Altersfrei- tod» verstanden wird (zur Kommu- nikation sowohl intern wie extern). 5
GENERALVERSAMMLUNG 2019 | MEINUNG Zentrales Kriterium ist nicht die medizinische Diagnose einer töd- lich verlaufenden Krankheit, son- dern das subjektive «Leiden im und am Alter». Dazu zählen z. B. körper- liche Funktionseinschränkungen, verminderte Sinnesleistungen und psychosoziale Faktoren, sowie das Wissen um zu erwartendes Leiden, welches mit dem Alter verbunden ist. Aufgrund der heutigen Rechts- lage muss jedoch an der Rezept- pflicht für das Sterbemittel festge- halten werden. Dieses darf mithin nicht unbesehen abgegeben wer- den. Neben der vom Arzt und EXIT zu überprüfenden Urteilsfähigkeit sind die weiteren Kriterien gemäss Ziff. 3 vorstehend zu erfüllen. Zu den Anträgen Ziffern 2 | 3: Menschen, die einen Altersfreitod erwägen, sollen bei EXIT einen nie- derschwelligen Zugang zu Informa- tionen und Beratung erhalten und beim Wunsch nach einer Freitodbe- gleitung von Anfang an empathisch und unterstützend im Abklärungs- gang begleitet werden. Dies bedingt: Anpassungen in personell-or ga- nisatorischer Hinsicht auf der Ge- schäftsstelle (Implementierung bis Ende 2020). Spezielle Schulung und Sensibi- lisierung sowohl interessierter Kon- siliarärzte wie Mitglieder des Frei- todbegleitungsteams. Zum Antrag Ziffer 4: Die von EXIT vertretenen Ansich- ten werden gemäss Umfragen von einem Grossteil der Bevölkerung unterstützt. Trotzdem ist ein er- leichterter Altersfreitod zum Teil, insbesondere auch bei Ärzten, um- stritten. Es braucht deshalb eine weitere Öffentlichkeitsarbeit. Zu diesem Zweck ist vorgesehen, am 16. November 2019 eine Tagung für die breite Öffentlichkeit durchzu- führen, an welcher das Thema um- fassend behandelt werden soll. Zum Antrag Ziffer 5: Aufgrund der heutigen Rechtsla- ge steht fest, dass das NaP nur mit 6 einem ärztlichen Rezept erhältlich ist. In diesem Zusammenhang ist jedoch festzustellen, dass Ärzte teilweise der Ansicht sind, dass dies nicht in ihren Aufgabenbe- reich fällt. Von verschiedener Seite wird deshalb eine «Entmedizinali- sierung» gewünscht. Längerfristig wird deshalb die Forderung weiter- bestehen, bei der Beschaffung des Sterbemittels eine Änderung zu er- reichen. Zum Antrag Ziffer 6 Mit dem vorliegenden Bericht ist die Arbeit der Kommission abgeschlos- sen. Die Tagung vom 16. November 2019 ist vorbereitet und kann ohne die Kommission durchgeführt wer- den. 6. Abschliessende Betrachtungen Parallel zu den Arbeiten der Kom- mission wurde von den Verantwort- lichen für den Bereich Freitodbe- gleitung eine Analyse des gesamten Bereichs vorgenommen und mit dem «Modell 2030» der Weg auf- gezeigt, wie sich EXIT an die Her- ausforderungen der Gegenwart und Zukunft für die kommende Dekade anpassen kann. Das «Modell 2030» wird vom Vorstand und vom Frei- todbegleitungsteam einstimmig ge- tragen und soll bis Ende 2020 voll- ständig etabliert sein. Bei Annahme der vorliegend gestellten Anträge soll dieses vom Vorstand geplante Modell 2030 für betagte Menschen zusätzlich ver- stärkt werden. Die Erweiterung der Statuten Art.2 um den Absatz «EXIT enga- giert sich für den Altersfreitod … » und die Einsetzung der Arbeits- kommission für eine Liberalisie- rung des Altersfreitodes durch die GV haben bewirkt, dass sich EXIT nun bewusster und intensiver für die Beratung und Begleitung von Menschen einsetzt, die einen Al- tersfreitod in Erwägung ziehen oder bereits dazu entschlossen sind. Die Anträge zu Handen der GV wer- den von der Arbeitskommission und vom Vorstand gemeinsam getragen. Altersfreitod konkret: Beispiele für Leiden im und am Alter Der Bericht und die Anträge der Altersfreitod-Kommission an die General versammlung 2019 enthalten die wesentlichen juristischen und medizinalethischen Ergebnisse der Kommissions arbeit. Was aber bedeutet Altersfreitod konkret und praktisch? Was ist damit auf persönlicher und individueller Ebene gemeint? Kommissionsmitglied Werner Kriesi gibt Antworten anhand zweier Beispiele. Es gilt, diese Gruppe nicht orga- nisch erkrankter, jedoch betagter Menschen deutlich von den «nor- malen» Begleitungen abzugrenzen. Bei letzteren liegt eine der üblichen, meistens schwerwiegenden medizi- nischen Diagnosen vor, z. B. Krebs oder Parkinson, oft in einem termi- nalen Stadium, welche die Ausstel- lung eines Rezeptes ohne weiteres gestattet. Viele alte Menschen, vor allem hochbetagte, leiden an den bekann- ten Erscheinungen des Alters, die dank medizinischer Eingriffe und pharmakologischer Unterstützung, chronisch geworden, sich oft über viele Jahre quälend hinziehen. Sol- EXIT-INFO 2.2019
se unglücklich und einsam. Viele ihrer Freunde waren bereits ver- storben. Von der Heimleitung fühlte sie sich kontrolliert und nicht mehr für «voll» genommen. Die meisten der anderen Heimbewohner erlebte sie als «abgelöscht» und nicht mehr fähig für kommunikative Kon- takte. Ihr Leben verlor zusehends alle sinnvollen Betätigungen. Sie fühlte sich eingesperrt, vor allem, weil sie sich in der Stadt infolge ihrer Sehschwäche kaum mehr orientieren konnte. Zu ihrem einzigen Sohn be- standen fast keine Kontakte. Der «soziale Tod», wie ich ihn nenne, entleerte subjektiv die Existenz dieser Frau, die früher ein anspruchsvolles und interessantes Leben geführt hatte. Und nun stand die Verlegung in das Pflegheim be- vor. Genau das aber wollte sie auf keinen Fall und entschied sich für den begleiteten Freitod, der in die- sem Fall aus der Bilanz der Umstän- de heraus nachvollziehbar war und die Ausstellung eines Rezepts für ein Sterbemittel gewissermassen präventiv begründete. Zweites Beispiel: P.A.* (92) im Pﬂegeheim Der Mann war über 92 Jahre alt, nahe am vollständigen Erblinden und infolge seiner altersbedingten Muskelschwäche an den Rollstuhl gebunden. Er befand sich seit eini- gen Jahren in einem Blindenheim. Hie und da besuchte ihn seine einzige Tochter, die, geschieden und berufstätig, mit ihren eigenen Sorgen zu kämpfen hatte. Seine Ehefrau und fast alle befreundeten und vertrauten Menschen waren verstorben. Weder Fernsehen, noch Lesen, noch Radiohören waren für ihn möglich, um seine inhaltslosen und einsamen Tage etwas zu ver- kürzen. Die schlaflosen Nächte ver- schärften den unhaltbaren Zustand seiner Existenz. Eine Pfarrerin, die ihn in Ab- ständen von einem Monat besuch- te, zeigte keinerlei Verständnis für seinen Sterbewunsch. Solange er so MEINUNG gut gepflegt werde wie in diesem Heim, hätte er kein Recht, seinem Leben ein Ende zu setzen, hielt sie ihm entgegen. Dieselben Argumen- te hörte er auch von der Heimlei- tung. Einzig sein Arzt entsprach sei- nem Wunsch und stellte ihm das Rezept aus. Der Arzt konsultierte «Altersbedingte Behinderungen erschweren meine Existenz» sogar vorgängig den Kantonsarzt, um sicher zu sein, ob dies gestat- tet sei. Dieser sagte weder Ja noch Nein, sondern erklärte: «Herr Kolle- ga, die Ausstellung eines Rezeptes unter den geschilderten Vorausset- zungen liegt ganz und gar in Ihrem Ermessen und in Ihrer Verantwor- tung.» P.A. erklärte beim zweiten Ge- spräch, das mit ihm geführt wurde: «Das ist eben mein Hauptproblem, dass ich nicht an einer zum Tode führenden Krankheit leide; dadurch bin ich verurteilt, mein Leben, das ich als elendes Leben empfinde, auf unabsehbare Zeit weiterzuführen.» Insgesamt fühlte er sich zum Bittsteller degradiert, auch gegen- über EXIT! «Hätte ich ein Mittel im Nachttischlein, wäre dies heute mei- ne letzte Nacht und dies verstünde ich als volle Selbstbestimmung und Autonomie, wie das EXIT eigentlich verspricht.» Um es noch einmal klar und deut- lich zu sagen: Die Menschen die- ser Gruppe sind nicht gesund, sind aber auch nicht in schwerwiegender Weise krank, schon gar nicht sind sie in Todesnähe. Hingegen leiden sie über lange Zeit hinweg an der sich steigernden Ausweglosigkeit ihrer Situation, die sie subjektiv als sinnentleert und als nicht mehr le- benswert empfinden. WERNER KRIESI * Initialen geändert 7 che Betagte können in der Regel weder als kranke noch als gesun- de, aber als leidende Menschen bezeichnet werden. Die Begriffe «krank» oder «gesund» verlieren hier erkennbar ihr Recht auf An- wendung und sollten meiner Mei- nung nach nicht mehr verwendet werden. Erstes Beispiel: die ehemalige Lehrerin A.R.* (88) Sie beschreibt selbst ihre Situation und ihre Beweggründe für ihren Freitodentscheid: Ich leide im Moment nicht an einer Krankheit, die unmit- telbar zum Tode führt. Ich leide jedoch an den üblichen alters- bedingten Behinderungen, die mir meine Existenz mehr und mehr erschweren. Hör- und Sehfähig- keit nehmen zusehends ab, meine Gehfähigkeit ist seit längerer Zeit beeinträchtigt. Was mich jedoch als geistig interessierten Menschen am meisten beunruhigt, ist die spür- bare Reduktion meiner Gedächtnis- leistung. Ich kann auch nicht mehr richtig lesen und schreiben. Sehr bald würde eine Einweisung in ein Pflegeheim unumgänglich. Für meine Person hielte ich es für sinnlos, mich während Mona- ten – oder sogar Jahren – wie ein Kleinkind pflegen zu lassen mit allen entwürdigenden Erscheinun- gen, die, nach meinem Verständnis, zu einer solchen Pflege gehören. Da ich all das vermeiden will, muss ich jetzt handeln, und das werde ich auch entschieden tun. Im Kon- siliararzt von EXIT, Herr Dr. med. X, fand ich einen verständnisvollen Arzt, der mir das Rezept für das Sterbemittel ausgestellt hat.» Wer einen solchen Text verfasst, beweist mit seinem Freitodwillen sowohl Wohlerwogenheit wie auch Autonomie, die sich nicht fremdbe- stimmen lässt. A.R.* zog in ein kleines Alters- heim, nachdem ihr Mann gestorben war. Sie erlebte sich in diesem Hau- EXIT-INFO 2.2019
POLITIK Legalinspektionen: Den Aufwand der Behörden reduzieren Die behördlichen Untersuchungen nach einer Freitodbegleitung sollen vereinfacht werden: Nachdem die Generalversammlung 2018 grünes Licht gegeben hat für entsprechende Massnahmen, ist nun eine Arbeitsgruppe aktiv geworden. Die EXIT-Mitglieder haben im Juni 2018 an der GV den Antrag der Kommission «Altersfreitod» angenommen, EXIT solle sich einsetzen, die Legalinspektion mit Mass- nahmen zu vereinfachen und zu verbessern. Eine solche führen die Behörden nach einem Suizid im Rahmen ei- ner amtlichen Untersuchung durch. Meist erscheinen vor Ort zwei oder mehrere Poli- zisten, ein Amtsarzt für die Leichenschau und oft auch noch ein Vertreter der Staats- anwaltschaft. Indes: Für die Angehörigen einer Person, die mit EXIT aus dem Le- ben geschieden ist, ist der nachfolgende administrative Ablauf oftmals um einiges belastender als der selbstbe- stimmte Tod selbst. Ziel: Gespräche mit Kantonsvertretern Der EXIT-Vorstand bestimmte da- her im August eine fünfköpfige Ar- beitsgruppe. Sie hat den Auftrag, den Kontakt mit den Kantonen zu suchen, wo die meisten Freitodbe- gleitungen stattfinden. Es sind dies der Kanton Zürich mit 329 EXIT- Begleitungen im vergangenen Jahr, Bern mit 107, Aargau mit 92, Basel- stadt mit 44 und Baselland mit 42 sowie St. Gallen mit 49. Zu diesem Zweck hat sich die Arbeitsgruppe im Dezember schrift - lich an die Departementsvorsteher/ innen und leitenden Staatsanwälte/ innen dieser Kantone gewandt. EXIT führt aus, dass die Hand- lungen der behördlichen Untersu- chungen auf die hinterbliebenen 8 oder die Todesart unbekannt sind. Die Staatsanwaltschaft soll laut Gesetz also nur «zur Klärung der Todesart oder zur Identifizierung des Leichnams» eine rechtsme- dizinische Legalinspektion durch einen sachverständi- gen Arzt anordnen. Wichtig ist in diesem Zu- sammenhang der Hinweis, dass bei einer Freitodbeglei- tung die Identität des Ver- storbenen, die Todesart und der Todeszeitpunkt klar sind sowie dokumentiert und durch Zeugen verifiziert. In den Schreiben heisst es weiter: «Im Regelfall dürften daher eine normale ärztliche Leichenschau und von Sei- ten der Behörden die übrigen Untersuchungshandlungen wie Prüfung der Identität, Dokumentation und Situa- tion sowie allfällige Befra- gungen etc. ausreichen.» Angehörigen aus verschiedenen Gründen oftmals unnötig belastend wirken: «Dadurch erscheint die Un- tersuchung nicht mehr verhältnis- mässig.» Auch auf Seiten der Behör- den gebe es rechtliche und tatsäch- liche Gründe, die Untersuchung zu vereinfachen und unangemessene Kosten einzusparen. Klar dokumentiert Gleichzeitig verweisen die Arbeits- gruppenmitglieder auf die Schwei- zerische Strafprozessordnung. Sie machen klar, dass bei der Unter- suchung dieser sogenannten au- ssergewöhnlichen Todesfälle eine Legalinspektion nur verlangt wird, wenn die Identität des Leichnams Diese und weitere Möglichkeiten, den behördlichen Aufwand zu mi- nimieren, sind das Ziel der Bespre- chungen. Ebenso soll zur Sprache kommen, was EXIT zu einem für die Behörden praktikablen Ab- lauf beitragen kann. Zum Beispiel könnte eine Vorankündigung ei- ner Begleitung das Zeitfenster der Untersuchung verkürzen. EXIT ist überzeugt, dass sich – unter der Berücksichtigung des Gesetzes und der etablierten Praxis des Vereins – das Prozedere nach einer Freitodbe- gleitung vereinfachen lässt. EXIT hofft, dass die Gespräche mit den Verantwortlichen in den Kantonen bis Mitte dieses Jahres JW stattfinden. EXIT-INFO 2.2019
SCHICKSAL Im Wellental der Gefühle Die Mutter von Ruth Baumann will ihr Leiden beenden und mit EXIT aus dem Leben scheiden. Auf dem Weg dahin muss sie eine letzte Hürde überwinden. Meine Mama ist mit etwas über 90 Jahren mit EXIT gestorben. Sie sass aufgrund einer sogenannten Multimorbidität nach vielen Bruch- operationen mit entsprechenden Schmerzen im Rollstuhl. Zudem hatte sie eine fortgeschrittene Ma- kuladegeneration und war dauer- katheterisiert mit chronischen In- fekten. Das Einzige, was sie noch selbständig machen konnte, war es- sen. Im Geist war Mama jedoch völ- lig klar und ihr Gedächtnis tadellos. Irgendwann kündigte sie mir in ihrem sehr schmerzhaften und ein- geschränkten Alltag das Vorhaben an, mit EXIT zu sterben. Ich war hin- und hergerissen und befand mich in einem Wellental von auf- wühlenden Gefühlen. Mama führte ein selbstbestimmtes Leben, und so wollte sie auch sterben. Ich ak- zeptierte ihren Willen und leitete die nötigen Schritte ein. Die Frei- todbegleiterin von EXIT besuchte sie mehrere Male und wollte sich versichern, dass Mama’s Wunsch wirklich konstant blieb. Ich war die letzten Male vor ihrem Tod bei den Gesprächen dabei, erstaunt und gleichzeitig tief bewegt, dass sie ohne Zweifel diesen Weg gehen wollte. Ihre intensive Pflege liess es EXIT-INFO 2.2019 gemäss der Altersheimleitung nicht mehr zu, dass sie weiterhin in ihrer Alterswohnung, die ebenfalls zum Heim gehörte, bleiben konnte. Der Wechsel ins Heim war in ihrem ho- hen Alter sehr einschneidend und machte ihr zu schaffen. zu erreichen. Der Präsident weilte im Ausland in den Ferien; von ei- nem anderen Mitglied erfuhr ich, dass eine Sitzung rund um dieses heikle Thema von allen Vorstands- mitgliedern einberufen werden müs se. Da weitere Mitglieder in den Unsere Anspannung stieg und stieg Mama legte den Tag des end- gültigen Abschieds fest. Die Heimleiterin war einverstan- den, obschon eine EXIT-Frei- todbegleitung laut ihren Aussa- gen das erste Mal in ihrem Betrieb vorkam. Mein Mann und ich fuhren zu Mama. Es war eine schwere Rei- se. Wir nahmen alle Kraft zusam- men, diesem endgültigen Abschied in Würde zu begegnen. Bei unserer Ankunft lud uns die Heimleiterin in ihr Büro ein. Sie eröffnete uns, es sei nun doch nicht mehr möglich, dass Mama auf diese Weise im Heim sterben kön- ne. Vor kurzem sei ein neuer Vor- stand gegründet worden, von dem sie nicht wisse, ob er die Begleitung von EXIT zulassen würde. Mama war tief erschüttert. Ebenso mein Mann und ich; wir waren einfach sprachlos, als wir diese Botschaft erhielten. Ich versuchte sofort, die Mitglie- der des Heimvorstandes telefonisch Ferien weilten, konnte mir kein Termin für eine solche Sitzung mit- geteilt werden. Alles schien in der Schwebe zu bleiben. Ich rief die Freitodbegleiterin und den Haus- arzt meiner Mutter an. Beide waren konsterniert über dieses Vorgehen der Heimleitung. Wir versuchten Mama zu trösten und waren dabei selbst den Tränen nahe. Unsere Anspannung an die- sem Tag stieg und stieg. Da rief uns die Heimleiterin erneut in ihr Büro und eröffnete uns, sie würde die Einwilligung zu einem Sterben mit EXIT ungeachtet der Meinung des Vorstandes auf sich nehmen. Da sie nächstens in Pension gehe, müsse sie wohl keine weiteren Konsequen- zen ihres eigenständigen Entschei- des befürchten. Und so wurde der innigste Wunsch von Mama an diesem tur- bulenten Tag doch noch erfüllt. Mein Mann und ich sind dankbar, dass wir sie bei ihrer letzten Reise auf diese Art begleiten durften. Wir konnten uns in aller Ruhe – sogar mit etwas Humor von Mamas Seite – in würdigem Rahmen händehal- tend von ihr verabschieden. Die anschliessenden Fragen der Poli- zei haben wir als sehr einfühlsam empfunden. Auch die Pfarrerin war offensichtlich bewegt. Wir schätzen es sehr, dass wir diese tiefe Erfahrung in unserem Leben machen konnten. 9
RÜCKTRITTE AUS DEM VORSTAND «Wenn alle Stricke reissen, sind Saskia Frei hat in ihrer Präsidentschaft beides v einzustehen und mit EXIT zu kämpfen für die F Über 200 öffentliche Auftrit- te hat Präsidentin Saskia Frei in ihren neun Amtsjahren für EXIT geleistet. Ein Einsatz bleibt in besonderer Erinne- rung: das Engagement an der Muba in den Jahren 2013 und 2014. Im Getümmel der Messe, am EXIT-Stand, einem der meist- besuchten und sicherlich am heftigsten diskutierten, war die selbstständige Advokatin und ehemalige Basler Grossrätin ganz in ihrem Element. Sie nahm sich Zeit für Mitglieder und Inte- ressenten (und damit für Patien- tengeschichten sowie kleine und grosse Sorgen), nur um gleich darauf mit Politikern, Gesund- heitsfachleuten und Behörden über die Sterbehilfe zu verhan- deln und abends auch noch ein TV-Podium oder einen Vortrag zu bestreiten. «Eine hervorragende Plattform», bilan zierte sie danach in der «Basler Zeitung». Unter den vielen Auftritten (von der «Arena» über den «Beobachter» bis «Tele Basel») viel leicht am eindrucks- vollsten aber war Saskia Frei bei den EXIT-Generalversammlungen. Ihre traditionelle Rede am Anfang zog die Mitglieder in den Bann, ihre effiziente Versammlungs führung erntete Applaus und der persönliche Austausch beim Apéro zeigte ihre gesellige Seite. «Kompliment, Frau Präsidentin!», hörte sie regelmässig beim persönlichen Abschied. Engagement gehört zu ihr Saskia Frei war die neunte Vereins- vorsitzende in der Geschichte von EXIT. Niemand hat das Amt län- ger ausgeübt. Engagement gehört einfach zu ihr. Die beruflich stark Beanspruchte hat immer einen Teil ihrer Zeit für gesellschaftliches En- 10 Grosse Freude bei EXIT-Präsidentin Saskia Frei: Bundesrätin Simonetta Sommaruga am Weltkongress der Sterbehilfeorganisationen 2012. Foto: Felix Aeberli gagement aufgewendet. Sagte sie schon als Politikerin: «Das Volk darf etwas erwarten von mir!», so galt das erst recht für die EXIT- Mitglieder. Und Saskia Frei hat ge- liefert, da gibt es nichts zu rütteln: Unter ihrer Vereinsführung hat sich die Mitgliederzahl um über 100 Prozent auf rund 120 000 erhöht, und aus dem Sterbehilfeverein ist eine potente Or ga ni sation von der Grösse einer Bundesratspartei ge- worden. Richard Wyrsch, Schwyzer alt Regierungsrat und Mitglied der EXIT-Geschäftsprüfungskommissi- on: «Ihre Präsidentschaft war beein- druckend erfolgreich.» Entsprechend ernst hat die Poli- tik in Bern EXIT nehmen müssen: Über die letzte Dekade haben die Räte sämtliche Einschränkungsver- suche abgelehnt, allen vo ran das von der damaligen Justizministerin Widmer-Schlumpf angestrebte, fak- tische Verbot der Suizidhilfe. Poin- tiert der Einsatz von Saskia Frei in der Wandelhalle, bei dem sie mit manchem Ratsmitglied per Du spre- chen konnte. So verwunderte nicht, dass zum 30-Jahre-Vereinsjubiläum Regierungsräte und andere Hono- ratioren kamen und dass am EXIT- Kongress Bundesrätin Simonetta Som maruga eine Rede hielt. Angriffe parierte sie auch im Alleingang EXIT hat 2009 eine Verjüngung und mehr Frauen im Vorstand ge- wünscht. Für beides stand Saskia Frei ab 2010 tatkräftig ein. Unter der Führung der damals erst 53-Jäh- rigen wichen Grabenkämpfe einem konstruktiven Miteinander. Mit ih- rer zupackenden Art und mit ihrer politischen Erfahrung gelang es ihr, Vorstand und Verein auf Vorwärts- kurs zu bringen, die vielen Klip- pen, die sich einem Sterbehilfever- ein naturgemäss bieten, geschickt zu umschiffen und die Anliegen von EXIT voran zu bringen. Ihre EXIT-INFO 2.2019
RÜCKTRITTE AUS DEM VORSTAND d wir da» s vereint: persönlich fürs einzelne Mitglied e Freiheit am Lebensende für alle. Schlauheit – geschult in unzähligen Ge richtsverhandlungen – war dabei immer wieder hilfreich. Sicherlich das grösste Verdienst ihrer Präsidentschaft ist der Image- wandel vom noch etwas kleineren Sterbehilfeverein zur grossen nati- onalen Lobbyorganisation für die Patienten selbstbestimmung. In der Öffentlichkeitsarbeit wagte Saskia Frei etwas – weil sie tief überzeugt ist, dass EXIT mit seinem Engage- ment richtig liegt. Mit Sachlichkeit und mit engagierten Voten, denen nie Humor und eine gute Prise Volksverbundenheit fehlte, parierte sie Angriffe auf die Organisation oder auf die Selbstbestimmung am Lebensende schon auch einmal im Alleingang. Ihre Motivation war schlicht die Selbstbestimmung. «Ich konnte meinen Beruf selbst aussu- chen, ich konnte meinen Ehepart- ner frei wählen, ich möchte auch meinen Tod allein entscheiden», brachte sie im Schweizer Fernsehen zum Ausdruck. Wie oft bei EXIT- Engagierten spielten sicherlich auch persönliche Erfahrungen mit: Der Vater wurde vom Krebs noch mitten aus dem aktiven Berufsleben geris- sen, die Mutter verstarb nach länge- rer Demenz. So erstaunt nicht, dass sich Saskia Frei trotz herausfordern- der Arbeit in ihrer Advokatur stets Zeit nahm für einzelne EXIT-Mit- glieder. Jede Zuschrift beantwortete sie persönlich, allem ging sie akri- bisch nach, immer zum Wohl ihrer Mitglieder. Sie sagte dann: «Wenn alle Stricke reissen, sind wir von EXIT da!». Das galt übrigens auch innerhalb der Organisation: Wenn ein Problem auftauchte oder ein Funktionär oder Mitarbeitender vor einer besonderen Heraus forderung stand, war Saskia Frei da. Auf die- se Präsidentin war zu 100 Prozent reiten und zu leiten. Zusammen mit dem Ge schäftsführer trugst du auch die Verantwortung für innerbetrieb- liche Belange und zusätzlich ver- liehst du EXIT in Öffentlichkeit und Medien ein sympathisches Ge sicht und eine überzeugende Stimme. Gleichzeitig souverän und gelassen stelltest du dich über all die Jahre den vielfältigen Anforderungen. Engagiert, zielstrebig und effektiv Liebe Saskia Seit unserer gleichzeitigen Wahl in den Vorstand vor neun Jahren er- lebte ich haut nah mit, wie du das anspruchsvolle Amt der Präsidentin eines rapide wachsenden Vereins mit seinem gesellschaftlich nicht unum- strittenen Vereins zweck ausübtest: engagiert, zielstrebig, speditiv und effektiv – so lauten die passenden Stichworte! Waren Entscheidungen notwendig, so stand dir immer das Wohl des Vereins vor Augen, und du wusstest um den Unterschied zwischen visionären Gedanken und zur Zeit gesellschaftspolitisch reali- sierbaren Möglichkeiten. Deine Auf- gabe war es nicht nur, unsere Vor- standssitzungen und die Generalver- sammlungen des Vereins vorzube- Liebe Saskia, im Namen des ge- samten Vereins EXIT danke ich dir ganz herzlich für alles, was du für unsere Organisation geleistet hast. Du wirst nicht nur mir fehlen, und es ist eine grosse Herausforderung, in deine Fussstapfen zu treten. MARION SCHAFROTH, VIZEPRÄSIDENTIN EXIT-INFO 2.2019 Verlass. Eine Loyalität, die sie auch umgekehrt erwarten durfte. Konsequent Mass halten als Credo Diese Qualitäten schätzt sie auch im Fussball, ihrem grossen Freizeitinte- resse. In Basel ist sie stadtbekann- te FCB-Unterstützerin, die an allen Heimspielen und ab und zu auch an den Champions-League-Spielen im Ausland dabei ist. Gerne liest sie, nicht nur Literatur, sondern auch anspruchsvolle Zeitschriften aus dem In- und Ausland. Dies ermög- licht ihr, immer bestens informiert zu sein, was in Debatten und in der Vereinspolitik oft den entscheiden- den Vorteil brachte. Ihre Dossierfes- tigkeit in sämtlichen Vereinsanlie- gen zeugte davon. Bei Präsidentin Saskia Frei stand stets das Wohl des Vereins an erster Stelle. Dem ordne- te sie alles unter, ganz sicher sich selbst. Mass zu halten, war ihr Cre- do, denn Bescheidenheit steht ihrer Meinung nach einer erfolgreichen Organisation nicht nur gut an, son- dern macht sie eben noch sympa- thischer und glaubwürdiger. Dank dieser konsequenten Haltung konn- te Saskia Frei von Politik, Behörden und oft auch von den Medien die Ernte für EXIT einfahren: Goodwill, Verständnis und Entgegenkommen. Zum Schluss die persönliche Sicht: Saskia Frei fordert ihre Mit- streiter heraus. Sie ist «tough» im positiven Sinn. Gleichzeitig hat sie ein grosses Herz. Ihr Zeiteinsatz war hoch. Ihr strategi sches Denken und pragmatisches Handeln haben den Verein vorwärts gebracht. Und stets für alle Mitglieder eine per- sönliche Antwort zu haben, hat sie zur sympathischen Vorsitzen den gemacht. BERNHARD SUTTER, GESCHÄFTSFÜHRER 11
RÜCKTRITTE AUS DEM VORSTAND «Zum Rückhalt in der Bevölkerung Sorge tragen» Finanzvorstand Jean-Claude Düby blickt zurück auf 13 Jahre EXIT. Jean-Claude Düby, weshalb trittst Du zurück? Eigentlich besteht für den fünf- köpfigen EXIT-Vorstand keine Altersbeschränkung. Wir ha- ben jedoch für die Stiftungsräte der EXIT-eigenen Stiftung pal- liacura, mit der wir die pallia- tive Behandlung unterstützen, ein Limit von 80 Jahren einge- führt. Ich bin 78 und finde es sinnvoll, dass wir uns im Vor- stand ebenfalls daran halten. Denn würde ich mich noch- mals für drei Jahre wählen lassen, wäre ich am Ende der Amtsperiode 81-jährig. Zudem konnte mit Andreas Russi ein sehr guter Nachfolger für mich gefunden werden. Wie hat sich Dein Ressort Finanzen in den vergangenen 13 Jahren entwickelt? Entsprechend dem Anstieg der Mit- gliederzahl ist auch die Führung des Ressorts deutlich komplexer geworden. Als ich 2006 als Finanz- vorstand anfing, hatten wir noch rund 51‘000 Mitglieder, inzwischen sind wir bei 120‘000. So lagen die Mitgliederbeiträge zu Beginn bei etwa 1,4 Millionen Franken, heute betragen sie 5,6 Millionen. Das ist ein grosser Schritt. Wie beurteilst Du die ﬁnanzielle Si- tuation von EXIT? Die Non-Profit-Organisation steht gut da. Dank den Mitgliederbeiträ- gen und Spendeneinnahmen ist es uns gelungen, Reserven zu schaf- fen. Heute verfügt EXIT über ein Eigenkapital von 9,3 Millionen, wo- von ein Fondskapital von rund fünf 12 klar darlegen und kommuni- zieren. Unsere Mitglieder sol- len unsere Rechnung verstehen können. Daher haben wir für die Jahresrechnung 2017 neu einen Anhang erstellt mit zu- sätzlichen Detailauskünften zu unserer finanziellen Situation. Wenn Du auf Deine Tätigkeit im Vorstand zurückblickst: An was wirst Du Dich am liebsten erinnern? Die Befriedigung über das ge- meinsam Erreichte steht im Vordergrund. Eine persönliche Bereicherung war, bei EXIT im- mer wieder auf sehr interessan- te Persönlichkeiten zu stossen. Die konstruktive und kollegiale Zusammenarbeit innerhalb des Vorstands und mit den Mitar- beitenden der Geschäftsstelle haben mir viel gegeben. Dazu kamen die freundschaftlichen Kon- takte mit den Freitodbegleitperso- nen, der Geschäftsprüfungskommis- sion und der Revisionsstelle. Welche Hürden gab es zu überwin- den? Richtig hohe Hürden musste ich nicht nehmen. Doch ein gewaltiger Schritt für den Verein war 2017 der Kauf der Liegenschaft für die neue Geschäftsstelle in Zürich-Witikon. Er war dringend nötig, damit der Verein weiterhin gut organisiert und reibungslos geführt werden kann. So waren die Platzverhält- nisse in der alten Geschäftsstelle in Zürich-Altstetten während der letzten Jahre schlicht prekär – pri- mär für alle Mitarbeitenden, nicht zuletzt aber auch für den Vorstand. EXIT-INFO 2.2019 Hat den Fokus auf Transparenz für Mitglieder ge- legt: der abtretende Finanz vorstand Jean-Claude Düby. Millionen besteht. Damit können wir unsere Standbeine mit Auf- gaben wie der Weiterbildung von Mitarbeitenden und Freitodbegleit- personen, der Beratung bei der Pa- tientenverfügung sowie der Öffent- lichkeitsarbeit unterstützen. Zudem haben wir bei unserer Pensions- kasse Arbeitgeber-Beitragsreserven geschaffen, und zusätzlich konn- ten Rückstellungen für Mitglieder auf Lebenszeit getätigt werden. Konntest Du auch persönliche Ziele realisieren? Mit dem starken Wachstum des Vereins lag mein Fokus auf der Transparenz für die Mitglieder. Ein grosses Anliegen von mir ist, dass wir gegenüber den Mitgliedern je- weils die ganze Jahresrechnung
RÜCKTRITTE AUS DEM VORSTAND Er musste seine Sitzungen jeweils in der engen Küche im Haus oder extern durchführen. Gab es für Dich auch mühsame Momente? Schwierig war die Zusammenar- beit im Vorstand zwischen 2006 und 2009, als es grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten gab, insbesondere in der Frage der Kurz- zeitmitglieder. Doch es gelang, eine Lösung zu finden für solche Mitglieder, die dem Verein beitre- ten und möglichst bald eine Frei- todbegleitung wollen. Mit einem zusätzlichen Kostenbeitrag zahlen sie an unseren hohen Aufwand und übernehmen gleichzeitig einen Teil unserer Infrastrukturkosten. Was gibst Du EXIT mit auf den Weg in die Zukunft? Der Verein muss weiterhin grossen Wert darauf legen, dass er seine hohe Akzeptanz in der Gesellschaft behalten kann. Dazu gehört, einen guten Kontakt mit den Mitgliedern zu pflegen. Ebenfalls positiv ist, wenn sich die Mitgliederzahl weiter erhöht. Weshalb? Es trägt zur Stärkung des Vereins bei: Je mehr Mitglieder wir haben, desto besser werden wir mit un- seren Anliegen sowohl in der Öf- fentlichkeit als auch in der Politik wahrgenommen und desto mehr Durchsetzungskraft haben wir. Mit anderen Worten können wir nicht einfach übergangen werden, z. B. bei Vernehmlassungen, die uns be- treffen. Kurz: Zum grossen Rück- halt, den EXIT in der Bevölkerung hat, gilt es Sorge zu tragen. Würdest Du diesen Weg wieder ge- hen? Diese Aufgabe ist einfacher für je- manden, der bereits pensioniert ist oder kurz davor steht. Einerseits muss man das Engagement im Rah- men des Teilzeitpensums steuern können: Steht Anfang Jahr für mich das Erstellen der Jahresrechnung an, ist ein hoher Einsatz nötig, im Som- mer dagegen weniger. Anderseits muss das Finanzielle eine unterge- ordnete Rolle spielen. Ja, ich würde es sofort wieder machen. Siehst Du auch Risiken? Würde der Verein extreme Forde- rungen stellen, würde er in der Bevölkerung wohl auf Unverständ- nis stossen. Auch sollten keine ab- rupten Änderungen vorgenommen werden, weil das einen gros sen Teil der Bevölkerung vor den Kopf stos sen würde. Falls EXIT Neue- rungen einführen will, muss die Öffentlichkeit sorgfältig aufgeklärt werden. Für Dein Engagement als Finanz- vorstand brauchte es Identiﬁkation mit den Vereinszielen und Herzblut. Zum Schluss: Wie sehen Deine pri- vaten Pläne für die Zukunft aus? In meinem Alter legt man die Latte bei den Plänen nicht mehr so hoch. Mein Hobby sind Eisenbahnfahrten innerhalb von Europa, um Städte zu entdecken und insbesondere um Opern- und Ballettvorstellungen zu besuchen; zum Beispiel «Aida» von Verdi in Venedig. Diese Pas sion wollen meine Frau und ich noch mehr pflegen. Und ja: Selbstver- ständlich werde ich weiterhin an den Mitgliederversammlungen von EXIT anzutreffen sein. INTERVIEW: JÜRG WILER Würdigung einer nahbaren Unbeugsamen Zum Rücktritt von Ilona Bethlen. Ich erinnere mich gut an unsere erste Begegnung an einer Tagung zum Thema Recht und Sterbehilfe. Das Ressort Recht von EXIT war zu dieser Zeit in der Hand von Ernst Haegi, Deinem Vorgänger. 2009 und einige Monate später traf ich Dich zu meiner Freude wieder auf der Geschäftsstelle von EXIT, Du hattest Dich im damaligen Vorstand als neue Rechts-Zuständige vorge- stellt und wolltest die Mitarbeiten- den, damals noch ein überschau- bares Grüppchen, kennenlernen. Diese Nähe zu uns Angestellten war eine Qualität, die Dich wäh- rend Deiner ganzen Amtszeit aus- zeichnen sollte. Du warst jederzeit und für alle ansprechbar, wir konn- ten Dich kontaktieren bei jeglichen rechtlichen Unsicherheiten, ich selber habe regelmässig dankbar davon Gebrauch gemacht, u. a. im Vorfeld schwieriger Begleitungen. Dann zogst du all Deine Register, fertigtest absichernde Schriftstücke an, warst bereit, mit dem jeweiligen Umfeld in Kontakt zu treten und warst während den Begleitungen für mich erreichbar. Zum Beispiel erinnere ich mich an die langjährig psychisch kran- ke Frau, die vor ihrer Begleitung einen unfreundlichen Abschieds- brief an die für sie zuständige KESB schrieb. Leider kam der Brief am EXIT-INFO 2.2019 13
RÜCKTRITTE AUS DEM VORSTAND Tag der geplanten Begleitung an, die Behörde war alarmiert. Dank Deiner umsichtigen Prä- senz gelang es uns, die Behör- denmitglieder davon zu über- zeugen, dass die Begleitung sorgfältig vorbereitet worden war und es keinen Anlass gab, die sterbewillige Frau statt in den Freitod zu begleiten zum x- ten Male in eine psychiatrische Klinik einzuweisen. Nun, ich tue Dir und Deiner ge- leisteten Arbeit bestimmt un- recht, wenn ich nur von einem spektakulären Fall berichte, in welchem Deine Unterstüt- zung sowohl fachlich als auch emotional wertvoll war. Denn während Deiner Amtszeit wuchs der Verein so rasant, dass dies für alle bei EXIT eine grosse Herausforderung war. Innert Kürze verdoppelte sich die Anzahl der Mitarbeitenden auf der Geschäftsstelle, das Team der FreitodbegleiterInnen musste kon- tinuierlich vergrössert werden. Ich behaupte, die Arbeit einer guten Vereinsjuristin erkennt man daran, dass sie nicht in Erscheinung treten muss als scharfe Verteidigerin, son- dern präventiv wirkt. Du fühltest Dich stets dem Vereinszweck, den Mitgliedern und den Mitwirkenden verpflichtet, machtest die Feinar- beit im Hintergrund und voraus- schauendes Abwägen zogst Du Kri- senmanagement vor, sorgtest damit auch für zunehmende Akzeptanz bei Behörden, Institutionen und Angehörigen, pflegtest bei Bedarf kooperativen Austausch mit wich- tigen Playern wie z. B. Staatsan- waltschaften und liessest Dich von Angreifern nicht einschüchtern. Du widmetest Dich mit Hingabe den für EXIT wichtigen Fragen wie dem erleichterten Alterssuizid mit dem Konzeptvorschlag eines wis- senschaftlichen Pilotprojekts, dem Sterbefasten, den Sorgfaltskriterien im Umgang mit dem Sterbemittel Natrium-Pentobarbital und weite- ren grundsätzlichen Fragen. Einer meiner grossen Berührungspunk- te mit Dir war die inhaltliche Ent- 14 Ilona Bethlen wirkte als Vorstandsmitglied Ressort Recht vor allem präventiv, aber auch an vorderster Front, wenn es nötig war. wicklung der Patientenverfügung. Das 2013 eingeführte Erwachse- nenschutzrecht bildete ei nen Mei - lenstein für die Stärkung der Pati- entenrechte, dennoch entdecktest Du sofort, wo mögliche Lücken bestehen könnten und gemeinsam entwickelten wir entsprechende Textpassagen in der EXIT Patien- tenverfügung. Wortklaubereien ge- hörten zu den Spezialitäten unserer Zusammenarbeit – Formulierungen zu finden, zu verwerfen und zu optimieren, immer mit dem Ziel, komplexe Sachverhalte anschaulich zu vermitteln. Bei aller Ernsthaftig- keit der Inhalte hatten wir auch viel Spass, denn beim Jonglieren mit der Sprache gerieten wir allzu ger- ne auf nahe liegende Abwege. Ja, was haben wir gelacht, liebe Ilona. Aber zurück zur Patientenverfü- gung und deren Praxis. Auch hier zeigtest Du Deine Nähe zu den Menschen, mehr als einmal setztest Du Dich unmittelbar vor Ort ein, als Angehörige uns die Missachtung einer Patientenverfügung meldeten. Ein Fall ist mir besonders in Erin- nerung geblieben: Ein hochbetagter schwer kranker Mann hatte unter Druck in eine Notfall-Operation ein- gewilligt. Er lag anschliessend auf der Intensivstation eines nam- haften Spitals und wachte nicht mehr aus dem Koma auf. Wäh- rend die Angehörigen wuss- ten, dass der Mann in dieser Situation lieber sterben wollte, als mit Hilfe von Apparaturen am Leben erhalten zu bleiben, setzten die verantwortlichen Mediziner dagegen, dass der Mann ja in den Eingriff ein- gewilligt habe, somit auch die damit verbundenen Risiken zur Kenntnis genommen habe und somit seine Patientenver- fügung ausgehebelt sei. Es be- nötigte ein ganzes Wochenen- de lang Deinen einfühlsamen Umgang mit den Angehörigen, Dein vehementes Auftreten ge- genüber den Ärzten sowie die Einberufung des Ethikrats der Klinik, damit dem Willen des Patienten schliesslich entspro- chen wurde, und er innert weniger Minuten nach Einstellen der lebens- erhaltenden Massnahmen sterben konnte. Dein grosses Engagement mit sozialer und liberaler Haltung so- wie kritischem Geist wurde an der Front sowohl von den Mitgliedern von EXIT als auch von den Mitar- beitenden auf der Geschäftsstelle und den FreitodbegleiterInnen sehr geschätzt. Das rasante Wachstum des Vereins sahst du vor allem als Herausforderung, auch sorgtest Du Dich darum, wie die hohen Anfor- derungen an Ethik, Legalität und Sorgfalt gleichwohl erhalten bleiben können. Du hast mit Deinem gros- sen Fachwissen, Deinem Geschick, Konflikte auf einvernehmliche Wei- se zu lösen, Deinem kritischen Hin- terfragen, Deiner Ausstrahlung und besonders mit Deiner Art, trotz Dei- ner Grösse/Länge in jeder Hinsicht allen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, die Ära von EXIT auf dem Weg von einem mittelgrossen Verein zu einer etablierten grossen Organisation mitgeprägt. Möge Dei- ne Prägung einen bleibenden Ab- druck hinterlassen. MELANIE KUHN EXIT-MITARBEITERIN EXIT-INFO 2.2019
INTERVIEW Die Notarin Katharina Anderegg, 60, kandidiert für das Amt als Rechtsvorständin. Was sie dazu antreibt und weshalb sie für diese Aufgabe geeignet ist, erläutert sie im Interview. «Würde gerne meine Erfahrung einbringen» Katharina Anderegg, Notarin des Kt. Bern Selbstständig | 1959 | nicht verheiratet Beruﬂiche Stationen: Patentierung als Notarin, Anlageberaterin für institutionelle Anleger, Rechtsberaterin bei international tätiger Treu- handgesellschaft, Mitglied der Eidg. Kommis- sion für die beruﬂiche Vorsorge, Angestellte Notarin in einem Bernischen Notariat, Partnerin im Notariat Barbier + Anderegg, ab 2018 eige- nes Notariat: Katharina Anderegg, Das Notariat Weshalb haben Sie sich für die Tätig- keit als Vorstandsmitglied «Recht» entschieden? Schon seit einiger Zeit habe ich die Diskussionen im In- und Ausland zum Thema Sterbebegleitung mit grossem Interesse verfolgt, da ich insbesondere beruflich immer wie- der mit dem Thema Tod konfron- tiert bin. Die juristischen Fragen, die sich dabei stellen, sind sehr spannend. Beim Angebot von EXIT wie der Freitodbegleitung und der Patientenverfügung fliessen zusätz- liche interessante Aspekte rund um das Selbstbestimmungsrecht ein. Ich würde deshalb gerne meine Le- benserfahrung auf beruflicher wie menschlicher Ebene einbringen und mich mit dieser Thematik ver- tieft auseinandersetzen. Was hat Sie dazu bewogen, sich so intensiv auf das Thema Sterbehilfe einzulassen? Als selbständiger, unabhängiger Mensch möchte ich nicht nur mein Leben, sondern auch den Zeitpunkt meines Todes möglichst selbst be- stimmen können. Dies ist für mich seit langer Zeit eine Selbstverständ- lichkeit und ich bin froh, dass die Schweiz eine liberale Gesetzgebung hat, die dies auch zulässt. Aus welchen Gründen sollten die EXIT-Mitglieder Sie als neues Vor- standsmitglied des Ressorts Recht wählen? EXIT-INFO 2.2019 Bei der Konzeption von Nachfolge- regelungen in Familienunterneh- mungen sowie bei Beratungen im Bereich Erbrecht komme ich immer wieder mit dem Tod in Berührung. So konnte ich viel Erfahrung mit diesem Thema sammeln, häufig spüre ich dabei intensive Emoti - onen und merke, dass meine Klien- tinnen und Klienten sehr unter- schiedliche Vorstellungen vom Tod haben. In jedem Fall ist von meiner Seite her immer auch Empathie gefragt, ich darf mich nicht nur auf die juristischen Fragen beschränken. Dieses Zusammenspiel von Wissen und menschlicher Anteilnahme ist für mich enorm bereichernd und befähigt mich für die Arbeit bei ei- nem Verein wie EXIT. Falls Sie gewählt werden: Sehen Sie bereits Herausforderungen auf rechtlicher Ebene, die Sie erwarten könnten? Soweit ich dies jetzt schon beurtei- len kann, gibt es neben den regel- mässig wiederkehrenden Fragen diverse Punkte, welche EXIT be- schäftigen werden: zum Beispiel die geplante Statutenrevision, auch besteht die Forderung, dass EXIT sich an den Kosten für die Legal- inspektion beteiligen soll, zudem muss die Rekrutierung von genü- gend Freitodbegleitungspersonen gesichert werden und vieles mehr. Gibt es Auffälligkeiten auf Ihrem bisherigen beruﬂichen Weg? Ich habe im Verlaufe meiner beruf- lichen Tätigkeit immer wieder neue Herausforderungen angenommen – auch solche, die eigentlich gar nicht zu meiner Ausbildung passen. Ich hatte immer wieder mit Personen zu tun, welche sich in schwierigen Lebenssituationen befinden und die sich an mich wenden, im Vertrau- en, dass ich ihnen einen Rat geben kann. Ich musste auch lernen, zu akzeptieren, dass nicht alle mei- ne Ratschläge befolgt werden, was nicht immer leicht war. Geholfen hat mir, dass ich schon früh gelernt habe, mich abzugrenzen, ohne dass mein Engagement nachlässt. Welche Tätigkeiten würden Sie ne- ben einem allfälligen Engagement für EXIT weiterführen? Ich habe meine früheren Nebentä- tigkeiten insbesondere in gemein- nützigen Institutionen vor kurzem alle aufgegeben, da ich der Meinung bin, dass solche Ämter von Zeit zu Zeit mit neuen Personen besetzt werden sollen. Dies verschafft mir nun den nötigen Raum, um mich neben meinem Beruf für EXIT ein- setzen zu können. Wie erholen Sie sich? Ich lese sehr gerne, und zwar fast alles, was mir in die Hände kommt: Kriminalromane, Biographien, Bü- cher über geschichtliche Themen, wissenschaftliche Abhandlungen etc. Im Sommer spiele ich zudem Golf, denn ich finde diesen Sport äusserst faszinierend: es ist grund- sätzlich eine Kopfsportart, die aber auch sehr schweisstreibend ist. INTERVIEW: JÜRG WILER 15
INTERVIEW Andreas Russi, 60, wird der EXIT-Generalversammlung als neues Vorstandsmitglied für das Ressort Finanzen vorgeschlagen. Er gibt Auskunft über seine Motivation und zu seiner Person. «Umsichtig mit Menschen und Mitteln» Andreas Russi, Dipl. Wirtschaftsprüfer, Dipl. Experte in Rechnungslegung und Controlling, MWST-Experte FH im Ruhestand | 1959 | verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Beruﬂiche Stationen: Verwaltungslehre in einer Gemeinde, erste Anstellung bei einer kantonalen Steuer verwaltung, Eintritt in die Berufswelt der Wirtschaftsprüfung und Wirt- schaftsberatung, Erwerb der Diplome zum Experten in Rech- nungslegung und Controlling sowie zum Wirtschaftsprüfer und MWST-Experte FH, Karriere in der Wirtschaftsprüfung (insgesamt 11 Jahre) und Steuerberatung (seit 1992). Welchen Bezug haben Sie zu EXIT und weshalb möchten Sie ihr Enga- gement gerade diesem Verein wid- men? EXIT kenne ich schon lange haupt- sächlich aus den Medien. Ich habe aber auch Freunde und Bekannte, die in schwierigen Lebenssituatio- nen die Unterstützung von EXIT be- ansprucht haben. Selbstverantwor- tung und Selbstbestimmung, das Bewahren der Würde im Leben und im Sterben sind für mich zentrale Werte, die sich im Zweck von EXIT widerspiegeln. Dass es EXIT gibt, finde ich sinnvoll und notwendig. Was motiviert Sie, für das Amt des Finanzvorstandes zu kandidieren? Ich habe das Privileg, dass ich vor gut einem Jahr vorzeitig in den (Un-)Ruhestand treten durfte. Un- ruhestand deshalb, weil ich nun – in zeitlich wesentlich reduziertem Umfang - meine breite Berufs- und Lebenserfahrung selbstbestimmt und gezielt in interessante und sinnvolle Herausforderungen ein- bringen darf. Mein Verständnis für Zahlen und finanzielle Führung von Unternehmen und Non-Profit- Organisationen würde ich sehr ger- ne bei EXIT einbringen. Welche Qualiﬁkationen bringen Sie neben Ihrer beruﬂichen Erfahrung als dipl. Wirtschaftsprüfer und Steu- erberater für dieses anspruchsvolle Amt mit sich? 16 Es wird mir nachgesagt, dass ich eine integrierend wirkende, koope- rative, engagierte und belastbare Persönlichkeit bin. Der umsich- tige, nutzbringende und verant- wortungsbewusste Umgang mit Menschen und Mitteln sei bei mir sehr ausgeprägt in Kombination mit meiner ausgewiesenen Kompetenz in vernetztem und unternehmeri- schem Denken und Handeln. Worin sehen Sie Ihre wichtigste, per- sönliche Aufgabe bei EXIT? Ich möchte den verschiedenen Gre- mien und den Mitgliedern von EXIT ein kompetenter Ansprechpartner sein. Aufgrund des Wachstums von EXIT in den letzten Jahren stehen Anpassungen in der Organisation an; diese sind (auch finanziell) um- sichtig und zukunftsorientiert an- zugehen und umzusetzen. Welche Eigenschaften muss ein Vor- standsmitglied Finanzen Ihres Er- achtens nach mit sich bringen? Neben der fachlichen Qualifikation sind langfristiges und strategisches Denken und Handeln unter Einbe- zug der finanziellen Möglichkeiten sowie dem Verständnis für die ope- rationelle Umsetzung notwendig. Hinzu kommen das Interesse und Verständnis für die anderen Res- sorts, damit man seine Aufgabe im Vorstand, welchen ich als Kollegi- algremium verstehe, letztendlich wahrnehmen kann. Wo liegen Ihrer Meinung nach die Herausforderungen bei der Verwal- tung des Finanzvermögens von EXIT? EXIT hat beachtliche Mittel (z. B. aus Lebenszeitbeiträgen, Spenden und Legaten), die längerfristig zu erhalten sind und deren Verwen- dung gut ausbalanciert werden muss. Das Verhältnis von Mittel- zufluss, der nur bis zu einem ge- wissen Grad vorhersehbar ist, und Mittelverwendung für die Erfüllung der anspruchsvollen Aufgaben im operativen Bereich ist laufend zu überwachen und zu verknüpfen mit der Anlagestrategie. Worauf achten Sie bei einer Anlage- strategie? Bei der Anlage des Finanzvermö- gens steht für mich dessen Erhalt (mit Kompensation der Entwertung aufgrund der Teuerung) im Vorder- grund. Wenn gleichzeitig auch eine angemessene Rendite erwirtschaftet werden kann, ist das gut so. Ich bin zum Glück aber bei der Bestimmung und Umsetzung der Anlagestrategie nicht allein; hierfür gibt es bekannt- lich die Anlagekommission. Wie erholen Sie sich in der Freizeit? Ich bin sportlich aktiv und da gehören auch die Standard- und lateinameri- kanischen Tänze mit meiner Gattin dazu. Ferner sind wir regelmässig mit unserem Reisemobil unterwegs, hauptsächlich innerhalb Europas. INTERVIEW: MURIEL DÜBY EXIT-INFO 2.2019
INTERVIEW Als Vorstandskandidat Ressort Freitodbegleitung stellt sich der 66-jährige Andreas Stahel zur Wahl. Im Interview äussert er sich über seine Beweggründe. «Fit und fähig für neue Herausforderung» Dr. med Andreas Stahel, Facharzt FMH für Anästhesiologie im Ruhestand | 1953 | verheiratet, zwei Kinder. Wichtigste beruﬂiche Stationen: Ärztlicher Leiter und leit. Belegarzt Anästhesie (Klinik Lindberg, Winterthur), Chefarzt Anästhesie und Leiter Medizinische Dienste, Leiter Unternehmensentwicklung, Mitglied der Klinikleitung (Hirslanden Klinik Stephanshorn, St. Gallen). Weshalb möchten Sie die Zeit nach der Pensionierung in ein Vorstands- amt bei EXIT investieren? EXIT ist eine notwendige und sinn- volle Institution, welche zunehmend vielen Menschen in der Schweiz hilft, ihre Probleme im Zusammen- hang mit Krankheit und Tod zu re- geln, wobei es mehrheitlich nicht nur um Begleitungen beim Freitod geht. Rege Diskussionen im Famili- enkreis haben mich dazu bewogen, die mannigfaltigen Tätigkeiten von EXIT eingehender zu studieren und mich entsprechend zu engagieren. Mit 66 Jahren fühle ich mich wei- terhin fit und fähig, nach meiner langjährigen medizinischen Lauf- bahn nochmals eine neue Heraus- forderung anzunehmen. Was qualiﬁziert Sie für das Ressort Freitodbegleitung (FTB)? Als Mediziner habe ich vor allem gelernt, lebenserhaltend zu wirken. Doch das Sterben gehört auch zum Leben und darf keinesfalls ausge- klammert werden. Als Anästhesist und jahrelang auf Intensivstationen tätiger Arzt wurde ich laufend mit Entscheidungen im Grenzbereich zwischen Leben und Tod sowie verschiedenartigsten Heilungs- und Sterbeverläufen konfrontiert. Ein würdevoller, möglichst selbstbe- stimmter Sterbeprozess ist aus die- sem Grund für mich ein ganz zent- rales Anliegen. EXIT-INFO 2.2019 Sie sind seit dem Jahr 2018 als Kon- siliararzt für EXIT tätig. Welchen Eindruck haben Sie vom Verein? EXIT entspricht einem gesellschaft- lichen Bedürfnis und ist ein bestens bekannter, etablierter Verein, wel- cher mit viel Engagement und Herz- blut getragen und geführt wird. Auch wenn das Ressort FTB zu den Grundpfeilern von EXIT gehört, wird daneben das Engagement für palliativmedizinische Belange vor- angetrieben. Die konsiliarärztliche Tätigkeit ist sehr verantwortungs- voll und wird von den Mitgliedern enorm geschätzt. Ist Ihnen ein EXIT-Fall besonders in Erinnerung geblieben? Alle bisherigen Begegnungen im Rahmen der FTB waren sehr bewe- gend. Was zudem bei fast allen Fäl- len gemeinsam und sehr eindrück- lich war, sind die Entschiedenheit und der unbedingte Selbstbestim- mungswille der betroffenen Pati- enten, welche schlussendlich keine Zweifel an der geplanten Handlung aufkommen liessen. Was sind die grössten Herausforde- rungen für das Vorstandsmitglied mit dem Ressort Freitodbegleitung? Sicherstellung einer hohen fachli- chen Qualität der Durchführung einer FTB, u. a. durch kontinuier- liche Fortbildungen sowie Aus bau von Supervisions-Mechanismen. Laufende Anpassung der Organisa- tion an den ungebremsten Zuwachs der Mitgliederzahlen mittels wei- terem Ausbau und Professionali- sierung der Strukturen. Förderung einer gesellschaftlich und politisch breiter abgestützten, schweizwei- ten Akzeptanz der FTB. Sie muss noch gesellschaftsfähiger gemacht werden. Nach der Ablehnung der SAMW-Richtlinien durch die Schweizer Ärzteschaft gehört eine Intensivierung der Aufklärungs- Anstrengungen zur Förderung der Akzeptanz in Ärztekreisen wohl zu den grössten Herausforderungen. Dazu muss auch die Zulassung der FTB in sämtlichen Schweizer Spitä- lern und Heimen weiter gefördert und vorangetrieben werden. Was würden Sie Bestrebungen, den begleiteten Freitod zu erschweren, entgegensetzen? Die jährlich stark ansteigenden Mit- gliederzahlen sprechen eine deutli- che Sprache und helfen mit, solchen Bestrebungen entschieden entgegen zu treten. Ich werde den Disput mit potentiellen Gegnern führen, ihnen in die Augen schauen und sie kei- nesfalls unterschätzen. Welche Freizeitinteressen pﬂegen Sie? Ich bin seit meinem 5. Lebensjahr ein leidenschaftlicher Skifahrer und spiele seit ein paar Jahren im Som- merhalbjahr sehr gerne Golf. Dane- ben reise ich gerne, bevorzugt in die schönsten Weingegenden der Welt und fröne nebenbei meiner Passion des Weinsammelns. Passiv schaue ich als Mitglied von zwei Fussball- clubs gerne Fussballspiele im Sta- dion oder am TV. Aktiv geht leider diesbezüglich wegen zwei operier- ten Kniegelenken nicht mehr so viel! INTERVIEW: MURIEL DÜBY 17
Zürich Hauptbahnhof Post-Brücke E u r o p a a l l e e Hochschulen Anfahrt L a n g s t r a s s e Tram 8 Helvetiaplatz Militärstrasse e s s a r t s n e n r e s a K Zeughausstrasse Sihlbrücke Volkshaus Zürich Tram 3/14/2/9 Stauffacher Stauffacherstrasse Die Generalversammlung findet am Freitag, 17. Mai 2019, im «Volkshaus Zürich» statt. Dieses befindet sich an der Stauffacherstrasse 60 zwi- schen den Tramhaltestellen «Helvetiaplatz» und «Stauf- facher». Zu Fuss ist das «Volkshaus Zürich» von bei- den Haltestellen aus in 3 bis 5 Minuten erreichbar. Ab Hauptbahnhof Zürich fährt das Tram Nr. 3 oder 14 bis Station Stauffacher. Ab Bellevue (Nähe Bahnhof Stadel- hofen) fährt das Tram Nr. 2 oder 9 bis Station Stauffa- cher und das Tram Nr. 8 bis zur Station Helvetiaplatz. Für die GV ist der grosse Theatersaal im Parterre inkl. Galerie reserviert. Beginn ist um 18.30 Uhr, Türöffnung um 17.30 Uhr. Der anschliessende Apéro findet in den Sälen im 1. Stock statt. 18 EXIT-INFO 2.2019
GENERALVERSAMMLUNG Einladung zur 37. ordentlichen Generalversammlung von EXIT Deutsche Schweiz Freitag, 17. Mai 2019, 18.30 Uhr (Türöffnung 17.30 Uhr) «Volkshaus», Theatersaal, Stauffacherstrasse 60, 8004 Zürich 1. Begrüssung durch die Präsidentin 2. Wahl der Stimmenzähler 3. Protokoll 3.1 Wahl des Protokollführers 3.2 Genehmigung des Protokolls der GV vom 2. 6. 2018 (publiziert im «Info» 3.18) 4. Jahresberichte 2018 4.1 Vorstand und Geschäftsstelle 4.2 Geschäftsprüfungskommission 5. Jahresrechnung 2018 – Bericht der Revisionsstelle 6. Entlastung der Organe 7. Bericht der Stiftung palliacura 8. Tätigkeitsbericht der Arbeitskommission «Altersfreitod» 8.1 Bericht des Kommissionsvorsitzenden Dr. Patrick Middendorf 8.2 Anträge der Kommission 8.3 Allgemeine Diskussion 8.4 Abstimmung über Anträge und weiteres Vorgehen 9. Wahlen 9.1 Wahl des Vorstandes (Amtsperiode 2019 bis 2022) 9.1.1 Wahl der Präsidentin: Dr. med. Marion Schafroth 9.1.2 Wahl des Vizepräsidenten: Jürg Wiler, MAS Kommunikation 9.1.3 Wahl übrige Mitglieder: – Katharina Anderegg, Notarin – Andreas Russi, dipl. Wirtschaftsprüfer – Dr. med. Andreas Stahel 9.2 Wahl der Revisionsstelle Der Vorstand schlägt einstimmig die bisherige Firma zur Wiederwahl vor (Amtsdauer 1 Jahr): MOORE STEPHENS EXPERT (ZURICH) AG 9.3 Verabschiedungen 10. Anträge von Mitgliedern Antrag Mitglied Büttner, Männedorf: «Listen über Grossräte/Kantonsräte» 11. Allgemeine Aussprache und Diverses Im Anschluss an die GV wird ein Apéro serviert. Zürich, Anfang März 2019 Für den Vorstand: Saskia Frei, Präsidentin Bitte nehmen Sie Ihren Mitgliederausweis sowie dieses «Info»-Heft als Traktandenliste mit. EXIT-INFO 2.2019 19
GENERALVERSAMMLUNG 4. Jahresberichte 2018 4.1 Vorstand und Geschäftsstelle Präsidium Das Präsidium versteht sich als Schnittstelle zwischen den Res- sorts und der Geschäftsleitung. Im Berichtsjahr 2018 sind zahlreiche anspruchsvolle Arbeiten zur Erle- digung angestanden. Ich kann hie- zu was folgt berichten: SASKIA FREI K Im personellen Bereich hat sich der Vorstand intensiv darum be- müht, angesichts der geplanten Rücktritte der Unter- zeichneten, des Finanzchefs sowie der Ressortverant- wortlichen Recht auf die GV 2019 hin geeignete Per- sönlichkeiten für die Neubesetzung der dannzumal freiwerdenden Sitze im Vorstand zu suchen und auch zu finden. Ziel ist es gewesen, der Generalversamm- lung 2019 ausgewiesene Fachpersonen für die Weiter- führung der anspruchsvollen Vorstandsarbeit vorschla- gen zu können. Wir sind froh, dass uns dies in idealer Weise gelungen ist. Näheres über die Kandidierenden erfahren Sie in diesem Info-Heft. Die stark gestiegene Mitgliederzahl führt nicht nur auf der Geschäftsstelle zu erheblichen Arbeitsbelas- tungen. Auch die Arbeiten der Vorstandsmitglieder in ihren jeweiligen Ressorts haben sich erheblich vergrös- sert. Nach neun Jahren hat deshalb der Vorstand eine leichte Erhöhung der Pensen der Ressortverantwortli- chen beschlossen. K Weiter hoch geblieben ist auch im Berichtsjahr die Inanspruchnahme durch die Teilnahme an verschiede- nen vereinsinternen Sitzungen bzw. mit den entspre- chenden internen Gruppierungen. Gerade bei einem Verein mit starkem Mitgliederzuwachs ist es wichtig, sich genügend Zeit für den internen Gedankenaus- tausch zu nehmen und Gesprächsbedarf bei Andern rechtzeitig zu erkennen. Sehr intensiv waren auch im Berichtsjahr die Sitzun- gen der Arbeitskommission betreffend Altersfreitod. Die entsprechenden Massnahmenvorschläge, welche die Gruppierung konsensorientiert vorschlägt, werden an der kommenden Generalversammlung behandelt. Es ist keinesfalls selbstverständlich, dass Kommis- sionspräsident Dr. Patrick Middendorf ein weiteres Mal einen enormen Einsatz geleistet hat. Ihm und allen an den Sitzungen teilnehmenden Personen sei hiefür herz- lich gedankt. K Mit Weitblick in die Zukunft schauen: So in etwa lässt sich der Einsatz des Vorstandes umschreiben, auch für die Zukunft gerüstet zu sein. Mit dem Modell 2030 schaffen wir auf unserer Geschäftsstelle ein Kom- petenzzentrum für komplexe und aufwändige Fälle im Bereich der Freitodbegleitungen. Hier soll auch speziell eine Anlaufstelle für Menschen im hohen Alter geschaf- fen werden, die für sich die Möglichkeit eines Alters- freitodes in Betracht ziehen. Ganz wichtig ist im Be- richtsjahr auch gewesen, neue, angemessene und faire Entschädigungen für die Mitglieder des Freitodbeglei- tungsteams zu installieren. K Speziell beschäftigt hat uns im Berichtsjahr die Po- litik. Auf diverse Vorstösse und Erlasse auf kantona- ler Ebene haben wir nach Einholung von juristischen Fachmeinungen reagieren müssen. K Es ist dies mein letzter Jahresbericht, den ich an dieser Stelle verfasse. Umso mehr gilt heute mein herzlicher Dank allen Mitgliedern des Freitodbeglei- tungsteams, der Geschäftsprüfungskommission, den Konsiliarärztinnen und Konsiliarärzten, den Mitarbei- tenden der Geschäftsstelle inkl. den Mitarbeitenden in den Büros in Bern, Binningen und im Tessin, der Stif- tung palliacura, dem Geschäftsführer und der Leitung Freitodbegleitungen, sowie den Vorstandskolleginnen und Vorstandskollegen für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Ihnen, geschätzte Mitglieder, danke ich für Ihre Treue und Ihr Engagement. Bitte bringen Sie auch dem ab Mai 2019 neu zusammengesetzten Vorstand Ihr Ver- trauen entgegen! MARION SCHAFROTH Freitodbegleitung (FTB) Schwerpunkte der Ressorttätigkeit 2018: Die hauptsächliche Herausforde- rung bestand darin, die gegen- über dem Vorjahr um rund 20 % erhöhten Abklärungen und Frei- todbegleitungen (FTB) mit der ge- wohnten Sorgfalt und Empathie durchzuführen. Um eine übermäs- sige Spitzenbelastung abzufedern, mussten wir im Sommer 2018 für Nichtmitglieder vor- übergehend eine einmonatige Wartefrist einführen. Da wir davon ausgehen, dass die Anzahl der Beratungen und Freitodbegleitungen im Laufe der nächsten Jahre weiter zunehmen wird, haben wir den entsprechenden Ausbau unserer Organisation sorgfältig geplant: Or- nella Ferro und Paul Borter (= Leiterin und Stv. Leiter FTB) erarbeiteten einen Bericht inklusive Konzept, wie der gesamte Bereich Freitodbegleitung in organisatori- scher und personeller Hinsicht an die gegenwärtigen und künftigen Anforderungen anzupassen sei. Das «Modell 2030» umfasst den Planungshorizont bis zirka 2030, wird von Vorstand und FTB-Team 20 EXIT-INFO 2.2019
GENERALVERSAMMLUNG einstimmig mitgetragen und soll bis Ende 2020 etab- liert sein. Mein grosses und herzliches Dankeschön geht an alle, die sich für unsere Mitglieder mit Wunsch nach Freitodbegleitung unermüdlich einsetzen: Im Berichts- jahr waren dies insgesamt 7 Mitarbeitende der FTB- Administration, 2 Beraterinnen für psychisch kranke Menschen, 40 Mitglieder des FTB-Teams, 9 Infusions- fachpersonen, 60 Konsiliarärzte/innen sowie Leiterin und Stv. Leiter FTB. Sechs Interessent/innen begannen die interne Ausbildung zur Begleitperson. Im üblichen Rahmen führten wir die internen Fallbesprechungs- und Fortbildungstage inklusive einem Wochenendse- minar durch, ebenso je ein Treffen mit Konsiliarärzten/ innen und Konsiliarpsychiater/innen. Wichtige Themen, mit denen wir uns in verschie- denen Gremien und bei ganz verschiedenen Anlässen (z. B. auch am alljährlichen EXIT-Tag in Solothurn) wiederkehrend beschäftigten, waren erstens die neuen SAMW-Richtlinien «Umgang mit Sterben und Tod» und zweitens der Sterbewunsch von Menschen im hohen Alter («Altersfreitod»). An dieser Stelle seien diejenigen Themenkreise aufgeführt, die mich als Vorstandsmit- glied stark beschäftigt haben: 1. Die Mitwirkung in der Kommission erleichterte Abgabe von Natrium-Pentobarbital; 2. Die Leitung des Organisationskomitees für eine öffentliche Tagung Altersfreitod im November 2019; 3. Die Leitung der Arbeitsgruppe aussergewöhnli- cher Todesfall; 4. Das Projekt Information Ärzteschaft: Während der knapp drei Jahre langen Dauer dieses Projekts (Sep- tember 2016 bis Mai 2019) hatte ich im Rahmen eines 25 %-Pensums den Auftrag, möglichst vielen Ärztinnen und Ärzten grundlegendes Wissen über Freitodbeglei- tung mit EXIT zu vermitteln und ihnen bei Fragen als Kollegin und Auskunftsperson zur Verfügung zu ste- hen. Dabei bin ich auf viel Nichtwissen, aber auch auf sehr viel Interesse, Goodwill und Verständnis von Sei- ten der Ärzteschaft gestossen. Mit dem Projekt Infor- mation Ärzteschaft habe ich insgesamt rund 800 Ärzte erreicht und informiert und damit bildlich gesprochen Samen gesät, die sicher noch Früchte tragen werden. Zeiten, wo Hausärzte ihre langjährigen Patienten bei Wunsch nach Freitodbegleitung empört zurückgewie- sen und sich geweigert haben, darüber überhaupt nur zu sprechen, werden bald definitiv der Vergangenheit angehören. Tabelle 1: Anzahl Akteneröffnungen (AE) /Freitodbegleitungen (FTB)/Mitglieder (MG) Statistik AE/FTB/MG 2018 Akteneröffnungen FTB total FTB Frauen FTB Männer Durchschnittsalter (Jahre) 1207 905 2017 1031 734 2016 991 722 2015 1083 782 2014 879 583 2013 723 459 2012 612 356 516 (57%) 442 (60,2%) 415 (57,5%) 434 (55,5%) 330 (56,6%) 267 (58,2%) 217 (61%) 389 (43%) 292 (39,8%) 307 (42,5%) 348 (44,5%) 253 (43,4%) 192 (41,8%) 139 (39%) 78,2 78,1 76,7 77,4 77,5 EXIT-Mitglieder 31.12. 120 117 110 391 104 278 95 621 81 015 76,8 69 501 77 65 156 Aus der Statistik: Die Anzahl FTB nahm gegenüber dem Vorjahr um 23 % zu, gegenüber dem früheren Spitzenjahr 2015 um 15 %. 43 % der Rezepte für das Sterbemedikament Natrium- Pentobarbital wurden durch Hausärzte ausgestellt, 57 % durch Konsiliarärzte. Tabelle 2: Sterbeort 2018 2017 2016 2015 2014 privat 760 (84%) 613 (83%) 613 (85%) 651 (83%) 479 (82%) Sterbezimmer EXIT 23 (3%) 36 (5%) 36 (5%) 39 (5%) 44 (8%) Heim 122 (13%) 85 (12%) 73 (10%) 92 (12%) 60 (10%) Der Grossteil der Freitodbegleitungen fand in der eige- nen Wohnung oder im eigenen Zimmer eines Alters- und Pflegeheims statt, denn EXIT kann nur in jenen seltenen Fällen ein Sterbezimmer zur Verfügung stel- len, wo ein Heim seinen Bewohnern in seinen Räumen keine Freitodbegleitung gestattet. EXIT-INFO 2.2019 21
GENERALVERSAMMLUNG Tabelle 3: Anzahl FTB in ausgewählten Kantonen Kanton ZH Kanton BE Kanton AG Kanton SG 2018 329 107 92 49 2017 274 90 67 40 2016 248 104 61 52 2015 267 123 60 55 2014 210 86 49 38 Kantone BS+BL 86 (44+42) 63 (38+25) 54 (24+30) 76 (37+39) 54 (25+29) Anzahl FTB 2018 in weiteren Kantonen: LU 46, SO 32, GR 27, TG 22, SZ 22, ZG 20, TI 19, AR 10, SH 10, GL 9, Übrige total 25 Tabelle 3 zeigt die Entwicklung in den Kantonen mit den grössten FTB-Zahlen im Verlauf der letzten fünf Jahre. Führend sind nach wie vor die Kantone Zürich und Bern. Tabelle 4: zu Grunde liegende Krankheiten bei FTB (gerundet auf volle %-Zahlen) ALS Augenkrankheit Demenz Herzerkrankung Hirnschlag HIV Krebs Lungenkrankheit MS Nierenkrankheit Parkinson Polymorbidität Polyneuropathie Psychische Krankheit Schmerzpatient Tetraplegie Andere Total 2018 2017 2016 19 6 18 25 26 2 2 % 1 % 2 % 3 % 3 % 0 % 19 16 15 23 22 0 3 % 2 % 2 % 3 % 3 % 0 % 16 8 14 15 22 4 2 % 1 % 2 % 2 % 3 % 1 % 344 38 % 288 39 % 292 40 % 40 16 7 27 4 % 2 % 1 % 3 % 29 17 4 23 4 % 2 % 1 % 3 % 43 12 2 28 6 % 2 % 0 % 4 % 245 27 % 181 25 % 182 25 % 6 18 75 6 25 905 1 % 2 % 8 % 1 % 3 % 8 14 53 7 15 734 1 % 2 % 7 % 1 % 2 % 2 13 49 4 16 722 0 % 2 % 7 % 1 % 2 % Die Aufschlüsselung der Freitodbegleitungen zeigt, dass die zu Grunde liegenden Erkrankungen wie auch in früheren Jahren zu rund zwei Dritteln den beiden Kategorien «Krebserkrankungen» und «Polymorbidität» angehören. 22 EXIT-INFO 2.2019
GENERALVERSAMMLUNG Kommunikation Themen rund um das Lebensende wie Selbstbestimmung und Vorsor- gemöglichkeiten beschäftigen viele in der Bevölkerung. Daher führte EXIT 2018 eine Veranstaltungs- reihe für die Öffentlichkeit durch. Die Info-Anlässe fanden in Basel, Bern, Zürich, St. Gallen und Lu- gano statt; der letzte ging Ende Januar 2019 in Luzern über die Bühne. Experten gaben Hintergrundinformationen zu den EXIT-Leistungen wie Patientenverfügung, Bera- tung und Suizidprävention, Förderung von Palliative Care und die Begleitung beim Freitod. Daneben war von externen Fachleuten auch Nützliches zum Vorsor- geauftrag zu erfahren. An den Anlässen konnten ins- gesamt rund 1700 Interessierte angesprochen werden. JÜRG WILER Mit einer Öffentlichkeitskampagne in Schweizer Zeitungen machte EXIT von sich reden. 38 Mitglieder – von der Pflegefachfrau über die Stylistin bis zum Augenarzt – signalisierten damit: Ich stehe öffentlich zu meiner Überzeugung und damit zu den Anliegen von EXIT. Die Kampagne fand breite Beachtung sowohl in der Bevölkerung als auch in der Politik. Daneben beschäftigten das Ressort die neuen Richt- linien zu Sterben und Tod der Schweizerischen Aka- demie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW). EXIT gab bekannt, dass der Verein die revidierten Leit- linien für Ärzte als positiv wertet. Anderer Meinung ist jedoch die Ärzteverbindung FMH. Doch auch nach dem Nein der FMH gilt: Falls ein unerträglich leiden- der Patient mit dem Wunsch nach Suizidhilfe an einen Arzt gelangt, ist es nach wie vor ethisch zulässig und rechtlich erlaubt, ein Rezept für das Sterbemedikament auszustellen. Faktisch ändert sich also für Ärzte und Patienten nichts. Suizidhilfe sorgte weiterhin für starke Medienreso- nanz. Eines der Anliegen von EXIT ist, Bevölkerung und Behörden offen über dieses Thema zu informieren. So galt es zum Beispiel, für einen «Rundschau»-Beitrag zum Thema Demenz mit einer aufwändigen Suche be- troffene Mitglieder und deren Angehörige zu finden, die sich für Auskünfte am Bildschirm zur Verfügung stellten. Es gelang und das Thema fand eine überaus grosse Beachtung: Fast 400 000 Zuschauerinnen und Zuschauer sahen die Sendung Mitte Januar. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch bei einem «Rundschau»-Beitrag Mitte Oktober zu einem vieldis- kutierten Thema, das EXIT direkt betrifft: So will ein 68-jähriger verwahrter Häftling mit dem Verein aus dem Leben scheiden. EXIT zeigte im Beitrag auf, dass jedes hilfesuchende Mitglied Anspruch auf eine sorg- fältige Abklärung hat und der Verein derzeit umfang- reiche Abklärungen in dieser ausserordentlichen An- gelegenheit vornimmt. Ebenso stiess bei den Medien die Meldung auf Aufmerksamkeit, dass EXIT wiederum stark gewachsen ist: Etwa 13 000 Menschen sind dem Verein neu beigetreten. Damit zählte die grösste Selbst- bestimmungsorganisation der Schweiz Ende Jahr in der Deutschschweiz und im Tessin über 120 000 Mitglieder. Daneben beantwortete das Ressort unter anderem sehr viele Medienanfragen aus dem In- und Ausland, kommunizierte intern und extern, führte Referate und Podiumsdiskussionen durch, produzierte das Mitglie- dermagazin, überarbeitete die Haupt-Infobroschüre von EXIT und stellte Falschinformationen richtig. Recht Wirbel in der Öffentlichkeit hat das Gesuch um Freitodbegleitung (FTB) eines Verwahrten verur- sacht, da dieser die Medien von Anfang an gezielt einbezog. Bei EXIT gingen seit meinem Amtsan- tritt (2010) vier Anfragen seitens Gefangener ein (wobei die bisheri- gen jeweils ohne Zutun von EXIT wieder zurückgezogen wurden). Die Rechtsgrundlagen und EXIT-Bedingungen für die FTB einer inhaftierten Person waren daher weitgehend bereitgestellt. Über die juristischen Grundlagen hinaus stehen gesellschaftliche Fragen zur Debatte und der Staat ist hier zwangsläufig involviert (Fürsorgepflicht des Staates: nebst guter Behandlung der Inhaftierten ist deren Ausübung von Grundrechten zu dulden). ILONA BETHLEN Bei der strafprozessualen Untersuchung jeder FTB (als «aussergewöhnlicher Todesfall») wäre nach Art. 253 StPO im Normalfall auf die rechtsmedizinische Le- galinspektion zu verzichten; denn bei einer FTB sind sowohl Identität des Leichnams als auch Todesart klar und gut dokumentiert. Damit die Behörden ihre obli- gatorische Untersuchung angemessener und gegenüber den Hinterbliebenen noch rücksichtsvoller gestalten können, wurden die rechtlichen Gegebenheiten zusam- mengestellt für eine mögliche Anpassung der Praxis durch die zuständigen kantonalen Behörden. Die Erarbeitung der Grundlagen für eine komplette Überarbeitung des Datenschutzes mit einem externen Spezialisten konnte abgeschlossen werden. Damit wird EXIT im Hinblick auf die anstehende Anpassung des schweizerischen Datenschutzgesetzes an die europäi- sche Datenschutzgrundverordnung gut gerüstet sein. Das Gesuch um umfassende Steuerbefreiung von EXIT ist bei der kantonalen Steuerbehörde in Bearbei- tung; in Frage stehen die herrschende schweizerische Volksauffassung zu den FTB sowie das gemeinnützige Angebot durch EXIT (nicht nur Mitgliedern, sondern allen Schweizer Staatsbürgern und Einwohnern glei- chermassen zugänglich). In zwei Kantonen reichte EXIT rechtliche Vernehm- lassungen ein: Im Kanton Wallis betreffend ein gesetz- liches «Verbot gewerbsmässiger Sterbehilfe» und im EXIT-INFO 2.2019 23
GENERALVERSAMMLUNG Kanton Basel-Landschaft zum Vorschlag, die Kosten für die postmortalen behördlichen FTB-Untersuchun- gen auf die Organisationen zu überwälzen. Beides ist aus rechtlichen Gründen unzulässig, was mit einem externen Rechtsanwalt dargelegt wurde. Anlässlich der Neufassung der SAMW-Richtlinien zum «Umgang mit Sterben und Tod» war das Merkblatt zum rechtlichen Rahmen für ärztliche Suizidhilfe zu aktualisieren. Die neuen Richtlinien sind etwas zeitge- mässer; juristisch bleiben sie weiterhin unwirksam, da ausschliesslich Recht und Rechtsprechung verbindlich sind. Sofern ethische Richtlinien dies einhalten, kön- nen sie von Gerichten zumindest als Auslegungshilfe beigezogen werden. Es sind lediglich zwei Rechtsfälle hängig: Die gra- vierende Missachtung einer Patientenverfügung in ei- nem Spital sowie eine Freitodbegleitung, welche leider wegen offensichtlich anderer Interessen in ein Verfah- ren bemüht wurde. Zusammen mit der umsichtigen Be- gleiterin konnte bereits auf entsprechende Vorzeichen vor dieser FTB reagiert werden. Am Ende meiner drei Amtszeiten für EXIT möchte ich ganz speziell Dr. Albert Ganz würdigen: Erst im Laufe der Jahre als Hausjuristin von EXIT wurde mir bewusst, wie entscheidend seine Rolle als Apotheker stets war. Ohne seine unerschütterliche Haltung und Sorgfalt seit Beginn der Freitodbegleitungen bis heute wäre diese Entwicklung schlicht nicht möglich gewe- sen. Ich danke dem Vorstand und der Geschäftsleitung für das Vertrauen. Allen Mitarbeitern und Freitodbe- gleitern und auch den Konsiliarärzten und Apothekern danke ich von Herzen für die konstruktive Zusammen- arbeit. Euch allen und unserem Verein EXIT wünsche ich alles Gute und viel Glück. JEAN-CLAUDE DÜBY Finanzen Die nicht mehr für unsere Ge- schäftstätigkeiten benötigte Lie- genschaft an der Mühlezelgstras se in Zürich haben wir im Berichts- jahr mit einem gegenüber dem Bi- lanzwert von Ende 2017 realisier- ten Gewinn von 1 145 000 Franken verkauft. Insbesondere dank die- sem einmaligen Erlös und hohen Spendeneinnahmen schliesst die Erfolgsrechnung 2018 mit einem positiven Jahresergeb- nis von 275 596 Franken ab. Allen Spendern sei auch an dieser Stelle ganz herzlich gedankt. Im Vergleich zum Vorjahr hat unser Eigenkapital um 500 000 Fran- ken auf rund 9,3 Millionen Franken zugenommen. Es setzt sich aus dem für bestimmte Zwecke gebundenen Fonds kapital von 4 842 831 Franken, der Wertschwan- kungsreserve von 3 350 000 Franken und dem freien Ka- pital von 1 104 295 Franken zusammen. Ausserdem be- steht bei unserer Pensionskasse, der PKG in Luzern, per 31. Dezember 2018 eine Arbeitgeber-Beitragsreserve von 753 434 Franken. Das gute Jahresergebnis ermöglichte auch, die seinerzeit für den Erwerb der Liegenschaft an der Witikonerstrasse in Zürich be zahlte Maklerge- bühr vollständig abzuschreiben. Der Bilanzwert der Liegenschaft beträgt somit per Jahresende 10,8 Milli- onen Franken. Im Weiteren ist zu Lasten der Erfolgs- rechnung eine Rückstellung von 200 000 Fanken für das Projekt Digitalisierung gebildet worden. Das Berichtsjahr verlief in konjunktureller Hinsicht äusserst positiv. Gemessen am Bruttoinlandprodukt (BIP) ist die Wirtschaft global um fast vier Prozent, die amerikanische um drei Prozent und die schweizerische um gut zweieinhalb Prozent gewachsen. Aufgrund der auch auf dem Arbeitsmarkt guten Entwicklung hat die amerikanische Notenbank im abgelaufenen Jahr die Leitzinsen in vier Schritten von je 0,25 Prozent auf das Zielband von 2,25 Prozent bis 2,50 Prozent angehoben. Die Europäische Zentralbank (EZB) ihrerseits beendete den Kauf von Wertpapieren der Euro-Länder nach rund vier Jahren per Ende Dezember 2018. An der Tiefzins- politik mit Leitzinsen von null Prozent und Negativ- zinsen von minus 0,4 Prozent für Bankeinlagen bei der Notenbank nahm sie keine Änderungen vor. Um eine Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro zu verhindern, hielt die Schweizerische Natio- nalbank an den Negativzinsen von minus 0,75 Prozent fest. Im Gegensatz zur guten Wirtschaftslage war 2018 ein schlechtes Börsenjahr. Fast sämtliche Anlageklas- sen, wie beispielsweise Unternehmungsanleihen, die wichtigen Aktienmärkte, aber auch Gold, verzeichne- ten negative Renditen. Die Gründe hierfür waren unter anderem der Handelskonflikt zwischen den USA und verschiedenen Handelspartnern, allen voran China, der Atomstreit mit Nordkorea und die verfahrene Si- tuation beim geplanten Austritt von Grossbritannien aus der Europäischen Union (Brexit). So verloren bei- spielsweise die Standardwerte des Schweizerischen Ak- tienmarktes rund 10 Prozent und jene der Euro-Zone etwas über 14 Prozent an Wert. Von dieser schlechten Entwicklung war auch unser Portefeuille, zur Haupt- sache bestehend aus Aktien und Obligationen von soliden Unternehmungen sowie einem hohen Anteil Liquidität von durchschnittlich 15 Prozent, mit einer negativen Performance von minus 5,38 Prozent betrof- fen. Die per 31.12.2018 notwendigen Wertberichtigun- gen führten zu Buchverlusten von etwas über einer Million Franken. Insgesamt weisen wir zum Jahresen- de ein negatives Finanzergebnis von 889 474 Franken aus. Zu Lasten der Erfolgsrechnung wurde die Wert- schwankungsreserve um 350 000 Franken auf 3 350 000 Franken erhöht. Sie entspricht damit wie im Vorjahr 30 Prozent der Finanzanlagen. Die im langfristigen Fremdkapital aufgeführte Posi- tion «Rückstellung Beiträge Lebenszeit» bezweckt, die 24 EXIT-INFO 2.2019
EXIT gehört zu den grössten Vereinigungen der Schweiz. Wir zählen über 120 000 Mitglieder. Familie und Freunde erfahren von Ihnen, den Mit- gliedern, vom Schutz und der Sicherheit, die EXIT bietet, von der Patientenverfügung, die nur EXIT im Notfall aktiv durchsetzt, und natürlich vom Recht auf Selbstbestimmung im Leben und im Sterben. 80 Prozent der Bevölkerung stehen hinter uns, aber längst nicht alle sind Mitglied. Je mehr wir wachsen, umso stärker können wir uns für Ihre Wahlmöglichkeiten am Lebensende sowie für mehr Selbstbestimmung und Würde ein- setzen. Der Vorstand 2016–2019: Ilona Bethlen (Recht), Jürg Wiler (Kommunikation), Saskia Frei (Präsidentin), Jean-Claude Düby (Finanzen) und Marion Schafroth (Freitodbegleitung). Machen Sie mit! B E IT RIT T S E R KL Ä RU NG Bitte in ein Couvert stecken und frankieren  Frau*  Herr* (bitte in Blockschrift ausfüllen) amtlicher Name* amtlicher Vorname* Strasse* PLZ* Geburtsdatum* Telefon* E-Mail Ort* Heimatort/Staatsbürgerschaft* Mobiltelefon Art Mitgliedschaft*  Jahresmitgliedschaft CHF 45.– pro Kalenderjahr  Lebenszeitmitgliedschaft CHF 1100.– einmalig Patientenverfügung*  DE  FR  IT  EN  ES (* Pﬂichtfelder) oder  Eine Patientenverfügung ist bereits vorhanden (kann auf Wunsch bei EXIT hinterlegt werden) (Sprache) Ich bestätige, dass ich die Statuten von EXIT Deutsche Schweiz gelesen habe und verpﬂichte mich, die mir zugestellte Rechnung innert 30 Tagen nach Erhalt zu begleichen. Wird die Rechnung nicht bezahlt, ist ein späterer Eintritt nur noch als Lebenszeitmit- glied möglich. Ich bestätige, dass meine Angaben korrekt sind und nehme zur Kenntnis, dass Anmeldungen durch Drittpersonen nicht gestattet sind. Datum* Unterschrift*
Dafür steht EXIT Vereinigung für humanes Sterben  EXIT schützt Sie und Ihre Angehörigen im Spital. Ärztliche Massnahmen gegen den Patienten willen sind nicht erlaubt. Für den Fall, dass Sie Ihren Willen bezüglich der Behandlung nicht mehr äussern können, gibt es die EXIT-Patientenverfügung.  EXIT hilft Menschen, die schwer leiden, beim Sterben. In der Schweiz ist die Begleitung beim Freitod seit Jahrzehnten erlaubt. EXIT engagiert sich darin seit mehr als 30 Jahren. Die professionelle Geschäftsstelle und ein Team von erfahrenen Freitod begleiterinnen beraten und helfen, wo es die Richtlinien von EXIT zulassen.  EXIT engagiert sich auch politisch für das Selbstbestimmungsrecht. Seit dem Jahr 2000 hat es in den Eidgenössischen Räten über zwei Dutzend Vorstösse zur Sterbehilfe gegeben. EXIT hält Kontakt zu Parteien, Parlamentariern und dem Bundesrat und informiert und begleitet sämtliche politischen Schritte im Sinne unserer Sache.  EXIT setzt im Ernstfall Ihre Patientenverfügung mit aktiven und juristischen Mitteln durch. Als einzige Patientenverfügungsorganisation der Schweiz kommen die EXIT-Vertreter an Ihr Spitalbett und helfen Ihren Angehörigen bei der Durchsetzung Ihrer Anweisungen.  EXIT respektiert die Schweizer Gesetze und die Sorgfaltspﬂichten bei der Hilfe zum Freitod. EXIT kooperiert mit Ärzteschaft, Behörden, Justiz und Polizei.  EXIT ist weltanschaulich und konfessionell neutral und hat keine wirtschaftlichen Interessen. EXIT ist als erster Patientenverfügungsverein 1982 gegründet worden und heute eine der grössten Sterbehilfeorganisationen der Welt. M ITG LI E DSC H A F T Bitte in ein Couvert stecken und frankieren Auszug aus den Statuten: «EXIT nimmt urteilsfähige Personen, die das 18. Altersjahr vollendet haben, als Mitglied auf, sofern sie das schweizerische Bürgerrecht besitzen oder als Ausländer in der Schweiz wohnhaft sind. Die Aufnahme erfolgt auf Antrag der gesuchstellenden Person. Der Vorstand kann Aufnahmegesuche ablehnen. Das Mitgliederverzeichnis ist geheim zu halten. Die Mitgliedschaft erlischt durch Tod, Austritt, Streichung oder Ausschluss.» Der jährliche Mitgliederbeitrag beträgt pro Kalenderjahr CHF 45.–, oder derjenige auf Lebenszeit einmalig CHF 1100.–. Bitte senden Sie die ausgefüllte Karte an: EXIT Postfach 8032 Zürich Für eine kostenlose Freitodbegleitung beträgt die minimale Mitgliedschaftsdauer drei Jahre. Für eine Begleitung von Personen, die weniger als drei Jahre EXIT-Mitglied sind, wird, je nach Dauer der Mitgliedschaft, ein Kostenanteil zwischen 1100 Franken und 3700 Franken erhoben. Die langjährigen Mitglieder haben jedoch gegenüber Noch-Nicht-Mitgliedern stets Vorrang. Letztere können nur bei freien Kapazitäten begleitet werden. Stellt nicht der Hausarzt das Rezept aus und wird ein Konsiliararzt vermittelt, fallen – unabhängig von der Mitgliedschaftsdauer – Kosten für diesen an.
Gedicht Abschied Sommerfrau Sie ging Ich sah sie gehn mit zögerlichem Schritt Sie nahm den Weg zum Fluss hinab mir war sie trage armvoll noch Blüten dieser letzten Sommertage auch nahm sie Vogellaut und Schmetterlinge mit. Sie ging Und wo sie schwand, stand Nebelhauch Noch liess der Rebe sie verdorrte Trauben das zähe Blattwerk barg sie unter Mehltauhauben und rote Lohe warf sie auf den Beerenstrauch. Sie ging Und was lebendig war wird blind und taub Ratlos die ungelenken Gärten plötzlich stehen als hätten niemals sie das Rosenfest gesehen Jetzt schweigen sie. Vom Himmel fällt das Laub. Verena Fasolin
GENERALVERSAMMLUNG zukünftigen Verpflichtungen des Vereins gegenüber denjenigen Mitgliedern, die den Mitgliederbeitrag auf Lebenszeit entrichtet haben, in finanzieller Hinsicht sicherzustellen. Aufgrund der hohen Lebenserwar- tung in der Schweiz von ungefähr 86 Jahren und des Durchschnittsalters unserer Lebenszeit-Mitglieder von gegenwärtig 65 Jahren (Durchschnitt aller Mitglieder: 66 Jahre) hat der Vorstand als Zielgrösse eine Rück- stellung von 900 Franken pro Lebenszeit-Mitglied fest- gesetzt. Wie im Vorjahr sind deshalb sämtliche der im Berichtsjahr eingegangenen Lebenszeit-Beiträge der Position «Rückstellung Beiträge Lebenszeit» gutge- schrieben worden. Diese erhöht sich demzufolge um 2 246 819 Franken auf 19 060 693 Franken. Bei einem Be- stand von 22 460 Lebenszeit-Mitgliedern ergibt dies per Ende Dezember 2018 eine Rückstellung von 849 Fran- ken (Vorjahr: 788 Franken) pro Mitglied. Aus einer Erbschaft hat unser Verein die Schlusszah- lung von 296 299 Franken erhalten. Da wir diese Gelder dem Fonds «Beratung Patientenverfügung» zugewiesen haben, wurden wir, gestützt auf die Verfügung des Steueramts Zürich vom 4. Januar 2005, von der Steuer- pflicht befreit. Im Gegenzug sind diesem Fonds ein Teil der 2018 im Zusammenhang mit den Beratungen über Patientenverfügungen entstandenen Kosten von 158 060 Franken belastet worden. Zur Unterstützung des So zialfonds Hospiz Aargau haben wir zu Lasten des Fonds «Unterstützung Pallia- tivpflege» 50 000 Franken an unsere Stiftung palliacura überwiesen. In den Passiven unserer Bilanz bestehen per 31. De- zember 2018 weiterhin sechs mit unterschiedlichen Aufgaben ausgestattete Fonds mit einem Kapital von insgesamt gut 4,8 Millionen Franken. Zusammenfas- send kann die finanzielle Situation unseres Vereins als gut bezeichnet werden. BERNHARD SUTTER Geschäftsführung Die Geschäftsführung hat zusam- men mit dem Vorstand die Verant- wortung über ein KMU mit rund 30 Mitarbeiten den und Millionen- budget. Sie organisiert Vereinsge- schäfte, Vorstandssitzungen, An- lässe und Generalversammlung. Mit dem breitem Rückhalt in der Bevölkerung, mit ansehnlichen Spendeneinnahmen, mit 30 Pro- zent mehr Bei tritten und 20 Prozent weniger Austritten als im Vorjahr, mit insgesamt einer nie dagewesenen Vereinsstärke von über 120 000 Mitgliedern war 2018 erfolgreich für unseren Verein – und doch kein einfa- ches Jahr. Erstmals seit sieben Jahren waren wieder vermehrt politische Vorstösse zur Einschränkung des Selbstbestim mungsrechtes und der Sterbehilfe zu pa- rieren. Wachsende Hochaltrigkeit konfrontiert Heim- und Gesundheits wesen mit mehr Sterbeproblemen, was immer wieder einmal zu Abwehrhaltung und in der Folge zum Eingreifen von EXIT führte. Das anhaltende starke Vereinswachstum wird seit mehreren Jahren mit der gleich tiefen Stellen zahl (23 Vollzeitäquivalente) be- wältigt. Das geht nicht spurlos an den Mitarbeitenden vorüber; zum ersten Mal hat te EXIT wieder eine ge- wisse Fluktuation zu verzeichnen. Die Nachfrage nach Patientenverfügungen (PV) steigt – und dadurch der Kontrollaufwand, dem bei EXIT hohe Wichtigkeit bei- gemessen wird. Ebenso steigt die Komplexität der Fäl- le in Beratung und Freitodbegleitung, dazu zählt auch Umgang und Betreuung Angehöriger. Nicht zu ver gessen: Je mehr Mitglieder ein Verein zählt und je mehr Zulieferer er hat, desto mehr An- regungen und Sonder wünsche ergeben sich. Zudem ist der an der Generalversammlung geschilderte Be- trugsfall im Zahlungsverkehr noch nicht abgeschlos- sen, wenn auch der grössere Teil der Schadenssumme zurückbezahlt ist. Die Herausforde rungen von morgen führten zudem zu Grossprojekten, welche die Mitarbei- tenden neben der täglichen Arbeit enga giert verfolgen: Vorbereitungen für die Digitalisierung der Vereinsad- ministration, elektronische PV, europäische Daten- schutznorm. Kurzum: Die Belegschaft in Geschäftsstelle und Aussenbüros war 2018 gefordert wie nie. Dank dem Zweck, hinter dem alle vorbehaltlos stehen, und der grossen Zusammengehörigkeit hat sie dies sowie die üblichen Anliegen aber bewältigt: Zehntausende Aus- künfte, 20 000 Ausgaben von Patientenverfügungen, über 13 000 Neuanmeldungen, 10 000 PV-Kontrollen, 5 000 Beratungen, über 1 200 Vorbereitungen für Ster- behilfe. 2018 konnte die bisherige, zu kleine Vereinsliegen- schaft erfolgreich ohne Makler verkauft werden. Die Vereins administration ist ins zweite Jahr am grösseren Hauptsitz beim Zürcher Klusplatz gegangen. Die Räum- lichkeiten ermöglichen die Durchführung mittelgrosser Anlässe sowie vor allem effizientere Arbeitsabläufe, da nun jede der Abteilungen Beratung, Freitodbegleitung, Mitgliederadministration und Buchhaltung ein eigenes Stockwerk zur Verfügung hat. Termine auf Vereinba- rung und Besprechungen können in ebenerdigen Bera- tungs- und Sitzungs räumen in einer den Themen ange- messenen Atmosphäre abgehalten werden. Dies löst bei Besuchern erfreute Kommentare aus. Der Geschäftsführer dankt den Mitgliedern für das entgegengebrachte Vertrauen, dem Vorstand für die konstruk tive Zusammenarbeit, den Freitodbegleiter/ innen für ihre anspruchsvolle Hilfeleistung für kranke Mitglieder. Ein spezielles Dankeschön geht an die Mitarbeiten- den. Ihr Engagement ist riesig, die Qualität ihrer Arbeit hoch. So tragen sie wesentlich zu Erfolg und Ruf von EXIT bei. EXIT-INFO 2.2019 25
GENERALVERSAMMLUNG 4.2 Geschäftsprüfungskommission (GPK) Auftrag Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) von EXIT nimmt in die Tätigkeit des Vorstandes und der Ge- schäftsführung Einblick. Zudem prüft sie periodisch, ob die ge setzlichen und statutarischen Bestimmungen sowie die Reglemente korrekt ange wendet werden und ob die Beschlüsse der Generalversammlung und des Vorstandes ordnungsgemäss vollzogen werden. Dazu erstellt sie einen schriftlichen Bericht. Tätigkeiten Die Geschäftsprüfungskommission traf sich 2018 zu zwei Sitzungen. Zusätzlich liess sie sich im Februar 2019 über das finanzielle Ergebnis des Jahres 2018 in- formieren. Ferner nahmen ihre Mitglieder im März am EXIT-Tag und im Juni an der Generalver sammlung teil. Am 18. Dezember 2018 kontrollierte die GPK auf der Ge- schäftsstelle in Zürich den Lagerbestand des Medika- ments Natrium-Pentobarbital (NaP), das von EXIT für die Sterbehilfe verwendet wird. Sie stellte fest, dass das NaP sicher aufbewahrt wird und über die Ein- und Aus- gänge sorgfältig und zweckmässig Buch geführt wird. Prüfung der Akten Richard Wyrsch hat wie in den vergangenen Jahren regelmässig die Akten der Frei todbegleitungen in der Geschäftsstelle umfassend geprüft und analysiert. Seit die Geschäftsprüfungskommission von EXIT besteht, gehört die Durchsicht und Prüfung aller zu einer Frei- todbegleitung benötigten Dokumente, Unterlagen und Akten zu einer Kernaufgabe der GPK. Dazu gehören Arztzeugnisse, Krankengeschichten, allfäl lige Spital- austrittsberichte, Gesprächsberichte mit den Sterbe- willigen, die ärztliche Bestätigung der Urteilsfähigkeit der sterbewilligen Person, die Ausstellung des Re zeptes für das Sterbemittel Natrium-Pentobarbital (NaP), das Protokoll der Freitod begleitung, allfällige Gutachten und weitere Unterlagen. Mit diesem Vorgehen wird den hohen Ansprüchen, die EXIT an eine Freitodbegleitung stellt, Rechnung getra gen. Diese Prüfung ist für die GPK sehr wichtig, um festzustellen, ob alles im Rah- men der gesetzlichen Vorschriften abgelaufen ist. Die GPK stellt fest, dass die Ster bebegleitungen den erfor- derlichen Standards vollends gerecht werden. Die Statistik über Akteneröffnungen und Freitod- begleitungen sind im Jahresbericht des zuständigen Vorstandsressorts Freitodbegleitung publiziert. Finanzen Die GPK traf sich am 25. Februar 2019 mit Saskia Frei, EXIT-Präsidentin, Jean-Claude Düby, Vorstandsmitglied und verantwortlich für das Ressort Finanzen, Bernhard Sutter, Leiter Geschäfts stelle, Romano Cavegn, Leiter Buchhaltung, sowie mit der externen Revisorin Claudia Suter, um die vorab zugestellte Jahresrechnung 2018 zu besprechen und sich einzelne Positionen der Erfolgs- rechnung erklären zu lassen. Der Verlust im Finanzer- gebnis ist der allgemein rückläufigen Entwicklung der Aktienmärkte im vierten Quartal 2018 geschuldet. Den- noch konnte eine Zuweisung zur Wertschwankungsre- serve erfolgen. Die GPK stellt fest, dass das Vereinsvermögen sorg- fältig verwaltet wird, was auch die gute Vermögens lage des Vereins und der positive Abschluss belegen. Sie dankt dem Fi nanzchef für die umsichtige Verwaltung des Vereinsvermögens. Zusammenarbeit mit dem Vorstand Die Geschäftsprüfungskommission erhält regelmässig die Protokolle der Vorstands sitzungen und gewinnt dadurch Einblick in alle laufenden Geschäfte. Im Berichtsjahr waren die Arbeiten der von Patrick Mid- dendorf präsidierten Gruppe «Altersfreitod» von be- sonderem Interesse. Zusätzlich bestehen Telefon- und E-Mail-Kontakte zwischen den Mitgliedern der GPK und des Vorstandes. Dies erlaubt es der GPK, auf allfäl- lige Probleme rechtzeitig einzugehen. Im Rahmen des EXIT-Tages traf sich die GPK im März wie üblich zu einer allgemeinen Aussprache mit dem Vorstand. Im Vordergrund standen die Vorberei- tungen der Generalversammlung, insbesondere der an- stehenden Ersatzwahlen in den Vorstand. Dank Die Geschäftsprüfungskommission verdankt die für EXIT geleistete grosse Arbeit. Sowohl vom Vorstand als auch vom Team der Freitodbegleiterinnen und Freitod- begleiter, den Konsiliarärzten und den Mitarbeiterin- nen und Mitarbeitern der Ge schäftsstelle wurde eine anspruchsvolle Arbeit mit viel Engagement und fachli- chem Können geleistet. ELISABETH ZILLIG, PRÄSIDENTIN GPK EXIT, DR. PATRICK MIDDENDORF, RICHARD WYRSCH 26 EXIT-INFO 2.2019
5. Jahresrechnung 2018 Bilanz (in CHF) AKTIVEN Anhang Umlaufvermögen Flüssige Mittel Ausstehende Mitgliederbeiträge Übrige Forderungen gegenüber Dritten Aktive Rechnungsabgrenzungen Anlagevermögen Finanzanlagen Wertschriften Sachanlagen Büromaschinen, Möbel Liegenschaft Mühlezelgstrasse Liegenschaft Witikonerstrasse Total Aktiven PASSIVEN Kurzfristiges Fremdkapital Kurzfristige Verbindlichkeiten Verbindlichkeiten gegenüber Vorsorgeeinrichtung Rückstellung Projekt Digitalisierung Passive Rechnungsabgrenzung Langfristiges Fremdkapital Rückstellung Beiträge Lebenszeit Gebundenes Fondskapital Weiterbildung Öffentlichkeitsarbeit Rechtsverfahren Zweckgebundener Nachlass Beratung Patientenverfügung Unterstützung Palliativpflege Organisationskapital Gebundenes Kapital 1.2 1.3 2.2 1.4 1.5 Wertschwankungsreserve 1.6 Freies Kapital Freies Kapital Jahresergebnis Total Passiven EXIT-INFO 2.2019 GENERALVERSAMMLUNG 31.12.18 7 026 619 6 711 732 63 058 103 844 147 985 21 912 977 11 112 976 1 10 800 000 28 939 596 581 777 195 714 16 868 200 000 169 195 19 060 693 19 060 693 4 842 831 1 154 804 775 932 567 295 995 558 990 236 359 006 4 454 295 3 350 000 828 699 275 596 31.12.17 3 000 678 2 769 483 33 923 129 122 68 150 22 980 701 10 005 380 1 1 955 000 11 020 320 25 981 379 372 974 305 200 14 479 53 295 16 813 874 16 813 874 4 965 832 1 331 731 774 996 503 919 1 094 183 851 997 409 006 3 828 699 3 000 000 781 936 46 763 28 939 596 25 981 379 27
GENERALVERSAMMLUNG Erfolgsrechnung 2018 (in CHF) Anhang 1.4 1.5 2.1 Beiträge, Spenden, Legate, übrige Erträge Mitgliederbeiträge Mitgliederbeiträge Lebenszeit Bildung Rückstellung Beiträge Lebenszeit Diverse Beitragsminderungen Spenden und Legate Erbschaft für Beratung Patientenverfügung Verkauf von PV-Karten, Büchern, DVD Total operativer Ertrag Aufwand Vereinsorgane Generalversammlung Vorstandsauslagen Geschäftsprüfungskommission Revisionsstelle Aufwand Geschäftsstelle Personal Arbeitgeber– Beitragsreserve Ressorts Freitodbegleitung Arztkosten Weiterbildung Verwaltung Aufwand Kommunikation EXIT– Info Öffentlichkeitsarbeit Übriger Aufwand Ethikkommission Internationale Beziehungen Rechtskosten Beratungskosten Unterstützung Palliativpflege Aufwand Liegenschaften Mühlezelgstrasse Witikonerstrasse Total operativer Aufwand Operatives Ergebnis vor Abschreibungen und Finanzergebnis Abschreibungen Finanzergebnis Finanzertrag Finanzaufwand Nicht realisierte Kursgewinne / Kursverluste Zuweisung Wertschwankungsreserve Operatives Ergebnis A. o., periodenfremder Aufwand und Ertrag Ausserordentlicher Aufwand Gewinn Verkauf Liegenschaft Mühlezelgstrasse Jahresergebnis vor Fondsergebnis 2018 6 958 374 5 608 727 2 246 819 – 2 246 819 – 98 625 1 127 057 296 299 24 916 6 958 374 78 972 33 091 9 705 22 994 13 182 5 392 529 2 731 883 0 434 954 1 152 987 181 963 176 927 713 815 660 241 351 177 309 064 159 826 7 997 7 500 36 624 57 705 50 000 75 061 21 184 53 877 6 366 629 591 745 – 280 978 – 889 474 279 998 – 121 178 – 1 048 294 – 350 000 – 928 707 1 091 716 – 53 284 1 145 000 163 009 2017 6 067 555 5 111 138 1 986 472 – 1 986 472 – 100 150 698 875 335 000 22 692 6 067 555 80 851 34 552 5 833 26 973 13 493 5 335 049 2 667 109 400 000 374 825 974 728 150 277 153 877 614 233 514 473 382 491 131 982 71 960 1 594 7 896 46 248 16 222 308 375 31 390 276 985 6 310 708 – 243 153 – 153 974 795 391 309 332 – 105 113 591 172 – 100 000 298 264 298 264 28 EXIT-INFO 2.2019
Jahresergebnis vor Fondsergebnis Anhang Fondsergebnis Weiterbildung Zuweisung Verwendung Öffentlichkeitsarbeit Zuweisung Verwendung Rechtsverfahren Zuweisung Verwendung Zweckgebundener Nachlass Zuweisung Verwendung Beratung Patientenverfügung Zuweisung Verwendung Unterstützung Palliativpflege Zuweisung Verwendung Jahresergebnis vor Steuern Direkte Steuern Jahresergebnis Anhang 1 Grundsätze 1.1 Allgemeines Die Jahresrechnung des Vereins EXIT (Deutsche Schweiz), Zürich, wurde gemäss den Bestimmungen des Schweizer Rechnungslegungsrechts erstellt. Die wesentlichen angewandten Bewertungsgrundsätze, welche nicht vom Gesetz vorgeschrieben sind, werden nachfolgend beschrieben. Zur Sicherung des dauernden Gedeihens des Vereins besteht die Möglichkeit zur Bil- dung und Auflösung von stillen Reserven. 1.2 Finanzanlagen Finanzanlagen werden grundsätzlich langfristig gehal- ten. Es besteht ein vom Vorstand erlassenes Finanz- anlagereglement. Wertschriften sind zum Börsenkurs am Bilanzstichtag bewertet. Wertschwankungsreserve siehe 1.6. 1.3 Sachanlagen Die Bewertung der Sachanlagen erfolgt zu Anschaf- fungs- bzw. Herstellungskosten abzüglich aufgelaufe- ner Abschreibungen und Wertberichtigungen. GENERALVERSAMMLUNG 2018 163 009 123 001 0 176 927 – 310 000 309 064 – 100 000 36 624 0 98 625 – 296 299 158 060 0 50 000 286 010 – 10 414 275 596 2017 298 264 – 243 169 – 160 000 153 877 – 135 000 131 982 – 170 000 46 248 0 100 150 – 335 000 124 574 0 0 55 095 – 8 332 46 763 1.4 Rückstellung Beiträge Lebenszeit Bei den Beiträgen auf Lebenszeit leistet das Mitglied anstelle von jährlichen Beiträgen eine einmalige Zah- lung. Für zukünftige Verpflichtungen wird aus den Beiträgen auf Lebenszeit eine langfristige Rückstellung gebildet. Die Berechnung erfolgt aufgrund der durch- schnittlichen Lebenserwartung und des Durchschnitts- alters der Lebenszeitmitglieder. Bis die vom Vorstand periodisch festgelegte Zielgrösse erreicht ist, werden sämtliche Beiträge auf Lebenszeit der Rückstellung zu- gewiesen. 1.5 Gebundenes Fondskapital Es handelt sich um Zuwendungen von Dritten, welche mit einem bestimmten Verwendungszweck versehen sind. Zuweisungen und Auflösungen werden vom Vor- stand beschlossen. 1.6 Wertschwankungsreserve Der Vorstand setzt periodisch die Zielgrösse der Wert- schwankungsreserve fest; ist diese Zielgrösse erreicht, kann er auf eine weitere Äufnung verzichten bzw. den die Zielgrösse übersteigenden Teil auflösen. EXIT-INFO 2.2019 29
GENERALVERSAMMLUNG 2 Weitere Angaben 2.1 Guthaben gegenüber Vorsorgeeinrichtungen Arbeitgeber-Beitragsreserve 2.2 Verbindlichkeiten gegenüber Vorsorgeeinrichtung Geschuldete Beiträge 2.3 Leasingverbindlichkeiten Leasingverbindlichkeiten 1–5 Jahre 31.12.18 31.12.17 753 434 751 555 16 869 14 479 25 661 34 992 2.4 Vollzeitstellen Die Anzahl der Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt lag im Berichtsjahr sowie im Vorjahr über 10 jedoch unter 50. Kommentar zur Jahresrechnung 2018 Nach der Zuweisung von 350 000 Franken an die Wert- schwankungsreserve und der Verringerung des ge- bundenen Fondskapitals um insgesamt 123 001 Franken schliesst die Erfolgsrechnung 2018 mit einem positiven Jahresergebnis von 275 596 Franken ab. Dieser Über- schuss wird in das freie Kapital übertragen, wodurch sich diese Position in der Bilanz per 31. Dezember 2018 auf total 1 104 295 Franken erhöht. Das gute Jahresergebnis ist zur Hauptsache dem mit einem Gewinn von 1 145 000 Franken realisierten Ver- kauf der Liegenschaft Mühlezelgstrasse sowie hohen Spendeneinnahmen von über 1,1 Millionen Franken zu verdanken. Auch sind die Mitgliederbeiträge erfreuli- cherweise um fast zehn Prozent auf rund 5,6 Millionen Franken angestiegen. Im Berichtsjahr sind unserem Verein 13 149 Personen beigetreten. Unter Berücksichti- gung von Todesfällen und Austritten ist der Mitglieder- bestand per 31. Dezember 2018 um 9726 Mitglieder auf 120 117 Mitglieder (Jahresmitglieder: 97 657; Lebenszeit- Mitglieder: 22 460) angewachsen, was im Vorjahresver- gleich einer Zunahme von fast neun Prozent entspricht. Der von Kurzzeitmitgliedern im Fall einer Freitodbe- gleitung zu leistende Kostenbeitrag kann Hilfesuchen- den in schlechten finanziellen Verhältnissen teilweise oder ganz erlassen werden. Diese Beitragsminderungen betrugen 2018 insgesamt 98 625 Franken, wobei diese Summe vollständig dem dafür geschaffenen Fonds «Zweckgebundener Nachlass» belastet wurde. Trotz der stark gewachsenen Arbeitsbelastung ist der für 2018 budgetierte Personalaufwand mit unver- ändert 23 Vollzeitstellen so gut wie eingehalten wor- den. Um rund 180 000 Franken hat der Freitodbeglei- tungsaufwand zugenommen, was in erster Linie auf die gegenüber dem Vorjahr um 176 auf 1207 gestiegenen Abklärungen für Freitodbegleitungen zurückzuführen ist. Im Verwaltungsaufwand sind 200 000 Franken für das Projekt Digitalisierung zurückgestellt worden. Aufgrund von verstärkten Werbemassnahmen («Köpfe- Inserate») einerseits und von in verschiedenen Städten durchgeführten Informationsveranstaltungen anderer- seits hat sich der Aufwand der Öffentlichkeitsarbeit im Vergleich zum Vorjahr um fast 180 000 Franken erhöht. JEAN-CLAUDE DÜBY Entschädigungen der Ressort verantwortlichen 2018 Gemäss Art. 8 der Statuten ist der Gesamtbetrag der innerhalb eines Geschäftsjahres an die Vorstandsmitglieder als Ressortverantwortliche ausgerichteten Entschädigungen (inkl. Spesen, ohne Sozialaufwand) jedes Jahr vor der Generalversammlung im EXIT-Info zu veröffentlichen. Vorstand Saskia Frei Marion Schafroth Jürg Wiler Ilona Anna Bethlen Jean-Claude Düby 30 Ressort Präsidentin Freitodbegleitung, Vizepräsidentin Kommunikation Recht Finanzen CHF 64 380 CHF 96 000 CHF 78 300 CHF 61 500 CHF 60 040 EXIT-INFO 2.2019
EXIT-INFO 2.2019 31
GENERALVERSAMMLUNG Revisionsbericht zur Jahresrechnung 2018 Die Revisionsstelle MOORE STEPHENS EXPERT (ZURICH) AG hat die Jahresrechnung (Bilanz, Erfolgs- rechnung, Anhang) geprüft. Die Revision erfolgte nach dem Schweizer Standard zur Eingeschränkten Revision. Dabei ist die Revisions- stelle nicht auf Sachverhalte gestossen, aus denen sie schliessen müsste, dass die Jahresrechnung nicht Ge- setz und Statuten entspricht. Der Bericht der Revisionsstelle zur Eingeschränkten Revision kann unter www.exit.ch oder nach Vereinba- rung im Original auf der EXIT-Geschäftsstelle Zürich eingesehen werden. Kommentar zum Budget 2019 Jahresergebnis In der Sitzung vom 13. Dezember 2018 hat der Vorstand das Budget für das Jahr 2019 festgelegt. Es schliesst insbesondere aufgrund von hohen Mitgliederbeiträgen und bedeutenden Spendeneinnahmen sowie einem positiven Finanzergebnis mit einem Überschuss von 41 000 Franken ab. Operativer Ertrag Der budgetierte operative Ertrag beträgt rund 6,8 Mil- lionen Franken. Weitaus wichtigste Einnahmequel- le sind die Mitgliederbeiträge. Das Budget 2019 rech- net mit 107 000 Mitgliedern zum Jahresbeitrag von 45 Franken, was Einnahmen von 4 815 000 Franken ergibt. Für die Freitodbegleitung von Kurzzeitmitgliedern sind zudem Kostenbeiträge von total 1 125 000 Franken ver- anschlagt. Insgesamt betragen die budgetierten Mit- gliederbeiträge somit 5 940 000 Franken. Die im Jahr 2019 eingehenden Mitgliederbeiträge auf Lebenszeit von 1100 Franken pro Mitgliedschaft haben keinen Einfluss auf den operativen Ertrag. Sie werden, wie in den Vorjahren, zu 100 Prozent der in den Passiven der Bilanz zu Gunsten der Lebenszeit-Mitgliedern be- stehenden Position «Rückstellung Beiträge Lebenszeit» gutgeschrieben. Erneut tragen die Spendeneinnahmen, wozu auch solche aus Erbschaften und für Patienten- verfügungen gehören, mit 950 000 Franken ganz we- sentlich zum positiv abschliessenden Budget bei. Operativer Aufwand Der budgetierte operative Aufwand beträgt fast 6,9 Millionen Franken. Der grösste Ausgabeposten ist der Personalaufwand. Diese Position umfasst die gesamten Kosten, inklusive Sozialaufwand und Spesen, für alle Festangestellten der Geschäftsstelle und für Aushilfs- personal. Im Zusammenhang mit dem «Modell 2030», worüber im Traktandum «Jahresberichte 2018» orientiert wird, und aufgrund des anhaltend hohen Arbeitsanfalls ist eine Erhöhung des Personalbestands um 250 Stellen- prozente auf neu 25,5 Vollzeitstellen budgetiert. Zusätz- lich sind im Personalaufwand individuelle Lohnanpas- sungen enthalten. Da das auf drei Jahre befristete Projekt «Informa tion Ärzteschaft» Ende Mai beendet wird, reduziert sich dementsprechend das Arbeitspensum des für das Res- sort Freitodbegleitung verantwortlichen Vorstandsmit- glieds von 65 auf 40 Prozent. Aufgrund der Wichtigkeit der Öffentlichkeitsarbeit für unseren Verein wird hingegen das Arbeitspensum des für die Kommunikation zuständigen Vorstandsmit- glieds von 40 auf 60 Prozent erhöht. Im Übrigen bleibt der seit 2009 bestehende Stundenansatz von rund 66 Franken für die Arbeit der ressortverantwortlichen Vor- standsmitglieder unverändert. Der Freitodbegleitungs- aufwand setzt sich zur Hauptsache aus den Entschädi- gungen für unsere Freitodbegleiterinnen und den Kos- ten für das Sterbemittel Natrium-Pentobarbital zusam- men. Das Budget geht von 1200 Akteneröffnungen aus. Im Verwaltungsaufwand sind unter anderem 184 500 Franken für die externe Unterstützung und Wartung unserer Hard- und Software enthalten. JEAN-CLAUDE DÜBY 32 EXIT-INFO 2.2019
Budget 2019 (in CHF) Beiträge, Spenden, Legate, übrige Erträge Mitgliederbeiträge Mitgliederbeiträge Lebenszeit Bildung Rückstellung Beiträge Lebenszeit Diverse Beitragsminderungen Spenden und Legate Erbschaft für Beratung Patientenverfügung Verkauf von PV-Karten, Büchern, DVD Total operativer Ertrag Aufwand Vereinsorgane Generalversammlung Vorstandsauslagen Geschäftsprüfungskommission Revisionsstelle Aufwand Geschäftsstelle Personal Ressorts Freitodbegleitung Arztkosten Weiterbildung Verwaltung Aufwand Kommunikation EXIT-Info Öffentlichkeitsarbeit Übriger Aufwand Ethikkommission Internationale Beziehungen Rechtskosten Beratungskosten Unterstützung Palliativpflege Aufwand Liegenschaften Mühlezelgstrasse Witikonerstrasse Total operativer Aufwand Operatives Ergebnis vor Abschreibungen und Finanzergebnis Abschreibungen Finanzergebnis Zuweisung Reserve Wertschwankungen Operatives Ergebnis A.o., periodenfremder Aufwand und Ertrag Jahresergebnis vor Fondsergebnis Fondsergebnis Jahresergebnis vor Steuern Direkte Steuern Jahresergebnis EXIT-INFO 2.2019 GENERALVERSAMMLUNG BUDGET 2019 6 795 000 5 940 000 2 200 000 – 2 200 000 – 115 000 950 000 20 000 6 795 000 108 000 55 000 10 000 30 000 13 000 5 849 000 3 076 000 434 000 1 298 000 150 000 250 000 641 000 731 000 431 000 300 000 113 000 6 000 12 000 50 000 45 000 0 80 000 80 000 6 881 000 – 86 000 0 137 000 0 51 000 0 51 000 0 51 000 – 10 000 41 000 ERFOLGS- RECHNUNG 2018 6 958 374 5 608 727 2 246 819 – 2 246 819 – 98 625 1 127 057 296 299 24 916 6 958 374 78 972 33 091 9 705 22 994 13 182 5 392 529 2 731 883 434 954 1 152 987 181 963 176 927 713 815 660 241 351 177 309 064 159 826 7 997 7 500 36 624 57 705 50 000 75 061 21 184 53 877 6 366 629 591 745 – 280 978 – 889 474 – 350 000 – 928 707 1 091 716 163 009 123 001 286 010 – 10 414 275 596 33
GENERALVERSAMMLUNG 7. Jahresbericht palliacura 2018 Gemeinsam mit einer gesamtschweizerisch täti- gen Immobilienmaklerﬁrma hat der Stiftungsrat im Frühjahr 2018 die stiftungseigene Liegenschaft Chalet Erika in Burgdorf zum Kauf ausgeschrie- ben. palliacura unterstützte im Berichtsjahr unter anderen das Hospiz Aargau und die Kispex Zürich mit namhaften Beträgen. Der vom EXIT-Vorstand für die Periode von drei Jahren wieder- gewählte Stiftungsrat palliacura konstituierte sich in der ersten Sitzung des Jahres 2018: Peter Kaufmann amtiert weiterhin als Präsident, Marion Schafroth wirkt als Vize präsidentin, Ilona Bethlen als Aktu arin und Bernhard Egger als Quästor. PETER KAUFMANN Zum Kauf ausgeschrieben Die Pro Senectute Amt Burgdorf, die seit fast 25 Jahren im ehemaligen Sterbehospiz der Stiftung eine Alzhei- merstation betreibt, hat den Mietvertrag für das Chalet Erika in Burgdorf auf den 30. Oktober 2019 gekündigt. Sie möchte aber zwei weitere Monate im Mietobjekt verbleiben, bis die Bauarbeiten im Seniorenheim und in der neuen Alzheimerstation im Wohnpark Buchegg vollends abgeschlossen sind. palliacura hat deshalb das Chalet Erika zum Kauf ausgeschrieben. Seit Frühjahr 2018 betreut die Maklerfirma Von Schwanau Immobi- lien AG das Liebhaberobjekt und präsentiert es mit Vi- deos, Fotos und Texten den Kaufinteressenten und der Öffentlichkeit, die auch mit Medienberichten über die Verkaufsabsichten informiert wurde. Die hohen Kosten für die nötigen Instandstellungen und den laufenden Betrieb erregen bei möglichen Käufern jedoch einige Bedenken. Eine Weiter- vermietung des Chalets Erika ist eine Option, die der Stiftungsrat nicht aus- schliesst und parallel wei- terverfolgt. Sterbefasten-Website erfolgreich Die von palliacura gemein- sam mit EXIT errichtete Website sterbefasten.org hat sich im Berichtsjahr weiterhin erfreulich ent- wickelt. Im Tagesdurch- schnitt wird die Website bis zu 4700 Mal ange- klickt, bis zu 270 länger 34 verweilende Besucher sehen sich insgesamt bis zu 5500 Dokumente an. Dies deutet daraufhin, dass dieses The- ma gegenwärtig aktuell ist – bei vielen älteren Leuten sowie beim pflegenden und medizinischen Fachperso- nal. Die auf der Website veröffentlichten Fallgeschich- ten haben das Interesse deutscher Verlage geweckt. Der Kohlhammer Verlag möchte im Frühjahr oder Herbst 2020 ein Sachbuch veröffentlichen mit 25 Geschichten über Sterbefastende sowie zwei wissenschaftlichen Kommentaren. Grosszügige Unterstützungen Auf Antrag der Stiftung palliacura erhielt das Hospiz Aargau in Brugg für seinen Sozialfonds CHF 50 000.– aus dem EXIT-Fonds «Unterstützung Palliativpflege». Die Stiftung unterstützte das Hospiz Aargau weiter mit CHF 7170.– plus MwSt für den Ankauf von drei Schmerzpumpen und dazu nötigen medizinischen Hilfsmitteln. Für die Kispex Zürich übernahm pallia- cura die Kurskosten von CHF 10 470.– für Weiterbildun- gen in Palliative Care. Für acht Patienten, die im Hospiz im Park in Arlesheim verstarben und EXIT-Mitglieder waren, richtete palliacura insgesamt CHF 21 098.65 an die ungedeckten Kosten aus. palliacura hat 2018 dem Projekt Pallifon, der telefonischen Notfallberatung für Palliativ-Patienten und -Betreuende, eine Weihnachts- gabe von CHF 10 000.– ausgerichtet. Vier weitere in der Schweiz domizilierte Institutionen erhielten ebenfalls Weihnachtsgaben: die Kinderkrebshilfe Schweiz, die Ruedi Lüthy Foundation sowie die Stiftungen Stern- schnuppe und Lighthouse Zürich. Das Portfolio der Stiftung wird von der Baselland- schaftlichen Kantonalbank betreut. Wegen des sehr verhaltenen bis schlechten Börsenverlaufs war die Per- formance des Jahres 2018 negativ, sie betrug minus 6,4 Prozent. Während im Vorjahr aus den Finanzanla- gen ein Gewinn von über CHF 150 000.– verzeichnet werden konnte, resultierte im Berichtsjahr ein eben- so hoher Buchverlust. Die bereinigte Jahresrechnung endet so mit einem Auf- wandüberschuss von CHF 196 526.62. Der Stiftungsrat hat an seiner Sitzung vom 20. Februar 2019 dieses Er- gebnis zur Kenntnis ge- nommen und besprochen. Der Revisorenbericht wird an einer späteren Sitzung vorliegen. PETER KAUFMANN, PRÄSIDENT PALLIACURA EXIT-INFO 2.2019
GENERALVERSAMMLUNG 8. Tätigkeitsbericht der Arbeitskommission «Altersfreitod» 8.1 Bericht des Kommissionsvorsitzenden Dr. Patrick Middendorf 8.2 Anträge der Kommission (Siehe Anträge auf der Seite 5 in diesem Heft.) 8.3 Allgemeine Diskussion 8.4 Abstimmung über Anträge und weiteres Vorgehen 9. Wahlen 9.1 Wahl des Vorstandes (Amtsperiode 2019 bis 2022) Auf Ende der ablaufenden Amtsperiode treten gleich drei verdiente Vorstandsmitglieder zurück: Präsidentin Saskia Frei, Rechtsvorständin Ilona Bethlen sowie der Finanzvorstand Jean-Claude Düby. Siehe Beiträge auf den Seiten 10–14. Der Vorstand schlägt deshalb einstimmig folgende Kandidierenden zur Wahl vor: Nähere Angaben zu den neu Kandidierenden finden Sie auf den Seiten 15–17 in diesem Heft. 9.1.1 als Präsidentin: Dr. med. Marion Schafroth (bisher Vizepräsidentin und Ressort Freitodbegleitung) 9.1.2 als Vizepräsident: Jürg Wiler, MAS Kommunikation 9.1.3 als weitere Mitglieder: Notarin Katharina Anderegg (neu, Recht); dipl. Wirtschaftsprüfer Andreas Russi (neu, Finanzen); Dr. med. Andreas Stahel (neu, Freitodbegleitung). 9.2 Wahl der Revisionsstelle Der Vorstand schlägt einstimmig die bisherige Firma zur Wiederwahl vor (Amtsdauer 1 Jahr): MOORE STEPHENS EXPERT (ZURICH) AG. 9.3 Verabschiedungen 10. Anträge von Mitgliedern Antrag Büttner Mitglied Herbert Büttner (Männedorf) beantragt der Generalversammlung, EXIT zu ablehnenden Wahl- empfehlungen («Schwarze Listen») zu verpﬂichten. Er beantragt das Folgende: «Es sind in allen Kanto- nen, welche beschränkende Massnahmen gegen unsere Vereinigung beschliessen, das Abstimmungsverhalten der einzelnen Parlamentarier festzustellen und die Nega- tivstimmen unseren Mitgliedern in den einzelnen Kanto- nen mit einer ‹schwarzen Liste› als Grundlage für kom- mende Wahlen zuzustellen.» Die Begründung erfolgt auf ausdrücklichen Wunsch des Antragsstellers mündlich an der GV. Der Vorstand lehnt das Ansinnen einstimmig ab. Seine Begründung: Der Antrag Büttner ist nicht prak- tikabel; EXIT hat andere Aufgaben, als permanent die Abstimmungen in 26 Kantonsparlamenten zu verfol- gen, das Stimmverhalten von insgesamt 2500 einzelnen Parlamentariern zu untersuchen und für eine Veröffent- lichung in Listen aufzubereiten. Aussagekräftig wären sodann nicht nur die amtierenden Parlamentarier, son- dern vor allem auch die Neu-Kandidierenden. Deren Einstellung zur Selbstbestimmung am Lebensende zu erheben, wäre erst recht kaum zu bewältigen. Eine Zu- stellung in einzelnen Kantonen an bis zu über 25 000 Mitglieder pro Kanton wäre ferner mit erheblichen Kos- ten verbunden. Vor allem aber ist die Erstellung solcher «Schwarzer Listen» auch nicht unbedingt opportun für eine parteipolitisch neutrale Organisation (Statuten Art. 1). Das könnte zu erheblichem Unverständnis und Austritten von Mitgliedern führen, die politischen Par- teien nahestehen. EXIT berichtet heute schon über – be- treffend Sterbehilfe – besonders negativ (oder positiv) auffallende Politikerinnen und Politiker. In einzelnen Kantonen (ZH, BL, VS, etc.) sind zwar Vorstösse un- ternommen – aber bisher gar nie einschränkende Be- schlüsse gefällt worden! Der Antrag Büttner zielt (bisher) ins Leere. Wenn dann tatsächlich einmal ein Kantonsparlament eine beschränkende Massnahme, welche Exit empfindlich trifft, beschliesst, so wird EXIT auch ohne Verpflich- tung durch die GV schnell von sich aus aktiv und im «Info»-Heft berichten. 11. Allgemeine Aussprache / Diverses EXIT-INFO 2.2019 35
STATUTEN Statuten I. NAME, SITZ, ZWECK Art. 1 Unter dem Namen EXIT (Deutsche Schweiz) Vereinigung für humanes Ster- ben, nachfolgend EXIT oder Verein ge- nannt, besteht mit Sitz in Zürich ein Ver- ein im Sinne von Art. 60 ff ZGB. Dieser ist parteipolitisch und konfessionell neutral und hat keinerlei wirtschaftliche Zielset- zungen. Art. 2 EXIT setzt sich für das Selbstbe- stimmungsrecht des Menschen im Leben und im Sterben ein. EXIT unterstützt sei- ne Mitglieder bei der Durchsetzung dieses Rechts. EXIT steht Mitgliedern und Nichtmitglie- dern, die wegen Krankheit, Behinderung oder Altersbeschwerden leiden, beratend zur Seite. EXIT setzt sich dafür ein, dass Patientenver- fügungen von Ärzten und Pflegepersonal respektiert werden. EXIT unterstützt seine Mitglieder bei der Abfassung und Durch- setzung ihrer individuellen Patientenverfü- gung. Bei hoffnungsloser Prognose, unerträgli- chen Beschwerden oder unzumutbarer Be- hinderung soll ein begleiteter Suizid ermög- licht werden. EXIT engagiert sich für den Altersfreitod und setzt sich dafür ein, dass betagte Menschen einen erleichterten Zugang zum Sterbemittel haben sollen. EXIT unterstützt Organisationen und Insti- tutionen, die sich mit Palliativpflege befas- sen, um schwerkranken Menschen ein na- türliches Sterben in Würde zu ermöglichen. EXIT pflegt Kontakte zu Organisationen mit ähnlicher Zielsetzung im In- und Aus- land. EXIT ist Mitglied der «World Federation of Right to Die Societies». II. MITGLIEDSCHAFT Art. 3 EXIT nimmt urteilsfähige Personen, die das 18. Altersjahr vollendet haben, als Mitglied auf, sofern sie das schweizerische Bürgerrecht besitzen oder als Ausländer in der Schweiz wohnhaft sind. Die Aufnahme erfolgt auf Antrag der gesuchstellenden Person. Der Vorstand kann Aufnahmege- suche ablehnen. Das Mitgliederverzeichnis ist geheim zu hal- ten. Die Mitgliedschaft erlischt durch Tod, Aus- tritt, Streichung oder Ausschluss. Art. 4 Der Austritt kann jederzeit schrift- lich erklärt werden. Er tritt sofort in Kraft. Bezahlte Mitgliederbeiträge werden nicht zurückerstattet. Bei Nichterfüllung der finanziellen Ver- pflichtungen erfolgt nach mehrmaliger erfolgloser Mahnung die Streichung aus dem Mitgliederverzeichnis. Bei einem spä- teren Wiedereintritt kann eine neue Mit- gliedschaft nur auf Lebenszeit begründet werden. 36 Art. 5 Ein Mitglied, das den Interessen oder dem Ansehen von EXIT in schwerwie- gender Weise zuwidergehandelt hat, kann durch den Vorstand unter schriftlicher An- gabe der Gründe ausgeschlossen werden. Ein Rekurs an die Generalversammlung ist nicht zulässig. Art. 6 Die Generalversammlung kann Personen, die sich in ausserordentlicher Weise um EXIT verdient gemacht haben, zu Ehrenmitgliedern ernennen. Ehrenmitglie- der entrichten keine Mitgliederbeiträge. III. FINANZEN Art. 7.1 Die Einnahmen von EXIT setzen sich zusammen aus den Mitgliederbeiträ- gen, Kapitalzinsen, Zuwendungen und an- deren Erträgen. Art. 7.2 Die Ausgaben von EXIT richten sich nach dem vom Vorstand bis zum Be- ginn des neuen Geschäftsjahres zu geneh- migenden Jahresbudget. Art. 7.3.1 Der jährliche Mitgliederbeitrag beträgt CHF 45.–, derjenige auf Lebenszeit CHF 1100.–. Art. 7.3.2 Die Kostenbeiträge für die Freitodbegleitung bei Neu- und Kurzzeit- mitgliedern werden vom Vorstand in ei- nem Reglement festgelegt. Art. 7.4 Die Jahresrechnung umfasst die Erfolgsrechnung und die Bilanz. Sie ist nach den allgemein anerkannten Grund- sätzen (Art. 959 ff OR) zu erstellen. Art. 8 Die Mitglieder des Vorstandes üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus. Sie erhalten eine Spesenentschädigung. Die Arbeit, die sie – über die ordentliche Vorstandstätigkeit hinaus – als Ressortver- antwortliche leisten, wird vertraglich gere- gelt und angemessen entschädigt. Der Gesamtbetrag der innerhalb eines Ge- schäftsjahres an die Vorstandsmitglieder ausgerichteten Entschädigungen wird je- des Jahr vor der Generalversammlung im EXIT-Info veröffentlicht. IV. ORGANISATION [Funktionsbezeichnungen gelten für beide Geschlechter] Art. 9.1 Die Organe des Vereins sind die Generalversammlung, der Vorstand, die Geschäftsprüfungskommission und die Re- vi sions stelle. Art. 9.2 Niemand kann gleichzeitig dem Vorstand, der Geschäftsprüfungskommis- sion oder der Revisionsstelle angehören. Art. 9.3 Andere statutarische Bestim- mungen vorbehalten, genügt für sämtliche Beschlüsse und Wahlen der Organe das einfache Mehr der Stimmenden. A. Generalversammlung Art. 10.1 Die ordentliche Generalver- sammlung wird vom Präsidenten innerhalb der ersten Hälfte des Kalenderjahres ein- berufen. Art. 10.2 Eine ausserordentliche Gene- ralversammlung wird vom Präsidenten einberufen, wenn der Vorstand, die Ge- schäftsprüfungskommission oder mindes- tens 250 Mitglieder dies verlangen. Art. 10.3 Wenn mindestens 20 Mitglie- der ein Begehren um Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung stellen, hat der Vorstand innert 30 Tagen nach Erhalt dazu Stellung zu nehmen. Lehnt er das Begehren ab, ist es im nächs- ten EXIT-Info zu publizieren, unter Anga- be der Adresse, an welche sich Mitglie- der wenden können, die es unterstützen möchten. Derartige Begehren sind schrift- lich zu formulieren und mit einer knappen Begründung zu versehen. Art. 11 Die ordentliche Generalversamm- lung erledigt folgende Geschäfte: a) Genehmigung • des Protokolls der letzten General ver- sammlung • der Jahresberichte des Präsidenten, wei- terer Mitglieder des Vorstandes sowie des Leiters der Geschäftsstelle • des Jahresberichtes der Geschäftsprü- fungskommission • der Jahresrechnung • des Berichtes der Revisionsstelle b) Entlastung der Organe c) Wahl • des Präsidenten • des Vizepräsidenten • der übrigen Vorstandsmitglieder • der Mitglieder der Geschäftsprüfungs- kommission • der Revisionsstelle d) Beschlüsse • Anträge von Mitgliedern • Geschäfte, die der Vorstand der Gene- ralversammlung zur Beschluss erfassung vorlegt Art. 12.1 Der Präsident, der Vizepräsident sowie die Mitglieder der Geschäftsprüfungs- kommission sind einzeln zu wählen; die übri- gen Vorstandsmitglieder können in globo ge - wählt werden, ebenso die Mitglieder der Revisionsstelle, wenn diese aus mehreren Per- sonen besteht. Art. 12.2 Der Präsident, der Vizepräsi- dent und die übrigen Vorstandsmitglieder werden für eine Amtszeit von drei Jahren gewählt. Kann der Präsident sein Amt nicht mehr ausüben, übernimmt der Vi- zepräsident dieses Amt bis zur nächsten ordentlichen Generalversammlung. Fallen Präsident und Vizepräsident aus, wählt der EXIT-INFO 2.2019
STATUTEN Vorstand bis zur nächsten ordentlichen Ge- neralversammlung einen Präsidenten aus seiner Mitte. Die ordentliche Generalversammlung er- setzt den oder die während des Geschäfts- jahres Ausgefallenen für den Rest der Amtsdauer. Art. 12.3 Die Mitglieder der Geschäfts- prüfungskommission werden für die Dau- er von drei Jahren gewählt. Scheidet ein Mitglied aus, wählt die nächste General- versammlung bis zum Ablauf der Amtszeit ein neues Mitglied. Die Revisionsstelle wird jedes Jahr neu gewählt. Art. 13 Anträge von Mitgliedern auf Trak- tandierung von Geschäften sind schriftlich zu stellen und spätestens drei Monate vor der ordentlichen Generalversammlung zu Handen des Präsidenten einer schweizeri- schen Poststelle zu übergeben, ein Antrag auf Auflösung des Vereins spätestens sechs Monate vorher. Diese Anträge sind – zu- sammen mit der unter Angabe der Traktan- den erfolgenden Einladung der Mitglieder zur Generalversammlung und den Anträ- gen und Stellungnahmen des Vorstands – im EXIT-Info zu publizieren und spätestens einen Monat vor der Generalversammlung an die Mitglieder zu versenden. Art. 14.1 Die Leitung der Generalver- sammlung obliegt dem Präsidenten, bei seiner Verhinderung dem Vizepräsidenten, sofern die Generalversammlung nicht ei- nen Tagespräsidenten wählt. Art. 14.2 Die Generalversammlung wählt einen Protokollführer, der mindestens ein Beschlussprotokoll erstellt. Art. 14.3 Der Leiter der Generalversamm- lung bestimmt den Versammlungsablauf. Er entscheidet über die Reihenfolge der Votanten und Abstimmungen. B. Vorstand Art. 15 Der Vorstand besteht – unter Ein- schluss des Präsidenten und des Vizepräsi- denten – aus mindestens fünf und höchs- tens sieben Mitgliedern. Der Vorstand organisiert sich selbst. Art. 16.1 Der Vorstand ist für alle Ver- einsgeschäfte zuständig, welche nicht gemäss Gesetz oder Statuten der General- versammlung vorbehalten sind. Er kann die Geschäftsführung delegieren. Vorbehalten bleibt Art. 16.2. Art. 16.2 Dem Vorstand obliegen folgen- de, weder übertragbare noch entziehbare Aufgaben: a) Die Leitung des Vereins b) Die Festlegung der Organisation des Ver- eins c) Die Einsetzung und Abberufung der von ihm mit der Geschäftsführung und wei- teren Aufgaben betrauten Personen EXIT-INFO 2.2019 d) Die Oberaufsicht über die von ihm mit der Geschäftsführung und weiteren Auf gaben betrauten Personen e) Die Wahl der Leitung der Freitodbeglei- tung und Festlegung ihrer Organisation in einem Reglement. f) Die Finanzplanung und Finanzkontrolle im Rahmen von Gesetz, Statuten und Reglementen g) Die Wahl der Mitglieder des Stiftungs- rates von palliacura – eine Stiftung von EXIT h) Die Einsetzung der Ethikkommission und die Wahl ihrer Mitglieder i) Die Einsetzung und Abberufung von weiteren internen und externen Kom- missionen und von Experten. Art. 17.1 Die Vorstandssitzungen werden vom Präsidenten oder im Verhinderungs- falle vom Vizepräsidenten unter Einhaltung einer Frist von zwei Wochen und Mittei- lung der Traktanden einberufen. Jedem Vorstandsmitglied steht das Recht zu, die Einberufung einer Sitzung zu verlangen. Art. 17.2 Der Vorstand ist beschluss- fähig, wenn mehr als die Hälfte seiner Mit- glieder anwesend ist. Bei Stimmengleich- heit entscheidet der Vorsitzende. Art. 17.3 Über die Vorstandssitzungen ist ein Protokoll zu führen. Art. 17.4 Die Vorstandsmitglieder sind in Bezug auf ihre Vorstandstätigkeit zur Ver- schwiegenheit verpflichtet. Art. 18 Der Vorstand bestimmt die Per- so nen, die für EXIT rechtsverbindlich zeich- nen, und regelt Art und Umfang ihrer Zeichnungsberechtigung. Mindestvoraus- setzung für eine rechtsverbindliche Zeich- nung für EXIT ist Kollektivunterschrift zu zweien. D. Revisionsstelle Art. 20 Die Revisionsstelle prüft die Jah- resrechnung. Sie erstellt zuhanden der Generalversammlung einen schriftlichen Bericht. V. HAFTUNG UND SCHADLOSHALTUNG Art. 21.1 Für die Verbindlichkeiten des Vereins haftet ausschliesslich das Vereins- vermögen. Eine persönliche Haftung der Vereinsmitglieder ist ausgeschlossen. Art. 21.2 Die Mitarbeitenden der Ge- schäftsstellen, die Freitodbegleitpersonen sowie die Organe und Organmitglieder haften dem Verein und den Vereinsmitglie- dern nur für einen in Erfüllung ihrer Auf- gaben absichtlich oder grobfahrlässig ver- ursachten Schaden; dies gilt für alle Arten von Ansprüchen. Art. 21.3 Sind Mitarbeitende der Ge- schäftsstellen, Freitodbegleitpersonen, Or- gane oder Organmitglieder einem Dritten zum Ersatz eines in Erfüllung ihrer Aufga- ben verursachten Schadens verpflichtet, so werden sie vom Verein schadlos gehalten, sofern sie den Schaden nicht absichtlich oder grobfahrlässig verursacht haben. Art. 21.4 Die Absätze 2 und 3 gelten nicht für die Revisionsstelle. VI. GESCHÄFTSJAHR Art. 22 Das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr. VII. PUBLIKATIONEN Art. 23 Das Publikationsorgan des Ver- eins ist das mindestens dreimal jährlich er- scheinende «EXIT-Info». C. Geschäftsprüfungskommission VIII. AUFLÖSUNG DES VEREINS Art. 19.1 Die Geschäftsprüfungskommis- sion besteht aus drei Mitgliedern. Art. 19.2 Die Geschäftsprüfungskommis- sion nimmt Einblick in die Tätigkeit des Vorstandes und der Geschäftsführung. Sie prüft periodisch, ob die gesetzlichen und statutarischen Bestimmungen und die Reg- lemente des Vorstandes richtig angewendet und die Beschlüsse der Generalversamm- lung und des Vorstandes ordnungsgemäss vollzogen worden sind. Sie erstattet der Ge- neralversammlung über ihre Feststellungen schriftlich Bericht. Art. 19.3 Die Geschäftsprüfungskommis- sion kann jederzeit beim Vorstand Einsicht in die Vereinsakten und vom Vorstand und dem Leiter der Geschäftsstelle Auskünfte verlangen. Die Mitglieder der Geschäfts- prüfungskommission unterliegen mit Be- zug auf die herausgegebenen Akten und erteilten Auskünfte der Schweigepflicht. Art. 24.1 Die Auflösung des Vereins kann nur von einer Mehrheit von zwei Dritteln der stimmenden Mitglieder in einer schrift- lichen Abstimmung aller Vereinsmitglieder (Urabstimmung) beschlossen werden. Art. 24.2 Das Vereinsvermögen muss – in einer schriftlichen Abstimmung aller Ver- einsmitglieder (Urabstimmung) oder durch die Generalversammlung, je mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen – ei- ner oder mehreren Institutionen mit glei- cher oder ähnlicher Zielsetzung zugewie- sen werden. Ein Rückfall dieses Vermögens an die Mitglieder wird ausgeschlossen. VIIII. INKRAFTTRETEN Art. 25 Die Statuten wurden letztmals von der Generalversammlung am 28. Mai 2016 geändert. 37
PAGINA IN ITALIANO Esempi di sofferenza di vecchiaia e nella vecchiaia Il rapporto della commissione di lavoro incaricata dall’assemblea generale di cercare e proporre delle soluzioni per permettere l’accesso facilitato al medicinale letale per le persone attempate ritiene concluso il proprio mandato e chiederà, alla prossima assemblea generale, lo scioglimento della commissione stessa. Ma cosa signiﬁca concretamente suicidio per vecchiaia? Cosa signiﬁca soffrire per la persona attempata? Werner Kriesi, in qualità di membro della commissione di lavoro risponde a queste domande con due esempi. Primo esempio L’anziana maestra A. R.* di 88 anni Descrive lei stessa la sua situazione e le motivazioni che l’hanno portata alla decisione di richiedere il suici- dio assistito: Non soffro al momento attua- le di una malattia terminale. Soffro però di molte patologie che rendono sempre più difficolto- sa la mia esistenza. Ci vedo e sento sempre meno e la mia motricità è da tempo molto ridotta. Ciò che però mi preoccupa maggiormente è la ridotta capacità di memoria. Faccio inoltre fatica a leggere e a scrivere. Per me, che mi ritengo una persona intellettuale, questi acciacchi sono terribili. Come se ciò non bastasse, presto dovrò venir ricoverata in una casa di cura. Ritengo insensato farmi cura- re per mesi o addirittura per anni come un neonato. E’ denigrante e non dignitoso. Tutto questo lo vo- glio assolutamente evitare e devo pertanto attivarmi adesso. Fortu- natamente ho trovato nel medico di fiducia di EXIT una persona com- prensiva disposta a redigere la ri- cetta per il medicinale letale.» Dopo la morte del marito, la signora R. si trasferì in una piccola casa per anziani. Racconta di aver vissuto questa esperienza nella solitudine e con infelicità. Molti dei suoi ami- ci erano deceduti. Si sentiva sotto controllo e non presa sul serio da parte della direzione della casa per anziani. Buona parte degli altri ospiti li viveva spenti e non in gra- do di comunicare con lei. Si sentiva rinchiusa e non trovava più alcun * Iniziali cambiate 38 senso nella vita. Con il suo unico figlio aveva solo ancora contatti sporadici. La prospettiva di dover venir ricoverata in una casa di cura era terribile per questa persona che aveva vissuto una vita impegnativa e interessante. Tutto ciò lo voleva assolutamente evitare. Secondo esempio P. A.* residente in casa di cura L’uomo dell’età di 92 anni era pra- ticamente cieco e a causa delle debolezze muscolari dovute alla vecchiaia, costretto sulla sedia a rotelle. Da alcuni anni era ricove- rato in una casa per ciechi. Saltua- riamente veniva a trovarlo la figlia. Sua moglie come pure la maggior parte dei suoi amici erano decedu- ti. Non poteva né leggere né guar- dare la televisione. Trascorreva le giornate nella solitudine e l’inson- nia rendeva ancora più precaria la sua esistenza. Un prete che gli rendeva visita una volta al mese, non mostrava comprensione per il suo desiderio di porre fine alla sua sofferenza tramite il suicidio assi- stito, argomentando che nella casa di cura era trattato e assistito mol- to bene. La stessa motivazione la dava anche la direzione della casa di cura. Solo il suo dottore si fece carico del suo desiderio, redigendo la ricetta. Prima di emettere la ri- cetta il medico interpellò il medico cantonale per verificare se ciò era permesso. Il medico cantonale non disse né si né no. Rispose dicendo «Signor collega, visto i presupposti, il fatto di emettere la ricetta rientra nelle sue competenze ed è di sua re- sponsabilità». Durante un colloquio il signor A. disse «Il mio problema principale consiste nel fatto che non ho una ma- lattia terminale. Questo mi condan- na a vivere la mia vita insensata e miserabile a tempo indeterminato». Si sentiva denigrato dal fatto di dover implorare per ottenere il de- siderato aiuto e questo anche nei confronti di EXIT. «Avessi nel co- modino un medicinale letale questa sarebbe la mia ultima notte e por- rei fine ai miei giorni in autonomia e con convinzione, proprio come EXIT lo dovrebbe garantire». In conclusione E’ importante ripeterlo ancora una volta: questo persone non sono sane. Non soffrono però nemme- no di malattie terminali e men che meno sono in imminente prossimi- tà della morte. Esse sono candidate a soffrire ancora a lungo malgrado si trovino in una situazione per loro insensata e non più degna di essere vissuta. WERNER KRIESI (TRADUZIONE E. STREIT) Partecipate all' assemblea generale di EXIT che si terrà venerdì 17 maggio 2019 a partire dalle 18.30 presso il Volkshaus a Zurigo EXIT-INFO 2.2019
PALLIACURA Abend der Palliative Care Die EXIT-Stiftung palliacura, die sich für die Förderung der Palliativpﬂege engagiert, feiert ihren 30. Geburtstag. Im Rahmen dieses Jubiläums wurden in Zürich zwei palliacura-Preise vergeben. Der Dienst am Menschen in seiner letzten Lebenszeit steht bei der pal- liacura seit ihrer Gründung im Jahr 1989 im Mittelpunkt. Die Stiftung unterstützt Institutionen, die im Gebiet der Palliative Care tätig sind und fördert innovative neue Projek- te, die sich mit der Situation am Le- bensende befassen und Menschen in diesem Stadium betreuen und begleiten. An der Jubiläumsfeier vom 23. Januar wurde der Einsatz für eine bessere Palliativversor- gung gewürdigt – mit der Vergabe zweier palliacura-Preise im Wert von je 15 000 Franken, gehaltvollen Festreden sowie musikalischen und kulinarischen Leckerbissen. Vorab begrüsste der Stiftungs- ratspräsident Peter Kaufmann die Gäste im Saal des Zürcher Volks- hauses ganz herzlich. In seinen einleitenden Worten erinnerte er an den im letzten September im Alter von 100 Jahren verstorbenen Grün- der der palliacura, Pfarrer Rolf Sigg. Zu einer Zeit, als in der Schweiz kaum jemand wusste, was Palliati- ve Care bedeutet, sei sie für ihn be- reits eine Herzensangelegenheit ge- wesen. «Jahrelang floss sein Gehalt als EXIT-Geschäftsführer direkt in die Stiftung. Wir werden diesem Pionier immer ein ehrendes Anden- ken bewahren», so Kaufmann. Etwas Licht und Freude Pioniergeist bewiesen hat auch Dr.med. Andreas Weber, der erste palliacura-Preisträger an diesem Abend. Weber ist der Leiter des Pal- liative Care Teams am GZO Spital in Wetzikon. In seiner Laudatio wird er als Mann beschrieben, der kaum auf vorgetrampelten Pfaden ging. Stattdessen beschritt er in seinen über zehn Jahren als Palli- ativmediziner immer wieder mutig und abenteuerlustig neue Wege. Als einer der ersten richtete er ein EXIT-INFO 2.2019 Markantes Zeichen zum Jubiläum: palliacura-Präsident Peter Kaufmann zeichnete zwei verdiente Preisträger für ihr Engagement in der Palliative Care aus. mobiles Palliative Care Team ein, das schwerkranke Menschen rund um die Uhr betreut. Dies nicht nur im Spital, sondern ebenso nach der Entlassung aus dem Krankenhaus im Pflegeheim oder zu Hause. Die Gründung der eigenen Stif- tung im Jahr 2016 ermöglicht es ihm, neue Projekte auf die Beine zu stellen. Alle haben sie das Ziel, die Würde der Menschen am Lebensen- de zu stärken und bei der Sinnfin- dung zu helfen. Weber selbst defi- niert seine Hauptaufgabe folgender- massen: «Ich möchte den Menschen in einer dunklen Phase etwas Licht und Lebensfreude geben und ihnen einen guten Abgang ermöglichen.» Der palliacura-Preis sei eine hohe Wertschätzung für die Arbeit sei- nes ganzen Teams. Er bedankte sich für die Anerkennung, womit ein weiterer wichtiger Grundstein gelegt werden könne. Mit starker Stimme Als zweiter Preisträger wurde der Dachverband Hospize Schweiz, eine gesamtschweizerische Institution, ausgezeichnet. Der 2015 im Zürcher Lighthouse gegründete Verband vereint die Hospize und vertritt die gemeinsamen Interessen gegenüber Behörden und der Öffentlichkeit. Er führt Tarifverhandlungen und unterstützt Massnahmen zur Ent- wicklung und zur Qualitätssiche- rung. Durch den Austausch von Fachkompetenz wird der Wissens- transfer unter den bestehenden und entstehenden Hospizen gefördert. Mit diesem Vorgehen begünstigt der Dachverband langfristig die weitere Ausbreitung der Hospizar- beit in der ganzen Schweiz. Hans Peter Stutz, der Geschäfts- leiter des Dachverbandes, freute sich den Preis entgegenzunehmen und nannte ihn einen Ansporn, so weiterzufahren. Denn leider sei die Situation in der Schweiz im- mer noch unhaltbar. Die Hospize in der Schweiz seien gezwungen, pro Jahr und Hospiz eine Million an Fundraising-Geldern aufzutrei- ben. Bei einer Revision des Kran- kenversicherungsgesetzes müssten neben den Spitälern und Heimen zukünftig unbedingt auch die Hos- pize aufgenommen werden. Stutz betonte, wie wichtig es deshalb sei, geschlossen und mit einer starken MD Stimme aufzutreten. Weitere Fotos und die Festrede von Dr. Christian Walther ﬁnden sich auf www.palliacura.ch 39
MEDIENSCHAU Sterbehilfe: Zahlen sprechen für Seriosität Buchautor Matthias Ackeret behauptet auf swissinfo.ch: «Die Sterbehilfe in der Schweiz ist längst ausser Kontrolle». Kommunikationsvorstand Jürg Wiler stellt dem die Sicht von EXIT gegenüber. Im swissinfo.ch-Standpunkt von Anfang Januar geht es um das neuste Buch von Matthias Ackeret und eine 81-jährige Frau, die mit EXIT aus dem Leben schied. (...) Im Beitrag provoziert der Publi- zist mit der süffigen Aussage, die Sterbehilfe in der Schweiz sei wohl «längst aus dem Ruder gelaufen». Auch stellt er das Wirken der Ster- behilfeorganisationen einem «Busi- nessmodell» gleich, welches an- geblich «einem unternehmerischen Druck», aber keiner Kontrolle un- terliege. Die fünf Sterbehilfeorga- nisationen in der Schweiz stellten eine «Sterbehilfe-Industrie» dar, die «am Todesmarkt teilhabe». Gar ig- norant und bösartig erscheint uns seine Behauptung, dass die Orga- nisationen hin und wieder bei den Begleitungen «ein Auge zudrücken, um Betriebsziele zu erreichen». Zu den Fakten aus Sicht der grössten Suizidhilfeorganisation der Schweiz: Freitodbegleitungen in der Schweiz finden nicht in ei- nem rechtsfreien Raum statt. Ge- mäss Strafgesetzbuch ist die Frei- todbegleitung erlaubt, sofern sie nicht aus selbstsüchtigen Gründen erfolgt. Das Schweizerische Bun- desgericht hat in einem Entscheid weiter festgelegt, welche Voraus- setzungen erfüllt sein müssen, da- mit eine Begleitung zulässig ist. So muss ein Arzt die Urteilsfähigkeit bei jedem Fall schriftlich bestäti- gen. Der Sterbewunsch ist dann au- tonom, wenn er unbeeinflusst von Dritten oder unter Druck gefasst worden ist. Zudem sollen die Bedin- gungen der Wohlerwogenheit und Konstanz sicherstellen, dass der Entscheid durchdacht ist und nicht das Resultat einer momentanen de- pressiven Verstimmung oder Krise. Hoffnungslose Prognose, uner- trägliche Beschwerden oder unzu- mutbare Behinderung sind Bedin- gungen, die nicht gesetzlich vorge- schrieben sind, sondern die EXIT selber in die Statuten aufgenommen hat. (...) Wer sich für einen begleiteten Freitod entscheidet, durchläuft ein internes Kontrollverfahren, welches aufgrund der geltenden Rechtsla- ge sowie der aktuellen Rechtspre- chung seriös und gründlich doku- mentiert wird. Es braucht viel, bis jemand tatsächlich bereit ist, die- sen letzten Schritt zu tun. Es han- delt sich ausnahmslos um starke Persönlichkeiten, die sich auch ge- gen den Widerstand ihrer nächsten Angehörigen durchsetzen können und wollen. Beeinflussungsversu- che von Dritten würden die hierfür geschulten EXIT-Mitarbeitenden er- kennen. (...) Ein Hinweis zum finanziellen Aspekt. Der jährliche Mitgliederbei- trag bei EXIT beträgt 45 Franken, 1100 Franken kostet der Beitrag auf Lebenszeit. Und nach einer drei- jährigen Mitgliedschaftsdauer sind sämtliche in Anspruch genomme- nen Dienstleistungen für die Mit- glieder kostenlos. EXIT hat die Kosten für eine Freitodbegleitung zu bezahlen, doch werden sie von den allgemeinen Vereinsmitteln ge- tragen. Als Non-Profit-Organisation hat sie die Freitodbegleitung seit Anbeginn nach dem Solidaritäts- und Versicherungsprinzip angelegt. Die Kosten werden also nicht von den wenigen Mitgliedern voll getra- gen, welche die Hilfe in Anspruch nehmen müssen, sondern von den vielen, die sie nie in Anspruch neh- men. So viel zum lukrativen «Busi- nessmodell». (...) Zwischen 2010 bis heute hat sich die Mitgliederzahl von EXIT von 52 000 auf über 120 000 Personen mehr als verdoppelt. Warum wohl? Seriosität, Kompetenz, Sachlichkeit und das klare Bekenntnis zu unse- ren Gesetzen und der Rechtspre- chung zeichnen die Arbeitsweise aller für den Verein tätigen Perso- nen aus. (...) 14.01.19 Erstmals Strafverfolgung nach Sterbehilfe in den Niederlanden Eine Ärztin hatte im Jahr 2016 bei einer dementen Patientin Sterbehilfe durchgeführt. Der Todeswunsch der 74-Jährigen sei jedoch nicht eindeutig gewesen, urteilte eine Prüfungskommission. Zum ersten Mal seit der Einfüh- rung des Sterbehilfegesetzes im Jahr 2002 wird eine niederländi- sche Ärztin strafrechtlich verfolgt, 40 nachdem sie die Sterbehilfe bei ei- ner dementen Person durchgeführt hat. Die Staatsanwaltschaft wirft der Ärztin vor, fahrlässig gehandelt zu haben, da die 74-jährige Patien- tin dement und willensunfähig ge- wesen sei. Der Fall ereignete sich im Jahr 2016. Die betroffene Ärztin ist mitt- lerweile pensioniert. Ihre damali- ge Patientin war in ein Pflegeheim eingeliefert worden, was die älte- re Dame partout nicht wollte. Vor ihrer Demenz-Erkrankung hatte EXIT-INFO 2.2019
MEDIENSCHAU sie dies bereits in einer schriftli- chen Erklärung festgehalten. Da- rin schrieb die frühere Erzieherin auch, dass sie «menschenwürdig» Abschied nehmen wolle, wenn sie selbst denke, dass die Zeit dafür gekommen sei. Die Ärztin hatte nach eigenen Angaben gemerkt, wie unglücklich ihre Patientin in dem Seniorenheim gewesen sei. Die Patientin konnte dies allerdings nicht mehr mitteilen. Am Tag der Durchführung der Sterbehilfe rühr- te die Ärztin ein Schlafmittel in den Kaffee der Frau, um danach im Bei- sein der Verwandten die Sterbehilfe durchzuführen. Der Fall wurde als «koffie-euthanasie» bekannt. Ein Prüfungsausschuss kontrol- liert in den Niederlanden nach je- der durchgeführten Sterbehilfe, ob der jeweilige Arzt nach den gesetz- lichen Normen oder fahrlässig ge- handelt hat. Letzteres kam in den vergangenen Jahren immer wieder mal vor. Jeder Fall, der als «fahr- lässig» eingestuft wird, geht auto- matisch an die Staatsanwaltschaft. Bisher hatte diese jedoch nie die Notwendigkeit gesehen, auch straf- rechtlich zu ermitteln. Der jetzige Vorfall ist daher ein Novum. Zuvor hatte ein Disziplinargericht vor al- lem die im Geheimen stattgefunde- ne Verabreichung des Schlafmittels durch die Ärztin kritisiert. 14.11.18 Warum Belgien als einziges Land Sterbehilfe bei Kindern erlaubt Seit fünf Jahren gibt es in Belgien bei aktiver Sterbehilfe keine Altersbegrenzungen mehr. Die Debatte war damals heftig. Was ist seitdem passiert? Ein Kind wurde neun Jahre alt. Ein zweites starb mit elf. Und das dritte wurde 17. Sie alle waren unheilbar krank. Und sie alle entschieden sich bewusst fürs Sterben. Vor fünf Jah- ren hat Belgien die aktive Sterbehil- fe auf Minderjährige ausgeweitet, ohne Altersgrenze. Mindestens drei Mal wurde sie seither angewendet. Die belgische Regelung ist in der EU einmalig. In den Niederlanden ist aktive Sterbehilfe ab zwölf Jah- ren erlaubt, in Luxemburg nur bei Volljährigen. In Belgien dürfen Er- wachsene seit 2002 um ihren Tod bitten, in Deutschland ist aktive Sterbehilfe dagegen komplett ver- boten. (...) Die Ausweitung des belgischen Gesetzes vor gut fünf Jahren löste heftige Diskussionen aus. Kann ein Siebenjähriger die Dimension die- ser Entscheidung begreifen? Kann eine Neunjährige etwas Abstrak- tes wie Schmerz bewerten? Noch während der Abstimmung im bel- gischen Parlament am 13. Februar 2014 rief ein Zuschauer «Mörder» in den Saal. Als 2016 der erste Fall bekannt wurde, schaltete sich der Vatikan ein. Das Gesetz nehme Kin- dern das Recht auf Leben, hiess es. Die staatliche Sterbehilfe-Kom- mission sieht das anders. Obwohl die Regel nur wenige Kinder betref- EXIT-INFO 2.2019 fe, sei sie sinnvoll, heisst in einem Bericht aus dem vergangenen Jahr. So hätten Minderjährige die freie Wahl und ein Mitspracherecht beim Ende ihres Lebens. «Das Wichtigste ist, dass das Kind die Entscheidung trifft», sagt die Anwältin Jacqueli- ne Herremans, die der Kommission angehört, der Deutschen Presse- Agentur in Brüssel. Für diese Entscheidung sei zwar nicht jedes Kind reif genug. Aber: «Wir sprechen über Kinder, die Wo- chen oder Monate im Krankenhaus verbringen. Die sind reifer als an- dere.» Herremans ist grundsätzlich für aktive Sterbehilfe. «Das sollte die Freiheit jedes Einzelnen sein», sagt sie. «Aber niemand sollte diese Freiheit haben, ohne ausreichend informiert zu sein.» (...) Das belgische Sterbehilfe-Gesetz erlaubt Ärzten die Tötung auf Ver- langen von erwachsenen, unheilbar kranken Patienten, wenn Mediziner ein unerträgliches Leiden beschei- nigen. Auch bei Kindern ist eine unheilbare Krankheit Vorausset- zung. Der junge Patient muss unter starken Schmerzen leiden, die kein Medikament lindern kann. Ein Psy- chologe muss bezeugen, dass er ur- teilsfähig ist und in der Lage, sich aus freien Stücken fürs Sterben zu entscheiden. Die Eltern müssen zu- stimmen. (...) 8.02.19 41
MEDIENSCHAU Der deutsche Gesundheitsminister blockiert die Sterbehilfe Ein deutsches Bundesgericht hat 2017 für schwerleidende Kranke, die mit einem Medikament aus dem Leben scheiden wollen, ein Türchen aufgemacht. Doch Gesundheitsminister Spahn stellt sich quer und verlagert so das Problem auch in die Schweiz. Die Würde des Menschen ist un- antastbar, heisst es in Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes. Aber was heisst dies am Ende eines Lebens? Wie weit darf die Selbst- bestimmung todkranker Menschen gehen? Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat vor knapp zwei Jah- ren ein überraschendes Urteil ge- fällt. Das Grundgesetz stütze auch das Recht eines schwer und unheil- bar kranken Patienten, zu entschei- den, wie und zu welchem Zeitpunkt sein Leben beendet werden solle, heisst es im Urteil. Die Vorausset- zung aber sei, dass der Betroffene entscheidungsfähig sei und sich frei und ernsthaft für die Beendigung seines Lebens entschieden habe. Hintergrund war der Sterbewunsch einer fast vollständig gelähmten Frau, die künstlich beatmet werden musste und häufig Krampfanfälle hatte, die starke Schmerzen verur- sachten. Sie hatte 2004 beim Bundesin- stitut für Arzneimittel und Medi- zinprodukte in Bonn um Erlaubnis gebeten, eine tödliche Dosis eines Betäubungsmittels erwerben zu dürfen. Das Institut lehnte dies je- doch ab, wogegen sie klagte. 2005 reiste die Frau mit ihrem Ehemann in die Schweiz, wo sie sich mithilfe eines Sterbehilfever- eins das Leben nahm. Das Urteil des Gerichtes hat in der Praxis bis- her nichts bewirkt: Schwerstkranke in Deutschland haben weiterhin keine Möglichkeit, an tödlich wir- kende Medikamente zu kommen. Laut dem «Evangelischen Presse- dienst» wurden bisher 123 Anträge bei dem Institut gestellt und 93 ab- gelehnt. Es gab keinen einzigen po- sitiven Bescheid. (...) Das Gesund- heitsministerium weigert sich, den Gerichtsbeschluss umzusetzen. Der Berliner «Tagesspiegel» hat- te aus einem Vermerk von letztem Juni zitiert. Laut diesem hat Mi- nister Jens Spahn vorgegeben, die Anträge «im Ergebnis zu versa- gen». Das Institut für Arzneimittel wird in einem Brief gebeten, die Anträge pauschal abschlägig zu be- antworten. Man habe eine andere Rechtsauffassung als das Bundes- verwaltungsgericht, sagte Spahn im September der «FAZ». Es könne nicht die Aufgabe des Staates sein, Selbsttötungshandlungen aktiv zu unterstützen. (...) Die Lage ist verzwickt, doch hat sich die Regierung dies weitgehend selbst zuzuschreiben. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts steht nämlich in Kontrast zum Gesetz über die Sterbehilfe, das der deut- sche Bundestag 2015 erlassen hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt war Bei- hilfe zum Suizid in Deutschland straflos. Doch die Parlamentarier wollten Sterbehilfeorganisationen, wie es sie in der Schweiz gibt, einen Riegel schieben. Mit dem Artikel 217 im Strafgesetzbuch wurde die geschäftsmässige Sterbehilfe unter Strafe gestellt. (...) Das Bundesverwaltungsgericht hat das Institut für Arzneimit- tel und Medizinprodukte in eine schwie rige Situation manövriert. Es sollte nicht die Aufgabe des Staa- tes sein, darüber zu befinden, wer schwerstkrank ist und somit An- recht auf eine todbringende Dosie- rung eines Betäubungsmittels hat. Auch die staatliche Abklärung, ob eine Entscheidung auf freiem Willen basiert, wie es das Gericht verlangt, ist problematisch. In der Schweiz braucht es ein Diagnoseschreiben und die Bestä- tigung der Urteilsfähigkeit durch einen Arzt, damit EXIT und andere Organisationen die Sterbebeglei- tung aufnehmen können. Die Ster- bebegleiter klären dann die persön- liche Situation und Alternativen ab und eruieren, wie konsistent der Todeswunsch ist, bevor ein Arzt ein Sterbemittel verschreibt. Diese Unterstützung ist in Deutschland jedoch verboten. Vor dem deutschen Verfassungs- gericht sind derzeit mehrere Klagen gegen die Neuregelung aus dem Jahr 2015 hängig. Die Hoffnung der Regierung dürfte insgeheim sein, dass das Gericht das Parlament auffordert, den Gesetzesartikel zu überarbeiten. Für Betroffene ist das ein schwa- cher Trost. Sie werden mit ihrer Verzweiflung und ihrem Leiden alleine gelassen. Es ist gewiss rich- tig, die Palliativmedizin stärker zu fördern, wie es das Gesetz von 2015 ebenfalls vorsieht. Und nach den Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg mit den «Euthanasie»-Programmen der Nationalsozialisten ist es auch nachvollziehbar, dass Deutschland bei diesem Thema besonders sen- sibel reagiert. Doch niemand will, dass der Staat Menschen beim Ster- ben hilft, sondern nur, dass er ih- nen keine unnötig hohen Hürden in den Weg stellt, wenn sie sich selbst- bestimmt und in Würde verabschie- den wollen. Doch vorderhand bleibt es dabei, dass Deutschland dieses Problem in seine Nachbarländer und damit auch in die Schweiz aus- lagert. 20.02.19 42 EXIT-INFO 2.2019
BÜCHER Sue Black «Alles, was bleibt: Mein Leben mit dem Tod» Die Schottin Sue Black ist eine der führenden Pro- fessorinnen für forensische An- thropologie und Anatomie und als solche jeden Tag mit dem Tod konfrontiert. ihrer Im vorliegenden Buch schildert sie die Erfahrungen, die sie wäh- rend aussergewöhnlichen Karriere gemacht hat, wie sich die Forensik weiterentwickelt hat und welche Geheimnisse sie zu ent- hüllen vermag. Während ihren Einsätzen für die Vereinten Natio- nen und mit dem British Forensic Team ist sie den vielen Gesichtern des Todes begegnet: 1999 im Koso- vo, nach dem Bürgerkrieg in Sierra Leone und 2005 nach der Tsunami- Katastrophe in Thailand, wo sie die Identität der Verstorbenen ermitteln musste. Ihr spezieller Lebensweg zeigt eine tiefgründige Auseinanderset- zung mit den verschiedenen Spiel- arten des Todes. Nicht nur durch die vielen spektakulären Fälle, die ihr in ihrer beruflichen Laufbahn begegnet sind, sondern auch auf persönlicher Ebene, im Hinblick auf das Sterben ihrer Eltern und die eigene Sterblichkeit. Mit grossem Wissen und unsen- timentalem Humor führt Black an das Tabuthema Tod heran und fes- selt den Lesenden mit einer packen- den Mischung aus Wissenschaft MD und Memoiren. EXIT-Prädikat: faszinierend Sue Black «Alles, was bleibt: Mein Leben mit dem Tod» Verlag: DuMont, 2018 Gebundene Ausgabe: 350 Seiten CHF 37.90 | ISBN: 978-3-8321-9576-2 George Saunders «Lincoln im Bardo» Bardo bezeichnet im tibetanischen Buddhismus den Zustand zwischen Tod und Wieder- geburt. Dort sit- zen die übernatür- lichen Protagonis- ten dieses Buchs fest. Es sind Geister, die nicht mehr wahrgenommen werden von den Lebenden, aber ebenso wenig wei- terziehen können ins Totenreich. Eines Tages trifft der gerade ge- storbene 11-jährige Willie, Sohn von Präsident Abraham Lincoln im Bar- do ein. Er ist hier gestrandet, weil ihn die Liebe seines Vaters aufhält, der nachts auf den Friedhof kommt und den Leichnam seines Sohnes herzt. Das weckt die anderen Geister im Bardo auf und es entbrennt ein hef- tiger Streit um die Seele des Jungen. Im vielstimmigen Chor von Skla - ven, Sklavenmeistern, hingebungs- vollen Müttern, liebenden Vätern, Trunkenbolden, Verbrechern, Geist - lichen und zahlreichen mehr spie- gelt sich das Amerika zur Zeit des Sezessionskrieges. Neben den To- ten lässt der Autor geschickt Zeit- zeugen und Lincoln-Biographen zu Wort kommen und zitiert aus his- torischen Quellen wie Tagebüchern Robert Seethaler «Das Feld» Ein alter Mann ver- bringt seine Tage auf einer Bank im Friedhof der klei- nen Stadt, in der er lebt. Er ist über- zeugt davon, dort die Toten sprechen zu hören, von de- nen er die meisten gekannt hat. Was bleibt von den Verblichenen zurück? Woran wird man sich er- innern? Solchen Fragen geht der mehrfach ausgezeichnete Schrift- steller Robert Seethaler in «Das Feld» nach. Er skizziert anhand der Erzählungen der Verstorbenen auf das Wesentliche reduzierte Episo- den aus gelebten und miteinander verflochtenen Leben. Die Ältesten erinnern sich noch an den zweiten Weltkrieg und an Fluchterlebnis- se, der arabische Gemüsehändler berichtet von fremdenfeindlichen Parolen an seiner Ladenfront, eine Frau erzählt, wie sie kurz vor dem Tod ihre beste Freundin kennenge- lernt hat, nur 67 Tage waren ihnen EXIT-INFO 2.2019 und Briefen. Saunders entwirft Bil- der von Existenzen voller Hoffnun- gen und Widersprüchen, die einem unwiderstehlich in ihren Bann zie- hen. Eigentlich für seine satirischen Kurzgeschichten bekannt, hat er mit diesem ungewöhnlichen An- satz und seinem ersten Roman den namhaften Man Booker Preis ge- wonnen. Es ist ihm ein vielschichti- ges und unvergessliches Werk über familiäre Liebe, Loslassen, Verlust und die Bedingungen des Mensch- MD seins an sich gelungen. EXIT-Prädikat: einzigartig George Saunders «Lincoln im Bardo» Verlag: Luchterhand, 2018 Gebundene Ausgabe: 448 Seiten ¤ 25 | ISBN: 978-3630875521 vergönnt. Es sind beiläufige, rüh- rende, aufwühlende und selt same Geschichten, so vielfältig wie es auch die Menschen sind, die in die- ser Stadt gelebt haben. Sie erzählen von dem, was am Ende zählt, von den raren Momenten, in denen sie glücklich waren, vom Altwerden und vom Sterben, das angeblich gar nicht so schrecklich ist, wie die Lebenden es sich vorstellen. MD EXIT-Prädikat: feinsinnig Robert Seethaler «Das Feld» Verlag: Hanser Berlin, 2018 Gebundene Ausgabe: 240 Seiten ¤ 22 | ISBN: 978-3446260382 43
Interview: «Sterben ist nicht nur schrecklich» Legalinspektion: Muss EXIT mitbezahlen? MITGLIEDER-FORUM SEL B ST BEST I M MUNG IM L EBEN UND IM ST ER BEN I N FO 4 . 1 8 Schicksal: Hell und etwas naiv sterben Medizin-Akademie: Präsident für Slow Medicine Neue Richtlinien: Ausgewogen und vernünftig Hans Küng: Ewig jung bleiben? Ethikerin fragt: «Will ich 100 werden?» Schicksal: Den Traum loslassen Paarbegleitung: Gemeinsam gehen Seiten 4–5 Seiten 6–9 Seiten 10–11 Seiten 12–13 Seiten 14–17 Seite 4 Seiten 5–7 Seiten 8–10 Zur Richtigstellung der Arbeits- kommission Altersfreitod («Info» 4.18): Die Arbeitsgruppe schreibt in ih- rer Richtigstellung: «Der Ausdruck «gesunde Alte» sollte dagegen im Zusammenhang mit der Diskussion um den Altersfreitod aus dem Voka- bular verschwinden». So, warum? Was heisst schon «Alte»: die über 70-Jährigen, die über 80-Jährigen oder erst die über 90-Jährigen? Ich kenne genügend gesunde alte Men- schen bis hin zu 90-Jährigen. Die erwähnte Aussage und die damit verbundene Haltung ist für mich – auch als überzeugtes Mitglied von EXIT – unverständlich und nicht akzeptabel. Eine Richtigstellung, die mehr irritiert als klärt. Werner Bühlmann, Thun Antwort auf den Leserbrief von Hans Wehrli («Info» 1.19): (…) Ich störe mich an seiner Pau- schalisierung. Für Herrn Wehrli ist jeder selbst schuld, wenn er krank wird. Nur mehr bewegen, weniger essen und all den restlichen Stuss, dann sind wir gesund. Seine Äusse- rungen haben mich zutiefst verletzt. Ich habe eine Autoimmunkrankheit und noch ein paar «Dinge zur Gar- nitur obendrauf». Ich würde mich gerne bewegen, hab es auch getan, klettern in Fels und Eis, Bergtour- en usw. Plötzlich war fertig damit. Ich belaste das Gesundheitswesen, sprich Krankenkassen, wohl mehr als all diejenigen mit ihren Weh- wehchen, wie sie Herr Wehrli be- nennt. Es fällt Herrn Wehrli nicht 44 SEL B ST BEST I M MUNG IM L EBEN UND IM ST ER BEN I N FO 1 . 1 9 schwer, uns alle in den gleichen Topf zu werfen. Es ist ihm wohl nicht bewusst, wie sehr er kranke Leute pauschal ab- wertet. Daran hab ich mich im Laufe der Jahre schon sehr gewöhnt und gelernt mit sol- chen Abwertungen fertig zu werden. Unsere Gesellschaft ist leider weitgehend vom Denken geprägt: man muss nur wollen … letzten FMH-Nein: Bei Suizidhilfe ändert sich nichts Seiten 14–16 Seiten 18–19 Den «Kampf gegen die Kosten- explosion im Gesundheitswesen» als Heuchelei zu bezeichnen, da gehe ich mit ihm einig. Aber ich interpretiere diese Heuchelei ganz anders. Nicht mit der nichtwahr- genommenen Eigenverantwortung sondern damit, dass unsere diesbe- züglichen Entscheidungsträger in unserem Land nach wie vor nicht in der Lage sind oder besser nicht wollen, in wichtigen Bereichen end- lich Abhilfe zu schaffen. Dauernd wird vorgerechnet, wieviele zig Millionen in der Schweiz Medika- mente mehr kosten als im Ausland, wohlverstanden Medikamente, die in der Schweiz hergestellt werden. Wenn wir sie im Ausland billiger beziehen, bezahlt sie die Kranken- kasse nicht. Das allein ist Heuchelei im Grossformat. (…) Anita Mannhart, St. Gallen Den Körper verlassen: Es ist Zeit. Du musst bald deinen Körper verlassen. Er ist schon ganz schwach und verbraucht. Er ist zu müde, um sich zu erneuern. So en- det alles. Jedes Wesen ist irgend- wann aufgebraucht. Dann wird es schwächer und welkt dahin, wie die Blume, die am Ende ihre Hülle aufgeben muss. So verlässt auch der Mensch seinen schönen Körper, der treu gedient hat und den er lieb gewon- nen hat. Manche Körper sterben am Alter, andere werden von fremdem Gewebe aufgefressen, bei wieder anderen werden seine Funktionen durch Infektionen zerstört. Und manche Unglückliche müssen von einem Moment auf den anderen ausziehen, weil sie einem Unfall oder einer Tötung zum Opfer gefal- len sind. Egal wie und wann, jetzt ist es für dich an der Zeit, deinen Kör- per zu verlassen. Die Trennung schmerzt, muss aber sein. Lass los. Übe dich täglich im Los- lassen. Lockere deine Seele. Sage ihr, dass sie bald frei sein wird. Aber wenn du deinen Körper verlassen haben wirst, was dann? Niemand weiss es. Die Physiker sagen heute, dass der Grund allen Seins Geist ist. Das Immaterielle im Menschen und im Universum kann nicht vergehen. Alles weitere ist Spekulation. Das grösste Abenteuer kommt zuletzt. Sei mutig, spring. Denn es ist an der Zeit. Bald wirst du deinen Körper verlassen. Dagmar Falarzik Zum Beitrag «EXIT als Glück für Einsame?» in der Coopzeitung (25.02.19): Welches Interesse hat die Coopzei- tung daran, einen Artikel der Auto- rin oder des Autors EN zu publizie- ren, in dem falsche Informationen über EXIT verbreitet werden? Und daran, Befürworter von EXIT der Verbreitung «unreflektierter Plädo- yers» zu kritisieren? Niemand «lässt sich mit Hilfe von EXIT töten». EXIT unterstützt Men- schen dabei, ihrem Leben selbstbe- stimmt ein Ende zu setzen. Das war bestimmt auch die bewusste Ab- sicht der 82-jährigen Margrit Schäp- pi, denn andernfalls hätte EXIT sie nicht dabei unterstützt. (...) Bisher verstand ich die Coopzei- tung als PR-Organ in eigener Sache; dabei soll sie bitte bleiben. Lukas Huggenberg, Oberhofen Bitte die Leserbriefe an EXIT Deutsche Schweiz, Mittelstr. 56, 3012 Bern oder an info@exit.ch senden. Sämtliche Zuschrif- ten werden mit vollem Namen und Ort veröffentlicht, sofern nicht ausdrücklich um Anonymisierung gebeten wird. EXIT-INFO 2.2019
EXIT-INFO 2.2019 45
PORTRÄT «Ich bin EXIT-Mitglied, weil …» Ruth Elisabeth Ritzmann, 93, litt nach einem langen erfüllten Leben unter zunehmendem Sehverlust und anderen Gebrechen. Deshalb nahm sie im Juni 2018 eine Begleitung beim Freitod in Anspruch. Vorher erzählte sie, wie sie zu dieser Entscheidung kam und weshalb sie Mitglied bei EXIT war. mich nach einem Sturz mit Schen- kelhalsbruch sieben Jahre lang eine falsch eingesetzte Schraube und mit 54 Jahren musste ich mich früh- pensionieren lassen wegen Herzin- suffizienz und schwerer Angina pectoris. Dennoch hatte ich ein erfülltes Berufsleben und konnte viel Schö- nes eigenständig verwirklichen. Ich habe verschiedene, auch eigene, Restaurants und ein Hotel geführt. Wenn es privat oder beruflich nicht mehr weiterging, habe ich die nöti- gen Veränderungen in meinem Le- ben jeweils selber angepackt. Nun werde ich mich auch selber um mein Lebensende kümmern, denn vom ‹geflickt werden› habe ich in meinem Alter genug. Mein zunehmender Sehverlust schränkt mich kontinuierlich ein. Lange habe ich dagegen ange- kämpft, war beim Augenarzt, bin Mitglied bei der Zürcher Sehhilfe geworden und habe mir verschie- dene Hilfsmittel gekauft, wie zum Beispiel eine starke Lupe mit Licht. Aber mittlerweile kann ich halt auch damit nichts mehr erkennen. Es ist etwa so, wie wenn ich durch viele Laubblätter hindurchschauen würde. Eine grosse Runde mit lieben Bekannten zu bewirten, schaffe ich nicht mehr. Das fehlt mir, da mir Gastfreundschaft seit eh und je enorm wichtig ist. Auch lesen, fern- sehschauen oder nähen, was ich früher alles gerne gemacht habe, ist nicht mehr möglich. Zudem habe ich Angst, nach draussen zu gehen, weil ich mich sehr unsicher fühle. Es braucht einen kleinen Absatz und schon liege ich am Boden. So- bald ich ganz blind bin, müsste ich in ein Pflegeheim und das kommt für mich nicht in Frage. Ich möchte niemandem zur Last fallen. Meine Mutter musste in ihren letzten Jahren von Heim zu Heim. Sie wurde mit starken Medikamen- ten ruhiggestellt und konnte den- noch nicht sterben. So möchte ich nicht enden, darum bin ich seit fünf Jahren Mitglied bei EXIT. Die Vor- behalte gegenüber dieser Organisa- tion habe ich nie verstanden. Einige meiner Verwandten sind katholisch und total gegen EXIT. Sie können meine Haltung überhaupt nicht nachvollziehen. Ich habe ihnen ge- sagt: ‹Der Herrgott ist mir leider nie begegnet. Jeden Abend bete ich zu ihm und bitte ihn darum, dass ich am Morgen nicht mehr erwachen muss. Aber alles Beten nützt nichts, er hört mich offensichtlich nicht, da muss ich doch die Sache selber in die Hand nehmen.› Am 7. Juni 2018 ist nun der Ter- min für meine Freitodbegleitung mit EXIT festgelegt. Meine Woh- nung ist gekündigt, meine Bekann- ten und Verwandten informiert. Ich mache da gar kein Geheimnis draus. Angst habe ich keine, es ist so gut für mich. Die Menschen, die ich um mich habe, haben mich gern und können auch meinen Ent - scheid akzeptieren, sie verstehen: Für mich ist dieser Tag eine Erlö- sung.» Aufgezeichnet von MD Soll auch Ihr Porträt hier stehen? Melden Sie sich bei info@exit.ch EXIT-INFO 2.2019 In meinem langen Leben bin ich dem Tod schon mehrmals nahe ge- kommen. Das erste Mal war ich 15 Jahre alt und stand kurz vor meiner Konfir- mation. Nach einer Mandelopera- tion bekam ich eine schwere Venen- entzündung und Thrombosen in beiden Beinen. Meine Eltern stellten mein Bett in die Stube, damit meine Mutter mich auch am Tag im Auge behalten konnte. In der Nacht muss- te ständig eine Gemeindeschwester neben meinem Bett wachen und meine Beine festhalten, damit ich mich nicht bewegen konnte. Als es mir eines Morgens stets schlechter ging, rief meine Mutter den Arzt. Dieser meinte, dass er nichts mehr für mich tun könne, ich würde im Sterben liegen. Mein Vater kehrte unverzüglich vom Geschäft nach Hause zurück und der Pfarrer er- schien, um neben meinem Bett zu beten. Den anderen Konfirmanden teilte er wenig später mit, dass Ruth Ritzmann leider nicht mehr mit ihnen konfirmiert werden könne. Aber ich erholte mich zur allge- meinen Überraschung wieder und bin, mittlerweile 93-jährig, immer noch da. Gesundheitliche Probleme haben mich weiterhin regelmässig beglei- tet, so hatte ich in meinem Leben über zwanzig Operationen mit Voll- narkose. Unter anderem wurde mir der halbe Magen entfernt, plagte 46
Adressen Mitglieder mögen sich mit sämtlichen Anliegen zuerst an die Geschäftsstelle wenden: EXIT Postfach 8032 Zürich Tel. 043 343 38 38 Fax 043 343 38 39 Montag–Freitag 9–12 Uhr | 14–16 Uhr Mittwoch info@exit.ch www.exit.ch 9–12 Uhr Besuche nur auf Anmeldung Geschäftsführung Bernhard Sutter bernhard.sutter@exit.ch Leitung Freitodbegleitung Ornella Ferro ornella.ferro@exit.ch Stv. Leiter Freitodbegleitung Paul-David Borter paul.borter@exit.ch Büro Bern EXIT Mittelstrasse 56, 3012 Bern Tel. 043 343 38 38 bern@exit.ch Besuche nur auf Anmeldung Büro Basel EXIT Hauptstrasse 24, 4102 Binningen Tel. 061 421 71 21 Montag 9–16 Uhr basel@exit.ch Besuche nur auf Anmeldung Büro Tessin Ernesto Streit Via Sottomontagna 20b, 6512 Giubiasco Tel. 091 930 02 22 ticino@exit.ch Si riceve solo su appuntamento Vorstand Präsidentin Saskia Frei Advokatur Basel Mitte Gerbergasse 13 4001 Basel Tel. 061 260 93 93 Fax 061 260 93 99 saskia.frei@exit.ch EXIT-INFO 2.2019 Kommunikation Jürg Wiler Sonnhaldenstrasse 28 8610 Uster Tel. 079 310 66 25 juerg.wiler@exit.ch Finanzen Jean-Claude Düby Flugbrunnenstrasse 17 3065 Bolligen jean-claude.dueby@exit.ch Rechtsfragen Ilona Bethlen Hadlaubstrasse 110 8006 Zürich Tel. 078 649 33 80 ilona.bethlen@exit.ch Freitodbegleitung Marion Schafroth Widmannstrasse 13 4410 Liestal marion.schafroth@exit.ch Anfragen von Mitgliedern betref- fend Freitodbegleitung sind ausschliesslich an die Geschäfts- stelle zu richten (Tel. 043 343 38 38). Melden Sie sich unbedingt früh- zeitig, falls Sie sich bei schwerer Krankheit die Option einer Freitod- begleitung eröffnen möchten, denn oftmals bedeutet dies eine mehr- wöchige Vorbereitung. PA L L I AC U R A palliacura – eine Stiftung von EXIT info@palliacura.ch Kommissionen Patronatskomitee Sibylle Berg, Susan Biland, Thomas Biland, Sabine Boss, Sky du Mont, Anita Fetz, Toni Frisch, Christian Jott Jenny, Werner Kieser, Marianne Kleiner, Rolf Lyssy, Susanna Peter, Rosmarie Quadranti- Stahel, Dori Schaer-Born, Katharina Spillmann, Kurt R. Spillmann, Hugo Stamm, Jacob Stickelberger, Beatrice Tschanz und Jo Vonlanthen Ethikkommission Peter Schaber (Präsident) Paul-David Borter Georg Bosshard Marion Schafroth Jean-Daniel Strub EXIT-INTERN Geschäftsprüfungskommission Elisabeth Zillig (Präsidentin) Patrick Middendorf Richard Wyrsch Redaktionskommission Jürg Wiler (Leitung) Claudia Borter Muriel Düby Rolf Kaufmann Marion Schafroth Impressum INFO Auflage: 103 800 Exemplare Erscheint vier Mal pro Jahr Herausgeberin EXIT Postfach 8032 Zürich Verantwortlich Muriel Düby, Marion Schafroth, Jürg Wiler Mitarbeitende dieser Ausgabe Ilona Bethlen Jean-Claude Düby Muriel Düby Saskia Frei Peter Kaufmann Melanie Kuhn Werner Kriesi Marion Schafroth Ernesto Streit Bernhard Sutter Jürg Wiler Korrektorat Jean-Claude Düby Fotos Bildthema Hilde Eberhard, textbildwerkstatt.ch Gestaltung Atelier Bläuer Typografie und Gestaltung Zinggstrasse 16 3007 Bern Tel. 031 302 29 00 Druckerei DMG Untermüli 11 6300 Zug Tel. 041 761 13 21 info@dmg.ch 47