Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=EU:C:2014:2319
Timestamp: 2019-05-22 00:03:37
Document Index: 103473614

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 31', 'Art. 1', 'Art. 22', 'Art. 34', 'EuG', 'Art. 1', 'EuG', 'EuG', 'Art. 1', 'EuG', 'EuG', 'Art. 1', 'Art. 1']

EuGH, 23.10.2014 - C-302/13 - dejure.org
https://dejure.org/2014,31018
EuGH, 23.10.2014 - C-302/13 (https://dejure.org/2014,31018)
EuGH, Entscheidung vom 23.10.2014 - C-302/13 (https://dejure.org/2014,31018)
EuGH, Entscheidung vom 23. Januar 2014 - C-302/13 (https://dejure.org/2014,31018)
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Vorlage zur Vorabentscheidung - Verordnung (EG) Nr. 44/2001 - Art. 31 - Antrag auf Anerkennung und Vollstreckung einer Entscheidung, mit der einstweilige und sichernde Maßnahmen angeordnet werden - Art. 1 Abs. 1 - Anwendungsbereich - Zivil- und Handelssachen - Begriff - Klage auf Ersatz des durch angebliche Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht der Europäischen Union entstandenen Schadens - Ermäßigung auf Flughafenentgelte - Art. 22 Nr. 2 - Ausschließliche Zuständigkeiten - Begriff - Gesellschaften und juristische Personen betreffender Rechtsstreit - Entscheidung über die Gewährung von Ermäßigungen - Art. 34 Nr. 1 - Gründe für die Versagung der Anerkennung - Ordre public des Staates, in dem die Anerkennung geltend gemacht wird
Gerichtliche Zuständigkeit für Schadensersatzklage aufgrund von Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht der Europäischen Union; Anerkennung und Vollstreckung einer Entscheidung über einstweilige Anordnungen; Vorabentscheidungsersuchen des lettischen Augstākās Tiesas Senāts in einem Rechtsstreit zwischen Fluggesellschaften um Schadensersatz wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung und wettbewerbswidriger Vereinbarungen
Gerichtliche Zuständigkeit für Schadensersatzklage aufgrund von Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht der Europäischen Union; Anerkennung und Vollstreckung einer Entscheidung über einstweilige Anordnungen; Vorabentscheidungsersuchen des lettischen Augstakas Tiesas Senats in einem Rechtsstreit zwischen Fluggesellschaften um Schadensersatz wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung und wettbewerbswidriger Vereinbarungen
FlyLAL-Lithuanian Airlines/Starptautiska lidosta Riga u. a.
Kartellschadensersatzklagen: Anwendbarkeit der EuGVVO bestätigt
Vorabentscheidungsersuchen - Augstakas tiesas Senats - Auslegung der Art. 1, 22 Abs. 2, 34 Abs. 1 und 35 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 44/2001 des Rates vom 22. Dezember 2000 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (ABl. L 12, S. 1) - Anwendungsbereich der Verordnung - Anerkennung einstweiliger Maßnahmen einschließlich solcher, die auf eine Sicherung gerichtet sind - Begriff des Ordre public - Klage auf Ersatz des Schadens, der mit der verbotenen Vereinbarung und dem Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung, die auf die Anwendung von Rechtsvorschriften gestützt sind, in Zusammenhang steht - Acta iure imperii - Möglichkeit, diese Vereinbarungen als Beschlüsse von Gesellschaftsorganen zu qualifizieren - Verpflichtung für das Vollstreckungsgericht, von Amts wegen die Voraussetzungen der ausschließlichen Zuständigkeit zu prüfen - Unsicherheit in Bezug auf die Wiedererlangung des durch die auf Sicherung gerichteten Maßnahmen entstandenen Schadens im Fall der Klageabweisung in der Sache - Auswirkung auf die wirtschaftlichen Interessen und Bedrohung für die Sicherheit des Anerkennungsstaats
GRUR Int. 2014, 1172
EuZW 2015, 76
Er ist deshalb als autonomer Begriff anzusehen, bei dessen Auslegung die Zielsetzungen und die Systematik dieser Verordnung sowie die allgemeinen Rechtsgrundsätze, die sich aus der Gesamtheit der nationalen Rechtsordnungen ergeben, berücksichtigt werden müssen (EuGH, Urteil vom 23. Oktober 2014 - C-302/13, flyLAL-Lithuanian Airlines, Rn. 24 mwN).
Die vom Anwendungsbereich ausgeschlossenen Bereiche stellen Ausnahmen dar, die wie jede Ausnahme eng auszulegen sind (EuGH, Urteil vom 23. Oktober 2014 - C-302/13, flyLAL-Lithuanian Airlines, Rn. 27 mwN).
Nimmt eine der Parteien des Rechtsstreits Hoheitsrechte wahr, schließt das allerdings einen Rechtsstreit im Sinne von Art. 1 Abs. 1 EuGVVO a.F. aus, da diese Partei Befugnisse ausübt, die von den im Verhältnis zwischen Privatpersonen geltenden allgemeinen Regeln abweichen (EuGH, Urteil vom 23. Oktober 2014 - C-302/13, flyLAL-Lithuanian Airlines, Rn. 31).
Ferner hat der Gerichtshof entschieden, dass der nach Art. 1 der Verordnung (EG) Nr. 44/2001 des Rates vom 22. Dezember 2000 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (…ABl. 2001, L 12, S. 1) zur Bestimmung ihres Anwendungsbereichs dienende, aber weder inhaltlich noch in seiner Tragweite definierte Begriff "Zivil- und Handelssachen" als autonomer Begriff anzusehen ist, bei dessen Auslegung die Zielsetzungen und die Systematik dieser Verordnung sowie die allgemeinen Rechtsgrundsätze, die sich aus der Gesamtheit der nationalen Rechtsordnungen ergeben, berücksichtigt werden müssen (Urteil flyLAL-Lithuanian Airlines, C-302/13, EU:C:2014:2319, Rn. 24).
Ein solches Vertrauen erfordert u. a., dass die in einem Mitgliedstaat ergangenen gerichtlichen Entscheidungen von Rechts wegen in einem anderen Mitgliedstaat anerkannt werden (vgl. Urteil flyLAL-Lithuanian Airlines, C-302/13, EU:C:2014:2319, Rn. 45).
Es ist demnach zwar nicht Sache des Gerichtshofs, den Inhalt der öffentlichen Ordnung eines Mitgliedstaats festzulegen, doch hat er über die Grenzen zu wachen, innerhalb deren sich das Gericht eines Mitgliedstaats auf diesen Begriff stützen darf, um einer in einem anderen Mitgliedstaat ergangenen Entscheidung die Anerkennung zu versagen (vgl. Urteil flyLAL-Lithuanian Airlines, C-302/13, EU:C:2014:2319, Rn. 47 und die dort angeführte Rechtsprechung).
Ebenso wenig darf das Gericht des Vollstreckungsstaats nachprüfen, ob das Gericht des Ursprungsstaats den Fall rechtlich und tatsächlich fehlerfrei gewürdigt hat (vgl. Urteil flyLAL-Lithuanian Airlines, C-302/13, EU:C:2014:2319, Rn. 48 und die dort angeführte Rechtsprechung).
Damit das Verbot, die in einem anderen Mitgliedstaat ergangene Entscheidung in der Sache nachzuprüfen, gewahrt bleibt, muss es sich bei diesem Verstoß um eine offensichtliche Verletzung einer in der Rechtsordnung des Vollstreckungsstaats als wesentlich geltenden Rechtsnorm oder eines dort als grundlegend anerkannten Rechts handeln (vgl. Urteil flyLAL-Lithuanian Airlines, C-302/13, EU:C:2014:2319, Rn. 49 und die dort angeführte Rechtsprechung).
31 - Im Urteil flyLAL-Lithuanian Airlines (EU:C:2014:2319, Rn. 28) heißt es: "Gegenstand der [im Ausgangsrechtsstreit] erhobenen Klage ist der Ersatz des Schadens, der mit einer angeblichen Zuwiderhandlung gegen das Wettbewerbsrecht in Verbindung steht.
46 - Vgl. Urteil flyLAL-Lithuanian Airlines (ECLI:EU:C:2014:2319, Rn. 28).
Zu der im Rahmen der öffentlichen Ordnung durchzuführenden Kontrolle, ob die elementaren Grundsätze des fairen Verfahrens gewahrt worden sind, vgl. Urteil flyLAL-Lithuanian Airlines (EU:C:2014:2319, Rn. 46 bis 54).
Schließlich gilt, da die Brüssel-I-Verordnung in den Beziehungen der Mitgliedstaaten an die Stelle des Übereinkommens vom 27. September 1968 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (…ABl. 1972, L 299, S. 32) in der Fassung der aufeinanderfolgenden Übereinkommen über den Beitritt neuer Mitgliedstaaten zu diesem Übereinkommen (im Folgenden: Brüsseler Übereinkommen) getreten ist, die Auslegung der Bestimmungen dieses Übereinkommens durch den Gerichtshof auch für die Bestimmungen der Verordnung, soweit die Bestimmungen dieser Rechtsakte als gleichbedeutend angesehen werden können (Urteil vom 23. Oktober 2014, flyLAL-Lithuanian Airlines, C-302/13, EU:C:2014:2319, Rn. 25 und die dort angeführte Rechtsprechung).
13 - Urteile Krombach (…C-7/98, EU:C:2000:164, Rn. 22 und 23), Renault (…C-38/98, EU:C:2000:225, Rn. 27 und 28), Apostolides (…EU:C:2009:271, Rn. 56 und 57) und flyLAL-Lithuanian Airlines (C-302/13, EU:C:2014:2319, Rn. 47).
16 - Urteile Prism Investments (…C-139/10, EU:C:2011:653, Rn. 27 und 28) sowie flyLAL-Lithuanian Airlines (EU:C:2014:2319, Rn. 45).
21 - Urteile Apostolides (…EU:C:2009:271, Rn. 55 und die dort angeführte Rechtsprechung), Prism Investments (…EU:C:2011:653, Rn. 33) und flyLAL-Lithuanian Airlines (EU:C:2014:2319, Rn. 46).
29 - Vgl. Urteile Krombach (…EU:C:2000:164, Rn. 36), Renault (…EU:C:2000:225, Rn. 29), Apostolides (…EU:C:2009:271, Rn. 58) und flyLAL-Lithuanian Airlines (EU:C:2014:2319, Rn. 48).
30 - Urteile Renault (…EU:C:2000:225, Rn. 30), Gambazzi (…EU:C:2009:219, Rn. 27), Apostolides (…EU:C:2009:271, Rn. 59) und flyLAL-Lithuanian Airlines (EU:C:2014:2319, Rn. 49).
24 - Vgl. Urteile Krombach (…C-7/98, EU:C:2000:164, Rn. 23), Renault (…C-38/98, EU:C:2000:225, Rn. 28), Apostolides (…C-420/07, EU:C:2009:271, Rn. 57), Trade Agency (…C-619/10, EU:C:2012:531, Rn. 49) und flyLAL-Lithuanian Airlines (C-302/13, EU:C:2014:2319, Rn. 47).
25 - Vgl. Urteile Krombach (…C-7/98, EU:C:2000:164, Rn. 36), Renault (…C-38/98, EU:C:2000:225, Rn. 29), Apostolides (…C-420/07, EU:C:2009:271, Rn. 58), Trade Agency (…C-619/10, EU:C:2012:531, Rn. 50) und flyLAL-Lithuanian Airlines (C-302/13, EU:C:2014:2319, Rn. 48).
26 - Vgl. Urteile Krombach (…C-7/98, EU:C:2000:164, Rn. 37), Renault (…C-38/98, EU:C:2000:225, Rn. 29), Gambazzi (…C-394/07, EU:C:2009:219, Rn. 27), Apostolides (…C-420/07, EU:C:2009:271, Rn. 59), Trade Agency (…C-619/10, EU:C:2012:531, Rn. 51) und flyLAL-Lithuanian Airlines (C-302/13, EU:C:2014:2319, Rn. 49).
Dieses Urteil war Gegenstand eines Antrags auf Anerkennung und Vollstreckung in Lettland vor dem Augstakas tiesas Senats (Senat des Obersten Gerichtshofs, Lettland), den dieses Gericht zum Anlass nahm, dem Gerichtshof die Vorabentscheidungsfrage vorzulegen, zu der das Urteil vom 23. Oktober 2014, flyLAL-Lithuanian Airlines (C-302/13, EU:C:2014:2319), ergangen ist.
Dieser weist darauf hin, dass nach dem Urteil vom 23. Oktober 2014, flyLAL-Lithuanian Airlines (C-302/13, EU:C:2014:2319), der Ausgangsrechtsstreit zivil- und handelsrechtlicher Art sei und in den Anwendungsbereich der Verordnung Nr. 44/2001 falle.
Die Wahrnehmung von Hoheitsrechten durch eine der Parteien des Rechtsstreits schließt einen solchen Rechtsstreit nämlich von den Zivil- und Handelssachen im Sinne von Art. 1 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1215/2012 aus, da diese Partei Befugnisse ausübt, die von den im Verhältnis zwischen Privatpersonen geltenden Regeln abweichen (vgl. entsprechend Urteil vom 23. Oktober 2014, flyLAL-Lithuanian Airlines, C-302/13, EU:C:2014:2319, Rn. 31).