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Timestamp: 2016-10-25 01:23:13
Document Index: 144645325

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 28', 'BGE', 'Art. 24', 'Art. 36', 'Art. 159', 'Art. 135', 'Art. 2', 'Art. 160', 'in fine']

Urteil vom 17. M�rz 2006
M.________, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Alex Beeler, Frankenstrasse 3, 6003 Luzern,
Der 1941 geborene M.________ arbeitete seit 16. August 1995 als Operateur in der Firma L.________ AG einem der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) unterstellten Betrieb. Am 14. Dezember 2001 verunfallte M.________ bei der Arbeit. Beim Bedienen der Pre-Pack-Anlage verdrehte es ihm den rechten Arm. Der Hausarzt Dr. med. F.________, Allgemeine Medizin FMH, verordnete Physiotherapie und Analgetika. Am 24. Januar 2002 nahm M.________ die Arbeit zu 50 % wieder auf. Ein Arbeitsversuch bei vollem Pensum am 28. Februar 2002 scheiterte. Im �rztlichen Zwischenbericht vom 2. M�rz 2002 stellte Dr. med. F.________ die Diagnose eines Status nach Aussenrotations-Hyperabduktionstrauma der Schulter rechts. Am 2. April 2002 wurde M.________ kreis�rztlich untersucht. Am 22. Mai 2002 nach Arthrographie vom Vortag wurde ein MRI und wegen der anhaltenden Schmerzen am 19. Juli 2002 ein Arthro-MRI des Schultergelenks rechts durchgef�hrt. Gest�tzt darauf stellte Dr. med. Z.________, Orthop�dische Chirurgie FMH, im Bericht vom 16. Oktober 2002 folgende Diagnosen: �St. n. Schulterdistorsion rechts vom 14.12.01. Inkompletter Riss Infraspinatussehne. Tendinopathie Supraspinatus mit Impingement-Symptomatik. Partialriss Subscapularissehne. Partieller Einriss vorderes Labrum. Beginnende Omarthrose. AC-Gelenksarthrose�. Am 20. November 2002 wurde M.________ von Kreisarzt-Stellvertreter Dr. med. H.________, FMH f�r orthop�dische Chirurgie, untersucht. Der Facharzt empfahl die Zuweisung leidensangepasster Arbeiten, und er schlug eine diagnostische Schulterarthroskopie, allenfalls mit subacromialer oder sogar offener Defil�e-Erweiterung und Manschettenrevision vor. In der Folge konnte sich M.________ nicht f�r einen operativen Eingriff entscheiden. Am 8. September 2003 wurde ein Arthro-MRT des Schultergelenks rechts durchgef�hrt. Gest�tzt darauf stellte Dr. med. Z.________ im Bericht vom 13. Oktober 2003 die Diagnose einer inkompletten Ruptur supraspinatus und infraspinatus Schulter rechts, Labruml�sion sowie beginnende Omarthrose. Im Rahmen der Abschlussuntersuchung vom 24. November 2003 umschrieb Kreisarzt Dr. med. D.________ die noch zumutbaren T�tigkeiten, und er nahm eine Beurteilung des Integrit�tsschadens (�Beginnende Omarthrose rechts mit Labruml�sion und nicht durchgehender Supra- und Infraspinatussehnenl�sion�) vor.
Mit Verf�gung vom 29. M�rz 2004 sprach die SUVA M.________ ab 1. Mai 2004 eine Rente von Fr. 540.- (Invalidit�tsgrad: 15 % ) sowie eine Integrit�tsentsch�digung von Fr. 10'680.- (Integrit�tseinbusse: 10 %) zu. Daran hielt sie nach Einholung der Stellungnahme des Dr. med. S.________, FMH f�r Chirurgie, von der Abteilung Versicherungsmedizin vom 25. August 2004 mit Einspracheentscheid vom 2. September 2004 fest.
M.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit dem Rechtsbegehren, der kantonale Gerichtsentscheid sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente bei einer Invalidit�t von mindestens 52 % sowie eine Integrit�tsentsch�digung bei einer Einbusse von mindestens 35 % auszurichten; eventualiter sei die Sache an die SUVA zwecks Einholung eines orthop�dischen Gutachtens bei einem Schulterspezialisten zur�ckzuweisen.
Kantonales Gericht und SUVA beantragen je die Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Die IV-Stelle Luzern hat M.________ mit Einspracheentscheid vom 24. Februar 2006 ab 1. Dezember 2002 bei einem Invalidit�tsgrad von 100 % eine ganze Rente zugesprochen.
Das kantonale Gericht hat die Leistungszusprechung der SUVA gem�ss Einspracheentscheid vom 2. September 2004 f�r die gesundheitlichen und erwerblichen Folgen des Unfalls vom 14. Dezember 2001 (Invalidenrente ab 1. Mai 2004 und Integrit�tsentsch�digung auf der Grundlage einer Erwerbsunf�higkeit von 15 % sowie einer Integrit�tseinbusse von 10 %) best�tigt. Zu der in diesem Verfahren haupts�chlich umstrittenen Arbeitsf�higkeit als einem wesentlichen Faktor f�r die Bestimmung des trotz der unfallbedingten Bewegungseinschr�nkung des Schultergelenks rechts zumutbarerweise noch erzielbaren Erwerbseinkommens im Besonderen hat die Vorinstanz erwogen, gem�ss Kreisarzt-Stellvertreter Dr. med. H.________ sei eine leichte Arbeit mit Gewichten bis 5 kg nicht �ber Brusth�he, welche m�glichst stammnahe vor sich sitzend/stehend oder sitzend kombiniert verrichtet werden k�nnte, ideal (Bericht vom 20. November 2002). Laut Kreisarzt Dr. med. D.________ seien leichte Arbeiten mit Armbewegungen bis Brusth�he ganzt�gig uneingeschr�nkt zumutbar. Eingeschr�nkt zumutbar seien das Heben und Tragen auf gelegentlich 5 kg mit der rechten Extremit�t bis Brusth�he. �ber-Kopf-Arbeiten seien zu unterlassen. Ebenso zu vermeiden seien Einfl�sse h�mmernder, schlagender oder vibrierender Art sowie werfende und ausladende Bewegungen mit dem rechten Arm (Bericht vom 24. November 2003). Auf die kreis�rztlichen Zumutbarkeitsbeurteilungen k�nne abgestellt werden. Sie stimmten inhaltlich gut �berein und seien nicht widerspr�chlich. Es d�rfe auch ber�cksichtigt werden, dass Dr. med. H.________ und Dr. med. D.________ �ber eine mehrj�hrige Erfahrung bei der Beurteilung von Unfallfolgen verf�gten und dass sie die Funktionalit�t der Schulter und der Arme untersucht h�tten. Die abweichende Einsch�tzung des Hausarztes Dr. med. F.________ verm�ge die Beweiskraft der Aussagen der Kreis�rzte nicht herabzusetzen.
In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird die Schl�ssigkeit der kreis�rztlichen Berichte vom 20. November 2002 und 24. November 2003 bestritten. Insbesondere stimmten die Beurteilungen der noch zumutbaren Arbeitsf�higkeit der Dres. med. D.________ und H.________ inhaltlich nicht �berein.
2.1 Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, gest�tzt auf Beweisgrundlagen zu urteilen, die im Wesentlichen oder ausschliesslich aus dem Verfahren vor dem am Recht stehenden Versicherungstr�ger stammen. In solchen F�llen sind an die Beweisw�rdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen in dem Sinne, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverl�ssigkeit und Schl�ssigkeit der �rztlichen Feststellungen erg�nzende Abkl�rungen vorzunehmen sind (BGE 122 V 162 Erw. 1d; RKUV 1999 Nr. U 332 S. 194 Erw. 2a/bb, 1997 Nr. U 281 S. 282 Erw. 1a; vgl. auch BGE 125 V 353 f. Erw. 3b/ee). Allerdings gen�gt die Tatsache allein, dass eine abweichende (selbst fach-)�rztliche Meinung besteht, nicht, um im dargelegten Sinne die Aussagekraft und damit den Beweiswert eines medizinischen Berichts in Frage zu stellen (Urteil X. vom 25. November 2002 [U 380/00] Erw. 3.2 mit Hinweis). So verh�lt es sich vorliegend in Bezug auf den haus�rztlichen Bericht vom 29. Mai 2004, wie das kantonale Gericht insoweit richtig festh�lt.
2.2.1 Die Kreis�rzte umschreiben die trotz der Unfallfolgen noch zumutbaren T�tigkeiten nicht wesentlich verschieden. Fallen im Besonderen nach Dr. med. H.________ lediglich �m�glichst stammnahe vor sich� zu verrichtende Arbeiten in Betracht, sind gem�ss Dr. med. D.________ werfende und ausladende Bewegungen mit dem rechten Arm zu vermeiden (Berichte vom 20. November 2002 und 24. November 2003). Darin kann keine erhebliche Diskrepanz in der Beurteilung des Ausmasses der Beweglichkeit nach vorn des Schultergelenks rechts erblickt werden. Entgegen der Auffassung des Beschwerdef�hrers bestehen somit nicht rechtsgen�gliche Zweifel an der Schl�ssigkeit der kreis�rztlichen Berichte vom 20. November 2002 und 24. November 2003, welche in Bezug auf Art und Umfang der unfallbedingt noch zumutbaren Arbeitsf�higkeit weitere Abkl�rungen erforderten.
2.2.2 Die Ermittlung des Invalidit�tsgrades von 15 % durch die Vorinstanz wird abgesehen von der H�he des Abzugs vom Tabellenlohn im Sinne von BGE 126 V 75 ausdr�cklich nicht beanstandet. Es besteht kein Anlass zu einer n�heren Pr�fung von Amtes wegen (BGE 110 V 53). Die Zusprechung einer ganzen Rente der Invalidenversicherung ab 1. Dezember 2002 gem�ss der nach Abschluss des Schriftenwechsels eingereichten Verf�gung der IV-Stelle Luzern vom 24. Februar 2006 ist im �brigen unbeachtlich. Der Invalidit�tsgrad von 100 % erfolgte ausdr�cklich im Hinblick auf das fortgeschrittene Alter des Versicherten (61 Jahre bei Leistungsbeginn). Demgegen�ber kommt hier Art. 28 Abs. 4 UVV zum Zuge. Danach sind f�r die Bestimmung des Invalidit�tsgrades die Erwerbseinkommen massgebend, die ein Versicherter im mittleren Alter bei einer entsprechenden Gesundheitssch�digung erzielen k�nnte, wenn er nach dem Unfall die Erwerbst�tigkeit altershalber nicht mehr aufnimmt oder wenn sich das vorger�ckte Alter erheblich als Ursache der Beeintr�chtigung der Erwerbsf�higkeit auswirkt. Nach der Rechtsprechung liegt das mittlere Alter bei etwa 42 Jahren oder zwischen 40 und 45 Jahren und das vorger�ckte Alter im Bereich von rund 60 Jahren bei Rentenbeginn (BGE 122 V 419 Erw. 1b und 427 oben).
Das kantonale Gericht hat den Abzug vom Tabellenlohn auf 15 % festgesetzt. Entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde lassen weder das Alter und der Ausl�nder-Status noch das Fehlen einer abgeschlossenen Ausbildung diese Bemessung als gesetzwidrig erscheinen.
2.3 Im Weitern stellen eine Omarthrose (glenohumeral) in m�ssiger Form und eine Schulterbeweglichkeit maximal bis 30� �ber der Horizontale je f�r sich genommen einen Integrit�tsschaden im Sinne von Art. 24 Abs. 1 UVG von 5 %-10 % und 10 % dar (vgl. SUVA-Tabellen 1 und 5 �Integrit�tsschaden bei Funktionsst�rungen obere Extremit�ten� sowie �Integrit�tsschaden bei Arthrosen�). Davon ausgehend bezifferte Dr. med. D.________ im vorliegenden Fall den Integrit�tsschaden unter Ber�cksichtigung einer teilweisen Verschlimmerung der Omarthrose sowie des Bewegungsumfangdefizites auf 10 %. Dies bedarf der n�heren Begr�ndung. Dazu gen�gt nicht, wenn Dr. med. S.________ in seiner Stellungnahme vom 25. August 2004 ausf�hrt, radiologische (Arthrose) und klinische Befunde d�rften nicht einfach addiert werden. Dies gilt umso mehr, als er im Unterschied zum Kreisarzt eine zuk�nftige Verschlimmerung, weil nicht zuverl�ssig voraussehbar, nicht ber�cksichtigte (vgl. Art. 36 Abs. 4 UVV). Es kommt dazu, dass in Bezug auf den Schweregrad der Omarthrose und auch hinsichtlich des Ausmasses der Bewegungseinschr�nkung des Schultergelenks rechts nach vorne Unklarheit besteht. Zeigte das Arthro-MRI vom 17. Juli 2002 lediglich eine leichte Omarthrose, ergab das Arthro-MRT vom 8. September 2003 als Befund eine Omarthrose. Eine Verschlechterung des Zustandes des Schultergelenks rechts im Zeitraum Juli 2002 bis September 2003 l�sst sich umso weniger ohne weiteres verneinen, als laut Dr. med. D.________ das Risiko f�r eine Verschlimmerung der Arthrose glenohumeral erh�ht ist. Damit kontrastiert, wenn der Kreisarzt die Diagnose einer beginnenden Omarthrose stellt (Bericht vom 24. November 2003). Unter diesen Umst�nden kann die Angemessenheit eines Integrit�tsschadens von 10 % nicht in zuverl�ssiger Weise beurteilt werden.
Die SUVA wird ein versicherungsexternes orthop�disches Gutachten einzuholen haben, welches zur Schwere des Integrit�tsschadens Stellung zu nehmen hat. Danach wird der Unfallversicherer �ber den Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung neu verf�gen.
Der Beschwerdef�hrer hat nach Massgabe seines Obsiegens Anspruch auf eine u.a. nach dem anwaltlichen Vertretungsaufwand bemessene Parteientsch�digung (Art. 159 OG in Verbindung mit Art. 135 OG, Art. 2 Abs. 1 des Tarifs �ber die Entsch�digungen an die Gegenpartei f�r das Verfahren vor dem Eidgen�ssischen Versicherungsgericht und Art. 160 OG).
In teilweiser Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde werden der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern vom 19. Juli 2005 und der Einspracheentscheid vom 2. September 2004, soweit sie die Integrit�tsentsch�digung betreffen, aufgehoben und die Sache wird an die SUVA zur�ckgewiesen, damit sie im Sinne von Erw�gung 2.2 in fine verfahre. Im �brigen wird die Verwaltungsgerichtsbeschwerde abgewiesen.
Die SUVA hat dem Beschwerdef�hrer f�r das Verfahren vor dem Eidgen�ssischen Versicherungsgericht eine Parteientsch�digung (einschliesslich Mehrwertsteuer) von Fr. 1000.- zu bezahlen.
Luzern, 17. M�rz 2006