Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW-RR%201993,%20678
Timestamp: 2019-06-19 18:13:06
Document Index: 197951590

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 276', '§ 89', '§ 89', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 276']

BGH, 10.02.1993 - VIII ZR 47/92 - dejure.org
https://dejure.org/1993,587
BGH, 10.02.1993 - VIII ZR 47/92 (https://dejure.org/1993,587)
BGH, Entscheidung vom 10.02.1993 - VIII ZR 47/92 (https://dejure.org/1993,587)
BGH, Entscheidung vom 10. Februar 1993 - VIII ZR 47/92 (https://dejure.org/1993,587)
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Handelsvertreter - Treuepflichtverletzung - Ausgleichsanspruch - Vertragshändler
BGB § 276; HGB § 89 a, § 89 b
NJW-RR 1993, 678
MDR 1993, 520
MDR 1993, 521
WM 1993, 1464
BB 1993, 2399
DB 1993, 1031
Dieser Grundsatz ist später präzisiert worden: Je mehr der Vertragshändler in die Vertriebsorganisation eingegliedert ist und den Hersteller durch Einsatz von Kapital und Personal zu unterstützen hat, desto mehr sind diesem Eigenvertriebsaktivitäten auf der Handelsstufe des Vertragshändlers nach der Natur des Vertrages verboten (Senatsurteil vom 10.2. 1993 a.a.O. unter B II 2 b).
Bei einer so weitgehenden Eingliederung in die Vertriebsorganisation der Beklagten und Abhängigkeit von den Weisungen und Entscheidungen der Beklagten darf diese ihren Vertragshändlern nicht zugleich auf deren eigener Handelsstufe unbeschränkt Konkurrenz machen (Senatsurteil vom 10.2. 1993 a.a.O.).
Von diesem rechtlichen Ausgangspunkt aus hat das Berufungsgericht unangegriffen - und auch zu Recht - den geltend gemachten Auskunftsanspruch hinsichtlich der von der Beklagten selbst abgeschlossenen Verträge bejaht, weil aufgrund eines unstreitigen Falles der begründete Verdacht bestehe, daß die Beklagte unter Verletzung der durch den Distributionsvertrag der Parteien begründeten Pflicht zur Wahrung der berechtigten Geschäftsinteressen der Klägerin (vgl. Senatsurteil vom 10. Februar 1993 - VIII ZR 47/92, WM 1993, 1464 unter B II 2) Direktbelieferungen von Schweizer Kunden vorgenommen und sie sich deswegen der Klägerin aus positiver Vertragsverletzung schadensersatzpflichtig gemacht habe.
Sie kann sich auch aus anderen, dem Vertragshändler auferlegten Pflichten ergeben (…BGH, Urteile vom 6. Oktober 1993 aaO. unter II 1 b aa, vom 10. Februar 1993 aaO. unter A II 2 b und vom 16. Januar 1986 - I ZR 223/83 = WM 1986, 530 unter II 1 b).
Auf Vertragshändlerverhältnisse hat der Senat diese Rechtsprechung übertragen (Urteile vom 29. April 1958 - VIII ZR 189/57 = NJW 1958, 1138 unter a, vom 19. Januar 1972 - VIII ZR 86/71 = WM 1972, 464 unter I 4 a) und ausgesprochen, daß der Hersteller den schutzwürdigen Belangen des Vertragshändlers angemessen Rechnung zu tragen hat und dessen Interessen nicht ohne begründeten Anlaß zuwiderhandeln darf (Urteil vom 21. Juni 1972 - VIII ZR 96/71 = WM 1972, 1092 unter II 2 b, BGHZ 93, 29, 39, Urteil vom 10. Februar 1993 - VIII ZR 47/92 = WM 1993, 1464 unter B II 2 a).
Richtig ist, daß es nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs unerheblich ist, welchen Zweck der Hersteller mit einer vertraglich begründeten Verpflichtung des Händlers zur Offenbarung seiner Kundendaten verfolgt (Senatsurteile vom 10. Februar 1993 - VIII ZR 47/92 = WM 1993, 1464 = NJW-RR 1993, 678 unter II 2 b …und vom 6. Oktober 1993 aaO unter II 1 b aa).
Maßgeblich für die Begründung der Analogie ist damit insgesamt, ob der Vertragshändler sich durch Übernahme entsprechender Verpflichtungen eines bedeutenden Teils seiner unternehmerischen Freiheit begeben hat (vgl. BGH, Urteil v. 10.02.1993, VIII ZR 47/92, NJW-RR 1993, 678).
Durch den Schadensersatz soll die Klägerin dagegen nur für die Nachteile entschädigt werden, die ihr durch den vertragswidrigen Direktvertrieb während der Vertragsdauer sowie durch die vorzeitige Vertragsaufhebung entstanden sind und die ihr bei vertragsgerechtem Verhalten der Beklagten sowie regulärer Vertragsbeendigung erspart geblieben wären (vgl. BGH, Urteil v. 10.02.1993, VIII ZR 47/92, zit. nach juris, Rn. 75).
Der Hersteller oder Lieferant ist dem Vertragshändler gegenüber, der nicht nur seine Tätigkeit, sondern auch seinen Geschäftsbetrieb und das investierte Kapital weitgehend den Interessen des Herstellers oder Lieferanten unterordnet, verpflichtet, den schutzwürdigen Belangen des Vertragshändlers angemessen Rechnung zu tragen und dessen Interessen nicht ohne begründeten Anlass zuwiderzuhandeln (BGH, Urteil v. 10.02.1993, VIII ZR 47/92, zit. nach juris, Rn. 67 mit weiteren Nachweisen; vgl. auch Senat, Urteil v. 14.09.2012, I-16 U 77/11, zit. nach juris zum Handelsvertreterverhältnis).
Dies entspricht der ständigen Rechtsprechung des früher für das Handelsvertreterrecht zuständigen I. Zivilsenats (zusammenfassend: Urteil vom 2. Juli 1987 - I ZR 188/85 = WM 1987, 1462 = ZIP 1987, 1383 mit Anm. Horn ZIP 1988, 137 = NJW 1988, 261), die der erkennende Senat fortgeführt hat (z.B. Urteil vom 10. Februar 1993 - VIII ZR 47/92 = WM 1993, 1464 = LM BGB § 276 Hb Nr. 66 = NJW-RR 1993, 1464).
Es kommt hierbei nicht darauf an, ob diese Verpflichtung erst bei Vertragsbeendigung oder schon während der Vertragszeit durch laufende Übermittlung der Kundendaten an den Hersteller zu erfüllen ist; entscheidend ist, daß der Hersteller dadurch tatsächlich in die Lage kommt, sich den Kundenstamm auch nach Beendigung des Vertragsverhältnisses weiter nutzbar zu machen (Senatsurteil vom 10. Februar 1993 aaO. unter II 2 b m.Nachw.).
- Dabei wird übersehen, daß es nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes nicht darauf ankommt, zu welchem Zweck die Verpflichtung zur Übermittlung der Kundendaten begründet worden ist, wenn nur der Hersteller sie tatsächlich auch nach Vertragsende nutzen kann (zuletzt: Senatsurteil vom 10. Februar 1993 aaO. unter II 2 b).