Source: https://www.anwalt.de/themenwelten/freizeit/urlaubsreise/pauschalreise-individualreise
Timestamp: 2019-01-24 02:43:58
Document Index: 86539801

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 651', '§ 631', '§ 535', 'BGH', 'BGH']

Pauschalreise vs. Individualreise | Das müssen Sie wissen – anwalt.de
Der Begriff „Pauschalreise“ dürfte den meisten bekannt sein. Doch was sind die Unterschiede zur Individualreise und wie wirken sich diese aus, wenn Mängel auftreten. Welche Vor- und Nachteile sollten Sie kennen?
Welche Reiseart ist besser, wenn mir Sicherheit und Komfort am wichtigsten sind?
Wenn es darum geht, komfortabel und sicher zu reisen, bietet eine Pauschalreise viele Vorteile. Pauschalurlauber müssen sich um nichts kümmern und sparen so Zeit, egal ob es um die Buchung oder die Organisation von Transfers geht. Neben der Bequemlichkeit spricht auch die Anwendung des Reisevertragsrechts, welches den Reisenden insbesondere bei unerwartet auftretenden Problemen schützt, für die Pauschalreise.
So sind Sie als Pauschaltourist im Falle der Insolvenz des Veranstalters durch einen Reisesicherungsschein geschützt und bekommen den Reisepreis erstattet. Dagegen ist als Individualtourist Ihr Geld im Normalfall weg, wenn beispielsweise die Fluggesellschaft zahlungsunfähig ist.
Bei einem Flugausfall ist bei Pauschalreisenden der Veranstalter der passende Ansprechpartner. Für Individualtouristen hingegen die Fluggesellschaft. Auch in Krisensituationen machen sich deutliche Unterschiede bemerkbar. Dort kümmert sich der Reiseveranstalter bei Pauschalreisenden um den schnellstmöglichen Rücktransport, während Individualreisende oft festsitzen und zusätzliche Kosten für Flug und Hotel haben. Bei Mängeln im Hotel können sich Pauschalreisende an den Reiseleiter wenden und die Reisemängel sofort anzeigen. Erfolgt keine Behebung und wird der Mangel korrekt schriftlich festgehalten, ist der Veranstalter zur Erstattung eines Teils des Reisepreises verpflichtet. Wer individuell reist, muss sich dagegen an den lokalen Hotelier wenden, was gerade bei Auslandsreisen zum Problem werden kann, hier sollten Sie rechtlichen Rat einholen und am besten einen Anwalt spezialisiert im Reiserecht hinzuziehen.
Wie verhält es sich mit beiden Reiseformen hinsichtlich der Flexibilität?
Obwohl Sie bei Pauschalreiseanbietern inzwischen ziemlich individuelle Reisen buchen können, haben Sie als Individualreisender weiterhin mehr Flexibilität. Dabei geht es nicht nur um den Reiseablauf, sondern auch um die Reiseplanung, also um die Freiheit, wirklich alles selbst heraussuchen zu können. Plattformen wie Tripadvisor oder Hotel- und Flugportale, welche die Möglichkeit zum direkten Buchen bieten, vermelden daher laufend steigende Nutzerzahler.
Etliche Individualtouristen buchen nur die benötigten Flüge sowie die erste Unterkunft und alles andere spontan am Zielort. Teilweise lassen sich Hotels oder Ferienwohnungen noch am Anreisetag kostenfrei stornieren, falls sich spontan die Reisepläne ändern. So schön ein fertiges Reiseprogramm eines Pauschalreiseanbieters manchmal auch sein mag, Sie sind dabei nicht wirklich flexibel.
Sind Pauschalreisen oder Individualreisen preiswerter?
Bei welcher Reiseform Sie mehr Geld sparen können, hängt von den individuellen Umständen ab. Bei einfachen Produkten wie Reisen, die aus Flug und Strandhotel bestehen, kommen Familien mit Kindern bei Pauschalreiseveranstaltern meist günstiger, da diese Anbieter nicht selten Kinderfestpreise sowie andere Rabatte im Angebot haben. Reisende ohne Kinder können jedoch oft richtig durch das Buchen einer Individualreise sparen.
Vor allem bei Fernreisen existiert ein großes Sparpotenzial, wenn Sie die Reise selbst planen und entsprechend zusammenstellen. Auch bei Rundreisen gibt es Einsparmöglichkeiten, wenn man individuell reist. Pauschalreisende erhalten beim Buchen einer solchen Reise häufig ein relativ teures Paket inklusive eigenem Reiseleiter sowie Bus. Darüber hinaus hat man bei einer Individualreise den Vorteil, den kompletten Urlaub selbst dem gewünschten Preisniveau anpassen zu können. So findet man je nach Wunsch beispielsweise äußerst günstige Mehrbettzimmer oder luxuriöse Bungalows.
Rechtsanwalt Alexander Jahn (ZENKE JAHN UND RUG Rechtsanwälte und Notar)
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Ausgewählte Rechtstipps zum Thema „Pauschalreise vs. Individualreise“
Die gängigsten Reisearten
Beim Pauschalurlaub wird vom gewählten Reiseveranstalter eine Bündelung von zwei oder mehr Hauptreiseleistungen wie Unterbringung, Transport oder Verpflegung durchgeführt. Dieses Arrangement wird dann zu einem Pauschalpreis, der dem Gesamtpreis entspricht und sämtliche anfallenden Kosten abdeckt, verkauft.
Eine solche Pauschalreise umfasst also mehrere, sich ergänzende Dienstleistungen, üblicherweise fremder Leistungsträger wie Fluggesellschaft, Hotel etc., auch Kreuzfahrten sind mitumfasst. Als Reisender müssen Sie sich hierbei weder um die Organisation noch um die Abwicklung kümmern und im Falle eines Reisemangels gilt das im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelte Reisevertragsrecht, das heißt, Ihr Anspruchsgegner ist immer der Reiseveranstalter.
​Als Gegenteil zur Pauschalreise ist die Individualreise bekannt. Als Individualreisender stellen Sie Ihre Reise nach Ihren Wünschen zusammen und führen diese auch mit eigenen Mitteln aus. Dabei schließen Sie mehrere einzelne Verträge mit den ausführenden Unterkünften und Reiseverkehrsunternehmen. Auch die Buchung eines Fluges direkt bei der Fluggesellschaft oder eine Bahnfahrt stellen somit rechtlich betrachtet Individualreisen dar. Treten Reisemängel auf, müssen Sie als Reisender Ihre Ansprüche unmittelbar gegen den jeweiligen Vertragspartner, wie z. B. den Betreiber des Hotels oder die Airline, durchsetzen.
„Last-Minute-Reise“
Mit einer „Last-Minute-Reise“ werden vom Reiseveranstalter besonders kurzfristige Reisen mit einem besonderen Preisvorteil angeboten. In der Regel handelt es sich um eine Zeitspanne von maximal 14 Tagen. Natürlich sollten Sie das besonders preisgünstige Angebot vergleichen, ob es auch tatsächlich günstiger ist. Wichtig zu wissen: Bei „Last-Minute-Reisen“ kommt der Vertrag bereits mit der Anmeldung und der mündlichen Zusage durch das Reisebüro zustande und nicht erst mit der Reisebestätigung. Die Rechte bei Mängeln der Reise sind die gleichen wie bei jeder anderen Pauschalreise.
„All-inclusive-Reise“
Als eine Art besondere Pauschalreise ist jedem die "All-inclusive-Reise" bekannt. Bei der „All-inclusive-Reise“ beinhaltet der Reisepreis neben Unterkunft und Beförderung in der Regel Vollpension, das meint nichtalkoholische Getränke und landesübliche Alkoholika sowie die kostenlose Benutzung aller beschriebenen Hoteleinrichtungen.
Auch wenn Sie in einer Ferienwohnung bzw. in einem Ferienhaus Urlaub machen, können Sie rechtlich wie ein Pauschalreisender behandelt werden, zumindest dann, wenn ein sogenannter Ferienhausvertrag vorliegt. Damit gelten für Sie gemäß der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH Urteil v. 09.07.1992 Az.: VII ZR 7/92) die umfassenden Schutzvorschriften des im Bürgerlichen Gesetzbuch verankerten Reisevertragsrechts.
Obwohl ein Ferienhausvertrag nicht die für Reiseverträge typische Bündelung mehrerer Leistungen enthält, sondern nur eine einzige Reiseleistung, nämlich die Bereitstellung des Hauses bzw. der Wohnung, geht die Rechtsprechung von einem wirksamen Reisevertrag aus. Voraussetzung dafür ist, dass der Anbieter eine eigene Leistung offeriert und damit wie ein Reiseveranstalter in eigener Verantwortung agiert. Vermittelt der Ferienhausanbieter jedoch offenkundig nur fremde Leistungen, kommt das Reisevertragsrecht nicht zum Tragen, da in diesem Fall mit dem Eigentümer nur ein Mietvertrag geschlossen wurde.
Wichtige Gesetze und Entscheidungen zum Thema
§§ 651a ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): Hier ist das Reisevertragsrecht geregelt, welches angewendet wird, sobald eine Pauschalreise vorliegt. In diesem Fall haben Sie bei Ansprüchen immer den jeweiligen Reiseveranstalter als Antragsgegner.
§§ 631 ff. BGB und §§ 535 ff. BGB: Bei Individualreisen bleibt als Anspruchsgrundlage oft nur der Rückgriff auf das Werkvertragsrecht oder Mietvertragsrecht, je nachdem, ob es sich um Beförderungsverträge oder Beherbergungsverträge handelt.
BGH, Urteil v. 09.07.1992, Az.: VII ZR 7/92: Auf Veranstaltungsverträge, die auf die Bereitstellung einer Ferienunterkunft als alleiniger Reiseleistung gerichtet sind, sind die Vorschriften des Reisevertragsrechts insgesamt entsprechend anzuwenden.
BGH, Urteil v. 25.07.2017, Az.: X ZR 71/16: Die Anzahlung für eine Pauschalreise wird per Vorkasse fällig.
AG München, Urteil v. 30.06.2016, Az.: 213 C 3921/16: Für die Buchung einer Fährverbindung sind die Vorschriften aus einem Reisevertrag nicht anwendbar.
LG Frankfurt am Main, Urteil v. 06.06.2014, Az.: 2-24 O 125/13: Den Rückflug verpasst, weil die Reiseleitung die Abflugzeit falsch angab, die Kosten wurden trotzdem vom Reiseveranstalter übernommen, obwohl ursprünglich nur der Transfer zum Hotel geschuldet war.