Source: https://forumpoenale.recht.ch/fr/artikel/01forumpoenale0220rec/egmr-dritte-abteilung-urteil-vom-3-dezember-2019-il-gegen-die-schweiz
Timestamp: 2020-07-14 01:38:39
Document Index: 33850162

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 135', '§ 52', '§ 41', '§ 46', 'EGMR', '§ 54', 'EGMR', '§ 194', 'EGMR', '§ 41', 'EGMR', '§ 71', 'EGMR', '§ 125', '§ 78', 'EGMR', '§ 46', 'EGMR', '§ 41', 'EGMR', '§ 50', 'EGMR', '§ 55', 'Art. 5', 'Art. 5', 'EGMR', '§ 112', 'EGMR', '§ 47', 'EGMR', '§ 55', 'BGer']

From the magazine forumpoenale Online first/2020 | p. 1-5 The following page is 1
38. La Cour rappelle que, pour respecter l’article 5 § 1 de la Convention, la détention doit avoir lieu «selon les voies légales» et «être régulière». En la matière, la Convention De la revue forumpoenale 10/2020 | p. 1–5 La page suivante est la 2renvoie pour l’essentiel à la législation nationale et consacre l’obligation d’en respecter les normes de fond comme de procédure, mais elle exige de surcroît la conformité de toute privation de liberté au but de l’article 5 de la Convention: protéger l’individu contre l’arbitraire (voir, parmi beaucoup d’autres et avec références, Ilnseher c. Allemagne [GC], no 10211/12 et no 27505/14, §§ 135–136, 4 décembre 2018 et T.B. c. Suisse, no 1760/15, § 52, 30 avril 2019).
52. À cet égard, la Cour a considéré dans l’affaire Weber, précitée, qu’un seul précédent jurisprudentiel ne saurait De la revue forumpoenale 10/2020 | p. 1–5 La page suivante est la 3constituer une base légale suffisamment précise et était donc incompatible avec les principes de sécurité juridique (§ 41). De même, dans l’affaire Borer, précitée, la Cour a conclu que quatre précédents du Tribunal fédéral, concernant des situations comparables, mais pas identiques, ne pouvaient valablement servir de base légale à la détention du requérant (§ 46).
1. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat das Kriterium «constante» in mehreren Urteilen konkretisiert. Die Konstanz fehlt, wenn weder das Gesetz noch die Gerichtspraxis Klarheit enthält (EGMR v. 18.3.2000, Baranowski v. Poland, Nr. 28358/95,Nr. 28358/95 § 54) bzw. wenn keine klärende Praxis des höchsten Gerichts besteht (EGMR v. 28.6.2011, Šebalj v. Croatia, Nr. 4429/09,Nr. 4429/09 §§ 194 ff.). Ebenso liegt keine Konstanz vor, wenn nur ein einziges Urteil zur Sache ergangen ist (EGMR, Weber v. Switzerland, § 41) oder wenn Divergenzen in der nationalen Rechtsprechung existieren (EGMR v. 14.1.2014, Sâncra˘ian v. Romania, Nr. 71723/10,Nr. 71723/10 §§ 71 f.; EGMR, Porowski v. Poland, § 125 i.V.m. §§ 78 ff.; zum Ganzen Hohl-Chirazi, La privation de liberté en procédure pénale suisse: buts et limites, Zürich 2016, N 82). Für die Annahme von Konstanz genügt Aus der Zeitschrift forumpoenale 10/2020 | p. 1–5 Es folgt Seite № 4es nicht, wenn die bestehenden Judikate ähnlich/vergleichbar sind, sondern sie müssen dieselbe Konstellation betreffen (vgl. EGMR, Borer v. Switzerland, § 46; EGMR, Weber v. Switzerland, § 41 und zuletzt EGMR, I.L. v. Switzerland, §§ 50 f.). Schliesslich unterliegt die Konstanz generell einem strengen Prüfungsmassstab, da es sich bei Freiheitsentzügen um schwerwiegende Grundrechtseingriffe handelt und mit dem Legalitätsprinzip ein Grundpfeiler des Rechtsstaates betroffen ist (vgl. EGMR, I.L. v. Switzerland, § 55).
Liegt demnach entgegen dem Gerichtshof eine langjährige und konstante Rechtsprechung vor und ist die vollzugsrechtliche Sicherheitshaft aus diesem Grund unter Art. 5 Ziff 1 EMRK legitimiert? Diese Frage ist unseres Erachtens zu verneinen. Das Konstrukt der «jurisprudence ancienne et constante» verdeckt mit seinen beiden Teilgehalten auf den ersten Blick, dass es für die Rechtmässigkeit eines Freiheitsentzugs nicht allein auf den Zeitablauf und die Regelmässigkeit der höchstrichterlichen Bestätigung ankommen kann. So wie eine bewusste Falschaussage nicht wahr wird, wenn man sie stetig wiederholt, kann auch eine rechtswidrige Auslegung des Gesetzes nicht qua Zeitablauf und Iteration rechtmässig werden. Vielmehr muss sich die konstante und langjährige Gerichtspraxis auf eine methodisch korrekte Auslegung des Gesetzes stützen. Nur unter dieser Voraussetzung kann sie unter Art. 5 Ziff 1 EMRK eine taugliche Grundlage für einen Freiheitsentzug bilden. Anders gewendet: Zulässig ist einzig, die ratio legis einer in ihrem Bedeutungsgehalt unklaren Bestimmung unter Beiziehung des grammatikalischen, historischen, systematischen und teleologischen Auslegungselements zu ermitteln (vgl. dazu EGMR, Porowski v. Poland, §§ 112 ff.). Unzulässig sind im Strafrecht demgegenüber Analogieschlüsse im Sinne einer Lückenfüllung zum Nachteil von Bürgerinnen und Bürgern; dies gilt auch für Haftentscheide im Strafprozessrecht (eingehend und überzeugend Conte, Die Grenzen der Präventivhaft gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, Zürich/Basel/Genf 2018, 77–82, mit zahlreichen Verweisen; zur Ermittlung der Normsinngrenze auch Kramer, recht 2017, 181 ff.). Diese absolute Schranke ergibt sich aus dem Prinzip der Gewaltenteilung, welches Aus der Zeitschrift forumpoenale 10/2020 | p. 1–5 Es folgt Seite № 5Merkmal der Rechtsstaatlichkeit ist. Nicht die Gerichte, sondern der Gesetzgeber ist zuständig für den Erlass neuer Normen. Diese Grenze der zulässigen Auslegung wurde bei der Frage der vollzugsrechtlichen Sicherheitshaft überschritten (Joset/Husmann, FP 2016, 168–169; vgl. auch Bernard/Studer, FP 2019, 340). Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte unterstreicht in seiner Rechtsprechung daher zu Recht, aufgrund der Schwere des Eingriffs in die Freiheitsrechte müsse eine enge Auslegung der Anforderungen an einen Freiheitsentzug stattfinden und eine analoge Anwendung von anderweitig bestehenden Bestimmungen zur Sicherheitshaft könne nicht toleriert werden (EGMR, Borer v. Switzerland, § 47; EGMR, I.L. v. Switzerland, § 55). Unseres Erachtens überzeugt das vorliegend analysierte Urteil daher zumindest im Ergebnis (anderer Meinung das Bundesgericht in BGer, Urteil v. 3.2.2020, 1B_24/2020, E. 3.1. ff.).