Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=06.10.2005&Aktenzeichen=IX%20ZR%2036/02
Timestamp: 2020-07-10 07:22:48
Document Index: 1099704

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 133', '§ 259', '§ 259', '§ 133', '§ 157', '§ 259', '§ 259', 'BGH', 'BGH', '§ 259', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 244', 'BGH', 'BGH', '§ 259', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 259', 'BGH', '§ 259', 'BGH', '§ 18', 'BGH', '§ 259', 'BGH', 'BGH', '§ 259', 'BGH', '§ 4', 'BGH', '§ 133', 'BGH', '§ 158', '§ 217', '§ 270', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 06.10.2005 - IX ZR 36/02 - dejure.org
https://dejure.org/2005,1235
BGH, 06.10.2005 - IX ZR 36/02 (https://dejure.org/2005,1235)
BGH, Entscheidung vom 06.10.2005 - IX ZR 36/02 (https://dejure.org/2005,1235)
BGH, Entscheidung vom 06. Januar 2005 - IX ZR 36/02 (https://dejure.org/2005,1235)
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BGB §§ 133, 157; InsO § 259 Abs. 3 Satz 1
Auslegung von Regelungen in einem Insolvenzplan; Klage eines Insolvenzverwalters gegen eine Transportgesellschaft auf Herausgabe einer größeren Menge Fahrräder auf Grund einer Insolvenzanfechtung; Berufung der Beklagten auf ein Pfandrecht wegen ausstehender Frachtlöhne; ...
Zur Auslegung eines Insolvenzplans (hier: Verweis auf § 259 Abs. 3 InsO als Befugnis des Insolvenzverwalters zur Fortführung eines Anfechtungsprozesses nach Verfahrensaufhebung)
BGB § 133 § 157; InsO § 259 Abs. 3 S. 1
Auslegung von Regelungen in einem Insolvenzplan; Fortführung von Anfechtungsrechtsstreitigkeiten nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens
Zur Auslegung eines Insolvenzplanes
InsO § 259 Abs. 3 Satz 1
Ermächtigung des Insolvenzverwalters zur Fortführung von Anfechtungsprozessen auch nach Insolvenzplan bei Verweis auf InsO-Vorschrift zu anhängigen Rechtsstreiten
LG Erfurt, 21.06.2001 - 3 O 290/01
LG Erfurt, 26.07.2001 - 3 O 290/01
OLG Jena, 06.02.2002 - 2 U 1033/01
NJW-RR 2006, 491
ZIP 2002, 538
ZIP 2006, 39
MDR 2006, 594
NZI 2006, 100
NJ 2006, 219
WM 2006, 44
Dies zeigt, dass der Insolvenzplan, auch wenn seine Annahme weitgehend auf der Willensübereinkunft der Beteiligten beruht, kein Vertrag im herkömmlichen Sinne ist (BGH, Urteil vom 6. Oktober 2005 - IX ZR 36/02, NZI 2006, 100 Rn. 15).
Dennoch ist für die Auslegung des Insolvenzplans, soweit nicht sein vollstreckbarer Teil betroffen ist, das individuelle Verständnis derjenigen maßgebend, die ihn beschlossen haben (BGH, Urteil vom 6. Oktober 2005, aaO Rn. 16).
Eine konkrete Ausgestaltung der Ermächtigung des Insolvenzverwalters nach § 259 Abs. 3 InsO ist nicht erforderlich (BGH, Urteil vom 6. Oktober 2005 - IX ZR 36/02, NZI 2006, 100 Rn. 2, 9 f).
Der Insolvenzverwalter wird ermächtigt, nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens anhängige Anfechtungsrechtsstreitigkeiten auf Kosten der Insolvenzgläubiger und zu ihren Gunsten fortzuführen (vgl. BGH, Urteil vom 6. Oktober 2005, aaO Rn. 11;… vom 9. Januar 2014 - IX ZR 209/11, BGHZ 199, 344 Rn. 22).
Eine solche abstrakte Ermächtigung erscheint auch sinnvoll, weil es dem Verwalter so ermöglicht wird, noch im Zeitraum zwischen der Abstimmung über den Insolvenzplan und der Verfahrensaufhebung auf der Grundlage erst jetzt bekannt gewordener Tatsachen Anfechtungsklage zu erheben (BGH, Urteil vom 6. Oktober 2005 - IX ZR 36/02, NZI 2006, 100 Rn. 11).
Um diesen Geldbetrag, welcher der Masse im Regelinsolvenzverfahren nicht zur Verfügung steht, stehen die Insolvenzgläubiger finanziell besser da, sollte es zur Bestätigung des Insolvenzplans kommen (vgl. im Übrigen BGH, Urteil vom 6. Oktober 2005 - IX ZR 36/02, NZI 2006, 100 Rn. 24 f).
Entscheidende Argumente gegen eine Willensübereinkunft durch einen Vertrag im herkömmlichen Sinn sind nach dieser Sichtweise, dass die Gläubigergemeinschaft nicht aus freiem Willen zusammengefunden hat und der Wille einzelner Gläubiger nach §§ 244 ff. InsO durch Mehrheitsentscheidungen überwunden werden kann (vgl. BGH 6. Oktober 2005 - IX ZR 36/02 - Rn. 14 f., s. auch Rn. 13 zu abweichenden Literaturstimmen) .
Die Auslegung des nicht vollstreckbaren Teils des Insolvenzplans durch die Tatsachengerichte ist nur beschränkt revisibel (vgl. BGH 6. Oktober 2005 - IX ZR 36/02 - Rn. 16 f.) .
Daraus ergibt sich zweifelsfrei, dass in dem von § 259 Abs. 3 InsO erlaubten Umfang von der Insolvenzverwalterin die Anfechtungsklagen fortgeführt werden sollten (vgl. BGH, Urteil vom 6. Oktober 2005 - IX ZR 36/02, ZIP 2006, 39 Rn. 21 ff).
Den Gläubigern ist es zumutbar, dort Einsicht zu nehmen und den gesamten Inhalt des Plans nachzulesen (vgl. BGH, Urteil vom 6. Oktober 2005, aaO Rn. 21).
Wie die Verteilungsregel auszulegen ist, bedarf hier keiner Entscheidung (vgl. hierzu BGH, Urteil vom 6. Oktober 2005, aaO Rn. 12 ff).
In diesem Fall ist der Insolvenzverwalter als gewillkürter Prozessstandschafter des Schuldners tätig (BGH, Urteil vom 6. Oktober 2005, aaO Rn. 29).
Der Insolvenzplan ist vielmehr ein spezifisch insolvenzrechtliches Instrument, mit dem die Gläubigergesamtheit die Befriedigung aus dem Schuldnervermögen organisiert (BGH, Urteil vom 6. Oktober 2005, aaO Rn. 15).
Gemäß § 259 Abs. 3 InsO kann der Insolvenzverwalter nach rechtskräftiger Bestätigung eines Insolvenzplans und Aufhebung des Verfahrens einen anhängigen Anfechtungsrechtsstreit fortführen, wenn dies im gestaltenden Teil des Plans vorgesehen ist (vgl. hierzu BT-Drucks. 12/2443, S. 214; BGH, Urteil vom 6. Oktober 2005 - IX ZR 36/02, ZIP 2006, 39 Rn. 10).
Die Ermächtigung zur Fortführung von Prozessen in § 259 Abs. 3 InsO ist als gewillkürte Prozessstandschaft anzusehen, soweit der Rechtsstreit eine Insolvenzanfechtung zum Gegenstand hat (BGH, Urt. v. 6. Oktober 2005 - IX ZR 36/02, ZIP 2006, 39).
Der Anfechtungsgegner sieht sich statt dessen der Einzelgläubigeranfechtung ausgesetzt (§ 18 Abs. 1 AnfG; BGH, Urt. v. 6. Oktober 2005 - IX ZR 36/02, ZIP 2006, 39).
Der Vorbehalt nach § 259 Abs. 3 InsO ermöglicht dem Verwalter, noch im Zeitraum zwischen der Abstimmung über den Insolvenzplan und der Verfahrensaufhebung auf der Grundlage erst jetzt bekannt gewordener Tatsachen Anfechtungsklage zu erheben (BGH, Urt. v. 6. Oktober 2005 - IX ZR 36/02, ZIP 2006, 39, 40 f Rn. 11).
Neben dem unabdingbaren Merkmal eines anhängigen Rechtsstreits (…vgl. BGHZ 175, 86, 90 Rn. 10) fehlt es auch an dem von § 259 Abs. 3 InsO vorausgesetzten Vorbehalt im Insolvenzplan (vgl. BGH, Urt. v. 6. Oktober 2005, a.a.O. S. 40 ff).
Rechtsstreit über die Rechtsbeständigkeit eines gerichtlich bestätigten …
Der Bundesgerichtshof sieht in ihm hingegen ein "spezifisch insolvenzrechtliches Instrument", mit dem die Gläubigergesamtheit ihre Befriedigung aus dem Schuldnervermögen organisiere; die Gläubigergemeinschaft hat nicht aus freiem Willen zusammengefunden; sie sei vielmehr eine durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Schuldners zusammengefügte Schicksalsgemeinschaft (ZIP 2014, 330 = NZI 2014, 262 Rn. 15 und 25 ZIP 2006, 39 = NZI 2006, 100 Rn. 15).
Da der Wille eines einzelnen Gläubigers durch Mehrheitsentscheid überwunde werden könne, sei der Insolvenzplan kein Vertrag im herkömmlichen Sinne, auch wenn seine Annahme weitgehend auf dem Willen der Beteiligten beruhe (ZIP 2006, 39 Rn 15).
Beim Insolvenzrecht handelt es sich aber um einen zentralen Teil des Wirtschaftsprivatrechts (…siehe nur Uhlenbruck/Pape, a.a.O., § 4 Rn. 1) - und nicht des öffentlichen Rechts-, weshalb auch beim Insolvenzplan ergänzend allgemeine Regelungen und Grundsätze des bürgerlichen Rechts herangezogen werden können (vgl. nur BGH ZIP 2006, 39 Rn. 16 und ZIP 2015, 1346 Rn. 26 für die Auslegung des Insolvenzplans: Geltung von §§ 133, 157 BGB und den dazu entwickelten Grundsätzen;… BGH ZIP 2018, 1142 Rn. 42; Anwendbarkeit von § 158 Abs. 1 BGB;… Nerlich/Römermann-Braun, a.a.O., vor §§ 217 - 269 InsO Rn, 82: Anwendbarkeit von §§ 270 f., 284 ff. BGB), und das Insolvenzverfahrensrecht ist Zivilverfahrensrecht (primär Vollstreckungsverfahren als Teil der streitigen Zivilgerichtsbarkeit, siehe nur Uhlenbruck/Pape, ebenda, m.w.N.), weshalb nach § 4 InsO auch ergänzend die Vorschriften der ZPO gelten.
BGH vom 06.10.2005 - IX ZR 36/02, DB 0123466 = ZInsO 2006 S. 38 (41); vom 07.07.2008 - II ZR 26/07, DB 0297052 = ZInsO 2008 S. 1017 (1018).
BGH vom 06.10.2005, a.a.O. (Fn. 3), ZInsO 2006 S. 38 (39).
OLG Schleswig, 06.04.2017 - 11 U 96/16
Prokon-Insolvenz - Gläubiger, die ihren Genussrechtserwerb angefochten haben, …
Trotzdem ist für die Auslegung des Insolvenzplans das individuelle Verständnis derjenigen maßgebend, die ihn beschlossen haben (vgl. BGH NJW-RR 2006, 491-494, juris Rn. 15).
- IX ZR 36/02 - NJW-RR 2006, 491; BAG 12.09.2013 - 6 AZR 907/11 - DB 2013, 2849).
LAG Düsseldorf, 06.08.2014 - 7 Sa 1190/13
Anmeldung von Ansprüchen des Arbeitnehmers zur Insolvenztabelle
OLG Schleswig, 06.04.2017 - 11 U 127/16
OLG Schleswig, 06.04.2017 - 11 U 128/16