Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OVG%20Berlin-Brandenburg&Datum=14.03.2011&Aktenzeichen=9%20N%2071.10
Timestamp: 2019-10-15 17:55:10
Document Index: 385962074

Matched Legal Cases: ['§ 218', '§ 240', 'Art 101', 'Art 103', '§ 240', '§ 240', '§ 218', '§ 12', '§ 240', '§ 80', '§ 80', '§ 80', '§ 240', '§ 240', '§ 240', '§ 240', '§ 80', '§ 240', '§ 1', '§ 2']

OVG Berlin-Brandenburg, 14.03.2011 - 9 N 71.10 - dejure.org
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OVG Berlin-Brandenburg, 14.03.2011 - 9 N 71.10 (https://dejure.org/2011,16401)
OVG Berlin-Brandenburg, Entscheidung vom 14.03.2011 - 9 N 71.10 (https://dejure.org/2011,16401)
OVG Berlin-Brandenburg, Entscheidung vom 14. März 2011 - 9 N 71.10 (https://dejure.org/2011,16401)
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§ 218 AO, § 240 Abs 1 S 4 AO, Art 101 Abs 1 S 2 GG, Art 103 Abs 1 GG
Säumniszuschläge; Festsetzung; Abrechnungsbescheid; keine Akzessorietät; Verfassungsmäßigkeit; Funktionsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung; Daseinsvorsorge; Druckmittel; Ausgleich wirtschaftlicher Nachteile; Zumutbarkeit; Verfahrensfehler; gesetzlicher Richter; ...
Verfassungsmäßigkeit der verwaltungsrechtlichen Gestattung zur Erhebung von Säumniszuschlägen bei festgestellter fehlender gesetzlicher Grundlage für die Erhebung der Forderung
VG Cottbus, 27.07.2010 - 7 K 832/09
OVG Berlin-Brandenburg, 26.07.2011 - 9 N 71.10
Nach der Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg (Beschluss vom 14. März 2011 - OVG 9 N 71.10 -) seien die Rechte des zu Säumniszuschlägen Herangezogenen auch dann hinreichend gewahrt, wenn er im Eilverfahren erfolglos geblieben sei, in der Hauptsache indes gegen den Abgabenbescheid obsiegt habe.
Daneben werden sie von dem weiteren Rechtfertigungsgrund getragen, diejenigen wirtschaftlichen Nachteile auszugleichen, die der öffentlichen Hand etwa in Gestalt zusätzlicher Kreditbeträge bei der kurzfristig nötig werdenden Reaktion auf Zahlungsverzögerungen entstehen (OVG Berlin-Brandenburg…, Beschluss vom 25. September 2005 - 9 S 10.05 -, juris, Rz. 8 m. w. N.; Beschluss vom 14. März 2011 - OVG 9 N 71.10 -, juris, Rz. 15).
Diese Regelung ist im Hinblick auf die Möglichkeit des einstweiligen Rechtsschutzes gegen eine Abgabenfestsetzung verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden (vgl. BVerwG, Beschluss vom 2. Mai 1995 - 8 B 50.95 -, KStZ 1997, 57; BFH…, Urteil vom 20. Mai 2010, a.a.O., Rz. 21; OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. März 2011, a.a.O., Rz. 16; jew. m. w. N.;… dem folgend Beschluss der Kammer vom 12. August 2013 - VG 8 L 332/13 -, juris, Rz. 10).
Zudem würden sonst die wesensverschiedenen Prüfungsmaßstäbe des Eil- und des Hauptsacheverfahrens verkannt (vgl. OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. März 2011, a.a.O., Rz. 21).
Entscheidet er sich für die "Risikovariante", muss er deren mögliche Konsequenzen tragen (OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. März 2011, a.a.O., Rz. 18).
Die erforderlichen Einnahmen sollen der öffentlichen Hand vielmehr zur kontinuierlichen Erfüllung ihrer Aufgaben zunächst einmal zur Verfügung stehen; der Abgabenpflichtige muss mithin in der Regel vorleisten und sich im Falle seines Obsiegens im Verfahren der Hauptsache auf einen Rückerstattungsanspruch verweisen lassen, dessen Realisierung prinzipiell gesichert ist (vgl. OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. März 2011 - OVG 9 N 71.10 -, juris Rn. 15; OVG Berlin…, Beschluss vom 3. Juni 2004 - OVG 2 S 18.04 -, NVwZ-RR 2005, 304, juris Rn. 5; OVG Berlin, Beschluss vom 4. Dezember 2001 - OVG 2 SN 8.01 -, NVwZ-RR 2002, 306).
Zahlt der Veranlagte nicht und betreibt auch kein Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes, hat er es selbst zu verantworten, wenn er letztlich Säumniszuschläge entrichten muss (vgl. OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. März 2011 - OVG 9 N 71.10 -, juris Rn. 17; Bayerischer VGH…, Beschluss vom 27. September 2012 - 6 ZB 10.1083 -, juris Rn. 7).
34 Gegen die Wirksamkeit der Vorschrift des § 240 AO bestehen keine verfassungsrechtlichen Bedenken (vgl. BVerwG…, Beschluss vom 2. Mai 1995 - BVerwG 8 B 50.95 -, Buchholz 401.0 § 240 AO Nr. 1, juris Rn. 4; OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. März 2011 - OVG 9 N 71.10 -, juris Rn. 15; OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 9. Dezember 2010 - OVG 9 N 10.10 - BFH…, Urteil vom 26. Januar 1988 - VIII R 151/84 -, BFH/NV 1988, 695, juris Rn. 25; BFH…, Beschluss vom 16. September 2004 - V B 221/03 -, juris Rn. 15).
Insbesondere bedarf es gemäß § 218 Abs. 1 Satz 1 AO i.V.m. § 12 Abs. 1 Nr. 5 lit. a) KAG für die Verwirklichung von Säumniszuschlägen keiner Festsetzung des Säumniszuschlags durch die Behörde (vgl. OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. März 2011 - OVG 9 N 71.10 -, juris Rn. 13; Bayerischer VGH…, Beschluss vom 26. Oktober 2007 - 4 ZB 06.2301 -, juris Rn. 10).
Dem berechtigten Rechtsschutzbedürfnis des Abgabepflichtigen wird durch die Möglichkeit des einstweiligen Rechtsschutzes gegen die Abgabenfestsetzung selbst hinreichend Genüge getan ist, was den Eintritt unverhältnismäßiger Härten verhindert (vgl. BVerwG…, Beschluss vom 2. Mai 1995 - BVerwG 8 B 50.95 -, Buchholz 401.0 § 240 AO Nr. 1, juris Rn. 4; BFH…, Urteil vom 20. Mai 2010 - V R 42/08 -, BFHE 229, 83, juris Rn. 21; BFH…, Beschluss vom 29. Oktober 2004 - IX B 81/04 -, juris Rn. 7; BFH…, Urteil vom 7. Juli 1999 - X R 87/96 -, BFH/NV 2000, 161, juris Rn. 20; BFH…, Urteil vom 26. Januar 1988 - VIII R 151/84 -, BFH/NV 1988, 695, juris Rn. 25; OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 9. Dezember 2010 - OVG 9 N 10.10 - OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. März 2011 - OVG 9 N 71.10 -, juris Rn. 16).
Mit dieser Regelung hat der Gesetzgeber bewusst in Kauf genommen, dass Säumniszuschläge auch dann zu entrichten sind, wenn sich die Beitragsfestsetzung später als unrechtmäßig erweist (…vgl. VG Cottbus, Urteile vom 9. September 2016 - 1 K 1346/14 -, juris Rn. 22;… vom 26. September 2014 - 1 K 214/13 -, juris Rn. 22 sowie - zur Verfassungsmäßigkeit der Norm - BVerfG, Beschluss vom 30. Januar 1986 - 2 BvR 1336/85 -, juris; BVerwG…, Beschluss vom 2. Mai 1995 - BVerwG 8 B 50.95 -, juris Rn. 4; OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. März 2011 - OVG 9 N 71.10 -, juris Rn. 15-18).
Damit die erforderlichen Einnahmen der öffentlichen Hand zunächst unabhängig von der Rechtmäßigkeit ihrer Festsetzung zur Verfügung stehen und nicht durch gegebenenfalls längere Rechtstreitigkeiten verzögert werden (vgl. OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. März 2011 - OVG 9 N 71.10 -, juris Rn. 15), wird dem Abgabenpflichtigen - vorbehaltlich eines erfolgreichen Antrages auf Aussetzung der Vollziehung nach § 80 Abs. 4 VwGO bzw. Anordnung der aufschiebenden Wirkung nach § 80 Abs. 5 und 6 VwGO - grundsätzlich zugemutet, zunächst in Vorleistung zu gehen und sich den gezahlten Betrag im Falle des Obsiegens im Verfahren der Hauptsache zurückerstatten zu lassen (…vgl. VG Cottbus, Urteile vom 9. September 2016 - 1 K 1346/14 -, juris Rn. 22;… vom 13. September 2013 - VG 1 K 1240/12 -, juris Rn. 30 …und vom 3. September 2014 - VG 1 K 977/12 -, juris Rn. 21; OVG Berlin…, Beschluss vom 3. Juni 2004 - 2 S 18.04 -, juris Rn. 5).
Es kann offen bleiben, ob eine Aussetzung der Vollziehung - ungeachtet der wirtschaftlichen Verhältnisse des jeweiligen Antragstellers - nur in Betracht kommt, wenn zumindest auch Zweifel an der Rechtmäßigkeit des angefochtenen Verwaltungsaktes bestehen, mögen diese auch nicht ernstlich i.S.d. § 80 Abs. 4 Satz 3 VwGO (analog) sein (…so in ständiger Rechtsprechung der BFH, vgl. Beschluss vom 9. Dezember 1999 - III B 16/99 -, juris Rn. 29 zur vorgenannten Vorschrift der FGO; a. A. möglicherweise OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. März 2011 - 9 N 71.10 -, S. 11 des E. A.).
Gegen die Wirksamkeit der Vorschrift des § 240 AO bestehen auch angesichts des Vorbringens des Klägers keine verfassungsrechtlichen Bedenken (vgl. BVerwG…, Beschluss vom 2. Mai 1995 - BVerwG 8 B 50.95 -, Buchholz 401.0 § 240 AO Nr. 1, juris Rn. 4; OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. März 2011 - OVG 9 N 71.10 -, juris Rn. 15; OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 9. Dezember 2010 - OVG 9 N 10.10 - BFH…, Urteil vom 26. Januar 1988 - VIII R 151/84 -, BFH/NV 1988, 695, juris Rn. 25; BFH…, Beschluss vom 16. September 2004 - V B 221/03 -, juris Rn. 15).
Zahlt der Veranlagte nicht und betreibt auch kein Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes, hat er es selbst zu verantworten, wenn er letztlich Säumniszuschläge entrichten muss (OVG Berlin-Bdg, B.v. 14.3.2011 - 9 N 71.10 - RdNr. 17).
Gegen die Wirksamkeit der Vorschrift des § 240 AO bestehen - auch angesichts des Vorbringens des Klägers - keine verfassungsrechtlichen Bedenken (vgl. BVerwG…, Beschluss vom 2. Mai 1995 - BVerwG 8 B 50.95 -, Buchholz 401.0 § 240 AO Nr. 1, juris Rn. 4; OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. März 2011 - OVG 9 N 71.10 -, juris Rn. 15; OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 9. Dezember 2010 - OVG 9 N 10.10 - BFH…, Urteil vom 26. Januar 1988 - VIII R 151/84 -, BFH/NV 1988, 695, juris Rn. 25; BFH…, Beschluss vom 16. September 2004 - V B 221/03 -, juris Rn. 15;… Urteil der Kammer vom 3. September 2014 - VG 1 K 977/12 -, juris Rn. 20 ff.).
Es kann offen bleiben, ob eine Aussetzung der Vollziehung - ungeachtet der wirtschaftlichen Verhältnisse des jeweiligen Antragstellers - nur in Betracht kommt, wenn zumindest auch Zweifel an der Rechtmäßigkeit des angefochtenen Verwaltungsaktes bestehen, mögen diese auch nicht ernstlich i.S.d. § 80 Abs. 4 Satz 3 VwGO (analog) sein (…so in ständiger Rechtsprechung der BFH, vgl. Beschluss vom 9. Dezember 1999 - III B 16/99 -, juris Rn. 29 zur vorgenannten Vorschrift der FGO; a. A. möglicherweise OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 14. März 2011 -9 N 71.10 S. 11 des E. A.).
VG Frankfurt/Oder, 22.05.2012 - 3 K 495/09
Nebenleistungen (Säumniszuschläge und Mahngebühren)
Insofern ergibt sich aus § 240 Abs. 1 Satz 4 AO in Verbindung mit § 1 Abs. 3 und § 2 Abs. 1 Nr. 5 Buchst. b KAG und der Rechtsprechung des OVG Berlin-Brandenburg (Beschlüsse vom 09. Dezember 2010 - OVG 9 N 10.10 - und vom 14. März 2011 - 9 N 71.10 -, beide zitiert nach Juris), dass die Rechtmäßigkeit und der Fortbestand des Vorausleistungsbescheides keine Voraussetzung für die Rechtmäßigkeit der - im vorliegenden Verfahren allein streitbefangenen - Forderung von Säumniszuschlägen ist, die entstanden sind, weil der Kläger auf die - unabhängig von ihrer Rechtmäßigkeit - vollziehbare Vorausleistungsforderung trotz Fälligkeit nicht gezahlt hat.