Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F26-07-2012-8C_234-2012
Timestamp: 2016-10-22 18:08:13
Document Index: 333417557

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_234/2012 (26.07.2012)
8C_234/2012 {T 0/2}
Unfallversicherung (Kausalzusammenhang; R�ckfall),
vom 20. Januar 2012.
H.________, geboren 1981, absolvierte ab 17. August 1998 eine Lehre als Polygraphin bei der Firma X.________ und war in dieser Eigenschaft bei der Elvia Schweizerische Versicherungsgesellschaft Z�rich (heute: Allianz Suisse Versicherungs Gesellschaft AG; nachfolgend: Allianz) obligatorisch gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Am 20. Dezember 2001 war sie als Beifahrerin in einen Auffahrunfall verwickelt. Die Allianz erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Am 16. M�rz 2002 war sie erneut als Beifahrerin in einen Auffahrunfall verwickelt. Die Allianz erbrachte wiederum die gesetzlichen Leistungen. Im Nachgang zu beiden Unf�llen attestierten die behandelnden �rzte keine Arbeitsunf�higkeit. Die �rztliche Behandlung nach dem zweiten Unfall war am 5. M�rz 2003 abgeschlossen.
Nach Abschluss ihrer Lehre im Sommer 2002 arbeitete H.________ an verschiedenen Stellen, unternahm eine l�ngere Auslandreise und begann im April 2009 eine dreij�hrige Ausbildung zur Zen Shiatsu Therapeutin. Am 1. August 2011 trat sie eine Stelle bei der Schule Y.________ zu einem 30%-Pensum an.
Gest�tzt auf die Behandlung bei Dr. med. A.________, Facharzt f�r Neurologie, vom 13. Mai 2009 machte H.________ erneut Leistungen in Zusammenhang mit den beiden Auffahrunf�llen geltend. Die Allianz holte bei Frau Dr. med. B.________, Fach�rztin f�r Neurologie, einen Bericht vom 3. M�rz 2010 sowie nach Einw�nden von H.________ eine weitere Stellungnahme vom 4. Oktober 2010 ein. Mit Verf�gung vom 12. Mai 2011, best�tigt mit Einspracheentscheid vom 14. Juli 2011, lehnte die Allianz die Ausrichtung weiterer Leistungen mangels nat�rlicher Kausalit�t ab.
Das Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz wies die dagegen erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 20. Januar 2012 ab.
H.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren mit dem Antrag, es seien der vorinstanzliche und der Einspracheentscheid aufzuheben und die Allianz zu verpflichten, ihr bis zu einem allf�lligen Rentenbeginn Taggelder zu erbringen.
Die Vorinstanz hat die Bestimmungen und Grunds�tze �ber die Leistungsvoraussetzungen des nat�rlichen (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen), insbesondere bei R�ckf�llen und Sp�tfolgen (Urteil 8C_113/2010 vom 7. Juli 2010 E. 2.3; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b), und des ad�quaten Kausalzusammenhangs (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181 mit Hinweis), namentlich bei Schleudertraumen und �quivalenten Verletzungen der HWS (BGE 134 V 109), sowie die Voraussetzungen des Dahinfallens jeglicher kausaler Bedeutung von unfallbedingten Ursachen (SVR 2009 UV Nr. 3 S. 9 E. 2.2 [8C_354/2007]; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Die Vorinstanz hat die massgeblichen �rztlichen Berichte in ihrem Entscheid einl�sslich wiedergegeben, so dass darauf verwiesen wird.
Soweit die Versicherte eine Verletzung ihres rechtlichen Geh�rs geltend macht, kann ihr nicht gefolgt werden. Denn die Vorinstanz war nach der Rechtsprechung weder verpflichtet, auf s�mtliche Vorbringen der Versicherten einzugehen noch alle angebotenen Beweismittel abzunehmen, sondern durfte sich auf die nach ihrer Ansicht wesentlichen Punkte beschr�nken (vgl. statt vieler BGE 136 I 184 E. 2.2.1 S. 188, 229 E. 5.2 S. 236). Auch die von der Vorinstanz ausge�bte und grunds�tzlich zul�ssige antizipierte Beweisw�rdigung (BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236; 124 V 90 E. 4b S. 94; 122 V 157 E. 1d S. 162) ist nicht zu beanstanden, da die angerufenen Zeugen als medizinische Laien nicht in der Lage gewesen w�ren, in rechtsgen�glicher Art den Beweis f�r die geltend gemachten Br�ckensymptome, welche in der Praxis gest�tzt auf �rztliche Aussagen beurteilt werden (vgl. etwa Urteil 8C_314/2012 vom 25. Mai 2012 E. 3.2 und Urteil 8C_113/2010 vom 7. Juli 2010 E. 5.1.2), zu erbringen.
5.1 Unter den gegebenen Umst�nden (eher leichte Unf�lle mit dannzumal g�nstigem Heilungsverlauf sowie gem�ss �rztlichen Angaben weder eine ausgewiesene Arbeitsunf�higkeit noch weitere medizinische Behandlungen; vgl. den Bericht des Dr. med. R.________, Facharzt f�r Allgemeine Medizin, vom 4. M�rz, 3. Juli und 9. August 2002 sowie vom 30. Mai 2003) ist der (formlose) Fallabschluss im M�rz 2003 nicht zu beanstanden, so dass die Vorinstanz den geltend gemachten Leistungsanspruch zu Recht als R�ckfall betrachtet hat (vgl. dazu auch Urteil 8C_947/2009 vom 18. M�rz 2010 E. 2.2). Entgegen der Ansicht der Versicherten ergeben sich die geltend gemachten Br�ckensymptome nicht in rechtsgen�glicher Weise aus den vorliegenden �rztlichen Berichten, woran auch eine nachtr�gliche weitere Begutachtung nichts �ndern w�rde.
5.2 Hat die versicherte Person mehr als einen Unfall mit Schleudertrauma der HWS oder gleichgestellter Verletzung erlitten, ist die Ad�quanz grunds�tzlich f�r jeden Unfall gesondert zu beurteilen. In diesem Rahmen ist es nach der Rechtsprechung jedoch nicht generell ausgeschlossen, die wiederholte Betroffenheit desselben K�rperteils bei der Ad�quanzpr�fung zu ber�cksichtigen. Letzteres ist insbesondere dann denkbar, wenn die Auswirkungen der verschiedenen Ereignisse auf gewisse Beschwerden und/oder auf Grad und Dauer der Arbeitsunf�higkeit nicht von einander abgegrenzt werden k�nnen. Der hinreichend nachgewiesenen, durch einen fr�heren versicherten Unfall verursachten dauerhaften Vorsch�digung der HWS kann diesfalls im Rahmen der Beurteilung der einzelnen Kriterien - beispielsweise der besonderen Art der Verletzung - Rechnung getragen werden (Urteil 8C_370/2007 vom 26. Juni 2008 E. 2.1 mit Hinweis auf SVR 2007 UV Nr. 1 S. 1 E. 3.3.2 [U 39/04]).
Die von der Versicherten erlittenen Unf�lle vom 20. Dezember 2001 und vom 16. M�rz 2002 hatten beide eine Distorsion der HWS zur Folge. Da somit bei beiden Unf�llen der gleiche K�rperteil betroffen war und sie sich im Abstand von nur drei Monaten ereigneten, rechtfertigt es sich ausnahmsweise, eine gesamthafte Beurteilung vorzunehmen, weil sich in verschiedener Hinsicht kaum unterscheiden l�sst, welche Beeintr�chtigungen welchem Ereignis zuzuordnen sind.
5.3 Die Frage, ob die nat�rliche Kausalit�t gegeben ist, kann praxisgem�ss offen bleiben (vgl. Urteil 8C_42/2007 vom 14. April 2008 E. 2 Ingress mit Hinweisen), da die Ad�quanz - wie nachfolgend gezeigt wird - zu verneinen ist.
5.4 Die Frage, ob die Beurteilung der Ad�quanz nach der Rechtsprechung von BGE 115 V 133 oder nach der Schleudertrauma-Praxis (BGE 134 V 109 E. 10 S. 126) vorzunehmen ist, braucht nicht abschliessend beantwortet zu werden, da selbst bei Anwendung der Schleudertrauma-Praxis der ad�quate Kausalzusammenhang nicht gegeben ist.
Mit der Vorinstanz sind die beiden Unf�lle unter Ber�cksichtigung des augenf�lligen Geschehensablaufs rechtsprechungsgem�ss als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen zu qualifizieren (statt vieler RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.1.2 [U 380/04]); dies wird von der Versicherten nicht beanstandet. Somit m�ssten f�r die Bejahung des ad�quaten Kausalzusammenhangs die massgeblichen Kriterien geh�uft oder eines in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt sein.
Es sind weder besonders dramatische Begleitumst�nde noch eine besondere Eindr�cklichkeit gegeben. Hingegen kann das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der Verletzung angesichts der innert nur drei Monaten erfolgten zwei Auffahrunf�lle und der durch den ersten Unfall bereits vorgesch�digten Wirbels�ule (vgl. etwa SVR 2007 UV Nr. 1 S. 1 E. 3.4.2 [U 39/04] oder Urteile 8C_266/2008 vom 22. August 2008 E. 4.2.3 und 8C_447/2010 vom 1. Februar 2011 E. 6.2) bejaht werden, allerdings nicht in besonders ausgepr�gter Weise. Mit der Vorinstanz ist angesichts der vornehmlich medikament�sen und physiotherapeutischen Behandlung, welche ein Jahr nach dem zweiten Unfall abgeschlossen war und erst f�nf Jahre sp�ter wieder aufgenommen wurde, jedoch eine fortgesetzt spezifische, belastende �rztliche Behandlung zu verneinen (vgl. dazu etwa Urteil 8C_626/2009 vom 9. November 2009 E. 4.3 und Urteil 8C_447/2010 vom 1. Februar 2011 E. 6.2). Das Kriterium der erheblichen Beschwerden kann angesichts der Einschr�nkungen in der Haushaltsf�hrung und des sozialen R�ckzugs als gegeben betrachtet werden; es liegt aber nicht in besonders ausgepr�gter Weise vor. Eine �rztliche Fehlbehandlung ist entgegen der Ansicht der Versicherten nicht ausgewiesen. Ebenso wenig ist das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs oder erheblicher Komplikationen zu bejahen. Denn dazu gen�gt nicht, dass die geklagten Beschwerden andauern, sondern es werden besondere Gr�nde verlangt, die hier nicht ersichtlich sind (vgl. Urteil 8C_454/2009 vom 12. November 2009 E. 6.2.4, Urteil 8C_626/2009 vom 9. November 2009 E. 4.3 und Urteil 8C_413/2008 vom 5. Januar 2009 E. 6.3.5); daran �ndert auch die geltend gemachte Sehst�rung f�nf Jahre nach dem zweiten Unfall nichts, da diese einerseits spontan remittierend war und andererseits nach Ansicht der behandelnden �rztinnen auf ein White dot-Syndrom zur�ckzuf�hren war und damit nicht in Zusammenhang mit den beiden Unf�llen stand (Bericht der Augenklinik, Spital Z.________, vom 9. Oktober 2009). Ob schliesslich das Kriterium der erheblichen Arbeitsunf�higkeit erf�llt ist, ist angesichts der in den ersten Jahren nach den Unf�llen fehlenden �rztlich attestierten Arbeitsunf�higkeit fraglich; mit der Vorinstanz w�re es jedenfalls nur in einfacher und nicht in besonders ausgepr�gter Weise gegeben. Damit liegen h�chstens drei Kriterien in nicht besonders ausgepr�gter Weise vor, was f�r die Bejahung der Ad�quanz bei einem mittelschweren Unfall an der Grenze zu den leichten F�llen nicht ausreicht (vgl. SVR 2010 UV Nr. 25 S. 100 E. 4.5 [8C_897/2009]). Vorinstanz und Unfallversicherer haben demnach den Anspruch auf weitere Leistungen im Ergebnis zu Recht abgelehnt.