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Timestamp: 2018-02-23 10:56:39
Document Index: 395268583

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 6', '§ 4', 'Art. 76', 'Art. 8', '§ 185', '§ 11', '§ 167', '§ 113', '§ 7', 'Art. 1', '§ 60', '§ 78', '§ 9', '§ 826', 'e contrario', '§ 2']

Versuch einer teleologischen Behandlung des fehlerhaften Staatsakts | Springer for Research & Development
Untersuchungen zum Problem des Fehlerhaften Staatsakts pp 66-147 | Cite as
Versuch einer teleologischen Behandlung des fehlerhaften Staatsakts
Die hier vertretene Ansicht von der Notwendigkeit eines teleologischen Verfahrens der Rechtsauslegung und damit einer entsprechenden Behandlung des fehlerhaften Staatsakts findet sich auch in der neueren französischen Literatur. Es ist wohl der Wunsch nach stärkerer Individualisierung, welcher einzelnen Zivilisten die starre Verallgemeinerung der klassischen Unwirksamkeitsformen zuerst unerträglich erscheinen ließ. So wendet man sich gegen die übertriebene Strenge der alten Theorie254), fordert, die Folgen fehlerhafter Rechtsgeschäfte zu vervielfältigen und zu bereichern255), und bekämpft insbesondere die künstlichen Beweisführungen der klassischen Richtung256). Schon früher hatte Drogoul257) mit der Raschheit des Anfängers in seiner These die Folgen fehlerhafter Rechtsgeschäfte nur nach dem Zweck zu bestimmen gefordert, damit die Starrheit des klassischen Systems in ihr Gegenteil verkehrend. Obwohl demgegenüber Japiot das Abstreifen jeder Regel verwirft, ist doch auch für ihn: „La nullité... une sanction qui doit s’adapter au but de la règle dont elle tend à assurer l’observation et aù milieu où pratiquement elle intervient“, und beruhen „sur cette idée fondamentale.. tous les éléments de notre travail“258).
Literctur
Vgl. Tissier bei Sirey, 1903, I, 257. Auf die Notwendigkeit, gewisse einmal entstandene Rechtslagen zu schützen, weist Thaller: Recueil periodique des arrêts, fondé par Dalloz, 1906, 1, 169 hin.Google Scholar
F. Drogoul: Essai d’une théorie générale des nullités, thèse de la Faculté d’Aix, 1902.Google Scholar
Les principes généraux du droit administrative, 2. Aufl., 1914, S. 57 ff. Weniger ausführlich ist der Anhang zu Buch I der deutschen Ausgabe von 1913: Das Verwaltungsrecht der französischen Republik, S. 451 ff.Google Scholar
Daß aber gerade im öffentlichen Recht das Pflichtmoment im Vordergrund steht, hebt Pilo ty: Verwaltungsrechtliche Gedanken, in Festgabe für O. Mayer, 1916, S. 98 ff. treffend hervor.Google Scholar
So nimmt neuerdings wieder die ungedruckte Kieler Dissertation von L. Gallsen: Fehlerhafte militärische Verwaltungsakte während des Weltkrieges, 1921, S. 21, Nichtigkeit wegen Mängeln in der Person des Staatsorgans an und leitet daraus logisch ab, daß nichtig auch Verfügungen einer Person seien, „die irrtümlich für ein Staatsorgan gehalten wird und sich selbst dafür hält“.Google Scholar
C. d’Etat vom 22. Juli 1876, Ducatel: Rec. S. 701; Conflits v. 15. Dezember 1888, Moreau: Rec. S. 986; s. Jèze: a. a. O. S. 482£Google Scholar
Cass. vom 7. August 1883. 2ß0) Jèze: a. a. O. S. 488.Google Scholar
C. d’Etat v. 30. Jan. 1885, El c’Héronville: Rec. S. 126. 282) Entscheidung vom 6. Aug. 1838 bei Jèze: a. a. O. S. 470, Anm. 1. 284) Vergl. § 5, A 211 der Arbeit.Google Scholar
Zeitschr. f. Bad. Verw. u. Verwaltungsrechtspflege 1913, S. 106, zitiert bei Fleiner: a. a. O. S. 194, Anm. 59 als Beispiel seines allgemeinen Grundsatzes der Nichtigkeit von Akten unzuständiger Behörden.Google Scholar
Der Recours pour excès de pouvoir, 1918, S. 61.Google Scholar
Wie selbstverständlich im übrigen unbefangener Rechtsauslegung eine Abstufung der Fehler ist, zeigt die Bemerkung von Grau, „die hier aufgezählten Ungültigkeitsgründe sind von verschiedenem Gewicht“ (in D. J. Z. 1923, Sp. 587), nicht minder wie der vergebliche Kampf der Rechtslogiker gegen Wertungen, die sie schließlich selber vollziehn.Google Scholar
Kaisenberg: Die Rechtsprechung des Wahlprüfungsgerichts beim Reichstag, 1921.Google Scholar
Vgl. Hatschek: Deutsches und preuß. Staatsrecht I, 1923, S. 395 ff. 302) Verwaltungsrecht a. a. O. S. 99.Google Scholar
Erwähnt sei noch die bei Herrnritt zitierte Entscheidung des Österreich. Verwaltungsgerichtshofs v. 21. Mai 1908, 6766 An., welche in der Übergehung einer Instanz dann keinen wesentlichen Mangel erblickt, wenn dadurch die Rechtslage der Partei nicht beeinträchtigt wird.Google Scholar
Anders ist es daher im französischen Recht, das den recours pour excès de pouvoir auch gegen Verordnungen kennt. Über die unter Umständen absolute Unabhängigkeit der Geltung einer Entscheidung von ihrer Richtigkeit s. auch die Bemerkungen von Carl S ch mitt: Politische Theologie, 1922, S. 31.Google Scholar
Vgl. Kern: Gottesgnadentum und Widerstandsrecht im früheren Mittelalter, 1914. Ferner W o l z e n d o r f f: Staatsrecht und Naturrecht, Gierke: Johannes Althusius und die Entwicklung der naturrechtlichen Staatstheorien, 1880, insbesondere S. 33 ff., 114 ff., 145 ff.Google Scholar
So handelt noch Dahlmann: Politik, 1847, in einem eigenen Kapitel vom Recht des Widerstands.Google Scholar
Vgl. den Bericht von Hauriou: Le développement de la jurisprudence d’administrative depuis 1870 im Bulletin mensuel de la Société de législation comparée 1922, S. 244.Google Scholar
Hauriou: a. a. O. Mestre: L’évolution du droit administratif (doctrine) de 1869 à 1919, S.254 ff., ebendort.Google Scholar
Obige Definition erhebt nicht den Anspruch, alle Fälle zulässiger Analogie zu decken, gibt aber wohl die Richtung des Verfahrens an. Vgl. im übrigen auch Koch: Zur Lehre von der Analogie im Recht, Göttinger ungedruckte Diss. 1922; Sulser: a. a. O. S. 96.Google Scholar
Dies muß Brütt: Die Kunst der Rechtsanwendung, 1907, entgegengehalten werden, der S. 42ff. alle Kontroversen durch „immanente Werturteile“ prinzipiell beheben will.Google Scholar
Eine Ansicht, die im Strafrecht M. E. Mayer: Der Allgemeine Teil des dtsch. Strafr. 1915, 5. 177, 186f. 327) Lukas: Zur Lehre vom Willen des Gesetzgebers, in Festschr. f. Laband 1908, S. 399ff. weist dogmengeschichtlich nach, wie obige Lehre sich im wesentlichen als absolutistische Doktrin darstellt.Google Scholar
Rickert: Psychol. der Weltanschauungen und Philos. der Werte, Logos 1920, S. 3: „In der Regel klingt der Begriff einer Norm, eines Gesollten an, und eine Regel, die… weder auf den realen Willen eines psychischen, noch auf den eines metapsychischen Subjekts gestützt werden kann, muß begründet sein in einem geltenden Wert.“ — Bereits im I. Bd. der Entsch. des OVG. S. 244 wird übrigens in einem vielleicht von Gneist begründeten Urteil eine logische, aber wertlose Auslegung als „mit dem Geiste des Gesetzes” im Widerspruch abgelehnt.Google Scholar
Verschiedene Arten von Wertblindheit unterscheidet D. v. Hilde -brandt: Sittlichkeit und ethische Werterkenntnis im Jahrb. f. Philos. u. phänomenol. Forsch. 1922, S. 463 ff.Google Scholar
Rein positivrechtlich wird er dort gefordert, wo, wie nach § 6 RAbgbO., eine Entscheidung nach „Recht und Billigkeit“ erfolgen soll. Das Moment der Entwicklung zu berücksichtigen heischt unter Abwehr logischer Interpretation § 4 desselben Gesetzes. Bezeichnenderweise belegt letzteren Fuchs, JW. 1922, Sp. 6ff. für die soziologische Bewegung mit Beschlag. Vgl. hierzu auch Hensel, in Bonner Festg. f. Zitel mann 1923, S. 237 ff.Google Scholar
Die Verfassung des Deutschen Reichs 1910, S. 672.Google Scholar
Komm. 2. Aufl. 1897 zu Art. 76. Dieselbe Ansicht vertreten unter Berufung auf die Materialien und S e y d e l: v. Rönne: Staatsrecht I, 1876, S. 218; Arndt: Staatsr. 1901, S. 111.Google Scholar
Als Beispiel teleologischen Verfahrens sei etwa auf die Ausführungen von S mend in Festg. f. O. Mayer S. 250ff. zu Art. 8, Abs. 3 der RV. verwiesen. Vgl. ferner Beling: Revolution und Recht 1923, S. 17 gegen E mges Versuch, die Strafverfolgung des Reichspräsidenten wegen Hochverrats aus logischen Gründen für unzulässig zu erklären, Anschütz: Komm S 122 bezüglich Regelung der Stimmabgabe der preußischen Provinzialvertretungen im Reichstag, Wittmayer: a. a. O. S. 110ff.Google Scholar
Vgl. dazu auch v. Hippel, Rechtsgeleerd Magazijn 1924. S.Google Scholar
Code von 1791. Vgl. M. E. Mayer in der Vergl. Darstell. Besonderer Teil I, 1906, S. 354.Google Scholar
Hier wird jeder Beamte geschützt „agissant pour l’exécution des lois“. Vgl. v. Streit: Die Widersetzung gegen die Staatsgewalt 1892, S. 34.Google Scholar
Hiller: Die Rechtmäßigkeit der Amtsausübung 1873, S. 32 ff.Google Scholar
S. 301; vgl. ferner 6, S. 403; J. Goldsehmidt: Widerstand gegen die Staatsgewaltim Vorentwurf zu einem dtsch. StGB. 1910, S. 50. Wessel: Der Widerstand gegen die Staatsgewalt, Diss. Breslau 1922, S. 36.Google Scholar
S. etwa die Aufzählung bei v. Liszt, Lb. 1919, S. 554, Anm. 6.Google Scholar
3553).
Der Entwurf von 1919 bedroht in § 185 den Widerstand in der irrigen Annahme, die Amtshandlung sei rechtswidrig, milder. Unverschuldeter Irrtum schließt nach § 11 den Vorsatz aus.Google Scholar
Bezeichnend hierfür ist, wenn das RG. 25, 114f., 37, 349f. den Begriff der örtlichen Zuständigkeit ausdehnt, um nicht grundlos berechtigte Interessen der Allgemeinheit vor unberechtigten des Beteiligten zurückstellen zu müssen. Siehe auch §§ 167, 168, 159 GVG. und die folgenden Ausführungen vorliegender Arbeit; ferner RG. in JW. 1923, S. 934. Nicht zu verwechseln mit den Interessen des Beteiligten ist das Interesse, welches die Allgemeinheit aus Gründen der Rechtssicherheit etwa an Innehaltung auch örtlicher Zuständigkeit haben kann.Google Scholar
S. 350; 29, 201. Weitere Entscheidungen bei Allfeld: Lehrb. des dtsch. Strafr. 1922, S. 559, Anm. 10.Google Scholar
; 19, 69; 22, 300; 40, 213. Goldschmidt: Ungerechtf. Vollstreckungsbetrieb 1910, S. 76ff.; Olshausen: Komm. 1916, Anm. 15a zu § 113, A. M.: Allfeld: a. a. O. Anm. 11 und die dort Genannten; s. a. Ger l a n d: Dtsch. Reichsstrafr. 1922, S. 254.Google Scholar
Derart die Disziplinarpraxis des preußischen OVG. Vgl. die Entscheidung bei Meyer -Ans chütz S. 596 Anm. m, ferner RG. 56, 418. Nach M. E. Meyer: Der rechtswidrige Bef. des Vorg., in Tiib. Festschr. f. Laband 1908, S. 121 ist nur der rechtmäßige Befehl verbindlich. Über die besondere Gehorsamspflicht des Militärs Laband, anläßlich des Zaberner Falls in DJZ. 1914, Sp. 185 ff. Die Abstellung B e u t n e r s S. 62 ff. auf Vollmacht und Auftrag löst nicht, sondern verschiebt nur die Probleme.Google Scholar
Skedl: in RheinZ. f. Zivil-und Prozeßrecht 1923, S. 347ff.Google Scholar
Graf zu Dohna: Die Rechtswidrigkeit als allgemein gültiges Merkmal im Tatbestande strafbarer Handlungen 1905, S. 137ff.Google Scholar
Skedl, in RheinZ. a. a. O. S. 348, Anm 7 Vgl. auch Wagner: Die Ungültigkeit von Zivilurteilen, Diss. Königsberg 1922, und Fuehrer: Die absolute Ungültigkeit eines Strafurteils. Diss. Königsberg 1922.Google Scholar
Lehrbuch des deutschen ZivilprozeBrechts 1903, S. 314.Google Scholar
Nach Skedl: a. a. O. ist die Nichtigkeit eines Urteils durch negative Feststellungsklage, im Laufe der Vollstreckung durch Klage auf Ungültigkeits-oder Unwirksamkeitserklärung oder auf Aufhebung des scheinbaren Titels geltend zu machen. Vgl. ferner Friedrichs: Verwrspfl. S. 1221.Google Scholar
Ob Jellinek: Gesetzesanwendung… S. 208ff., 269 diese Ansicht aufgegeben hat und Akte unzuständiger Behörden für anfechtbar ansieht, ist nicht recht zu erkennen. Vgl. auch Bühler: Die subjektiven öffentlichen Rechte, 1914, S. 69, Anm. 267.Google Scholar
Holtzendorffs Enzyklopädie IV, 1914, S. 266.Google Scholar
Im selben Sinne etwa die Entscheidungen 2, 424; 9, 243; 10, 366; 14, 348; 20, 302; 385, 223ff.; 48, 406, unter Bezugnahme auf die grundsätzliche Entscheidung im 22. Bd.; s. a. § 7 FGG., Art. 1 Pr. FGG. und Güthe-Triebel: GBO. I, 1923, S. 23ff.Google Scholar
Man beachte auch, daß im frz. Recht incompètence einen der Hauptgründe des recours pour excès de pouvoir bildet. Nur, »si l’acte est accompli par une personne dépourvise de toute autorités, besteht nach Berthélemy, Traité E’lémentaire De Dreil Administratiy, 10. Aufl., 1923 S. 998 inexistance desselben.Google Scholar
OVG. 2, S. 424. Der Versuch, dies Ergebnis als logische Konsequenz der § 60, 67, 77 der Kreis0. y 13. XII 1872 hinzustellen, dürfte schwerlich überzeugen.Google Scholar
Vgl. auch Wirth: Die Behandlung der örtlichen Zuständigkeit in der StPO. unter Berücksichtigung der neuen Entwürfe. Diss. Würzburg 1922, S. 170 ff.Google Scholar
Jaeckel: Komm. 1915, S. 23.Google Scholar
So W. Jellinek, a. a. O. S. 81, Rauchalles: Bundes-und StaatsangehörigkeitsG. 1901, S. 75.Google Scholar
Urteil v. 5. Oktober 1922 in DJZ. 1922, Sp. 756f.Google Scholar
Absolute Nichtigkeit, die das OVG. unter Berufung auf W. Jel -linek annimmt, liegt also nicht vor. Wie hier im Ergebnis auch Arndt: Komm zum RBG. 1923, S. 181.Google Scholar
Die Ansicht Land manns: Komm, zur GO. I, 1917, S. 231f., der eine von sachlich oder örtlich unzuständiger Stelle erteilte Approbation oder Konzession unter Berufung auf W. Jellinek für absolut nichtig erklärt, ist gegenüber den Bestimmungen der Reichsabgabenordnung nicht haltbar und widerspricht der Rechtsprechung des OVG., ist auch im Ergebnis offenbar unbillig. Dies gilt entsprechend gegen Schenkel: GO. I, 1894, 5. 395.Google Scholar
Vgl. dazu S. 100. Daß es zur Entscheidung, ob Merkmale wesentlich oder unwesentlich sind, der Beziehung auf einen Zweck bedarf, rein logische Überlegungen ohne materiale Gesichtspunkte nicht weiterzuführen, stellt Rickert: Zur Lehre von der Definition, 2. Aufl. 1915, 5. 43 fest. Wenn Gschnitzer: Wesentlich und unwesentlich im BGB., Archiv f. d. civil. Praxis 1923 S. 199ff. den Begriff wesentlich durch erheblich ersetzen will, weil es sich um einen Werttatbestand handle, so ist damit das Problem richtig erkannt, sachlich jedoch nichts gewonnen.Google Scholar
Der Komm von Rüde zur Reichsabgabenordnung, S. 6, sieht dagegen im obigen Beispiel einen Fall absoluter Unzuständigkeit. Es ist dabei übersehen, daß der Begriff der Unzuständigkeit im Sinne des § 78 nur mit Beziehung auf den Steuerzahler bestimmt werden darf, will man nicht jener Norm ihre eigentliche Bedeutung nehmen. Vgl. auch Mrozek, Komm. 1921, S. 308. Ferner S. 73 dieser Arbeit.Google Scholar
OVG. 2, S. 422; 8, S. 215f.; 19, S. 384 f.; 24, S. 349f.; 28, S. 272 f.; 29, S. 369; 40, S. 377; 55, S. 438. S chol z: Verw.-Arch. 23, S.225f.; Kor mann, S. 389; M es o w: Der Widerruf einer Bauerlaubnis nach preußischem Recht. Diss. Göttingen 1921, S. 81. Nach Ansicht des österreichischen Verwaltungsgerichtshofs sind begünstigende Akte, die sich im Rahmen des freien Ermessens halten,stets unwiderruflich. Tezner: Administrativverfahren, S. 441, der wohl mit Grund diese Praxis für zu weitgehend ansieht.Google Scholar
Das meint im Grunde das OVG., wenn es 24, S. 344 von positivbindenden, das freie Ermessen ausschließenden Normen spricht. Denn ob eine Norm diesen Titel verdient, läßt sich ohne Zirkel nur durch Wertbeziehung feststellen. Mit Recht bemerkt übrigens Ehrlich: Iherings J. 1917, S. 34, ob ein Rechtssatz zwingend sei, lasse sich durch historische Auslegung häufig nicht feststellen, weil niemand bei Abfassung des Gesetzes an diese Frage gedacht habe. Vgl. auch das Urteil in: Hans GZ. 1924, Sp. 76ff.; OVG. 68, S. 435; 55, S. 437.Google Scholar
des BauG. v. 1904. Entsprechend auch die preußische Praxis und Theorie; vgl. Schoen, a. a. O. S. 267.Google Scholar
Vgl. F. Müller: Die rechtliche Bedeutung der Willensmängel bei der Beamtenanstellung. Diss. Breslau 1916, S. 60.Google Scholar
) Braun: Arch. Öff. R. S. 554 ff. hält Titel, Orden und Ehrenzeichen wegen Unehrenhaftigkeit und im öffentlichen Interesse für entziehbar. Vgl. ferner Plein: Willensmängel bei der Beamtenanstellung. Diss. Berlin 1921.Google Scholar
S. 293 v. 13. Mai 1878. Wiederum wird 55, S. 264 die Entziehung einer durch Täuschung erlangten Genehmigung als fraglos zulässig hingestellt. — Erscheint es billig, erschlichene Begünstigungen widerrufen zu können, dann müssen offenbar entsprechend auch arglistig entzogene Begünstigungen ungültig sein. Tatsächlich vertritt das RG. Z. 81, S. 107ff. diese Ansicht, wenn es den Pensionsanspruch eines Beamten anerkennt, dem bei eingetretener Dienstunfähigkeit nur darum gekündigt wurde, um ihm den Anspruch auf Pension abzuschneiden. Vgl. auch Brand: Das Beamtenrecht 1914, S. 37.Google Scholar
Vgl. zum folgenden Nathan: Die arglistige Erschleichung eines Urteils. Diss. Breslau 1922, wie § 9 b ß) vorliegender Arbeit.Google Scholar
Gedacht ist hier nur an den wichtigsten Fall, daß ein Urteil durch Arglist, etwa Vorlegung falscher Urkunden, zu einem unrichtigen gemacht wurde. Die arglistige Vollstreckung eines unrichtigen, aber ordnungsgemäß zustande gekommenen Urteils wie die Erschleichung der Rechtskraft fallen daher aus. Vgl. dazu Nathan, S. 32; Friedrichs: VerwaltRspfl., S. 1012ff.Google Scholar
So soll E. 46, 75ff., die Rechtskraft dem fundamentalen Satz, nach welchem vorsätzliche Rechtsverletzung zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichte, weichen und wiederum nicht weichen. In Bd. 61, S. 358 ff. dagegen, auf welches Urteil sich alle späteren beziehen, ist zwar von einem Zessieren der Rechtskraft die Rede, wird aber § 826 gleichzeitig als Grund und Folge hierfür hingestellt.Google Scholar
System, Teil I, S. 786. 1912Google Scholar
Dem Einwand, daß aus den Vorschriften über das Wiederaufnahmeverfahren sich per argumentum e contrario die Unzulässigkeit einer so verallgemeinernden Actio doli ergäbe, kann mit derselben logischen Berechtigung die Behauptung zulässiger Analogie entgegengesetzt werden. Stützt man sich dagegen auf den Wertgesichtspunkt der Rechtsvergewisserung, so gilt das oben Ausgeführte. Daß nicht in jedem Falle das Prinzip der Rechtskraft zurücktreten darf, vielmehr nur dort, wo es ersichtlich den minderen Wert darstellt, wurde schon hervorgehoben. Eine actio quasi negatoria bei Erschleichung nimmt Ho eniger in DJZ. 1910, S. 1005 an.Google Scholar
Hartmann, in Hirths Ann 1917, S. 784; entsprechend die Schweizer Praxis nach Fleiner, a. a. O. S. 199, Anm 17.Google Scholar
Bezüglich der erschlichenen Naturalisation weist schon Land - graf: Hirths Ann 1876, S. 1029 auf die Unbilligkeit des von jenem eingenommenen Standpunkts hin. Widerruf bei jeder arglistigen Beeinflussung nimmt W. Jellinek, S. 159 an. Vgl. ferner Loening: Verw.R., S. 245; 0. Mayer, I, S. 306; Kor mann, S. 298ff.; Scholz: Verw.-Arch. 23, S. 227; Katz: a. a. 0.; Vogels, S. 263ff.; Fleiner, S. 198; Schoen, S. 268, der allerdings Formalakte für unwiderruflich hält und hier die Naturalisation nennt und vor allem Neuhäuser a. a. O. s. a. RG. Z.83, 433; 96, 240. Im Falle von Schiebungen beim Wohnungstausch widerrufen die Berliner Wohnungsämter die Tauschgenehmigung. Körner -Hoffmann: Wie arbeitet das Wohnungsamt? 1923, S. 36.Google Scholar
Allerdings legt der Disziplinarhof die betreffenden Normen extensiv aus; vgl. Dultzig: Disz.-Ges. 1914, S. 45.Google Scholar
Im Falle des falschen Bürgermeisters von Köslin wurden die unter dem Vorsitz des Betrügers ergangenen Entscheidungen des Gewerbegerichts durchweg als gültig angesehen. Bundesamt für Heimatwesen in DJZ. 1914, Sp. 884f.; Hachenburg: ebendort Sp. 677; Buchka: ebendort Sp. 851, der seinerseits Kohler zitiert. Vgl. insbesondere auch Neuhäuser: a. a. O.; ferner Müller: a. a. O. S. 51; Plein: S. 109.Google Scholar
Grosch: Der Zwang im Völkerrecht, 1922.Google Scholar
Vgl. dazu insbesondere die Königsberger Diss. von Schliffke: Die Bedeutung von Willensmängeln beim Abschluß völkerrechtlicher Verträge, 1922.Google Scholar
Die Rechtsgeltung innerstaatlicher Ideen überträgt aufs Völkerrecht Beling: Versailler Frieden und dtsch. Rechtspflege. 1919, S. 16. Dagegen Schliffke: S. 69.Google Scholar
Das moderne Völkerrecht, 1878, S. 237ff.; Schliffke: S.95.Google Scholar
Radbruch, Archiv f. Sozialwissenschaft u. Sozialpolitik, 1906, S. 355ff. Stampe: Die Freirechtsbewegung, 1911, S. 8ff. Über die Art, in welcher man die Gewaltenteilungslehre logisch auszudeuten sucht, wie über die sich hierbei ergebenden Antinomien s. v. Hippel: Die Lehre Montesquieus, a. a. O. S. 86ff.Google Scholar
Kantorowicz: Rechtswiss. und Soziologie. Schr. d. dtsch. Ges. f. Soziol. I, S. 278, 1911; Ehrlich: Jur. Logik, 1918, S. 193.Google Scholar
Vgl. die eigentümliche Formulierung dieses Gedankens bei Bergbohm: a. a. O. S. 381.Google Scholar
So erklärt Winds cheid in seiner Rektoratsrede vom 31. Oktober 1884: „Wir wissen, daß die Rechtswissenschaft dazu da ist, um mitzuwirken, daß ein Recht vorhanden sei und ein Recht gesprochen werde, welches menschliche Interessen und Bedürfnisse, wie sie immer in dieser Zeit und an diesem Ort begriffen werden, zu befriedigen imstande ist.“ Zit. bei Heck: Gesetzesauslegung und Interessenjurisprudenz, 1914, S. 310, Anm. 481.Google Scholar
I, S. 379. 500) Siehe § 2 der Arbeit.Google Scholar
Das Problem der Rechtsgewinnung, 1912, S. 14 ff. Baum - garten: a. a. O. S. 395.Google Scholar
So etwa Vogels: Verw.-Arch. 27, S. 249. Gegen dies Abstraktionsverfahren vgl. Heck: DJZ. 1909, Sp. 1458; Ehrlich: Jur. Logik, S. 245ff.; Frhr. v. Schwind: Iherings J. 1919, S. 7; Felix Kaufmann: Logik und Rechtswissenschaft, S. 51 ff.Google Scholar
a) In dieser Richtung liegt, was Sta mpe, a. a. O. S. 17 ff. über Falschsubsumption und Tatbestandsfiktion ausführt.Google Scholar
der Arbeit. 506) Vgl. etwa Gmelin: Quousque? 1910.Google Scholar
der Arbeit. Ehrlich: Jur. Logik, S. 299. Hierher gehört auch das Verfahren G. Jellineks, Die Lehre von den Staatenverbindungen, 1882, S. 34 ff., aus dem Begriff der Souveränität ein Recht der Souveränität zu schließen. Vgl. auch dagegen Nelson, Die Rechtswissenschaft ohne Recht, 1917, S.Google Scholar
Freie Rechtsfindung und freie Rechtswiss., 1903.Google Scholar
Lücken im Recht, 1903. Literatur über das Lückenproblem bei Heck: Gesetzesausl., S. 157 und Somlo: a. a. O. S. 403ff. Eine Behandlung desselben vom Boden Zitel manns aus durch Herrfahrdt: Lücken im Recht. Diss. Bonn 1915.Google Scholar
Da die Rechtsbegriffe keine Zahlen seien, könne die Auslegung nach.ihnen nicht errechnet, sondern nur durch Würdigung der im Rechtssatz“und Tatbestand vorliegenden Werte vollzogen werden, erklärt E u g e n Huber in Zeitschr. f. Rechtswiss. 1921, S. 290ff. Die Notwendigkeit, auch beim Schweigen des Gesetzes zu entscheiden, kann allerdings nicht logisch nachgewiesen werden (S o m 10: S. 399 ff.), bildet aber ein Grundaxiom auch des Rechtspositivismus.Google Scholar
Eine Kritik des staatsrechtlichen Positivismus gibt neuestens Laun: Arch. f. Öff. R. 1922, S. 145ff Derselben Ansicht wie La un ist offenbar auch Tho ma: Arch. f. soz. Wiss. u. Soz.-Pol. 1923, S. 276. 515) Sta mpe: Unsere Rechts-und Begriffsbildung, 1907, S. 37; Gmelin: S. 6. Vgl. ferner Müller-Erzbach: Die Relativität und ihre Begrenzung durch den Zweck des Gesetzes, 1913.Google Scholar
Fuchs: Die Gemeinschädlichkeit der konstruktiven Jurisprudenz, 1909, S. B. Wieland: Die historische und die kritische Methode in der Rechtswissenschaft, 1910.Google Scholar
Unger in DJZ. 1906, Sp.781 ff.; Bülowu. Klein in: ‘Das Recht, 1906, Sp. 769ff., 916ff.; Mitteis in: DJZ. 1909, Sp. 1038ff.Google Scholar
Hölder in: DJZ. 1909, Sp. 1026ff. Dagegen Fuchs: DJZ. 1910 mit der Erklärung, den Wert wissenschaftlicher Begriffsbildung keineswegs anzuzweifeln.Google Scholar
Soh m in: DJZ. 1909, Sp. 1021. Mit Recht bemerkt Heck, ebenda, Sp. 1457ff. daß auch die Reformer die Bedeutung der Rechtsbegriffe gar nicht bestritten.Google Scholar
Vierhaus: DJZ. 1909, Sp. 1175, der es aber für möglich hält, den Rechtsbegriff gleichsam auf das Tatbestandsbild zu legen.Google Scholar
Über die Art, in der bereits Bartolus verfuhr, vgl. Kantorowicz ( Gnaeus Flavius ): Der Kampf um die Rechtswissenschaft, 1906.Google Scholar
So findet Sohm; DJZ. 1910, Sp. 114 zwischen sich und Heck keinen grundsätzlichen Gegensatz, erklärt vielmehr, daß die Auslegung der Rechtssätze nach der ihnen zugrunde liegenden „praktischen Idee“ zu erfolgen habe und die „Interessenabwägung” über ihren Inhalt entscheide. Im Jahre 1914 bezeichnet Danz: DJZ. 1914, Sp. 7ff. die Ansicht, nach welcher der Richter Lücken auszufüllen hat, als herrschend.Google Scholar
Jur. Prinzipienlehre IV, S. 295, 1911.Google Scholar
Vgl. Ausführungen und Literatur bei Kantorowicz: Rechtsw. u. Soziol., a. a. O. S. 302. In seinen letzten Schriften teilt übrigens Ehr 1 i ch den oben gekennzeichneten Standpunkt nicht. S. ferner Korn -feld: Soz. Machtverhältn., 1911; Wurzel: Das juristische Denken, 2. Aufl., 1924 S. 14, nach dem die Normen, auf welche die Auslegung zurückgeht, Naturgesetze und keine Rechtsgesetze sind.Google Scholar
Gesetzesausl., S. 65. Dagegen Sohm: DJZ. 1910, Sp. 117. Eine kritische Auseinandersetzung mit Erich Jung: Das Problem des natür-lichen Rechts, 1912, nimmt von fachphilosophischer Seite Münch in Zeitschr. f. Rechtsphilosophie, 1914, S. 122 vor. Münch weist hier nach, wie Jung das Problem der Rechtsgeltung mit dem der Rechtsentstehung verwechselt, damit aber vor die unlösbare Aufgabe gerät, einem Wertproblem psychogenetisch beizukommen.Google Scholar
Vgl. Stammler: Rechts-und Staatstheorien der Neuzeit, 1917, S. 73 ff.; So ml o: Jur. Grundlehre, 1917, S. 415 ff.; ferner S. 59 ff. der Arbeit und von fachphilosophischer Seite vor allem Husserls Kritik der naturalistischen Philosophie. Log. Unters. I, 1900, und Logos 1911, S. 289 ff.Google Scholar
Vgl. auch del Vec hio, Die Grundprinzipien des Rechts, übertragen von Hellwig, 1923 S. 70, Bonnecase, La Nation de droit en France au dia,neuvième siècle, Paris 1919 S. 183 ff., ferner Anm 503 vorliegender Arbeit.Google Scholar
Gmelin: S. 4. 541) Heck: S. 54.. 542) Gmelin: S. 60. Nach Wüstendörfer: Verhandl. des ersten Soziologentages, S. 316Google Scholar
a) Nicht nur für die Auslegung des Völkerrechts kommt so ein „materiell-ethisches“ Moment in Frage wie W. Bure k h ar d, Die Völkerr. Verantwortlichkeit d. Staaten, Bern 1924, S. 26 annimmt.Google Scholar
b) Die Verwerflichkeit angeblich logischer Rechtsauslegungen zeigt einleuchtend T e z n e r, Das freie Ermessen der Verwaltungsbehörden, 1924.Google Scholar
Vgl. S ta m ml er: Historische Rechtstheorien, a. a. O. S. 80. Eine psychologische Untersuchung des Rechtsgefühls bringt Kornfeld in Zeitschr. f. Rechtsphilosophie, 1914, S. 135 ff.; 1919, S. 28 ff. Siehe ferner Riesler, Das Rechtsgefühl, 1921.Google Scholar
546a).
Bereits Regelsberger, Gesetz u. Rechtsanwendung, Jherings Jahrbücher 1910, S. 146ff.Google Scholar
547a).
So auch vom Standpunkt der Interessenjurisprudenz aus mit Recht Lohmann: Allg. Teil d. Bürgert Gesetzbuches, 1919, S. 24f.Google Scholar
547b).
Etwas wie eine Theorie der Rechtswerte scheint auch Zitel - mann zuletzt vorgeschwebt zu haben. Vgl. seine Autobiographie in der Rechtswiss. der Gegenwart in Selbstdarstellungen, 1924, S. 33. Nahe den in vorliegender Arbeit vertretenen Ansichten stehen auch seine Ausführungen S. 24 ff., ebendort.Google Scholar
Österr. Zeitschr. f. öff. Recht, 1922/23, S. 359; ähnlich schon Kelsen: Hauptprobleme, S. 93. Auch Merkt: Zum Interpret. Probt. Grünh. Z. 1916, S. 535 ff. schiebt die Lösung der Frage letzten Endes auf die Praxis ab. Nahe diesen Gedankengängen steht Beling: Rechtswissenschaft und Rechtsphilosophie, 1923, S. 37.Google Scholar
Dies scheint Fel. Kaufmann: Logik und Rechtswissenschaft, 1922, S. 54Google Scholar
Wie wenig es Sander selbst gelingt, Reehtsauslegungsfragen gerecht zu werden, zeigt Verdro ß: Zeitschr. f. öff. Recht, 1923, S. 405 ff.Google Scholar
1.Universität HeidelbergDeutschland
von Hippel E. (1924) Versuch einer teleologischen Behandlung des fehlerhaften Staatsakts. In: Untersuchungen zum Problem des Fehlerhaften Staatsakts. Springer, Berlin, Heidelberg
DOI https://doi.org/10.1007/978-3-642-99381-7_4
Print ISBN 978-3-642-98566-9
Online ISBN 978-3-642-99381-7