Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=12.06.2007&Aktenzeichen=4%20StR%20187%2F07
Timestamp: 2019-08-18 05:56:25
Document Index: 195034532

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 20', 'BGH', '§ 21', 'BGH', 'BGH', '§ 20', '§ 21', 'BGH', 'BGH', '§ 20', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 20', 'BGH']

BGH, 12.06.2007 - 4 StR 187/07 - dejure.org
https://dejure.org/2007,5649
BGH, 12.06.2007 - 4 StR 187/07 (https://dejure.org/2007,5649)
BGH, Entscheidung vom 12.06.2007 - 4 StR 187/07 (https://dejure.org/2007,5649)
BGH, Entscheidung vom 12. Juni 2007 - 4 StR 187/07 (https://dejure.org/2007,5649)
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Rechtsfehlerhafte Verneinung einer verminderten Schuldfähigkeit nach erheblicher Alkoholintoxikation (Affekt; Bedeutung des Leistungsverhaltens nach der Tat)
Annahme einer erheblichen Verminderung der Steuerungsfähigkeit des Angeklagten bei Begehung eines Totschlags; Vorliegen eines Affekts als Ausdruck einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung; Erwägungen zur Zielgerichtetheit bei Herbeiholen des Tatwerkszeugs und bei Ausführung der Schläge gegen den Kopf
Leistungsverhalten bei alkoholgewöhnten Personen; Affekt und folgerichtiges, zielgerichtetes Verhalten
NStZ 2007, 696
StV 2008, 75
Ohne Rechtsfehler hebt die Strafkammer neben anderen Beweisanzeichen auch auf das isoliert gesehen bei trinkgewohnten Personen freilich nur begrenzt aussagekräftige (vgl. BGH, Beschluss vom 17. August 2011 - 5 StR 255/11; BGH, Beschluss vom 12. Juni 2007 - 4 StR 187/07) Fehlen erheblicher Ausfallerscheinungen ab.
Bei Alkoholikern zeigt sich oft eine durch "Übung' erworbene erstaunliche Kompensationsfähigkeit im Bereich grobmotorischer Auffälligkeiten (…vgl. BGH, Beschlüsse vom 28. Februar 2018 - 4 StR 530/17, aaO und vom 12. Juni 2007 - 4 StR 187/07, aaO;… Fischer, StGB, 66. Aufl., § 20 Rn. 23a).
Bei dem Herbeiholen des neuen Tatwerkzeugs handelt es sich um eine einfache Tätigkeit, die vom Angeklagten keine intensiven Entscheidungs- und Steuerungselemente erfordert und deswegen - anders als ein komplexes, mehraktiges Geschehen - nicht gegen einen Affekt spricht (…vgl. auch BGHR StGB § 21 Bewusstseinsstörung 1; BGH, Beschluss vom 12. Juni 2007 - 4 StR 187/07).
Denn auch ein Täter, der in einem hochgradigen affektiven Ausnahmezustand handelt, kann gemessen an der Verfolgung seines deliktischen Ziels durchaus folgerichtig und zielgerichtet handeln (…BGHR StGB § 20 Bewusstseinsstörung 6, § 21 Affekt 10; BGH, Beschluss vom 12. Juni 2007 - 4 StR 187/07).
Dabei steht das Fehlen von Ausfallerscheinungen einer erheblichen Verminderung der Steuerungsfähigkeit nicht unbedingt entgegen; gerade bei - wie hier - alkoholgewöhnten Tätern können äußeres Leistungsverhalten und innere Steuerungsfähigkeit durchaus weit auseinander fallen (vgl. BGH, Beschluss vom 12. Juni 2007 - 4 StR 187/07, NStZ 2007, 696;… Fischer, StGB, 62. Aufl., § 20 Rn. 23a, jeweils mwN).
Gerade bei alkoholgewöhnten Tätern - wofür beim Angeklagten angesichts seiner Vorstrafen vieles spricht - können äußeres Leistungsverhalten und innere Steuerungsfähigkeit weit auseinander fallen (vgl. BGH, Beschluss vom 12. Juni 2007 - 4 StR 187/07, NStZ 2007, 696 mwN).
Eine durch Übung erworbene Kompensationsfähigkeit im Bereich grobmotorischer Auffälligkeiten kann zu äußerer Unauffälligkeit selbst bei extrem hoher BAK und Aufhebung der Steuerungsfähigkeit führen (…vgl. Fischer, a.a.O., Rn. 23a; BGH NStZ 2007, 696).
Dabei steht das Fehlen von Ausfallerscheinungen einer erheblichen Verminderung der Steuerungsfähigkeit nicht unbedingt entgegen; gerade bei alkoholgewöhnten Tätern können äußeres Leistungsverhalten und innere Steuerungsfähigkeit durchaus weit auseinander fallen (vgl. BGH, Beschluss vom 12. Juni 2007 - 4 StR 187/07 m.w.N.;… vgl. auch Fischer StGB 57. Aufl. § 20 Rdn. 23 a).
Das äußere Leistungsverhalten und die innere Steuerungsfähigkeit können bei hoher Alkoholgewöhnung durchaus weit auseinanderfallen (BGH, Beschluss vom 12.06.2007 - 4 StR 187/07 -, zitiert nach Juris).