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Timestamp: 2016-10-23 18:12:32
Document Index: 99909061

Matched Legal Cases: ['BGE', 'Art. 6', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 159', 'Art. 135', 'BGE']

U 148/04 (02.12.2004)
U.________, 1966, Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanw�ltin lic. iur. Claudia Giusto, Sonneggstrasse 55, 8006 Z�rich
(Entscheid vom 25. M�rz 2004)
U.________ (geboren 1966) ist seit 2. Juni 1998 bei der M.________ GmbH als Mitarbeiter im Versand angestellt und bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Am 23. Januar 2003 versp�rte er bei der Arbeit einen Schmerz im Knie. In der Folge setzte er mit der Arbeit aus. Dr. med. J.________ nahm am 24. M�rz 2003 eine arthroskopische Teilmeniskektomie medial rechts vor. Mit Verf�gung vom 15. Mai 2003, best�tigt mit Einspracheentscheid vom 2. September 2003, lehnte die SUVA jegliche Leistungen ab.
Die hiegegen erhobene Beschwerde hiess das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich mit Entscheid vom 25. M�rz 2004 gut, hob den Einspracheentscheid vom 2. September 2003 auf und verpflichtete die SUVA zur Erbringung der gesetzlichen Leistungen.
Die SUVA f�hrt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit dem Antrag, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben. U.________ l�sst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliessen. Das Bundesamt f�r Gesundheit, Abteilung Kranken- und Unfallversicherung, verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Die Vorinstanz hat die Bestimmungen und Grunds�tze �ber die zeitliche Anwendung des Bundesgesetzes �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; BGE 129 V 4 Erw. 1.2 mit Hinweisen) und den Begriff der unfall�hnlichen K�rpersch�digung (Art. 6 Abs. 2 UVG; Art. 9 Abs. 2 UVV; BGE 129 V 466 mit Hinweisen) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Streitig ist, ob der Beschwerdegegner sich die Verletzung am Meniskus durch ein unfall�hnliches Ereignis zugezogen hat.
2.1 Die einzelnen Umst�nde des Unfallgeschehens sind von der versicherten Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach, indem sie unvollst�ndige, ungenaue oder widerspr�chliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallm�ssigen Schadens als unglaubw�rdig erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht, zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen erf�llt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zweck auch die Parteien heranziehen. Wird auf Grund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfalles nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse M�glichkeit gen�gt nicht -, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person auswirkt (SVR 1997 UV Nr. 74 S. 256 Erw. 2c mit Hinweisen). Diese Rechtsprechung findet auf den Nachweis unfall�hnlicher K�rpersch�digungen sinngem�ss Anwendung (BGE 116 V 140 Erw. 4b). Die spontanen "Aussagen der ersten Stunde" sind in der Regel unbefangener und zuverl�ssiger als sp�tere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachtr�glichen �berlegungen versicherungsrechtlicher Art beeinflusst sein k�nnen, und daher den Angaben, welche die versicherte Person kurz nach dem Ereignis macht, meistens gr�sseres Gewicht zukommt als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverf�gung des Versicherers (BGE 121 V 47 Erw. 2a; RKUV 2004 Nr. U 515 S. 420 Erw. 1.2, je mit Hinweisen). Sofern der Unfallversicherer die tats�chlichen Verh�ltnisse mittels Fragebl�ttern detailliert erhoben und damit seine Verpflichtung zur richtigen und vollst�ndigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts erf�llt hat, �berzeugt es rechtsprechungsgem�ss nicht, wenn die versicherte Person den entsprechenden Sachverhalt erst nach der abschl�gigen, einl�sslich begr�ndeten Verf�gung darlegt; der Unfallversicherer ist nicht gehalten, diesfalls die versicherte Person zur weiteren Substantiierung des gemeldeten Geschehnisses aufzufordern (RKUV 2004 Nr. U 515 S. 422 Erw. 2.2 mit Hinweisen).
2.2 Aus der Unfallmeldung vom 19. M�rz 2003 ergibt sich nur, der Versicherte habe sich am 23. Januar 2003 "im Versand" und "beim Arbeiten" am rechten Knie verletzt. Der Bericht des Dr. med. J.________, welcher am 24. M�rz 2003 eine arthroskopische Teilmeniskektomie medial rechts und eine Resektion der Plica infrapatellaris vorgenommen hatte, enth�lt als Indikation:
"Stark st�rende Meniskusbeschwerden nach Drehtrauma."
In seinem Arztzeugnis vom 1. April 2003 verweist Dr. med. J.________ auf die Angaben des Patienten. Im Fragebogen der SUVA gibt der Versicherte am 7. April 2003 an, die Beschwerden h�tten sich sofort bemerkbar gemacht, und f�hrt aus:
Die Fragen, ob es sich um eine f�r ihn gewohnte T�tigkeit gehandelt hat und ob sie unter normalen �usseren Bedingungen verlief, bejahte er. In seiner Einsprache vom 5. Juni 2003 schildert er den Hergang neu:
Dr. med. J.________ gibt in seinem Schreiben vom 2. Dezember 2003 an, der Patient habe ein ad�quates Drehtrauma erlitten und sich dabei eine Meniskusquetschung bzw. einen unvollst�ndigen Meniskusriss zugezogen; er sei nicht einverstanden, dass das Ganze ein normales Krankheitsgeschehen darstelle. In seiner Beschwerde vom 3. Dezember 2003 schildert der Versicherte seine gew�hnliche T�tigkeit sowie das Geschehen vom 23. Januar 2003 erstmals ausf�hrlich:
"Der Beschwerdef�hrer arbeitet als Packer bei der Firma M.________. In dieser Funktion ist es insbesondere seine Aufgabe, die ihm von den sog. R�stern an seinen Arbeitsplatz gebrachten Pakete mit Adressen an einem daf�r vorgesehenen Ort anzubringen. Die Pakete befinden sich dabei jeweils bereits auf Paletten. In der Regel ist es dem Beschwerdef�hrer m�glich, die auf dem Palett aufgestapelten, teilweise sehr schweren Pakete (zwischen 20 kg bis 30 kg), zu drehen, bis die Stelle, an dem die Adresse aufgeklebt werden muss, zum Vorschein kommt. So gelingt es dem Beschwerdef�hrer, zu vermeiden, dass er die Pakete aufheben muss. Der Beschwerdef�hrer achtet darauf, seinen R�cken und insbesondere seine Gesundheit durch die von ihm ausge�bte T�tigkeit nicht zu sch�digen, indem er angemessene und schonende Bewegungen macht. Sobald alle Pakete beschriftet sind, f�hrt der Beschwerdef�hrer diese mit einem Palettrolli an einen daf�r vorgesehenen Ort und stellt sie dort ab. Bevor der Beschwerdef�hrer die Pakete an die n�chste Arbeitsstation abgibt, pr�ft er jeweils die Anzahl St�cke, den Inhalt der Pakete sowie die Termine. Ein Staplerfahrer holt die Palette ab und transportiert sie in einen Lift, welcher sie zur Spedition weiterbef�rdert. Von dort aus werden die Pakete an die Kunden ausgeliefert.
Am 23. Januar 2003 erhielt der Beschwerdef�hrer von einem R�ster ein Palett, auf welchem f�nf Pakete gestapelt waren. Beim Durchlesen des Auftrages bemerkte er, dass bei dieser Sendung eigentlich sechs Pakete dazugeh�ren. Der Beschwerdef�hrer sah sich veranlasst, das sechste Paket selber zu suchen. Er h�tte indessen auch den R�ster damit beauftragen k�nnen, ihm das sechste Paket zu suchen und zu �berbringen. Der Beschwerdef�hrer suchte das sechste Paket in einem von seinem Arbeitsplatz nahe gelegenen Speziallager, in welchem die fertige Ware jeweils bereit gestellt ist. Dort hatte er es auch gefunden. Das ca. 20 kg schwere Paket befand sich auf einem Palett auf einer H�he von ca. 1.60 m. Zu erw�hnen ist auch, dass die Palette in diesem Speziallager sehr eng plaziert sind. Es besteht jeweils zwischen den Paletten ein Durchgang von lediglich ca. 80 cm. Die engen Platzverh�ltnisse erschwerten es ihm, ein Paket mit einem Gewicht von ca. 20 kg �ber Kopf zu heben. Der Beschwerdef�hrer ergriff das Paket mit einem Format von 60 cm (H�he) x 70 cm (Breite) x 80 cm (L�nge), welches ihm von oben herab kurz auf die Brust fiel und er eine kleine R�ckw�rtsbewegung machen musste. In dieser engen Position machte er sodann mit dem Oberk�rper mit einem Paket in der oben erw�hnten Gr�sse und einem Gewicht von ca. 20 kg �ber Kopf eine ung�nstige Drehbewegung von ca. 90 Grad. Darauf versp�rte er unmittelbar einen Schmerz und musste das Paket auf den Boden stellen. Er war nicht mehr im Stande, seine Arbeit weiter zu verrichten und begab sich notfallm�ssig ins Spital Z.________."
Anl�sslich seiner Stellungnahme im letztinstanzlichen Verfahren wiederholt er im Wesentlichen die Ausf�hrungen vor der Vorinstanz.
2.3 Auf Grund der geschilderten Aktenlage ist erstellt, dass der Versicherte beim Anheben einer ca. 20 kg schweren Waage und anschliessendem Abdrehen einen Schmerz im Knie versp�rte und unter sofort einschiessenden Schmerzen litt. Dies wird auch von der SUVA nicht bestritten. Uneinigkeit besteht hingegen, ob diese Drehbewegung mit gebeugtem Knie und das Anheben des Pakets �ber Kopf erfolgte sowie ob es sich beim Anheben der Waage um einen f�r ihn allt�glichen Vorgang handelte.
Auffallend ist, dass die Schilderungen des Vorfalles vom 23. Januar 2003 kurz gehalten sind. Dies ist nicht allein auf die geltend gemachten sprachlichen Schwierigkeiten des Versicherten zur�ckzuf�hren. Denn aus der Einsprache ergibt sich ohne Zweifel, dass er bei deren Verfassen auf die Hilfe seines Arbeitgebers zur�ckgreifen konnte; auch beim Ausf�llen des Fragebogens der SUVA scheint er Unterst�tzung erhalten zu haben. Dennoch ist in beiden F�llen das Geschehen des 23. Januar 2003 knapp beschrieben. Auch aus den Berichten des Dr. med. J.________ l�sst sich nichts Zus�tzliches gewinnen. Wenn der Versicherte im Nachgang zur ablehnenden Verf�gung und dem ebenfalls negativen Einspracheentscheid in seiner Beschwerde alsdann umso ausf�hrlicher seine normale T�tigkeit sowie den Vorfall vom 23. Januar 2003 schildert, so vermag dies rechtsprechungsgem�ss nicht zu �berzeugen. Denn es ist nicht nachvollziehbar, weshalb bis zum kantonalen Verfahren die f�r Durchschnittspersonen doch k�rperlich anspruchsvolle Bewegung des Anhebens-�ber-Kopf nirgends auch nur ansatzweise erw�hnt wurde, zumal es sich - gem�ss Schilderung in der Beschwerde - um eine f�r den Versicherten nicht allt�gliche Verrichtung gehandelt haben soll (vgl. RKUV 2004 Nr. U 515 S. 421 Erw. 2 mit Hinweisen). Damit ist f�r die Beurteilung der Leistungspflicht der SUVA weder von einer Vornahme der Drehbewegung in gebeugter K�rperhaltung noch von einem Anheben der Waage �ber Kopf auszugehen. Bleibt es demnach bei den bis zur Beschwerdeerhebung gemachten Angaben, ist mit der SUVA von einer im Rahmen der �blichen Arbeit und unter normalen Bedingungen erfolgten Bewegung auszugehen, sodass der �ussere Faktor infolge fehlendem gesteigertem Sch�digungspotenzial und somit ein unfall�hnliches Ereignis im Sinne der Rechtsprechung zu verneinen sind (BGE 129 V 471 Erw. 4.3).
Nach Art. 159 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 135 OG darf im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde obsiegenden Beh�rden oder mit �ffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen in der Regel keine Parteientsch�digung zugesprochen werden. In Anwendung dieser Bestimmung hat das Eidgen�ssische Versicherungsgericht der SUVA und privaten UVG-Versicherern sowie - von Sonderf�llen abgesehen - den Krankenkassen keine Parteientsch�digung zugesprochen, weil sie als Organisationen mit �ffentlich-rechtlichen Aufgaben zu qualifizieren sind (BGE 123 V 309 Erw. 10 mit Hinweisen). Demnach hat die SUVA keinen Anspruch auf eine Parteientsch�digung.
In Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird der Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Z�rich vom 25. M�rz 2004 aufgehoben.