Source: https://www.hensche.de/urteile-und-kommentare-zum-thema-ausserordentliche-kuendigung.html
Timestamp: 2019-05-24 11:04:24
Document Index: 157740324

Matched Legal Cases: ['§ 103', '§ 103', '§ 626', '§ 623', '§ 626', '§ 102', '§ 102', '§ 6']

Urteile und Kommentare: Außerordentliche Kündigung - HENSCHE Arbeitsrecht
Ur­tei­le und Kom­men­ta­re: Au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung
Ur­teil­s­an­mer­kun­gen zum The­ma Au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung von 2006 bis heu­te: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht
Un­ser Rechts­an­walts­team kom­men­tiert seit 2001 lau­fend ak­tu­el­le Ur­tei­le und wich­ti­ge Ge­set­zes­än­de­run­gen zum Ar­beits­recht, un­ter an­de­rem zum The­ma Kün­di­gung - Au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung.
17/261 Sexuelle Belästigung auch ohne sexuelle Motivation
13.10.2017. Ein Griff in die Weich­tei­le ei­nes männ­li­chen Kol­le­gen ist in der Re­gel ei­ne so er­heb­li­che se­xu­el­le Be­läs­ti­gung, dass ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung als Re­ak­ti­on des Ar­beit­ge­bers an­ge­mes­sen ist: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 29.06.2017, 2 AZR 302/16.
31.03.2017. Hat der Be­triebs­rat die Pflicht des Ar­beit­ge­bers zur Ent­las­sung ei­nes be­triebs­stö­ren­den Ar­beit­neh­mers ge­richt­lich durch­ge­setzt, steht bei ei­ner spä­te­ren Kün­di­gungs­schutz­kla­ge des ent­las­se­nen Ar­beit­neh­mers fest, dass ein Kün­di­gungs­grund vor­liegt:Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 28.03.2017, 2 AZR 551/16 (Pres­se­mel­dung des BAG).
16/327 Fristlose Kündigung wegen Drogenkonsums
21.10.2016. Be­rufs­kraft­fah­rer, die wie­der­holt dienst­li­che Fahr­ten un­ter dem Ein­fluss der Dro­ge "Crys­tal Meth" durch­füh­ren, kön­nen auch oh­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung frist­los ge­kün­digt wer­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 20.10.2016, 6 AZR 471/15 (Pres­se­mel­dung des Ge­richts).
16/285 Urlaubsanspruch trotz Streit um Kündigung
10.09.2016. Ge­wäh­ren Ar­beit­ge­ber beim Streit um ei­ne Kün­di­gung "vor­sorg­lich" für den Fall der Un­wirk­sam­keit der Kün­di­gung Ur­laub, müs­sen sie die Ver­gü­tung vor Ur­laubs­an­tritt zah­len oder zu­si­chern: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 19.01.2016, 2 AZR 449/15.
16/155 Zwischenverdienst bei erhöhter Stundenzahl
10.05.2016. Ein Zwi­schen­ver­dienst bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber ist nur in dem Um­fang auf den An­nah­me­ver­zugs­lohn an­zu­rech­nen, in dem Ar­beits­stun­den beim al­ten Ar­beit­ge­ber aus­ge­fal­len sind: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 24.02.2016, 5 AZR 425/15.
16/069 Abwicklungsvertrag und vorzeitiges Ausscheiden
28.02.2016. Be­rech­tigt ein Ab­wick­lungs­ver­trag den Ar­beit­neh­mer zum vor­zei­ti­gen Aus­schei­den durch ein­sei­ti­ge Er­klä­rung, muss die­se Er­klä­rung als Kün­di­gung schrift­lich ab­ge­ge­ben wer­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 17.12.2015, 6 AZR 709/14.
16/014 Fristlose Kündigung wegen schwerer Pflichtverletzung
14.01.2016. Lässt ein Si­cher­heits­mit­ar­bei­ter die Aus­gangs­kon­trol­le grund­los für län­ge­re Zeit un­be­auf­sich­tigt, kann dies ei­ne au­ßer­or­dent­li­che und frist­lo­se Kün­di­gung recht­fer­ti­gen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 09.09.2015, 17 Sa 810/15 (Pres­se­mel­dung Nr. 31/15).
16.03.2015. Kla­ge­ver­zichts­klau­seln in Auf­he­bungs­ver­trä­gen, die nach An­dro­hung ei­ner frist­lo­sen Kün­di­gung ver­ein­bart wur­den, sind nur wirk­sam, wenn die Dro­hung rech­tens war: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 12.03.2015, 6 AZR 82/14.
09.01.2015. Auch schwe­re Ver­stö­ße ei­nes Bank­mit­ar­bei­ters ge­gen Vor­schrif­ten zur Ab­wick­lung des Zah­lungs­ver­kehrs be­rech­ti­gen den Ar­beit­ge­ber oh­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung nicht zur Kün­di­gung: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 04.11.2014, 17 Sa 637/14.
14/282 BAG zur außerordentlichen Kündigung aus krankheitsbedingten Gründen
13.08.2014. Häu­fi­ge Kurz­er­kran­kun­gen kön­nen ein wich­ti­ger Grund für ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung sein und da­mit un­künd­ba­re Ar­beit­neh­mer tref­fen. Das al­ler­dings nur in ex­tre­men Aus­nah­me­fäl­len: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 23.01.2014, 2 AZR 582/13.
14/182 Außerordentliche Kündigung und Zweiwochenfrist
19.05.2014. Für den Aus­spruch ei­ner au­ßer­or­dent­li­chen Kün­di­gung ha­ben Ar­beit­ge­ber ab Kennt­nis des Kün­di­gungs­grun­des nur zwei Wo­chen Zeit. Be­steht der Kün­di­gungs­grund in ei­ner (mög­li­chen) Straf­tat, kön­nen Ar­beit­ge­ber trotz der ge­setz­li­chen Zwei­wo­chen­frist den Aus­gang ei­nes Straf­ver­fah­rens ab­war­ten, um auf die­se Wei­se ge­naue­re In­for­ma­tio­nen über den Kün­di­gungs­sach­ver­halt zu ge­win­nen. In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass der Ar­beit­ge­ber auch den Aus­gang ei­nes be­am­ten­recht­li­chen Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens ab­war­ten kann, be­vor er au­ßer­or­dent­lich kün­digt: BAG, Ur­teil vom 26.09.2013, 2 AZR 741/12.
14/151 Versetzung eines Betriebsratsmitglieds
28.04.2014. Mit­glie­der des Be­triebs­rats sind vor Ver­set­zun­gen stär­ker ge­schützt als "nor­ma­le" Ar­beit­neh­mer, denn ge­mäß § 103 Abs.3 Satz 1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) muss der Be­triebs­rat vor­ab zu­stim­men, wenn die Ver­set­zung zu ei­nem Ver­lust des Am­tes oder der Wähl­bar­keit füh­ren wür­de. Ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nürn­berg ist der Ar­beit­ge­ber an § 103 Abs.3 Satz 1 Be­trVG aber nicht ge­bun­den, wenn er ein Be­triebs­rats­mit­glied in­fol­ge ei­ner or­dent­li­chen Än­de­rungs­kün­di­gung an ei­nen an­de­ren Ort ver­set­zen möch­te: LAG Nürn­berg, Be­schluss vom 31.01.2014, 8 TaBV­Ga 1/14.
14/103 Fristlose Kündigung eines Geschäftsführers wegen Untreue
26.03.2014. Als Ge­schäfts­füh­rer ei­ner GmbH ist man vor kurz­fris­ti­gen Kün­di­gun­gen meist si­cher, denn Ge­schäfts­füh­rer­ver­trä­ge ha­ben in der Re­gel ei­ne lan­ge Lauf­zeit oder lan­ge Kün­di­gungs­fris­ten. Al­ler­dings kön­nen Ge­schäfts­füh­rer über "klei­ne" fi­nan­zi­el­le Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten stol­pern und dann frist­los ge­kün­digt wer­den: Ober­lan­des­ge­richt Ko­blenz, Ur­teil vom 11.07.2013, 6 U 1359/12.
14/078 Kündigung wegen Nebentätigkeit trotz Krankheit
08.03.2014. Ver­sto­ßen Ar­beit­neh­mer wäh­rend ei­ner Krank­schrei­bung ge­gen ih­re Pflicht zum "ge­ne­sungs­för­der­li­chen Ver­hal­ten", ris­kie­ren sie ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung. Für ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung reicht ein ge­ring­fü­gi­ger Ne­ben­job aber nicht aus: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 16.10.2013, 11 Sa 915/12.
14/006 Arbeitsverweigerung kann zur fristlosen Kündigung führen
06.01.2014. Wer ei­ne ihm zu­ge­wie­se­ne Ar­beit be­harr­lich ver­wei­gert, weil er meint, der für die Ar­beit zu er­war­ten­de Lohn sei zu ge­ring, ris­kiert ei­ne au­ßer­or­dent­li­che und frist­lo­se Kün­di­gung. Da­bei hilft es dem Ar­beit­neh­mer nichts, wenn er irr­tüm­lich der Mei­nung ist, zu ei­ner Leis­tungs­ver­wei­ge­rung be­rech­tigt zu sein. Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 17.10.2013, 5 Sa 111/13.
13/244 Was tun bei falscher Kündigungsfrist?
23.08.2013. Lässt sich ei­ne Kün­di­gung mit zu kurz be­rech­ne­ter Kün­di­gungs­frist nicht als Kün­di­gung mit rich­ti­ger Frist aus­le­gen, muss der ge­kün­dig­te Ar­beit­neh­mer in­ner­halb von drei Wo­chen nach Zu­gang der Kün­di­gung Kla­ge er­he­ben: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 15.05.2013, 5 AZR 130/12.
13/171 Fristlose Kündigung wegen Täuschung über Krankheit
19.06.2013. Wer beim Ar­beit­ge­ber ei­ne Krank­schrei­bung ein­reicht, ob­wohl er nicht krank ist und ob­wohl er das weiß, ris­kiert ei­ne (frist­lo­se) Kün­di­gung. Ei­ne sol­che Täu­schung ist nicht leicht nach­zu­wei­sen. Erst bei kon­kre­ten Zwei­feln an der Rich­tig­keit der ärzt­li­chen Be­schei­ni­gung muss der Ar­beit­neh­mer sei­ne Ar­beits­un­fä­hig­keit durch Ver­neh­mung sei­ner Ärz­te be­wei­sen. Wie ein ak­tu­el­ler Fall zeigt, kann die­se Be­weis­er­he­bung auch bei kon­kre­ten An­halts­punk­ten für ei­ne Täu­schung pro Ar­beit­neh­mer aus­ge­hen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 06.06.2013, 10 Sa 17/13.
13/150 Fristlose Kündigung eines Geschäftsführers und Zweiwochenfrist
28.05.2013. Wer als Ge­schäfts­füh­rer ei­ner GmbH sei­ne Pflich­ten ge­gen­über der Ge­sell­schaft mas­siv ver­letzt, ris­kiert die au­ßer­or­dent­li­che und frist­lo­se Kün­di­gung sei­nes Ge­schäfts­füh­rer­ver­trags. In ei­nem sol­chen Fall müs­sen sich die Ver­tre­ter der Ge­sell­schaft al­ler­dings mit dem Aus­spruch der Kün­di­gung be­ei­len, denn ge­mäß § 626 Abs.2 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) muss die Kün­di­gung in­ner­halb von zwei Wo­chen er­klärt wer­den. Die­se kur­ze Frist be­ginnt aber erst dann, wenn die zur Kün­di­gung be­rech­tig­ten Ver­tre­ter der Ge­sell­schaft al­le zur Kün­di­gung be­rech­ti­gen­den Tat­sa­chen ken­nen, d.h. ein blo­ßes "Ken­nen-Müs­sen" ge­nügt nicht: Bun­des­ge­richts­hof, Ur­teil vom 09.04.2013, II ZR 273/11.
13/146 Fristlose Kündigung wegen angeblicher Arbeitsverweigerung
25.05.2013. Der Ar­beit­ge­ber kann das Ar­beits­ver­hält­nis au­ßer­or­dent­lich kün­di­gen, wenn der Ar­beit­neh­mer sei­ne Ar­beit be­harr­lich ver­wei­gert. Das setzt vor­aus, dass der Ar­beit­neh­mer die von ihm ver­wei­ger­ten Ar­bei­ten nach sei­nem Ar­beits­ver­trag ver­rich­ten muss­te. Weist der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer je­doch Auf­ga­ben zu, die vom Ar­beits­ver­trag nicht ge­deckt sind, ist die Ar­beits­ver­wei­ge­rung rech­tens und die dar­auf ge­stütz­te Kün­di­gung un­wirk­sam: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 24.01.2013, 10 Sa 463/12.
15.11.2012. Ar­beit­ge­ber dür­fen Be­wer­ber nur nach "ein­schlä­gi­gen" Vor­stra­fen fra­gen: Ein Kraft­fah­rer darf zu Stra­ßen­ver­kehrs­de­lik­ten be­fragt wer­den, ein Buch­hal­ter zu Ver­mö­gens­de­lik­ten usw. Die­se Be­schrän­kun­gen der Aus­kunfts­pflicht von Stel­len­be­wer­bern gel­ten auch für die Fra­ge, ob in der Ver­gan­gen­heit Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ge­gen den Be­wer­ber ge­führt wor­den sind. Der Ar­beit­ge­ber soll­te es sich da­her im All­ge­mei­nen ver­knei­fen, Be­wer­ber nach Er­mitt­lungs­ver­fah­ren zu be­fra­gen, wie ein heu­te er­gan­ge­nes Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) zeigt: BAG, Ur­teil vom 15.11.2012, 6 AZR 339/11.
03.07.2012. Spricht der Ar­beit­neh­mer wie­der­holt und „end­gül­tig“ ei­ne frist­lo­se Ei­gen­kün­di­gung aus, soll die­se auch dann wirk­sam sein, wenn sie nur münd­lich er­klärt wur­de und da­mit ge­gen § 623 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) vertößt. Un­ter sol­chen Um­stän­den kann sich der Ar­beit­neh­mer an­geb­lich spä­ter nicht auf die For­mun­wirk­sam­keit sei­ner münd­li­chen Kün­di­gung be­ru­fen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 08.02.2012, 8 Sa 318/11.
24.06.2012. Ar­beit­neh­mer dür­fen ih­rem Ar­beit­ge­ber kei­ne Kon­kur­renz ma­chen. Die­ses ar­beits­ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bot gilt wäh­rend der ge­sam­ten recht­li­chen Dau­er des Ar­beits­ver­tra­ges und so­gar dann, wenn über den Be­stand des Ar­beits­ver­hält­nis­ses im Rah­men ei­ner Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ge­strit­ten wird. Macht der Ar­beit­neh­mer in die­ser Zeit sei­nem Ar­beit­ge­ber Kon­kur­renz, dro­hen ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung und die ge­richt­li­che Auf­lö­sung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses: Ar­beits­ge­richt Ol­den­burg, Ur­teil vom 06.07.2011, 3 Ca 63/11.
29.05.2012. Wird der Ar­beit­ge­ber ver­ur­teilt, den Ar­beit­neh­mer bis zum Ab­schluss des Kün­di­gungs­pro­zes­ses vor­läu­fig wei­ter zu be­schäf­ti­gen und zahlt er dar­auf­hin das Ge­halt wei­ter, oh­ne dass es zu ei­ner tat­säch­li­chen Wei­ter­be­schäf­ti­gung kommt, geht der Ar­beit­neh­mer ein ho­hes Ri­si­ko ein. Er ist näm­lich zur Ge­halts­rück­zah­lung ver­pflich­tet, wenn das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) in der Be­ru­fungs­in­stanz dem Ar­beit­ge­ber recht gibt und die Kün­di­gungschutz­kla­ge ab­weist: LAG Köln, Ur­teil vom 18.10.2011, 11 Sa 908/10.
24.05.2012. Die frist­lo­se Kün­di­gung des Chef­arz­tes der Bre­mer Pro­fes­sor-Hess-Kin­der­kli­nik we­gen der gra­vie­ren­den Hy­gie­ne­män­gel war un­ver­hält­nis­mä­ßig. Pro­fes­sor Hans-Iko Hup­pertz kann wie­der als Chef­arzt ar­bei­ten: Ar­beits­ge­richt Bre­men-Bre­mer­ha­ven, Ur­teil vom 23.05.2012, 2 Ca 2565/11.
10.05.2012. Die SPD legt ei­nen Ge­set­zes­ent­wurf zum Schutz von "Whist­leb­lo­wern" vor - das Hin­weis­ge­ber­schutz­ge­setz (Hinw­Ge­bSchG). Da­mit soll es Ar­beit­neh­mern u.a. mög­lich sein, sich bei "gra­vie­ren­den Miss­stän­den" di­rekt an die Öf­fent­lich­keit zu wen­den, oh­ne ar­beits­recht­li­che Kon­se­quen­zen be­fürch­ten zu müs­sen. Was ge­nau sol­che "gra­vie­ren­den Miss­stän­de" sind oder wann der "Whist­leb­lo­wer" eher "leicht­fer­tig" han­delt lässt der Ent­wurf je­doch of­fen.
29.03.2012. Ein Chef­arzt muss die Kli­nik­lei­tung früh­zei­tig über straf­recht­li­che Er­mitt­lun­gen und Zi­vil­rechts­ver­fah­ren in­for­mie­ren, die we­gen ei­nes Kunst­feh­lers bzw. we­gen po­ten­ti­el­ler Haf­tungs­fäl­le ge­führt wer­den. Ver­letzt ein Chef­arzt die­se Pflicht, kann dies ei­ne au­ßer­or­dent­li­che, frist­lo­se Kün­di­gung zur Fol­ge ha­ben: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 05.12.2011, 7 Sa 524/11.
11.03.2012. Die frist­lo­se Kün­di­gung ei­nes Be­rufs­kraft­fah­rers we­gen ei­nes Fahr­ver­bots von nur ei­nem Mo­nat ist un­ver­hält­nis­mä­ßig und da­her un­wirk­sam, wenn der Fah­rer die er­zwun­ge­ne Aus­zeit durch Ur­laub über­brü­cken könn­te: Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Ur­teil vom 16.08.2011, 5 Sa 295/10.
11/213 LAG München: Kündigung nach Betrug mit 20 EUR Schaden
02.11.2011. Ein lan­ge be­schäf­tig­ter, schwer­be­hin­der­ter Be­triebs­rats­vor­sit­zen­der kann we­gen Be­trugs mit ei­nem Scha­den von 20 EUR frist­los ge­kün­digt wer­den, wenn er die Tat heim­lich und mit gro­ßer Ziel­stre­big­keit ver­übt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Mün­chen, Ur­teil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10.
11/193 Betriebsrat - Kündigung: Fristlose Kündigung eines Betriebsrats wegen Abhörens einer Ausschusssitzung
05.10.2011. Ein vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg ent­schie­de­ner Kün­di­gungs­schutz­pro­zess zeigt, dass ein rechts­wid­ri­ger Lausch­an­griff auf an­de­re Be­triebs­rats­mit­glie­der nicht oh­ne wei­te­res die frist­lo­se Kün­di­gung ei­nes Be­triebs­rats­mit­glieds recht­fer­tigt: Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 09.09.2011, 17 Sa 16/11.
11/133 Anhörung des Betriebsrats bei Kündigung mit Auslauffrist
12.07.2011. Sol­len un­künd­ba­re Ar­beit­neh­mer we­gen ei­ner lang an­dau­ern­den Krank­heit oder we­gen Be­triebs­schlie­ßung ge­kün­digt wer­den, geht das nur mit ei­ner au­ßer­or­dent­li­chen Kün­di­gung ge­mäß § 626 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB). Sol­che au­ßer­or­dent­li­chen Kün­di­gun­gen kön­nen aber nicht als frist­lo­se Kün­di­gun­gen aus­ge­spro­chen wer­den, son­dern der Ar­beit­ge­ber muss ei­ne Aus­lauf­frist ge­wäh­ren. Auch der Be­triebs­rat muss an­ge­hört wer­den. Die An­hö­rungs­frist be­trägt nach § 102 Abs.2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) bei or­dent­li­chen Kün­di­gun­gen ei­ne Wo­che und bei au­ßer­or­dent­li­chen drei Ta­ge. Wel­che Frist bei au­ßer­or­dent­li­chen Kün­di­gun­gen un­künd­ba­rer Ar­beit­neh­mer mit Aus­lauf­frist gilt, ist um­strit­ten. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm meint, ei­ne Wo­che sei die rich­ti­ge Frist: LAG Hamm, Ur­teil vom 05.08.2010, 15 Sa 302/10.
11/126 Fristlose Kündigung wegen Drohung mit Strafanzeige
01.07.2011. An sich wiegt die un­be­rech­tig­te Dro­hung mit ei­ner Straf­an­zei­ge so schwer, dass sie ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te au­ßer­or­dent­li­che (frist­lo­se) Kün­di­gung recht­fer­ti­gen kann. Ein vom Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) ent­schie­de­ner Fall zeigt je­doch, dass ei­ne sol­che Dro­hung als we­ni­ger schwer­wie­gend an­ge­se­hen wer­den muss, wenn der Ar­beit­neh­mer sie in ei­ner ex­tre­men Druck­si­tua­ti­on äu­ßert: Säch­si­sches LAG, Ur­teil vom 21.01.2011, 3 Sa 181/10.
11/095 LAG Frankfurt: Fristlose Kündigung eines Fluglotsen
17.05.2011. Ei­ne au­ßer­or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung ist im All­ge­mei­nen nur wirk­sam, wenn der Ar­beit­neh­mer zu­vor we­gen ei­nes gleich­ar­ti­gen Fehl­ver­hal­tens ab­ge­mahnt wur­de. Bei sehr schwe­ren Pflicht­ver­let­zun­gen ist ei­ne Ab­mah­nung aber nicht nö­tig, so z.B. wenn ein Flug­lot­se oft und mas­siv Pau­sen über­zieht und da­durch Ge­fähr­dun­gen des Flug­ver­kehrs in Kauf nimmt: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 24.11.2010, 8 Sa 491/10.
11/089 Fristlose Eigenkündigung ohne vorherige Abmahnung?
09.05.2011. Ein ak­tu­el­ler Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Nie­der­sach­sen zeigt, dass ei­ne Ei­gen­kün­di­gung des Ar­beit­neh­mers we­gen ei­nes ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Fehl­ver­hal­tens gut über­legt sein soll­te. Ist die Kün­di­gung un­wirk­sam, be­en­det sind näm­lich in al­ler Re­gel trotz­dem das Ar­beits­ver­hält­nis (nur eben frist­ge­recht) und schließt zu­gleich Scha­dens­er­satz­an­sprü­che we­gen Auf­lö­sungs­ver­schul­den des Ar­beit­ge­bers aus: LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 04.10.2010, 9 Sa 246/10.
11/047 Fristlose Kündigung ohne Abmahnung bei unklaren Pflichten des Arbeitnehmers
08.03.2011. Ei­ne Kün­di­gung ist nach der ge­setz­li­chen Kon­zep­ti­on das "letz­te Mit­tel", wenn al­le an­de­ren Mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft sind, um künf­ti­ge Pflicht­ver­stö­ße ei­nes Ar­beit­neh­mers zu ver­mei­den. In al­ler Re­gel gibt es hier als mil­de­res Mit­tel die Mög­lich­keit, ei­ne Ab­mah­nung aus­zu­spre­chen. Hin und wie­der kann aber selbst die­se un­ver­hält­nis­mä­ßig sein. Das kommt bei­spiels­wei­se in Be­tracht, wenn der Ar­beit­ge­ber noch nicht ein­mal ver­nünf­tig klar­ge­stellt hat, wel­ches Ver­hal­ten er­wünscht ist bzw. wel­che Pflich­ten der Ar­beit­neh­mer über­haupt hat: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 24.11.2010, 3 Sa 204/10.
11/026 Keine fristlose Kündigung wegen Bagatelldiebstahls
07.02.2011. Seit dem Ur­teil des BAG im Fall "Em­me­ly (Ur­teil vom 10.06.2010, 2 AZR 541/09) neh­men die Ge­rich­te die Auf­ga­be ei­ner In­ter­es­sen­ab­wä­gung im Ein­zel­fall erns­ter als bis­her. Da­her kann ein im All­ge­mei­nen zur frist­lo­sen Kün­di­gung aus­rei­chen­der Pflicht­ver­stoß des Ar­beit­neh­mers wie z.B. ein Ba­ga­tell­dieb­stahl ei­ne sol­che har­te Re­ak­ti­on oft nicht recht­fer­ti­gen. Dies zeigt ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Schles­wig-Hol­stein (Ur­teil vom 29.09.2010, 3 Sa 233/10).
11/011 Schutz vor drohender verhaltensbedingter Kündigung durch Einsicht und Reue
17.01.2011. Wer ge­gen sei­ne ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­stößt, ris­kiert je nach der Schwe­re sei­nes Fehl­ver­hal­tens nicht nur ei­ne Ab­mah­nung, son­dern so­gar ei­ne au­ßer­or­dent­li­che oder je­den­falls or­dent­li­che Kün­di­gung. Seit dem "Pfand­bon"-Fall rund um die Kas­sie­rin "Em­me­ly" ist hier ei­ne neue Ten­denz in ar­beits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen zu ent­de­cken - Auf­rich­ti­ges Be­dau­ern kann den Ar­beits­platz ret­ten: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 15.09.2010, 6 Sa 47/10
20.12.2010. Gro­be Be­lei­di­gun­gen sind nach der stän­di­gen Recht­spre­chung der Ar­beits­ge­rich­te be­rech­ti­gen den Ar­beit­ge­ber grund­sätz­lich da­zu, dem Ar­beit­neh­mer au­ßer­or­dent­lich frist­los zu kün­di­gen. Doch kein Grund­satz und Aus­nah­me: Bei ei­ner frist­lo­sen Kün­di­gung müs­sen stets die In­ter­es­sen der Ver­trags­par­tei­en ge­gen­ein­an­der ab­ge­wo­gen wer­den. Deut­lich für den Ar­beit­neh­mer und da­mit für die Fort­set­zung des Ver­hält­nis­ses kann spre­chen, dass die­se sich auf­rich­tig um Wie­der­gut­ma­chung be­müht hat: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 18.06.2010, 10 Sa 307/10.
29.11.2010. Ei­ne Un­ter­schrift un­ter ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag hat weit rei­chen­de Kon­se­quen­zen. Ne­ben dem Ver­lust des Ar­beits­plat­zes und ei­ner Sperr­zeit beim Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld ist die gra­vie­rends­te, dass sie we­sent­lich schwe­rer aus der Welt zu schaf­fen ist als ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung. Das macht sie bei Ar­beit­ge­bern be­liebt und für Ar­beit­neh­mer zu ei­nem im­men­sen Ri­si­ko: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 05.11.2010, 6 Sa 1442/10.
10.11.2010. Im Fall "Em­me­ly" be­trog ei­ne Kas­sie­rin ih­ren Ar­beit­ge­ber um 1,30 Eu­ro und wur­de des­we­gen frist­los ent­las­sen, d.h. au­ßer­or­dent­lich ge­kün­digt. Be­glei­tet von gro­ßem öf­fent­li­chen In­ter­es­se ge­wann sie nach jah­re­lan­gem Kampf ih­re Kün­di­gungs­schutz­kla­ge in der drit­ten In­stanz vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt. Nicht ein­deu­tig be­ant­wor­ten lässt sich die Fra­ge, ob das Ur­teil oder die öf­fent­li­che Re­ak­ti­on auf die Ent­schei­dun­gen der Vor­in­stan­zen zu ei­nem Wan­del in der ar­beits­recht­li­chen Recht­spre­chung ge­führt ha­ben. Je­den­falls häu­fen sich in letz­ter Zeit Ver­öf­fent­li­chun­gen zu "Ba­ga­tell­kün­di­gun­gen", die durch sorg­fäl­ti­ge, durch­dach­te Über­le­gun­gen be­ste­chen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 16.09.2010, 2 Sa 509/10.
27.10.2010. Nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes im Fall "Em­me­ly" scheint sich die ar­beits­ge­richt­li­che Recht­spre­chung zu wan­deln: War frü­her prak­tisch je­de Straf­tat Grund ge­nug für ei­ne wirk­sa­me au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung, kommt es nun (wie­der) auf die Um­stän­de des Ein­zel­fal­les an. Ins­be­son­de­re die be­an­stan­dungs­freie Dau­er des Ar­beits­ver­hält­nis­ses kann den mit der Tat ver­bun­de­nen Ver­trau­ens­ver­lust ganz oder teil­wei­se auf­fan­gen. Da­mit stellt sich die Fra­ge, wie "Ver­trau­en" ge­mes­sen wer­den kann: Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm, Ur­teil vom 02.09.2010, 16 Sa 260/10.
18.08.2010. Beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg ist ein Kün­di­gungs­rechts­streit an­hän­gig, der mög­li­cher­wei­se ge­eig­net ist, die seit Em­me­ly all­ge­mein be­kann­te Pro­ble­ma­tik der In­ter­es­sen­ab­wä­gung bei au­ßer­or­dent­li­chen Kün­di­gun­gen in­halt­lich zu be­rei­chern. Nach 40 Jah­ren Be­triebs­zu­ge­hö­rig­keit wur­de ei­ne Bahn­an­ge­stell­te frist­los ent­las­sen, weil sie bei Ge­le­gen­heit ih­rer Ju­bi­lä­ums­fei­er ih­ren Ar­beit­ge­ber um 166 Eu­ro be­trog: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ak­ten­zei­chen 2 Sa 509/10
06.08.2010. Krank­heits­be­ding­te Kün­di­gun­gen sind ei­ne Not­lö­sung, die bei or­dent­lich un­künd­ba­ren Ar­beit­neh­mern so gut wie aus­ge­schlos­sen sind. Die Recht­spre­chung stellt hier enorm ho­he An­for­de­run­gen an Ar­beit­ge­ber. Nur wenn je­de Mög­lich­keit aus­ge­schlos­sen ist, den Ar­beit­neh­mer in ir­gend­ei­ner Form ein­zu­set­zen, kann ei­ne Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses aus Krank­heits­grün­den (dann in Form ei­ner au­ßer­or­dent­li­chen Kün­di­gung mit so­zia­ler Aus­lauf­frist) ge­recht­fer­tigt sein. Sol­che Fäl­le sind je­doch sehr sel­ten: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 25.01.2010, 16 Sa 389/09
05.08.2010. Die un­ge­re­gel­te pri­va­te E-Mail-Nut­zung und In­ter­net­nut­zung ist in der be­trieb­li­chen Pra­xis ein häu­fi­ges Pro­blem. Es führt zu Un­si­cher­hei­ten auf Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­sei­te. Häu­fig wird der Re­ge­lungs­be­darf igno­riert, bis ein ex­tre­mer Miss­brauchs­fall die Alarm­glo­cken läu­ten lässt. Statt mit Au­gen­maß wird dann meist mit dem Holz­ham­mer, d.h. mit ei­ner au­ßer­or­dent­li­chen Kün­di­gung, re­agiert. Doch nur in ex­tre­men Fäl­len ist die­se Re­ak­ti­on be­rech­tigt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 31.05.2010, 12 Sa 875/09
16.07.2010. Ar­beit­neh­mer, die ver­meind­li­che oder tat­säch­li­che Rechts­ver­stö­ße ih­res Ar­beit­ge­bers den Be­hör­den mel­den, ha­ben ein Pro­blem: Stellt sich spä­ter her­aus, dass ein rechts­wid­ri­ges Ver­hal­ten nicht nach­weis­bar ist, steht schnell ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung im Raum. Die Recht­spre­chung for­dert, dass vor der An­zei­ge al­le in­ner­be­trieb­li­chen Lö­sungs­mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft wer­den. Aber auch da­durch kann der Ar­beit­neh­mer ne­ga­tiv auf­fal­len und sei­nen Ar­beits­platz ge­fähr­den. Wer in die­ser Si­tua­ti­on kom­pe­ten­te Hil­fe sucht, soll­te sich ge­nau über­le­gen, an wen er sich wen­det: LAG Mün­chen, Ur­teil vom 01.04.2010, 4 Sa 391/09.
10/136 Emmely arbeitet wieder als Kassiererin
15.07.2010. Der Fall Em­me­ly sorg­te, an­ge­heizt durch ver.di, für ein au­ßer­ge­wöhn­li­ches Me­di­en­echo. Die Dis­kus­si­on war zeit­wei­se mehr von Emo­tio­nen als von Sach­ar­gu­men­ten ge­prägt. Das Wort vom "bar­ba­ri­schen Ur­teil von aso­zia­ler Qua­li­tät" mach­te die Run­de. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat nun ei­ne so­zia­le­re Ent­schei­dung ge­trof­fen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 10.06.2010, 2 AZR 541/09
18.05.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Rhein­land-Pfalz hält in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung die au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung ei­ner Ar­beit­neh­me­rin für rech­tens, die sich ge­wei­gert hat­te, sich ei­ner von dem Ar­beit­ge­ber ver­lang­ten ärzt­li­chen Un­ter­su­chung zu un­ter­zie­hen. LAG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 12.02.2010, 6 Sa 640/09.
10/063 Keine Kündigung wegen Bagatelldiebstahls
31.03.2010. In Ar­beits­recht ak­tu­ell 09/202 be­rich­te­ten wir über den Fall ei­ner Al­ten­pfle­ge­rin, die we­gen des Dieb­stahls von sechs Maul­ta­schen frist­los ge­kün­digt wur­de und er­folg­los hier­ge­gen vor dem Ar­beits­ge­richt Lör­rach (Ur­teil vom 16.10.2009, 4 Ca 248/09) klag­te. In der Be­ru­fungs­in­stanz ha­ben die Par­tei­en sich jetzt auf die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung ver­stän­digt. Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg, 9 Sa 75/09.
04.02.2010. In der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) konn­te der Ar­beit­ge­ber ei­nem Ar­beit­neh­mer trotz "Krank­schrei­bung" nach­wei­sen, dass sei­ne Er­kran­kung nur vor­ge­täuscht war. Das LAG hielt die dar­auf­hin aus­ge­spro­che­ne frist­lo­se Kün­di­gung für wirk­sam. Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 01.04.2009, 6 Sa 1593/08
14.01.2010. In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Mün­chen geht es um die Fra­ge, ob das Ver­hal­ten ei­nes frist­los ge­kün­dig­ten Ar­beit­neh­mers im Kün­di­gungs­schutz­pro­zess bei der Be­ur­tei­lung der Wirk­sam­keit der strei­ti­gen Kün­di­gung ei­ne Rol­le spie­len darf: LAG Mün­chen, Ur­teil vom 08.07.2009, 11 Sa 54/09.
29.10.2009. Nach ei­ner Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts (ArbG) Duis­burg ist ei­ne Kün­di­gung un­wirk­sam, die we­gen ei­nes ein­ma­li­gen nur leicht fahr­läs­si­gen Feh­lers des Ar­beit­neh­mers er­folgt, auch wenn der Feh­ler das Ri­si­ko ei­nes sehr ho­hen Scha­dens birgt. ArbG Duis­burg, Ur­teil vom 02.07.2009, 1 Ca 731/09
09/196 Durch Raucherpause Arbeitsplatz riskiert
26.10.2009. Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Duis­burg hat die frist­lo­se Kün­di­gung ei­ner Ar­beit­neh­me­rin für wirk­sam be­wer­tet, weil die ge­kün­dig­te Ar­beit­neh­me­rin ent­ge­gen aus­drück­li­chen An­wei­sun­gen und trotz mehr­fa­cher Ab­mah­nun­gen im­mer wie­der Rau­cher­pau­sen nahm, oh­ne sich da­für aus- und da­nach wie­der ein­zu­stem­peln. ArbG Duis­burg, Ur­teil vom 14.09.2009, 3 Ca 1336/09.
01.09.2009. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düs­sel­dorf hat ent­schie­den, dass der Ar­beit­ge­ber bei der erst­ma­li­gen Wahl ei­nes Be­triebs­rats nicht schon ab Be­kannt­ga­be des Wahl­er­geb­nis­ses, son­dern erst mit Kon­sti­tu­ie­rung des Be­triebs­rats da­zu ver­pflich­tet ist, die­sen zu ei­ner ge­plan­ten Kün­di­gung ge­mäß § 102 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) an­zu­hö­ren: LAG Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 24.06.2009, 12 Sa 336/09.
31.07.2009. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat im März ent­schie­den, dass sich ein Ar­beit­neh­mer, der ei­ne schrift­li­che au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung aus­spricht, spä­ter re­gel­mä­ßig nicht auf die Un­wirk­sam­keit der Kün­di­gung be­ru­fen kann (BAG, Ur­teil vom 12.03.2009, 2 AZR 894/07). Wir be­rich­te­ten über die­se Ent­schei­dung in Ar­beits­recht ak­tu­ell 09/059: Kein Reue­recht bei Ei­gen­kün­di­gung. Nun­mehr hat das BAG die Ur­teils­grün­de ver­öf­fent­licht. Sie wer­den hier kurz be­spro­chen.
09/098 Fristlose Kündigung wegen Entwendung von Brotaufstrich („Hirtenfladenbelag“)
10.06.2009. Das Ar­beits­ge­richt Dort­mund hat ent­schie­den, dass die Kün­di­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers, der für sei­nen Ar­beit­ge­ber her­ge­stell­ten Brot­auf­strich im Wert von un­ter 10 Cent ent­wen­det und ge­ges­sen hat­te, un­wirk­sam ist. Zu die­sem Er­geb­nis kommt das Ge­richt an­hand ei­ner In­ter­es­sen­ab­wä­gung: Ar­beits­ge­richt Dort­mund, Ur­teil vom 10.03.2009, 7 Ca 4977/08.
09/062 Hartnäckige Verletzung der Anzeigepflicht kann außerordentliche Kündigung rechtfertigen
16.04.2009. Ver­letzt ein Ar­beit­neh­mer wie­der­holt und hart­nä­ckig die Pflicht, sei­nem Ar­beit­ge­ber ei­ne krank­heits­be­ding­te Ar­beits­un­fä­hig­keit an­zu­zei­gen, und hat der Ar­beit­ge­ber die­ses Fehl­ver­hal­ten mehr­fach ab­ge­mahnt, kann ei­ne sol­che Ver­let­zung der An­zei­ge­pflicht ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung recht­fer­ti­gen. Das hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln in ei­nem ak­tu­el­len Fall ent­schie­den: LAG Köln, Ur­teil vom 09.02.2009, 5 Sa 926/08.
09/053 Wahrung der Zweiwochenfrist bei der fristlosen Kündigung schwerbehinderter Betriebsratsmitglieder.
04.11.2008. Manch­mal wer­den Dieb­stäh­le nur auf­ge­deckt, in­dem der Ar­beit­ge­ber sei­ne Ar­beit­neh­mer mit Vi­deo­ka­me­ras über­wacht, oh­ne zu­vor dar­auf ge­mäß § 6b Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz (BDSG) hin­ge­wie­sen zu ha­ben. Kün­digt er dann frist­los, kann er sei­ne Er­kennt­nis­se, die er durch die ver­bo­te­ne Vi­deo­über­wa­chung er­langt hat, nach An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Sach­sen-An­halt im Kün­di­gungs­schutz­pro­zess vor­tra­gen. Erst wenn die­ser Vor­trag be­strit­ten wird, kann die Rechts­wid­rig­keit der Vi­deo­über­wa­chung zu ei­nem Ver­bot der Ver­wen­dung der Vi­deo­bän­der als Be­weis­mit­tel füh­ren ("Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bot"): LAG Sach­sen-An­halt, Ur­teil vom 15.04.2008, 11 Sa 522/07.
15.09.2006. Wer Ar­beits­kol­le­gen wäh­rend der Ar­beit über lan­ge Zeit hin­weg fort­ge­setzt in ras­sis­ti­scher Wei­se be­lei­digt, z.B. mit Schimpf­wör­tern wie "Po­len­sau" oder mit ähn­li­chen Aus­drü­cken, muss mit ei­ner frist­lo­sen Kün­di­gung rech­nen. Ei­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung ist in sol­chen Fäl­len nicht er­for­der­lich: Ar­beits­ge­richt Ber­lin, Ur­teil vom 05.09.2006, 96 Ca 23147/05.
03.09.2006. In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Schles­wig-Hol­stein ent­schie­den, dass ein wich­ti­ger Grund für ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung vor­liegt, wenn ein Ar­beit­neh­mer be­trieb­li­che Ver­hält­nis­se mit ei­nem Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger ver­gleich: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 29.08.2006, 6 Sa 72/06.
Letzte Überarbeitung: 21. Juni 2018
Wenn man Ih­nen ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung und/oder ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung in Aus­sicht ge­stellt hat oder wenn Ih­nen ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung be­reits aus­ge­spro­chen wur­de und Sie da­her vor der Ent­schei­dung ste­hen, ei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge zu er­he­ben oder sich auf ei­ne au­ßer­ge­richt­li­che (Ab­fin­dungs-)Lö­sung ein­zu­las­sen, be­ra­ten wir Sie je­der­zeit ger­ne.
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