Source: https://www.pruefen-im-handwerk.de/service/fragen-und-antworten/
Timestamp: 2020-02-17 22:50:22
Document Index: 58164460

Matched Legal Cases: ['§ 18', '§ 16', '§ 31', '§ 38', '§ 21', '§ 23', '§ 20', '§ 23', '§ 23', '§ 22', '§ 25', '§ 26']

Grundlegende Fragen zu den Prüfungen
1. Darf die Prüfung nach Ende des Ausbildungsvertrags liegen?
2. Was heißt gestreckte Prüfung?
3. Kann gegen Teil 1 einer gestreckten Prüfung unmittelbar Widerspruch eingelegt werden? Kann Teil 1 vor dem Ablegen von Teil 2 wiederholt werden?
4. Wieviele Prüfer dürfen in einer Prüfung zeitgleich eingesetzt werden?
5. Kann ein Prüfer kurz vor der Prüfung etwas an den Aufgaben ändern?
6. Kann ein Prüfungsausschuss für Menschen mit Behinderung die Prüfung verändern?
7. Was bedeutet “GPO”?
8. Was sind „handlungsorientierte Prüfungsaufgaben?
9. Was ist eine „externe Prüfung“?
10. Was sind „maßgebende Termine“?
11. Was bedeutet „Befangenheit“?
12. Was bedeutet „Berufliche Handlungskompetenz“?
Prüfungsvorbereitung und Prüfungsdurchführung
13. Was ist, wenn der Prüfling „seine Sachen“ nicht dabei hat?
14. Wer darf Aufsicht in einer Prüfung führen?
15. Wie ist das, wenn jemand krank (arbeitsunfähig) die Prüfung ablegen will?
16. Wie ist bei unentschuldigtem Fernbleiben von der Prüfung vorzugehen?
17. Darf der Prüfling bei verspätetem Erscheinen noch teilnehmen?
18. Kann von Nicht-Muttersprachlern ein Wörterbuch verwendet werden?
19. Was ist zu tun, wenn ein Prüfling bei einer möglichen Täuschung erwischt wird?
20. Dürfen Handys bei einer Prüfung im Raum sein?
21. Kann die Prüfungszeit verlängert werden?
22. Was bedeutet "Nicht-Öffentlichkeit"?
23. Was bedeutet "Nachteilsausgleich"?
24. Was bedeutet "Fachgespräch"?
25. Wann muss eine Ergänzungsprüfung angeboten werden?
26. Wer bewertet welche Prüfungsleistungen?
27. Was muss dokumentiert werden? Sind Fotos erforderlich?
28. Darf man Prüfungsergebnisse runden?
29. Welche Personen müssen auf der Prüfungsniederschrift unterschreiben?
30. Wann ist das Prüfungsergebnis bekannt zu geben?
31. Wie häufig kann man eine nicht-bestandene Gesellenprüfung wiederholen?
Die Prüfungszeiträume liegen in der Regel in den Monaten Mai bis August (Sommerprüfung) sowie November bis Februar (Winterprüfung). Die maßgebenden Termine für die Sommerprüfung und die Winterprüfung werden durch die Handwerkskammer öffentlich bekanntgegeben.
Die Bekanntmachung kann zum Beispiel über die ortsüblichen Handwerksmedien oder auch über das Internet erfolgen.
Achtung: Der Prüfling hat nach Ablauf seines Vertrags keinen Anspruch auf Verlängerung seines Ausbildungsvertrags bis zum Ende einer zeitlich später liegenden Prüfung. Ein Verlängerungsanspruch besteht erst, wenn die Prüfung abgelegt, aber nicht bestanden wurde. Der Prüfling kann in diesem Fall eine Verlängerung seines Ausbildungsvertrags bis zur nächsten Wiederholungsprüfung verlangen. Diese ist allerdings maximal für ein Jahr möglich.
Der Teil 1 der Gesellenprüfung wird zu dem Zeitpunkt durchgeführt, an dem in diesem Beruf früher die Zwischenprüfung stattfand. Sie stellt wie die Zwischenprüfung einen Leistungsstand während der Ausbildung fest. Im Unterschied zur Zwischenprüfung fließt aber das Ergebnis vom Teil 1 zu einem in der Ausbildungsordnung festgelegten Prozentsatz (20-40%) in die Gesellenprüfung Teil 2 am Ende der Ausbildung ein.
Der Teil 1 einer gestreckten Prüfung ist nur eine erste Etappe der gesamten Prüfung.
In einer Prüfung dürfen maximal so viele Prüfer eingesetzt werden, wie Personen als ordentliche Prüfer für den Prüfungsausschuss berufen worden sind.
In der Regel besteht ein Gesellenprüfungsausschuss aus drei Personen, es dürfen jedoch auch mehr Personen in einen Ausschuss berufen werden. Stellvertreter erhöhen die Zahl der in einer Prüfung einsetzbaren Prüfer jedoch nicht.
Fazit: Wenn für eine Prüfung mehr als drei Prüfer gebraucht werden, muss die Zahl der ordentlichen Mitglieder erhöht werden. Ein stellvertretendes Mitglied des Prüfungsausschusses kommt nur dann zum Einsatz, wenn das ordentliche Mitglied verhindert ist.
Eine eigenständige Abänderung der Prüfungsaufgaben ist auf keinen Fall möglich. Wenn die Prüfungsaufgaben vom Prüfungsausschuss beschlossen sind (vgl. § 18 Abs.1 GPO), stehen diese fest.
Nachträgliche Änderungen sind daher nur in Abstimmung mit dem Prüfungsausschuss und der dahinter stehenden zuständigen Stelle (HWK) oder Körperschaft (Innung) möglich. Änderungen müssen aber auf jeden Fall neu beschlossen werden.
Sind Fehler in einer Prüfungsaufgabe und wird dies erst in der Prüfung festgestellt, muss im Einzelfall entschieden werden, ob eine Bearbeitung dennoch möglich ist. Ist dies nicht der Fall, darf die Aufgabe nicht in die Bewertung einfließen.
Die in der Prüfungsordnung (vgl. § 16 GPO) vorgesehene Berücksichtigung von Belangen behinderter Prüfungsteilnehmer berechtigt nicht dazu, die Prüfungsanforderungen generell abzusenken oder eine günstigere Beurteilung der Prüfungsleistungen vorzunehmen.
Wenn Prüflinge eine körperliche, geistige oder psychische Behinderung nachweisen, kommen für einen Nachteilsausgleich vor allem Prüfungszeitverlängerungen oder die Zulassung von spezifischen Hilfsmitteln in Betracht.
7. Was bedeutet "GPO"?
GPO ist die Abkürzung für „Prüfungsordnung für die Durchführung von Gesellen- und Umschulungsprüfungen“. Die Prüfungsordnung regelt, wie geprüft werden muss, also das Prüfungsverfahren. Sie wird von jeder Handwerkskammer gemäß der Empfehlung des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung erlassen. Schwerpunkte der GPO sind Regelungen zu den Prüfungsausschüssen, zur Vorbereitung und Durchführung der Prüfungen, zur Bewertung und Feststellung der Prüfungsergebnisse sowie zu Wiederholungsprüfungen. Darin sind beispielsweise nähere Vorgaben über die Zulassung zur Prüfung, die Festlegung der Prüfungsaufgaben oder zu Folgen bei Verstößen und Täuschungsversuchen enthalten.
Dagegen sind die Vorgaben zu den Prüfungsinhalten, zur Prüfungsdauer und zu den Bestehensregelungen in der jeweiligen Ausbildungsordnung enthalten.
8. Was sind "handlungsorientierte Prüfungsaufgaben"?
Sie sind darauf gerichtet, berufliche Handlungsfähigkeit festzustellen. Dazu sollen sie sich auf vollständige Handlungen im Beruf erstrecken. Das heißt, sie sollen möglichst alle Phasen, von der Information/Planung/ Entscheidung, über die praktische Durchführung bis zur Kontrolle und Bewertung abdecken. Vorgehen zur Erstellung handlungsorientierter Aufgaben:
Wählen Sie Kerntätigkeiten der beruflichen Praxis aus,
die einen klaren Bezug zu den Qualifikationen in der Ausbildungs- bzw. Prüfungsordnung haben.
Beschreiben Sie zu der jeweiligen Kerntätigkeit eine realitätsnahe Handlungssituation, die sich auf ein konkretes Problem oder einen Auftrag erstreckt und möglichst mehrere Lösungsmöglichkeiten zulässt. Berücksichtigen Sie dabei alle wichtigen Fakten, die zur Bewältigung der Situation erforderlich sind. Stellen Sie Teilaufgaben, die sich direkt auf die Situation beziehen und möglichst die oben genannten Handlungsphasen berücksichtigen. Bestimmen sie den erforderlichen Zeitrahmen und geben Sie notwendige Arbeitsmittel und Informationsquellen an.
9. Was ist eine "externe Prüfung"?
Der Begriff „Externenprüfung“ besagt, dass Personen in besonderen Fällen als externe Teilnehmer zur regulären Abschluss-/ Gesellenprüfung zugelassen werden können. Das heißt, sie haben dieselben Prüfungsanforderungen wie die Auszubildenden zu bewältigen. Im Gegensatz zu diesen haben sie dafür aber vorher keine klassische Ausbildung im dualen System durchlaufen, sondern die berufliche Handlungsfähigkeit auf andere Weise erworben.
10. Was sind "maßgebende Termine"?
Die Handwerkskammern sind gesetzlich (§ 31 Abs. 1 Handwerksordnung) beauftragt Gesellenprüfungen durchzuführen und das Verfahren zur Durchführung dieser Gesellenprüfungen in einer Prüfungsordnung festzulegen (§ 38 Abs. 1 HwO). Die Durchführung der Gesellenprüfung ist obligatorisch. In der jeweiligen Gesellenprüfungsordnung wird daher festgelegt: Die Handwerkskammer bestimmt zwei für die Durchführung der Prüfung maßgebende Zeiträume im Jahr. Diese Zeiträume sollen auf den Ablauf der Berufsausbildung und des Schuljahres abgestimmt sein und werden als sogenannte Sommer- und Winterprüfungstermine deklariert. Diese werden dann in den jeweiligen Amtsblättern oder auf der Homepage des Internetauftrittes in einer angemessenen Frist (in der Regel drei Monate vor Prüfungsbeginn) veröffentlicht. Die für die Prüfungsabnahme zuständige Körperschaft legt in Abstimmung mit den Gesellenprüfungsausschüssen später die konkreten Prüfungstage fest.
11. Was bedeutet Befangenheit?
Fairness und Sachlichkeit gehören zu den Grundpflichten eines jeden Prüfers. Um Prüfungsteilnehmer vor einer Benachteiligung zu schützen, kann die Besorgnis der Befangenheit eingewendet werden. Sie ist gemäß Gesetz berechtigt, wenn nach den Umständen des Einzelfalls ein Grund vorliegt, der geeignet ist, Misstrauen gegen eine unparteiliche Amtsausübung zu rechtfertigen (vgl. § 21 VwVfG).
Hierbei müssen Tatsachen, zumindest ein objektiv begründeter Verdacht, vorliegen, woraus sich ergibt, dass der Prüfer die erforderliche Neutralität, Sachlichkeit oder Distanz nicht wahrt oder wahren kann. Dabei gilt zunächst, dass bestimmte Personen (z. B. Familienangehörige) kraft Gesetzes von der Abnahme der Prüfung ausgeschlossen sind.
Die Besorgnis der Befangenheit ist schnellstmöglich anzugeben. Im Zweifelsfall muss der Prüfungsteilnehmer sie vor Beginn der Prüfung geltend machen, denn sonst setzt er sich dem Einwand aus, nur bei Nichtbestehen den „Joker“ der Befangenheit zu ziehen.
12. Was bedeutet "berufliche Handlungskompetenz"?
Berufl iche Handlungskompetenz ist ein zentraler Begriff in der Berufsbildung. Er besagt, dass jemand fähig und bereit ist, in berufl ichen Situationen sach- und fachgerecht, selbstständig und verantwortungsbewusst zu handeln.
Bei den schnellen Veränderungen in allen Lebensbereichen ist das deutlich schwieriger geworden. Beschäftigte müssen sich heute immer häufi ger auf neue Situationen einstellen und ihr Handeln an veränderte Bedingungen anpassen. Dazu reicht das einmal gelernte Fachwissen nicht aus. Es müssen weitere Fähigkeiten entwickelt werden, wie die Fähigkeit, Probleme zu erkennen und zu lösen (Methodenkompetenz), die Fähigkeit, mit anderen zielgerichtet und verträglich zusammen zu arbeiten (Sozialkompetenz) oder die Fähigkeit selbst gesteuert zu lernen (Lernkompetenz).
Diese und weitere Fähigkeiten sind Bestandteil der beruflichen Handlungskompetenz.
Fehlen Ausrüstungsgegenstände, die vorgeschrieben und ggf. sicherheitsrelevant sind, darf er die Prüfung nicht mitmachen. Das Erscheinen ohne erforderliches Material ist als Nichtteilnahme zu bewerten. Dies hat zur Konsequenz, dass die Prüfung mit 0 Punkten zu bewerten ist, es sei denn, es wird ein wichtiger Grund für das Nichtmitführen der erforderlichen Ausstattung beigebracht (§ 23 GPO in analoger Anwendung).
Im Grunde jeder, der dafür geeignet ist; denn Aufsicht ist keine Bewertung, welche allein den Prüfern vorbehalten ist. Aufgabe der Aufsicht ist es lediglich, dafür zu sorgen, dass die Prüfungsleistung selbstständig und ohne unerlaubte Arbeits- und Hilfsmittel erfolgt (vgl. § 20 Absatz 2 GPO).
Angesichts möglicher fachlicher Zwischenfragen der Prüflinge empfiehlt sich jedoch, einen Prüfer, ggf. auch einen aus den Reihen der Stellvertreter, als Aufsicht einzusetzen.
Ein Grund, jemanden von der Prüfung auszuschließen, besteht erst dann, wenn derjenige sich selbst oder Dritte konkret zu gefährden droht. Krankheit oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sind daher – nach ordnungsgemäßer Belehrung – für die Prüfer oder Prüfungsaufsicht ohne Belang.
Beginnt jemand krank die Prüfung und bricht dann im weiteren Verlauf die Prüfung wegen Krankheit ab, so gelten die allgemeinen Rücktrittsregelungen nach § 23 GPO. Bei Krankheit ist der „wichtige Rücktrittsgrund“ durch ein ärztliches Attest zu belegen.
Für den Prüfer in der konkreten Prüfungssituation ist das ohne Belang, wenn ein Prüfling nicht erscheint. Er trägt das Fehlen in den Prüfungsbericht ein.
Alles Weitere spielt sich dann zwischen dem Prüfling (unverzügliche Mitteilung des Grundes) und der Geschäftsstelle ab. Eine unentschuldigte Nichtteilnahme an der Prüfung führt dazu, dass die Prüfung mit 0 Punkten bewertet wird (vgl. § 23 Absatz 3 GPO).
Bei der Aufgabenerstellung sollte jedoch darauf geachtet werden, dass Prüfungsaufgaben in einer einfachen und auch für Nicht- Muttersprachler verständlichen Sprache verfasst sind.
Die aufsichtführende Person unterbindet die Täuschungshandlung, indem sie zum Beispiel den Spickzettel an sich nimmt. Das Geschehen wird im Prüfungsbericht vermerkt, um dann nach Beendigung der Prüfung im Prüfungsausschuss über die Rechtsfolgen zu beraten.
Der Prüfling setzt die Prüfung aber auf jeden Fall zunächst weiter fort, solange er keinen anderen Mitprüfling stört ( § 22 Absatz 2 GPO).
Das hängt davon ab, was im Prüfungsausschuss beschlossen wurde und den Prüflingen in den Einladungen und bei der Belehrung mitgeteilt worden ist. Überholt ist die Aufforderung, Handys generell zu Hause zu lassen. Auch das Einsammeln der Handys ist heutzutage nicht mehr angemessen.
Bewährt hat sich der deutliche Hinweis, dass Handys während der gesamten Prüfungszeit auszuschalten sind und dass ein Verstoß gegen dieses Gebot definitiv als Täuschungsversuch gewertet wird.
1. Werden die Prüflinge mit der Arbeit in der vorgegebenen Zeit nicht fertig, erfolgt definitiv keine Zeitzugabe. War das jedoch bei der überwiegenden Zahl der Prüflinge der Fall, ist dies ein Zeichen dafür, dass die Prüfungszeit zu kurz bemessen war. Dieses Problem sollte bei der Bewertung berücksichtigt werden.
2. Tritt eine unvorhergesehene Störung auf, zum Beispiel ein kurzfristiger Stromausfall, der den Fortgang der Prüfung für alle behindert, ist eine großzügige Zeitzugabe angemessen.
Zwischen-, Gesellen-, Abschluss-, Fortbildungs- oder Meisterprüfungen sind nicht öffentlich. So steht es in der jeweiligen Prüfungsordnung, in welcher letztendlich die Details geregelt sind.
„Nicht öffentlich“ ist dem Sinn nach mit den Worten „unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindend“ (Quelle: Duden) zu beschreiben.
Während der Prüfung werden viele Prüfungshandlungen durch den Prüfungsausschuss durchgeführt. Hierzu zählen u.a. die jeweiligen Vorberatungen, die Prüfungsdurchführung und damit auch die Bewertung von Prüfungsleistungen vor Ort sowie auch die Beratung zur Feststellung des Gesamtergebnisses des Prüflings. Grundsätzlich ist bei all diesen Prüfungshandlungen von einem Aussschluss der Öffentlichkeit, also von Personen, welche dem Prüfungsausschuss nicht angehören, auszugehen.
Ziel der Nichtöffentlichkeit ist u. a. die Wahrung der Verschwiegenheit der Prüfungshandlungen, der Aufgabenstellungen und natürlich der Schutz der Prüflinge. Diesen ist eine ruhige und faire Prüfung unter Einhaltung der Rechtsnormen zu gewährleisten, damit diese sich vollumfänglich auf die Bewältigung der Prüfungsaufgaben konzentrieren können.
Selbstverständlich sind auch hier Ausnahmen, wenn auch beschränkt, möglich. So können Vertreter der obersten Landesbehörde und der Handwerkskammer anwesend sein. Auch kann der Prüfungsausschuss, bei den Meisterprüfungen der Vorsitzende, andere Personen als Gäste zulassen. Diese Fälle sind sorgfältig als Einzelfallentscheidung zu prüfen und auf ein Minimum zu beschränken. Eine Abstimmung mit der geschäftsführenden Stelle hierüber ist empfehlenswert. Von einer Zulassung als Gast von Vertretern des Ausbildungsbetriebes, Verwandten, Eltern usw. sollte unbedingt Abstand genommen werden.Achtung, bei der Beratung über das Prüfungsergebnis dürfen ausschließlich nur die Mitglieder des Prüfungsausschusses beteiligt sein.
23. Was bedeutet "Nachteilausgleich"?
Bei der Durchführung von Zwischen-, Gesellen-, Abschluss- oder Meisterprüfungen sind die besonderen Verhältnisse behinderter Menschen zu berücksichtigen. Liegt eine Behinderung vor, ist ein Nachteilsausgleich zu gewähren, der dann zu einer Modifikation der Prüfung führen kann. Dieses Recht ergibt sich aus dem Gleichheitsgrundsatz, dem Sozialstaatsprinzip und dem Benachteilungsverbot für behinderte Menschen im Grundgesetz und ist folglich in der Handwerksordnung bzw. dem Berufsbildungsgesetz, bzw. der Gesellenprüfungsordnung und der Meisterprüfungsverfahrensordnung entsprechend verankert.
Durch die Gewährung von Nachteilsausgleichen dürfen allerdings die fachlichen-qualitativen Anforderungen an die Prüfungsteilnehmer/innen nicht verringert werden. Abweichungen dürfen nicht den Inhalt der Prüfung betreffen. Um die Chancengleichheit aller zu wahren dürfen im Umkehrschluss Prüfungsleistungen behinderter Prüflinge nicht besser beurteilt werden als bei anderen Prüflingen.
Der Antrag auf Nachteilsausgleich sollte von der/dem Prüfungsteilnehmer/in rechtzeitig, jedoch spätestens mit der Anmeldung zur Zwischen-, Gesellen-, Abschluss- oder Meisterprüfungen bzw. dem Antrag auf Prüfungszulassung erfolgen. Hier sollte der Prüfling bereits die für sie/ihn geeigneten Nachteilsausgleiche konkret darlegen und begründen (z. B. Kopie des Schwerbehindertenausweises, ärztliche Bescheinigung etc.). Beruft sich ein Prüfling erst nachdem er die Prüfung bereits absolviert hat auf seine Behinderung, so kann die Prüfung nicht nachträglich neu bewertet werden.
Das Prüfungsinstrument „Fachgespräch“ hat in den letzten Jahren zunehmend die klassische „mündliche Prüfung“ in Aus- und Fortbildungsverordnungen verdrängt. Es soll nicht mehr Fachbuchwissen abgefragt, sondern ein Gespräch „unter Fachleuten“ geführt werden. Diese Gespräche können als fallbezogenes, auftragsbezogenes oder als sogenanntes situatives Fachgespräch geführt werden.
Das situative Fachgespräch bezieht sich auf die für die Arbeitsaufgabe vorgegebenen Prüfungsanforderungen. Die Prüfer können damit das Handeln des Prüfungsteilnehmers während der Arbeitsaufgabe hinterfragen und besser verstehen. Der Prüfungsteilnehmer kann also seine Vorgehensweise während der Arbeitsaufgabe erläutern und begründen. Es obliegt dabei dem Prüfungsausschuss, zu entscheiden bei welchen Arbeitsaufgaben ein Fachgespräch geführt und wie es in Bezug auf diese Aufgabe gewichtet werden soll.
Eine mündliche Ergänzungsprüfung ist in Prüfungsbereichen, in denen Prüfungsleistungen schriftlich zu erbringen sind, immer dann anzubieten, wenn dadurch rein rechnerisch ein Bestehen der Prüfung noch möglich ist. Dies richtet sich immer nach der Bestehensregelung der Ausbildungsordnung.
Die Frage, ob sich der Prüfling aufgrund seines individuellen Leistungsstandes dabei auch verbessern kann, stellt sich nicht.
Jede Prüfungsleistung ist von jedem Mitglied des Prüfungsausschusses selbstständig zu bewerten. Beschlüsse über die Bewertung einzelner Prüfungsleistungen, der Prüfung insgesamt sowie über das Bestehen und Nichtbestehen werden vom gesamten Prüfungsausschuss gefasst (vgl. § 25 Absatz 1 GPO).
Zur Vorbereitung der Beschlussfassung können jeweils zweiköpfige Prüferteams eingesetzt werden, die die schriftlichen oder praktischen Leistungen vorbegutachten. Beide Prüfer müssen aber unterschiedlichen Gruppen (zum Beispiel Arbeitnehmer und Lehrer) angehören. An diese Vorbewertung ist der Ausschuss bei der Beschlussfassung nicht gebunden.
Mündliche Prüfungsleistungen müssen immer vom gesamten Prüfungsausschuss abgenommen und bewertet werden.
Um die Bewertung der Prüfungsleistungen nachvollziehen zu können, sollte jeder Prüfer seine eigenen Beobachtungen und Einschätzungen dokumentieren. Die Prüfer müssen alles tun, was ihnen erforderlich und geeignet erscheint, damit sie im Nachgang zur Prüfung die Frage eines Prüflings, seines Anwalts oder eines Richters in einem Gerichtsverfahren beantworten können: „Warum wurde so bewertet?“
Sinnvoll ist der Einsatz von standardisierten Beobachtungsbögen, auf denen die bewertungsrelevanten Eindrücke verzeichnet werden können.
Auch Fotos können im Einzelfall sehr hilfreich sein, um augenscheinliche Fehler darzulegen. Auf dem Foto muss jedoch erkennbar sein, welchem Prüfling das Prüfungsstück zuzuordnen ist.
Nur dann, wenn dies ausdrücklich erlaubt ist, so zum Beispiel, wenn die Prüfungsordnung der Handwerkskammer das kaufmännische Runden ausdrücklich festschreibt. In allen anderen Fällen ist ein Auf- oder Abrunden von Prüfungsergebnissen nicht zulässig.
Alle diejenigen, die rechtmäßig den Beschluss über das Prüfungsergebnis gefasst haben. Dies sind so viele, wie der Ausschuss ordentliche Mitglieder hat.
Dem Prüfling ist unverzüglich nach Feststellen des individuellen Gesamtergebnisses seiner Prüfung durch schriftliche Bescheinigung des Vorsitzenden mitzuteilen, ob die Prüfung bestanden oder nicht bestanden ist (§ 26 Abs. 2 GPO). In der Regel soll dies am Tag der letzten Prüfungsleistungen erfolgen. Ist dies nicht möglich, soll die Mitteilung ohne schuldhaftes Verzögern sobald wie möglich gemacht werden.