Source: https://www.flugrechte.eu/6997/eurowings-umbuchung-zwischenstops-reisezeit-fr%C3%BChere-abfl%C3%BCge
Timestamp: 2020-08-13 00:18:51
Document Index: 357077947

Matched Legal Cases: ['Art. 3', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 8', 'Art. 9', 'Art. 8', 'Art. 8']

Eurowings Umbuchung Zwischenstops und längere Reisezeit plus frühere Abflüge - FLUGGASTRECHTE
Guten Tag, bitte um Feedback, welche Rechte / Möglichkeiten ich habe:
situation:. Habe mit meiner Familie für Mai (in 1 Woche soll es los gehen) Flüge Köln/Bonn - Miami (bewusst als Nonstop Flüge !!) gebucht. Nachdem bekannt wurde, dass die Verbindung seitens Eurowings nicht statt findet, hieß es dann Ende März, dass wir umgebucht werden. Für den Hinflug kam dann einigermaßen zeitig die Info, dass wir auf Köln/Bonn - Zürich (mit Germanwings) und dann Zürich - Miami umgebucht wurden. Leider Abflug früher als geplant, mit Umstieg (1h Umstiegszeit...) und Ankunft in Miami 2h später als geplant. Das mag ja noch einigermaßen annehmbar sein. Meine wiederholten Anfragen nach a) der Möglichkeit des Direktzustiegs in Zürich sowie b) vergeblicher Versuche Sitzplätze zu reservieren (auch nach zig Anrufen bei Swiss, nachdem keinerlei brauchbarer Aussagen wie das zu machen ist seitens Eurowings) und c) den Flugdaten des Rückflugs blieben über Wochen unbeantwortet !! Irgendwann konnte ich einer Hotline Mitarbeiterin dann endlich mal eine eMail Adresse aus der Nase ziehen, die angeblich für solche Umbuchungen angelegt wurde. Auch hier erfolgte über Wochen kein Feedback. Erst jetzt 1 Woche vor Reiseantritt kam endlich eine Info per Mail. Diese enthält jedoch für uns einen absolut inakzeptablen Rückflug. Ein als Direktflug angepriesener Airberlin Flug von Miami nach Düsseldorf (nicht Köln/Bonn), der jedoch a) kein Nonstop Flug ist sondern eine Zwischenlandung in Chicago beinhaltet, wodurch sich b) die Reisezeit von ca. 9h auf über 13h (mit 2 kleinen Kindern !!) verlängert und der c) 6h (!!!!!!!!) vor ursprünglich mit Eurowings gebuchten Abflug in Miami startet (~12 Uhr statt ~18 Uhr). Durchgeführt wird der Flug von American Airlines und die Info, dass es sich nicht um einen Nonstop Flug handelt, wurde mir weder per Mail, noch von der Eurowings Hotline, noch von der Airberlin Hotline, sondern erst durch Anruf bei American Airlines USA mitgeteilt.
Konsequenz: Wir müssen eine geplante Rundreise 1 Tag früher abbrechen und uns auf sehr anstrengende und lange Zeiten mit den Kindern im Flugzeug sowie ungeplante Umstiege mit dem Risiko Anschluss Flüge zu verpassen einstellen /ertragen. Wir haben nicht umsonst die Eurowings Nonstop Flüge mit den kurzen Reisezeiten gebucht.
Rücktritt von der Reise nicht gewünscht, da vor Ort alles gebucht ist. Heute kam die Info, dass Umbuchungen zu den gebuchten Verbindungen nicht möglich sind, da aus Sicht Eurowings adequate Alternativen im Rahmen des Budgets gefunden wurde...
Muss ich das so akzeptieren ? Welche rechtlichen Ansprüche habe ich ?
Vielen Dank für eine Antwort im Voraus, Gruss Mobi
Gefragt 7, Mai 2016 in Flugannullierung von Anonym
wieder getaggt 7, Mai 2016 von admin
du möchtest in circa einer Woche mit deiner Familie in den Urlaub fliegen. Im Zuge dessen hast du schon vor geraumer Zeit Flüge mit der Fluggesellschaft Eurowings gebucht. Geplant war eine Reise mit folgender Route: CGN-MIA. Bei dem gebuchten Flug handelte es sich zudem um einen Direktflug. Dies war für dich auch von enormer Wichtigkeit, da du deine Reise mit 2 kleinen Kindern antreten wirst. Leider musstest du später erfahren, dass Eurowings die gebuchte Route gecancelt hat. Die Flüge wurden nun folgendermaßen verschoben:
Route: CGN-ZRH-MIA
Zeitliche Abweichung: Abflug 1 Stunde früher- 1. Stunde Umstiegszeit- 2 Stunden spätere Ankunft in Miami
Route: MIA-ORD-DUS
Zeitliche Abweichung: Abflug circa 6 Stunden früher- Reisezeitverlängerung von ca. 9 Stunden auf etwa 13. Stunden.
Fluggesellschaft: Angepriesen Air Berlin, Ausführung aber mit American Airlines
Aufgrund der Umbuchung entstehen dir folgende Nachteile:
· Frühere Abreise (eine Stunde), ungewünschter Umstieg in Zürich und spätere Ankunft in Miami (zwei Stunden)+
· Verlust der Rundreise um einen Tag
· Vorverlegung des Rückfluges (um 6 Stunden), unerwünschte Zwischenlandung in Chicago und Verlängerung der Reisezeit um 4 Stunden
· Risiko einen Anschlussflug zu verpassen
· Ankunft an einem anderen Flughafen
Dein Fall wirkt meiner Ansicht nach relativ kompliziert, sodass ich auf verschiedene Problemfelder eingehen möchte. Zunächst ist die korrekte gesetzliche Regelung zu suchen. Diese stellt hier die Fluggastrechte Verordnung dar. Deinen Schilderungen kann ich entnehmen, dass du eine reine Flugbuchung vorgenommen hast. Dies ist insofern wichtig, da dir andernfalls noch Ansprüche aus dem Reiserecht des BGB zustehen könnten. Falls du unerwarteter Weise doch eine Pauschalreise gebucht haben solltest, kannst du dies ja in einem weiteren Post mitteilen. Eine Pauschalreise liegt immer dann vor, wenn eine Buchung eine Gesamtheit von Reiseleistungen beinhaltet. Wenn also beispielsweise Flug, Hotel und Transfer zusammen gebucht wurden. Ist dies nicht der Fall kann lediglich die Fluggastrechte Verordnung herangezogen werden. Im Speziellen möchte ich auf den Anwendungsbereich und die möglichen Anspruchsgrundlagen eingehen.
Fluggastrechte Verordnung (VO)
Die Fluggastrechte Verordnung ist eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 über eine gemeinsame Regelung für Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer Verspätung von Flügen. Zunächst müsste der Anwendungsbereich eröffnet sein.
Der Hinflug ist meiner Ansicht nach unproblematisch vom Anwendungsbereich der VO erfasst, da du zum einen deine Reise von einem Mitgliedsstaat antrittst und zum anderen von einer deutschen Fluggesellschaft befördert wirst. Problematischer empfinde ich daher den Rückflug. Zum einen trittst du den Flug nicht aus einem Mitgliedsstaat an und zum anderen wirst du von einer amerikanischen Airline befördert. Irritierend finde ich jedoch, dass der Flug mit Air Berlin angepriesen wird. Das könnte dafür sprechen, dass die Fluggastrechte Verordnung doch anwendbar wäre, da Air Berlin eine deutsche Fluggesellschaft ist. Generell würde es meinem Rechtsempfinden widerstreben die Eröffnung des Anwendungsbereiches hier abzulehnen, da du ja auch ursprünglich mit einer deutschen Airline gebucht hast. Ich nehme daher an, dass der Anwendungsbereich auch für den Rückflug eröffnet ist.
Bezüglich der Anwendbarkeit und der Umsteigevorgänge könnten dich folgende Urteile interessieren:
Im Ergebnis ist die Eröffnung des Anwendungsbereiches gemäß Art. 3 VO zu bejahen.
Beantwortet 11, Mai 2016 von Kaktum (4,860 Punkte)
Fraglich ist nun, welche Anspruchsgrundlagen geltend gemacht werden könnten. Im Zuge dessen ist vorerst zu klären, wie die genannten Flugverlegungen zu qualifizieren sind. Diese könnten einer Annullierung entsprechen. Von einer Annullierung kann ausgegangen werden, wenn die Fluggesellschaft ihre ursprüngliche Flugplanung aufgeben muss. Indizien, welche für eine Annullierung sprechen sind beispielsweise Änderungen bezüglich der Fluggesellschaft, der Flugnummer, der Route, des Abflugortes und der Abflugzeit. In deinem Fall haben sich die Flugroute, die Fluggesellschaft und die Abflugzeit verändert. Zudem ist davon auszugehen, dass auch die Flugnummer eine andere ist. Daher ist anzunehmen, dass dein Flug gemäß Art. 5 VO annulliert wurde und du daher entsprechende Ansprüche geltend machen kannst. Art. 5 VO verweist auf die Anspruchsgrundlagen nach Art. 7, 8 und 9 VO.
Ein Anspruch gemäß Art. 7 VO scheidet jedoch aus, falls du rechtzeitig (mehr als 2 Wochen vorher) über die Änderung informiert wurdest. Da du erst 7 Tage vor Abflug informiert wurdest, steht dir für den Hinflug ein Anspruch auf Ausgleichszahlung zu. Aufgrund der Entfernung kann pro Person ein Anspruch in Höhe von 600 Euro geltend gemacht werden. Da deine Rundreise wahrscheinlich länger als 7 Tage geht, nehme ich an das die Zwei-Wochen-Frist bezüglich des Rückfluges nicht unterschritten wurde. Dir steht meiner Ansicht nach daher lediglich ein Anspruch auf 600 Euro pro Person für den Hinflug zu.
Es ist davon auszugehen, dass der Flug der dir angeboten wurde, der Flug zum frühestmöglichen Zeitpunkt ist. Daher bleibt dir meiner Ansicht nach nur die Möglichkeiten die Flugscheinkosten zurückerstatten zu lassen. Da du jedoch schon alle anderen Leistungen für die Rundreise gebucht hast, wird dir dies wahrscheinlich wenig zusagen. Des Weiteren bietet dir Art. 8 Abs. 3 VO die Möglichkeit von der Fluggesellschaft eine Beförderung von Düsseldorf Flughafen nach Köln Flughafen zu verlangen. Dies kann schon deshalb sinnvoll sein, falls du dein Auto in Köln am Flughafen abstellen möchtest.
Ein Anspruch auf Betreuungsleistungen gemäß Art. 9 VO scheidet meiner Ansicht nach aus. Dieser Artikel kann nicht zur Anwendung kommen, wenn die Fluggäste im Vorhinein informiert werden, da es auf einen anderen Zeitpunkt abstellt. Dieser Anspruch besteht für Fälle in den die Fluggäste sich bereits am Flughafen befinden und daher auf die Unterstützungsleistungen angewiesen sind.
Meiner Ansicht nach kannst du insgesamt einen Ausgleichszahlung von 2400 Euro geltend machen, soweit dir die anderen Familienmitglieder ihre Forderungen abtreten. Des Weiteren sollte meiner Ansicht nach ein Transport von DUS nach CGN gemäß Art. 8 Abs. 3 VO gefordert werden. Da du nicht von der Reise zurücktreten möchtest und dir eine anderweitige vergleichbare Beförderungsmöglichkeit angeboten wurde, erscheint mir die Geltendmachung eines anderweitigen Anspruches nach Art. 8 VO nicht als sinnvoll. Ich möchte an dieser Stelle noch kurz darauf hinweisen, dass ich hier lediglich meine persönlichen Ansichten ausgeführt habe und dies keinem Rechtsrat entspricht. Falls die Fluggesellschaft nicht auf deiner Forderungen reagiert, solltest du darüber nachdenken einen Rechtsanwalt hinzuzuziehen. Besonders eignet sich ein Anwalt, welcher sich auf Reiserecht und Flugverkehr spezialisiert hat.
ich stimme den bisherigen Ausführungen grundsätzlich zu, finde jedoch, dass es an Erläuterungen bezüglich der Abgrenzung von einem Direktflug und einem Non- Stop- Flug mangelt. Im Zuge Des Weiteren möchte ich auch kurz die Problematik der Erreichung des Anschlussfluges zu diskutieren, da du scheinbar Sorge trägst diesen mit den Kindern nicht erreichen zu können.
I. Unterscheidung von Non-Stop-Flug und Direktflug
Je nach Buchungsart kann eine Veränderung wichtiger Vertragsbestandteile vorliegen.
Laut deinen Ausführungen ist von der Buchung eines Non-Stop-Fluges auszugehen, somit kann meiner Ansicht nach eine Änderung erheblicher Vertragsbestandteile angenommen werden.
II. Der Anschlussflug
Du machst dir Sorgen den vorgesehenen Anschlussflug zu verpassen, da man mit Kindern für gewöhnlich immer etwas mehr Zeit für einen Umstieg benötigt. Vielleicht beruhigt dich ja, dass Wissen, dass alle Flughäfen und alle Fluggesellschaften untereinander Mindestumsteigezeiten (Minimum Connecting Time = MCT) festgelegt haben. Diese richten sich danach, wieviel Zeit ein Passagier für das Umsteigen benötigt. Die MCT wird von Airlines normalerweise aus Eigeninteresse nicht zu knapp berechnet, da ein Umsteigen innerhalb dieser vorgegebenen Zeit zu schaffen sein muss. Wenn durch Verspätung eines Zubringerfluges die MCT für den Anschlussflug unterschritten wurde und der Passagier den Flug verpasst hat, muss die Airline kostenfrei umbuchen, sofern es sich um einen Durchgangstarif (d.h. alle Flüge werden "am Stück" auf einem Ticket gebucht) handelt. In deinem Fall ist von einem solchen Durchgangstarif auszugehen, sodass du zumindest Gewissheit hast, dass die Fluggesellschaft das Risiko trägt.
Beantwortet 11, Mai 2016 von Addie (5,380 Punkte)