Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/zulassung-der-rechtsbeschwerde-durch-den-einzelrichter-2-3139916
Timestamp: 2019-09-18 03:41:49
Document Index: 296118307

Matched Legal Cases: ['§ 568', '§ 75', '§ 574', 'Art. 101', '§ 574', '§ 319', '§ 319', '§ 568', '§ 21', 'BGH', 'BGH', '§ 319', '§ 319', 'BGH']

Die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de ist nicht des­halb unwirk­sam, weil sie durch den Ein­zel­rich­ter erfolgt ist, obwohl er bei Annah­me eines Zulas­sungs­grunds das Ver­fah­ren gemäß § 568 Satz 2 ZPO der mit drei Mit­glie­dern besetz­ten Kam­mer (§ 75 GVG) hät­te über­tra­gen müs­sen.
An eine den­noch erfolg­te Zulas­sung ist das Rechts­be­schwer­de­ge­richt gemäß § 574 Abs. 3 Satz 2 ZPO gleich­wohl gebun­den1.
Die Rechts­be­schwer­de ist auch begrün­det. Die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung unter­liegt bereits des­halb der Auf­he­bung, weil sie unter Ver­let­zung des Ver­fas­sungs­ge­bots des gesetz­li­chen Rich­ters aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG ergan­gen ist.
Der Ein­zel­rich­ter hat bei Rechts­sa­chen, in denen er einen Zulas­sungs­grund bejaht, das Ver­fah­ren zwin­gend an das Kol­le­gi­um zu über­tra­gen. Bejaht er mit der Zulas­sungs­ent­schei­dung zugleich die im Sin­ne aller in § 574 Abs. 2 ZPO genann­ten Zulas­sungs­grün­de zu ver­ste­hen­de grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Rechts­sa­che, ist sei­ne Ent­schei­dung objek­tiv will­kür­lich und ver­stößt gegen das Gebot des gesetz­li­chen Rich­ters. Die­ser Ver­stoß ist vom Rechts­be­schwer­de­ge­richt von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen2. 7 b)) Etwas ande­res ergibt sich nicht dar­aus, dass die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de durch den Ein­zel­rich­ter aus­weis­lich sei­nes Hin­wei­ses ver­se­hent­lich erfolgt ist. Nach § 319 Abs. 1 ZPO ist eine Berich­ti­gung des Beschlus­ses, in den ver­se­hent­lich eine Zulas­sung auf­ge­nom­men wur­de, grund­sätz­lich mög­lich3. Dass die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de unbe­ab­sich­tigt erfolgt ist, muss sich dann aber aus dem Zusam­men­hang des Beschlus­ses selbst oder min­des­tens aus den Vor­gän­gen bei sei­nem Erlass oder sei­ner Ver­kün­dung erge­ben, weil nur dann eine offen­ba­re Unrich­tig­keit vor­lie­gen kann. Ein gerichts­in­tern geblie­be­nes Ver­se­hen, das meist nicht ohne wei­te­re Beweis­erhe­bung über­prüft wer­den könn­te, ist kei­ne "offen­ba­re" Unrich­tig­keit im Sin­ne von § 319 ZPO4. An der­ar­ti­gen, nach außen getre­te­nen Umstän­den, die den gerichts­in­ter­nen Bereich ver­las­sen hät­ten, fehlt es hier. Davon ist auch der Ein­zel­rich­ter zutref­fend aus­ge­gan­gen.
Die Zurück­ver­wei­sung der Sache erfolgt an den Ein­zel­rich­ter, der unter Berück­sich­ti­gung der Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung sowie der Rechts­be­schwer­de­er­wi­de­rung zu über­prü­fen haben wird, ob die Vor­aus­set­zun­gen für eine Über­tra­gung an die Kam­mer gemäß § 568 Satz 2 ZPO vor­lie­gen.
Wegen der durch die Rechts­be­schwer­de ange­fal­le­nen Gerichts­kos­ten macht der Bun­des­ge­richts­hof von der Mög­lich­keit des § 21 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Satz 1 GKG Gebrauch. Die­se Kos­ten wären bei rich­ti­ger Behand­lung der Sache durch den Ein­zel­rich­ter nicht ent­stan­den.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Janu­ar 2019 – I ZB 49/​18
st. Rspr.; vgl. nur Beschluss vom 22.02.2018 – V ZB 157/​17 2 mwN [↩]
st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 13.03.2003 – IX ZB 134/​02, BGHZ 154, 200, 202 bis 204 6 bis 9]; Beschluss vom 08.03.2011 – VIII ZB 65/​10, WuM 2011, 242 Rn. 4; Beschluss vom 14.06.2017 – I ZB 87/​16 10; Beschluss vom 22.02.2018 – V ZB 157/​17 3; Beschluss vom 19.12 2018 – VII ZB 45/​18 8 f., jeweils mwN [↩]
Musielak/​Voit, ZPO, 15. Aufl., § 319 Rn. 11; Prütting/​Gehrlein/​Thole, ZPO, 10. Aufl., § 319 Rn. 8 [↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 06.02.2014 – IX ZB 114/​12 9 f. [↩]