Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/richterliche-feststellungen-zum-objektiven-betreuungsbedarf-331992
Timestamp: 2019-08-20 21:02:34
Document Index: 236146946

Matched Legal Cases: ['§ 1896', '§ 1896', '§ 1896', '§ 1896', 'BGH', 'BGH', '§ 276', '§ 1896', '§ 1896', '§ 1896', '§ 1896']

Rich­ter­li­che Fest­stel­lun­gen zum objek­ti­ven Betreu­ungs­be­darf | Rechtslupe
Rich­ter­li­che Fest­stel­lun­gen zum objek­ti­ven Betreu­ungs­be­darf
Der in § 1896 Abs. 2 Satz 1 BGB ent­hal­te­ne Grund­satz der Erfor­der­lich­keit ver­langt für die Bestel­lung eines Betreu­ers tatrich­ter­li­che Fest­stel­lun­gen dazu, ob und für wel­che Auf­ga­ben­be­rei­che ein objek­ti­ver Betreu­ungs­be­darf besteht.
Der objek­ti­ve Betreu­ungs­be­darf ist auf­grund der kon­kre­ten, gegen­wär­ti­gen Lebens­si­tua­ti­on des Betrof­fe­nen zu beur­tei­len.
Kann ein Voll­jäh­ri­ger auf­grund einer psy­chi­schen Krank­heit oder einer kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder see­li­schen Behin­de­rung sei­ne Ange­le­gen­hei­ten ganz oder teil­wei­se nicht besor­gen, bestellt das Betreu­ungs­ge­richt auf sei­nen Antrag oder von Amts wegen für ihn einen Betreu­er (§ 1896 Abs. 1 Satz 1 BGB).
Nach § 1896 Abs. 2 Satz 1 BGB darf ein Betreu­er nur für Auf­ga­ben­krei­se bestellt wer­den, in denen die Betreu­ung erfor­der­lich ist. Die­ser Grund­satz ver­langt für die Bestel­lung eines Betreu­ers die kon­kre­te tatrich­ter­li­che Fest­stel­lung, dass sie – auch unter Beach­tung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit – not­wen­dig ist, weil der Betrof­fe­ne auf ent­spre­chen­de Hil­fen ange­wie­sen ist und weni­ger ein­schnei­den­de Maß­nah­men nicht in Betracht kom­men1. Die Erfor­der­lich­keit einer Betreu­ung darf sich dabei nicht allein aus der sub­jek­ti­ven Unfä­hig­keit des Betrof­fe­nen erge­ben, sei­ne Ange­le­gen­hei­ten selbst regeln zu kön­nen. Hin­zu­tre­ten muss ein kon­kre­ter Bedarf für die Bestel­lung eines Betreu­ers2. Ob und für wel­che Auf­ga­ben­be­rei­che ein Betreu­ungs­be­darf besteht, ist auf­grund der kon­kre­ten, gegen­wär­ti­gen Lebens­si­tua­ti­on des Betrof­fe­nen zu beur­tei­len3. Der Grund­satz der Erfor­der­lich­keit gilt auch im Bereich der Ver­mö­gens­sor­ge4.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Juli 2011 – XII ZB 80/​11
Betreu­ungs­be­darf für Woh­nungs­an­ge­le­gen­hei­ten Mit der Erfor­der­lich­keit einer Betreu­ung mit den Auf­ga­ben­krei­sen Woh­nungs­an­ge­le­gen­hei­ten, Ver­tre­tung gegen­über Behör­den und Ein­rich­tun­gen und Ver­tre­tung vor Gerich­ten hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen: In dem hier ent­schie­de­nen Fall…
Betreu­er für die Gesund­heits­sor­ge – wegen… Kann der Betrof­fe­ne auf­grund einer psy­chi­schen Erkran­kung sei­ne Ange­le­gen­hei­ten hin­sicht­lich des Auf­ga­ben­krei­ses der Gesund­heits­sor­ge nicht selbst besor­gen, so ist ihm hier­für grund­sätz­lich auch dann ein Betreu­er zu bestel­len, wenn er…
Ver­mö­gens­sor­ge – und die Erfor­der­lich­keit einer Betreu­ung Auch im Bereich der Ver­mö­gens­sor­ge kann die Erfor­der­lich­keit der Betreu­ung nicht allein mit der sub­jek­ti­ven Unfä­hig­keit des Betreu­ten begrün­det wer­den, sei­ne dies­be­züg­li­chen Ange­le­gen­hei­ten selbst zu regeln; viel­mehr muss auf­grund kon­kre­ter…
Betreu­er­be­stel­lung gegen den Wil­len des Betrof­fe­nen Nach § 1896 BGB bestellt das Betreu­ungs­ge­richt für einen Voll­jäh­ri­gen, der auf­grund einer psy­chi­schen Krank­heit oder einer kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder see­li­schen Behin­de­rung sei­ne Ange­le­gen­hei­ten ganz oder teil­wei­se nicht besor­gen kann,…
Okto­ber 2014 im Monats­rück­blick Der Okto­ber bescher­te uns nicht nur einen schö­nen Spät­sommer, son­dern auch eine Rei­he neu­er Ent­wick­lun­gen im Bereich von Recht & Steu­ern: Hier fin­den Sie einen schnel­len Über­blick: …
Betreu­er­be­stel­lung trotz Vor­sor­ge­voll­macht Eine Vor­sor­ge­voll­macht steht der Bestel­lung eines Betreu­ers dann nicht ent­ge­gen, wenn der Bevoll­mäch­tig­te unge­eig­net ist, die Ange­le­gen­hei­ten des Betrof­fe­nen zu besor­gen ((im Anschluss an BGH, Beschluss vom 13.04.2011 – XII…
Betreu­er­be­stel­lung trotz Vor­sor­ge­voll­macht Eine vom Betrof­fe­nen erteil­te Vor­sor­ge­voll­macht hin­dert die Bestel­lung eines Betreu­ers nur, wenn gegen die Wirk­sam­keit der Voll­machts­er­tei­lung kei­ne Beden­ken bestehen ((BGH, Beschluss vom 15.12.2010 – XII ZB 165/​10, Fam­RZ 2011,…
Zwin­gen­de Bestel­lung eines Ver­fah­rens­pfle­gers in… Die Bestel­lung eines Ver­fah­rens­pfle­gers für den Betrof­fe­nen ist nach § 276 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 FamFG regel­mä­ßig schon dann gebo­ten, wenn der Ver­fah­rens­ge­gen­stand die Anord­nung einer Betreu­ung in…
vgl. OLG Mün­chen BtPrax 2006, 30, 31; BayO­bLG Fam­RZ 1995, 1085; 1999, 1612↩
BayO­bLG Fam­RZ 1997, 388; BtPrax 1995, 64, 65; OLG Zwei­brü­cken Fam­RZ 2005, 748, 749; Münch­Komm-BGB/­Schwab 5. Aufl. § 1896 Rn. 39; Palandt/​Diederichsen BGB 70. Aufl. § 1896 Rn. 9↩
BayO­bLG Fam­RZ 1998, 452; 453; Münch­Komm-BGB/­Schwab 5. Aufl. § 1896 Rn. 39 mwN↩
Münch­Komm-BGB/­Schwab 5. Aufl. § 1896 Rn. 104; LG Regens­burg Fam­RZ 1993, 477, 478↩
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