Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%20177,%2069
Timestamp: 2019-05-26 14:25:34
Document Index: 171372369

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 142', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 826', '§ 242', 'BGH', 'BGH']

BGH, 10.06.2008 - XI ZR 283/07 - dejure.org
Bestehen eines Widerspruchsrechts eines (vorläufigen) Insolvenzverwalters gegen eine im Einzugsermächtigungsverfahren vorgenommenen Lastschriftabbuchung auf dem Schuldnerkonto; Initiative des Gläubigers zur Bezahlung seiner Forderung durch Beauftragung der Bank zum Geldeinzug als Besonderheit des Einzugsermächtigungsverfahrens; Bindung des vorläufigen Insolvenzverwalters an die rechtliche Verpflichtung des Schuldners zum Unterlassen sittenwidriger Lastschriftwidersprüche; Maßgeblichkeit der für die Belastung des Schuldnerkontos im Deckungsverhältnis erforderlichen Genehmigung des Schuldners für die Erfüllung im Valutaverhältnis; Wirksamkeit der Regelung in Nr. 7 Abs. 3 Gesetz zur Regelung des Rechts der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBG-Banken); Maßgeblichkeit des Zeitpunkts des Lastschrifteinzugs im Falle der Genehmigungsfiktion für die Frage der Bardeckung im Rahmen des § 142 Insolvenzordnung (InsO)
Zum Widerspruchsrecht eines vorläufigen Insolvenzverwalters gegen eine im Einzugsermächtigungsverfahren vorgenommene Lastschriftbuchung; Wirkung von Nr. 7 Abs. 3 AGB-Banken auch gegenüber dem vorläufigen Insolvenzverwalter mit Zustimmungsvorbehalt; Zeitpunkt des Lastschrifteinzugs für Frage der Bardeckung auch im Falle der Genehmigungsfiktion maßgebend
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 10.6.2008 - XI ZR 283/07 (Wirkung der Genehmigungsfiktion für Lastschriften aus Nr. 7 Abs. 3 AGB-Bk auch gegenüber dem schwachen vorläufigen Insolvenzverwalter)" von Prof. Dr. Reinhard Bork und Prof. Dr. Ulrich Haas, original erschienen in: ZIP 2008, 1977 - 1987.
Die vom XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs noch in seinem Urteil vom 10. Juni 2008 (XI ZR 283/07, BGHZ 177, 69 Rn. 17, 19) bei schuldrechtlich grundlosem Widerspruch des vorläufigen Insolvenzverwalters gegen Lastschriften bejahte Erfüllung des objektiven und subjektiven Deliktstatbestandes, auf die sich das Berufungsgericht gestützt hat, ist durch die neuere Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs überholt, obwohl ein solcher Anspruch bei insolvenzrechtlich unberechtigtem Widerspruch des (vorläufigen) Insolvenzverwalters auch weiterhin in Betracht kommt (vgl. BGH…, Urteil vom 20. Juli 2010 - IX ZR 37/09, BGHZ 186, 242 Rn. 27).
Dies kann bei Lastschriftabbuchungen von Dauerschuldverhältnissen - Leasingraten, Telefonkosten, Energie- und Sozialversicherungsbeiträge - der Fall sein, insbesondere wenn der Kunde und spätere Insolvenzschuldner durch tägliche Kundendispositionen auf einem ausschließlich auf Guthabensbasis zu führenden Online-Konto zum Ausdruck gebracht, dass er die Lastschriftbuchungen nicht rückgängig machen wollte (in Anknüpfung an Rspr. des 11. Zivilsenat in BGHZ 144, 349, 354; BGH, Urteil vom 25.10.2007 - IX ZR 217/06 - WM 2007, 2246, 2250; Urteil vom 10.06.2008, WM 2008, 1963 ff.).
Dem vorläufigen Insolvenzverwalter stünden innerhalb von Vertragsverhältnissen nicht mehr und keine anderen Rechte als dem Schuldner zu (BGHZ 44, 1, 4; 56, 228, 230 f.; 106, 169, 175; 144, 349, 351; BGH, Urteil vom 17.1.21998 - IX ZR 151/98 - WM 1999, 229, 230; Urteil vom 10.06.2008 - XI ZR 283/07 - WM 2008, 1963).
Das Insolvenzrecht rechtfertige es nicht, das Grundinstrumentarium des BGB "für Zwecke des Insolvenzverfahrens" umzuinterpretieren und das Einzugsermächtigungsverfahen in der Insolvenz des Schuldners zu einem Instrument der Massenmehrung umzufunktionieren (BGH, Urteil vom 10.06.2008, WM 2008, 1963 ff. m.w.N.).
Der XI. Zivilsenat hat allerdings dargelegt, dass - sofern der Schuldner die Belastungsbuchung weder ausdrücklich noch konkludent genehmigt habe (vgl. dazu 11. Zivilsenat in BGHZ 144, 349, 354; BGH, Urteil vom 25.10.2007 - IX ZR 217/06 - WM 2007, 2246, 2250; Urteil vom 10.06.2008, WM 2008, 1963 ff.) die Genehmigung nach Nr. 7 Abs. 3 AGB-Banken spätestens dann als erteilt gelte, wenn der Schuldner nicht innerhalb von 6 Wochen nach Zugang des Rechnungsabschlusses Einwendungen erhoben habe.
Soweit der Kläger einwendet (S.2/3 des Schriftsatzes vom 10.08.2009, GA 258/259), der für die Rechtsfrage zuständige Xl. Zivilsenat (Bankensenat) habe sich bislang zur Frage der konkludenten Genehmigung im Lastschriftverfahren noch nicht abschließend geäußert, übersieht der Kläger, dass der Xl. Zivilsenat des Bundesgerichtshof grundsätzlich die Auffassung vertritt, dass die Regelung des § 826 BGB als spezielle Ausprägung des die gesamte Zivilrechtsordnung beherrschenden Grundsatzes von Treu und Glauben (§ 242 BGB) uneingeschränkt auch für den vorläufigen Insolvenzverwalter gelte und es dem vorläufigen Insolvenzverwalter untersagt sei, sittenwidriger Weise Lastschriftwidersprüche vorzunehmen (BGHZ 44, 1, 4; 56, 228, 230 f.; 106, 169, 175; 144, 349, 351, BGH Urteil vom 17.01.1998 - IX ZR 151/8 - WM 1999, 229, 230; Urteil vom 10.06.2008 - XI ZR 283/07 - WM 2008, 1963).