Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=17.09.2002&Aktenzeichen=XI%20ZR%20306/01
Timestamp: 2019-11-12 14:20:48
Document Index: 276137349

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 138', '§ 765', '§ 138', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 138', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 850', 'BGH', 'BGH']

BGH, 17.09.2002 - XI ZR 306/01 - dejure.org
https://dejure.org/2002,1892
BGH, 17.09.2002 - XI ZR 306/01 (https://dejure.org/2002,1892)
BGH, Entscheidung vom 17.09.2002 - XI ZR 306/01 (https://dejure.org/2002,1892)
BGH, Entscheidung vom 17. September 2002 - XI ZR 306/01 (https://dejure.org/2002,1892)
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Rückzahlungsgarantie - Akzessorietät der Haftung - Vertragsauslegung - Sittenwidrigkeit einer Bürgschaft - Nichtigkeit - Finanzielle Überforderung - Ausnutzen der Unerfahrenheit
Sittenwidrigkeit wegen finanzieller Überforderung eines finanziell nicht beteiligten bürgenden Gesellschafters nur bei Offensichtlichkeit für das Kreditinstitut
Sittenwidrigkeit,Bürgschaft; Strohmann; Bankbürgschaft
BGB § 138 Abs. 1 § 765
Sicherheiten - Krasse Überforderung des Bürgen (hier: Kommanditist)
Bürgschaft - Sittenwidrigkeit - Haftung eines Kommanditisten für Verbindlichkeiten der KG
Bürgschaft/Sittenwidrigkeit/Haftung eines Kommanditisten für Verbindlichkeiten der KG
ZIP 2002, 2249
NJ 2003, 254
Nur bei ihnen kann es - namentlich bei ertragsschwachen und auch über kein ins Gewicht fallendes Eigenkapital verfügenden Gesellschaften - ausnahmsweise sachlich gerechtfertigt sein, den unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht nennenswert an der Kreditnehmerin beteiligten finanzschwachen Bürgen nach dem Schutzgedanken des § 138 Abs. 1 BGB im Ergebnis wie einen bloßen Strohmanngesellschafter ohne jedes Eigeninteresse an der treuhänderisch gehaltenen Beteiligung zu behandeln (…zum Strohmanngesellschafter vgl. Senatsurteile vom 15. Januar 2002 - XI ZR 98/01, aaO S. 437;… vom 28. Mai 2002 - XI ZR 199/01, aaO S. 1648 f. und vom 17. September 2002 - XI ZR 306/01, Umdr. S. 12 f. m.w.Nachw.).
Anders verhält es sich, wenn der Gesellschafter - für den Kreditgeber klar ersichtlich - lediglich die Funktion eines Strohmanns ohne eigene wirtschaftliche Interessen und finanzielle Beteiligung wahrnimmt und die Stellung eines Gesellschafters nur aus persönlicher Verbundenheit mit einer die Gesellschaft wirtschaftlich beherrschenden Person übernommen hat (vgl. BGH, Urteil vom 18. Dezember 1997 - IX ZR 271/96, BGHZ 137, 329, 337; Urteil vom 18. September 2001 - IX ZR 183/00, ZIP 2001, 1954, 1955; Urteil vom 17. September 2002 - XI ZR 306/01, ZIP 2002, 2249, 2251).
Die vom Bundesgerichtshof entwickelten Grundsätze zur Sittenwidrigkeit einer Bürgschaftsübernahme durch finanziell überforderte nahe Angehörige gelten grundsätzlich nicht für GmbH-Gesellschafter, die für Verbindlichkeiten der GmbH die Bürgschaft übernehmen (BGH, Urteil vom 15. Januar 2002, ZIP 2002, 389 ; Urteil vom 17. September 2002, ZIP 2002, 2249 ; Urteil vom 10. Dezember 2002, ZAP EN-Nr. 250/2003).
Ein Kreditinstitut, welches einer GmbH ein Darlehen gewährt, hat grundsätzlich ein berechtigtes Interesse an der persönlichen Haftung der hinter der Gesellschaft stehenden Gesellschafter und ein Gesellschafter, der an einer GmbH beteiligt ist, tut dies aus eigenem finanziellen Interesse (BGH, Urteil vom 17. September 2002, ZIP 2002, 2249 ), welches sich bis in die Abgabe einer Bürgschaftserklärung für die Gesellschaft erstrecken kann.
Daher begründen weder die krasse finanzielle Überforderung eines bürgenden Gesellschafters noch seine emotionale Verbundenheit mit einem die Gesellschaft beherrschenden Dritten die Vermutung der Sittenwidrigkeit (BGH, Urteil vom 17. Oktober 2002, ZIP 2002, 2249 ).
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes hängt die Anwendung des § 138 Abs. 1 BGB auf von Banken mit privaten Sicherungsgebern geschlossenen Bürgschafts- und Mithaftungsverträgen regelmäßig entscheidend von dem Grad des Missverhältnisses zwischen dem Verpflichtungsumfang und der finanziellen Leistungsunfähigkeit des dem Hauptschuldner persönlich nahestehenden Bürgen oder Mitverpflichteten ab (vgl. BGHZ 125, 206/211; BGHZ 136, 347/351; BGHZ 137, 329/333 ff.; BGH WM 2002, 1350/1351; BGH ZIP 2002, 2249, 2252; BGH NJW 2002, 744/745; BGH NJW 2002, 2228/2229; BGH FamRZ 2003, 512/513 m. w. N.; BGH ZIP 2003, 275-277).
In einem solchen Fall krasser finanzieller Überforderung ist aber nach der allgemeinen Lebenserfahrung ohne Hinzutreten weiterer Umstände jedenfalls widerleglich zu vermuten, dass der dem Hauptschuldner persönlich nahestehende Bürge oder Mithaftende die für ihn ruinöse Personalsicherheit ohne realistische Einschätzung der Interessenlage allein aus emotionaler Verbundenheit mit dem Hauptschuldner übernommen und die Bank dies in sittlich anstößiger Weise ausgenutzt hat (vgl. BGH NJW 2001, 815/816; BGH NJW 2002, 744/745; BGH NJW 2002, 2228/2229; BGH WM 2002, 1350/1351; BGH ZIP 2002, 2249; BGH FamRZ 2003, 512/513).
Das ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs etwa der Fall, wenn das Kreditinstitut die geschäftliche Unerfahrenheit des Bürgen ausgenutzt oder dessen Willensbildung und Entschließungsfreiheit durch Irreführung, Schaffung einer seelischen Zwangslage oder die Ausübung unzulässigen Drucks beeinträchtigt hat (Urteil vom 17.09.2002, a.a.O., S. 1236;… Urteil vom 28.05.2002, a.a.O., S. 718 f.;… Urteil vom 15.01.2002, a.a.O., S. 222).
Lediglich in Fällen, in denen für das Kreditinstitut klar ersichtlich ist, dass derjenige, der bürgen soll, finanziell nicht beteiligt ist und die Stellung eines Gesellschafters ohne eigenes wirtschaftliches Interesse und nur aus persönlicher Verbundenheit mit einer die Gesellschaft wirtschaftlich beherrschenden Person übernommen hat, gelten die Grundsätze zur Sittenwidrigkeit von Bürgschaften nahe Angehöriger entsprechend (BGH, ZIP 2002, 2249 m.w.N.).
Anzuwenden sind die Pfändungsfreigrenzen des § 850 c ZPO in der bei Eingehung der Mithaft gültigen Fassung (vgl. BGH, BGHReport 2002, 1097).