Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/dna-gutachten-mischspuren-3125912
Timestamp: 2020-01-28 16:35:59
Document Index: 336301324

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

DNA-Gut­ach­ten bei Misch­spu­ren – und das Straf­ur­teil | Rechtslupe
DNA-Gutachten bei Mischspuren - und das Strafurteil
DNA-Gut­ach­ten bei Misch­spu­ren – und das Straf­ur­teil
Das Tat­ge­richt hat in Fäl­len, in denen es dem Gut­ach­ten eines Sach­ver­stän­di­gen folgt, die wesent­li­chen Anknüp­fungs­tat­sa­chen und Aus­füh­run­gen des Gut­ach­ters so dar­zu­le­gen, dass das Revi­si­ons­ge­richt prü­fen kann, ob die Beweis­wür­di­gung auf einer trag­fä­hi­gen Tat­sa­chen­grund­la­ge beruht und die Schluss­fol­ge­run­gen nach den Geset­zen der Logik, den Erfah­rungs­sät­zen des täg­li­chen Lebens und den Erkennt­nis­sen der Wis­sen­schaft mög­lich sind 1.
Die Dar­stel­lung der Ergeb­nis­se einer auf einer mole­ku­lar­ge­ne­ti­schen Ver­gleichs­un­ter­su­chung beru­hen­den Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nung ist so aus­zu­ge­stal­ten, dass die Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nung für das Revi­si­ons­ge­richt nach­voll­zieh­bar ist. Inso­weit ist es in Fäl­len, die kei­ne Beson­der­hei­ten in der foren­si­schen Fra­ge­stel­lung auf­wei­sen, aus­rei­chend, wenn der Tatrich­ter in den Urteils­grün­den mit­teilt, wie vie­le Sys­te­me unter­sucht wor­den sind, ob und inwie­weit sich Über­ein­stim­mun­gen in den unter­such­ten Sys­te­men erge­ben haben und mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit die fest­ge­stell­te Merk­mals­kom­bi­na­ti­on bei einer wei­te­ren Per­son zu erwar­ten ist 2.
Für die Dar­stel­lung der Bewer­tung von Misch­spu­ren, also von Spu­ren, die mehr als zwei Alle­le in einem DNA-Sys­tem auf­wei­sen, kön­nen jedoch je nach den Umstän­den des kon­kre­ten Ein­zel­falls stren­ge­re Anfor­de­run­gen gel­ten 3. Dabei wird sich regel­mä­ßig die Anga­be emp­feh­len, wie vie­le Spu­ren­ver­ur­sa­cher in Betracht kom­men und um wel­chen Typ von Misch­spur es sich han­delt 4.
Hier­an fehl­te es im hier ent­schie­de­nen Fall: Das Land­ge­richt hat sich auf die Mit­tei­lung beschränkt, dass die DNA-Merk­ma­le des Ange­klag­ten "durch­ge­hend in sech­zehn von­ein­an­der unab­hän­gi­gen DNA-Merk­mal­sys­te­men in die­ser Misch­spur fest­ge­stellt" wor­den sei­en. Den tatrich­ter­li­chen Aus­füh­run­gen lässt sich nicht ent­neh­men, wie vie­le Spu­ren­ver­ur­sa­cher in Betracht kom­men. Die For­mu­lie­rung, dass "meh­re­re Per­so­nen mit deut­lich unter­schied­li­chen Spu­ren­an­teils­men­gen" die­se Misch­spur ver­ur­sacht haben, deu­tet dar­auf hin, dass es sich um eine Misch­spur jeden­falls mit mehr als zwei Spu­ren­ver­ur­sa­chern han­delt.
Schließ­lich lässt sich die vom Land­ge­richt aus der Spu­ren­la­ge gezo­ge­ne Fol­ge­rung, dass die an dem Fin­ger­kup­pen­frag­ment des Hand­schuhs gesi­cher­te Spur DNA des Ange­klag­ten ent­hal­te, aus der Nicht­aus­schließ­bar­keit einer Spu­ren­ver­ur­sa­chung nicht her­lei­ten 5.
Der Bun­des­ge­richts­hof ver­moch­te auch nicht aus­zu­schlie­ßen, dass das Urteil auf die­sen Dar­le­gungs­män­geln beruht. Zwar hat die Straf­kam­mer wei­te­re Beweis­an­zei­chen für die Täter­schaft des Ange­klag­ten her­an­ge­zo­gen; sie hat die­sen wei­te­ren Beweis­an­zei­chen aber gegen­über der DNA-Spur eine nur unter­ge­ord­ne­te Bedeu­tung bei­gemes­sen.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Juni 2017 – 2 StR 572/​16
st. Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 21.07.2016 – 2 StR 383/​15 35[↩]
BGH, Beschluss vom 12.04.2016 – 4 StR 18/​16; Beschluss vom 22.10.2014 – 1 StR 364/​14, NStZ-RR 2015, 87, 88; Urteil vom 05.06.2014 – 4 StR 439/​13, NJW 2014, 2454, 2455; zum Erfor­der­nis der Anga­be, ob die unter­such­ten Merk­ma­le unab­hän­gig von­ein­an­der ver­erb­bar sind vgl. nun­mehr BGH, Urteil vom 05.06.2014 – 4 StR 439/​13, NStZ 2014, 477[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 19.01.2016 – 4 StR 484/​15, NStZ-RR 2016, 118, 119[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 16.11.2016 – 2 StR 141/​16, NStZ-RR 2017, 91, 92; zur Spu­ren­qua­li­tät und zur Bedeu­tung der Anzahl der Spu­ren­ver­ur­sa­cher Ulb­rich u.a., Gemein­sa­me Emp­feh­lun­gen der Pro­jekt­grup­pe "Bio­sta­tis­ti­sche DNA-Berech­nun­gen" und der Spu­ren­kom­mis­si­on zur Bio­sta­tis­ti­schen Bewer­tung von DNA­ana­ly­ti­schen Befun­den, NStZ 2017, 135, 136; zur Klas­si­fi­ka­ti­on von Misch­spu­ren Schnei­der u.a., NStZ 2007, 447[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 16.11.2016 – 2 StR 141/​16, NStZ-RR 2017, 91, 92; vgl. auch die Emp­feh­lun­gen der Spu­ren­kom­mis­si­on NStZ 2017, 135[↩]
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