Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-betrieb/der-auf-0-eur-lautende-einkommensteuerbescheid-390082
Timestamp: 2020-07-10 00:36:52
Document Index: 369152923

Matched Legal Cases: ['§ 40', '§ 68', '§ 68', '§ 68', '§ 68', '§ 68', '§ 68']

Der auf 0,- € lautende Einkommensteuerbescheid | Rechtslupe
Eine Kla­ge gegen einen auf 0 € lau­ten­den Ein­kom­men­steu­er­be­scheid ist grund­sätz­lich unzu­läs­sig, weil es an der ‑gemäß § 40 Abs. 2 FGO erfor­der­li­chen- sach­li­chen Beschwer fehlt [1].
Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall ist auch kei­ne der von der Recht­spre­chung aner­kann­ten Aus­nah­me-Fall­grup­pen ein­schlä­gig, in denen eine Beschwer trotz einer Fest­set­zung auf 0 EUR aner­kannt wur­de. Zwar beru­fen die Klä­ger sich inso­weit auf die zum Gewer­be­steu­er­mess­be­trag ergan­ge­ne Recht­spre­chung, wonach eine Kla­ge gegen einen auf 0 EUR lau­ten­den Mess­be­scheid zuläs­sig ist, wenn der Klä­ger sei­ne Gewer­be­steu­er­pflicht als sol­che bestrei­tet und des­halb die ersatz­lo­se Auf­he­bung des Mess­be­scheids begehrt [2]. Auf die Ein­kom­men­steu­er ist die­se Recht­spre­chung indes nicht über­trag­bar, weil die Klä­ger unstrei­tig per­sön­lich ein­kom­men­steu­er­pflich­tig sind und ande­re ‑nicht streit­be­fan­ge­ne- Ein­künf­te erzie­len, die sach­lich ein­kom­men­steu­er­pflich­tig sind.
Die Beschwer hat sich durch die wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens vor­ge­nom­me­ne Her­ab­set­zung der Ein­kom­men­steu­er auf 0 EUR und den gleich­zei­ti­gen erst­ma­li­gen Erlass von Ver­lust­fest­stel­lungs­be­schei­den viel­mehr auf die­se Beschei­de ver­la­gert. Die­se sind zum Gegen­stand des Kla­ge­ver­fah­rens gewor­den; inso­weit ist die Kla­ge noch beim Finanz­ge­richt anhän­gig.
Nach § 68 Satz 1 FGO wird der neue Ver­wal­tungs­akt Gegen­stand des finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens, wenn der ange­foch­te­ne Ver­wal­tungs­akt nach Bekannt­ga­be der Ein­spruchs­ent­schei­dung geän­dert oder ersetzt wird. Zweck des § 68 FGO ist der Schutz des Klä­gers, der nicht gegen sei­nen Wil­len durch einen ein­sei­ti­gen Akt des Finanz­amt aus einem ‑ursprüng­lich zuläs­si­gen- Kla­ge­ver­fah­ren her­aus­ge­drängt und wie­der in das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zurück­ver­setzt wer­den soll [3]. Im Hin­blick auf den Zweck der Vor­schrift, nach Mög­lich­keit ein erneu­tes Ver­fah­ren zu ver­mei­den, sind die Begrif­fe "Ände­rung" und "Erset­zung" weit aus­zu­le­gen. Es genügt, wenn bei­de Beschei­de "die­sel­be Steu­er­sa­che", d.h. die­sel­ben Betei­lig­ten und den­sel­ben Besteue­rungs­ge­gen­stand betref­fen. Die bei­den Ver­wal­tungs­ak­te müs­sen ledig­lich einen ‑zumin­dest teil­wei­se- iden­ti­schen Rege­lungs­be­reich haben, damit es zu einem Aus­tausch des Ver­fah­rens­ge­gen­stan­des kom­men kann [4].
Dies vor­aus­ge­setzt, sind die Ver­lust­fest­stel­lungs­be­schei­de nach § 68 FGO zum Gegen­stand des Kla­ge­ver­fah­rens gewor­den. Zwar unter­schei­det sich die im Streit­fall gege­be­ne Kon­stel­la­ti­on inso­fern vom Regel­fall des § 68 Satz 1 FGO, als auch die geän­der­ten Ein­kom­men­steu­er­be­schei­de zum Gegen­stand des Ver­fah­rens gewor­den sind und die Ver­lust­fest­stel­lungs­be­schei­de nun­mehr hin­zu­tre­ten. Die Anwen­dung wird aber durch die dar­ge­stell­ten Zwe­cke der genann­ten Norm gebo­ten, da der bereits anhän­gi­ge Rechts­streit gegen die Ein­kom­men­steu­er­be­schei­de sach­lich nur im Ver­fah­ren gegen die Ver­lust­fest­stel­lungs­be­schei­de fort­ge­führt wer­den kann, weil allein die­se nach Her­ab­set­zung der Ein­kom­men­steu­er auf 0 EUR noch eine Beschwer ent­fal­ten. Woll­te man dies anders sehen, wür­den die Klä­ger gegen ihren Wil­len durch ein­sei­ti­ges Han­deln des Finanz­amt aus dem Kla­ge­ver­fah­ren her­aus­ge­drängt; die bis­he­ri­gen Ergeb­nis­se des Kla­ge­ver­fah­rens wären ‑ins­be­son­de­re wenn bereits eine umfang­rei­che Beweis­auf­nah­me statt­ge­fun­den hat- ver­lo­ren, was dem Gedan­ken der Pro­zess­öko­no­mie wider­strei­ten wür­de.
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2014 – X B 113/​14
stän­di­ge höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung, vgl. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 17.02.1998 – VIII R 21/​95, BFH/​NV 1998, 1356; und vom 23.02.2007 – VIII B 106/​06, BFH/​NV 2007, 1164, bei­de m.w.N.[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 25.09.2008 – IV R 80/​05, BFHE 223, 86, BStBl II 2009, 266[↩]
BFH, Urteil vom 06.08.1996 – VII R 77/​95, BFHE 181, 107, BStBl II 1997, 79, unter 2.c; Schall­mo­ser in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler ‑HHSp‑, § 68 FGO Rz 7[↩]
vgl. zum Gan­zen BFH, Urteil vom 27.04.2004 – X R 28/​02, BFH/​NV 2004, 1287, unter II. 1.a; HHSp/​Schallmoser, § 68 FGO Rz 41 f.[↩]
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