Source: https://www.jusmeum.de/urteil/bverwg/bverwg_4-B-69-04
Timestamp: 2019-06-16 23:14:19
Document Index: 168818498

Matched Legal Cases: ['Art. 19', '§ 68', '§ 51', '§ 51', '§ 137', 'Art. 19']

BVerwG, 4 B 69.04: Unvereinbarkeit, Rücknahme, Rechtsschutzgarantie
Urteil des BVerwG vom 13.10.2004, 4 B 69.04
4 B 69.04
Unvereinbarkeit, Rücknahme, Rechtsschutzgarantie
BVerwG 4 B 69.04 OVG 7 A 1856/03
hat der 4. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 13. Oktober 2004 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. P a e t o w , den Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. J a n n a s c h und die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Dr. P h i l i p p
Die Beschwerde der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen vom 17. Juni 2004 wird zurückgewiesen.
Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Beschwerdeverfahren auf 6 851,31 € festgesetzt.
Rechtssache hat nicht die grundsätzliche Bedeutung, die ihr die Klägerin beilegt.
Die Beschwerde entnimmt dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts den tragenden
Rechtssatz, dass eine Baugenehmigung mit der Nebenbestimmung, dass ein Stellplatz nachgewiesen werden muss, mit Eintreten der Bestandskraft ausschließe, dass
gegen einen separat ergangenen Stellplatzablösebescheid wirksam Widerspruch
eingelegt und insbesondere der Antrag auf Stellplatzablöse zurückgenommen werden könne. Sie hält für grundsätzlich klärungsbedürftig, ob dieser Rechtssatz mit der
Rechtsschutzgarantie des Art. 19 Abs. 4 GG und den allgemeinen Grundsätzen des
Verwaltungsverfahrens, insbesondere mit den Regelungen über die Bestandskraft
von Verwaltungsakten in §§ 68 ff. VwGO vereinbar sei.
Diese Frage rechtfertigt nicht die Zulassung der Revision, denn einen Rechtssatz
dieses Inhalts hat das Oberverwaltungsgericht nicht aufgestellt. Der Regelungsgehalt
der unanfechtbar gewordenen Nebenbestimmung zur Baugenehmigung hat sich
nach Auffassung des Oberverwaltungsgerichts nicht in der Pflicht erschöpft, einen
notwendigen Stellplatz nachzuweisen. Es hat der Nebenbestimmung darüber hinaus
entnommen, dass die Bauaufsichtsbehörde auf der Grundlage des Bauantrags und
des diesen ergänzenden Antrags auf Ablösung eines Stellplatzes die Baugenehmigung - für alle Beteiligten erkennbar - nur mit der Maßgabe erteilt hat, dass der ihrer
Ansicht nach notwendige Stellplatz abgelöst wurde (vgl. S. 7 des UA). Es hat daraus
auch nicht den Schluss gezogen, dass gegen den Stellplatzablösebescheid nicht
wirksam Widerspruch eingelegt werden könne. Es hat den zulässigen Widerspruch
und die Klage lediglich als unbegründet angesehen, weil eine Rücknahme des Antrags auf Ablösung des Stellplatzes spätestens mit Bestandskraft der Baugenehmigung einschließlich der im oben genannten Sinne zu verstehenden Nebenbestimmung ausgeschlossen sei.
In Bezug auf diesen Rechtssatz ist ein rechtsgrundsätzlicher Klärungsbedarf nicht
dargetan. Die Rechtsauffassung des Oberverwaltungsgerichts beruht allein auf der
Auslegung und Anwendung der landesrechtlichen Vorschriften über die Stellplatzablösung in § 51 BauO NRW. Das Oberverwaltungsgericht stützt weder das Antragserfordernis noch die Voraussetzungen für eine Antragsrücknahme auf bundesrechtliche Vorschriften. § 51 BauO NRW ist eine Norm des nichtrevisiblen Landesrechts
(vgl. § 137 Abs. 1 Nr. 1 VwGO). Insoweit können sich keine Fragen von grundsätzlicher Bedeutung stellen, die in dem erstrebten Revisionsverfahren einer Klärung zugeführt werden könnten. Denn das Revisionsgericht wäre an die Auslegung, die das
Berufungsgericht der BauO NRW gegeben hat, gebunden.
Soweit die Beschwerde die Unvereinbarkeit der Auslegung des Landesrechts durch
das Oberverwaltungsgericht mit Art. 19 Abs. 4 GG rügt, zeigt sie nicht - wie es erforderlich wäre (vgl. BVerwG, Beschluss vom 9. März 1984 - BVerwG 7 B 238.81 -
- BVerwG 4 B 114.94 - NVwZ 1995, 700, 702) - auf, dass nicht die Auslegung des