Source: https://www.haufe.de/steuern/rechtsprechung/zweifel-an-der-umsatzsteuerpflicht-einer-schwimmschule_166_489606.html
Timestamp: 2019-05-23 05:25:02
Document Index: 355282427

Matched Legal Cases: ['Art. 132', 'EuG', 'Art. 132', 'EuG', 'Art. 132', 'Art. 132', 'EuG']

Zweifel an der Umsatzsteuerpflicht einer Schwimmschule | Steuern | Haufe
Hintergrund: Schwimmkurse für Kinder
Die Klägerin ist eine GbR, die Schwimmkurse für Kinder durchführt. Sie behandelte diese von den Eltern vergüteten Leistungen als umsatzsteuerfrei. Das Umsatzsteuergesetz sieht keine Steuerbefreiung vor, jedoch behandelte das Finanzgericht (FG) die Umsätze nach Art. 132 Abs. 1 Buchst. j der Richtlinie 2006/112/EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL) als steuerfrei.
Entscheidung: EuGH soll Rechtsfrage klären
Mit dem Vorabentscheidungsersuchen will der BFH nun klären lassen, ob der Begriff des Schul- und Hochschulunterrichts im Sinne des Art. 132 Abs. 1 Buchst. i und j MwStSystRL auch die Erteilung von Schwimmunterricht umfasst. Für die Steuerfreiheit auf dieser Grundlage spricht die bisherige Rechtsprechung des BFH. Danach ist Schwimmunterricht steuerfrei, wenn er von Einzelunternehmern erteilt wird.
Die Vorlage an den Gerichtshof der Europäischen Union war erforderlich, weil der Gerichtshof in seinem Urteil A&G Fahrschul-Akademie GmbH (EuGH, Urteil v. 14.3.2019, Rs. C-449/17) eine einschränkende Auslegung des Unterrichtsbegriffs „in Bezug auf ein breites und vielfältiges Spektrum von Stoffen“ vorgenommen hat. Es wird dann weiter zu klären sein, ob die für die Annahme einer Steuerfreiheit nach Art. 132 Abs. 1 Buchst. i MwStSystRL notwendige Anerkennung der Klägerin aus dem mit ihren Tätigkeiten verbundenen Gemeinwohlinteressen ergeben. Denn die Fähigkeit zu schwimmen ist für jeden Menschen durchaus elementar.
Aber selbst dann, wenn die Anerkennung verneint würde, stellt sich die Frage, ob die Klägerin – obschon keine natürliche Person – Privatlehrerin (Art. 132 Abs. 1 Buchst. j MwStSystRL) ist. Es dürfte sachlich nicht zu rechtfertigen sein, weshalb X und Y, falls sie selbst als Einzelunternehmer Schwimmunterricht erteilen, steuerfreie Leistungen erbringen, während die gleichen Leistungen bei einer gemeinsamen Unterrichtstätigkeit in der Rechtsform einer Personengesellschaft (hier: GbR) steuerpflichtig sein sollen.
BFH, Beschluss v. 27.3.2019, V R 32/18; veröffentlicht am 8.5.2019
Schlagworte zum Thema: Umsatzsteuer, Personengesellschaft, Steuerpflicht, Lehrer, EuGH