Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BStBl%20II%201995,%20278
Timestamp: 2020-04-04 07:53:04
Document Index: 205485314

Matched Legal Cases: ['§ 34', '§ 69', '§ 69', '§ 278', '§ 69', '§ 69', '§ 34', '§ 69', '§ 34', '§ 34', '§ 70']

BFH, 30.08.1994 - VII R 101/92 - dejure.org
https://dejure.org/1994,385
BFH, 30.08.1994 - VII R 101/92 (https://dejure.org/1994,385)
BFH, Entscheidung vom 30.08.1994 - VII R 101/92 (https://dejure.org/1994,385)
BFH, Entscheidung vom 30. August 1994 - VII R 101/92 (https://dejure.org/1994,385)
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Geschäftsführer - GmbH - Haftungsschuldner - Steuerberaterverschulden - Fehlerhafte Steuererklärung - Auswahlverschulden - Überwachungsverschulden - Steuerverkürzung
AO (1977) § 34, § 69
Haftung für Steuerschulden, Steuerberater, Verschulden
Gesellschaftsrecht; keine Haftung des GmbH-Geschäftsführers für Beraterverschulden
BFHE 175, 509
NJW 1995, 1920 (Ls.)
BB 1995, 238
BStBl II 1995, 278
Der Geschäftsführer darf aber nur innerhalb gewisser Grenzen der Redlichkeit seiner Hilfspersonen Vertrauen schenken, wenn er sich nicht dem Vorwurf einer grob fahrlässigen Pflichtverletzung aussetzen will (Urteil des Senats vom 30. August 1994 VII R 101/92, BFHE 175, 509, BStBl II 1995, 278).
Mangelhaftes Überwachen der zur Pflichterfüllung herangezogenen Personen hat der Senat regelmäßig als grob fahrlässige Pflichtverletzung ("Überwachungsverschulden") eingestuft, wenn er auch betont hat, daß die Entscheidung, welche Überwachungsmaßnahmen von einem Geschäftsführer zu treffen sind, wenn er die Erledigung der steuerlichen Angelegenheiten auf andere überträgt, weitgehend von den Umständen des Einzelfalls abhängt (…vgl. Entscheidungen des Senats vom 5. März 1985 VII R 134/80, BFH/NV 1986, 61;… vom 16. April 1985 VII R 132/80, BFH/NV 1987, 273;… vom 7. Mai 1985 VII R 111/78, BFH/NV 1987, 210;… vom 11. November 1986 VII R 201/83, BFH/NV 1987, 212;… vom 2. Juli 1987 VII R 162/84, BFH/NV 1988, 220;… vom 10. Mai 1988 VII R 24/85, BFH/NV 1989, 72;… vom 25. April 1989 VII S 15/89, BFH/NV 1989, 757;… vom 8. Mai 1990 VII B 173/79, BFH/NV 1991, 12; vom 29. Mai 1990 VII R 81/89, BFH/NV 1991, 283, und in BFHE 175, 509, BStBl II 1995, 278).
Im Anwendungsbereich des § 69 S. 1 AO finde eine Zurechnung von Drittverschulden nicht statt (Hinweis auf BFH, Urteile v. 30.08.1994, VII R 101/92, juris; v. 30.06.1995, VII R 85/94, juris).
Der allgemeine Rechtsgedanke der verschuldensunabhängigen Zurechnung fremden Handelns (wie er etwa in § 278 BGB zum Ausdruck kommt) ist im Rahmen der Vertreter-Haftung des § 69 S. 1 AO gerade nicht anwendbar (vgl. BFH, Urteil v. 30.08.1994, VII R 101/92, juris in Abgrenzung zum FG München, Urteil v. 18.03.1992, 3 K 3164/87, juris; s.a. Loose in Tipke/Kruse, AO/FGO, § 69 AO Tz. 27 m.w.N.).
Welche Überwachungsmaßnahmen von einem Geschäftsführer zu treffen sind, wenn er die Erledigung der steuerlichen Angelegenheiten Mitarbeitern überträgt, ist dabei weitgehend von den Umständen des Einzelfalles abhängig (vgl. BFH, Urteile v. 05.03.1985, VII R 134/80, juris; v. 16.04.1985, VII R 132/80, juris; v. 07.05.1985, VII R 111/78, juris; v. 11.11.1986, VII R 201/83, juris; v. 02.07.1987, VII R 162/84, juris; v. 10.05.1988, VII R 24/85, juris; v. 29.05.1990, VII R 81/89, juris; v. 30.08.1994, VII R 101/92, juris; v. 23.06.1998, VII R 4/98, juris; Beschlüsse v. 05.03.1998, VII B 36/97, juris; v. 21.08.2000, VII B 260/99, juris).
Dort wird ausgeführt, dass, wenn der gesetzliche Vertreter dies - aus welchen Gründen auch immer - nicht selber tun kann, er dann die steuerlichen Pflichten des von ihm Vertretenen erfüllt, wenn er eine andere Person mit der Steuerzahlung betraut und darüber wacht ("dafür sorgt"), dass diese Person ihren Auftrag ordentlich ausführt (vgl. BFH, U. v. 30. August 1994 - VII R 101/92 -, juris, Rn. 18).
Die Qualifikation eines Angehörigen der rechts- und steuerberatenden Berufe muss nur dann überprüft werden, wenn für den Vertreter aufgrund seines persönlichen Beurteilungsvermögens Anlass besteht, an dessen Können und Zuverlässigkeit zu zweifeln (vgl. BFH, U. v. 30. August 1994 - VII R 101/92 -, juris, Rn. 20 ff.).
(BFH, Urteil vom 30. August 1994 - VII R 101/92 -, BFHE 175, 509, BStBl II 1995, 278, Rn. 20 - 21).
Welche Überwachungsmaßnahmen von einem Geschäftsführer zu treffen sind, wenn er die Erledigung der steuerlichen Angelegenheiten auf Mitarbeiter überträgt, hängt weitgehend von den Umständen des Einzelfalls ab (vgl. BFH…, Beschluss vom 26. November 2008 - V B 210/07 -, juris Rn. 6; Urteil vom 30. August 1994 VII R 101/92, BFHE 175, 509, BStBl II 1995, 278).
Er haftet jedoch nur für eigenes Verschulden, und zwar gerade auch dann, wenn er sich zur Erfüllung der ihm als Vertreter der GmbH durch § 34 Abs. 1 AO 1977 auferlegten Pflichten fremder Hilfe bedient (vgl. Senatsurteil vom 30. August 1994 VII R 101/92, BFHE 175, 509, BStBl II 1995, 278).
Eine Haftung des Antragstellers kommt daher --wie das FG zutreffend erkannt hat-- nur in Betracht, wenn der Antragsteller sich ein grob fahrlässiges Verhalten des M bei der Erfüllung der steuerlichen Pflichten der GmbH im Rahmen seiner Haftung nach § 69 AO 1977 zurechnen lassen muß (vgl. Senatsurteile vom 30. August 1994 VII R 101/92, BFHE 175, 509, BStBl II 1995, 278, …und vom 30. Juni 1995 VII R 85/94, BFH/NV 1996, 2).
Mangelhaftes Überwachen der zur Pflichterfüllung herangezogenen Personen hat der Senat regelmäßig als grob fahrlässige Pflichtverletzung ("Überwachungsverschulden") eingestuft, gleichwohl jedoch betont, daß die Entscheidung, welche Überwachungsmaßnahmen von einem Geschäftsführer zu treffen sind, wenn er die Erledigung der steuerlichen Angelegenheiten auf andere überträgt, weitgehend von den Umständen des Einzelfalles abhängt (…vgl. Entscheidungen des Senats vom 5. März 1985 VII R 134/80, BFH/NV 1986, 61;… vom 2. Juli 1987 VII R 162/84, BFH/NV 1988, 220; in BFHE 175, 509, BStBl II 1995, 278, und in BFH/NV 1996, 2).
Der allgemeine Rechtsgedanke, auf den sich das FG gestützt hat, daß jemand seine Stellung im Rechtsverkehr nicht dadurch verbessern darf, daß er Dritten die Erfüllung seiner Verpflichtungen überläßt und damit seinen Risikobereich ausweitet und daß er sich deshalb das Wissen und Verhalten des für ihn Tätigen zurechnen lassen muß, ist, wie der Senat in seinem Urteil vom 30. August 1994 VII R 101/92 (BFHE 175, 509, BStBl II 1995, 278) im einzelnen ausgeführt hat und worauf er zur Vermeidung von Wiederholungen Bezug nimmt, im Rahmen der sogenannten Vertreter-Haftung nach §§ 34, 69 AO 1977 nicht anwendbar.
Das gilt gerade auch dann, wenn er sich zur Erfüllung seiner ihm als Geschäftsführer der GmbH durch § 34 Abs. 1 AO 1977 auferlegten steuerlichen Pflichten fremder Hilfe bedient (BFHE 175, 509, 513, BStBl II 1995, 278).
Die mangelhafte Überwachung der vom Geschäftsführer zur Erfüllung seiner steuerlichen Pflichten herangezogenen Personen hat der Senat regelmäßig als grob fahrlässige Pflichtverletzung ("Überwachungsverschulden") eingestuft, gleichwohl aber stets betont, daß die Entscheidung, welche Überwachungsmaßnahmen von einem Geschäftsführer zu treffen sind, wenn er die Erledigung steuerlicher Angelegenheiten auf Mitarbeiter überträgt, weitgehend von den Umständen des Einzelfalls abhängt (vgl. BFHE 175, 509, 513, BStBl II 1995, 278 m. w. N.).
BFH, 26.11.2008 - V B 210/07
Haftung des Geschäftsführers einer Komplementär-GmbH für Umsatzsteuerschulden
Welche Überwachungsmaßnahmen von einem Geschäftsführer zu treffen sind, wenn er die Erledigung der steuerlichen Angelegenheiten auf Mitarbeiter überträgt, hängt weitgehend von den Umständen des Einzelfalls ab (BFH-Urteil vom 30. August 1994 VII R 101/92, BFHE 175, 509, BStBl II 1995, 278;… BFH-Beschluss in BFH/NV 2008, 1983).
Selbst wenn die materiell-rechtliche Lage umsatzsteuerrechtlich in einigen Punkten anders zu bewerten sei, treffe den Kläger nach dem BFH-Urteil vom 30. August 1994 VII R 101/92, BStBl. II 1995, 278 hierfür keine Haftung.
Trifft den Geschäftsführer persönlich kein Auswahl- oder Überwachungsverschulden und hat er keinen Anlass, die inhaltliche Richtigkeit der von dem steuerlichen Berater gefertigten Steuererklärung der GmbH zu überprüfen, so haftet er nicht für Steuerverkürzungen, die auf fehlerhaften Steuererklärungen beruhen (BFH-Urteil vom 30.8.1994 - VII R 101/92, BStBl. II 1995, 278).
Mangelhaftes Überwachen der zur Pflichterfüllung herangezogenen Personen ist regelmäßig als grob fahrlässige Pflichtverletzung ("Überwachungsverschulden") einzustufen, wobei aber die erforderliche Art und der erforderliche Umfang der Überwachungsmaßnahmen weitgehend von den Umständen des Einzelfalls abhängen (BFH-Urteil vom 30. August 1994 VII R 101/92 BS­t­Bl. II 1995, 278).
BFH, 20.04.2006 - VII B 163/05
Rechtmäßiger Widerruf einer Steuerberaterbestellung wegen Vermögensverfalls bei …
BFH, 02.11.2001 - VII B 75/01
Haftungsbescheid - Nichtzulassungsbeschwerde - Zulassungsgründe - …
BFH, 07.01.2003 - VII B 196/01
FG Münster, 10.12.2013 - 2 K 4490/12
Haftung des Vertretenen nach § 70 AO
VG München, 12.01.2017 - M 10 K 16.1190
Verdeckte Gewinnausschüttung, Gründungsgesellschafter, Betriebsprüfungsbericht, …