Source: https://www.juraforum.de/lexikon/azubi-ueberstunden
Timestamp: 2018-04-21 09:46:38
Document Index: 175545093

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 21', '§ 17', '§ 1', 'BGH', 'BGH', '§ 8', '§ 8']

Azubi Überstunden - das sollte man als Auszubildender wissen
Dürfen Azubis Überstunden machen? Wie ist die Vergütung?
Erklärung zum Begriff Azubi Überstunden
Welche Zeit gilt als Überstunde?
Überstunden bei Azubis über 18 (volljährige Azubis)
Überstunden bei Azubis unter 18 Jahren
Was kann man als Azubi machen gegen Überstunden?
Kann man als Azubi freiwillig Überstunden machen?
Überstunden Vergütung oder ausbezahlen?
Azubi Überstunden auszahlen? (© bluedesign / Fotolia.com)
In Deutschland gibt es keine gesetzliche Pflicht, die dem Azubi vorschreibt, Überstunden zu leisten. Auch das Arbeitsrecht verpflichtet den Azubi nicht dazu. Geregelt wird die Pflicht zur Absolvierung von Mehrarbeit in der Regel per Arbeitsvertrag bzw. Ausbildungsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung.
Keine gesetzliche Grundlage zum Ableisten von Überstunden
Sollte es diesbezüglich keinerlei vereinbarte Regelungen geben, ist der Azubi auch nicht verpflichtet, Überstunden zu leisten. Dann ist der Azubi nur im Notfall aufgrund seiner Treuepflicht dem Ausbilder gegenüber zu Überstunden verpflichtet, z.B. bei Überschwemmungen, Sturm- oder im Brandfall oder in anderen Situationen, wo es um die Abwehr von Gefahren für den Betrieb gilt.
Sollte es doch eine Regelung geben, ist der Azubi verpflichtet, Überstunden zu leisten. Die Grenzen der zu leistenden Überstunden werden vom Arbeitszeitgesetz (ArbZG) und vom Jugend­ar­beits­schutz­gesetz (JArbSchG) gesetzt.
Wenn der Azubi mehr arbeitet, als er vertraglich muss, handelt es sich um Überstunden. Dazu gehören somit alle Zeiträume, die über die regelmäßige Arbeitszeit (die wiederum der Ausbildungsvertrag regelt) hinausgehen. Der Besuch der Berufsschule wird dabei auf die Arbeitszeit angerechnet.
Bei Azubis sind in der Regel keine Überstunden vorgesehen. Für volljährige Azubis gelten die gleichen Regelungen wie für die anderen Arbeitnehmer. Wenn es im Betrieb dennoch zu Überstunden kommt, müssen diese dem Ausbildungszweck dienen.
Die Höhe der möglichen Überstunden richtet sich dabei nach dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) beinhaltet die wesentlichen gesetzlichen Vorgaben und beschränkt die zulässige Dauer der Arbeitszeit. Ausgehend von einer 6-Tage-Woche darf die tägliche Ausbildungszeit dabei 8 Stunden nicht überschreiten. Die tägliche Arbeitszeit kann gemäß § 3 Satz 2 ArbZG auf bis zu 10 Stunden verlängert werden (wenn innerhalb der folgenden sechs Monate ein sogenannter Freizeitausgleich ermöglicht wird), wobei leitende Angestellte von diesem Grundsatz ausgenommen werden. Anordnungen und Vereinbarungen von Überstunden, die über diese Grenze hinausgehen, verstoßen gegen ein gesetzliches Verbot und können von Arbeitnehmern und Azubis verweigert werden, ohne dass sie eine Sanktion befürchten müssen. Ruhepausen gehören im Übrigen nicht zur täglichen Arbeitszeit.
Bei Azubis unter 18 Jahren gilt das Jugend­ar­beits­schutz­gesetz (JArbSchG). Danach dürfen Jugend­liche nicht mehr als acht Stunden am Tag und nicht mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten. § 21 des JArbSchG besagt, dass nur bei vorübergehenden und unaufschiebbaren Arbeiten in Notfällen, soweit erwachsene Beschäftigte nicht zur Verfügung stehen, darf ein minderjähriger Azubi Überstunden im Betrieb machen, wobei die Grenze auf achtundhalb Stunden am Tag ausgeweitet werden darf. Der Azubi hat aber dann noch in der gleichen Woche einen Freizeitausgleich zu erhalten.
Überstunden in Ausnahmefällen sind in Ordnung. Sollte es jedoch regelmäßig zur Ableistung von Überstunden kommen, sollte man als Azubi dagegen vorgehen und zunächst das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen. Wenn sich der Vorgesetzte (Ausbilder) nicht einsichtig zeigt, sollte man den Betriebsrat einschalten, sich an die Ausbildungsvertretung wenden oder – wenn beides nicht vorhanden ist- an die IHK wenden. Bei der IHK gibt es Ausbildungsberater, die in solchen Fällen tätig werden. In schwerwiegenden Fällen könnte auch ein Rechtsanwalt (für Arbeitsrecht) aufgesucht werden.
Da man als Azubi gerade dabei ist einen bestimmten Beruf zu erlernen, kann es auch vorkommen, dass man als Azubi freiwillig zusätzliche Arbeit und Erfahrungen machen möchte. Die meist tarifvertraglich geregelte Ausbildungszeit ist nämlich so kalkuliert, dass sie für das Erlernen des Berufes genügt. Für etwaige zu leistende Überstunden gilt es zu beachten, dass sich die darin geleistete Arbeit auf die Ausbildung beziehen muss und in jedem Fall ein Ausbilder dabei zu sein hat.
Überstunden müssen entweder vergütet oder durch Freizeit abgegolten werden („abbummeln“). Dies schreibt § 17 Berufsbildungsgesetz vor.
Der Azubi bekommt die Überstunden nur vergütet, wenn die Überstunden dem Arbeitgeber zuzurechnen sind. Der Arbeitgeber muss die Überstunden also entweder ausdrücklich angeordnet haben oder wenn er zum Ausdruck bringt, dass er zusätzliche Arbeit des Azubi billigt oder duldet. Der Azubi darf also nicht eigenmächtig Überstunden nach Belieben festlegen und durchführen.
Wenn es vertragliche Regelungen gibt, wonach die Abgeltung von Überstunden durch Freizeitausgleich („abbummeln“) erfolgt, so gelten diese Regelungen ohnehin vorrangig. Die meisten Arbeitgeber ziehen einen Überstundenabbau durch Freizeitausgleich vor. Sollte es eine solche Regelung nicht geben, kann der Arbeitgeber dennoch auf ein Abbummeln bestehen, allerdings nur wenn der Azubi damit konkret einverstanden ist. Wenn der Azubi nicht einverstanden ist, muss der Arbeitgeber die Überstunden in Geld vergüten.
Aufsicht für 16 jährigen Azubi Lola2000 schrieb am 24.09.2017, 09:44 Uhr:
Mal angenommen, ein 16 jähriger macht eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Nun soll er in der Hauptniederlassung 600 km weit vom eigentlich Ausbildungsort eingesetzt werden. Er soll dort in einer kleinen vom Arbeitgeber angemieteten Wohnung in der Zeit (2 Wochen) leben. Er bekommt dafür Spesen. Er ist aber in der arbeitsfreien Zeit... » weiter lesen
Unterschiedliche Bezahlung illegal? MaikeB schrieb am 28.07.2017, 16:45 Uhr:
Guten Tag,folgender fiktiver Fall:Unternehmen A bietet sowohl normale Ausbildungen als auch duale Studiengänge an.Auszubildende erhalten im 1. Lehrjahr z.B. 950€ monatlich brutto + Urlaubsgeld + 55% Weihnachtsgeld.Duale Studenten erhalten im 1. Studienjahr nur 850€ Brutto, bekommen kein Urlaubsgeld und auch kein Weihnachtsgeld.Auch im... » weiter lesen
Azubi +18 Büro Arbeitszeit nach Schule richard90 schrieb am 23.10.2013, 13:54 Uhr:
Hallo, nehmen wir an, ein Azubi (volljährig) macht seine Ausbildung bei einem Personaldienstleistungsunternehmen als Bürokaufmann. Seine Arbeitszeit im Büro ist immer gleich Mo-Fr 8-17 Uhr minus eine Stunde Pause, also 8 Std. täglich und 40 Std. wöchentlich. Nach der Berufsschule soll er Arbeiten kommen. Er hat 7.30 Uhr Schulbeginn,... » weiter lesen
wieviel Geld steht Azubi zu? Lufaya schrieb am 10.12.2012, 19:49 Uhr:
Hallo, angenommen ein Azubi hat dieses Jahr am 1. August eine Ausbildung angefangen. Am 23.8 hatte er einen Unfall und wurde vom Arzt krankgeschrieben. Am 6.9 hat er versucht wieder arbeiten zu gehen, doch er wurde nach ein paar Stunden nach Hause geschickt, da er durch seine Fußfraktur mehr im Weg stand als für den Betrieb eine... » weiter lesen
AZUBI Abmahnungen Kündigung bluesun schrieb am 23.01.2011, 17:03 Uhr:
Hallo, folgender erfundener Fall: Mal angenommen ein pünklich zuverlässiger AZUBI könne 2 mal nicht zur Berufschule und 1 mal nicht im Ausbildungsbetrieb erscheinen da die öffentlichen Verkehrsmittel den Verkehr wegen Wetterverhältnissen eingestellt hätten. Der pflichtbewusste AZUBI hätte sich umgehend im Betrieb gemeldet und die... » weiter lesen
Azubi mit Nebenjob Wie ist das steuerlich fight4rights schrieb am 29.06.2007, 23:24 Uhr:
Hallo Leute, ich weis zu diesem Thema gibt es 1000 beitraäge im netz und auch bestimmt den ein oder anderen hier im forum. da ich aber schon die ganzen beiträge im netz net verstanden hab, hoffe ich das ihr mir weiterhelfen könnt. Begründungen sind erwünscht müssen aber net gegeben werden, da ich nur n klares ja oder nein auf folgende... » weiter lesen
Wann ein Arbeitnehmer in seinem Betrieb für Schäden gegenüber dem Arbeitgeber, Kollegen oder Kunden selbst haftet. Nicht nur dem Azubi sondern auch erfahrenen Angestellten können in Ausführung betrieblicher Verrichtungen Fehler unterlaufen. So kann schon mal Benzin statt Diesel in das Firmenfahrzeug getankt werden oder es geht einfach irgendetwas kaputt. Entsteht dadurch dem Arbeitgeber ein Schaden stellt sich... » weiter lesen
Nur für Azubis mit Ausbildungsproblemen geringerer Azubi-Lohn
26.07.2017 | Arbeitsrecht
Erfurt (jur). Schafft ein gemeinnütziger Ausbildungsträger zusätzliche Ausbildungskapazitäten für Lehrlinge mit Ausbildungsschwierigkeiten, darf ausnahmsweise der Lohn unter 80 Prozent des Tariflohns liegen. Werden dagegen Azubis ohne Ausbildungsschwierigkeiten beschäftigt, müssen höhere „angemessene“ Löhne bezahlt werden, entschied das Bundesarbeitsgericht (BAG) in einem kürzlich veröffentlichten Urteil vom 16. Mai 2017 (Az.: 9 AZR 377/16).... » weiter lesen
Bundesarbeitsgericht: Praktikum zählt nicht zur Probezeit
20.11.2015 | Arbeitsrecht
Erfurt (jur). Die Zeiten für ein Praktikum können nicht auf die Probezeit eines anschließenden Ausbildungsplatzverhältnisses angerechnet werden. Dies hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt in einem am Donnerstag, 19. November 2015, verkündeten Urteil entschieden (Az.: 6 AZR 844/14). Es bestätigte damit die Kündigung eines Auszubildenden aus Nordrhein-Westfalen.Der Kläger hatte sich im Frühjahr 2013 um einen Ausbildungsplatz zum... » weiter lesen
Gemeinnütziger Verein muss Azubigehalt am Tariflohn orientieren
30.04.2015 | Arbeitsrecht
Erfurt (jur). Auch nicht tarifgebundene Arbeitgeber dürfen den Lohn für Auszubildende nicht grenzenlos unterschreiten. Selbst wenn ein gemeinnütziger Ausbildungsträger den Azubi-Lohn aus Spenden finanziert, ist dies noch kein Grund, nur fast die Hälfte der tariflichen Ausbildungsvergütung zu zahlen, urteile am Mittwoch, 29. April 2015, das Bundesarbeitsgericht (BAG) (Az.: 9 AZR 108/14). Die Erfurter Richter sprachen damit einem früheren... » weiter lesen
Azubi Überstunden Urteile und Entscheidungen
AZUBI 94 UWG §§ 1, 3 Zur Frage der Wettbewerbswidrigkeit einer redaktionellen Berichterstattung in einem Anzeigenblatt, die sich auf die Ausbildungsmöglichkeiten bei den inserierenden Unternehmen der Region bezieht. BGH, Urt. v. 19. Februar 1998 - I ZR 120/95 OLG Stuttgart LG Stuttgart
» BGH, 19.02.1998, I ZR 120/95
1. Ein in einem Vertrag zum kooperativen Studium ... mit integrierter Ausbildung .... ausbedungener Ausbildungskostenrückzahlungsanspruch, der dann eingreifen soll, wenn der Azubi/Student das ihm nach Abschluss des Studiums angebotene Anschlussarbeitsverhältnis vorzeitig beendet, beinhaltet eine unangemessene Benachteiligung, wenn der...
» LAG-KOELN, 27.05.2010, 7 Sa 23/10
1. Der in § 8 Nr. 1 TV Beschäftigungsbrücke normierte Übernahmeanspruch ist auf eine vollzeitige Anschlussbeschäftigung in einem der vorangegangenen erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung entsprechenden Tätigkeitsfeld gerichtet. 2. Personenbedingte Gründe i.S.v. § 8 TV Beschäftigungsbrücke sind nicht mit dem entsprechenden...
» LAG-KOELN, 01.10.2003, 7 Sa 623/03
Sicherheitsfrage 57 - Dr,e i =
Azubi Überstunden – Weitere Begriffe im Umkreis
Das ArbZG legt zum Schutz der Arbeitnehmer in Deutschland die Höchstgrenzen für die Arbeitszeit pro Woche (Höchstarbeitszeit) fest. Zudem werden darin festgelegt, wie lange Ruhepausen und Pausen dauern müssen. Darüber hinaus regelt es u.a., ob...
Die Probezeit - auch Probearbeitsverhältnis genannt – ist die Zeit zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses, wo sich der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber kennen lernen und so abschätzen können, ob sie zueinander passen und das Arbeitsverhältnis...