Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/die-niederlaendische-versandapotheke-un-363508
Timestamp: 2020-03-31 15:56:56
Document Index: 303609100

Matched Legal Cases: ['§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 376', '§ 130', '§ 35', 'Art 30', 'Art 11', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 35', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 129', '§ 130', '§ 129', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 129', '§ 129', 'BGH', '§ 2', '§ 11', '§ 78', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 2', '§ 13', '§ 129', '§ 129', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 129', '§ 130', '§ 129', '§ 129', '§ 129', '§ 130', '§ 130', '§ 13', '§ 13', '§ 129', '§ 129', '§ 130', '§ 129', '§ 129', 'Art 267', 'EuG', 'Art 34', 'Art 36', 'Art 30', '§ 130', 'EuG', 'Art 267', 'Art 18', '§ 130', '§ 129', '§ 130', '§ 812', '§ 130', '§ 130', '§ 129', '§ 130', '§ 129', '§ 129', '§ 130', '§ 129', '§ 12', '§ 129', '§ 129', '§ 130', '§ 129', '§ 130', '§ 129', '§ 130', '§ 78', 'Art 3', '§ 129', '§ 130', '§ 130', 'BGH', 'Art 30', '§ 130', 'Art 1', 'BGH', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 266', '§ 130', '§ 266', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 13', '§ 130', '§ 130', 'EuG', 'EuG', '§ 130', '§ 130', '§ 130']

Die nie­der­län­di­sche Ver­sand­apo­the­ke und der deut­sche Her­stel­ler­ra­bat | Rechtslupe
Die nie­der­län­di­sche Ver­sand­apo­the­ke und der deut­sche Her­stel­ler­ra­bat
Eine Ver­sand­apo­the­ke mit Sitz in einem ande­ren Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on hat kein Anspruch auf Erstat­tung des sog. Her­stel­ler­ra­batts gemäß § 130a Abs 1 S 2 SGB V bei Ein­zel­ver­trä­gen mit deut­schen Kran­ken­kas­sen.
Die Ver­sand­apo­the­ke hat in dem Zeit­raum von 2003 bis 2007 durch die Belie­fe­rung von GKV-Ver­si­cher­ten in Deutsch­land mit ver­trags­ärzt­lich ver­ord­ne­ten Arz­nei­mit­teln kei­ne Zah­lungs­an­sprü­che gegen das Phar­ma­un­ter­neh­men erwor­ben. Sol­che Ansprü­che konn­ten gene­rell nicht ent­ste­hen, weil die Ver­sand­apo­the­ke den Kran­ken­kas­sen den Rabatt nicht auf­grund einer gesetz­li­chen Ver­pflich­tung (§ 130a Abs 1 S 1 SGB V), son­dern allein auf­grund einer ver­trag­li­chen Rege­lung ein­ge­räumt hat und die Abwäl­zung der Zah­lungs­pflicht auf die phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­men im Wege der Erstat­tung des Her­stel­ler­ra­batts wie­der­um nur durch Gesetz (§ 130a Abs 1 S 2 SGB V) gesche­hen kann. Das Gesetz sieht die Erstat­tung des Her­stel­ler­ra­batts indes nur für die Rabatt­ge­wäh­rung nach § 130a Abs 1 S 1 SGB V, nicht aber für ent­spre­chen­de ver­trag­li­che Rabat­tie­run­gen vor. Die Inan­spruch­nah­me der Beklag­ten käme einem unzu­läs­si­gen Ver­trag zu Las­ten Drit­ter gleich.
Rechts­grund­la­ge für den von der Ver­sand­apo­the­ke erho­be­nen Anspruch kann nur § 130a Abs 1 S 2 SGB V sein, und zwar für die Zeit vom 01.01.2003 bis zum 31.03.2007 idF des BSSichG: "Phar­ma­zeu­ti­sche Unter­neh­men sind ver­pflich­tet, den Apo­the­ken den Abschlag zu erstat­ten." Für die Zeit ab 1.04.2007 ist § 130a Abs 1 S 2 SGB V in der Fas­sung durch das Gesetz zur Stär­kung des Wett­be­werbs in der GKV (GKV-Wett­be­werbs­stär­kungs­ge­setz – GKV-WSG) 1 maß­geb­lich: "Phar­ma­zeu­ti­sche Unter­neh­mer sind ver­pflich­tet, den Apo­the­ken den Abschlag zu erstat­ten." Bei­de Fas­sun­gen der Vor­schrift unter­schei­den sich also ledig­lich dadurch, dass die Erstat­tungs­pflicht nicht mehr den phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­men, son­dern nun­mehr den phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­mern obliegt; ansons­ten ist die Vor­schrift unver­än­dert geblie­ben.
Der Erstat­tungs­an­spruch dient dem Aus­gleich von Zah­lungs­pflich­ten von Apo­the­ken nach § 130a Abs 1 S 1 SGB V. Die Vor­schrift bestimm­te in der hier für die Zeit bis zum 31.03.2007 anzu­wen­den­den Fas­sung des BSSichG: "Die Kran­ken­kas­sen erhal­ten von Apo­the­ken für ab dem 1.01.2003 zu ihren Las­ten abge­ge­be­ne Arz­nei­mit­tel einen Abschlag in Höhe von 6 vom Hun­dert des Her­stel­ler­ab­ga­be­prei­ses." Durch das GKV-WSG ist für die Zeit ab 1.04.2007 die Vor­schrift inso­weit geän­dert wor­den, als der Begriff "Her­stel­ler­ab­ga­be­preis" durch die For­mu­lie­rung "Abga­be­preis des phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­mers ohne Mehr­wert­steu­er" ersetzt wor­den ist. Im vor­lie­gen­den Fall bestehen Erstat­tungs­an­sprü­che der Ver­sand­apo­the­ke aber nicht, weil Rechts­grund­la­ge ihrer Zah­lun­gen an die Kran­ken­kas­sen nicht § 130a SGB V war und dem­zu­fol­ge auch Erstat­tungs­an­sprü­che nach die­ser Vor­schrift nicht ent­ste­hen konn­ten. Euro­pa­recht ist hier­durch nicht ver­letzt.
Die Rabatt­ver­pflich­tung zu Las­ten der phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­mer nach § 130a Abs 1 S 2 SGB V ist Teil meh­re­rer Vor­schrif­ten, mit denen dämp­fend auf den bestän­di­gen Anstieg der Aus­ga­ben für die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung in der GKV ein­ge­wirkt wer­den soll. Aller­dings waren Apo­the­ken bereits unter Gel­tung der RVO ver­pflich­tet, bei der Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be Rabat­te zu gewäh­ren (§ 376 Abs 1 RVO) 2. Neben die­ser im SGB V fort­ge­führ­ten Abga­be­pflicht (§ 130 SGB V) hat der Gesetz­ge­ber eben­falls schon mit der Auf­nah­me der GKV in das SGB V durch das Gesetz zur Struk­tur­re­form im Gesund­heits­we­sen (Gesund­heits-Reform­ge­setz) 3 die Ein­stands­pflicht der Kran­ken­kas­sen für bestimm­te Grup­pen von Arz­nei­mit­teln auf die jeweils preis­güns­ti­gen Abga­be­prei­se beschränkt (Fest­be­trags­re­ge­lung – § 35 SGB V). Spä­ter sind die Abga­be­prei­se für von der Fest­be­trags­re­ge­lung nicht erfass­te Fer­tig­arz­nei­mit­tel zunächst vor­über­ge­hend unmit­tel­bar durch Gesetz abge­senkt und ein­ge­fro­ren wor­den (vgl. Art 30 Abs 1 S 1 des Geset­zes zur Siche­rung und Struk­tur­ver­bes­se­rung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung – Gesund­heits­struk­tur­ge­setz 4), ehe mit dem BSSichG zum 1.01.2003 Rabatt­las­ten für Groß­händ­ler (Art 11 BSSichG) sowie die hier maß­geb­li­chen Rabatt­ver­pflich­tun­gen nach § 130a SGB V ein­ge­führt wor­den sind. Danach erhal­ten die Kran­ken­kas­sen gemäß § 130a Abs 1 S 1 SGB V von Apo­the­ken für "zu ihren Las­ten abge­ge­be­ne Arz­nei­mit­tel" Abschlä­ge auf den Her­stel­ler­ab­ga­be­preis, die die­sen nach § 130a Abs 1 S 2 SGB V – wie von der Ver­sand­apo­the­ke bean­sprucht – wie­der­um von den phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­mern zu erstat­ten sind. Der Grund­be­trag des Abschlags beläuft sich grund­sätz­lich auf 6% des Abga­be­prei­ses für ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel (§ 130a Abs 1 S 1 SGB V); im Jahr 2004 betrug er abwei­chend hier­von 16% (§ 130a Abs 1a SGB V). Für die Zeit vom 01.01.2003 bis zum 31.12.2004 erhöh­te er sich um den Betrag einer Erhö­hung des Abga­be­prei­ses des phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­mers gegen­über dem Preis­stand vom 01.10.2002; für Arz­nei­mit­tel, die nach dem 1.10.2002 erst­mals in den Markt ein­ge­führt wur­den, gilt dies mit der Maß­ga­be, dass der Preis­stand der Markt­ein­füh­rung Anwen­dung fin­det (§ 130a Abs 2 SGB V). Die vor­ste­hen­den Rege­lun­gen gel­ten indes nicht für Arz­nei­mit­tel, für die ein Fest­be­trag auf­grund der §§ 35 oder 35a SGB V fest­ge­setzt ist (§ 130a Abs 3 SGB V).
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts war die­ses Rege­lungs­sys­tem mit Abga­be­pflich­ten nach § 130a Abs 1 S 1 SGB V zu Las­ten von Apo­the­ken einer­seits und Erstat­tungs­an­sprü­chen nach § 130a Abs 1 S 2 SGB V gegen­über den phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­mern ande­rer­seits in dem hier strei­ti­gen Zeit­raum für die Ver­sand­apo­the­ke nicht ein­schlä­gig, weil Rabat­te nach § 130a Abs 1 SGB V grund­sätz­lich nur bei Abga­be von Fer­tig­arz­nei­mit­teln im Rah­men der Preis­vor­schrif­ten nach dem AMG oder auf­grund des § 129 Abs 5a SGB V anfal­len und sie die­sem Régime jeden­falls wäh­rend des hier zu beur­tei­len­den Zeit­raums nicht unter­stellt war 5. Die Tat­sa­che, dass dem Her­stel­ler­ra­batt gemäß § 130a Abs 1 SGB V nur sol­che Fer­tig­arz­nei­mit­tel unter­lie­gen, deren Apo­the­ken­ab­ga­be­prei­se auf­grund der Preis­vor­schrif­ten nach dem AMG oder auf­grund des § 129 Abs 5a SGB V bestimmt wer­den, ist für die Zeit ab 1.05.2006 nun­mehr in § 130a Abs 1 S 5 SGB V 6 aus­drück­lich nor­miert. Der 1. Senat hat sei­ner­zeit die­ser Rege­lung eine klar­stel­len­de Funk­ti­on bei­gemes­sen und ihre Gel­tung für die Zeit davor und damit für alle frü­he­ren Fas­sun­gen des § 130a SGB V aus dem Umstand gefol­gert, dass als Her­stel­ler­ab­ga­be­preis iS von § 130a Abs 1 S 1 SGB V schon immer nur ein nach deut­schem Preis­recht bestimm­ter Preis ange­se­hen wer­den konn­te 7. Für nach Deutsch­land impor­tier­te Fer­tig­arz­nei­mit­tel wür­den Apo­the­ken­ab­ga­be­prei­se indes weder auf­grund der Preis­vor­schrif­ten nach dem AMG gel­ten noch sei­en sie auf­grund des § 129 Abs 5a SGB V bestimmt. Die inlän­di­schen Arz­nei­mit­tel-Preis­vor­schrif­ten sei­en folg­lich als klas­si­sches hoheit­li­ches Ein­griffs­recht nicht auf Arz­nei­mit­tel anwend­bar, die sich außer­halb des Inlands befin­den 8. Die Ver­sand­apo­the­ke habe nicht durch den recht­lich zuläs­si­gen Bei­tritt zum Rah­men­ver­trag nach § 129 Abs 2 SGB V und eine ent­spre­chen­de Aus­ge­stal­tung ihres Ver­triebs für die Anwend­bar­keit der deut­schen Preis­vor­schrif­ten und damit auch für das Ein­grei­fen der Bestim­mun­gen über den Her­stel­ler­ra­batt gesorgt 9.
Von die­ser Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts woll­te der Bun­des­ge­richts­hof in einem wett­be­werbs­recht­li­chen Rechts­streit abwei­chen, weil er der Auf­fas­sung war, das deut­sche Arz­nei­mit­tel­preis­recht gel­te auch für im Wege des Ver­sand­han­dels aus dem EU-Aus­land ein­ge­führ­te Arz­nei­mit­tel. Der BGH hat des­halb gemäß § 2 Abs 1 und § 11 Abs 1 RsprEin­hG 10 die­se Rechts­fra­ge dem Gemein­sa­men Senat der obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des zur Ent­schei­dung vor­ge­legt 11. Der Gemein­sa­me Senat hat dar­auf­hin ent­schie­den: "Die deut­schen Vor­schrif­ten für den Apo­the­ken­ab­ga­be­preis gel­ten auch für ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel, die Apo­the­ken mit Sitz in einem ande­ren Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on im Wege des Ver­sand­han­dels nach Deutsch­land an End­ver­brau­cher abge­ben" 12. Durch die­se Ent­schei­dung ist das gegen­tei­li­ge Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts vom 28.07.2008 13 gegen­stands­los gewor­den. Der Gesetz­ge­ber hat die Rechts­auf­fas­sung des Gemein­sa­men Senats durch eine klar­stel­len­de Ände­rung des § 78 Abs 1 S 4 AMG im Zwei­ten Gesetz zur Ände­rung arz­nei­mit­tel­recht­li­cher und ande­rer Vor­schrif­ten vom 19.10.2012 14 aus­drück­lich bestä­tigt.
Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat im Jah­re 2009 dem Urteil vom 28.07.2008 zwar im Ergeb­nis zuge­stimmt, also eben­falls die Nicht­an­wend­bar­keit von § 130a Abs 1 S 2 SGB V in Fäl­len der vor­lie­gen­den Art ange­nom­men, die­ses Ergeb­nis jedoch auf eine ande­re Begrün­dung gestützt 15. Die Nicht­an­wend­bar­keit von § 130a Abs 1 S 2 SGB V im hier frag­li­chen Zeit­raum ergibt sich maß­geb­lich dar­aus, dass Zah­lun­gen der Ver­sand­apo­the­ke iS von § 130a Abs 1 S 1 SGB V nur auf Ver­trag beru­hen kön­nen und ver­trag­li­che Zah­lungs­pflich­ten nicht auf Drit­te abwälz­bar sind. An die­ser Recht­spre­chung hält der erken­nen­de Senat auch unter Berück­sich­ti­gung der Ent­schei­dung des Gemein­sa­men Senats der obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des vom 22.08.2012 fest.
Recht­li­che Grund­la­ge für die Betei­li­gung der Ver­sand­apo­the­ke an der GKV-Ver­sor­gung ent­spre­chend den Grund­sät­zen des Sach­leis­tungs­sys­tems (§ 2 Abs 2 S 1 SGB V) waren im hier maß­ge­ben­den Zeit­raum nach ihrem eige­nen Vor­brin­gen aus­schließ­lich ein­zel­ver­trag­li­che Bezie­hun­gen zu den Kran­ken­kas­sen, deren Ver­si­cher­te sie ver­sorgt hat. Die­se Ver­trä­ge ermög­lich­ten eine Abrech­nung der Arz­nei­mit­tel­lie­fe­run­gen unmit­tel­bar mit den Kran­ken­kas­sen, ohne dass die Ver­si­cher­ten – wie es sonst bei der Inan­spruch­nah­me von Leis­tungs­er­brin­gern im Aus­land grund­sätz­lich erfor­der­lich gewe­sen wäre – in Vor­leis­tung tre­ten muss­ten und auf die Kos­ten­er­stat­tung im Ver­fah­ren nach § 13 Abs 4 SGB V ange­wie­sen waren. Für die­se Inan­spruch­nah­me setz­te die Ver­sand­apo­the­ke – was Apo­the­ken im Gel­tungs­be­reich des Rah­men­ver­tra­ges nach § 129 Abs 2 SGB V ver­wehrt ist – jeden­falls in der Ver­gan­gen­heit bis Ende 2007 ua dadurch Anrei­ze, indem sie für jedes rezept­pflich­ti­ge Medi­ka­ment einen "Bonus" in Höhe von 50% der gesetz­li­chen Zuzah­lung gewähr­te 16. Nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich ist das recht­li­che Ver­hal­ten der Ver­sand­apo­the­ke ab dem Jah­re 2008. So hat die Ver­sand­apo­the­ke mit Schrei­ben vom 13.11.2008 als unmit­tel­ba­re Kon­se­quenz aus dem Urteil des 1. Senats des BSG vom 28.07.2008 erst­mals ver­sucht, dem Rah­men­ver­trag nach § 129 Abs 2 und 3 SGB V bei­zu­tre­ten, was sei­ner­zeit aber noch nicht gelang 17. Erst zum 1.01.2010 ist dann der Bei­tritt voll­zo­gen wor­den, nach­dem die Moda­li­tä­ten des Bei­tritts von Apo­the­ken aus dem EU-Aus­land geklärt waren.
Auf die­ser jeden­falls bis zum Jahr 2007 rein ver­trags­recht­li­chen Grund­la­ge hat die Ver­sand­apo­the­ke selbst dann kei­ne Ansprü­che nach § 130a Abs 1 S 2 SGB V gegen das Phar­ma­un­ter­neh­men, wenn sie – wie sie vor­trägt – sich in den Ver­trä­gen mit den Kran­ken­kas­sen zu einer wir­kungs­glei­chen Gewäh­rung von Rabat­ten ent­spre­chend § 130a Abs 1 S 1 SGB V ver­pflich­tet hat. Die den phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­men auf­er­leg­ten Zahl­las­ten nach § 130a Abs 1 S 2 SGB V stel­len als Preis­re­gle­men­tie­rung wie jede sons­ti­ge Rege­lung zur Kos­ten­dämp­fung im Bereich der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung einen hoheit­li­chen Ein­griff in die Berufs­frei­heit dar 18 und bedür­fen des­halb einer gesetz­li­chen Grund­la­ge 19. Ver­pflich­tun­gen nach § 130a Abs 1 S 2 SGB V kön­nen des­halb nur ent­ste­hen als Aus­gleich für ihrer­seits hoheit­lich begrün­de­te Zah­lungs­pflich­ten, nicht aber zur Wei­ter­ga­be ver­trag­lich über­nom­me­ner Ver­pflich­tun­gen. Ent­schei­dend in die­sem Zusam­men­hang ist nicht, ob eine Apo­the­ke Zah­lun­gen ent­spre­chend § 130a Abs 1 SGB V leis­tet, son­dern wel­chen Rechts­grund die­se haben. Sind dies – wie im Fal­le der Ver­sand­apo­the­ke – aus­schließ­lich ver­trag­li­che Bin­dun­gen, bewir­ken sie kei­ne hoheit­li­che Indienst­nah­me 20, wie es für einen Erstat­tungs­an­spruch vor­aus­ge­setzt wäre.
Erstat­tungs­be­rech­tigt sind viel­mehr nur die­je­ni­gen Apo­the­ken, die – wie auch die Ver­sand­apo­the­ke seit dem 1.01.2010 – nach dem Régime des § 129 SGB V an der GKV-Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung teil­neh­men und des­halb den Rege­lun­gen die­ser Vor­schrift sowie der §§ 130, 130a SGB V unter­wor­fen sind. Die­sen Sta­tus haben nur Apo­the­ken, die ent­we­der einem Spit­zen­ver­band nach § 129 Abs 3 Nr 1 SGB V ange­hö­ren oder dem Rah­men­ver­trag nach § 129 Abs 2 SGB V gemäß § 129 Abs 3 Nr 2 SGB V bei­getre­ten sind. Nur dann erwirbt eine Apo­the­ke die Rechts­stel­lung, die ihr einer­seits auf gesetz­li­cher Grund­la­ge Ver­gü­tungs­an­sprü­che gegen die Kran­ken­kas­sen ver­mit­telt und sie ande­rer­seits durch die Rabatt­pflich­ten nach §§ 130 und 130a SGB V hoheit­lich belas­tet bzw in Dienst nimmt 21. Eine sol­che Ein­bin­dung in das leis­tungs­er­brin­gungs­recht­li­che Sys­tem des SGB V hat für die Ver­sand­apo­the­ke in dem hier maß­ge­ben­den Zeit­raum noch nicht bestan­den 22.
Hier­ge­gen kann die Ver­sand­apo­the­ke nicht mit Erfolg ein­wen­den, dass sie ohne ent­spre­chen­de Rabatt­zu­sa­gen Ein­zel­ver­trä­ge mit den Kran­ken­kas­sen nicht hät­te abschlie­ßen kön­nen und § 130a Abs 1 S 1 SGB V des­halb auch sie fak­tisch bin­de. Das ändert zum einen nichts dar­an, dass sie kei­nen gesetz­li­chen Abga­be­pflich­ten aus­ge­setzt ist und es des­halb an einer Rechts­grund­la­ge für die begehr­te Abwäl­zung der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Rabat­te auf die phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­mer man­gelt. Zum ande­ren fehlt aber auch jeder Anhalts­punkt dafür, dass die Ver­sand­apo­the­ke auf­grund der dar­ge­leg­ten Rechts­la­ge gezwun­gen gewe­sen wäre, wirt­schaft­li­che Nach­tei­le im Ver­hält­nis zu inlän­di­schen Apo­the­ken hin­zu­neh­men. Soweit die Ver­sand­apo­the­ke befugt ist, sich durch Ver­sand­han­del vom Aus­land aus an der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung der GKV-Ver­si­cher­ten zu betei­li­gen, ste­hen ihr dafür meh­re­re Ver­sor­gungs­for­men zur Ver­fü­gung. Zunächst könn­ten Ver­si­cher­te unmit­tel­bar gegen Rech­nung belie­fert und auf Kos­ten­er­stat­tung gegen die Kran­ken­kas­se gemäß § 13 Abs 4 SGB V ver­wie­sen wer­den; dann wäre die Ver­sand­apo­the­ke selbst von jeder Rabatt­ver­pflich­tung frei (nicht jedoch die Ver­si­cher­ten, vgl. § 13 Abs 3 SGB V 23). Wei­ter hät­te die Ver­sand­apo­the­ke schon im Jah­re 2003 und nicht zum 1.01.2010 gemäß § 129 Abs 3 Nr 2 SGB V dem Rah­men­ver­trag nach § 129 Abs 2 SGB V bei­tre­ten und sich damit den Rabatt­vor­schrif­ten der §§ 130 und 130a SGB V unter­stel­len kön­nen 24. Das Bei­tritts­recht ergab sich unmit­tel­bar aus dem Gesetz und bedurf­te nicht erst einer geson­der­ten rah­men­ver­trag­li­chen Rechts­grund­la­ge für den Ver­sand­han­del von Apo­the­ken aus dem EU-Aus­land. Schließ­lich kann sie – das war der hier gewähl­te Weg im frag­li­chem Zeit­raum – unmit­tel­ba­re ver­trag­li­che Bezie­hun­gen zu den betei­lig­ten Kran­ken­kas­sen auf­neh­men. Nicht vor­ge­se­hen ist jedoch, Vor­tei­le unter­schied­li­cher Sys­te­me zu kumu­lie­ren 25.
Euro­pa­recht ist eben­falls nicht ver­letzt. Der Her­stel­ler­ra­batt in sei­ner Aus­ge­stal­tung durch die §§ 129 und 130a SGB V ist viel­mehr ein mit euro­päi­schem Recht in Ein­klang ste­hen­des Mit­tel zur finan­zi­el­len Ent­las­tung der Kran­ken­kas­sen. Inso­weit sind zunächst, wie bereits der 1. Senat des BSG ein­ge­hend dar­ge­legt hat, die gesetz­li­chen Vor­ga­ben für die Aus­ge­stal­tung des Ver­trags nach § 129 Abs 2 SGB V euro­pa­rechts­kon­form. Die Fra­ge, ob der Rah­men­ver­trag miss­braucht wor­den sein konn­te, bei­tritts­wil­li­ge und nach Arz­nei­mit­tel- und Apo­the­ken­recht – im Anschluss an die Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs 26 – bei­tritts­fä­hi­ge aus­län­di­sche Apo­the­ken zu dis­kri­mi­nie­ren, stellt sich schon des­halb nicht, weil die Ver­sand­apo­the­ke bis Ende 2008 nicht ein­mal ver­sucht hat, dem Rah­men­ver­trag bei­zu­tre­ten. Seit dem Jahr 2010 ist sogar durch die Ver­trags­ge­stal­tung aus­drück­lich sicher­ge­stellt, dass in- und aus­län­di­sche Apo­the­ken gleich behan­delt wer­den 27. Zudem wird die Ver­sand­apo­the­ke auch nicht durch die Beschrän­kung des Her­stel­ler­ra­batts auf rei­ne Inlands­sach­ver­hal­te im Sin­ne des euro­päi­schen Rechts dis­kri­mi­niert. Euro­päi­sches Recht lässt viel­mehr die Befug­nis der Mit­glied­staa­ten unbe­rührt, zur finan­zi­el­len Ent­las­tung der natio­na­len Sys­te­me der sozia­len Sicher­heit an rein inlands­be­zo­ge­ne Sach­ver­hal­te anknüp­fen­de Rabatt­re­ge­lun­gen zu erlas­sen, die sich im Rah­men der euro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben für natio­na­le Preis­vor­schrif­ten hal­ten. Auch dies hat der 1. Senat des BSG bereits ein­ge­hend aus­ge­führt 28; dem schließt sich der erken­nen­de Senat auch unter Erwä­gung der Ein­wän­de der Ver­sand­apo­the­ke an. Anlass für ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art 267 AEUV an den EuGH ist ange­sichts der kla­ren Rechts­la­ge nicht gege­ben.
Auch der Gemein­sa­me Senat der obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des hat in sei­nem Beschluss vom 22.08.2012 ent­schie­den, dass dem von ihm gefun­de­nen Ergeb­nis weder pri­mä­res noch sekun­dä­res Gemein­schafts­recht ent­ge­gen­steht: Ein Ver­stoß gegen die Waren­ver­kehrs­frei­heit iS des Art 34 AEUV lie­ge nicht vor. Die Arz­nei­mit­tel­preis­vor­schrif­ten des deut­schen Rechts sei­en, auch wenn sie auf den Ver­sand­han­del mit ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln aus einem ande­ren Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on nach Deutsch­land anwend­bar sind, kei­ne "Maß­nah­me glei­cher Wir­kung" iS die­ser Bestim­mung 29. Die Rege­lung sei im Übri­gen auch nach Art 36 AEUV (Art 30 EG) zum Schutz der Gesund­heit der Bevöl­ke­rung gerecht­fer­tigt 30.
Es ist zwar ein­zu­räu­men, dass die von der Ver­sand­apo­the­ke in den diver­sen Leis­tungs­er­brin­gungs­ver­ein­ba­run­gen mit den Kran­ken­kas­sen ver­ein­bar­te Mög­lich­keit, ana­log den gesetz­li­chen Rege­lun­gen in § 130a Abs 1 S 1 und 2 SGB V vom Apo­the­ken­ab­ga­be­preis einen Her­stel­ler­ra­batt abzu­zie­hen, rein wirt­schaft­lich betrach­tet einem gesetz­li­chen Rabatt gleich­steht. Dies ändert aber nichts dar­an, dass die von der Ver­sand­apo­the­ke als die Arz­nei­mit­tel abge­ben­de Apo­the­ke den Abzug von Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be­preis in Höhe des Her­stel­ler­ra­batts nur im Ver­trags­we­ge ver­ein­bart hat und sie dem­ge­mäß auch nur ein ver­trag­li­ches Rück­griffs­recht in Höhe die­ses Her­stel­ler­ra­batts gegen die Beklag­te gel­tend machen könn­te, was jedoch einem zivil­recht­lich unzu­läs­si­gen Ver­trag zulas­ten eines Drit­ten gleich­kä­me. Die von der Ver­sand­apo­the­ke auf­ge­wor­fe­nen euro­pa­recht­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen hät­ten den erken­nen­den Senat also nur dann zu einer Vor­ab­an­fra­ge beim EuGH nach Art 267 AEUV ver­an­las­sen kön­nen, wenn strei­tig und ent­schei­dungs­er­heb­lich gewe­sen wäre, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen das Gemein­schafts­recht eine Teil­nah­me aus­län­di­scher Ver­sand­han­dels­apo­the­ken an der inner­staat­li­chen Ver­sor­gung von GKV-Ver­si­cher­ten mit Arz­nei­mit­teln gebie­tet (Art 18 und 34 AEUV). Gera­de das war hier aber nicht Streit­ge­gen­stand, son­dern – wie aus­ge­führt – allein die Fra­ge, ob mit den Kran­ken­kas­sen frei aus­ge­han­del­te Rabat­te an Drit­te – die Arz­nei­mit­tel­her­stel­ler – wei­ter­ge­ge­ben wer­den kön­nen. Die Fra­ge, ob und ggf wel­che Rechts­fol­gen aus der feh­len­den Rück­griffs­mög­lich­keit der Ver­sand­apo­the­ke gegen­über der Beklag­ten und den ande­ren phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­men resul­tie­ren, ist allein inner­halb des Ver­trags­ver­hält­nis­ses zwi­schen der Ver­sand­apo­the­ke und der jewei­li­gen Kran­ken­kas­se zu klä­ren.
Ansprü­che auf berei­che­rungs­recht­li­cher Grund­la­ge stüt­zen das Kla­ge­be­geh­ren eben­falls nicht. Dabei kann offen blei­ben, inwie­weit die Beklag­te – wie die Ver­sand­apo­the­ke vor­ge­tra­gen hat – deren Belie­fe­rung unter Berück­sich­ti­gung von Abschlä­gen nach § 130a SGB V zu Recht ver­wei­gert hat, obwohl die in das kol­lek­tiv­ver­trag­li­che Sys­tem nach § 129 SGB V ein­ge­bun­de­nen Apo­the­ken die­sel­ben Arz­nei­mit­tel im Ergeb­nis zu einem um die­se Rabat­te gekürz­ten Preis erhal­ten haben. Denn die Vor­aus­set­zun­gen der bestehen­den Zah­lungs­pflich­ten nach § 130a Abs 1 S 2 SGB V sind abschlie­ßend gere­gelt; für die ergän­zen­de Her­an­zie­hung berei­che­rungs­recht­li­cher Grund­sät­ze ent­spre­chend § 812 BGB besteht des­halb kein Raum 31.
Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt sieht auch kei­ne Mög­lich­keit, die rein ver­trag­li­che Gewäh­rung von Rabat­ten zuguns­ten der Kran­ken­kas­sen wegen einer Geset­zes­än­de­rung aus dem Jah­re 2010 der gesetz­lich ange­ord­ne­ten Rabatt­ge­wäh­rung gemäß § 130a Abs 1 S 1 und 2 SGB V nach­träg­lich für die Zeit von 2003 bis 2007 gleich­zu­stel­len. Eine sol­che Gleich­stel­lung wäre allen­falls für die Zeit ab 30.07.2010 zu erwä­gen.
Durch das zum 30.07.2010 in Kraft getre­te­ne Gesetz zur Ände­rung kran­ken­ver­si­che­rungs­recht­li­cher und ande­rer Vor­schrif­ten (KVRÄndG) 32 ist in § 130a Abs 1 S 5 und 6 SGB V aus­drück­lich die Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be durch Kran­ken­haus­apo­the­ken (§ 129a SGB V) in den Rege­lungs­be­reich der Vor­schrift auf­ge­nom­men wor­den, sodass die Rabatt­pflicht nach § 130a Abs 1 S 1 und 2 SGB V auch die­se Form der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung von GKV-Ver­si­cher­ten erfasst, obgleich für die Kran­ken­haus­apo­the­ken die Arz­nei­mit­tel­preis­ver­ord­nung nicht gilt, sodass die Abga­be­prei­se und die Abschlä­ge – wie beim ver­trags­ba­sier­ten Inter­net­han­del aus dem EU-Aus­land – zwi­schen Kran­ken­kas­se und Kran­ken­haus ver­trag­lich fest­zu­le­gen sind 33. Die zum 1.01.2004 ein­ge­führ­te Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be durch Kran­ken­haus­apo­the­ken nach § 129a SGB V ist auf GKV-Ver­si­cher­te beschränkt, die sich im Kran­ken­haus ambu­lant behan­deln las­sen. Kran­ken­haus­apo­the­ken sind also von vorn­her­ein kei­ne öffent­li­chen Apo­the­ken iS der §§ 129, 130a SGB V, sodass sie nicht der Pflicht zur Abfüh­rung des Her­stel­ler­ra­batts nach § 130a Abs 1 S 1 SGB V unter­la­gen, solan­ge § 129a SGB V in die­ser Vor­schrift nicht erwähnt war. Das war bis zum 29.07.2010 der Fall. Der Kran­ken­haus­trä­ger und die Kran­ken­kas­sen müs­sen man­gels Gel­tung der Arz­nei­mit­tel­preis­ver­ord­nung die Abga­be­prei­se bis heu­te aus­han­deln, wobei das Wirt­schaft­lich­keits­ge­bot (§ 12 SGB V) zu beach­ten ist, die Prei­se der Kran­ken­haus­apo­the­ken also grund­sätz­lich nicht höher sein dür­fen als die Abga­be­prei­se der öffent­li­chen Apo­the­ken; ansons­ten kommt es nicht zum Ver­trags­schluss nach § 129a S 1 SGB V, der gemäß § 129a S 3 SGB V Vor­aus­set­zung für die Ein­be­zie­hung in das Sach­leis­tungs­sys­tem der GKV ist. Fak­tisch muss­te also der Her­stel­ler­ra­batt auch von den Kran­ken­haus­trä­gern beach­tet wer­den, und zwar ent­we­der durch eine von vorn­her­ein nied­ri­ge Gestal­tung des Abga­be­prei­ses (also mit "ein­ge­preis­tem" Her­stel­ler­ra­batt) oder durch die ver­trag­li­che Gewäh­rung des Her­stel­ler­ra­batts. Der Gesetz­ge­ber woll­te die zum 1.08.2010 erfolg­te Erhö­hung des Her­stel­ler­ra­batts von 6 % auf 16 % (§ 130a Abs 1a SGB V) wegen ihres wirt­schaft­li­chen Gewichts nun­mehr auch auf die Kran­ken­haus­apo­the­ken erstre­cken, muss­te dafür in die bestehen­den Ver­trä­ge nach § 129a SGB V ein­grei­fen ("hoheit­li­che Preis­re­gu­lie­rung") und war des­halb gezwun­gen, § 130a SGB V um eine Bezug­nah­me auf § 129a SGB V zu ergän­zen; dies war auf Arz­nei­mit­tel­ab­ga­ben ab 30.07.2010 beschränkt ("künf­tig") 34.
Wegen die­ser kon­sti­tu­ti­ven (also nicht ledig­lich klar­stel­len­den) Aus­wei­tung des § 130a SGB V erscheint die "Benach­tei­li­gung" der Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be im Ver­sand­we­ge durch Apo­the­ken mit Sitz im EU-Aus­land, für die gemäß § 78 Abs 1 S 4 AMG das deut­sche Arz­nei­mit­tel­preis­recht gilt, schon mit Rück­sicht auf den all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­satz des Art 3 Abs 1 GG frag­wür­dig. Da die Gleich­be­hand­lung erst ab 30.07.2010 in Betracht käme, die Ver­sand­apo­the­ke aber schon zum 1.01.2010 dem Rah­men­ver­trag nach § 129 SGB V bei­getre­ten ist, kann sie sich bereits ab 1.01.2010 auf die Gleich­be­hand­lung mit inlän­di­schen Ver­sand­apo­the­ken beru­fen. Auf die etwai­ge Gleich­be­hand­lung ab 30.07.2010 wegen der recht­li­chen Gleich­stel­lung von nie­der­ge­las­se­nen Apo­the­ken und Kran­ken­haus­apo­the­ken in § 130a SGB V kommt es im Fall der Ver­sand­apo­the­ke nicht an.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 24. Janu­ar 2013 – B 3 KR 11/​11 R
Die nie­der­län­di­sche Ver­sand­apo­the­ke und der deut­sche… Eine Ver­sand­apo­the­ke mit Sitz in einem ande­ren Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on hat kein Anspruch auf Erstat­tung des sog. Her­stel­ler­ra­batts gemäß § 130a Abs 1 S…
vgl. hier­zu BGHZ 54, 115[↩]
vom 21.12.1992, BGBl I 2266; vgl. hier­zu BVerfG SozR 3 – 5407 Art 30 Nr 1[↩]
BSG Urteil vom 28.07.2008 – B 1 KR 4/​08 R – BSGE 101, 161 = SozR 4 – 2500 § 130a Nr 3[↩]
ein­ge­fügt durch Art 1 Nr 7a des Geset­zes zur Ver­bes­se­rung der Wirt­schaft­lich­keit in der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung vom 26.04.2006, BGBl I 984[↩]
BSG, aaO, RdNr 17 ff[↩]
BSG, aaO, RdNr 23 ff[↩]
BSG, aaO, RdNr 35 ff[↩]
Gesetz zur Wah­rung der Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung der obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des vom 19.06.1968, BGBl I 661[↩]
BGH, Beschluss vom 09.09.2010 – I ZR 72/​08, NJW 2010, 3724[↩]
GmS-OBG, Beschluss vom 22.08.2012 – GmS-OGB 1/​10[↩]
BSGE 101, 161 = SozR 4 – 2500 § 130a Nr 3[↩]
BGBl I 2192[↩]
BSG, Urteil vom 17.12.2009 – B 3 KR 14/​08 R – SozR 4 – 2500 § 130a Nr 5[↩]
BSG SozR 4 – 2500 § 130a Nr 5 RdNr 16[↩]
vgl. Schrei­ben des GKV-Spit­zen­ver­ban­des vom 19.12.2008[↩]
vgl. für die Rege­lun­gen durch das BSSichG: BVerfG, Beschluss vom 13.09.2005 – 2 BvF 2/​03, BVerfGE 114, 196, 244 = SozR 4 – 2500 § 266 Nr 9 RdNr 129[↩]
BSG SozR 4 – 2500 § 130a Nr 5 RdNr 17[↩]
vgl. zu die­ser Rechts­stel­lung der betei­lig­ten Apo­the­ken: BVerfGE 114, 196, 244 = SozR 4 – 2500 § 266 Nr 9 RdNr 130[↩]
eben­so BSGE 101, 161 = SozR 4 – 2500 § 130a Nr 3, RdNr 32[↩]
vgl. BSGE 101, 161 = SozR 4 – 2500 § 130a Nr 3, RdNr 35 ff und 40; sowie BSG SozR 4 – 2500 § 130a Nr 5 RdNr 18[↩]
dazu BSGE 104, 160 = SozR 4 – 2500 § 13 Nr 22, RdNr 24 ff[↩]
vgl. BSGE 101, 161 = SozR 4 – 2500 § 130a Nr 3, RdNr 35 ff und 40[↩]
eben­so BSGE 101, 161 = SozR 4 – 2500 § 130a Nr 3, RdNr 31 f: "Rosi­nen­pi­cke­rei"[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 11.12.2003 – C‑322/​01 – DocMor­ris NV, EuGHE I 2003, 14887[↩]
BSGE 101, 161 = SozR 4 – 2500 § 130a Nr 3, RdNr 40[↩]
aaO, RdNr 41 ff[↩]
GmS-OBG, Beschluss vom 22.08.2012, RdNr 39 – 43[↩]
GmS-OBG, Beschluss vom 22.08.2012, RdNr 44 – 46[↩]
BSG SozR 4 – 2500 § 130a Nr 5 RdNr 21[↩]
vom 24.07.2010, BGBl I 983[↩]
Schnei­der in juris­PK-SGB V, 2. Aufl 2012, § 130a RdNr 12[↩]
vgl. BT-Drucks 17/​2170 S 36[↩]
HerstellerrabattKrankenkasseVersandapotheke