Source: https://www.streifler.de/artikel/strafrecht_-der-vorsatz-bei-der-trunkenheitsfahrt-und-die-beurteilung-durch-das-gericht
Timestamp: 2019-08-24 08:54:28
Document Index: 334924473

Matched Legal Cases: ['§ 316', '§ 316', '§ 316', '§ 349', '§ 353', '§ 353', '§ 353', '§ 354', '§ 316', '§ 69', '§ 316', '§ 316', '§ 353', '§ 353']

Verkehrsstrafrecht, Gefährdung des Straßenverkehrs, Strafrecht
<p>Der R&uuml;ckschluss auf den Vorsatz als Voraussetzung des Straftatbestandes der Trunkenheit im Verkehr gem. &sect; 316 Abs. 1 StGB kann vom Gericht nach den Umst&auml;nden des Einzelfalles auch aus einschl&auml;gigen Vorbestrafungen gezogen werden, wenn vorherige Trunkenheitsfahrten im Mindestma&szlig; miteinander vergleichbar erscheinen &ndash; BSP Rechtsanw&auml;lte &ndash; Anwalt f&uuml;r Strafrecht Berlin</p>
<p>In diesem Fall wurde der Angeklagte vom Amtsgericht (AG) wegen vors&auml;tzlicher Trunkenheitsfahrt zu vier Monaten auf Bew&auml;hrung und einem Fahrverbot von 15 Monaten verurteilt. Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe hob das Urteil mit der Revision auf und verwies es nun zur Entscheidung zur&uuml;ck ans AG.</p> <p><strong>Annahme von Vorsatz wegen vorheriger Trunkenheitsfahrt</strong></p> <p>Das Amtsgericht f&uuml;hrte die Feststellung des Vorsatzes beim nicht gest&auml;ndigen Angeklagten zum einen auf die Tatsache zur&uuml;ck, dass dieser in der Vergangenheit bereits wegen fahrl&auml;ssiger Trunkenheitsfahrt und dem Fahren ohne Fahrerlaubnis bestraft wurde. Zum anderen, so f&uuml;hrte das Gericht an, spreche f&uuml;r das Vorhandensein von Vorsatz, dass der Angeklagte in seiner Vergangenheit bereits eine l&auml;ngere Zeit wegen der MPU (Medizinisch Psychologische Untersuchung) abstinent gelebt habe.</p> <p>Die Revision richtete sich nun dagegen, den Angeklagten wegen vors&auml;tzlicher Trunkenheit im Verkehr zu verurteilen und stattdessen eine fahrl&auml;ssige Trunkenheit anzunehmen.</p> <p>Das Revisionsgericht stellte nun fest, dass die Darstellungen des Amtsgerichts zum Vorhandensein von Vorsatz beim Angeklagten nicht ausreichen w&uuml;rden. <strong>Die Voraussetzung des Vorsatzes erfordere, dass der Fahrzeugf&uuml;hrer seine Fahrunt&uuml;chtigkeit kennt oder zumindest mit ihr rechnet.</strong> Diese innere Tatsache beim Angeklagten sei durch den Richter &bdquo;auf der Grundlage des Ergebnisses der Hauptverhandlung und der Heranziehung und W&uuml;rdigung aller Umst&auml;nde&ldquo; zu ermitteln.</p> <p>Vorliegend habe das Gericht nicht zu Gen&uuml;ge herausgestellt, warum die &bdquo;einschl&auml;gigen Vorstrafen&ldquo; des Angeklagten in diesem Einzelfall einen R&uuml;ckschluss auf das Vorhandensein von Vorsatz zulie&szlig;en.</p> <p>Des Weiteren seien die Tatsachen, dass der Angeklagte wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis verurteilt wurde und in der Zwischenzeit wegen der MPU abstinent gelebt hatte, f&uuml;r einen solchen R&uuml;ckschluss bereits ungeeignet. Die vorangegangene fahrl&auml;ssige Trunkenheitsfahrt und die mit der Verurteilung verbundene Warnwirkung k&auml;men hierf&uuml;r hingegen in Betracht. <em>Das Gericht m&uuml;sse jedoch weitere Feststellungen zu der Vergleichbarkeit der beiden Taten anstellen, um die Annahme von Vorsatz hier&uuml;ber zu rechtfertigen.</em></p> <p><strong>Weitere Faktoren bei der Ermittlung des Vorsatzes bei der Trunkenheitsfahrt:</strong></p> <p>-&nbsp;&nbsp; die T&auml;terpers&ouml;nlichkeit</p> <p>-&nbsp;&nbsp; der Trinkverlauf</p> <p>-&nbsp;&nbsp; der Zusammenhang zwischen Trinkverlauf und Fahrtantritt</p> <p>-&nbsp;&nbsp; das Verhalten des T&auml;ters vor und w&auml;hrend der Fahrt</p> <p><strong>Gegen die Annahme des Vorsatzes</strong> in diesem Fall spreche laut Gericht, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Blutabnahme keine besonderen Ausfallerscheinungen erkennen lie&szlig;, sondern vielmehr &bdquo;nicht merkbar&ldquo; unter Alkoholeinfluss stand. Ein R&uuml;ckschluss darauf, dass dieser dann seine eigene Fahrunt&uuml;chtigkeit nicht notwendigerweise kennen musste, sei laut Gericht nicht abwegig.</p> <p><strong>Bemerkungen des Gerichts bez&uuml;glich der neuen Hauptverhandlung:</strong></p> <p>Das Tatgericht habe nun insbesondere neue Feststellungen bez&uuml;glich des Vorsatzerfordernisses zu machen, die unter Umst&auml;nden &bdquo;den Schluss auf eine vors&auml;tzliche Verwirklichung des Tatbestandes der Trunkenheit im Verkehr tragen k&ouml;nnten&ldquo;. Es wird also ggf. auf eine Vergleichbarkeit der vorangegangenen Trunkenheitsfahrt mit der in Frage Stehenden abzustellen sein, die das neue Tatgericht explizit in den Urteilsgr&uuml;nden herauszustellen h&auml;tte.</p> <p>Das OLG Karlsruhe hat mit Beschluss vom 23.04.2019 &ndash; 2 Rv 4 Ss 105/19 &ndash; entschieden:</p> <p><strong>Tenor:</strong></p> <p>1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Amtsgerichts Bad S&auml;ckingen vom 12. M&auml;rz 2018 mit den zugeh&ouml;rigen Feststellungen aufgehoben. Die Feststellungen zum objektiven Tatgeschehen bleiben aufrechterhalten.</p> <p>2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch &uuml;ber die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Abteilung des Amtsgerichts Bad S&auml;ckingen zur&uuml;ckverwiesen.</p> <p><strong>Gr&uuml;nde:</strong></p> <p>I.</p> <p>Das Amtsgericht Bad S&auml;ckingen verurteilte den Angeklagten am 12.03.2018 wegen vors&auml;tzlicher Trunkenheit im Verkehr zu der Freiheitsstrafe von vier Monaten, die es zu Bew&auml;hrung aussetzte. Ferner wurde dem Angeklagten die Fahrerlaubnis entzogen, sein F&uuml;hrerschein wurde eingezogen und eine Sperrfrist f&uuml;r die Wiedererteilung einer Fahrerlaubnis von 15 Monaten festgesetzt.</p> <p>Das Amtsgericht hat zur abgeurteilten Tat unter Ziffer II. folgende &bdquo;Feststellungen&ldquo; getroffen:</p> <p>&bdquo;Der Angeklagte fuhr am 12.10.2017 gegen 20:10 Uhr mit dem Pkw Suzuki Vitara, amtliches Kennzeichen XX-YY 000, auf der F-stra&szlig;e und der H-stra&szlig;e in W, obwohl er infolge vorangegangenen Alkoholgenusses fahrunt&uuml;chtig war. Eine bei dem Angeklagten um 21:10 Uhr entnommene Blutprobe ergab eine durchschnittliche Blutalkoholkonzentration von 1,31 Promille und eine um 21:49 Uhr entnommene Blutprobe eine durchschnittliche Blutalkoholkonzentration von 1,22 Promille. Aufgrund der Gesamtumst&auml;nde, insbesondere aufgrund seiner einschl&auml;gigen Vorstrafen, ist davon auszugehen, dass der Angeklagte seine Fahrunt&uuml;chtigkeit auch erkannt hat oder jedenfalls zumindest billigend in Kauf genommen hat. Aufgrund einer Trunkenheitsfahrt am 27.11.2015 wurde dem Angeklagten bereits zuvor die Fahrerlaubnis entzogen. Am 29.10.2017, also nur drei Tage vor der oben genannten Fahrt, hat er erneut eine Fahrerlaubnis erworben.&ldquo;</p> <p>Zur W&uuml;rdigung der subjektiven Tatseite hat das Amtsgericht unter Ziffer IV. im Rahmen seiner rechtlichen Erw&auml;gungen Folgendes ausgef&uuml;hrt:</p> <p>&bdquo;Der Angeklagte hat sich damit wegen vors&auml;tzlicher Trunkenheit im Verkehr nach &sect; 316 Abs. 1 StGB strafbar gemacht. Aufgrund des Umstandes, dass ihm vor drei Jahren bereits wegen desselben Deliktes schon einmal der F&uuml;hrerschein entzogen worden war und er in der Zwischenzeit sogar wegen einer MPU l&auml;ngere Zeit abstinent gelebt hat, ist davon auszugehen, dass der Angeklagte auch bedingt vors&auml;tzlich gehandelt hat.&ldquo;</p> <p>Der Angeklagte r&uuml;gt mit der Revision die Verletzung formellen und materiellen Rechts. Die Generalstaatsanwaltschaft hat beantragt, die Revision durch Beschluss gem&auml;&szlig; &sect;&sect; 349 Abs. 2, 354 Abs. 1 StPO mit der Ma&szlig;gabe, den Schuldspruch dahingehend abzu&auml;ndern, dass der Angeklagte wegen fahrl&auml;ssiger Trunkenheit im Verkehr verurteilt wird, als unbegr&uuml;ndet zu verwerfen.</p> <p>II.</p> <p>Das zul&auml;ssige Rechtsmittel des Angeklagten hat weitgehend Erfolg.</p> <p>1. Die Verfahrensr&uuml;gen greifen aus den von der Generalstaatsanwaltschaft in ihrer Zuschrift vom 14.02.2019 genannten Gr&uuml;nden nicht durch.</p> <p>(...)</p> <p>2. Der Revision hat jedoch mit der Sachr&uuml;ge weitgehend Erfolg, weil die Verurteilung wegen vors&auml;tzlicher Tatbegehung durch die Beweisw&uuml;rdigung nicht hinreichend getragen wird.</p> <p>(...)</p> <p>a) Soweit allerdings das Landgericht sich aufgrund einer Abw&auml;gung der erhobenen Beweise davon &uuml;berzeugt hat, dass der vom Angeklagten behauptete Nachtrunk nicht stattgefunden hat und es mit Blick auf den die Grenzen absoluter Fahruntauglichkeit&nbsp; &uuml;bersteigenden Wert der Blutalkoholkonzentration in H&ouml;he von 1,31 Promille zugrunde gelegt hat, dass der Angeklagte bereits bei der Fahrt fahrunt&uuml;chtig war, lassen diese Schlussfolgerungen und Wertungen des Amtsgerichts keine Rechtsfehler erkennen und halten sich im tatgerichtlichen Beurteilungsspielraum.</p> <p>b) Jedoch verm&ouml;gen die Darstellungen in den Urteilsgr&uuml;nden den Schuldspruch wegen vors&auml;tzlicher Begehung der Trunkenheitsfahrt&nbsp; nicht zu tragen. Das Amtsgericht hat eine vors&auml;tzliche Tatbegehung angenommen und dies im Kern auf die &bdquo;einschl&auml;gigen Vorstrafen&ldquo; des Angeklagten sowie darauf gest&uuml;tzt hat, dass ihm wegen einer Trunkenheitsfahrt am 27.11.2015 die Fahrerlaubnis entzogen und erst drei Tage vor der hier in Rede stehenden Trunkenheitsfahrt wieder erteilt worden sei. Diese W&uuml;rdigung erweist sich als unzureichend.</p> <p>1) Eine Bestrafung wegen vors&auml;tzlicher Trunkenheit im Verkehr setzt voraus, dass der Fahrzeugf&uuml;hrer seine alkoholbedingte Fahrunt&uuml;chtigkeit kennt oder zumindest mit ihr rechnet. Die Feststellung der Fahrunt&uuml;chtigkeit als innere Tatsache hat der Tatrichter auf der Grundlage des Ergebnisses der Hauptverhandlung und der Heranziehung und W&uuml;rdigung aller Umst&auml;nde zu treffen. Bei einem - wie hier - insoweit nicht gest&auml;ndigen Angeklagten m&uuml;ssen die f&uuml;r die &Uuml;berzeugungsbildung des Tatgerichts verwendeten Beweisanzeichen l&uuml;ckenlos zusammengef&uuml;gt und unter allen f&uuml;r ihre Beurteilung ma&szlig;gebenden Gesichtspunkten gew&uuml;rdigt werden. Nur so wird dem Revisionsgericht die Pr&uuml;fung erm&ouml;glicht, ob der Beweis der Schuldform schl&uuml;ssig erbracht ist und alle gleich naheliegenden Deutungsm&ouml;glichkeiten f&uuml;r und gegen den Angeklagten gepr&uuml;ft worden sind. Dabei kann nach wohl einhelliger obergerichtlicher Rechtsprechung, der auch der Senat folgt, auch bei deutlich die Grenze absoluter Fahrunt&uuml;chtigkeit &uuml;bersteigenden BAK-Werten ohne Hinzutreten weiterer Umst&auml;nde nicht allein hieraus auf ein vors&auml;tzliches Handeln geschlossen werden; einen Erfahrungssatz, dass ein Kraftfahrer ab einer bestimmten BAK seine Fahrunt&uuml;chtigkeit erkennt, gibt es nicht. Bei der Beurteilung kommt es daher auf die Umst&auml;nde des Einzelfalles an. Zu w&uuml;rdigen sind dabei insbesondere - soweit feststellbar - die T&auml;terpers&ouml;nlichkeit, der Trinkverlauf, der Zusammenhang zwischen Trinkverlauf und Fahrtantritt sowie das Verhalten des T&auml;ters vor und w&auml;hrend der Fahrt.</p> <p>Dabei kann nach obergerichtlicher Rechtsprechung, der auch der Senat folgt, zwar aus einer vorangehenden einschl&auml;gigen Bestrafung und der damit verbundenen Warnwirkung je nach den Umst&auml;nden des Einzelfalles auf ein vors&auml;tzliches Handeln des T&auml;ters bei der neuen Trunkenheitsfahrt geschlossen werden. Dies gilt jedoch nur dann, wenn der der fr&uuml;heren Verurteilung zugrundeliegende Sachverhalt in einem Mindestma&szlig; mit dem aktuell zu beurteilenden vergleichbar ist. Nur in diesem Fall ist es denkbar und auch naheliegend, dass der T&auml;ter aus seiner fr&uuml;heren Bestrafung und dem darin liegenden Hinweis auf seine derzeitige Fahrunt&uuml;chtigkeit vor der erneuten Trunkenheitsfahrt entsprechende Schl&uuml;sse gezogen hat, die den Vorwurf vors&auml;tzlichen Handelns rechtfertigen. Es ist deshalb jedenfalls in der Regel unerl&auml;sslich, dass der einer einschl&auml;gigen Vorverurteilung zugrundeliegende Sachverhalt, aus dem auf die vors&auml;tzliche Tatbegehung geschlossen werden soll, in den Urteilsgr&uuml;nden mitgeteilt wird.</p> <p>2) Vorliegend hat sich das Amtsgericht bei der Darstellung der &bdquo;einschl&auml;gigen Vorstrafen&ldquo; darauf beschr&auml;nkt, die - ersichtlich dem Bundeszentralregisterauszug entnommenen - Daten zweier Urteile festzustellen, wonach der Angeklagte am &bdquo;17.12.2005&ldquo;&nbsp; wegen fahrl&auml;ssiger Trunkenheit im Verkehr zu einer Geldstrafe von 45 Tagess&auml;tzen zu 60,- Euro verurteilt und eine Sperre f&uuml;r die Fahrerlaubniserteilung bis zum 16.12.2016 verh&auml;ngt wurde und am 21.08.2017 wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in Tatmehrheit mit Urkundenf&auml;lschung zu einer Geldstrafe von 40 Tagess&auml;tzen zu 50 ,- Euro verurteilt wurde. Diese bez&uuml;glich des Urteils vom 17.12.2015 noch um Angaben des Angeklagten erg&auml;nzten Ausf&uuml;hrungen - so gab der Angeklagte offenbar an, seine Blutalkoholkonzentration habe bei der damaligen Trunkenheitsfahrt &bdquo;mehr als zwei Promille Alkohol betragen&ldquo; - gen&uuml;gen jedenfalls vorliegend nicht.</p> <p>Es erschlie&szlig;t sich schon nicht, aus welchem Grunde das Amtsgericht &bdquo;insbesondere aufgrund seiner einschl&auml;gigen Vorstrafen&ldquo;, also aufgrund von mehreren vorangegangenen Straftaten davon ausgegangen ist, dass der Angeklagte vors&auml;tzlich handelte. Sollten die ausgesprochen knapp gehaltenen Ausf&uuml;hrungen des Amtsgerichts - was naheliegt - dahingehend zu verstehen sein, dass mit einer der &bdquo;einschl&auml;gigen Vorstrafen&ldquo; die Verurteilung vom 21.08.2017 gemeint gewesen ist, l&auml;sst sich mit Blick darauf, dass der Angeklagte dortmals wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, nicht aber wegen Trunkenheit im Verkehr verurteilt wurde aus, nichts daf&uuml;r herleiten, inwieweit er hieraus &uuml;berhaupt Lehren f&uuml;r zuk&uuml;nftiges Trink- und Fahrverhalten h&auml;tte ziehen m&uuml;ssen.</p> <p>Ob und inwieweit die mit Urteil vom 17.12.2015 geahndete Trunkenheitsfahrt und die verfahrensgegenst&auml;ndliche Sache tats&auml;chlich vergleichbar waren, l&auml;sst sich anhand der &auml;u&szlig;erst knappen und nur nach der Erinnerung des Angeklagten referierten Darstellung zur damaligen Trunkenheitsfahrt nicht erkennen. Schon mit Blick darauf, dass sich der Angeklagte an einen mutma&szlig;lich deutlich h&ouml;heren Promillewerte erinnerte, versteht es sich jedenfalls nicht von selbst, inwieweit er aus der damaligen Fahrt R&uuml;ckschl&uuml;sse auf seine Fahrunt&uuml;chtigkeit bei der verfahrensgegenst&auml;ndlichen Trunkenheitsfahrt gezogen haben muss.</p> <p>Zu eingehenderer Er&ouml;rterung der Schuldform bestand auch im Hinblick darauf Anlass, dass nach den Ausf&uuml;hrungen des Amtsgerichts bei der Abnahme der Blutprobe bei den entsprechenden Tests keine besonderen&nbsp; Ausfallerscheinungen zu bemerken gewesen waren, sondern vielmehr der Angeklagte &bdquo;nicht merkbar&ldquo; unter Alkoholeinfluss stand, was es zumindest nicht g&auml;nzlich fernliegend erscheinen l&auml;sst, dass f&uuml;r den Angeklagten selbst die alkoholische Beeinflussung weniger sp&uuml;rbar war und er sich deshalb f&uuml;r fahrt&uuml;chtig gehalten haben k&ouml;nnte.</p> <p>Soweit das Amtsgericht erg&auml;nzend darauf abgehoben hat, dass der Angeklagte nach Entzug der Fahrerlaubnis in der Zwischenzeit &bdquo;sogar wegen einer MPU l&auml;ngere Zeit abstinent&ldquo; gelebt habe, begegnet dies vorliegend ebenfalls Bedenken. Das Amtsgericht teilt nicht mit, aus welchem Grunde das wegen einer anstehenden medizinisch-psychologischen Untersuchung&nbsp; abstinent gef&uuml;hrte Leben des Angeklagten R&uuml;ckschl&uuml;sse auf sein subjektives Vorstellungsbild zu seiner Fahrt&uuml;chtigkeit zulassen soll. Dies versteht sich - jedenfalls ohne jegliche n&auml;here Er&ouml;rterung - auch nicht von selbst. Denn der Umstand, dass der Angeklagte in dem Wissen einer anstehenden MPU abstinent gelebt hat, l&auml;sst naheliegende R&uuml;ckschl&uuml;sse zun&auml;chst nur auf seine F&auml;higkeit, auf Alkoholkonsum verzichten zu k&ouml;nnen, zu, nicht aber darauf, von welchen Auswirkungen des Alkoholkonsums auf seine Fahrt&uuml;chtigkeit er selbst im Einzelnen ausging.</p> <p>2. Aus den dargelegten Gr&uuml;nden konnte die Verurteilung wegen vors&auml;tzlicher Trunkenheit im Verkehr keinen Bestand haben. Das Urteil ist daher wegen des aufgezeigten Mangels nach &sect; 353 StPO mit den zugrundeliegenden Feststellungen aufzuheben und die Sache nach &sect; 354 Abs. 2 Satz 1 StPO zu neuer Verhandlung und Entscheidung an eine andere Abteilung des Amtsgerichts Bad S&auml;ckingen zur&uuml;ckzuverweisen. Ausgenommen von der Aufhebung sind die Feststellungen zum objektiven Tatgeschehen, da sie von dem aufgezeigten Rechtsfehler nicht betroffen sind und daher bestehen bleiben k&ouml;nnen. Erg&auml;nzende Feststellungen, die zu den bisherigen nicht im Widerspruch stehen, bleiben insoweit m&ouml;glich.</p> <p>3. F&uuml;r die neue Hauptverhandlung weist der Senat auf Folgendes hin:</p> <p>a) Der neue Tatrichter wird zu pr&uuml;fen haben, ob weitere Feststellungen, die den Schluss auf eine vors&auml;tzliche Verwirklichung des Tatbestandes der Trunkenheit im Verkehr tragen k&ouml;nnten, getroffen werden k&ouml;nnen. In diesem Zusammenhang scheint jedenfalls die Beiziehung der den Vorverurteilungen zugrundeliegenden Verfahrensakten oder jedenfalls derer Strafbefehle unverzichtbar.</p> <p>b) Der neue Tatrichter wird weiter in den Blick zu nehmen haben, dass es im Falle der Verurteilung nach &sect; 316 StGB in aller Regel nicht gen&uuml;gt, neben der H&ouml;he der Blutalkoholkonzentration und der Schuldform lediglich anzugeben, dass der Angeklagte zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort ein Fahrzeug gef&uuml;hrt habe. Die Schuld des T&auml;ters - ebenso die Frage der Ungeeignetheit zur F&uuml;hrung von Kraftfahrzeugen und die Dauer der Sperrfrist&nbsp; - kann in derartigen F&auml;llen n&auml;mlich wesentlich durch die Umst&auml;nde der Alkoholaufnahme und durch die Gegebenheiten der Tat selbst bestimmt sein. Wesentliche Faktoren der Tat selbst k&ouml;nnen - unter dem Gesichtspunkt des Ausma&szlig;es der herbeigef&uuml;hrten Gefahr - die Dauer und die L&auml;nge der bereits zur&uuml;ckgelegten und der noch beabsichtigten Fahrstrecke sowie die Verkehrsbedeutung der befahrenen Stra&szlig;e sein. Der neue Tatrichter wird sich daher f&uuml;r eine sachgerechte Rechtsfolgenbestimmung darum zu bem&uuml;hen haben, zu zumindest einigen nach Lage des Einzelfalls besonders relevanten Umst&auml;nden&nbsp; entsprechende Feststellungen zu treffen.</p> <p>c) Bei der Bemessung der Sperrfrist f&uuml;r die Wiedererteilung einer Fahrerlaubnis gem&auml;&szlig; &sect; 69a StGB wird neben der Schuldform auch zu ber&uuml;cksichtigen sein, dass der Angeklagte trotz hoher Blutalkoholkonzentration keine Ausfallerscheinungen aufwies. Die hieraus ersichtliche Trinkgew&ouml;hnung l&auml;sst m&ouml;glicherweise auf das Vorliegen einer Alkoholproblematik schlie&szlig;en.</p> <p>(...)</p> <p><strong>Haben Sie Fragen zum Thema Strafrecht? Nehmen Sie Kontakt zu Dr. Benedikt Mick auf und lassen Sie sich fachkundig beraten.</strong></p>
In diesem Fall wurde der Angeklagte vom Amtsgericht (AG) wegen vorsätzlicher Trunkenheitsfahrt zu vier Monaten auf Bewährung und einem Fahrverbot von 15 Monaten verurteilt. Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe hob das Urteil mit der Revision auf und verwies es nun zur Entscheidung zurück ans AG.
Annahme von Vorsatz wegen vorheriger Trunkenheitsfahrt
Das Amtsgericht führte die Feststellung des Vorsatzes beim nicht geständigen Angeklagten zum einen auf die Tatsache zurück, dass dieser in der Vergangenheit bereits wegen fahrlässiger Trunkenheitsfahrt und dem Fahren ohne Fahrerlaubnis bestraft wurde. Zum anderen, so führte das Gericht an, spreche für das Vorhandensein von Vorsatz, dass der Angeklagte in seiner Vergangenheit bereits eine längere Zeit wegen der MPU (Medizinisch Psychologische Untersuchung) abstinent gelebt habe.
Die Revision richtete sich nun dagegen, den Angeklagten wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr zu verurteilen und stattdessen eine fahrlässige Trunkenheit anzunehmen.
Das Revisionsgericht stellte nun fest, dass die Darstellungen des Amtsgerichts zum Vorhandensein von Vorsatz beim Angeklagten nicht ausreichen würden. Die Voraussetzung des Vorsatzes erfordere, dass der Fahrzeugführer seine Fahruntüchtigkeit kennt oder zumindest mit ihr rechnet. Diese innere Tatsache beim Angeklagten sei durch den Richter „auf der Grundlage des Ergebnisses der Hauptverhandlung und der Heranziehung und Würdigung aller Umstände“ zu ermitteln.
Vorliegend habe das Gericht nicht zu Genüge herausgestellt, warum die „einschlägigen Vorstrafen“ des Angeklagten in diesem Einzelfall einen Rückschluss auf das Vorhandensein von Vorsatz zuließen.
Des Weiteren seien die Tatsachen, dass der Angeklagte wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis verurteilt wurde und in der Zwischenzeit wegen der MPU abstinent gelebt hatte, für einen solchen Rückschluss bereits ungeeignet. Die vorangegangene fahrlässige Trunkenheitsfahrt und die mit der Verurteilung verbundene Warnwirkung kämen hierfür hingegen in Betracht. Das Gericht müsse jedoch weitere Feststellungen zu der Vergleichbarkeit der beiden Taten anstellen, um die Annahme von Vorsatz hierüber zu rechtfertigen.
Weitere Faktoren bei der Ermittlung des Vorsatzes bei der Trunkenheitsfahrt:
- die Täterpersönlichkeit
- der Trinkverlauf
- der Zusammenhang zwischen Trinkverlauf und Fahrtantritt
- das Verhalten des Täters vor und während der Fahrt
Gegen die Annahme des Vorsatzes in diesem Fall spreche laut Gericht, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Blutabnahme keine besonderen Ausfallerscheinungen erkennen ließ, sondern vielmehr „nicht merkbar“ unter Alkoholeinfluss stand. Ein Rückschluss darauf, dass dieser dann seine eigene Fahruntüchtigkeit nicht notwendigerweise kennen musste, sei laut Gericht nicht abwegig.
Bemerkungen des Gerichts bezüglich der neuen Hauptverhandlung:
Das Tatgericht habe nun insbesondere neue Feststellungen bezüglich des Vorsatzerfordernisses zu machen, die unter Umständen „den Schluss auf eine vorsätzliche Verwirklichung des Tatbestandes der Trunkenheit im Verkehr tragen könnten“. Es wird also ggf. auf eine Vergleichbarkeit der vorangegangenen Trunkenheitsfahrt mit der in Frage Stehenden abzustellen sein, die das neue Tatgericht explizit in den Urteilsgründen herauszustellen hätte.
Das OLG Karlsruhe hat mit Beschluss vom 23.04.2019 – 2 Rv 4 Ss 105/19 – entschieden:
„Der Angeklagte hat sich damit wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr nach § 316 Abs. 1 StGB
§ 316 Trunkenheit im Verkehr § 316 Trunkenheit im Verkehr , Abs. 1
strafbar gemacht. Aufgrund des Umstandes, dass ihm vor drei Jahren bereits wegen desselben Deliktes schon einmal der Führerschein entzogen worden war und er in der Zwischenzeit sogar wegen einer MPU längere Zeit abstinent gelebt hat, ist davon auszugehen, dass der Angeklagte auch bedingt vorsätzlich gehandelt hat.“
Der Angeklagte rügt mit der Revision die Verletzung formellen und materiellen Rechts. Die Generalstaatsanwaltschaft hat beantragt, die Revision durch Beschluss gemäß §§ 349 Abs. 2, 354 Abs. 1 StPO
mit der Maßgabe, den Schuldspruch dahingehend abzuändern, dass der Angeklagte wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr verurteilt wird, als unbegründet zu verwerfen.
1. Die Verfahrensrügen greifen aus den von der Generalstaatsanwaltschaft in ihrer Zuschrift vom 14.02.2019 genannten Gründen nicht durch.
a) Soweit allerdings das Landgericht sich aufgrund einer Abwägung der erhobenen Beweise davon überzeugt hat, dass der vom Angeklagten behauptete Nachtrunk nicht stattgefunden hat und es mit Blick auf den die Grenzen absoluter Fahruntauglichkeit übersteigenden Wert der Blutalkoholkonzentration in Höhe von 1,31 Promille zugrunde gelegt hat, dass der Angeklagte bereits bei der Fahrt fahruntüchtig war, lassen diese Schlussfolgerungen und Wertungen des Amtsgerichts keine Rechtsfehler erkennen und halten sich im tatgerichtlichen Beurteilungsspielraum.
b) Jedoch vermögen die Darstellungen in den Urteilsgründen den Schuldspruch wegen vorsätzlicher Begehung der Trunkenheitsfahrt nicht zu tragen. Das Amtsgericht hat eine vorsätzliche Tatbegehung angenommen und dies im Kern auf die „einschlägigen Vorstrafen“ des Angeklagten sowie darauf gestützt hat, dass ihm wegen einer Trunkenheitsfahrt am 27.11.2015 die Fahrerlaubnis entzogen und erst drei Tage vor der hier in Rede stehenden Trunkenheitsfahrt wieder erteilt worden sei. Diese Würdigung erweist sich als unzureichend.
1) Eine Bestrafung wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr setzt voraus, dass der Fahrzeugführer seine alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit kennt oder zumindest mit ihr rechnet. Die Feststellung der Fahruntüchtigkeit als innere Tatsache hat der Tatrichter auf der Grundlage des Ergebnisses der Hauptverhandlung und der Heranziehung und Würdigung aller Umstände zu treffen. Bei einem - wie hier - insoweit nicht geständigen Angeklagten müssen die für die Überzeugungsbildung des Tatgerichts verwendeten Beweisanzeichen lückenlos zusammengefügt und unter allen für ihre Beurteilung maßgebenden Gesichtspunkten gewürdigt werden. Nur so wird dem Revisionsgericht die Prüfung ermöglicht, ob der Beweis der Schuldform schlüssig erbracht ist und alle gleich naheliegenden Deutungsmöglichkeiten für und gegen den Angeklagten geprüft worden sind. Dabei kann nach wohl einhelliger obergerichtlicher Rechtsprechung, der auch der Senat folgt, auch bei deutlich die Grenze absoluter Fahruntüchtigkeit übersteigenden BAK-Werten ohne Hinzutreten weiterer Umstände nicht allein hieraus auf ein vorsätzliches Handeln geschlossen werden; einen Erfahrungssatz, dass ein Kraftfahrer ab einer bestimmten BAK seine Fahruntüchtigkeit erkennt, gibt es nicht. Bei der Beurteilung kommt es daher auf die Umstände des Einzelfalles an. Zu würdigen sind dabei insbesondere - soweit feststellbar - die Täterpersönlichkeit, der Trinkverlauf, der Zusammenhang zwischen Trinkverlauf und Fahrtantritt sowie das Verhalten des Täters vor und während der Fahrt.
Dabei kann nach obergerichtlicher Rechtsprechung, der auch der Senat folgt, zwar aus einer vorangehenden einschlägigen Bestrafung und der damit verbundenen Warnwirkung je nach den Umständen des Einzelfalles auf ein vorsätzliches Handeln des Täters bei der neuen Trunkenheitsfahrt geschlossen werden. Dies gilt jedoch nur dann, wenn der der früheren Verurteilung zugrundeliegende Sachverhalt in einem Mindestmaß mit dem aktuell zu beurteilenden vergleichbar ist. Nur in diesem Fall ist es denkbar und auch naheliegend, dass der Täter aus seiner früheren Bestrafung und dem darin liegenden Hinweis auf seine derzeitige Fahruntüchtigkeit vor der erneuten Trunkenheitsfahrt entsprechende Schlüsse gezogen hat, die den Vorwurf vorsätzlichen Handelns rechtfertigen. Es ist deshalb jedenfalls in der Regel unerlässlich, dass der einer einschlägigen Vorverurteilung zugrundeliegende Sachverhalt, aus dem auf die vorsätzliche Tatbegehung geschlossen werden soll, in den Urteilsgründen mitgeteilt wird.
2) Vorliegend hat sich das Amtsgericht bei der Darstellung der „einschlägigen Vorstrafen“ darauf beschränkt, die - ersichtlich dem Bundeszentralregisterauszug entnommenen - Daten zweier Urteile festzustellen, wonach der Angeklagte am „17.12.2005“ wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu 60,- Euro verurteilt und eine Sperre für die Fahrerlaubniserteilung bis zum 16.12.2016 verhängt wurde und am 21.08.2017 wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in Tatmehrheit mit Urkundenfälschung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 50 ,- Euro verurteilt wurde. Diese bezüglich des Urteils vom 17.12.2015 noch um Angaben des Angeklagten ergänzten Ausführungen - so gab der Angeklagte offenbar an, seine Blutalkoholkonzentration habe bei der damaligen Trunkenheitsfahrt „mehr als zwei Promille Alkohol betragen“ - genügen jedenfalls vorliegend nicht.
Ob und inwieweit die mit Urteil vom 17.12.2015 geahndete Trunkenheitsfahrt und die verfahrensgegenständliche Sache tatsächlich vergleichbar waren, lässt sich anhand der äußerst knappen und nur nach der Erinnerung des Angeklagten referierten Darstellung zur damaligen Trunkenheitsfahrt nicht erkennen. Schon mit Blick darauf, dass sich der Angeklagte an einen mutmaßlich deutlich höheren Promillewerte erinnerte, versteht es sich jedenfalls nicht von selbst, inwieweit er aus der damaligen Fahrt Rückschlüsse auf seine Fahruntüchtigkeit bei der verfahrensgegenständlichen Trunkenheitsfahrt gezogen haben muss.
Zu eingehenderer Erörterung der Schuldform bestand auch im Hinblick darauf Anlass, dass nach den Ausführungen des Amtsgerichts bei der Abnahme der Blutprobe bei den entsprechenden Tests keine besonderen Ausfallerscheinungen zu bemerken gewesen waren, sondern vielmehr der Angeklagte „nicht merkbar“ unter Alkoholeinfluss stand, was es zumindest nicht gänzlich fernliegend erscheinen lässt, dass für den Angeklagten selbst die alkoholische Beeinflussung weniger spürbar war und er sich deshalb für fahrtüchtig gehalten haben könnte.
Soweit das Amtsgericht ergänzend darauf abgehoben hat, dass der Angeklagte nach Entzug der Fahrerlaubnis in der Zwischenzeit „sogar wegen einer MPU längere Zeit abstinent“ gelebt habe, begegnet dies vorliegend ebenfalls Bedenken. Das Amtsgericht teilt nicht mit, aus welchem Grunde das wegen einer anstehenden medizinisch-psychologischen Untersuchung abstinent geführte Leben des Angeklagten Rückschlüsse auf sein subjektives Vorstellungsbild zu seiner Fahrtüchtigkeit zulassen soll. Dies versteht sich - jedenfalls ohne jegliche nähere Erörterung - auch nicht von selbst. Denn der Umstand, dass der Angeklagte in dem Wissen einer anstehenden MPU abstinent gelebt hat, lässt naheliegende Rückschlüsse zunächst nur auf seine Fähigkeit, auf Alkoholkonsum verzichten zu können, zu, nicht aber darauf, von welchen Auswirkungen des Alkoholkonsums auf seine Fahrtüchtigkeit er selbst im Einzelnen ausging.
2. Aus den dargelegten Gründen konnte die Verurteilung wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr keinen Bestand haben. Das Urteil ist daher wegen des aufgezeigten Mangels nach § 353 StPO
§ 353 Aufhebung des Urteils und der Feststellungen § 353 Aufhebung des Urteils und der Feststellungen
mit den zugrundeliegenden Feststellungen aufzuheben und die Sache nach § 354 Abs. 2 Satz 1 StPO
zu neuer Verhandlung und Entscheidung an eine andere Abteilung des Amtsgerichts Bad Säckingen zurückzuverweisen. Ausgenommen von der Aufhebung sind die Feststellungen zum objektiven Tatgeschehen, da sie von dem aufgezeigten Rechtsfehler nicht betroffen sind und daher bestehen bleiben können. Ergänzende Feststellungen, die zu den bisherigen nicht im Widerspruch stehen, bleiben insoweit möglich.
b) Der neue Tatrichter wird weiter in den Blick zu nehmen haben, dass es im Falle der Verurteilung nach § 316 StGB
in aller Regel nicht genügt, neben der Höhe der Blutalkoholkonzentration und der Schuldform lediglich anzugeben, dass der Angeklagte zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort ein Fahrzeug geführt habe. Die Schuld des Täters - ebenso die Frage der Ungeeignetheit zur Führung von Kraftfahrzeugen und die Dauer der Sperrfrist - kann in derartigen Fällen nämlich wesentlich durch die Umstände der Alkoholaufnahme und durch die Gegebenheiten der Tat selbst bestimmt sein. Wesentliche Faktoren der Tat selbst können - unter dem Gesichtspunkt des Ausmaßes der herbeigeführten Gefahr - die Dauer und die Länge der bereits zurückgelegten und der noch beabsichtigten Fahrstrecke sowie die Verkehrsbedeutung der befahrenen Straße sein. Der neue Tatrichter wird sich daher für eine sachgerechte Rechtsfolgenbestimmung darum zu bemühen haben, zu zumindest einigen nach Lage des Einzelfalls besonders relevanten Umständen entsprechende Feststellungen zu treffen.
c) Bei der Bemessung der Sperrfrist für die Wiedererteilung einer Fahrerlaubnis gemäß § 69a StGB
wird neben der Schuldform auch zu berücksichtigen sein, dass der Angeklagte trotz hoher Blutalkoholkonzentration keine Ausfallerscheinungen aufwies. Die hieraus ersichtliche Trinkgewöhnung lässt möglicherweise auf das Vorliegen einer Alkoholproblematik schließen.
§ 316 Trunkenheit im Verkehr§ 316 Trunkenheit im Verkehr, Abs. 1
§ 353 Aufhebung des Urteils und der Feststellungen§ 353 Aufhebung des Urteils und der Feststellungen