Source: https://open-access.net/CH-DE/informationen-zu-open-access/rechtsfragen/rechtsgrundlagen-von-open-access/
Timestamp: 2019-01-23 14:56:06
Document Index: 42565312

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 9', 'Art. 10', 'Art. 9', 'Art. 11', 'Art. 13']

Schutzobjekt des schweizerischen Urheberrechts sind Werke als „geistige Schöpfungen“ (Art. 2 Abs. 1 URG), und zwar grundsätzlich unabhängig von ihrer Verkörperung in einem Werkexemplar. So ist z.B. nicht ein Aufsatz in einer bestimmten grafischen Gestaltung geschützt, sondern nur der Aufsatz „an sich“.
Geistige Schöpfungen geniessen nur soweit den Schutz des Urheberechts, als sie „individuellen Charakter“ haben (Art. 2 Abs. 1 URG). Bei den wissenschaftlichen Werken, die im Gesetz eigens erwähnt werden (Art. 2 Abs. 2 lit. a und d URG), ist der individuelle Charakter weniger im Inhalt des Werks zu suchen – denn der Inhalt wird stark durch die Sachlogik bestimmt –, sondern mehr in der konkreten sprachlichen bzw. stilistischen Gestaltung, in der Formulierung und Gliederung des Stoffes. Wissenschaftliche Publikationen geniessen in der Regel Urheberrechtsschutz, solange es sich nicht um die blosse Zusammenstellung von Daten handelt.
Das Urheberrecht der Schweiz besteht aus einer Reihe von Teilbefugnissen (Art. 9–15 URG). Dazu zählen zunächst die Verwendungsrechte wie z.B. die Rechte auf Vervielfältigung, Verbreitung und Zugänglichmachung des urheberrechtlichen Werks (Art. 10 URG). Im Weiteren hat der Urheber das Recht auf Anerkennung der Urheberschaft und das Recht, über die Erstveröffentlichung des Werks zu entscheiden (Art. 9 URG) sowie das Recht auf Integrität seines Werks (Art. 11 URG). Daneben bestehen Rechte, die sich auf einzelne Werkexemplare beziehen (Art. 13–15 URG) wie z.B. das Recht auf Zutritt zum Originalexemplar. Die einzelnen Befugnisse können wiederum weiter unterteilt werden. Bei Open-Access-Nutzungen und den in diesem Zusammenhang abgeschlossenen Verträgen ist jeweils genau zu prüfen, welche Teilbefugnisse des Urheberrechts betroffen sind.
Fragen und Antworten zu Open Access, basierend auf dem Rechtsgutachten von Reto M. Hilty und Matthias Seemann