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Timestamp: 2020-05-28 18:23:58
Document Index: 1376206

Matched Legal Cases: ['§ 103', '§ 104', '§ 104', '§ 104', '§ 104', '§ 104', '§ 104', '§ 104', '§ 104', '§ 62', '§ 19', '§ 28', '§ 2', '§ 11', '§ 76', '§ 19', '§ 28', '§ 11', '§ 19', '§ 11', '§ 28', '§ 19', '§ 11', '§ 104', '§ 74', '§ 104']

Erstattungsanspruch bei nachträglicher Kindergeldfestsetzung | HartzBote
Erstattungsanspruch bei nachträglicher Kindergeldfestsetzung
12. Oktober 2012 VerbraucherBote Aktuelles
Hat ein Sozi­al­leis­tungs­trä­ger bedarfs­ab­hän­gi­ge Sozi­al­leis­tun­gen für Eltern und min­der­jäh­ri­ge Kin­der erbracht, die in einem Haus­halt zusam­men­le­ben und eine Bedarfs­ge­mein­schaft bil­den, so steht ihm ein Anspruch auf Erstat­tung des nach­träg­lich fest­ge­setz­ten Kin­der­geldes zu. In die­sem Fal­le ist uner­heb­lich, dass es sich bei dem Kin­der­geld aus sozi­al­recht­li­cher Sicht um Ein­kom­men des Kin­der­geldberech­tig­ten Eltern­teils han­delt.
Hat ein nach­ran­gig ver­pflich­te­ter Leis­tungs­trä­ger Sozi­al­leis­tun­gen erbracht, ohne dass die –hier nicht ein­schlä­gi­gen– Vor­aus­set­zun­gen des § 103 Abs. 1 SGB X vor­lie­gen, ist nach § 104 Abs. 1 SGB X der Leis­tungs­trä­ger erstat­tungs­pflich­tig, gegen den der Berech­tig­te vor­ran­gig einen Anspruch hat. Nach­ran­gig ver­pflich­tet ist ein Leis­tungs­trä­ger, soweit er bei recht­zei­ti­ger Erfül­lung der Leis­tung durch einen ande­ren Leis­tungs­trä­ger selbst nicht zur Leis­tung ver­pflich­tet gewe­sen wäre. Nach § 104 Abs. 2 SGB X gilt § 104 Abs. 1 SGB X auch dann, wenn ein nach­ran­gig ver­pflich­te­ter Leis­tungs­trä­ger für den Ange­hö­ri­gen eines Berech­tig­ten Sozi­al­leis­tun­gen erbracht hat und der Berech­tig­te mit Rück­sicht auf die­sen Ange­hö­ri­gen einen Anspruch auf Sozi­al­leis­tun­gen gegen einen vor­ran­gig ver­pflich­te­ten Leis­tungs­trä­ger hat.
Der Erstat­tungs­an­spruch nach § 104 Abs. 2 SGB X ist kein von den Vor­aus­set­zun­gen des § 104 Abs. 1 SGB X unab­hän­gi­ger Erstat­tungs­an­spruch eige­ner Art, son­dern erwei­tert die­sen nur 1; nach ande­rer Auf­fas­sung wur­de § 104 Abs. 2 SGB X ledig­lich zur Klar­stel­lung der auch vor­her schon bestehen­den Rechts­la­ge ein­ge­fügt, nach der der Erstat­tungs­an­spruch kei­ne Per­so­nen­iden­ti­tät ver­lang­te 2. Ein Erstat­tungs­an­spruch nach § 104 Abs. 2 SGB X ist jeden­falls nur dann gege­ben, wenn auch die Vor­aus­set­zun­gen des § 104 Abs. 1 SGB X vor­lie­gen 3. Die Leis­tun­gen der unter­schied­li­chen Leis­tungs­trä­ger müs­sen des­halb gleich­ar­tig sein. Dies setzt vor­aus, dass sie für die­sel­ben Zeit­räu­me bestimmt sind und sich in der Leis­tungs­art und der Zweck­be­stim­mung ent­spre­chen. Außer­dem muss zwi­schen ihnen ein Ver­hält­nis von vor­ran­gi­ger und nach­ran­gi­ger Ver­pflich­tung zur Leis­tung bestehen 4.
Das Kin­der­geld nach §§ 62 ff. EStG ist, soweit es –wie im Streit­fall– der Fami­li­en­för­de­rung dient, eben­so wie –bis 2004– die HLU und –seit 2005– die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nach dem SGB – II dazu bestimmt, die all­ge­mei­nen Lebens­hal­tungs­kos­ten zu min­dern 5. Wenn das Kin­der­geld dem Ein­kom­men des Hil­fe­emp­fän­gers zuzu­ord­nen ist, han­delt es sich daher für den jewei­li­gen Zeit­raum um eine mit der HLU sowie dem Arbeits­lo­sen­geld – II (§ 19 SGB II) und dem Sozi­al­geld (§ 28 SGB II) gleich­ar­ti­ge Leis­tung 6.
HLU und Grund­si­che­rung sind dem Kin­der­geld gegen­über auch nach­ran­gig, da sie bedarfs­ori­en­tiert gewährt wer­den 7 und der Sozi­al­leis­tungs­trä­ger bei recht­zei­ti­ger Zah­lung des Kin­der­geldes inso­weit nicht selbst zur Leis­tung ver­pflich­tet wäre (§ 2 BSHG, § 11 Abs. 1 SGB II), da das Kin­der­geld bei der Ermitt­lung der HLU nach § 76 BSHG und bei der Grund­si­che­rung nach § 19 Satz 2 und § 28 Abs. 2 SGB – II als Ein­kom­men anzu­rech­nen ist 8. Die dafür erfor­der­li­che Zeit­kon­gru­enz der Leis­tun­gen ist nach der vom Finanz­ge­richt vor­ge­nom­me­nen Her­ab­set­zung des Erstat­tungs­an­spruchs im Streit­fall gege­ben.
Für den Erstat­tungs­an­spruch ist uner­heb­lich, dass die Sozi­al­leis­tun­gen für die Kin­der erbracht wur­den, aber das Kin­der­geld aus sozi­al­recht­li­cher Sicht Ein­kom­men der Klä­ge­rin dar­stellt 9, weil es weder den Kin­dern direkt zuge­flos­sen ist noch an die­se abge­zweigt wur­de 10.
Der Bun­des­fi­nanz­hof hat zwar mehr­fach ent­schie­den, dass dem Sozi­al­hil­fe­trä­ger in der Regel kein Anspruch auf Erstat­tung von nach­träg­lich fest­ge­setz­tem Kin­der­geld zusteht, wenn er einem im eige­nen Haus­halt leben­den Kind HLU geleis­tet hat, weil das Kin­der­geld zum Ein­kom­men des anspruchs­be­rech­tig­ten Eltern­teils gehört 11. Dar­aus lässt sich aber nicht fol­gern, dass ein Erstat­tungs­an­spruch auch dann aus­ge­schlos­sen ist, wenn der Kin­der­geldberech­tig­te mit sei­nem Ehe­gat­ten und sei­nen min­der­jäh­ri­gen Kin­dern in einem Haus­halt lebt, alle Per­so­nen bedarfs­ori­en­tier­te Sozi­al­leis­tun­gen erhal­ten und daher eine sozi­al­hil­fe­recht­li­che Bedarfs­ge­mein­schaft bil­den. Denn für den Anspruch auf Sozi­al­hil­fe ist dann allein ent­schei­dend, wel­chen Bedarf die der Bedarfs­ge­mein­schaft ange­hö­ren­den Per­so­nen haben und wel­ches Ein­kom­men ihnen anre­chen­bar zur Bedarfs­de­ckung zur Ver­fü­gung steht. Kin­der­geld ist in die­sem Fal­le sozi­al­hil­fe­recht­lich vor­ran­gig zur Bedarfs­de­ckung ein­zu­set­zen, sei es nach § 11 Abs. 1 Satz 1 BSHG bzw. § 19 Satz 2 SGB – II bei dem das Kin­der­geld bezie­hen­den Eltern­teil –hier der Klä­ge­rin– selbst, oder nach § 11 Abs. 1 Satz 2 BSHG bzw. § 28 Abs. 2 i.V.m. § 19 Satz 2 SGB – II bei den zum Haus­halt gehö­ren­den min­der­jäh­ri­gen Kin­dern 12. Die­se leis­tungs­min­dern­de Anrech­nung von Kin­der­geld auf das Sozi­al­geld nach § 11 Abs. 1 SGB – II ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den 13.
Das sozi­al­recht­lich als Ein­kom­men der Klä­ge­rin anzu­se­hen­de Kin­der­geld hät­te daher in dem vom Finanz­ge­richt fest­ge­stell­ten Umfang die vom Bei­gela­de­nen für die Kin­der erbrach­ten Sozi­al­leis­tun­gen gemin­dert. Ob der Bei­gela­de­nen ein dar­über hin­aus­ge­hen­der Erstat­tungs­an­spruch auch wegen der für die Klä­ge­rin und ihren Ehe­mann erbrach­ten Sozi­al­leis­tun­gen zustand, hat der Bun­des­fi­nanz­hof nicht zu ent­schei­den.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Juli 2012 – III R 28/​10
BFH, Urteil vom 07.04.2011 – III R 88/​09, BFH/​NV 2011, 1326[↩]
BSG, Urteil vom 22.09.1988 – 2 RU 9/​88, BSGE 64, 96; Roos, in von Wulffen, SGB X, § 104, Rz 13; BTDrucks 10/​691, S. 26[↩]
BSG, Urteil in BSGE 64, 96; BFH, Urteil vom 17.07.2008 – III R 87/​06, BFH/​NV 2008, 1833[↩]
BFH, Urteil vom 19.04.2012 – III R 85/​09, BFH/​NV 2012, 1369[↩]
BFH, Urteil in BFH/​NV 2008, 1833, m.w.N.[↩]
Wendl in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 74 EStG Rz 16[↩]
Stör­mann, in Jahn, SGB X, § 104 Rz 23[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2008, 1833[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 17.12.2003 – 5 C 25/​02, BFH/​NV 2005, Bei­la­ge 1, 68[↩]
BFH, Urtei­le in BFH/​NV 2008, 1833; und in BFH/​NV 2011, 1326[↩]
BFH, Urtei­le vom 17.04.2008 – III R 33/​05, BFHE 221, 47, BSt­Bl II 2009, 919; in BFH/​NV 2008, 1833; in BFH/​NV 2011, 1326[↩]
BVerwG, Urteil vom 21.06.2001 – 5 C 7/​00, BVerw­GE 114, 339[↩]
BVerfG, Beschluss vom 11.03.2010 – 1 BvR 3163/​09, Fam­RZ 2010, 800[↩]
Vor­aus­set­zun­gen einer Ver­ant­wor­tungs- und Ein­ste­hens­ge­mein­schaft Anspruch auf Leis­tun­gen nach dem SGB II kön­nen ganz oder teil­wei­se weg­fal­len, wenn es an der Hil­fe­be­dürf­tig­keit durch die…
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