Source: https://www.unfallversicherungblog.de/unfallversicherung-rotatorenmanschettenruptur-unfallbedingte-invaliditaet-bei-vorerkrankungen/
Timestamp: 2019-11-21 13:49:50
Document Index: 231784607

Matched Legal Cases: ['§ 276', 'BGH', '§ 286', '§ 288', '§ 280', '§ 250']

Landgericht Dortmund, Az.: 2 O 209/14, Urteil vom 14.01.2016
Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 11.882,50 € (in Worten: elftausendachthundertzweiundachtzig 50/100 Euro) nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz ab 23.04.2014 und weitere 958,19 € außergerichtliche Rechtsanwaltskosten zu zahlen.
Der am ##.##.1940 geborene Kläger unterhielt bei der Beklagten seit 06.07.2007 eine Unfallversicherung. Vereinbart wurde u. a. seit 01.07.2011 eine Invaliditätsleistung von 339.500,00 € mit 350 % Progression. Grundlage waren die Versicherungsscheine vom 18.07.2007 (Anlage K 1) und 21.04.2011 (Anlage K 2) sowie die C AUB 99.
Am 27.02.2012 stürzte der Kläger beim Skifahren auf die linke Schulter. Mit Schreiben vom 29.05.2013 (Anlage K 6) meldete der Kläger Invaliditätsansprüche an. Nach Einholung eines Gutachtens des Facharztes für Orthopädie H vom 15.08.2013 (Anlage K 7) erkannte die Beklagte mit Schreiben vom 22.08.2013 (Anlage K 8) eine unfallbedingte Funktionsbeeinträchtigung des linken Armes von 1:20 an und zahlte 11.882,50 € an den Kläger. Weitere Leistungen lehnte sie mit Schreiben vom 21.02.2014 (Anlage K 11) ab.
Der Kläger beantragt, die Beklagte zu verurteilen, an ihn 23.765,00 € nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz der EZB seit dem 23.04.2014 und 1.242,84 € außergerichtliche Rechtsanwaltsgebühren zu zahlen.
Symbolfoto: leaf/bigstock
Die zulässige Klage ist in dem aus dem Tenor ersichtlichen Umfang begründet. Der Kläger hat gegen die Beklagte einen versicherungsvertraglichen Anspruch auf Zahlung einer Invaliditätsleistung in Höhe von 11.882,50 €.
Die nach § 276 ZPO erforderliche Überzeugung (dazu BGH IV ZR 36/10, Beschluss vom 13.04.2011 = VersR 2011, 1177) des Gerichts erfordert keine absolute unumstößliche Gewissheit und auch keine „an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit“, sondern nur einen für das praktische Leben brauchbaren Grad von Gewissheit, der Zweifeln schweigen gebietet, ohne sie völlig auszuschließen (Zöller § 286 ZPO, Rdn. 19).
Das Vorerkrankungsverzeichnis des Klägers ist leer. Nach dem Unfall wurde zwar eine AC-Arthrose diagnostiziert, die vor dem Unfall vorhanden gewesen sein muss. Daraus allein ergibt sich aber keine Krankheit, weil die AC-Arthrose gering ausgeprägt war und vor dem Unfall bei dem Kläger keinerlei Auswirkungen und Symptome gezeigt hat. Aus medizinischer Sicht muss zwischen Diagnose und Krankheit unterschieden werden. Die Krankheit ist die Auswirkung bzw. das Symptom einer Diagnose. Die Diagnose bedeutet nicht zwangsläufig, dass das auch Auswirkungen auf das Befinden des Betroffenen hat.
Der Kläger war Rechtshänder und am rechten Schultergelenk zeigen sich keine Krankheitsanzeichen, was dafür spricht, dass auch am weniger belasteten Arm keine Krankheitszeichen/Symptome vorhanden waren.
Der unstreitige Unfallhergang nämlich der Anstoß auf einer glatten Skipiste und der Sturz nach hinten ist geeignet, eine Ruptur der Supraspinatussehne herbeizuführen.
Nach dem Unfall bildeten sich am linken Arm mehrere Blutergüsse und der Kläger konnte den linken Arm nach dem Unfall nicht anheben (Drop-Arm-Syndrom). Daraus folgt, dass der Kläger durch den Unfall eine Verletzung erlitten haben muss.
Die Untersuchungen nach dem Unfall zeigten keine knöchernen Verletzungen und keine wesentlichen Sekundärveränderung am Humeruskopfes sowie AC-Gelenk, aber einen Riss mithin eine Ruptur der Supraspinatussehne.
Es gibt keinerlei signifikante Indizien, die gegen die Annahme sprechen, dass der Riss der Supraspinatussehne durch den unstreitigen Unfall vom 27.02.2012 eingetreten ist.
339.500,00 € x 7 % = 23.765,00 € abzüglich unstreitig gezahlter 11.882,50 € = 11.882,50 €
Der Zinsanspruch des Klägers folgt aus § 288 BGB und der Anspruch auf Ersatz der vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten nach einem Gegenstandwert von 11.882,50 € aus §§ 280, 286 BGB. Der Kläger kann nach § 250 BGB Zahlung statt Freistellung verlangen, weil die Beklagte die Leistung verweigert hat.