Source: https://openjur.de/u/644946.html
Timestamp: 2020-01-22 06:51:44
Document Index: 377167769

Matched Legal Cases: ['§ 249', '§ 8', '§ 123', '§ 134', '§ 138', '§ 280', '§ 123', '§ 8', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 31', '§ 31', 'BGH', 'BGH', '§ 280', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 43', '§ 37', '§ 2', '§ 2', 'BGH', 'BGH', '§ 37', '§ 280', '§ 37', '§ 37', '§ 37', 'BGH', '§ 37', 'BGH', '§ 199', '§ 195', 'BGH', 'BGH', '§ 280', 'BGH', 'BGH', '§ 280', '§ 37', '§ 31', 'BGH', 'BGH', '§ 254', '§ 254', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 280', 'BGH', '§ 249', '§ 133', 'BGH', '§ 812', '§ 75', '§ 86', '§ 89', '§ 90', '§ 138', '§ 133', '§ 264', 'BGH', '§ 256', 'BGH', '§ 676', '§ 280', '§ 288', '§ 92', '§ 709', '§ 45', '§ 45']

LG Düsseldorf, Urteil vom 06.09.2013 - 8 O 442/11 - openJur
Urteil vom 06.09.2013 - 8 O 442/11
LG Düsseldorf, Urteil vom 06.09.2013 - 8 O 442/11
openJur 2013, 35492
§§ 249 Abs. 1, 280 Abs. 1 BGB; § 8a Abs. 8 FMStFG; §§ 123 Abs. 2 Nr. 1, 131 Abs. 1 Nr. 1 UmwG
Unter Abweisung der weitergehenden Klage wird festgestellt, dass die Beklagte verpflichtet ist, den Kläger von der Verpflichtung zu weiteren Zahlungen auf folgende Geschäfte freizustellen, soweit nicht diesen Zahlungen anzurechnende W gegenüberstehen:
- CHF-Zins- und Währungsswap vom 19. Oktober 2004, Ref.-Nr. 383824D;
- Flexi-Swap vom 3. März 2006, Ref.-Nr.870068D;
- Receiver-Swaption vom 3. März 2006, Ref.-Nr. 869795D und
- CHF-Plus-Swap vom 10. April 2008, Ref.-Nr. 2177217D.
Unter Abweisung der weitergehenden Widerklage wird der Kläger verurteilt, an die Beklagte € 1.035.525,19 zu zahlen nebst Zinsen in Höhe von acht Prozentpunkten über dem Basiszinssatz aus
- € 126.003,23 seit dem 17. April 2011,
- € 32.323,41 seit dem 24. April 2011,
- € 61.006,29 seit dem 30. Mai 2011,
- € 203.958,34 seit dem 16. Januar 2012,
- € 32.983,43 seit dem 24. Februar 2012,
- € 63.384,88 seit dem 30. März 2012,
- € 206.250 seit dem 16. April 2012,
- € 38.119,82 seit dem 24. Mai 2012,
- € 65.245,79 seit dem 2. Juli 2012 und
- € 206.250 seit dem 16. August 2012.
Der Kläger ist ein Kreis in Nordrhein-Westfalen mit etwa 340.000 Einwohnern und einem jährlichen Haushalt von etwa € 420.000.000. Die Beklagte ist infolge einer am 17. September 2012 in das Handelsregister eingetragenen Abspaltung bestimmter Geschäftsbereiche S der Portigon AG, die vor dem 1. Juli 2012 als „WestLB AG“ firmierte (fortan nur: Beklagte). Sämtliche Rechtsbeziehungen, die Gegenstand dieses Rechtsstreites sind, werden von der Abspaltung umfasst. Vor diesem Hintergrund ist die Beklagte anstelle der zunächst verklagten Portigon AG in den Rechtsstreit eingetreten.
Im August 2000 übersandte die Beklagte dem Kläger einen von ihr am 24. August 2000 unterzeichneten „Rahmenvertrag für G“ (Anlage K15), den der Kläger am 31. Oktober 2001 gegenzeichnete. In dem Vertrag heißt es:
1. Zweck und Gegenstand des Vertrages
(1) Rückständige Beträge und sonstige Leistungen und der zu leistende Schadensersatz werden von der ersatzberechtigten Partei zu einer einheitlichen Ausgleichsforderung in Euro zusammengefasst [...] >>
Dem Abschluss des Rahmenvertrages vorangegangen waren Gespräche über die von der Beklagten unter der Bezeichnung „Aktives Schuldenmanagement“ Kommunen angebotenen Dienstleistungen, wozu der Einsatz von Swapgeschäften zählte. Auf der Grundlage des Rahmenvertrages schlossen die Parteien in der Folgezeit mehrere Swapgeschäfte ab, wegen deren Einzelheiten auf die von der Beklagten als Anlage B21 zu den Akten gereichte Übersicht Bezug genommen wird. Unter anderem schlossen die Parteien folgende vier Swapgeschäfte, die – anders als die übrigen zwischen den Parteien geschlossenen Swapverträge – noch nicht beendet sind:
- am 19. Oktober 2004 einen CHF-Zins- und Währungsswap (Ref.-Nr. 383824D);
- am 3. März 2006 einen Flexi-Swap (Ref.-Nr.870068D), sowie
- eine Receiver-Swaption (Ref.-Nr. 869795D) und
- am 10. April 2008 einen CHF-Plus-Swap (Ref.-Nr. 2177217D), der später mehrfach umstrukturiert wurde.
Mit E-Mail vom 17. Dezember 2011 erklärte der Kläger, die Rechtmäßigkeit der mit der Beklagten geschlossenen Swapgeschäfte prüfen zu lassen und künftig keine Zahlungen mehr auf die laufenden Verträge zu leisten.
Der Kläger macht geltend, er habe nach seinen – im Laufe des Rechtsstreits korrigierten – Berechnungen per Saldo einen Verlust von € 345.196,33 aus den soeben genannten vier Swapgeschäften erlitten. Er hält die von ihm mit der Beklagten abgeschlossenen Swapgeschäfte für hochspekulative Geschäfte, die wegen Verstoßes gegen das kommunalrechtliche Spekulationsverbot gemäß § 134 BGB und wegen Sittenwidrigkeit gemäß § 138 BGB nichtig seien. Außerdem folge die Nichtigkeit aus einem Handeln außerhalb des kommunalen Wirkungskreises („ultra-vires-Lehre“). Weiter meint er, die Beklagte habe ihre Pflicht zur ordnungsgemäßen Beratung bereits deshalb verletzt, weil diese sie nicht in der gebotenen Weise über den anfänglichen negativen Marktwert der Swapgeschäfte unterrichtet habe, und dies sogar vorsätzlich. Außerdem habe die Beklagte nicht über Vorhandensein und Ergebnisse der finanzwissenschaftlichen Bewertungsmodelle aufgeklärt, derer sie sich bedient habe, und statt dessen suggeriert, eine Entscheidung über den Abschluss der Geschäfte könne auf Grundlage seiner subjektiven Meinung über die künftige Zins- und Wechselkursentwicklung getroffen werden. Ferner habe die Beklagte nicht darauf hingewiesen, dass es insbesondere im Rahmen der zahlreichen Umstrukturierungen an der Grundgeschäftsbezogenheit der Swapgeschäfte zu Darlehensverträgen gefehlt habe. Die Risiken habe die Beklagte ferner verharmlost, indem sie stets dargelegt habe, der Risikoeintritt könne durch Prolongationen und Umstrukturierungen unproblematisch verhindert werden. Ohnehin hätte sie ihm den Abschluss der Geschäfte nicht empfehlen dürfen, weil die angebotenen Swapverträge insbesondere aufgrund der kommunalrechtlichen Besonderheiten und wegen ihres spekulativen Charakters für ihn ungeeignete Finanzinstrumente gewesen seien. Er behauptet, die Geschäfte bei zutreffender Aufklärung nicht abgeschlossen zu haben.
Nach Korrektur der Berechnung des ihm entstandenen Schadens, den er ursprünglich auf € 554.404,67 beziffert hatte, hat der Kläger seinen Anfangs auf diesen Betrag lautenden Zahlungsantrag teilweise zurückgenommen. Ursprünglich hatte der Kläger außerdem begehrt, die Beklagte zu Auskunftserteilung über geflossene Zahlungen auf das Swapgeschäft mit der Ref.-Nr. 2177217D zu sechs verschiedenen Stichtagen zu verurteilen, und hilfsweise einen ihm zustehenden weiteren Schadensersatzanspruch geltend gemacht, den er auf € 305.000 geschätzt hat. Nachdem die Beklagte in ihrer Klageerwiderung mitgeteilt hat, dass der Kläger auf das Swapgeschäft zu den im Auskunftsantrag genannten Daten keine Zahlungen geleistet hatte, hat der Kläger den Auskunfts- und den Hilfsantrag für erledigt erklärt.
1. die Beklagte zu verurteilen, an ihn € 345.196,33 nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit (23. Januar 2012) zu zahlen;
2. festzustellen, dass er nicht verpflichtet ist, weitere Zahlungen an die Beklagte auf den CHF-Währungsswap vom 21. Oktober 2004 über € 9.697.084,48 mit der Ref.-Nr. 383824D zu erbringen;
3. festzustellen, dass er nicht verpflichtet ist, weitere Zahlungen an die Beklagte auf den CHF-Plus-Swap vom 15. April 2009 über € 5.000.000 mit der Ref.-Nr. 2177217D zu erbringen;
4. festzustellen, dass er nicht verpflichtet ist, weitere Zahlungen an die Beklagte auf den Flexi-Swap vom 24. Mai 2007 über € 3.443.413,58 mit der Ref.-Nr.870068D zu erbringen;
5. festzustellen, dass er nicht verpflichtet ist, weitere Zahlungen an die Beklagte auf den Receiver-Swaption Abschluss vom 3. März 2006, Anfangsdatum 24. Mai 2015 über € 4.744.864 mit der Ref.-Nr. 869795D zu erbringen.
Die Beklagte schließt sich der teilweisen Erledigungserklärung nicht an und beantragt,
Sie wendet Verjährung ein und meint, keine Beratungspflichten verletzt zu haben. Zu einer Aufklärung über den anfänglichen negativen Marktwert der Geschäfte sei sie nicht verpflichtet gewesen. Abgesehen davon sei dem Kläger dieser zumindest aus ihren Erläuterungen zur einstrukturierten Marge und den unmittelbar getätigten Gegengeschäften bewusst gewesen. Sie behauptet, eine etwaige Pflichtverletzung sei für die Entscheidung des Klägers zum Abschluss der Swapgeschäfte nicht kausal geworden. Sie habe gegen etwa doch bestehende weitergehende Aufklärungspflichten jedenfalls nicht vorsätzlich verstoßen. Für den Fall des Bestehens eines Anspruchs des Klägers verweist sie auf von diesem mit weiteren mit ihr geschlossenen Swapgeschäften erzielte Gewinne, die ihrer Ansicht nach auf erlittene Verluste anzurechnen seien, und die sie mit € 920.147,68 beziffert. Neben den aus nicht streitgegenständlichen Swapgeschäften erhaltenen Zahlungen müsse sich der Kläger erzielte Zinsersparnisse anrechnen lassen, die sich nach ihren Berechnungen bis zum 24. August 2012 auf € 313.109,12 belaufen und sich bis zum Ablauf des Swaps am 24. Mai 2016 € 482.109,02 erhöhen. Wegen der Zusammensetzung dieser Beträge wird auf die Ausführungen auf S. 162 ff. der Klageerwiderung (GA 255 ff.) sowie S. 2 f. des Schriftsatzes vom 15. Januar 2013 (GA 453 f.) Bezug genommen.
Im Wege der Widerklage macht die Beklagte die zwischen dem 15. Oktober 2011 und dem 20. Juli 2012 aus dem CHF-Plus-Swap, dem Flexi-Swap und dem CHF-Zins- und Währungsswap fällig gewordenen Zahlungen des Klägers geltend, die sich auf € 1.120.355,30 belaufen. Insoweit beantragt die Beklagte,
den Kläger zu verurteilen, an sie € 1.120.355,30 nebst Zinsen in Höhe von acht Prozentpunkten über dem Basiszinssatz aus
- € 210.833,34 seit dem 17. April 2011,
- € 206.250 seit dem 16. August 2012
Die mit den Anträgen zu 1 bis zu 5 verfolgten Ansprüche des Klägers sind in dem sich aus dem Tenor ergebenden Umfang aus §§ 280 Abs. 1, 249 Abs. 1 BGB in Verbindung mit §§ 123 Abs. 2 Nr. 1, 131 Abs. 1 Nr. 1 UmwG und § 8a Abs. 8 Finanzmarktstabilisierungsfondsgesetz (FMStFG) gerechtfertigt.
B) Zwischen den Parteien bestanden Schuldverhältnisse in Form von Beratungsverträgen.
Ein solcher Vertrag kommt regelmäßig stillschweigend zustande, wenn – gleichgültig auf wessen Initiative – im Zusammenhang mit Bankgeschäften oder Finanzdienstleistungen tatsächlich eine Beratung stattfindet (vgl. etwa BGH, Urteil vom 13. Januar 2004 – XI ZR 355/02 [unter II B 2 B]; Urteil vom 21. März 2006 – XI ZR 63/05 [unter II 1]).
Diese Voraussetzungen sind, wovon die Parteien übereinstimmend ausgehen, hinsichtlich der zwischen den Parteien im Vorfeld sowohl des Abschlusses des Rahmenvertrages wie auch der verschiedenen Einzelabschlüsse über Swapgeschäfte geführten Gespräche erfüllt. Dies gilt unabhängig davon, ob auf der Grundlage der Beratung von den Parteien (wirksame) Verträge geschlossen wurden, so dass es auf die von dem Kläger verneinte Wirksamkeit der Swapgeschäfte in diesem Zusammenhang nicht ankommt.
b) Aus diesen Beratungsverträgen war die Beklagte als beratende Bank zur kunden- und objektgerechten Beratung des Klägers verpflichtet (vgl. BGH, Urteil vom 6. Juli 1993 – XI ZR 12/93, BGHZ 123, 126 [unter II 2 B aa] – „Bond-Urteil“; Urteil vom 22. März 2011 – XI ZR 33/10 [unter II 2 b] – „Swap-Urteil; ille Q GmbH ./. Deutsche Bank“). Inhalt und konkrete Ausgestaltung der einer beratenden Bank obliegenden Pflichten hängen von den Umständen des Einzelfalles ab. Maßgeblich sind vor allem die Person des Kunden – insbesondere sein, auch durch seine Vorerfahrung bestimmter, Wissensstand, seine Risikobereitschaft und seine Zielvorstellungen – und die Eigenschaften und Risiken des Finanzproduktes, die für die Entscheidung des Kunden wesentliche Bedeutung haben oder haben können. Hierzu zählen sowohl allgemeine Risiken wie die Konjunkturlage und die Entwicklung des Kapitalmarktes als auch die speziellen Risiken, die sich aus den individuellen Gegebenheiten des Produktes ergeben (vgl. BGH, Urteil vom 6. Juli 1993 – XI ZR 12/93, BGHZ 123, 126 [unter II 2 B aa und bb]; Urteil vom 22. März 2011 – XI ZR 33/10 [unter II 2 b, unter II 2 c aa und bb sowie unter II 2 d aa]; Urteile vom 27. September 2011 – XI ZR 178/10 und XI ZR 182/10 [jeweils unter B II 2 B]). Während die Aufklärung des Kunden über die relevanten Umstände richtig, vollständig und verständlich zu sein hat, muss die von der beratenden Bank außerdem geschuldete Bewertung und Empfehlung eines Finanzproduktes unter Berücksichtigung der genannten Gegebenheiten ex ante betrachtet lediglich vertretbar sein; das Risiko, dass sich eine aufgrund kunden- und objektgerechter Beratung getroffene Entscheidung im Nachhinein als falsch erweist, trägt der Kunde (vgl. BGH, Urteil vom 21. März 2006 – XI ZR 63/05 [unter II 2 B]; Urteil vom 22. März 2011 – XI ZR 33/10 [unter II 2 b]).
Außerdem hat nach einem Beratungsvertrag die Bank mögliche Interessenkollisionen, die das Beratungsziel einer alleine am Kundeninteresse auszurichtenden Empfehlung der Bank in Frage stellen und die Kundeninteressen gefährden könnten, zu vermeiden bzw. offen zu legen (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2011 – XI ZR 33/10 [unter II 2 d bb (1)]). Ist ein Interessenkonflikt hingegen offenkundig – wie beispielsweise die von einem Anbieter wirtschaftlicher Leistungen am Markt typischerweise verfolgte generelle Gewinnerzielungsabsicht –, muss darauf nicht gesondert hingewiesen werden, sofern nicht besondere Umstände hinzutreten (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2011, B.B.O. [unter II 2 d bb (2) (d)] und Urteil vom 26. Juni 2012 – XI ZR 316/11 [unter II 2 b aa (1) und unter III 2]). Solche besonderen Umstände liegen etwa vor, wenn der Anleger über den Interessenkonflikt der Bank bewusst getäuscht wird, indem sie als Empfänger offen ausgewiesener Provisionen ungenannt bleibt (vgl. BGH, Urteil vom 26. Juni 2012 – XI ZR 316/11 [unter III 2]) oder die Risikostruktur eines Produktes von der Bank bewusst zu Lasten des Kunden gestaltet wurde, um das von dem Kunden auf Empfehlung der Bank übernommene Gegenrisiko anschließend weitergeben und einen Gewinn erzielen zu können, mit dem der Kunde gewöhnlich nicht rechnen muss (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2011 – XI ZR 33/10 [unter II 2 d bb (2) (b) und (d)]; Urteil vom 26. Juni 2012, B.B.O.).
c) Die Beklagte hat ihre danach bestehende Beratungspflicht dadurch verletzt, dass sie den Kläger nicht darüber aufgeklärt hat, dass sämtliche von ihr empfohlenen Swaps zum Abschlusszeitpunkt einen negativen Marktwert aufwiesen.
aa) Wie soeben ausgeführt muss eine beratende Bank mögliche Interessenkollisionen, die das Beratungsziel einer alleine am Kundeninteresse auszurichtenden Empfehlung in Frage stellen und die Kundeninteressen gefährden könnten, vermeiden bzw. offenlegen. Vor diesem Hintergrund hat eine Bank bei dem Vertrieb von Swaps über einen in ein solches Produkt bewusst strukturierten negativen Anfangswert (auch Marktwert) aufzuklären (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2011 – XI ZR 33/10 [unter II 2 d bb (2) (B) und (b)]). Bei Swapgeschäften erhält, anders als dies bei gängigen Austauschverträgen wie Kauf oder Darlehen der Fall ist, nicht jeder Vertragspartner unabhängig von seiner eigenen Leistung einen eigenständigen Wert aus der Leistung des anderen, so dass nicht beide von dem Geschäft profitieren (vgl. Roberts, BKR 2012, 377 [378]); vielmehr ist der Gewinn der einen Seite spiegelbildlich der Verlust der anderen Seite (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2011 – XI ZR 33/10 [unter II 2 d bb (2) (B)]). Mit Vorbereitung und Abschluss eines solchen Geschäftes begibt sich die Bank in einen schwerwiegenden Interessenkonflikt, da sie einerseits Berater des Kunden und andererseits dessen von seinem Verlust profitierender Gegner ist (vgl. BGH, B.B.O.).
Dieser Interessenkonflikt wird nicht dadurch gelöst, dass die Bank ihre Rolle als Geschäftsgegner ihres Kunden nicht über die vereinbarte Laufzeit beibehält, sondern ihre Risiken und Chancen aus dem Geschäft durch „Hedge-Geschäfte“ an andere Marktteilnehmer weitergibt, sie also – wie die Beklagte es formuliert – nur die Funktion eines Intermediärs einnimmt, der am Markt verfügbare Konditionen sondiert, strukturiert und an seine Kunden weiterreicht. Denn dies ist der Bank nur möglich, weil sie die Konditionen des Swapvertrages bewusst so gestaltet hat, dass sein Anfangswert von dem anhand finanzmathematischer Berechnungsmodelle ermittelten theoretischen mathematischen („rechnerisch fairen“) Wert zu Lasten des Kunden abweicht, so dass die Bank Gegengeschäfte („Hedging“) abschließen kann (vgl. BGH, B.B.O.). Durch das Hedging wird die Bank im Übrigen auch nicht zu einem bloßen Vermittler im klassischen Sinne; sie bleibt vielmehr rechtlich Inhaber der Gegenposition des Kunden und gibt die eingegangenen Risiken lediglich über weitere Verträge an Dritte weiter.
Der sich auf diese Weise für den Kunden ergebende, von der Bank bewusst in das Produkt eingearbeitete anfängliche negative Marktwert ist damit Ausdruck des schwerwiegenden Interessenkonfliktes, in dem sich eine Bank bei dem Abschluss derartiger Geschäfte befindet, bei denen sie sich das von dem Kunden auf ihre Empfehlung hin übernommene Risiko (bzw. das dem gegenläufige Risiko) von ihren Hedgingpartnern „abkaufen“ lässt (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2011 – XI ZR 33/10 [unter II 2 d bb (2) (b)]). In diesem Zusammenhang ist nicht erheblich, ob die von der Bank einstrukturierte Marge marktüblich ist, inwieweit die Erfolgschancen des Kunden beeinträchtigt werden, die Prognose der Bank zu künftigen Entwicklungen vertretbar oder Verluste vorauszusehen waren; entscheidend ist, dass dem Kunden nicht alle zur Beurteilung der Integrität der Anlageempfehlung der Bank notwendigen Informationen an die Hand gegeben sind solange er nicht (auch) darüber aufgeklärt ist, dass das ihm empfohlene Produkt von der Bank zur Ermöglichung des Hedgings bewusst so gestaltet wurde, dass der Markt die Risiken des Kunden nach den zur Verfügung stehenden Simulationsmodellen negativer sieht als die gegenläufigen Interessen seines Geschäftsgegners (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2011 – XI ZR 33/10 [unter II 2 d bb (2) (b) und (d)]), der Swap also keine ausgeglichenen Startchancen beinhaltet (vgl. BGH, B.B.O. [unter II 2 d bb (2) (c)]).
(1) Die Frage der rechnerischen Komplexität eines Swaps ist insoweit ohne Bedeutung (B.B. etwa OLG Köln, Urteil vom 23. Mai 2012 – 13 U 150/11, BeckRS 2012, 16363 [unter II 3 B]; OLG Köln, Urteil vom 18. Januar 2012 – 13 U 232/10, BeckRS 2012, 03597 [unter II 3]). Abgesehen davon, dass die rechnerische Komplexität eines Swaps kein griffiges Abgrenzungskriterium darstellt (vgl. OLG Stuttgart, Urteil vom 27. Juni 2012 – 9 U 140/11, BeckRS 2012, 14700 [unter II 4]), kommt es hierauf nach der Argumentation des Bundesgerichtshofs zur Begründung der Aufklärungspflicht nicht an. Diese knüpft nicht an die Komplexität des empfohlenen Produktes, sondern an die von der Bank eingenommene Doppelrolle an.
Die erforderliche Aufklärung darüber, dass dem Kunden von seiner beratenden Bank ein Produkt empfohlen wird, dessen Risikostruktur von der Bank bewusst zu seinen Lasten gestaltet wurde, ist nicht Bestandteil der objektgerechten Beratung im engeren Sinne, sondern beruht auf dem Gedanken des Vertrauensschutzes sowie der Aufdeckung (potentiell) vertragszweckgefährdender Interessenkonflikte (vgl. Schmieder, WuB I G 1. – 16.12). Insoweit gilt nichts anderes als für die Pflicht einer beratenden Bank zur Offenlegung von Rückvergütungen, die ihrerseits ebenfalls eine Konkretisierung der allgemeinen Aufklärungspflicht über (mögliche) Interessenkollisionen darstellt (vgl. BGH, Urteil vom 15. April 2010 – III ZR 196/09 [unter II 2 B aa]; Urteil vom 26. Juni 2012 – XI ZR 316/11 [unter III 2]; Beschluss vom 29. Juni 2010 – XI ZR 308/09 [unter 1 b aa und bb] sowie Beschluss vom 20. Januar 2009 – XI ZR 510/07 [unter II 1 b bb (1)]). Bestehen, Art und Reichweite dieser allgemeinen Aufklärungspflicht (§ 242 BGB) ergeben sich aus einer auf den Regelfall abstellenden, typisierenden Betrachtung der betroffenen Vertragsverhältnisse (vgl. BGH, Urteil vom 3. März 2011 – III ZR 170/10 [unter II 2 c aa (1)]), und nicht aus dem Wissensstand der Beteiligten im konkreten Einzelfall (vgl. BGH, Urteil vom 26. Juni 2012 – XI ZR 316/11 [unter II 2 b bb (2)]). Bestandteil dieser, nicht spezifisch an die Eigenschaften des konkreten Produktes und seine Eignung für den Kunden anknüpfenden Aufklärungspflicht ist die Pflicht zur Aufklärung über den schwerwiegenden Interessenkonflikt, in dem sich die Bank bei Empfehlung eines Swaps befindet (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2011 – XI ZR 33/10 [unter II 2 d bb (2) (b) und (d)]). Auf die Komplexität des Swaps kommt es dabei nicht an; der Interessenkonflikt wird nicht durch die (Un?)Verständlichkeit oder (Un?)Überschaubarkeit der Rechenformel des Swaps begründet sondern dadurch, dass die Bank die Konditionen des Produktes bewusst so gestaltet hat, dass sein Anfangswert von dem „rechnerisch fairen“ Wert zu Lasten des Kunden abweicht, was dieser unabhängig von der Komplexität der Berechnungsformel so nicht erkennen kann.
(2) Ebenso ist es für die Frage, ob der Kunde über einen bewusst zu seinen Lasten einstrukturierten negativen Anfangswert aufzuklären ist, zunächst einmal ohne Bedeutung, zu welchem Zweck das Swapgeschäft abgeschlossen worden ist (B.B. OLG Stuttgart, Urteil vom 27. Juni 2012 – 9 U 140/11, BeckRS 2012, 14700 [unter II 4]; insoweit unergiebig Schmieder, WuB I G 1. – 16.12, die sich lediglich zu der Frage des Bestehens einer Pflicht zur Aufklärung über einen anfänglichen negativen Marktwert bei nicht zu Absicherungszwecken geschlossenen Swapgeschäften ohne konkreten Grundgeschäftsbezug äußert und zu einer Aufklärungspflicht bei zu Sicherungszwecken abgeschlossenen Swaps nicht Stellung bezieht).
Auf einem anderen, von der rein anlagegerechten Beratung abweichenden Gesichtspunkt aber beruht – wie ausgeführt – die nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs bestehende Verpflichtung zur Aufklärung über den negativen Marktwert. Sie ergibt sich – unabhängig davon, ob bei bestimmten Geschäften ggf. weitere Gründe für eine Aufklärungspflicht hinzukommen – bereits aus der allgemeinen Aufklärungspflicht (§ 242 BGB) über (mögliche) Interessenkollisionen. Demzufolge hat der Bundesgerichtshof im Zusammenhang mit der Pflicht zur Aufklärung über den bewusst strukturierten negativen Anfangswert des Swapvertrages auf die zuvor ergangenen Urteile des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 26. Februar und 27. Oktober 2010 mit der Einschränkung „im Ergebnis auch“ verwiesen, auf den Aufsatz von Roller/Elster/Knappe (ZBB 2007, 345; wo [B.B.O. S. 357] die Pflicht zur Aufklärung über den negativen Marktwert aus der allgemeinen Pflicht zur Information über Interessenkonflikte abgeleitet wird) hingegen mit dem Zusatz „ebenso“ (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2011 – XI ZR 33/10 [unter II 2 d bb (2)]).
(3) Zusammenfassend liegt es der Sache nach bei der Verpflichtung zur Information über den negativen Marktwert nicht anders als bei der – ebenfalls eine Konkretisierung der allgemeinen Aufklärungspflicht über Interessenkollisionen darstellenden – Pflicht zur Offenlegung von Rückvergütungen. Für deren Bestehen ist weder die Höhe der dem Kunden verheimlichten Vergütung entscheidend, noch das Anlageprodukt, noch der Umstand, ob das Finanzgeschäft dem Anwendungsbereich des WpHG unterfällt (vgl. BGH, Beschluss vom 20. Januar 2009 – XI ZR 510/07 [unter II 1 b bb (1)]). Ebensowenig kommt es für das Bestehen der allgemeinen Aufklärungspflicht auf die Motive des Kunden und den von ihm mit dem Finanzgeschäft verfolgten Zweck an. Diese Umstände können vielmehr erst Bedeutung erlangen im Rahmen der Prüfung, ob die Verletzung der in Rede stehenden Aufklärungspflicht für den Entschluss des Kunden zum Vertragsschluss ursächlich war, woran es beispielsweise fehlen kann, wenn sich der von dem Kunden gewünschte Effekt nur mit vergleichbaren Finanzprodukten erzielen lässt (vgl. BGH, Urteil vom 8. Mai 2012 – XI ZR 262/10 [unter B II 5 b bb (2) (c) (aa)], Urteil vom 26. Februar 2013 – XI ZR 318/10 [unter II 2 b bb]; Beschlüsse vom 20. November 2012 – XI ZR 440 und 441/11 [jeweils unter II 4 b bb] sowie XI ZR 415/11 [unter II 6 b bb]; Beschluss vom 19. Februar 2013 – XI ZR 414/11 [unter II 3 b]; Urteil vom 26. Februar 2013 – XI ZR 183/11 [unter B II 2 c dd]).
Bei der Verpflichtung der Bank zur Aufklärung über einen zu Lasten des Kunden strukturierten negativen Anfangswert eines Swaps geht es nicht darum, dem Kunden zu erklären, dass die Bank an dem Abschluss des Geschäftes verdient oder ihm die Höhe des Gewinns der Bank offenzulegen. Von daher ergeben sich aus der Marge und deren Höhe auch keine Anhaltspunkte für die Verpflichtung zur Offenlegung des negativen Marktwertes (so aber wohl OLG Frankfurt B. M., Urteil vom 27. Dezember 2010 – 16 U 96/10, BeckRS 2012, 17099). Auch Sinn der – oftmals sogenannten – „kick-back Rechtsprechung“ ist es nicht, dem Kunden ungefragt Einblick in die Verdienststruktur der Bank zu geben. Die Pflicht zur Offenbarung von Rückvergütungen unter dem Gesichtspunkt der Aufklärung eines nicht offenliegenden Interessenkonfliktes knüpft daran an, dass dem Kunden einerseits von ihm zu zahlende Provisionen (sei es als gesonderter Ausgabeaufschlag, sei es als aus dem Anlagebetrag entnommene Position) offengelegt werden, ihm andererseits aber nicht mitgeteilt wird, dass auch die ihn beratende Bank zu den Empfängern dieser Provisionen zählt. Vergleichbar geht es bei der Offenlegung des Umstandes, dass die beratende Bank zu Lasten des Kunden einen negativen Anfangswert in das empfohlene Produkt einstrukturiert hat, um die Aufklärung des Kunden über diesen, ihm so nicht erkennbaren Umstand.
Dem steht nicht entgegen, dass der aufklärungspflichtige Interessenkonflikt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs weder in der generellen Gewinnerzielungsabsicht der Bank noch in der konkreten Höhe der von ihr einkalkulierten Gewinnmargen besteht (so BGH, Urteil vom 22. März 2011 – XI ZR 33/10 [unter II 2 d bb (2) (d)]). Aus der Tatsache, dass die Höhe der Marge nicht zu den die Aufklärungspflicht auslösenden Umständen zählt, folgt nicht, dass die Aufklärungspflicht inhaltlich die Höhe der Marge nicht einbezöge. So sprechen die einleitenden Wendungen des Bundesgerichtshofs zur Verpflichtung über die Aufklärung über den negativen Marktwert (vgl. BGH, B.B.O. [unter II 2 d bb]) und seine Erläuterungen zur fehlenden Auflösung des Interessenkonfliktes durch das Hedging (vgl. BGH, B.B.O. [unter II 2 d bb (2) (B)]), wo jeweils die konkrete Höhe des von der dortigen Bank einstrukturierten negativen Anfangswertes genannt wird, ebenso für die Erstreckung der Aufklärungspflicht auf die Höhe des Marktwertes wie der Verweis des Bundesgerichtshofs (vgl. BGH, B.B.O. [unter II 2 d bb (2)]) auf den Aufsatz von Roller/Elster/Knappe (ZBB 2007, 345), die von einer die Vergütungsbestandteile (und damit wohl auch deren Höhe) umfassenden Aufklärungspflicht ausgehen (vgl. Roller/Elster/Knappe, B.B.O. S. 357). Vor allem aber spricht die Parallele zu der – gleichfalls eine Konkretisierung der allgemeinen Aufklärungspflicht über (mögliche) Interessenkollisionen bildenden – Pflicht zur Aufklärung über Rückvergütungen (auf die sich Roller/Elster/Knappe, B.B.O. S. 357 stützen) dafür, die Aufklärungspflicht auf die Höhe zu erstrecken. Auch diese Pflicht wird nicht durch die Höhe der Rückvergütung begründet, bezieht inhaltlich aber die Höhe der Vergütung jedenfalls ihrer Größenordnung nach mit ein (vgl. BGH, Urteil vom 8. Mai 2012 – XI ZR 262/10 [unter B II 3 B]; Urteil vom 19. Dezember 2006 – XI ZR 56/05, BGHZ 170, 226 [unter II 4 b bb]; Beschluss vom 9. März 2011 – XI ZR 191/10 [unter II 2 B dd]).
Soweit die von dem Markt verwandten Berechnungsmodelle nicht das reale Risiko des Produktes widerspiegeln, sondern lediglich eine finanzmathematische Modellwahrscheinlichkeit ausdrücken, ändert dies nichts daran, dass erst durch den Einsatz der finanzmathematischen Berechnungsmodelle die Handelbarkeit dieser Produkte hergestellt wird, die mit ihrer Hilfe gefundenen Ergebnisse die Bewertung der mit dem Swap verbundenen Risiken durch den (Finanzhandels?)Markt ausdrücken und die Bank das Produkt gemessen an dieser (Finanz?)Marktbewertung zu Lasten des Kunden ausgestaltet hat. Es ist Sache des Kunden, die sich aus der Kenntnis dieser, ihm nicht ohne weiteres erkennbaren und deshalb offenbarungspflichtigen Umstände ergebende Rolle der ihn beratenden Bank zu überdenken. Hierzu muss ihn die Beratung ebenso in die Lage versetzen wie dazu, eine etwa vorhandene Abweichung zwischen der finanzmathematischen Marktbewertung einerseits und einer auf volkswirtschaftliche Prognosen gegründeten, möglicherweise realeren Bewertung andererseits bei seiner Entscheidung selbst abzuwägen und dabei möglicherweise zu der von der Beklagten für richtig gehaltenen Einschätzung zu gelangen, dass den die Handelbarkeit herstellenden Wahrscheinlichkeitsmodellen für seine Entscheidung keine Bedeutung zukommt, weil sie ihm bei der Frage des Abschlusses des Vertrages nicht weiterhelfen.
ee) Dahinstehen kann, ob der Kläger als geeignete Gegenpartei im Sinne von § 31b Abs. 1 WpHG anzusehen ist. Die hier in Rede stehende Pflicht ist Bestandteil der allgemeinen, gegenüber jedermann geltenden vertraglichen Verpflichtung zur Aufdeckung möglicher vertragszweckgefährdender Interessenkonflikte und damit von etwaigen Absenkungen des Schutzstandards auf der Grundlage von § 31b Abs. 1 WpHG nicht umfasst.
(1) Sie hat dem Kläger weder vor Abschluss des Rahmenvertrages noch der einzelnen Swapgeschäfte erläutert, dass die Konditionen der empfohlenen Swaps von ihr zur Ermöglichung von Gegengeschäften („Hedging“) bewusst so gestaltet werden, dass der (Finanz?)Markt die Risiken des Klägers nach den zur Verfügung stehenden Simulationsmodellen negativer sieht als die gegenläufigen Interessen ihres Geschäftsgegners bzw. der Anfangswert der Geschäfte von dem anhand finanzmathematischer Berechnungsmodelle ermittelten theoretischen mathematischen („rechnerisch fairen“) Wert zu Lasten des Klägers abweicht. Diese Zusammenhänge, die nicht notwendig durch Verwendung bestimmter Schlagworte wie dem des negativen Marktwertes, sondern der Sache nach zu erläutern sind, hat die Beklagte dem Kläger nicht offenbart. In den von der Beklagten geschilderten Äußerungen ihrer Berater und den von ihnen verwandten Präsentationen kommen sie nicht hinreichend zum Ausdruck.
Mit dem Wissen, dass (1.) Swapgeschäfte über einen sich stets ändernden Marktwert verfügen, zu dem sie vorzeitig aufgelöst werden können, (2.) sie – die Beklagte – beim Abschluss von Swap-Geschäften unmittelbar Gegengeschäfte (sog. Hedging) zu den am Markt erzielbaren Konditionen tätigt, um auf diese Weise die sich aus den Swap-Geschäften ergebenden Chancen und Risiken unmittelbar weiterzugeben und sich entsprechend abzusichern, (3.) die dem Kläger in den Swapgeschäften gewährten Konditionen schlechter sind als die für die Beklagte für die Gegengeschäfte am Markt erzielbaren und (4.) die sich aus dem Unterschied zwischen Markt- und Kundenkonditionen ergebende bankübliche Marge es der Beklagten ermöglicht, ihre Kosten abzudecken und Gewinn zu erzielen, ergibt sich noch nicht das zur Beurteilung der Rolle der Beklagten für den Kläger notwendige Gesamtbild.
Die Beklagte beruft sich ohne Erfolg darauf, dass sie dem Kläger weiter erläutert habe, aufgrund des Hedging wirtschaftlich nicht seine Gegenpartei zu werden, sondern die Rolle eines Finanzintermediärs einzunehmen, der die am Markt verfügbaren Konditionen sondiert, strukturiert und an seine Kunden weitergibt. Durch dieses Verhalten hat sie den bei Abschluss des Swapgeschäftes bestehenden Interessenkonflikt nicht vermieden oder gelöst. Das Hedging versetzte sie nicht in die Rolle eines neutralen Mittlers zwischen Kläger und Markt. Auch wenn infolge der Hedging-Geschäfte ein etwaiger Verlust des Klägers nicht (spiegelbildlich) den Gewinn der Beklagten abbildet, so hat sie – wie bereits ausgeführt – gerade wegen des Hedgings im Zeitpunkt der Beratung ein Interesse daran, das Swapgeschäft unter bestimmten, für den Kläger etwas ungünstigeren Konditionen abzuschließen, um nachfolgend das Gegengeschäft am Markt zu üblichen Konditionen verkaufen zu können. Dieser fortbestehende Interessenkonflikt wurde die durch die behaupteten Erläuterungen gegenüber dem Kläger nicht aufgehellt, sondern bagatellisiert, ja regelrecht verschleiert.
Der Kläger war auch jederzeit aufklärungsbedürftig. Insoweit ist unerheblich, ob ihm bei Umgestaltung von Swapgeschäften die Einpreisung aktueller negativer Marktwerte abgelöster Swapgeschäfte bekannt geworden ist. Auch wenn dem Kläger die negative Entwicklung eines laufenden Swapgeschäftes aufgrund der Mitteilung des aktuellen negativen Marktwertes bekannt wird, so eröffnet ihm dies nicht den beschriebenen Interessenkonflikt. Bei jeder Umstrukturierung weist der neue Swap neben dem eingepreisten negativen Marktwert zusätzlich ebenfalls einen anfänglichen negativen Marktwert auf, der das Chancen-Risiko-Verhältnis weiter zu seinen Lasten verschiebt.
Aus dem von der Beklagten hervorgehobenen Umstand, dass erstmals mit dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 22. März 2011 (XI ZR 33/10) höchstrichterlich eine Pflicht zur Aufklärung über den negativen Anfangswert eines Swapgeschäftes formuliert wurde, folgt nicht, dass eine Bank in der Zeit davor nicht schuldhaft handelte, wenn sie eine solche Information unterließ. Wie schon ausgeführt, handelt es sich bei der Pflicht zur Aufklärung über einen zu Lasten des Kunden in einen Swap einstrukturierten negativen Anfangswert um eine Konkretisierung der allgemeinen Pflicht zur Aufdeckung möglicher vertragszweckgefährdender Interessenkonflikte. Diese Pflicht trifft eine Bank nicht nur, soweit sie als Anlageberater agiert, sondern gehört zu den allgemeinen vertraglichen Pflichten (vgl. etwa BGH, Urteil vom 19. Dezember 2000 – XI ZR 349/99 [unter I 2 b und I 2 c aa] zur Pflicht der Bank, über eine von ihr durch eine Gebührenteilungsvereinbarung mit einem Vertragspartner ihres Kunden geschaffene Gefährdung von dessen Interessen aufzuklären; Urteil vom 17. Dezember 1991 – XI ZR 8/91, NJW-RR 1992, 373 [unter II 1 und II 2 B] sowie Urteil vom 24. April 1990 – XI ZR 236/89, NJW-RR 1990, 876 [unter II 1 B und b] jeweils zu der Verpflichtung der kreditgebenden Bank zur Aufklärung über Umstände, aus denen sich ein schwerwiegender Interessenkonflikt der Bank ergibt). Wie die gerade genannten Beispiele zeigen, ist diese allgemeine Pflicht zur Aufklärung über Interessenkollisionen seit Jahrzehnten immer wieder Gegenstand der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gewesen (vgl. in Bezug auf die Pflicht zur Aufklärung über Rückvergütungen als Konkretisierung dieser allgemeinen Pflicht die Darstellung im Beschluss des BGH vom 29. Juni 2010 – XI ZR 308/09 [unter 1 b aa und bb]). Dementsprechend hat auch das Landgericht Frankfurt am Main, das mit Urteil vom 10. März 2008 – 2-4 O 388/06 (WM 2008, 1061 sowie bei juris) eine Verpflichtung der Bank zur Aufklärung des Kunden über den negativen Anfangswert eines Swaps angenommen hat, diese Pflicht der allgemeinen Pflicht zur Offenlegung von Interessenkonflikten entnommen und sich zur Begründung unter anderem auf das bereits zitierte Urteil des Bundesgerichtshofs vom 19. Dezember 2000 bezogen (vgl. LG Frankfurt B.M., B.B.O. [unter II 2 b]). Vor diesem Hintergrund kann weder davon gesprochen werden, der Bundesgerichtshof habe mit dem Urteil vom 22. März 2011 eine Wende eingeleitet noch verbleibt Raum für die Annahme eines unvermeidbaren Rechtsirrtums mit der Folge, dass jedenfalls die in § 280 Abs. 1 S. 2 BGB enthaltene Vermutung fahrlässigen Handelns von der Beklagten nicht widerlegt werden kann. Dies gilt zumal deshalb, weil vor der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 22. März 2011 keine gefestigte höchstrichterliche Rechtsprechung bestand, auf die die Beklagte die Annahme hätte stützen können, die Aufklärungspflichten bei Swapgeschäften seien nicht strenger als bei sonstigen Finanzprodukten.
Weiter kann sich die Beklagte nicht mit Erfolg auf die Verbreitung von Swapgeschäften berufen. Die Häufigkeit eines Rechtsgeschäfts ist zwar von Bedeutung dafür, welchen Kenntnisstand des Kunden die Bank erwarten darf. Vorliegend hat der Kläger jedoch erstmalig mit der Beklagten Swapgeschäfte abgeschlossen, weshalb die Beklagte Vorkenntnisse in Bezug auf den anfänglichen negativen Marktwert nicht unterstellen durfte. Entsprechendes wird von der Beklagten auch nicht substantiiert dargetan.
Soweit sich die Beklagte darauf beruft, der (Bundes?)Verband öffentlicher Banken habe für seine Mitgliedsbanken durch ein umfassende Anwaltsgutachten klären lassen, dass die ultra-vires-Lehre Swapgeschäften mit Kommunen nicht entgegen stehe, ist dies für die Frage der Aufklärungspflicht über den anfänglichen negativen Marktwert ohne Aussagekraft. Dasselbe gilt für die Ausführungen der Beklagten, wonach die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & X GmbH bestätigt habe, dass die Beklagte ihren Geschäftsbetrieb so eingerichtet und organisiert hat, dass sämtliche aufsichtsrechtliche Vorgaben eingehalten und insbesondere ausreichende Vorkehrungen getroffen waren, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Die sonstigen Ausführungen zur kommunalrechtlichen Zulässigkeit von Swapgeschäften führen ebenfalls nicht zu einer geänderten Beurteilung.
e) Aus der Pflichtverletzung der Beklagten ist dem Kläger ein Schaden entstanden.
aa) Dieser Schaden liegt schon in dem Abschluss der Swapverträge. Ist in das Recht eines Vertragspartners, zutreffend informiert über die Verwendung seines Vermögens selbst zu bestimmen, eingegriffen worden, so stellt in der Regel der (unwiderrufliche oder vollzogene) Erwerb eines Finanzproduktes oder sonstigen Vermögensgegenstandes, der auf einer Aufklärungs- oder Beratungspflichtverletzung beruht, bereits für sich genommen – mithin unabhängig von der Werthaltigkeit des Produktes – einen Schaden dar und berechtigt den Interessenten, die Rückabwicklung des für ihn nachteiligen – weil seinen konkreten Vertragszielen und Vermögensinteressen nicht entsprechenden – oder auch nur auf einem von den Mängeln fehlerhafter Aufklärung beeinflussten Entschluss beruhenden Geschäftes zu verlangen (vgl. BGH, Urteile vom 26. Februar 2013 – XI ZR 498/11 [unter II 5 B]; vom 24. März 2011 – III ZR 81/10 [unter II 1]; vom 31. Mai 2010 – II ZR 30/09 [unter II B 3] vom 8. März 2005 – XI ZR 170/04 [unter II 1 b] und vom 26. September 1997 – V ZR 29/96, NJW 1998, 302 [unter II 2 b cc]).
(1) Steht die Verletzung einer Aufklärungspflicht fest, wird die Kausalität der Aufklärungspflichtverletzung für die Entscheidung des Kunden vermutet. Dabei kann dahinstehen, ob dem Kunden für den Ursachenzusammenhang zwischen der Beratungspflichtverletzung und seiner Entscheidung zum Vertragsschluss eine gewisse, durch die Lebenserfahrung begründete (tatsächliche) Vermutung zugutekommt (vgl. in diesem Sinne BGH, Urteil vom 9. Februar 2006 – III ZR 20/05 [unter III 2 b aa]; Urteil vom 2. März 2009 – II ZR 266/07 [unter II 1 B]; Urteil vom 22. März 2010 – II ZR 66/08 [unter II 2 B]; Urteil vom 17. Mai 2011 – II ZR 123/09 [unter II 2 B und b]; Urteil vom 14. April 2011 – III ZR 27/10 [unter II 4]; ähnlich Urteil vom 13. Januar 2004 – XI ZR 355/02 [unter II B 2 d: tatsächliche Vermutung]; etwas anders – ohne Bezugnahme auf die Lebenserfahrung – Beschluss vom 9. März 2011 – XI ZR 191/10 [unter II 2 b]; Beschluss vom 19. Juli 2011 – XI ZR 191/10 [unter 2 c]), oder es sich um eine aus dem Schutzzweck der Aufklärungspflicht herzuleitende Beweislastumkehr handelt (so BGH, Urteil vom 8. Mai 2012 – XI ZR 262/10 [unter B II 5 B aa]). Jedenfalls gilt diese Kausalitätsvermutung, die das Recht des Kunden sichert, in eigener Entscheidung und Abwägung über das Für und Wider seiner Investition zu befinden (vgl. BGH, Urteil vom 8. Mai 2012 – XI ZR 262/10 [unter B II 5 B cc]; Urteil vom 13. Dezember 2011 – XI ZR 51/10 [unter III 3 b aa]; Urteil vom 15. Juli 2010 – III ZR 321/08 [unter B I 2 b aa]; Urteil vom 7. Dezember 2009 – II ZR 15/08 [unter II 2 c bb]), einschränkungslos für jeden einzelnen Beratungsfehler (vgl. BGH, Urteil vom 22. Juli 2010 – III ZR 203/09 [unter II 5 d]; Beschluss vom 9. März 2011 – XI ZR 191/10 [unter II 2 b]; Urteil vom 8. Mai 2012 – XI ZR 262/10 [unter B II 5 B aa]), insbesondere auch dann, wenn pflichtwidrig eine Interessenkollision nicht offengelegt wurde (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2011 – XI ZR 33/10 [unter II 2 f]). Sie wird durch das Bestehen von Handlungsvarianten nicht in Frage gestellt, sondern greift unabhängig davon ein, ob es für den Kunden bei gehöriger Aufklärung vernünftigerweise nur eine Handlungsalternative gegeben, er sich also nicht in einem Entscheidungskonflikt befunden hätte (vgl. BGH, Urteil vom 9. Februar 2006 – III ZR 20/05 [unter III 2 b bb]; Urteil vom 22. März 2010 – II ZR 66/08 [unter II 2 B]; Urteil vom 8. Mai 2012 – XI ZR 262/10 [unter B II 5 B cc]). Es ist Sache des Aufklärungspflichtverletzers, die Kausalitätsvermutung durch konkreten, auf das Verhalten des betroffenen Kunden abstellenden Vortrag zu widerlegen (vgl. BGH, Beschluss vom 9. März 2011 – XI ZR 191/10 [unter II 2 b]; Urteil vom 8. Mai 2012 – XI ZR 262/10 [unter B II 5 B aa und cc]; Urteil vom 9. Februar 2006 – III ZR 20/05 [unter III 2 b aa (2)]; Urteil vom 15. Juli 2010 – III ZR 321/08 [unter B I 2 b aa] und Urteil vom 17. Mai 2011 – II ZR 123/09 [unter II 2 c]).
(2) Die Beklagte hat diese zugunsten des Klägers streitende Vermutung nicht entkräftet. Sie hat keine konkreten Umstände aufgezeigt, die nicht – wie die von ihr postulierte Unerheblichkeit der Kenntnis des Kunden von dem negativen Anfangswert für dessen Entscheidung – die tatsächliche Vermutung selbst in Frage stellen, sondern auf das konkrete Verhalten des Klägers abstellen und die Kausalitätsfrage im Hinblick darauf in anderem Licht erscheinen lassen. Die von ihr beantragte Vernehmung der bei dem Kläger für den Abschluss der Geschäfte verantwortlichen Personen liefe daher auf eine unzulässige Ausforschung hinaus:
Auf die Kenntnis des Klägers von der grundsätzlichen Entgeltlichkeit der von der Beklagten erbrachten Leistungen oder seinen Wunsch, diese nicht gesondert vergüten zu müssen, kommt es nicht an. Ein etwa vorhandenes Wissen des Klägers über eine von der Beklagten mit dem Abschluss der Swapgeschäfte verdiente Marge bedeutet nicht, dass er die Geschäfte auch abgeschlossen hätte, wenn ihm bewusst gewesen wäre, dass die Beklagte die Swaps bewusst so ausgestaltet hatte, dass sie keine ausgeglichenen Startchancen beinhalteten. Deswegen ist es auch unerheblich, dass die Mitarbeiter des Klägers nicht für die Höhe der Marge der Beklagten interessiert haben mögen. Unabhängig davon, dass die Aufklärungspflicht – wie ausgeführt – nicht auf dem Verdienstinteresse der Beklagten, sondern auf der dem Kunden so nicht erkennbaren Einstrukturierung beruht, ist das Verhalten des Klägers vor dem Hintergrund der ihm von der Beklagten vermittelten Erkenntnisse zu sehen. Die Aufklärung der Beklagten bezog sich aber gerade nicht hinreichend deutlich auf den im dem einstrukturierten anfänglichen negativen Marktwert zum Ausdruck kommenden Interessenkonflikt, sondern verstellte den Blick darauf durch ihre Erläuterungen zum Hedging. Diese gingen dahin, die Beklagte habe den Interessenkonflikt gelöst und sei nunmehr im Rahmen der Beratung als unabhängiger Mittler zu Gunsten des Klägers tätig. Dies trifft nicht zu, weil der Interessenkonflikt – wie ausgeführt – nicht durch das Hedging gelöst wird, sondern fortbesteht.
Aus denselben Erwägungen unerheblich ist ebenso die weitere Behauptung der Beklagten, der Kläger hätte die Swap-Geschäfte auch abgeschlossen, wenn ihr der Umstand erläutert worden wäre, dass diese einen anfänglichen negativen Marktwert in Höhe der einstrukturierten Marge enthielten. Diese zusätzliche Information wäre durch die unzutreffende Erläuterung der Beklagten, sie löse den Interessenkonflikt durch das Hedging, ebenfalls wieder entwertet worden. Infolge der behaupteten Erklärungen der Beklagten wäre der fortbestehende Interessenkonflikt trotz Mitteilung des anfänglichen negativen Marktwertes bagatellisiert und dem Kläger damit insgesamt nicht verdeutlicht worden. Davon ausgehend kommt es nicht darauf an, wie sich der Kläger bei Mitteilung des anfänglichen negativen Marktwertes verhalten hätte; selbst wenn man das tatsächliche Vorbringen der Beklagten zu ihren Erläuterungen im Übrigen zugrunde legt, ist eine fehlende Kausalität nicht festzustellen.
Ohne Bedeutung für die Beurteilung der Kausalitätsfrage ist, inwiefern sich der Kläger bei anderen Geschäften von deren Abschluss durch einen negativen Marktwert abhalten ließ. Darlehen und Swapgeschäfte sind, wie schon ausgeführt, nicht miteinander vergleichbar. Von daher kommt auch dem Umstand keine Indizwirkung zu, dass sich der Kläger bei anderen Geschäften an der Höhe der Marge der Beklagten nicht interessiert gezeigt haben mag. Überdies ist entscheidender Punkt im Rahmen der hier diskutierten Aufklärungspflichtverletzung nicht die Höhe der Marge, sondern die für den Kläger als Kundin so nicht erkennbaren Zusammenhänge, unter denen sich die Beklagten die Erzielung ihres Gewinnes ermöglicht hat.
Nicht erheblich ist, ob der Kläger zu keinem Zeitpunkt beabsichtigte, die Swapgeschäfte umgehend wieder zu verkaufen oder aufzulösen, oder sie mit Durchhalteabsicht abgeschlossen hat. Dieser Aspekt ist für die Kausalitätsfrage erheblich, sofern die Verletzung einer Aufklärungspflicht über den negativen Anfangswert eines Swapgeschäftes unter dem Gesichtspunkt der produktgerechten Beratung im Hinblick auf die Handelbarkeit des Swapgeschäftes in Rede steht. Für die hier verletzte Aufklärungspflicht unter dem Gesichtspunkt der Offenlegung eines schwerwiegenden Interessenkonfliktes ist eine etwaige Durchhalteabsicht ohne Bedeutung.
2. Der Anspruch des Klägers ist nicht verjährt.
B) Die Verjährung von Ansprüchen des Klägers wegen fehlerhafter Beratung im Vorfeld von mit der Beklagten geschlossenen Swapverträgen richtet sich für die sämtlich vor dem 4. August 2009 geschlossenen Swapgeschäfte grundsätzlich nach dem gemäß § 43 WpHG weiterhin anwendbaren § 37a WpHG in der bis zu diesem Zeitpunkt geltenden Fassung (nachfolgend WpHG B.F.). Die Vorschrift ist gemäß § 2 Abs. 3 Nr. 2, § 2 Abs. 2b WpHG auch auf Swapgeschäfte anwendbar.
Zwar beginnt die Verjährung bei wiederholten Handlungen regelmäßig mit der Beendigung jeder einzelnen schadensstiftenden Handlung, auch wenn weitere gleichartige Handlungen mit gleichem Erfolg nachfolgen (vgl. BGH, Urteil vom 26. Januar 1984 – I ZR 195/81, GRUR 1984, 820 [unter II 5 B]). Auch bestimmt sich der Schadenseintritt für die Zwecke des Verjährungsrechts bei mehreren Schadensfolgen nach dem Grundsatz der Schadenseinheit mit der Folge, dass sich der gesamte Schaden, der aus einem bestimmten schädigenden Ereignis – also aus ein und derselben pflichtwidrigen Handlung oder Unterlassung – herrührt, als einheitliches Ganzes darstellt und die Verjährung – vorausgesetzt, die übrigen Verjährungsvoraussetzungen liegen ebenfalls vor – in dem Zeitpunkt beginnt, in dem der Gläubiger allgemein Kenntnis von dem Schaden erlangt (vgl. BGH, Beschluss vom 12. Oktober 2006 – III ZR 144/05 [unter II 2 d aa]; Urteil vom 15. März 2011 – VI ZR 162/10 [unter II 1]).
c) Unabhängig davon wäre noch keine Verjährung eingetreten, wollte man für die Anwendung des § 37a WpHG B.F. allein auf den Zeitpunkt des Abschlusses der Einzelgeschäfte abstellen. Denn die Beklagte hat die gegen sie sprechende Vermutung schuldhaften Handelns (§ 280 Abs. 1 S. 2 BGB), die auch Fälle vorsätzlichen Handelns erfasst, in denen die dreijährige Verjährungsfrist des § 37a WpHG B.F. nicht gilt, nicht widerlegt.
aa) Die nach § 37a WpHG B.F. geltende Verjährungsfrist für eine fahrlässige Beratungspflichtverletzung ist für alle vor dem 30. Januar 2009 abgeschlossenen Swapgeschäfte verstrichen. Nur für nach Beginn dieses Tages zustande gekommene Swapverträge konnte die am 30. Januar 2012 bei Gericht eingegangene Klage die – mangels ersichtlicher anderer Hemmungstatbestände – dreijährige Verjährungsfrist hemmen.
Nicht maßgeblich für den Beginn der Verjährung ist hingegen der Abschluss des Rahmenvertrages. Für den Beginn der Verjährung ist nach § 37a WpHG B.F. auf den Zeitpunkt abzustellen, in dem der Anspruch entstanden ist. Dies ist nicht schon bei Abschluss des Rahmenvertrages der Fall – dieser Vorgang lässt die Vermögenslage des Kunden unberührt –, sondern erst mit dem Zustandekommen einzelner Geschäftsabschlüsse (vgl. BGH, Urteile vom 26. Februar 2013 – XI ZR 498/11 [unter II 5 B]; vom 24. März 2011 – III ZR 81/10 [unter II 1]; vom 31. Mai 2010 – II ZR 30/09 [unter II B 3] vom 8. März 2005 – XI ZR 170/04 [unter II 1 b] und vom 26. September 1997 – V ZR 29/96, NJW 1998, 302 [unter II 2 b cc]).
bb) Der Kläger hat sich jedoch auf eine vorsätzliche Beratungspflichtverletzung berufen, für die die Sonderverjährungsvorschrift des § 37a WpHG B.F. nicht gilt (vgl. BGH, Urteil vom 8. März 2005 – XI ZR 170/04 [unter II 3 B]). Vielmehr setzt der Beginn der Verjährungsfrist bei einer vorsätzlichen Vertragspflichtverletzung gemäß § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB Kenntnis von den anspruchsbegründenden Tatsachen voraus. Dass der Kläger diese Kenntnis noch im Jahre 2007 erlangt hätte – nur in diesem Fall wäre gemäß §§ 195, 199 Abs. 1 BGB mit Ablauf des 31. Dezember 2010 Verjährung eingetreten –, ist weder vorgetragen noch ersichtlich.
Eine vorsätzliche Beratungspflichtverletzung ist auch nicht von vornherein auszuschließen. Eine Bank muss ihren Geschäftsbetrieb zum Schutz des Rechtsverkehrs so organisieren, dass bei ihr vorhandenes Wissen den für die betreffenden Geschäftsvorgänge zuständigen Mitarbeitern zur Verfügung steht und von diesen genutzt wird (vgl. BGH, Urteil vom 12. Mai 2009 – XI ZR 586/07 [unter II 2]). Ein vorsätzliches Organisationsverschulden einer Bank liegt vor, wenn sie ihre Verpflichtung zur Aufklärung der Kunden gekannt oder zumindest für möglich gehalten (bedingter Vorsatz) und es gleichwohl bewusst unterlassen hat, ihre Mitarbeiter zu einer entsprechenden Aufklärung der Kunden anzuweisen (vgl. BGH, B.B.O.).
Die Darlegungs- und Beweislast dafür, nicht vorsätzlich gehandelt zu haben, trifft die Beklagte. Der Schuldner, dessen Vertretenmüssen gemäß § 280 Abs. 1 S. 2 BGB vermutet wird, muss sich hinsichtlich jedes denkbaren Verschuldensgrades entlasten (vgl. BGH, Urteil vom 12. Mai 2009 – XI ZR 586/07 [unter II 2 b aa]). Eine erweiterte Darlegungslast des Gläubigers für vorsätzliches Handeln des Schuldners besteht auch dann nicht, wenn Ansprüche gegen den Schuldner wegen fahrlässiger Pflichtverletzung infolge Verjährung nicht mehr durchsetzbar sind (vgl. BGH, B.B.O. [unter II 2 b bb]). Auf diese Weise kapriziert sich die Verschuldensvermutung des § 280 Abs. 1 S. 2 BGB in Fällen, in einen eine Haftung wegen Fahrlässigkeit aufgrund der Anwendung von § 37a WpHG B.F. nicht mehr in Betracht kommt, auf eine vorsätzliche Pflichtverletzung. Demzufolge muss die Beklagte darlegen und beweisen, nicht vorsätzlich – und zwar auch nicht bedingt vorsätzlich – gehandelt zu haben.
Keinen Aufschluss über die Verschuldensfrage geben die Ausführungen der Beklagten zu dem ihr fehlenden Anlass, ihre Marge offenzulegen. Bei der in Rede stehenden Aufklärungspflicht geht es – wie bereits ausgeführt – nicht darum, ob dem Kunden ungefragt die Marge seines Geschäftspartners und deren Höhe mitzuteilen sind, sondern um einen schwerwiegenden Interessenkonflikt, der für den Kunden nicht ohne weiteres erkennbar und durchschaubar ist. Es ist ein allgemeiner zivilrechtlicher – und in § 31 Abs. 1 Nr. 2 WpHG für den Bereich der dem Wertpapierhandelsgesetz unterfallenden Geschäfte aufsichtsrechtlich normierter – Grundsatz, dass eine Bank im Rahmen eines Beratungsvertrages verpflichtet ist Interessenkollisionen, die das Beratungsziel in Frage stellen und die Kundeninteressen gefährden, zu vermeiden oder zumindest offen zu legen (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2011 – XI ZR 33/10). Dieser Interessenkonflikt ist bei Swapgeschäften schwerwiegend und aus Sicht der Bank – anders als für den Kunden – offensichtlich. Die Rechtsprechung zu Rückvergütungen, Innenprovisionen und Gewinnmargen ist offenkundig nicht einschlägig, weil sie den besonderen Sachverhalt des Abschlusses von Swapgeschäften nicht erfasst, bei denen die Bank zur Ermöglichung von Gegengeschäften einen negativen anfänglichen Marktwert einstrukturiert, der ein ungleiches Chancen-Risiko-Verhältnis zu Lasten des Kunden bedeutet. Deshalb ist nicht nachvollziehbar, dass die Beklagte eine Aufklärungspflicht nicht einmal für möglich gehalten hat, und sei es nur in dem Sinne, dass sie sich der Erkenntnis eines etwaigen Verstoßes gegen ihre Aufklärungspflichten bewusst verschlossen und diesen damit zumindest in Kauf genommen hat, was für die Annahme von Vorsatz ausreicht (vgl. BGH, Urteil vom 9. März 2010 – XI ZR 93/09).
Hinzu kommt, dass die Behauptung der Beklagten, sie – und zwar keiner ihrer Mitarbeiter – habe eine Aufklärungspflicht über den anfänglichen negativen Marktwert für möglich gehalten und erst recht nicht eine darauf bezogene Pflichtverletzung billigend in Kauf genommen, ihrem Sachvortrag zur tatsächlichen Aufklärung des Klägers widerspricht. Danach haben ihre Mitarbeiter nicht nur über die einstrukturierte Marge, sondern auch darüber informiert, wie diese Marge zustande kommt. Herr B. habe in diesem Zusammenhang weiter erklärt, dass die Beklagte infolge der Hedging-Geschäfte zwar formalrechtlich Vertragspartnerin, nicht aber wirtschaftlich die Gegenpartei des Klägers werde. Diese Äußerung bezieht sich indes – wenn auch ohne ihn vollständig offenzulegen – unmittelbar auf den Interessenkonflikt. Sie ist daher ohne ein entsprechendes Bewusstsein, dass ein Interessenkonflikt möglicherweise besteht, nicht denkbar. Erkennt aber eine Bank im Rahmen eines Beratungsvertrages Interessenkollisionen, die geeignet sein können, das Beratungsziel in Frage zu stellen und die Kundeninteressen zu gefährden, so folgt aus allgemeinen zivilrechtlichen Grundsätzen, dass sie diese grundsätzlich vermeiden oder zumindest offenlegen muss. Das wusste selbstverständlich auch die Beklagte. Sie trägt auch dazu vor, wie sie diesen Interessenkonflikt vermeintlich gelöst habe, und zwar indem sie beim Abschluss von Swap-Geschäften unmittelbar Gegengeschäfte (sog. Hedging) zu den am Markt erzielbaren Konditionen getätigt hat, um auf diese Weise die sich aus den Swap-Geschäften ergebenden Chancen und Risiken unmittelbar weiterzugeben. Dies ist zwar – wie bereits ausgeführt – unzutreffend. Denn tatsächlich hat die Interessenkollision fortbestanden – weil die Beklagte gerade wegen des beabsichtigten Hedgings im Zeitpunkt der Beratung ein Interesse daran hatte, das Swapgeschäft unter bestimmten, für den Kläger etwas ungünstigeren Konditionen abzuschließen, um nachfolgend das Gegengeschäft am Markt zu üblichen Konditionen verkaufen zu können – und die Fortdauer des Interessenkonflikts ist durch die Erläuterungen der Beklagten, denen zufolge sie aufgrund des Hedging als Mittler zwischen dem Kläger und dem Markt ohne Eigeninteresse agiere, verschleiert worden. Gleichwohl zeigt der Vortrag der Beklagten, dass sie den Interessenkonflikt erkannt hat ohne dass deutlich wird, dass sie bei ihren unzutreffenden – weil jedenfalls nicht vollständigen – Ausführungen gegenüber dem Kläger zur Vermeidung des von ihr erkannten Interessenkonflikts nicht – zumindest bedingt – vorsätzlich gehandelt hat.
3. Der Ersatzanspruch des Klägers ist nicht gemäß § 254 Abs. 1 BGB gemindert oder gar ausgeschlossen.
B) Nach § 254 Abs. 1 BGB hängt, wenn bei der Entstehung des Schadens ein Verschulden des Geschädigten mitgewirkt hat, die Verpflichtung zum Ersatz sowie der Umfang des zu leistenden Ersatzes von den Umständen, insbesondere davon ab, inwieweit der Schaden vorwiegend von dem einen oder anderen Teil verursacht worden ist. Für die Beraterhaftung gilt, dass es dem Beratenen im allgemeinen nicht als Mitverschulden angerechnet werden kann, dass er die Umstände, über die sein Berater ihn hätte aufklären sollen, bei entsprechenden Bemühungen auch ohne fremde Hilfe selbst hätte erkennen können. Er darf vielmehr regelmäßig auf die Richtigkeit und Vollständigkeit der ihm erteilten Aufklärung und Beratung verlassen, weshalb ein Mitverschulden nur unter besonderen Umständen in Betracht kommt (vgl. BGH, Urteil vom 8. Juli 2010 – III ZR 249/09 [unter II 4] für den Anlageberater sowie Urteil vom 24. Mai 2005 – IX ZR 276/03 [unter B III 1] und Urteil vom 19. Dezember 1991 – IX ZR 41/91, NJW 1992, 820 [unter II 1] für den Rechtsanwalt).
b) Ein nach diesen Maßstäben zu berücksichtigende Mitverschulden des Klägers ist nicht festzustellen. Es oblag gerade der Beklagten, den Kläger vollständig und richtig zu beraten. Besondere Umstände, die gleichwohl Raum für die Annahme eines Mitverschuldens geben, liegen nicht vor und werden von der Beklagten im Hinblick auf die Verletzung der Pflicht zur Aufklärung über den anfänglichen negativen Marktwert auch nicht geltend gemacht.
4. Der Kläger hat aus der festgestellten Pflichtverletzung der Beklagten derzeit noch keinen ersatzfähigen Schaden erlitten, weshalb sein Zahlungsantrag keinen Erfolg hat.
B) Der ersatzfähige Schaden des Klägers besteht nicht in der Summe der Nachteile, die er durch die von ihm zum Gegenstand seiner Klage gemachten, derzeit zwischen den Parteien noch bestehenden Swapgeschäfte erlitten hat, sondern in der Verschlechterung seiner Vermögenslage, wie sie sich bei einer Gesamtbetrachtung aller mit der Beklagten abgeschlossenen und auf dem gleichen wiederholten Beratungsfehler beruhenden Swapgeschäfte unter Einbeziehung der von dem Kläger erwirtschafteten Gewinne darstellt. Dies gilt unabhängig davon, ob man die von dem Kläger aus anderen Swapgeschäften erzielten Gewinne (bereits) auf der Ebene der zu seiner alleinigen Darlegungslast stehenden Schadensberechnung mittels eines Gesamtvermögensvergleiches berücksichtigt (so die von der Kammer in dem – beiden Parteien bekannten – Urteil vom 11. Mai 2012 – 8 O 77/11, BeckRS 2012, 11801 unter B II 2 d aa und bb vertretene Auffassung sowie – zur Berechnung des einer Gesellschaft aus der Entscheidung ihres Vorstandes, Swapgeschäfte zu tätigen, entstandenen Schadens – OLG Frankfurt B.M., Urteil vom 22. März 2011 – 5 U 29/06, BeckRS 2011, 06395), oder (erst) im Rahmen der nur auf entsprechenden Einwand der Beklagten vorzunehmenden und zu deren Darlegungslast stehenden Vorteilsanrechnung (so – für Swapgeschäfte – OLG München, Urteil vom 22. Oktober 2012 – 19 U 672/12, BeckRS 2012, 21797 [unter 2 f]; ebenso – zur Berechnung des einer Gesellschaft aus der Entscheidung ihres Vorstandes, Swapgeschäfte zu tätigen, entstandenen Schadens unter Aufhebung des eben genannten Urteils des OLG Frankfurt B.M. vom 22. März 2011 – BGH, Urteil vom 15. Januar 2013 – II ZR 90/11 [unter II 2 d] sowie – für Aktien- und Optionsgeschäfte – OLG Düsseldorf, Urteil vom 10. Oktober 2002 – 6 U 9/02, bei juris [unter 1]; zur Abgrenzung zwischen Gesamtvermögensvergleich und Vorteilsausgleichung sowie den zwischen beiden bestehenden Unterschieden vgl. Ganter, NJW 2012, 801).
Nach den Grundsätzen der Vorteilsausgleichung muss sich ein Geschädigter W, die in einem adäquat-ursächlichen Zusammenhang zu dem schädigenden Ereignis stehen, auf den erlittenen Schaden mindernd anrechnen lassen, sofern diese Anrechnung dem Zweck des Schadensersatzes entspricht und weder den Geschädigten unzumutbar belastet noch den Schädiger unbillig begünstigt (vgl. BGH, Urteil vom 15. Januar 2013 – II ZR 90/11 [unter II 2 d aa] m. w. N). Das wird bejaht, wenn Vor- und Nachteile bei wertender Betrachtungsweise gleichsam zu einer Rechnungseinheit verbunden sind (BGH, Versäumnisurteil vom 12. März 2007 – II ZR 315/05; OLG München, Urteil vom 22. Oktober 2012 – 19 U 672/12). Diese Voraussetzung ist erfüllt, wenn derselbe Beratungsfehler für alle zu saldierenden Geschäfte ursächlich ist (vgl. Stackmann, NJW 2012, #/; in diese Richtung auch BGH, Urteil vom 28. September 2004 – XI ZR 259/03; zur Anrechnung von Gewinne aus in gleicher Weise pflichtwidrig abgeschlossenen Zinsderivategeschäften auf den Schadensersatzanspruch wegen einzelner verlustbringender Zinsderivategeschäfte, sowie BGH, Urteil vom 15. Januar 2013 – II ZR 90/11 m. w. N).
So liegt es hier, weil die Beklagte den Kläger bei sämtlichen Swapgeschäften, mithin auch bei denjenigen, die nicht streitgegenständlich sind, nicht über den anfänglichen negativen Marktwert und den damit verbundenen Interessenkonflikt aufgeklärt hat. Hinzu kommt, dass die Vor- und Nachteile aus den einzelnen Swapgeschäften hier sogar rechtsgeschäftlich zu einer Rechnungseinheit verbunden sind. Auf die diesbezüglichen Ausführungen im Rahmen der Erörterung der Verjährung wird Bezug genommen. Aus den dort dargestellten Regelungen des Rahmenvertrages wird das beiderseitige Interesse der Parteien deutlich, bei nicht auf einzelne Geschäfte beschränkten, sondern übergreifenden, sämtliche Swapgeschäfte betreffenden Leistungsstörungen die Vor- und Nachteile zu saldieren. Zieht sich – wie im vorliegenden Fall – der Beratungsfehler durch sämtliche Swapgeschäfte, so entspricht es daher dem eigenen Verständnis der Vertragsparteien und ist nicht unbillig, W aus anderen nicht streitgegenständlichen Swapgeschäften schadensmindernd anzurechnen. Denn die mit dem Abschluss einzelner Swapgeschäfte verbundenen finanziellen Einbußen des Klägers stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern in Zusammenhang mit den Vorteilen, die er aus den weiteren, ebenfalls auf Grundlage der von ihm beanstandeten Beratung der Beklagten geschlossenen Swapgeschäften erwirtschaftet hat.
Im Übrigen würde auch ohne die Regelungen des Rahmenvertrages im Ergebnis nichts anderes gelten (so auch OLG München, Urteil vom 22. Oktober 2012 – 19 U 672/12, BeckRS 2012, 21797 [unter 2 f bb]). Die Gewinne und Verluste aus den verschiedenen Swapgeschäften stehen in einem inneren Zusammenhang und dem Kläger kann unter Berücksichtigung der gesamten Interessenlage der Beteiligten und der in Rede stehenden Aufklärungspflichtverletzung der Beklagten die Vorteilsanrechnung zugemutet werden. Hierdurch wird der Kläger im Ergebnis lediglich so gestellt, wie er gestanden hätte, wenn er sich, wie dies seiner Behauptung zufolge der Fall gewesen wäre, nach der tatsächlich unterbliebenen, von ihm vermissten vollständigen Aufklärung gegen den Abschluss von Swapgeschäften entschieden hätte. Dann wären ihm nicht nur die Verluste erspart geblieben, sondern er hätte auch die Gewinne nicht erzielt. Hierbei kommt es letztlich weder auf die rechtliche Verbindung von Rahmenvertrag und Einzelabschlüssen zu einer Einheit an noch darauf, ob der Kläger bei pflichtgemäßem Handeln der Beklagten bereits von dem Abschluss des Rahmenvertrages oder erst von den Einzelabschlüssen abgesehen hätte. Unabhängig von alledem verbleibt es dabei, dass die einzelnen zustande gekommenen Swapgeschäfte – und zwar sämtliche Einzelabschlüsse – auf dem gleichen, sich im Rahmen eines dauerhaften Geschäftsverhältnisses wiederholenden Fehlverhalten der Beklagten beruhen, nämlich den Kläger nicht wie geboten über den für sie so nicht erkennbaren Interessenkonflikt aufzuklären, was es rechtfertigt, die gleichartigen fehlerhaften Geschäftsvorfälle hinsichtlich der Anrechnung von Vorteilen miteinander zu verknüpfen (vgl. BGH, Urteil vom 15. Januar 2013 – II ZR 90/11 [unter II 2 d aa]).
Dem kann nicht entgegengehalten werden, dass sich eine Bank bei einem Totalausfall der Beratung besser stünde als eine Bank, der nur in Bezug auf einzelne Geschäfte Versäumnisse unterlaufen sind. Der befürchtete Wertungswiderspruch kann nicht eintreten, wenn – wie hier der Fall – ein Beratungsfehler in Rede steht, der die unterlassene Aufklärung über einen für den Abschluss aller Geschäfte bedeutsamen Umstand betrifft. Eine Bank, die nicht bei allen, sondern nur bei einigen Geschäften diesen Umstand nennt, wird im Ergebnis vielfach gar nicht haften, weil es gegen die Kausalität des anfänglichen Beratungsfehlers für die Entscheidung des Kunden spricht, wenn er sich später – zutreffend informiert – erneut für dasselbe Produkt entscheidet (vgl. BGH, Urteil vom 8. Mai 2012 – XI ZR 262/10 [unter B II 5 b bb (2) (b) (aa)]).
b) Der Vorteilsanrechnung steht nicht entgegen, dass der Kläger seine Klage nur auf einzelne Geschäfte gestützt und so den Streitgegenstand des Rechtsstreits beschränkt hat.
„Streitgegenständlich“ sind ohnehin nicht einzelne Geschäfte. Streitgegenstand des Rechtsstreits ist der von dem Kläger geltend gemachte prozessuale Anspruch, der durch den Klageantrag, in dem sich die von dem Kläger in Anspruch genommene Rechtsfolge konkretisiert, und den Lebenssachverhalt (Klagegrund) bestimmt, aus dem der Kläger die begehrte Rechtsfolge herleitet (vgl. BGH, Urteil vom 19. Dezember 1991 – IX ZR 96/91, BGHZ 117, 1 = NJW 1992, 1172 [unter II 2 B]; Urteil vom 20. Mai 2011 – V ZR 221/10 [unter II 2 B]; Beschluss vom 24. März 2011 – I ZR 108/09 [unter I 1 B]), wobei der Klagegrund alle Tatsachen umfasst, die bei einer natürlichen, vom Standpunkt der Parteien ausgehenden, den Sachverhalt seinem Wesen nach erfassenden Betrachtungsweise zu dem durch den Klagevortrag zur Entscheidung gestellten Tatsachenkomplex gehören (vgl. BGH, Urteil vom 19. Dezember 1991, B.B.O. [unter II 2 b]; BGH, Urteil vom 20. Mai 2011, B.B.O. [unter II 2 B]; Urteil vom 8. Mai 2007 – XI ZR 278/06 – [unter II 2 b aa]). Der Streitgegenstand wird also durch den gesamten historischen Lebensvorgang bestimmt, auf den sich das Rechtsschutzbegehren des Klägers bezieht, unabhängig davon, ob einzelne Tatsachen dieses Lebenssachverhalts von den Parteien vorgetragen worden sind oder nicht (vgl. BGH, Urteil vom 19. November 2003 – VIII ZR 60/03 [unter II 1 B aa]); maßgeblich ist allein, dass die Tatsachen objektiv vorliegen und bei natürlicher Anschauung zu dem angesprochenen Lebenssachverhalt gehören (vgl. BGH, Urteil vom 19. Dezember 1991, B.B.O. [unter II 2 b]; Urteil vom 19. November 2003, B.B.O. [unter II 1 B aa]). Teil dieses Lebenssachverhaltes ist auch die Entstehung von Vorteilen, die aus Rechtsgründen auf den erlittenen Schaden anzurechnen sind. Die Beklagte ist deshalb nicht gehindert sich darauf zu berufen, dass – wäre die von ihr wiederholt begangene Pflichtverletzung ab einem bestimmten Zeitpunkt unterblieben und hätte sie den Interessenkonflikt offenbart – ab diesem Zeitpunkt keine weiteren Einzelabschlüsse zustande gekommen wären, wenn – was der Kläger für sich reklamiert – die Pflichtverletzung tatsächlich für den Abschluss der Swapgeschäfte ursächlich war. Vor diesem Hintergrund zählt auch das Verhalten der Parteien vor dem Zustandekommen des ersten von dem Kläger in diesem Rechtsstreit angegriffenen Einzelabschlusses – bis hin zu dem Verhalten vor Abschluss des Rahmenvertrages – bei natürlicher Betrachtungsweise mit zu dem historischen Lebensvorgang, aus dem der Kläger Rechte gegen die Beklagte herleitet und auf den sich die Beklagte zur Geltendmachung anzurechnender W stützen kann.
Unabhängig davon liegt der von dem Kläger erlittene „Schaden“ im Sinne von § 280 Abs. 1 BGB nicht (erst) in den im Verlauf der Abwicklung einzelner Geschäfte eingetretenen Verlusten. Mit den Informations- und Aufklärungspflichten des Beraters wird das Recht des Kunden geschützt, in freier Willensentscheidung zutreffend informiert unter über die Verwendung seines Vermögens selbst zu bestimmen; dementsprechend stellt der (unwiderrufliche oder vollzogene) Erwerb eines Finanzproduktes, der auf einer Aufklärungs- oder Beratungspflichtverletzung beruht, unabhängig von der Werthaltigkeit des Produktes bereits für sich genommen einen Schaden dar und berechtigt den Erwerber, die Rückabwicklung des für ihn nachteiligen, weil seinen konkreten Zielen und Vermögensinteressen nicht entsprechenden, Finanzgeschäftes zu verlangen (vgl. BGH, Urteile vom 8. März 2005 – XI ZR 170/04 [unter II 1 b] und vom 24. März 2011 – III ZR 81/10 [unter II 1]; Urteil vom 20. September 2011 – II ZR 277/09 [unter V 1]). Der aus der nach dem Vortrag des Klägers der Beklagten durchgängig unterlaufenen Pflichtverletzung, ihn nicht darüber zu unterrichten, dass in die Swaps zu ihren Lasten ein negativer Anfangswert einstrukturiert wurde, entstandene Schaden liegt also (schon) darin, dass sich der Kläger ohne zutreffend informiert worden zu sein, überhaupt auf den Abschluss der Swapgeschäfte eingelassen hat, die er bei richtiger Kenntnis der Umstände nicht eingegangen wäre. Bei der Prüfung der finanziellen Auswirkungen der Pflichtverletzung und damit der Frage, inwieweit der Abschluss der Geschäfte zu einer nach §§ 249 ff. BGB zu ersetzenden Vermögensminderung geführt hat, sind sämtliche – und nicht nur die negativen – Auswirkungen der Geschäfte zu berücksichtigen.
c) Demzufolge besteht der von dem Kläger erlittene Schaden in der Differenz zwischen der Vermögenslage, wie sie sich zum Zeitpunkt des Schlusses der mündlichen Verhandlung tatsächlich darstellt, und der Vermögenslage, die sich bei Aufklärung des Klägers über den Interessenkonflikt der Beklagten und den in deren Folge unterbliebenen Abschluss aller auf Grund der sich wiederholenden Pflichtverletzung zustande gekommenen Swapgeschäfte ergeben hätte.
aa) In diese Gesamtbilanz sind zunächst die von dem Kläger auf die in Rede stehenden Swapgeschäfte geleisteten und erhaltenen Zahlungen einzustellen.
Diese belaufen sich unstreitig auf von dem Kläger erhaltene € 412.731,89 bei dem CHF-Zins- und Währungsswap (Ref.-Nr. 383824D), auf von dem Kläger gezahlte € 340.717,70 bei dem Flexi-Swap (Ref.-Nr.870068D) und auf von dem Kläger erhaltene € 75.000 bei der Receiver-Swaption (Ref.-Nr. 869795D).
Hinzu kommen von dem Kläger gezahlte € 372.669,27 unter dem CHF-Plus-Swap (Ref.-Nr. 2177217D). Dieser Betrag ist nicht um eine von dem Kläger für den 15. Oktober 2010 behauptete Zahlung von € 119.541,25 zu erhöhen. Die Beklagte hat vorgetragen, an diesem Tag sei keine Zahlung geleistet worden, sondern die an sich fällige Zahlung sei im Rahmen der dritten Restrukturierung ausgesetzt worden. Die gegenteilige Behauptung des Klägers hat dieser nicht belegt.
Damit ergibt sich vorläufig ein Schaden des Klägers von € 225.655,08.
bb) Darauf anzurechnen sind die Zinsvorteile, die der Kläger infolge des Abschlusses des Flexi-Swaps (Ref.-Nr.870068D) erzielt hat. Diese belaufen sich momentan auf € 341.032,59.
Zu den anzurechnenden Vorteilen hat die Beklagte geltend gemacht, der Kläger hätte, wenn er am 3. März 2006 den Flexi-Swap nicht abgeschlossen hätte, für die vier zugeordneten Darlehen, deren Zinsbindungsfristen im Sommer 2007 abliefen, entsprechend seinem Verhalten in der Vergangenheit erneut eine zehnjährige Zinsfestschreibung vereinbart. Unter Berücksichtigung des zwischen dem Abschluss des Swaps und dem Ende der Zinsbindungsfrist der zugeordneten Darlehen gestiegenen Zinsniveaus erziele der Kläger auf diese Weise über die Laufzeit des Swaps einen jährlichen Zinsvorteil von etwa 0,95 %. Insgesamt ergebe sich bis zum Ende der Laufzeit des Swaps so eine Ersparnis von € 482.109,02 (vgl. S. 3 des Schriftsatzes der Beklagten vom 15. Januar 2013, GA 454).
Der Kläger hat demgegenüber eingewandt, dass die Darlehen bis zum 24. November 2010 festgeschrieben gewesen seien und es ihm danach möglich gewesen wäre, Darlehen zu günstigeren Konditionen abzuschließen. Insgesamt hätte er bei Abschluss einer zehnjährigen Zinsfestschreibung einen Vorteil von € 31.264,96 und bei Abschluss einer fünfjährigen Zinsbindung sogar einen Nachteil von € 52.269,51 erlitten (vgl. S. 3 ff. des Schriftsatzes des Kläger vom 7. Februar 2013, GA 458 ff.).
Der Einwand des Klägers greift nicht durch. Auf das von ihm herangezogene Ende der Zinsbindung ist nicht abzustellen, da es sich auf die Darlehen bezieht, die nach Abschluss des Flexi-Swaps mit variablen Konditionen vereinbart worden waren. Maßgeblich ist das Ende der Zinsbindungsfrist der ursprünglichen Festzinsdarlehen (in der Bezeichnung des Klägers die Kredite 21, 29, 30 und 37, vgl. Anlage B30), die durch den Flexi-Swap zusammengefasst wurden und deren Zinsbindung am 30. Juni 2007 (Grunddarlehen 21 und 30) bzw. am 15. Mai 2007 (Grunddarlehen 29 und 37) auslief, wie sich aus S. 18 und S. 19 der den Flexi-Swap vorstellenden Produktpräsentation der Beklagten vom 1. März 2006 (vorgelegt als Anlage B33) ergibt. Ferner sind die Zinssätze für eine zehnjährige Festschreibung maßgeblich, die der Kläger in der Vergangenheit unwidersprochen stets gewählt hat.
Damit sind für die Berechnung der W die von der Beklagten genannten Eckdaten heranzuziehen. Derzeit anzurechnen sind allerdings lediglich die zum Schluss der mündlichen Verhandlung bei dem Kläger tatsächlich vorhandenen W. Sie bestehen in der Ersparnis des Klägers, die sich auf der Grundlage der Berechnungen der Beklagten (vgl. deren Tabelle auf S. 3 ihres Schriftsatzes vom 15. Januar 2013, GA 454) bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung ergibt und die sich auf (€ 313.109,12 + € 13.193,18 + € 14.730,29 =) € 341.032,59 beläuft. Weitere von dem Kläger ggf. noch erzielte W sind erst zu berücksichtigen, wenn sie tatsächlich entstehen.
cc) Ferner sind auf den Ersatzanspruch des Klägers die Gewinne anzurechnen, die er mit weiteren von ihm mit der Beklagten geschlossenen Swapgeschäften erzielt hat und die sich auf einen – der Höhe nach unstreitigen – Betrag von € 920.147,68 belaufen.
dd) Danach übersteigen die anzurechnenden W des Klägers den erlittenen Schaden derzeit um (€ 225.655,08 – [€ 341.032,59 + € 920.147,68] =) € 1.035.525,19 und es verbleibt kein in Geld auszugleichender Schaden.
5. Aufgrund der festgestellten Pflichtverletzung hat der Kläger Anspruch auf Freistellung von der Verpflichtung, weitere Zahlungen auf die angegriffenen Swapgeschäfte zu leisten, und damit Anspruch auf die begehrte Feststellung, jedoch nur nach näherer Maßgabe der nachfolgenden Ausführungen.
B) Der Antrag des Klägers festzustellen, dass aus den zum Gegenstand dieses Rechtsstreits gemachten Swapverträgen keine Zahlungspflichten entstanden sind und/oder entstehen werden, umfasst die tenorierte Feststellung des Freistellungsanspruchs. Die anders lautende wörtliche Fassung des Antrags des Klägers beruht auf der in der Klageschrift in den Vordergrund seiner Argumentation gestellten Auffassung, die Verträge seien bereits nicht wirksam zustande gekommen. Ergänzend beruft er sich jedoch schon ausweislich seiner Klagebegründung auf Beratungspflichtverletzungen und einen daraus folgenden Schadensersatzanspruch, der rechtlich auf Freistellung von weiteren Zahlungspflichten gerichtet ist, und macht neben der Nichtigkeit auch diese Rechtsfolgen geltend. Angesichts dieser Gericht und Gegner erkennbarer Umstände führt die entsprechend §§ 133, 157 BGB vorzunehmende und an dem allgemeinen Grundsatz auszurichtende Auslegung, wonach mit einer Prozesshandlung von der Partei im Zweifel dasjenige gewollt ist, was nach Maßstäben der Rechtsordnung vernünftig ist und ihrer recht verstandenen Interessenlage entspricht (vgl. etwa BGH, Beschluss vom 19. November 2009 – XI ZB 15/09 [unter II 1 b aa]), zu dem Ergebnis, dass der Klageantrag auch auf die Feststellung der zuerkannten Rechtsfolge gerichtet ist.
b) In der Sache hat der so verstandene Feststellungsantrag teilweise Erfolg. Die Ersatzpflicht der Beklagten beinhaltet auch ihre Pflicht, den Kläger freizustellen von der Verpflichtung weitere Zahlungen auf die noch laufenden Swapgeschäfte zu leisten, die er ohne die Pflichtverletzung der Beklagten nicht geschlossen hätte, wobei die Freistellungsverpflichtung als Teil der geschuldeten Schadensersatzleistung durch anzurechnen W begrenzt ist.
Die Freistellungsverpflichtung der Beklagten entfällt nicht deshalb, weil der Kläger anzurechnende W erzielt hat, die derzeit den von ihm erlittenen Schaden um € 1.035.525,19 übersteigen. Es ist ungewiss, in welcher Höhe aus den zwischen den Parteien noch laufenden, von dem Kläger zum Gegenstand dieses Rechtsstreits gemachten Swapgeschäften insgesamt Zahlungspflichten entstehen werden, so dass nicht feststeht, dass die anzurechnen W diese Zahlungspflichten übersteigen werden. Vielmehr erscheint es angesichts des erheblichen negativen Marktwertes, den die zwischen den Parteien noch bestehenden Swapgeschäfte aufweisen, wahrscheinlich, dass weitere, die anzurechnenden W übersteigende Zahlungspflichten des Klägers entstehen.
Allerdings kann vor dem Hintergrund der getroffenen Feststellungen zu dem entstandenen Schaden nicht uneingeschränkt ausgesprochen werden, dass der Kläger von jeglicher Verpflichtung, noch Zahlungen auf die in diesem Rechtsstreit angegriffenen Swapgeschäfte leisten zu müssen, freizustellen ist.
Der Kläger kann – wie ausgeführt – nicht isoliert Ersatz ihrer erlittenen Verluste beanspruchen, sondern muss sich die erzielten W auf den erlittenen Schaden anrechnen lassen. Die Grundsätze der Vorteilsausgleichung gelten auch für den dem Kläger zustehenden Freistellungsanspruch, der in seinem Umfang ebenso durch die anzurechnenden W beschränkt wird wie ein Zahlungsanspruch. Dies hat zur Folge, dass der Kläger zu weiteren Zahlungen auf die mit der Beklagten geschlossenen und bei der Bemessung des insgesamt entstandenen Schadens zu berücksichtigenden Swapgeschäfte nicht verpflichtet ist, wenn und soweit solche Zahlungen nicht mehr durch schon erzielte Gewinne „aufgezehrt“, also bei einer Gesamtbetrachtung wie der vorstehend vorgenommenen zu einer Vermögenseinbuße des Klägers führen würden. Erfolg haben kann das Feststellungsbegehren deshalb kann nur in der tenorierten, gegenüber dem Antrag des Klägers etwas eingeschränkten Form.
6. Weitergehende Ansprüche stehen dem Kläger nicht unter anderen rechtlichen Gesichtspunkten zu. Sie können insbesondere nicht aus § 812 Abs. 1 S. 1 1. Alt. BGB herleitet werden, weil nicht festzustellen ist, dass die Swapgeschäfte bereits dem Grunde nach nichtig und deshalb die Beklagte zur Herausgabe des aus ihnen erlangten verpflichtet ist.
B) Es besteht keine Nichtigkeit aufgrund eines Verstoß gegen das allgemeine Spekulationsverbot für Kommunen oder eines damit verbundenen Handelns außerhalb des Aufgaben- und Wirkungskreises der Stadt (sog. ultra-vires-Lehre). Zwar sind die Kommunen verpflichtet, ihre Haushaltswirtschaft wirtschaftlich, effizient und sparsam zu führen und so zu planen und zu führen, dass die stetige Erfüllung ihrer Aufgaben gesichert ist (§ 75 Abs. 1 GO NRW). Hierzu gehört es, Kredite nur für Investitionen und zur Umschuldung aufzunehmen (§ 86 Abs. 1 GO NRW), eine angemessene Liquiditätsplanung sicherzustellen (§ 89 Abs. 1 GO NRW) und bei Geldanlagen auf eine ausreichende Sicherheit zu achten; sie sollen einen angemessenen Ertrag erbringen (§ 90 Abs. 2 Satz 2 GO NRW).
b) Der Abschluss der Swapgeschäfte stellt sich nicht als sittenwidrig im Sinne des § 138 Abs. 1, Abs. 2 BGB dar (vgl. OLG Frankfurt, Urteil vom 30. Dezember 2009 – 23 U 175/08, bei juris; LG Wuppertal, Urteil vom 16. Juli 2008 – 3 O 33/08, bei juris Rn. 73; B.B. LG Dortmund, Urteil vom 5. Juli 2013 – 6 O 85/12, bei juris Rn. 34 ff.). Der Abschluss spekulativer oder risikoreicher Geschäfte ist grundsätzlich zulässig und besondere Umstände, die gleichwohl eine Sittenwidrigkeit begründen könnten, liegen nicht vor (vgl. näher das Urteil der Kammer vom 11. Mai 2012 – 8 O 77/11, bei juris Rn. 114 ff.).
Der (sinngemäß gestellte) Antrag des Klägers, die teilweise Erledigung der Hauptsache festzustellen, hat keinen Erfolg.
1. Die einseitig gebliebene Teilerledigungserklärung des Klägers ist entsprechend §§ 133, 157 BGB dahin auszulegen, dass er beantragt, insoweit die Erledigung des Rechtsstreits in der Hauptsache festzustellen. Auf diesen Feststellungsantrag kann der Kläger seinen ursprünglichen Leistungsantrag im Wege der gemäß § 264 Nr. 2 ZPO privilegierten Klageänderung (vgl. BGH, Urteil vom 7. Juni 2001 – I ZR 157/98 [unter 1]) ohne weiteres teilweise beschränken und ihn neben den von ihn weiterverfolgten Ansprüchen geltend machen. Das für den nunmehr geltend gemachten Feststellungsantrag erforderliche rechtliche Interesse (§ 256 Abs. 1 ZPO) ergibt sich aus der günstigen Kostenfolge, die der Kläger mit seinem Antrag im Erfolgsfalle erzielen kann.
2. In der Sache hat der Antrag des Klägers keinen Erfolg.
B) Erledigung der Hauptsache tritt ein, wenn die Klage im Zeitpunkt des nach ihrer Zustellung eingetretenen erledigenden Ereignisses – einer Tatsache mit Auswirkungen auf die materiell-rechtlichen Voraussetzungen der Zulässigkeit oder Begründetheit der Klage – zulässig und begründet war und durch dieses Ereignis gegenstandslos, d.h. unzulässig oder unbegründet, geworden ist (vgl. BGH, Urteil vom 27. Januar 2010 – VIII ZR 58/09 [unter II 1]).
b) Diese Voraussetzungen liegen nicht vor. Soweit der Kläger den Rechtsstreit in der Hauptsache für erledigt erklärt hat, war seine Klage unbegründet. Ein Auskunftsanspruch stand dem Kläger nicht zu. Die Beklagte musste und konnte dem Kläger nicht gemäß § 676 BGB einen Nachweis über die Ausführung von Zahlungsvorgängen an den von ihm benannten Tagen erteilen, weil der Kläger an diesen Tagen keine Zahlungen geleistet hatte.
Dem mit der Widerklage geltend gemachten vertraglichen Zahlungsanspruch der Beklagten in – der zwischen den Parteien nicht streitigen – Höhe von € 1.120.355,30 steht der Freistellungsanspruch des Klägers aus § 280 Abs. 1 BGB entgegen. Letzterer ist jedoch durch die nach den Grundsätzen der Vorteilsausgleichung anzurechnenden W begrenzt. In dieser Höhe (€ 1.035.525,19) besteht die Widerklageforderung fort.
Der Zinsanspruch der Beklagten folgt aus §§ 288 Abs. 2, 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB.
Die Kostenentscheidung beruht auf § 92 Abs. 1 S. 1 ZPO. Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus § 709 S. 1, 2 ZPO.
Der Streitwert beläuft sich auf € 7.006.604,67. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus den Werten des ursprünglichen Zahlungsantrags der Klage (€ 554.404,67) und dem Wert des Feststellungsantrags (Klageanträge zu 2 bis zu 5). Dieser Wert entspricht der Summe der sich bei Klageerhebung ergebenden negativen Marktwerte der Swapgeschäfte, die der Kläger unbeanstandet auf € 6.421.700 beziffert hat. Die Widerklage hat nach diesem Datum fällige Zahlungen zum Gegenstand, so dass sich ihr Wert in den Marktwerten widerspiegelt, weshalb sie im Sinne von § 45 Abs. 1 S. 3 GKG insoweit denselben Gegenstand wie der Klageantrag zu 2 betreffen. Ferner ist dem Streitwert der Auskunftsanspruch mit 10 % des von dem Kläger geschätzten und mit dem Hilfsantrag geltend gemachten Betrages (= € 30.500) hinzuzurechnen. Der (zurückgenommene) Hilfsantrag erhöht den Streitwert gemäß § 45 Abs. 1 S. 2 GKG nicht. Eine zeitlich abgestufte Streitwertfestsetzung im Hinblick auf den zurückgenommenen sowie den einseitig für erledigt erklärten Teil des Rechtsstreits ist entbehrlich, weil die entsprechenden Erklärungen nach Beginn der ersten mündlichen Verhandlung und damit zu einem Zeitpunkt abgegeben wurden, als bereits alle Gebühren nach dem ursprünglichen vollen Streitwert entstanden waren.
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