Source: https://www.grin.com/document/463303
Timestamp: 2019-11-11 22:54:16
Document Index: 181733372

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 32', '§ 1', '§ 63', '§63', '§ 63', '§ 70', '§ 64', '§ 32', '§ 1']

Der Robo-Advisor im Vergleich zur klassischen Anlageberatung. ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
H D Hendrik Duschner (Autor)
2 Portfoliomanagementprozess
2.3 Darstellung aktiv und passiv gemanagter Fonds im Portfolio
3 Geldanlageberatung: Finanzberater vs. Robo-Advisor
3.1 Rechtliche Rahmenbedingungen bei der Geldanlageberatung
3.2 Die traditionelle Bankberatung
3.3 FinTech Robo-Advisor: Definition und Charakteristika
3.4 Rechtliche Zusätze für den Robo-Advisor
3.5 Marktsituation Robo-Advisor in Deutschland
4.1 Auswahl der Banken
4.3 Auswahl der Fonds bzw. Robo-Advisor-Portfolios
4.4 Vorgehensweise der Analyse
Anhang: Anlageprozess ginmon
Anhang: Anlageprozess quirion
Anhang: Anlageprozess fintego
Anhang: Anlageprozess justETF
Abbildung 1: Prozessphasen des Portfoliomanagements
Abbildung 2: Abbildung Marktportfolio nach Markowitz
Abbildung 3: Wertentwicklung Musterkunden 1 und 4 (Anlegertyp 1)
Abbildung 4: Wertentwicklung Musterkunden 2 und 5 (Anlegertyp 2)
Abbildung 5: Wertentwicklung Musterkunden 3 und 6 (Anlegertyp 3)
Tabelle 1: Auswahl der Banken
Tabelle 2: Die Musterkunden
Tabelle 3: Ausgewählte hauseigene Bankenfonds
Tabelle 4: Robo-Advisor-Portfolios
Tabelle 5: Gegenüberstellung der durchschnittlichen Portfolioaufteilungen der Bank-Fonds und der Robo-Advisor-Portfolios
Tabelle 6: Übersicht der Wertentwicklungen
Tabelle 7: Übersicht der Renditen und Standardabweichungen Bankenfonds/Robo-Advisor-Portfolios
Formel 1: Erwartete Portfoliorendite
Formel 2: Erwartetes Portfolio Risiko
E Erwartungswert
S Summe
p prozentuale Eintrittswahrscheinlichkeit
z prozentuale Aufteilung
Das Geldvermögen der Deutschen betrug Ende 2016 rund 5.600 Mrd. Euro. Dieses Vermögen wurde hauptsächlich in Versicherungen (rund 2.149 Mrd. Euro) bzw. in Spar-, Sicht- und Termineinlagen (rund 2.000 Mrd. Euro) angelegt. Die mit vergleichsweise mehr Risiken behafteten Anlagen, wie Investmentfondsanteile (518 Mrd. Euro), Aktien (373 Mrd. Euro) und Schuldverschreibungen (127 Mrd. Euro), spielten für den deutschen Anleger eine untergeordnete Rolle.[1] Aufzeichnungen seit 1991 zeigen, dass die Deutschen jedes Jahr ihr erspartes Geld überwiegend bei der Bank anlegen oder parken, anstatt es in Aktien oder auch in Investmentfonds anzulegen. Der Grund für diese Anlageentscheidung ist oft fehlendes Wissen über finanzielle Zusammenhänge.[2]
Seit der Finanzmarktkrise 2007/2008 wurde der Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte von 4,25 % auf heute 0,00 % gesenkt.[3] Die Europäische Zentralbank versucht mit Hilfe günstiger Kreditzinsen Unternehmen zu Investitionen zu bewegen, um so die Wirtschaft anzukurbeln.[4] Diese Reduzierung der Kreditzinsen hat auch eine Auswirkung auf die Zinsen für die Geldanlage. Die Rendite einer der 10-jährigen Bundesanleihe liegt bei 0,09 % (19.02.2019).[5] Die Inflation in Deutschlang beträgt 1,7 % p.a. (2018),[6] welches zu einer Differenz zwischen dem Anlagezinssatz der Bundesanleihe und der Inflation von -1,61 % führt. Diese negative Differenz bedeutet, dass der Sparer bei einer Geldanlage in eine 10-jährige deutsche Bundesanleihe real einen Geldverlust erleidet. Um den realen Wert des Geldes zu erhalten, ist er gezwungen, weitere Sparformen, die möglicherweise mit einem höheren Risiko behaftet sind, zu nutzen.
Der Anleger hat die Möglichkeit, sich selbst um die Finanzen zu kümmern oder er sucht das Gespräch mit einem auf die Anlage spezialisierten Bankberater. Eine Studie von Hans-Martin von Gaudecker hat ergeben, dass es unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Anlage von Geldern gibt. Von Gaudecker unterscheidet drei Gruppen: Personen, die alleine Entscheidungen treffen (ca. 50 % der Befragten), solche, die Unterstützung und Ratschläge von Familie und Freunden entgegennehmen (25 %), und Personen, die sich von einem Finanzberater informieren lassen (25 %). Die Erkenntnis dieser Studie ist, dass das Verlustpotenzial bei selbst gemanagten Portfolios um rund 53 Basispunkte höher war, als wenn ein professioneller Finanzberater zu Rate gezogen wurde. Von Gaudecker analysiert zwei mögliche Gründe für diese abweichende Entwicklung. Zum einen gibt es eine Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und zum anderen eine zu geringe Anlagendiversifikation. Auf ähnliche Ergebnisse kommt von Gaudecker auch, wenn er die Kosten für eine professionelle Beratung mit einbezieht. Dieses Ergebnis zeigt sich sowohl bei aktiv gemanagten Portfolios als auch bei der Nutzung von kostengünstigen Exchange Traded Funds (ETF), die lediglich einen vorher festgelegten Index abbilden.[7]
Aufgrund der vorhandenen realen Entwertung des Geldes und der Vorteilhaftigkeit der professionellen Portfoliogestaltung steht der Sparer in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung vor der Frage, mit wessen Hilfe er sein Geld anlegt. Zum einen hat er die Möglichkeit, sich von seiner Hausbank beraten zu lassen, und zum anderen kann er sein Geld einem sogenannten Robo-Advisor anvertrauen. Der Robo-Advisor ist ein digitaler und auf Algorithmen basierter Finanzberater. Im Grundsatz unterscheidet sich die klassische Anlageberatung vom digitalen Robo-Advisor lediglich in der Kostenstruktur bzw. in der Art und Weise der Abwicklung. Der Prozess bis hin zur Portfoliogestaltung ist ähnlich aufgebaut. Bei beiden Verfahren werden im ersten Schritt Daten vom Anleger aufgenommen. Diese Daten umfassen alle für die Vermögensanlage relevanten Informationen, wie z.B. das Einkommen, das Alter und die Ziele der Geldanlage. Warum der Robo-Advisor eine nähere Betrachtung wert ist, zeigt das prognostizierte Wachstum. Das weltweit von den am Markt tätigen Robo-Advisor verwaltete Vermögen betrug 2014 rund 13 Mrd. US-Dollar, in 2018 waren es bereits 150 Mrd. US-Dollar, und Experten gehen für das Jahr 2020 von rund 400 bis 500 Mrd. US-Dollar aus. In Deutschland betrug der Anteil des von einem Robo-Advisor verwalteten Vermögens im Jahr 2018 rund 0,067% (100 Millionen USD). Prognostiziert wird, dass dieser Anteil bis 2020 auf 4 bis 5%, also rund 20–25 Mrd. USD, steigt. Es ist zu erkennen, dass der Robo-Advisor einen entscheidenden Einfluss auf die zukünftige Form der Geldanlage haben kann.[8] Diese prognostizierte Entwicklung zeigt jedoch nicht, welche der beiden Varianten die besseren Erträge für den Anleger erwirtschaftet.
Aus der beschriebenen Situation am Kapitalmarkt und der dargestellten Vorteilhaftigkeit einer professionellen Geldanlageverwaltung ergeben sich für den Privatkunden die Fragen, welche Geldanlagemöglichkeit die richtige für ihn ist und welche Art und Weise der Geldanlagenverwaltung er nutzen sollte. Diese Arbeit geht der Forschungsfrage nach, inwieweit der Robo-Advisor eine Alternative zur persönlichen Beratung ist und inwiefern sich beide Arten der Vermögensstrukturierung in der Wertentwicklung unterscheiden. Neue Konkurrenz bei der strukturierten Geldanlage kann zum Nachteil für die Banken werden. Vorteilhaft könnten Kooperationen zwischen Banken und Robo-Advisors sein. Bei der Beurteilung dieses Vorteils, stehen insbesondere die Kosten und der Nutzen für die Bank im Vordergrund.
Um diese Fragen zu eruieren, werden in dieser Bachelor-Thesis zwei Schwerpunkte gesetzt. Zum einen wird der Vermögensstrukturierungsprozess aufgezeigt, und zum anderen die Bankberatung dem Anlageprozess des Robo-Advisors gegenübergestellt. Die grundlegende Portfolioplanung wird anhand der drei Prozessphasen (Planung, Realisierung, Kontrolle) nach Poddig et. al.[9] beschrieben. In dieser deskriptiven Beschreibung wird ebenfalls die Vorteilhaftigkeit der Portfoliobildung, welche Harry M. Markowitz untersucht hat, erläutert. Bei der Zusammenstellung eines Portfolios hat eine Privatperson mehrere Teilkomponenten zu beachten. Neben der persönlichen Situation darf auch die Auswahl von geeigneten Finanzprodukten nicht fehlen. Da es diverse Finanzprodukte gibt, wird in diesem Teil der Arbeit der Fokus auf die Anlage in Investmentfonds gelegt. In diesem Zusammenhang werden die Unterschiede zwischen einem aktiv gemangten Fonds und einem ETF dargestellt. Die grundlegenden Definitionen bzw. Darstellungen von einzelnen Sachverhalten werden anhand von aktueller Literatur, Berichten und Auswertungen sowie Statistiken erarbeitet.
Auf diesem theoretischen Hintergrund aufbauend, wird kurz die Bankberatung beschrieben und der Geldanlageprozess des Robo-Advisors charakterisiert. Außerdem wird der Begriff Robo-Advisor in den Bereich der Fintechs eingeordnet. Aufgrund der Vielzahl an Robo-Advisors am Markt werden ein paar von ihnen kurz vorgestellt. Diese Darstellung der einzelnen Vorgehensweisen basiert auf den jeweiligen Internetpräsenzen der ausgewählten Robo-Advisors. Mit Hilfe dieser Auswahl kann sich der Leser einen Überblick über die verschiedenen Prozesse der Geldanlage eines Robo-Advisors verschaffen. Außerdem zeigt diese Auswahl, wie ausführlich eine Beratung eines Robo-Advisors sein kann. In dieser Gegenüberstellung wird auch deutlich, welche Auflagen die beiden Arten der Geldanlage gemäß der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu erfüllen haben.
Im empirischen Teil der Bachelor-Thesis werden die ausgewählten Robo-Advisor-Portfolios mit den von den ausgewählten Banken vermögensverwalteten Fonds verglichen. Die vermögensverwaltenden Fonds stellen hierbei die Vermögenswertentwicklung einer Bankberatung dar. Die ausgewählten Banken haben alle ihren Hauptsitz in Nordwestdeutschland. Durch die Eingrenzung auf eine bestimmte Region reduziert sich die Anzahl der betrachteten Banken und Fonds, bei gleichzeitig miteinander im Wettbewerb stehenden Unternehmen und ein Rückschluss auf die Forschungsfrage ist möglich. Bei dieser Gegenüberstellung wird darauf geachtet, dass Portfolios mit ähnlichen Finanzinstrumenten, insbesondere in Bezug auf deren prozentuale Aufteilung, verglichen werden. Diese Aufteilung ist notwendig, da wirtschaftliche Impulse sich unterschiedlich auf die Wertentwicklung eines Finanzinstruments auswirken. Für die Beurteilung der Wertentwicklung im analytischen Teil dieser Arbeit werden die Investmentfondspreise der einzelnen Fonds/ETFs betrachtet. Diese Investmentpreise werden mit Hilfe eines Bloomberg© Datenbankzugangs erzeugt und in eine Microsoft-Excel-Datei übertragen. Zur besseren Darstellung für den Leser werden diese Zahlen in geeignete Diagramme transferiert. Diese Betrachtung umfasst ebenfalls die unterschiedlichen jährlichen Verwaltungsgebühren der jeweiligen Arten der Vermögensverwaltung.
Nach dieser Auswertung wird ein Fazit gezogen, das die Ergebnisse zusammenfasst und die zuvor beschriebenen Forschungsfragen beantwortet. Darüber hinaus werden die Resultate und die Vorgehensweise zur Ermittlung der Ergebnisse kritisch reflektiert. Auf Basis dieser Schlussbetrachtung wird ein Ausblick auf die Zukunft gegeben und weitere Aspekte für eine mögliche weiterführende Forschung aufgezeigt.
Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung Poddig, T. et al., Portfoliomanagement, 2009, S. 15.
Die Anlegeranalyse steht in einer Anlageberatung an erster Stelle. Auf Basis dieser Analyse folgen die weiteren Schritte der Beratung. „Die Anlegeranalyse setzt den Rahmen für die anzustrebenden Ziele und die zulässige Auswahl aus dem Anlageuniversum.“[10] Neben den Zielen des Anlegers werden ebenfalls Vorstellungen für die Portfoliogestaltung ermittelt. In der Literatur werden drei wesentliche Ziele festgestellt: Rentabilität, Sicherheit und Liquidität. Der beste Zustand für den Anleger ist dann gegeben, wenn alle drei Ziele vollständig erfüllt werden können. Aufgrund von konkurrierenden Zielbestimmungen ist eine 100-prozentige Zielerreichung jedoch nicht möglich. Eine hohe Rendite geht bspw. zu Lasten der Sicherheit. In der Anlageberatung werden diese drei Ziele auch als magisches Dreieck beschrieben. Außerdem können u. a. ein Transaktionslimit oder steuerliche Besonderheiten zu weiteren Einschränkungen in der Portfoliogestaltung führen.[11] Diese genannten Ziele und exogenen sowie endogenen Restriktionen haben Einfluss auf die Präferenzen des Investors. Die Präferenzen lassen sich mit Hilfe einer Risiko-Nutzen-Funktion abbilden. Konkret zeigt eine solche Funktion, dass, bei Unterstellung eines risikoaversen Investors, bei jedem größeren einzugehenden Risikos der Investor einen überproportional höheren Gewinn erwarten darf.[12] Aus diesen Zielen und der Risiko-Nutzen-Funktion werden im folgenden Schritt die Anlegermotive, die intrinsischen Charakter haben, geschlossen. Diese Motive lassen sich nur schwer ermitteln und stehen teilweise in einem Gegensatz zu den ursprünglichen Zielen. Die gefundenen Motive werden in eine Rangfolge gesetzt. Eine der bekanntesten Motivhierarchien ist die Bedürfnispyramide von Maslow. Maslow entwickelte 1950 eine Pyramide mit folgender aufsteigender Bedürfnis-Reihenfolge: physiologische Bedürfnisse, Sicherheitsbedürfnisse, Achtungsbedürfnisse, Selbstverwirklichungsbedürfnisse. Welche Motive der Anleger in welche Stufe der Pyramide kategorisiert, hängt u. a. von der Einkommenssituation oder der gesellschaftlichen Schicht ab.[13]
Die Anlegerpräferenzen beeinflussen die Vermögensverwaltungsanalyse bzw. ergänzen diese. Die Vermögensverwaltungsanalyse ist dann relevant, wenn der Anleger sein Vermögen von jemand Drittem verwalten lässt. Der Vermögensverwalter hat klar definierte Prozesse, um die zuvor formulierten Ziele zu erreichen. Diese Investmentprozesse der Manager haben maßgeblichen Einfluss auf den Umgang mit dem erhaltenen Vermögen der Kunden. Somit sollte der Dritte hinsichtlich seiner Erfahrungen und Fähigkeiten geprüft werden, um so ein mögliches Vertrauensverhältnis zwischen ihm und dem Anleger zu schaffen. Der Investmentprozess macht jeden Asset-Manager einzigartig und fördert die Abgrenzung eines jeden Einzelnen am Markt. Ein Investor muss von dem Investmentprozess überzeugt werden, damit er in diesen investiert. Mit Hilfe dieses Prozesses und mit den Zielen des Anlegers werden die jeweiligen Investitionen getätigt und führen fortlaufend zu einer Wertentwicklung der Kundengelder. Die Wertentwicklung der Anlage lässt den Kunden verschiedene Vermögensverwalter mit ähnlichen Anlageschwerpunkten unterscheiden und der Kunde kann beurteilen, wie der Vermögensverwalter gearbeitet hat.[14]
Die ermittelten Erkenntnisse werden im nächsten Schritt mit der Finanzanalyse in Verbindung gebracht. Die Finanzanalyse beschäftigt sich mit der Erfassung und Auswertung aller Informationen, die nicht den Anleger betreffen, sondern direkt mit der Investition zu tun haben. Die Analyseobjekte der Finanzanalyse sind Währungen, Zinsen, Unternehmen sowie Privatpersonen. Es wird versucht, die zukünftigen Kurs-, Zins- sowie Bonitätsentwicklungen möglichst umfassend abzubilden. Für diese Ermittlung werden zwei Methoden genutzt, die Fundamentalanalyse und die technische Analyse. Beide Analysen haben gemeinsam, dass aus vergangenheitsbasierten Daten zukünftige Kurse prognostiziert werden, um die Frage zu beantworten, ob ein Investitionsobjekt fair bewertet bzw. über- oder unterbewertet ist.[15]
Die Fundamentalanalyse dient zur Ermittlung eines inneren Wertes eines Finanzinstruments. Der innere Wert setzt sich aus ökonomischen Daten, wie z. B. aktuellen Gewinnen und Gewinnausschüttungen zusammen. Der ermittelte innere Wert kann für sich alleine nur schwer eine Antwort auf die Frage der Bewertung eines Investitionsobjektes geben. Im Zusammenhang mit dem aktuellen Marktpreis lässt sich jedoch ermitteln, ob der Wert fair, günstig oder teuer ist. Liegt der innere Wert über dem aktuellen Marktwert, kann vermutet werden, dass der Wert derzeit unterbewertet und somit ,günstig‘ ist und eine Investition näher in Betracht gezogen werden sollte. Neben der Beurteilung eines Investitionsobjektes mit dem Marktpreis, können mehrere innere Werte von verschiedenen Investitionsobjekten einer Branche gegenübergestellt werden und Aufschluss darüber geben, welches Investitionsobjekt aus der Branche für ein Investment interessant ist. Die Grundhypothese bei der Fundamentalanalyse ist, dass sich der innere Wert früher oder später dem aktuellen Marktpreis annähert.[16]
Die technische Analyse hingegen geht davon aus, dass die zukünftigen Kurse auf Basis der vergangenen Kurse bestimmt werden. Die Instrumente dieser Analyse sind Indikatoren, wie z. B. gleitende Durchschnitte oder bestimmte Muster im Chartverlauf, aus denen sich die zukünftige Wertentwicklung ableiten lässt. Bei dieser Strategie geht der Investor von einem prozyklischen Kursverlauf aus. Sobald ein Trend, sowohl ein positiver als auch ein negativer, erkennbar ist, kann sich der Kursverlauf, gemäß dieser Annahme, diesem Trend nicht beugen und verläuft in die gleiche Richtung. Dieser Trend verändert sich erst, wenn markante Punkte im Chartverlauf über- oder unterschritten werden. Durch das Erkennen von Trendmustern sollen vorschnelle Reaktionen bei zittrigen Kursbewegungen ausgeschlossen werden. Die technische Analyse sagt aus, dass der Investor so lange investiert bleiben soll, wie ein positiver Trend erkennbar ist, bzw. dann investiert, wenn aus dem negativen ein positiver Trend resultiert.[17]
Ungeachtet davon, welche der Methoden für die Finanzanalyse genutzt wird oder inwiefern beide Methoden in Erwägung gezogen werden, werden die Ergebnisse aus der Finanz- und der zuvor angesprochenen Anleger- sowie Vermögensverwaltungsanalyse in ein Anlegerkonzept zusammengefasst. Auf dessen Basis wird im nächsten Schritt das Portfolio zusammengestellt.
Die Zusammenstellung des Portfolios nennt sich Asset-Allocation und umfasst die Aufteilung des Anlagebetrages auf die zur Auswahl stehenden unterschiedlichen Anlageklassen und deren Gewichtung. Das Portfolio wird in mehreren Phasen systematisch gebildet. Die systematische Bildung eines Portfolios basiert auf der zukünftigen Rendite- bzw. zukünftigen Risikoeinschätzung.
Die erwartete Rendite r eines Portfolios P wird auf Basis der einzelnen Renditeerwartungswerten und deren prozentualer Aufteilung z der Wertpapiere i im Portfolio berechnet. Zusätzlich ist die Eintrittswahrscheinlichkeit p der einzelnen Renditen einzubeziehen.[18] Die erwartete Rendite eines Portfolios kann wie folgt dargestellt werden:
Quelle: In Anlehnung an Auckenthaler, C., Mathematik, 1995, S. 77.
Das Risiko wird als Möglichkeit des Abweichens von geplanten Größen in der Zukunft definiert.[19] Das Risiko eines Portfolios kann mit der Standardabweichung dargestellt werden. Die Standardabweichung drückt aus, wie stark die Werte um einen Mittelwert (arithmetisches Mittel) schwanken. Eine niedrige Standardabweichung gibt an, dass die Schwankungen eher gering sind und somit eine Anlage eine geringere Streuung aufweist.[20] Die Standardabweichung basiert auf der Gauß´schen Normalverteilungskurve. Carl Friedrich Gauß hat herausgefunden, dass wissenschaftliche Ergebnisse auf einer ähnlichen Verteilung basieren. Bei der Normalverteilung gilt, dass zwei Drittel einer Wertgruppe denselben Abstand zum Mittelwert haben. Diese zwei Drittel dienen als Erklärungsversuch von Prognosen und Sachverhalten. Die Werte aus dem übrigen Drittel werden als Ausreißer eines Versuchs definiert und werden untergeordnet beurteilt.[21] In mancher Literatur wird ebenfalls von der Varianz gesprochen. Die Standardabweichung bildet sich aus der Wurzel der Varianz. Für die Berechnung der Standardabweichung im Portfolio P wird ebenfalls die prozentuale Aufteilung z der einzelnen Wertpapiere i, j mit der erwarteten Standardabweichung multipliziert. Da Wertpapiere miteinander korrelieren, wird bei der Risikodarstellung noch die sogenannte Kovarianz einberechnet. Die Kovarianz sagt aus, welche unterschiedlichen Kursbewegungen zwischen mehreren Wertpapieren existieren, wenn ein bestimmtes Szenario eintritt.[22] Somit lässt sich das erwartete Risiko eines Portfolios wie folgt darstellen:
Formel 2: Erwartetes Portfolio-Risiko
Quelle: In Anlehnung an Bruns, C., et al., Portfoliomanagement, S. 70.
Das Risiko in einem Portfolio ist minimierbar. Harry M. Markowitz hat in seiner Arbeit Portfolio Selection Theorie im Jahr 1952 herausgefunden, dass Wertpapiere in einem Portfolio korrelieren und dies positive Auswirkungen auf das Gesamtportfolio haben kann. Die Theorie sagt konkret aus, dass mit Hilfe einer größeren Diversifizierung im Portfolio das Gesamtrisiko sinkt und gleichzeitig reduziert sich die Portfoliorendite nicht in demselben Umfang.[23]
Das Risiko eines Wertpapiers setzt sich aus einer marktabhängigen (systematischen) und einer marktunabhängigen (unsystematischen) Variablen zusammen. Die systematische Variable ist abhängig von der gewählten Anlage und tritt immer dann auf, wenn in diese Anlageform investiert wird. Diese Variable bezieht sich auf alle Wertpapiere einer Anlageklasse und nicht auf bestimmte einzelne. Ein Beispiel für ein systematisches Risiko sind negative Aussichten in der Weltwirtschaft, wie dies zu Zeiten der Finanzmarktkrise 2008/2009 der Fall war. Während der Weltwirtschaftskrise sind viele Kurse gefallen und Portfolios sind geschrumpft. Die unsystematische Variable ist wertpapierspezifisch und tritt nur bei dem Investment in eine Anlageklasse oder in ein bestimmtes Wertpapier auf. Als Beispiel sind bewusste Betrügereien eines Unternehmensvorstandes zu nennen. Bei der Offenlegung dieser Vorfälle haben Anleger, die ein Investment in dieses Unternehmen getätigt haben, womöglich Kursverluste zu beklagen, während Anleger, die nicht in das Unternehmen investiert haben, davon nicht betroffen sind.[24]
Werden verschiedene Wertpapiere im Portfolio kombiniert, nähert sich das unsystematische Risiko dem systematischen an, sodass das Risiko eines Portfolios nahezu auf das systematische Risiko reduziert werden kann. Je mehr Wertpapiere in einem gleichgewichteten Portfolio vorhanden sind, desto geringer ist das unsystematische Risiko.[25] Diese Aussage wird ebenfalls durch folgende Grafik beschrieben:
Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Steiner, M. et al., Wertpapiermanagement, 2012, S. 62–63.
Diese Grafik bezieht sich jedoch nur auf die Risikoentwicklung bei einer Portfoliobildung und nicht auf die Renditeentwicklung. Für die systematische Portfoliobildung ist Voraussetzung, dass der Anleger sowohl eine Rendite- als auch eine Risikovorstellung hat.
Handelt der Anleger nur im Sinne der Rendite, dann gilt er als risikofreudig und sollte auf eine Portfoliobildung verzichten. Für den risikofreudigen Anleger empfiehlt es sich, dass er in das Wertpapier investiert, das aus seiner Sicht den höchsten zukünftigen Renditeerwartungswert besitzt. Demgegenüber betrachtet der risikoscheue Anleger im ersten Schritt die Standardabweichung der Wertpapieranlage und sollte das Wertpapier mit dem geringersten Risiko erwerben. An dieser Darstellung der beiden Anlegertypen ist erkennbar, dass bei der Portfoliobildung entscheidend ist, dass der Anleger sowohl die Rendite als auch das Risiko in Betracht zieht. Somit ist eine zweidimensionale Zielfunktion, die ein Bild der zukünftigen Anlage voraussetzt, entscheidend.[26]
Bei der Portfoliobildung wird ebenfalls zwischen der Strategie und der Taktik differenziert. Der Unterschied bei diesen beiden Begriffen ist der zeitliche Horizont. Die strategische Asset-Allocation hat einen langfristigen Charakter und beschreibt die übergeordnete Art und Weise der Kapitalanlage des Anlegers. Bei der langfristigen Anlage wird bspw. festgelegt, in welche Märkte investiert bzw. nicht investiert werden soll. Ist diese strategische Ausrichtung abgeschlossen, erfolgt die taktische Asset-Allocation, die kurzfristig entscheidend ist. Die taktische Asset-Allocation entscheidet darüber, welche Titel oder welche Anlage-Laufzeiten gekauft werden. Daraus folgt, dass die Taktik der Strategie untergeordnet ist.[27]
Existiert bei dem Anleger bereits ein Portfolio und ist die Asset-Allocation bereits erfolgt, wird im Schritt der Realisierung eine mögliche Umschichtung durchgeführt bzw. auch lediglich beobachtet, wie äußere Umwelteinflüsse auf die Anlage einwirken (,Monitoring‘). Hierzu bedarf es veränderter Rahmenbedingungen, die bei der ersten Asset-Allocation noch nicht vorhanden waren (,Upgrading‘). Ein Beispiel für die Veränderung von äußeren Einflüssen ist bspw., dass es neue steuerliche Vorschriften bei der ausgewählten Anlage gibt und diese nicht zu den Anlegervorstellungen passen. Außerdem kann durch Kursgewinne oder -verluste die prozentuale Portfoliostruktur verändert werden. Mit Hilfe des ,Rebalacing-Prozesses‘, ist es möglich, die ursprüngliche Portfoliostruktur wieder herzustellen. Bei diesem Prozess werden ausgewählte Wertpapiere einer Assetklasse ge- bzw. verkauft.[28]
Die Portfoliostruktur sollte zur Diversifikation des unsystematischen Risikos aus mehreren Wertpapieren gebildet werden. Zur Auswahl stehen dem Anleger viele Arten von Wertpapieren. Diese unterscheiden sich u. a. hinsichtlich der Anlageklasse oder der Ausstattungsmerkmale. Diese Thesis beschränkt sich auf das Investment in Investmentfonds in Aktien und Anleihen.
Ein Investmentfonds ist ein von einer Kapitalanlagegesellschaft (KAG) verwaltetes Vermögen, das in verschiedene Anlageklassen angelegt werden kann. Dieses verwaltete Vermögen ist das sogenannte Sondervermögen der KAG und somit im Falle einer Insolvenz der KAG sicher. Sicher bedeutet hier nicht, dass das investierte Vermögen seinen Wert erhält, sondern nur, dass das Vermögen nicht der Insolvenzmasse zufließt. Die Kundengelder werden von der KAG nach zuvor veröffentlichten Richtlinien investiert. Bei diesem Investment gibt es ebenfalls konkrete Richtlinien, die im Investmentfondsgesetz verankert sind. Diese Form der Geldanlage hat den Vorteil, dass quasi ein einzelner Investmentfonds bereits ein Portfolio bildet und die Risikodiversifikation bei der Portfoliobildung zunimmt. Stellt der Anleger sein Portfolio aus mehreren dieser Investmentfonds zusammen, führt dies dazu, dass die einzelnen Wertpapiere einen prozentual geringeren Wert im Portfolio besitzen und so das Risiko weiter diversifiziert wird. Um eine größere Diversifikation zu erhalten, sollte der Anleger darauf achten, dass die unterschiedlichen Fonds nicht die gleichen Wertpapiere beinhalten.[29]
Es gibt verschiedene Investmentfondsarten. Der deutsche Anleger präferiert Aktien- oder Rentenfonds.[30] Eine Aktie ist ein Unternehmensanteil einer Aktiengesellschaft (AG) und der Aktionär hat als Anteilseigner bestimmte Rechte und Pflichten. Der Inhaber einer Aktie hat u. a. das Recht auf eine Gewinnbeteiligung bzw. hat eine Stimme auf der jährlich durchzuführenden Jahreshauptversammlung. Die Emission junger oder neuer Aktien ist eine Form der Kapitalbeschaffung von AGs. Im Falle einer Insolvenz bedeutet diese Zurverfügungstellung von Eigenkapital, dass das Recht auf Rückzahlung nachrangig gegenüber anderen Gläubigern betrachtet wird.[31]
Der Inhaber einer Anleihe, auch Schuldverschreibung genannt, stellt einem Unternehmen Fremdkapital zur Verfügung. Da bei einer Insolvenz zuerst die Forderungen der Fremdkapitalgeber befriedigt werden, bedeutet dies, dass das Risiko im Vergleich zu einer Aktie kleiner ist. Wie bei Investmentfonds gibt es auch bei Anleihen unterschiedliche Formen. Eine Form der Anleihe ist, dass der Kapitalgeber dem Unternehmen für eine bestimmte Laufzeit sein Geld zur Verfügung stellt und für diese Laufzeit einen festen Zinssatz erhält. Diese Form der Anleihe wird auch als klassische Anleihe bezeichnet. Da auch bei dieser Geldanlage Risiken, wie z. B. das Rückzahlungs- oder das Zinszahlungsrisiko, vorhanden sind, ist der Zinssatz je nach Unternehmen und Laufzeit der Anleihe höher als bei einer Geldanlage auf Bankkonten.[32]
Das Volumen zum Stichtag 31.12.2017 in Aktienfonds betrug 394 Mrd. Euro und das Volumen in Rentenfonds 213,8 Mrd. Euro. Außer in Aktien- bzw. Rentenfonds, die ausschließlich Papiere aus der jeweiligen Anlageklasse kaufen, investieren deutsche Anleger noch in Mischfonds. Mischfonds beinhalten unterschiedliche Anteile von verschiedenen Assetklassen. Ein Beispiel für einen Mischfonds ist das Investment der KAG in 60 % Aktien und 40 % Anleihen. Das Volumen in dieser Fondskategorie betrug zum 31.12.2017 262,7 Mrd. Euro.[33]
Ein weiteres Unterscheidungskriterium bei Investmentfonds ist das Management. Es gibt aktiv und passiv gemanagte Fonds.
Bei aktiv gemanagten Fonds gibt es einen oder mehrere Vermögensmanager, die entscheiden, wann und ob welche Wertpapiere auf Basis der Anlagerichtlinien ge- bzw. verkauft werden. In der Literatur wird diese Form der Vermögensverwaltung kritisch beleuchtet.[34] Es steht die Frage im Raum, inwieweit der Vermögensmanager das Geld der Anleger treu verwaltet und mit diesem Geld rational handelt bzw. ob dieser, aufgrund von Bonuszahlungen o. Ä., das Vermögen ohne langes Nachdenken auch in risikoreichere Wertpapiere investiert, um so sein eigenes Vermögen zu vergrößern. Begründet wird dieser Gedanke durch die asymmetrische Informationsverteilung, welche die von der Prinzipal-Agent-Theorie von John W. Pratt und Richard J. Zeckhauer erklärt wird. Die beiden Wirtschaftswissenschafter definieren die Theorie mit dem Satz: „Whenever one individual depends on the action of another, an agency relationship arises.“[35] Ins Deutsche übersetzt bedeutet dies, dass sobald jemand bei der Ausführung einer Aufgabe von jemand anderem abhängig ist, diese Theorie anwendbar ist. Der Kunde ist nach der Theorie der Prinzipal und der Vermögensverwalter der Agent. Der Agent besitzt einen Wissens- und Handelsvorsprung im Vergleich zum Prinzipal und kann diesen für sich nutzen. Entscheidend hierbei ist, dass es bei Investmentfonds Rahmenbedingungen gibt, die der Fondsmanager einhalten muss. Wenn die KAG nur das Investment in europäische Aktien zulässt, kann der Fondsmanager trotzdem zwischen risikoreicheren bzw. schwankungsintensiveren Werten oder risikoärmeren Aktien entscheiden. Unabhängig von dem dargestellten Prinzipal-Agenten-Problem gilt es zu bedenken, dass die beauftragten Vermögensverwalter Geld kosten und der Kunde die Leistung in Form von einer jährlichen Verwaltungsgebühr an die KAG bezahlt. Diese jährliche Gebühr beeinflusst die Wertentwicklung negativ.[36]
Die Kritikpunkte am aktiv gemanagten Investmentfonds wurden erkannt und es wurden passiv gemanagte Investmentfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF), entworfen. Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der keinen Vermögensverwalter besitzt. Ein ETF bildet oftmals einen bestimmten Index, wie z. B. den DAX®, ab und kann über die Börse gekauft und verkauft werden. Der Vorteil liegt darin, dass es hier keinen Vermögensverwalter gibt und die Prinzipal-Agent-Problematik somit reduziert wird. Außerdem hat ein ETF, durch das Wegfallen des Vermögensverwalters, geringere jährliche Verwaltungsgebühren und im Vergleich zum aktiv gemanagten Fonds in Bezug auf die Kosten einen Vorsprung.[37]
Kennt der deutsche Anleger sowohl die Vor- als auch die Nachteile der beiden Varianten, entscheidet er sich überwiegend für das Investment in aktiv gemanagte Fonds. Das Vermögen in aktiv gemanagten Fonds betrug zum 31.12.2017 3.001 Mrd. Euro und stieg von 2006 (1.525 Mrd. Euro) bis 2017 um 196 %.[38] Im Jahr 2017 wurden ca. 131,8 Mrd. Euro in ETFs investiert. Dies sind lediglich 4,39 % von dem Vermögen, das in aktiv gemanagte Fonds angelegt wird. Allerdings beträgt die Steigerung von 2006 (17,6 Mrd. Euro) bis 2017 747,8 %, was zeigt, dass das Interesse an ETFs in den letzten Jahren zugenommen hat.[39]
Ist der Anleger sich über die Chancen, Risiken, Vor- und Nachteile der jeweiligen Anlageklassen im Klaren und ist die Struktur der Vermögensaufteilung, gemäß den Anlegerpräferenzen und Zielen, gebildet, wird der Anlagebetrag investiert. Der Portfoliomanager legt die Gelder nach dem o. g. Asset-Allocation-Prozess an.
Bei betriebswirtschaftlichen Prozessen folgt nach der Durchführung der Bereich des Controllings. Da für eine Privatperson und für Unternehmen ähnliche Vorteile, wie z. B. Rendite der Gelder oder Kostenreduzierung bei neuen Prozessen, im Vordergrund stehen, ist ein entsprechendes Controlling notwendig. Nach Frese werden in der Kontrolle die geplanten und realisierten Ergebnisse vom betrieblichen Handeln miteinander verglichen. Im Deutschen üblich, bedeutet das Controlling lediglich die Durchführung eines Vergleichs zweier oder mehrerer Werte. Die englischsprachigen Forscher fassen den Begriff weiter. Anthony und Dearden verstehen unter Controlling alle Maßnahmen, die es ermöglichen, dass der betriebswirtschaftliche Prozess so läuft, wie der Ersteller es geplant hat. Es umfasst auch die Lenkung, Steuerung und Beherrschung von Prozessen.[40]
Beim Schritt des Controllings bei der Geldanlage wird ein Vergleich vorgenommen. Bei diesem Vergleich rückt die Wertentwicklung in den Fokus. Grundsätzlich kann sich das Portfolio aus Sicht eines Anlegers nach dessen Vorstellungen entwickelt haben oder nicht. Hat sich das Portfolio entsprechend den Vorgaben entwickelt, lässt sich vermuten, dass der Anleger zufrieden ist und er weiter diesem Portfolio vertraut. Ist der Anleger zufrieden, möchte aber die Wertentwicklung trotzdem kritisch betrachten, oder ist er nicht zufrieden, gibt es die Möglichkeit, die Wertentwicklung in einen Zusammenhang mit einem Vergleichsportfolio (,Benchmark‘) zu setzen. Durch diesen Zusammenhang kann die Wertentwicklung des Portfolios nicht nur auf Basis der Vorstellungen eines Anlegers verglichen werden, sondern ebenfalls mit der Wertentwicklung des Marktes. Entscheidend bei dieser Benchmark ist, dass diese alle Anlegerpräferenzen abbildet. Damit das Benchmark-Portfolio mit dem Anleger-Portfolio verglichen werden kann, müssen laut Sharpe vier Bedingungen erfüllt sein: Die Benchmark sollte eine real erwerbbare Anlagealternative darstellen, die Benchmark muss gut diversifiziert sein, der Erwerb soll mit niedrigen Kosten verbunden sein und die Benchmark sollte vor der Anlageentscheidung dem Anleger bekannt sein. Durch die Erfüllung dieser vier Bedingungen ist es, neben der Überprüfung der Anlegerziele und dem Vergleich mit dem Markt, auch möglich, die Wertentwicklung hinsichtlich der Schwankungsbreite, auch Volatilität genannt, in gewissen Marktphasen zu überprüfen. Auch wenn am Ende eines Betrachtungszeitraumes dieselbe Rendite erzielt wurde, kann es sein, dass das Benchmark-Portfolio diese Rendite nur mit einer größeren Volatilität erreicht hat. Eine höhere Volatilität bedeutet für den Anleger, dass bei größeren Schwankungen am Wertpapiermarkt das Portfolio, sowohl positiv als auch negativ, überproportional an der Schwankung partizipiert. Diese überproportionale Schwankung kann, bei einem kurzfristigen ungeplanten Verkauf, zum Nachteil eines Anlegers werden.[41]
Im Folgenden wird ein Beispiel für eine Benchmark gegeben: Der Anleger möchte sein Geld hauptsächlich in den europäischen Aktienmarkt investieren. Da er jedoch nicht sein gesamtes Geld in Aktien anlegen will, besteht sein Portfolio ebenfalls aus 30 % europäischen Unternehmensanleihen. Eine mögliche Benchmark ist in diesem Fall ein Portfolio aus dem europäischen Aktienindex EuroStoxx (70 %) und dem deutschen Rentenindex REX (30 %).
Das Controlling, das u. a. sowohl die Kontrolle der Anlegerpräferenzen als auch die Performancemessung beinhaltet, befindet sich im Portfoliomanagementprozess von Poddig et al. an letzter Stelle. Die dargestellten Vorteile dieses letzten Teilprozesses zeigen jedoch, dass das Controlling nicht vernachlässigt werden darf. Genau wie die korrekte Anlegeranalyse zu Beginn der Geldanlage kann dieses über den Erfolg oder Misserfolg des Portfolios entscheiden.
Der aufgezeigte Vermögensstrukturierungsprozess findet sich sowohl bei der klassischen Bankberatung als auch bei der Geldanlage mit einem Robo-Advisor wieder. Bevor die Unterschiede aufgezeigt werden, soll der rechtliche Rahmen bei einer Finanzberatung im Vordergrund stehen.
Für viele Handlungen gibt es einen rechtlichen Rahmen, in dem sich jeder bewegen muss. Grundsätzlich gilt für Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute das Kreditwesengesetz (KWG). Im KWG ist u. a. definiert, welche Geschäfte genau Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen sind (§ 1 Abs. 1 bzw. 1a KWG). Für die Möglichkeit, Bankgeschäfte auszuüben, sind u. a. zwingend erforderliche Mittel zum Nachweis des Geschäftsbetriebes oder organisatorische Aufbaustrukturen inkl. interner Kontrollverfahren notwendig (§ 32 Abs. 1 Punkt 1. und 5 KWG). Speziell bei der Geldanlage bildet das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) den rechtlichen Rahmen für alle Geschäfte, die mit der Investition in Finanzinstrumente, wie z. B. Fonds, zu tun haben. Die Einhaltung dieser Richtlinien von jedem Wertpapierdienstleistungsunternehmen wird durch die BaFin kontrolliert.
Das WpHG enthält u. a. Regelungen in Bezug auf die Erbringung von Wertpapierdienstleistungen, die Erbringung von Datenbereitstellungsdiensten und den Vertrieb und Verkauf von Finanzinstrumenten (§ 1 Abs. 1, Punkt 1–5 WpHG). Ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen, wie eine Bank oder ein selbstständiger Finanzberater, ist dazu verpflichtet, die Wertpapierdienstleistung ehrlich, redlich und professionell im bestmöglichen Interesse des Kunden durchzuführen (§ 63 Abs. 1 WpHG). Nichtsdestotrotz ist es dem Finanzberater erlaubt, das Finanzinstrument auszuwählen, das für ihn die besten Erträge generiert (Prinzipal-Agenten-Problematik). Aber der Finanzberater muss dem Kunden das Finanzinstrument verständlich näherbringen und insbesondere ist das Finanzinstrument mit einem Zielmarkt, der die Bedürfnisse und Risikobereitschaft des Kunden widerspiegelt, abzugleichen (§63 Abs. 4–5 WpHG).
Zusätzlich muss der Kunde über die Produktmerkmale informiert werden. Diese umfassen alle Chancen, Risiken, mögliche Ausführungsplätze, Kosten und Nebenkosten und deren Auswirkung auf die Rendite, die mit dem Kauf eines Finanzinstrumentes einhergehen. Diese Produktmerkmale sind auf einem Produktinformationsblatt zusammengefasst, das der Kunde vor dem Treffen der Entscheidung auf einem dauerhaften Datenträger (bspw. Papier, Datei in einer E-Mail, USB-Stick) zur Verfügung gestellt bekommt (§ 63 Abs. 7 WpHG). Für die Offenlegung der Kosten schreibt das WpHG außerdem vor, dass die Zuwendungen, die der Berater beim Abschluss erhält, dem Kunden ausgewiesen werden müssen (§ 70 Abs. 1 WpHG). Diese Kosten- und Zuwendungstransparenz ermöglicht es, das Prinzipal-Agenten Problem zu minimieren.
Sind dem Kunden die Zuwendungen, bspw. aufgrund der Qualität der Beratung, zu hoch, kann er vom Finanzberater ein neues Finanzinstrument vorgestellt bekommen. Die Prinzipal-Agenten Problematik ist nur dann ausgeschlossen, wenn der Kunde alle Finanzinstrumente und deren Kosten kennt. Bevor dem Kunden ein Finanzinstrument vorgestellt werden darf, ist es erforderlich, dass das Wertpapierdienstleistungsunternehmen von einem Kunden alle Informationen über die Kenntnisse und Erfahrungen in Bezug auf Geschäfte mit bestimmten Arten von Finanzinstrumenten, über die finanziellen Verhältnisse, über die Fähigkeit zum Tragen von Verlusten und über seine Anlageziele einholt (§ 64 Abs. 3, Punkt 1–3 WpHG).
Zum Abschluss eines jeden Beratungsgesprächs schreibt das WpHG zusätzlich vor, die Beratung zu dokumentieren und diese Dokumentation dem Kunden zur Verfügung zu stellen. Mit Hilfe dieser Dokumentation kann der Kunde dem Unternehmen beweisen, dass er, hinsichtlich des Inhaltes oder des Risikos, falsch beraten worden ist. Im Gegenzug kann die Bank diese Dokumentation nutzen, um die korrekte Beratung zu belegen. Diese Form der Dokumentation wurde 2010 eingeführt. Der Hintergrund war die globale Finanzkrise und die damit einhergehenden Kursverluste von vielen Finanzinstrumenten. Zahlreiche Anleger haben gegen eine Falschberatung geklagt, um so den Wertverlust der getroffenen Geldanlage ersetzt zu bekommen. Um einer weiteren Klagewelle vorzugreifen und im Sinne des Verbraucherschutzes wurde das WpHG um das Beratungsprotokoll ergänzt.[42]
Diese bereits vorhandenen rechtlichen Rahmenbedingungen in der Anlageberatung wurden am 03.01.2018 um die Umsetzung der Finanzmarktrichtlinie MiFID II ergänzt bzw. abgeändert. Eine reine Protokollierung der Beratung ist nicht mehr erforderlich. Nach MiFID II ist nun eine Geeignetheitserklärung abzugeben, worin dargelegt wird, ob das vorgeschlagene Finanzinstrument für den Kunden geeignet ist. Diese Geeignetheitserklärung ist für den Kunden insofern vorteilhafter, als ihm nur die Finanzinstrumente vorgeschlagen werden, die bezüglich der Anlageziele, Präferenzen und weiterer Kundenmerkmale geeignet für ihn sind. Weiterhin ist es seit der Einführung dieser neuen Richtlinie bei einer telefonischen Beratung zwingend, das Gespräch aufzuzeichnen, während früher hier nur ein Beratungsprotokoll notwendig war. Im Sinne des Verbraucherschutzes ist damit ein weiteres Instrument geschaffen worden. Trifft der Anleger die Entscheidung, ein vorgeschlagenes Finanzinstrument zu kaufen, erhält er am Anfang eines neuen Jahres ein Reporting über die gezahlten Gebühren, wie bspw. die Verwaltungsgebühr bei Investmentfonds oder Depotgebühren, und dem Anleger wird aufgezeigt, welche Rendite er ohne diese Kosten erzielt hätte.[43]
Diese strengere Regulatorik durch die BaFin für Wertpapierdienstleistungsunternehmen führt in der Konsequenz zu einem höheren Aufwand bei der Beratung und im Vorfeld bei der Bereitstellung von Ressourcen, um die entsprechenden Prozesse rechtlich anzupassen. Dieser Zeitaufwand entsteht nicht nur durch das Kundengespräch. Neben dem Kundenberater, der die Geeignetheitserklärung zu verfassen hat, betrifft dies auch die Mitarbeiter im Bereich Compliance, die die Erklärungen prüfen müssen. Eine Studie unter 1.600 deutschen Banken hat ergeben, dass pro Beratung der Zeitaufwand um durchschnittlich 34 Minuten steigt. Finanziell bedeutet dies bei angenommenen Vollkosten von 100 Euro pro Stunde, dass ein Beratungsgespräch 57 Euro mehr kostet. Durch diese Mehrkosten sind aus Sicht der Bank Geschäfte unter einer bestimmten Anlagegrenze nicht mehr rentabel.[44] Diese erhöhte Ressourcenbereitstellung hat für kleinere Finanzinstitute die Folge, dass sie die bisher ertragsreiche Geldanlageberatung nicht mehr oder nur eingeschränkt anbieten können.[45]
Die rechtlichen Neuerungen sind für den Kunden nicht von Interesse. Der Kunde zielt darauf ab, dass sein Anliegen erfüllt wird und seine angelegten Gelder eine positive Entwicklung nehmen. Die Prozesse im Hintergrund spielen für den Kunden eine untergeordnete Rolle, so lange die Lösung schnell und möglichst unkompliziert für ihn ist. Dies bedeutet für Banken, dass ein verändertes Kundenverhalten erkennbar ist. Dieses geforderte Denken in Bedürfnissen, in Verbindung mit der weltweiten Digitalisierung führt zu neuen Anforderungen. Die potenziellen jungen Neukunden der Generation Y und Z (geboren nach 1980 bzw. ab 1995), wachsen mit der digitalen Unterstützung auf und haben die Möglichkeit, durch Vergleichsportale, eine Bankdienstleistung hinsichtlich der Kosten einfacher zu vergleichen. Dieses veränderte Kundenverhalten haben noch nicht alle Banken in ihre Prozessketten einfließen lassen. Die meisten traditionellen Banken werben mit digitalen und modernen Prozessen. Die Realität zeigt jedoch, dass die ersten Schritte zwar digital sind, der Kunde am Schluss aber die Formulare ausdrucken muss, um ein Beratungsgespräch wahrzunehmen.[46]
Trotz der digitalen Unterstützung suchen die Kunden weiterhin die Bankfilialen auf. Der Weg dorthin wird jedoch nur bei einer ausführlichen Beratung in Kauf genommen. Die alltäglichen Bankgeschäfte, wie z. B. Überweisungen durchzuführen, möchte der Kunde digital erledigen. Der Hauptgrund für diese digitale Durchführung von Standard-Bankgeschäften ist die Bequemlichkeit. Der Kunde ist interessiert daran, unabhängig von Ort und Zeit zu agieren, welches nicht bedeutet, dass die Digitalisierung die persönliche Beratung überflüssig macht. Die Digitalisierung ergänzt die persönliche Beratung und hat zur Folge, dass die Bedürfnisse der Kunden besser befriedigt werden und das Zufriedenheitsgefühl beim Kunden steigt.[47]
Dieses Zufriedenheitsgefühl soll auch bei der Geldanlageberatung im Vordergrund stehen. Die traditionelle Bankberatung zielt darauf ab, dass der Kunde mit einem Finanzberater einen gemeinsamen Weg findet. Der Finanzberater möchte zum einen die Zufriedenheit des Kunden gewährleisten und zum anderen für sich und sein Unternehmen Erträge erwirtschaften. Für den Kunden steht im Vordergrund, dass der Berater sich für ihn und seine Probleme Zeit nimmt und die passende Geldanlage für ihn gefunden wird sowie dass die Beratungsqualität überzeugend ist. Die unterschiedlichen Beratungsqualitäten von Finanzdienstleistern können dazu führen, dass der Kunde an eine Bank gebunden wird. Werden die Kundenwünsche erfüllt, kann ein Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Berater aufgebaut werden, was ebenfalls zur Kundenbindung beiträgt. Durch diese Kundenbindung hat der Finanzberater die Möglichkeit, die Investmentfonds zu verkaufen, mit denen er am meisten Geld erwirtschaftet (Prinzipal-Agenten-Problematik). Das Entscheidende bei der Beratung ist, dass der Kunde und der Berater persönlichen oder telefonischen Kontakt haben. Dieser Kontaktaufwand in Verbindung mit den regulatorischen Richtlinien und der Zufriedenstellung der Kundenbedürfnisse, stellen für den Finanzberater ein Spannungsfeld zwischen der Individualität und der Standardisierung einer Beratung dar. Je standardisierter eine Beratung ist, desto kürzer dauert ein Kontakt und desto mehr Kontakte kann ein Berater am Tag generieren.[48]
Dieses persönliche Vertrauen hat insbesondere in der Finanzkrise 2008/2009 gelitten. In einer Umfrage aus dem Jahr 2010, gaben lediglich 17 % der Befragten an, dass sie dem deutschen Bankensystem vertrauen. Das Vertrauen in die Berufsgruppe der Finanzberater lag nach diesem historischen Ereignis nur noch bei 14 %. Ein möglicher Grund für dieses schlechte Abschneiden könnte sein, dass nach der Finanzkrise die Kunden in Deutschland keine deutliche Trendwende in der Qualität der Beratung festgestellt haben. Weiterhin werden Risiken nicht ausreichend dargestellt oder gar verschwiegen.[49] Der Verlust des Vertrauens und das veränderte Kundenverhalten hin zu einer digitalen, einfacheren und modernen Form der Beratung führen zu einer neuen Technologie: den sogenannten FinTechs.
Das Wort FinTech ist zusammengesetzt aus den Worten Finanzen und Technologie. Speziell handelt es sich hierbei um IT-Lösungen, die im Finanzdienstleistungssektor eingesetzt werden. FinTechs bieten u. a. mobile Bezahlsysteme, Konsumentenkredite, Vorsorge-Lösungen und Geldanlagelösungen an. Der größte Vorteil bei dieser Technologie ist, dass der potenzielle Kunde für einen Abschluss nur das Internet oder die Apps auf dem Smartphone nutzen muss.[50]
Neu geschaffene FinTechs konzentrieren sich in erster Linie auf das eigene Wachstum. Die Prozesse sollen fokussierter und schlanker aufgestellt sein. Diese schlanke Abwicklung wirkt sich insbesondere auf die Kosten, die bei einem Beratungsprozess entstehen, positiv aus. FinTechs arbeiten auch schon bei Kundenanliegen kostendeckend, wenn es sich bei einer Bank nicht rechnet. Diese volldigitale Abwicklung von Kundenwünschen hat für ein Unternehmen ebenfalls den Vorteil, dass alle Daten dauerhaft gespeichert sind und weitere, nicht geäußerte Bedürfnisse rechnerisch anhand von Musterkunden erkannt werden können. Außerdem ist es mit ausreichend Daten möglich, die Kunden hinsichtlich des Risikos, bspw. bei der Vergabe von Krediten, kurzfristig unterschiedlich zu beurteilen.[51]
Im Bereich der Geldanlage ist ebenfalls eine IT-Lösung als Konkurrenz zum klassischen Bankgeschäft entwickelt worden: der Robo-Advisor. Die ersten bekannten Alternativen zum traditionellen Vermögensmanagement entstanden in den USA und hießen Wealthfront bzw. Betterment (beide 2008). Ins Deutsche übersetzt bedeutet Robo-Advisor eine Beratung mittels eines Roboters. Der Robo-Adivisor ist im Bereich der Fintechs im Vermögensmanagement eingegliedert. Das Social Trading, das Personal-Financial-Management und das Anlage- und Banking-Segment sind ebenfalls Teile dieses Bereiches.[52]
Grundsätzlich arbeitet der Robo-Advisor nach vorher definierten Eingaben oder Algorithmen, der jeweiligen unterschiedlichen Entwickler. Das Ziel ist es, mit Hilfe dieser vorher errechneten Variablen, das Kundenportfolio optimal und bedarfsgerecht zusammenzustellen. Diese Algorithmen basieren u. a. auf der zuvor beschriebenen Theorie von Harry M. Markowitz. Das Rahmenwerk, dass entweder das Risiko bei gegebener Rendite minimiert oder die Rendite bei gegebenem Risiko maximiert werden soll, dient dem Robo-Advisor für die Asset-Allocation. Charakteristisch für diese Form der Geldanlage ist, dass kostengünstige ETFs im individuellen Portfolio zu finden sind. Die Unternehmen, die einen Robo-Advisor entwickelt haben, teilen die Kritik an den aktiv gemanagten Fonds und vertrauen darauf, dass der Markt nicht durch ständiges Kaufen und Verkaufen geschlagen werden kann.[53] Neben diesem Einsatz von kostengünstigen ETFs existiert bei ausgewählten Robo-Advisors ein automatisches Rebalancing. Dies bedeutet, dass bei Marktschwankungen, sowohl positiven als auch negativen, das Kundenportfolio automatisch an die vorher ermittelte Portfoliostruktur angepasst wird.[54]
Der Hauptunterschied zwischen einem Robo-Advisor und einem Finanzberater ist, dass der gesamte Prozess ohne eine zusätzliche Person durchführbar ist. Das Risikoprofil, das der Finanzberater erfragt, wird durch gezielte Fragen beim Anlage­prozess des Robo-Advisor eigenverantwortlich vom Anleger ermittelt. Diese Fragen sind ähnlich, wie die im Erstgespräch mit dem Finanzberater, jedoch kann der Finanzberater den Anleger nicht durch geschickte Formulierungen beeinflussen, und der Portfoliovorschlag basiert lediglich auf den Anleger-Antworten. Die Robo-Advisors werben daher meist mit einer emotionsfreien und regelbasierten Geldanlage. Zusätzlich zu dieser fehlenden Beeinflussung kommt als weiterer Vorteil hinzu, dass für den Prozess nur eine Internetverbindung notwendig ist. Der Anleger muss kein Gespräch führen und daher weniger Zeit investieren.[55]
Da der persönliche Ansprechpartner wegfällt, hat die BaFin zusätzliche Regelungen für den Robo-Advisor aufgestellt. Wie auch bei der Einführung des Beratungsprotokolls oder MiFID II, steht der Anlegerschutz an erster Stelle. Der Umfang der angebotenen Dienstleistung ist hierbei entscheidend. Die BaFin unterscheidet bei den automatisierten Portfoliomanagementsystemen zwischen der Finanzdienstleistung mit einer Anlageberatung und einer Anlage- bzw. Finanzportfoliovermittlung.
Da es sich bei dieser Form des Geschäftsbetriebes um ein Bankgeschäft bzw. um eine Finanzdienstleistung handelt, bedarf es einer Erlaubnis nach § 32 KWG. Bei einer Anlageberatung gemäß § 1 Abs. 1a KWG handelt es sich dann um eine Beratung, wenn eine persönliche Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Finanzinstruments ausgesprochen wird. Zusätzlich ist es erforderlich, dass diese ausgesprochenen Empfehlungen zu den persönlichen Eigenschaften (u. a. Alter, Einkommen, Vermögen) sowie Anlegerzielen passen. Die Durchführung einer Anlageberatung beim Robo-Advisor ist dann gegeben, wenn neben der konkreten prozentualen Aufteilung der Anlageklassen im Portfolio ebenfalls konkrete Anlagevorschläge unterbreitet werden. Dies ist bspw. der Fall, wenn dem Kunden gesagt wird, dass er 35 % seines verfügbaren Anlagevermögens in die Anlageklasse der Aktien investieren soll und davon 5 % in Aktien der Deutschen Telekom (ISIN DE0005557508).[56] Für diese Form der Anlageberatung gilt noch kein automatisches Rebalancing bei schwankenden Märkten.
[1] Vgl. Bundesverband deutscher Banken, Sparen, 2017 [Online].
[2] Vgl. von Lüde, R., Anlageverhalten, 2013, S. 328–330.
[3] Vgl. Europäische Zentralbank, interest rates, o. J. [Online].
[4] Vgl. Bundesministerium, Leitzinsen, o. J. [Online].
[5] Vgl. Deutsche Bundesbank, Bundesanleihe, 2019 [Online].
[6] Vgl. Statistisches Bundesamt, Inflation, o. J. [Online].
[7] Vgl. von Gaudecker, H.-M., Household, 2015, S. 489–490.
[8] Vgl. Ramakers, J., Vermögensberatung, 2018, S.17–18.
[9] Vgl. Poddig, T. et al., Portfoliomanagement, 2009, S. 14–15.
[10] Poddig, T. et al., Portfoliomanagement, 2009, S. 15
[11] Vgl. Hein, J., Präferenzmessung, 2002, S. 76; Poddig, T. et al., Portfoliomanagement, 2009, S. 16
[12] Vgl. Günther, S., Portfoliomanagement, 2004, S.157–158.
[13] Vgl. Hein, J., Präferenzmesserung, 2002, S. 60–61.
[14] Vgl. Riess, M. et al., Investmentprozess, 2002. S. 273–274.
[15] Vgl. Poddig, T. et al., Portfoliomanagement, 2009, S. 17–18.
[16] Vgl. Zimmermann, H., Finance compact, 2009, S. 216.
[17] Vgl. Spremann, K., Aktives vs. Passives Portfoliomanagement, 2002, S. 62.
[18] Vgl. Auckenthaler, C., Mathematik, 1995, S. 76–77.
[19] Vgl. Francis, J. C., et al., Portfolio Analysis, 1979, S. 34.
[20] Vgl. Keiser, O., et al., Wahrscheinlichkeitsrechnung, 2018, S. 158–160.
[21] Vgl. Gonschorrek, U., et al., Ganzheitliches Management, 2007, S. 231.
[22] Vgl. Bruns, C., et al., Portfoliomanagement, 2003, S. 69–70.
[23] Vgl. Beazer, W., Bank Portfolios, 1975, S. 10–12.
[24] Vgl. Capinski, M., et al., Portfolio Theory, 2014, 67–68.
[25] Vgl. Baitinger, E., Asset Management, 2014, S. 308–310.
[26] Vgl. Spremann, K., Porfoliomanagment, 2008, S. 254–256.
[27] Vgl. Rehkugler, H., Portfoliomanagent, 1998, S. 18–19.
[28] Vgl. Poddig, T., et al., Portfoliomanagement, 2009, S. 23.
[29] Vgl. Harbeck, O., Investmentfonds, 1971, S. 19; Harter, W., et al., Investmentfonds, 1989, S. 388–389.
[30] Vgl. BVI, Zahlen, 2018, S. 37 [Online].
[31] Vgl. Lindmayer, P. K. M. et al., Geldanlage und Steuern, 2017, S. 114–115.
[32] Vgl. Lindmayer, P. K. M. et al., Geldanlage und Steuern, 2017, S. 130–132.
[33] Vgl. Deutsche Bundesbank, Fondsvermögen in Deutschland, 2017, [Online].
[34] Vgl. Sturm, S., Semiaktive Management-Strategien, 2007, S. 108–109.
[35] Meinhövel, H., Principal-Agent-Theorie, 2004, S. 470.
[36] Vgl. Swensen, D. F., Strategien für Privatanleger, 2007, S. 406–407.
[37] Vgl. Gießelbach, A., Aktienkursindex-Instrumente, 1989, S.48–49; Bitz, M. et al., Finanzdienstleistungen, 2015, S. 233.
[38] Vgl. Deutsche Bundesbank, Entwicklung ETF Vermögen, o. J., [Online].
[39] Vgl. Deutsche Bundesbank, Volumen Investmentfonds, o. J., [Online].
[40] Vgl. Horváth, P., Controlling, 2015, S. 16.
[41] Vgl. Mertins, K. et al., Benchmarking, 2009, S. 38–39.
[42] Vgl. Bundesministerium der Justiz, Anlegerrechte, 2009 [Online]
[43] Vgl. Kopka, M. et al., Auswirkungen Anlageberatung, 2016, S. 16–17.
[44] Vgl. Ricklin, S., Regulatorische Kosten, 2016, S. 26–27.
[45] Vgl. Hellenkamp, D., Regulatorische Auswirkungen, 2013, S. 41–42.
[46] Vgl. Bitzer, M., Bankkunde, 2016, S.74–76.
[47] Vgl. Mihm, O. et al., Filiale, 2016, S. 45–46.
[48] Vgl. Dlugosch, O., Bankberatung, 2011, S. 70–71.
[49] Vgl. Walter, H., Vertrauen, 2011, S. 223–224.
[50] Vgl. Kunschke, D. et al., FinTech, 2018, S. 15.
[51] Vgl. Wieandt, A., Herausforderung, 2016, S. 59–60.
[52] Vgl. Dorfleitner, G. et al., FinTech, 2017, S.7–8.
[53] Vgl. Dornhoff, J., Robo Advior, 2017. S. 58–59.
[54] Vgl. Gabriel, C., Private Banking, 2015, [Online]
[55] Vgl Fein, M. L., Robo Advisors, 2015, S. 2–3 [Online].
[56] Vgl. BaFin, Robo Advice, 2016 [Online].
Hendrik Duschner (Autor)
V463303
9783960956457
FinTech, Digitalisierung, Investition, Geldanlage, Fonds
Hendrik Duschner (Autor), 2019, Der Robo-Advisor im Vergleich zur klassischen Anlageberatung. Portfoliomanagement, Marktsituation und Performance, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463303