Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/mehrere-rechnungsposten-in-einem-mahnbescheid-und-die-hemmung-der-verjaehrung-367810
Timestamp: 2020-08-11 01:11:31
Document Index: 73727196

Matched Legal Cases: ['§ 204', '§ 167', '§ 204', '§ 690', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 204', '§ 64']

Mehrere Rechnungsposten in einem Mahnbescheid - und die Hemmung der Verjährung | Rechtslupe
Mehrere Rechnungsposten in einem Mahnbescheid - und die Hemmung der Verjährung
Meh­re­re Rech­nungs­pos­ten in einem Mahn­be­scheid – und die Hem­mung der Ver­jäh­rung
Wird ein ein­heit­li­cher Anspruch gel­tend gemacht, der sich aus meh­re­ren Rech­nungs­pos­ten zusam­men­setzt, hemmt die Zustel­lung eines Mahn­be­schei­des die Ver­jäh­rung nach § 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB, § 167 ZPO, auch wenn die Rech­nungs­pos­ten im Mahn­be­scheid nicht auf­ge­schlüs­selt wer­den. Die ent­spre­chend not­wen­di­ge Sub­stan­ti­ie­rung kann im Lau­fe des Rechts­streits beim Über­gang in das strei­ti­ge Ver­fah­ren nach­ge­holt wer­den [1].
Ein ein­heit­li­cher, aus meh­re­ren Rech­nungs­pos­ten bestehen­der Werk­lohn­an­spruch ist anzu­neh­men, wenn alle erbrach­ten Leis­tun­gen mit dem zu Beginn der Zusam­men­ar­beit von Bestel­ler und Unter­neh­mer bestimm­ten Leis­tungs­ziel in Zusam­men­hang ste­hen. In die­sem Fall ist es uner­heb­lich, ob der Bestel­ler bereits zu Beginn der Arbei­ten die Gewer­ke voll­stän­dig und abschlie­ßend beschreibt oder die Par­tei­en sich dar­über einig sind, dass die aus­zu­füh­ren­den Gewer­ke im Zuge der Zusam­men­ar­beit kon­kre­ti­siert wer­den.
Die Zustel­lung eines Mahn­be­schei­des, mit dem meh­re­re For­de­run­gen gel­tend gemacht wer­den, hemmt die Ver­jäh­rung nur, wenn die Ein­zel­for­de­run­gen hin­rei­chend indi­vi­dua­li­siert sind.
Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs setzt die Hem­mung der Ver­jäh­rung nach § 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB vor­aus, dass die im Mahn­be­scheid genann­te For­de­rung durch ihre Kenn­zeich­nung von ande­ren For­de­run­gen unter­schie­den und abge­grenzt wer­den kann. Die­se Vor­aus­set­zung ist erfüllt, wenn die For­de­rung über einen Voll­stre­ckungs­be­scheid Grund­la­ge eines Voll­stre­ckungs­ti­tels sein kann und dem Schuld­ner die Beur­tei­lung mög­lich ist, ob er sich gegen die For­de­rung zur Wehr set­zen will oder nicht. Wann die­sen Anfor­de­run­gen Genü­ge getan ist, kann nicht all­ge­mein und abs­trakt fest­ge­legt wer­den; viel­mehr hän­gen Art und Umfang der erfor­der­li­chen Anga­ben im Ein­zel­fall von dem zwi­schen den Par­tei­en bestehen­den Rechts­ver­hält­nis und der Art der For­de­rung ab. Ist in dem Mahn­be­scheid auf eine Rech­nung oder eine sons­ti­ge Urkun­de Bezug genom­men, so kann die­se für die Indi­vi­dua­li­sie­rung der For­de­rung jeden­falls dann her­an­ge­zo­gen wer­den, wenn die Rech­nung oder sons­ti­ge Urkun­de dem Geg­ner zuge­gan­gen ist [2].
Auf der Grund­la­ge die­ser Recht­spre­chung ist zu unter­schei­den:
Wird ein ein­heit­li­cher Anspruch gel­tend gemacht, der sich aus meh­re­ren Rech­nungs­pos­ten zusam­men­setzt, bedarf es kei­ner Auf­schlüs­se­lung der Rech­nungs­pos­ten im Mahn­be­scheid. Die ent­spre­chend not­wen­di­ge Sub­stan­ti­ie­rung kann im Lau­fe des Rechts­streits beim Über­gang in das strei­ti­ge Ver­fah­ren nach­ge­holt wer­den [3].
Umfasst der im Mahn­be­scheid gel­tend gemach­te Betrag dage­gen meh­re­re, nicht auf einem ein­heit­li­chen Anspruch beru­hen­de und des­halb selb­stän­di­ge Ein­zel­for­de­run­gen, so bedarf es bereits einer Auf­schlüs­se­lung im Mahn­be­scheid, gege­be­nen­falls unter Bezug­nah­me auf Rech­nun­gen und sons­ti­ge Urkun­den. In die­sen Fäl­len kann eine Indi­vi­dua­li­sie­rung nach Ablauf der Ver­jäh­rungs­frist im anschlie­ßen­den Streit­ver­fah­ren nicht nach­ge­holt wer­den [4].
Ein ein­heit­li­cher, aus meh­re­ren Rech­nungs­pos­ten bestehen­der Werk­lohn­an­spruch als Streit­ge­gen­stand (§ 690 Abs. 1 Nr. 3 ZPO) ist anzu­neh­men, wenn alle erbrach­ten Leis­tun­gen mit dem zu Beginn der Zusam­men­ar­beit von Bestel­ler und Unter­neh­mer bestimm­ten Leis­tungs­ziel in Zusam­men­hang ste­hen [5]. In die­sem Fall ist es uner­heb­lich, ob der Bestel­ler bereits zu Beginn der Arbei­ten die Gewer­ke voll­stän­dig und abschlie­ßend beschreibt oder die Par­tei­en sich dar­über einig sind, dass die aus­zu­füh­ren­den Gewer­ke im Zuge der Zusam­men­ar­beit kon­kre­ti­siert wer­den [6].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Okto­ber 2013 – VII ZR 155/​11
im Anschluss an BGH, Urteil vom 06.12.2001 – VII ZR 183/​00, BauR 2002, 469, 470 = NZBau 2002, 155[↩]
BGH, Urtei­le vom 30.11.1999 – VI ZR 207/​98, NJW 2000, 1420; vom 06.12.2001 – VII ZR 183/​00, BauR 2002, 469, 470 = NZBau 2002, 155; vom 21.10.2008 – XI ZR 466/​07, NJW 2009, 56 Rn. 18; vom 17.11.2010 – VIII ZR 211/​09, NJW 2011, 613 Rn. 11[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 06.12.2001 – VII ZR 183/​00, aaO[↩]
BGH, Urtei­le vom 17.11.2010 – VIII ZR 211/​09, aaO; vom 21.10.2008 – XI ZR 466/​07, aaO[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 13.12.2001 – VII ZR 28/​00, BauR 2002, 618 = NZBau 2002, 215[↩]
vgl. für Zusatz­auf­trä­ge BGH, Urteil vom 06.12.2001 – VII ZR 183/​00, aaO[↩]
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