Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=XII%20ZB%20333/17
Timestamp: 2019-09-21 22:32:50
Document Index: 166534387

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1773', 'Art. 15', 'Art. 7', 'Art. 12', 'Art. 5', '§ 72', 'Art. 8', '§ 97', '§ 151', '§ 99', 'Art. 7', '§ 151', '§ 59', '§ 1882', 'Art. 24', '§ 2', '§ 2', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 1', '§ 3', 'Art. 7', '§ 1908', '§ 74', '§ 74', '§ 1773', '§ 1882', 'Art 7', 'Art 24', '§ 99', '§ 72', 'BGH', '§ 99', '§ 151', 'BGH', '§ 59', 'BGH', 'BGH', '§ 1882', 'Art. 24', 'Art. 16', 'BGH', 'BGH', 'Art. 6', 'Art. 271', 'BGH', 'BGH', '§ 59', 'BGH', '§ 72', 'BGH', '§ 99', '§ 151', 'BGH', '§ 59', 'BGH', '§ 1882', 'Art. 24', 'Art. 16', 'BGH', 'BGH', 'Art. 6', 'Art. 271', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 7', 'Art. 12', 'BGH', 'Art. 8', 'Art. 15', 'BGH', '§ 1671', 'Art. 15', 'Art. 8', 'BGH', 'Art. 8', 'Art. 15', 'BGH', 'BGH']

BGH, 20.12.2017 - XII ZB 333/17 - dejure.org
https://dejure.org/2017,53586
BGH, 20.12.2017 - XII ZB 333/17 (https://dejure.org/2017,53586)
BGH, Entscheidung vom 20.12.2017 - XII ZB 333/17 (https://dejure.org/2017,53586)
BGH, Entscheidung vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 (https://dejure.org/2017,53586)
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§§ 1773, ... 1882 BGB, Art. 15 Abs. 1 des Haager Kinderschutzübereinkommens, Art. 7 EGBGB, Art. 12 der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK), Art. 5 EGBGB, § 72 Abs. 2 FamFG, Art. 8 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 2201/2003, Verordnung (EG) Nr. 1347/2000, § 97 FamFG, § 151 Nr. 4 FamFG, § 99 FamFG, Art. 7 Abs. 1 EGBGB, § 151 FamFG, § 59 FamFG, §§ 1882, 1773 Abs. 1 BGB, Art. 24 Abs. 1 Satz 1 EGBGB, § 2 BGB, § 2 Abs. 1 AsylG, Art. 12 Abs. 1 des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge, Art. 12 Abs. 1 GFK, Art. 1 Abschnitt A Abs. 2 GFK, § 3 Abs. 1 AsylG, Art. 7 Abs. 1 Satz 1 EGBGB, § 1908 a BGB, § 74 Abs. 5 FamFG, § 74 Abs. 6 Satz 2 FamFG
§ 1773 Abs 1 BGB, § 1882 BGB, Art 7 Abs 1 BGBEG, Art 24 Abs 1 S 1 BGBEG, § 99 Abs 1 S 1 Nr 2 FamFG
Ende der Vormundschaft für einen nach Deutschland eingereisten minderjährigen unbegleiteten Flüchtling: Vorliegen einer Kindschaftssache nach Vollendung des 18. Lebensjahres; Zeitpunkt des Eintritts der Volljährigkeit als doppelrelevante Tatsache; internationale ...
Beurteilung der Beendigung der Vormundschaft für einen als minderjährigen unbegleiteten Flüchtling nach Deutschland eingereisten Staatsangehörigen der Republik Guinea; Feststellung der Minderjährigkeit einer Person nach dem anwendbarem Recht trotz Vollendung des 18. ...
Auch mit 18 kann man Kind sein
Familienrecht - Feststellung des Eintritts der Volljährigkeit nach ausländischem Recht
Vormundschaft: Zeitpunkt des Eintritts der Volljährigkeit
OLG Hamm, 15.05.2017 - 6 UF 175/16
NJW 2018, 613
MDR 2018, 409
FamRZ 2018, 457
Rpfleger 2018, 259
a) Im Ergebnis zu Recht ist das Oberlandesgericht von der internationalen Zuständigkeit der deutschen Gerichte ausgegangen, die unbeschadet des Wortlauts von § 72 Abs. 2 FamFG auch in den Verfahren nach dem Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit in der Rechtsbeschwerdeinstanz von Amts wegen zu prüfen ist (…Senatsbeschluss BGHZ 203, 372 = FamRZ 2015, 479 Rn. 11) und hier jedenfalls aus § 99 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 iVm § 151 Nr. 4 FamFG folgt (vgl. Senatsbeschluss vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 - zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen Rn. 13 ff. mwN).
Der hierfür nach § 59 FamFG erforderlichen Beschwer steht zum einen nicht entgegen, dass der amtsgerichtliche Beschluss das Ende der Vormundschaft lediglich deklaratorisch feststellt (vgl. Senatsbeschluss vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 - zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen Rn. 17 mwN).
Da es in vorliegendem Verfahren gerade um die Frage geht, ob die Vormundschaft wegen Eintritts der Volljährigkeit kraft Gesetzes geendet hat, ist für die Zulässigkeit des Rechtsmittels die Minderjährigkeit des Betroffenen als doppelrelevante Tatsache und damit die Vertretungsbefugnis des Vormunds zu unterstellen (vgl. Senatsbeschluss vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 - zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen Rn. 15 mwN).
Da rechtsbeschwerderechtlich mithin davon auszugehen ist, dass das Heimatrecht des Betroffenen die Beendigung der Vormundschaft an die gleichen Voraussetzungen knüpft wie das deutsche Recht in §§ 1882, 1773 Abs. 1 BGB, kann hier dahinstehen, ob sich das insoweit anwendbare Recht tatsächlich nach Art. 24 Abs. 1 Satz 1 EGBGB bestimmt oder sich aus Art. 16 Abs. 1 des Haager Übereinkommens über die Zuständigkeit, das anzuwendende Recht, die Anerkennung, Vollstreckung und Zusammenarbeit auf dem Gebiet der elterlichen Verantwortung und der Maßnahmen zum Schutz von Kindern vom 19. Oktober 1996 (Kinderschutzübereinkommen - KSÜ; BGBl. 2009 II S. 602, 603) eine vorrangige Verweisung in das deutsche Recht ergibt (vgl. dazu Senatsbeschluss vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 - zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt Rn. 19 f. mwN).
Das wäre zwar grundsätzlich möglich (vgl. Senatsbeschluss vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 - zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt Rn. 23 mwN).
Demgegenüber wird zur Begründung einer mit diesem Gesetzeswerk verbundenen - nach Art. 6 Code Civil möglichen - stillschweigenden Änderung des Volljährigkeitsalters darauf verwiesen, dass das Gesetz unter anderem in Art. 271 ff. Bestimmungen zur Entlassung aus der elterlichen Sorge enthalte, die diejenigen im Code Civil zu dieser Materie ersetzten und zum Teil von ihnen abwichen (vgl. Senatsbeschluss vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 - zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt Rn. 28 mwN).
Das Oberlandesgericht hätte daher hier nicht von der Einholung eines aussagekräftigen Sachverständigengutachtens absehen dürfen (vgl. Senatsbeschluss vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 - zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt Rn. 27 ff.).
Der hierfür nach § 59 FamFG erforderlichen Beschwer steht nicht entgegen, dass der amtsgerichtliche Beschluss das Ende der Vormundschaft lediglich deklaratorisch feststellt (vgl. Senatsbeschluss vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 - zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen Rn. 17 mwN).
a) Im Ergebnis zu Recht ist das Oberlandesgericht von der internationalen Zuständigkeit der deutschen Gerichte ausgegangen, die unbeschadet des Wortlauts von § 72 Abs. 2 FamFG auch in den Verfahren nach dem Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit in der Rechtsbeschwerdeinstanz von Amts wegen zu prüfen ist (…Senatsbeschluss BGHZ 203, 372 = FamRZ 2015, 479 Rn. 11) und hier jedenfalls aus § 99 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 iVm § 151 Nr. 4 FamFG folgt (vgl. Senatsbeschluss vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 - NJW 2018, 613 Rn. 13 ff. mwN, zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen).
Der hierfür nach § 59 FamFG erforderlichen Beschwer steht zum einen nicht entgegen, dass der amtsgerichtliche Beschluss das Ende der Vormundschaft lediglich deklaratorisch feststellt (vgl. Senatsbeschluss vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 - NJW 2018, 613 Rn. 17 mwN, zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen).
Da rechtsbeschwerderechtlich mithin davon auszugehen ist, dass das Heimatrecht des Betroffenen die Beendigung der Vormundschaft an die gleichen Voraussetzungen knüpft wie das deutsche Recht in §§ 1882, 1773 Abs. 1 BGB, kann hier dahinstehen, ob sich das insoweit anwendbare Recht tatsächlich nach Art. 24 Abs. 1 Satz 1 EGBGB bestimmt oder sich aus Art. 16 Abs. 1 des Haager Übereinkommens über die Zuständigkeit, das anzuwendende Recht, die Anerkennung, Vollstreckung und Zusammenarbeit auf dem Gebiet der elterlichen Verantwortung und der Maßnahmen zum Schutz von Kindern vom 19. Oktober 1996 (Kinderschutzübereinkommen - KSÜ; BGBl. 2009 II S. 602, 603) eine vorrangige Verweisung in das deutsche Recht ergibt (vgl. dazu Senatsbeschluss vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 - NJW 2018, 613 Rn. 19 f. mwN, zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt).
Das wäre zwar grundsätzlich möglich (vgl. Senatsbeschluss vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 - NJW 2018, 613 Rn. 23 mwN, zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt).
Demgegenüber wird zur Begründung einer mit diesem Gesetzeswerk verbundenen - nach Art. 6 Code Civil möglichen - stillschweigenden Änderung des Volljährigkeitsalters darauf verwiesen, dass das Gesetz unter anderem in Art. 271 ff. Bestimmungen zur Entlassung aus der elterlichen Sorge enthalte, die diejenigen im Code Civil zu dieser Materie ersetzten und zum Teil von ihnen abwichen (vgl. Senatsbeschluss vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 - NJW 2018, 613 Rn. 28 mwN, zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt).
Das Oberlandesgericht hätte daher hier nicht von der Einholung eines aussagekräftigen Sachverständigengutachtens absehen dürfen (vgl. Senatsbeschluss vom 20. Dezember 2017 - XII ZB 333/17 - NJW 2018, 613 Rn. 27 ff., zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt).
Es handelt sich insoweit um eine doppelrelevante Tatsache, bei der die Bejahung des Anspruchs begrifflich diejenige der Zuständigkeit mit einschließt (ebenso, im Ergebnis allerdings weitergehend BGH, Beschluss vom 20.12.2017, Az. XII ZB 333/17, Rn. 9 ff.).
Etwas anderes folgt auch nicht aus der Entscheidung des BGH vom 20.12.2017, Az. XII ZB 333/17 (BeckRS 2017, 140085).Darin hat der BGH zwar ausgeführt, dass die dortige Vorinstanz -der 6. Familiensenat des OLG Hamm - in seiner Entscheidung vom 15.05.2017 (Az. 6 UF 175/16) ohne ausreichende Ermittlungen zu dem Ergebnis gelangt sei, dass die Volljährigkeit (auch) nach dem Recht der Republik Guinea mit der Vollendung des 18. Lebensjahres eintrete (…BGH, a.a.O., Rn. 27) und deshalb die Einholung eines aussagekräftigen Sachverständigengutachtens geboten sei (…BGH, a.a.O., Rn. 29).Diese Entscheidung ist im Hinblick auf die nunmehr vorliegenden Rechtsauskünfte für den vorliegenden Fall aus Sicht des Senats aber nicht (mehr) einschlägig.
Die Regelung in Art. 7 EGBGB wird allerdings durch Art. 12 Genfer Flüchtlingskonvention - GFK - verdrängt (BGH FamRZ 2018, 457 - juris-Tz. 23), nach dem sich der Personalstatut eines Flüchtlings nach dem Recht des Landes seines Wohnsitzes oder seines Aufenthaltslandes richtet.
Unangefochten und rechtsbedenkenfrei hat das Familiengericht - stillschweigend - seine internationale Zuständigkeit bejaht (Art. 8 Abs. 1 Brüssel IIa-VO) und seine Entscheidung deutschem Sachrecht unterworfen (Art. 15 Abs. 1 KSÜ; sog. Gleichlauf, siehe dazu BGH FamRZ 2018, 457; 2011, 796 m. Anm. Völker).
Das auf eine Sorgerechtsentscheidung nach § 1671 Abs. 1 BGB anwendbare Sachrecht folgt auch dann aus Art. 15 Abs. 1 KSÜ, wenn sich die internationale Zuständigkeit des Gerichts nicht aus dem KSÜ, sondern aus Art. 8 Abs. 1 Brüssel IIa-VO ergibt (sog. Gleichlauf; Anschluss BGH FamRZ 2018, 457).
Unangefochten und rechtsbedenkenfrei hat das Familiengericht - stillschweigend - auch in der Folgesache elterliche Sorge seine internationale Zuständigkeit bejaht (Art. 8 Abs. 1 Brüssel IIa-VO) und seine Entscheidung in dieser Folgesache deutschem Sachrecht unterworfen (Art. 15 Abs. 1 KSÜ; sog. Gleichlauf, siehe dazu BGH FamRZ 2018, 457; 2011, 796 m. Anm. Völker).
Der o.g. Beschluss wurde durch den BGH (XII ZB 333/17) aufgehoben; die Sache wurde an das OLG zurückgewiesen.
AG Bochum, 12.06.2018 - 87 F 47/18