Source: http://m.hensche.de/Urteil_Schadensersatz_Streik_Kein_Schadensersatz_fuer_Streikfolgen_BAG_1AZR754_13.html
Timestamp: 2017-01-17 10:54:51
Document Index: 204340663

Matched Legal Cases: ['§ 823', '§ 826', '§ 247', '§ 247', '§ 280', '§ 308', '§ 308', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 27', '§ 823', '§ 27', 'BGH', '§ 823', '§ 823', '§ 823', 'BGH', 'BGH', '§ 823', '§ 26', '§ 74', '§ 16', '§ 34', '§ 18', 'Art. 9', 'BGH', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 1', '§ 27', '§ 1', '§ 27', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 9', '§ 826', 'Art. 9', '§ 256', '§ 308', '§ 256', 'BGH', 'BGH']

HENSCHE Arbeitsrecht: 1 AZR 754/13
Bei ei­nem Streik folgt die un­mit­tel­ba­re Kampf­be­trof­fen­heit des Ar­beit­ge­bers aus dem Streik­auf­ruf. Mit ihm wird re­gelmäßig nicht in das Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb ei­nes kampfun­be­tei­lig­ten Un­ter­neh­mens ein­ge­grif­fen.
Arbeitsgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 27.03.2012 - 10 Ca 3468/11 Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.04.2013 - 9 Sa 561/12
1 AZR 754/13 9 Sa 561/12 Hes­si­schesLan­des­ar­beits­ge­richt
Verkündet am 25. Au­gust 2015
1. Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin zu 1.,
- 2 - pp.
Im Übri­gen wer­den die Re­vi­sio­nen ge­gen das vor­ge­nann­te Ur­teil mit der Maßga­be zurück­ge­wie­sen, dass un­ter Auf­he­bung der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung im Kos­ten­punkt die Kos­ten des Rechts­streits die Kläge­rin­nen zu 1. und 3. je zu 37 %, die Kläge­rin zu 2. zu 1 % und die Kläge­rin zu 4. zu 25 % zu tra­gen ha­ben. Von Rechts we­gen!
Die Par­tei­en strei­ten über Scha­dens­er­satz we­gen ei­nes Streiks. Die Kläge­rin­nen sind Flug­ge­sell­schaf­ten. Die Be­klag­te ist die Ge­werk­schaft der Flug­si­che­rung. Sie ver­tritt die be­rufs- und ta­rif­po­li­ti­schen In­ter­es­sen des Flug­si­che­rungs­per­so­nals in Deutsch­land. Mit der Deut­schen Flug­si­che­rung GmbH (DFS) hat sie ei­ne Ver­ein­ba­rung ge­schlos­sen, nach der im Fal­le ei­nes Ar­beits­kamp­fes die Durchführung be­stimm­ter Not­dien­st­ar­bei­ten in ei­nem näher ge­re­gel­ten Um­fang si­cher­zu­stel­len ist.
Die Be­klag­te for­der­te im Frühjahr 2008 die FSG zu Ta­rif­ver­hand­lun­gen für die in die­sem Be­reich täti­gen und bei ihr or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer auf. Sie ei­nig­te sich mit der FSG in ei­ner am 10. No­vem­ber 2008 ge­schlos­se­nen „Pro­zess­ver­ein­ba­rung“ auf Rah­men­be­din­gun­gen für den Ab­lauf auf­zu­neh­men­der - 4 - Son­die­rungs­gespräche und Ta­rif­ver­hand­lun­gen so­wie - be­zo­gen auf ein­zel­ne Re­ge­lungs­ge­genstände - auf zeit­ge­bun­de­ne Frie­dens­pflich­ten, ua. bis zum 28. Fe­bru­ar 2009 hin­sicht­lich al­ler Vergütungs­fra­gen. Am 25. Fe­bru­ar 2009 er-klärte die Be­klag­te ge­genüber der FSG das Schei­tern der Ver­hand­lun­gen über ei­ne Vergütungs­re­ge­lung und kündig­te nach Ab­lauf der Frie­dens­pflicht Ar­beits­kampf­maßnah­men an. Vom 3. bis 6. März 2009 kam es zu ei­nem be­fris­te­ten Streik der Mit­ar­bei­ter im Be­reich Ver­kehrs­zen­tra­le und Vor­feld­kon­trol­le, der später verlängert wur­de. Bis zum 31. März 2009 setz­te die FSG ne­ben den bei ihr beschäftig­ten, nicht strei­ken­den Mit­ar­bei­tern Vor­feld­lot­sen und Ver­kehrs­zen­tra­len­mit­ar­bei­ter an­de­rer Flughäfen ein, so dass es zu kei­nen Ein­schränkun­gen im Flug­be­trieb kam. Ab dem 1. April 2009 über­nahm die DFS ent­spre­chend ei­nem im Fe­bru­ar 2009 mit der FSG ge­schlos­se­nen Dienst­leis­tungs­ver­trag die Vor­feld­kon­trol­le. Ab die­sem Zeit­punkt beschäftig­te die FSG die vor­mals in der Ver­kehrs­zen­tra­le und Vor­feld­kon­trol­le ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mer, so­weit sie de­ren Ar­beits­verhält­nis­se nicht gekündigt hat­te, auf den ver­blie­be­nen Ar­beitsplätzen als Flight Da­ta und Dis­po­nent in der Ver­kehrs­zen­tra­le oder als Ko­or­di­na­tor. Nach­dem das Ar­beits­ge­richt Stutt­gart am 2. März 2009 ei­nen An­trag der DFS ge­gen die Be­klag­te auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung zur Ver­hin­de­rung ei­nes et­wai­gen ge­gen sie ge­rich­te­ten Streiks zur Un­terstützung des ge­gen die FSG ge­rich­te­ten Haupt­ar­beits­kamp­fes ab­ge­wie­sen und das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg die hier­ge­gen ein­ge­leg­te so­for­ti­ge Be­schwer­de am 31. März 2009 zurück­ge­wie­sen hat­te, be­schloss die Be­klag­te Ar­beits­kampf­maßnah­men ge­gen die DFS. Ent­spre­chend ei­ner der DFS am 5. April 2009 zu­ge­gan­ge­nen Ankündi­gung rief sie für den 6. April 2009 in der Zeit von 16:00 Uhr bis 22:00 Uhr ih­re im Tower Stutt­gart beschäftig­ten Mit­glie­der zu ei­nem Un­terstützungs­streik auf. In der Ankündi­gung gab sie an:
„Die­ser Un­terstützungs­streik dient zur Durch­set­zung der GdF-For­de­run­gen ge­genüber der Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH.“ - 5 - Am 6. April 2009 um 16:00 Uhr leg­ten die bei der Be­klag­ten or­ga­ni­sier­ten und im Tower Stutt­gart beschäftig­ten - mit Aus­nah­me der für Ar­bei­ten nach der Not­dienst­ver­ein­ba­rung ein­ge­teil­ten - Flug­lot­sen die Ar­beit nie­der. Um 21:09 Uhr be­en­de­te die Be­klag­te die Kampf­maßnah­me auf­grund ei­ner auf An-trag der Kläge­rin­nen zu 1., 2. und 4. so­wie der Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin zu 3. er­las­se­nen Ver­bots­verfügung des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 6. April 2009.
Mit ih­ren Kla­gen ha­ben die Kläge­rin­nen - je­weils - die Er­stat­tung ei­nes be­zif­fer­ten Scha­dens ver­langt und Fest­stel­lungs­anträge an­ge­bracht. Die Scha­dens­er­satz­ansprüche ha­ben sie in den Vor­in­stan­zen auf § 823 Abs. 1 BGB und § 826 BGB gestützt und hier­zu gel­tend ge­macht, die Ar­beits­nie­der­le­gung der Flug­lot­sen hin­de­re sie an der be­stim­mungs­gemäßen Ver­wen­dung ih­rer Flug­zeu­ge und ver­let­ze da­mit ih­re Ei­gen­tums­rech­te. Darüber hin­aus grei­fe der Un­terstützungs­ar­beits­kampf in rechts­wid­ri­ger Wei­se in ihr Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb ein. Der von der Be­klag­ten in­iti­ier­te Streik ha­be auf die Still­le­gung des Luft­ver­kehrs und da­mit un­mit­tel­bar auf den Flug­be­trieb der be­trof­fe­nen Flug­ge­sell­schaf­ten ge­zielt. Die Ak­ti­on ste­he ei­ner teil­wei­sen und ge­genüber un­be­tei­lig­ten Drit­ten grundsätz­lich un­zulässi­gen Be­triebs­blo­cka­de gleich. Auf­grund des bei der DFS gel­ten­den Voll­kos­ten­de­ckungs­prin­zips hätten al­lein Flug­un­ter­neh­men wirt­schaft­li­che Schäden zu ver­zeich­nen. Die Ar­beits­kampf­maßnah­me sei un­zulässig ge­we­sen. Flug­lot­sen sei­en we­gen der - 6 - Ausübung son­der­po­li­zei­li­cher Auf­ga­ben nicht streik­be­fugt. Zu­dem ha­be der Un­terstützungs­streik auf ei­ne sit­ten­wid­ri­ge Schädi­gung der Kläge­rin­nen ge­zielt.
Die Kläge­rin zu 1. hat zu­letzt be­an­tragt, 1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 12.050,13 Eu­ro nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz gemäß § 247 BGB seit dem 14. Ju­ni 2011 zu zah­len;
Die Kläge­rin zu 2. hat zu­letzt be­an­tragt, 1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 88,00 Eu­ro nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz gemäß § 247 BGB seit dem 14. Ju­ni 2011 zu zah­len;
3. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, ihr den Scha­den zu er­set­zen, der ihr aus den ge­gen die Deut­sche Flug­si­che­rung GmbH am 6. April 2009 durch­geführ­ten Ar­beits­kampf­maßnah­men der Be­klag- - 8 - ten ent­stan­den ist.
Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, den kla­gen­den Flug­ge­sell­schaf­ten ste­he als mit­tel­bar be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men kein Er­satz für er­lit­te­ne Vermögensschäden zu. Der Streik ha­be sich ge­gen die DFS ge­rich­tet und die Un­terstützung des Haupt­ar­beits­kamp­fes ge­gen die FSG be­zweckt. Ein Ein­griff in de­liktsrecht­lich geschütz­te Rechtsgüter Drit­ter sei da­mit nicht ver­bun­den. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­gen ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fun­gen der Kläge­rin­nen - nach Prüfung und Ver­nei­nung auch ei­nes Scha­dens­er­satz­an­spruchs aus § 280 Abs. 1 BGB iVm. den Grundsätzen des Ver­trags mit Schutz­wir­kung zu­guns­ten Drit­ter im Hin­blick auf die zwi­schen der Be­klag­ten und der FSG ge­schlos­se­ne „Pro­zess­ver­ein­ba­rung“ - zurück­ge­wie­sen. Mit ih­ren Re­vi­sio­nen ver­fol­gen die Kläge­rin­nen die Kla­ge­anträge wei­ter. Die Be­klag­te be­an­tragt, die Re­vi­sio­nen zurück­zu­wei­sen.
- 9 - I. Mit der Ab­wei­sung des auf ei­ne Ver­trags­ver­let­zung gestütz­ten An­spruchs der Kläge­rin­nen hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt ge­gen § 308 Abs. 1 Satz 1 ZPO ver­s­toßen. Dies hat der Se­nat auch oh­ne ei­ne hier­auf gestütz­te Ver­fah­rensrüge der Par­tei­en von Amts we­gen zu berück­sich­ti­gen (BAG 17. März 2015 - 1 ABR 49/13 - Rn. 8).
- 10 - 3. Das an­ge­foch­te­ne Ur­teil un­ter­liegt im Hin­blick auf den aus der Ver­let­zung von § 308 Abs. 1 Satz 1 ZPO be­ru­hen­den Ver­fah­rens­feh­ler der Kor­rek­tur, um ei­ne sonst ein­tre­ten­de Rechts­kraft (hier­zu BAG 18. Mai 2011 - 4 AZR 457/09 - Rn. 12; BGH 28. Mai 1998 - I ZR 275/95 - zu II 2 a der Gründe) aus­zu­sch­ließen. Dies war im Ent­schei­dungs­aus­spruch aus Gründen der Klar­stel­lung fest­zu­stel­len (BAG 7. Au­gust 2012 - 9 AZR 189/11 - Rn. 8).
- 11 - heb­li­chen Zeit­raum ent­zo­gen wird (vgl. BGH 11. Ja­nu­ar 2005 - VI ZR 34/04 - zu II 2 a der Gründe mwN; 21. De­zem­ber 1970 - II ZR 133/68 - BGHZ 55, 153). Dies ist je­doch nicht der Fall, wenn ein Trans­port­mit­tel un­ter Bei­be­hal­tung sei­ner Be­we­gungsmöglich­keit nur we­ni­ge St­un­den an ei­ner kon­kret ge­plan­ten Fahrt ge­hin­dert und da­durch le­dig­lich sei­ne wirt­schaft­li­che Nut­zung vorüber­ge­hend ein­ge­engt wird (BGH 11. Ja­nu­ar 2005 - VI ZR 34/04 - zu II 2 a der Gründe mwN).
(2) Eben­so liegt kei­ne Ver­let­zung des Ei­gen­tums in dem oh­ne­hin nur die Kläge­rin zu 1. tref­fen­den Um­stand, dass am 6. April 2009 sechs ih­rer von Stutt­gart aus star­ten­den Flüge we­gen des Streiks der dor­ti­gen Tower­lot­sen an­nul­liert wur­den und die ent­spre­chen­den Flug­zeu­ge nicht ab­flie­gen konn­ten. Auch in­so­weit fehlt es an ei­ner de­liktsre­le­van­ten Nut­zungs­be­ein­träch­ti­gung. - 12 - (a) Da­bei kann of­fen­blei­ben, ob es sich - wo­von of­fen­sicht­lich das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus­ge­gan­gen ist - um ei­ne Nut­zungs­ver­hin­de­rung der Flug­zeu­ge während des ge­sam­ten Zeit­raums des auf sechs St­un­den an­ge­leg­ten und tatsächlich fünf St­un­den und neun Mi­nu­ten währen­den Streiks ge­han­delt hat. Al­ler­dings ver­nachlässigt die­se An­nah­me, dass der Ver­kehrs­flug­ha­fen Stutt­gart auf der Grund­la­ge von § 1 Abs. 1 und Abs. 2 der Ver­ord­nung über die Durchführung der Flug­ha­fen­ko­or­di­nie­rung (- FHKV - BGBl. I 1994 S. 1262) für die ge­sam­te Be­triebs­zeit für vollständig ko­or­di­niert erklärt wor­den ist (BAnz. 1995 S. 5549). Bei ko­or­di­nier­ten Ver­kehrs­flughäfen hat gemäß § 3 Abs. 2 Nr. 1 FHKV der Hal­ter ei­nes Luft­fahr­zeugs für al­le be­ab­sich­tig­ten Starts und Lan­dun­gen von Flügen nach In­stru­men­ten­flug­re­geln sog. Slots („Start Lan­dig Ope­ra­ti­on Ti­me“) zur Zu­wei­sung beim Flug­ha­fen­ko­or­di­na­tor zu be­an­tra­gen; nach § 3 Abs. 2 Nr. 2 FHKV sind Starts und Lan­dun­gen oh­ne zu­ge­wie­se­nen Slot un­ter­sagt. Nur die­se durch den Flug­ha­fen­ko­or­di­na­tor zu­ge­teil­te Zeit­ni­sche er­laubt ih­rem In­ha­ber ver­bind­lich den Zu­gang zu den li­mi­tier­ten Flug­ha­fengütern so­wie den da­mit un­mit­tel­bar zu­sam­menhängen­den Luft­raum- und Flug­si­che­rungs­ka­pa­zitäten zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt (vgl. Bau­mann in Grab­herr/ Reidt/Wysk Luft­VG Stand Au­gust 2010 § 27a Rn. 27). Da­mit dürf­te die Nut­zung der für ei­nen Start in Stutt­gart vor­ge­se­he­nen Flug­zeu­ge der Kläge­rin zu 1. frühes­tens ab dem Zeit­punkt des ihr am 6. April 2009 im Streik­zeit­raum je­weils zu­ge­wie­se­nen Slots be­ein­träch­tigt ge­we­sen sein, oh­ne dass die streik­be­ding­te Hin­de­rung der Slot­nut­zung ih­rer­seits ei­ne Ver­let­zung des Ei­gen­tums oder ei­nes sons­ti­gen ab­so­lu­ten Rechts iSv. § 823 Abs. 1 BGB dar­stell­te. An ei­nem Slot be­ste­hen kei­ne Ei­gen­tums- oder ei­gen­tumsähn­li­chen Rech­te. Sei­ne Rechts­qua­lität ist viel­mehr al­lein aus dem Ge­sichts­punkt ei­ner dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en und an­ge­mes­se­nen Teil­ha­be an ei­nem (staat­lich ver­wal­te­ten) li­mi­tier­ten Gut zu be­stim­men (Bau­mann in Grab­herr/Reidt/Wysk aaO § 27a Rn. 28; vgl. auch [zur uni­ons­recht­li­chen Ver­ord­nungs­la­ge] Beck Die Re­ge­lung von Slots [Zeit­ni­schen] im Luft­ver­kehrs­recht S. 79). Ein sol­ches Recht un­terfällt - ähn­lich dem Recht auf un­ge­hin­der­ten Zu­gang zur öffent­li­chen In­fra­struk­tur (hier­zu BGH 11. Ja­nu­ar 2005 - VI ZR 34/04 - zu II 2 a der Gründe mwN) - grundsätz­lich nicht dem Schutz des § 823 Abs. 1 BGB. - 13 - (b) Selbst wenn - mit dem Be­ru­fungs­ge­richt - von ei­nem Nut­zungs­ent­zug der sechs Flug­zeu­ge während des ge­sam­ten Streik­zeit­raums aus­zu­ge­hen wäre, hätte auch dies kei­ne ei­gen­tums­ver­let­zen­de Re­le­vanz. Die In­ten­sität ei­ner sol­chen Be­ein­träch­ti­gung war nicht der­art gra­vie­rend, dass ein Aus­schluss der Kläge­rin zu 1. von ih­rem Ei­gen­tum an­zu­neh­men ist. Sie konn­te kon­kret ge­plan­te Flüge nicht durchführen. Da­durch wa­ren die be­tref­fen­den Luft­fahr­zeu­ge als Trans­port­mit­tel nicht gänz­lich un­brauch­bar, son­dern konn­ten le­dig­lich - oh­ne un­mit­tel­ba­re Ein­wir­kung auf sie - für ei­ne kur­ze Zeit­span­ne nicht wirt­schaft­lich ge­nutzt wer­den.
aa) Zu den nach § 823 Abs. 1 BGB de­lik­tisch geschütz­ten „sons­ti­gen Rech­ten“ gehört das Recht des Be­triebs­in­ha­bers am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb. Es ist auf die un­gestörte Betäti­gung und Ent­fal­tung sei­nes Be­triebs ge­rich­tet und um­fasst al­les, was in der Ge­samt­heit den wirt­schaft­li­chen Wert des Be­triebs als be­ste­hen­de Ein­heit aus­macht (BAG 22. Sep­tem­ber 2009 - 14 - - 1 AZR 972/08 - Rn. 21 mwN, BA­GE 132, 140). Durch die von der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung vor­ge­nom­me­ne Ein­ord­nung des Rechts am be­ste­hen­den Ge­wer­be­be­trieb in den Kreis der „sons­ti­gen Rech­te“ des § 823 Abs. 1 BGB ist die­ses Recht den dort aus­drück­lich erwähn­ten Rechtsgütern hin­sicht­lich sei­nes Schut­zes gleich­ge­stellt. Der „Auf­fang­tat­be­stand“ ist ge­schaf­fen wor­den, um ei­ne an­dern­falls be­ste­hen­de Lücke im Rechts­schutz zu schließen (BAG 22. Sep­tem­ber 2009 - 1 AZR 972/08 - Rn. 21 mwN, BA­GE 132, 140).
cc) Un­mit­tel­ba­re Ein­grif­fe in das Recht am be­ste­hen­den Ge­wer­be­be­trieb sind nur die­je­ni­gen, die ge­gen den Be­trieb als sol­chen ge­rich­tet, al­so be­triebs­be­zo­gen sind und nicht vom Ge­wer­be­be­trieb oh­ne wei­te­res ablösba­re Rech­te oder Rechtsgüter be­tref­fen (BGH 9. De­zem­ber 2014 - VI ZR 155/14 - Rn. 20 mwN; 22. Ju­ni 2011 - I ZR 159/10 - Rn. 75; 20. Mai 2009 - I ZR 218/07 - Rn. 12). Sol­che Ein­grif­fe müssen ih­rer ob­jek­ti­ven Stoßrich­tung nach ge­gen den be­trieb­li­chen Or­ga­nis­mus oder die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dungs­frei­heit ge­rich­tet sein (BAG 22. Sep­tem­ber 2009 - 1 AZR 972/08 - Rn. 22 mwN, BA­GE 132, 140). Die bloße Kennt­nis der „Streu­wir­kung“ ei­ner Ver­let­zungs­hand­lung auf (Dritt-)Un­ter­neh­men lässt aber nicht zwin­gend den Schluss auf die Un­mit­tel­bar­keit ei­nes Ein­griffs in de­ren Be­trie­be zu (BGH 8. Ja­nu­ar 1981 - 15 -
dd) Ein Streik greift un­mit­tel­bar in das Recht des be­streik­ten Ar­beit­ge­bers an sei­nem ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb ein. Dies ver­pflich­tet bei Rechts­wid­rig­keit der Kampf­maßnah­me und bei schuld­haf­tem Han­deln zum Scha­dens­er­satz nach § 823 Abs. 1 BGB ge­genüber dem Kampf­geg­ner (zu­letzt BAG 19. Ju­ni 2012 - 1 AZR 775/10 - BA­GE 142, 98). Bei ei­nem Streik folgt die un­mit­tel­ba­re Kampf­be­trof­fen­heit des Ar­beit­ge­bers aus dem Streik­auf­ruf. Dem­zu­fol­ge fehlt es ge­genüber ei­nem kampfun­be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­ber re­gelmäßig an ei­ner Be­triebs­be­zo­gen­heit ei­nes Ein­griffs in des­sen Ge­wer­be­be­trieb, mag sein Un­ter­neh­men auch durch den Streik be­ein­träch­tigt sein (eben­so Ga­mill­scheg Kol­lek­ti­ves Ar­beits­recht Bd. I § 26 II 3 a; Kis­sel Ar­beits­kampf­recht § 74 Rn. 9; Hau­er ju­ris­PR-ArbR 7/2014 Anm. 5 [zu Ar­beits­ge­richt We­sel 23. Au­gust 2013 - 6 Ga 22/13 - An­trag ei­nes Bin­nen­schiff­fahrts­un­ter­neh­mens auf Un­ter­las­sung ei­ner Streik­maßnah­me durch Schleu­senwärter]; Löwisch/Krauß AR-Blat­tei SD 134 Stand No­vem­ber 2004 Ar­beits­kampf III C 170.3.3 Rn. 34; Ot­to Ar­beits­kampf- und Sch­lich­tungs­recht § 16 Rn. 120; Sei­ter Streik­recht und Aus­sper­rungs­recht § 34 V 1; vgl. auch Däubler/Hen­sche Ar­beits­kampf­recht 3. Aufl. § 18 - 16 - Rn. 5 ff.; ErfK/Lin­sen­mai­er 15. Aufl. Art. 9 GG Rn. 226; aA Adam Das Verhält­nis von Ar­beits­kampf­recht und Schuld­recht S. 84 ff.).
- 18 - Luft­VG ist die Be­nut­zung des Luft­raums durch Luft­fahr­zeu­ge frei, so­weit sie nicht durch das Luft­VG, durch die zu sei­ner Durchführung er­las­se­nen Rechts­vor­schrif­ten, durch im In­land an­wend­ba­res in­ter­na­tio­na­les Recht, durch Rechts­ak­te der Eu­ropäischen Uni­on und die zu de­ren Durchführung er­las­se­nen Rechts­vor­schrif­ten be­schränkt wird. Die im Ein­zel­nen er­for­der­li­chen Be­schränkun­gen er­fol­gen ver­kehrs­recht­lich ua. durch die Vor­schrif­ten zur Flug­si­che­rung (vgl. be­reits BGH 10. Ju­li 1969 - KZR 13/68 - zu I der Gründe). Die­se dient gemäß § 27c Abs. 1 Luft­VG der si­che­ren, ge­ord­ne­ten und flüssi­gen Ab­wick­lung des Luft­ver­kehrs. Sie um­fasst nach § 27c Abs. 2 Satz 1 Luft­VG die Flug­si­che­rungs­diens­te, ins­be­son­de­re die in Nr. 1 Buchst. a bis d der Vor­schrift auf­geführ­ten Flug­ver­kehrs­diens­te (nach § 27c Abs. 2 Luft­VG in der bis zum 28. Au­gust 2009 gel­ten­den Fas­sung um­fass­te sie ua. die Flug­si­che­rungs­be­triebs­diens­te und die flug­si­che­rungs­tech­ni­schen Diens­te). Gemäß § 1 der ab 29. Au­gust 2009 gülti­gen Ver­ord­nung zur Be­auf­tra­gung ei­nes Flug­si­che­rungs­un­ter­neh­mens (FS-Auf­tragsV) ist die DFS da­mit be­auf­tragt, die in § 27c Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Luft­VG ge­nann­ten Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men (nach § 1 FS-Auf­tragsV in der bis 28. Au­gust 2009 gülti­gen Fas­sung wa­ren es die in § 27c Abs. 2 Luft­VG ge­nann­ten Auf­ga­ben).
(b) Aus die­sen luft­ver­kehrs­recht­li­chen Vor­ga­ben zu ei­ner für die Ausübung der un­ter­neh­me­ri­schen Tätig­keit der Kläge­rin­nen nicht sub­sti­tu­ier­ba­ren Leis­tungs­vor­aus­set­zung - der In­an­spruch­nah­me der Flug­si­che­rung - folgt je­doch nicht, dass sich der Un­terstützungs­streik am 6. April 2009 zwangsläufig ge­gen ih­re Ge­wer­be­be­trie­be ge­rich­tet hat. Die Re­gle­men­tie­rung des Luft­ver­kehrs ist ar­beits­kampf­neu­tral. Sie be­dingt kei­nen Wech­sel oder ei­ne Er­wei­te­rung des von der Be­klag­ten be­stimm­ten Geg­ners ih­rer Streik­ak­ti­on. Die Kläge­rin­nen be­gründen die ge­gen sie zie­len­de Stoßrich­tung des Un­terstützungs­streiks mit ih­rer un­ver­meid­li­chen Be­trof­fen­heit. Das greift zu kurz. Al­lein aus dem Ein­tritt ei­nes be­stimm­ten Hand­lungs­er­folgs kann nicht auf die Hand­lungs­ge­richtet­heit ei­ner Ar­beits­kampf­maßnah­me ge­schlos­sen wer­den. So können Flug­ge­sell­schaf­ten we­gen der spe­zi­fi­schen in­sti­tu­tio­nel­len Rah­men­be­din­gun­gen in ih­rer ge­werb­li­chen Betäti­gung vielfältig von Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Drit­ten be­trof­fen sein, bei­spiels­wei­se auch durch ei­nen Streik von Beschäftig­ten - 19 - des Flug­ha­fen­be­trei­bers oder ei­nes mit be­triebs­we­sent­li­chen Auf­ga­ben wie et­wa der Si­cher­heits­kon­trol­le oder der Bo­den­ab­fer­ti­gung be­auf­trag­ten Un­ter­neh­mens. Über die Verfügbar­keit die­ser Diens­te können sie eben­so we­nig dis­po­nie­ren wie über die der Flug­si­che­rung. Nur we­gen der Un­aus­weich­lich­keit von Be­ein­träch­ti­gun­gen der Ge­wer­be­be­trie­be der Kläge­rin­nen kann dem im Ar­beits­kampf­auf­ruf der Be­klag­ten ein­deu­tig aus­ge­drück­ten Ziel, die DFS zu be­strei­ken, kei­ne an­de­re Rich­tung un­ter­stellt wer­den. Auch die Kennt­nis der Be­klag­ten, dass die Kläge­rin­nen von dem Streik un­aus­weich­lich be­trof­fen wa­ren, stellt die Fi­na­lität ih­rer aus­sch­ließlich ge­gen die DFS ge­rich­te­ten Kampf­maßnah­me nicht in Fra­ge.
(4) Die An­nah­me ei­nes ge­gen die Un­ter­neh­men der Kläge­rin­nen ge­rich­te­ten un­mit­tel­ba­ren Ein­griffs schei­det schließlich auch des­halb aus, weil die durch die Er­brin­gung von Flug­si­che­rungs­diens­ten zu gewähren­de Luft­raum­nut­zung nicht zu de­ren Ge­wer­be­be­trie­ben gehört. Der Luft­raum (als Be­nut­zungs­ob­jekt) steht im Ge­mein­ge­brauch (vgl. [„Ge­mein­ge­brauch am deut­schen Luft­raum“] BVerfG 12. März 1986 - 1 BvL 81/79 - zu B 2 und C I 2 b der Gründe, BVerfGE 72, 66; Pa­pier Ju­ra 1979, 93; Pei­ne All­ge­mei­nes Ver­wal­tungs­recht 11. Aufl. Rn. 1337; wei­te­re Nach­wei­se bei Lübben Das Recht auf freie Be­nut­zung des Luft­raums S. 66 Fn. 15). Ein ge­gen die DFS ge­rich­te­ter Ar­beits­kampf trifft da­mit mit­tel­bar je­den Luft­raum­nut­zer. Die An­er­ken­nung ei­ner Schädi­gung von ge­werb­li­chen Nut­zern als un­mit­tel­ba­ren Ein­griff in ih­re Ge­wer­be­be­trie­be würde das Ge­wer­be­vermögen pri­vi­le­gie­ren. Es ist kein Grund er­sicht­lich, Luft­ver­kehrs­ge­sell­schaf­ten un­ter dem Ge­sichts­punkt des ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­triebs vermögens­scha­dens­recht­lich zu begüns­ti­gen, während nicht­ge­wer­be­trei­ben­de Luft­fahr­zeu­g­in­ha­ber oder an­de­re Nut­zer des Luft­raums ei­ne Be­ein­träch­ti­gung entschädi­gungs­los hin­zu­neh­men hätten. Auch in­so­weit ist zu be­ach­ten, dass das Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb als Schutz­gut aus­sch­ließlich des­halb an­er­kannt ist, um dem spe­zi­fi­schen Schutz­bedürf­nis des Un­ter­neh­mens als ei­nem or­ga­ni­schen Funk­ti­ons­be­reich zu ent­spre­chen und nicht, um die­sem ge­genüber den in § 823 Abs. 1 BGB an­geführ­ten In­ha­bern ab­so­lut geschütz­ter Rechtsgüter Vor­tei­le zu ver­schaf­fen. - 20 -
(b) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin­nen hat der Bun­des­ge­richts­hof sei­ne Aus­sa­gen zum Ein­griff in den ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb le­dig­lich ein­zel­fall­be­zo­gen auf ei­ne von den Flug­lei­tern durch­geführ­te kol­lek­ti­ve Ak­ti­on be­schränkt, die sich un­mit­tel­bar ge­gen die wirt­schaft­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on von Drit­ten rich­te­te, de­ren un­ter­neh­me­ri­sche Tätig­keit funk­tio­nell mit der Amtstätig­keit der Flug­lei­ter eng ver­bun­den und von ihr abhängig war. Nach den da­ma­li­gen tatrich­ter­li­chen Fest­stel­lun­gen war es den Flug­lei­tern dar­an ge- - 21 - le­gen, Drit­t­un­ter­neh­men in ih­rer be­trieb­li­chen Abhängig­keit von der Flug­si­che­rung zu be­ein­träch­ti­gen, um die Bun­des­re­gie­rung we­gen der bei die­sen Drit­ten ein­tre­ten­den Scha­dens­fol­gen ih­ren For­de­run­gen gefügig zu ma­chen. Ei­ne Er­stre­ckung die­ser Grundsätze auf ei­ne ge­werk­schaft­lich ge­tra­ge­ne Ar­beits­kampf­maßnah­me hat der Bun­des­ge­richts­hof nicht vor­ge­nom­men. Er hat viel­mehr die streikähn­li­che Ak­ti­on der Flug­lei­ter aus­drück­lich von ei­nem Streik in der Wirt­schaft ab­ge­grenzt (BGH 16. Ju­ni 1977 - III ZR 179/75 - zu II 4 c der Gründe, BGHZ 69, 128; vgl. auch - noch deut­li­cher - BGH 31. Ja­nu­ar 1978 - VI ZR 32/77 - zu I 2 a der Gründe, BGHZ 70, 277).
(bb) Eben­so be­ste­hen Un­ter­schie­de im Ver­fah­ren zwi­schen ei­nem ge­werk­schaft­lich ge­tra­ge­nen Ar­beits­kampf und der kol­lek­ti­ven Ak­ti­on der Flug­lei­ter im Jahr 1973. Letz­te­re wur­de von im Be­am­ten­verhält­nis zur Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ste­hen­den Be­diens­te­ten ge­tra­gen, de­nen we­gen ih­res Be­am­ten­sta­tus Ar­beits­kampf­mit­tel zur Druck­ausübung aus Rechts­gründen nicht zur Verfügung stan­den. Das streikähn­li­che Ver­hal­ten der Flug­lei­ter ver­stieß ge­gen ih­re be­son­de­re be­am­ten­recht­li­che Treue­pflicht ge­genüber dem Dienst­herrn und war da­her amts­wid­rig (BGH 16. Ju­ni 1977 - III ZR 179/75 - zu II 4 d der Gründe, BGHZ 69, 128). Dem­ge­genüber wird die Durchführung ei­nes ge­werk­schaft­lich ge­tra­ge­nen Ar­beits­kamp­fes durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­tet. Es ist aner- - 22 -
(7) Eben­so ver­mag die von den Re­vi­sio­nen ge­zo­ge­ne Par­al­le­le zu ei­ner (öffent­lich-recht­li­chen) Sper­rung des Luft­raums un­ter Hin­weis auf die Ent­schei­dun­gen des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs vom 25. Fe­bru­ar 1991 (- 2 TH 2506/90 -) und des Land­ge­richts Mar­burg vom 3. De­zem­ber 1980 (- 2 O 56/80 -) nicht zu über­zeu­gen. Es geht vor­lie­gend nicht um ei­ne staat­li­che Maßnah­me oder um Entschädi­gun­gen we­gen ent­eig­nungs­glei­chen Ein­griffs. - 23 -
2. Oh­ne Er­folg rügen die Re­vi­sio­nen, dass das Be­ru­fungs­ge­richt ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch der Kläge­rin­nen nach § 826 BGB ver­neint hat. Auch bei ei­ner un­ter­stell­ten Rechts­wid­rig­keit des Un­terstützungs­streiks vom 6. April 2009 wäre je­den­falls ei­ne mit ihm ein­her­ge­hen­de sit­ten­wid­ri­ge vorsätz­li­che - 24 - Schädi­gung der Kläge­rin­nen nicht an­zu­neh­men. Die Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, dass die Umstände des vor­lie­gen­den Falls den Schluss auf ein sit­ten­wid­ri­ges Han­deln nicht zu­las­sen, ist re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den. Die Re­vi­sio­nen set­zen in­so­weit nur ih­re Be­wer­tung an die Stel­le der Würdi­gung des Tat­sa­chen­ge­richts. Ent­ge­gen ih­ren Auf­fas­sun­gen hat das Be­ru­fungs­ge­richt nicht den „Kern des Ver­hal­tens“ der Be­klag­ten ver­kannt. Die von der Be­klag­ten als Ge­werk­schaft in­iti­ier­te, an­gekündig­te, un­ter Leis­tung von Not­dien­st­ar­bei­ten durch­geführ­te und be­reits nach der Pla­nung auf sechs St­un­den be­grenz­te kol­lek­ti­ve Ar­beits­nie­der­le­gung der Flug­lot­sen be­zweck­te die Un­terstützung des ge­gen die FSG geführ­ten Ar­beits­kamp­fes. Dar­in drückt sich - selbst bei Un­rechtmäßig­keit des Streiks - kein be­son­de­rer Un­rechts­ge­halt aus. Auch wenn die in der Be­klag­ten or­ga­ni­sier­ten Flug­lot­sen als Spe­zia­lis­ten in Schlüssel­stel­lun­gen über ein nicht ge­rin­ges Macht- und Druck­po­ten­ti­al verfügen, ist der Streik vom 6. April 2009 we­der be­son­ders ver­werf­lich noch miss­bräuch­lich ge­we­sen. Die in an­de­rem Zu­sam­men­hang ver­tief­te Ar­gu­men­ta­ti­on der Kläge­rin­nen, den Flug­lot­sen ste­he im Hin­blick auf ih­re Ge­fah­ren­ab­wehrtätig­keit und den son­der­po­li­zei­li­chen Cha­rak­ter der Flug­si­che­rung als Wahr­neh­mung ho­heit­li­cher Auf­ga­ben in pri­vat­recht­li­cher Or­ga­ni­sa­ti­ons­form über­haupt kein Streik­recht zu, ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht halt­bar. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts führt die Pri­va­ti­sie­rung ho­heit­li­cher Auf­ga­ben nicht zum Ver­lust der durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten Frei­heits­rech­te der mit der Er­le­di­gung die­ser Auf­ga­ben nun­mehr be­trau­ten Ar­beit­neh­mer und de­ren Ver­ei­ni­gun­gen. Viel­mehr ist der ge­bo­te­nen Ver­mei­dung un­verhält­nismäßiger Ge­mein­wohlschädi­gun­gen oder un­verhält­nismäßiger Be­ein­träch­ti­gun­gen Drit­ter durch die Si­cher­stel­lung von Not­diens­ten Rech­nung zu tra­gen (BVerfG 18. Ja­nu­ar 2012 - 2 BvR 133/10 - Rn. 162 mwN, BVerfGE 130, 76). Das hat die Be­klag­te mit­tels der mit der DFS ge­schlos­se­nen und während der Kampf­maßnah­me durch­geführ­ten Not­dienst­ver­ein­ba­rung gewähr­leis­tet.
III. Die je­weils mit den Anträgen zu 2. an­ge­brach­ten Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­gen iSd. § 256 Abs. 2 ZPO sind un­zulässig. - 25 - 1. Zum ei­nen sind sie nicht hin­rei­chend be­stimmt. Auch ein auf die Zwi­schen­fest­stel­lung ei­ner Un­ter­las­sungs­ver­pflich­tung ge­rich­te­ter An­trag muss we­gen der An­for­de­run­gen der §§ 308, 322 ZPO die zu un­ter­las­sen­de Hand­lung so ge­nau be­zeich­nen, dass mit der Ent­schei­dung fest­steht, wel­cher Vor­gang von der fest­ge­stell­ten Ver­pflich­tung er­fasst ist. Ent­spre­chend ei­ner Leis­tungs­kla­ge auf Un­ter­las­sung (hier­zu BAG 18. No­vem­ber 2014 - 1 AZR 257/13 - Rn. 43 mwN) muss der Geg­ner der fest­ge­stell­ten Un­ter­las­sung im Fal­le ei­ner dem An­trag ent­spre­chen­den ge­richt­li­chen Ent­schei­dung ein­deu­tig er­ken­nen können, wel­che Hand­lung zu un­ter­blei­ben hat oder hat­te. Die­sem Er­for­der­nis genügen die Anträge zu 2. nicht. Die Kläge­rin­nen ha­ben die je­weils er­streb­te Fest­stel­lung ei­ner ih­nen ge­genüber be­ste­hen­den Un­ter­las­sungs­ver­pflich­tung auf die ge­gen die DFS am 6. April 2009 durch­geführ­te Ar­beits­kampf­maßnah­me be­zo­gen, „so­weit sie zu Störun­gen des Flug­be­triebs“ geführt hat. Die­ser den An­trag ein­schränken­de Vor­be­halt ist nicht aus­rei­chend be­stimmt. Bei ei­nem so ge­fass­ten Ent­schei­dungs­spruch blie­ben In­halt und Um­fang sei­ner ma­te­ri­el­len Rechts­kraft un­klar.
IV. Die zur Ent­schei­dung an­fal­len­den Anträge zu 3. sind gleich­falls un­zulässig. Es man­gelt den mit ih­nen iSd. § 256 Abs. 1 ZPO an­ge­brach­ten Fest­stel­lungs­be­geh­ren an dem er­for­der­li­chen Fest­stel­lungs­in­ter­es­se. - 26 - 1. So­weit es den Kläge­rin­nen um den Er­satz der von den Anträgen zu 1. nicht er­fass­ten Schäden auf­grund der nach ih­ren Be­haup­tun­gen be­reits ein­ge­tre­te­nen Rechts­gut­ver­let­zung geht, setzt das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se zwar nur die Möglich­keit des Scha­den­s­ein­tritts vor­aus. Die­ses ist aber zu ver­nei­nen, wenn aus der Sicht des An­spruch­stel­lers bei verständi­ger Würdi­gung kein Grund be­steht, mit dem Ein­tritt ei­nes der­ar­ti­gen Scha­dens we­nigs­tens zu rech­nen (BGH 16. Ja­nu­ar 2001 - VI ZR 381/99 - zu II 2 der Gründe). Es ist da­her nicht zu be­an­stan­den, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt we­gen des im Zeit­punkt sei­ner Ent­schei­dung ver­stri­che­nen Zeit­raums seit dem be­haup­te­ten scha­dens-stif­ten­den Er­eig­nis da­von aus­ge­gan­gen ist, es sei nicht er­sicht­lich, wel­che Schäden den Kläge­rin­nen hier­aus noch er­wach­sen können.
V. Das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts un­ter­liegt al­ler­dings im Kos­ten­punkt der Auf­he­bung. Die Kos­ten­ent­schei­dung ist rechts­feh­ler­haft. Dies ist auch oh­ne aus­drück­li­che Rüge der Re­vi­sio­nen von Amts we­gen zu berück­sich­ti­gen (BGH 5. Mai 2015 - XI ZR 406/13 - Rn. 32 mwN). Die Ent­schei­dung über die Kos­ten folgt nicht - wie die Vor­in­stan­zen of­fen­sicht­lich an­ge­nom­men ha­ben - - 27 -
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