Source: https://www.haufe.de/steuern/steuer-office-kanzlei-edition/frotscherdrueen-gewstg-5-steuerschuldner-24-personengesellschaft-5-abs1-s3-gewstg_idesk_PI5592_HI2528162.html
Timestamp: 2020-01-27 01:01:22
Document Index: 342766529

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 2', '§ 5', '§ 7', '§ 15']

Frotscher/Drüen, GewStG § 5 Steuerschuldner / 2.4 Personengesellschaft (§ 5 Abs. 1 S. 3 GewStG) | Steuer Office Kanzlei-Edition | Steuern | Haufe
Grundsätzlich ist Schuldner der GewSt der Unternehmer, für dessen Rechnung das Gewerbe betrieben wird. Von diesem Grundsatz macht § 5 Abs. 1 S. 3 GewStG für Personengesellschaften eine Ausnahme. Wird ein Gewerbebetrieb in der Rechtsform einer Personengesellschaft betrieben, sind Unternehmer die Gesellschafter dieser Personengesellschaft und nicht die Personengesellschaft selbst. Gem. § 5 Abs. 1 S. 3 GewStG sind aber nicht die Mitunternehmer, sondern die Personengesellschaft Steuerschuldner. Die GewSt-Schuld ist grundsätzlich aus dem Gesamthandsvermögen der Personengesellschaft zu begleichen.
Indem Personengesellschaften und nicht deren Mitunternehmer Steuerschuldner sind, wird es der hebeberechtigten Gemeinde ermöglicht, ggf. in das Gesamthandsvermögen einer Personengesellschaft zu vollstrecken. Daraus folgt, dass die Personengesellschaft dann nicht Steuerschuldner ist, wenn kein Gesamthandsvermögen gebildet wird. Die Steuerschuldnerschaft ist untrennbar mit der Vollstreckungsschuldnerschaft verknüpft. Sofern eine Vollstreckung strukturell nicht möglich ist, kann auch keine Steuerschuldnerschaft bestehen. Entscheidend ist dabei nicht, ob die Personengesellschaft tatsächlich Gesamthandsvermögen hat, sondern ob sie nach den gesetzlichen oder gesellschaftsvertraglichen Regelungen Gesamthandsvermögen bilden kann. Daher kommt es auf die Frage, ob eine Personenge­sellschaft vermögenslos ist, nicht an.
Auch wenn eine Personengesellschaft gewerblich tätig ist und Gesamthandsvermögen gebildet wird, kann die Schuldnerschaft der Personengesellschaft für die GewSt in Ausnahmefällen ausgeschlossen sein. Erforderlich für die Steuerschuldnerschaft gem. § 5 Abs. 1 S. 3 GewStG ist eine steuerliche Qualifizierung der jeweiligen Personengesellschaft als Mitunternehmerschaft. Die zivilrechtliche Ausgestaltung ist dagegen nicht maßgebend. Auch wenn zivilrechtlich eine Personengesellschaft vorliegt, ist diese nicht GewSt-Schuldner, wenn aus steuerlicher Sicht keine Mitunternehmerschaft vorliegt. Es müssen daher mindestens zwei Gesellschafter der Personengesellschaft als Mitunternehmer anzusehen sein.
§ 5 Abs. 1 S. 3 GewStG erfasst alle Personengesellschaften, sofern die Gesellschafter als Mitunternehmer anzusehen sind und die Personengesellschaft Gesamthandsvermögen bilden kann. Damit sind insbesondere die OHG und die KG Schuldner der GewSt. Auch eine GbR und eine Partnerschaftsgesellschaft können GewSt-Schuldner sein. Eine GbR ist im Regelfall aber nicht gewerblich tätig, da bei einer gewerblichen Tätigkeit regelmäßig eine OHG vorliegen dürfte. Mangels Gesamthandsvermögen sind Innengesellschaften in Form stiller Unterbeteiligungen nicht Steuerschuldner gem. § 5 Abs. 1 S. 3 GewStG. Auch auf andere reine Innengesellschaften ist § 5 Abs. 1 S. 3 GewStG nicht anzuwenden. Ebenfalls kein Gesamthandsvermögen bildet eine Erbengemeinschaft. Auch diese ist daher nicht GewSt-Schuldner gem. § 5 Abs. 1 S. 3 GewStG. Die Erbengemeinschaft ist kein Rechtssubjekt, für das ein Unternehmen betrieben werden kann. Steuerschuldner sind die einzelnen Miterben. Weiterhin sind Güter- oder Bruchteilsgemeinschaften keine Steuerschuldner. Auch diese bilden kein Gesamthandsvermögen, sondern ein Gemeinschaftsvermögen. Schuldner der GewSt sind die einzelnen Gemeinschafter. Ergeht dennoch ein Bescheid gegen die Bruchteilsgemeinschaft, ist dieser in einen Bescheid gegen alle Gemeinschafter als Gesamtschuldner umzudeuten, wenn diese in dem Bescheid benannt sind.
Da Personengesellschaften und nicht deren Gesellschafter Steuerschuldner der GewSt sind, ändert sich bei einem Wechsel der Gesellschafter die Steuerschuldnerschaft nicht. Der ausgeschiedene Gesellschafter kann allerdings nach den allgemeinen Regeln über die Nachhaftung in Anspruch genommen werden. Zu einem Wechsel des Steuerschuldners kommt es nach der Rechtsprechung – trotz Fortbestehens der Personengesellschaft –, wenn alle Gesellschafter einer Personengesellschaft wechseln. Indem alle Mitunternehmer gewechselt haben, wird der Gewerbebetrieb von einem neuen Unternehmer betrieben. Ein Wechsel des Steuerschuldners erfolgt auch dann, wenn die Personengesellschaft aufhört zu bestehen. Dies ist z. B. der Fall, wenn aus einer Personengesellschaft der vorletzte Gesellschafter ausscheidet und das (Gesamthands-)Vermögen der Personengesellschaft dem letzten verbleibenden Gesellschafter anwächst. Nach der Anwachsung kann Steuerschuldner nur der Gesellschafter, aber nicht mehr die Personengesellschaft sein. Durch die Anwachsung kommt es zu einer Sonderrechtsnachfolge, bei der der letzte verbleibende Gesellschafter in die Rechte und Pflichten der untergehenden Personengesellschaft eintritt. Im Rahmen der Anwachsung geht daher der Gewerbebetrieb auf den Gesellschafter über. Eine Aufgabe des Gewerbebetriebs der Personengesellschaft und eine Neuaufnahme durch den Gesellschafter erfolgt nicht. Vielmehr wird der ursprüngliche Gewerbebetrieb fortgeführt. Aus der Tatsache, dass d...
Steuerrechtliche Besonderheiten bezüglich des Jahresabschlusses einer Personengesellschaft finden sich vor allem hinsichtlich der Frage der Gewinnermittlung.
Treuhandmodell – Keine GewSt-Pflicht sog. Ein-Unternehmer-Personengesellschaften
Leitsatz Personengesellschaften, an denen nur ein Gesellschafter mitunternehmerschaftlich beteiligt ist (hier: sog. Treuhandmodell), unterliegen nicht der GewSt. Normenkette § 2, § 5, § 7 GewStG, § 15 EStG Sachverhalt An der – in Gestalt ihrer ...