Source: https://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Streik_Schadensersatz_Friedenspflicht_BAG_1AZR160-14_u.html
Timestamp: 2020-06-01 18:44:36
Document Index: 149576277

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 3', '§ 4', '§ 9', '§ 10', '§ 5', '§ 8', '§ 5', '§ 8', '§ 18', '§ 49', '§ 35', '§ 5', '§ 1', '§ 5', '§ 18', '§ 823', '§ 31', '§ 823', '§ 823', 'Art. 12', 'Art. 14', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 12', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 8', '§ 1', '§ 5', '§ 12', '§ 12', '§ 5', '§ 12', '§ 126', '§ 126', '§ 1', '§ 126', '§ 126', '§ 1', '§ 126', '§ 1', '§ 13', '§ 4', '§ 8', '§ 1', '§ 4', '§ 1', '§ 1', '§ 7', '§ 1', '§ 1', '§ 12', '§ 12', '§ 5', '§ 5', '§ 12', '§ 35', '§ 5', '§ 18', '§ 49', '§ 5', '§ 18', '§ 8', '§ 12', '§ 8', '§ 49', '§ 7', '§ 3', '§ 12', '§ 5', '§ 559', '§ 561', '§ 313', '§ 3', '§ 242', 'BGH', 'BGH', '§ 12', '§ 5', '§ 24', '§ 22', '§ 15', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 823', '§ 31', '§ 823', 'Art. 9', '§ 254', '§ 254', '§ 254', 'BGH', '§ 254', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', '§ 249', '§ 1', '§ 22', '§ 249', '§ 249', '§ 26', 'BGH', 'BGH', 'EGMR', 'EGMR', 'Art. 11', 'EGMR', 'EGMR', 'Art. 11', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'Art. 11', '§ 280', '§ 31', '§ 12', '§ 5', '§ 254', '§ 287', '§ 823', '§ 280', '§ 287', 'BGH', 'BGH', '§ 830', '§ 830', '§ 830', '§ 830', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 280', '§ 823', '§ 823', '§ 823', '§ 823', '§ 823', '§ 559', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 826', '§ 242', '§ 157', 'BGH', '§ 12', '§ 328', 'BGH', 'BGH', '§ 12', 'BGH']

BAG, Urteil vom 26.07.2016, 1 AZR 160/14 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 26.07.2016, 1 AZR 160/14
Schlagworte: Streik, Schadensersatz
Aktenzeichen: 1 AZR 160/14
Entscheidungsdatum: 26.07.2016
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Frankfurt/Main, Urteil vom 25.03.2013, 9 Ca 5558/12
Landesarbeitsgericht Hessen, Urteil vom 05.12.2013, 9 Sa 592/13
1 AZR 160/14
9 Sa 592/13 Hes­si­sches
am 26. Ju­li 2016
Klei­nert, Ur­kunds­be­am­tin
Kläge­rin zu 1., Be­ru­fungskläge­rin zu 1. und Re­vi­si­onskläge­rin zu 1.,
Kläge­rin zu 2., Be­ru­fungskläge­rin zu 2. und Re­vi­si­onskläge­rin zu 2.,
Kläge­rin zu 3., Be­ru­fungskläge­rin zu 3. und Re­vi­si­onskläge­rin zu 3.,
hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 26. Ju­li 2016 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts Schmidt, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt K. Schmidt, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Tre­ber so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Kle­be und Dr. Ben­rath für Recht er­kannt:
1. Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin zu 3. wird das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 5. De­zem­ber 2013 - 9 Sa 592/13 - im Kos­ten­punkt und in­so­weit auf­ge­ho­ben, als es die Be­ru­fung der Kläge­rin zu 3. ge­gen das ih­ren Zah­lungs­an­trag ab­wei­sen­de Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 25. März 2013 - 9 Ca 5558/12 - zurück­ge­wie­sen hat.
2. Die Re­vi­sio­nen der Kläge­rin­nen zu 1. und zu 2. ge­gen das vor­ge­nann­te Ur­teil wer­den zurück­ge­wie­sen.
3. Im Um­fang der Auf­he­bung wird die Sa­che zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt - auch über die Kos­ten des Rechts­streits - zurück­ver­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über Scha­dens­er­satz­ansprüche ge­gen die Be­klag­te we­gen durch­geführ­ter und an­gekündig­ter Ar­beits­kampf­maßnah­men.
Die Kläge­rin­nen zu 1. und 2. sind Luft­fahrt­un­ter­neh­men. Sie nut­zen ua. den Flug­ha­fen Frank­furt am Main, der von der als Ak­ti­en­ge­sell­schaft ver­fass­ten, mehr­heit­lich in öffent­li­cher Hand be­find­li­chen Kläge­rin zu 3. be­trie­ben wird. Die­se beschäftigt ca. 12.000 Mit­ar­bei­ter, da­von (vor­mals) 86 im Be­reich Vor­feld­kon­trol­le, 90 im Be­reich Vor­feld­auf­sicht und 29 im Be­reich Ver­kehrs­zen­tra­le. Die Vor­feld­kon­trol­le (apron con­trol) ist die für die Ver­kehrs­len­kung von Luft­fahr­zeu­gen auf den Vor­feldflächen ver­ant­wort­li­che Ein­rich­tung. Die Vor­feld­auf­sicht lei­tet die Luft­fahr­zeu­ge am Bo­den zu den Park­sta­tio­nen. Die Ver­kehrs­zen­tra­le be­ar­bei­tet ua. die ope­ra­ti­ven Flug­planda­ten.
Der be­klag­te ein­ge­tra­ge­ne Ver­ein ist die am 9. Ju­li 2003 ge­gründe­te Ge­werk­schaft der Flug­si­che­rung (GdF). Sie schloss am 20. Sep­tem­ber 2007 mit der Kläge­rin zu 3. und dem Kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ver­band Hes­sen e.V. (KAV Hes­sen) den „Lan­des­be­zirks­ta­rif­ver­trag Nr. 32/2007 - Son­der­re­ge­lung Apron Con­trol für die Fra­port AG“ (TV Apron Con­trol), der nach Satz 1 sei­ner Präam­bel Re­ge­lun­gen zur Auf­recht­er­hal­tung der Ge­sund­heit und Ar­beitsfähig­keit enthält, so­wie dem Schutz vor phy­si­schen und psy­chi­schen Be­ein­träch­ti­gun­gen durch die Tätig­keit in der Vor­feld­kon­trol­le dient. Nach § 2 des Ta­rif­ver­trags in sei­ner zu­letzt durch Lan­des­be­zirks­ta­rif­ver­trag Nr. 19/2010 vom 4. Ju­ni 2010 geänder­ten Fas­sung gel­ten die Ta­rif­verträge des öffent­li­chen Diens­tes, so­weit kei­ne ab­wei­chen­den Re­ge­lun­gen ge­trof­fen wer­den. Der TV Apron Con­trol re­gelt in § 3 un­ter der Über­schrift „Ent­gelt“ Zu­la­gen und Ein­mal­zah­lun­gen, in § 4 ei­ne „Pau­se bei Wech­sel­schicht, Wo­chen­ar­beits­zeit und Re­ge­ne­ra­ti­ons­pau­sen“ so­wie in § 9 die Ein- und Höher­grup­pie­rung von Beschäftig­ten in ei­ner be­stimm­ten Funk­ti­on. § 10 TV Apron Con­trol be­stimmt die Fol­gen ei­ner ggf. ein­tre­ten­den „Funk­ti­ons­t­ren­nung“ zwi­schen Ver­kehrs­zen­tra­le und Vor­feld­kon­trol­le. Im Übri­gen lau­tet der TV Apron Con­trol:
Gel­tungs­be­reich, Zuständig­keit
(1) Die vor­lie­gen­de Ver­ein­ba­rung gilt für al­le ope­ra­ti­ven Beschäftig­ten der Fra­port AG, die im Be­reich ‚Zen­tra­le Vor­feld­kon­trol­le und Ver­kehrs­zen­tra­le‘ (der­zeit
FBA-AF41) ein­ge­setzt wer­den.
(2) Über den in Ab­satz 1 ge­nann­ten Per­so­nen­kreis hin­aus be­an­sprucht die GdF kei­ne Zuständig­keit für an­de­re Beschäftig­te der Fra­port AG und strebt ei­ne sol­che auch im Fal­le ei­ner Sat­zungsände­rung nicht an.
Zeit­wert­kon­to
(1) Mit Wir­kung ab dem 1. Ja­nu­ar 2008 wird für die Beschäftig­ten ein Zeit­wert­kon­to ein­geführt.
Pro­to­koll­no­tiz:
Die Wert­er­hal­tungs­ga­ran­tie des Ar­beit­ge­bers beim ar­beit­ge­ber­fi­nan­zier­ten Wert­gut­ha­ben ist auf den Be­trag be­schränkt, der ...
Un­terstützung bei vor­ge­zo­ge­nem Ren­ten­ein­tritt
(1) Mit Wir­kung ab dem 1. Ja­nu­ar 2010 er­hal­ten Beschäftig­te, die min­des­tens fünf­zehn Jah­re in der Funk­ti­on ‚Apron Con­trol‘ ein­ge­setzt wa­ren, zur Un­terstützung ei­nes vor­ge­zo­ge­nen Ein­tritts in Al­ters­ren­te ei­nen Aus­gleich für da­mit ver­bun­de­ne Ren­ten­ab­schläge ...
Be­las­tungs­aus­gleich
(1) Die Beschäftig­ten neh­men ab 1. Ja­nu­ar 2008 ein­mal jähr­lich auf Kos­ten des Ar­beit­ge­bers an ei­nem Ge­sund­heits-Check bei der ar­beits­me­di­zi­ni­schen Ab­tei­lung des Un­ter­neh­mens teil.
(2) Beschäftig­te, die in der Funk­ti­on ‚Apron Con­trol‘ ein­ge­setzt wer­den, sind grundsätz­lich ver­pflich­tet, in ei­nem fünfjähri­gen Tur­nus an ei­ner Re­ge­ne­ra­ti­ons­kur von 30 Ka­len­der­ta­gen teil­zu­neh­men. ...
Beschäfti­gungs­si­che­rung
Beschäftig­ten, die nach Fest­stel­lung der Ar­beits­me­di­zin aus ge­sund­heit­li­chen Gründen nicht mehr in der Funk­ti­on ‚Apron Con­trol‘ ein­ge­setzt wer­den können, soll ein möglichst gleich­wer­ti­ger Ar­beits­platz in­ner­halb des Be­rei­ches Avia­ti­on an­ge­bo­ten wer­den. Soll­te ein der­ar­ti­ger Ar­beits­platz nicht vor­han­den sein, kommt auch ein an­de­rer zu­mut­ba­rer Ar­beits­platz im Un­ter­neh­men in Fra­ge. Die Dif­fe­renz zwi­schen den bis­he­ri­gen und künf­ti­gen in Mo­nats­beträgen fest­ge­leg­ten Ent­gelt­be­stand­tei­len (Stamm­bezüge) wird (so­weit er­for­der­lich) ge­staf­felt nach Tätig­keits­jah­ren in der Funk­ti­on ‚Apron Con­trol‘ wie folgt ab­ge­si­chert:
- ab 28 Jah­ren zu 100 % un­be­grenzt
- ab 23 Jah­ren gleichmäßige Ab­sen­kung auf 90 % in­ner­halb von 8 Jah­ren
- ab 18 Jah­ren gleichmäßige Ab­sen­kung auf 80 % in­ner­halb von 5 Jah­ren.
In­kraft­tre­ten, Lauf­zeit, Kündi­gung
(1) Die­se Ver­ein­ba­rung tritt mit Wir­kung vom 1. Au­gust 2007 in Kraft.
Die Re­ge­lun­gen in § 5 bis § 8 sind mit ei­ner Frist von sechs Mo­na­ten zum Quar­tals­en­de, erst­ma­lig zum 31. De­zem­ber 2017, künd­bar. Im Übri­gen ist die­se Ver­ein­ba­rung mit ei­ner Frist von sechs Mo­na­ten zum Quar­tals­en­de, erst­ma­lig zum 31. De­zem­ber 2011, künd­bar.
(2) Die Par­tei­en sind sich darüber ei­nig, dass die in die­ser Ver­ein­ba­rung auf­geführ­ten Re­ge­lun­gen für die ge­nann­ten Zeiträume ab­sch­ließend sind. Sach­ver­hal­te außer­halb der in der Ver­ein­ba­rung be­han­del­ten Re­ge­lungs­in­hal­te wer­den von der Frie­dens­pflicht der Ver­ein­ba­rung er­fasst.“
Die Be­klag­te erklärte mit ei­nem an die Kläge­rin zu 3. ge­rich­te­ten Schrei­ben vom 29. Ju­ni 2011 die Teilkündi­gung des TV Apron Con­trol. Wört­lich heißt es in dem über der Zei­le „S Vor­stand Ta­rif/Recht“ hand­schrift­lich un­ter­zeich­ne­ten Schrei­ben:
auf Ba­sis des von der zuständi­gen Ta­rif­kom­mis­si­on der GdF ge­fass­ten Be­schlus­ses
kündi­gen
wir hier­mit den lan­des­be­zirk­li­chen Ta­rif­ver­trag Son­der­re­ge­lung Apron Con­trol für die Fra­port AG (Lan­des­be­zirks­ta­rif­ver­trag Nr. 32/2007) vom 20. Sep­tem­ber 2007 in der Fas­sung der Ände­rung ...
Die Kündi­gung wird, mit Aus­nah­me der Re­ge­lun­gen in § 5 bis § 8, frist­gemäß zum 31. De­zem­ber 2011 aus­ge­spro­chen.
Die Kläge­rin zu 3. er­hielt die­ses Schrei­ben am glei­chen Tag so­wohl per Fax als auch per PDF-Do­ku­ment und im Ori­gi­nal am 1. Ju­li 2011. Ein im We­sent­li­chen gleich­lau­ten­des Kündi­gungs­schrei­ben ging dem KAV Hes­sen am 29. Ju­ni 2011 zu.
Ab dem 19. Ok­to­ber 2011 ver­han­del­ten die Be­klag­te und die Kläge­rin zu 3. un­ter Ein­be­zie­hung des KAV Hes­sen so­wie der Fra-Ver­kehrs­zen­tra­le GmbH, der Fra-Vor­feld­kon­trol­le GmbH und der Fra-Vor­feld­auf­sicht GmbH über neue ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen. Ein vom 13. Ja­nu­ar bis 1. Fe­bru­ar 2012 durch­geführ­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren en­de­te mit ei­ner Emp­feh­lung des Sch­lich­ters, wel­che aus­zugs­wei­se lau­tet:
„Im Lau­fe der Ver­hand­lun­gen konn­te über di­ver­se Punk­te Ei­ni­gung er­zielt wer­den.
Die­se Punk­te sind zu­sam­men­ge­fasst in der den Par­tei­en vor­lie­gen­den ‚Syn­op­se der Ver­hand­lun­gen Don­ners­tag, 26. Ja­nu­ar 2012‘, wel­che mit ei­ner grünen Mar­kie­rung ver­se­hen sind. Der Sch­lich­ter macht sich die­se Ei­ni­gung zu Ei­gen und emp­fiehlt ei­nen Ver­trags­ab­schluss in die­sen Punk­ten auf die­ser Grund­la­ge.
Glei­ches gilt für Ei­ni­gun­gen, die sich the­ma­tisch aus der am 31. Ja­nu­ar 2012 über­ge­be­nen Syn­op­se über die zum Zeit­punkt der Er­stel­lung noch strit­ti­gen Punk­te er­ge­ben, nämlich
der Be­reich ‚Zu­la­gen‘,
der Be­reich ‚Ak­ti­en­pro­gramm‘,
der Be­reich ‚Zeit­zu­schläge‘, mit Aus­nah­me der Über­stun­den­re­ge­lung und
dem Be­reich ‚Ur­laubs- / Weih­nachts­geld‘, wo­bei hier ein ein­heit­li­ches Ur­laubs- / Weih­nachts­geld von 100 Pro­zent
der Bezüge ver­ein­bart wur­de.
Die­se Syn­op­se liegt den Par­tei­en eben­falls vor. Bis zum En­de strit­tig wa­ren so­mit die Punk­te:
Lauf­zeit,
Ent­gel­te,
Be­rech­nung des Nacht­zeit­raums,
Vergütung der Über­stun­den,
Re­ge­lung der Ruf­be­reit­schaft und
die Über­lei­tungs­vor­schrif­ten.
Zu die­sen Punk­ten er­folgt die Sch­lich­ter­emp­feh­lung.“
In der der Sch­lich­tungs­emp­feh­lung bei­gefügten Syn­op­se heißt es ua.:
„§ 18 - So­zi­al­leis­tun­gen
(8) Sind Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter in Fol­ge ei­nes Ar­beits­un­falls, den sie in Fol­ge ih­rer Ar­beit oh­ne Vor­satz oder gro­be Fahrlässig­keit er­lit­ten ha­ben, nicht mehr voll­leis­tungsfähig und wer­den sie des­halb in ei­ner nied­ri­ge­ren Vergütungs­grup­pe wei­ter­beschäf¬tigt, so er­hal­ten sie ei­ne Aus­gleichs­zu­la­ge in Höhe der je­wei­li­gen Dif­fe­renz zwi­schen ih­rer bis­he­ri­gen und der nied­ri­ge­ren Vergütung. Zur Über­brückung be­son­de­rer wirt­schaft­li­cher Not­la­gen kann der Mitar¬bei­te­rin bzw. dem Mit­ar­bei­ter auf An­trag ein zins­be¬güns­tig­tes Dar­le­hen gewährt wer­den.
§ 49 - Ent­las­tung älte­rer Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter Apron-Con­trol­ler, die 25 Jah­re im Wech­sel­schicht­dienst
ge­ar­bei­tet ha­ben, ha­ben ei­nen An­spruch auf ei­nen Wech­sel aus dem Wech­sel­schicht­dienst in den Schicht­dienst.
Un­abhängig da­von kann im Ein­zel­fall ein Wech­sel in den Schicht­dienst aus persönli­chen Gründen je­der­zeit ver­ein­bart wer­den.
Der An­trag muss min­des­tens 6 Mo­na­te vor dem be­ab­sic­tig­ten Zeit­punkt der Re­du­zie­rung ge­stellt wer­den. Über die­sen An­trag ist in­ner­halb von 8 Wo­chen zu ent­schei­den.“
Außer­dem weist die Syn­op­se un­ter „§ 35 - Zeit­wert­kon­to“ in den Absätzen 1 bis 6 dem § 5 Abs. 1 bis Abs. 6 TV Apron Con­trol wort­laut­glei­che Re­ge­lun­gen aus so­wie ei­nen auf Initia­ti­ve der Kläge­rin zu 3. ein­gefügten Abs. 6a zur Wert­er­hal­tungs­ga­ran­tie des Ar­beit­ge­bers beim Wert­gut­ha­ben, wel­cher der mit § 1 Nr. 2 des Lan­des­be­zirks­ta­rif­ver­trags Nr. 19/2010 nach § 5 Abs. 6 Un­terabs. 1 TV Apron Con­trol ein­gefügten Pro­to­koll­no­tiz ent­spricht.
Am 15. Fe­bru­ar 2012 be­schloss der Bun­des­vor­stand der Be­klag­ten die Durchführung von Streik­maßnah­men. Mit Schrei­ben vom sel­ben Tag kündig­te er ge­genüber der Kläge­rin zu 3. an, „dass die GdF ih­re Mit­glie­der bei der Fra­port AG in den Ab­tei­lun­gen Vor­feld­kon­trol­le, Ver­kehrs­zen­tra­le und Vor­feld¬uf­sicht am Don­ners­tag, den 16.02.2012 für die Zeit von 15.00 Uhr bis 22.00 Uhr lo­ka­ler Zeit zu ei­nem be­fris­te­ten Streik auf­ruft“. Wei­ter lau­tet das Schrei­ben:
Der Ar­beits­kampf dient der Durch­set­zung der von Herrn ... den Ta­rif­par­tei­en vor­ge­leg­ten Sch­lich­ter­emp­feh­lung mit fol­gen­den An­pas­sun­gen:
Gel­tungs­be­reich ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges aus­sch­ließlich für die Fra­port AG;
Verkürzung der Lauf­zeit auf 24 Mo­na­te;
Um­set­zung der Ent­gelt­ta­bel­len zu 100 % ab Be­ginn der Lauf­zeit so­wie
Be­ginn der Nacht­ar­beit um 20.00 Uhr ab Be­ginn der Lauf­zeit
In ei­nem wei­te­ren Schrei­ben an die Kläge­rin zu 3. - gleich­falls vom 15. Fe­bru­ar 2012 - führ­te die Be­klag­te aus:
wir neh­men Be­zug auf un­ser Schrei­ben vom heu­ti­gen Ta­ge be­tref­fend die Ankündi­gung von Ar­beits­kampf­maßnah­men. Dar­in ha­ben wir Ih­nen auch die mit dem Ar­beits­kampf ver­folg­ten Ta­rif­zie­le im Ein­zel­nen dar­ge­stellt.
Zur Ver­mei­dung von Miss­verständ­nis­sen wei­sen wir dar­auf hin, dass sich un­se­re For­de­rung zur Lauf­zeit des Ta­rif­ab­schlus­ses selbst­verständ­lich nicht auf die­je­ni­gen Re­ge­lun­gen be­zieht, die im Sch­lich­ter­spruch aus rein tech­ni­schen Gründen aus den wei­ter­hin un­gekündig­ten Ta­rif­verträgen zwi­schen den Par­tei­en über­nom­men wur­den. Im Hin­blick auf die­se Re­ge­lun­gen bleibt es bei der­je­ni­gen Lauf­zeit, die sich aus den un­gekündig­ten Ta­rif­verträgen er­gibt.
Der Streik wur­de am Don­ners­tag, 16. Fe­bru­ar 2012, 15.00 Uhr be­gon­nen und mit ei­ner Un­ter­bre­chung am Wo­chen­en­de mehr­fach verlängert. Im Flug­ver­kehr kam es zu Ausfällen und Verzöge­run­gen, wo­bei die Kläge­rin zu 3. ei­nen Großteil der durch die Ar­beits­nie­der­le­gung in den Ab­tei­lun­gen Vor­feld­kon­trol­le, Ver­kehrs­zen­tra­le und Vor­feld­auf­sicht aus­ge­fal­le­nen Ar­beits­kräfte kom­pen­sie­ren konn­te. In ei­nem während der Streik­maßnah­men von „Spie­gel-On­line“ geführ­ten In­ter­view erklärte der Vor­stand Ta­rif/Recht der Be­klag­ten - auf den sinn­gemäßen Vor­halt, dass das ge­werk­schaft­li­che Droh­po­ten­ti­al schrump­fe - wört­lich:
„Na­ja, es läuft mehr Ver­kehr, als wir er­war­tet ha­ben. Aber der Streik ist trotz­dem ein Er­folg. Es geht doch um mehr als an­nul­lier­te Flüge. Da­zu kom­men die Ver­spätun­gen und noch wich­ti­ger: Die Bu­chungs­zah­len bei den Air­lines sind ein­ge­bro­chen."
Der zu­letzt bis 24. Fe­bru­ar 2012, 23.00 Uhr ge­plan­te Streik wur­de am 23. Fe­bru­ar 2012, 21.00 Uhr we­gen ei­nes An­ge­bots der Kläge­rin zu 3. auf Wie­der­auf­nah­me der Ver­hand­lun­gen ab­ge­bro­chen. Nach­dem die­se oh­ne Er­geb­nis blie­ben, kündig­te die Be­klag­te ge­genüber der Kläge­rin zu 3. mit Schrei­ben vom 25. Fe­bru­ar 2012 un­ter Bei­be­hal­tung ih­rer Streik­zie­le an, „ih­re Mit­glie­der bei der Fra­port AG in den Ab­tei­lun­gen Vor­feld­kon­trol­le, Ver­kehrs­zen­tra­le und Vor­feld-auf­sicht am Sonn­tag, den 26.02.2012 von 21.00 Uhr für die Zeit bis zum Don­ners­tag, den 01.03.2012, 05.00 Uhr“ zu ei­nem Streik auf­zu­ru­fen. Der mit der Wahr­neh­mung ho­heit­li­cher Auf­ga­ben zur Flug­si­che­rung be­lie­he­nen Deut­sche Flug­si­che­rung GmbH (DFS) teil­te sie mit Schrei­ben vom 28. Fe­bru­ar 2012 mit, „ih­re Mit­glie­der bei der DFS im Geschäfts­be­reich Tower am Tower Frank­furt“ am 29. Fe­bru­ar 2012 für die Zeit von 05.00 Uhr bis 11.00 Uhr zu ei­nem be­fris­te¬ten Streik zur Un­terstützung des Ar­beits­kamp­fes in der Vor­feld­kon­trol­le, Ver­kehrs­zen­tra­le und Vor­feld­auf­sicht auf­zu­ru­fen.
Auf An­trag der Kläge­rin­nen zu 1. und 3. und der DFS er­ließ das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main am 28. Fe­bru­ar 2012 ei­ne einst­wei­li­ge Verfügung und un­ter­sag­te der Be­klag­ten, „ih­re Mit­glie­der bei der DFS im Geschäfts­be­reichs­to­wer am Tower Frank­furt zu Streiks am Mitt­woch, den 29. Fe­bru­ar 2012 von 5:00 Uhr bis 11:00 Uhr auf­zu­ru­fen und/oder Streiks in die­sem Be­reich durch­zuführen“. Am 29. Fe­bru­ar 2012 er­ließ es auf An­trag der Kläge­rin­nen zu 1. und 3. ei­ne einst­wei­li­ge Verfügung, mit der es der Be­klag­ten un­ter­sag­te, „in den Ab­tei­lun­gen Vor­feld­kon­trol­le, Vor­feld­auf­sicht und/oder Ver­kehrs­zen­tra­le in dem Zeit­raum bis Don­ners­tag, den 01. März 2012, 5.00 Uhr Streiks durch­zuführen“. In der münd­li­chen Ver­hand­lung erklärte der da­ma­li­ge Bun­des­vor­sit­zen­de der Be­klag­ten zu Pro­to­koll:
„Die streit­ge­genständ­li­che Streik­maßnah­me soll nicht mehr zum Ziel ha­ben, auch die in den §§ 18 Abs. 8 so­wie 49 des Sch­lich­tungs­vor­schlags vom 02.02.2012 ge­re­gel­ten Ta­rif­ver­ein­ba­rung durch­zu­set­zen.“
Auf­grund der ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen fand der Un­terstützungs­streik nicht statt; der am 26. Fe­bru­ar 2012 be­gon­ne­ne Streik wur­de am 29. Fe­bru­ar 2012 ab­ge­bro­chen.
Mit ih­ren Kla­gen ha­ben die Kläge­rin­nen aus de­likts- und ver­trags­recht­li­chen Gründen Scha­dens­er­satz ver­langt; bei den Kläge­rin­nen zu 1. und 2. im We­sent­li­chen we­gen aus­ge­fal­le­ner Flüge und stor­nier­ter oder un­ter­las­se­ner Flug­bu­chun­gen; bei der Kläge­rin zu 3. auf­grund ent­gan­ge­ner Flug­ha­fen­gebühren. Die Kläge­rin zu 2. hat sich da­bei auch auf ab­ge­tre­te­ne Er­satz­ansprüche ih­rer Toch­ter­ge­sell­schaft N GmbH we­gen dort ent­stan­de­ner Schäden be­ru­fen. Die Kläge­rin­nen ha­ben die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Streik sei eben­so wie der an­gekündig­te Un­terstützungs­streik rechts­wid­rig ge­we­sen. Dies fol­ge vor al­lem aus ei­ner Ver­let­zung der Frie­dens­pflicht auf­grund des TV Apron Con­trol.
So­weit für die Re­vi­si­on zu­letzt noch von Be­deu­tung, ha­ben die Kläge­rin zu 1. be­an­tragt,
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 3.885.890,23 Eu­ro nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 21. Au­gust 2012 zu zah­len;
die Kläge­rin zu 2. be­an­tragt,
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 131.144,23 Eu­ro nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 21. Au­gust 2012 zu zah­len;
die Kläge­rin zu 3. be­an­tragt,
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 5.170.800,00 Eu­ro nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 21. Au­gust 2012 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­gen ab­zu­wei­sen. Hin­sicht­lich der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. feh­le es be­reits an ei­nem Ein­griff in de­ren Ge­wer­be­be­trie­be. Die Kläge­rin zu 3. könne als ein von der öffent­li­chen Hand be­herrsch­tes ge­mischt­wirt­schaft­li­ches Un­ter­neh­men in pri­va­ter Rechts­form kei­ne Ver­let­zung
ei­nes Rechts am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb gel­tend ma­chen. Im Übri­gen sei­en der Haupt- und der an­gekündig­te Un­terstützungs­streik rechtmäßig ge­we­sen. Die Frie­dens­pflicht sei schon des­we­gen nicht ver­letzt, weil die­se nach der Sch­lich­tungs­ver­ein­ba­rung mit Ab­lauf des 6. Fe­bru­ar 2012 ge­en­det ha­be. Gin­ge man von ei­ner Ver­let­zung der Frie­dens­pflicht aus, wären die gel­tend ge­mach­ten Schäden auch bei ei­ner ihr oh­ne wei­te­res mögli­chen rechtmäßigen Ver­hal­tens­wei­se ent­stan­den.
Das Ar­beits­ge­richt hat die - ursprüng­lich noch auf wei­te­re Fest­stel­lun­gen ge­rich­te­ten - Kla­gen ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fun­gen der Kläge­rin­nen zurück­ge­wie­sen. Die­se ver­fol­gen mit ih­ren zu­letzt auf die Ab­wei­sung der Zah­lungs­anträge be­schränk­ten Re­vi­sio­nen ih­re Be­geh­ren wei­ter. Die Be­klag­te be­an­tragt, die Re­vi­sio­nen zurück­zu­wei­sen.
Die Re­vi­si­on der Kläge­rin zu 3. ist be­gründet. Das führt zur teil­wei­sen Auf­he­bung des an­ge­foch­te­nen Be­ru­fungs­ur­teils und zur Zurück­ver­wei­sung der Sa­che an das Lan­des­ar­beits­ge­richt. Die Re­vi­sio­nen der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. ha­ben da­ge­gen kei­nen Er­folg.
A. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin zu 3. ist be­gründet. Die Be­klag­te ist die­ser ver­trag­lich und de­liktsrecht­lich zum Er­satz des Scha­dens ver­pflich­tet, der ihr durch den vom 16. Fe­bru­ar 2012, 15.00 Uhr bis 23. Fe­bru­ar 2012, 21.00 Uhr und vom 26. Fe­bru­ar 2012, 21.00 Uhr bis 29. Fe­bru­ar 2012 geführ­ten Streik in der Vor­feld­kon­trol­le, Vor­feld­auf­sicht und Ver­kehrs­zen­tra­le ent­stan­den ist.
I. Die Be­klag­te ist nach § 823 Abs. 1, § 31 BGB zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats stellt ein von ei­ner Ge­werk­schaft geführ­ter rechts­wid­ri­ger Streik ei­ne Ver­let­zung des durch § 823 Abs. 1 BGB geschütz­ten Rechts am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be-
be­trieb des un­mit­tel­bar be­streik­ten Ar­beit­ge­bers dar. Er führt zu ei­nem Scha­dens­er­satz­an­spruch des Ar­beit­ge­bers, wenn die Or­ga­ne der Ge­werk­schaft ein Ver­schul­den trifft (vgl. zu­letzt BAG 19. Ju­ni 2012 - 1 AZR 775/10 - Rn. 49 ff., BA­GE 142, 98). Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind im Streit­fall ge­ge­ben.
1. Mit den - nach den Ankündi­gun­gen der Be­klag­ten vom 15. und vom 25. Fe­bru­ar 2012 von zwei Auf­ru­fen ge­tra­ge­nen - Streik­maßnah­men hat die Be­klag­te in das Recht der Kläge­rin zu 3. an ih­rem aus­geübten und ein­ge­rich­te­ten Ge­wer­be­be­trieb ein­ge­grif­fen.
a) Die Kampf­maßnah­men ziel­ten un­mit­tel­bar auf Störun­gen der be­trieb­li­chen Abläufe im Be­reich der Vor­feld­kon­trol­le, Vor­feld­auf­sicht und Ver­kehrs­zen­tra­le.
b) Die Kläge­rin zu 3. ist zwar ein öffent­lich be­herrsch­tes Un­ter­neh­men der Pri­vat­wirt­schaft und da­mit bei ei­ge­nem Han­deln un­mit­tel­bar grund-rechts­ge­bun­den (BVerfG 22. Fe­bru­ar 2011 - 1 BvR 699/06 - [Fra­port-Ur­teil] Rn. 49, BVerfGE 128, 226). Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten kann sie sich den­noch auf das Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb be­ru­fen.
Das Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb als sons­ti­ges Recht iSd. § 823 Abs. 1 BGB ist ein be­reits vor­kon­sti­tu­tio­nell und da­mit un­abhängig von Art. 12 GG und Art. 14 GG ent­wi­ckel­tes Rechts­in­sti­tut. Es ist dar­auf ge­rich­tet, ein Un­ter­neh­men in sei­ner wirt­schaft­li­chen Betäti­gung und Funk­ti­onsfähig­keit vor dar­auf be­zo­ge­nen rechts­wid­ri­gen Ein­grif­fen Drit­ter zu schützen. Es ergänzt den ge­setz­li­chen De­likt­schutz und füllt an­sons­ten be-ste­hen­de Haf­tungslücken aus (vgl. be­reits RG 27. Fe­bru­ar 1904 - I 418/03 - RGZ 58, 24; ausf. BGH 9. De­zem­ber 1958 - VI ZR 199/57 - zu 1 a der Gründe, BGHZ 29, 65; vgl. auch BAG 22. Sep­tem­ber 2009 - 1 AZR 972/08 - Rn. 21 mwN, BA­GE 132, 140; BGH 24. Ja­nu­ar 2006 - XI ZR 384/03 - Rn. 93, BGHZ 166, 84). Zwar un­ter­lie­gen öffent­lich be­herrsch­te Un­ter­neh­men we­gen ih­rer un­mit­tel­ba­ren Grund­rechts­bin­dung spe­zi­fi­schen Be­schränkun­gen, de­nen
an­de­re Pri­vat­rechts­sub­jek­te auf­grund ih­rer nur mit­tel­ba­ren Bin­dung an die Grund­rech­te nicht aus­ge­setzt sind. Die­se gra­du­el­len Un­ter­schie­de der Grund­rechts­bin­dung hin­dern öffent­lich be­herrsch­te Un­ter­neh­men der Pri­vat­wirt­schaft aber nicht, in adäqua­ter und weit­hin gleich­be­rech­tig­ter Wei­se wie Pri­va­te die Hand­lungs­in­stru­men­te des Zi­vil­rechts für ih­re Auf­ga­ben­wahr­neh­mung zu nut­zen und am pri­va­ten Wirt­schafts­ver­kehr teil­zu­neh­men (BVerfG 22. Fe­bru­ar 2011 - 1 BvR 699/06 - [Fra­port-Ur­teil] Rn. 56, BVerfGE 128, 226). Voll­zieht sich die­se Teil­nah­me im We­ge ei­ner er­werbs­wirt­schaft­li­chen Betäti­gung, ist ein Un­ter­neh­men der öffent­li­chen Hand in Be­zug auf Ein­grif­fe, die sich ge­gen sei­ne wirt­schaft­li­che Betäti­gung rich­ten, nicht we­ni­ger schutzwürdig als Pri­va­te.
2. Die Streik­maßnah­men wa­ren rechts­wid­rig. Die Be­klag­te hat mit ih­nen die nach dem TV Apron Con­trol ge­son­dert ver­ein­bar­te Frie­dens­pflicht ver­letzt.
a) Mit dem Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­trags und der sich dar­aus er­ge­ben­den Frie­dens­pflicht be­gründen die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en re­gelmäßig ei­ne Be­schränkung ih­rer Ar­beits­kampf­frei­heit. De­ren sach­li­che Reich­wei­te ist durch Aus­le¬gung der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen zu er­mit­teln. Ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ne be­stimm­te Sach­ma­te­rie er­kenn­bar um­fas­send ge­re­gelt, ist da­von aus­zu­ge­hen, dass sie die­sen Be­reich der Frie­dens­pflicht un­ter­wer­fen und für die Lauf­zeit des Ta­rif­ver­trags die kampf­wei­se Durch­set­zung wei­te­rer Re­ge­lun­gen un­ter­bin­den woll­ten, die in ei­nem sach­li­chen in­ne­ren Zu­sam­men­hang mit dem be­frie­de­ten Be­reich ste­hen (BAG 18. Fe­bru­ar 2003 - 1 AZR 142/02 - zu D I der Gründe, BA­GE 105, 5). Die­se re­la­ti­ve Frie­dens­pflicht ist - auch oh­ne be­son­de­re Ver­ein­ba­rung - dem Ta­rif­ver­trag als ei­ner Frie­dens­ord­nung im­ma­nent (vgl. BAG 19. Ju­ni 2007 - 1 AZR 396/06 - Rn. 18, BA­GE 123, 134). Mit Ab­lauf der ver­ein­bar­ten Dau­er oder der Kündi­gungs­frist für ei­ne ta­rif­li­che Be­stim­mung en­det die mit ihr ver­bun­de­ne re­la­ti­ve Frie­dens­pflicht für die be­tei­lig­ten Ta­rif­ver­trags­par­tei­en (BAG 24. April 2007 - 1 AZR 252/06 - Rn. 64, BA­GE 122, 134). Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en können die Reich­wei­te der Frie­dens­pflicht aber auch ge­son­dert ver­ein­ba­ren und auf Sach­ma­te­ri­en be­zie­hen, die nicht ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gelt sind oder mit der Re­ge­lungs­ma­te­rie in kei­nem en­gen sach­li­chen Zu­sam­men-
hang ste­hen (vgl. Pfohl Die Frie­dens­pflicht der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en Diss. 2010 S. 32 f.).
b) Mit den Streik­maßnah­men hat die Be­klag­te ge­gen die ver­trag­lich aus­drück­lich ver­ein­bar­te Frie­dens­pflicht ver­s­toßen.
aa) Dies folgt al­ler­dings nicht be­reits dar­aus, dass die Frie­dens­pflicht im Zeit­punkt der Ar­beits­kampf­maßnah­men we­gen ins­ge­samt noch un­gekündig­ter Re­ge­lun­gen des TV Apron Con­trol galt. Die Be­klag­te hat­te mit ih­rem Schrei­ben vom 29. Ju­ni 2011 wirk­sam ei­ne Teilkündi­gung die­ses Ta­rif­ver­trags zum 31. De­zem­ber 2011 erklärt.
(1) Die Teilkündi­gung war an sich zulässig.
(a) Ein Ta­rif­ver­trag ist re­gelmäßig nur als Gan­zes künd­bar. Zulässig ist sei­ne Teilkündi­gung nur bei ei­ner aus­drück­li­chen Ver­ein­ba­rung. Geht aus der ver­ein­bar­ten Zu­las­sung mit der ge­bo­te­nen Klar­heit her­vor, auf wel­che kon­kre­ten Be­stim­mun­gen oder Tei­le des je­wei­li­gen Ta­rif­ver­trags sich die Möglich­keit der Teilkündi­gung be­zie­hen soll, be­geg­nen ihr kei­ne recht­li­chen Be­den­ken (vgl. BAG 3. Mai 2006 - 4 AZR 795/05 - Rn. 20, BA­GE 118, 159).
(b) Das ist vor­lie­gend der Fall. § 12 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 TV Apron Con­trol legt ei­ne Künd­bar­keit sei­ner Re­ge­lun­gen mit ei­ner Frist von sechs Mo¬na­ten zum Quar­tals­en­de - in §§ 5 bis 8 erst­ma­lig zum 31. De­zem­ber 2017 und im Übri­gen erst­ma­lig zum 31. De­zem­ber 2011 - fest. In den un­ter­schied­li­chen Kündi­gungs­ter­mi­nen drückt sich aus, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Zulässig­keit ei­ner nur auf Tei­le des TV Apron Con­trol be­zo­ge­nen Kündi­gung ver­ab­re­det ha­ben. Nach dem Wort­laut und sys­te­ma­ti­schen Zu­sam­men­hang der Ver­ein­ba­rung ist auch hin­rei­chend klar, auf wel­che Be­stim­mun­gen sich die un­ter­schied­li­chen Kündi­gungsmöglich­kei­ten be­zie­hen: Ei­ner­seits auf §§ 5 bis 8 TV Apron Con­trol und an­de­rer­seits auf den TV Apron Con­trol „im Übri­gen“. Im buchstäbli­chen Sinn be­inhal­tet der Aus­druck „im Übri­gen“ ei­nen Be­zug auf all je­nes, was nicht be­son­ders aus­ge­wie­sen ist. Dies ist der mit „Re­ge­lun­gen in § 5
bis § 8“ be­schrie­be­ne Teil des Ta­rif­werks, zu de­nen - dies ge­bie­ten Ge­sichts­punk­te der Sys­te­ma­tik und Prak­ti­ka­bi­lität - je­ne ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen gehören, die auf die­sen Re­ge­lungs­kom­plex Be­zug neh­men oder mit ihm in un­trenn­ba­rem Zu­sam­men­hang ste­hen. Da­zu gehören je­den­falls die Gel­tungs­be­reichs­fest­le­gung in § 1 Abs. 1 TV Apron Con­trol, die für §§ 5 bis 8 TV Apron Con­trol fest­ge­leg­te (länge­re) Kündi­gungs­frist des § 12 Abs. 1 Satz 2 TV Apron Con­trol und die in § 12 Abs. 2 TV Apron Con­trol aus­ge­drück­te Ei­ni­gung auf „ab­sch­ließen­de Re­ge­lun­gen“ so­wie die Reich­wei­te der Frie­dens­pflicht. Mit der Verständi­gung darüber, der Re­ge­lungs­be­reich nach §§ 5 bis 8 TV Apron Con­trol sol­le ei­ner an­de­ren Kündi­gungs­mo­da­lität un­ter­lie­gen als der Ta­rif­ver­trag im Übri­gen, ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en dies klar vor­ge­ge­ben. Ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on ent­beh­ren die Re­ge­lun­gen über die Teilkündi­gung nicht be­reits schon des­halb der not­wen­di­gen Klar­heit, weil sich die ar­beits- und die lan­des­ar­beits­ge­richt­li­chen Wer­tun­gen hin­sicht­lich gekündig­ter und un­gekündig­ter Ta­rif­be­stim­mun­gen nicht vollständig de­cken.
(2) Die Frie­dens­pflicht galt auch nicht des­halb noch un­ein­ge­schränkt, weil im Zeit­punkt der Streik­maßnah­men die in § 12 Abs. 1 Satz 3 TV Apron Con­trol fest­ge­leg­te Kündi­gungs­frist noch nicht ab­ge­lau­fen war. Die Kläge­rin zu 3. hat ei­ne text­lich-verkörper­te Kündi­gung der Be­klag­ten am 29. Ju­ni 2011 er­hal­ten. Da­mit lief die Kündi­gungs­frist am 31. De­zem­ber 2011 ab. Die Kündi­gung ei­nes Ta­rif­ver­trags muss nicht in Schrift­form gemäß § 126 BGB erklärt wer­den. Auf den Zu­gang des dem Schrift­for­mer­for­der­nis iSd. § 126 BGB ent­spre­chen­den Kündi­gungs­schrei­bens am 1. Ju­li 2011 - mit der Fol­ge, dass die Kündi­gungs­frist erst am 31. März 2012 ab­ge­lau­fen wäre - kommt es nicht an.
(a) Zwar bedürfen Ta­rif­verträge nach § 1 Abs. 2 TVG der Schrift­form. Das Ta­rif­ver­trags­recht kennt kei­nen ei­genständi­gen Schrift­form­be­griff. Die Schrift­form rich­tet sich da­her grundsätz­lich nach § 126 BGB und den in der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Kon­kre­ti­sie­run­gen die­ser Vor­schrift (BAG 21. Sep­tem­ber 2011 - 7 ABR 54/10 - Rn. 33, BA­GE 139, 197; 7. Ju­li 2010 - 4 AZR 1023/08 - Rn. 14).
(b) Für die Kündi­gung ei­nes Ta­rif­ver­trags gel­ten aber kraft Ge­set­zes kei­ne Form­vor­schrif­ten. Vor­be­halt­lich an­de­rer Ab­re­den im Ta­rif­ver­trag selbst - die im TV Apron Con­trol nicht ge­trof­fen sind - be­geg­net je­den­falls ei­ne der Text­form des § 126b BGB ent­spre­chen­de Kündi­gungs­erklärung kei­nen recht­li­chen Be­den­ken. Das Schrift­form­ge­bot des § 1 Abs. 2 TVG iVm. § 126 BGB ist für die Kündi­gung nicht ent­spre­chend her­an­zu­zie­hen (eben­so ErfK/Fran­zen 16. Aufl. § 1 TVG Rn. 32; Ga­mill­scheg Kol­lek­ti­ves Ar­beits­recht Band I § 13 II 1 a; Kem­pen/Za­chert/St­ein TVG 5. Aufl. § 4 Rn. 189; Oet­ker in Ja­cobs/Krau­se/ Oet­ker/Schu­bert Ta­rif­ver­trags­recht 2. Aufl. § 8 Rn. 10; Wie­de­mann/Thüsing 7. Aufl. § 1 TVG Rn. 319; für ei­nen den Ta­rif­ver­trag auf­he­ben­den Ver­trag vgl. BAG 8. Sep­tem­ber 1976 - 4 AZR 359/75 - zu III 2 der Gründe; aA Be­p­ler in Hens­s­ler/Moll/Be­p­ler Der Ta­rif­ver­trag 2. Aufl. Teil 3 Rn. 213; Däubler TVG/ Dei­nert 4. Aufl. § 4 Rn. 122; Däubler TVG/Ne­be 4. Aufl. § 1 Rn. 172 f.; Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 1 Rn. 1443). Hierfür fehlt es an der er­for­der­li­chen Re­ge­lungslücke. Das zeigt be­reits § 7 Abs. 1 Satz 1 TVG. Da­nach sind die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ver­pflich­tet, „die Ur­schrift oder ei­ne be­glau­big­te Ab­schrift“ ei­nes je­den Ta­rif­ver­trags und sei­ner Ände­run­gen dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les zu über­sen­den. Das Außer­kraft­tre­ten ist le­dig­lich „mit­zu­tei­len“, oh­ne dass es bei der Kündi­gung des Ta­rif­ver­trags ei­ner Über­sen­dung des Kündi­gungs­schrei­bens bedürf­te. Vor al­lem aber man­gelt es - aus­ge­hend vom Zweck des § 1 Abs. 2 TVG - an ei­ner ver­gleich­ba­ren In­ter­es­sen­la­ge. § 1 Abs. 2 TVG dient der Klar­stel­lung des Ver­trags­in­halts und dem Ge­bot der Nor­men-klar­heit (vgl. BAG 17. Fe­bru­ar 2016 - 2 AZR 613/14 - Rn. 22 mwN). Die­ser Zweck er­for­dert kei­ne Er­stre­ckung auf die Ta­rif­ver­tragskündi­gung. Die dem Ta­rif­ver­trag Nor­mun­ter­wor­fe­nen wären bei ei­ner dem Schrift­for­mer­for­der­nis un­ter-lie­gen­den, al­lein ge­genüber dem Ta­rif­ver­trags­part­ner zu erklären­den und nicht pu­bli­ka­ti­ons­bedürf­ti­gen Kündi­gung nicht an­ders ge­stellt.
bb) Die Be­klag­te hat aber mit den von ihr ge­tra­ge­nen Streik­maßnah­men vom 16. bis 23. und vom 26. bis 29. Fe­bru­ar 2012 die in § 12 Abs. 2 TV Apron
Con­trol be­son­ders ver­ein­bar­te Frie­dens­pflicht ver­letzt, weil ihr Streik­ziel For­de­run­gen um­fass­te, die die­ser Pflicht un­ter­la­gen.
(1) Mit § 12 Abs. 2 TV Apron Con­trol ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die 3Reichweite der Frie­dens­pflicht aus­ge­stal­tet. In des­sen Satz 1 ha­ben sie für die bei­den auf­geführ­ten ta­rif­li­chen Re­ge­lungs­kom­ple­xe durch die un­ter­schied­li­chen Kündi­gungs­fris­ten deut­lich ge­macht, die­se je­weils für ge­nann­te Zeiträume als ab­sch­ließend an­zu­se­hen. Satz 2 der Ta­rif­vor­schrift mo­di­fi­ziert die je­dem Ta­rif­ver­trag im­ma­nen­te re­la­ti­ve Frie­dens­pflicht, in­dem die­se „Sach­ver­hal­te außer­halb der in der Ver­ein­ba­rung be­han­del­ten Re­ge­lungs­in­hal­te ... er­fasst“. Da­mit ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit schuld­recht­li­cher Wir­kung ver­ein­bart, während der Gel­tungs­dau­er der §§ 5 bis 8 TV Apron Con­trol ei­ner­seits und des TV Apron Con­trol im Übri­gen an­de­rer­seits auf die je­wei­li­gen Ma­te­ri­en be­zo­ge­ne wei­te­re oder auch nur ergänzen­de Re­ge­lungs­zie­le nicht mit Mit­teln des Ar­beits­kamp­fes durch­zu­set­zen („er­wei­ter­te Frie­dens­pflicht“). Auf ei­nen en­ge­ren Zu­sam­men­hang zwi­schen ge­re­gel­ter und er­streb­ter Sach­ma­te­rie ha­ben sie da­bei nicht ab­ge­ho­ben. Es ging ih­nen um den Aus­schluss jeg­li­cher kampf­wei­sen Durch­set­zung von Ergänzun­gen der ta­rif­lich ge­re­gel­ten Be­stim­mun­gen, so­fern die­se ei­nen Be­zug zu den bei­den Re­ge­lungs­kom­ple­xen ha­ben.
(2) Das von der Be­klag­ten auf­ge­stell­te Streik­ziel ent­hielt For­de­run­gen, die von der so er­wei­ter­ten Frie­dens­pflicht er­fasst wa­ren.
(a) Maßgeb­lich für den In­halt des mit ei­nem Streik ver­folg­ten Ziels sind die dem Geg­ner in Form des kon­kre­ten, von den da­zu le­gi­ti­mier­ten Gre­mi­en der Ge­werk­schaft ge­trof­fe­nen Streik­be­schlus­ses über­mit­tel­ten Ta­rif­for­de­run­gen (BAG 24. April 2007 - 1 AZR 252/06 - Rn. 109, BA­GE 122, 134). Nach den ge­sam­ten Umständen - An­de­res ist nicht fest­ge­stellt - ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Streik­be­schluss des hier­zu be­rech­tig­ten Bun­des­vor­stands der Be­klag­ten in­halt­lich dem Streik­ziel ent­sprach, das der Kläge­rin zu 3. in den Strei­kankündi­gungs­schrei­ben vom 15. Fe­bru­ar 2012 - ergänzt um ein wei­te­res Schrei­ben sel­ben Da­tums - und vom 25. Fe­bru­ar 2012 über­mit­telt wur­de. In dem ers­ten
Schrei­ben be­zog sich die Be­klag­te klar auf die Durch­set­zung der Sch­lich­ter-emp­feh­lung mit näher be­zeich­ne­ten An­pas­sun­gen und hielt in dem wei­te­ren dar­an fest.
(b) Das Streik­ziel der Durch­set­zung der Sch­lich­ter­emp­feh­lung (SE) be­zog ich auf die in §§ 5 bis 8 TV Apron Con­trol ge­re­gel­te Sach­ma­te­rie, für die nach § 12 Abs. 2 TV Apron Con­trol ei­ne er­wei­ter­te Frie­dens­pflicht (fort-)galt.
(aa) Dies be­trifft al­ler­dings nicht § 35 Abs. 6a SE. Da­mit soll­te le­dig­lich die Re­ge­lungs­tech­nik mo­di­fi­ziert wer­den, in­dem die bis­he­ri­ge Pro­to­koll­no­tiz zu § 5 Abs. 6 Un­terabs. 1 TV Apron Con­trol nun­mehr als ei­ge­ner Ab­satz den Re­ge¬lun­gen zum Zeit­wert­kon­to bei­gefügt wird. Da­mit er­folgt kei­ne in­halt­li­che Ände¬rung der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen. Der Pro­to­koll­no­tiz zur Wert­er­hal­tungs­ga­ran­tie des Ar­beit­ge­bers beim Wert­gut­ha­ben kommt ein nor­ma­ti­ver Re­ge­lungs­ge­halt zu.
(bb) Hin­ge­gen ent­hal­ten § 18 Abs. 8 und § 49 SE ei­genständi­ge, neue For­de­run­gen, die dem Re­ge­lungs­kom­plex der §§ 5 bis 8 TV Apron Con­trol zu­zu­ord­nen sind. § 18 Abs. 8 SE sieht für Mit­ar­bei­ter, die in­fol­ge ei­nes Ar­beits­un­falls nicht mehr voll­leis­tungsfähig sind und des­halb in ei­ner nied­ri­ge­ren Vergütungs­grup­pe wei­ter­beschäftigt wer­den, ei­ne Aus­gleichs­zu­la­gen­zah­lung und die Möglich­keit ei­ner Dar­le­hens­gewährung vor. In § 8 TV Apron Con­trol sind un­ter bstimm­ten Vor­aus­set­zun­gen beschäfti­gungs­si­chern­de Maßnah­men und ei­ne Ent­gelt­si­che­rung ge­re­gelt. Ergänzun­gen hier­zu sol­len nach der Frie­dens­pflicht­ver­ein­ba­rung des § 12 Abs. 2 TV Apron Con­trol für die Dau­er der Gel­tung des § 8 TV Apron Con­trol nicht kampf­wei­se durch­setz­bar sein. Glei­ches gilt für die For­de­rung nach § 49 SE, die eben­so wie die be­ste­hen­de Ta­rif­re­ge­lung des § 7 TV Apron Con­trol dem Be­las­tungs­aus­gleich von Beschäftig­ten dient und da­her ei­nen Be­zug zu dem vor dem 31. De­zem­ber 2017 nicht künd­ba­ren ta­rif­li­chen Re­ge­lungs­kom­plex auf­weist. Im Hin­blick auf die Reich­wei­te der von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ver­ein­bar­ten Frie­dens­pflicht kommt es auch le­dig­lich auf ei­ne Zu­ord­nung der er­streb­ten For­de­rung zu dem noch gel­ten­den ta­ri­fier­ten Be­reich
an und nicht - wie die Be­klag­te meint - auf ei­nen sach­li­chen in­ne­ren Zu­sam­men­hang, auf den al­ler­dings auch die Vor­in­stan­zen in Ver­ken­nung der be­son¬ders ver­ein­bar­ten Frie­dens­pflicht ab­ge­ho­ben ha­ben.
cc) § 3 der Sch­lich­tungs­ver­ein­ba­rung (SV) steht der An­nah­me ei­ner Frie­dens­pflicht­ver­let­zung nicht ent­ge­gen. Hier­mit ist die er­wei­ter­te Frie­dens­pflicht des § 12 Abs. 2 TV Apron Con­trol, wel­che für §§ 5 bis 8 TV Apron Con­trol noch galt, we­der auf­ge­ho­ben noch be­schränkt wor­den.
(1) Bei dem Ver­weis der Be­klag­ten in der Re­vi­si­ons­er­wi­de­rung auf die SV han­delt es sich - an­ders als die Kläge­rin zu 3. meint - nicht um neu­en, in der Re­vi­si­ons­in­stanz un­be­acht­li­chen Tat­sa­chen­vor­trag. Nach § 559 Abs. 1 Satz 1 ZPO un­ter­liegt der Be­ur­tei­lung des Re­vi­si­ons­ge­richts nur das­je­ni­ge Par­tei­vor­brin­gen, das aus dem Tat­be­stand des Be­ru­fungs­ur­teils und dem Sit­zungs­pro­to­koll er­sicht­lich ist. Da­zu gehört auch das aus in Be­zug ge­nom­me­nen Schriftsät¬zen und An­la­gen er­sicht­li­che Par­tei­vor­brin­gen (vgl. zur Vorgänger­vor­schrift des § 561 Abs. 1 Satz 1 ZPO BAG 28. Ok­to­ber 1999 - 6 AZR 243/98 - zu II 2 a der Gründe). Die Be­klag­te hat­te die SV erst­in­stanz­lich zur Ak­te ge­reicht. Sie ist von der zulässi­gen ergänzen­den Be­zug­nah­me des Be­ru­fungs­ur­teils auf den Tat­be¬stand des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils er­fasst, wel­cher sei­ner­seits in nach § 313 Abs. 2 Satz 2 ZPO zulässi­ger Wei­se auf die von den Par­tei­en ein­ge­reich­ten Schriftsätze ver­weist.
(2) Mit § 3 SV ha­ben sich die ver­han­deln­den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auf ei­ne um­fas­sen­de Frie­dens­pflicht be­grenzt auf die Dau­er des Sch­lich­tungs­ver­fah­rens ge­ei­nigt. Die Vor­schrift be­stimmt ei­ne ei­genständi­ge, al­lein auf das kon­kre­te Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­zo­ge­ne Frie­dens­pflicht. Nach ih­rem Sinn und Zweck si­chert sie die Funk­ti­ons­be­din­gun­gen der Sch­lich­tung, wel­che nicht mit Ar­beits¬kampf­maßnah­men be­las­tet sein soll. We­der Wort­laut noch Sys­te­ma­tik las­sen An­halts­punk­te für ei­nen Re­ge­lungs­wil­len er­ken­nen, an­der­wei­tig ver­ein­bar­te und be­ste­hen­de Frie­dens­pflich­ten auf­zu­he­ben, zu be­en­den oder ge­genständ­lich zu be­schränken.
dd) Die Kläge­rin zu 3. kann auch ei­ne Ver­let­zung der Frie­dens­pflicht gel­tend ma­chen. Es han­delt sich da­bei nicht um ei­ne un­zulässi­ge Rechts­ausübung iSv. § 242 BGB. Die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts lässt zwar ei­ne ent­spre­chen­de tatrich­ter­li­che Wer­tung ver­mis­sen. An­hand der ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen ver­mag der Se­nat aber ei­ne ent­spre­chen­de Wer­tung selbst vor­zu­neh­men.
(1) Ei­ne un­zulässi­ge Rechts­ausübung setzt nicht zwin­gend vor­aus, dass schon die be­tref­fen­de Rechts­po­si­ti­on un­red­lich, mit Schädi­gungs­vor­satz oder sonst schuld­haft er­wor­ben ist. Es kommt le­dig­lich dar­auf an, ob bei ob­jek­ti­ver Be­trach­tung ein Ver­s­toß ge­gen Treu und Glau­ben vor­liegt (vgl. BGH 16. Ju­li 2014 - IV ZR 73/13 - zu II 2 a der Gründe, BGHZ 202, 102).
(2) Von ei­nem sol­chen Ver­s­toß ist im Streit­fall nicht aus­zu­ge­hen. Er folgt vor al­lem nicht aus dem „Sich-Ein­las­sen“ der Kläge­rin zu 3. auf der Frie­dens­pflicht un­ter­lie­gen­de Ver­hand­lungs­ge­genstände in den Ta­rif­ver­trags- und Sch­lich­tungs­ver­hand­lun­gen. Die - hier in § 12 Abs. 2 TV Apron Con­trol ei­genständig ver­ein­bar­te, er­wei­ter­te re­la­ti­ve - Frie­dens­pflicht ver­bie­tet es den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nur, ei­nen Ta­rif­ver­trag bis zum Ab­lauf sei­ner ver­ein­bar­ten Dau­er oder der für ihn maßgeb­li­chen Kündi­gungs­frist in­halt­lich da­durch in Fra­ge zu stel­len, dass Ände­run­gen der ta­rif­lich ge­re­gel­ten Ge­genstände mit Mit­teln des Ar­beits­kamp­fes er­reicht wer­den sol­len. Sie schließt es nach ih­rem Sinn und Zweck aber nicht aus, über die­se Ge­genstände zu ver­han­deln und sie in ein Sch­lich­tungs­ver­fah­ren ein­zu­be­zie­hen. Eben­so wie bloße Ver­hand­lun­gen der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en über ei­ne be­stimm­te Ta­rif­for­de­rung kei­ne auf ih­ren Ge­gen­stand be­zo­ge­ne Frie­dens­pflicht zu be­gründen vermögen (vgl. BAG 24. April 2007 - 1 AZR 252/06 - Rn. 66, BA­GE 122, 134), kann aus Ver­hand­lun­gen über der Frie­dens­pflicht un­ter­lie­gen­de For­de­run­gen oder de­ren Ein­be­zie­hung in das Sch­lich­tungs­ver­fah­ren nicht der Schluss ge­zo­gen wer­den, die Ge­gen­sei­te wer­de sich im Fal­le ei­nes Ar­beits­kamp­fes nicht auf ei­ne Frie­dens­pflicht­ver­let­zung be­ru­fen. Ei­ne sol­che An­nah­me ver­bie­tet sich schon des­halb, weil Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen ty­pi­scher­wei­se von Kom­pro­miss­ver­su­chen ge­prägt und ge­lei­tet
sind. Im In­ter­es­se der Er­zie­lung ei­ner Ge­samtlösung kann es da­her sinn­voll sein, frie­dens­pflich­ti­ge Ge­genstände in die Ver­hand­lung und Sch­lich­tung ein­zu­be­zie­hen, um ei­ne Ei­ni­gung oh­ne Ar­beits­kampf zu er­rei­chen.
ee) Im Hin­blick auf das über­mit­tel­te Streik­ziel, wel­ches auch der Frie­dens­pflicht un­ter­lie­gen­de For­de­run­gen ent­hielt, ist der vom 16. bis 23. Fe­bru­ar 2012 und vom 26. bis 29. Fe­bru­ar 2012 geführ­te Streik rechts­wid­rig.
(1) Der Se­nat hat bis­her of­fen­ge­las­sen, ob bei ei­nem Streik, der um den Ab­schluss ei­nes zahl­rei­che Re­ge­lun­gen um­fas­sen­den Ta­rif­ver­trags geführt wird, die Rechts­wid­rig­keit schon ei­ner For­de­rung zu des­sen Rechts­wid­rig­keit führt (BAG 4. Mai 1955 - 1 AZR 493/54 - BA­GE 2, 75). Je­den­falls dann, wenn es sich bei der die Frie­dens­pflicht ver­let­zen­den oder ta­rif­wid­ri­gen For­de­rung um ei­ne zen­tra­le For­de­rung han­delt, be­dingt dies die Rechts­wid­rig­keit des ge­sam­ten Streiks (vgl. BAG 10. De­zem­ber 2002 - 1 AZR 96/02 - zu B I 4 der Gründe, BA­GE 104, 155). Im Schrift­tum wird ver­tre­ten, ein Streik sei rechts­wid­rig, wenn er sich auch auf die Durch­set­zung ein­zel­ner un­er­laub­ter For­de­run­gen rich­te (vgl. Ha­nau Die Kau­sa­lität der Pflicht­wid­rig­keit S. 53; Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. Grundl. Rn. 451; Rieb­le BB 2014, 949, 950; Ot­to Ar­beits­kampf- und Sch­lich­tungs­recht § 5 Rn. 25; Wil­lem­sen/Meh­rens NZA 2013, 1400, 1401; wohl auch Kis­sel Ar­beits­kampf­recht § 24 Rn. 11). Zum Teil wird un­ter Her­an­zie­hung scha­dens­zu­rech­nungs­re­le­van­ter Kri­te­ri­en die Rechts­wid­rig­keit ei­nes Streiks da­nach be­ur­teilt, ob er auch oh­ne die un­zulässi­ge For­de­rung geführt wor­den wäre (Rüthers in Brox/Rüthers Ar­beits­kampf­recht 2. Aufl. Rn. 159; Ga­mill­scheg Kol­lek­ti­ves Ar­beits­recht Band I § 22 I 2 a (3)). Nach wie­der­um an­de­rer Auf­fas­sung kommt es aus­ge­hend von ei­nem ver­ob­jek­ti­vier­ten Maßstab dar­auf an, wel­che der dem Ar­beit­ge­ber über­mit­tel­ten For­de­run­gen dem Ar­beits­kampf im Rah­men ei­ner Ge­samt­schau das Ge­präge ge­ben (Rein­fel­der in Däubler Ar­beits­kampf­recht 3. Aufl. § 15 Rn. 25); bei Kampf­zie­len, die ei­ne Ein­heit bil­de­ten, sei das un­rechtmäßige Ziel ent­schei­dend (Reuss AuR 1966, 33, 34).
(2) Ein Streik, des­sen Kampf­ziel auch der Durch­set­zung ei­ner nicht rechtmäßigen Ta­rif­for­de­rung dient, ist ins­ge­samt rechts­wid­rig.
(a) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats kann ein Ar­beits­kampf nur zur Durch­set­zung ta­rif­ver­trag­lich re­gel­ba­rer und frie­dens­pflicht­wah­ren­der Zie­le geführt wer­den (vgl. BAG 10. De­zem­ber 2002 - 1 AZR 96/02 - zu B I 2 ff. der Gründe, BA­GE 104, 155). Das gibt die Hilfs­funk­ti­on des Ar­beits­kamp­fes zur Si­che­rung der durch Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­ten Ta­rif­au­to­no­mie vor. Die­se ist dar­auf ge­rich­tet, das Ar­beits­le­ben in dem von staat­li­cher Rechts­ord­nung frei­ge­las­se­nen Raum durch Ta­rif­verträge sinn­voll zu ord­nen und zu be­frie­den. Die­ses Ziel kann ua. nur er­reicht wer­den, wenn ein Ta­rif­ver­trag während sei­ner Gel­tungs­dau­er durch ei­nen Ar­beits­kampf nicht in Fra­ge ge­stellt wird und die durch ihn ver­mit­tel­te Pla­nungs­si­cher­heit wahrt. Die­se Funk­ti­ons­be­din­gung der Ta­rif-au­to­no­mie ist gefähr­det, wenn ein Ar­beits­kampf auch dar­auf ge­rich­tet ist, ei­ne kol­lek­ti­ve Re­ge­lung vor de­ren En­de zu be­sei­ti­gen oder zu ändern (vgl. BAG 19. Ju­ni 2007 - 1 AZR 396/06 - Rn. 18, BA­GE 123, 134). Das hat zur Fol­ge, dass ei­ne For­de­rung, die kampf­wei­se durch­ge­setzt wer­den soll, so­wohl ta­rif­lich re­gel­ba­re Ge­genstände be­tref­fen als auch die Frie­dens­pflicht be­ach­ten muss. For­de­run­gen, die die­sen An­for­de­run­gen nicht genügen, sind nicht durch Art. 9 Abs. 3 GG ge­deckt und be­ein­träch­ti­gen grund­recht­lich geschütz­te In­ter­es­sen des Kampf­geg­ners. Die­ser hat zwar da­von aus­zu­ge­hen, dass ei­ne Ge­werk­schaft auf ei­ne un­ein­ge­schränk­te Um­set­zung der ver­laut­bar­ten Streik­zie­le ty­pi­scher­wei­se nicht be­steht, son­dern mit Wi­der­stand rech­net. Da­her ge­hen de­ren Ta­rif­for­de­run­gen aus un­ter­schied­li­chen Mo­ti­ven re­gelmäßig über das­je­ni­ge Maß hin­aus, bei des­sen Er­rei­chen die Ge­werk­schaft zum Ta­rif­ab­schluss be­reit ist (vgl. BAG 24. April 2007 - 1 AZR 252/06 - Rn. 100, BA­GE 122, 134). Je­de Ta­rif­for­de­rung hat aber auch ar­beits­kampf­tak­ti­sche und ver­bands­po­li­ti­sche Gründe so­wie die Funk­ti­on, die je­wei­li­gen Mit­glie­der zu mo­ti­vie­ren und Ta­rif­ver­hand­lun­gen zunächst ein­mal in Gang zu brin­gen. Zwangsläufig hat je­de ver­laut­bar­te Ta­rif­for­de­rung Ein­fluss auf die Ver­tei­di­gungsmöglich­kei­ten der Ar­beit­ge­ber­sei­te. Sie muss sich auf die ihr ge­genüber er­ho­be­nen For­de­run­gen ein-
stel­len und so­wohl ihr Ver­hand­lungs­an­ge­bot als auch ih­re Kampf­stra­te­gie dar­auf ein­rich­ten. Hier­in wird sie un­zulässig be­ein­träch­tigt, wenn sie ih­re Ver­hand­lungs­macht dafür ein­set­zen muss, ei­ne durch Art. 9 Abs. 3 GG nicht ge­deck­te For­de­rung ab­zu­weh­ren.
(b) Die gra­du­el­le Be­wer­tung ei­ner Ta­rif­for­de­rung im Verhält­nis zu an­de­ren und ei­ne dar­an knüpfen­de ge­wich­ten­de Be­ur­tei­lung der Rechtmäßig­keit ei­nes um de­ren Durch­set­zung geführ­ten Ar­beits­kamp­fes sind ei­ner Rechts­kon­trol­le nicht zugäng­lich.
(aa) Wel­che Be­deu­tung ei­ne ein­zel­ne Ta­rif­for­de­rung un­ter meh­re­ren aus Sicht der Ge­werk­schaft für den von ihr für an­nehm­bar ge­hal­te­nen Ta­rif­ab­schluss oder ih­re Durch­set­zungsfähig­keit im Rah­men der Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen und ggf. ei­nes Ar­beits­kamp­fes hat, ob­liegt de­ren Einschätzung. Ob ei­ne kon­kre­te Ta­rif­for­de­rung für den an­ge­streb­ten Ta­rif­ab­schluss haupt- oder ne­bensächlich, be­deu­tend oder un­be­deu­tend ist oder die Ge­samt­heit der auf­ge­stell­ten For­de­run­gen wirt­schaft­lich oder or­ga­ni­sa­ti­ons­po­li­tisch prägt, ist für die Ar­beit­ge­ber­sei­te in der kon­kre­ten Ar­beits­kampf­si­tua­ti­on nicht er­kenn­bar und ent­zieht sich we­gen der nicht ob­jek­ti­vier­ba­ren Aus­wir­kun­gen auf die Ver­hand­lungs­macht und Kampf­kraft der Ge­werk­schaft und den mit je­der For­de­rung ge­schaf­fe­nen Ver­hand­lungs­spiel­raum auch ei­ner ge­richt­li­chen Be­wer­tung und Fest­stel­lung.
(bb) Der Ver­zicht auf ei­ne sol­che Kon­trol­le be­ein­träch­tigt nicht die nach Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­te Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­frei­heit der be­trof­fe­nen Ge­werk­schaft. Sie al­lein ent­schei­det über die Fest­le­gung der Ta­rif­for­de­run­gen, die durch den Auf­ruf zu ei­nem Streik und des­sen Be­fol­gung erkämpft wer­den sol­len. Hier­bei hat sie zu prüfen, ob die er­ho­be­nen For­de­run­gen durch Art. 9 Abs. 3 GG le­gi­ti­miert sind. Zu ei­ner sol­chen Prüfung ist ei­ne Ge­werk­schaft auch oh­ne wei­te­res in der La­ge. De­ren Ta­riffähig­keit ver­langt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht nur ei­ne Durch­set­zungs­kraft ge-
genüber dem so­zia­len Ge­gen­spie­ler, son­dern auch das Vor­hal­ten ei­ner leis­tungsfähi­gen Or­ga­ni­sa­ti­on, die sie befähigt, die ihr von Art. 9 Abs. 3 GG zu­ge-dach­ten Auf­ga­ben zu erfüllen (BVerfG 24. Fe­bru­ar 1999 - 1 BvR 123/93 - zu B II 2 b bb der Gründe, BVerfGE 100, 214; 20. Ok­to­ber 1981 - 1 BvR 404/78 - zu B I 2 der Gründe, BVerfGE 58, 233). Da­zu gehört un­ab­ding­bar ei­ne ent­spre­chen­de An­zahl an Mit­ar­bei­tern, die Ver­hand­lun­gen und den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen vor­be­rei­ten (vgl. zur or­ga­ni­sa­to­ri­schen Leis­tungsfähig­keit BAG 28. März 2006 - 1 ABR 58/04 - Rn. 53, BA­GE 117, 308). Hier­zu zählt auch die Über­prüfung der Le­gi­ti­mität ei­ner Ta­rif­for­de­rung als Vor­aus­set­zung der Rechtmäßig­keit des um ih­re Durch­set­zung geführ­ten Ar­beits­kamp­fes (BAG 19. Ju­ni 2012 - 1 AZR 775/10 - Rn. 52, BA­GE 142, 98). Un­zu­mut­ba­re, mit Art. 9 Abs. 3 GG un­ver­ein­ba­re Haf­tungs­ri­si­ken sind da­mit nicht ver­bun­den. Die­se be­tref­fen nicht die Be­wer­tung der Rechts­wid­rig­keit des Ar­beits­kamp­fes, son­dern re­la­ti­vie­ren die ver­schul­dens­abhängi­ge Ein­stands­pflicht für ar­beits­kampf­be­ding­te Schäden (vgl. BAG 10. De­zem­ber 2002 - 1 AZR 96/02 - zu B II 1 der Gründe, BA­GE 104, 155).
(3) Dem Um­stand, dass der da­ma­li­ge Bun­des­vor­sit­zen­de der Be­klag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung in dem einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren beim Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main (- 9 Ga 24/12 -) am 29. Fe­bru­ar 2012 sinn­gemäß zu Pro­to­koll erklärt hat, die frie­dens­pflicht­ver­let­zen­den For­de­run­gen würden fal­len­ge­las­sen, kommt kei­ne strei­tent­schei­den­de Be­deu­tung zu. Es kann of­fen­blei­ben, ob das Auf­ge­ben un­zulässi­ger Ein­zel­for­de­run­gen während ei­nes Streiks des­sen Rechts­wid­rig­keit ver­gan­gen­heits­be­zo­gen zu be­sei­ti­gen ver­mag. Der Streik wur­de am 29. Fe­bru­ar 2012 al­lein auf­grund der Un­ter­sa­gungs­verfügung des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main ab­ge­bro­chen.
3. Die Be­klag­te - han­delnd durch ih­re Or­ga­ne - trifft ein Ver­schul­den iSv. § 823 Abs. 1, § 31 BGB.
a) Ver­schul­den iSv. § 823 Abs. 1 BGB setzt grundsätz­lich ein vorsätz­li­ches oder fahrlässi­ges Ver­hal­ten vor­aus. Nicht je­des rechts­wid­ri­ge Ver­hal­ten ei­ner Ko­ali­ti­on bei der Wah­rung und Förde­rung von Ar­beits­be­din­gun­gen im Rah­men des Art. 9 Abs. 3 GG ist zu­gleich als schuld­haft zu be­wer­ten, weil hier­durch un­zu­mut­ba­re Haf­tungs­ri­si­ken entstünden. Vor ei­nem Streik mit sei­nen vielfälti­gen Aus­wir­kun­gen hat die Ge­werk­schaft ih­re kampf­wei­se durch­zu­set­zen­den Ta­rif­for­de­run­gen sorgfältig zu prüfen. Bei Zwei­feln über des­sen Recht¬mäßig­keit darf sie von ih­rem Streik­recht nur in maßvol­lem Rah­men und vor al¬lem auch nur dann Ge­brauch ma­chen, wenn für die Zulässig­keit des Streiks sehr be­acht­li­che Gründe spre­chen und des Wei­te­ren ei­ne endgülti­ge Klärung der Rechts­la­ge nicht an­ders zu er­rei­chen ist (vgl. BAG 19. Ju­ni 2012 - 1 AZR 775/10 - Rn. 52 mwN, BA­GE 142, 98).
b) In An­wen­dung die­ser Rechts­grundsätze ist von ei­nem fahrlässi­gen Ver­hal­ten der Be­klag­ten aus­zu­ge­hen. Die­se hat­te das Streik­ziel auf den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­trags ent­spre­chend der Sch­lich­ter­emp­feh­lung - mit nähe­ren ge­for­der­ten An­pas­sun­gen - be­zo­gen. Ihr Kampf­ziel, der über die ver­laut­bar­ten For­de­run­gen ab­zu­sch­ließen­de Ta­rif­ver­trag, um­fass­te Re­ge­lungs­ge­genstände, hin­sicht­lich de­rer die nach dem TV Apron Con­trol be­son­ders aus­ge­stal­te­te Frie­dens­pflicht noch galt. Die Be­klag­te hätte we­gen der Teilkündi­gung des TV Apron Con­trol die Zulässig­keit der For­de­run­gen, die in ih­rer Ge­samt­heit das erklärte Streik­ziel bil­de­ten, im Ein­zel­nen ge­wis­sen­haft prüfen müssen. Sie muss­te er­ken­nen, dass die Frie­dens­pflicht aus dem un­gekündig­ten Teil des TV Apron Con­trol die Gren­ze der Rechtmäßig­keit bil­de­te. Dass ihr die­se Pro­ble­ma­tik be­wusst war, zeigt ihr der Strei­kankündi­gung vom 15. Fe­bru­ar 2012 nach­ge­scho­be­nes Schrei­ben vom glei­chen Tag an die Kläge­rin zu 3., das klar­stel­len soll­te, dass die er­ho­be­ne For­de­rung zur Lauf­zeit des Ta­rif­ab­schlus­ses nicht den un­gekündig­ten Teil des TV Apron Con­trol be­tref­fen soll­te.
c) Im Hin­blick auf die Rechts­wid­rig­keit des Streiks we­gen der frie­dens­pflicht­ver­let­zen­den For­de­run­gen be­fand sich die Be­klag­te nicht in ei­nem ihr Ver­schul­den aus­sch­ließen­den un­ver­meid­ba­ren Rechts­irr­tum.
aa) An ei­nen un­ver­meid­ba­ren Rechts­irr­tum sind stren­ge An­for­de­run­gen zu stel­len. Der Gel­tungs­an­spruch des Rechts er­for­dert im Grund­satz, dass der Schuld­ner das Ri­si­ko ei­nes Rechts­irr­tums selbst trägt und es nicht dem Gläubi­ger überbürden kann. Be­ruht die Un­ge­wiss­heit über die Schuld auf recht­li­chen Zwei­feln des Schuld­ners (sog. Rechts­irr­tum), ist die­ser ent­schuld­bar, wenn die Rechts­la­ge ob­jek­tiv zwei­fel­haft ist und der Schuld­ner sie sorgfältig ge­prüft hat (BAG 19. Au­gust 2015 - 5 AZR 975/13 - Rn. 31 mwN, BA­GE 152, 213).
bb) Hier­von kann vor­lie­gend nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Die Rechts­la­ge zur Reich­wei­te der sich aus dem TV Apron Con­trol er­ge­ben­den Frie­dens­pflicht kann schon des­halb nicht als ob­jek­tiv un­klar an­ge­se­hen wer­den, weil sie von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en selbst näher aus­ge­stal­tet wor­den ist. Die Be­klag­te hätte we­gen der un­ter­schied­li­chen Kündi­gungs­mo­da­litäten, an die sie sich mit der Teilkündi­gung auch ge­hal­ten hat, die Zulässig­keit ih­res auf den Ge­samt­ab­schluss ei­nes neu­en Ta­rif­ver­trags ge­rich­te­ten Streik­ziels um­so sorgfälti­ger prüfen müssen. Der Sach­ver­halt hier­zu war nicht - wie et­wa bei ei­ner Viel­zahl von ein­zel­nen, teils gekündig­ten, teils un­gekündig­ten Ta­rif­verträgen - unüber­sicht­lich. Die frie­dens­pflicht­ver­let­zen­den Ge­genstände be­tra­fen viel­mehr ei­nen über­schau­ba­ren und klar ab­grenz­ba­ren Be­reich des teil­gekündig­ten TV Apron Con­trol.
4. Der da­nach be­ste­hen­den Er­satz­pflicht der Be­klag­ten für die durch den Streik der Kläge­rin zu 3. ent­stan­de­nen Schäden steht § 254 BGB nicht ent­ge­gen.
a) Gemäß § 254 Abs. 1 BGB sind die Ver­pflich­tung zum Scha­dens­er­satz so­wie der Um­fang des Er­sat­zes ins­be­son­de­re da­von abhängig, in­wie­weit der Scha­den vor­wie­gend von dem Schädi­ger oder dem Geschädig­ten ver­ur­sacht wor­den ist. Da­bei gilt der Grund­satz, dass bei vorsätz­li­cher Scha­dens­ver­ur­sa­chung durch den Geschädig­ten die Er­satz­pflicht des nur fahrlässig han­deln­den Schädi­gers entfällt (BAG 19. Fe­bru­ar 1998 - 8 AZR 645/96 - zu II 1 der Gründe mwN, BA­GE 88, 101). In die­sem Sinn ist die Haf­tung der Be­klag­ten nicht we-
gen ei­ner der Kläge­rin zu 3. zu­zu­rech­nen­den vorsätz­li­chen „Selbstschädi­gung“ aus­ge­schlos­sen. Ei­ne sol­che kann ins­be­son­de­re - un­abhängig vom Ver­schul­dens­grad und an­ders als vom Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men - nicht dar­in ge­se­hen wer­den, dass die Kläge­rin zu 3. die Ver­let­zungs­hand­lung nicht ab­ge­wehrt hat. Die­se be­ginnt bei ei­nem Streik schon mit sei­nem Auf­ruf. Der zu be­strei­ken­de Ar­beit­ge­ber ver­mag aber ei­nen ge­werk­schaft­li­chen Streik­auf­ruf nicht zu ver­hin­dern; er kann sich al­len­falls - vor al­lem mit Mit­teln des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes - ge­gen die Ar­beits­nie­der­le­gun­gen weh­ren, wel­che die Ver­let­zungs­hand­lung fort­set­zen.
b) So­weit das Lan­des­ar­beits­ge­richt Scha­dens­er­satz­ansprüche für die Zeit bis ein­sch­ließlich 27. Fe­bru­ar 2012 des­halb als „nicht in Be­tracht kom­mend“ an­ge­se­hen hat, weil die Kläge­rin zu 3. kei­nen Rechts­be­helf ge­gen den von ihr als rechts­wid­rig er­kann­ten Streik er­grif­fen und da­mit schuld­haft ei­ne Scha­dens­ab­wen­dung iSv. § 254 Abs. 2 Satz 1 Alt. 2 BGB un­ter­las­sen ha­be, tra­gen sei­ne ei­ge­nen Fest­stel­lun­gen die­se Würdi­gung nicht. Das Be­ru­fungs­ge­richt müss¬te - nach sei­ner Auf­fas­sung kon­se­quent - da­von aus­ge­hen, dass ei­ne (rechts­kräfti­ge) ge­richt­li­che Un­ter­sa­gung des mit Schrei­ben vom 15. Fe­bru­ar 2012 an­gekündig­ten Streiks noch vor Be­ginn der Streik­maßnah­men am 16. Fe­bru­ar 2012, 15.00 Uhr hätte erstrit­ten wer­den können. Hier­zu verhält sich die an­ge­grif­fe­ne Ent­schei­dung nicht. Un­ge­ach­tet des­sen war die Kläge­rin zu 3. nicht ge­hal­ten, zur Ab­wen­dung oder Min­de­rung der durch den Streik ent­stan­de­nen Schäden recht­li­che Maßnah­men zu er­grei­fen. Zum ei­nen ist der Aus­gang des ge­richt­li­chen Ver­fah­rens bei ei­nem zulässi­gen An­trag auf Un­ter­sa­gung oder Ab­bruch ei­nes Streiks im We­ge des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes nicht si­cher pro­gnos­ti­zier­bar. Ein Geschädig­ter muss sich prin­zi­pi­ell nicht zur Scha­dens­ab­wen­dung auf Rechts­strei­tig­kei­ten ein­las­sen, de­ren Er­folgs­aus­sich­ten un­ge­wiss sind (vgl. BGH 6. De­zem­ber 1984 - III ZR 141/83 - zu I 4 b der Gründe; vgl. auch Er­man/Ebert BGB 14. Aufl. § 254 Rn. 70). Zum an­de­ren - und vor al­lem - trifft ei­nen be­streik­ten Ar­beit­ge­ber grundsätz­lich kei­ne Ob­lie­gen­heit, ei­nen ge­gen ihn ge­rich­te­ten rechts­wid­ri­gen Streik mit recht­li­chen Mit­teln ab­zu­weh­ren.
Selbst ei­nem als recht­wid­rig er­kann­ten Streik kann der Be­streik­te be­geg­nen, in­dem er ihn aushält. Auch dar­in liegt - schon we­gen des We­sens des Ar­beits­kamp­fes - je­den­falls ty­pi­scher­wei­se Druck­ausübung zur Ver­bes­se­rung der Ver­hand­lungs­po­si­ti­on.
c) An­ders als die Be­klag­te meint, wirkt sich auch der Um­stand nicht aus, dass die Kläge­rin zu 3. sie erst im einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren auf die Rechts­wid­rig­keit des Streiks hin­ge­wie­sen hat. Ei­ne sol­che An­nah­me setzt ei­ne ent­spre­chen­de Hin­weis­pflicht oder -ob­lie­gen­heit vor­aus, die sich aus ar­beits­kampf­recht­li­chen Gründen ver­bie­tet. Sie würde das „Aus­hal­ten“ ei­nes Streiks als le­gi­ti­mes Kampf­mit­tel zur Ausübung von (Ge­gen-)Druck auf die streikführen­de Ge­werk­schaft kon­ter­ka­rie­ren.
5. Zu Un­recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, der gel­tend ge­mach­te Scha­dens­er­satz­an­spruch sei je­den­falls un­ter dem Ge­sichts­punkt des rechtmäßigen Al­ter­na­tiv­ver­hal­tens zu ver­sa­gen.
a) Die Be­ru­fung des Schädi­gers auf rechtmäßiges Al­ter­na­tiv­ver­hal­ten, dh. der Ein­wand, der Scha­den wäre auch bei ei­ner eben­falls mögli­chen, rechtmäßigen Ver­hal­tens­wei­se ent­stan­den, kann für die Zu­rech­nung ei­nes Scha­dens­er­folgs be­acht­lich sein. Die Er­heb­lich­keit des Ein­wan­des rich­tet sich nach dem Schutz­zweck der je­weils ver­letz­ten Norm oder Ver­trags­pflicht (vgl. BGH 14. Ju­li 2016 - III ZR 446/15 - Rn. 29; 9. März 2012 - V ZR 156/11 - Rn. 17; 25. No­vem­ber 1992 - VIII ZR 170/91 - zu II 1 c aa der Gründe, BGHZ 120, 281; 24. Ok­to­ber 1985 - IX ZR 91/84 - zu II 5 b der Gründe, BGHZ 96, 157). Rechtmäßiges Al­ter­na­tiv­ver­hal­ten setzt vor­aus, dass der­sel­be Scha­dens­er­folg ef­fek­tiv her­bei­geführt wor­den wäre; die bloße Möglich­keit, ihn rechtmäßig her­beiführen zu können, reicht nicht aus (BGH 9. März 2012 - V ZR 156/11 - Rn. 17). Dar­le­gungs- und be­weis­pflich­tig ist der Schädi­ger.
b) Hier­von aus­ge­hend tra­gen be­reits die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt her­an¬ge­zo­ge­nen Umstände nicht sei­ne Würdi­gung, der Ein­wand des rechtmäßigen Al­ter­na­tiv­ver­hal­tens sei aus­nahms­wei­se ge­recht­fer­tigt. Das Be­ru­fungs­ge­richt
sieht sei­ne An­nah­me, der Streik hätte auch oh­ne die in­kri­mi­nier­ten Ta­rif­for­de­run­gen zur sel­ben Zeit, am sel­ben Ort und auf die­sel­be Art und Wei­se statt­ge­fun­den, da­durch be­legt, dass sich der Streit der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en am En­de der Sch­lich­tung auf an­de­re Re­ge­lungs­ge­genstände be­zo­gen ha­be und hin­sicht­lich der frie­dens­pflicht­ver­let­zen­den For­de­run­gen be­reits ei­ne Ei­ni­gung er­zielt wor­den sei. Mit die­ser Be­gründung nimmt das Lan­des­ar­beits­ge­richt die ar­beits­kampf­recht­lich spe­zi­fi­sche Si­tua­ti­on nicht aus­rei­chend in den Blick. Verständi­gen sich Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen auf be­stimm­te Punk­te oder ste­hen die­se Punk­te am En­de ei­nes (frei­wil­li­gen) Sch­lich­tungs­ver­fah­rens nicht (mehr) im Streit, ha­ben sie sich letzt­lich auch bezüglich die­ser Re­ge­lungs­ge­genstände nicht ge­ei­nigt, wenn das „Ge­samt­pa­ket“ nicht zu­stan­de kommt. Auch vor­lie­gend war am En­de des Sch­lich­tungs­ver­fah­rens der Ab¬schluss des ge­sam­ten Ta­rif­ver­trags mit dem vom Sch­lich­ter emp­foh­le­nen In­halt „an sich“ strei­tig. Des­halb kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, be­stimm­te Ta­rif­for­de­run­gen hätten den Streik nicht be­ein­flusst. Eben­so ver­kennt das Be­ru¬fungs­ge­richt die ar­beits­kampf­recht­li­chen Be­son­der­hei­ten, wenn es sei­ne Schluss­fol­ge­rung, die frie­dens­pflicht­ver­let­zen­den For­de­run­gen sei­en nicht streik­be­stim­mend ge­we­sen, dar­auf stützt, dass nach de­ren Fal­len­las­sen nicht so­gleich wei­te­re Ver­hand­lun­gen auf­ge­nom­men wor­den sei­en.
c) Un­ge­ach­tet des­sen ist bei ei­nem auf­grund ei­ner Frie­dens­pflicht­ver­let­zung rechts­wid­ri­gen Streik für den Ein­wand des rechtmäßigen Al­ter­na­tiv­ver­hal­tens kein Raum (so auch Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 1 Rn. 1261; Jau­er­nig/ Teich­mann BGB 16. Aufl. Vor §§ 249-253 Rn. 48; Rieb­le BB 2014, 949, 951; Wil­lem­sen/Meh­rens NZA 2013, 1400, 1402; vgl. auch Wie­de­mann/Thüsing 7. Aufl. § 1 TVG Rn. 971).
aa) Dies folgt al­ler­dings nicht aus ei­ner der Frie­dens­pflicht bei­zu­mes­sen­den Funk­ti­on, dass mit ihr die ty­pi­scher­wei­se schwer­wie­gen­den Fol­gen kol­lek­ti­ver Kampf­maßnah­men für die Ge­samt­heit und die be­tei­lig­ten Krei­se des Ar­beits­le-bens im Rah­men des Mögli­chen ver­mie­den wer­den sol­len (so noch BAG 31. Ok­to­ber 1958 - 1 AZR 632/57 - zu V 3 der Gründe, BA­GE 6, 321; vgl. be-
reits zu­vor BAG 8. Fe­bru­ar 1957 - 1 AZR 169/55 - BA­GE 3, 280; kri­tisch hier­zu zB Ni­tsche in Däubler Ar­beits­kampf­recht 3. Aufl. § 22 Rn. 125; Ha­nau Die Kau­sa­lität der Pflicht­wid­rig­keit S. 54 ff.; MüKoBGB/Oet­ker 7. Aufl. § 249 Rn. 223; Stau­din­ger/Schie­mann (2005) § 249 Rn. 105; sh. auch Ga­mill­scheg Kol­lek­ti­ves Ar­beits­recht Band I § 26 II 5 a (2)). Ei­ne sol­che die All­ge­mein­heit oder Drit­te schützen­de Wir­kung kommt der schuld­recht­lich de­ter­mi­nier­ten Frie­dens­pflicht nicht - je­den­falls nicht ty­pi­scher­wei­se - zu. Eben­so trägt der Ge­dan­ke nicht, dass im Ar­beits­kampf­recht die Ver­let­zung der Frie­dens­pflicht prak­tisch weit­ge­hend sank­ti­ons­los blie­be, wenn man die Möglich­keit ei­nes zulässi­gen Streiks als rechtmäßige Al­ter­na­ti­ve in Be­tracht zie­hen würde (so aber BAG 31. Ok­to­ber 1958 - 1 AZR 632/57 - aaO). Ei­ne sank­tio­nie­ren­de Wir­kung ist dem Scha­dens­er­satz­recht im All­ge­mei­nen fremd; auch die Scha­dens­er­satz­pflicht bei rechts­wid­ri­gem Streik hat Aus­gleichs- und kei­ne Sank­ti­ons­funk­ti­on.
bb) Nach ih­rem Sinn und Zweck soll die sich aus ei­nem be­ste­hen­den Ta­rif­ver­trag er­ge­ben­de Frie­dens­pflicht ver­hin­dern, dass Ände­run­gen oder Ver­bes­se­run­gen der ta­rif­lich ge­re­gel­ten Ge­genstände ge­genüber dem Ta­rif­ver­trags­part­ner mit Mit­teln des Ar­beits­kamp­fes durch­zu­set­zen ver­sucht wird. Sie ist dar­auf ge­rich­tet, für die Dau­er ih­res Be­ste­hens die Schädi­gung des Ar­beit­ge­bers durch ei­nen Streik „als sol­chen“ aus­zu­sch­ließen. Hier­von aus­ge­hend kann die Be­klag­te nicht ent­las­ten, dass ein von ihr ge­tra­ge­ner Streik oh­ne frie­dens­pflicht­ver­let­zen­de For­de­run­gen bei der Kläge­rin zu 3. die (ge­nau) glei­chen Fol­gen ge­habt hätte. Es hätte sich we­gen des dann an­de­ren Streik­ziels um ei­nen an­de­ren Ar­beits­kampf ge­han­delt. Ein sol­cher ver­mag kei­ne Al­ter­na­tiv­hand­lung ab­zu­ge­ben. An­de­ren­falls würde im Rah­men von Zu­rech­nungs­erwägun­gen an die Stel­le ei­nes aus ma­te­ri­el­len Gründen rechts­wid­ri­gen Streiks ein Streik mit an­de­rem In­halt und auf an­de­rer Grund­la­ge ge­setzt. Ei­ne sol­che Fall­ge­stal­tung er­fasst der Ein­wand des rechtmäßigen Al­ter­na­tiv­ver­hal­tens re­gelmäßig nicht (vgl. [bei behörd­li­chem Han­deln und hy­po­the­ti­schem Ver­wal­tungs­akt] BGH 3. Fe­bru­ar 2000 - III ZR 296/98 - zu II 2 b der Gründe, BGHZ 143, 362).
6. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten ver­bie­tet sich die An­nah­me ih­rer Er­satz­pflicht für die durch den Streik ent­stan­de­nen Schäden bei der Kläge­rin zu 3. nicht aus kon­ven­ti­ons­recht­li­chen Gründen.
a) Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist die Eu­ropäische Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EM­RK) bei der An­wen­dung und Aus­le­gung der Grund­rech­te und rechts­staat­li­chen Grundsätze des Grund­ge­set­zes als Aus­le­gungs­hil­fe her­an­zu­zie­hen (vgl. BVerfG 22. Ok­to­ber 2014 - 2 BvR 661/12 - Rn. 128, BVerfGE 137, 273). Auf der Ebe­ne des ein­fa­chen Rechts trifft die Fach­ge­rich­te die Ver­pflich­tung, die Gewähr­leis­tun­gen der EM­RK und ih­rer Zu­satz­pro­to­kol­le zu berück­sich­ti­gen und in den be­trof­fe­nen Teil­be­reich der na­tio­na­len Rechts­ord­nung mit­tels ei­ner kon­ven­ti­ons­freund­li­chen Aus­le­gung ein­zu­pas­sen (BVerfG 18. Au­gust 2013 - 2 BvR 1380/08 - Rn. 27). In die­sem Rah­men sind als Aus­le­gungs­hil­fe auch die Ent­schei­dun­gen des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te (EGMR) zu berück­sich­ti­gen, und zwar auch dann, wenn sie nicht den­sel­ben Streit­ge­gen­stand be­tref­fen. Dies be­ruht auf der Ori­en­tie­rungs- und Leit­funk­ti­on, die der Recht­spre­chung des EGMR für die Aus­le­gung der EM­RK auch über den kon­kret ent­schie­de­nen Ein­zel­fall hin­aus zu­kommt (vgl. BVerfG 18. Au­gust 2013 - 2 BvR 1380/08 - Rn. 28; BAG
20. Ok­to­ber 2015 - 9 AZR 743/14 - Rn. 13; 20. No­vem­ber 2012 - 1 AZR 611/11 - Rn. 69 mwN, BA­GE 144, 1).
b) Vor­lie­gend ist die durch Art. 11 EM­RK geschütz­te Ver­samm­lungs- und Ver­ei­ni­gungs­frei­heit und das da­mit ver­bun­de­ne Streik­recht (vgl. da­zu zB EGMR 21. April 2009 - 68959/01 - [En­er­ji Ya­pi-Yol Sen] NZA 2010, 1423) zu berück­sich­ti­gen. In­so­weit hat der EGMR mit sei­nen Ent­schei­dun­gen zu Art. 11 EM­RK ver­deut­licht, dass an die Recht­fer­ti­gung ei­ner Ein­schränkung der Ver­ei­ni­gungs­frei­heit und des da­mit ver­bun­de­nen Streik­rechts nicht un­er­heb­li­che An­for­de­run­gen zu stel­len sind (vgl. BAG 20. No­vem­ber 2012 - 1 AZR 179/11 - Rn. 130, BA­GE 143, 354). Mit der An­nah­me der Scha­dens­er­satz­pflicht der Be­klag­ten, die mit dem von ihr ge­tra­ge­nen Streik ge­gen die Frie­dens­pflicht nach ei­nem von ihr ver­ein­bar­ten Ta­rif­ver­trag verstößt, wird aber de­ren Streik­recht nicht un­ver-
hält­nismäßig be­schränkt. Ge­gen­tei­li­ges lässt sich auch der Ent­schei­dung des EGMR in der Sa­che „Hr­vat­ski Li­ječnički Sin­di­kat (HLS) / Kroa­ti­en“ (EGMR [I. Sek­ti­on] 27. No­vem­ber 2014 - 36701/09 - AuR 2015, 146) nicht ent­neh­men. Die­se Ent­schei­dung be­trifft ein Streik­ver­bot auf­grund ei­nes in­ner­staat­li­chen Ge-richts­ur­teils. Im Rah­men der Verhält­nismäßig­keitsprüfung hat der Ge­richts­hof fest­ge­stellt, dass das in­ner­staat­li­che Ge­richt die Zulässig­keit des Streiks nicht um­fas­send ge­prüft ha­be und auf ei­nen „drit­ten Streik­grund“ - den die Ge­werk­schaft hilfs­wei­se zur Or­ga­ni­sa­ti­on des Streiks an­ge­ge­ben hat­te - nicht ein­ge¬gan­gen sei (Rn. 58 iVm. Rn. 14). Er­geb­nis die­ses An­sat­zes sei ge­we­sen, dass die be­schwer­deführen­de Ge­werk­schaft trotz ei­nes ta­rif­lo­sen Zu­stan­des für die Dau­er von drei Jah­ren und acht Mo­na­ten nicht be­rech­tigt ge­we­sen sei, ei­nen Streik durch­zuführen, was nicht als verhält­nismäßig an­ge­se­hen wer­den könne (Rn. 59). Dies ist mit dem vor­lie­gen­den Streit­fall nicht ver­gleich­bar. Die Be­klag¬te hat mit dem von ihr geführ­ten Ar­beits­kampf ge­gen ei­ne von ihr selbst ver­ein¬bar­te Frie­dens­pflicht ver­s­toßen, in­dem sie ihr - ein­heit­lich zu be­wer­ten­des - Streik­ziel auf die Durch­set­zung be­reits ge­re­gel­ter Ge­genstände be­zog. Ab­ge¬se­hen da­von, dass es mit­hin nicht wie in der Sa­che „Hr­vat­ski Li­ječnički Sin­di­kat (HLS) / Kroa­ti­en“ um ei­nen ver­laut­bar­ten - von den kroa­ti­schen Ge­rich­ten aber nicht ge­prüften - „hilfs­wei­sen Streik­grund“ geht, ge­ben die vom EGMR in Be­zug auf Art. 11 EM­RK auf­ge­stell­ten Verhält­nismäßig­keits­erwägun­gen nicht vor, die Il­le­gi­ti­mität kampf­wei­se durch­zu­set­zen­der For­de­run­gen bei der Be­wer­tung der Rechtmäßig­keit ei­nes Ar­beits­kamp­fes zu igno­rie­ren (aA wohl Lörcher AuR 2015, 126, 129; vgl. auch Ja­cobs/Schmidt Eu­ZA 2016, 82, 94 f.).
II. Der Kläge­rin zu 3. steht da­ne­ben ein Scha­dens­er­satz­an­spruch ge­gen die Be­klag­te nach § 280 Abs. 1, § 31 BGB zu. Die Be­klag­te hat - han­delnd durch ih­re Or­ga­ne - mit dem vom 16. bis 23. Fe­bru­ar 2012 und vom 26. bis 29. Fe­bru­ar 2012 geführ­ten Streik die nach § 12 Abs. 2 TV Apron Con­trol ver­ab­re­de­te Frie­dens­pflicht hin­sicht­lich der §§ 5 bis 8 TV Apron Con­trol schuld­haft ver­letzt. We­der nach § 254 BGB noch un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­nes rechtmä-
ßigen Al­ter­na­tiv­ver­hal­tens noch nach kon­ven­ti­ons­recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten ist ei­ne Er­satz­pflicht der Be­klag­ten aus­ge­schlos­sen.
III. Die Sa­che ist nicht zur Ent­schei­dung reif und da­her zur wei­te­ren Sach­ver­halts­aufklärung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen.
1. Die Be­klag­te hat die von der Kläge­rin zu 3. gel­tend ge­mach­ten Scha­dens­po­si­tio­nen be­strit­ten. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat hier­zu kei­ne Fest­stel­lun­gen ge­trof­fen.
2. Da­bei gilt al­ler­dings für das von der Kläge­rin zu 3. (auch) her­an­ge­zo­ge­ne scha­dens­stif­ten­de Er­eig­nis der Ankündi­gung des Un­terstützungs­streiks ge­genüber der DFS mit Schrei­ben vom 28. Fe­bru­ar 2012, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt in­so­weit zu Recht da­von aus­ge­gan­gen ist, ein hier­auf be­zo­ge­ner Scha­dens­er­satz­an­spruch schei­de aus, weil nach de­ren Vor­trag nicht fest­ge­stellt wer­den könne, wel­che kon­kre­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen oder Schäden hier­auf zurück­zuführen sei­en. Aus­ge­hend vom Be­weis­maß des § 287 Abs. 1 ZPO ist die­se Würdi­gung re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den. Es kann da­her of­fen­blei­ben, ob die der DFS an­gekündig­te Ab­sicht der Be­klag­ten, ih­re Mit­glie­der im Geschäfts­be­reich Tower zu ei­nem be­fris­te­ten Streik zur Un­terstützung des Ar­beits­kamp­fes in der Vor­feld­kon­trol­le, Ver­kehrs­zen­tra­le und Vor­feld­auf­sicht auf­zu­ru­fen, ei­nen Ein­griff in den Ge­wer­be­be­trieb der Kläge­rin zu 3. iSv. § 823 Abs. 1 BGB oder ei­ne Pflicht­ver­let­zung nach § 280 Abs. 1 Satz 1 BGB dar­stellt.
a) § 287 Abs. 1 ZPO gilt nicht nur für die Höhe des Scha­dens, son­dern auch - so­weit es um die haf­tungs­ausfüllen­de Kau­sa­lität geht - für die Fra­ge, ob ein Scha­den über­haupt ent­stan­den ist (BGH 12. Ju­li 2016 - KZR 25/14 - Rn. 42 mwN). Im An­wen­dungs­be­reich der Vor­schrift ist der Tatrich­ter be­son­ders frei ge­stellt. Sei­ne Einschätzung ist mit der Re­vi­si­on nur dar­auf­hin über­prüfbar, ob er Rechts­grundsätze der Scha­dens­be­mes­sung ver­kannt, we­sent­li­che Be­mes-sungs­fak­to­ren außer Be­tracht ge­las­sen oder sei­ner Schätzung un­rich­ti­ge Maß-
stäbe zu­grun­de ge­legt hat (vgl. BGH 5. März 2013 - VI ZR 245/11 - Rn. 14 mwN).
b) Der­ar­ti­ge Rechts­feh­ler wer­den von der Re­vi­si­on der Kläge­rin zu 3. nicht auf­ge­zeigt.
aa) Es ist nicht - an­ders als die Re­vi­si­on meint - da­von aus­zu­ge­hen, das Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­be die de­liktsrecht­li­chen Grundsätze zur Haf­tung meh­re­rer Schädi­ger nach § 830 BGB ver­kannt, die „erst recht“ an­zu­wen­den sei­en, wenn nur ein Schädi­ger meh­re­re Scha­den­sur­sa­chen ver­ant­wor­te. Die Haf­tungs­ver­bands­re­gel des § 830 BGB durch­bricht das dem BGB in­ne­woh­nen­de Prin­zip, wo­nach Scha­dens­er­satz nur von dem­je­ni­gen ver­langt wer­den kann, der den Scha­den ver­ur­sacht hat. Die Fall­grup­pen der Vor­schrift sind da­durch ge­kenn­zeich­net, dass nicht nur ei­ne ein­zi­ge Per­son als Schädi­ger in Be­tracht kommt, son­dern an der Ent­ste­hung des Scha­dens meh­re­re Per­so­nen mit­ge­wirkt ha­ben (vgl. Stau­din­ger/Eberl-Bor­ges (2012) § 830 Rn. 2). So ist et­wa bei § 830 Abs. 1 Satz 2 BGB Vor­aus­set­zung, dass bei je­dem Be­tei­lig­ten - vom Nach­weis der Ursächlich­keit ab­ge­se­hen - ein den kläge­ri­schen An­spruch be­gründen­des Ver­hal­ten ge­ge­ben war, ei­ne der un­ter dem Be­griff „Be­tei­li­gung“ zu­sam­men­ge­fass­ten Per­so­nen den Scha­den ver­ur­sacht ha­ben muss und nicht fest­stell­bar ist, wel­cher von ih­nen den Scha­den - ganz (Ur­he­ber­zwei­fel) oder teil­wei­se (An­teils­zwei­fel) - ver­ur­sacht hat (BGH 23. Mai 2006 - VI ZR 259/04 - Rn. 9). Nur we­gen der Mehr­heit der Schädi­ger dürfen sich die Kau­sa­litäts­pro­ble­me stel­len. Das ist vor­lie­gend nicht der Fall.
bb) Auch die von der Re­vi­si­on her­an­ge­zo­ge­nen Grundsätze der ku­mu­la­ti­ven Ge­samt­kau­sa­lität und der Dop­pel­k­au­sa­lität sind nicht ein­schlägig.
(1) Die ku­mu­la­ti­ve Ge­samt­kau­sa­lität be­trifft die Fra­ge des Zu­rech­nungs­zu­sam­men­hangs zwi­schen Pflicht­ver­let­zung und Scha­den, wenn ein Scha­den haf­tungs­recht­lich auf meh­re­ren Ur­sa­chen be­ruht, die von ver­schie­de­nen Per¬so­nen ge­setzt wor­den sind (vgl. et­wa BGH 18. De­zem­ber 2008 - IX ZR 179/07 - Rn. 19 f.). Um ei­ne sol­che Kon­stel­la­ti­on han­delt es sich vor­lie­gend nicht.
(2) Ei­ne Dop­pel­k­au­sa­lität wird an­ge­nom­men, wenn zwei Umstände ei­nen Scha­den ver­ur­sa­chen und je­der für sich al­lein aus­ge­reicht hätte, den gan­zen Scha­den zu ver­ur­sa­chen. Dann sind bei­de Umstände als ursächlich zu be­han­deln. Dafür ist nicht er­for­der­lich, dass die Schädi­gung durch zwei ver­schie­de­ne Per­so­nen er­folgt. Es genügt, wenn ei­ne Per­son zwei Ur­sa­chen setzt, wel­che je­de für sich den vol­len Scha­den her­bei­geführt hätte (BGH 4. April 2014 - V ZR 275/12 - Rn. 16, BGHZ 200, 350). Da­von, dass der Haupt- und der Un­terstützungs­streik je­weils für sich ge­se­hen den gel­tend ge­mach­ten Um­fang der Er­satz­pflicht auslösten, ist aber schon nach dem ei­ge­nen Vor­brin­gen der Kläge­rin zu 3. nicht aus­zu­ge­hen.
B. Die zulässi­gen Re­vi­sio­nen der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. sind un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fun­gen ge­gen die ih­re Zah­lungs­anträge ab­wei­sen­de Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts zu Recht zurück­ge­wie­sen. Der je­weils gel­tend ge­mach­te Zah­lungs­an­spruch ist aus de­liktsrecht­li­chen Gründen un­be­gründet. Auch ein auf § 280 Abs. 1 BGB iVm. den Grundsätzen des Ver­trags mit Schutz­wir­kung zu­guns­ten Drit­ter gestütz­ter Scha­dens­er­satz­an­spruch be­steht nicht.
I. Die von den Kläge­rin­nen zu 1. und 2. gel­tend ge­mach­ten Ansprüche las­sen sich nicht aus § 823 Abs. 1 BGB her­lei­ten. Es fehlt be­reits an ei­nem haf­tungs­re­le­van­ten Ein­griff in ein von § 823 Abs. 1 BGB geschütz­tes Rechts­gut der bei­den Kläge­rin­nen.
1. Ei­ne zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz ver­pflich­ten­de Ver­let­zung des Ei­gen­tums iSd. § 823 Abs. 1 BGB an ih­ren Flug­zeu­gen - und bei der Kläge­rin zu 2. im Hin­blick auf die ab­ge­tre­te­nen For­de­run­gen an de­nen der N GmbH - durch die durch­geführ­ten Streik­maßnah­men und den an­gekündig­ten Un­terstützungs­streik ma­chen die Kläge­rin­nen zu 1. und 2. nicht gel­tend.
2. Ein An­spruch der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. - bei letz­te­rer zT aus ab­ge­tre­te­nem Recht - folgt nicht aus § 823 Abs. 1 BGB un­ter dem Ge­sichts­punkt
ei­nes rechts­wid­ri­gen Ein­griffs in den ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb. Es fehlt an ei­nem un­mit­tel­ba­ren, be­triebs­be­zo­ge­nen Ein­griff.
a) Streik­maßnah­men sind mit der nach § 823 Abs. 1 BGB er­for­der­li­chen spe­zi­fi­schen Be­triebs­be­zo­gen­heit ei­nes Ein­griffs in den Ge­wer­be­be­trieb des Kampf­geg­ners ver­bun­den. Des­sen un­mit­tel­ba­re Kampf­be­trof­fen­heit folgt aus dem ge­werk­schaft­li­chen Streik­auf­ruf. In die­sem drückt sich die ob­jek­ti­ve Stoßrich­tung der Kampf­maßnah­me aus. Dem­ge­genüber stellt der Streik oder der Auf­ruf hier­zu re­gelmäßig kei­nen un­mit­tel­ba­ren, be­triebs­be­zo­ge­nen Ein­griff in das Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb ei­nes dritt­be­trof­fe­nen, kampfun­be­tei­lig­ten Un­ter­neh­mens dar (vgl. BAG 25. Au­gust 2015 - 1 AZR 754/13 - Rn. 38, BA­GE 152, 240 und - 1 AZR 875/13 - Rn. 26, BA­GE 152, 260). Be­acht­lich ist al­lein der Streik­be­schluss der kampfführen­den Ge­werk­schaft. Auf des­sen Be­wer­tung durch Ex­ter­ne oder Dritt­be­trof­fe­ne kommt es da­bei nicht an. An­de­res kann al­len­falls gel­ten, wenn das dem Kampf­geg­ner über­mit­tel­te Kampf­ziel nur in dem Sinn vor­ge­scho­ben ist, dass tatsächlich ein mit die­sem ver­bun­de­ner Drit­ter in An­spruch ge­nom­men wer­den soll. Zu ei­ner sol­chen An­nah­me ge­reicht nicht die Be­trof­fen­heit des Drit­ten vom Streik (Bay­reu­ther RdA 2016, 181, 182).
b) Da­nach ha­ben die Vor­in­stan­zen zu Recht er­kannt, dass von ei­nem un­mit­tel­ba­ren Ein­griff in das Recht der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. - oder das der N GmbH - am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb nicht aus­ge­gan­gen wer­den kann.
aa) Dies gilt zunächst für den durch­geführ­ten (Haupt-)Streik.
(1) Nach den der Kläge­rin zu 3. mit Schrei­ben der Be­klag­ten vom 15. Fe­bru­ar 2012 und vom 25. Fe­bru­ar 2012 mit­ge­teil­ten Ankündi­gun­gen der Streik­maßnah­men be­ste­hen kei­ne An­halts­punk­te dafür, dass der Auf­ruf der Be­klag­ten hier­zu ei­nen an­de­ren Kampf­geg­ner als die Kläge­rin zu 3. an­be­lang­te. Die Ar­beits­nie­der­le­gun­gen be­tra­fen de­ren un­ter­neh­me­ri­schen Be­rei­che der Vor­feld­kon­trol­le, Vor­feld­auf­sicht und Ver­kehrs­zen­tra­le am Flug­ha­fen Frank­furt
am Main. Die ob­jek­ti­ve Stoßrich­tung der Streik­ak­tio­nen ziel­te auf ei­ne Be­ein­träch­ti­gung des Ge­wer­be­be­triebs der Kläge­rin zu 3.
(2) Ei­ne ge­gen die Ge­wer­be­be­trie­be der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. so­wie der N GmbH ge­rich­te­te Ziel­rich­tung drückt sich nicht in der Äußerung des Vor­stands der Be­klag­ten Ta­rif/Recht in dem an­geführ­ten In­ter­view aus. Die Wer¬tung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, hier­in lie­ge nicht mehr als ei­ne Be­schrei­bung der Streik­fol­gen für (dritt-)be­trof­fe­ne Flug­ge­sell­schaf­ten, ist re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den. Der da­ge­gen an­ge­brach­te Re­vi­si­ons­an­griff der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. setzt in­so­weit nur de­ren Verständ­nis des Erklärungs­werts der Aus­sa­ge an die Stel­le des­je­ni­gen des Be­ru­fungs­ge­richts. Un­ge­ach­tet des­sen müss­te - folg­te man der Ar­gu­men­ta­ti­on der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. - der Streik­auf­ruf, der sich un­miss­verständ­lich al­lein auf den Ge­wer­be­be­trieb der Kläge­rin zu 3. be­zog, als vor­ge­scho­ben zu be­wer­ten sein (da­zu Bay­reu­ther RdA 2016, 181, 182). Hierfür fehlt es an jeg­li­chen An­halts­punk­ten, zu­mal ei­ne nachträglich - und sei es von ei­nem Vor­stands­mit­glied der streikführen­den Ge­werk­schaft - ab­ge­ge­be­ne Erklärung die in dem Streik­auf­ruf ver­laut­bar­te ob­jek­ti­ve Ziel­rich­tung des Streiks grundsätz­lich nicht zu re­la­ti­vie­ren ver­mag.
(3) Die Stoßrich­tung des Streiks muss auch nicht des­halb als ge­gen die ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trie­be der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. so­wie der N GmbH ge­rich­tet be­wer­tet wer­den, weil de­ren un­ter­neh­me­ri­sche Tätig­keit zwin­gend von der In­an­spruch­nah­me der durch die Kläge­rin zu 3. er­brach­ten Diens­te der Vor­feld­kon­trol­le, Vor­feld­auf­sicht und Ver­kehrs­zen­tra­le abhängt. Die­se Leis­tun­gen - im We­sent­li­chen als Teil des Flug­ver­kehrs­kon­troll­diens­tes - gehören zu den flug­si­che­rungs­be­trieb­li­chen Diens­ten für den Flug­be­trieb auf Flugplätzen. De­ren „Aus­fall“ be­dingt kraft luft­ver­kehrs­recht­li­cher Vor­ga­ben Störun­gen bei der Durchführung von Flügen. Die­se funk­tio­na­le Ver­flech­tung mo­di­fi­ziert aber nicht den de­liktsrecht­li­chen Grund­satz, wo­nach kein Er­satz für mit­tel­ba­re Vermögensschäden ge­schul­det wird, die Drit­te bei Ver­let­zung ih­rer Rechtsgüter durch ei­ne Re­flex­wir­kung er­lei­den. Aus der Un­aus­weich­lich­keit von Be­ein­träch­ti­gun­gen der Ge­wer­be­be­trie­be der kla­gen­den Luft-
fahrt­un­ter­neh­men bei streik­be­ding­ten Störun­gen oder Be­ein­träch­ti­gun­gen der Vor­feld­kon­trol­le, Vor­feld­auf­sicht und Ver­kehrs­zen­tra­le an ei­nem von ih­nen ge­nutz­ten Flug­ha­fen folgt nicht - ge­wis­ser­maßen zwangsläufig - ei­ne ge­gen die­se Un­ter­neh­men ge­rich­te­te Ziel­rich­tung des Streiks.
bb) Auch im Hin­blick auf die Ankündi­gung der Be­klag­ten ge­genüber der DFS, ih­re Mit­glie­der am Tower Frank­furt am Main am 29. Fe­bru­ar 2012 zu ei­nem be­fris­te­ten Streik zur Un­terstützung des Haupt­streiks auf­zu­ru­fen, fehlt es an ei­nem un­mit­tel­ba­ren Ein­griff in das Recht der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. so­wie der N GmbH am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob ein sol­cher schon des­halb aus­schei­det, weil sich die Ankündi­gung al­lein an die DFS rich­te­te. Selbst wenn man zu­guns­ten der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. die Ver­let­zungs­hand­lung in dem öffent­li­chen Be­kannt­wer­den der an die DFS ge­rich­te­ten Ankündi­gung sähe, ließe sich hier­aus nicht oh­ne wei­te­res auf ei­ne di­rekt ge­gen de­ren Ge­wer­be­be­trie­be so­wie den der N GmbH zie­len­de Maßnah­me schließen. Zwar ver­wei­sen die Re­vi­sio­nen der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. zu­tref­fend dar­auf, dass nach der Ankündi­gung der Be­klag­ten - an­ders als in dem vom Se­nat am 25. Au­gust 2015 ent­schie­de­nen Rechts­streit (- 1 AZR 875/13 - BA­GE 152, 260) zu ei­nem Ta­rif­kon­flikt zwi­schen der DFS und der Be­klag­ten mit Ar­beits­kampfan­dro­hun­gen im Au­gust 2011 - nicht al­le ta­rif­lich beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter der DFS zum (Un­terstützungs-)Streik auf­ge­ru­fen wer­den soll­ten, son­dern (al­lein) die Ge­werk­schafts­mit­glie­der am Tower Frank­furt am Main. Da­mit ziel­te die be­ab­sich­tig­te Maßnah­me dar­auf, nicht den ge­sam­ten Be­trieb der DFS zu be­ein­träch­ti­gen, son­dern den ei­ner ih­rer Flug­si­che­rungs­diens­te er­brin­gen­den Ein­rich­tung. Aus dem Um­stand ei­ner (be­ab­sich­tig­ten) Störung der Flug­si­che­rungs­diens­te lässt sich aber nicht „per se“ ein un­mit­tel­ba¬rer Ein­griff in die Ge­wer­be­be­trie­be der von der Er­brin­gung die­ser Leis­tung abhängi­gen Flug­ge­sell­schaf­ten her­lei­ten (ausf. BAG 25. Au­gust 2015 - 1 AZR 754/13 - Rn. 41 bis 45, BA­GE 152, 240). Auch im vor­lie­gen­den Fall kann nichts an­de­res fest­ge­stellt wer­den, als dass mit­tels der be­ab­sich­tig­ten Ar­beits­nie­der­le­gung der im Tower täti­gen Mit­ar­bei­ter (Flug­lot­sen) auf die DFS ein­ge­wirkt
wer­den soll­te, um den Druck auf die Kläge­rin zu 3. zu verstärken und den ge¬gen de­ren Un­ter­neh­men geführ­ten Haupt­ar­beits­kampf zu be­ein­flus­sen. In­wie¬weit sich ei­ne ob­jek­tiv ge­gen die Ge­wer­be­be­trie­be der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. (bzw. der N GmbH) ge­rich­te­te Stoßrich­tung aus der be­reits be­han­del­ten Äußerung des Vor­stands Ta­rif/Recht im In­ter­view mit „Spie­gel-On­line“ er­ge­ben soll, er­sch­ließt sich mit Blick auf die an­gekündig­te (Un­terstützungs-)Streik­maßnah­me be­reits des­halb nicht, weil die Aus­sa­ge nach der nicht an­ge­grif­fe­nen und da­mit bin­den­den (§ 559 Abs. 2 ZPO) Fest­stel­lung des Lan­des­ar­beits¬ge­richts „während der Durchführung“ des Haupt­streiks ge­macht wor­den ist und es in­so­weit von vorn­her­ein an ei­nem zeit­li­chen, auf die Un­terstützungs­kampf­maßnah­me be­zo­ge­nen Kon­text fehlt.
cc) So­weit die Re­vi­sio­nen der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. in Aus­ein­an­der­set¬zung mit der Ent­schei­dung des er­ken­nen­den Se­nats vom 25. Au­gust 2015 (- 1 AZR 754/13 - Rn. 46 bis 51, BA­GE 152, 240) mei­nen, ein Ein­griff in das Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb iSv. § 823 Abs. 1 BGB könne we­gen der Ent­schei­dung des Drit­ten Se­nats des Bun­des­ge­richts¬hofs vom 16. Ju­ni 1977 zu der streikähn­li­chen Ak­ti­on von Flug­lei­tern im Jah­re 1973 (- III ZR 179/75 - BGHZ 69, 128; vgl. in der Fol­ge auch BGH 31. Ja­nu­ar 1978 - VI ZR 32/77 - BGHZ 70, 277; 22. März 1979 - III ZR 24/78 -; 28. Fe­bru­ar 1980 - III ZR 131/77 - BGHZ 76, 387) nicht ab­ge­lehnt wer­den, trifft die­se Be¬wer­tung nicht zu. Die ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Ausführun­gen des Bun­des­ge­richts¬hofs zu ei­ner kol­lek­ti­ven Amts­pflicht­ver­let­zung sind auf ge­werk­schaft­lich ge­tra¬ge­ne Streiks von vorn­her­ein nicht über­trag­bar.
dd) Sch­ließlich verfängt die un­ter Ver­weis auf frühe­re Se­nats­ent­schei­dun­gen (BAG 21. Ju­ni 1988 - 1 AZR 653/86 - BA­GE 59, 48; 8. No­vem­ber 1988 - 1 AZR 417/86 - BA­GE 60, 101) ver­tief­te Ar­gu­men­ta­ti­on der Re­vi­si­onskläge­rin­nen zu 1. und 2. nicht, die durch­geführ­ten und die an­gekündig­te Streik­ak­tio­nen stell­ten ei­ne Be­triebs­blo­cka­de dar und sei­en des­halb als un­mit­tel­ba­rer Ein­griff in das Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb der be­trof­fe­nen Flug­ge­sell­schaf­ten zu wer­ten. Un­ge­ach­tet des­sen, dass die durch­geführ­ten
- und schon gar nicht die be­ab­sich­tig­te - Kampf­maßnah­men kei­ne über die (be­ab­sich­tig­te) kol­lek­ti­ve Ar­beits­nie­der­le­gung hin­aus­ge­hen­de und ei­ne Be­triebs-lo­cka­de ty­pi­scher­wei­se cha­rak­te­ri­sie­ren­de äußer­li­che phy­si­sche Ab­sper­rung ei­nes Be­triebs be­tra­fen, wa­ren sie nicht auf die Ver­hin­de­rung ei­nes von meh­re¬ren Un­ter­neh­men ar­beits­tei­lig ver­fass­ten Pro­dukts ge­rich­tet. Die Kläge­rin­nen zu 1. und 2. so­wie die Kläge­rin zu 3. und die DFS er­brin­gen kein „Pro­dukt“ der Pas­sa­gier­beförde­rung auf dem Luft­weg in be­wusst be­triebs­ge­mein­samar­beits­tei­lig ver­fass­ter Wei­se, auf de­ren Ver­hin­de­rung die Ak­tio­nen der Be­klag¬ten ziel­ten. Die in den zi­tier­ten Ent­schei­dun­gen zur Wer­tung her­an­ge­zo­ge­ne „ar­beits­tei­li­ge Pro­duk­ter­brin­gung“ liegt auch nicht - wie die Kläge­rin­nen zu 1. und 2. of­fen­sicht­lich mei­nen - in je­der „Pro­duk­ter­brin­gung in Abhängig­keit von der Leis­tung an­de­rer“. Aus den (Mit­tei­lun­gen zu) Strei­kankündi­gun­gen der Be¬klag­ten folgt nur ei­ne ob­jek­tiv­plan­vol­le Ver­hin­de­rung der al­lein von der Kläge­rin zu 3. er­brach­ten Dienst­leis­tung „Vor­feld­kon­trol­le, Vor­feld­auf­sicht und Ver­kehrs¬zen­tra­le“ und der al­lein von der DFS zu er­brin­gen­den Flug­si­che­rungs­dienst­leis­tung. Die hier­durch be­ding­ten Be­triebs­ab­laufstörun­gen bei den kla­gen­den Flug­ge­sell­schaf­ten wa­ren schlich­te Fol­ge des (ab­seh­ba­ren) Leis­tungs­aus­falls.
II. Et­wai­ge Ansprüche der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. aus § 826 BGB sind nicht Ge­gen­stand der Re­vi­si­ons­ver­fah­ren. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Zah­lungs­anträge der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. auch in­so­weit als nicht be­gründet an­ge­se­hen. Da­ge­gen wen­den sich die Re­vi­sio­nen nicht.
III. Die Kläge­rin­nen zu 1. und 2. ha­ben kei­nen (ab­ge­tre­te­nen) ver­trag­li­chen Scha­dens­er­satz­an­spruch nach den Grundsätzen des Ver­trags mit Schutz­wir­kung zu­guns­ten Drit­ter aus dem zwi­schen der Be­klag­ten und ua. der Kläge­rin
zu 3. ge­schlos­se­nen TV Apron Con­trol. Sie wie auch die N GmbH sind nicht in den Schutz­be­reich die­ses Ta­rif­werks ein­be­zo­gen.
1. Auch an ei­nem Ver­trag nicht un­mit­tel­bar be­tei­lig­te Per­so­nen können grundsätz­lich in des­sen Schutz­be­reich mit­ein­be­zo­gen wer­den. Ein sol­cher Ver­trag mit Schutz­wir­kung zu­guns­ten Drit­ter ist da­durch ge­kenn­zeich­net, dass der
An­spruch auf die ge­schul­de­te Haupt­leis­tung al­lein dem Ver­trags­part­ner zu­steht, der Drit­te je­doch in der Wei­se in die ver­trag­li­chen Sorg­falts- und Ob­huts­pflich­ten ein­be­zo­gen ist, dass er bei de­ren Ver­let­zung ver­trag­li­che Scha­dens­er­satz­ansprüche gel­tend ma­chen kann. Die Ein­be­zie­hung ei­nes Drit­ten in die Schutz­wir­kun­gen ei­nes Ver­trags setzt vor­aus, dass Sinn und Zweck des Ver­trags und die er­kenn­ba­ren Aus­wir­kun­gen der ver­trags­gemäßen Leis­tung auf den Drit­ten sei­ne Ein­be­zie­hung un­ter Berück­sich­ti­gung von Treu und Glau­ben er­for­dern und ei­ne Ver­trags­par­tei, für den Ver­trags­geg­ner er­kenn­bar, red­li­cher­wei­se da­mit rech­nen kann, dass die ihr ge­schul­de­te Ob­hut und Fürsor­ge in glei­chem Maß auch dem Drit­ten ent­ge­gen­ge­bracht wird. Das In­sti­tut des Ver­trags mit Schutz­wir­kung zu­guns­ten Drit­ter be­ruht auf ei­ner maßgeb­lich durch das Prin­zip von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) ge­prägten ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung (§ 157 BGB; BGH 9. April 2015 - VII ZR 36/14 - Rn. 25 mwN). Da­nach wird ein Drit­ter nur dann in die aus ei­nem Ver­trag fol­gen­den Sorg­falts-und Schutz­pflich­ten ein­be­zo­gen, wenn er mit der Haupt­leis­tung nach dem In­halt des Ver­trags be­stim­mungs­gemäß in Berührung kom­men soll, ein be­son­de­res In­ter­es­se des Gläubi­gers an der Ein­be­zie­hung des Drit­ten be­steht, den In­ter­es­sen des Schuld­ners durch Er­kenn­bar­keit und Zu­mut­bar­keit der Haf­tungs­er­wei­te­rung Rech­nung ge­tra­gen wird und der Drit­te schutz­bedürf­tig ist (BAG 25. Au­gust 2015 - 1 AZR 875/13 - Rn. 42 mwN, BA­GE 152, 260).
2. In schuld­recht­li­che Ver­pflich­tun­gen von Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind an­de­re Drit­te re­gelmäßig nicht ein­be­zo­gen. Dies gilt nicht nur für die ei­nem Ta­rif­ver­trag oh­ne be­son­de­re Ver­ein­ba­rung re­gelmäßig im­ma­nen­te re­la­ti­ve Frie­dens­pflicht (vgl. hier­zu BAG 25. Au­gust 2015 - 1 AZR 875/13 - Rn. 43, BA­GE 152, 260), son­dern auch für ei­ne aus­drück­lich ver­ein­bar­te - hier nach dem TV Apron Con­trol er­wei­ter­te re­la­ti­ve - Frie­dens­pflicht. Ei­ne sol­che Er­wei­te­rung der Haf­tung für die je­wei­li­ge Ta­rif­ver­trags­par­tei ist für die­se we­gen der feh­len­den Er­kenn­bar­keit und Vor­her­seh­bar­keit der wirt­schaft­li­chen Fol­gen re­gelmäßig nicht zu­mut­bar. Für ei­ne ge­gen­tei­li­ge Aus­le­gung der schuld­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen müssen be­son­de­re An­halts­punk­te be­ste­hen.
3. Ge­mes­sen hier­an schei­det ei­ne ver­trag­li­che Ein­stands­pflicht der Be­klag­ten ge­genüber den Kläge­rin­nen zu 1. und 2. und der N GmbH aus.
a) Es sind kei­ne An­halts­punk­te dafür er­sicht­lich, dass Luft­fahrt­un­ter­neh­men in die Frie­dens­pflicht nach § 12 Abs. 2 TV Apron Con­trol ein­be­zo­gen sind. Auf ei­ne sol­che Ein­be­zie­hung Drit­ter kann ins­be­son­de­re nicht, an­ders als die Kläge­rin­nen zu 1. und 2. mei­nen, aus den wirt­schaft­li­chen Ver­flech­tun­gen ih­rer Leis­tun­gen mit de­nen der Kläge­rin zu 3. so­wie der funk­tio­na­len Abhängig­keit der Flug­ge­sell­schaf­ten vom Flug­ha­fen­be­trei­ber ge­schlos­sen wer­den. Be­reits we­gen der er­for­der­li­chen Ab­gren­zung zum de­lik­ti­schen Haf­tungs­be­reich darf die für die An­nah­me ei­nes Ver­trags mit Schutz­wir­kung zu­guns­ten Drit­ter er­for­der­li­che Leis­tungsnähe nicht nur fak­tisch ge­ge­ben sein (ausf. Stau­din­ger/ Klumpp (2015) § 328 Rn. 112 mwN aus der Rspr.). Ent­spre­chend lehnt auch der Bun­des­ge­richts­hof selbst Hin­wei­se auf kon­zernmäßige en­ge Ver­flech­tun­gen zur Be­gründung der Leis­tungsnähe als „von vorn­her­ein nicht ge­eig­net“ ab (zu ei­nem Dar­le­hens­ver­trag BGH 24. Ja­nu­ar 2006 - XI ZR 384/03 - Rn. 56, BGHZ 166, 84; vgl. auch Kort NJW 2006, 1098 f.).
b) Ein Dritt­schutz ist in der Frie­dens­pflicht nach dem TV Apron Con­trol wei­ter­hin nicht des­halb an­ge­legt, weil sie ob­jek­tiv auch den In­ter­es­sen der Nu¬er des von der Kläge­rin zu 3. be­trie­be­nen Flug­ha­fens, dar­un­ter je­nen der Flug­ge­sell­schaf­ten, dient. Es kommt viel­mehr dar­auf an, ob es - hier nicht er­sicht­li­che - kon­kre­te An­halts­punk­te für ei­nen sub­jek­ti­ven Wil­len dafür gibt, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die schuld­recht­li­che Ver­pflich­tung nach § 12 Abs. 2 TV Apron Con­trol (auch) mit Blick auf Drit­te ver­ein­bart ha­ben. In­so­fern über­zeugt das Ar­gu­ment der Re­vi­si­onsführer nicht, die Frie­dens­pflicht aus Ta­rif­verträgen für Mit­ar­bei­ter der Be­rei­che Vor­feld­kon­trol­le, Vor­feld­auf­sicht und Ver­kehrs­zen­tra­le ei­nes Flug­ha­fens wäre oh­ne Ein­be­zie­hung der Flug­ge­sell­schaf­ten „weit­ge­hend be­deu­tungs­los, da dem Flug­ha­fen­be­trei­ber in­fol­ge ei­nes Streiks die­ser Mit­ar­bei­ter erst dann ein Scha­den ent­steht, wenn die Flug­ge­sell­schaf­ten ih­re Leis­tun­gen nicht er­brin­gen können“. Dies ist letzt­lich im­mer der
Fall, wenn es um Ta­rif­verträge in ei­nem Be­reich geht, in dem der Ge­gen­stand un­ter­neh­me­ri­scher Betäti­gung „ab­neh­mer­be­zo­gen“ ist.
C. Über die Kos­ten des Rechts­streits kann der Se­nat nach dem Grund­satz der Ein­heit­lich­keit der Kos­ten­ent­schei­dung nicht ab­sch­ließend be­fin­den. Die Ent­schei­dung hängt da­von ab, ob und ggf. in wel­chem Um­fang die Kläge­rin zu 3. nach der Zurück­ver­wei­sung der Sa­che an das Be­ru­fungs­ge­richt in der Sa­che ob­sie­gen wird. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt wird da­her über die Kos­ten des Rechts­streits - auch im Hin­blick auf die zurück­ge­wie­se­nen Re­vi­sio­nen der Kläge­rin­nen zu 1. und 2. - zu ent­schei­den ha­ben. Es kann als Rechts­mit­tel­ge­richt un­ter Gewährung recht­li­chen Gehörs ei­ne die im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren dann nicht mehr be­tei­lig­ten Kläge­rin­nen zu 1. und 2. be­tref­fen­de Kos­ten­ent­schei­dung tref­fen (vgl. BGH 14. Ju­li 1981 - VI ZR 35/79 - zu III der Gründe).
Tre­ber K.
Kle­be
zur Übersicht 1 AZR 160/14