Source: https://www.bghm.de/arbeitsschuetzer/fachinformationen/instandhaltung/allgemeine-instandhaltung/
Timestamp: 2019-12-12 05:21:43
Document Index: 254848423

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§3', 'BGH', 'BGH', '§ 9']

BGHM: Allgemeine Instandhaltung
Arbeitssicherheit bei Tätigkeiten in der Instandhaltung
Die Tätigkeit der Instandhalter selbst ist unter sicherheitstechnischen Aspekten besonders kritisch zu betrachten. Manchmal werden unzulässiger Weise Sicherheitseinrichtungen umgangen, weil Produktionssysteme sich in Ausnahmezuständen befinden.
Um die Instandhaltung sicher zu machen, müssen Arbeitsabläufe gut organisiert und die Mitarbeiter ausreichend qualifiziert sein. Basis der Ablaufplanung ist auch hier die Gefährdungsbeurteilung, die aber durch wechselnde Arbeitsplätze, vielfältige Gefährdungsfaktoren und durch unregelmäßig wiederkehrende Arbeiten erschwert wird.
Gefährdungen bei Instandhaltungstätigkeiten
Instandhaltungspersonal ist bei seiner Arbeit einer Vielzahl von Gefährdungen ausgesetzt, die sich nicht immer auf den ersten Blick erkennen lassen. Gefährdungen können dabei von Arbeitsmitteln, instand zuhaltenden Maschinen und Anlagen und anderen Personen ausgehen. Sie können sich aber auch nicht nur auf das Instandhaltungspersonal auswirken, sondern auch auf Personal, das in der Nähe des Arbeitsortes tätig ist. Die bekanntesten Beispiele sind:
Bild 1: Besondere Gefährdungen (Quelle DGUV Information 209-015)
Somit ist bei Instandhaltungsarbeiten besonders darauf zu achten, dass das Personal für die anstehenden Tätigkeiten ausreichend qualifiziert ist.
Die meisten der tödlichen Instandhaltungsunfälle geschehen in der Folge von Quetschungen an laufenden Maschinen. Dabei zeigen Analysen, dass die meisten dieser Maschinen nicht ausgeschaltet oder keine ausreichenden Schutzmaßnahmen getroffen worden waren.
Es existiert eine klare Vorgehensweise für Instandhaltungsarbeiten, die die Anzahl der Unfälle deutlich reduzieren kann ohne die Ausführungen der Arbeiten zu behindern.
Bild 2: 4-Rangmethode (Quelle: BGHM Seminar IKIN10)
Die 4-Rang-Methode stellt seit langem einen Stand der Technik dar:
Die 4 Ränge sind so gestaltet, dass sie praxisnah ausgeführt werden können. Werden im Rahmen der Instandhaltung die 4 Ränge immer konsequent eingehalten, kann die Anzahl der Unfälle deutlich gesenkt werden. Für eine sichere Instandhaltung sind vor Aufnahme der Tätigkeiten vom Unternehmer und den betrieblichen Vorgesetzen die Arbeiten nach den Rängen 1 - 4 zu bewerten um das höchste Schutzniveau einhalten zu können.
Rang 1: Instandhaltung darf erst durchgeführt werden, wenn keine Gefährdungen vorhanden sind, d. h.:
Die Energieversorgung ist unterbrochen.
Ingangkommen infolge gespeicherter Energie ist verhindert worden.
Gefahrbringende Bewegungen sind zum Stillstand gekommen.
Physikalische, chemische und biologische Einwirkungen können ausgeschlossen werden
Unbefugtes, irrtümliches oder unerwartetes Ingangsetzen kann ausgeschlossen werden.
z. B. Verkleidungen, Verdeckungen, Umzäunungen oder Umwehrungen
z. B. Zweihandschaltungen
z.B. Lichtvorhang, Lichtschranke, Scanner, Schaltmatte, Schaltleiste oder Pendelkappe
Rang 3: Instandhaltungsarbeiten nur mit zusätzlichen Einrichtungen, die z. B.:
das Eingreifen in die Gefahrstelle entbehrlich machen oder
das zufällige Erreichen benachbarter Gefahrstellen erschweren oder
das Herabsetzen der Geschwindigkeiten ermöglichen oder
das schnelle Stillsetzen ermöglichen
Mit entsprechenden Arbeiten dürfen nur fachlich geeignete Personen beauftragt werden, die im Stande sind, etwa entstehende Gefahren abzuwenden.
Unternehmerinnen oder Unternehmer müssen die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen ermitteln und dafür sorgen, dass sie eingehalten werden.
Die Beschäftigten müssen über die, mit der Arbeit verbundenen, Gefahren unterrichtet sein.
Für das Verhalten beim Auftreten von Unregelmäßigkeiten und Störungen müssen spezielle Anweisungen erteilt werden.
Im Gefahrenbereich dürfen sich nur Personen aufhalten, die für Instandhaltungsarbeiten unbedingt erforderlich sind.
In einigen Fällen ist eine Person zu bestellen, die den Fortgang der Arbeiten beobachtet und bei akuter Gefahr geeignete Maßnahmen ergreift. Dies ist nur anwendbar, wenn dadurch ein Unfall vermieden werden kann.
Nahezu jede moderne Maschine oder Anlage wird zumindest in Teilbereichen mit Elektrizität versorgt. Somit haben es Mitarbeiter in der Instandhaltung häufig mit elektrischer Energie zu tun. Die Gefährdung entsteht, wenn Abdeckungen und Schutzeinrichtungen demontiert werden müssen oder es zu Fehlern in elektrischen Arbeitsmitteln kommt.
Selbst bei geringen Spannungen und Stromstärken kann es durch Schreckreaktionen zu Sekundärunfällen kommen. Bei leistungsstarken Spannungsquellen kann bereits eine örtliche Nähe ausreichen um einen Lichtbogen hervor zu rufen. Bei hohen elektrischen Strömen kommt es dann zu so starken Muskelkontraktionen, dass ein eigenständiges Loslassen der Spannungsquelle unmöglich wird.
geeignete Arbeitsmittel auszuwählen,
elektrisches Fachpersonal einzusetzen und
die entsprechenden Schutzmaßnahmen einzuhalten.
Die Einhaltung der fünf Sicherheitsregeln ist eine Pflicht und verhindert viele Unfälle:
fehlende, ungeeignete oder unvollständige Aufstiege, Zugänge, Arbeitsbühnen
Es gilt das Verbot, dass Instandhaltungsarbeiten größeren Umfangs von Leitern und ungesicherten hochgelegenen Arbeitsplätzen aus durchgeführt werden. In der DGUV Information 209-015 Kapitel 4.1 werden Gefährdungsbeurteilungen ab bestimmten Höhen gefordert. Durch eine solche lassen sich leicht die Gefahren erkennen und entsprechende Schutzmaßnahmen ableiten.
Der Arbeitgeber hat gemäß §3 BetrSichV Gefährdungsbeurteilungen zu erstellen, um die Gefährdungen zu erfassen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Dabei müssen folgende Punkte mit einbezogen werden:
alle Arbeitsmittel:
jegliche Tätigkeiten:
Bedienen, An-/ Abschalten, Einstellen, Gebrauchen, Betreiben
Instandhalten, Reinigen, Prüfen, Umbauen, Erproben
Demontieren Transportieren, Überwachen
Eine Gefährdungsbeurteilung sollte enthalten:
Tätigkeit/ Arbeitsmittel
Wirksamkeit (ab wann werden die Schutzmaßnahmen wirksam; besteht Handlungsbedarf?)
Es ist wichtig die Gefährdungsbeurteilung nicht nur als ein Blatt Papier, sondern auch als einen sich wiederholenden Prozess zu sehen, in den die Beschäftigten mit einbezogen werden.
Weiterführende Informationen zu diesem Thema sind in der BGHM Bibliothek unter dem Schlagwort Gefährdungsbeurteilungen zu finden.
Bild 3: Ablaufdiagramm - Instandhaltung und Erprobung (Quelle: TRBS 1112, Anhang 1)
Bei den Maßnahmen ist eine Hierarchie zu beachten, die sich nach der Wirksamkeit der jeweiligen Maßnahmenart richtet. Als Eselsbrücke kann das Wort STOP genommen werden, das sich wie folgt zusammensetzt:
S – Substitution/ Beseitigung der Gefahr
P – Persönliche Schutzausrüstung
Bild 4: Rangfolge der Schutzmaßnahme (Quelle: BGHM Seminar SBSB11)
Beispiele für Maßnahmen, die durch den Unternehmer ergriffen werden müssen, werden weiter unten angeführt:
sichere Zugänge für das Instandhaltungspersonal vorsehen
Vermeidung von Gefährdungen durch bewegte oder angehobene Arbeitsmittel oder deren Teile sowie durch gefährliche Energien oder Stoffe
Verantwortlichkeiten für die Durchführung der erforderlichen Sicherungsmaßnahmen festlegen
ausreichende Kommunikation zwischen Bedien- und Instandhaltungspersonal sicherstellen
Freigabesysteme für bestimmte Arbeiten anwenden. Bei gleichartigen Arbeitsbedingungen und gleichartig wirksamen Schutzmaßnahmen kann das Freigabe-/Erlaubnisscheinverfahren mehrere Arbeitsbereiche umfassen
sichere Arbeitsverfahren für solche Arbeitsbedingungen festzulegen, die vom Normalzustand abweichen
Absichern des Arbeitsbereichs während der Instandhaltungsarbeiten und
das Verhindern des Betretens des Arbeitsbereichs durch Unbefugte, soweit das nach der Gefährdungsbeurteilung erforderlich ist
Bereitstellung einer geeigneten Persönlichen Schutzausstattung (PSA)
erforderliche Warn- und Gefahrenhinweise bezogen auf Instandhaltungsarbeiten an den Arbeitsmitteln zur Verfügung zu stellen
Bereitstellung geeigneter Geräte und Werkzeuge
Einrichtungen zum Beseitigen von Energien, die nach einer Trennung des instandzuhaltenden Arbeitsmittels noch gespeichert sind
Bei Auftreten oder Bildung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre sind Schutzmaßnahmen entsprechend § 9 Absatz 4 Satz 1 zu treffen (siehe TRBS 1112 Teil 1)