Source: https://www.widerruf-darlehen-anwalt.de/widerrufsbelehrungen-der-darlehensvertraege-der-ing-diba-zwischen-2002-und-2010-oft-fehlerhafte/
Timestamp: 2020-01-24 01:59:46
Document Index: 27990833

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 14', 'BGH', 'BGH', '§ 355', '§ 312', '§ 312', '§ 312', '§ 495']

Ing DiBa verwendet falsche fehlerhafte Widerrufsbelehrung in Darlehensverträgen
Die ING DiBa hat in die­ser zwi­schen Novem­ber 2002 und Juni 2010 eine gan­ze Rei­he von ver­schie­de­nen For­mu­lie­run­gen der Wider­rufs­be­leh­rung ihrer Dar­lehns­ver­trä­ge ver­wen­det, die alle unter­schied­lich zu betrach­ten sind.
Beson­ders häu­fig haben wir dabei u.a. Wider­rufs­be­leh­run­gen der ING DiBa mit fol­gen­den For­mu­lie­run­gen in Dar­le­hens­ver­trä­gen vor­ge­legt bekom­men:
“Die Frist beginnt frü­hes­tens mit Erhalt die­ser Beleh­rung.”
Die­se For­mu­lie­rung ist zwar im Rah­men der gel­ten­den Recht­spre­chung falsch (BGH 28.06.2011, XI ZR 349/10). Hier­von gibt es jedoch eine Aus­nah­me. Die­ser Pas­sus ist dann aus­rei­chend, wenn das damals gel­ten­de Mus­ter der Wider­rufs­be­leh­rung in der Anla­ge 2 zum § 14 BGB-Info­VO a.F. voll­stän­dig über­nom­men wur­de. In die­sem Fall kann sich die Bank auf die soge­nann­te Gesetz­lich­keits­fik­ti­on beru­fen. Die­se sieht vor, dass wenn das Mus­ter der Wider­rufs­be­leh­rung ver­wen­det wird, ver­mu­tet wird, dass aus­rei­chend über das Wider­rufs­recht des Dar­le­hens­neh­mers belehrt wur­de.
Hier­zu hat das OLG Frank­furt im Sep­tem­ber 2014 unter dem Az. 23 U 255/13 ent­schie­den, dass bestimm­te Abwei­chun­gen nicht aus­rei­chend sind, dass sich die Bank nicht mehr auf die Gesetz­lich­keits­fik­ti­on beru­fen kann. Ins­be­son­de­re hat das OLG Frank­furt dabei fest­ge­stellt, dass die gleich­zei­ti­ge Ver­wen­dung von Sin­gu­lar und Plu­ral bei den Per­so­nal­pro­no­men, eini­gen Sub­jek­ten und Ver­ben in der Wider­rufs­be­leh­rung nicht aus­rei­chend ist, um eine Abwei­chung vom Mus­ter­text zu begrün­den. Daher ist eine oft von der ING DiBa ver­wen­de­te Wider­rufs­be­leh­rung mit dem obi­gen Pas­sus und ohne wei­te­re feh­ler­haf­te Zusät­ze im Rah­men der Recht­spre­chung des OLG Frank­furts nach der­zei­ti­ger Lage als aus­rei­chend anzu­se­hen. Wir hal­ten die­se Wider­rufs­be­leh­rung zwar nach wie vor für nicht dem Mus­ter ent­spre­chend, müs­sen inso­weit jedoch auf die­ses Urteil des OLG Frank­furts hin­wei­sen. Eine außer­ge­richt­li­che Lösung mit der ING DiBa bezüg­lich die­ser Wider­rufs­be­leh­rung gestal­tet sich der­zeit nach unse­rer Erfah­rung auf­grund des obi­gen Urteils als extrem schwer.
Hier ist jedoch sehr genau zu dif­fe­ren­zie­ren, wel­che Ver­si­on die­ses Pas­sus die ING DiBa ver­wen­det hat. Lie­gen wei­te­re Zusät­ze vor, die nicht vom Mus­ter oder der oben genann­ten Recht­spre­chung erfasst sind, stei­gen die Chan­cen auf einen erfolg­rei­chen Wider­ruf bei der Ver­wen­dung die­ses Pas­sus in der Wider­rufs­be­leh­rung des Dar­le­hens deut­lich.
Wei­te­re oft ver­wen­de­te For­mu­lie­run­gen die uns bei Dar­le­hens­ver­trä­gen der ING DiBa unter­ge­kom­men sind:
“Der Lauf der Frist beginnt erst, wenn Ihnen die­se Beleh­rung aus­ge­hän­digt wor­den ist, jedoch nicht, bevor uns die von Ihnen unter­schrie­be­ne Aus­fer­ti­gung des Dar­le­hens­ver­tra­ges zuge­gan­gen ist.”
„Die Frist beginnt mit dem Tag des Ein­gangs des unter­schrie­be­nen Dar­le­hens­ver­tra­ges bei der ING-DiBa.“
„Die Wider­rufs­frist beginnt eben­falls nicht vor Ver­trags­ab­schluss zu lau­fen. Die­ser erfolgt am Tag des Ein­gangs des von Ihnen unter­schrie­be­nen Dar­le­hens­ver­tra­ges bei der ING DiBa AG.“
„Die Frist beginnt frü­hes­tens mit dem Tag des Ein­gangs des unter­schrie­be­nen Dar­le­hens­ver­tra­ges bei der ING-DiBa AG.“
Zu Wider­rufs­be­leh­run­gen mit die­sen Aus­füh­run­gen hat sich das für die ING DiBa haupt­säch­lich maß­geb­li­che Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt noch nicht geäu­ßert. Wir hal­ten die­se For­mu­lie­run­gen in den Wider­rufs­be­leh­run­gen der ING DiBa für falsch und nicht dem Deut­lich­keits­ge­bot ent­spre­chend. Dies begrün­det durch die Aus­füh­run­gen des BGHs in sei­nem Urteil vom 24.03.2009 Az. XI ZR 456/07. Dort führt der BGH bereits in sei­nen Leit­sät­zen Fol­gen­des aus:
„Eine Wider­rufs­be­leh­rung, nach der die Wider­rufs­frist erst mit Ein­gang der vom Kre­dit­neh­mer unter­zeich­ne­ten Ver­trags­ur­kun­de bei der Bank zu lau­fen begin­nen soll, ver­mit­telt dem Kre­dit­neh­mer nicht mit hin­rei­chen­der Klar­heit die Kennt­nis über den Frist­be­ginn.“
Inso­weit rekur­riert auch in den hier genann­ten Wider­rufs­be­leh­run­gen, die ING DiBa auf den Ein­gang des Dar­le­hens­ver­tra­ges bei der Bank. Die­sen Zeit­punkt kennt der Dar­le­hens­neh­mer regel­mä­ßig jedoch nicht und kann daher den Frist­be­ginn nicht ein­deu­tig bestim­men, so dass eine undeut­li­che und mit­hin irre­füh­ren­de und fal­sche Wider­rufs­be­leh­rung im Sin­ne des § 355 BGB a.F. vor­liegt.
Teil­wei­se fand sich auch der Satz in der Wider­rufs­be­leh­rung:
Ein Erlö­schen des Wider­rufs­rechts wur­de jedoch nur bei einem Wider­rufs­recht nach den Rege­lun­gen des Fern­ab­sat­zes nach § 312d BGB a.F. mög­lich. Ein Wider­rufs­recht nach § 312d BGB a.F. wird aller­dings auf­grund der Rege­lun­gen von § 312d Abs. 5 BGB a.F. durch das Wider­rufs­recht des Dar­le­hens­neh­mers nach § 495 BGB a.F. voll­stän­dig ver­drängt. Ledig­lich die Infor­ma­ti­ons­pflich­ten für den Fern­ab­satz wer­den mit über­nom­men.
Ent­schei­dend für die Bewer­tung der jewei­li­gen Wider­rufs­be­leh­rung ist dabei immer der ganz kon­kre­te Sach­ver­halt des Ver­trags­schlus­ses. So etwa ob der Ver­trag im Rah­men des Fern­ab­sat­zes geschlos­sen oder ein Ver­mitt­ler ein­ge­schal­tet wur­de. Es gilt in jedem Fall die Details zu beach­ten und genau zu prü­fen, nicht jede Wider­rufs­be­leh­rung, die auf den ers­ten Blick feh­ler­haft erscheint, ist es auch. Für die Wider­rufs­be­leh­run­gen der ING DiBa bleibt inso­weit haupt­säch­lich das LG und OLG Frank­furt maß­geb­lich.
Ins­ge­samt gese­hen, lässt es die ING DiBa in den meis­ten unse­rer Fäl­le der­zeit auf eine Kla­ge ankom­men. Aus­ser­ge­richt­li­che Ver­glei­che sind zwar bis­wei­len mög­lich, aller­dings umfas­sen die­se in der Regel kei­ne voll­stän­di­ge Rück­ab­wick­lung oder Sen­kung der Rest­schuld.
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