Source: http://andersundgleich-nrw.de/blickpunkte/kinderjugend/78-inhalt/73-fibel.html
Timestamp: 2017-07-28 02:32:10
Document Index: 365505802

Matched Legal Cases: ['§ 175', '§ 175', '§ 175', '§ 175', '§ 175', '§ 175', '§ 175', '§ 175', '§ 175']

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Abkürzung LSBTI*
Diese Buchstabenkombination steht für: lesbisch, schwul, bisexuell, trans* und inter*. Sie soll alle geschlechtlichen und nicht-heterosexuellen Identitäten abbilden. Früher sprach die Community in der Regel nur von "Lesben und Schwulen". Es wurde aber klar, dass diese Kategorien zu eng sind und mit dem Begriffspaar viele Menschen ausgeschlossen werden. Zunächst wurde also "Lesben und Schwule" ergänzt um die Gruppe der Bisexuellen und Trans*-Personen. Da die USA hier Vorreiter waren, lautete der neue Begriff "LGBT", also "lesbian, gay, bisexual, transsexual". Aber auch diese Abkürzung griff noch zu kurz, also wurden intergeschlechtliche Menschen aufgenommen. Und weil es ziemlich lange dauert, all diese Worte auszusprechen, ist in der Community heutzutage von "LSBTI*" die Rede, wenn Menschen verschiedener geschlechtlicher und nicht-heterosexueller Identitäten gemeint sind.
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, besser bekannt unter dem Namen Antidiskriminierungsgesetz, hat genau dies zum Ziel: Es soll dafür sorgen, dass alle Menschen gleich behandelt werden – egal, woher sie kommen oder wie alt sie sind; ob oder an welchen Gott sie glauben; ob sie gehörlos sind oder im Rollstuhl sitzen; egal, welchem Geschlecht sie angehören oder wen sie lieben. Falls sie aus einem dieser Gründe diskriminiert – also z.B. nicht eingestellt, schlechter bezahlt oder belästigt – werden, können sie dagegen klagen. Neben der Diskriminierung im Berufsleben soll das Gesetz auch verhindern, dass Menschen aufgrund von bestimmten Merkmalen benachteiligt werden. Wenn also z.B. eine Wohnungsbaugesellschaft grundsätzlich nicht an Migrant_innen vermietet oder eine private Krankenversicherung grundlos höhere Beiträge von Frauen verlangt, dann ist das ein Fall für das AGG. Die genaue Formulierung lautet: "Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse [sic!] oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen." Letzteres ist ein Novum: Mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, das 2006 verabschiedet wurde, haben Menschen zum ersten Mal die Möglichkeit, sich gegen Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Identität zu wehren. Zwar bestimmt auch das Grundgesetz in Artikel 3, dass niemand wegen der oben genannten Merkmale benachteiligt werden darf. Aber ein Merkmal fehlt dabei: die sexuelle Identität. Obwohl schon mehrmals Gesetzesinitiativen gestartet wurden, hat sich der Gesetzgeber bisher nicht dazu durchringen wollen, auch dieses Diskriminierungsverbot ins Grundgesetz aufzunehmen. Daher ist das AGG ein Meilenstein – praktisch und symbolisch.
Asexuelle Menschen haben kein Verlangen nach Sexualität mit anderen Menschen. Es handelt sich also in der Regel nicht um eine bewusste Entscheidung, auf Sex zu verzichten, wie sie z.B. katholische Priester mit dem Zölibat treffen, sondern um die Abwesenheit sexueller Erregung – oder deren Ablehnung. Auch hier gibt es – wie so oft, wenn es um die sexuelle Identität geht – verschiedene Varianten. Manche asexuelle Menschen verlieben sich und möchten körperliche Nähe und Zärtlichkeit zu ihrem_r Partner_in, haben aber darüber hinaus keinerlei Bedürfnis nach Sexualität mit ihm_ihr. Anderen ist auch das Gefühl romantischer Liebe fremd. Auch die Art, ob und wie Asexuelle Erregung erleben, ist unterschiedlich. Manche empfinden generell keine oder kaum Erregung, andere masturbieren, ohne dass sich ihre Lust dabei auf einen anderen Menschen richtet. Wiederum andere empfinden Erregung, erleben sie aber nicht als angenehm, sondern als störend. Weil Menschen, die offen mit ihrer Asexualität umgehen, häufig auf irritierte Reaktionen stoßen, haben Asexuelle 2001 in den USA das Asexual Visibility and Education Network (AVEN) gegründet. Es ist inzwischen zu einer weltweiten Community angewachsen – seit 2005 existiert auch eine deutsche Website – und soll Akzeptanz gegenüber asexuellen Lebensweisen schaffen.Asexuelle Menschen haben kein Verlangen nach Sexualität mit anderen Menschen.Es handelt sich also in der Regel nicht um eine bewusste Entscheidung, auf Sex zu verzichten, wie sie z.B. katholische Priester mit dem Zölibat treffen, sondern um die Abwesenheit sexueller Erregung – oder deren Ablehnung. Auch hier gibt es – wie so oft, wenn es um die sexuelle Identität geht – verschiedene Varianten. Manche asexuelle Menschen verlieben sich und möchten körperliche Nähe und Zärtlichkeit zu ihrem_r Partner_in, haben aber darüber hinaus keinerlei Bedürfnis nach Sexualität mit ihm_ihr. Anderen ist auch das Gefühl romantischer Liebe fremd. Auch die Art, ob und wie Asexuelle Erregung erleben, ist unterschiedlich. Manche empfinden generell keine oder kaum Erregung, andere masturbieren, ohne dass sich ihre Lust dabei auf einen anderen Menschen richtet. Wiederum andere empfinden Erregung, erleben sie aber nicht als angenehm, sondern als störend. Weil Menschen, die offen mit ihrer Asexualität umgehen, häufig auf irritierte Reaktionen stoßen, haben Asexuelle 2001 in den USA das Asexual Visibility and Education Network (AVEN) gegründet. Es ist inzwischen zu einer weltweiten Community angewachsen – seit 2005 existiert auch eine deutsche Website – und soll Akzeptanz gegenüber asexuellen Lebensweisen schaffen.
Bisexuelle Menschen (nach der lateinischen Vorsilbe bi- = zwei) fühlen sich sexuell und/oder emotional zu Männern und Frauen hingezogen. Nationaltorhüterin Nadine Angerer hat es so ausgedrückt: "Ich persönlich bin da offen, weil ich der Meinung bin, dass es nette Männer und nette Frauen gibt, und weil ich eine Festlegung generell total albern finde." Sigmund Freud stellte die These auf, dass im Grunde alle Menschen bisexuell seien, also die Fähigkeit besitzen, Männer wie Frauen zu lieben und/oder zu begehren. Knapp ein halbes Jahrhundert später bestätigte der Kinsey-Report Freuds Annahme: 90 Prozent der befragten 17.000 Amerikaner_innen seien "zu einem gewissen Grad bisexuell", erklärte der Sexualforscher, der dabei allerdings auch einmalige sexuelle Kontakte oder sexuelle Phantasien mit dem gleichen Geschlecht einbezog, was heute wissenschaftlich durchaus umstritten ist.Bisexuelle lösen bei einigen Menschen Irritationen aus und werden oft übersexualisiert dargestellt. Sie sind Vorurteilen ausgesetzt, sowohl von heterosexueller als auch von homosexueller Seite. Manchen Bisexuellen fällt es deshalb besonders schwer, zu sich zu stehen. zurück
Cissexualität / Cisgender
Cisgender (aus der lateinischen Vorsilbe cis- = „diesseits" und dem englischen gender = „Geschlecht" zusammengesetzt) ist das Gegenteil von Transgender, bezeichnet also Menschen, deren Geschlechtsidentität mit ihrem körperlichen Geschlecht übereinstimmt. Den Ausdruck „Cissexualität" führte der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch 1991 ein. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass es Cissexuelle geben müsse, wenn es Transsexuelle gebe, und dass es keine Selbstverständlichkeit sei, dass Körpergeschlecht und Geschlechtsidentität zusammenfallen.Weitere Bezeichnungen für Nicht-Transgender sind „geborene Frau / geborener Mann", „genetischer Mann / genetische Frau" oder auch „Biofrau" / „Biomann".
Coming Out heißt wörtlich „herauskommen" und meint den Schritt, mit seiner sexuellen Identität an die Öffentlichkeit zu gehen. Der in Deutschland wohl berühmteste Coming Out-Satz stammt von Klaus Wowereit: „Ich bin schwul – und das ist auch gut so!" sagte der Berliner Politiker, als er 2001 zum Bürgermeister-Kandidaten gewählt werden sollte. Vorher wollte Wowereit seine Homosexualität öffentlich machen und wählte dazu diesen selbstbewussten Ausspruch. „Ja, wir sind ein Paar!" erklärten die TV-Moderatorin Anne Will und die Wissenschaftlerin Miriam Meckel auf Nachfrage der Presse und beendeten damit 2007 die Heimlichkeit um ihre Beziehung. – Natürlich ist die Öffentlichkeit nicht immer so groß wie bei Prominenten wie Will oder Wowereit. Für die meisten Lesben, Schwulen, Bisexuellen oder Trans* ist es aber auch ein großer Schritt, „es" den Eltern, dem Freund_innen-Kreis oder dem kollegialen Umfeld zu sagen. Eine Entscheidung, die mitunter Mut erfordert. Bevor Menschen diesen Schritt nach außen gehen können, sollte zunächst das „innere Coming Out" abgeschlossen sein, also das eigene Erkennen und Annehmen von sich selbst. Dieser Prozess kann als Jugendliche_r, aber auch erst im Erwachsenenalter stattfinden und durch Personen des Vertrauens unterstützt werden.Im englischen Sprachraum kommen Menschen übrigens „out of the closet", also aus dem „Schrank". Dieser Schrank symbolisiert die Enge und das Eingesperrtsein in den Normen einer Gesellschaft, die Heterosexualität und das binäre Geschlechtermodell (Mann, Frau) oft als einzig mögliche Lebens- und Liebensmodelle betrachtet. Das Coming Out ist ein Prozess, den Menschen selbstbestimmt und in selbst gewählten Schritten gehen. Es ist nicht zu verwechseln mit dem Outing, das meist gegen ihren Willen von Dritten initiiert wird. zurück
Community heißt Gemeinschaft – also eine Gruppe von Menschen, die sich in einer vergleichbaren oder ähnlichen Lebenssituation befinden. In diesem Fall ist die Community also die Gruppe derjenigen, die aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität ähnliche Erfahrungen teilt und in diesem Zusammenhang aktiv wird. Zur Community gehört also das Beratungszentrum für Lesben und Schwule genauso wie das lesbische Volleyballteam, die Selbsthilfegruppe für Trans*- oder Inter*-Menschen, der bisexuelle Stammtisch und das Schwule Museum. Also alle, die sich in irgendeiner Form zusammentun und handeln, um Selbstbewusstsein und Solidarität zu stärken – oder auch einfach gemeinsam Spaß zu haben. Im Gegensatz zu dem Begriff "Szene" wird mit dem Begriff "Community" das Zusammengehörigkeitsgefühl stärker betont. zurück
Unter seiner Abkürzung CSD ist er mittlerweile wohl besser bekannt als unter seinem vollen Namen: Christopher Street Day. Am 28. Juni 1969 setzten sich Trans*-Personen, Schwule und Lesben gegen eine Razzia der Polizei im Szene-Lokal „Stonewall Inn" in der New Yorker Christopher Street zur Wehr. Lange hatten sie die brutale Polizeiwillkür ertragen – an diesem 28. Juni verbarrikadierten sie sich im „Stonewall Inn" und sperrten die Ordnungskräfte aus. Der mutige und spektakuläre Aufstand gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Trans*-Personen ging um die Welt und machte die Christopher Street berühmt. Seither wird der Christopher Street Day in vielen Ländern mit Paraden und Straßenfesten gefeiert, um für Akzeptanz und Anerkennung zu demonstrieren und die eigene Lebens- und Liebesform mit Stolz (engl. Pride) zu zeigen. Die Bezeichnung Christopher Street Day ist vor allem in Deutschland und der Schweiz üblich. In Österreich heißt es Regenbogenparade, in englischsprachigen und romanischen Ländern wird meist von Gay Pride, Pride Parades oder einfach Pride gesprochen. In Australien sind die Paraden mit der Karnevalstradition vermischt worden und heißen deswegen Mardi Gras. Während sich in den 1980er Jahren gerade einmal ein paar Hundert Teilnehmer_innen in Metropolen wie Berlin oder Köln auf die Straße wagten, nehmen heute Zehntausende an den Demonstrationen und Paraden teil, die Hunderttausende Zuschauer_innen anziehen.Während die CSDs in Westeuropa einen volksfestähnlichen Charakter haben und sich auch beim heterosexuellen Publikum großer Beliebtheit erfreuen, kämpfen Lesben, Schwule, Trans* und Inter* in Osteuropa immer wieder gegen das Verbot ihrer Demonstrationen – und gegen massive Angriffe durch rechtsgerichtete homophobe Gruppierungen und homophobe Staatsmächte. zurück
Im Alltag wird sie selten bei ihrem offiziellen Namen genannt, sondern meist schlicht "Homo-Ehe". Dabei hatte die Eingetragene Lebenspartnerschaft, als sie am 1. August 2001 von den ersten Frauen- und Männerpaaren geschlossen werden durfte, mit der Ehe noch recht wenig gemein: Das Lebenspartnerschaftsgesetz, das von der damaligen rot-grünen Regierungskoalition beschlossen wurde, enthielt zunächst nur wenige eheliche Rechte, sondern vor allem die ehelichen Pflichten, wie z.B. die Versorgungspflicht. So durften zwar die "Verpartnerten" einen gemeinsamen Namen tragen und ein_e ausländische_r Partner_in erhielt ein Aufenthaltsrecht. Alle weiteren Rechte aber blockierte die damalige Opposition im Bundesrat. Im Laufe der letzten Jahre wurde die "Homo-Ehe" der "Hetero-Ehe" immer weiter angeglichen. Dazu trugen maßgeblich die Urteile des Bundesverfassungsgerichts bei, das die Ungleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare – z.B. in der Hinterbliebenenversorgung, im Erbrecht, im Einkommenssteuerrecht und bei der Sukzessivadoption – für verfassungswidrig erklärt hat. Auch bei der Familiengründung gibt es nach wie vor Ungleichheiten: Ein Kind, das durch Insemination in einer Eingetragenen Partnerschaft geboren wird, gilt nicht automatisch als Kind beider Partner_innen und auch das volle Adoptionsrecht wird gleichgeschlechtlichen Paaren verwehrt.In einem Urteil des Verfassungsgerichtes im Jahr 2013 heißt es: „Unterschiede zwischen Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft, welche die ungleiche Ausgestaltung der Adoptionsmöglichkeiten rechtfertigen könnten, bestehen nicht." Doch die Bundesregierung weigert sich bislang trotz des Urteils des höchsten Gerichts des Landes, diese Diskriminierung aufzuheben.Viele Länder, darunter auch Mitgliedstaaten der EU, sind bereits weiter gegangen. Sie haben die Ehe auch für Paare gleichen Geschlechts geöffnet und für ein gemeinsames Adoptionsrecht gesorgt (siehe auch Regenbogenfamilie). Die Forderung nach Gleichstellung in der Ehe wird heute durch "Öffnung der Ehe" oder "Ehe für alle" bezeichnet. Liz Feldman, eine US-amerikanische Talkmasterin sagte es mal so schön: "Die Homo-Ehe liegt mir sehr am Herzen. Oder wie ich sie nenne: Ehe. Denn ich hatte heute ein Mittagessen, kein Homo-Mittagessen. Ich parkte mein Auto, ich hab's nicht homo-geparkt."
In der deutschen Sprache gibt es schlicht keine Entsprechung für dieses englische Wort. Die bloße Übersetzung von "Gender" in "Geschlecht" reicht nicht aus. Denn im Englischen gibt es zwei Begriffe für "Geschlecht", die etwas völlig verschiedenes meinen: "Sex" ist das biologische Geschlecht, das sich durch die Geschlechtsorgane definiert (und selbst diese Definition ist nicht immer eindeutig, siehe LSBTI*, Trans* und Inter*). Gender meint das "soziale Geschlecht", das sich unabhängig von körperlichen Merkmalen manifestieren kann. Das soziale Geschlecht muss also nicht dem biologischen Geschlecht entsprechen. Die Gender-Theorie geht davon aus, dass das Geschlechterverhalten nicht nur biologisch, sondern vor allem kulturell bedingt und daher erlernt ist. Welches Aussehen, welches Verhalten und welche Rolle eine Gesellschaft als "typisch männlich" oder "typisch weiblich" betrachtet und einfordert, kann demnach je nach Epoche und Lebensraum sehr unterschiedlich sein. zurück
Das innere Wissen und/oder Gefühl, weiblich, männlich, trans*, inter*, zwischen den Geschlechtern, jenseits der Geschlechter, weder-noch usw. zu sein – das ist die geschlechtliche Identität. Die Geschlechtsidentität ist unabhängig vom Körper. Menschen, deren Körper der gesellschaftlichen Norm für eine bestimmte Geschlechtsidentität entsprechen, gehen häufig davon aus, dass beides automatisch zusammengehört (z.B. wenn ein Mensch mit einem Körper, der von seinem Umfeld als "männlich" eingestuft wird, auch eine männliche Geschlechtsidentität hat).Die Art und Weise, wie ein Mensch seine Geschlechtsidentität lebt, kann variieren: Möchte ein biologischer Mann mit weiblicher Geschlechtsidentität durch eine Operation sein_ihr Geschlecht angleichen oder ohne eine solche Operation sein_ihr Frausein leben? Oder: Welchem Geschlecht fühlt sich ein intergeschlechtlicher Mensch zugehörig (siehe Inter* / Intergeschlechtlichkeit)? Vielleicht keinem der beiden gesellschaftlich anerkannten, sondern einem anderen?Im Juni 2011 verabschiedete der Menschenrechtsrat der UNO eine Resolution, wonach niemand wegen seiner_ihrer Geschlechtsidentität (Gender Identity) verfolgt und diskriminiert werden darf. Das Recht auf die individuelle Geschlechtsidentität ist also ein Menschenrecht.Außerdem stellt die Vielfältigkeit der Geschlechtsidentitäten die konstruierte Zweigeschlechtlichkeit (bipolare Geschlechterordnung) in unserer Gesellschaft infrage. Für viele Fachleute sind die Bezeichnungen "weiblich" und "männlich" nur zwei Pole auf einer breiten Skala geschlechtlicher Varianten. Andere Forscher_innen gehen von mindestens 1.600 unterschiedlichen Geschlechtern aus. zurück
Der griechische Begriff "hetero" bedeutet "verschieden" oder "ungleich" (im Gegensatz zu "homo" = gleich). Heterosexuelle Menschen fühlen sich also von Menschen des ungleichen, also anderen Geschlechts angezogen. Soweit die sprachliche Herkunft. Wer in ein wenige Jahrzehnte altes Fremdwörterlexikon von 1990 schaut, entdeckt eine andere Definition: "normale Sexualität" steht dort unter dem Begriff "Heterosexualität", und entsprechend unter "heterosexuell": "normal sexuell". Lange Zeit galt Heterosexualität, also Sexualität zwischen Männern und Frauen, als Norm. Andere Formen der Sexualität wurden dagegen als Abweichung oder gar als Krankheit betrachtet. Diese Haltung wird "Heteronormativität" genannt. Sexuelle Identitäten sind allerdings – genau wie geschlechtliche Identitäten – vielfältig und gleichwertig. Bewertungen wie "normal" oder "unnormal" sind hier fehl am Platze, weil sie verletzen und diskriminieren (siehe normal / Normalität). zurück
"Ich prägte das Wort ‚Homophobie', um auszudrücken, dass es eine Furcht vor Homosexuellen war...Es war eine Furcht vor Homosexuellen, welche mit einer Furcht vor Verseuchung verbunden zu sein schien, einer Furcht davor, die Dinge, für die man kämpfte – Heim und Familie – abzuwerten. Es war eine religiöse Furcht und sie hatte zu großer Unmenschlichkeit geführt, wie es die Furcht immer macht." So beschreibt der US-amerikanische Psychotherapeut George Weinberg, was ihn dazu bewegt hatte, im Jahr 1965 in einem Vortrag das Wort "Homophobie" zu verwenden – und in seiner weiteren Arbeit diesen heute gängigen Begriff zu verbreiten. Wer heute von Homophobie spricht, meint den Hass auf Homosexuelle. Das Wort "Phobie" stammt aus dem Altgriechischen und bezeichnet eine irrationale Angst. Weinberg analysierte also als Ursache für diesen Hass eine tiefe Furcht – vor dem oben genannten, aber auch vor den eigenen homosexuellen oder "weiblichen" bzw. "männlichen" Anteilen. Wer heute von Homophobie spricht, meint damit in der Regel alle negativen Einstellungen gegenüber Lesben und Schwulen, die sich in Vorurteilen und Abwertung, der Befürwortung von Diskriminierung bis hin zur Gewaltausübung äußern können. Wissenschaftler_innen stellen sie in eine Reihe mit z.B. Rassismus, Sexismus oder Behindertenfeindlichkeit und sehen als Ursache dieser „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" eine Ideologie der gesellschaftlichen Ungleichwertigkeit. Die Wurzeln der jeweiligen Abwertung haben dabei meist eine lange gesellschaftlich verankerte Geschichte. Auch Sexual- und Geschlechtsrollennormen und religiöse Vorstellungen prägen die Einstellungen zu Homosexualität.Der Begriff Homophobie wird mittlerweile oft kritisch gesehen, weil es sich in den allermeisten Fällen nicht um eine pathologische Angst handelt. Immer öfter werden die Begriffe Homonegativität oder Homofeindlichkeit verwendet, um zu verdeutlichen, dass es sich um abwertende oder feindliche Einstellungen gegenüber Lesben und Schwulen handelt. Von einigen wird der Begriff Heterosexismus als noch passender empfunden, womit die Abwertung von nicht-heterosexueller Identität, Verhalten, Beziehung oder Gemeinschaft gemeint ist. Heterosexismus kann z.B. auch in der Politik oder gesellschaftlichen Strukturen eine Rolle spielen. So kann die derzeitige Gesetzgebung, aufgrund derer nur heterosexuelle Paare heiraten und voll adoptieren können, als heterosexistisch beschrieben werden.
Der griechische Begriff "homo" bedeutet "gleich" (im Gegensatz zu "hetero" = ungleich, verschieden). Homosexuelle Menschen fühlen sich also von Menschen des gleichen Geschlechts angezogen. Der Begriff „Homosexualität" taucht erstmals Ende des 19. Jahrhunderts auf, als sich – nach der Kirche und der Justiz – auch die Medizin und Psychiatrie mit der Liebe zwischen Frauen bzw. Männern zu befassen begann und sie pathologisierte. Von da an dauerte es noch ein Jahrhundert, bis Homosexualität in Deutschland offiziell nicht mehr als Krankheit oder Verbrechen betrachtet wurde: 1969 wurde der § 175 StGB, der sexuelle Beziehungen zwischen Männern unter Strafe stellte, erstmals abgeschwächt, aber erst 1994 vollständig gestrichen (siehe § 175 StGB / Homosexuellenverfolgung). Erst 1992 entfernte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus der International Classification of Diseases (ICD), der internationalen statistischen Klassifikation von Krankheiten. Heute ist Homosexualität in Teilen der westlichen Gesellschaft als Lebens- und Liebensentwurf anerkannt. In anderen Teilen scheinen sich Vorurteile und Ablehnung jedoch zu halten oder gar zu verstärken. Untersuchungen schätzen die Zahl der Menschen, die ausschließlich homosexuell leben, auf fünf bis sieben Prozent. Die Zahl derjenigen, die sich nicht ausschließlich, aber auch zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen, scheint erheblich größer zu sein (siehe bisexuell; pansexuell). zurück
"Inklusion" heißt "Einschluss". Im Umkehrschluss bedeutet das, niemanden auszuschließen. Bei der Idee der Inklusion geht es also darum, dass jeder Mensch mit seinen Besonderheiten – seiner sexuellen Identität, seiner Behinderung oder seiner kulturellen Herkunft – ein vollwertiges und akzeptiertes Mitglied der Gesellschaft ist. Ein- bzw. ausgeschlossen kann ein Mensch gleich mehrfach sein. So kann es z.B. passieren, dass ein türkischer schwuler Mann doppelt diskriminiert wird: als Türke von der deutschen Mehrheitsgesellschaft – und als Schwuler von seiner türkischen Community sowie der Mehrheitsgesellschaft. Eine Lesbe mit Behinderung kann auf gleich drei Ebenen ausgegrenzt sein: aufgrund ihres Geschlechts, aufgrund ihrer sexuellen Identität und aufgrund ihrer Behinderung. Inklusion bedeutet das Gegenteil davon: nämlich die Aufnahme jedes Menschen in seine_ihre Gemeinschaft(en). Und das setzt voraus, dass der gängige Begriff der Normalität im Sinne von Normensetzung außer Kraft gesetzt wird (siehe normal / Normalität). Normal ist Vielfalt. Und Vielfalt bereichert. zurück
Inter* bezeichnet Menschen, deren angeborene genetische, hormonelle oder körperliche Merkmale weder ausschließlich "männlich" noch ausschließlich "weiblich" sind. Die Merkmale können gleichzeitig typisch für diese beiden oder nicht eindeutig für eines von diesen Geschlechtern sein. Das kann sich in den sekundären Geschlechtsmerkmalen (z.B. Muskelmasse, Haarverteilung, Brüste und Statur) zeigen oder in den primären Geschlechtsorganen (Fortpflanzungsorgane und Genitalien) und/oder in chromosomalen Strukturen und Hormonen.Sehr problematisch ist, dass Inter*-Menschen nach wie vor pathologisiert werden, d.h. sie gelten als "krank" oder "abnorm". Immer noch unterliegen Inter*-Menschen geschlechtsverändernden Eingriffen ohne deren Einwilligung, da sie oftmals im Kindesalter vorgenommen werden. Eine medizinische Notwendigkeit besteht jedoch nicht, denn meistens sind Inter*-Personen völlig gesund. Häufig leiden sie später schwer an den psychischen und physischen Folgen der ärztlichen Eingriffe.Rechtliche Hürden bestehen für Inter*-Menschen in vielen Ländern beim Eintrag des Geschlechts in die Geburtsurkunde. Dies muss wenige Wochen nach der Geburt erfolgen. Denn nur mit einer Geburtsurkunde kann in Deutschland z.B. Elterngeld beantragt oder Krankenversicherungsschutz gewährt werden. Der Druck auf die Eltern, dem Kind früh ein "eindeutiges" Geschlecht operativ zuweisen zu lassen, ist hoch.Das Personenstandsgesetz – wonach in der Geburtsurkunde "männlich" oder "weiblich" eingetragen werden musste – wurde 2013 geändert, sodass der Geschlechtseintrag im Geburtenregister in diesen Fällen offen gelassen werden muss. Sehr wichtige Fragen sind dabei aber offen geblieben: Müssen sich Kinder ohne Eintragung irgendwann für ein Geschlecht entscheiden? Dürfen Erwachsene ihren Eintrag löschen lassen? Dürfen Menschen ohne Geschlechtseintrag heiraten? – Es sind also bereits ein paar Schritte gemacht worden, aber ein Verbot von medizinisch unnötigen operativen Eingriffen – wie es Menschenrechts-Aktivist_innen fordern – gibt es noch nicht. zurück
Ursprünglich medizinischer Sammelbegriff, der betont, dass es bei der Ausbildung der menschlichen Geschlechtsmerkmale viele Zwischenstufen zwischen "weiblich" und "männlich" gibt. Der Begriff Intersexualität wurde 1915/16 von dem Genetiker Richard Goldschmidt geprägt. 2006 wurde er im medizinischen Sprachgebrauch international durch DSD (engl.: disorders of sex development = Störung der geschlechtlichen Entwicklung) ersetzt. Er ist aber in vielen Zusammenhängen immer noch gebräuchlich. DSD suggeriert mit dem Begriff "Störung", dass einige Variationen menschlicher Körper "normaler" und somit wünschenswerter sind als andere. Körper, die diese Norm nicht erfüllen, gelten aus dieser Perspektive als "untypisch" oder "gestört".Aber "intersexuell" wird von vielen intergeschlechtlichen Menschen auch als (neutrale) Selbstbezeichnung verwendet. Andere lehnen den Begriff allerdings ab, weil sie sich durch ihn pathologisiert fühlen. Inter*, Intergeschlechtlichkeit oder Zwischengeschlechtlichkeit werden manchmal auch lieber verwendet, weil sie nicht den Begriff "sex" enthalten – weshalb manche fälschlicherweise denken, es gehe bei Intersexualität um die sexuelle Identität (diese Verwechslung kommt auch bei transgeschlechtlichen Menschen vor, siehe transsexuell / Transsexualität).Fachleuten zufolge kommen jedes Jahr in Deutschland rund 150 bis 340 Kinder auf die Welt, die kein „eindeutiges" Geschlecht haben. ("Eindeutig" ist deswegen ein problematischer Begriff, weil sie ja ein Geschlecht haben – und natürlich ist dieses eindeutig, es ist ja da). Laut Bundesregierung gibt es zwischen 8.000 und 10.000 intergeschlechtliche Menschen in Deutschland – Inter*-Verbände und -Gruppen schätzen die Zahl sogar ein Zehnfaches höher. Die UNO (United Nations Organization) beziffert den Anteil intergeschlechtlicher Menschen mit 0,05% bis 1,7% der Gesamtbevölkerung.Inter*-Menschen sind weltweit gesellschaftlich kaum sichtbar, denn Intergeschlechtlichkeit ist nach wie vor stark tabuisiert. Aus Angst vor Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung stehen viele Inter*-Personen nicht öffentlich zu ihrer Geschlechtlichkeit. Ist sie bekannt, sind intergeschlechtliche Menschen vielfachen Diskriminierungen ausgesetzt.
Eine lesbische Frau ist homosexuell, sprich: gleichgeschlechtlich orientiert, sie liebt und begehrt also Frauen. Namensgeberin der lesbischen Liebe ist die Insel Lesbos. Hier lebte die griechische Dichterin Sappho im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und beschrieb in ihren Gedichten die Liebe zwischen Frauen. Zum ersten Mal politisch zu Wort meldeten sich lesbische Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zwar saßen sie zwischen den Stühlen: der männlich dominierten Homosexuellenbewegung einerseits (siehe schwul / Schwuler) und der Frauenbewegung andererseits, die aus Angst vor noch mehr Anfeindungen keine offene Parteinahme für ihre lesbischen Aktivist_innen wagte. Dennoch protestierten einzelne Frauenrechtler_innen wie die Schriftstellerin Johanna Elberskirchen dagegen, dass der Homosexuelle als "Psychopath, als entartetes, demoralisiertes, minderwertiges Subjekt gebrandmarkt" wird. In der Weimarer Republik organisierten sich die Lesben vor allem in der Metropole Berlin in "Damenclubs" und publizieren eigene Lesbenzeitschriften. Die Nationalsozialisten zerstörten die lesbische Lebenswelt nachhaltig. Erst 1970 organisierten sich frauenliebende Frauen im Zuge der Frauen- und der Homosexuellenbewegung und nahmen den Kampf für ihre Rechte wieder auf. Seit einigen Jahren ist die Bezeichnung "Lesbe" sogar in die offizielle Nachrichtensprache eingegangen. Dennoch wird "Lesbe" in homophoben Kreisen nach wie vor als Schimpfwort verwendet.
Normal kommt von dem lateinischen "norma": Richtschnur, Maßstab, Regel, Vorschrift. Die Norm steht für allgemein anerkannte Standards in einer Gesellschaft. Normen sind jedoch nicht in Stein gemeißelt, sondern verändern sich stetig: In den 1950er Jahren war etwa eine Frau in Hosen ein unerhörter Anblick, ein Mann mit Ohrring ein Skandal. Heute ist beides kein Thema mehr. Dass offen schwule Männer hohe politische Ämter bekleiden, wäre noch in den 1990ern undenkbar gewesen, genau wie eine lesbische TV-Moderatorin zur Hauptsendezeit. Was "normal" ist, ist also relativ und häufig dem Zeitgeist unterworfen. Nicht nur in Bezug auf die Geschlechterrollen (also was Menschen sein und tun dürfen), sondern auch auf die sexuelle Identität (also wer wen lieben darf), hat sich die Vorstellung von "Normalität" in unserer Gesellschaft stark verändert. Heute gilt in dieser Hinsicht vieles als "normal", was früher als "abartig" betrachtet und mit Ächtung, Ausgrenzung oder sogar Gefängnis (siehe § 175 StGB / Homosexuellenverfolgung) bestraft wurde. Folglich ist es vielversprechend, daran zu arbeiten, dass sich die gesellschaftlichen Normen weiter verändern – dass sich jeder Mensch in einer Normalität der Vielfalt wiederfinden kann (siehe Inklusion). zurück
Pansexuelle Menschen lieben und begehren Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht oder ihrer Geschlechtsidentität. Pansexualität stellt damit das zweigeschlechtliche Modell infrage. Pansexualität ist eine sexuelle Identität, die – anders als Bisexualität – nicht auf Männer und Frauen begrenzt ist, sondern auch alle anderen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten einschließt. Menschen sind demnach pansexuell, wenn für sie mit jedem Menschen, der als Person zu ihnen passt, Sexualität oder eine Beziehung grundsätzlich möglich ist – unabhängig davon, ob die betreffende Person sich als Mann, Frau, Inter*, Trans* oder anders definiert. Soweit die enge Definition.Die weite Definition von Pansexualismus kann als Bewegung verstanden werden, die gegen ein vereinfachtes binäres Geschlechterverständnis strebt. Pansexuelle betrachten letztlich den Menschen an und für sich als zu liebendes und sexuell zu begehrendes Wesen – und lieben und begehren nicht in den Kategorien Mann, Frau, Inter* oder Trans*.
Auch dieses Adjektiv war, genau wie "lesbisch" oder "schwul", ursprünglich einmal abwertend gemeint. "Queer" kommt aus dem Englischen und heißt "verrückt", "seltsam" oder auch "suspekt". Queer entwickelte sich aus einer Kritik an diskriminierenden Ausschlüssen, die auch und gerade in lesbischen und schwulen Communitys herrschten (und herrschen). Im Zusammenhang mit der AIDS-Hysterie versammelten sich Menschen, die in den lesbischen und schwulen Communitys sowie in der Gesamtgesellschaft diskriminiert wurden – aufgrund ihrer Hautfarbe, AIDS-Erkrankung, körperlichen Behinderung, Trans*-Identität oder ihrer von dominanten Weiblichkeits- oder Männlichkeitsentwürfen abweichenden Identitäten. Heute ist queer ein sehr wissenschaftlich geprägter Begriff, der vor allem durch die US-amerikanische Wissenschaftlerin Judith Butler geprägt wurde. Ihre Queer Theorie gab der feministischen Kritik an der Heteronormativität in den 90er Jahren einen Namen.Queer ist also ein offener Begriff, der alle einschließt, die mit ihrem Aussehen und / oder Verhalten nicht den gängigen Rollenbildern entsprechen. Wer sich als "queer" bezeichnet, bei dem_der schwingt oft eine gewisse Freude darüber mit, dass das eigene Lebens- und Liebensmodell etwas "schräg" und anti-traditionalistisch ist. zurück
Die Definition ist eigentlich ganz einfach: Eine Regenbogenfamilie ist eine Familie, die aus nicht-heterosexuellen Eltern und deren Kindern besteht. Es gibt verschiedene Konstellationen, in denen Regenbogenkinder aufwachsen. Die häufigste Form ist ein Frauenpaar, das mit einem oder mehreren Kindern lebt. Diese Kinder stammen oft aus einer vorangegangenen heterosexuellen Beziehung einer oder beider Partner_innen, so dass manchmal auch der Vater der Kinder eine aktive Rolle in der Familie spielt. Immer öfter entscheiden sich Frauenpaare auch dafür, ein oder mehrere Kinder durch die sogenannte Insemination zu bekommen, also eine Samenspende (nicht zu verwechseln mit der sogenannten "künstlichen Befruchtung" im Reagenzglas). Diese Spende kann von einer Samenbank stammen oder von einem privaten Samenspender. Auch dieser kann, je nach Wunsch und Vereinbarung, eine aktive Rolle als Vater übernehmen und damit Teil der Regenbogenfamilie sein. Manchmal entscheiden sich je ein Frauen- und ein Männerpaar dafür, gemeinsam eine Familie zu gründen, der Begriff hierfür ist Queer-Family. Und natürlich leben auch Männerpaare als Eltern mit Kindern, die dann meist aus einer früheren heterosexuellen Beziehung stammen oder als Pflegekinder angenommen wurden. Für Frauen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft ist der Zugang zu einer Samenbank und die ärztliche Durchführung einer künstlichen Befruchtung nicht geregelt. Allerdings gibt es in Deutschland Samenbanken und Ärzt_innen, die dies lesbischen Paaren trotzdem ermöglichen. Viele Paare planen aufgrund der rechtlichen Grauzone in Deutschland allerdings die Insemination im Ausland. Die enormen Kosten, die dadurch entstehen können, sind für viele eine Belastung und Teil der Diskriminierung. Schätzungen zufolge leben in Deutschland etwa 35.000 Kinder in Regenbogenfamilien. Deren rechtliche Situation hat sich inzwischen verbessert: Seit 2005 können Eingetragene Lebenspartner_innen das vorhandene leibliche Kind des_der Partner_in im Rahmen der Stiefkindadoption adoptieren. Seit 2013 ist auch die Sukzessivadoption eines durch die_den Lebenspartner_in adoptierten Kindes möglich.Die gemeinsame Adoption (Volladoption) steht homosexuellen Paaren in Deutschland nicht offen, obwohl das Bundesverfassungsgericht die Bundesregierung auffordert, dies umzusetzen. So gibt es noch eine ganze Reihe von ungeklärten Rechtsfragen rund um diese Familienkonstellationen. zurück
Sie ist ein internationales Symbol für die Lesben- und Schwulenbewegung und ihren Kampf um Akzeptanz und Gleichberechtigung. Sie wurde 1978 in San Francisco von dem amerikanischen Künstler Gilbert Baker auf Wunsch schwuler Aktivisten entworfen, die auf der Suche nach einem positiven Symbol für ihre Aktionen waren. Die Regenbogenflagge hatte zunächst acht Streifen, wobei die acht Farben für Baker die Sexualität, das Leben, die Gesundheit, die Sonne, die Natur, die Kunst, die Harmonie und die Seele symbolisieren sollten. Als die Flagge in die Massenproduktion ging, wurden die Farben aus praktischen Gründen auf sechs reduziert. Mit ihren Farben rot-orange-gelb-grün-blau-violett gilt sie heute als Zeichen für die bunte Vielfalt der Communitys. Sie weht auf den Christopher Street Day-Demonstrationen, pappt als Aufkleber auf Autos und Fahrrädern oder in den Schaufenstern von Geschäften, die zeigen wollen, dass sie "gay friendly" sind und die Mitglieder der Communitys willkommen heißen.
Mit dem Rosa Winkel wurden während des Nationalsozialismus homosexuelle Männer als Häftlinge in den Konzentrationslagern gekennzeichnet. Als KZ-Insassen waren Häftlinge mit dem Rosa Winkel auf der untersten Stufe der Lagerhierarchie und oft besonders schlimmen Demütigungen und Misshandlungen ausgesetzt. In den 1970er Jahren widmete die Schwulenbewegung den Rosa Winkel um, indem sie das Zeichen ihrer Unterdrückung bewusst trug – und machte es so zu einem stolzen Symbol für schwules Selbstbewusstsein. Homosexualität unter Frauen stand in Deutschland nie unter Strafe. In Einzelfällen wurden aber auch lesbische Frauen in Konzentrationslager eingeliefert und mit dem Schwarzen Winkel als "Asoziale" stigmatisiert oder als "Minderwertige" gekennzeichnet. Bei Frauen waren das in erster Linie ein den Nazis nicht genehmes Sexualverhalten wie uneheliche Mutterschaft, lesbische Beziehungen, "sittliche Verwahrlosung", "häufig wechselnde Geschlechtspartner" oder der Vorwurf, eine "pflichtvergessene" Mutter zu sein.
Ein schwuler Mann ist homosexuell, sprich: gleichgeschlechtlich orientiert. Er liebt und begehrt also Männer. Zudem beschreibt "Schwulsein" auch eine soziale, kulturelle und politische Identität, die sich in dem Zugehörigkeitsgefühl zu anderen Schwulen, sowie deren Gruppen und Initiativen ausdrückt (siehe Community). Zum ersten Mal organisierten sich schwule Männer Ende des 19. Jahrhunderts. Mit seinem 1897 gegründeten "Wissenschaftlich Humanitären Komitee" (WHK) kämpfte der Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld gegen die Pathologisierung und Kriminalisierung der Homosexualität (siehe § 175 StGB / Homosexuellenverfolgung) und erklärte: "Die Homosexualität ist weder Krankheit noch Entartung, noch Laster noch Verbrechen, sondern stellt ein Stück der Naturordnung dar." In der Weimarer Republik blühte nicht nur eine bunte schwule Subkultur, auch Organisationen wie der "Bund für Menschenrecht" setzten sich für Akzeptanz und die Abschaffung des § 175 ein. Der Nationalsozialismus bereitete der frühen Emanzipationsbewegung ein brutales Ende. Erst Anfang der 1970er Jahre formierte sich die Schwulenbewegung wieder neu. Ihre Erfolge werden zurückgeworfen, als Mitte der 1980er Jahre mit der zunächst als "Schwulenseuche" gebrandmarkten Immunschwächekrankheit AIDS die Diskriminierung wieder aufflammte. Aus dieser Bedrohung verstärkte die Schwulenbewegung ihren politischen Kampf für Akzeptanz und entwickelte Versorgungsstrukturen wie AIDS-Hilfen, Beratungsstellen und Arbeitsgemeinschaften. Weiterhin fordert sie gleiche Rechte, von denen bis heute bereits einige verwirklicht worden sind (siehe Lebenspartnerschaft, Eingetragene).
Im Unterschied zur geschlechtlichen Identität, die sich auf die gefühlte Zugehörigkeit zu einem Geschlecht oder mehreren bezieht, geht es bei der sexuellen Identität darum, auf welches Geschlecht (oder welche Geschlechter) sich die emotionalen und sexuellen Wünsche eines Menschen richten. Heterosexualität, Homosexualität und Bisexualität sind die häufigsten sexuellen Orientierungen, wobei diese Grenzen nicht bei jedem Menschen klar gezogen werden können. Wie sich die sexuelle Orientierung entwickelt, ist nicht endgültig erforscht. Es herrscht aber in der Wissenschaft inzwischen weitgehend Konsens darüber, dass dabei sowohl die Veranlagung – also eine genetische oder anderweitig körperliche Disposition – eine Rolle spielt, als auch eine soziale Komponente. Die Sexualwissenschaft geht mehrheitlich davon aus, dass es sich um eine unabänderliche Prägung handelt. Je weniger eine Gesellschaft das Rollen- und Sexualverhalten normiert oder sanktioniert, desto eher ist es für Menschen denk-, fühl- und lebbar, ihre sexuelle Identität auch jenseits der mehrheitlichen Heterosexualität und der binären Geschlechtsrollen zu leben. zurück
Das Sternchen ist ein Platzhalter für alle Begriffe, die an die Vorsilbe "trans-" (lateinisch = hinüber, hindurch, auf die andere Seite) angehängt werden können, um die verschiedenen geschlechtlichen Identitäten zu beschreiben: Transsexualität, Transgender, Transmann, Transfrau und viele weitere. Jede Identität kann in den unterschiedlichsten Ausprägungen auftreten – vom reinen Rollenwechsel durch Kleidung (z.B. Drag Queens, Crossdresser_innen) über den sozialen Wechsel der geschlechtlichen Rolle, der Einnahme von Hormonpräparaten, bis hin zu chirurgischen Eingriffen wie beispielsweise der Geschlechtsangleichung an das gefühlte Geschlecht. Trans* wird hierbei als Überbegriff verwendet, um die unterschiedlichen geschlechtlichen Ausprägungen und Identitäten in einem Begriff zusammenzufassen. zurück
Als transgender werden Menschen bezeichnet, deren Geschlechtsempfinden oder deren soziales Geschlecht (siehe Gender) ein anderes ist als ihr biologisches Geschlecht. Andere verwenden Transgender als Überbegriff, ähnlich oder in derselben Art wie Trans*. Ein Mensch, der mit weiblichen Geschlechtsorganen auf die Welt kommt, aber sozial als Mann lebt, wird als Transgender bezeichnet. Dieser Geschlechtswechsel muss dabei aber nicht vollständig körperlich durch medizinische oder chirurgische Eingriffe vollzogen, sondern kann auch durch Verhalten, Gestus und Kleidung gelebt werden. Solche sozialen Geschlechtswechsel sind auch temporär möglich, z.B. bei Auftritten als Drag Queen oder Drag King (drag = dressed as a girl / guy). Transmänner oder Transfrauen leben dagegen dauerhaft in ihrem Geschlecht, das in der Regel nicht ihrem biologischen Geschlecht entspricht. Je nachdem, ob Transmänner und -frauen ihren Geschlechtstransfer auch hormonell und / oder operativ umsetzen und wo sie sich im trans*-Spektrum verorten, bezeichnen sich einige auch als Frau-zu-Mann- oder Mann-zu-Frau-Transsexuelle_r (siehe transsexuell / Transsexualität).Einige verwenden den Begriff Transgender auch als Oberbegriff, um die Bandbreite der Ausprägungen darunter zu vereinen. Da jedoch transgender – im Gegensatz zu transsexuell – auch all diejenigen meint, die nicht den Weg einer operativen Geschlechtsanpassung gehen, wird er auch oft als Abgrenzungsbegriff zu Transsexualität verstanden. zurück
Wie auch bei der Homophobie beinhaltet der Begriff Transphobie Vorurteile, negative Einstellungen, Stigmatisierung, Abwertung, Verleugnung, Befürwortung von Diskriminierung, Diskriminierung und Gewalt gegenüber Trans*-Menschen bzw. transgeschlechtlichen Lebensformen – aber auch staatliche Privilegierung zweigeschlechtlicher Lebensformen. Zur tief gesellschaftlich verankerten Abwehr und Abwertung von allem, was nicht den gängigen Geschlechtsrollen-Stereotypen entspricht, kommt bei Transphobie womöglich eine tiefe Verunsicherung in Bezug auf die eigene (Geschlechts-)Rolle hinzu. Wie gewalttätig diese Ablehnung werden kann, zeigt der auch durch einen Hollywood-Film zu trauriger Berühmtheit gelangte Mord an Brandon Teena. Der junge Mann aus Nebraska, wurde als Teena Brandon geboren, und lebte bis Anfang der 1990er als Frau, bevor er begann, sein wahres Ich zu leben. Als eine Gruppe Männer, denen Brandon ohnehin wegen seiner "unmännlichen" Sanftheit suspekt gewesen war, entdeckten, dass er mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde, vergewaltigten und erschossen sie ihn. Dies ist nur ein Beispiel von vielen Gewalttaten an und Ermordungen von Trans*-Menschen, die auch heute noch tagtäglich weltweit geschehen.
Transsexuelle sind Menschen, die ihr biologisches Geschlecht als falsch und sich selbst als zugehörig zu einem anderen Geschlecht empfinden. Viele Transsexuelle haben den Wunsch, ihre körperlichen Geschlechtsmerkmale mit einer Operation so anzugleichen, wie es ihrem wahrgenommenen Geschlecht entspricht. Davor beginnen sie mit einer Hormontherapie, in der die selbst produzierten Hormone unterdrückt und die gewünschten, so genannten "gegengeschlechtlichen Hormone" eingenommen werden, um so eine Vermännlichung (beispielsweise Stimmbruch und Bartwuchs) oder Verweiblichung (Hautbild, Brustwachstum, etc.) des Körpers zu erreichen.Weiterhin können sie aufgrund des deutschen Transsexuellengesetzes (TSG – seit 1981 in Kraft) ihren Vornamen sowie ihren Personenstand ändern lassen, was ihnen ermöglicht, das richtige Geschlecht sowie den für sie richtigen Namen in Geburtsurkunde, Reisepass und anderen Dokumenten wie Zeugnissen, Bankkarten usw. eintragen lassen zu können.Seit es das Gesetz gibt, wurde es mehrfach durch Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts angepasst. So gilt heutzutage für die Anwendung des Gesetzes nicht mehr die Altersgrenze von 25 Jahren, Ehen, die vorher bestanden, müssen nicht mehr geschieden werden, die Anrede muss bereits nach der Vornamensänderung dem richtigen Geschlecht entsprechen.Darüber hinaus war bis 2010 die operative Geschlechtsangleichung zwingende Voraussetzung für die Personenstandsänderung. Das wurde von Aktivist_innen scharf kritisiert. Anfang 2011 erklärte schließlich das Bundesverfassungsgericht diesen Passus für verfassungswidrig. Es verstoße gegen das Recht auf Menschenwürde und körperliche Unversehrtheit, wenn der Gesetzgeber einen transsexuellen Menschen zu einem so schweren körperlichen Eingriff zwänge. Die Richter_innen erklärten: Die Dauerhaftigkeit und Irreversibilität des empfundenen Geschlechts lasse sich daran messen, "wie konsequent der [sic.] Transsexuelle in seinem empfundenen Geschlecht lebt und sich in ihm angekommen fühlt".Manche Menschen bevorzugen den Begriff Transgeschlechtlichkeit, da das "sexuell" in "transsexuell" viele denken lässt, es ginge um eine sexuelle Orientierung. Der Begriff "Geschlechtlichkeit" hebt dies auf. Bei Transsexualität / Transgeschlechtlichkeit geht es um die Zugehörigkeit zu einem anderen Geschlecht. Dementsprechend können transsexuelle Menschen sowohl hetero-, homo-, bi- oder pansexuell sein. zurück
"Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts oder von Menschen mit Thieren begangen wird, ist mit Gefängnis zu bestrafen; auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden." So lautete der § 175, als er im Jahr 1871 erstmalig ins deutsche Strafgesetzbuch aufgenommen wurde. Es sollte fast 100 Jahre dauern, bis sexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Männern in Deutschland nicht mehr unter Strafe standen. Erst zum 1. September 1969 wurde der Paragraph entschärft und Männer konnten Sex mit Männern ohne die Angst haben, dafür ins Gefängnis zu müssen. Allerdings hatte der Gesetzgeber für männliche Homosexualität höhere Schutzaltersgrenzen festgelegt. Endgültig gestrichen wurde der § 175 erst 1994.Besonders radikal wurden homosexuelle Männer in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt. Rund 100.000 Männer wurden in sogenannten Rosa Listen von der Gestapo erfasst, 50.000 wurden nach dem § 175 verurteilt, den die Nazis 1935 sogar verschärften. Nun galt bereits ein "begehrlicher Blick" als Straftat, so dass der Verfolgungswillkür keine Grenzen mehr gesetzt waren (siehe Rosa Winkel). Nach Kriegsende übernahm die Bundesrepublik das unverändert.Weibliche Homosexualität fiel in Deutschland nie unter den § 175 (wohl aber in Österreich), allerdings wurde die Ausdehnung des "Schwulenparagraphen" auf Frauen ernsthaft in Erwägung gezogen. Weil Frauen im NS-Männerstaat ohnehin eine untergeordnete Rolle spielten, wurde von der Ausdehnung abgesehen. Die Nazis verfolgten homosexuelle Frauen jedoch auch ohne Gesetz. Dokumente belegen, dass Nachbar_innen Frauenpaare bei der Gestapo denunzierten, die Leiterinnen sogenannter "Damenclubs" unter Vorwänden ins KZ gesteckt und lesbische Frauen auch ohne Rechtsgrundlage zu Gefängnisstrafen verurteilt oder zwangssterilisiert wurden.In rund 70 Ländern der Welt ist Homosexualität bis heute verboten, in einigen Ländern steht darauf die Todesstrafe.