Source: http://www.jurablogs.com/2013/03/19/feststellungsbescheide-steuerhinterziehung
Timestamp: 2017-12-17 23:33:54
Document Index: 272606096

Matched Legal Cases: ['§ 370', '§ 182', '§ 370', '§ 182', '§ 370', '§ 266', '§ 263', '§ 370', 'Art. 103']

Feststellungsbescheide und die Steuerhinterziehung
Wie sind – im Rahmen der Strafbarkeit einer Steuerhinterziehung im Sinne von § 370 Abs. 1 AO – die aufgrund unrichtiger Feststellungsbescheide nach § 182 Abs. 1 Satz 1 AO erlangten, nicht gerechtfertigten Steuervorteile zu beziffern? Mit dieser Frage hatte sich jetzt der Bundesgerichtshof zu befassen:
Der Bundesgerichtshof hat bereits entschieden, dass ein mittels tatbestandsmäßiger Verhaltensweisen gemäß § 370 Abs. 1 AO erwirkter unrichtiger Feststellungsbescheid im Hinblick auf dessen aus § 182 Abs. 1 Satz 1 AO resultierender Bindungswirkung einen “nicht gerechtfertigten Steuervorteil” und damit eine vollendete Tat darstellt. Die Bindungswirkung erfasst sowohl die zu niedrige Feststellung von Gewinnen als auch unberechtigte Verlustvorträge und unberechtigt nicht verbrauchte Verlustvorträge. In Anwendung dieser Rechtsprechung hat das Tatgericht – bezogen auf unterschiedliche Veranlagungszeiträume und verschiedene steuerpflichtige Unternehmen – zutreffend derartige Steuervorteile festgestellt. Das trägt den Schuldspruch wegen vollendeter Steuerhinterziehung nach § 370 Abs. 1 AO.
Die neuere Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zu den verfassungsrechtlichen Anforderungen an die strafrechtliche Untreue (§ 266 StGB) und den Betrug (§ 263 StGB), insbesondere hinsichtlich der Merkmale “Vermögensnachteil” bzw. “Vermögensschaden”, gibt keinen Anlass, von dem bisherigen Verständnis des “nicht gerechtfertigten Steuervorteils” nach § 370 Abs. 1 AO sowie den zu dessen Vorliegen erforderlichen Feststellungen abzugehen.
Das Bundesverfassungsgericht leitet aus Art. 103 Abs. 2 GG für die Auslegung von Strafnormen u.a. ein Verschleifungsverbot ab. Danach darf die Auslegung derjenigen Begriffe, mit denen der Gesetzgeber das unter Strafe gestellte Verhalten beschreibt, nicht zu einer Aufgabe der durch die Tatbestandsmerkmale bewirkten Eingrenzung der Strafbarkeit führen ...
Bundesverfassungsgericht, Steuerhinterziehung, Steuerstrafrecht