Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/beschluesse-der-wohnungseigentuemerversammlung-und-die-beschlussanfechtung-331743
Timestamp: 2020-01-22 15:19:42
Document Index: 258085758

Matched Legal Cases: ['§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 253', '§ 45', '§ 46', '§ 253', '§ 130', '§ 44', '§ 46', '§ 246', '§ 23', '§ 46', '§ 253', '§ 130', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 44', '§ 246', '§ 246', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Beschlüs­se der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ver­samm­lung und die Beschluss­an­fech­tung | Rechtslupe
Beschlüs­se der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ver­samm­lung und die Beschluss­an­fech­tung
Die Kla­ge­frist des § 46 Abs. 1 Satz 2 WEG wird durch die Zustel­lung der Kla­ge an den Ver­wal­ter der WEG gewahrt. Dass die Namen und die ladungs­fä­hi­gen An-schrif­ten der zu ver­kla­gen­den übri­gen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ers­ter Instanz nicht nach­ge­reicht wer­den, ändert dar­an nichts.
Wer­den die Namen und die ladungs­fä­hi­gen Anschrif­ten der übri­gen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Amts­ge­richt nicht nach­ge­reicht, ist die Kla­ge als unzu­läs­sig abzu­wei­sen. Der Zuläs­sig­keits­man­gel kann im Beru­fungs­rechts­zug geheilt wer­den.
Zu Recht hat das Beru­fungs­ge­richt fer­ner ange­nom­men, dass die Kla­ge nicht schon nach § 46 Abs. 1 WEG des­halb unbe­grün­det ist, weil die ladungs­fä­hi­gen Anschrif­ten der Beklag­ten erst in dem Beru­fungs­ver­fah­ren ange­ge­ben wor­den sind.
Die Kla­ge­frist des § 46 Abs. 1 Satz 2 WEG wird durch die Erhe­bung der Kla­ge, also durch deren Zustel­lung gewahrt (§ 253 Abs. 1 ZPO 1). Dabei liegt eine wirk­sa­me Zustel­lung auch dann vor, wenn die Kla­ge nicht der beklag­ten Par­tei selbst, son­dern – wie hier – ihrem gesetz­li­chen Zustel­lungs­ver­tre­ter (§ 45 Abs. 1 WEG) zuge­stellt wor­den ist.
Dass ladungs­fä­hi­ge Anschrif­ten der Beklag­ten erst im Beru­fungs­rechts­zug bei­gebracht wor­den sind, spielt für die Wah­rung der mate­ri­el­len Aus­schluss­frist nach § 46 Abs. 1 Satz 2 Halb­satz 1 WEG 2 kei­ne Rol­le.
Die nach § 253 Abs. 2 Nr. 1 und Abs. 4 i.V.m. § 130 Nr. 1 ZPO erfor­der­li­che Bezeich­nung der Par­tei­en und der Anga­be ladungs­fä­hi­ger Anschrif­ten ist Bestimmt­heits, nicht aber Zustel­lungs­er­for­der­nis 3. Ihr kommt Bedeu­tung ledig­lich für die ver­fah­rens­recht­li­che Fra­ge zu, ob die Kla­ge durch Pro­zes­sur­teil abzu­wei­sen ist. Fol­ge­rich­tig hat der Gesetz­ge­ber die Fol­ge eines Ver­sto­ßes gegen die Oblie­gen­heit zur Nach­rei­chung nach § 44 Abs. 1 Satz 2 WEG nicht in einer Abwei­sung der Kla­ge als unbe­grün­det, son­dern in einer Abwei­sung als unzu­läs­sig gese­hen 4. Das gilt umso mehr, als sich der Gesetz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung des § 46 Abs. 1 Satz 2 WEG an der mate­ri­ell­recht­li­chen Kla­ge­frist nach § 246 AktG ori­en­tiert hat 5. Für die­se ist aner­kannt 6, dass es für ihre Ein­hal­tung allein auf die frist­ge­rech­te Ein­rei­chung und die Zustel­lung der Kla­ge ankommt und des­halb sogar die Ein­rei­chung der Kla­ge bei einem unzu­stän­di­gen Gericht unschäd­lich ist. Dem ist der Bun­des­ge­richts­hof für die Kla­ge­frist nach § 23 Abs. 4 WEG aF gefolgt 7. Damit wäre es unver­ein­bar, ent­fie­le die mate­ri­ell­recht­li­che Wir­kung einer frist­ge­rech­ten Kla­ge­er­he­bung auf Grund von spä­te­ren pro­zes­sua­len Ver­säum­nis­sen.
Teleo­lo­gi­sche Erwä­gun­gen unter­mau­ern das von dem Bun­des­ge­richts­hof zugrun­de geleg­te Norm­ver­ständ­nis. Mit den Aus­schluss­fris­ten nach § 46 Abs. 1 Satz 2 WEG soll erreicht wer­den, dass die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer und der mit der Aus­füh­rung von Beschlüs­sen betrau­te Ver­wal­ter als­bald Klar­heit dar­über gewin­nen, wel­cher Beschluss aus wel­chen Grün­den ange­foch­ten wird 8. Da der Ver­wal­ter gehal­ten ist, die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer zu infor­mie­ren 9, wird die­ser Zweck auch dann erreicht, wenn die Kla­ge frist­wah­rend dem Ver­wal­ter als Zustel­lungs­ver­tre­ter der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer zuge­stellt wor­den ist. Auf die Fra­ge, ob und zu wel­chem Zeit­punkt die beklag­ten Woh­nungs­ei­gen­tü­mer in einer § 253 Abs. 2 Nr. 1 und Abs. 4 i.V.m. § 130 Nr. 1 ZPO genü­gen­den Wei­se bezeich­net wor­den sind, kommt es dann nicht an.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Mai 2011 – V ZR 99/​10
BGH, Urteil vom 16.01.2009 – V ZR 74/​08, BGHZ 179, 230, 235 Rn. 15[↩]
zum Rechts­cha­rak­ter BGH, Urteil vom 16.01.2009 – V ZR 74/​08, BGHZ 179, 230, 233 Rn. 8[↩]
Klein in Bär­mann, WEG, 11. Aufl., § 44 Rn. 10[↩]
BT-Drucks. 16/​887, S. 38[↩]
Münch­Komm-Akt­G/Hüffer, 2. Aufl., § 246 Rn. 38; GKA-ktG/­Kars­ten Schmidt, 4. Aufl., § 246 Rn. 18[↩]
BGH, Beschluss vom 17.09. 1998 – V ZB 14/​98, NJW 1998, 3648[↩]
BGH, Urteil vom 6.11.2009 – V ZR 73/​09, NJW 2010, 446, 447 Rn. 16; vgl. auch BGH, Urteil vom 16.01.2009 – V ZR 74/​08, BGHZ 179, 230, 237 Rn. 20[↩]
vgl. auch BGH, Urteil vom 05.03.2010 – V ZR 62/​09, NJW 2010, 2132, 2133 Rn. 11 mwN[↩]
AnfechtungsklageKlagefristWohnungseigentümergemeinschaft