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Timestamp: 2020-08-15 17:43:56
Document Index: 71422839

Matched Legal Cases: ['§ 120', '§ 767', '§ 61', '§ 3', '§ 3', '§ 120', '§ 767', '§ 767', '§ 767', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Titelherausgabeklage - Streitwert und Beschwer | Rechtslupe
Titelherausgabeklage - Streitwert und Beschwer
Liegt eine die Zwangs­voll­stre­ckung für unzu­läs­sig erklä­ren­de Ent­schei­dung nach § 120 Abs. 1 FamFG iVm § 767 ZPO nicht vor, bemisst sich der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands gemäß § 61 Abs. 1 FamFG bezo­gen auf die Abwei­sung des nur auf die Her­aus­ga­be des Titels gerich­te­ten Antra­ges wie bei dem Voll­stre­ckungs­ab­wehr­an­trag regel­mä­ßig nach dem Umfang der erstreb­ten Aus­schlie­ßung der Zwangs­voll­stre­ckung. Dabei ist der Nenn­be­trag des voll­streck­ba­ren Anspruchs ohne Rück­sicht auf sei­ne Rea­li­sier­bar­keit anzu­set­zen [1].
Bei einem Streit um die Her­aus­ga­be von gericht­li­chen Titeln wird der Wert vom Gericht gemäß § 3 ZPO nach frei­em Ermes­sen bestimmt. Maß­geb­lich für die­se Bestim­mung ist in der Rechts­mit­tel­in­stanz das Inter­es­se des jewei­li­gen Rechts­mit­tel­klä­gers. Ver­folgt ein Betei­lig­ter nach Abwei­sung des Her­aus­ga­be­an­tra­ges in der Vor­in­stanz den Antrag mit der Beschwer­de wei­ter, bestimmt sich der Wert somit nach sei­nem Inter­es­se am Besitz der Urkun­de. Die­ses Inter­es­se besteht nicht dar­in, die Voll­stre­ckungs­ti­tel für eige­ne Zwe­cke nut­zen zu kön­nen, son­dern allein dar­in, einen Miss­brauch der Titel durch den Antrags­geg­ner zu ver­hin­dern. Die Schät­zung des Wer­tes muss umso nied­ri­ger aus­fal­len, je gerin­ger die­se Gefahr im Ein­zel­fall ist [2].
Die Fest­set­zung eines in Aus­übung des Ermes­sens gemäß § 3 ZPO kon­kret bestimm­ten Wer­tes kann der Bun­des­ge­richts­hof nur dahin über­prü­fen, ob das Rechts­mit­tel­ge­richt die Gren­zen des ihm ein­ge­räum­ten Ermes­sens über­schrit­ten oder sein Ermes­sen feh­ler­haft aus­ge­übt hat [3].
Bei Vor­lie­gen einer die Zwangs­voll­stre­ckung für unzu­läs­sig erklä­ren­den Ent­schei­dung nach § 120 Abs. 1 iVm § 767 ZPO kann für die Bemes­sung der Beschwer hin­sicht­lich des Antrags auf Titel­her­aus­ga­be die Gefahr eines Miss­brauchs des Voll­stre­ckungs­ti­tels durch den Antrags­geg­ner ver­nach­läs­sigt wer­den [4].
Etwas ande­res gilt aber, wenn der Rechts­mit­tel­füh­rer allein mit dem Antrag auf Titel­her­aus­ga­be die Besei­ti­gung der Voll­streck­bar­keit des Titels errei­chen will. Liegt eine die Zwangs­voll­stre­ckung für unzu­läs­sig erklä­ren­de Ent­schei­dung nach § 767 ZPO nicht vor, kommt dem nur auf Her­aus­ga­be des Titels gerich­te­ten Antrag bezo­gen auf den Wert des Beschwer­de­ge­gen­stan­des eine eigen­stän­di­ge Bedeu­tung zu. In die­sem Fall ist die­ser regel­mä­ßig genau­so hoch anzu­set­zen wie bei dem Voll­stre­ckungs­ab­wehr­an­trag. Solan­ge der Gläu­bi­ger im Besitz des Titels ist, kann er die Voll­stre­ckung betrei­ben, ohne dass ihm eine gericht­li­che Ent­schei­dung nach § 767 ZPO ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den könn­te.
Der Wert des Voll­stre­ckungs­ab­wehr­an­trags selbst bemisst sich wie­der­um nach dem Umfang der erstreb­ten Aus­schlie­ßung der Zwangs­voll­stre­ckung. Dabei ist der Nenn­be­trag des voll­streck­ba­ren Anspruchs ohne Rück­sicht auf sei­ne Rea­li­sier­bar­keit anzu­set­zen. Da der Streit­ge­gen­stand aus­schließ­lich vom Antrag­stel­ler des Voll­stre­ckungs­ge­gen­an­tra­ges bestimmt wird, kommt es nicht dar­auf an, ob die titu­lier­te For­de­rung in Wahr­heit ganz oder teil­wei­se getilgt ist und ob dies ganz oder teil­wei­se im Ver­lauf des Ver­fah­rens unstrei­tig wird [5]. Eine Aus­nah­me gilt nur für den Fall, dass sich aus den Anträ­gen oder der Antrags­be­grün­dung ergibt, dass die Zwangs­voll­stre­ckung wegen eines Teil­be­trags oder eines Rest­be­trags für unzu­läs­sig erklärt wer­den soll; dann ist die­ser Betrag zu Grun­de zu legen [6].
Gemes­sen hier­an ist eine Schät­zung des Wer­tes auf 10 % der Titel­be­trä­ge ermes­sens­feh­ler­haft.
Die Fra­ge, ob der Titel­gläu­bi­ger im Besitz des Titels ist und die­sen somit auch her­aus­ge­ben kann, ist im Rah­men der Begründ­etheit zu beant­wor­ten. Für die Bemes­sung der Beschwer kommt es dem­ge­gen­über auf die Rea­li­sier­bar­keit des voll­streck­ba­ren Anspruchs nicht an.
Eben­so wenig ist für die Wert­be­mes­sung die Fra­ge von Belang, ob die Auf­rech­nung und der Bestand der For­de­rung, mit der gegen die streit­be­fan­ge­ne Kos­ten­fest­set­zungs­be­schlüs­se auf­ge­rech­net wor­den sei, unstrei­tig sind. Es kommt nicht dar­auf an, ob die titu­lier­te For­de­rung in Wahr­heit ganz oder teil­wei­se getilgt ist.
Die Beschwer ist vor­lie­gend auch nicht etwa des­we­gen gerin­ger zu bewer­ten, weil der Voll­stre­ckungs­gläu­bi­ger bereits zu Las­ten des Voll­stre­ckungs­schuld­ners aus den bei­den Titeln Voll­stre­ckungs­maß­nah­men hat durch­füh­ren las­sen, in deren Fol­ge die Arbeit­ge­be­rin des Voll­stre­ckungs­schuld­ners auf­grund des zunächst erlas­se­nen Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses eine Hin­ter­le­gung des von ihr über­wie­se­nen Gel­des ver­an­lasst hat. Unbe­scha­det des Umstands, dass der Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schluss spä­ter wie­der auf­ge­ho­ben wor­den ist, wirkt sich die Hin­ter­le­gung auf die Fest­set­zung des Beschwer­de­ge­gen­stan­des nicht aus, weil die Voll­streck­bar­keit des Titels hin­sicht­lich des gan­zen Anspruchs bestehen geblie­ben ist [7].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2014 – XII ZB 284/​13
im Anschluss an BGH Beschluss vom 09.02.2006 – IX ZB 310/​04 NJW-RR 2006, 1146[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 25.09.1991 – XII ZB 61/​91 , FamRZ 1992, 169, 170[↩]
BGH Beschluss vom 09.06.2004 – VIII ZB 124/​03 FamRZ 2004, 1477, 1478[↩]
vgl. BGH Beschluss vom 09.06.2004 – VIII ZB 124/​03 FamRZ 2004, 1477, 1478[↩]
vgl. BGH Beschluss vom 09.02.2006 – IX ZB 310/​04 NJW-RR 2006, 1146 f. mwN[↩]
BGH Beschluss vom 09.02.2006 – IX ZB 310/​04 NJW-RR 2006, 1146, 1147 mwN[↩]
vgl. BGH Beschluss vom 09.02.2006 – IX ZB 310/​04 NJW-RR 2006, 1146, 1147[↩]
StreitwertTitelherausgabeVollstreckungsgegenklageVollstreckungstitel