Source: http://www.offenenetze.de/
Timestamp: 2016-07-30 20:37:40
Document Index: 230095103

Matched Legal Cases: ['§ 8', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 12', '§ 8', 'EuG', 'Art. 12', 'Art. 12', 'EuG', '§ 7', '§ 7', 'EuG', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'EuG', 'EuG', 'Art. 14', 'Art. 12', 'Art. 8', 'Art. 11', 'Art. 3', 'Art. 11', 'Art. 17', 'Art. 3', 'Art. 12', 'Art. 11', 'Art. 17', 'Art. 15', 'EuG', 'BGH', 'Art. 12', 'EuG', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 14', 'Art. 12', 'Art. 3', 'BGH', 'Art. 23', 'Art. 23']

Dieser Beitrag wurde am Mai 31, 2016 von blackhole in Gesetze, Gesetzesvorhaben veröffentlicht. Schlagworte: Störerhaftung, TMG-Änderungsgesetz, TMG-ÄndG, wlan, § 8 TMG.	Bundesregierung will WLAN-Störerhaftung doch nicht abschaffen – oder?
Dieser Beitrag wurde am Mai 27, 2016 von blackhole in Aktuelles, Gesetze, Gesetzesvorhaben veröffentlicht. Schlagworte: Große Koalition, Störerhaftung, tmg, TMG-ÄndG.	WLAN: TMG-Änderungsgesetz soll kommen – Haftungsprivilegierung ohne Wenn und Aber
Dieser Beitrag wurde am Mai 11, 2016 von blackhole in Aktuelles, Gesetze, Gesetzesvorhaben veröffentlicht. Schlagworte: Privilegierung, Störerhaftung, tmg, TMG-ÄndG.	Wireless Community Weekend 2016: Update Recht
3 Antworten	Ich fahre dieses Jahr wieder einmal zum Wireless Community Weekend, dem jährlichen Freifunk-Treffen, nach Berlin. Ich plane, auch dieses Jahr wieder einen (kurzen?) Vortrag „Update Recht 2016“ zu halten und ein wenig dazu zu erzählen, was sich im letzten Jahr rechtlich im Zusammenhang mit Freifunk und WLAN getan hat.
Die Themen sind noch nicht fix, aber ich plane lose, zu den folgenden Punkten jeweils ein paar Worte zu verlieren (Änderungen vorbehalten):
EuGH-Generalanwalt zum Fall „McFadden“
TMG-Änderungsgesetz
Nicht-öffentliche (reine Mesh-)Knoten auf öffentlichen Gebäuden
Als Zeit habe ich mir den Samstag abend vorgemerkt. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass es nichts bringt, eine feste Zeit einzuplanen. Wenn ich da bin, werde ich aber nach Rücksprache vor Ort eine Zeit im Wiki eintragen.
Ich freue mich auf interessante Gespräche und ein Wiedersehen.
Dieser Beitrag wurde am April 30, 2016 von blackhole in Vortrag veröffentlicht. Schlagworte: 2016, freifunk, Update Recht, wireless community weekend.	Internet-Nutzungsvertrag von Rechtsanwaltskanzlei WBS
9 Antworten	Die Kanzlei Wilde Beuger Solmecke hat kürzlich einen kostenlosen „Internet-Nutzungsvertrag“ in mehreren Sprachen (deutsch, Englisch, Arabisch, Paschtu und Farsi) veröffentlicht, den Anbieter von Internet-Anschlüssen, z.B. soziale Träger, verwenden können, um ihr eigenes Haftungsrisiko zu verringern (hier die deutsche Version, Word-Dokument).
Der Vertrag besteht aus einer Präambel und zehn Einzelregelungen (im Folgenden nur Stichworte):
Vertraulichkeit des Passworts
Filesharing-Belehrung
Keine kostenpflichtigen Leistungen
Keine Pornographie, gewaltverherrlichende Seiten
Keine Beleidigungen / Respekt
Passwörter von sozialen Netzwerken
Belehrung über Folgen von Verstößen
Jederzeitige Einschränkung des Zugangs möglich
Auskunftspflicht bei Verdacht rechtswidriger Nutzung
Inkrafttreten durch Unterschrift
Der Vertrag soll also die Rechtssicherheit für Betreiber von Internetzugängen herstellen, was ich für lobenswert halte. Sinnvoll ist auch, dass der Vertrag in mehreren Sprachen verfügbar ist. Er dürfte auch für den beabsichtigten Zweck größtenteils tauglich sein und kann daher – mit den unten dargestellten Abstrichen – bei Bedarf verwendet werden.
Ich würde empfehlen, die – im Übrigen verständlich und kurz formulierten – Klauseln selbst noch einmal zu durchdenken. Nicht alle der Klauseln sind aus meiner Sicht sinnvoll, ich möchte hier nur auf einen Teil eingehen. Außerdem zeigt der Nutzungsvertrag auch die Sinnlosigkeit der geplanten Rechtstreueerklärung bei öffentlich zugänglichen WLANs.
Im Einzelnen (schlaglichtartig):
Die Filesharing-Belehrung ist lege artes nach den Tauschbörse I-III-Entscheidungen des BGH. Zumindest im privaten Bereich hat der BGH gefordert, dass den Anschluss mitnutzende, minderjährige Nutzer konkret über die Nutzung von Tauschbörsen belehrt und dieses verboten werden soll. Das ist traurig und geht an der Realität vorbei, weil über Peer-to-Peer-Netzwerke eben nicht nur illegale Inhalte getauscht werden und werden können, aber das mantraartige Wiederholen hilft nicht, der BGH will eine solche Belehrung.
Unklar ist bis heute, ob gegenüber Volljährigen Nicht-Familienmitgliedern eine Belehrung erforderlich ist. Die Mehrzahl der bisherigen Gerichtsentscheidungen lehnt dies aber ab.
Unverständlich ist aus meiner Sicht das Verbot der Inanspruchnahme von kostenpflichtigen Leistungen (Ziffer 3). Sinnvoll wäre das für solche Leistungen, deren Bezahlung über den Internetanschluss selbst erfolgt. Das kann der Anschlussinhaber selbstverständlich nicht wollen. Solche Leistungen kann man z.B. über ein WLAN aber in der Regel gar nicht abrufen bzw. in Anspruch nehmen.Der Vertrag sieht aber ein Verbot von eBay, Amazon etc. vor. Warum sollte ich über einen fremden Internetanschluss nicht ein Paket zu mir nach Hause bestellen können? Das leuchtet mir nicht ein. Ob so eine Klausel wirksam vereinbart werden kann, wage ich zu bezweifeln.
Auch die nächste Ziffer 4 ist nicht ganz klar. Warum muss der Anschlussinhaber auch den Abruf pornographischer Internetseiten verbieten? Ein Internetanschluss ist ja erst einmal etwas technisch völlig Neutrales, von daher sollte man jedenfalls legale Inhalte erst einmal auch als zulässig behandeln. Es steht natürlich jedem frei, solche Auflagen den Nutzern machen zu wollen, aber ist das wirklich sinnvoll? Auch der Abruf (!) von Seiten mit sonst schwierigem Inhalt ist ja für sich nicht illegal, nur das eigene Angebot ist in der Regel problematisch.
Ziffer 5 ist wiederum sinnvoll: Du sollst niemanden beleidigen. Außerdem klingt eine Art Netiquette an, indem an den Respekt gegenüber anderen appelliert wird.
Warum in Ziffer 6 und 7 darüber belehrt wird, dass Passwörter von sozialen Netzen sicher aufzubewahren sind und ich gegenüber Anbietern im Internet bei Verletzung gegen deren (!) Bedingungen haften kann, erschließt sich mir auch nicht ganz. Das sollte eigentlich jeder wissen und ist meist auch von den Anbietern schon so geregelt.
Ich erkläre mir die zu beobachtende „Überregulierung“ des Vertrages durch die Nutzerzielgruppe, nämlich z.B. Flüchtlinge, also Personen, die viele der Regeln im Internet (möglicherweise) noch nicht kennen. Für solche Erläuterungen und Ermahnungen benötige ich aber eigentlich keinen Vertrag, sondern eher eine Art Informationsblatt, aber das mag jeder lösen, wie er möchte.
Lizenz des Vertrages
Schade ist, dass für den Vertrag selbst keine Lizenz angegeben ist. Der Vertrag ist zwar kostenfrei abrufbar, aber es ist nicht klar, ob man den Vertrag auch wiederum weitergeben, teilen oder bearbeiten darf. Hier wäre eine klare Lizenz, z.B. die Creative Commons-Attribution-Lizenz (CC-BY) sicherlich wünschenswert. Der Werbeeffekt für die Kanzlei bliebe auch dadurch erhalten.
Der Vertrag ist sinnvoll für bestimmte Einrichtungen, er löst das potentielle Problem, dass die Einrichtung für ihre Nutzer belegen kann, entsprechenden Belehrungspflichten nachgekommen zu sein. Auch Vermieter können den Vertrag als Entwurfsvorlage nutzen. Jeder/jede Einrichtung sollte aber ruhig einzelne Klauseln ganz streichen, weil der Vertrag nach meiner Einschätzung die Internetnutzung über Gebühr einschränkt. Ich würde in solchen Fällen die Verwendung der Klauseln Ziffern 1, 2, 5 und 8 als bedenkenlos ansehen.
Für die Internetnutzung in Familien würde ich einen solchen Vertrag nicht empfehlen. Hier ist im Grunde eine Belehrung nach Ziffer 2 und 5 und zusätzlich eine generelle Belehrung, keine Rechtsverletzungen zu begehen, sinnvoll. Der Vertrag erleichtert später den Beweis, aber die übrigen Klauseln brauche ich dafür eigentlich nicht.
Für freie Netze („frei“ im Sinne von „Freifunk“ und „Freiheit“) ist der Vertrag eher nichts. Hier ist eine einfachere Belehrung ausreichend und weitere Einschränkungen sind eher nicht sinnvoll.
Dieser Beitrag wurde am April 12, 2016 von blackhole in Aktuelles veröffentlicht. Schlagworte: Belehrung, Internet-Nutzungsvertrag, WBS.	Hörtipp: Rechtsbelehrung-Podcast zur Linkhaftung
Hinterlasse eine Antwort	Heute ein Hörtipp, auch wenn es schon länger her ist: Der Rechtsbelehrung-Podcast Nr. 32 mit Dr. Ansgar Koreng als Gast zum Thema „Linkhaftung“. Die Folge ist hörenswert, insbesondere werden die relevanten Entscheidungen zur Link-Haftung und zum „Zu-Eigen-Machen“ von Inhalten, dem Verhältnis von Wettbewerbsrecht und absoluten Rechten dargestellt. Marcus Richter, Thomas Schwenke und Ansgar Koreng diskutieren auf lockere und nette Art und Weise alles rund um die rechtliche Bewertung von Links, lassen sich auch mal in die Untiefen der Entscheidungen davontragen und verknüpfen die Gedanken und Ideen der Rechtsprechung des BGH, des EuGH, des BVerfG und der Instanzgerichte …
Hier der Link zum Podcast. Anmerkung: Ich mache mir die dort geäußerten Meinungen ausdrücklich nicht zu eigen 😉
Dieser Beitrag wurde am März 25, 2016 von blackhole in Aktuelles veröffentlicht. Schlagworte: Hörtipp, Link, Linkhaftung, Podcast, Rechtsbelehrung.	Schlussanträge des EuGH-Generalanwalts im Fall C-484/14 – McFadden (und das deutsche WLAN-Gesetz) – Eine Analyse
19 Antworten	Am 16.3.2016 sind die sehnlich erwarteten Schlussanträge des EuGH im Verfahren McFadden / Sony veröffentlicht worden. Eine Gesamtübersicht der Dokumente zum Verfahren (C-484/14) findet sich hier.
Zum Verfahren und speziell dem Ausgangsverfahren vor dem LG München I, das dem EuGH eine Reihe Fragen vorgelegt hat, hatte ich hier im Blog schon berichtet (u.a hier), außerdem habe ich mit Dr. Sassenberg eine Analyse der Vorlagefragen vorgenommen (Mantz/Sassenberg, MMR 2015, 85 – PDF).
Im folgenden möchte ich die Ausführungen des Generalanwalts kurz vorstellen und jeweils rechtlich bewerten. Der Beitrag schließt mit der Betrachtung der Auswirkungen auf das geplante TMG-Änderungsgesetz und einem Ausblick.
Zunächst vorab: Die Schlussanträge des Generalanwalts beim EuGH sind in keiner Weise bindend für den EuGH. Untersuchungen haben gezeigt, dass der EuGH dem Generalanwalt in rund zwei Dritteln der Fälle folgt. Von daher muss die Entscheidung des EuGH natürlich noch abgewartet werden, alle Analysen auf Basis der Schlussanträge sind zwangsläufig vorläufig.
Der Generalanwalt führt kurz und treffend in den Fall ein, weshalb ich das hier kurz wiedergeben möchte:
„18. Der Kläger des Ausgangsverfahrens betreibt ein Gewerbe, in dessen Rahmen er Licht- und Tontechnik für Veranstaltungen aller Art verkauft und vermietet.
22. Auf diese Abmahnung hin erhob Herr McFadden beim vorlegenden Gericht eine negative Feststellungsklage. Sony Music beantragte im Rahmen der Widerklage die Verurteilung des Klägers zu Unterlassung und Schadensersatz.“
Soweit der Ausgangsfall. Das LG München I hat die Sache verhandelt und ist dabei zu Recht zum Ergebnis gekommen, dass der Fall nur auf Grundlage der Auslegung insbesondere der E-Commerce-Richtlinie 2000/31/EG beantwortet werden kann. Speziell geht es um die hier im Blog immer wieder thematisierte Frage der Privilegierung des Access Providers nach Art. 12 E-Commerce-Richtlinie, die ihre nationale Umsetzung in § 8 TMG gefunden hat. Das LG München I hat daraufhin dem EuGH eine Reihe von Fragen gestellt. Dabei geht es zunächst (ganz verkürzt) um die Auslegung der Voraussetzungen von Art. 12 E-Commerce-Richtlinie, also ob ein in Nebentätigkeit betriebenes WLAN unter dessen Anwendungsbereich fällt. Anschließend fragt das LG München I, ob der Betreiber des WLANs für eine Urheberrechtsverletzung seiner Nutzer verurteilt werden kann und ob bzw. welche Maßnahmen er gegebenenfalls ergreifen müsste (näher dazu Mantz/Sassenberg, MMR 2015, 85 – PDF).
Zunächst geht der Generalanwalt darauf ein, ob jemand, der in Nebentätigkeit ein WLAN betreibt, überhaupt als Anbieter nach Art. 12 E-Commerce-Richtlinie anzusehen ist. Der Streit entzündet sich hier an dem Merkmal „in der Regel gegen Entgelt“ (dazu eingehend Mantz/Sassenberg, MMR 2015, 85, 86 f. – PDF). Im Ergebnis kommt der Generalanwalt – völlig zu Recht – zu dem Schluss, dass dies der Fall ist.
(Ausdrücklich) nicht beantwortet hat der Generalanwalt die Frage, ob auch Private, die ein WLAN anbieten, eine wirtschaftliche Betätigung ausüben (Rn. 50). Das war nämlich nicht Gegenstand der Vorlagefrage. Ob der EuGH die Frage doch noch beantworten wird, bleibt unklar. Für die Haftung rein nach deutschem Recht macht dies allerdings auch keinen Unterschied. Denn um Diensteanbietereigenschaft im Sinne des TMG zu sein, ist es nicht erforderlich, dass der Dienst in der Regel gegen Entgelt erbracht wird (BT-Drucks. 13/7385, S. 19; Sassenberg/Mantz, WLAN und Recht, 2014, Rn. 214 m.w.N.) Der nationale Gesetzgeber hat sich insoweit für eine überschießende Umsetzung entschieden, die europarechtlich nicht zu beanstanden ist (Hoffmann, in: Spindler/Schuster, Recht der elektronischen Medien, § 7 TMG Rn. 12 m.w.N.). Die Privilegierung nach den deutschen § 7 ff. TMG kommt damit – unabhängig von der Auslegung durch den EuGH – auch dann zur Anwendung, wenn es sich um ein unentgeltliches Angebot handelt.
Sehr deutlich hat der Generalanwalt die Frage beantwortet, ob WLANs überhaupt unter die Privilegierung nach Art. 12. E-Commerce-Richtlinie fallen: Ja!
Interessant ist die Antwort auf die Frage des LG München I, ob denn eine Vertragsbeziehung zwischen dem Anbieter und dem Nutzer nötig sei. Dies verneint der Generalanwalt (Rn. 54 ff.) deutlich (dazu eingehend Mantz/Sassenberg, MMR 2015, 85, 87 f. – PDF).
„Das gilt somit für die straf-, verwaltungs- und zivilrechtliche Haftung sowie für die unmittelbare und mittelbare Haftung für Handlungen Dritter19.“
Anschließend stellt der Generalanwalt zunächst fest, dass Art. 12 E-Commerce-Richtlinie nur greift, wenn sich der Anbieter rein passiv und neutral verhält (Rn. 66). Er befasst sich dann mit der Unterscheidung in Art. 12 E-Commerce-Richtlinie zwischen „Haftungsansprüchen“ einerseits und „Anordnungen“ andererseits. Er folgert hieraus im Ergebnis, dass grundsätzlich behördliche und gerichtliche Anordnungen gegen den Betreiber eines WLANs ergehen können.
a. Abmahnkosten
„76. Nach Art. 12 der Richtlinie 2000/31 kann der Anbieter von Diensten der reinen Durchleitung nicht für eine durch die Übermittlung von Informationen begangene Urheberrechtsverletzung verantwortlich gemacht werden. Folglich können ihm nicht die außergerichtlichen oder die gerichtlichen Kosten im Zusammenhang mit einer solchen Verletzung auferlegt werden, die ihm nicht angelastet werden kann.
80. Im vorliegenden Fall steht Art. 12 Abs. 1 der Richtlinie 2000/31 meines Erachtens nicht nur einer Verurteilung des Vermittlers zur Zahlung von Schadensersatz, sondern auch einer solchen zur Zahlung der Abmahnkosten und der gerichtlichen Kosten in Bezug auf die von einem Dritten durch die Übermittlung von Informationen begangene Verletzung eines Urheberrechts entgegen.“
Ab Rn. 93 befasst sich der Generalanwalt damit, ob und welche zusätzlichen Voraussetzungen für die Privilegierung nach Art. 12 E-Commerce-Richtlinie aufgestellt werden dürfen. Dabei schickt er voraus, dass es für den EuGH auf die Beantwortung der entsprechenden Fragen möglicherweise nicht mehr ankommt, da jedenfalls generell Anordnungen erlassen werden können und zwar auch in einer Form, die es dem Betreiber grundsätzlich offen lässt, wie er eine künftige Verletzung verhindern will. Dennoch bearbeitet er die weiteren Fragen. Es ist nach meiner Einschätzung auch damit zu rechnen, dass der EuGH zu diesen Fragen Stellung nehmen wird.
Zunächst einmal – und hier ist die Deutlichkeit des Generalanwalts zu begrüßen – erteilt der Generalanwalt einer Übertragung der Grundsätze der Haftung bei Host Providern nach Art. 14 E-Commerce-Richtlinie auf Access Provider eine Absage. In der deutschen Rechtsprechung war nämlich immer wieder eine Tendenz zu erkennen, bei Access Providern ähnliche Grundsätze anzuwenden und diese nach Inkenntnissetzung in die Haftung zu nehmen. Das führte dann auch für andere Provider immer wieder zu Folgefragen, z.B. zur Haftung des Registrars (dazu ablehnend OLG Frankfurt, Beschluss v. 16.09.2015 – 16 W 47/15; LG Frankfurt, Beschluss v. 05.08.2015 – 2-03 O 306/15). Der Generalanwalt schreibt hierzu (Rn. 99):
„99. Ich erinnere in diesem Zusammenhang daran, dass die Art. 12 bis 14 der Richtlinie 2000/31 drei verschiedene Arten von Tätigkeiten betreffen und eine Beschränkung der Verantwortlichkeit des Diensteanbieters von unterschiedlichen Voraussetzungen nach Maßgabe des Wesens der jeweiligen Tätigkeit abhängig machen. Da eine entsprechende Anwendung eine Gleichstellung der Haftungsvoraussetzungen, die für diese vom Gesetzgeber klar abgegrenzten Tätigkeiten gelten, zur Folge hätte, liefe sie der Systematik dieser Bestimmungen zuwider.“
„108. Die in Anwendung von Art. 8 Abs. 3 der Richtlinie 2001/29 und Art. 11 Satz 3 der Richtlinie 2004/48 vorgesehenen Maßnahmen müssen gemäß Art. 3 der letztgenannten Richtlinie fair und gerecht sein und dürfen nicht unnötig kompliziert oder kostspielig sein und keine unangemessenen Fristsetzungen oder ungerechtfertigten Verzögerungen mit sich bringen. Außerdem müssen diese Maßnahmen wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sein und so angewendet werden, dass die Errichtung von Schranken für den rechtmäßigen Handel vermieden wird und die Gewähr gegen ihren Missbrauch gegeben ist26. Der Erlass einer gerichtlichen Anordnung erfordert außerdem die Herstellung eines Gleichgewichts zwischen den Interessen der Beteiligten27.
109. Da im Übrigen die Anwendung der Richtlinie 2001/29 die Anwendung der Richtlinie 2000/31 unberührt lassen soll, muss das nationale Gericht die sich aus der letztgenannten Richtlinie ergebenden Beschränkungen berücksichtigen, wenn es gegen einen Anbieter von Diensten der reinen Durchleitung eine Anordnung erlässt28.
111. Bei der Anwendung dieser Bestimmungen sind auch die unionsrechtlich geschützten Prinzipien und Grundsätze zu berücksichtigen, insbesondere die Freiheit der Meinungsäußerung und die Informationsfreiheit sowie die unternehmerische Freiheit, die in den Art. 11 und 16 der Charta verankert sind29.
112. Da die Beschränkungen dieser Grundrechte eingeführt wurden, um das in Art. 17 Abs. 2 der Charta verankerte Recht auf Schutz des geistigen Eigentums durchzuführen, impliziert ihre Würdigung die Suche nach einem angemessenen Gleichgewicht zwischen den betroffenen Grundrechten30.“
dass die fraglichen Maßnahmen mit Art. 3 der Richtlinie 2004/48 vereinbar und insbesondere wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sind;
dass sie gemäß den Art. 12 Abs. 3 und 15 Abs. 1 der Richtlinie 2000/31 darauf gerichtet sind, eine bestimmte Rechtsverletzung abzustellen oder zu verhindern, und keine allgemeine Überwachungspflicht implizieren;
dass diese Bestimmungen und andere vom nationalen Recht vorgesehene Modalitäten ein angemessenes Gleichgewicht zwischen den betroffenen Grundrechten wahren, insbesondere denjenigen, die in den Art. 11 und 16 auf der einen und in Art. 17 Abs. 2 der Charta auf der anderen Seite verankert sind.
a. Stilllegung
Auch eine Überwachung der Kommunikation kann nach dem Generalanwalt nicht gefordert werden (Rn. 132). Auch das ist unmittelbar einleuchtend, denn Art. 15 E-Commerce-Richtlinie verbietet ausdrücklich allgemeine Überwachungspflichten. Auch hier zeigt sich allerdings wieder, dass die europäischen Institutionen das Recht auf Achtung des Fernmeldegeheimnisses außer Acht lassen, auch der EuGH hat dieses bisher nicht erwähnt. Dies müsste man hier nämlich auch anführen. Insoweit ist aber zu berücksichtigen, dass der BGH in seiner Access Provider-Entscheidung den Anwendungsbereich des Fernmeldegeheimnisses ebenfalls verkannt hat oder aber dieses Recht stark beschneiden wollte (dazu eingehend Rechtsanwalt Stadler in seinem Blog).
c. Verschlüsselung
Es ist herrschende Meinung, dass die Verschlüsselung eines WLANs als Maßnahme zur Bekämpfung von Rechtsverletzungen nicht verlangt werden kann. Denn sie ist zum einen völlig unbrauchbar, verhindert also nichts, und beeinträchtigt das Geschäftsmodell WLAN ganz erheblich (Mantz/Sassenberg, MMR 2015, 85, 90 – PDF). Dies erkennt auch der Generalanwalt (Rn. 134 ff.):
„137. Meines Erachtens stehen der Verpflichtung, den Zugang zu einem derartigen Netz zu sichern, möglicherweise mehrere rechtliche Bedenken entgegen.
Der Generalanwalt betont also, dass die Verschlüsselung einen erheblichen Einfluss auf das WLAN haben kann. Studien haben gezeigt, dass sich potentielle WLAN-Nutzer schon von geringen Hürden von der Nutzung abhalten lassen. Verschlüsselung ist eine erhebliche Hürde, da der potentielle Nutzer zunächst an das Passowrt kommen muss. Ein verschlüsseltes WLAN ist auch das Gegenteil einer Einladung. Zudem hat der Generalanwalt recht, dass Verschlüsselung – um wirksam zu sein – zwangsläufig mit einer Registrierung und Überwachung der Nutzer einhergehen muss (zu Registrierung und Identifizierung Sassenberg/Mantz, WLAN und Recht, Rn. 234 m.w.N.). Folgerichtig lehnt der Generalanwalt daher auch eine Verschlüsselungspflicht ab.
WLANs unter die Privilegierung des Art. 12 E-Commerce-Richtlinie fallen,
und zwar auch in Nebentätigkeit und ohne Vertragsverhältnis mit den Nutzern,
Verschlüsselung inklusive Identifizierung und Registrierung sowie Stilllegung und Überwachung nicht verlangt werden können,
nationale gesetzliche Regelungen keine zusätzlichen Anforderungen vorsehen dürfen.
Zurück nach Deutschland: Derzeit ist das TMG-Änderungsgesetz im Gesetzgebungsverfahren (dazu hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier), wobei die Bundesregierung zunächst auf das Votum des Generalanwalts warten wollte.
„Lars Klingbeil, netzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sagt, er gehe davon aus, „dass wir uns innerhalb der Koalition nun zügig über eine Reform des Telemediengesetzes einigen, um mehr freies WLAN in Deutschland zu ermöglichen. Das Votum des Generalanwalts gibt hier die Richtung vor.“
CDU-Netzpolitiker Thomas Jarzombek sieht es ein bisschen anders. Er räumt ein, dass mit der Stellungnahme die ursprünglich angedachte Verpflichtung, WLAN-Netze mit Passwörter schützen zu müssen, nicht mehr aufrechtzuerhalten ist. Er verweist aber darauf, dass der Generalanwalt wieder eine Unterscheidung zwischen privaten und gewerblichen WLAN-Betreibern vorgenommen habe. In seiner Stellungnahme bezieht sich Generalanwalt Szpunar auf Gewerbetreibende. Das EU-Recht sieht laut CDU-Politiker Jarzombek dennoch „wirksame, verhältnismäßige und abschreckende“ Maßnahmen vor, um dauerhaften Missbrauch zu vermeiden.“
„“Die Variante, Provider von allen Verpflichtungen freizustellen, müssen wir erst europarechtlich prüfen lassen“, betonte der internetpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Thomas Jarzombek, gegenüber heise online. Der Generalanwalt habe unterstrichen, dass die Grundrechte auf freie Meinungsäußerung und auf Urheberrechtsschutz miteinander abgewogen werden müssten. CDU/CSU plädierten daher dafür, dass WLAN-Anbieter Nutzer zumindest über eine „Vorschaltseite“ auf die Rechtsbestimmungen aufmerksam machen sollten.“
a. Keine zusätzlichen Voraussetzungen für gewerbliche Anbieter
Die Luft für eine Änderung ist – sofern sich der EuGH dem Generalanwalt anschließt – allerdings dünn geworden. Denn der Generalanwalt hat zunächst festgestellt, dass die Regelung in Art. 12 E-Commerce-Richtlinie abschließend ist. Weitere Voraussetzungen dürfen an die Gewährung der Privilegierung nicht geknüpft werden (Rn. 103 f.):
„103. Nach dem Wortlaut von Art. 12 Abs. 1 der Richtlinie 2000/31 sind, wie bereits dargelegt, die drei Voraussetzungen für die Anwendung dieser Bestimmung abschließend. Soweit sich die Vorlagefragen auf die Auslegung der Begriffe Dienstleistung und wirtschaftliche Tätigkeit beziehen, verweise ich auf meine Prüfung der ersten drei Fragen25.
104. Aufgrund dieser Erwägungen bin ich der Ansicht, dass die in Art. 12 Abs. 1 Buchst. a bis c der Richtlinie 2000/31 genannten Voraussetzungen abschließend sind und weder eine entsprechende Anwendung der in Art. 14 Abs. 1 Buchst. b dieser Richtlinie vorgesehenen Voraussetzung noch sonstige zusätzliche Voraussetzungen zulassen.“
Durch ein Gesetz können also nach Auffassung des Generalanwalts weitere Voraussetzungen nicht vorgegeben werden. Dies kann nur durch eine richterliche Anordnung geschehen. Der aktuelle Entwurf des TMG-Änderungsgesetzes sieht aber genau solche zusätzlichen Maßnahmen vor, nämlich „zumutbare Maßnahmen“ in Form von Verschlüsselung und einer Erklärung des Nutzers, keine Rechtsverletzungen zu begehen. Abgesehen davon, dass der Generalanwalt eine Verschlüsselungspflicht für unzulässig hält, wären die von der Bundesregierung geplanten zusätzlichen Voraussetzung schon aus dem Grunde nicht mit europäischem Recht vereinbar, dass Art. 12 E-Commerce-Richtlinie abschließend ist. Das umfasst selbstverständlich auch eine Pflicht zur Einrichtung einer Vorschaltseite, die von manchen zutreffend auch als „Lügenseite“ bezeichnet wird.
b. Was ist mit Privaten?
Wie oben dargestellt, hat der Generalanwalt für Private keine Aussage getroffen. Das ist folgerichtig, denn die E-Commerce-Richtlinie betrifft nur die (untechnisch) gewerblichen Vorgänge. Dementsprechend könnte die Bundesregierung – wie sie das im ursprünglichen Entwurf des TMG-Änderungsgesetzes bereits getan, aber dann wieder geändert hatte – für Private eine andere Regelung treffen (dazu eingehend Mantz/Sassenberg, CR 2015, 298).
„148. Umfassender gesehen bin ich der Ansicht, dass eine Verallgemeinerung der Verpflichtung, WLAN-Netze zum Schutz von Urheberrechten im Internet zu sichern, für die Gesellschaft insgesamt von Nachteil sein könnte und dass dieser Nachteil den möglichen Vorteil für die Inhaber dieser Rechte überwiegen könnte.“
„149. Zum einen ist die Bandbreite der von vielen Personen genutzten öffentlichen WLAN-Netze verhältnismäßig begrenzt, so dass es dort nicht zu vielen Beeinträchtigungen von Rechten an urheberrechtlich geschützten Werken und Gegenständen kommt50. Zum anderen bieten WLAN-Hotspots zweifellos ein wichtiges Innovationspotenzial. Jede Maßnahme, die die Entwicklung dieser Tätigkeit bremsen könnte, ist deshalb im Hinblick auf ihren potenziellen Nutzen gründlich zu prüfen.“
Letztlich kann man sich fragen, ob eine Ungleichbehandlung von gewerblichen und privaten Anbietern nicht eine Verletzung von Art. 3 GG darstellen würde (so auch Breyer bei datenspeicherung.de). Danach darf man zwar Ungleiches ungleich behandeln, jedoch wird man von gewerblichen Anbietern eher mehr verlangen können als von privaten Anbietern, das hat auch der BGH in seiner „Sommer unseres Lebens“-Entscheidung (dazu hier, hier, hier und hier) so gesehen. Im Ergebnis würde also eine Unterscheidung zwischen privaten und gewerblichen Anbietern wieder dem Zweck der beabsichtigten Regelung zuwiderlaufen und gerade keine Rechtssicherheit herstellen, sondern diese weiter aufrecht erhalten.
Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles, Urteile und Beschlüsse abgelegt am März 17, 2016 von blackhole. Ankündigung: Vortrag „Privacy by Design – Chancen, Risiken und Nebenwirkungen“
2 Antworten	In eigener Sache:
Am 17.5.2016 (18:30h) werde ich am Zentrum für angewandte Rechtswissenschaft (ZAR) der Universität Karlsruhe in der Reihe „Karlsruher Dialog zum Informationsrecht“ von Prof. Bäcker einen Vortrag mit dem Titel „Privacy by Design – Chancen, Risiken und Nebenwirkungen“ halten, in dem ich mich mit Art. 23 der EU-Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO) befassen werde. Art. 23 DS-GVO ist eine wie ich finde hochspannende Norm, die ganz wesentlich die Schnittstelle zwischen Datenschutz und Technik (nämlich durch „Datenschutz durch Technik“) betrifft.
„Datenschutzrecht wirkt in der Regel nur nachträglich. Jedoch kann Datenschutz in laufenden Produkten kaum nachgerüstet werden. Datenschutzbelange müssen darum bereits bei der Produktentwicklung einbezogen werden. Seit längerem wird daher auch aus juristischer Perspektive über das Konzept eines Datenschutzes durch Technik (Privacy by Design, Privacy by Default) diskutiert. Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung wird dieses Konzept erstmals rechtlich verbindlich machen. Der Vortrag erläutert die neue Regelung und zeigt ihre Folgen für die Produktgestaltung anhand ausgewählter technischer Konzepte für Privacy by Design auf.“
Dieser Beitrag wurde am März 15, 2016 von blackhole in Vortrag veröffentlicht. Schlagworte: Datenschutz, Karlsruhe, Privacy by Design, Vortrag, ZAR.	Hörtipp: Freifunk-Radio mit Christian Heise zum Thema Störerhaftung
3 Antworten	Heute ein echter Hörtipp: Christian Heise hat sich im März im Freifunk-Radio über Störerhaftung und Freifunk, Aktivismus und die Entwicklungen rund um das WLAN-Gesetz unterhalten. Absolut hörenswert.
Dieser Beitrag wurde am März 10, 2016 von blackhole in Aktuelles veröffentlicht. Schlagworte: Christian Heise, freifunk, Radio, Störerhaftung.	Artikel-Navigation