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Timestamp: 2020-07-16 16:36:51
Document Index: 195742340

Matched Legal Cases: ['§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 16']

Die Mängel des Einfamilienhauses - und die Prozesskosten als außergewöhnliche Belastungen | Rechtslupe
Die Mängel des Einfamilienhauses - und die Prozesskosten als außergewöhnliche Belastungen
Die Män­gel des Ein­fa­mi­li­en­hau­ses – und die Pro­zess­kos­ten als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen
Gemäß § 33 Abs. 2 Satz 1 EStG erwach­sen dem Steu­er­pflich­ti­gen Auf­wen­dun­gen zwangs­läu­fig, wenn er sich ihnen aus recht­li­chen, tat­säch­li­chen oder sitt­li­chen Grün­den nicht ent­zie­hen kann und soweit die Auf­wen­dun­gen den Umstän­den nach not­wen­dig sind und einen ange­mes­se­nen Betrag nicht über­stei­gen.
Ziel des § 33 EStG ist es, zwangs­läu­fi­ge Mehr­auf­wen­dun­gen für den exis­tenz­not­wen­di­gen Grund­be­darf zu berück­sich­ti­gen, die sich wegen ihrer Außer­ge­wöhn­lich­keit einer pau­scha­len Erfas­sung in all­ge­mei­nen Frei­be­trä­gen ent­zie­hen. Aus dem Anwen­dungs­be­reich des § 33 EStG aus­ge­schlos­sen sind dage­gen die übli­chen Auf­wen­dun­gen der Lebens­füh­rung, die in Höhe des Exis­tenz­mi­ni­mums durch den Grund­frei­be­trag abge­gol­ten sind [1].
Bei den Kos­ten eines Zivil­pro­zes­ses sprach nach der lang­jäh­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs eine Ver­mu­tung gegen die Zwangs­läu­fig­keit [2]. Der­ar­ti­ge Kos­ten wur­den nur als zwangs­läu­fig erach­tet, wenn auch das die Zah­lungs­ver­pflich­tung oder den Zah­lungs­an­spruch adäquat ver­ur­sa­chen­de Ereig­nis zwangs­läu­fig war [3]. Dar­an fehl­te es nach der Recht­spre­chung des BFH im All­ge­mei­nen bei einem Zivil­pro­zess [4]. Viel­mehr sei es in der Regel der frei­en Ent­schei­dung der (Vertrags-)Parteien über­las­sen, ob sie sich zur Durch­set­zung oder Abwehr eines zivil­recht­li­chen Anspruchs einem Prozess(kosten)risiko aus­setz­ten [5]. Als zwangs­läu­fi­ge Auf­wen­dun­gen erkann­te die Recht­spre­chung Zivil­pro­zess­kos­ten nur an, wenn der Pro­zess exis­ten­zi­ell wich­ti­ge Berei­che oder den Kern­be­reich mensch­li­chen Lebens berühr­te. Lie­fe der Steu­er­pflich­ti­ge ohne den Rechts­streit Gefahr, sei­ne Exis­tenz­grund­la­ge zu ver­lie­ren und sei­ne lebens­not­wen­di­gen Bedürf­nis­se in dem übli­chen Rah­men nicht mehr befrie­di­gen zu kön­nen, kön­ne er trotz unsi­che­rer Erfolgs­aus­sich­ten gezwun­gen sein, einen Zivil­pro­zess zu füh­ren [6].
Dem­ge­gen­über nahm der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nem Urteil vom 12.05.2011 – VI R 42/​10 [7] die Unaus­weich­lich­keit von Zivil­pro­zess­kos­ten unter der Vor­aus­set­zung an, dass die beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg bie­tet und nicht mut­wil­lig erscheint. Die­se Auf­fas­sung hat auch das Finanz­ge­richt dem ange­foch­te­nen Urteil zugrun­de gelegt.
Der Bun­des­fi­nanz­hof hält an sei­ner in dem Urteil in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 ver­tre­te­nen Auf­fas­sung aller­dings nicht mehr fest. Wie er in sei­nem Urteil vom 18.06.2015 – VI R 17/​14 [8] ent­schie­den hat, kehrt er unter Auf­ga­be sei­ner in dem Urteil in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 ver­tre­te­nen Ansicht zu der frü­he­ren Recht­spre­chung des BFH zur Abzieh­bar­keit der Kos­ten eines Zivil­pro­zes­ses als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung zurück. Wegen der Ein­zel­hei­ten wird auf das BFH, Urteil in BFHE 250, 153, BStBl II 2015, 800 Bezug genom­men.
Nach die­sen Maß­stä­ben ist auch im Streit­fall zu prü­fen, ob die gel­tend gemach­ten Kos­ten für die zivil­pro­zes­sua­le Aus­ein­an­der­set­zung als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen zu berück­sich­ti­gen sind. Zivil­pro­zess­kos­ten sind dem­nach nur inso­weit abzieh­bar, als der Pro­zess exis­ten­zi­ell wich­ti­ge Berei­che oder den Kern­be­reich mensch­li­chen Lebens berührt. Lie­fe der Steu­er­pflich­ti­ge ohne den Rechts­streit Gefahr, sei­ne Exis­tenz­grund­la­ge zu ver­lie­ren und sei­ne lebens­not­wen­di­gen Bedürf­nis­se in dem übli­chen Rah­men nicht mehr befrie­di­gen zu kön­nen, kann der Steu­er­pflich­ti­ge auch bei unsi­che­ren Erfolgs­aus­sich­ten zur Durch­set­zung oder Abwehr eines zivil­recht­li­chen Anspruchs aus recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Grün­den gezwun­gen sein, einen Zivil­pro­zess zu füh­ren, sodass die Pro­zess­kos­ten zwangs­läu­fig i.S. von § 33 Abs. 2 Satz 1 EStG erwach­sen.
Danach waren in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall die von der Klä­ge­rin getra­ge­nen Rechts­an­walts- und Gerichts­kos­ten nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen steu­er­min­dernd zu berück­sich­ti­gen.
Der von der Klä­ge­rin ver­folg­te (ver­meint­li­che) Anspruch auf Rück­ab­wick­lung des Kauf- und Werk­ver­trags vom 16.10.2000 berühr­te nicht ihren exis­ten­zi­el­len Bereich, auch wenn er das zu eige­nen Wohn­zwe­cken genutz­te Haus der Klä­ger betraf. Der Aus­gang des Pro­zes­ses war für die Klä­ge­rin zwar von erheb­li­cher wirt­schaft­li­cher Bedeu­tung, nicht aber von exis­ten­zi­el­ler. Die Gefahr, die Exis­tenz­grund­la­ge zu ver­lie­ren oder die lebens­not­wen­di­gen Bedürf­nis­se nicht mehr befrie­di­gen zu kön­nen, hät­te für die Klä­ge­rin auch dann nicht bestan­den, wenn sie sich nicht dazu ent­schlos­sen hät­te, ihren (ver­meint­li­chen) Anspruch auf Rück­ab­wick­lung des Kauf- und Werk­ver­trags gericht­lich zu ver­fol­gen.
Der Erwerb eines Ein­fa­mi­li­en­hau­ses berührt typi­scher­wei­se das Exis­tenz­mi­ni­mum nicht und erscheint des­halb steu­er­lich als Vor­gang der nor­ma­len Lebens­füh­rung [9]. Für die von der Klä­ge­rin getä­tig­ten Auf­wen­dun­gen zur Rück­ab­wick­lung eines sol­chen Erwerbs gilt nichts ande­res.
Auch wenn das ele­men­ta­re pri­va­te Wohn­be­dürf­nis nicht durch das Woh­nen in einem eige­nen Haus befrie­digt wer­den muss, sind Auf­wen­dun­gen zur Wie­der­her­stel­lung der Bewohn­bar­keit eines selbst­ge­nutz­ten Ein­fa­mi­li­en­hau­ses nach Ein­tritt eines unge­wöhn­li­chen Scha­dens­er­eig­nis­ses nach der Recht­spre­chung des BFH aller­dings nicht grund­sätz­lich von der Anwen­dung des § 33 EStG aus­ge­schlos­sen [10]. In die­sem Zusam­men­hang kön­nen auch Zivil­pro­zess­kos­ten einen exis­ten­zi­el­len Bereich betref­fen.
Im Streit­fall war die wesent­li­che Ursa­che, die zur Gel­tend­ma­chung des (ver­meint­li­chen) Anspruchs auf Rück­ab­wick­lung des Kauf- und Werk­ver­trags führ­te, das Ein­drin­gen von Was­ser in den nicht aus­ge­bau­ten Kel­ler der Dop­pel­haus­hälf­te auf­grund von Bau­män­geln. Das Ein­drin­gen des Was­sers in den Kel­ler der Dop­pel­haus­hälf­te führ­te nach den Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz zum einen aber nicht zur Unbe­wohn­bar­keit des Hau­ses. Zum ande­ren sind Bau­män­gel nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH kei­nes­wegs unüb­lich und nicht mit unge­wöhn­li­chen Scha­dens­er­eig­nis­sen ver­gleich­bar [11]. Selbst Auf­wen­dun­gen zur Behe­bung gesund­heits­ge­fähr­den­der Bau­män­gel erlau­ben des­halb grund­sätz­lich kei­ne Ermä­ßi­gung der Ein­kom­men­steu­er nach § 33 Abs. 1 EStG [12]. Soweit die von der Klä­ge­rin auf­ge­wen­de­ten Anwalts- und Gerichts­kos­ten daher dazu gedient oder bei­getra­gen haben, die Bau­män­gel an der Dop­pel­haus­hälf­te der Klä­ge­rin zu besei­ti­gen, schei­det ihre Berück­sich­ti­gung nach § 33 Abs. 1 EStG unter die­sem Gesichts­punkt folg­lich eben­falls aus.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. Janu­ar 2016 – VI R 19/​14
stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urtei­le vom 29.09.1989 – III R 129/​86, BFHE 158, 380, BStBl II 1990, 418; und vom 26.06.2014 – VI R 51/​13, BFHE 246, 326, BStBl II 2015, 9[↩]
BFH, Urteil vom 22.08.1958 – VI 148/​57 U, BFHE 67, 379, BStBl III 1958, 419; BFH, Urtei­le vom 18.07.1986 – III R 178/​80, BFHE 147, 171, BStBl II 1986, 745; vom 09.05.1996 – III R 224/​94, BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596; vom 04.12 2001 – III R 31/​00, BFHE 198, 94, BStBl II 2002, 382; vom 18.03.2004 – III R 24/​03, BFHE 206, 16, BStBl II 2004, 726; und vom 27.08.2008 – III R 50/​06, BFH/​NV 2009, 553[↩]
BFH, Urteil in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 206, 16, BStBl II 2004, 726, und in BFH/​NV 2009, 553[↩]
vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596; in BFHE 206, 16, BStBl II 2004, 726, und in BFH/​NV 2009, 553[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596, und in BFH/​NV 2009, 553[↩]
BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015[↩]
BFHE 250, 153, BStBl II 2015, 800[↩]
BFH, Urtei­le vom 19.05.1995 – III R 12/​92, BFHE 178, 207, BStBl II 1995, 774; und vom 21.04.2010 – VI R 62/​08, BFHE 230, 1, BStBl II 2010, 965[↩]
BFH, Urtei­le vom 06.05.1994 – III R 27/​92, BFHE 175, 332, BStBl II 1995, 104; und vom 09.08.2001 – III R 6/​01, BFHE 196, 492, BStBl II 2002, 240[↩]
BFH, Beschluss vom 11.02.2009 – VI B 140/​08, BFH/​NV 2009, 762, m.w.N.[↩]
BFH, Beschluss vom 19.06.2006 – III B 37/​05, BFH/​NV 2006, 2057[↩]
Die Män­gel des Ein­fa­mi­li­en­hau­ses – und die Pro­zess­kos­ten… Erwach­sen einem Steu­er­pflich­ti­gen zwangs­läu­fig grö­ße­re Auf­wen­dun­gen als der über­wie­gen­den Mehr­zahl der Steu­er­pflich­ti­gen glei­cher Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se, glei­cher Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se und glei­chen Fami­li­en­stan­des (außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung), so wird auf Antrag…
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Die Kos­ten des Unter­halts­pro­zes­ses – als außer­ge­wöhn­li­che… Erwach­sen einem Steu­er­pflich­ti­gen zwangs­läu­fig grö­ße­re Auf­wen­dun­gen als der über­wie­gen­den Mehr­zahl der Steu­er­pflich­ti­gen glei­cher Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se, glei­cher Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se und glei­chen Fami­li­en­stan­des (außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung), so wird auf Antrag…
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