Source: https://www.rechtslupe.de/allgmeines/schadensersatz-anlageberatung-verjaehrungsbeginn-3134933
Timestamp: 2019-09-21 00:37:22
Document Index: 358790997

Matched Legal Cases: ['§ 199', '§ 276', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Grob fahr­läs­si­ge Unkennt­nis im Sin­ne von § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB, für deren Annah­me die zum Scha­dens­er­satz Ver­pflich­te­te die Dar­le­gungs­und Beweis­last trägt1, liegt vor, wenn dem Gläu­bi­ger die Kennt­nis des­halb fehlt, weil er ganz nahe­lie­gen­de Über­le­gun­gen nicht ange­stellt und das nicht beach­tet hat, was im gege­be­nen Fall jedem hät­te ein­leuch­ten müs­sen.
Ihm muss per­sön­lich ein schwe­rer Oblie­gen­heits­ver­stoß in sei­ner eige­nen Ange­le­gen­heit der Anspruchs­ver­fol­gung, eine schwe­re Form von "Ver­schul­den gegen sich selbst", vor­ge­wor­fen wer­den kön­nen, weil sich ihm die den Anspruch begrün­den­den Umstän­de förm­lich auf­ge­drängt haben2.
Ein objek­tiv gro­ber Pflich­ten­ver­stoß recht­fer­tigt dabei für sich allein noch nicht den Schluss auf ein ent­spre­chend gestei­ger­tes per­sön­li­ches Ver­schul­den, nur weil ein sol­ches häu­fig damit ein­her­geht. Viel­mehr ist ein sol­cher Vor­wurf nur dann gerecht­fer­tigt, wenn eine auch sub­jek­tiv schlecht­hin unent­schuld­ba­re Pflicht­ver­let­zung vor­liegt, die das in § 276 Abs. 2 BGB bestimm­te Maß erheb­lich über­schrei­tet3.
Es mag (ein­fach) fahr­läs­sig gewe­sen sein, dass der Anle­ger auf die mög­li­cher­wei­se für geschäft­lich Erfah­re­ne nicht plau­si­blen Ver­spre­chun­gen des Bera­ters ver­traut hat. Es muss­te sich dem Anle­ger aber nicht förm­lich auf­drän­gen, dass die vom Bera­ter emp­foh­le­ne Anla­ge ent­ge­gen des­sen Zusi­che­run­gen den Vor­ga­ben nicht ent­sprach. Sichert der Bera­ter dem Kun­den gewünsch­te Eigen­schaf­ten des emp­foh­le­nen Pro­dukts näm­lich wie hier vom Beru­fungs­ge­richt unter­stellt zu, kann es die­sem grund­sätz­lich nicht als schwe­rer Oblie­gen­heits­ver­stoß in eige­nen Ange­le­gen­hei­ten ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, wenn er sich hier­auf ver­lässt4. Dies gilt aus­nahms­wei­se nicht, wenn beson­de­re Umstän­de vor­lie­gen, auf­grund derer sich dem Anle­ger die Erkennt­nis, dass die erhal­te­ne Zusi­che­rung nicht (mehr) ein­ge­hal­ten wer­den kann, förm­lich auf­drän­gen muss­te. Sol­che Umstän­de sind hier aber nicht ersicht­lich. Ent­ge­gen der auch nicht wei­ter erläu­ter­ten Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts kann nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass dem nicht in der betref­fen­den Bran­che bewan­der­ten Anle­ger die Geschäfts­prak­ti­ken von Ver­si­che­rungs­kon­zer­nen und deren Port­fo­li­os von Anla­ge­an­ge­bo­ten bekannt oder infol­ge gro­ber Fahr­läs­sig­keit unbe­kannt waren.
vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 08.07.2010 aaO Rn. 25 mwN; und vom 17.03.2016 aaO Rn. 11 [↩]
st. Rspr., s. z.B. BGH, Urtei­le vom 08.07.2010 aaO Rn. 28; vom 22.09.2011 aaO; und vom 17.03.2016 aaO Rn. 11, jeweils mwN [↩]
st. Rspr., s. z.B. BGH, Urtei­le vom 12.07.2005 – VI ZR 83/​04 13, inso­weit nicht in BGHZ 163, 351 abge­druckt; und vom 17.02.2009 – VI ZR 86/​08, NJW-RR 2009, 812 Rn. 10 jew. mwN [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 08.07.2010 – III ZR 249/​09, BGHZ 186, 152 Rn. 33 [↩]