Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/steuergruesse-nach-argentinien-324848
Timestamp: 2020-08-08 09:49:40
Document Index: 117718409

Matched Legal Cases: ['§ 851', '§ 23', '§ 40', '§ 802', 'BGH', 'BGH', '§ 20']

Steuergrüße nach Argentinien | Rechtslupe
Mal wie­der ein untaug­li­cher Ver­such der Bei­trei­bung not­lei­den­der Argen­ti­ni­en­an­lei­hen: Deut­sche Voll­stre­ckungs­ge­rich­te sind nicht zustän­dig für die Voll­stre­ckung in Zoll- und Steu­er­for­de­run­gen der Repu­blik Argen­ti­ni­en.
Es kann dabei für den Bun­des­ge­richts­hof sowohl dahin­ge­stellt blei­ben, ob die Immu­ni­tät der Schuld­ne­rin (der Repu­blik Argen­ti­ni­en) der Pfän­dung und Über­wei­sung ihrer Steu­er- und Zoll­for­de­run­gen ent­ge­gen­steht als auch ob argen­ti­ni­sche Steu­er- und Zoll­for­de­run­gen wegen § 851 ZPO über­haupt pfänd­bar sind. Die deut­schen Gerich­te sind jeden­falls für die Zwangs­voll­stre­ckung in sol­che For­de­run­gen inter­na­tio­nal nicht zustän­dig.
Trotz der Rege­lung des § 23 ZPO ist eine inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit nicht begrün­det, weil die Zwangs­voll­stre­ckung in eine öffent­lich-recht­li­che For­de­rung eines ande­ren Staa­tes erfolgt. Die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit deut­scher Gerich­te für das Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren setzt vor­aus, dass die Zwangs­voll­stre­ckung in Ver­mö­gen erfol­gen soll, das sich im Inland befin­det, denn nur dar­auf kann staat­li­che Zwangs­ge­walt aus­ge­übt wer­den („Ter­ri­to­ria­li­täts­prin­zip“). Voll­stre­ckungs­maß­nah­men in Gegen­stän­de, die in dem Hoheits­ge­biet eines ande­ren Staa­tes lie­gen, sind hin­ge­gen aus­schließ­lich des­sen Ange­le­gen­heit [1]. Die Ver­pflich­tung der (deut­schen) Dritt­schuld­ne­rin, Steu­er- und Zoll­for­de­run­gen der Repu­blik Argen­ti­ni­en zu befrie­di­gen, ist im Hoheits­ge­biet der Schuld­ne­rin und nicht in Deutsch­land zu loka­li­sie­ren. Inso­weit gilt nichts ande­res als für die Ver­pflich­tung einer Dritt­schuld­ne­rin, öffent­lich-recht­li­che Gebüh­ren­for­de­run­gen aus­län­di­scher Staa­ten zu befrie­di­gen [2].
Es exis­tiert kei­ne zwi­schen­staat­li­che Ver­ein­ba­rung, die der Repu­blik Argen­ti­ni­en die Durch­set­zung ihrer Steu­er- und Zoll­for­de­run­gen im Bun­des­ge­biet mög­lich machen wür­de. Das Abkom­men vom 13. Juli 1978 zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Argen­ti­ni­schen Repu­blik zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung auf dem Gebiet der Steu­ern von Ein­kom­men und Ver­mö­gen [3] ent­hält zur Durch­set­zung einer argen­ti­ni­schen Steu­er- oder Zoll­for­de­rung im Gebiet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land kei­ne Rege­lung.
Es muss nicht ent­schie­den wer­den, ob die Anlei­he­be­din­gun­gen so aus­zu­le­gen sind, dass sich die Schuld­ne­rin der inter­na­tio­na­len Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te auch hin­sicht­lich des Voll­stre­ckungs­ver­fah­rens unter­wor­fen hat. Eine sol­che Ver­ein­ba­rung der inter­na­tio­na­len Zustän­dig­keit ist nicht wirk­sam getrof­fen. Die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wird, soweit nicht vor­ran­gig völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge zu beach­ten sind, indi­ziert, wenn die ört­li­che Zustän­dig­keit eines deut­schen Gerichts gege­ben ist. Die­se ist – wie aus­ge­führt – nicht gege­ben. Eine Proro­ga­ti­on ist gemäß § 40 Abs. 2 Nr. 2 ZPO unzu­läs­sig, weil die Voll­stre­ckungs­ge­richts­stän­de aus­schließ­lich sind, § 802 ZPO.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Novem­ber 2010 – VII ZB 120/​09
BGH, Beschluss vom 04.10.2005 – VII ZB 9/​05, NJW-RR 2006, 198 m.w.N.[↩]
BGH, Beschluss vom 04.10.2005 – VII ZB 9/​05, aaO; kri­tisch dazu Dut­ta, IPRax 2007, 109 ff.[↩]
BGBl. II 1979, S. 585 ff., in Kraft getre­ten am 25. Novem­ber 1979, BGBl. II 1979, S. 1332, geän­dert durch das Pro­to­koll vom 16. Sep­tem­ber 1996 zum Abkom­men vom 13. Juli 1978 zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Repu­blik Argen­ti­ni­en zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung auf dem Gebiet der Steu­ern vom Ein­kom­men und Ver­mö­gen, BGBl. II 1998, S. 18 ff., in Kraft getre­ten am 30. Juni 2001, BGBl. II 2001, S. 694[↩]
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