Source: https://www.rechtsportal.de/Rechtsprechung/Rechtsprechung/2016/BVerfG/Feststellung-eines-Arbeitsverhaeltnisses-im-Rahmen-der-Taetigkeit-als-studentischer-Prorektor
Timestamp: 2020-07-15 00:55:46
Document Index: 153046455

Matched Legal Cases: ['§ 90', '§ 93', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 93', '§ 90', '§ 93', 'Art. 19', 'Art. 20', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 14', 'Art. 103', 'Art. 3']

Feststellung eines Arbeitsverhältnisses im Rahmen der Tätigkeit als studentischer Prorektor - Rechtsportal
BVerfG - Entscheidung vom 06.06.2016
1 BvR 3494/14
BVerfG, Beschluss vom 06.06.2016 - Aktenzeichen 1 BvR 3494/14
DRsp Nr. 2016/11542
BVerfGG § 90 Abs. 1 ; BVerfGG § 93a Abs. 2 ; GG Art. 3 Abs. 1 ;
Mit seiner Verfassungsbeschwerde rügt der Beschwerdeführer unter anderem die Verletzung von Art. 3 Abs. 1 GG . Die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts sei willkürlich. Sie ignoriere die aus den Besoldungsgesetzen folgende Wertung, dass das Prorektorenamt nicht unentgeltlich wahrgenommen werde. Die Vergütung müsse auf Grundlage eines Arbeitsverhältnisses erfolgen, weil die gesetzlichen Voraussetzungen für ein solches vorlägen.
Weder kommt der Verfassungsbeschwerde grundsätzliche Bedeutung zu (§ 93a Abs. 2 Buchstabe a BVerfGG ) noch ist ihre Annahme zur Durchsetzung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genannten Rechte des Beschwerdeführers angezeigt (§ 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG ).
Soweit der Beschwerdeführer die Verletzung der Art. 19 Abs. 1 und 3 und Art. 20 Abs. 3 GG geltend macht, ist er nicht beschwerdebefugt. Hinsichtlich einer Verletzung von Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 und 2, Art. 3 Abs. 3 , Art. 14 Abs. 1 und Art. 103 Abs. 1 GG ist die Verfassungsbeschwerde nicht substantiiert. Aus den Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts folgt insbesondere nicht, dass die Wahrnehmung des Prorektorenamts durch Studierende unentgeltlich erfolgt. Festgestellt wird lediglich, dass zwischen dem Beschwerdeführer und dem beklagten Land kein Arbeitsverhältnis bestanden hat.
Die angegriffenen Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts verletzen auch nicht das Willkürverbot (Art. 3 Abs. 1 GG ). Willkürlich ist eine gerichtliche Entscheidung nur dann, wenn sie unter keinem denkbaren Aspekt rechtlich vertretbar ist und sich daher der Schluss aufdrängt, dass sie auf sachfremden Erwägungen beruht (vgl. BVerfGE 87, 273 <278 f.>; 89, 1 <13>; 96, 189 <203>). Dies ist hier nicht der Fall. Das Bundesarbeitsgericht hat eingehend geprüft, ob durch Angebot und Annahme zwischen dem Beschwerdeführer und dem beklagten Land ein Arbeitsverhältnis entstanden ist. Im Ergebnis hat es dies mit ausführlicher und nachvollziehbarer Begründung verneint. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass es weder spezifische gesetzliche Regelungen gibt, auf welcher statusrechtlichen Grundlage Studierende das Amt eines Prorektors oder einer Prorektorin ausüben, noch diese Frage stets in nur einer Weise beantwortet werden kann. Es bedarf vielmehr der Auslegung unterschiedlicher gesetzlicher Vorgaben unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls. Deshalb ist es entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nicht zwingend, aus verfassungsrechtlichen Gründen hier zu dem Ergebnis zu kommen, dass durch die Wahrnehmung des Amtes eines Prorektors konkludent ein Arbeitsverhältnis begründet worden ist.
Vorinstanz: BAG, vom 22.10.2014 - Vorinstanzaktenzeichen 10 AZR 463/14
Vorinstanz: BAG, vom 09.04.2014 - Vorinstanzaktenzeichen 10 AZR 590/13
Zitieren: BVerfG - Beschluss vom 06.06.2016 (1 BvR 3494/14) - DRsp Nr. 2016/11542