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Timestamp: 2016-10-28 19:39:13
Document Index: 369742423

Matched Legal Cases: ['Art. 100', 'Art. 42', 'Art. 89', 'Art. 86', 'Art. 90', 'Art. 82', 'Art. 83', 'Art. 85', 'Art. 113', 'Art. 95', 'Art. 106', 'Art. 42', 'BGE', 'Art. 49', 'BGE', 'Art. 8', 'BGE', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 24', 'Art. 16', 'Art. 24', 'Art. 35', 'Art. 16', 'Art. 342', 'Art. 35', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 324', 'Art. 324', 'Art. 329', 'Art. 324', 'Art. 329', 'Art. 329', 'Art. 116', 'Art. 116', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 35', 'Art. 16', 'BGE', 'Art. 329', 'Art. 49', 'Art. 49', 'Art. 49', 'Art. 66']

8C_90/2016 (11.08.2016)
8C_90/2016 � � Urteil vom 11. August 2016
Amt f�r Wirtschaft und Arbeit des Kantons Thurgau, Promenadenstrasse 8, 8510 Frauenfeld Kant. Verwaltung,
A.________, geboren 1973, war ab 2001 beim Amt f�r Wirtschaft und Arbeit des Kantons Thurgau (AWA) angestellt. Am 1. September 2014 gebar sie ihre Tochter, welche in der Folge aus medizinischen Gr�nden bis 31. Oktober 2014 hospitalisiert war. A.________ machte deshalb von der M�glichkeit des Aufschubs des Mutterschaftsurlaubs Gebrauch und bezog diesen nach Entlassung ihrer Tochter aus dem Spital ab 1. November 2014. Das AWA regelte mit Verf�gung vom 10. September 2014 den Bezug des Mutterschaftsurlaubs neu, indem es festhielt, bis zur Entlassung des Kindes aus dem Spital habe die Arbeitnehmerin keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung und deshalb unbezahlten Urlaub zu beziehen. Die Personalrekurskommission des Kantons Thurgau best�tigte dies mit Entscheid vom 20. Februar 2015.
Das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau wies die dagegen erhobene Beschwerde am 25. November 2015 ab.
A.________ f�hrt Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Antrag, es sei der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben und ihr vom 1. September bis 31. Oktober 2014 Lohnfortzahlung zu gew�hren; eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zur Festsetzung der Lohnfortzahlung zur�ckzuweisen.
Das AWA schliesst auf Abweisung der Beschwerde.
Die Sachurteilsvoraussetzungen sind erf�llt, da die Beschwerde unter Einhaltung der gesetzlichen Frist (Art. 100 Abs. 1 BGG) und Form (Art. 42 BGG) von einer durch die Entscheidung besonders ber�hrten Partei mit einem schutzw�rdigen Interesse an deren Aufhebung oder �nderung (Art. 89 Abs. 1 BGG) eingereicht wurde und sich das Rechtsmittel gegen einen von einer letzten kantonalen Instanz (Art. 86 Abs. 1 lit. d BGG) gef�llten Endentscheid (Art. 90 BGG) in einer Angelegenheit des �ffentlichen Rechts (Art. 82 lit. a BGG) richtet, keine der in Art. 83 BGG erw�hnten Ausnahmen greift und die Streitwertgrenze von Art. 85 lit. b BGG �berschritten ist.
Die Beschwerdef�hrerin bezeichnet ihr Rechtsmittel auch als subsidi�re Verfassungsbeschwerde. Da ihre Eingabe die Voraussetzungen der Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten erf�llt, ist darauf nicht einzutreten (Art. 113 BGG).
Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann wegen Rechtsverletzungen gem�ss Art. 95 und 96 BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist folglich weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erw�gungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begr�ndung abweisen. Immerhin pr�ft das Bundesgericht, unter Ber�cksichtigung der allgemeinen Pflicht zur Begr�ndung der Beschwerde (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG), grunds�tzlich nur die geltend gemachten R�gen, sofern die rechtlichen M�ngel nicht geradezu offensichtlich sind (BGE 141 V 234 E. 1 S. 236 mit Hinweisen).
Die Vorinstanz hat die Anordnung des AWA, wonach die Beschwerdef�hrerin in der Zeit zwischen der Niederkunft und dem aufgeschobenen Beginn der Mutterschaftsentsch�digung unbezahlten Urlaub zu beziehen habe, best�tigt.
Die Beschwerdef�hrerin macht hingegen geltend, sie habe w�hrend dieser Zeit Anspruch auf Lohnfortzahlung wegen Krankheit. Die Betrachtungsweise der Vorinstanz sei geschlechterdiskriminierend, da die m�nnlichen Arbeitnehmer nicht in eine Situation k�men, in welcher sie trotz �rztlich attestierter Krankheit ohne Lohnfortzahlung seien. Zudem verstosse diese Anordnung gegen das auch im �ffentlichen Dienstrecht geltende Besch�ftigungsverbot in den ersten acht Wochen nach der Niederkunft.
Streitig ist, ob die Beschwerdef�hrerin Anspruch auf Lohnersatz f�r die acht Wochen und f�nf Tage zwischen ihrer Niederkunft und dem Beginn der Mutterschaftsentsch�digung bei Entlassung ihres Kindes aus dem Spital hat. Nicht streitig ist hingegen, dass sie die Voraussetzungen f�r den Aufschub der Mutterschaftsentsch�digung erf�llt.
4.1.�Der Grundsatz des Vorrangs von Bundesrecht nach Art. 49 Abs. 1 BV schliesst in Sachgebieten, welche die Bundesgesetzgebung abschliessend regelt, eine Rechtssetzung durch die Kantone aus. In Sachgebieten, die das Bundesrecht nicht abschliessend ordnet, d�rfen die Kantone nur Vorschriften erlassen, die nicht gegen Sinn und Geist des Bundesrechts verstossen und dessen Zweck nicht beeintr�chtigen oder vereiteln. Der Grundsatz der derogatorischen Kraft des Bundesrechts kann als verfassungsm�ssiges Individualrecht angerufen werden. Das Bundesgericht pr�ft mit freier Kognition, ob die kantonale Norm mit dem Bundesrecht im Einklang steht (BGE 138 I 468 E. 2.3.1 S. 470 f.; 356 E. 5.4.2 S. 360 f.; 137 I 31 E. 4.1 S. 41).
4.2.�Das Gebot der rechtsgleichen Behandlung (Art. 8 Abs. 1 BV) ist verletzt, wenn ein Erlass hinsichtlich einer entscheidwesentlichen Tatsache rechtliche Unterscheidungen trifft, f�r die ein vern�nftiger Grund in den zu regelnden Verh�ltnissen nicht ersichtlich ist, oder wenn er Unterscheidungen unterl�sst, die sich aufgrund der Verh�ltnisse aufdr�ngen. Gleiches muss nach Massgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich behandelt werden. Die Frage, ob f�r eine rechtliche Unterscheidung ein vern�nftiger Grund in den zu regelnden Verh�ltnissen ersichtlich ist, kann zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich beantwortet werden, je nach den herrschenden Anschauungen und Verh�ltnissen. Dem Gesetzgeber bleibt im Rahmen dieser Grunds�tze und des Willk�rverbots ein weiter Gestaltungsspielraum (BGE 138 I 225 E. 3.6.1 S. 229; 137 I 167 E. 3.5 S. 175; 136 I 1 E. 4.1 S. 5).
4.3.�Nach Art. 16c Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 25. September 1952 �ber den Erwerbsersatz f�r Dienstleistende und bei Mutterschaft (Erwerbsersatzgesetz, EOG; SR 834.1) beginnt der Anspruch auf Mutterschaftsentsch�digung am Tag der Niederkunft. Bei l�ngerem Spitalaufenthalt des Neugeborenen kann die Mutter beantragen, dass die Mutterschaftsentsch�digung erst ausgerichtet wird, wenn das Kind nach Hause kommt (Art. 16c Abs. 2 EOG). Der Beginn des Entsch�digungsanspruchs wird nach Art. 24 Abs. 1 der Verordnung vom 24. November 2004 zum Erwerbsersatzgesetz (EOV; SR 834.11) aufgeschoben, wenn die Mutter den Antrag nach Art. 16c Abs. 2 EOG stellt (lit. a) und durch ein Arztzeugnis nachgewiesen wird, dass das Neugeborene kurz nach der Geburt mindestens drei Wochen im Spital verbleiben muss (lit. b). Der Aufschub beginnt mit dem Tag der Geburt und endet am Tag, an welchem das Neugeborene zur Mutter zur�ckkehrt oder stirbt (Art. 24 Abs. 2 EOV).
4.4.�Art. 35a Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 13. M�rz 1964 �ber die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (Arbeitsgesetz, ArG; SR 822.11) h�lt fest, dass W�chnerinnen w�hrend acht Wochen nach der Niederkunft nicht und danach bis zur 16. Woche nur mit ihrem Einverst�ndnis besch�ftigt werden d�rfen.
4.5.�Nach � 20 Abs. 1 der Verordnung des Grossen Rates des Kantons Thurgau vom 18. November 1998 �ber die Besoldung des Staatspersonals (Besoldungsverordnung, BesVO; RB 177.22) haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Arbeitsunf�higkeit infolge Krankheit oder Unfall w�hrend zw�lf Monaten Anspruch auf den vollen Lohn, anschliessend w�hrend weiterer zw�lf Monate auf 80 % der bisherigen Besoldung. Gem�ss � 33 Abs. 1 der Verordnung des Thurgauer Regierungsrates vom 21. September 1999 zur Besoldungsverordnung (RRVBesVO; RB 177.223) ist bei einer Abwesenheit infolge Krankheit und Unfall von mehr als f�nf Tagen in der Regel ein Arztzeugnis vorzulegen.
� 22 Abs. 1 BesVO statuiert f�r Mitarbeiterinnen, welche die Voraussetzungen f�r die Mutterschaftsentsch�digung gem�ss EOG erf�llen, den Anspruch auf 16 Wochen Urlaub bei voller Besoldung gem�ss dem Besch�ftigungsgrad vor der Niederkunft. Der Urlaub beginnt in der Regel zwei Wochen vor dem �rztlich bestimmten Niederkunftstermin (Abs. 2). Der Regierungsrat regelt nach Abs. 3 Ziff. 2 den Beginn des Urlaubs in besonderen F�llen, etwa bei Niederkunft vor oder nach dem errechneten Termin.
Gest�tzt auf � 22 Abs. 3 BesVO hat der Regierungsrat in � 39a Abs. 3 RRVBesVO festgehalten, dass der bezahlte Urlaub unterbrochen und f�r diese Zeit unbezahlter Urlaub gew�hrt wird, wenn eine Mitarbeiterin den Anspruch auf Mutterschaftsentsch�digung nach EOG wegen l�ngerem Spitalaufenthalt des Neugeborenen aufschiebt.
5.1.�Sinn und Zweck des Mutterschaftsurlaubs ist es, dass sich die Mutter von Schwangerschaft und Niederkunft erholen kann und ihr die n�tige Zeit einger�umt wird, sich in den ersten Monaten intensiv um ihr Kind zu k�mmern, ohne dabei in finanzielle Bedr�ngnis zu kommen (Bericht der Kommission f�r soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates vom 3. Oktober 2002 [Bericht Komm. NR], BBl 2002 7522, 7545 Art. 16c sowie Protokoll der Kommission f�r soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates vom 3. Oktober 2002 S. 6; vgl. auch St�phanie Perrenoud, La protection de la maternit�, 2015, S. 1113 f. mit Hinweisen). Zugleich soll damit auch eine Entlastung der Arbeitgeber sowie eine Verbesserung der Chancen von jungen Frauen auf dem Arbeitsmarkt erreicht werden (Perrenoud, a.a.O., S. 1114 mit Hinweis; Streiff/von Kaenel/Rudolph, Arbeitsvertrag, 7. Aufl. 2012, N. 16 zu Art. 342a/b OR).
5.2.�Nach kantonalem Personalrecht haben Angestellte des Kantons Thurgau w�hrend eines Jahres Anspruch auf vollen Lohnersatz bei �rztlich attestierter gesundheitsbedingter Arbeitsunf�higkeit, sei dies infolge Unfalls oder infolge einer Krankheit (vgl. E. 4.5). Gest�tzt auf die kantonalrechtlichen Bestimmungen haben hingegen M�tter, welche nach der Niederkunft infolge Hospitalisation des Neugeborenen den Bezug der Mutterschaftsentsch�digung aufgeschoben haben, keinen Anspruch auf Lohnersatz, sondern sind f�r die Zeit zwischen Niederkunft und Entlassung des Neugeborenen aus dem Spital gezwungen, unbezahlten Urlaub zu beziehen (E. 4.5). Im hier strittigen Fall soll dies auch gelten, obwohl die Beschwerdef�hrerin im Rahmen der mehr als zwei Monate vor dem errechneten Termin erfolgten Geburt f�r insgesamt 14 Tage hospitalisiert und danach gem�ss �rztlichem Attest w�hrend mehrerer Wochen arbeitsunf�hig war. Dadurch werde die gesundheitlich bedingte Arbeitsunf�higkeit mit Lohnfortzahlungspflicht nicht anerkannt. Dies kommt einer Ungleichbehandlung mit jenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kantons gleich, welche aus gesundheitlichen Gr�nden infolge Unfalls oder Krankheit an der Arbeitsleistung verhindert sind und vollen Lohnersatz erhalten. Zu pr�fen ist, ob diese Ungleichbehandlung vor Bundesrecht standh�lt.
5.3.�Im Allgemeinen tritt die gesundheitliche Arbeitsunf�higkeit als Folge einer Krankheit oder eines Unfalles ein (� 20 Abs. 1 BesVO). Bei der Beschwerdef�hrerin hingegen war die Niederkunft urs�chlich (� 22 BesVO). Beiden Konstellationen ist gemeinsam, dass die Unzumutbarkeit der Arbeitsleistung auf gesundheitlichen Gr�nden beruht. Es gibt keinen sachlichen Grund, einer Arbeitnehmerin, welche aus gesundheitlichen Gr�nden nicht in der Lage ist, zu arbeiten, den Lohnersatz zu verwehren, bloss weil der Grund der gesundheitlich bedingten Arbeitsunf�higkeit im Nachgang zu einer Geburt und nicht als Folge einer Krankheit oder eines Unfalles eintritt. Dies muss umso mehr gelten, als in der Regel von Gesetzes wegen die Arbeitsaufnahme nach der Niederkunft w�hrend acht Wochen verboten ist (Art. 35a Abs. 3 ArG). Ob dies auch im vorliegenden Fall zutrifft (vgl. Personalhandbuch Kanton Thurgau, Schwangerschaft und Mutterschaft, S. 1 und S. 10; vgl. E. 4.1 des vorinstanzlichen Entscheids), kann offenbleiben, da die Ungleichbehandlung so oder anders unrechtm�ssig ist.
5.4.�Daran �ndert auch die Absicht des Bundesgesetzgebers, die Arbeitgeber durch die Mutterschaftsentsch�digung zu entlasten, nichts. Der eigentliche Zweck der Mutterschaftsentsch�digung, den M�ttern die Zeit f�r die Erholung von der Geburt und die intensive Betreuung des Neugeborenen in den ersten Monaten finanziell abzusichern, geht vor. �berdies ist die Anzahl F�lle, bei welchen ein Aufschub und demnach ein Lohnersatz zu Lasten des Arbeitgebers �berhaupt in Frage kommt, angesichts der restriktiven Voraussetzungen von Art. 16c Abs. 2 EOG gering (mindestens dreiw�chiger Spitalaufenthalt des Kindes; vgl. Bericht des Bundesrates vom 28. April 2016 als Antwort auf die Postulate 10.3523 Maury Pasquier vom 17. Juni 2010 und 10.4125 Teuscher vom 17. Dezember 2010, S. 15 f.). Weiter ist nicht ausser Acht zu lassen, dass auf Bundesebene Bestrebungen im Gange sind, die Lohnfortzahlung in F�llen des Aufschubs nach Art. 16c Abs. 2 EOG explizit in jedem Fall sicherzustellen (vgl. Bericht des Bundesrates vom 28. April 2016). Zudem hat die Rechtsprechung in F�llen des Aufschubs nach Art. 16c Abs. 2 EOG bei dem Arbeitsrecht des OR unterstellten Frauen eine Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers (insbesondere gest�tzt auf die gesetzliche Pflicht der Eltern zur Betreuung ihres Kindes) bejaht (einl�sslich Roger Rudolph, Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers bei Aufschub der Mutterschaftsentsch�digung infolge Spitalaufenthalt des neugeborenen Kindes, ARV 2013 235 ff.; in diesem Sinne auch bereits der Entscheid des Genfer Appellationsgerichts in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten vom 17. Oktober 2008, publiziert in JAR 2009 S. 522 ff.). Auch ist sich die herrschende Lehre einig, dass in diesen F�llen ein Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht (vgl. etwa Streiff/von Kaenel/Rudolph, a.a.O., N. 16 zu Art. 324a/b OR; J�rg Br�hwiler, Einzelarbeitsvertrag, 3. Aufl. 2014, N. 22 zu Art. 324a OR S. 185 und N. 3 zu Art. 329f OR S. 279; Portmann/Rudolph, Basler Kommentar, Obligationenrecht, Band I, 6. Aufl. 2015, N. 41 zu Art. 324a OR und N. 5 zu Art. 329f OR; Rudolph, a.a.O., S. 239 mit Hinweisen; Sabine Steiger-Sackmann, in: Steiger-Sackmann/Mosimann [Hrsg.], Recht der Sozialen Sicherheit, 2014, Rz. 32.73; Perrenoud, a.a.O., S. 1153 ff. und S. 1349; a.M. wohl Frank Emmel, in: Huguenin/M�ller-Chen [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Vertragsverh�ltnisse Teil 2, 3. Aufl. 2016, N. 1 zu Art. 329f OR; vgl. auch Jean-Michel Duc, L'allocation de maternit� et la coordination avec les autres prestations des assurances, AJP 2005 S. 1010 f.). Diese Bestrebungen stehen denn auch in Einklang mit der verfassungsrechtlichen Grundlage f�r die Mutterschaftsentsch�digung (Art. 116 Abs. 3 BV), wonach die wirtschaftlichen sprich finanziellen Folgen von Mutterschaft abgesichert werden sollen (vgl. etwa Bericht des Bundesrates vom 28. April 2016 S. 3 sowie G�chter/Filippo, Basler Kommentar, Bundesverfassung, 2015, N. 22 ff. zu Art. 116 BV).
5.5.�Ob diese Ungleichbehandlung allein gen�gt, um in allen F�llen des Aufschubs des Mutterschaftsurlaubs nach Art. 16c Abs. 2 EOG einen Anspruch auf Lohnersatz zu begr�nden, kann offenbleiben, wie sich aus der nachfolgenden Erw�gung ergibt.
6.1.�Die freie Wahl der M�tter, vom bundesrechtlich vorgesehenen Aufschub der Mutterschaftsentsch�digung nach Art. 16c Abs. 2 EOG Gebrauch zu machen, wird durch die thurgauische Regelung wesentlich beeintr�chtigt. Sie k�nnten aus finanziellen Gr�nden gezwungen sein, sich trotz Erf�llung der restriktiven Voraussetzungen von Art. 16c Abs. 2 EOG gegen einen Aufschub zu entscheiden. Damit aber wird die Erreichung des von Art. 16c Abs. 2 EOG verfolgten Zwecks, der Mutter die M�glichkeit zu geben, sich in den ersten Monaten zu Hause selbst intensiv um das Kind k�mmern zu k�nnen (vgl. etwa Bericht Komm. NR, BBl 2002 7522, 7545 zu Art. 16c), wesentlich erschwert oder gar aus finanziellen �berlegungen verunm�glicht. Der kantonalrechtlich vorgesehene zwangsweise Bezug von unbezahltem Urlaub f�r die Zeit zwischen Niederkunft und aufgeschobenem Beginn der Mutterschaftsentsch�digung infolge Hospitalisation des Kindes ist umso stossender, als eine Mutter, auch wenn sie bei bester Gesundheit ist und arbeiten k�nnte, dies in der Regel in den ersten acht Wochen nach der Geburt nicht tun darf (Art. 35a Abs. 3 ArG) und durch eine vorzeitige Arbeitsaufnahme ihren Anspruch auf Mutterschaftsentsch�digung erst noch verwirkt (Art. 16d Satz 2 EOG; BGE 139 V 250; vgl. auch Streiff/von Kaenel/Rudolph, a.a.O., N. 7 zu Art. 329f OR). Eine tats�chlich freie Wahl ist unter diesen Umst�nden nicht gew�hrleistet.
6.2.�Damit erweist sich die kantonale Regelung insofern als bundesrechtswidrig, als sie die Verwirklichung des Bundesrechts �berm�ssig erschwert oder verhindert (Art. 49 Abs. 1 BV; vgl. auch Bernhard Waldmann, Basler Kommentar, Bundesverfassung, 2015, N. 20 zu Art. 49 BV und Alexander Ruch, St. Galler Kommentar, Die schweizerische Bundesverfassung, 3. Aufl. 2014, N. 17 zu Art. 49 BV). Daran �ndert nichts, dass auch andere Kantone eine �hnliche L�sung in ihrem Personalrecht vorgesehen haben (vgl. dazu den Anhang zum Bericht des Bundesrates vom 28. April 2016, S. 44 ff.).
7.1.�Im vorliegenden Fall ist die Arbeitsunf�higkeit der Beschwerdef�hrerin nach ihrer Niederkunft eingetreten und durch �rztliche Atteste ausgewiesen. Im Rahmen der Gleichbehandlung mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kantons, welche aus gesundheitlichen Gr�nden infolge eines Unfalles oder einer Krankheit arbeitsunf�hig sind und vollen Lohnersatz erhalten, und unter Beachtung des Vorranges von Bundesrecht hat die Beschwerdef�hrerin Anspruch auf vollen Lohnersatz zu Lasten ihres Arbeitgebers.
7.2.�Da sich die Lohnfortzahlungspflicht bereits aus den genannten Gr�nden ergibt, er�brigt sich eine Pr�fung des Falles unter dem Aspekt der Geschlechtergleichbehandlung wie es die Beschwerdef�hrerin geltend macht. Ebenfalls braucht nicht gepr�ft zu werden, ob bei Aufschub der Mutterschaftsentsch�digung auch ohne pers�nliche Arbeitsunf�higkeit der Mutter gest�tzt auf die elterliche Betreuungspflicht Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht (vgl. E. 5.4).
Das Verfahren ist kostenpflichtig. Das unterliegende AWA hat die Gerichtskosten zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG).
Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten wird gutgeheissen. Die Entscheide des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom 25. November 2015 und der Personalrekurskommission des Kantons Thurgau vom 20. Februar 2015 sowie die Verf�gung des Amtes f�r Wirtschaft und Arbeit des Kantons Thurgau vom 10. September 2014 werden aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Beschwerdef�hrerin Anspruch auf vollen Lohnersatz f�r die Zeit vom 1. September bis 31. Oktober 2014 hat.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Kosten des vorangegangenen Verfahrens an das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau zur�ckgewiesen.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau und dem Personalrekurskommission des Kantons Thurgau schriftlich mitgeteilt.