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Timestamp: 2016-10-26 03:59:52
Document Index: 372641016

Matched Legal Cases: ['Art. 86', 'Art. 90', 'Art. 82', 'BGE', 'BGE', 'Art. 113', 'BGE', 'Art. 62', 'BGE', 'BGE', 'Art. 62', 'Art. 29', 'BGE', 'Art. 62', 'Art. 62', 'Art. 9', 'BGE', 'Art. 9', 'Art. 97', 'Art. 63', 'Art. 62', 'Art. 63', 'Art. 63', 'Art. 62', 'BGE', 'BGE', 'Art. 62', 'Art. 126', 'Art. 62', 'Art. 63', 'Art. 96', 'Art. 96', 'BGE', 'Art. 62', 'BGE', 'Art. 62', 'BGE', 'Art. 96', 'Art. 64', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 68']

2C_655/2012 (13.02.2013)
2C_655/2012
Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, vom 25. April 2012.
A.a Der t�rkische Staatsangeh�rige X.________ wurde am 21. Februar 1984 in der Schweiz geboren und erhielt in der Folge eine Niederlassungsbewilligung. Er besuchte die obligatorischen Schulen und absolvierte eine Anlehre als Verk�ufer.
A.b X.________ trat bereits als Jugendlicher strafrechtlich in Erscheinung, namentlich wegen sexueller Bel�stigung (zwei Anzeigen im Jahr 1997). Als Erwachsener wurde er folgendermassen verurteilt:
5. November 2003: bedingte Gef�ngnisstrafe von acht Monaten wegen Raubs;
31. M�rz 2006: bedingte Gef�ngnisstrafe von sechs Monaten wegen mehrfachen Diebstahls, mehrfacher Sachbesch�digung und mehrfachen Hausfriedensbruchs;
2. November 2007: Geldstrafe von zehn Tagess�tzen wegen Sachbesch�digung;
11. Mai 2009: 13 Monate Freiheitsstrafe und Busse von Fr. 100.-- wegen Angriffs, Raufhandels und einfacher K�rperverletzung (mit einem gef�hrlichen Gegenstand) und �bertretung des Transportgesetzes, teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil des Strafgerichtspr�sidiums Basel-Landschaft vom 31. M�rz 2006 und als Zusatzstrafe zum Urteil des Strafgerichtspr�sidiums Basel-Stadt vom 2. November 2007;
3. Dezember 2010: sechs Monate Freiheitsstrafe und Busse von Fr. 200.-- wegen mehrfachen Diebstahls, mehrfachen Hausfriedensbruchs, Sachentziehung, Sachbesch�digung, Hehlerei, mehrfacher Widerhandlung gegen das Bet�ubungsmittelgesetz, mehrfacher Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz und Diensterschwerung, als Gesamtstrafe und als teilweise Zusatzstrafe zum Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 11. Mai 2009;
8. Juni 2011: Busse von Fr. 250.-- wegen Widerhandlung gegen das Bet�ubungsmittelgesetz.
Das Amt f�r Migration Basel-Landschaft (nachfolgend: Migrationsamt) verwarnte X.________ am 11. Februar 2004 sowie am 31. Mai 2010.
A.c Am 24. April 2012 waren in Bezug auf X.________ 44 Betreibungen im Gesamtbetrag von Fr. 44'097.15 und 40 Verlustscheine (davon 32 offene) im Gesamtbetrag von Fr. 47'873.45 registriert.
A.d Das Migrationsamt gew�hrte X.________ am 9. M�rz 2011 das rechtliche Geh�r betreffend den beabsichtigten Widerruf der Niederlassungsbewilligung. X.________ liess sich dazu nicht vernehmen.
Am 16. Juni 2011 widerrief das Migrationsamt die Niederlassungsbewilligung und verpflichtete X.________ mit Wirkung auf den Zeitpunkt der (bedingten) Entlassung aus dem Strafvollzug zur Ausreise aus der Schweiz.
X.________ focht diese Verf�gung beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft an, welcher die Beschwerde am 13. September 2011 abwies. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft best�tigte diesen Entscheid mit Urteil vom 25. April 2012.
Mit Eingabe vom 4. Juli 2012 erhebt X.________ beim Bundesgericht Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten, allenfalls subsidi�re Verfassungsbeschwerde mit den Antr�gen, das angefochtene Urteil sei aufzuheben; eventuell sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen. Zudem beantragt X.________ die Gew�hrung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Beiordnung seines Rechtsvertreters.
Das Kantonsgericht verzichtet auf Vernehmlassung. Der Regierungsrat und das Bundesamt f�r Migration schliessen auf Abweisung der Beschwerde; das Migrationsamt hat sich nicht ge�ussert.
Mit Pr�sidialverf�gung vom 6. Juli 2012 ist der Beschwerde antragsgem�ss aufschiebende Wirkung erteilt worden.
1.1 Angefochten ist der letztinstanzliche, verfahrensabschliessende Entscheid eines kantonalen Gerichts auf dem Gebiet des �ffentlichen Rechts, welcher grunds�tzlich der Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten unterliegt (vgl. Art. 86 Abs. 1 lit. d BGG, Art. 90 BGG, Art. 82 lit. a BGG). Gegen Entscheide �ber den Widerruf einer Niederlassungsbewilligung ist die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten zul�ssig, weil grunds�tzlich ein Anspruch auf das Fortbestehen dieser Bewilligung gegeben ist (BGE 135 II 1 E. 1.2.1 S. 4). Ob der Anspruch auf Aufhebung des Widerrufs im konkreten Fall zu bejahen ist, betrifft nicht die Eintretensfrage, sondern die materielle Behandlung der Beschwerde (BGE 136 II 177 E. 1.1 S. 179). Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ist somit zul�ssig. Demgem�ss bleibt f�r die subsidi�re Verfassungsbeschwerde kein Raum, weshalb darauf nicht einzutreten ist (vgl. Art. 113 BGG).
1.2 Die �brigen Sachurteilsvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass, weshalb auf die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten einzutreten ist.
Der Beschwerdef�hrer moniert, die Vorinstanz habe eine seiner R�gen nicht behandelt und damit eine Geh�rsverletzung begangen. Diese formelle R�ge ist vorab zu behandeln (vgl. BGE 138 I 232 E. 5.1 S. 237).
3.1 In der Beschwerde an die Vorinstanz habe er - der Beschwerdef�hrer - geltend gemacht, "Opfer" der h�chstrichterlichen Praxis�nderung geworden zu sein. Der Regierungsrat habe den Widerruf der Niederlassungsbewilligung auf Art. 62 lit. b AuG (SR 142.20) gest�tzt. Er habe auf die Praxis des Bundesgerichts zum ANAG (BS 1 121) aus dem Jahr 1999 Bezug genommen, wonach gem�ss BGE 125 II 521 eine Ausweisung erst bei einer Verurteilung der betroffenen Person zu einer Freiheitsstrafe von zwei oder mehreren Jahren m�glich gewesen sei. Weiter habe der Regierungsrat BGE 135 II 377 aus dem Jahr 2009 zitiert, wonach der Widerrufsgrund des Art. 62 lit. b AuG bereits bei einer ausgesprochenen Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr erf�llt sei. Gleichzeitig habe der Regierungsrat aber die herrschende Lehre erw�hnt, welche den Widerrufsgrund der l�ngerfristigen Freiheitsstrafe erst bei einer Verurteilung von deutlich �ber einem Jahr als erf�llt erachtet habe. Da er - der Beschwerdef�hrer - im Jahr 2009 zu einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten verurteilt worden sei, sollte nicht von einer Freiheitsstrafe von deutlich �ber einem Jahr gesprochen werden. Er habe die Taten in den Jahren 2005 und 2007 ver�bt; in jener Zeit habe noch die h�chstrichterliche Praxis gegolten, wonach eine Ausweisung erst bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von zwei oder mehreren Jahren m�glich gewesen sei. Es d�rfe nicht sein, dass er "Opfer" der Revision des AuG und der damit zusammenh�ngenden h�chstrichterlichen Gesetzeskonkretisierung werde.
3.2 Das rechtliche Geh�r nach Art. 29 Abs. 2 BV verlangt, dass die Beh�rde die Vorbringen der betroffenen Person auch tats�chlich h�rt, pr�ft und in der Entscheidfindung ber�cksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung der Beh�rde, ihren Entscheid zu begr�nden. Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einl�sslich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdr�cklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die f�r den Entscheid wesentlichen Punkte beschr�nken. Die Begr�ndung muss so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person �ber die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die h�here Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinn m�ssen wenigstens kurz die �berlegungen genannt werden, von denen sich die Beh�rde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid st�tzt (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.2 S. 236 mit Hinweisen).
Die Vorinstanz hat die anwendbaren Rechtsgrundlagen korrekt zitiert und gest�tzt darauf konzis und nachvollziehbar begr�ndet, warum ihrer Auffassung nach der Regierungsrat den Widerrufsgrund des Art. 62 lit. b AuG zu Recht als erf�llt erachtet hatte. Darin, dass die Vorinstanz auf die nicht nur unzutreffenden, sondern auch abwegigen �bergangsrechtlichen Ausf�hrungen des rechtskundig vertretenen Beschwerdef�hrers nicht n�her eingegangen ist, liegt keine Geh�rsverletzung.
3.3 Ob die Vorinstanz den Widerrufsgrund des Art. 62 lit. b AuG mit zutreffender Begr�ndung bejaht hat, wird im Rahmen der materiellen R�gen (vgl. E. 6) zu pr�fen sein.
Der Beschwerdef�hrer r�gt eine Verletzung des Gebots von Treu und Glauben gem�ss Art. 9 BV.
4.1 Entgegen den Ausf�hrungen im vorinstanzlichen Urteil habe das Migrationsamt bei der Aussprechung der Verwarnung am 31. Mai 2010 Kenntnis des laufenden Verfahrens gegen den Beschwerdef�hrer wegen Widerhandlungen gegen das Bet�ubungsmittelgesetz gehabt. Dennoch habe es nicht sofort den Widerruf der Niederlassungsbewilligung verf�gt, sondern durch die Verwarnung beim Beschwerdef�hrer ein sch�tzenswertes Vertrauen erweckt. Indem das Migrationsamt schliesslich am 16. Juni 2011 die Niederlassungsbewilligung in Kenntnis des letzten Strafverfahrens und trotz des seit 2010 straffreien Verhaltens des Beschwerdef�hrers widerrufen habe, habe es den Schutz des Vertrauens in den Rechtsstaat und in die Rechtssicherheit sowie das Verbot des widerspr�chlichen und rechtsmissbr�uchlichen Verhaltens in krasser Weise verletzt.
4.2 In Bezug auf den Vertrauensschutz im Ausl�nderrecht hat das Bundesgericht in �bereinstimmung mit den allgemeinen Grunds�tzen (vgl. Urteil 9C_419/2011 vom 17. September 2012 E. 4.2.1; BGE 131 V 472 E. 5) entschieden, dass das in Art. 9 BV verankerte Gebot von Treu und Glauben nach den Umst�nden, jedoch nur in engen Grenzen ein Recht auf die Erteilung einer Bewilligung verleihen kann. Dies ist namentlich der Fall, wenn die ausl�ndische Person auf falsche Ausk�nfte der zust�ndigen Beh�rde vertraut und gest�tzt darauf unumkehrbare Vorkehrungen getroffen hat (Urteile 2C_40/2012 vom 15. Oktober 2012 E. 5; 2C_503/2009 vom 8. Januar 2010 E. 2.4 mit Hinweisen). Die gleichen Anforderungen m�ssen gelten, wenn die berechtigte Erwartung gesch�tzt werden soll, dass eine Bewilligung nicht widerrufen wird.
Der Beschwerdef�hrer macht geltend, er habe darauf vertraut, dass die Niederlassungsbewilligung nicht widerrufen werde. Er verkennt, dass die Verwarnung vom 31. Mai 2010 im Zusammenhang mit der am 11. Mai 2009 erfolgten Verurteilung zu 13 Monaten Freiheitsstrafe zu sehen ist: Das entsprechende Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt war am 1. M�rz 2010 in Rechtskraft erwachsen. Anstatt in diesem Zeitpunkt den Widerruf der Niederlassungsbewilligung zu verf�gen, hat das Migrationsamt eine letzte Verwarnung ausgesprochen; es hat dabei das laufende Strafverfahren explizit erw�hnt. Dem Beschwerdef�hrer musste deshalb klar sein, dass er die drohende Massnahme kaum mehr w�rde abwenden k�nnen. Dies begr�ndet jedoch kein berechtigtes Vertrauen dahingehend, dass die Beh�rde vom Widerruf der Bewilligung absehen w�rde. Eine Vertrauensgrundlage ist auch nicht dadurch entstanden, dass das Migrationsamt mit dem Widerruf zugewartet hat, bis der Beschwerdef�hrer erneut (rechtskr�ftig) verurteilt wurde. Vielmehr war dies - in Anbetracht der M�glichkeit eines Freispruchs - sogar angezeigt. Der Beschwerdef�hrer kann sich somit nicht auf eine Vertrauensgrundlage berufen. Auch die �brigen Voraussetzungen des Vertrauensschutzes, namentlich eine falsche Zusicherung des Migrationsamts sowie unumkehrbare Dispositionen auf Seiten des Beschwerdef�hrers, sind nicht erf�llt. Eine Verletzung des Rechts auf Treu und Glauben ist daher zu verneinen.
Der Beschwerdef�hrer macht eine unvollst�ndige Sachverhaltsfeststellung und willk�rliche Beweisw�rdigung im Sinn von Art. 97 Abs. 1 BGG geltend.
Er m�sste im Fall einer Wegweisung sofort in den t�rkischen Milit�rdienst treten; dieser dauere 15 Monate. Als Sohn kurdisch-st�mmiger Auswanderer w�rde ihm zudem eine menschenrechtsverletzende und schikan�se Behandlung drohen. Indem die Vorinstanz den zu leistenden Milit�rdienst nur mit einem Satz erw�hnte, ihn aber nicht ber�cksichtigte, habe sie den Sachverfalt unvollst�ndig festgestellt und Beweise willk�rlich gew�rdigt.
Welche Beweise die Vorinstanz willk�rlich gew�rdigt haben soll, geht aus der Beschwerde nicht hervor. Sodann entbehrt die Behauptung, der Beschwerdef�hrer w�re im Milit�rdienst menschenrechtsverletzender und schikan�ser Behandlung ausgesetzt, jeglicher Grundlage. Die R�ge ist nicht hinreichend substanziiert, so dass darauf nicht einzugehen ist (vgl. E. 2.2).
Die Vorinstanz best�tigte den Widerruf der Niederlassungsbewilligung gest�tzt auf Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG. Zudem kam sie zum Schluss, auch der Widerrufsgrund des Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG sei erf�llt.
6.1 Gem�ss Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die ausl�ndische Person zu einer l�ngerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt oder gegen sie eine strafrechtliche Massnahme angeordnet wurde. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung f�llt unter den Begriff der l�ngerfristigen Freiheitsstrafe jede Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr (BGE 135 II 377 E 4.2), wobei die Strafe sich zwingend auf ein einziges Strafurteil st�tzen muss (BGE 137 II 297 E. 2).
6.2 Der Beschwerdef�hrer macht sinngem�ss geltend, die Praxis zu Art. 62 lit. b AuG sei auf ihn nicht anwendbar und die Unterstellung unter das AuG stelle eine unzul�ssige echte R�ckwirkung dar, da zur Zeit der Begehung der Straftaten das AuG noch nicht in Kraft gestanden habe.
Am 1. Januar 2008 ist das AuG in Kraft getreten. Praxisgem�ss bleibt in analoger Anwendung von Art. 126 Abs. 1 AuG das bisherige (materielle) Recht anwendbar, wenn ein Ausweisungsverfahren noch vor Inkrafttreten des neuen Rechts er�ffnet worden ist (vgl. Urteile 2C_745/2008 vom 24. Februar 2009 E. 1.2.3; 2C_701/2008 vom 26. Februar 2009 E. 2).
Grunds�tzlich steht es im Ermessen der Migrationsbeh�rde zu entscheiden, in welchem Zeitpunkt sie ein Widerrufsverfahren einleiten will. Vorliegend geschah dies mit der Gew�hrung des rechtlichen Geh�rs am 9. M�rz 2011. Somit richtet sich der Widerruf der Bewilligung nach den Bestimmungen des AuG, wobei auch die zugeh�rige Rechtsprechung zu beachten ist. F�r die Frage des intertemporalen Rechts im vorliegenden Zusammenhang ist weder das Datum der verfahrensausl�senden Verurteilung noch jenes der ihr zugrunde liegenden Straftaten von Belang.
6.3 Da der Beschwerdef�hrer rechtskr�ftig zu einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten verurteilt wurde, ist der Widerrufsgrund im Sinn von Art. 62 lit. b AuG erf�llt. Es kann daher offen bleiben, ob die Vorinstanz den Widerrufsgrund des Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG, der einen schwerwiegenden Verstoss gegen die �ffentliche Sicherheit und Ordnung oder deren Gef�hrdung voraussetzt, zu Recht als erf�llt erachtet hat. Die hohen Schulden des Beschwerdef�hrers sowie die �brigen Verurteilungen d�rfen im Rahmen der Verh�ltnism�ssigkeitspr�fung gem�ss Art. 96 Abs. 1 AuG (vgl. E. 7) jedoch ber�cksichtigt werden.
7.1 Bei gegebenen Voraussetzungen ist der Widerruf der Bewilligung nur gerechtfertigt, wenn er sich nach einer im Einzelfall vorzunehmenden Interessenw�gung als verh�ltnism�ssig erweist (vgl. Art. 96 Abs. 1 AuG). Dabei sind namentlich die Schwere des Verschuldens, der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu ber�cksichtigen (BGE 135 II 377 E. 4.3 S. 381).
7.2 Ausgangspunkt und Massstab f�r die Schwere des Verschuldens und die fremdenpolizeiliche Interessenabw�gung im Rahmen eines Bewilligungsentzugs gest�tzt auf Art. 62 lit. b AuG (Verurteilung zu einer l�ngerfristigen Freiheitsstrafe) ist die vom Strafgericht verh�ngte Strafe (BGE 129 II 215 E. 3.1 S. 216). Der Beschwerdef�hrer wurde im Alter von 25 Jahren zu einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten verurteilt. Dabei handelte es sich bereits um die vierte Verurteilung in f�nfeinhalb Jahren; der Beschwerdef�hrer war mehrmals - so auch diesmal - w�hrend der Probezeit r�ckf�llig geworden. Das Strafgericht Basel-Stadt erwog in seinem Urteil vom 11. Mai 2009, der ohne wirklichen Anlass erfolgte gewaltt�tige �bergriff auf das Opfer sei �usserst gravierend und absolut unverzeihlich, auch wenn ber�cksichtigt werde, dass der Beschwerdef�hrer angetrunken gewesen sei. Der Schlag mit dem Bierglas mitten ins Gesicht h�tte buchst�blich ins Auge gehen und dem Opfer einen bleibenden Schaden zuf�gen k�nnen. Das Strafgericht verwies auf die Vorstrafen und den kurzen Zeitraum von nur drei Monaten zwischen der Tatbegehung und der Verurteilung vom 31. M�rz 2006. Es attestierte dem Beschwerdef�hrer ein "beachtliches Aggressions- und Gewaltpotenzial" sowie eine "geh�rige Unbelehrbarkeit". Von einer "wirklichen Gest�ndigkeit oder Reue" k�nne nicht die Rede sein. Zwar habe der Beschwerdef�hrer seine Beteiligung am Raufhandel und am Angriff nicht bestritten; die Schuld daran habe er jedoch mit der Behauptung, provoziert worden zu sein, dem Gesch�digten zuschieben wollen.
Allein die Deliktskarriere des Beschwerdef�hrers bis zur verfahrensausl�senden Verurteilung vom 11. Mai 2009 zeigt, dass er weder aus den ersten beiden Verurteilungen vom 5. November 2003 und vom 31. M�rz 2006 noch aus der Verwarnung vom 11. Februar 2004 Lehren gezogen hat. Obwohl diese Verwarnung im Anschluss an die erste Verurteilung (zu immerhin acht Monaten Gef�ngnis bedingt) ausgesprochen worden war, delinquierte der Beschwerdef�hrer noch w�hrend der Probezeit erneut. Die fortgesetzte Uneinsichtigkeit des Beschwerdef�hrers l�sst auf eine konkrete R�ckfallgefahr schliessen, welche das �ffentliche Interesse an seiner Wegweisung erh�ht. In Anbetracht der Vorstrafen und der Tatsache, dass der Beschwerdef�hrer am 3. Dezember 2010 - nach der Verurteilung zu einer l�ngerfristigen Freiheitsstrafe im Sinn von Art. 62 lit. b AuG - erneut zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde, muss das Risiko der R�ckfallgefahr als betr�chtlich eingesch�tzt werden. Die Vorinstanz weist in diesem Zusammenhang zu Recht auf eine erhebliche Bagatellisierungstendenz hin, welche der Beschwerdef�hrer anl�sslich der Parteiverhandlung vom 25. April 2012 hat erkennen lassen. Die Vorinstanz w�rdigt auch den Strafbefehl vom 8. Juni 2011 (Busse wegen Erwerbs und Besitzes von Speed f�r den Eigenkonsum) korrekt, indem sie darin - trotz der geringen Schwere dieses Delikts - das Unverm�gen des Beschwerdef�hrers, sich in die schweizerische Rechtsordnung einzuf�gen, best�tigt sieht. Mit Blick auf diese Begleitumst�nde und die Art der begangenen Delikte (davon mehrere Gewaltdelikte) ist von einem erheblichen ausl�nderrechtlichen Verschulden auszugehen. Es besteht daher ein wesentliches sicherheitspolizeiliches Interesse an der Wegweisung des Beschwerdef�hrers.
7.3 Dem genannten �ffentlichen Interesse sind die privaten Interessen des Beschwerdef�hrers am Verbleib in der Schweiz gegen�berzustellen. Je l�nger eine ausl�ndische Person in der Schweiz gelebt hat, desto strengere Anforderungen sind an Entfernungs- und Fernhaltemassnahmen zu stellen. Solche sind indessen selbst bei ausl�ndischen Personen der "zweiten Generation", die in der Schweiz geboren sind und hier ihr ganzes bisheriges Leben verbracht haben, bei Gewaltdelikten bzw. wiederholter schwerer Straff�lligkeit nicht generell ausgeschlossen. Ausschlaggebend ist die Verh�ltnism�ssigkeit der Massnahme im Einzelfall, die praxisgem�ss gest�tzt auf die gesamten wesentlichen Umst�nde gepr�ft werden muss (BGE 135 II 110 E. 2.1 S. 112).
7.3.1 Der Beschwerdef�hrer ist in der Schweiz geboren; er hat demnach sein ganzes bisheriges Leben hier verbracht. Dieser Umstand spricht f�r den Verbleib in der Schweiz.
7.3.2 Was die Integration betrifft, sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche auf eine �berdurchschnittliche Eingliederung in schweizerische Verh�ltnisse schliessen liessen. Aus der mehrj�hrigen Delinquenz des Beschwerdef�hrers ergibt sich vielmehr, dass die soziale Integration nicht gelungen ist. Die berufliche Integration ist als m�ssig zu beurteilen, nachdem der Beschwerdef�hrer - nach jahrelanger Sozialhilfeabh�ngigkeit - erst im September 2011 und damit nach dem Widerruf der Niederlassungsbewilligung durch das Migrationsamt begonnen hat, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Vorinstanz hat in diesem Zusammenhang zus�tzlich negativ gewichtet, dass die Betreibungen und Verlustscheine sich auch nach Anstellungsbeginn vermehrt haben. Auch seine hohen Schulden hat der Beschwerdef�hrer erst unter dem Eindruck des drohenden Bewilligungsentzugs abzuzahlen begonnen, wobei die Bemerkung gegen�ber der Vorinstanz, er tue dies "absolut freiwillig", Bedenken weckt. Der Beschwerdef�hrer scheint nicht verstanden zu haben, dass die Erf�llung privatrechtlicher und �ffentlichrechtlicher Verpflichtungen in der schweizerischen Rechtsordnung erwartet wird und keine freiwillige Leistung darstellt. Insgesamt kann die Integration in schweizerische Verh�ltnisse nicht als erfolgreich bezeichnet werden.
7.3.3 Eine �bersiedlung in die T�rkei w�re f�r den Beschwerdef�hrer mit Schwierigkeiten verbunden, da er dort keine nahen Verwandten hat. Immerhin gab er im vorinstanzlichen Verfahren an, dass noch einige Cousins seiner Mutter dort leben w�rden. Auch wenn dies nur entfernte Verwandte sind, w�re der Beschwerdef�hrer nicht v�llig auf sich allein gestellt. Er ist jung, gesund und spricht die t�rkische Sprache; zudem ist er ledig und kinderlos. Unter diesen Umst�nden ist die Ausreise in die T�rkei nicht unzumutbar, auch wenn der Beschwerdef�hrer sein Herkunftsland nur von Ferienaufenthalten kennt. Auch die Tatsache, dass er allenfalls Milit�rdienst leisten m�sste, steht dieser Beurteilung nicht entgegen (vgl. Urteil 2C_66/2009 vom 1. Mai 2009 E. 3.3 am Ende).
7.4 Aus den vorstehenden Erw�gungen ergibt sich, dass dem privaten Interesse des Beschwerdef�hrers am Verbleib in der Schweiz ein erhebliches ordnungs- und sicherheitspolizeiliches Interesse an seiner Wegweisung gegen�bersteht. Zudem d�rfen generalpr�ventive Gesichtspunkte bei ausl�ndischen Personen, welche sich nicht auf das FZA (SR 0.142.112.681) berufen k�nnen, im Rahmen der Interessenabw�gung ber�cksichtigt werden (Urteil 2C_679/2011 vom 21. Februar 2012 E. 3. 1). Der Umstand, dass der Beschwerdef�hrer in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist, und die zu erwartenden Schwierigkeiten bei einer Ausreise in die T�rkeit verm�gen f�r sich allein genommen das �ffentliche Interesse an seiner Wegweisung nicht aufzuwiegen. Der angefochtene Entscheid erweist sich somit als verh�ltnism�ssig im Sinn von Art. 96 AuG.
8.1 Gem�ss Art. 64 Abs. 1 BGG befreit das Bundesgericht eine Partei, die nicht �ber die erforderlichen Mittel verf�gt, auf Antrag von der Bezahlung der Gerichtskosten und von der Sicherstellung der Parteientsch�digung, sofern ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Praxisgem�ss sind Prozessbegehren als aussichtslos anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten betr�chtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden k�nnen. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungef�hr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die �ber die n�tigen finanziellen Mittel verf�gt, sich bei vern�nftiger �berlegung zu einem Prozess entschliessen w�rde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht f�hren w�rde, nicht deshalb anstrengen k�nnen, weil er sie nichts kostet (BGE 129 I 129 E. 2.3.1 S. 135 mit Hinweisen).
Die vorstehenden Erw�gungen haben gezeigt, dass der Beschwerde kaum Erfolgsaussichten beschieden waren. In Bezug auf die Verh�ltnism�ssigkeit des Bewilligungswiderrufs standen der Vielzahl negativer Aspekte (erhebliches Verschulden bei der verfahrensausl�senden Verurteilung, mehrere weitere Verurteilungen zu nicht geringf�gigen Strafen, R�ckf�lle in der Probezeit, erhebliche R�ckfallgefahr, hohe Schulden, mangelnde soziale und berufliche Integration) nur ein Aspekt gegen�ber, welcher f�r einen Verbleib in der Schweiz sprach: Der Beschwerdef�hrer ist Angeh�riger der zweiten Generation ausl�ndischer Personen. Diese Verteilung der �ffentlichen und privaten Interessen hat die Abweisung der Beschwerde erwarten lassen, zumal die Vorinstanz in fundierter Weise begr�ndet hat, warum die Massnahme verh�ltnism�ssig ist. Aufgrund der Aussichtslosigkeit des Rechtsmittels ist das Gesuch um unentgeltliche Prozessf�hrung abzuweisen, und dem Verfahrensausgang entsprechend sind dem Beschwerdef�hrer die Kosten zu auferlegen (vgl. Art. 66 Abs. 1 BGG).
8.2 Es ist keine Parteientsch�digung zuzusprechen (vgl. Art. 68 BGG).