Source: https://www.frankfurt-main.ihk.de/finanzplatz/finanzdienstleister/brancheninformationen/versicherungen/idd/index.html
Timestamp: 2020-08-11 07:50:15
Document Index: 45858192

Matched Legal Cases: ['§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 48', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 156', '§ 34', '§ 34', '§ 156', '§ 34', '§ 34', '§ 34']

Gesetzliche Neuerungen aufgrund der IDD - IHK Frankfurt am Main
»Versiche­rungs­vermittler/-berater nach § 34d/e der Gewerbeord­nung
»Gesetzliche Neue­rungen aufgrund der IDD
Neuerungen für Versicherungsvermittler und -berater
Das Gesetz zur Umsetzung der EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie (Insurance Distribution Directive, IDD), welches Anpassungen in der Gewerbeordnung (GewO), im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) sowie im Versicherungs- aufsichtsgesetz (VAG) vornimmt, ist in wesentlichen Teilen am 23. Februar 2018 in Kraft getreten. Den Wortlaut des Umsetzungsgesetzes finden Sie hier.
Einzelheiten sollen in einer überarbeiteten Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV) geregelt werden, die der Gesetzgeber jedoch erst noch erlassen muss.
Zu den wichtigsten gesetzlichen Neuerungen zählen:
Erlaubnis für Versicherungsberater
Wer bisher als selbstständiger Versicherungsberater tätig werden wollte, bedurfte der Erlaubnis nach § 34e Absatz 1 GewO a. F. Aufgrund der Überarbeitung der Gewerbeordnung fallen die Honorar-Versicherungsberater nun unter den Erlaubnistatbestand des § 34d Absatz 2 GewO. Jedoch gilt auch weiterhin, dass eine gleichzeitige Tätigkeit als Versicherungsvermittler (Versicherungsmakler oder Versicherungsvertreter/Mehrfachagent) und als Versicherungsberater nicht zulässig ist. Insofern ergibt sich keine Änderung zur vorherigen Situation.
Für Versicherungsvermittler bleiben die Vergütungsregelungen im Wesentlichen gleich. Geplante Verschärfungen, die im Gesetzgebungsverfahren diskutiert worden waren, wurden doch nicht umgesetzt. Das Gewähren oder Versprechen von Sondervergütungen aus einem Versicherungsvertrag ist Versicherungsvermittlern jedoch untersagt.
Der Versicherungsberater darf sich bei seiner Tätigkeit nur durch den Auftraggeber vergüten lassen. Bei Vorliegen mehrerer für den Versicherungsnehmer in gleicher Weise geeigneter Versicherungen hat der Versicherungsberater vorrangig Nettoprodukte anzubieten – also Versicherungspolicen, deren Prämien keinen Provisionsanteil für die Vermittlung des Vertrages enthalten. Vermittelt er dagegen Versicherungen mit Bruttotarifen, muss er unverzüglich veranlassen, dass die Zuwendungen, wie in § 48c VAG geregelt, durch das Versicherungsunternehmen direkt an den Versicherungsnehmer ausgekehrt werden.
Durch § 34d Absatz 9 GewO wird eine Weiterbildungspflicht für Versicherungsvermittler und Versicherungsberater, für Ausschließlichkeitsvertreter sowie für die unmittelbar bei der Vermittlung oder Beratung mitwirkenden Beschäftigten in einem Umfang von 15 Zeitstunden pro Jahr eingeführt. Eine Ausnahme hiervon bilden die produktakzessorischen Versicherungsvermittler sowie Annexvermittler. Ausgenommen von der Weiterbildungspflicht sind zudem Ausschließlichkeitsvermittler und ihre Beschäftigten, wenn die vermittelten Versicherungen nur eine Zusatzleistung zur Lieferung einer Ware oder zur Erbringung einer Dienstleistung darstellen.
Registerpflicht für leitende Angestellte
Angestellte, die in leitender Position für die Vermittlung oder Beratung verantwortlich sind, müssen nun in das Vermittlerregister eingetragen werden.
Möglichkeit der Sachkundedelegation
Die Sachkunde kann auch weiterhin auf einen Beschäftigten delegiert werden, dem die Aufsicht über die unmittelbar mit der Vermittlung oder Beratung befassten Personen übertragen ist und der den Arbeitgeber vertreten darf. Allerdings ist eine Delegation auf Beschäftigte bei Einzelunternehmen (natürlichen Personen) dann nicht mehr möglich, wenn die Erlaubnisinhaber selbst Versicherungen vermitteln oder darüber beraten oder für diese Tätigkeiten in der Leitung des Gewerbebetriebs verantwortlich sind.
Berufshaftpflichtversicherung und gleichwertige Garantie
Alternativ zum Nachweis einer Berufshaftpflichtversicherung kann nun das Bestehen einer gleichwertigen Garantie nachgewiesen werden (§ 34d Absatz 5 Nr. 3 GewO).
Potentielle oder tatsächliche Verstöße gegen die Neuregelungen können – auch anonym – an die Industrie- und Handelskammern abgegeben werden (§ 34d Absatz 12 GewO).
Öffentliche Bekanntmachung von Verstößen („Pranger“)
Bei Verstößen gegen die gesetzlichen Vorgaben müssen Versicherungsvermittler und Versicherungsberater mit einem entsprechenden Eintrag im Vermittlerregister rechnen. Dies ist der Fall, wenn es sich um Verstöße mit gewerberechtlichem Bezug handelt und wenn die entsprechende Entscheidung der zuständigen Behörde nicht mehr anfechtbar ist. Die zuständige Behörde kann jedoch von einer Bekanntmachung absehen, diese verschieben oder auf anonymer Basis vornehmen, sofern eine Veröffentlichung personenbezogener Daten unverhältnismäßig wäre oder diese die Stabilität der Finanzmärkte oder laufende Ermittlungen gefährden würde (§ 34d Absatz 11 GewO).
Um den Vermittlern die notwendige Zeit zur Umstellung auf die neue Rechtslage zu geben, hat der Gesetzgeber die Übergangsregelung nach § 156 GewO neu gefasst.
Danach gilt die Erlaubnis als Versicherungsberater nach § 34e Absatz 1 GewO, die vor dem 23.02.2018 erteilt worden ist, als Erlaubnis als Versicherungsberater nach § 34d Absatz 2 Satz 1 GewO. Im Vermittlerregister wird die Bezeichnung der Versicherungsberater automatisch aktualisiert.
Für den Wechsel vom Versicherungsvermittler zum Versicherungsberater sieht der Gesetzgeber ein vereinfachtes Verfahren vor. Versicherungsvermittler können nach § 156 Absatz 2 GewO die Erlaubnis als Versicherungsberater nach § 34d Absatz 2 Satz 1 GewO unter Vorlage der bisherigen Gewerbeerlaubnis nach § 34d Absatz 1 GewO, die vor dem 23. Februar 2018 ereilt worden ist, im Rahmen eines vereinfachten Erlaubnisverfahrens beantragen. In diesem Fall erfolgt keine Prüfung der Zuverlässigkeit und der Sachkunde.
Außerdem ist zu beachten, dass Versicherungsberater trotz des Zuwendungsverbotes Zuwendungen eines Versicherungsunternehmens annehmen dürfen, die aus einer Vermittlung entstanden sind, die bis zur Erteilung der neuen Erlaubnis als Versicherungsberater nach § 34d Absatz 2 Satz 1 GewO (in der neuen Fassung) erfolgt ist.