Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/amtshaftung-der-gemeinde-fuer-seine-kindergartenkinder-350283
Timestamp: 2020-01-28 16:43:58
Document Index: 88480773

Matched Legal Cases: ['§ 839', 'Art. 34', '§ 832', '§ 832', '§ 839', 'Art. 34', '§ 832', '§ 839', '§ 832', '§ 839', '§ 839', '§ 823', '§ 832', '§ 832', '§ 839', '§ 839', '§ 832', '§ 832', '§ 832', '§ 833', '§ 836', '§ 839', '§ 832', '§ 832', '§ 836', '§ 832', '§ 839', '§ 823', '§ 832', '§ 839', 'Art. 34', '§ 823', '§ 832', '§ 823', '§ 823', '§ 839', '§ 832', '§ 836', '§ 839', '§ 823', '§ 832', '§ 832', '§ 832', '§ 839', '§ 832', '§ 833', '§ 836', '§ 832', '§ 832', '§ 832', '§ 832', '§ 839', '§ 832', '§ 832', '§ 831', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 832', 'BGH', '§ 832', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839', '§ 839', '§ 832', '§ 839', '§ 832', '§ 832', '§ 832', '§ 832', '§ 832', '§ 832', '§ 832', '§ 12', '§ 832', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 836', '§ 833', 'BGH']

Amts­haf­tung der Gemein­de für sei­ne Kin­der­gar­ten­kin­der | Rechtslupe
Beschä­di­gen in einer Kin­der­ta­ges­stät­te unter­ge­brach­te Kin­der Eigen­tum Drit­ter, so kommt dem Geschä­dig­ten, der gegen eine Gemein­de als Trä­ge­rin der Kin­der­ta­ges­stät­te wegen Ver­let­zung der den Erzie­he­rin­nen der Kin­der­ta­ges­stät­te oblie­gen­den Auf­sichts­pflich­ten Amts­haf­tungs­an­sprü­che nach § 839 BGB in Ver­bin­dung mit Art. 34 GG gel­tend macht, die Beweis­last­re­gel des § 832 BGB zugu­te.
Der Bun­des­ge­richts­hof gibt damit sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung 1 auf, die im Bereich der Amts­haf­tung die Anwen­dung des § 832 BGB aus­schloß und damit Kin­der­gär­ten in öffent­lich-recht­li­cher Trä­ger­schaft gegen­über sol­chen in pri­va­ter Trä­ger­schaft pri­vi­le­gier­te.
Die Erzie­he­rin­nen der in öffent­li­cher Trä­ger­schaft ste­hen­den Kin­der­ta­ges­stät­te sind in Aus­übung eines öffent­li­chen Amtes tätig. Daher beur­teilt sich die Haf­tung der Gemein­de als Trä­ger des Kin­der­gar­tens nach Amts­haf­tungs­grund­sät­zen gemäß § 839 BGB in Ver­bin­dung mit Art. 34 GG.
Für den Umfang und den Inhalt der den Erzie­he­rin­nen der Kin­der­ta­ges­stät­te – auch zum Schutz Drit­ter 2 – oblie­gen­den Auf­sichts­pflicht sind stets die Umstän­de des Ein­zel­falls maß­geb­lich, ins­be­son­de­re Alter, Eigen­art und Cha­rak­ter der Auf­sichts­be­dürf­ti­gen, das ört­li­che Umfeld, das Aus­maß der dro­hen­den Gefah­ren, die Vor­aus­seh­bar­keit des schä­di­gen­den Ver­hal­tens sowie die Zumut­bar­keit der Auf­sichts­maß­nah­me für den Auf­sichts­pflich­ti­gen 3.
Danach waren die Klein­kin­der der Klein­kin­der-Grup­pe zwar nicht "auf Schritt und Tritt", aber doch in kur­zen Abstän­den regel­mä­ßig zu kon­trol­lie­ren 4. Dies gilt auch des­halb, weil es auf­grund der Lage des Außen­ge­län­des der Tages­stät­te und der kon­kre­ten Tätig­keit der Kin­der die­ser Grup­pe (Gar­ten­ar­bei­ten unter Zuhil­fe­nah­me von Gar­ten­ge­rä­ten) nicht aus­ge­schlos­sen erschien, dass die Kin­der selbst oder Drit­te in Fol­ge kind­li­chen Spiels und grup­pen­dy­na­mi­scher Pro­zes­se gefähr­det wer­den konn­ten.
In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall war ver­blie­ben zumin­dest Rest­zwei­fel, ob die Erzie­he­rin­nen ihrer Auf­sichts­pflicht hin­rei­chend nach­ge­kom­men waren. Glei­cher­ma­ßen ist nicht fest­ge­stellt, ob eine – unter­stell­te – Auf­sichts­pflicht­ver­let­zung der Kin­der­gärt­ne­rin­nen ursäch­lich für den Scha­den des Klä­gers gewor­den ist. Denn es ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass es den drei Kin­dern auch bei einer im Abstand von weni­gen Minu­ten erfol­gen­den und damit hin­rei­chen­den Kon­trol­le durch die Zeu­gin hät­te gelin­gen kön­nen, unbe­ob­ach­tet Stei­ne auf­zu­sam­meln, sich von der Grup­pe für kur­ze Zeit zu ent­fer­nen und die Stei­ne auf das Fahr­zeug des Klä­gers zu wer­fen.
Damit ist vor­lie­gend die Fra­ge der Dar­le­gungs- und Beweis­last für die Erfül­lung der Auf­sichts­pflicht und die Ursäch­lich­keit einer etwai­gen Auf­sichts­pflicht­ver­let­zung für den Scha­den des Klä­gers von ent­schei­den­der Bedeu­tung. Frag­lich ist ins­be­son­de­re, ob die Beweis­last­re­gel des § 832 BGB im Rah­men der Amts­haf­tung nach § 839 BGB anwend­bar ist. Dies ist in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur umstrit­ten:
Der Bun­des­ge­richts­hof hat in einer älte­ren Ent­schei­dung 5 eine Anwen­dung des § 832 BGB und des dort gere­gel­ten Ent­schul­di­gungs­be­wei­ses bei einem Zusam­men­tref­fen mit einem Anspruch aus § 839 BGB abge­lehnt 6. Die Haf­tung des Beam­ten sei in § 839 BGB abschlie­ßend und selb­stän­dig in dem Sinn gere­gelt, dass neben die­sen Vor­schrif­ten die Bestim­mun­gen in §§ 823 ff BGB über die all­ge­mei­ne Delikts­haf­tung kei­ne Anwen­dung fin­den könn­ten 7. Das gel­te auch für die Bestim­mun­gen in § 832 BGB, die nicht nur eine Beweis­re­gel ent­hiel­ten, son­dern einen selb­stän­di­gen Delikts­tat­be­stand schaff­ten. Es sei zwar nicht zu ver­ken­nen, dass danach der beam­te­te Auf­sichts­pflich­ti­ge güns­ti­ger gestellt sei als der all­ge­mei­ne Auf­sichts­pflich­ti­ge, der nach § 832 BGB den Ent­schul­di­gungs­be­weis füh­ren müs­se. Eine sol­che Begüns­ti­gung von fahr­läs­sig ihre Amts­pflicht ver­let­zen­den Beam­ten sei aber auch sonst dem Gesetz nicht fremd, wie sich aus § 839 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 und 3 BGB erge­be. Ande­rer­seits kön­ne eine Ver­pflich­tung zum Scha­dens­er­satz aus § 839 BGB auch dann begrün­det sein, wenn einer der sons­ti­gen Delikts­tat­be­stän­de nicht oder nicht voll ver­wirk­licht sei. Soweit es sich um Aus­übung öffent­li­cher Gewalt han­de­le, kom­me dem Geschä­dig­ten über­dies zugu­te, dass er sich an den Staat hal­ten kön­ne, statt an den mög­li­cher­wei­se nicht leis­tungs­fä­hi­gen Beam­ten 8.
Ergän­zend wird ange­führt, für eine ana­lo­ge Anwen­dung der Beweis­last­re­gel des § 832 BGB feh­le es an den Ana­lo­gie­vor­aus­set­zun­gen der Rechts­ähn­lich­keit und der plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke 9. Einer Über­tra­gung der Beweis­last­re­gel des § 832 Abs. 1 Satz 2 BGB auf den Amts­haf­tungs­an­spruch bedür­fe es im Übri­gen auch des­halb nicht, weil mit Hil­fe der fle­xi­blen, im Bereich des Amts­haf­tungs­an­spruchs bestehen­den Instru­men­ta­ri­en der Beweis­erleich­te­rung etwai­ge Beweis­schwie­rig­kei­ten bei einer mög­li­chen Unbil­lig­keit inter­es­sen­ge­recht gelöst wer­den könn­ten 10.
Nach ande­rer Auf­fas­sung, der sich in der Vor­in­stanz auch das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz ange­schlos­sen hat 11, soll die in § 832 Abs. 1 Satz 2 BGB bestimm­te Beweis­last auch bei öffent­lich­recht­li­chen Auf­sichts­ver­hält­nis­sen Anwen­dung fin­den 12. Es kön­ne kei­nen Unter­schied machen, ob eine bestehen­de Auf­sichts­pflicht sich als Amts­pflicht dar­stel­le oder nicht 13. Nach neue­rer Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs wür­den zudem sowohl bei der Haf­tung für Tie­re als auch bei der Haf­tung für den Zustand von Gebäu­den die Beweis­last­re­geln des § 833 Satz 2 BGB 14 bezie­hungs­wei­se des § 836 Abs. 1 Satz 2 BGB 15 im Rah­men des § 839 BGB ent­spre­chend her­an­ge­zo­gen. Ein plau­si­bler Grund, war­um für § 832 Abs. 1 Satz 2 BGB etwas ande­res gel­ten sol­le, sei nicht zu erken­nen 16. Auch die Auf­sichts­pflicht nach § 832 BGB rege­le – wie § 836 BGB – nur einen Unter­fall der all­ge­mei­nen Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht, da auch sie der Ver­hin­de­rung von Schä­den an Rechts­gü­tern Drit­ter infol­ge einer "Ver­kehrs­er­öff­nung" die­ne 17. Zudem fin­de im Fall der Auf­sichts­pflicht die Beweis­last­um­kehr ihren Grund dar­in, dass dem Geschä­dig­ten regel­mä­ßig der Nach­weis der Auf­sichts­pflicht­ver­let­zung ohne Ein­blick in die inter­nen Vor­gän­ge beim Ver­pflich­te­ten nicht mög­lich sein wer­de 18. Es ent­spre­che dem Wesen der Auf­sichts­pflicht als einer gesetz­li­chen Pflicht gegen­über dem Geschä­dig­ten, dass der Pflich­ti­ge Rechen­schaft dar­über able­ge, was er zur Erfül­lung sei­ner Pflicht getan habe 19. Die­se ratio grei­fe unab­hän­gig davon, ob die Auf­sichts­pflicht dem Pflich­ti­gen auf­grund eines pri­vat­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis­ses oder als Amts­pflicht oblie­ge 20. Der zur Begrün­dung der Nicht­an­wend­bar­keit der Beweis­last­re­gel des § 832 BGB her­an­ge­zo­ge­ne Ver­weis auf die gesetz­li­chen Haf­tungs­pri­vi­le­gi­en des sei­ne Amts­pflicht ver­let­zen­den Organ­wal­ters (§ 839 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2, 3 BGB) tra­ge nicht, weil die­se sämt­lich auf ande­ren Erwä­gun­gen beruh­ten als sol­chen, die für die Ver­tei­lung der Beweis­last maß­geb­lich sei­en 20. Auch las­se die Tat­sa­che, dass der Kreis der Amts­pflich­ten wei­ter rei­che als das Ver­bot, die durch §§ 823 ff BGB geschütz­ten Güter zu ver­let­zen, kei­nen Schluss dar­auf zu, dass der Geschä­dig­te auf ande­rem Gebiet 21 schlech­ter zu stel­len sei 20. Schließ­lich habe das Argu­ment, dem Geschä­dig­ten einer Amts­pflicht­ver­let­zung ste­he ein leis­tungs­fä­hi­ger Schuld­ner gegen­über, in ande­ren Fäl­len der Beweis­last­um­kehr die Recht­spre­chung zu Recht nicht davon abge­hal­ten, auch die­se auf die haf­ten­de Kör­per­schaft über­zu­lei­ten. Die Fra­ge, wer haf­te, habe mit der Fra­ge, wer wel­che Haf­tungs­vor­aus­set­zun­gen dar­le­gen und bewei­sen müs­se, nichts zu tun 20.
Der Bun­des­ge­richts­hof schließt sich – unter Auf­ga­be sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung 22 – der zuletzt genann­ten Auf­fas­sung an. Die Beweis­last­re­gel des § 832 BGB gilt auch im Rah­men der Haf­tung für die Ver­let­zung der öffent­lich­recht­li­chen Auf­sichts­pflicht nach § 839 BGB in Ver­bin­dung mit Art. 34 GG.
Die den Bediens­te­ten einer Kin­der­ta­ges­stät­te oblie­gen­de Auf­sichts­pflicht über die ihnen anver­trau­ten Kin­der ist, soweit sie der Ver­mei­dung von Schä­den Drit­ter dient, eine beson­de­re Aus­prä­gung der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten, wie sie all­ge­mein von der Grund­norm des § 823 BGB erfasst wer­den. Im Bereich der pri­vat­recht­li­chen Haf­tung ist sie in § 832 BGB gere­gelt, der im Rah­men der §§ 823 ff BGB einen eigen­stän­di­gen Haf­tungs­tat­be­stand bil­det 23. Zwar ist für eine unmit­tel­ba­re Anwen­dung der delikts­recht­li­chen Haf­tungs­tat­be­stän­de der §§ 823 ff BGB im Fall von Amts­pflicht­ver­let­zun­gen grund­sätz­lich kein Raum, weil § 839 BGB inso­fern einen Son­der­tat­be­stand dar­stellt 24. Dies bedeu­tet indes nicht, dass die beson­de­ren Beweis­last­re­geln der §§ 832, 833 Satz 2 und § 836 BGB im Rah­men der Amts­haf­tung kei­ne Anwen­dung fin­den kön­nen. Ver­drängt wer­den durch den Son­der­tat­be­stand des § 839 BGB ledig­lich die Haf­tungs­tat­be­stän­de der §§ 823 ff BGB als sol­che, nicht hin­ge­gen die in ihnen ent­hal­te­nen beson­de­ren Beweis­last­re­geln 25.
Soweit dem­ge­gen­über in der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 15.03.1954 26 die Nicht­an­wend­bar­keit der in § 832 BGB ent­hal­te­nen Beweis­last­re­gel im Bereich der Amts­haf­tung ange­nom­men wird, hält der Bun­des­ge­richts­hof hier­an nicht mehr fest. Der dort zur Begrün­dung her­an­ge­zo­ge­ne Norm­cha­rak­ter des § 832 BGB als selb­stän­di­ger Delikts­tat­be­stand ist für die Anwend­bar­keit der in ihm zugleich ent­hal­te­nen Beweis­last­re­gel im Rah­men der Amts­haf­tung nicht von ent­schei­den­der Bedeu­tung. Ins­be­son­de­re hat die Ver­drän­gung des Haf­tungs­tat­be­stan­des des § 832 BGB durch den Son­der­tat­be­stand des § 839 BGB nicht zwin­gend zur Fol­ge, dass die in § 832 BGB ent­hal­te­nen Beweis­last­re­gel zu ver­nach­läs­si­gen wäre. Letz­te­re ist hin­sicht­lich ihrer Anwend­bar­keit im Bereich der Amts­haf­tung viel­mehr getrennt zu betrach­ten. Ein Grund, sie inso­weit anders zu behan­deln als die – eben­falls eine Ver­mu­tung mit Mög­lich­keit des Ent­las­tungs­be­wei­ses ent­hal­ten­den – Beweis­last­re­geln des § 833 Satz 2 und des § 836 BGB, ist nicht erkenn­bar. Die Anwen­dung der Beweis­last­re­gel des § 832 BGB stellt auch nicht die grund­sätz­li­che Aus­ge­stal­tung der gesetz­li­chen Amts­haf­tung als Haf­tung für Ver­schul­den in Fra­ge. Letz­te­res wird ledig­lich ver­mu­tet, nicht aber als Haf­tungs­vor­aus­set­zung dero­giert.
Die Gel­tung der Beweis­last­re­gel des § 832 BGB im Bereich der Amts­haf­tung ist sach­lich gerecht­fer­tigt. Für eine Haf­tung für eine ver­mu­te­te Auf­sichts­pflicht­ver­let­zung spre­chen dort die­sel­ben Grün­de wie im Bereich der pri­vat­recht­li­chen Haf­tung 27. Es ent­spricht dem Wesen der Auf­sichts­pflicht als einer gesetz­li­chen Pflicht gegen­über dem Geschä­dig­ten, dass der Pflich­ti­ge Rechen­schaft dar­über ablegt, was er zur Erfül­lung sei­ner Pflicht getan hat 28. Dage­gen ist dem Geschä­dig­ten der Nach­weis der Auf­sichts­pflicht­ver­let­zung häu­fig nicht mög­lich, da er regel­mä­ßig nicht weiß, wel­che kon­kre­ten Maß­nah­men zur Erfül­lung der Auf­sichts­pflicht im Ein­zel­fall ergrif­fen bezie­hungs­wei­se unter­las­sen wur­den. Die sonst im Bereich der Amts­haf­tung bis hin zum Anscheins­be­weis gel­ten­den Beweis­erleich­te­run­gen hel­fen ihm inso­weit nicht, da sie eine Amts­pflicht­ver­let­zung – hier: eine Auf­sichts­pflicht­ver­let­zung – gera­de vor­aus­set­zen 29. Vor der Beweis­not, in die er gerie­te, wenn er eine Auf­sichts­pflicht­ver­let­zung der Erzie­he­rin­nen nach­zu­wei­sen hät­te, ver­mag ihn daher nur die Ver­mu­tung gemäß § 832 BGB zu bewah­ren.
Gegen eine Anwen­dung der Beweis­last­re­gel des § 832 BGB im Bereich der Amts­haf­tung kön­nen schließ­lich nicht die in § 839 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 und 3 BGB bestimm­ten gesetz­li­chen Haf­tungs­pri­vi­le­gi­en des Amts­trä­gers ange­führt wer­den. Sie wei­sen nach Inhalt und Grund kei­nen Zusam­men­hang mit der Beweis­last­re­gel des § 832 BGB auf 30. Auch kann mit ihnen nicht eine gene­rel­le Haf­tungs­pri­vi­le­gie­rung des Amts­trä­gers gerecht­fer­tigt wer­den unab­hän­gig von deren Anwen­dungs­be­reich und sach­li­cher Berech­ti­gung.
Nach alle­dem ist kein über­zeu­gen­der Grund für eine unter­schied­li­che Aus­ge­stal­tung der Beweis­last danach ersicht­lich, ob die (im Übri­gen inhalts­glei­che) Auf­sichts­pflicht dem Betref­fen­den als Amts­pflicht oder als pri­vat­recht­li­che Pflicht obliegt. Die in § 832 BGB ent­hal­te­ne Beweis­last­re­gel ist glei­cher­ma­ßen in bei­den Kon­stel­la­tio­nen anwend­bar.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Dezem­ber 2012 – III ZR 226/​12
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BGH, Urteil vom 15.03.1954 – III ZR 333/​52, BGHZ 13, 25[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 15.03.1954 – III ZR 333/​52, BGHZ 13, 25, 26 zur Auf­sichts­pflicht beam­te­ter Leh­rer; OLG Düs­sel­dorf, VersR 1996, 710; Staudinger/​Belling [2012], BGB, § 832 Rn. 24[↩]
BGH, Urtei­le vom 10.07.1984 – VI ZR 273/​82, NJW 1984, 2574, 2575; vom 07.07.1987 – VI ZR 176/​86, NJW-RR 1987, 1430, 1431 und vom 24.03.2009 – VI ZR 199/​08, NJW 2009, 1954 Rn. 8; OLG Düs­sel­dorf aaO; Staudinger/​Belling aaO Rn. 65 ff; Spind­ler in Beck OK [2012], BGB, § 832 Rn.19 ff[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 24.03.2009 – VI ZR 51/​08, VersR 2009, 788, 789 mwN; OLG Köln, MDR 1999, 997 f; OLG Düs­sel­dorf aaO S. 711[↩]
BGH, Urteil vom 15.03.1954 – III ZR 333/​52, BGHZ 13, 25, 27 f[↩]
so auch OLG Düs­sel­dorf VersR 1996, 710; OLG Dres­den, NJW-RR 1997, 857, 858; OLG Ham­burg, OLGR 1999, 190, 191; OLG Karls­ru­he, Urteil vom 30.03.2006 – 12 U 298/​05, Juris Rn. 18 ff; Staudinger/​Wöstmann [2013], BGB, § 839 Rn. 780; Münch­Komm-BGB/­Wag­ner, 5. Aufl., § 839 Rn. 6, 12; Palandt/​Sprau, BGB, 71. Aufl., § 832 Rn. 3, § 839 Rn. 3; NKBGB/​Katzenmeier, 2. Aufl. § 832 Rn. 6; Ober­hardt, Die Auf­sichts­pflicht öffent­li­cher Ein­rich­tun­gen nach § 832 BGB – im Span­nungs­feld zur Amts­haf­tung, 2010, S. 291 ff[↩]
so auch OLG Düs­sel­dorf; OLG Karls­ru­he, jew. aaO; zur metho­di­schen Begrün­dung vgl. Ober­hardt aaO S. 311 ff[↩]
Ober­hardt aaO S. 315[↩]
Ober­hardt aaO S. 303 ff, 324[↩]
OLG Koblenz, Urteil vom 21.06.2012 -1 U 1086/​11[↩]
OLG Köln MDR 1999, 997, 998; Mar­bur­ger, VersR 1971, 777, 788; Mer­tens, MDR 1999, 998; Staudinger/​Belling [2012], BGB, § 832 Rn. 211; Soergel/​Krause [2005], BGB, § 832 Rn.19; Spind­ler in Bamberger/​Roth, BGB, 3. Aufl., § 832 Rn. 3; Schaub in Prütting/​Wegen/​Weinreich, BGB, 7. Aufl., § 832 Rn. 2; Ans­gar Stau­din­ger in HkBGB, 7. Aufl., § 832 Rn. 4; Geigel/​Kapsa, Haft­pflicht­pro­zess, 26. Aufl., 20. Kap. Rn. 251; Gre­ger, Haf­tungs­recht des Stra­ßen­ver­kehrs, 4. Aufl., § 12 Rn. 13; so wohl auch Moritz in Juris­PK [2012], BGB, § 832 Rn. 10 f[↩]
so in einem ver­gleich­ba­ren Fall OLG Köln aaO: "kon­kret also, ob die Stei­ne vom Gelän­de eines städ­ti­schen Kin­der­gar­tens oder eines Kin­der­gar­tens in frei­er Trä­ger­schaft gewor­fen wur­den."[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 26.06.1972 – III ZR 32/​70, VersR 1972, 1047[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 05.04.1990 – III ZR 4/​89, NJW-RR 1990, 1500, 1501[↩]
OLG Köln; Staudinger/​Belling; Ans­gar Stau­din­ger; Mer­tens, jew. aaO; Mar­bur­ger aaO S. 788[↩]
Mer­tens aaO S. 998 f[↩]
Staudinger/​Belling aaO; Mer­tens aaO S. 999; Spind­ler; Moritz, jew. aaO; Mar­bur­ger aaO S. 788[↩]
Staudinger/​Belling aaO[↩]
Mer­tens aaO[↩][↩][↩][↩]
beweis­mä­ßig[↩]
BGH, Urteil vom 15.03.1954, aaO[↩]
Staudinger/​Belling aaO Rn. 2 mwN[↩]
BGH, Urteil vom 05.04.1990 – III ZR 4/​89, NJW-RR 1990, 1500, 1501[↩]
vgl. BGH, aaO, zur Anwend­bar­keit von § 836 BGB; sowie Urteil vom 26.06.1972 – III ZR 32/​70, VersR 1972, 1047, 1048, zur Anwend­bar­keit der Beweis­last­re­gel des § 833 Satz 2 BGB[↩]
Mer­tens aaO S. 999[↩]
Staudinger/​Belling aaO Rn. 211 unter Hin­weis auf Prot II 595[↩]
vgl. etwa BGH, Urteil vom 21.10.2004 – III ZR 254/​03, VersR 2005, 1079, 1082 f[↩]
vgl. Mer­tens aaO[↩]
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