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Timestamp: 2020-02-23 00:38:40
Document Index: 239841959

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Anwalt Arzthaftung > Vorträge > Fallgruppen des ärztlichen Fehlverhaltens | Schultze-Zeu • Manthei & Kollegen | Schultze-Zeu • Manthei & Kollegen
Die Normalverteilung von Gewicht und Länge für das entsprechende Gestations – und Lebensalter kann aus Wachstumskurven entnommen werden. Erst nach der Geburt kann eine Wachstumsretardierung definitiv festgestellt werden. In der Schwangerschaft kann jedoch eine Wachstumsretardierung vermutet werden wenn, das durch Ultraschall geschätzte kindliche Gewicht um mindestens 2 Wochen gegenüber dem angegebenen Ultraschall – Normmeßwert zurückliegt 3.
OLG München, OLGR 2001, 109:
Lässt sich ab der 33.SSW kein wesentliches fetales Wachstum feststellen, dann erfordert
dies ein verstärktes Überwachen (Ultraschall-Kontrollen, CTG unter Wehenbelastung). Bei erkennbaren Entwicklungsstörungen muss der Gynäkologe einen Spezialisten hinzuziehen
oder die Schwangere in ein Perinatalzentrum einweisen.
Als rechtzeitigen Blasensprung definiert man den Blasensprung bei vollständig eröffnetem
Muttermund. Häufig tritt der frühzeitige Blasensprung auf, der nach Wehenbeginn, aber noch vor der vollständigen Eröffnung des Muttermundes erfolgt. Meist wird dadurch sogar der Geburtsablauf beschleunigt. Problematisch kann jedoch der vorzeitige Blasensprung sein, der bereits vor Wehenbeginn einsetzt.
Komplikationen: – Gefahr eines Nabelschnurvorfalls
– erfolgt die Geburt nicht innerhalb der nächsten 24 Stunden, kann eine aufsteigende Infektion auftreten
s.a.Amnioninfektionssyndrom
Maßnahmen: – sofortige Klinikeinweisung
– Infektionsprophylaxe/Infektionstherapie
– regelmäßige Kontrolle auf Entzündungszeichen
(Temperatur-u.Blutkontrolle)
– vor der 34. SSW: Wehenhemmung, Therapie der drohenden Frühgeburt
– nach der 36. SSW: Geburtseinleitung (wenn die Geburt
nicht innerhalb der nächsten Stunden erfolgt)
bei Infektion alsbaldige Entbindung (Entbindungsmodus)
OLG Celle in AHRS 2500/75, OLG Düsseldorf in AHRS 5000/47, OLG Hamburg in AHRS
6565/23, OLG Oldenburg in AHRS 2500/155:
Wegen der Gefahr einer Infektion bei vorzeitigem Blasensprung muss die Geburt kurz
gehalten werden und unter ständiger ärztlicher Überwachung und Kontrolle ablaufen.
OLG Düsseldorf, Urteil vom 16. Februar 1995, 8 U 46/93, in AHRS 2498/108:
Nach vorzeitigem Blasensprung ist eine engmaschige Überwachung der Schwangeren und des kindlichen Zustandes erforderlich. Zur Verhinderung einer Amnion-Infektion (=Infektion der Eihöhle, Placenta, Feten) ist vorsorglich ein wirksames Antibiotikum zu geben.
OLG Oldenburg, Urteil vom 18. Mai 1993, 5 U 141/92, in AHRS 2500/108:
Nach Ablauf von 24 Stunden seit dem Blasensprung ist entweder eine medikamentöse Geburtseinleitung oder eine antibiotische Abschirmung vorzunehmen, oder es sind die Kontrollmaßnahmen über den üblichen Standard hinaus zu intensivieren.
OLG Stuttgart, VersR 2000, 362, 364:
Bei Verdacht auf einen Blasensprung muss der Gynäkologe weitere Untersuchungen (Lackmustest, Spekulumeinstellung) vornehmen und gegebenenfalls die Schwangere auch
stationär zu weiteren Abklärung und Kontrolluntersuchung einweisen.
BGH in AHRS 1220/112:
Es muss ein Sicherheitsprogramm anlaufen, um bei Erreichen der 24-Stunden-Grenze ab Blasensprung ein Amnioninfektionssyndrom sicher auszuschließen.
OLG München AHRS 2500/131:
Bei zunehmender Zeitdauer zwischen vorzeitigem Blasensprung und Geburtsbeginn steigt
das Risiko einer Amnioninfektion an. Bei suspektem CTG und berechtigten Zweifeln am Wohlergehen des Kindes sind rechtzeitig Vorbereitungen für einen Kaiserschnitt zu treffen.
OLG Hamburg AHRS 6565/23:
Wird die nach einem vorzeitigen Blasensprung in der 36.SSW gebotene Kaiserschnittentbindung hinausgezögert, so liegt ein grober Behandlungsfehler vor, der dem Arzt die Beweislast für das Fehlen der Schadensursächlichkeit auferlegt.
3. Amnioninfektionssyndrom (AIS):5
Darunter versteht man eine Infektion der Fruchthöhle evtl. mit der Beteiligung des Kindes
und der Gebärmutter. Eine Infektion zeigt sich an folgenden Symptomen: mütterliches
Fieber, Wehentätigkeit und kindliche Tachykardie.
Risikofaktoren: – ein vorzeitiger Blasensprung
– ein sehr verzögert laufende Geburt
– hohe Anzahl vaginaler Untersuchungen
– Dauer des vorzeitigen Blasensprungs
– Anwendung einer fetalen Kopfschwartenelektrode
– Langandauernde Wehentätigkeit
– Erstgebärende
Maßnahmen: – nach Diagnosestellung sofort antibiotische Behandlung
am sichersten ist eine baldige Entbindung (wenige Stunden
nach Diagnosstellung, Antibiotika
gelangen nur in sehr starker Verdünnung in die
4. Präeklampsie (EPH-Gestose):6
Symptome der Präeklampsie: – schwangerschaftsbedingter
– Proteinurie (Eiweiß im Urin
– Krampfprophylaxe (Bettruhe, Magnesiumgabe,
Es ist die Entbindung=Notsectio (unabhängig vom Schwangerschaftsalter) durchzuführen
sobald die Schwangere stabilisiert und narkosefähig ist.
durch den Krampfanfall kommt es zur Minderversorgung des
Gefahren für das Kind: – Rückfall in einen erneuten Krampfanfall (durch
optische und akustische Reize!)
– mangelnde Placentafunktion
– durch ungenügende Sauerstoffversorgung
– Evtl. intrauteriner Fruchttod (durch Hypoxie bzw. vorzeitige Placentaablösung)
5. Übertragung (Geburtsterminüberschreitung)7:
Weiteres Wachstum, das zu Komplikationen führen kann, die mit einem übergroßen Kind verbunden sind Achtung bei Makrosomie (übergroßem Kind):
Gefahr der Schulterdystokie.
II. Risiken während der Entbindung:
1. Frühgeburt8:
mütterliches Alter (<18 bzw.>35 Jahre)
Harmwegsinfektion
Drohende Frühgeburt:
OLG Karlsruhe, Urteil vom 06. April 1994, 13 U 46/92, in AHRS 2498/104 und 6565/111:
Es liegt ein grober Behandlungsfehler vor, wenn der Allgemeinmediziner bei einer über Schmerzen im Beckenbereich klagenden Schwangeren lediglich ein CTG-Protokoll erstellen lässt und Abführmittel verschreibt, nicht aber auf die Gefahr einer drohenden Frühgeburt hinweist und für eine sofortige stationäre gynäkologische Untersuchung sorgt.
2. Mehrlingsschwangerschaften:
– frühzeitigen Diagnostik der Mehrlingsschwangerschaft
– Fehlbildungsdiagnostik
– Vorbeugung der Frühgeburt
– Minderwachstum erkennen (intrauterine Hypotrophie)
– Schwangerschaftsbeendigung:
– nach der 38.SSW empfohlen, um ein Absterben im Mutterleib zu vermeiden
– ein standardisierter Geburtsmodus (primäre Sectio oder u.U. bei entsprechenden Voraussetzungen vaginale Geburtsleitung) ist nicht akzeptiert, es ist außerdem grundsätzlich zwischen Zwillingen und höhergradigen Mehrlingen zu unterscheiden
– erfahrene Geburtshelfer bzgl. der operativen Entwicklung von Mehrlingen aus Lageanomalien und Fehleinstellungen, unstillbarer postpartaler Blutungen ggf. Hysterektomie.
OLG Köln in AHRS 2498/7:
Jede Zwillingsschwangerschaft bedarf als Risikoschwangerschaft engmaschiger Kontrolle und eventuell frühzeitiger stationärer Einweisung.
OLG Hamm, Urteil vom 03. Mai 1995, 3 U 68/94, in AHRS 2498/110:
Die geburtshilfliche Betreuung ist insgesamt als grob fehlerhaft anzusehen, wenn es während einer Zwillingsschwangerschaft an den gebotenen Untersuchungen über den Zustand der Feten fehlt, in der Eröffnungsphase der Frühgeburt die erforderliche Geburtsverzögerung mittels Tokolyse sowie die notwendige kontinuierliche Beobachtung von Mutter und Kindern durch CTG-Kontrollen und Kontrollen des Muttermundes unterbleiben, selbst bei hochpathologischen CTG keine Dauerüberwachung erfolgt, ohne Kenntnis des Zustandes des Muttermundes eine Herabsetzung von Tokolyse – Dosis vorgenommen wird und selbst nach drastischer Verschlechterung des fetalen Zustandes von einer Notsectio abgesehen wird.
3. Lageabweichungen (von der normalen vorderen Hinterhauptslage, dabei nimmt das Kind eine Längslage ein und der Kopf befindet sich unten/ Beckenendlage):
Eine Abweichung von der Normallage birgt die Gefahren einer Verzögerung oder eines Geburtsstillstandes und kann unter solchen Umständen zu Schädigungen des Kindes führen. Die Häufigkeit des Auftretens von Lageabweichungen liegt jedoch unter 5 %. Unterschieden wird zwischen Beckenendlagen und Schräg- bzw. Querlagen, wobei die zuletzt genannten sehr selten vorkommen.
OLG Braunschweig in VersR 1988, 382:
Der eine Schwangere betreuende Arzt ist verpflichtet, diese bei Vorliegen einer Beckenendlage über Risiken und Gefahren einer Schnittentbindung und einer vaginalen Entbindung aufzuklären.
OLG Hamm in VersR 1989, 255:
Bei Verdacht auf Beckenlage ist es ein grober Behandlungsfehler, wenn der die Schwangere betreuende Arzt vor der Entscheidung für eine vaginale Entbindung nicht durch eine Ultraschalluntersuchung das Vorliegen eines etwaigen Missverhältnisses zwischen Kopf und Rumpf des Kindes ausschließt.
BGH in VersR 1989, 25:
Drohen dem Kind bei vaginaler Geburt ernst zu nehmende Gefahren (in diesem Fall lag eine Beckenendlage vor) und sprechen deshalb gewichtige Gründe für eine Kaiserschnittentbindung, darf der Arzt sich nicht eigenmächtig für eine vaginale Geburt entscheiden.
OLG Düsseldorf in NJW 1997, 2457:
Der Geburtshelfer, der im Fall der Beckenendlage vertretbar auf einen Kaiserschnittoperation verzichtet, weil er aus Überzeugung und auf Grund seiner geburtshilflichen Fähigkeiten eine vaginale Entbindung bevorzugt, hat die Patientin an der die Entbindungsmethode betreffenden Entscheidung zu beteiligen und ihre Einwilligung in die vaginale Entbindung herbeizuführen.
OLG Celle, Urteil vom 05. Juni 1993, 1 U 50/91, in AHRS 2500/111:
Zu den typischen Risikofaktoren, die einen Kaiserschnitt erforderlich machen: Dieser ist nicht schon allein wegen einer Beckenendlage geboten. Für eine Vaginalentbindung muss das Mindestmaß der Konjugata vera (= Abstand vom vorspringenden vorderen oberen Rand des ersten Sakralwirbels zum prominentesten Punkt der Symphysenhinterfläche) 11 cm betragen.
4. Mekoniumaspirationssyndrom ( Infektion des Kindes durch Aufnahme von frühzeitig abgesetzten eigenen Darmausscheidungen):
OLG Koblenz, VersR 1992, 612
Ein neugeborenes Kind muß in den ersten 20 Minuten nach der Geburt überwacht werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn es nach der Geburt mit Mekonium (Darmausscheidung) verschmiert ist, da dann die Gefahr besteht, dass das Kind intrauterin (in der Gebärmutter) oder postpartal (nach der Geburt) Mekonium aspiriert (eingeatmet) hat.
III. Medizinische Eingriffe:
chronische Plazentainsuffizienz ( dauerhafte Störung der Funktionsfähigkeit des Mutterkuchens)
– die Mutter während der Entbindung nicht mehr genügend Kraft zum Pressen hat, weil sich zum Beispiel die Geburt schon zu lange hinzieht,
– die Mutter aus gesundheitlichen Gründen nicht pressen darf,
– der Kopf des Kindes schon tief im Becken steht und Veränderungen der Herztöne anzeigen, dass das Baby nicht genügend Sauerstoff bekommt,
– die Mutter nicht mitpressen kann, weil sie nach einer örtlichen Betäubung im unteren Lendenwirbelbereich (Periduralanästhesie) die Wehen nicht mehr spürt und deshalb nicht mitpressen kann.
OLG Hamburg in AHRS 2500/6:
Die Entscheidung für eine Zangengeburt statt Kaiserschnitt erfordert, dass geburtsmechanische Voraussetzungen für eine Zangengeburt vorliegen.
OLG Stuttgart in AHRS 2500/107:
Voraussetzung für eine vaginal-operative Entbindung ist, dass sich das Kind mindestens in Beckenmitte befindet.
OLG Braunschweig in NJW-RR 2000, 238:
Das bloße Abrutschen der Saugglocke indiziert keinen Behandlungsfehler.
4. Voraussetzung für die Notsectio (Schnittentbindung):
Unterscheidung zwischen geplanter, primärer und sekundärer Sectio (Notsectio).
Voraussetzung für die Notsectio:
einen sekundären Kaiserschnitt ist durchzuführen, wenn:
– das Kind durch eine abgeklemmte Nabelschnur zu wenig Sauerstoff bekommt,
– sich die Nabelschnur um den Hals des Kindes gewickelt hat und es dadurch zu wenig Sauerstoff bekommt,
– das Risiko einer Zangen- oder Saugglockengeburt größer ist als das eines Kaiserschnitts, die Geburt aber schnell beendet werden muss,
– die Wehen ausbleiben oder die Mutter keine Kraft mehr hat zum Pressen,
– der Kopf des Kindes im Geburtskanal stecken bleibt,
– die Gebärmutter zu reißen droht (Uterusruptur).
BGH in AHRS 4490/100 und BGH in AHRS 449/101:
Drohen im Fall einer vaginalen Geburt dem Kind erkennbar ernst zu nehmende Gefahren und ist daher die Schnittentbindung indiziert, darf der Arzt nicht eigenmächtig entscheiden, sondern muss die bestehenden Alternativen mit ihren jeweiligen spezifischen Risiken, Vor- und Nachteilen für Mutter und Kind deutlich herausstellen und die Entscheidung der Gebärenden einholen.
OLG Düsseldorf, Urteil vom 18. Januar 1996, 8 U 154/92, in AHRS 2498/112:
Auch bei prägpathologischen bis pathologischen CTG-Aufzeichnungen kann es vertretbar sein, die weitere Reifung der Leibesfrucht abzuwarten und von einer Sectio zunächst abzusehen. Bei hochpathologischer Herztonkurve ist jedoch ein weiteres Zuwarten grob fehlerhaft.
OLG Hamm, Urteil vom 01. Februar 1993, 3 U 65/92, in AHRS 2500/101 u. 6770/100, mit weiteren Entscheidungsgründen:
Verlässt der Geburtshelfer trotz deutlicher Anzeichen für die Indikation einer alsbaldigen Sectio das Krankenhaus, so liegt ein grober Behandlungsfehler vor.
OLG Schleswig, Urteil vom 24. Februar 1993, 4 U 18/91, in AHRS 2500/103:
Bei feststellbarer Sauerstoffminderversorgung, wiederholtem Abfall der Herzfrequenz und Eintritt eines Geburtsstillstandes ist unverzüglich die Entscheidung über eine Schnittentbindung herbeizuführen.
OLG Hamm, Urteil vom 05. März 1993, 4 U 1/91, in AHRS 2500/104:
Die Vornahme einer Sectio bedarf einer strengen Indikation. Ein Blasensprung ist nur dann als Geburtsbeginn anzusehen, wenn ihm regelmäßige, zur Geburt führende Wehen folgen, die mindestens alle zehn Minuten auftreten, cervix-wirksam und schmerzhaft sind.
Insbesondere zur E-E-Zeit Zeit zwischen der Entscheidung zur Sectio und der Entwicklung des Kindes):
Nach der Stellungnahme der DGGG müssen die organisatorischen Abläufe verbessert werden, wenn E-E-Zeiten über 20 Minuten vorliegen (DGGG, Frauenarzt 1992, 261) Aufgrund einer Optimierung des innerklinischen Managements in einem Perinatalzentrum und Krankenhaus mit Maximalversorgung werden E-E-Zeiten erreicht, die deutlich unter 15 Minuten liegen (Prof. Hitschold in Frauenarzt 2003, 971).
OLG Saarbrücken in OLGR 1999, 460, 463:
Seit 1996 ist eine E-E-Zeit von 20 Minuten einzuhalten.
OLG Braunschweig in MDR 1998, 907:
Ein Notfallkrankenhaus muss sicherstellen, dass eine erforderliche Schnittentbindung innerhalb von 20-25 Minuten nach Indikationsstellung durchgeführt werden kann.
OLG München in VersR 1996, 63:
Liegt bei einer Risikogeburt zwar noch keine Indikation für eine Sectio, aber bereits ein suspektes CTG vor, so muss der geburtsleitende Gynäkologe für eine rechtzeitige Herstellung der Sectiobereitschaft sorgen, vor allem, wenn diese wegen der örtlichen Verhältnisse des Krankenhauses nicht von vornherein kurzfristig gesichert ist.
OLG Schleswig in VersR 1994, 310:
Ein grober Behandlungsfehler liegt vor, wenn die Verzögerung der ärztlichen Entscheidung für die Vornahme einer Schnittentbindung aus objektiver Sicht nicht mehr nachvollziehbar ist, da eine Sauerstoffminderversorgung bereits festgestellt und ein Geburtsstillstand eingetreten war.
OLG Hamm in VersR 1980, 684:
Ist in einer Entbindungsstation eines Krankenhauses der behandelnde Arzt nicht zu der Zeit anwesend in der über das weitere ärztliche Vorgehen eine Entscheidung getroffen werden muss, liegt ein grober Behandlungsfehler vor.
OLG München in VersR 1991,586:
Es muss organisatorisch sichergestellt werden, dass die Entscheidung zur Notsectio rechtzeitig getroffen werden kann.
OLG Schleswig in AHRS 2500/103:
IV. Die Notfälle:
– Durchblutungsstörungen der Plazenta,
– die Zusammenpressung der Nabelschnur durch Knoten oder Umschlingungen,
– Auffälligkeiten der kindlichen Herztöne.
1. Vorzeitige Placentalösung:
Einnisten des befruchteten Ei´s im unteren Uterusbereich oder Wachstum der Placenta in Richtung Muttermund (Placenta prävia) Durch Vorwehen in 2. Schwangerschaftshälfte Dehnung des unteren Gebärmutterteils mit Ablösung der Placenta.
akute Lebensgefahr für die Mutter durch starke, meist nicht zum Stillstand kommende Blutung; Sterben des Kindes im Mutterleib.
3. Nabelschnurvorliegen und Nabelschnurvorfall:
– regelwidrige Kindslage,
– Frühgeburten,
– Blasensprung bei hochstehendem Kindskopf.
– Abdrücken der Nabelschnur durch das Körpergewicht des Kindes.
– Sauerstoffmangel mit allen entsprechenden Folgen für das Kind.
– Schwangere nach Blasensprung nicht mehr laufen lassen Becken der Schwangeren erhöht lagern.
– geschätztes kindliches Geburtsgewicht,
– Missverhältnis zwischen biparitalem Kopfdurchmesser und querem Thoraxdurchmesser = Makrosomieindex
– mütterliches Geburtsgewicht/Übergewicht,
– Schulterdystokie bei vorangegangener Geburt,
– Diabetes Mellitus oder Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes),
– Multiparität/erhöhtes mütterliches Alter
Geburtshilfliche Parameter:
diese sind im Zusammenspiel mit dem kindlichen Geburtsgewicht zu bewerten:
– Terminüberschreitung,
– Verlängerte Austreibungsphase,
– Verabreichung von Wehenmitteln,
– Vaginal-operative Geburtshilfe, insbesondere aus Beckenmitte (vgl. auch BGH: VI ZR 34/00 13.02.2001).
OLG München, Urteil vom 25. Mai 1993, 24 U 21/91, in AHRS 2500/110:
Ein voraussichtliches Übergewicht des zu entwickelnden Kindes kann wegen des erhöhten Risikos einer Schulterdystokie ( = gestörter Geburtsverlauf bei dem nach der Geburt des kindlichen Kopfes die vordere Schulter über der Symphyse hängen bleibt ) eine Schnittentbindung indizieren. Dieser kann jedoch die extreme Übergewichtigkeit der Kindesmutter mit der bei einer sectio bestehenden Gefahr einer Lungenembolie entgegenstehen. Die sonographische Bestimmung eines möglichen Übergewichts des Kindes von mehr als 5.000 Gramm erscheint für sich allein zu unsicher, um eine sectio zu verantworten.
OLG Stuttgart in VersR 1994, 1114:
Die Kompetenz der Hebamme endet beim Auftreten einer Schulterdystokie. Der Träger eines Krankenhauses hat durch organisatorisch klare Anweisungen gegenüber den geburtsbetreuenden Hebammen zu gewährleisten, dass zur Entwicklung eines Kindes bei feststehender Schulterdystokie sofort ein Facharzt hinzugezogen wird.
OLG Hamm in VersR 1991, 228; OLG Hamm in VersR 1997, 1403; OLG Stuttgart in VersR 1994, 1114:
Durch klare Anweisungen und Kreißsaalorganisation ist sicherzustellen, dass die Standardmaßnahmen beim Auftreten der Schulterdystokie vom erfahrensten Oberarzt ergriffen werden
LG Hamburg, Urteil vom 28.06.1991, Az. 3 0 389/88:
Es stellt ein Behandlungsfehler dar, wenn bei einer Risikokonstellation erst beim Auftreten einer Schulterdystokie der Oberarzt gerufen wird.
OLG Oldenburg VersR 1992, 453:
Eine Risikogeburt ist nicht von einer Hebamme durchzuführen.
6. Uterusruptur ( Durchbruch der Gebärmutter, Risiko bei einer vaginalen Entbindung nach einer Schnittentbindung beim ersten Kind):
V. Neugeborenenversorgung
OLG Stuttgart, Urteil vom 4. Januar 2000:
Für einen neonatologischen Notfall hat der Klinikträger ausreichendeorganisatorische Vorkehrungen zu treffen, insbesondere ist sicherzustellen, dass beim Auftreten von Atemnot ein kompetenter Arzt hinzugezogen wird. Der hinzugezogene Kinderarzt darf sich, wenn er für eine erforderliche Intubation des Neugeborenen keine ausreichenden Kenntnisse und Erfahrung besitzt, nicht mit einer Maskenbeatmung begnügen, sondern muss dafür sorgen, dass ein kompetenter Krankenhausarzt hinzugezogen wird.
OLG Koblenz, VersR 1992, 612:
OLG München, VersR 1997, 977:
Wenn das Pflegepersonal eines Belegkrankenhauses bei einer nach mehreren Stunden nach der Geburt auftretenden bläulichen Verfärbung von Gesicht und Händen des Neugeborenen nicht unverzüglich einen Arzt hinzuzieht, liegt ein grobes Fehlverhalten vor.
OLG Hamm, VerR 1995, 341:
Es liegt ein grober Behandlungsfehler vor, wenn die Temperatur eines frühgeborenen Kindes nicht ausreichend überwacht wird und es deshalb zu einer andauernden Unterkühlung kommt, die möglicherweise zu einer Hirnblutung geführt hat und hierfür generell geeignet war.
VI. Schnittstellenproblematik – Die Übergabe der Betreuung der Schwangeren vom Gynäkologen an die Entbindungsklinik:
1. Es muß eine Aufklärung der Schwangeren durch den Gynäkologen über das persönliche Schwangerschafts- und Geburtsrisiko erfolgen.
2. Die Schwangere ist in der gewählten Entbindungsklinik rechtzeitig vorzustellen, damit eine Planung des Entbindungsmodus erfolgen kann.
3. Bei der Auswahl der Entbindungsklinik müssen die strukturellen und personellen Ausstattung der Kliniken berücksichtigt werden, also ob es sich z.B. um eine Klinik mit Maximalversorgung handelt oder nur um eine Belegklinik oder eine Klinik mit Grundversorgung (siehe Mutterschaftsrichtlinien Abschnitt 8)
4. Es gilt der Grundsatz zu beachten Risikoschwangerschaften können Risikogeburten werden.
5. Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt die Einweisung von Hochrisikoschwangerschaften in ein Perinatalzentrum. Des Weiteren wird dringend empfohlen, daß auch in Verdachtsfällen ein Perinatalzentrum zu konsultieren ist.
6. Bei der Übergabe der Betreuung der Schwangeren an die Geburtsklinik müssen alle während der Schwangerschaft erhobenen Informationen weitergegeben werden. Es darf an dieser Schnittstelle nicht zum Informationsverlust kommen. In diesem Bereich besteht ein erhebliches Fehler- und Schädigungspotential.
OLG Braunschweig, AHRS II, 2498/117
Der Frauenarzt ist verpflichtet, die Patientin darüber zu beraten, dass bei einer EPH-Gestose und retardiertem fetalen Wachstum eine stationäre Krankenhausbetreuung notwendig ist.
1Dr. Gehrlein, Neuere Rechtsprechung zur Arzt-Berufshaftung, VersR 2004, 1488, 1491.
2Dr. Gehrlein, Neuere Rechtsprechung zur Arzt-Berufshaftung, VersR 2004, 1488, 1491; BGH vom
25.11.2003-VI ZR 8/03,VersR 2004, 645.
3Schneider/Schneider/Schlunk, Geburtshilfefibel 2.A,1997,S. 47
4Schneider/Schneider/Schlunk, Geburtshilfefibel 2.A,1997,S. 75,76.
5Schneider/Schneider/Schlunk, Geburtshilfefibel 2.A,1997,S. 78ff
6Schneider/Schneider/Schlunk, Geburtshilfefibel 2.A,1997,S. 78ff.
7Schneider/Schneider/Schlunk, Geburtshilfefibel 2.A,1997,S. 102ff , Dudenhausen, Pschyrembel, PraktischeGeburtshilfe, 19.A.,S. 91.
8Pschyrembel, Praktische Geburtshilfe, 19.A.,S. 83 ff.
9Dr. Gehrlein, Neuere Rechtsprechung zur Arzt-Berufshaftung, VersR 2004, 1488, 1491.
10BGH vom 25.11.2003-VI ZR 8/03, VersR 2004, 645; OLG Hamm vom 24.4.2002-3 U 8/01, VersR 2003, 1312.