Source: http://im.baden-wuerttemberg.de/de/migration/auslaender-und-fluechtlingspolitik/haertefallkommission/informationen-zur-haertefallkommission/
Timestamp: 2018-09-22 15:44:20
Document Index: 91970636

Matched Legal Cases: ['§ 50', '§ 53', '§ 55', '§ 58', '§ 53', '§ 58', '§ 23', '§ 68', '§ 23']

Informationen zur Härtefallkommission: Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg
Informationen zur Härtefallkommission
Wer oder was ist die Härtefallkommission? Wer ist die Härtefallkommission?
Die Härtefallkommission ist ein Gremium, das im Zusammenhang mit der Aufenthaltsgewährung für Ausländer aus dringenden humanitären oder persönlichen Gründen ein Härtefallersuchen an das Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration richten kann. Sie ist beim Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration eingerichtet und besteht aus zehn Mitgliedern, die zuletzt Ende September 2015 für zwei Jahre und sechs Monate berufen worden sind. Der seinerzeit vom Integrationsministerium benannte Vertreter führt den Vorsitz, der seinerzeit auf Vorschlag des Innenministeriums benannte Vertreter den stellvertretenden Vorsitz. Weitere Mitglieder sind je ein Vertreter der Liga der freien Wohlfahrtpflege, der evangelischen Landeskirchen, der katholischen Kirche, des Flüchtlingsrats sowie zwei Vertreter der kommunalen Landesverbände. Ferner sind Mitglied die seinerzeit vom Integrationsministerium berufene Persönlichkeit des Landes islamischen Glaubens sowie eine weitere Persönlichkeit des Landes, die seinerzeit auf Vorschlag des Innenministeriums berufen wurde.
Was kann die Härtefallkommission tun? Was kann sie tun?
Die Härtefallkommission kann das Innenministerium Baden-Württemberg ersuchen, einem vollziehbar ausreisepflichtigen Ausländer abweichend von den ausländerrechtlich festgelegten Erteilungs- und Verlängerungsvoraussetzungen für einen Aufenthaltstitel eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen. Ein Härtefallersuchen setzt voraus, dass nach den Feststellungen der Härtefallkommission dringende humanitäre oder persönliche Gründe die weitere Anwesenheit des Ausländers im Bundesgebiet rechtfertigen. Andernfalls lehnt die Härtefallkommission ein Ersuchen ab.
Wer kann an die Härtefallkommission eine Eingabe richten? Wer kann Eingaben an sie richten?
An die Härtefallkommission kann ein vollziehbar ausreisepflichtiger Ausländer oder in Vertretung für ihn sein Rechtsanwalt, eine Betreuungseinrichtung oder ein sonstiger Dritter eine Eingabe richten.
Gibt es einen Anspruch auf eine Härtefallprüfung? Wie läuft diese ab? Gibt es einen Prüfungsanspruch?
Die Härtefallkommission ist unabhängig. Sie wird ausschließlich im Wege der „Selbstbefassung“ tätig. Der Ausländer, sein Vertreter oder Dritte haben also keinen Anspruch darauf, dass die Härtefallkommission sich mit einer Eingabe befasst oder eine bestimmte Entscheidung trifft.
Die Härtefallkommission entscheidet in nichtöffentlicher Sitzung. Anhörungen des Ausländers oder Dritter finden nicht statt. Härtefallersuchen der Kommission bedürfen der Stimmen von mindestens sechs Mitgliedern der Härtefallkommission.
Wann darf sich die Härtefallkommission mit einer Eingabe befassen? Wann darf sie sich mit einer Eingabe befassen?
Die Härtefallkommission wird sich inhaltlich nur dann mit der Eingabe befassen, wenn
sie auf die Erteilung oder Verlängerung einer Aufenthaltserlaubnis gerichtet ist,
der Ausländer vollziehbar ausreisepflichtig ist,
kein behördliches oder gerichtliches Verfahren anhängig ist, das die Vollziehbarkeit der Ausreisepflicht des Ausländers oder die Erteilung eines Aufenthaltstitels zum Gegenstand hat,
der Ausländer sich zum Zeitpunkt der Eingabe im Bundesgebiet aufhält und sein Aufenthaltsort bekannt ist,
eine Ausländerbehörde in Baden-Württemberg örtlich und sachlich zuständig ist,
nicht der Inhalt einer früheren Eingabe, mit der sich die Härtefallkommission bereits befasst hat, ohne wesentliches neues Vorbringen wiederholt wird,
nicht in gleicher Sache zur selben Zeit ein Petitionsverfahren anhängig ist,
der Ausländer nicht zum Zweck der Aufenthaltsbeendigung nach § 50 Abs. 7 AufenthG zur Aufenthaltsermittlung oder Festnahme ausgeschrieben ist und
gegen den Ausländer keine vollziehbare Ausweisungsverfügung wegen einer Straftat oder einer von ihm ausgehenden Gefahr (§§ 53, 54 Nr. 5, 5a, 7 oder § 55 Abs. 2 Nr. 8 AufenthG) und keine vollziehbare Abschiebungsanordnung (§ 58a AufenthG) besteht.
Welche Umstände führen im Regelfall zur Ablehnung eines Ersuchens? Welche Umstände führen zur Ablehnung?
Die Härtefallkommission entscheidet grundsätzlich nach ihrer Überzeugung und frei von ausländerrechtlichen Beschränkungen. Darin liegt gerade das besondere Wesen einer Härtefallkommission. Dennoch gibt es Sachverhalte, bei denen die Annahme eines Härtefalls in der Regel ausgeschlossen ist. Dies ist der Fall, wenn
der Ausländer Straftaten von erheblichem Gewicht begangen hat oder gegen ihn ein schwerwiegender Ausweisungsgrund vorliegt (§§ 53, 54 oder 55 Abs. 2 Nr. 8 AufenthG), wie zum Beispiel die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe wegen einer vorsätzlichen Straftat gegen das Betäubungsmittelgesetz oder wegen der Einschleusung von Ausländern; ein weiterer Regelausschlussgrund ist das Vorliegen einer sogenannten Abschiebungsanordnung (§ 58a AufenthG),
das Vorbringen im Wesentlichen einen Sachverhalt betrifft, der nach dem Asylverfahrensgesetz vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu prüfen ist,
der Ausländer seinen Lebensunterhalt während des überwiegenden Teils seines bisherigen Aufenthalts überwiegend durch öffentliche Mittel bestritten hat, obwohl er zur Aufnahme einer Beschäftigung berechtigt und zumutbar in der Lage war, oder
nicht zu erwarten ist, dass der Ausländer seinen Lebensunterhalt künftig ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel bestreiten kann und keine ausreichende Verpflichtungserklärung eines Dritten abgegeben wurde.
Was geschieht mit dem Härtefallersuchen im Innenministerium? Was geschieht mit dem Ersuchen im Innenministerium?
Richtet die Härtefallkommission ein Härtefallersuchen an das Innenministerium Baden-Württemberg, hat dieses zu entscheiden, ob ihm entsprochen wird. Entspricht es dem Ersuchen, ordnet es gegenüber der zuständigen Ausländerbehörde an, den Betroffenen eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen.
Sind Rechtsmittel möglich, wenn die Eingabe ohne Erfolg geblieben ist? Sind Rechtsmittel möglich?
Nein. Die Befugnis des Innenministeriums, im Falle eines Härtefallersuchens einen Aufenthalt zu gewähren, steht ausschließlich im öffentlichen Interesse und begründet keine eigenen Rechte des Ausländers. Es ist also gesetzlich klargestellt, dass ein Anspruch des Ausländers oder Dritter auf Aufenthaltsgewährung nicht besteht. Ebenfalls nicht rechtsmittelfähig sind ablehnende Entscheidungen der Härtefallkommission. Dies gilt für eine Ablehnung, die Kommission mit der Eingabe überhaupt zu befassen, wie für einen Beschluss, von einem Härtefallersuchen an das Innenministerium abzusehen. Nach § 23a Abs. 2 Satz 3 des Aufenthaltsgesetzes ist ein subjektives, also einklagbares Recht des Ausländers oder Dritter auch insoweit ausgeschlossen.
Was ist bei einer Eingabe an die Härtefallkommission zu beachten? Was ist bei einer Eingabe zu beachten?
Die Eingabe ist schriftlich und in deutscher Sprache zu verfassen. Sie ist auf dem Postweg oder per Telefax (0711/279-4444) zu richten an:
In der Eingabe ist insbesondere darzulegen, aus welchen dringenden humanitären oder persönlichen Gründen die weitere Anwesenheit des Ausländers in Deutschland gerechtfertigt sein soll. Folgende Punkte sollten unbedingt angesprochen und soweit möglich mit geeigneten Unterlagen belegt werden:
Von der Eingabe umfasste Personen mit Vor- und Zunamen, Geburtsdatum, Anschrift
Dauer des ununterbrochenen Aufenthalts im Bundesgebiet
Angaben zu Kindern (Alter, Geburtsort, Kindergarten- oder Schulbesuch, Ausbildung)
Stand der Integration in die deutsche Gesellschaft, insbesondere aufgrund eigener aktiver Bemühungen (nachgewiesene erfolgreiche Bemühungen zum Erwerb deutscher Sprachkenntnisse, in Deutschland erteilte Zeugnisse sowie erworbene Schul- und Ausbildungsabschlüsse, sonstige für eine erfolgreiche Integration sprechende Gesichtspunkte)
Sicherung des Lebensunterhalts in Deutschland durch öffentliche oder eigene Leistungen (Nachweis ist insbesondere über Arbeitsverträge, Gehaltsmitteilungen und den Rentenversicherungsverlauf möglich)
derzeitige Wohnsituation
familiäre Bindungen zu bleibeberechtigten Familienangehörigen in Deutschland sowie bestehende familiäre Bindungen im Heimatstaat
Der Eingabe sind anzuschließen:
eine Einverständniserklärung zur Verarbeitung personenbezogener Daten (Vordruck)
eine Vertretungsvollmacht (Vordruck), sofern sich der Ausländer in dem Verfahren durch einen Dritten vertreten lässt,
eine Verpflichtungserklärung nach § 68 AufenthG (Haftung für den Lebensunterhalt), falls diese von einem Dritten abgegeben wurde.
Für weitere Fragen zur Behandlung von Härtefällen ist die Geschäftsstelle der Härtefallkommission beim Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration telefonisch erreichbar unter Tel.: 0711/279-4475, -4472 oder -4471.
Verordnung der Landesregierung über die Einrichtung einer Härtefallkommission nach § 23a des Aufenthaltsgesetzes (PDF)
Merkblatt zur Arbeit der Härtefallkommission (PDF)
Vertretungsvollmacht (PDF)
Einverständniserklärung zur Verarbeitung personenbezogener Daten (PDF)