Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/gesellschaftsrecht/ausschuettungen-von-liquiditaetsueberschuessen-als-unverzinsliche-darlehen-in-der-publikums-kg-3107636
Timestamp: 2019-12-08 10:09:37
Document Index: 299179389

Matched Legal Cases: ['§ 169', '§ 169', '§ 169', '§ 172', '§ 171', '§ 171', '§ 171', '§ 172', '§ 172', '§ 172', '§ 23', '§ 310', '§ 305', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 488', '§ 13', '§ 13', '§ 8', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 8', '§ 9', '§ 13', '§ 13', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 13', '§ 11', '§ 13', '§ 11', '§ 11', '§ 167', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 8', '§ 9', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 13', '§ 13', '§ 8', '§ 9', '§ 13', '§ 8', '§ 9', '§ 488', '§ 8', '§ 9', '§ 8', '§ 9', '§ 169', '§ 22', '§ 120', '§ 167', '§ 120']

Aus­schüt­tun­gen von Liqui­di­täts­über­schüs­sen als unver­zins­li­che Dar­le­hen in der Publi­kums-KG | Rechtslupe
Nach § 169 Abs. 1 Satz 2 HGB hat der Kom­man­di­tist nur einen Anspruch auf Aus­zah­lung des ihm zukom­men­den Gewinns. Er kann auch die Aus­zah­lung des Gewinns nicht for­dern, solan­ge sein Kapi­tal­an­teil durch Ver­lust unter den auf die bedun­ge­ne Ein­la­ge geleis­te­ten Betrag her­ab­ge­min­dert ist oder durch die Aus­zah­lung unter die­sen Betrag her­ab­ge­min­dert wer­den wür­de. Es ist aber all­ge­mein aner­kannt, dass auch über die Rege­lung des § 169 Abs. 1 HGB hin­aus Aus­schüt­tun­gen an die Kom­man­di­tis­ten zuläs­sig sind, wenn der Gesell­schafts­ver­trag dies – wie hier – als Aus­schüt­tung von Liqui­di­täts­über­schüs­sen als Alter­na­ti­ve zur Aus­schüt­tung von Gewin­nen vor­sieht oder die Aus­schüt­tung durch das Ein­ver­ständ­nis aller Gesell­schaf­ter gedeckt ist 1.
Wird eine Aus­zah­lung an den Kom­man­di­tis­ten ent­ge­gen § 169 Abs. 1 HGB auf der Grund­la­ge einer Ermäch­ti­gung im Gesell­schafts­ver­trag geleis­tet, führt dies selbst dann nicht zu einer Rück­zah­lungs­pflicht, wenn die Aus­zah­lung des­sen Kapi­tal­an­teil unter die bedun­ge­ne Ein­la­ge her­ab­min­dert oder eine bereits bestehen­de Belas­tung ver­tieft. Sol­che Zah­lun­gen kön­nen zwar zu einer Haf­tung nach § 172 Abs. 4, § 171 Abs. 1 HGB füh­ren. Die­se Vor­schrif­ten betref­fen aber aus­schließ­lich die Haf­tung des Kom­man­di­tis­ten gegen­über den Gesell­schafts­gläu­bi­gern im Außen­ver­hält­nis und nicht des­sen Ver­hält­nis zur Gesell­schaft 2.
Der Kom­man­di­tist ist im Innen­ver­hält­nis zur Kom­man­dit­ge­sell­schaft ver­pflich­tet, die ver­ein­bar­te Ein­la­ge zu erbrin­gen. Im Außen­ver­hält­nis haf­tet er den Gläu­bi­gern der Gesell­schaft bis zur Höhe sei­ner Ein­la­ge unmit­tel­bar (§ 171 Abs. 1 Halb­satz 1 HGB). Erbringt der Kom­man­di­tist sei­ne Ein­la­ge, erlischt im Innen­ver­hält­nis sei­ne Ein­la­ge­ver­pflich­tung gegen­über der Gesell­schaft. Sei­ne Haf­tung im Außen­ver­hält­nis ent­fällt gemäß § 171 Abs. 1 Halb­satz 2 HGB, wenn er einen der ein­ge­tra­ge­nen Haft­sum­me ent­spre­chen­den Wert in das Gesell­schafts­ver­mö­gen geleis­tet und ihn auch dort belas­sen hat. Wird dem Kom­man­di­tis­ten die Ein­la­ge ganz oder teil­wei­se zurück­be­zahlt, gilt sie gemäß § 172 Abs. 4 Satz 1 HGB den Gläu­bi­gern der Gesell­schaft gegen­über inso­weit als nicht geleis­tet, d.h. die Außen­haf­tung ent­steht wie­der. Das glei­che gilt nach § 172 Abs. 4 Satz 2 HGB, soweit ein Kom­man­di­tist Gewinn­an­tei­le ent­nimmt, obwohl sein Kapi­tal­an­teil durch Ver­lust unter den Betrag der geleis­te­ten Ein­la­ge her­ab­ge­min­dert ist oder durch die Ent­nah­me der Kapi­tal­an­teil unter den bezeich­ne­ten Betrag her­ab­ge­min­dert wird. Die in § 172 Abs. 4 HGB beschrie­be­ne Wir­kung tritt aber nur gegen­über den Gläu­bi­gern ein, d.h. das Innen­ver­hält­nis zur Gesell­schaft ist davon nicht berührt. Ein Rück­ge­währ­an­spruch der Gesell­schaft ent­steht bei einer Rück­zah­lung der Ein­la­ge somit nicht auto­ma­tisch, son­dern kann sich nur aus ande­ren Rechts­grün­den erge­ben, ins­be­son­de­re aus einer ent­spre­chen­den ver­trag­li­chen Abre­de 3.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs unter­lie­gen die Rege­lun­gen in Gesell­schafts­ver­trä­gen von Publi­kums­ge­sell­schaf­ten unab­hän­gig davon, ob die Bereichs­aus­nah­me des § 23 Abs. 1 AGBG bzw. § 310 Abs. 4 BGB nF ein­greift, einer ähn­li­chen Aus­le­gung und Inhalts­kon­trol­le wie All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen 4. Hier­aus folgt in Anleh­nung an § 305c Abs. 2 BGB, dass Zwei­fel bei der Aus­le­gung zu Las­ten des Ver­wen­ders gehen 5.
Für den einer Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaft bei­tre­ten­den Gesell­schaf­ter müs­sen sich die mit dem Bei­tritt ver­bun­de­nen, nicht unmit­tel­bar aus dem Gesetz fol­gen­den Rech­te und Pflich­ten aus dem Gesell­schafts­ver­trag klar erge­ben 6. Denn die erst nach Abschluss des Gesell­schafts­ver­trags bei­tre­ten­den Kom­man­di­tis­ten müs­sen sich dar­auf ver­las­sen kön­nen, nur sol­che Leis­tun­gen erbrin­gen zu müs­sen, die dem Ver­trags­text unmiss­ver­ständ­lich zu ent­neh­men sind 7.
Die Aus­le­gung des Gesell­schafts­ver­trags führt vor­lie­gend hin­sicht­lich der Aus­schüt­tun­gen aus Liqui­di­täts­über­schüs­sen zu kei­nem kla­ren und unmiss­ver­ständ­li­chen Ergeb­nis. Ins­be­son­de­re lässt sich der Bestim­mung des § 13 Nr. 7 in Ver­bin­dung mit den übri­gen die Beschluss­fas­sung und die Kon­ten­füh­rung in der Gesell­schaft regeln­den Bestim­mun­gen nicht mit der gebo­te­nen Klar­heit ent­neh­men, dass und gege­be­nen­falls unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen aus Liqui­di­täts­über­schüs­sen vor­ge­nom­me­ne Aus­schüt­tun­gen den Kom­man­di­tis­ten (nur) als Dar­le­hen gewährt wer­den. Aus der Sicht eines ver­stän­di­gen Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaf­ters ist die durch den Wort­laut von § 13 Nr. 7 ers­ter Halb­satz nahe­ge­leg­te Aus­le­gung, die Aus­schüt­tun­gen wür­den den Kom­man­di­tis­ten als Dar­le­hen gewährt, nicht ein­deu­tig, weil der zwei­te Halb­satz des § 13 Nr. 7 des Gesell­schafts­ver­trags der Publi­kums-KG unter Berück­sich­ti­gung der übri­gen Rege­lun­gen des Gesell­schafts­ver­trags dahin ver­stan­den wer­den kann, dass nach dem Beschluss der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung, Liqui­di­täts­über­schüs­se aus­zu­schüt­ten, eine ent­spre­chen­de For­de­rung der Kom­man­di­tis­ten gegen die Gesell­schaft als Gut­ha­ben auf ihrem "Gesell­schaf­ter­kon­to" gebucht wird, und damit die Rege­lung des § 13 Nr. 7 ins­ge­samt dahin ver­stan­den wer­den kann, dass die Aus­schüt­tun­gen nicht als Dar­le­hen gewährt wer­den.
Soweit im ers­ten Halb­satz des § 13 Nr. 7 bestimmt ist, dass Aus­schüt­tun­gen aus Liqui­di­täts­über­schüs­sen den Kom­man­di­tis­ten vor­be­halt­lich der im zwei­ten Halb­satz ent­hal­te­nen Ein­schrän­kung als unver­zins­li­che Dar­le­hen gewährt wer­den, spricht die Ver­wen­dung des Begriffs "Dar­le­hen" zwar für ein Dar­le­hen im Rechts­sin­ne. Der Rechts­be­griff des Dar­le­hens ist auch juris­tisch nicht vor­ge­bil­de­ten Anle­gern all­ge­mein bekannt und hat den Inhalt, dass ein Geld­be­trag zur Ver­fü­gung gestellt wird, der spä­ter zurück­ge­zahlt wer­den muss. Nach der gesetz­li­chen Rege­lung in § 488 Abs. 1 Satz 2 BGB ist die Ver­pflich­tung des Dar­le­hens­neh­mers zur Zah­lung eines Zin­ses der gesetz­li­che Regel­fall. Hier­von weicht § 13 Nr. 7 des Gesell­schafts­ver­trags aus­drück­lich ab. Auch dar­in kommt zum Aus­druck, dass begriff­lich ein Dar­le­hen im Rechts­sin­ne bezeich­net wird, das eine vom Gesetz abwei­chen­de Son­der­re­ge­lung erfah­ren soll. Den in § 13 Nr. 6 bis 8 des Gesell­schafts­ver­trags sowie in § 8 Nr. 8 e)) ver­wen­de­ten Begrif­fen der Aus­schüt­tung, der Aus­zah­lung und der Ent­nah­me las­sen sich dage­gen kei­ne Anhalts­punk­te dafür ent­neh­men, dass die Aus­schüt­tun­gen den Kom­man­di­tis­ten als Dar­le­hen gewährt sein sol­len 8.
Aus der Sicht eines ver­stän­di­gen Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaf­ters ist die durch den Wort­laut von § 13 Nr. 7 ers­ter Halb­satz nahe­ge­leg­te Aus­le­gung, die Aus­schüt­tun­gen wür­den den Kom­man­di­tis­ten als Dar­le­hen gewährt, aber nicht ein­deu­tig. Nach § 13 Nr. 7 zwei­ter Halb­satz des Gesell­schafts­ver­trags wer­den Aus­schüt­tun­gen von Liqui­di­täts­über­schüs­sen den Kom­man­di­tis­ten nur dann als unver­zins­li­che Dar­le­hen gewährt, "sofern die Aus­schüt­tun­gen nicht durch Gut­ha­ben auf den Gesell­schaf­ter­kon­ten gedeckt sind". Auf­grund die­ser Ein­schrän­kung ist für den Anle­ger nicht hin­rei­chend klar zu erken­nen, ob ihm zuge­flos­se­ne Aus­schüt­tun­gen als Dar­le­hen mit der Fol­ge gewährt wer­den, dass der Gesell­schaft grund­sätz­lich ein Anspruch auf Rück­zah­lung zuste­hen soll. Der zwei­te Halb­satz des § 13 Nr. 7 des Gesell­schafts­ver­trags der Publi­kums-KG kann viel­mehr unter Berück­sich­ti­gung der übri­gen Rege­lun­gen des Gesell­schafts­ver­trags der Publi­kums-KG dahin ver­stan­den wer­den, dass nach dem Beschluss der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung, Liqui­di­täts­über­schüs­se aus­zu­schüt­ten, eine ent­spre­chen­de For­de­rung der Kom­man­di­tis­ten gegen die Gesell­schaft auf ihrem "Gesell­schaf­ter­kon­to" gebucht wird. Inso­weit sind die auf der Grund­la­ge eines Gesell­schaf­ter­be­schlus­ses nach § 8 Nr. 8 e)), § 9 Nr. 2 aus­ge­schüt­te­ten Liqui­di­täts­über­schüs­se im Sin­ne des § 13 Nr. 7 zwei­ter Halb­satz durch ein ent­spre­chen­des "Gut­ha­ben auf den Gesell­schaf­ter­kon­ten gedeckt".
Mit der Bezeich­nung "Gesell­schaf­ter­kon­ten" in § 13 Nr. 6 und 7 des Gesell­schafts­ver­trags sind (nur) die Gesell­schaf­ter­kon­ten im Sin­ne des § 11 Nr. 4 des Gesell­schafts­ver­trags und nicht auch die wei­te­ren in § 11 Nr. 1 bis 3 des Gesell­schafts­ver­trags auf­ge­führ­ten Kon­ten (Kapi­tal­kon­ten I und II, Ver­lust­son­der­kon­ten) gemeint. § 11 des Gesell­schafts­ver­trags regelt die ver­schie­de­nen Kon­ten zwar unter der Über­schrift "Gesell­schaf­ter­kon­ten". Damit soll indes ledig­lich zum Aus­druck gebracht wer­den, dass die im Fol­gen­den unter­schied­lich bezeich­ne­ten Kon­ten alle­samt für die Gesell­schaf­ter geführt wer­den. In § 11 Nr. 4 ist mit der Bezeich­nung der dort gere­gel­ten, von den Kapi­tal­kon­ten nach den Num­mern 1 und 2 und dem Ver­lust­son­der­kon­to nach Num­mer 3 ver­schie­de­nen Kon­ten als "Gesell­schaf­ter­kon­ten" nicht die all­ge­mei­ne, alle Kon­ten umfas­sen­de Umschrei­bung in der Über­schrift des § 11 gemeint, son­dern der Begriff soll an die­ser Stel­le allein die hier gere­gel­ten Kon­ten umfas­sen, um sie auch in der Bezeich­nung von den anders bezeich­ne­ten Kon­ten der Num­mern 1 bis 3 zu unter­schei­den. Die Ver­wen­dung des Plu­rals ("Gesell­schaf­ter­kon­ten") in § 13 Nr. 7 des Gesell­schafts­ver­trags erklärt sich wie auch in § 11 Nr. 4 und § 13 Nr. 6 sowie in § 11 Nr. 3 für die Ver­lust­son­der­kon­ten dar­aus, dass auch die Gesell­schaf­ter, für die die Kon­ten geführt wer­den ("Kom­man­di­tis­ten") im Plu­ral benannt wer­den.
Die in § 11 des Gesell­schafts­ver­trags vor­ge­nom­me­ne Ein­tei­lung der Gesell­schaf­ter­kon­ten ent­spricht einer gebräuch­li­chen Gestal­tung der Kon­ten­füh­rung in Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten. Dabei wird neben einem fes­ten Kapi­tal­kon­to, auf dem die ver­ein­bar­te Ein­la­ge ver­bucht wird, regel­mä­ßig ein wei­te­res, varia­bles Kon­to (gewöhn­lich als Kapi­tal­kon­to II bezeich­net) geführt, auf dem Gewinn­an­tei­le, Ver­lus­te und Ent­nah­men gebucht wer­den. Da bei die­ser Form des Kapi­tal­kon­tos II ste­hen gelas­se­ne Gewin­ne mit spä­te­ren Ver­lus­ten ver­rech­net wer­den, wird ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die gesetz­li­che Rege­lung der Ver­lust­ver­tei­lung beim Kom­man­di­tis­ten (§ 167 Abs. 2 und 3 HGB) häu­fig ein wei­te­res varia­bles Kon­to geführt, so dass sich ein soge­nann­tes Drei­kon­ten­mo­dell ergibt. Auf die­sem drit­ten Kon­to wer­den ent­nah­me­fä­hi­ge Gewin­ne, sons­ti­ge Ein­la­gen und Ent­nah­men gebucht. Die­ses häu­fig als Pri­vat­kon­to bezeich­ne­te varia­ble Kon­to stellt ein For­de­rungs­kon­to dar, das, wenn es nicht über­zo­gen wird, eine For­de­rung des Gesell­schaf­ters gegen die Gesell­schaft aus­weist. Das Kapi­tal­kon­to II erfasst dann nur noch die nicht ent­nah­me­fä­hi­gen Gewin­ne sowie die Ver­lus­te 9.
In § 11 des Gesell­schafts­ver­trags der Publi­kums-KG wur­de ein modi­fi­zier­tes Drei­kon­ten­mo­dell umge­setzt. Die Pflicht­ein­la­ge wird als Fest­ein­la­ge auf ein Kapi­tal­kon­to I gebucht (§ 11 Nr. 1). Ein Ver­lust­son­der­kon­to (§ 11 Nr. 3) erfasst die nicht ent­nah­me­fä­hi­gen Gewin­ne sowie die Ver­lus­te, ent­spricht also dem Kapi­tal­kon­to II des Drei­kon­ten­mo­dells. Dane­ben fin­det sich in § 11 Nr. 2 des Gesell­schafts­ver­trags ein Kon­to zur Buchung des Agi­os, das im Drei­kon­ten­mo­dell kei­ne Ent­spre­chung hat. Anhalts­punk­te dafür, dass die Kom­man­di­tis­ten von den genann­ten Kon­ten gemäß § 11 Nr. 1 bis 3 Aus­zah­lun­gen nach § 13 Nr. 6 des Gesell­schafts­ver­trags ver­lan­gen könn­ten bzw. nach § 13 Nr. 7 des Gesell­schafts­ver­trags zu Las­ten die­ser Kon­ten Aus­schüt­tun­gen von Liqui­di­täts­über­schüs­sen gewährt wer­den könn­ten, deren recht­li­che Qua­li­fi­zie­rung vom Vor­han­den­sein eines Gut­ha­bens abhän­gen soll, ent­hält der Gesell­schafts­ver­trag nicht. Die für die Pflicht­ein­la­ge ver­wen­de­te Bezeich­nung "Fest­ein­la­ge" spricht gegen eine Belast­bar­keit des Kapi­tal­kon­tos I. Auf dem Ver­lust­son­der­kon­to kann ein Gut­ha­ben nicht ent­ste­hen, weil dort nur Ver­lust­an­tei­le und Gewinn­an­tei­le gebucht wer­den und Gewinn­an­tei­le dem Ver­lust­son­der­kon­to nur so lan­ge gut­zu­schrei­ben sind, bis die­ses aus­ge­gli­chen ist.
Der einer Publi­kums­ge­sell­schaft bei­tre­ten­de Kom­man­di­tist hat die berech­tig­te Erwar­tungs­hal­tung, dass ihm nach dem Gesell­schafts­ver­trag zuste­hen­de Ansprü­che gegen die Gesell­schaft voll­stän­dig buch­hal­te­risch erfasst wer­den. Dies kann auf unter­schied­li­che Arten gesche­hen. Da die Ver­bu­chung der Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen Gesell­schaft und Gesell­schaf­tern das Innen­ver­hält­nis betrifft, besteht inso­weit Ver­trags­frei­heit 10. Wenn der Gesell­schafts­ver­trag, wie vor­lie­gend, ein dif­fe­ren­zier­tes Sys­tem von Gesell­schaf­ter­kon­ten zur Ver­fü­gung stellt, ist es nahe­lie­gend, dass die­ses Kon­ten­sys­tem für die Ver­bu­chung sämt­li­cher Ansprü­che des Kom­man­di­tis­ten gegen die Gesell­schaft genutzt wird, sofern dem Gesell­schafts­ver­trag nichts ande­res zu ent­neh­men ist.
Eine Aus­schüt­tung, hin­sicht­lich wel­cher der Kom­man­di­tist (bis­lang) von sei­nem Ent­nah­me­recht kei­nen Gebrauch gemacht hat (§ 13 Nr. 8), kann auf einem Pri­vat­kon­to, das ent­nah­me­fä­hi­ge Zuwei­sun­gen an den Kom­man­di­tis­ten und des­sen Ent­nah­men aus­weist, so gebucht wer­den, dass die­ses Kon­to nach der Buchung der gemäß § 8 Nr. 8 e)), § 9 Nr. 2 beschlos­se­nen Aus­schüt­tung im Haben eine ent­spre­chen­de For­de­rung des Kom­man­di­tis­ten gegen die Gesell­schaft aus­weist, die erlischt, wenn der aus­ge­schüt­te­te Betrag an den Kom­man­di­tis­ten gezahlt und die­se Zah­lung als Ent­nah­me im Soll gebucht wird 11.
Nach § 11 Nr. 4 des Gesell­schafts­ver­trags wer­den auf Gesell­schaf­ter­kon­ten Gewinn­an­tei­le, soweit sie nicht auf Ver­lust­son­der­kon­ten zu buchen sind, und der gesam­te übri­ge Zah­lungs­ver­kehr zwi­schen Gesell­schaft und Gesell­schaf­tern gebucht. Die Gesell­schaf­ter­kon­ten die­nen damit aus­drück­lich der Buchung von Gewinn­an­tei­len, das heißt von Ansprü­chen auf die Ent­nah­me von Gewin­nen, deren Aus­schüt­tung beschlos­sen wur­de. Dane­ben wird der "übri­ge", in der Bedeu­tung von "ver­blei­ben­de" oder "rest­li­che" "Zah­lungs­ver­kehr" auf die­sem Kon­to gebucht. Mit­hin sind die auf den Gesell­schaf­ter­kon­ten zu buchen­den Ansprü­che auf die Ent­nah­me von Gewin­nen nach all­ge­mei­nem Wort­ver­ständ­nis ein Teil der von dem Ober­be­griff des "Zah­lungs­ver­kehrs" erfass­ten Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen Gesell­schaft und Gesell­schaf­tern. Der "Zah­lungs­ver­kehr" im Sin­ne des § 11 Nr. 4 des Gesell­schafts­ver­trags kann daher auch For­de­run­gen der Gesell­schaf­ter auf die Ent­nah­me von Liqui­di­täts­über­schüs­sen nach beschlos­se­ner Aus­schüt­tung umfas­sen. Die aus­drück­li­che Benen­nung der Gewinn­an­tei­le in § 11 Nr. 4 des Gesell­schafts­ver­trags der Publi­kums-KG erscheint in ers­ter Linie des­halb erfor­der­lich, weil Gewinn­an­tei­le auf ver­schie­de­nen Kon­ten gebucht wer­den, je nach­dem, ob sie zur Ver­lust­de­ckung benö­tigt wer­den oder nicht. Jeden­falls kann aus der aus­drück­li­chen Erwäh­nung der Gewinn­an­tei­le in § 11 Nr. 4 des Gesell­schafts­ver­trags nicht geschlos­sen wer­den, die Ansprü­che auf Ent­nah­me von Liqui­di­täts­über­schüs­sen nach beschlos­se­ner Aus­schüt­tung dürf­ten auf den Gesell­schaf­ter­kon­ten nicht gebucht wer­den.
Hier­ge­gen wird ohne Erfolg ein­ge­wen­det, dass bei die­ser Aus­le­gung für den zwei­ten Halb­satz des § 13 Nr. 7 des Gesell­schafts­ver­trags, "sofern die Aus­schüt­tun­gen nicht durch Gut­ha­ben auf den Gesell­schaf­ter­kon­ten gedeckt sind", kein Anwen­dungs­be­reich blie­be, weil nach § 13 Nr. 6 des Gesell­schafts­ver­trags Aus­zah­lun­gen nur zuläs­sig sei­en, wenn ein Gesell­schaf­ter­be­schluss nach § 8 Nr. 8 e)), § 9 Nr. 2 des Gesell­schafts­ver­trags gefasst wer­de, oder jeden­falls das Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis des § 13 Nr. 7 des Gesell­schafts­ver­trags ad absur­dum geführt wür­de.
Wenn auf der Grund­la­ge von gemäß § 8 Nr. 8 e)), § 9 Nr. 2 des Gesell­schafts­ver­trags gefass­ten Aus­schüt­tungs­be­schlüs­sen ent­nom­me­ne Beträ­ge Kom­man­di­tis­ten (nur) als Dar­le­hen gewährt sein soll­ten dann wäre es nahe­lie­gend gewe­sen, im Gesell­schafts­ver­trag der Publi­kums-KG die Vor­aus­set­zun­gen zu regeln, unter denen die Kom­man­di­tis­ten zur Rück­zah­lung an die Gesell­schaft ver­pflich­tet sein soll­ten. Das Recht der Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten gewährt kei­nen gesetz­li­chen Anspruch auf Rück­zah­lung von (ver­trag­lich ermög­lich­ten) Aus­schüt­tun­gen, auf den man­gels ver­trag­li­cher Rege­lun­gen zurück­ge­grif­fen wer­den könn­te. Ein Rück­griff auf gesetz­li­che Rege­lun­gen des bür­ger­lich­recht­li­chen Dar­le­hens­rechts (§ 488 Abs. 3 BGB) wür­de dem im Gesell­schafts­ver­trag zum Aus­druck kom­men­den Wil­len der Gesell­schaf­ter nicht gerecht. Es wäre in sich nicht schlüs­sig, wenn die Gesell­schaf­ter, wie dies § 8 Nr. 8 e)), § 9 Nr. 2 des Gesell­schafts­ver­trags vor­sieht, die Mög­lich­keit hät­ten, regel­mä­ßig aus Liqui­di­täts­über­schüs­sen Aus­zah­lun­gen zu ihren Guns­ten zu beschlie­ßen, ihnen die­se mög­li­cher­wei­se über erheb­li­che Zeit­räu­me hin­weg geleis­te­ten Zah­lun­gen aber bin­nen einer Frist von drei Mona­ten wie­der ent­zo­gen wer­den könn­ten 12.
Es wäre zudem ein gewis­ser Gleich­lauf der Rege­lungs­dich­te zu erwar­ten, der hier fehlt. Die Aus­schüt­tung als sol­che bedarf gemäß § 8 Nr. 8 e)), § 9 Nr. 2 des Gesell­schafts­ver­trags einer qua­li­fi­zier­ten Mehr­heit von 75 % der abge­ge­be­nen Stim­men der Gesell­schaf­ter sowie in den ers­ten acht Jah­ren seit Infahrt­set­zung des Schif­fes der Zustim­mung der per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­te­rin. Zwar ist der Ansicht Recht zu geben, dass das Erfor­der­nis eines Gesell­schaf­ter­be­schlus­ses für die Aus­schüt­tun­gen aus der Liqui­di­tät im Hin­blick auf § 169 Abs. 1 HGB der Schaf­fung einer recht­li­chen Grund­la­ge für die Aus­schüt­tung oder Ent­nah­me die­nen kann 13. Es wäre gleich­wohl nahe­lie­gend gewe­sen, eine Rück­for­de­rung eben­falls dem Votum der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung zu unter­stel­len. Wei­ter macht der Gesell­schafts­ver­trag die Aus­zah­lung von exakt defi­nier­ten Liqui­di­täts­vor­aus­set­zun­gen abhän­gig. Für eine Rück­for­de­rung ent­hält der Gesell­schafts­ver­trag dem­ge­gen­über kei­ne Vor­aus­set­zun­gen, wie etwa das Vor­lie­gen wirt­schaft­li­cher Schwie­rig­kei­ten der Gesell­schaft und einen dar­aus resul­tie­ren­den Liqui­di­täts­be­darf. Der Gesell­schafts­ver­trag stell­te, das von der Publi­kums-KG ange­streb­te Aus­le­gungs­er­geb­nis zugrun­de gelegt, eine Rück­for­de­rung in das Belie­ben der Kom­ple­men­tä­rin der Publi­kums-KG.
v. Falkenhausen/​H. C. Schnei­der in MünchHdb. KG, 4. Aufl., § 22 Rn. 32; Ehri­cke in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 3. Aufl., § 120 Rn. 69; Wei­pert in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 3. Aufl., § 167 Rn.20; Münch­Komm-HGB/Pries­ter, 3. Aufl., § 120 Rn. 100[↩]