Source: https://www.hensche.de/Arbeitsrecht_aktuell_ArbeitszeitG_Umsetzung_Maengel.html
Timestamp: 2019-05-27 01:14:41
Document Index: 52737146

Matched Legal Cases: ['Art.2', 'Art.3', 'Art.6', '§ 5', 'Art. 3', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 2', 'EuG', 'Art.2', '§ 5', 'EuG', '§ 5', '§ 7', '§ 3', '§ 7', '§ 3', '§ 7', '§ 5', '§ 7', 'Art.3', 'Art.6']

04/04b Mängel der Richtlinienumsetzung 1994 - HENSCHE Arbeitsrecht
Der Be­reit­schafts­dienst sorgt im­mer noch für po­li­ti­schen und ju­ris­ti­schen Streit
1. Ver­s­toß ge­gen Art.2 der Richt­li­nie; "Be­reit­schafts­dienst als Ar­beits­zeit"
2. Ver­s­toß ge­gen Art.3 (elfstündi­ge Ru­he­zeit) und Art.6 (48-St­un­den­wo­che)
§ 5 Abs.1 Arb­ZG setzt im Prin­zip Art. 3 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie um. Da­her wird als Grund­satz ei­ne Ru­he­zeit von 11 St­un­den nach Be­en­di­gung der tägli­chen Ar­beits­zeit vor­ge­schrie­ben. Hier­von mach­te al­ler­dings § 5 Abs.3 Arb­ZG 1994 ei­ne Aus­nah­me für den Be­reit­schafts­dienst in Kran­kenhäusern und ähn­li­chen Be­trie­ben.
In sol­chen Be­trie­ben mußte nämlich die im Ver­lauf ei­nes Be­reit­schafts­diens­tes oder ei­ner Ruf­be­reit­schaft ge­leis­te­te Vol­l­ar­beit ab­wei­chend von § 5 Abs.1 nicht im An­schluß an die­se Vol­l­ar­beit durch ei­ne elfstündi­ge Ru­he­zeit aus­ge­gli­chen wer­den. Viel­mehr konn­te ein sol­cher Aus­gleich auch zu ei­nem an­de­ren Zeit­punkt vor­ge­nom­men wer­den. Vor­aus­set­zung dafür war le­dig­lich, daß während des Be­reit­schafts­diensts nicht über­wie­gend, son­dern höchs­tens hälf­tig Vol­l­ar­beit ge­leis­tet wur­de. Da­her war es nach § 5 Abs.3 Arb­ZG 1994 im Kli­nik­be­reich er­laubt, Be­reit­schafts­diens­te mit un­mit­tel­bar nach­fol­gen­den Nor­mal­schich­ten in weit­ge­hen­dem Um­fang zu kom­bi­nie­ren.
Durch Ru­he­zei­ten aus­zu­glei­chen wa­ren da­her nach der Kon­zep­ti­on des § 5 Abs.3 Arb­ZG 1994 le­dig­lich die Zei­ten während ei­nes Be­reit­schafts­diens­tes, in de­nen tatsächlich ge­ar­bei­tet wur­de bzw. in de­nen Vol­l­ar­beit ge­leis­tet wur­de ("Her­an­zie­hungs­zei­ten").
Die­se Vor­stel­lung ist mit der in § 2 der Richt­li­nie ent­hal­te­nen De­fi­ni­ti­on des Be­griffs "Ar­beits­zeit" bzw. mit der In­ter­pre­ta­ti­on die­ses Be­griffs durch den EuGH nicht ver­ein­bar. Hier­in liegt ein Ver­s­toß ge­gen die Richt­li­nie, da es den Mit­glied­staa­ten zwar er­laubt ist, von be­stimm­ten Vor­ga­ben ab­zu­wei­chen (s. oben), nicht aber, den in Art.2 der Richt­li­nie de­fi­nier­ten Be­griff der Ar­beits­zeit in ih­rem na­tio­na­len Recht an­ders zu de­fi­nie­ren.
Die Vor­schrift des § 5 Abs.3 Arb­ZG 1994 läßt sich da­her auch nicht un­ter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des EuGH, d.h. "richt­li­ni­en­kon­form", aus­le­gen, da dies kei­ne Aus­le­gung von § 5 Abs.3 Arb­ZG 1994 mehr wäre, son­dern ei­ne Um­deu­tung bzw. ei­ne Auf­he­bung die­ser Vor­schrift (zu zu­tref­fend BAG, a.a.O.)
Gemäß § 7 Abs.1 Nr.1. a) Arb­ZG 1994 konn­te in Ab­wei­chung von der Re­gel des § 3 die tägli­che Ar­beits­zeit durch Ta­rif­ver­trag oder Be­triebs­ver­ein­ba­rung auch oh­ne Zeit­aus­gleich auf über zehn St­un­den verlängert wer­den, wenn in die Ar­beits­zeit re­gelmäßig und in er­heb­li­chem Um­fang Ar­beits­be­reit­schaft fiel.
Die­se in § 7 Abs.1 Nr.1 a) ent­hal­te­ne Ermäch­ti­gung zur Über­schrei­tung der für den Ar­beits­tag gel­ten­den Zehn­stun­den­gren­ze (§ 3 Satz 2) ver­stieß aus fol­gen­den Gründen ge­gen die Ar­beits­zeit­richt­li­nie:
Ers­tens wur­de die­se Verlänge­rung des Ar­beits­tags auf­grund be­stimm­ter, in der Vol­l­ar­beit ent­hal­te­ner An­tei­le von Ar­beits­be­reit­schaft er­laubt. Mit "Ar­beits­be­reit­schaft" ist aber im all­ge­mei­nen und auch in die­ser Vor­schrift ei­ne we­sent­lich stärke­re Be­an­spru­chung des Ar­beit­neh­mers als in Fällen des Be­reit­schafts­diens­tes ge­meint. Ar­beits­be­reit­schaft ist im Prin­zip "Ar­beit" im Sin­ne des Arb­ZG, auch wenn sie von ge­rin­ge­rer In­ten­sität ist als die "nor­ma­le" Ar­beit.
Zwei­tens ent­hielt § 7 Abs.1 Nr.1. a) Arb­ZG 1994 kei­ne Ober­gren­ze für ei­ne Über­schrei­tung der 10-St­un­den­gren­ze. So­mit war ei­ne Verlänge­rung der tägli­chen Ar­beits­zeit auf bis zu 24 St­un­den möglich, da § 5 Abs.1 kei­ne mit­tel­ba­re Be­gren­zung der tägli­chen Ar­beits­zeit auf 13 St­un­den enthält.
§ 7 Abs.1 Nr.1 a) 1994 war al­so so­wohl mit Art.3 als auch mit Art.6 der Richt­li­nie un­ver­ein­bar. Auch hier schied ei­ne Kor­rek­tur der Vor­schrift im We­ge ei­ner "richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung" an­ge­sichts ih­res ein­deu­ti­gen Ge­hal­tes aus.