Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=27.06.2017&Aktenzeichen=1%20C%2026.16
Timestamp: 2018-02-25 11:17:12
Document Index: 296938785

Matched Legal Cases: ['Art. 16', '§ 29', '§ 29', 'Art. 25', 'Art. 20', 'Art. 33', 'Art. 25', 'Art. 4', 'Art. 14', 'Art. 12', 'EuG', 'Art. 33', 'Art. 25', 'Art. 4', 'Art. 20', 'Art. 20', 'Art. 4', 'Art. 3', '§ 29', 'EuG', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 20', 'Art. 4', 'Art. 3', 'Art. 20']

BVerwG, 27.06.2017 - 1 C 26.16 - dejure.org
GG Art. 16a, EMRK Art. ... 3, AsylG § 29 Abs. 1 Nr. 3, AsylG § 29 Abs. 1 Nr. 2, RL 2005/85/EG Art. 25 Abs. 2 Bst. a, RL 2011/95/EU Art. 20, RL 2013/32/EU Art. 33 Abs. 2 Bst. a, RL 2005/85/EG Art. 25 Abs. 2 Bst. a, GR-Charta Art. 4, RL 2013/32/EU Art. 14 Abs. 1 S. 1, RL 2005/85/EG Art. 12 Abs. 1 S. 1,
Vorlagebeschluss, EuGH, ausländische Anerkennung, Flüchtlingsanerkennung, internationaler Schutz in EU-Staat, Italien, Sekundärmigration, Drittstaatenregelung, sichere Drittstaaten, internationaler Schutz, unzulässig, Unzulässigkeit, Lebensbedingungen, Folgerechte, Anhörung, persönliches Gespräch, Beachtlichkeit, Verfahrensfehler, Heilung
Dies hängt davon ab, ob die Ermächtigung in Art. 33 Abs. 2 Buchst. a Richtlinie 2013/32/EU bzw. Art. 25 Abs. 2 Buchst. a Richtlinie 2005/85/EG durch andere unionsrechtliche Regelungen (…insbesondere Art. 4 GRC und Art. 20 ff. Richtlinie 2011/95/EU) eingeschränkt wird (vgl. BVerwG, Vorlagebeschluss vom 27. Juni 2017 - 1 C 26.16 - Vorlagefragen 1 und 2).
1.3.2 Die im Vorlagebeschluss des Senats vom 27. Juni 2017 - 1 C 26.16 - (juris) aufgeworfene unionsrechtliche Zweifelsfrage zu den Folgen einer fehlenden Anhörung des Ausländers zur beabsichtigten Unzulässigkeitsentscheidung des Bundesamtes stellt sich auf der Grundlage der vorstehenden Ausführungen im vorliegenden Verfahren nicht.
Allein der Umstand, dass sowohl das Bundesverwaltungsgericht als auch der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg dem Europäischen Gerichtshof Rechtsfragen zur Gültigkeit und Anwendbarkeit von Vorschriften der Dublin III-Verordnung zur Klärung vorgelegt haben (VGH-Bad.-Württ., Vorlagebeschluss vom 15.03.2017 - A 11 S 2151/16 - sowie BVerwG, Vorlagebeschlüsse vom 23.03.2017 - 1 C 17.16 - und vom 27.06.2017 - 1 C 26.16 -, alle juris), schließt weder aus sich heraus ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer Rücküberstellung nach Italien aus, noch kann die offensichtliche Rechtmäßigkeit des Verwaltungsakts bejaht werden.
Die Vorlagefragen des Bundesverwaltungsgerichts aus seinem Beschluss vom 27.06.2017 (1 C 26.16) betreffen den Antragsteller nicht.
Prozesskostenhilfe ist mit Blick auf die Vorlagebeschlüsse durch das BVerwG vom 23. März 2017 - 1 C 17/16 - und vom 27. Juni 2017 - 1 C 26.16 - zu bewilligen.
Solche ernstlichen Zweifel lassen sich angesichts der Vorlagebeschlüsse durch das BVerwG vom 23. März 2017 - 1 C 17/16 - und vom 27. Juni 2017 - 1 C 26.16 - zwar nicht ohne Weiteres verneinen.
Weder der Vorlagebeschluss des BVerwG vom 23. März 2017 - 1 C 17/16 - noch jener vom 27. Juni 2017 - 1 C 26.16 - zur Relevanz von Art. 20 ff. Richtlinie 2011/95/EU haben zur Folge, dass die sofortige Vollziehbarkeit der Abschiebungsandrohung bis zur Klärung der aufgeworfenen Fragen entfallen müsste.
Die Frage, ob die Lebensbedingungen in Italien für international Schutzberechtigte gegen Art. 4 GR-Charta bzw. Art. 3 EMRK verstoßen, wird in der - zu § 29 Abs. 1 Nr. 2 AsylG ergangenen Rechtsprechung (vgl. in diesem Zusammenhang die EuGH-Vorlagen des BVerwG, Beschluss vom 23.03.2017 - 1 C 17.16 - juris; Beschluss vom 27.06.2017 - 1 C 26.16 - NVwZ 2017, 1545) - weitgehend verneint (vgl. OVG Nordrhein-Westfalen…, Urteil vom 24.08.2016 - 13 A 63/16.A - juris Rn. 50ff.; OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 21.02.2014 - 10 A 10656/13 -, juris; VG München…, Urteil vom 06.12.2016 - M 12 K 16.33413 - juris Rn. 25;… Beschluss vom 06.03.2017 - M 17 S 17.33096 - juris Rn. 24; VG Magdeburg…, Urteil vom 27.04.2017 - 8 A 674/16 -, juris Rn. 11ff.; VG Trier…, Beschluss vom 20.07.2017 - 5 L 7778/17.TR -, juris Rn. 8ff.; a.A. VG Berlin…, Beschluss vom 02.06.2017 - 33 L 365.17 - juris Rn. 17ff.;… Beschluss vom 20.07.2017 - 28 L 282.17 A - juris Rn. 18ff.).
Das Vorabentscheidungsersuchen des Bundesverwaltungsgerichts vom 27. Juni 2017 - BVerwG 1 C 26.16 - rechtfertigt nicht die Annahme ernstlicher Zweifel an der Rechtmäßigkeit des streitgegenständlichen Bescheids.
Dabei geht es um mit Art. 3 EMRK kollidierende Lebensbedingungen in dem Staat, der einem Schutzsuchenden bereits internationalen Schutz gewährt hat bzw. Schutzberechtigten zwar unterhalb der Schwelle eines Verstoßes gegen Art. 3 EMRK, aber den Anforderungen der Art. 20 ff. Richtlinie 2011/95/EU nicht genügende existenzsichernde Leistungen gewährt, den Antragsteller aber nicht anders behandelt als die Staatsangehörigen des Mitgliedsstaats (BVerwG, Vorlage v. 23.3.2017 - 1 C 17/16 - juris u. B.v. 27.6.2017 - 1 C 26/16 - juris; vgl. auch VGH Baden Württemberg, B.v. 15.3.2017 - A 11 S 2151/16 - juris).
In Folge dessen hat das Bundesverwaltungsgericht in der Vorlage vom 27. Juni 2017 dargestellt, dass es dazu neige, einen Anspruch eines anerkannten Flüchtlings auf ein weiteres Anerkennungsverfahren in einem anderen EU-Mitgliedstaat zu verneinen, wenn die Lebensbedingungen dort nicht gegen Art. 4 Grundrechte-Charta und Art. 3 EMRK verstießen, es jedoch unterhalb dieser Schwelle tatsächliche Probleme beim Zugang zu den Leistungen gebe, die Art. 20 ff. Richtlinie 2011/95/EU vermitteln (BVerwG, Vorlage vom 27.6.2017, 1 C 26.16 - juris Rn 32 ff.).