Source: https://www.reiserecht.ch/reiseleistungen/sportexkursionen
Timestamp: 2018-05-24 11:28:13
Document Index: 240462379

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

Sportexkursionen › Reiserecht
Die Organisation und Durchführung von Sportexkursionen ist heute ein Bedürfnis. Diese Dienstleistungen können, müssen aber nicht, in den Bereich einer Pauschalreise fallen, weshalb die konsumentenschutz-rechtlichen Normen ggf. zu beachten sind. Ebenfalls zu berücksichtigen ist die Bewilligungspflicht bei den Risikosportarten (Risikoaktivitäten).
Im Einzelnen ergibt sich daher folgendes:
Sportexkursionen = organisierte und begleitete Trips sportlicher Art oder Ausrichtung
Sportexkursionenleiter = Oberbegriff für jede Art von Leiter oder Lehrer bei Sportexkursionen
Bergführer = bewilligungspflichtiger Beruf für die Begleitung von Alpinisten
Schneesportlehrer = Fachgebiet-Oberbegriff für Skilehrer, Skitourenleiter
Tour Guide = funktionsunabhängiger Oberbegriff für Exkursionenleiter
Sportexkursionenleiter als Hilfsperson des Veranstalters (Tour Operator (TO))
Sportexkursionenleiter als Beauftragter
Bergführer, Bergführer-Aspiranten, Kletterlehrer, Schneesportlehrer und Wanderleiter
Bundesgesetz über das Bergführerwesen und Anbieten weiterer Risikoaktivitäten ((RiskG), SR 935.91) vom 17.12.2010
Verordnung über das Bergführerwesen und Anbieten weiterer Risikoaktivitäten (Risikoaktivitätenverordnung (RiskV), SR 935.911) vom 30.11.2011
Verordnung über das Bergführerwesen und Anbieten weiterer Risikoaktivitäten | admin.ch
Tour Guide (zB bei einer hochalpinen Bergtour oder Skitour) auch Veranstalter im Sinne des Pauschalreisegesetzes (PRG)?
Ja, falls zusätzlich zur Tour Guide-Stellung die PRG-Voraussetzungen gegeben sind:
Massgeblichkeit des Angebots
zB preislich im Bergführerangebot eingeschlossene Übernachtung in Berghütte
zB Expedition mit erheblichem personellem und logistischem Aufwand und Beförderungsleistungen, bei welcher die zentrale Führungsaufgabe des Bergführers eine andere touristische Hauptleistung i.S.v. PRG 1 Abs. 1 lit. c darstellt
Führung durch das Hochgebirge ohne Übernachtung und auch bei mehr als 24 Stunden Dauer
Tathandlungsauftrag nach OR 394 ff. (einfacher Auftrag)
Keine Anwendung des Pauschalreisegesetzes, da die Voraussetzungen von PRG 1 nicht erfüllt sind
Bezüglich analoger PRG-Anwendung vgl. WIEDE ANDREAS, a.a.O., Rz 621 ff.
Risikosportarten (Risikoaktivitäten) > Bewilligungspflicht
Seit 01.01.2014 (Inkrafttreten) sind das Bundesgesetz über das Bergführerwesen und Anbieten weiterer Risikoaktivitäten (RiskG, SR 935.91) und die entsprechende Verordnung (RiskV, SR 935.911) zu beachten
Seither ist das gewerbsmässige Anbieten von geführten Bergtouren, Abfahrten ausserhalb markierter Pisten und Risikoaktivitäten wie Canyoning, River-Rafting, Wildwasserfahrten und Bungee-Jumping bewilligungspflichtig
Sportexkursionenleiter als Beauftragter des Reisenden bzw. der Reisegruppe
Da die körperliche Ertüchtigung durch den zunehmenden Körperkult auch für berg- oder seeunerfahrene Städter als erstrebenswert gilt und die risikobewussten Berggänger bzw. Wassersportler sich fachkundigen Rat durch Tour Guides zu Nutzen machen, gewinnen organisierte und begleitete Exkursionen an Bedeutung
Exkursions-Arten
Skitourenwandern
mit eigenem Velo oder mit dem Mietfahrrad
mit dem Seguey
andere Sporttouren
weitere Trip-Bezeichnungen
Leistungserbringer (Beauftragter)
bei Pauschalreiseangebot
Veranstalter (Tour Operator (TO))
bei Individualexkursion
Schneesportlehrer / Skilehrer
Leistungsempfänger (Exkursionsbuchender resp. Auftraggeber)
Exkursionsteilnehmer (zB Berggänger wie Alpinist, Wanderer usw.)
Klassischer Auftragsbeschrieb
+ bei Hochgebirgstour oder Skitour
vertragliche Garantenpflicht gegenüber dem Auftraggeber, „weil hier die Abwehr von Gefahren einen wesentlichen Bestandteil des Vertrags bildet (BGE 6S.550/2000, Erw. 3c)
Vereinbarte Schriftform (als Gültigkeitserfordernis) empfehlenswert
Im begleiteten Bergsport sind AGB üblich
Vgl. die AGB des Schweizer Alpen Clubs (SAC)
Allgemeine Geschäftsbedingungen | sac-cas.ch
Rechte und Pflichten des / der Exkursionsteilnehmer(s)
Sportexkursionenleiter in den Diensten des Veranstalters (Tour Operator (TO))
zB Alpenverein
zB Canyoning-Anbieter
zB Unternehmen für River-Rafting und Wildwasserfahrten
zB Bungee-Jumping-Veranstalter
Verhältnis zwischen Exkursionsteilnehmer oder Exkursionsgruppe und dem Sportexkursionenleiter
Sportexkursionenleiter ist einem geschädigten Konsumenten nur unter den Voraussetzungen der unerlaubten Handlung (OR 41 ff.) persönlich haftbar
Verhältnis zwischen Sportexkursionenleiter und Veranstalter (Tour Operator (TO))
Sportexkursionenleiter in direktem Verhältnis zu einem Exkursionsteilnehmer oder einer Exkursionsgruppe
Einzelner Exkursionsteilnehmer
mit allen Rechten und Pflichten untereinander, gegenüber Dritten und gegenüber dem Bergführer
gl. Mg. WIEDE ANDREAS, a.a.O., S. 142, Rz 492
Exkursionsteilnehmer als Vertreter der Exkursionsgruppe?
Exkursionenleiter als Geschäftsführer der einfachen Gesellschaft?
Eine GF-Funktion ändert nichts an der auftragsrechtlichen Natur seiner Rechte und Pflichten, unabhängig davon, ob die Vergütung an den Tour Operator (TO) als sein Arbeitgeber oder direkt an ihn selbst als Beauftragter bezahlt wird (vgl. FRANK RICHARD, a.a.O., S. 141)
Sportexkursionenleiter stellt sich unentgeltlich für die Exkursion zur Verfügung
Als unentgeltlicher GF der einfachen Gesellschaft haftet der Exkursionenleiter seinen Mitgesellschaftern der Exkursionen-Gemeinschaft gegenüber nur mit dem niedrigeren Sorgfaltsmassstab, den er in seinen eigenen Angelegenheiten anzuwenden pflegt (lat. Diligentia quam in suis rebus; OR 538 Abs. 1)
Gefahrensatz und Massnahmen (RiskG 1 f.)
Tourenvertrag, mit ev. Zusicherungen etc.
Reisemangel Gewährleistung | reiserecht.ch
Der Exkursionenteilnehmer hat die Wahl, ob er den Ersatz seines Schadens beim Veranstalter oder beim Exkursionenleiter geltend machen will; mehr als einmal kriegt er den Schaden natürlich nicht ersetzt
Der geschädigte Konsument wendet sich für die Geltendmachung mit Vorteil an den Veranstalter, weil er diesem gegenüber nur den Schaden zu beweisen hat (vgl. OR 99 Abs. 3 i.V.m. OR 42 Abs. 1 und ZGB 8) sowie, dass dieser adäquat kausal durch die Nicht- oder Schlechterfüllung der vertraglichen Pflichten des Veranstalters entstanden ist; der Veranstalter kann sich nur durch den Nachweis exkulpieren, dass er kein Verschulden am Schaden trägt (vgl. OR 97)
Exkursionenleiter-Inanspruchnahme
Bei der Geltendmachung von Schadenersatz direkt gegenüber dem Exkursionenleiter muss der Exkursionenteilnehmer nebst des Schadens und des adäquaten Kausalzusammenhangs auch das widerrechtliche Handeln oder Unterlassen und ein persönliches Verschulden nachweisen (vgl. OR 41 Abs. 1)
Individualsportexkursion mit Direktbeauftragung des Sportexkursionenleiters
Sorgfaltsmass an Sportexkursionenleiter
Erhöhte Sorgfaltsanforderungen an Bewilligungsträger wie
Gefahrensatz und Massnahmen
nach den vertraglich zugesicherten Kenntnissen und Fähigkeiten des Sportexkursionenleiters
Bewilligungspflicht / Aufsicht aufgrund Risikoaktivitäten-Gesetzgebung
Bundesgesetz über das Bergführerwesen und Anbieten weiterer Risikoaktivitäten ((RiskG),SR 935.91) vom 17.12.2010
Nicht bewilligungspflichtige Aktivitäten
Risikoschutz für begleitete Risikoaktivitäten-Teilnehmer
Berufsausübungsbewilligung (Polizeibewilligung)
Bewilligungspflichtige Aktivitäten (RiskV 3 + Anhänge)
Hochtouren ab dem Schwierigkeitsgrad L
Alpinwandern ab dem Schwierigkeitsgrad T4
Ski- und Snowboardtouren oberhalb der Waldgrenze ab dem Schwierigkeitsgrad L
Schneeschuhtouren oberhalb der Waldgrenze ab dem Schwierigkeitsgrad WT3
Variantenabfahrten oberhalb der Waldgrenze ab dem Schwierigkeitsgrad WS
Variantenabfahrten = Abfahrten, die mit Bergbahnen erschlossen sind, aber ausserhalb des Verantwortungsbereichs der Betreiber von Skilift- und Seilbahnanlagen liegen, mit Schneesportgeräten
Klettern in Felsen ausserhalb von Klettergärten und künstlichen Anlagen und mit mehr als einer Seillänge
Canyoning = Begehen von Bachbetten mit beschränkten Ausstiegsmöglichkeiten, für das Schwimm- oder Klettertechniken erforderlich sind
River-Rafting auf Fliessgewässern ab dem Schwierigkeitsgrad Wildwasser III mit einem Raft i.S.v. BSV 2 lit. a Ziff. 12
Wildwasserfahrt auf Fliessgewässern ab dem Schwierigkeitsgrad Wildwasser III mit einem Boot oder einem anderen Sportgerät wie
Bungee-Jumping mit Ausnahme von Aktivitäten von Schaustellergewerben, die über eine Bewilligung nach Artikel 25 der Verordnung vom 04.09.2002 über das Gewerbe der Reisenden verfügen
Bungee-Jumping = Sprung in die Tiefe in freiem Fall an einem elastischen Seil oder Pendelsprung
Bewilligungspflichtige Jobs
Bergführer (RiskV 4)
Bergführer-Aspirant (RiskV 5)
Kletterlehrer (RiskV 6)
Schneesportlehrer (RiskV 7)
Wanderleiter (RiskV 8)
Haupt- und Nebeneinkommen von mehr als CHF 2‘300 pro Jahr (RiskV 2)
Eidg. Fachausweis (RiskV)
Nachweis einer genügenden Berufshaftpflichtversicherung, mit einer Deckungssumme von mindestens CHF 5 Mio. p.a. (RiskG 13, RiskV 20 f.)
4 Jahre (RiskG 9 Abs. 1)
Leiter der Risikosportarten Canyoning, River-Rafting, Wildwasserfahrten und Bungee-Jumping
2 Jahre (RiskG 9 Abs. 2)
Anbieter-Bewilligungspflicht und Zertifizierung
Bewilligungspflicht (RiskG 6)
Zertifizierung durch eine anerkannte Zertifizierungsstelle (RiskV 9 ff.)
Bewilligungsverzeichnis
Das Bundesamt für Sport (BASPO) veröffentlicht im Internet ein Verzeichnis der Bewilligungen nach RiskV 4–9
Verzeichnis der Bewilligungen | apps.baspo.admin.ch
Strafrechtliche Sanktionen (RiskG 15)
Busse bis CHF 10‘000
Busse bis CHF 5‘000
Von Mangelbehebung bis hin zum Bewilligungsentzug (RiskG 10, RiskV 18)
Absolute Wagnissportarten
Als absolute Wagnissportarten gelten:
Dirt-Biken
Mountainbike-Abfahrtsrennen
Wegen der Unfallträchtigkeit dieser Risikosportarten können Versicherer zum Schutze der anderen Prämienzahler Leistungskürzungen vornehmen (siehe Judikatur unten)
Den Wagnissportlern ist zu empfehlen, eine separate Unfallversicherung abzuschliessen
WIEDE ANDREAS, Reiserecht – Schweizer Handbuch zu den Verträgen über Reiseleistungen, Zürich / Basel / Genf 2014, 141 f.
KREPPER PETER, Handbuch Tourismusrecht, 2. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2014, 182 ff.
FRANK RICHARD, Meine Rechte und Pflichten als Tourenleiter, als Reiseleiter, als Jugendleiter – Zugleich ein Handbuch zur Haftbarkeit des Veranstalters, Zürich 1975, S. 141
MÜLLER STEPHAN / STEINER JAN et al., Tourismus und Recht, Schneesport Schweiz, Band 6, Belp 2010, 85 S.
Hochgebirgstour mit unerfahrenen US-Teilnehmern
BGE 6S.550/2000
BGE 4A_420/2013 vom 22.01.2014
BGE 4A_235/2007 vom 01.10.2007
Nicht vorschriftsgemässe Skipistenmarkierung durch Anlagenbetreiber
BGE 6S.379/2002 vom 27.11.2002
Lawinen-Unfall
BGE 138 IV 124 vom 14.05.2012
Rodelbahn-Unfall
BGE 130 III 571 vom 08.07.2004
Dirt-Biker (Wagnissportart, weshalb die Suva die Geldleistungen um 50% kürzte)
BGE 8C_762/2014 vom 19.01.2015
Zu den Sportexkursionen
Bundesamt für Sport (BASPO) / Merkblätter und Links
Merkblätter und Links | baspo.admin.ch
Personen mit Risikosport-Bewilligung
Risikosport-Bewilligungen | apps.baspo.admin.ch
Betriebe mit Risikosport-Bewilligung (Zertifizierter Anbieter)
Zertifizierter Anbieter | apps.baspo.admin.ch
BFU-Linkliste
Linkliste | bfu.ch
Suva + Risikosportarten
SAC | sac-cas.ch
Veloland | veloland.ch
Snowsports | snowsports.ch