Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%2023,%20175
Timestamp: 2019-11-19 23:51:28
Document Index: 148757302

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 145', '§ 138', '§ 22', 'BGH', 'BGH', '§ 138', 'BGH', 'BGH', '§ 241', '§ 145', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 339', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 145', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 29.01.1957 - VIII ZR 71/56 - dejure.org
https://dejure.org/1957,133
BGH, 29.01.1957 - VIII ZR 71/56 (https://dejure.org/1957,133)
BGH, Entscheidung vom 29.01.1957 - VIII ZR 71/56 (https://dejure.org/1957,133)
BGH, Entscheidung vom 29. Januar 1957 - VIII ZR 71/56 (https://dejure.org/1957,133)
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BGHZ 23, 175
NJW 1957, 627
DB 1957, 258
DÖV 1957, 317
Die von der Rechtsprechung aufgestellten Grundsätze (vgl. BGHZ 21, 319, 333 ff; 23, 175, 177; BGH LM Nr. 7 und 11 Vorbem. zu § 145 BGB) sollen den besonderen Verhältnissen des modernen Massenverkehrs gerecht werden und passen deshalb nicht für Rechtsgeschäfte, wie sie jedenfalls bislang noch bei der Personenbeförderung im Flugverkehr abgeschlossen werden.
Vom Wortlaut und seiner systematischen Stellung erfasst § 138 BGB daher nicht normative Regelungen, wie Gesetze bzw. den normativen Teil von Tarifverträgen (ebenso BAG 25. März 1981 - 4 AZR 1012/78 - AP BAT 1975 §§ 22, 23 Nr. 42; siehe auch BGH 29. Januar 1957 - VIII ZR 71/56 - BGHZ 23, 175, 180 ff.;… aA MünchKommBGB/Mayer-Maly/Armbrüster § 138 Rn. 9).
Die vom Berufungsgericht herangezogenen Fälle des Massenverkehrs (BGHZ 21, 319; 23, 175) werden in der neueren Rechtsprechung allgemein unter dem Gesichtspunkt der unbeachtlichen Verwahrung gesehen.
Allerdings hat auch der Bundesgerichtshof in einigen älteren Entscheidungen angenommen, daß Vertragsverhältnisse, etwa im Bereich sozialer Daseinsfürsorge, nicht bloß durch rechtsgeschäftlichen Vertragsschluß, sondern nach den Grundsätzen von Treu und Glauben auch durch rein tatsächliches Verhalten entstehen können (sogenannte faktische Vertragsverhältnisse; BGHZ 21, 319, 334 ff. [Parkplatz]; 23, 175, 177 f. [Versorgungsunternehmen]; 23, 249, 261 [Hoferbfolge];… vgl. hierzu MünchKomm/Kramer, BGB, 4. Aufl., Einleitung Rn. 62 ff. vor § 241;… Palandt/Heinrichs, BGB, 61. Aufl., Einführung Rn. 25 vor § 145).
(BGHZ 23, 175, 179) und verlieren diesen Charakter nicht dadurch, daß sie zum Bestandteil eines bürgerlich rechtlichen Vertrages gemacht werden (…a.a.O. 182).
Anders kann es in Fällen sein, in denen - wie in BGHZ 23, 175 - zweifelhaft ist, wer kraft übereinstimmender Willenserklärungen Vertragspartner des Versorgungsunternehmens geworden ist.
Er ist in der Erzwingung redlichen Verhaltens zu finden, "weil eine große und unübersehbare Gefahr der Schädigung der Versorgungsunternehmen besteht, wenn die Abnehmer dazu übergehen, durch schwer zu entdeckende Schwarzleitungen oder oder Vorrichtungen zur Beeinflussung der Zähler unkontrollierbar Strommengen zu entnehmen" (vgl. das Urteil des erkennenden Senats vom 29. Januar 1957 - VIII ZR 71/56 - Elektrizitätswirtschaft, Rechtsbeilage 1957, 36, 40, insoweit in BGHZ 23, 175 nicht veröffentlicht).
Entgegen der in der Rechtsprechung vereinzelt vertretenen Auffassung, zu der in BGHZ 23, 175, 183 nicht abschließend Stellung genommen ist, ist nämlich die Vertragsstrafe gemäß Nr. VII Abs. 4 AVB eine echte Vertragsstrafe im Sinne von §§ 339 ff BGB.
Die Ansicht des Landgerichts Hamburg (Elektrizitätswirtschaft, Rechtsbeilage 1952, 60), daß es sich bei der "Vertragsstrafe" in Wahrheit um eine für den Fall der (objektiven) Vertragsverletzung vereinbarte bloße Nachberechnung handele, verkennt, daß die in Nr. VII 4 AVB geregelte Folge von unberechtigter Stromentnahme nur eintritt, wenn der Strom durch vorsätzlich begangene unerlaubte und strafbare Handlung entnommen ist (BGHZ 23, 175, 182).
Die "Allgemeinen Bedingungen für die Versorgung mit Gas " (…abgedruckt in Darge/Melchinger Rumpf, Energiewirtschaftsgesetz, 2. Teil Bd. 2 Anl. 2 zu Textteil 275 und in Eiser/Riederer, Energiewirtschaftsrecht, 2. Aufl. Bd. 1 unter IV B) sind Bestandteil der Versorgungsverträge (BGHZ 9, 390 [BGH 06.10.1952 - I VRG 11/52]; 23, 175, 179 [BGH 29.01.1957 - VIII ZR 71/56]; 24, 140, 149) [BGH 26.04.1957 - V ZB 55/56].
Aber auch hiervon abgesehen folge seine Zahlungspflicht, wie das Berufungsgericht unter Hinweis auf das Urteil des Senats BGHZ 23, 175 ausführt, aus dem "faktischen Vertragsverhältnis", das dadurch zustandegekommen sei, daß er - möge er vorher auch ausdrücklich gekündigt haben - weiterhin Strom abgenommen habe.
Der Senat hat diese in Rechtsprechung und Schrifttum noch nicht voll geklärte Rechtsfigur in seinem Urteil BGHZ 23, 175 nur zur weiteren Unterstützung seiner Entscheidung herangezogen (vgl. Besprechung dieses Urteils von Liesecke in LM Vorbem, zu § 145 BGB Nr. 2 und das Senatsurteil vom 16. Dezember 1964 - VIII ZR 51/63 - BGHWarn 1964 Nr. 279 = NJW 1965, 387).
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