Source: http://www.betriebskostenabrechnung.com/blog/gradtagszahlen-betriebskostenabrechnung/
Timestamp: 2018-12-10 23:13:58
Document Index: 310630484

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', 'BGH', '§ 12']

Bedeutung der Gradtagszahlen bei der Betriebskostenabrechnung - Betriebskostenabrechnung
Bedeutung der Gradtagszahlen bei der Betriebskostenabrechnung
Gradtagszahlen spielen bei einem Mieterwechsel (Nutzerwechsel) während der Abrechnungsperiode eine große Rolle. Zieht ein Mieter während des laufenden Abrechnungszeitraums aus und ein anderer Mieter ein, muss der Vermieter beim Verbrauch für Heizung und Warmwasser eine Zwischenablesung durchführen.
Mit Hilfe der Gradtagszahlen kann der Vermieter dann die Heizkosten zwischen dem Vormieter und dem Nachmieter in einem fairen Verhältnis aufteilen. Denn die Gradtagszahlen berücksichtigen das unterschiedliche Heizverhalten im Sommer und im Winter, so dass beim Mieterwechsel niemand kostenmäßig benachteiligt oder bevorzugt wird.
Wir zeigen hier, wann die Kostenverteilung nach Gradtagszahlen überhaupt in Frage kommt und was es dabei zu beachten gibt.
Gradtagszahlen: Das sagt die Heizkostenverordnung
Heizkosten und Warmwasserkosten sind mindestens zu 50%, höchstens jedoch zu 70% nach dem erfassten Verbrauch der Nutzer zu verteilen, §§ 7 Abs. 1 Satz 1, 8 Abs. 1 Heizkostenverordnung (HeizkostenV). Um diese verbrauchsabhängigen Kosten bei einem Mieterwechsel auf den Vormieter und den Nachmieter aufzuteilen, muss der Gebäudeeigentümer eine Zwischenablesung vornehmen, § 9b Abs. 1 HeizkostenV. Auf Grundlage der Zwischenablesung sind die erfassten verbrauchsabhängigen Kosten auf den Vormieter und den Nachmieter umzulegen, § 9b Abs. 2 1. Halbsatz HeizkostenV.
Demgegenüber werden die verbrauchsunabhängigen Heizkosten (Grundkosten) – also 30 bis 50% – nach den Gradtagszahlen oder zeitanteilig auf den Vormieter und den Nachmieter verteilt. Hinsichtlich der verbrauchsunabhängigen Warmwasserkosten erfolgt die Verteilung auf den Vormieter und den Nachmieter zeitanteilig, § 9b Abs. 2 1. Halbsatz HeizkostenV.
Damit sind bei einem Mieterwechsel folgende Kostenaufteilungen zu unterscheiden, wobei die Gradtagszahlen nur bei den Heizungskosten zur Anwendung kommen:
Verbrauchsunabhängige Heizkosten
Verbrauchsabhängige Heizkosten
Verbrauchsunabhängige Warmwasserkosten
Verbrauchsabhängige Warmwasserkosten
So sehen die Gradtagszahlen konkret aus
Die Gradtagszahlen stellen auf den unterschiedlichen Heizbedarf zu verschiedenen Jahreszeiten ab und werden vom Deutschen Wetterdienst ermittelt. Daraus ergibt sich die folgende Gradzahlentabelle aus der Richtlinie VDI 2067:
Monat Promille je Monat Promille je Tag
Januar 170 5,484
Februar 150 5,357
Februar Schaltjahr 130 5,173
März 130 4,194
April 80 2,667
Mai 40 1.290
Juni, Juli, August zusammen 40 0,435
September 30 1,000
Oktober 80 2,581
November 120 4,000
Dezember 160 5,161
Wie aus der Tabelle ersichtlich, ist der Verbrauch und damit der Promilleanteil etwa in den Sommermonaten weitaus geringer als in den Wintermonaten. Die Gesamtsumme der Promille je Monat beträgt 1.000. Die Promille pro Tag errechnen sich, in dem die Promille pro Monat durch die Anzahl der Monatstage geteilt wird (etwa für März: 130 Promille : 31 Tage = 4,194).
Verbrauchsunabhängige Heizkosten: Berechnung nahezu immer nach Gradtagszahlen
Findet ein Mieterwechsel statt, müssen die in der Abrechnungsperiode angefallenen verbrauchsunabhängigen Heizkosten fast immer nach den Gradtagszahlen auf den Vormieter und Nachmieter aufgeteilt werden.
Zwar gestattet § 9b Abs. 2 1. Halbsatz HeizkostenV auch die zeitanteilige – also monatlich gleich bleibende – Verteilung dieser Kosten, so dass der Vermieter an sich ein Wahlrecht zwischen der Aufteilung nach Gradtagszahlen und der zeitanteiligen Verteilung hat. Allerdings muss der Vermieter die Kostenaufteilung nach billigem Ermessen ausüben. Sein Ermessen ist aber regelmäßig auf die Anwendung der Gradtagszahlen beschränkt. Denn andernfalls müsste der Vor- oder Nachmieter, der überwiegend die Wohnung in der warmen Jahreszeit bewohnt und kaum geheizt hat, pro Monat genau so viel (verbrauchsunabhängige Heizkosten) zahlen wie der andere Mieter, der in der kalten Jahreszeit viel geheizt hat. Dadurch würde der Mieter mit dem wenigen Heizbedarf unbillig benachteiligt.
Wie die Aufteilung nach Gradtagszahlen bei den verbrauchsunabhängigen Heizkosten funktioniert, zeigt das folgende Beispiel unter Anwendung der Gradtagszahlentabelle:
Praxisbeispiel: Mieterwechsel wegen Auszug
Bei einem Mietobjekt werden die Heizkosten stets für die Abrechnungsperiode vom 01.04. bis 31.03. berechnet. Am 16.12. findet ein Mieterwechsel statt.
Fazit: Die verbrauchsunabhängigen Kosten für die Heizung werden wie folgt berechnet:
Promille je Monat von April bis November
Monat Promille
Juni, Juli, August zusammen 40
Summe 390
Die Berechnung für Dezember lautet:
16 Tage x 5,161 Promille je Tag = 82,576 Promille
Demnach trägt der ausgezogene Mieter 390 Promille + 82,576 Promille = 472,576 Promille, also weniger als 50%, obwohl er innerhalb der Abrechnungsperiode 8 ½ Monate in der Wohnung lebte. Dieses Ergebnis ist die Folge davon, dass Gradtagszahlen die unterschiedliche Heizungsnutzung in den jeweiligen Jahreszeiten zugrunde legt.
Verbrauchsabhängige Heizkosten: Berechnung nach Gradtagszahlen die Ausnahme
Der erfasste Verbrauch der Heizenergie ergibt sich beim Mieterwechsel aus der Zwischenablesung und ist für die Abrechnungsperiode entsprechend auf den ausgezogenen und eingezogenen Mieter aufzuteilen. Allerdings findet nicht immer eine Zwischenablesung statt, etwa weil
die Zwischenablesung versäumt wurde
aus technischen Gründen nicht machbar ist (etwa bei Verdunstungsgeräten zu Beginn und am Ende der Abrechnungsperiode)
das Verbrauchserfassungsgerät defekt ist
In diesen Fällen sind die verbrauchsabhängigen Heizkosten auf dieselbe Weise wie die verbrauchsunabhängigen Heizkosten auf den Vormieter und den Nachmieter aufzuteilen, also nach Gradtagszahlen oder zeitanteilig, § 9b Abs. 3 in Verbindung mit § 9b Abs. 2 HeizkostenV.
Verbrauchsunabhängige und -abhängige Warmwasserkosten: Keine Anwendung von Gradtagszahlen
Bei den verbrauchsunabhängigen Warmwasserkosten werden die Gradtagszahlen bei einem Mieterwechsel nicht angewendet. Vielmehr erfolgt die Aufteilung zwischen dem neuen und dem alten Mieter nach der tatsächlichen Mietzeit, da die Warmwasserkosten – anders als die Heizkosten – nicht von der jeweiligen Jahreszeit abhängen.
Fehlt eine Zwischenablesung der verbrauchsabhängigen Warmwasserkosten oder ist diese nicht möglich, wird der Verbrauch ebenfalls zeitanteilig aufgeteilt.
Gradtagszahlen kommen auch zur Anwendung, wenn ein Erfassungsgerät während der laufenden Abrechnungsperiode ausgefallen ist, so dass der Verbrauch an Heizkosten hochgerechnet werden muss.
Die Kosten der Zwischenablesung sind nicht umlagefähige Verwaltungskosten und daher vom Vermieter zu zahlen, falls er diese nicht im Mietvertrag auf den Mieter abgewälzt hat (Bundesgerichtshof (BGH), Urteil vom 14.11.07. Az.: VIII ZR 19/07). Unterlässt der Vermieter bei einem Mieterwechsel die Zwischenablesung des Heizenergie- und Warmwasserverbrauchs, darf der Mieter den Abrechnungsbetrag in entsprechender Anwendung des § 12 Abs. 1 HeizkostenV um 15% kürzen (Amtsgericht (AG) Charlottenburg, Urteil vom 01.12.2005, Az.: 218 C 382/05).
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