Source: https://www.flugrechte.eu/index.php?qa=6561&qa_1=flug-findet-nicht-statt-anspr%25C3%25BCche&show=6606
Timestamp: 2018-03-20 15:24:50
Document Index: 274435238

Matched Legal Cases: ['Art. 5', 'Art. 7', 'Art. 8', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art.7', 'Art.8', 'Art. 3', 'EuG', 'EuG', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 7', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 7']

Flug findet nicht statt- Ansprüche ? - FLUGGASTRECHTE
Condor: Mehrmalige Flugzeitenverlegung Strecke MUC - RHO; Möglichkeit der Stornierung inkl. Erstattung?
Flug findet nicht statt- Ansprüche ?
ich habe einen Flug ( nur den Flug) mit Condor gebucht. Nun habe ich heute die Email bekommen, dass mein Flug um einen Tag vorher verschoben wurde. An sich bedeutet das einen Tag mehr Urlaub aber ich muss den Tag vorher noch arbeiten. Ich kann diesen Flug also nicht wahrnehmen. Was soll ich jetzt tun?
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Gefragt 4, Apr 2016 in Flugannullierung von Anonym
Ihr Flug mit Condor wurde um einen Tag vorverlegt. Diesen Flug können Sie nun nicht mehr wahrnehmen, weil Sie da arbeiten müsse.
Nicht nur wenn ein Flug gar nicht stattfindet oder nach hinten verschoben wird, liegt eine Annullierung vor. Auch das Vorverlegen eines Fluges ist als Annullierung einzustufen.
AG Hannover, Urteil vom 21.04.2011, AZ: 512 C 15244/10 (ganz einfach zu finden, wenn Du bei Google eingibst: " AG Hannover 512 C 15244/110 reise-recht-wiki.de“)
Folglich liegt im vorliegenden Fall durchaus eine Annullierung vor, denn Ihr Flug wurde um einen ganzen Tag vorverlegt. Liegt eine Annullierung Ihres ursprünglichen Fluges vor, so steht Ihnen ein Anspruch auf Ausgleichszahlungen aus der europäischen Fluggastrechte Verordnung zu.
Die Höhe der Ausgleichszahlungen bemisst sich nach der Entfernung und damit wie folgt:
Zu beachten ist jedoch, dass ein solcher Anspruch auch entfallen kann. Ein solcher Anspruch kann entfallen, falls Sie von der Fluggesellschaft zwei Wochen vor dem planmäßigen Abflug über die Annullierung informiert wurden. Leider geben Sie nicht an, wann genau Ihr Flug gehen soll. Aus diesem Grund kann ich Ihre Situation leider nicht näher einschätzen.
Wurden Sie also weniger als zwei Wochen über die Annullierung informiert, dann steht Ihnen ein Anspruch auf Ausgleichszahlungen aus der europäischen Fluggastrechte Verordnung zu.
Wenn Sie jedoch zwei Wochen vor dem planmäßigen Abflug informiert wurden steht Ihnen zwar kein Anspruch auf Ausgleichszahlungen zu, jedoch können Sie dann zwischen den folgenden drei Optionen wählen:
Nachdem Sie nun über die Ihnen zustehenden Ansprüche aufgeklärt sind, sollten Sie sich an die Fluggesellschaft wenden und Ihren Anspruch geltend machen.
Beantwortet 5, Apr 2016 von Pharao (3,020 Punkte)
Ihre Möglichkeiten hängen ganz davon ab, wann Ihr Flug stattfinden soll und wann die Flugzeitenverschiebung Ihnen mitgeteilt wurde.
An sich gleicht die Vorverlegung eines Fluges um einen Tag einer Flugannullierung. Bei einer Flugannullierung könnte Fluggästen eine Ausgleichszahlung in Höhe von bis zu 600 Euro pro Person zustehen.
Der Anspruch auf die Ausgleichszahlung besteht aber dann nicht, wenn die Annullierung mehr als zwei Wochen vor dem Abflug mitgeteilt wird. Dazu Art. 5, Abs. 1, li. c), subli. i) VO 261/2004:
Die Höhe der möglichen Ausgleichszahlung richtet sich nach der Flugdistanz. Dazu Art. 7, Abs. 1 VO 261/2004:
„a) 250 EUR bei allen Flügen über eine Entfernung von 1500 km oder weniger,
Sollte die Mitteilung zeitlich so erfolgt haben, dass eine Ausgleichszahlung ausgeschlossen ist, besteht jedoch weiterhin die Wahlmöglichkeit zwischen einem Alternativflug und der Erstattung des Flugpreises. Dazu Art. 8, Abs. 1, li. a) u. b) VO 261/2004:
b) anderweitiger Beförderung zum Endziel unter vergleichbaren Reisebedingungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt oder […]“.
Beantwortet 5, Apr 2016 von ER88 (4,880 Punkte)
zunächst einmal wäre es wichtig, dass sie ein paar zusätzliche Daten angeben. Es wäre zb gut zu wissen, wann der Flug gehen soll und wann genau sie die Info im Voraus bekommen haben.
Grundsätzlich würde die EG (VO) 261/2004 greifen.
In dieser Fluggastrechtverordnung der EU sind die Ansprüche eines Fluggastes konkret geregelt.
So entspricht die Verzögerung ihres Fluges um einen ganzen Tag einer Annulierung gem. Art. 5 EG (VO) 261/2004.
Daraus resultieren diverse Ansprüche auf Ausgleichsleistungen.
Sollte es jedoch so sein, dass sie zwei Wochen oder mehr über diesen Umstand informiert wurden, sind keine Ansprüche geltend zu machen, da sie in dieser Zeit genug Möglichkeiten hätten, ihre Reiseplanung dahingehend anzupassen, dass sie ihre Reise wie geplant durchführen könnten.
Ebenso entfallen jegiche Ansprüche, wenn die Airline beweisen kann, dass es sich bei dem Grund für die Verschiebung um einen außergewöhnlichen Umstand handelt.
Ist beides nicht der Fall, haben sie Anspruch auf Ausgleichsleistungen.
grundsätzlich wäre es zunächst wichtig Abflug- und Zielort des Fluges zu wissen, welcher verschoben wurde. Dies ist u.U. entscheidend für die Frage, welche Rechtsgrundlage Anwendung findet auf den von Ihnen geschilderten Fall.
Geht man davon aus, dass der Flug aus Deutschland startet, würde auf diesen die europäische Fluggastrechte-VO Anwendung finden. Nach dieser Verordnung wird eine solche Veränderung der Abflugzeiten als Annullierung klassifiziert gem. Art. 5 VO. Nach diesem Artikel stehen Ihnen als Reisenden u.a. die Ansprüche nach Art. 8 VO zu. Nach dieser Vorschrift haben Sie grundsätzlich die Wahl, ob Sie den Flug unter den geänderten Reisebedingungen gar nicht antreten wollen oder ob Sie gegen die Airline einen Anspruch auf einen Alternativflug geltend machen wollen. Entscheiden Sie sich dafür, den Flug nicht anzutreten, dann haben Sie gegen die Airline einen Anspruch auf Erstattung der Flugscheinkosten. Entscheiden Sie sich für einen Alternativflug haben Sie einen Anspruch darauf zu einem späteren Zeitpunkt unter vergleichbaren Bedingungen von der Airline ohne Mehrkosten befördert zu werden. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass der Anspruch auf eine spätere andere Beförderung u.U. nach Art. 8 Abs. 1 c) VO von freien Kapazitäten der Airline abhängig ist.
Daher haben Sie in Ihrem Fall grundsätzlich die Möglichkeit, entweder den Flug gar nicht anzutreten und den Flugticketpreis erstattet zu bekommen oder Sie setzten sich mit der Airline in Verbindung und verlangen einen späteren Flug, den Sie dann auch wahrnehmen können. Letzteres sollten Sie meiner Meinung nach zunächst versuchen, da Sie letztlich immer noch die 1. Variante wählen können, wenn die Airline Ihnen kein für Sie akzeptables Angebot machen kann.
Beantwortet 13, Apr 2016 von Cockpit1 (16,090 Punkte)
In der Regel haben Fluggäste, deren Flug annulliert wurde, Ansprüche aus der EG-Verordnung 261/2004. Die Frage ist nun, ob Ihr Flug auch annulliert wurde. Um diese zu beantworten, ziehe ich folgendes Urteil vom REISE-RECHT-WIKI-Portal heran:
Bei einer Annullierung besteht gemäß Art.7 der Verordnung haben Sie also einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen:
Es kommt nun darauf an, wann sie von der Annullierung erfahren haben. Diese Zahlungen erhalten Sie nämlich nicht, für den Fall, dass die Fluggesellschaft alle ihre Fluggäste rechtzeitig über die Änderung bzw. Annullierung informiert hat.
Als rechtzeitig werden mindestens 2 Wochen im Voraus angesehen. Wurden Sie nicht mindestens 14 Tage im Voraus informiert, sondern eventuelle nur kurz vorher, muss Ihnen ein Alternativflug angeboten werden.
Trotzdem haben Sie noch einen Anspruch aus Art.8 der Verordnung auf...
Mein Vorschlag wäre, dass sie entweder zusätzlichen Urlaub einreichen oder sich um einen Alternativflug bemühen.
Beantwortet 15, Apr 2016 von Cockpit1 (16,090 Punkte)
Sie haben einen Flug mit Condor gebucht. Leider mussten Sie nun erfahren, dass Ihr Flug um einen Tag vorverlegt wurde. Da Sie zu dieser Zeit noch ihrer Arbeit nachgehen müssen, können Sie den vorverlegten Flug leider nicht wahrnehmen. Sie fragen sich nun, ob Sie die Vorverlegung akzeptieren müssen, oder Sie gegebenenfalls Ansprüche gegen Condor geltend machen können.
Da es sich nach Ihrer Aussage um eine "Nur Flug" Buchung handelt, kommt hier die Fluggastrechte Verordnung zur Anwendung. Die „europäische“ Fluggastrechte Verordnung (VO) regelt die Rechte von Fluggästen im Falle von Nichtbeförderung, Annullierung oder (großen) Verspätungen.
Der Anwendungsbereich müsste zunächst eröffnet sein. Dies richtet sich nach Art. 3 VO. Da es sich bei Condor um eine deutsche Airline handelt und sie scheinbar den Hinflug beschreiben, sollte der Anwendungsbereich unproblematisch eröffnet sein.
II. Anspruch
Fraglich ist nun, welche Anspruchsgrundlagen geltend gemacht werden könnten. Im Zuge dessen ist vorerst zu klären, wie die genannte Vorverlegung zu qualifizieren ist. Eine Vorverlegung könnte einer Annullierung entsprechen. Von einer Annullierung kann ausgegangen werden, wenn die Fluggesellschaft ihre ursprüngliche Flugplanung aufgeben muss. Indizien, welche für eine Annullierung sprechen sind beispielsweise Änderungen bezüglich der Fluggesellschaft, der Flugnummer, der Route, des Abflugortes und der Abflugzeit. In Ihrem Fall wurde lediglich die Abflugzeit verschoben, dies dürfte für die Annahme der Annullierung regelmäßig nicht ausreichen.
Zu beachten ist jedoch die ständige Rechtsprechung in Fällen der Flugzeitenverlegung:
Vgl. EuGH, Urteil vom 13.10.2011, Az. C-83/10 (einfach zu finden wenn du wieder bei Google eingibst: reise-recht-wiki EuGH C-83/10)
Da Ihr Flug einen Tag nach vorne verschoben wurde ist dies mit dem genannten Urteil, nach meiner Ansicht, vergleichbar. Mithin gelange ich zu der Annahme, dass Ihr Flug gemäß Art. 5 VO annulliert wurde und Sie daher entsprechende Ansprüche geltend machen könnten. Art. 5 VO verweist auf die Anspruchsgrundlagen nach Art. 7, 8 und 9 VO. Ich denke, dass Sie die Wahlmöglichkeit zwischen den in Art. 8 dargestellten Optionen haben, da nur hier die entsprechenden Tatbestandsvoraussetzungen erfüllt sind.
Auf Grund der gängigen Rechtsprechungen und des vorherigen Schilderungen, nehme ich an, dass Ihnen die Wahlmöglichkeit aus Art. 8 VO zusteht. Sollte es kurzfristig noch zu weiteren Änderungen kommen, könnte Ihnen zusätzlich noch ein Anspruch aus Art. 7 VO zustehen.