Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OVG%20Hamburg&Datum=03.09.2001&Aktenzeichen=3%20E%2032/98
Timestamp: 2020-01-25 06:00:53
Document Index: 354541028

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 1', '§ 6', '§ 9', '§ 9', '§ 1', '§ 74']

OVG Hamburg, 03.09.2001 - 3 E 32/98.P - dejure.org
OVG Hamburg, 03.09.2001 - 3 E 32/98.P
https://dejure.org/2001,6178
OVG Hamburg, 03.09.2001 - 3 E 32/98.P (https://dejure.org/2001,6178)
OVG Hamburg, Entscheidung vom 03.09.2001 - 3 E 32/98.P (https://dejure.org/2001,6178)
OVG Hamburg, Entscheidung vom 03. September 2001 - 3 E 32/98.P (https://dejure.org/2001,6178)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2001,6178) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
DVBl 2002, 721 (Ls.)
Insoweit kommt es auf den Gutachterstreit, ob die Schädlichkeitsgrenze bei 19 Maximalpegelereignissen von 99 dB(A) oder besser bei 36 Maximalpegelereignissen von 90 dB(A) anzunehmen sei, nicht an (…vgl. dazu Maschke/Hecht/Wolf/Feldmann, 19 mal 99 dB(A) - ein gesicherter Befund der Lärmwirkungsforschung?, Gesundheitsblatt 2001, S. 137 ff.; vgl. auch OVG Hamburg, Urteil vom 3.9.2001, 3 E 32/98 - Flughafen Fuhlsbüttel -).
Die Zumutbarkeitsgrenze des § 9 Abs. 2 LuftVG für Fluglärm, der wegen erheblicher Belästigung (vgl. § 1 Fluglärmgesetz) einen unzumutbaren Nachteil für die Benutzung des Grundstücks Fluglärm darstellt (vgl. OVG Hamburg, Urteil vom 3.9.2001, 3 E 32/98 - Flughafen Fuhlsbüttel -), ist situations- und umgebungsbezogen zu bestimmen.
Denn als Prognosegrundlage ist auf die Verhältnisse zur Zeit des Planerlasses abzustellen (vgl. BVerwG…, Urteil vom 7.7.1978, BVerwGE 56, 110 ff. - Frankfurt Startbahn West - Steinberg, Fachplanung, 3. Auflage 2000, § 6 Rnr. 163), wobei Planänderungen zu berücksichtigen sind (OVG Hamburg, Urteil vom 3.9.2001, 3 E 32/98 - Flughafen Fuhlsbüttel -).
Wegen der bislang relativ geringen Anzahl der täglich auftretenden, durch Überflüge verursachten Maximalpegel im Rauminneren ist es derzeit nicht notwendig, die Fenster überwiegend geschlossen zu halten und die Lüftung der Gebäude in den Ruhephasen mittels sog. Stoßlüftung (vgl. dazu OVG Hamburg, Urteil vom 3.9.2001, 3 E 32/98 - Flughafen Fuhlsbüttel -) zu bewirken.
Die durchschnittliche Zahl der kommunikationsstörenden Maximalpegel im Inneren von Gebäuden, die das Hamburgische Oberverwaltungsgericht in seiner letzten Entscheidung zum Flughafen Fuhlsbüttel als noch zumutbar angenommen hat (Urteil vom 3.09.2001, 3 E 32/98 P), wäre deshalb im vorliegenden Fall deutlich zu hoch gegriffen.
In der luftverkehrsrechtlichen Literatur (…Hofmann/Grabherr, LuftVG, Stand März 2002, § 9 Rnr. 74) und Rechtsprechung (BVerwG, Urteil vom 8.7.1998, BVerwGE 107, 142 ff. - Flughafen Erfurt - OVG Hamburg, Urteil vom 3.9.2001, 3 E 32/98 P - Flughafen Fuhlsbüttel -) wird z.T. hinsichtlich der Anzahl zulässiger Überschreitungen grundsätzlich zu vermeidender Maximalpegel auf die wohl aus der DIN-Norm 4109, Schallschutz im Hochbau, abgeleitete (…so Hofmann/Grabherr, LuftVG, Stand März 2002, § 9 Rnr. 74) 1%-Regelung abgestellt.
Fluglärm, der eine erhebliche Belästigung (vgl. § 1 Fluglärmgesetz) darstellt, bildet einen unzumutbaren Nachteil für die Benutzung des Grundstücks (vgl. OVG Hamburg, Urteil vom 3.9.2001, 3 E 32/98 - Flughafen Fuhlsbüttel -).
Beschl. v. 12.7.2017, 9 B 49.16, juris Rn. 4; Urt. v. 9.2.2017, 7 A 2.15, Rn. 208 m.w.N.; Urt. v. 11.8.2016, 7 A 1.15, juris Rn. 58 m.w.N.; Urt. v. 16.3.2006, 4 A 1075.04, BVerwGE 125, 116, juris Rn. 182; OVG Hamburg, Urt. v. 3.9.2001, 3 E 32/98.P, juris Rn. 150; Beschl. v. 23.9.1996, Bs III 68/96, juris Rn. 157; Neumann/Külpmann, in: Stelkens/Bonk/Sachs, VwVfG, 9. Aufl. 2018, § 74 Rn. 33).
Unabhängig von konkreten Prognosewerten auf Grundlage eines bestimmten Betriebsumfangs gilt insoweit, dass bei der Bewertung der Zumutbarkeit des Betriebslärms die tatsächliche Vorbelastung der klägerischen Grundstücke bzw. Sondereigentumsflächen durch den schon seit Jahrzehnten - standortgebunden - auf dem gegenüberliegenden Elbufer stattfindenden und die Flächen der Kläger im Sinne einer Ortsüblichkeit von Hafenbetriebslärm vorprägenden (Container-)Hafenbetrieb im Zusammenhang mit einigen zentralen Rechtsfragen (s. sogleich) und dabei in erheblichem Umfang zu berücksichtigen ist (…vgl. zur schutzmindernden Bedeutung von Vorbelastung BVerwG, Beschl. v. 22.7.2010, 7 VR 4.10, juris Rn. 38 m.w.N.;… OVG Hamburg, Urt. v. 2.6.2005, 2 Bf 345/02, juris Rn. 210; Urt. v. 3.9.2001, 3 E 32/98.P, juris Rn. 172, 211).
Dabei besteht ein Anspruch auf Aufhebung eines Planfeststellungsbeschlusses wegen Mängeln des Schutzkonzepts nur, wenn aufgrund unbewältigter Immissions- oder sonstiger Beeinträchtigungen Dritter die fachplanerische Abwägung insgesamt oder bezogen auf einen abtrennbaren Planungsteil wegen mangelnder Ausgewogenheit keinen Bestand mehr haben könnte, weil sich eine konzeptionell andere Planungsentscheidung aufgedrängt hätte (…BVerwG, st. Rspr., vgl. Urt. v. 19.12.2017, 7 A 7.17, juris Rn. 16 m.w.N.;… Urt. v. 8.9.2016, 3 A 5.15, juris Rn. 21;… Urt. v. 23.11.2005, 9 A 28.04, juris Rn. 17 m.w.N.;… OVG Magdeburg, Urt. v. 23.8.2017, 2 K 66/16, juris Rn. 168;… OVG Münster, Urt. v. 15.5.2015, 11 D 12/12.AK, juris Rn. 199 m.w.N.; OVG Hamburg, Urt. v. 3.9.2001, 3 E 32/98.P, juris Rn. 120 m.w.N.;… Beschl. v. 19.2.2001, 2 Bs 370/00, juris Rn. 82).
Beachtliche Störungen im Wohnungsinneren sind deshalb erst bei Maximalpegeln von über 55 dB(A) anzunehmen (vgl. OVG Hamburg, Urteil vom 3. September 2001 - 3 E 32/98.P -, NordÖR 2002, 241, 250 m. w. N.).
Im Hinblick auf das Ziel, die Kommunikation vor Beeinträchtigungen zu schützen, sind zudem nicht schon einzelne höhere Pegel kritisch, solange ihre Häufigkeit nicht dazu führt, dass ein Gespräch immer wieder unterbrochen wird, Radio- und Fernsehsendungen mangels Satzverständlichkeit nur noch eingeschränkt mitvollzogen werden können oder sich die für eine Informationsaufnahme notwendige Konzentration nicht wieder einstellt (vgl. OVG Hamburg, Urteil vom 3. September 2001, a. a. O.).
Dem prognostischen Verfahren kann aus Rechtsgründen nur entgegengetreten werden, wenn die Behörde willkürliche Annahmen zugrunde legt oder von offensichtlichen Unwahrscheinlichkeiten ausgeht (BVerwG, Beschluss vom 05.10.1990 - 4 CB 1.90 -, NVwZ-RR 1991, 129 und Urteile vom 07.07.1978 - 4 C 79.76 - u.a., BVerwGE 56, 110, vom 19.09.2002 - 4 CN 1.02 -, DVBl. 2003, 204 und vom 19.03.2003 - 9 A 33.02 - m.w.N.; OVG Hamburg, Urteil vom 03.09.2001 - 3 E 32/98.P -, NordÖR 2002, 241 ).
Dem prognostischen Verfahren kann aus Rechtsgründen nur entgegengetreten werden, wenn die Behörde willkürliche Annahmen zugrunde legt oder von offensichtlichen Unwahrscheinlichkeiten ausgeht (BVerwG, Beschluss vom 5.10.1990 - 4 CB 1.90 -, NVwZ-RR 1991, 129 und Urteile vom 7.7.1978 - 4 C 79.76 - u.a., BVerwGE 56, 110, vom 19.9.2002 - 4 CN 1.02 -, DVBl. 2003, 204 und vom 19.3.2003 - 9 A 33.02 - m.w.N.; OVG Hamburg, Urteil vom 3.9.2001 - 3 E 32/98.P -, NordÖR 2002, 241 ).
Diese jahrzehntelange, auch in der Rechtsprechung des erkennenden Gerichts (vgl. OVG Hamburg, Urt. v. 3.9.2001, 3 E 32/98.P, juris Rn. 14, 31 ff., 239 ff.;… vgl. auch BVerwG, Beschl. v. 31.7.2003, 4 B 61.03, juris Rn. 4) zugrunde gelegte Handhabung spricht dafür, dass die Bahnbenutzungsregelungen Teil der der Beigeladenen erteilten Betriebsgenehmigung sind und bei der Durchführung des Flughafenbetriebs als Bestandteil der Genehmigung zu beachten sind.
Aber auch Belastungen unterhalb der Aufwachschwelle können durch physiologische und hormonelle Reaktionen die Schlaftiefe und die Schlafstadien negativ verändern (vgl. OVG Hamburg vom 3.9.2001 Az. 3 E 32/98 P).
Bei den durchschnittlichen Maximalpegeln von 75 dB(A) sind Gesundheitsstörungen nicht zu erwarten, da nach den derzeitigen medizinischen Erkenntnissen vegetative Fehlstörungen erst bei Einzelschallereignissen von deutlich über 90 dB(A) zu erwarten sind (vgl. OVG Hamburg vom 3.9.2001 Az. 3 E 32/98 P).
So sind nach der Veröffentlichung "Fluglärm 2004" des Umweltbundesamtes (S. 53) bezüglich kommunikationsstörenden Momentanpegeln keine detaillierten Untersuchungen bekannt; die dort zitierten älteren Angaben aus der DIN 33410 von 1981 und einer Untersuchung von Rylander aus dem Jahr 1980 deuten darauf hin, dass ein Spitzenpegelkriterium von 55 dB(A), ergänzend zu einem äquivalenten Dauerschallpegel, geeignet ist, eine zumutbare Kommunikationsqualität auch im Bereich der Mediennutzung sicherzustellen (…s. dazu auch Scheuch, Lärmmedizinisches Gutachten zum Planfeststellungsverfahren für den Flughafen Kassel-Calden, S. 84, a.a.O. und OVG Hamburg, Urteil vom 03. September 2001 - 3 E 32/98 P - juris).
OVG Hamburg, 12.12.2006 - 3 Bs 111/06