Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20R%2053/05
Timestamp: 2020-01-29 08:19:22
Document Index: 199704210

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 7', '§ 11', '§ 4', '§ 7', '§ 7', '§ 11', '§ 4', '§ 5', '§ 1378', '§ 3']

BFH, 17.10.2007 - II R 53/05 - dejure.org
https://dejure.org/2007,763
BFH, 17.10.2007 - II R 53/05 (https://dejure.org/2007,763)
BFH, Entscheidung vom 17.10.2007 - II R 53/05 (https://dejure.org/2007,763)
BFH, Entscheidung vom 17. Januar 2007 - II R 53/05 (https://dejure.org/2007,763)
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Notare Bayern , S. 81 (Volltext und Entscheidungsanmerkung)
Entgeltlicher Unterhaltsverzicht als freigebige Zuwendung
ErbStG § 7 Abs. 1 Nr. 1, § 7 Abs. 3, § 11; BewG § 4
ErbStG § 7 Nr. 1
Teilverzicht auf nachehelichen Unterhalt gegen Geldzuwendung zu Beginn der Ehe
ErbStG § 7 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 3 § 11; BewG § 4
Schenkungsteuer - Abfindung für den Verzicht auf nachehelichen Unterhalt
Schenkungsteuer bei Geldzuwendungen im Zusammenhang mit einem Ehevertrag
Beurteilung eines zu Beginn einer Ehe vom anderen Ehegatten als Ausgleich für einen ehevertraglich vereinbarten Teilverzicht auf nachehelichen Unterhalt erhaltenen Geldbetrages als freigebige Zuwendung; Vorliegen einer die Bereicherung mindernden Gegenleistung bei ...
Ehefrau verzichtet auf nachehelichen Unterhalt und bekommt von ihrem Mann dafür Geld: Finanzamt kassiert mit
Zu Beginn Ehe geleistete Ausgleichszahlung für Teilverzicht auf nachehelichen Unterhalt unterliegt Schenkungsteuer
Schenkung - Teilverzicht auf nachehelichen Unterhalt
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BFH v. 17.10.2007, Az.: II R 53/05 (Geldzahlung als "Gegenleistung" für Teilverzicht auf nachehelichen Unterhalt schenkungsteuerpflichtig)" von RAin Susanne Christ, FAin SteuerR, original erschienen in: FamRB 2008, 143 - 144.
Kurznachricht zu "BFH: Unterhaltsverzicht vor der Ehe ist als Schenkung zu versteuern" von RA Dr. Johannes Fiala, original erschienen in: FuR 2008, 273 - 274.
BFHE 218, 409
FamRZ 2008, 611
DB 2008, 564
Ein auf die Bereicherung des Empfängers gerichteter Wille im Sinne einer Bereicherungsabsicht ("animus donandi") ist nicht erforderlich (Urteile des BFH vom 5. März 1980 II R 148/76, BStBl. II 1980, 402, 403; vom 10. September 1986 II R 81/84, BStBl. II 1987, 80, 81;… vom 27. April 1988 II R 53/82, BFH/NV 1989, 168, 169; vom 1. Juli 1992 II R 70/88, BStBl. II 1992, 921, 923; vom 1. Juli 1992 II R 12/90, BStBl. II 1992, 925, 927; vom 2. März 1994 II R 59/92, BStBl. II 1994, 366; vom 20. Dezember 2000 II R 42/99, BStBl. II 2001, 454; vom 17. Oktober 2007 II R 53/05, BStBl. II 2008, 256).
Freiwillig eingegangene Leistungspflichten schließen die Unentgeltlichkeit nicht aus (vgl. BFH-Urteil in BFHE 218, 409, BStBl II 2008, 256, m. w. N.).
Für die zutreffende - irrtumsausschließende - Vorstellung des Zuwendenden von dem Begriff der (Un-)Entgeltlichkeit genügt es, wenn er dessen rechtlich-sozialen Bedeutungsgehalt "nach Laienart" zutreffend erfasst; eine exakte juristische Subsumtion ist nicht erforderlich (BFH-Urteil vom 17. Oktober 2007 II R 53/05, BFHE 218, 409, BStBl II 2008, 256 m.w.N.).
Das Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht folgt dieser zivilrechtlichen Qualifizierung nicht, sondern stellt auf die objektive Unentgeltlichkeit ab (BFH-Urteil vom 17. Oktober 2007 II R 53/05, BFHE 218, 409, BStBl II 2008, 256).
Dies gilt nicht nur, wenn der Erwerb nach seinem Eintreten selbst der Schenkung- oder Erbschaftsteuer unterliegen würde, sondern auch dann, wenn auf die Chance verzichtet wird, Vermögenswerte zu erlangen, die wie nach § 5 Abs. 2 ErbStG die Ausgleichsforderung bei Beendigung des Güterstands der Zugewinngemeinschaft (§ 1378 BGB) nicht zum Erwerb i.S. der §§ 3 und 7 ErbStG gehören (BFH-Urteil in BFHE 218, 409 m.w.N.).
(7) Zwar ist der Klägerin zuzustimmen, dass in dem, dem BFH-Urteil in BFHE 218, 409 zugrundeliegenden Sachverhalt eine Ausgleichszahlung ("Sofortabfindung") für einen ehevertraglich vereinbarten Teilverzicht auf nachehelichen Unterhalt geleistet worden ist.
Gleichwohl sind nach Auffassung des Gerichts die Grundsätze des BFH-Urteils in BFHE 218, 409 auf den Streitfall anzuwenden.
Dieser liegt vor, wenn der Zuwendende in dem Bewusstsein handelt, zu der Vermögenshingabe weder rechtlich verpflichtet zu sein noch dafür eine mit seiner Leistung in einem synallagmatischen, konditionalen oder kausalen Zusammenhang stehende Gegenleistung zu erhalten (BFH-Urteil vom 17. Oktober 2007 II R 53/05, BFH/NV 2008, 484, m.w.N.).
Es besteht für die Kindergeldfestsetzung keine Bindungswirkung hinsichtlich der Einschätzung der Finanzbehörden, nach welcher Vorschrift die Kindergeldberechtigte einkommensteuerpflichtig sein soll (vgl. BFH vom 20.11.2008, II R 53/05, BFH/NV 2009, 564; FG Baden-Württemberg vom 09.02.2010, 4 K 5221/08, EFG 2010, 886 m.w.N.).
Unabhängig davon besteht jedoch für die Kindergeldfestsetzung keine Bindungswirkung hinsichtlich der Einschätzung von Finanzbehörden oder auch sonstigen Stellen (Dienstherren, Arbeitgeber), nach welcher Vorschrift die Kindergeldberechtigte einkommensteuerpflichtig sein soll (vgl. BFH vom 20.11.2008, II R 53/05, BFH/NV 2009, 564; FG Baden-Württemberg vom 09.02.2010, 4 K 5221/08, EFG 2010, 886 m.w.N.).
Dabei kommen als die Unentgeltlichkeit ausschließende und die Entgeltlichkeit begründende rechtliche Abhängigkeit solche Verknüpfungen in Betracht, die in Gestalt oder nach Art eines gegenseitigen Vertrages (synallagmatische Verknüpfung), durch Setzung einer Bedingung (konditionale Verknüpfung) oder einen entsprechenden Rechtszweck (kausale Verknüpfung) eine Gegenleistungsverpflichtung des Erwerbers begründen, wobei freiwillig eingegangene Leistungspflichten die Unentgeltlichkeit nicht ausschließen (st. Rspr. des BFH, vgl. aus neuerer Zeit Urteile vom 22. August 2007 II R 33/06, BStBl II 2008, 28, vom 17. Oktober 2007 II R 53/05, BStBl II 2008, 256 sowie vom 7. November 2007 II R 28/06, BStBl II 2008, 258).