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Timestamp: 2018-06-19 07:02:04
Document Index: 141271622

Matched Legal Cases: ['§ 40', '§ 8', '§ 40', '§ 8', 'EuG', '§ 8', '§ 40', '§ 8', '§ 8', '§ 43', '§ 40', '§ 8', '§ 40', '§ 40', '§ 40', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 40', '§ 8', '§ 40', '§ 3', '§ 8', '§ 40', '§ 8', '§ 8', '§ 40', '§ 8', '§ 8', '§ 40', '§ 43', '§ 3', '§ 3', '§ 8', '§ 40', '§ 40', '§ 20', '§ 3', '§ 8', '§ 40', '§ 40', '§ 40', '§ 8', '§ 8', '§ 40', '§ 40', '§ 40', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 40', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 40']

BMF: Investmentsteuerrecht; Berücksichtigung negativer Aktiengewinne nach § 40a KAGG und § 8b Absatz 3 KStG (STEKO-Rechtsprechung)
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Anwendung der BFH-Urteile vom 28. Oktober 2009 - I R 27/08 (BStBl 2011 II S. 229) -, vom 25. Juni 2014 - I R 33/09 (BStBl 2016 II S. ...) - und vom 30. Juli 2014 - I R 74/12 (BStBl 2016 II S. ...) - beim Aktiengewinn
Bundesministerium der Finanzen 25. Juli 2016, IV C 1 - S 1980/14/10003 :002 (DOK 2016/0592149)
1 Nach den Urteilen des EuGH vom 22. Januar 2009, C-377/07 (BStBl 2011 II S. 95 = SIS 09 08 64) und des BFH vom 22. April 2009, I R 57/06 (BStBl 2011 II S. 66 = SIS 10 38 99) verstößt das Abzugsverbot für Gewinnminderungen auf Beteiligungen nach § 8b Absatz 3 KStG 1999 gegen die in Artikel 56 EG (nunmehr Artikel 63 AEUV) garantierte Kapitalverkehrsfreiheit, weil das Abzugsverbot im Veranlagungszeitraum 2001 auf Auslandsbeteiligungen beschränkt war. Nach dem BMF-Schreiben vom 3. Mai 2016 (BStBl I S. 478) ist die Rechtsprechung bei Gewinnminderungen des Direktanlegers aufgrund von Teilwertabschreibungen auf Anteile an ausländischen Gesellschaften und Verlusten aus der Veräußerung dieser Anteile grundsätzlich anzuwenden.
2 Nach dem BFH-Urteil vom 28. Oktober 2009, I R 27/08 (BStBl 2011 II S. 229 = SIS 10 02 04) verstößt die Beschränkung des Abzugsverbots für negative Aktiengewinne, die auf Beteiligungen inländischer Investmentfonds an ausländischen Kapitalgesellschaften beruhen und durch Rückgabe oder Veräußerung von Anteilen an inländischen Investmentfonds im Jahre 2001 realisiert wurden, ebenfalls gegen Artikel 56 EG (nunmehr Artikel 63 AEUV).
3 Mit Urteil vom 25. Juni 2014, I R 33/09 (BStBl 2016 II S. ... = SIS 14 25 06) hat der BFH entschieden, dass der in § 40a Absatz 1 KAGG i. d. F. des Gesetzes zur Senkung der Steuersätze und zur Reform der Unternehmensbesteuerung (StSenkG) vom 23. Oktober 2000 (BGBl. I S. 1433) enthaltene Verweis auf § 8b Absatz 2 KStG 2002 nicht zugleich die Rechtsfolge des § 8b Absatz 3 KStG 2002 als Rechtsgrundlage für die (außerbilanzielle) Hinzurechnung eines sogenannten negativen Aktiengewinns aus der Rückgabe von Anteilscheinen an einem Wertpapier-Sondervermögen zum Steuerbilanzgewinn umfasst. Zur Begründung hat er ausgeführt, dass § 43 Absatz 18 KAGG n. F. für die Veranlagungszeiträume 2001 und 2002 in formaler Hinsicht echte Rückwirkung entfaltet und § 40a Absatz 1 Satz 2 KAGG n.F. i. V. m. § 8b Absatz 3 KStG als Belastungsgrund nicht zur Verfügung steht.
4 In Fortführung der vorgenannten Entscheidung hat der BFH mit Urteil vom 30. Juli 2014, I R 74/12 (BStBl 2016 II S. ... = SIS 15 14 98) entschieden, dass § 40a Absatz 1 KAGG i. d. F. des StSenkG vom 23. Oktober 2000 in den Jahren 2001 und 2002 auch nicht die Saldierung von positiven und negativen Teilbeträgen des sogenannten Anleger-Aktiengewinns rechtfertigt.
Im Einvernehmen mit den obersten Finanzbehörden der Länder wird das BMF-Schreiben vom 1. Februar 2011 (BStBl I S. 201 = SIS 11 03 00) aufgehoben. In allen noch offenen Fällen der Rückgabe, Veräußerung oder Bewertung von Investmentanteilen ist wie folgt zu verfahren:
5 Die Rechtsprechung zu § 40a KAGG und zu "STEKO" ist für betriebliche Anleger anzuwenden, die in den Jahren 2001 und 2002 an einem Investmentfonds beteiligt waren.
7 Eine Änderung der für die Investmentfonds bekannt gegebenen Fonds-Aktiengewinne (vgl. Rz. 108 des BMF-Schreibens vom 18. August 2009, BStBl I S. 931) ist nicht erforderlich. Die Rechtsprechung kann alternativ allein durch Korrektur der Anleger-Aktiengewinne umgesetzt werden.
8 Die Auswirkungen der Rechtsprechung werden anhand eines Ausgangssachverhalts, der die bisherige rechtliche Würdigung vor der Rechtsprechung zu § 40a KAGG und "STEKO" darstellt, und der Fallvarianten 1 - 4 veranschaulicht. Fallvariante 4 stellt die Würdigung des Ausgangssachverhalts (Rückgabe der Anteile im Jahr 2006) unter Berücksichtigung der Rechtsprechung dar. Die Fallvarianten 1 - 3 sind Abwandlungen des Ausgangssachverhalts, die unter Berücksichtigung der Rechtsprechung gewürdigt werden.
Es handelt sich um einen Spezial-Investmentfonds mit nur einem Anleger. Das Geschäftsjahr des Spezial-Investmentfonds entspricht dem Kalenderjahr. Der Spezial-Investmentfonds hält u. a. inländische und ausländische Aktien. Die Anschaffung der Investmentanteile (100 Anteile à 150 Euro = 15.000 Euro) durch den Anleger erfolgte im Jahr 1999. Die Investmentanteile werden als Finanzanlage im Anlagevermögen gehalten (siehe zu Anteilen an Aktien-Investmentfonds die Ausführungen im BMF-Schreiben vom 16. Juli 2014, BStBl I S. 1162).
Da der Anleger alle Investmentanteile des Spezial-Investmentfonds hält, entspricht der Anleger-Aktiengewinn zum jeweiligen Bewertungsstichtag bzw. Veräußerungszeitpunkt – vorbehaltlich der (analogen) Anwendung des § 8 Absatz 3 Satz 2 bis 4 InvStG – dem jeweils zu diesen Zeitpunkten ermittelten Fonds-Aktiengewinn. Auf Grund der Anschaffung der Investmentanteile im Jahr 1999 (vor dem Übergang zum Teileinkünfteverfahren) ist der Fonds-Aktiengewinn zum Zeitpunkt des Erwerbs mit "Null" anzusetzen (Rz. 184 des BMF-Schreibens vom 18. August 2009, a. a. O.). Die Voraussetzungen für den Ansatz eines negativen Start-Aktiengewinns beim Anleger (vgl. Rz. 187 ff. des BMF-Schreibens vom 18. August 2009, a. a. O.) lagen nicht vor. Die Werte der ausländischen Aktien wurden von der Kapitalverwaltungsgesellschaft ab dem 1. Januar 2001 bei der Ermittlung der Fonds-Aktiengewinne berücksichtigt. Die Werte der inländischen Aktien wurden ab dem 1. Januar 2002 bei der Ermittlung der Fonds-Aktiengewinne berücksichtigt. Zur besseren Lesbarkeit ist der Fonds-Aktiengewinn in absoluten Zahlen dargestellt.
realisierte Verluste aus ausländischen Aktien in Höhe von - 1.400
realisierte Gewinne aus ausländischen Aktien in Höhe von 300
nicht realisierte Kursverluste aus ausländischen Aktien in Höhe von - 4.200
nicht realisierte Kursgewinne aus ausländischen Aktien in Höhe von _____ 1.300
saldiert - 5.600 1.600
Aus Vereinfachungsgründen wird auf die Darstellung der 5%-igen Hinzurechnung nach § 8b Absatz 3 KStG für Veranlagungszeiträume ab 2004 verzichtet.
Gewinnauswirkungen aus Teilwertabschreibung / Wertzuschreibung:
KAGG und "STEKO" 2001 2002 2003 2004 2005 Rückgabe
Anschaffungskosten der Investmentanteile 15.000 15.000 15.000 15.000 15.000 15.000
Gewinnauswirkungen aus Teilwertabschreibung im VZ -1.500 -4.300 -600
Gewinnauswirkungen aus Wertzuschreibung im VZ 900 1.000
Minderung des Steuerbilanzansatzes gegenüber den historischen AK zum jeweiligen Bilanzstichtag 1.500 5.800 4.900 5.500 4.500
Steuerbilanzansatz zum Bilanzstichtag 31.12. 13.500 9.200 10.100 9.500 10.500 0
realisierte und nicht realisierte Verluste zum 31.12. auf Fondsebene -5.600 -10.100 -7.600 -8.800 -7.800 -4.800
realisierte und nicht realisierte Gewinne zum 31.12. auf Fondsebene 1.600 1.900 2.800 2.300 1.200 1.000
Fonds-Aktiengewinn zum 31.12. (lt. SV = Anleger-Aktiengewinn bisher) -4.000 -8.200 -4.800 -6.500 -6.600 -3.800
Auswirkung des neg. Anleger-Aktiengewinns auf den Bilanzansatz im VZ (vor 2004 analog § 8 Absatz 3 Satz 2 und 3 InvStG gemäß BMF-Schreiben vom 18. August 2009, a. a. O., Rz. 164) - 1.500 - 5.800 - 4.800 - 5.500 - 4.500
Berichtigung um Auswirkung im Vorjahr (vor 2004 analog § 8 Absatz 3 Satz 4 InvStG gemäß BMF-Schreiben vom 18. August 2009, a. a. O., Rz. 164) -(-) 1.500 -(-) 5.800 -(-) 4.800 -(-) 5.500 -(-) 4.500
Differenz - 1.500 - 4.300 1.000 - 700 1.000 700
Auswirkung § 40a Absatz 1 KAGG / § 8b KStG bisher:
außerbilanzielle Hinzurechnung zum Einkommen des Anlegers 1.500 4.300 700
außerbilanzielle Abrechnung vom Einkommen des Anlegers 1.000 1.000 700
12 Verluste aus der Rückgabe oder Veräußerung von Investmentanteilen in den Jahren 2001 und 2002 wirken sich beim Anleger gewinnmindernd aus (siehe Rz. 10). Für die Berechnung des Anleger-Aktiengewinns kommt daher ein Ansatz des Fonds-Aktiengewinns zum Zeitpunkt des Erwerbs mit einem entsprechend negativen Wert ("negativer Start-Aktiengewinn") nicht in Betracht. Die Rz. 188 bis 193 des BMF-Schreibens vom 18. August 2009 (a. a. O.) finden in diesen Fällen keine Anwendung.
13 In Fällen, in denen sowohl der Erwerb als auch die Rückgabe oder Veräußerung der Investmentanteile in dem Zeitraum vom 1. Januar 2001 bis 31. Dezember 2002 erfolgte, ist bei der Ermittlung des Anleger-Aktiengewinns der Fonds-Aktiengewinn zum Zeitpunkt der Rückgabe oder Veräußerung und der Fonds-Aktiengewinn zum Zeitpunkt des Erwerbs jeweils um die enthaltenen nicht zu berücksichtigenden negativen Bestandteile (negative Wertveränderungen aus inländischen und ausländischen "Aktien") zu erhöhen.
14 In den Veranlagungszeiträumen 2001 und 2002 in der Steuerbilanz des Anlegers vorgenommene Teilwertabschreibungen auf Investmentanteile an Sondervermögen (wegen negativer Aktiengewinne aus inländischen und ausländischen "Aktien") sind nicht außerbilanziell einkommenswirksam zu korrigieren. § 40a Absatz 1 KAGG i. d. F. des StSenkG vom 23. Oktober 2000 (a.a.O.) regelte nur für Fälle der Rückgabe oder Veräußerung von Investmentanteilen die Anwendung des § 3 Nummer 40 EStG bzw. des § 8b Absatz 2 KStG.
Abweichend vom Ausgangssachverhalt gibt der Anleger seine Anteile zum 31. Dezember 2002 zurück (Rücknahmepreis 9.200 Euro). Aufgrund der Rechtsprechung zu § 40a KAGG (siehe Rz. 5 - 14) ergeben sich folgende Änderungen bei der Ermittlung des Anleger-Aktiengewinns:
Rückgabe 2002 Teilwert-
31.12.2001 Rückgabe
Teilwertabschreibung in der Steuerbilanz des Anlegers zum 31.12.2001 1.500
Fonds-Aktiengewinn (lt. Sachverhalt = Anleger-Aktiengewinn bisher) -4.000 -8.200
Korrektur um die im Fonds-Aktiengewinn enthaltenen nicht zu berücksichtigenden realisierten und nicht realisierten Verluste 5.600 10.100
Bei der Einkommensermittlung des Anlegers anzusetzender Anleger-Aktiengewinn (neu)
(bei Rückgabe Abrechnung eines positiven Werts vom Einkommen siehe Rz. 9) Entfällt* 1.900
bisher nach § 8b Absatz 3 KStG hinzugerechnet 1.500 6.700*²
außerbilanzielle Abrechnung vom Einkommen des Anlegers im Rahmen einer geänderten Steuerfestsetzung 1.500 8.600*³
* In Fällen der Teilwertabschreibung ist in den Jahren 2001 und 2002 ein Anleger-Aktiengewinn nicht zu ermitteln (Rz. 14).
*² Anleger-Aktiengewinn zum 31.12.2002 von – 8.200, vermindert um den Betrag von 1.500, der sich bereits in 2001 ausgewirkt hat.
*³ Anleger-Aktiengewinn (neu) zzgl. bisheriger Hinzurechnung (1.900 + 6.700).
III. Anwendung der BFH-Rechtsprechung zu "STEKO"
16 Aufgrund des BFH-Urteils vom 28. Oktober 2009, I R 27/08 (BStBl 2011 II S. 229 = SIS 10 02 04) sind im Jahr 2001 negative Aktiengewinne, die auf Beteiligungen des Investmentfonds an ausländischen Kapitalgesellschaften beruhen und durch Rückgabe von Anteilen an inländischen Investmentfonds im Jahr 2001 realisiert wurden, nicht dem Steuerbilanzgewinn außerbilanziell hinzuzurechnen (keine Anwendung des Abzugsverbots gemäß § 8b Absatz 3 KStG - vgl. Rz. 1 und 2).
17 Mit den Urteilen vom 25. Juni 2014, I R 33/09 (BStBl 2016 II S. ... = SIS 14 25 06) und vom 30. Juli 2014, I R 74/12 (BStBl 2016 II S. ... = SIS 15 14 98) hat der BFH entschieden, dass der in § 40a Absatz 1 KAGG i. d. F. des StSenkG vom 23. Oktober 2000 enthaltene Verweis auf § 8b Absatz 2 KStG 2002 nicht zugleich die Rechtsfolge des § 8b Absatz 3 KStG 2002 als Rechtsgrundlage für die (außerbilanzielle) Hinzurechnung eines sogenannten negativen Aktiengewinns aus der Rückgabe von Investmentanteilen an einem Wertpapier-Sondervermögen zum Steuerbilanzgewinn umfasst.
19 Erfolgt keine Änderung der für die Investmentfonds ermittelten und bekannt gegebenen Fonds-Aktiengewinne (siehe Rz. 7), sind die im Fonds-Aktiengewinn erfassten realisierten Verluste des Jahres 2001 (und ggf. des Jahres 2002, vgl. hierzu Rz. 24) aus der Veräußerung von Anteilen an ausländischen Gesellschaften ab dem Veranlagungszeitraum 2003 den in Rz. 112 des BMF-Schreibens vom 18. August 2009 (a. a. O.) genannten "Altkursverlusten" zuzurechnen.
20 In Höhe dieser (zusätzlichen) "Altkursverluste" kann der Anleger einen Korrekturposten (STEKO-Korrekturposten) in unsaldierter Höhe bilden und in den Veranlagungszeiträumen ab 2003 in Fällen der Rückgabe, Veräußerung, Bewertung, Entnahme oder verdeckten Einlage seine positiven Anleger-Aktiengewinne entsprechend erhöhen bzw. negativen Anleger-Aktiengewinne entsprechend vermindern.
21 Hat der Anleger seinen Anteil an dem Investmentfonds im Laufe des Jahres 2001 erworben, sind - sofern keine Änderung der Fonds-Aktiengewinne nach Rz. 7 erfolgt - nur die realisierten Verluste in den STEKO-Korrekturposten aufzunehmen, die nach dem Erwerb auf der Ebene des Investmentfonds entstanden sind. Rz. 117 des BMF-Schreibens vom 18. August 2009 (a. a. O.) ist bei der Ermittlung und Fortführung des STEKO-Korrekturpostens anzuwenden.
24 Hat eine ausländische Kapitalgesellschaft, deren Aktien vom Investmentfonds gehalten werden, ein vom Kalenderjahr abweichendes Wirtschaftsjahr, ist - wie bei inländischen Sachverhalten - auf das Ende des Wirtschaftsjahres der ausländischen Kapitalgesellschaft im Jahr 2002 abzustellen. Insoweit sind bei der Bildung des STEKO-Korrekturpostens auch auf Fondsebene realisierte Verluste des Jahres 2002 aus ausländischen Beteiligungen zu berücksichtigen, die bis zum Ende des jeweiligen Wirtschaftsjahres der ausländischen Kapitalgesellschaft im Jahre 2002 eingetreten sind.
25 Die Urteile des BFH vom 25. Juni 2014, I R 33/09 (BStBl 2016 II S. ... = SIS 14 25 06) - und vom 30. Juli 2014, I R 74/12 (BStBl 2016 II S. ... = SIS 15 14 98) - sind für die Veranlagungszeiträume 2001 und 2002 ergangen. Ab dem 1. Januar 2003 ist § 40a Absatz 1 KAGG in der Fassung des Korb-II-Gesetzes vom 22. Dezember 2003 (BGBl. I S. 2840) anzuwenden (§ 43 Absatz 18 KAGG). Bei der Ermittlung des Fonds-Aktiengewinns sind Gewinne und Verluste zu saldieren. Bei einer Rückgabe, Veräußerung oder Teilwertabschreibung sind auf Gewinne und Verluste auf Fondsebene beim Anleger § 3 Nummer 40 und § 3c Absatz 2 EStG bzw. § 8b Absatz 2 und 3 KStG (§ 40a Absatz 1 Satz 1 und 2 KAGG) anzuwenden. Dies gilt auch bei einem vom Kalenderjahr abweichenden Geschäftsjahr auf Fonds- oder Anlegerebene.
27 § 40a Absatz 1 Satz 2 KAGG setzt eine "Gewinnminderung" voraus. Eine im Jahr 2003 vorgenommene Teilwertabschreibung ist außerbilanziell wieder hinzuzurechnen, "soweit die Gewinnminderungen auf Beteiligungen des Wertpapier-Sondervermögens an Körperschaften, Personenvereinigungen oder Vermögensmassen entfallen, deren Leistungen beim Empfänger zu den Einnahmen im Sinne des § 20 Absatz 1 Nummer 1 des Einkommensteuergesetzes gehören" (Anwendung des § 3c Absatz 2 EStG bzw. § 8b Absatz 3 KStG i. V. m. § 40a Absatz 1 Satz 2 KAGG). Dagegen haben in den Jahren 2001 und 2002 - aufgrund von realisierten und nicht realisierten Verlusten im Fondsvermögen - vorgenommene Teilwertabschreibungen im Jahr 2003 nicht zu einer Gewinnminderung geführt und sind nicht nach § 40a Absatz 1 Satz 2 KAGG hinzuzurechnen.
28 Der Ansatz eines negativen Start-Aktiengewinns zum Zeitpunkt der Veräußerung, Rückgabe bzw. Bewertung des Investmentanteils ab dem 1. Januar 2003 kommt dem Grunde nach nur noch für "erworbene" nicht realisierte (Kurs-)Verluste in Betracht, wenn die Investmentanteile
bis zum 31. Dezember 2000 (für den Einbezug von nicht realisierten Verlusten aus ausländischen "Aktien") bzw.
bis zum 31. Dezember 2001 (für den Einbezug von nicht realisierten Verlusten aus inländischen "Aktien")
angeschafft worden sind. Einzubeziehen sind nicht realisierte Verluste aus "Aktien", die bereits zum 31. Dezember 2000 (bei ausländischen "Aktien") bzw. zum 31. Dezember 2001 (bei inländischen "Aktien") zum Aktienbestand des Investmentfonds gehört haben, am 31. Dezember 2002 noch zum Aktienbestand des Investmentfonds gehören und am 31. Dezember 2002 nicht realisierte (Kurs-)Verluste aufweisen.
29 Für den Ansatz des neu ermittelten negativen Start-Aktiengewinns der Höhe nach ist der Umfang der nicht realisierten Verluste aus "Aktien" zum 31. Dezember 2002 heranzuziehen, jedoch begrenzt auf die erworbenen nicht realisierten Verluste i. S. d. Rz. 28.
30 Ist der Ansatz erworbener nicht realisierter Verluste aus "Aktien" dem Grunde nach möglich, hat der Anleger Folgendes nachzuweisen:
Umfang der erworbenen nicht realisierten Verluste aus "Aktien" (getrennt nach inländischen und ausländischen) zum Erwerbszeitpunkt
Keine Realisierung der Verluste und keine Umschichtung dieser "Aktien" bis zum 31. Dezember 2002
Umfang der nicht realisierten Verluste aus diesen "Aktien" zum Stichtag 31. Dezember 2002
Abweichend vom Ausgangssachverhalt gibt der Anleger seine Investmentanteile zum 31. Dezember 2003 zurück (Rücknahmepreis 10.100 Euro). Der Anleger hat in zutreffender Höhe einen STEKO-Korrekturposten (unsaldiert) in Höhe von 1.400 Euro gebildet. Aufgrund der Rechtsprechung zu § 40a KAGG (siehe Rz. 5 – 14) und "STEKO" (Rz. 19 ff.) ergeben sich folgende Änderungen bei der Ermittlung des Anleger-Aktiengewinns:
Rückgabe 2003 Teilwert-
bung zum
31.12.2001 Teilwert-
31.12.2002 Rückgabe
Fonds-Aktiengewinn (lt. SV = Anleger-Aktiengewinn bisher) -4.000 -8.200 -4.800
STEKO-Korrekturposten unsaldiert (vgl. Rz. 19 ff.)* 1.400
Anleger-Aktiengewinn (neu) Entfällt*² Entfällt*² -3.400
Teilwertabschreibung in Steuerbilanz des Anlegers zum 31.12. 1.500 4.300
Dem Einkommen des Anlegers hinzuzurechnender negativer Anleger-Aktiengewinn (neu) 3.400
bisher nach § 8b Absatz 3 KStG hinzugerechnet 1.500 4.300
bisher analog § 8 Absatz 3 InvStG vom Einkommen abgezogen (siehe Ausgangssachverhalt Rz. 8) 1.000
außerbilanzielle Abrechnung vom Einkommen des Anlegers im Rahmen einer geänderten Steuerfestsetzung 1.500 4.300
außerbilanzielle Hinzurechnung zum Einkommen des Anlegers im Rahmen einer geänderten Steuerfestsetzung *³ 4.400
* In Höhe der realisierten Verluste aus ausländischen Aktien zum 31.12.2001 (vgl. Ausgangssachverhalt Rz. 8).
*² In Fällen der Teilwertabschreibung ist in den Jahren 2001 und 2002 ein Anleger-Aktiengewinn nicht zu ermitteln (Rz. 14).
*³ Anleger-Aktiengewinn (neu) zzgl. bisheriger Abrechnung (3.400 + 1.000).
In der Alternative 2 beträgt der Fonds-Aktiengewinn zum 31. Dezember 2003 -7.000 Euro und der Anleger-Aktiengewinn (neu) -5.600 Euro. Der Bilanzansatz der Investmentanteile hat sich im Jahr 2003 aufgrund einer Teilwertabschreibung um 400 Euro gemindert. Soweit sich der negative Anleger-Aktiengewinn, d. h. die Wertveränderungen der im Investmentfonds gehaltenen Aktien, auf den Bilanzansatz der Investmentanteile beim Anleger ausgewirkt hat, ist diese Gewinnminderung nach § 40a Absatz 1 Satz 2 KAGG außerbilanziell hinzuzurechnen (siehe Rz. 27).
Bewertung 2003 Teilwert-
31.12.2002 Grundfall
31.12.2003 Alternative 1
31.12.2003 Alternative 2
Fonds-Aktiengewinn (lt. SV = Anleger-Aktiengewinn bisher) -4.000 -8.200 -4.800 -4.800 -7.000
Korrektur um die im Fonds-Aktien-gewinn enthaltenen nicht zu berücksich-tigenden realisierten und nicht realisierten Verluste 5.600 10.100
STEKO-Korrekturposten unsaldiert* 1.400 1.400 1.400
Anleger-Aktiengewinn (neu) entfällt*² entfällt*² -3.400 -3.400 -5.600
Teilwertabschreibung in der Steuerbilanz des Anlegers zum 31.12. 1.500 4.300 0 400
Wertaufholung in der Steuerbilanz des Anlegers zum 31.12. 900 0
Minderung des Bilanzansatzes gegenüber den historischen AK zum jeweiligen Bilanzstichtag 1.500 5.800 4.900 5.800 6.200
Gewinnminderung im VZ 2003, die im Zusammenhang mit Investmentanteilen an einem Wertpapier-Sondervermögen steht (§ 40a Absatz 1 Satz 2 KAGG) 0 0 400
Begrenzung des hinzuzurechnenden Anleger-Aktiengewinns (neu) auf die Auswirkung auf den Bilanzansatz (Gewinnminderung im VZ gemäß § 40a Absatz 1 Satz 2 KAGG) 400
Dem Einkommen des Anlegers im VZ 2003 hinzuzurechnender negativer Anleger-Aktiengewinn (neu) 0 0 400
bisher nach § 8b Absatz 3 KStG hinzugerechneter Anleger-Aktiengewinn 1.500 4.300 400*³
bisher analog § 8 Absatz 3 InvStG abgerechneter Anleger-Aktiengewinn 1.000 1.000
außerbilanzielle Abrechnung vom Einkommen des Anlegers im Rahmen einer geänderten Steuerfestsetzung 1.500 4.300 Keine
außerbilanzielle Hinzurechnung zum Einkommen des Anlegers im Rahmen einer geänderten Steuerfestsetzung 1.000 1.000
* In Höhe der realisierten Verluste aus ausländischen Aktien zum 31.12.2001 (vgl. Ausgangssachverhalt Rz. 8),
*³ Auf die Minderung des Bilanzansatzes von -6.200 gedeckelter (analoge Anwendung des § 8 Absatz 3 Satz 2 InvStG, vgl. Rz. 8) "Anleger-Aktiengewinn bisher" (lt. Abwandlung), vermindert um den Betrag von 5.800, der sich bereits in 2002 ausgewirkt hat (vgl. Ausgangsbeispiel).
39 Nach § 8 Absatz 3 Satz 2 InvStG führt auch der Ansatz eines Investmentanteils mit dem niedrigeren Teilwert dazu, dass eine Ermittlung des Anleger-Aktiengewinns zu diesem Stichtag zu erfolgen hat. In diesen Fällen ist zu prüfen, ob und ggfs. in welcher Höhe sich ein negativer Anleger-Aktiengewinn (Wertveränderungen der im Investmentfonds gehaltenen "Aktien") auf den Bilanzansatz der Investmentanteile beim Anleger ausgewirkt hat. Soweit sich der Anleger-Aktiengewinn auf den Bilanzansatz ausgewirkt hat, ist er nach § 8b Absatz 3 KStG außerbilanziell hinzuzurechnen.
Der Ausgangssachverhalt (Rz. 8) wird unter Anwendung der Rechtsprechung zu § 40a KAGG und "STEKO" und der Ausführungen in diesem Schreiben gewürdigt.
Rückgabe 2006 2001 2002 2003 2004 2005 Rückgabe
(außerbilanziell) unter Anwendung der Rechtsprechung
Fonds-Aktiengewinn am 31.12. (lt. SV = Anleger-Aktiengewinn bisher) -4.000 -8.200 -4.800 -6.500 -6.600 -3.800
STEKO-Korrekturposten unsaldiert* 1.400 1.400 1.400 1.400
Anleger-Aktiengewinn (neu) entfällt*² entfällt*² -3.400 -5.100 -5.200 -2.400
Gewinnauswirkungen aus Teilwertabschreibung in der Steuerbilanz -1.500 -4.300 -600
Gewinnauswirkungen aus Wertzuschreibung in der Steuerbilanz im VZ 900 1.000
Auswirkung des negativen Anleger-Aktiengewinns (neu) auf den Bilanzansatz im VZ (gemäß § 8 Absatz 3 Satz 2 und 3 InvStG) 0*³ - 5.100 - 4.500
Anleger-Aktiengewinn (neu) bei Rückgabe (gemäß § 8 Absatz 3 Satz 1 InvStG) - 2.400
Korrektur des Anleger-Aktiengewinns (neu) um den Anleger-Aktiengewinn des Vorjahres, soweit er sich auf den Bilanzansatz ausgewirkt hat (§ 8 Absatz 3 Satz 4 InvStG) 0 0 -(-) 5.100 -(-) 4.500
Differenz 0 - 5.100 + 600 + 2.100
- Zum Einkommen hinzuzurechnen
- Vom Einkommen abzurechnen
0 5.100 600 2.100
bisher nach § 8b Absatz 3 KStG hinzugerechneter Anleger-Aktiengewinn (vgl. Ausgangssachverhalt Rz. 8) 1.500 4.300 700
bisher nach § 8 Absatz 3 InvStG abgerechneter Anleger-Aktiengewinn (vgl. Ausgangssachverhalt Rz. 8) 1.000 1.000 700
außerbilanzielle Abrechnung vom Einkommen des Anlegers im Rahmen einer geänderten Steuerfestsetzung 1.500 4.300 1.400
außerbilanzielle Hinzurechnung zum Einkommen des Anlegers im Rahmen einer geänderten Steuerfestsetzung 1.000 4.400 400
*³ Keine Gewinnminderung i. S. d. § 40a Absatz 1 Satz 2 KAGG (vgl. Rz. 27).
46 Dieses Schreiben wird im Bundessteuerblatt Teil I veröffentlicht.
Zuletzt aktualisiert am Montag, 01. August 2016 17:56