Source: https://www.internetrecht-rostock.de/zitatrecht.htm
Timestamp: 2018-10-17 11:58:38
Document Index: 47942175

Matched Legal Cases: ['§ 51', '§ 51', '§ 51', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Nicht jedes Zitat ist zulässig
Das Zitieren anderer Autoren ist in der Wissenschaft sinnvoll und erforderlich. Aber auch auf gewerblichen Webseiten und Briefbögen finden sich oft Zitate mehr oder weniger bekannter Personen in Form von Redewendungen oder Sprüchen. Dabei werden im sicheren Vertrauen auf die Zitierfreiheit fremde Texte und Bilder in einem Umfang übernommen, der keinesfalls mehr als urheberrechtlich zulässiges Zitat darstellt. Denn die Zitierfreiheit ist nicht unbegrenzt! Im Gegenteil: das Gesetz stellt strenge Anforderungen, unter denen es zulässig ist ein urheberrechtlich geschütztes Werk ohne Zustimmung des Urhebers zu eigenen Zwecken zu verwenden. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, darf nicht zitiert werden! Anderenfalls liegt eine Urheberrechtsverletzung vor, die eine teure Abmahnung nach sich ziehen kann.
Daraus geht hervor, dass sie alles, was nicht urheberrechtlich geschützt ist, frei verwenden dürfen. Aber wann eine Redewendung, ein Spruch oder eine kurze Beschreibung geschützt ist, lässt sich nicht immer einfach zu beantworten. Ohne Probleme eingebunden werden können aber Werke, wie beispielsweise
- gemeinfreie Werke, also Texte, Bilder, Musik, deren Schöpfer bereits 70 Jahre tot ist. Dann ist der Urheberrechtsschutz abgelaufen.
Bei letzterem ist allerdings darauf zu achten, dass neben den schutzfreien Daten und Fakten an sich, deren Darstellung (Grafik, Tabelle etc.) und Formulierung sehr wohl Schutz genießen kann. Daher in jedem Falle die Quelle des Zitates angeben.
Das Gesetz kennt also drei Arten von Zitate: das Großzitat (Nr.1), das Kleinzitat (Nr. 2) und das Musikzitat (Nr. 3). Gleichwohl ist allgemein anerkannt, dass auch Bild- und Filmzitate zulässig sein können.
Am weitestgehend ist das Großzitat (§ 51 Nr. 1 UrhG). Danach dürfen ganze Werke in ein neues wissenschaftliche Werk zur Erläuterung aufgenommen werden. Das Zitatrecht beschränkt sich hier (anders als in Nr. 2) also nicht nur auf einzelne Stellen, sondern gestattet die vollständige Übernahme eines Werkes. Allerdings muss dass übernehmende Werk wissenschaftlich sein. In alltäglichen Informationen, Reportagen und Zeitungsartikel dürfen fremde Werke demnach nicht vollständig zitiert werden.
Zu anderen als zu wissenschaftlichen Zwecken ist das Kleinzitat (§ 51 Nr. 2 UrhG) zulässig, wenn einzelne Stellen eines fremden Werkes in ein eigenes Werk übernommen werden. Wichtig also: die Nutzungserlaubnis umfasst also immer nur einen kleinen Auszug aus dem ganzen Werk. Entscheidend ist dabei jeweils das Verhältnis der Länge des Zitates zur Länge des zitierten Werkes.
Da ein sinnvolles Zitat aus einem einzelnen Foto, einem Bild oder einem kurzen Gedicht nicht möglich ist, kann die Verwendung des ganzen Fotos als sogenanntes „kleine Großzitat“ zulässig sein, sofern die übrigen Voraussetzung des Zitatrechts erfüllt sind.
Mit dem Musikzitat (§ 51 Nr. 3 UrhG) dürfen einzelne Stellen eines Werkes der Musik in eine selbständiges neues Musikwerk eingefügt werden. Wegen des starren Melodieschutzes unterliegt das Musikzitat jedoch engen Grenzen. Deshalb unterlag auch die Sängerin Sabrina Setlur in der Klage der Gruppe Kraftwerk vor dem BGH (Urteil vom 20.11.2008, I ZR 112/06 -Metal auf Metal). Die Sängerin und 2 weitere Beklagte hatten in einem Titel eine etwa zwei Sekunden lange Sequenz aus dem Titel der Gruppe Kraftwerk „Metal auf Metal“ elektronisch kopiert (gesampelt) und in dem Titel „Nur mir“ in fortlaufender Wiederholung unterlegt. Diese Nutzung, so die obersten Richter, sei zumindest nicht vom Zitatrecht gedeckt und unter diesem Gesichtspunkt unzulässig. Die Entscheidung wird nun wieder an das Berufungsgericht zurückgewiesen, das entscheiden muss, ob es sich der Nutzung um eine zulässige „freie Benutzung“ des Werkes handelt.
Das Zitat muss einen Zweck erfüllen
Das Zitat darf nicht um seiner selbst willen übernommen werden. Es muss einen Zweck erfüllen. Allein die Ansicht „weil das Gedicht so schön ist“ oder „Der Spruch bildet ein tolles Motto für meine Webseite“ reicht dafür nicht. Vielmehr fordert das Gesetz bei allen drei Zitatarten, dass das Zitat als Beleg oder der Erläuterung des Inhalts des übernehmenden Werkes dient. Das Zitat muss also der Unterstützung der eigenen vertretenen Auffassung dienen und Ausdruck der geistigen Auseinandersetzung mit dem zitierten Werk sein. Im Einzelfall kann jedoch das Zitat als künstlerisches Mittel ohne Belegfunktion zulässig sein. Die Verwendung von Filmaterial allein zur Ausschmückung der eigenen TV-Sendung genügt dafür hingegen nicht. Es sei weder eine geistige Auseinandersetzung noch ein künstlerischer Ausdruck, wenn ein Moderator fremde Filmbeiträge in seiner eigenen Sendung kommentiert. Mit dieser Argumentation wurde die Einblendungen von Sendungen fremder Fernsehanstalten in der Sendung TV-Totoal von Stefan Raab vom BGH als unzulässig gewertet (BGH ZUM-RD 2008, 337,341 – TV-Total.)
Schließlich ist bei jedem Zitat die Quelle so anzugeben (Quellenangabe), dass es möglich ist, das Zitat zu prüfen. Genannt werden sollten daher der Name des Autors und des Buches bzw. Beitrages. Bei Bildzitaten ist – soweit möglich – der Fotograf bzw. der Rechteinhaber in unmittelbarer Nähe zum Bildes bzw. Bildteil zu benennen. Wird aus einem online-Beitrag zitiert, sollte neben Name des Autors und des Beitrages der Direktlink aufgeführt werden. Diese Beitrag können Sie also folgendermaßen zitieren:
Zitieren – aber richtig!, Elisabeth Vogt, www.internetrecht-rostock.de/zitatrecht.htm
Bei uns dürfen Sie privat sogar noch mehr, weil wir mehr erlauben, wie Sie unseren Nutzungbedingungen für Links und Zitate entnehmen können.
Achtung Abmahnung - Zitate können teuer werden!
Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, kann der Rechteinhaber gegen die unberechtigte Nutzung vorgehen. Das Lieblingsgedicht oder der Lieblingsspruch auf der eigenen Webseiten oder eBay-Auftritt können dann teuer werden. So werden schon seit einiger Zeit die Verwendung von Redewendungen von Karl Valentin auf privaten und gewerblichen Webseiten mit erheblichen Schadensersatz und Kostenforderungen anwaltlich abgemahnt. Die Erbin des bekannten Münchner Komikers und Schriftstellers kann es offenbar nicht akzeptieren, wenn hier und da auf einer Webseite eine Redewendung ihres entfernten Vorfahren aufgenommen und so dessen Schaffen in Erinnerung gehalten wird. Was würde wohl Karl Valentin selbst dazu sagen?
Vorsicht ist insbesondere im Bild- und Filmbereich geboten. Die digitale Technik verleitet dazu, dass ein fremdes Foto oder fremdes Filmmaterial ohne Zustimmung des Rechteinhabers übernommen und für eigene Zwecke verwendet werden.
Ihre Ansprechpartnerin für Fragen des Urheber-, Medien- und Verlagsrechts ist F rau Rechtsanwältin Elisabeth Vogt