Source: https://www.jura-one.com/examensreport-blog/241-dezember-2017-nrw-zr-iii-scheunenfund.html
Timestamp: 2019-02-15 19:55:58
Document Index: 331628612

Matched Legal Cases: ['§ 1922', '§ 929', '§ 929', '§ 142', '§ 119', '§ 929', '§ 1006', '§ 932', '§ 935', '§ 929', '§ 861', '§ 929', '§ 123', '§ 143', '§ 121', '§ 142', '§ 929', '§ 929', '§ 142', '§ 1000', '§ 684', '§ 818']

Individuelle Examensvorbereitung Jura Lösungsskizze ZR III Scheunenfund - Jura One | Individuelle Examensvorbereitung
Kurze Zeit später findet T in einem Geheimversteck in einer Kommode ein altes Buch. Das Buch stammt von einem später berühmt gewordenen Autor, ist mit Feder geschrieben und vom Autor handsigniert. T wendet sich an den Antiquitätenhändler A und überlässt diesem das Buch. A lässt daraufhin für 100 Euro eine Expertise erstellen. Diese ergibt, dass das Buch einen Wert von 1.500 Euro habe, aber ohne professionelle Hilfe zu zerfallen drohe.
A kauft dem T, der den genauen Wert nicht kennt (was A auch weiß), das Buch für 1.000 Euro ab. A investiert noch einmal 1.500 Euro in die Restaurierung des Buches und verkauft es für 5.500 Euro an den Buchhändler S. T sieht das Buch für 6.000 Euro im Schaufenster des S und wendet sich schnurstracks an den A und teilt diesem mit, dass er, T, so am Vertrag nicht mehr festhalten wolle.
V, der von den Vorgängen erfährt, verlangt nunmehr im Namen des R das Buch heraus. S wendet ein, er sei gutgläubig gewesen. Zumindest aber wolle er die 100 Euro Gutachtenkosten und die 1.500 Euro Restaurationskosten, die der A investiert habe, ersetzt haben.
Frage 1: Hat R gegen S einen Anspruch auf Herausgabe des Buches?
Wie im Ausgangsfall. Allerdings ist T Buchsammler. T beauftragt den A, die Expertise einzuholen, bezahlt diese aber diesmal selbst. A teilt dem T wahrheitswidrig mit, dass das Buch gefälscht sei. Da T keine Fälschung behalten will, verkauft er das Buch für 50 Euro an A. A lässt das Buch wieder für 1.500 Euro restaurieren und verkauft es an den S, der die Umstände kennt.
T sieht das Buch bei S und sagt am Abend dem A: „Ich fechte alle Verträge an, vor allem, nach so einem Betrug”.
V erfährt davon und verlangt Herausgabe von S. S will das Buch nicht herausgeben, und wenn er das Buch herausgeben müsse, dann wolle er zumindest 1.500 Euro haben.
Der R e.V. ist knapp bei Kasse und hätte, selbst bei Kenntnis der Situation, das Buch nicht restaurieren lassen, sondern es für den reduzierten Preis verkauft.
Kann R von S Herausgabe verlangen?
Ausgangsfall: R gegen S auf Herausgabe des Buches
I. Besitz des S (+)
II. Eigentum des R
1. Ursprünglich: B
2. Eigentumserwerb des R, § 1922 BGB (+)
3. Eigentumserwerb des T, § 929 S. 1 BGB
(-); Arg.: Sachen in den Möbeln ausdrücklich ausgenommen
4. Eigentumserwerb des A von T, § 929 S. 1 BGB
-> Anfechtung, §§ 142, 119 ff. BGB
(1) § 119 II BGB
(-); Arg.: Wert keine Eigenschaft
(2) Arglistige Täuschung
(-); Arg.: wohl keine Aufklärungspflicht des A bzgl. des Wertes (andere Ansicht vertretbar)
b) Übergabe (+)
e) Gutgläubiger Erwerb vom Nichtberechtigten, §§ 929 S. 1, 932 BGB
aa) Rechtsgeschäft i.S.e. Verkehrsgeschäfts (+)
-> Besitz des T, § 1006 I BGB (+)
cc) Gutgläubigkeit des A, § 932 II BGB (+)
dd) Kein Abhandenkommen, § 935 BGB
(+); Arg.: V hat die Kommode (mit Inhalt) freiwillig, wenn auch irrtümlich herausgegeben.
5. Eigentumserwerb des S von A, § 929 S. 1 BGB (+)
B. Sonstige Anspruchsgrundlagen
-> §§ 861, 1007 I, II, 823 I, 812 BGB (-)
Abwandlung: R gegen S auf Herausgabe des Buches
3. Eigentumserwerb des T, § 929 S. 1 BGB (-)
-> § 123 I 1. Fall BGB (+); Arg.: „Fälschung“ = bewusst wahrheitswidrige Behauptung
bb) Anfechtungserklärung
(+); Arg.: „alle Verträge“ = auch die dingliche Einigung
(1) Richtiger Anfechtungsgegner, § 143 BGB (+)
(2) Frist
-> Unverzüglich, § 121 BGB (+); Arg.: „schnurstracks“
cc) Kein Ausschluss (+)
dd) Rechtsfolge: Nichtigkeit ex tunc, § 142 I BGB
5. Eigentumserwerb des S von A, § 929 S. 1 BGB
e) Gutgläubiger Erwerb, §§ 929 S.1, 932 BGB
(-); Arg.: S kannte die Umstände, also die Anfechtbarkeit, § 142 II BGB
f) Ergebnis: (-)
-> §§ 1000, 994 ff BGB (-); Arg.: keine Einwendung, sondern Einrede
a) EBV zum Zeitpunkt der Verwendungen
(+); Arg.: Anfechtung ex tunc
b) Redlicher Besitzer
(-); Arg.: weder A noch S redlicher Besitzer
b) Bösgläubiger Besitzer (+)
(+); Arg.: zum Erhalt des Buches wohl erforderlich, da andernfalls ein Zerfall droht
– Dass die Verwendungen nicht von S selbst, sondern vom Vorbesitzer A getätigt wurden, dürfte wohl unerheblich sein.
c) Verweis auf GoA-Regeln
-> Teilrechtsgrundverweis
Hier: Restauration nicht willensgemäß = echte unberechtige GoA, §§ 684, 812 ff. BGB
– Problem: Aufgedrängte Bereicherung, § 818 II BGB
– aA: objektive Betrachtung; Arg..: Schutz des Bereicherungsgläubigers
– aA: subjektive Betrachtung; Arg.: Schutz des Bereicherungsschuldners
B. Ergebnis: (+)