Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F31-08-2010-8C_547-2010
Timestamp: 2017-02-26 07:41:18
Document Index: 102295126

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 99', 'BGE']

8C_547/2010 (31.08.2010)
8C_547/2010
Die 1978 geborene H.________ war seit 4. September 2006 als Produktionsmitarbeiterin für die A.________ AG tätig und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am frühen Morgen des 9. Februar 2007 kam sie als Lenkerin eines Personenwagens von der vereisten Strasse ab, rutschte die Böschung hinunter und blieb in den Bäumen hängen. Dabei zog sie sich ein HWS-Distorsionstrauma zu (Austrittsbericht der Klinik X.________ vom 28. August 2007). Die SUVA kam für die Heilbehandlung auf und richtete Taggelder aus. Mit Verfügung vom 23. November 2007 stellte sie ihre Leistungen mangels organisch nachweisbarer Unfallfolgen bei fehlender Unfallkausalität psychisch bedingter Beeinträchtigungen "per 30. 11. 2007" ein, wobei sie Taggelder bis 2. Dezember 2007 erbrachte. Daran hielt sie auf Einsprache hin fest (Einspracheentscheid vom 7. November 2008).
Das Versicherungsgericht des Kantons Solothurn wies die dagegen erhobene Beschwerde ab (Entscheid vom 11. Mai 2010).
H.________ lässt Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten führen und beantragen, die ihr zustehenden unfallversicherungsrechtlichen Leistungen seien weiterhin auszurichten. Der Eingabe liegt ein Protokoll der Invalidenversicherung (per 15. Dezember 2008) über die Massnahmen im Rahmen der Früherfassung, über die Berufsberatung und die Stellenvermittlung bei.
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführerin aufgrund des am 9. Februar 2007 erlittenen Unfalls über den 2. Dezember 2007 hinaus ein Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung zusteht.
Die SUVA wie auch die Vorinstanz haben sich mit der vorhandenen umfangreichen medizinischen Dokumentation eingehend befasst und daraus in nicht zu beanstandender Weise ihre Schlüsse gezogen. Dies betrifft sowohl die nach dem erlittenen Unfall diagnostizierte HWS-Distorsion als auch die persistierenden Leiden (namentlich längere depressive Reaktion bei anhaltender Schmerzproblematik). Es bestehen keine hinreichend erstellten Anhaltspunkte für anhaltende, organisch objektiv nachweisbare Unfallfolgen, welche die Restbeschwerden (mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) zu erklären vermöchten. Ob das versicherte Unfallereignis jedenfalls eine - für die Bejahung des für den Leistungsanspruch erforderlichen natürlichen Kausalzusammenhangs genügende (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 f. mit Hinweisen) - wesentliche Teilursache der nach dem 2. Dezember 2007 fortbestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen bildet, braucht, wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt, nicht abschliessend beurteilt zu werden (zur Zulässigkeit dieser Vorgehensweise: BGE 135 V 465 E. 5.1 S. 472).
Liegen keine organisch objektivierbaren Unfallfolgen vor, lässt sich der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Unfall vom 9. Februar 2007 nicht ohne besondere Prüfung bestätigen (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112). Die Vorinstanz ist im Rahmen der Adäquanzprüfung nach der in BGE 115 V 133 für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall erarbeiteten Rechtsprechung vorgegangen und hat - unter Ausserachtlassung psychischer Faktoren (vgl. BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140) - von den für eine Bejahung der Adäquanz erforderlichen Kriterien keines als erfüllt erachtet. Die Beschwerdeführerin vertritt hingegen den Standpunkt, die Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen könne vorliegend nicht zur Anwendung kommen. Wie es sich damit verhält, kann offenbleiben, da die Adäquanz auch nach der bei Schleudertraumen und äquivalenten Verletzungen oder Schädel-Hirntraumen massgebenden Methode, wie sie in BGE 117 V 359 entwickelt und in BGE 134 V 109 präzisiert worden ist, verneint werden muss, wie sich nachfolgend zeigt.
5.1 Ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf ist der Autounfall vom 9. Februar 2007 innerhalb der Kategorisierung, wie sie gemäss BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f. zu erfolgen hat, mit dem kantonalen Gericht als mittelschweres Ereignis im engeren Sinn zu qualifizieren. Dies wird von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht bestritten.
5.2 Von den massgeblichen Kriterien (vgl. BGE 134 V 109 E. 10.3 S. 130) müssten demnach für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter Weise oder aber mehrere in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f.; 117 V 359 E. 6 S. 367 f.). Während im angefochtenen Entscheid der adäquate Kausalzusammenhang selbst bei Anwendung der Rechtsprechung nach BGE 134 V 109 bei höchstens zwei - nicht ausgeprägt - erfüllten Kriterien (erhebliche Beschwerden und erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen) verneint wird, ist die Beschwerdeführerin der Ansicht, die Adäquanz sei zu bejahen, weil die Kriterien der erheblichen Beschwerden und der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen in besonderer Ausprägung erfüllt seien.
5.2.1 Die Versicherte leidet zwar glaubhaft unter Schmerzen (Restbeschwerden namentlich in Form einer eingeschränkten HWS-Beweglichkeit mit rezidivierenden Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, unspezifischen Schwindelerscheinungen und Schmerzen im rechten Arm bei depressiver Überlagerung; Austrittsbericht der Klinik X.________ vom 28. August 2007), welche zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität geführt haben, und damit unter "erheblichen Beschwerden" im Sinne von BGE 134 V 109 E. 10.2.4 S. 128. Das Leiden übersteigt das bei HWS-Distorsionen übliche Mass allerdings nicht. Allein aufgrund der nicht weiter begründeten und durch die ärztlichen Berichte nicht abgestützten Behauptung der Versicherten, wonach ein "ausgeprägte(s) typische(s) Beschwerdebild" mit den "damit verbundenen beruflichen, familiären und freizeitlichen Einschränkungen" vorliege, kann jedenfalls nicht auf eine besondere Ausprägung dieses Kriteriums geschlossen werden.
5.2.2 Bezüglich des Kriteriums der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen muss beachtet werden, dass bis zur Leistungseinstellung (2. Dezember 2007) keinerlei Bemühungen der Beschwerdeführerin um Wiederaufnahme einer Beschäftigung aktenkundig sind, obwohl der SUVA-Kreisarzt bereits in seinem Untersuchungsbericht vom 3. Mai 2007 einen Arbeitsversuch im Umfang einer zunächst 25%igen Arbeitsfähigkeit bei einem halbtägigen Einsatz mit der Möglichkeit, die Leistung innert eines Monats zu steigern, vorgesehen hatte. Der in der letztinstanzlich eingereichten Beschwerdeschrift geltend gemachte zweitägige Versuch einer Eingliederung im Betrieb der A.________ AG datiert vom Januar 2008, das Belastbarkeitstraining, welches bereits nach einem Tag abgebrochen wurde, vom August 2008. Selbst wenn diese Anstrengungen berücksichtigt werden könnten, wäre mit Blick auf die gesamten Umstände nicht nachvollziehbar, aus welchem Grund das Kriterium in besonders ausgeprägter Weise vorliegen sollte (BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129 mit Hinweisen; Urteil 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008 E. 7.7.1). Weitere Erörterungen zur Frage der Zulässigkeit (Art. 99 Abs. 1 BGG; BGE 135 V 194) des erst mit Beschwerde ans Bundesgericht eingereichten Protokolls der Invalidenversicherung, in welchem die beruflichen Eingliederungsmassnahmen bis 15. Dezember 2008 dokumentiert sind, erübrigen sich bei dieser Sachlage.
5.3 Damit kann letztlich auch offenbleiben, ob das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen überhaupt in der einfachen Form erfüllt wäre, denn für das Vorhandensein weiterer Adäquanzkriterien bestehen keinerlei Anhaltspunkte. Von den sieben relevanten Kriterien sind demnach höchstens zwei in jeweils nicht besonders ausgeprägter Weise erfüllt. Dies genügt beim gegebenen Schweregrad des Unfalls nicht für die Bejahung der Adäquanz (vgl. in Plädoyer 2/2010 S. 53 zusammengefasstes Urteil 8C_897/2009 vom 29. Januar 2010 E. 4.5 mit Hinweisen). Sind die über den 2. Dezember 2007 hinaus geklagten Beschwerden nicht mehr adäquat kausal durch das Unfallereignis vom 9. Februar 2007 verursacht, so ist die Leistungseinstellung der Beschwerdegegnerin rechtens.