Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Vaterschaft-Sorgerecht,-DeutschlandFrankreich--f37548.html
Timestamp: 2020-06-07 09:12:07
Document Index: 117712316

Matched Legal Cases: ['Art. 19', '§ 1594', '§ 1597', 'Art. 21', '§ 1626', 'Art. 373', '§ 1617', 'Art. 10', '§ 4']

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| 05.03.2008 01:12 |
mein Freund und ich haben uns getrennt, bevor ich wußte, dass ich schwanger bin. Er will sich auch um das Kind kümmern/zu ihm stehen, so dass wir nun folgende Fragen haben:
1.) Ich lebe in Frankreich (bin jedoch Deutsche, habe auch keinen Zweitwohnsitz in Deutschland), er in Deutschland - ist es unter den Umständen genauso einfach, die Vaterschaft vor der Geburt beim Standesamt in Deutschland anzuerkennen, oder gibt es besondere Dinge, die zu beachten sind? Ist eventuell ein Notar hinzuzuziehen?
2.) Er will, dass wir das wir ein gemeinsames Sorgerecht haben. Was heisst das für mich? Wenn ich mich dazu entscheide, gibt es Besonderheiten aus der räumlichen Konstellation zu beachten?
3.) Soweit ich informiert bin, könnte ich dem Kind in Deutschland auch den Nachnamen des Vaters geben, auch wenn wir nicht zusammen sind und ich das alleinige Sorgerecht habe. Wie sieht das in Frankreich aus?
4.) Das Kind wird in Deutschland geboren, aber in Frankreich leben. Kann ich ihm als zweite Staatsbürgerschaft die französische Staatsbürgerschaft beantragen?
Deutschland Deutschland Vaterschaft Notar Geburt
nach internationalem Privatrecht kann die Abstammung eines Kindes wahlweise entweder nach dem Recht des Staates festgestellt werden, in dem das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat (dies wird hier langfristig Frankreich sein), oder nach dem Recht des Staates, dem Sie oder Ihr Ex-Freund angehören (also Deutschland), siehe Art. 19 Abs. 1, Abs. 2 EGBGB . Maßgebend ist dann zunächst die Rechtsordnung, nach der eine Abstammung zuerst wirksam festgestellt wurde, insbesondere durch Anerkennung der Vaterschaft (so z.B. BayObLG FamRZ 2000, 700).
Die Anerkennung kann hier also in Deutschland erfolgen, und zwar gemäß § 1594 Abs. 4 BGB auch schon vor der Geburt des Kindes. Sowohl die Anerkennungserklärung Ihres Ex-Freundes als auch Ihre erforderliche Einwilligung müssen öffentlich beurkundet werden (§ 1597 Abs. 1 BGB), dies kann in diesem Fall von einem Notar vorgenommen werden, aber auch von dem Standesbeamten, dem Jugendamt oder einem Amtsgericht.
Die anzuwendende Rechtsordnung für das Sorgerecht bestimmt sich gemäß Art. 21 EGBGB nach dem gewöhnlichen Aufenthalt des Kindes, letztlich also Frankreich.
Dennoch wird es in Ihrem Fall möglich sein, nach der Geburt noch in Deutschland eine gemeinsame Sorgeerklärung abzugeben und damit zunächst die gemeinsame elterliche Sorge wirksam gemäß § 1626a Abs. 1 Nr. 1 BGB zu begründen.
Aber auch nach französischem Recht führt weder die Trennung ehelicher noch nichtehelicher Eltern kraft Gesetzes zur Aufhebung der gemeinsamen elterlichen Sorge, vgl. Art. 373-2 Abs. 1 CC („La séparation des parents est sans incidence sur les règles de dévolution de l’exercice de l’autorité parentale“) . Dementsprechend wird die Anerkennung der gemeinsamen Sorge in Frankreich kein Problem darstellen.
Allerdings werden Sie aufgrund der räumlichen Distanz zum leiblichen Vater dafür sorgen müssen, dass dieser für wichtige Entscheidungen, die Sie nur gemeinsam treffen dürfen (schwerwiegende medizinische Eingriffe, Schulwechsel, etc.) bereit steht. Alltägliche und einfache Geschäftsbesorgungen für das Kind (Impfungen, Zahnarztbesuche, Wiedereinschreibung in der Schule, Eintragung im Pass eines Elternteils, etc.) können Sie dagegen auch alleine vornehmen.
Nach deutschem Recht können Sie in der Tat auch als unverheiratete Mutter dem Kind den Familiennamen des leiblichen Vaters erteilen, hierzu muss der Vater einwilligen, und beide Erklärungen müssen von einem Notar öffentlich beglaubigt werden siehe §§ 1617a Abs. 2, 129 Abs. 1 BGB.
Da gemäß Art. 10 Abs. 3 den Sorgeberechtigten die freie Rechtswahl zwischen dem in Frage kommenden nationalen Rechtsordnung zusteht, können Sie die Namenserteilung nach deutschem Recht vornehmen.
Ihr Kind wird zunächst die deutsche Staatsbürgerschaft gemäß § 4 Abs. 1 Satz 1 StAG erhalten und auch weiter behalten dürfen.
Die französische Staatsangehörigkeit kann grundsätzlich nach fünf Jahren mit festen Wohnsitz in Frankreich bei der örtlichen Präfektur beantragt werden, wenn die Beherrschung der französischen Sprache ausreicht, um die alltäglichen Geschäfte erledigen zu können.
Grundsätzlich verbietet das deutsche Recht, anders als in Frankreich, die doppelte Staatsbürgerschaft. Folglich müssen Deutsche, die in Folge dieser Erklärung die doppelte deutsch-französische Staatsbürgerschaft wünschen, zunächst einen Antrag auf Beibehaltung der deutschen Staatsangehörigkeit stellen. Diesem Antrag wird stattgegeben, wenn sie fortbestehende Bindungen zu Deutschland nachweisen können.
Ergänzung vom Anwalt 05.03.2008 | 03:13
Nachfolgend noch die korrekten Links zu den Vorschriften des EGBGB:
"Sehr präzise formuliert - meine Frage wurde vollumfänglich beantwortet. "