Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F22-02-2000-4C-416-1999
Timestamp: 2016-10-26 11:25:18
Document Index: 197311155

Matched Legal Cases: ['Art. 123', 'Art. 9', 'Art. 44', 'Art. 8', 'Art. 63', 'BGE', 'BGE', 'Art. 41', 'Art. 41', 'Art. 42', 'Art. 44', 'BGE', 'BGE', 'Art. 44', 'BGE', 'Art. 44', 'BGE', 'Art. 44', 'BGE', 'Art. 43', 'BGE', 'Art. 43', 'Art. 55', 'BGE', 'Art. 47', 'BGE', 'Art. 64', 'BGE', 'Art. 152']

4C.416/1999 (22.02.2000)
4C.416/1999/rnd
A.________, Kl�gerin und Berufungskl�gerin, vertreten durch Rechtsanwalt Patrick Stutz, Bahnhofstrasse 42, 5401 Baden,
B.________, Beklagten und Berufungsbeklagten, vertreten durch Rechtsanw�ltin Esther K�ng, Bahnhofstrasse 46, Postfach 617, 5401 Baden,
A.- Am 4. Oktober 1995 gerieten A.________ (nachfolgend Kl�gerin) und B.________ (nachfolgend Beklagter) wegen ihrer beiden Hunde in Streit. Es kam zu Handgreiflichkeiten, in deren Verlauf der Beklagte die Kl�gerin schlug und zu Boden warf. Gem�ss Arztzeugnis erlitt sie dabei Schmerzen an beiden Handgelenken, am rechten Ellbogen, an beiden Sprunggelenken und am R�cken. In der Folge entwickelte sich ein Schmerzsyndrom im Bereich von Nacken, Schulter und Arm.
B.- Mit Strafbefehl vom 20. Februar 1996 sprach das Bezirksamt Baden den Beklagten unter anderem wegen einfacher K�rperverletzung schuldig und verwies die Kl�gerin zur Beurteilung ihrer Schadenersatz- und Genugtuungsforderung auf den Zivilweg. Gegen den Strafbefehl erhoben sowohl der Beklagte als auch die Kl�gerin Einsprache. Die Kl�gerin beantragte dem Bezirksgericht Baden im Zivilpunkt, den Beklagten zu verpflichten, eine Genugtuung von mindestens Fr. 35'000.-- nebst Zins zu 5% seit 4. Oktober 1995 zu bezahlen. Ferner sei die Schadenersatzforderung auf den Zivilweg zu verweisen, unter ausdr�cklicher richterlicher Feststellung, dass der Angeklagte der Kl�gerin aus dem Ereignis vom 4. Oktober 1995 vollumf�nglich schadenersatzpflichtig sei. Falls ein Obergutachten angeordnet werden sollte, sei auch die Schadensh�he nach Kenntnis dieses Gutachtens inhaltlich zu beurteilen. Das Bezirksgericht sprach den Beklagten am 18. Juni 1997 unter anderem der vors�tzlichen einfachen K�rperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. StGB schuldig. Mit Beschluss vom selben Tag setzte es das Verfahren betreffend die Zivilanspr�che der Kl�gerin gest�tzt auf Art. 9 Abs. 2 OHG aus und liess beim Kantonsspital Baden und bei der Psychiatrischen Klinik K�nigsfelden Gutachten einholen. Mit Urteil vom 7. Oktober 1998 verpflichtete es alsdann den Beklagten in teilweiser Gutheissung der Zivilklage, der Kl�gerin als Genugtuung den Betrag von Fr. 15'000.-- nebst Zins zu 5% seit 4. Oktober 1995 zu bezahlen. Ferner stellte es fest, der Beklagte sei gegen�ber der Kl�gerin zu 75% schadenersatzpflichtig. Die Beurteilung der H�he der Schadenersatzforderung verwies es auf den Zivilweg.
W�hrend der Entscheid des Bezirksgerichtes im Strafpunkt in Rechtskraft erwuchs, erhob die Kl�gerin im Zivilpunkt kantonale Berufung, worauf der Beklagte seinerseits Anschlussberufung einreichte. In teilweiser Gutheissung der Berufung verpflichtete das Obergericht den Beklagten mit Urteil vom 24. August 1999, der Zivilkl�gerin als Genugtuung einen Betrag von Fr. 19'000.-- nebst Zins zu 5% seit 4. Oktober 1995 zu bezahlen und stellte fest, dass der Beklagte gegen�ber der Kl�gerin zu 95% schadenersatzpflichtig sei. Im �brigen wies es Berufung und Anschlussberufung ab.
C.- Die Kl�gerin f�hrt eidgen�ssische Berufung und beantragt dem Bundesgericht, Ziff. 1 und 2 des Urteils des Obergerichts des Kantons Aargau vom 24. August 1999 aufzuheben und die Klage vollumf�nglich gutzuheissen, eventuell die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
Der Beklagte schliesst auf Abweisung der Berufung. Zugleich ersucht er um Gew�hrung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Beiordnung von Rechtsanw�ltin Esther K�ng als unentgeltliche Rechtsvertreterin. Das Obergericht hat auf Vernehmlassung verzichtet.
1.- Sowohl das Bezirksgericht als auch die Vorinstanz haben gest�tzt auf ein psychiatrisches Gutachten angenommen, die Kl�gerin habe wegen zahlreicher, vor dem Unfall im Jahre 1995 erlittener R�ckschl�ge eine erh�hte Vulnerabilit�t f�r psychische Belastungen aufgewiesen und dadurch etwas anf�lliger auf das sch�digende Ereignis reagiert. Diese Vorbelastung haben die kantonalen Gerichte als nebens�chliche Teilursache des eingetretenen Schadens erachtet und ihr mit einer Reduktion des Schadenersatz- und des Genugtuungsanspruches um 5% Rechnung getragen.
Die Kl�gerin wendet dagegen ein, eine konstitutionelle Pr�disposition k�nne nur dann als mitwirkender Zufall haftpflichtrechtlich relevant sein, wenn die k�rperliche Integrit�t des Gesch�digten oder dessen Lebensdauer mit Sicherheit oder hoher Wahrscheinlichkeit auch ohne das sch�digende Ereignis beeintr�chtigt worden w�re. Der psychiatrische Gutachter komme jedoch gerade zum gegenteiligen Schluss und f�hre aus, weder die Kriterien f�r die Diagnose einer affektiven St�rung noch einer eindeutigen Pers�nlichkeitsst�rung seien erf�llt. Sie - die Kl�gerin - habe sich vor dem Unfall in einem zwar labilisierten, aber kompensierten Gleichgewicht befunden. Dass sie auch ohne den Unfall eine Symptomatik h�tte entwickeln k�nnen, wie sie sich heute darstelle, sei nach Meinung des Experten zwar m�glich, wenn auch sehr wenig wahrscheinlich. Sie sei demnach nicht in einem Grade vorbelastet gewesen, der f�r die rechtsgen�gliche Annahme einer konstitutionellen Pr�disposition ausreiche. Die gegenteilige Auffassung der Vorinstanz verletze Art. 44 OR und Art. 8 ZGB.
2.- Die Feststellungen des Obergerichts zum Gesundheitszustand der Kl�gerin vor Eintritt des sch�digenden Ereignisses betreffen tats�chliche Verh�ltnisse und sind f�r das Bundesgericht im Berufungsverfahren verbindlich (Art. 63 Abs. 2 OG). Soweit die Kl�gerin geltend macht, sie sei pr�morbid gar nicht belastet gewesen, ist auf ihre Vorbringen daher nicht einzutreten. Eine vom Bundesgericht frei �berpr�fbare Frage der Rechtsanwendung ist hingegen, ob sich ein vorbestehendes Leiden auch als ad�quate Ursache einer erh�hten Erwerbsunf�higkeit darstellt (BGE 113 II 86 E. 1b S. 89).
a) Grunds�tzlich gen�gt nach Lehre und Rechtsprechung f�r die Annahme eines rechtserheblichen Kausalzusammenhangs, dass der Haftpflichtige eine Ursache gesetzt hat, ohne die es nicht zum Schadenseintritt gekommen w�re. Mitwirkende Teilursachen wie z.B. eine konstitutionelle Pr�disposition des Gesch�digten verm�gen den ad�quaten Kausalzusammenhang in der Regel weder zu unterbrechen noch auszuschliessen (BGE 113 II 86 E. 1b S. 89 f.; Brehm, Berner Kommentar, Bern 1990, N 125 und 132 zu Art. 41 OR; Oftinger/
Stark, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Allgemeiner Teil, 5. Aufl., Z�rich 1995, � 3 Rz 83; Schnyder, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 1996, N 28 f. zu Art. 41 OR). Unter Umst�nden kann ein vorbestehendes Leiden des Gesch�digten jedoch f�r den Umfang der Haftpflichtanspr�che gem�ss Art. 42 bis 44 OR von Bedeutung sein. Dabei fallen einfache konstitutionelle Schw�chen mangels einer allgemeinen Eignung, einen Schaden herbeizuf�hren, als Herabsetzungsgr�nde ausser Betracht (Brehm, a.a.O., N 57 zu Art. 44 OR; Thomas Kr�uchi, Die konstitutionelle Pr�disposition, Diss. Bern 1998, S. 4). Eigentliche Anomalien sowie akut oder latent vorbestehende Leiden hingegen k�nnen die Anspr�che des Verletzten schm�lern. Sie fallen unter den Begriff der konstitutionellen Pr�disposition und gelten als mitwirkender Zufall, der die Berechnung des Schadens oder die Bemessung des Schadenersatzes beeinflussen kann, gleichviel, ob sie als Mitursache des Unfalls anzusehen sind oder bloss dessen Folgen verschlimmern (BGE 113 II 86 E. 1b S. 90, mit Hinweisen).
b) Die Kl�gerin macht unter Berufung auf BGE 113 II 86 ff. geltend, nur eine konstitutionelle Pr�disposition, welche mit Sicherheit oder hoher Wahrscheinlichkeit auch ohne das sch�digende Ereignis die k�rperliche Integrit�t oder die Lebenserwartung des Gesch�digten beeintr�chtigt h�tte, k�nne zu einer Reduktion der Haftungsquote f�hren. Ein solcher Schluss l�sst sich jedoch nicht auf das zitierte Urteil st�tzen: Das Bundesgericht hat in jenem Entscheid vielmehr festgehalten, es m�sse zu einer differenzierten rechtlichen Beurteilung f�hren, ob sich ein Vorzustand mit Sicherheit oder doch hoher Wahrscheinlichkeit auch ohne das sch�digende Ereignis ausgewirkt h�tte oder aber den Eintritt des Schadens bloss beg�nstigt bzw. dessen Ausmass vergr�ssert habe. W�re ein Schaden in vollem oder geringerem Umfang auch ohne den Unfall eingetreten, sei er insoweit keine Folge davon, k�nne dem Haftpflichtigen folglich nicht zugerechnet werden und sei von der Schadensberechnung auszunehmen. Wenn der Schaden dagegen ohne den Unfall voraussichtlich �berhaupt nicht eingetreten w�re, so bleibe der Haftpflichtige daf�r auch dann voll verantwortlich, wenn der krankhafte Vorzustand den Eintritt des Schadens beg�nstigt oder dessen Ausmass vergr�ssert hat. Dem Anteil der Pr�disposition an der Kausalit�t k�nne indessen im Rahmen von Art. 44 OR Rechnung getragen werden (BGE 113 II 86 E. 3b S. 93 f., mit Hinweisen).
Im vorliegenden Fall ist der Experte im psychiatrischen Gutachten zum Schluss gekommen, die Kl�gerin habe eine Vulnerabilit�t f�r psychische Belastungen aufgewiesen, die in der multiplen, fortdauernden Belastung in ihrer Jugend und ihrem gesamten Leben gr�nde. Dass diese Vulnerabilit�t allein zu der heute vorhandenen Symptomatik gef�hrt haben k�nnte, sei aber unwahrscheinlich. Entgegen der Auffassung der Kl�gerin ist es nicht bereits dem Grundsatze nach ausgeschlossen, dass eine so geartete Vorbelastung eine haftpflichtrechtlich relevante konstitutionelle Pr�disposition darstellt, welche bei der Schadenersatzbemessung zu ber�cksichtigen ist. Indessen ist im Lichte von Art. 44 OR zu beurteilen, ob und in welchem Masse der Ersatzanspruch im konkreten Fall zu reduzieren ist. Der Entscheid dar�ber beruht auf richterlichem Ermessen, bei dessen Aus�bung alle wesentlichen Umst�nde des Einzelfalles zu ber�cksichtigen sind. Das Bundesgericht auferlegt sich bei der �berpr�fung der Ermessensaus�bung zwar praxisgem�ss eine gewisse Zur�ckhaltung, weil es dem kantonalen Sachgericht einen eigenen Ermessensspielraum zugesteht. Es greift jedoch in kantonale Ermessensentscheide insbesondere dann ein, wenn die Vorinstanz Umst�nde ausser Acht gelassen hat, deren Ber�cksichtigung sich zwingend aufgedr�ngt h�tte (BGE 122 III 262 E. 2a/bb S. 267; 120 II 280 E. 6a S. 283, je mit Hinweisen).
c) aa) Art. 44 Abs. 1 OR gibt dem Gericht die M�glichkeit, dem Anteil der Pr�disposition an der Kausalit�t Rechnung zu tragen, wenn es unbillig erschiene, den Sch�diger zum Ersatz des gesamten Schadens zu verpflichten. Aus dieser Norm folgt jedoch nicht, dass der Schadenersatzanspruch eines vorbelasteten Gesch�digten in jedem Falle schematisch entsprechend dem Anteil des Konstitutionsmangels reduziert werden m�sste. Vielmehr ist vom Grundsatz auszugehen, dass der Haftpflichtige auch dann f�r die Sch�digung voll verantwortlich bleibt, wenn ein krankhafter Vorzustand den Eintritt des Schadens beg�nstigt oder dessen Ausmass vergr�ssert hat, sofern die Verm�genseinbusse ohne den Unfall voraussichtlich �berhaupt nicht eingetreten w�re. Wer widerrechtlich einen gesundheitlich geschw�chten Menschen sch�digt, hat kein Recht darauf, so gestellt zu werden, als ob er einen gesunden gesch�digt h�tte (BGE 113 II 86 E. 1b S. 90). Ein �berwiegender Teil der Lehre betont denn auch den Ausnahmecharakter einer Herabsetzung des Ersatzanspruches: F�r Oftinger/Stark (a.a.O., Rz 99 f.) kommt eine solche nur in den seltensten F�llen in Betracht, so allenfalls dann, wenn eine kleine haftungsbegr�ndende Ursache zu einem ausserordentlich schweren Schaden gef�hrt hat. Stauffer/
Schaetzle (Barwerttafeln, 4. Aufl., Z�rich 1989, Rz 681) bef�rworten eine Reduktion wegen krankhafter Veranlagung ebenfalls nur dann, wenn zwischen den vom Haftpflichtigen gesetzten Ursachen und den Auswirkungen der Sch�digung ein offensichtliches Missverh�ltnis eintritt, so dass die Belastung des Verantwortlichen mit dem ganzen Schaden unbillig w�re. Alfred Keller (Haftpflicht im Privatrecht, Bd. II, 2. Aufl., Bern 1998, S. 54 f.) betont, ein Haftpflichtiger habe den Gesch�digten so zu nehmen, wie er sei. Nur wenn und soweit sich der Vorzustand auch ohne den Unfall ausgewirkt h�tte, d�rfe er ber�cksichtigt werden. Alexandra Rumo-Jungo (Haftpflicht und Sozialversicherung, Freiburg 1998, Rz 810 ff.) schliesst eine Reduktion in F�llen, in denen sich die Pr�disposition bisher nicht ausgewirkt hat, ebenfalls aus, da es nicht der gesch�digten Person anzulasten sei, wenn sich die gesundheitliche Vorbelastung nach der Fremdeinwirkung erschwerend auf deren Folgen auswirke. Auch Stephan
Weber (Zurechnungs- und Berechnungsprobleme bei der konstitutionellen Pr�disposition, SJZ 85 [1989] 73 ff., S. 82) lehnt die konstitutionelle Pr�disposition als K�rzungsgrund im Sinne von Art. 43/44 OR ab, es sei denn, der Gesch�digte habe m�gliche Hilfsmittel oder Schutzvorkehrungen, die es erlauben, die Behinderung ganz oder teilweise auszugleichen, nicht ergriffen. Ebenso ist nach Kr�uchi (a.a.O., S. 193 f.) immer dann von einer Erm�ssigung des Schadenersatzes abzusehen, wenn der vorbelastete Gesch�digte alle zumutbaren Massnahmen vorgekehrt hat, um den erlittenen Schaden zu begrenzen oder mindestens zus�tzliche Weiterungen zu verhindern. Einem Kranken oder Anf�lligen stehe der gleiche Anspruch auf pers�nliche Entfaltung zu wie jedem anderen Mitmenschen, weshalb eine konstitutionelle Pr�disposition als solche nicht schon als besondere Gefahrenexposition betrachtet werden d�rfe. Von �hnlichen �berlegungen l�sst sich schliesslich auch die deutsche Lehre und Rechtsprechung leiten, welche die Ersatzpflicht wegen besonderer Schadensanf�lligkeit des Gesch�digten nur einschr�nkt, wenn es sich um ganz ungew�hnliche, keinesfalls zu erwartende Kausalverl�ufe handelt (Palandt, B�rgerliches Gesetzbuch, 58. Aufl., M�nchen 1999, Rz 68 der Vorbemerkungen vor � 249 BGB; Grunsky, M�nchener Kommentar, 2. Aufl., M�nchen 1985, Rz 51 f. vor � 249 BGB; Staudinger/Schiemann, Kommentar zum B�rgerlichen Gesetzbuch, Berlin 1998, Rz 35 ff. zu � 249 BGB, je mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
In F�llen, in denen sich der krankhafte Vorzustand ohne das sch�digende Ereignis voraussichtlich �berhaupt nicht ausgewirkt h�tte, wird die konstitutionelle Pr�disposition des Gesch�digten mithin f�r sich allein in der Regel nicht gen�gen, um zu einer Herabsetzung des Ersatzanspruches zu f�hren. Vielmehr m�ssen weitere Umst�nde hinzutreten, welche es unbillig erscheinen liessen, den Haftpflichtigen mit dem Ersatz des gesamten Schadens zu belasten. Als m�gliche Gesichtspunkte in Betracht fallen dabei eine zurechenbare Gefahrenexponierung des Gesch�digten oder eine sich besonders ung�nstig auswirkende Vorbelastung, welche dazu f�hrt, dass die haftungsbegr�ndende Ursache in keinem Verh�ltnis mehr zu der Gr�sse des eingetretenen Schadens steht. �hnlich wie bei der Verschuldensabw�gung im Falle konkurrierenden Selbstverschuldens ist ferner die Gr�sse des Verschuldens des Haftpflichtigen zu ber�cksichtigen und in Beziehung zum Anteil der Pr�disposition an der Kausalit�t zu setzen. Wiegt das Verschulden des Sch�digers schwer, w�hrend sich die Vorbelastung des Gesch�digten nur in geringem Masse ausgewirkt hat, so erscheint eine Reduktion des Ersatzanspruches in aller Regel nicht angemessen.
bb) Im vorliegenden Fall hat der Experte im psychiatrischen Gutachten ausgef�hrt, die Kl�gerin sei pr�morbid verschiedenen gravierenden Belastungen ausgesetzt gewesen, habe diese aber erfolgreich bew�ltigen k�nnen. Aufgrund dieser Vorbelastungen habe zwar eine Vulnerabilit�t f�r psychische Belastungen bestanden, doch erscheine unwahrscheinlich, dass dies allein zu der heute vorhandenen Symptomatik gef�hrt haben k�nnte. Es m�sse davon ausgegangen werden, dass der Unfall in einem �berwiegenden Ausmass f�r die heutige Symptomatik kausal sei. Das Obergericht hat gest�tzt auf diese Ausf�hrungen festgehalten, die Kl�gerin sei aufgrund der zahlreichen R�ckschl�ge, die sie vor dem Unfall habe �berstehen m�ssen, "wenn auch nicht krank, so doch etwas angeschlagen" gewesen. Sie sei zwar vor dem Unfall zu 100% arbeitsf�hig gewesen und habe mit Bezug auf ihre fr�her erlittenen Schicksalsschl�ge eine erfolgreiche Bew�ltigungsstrategie entwickelt. Sie habe aber aufgrund ihrer Vulnerabilit�t "auf das sch�digende Ereignis etwas anf�lliger reagiert", was ihre Vorbelastung als nebens�chliche Teilursache der Sch�digung erscheinen lasse.
Weitere, der Gesch�digten zurechenbare Umst�nde, die auf die Entstehung oder Verschlimmerung des Schadens hingewirkt h�tten, hat die Vorinstanz nicht angef�hrt. Dem angefochtenen Entscheid l�sst sich auch nicht entnehmen, dass sich die Kl�gerin - angesichts ihres geschw�chten Gesundheitszustandes - in leichtfertiger Art und Weise einer Gefahr ausgesetzt h�tte; im Gegenteil hat die Vorinstanz die Argumentation des Bezirksgerichts zur�ckgewiesen, die Kl�gerin treffe an der Auseinandersetzung mit dem Beklagten ein Mitverschulden. Die Pr�disposition der Kl�gerin trat als Ursache f�r die heutige Verm�genseinbusse mithin klar hinter die sch�digende Handlung zur�ck. Hinzu kommt, dass den Beklagten ein besonders schweres Verschulden trifft, hat er die Kl�gerin doch vors�tzlich verletzt und ist deswegen rechtskr�ftig strafrechtlich verurteilt worden. Unter diesen Umst�nden l�uft eine Abw�lzung des auf den Vorzustand entfallenden Schadensanteils auf die Gesch�digte den vorstehend dargelegten Grunds�tzen zuwider (E. 2c/aa hiervor). Da sich die Pr�disposition im vorliegenden Fall mit gr�sster Wahrscheinlichkeit ohne die sch�digende Handlung des Beklagten nicht auf die Verm�genssituation der Kl�gerin ausgewirkt h�tte und zum eingetretenen Schaden ohnehin nur in geringem Masse beigetragen hat, erscheint eine K�rzung des Schadenersatzanspruches nicht gerechtfertigt. Anders entscheiden hiesse, einen vorbelasteten Gesch�digten in jedem Fall seine gesundheitlichen Schw�chen tragen zu lassen, als ob der Sch�diger sich den Gesundheitszustand des Opfers aussuchen k�nnte (BGE 113 II 86 E. 3b S. 94). Die Vorinstanz hat mithin massgebliche Gesichtspunkte bei der Ermessensaus�bung ausser Acht gelassen und damit Bundesrecht (Art. 43/44 OR) verletzt, wenn sie den Schadenersatz- und Genugtuungsanspruch der Kl�gerin wegen konstitutioneller Pr�disposition um 5% herabgesetzt hat. Die Berufung ist in diesem Punkte gutzuheissen.
3.- Weiter wirft die Kl�gerin dem Obergericht vor, die Genugtuungssumme mit Fr. 20'000.-- zu tief veranschlagt zu haben.
a) Art. 55 Abs. 1 lit. b OG verlangt bei Forderungsklagen die ziffernm�ssige Angabe des zuzusprechenden Betrags. Das Rechtsbegehren der Kl�gerin gen�gt diesen Anforderungen nur insofern, als sie eine Genugtuung von mindestens Fr. 35'000.-- verlangt (BGE 119 II 333 E. 3 S. 334; 105 II 308 E. 6 S. 316, je mit Hinweisen). Soweit ihr Antrag ohne Bezifferung �ber diese Summe hinausgeht, ist auf die Berufung nicht einzutreten.
b) aa) Gem�ss Art. 47 OR kann das Gericht bei K�rperverletzung unter W�rdigung der besonderen Umst�nde dem Verletzten eine angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen. Bemessungskriterien sind dabei vor allem die Art und Schwere der Verletzung, die Intensit�t und Dauer der Auswirkungen auf die Pers�nlichkeit des Betroffenen sowie der Grad des Verschuldens des Sch�digers. Die Festlegung der H�he der Genugtuung beruht auf richterlichem Ermessen. Ob das kantonale Gericht sein Ermessen richtig ausge�bt hat, ist eine Rechtsfrage, die das Bundesgericht im Berufungsverfahren frei �berpr�ft. Das Bundesgericht beachtet dabei jedoch praxisgem�ss, dass dem Sachrichter ein eigener weiter Ermessensspielraum zusteht. Dementsprechend auferlegt es sich bei der �berpr�fung Zur�ckhaltung und schreitet nur ein, wenn das kantonale Gericht grundlos von den in Lehre und Rechtsprechung ermittelten Bemessungsgrunds�tzen abgewichen ist, wenn es Tatsachen ber�cksichtigt hat, die f�r den Entscheid im Einzelfall keine Rolle spielen, oder wenn es andererseits Umst�nde ausser Betracht gelassen hat, die es in seinen Entscheid h�tte mit einbeziehen m�ssen. Es greift ausserdem in Ermessensentscheide ein, wenn sich diese als offensichtlich unbillig bzw. als in stossender Weise ungerecht erweisen (BGE 125 III 412 E. 2a S. 417 f.; 123 III 10 E. 4c/aa, S. 12 f., je mit Hinweisen).
bb) Der angefochtene Entscheid erscheint in diesem Lichte als bundesrechtskonform. Die Vorinstanz hat in ihrer Urteilsbegr�ndung die wesentlichen Umst�nde angef�hrt, welche bei der Bemessung der Genugtuungssumme in Betracht zu ziehen sind. Sie hat insbesondere darauf hingewiesen, dass die Kl�gerin durch die K�rperverletzung schwer gesch�digt worden und heute zu 90% arbeitsunf�hig sei. Sie leide unter Schmerzen, und die durch den Unfall hervorgerufenen Depressionen �usserten sich in verminderter Konzentrationsf�higkeit und Aufmerksamkeit. Damit verbunden sei ein vermindertes Selbstwertgef�hl, ein Schuldgef�hl gegen�ber dem Ehemann, Suizidgedanken, Schlafst�rungen, Interessenverlust und sozialer R�ckzug. Da sie vielfach auf Hilfe angewiesen sei, seien ferner die Auswirkungen auf ihre Angeh�rigen, namentlich den Ehemann zu ber�cksichtigen. Die Kl�gerin leide durch das sch�digende Ereignis physisch und psychisch nach wie vor und auf Dauer, ihre Lebensfreude und Lebensqualit�t seien in erheblichem Masse eingeschr�nkt. Auf der andern Seite habe sich die Kl�gerin aber keinen einschneidenden Spitalaufenthalten oder gef�hrlichen Operationen unterziehen m�ssen. Sie habe ihren Alltag ohne Unterbrechung fortsetzen k�nnen und sei beispielsweise unmittelbar nach dem Vorfall in die Ferien gereist. Sie halte sich heute nach wie vor regelm�ssig im Gesch�ft auf und k�nne kurze Strecken selber Auto fahren. Schliesslich habe die K�rperverletzung auch zu keinerlei f�r Dritte sichtbaren physischen Beeintr�chtigungen gef�hrt.
Was die Kl�gerin hiergegen einwendet, vermag eine Bundesrechtsverletzung nicht aufzuzeigen. Soweit sie der Vorinstanz vorwirft, im Unterschied zum Bezirksgericht zwar zus�tzlich die Belastung der Angeh�rigen erw�hnt, die Genugtuungssumme aber dennoch nicht erh�ht zu haben, �bersieht sie, dass das Obergericht innerhalb einer Gesamtbetrachtung die einzelnen Bemessungskriterien durchaus anders gewichten durfte als die erste Instanz. Unbegr�ndet ist sodann die R�ge, die Vorinstanz habe den Sachverhalt unvollst�ndig abgekl�rt, indem sie die zwischen erst- und zweitinstanzlichem Urteil ergangene Verf�gung der Invalidenversicherung nicht ber�cksichtigt habe. Abgesehen davon, dass die Kl�gerin in der Berufung nicht darlegt, entsprechende Behauptungen schon im Verfahren vor Obergericht vorgebracht zu haben, setzt eine Erg�nzung des Sachverhaltes gem�ss Art. 64 OG eine unrichtige Rechtsanwendung durch die Vorinstanz voraus. Diese hat den Sachverhalt ungen�gend festgestellt, wenn sie in der Rechtsanwendung eine auf die Streitsache anzuwendende Norm des Bundesrechts �bersehen, zu Unrecht f�r unmassgeblich gehalten oder unrichtig ausgelegt und deshalb den gesetzlichen Tatbestand unvollst�ndig erfasst hat. Die Feststellungen sind daher nur zu erg�nzen, wenn die Anwendung des massgebenden Rechts es erheischt. Eine Erg�nzung ist hingegen ausgeschlossen, wenn der kantonalen Instanz einzig eine falsche oder unvollst�ndige Sachverhaltsfeststellung vorgeworfen wird, da es sich dabei um Fragen der Beweisw�rdigung handelt, deren �berpr�fung im Berufungsverfahren grunds�tzlich ausgeschlossen ist (BGE 120 II 97 E. 2b S. 99; 119 II 380 E. 3b S. 382 mit Hinweisen). Ebensowenig kann von einer unzul�ssigen reformatio in peius die Rede sein, nachdem die Vorinstanz die vom Bezirksgericht zugesprochene Genugtuungssumme nicht herabgesetzt hat. Um unzul�ssige Kritik an der Beweisw�rdigung handelt es sich ferner, wenn sich die Kl�gerin gegen die Feststellung des Obergerichts wendet, sie k�nne kurze Strecken noch selber Auto fahren.
Eine bundesrechtswidrige Ermessensaus�bung l�sst sich schliesslich auch nicht mit dem Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts vom 19. Dezember 1995 in Sachen Tishukaj gegen Bizzozero & Mollet AG nachweisen. Wohl betrug in jenem Fall, in welchem dem Kl�ger eine Genugtuung in der H�he von Fr. 25'000.-- zugesprochen wurde, die Erwerbsunf�higkeit 70%. Erwerbsunf�higkeit und Invalidit�tsgrad sind aber nur einzelne Elemente unter einer Vielzahl von Umst�nden, welche im Einzelfall ber�cksichtigt werden m�ssen. Im zitierten Entscheid erlitt der damalige Kl�ger eine Sch�delfraktur, eine L�sion der Halswirbels�ule, Rippenfrakturen und eine contusio cordis, mithin recht schwere physische Verletzungen, was sich genugtuungserh�hend auswirken kann. Das Obergericht hat im angefochtenen Entscheid hingegen darauf hingewiesen, dass die Kl�gerin weder schwere Eingriffe noch l�ngere Spitalaufenthalte erdulden musste und ihren Alltag ohne Unterbrechung wieder aufnehmen konnte. Angesichts dieser Unterschiede und des dem Sachgericht zustehenden breiten Ermessensspielraums erscheint die schliesslich zugesprochene Summe von Fr. 20'000.-- nicht als bundesrechtswidrig.
4.- Der Beklagte ersucht in der Berufungsantwort um Gew�hrung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters. Die Bed�rftigkeit des Beklagten ist aufgrund der Akten ohne weiteres ausgewiesen. Da sein Rechtsstandpunkt auch nicht aussichtslos erscheint, er vielmehr mit seinen Begehren teilweise durchdringt, ist dem Gesuch zu entsprechen.
5.- Nach dem Gesagten ist die Berufung teilweise gutzuheissen. Nachdem beiden Parteien die unentgeltliche Rechtspflege gew�hrt worden ist, sind keine Kosten zu erheben (Art. 152 Abs. 1 OG). Die Kl�gerin obsiegt in einem f�r das weitere Verfahren nicht unwichtigen Punkt, unterliegt jedoch mit ihrem zweiten Begehren auf Erh�hung der Genugtuungssumme. Unter diesen Umst�nden rechtfertigt es sich, die Parteikosten wettzuschlagen. Schliesslich sind die Akten zur Neuverlegung der Kosten des kantonalen Verfahrens an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
1.- In teilweiser Gutheissung der Berufung wird Dispositiv Ziffer 1 des Urteils des Obergerichts (2. Strafkammer) des Kantons Aargau vom 24. August 1999 aufgehoben und durch folgende Bestimmung ersetzt:
"1. In teilweiser Gutheissung der Zivilklage wird
der Angeklagte B.________ verpflichtet, der
Zivilkl�gerin A.________ als Genugtuung den
Betrag von Fr. 20'000.-- zuz�glich Zins von 5%
seit 4. Oktober 1995 zu bezahlen.
2. Es wird festgestellt, dass der Angeklagte gegen-
�ber der Zivilkl�gerin A.________ zu 100%
schadenersatzpflichtig ist. Die Beurteilung der
H�he der Schadenersatzforderung wird auf den
Zivilweg verwiesen."
2.- Dem Beklagten wir die unentgeltliche Rechtspflege gew�hrt und Rechtsanw�ltin Esther K�ng als Rechtsbeistand beigegeben.
4.- Rechtsanwalt Patrick Stutz wird aus der Bundesgerichtskasse ein Honorar von Fr. 3'000.-- ausgerichtet.
5.- Rechtsanw�ltin Esther K�ng wird aus der Bundesgerichtskasse ein Honorar von Fr. 3'000.-- ausgerichtet.
6.- Die Akten werden an das Obergericht (2. Strafkammer) des Kantons Aargau zur Neuverlegung der Kosten- und Entsch�digungsfolgen zur�ckgewiesen.
7.- Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau, 2. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.