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Timestamp: 2020-08-06 14:04:41
Document Index: 347624929

Matched Legal Cases: ['Art. 103', 'Art. 103', 'Art. 103', 'Art. 103', 'Art. 103', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 284', 'BGH', 'BGH']

Rechtliches Gehör - und der nicht berücksichtigte Beweisantrag | Rechtslupe
Rechtliches Gehör - und der nicht berücksichtigte Beweisantrag
Recht­li­ches Gehör – und der nicht berück­sich­tig­te Beweis­an­trag
Art. 103 Abs. 1 GG ver­pflich­tet das Gericht, die Aus­füh­run­gen der Pro­zess­be­tei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwä­gung zu zie­hen. Dabei soll das Gebot des recht­li­chen Gehörs als Pro­zess­grund­recht sicher­stel­len, dass die Ent­schei­dung frei von Ver­fah­rens­feh­lern ergeht, die ihren Grund in unter­las­se­ner Kennt­nis­nah­me und Nicht­be­rück­sich­ti­gung des Sach­vor­trags der Par­tei­en haben.
In die­sem Sin­ne gebie­tet Art. 103 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit den Grund­sät­zen der Zivil­pro­zess­ord­nung die Berück­sich­ti­gung erheb­li­cher Beweis­an­trä­ge. Zwar gewährt Art. 103 Abs. 1 GG kei­nen Schutz dage­gen, dass das Gericht das Vor­brin­gen der Betei­lig­ten aus Grün­den des for­mel­len oder mate­ri­el­len Rechts ganz oder teil­wei­se unbe­rück­sich­tigt lässt. Die Nicht­be­rück­sich­ti­gung eines erheb­li­chen Beweis­an­ge­bots ver­stößt aber – auch bei Kennt­nis­nah­me des Vor­brin­gens durch den Tatrich­ter [1] – dann gegen Art. 103 Abs. 1 GG, wenn sie im Pro­zess­recht kei­ne Stüt­ze mehr fin­det [2].
Das ist auch dann der Fall, wenn die Nicht­be­rück­sich­ti­gung des Beweis­an­ge­bots dar­auf beruht, dass das Gericht ver­fah­rens­feh­ler­haft über­spann­te Anfor­de­run­gen an den Vor­trag einer Par­tei gestellt hat.
Es ver­schließt sich in einem sol­chen Fall der Erkennt­nis, dass eine Par­tei ihrer Dar­le­gungs­last schon dann genügt, wenn sie Tat­sa­chen vor­trägt, die in Ver­bin­dung mit einem Rechts­satz geeig­net sind, das gel­tend gemach­te Recht als in ihrer Per­son ent­stan­den erschei­nen zu las­sen. Eine sol­che nur schein­bar das Par­tei­vor­brin­gen wür­di­gen­de Ver­fah­rens­wei­se stellt sich als Wei­ge­rung des Beru­fungs­ge­richts dar, in der nach Art. 103 Abs. 1 GG gebo­te­nen Wei­se den Par­tei­vor­trag zur Kennt­nis zu neh­men und sich mit ihm inhalt­lich aus­ein­an­der­zu­set­zen; sie ist des­we­gen nicht anders zu behan­deln als ein kom­men­tar­lo­ses Über­ge­hen des Klä­ger­vor­trags [3].
Eine Par­tei ist nicht gehin­dert, ihr Vor­brin­gen im Lau­fe des Rechts­streits zu ändern, ins­be­son­de­re zu prä­zi­sie­ren, zu ergän­zen oder zu berich­ti­gen. Der Umstand, dass der Vor­trag zu dem eige­nen frü­he­ren Vor­trag in Wider­spruch steht, kann allen­falls im Rah­men der Beweis­wür­di­gung Beach­tung fin­den [4]. In der Nicht­er­he­bung des Bewei­ses liegt in die­sen Fäl­len eine vor­weg­ge­nom­me­ne Beweis­wür­di­gung, die im Pro­zess­recht kei­ne Stüt­ze fin­det und daher eine Gehörsver­let­zung begrün­det [5].
So lag es auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Der von den Klä­gern inso­weit zuletzt vor­ge­tra­ge­ne Sach­ver­halt ist klar und wider­spruchs­frei, wes­halb eine Beweis­auf­nah­me nicht mit die­sem Argu­ment hät­te abge­lehnt wer­den dür­fen [6].
Die Ableh­nung eines Beweis­an­trags wegen Unge­eig­net­heit des Beweis­mit­tels kommt nur dann in Betracht, wenn es völ­lig aus­ge­schlos­sen erscheint, dass das Beweis­mit­tel zu dem Beweis­the­ma sach­dien­li­che Erkennt­nis­se erbrin­gen kann [7].
Aller­dings genügt es, dass jeden­falls nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass sich das Gericht im Fal­le einer Beweis­auf­nah­me eine dahin­ge­hen­de Über­zeu­gung zu bil­den ver­mag [8].
vgl. BVerfG, NJW 2003, 1655; BGH, Beschlüs­se vom 07.12 2006 – IX ZR 173/​03, VersR 2007, 666 Rn. 9 mwN; vom 20.05.2015 – VII ZR 78/​13, BauR 2015, 1528 Rn. 7[↩]
vgl. BVerfG, NJW-RR 2001, 1006, 1007; NJW 2003, 1655; Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 12.05.2009 – VI ZR 275/​08, VersR 2009, 1137 Rn. 2 mwN; vom 13.01.2015 – VI ZR 551/​13, r+s 2015, 212 Rn. 3[↩]
BGH, Beschluss vom 22.06.2009 – II ZR 143/​08, NJW 2009, 2598 Rn. 2 mwN; Beschluss vom 06.02.2013 – I ZR 22/​12, TranspR 2013, 430 Rn. 10; Beschluss vom 16.04.2015 – IX ZR 195/​14, NJW-RR 2015, 829 Rn. 9[↩]
BGH, Urtei­le vom 01.07.1999 – VII ZR 202/​98, NJW-RR 2000, 208 mwN; vom 13.03.2012 – II ZR 50/​09, NJW-RR 2012, 728 Rn. 16[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 21.07.2011 – IV ZR 216/​09, VersR 2011, 1384 Rn. 6; vom 06.02.2013 – I ZR 22/​12, TranspR 2013, 430 Rn. 10 f.; vom 23.04.2015 – VII ZR 163/​14, BauR 2015, 1325 Rn.20; vom 20.05.2015 – VII ZB 53/​13, NJW 2015, 2424 Rn. 14 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 06.02.2013 – I ZR 22/​12, TranspR 2013, 430 Rn. 11; vom 20.05.2015 – VII ZB 53/​13, NJW 2015, 2424 Rn. 13 f.[↩]
BVerfG, NJW 1993, 254, 255; BGH, Urteil vom 23.10.2014 – III ZR 82/​13, VersR 2015, 187 Rn. 17 mwN; Beschluss vom 12.09.2012 – IV ZR 177/​11, NJW-RR 2013, 9 Rn. 14; Zöller/​Greger, ZPO, 31. Aufl., vor § 284 Rn. 10a; zum Sach­ver­stän­di­gen­be­weis auch BGH, Urteil vom 03.06.2008 – VI ZR 235/​07, VersR 2008, 1133 Rn. 16[↩]
vgl. BVerfG, NJW-RR 2001, 1006, 1007; BGH, Beschluss vom 21.03.2013 – V ZR 204/​12 10[↩]