Source: https://www.iww.de/astw/archiv/--20-estg--finanzinnovationen-in-der-jahresbescheinigung-sind-zu-ueberpruefen-f50510
Timestamp: 2020-07-08 10:12:23
Document Index: 336392513

Matched Legal Cases: ['§ 20', '§ 20', '§ 24', '§ 23', '§ 20', '§ 43', '§ 23']

| § 20 EStG - Finanzinnovationen in der Jahresbescheinigung sind zu überprüfen
Zu den Einnahmen gemäß § 20 Abs. 2 Nr. 4 EStG gehören auch Kurserträge aus dem Verkauf von Floatern, Zerobonds, Aktienanleihen, Garantiezertifikaten und anderen Kursdifferenzpapieren. Daher tauchen diese Vorgänge in der Jahresbescheinigung nach § 24c EStG unter der Rubrik Anlage KAP auf. Doch hierbei sind einige Besonderheiten zu beachten. Die Daten sollten nicht unbesehen in die Steuererklärung übernommen werden.
Als Kapitaleinnahme wird die Marktrendite ausgewiesen. Sie unterliegt auch dem Zinsabschlag. Zur Berechnung der Markrendite werden die Anschaffungskosten und das Veräußerungsentgelt gegenübergestellt. Dabei werden Kursschwankungen berücksichtigt, die dem Grunde nach nicht zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören. In einigen Fällen ist es aber günstiger, die rechnerisch auf die Besitzzeit entfallende Emissionsrendite zu berechnen. Das ist die bei Ausgabe der Papiere versprochene Rendite, die bei Einlösung mit Sicherheit erzielt werden kann. Kursschwankungen werden dabei nicht berücksichtigt. Der Anleger hat damit ein echtes Wahlrecht zwischen dem Ansatz der Marktrendite oder der Emissionsrendite.Die Emissionsrendite ist jedoch selbst zu berechnen und wird nur angesetzt, wenn der Anleger sie dem Finanzamt nachweist.
Bei der Besteuerung nach der Marktrendite werden Kursgewinne und -verluste als Einkünfte aus Kapitalvermögen besteuert. Bei der Besteuerung nach der Emissionsrendite unterliegen Kursgewinne und -verluste dagegen der Besteuerung nach § 23 EStG alsprivates Veräußerungsgeschäft. Da in der Jahresbescheinigung die Kursgewinne nur als Kapitaleinnahmen ausgewiesen werden, ist dieser Sonderaspekt in der Steuererklärung zu beachten.
Bei der Besteuerung nach § 20 EStG sind Verluste aus Finanzinnovationen als negative Einkünfte mit anderen Einkunftsarten verrechenbar. Da sie aber zuvor nicht in den Stückzinstopf geflossen sind und der Zinsabschlag damit nicht gemindert wurde, kann die Korrektur erst über die Veranlagung erfolgen. Hier ist zu kontrollieren, ob in den aufgelisteten Kapitaleinnahmen auch alle Verluste enthalten sind.
Wurde die depotführende Bank während der Besitzdauer von Finanzinnovationen gewechselt, beträgt der Zinsabschlag immer 30 v.H.des gesamten Verkaufspreises, auch wenn ein Verlustgeschäft realisiert wurde (§ 43a Abs. 2 EStG). Dies muss über die Steuererklärung korrigiert werden, indem die ursprünglichen Kaufbelege vorgelegt werden.
Bei Finanzinnovationen gilt nicht das nunmehr bei Verkäufen nach § 23 EStG angewendete FiFo-Verfahren (First-in-First-out), sondern das LiFo-Verfahren (Last-in-First-out). Hiernach gelten die Papiere als zuerst verkauft, die zuletzt erworben wurden. Ob und inwieweit die Banken dies berücksichtigen, ist zu überprüfen.
Bei Hochzins- oder Aktienanleihen kann der Emittent bei Fälligkeit anstelle der Rückzahlung des Nominalkapitals dem Inhaber der Anleihe eine festgelegte Anzahl von Aktien liefern. Die Anschaffungskosten der Aktie bestimmen sich nach dem Kurswert der Aktien im Zeitpunkt der Fälligkeit. Dagegen gilt als Anschaffungszeitpunkt nicht der Fälligkeitstermin, sondern der frühere Zeitpunkt, seit dem feststeht, dass es zur Lieferung von Aktien kommt. Wenn die Aktien nach Ablauf der Jahresfrist veräußert werden und die Bank aber ein Spekulationsgeschäft auflistet, ist das zu überprüfen.
Jahresbescheinigung: BMF 31.8.04, IV C 1 - S 2401 - 19/04, BStBl I 04, 854 und 23.11.04, IV C 1 - S 2401 - 33/04/IV C 3 - S 2256 - 265/04, DB 05, 18
Grundsätze Finanzinnovation: OFD Frankfurt 23.10.03, S 2252 A - 42 - St II 3.04, StEd 03, 756 und 25.10.05, S 2406 A - 1 - St II 1.04, DB 05,2608
Emissionsrendite: BMF 24.1.85, IV B 4 - S 2252 - 4/85, BStBl I 85, 77 und 1.3.91, IV B 4 - S 2252 - 12/91, BStBl I 91, 422
Lifo-Verfahren: BMF 2.3.01, IV C 1 - S 2204 - 2/01, DStR 01, 1161, DB 01, 1587
Aktienanleihe: BMF 25.10.04, IV C 3 - S 2256 - 238/04, Tz. 11, DB 04, 2393, BStBl I 04, 1034, DStR 04, 2009, FR 04, 1344
Quelle: Ausgabe 03 / 2006 | Seite 175 | ID 114132
23.04.2008 ·
OFD Rheinland - Verluste aus Aktienanleihen sind keine negativen Kapitaleinnahmen