Source: https://www.strafverteidiger-hamburg.com/rechtsanwalt/raub/
Timestamp: 2020-07-05 06:13:36
Document Index: 280665078

Matched Legal Cases: ['§ 249', '§ 249', '§ 242', '§ 240', '§ 90', '§ 240', '§ 249', '§ 249']

Raub Archive - LAUDON || SCHNEIDER Strafverteidigung
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Sie haben von der Polizei eine Vorladung als Beschuldigter erhalten, in der man Ihnen Raub gemäß § 249 StGB vorwirft?
Raub im Überblick
Der Grundtatbestand des Raubes ist in § 249 Abs. 1 StGB geregelt, der lautet:
„Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.“
Raub: Tatbestand
Der Raub setzt sich zusammen aus einem Diebstahl (§ 242 StGB) und einer Nötigung (§ 240 StGB), also einer Eigentumsverletzung durch die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache zwecks Eigentumsanmaßung unter der Anwendung eines Nötigungsmittels, also von Gewalt oder Drohung mit Gewalt.
Was ist eine Wegnahme und woraus setzt sich diese zusammen?
Wie bei jedem Diebstahl muss eine fremde bewegliche Sache weggenommen werden. Gemeint ist ein körperlicher Gegenstand (§ 90 BGB) der nicht im Alleineigentum des Täters steht und nicht herrenlos ist. Eine Sache ist dann beweglich, wenn sie tatsächlich fortgeschafft werden kann.
Wegnahme meint den Bruch fremden Gewahrsams und Begründung eines neuen, nicht notwendigerweise tätereigenen Gewahrsams. Unter Gewahrsam versteht man die tatsächliche Sachherrschaft über eine Sache, die von einem natürlichen Herrschaftswillen getragen wird. Dessen Bruch ist somit die Aufhebung der tatsächlichen Sachherrschaft gegen oder ohne den Willen des bisherigen Gewahrsamsinhabers. Die Begründung des neuen Gewahrsams geschieht, wenn der Täter die Sachherrschaft derart erlangt hat, dass der Ausübung keine wesentlichen Hindernisse entgegenstehen und der bisherige Gewahrsamsinhaber keine Einwirkungsmöglichkeit mehr hat.
Wann liegt ein Nötigungsmittel bei Raub vor?
Die Wegnahme muss unter Einsatz von Gewalt gegen eine Person oder unter Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben erfolgen. Bei Gewalt unterscheidet man zwischen vis absoluta (willensbrechende Gewalt) sowie vis compulsiva (willensbeugende Gewalt). Gewalt bedeutet nicht unbedingt einen besonderen Kraftaufwand. Maßgeblich ist, dass es beim Opfer zu einer Zwangswirkung kommt, die körperlich wirkt.
Drohung meint das in Aussichtsstellen eines künftigen Übels, auf das der Drohende Einfluss zu haben vorgibt. Im Gegensatz zu § 240 StGB muss das Übel beim Raub eine gegenwertige Gefahr für Leib oder Leben sein. Eine Gefahr für Leib oder Leben liegt vor, wenn der Schaden eine nicht ganz unerhebliche Körperverletzung darstellen würde oder gar den Tod.
Außerdem ist der Versuch des Raubes immer strafbar. Da der Raub gemäß § 249 StGB ein sogenanntes zweiaktiges Delikt darstellt, ist bei einem vollendeten Raub auch immer ein Diebstahl und eine Nötigung gleich mitverwirklicht.
Raub: Subjektiver Tatbestand
Der Täter muss vorsätzlich, also mit dem Willen und in dem Wissen gehandelt haben, den objektiven Tatbestand zu erfüllen. Wie auch beim Diebstahl muss der Täter mit Zueignungsabsicht gehandelt haben. Diese besteht aus der Aneignungsabsicht und dem Enteignungsvorsatz. Aneignungsabsicht meint die Absicht, sich die Sache zumindest vorübergehend zuzueignen; somit ist dolus directus 1. Grades erforderlich. Für den Enteignungsvorsatz, eine dauerhafte Verdrängung des Eigentümers, ist dolus eventualis (bedingter Vorsatz) ausreichend.
Darüber hinaus muss die Tat rechtswidrig sowie der Täter schuldhaft gehandelt haben. Der Raub gemäß § 249 StGB verdrängt stets die mitverwirklichte Nötigung sowie den Diebstahl.
Der Raub ist ein Verbrechen und wird mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bestraft. Je nachdem, ob dem Täter eine positive Sozialprognose zu stellen ist, kann die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Jedenfalls bei einem Ersttäter wird dies regelmäßig der Fall sein.
Der Raub, unter Jugendlichen oftmals verharmlosend als „Abziehen“ bezeichnet, zählt außerdem zu den jugendtypischen Straftaten.
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