Source: http://strafrecht-online.org/problemfelder/bt/223/konkurrenz/verh-211-ff/
Timestamp: 2020-08-05 18:58:56
Document Index: 281226411

Matched Legal Cases: ['§ 21', 'BGH', '§ 211', 'BGH', '§ 212', '§ 227', 'BGH', '§ 227', '§ 227', '§ 222', 'BGH', '§ 227', '§ 212', '§ 227', 'BGH', 'BGH', '§ 212', '§ 211', '§ 222', '§ 229', '§ 8', 'BGH', '§ 211']

Verhältnis zu den Tötungsdelikten
Tötungsdelikte; Verletzungsdelikte; Mord; Totschlag; Körperverletzung; Konkurrenzen
Nach der sogenannten Einheitstheorie (Rengier Strafrecht BT II, 18. Aufl. 2017, § 21 Rn. 3) ist eine Körperverletzung objektiv und subjektiv in jeder Tötung als Durchgangsstadium enthalten (BGHSt 16, 132; Fischer StGB, 65. Aufl. 2018, § 211 Rn. 107). Dabei tritt die Körperverletzung aufgrund Subsidiarität zurück, denn es besteht Gesetzeseinheit, wobei die schwerste Begehungsform Vorrang hat (BGH NJW 1967, 297). Zu diesem allgemeinen Grundsatz gibt es aber auch Ausnahmen:
I. Konkurrenz von Totschlag durch Unterlassen (§§ 212, 13)
Eine Idealkonkurrenz besteht zwischen einem Totschlag durch Unterlassen und einer vorausgegangenen Körperverletzung mit Todesfolge gem. § 227 (BGH NStZ 2000, 29).
II. Konkurrenzen von Körperverletzung mit Todesfolge (§ 227)
1. § 227 geht der fahrlässigen Tötung gem. § 222 als lex specialis vor (BGHSt 8, 54; Wessels/Hettinger Strafrecht BT I, 40. Aufl. 2016, Rn. 320).
2. Liegt bei der Körperverletzung Tötungsvorsatz vor, wobei dolus eventualis ausreicht, so wird § 227 durch §§ 212, 211 verdrängt (Münchener Kommentar StGB/Hardtung, 3. Aufl. 2017, § 227 Rn. 26).
III. Konkurrenzen beim Versuch
Eine mit einem versuchten Tötungsdelikt zusammentreffende vorsätzliche Körperverletzung tritt nicht zurück, sie stehen zueinander in Tateinheit (BGHSt 44, 196). So wird gezeigt, dass das Opfer durch Tötungsversuch immerhin verletzt wurde (und nicht etwa völlig verfehlt wurde). Nur ein Verurteilung wegen versuchten Tötungsdelikt würde den Unrechtsgehalt der Tat nicht hinreichend zum Ausdruck bringen, wenn das Opfer bei der Tat verletzt wird (BGH 44, 19; Fischer StGB, § 212 Rn. 22).
IV. Konkurrenzen bei einem Fahrlässigkeitsdelikt
Fehlt bei einer Tötung der Vorsatz oder ist dieser nicht beweisbar, ist eine Strafbarkeit nach §§ 211 ff. nicht möglich. Es kann aber eine fahrlässige Körperverletzung übrig bleiben, zum Beispiel eine fahrlässige Tötung gem. § 222 oder eine fahrlässige Körperverletzung gem. § 229 (Maurach/Schroeder/Maiwald Strafrecht BT I, 10. Aufl. 2009, § 8 Rn. 41).
V. Konkurrenzen bei einer Vorsatzentwicklung
Tateinheit ist auch dann gegeben, wenn der Täter bei einer natürlicher Handlungseinheit erst den einen und dann den anderen Vorsatz hat (BGHSt 35, 306; Fischer StGB, § 211 Rn. 107).