Source: http://de.slideshare.net/BernetMark/4-bericht-schutz-ethnischer-minderheiten-in-dld
Timestamp: 2016-10-01 12:09:48
Document Index: 81693561

Matched Legal Cases: ['Art. 25', 'Art. 25', '§ 12', '§\n12', 'Art. 7', 'Art. 12', '§ 23', '§ 46', '§ 211', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 185', '§ 130', 'Art. 5', '§ 130', '§ 130', 'Art. 3', 'Art. 84', '§ 12', '§ 2']

4. Bericht: Schutz von Minderheiten in Dld.
Failingforward 110625214443-phpapp02
by nerievillasislopez
Historically african american leisu...
Computational statistics handbook w...
Horticulture as therapy principles ...
Silicon on insulator technology mat...
by Britt Donckers
Bericht von 2014.
"Die Bundesrepublik Deutschland versteht sich als ein weltoffenes und tolerantes Land in der Mitte Europas. Seine Geschichte und Rechtsordnung, aber gerade auch das Selbstverständnis einer modernen und international vernetzten Gesellschaft veranlassen Deutschland dazu, der Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und verwandten Formen der Intoleranz prioritäre Beachtung zu schenken. Über dieses Ziel besteht in Deutschland ein umfassender gesellschaftlicher und politischer Konsens. Die Bundesregierung ist sich gleichwohl bewusst, dass rassistische Vorurteile, Einstellungen und Handlungen nach wie vor in unterschiedlichem Ausmaß in Teilen der Gesellschaft existieren und es einer nachhaltigen und differenzierten Politik bedarf, um diesem Problem langfristig entgegenzuwirken."
+BMI
gemäß Artikel 25 Absatz 2
des Rahmenübereinkommens des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten
A. Einleitung............................................................................................................. 5
B. Begleitende Maßnahmen .................................................................................... 6
C. Empfehlungen des Ministerkomitees................................................................... 7
I. Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (Empfehlung 1) ....................... 7
II. Bekämpfung von Rassismus (Empfehlung 2).......................................10
III. Situation deutscher Sinti und Roma (Empfehlung 3)............................25
IV. Statistische Daten (Empfehlung 4) .......................................................35
V. Erweiterung des Anwendungsbereichs (Empfehlung 5).......................35
VI. Bewahrung des kulturellen Erbes (Empfehlung 6) ...............................36
VII. Kompetenzverteilung (Empfehlung 7) ..................................................37
VIII. Braunkohleförderung (Empfehlung 8)...................................................39
IX. Aufklärung der Öffentlichkeit (Empfehlung 9).......................................40
X. Minderheitensprachen in den Medien (Empfehlung 10) .......................45
XI. Namensrecht (Empfehlung 11).............................................................48
XII. Minderheitensprachen im öffentlichen Leben (Empfehlung 12)............50
XIII. Bildungswesen (Empfehlung 13)..........................................................53
XIV. Beteiligung an öffentlichen Angelegenheiten (Empfehlung 14) ............57
D. Empfehlungen des Beratenden Ausschusses....................................................61
I. Artikel 3 ................................................................................................61
Geltungsbereich des Rahmenübereinkommens......................................61
II. Artikel 4 ................................................................................................63
Bekämpfung der Diskriminierung.............................................................63
Erhebung ethnischer Daten .....................................................................64
Datenerhebung durch die Polizei.............................................................64
III. Artikel 5 ................................................................................................64
Unterstützung bei der Bewahrung und Entwicklung der Sprache und
Kultur nationaler Minderheiten.................................................................64
Institutioneller Rahmen für die Förderung nationaler Minderheiten .........65
Auswirkungen der Braunkohleförderung auf die Bewahrung der
sorbischen Sprache und Kultur................................................................66
IV. Artikel 6 ................................................................................................66
Förderung von Toleranz und interkulturellem Dialog ...............................66
Bekämpfung von Rassismus ...................................................................66
Die Medien und der Kampf gegen Rassismus.........................................67
V. Artikel 9 ................................................................................................68
Zugang der Angehörigen der dänischen Minderheit zu Medien ..............68
Zugang der Angehörigen der friesischen Minderheit zu Medien..............69
Vertretung der Minderheiten in Regulierungsgremien .............................70
VI. Artikel 10 ..............................................................................................71
Verwendung des Sorbischen im Verkehr mit kommunalen
Verwaltungsbehörden..............................................................................71
Verwendung des Dänischen im Verkehr mit kommunalen
Verwendung des Friesischen im Verkehr mit kommunalen
Verwaltungsbehörden..............................................................................72
VII. Artikel 11 ..............................................................................................72
Nachnamen in Minderheitensprachen .....................................................72
Zweisprachige Ortstafeln und Schilder ....................................................72
VIII. Artikel 12 ..............................................................................................73
Sinti und Roma im Bildungssystem .........................................................73
Lehrerausbildung und Lehrpläne .............................................................76
IX. Artikel 13 ..............................................................................................81
Schulnetzwerk der dänischen Minderheit ................................................81
X. Artikel 14 ..............................................................................................83
Sorbischunterricht....................................................................................83
Friesischunterricht ...................................................................................84
Romanesunterricht ..................................................................................86
XI. Artikel 15 ..............................................................................................88
Teilhabe der Sinti und Roma am sozialen und wirtschaftlichen Leben....88
Konsultationen nationaler Minderheiten auf Bundesebene......................88
Teilhabe der Angehörigen der friesischen Minderheit auf regionaler und
kommunaler Ebene..................................................................................89
XII. Artikel 18 ..............................................................................................89
Zusammenarbeit mit Nachbarländern......................................................89
E. Stellungnahmen der Verbände...........................................................................91
F. Schlussbemerkungen.......................................................................................118
Der Vierte Bericht der Bundesrepublik Deutschland gemäß Art. 25 Abs. 2 des Rahmen-
übereinkommens des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten (Rahmenüber-
einkommen) wurde erstellt durch das Bundesministerium des Innern in Zusammenarbeit
mit anderen Bundeseinrichtungen sowie den zuständigen Behörden der Länder und un-
ter Beteiligung der Verbände der durch das Rahmenübereinkommen geschützten natio-
nalen Minderheiten. Die Verbände erhielten Gelegenheit, ihre Sichtweise zum Stand der
Implementierung des Rahmenübereinkommens in der Bundesrepublik Deutschland, die
sich nicht mit derjenigen der Behörden decken muss, darzulegen. Die jeweiligen schrift-
lichen Stellungnahmen sind unter Kapitel E. des vorliegenden Berichts wiedergegeben.
Der Bericht bezieht sich auf den Zeitraum zwischen Februar 2009 und Dezember 2013.
Die drei diesem Bericht vorausgegangenen Berichte der Bundesrepublik Deutschland
gemäß Art. 25 Abs. 2 des Rahmenübereinkommens sind ebenso wie die darauffolgen-
den Stellungnahmen des Beratenden Ausschusses sowie die Erwiderungen der Bun-
desregierung in deutscher und englischer Sprache auf den Internetseiten des Europara-
tes abrufbar.
B. Begleitende Maßnahmen
Um die Minderheiten und ihre Sprachen einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen, hat
das Bundesministerium des Innern im Jahr 2013 eine neue Broschüre zu den Minderhei-
ten und ihren Sprachen aufgelegt. Eine elektronische Version der Broschüre ist bereits
seit Dezember 2012 auf der Internetseite des Ministeriums abrufbar. Die Druckversion
steht seit Februar 2013 zur Verfügung.
In der Europawoche Anfang Mai jeden Jahres nimmt im Land Schleswig-Holstein die
Beauftragte des Ministerpräsidenten in Angelegenheiten nationaler Minderheiten und
Volksgruppen, Grenzlandarbeit und Niederdeutsch an Veranstaltungen teil, in denen
minderheitenpolitische Zusammenhänge sowie das Zusammenspiel der minderheiten-
politischen Konventionen und Gesetze auf europäischer, Bundes- und Landesebene er-
örtert werden. Des Weiteren informiert sie Studierende, Stipendiatengruppen und Nach-
wuchskräfte der Polizei sowie der Verwaltungswissenschaften über die Minderheitenpo-
litik des Landes.
Das Land Schleswig-Holstein weist außerdem auf eine mit internationalen Experten be-
setzte öffentliche Konferenz sowie einen Experten-Workshop hin, die das European
Centre for Minority Issues (ECMI) am 5. und 6. Juli 2013 in Flensburg unter dem Titel
„Shaping the Frame across the Cycles“ organisiert hat. Im Mittelpunkt der Tagung stan-
den wissenschaftliche und praktische Aspekte des Berichtswesens für das Rahmen-
Um den künftigen Sorbisch/Wendisch-Unterricht, inkl. des bilingualen Unterrichts, im
Land Brandenburg optimal gestalten zu können, ist beabsichtigt, den Sor-
bisch/Wendisch-Unterricht sowie den bilingualen Unterricht in der Grundschule wissen-
schaftlich auswerten zu lassen. Die Unterrichtsangebote und Rahmensetzungen können
dann auf Grundlage der Ergebnisse ggf. weiterentwickelt werden. Von der beabsichtig-
ten Evaluation und Weiterentwicklung der sorbischen/wendischen Bildungsangebote
wird im Ergebnis auch eine breitere öffentliche Wahrnehmung erwartet.
Die vom Landtag beabsichtigte Novellierung des Gesetzes zur Änderung von Rechts-
vorschriften über die Rechte der Sorben/Wenden im Land Brandenburg wird die sorbi-
sche/wendische Minderheit und ihre Sprache ebenfalls der Öffentlichkeit näher bringen.
C. Empfehlungen des Ministerkomitees
In Reaktion auf den Dritten Bericht der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 25
Absatz 2 des Rahmenübereinkommens sowie auf Grundlage des Berichts des Beraten-
den Ausschusses für das Rahmenübereinkommen aus dem Jahr 2010 erließ das Minis-
terkomitee des Europarats am 15. Juni 2011 die Resolution CM/Res CMN (2011)10. Zu
den dort niedergelegten Empfehlungen wird wie folgt Stellung genommen:
I. Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (Empfehlung 1)
Das Ministerkomitee empfahl den deutschen Behörden, die Öffentlichkeit verstärkt über
das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) aufzuklären und sicherzustellen, dass
die Einhaltung des Gesetzes regelmäßig überprüft wird. Außerdem sollten zusätzliche
Maßnahmen ergriffen werden, um Personen, die besonders von Diskriminierung betrof-
fen sind, umfassender über die ihnen zur Verfügung stehenden Rechtsmittel zu informie-
ren. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes könne in dem Zusammenhang mögliche
Opfer lediglich beraten, nicht aber selbst Verfahren einleiten oder Informationen zu Ein-
zelfällen zusammentragen. Zudem bemängelt das Komitee, die Antidiskriminierungsstel-
le habe keine regionalen oder lokalen Zweigstellen und müsse stets mit ausreichenden
Mitteln ausgestattet sein.
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) begrüßt die Forderungen des Minister-
komitees nach einer Erweiterung ihrer Befugnisse sowie einer Ausstattung mit ausrei-
chenden finanziellen Mitteln.
In den Jahren 2013 und 2014 führt die ADS eine Studie zum Thema „Bevölkerungsein-
stellungen gegenüber Sinti und Roma“1
durch. Beauftragt wurden das Zentrum für Anti-
semitismusforschung der Technischen Universität Berlin sowie das Institut für Vorurteils-
und Konfliktforschung. Für das Jahr 2014 plant die ADS ein Themenjahr gegen rassisti-
sche Diskriminierung und Benachteiligungen wegen der ethnischen Herkunft. Mit diesem
Projekt möchte die Stelle möglichst breite Kreise der Bevölkerung, insbesondere Vertre-
terinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie betroffene Bürge-
rinnen und Bürger, auf entsprechende Benachteiligungen hinweisen und Handlungs-
möglichkeiten zum Abbau von Diskriminierungen sowie zur Verbesserung des Diskrimi-
nierungsschutzes aufzeigen. Darüber hinaus bietet die ADS Publikationen zum AGG
Hinweis: Sinti und Roma nehmen sich nicht als eine, sondern als zwei Ethnien wahr.
und zu ihrer Arbeit in verschiedenen Sprachen sowie ein mehrsprachiges Internetange-
bot an. Im Rahmen des Themenjahres ist auch die Veröffentlichung der Studie zum
Thema „Bevölkerungseinstellungen gegenüber Sinti und Roma“ geplant.
Um betroffenen Menschen – gerade auch vor Ort – die bestmögliche Beratung und Un-
terstützung zu ermöglichen, hat die ADS in der vergangenen Legislaturperiode im Rah-
men des Projektes „Netzwerke gegen Diskriminierung“ die Bildung von zehn Beratungs-
Netzwerken in neun Bundesländern gefördert.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizei in der Freien und Hansestadt Hamburg
orientieren sich im Rahmen ihrer täglichen Dienstausübung an den Inhalten des AGG
und fühlen sich den darin enthaltenen Grundsätzen verpflichtet. Das AGG ist der Poli-
zeidienstvorschrift beigefügt und steht dort für jede Polizeibedienstete und jeden Polizei-
bediensteten zur vertiefenden Einsicht bzw. als Download zur Verfügung. Ferner setzen
sich die Auszubildenden während des ersten Ausbildungsjahres mit dem Gleichbehand-
lungsgesetz auseinander. Dies geschieht im Rahmen eines Vortrages mit anschließen-
der Nachbereitung im Unterricht durch die Gleichstellungsbeauftragte der Hamburger
Sofern Diskriminierungen strafrechtliche Relevanz erlangen, erfolgt im Zuge der sich an-
schließenden polizeilichen Maßnahmen, überwiegend bereits bei Anzeigenaufnahme,
eine regelhafte, sowohl mündliche als auch schriftliche Information der bzw. des Ge-
schädigten über die zur Verfügung stehenden Rechtsmittel in Strafverfahren und zwar
u.a. in Form der obligatorischen Aushändigung eines in 22 Sprachen übersetzten Merk-
blatts über die Rechte von Verletzten und Geschädigten im Strafverfahren.
Im Land Baden-Württemberg dient das Ministerium für Integration als Anlaufstelle für
Menschen, die wegen ihrer ethnischen Herkunft diskriminiert werden. Es informiert die
Betroffenen über ihre Rechte aus dem AGG sowie die bestehenden Rechtsschutzmög-
lichkeiten und Fristen. Des Weiteren ist geplant, ein Antidiskriminierungsnetzwerk auf-
zubauen, um bereits vorhandene Initiativen zu vernetzen.
In Baden-Württemberg steht außerdem der Verband Deutscher Sinti und Roma, Lan-
desverband Baden-Württemberg e.V., der durch das Land gefördert wird, als Anlaufstel-
le für Betroffene der nationalen Minderheit von Sinti und Roma, die wegen ihrer ethni-
schen Herkunft diskriminiert werden, zur Verfügung.
Das Land Rheinland-Pfalz hat Anfang des Jahres 2012 die Antidiskriminierungsstelle
Rheinland-Pfalz eingerichtet. Diese hat die Aufgabe, die Maßnahmen und Projekte der
Ressorts der Landesregierung zu koordinieren und zu bündeln, die nach dem merkmal-
übergreifenden Ansatz des AGG durchgeführt werden und der Bekämpfung von Diskri-
minierung aufgrund der im AGG genannten Gründe sowie der positiven Gestaltung von
Vielfalt dienen. Darüber hinaus hat die Antidiskriminierungsstelle Rheinland-Pfalz den
Auftrag, die Arbeit des Netzwerks „Diskriminierungsfreies Rheinland-Pfalz“ zu unterstüt-
zen und zu fördern. Sie setzt dabei auf die gemeinsame Aufklärungs- und Informations-
arbeit für (potenziell) von Diskriminierung Betroffene, die Weiterleitungsberatung für Dis-
kriminierungsopfer sowie die Beratung der Beratenden. Im Netzwerk arbeiten die beiden
in Rheinland-Pfalz tätigen Interessenvertretungen der Sinti und Roma, der Verband der
Deutschen Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. sowie die Sinti Union
Rheinland-Pfalz e.V. von Beginn an mit. Eine interministerielle Arbeitsgruppe der Lan-
desregierung unter Federführung der Antidiskriminierungsstelle erarbeitet Konzepte für
die positive Gestaltung von Vielfalt. Die Öffentlichkeitsarbeit wird unter anderem durch
die neu eingerichtete Homepage www.antidiskriminierungsstelle.rlp.de unterstützt.
Im Geschäftsbereich des niedersächsischen Justizministeriums sind die folgenden
Maßnahmen zum Schutz vor Benachteiligungen einschließlich vorbeugender Maßnah-
men im Sinne von § 12 Abs. 1 und 2 AGG ergriffen worden: Quittierte Aushändigung ei-
nes Merkblatts für Beschäftigte und Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber sowie
Aushänge am Schwarzen Brett und Informationsweitergabe in Personalversammlungen;
Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen zum Thema AGG durch das Studien-
institut des Landes Niedersachsen; Aufnahme des AGG in die Ausbildungsgänge der
Justiz. Die Bekanntmachung des Gesetzes und der zuständigen Beschwerdestellen (§
12 Abs. 5 AGG) erfolgt durch Aushang, Auslegung oder den Einsatz der üblichen Infor-
mations- und Kommunikationstechnik, z.B. in Form der elektronischen Versendung aller
Unterlagen einschließlich der Merkblätter bei Bedarf. Ansprüche, die auf das AGG ge-
stützt werden, können gerichtlich geltend gemacht werden; die Anzahl dieser Gerichts-
verfahren wird statistisch nicht erfasst. Das niedersächsische Justizministerium hat aus
der Gerichtspraxis keinen Hinweis auf ein Informationsdefizit zum AGG.
Darüber hinaus ist das Land Niedersachsen im August 2013 der „Koalition gegen Dis-
kriminierung“ beigetreten und hat in einem Festakt den Vertrag mit der Antidiskriminie-
rungsstelle des Bundes unterzeichnet. Die Öffentlichkeit wurde über das Bekenntnis der
Landesregierung zu einer offensiven Antidiskriminierungspolitik informiert. Es ist ferner
beabsichtigt, den Internetauftritt zur Antidiskriminierung auf längere Sicht zu überarbei-
ten, um der Öffentlichkeit mehr Informationen über Maßnahmen gegen Diskriminierung
zu geben. In Niedersachsen bestehen Netzwerke und Anlaufstellen zur Bekämpfung der
Diskriminierung, etwa das „Antidiskriminierungsnetzwerk Niedersachsen“ (Teilprojektlei-
tung: IBIS Interkulturelle Arbeitsstelle für Forschung, Dokumentation, Bildung und Bera-
tung e.V., Oldenburg).
Die Koalitionsvereinbarung der die Regierung tragenden Parteien sieht vor, auf Landes-
ebene ein eigenes Antidiskriminierungsgesetz zu schaffen und mit einem Modellprojekt
zur anonymisierten Bewerbung zu beginnen. Erste Besprechungen für einen solchen
Modellversuch wird das niedersächsische Innenministerium in Kürze durchführen.
Das Land finanziert außerdem seit 1983 im Wege der institutionellen Förderung die
„Niedersächsische Beratungsstelle für Sinti und Roma e.V.“, derzeit in Höhe von jährlich
220.000 €. Ziel ist die soziale und gesellschaftliche Integration der Sinti und Roma sowie
die Unterstützung in Entschädigungsangelegenheiten für im Nationalsozialismus erlitte-
nes Unrecht. Die Beratungsstelle setzt sich zudem für die Implementierung und Umset-
zung des Rahmenübereinkommens des Europarates zum Schutz nationaler Minderhei-
ten ein. Zu den Aufgaben der Beratungsstelle gehört es insoweit, Diskriminierungen und
Vorbehalten entgegenzuwirken, besonders in der Medienberichterstattung, in Schulen
(z.B. in Form von Hilfen bei vorschneller Überweisung von Kindern an Förderschulen)
und auf dem Wohnungsmarkt.
Die hessische Landesregierung und der Landesverband Hessen des Verbandes Deut-
scher Sinti und Roma beabsichtigen den Abschluss einer Rahmenvereinbarung, mit der
die Vertragsparteien darauf hinwirken möchten, dass jeglichen Diskriminierungen und
Ausgrenzungen wirksam begegnet werden kann.
Im Januar 2013 hat die Antidiskriminierungsstelle des Landes Schleswig-Holstein, die
beim Landtag angesiedelt ist, ihre Arbeit aufgenommen. Zu ihren Aufgaben gehört die
Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung für Diskriminierung in der Ge-
sellschaft sowie deren Prävention. Als direkte Anlaufstelle soll sie die Hilfesuchenden
über die einschlägigen gesetzlichen Regelungen aufklären und weitergehende Beratung
vermitteln. Die Aufgabe wurde der Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten über-
II. Bekämpfung von Rassismus (Empfehlung 2)
Das Ministerkomitee empfahl den deutschen Behörden des Weiteren, Rassismus in sei-
nen vielfältigen Ausprägungen entschieden zu bekämpfen, gezielt Maßnahmen gegen
die Verbreitung von Vorurteilen und rassistischer Sprache in bestimmten Medien, im In-
ternet und in Sportstätten zu treffen sowie ein Gesetz zu verabschieden, das rassisti-
sche Motive ausdrücklich als erschwerenden Umstand einer Straftat hervorhebt.
Die Bundesrepublik Deutschland versteht sich als ein weltoffenes und tolerantes Land in
der Mitte Europas. Seine Geschichte und Rechtsordnung, aber gerade auch das Selbst-
verständnis einer modernen und international vernetzten Gesellschaft veranlassen
Deutschland dazu, der Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und verwand-
ten Formen der Intoleranz prioritäre Beachtung zu schenken. Über dieses Ziel besteht in
Deutschland ein umfassender gesellschaftlicher und politischer Konsens. Die Bundesre-
gierung ist sich gleichwohl bewusst, dass rassistische Vorurteile, Einstellungen und
Handlungen nach wie vor in unterschiedlichem Ausmaß in Teilen der Gesellschaft exis-
tieren und es einer nachhaltigen und differenzierten Politik bedarf, um diesem Problem
langfristig entgegenzuwirken.
Hierzu verfolgt die Bundesregierung einen ganzheitlichen Ansatz zur Bekämpfung von
Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus, der darauf abzielt, alle
gesellschaftlichen Ebenen zu erreichen und dabei sowohl präventive als auch repressive
Maßnahmen umfasst. Die Prävention betrifft alle Bereiche der Gesellschaft und beginnt
bereits im Kindesalter. Zu diesem Ansatz zählen auch die Beobachtung extremistischer
Organisationen durch die Verfassungsschutzbehörden sowie die Initiierung von
Aussteigerprogrammen für die rechtsextreme Szene.
In ihrer Präventionsarbeit setzt die Bundesregierung auf Programme und Maßnahmen
der politischen Bildung, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern und erhalten.
Die wichtigsten Elemente dieses Politikansatzes der Bundesregierung bilden:
- Das Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“, das am 3. September 2010
gestartet ist, wurde bis zum Jahr 2016 verlängert und umfasst ein Fördervolumen von
jährlich 6 Mio. €. Initiator ist das Bundesministerium des Innern. Gefördert werden
Projekte für demokratische Teilhabe und gegen Extremismus/Rassismus in Ost-
deutschland sowie die Ausbildung von Demokratietrainern in ausgewählten Lan-
dessportbünden und Feuerwehrverbänden in Westdeutschland.
Dabei verfolgte Ziele sind die Umsetzung eines integrativen und ganzheitlichen För-
deransatzes für demokratische Teilhabe in Vereinen, Verbänden und Kommunen.
Das Programm soll vor allem im Vorfeld möglicher extremistischer Gefährdungen wir-
ken und somit grundlegende Bedingungen für ein gleichwertiges und gewaltfreies Zu-
sammenleben stärken.
- Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) engagiert sich dauerhaft mit ver-
schiedenen Maßnahmen politischer Bildung insbesondere in der Extremismuspräven-
tion. Die Angebote reichen von Publikationen und Online-Dossiers über präventiv
wirkende Projektförderungen von Modellvorhaben bis hin zu Handreichungen und
Netzwerken für Multiplikatoren. Sie schließen die Arbeit mit rechtsextrem gefährdeten
Jugendlichen ebenso ein wie die Trägerförderung in diesem Themenschwerpunkt.
Die Tätigkeit der BpB zielt im Wesentlichen darauf ab, der Entstehung bzw. Verfesti-
gung von rechtsextremen und rassistischen Einstellungen und Strukturen durch poli-
tische Bildungsarbeit entgegenzuwirken. Im Mittelpunkt der Arbeit steht es, extremis-
tischen, rassistischen und ausgrenzenden Einstellungen und Parolen bereits im Vor-
feld den „Nährboden“ zu entziehen und der Zivilgesellschaft konkrete Hilfestellungen
zu geben, um das Rüstzeug für die argumentative Auseinandersetzung mit rechtsext-
remen Einstellungen zu erweitern.
Um diese Arbeit noch stärker als bisher zu unterstützen sind der BpB von 2013 bis
2016 zusätzliche Mittel in Höhe von jährlich 2 Mio. € zur Verfügung gestellt worden.
Diese Mittel sollen es der Bundeszentrale ermöglichen, ihre Schwerpunkte im Bereich
der präventiven Bildungsarbeit gegen Rechtsextremismus weiter zu entwickeln sowie
die Arbeit der freien Träger in diesem Themenfeld zu stärken.
- Das „Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt“ (Initia-
toren: Bundesministerien des Innern und der Justiz) wendet sich seit seiner Grün-
dung im Jahr 2000 gegen jedwede Form des politisch motivierten Extremismus und
Rassismus und unterstützt das zivilgesellschaftliche Engagement in diesem Bereich
mit einem Gesamtvolumen von jährlich 1 Mio €.
- Die Bundesprogramme anderer Ressorts (Bundesministerien für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend sowie für Arbeit und Soziales) fokussieren in unterschiedlichem
Maße auf die direkte Bekämpfung des Rechtsextremismus. So dienen das Bundes-
programm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ (mit 24 Mio. € p.a.) sowie das
„Xenos-Sonderprogramm Ausstieg zum Einstieg“ (mit ca. 1,5 Mio. € p.a.) ausdrück-
lich der Bekämpfung des Rechtsextremismus. Das Bundesprogramm „Toleranz för-
dern – Kompetenz stärken“ setzt vor allem auf die Ziele der Entwicklung von demo-
kratischem Verhalten und zivilem Engagement, Toleranz und Weltoffenheit, der Be-
kämpfung jeglicher Form von Extremismus, insbesondere Rechtsextremismus, Ras-
sismus und Antisemitismus.
- Das Bundesprogramm „Xenos – Integration und Vielfalt“ (Initiator: Bundesministerium
für Arbeit und Soziales) mit seiner ersten Förderrunde bis zum 31.12.2012 und einem
Fördervolumen von 132 Mio. € sowie der zweiten Förderrunde bis zum 31.12.2014
und einem Fördervolumen von rund 102 Mio. € verfolgt andere Ziele: Der Schwer-
punkt des Programms liegt auf der Förderung präventiver Maßnahmen gegen Aus-
grenzung und Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft. Im
Rahmen von XENOS soll gezielt Diskriminierungen entgegengewirkt werden, die die
Chancengleichheit unterschiedlicher Gruppen im Zugang zu Ausbildung und Be-
schäftigung beeinträchtigen. Darüber hinaus bestehen ressortübergreifende Maß-
nahmen zur Koordinierung und Darstellung der Bundesprogramme, so etwa die
Homepage "Wir für Demokratie".
- Das BIKnetz-Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus ist am 04. Januar 2013 als
bundesweites Informations- und Kompetenznetz gegen Rechtsextremismus mit einer
onlinebasierten Datenbank und einem Servicetelefon gestartet. Die Aufbauphase des
BIKnetzes bis Ende 2014 wird mit zwei Millionen Euro durch das Bundesministerium
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
- Der im "Europäischen Jahr gegen Rassismus" 1997 aufgenommene Dialog zwischen
staatlichen Stellen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wird im nationalen
deutschen Folgegremium "Forum gegen Rassismus" (Initiator: Bundesministerium
des Innern) fortgesetzt und weiterentwickelt. Im März 1998 hat sich dieses Gremium
konstituiert und umfasst rund 80 Organisationen, darunter rund 55 bundesweit bzw.
überregional tätige Nichtregierungsorganisationen, die sich für die Überwindung von
Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt einsetzen. Das Forum gegen Rassis-
mus tagt in der Regel zweimal pro Jahr und befasst sich in einem offenen Dialog der
Nichtregierungsorganisationen mit der Regierungsseite mit aktuellen Themen zur Be-
kämpfung von Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit, Antisemi-
tismus und darauf bezogene Intoleranz.
- „Sport und Politik verein(t) gegen Rechtsextremismus“ ist eine gemeinsame Kam-
pagne von Sport und Politik zur Förderung von Toleranz, Respekt und Achtung der
Menschenwürde. Träger der Kampagne sind Akteure aus Politik und Sport auf Bun-
des-, Landes- und kommunaler Ebene, wie z.B. das Bundesministerium des Innern,
das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Sportminister-
konferenz der Länder, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Olympische Sportbund
sowie der Deutsche Fußballbund. Wesentliches Ziel der Kampagne ist es, Sportver-
eine darin zu bestärken, sich klar gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung zu
positionieren, sicherzustellen, dass es flächendeckend Informations- und Schulungs-
angebote sowie Ansprechpersonen im Sport gibt und eine Vernetzung von Politik und
Sport auf allen Ebenen zu erreichen. Die Kampagne wird von Spitzensportlerinnen
und Spitzensportlern sowie Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitikern auf Bundes-
und Landesebene unterstützt, die mit ihrer Vorbildfunktion eine breite Bevölkerungs-
schicht ansprechen und sensibilisieren. Um die Arbeit innerhalb der Kampagne vo-
ranzutreiben, wurde ein sog. „Beratungsnetzwerk“ eingerichtet, in das alle Kampag-
nenträger und weitere Experten eingebunden sind und das vom Bundesministerium
des Innern koordiniert wird. Die gemeinsam erstellten Öffentlichkeitsmaterialien
(Spots, Plakate, Banner, Postkarten) sowie Informationen zur Kampagne und zum
Thema werden kostenlos über die Kampagnenhomepage www.vereint-gegen-
rechtsextremismus.de zur Verfügung gestellt.
Die Bundesregierung nimmt daneben auch das Problem rechtsextremistischer Gewalt-
aufrufe und Hass im Internet sehr ernst. Zur Diskussion entsprechender Themen fand im
Februar 2012 eine Zusammenkunft zwischen Vertretern des Zentralrates der Deutschen
Sinti und Roma, den zuständigen Referaten im Bundesministerium des Innern sowie
google, ebay und jugendschutz.net statt. Im Dezember 2012 wurde in Berlin eine zweite
Gesprächsrunde ausgerichtet, an der ein technischer Fachmann des Bundesamtes für
Sicherheit in der Informationstechnologie teilgenommen hatte, der insbesondere über
die technischen Möglichkeiten der Bekämpfung von Hasskriminalität im Internet infor-
mierte.
Die Freie und Hansestadt Hamburg erarbeitet derzeit ein Landesprogramm zur Förde-
rung demokratischer Kultur, Vorbeugung und Bekämpfung von Rechtsextremismus. Es
soll dazu beitragen, erfolgreiche Ansätze zu stärken und zu verstetigen, aber auch neue
Schwerpunkte setzen, etwa bei der Prävention gruppenbezogener Menschenfeindlich-
keit oder bei dem Thema Opferschutz/Opferberatung.
Das Land Niedersachsen fördert auf der Grundlage der Richtlinie „Demokratie und Tole-
ranz“ vom 03. März 2009 Maßnahmen, die Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit in
der Gesellschaft entgegenwirken und ein Zeichen gegen Rechtsextremismus, Rassis-
mus und Antisemitismus und für Demokratie und Toleranz setzen. Gefördert werden
insbesondere Projekte mit Jugendlichen, die dadurch für demokratische Werte und ein
tolerantes Verhalten sensibilisiert und für den Umgang mit kultureller Vielfalt gestärkt
werden sollen. Als Maßnahmen kommen zum Beispiel Informationsveranstaltungen,
Schulprojekte und Jugendkongresse in Betracht sowie Projekte mit Vorbildcharakter o-
der Projekte von landesweiter Bedeutung.
Seit vielen Jahren fördert das Land Nordrhein-Westfalen unterschiedliche Angebote, Pro-
jekte und Maßnahmen in der Arbeit gegen Rassismus und weitere Formen der Diskrimi-
nierung. In die Förderung dieser Programme und Aktivitäten sind viele Ressorts der Lan-
desregierung eingebunden. Die Aufzählung der folgenden Angebote des Landes kann
nur einen Überblick über die Vielfältigkeit der Präventionsarbeit gegen Rechtsextremis-
mus und Rassismus geben:
 Seit vielen Jahren unterstützt das Land das Informations- und Dokumentationszent-
rum für Antirassismusarbeit in NRW e.V., welches sich in seiner Präventionsarbeit
vor allem an Fachkräfte der schulischen und außerschulischen Jugend(sozial)arbeit
im Land richtet.
 Antidiskriminierungsarbeit wird als integraler Bestandteil der Integrationspolitik in
Nordrhein-Westfalen betrachtet. So wird seit 2009 die Antidiskriminierungsarbeit als
ein Arbeitsschwerpunkt der Integrationsagenturen unter dem Dach der Wohlfahrts-
verbände vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales gefördert.
Ziel der Antidiskriminierungsarbeit ist es, Diskriminierung vorzubeugen und den Be-
troffenen die Wahrnehmung ihrer Rechte zu ermöglichen. Wer aus Gründen der Her-
kunft, der Religion, der Weltanschauung oder des Aussehens diskriminiert wird oder
Zeuge einer Diskriminierung war, kann sich deshalb an fünf bestimmte Integrations-
agenturen wenden. Diese nehmen eine Servicefunktion wahr. Sie beraten und bieten
Opferschutz. Sie klären außerdem über Diskriminierung auf und sensibilisieren für
das Thema. Vonseiten der Integrationsagenturen wird eine Vielzahl von Maßnahmen
zur Extremismusprävention in Nordrhein-Westfalen ergriffen, zum Beispiel Fortbil-
dungen und präventive Workshops an Schulen und Teilnahme an Demonstrationen
und Kampagnen gegen rechts. Zudem wird die Mediathek gegen Rassismus und
Diskriminierung in Siegen gefördert, die Schulen und außerschulischen Bildungsein-
richtungen umfangreiche Informationsmaterialien zur Verfügung stellt.
 Das Land Nordrhein-Westfalen beteiligt sich mit einer Landeskoordination an dem
bundesweiten Programm „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.
 Mit dem Netzwerk Demokratie und Courage (NDC) fördert das Land im Handlungs-
feld „Kinder und Jugend“ die Umsetzung der bundesweiten Initiative in NRW, die
durch den Landesjugendring koordiniert wird. Das Hauptarbeitsfeld des NDC ist die
Durchführung von Projekttagen „Für Demokratie Courage zeigen“ an Schulen und
außerschulischen Bildungsorten.
 Das Land unterstützt zudem das Projekt „Empört euch, engagiert euch!“ der DGB-
Jugend, ein im November 2012 initiiertes und auf zunächst zwei Jahre angelegtes
Projekt gegen Alltagsrassismus. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler, Ausbildende
und deren Interessenvertretungen für Demokratie und Zivilcourage zu sensibilisieren
und Aktivitäten gegen Rassismus und Intoleranz zu unterstützen.
 Im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄR-
KEN“ unterstützt die Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus in Nord-
rhein-Westfale die fünf Mobilen Beratungen gegen Rechtsextremismus in ihrer Arbeit.
 Neben der Umsetzung des Bundesprogramms, werden die fünf Mobilen Beratungen
gegen Rechtsextremismus auch aus Landesmitteln unterstützt. Das Projekt „Struktu-
roptimierung für mehr Demokratie und gegen Rechtsextremismus und Rassismus“
hat zum Ziel, durch Qualifizierungsmodule die Handlungsfähigkeit von lokalen und
regionalen Institutionen, Organisationen und Einrichtungen gegen Rechtsextremis-
mus und Rassismus zu verbessern.
 Das Land NRW fördert seit 2011 die beiden Beratungsstellen für Opfer von rechtsext-
remistischer und rassistischer Gewalt im Rheinland und in Westfalen-Lippe. Die zwei
Beratungsstellen unterstützen Menschen, die von Rechtsextremen bzw. aus rassis-
tisch motivierten Gründen bedroht oder angegriffen wurden.
 Für die Vernetzung der vielen relevanten Akteure im Land wurde im Jahr 2012 das
Landesnetzwerk gegen Rechtsextremismus ins Leben gerufen. Es setzt sich zusam-
men aus den unterschiedlichsten Akteurskreisen sowohl von staatlicher als auch von
nichtstaatlicher Seite. Das Landesnetzwerk versteht sich als ein Forum von Akteurin-
nen und Akteuren, welches das Ziel eint, ein menschenrechtsorientiertes und demo-
kratisches Zusammenleben zu fördern.
Daneben werden von den Ressorts der Landesregierung unterschiedliche Projekte ge-
fördert und umgesetzt. Um die verschiedenen Programme und Aktivitäten der Landesre-
gierung zu bündeln, in einen systemischen Zusammenhang zu bringen und zu optimieren
wurde eine Projektgruppe im Ministerium für Familie, Kinder Jugend, Kultur und Sport
eingesetzt, die die Aufgabe hat, für Nordrhein-Westfalen ein integriertes Handlungskon-
zept gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu entwickeln. Bei dem Prozess der
Entwicklung dieses Konzepts werden auch zivilgesellschaftliche Akteure und die Aktiven
vor Ort mit einbezogen.
In der politischen Bildungsarbeit sind in Nordrhein-Westfalen die Themen Rassismus,
Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung auch als Daueraufgabe angelegt. Die dort an-
sässige Landeszentrale für politische Bildung setzt zur Aufklärung eine große Anzahl von
entsprechenden Publikationen und Online-Medien ein und bietet begleitend auch Präven-
tions- und Informationsreihen an. Dazu zählen
 in Kooperation mit der Buber-Rosenzweig-Stiftung der Gesellschaften für Christlich-
Jüdische Zusammenarbeit und dem Ministerium für Schule und Weiterbildung die
Reihe „Courage zeigen! Gegen Gewalt und Antisemitismus. Ein modulbasiertes An-
gebot für Schulen in NRW“ und
 in Kooperation mit dem Ministerium für Inneres und Kommunales sowie dem Ministe-
rium für Schule und Weiterbildung die sog. Präventionstage „Für Demokratie – Ge-
gen Rechtsextremismus“ (ein Angebot für Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klas-
Der Landtag des Landes Brandenburg hat am 22. November 2013 eine Änderung der
Landesverfassung beschlossen. Es wird ein neuer Art. 7a eingefügt, wonach das Land
das friedliche Zusammenleben der Menschen schützt und der Verbreitung rassistischen
und fremdenfeindlichen Gedankenguts entgegentritt. Das in Art. 12 Abs. 2 der Verfas-
sung enthaltene Diskriminierungsverbot wird in der Weise ergänzt, dass niemand aus
rassistischen Gründen bevorzugt oder benachteiligt werden darf.
Der Entschließung war eine Sachverständigenanhörung im Hauptausschuss des Land-
tages vorangegangen, die verschiedene positive Effekte der daraufhin beschlossenen
Verfassungsänderung deutlich werden ließ. Beispielhaft wird die Einschränkung des
Entschließungsermessens genannt, die künftig in nahezu jedem Fall rassistischer Dis-
kriminierung ein polizeiliches Einschreiten erforderlich machen und zugleich ermöglichen
Die Änderungen bieten umfassenden Minderheitenschutz und dienen damit zugleich
dem Schutz der Sinti und Roma. Einer gesonderten Bestimmung zu Schutz und Förde-
rung von Sinti und Roma bedarf es nicht.
Das Land Baden-Württemberg fördert die Präventionsarbeit an Schulen. Hierzu gehört
z.B. das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Schülerinnen und
Schüler setzen sich dabei an ihrer Schule aktiv gegen jegliche Form von Rassismus und
Diskriminierung ein. Die Impulse kommen von der Schülerschaft und werden von den
Lehrkräften begleitet. Im Rahmen der „Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg“
der Landesregierung werden zudem Veranstaltungen und Workshops in Schulen ange-
boten, die die Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern
fördern, u.a. auch Workshops zum Thema „Rechtsextremismus im Netz“. Dabei werden
die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dafür sensibilisiert, rechtsextreme Propaganda im
Internet zu erkennen, die sich oftmals hinter scheinbar harmlosen Postings oder Videos
in sozialen Netzwerken versteckt.
Das Ministerium für Integration unterstützt außerdem eine Vernetzungs- und Anlaufstelle
zur Bekämpfung von Rassismus, anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeind-
lichkeit und Rechtsextremismus. Die Stelle soll die Projektarbeit von Vereinen, Verbän-
den und Organisationen vor Ort vernetzen und beraten.
Im Land Rheinland-Pfalz ist die Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit,
Rechtsextremismus und Antisemitismus eine Daueraufgabe, die mit Priorität verfolgt
wird und bei der alle Ressorts eingebunden sind. Das Land verfolgt dabei eine Strategie,
die die Präventionsarbeit in den Vordergrund stellt, aber auch entschiedenes rechtliches
Eingreifen gegen antidemokratische Bestrebungen und rassistische Gewalt sowie Hilfen
für Ausstiegswillige umfasst. Die vielfältigen und vielschichtigen Präventionsmaßnahmen
können hier nur beispielhaft aufgeführt werden:
- Initiierung und Unterstützung von Projekten, Netzwerken und lokalen Aktionsplänen
der Demokratie- und Wertepädagogik (z.B. „Demokratie lernen und leben“, Netzwerk
für Demokratie und Courage, lokale Aktionspläne im Rahmen des Bundesprogramms
„Toleranz fördern - Kompetenz stärken“, „Schule ohne Rassismus - Schule mit Cou-
rage“),
- Veranstaltungen der Landeszentrale für politische Bildung (z.B. Argumentationstrai-
ning gegen Stammtischparolen, Info-Tagungen „Fremdenfeindlichkeit und Rechts-
extremismus? Wir tun was!“),
- Gedenkarbeit an den Gedenkstätten KZ Osthofen und SS-Sonderlager/KZ Hinzert,
- Aufklärungsarbeit von Verfassungsschutz, Polizei und Justiz (z.B. Kommunikations-
plattform gegen Rechtsextremismus, Informationsbroschüre „Recht gegen Extremis-
ten - Was jeder gegen Extremisten tun kann“),
- Maßnahmen im Rahmen der polizeilichen Kriminalprävention (Informationsveranstal-
tungen gegen Rechtsextremismus, Ausbildung von Zivilcouragetrainerinnen und -
trainern),
- Aussteigerprogramm „(R)Auswege“ mit seinen begleitenden Programmen.
Um die Präventionsarbeit dauerhaft zu intensivieren und zu koordinieren wurde im Jahr
2008 im Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur eigens eine Präventions-
agentur gegen Rechtsextremismus eingerichtet.
Insbesondere der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz
e.V., aber auch die Sinti-Union Rheinland-Pfalz e.V. sind in Projekte und Netzwerke zur
Bekämpfung von Rassismus und Rechtextremismus eingebunden.
Anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, der in der
Bundesrepublik Deutschland als Gedenktag für die Opfer des NS-Regimes ins Leben
gerufen wurde, fand am 27. Januar 2012 im Landtag Rheinland-Pfalz die jährliche Ge-
denksitzung statt, die insbesondere der Opfergruppe der Sinti und Roma gewidmet war.
Rund um den Gedenktag fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, die das Schicksal der
Sinti und Roma in den Mittelpunkt des Geschehens rückten.
Die Polizeiseelsorge der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau führte im Jahre
2011 zwei Fachseminare zur Thematik „Kultur der Sinti und Roma“ für Polizeibeamtin-
nen und Polizeibeamte unter Beteiligung des Verbandes Deutscher Sinti und Roma,
Landesverband Rheinland-Pfalz e.V., durch. Im Rahmen des Seminars besuchten die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Dauerausstellung im Dokumentations- und Kultur-
zentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. Des Weiteren haben am 13. März
2013 Dienstgruppenleiter und der Dienststellenleiter der Polizeiinspektion 2 Ludwigsha-
fen auf Einladung des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rhein-
land-Pfalz e.V., das Dokumentations- und Kulturzentrum Heidelberg im Rahmen einer
Tagesveranstaltung besucht.
Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz, die Landespolizeischule und die Leitstelle
„Kriminalprävention“ im Landesministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur orga-
nisierten vom 28. bis 30. November 2012 eine bundesweite Fachtagung „Hasskriminali-
tät: Herausforderungen an Staat und Gesellschaft“ in Mainz. Fachbeiträge aus Theorie
und Praxis sowie rege Diskussionen im Plenum verdeutlichten, dass eine ressortüber-
greifende Annäherung an das Thema unter breiter Einbindung zivilgesellschaftlicher Ak-
teure der richtige Weg ist. Nur die Verfolgung eines ganzheitlichen Ansatzes stärkt das
gesellschaftliche Engagement gegen Hasskriminalität und befähigt die Gesellschaft, die-
sem Phänomen nachhaltig entgegenzutreten.
Im Herbst 2012 hat die Leitstelle „Kriminalprävention“ im Landesministerium des Innern,
für Sport und Infrastruktur erstmals in einem Bundesland mit Aktionstagen unter dem
Motto „Fußball für ein buntes Miteinander - Gegen Rassismus und Diskriminierung“ in
sieben Stadien von der ersten bis zur vierten Liga zu mehr Courage gegenüber rassisti-
schen und diskriminierenden Aktivitäten und Parolen aufgefordert. Mit dem Projekt will
die Landesregierung gemeinsam mit der Polizei, Fans und Vereinen gegen Rassismus,
Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung im Fußball vorgehen. Wesentlicher Inhalt einer
entsprechenden interaktiven DVD ist darüber hinaus eine umfassende Zusammenstel-
lung von Informationen und Handlungsempfehlungen, die u.a. in der Aus- und Fortbil-
dung von Übungsleiterinnen und Übungsleitern Verwendung finden soll und damit ge-
währleistet, dass die Thematik auch in die Fläche getragen wird.
Maßnahmen zur Verhinderung und Verfolgung rassistischer oder volksverhetzender De-
likte in Fußballspielen der Profi- und Amateurligen in Rheinland-Pfalz sind ständiger Be-
standteil der polizeilichen Sicherheitskonzepte bei entsprechenden Einsätzen.
In der rheinland-pfälzischen Justiz werden immer wieder Fortbildungsveranstaltungen
zum Thema Hasskriminalität angeboten. Richterinnen und Richter sowie Staatsanwältin-
nen und Staatsanwälte nehmen an den wiederkehrenden Veranstaltungen der Deut-
schen Richterakademie zu den Themen „Politischer Extremismus und Rechtsradikalis-
mus“, aber auch „Neonazismus“ teil. Im Jahr 2014 wird zudem im landeseigenen Fortbil-
dungsprogramm eine entsprechende Veranstaltung für Richterinnen und Richter sowie
Staatsanwältinnen und Staatsanwälte angeboten.
Auch für Bedienstete des rheinland-pfälzischen Strafvollzugs werden regelmäßig zwei-
mal jährlich Fortbildungsveranstaltungen zum Thema „Rechtsextremismus“ neben den
internen Fortbildungsveranstaltungen verschiedener Justizvollzugseinrichtungen zu die-
sem Thema durchgeführt.
Mit der Richtlinie zur Förderung von unterrichtsbegleitenden und außerunterrichtlichen
schulischen Maßnahmen an Schulen im Freistaat Thüringen können außerschulische
und unterrichtsbegleitende Vorhaben sowie Maßnahmen zur Herausbildung toleranter
Denk- und Verhaltensweisen, zur Aufklärung über Gewaltverhalten, Fremdenfeindlich-
keit und extremistische Gruppenbildungen, zur Stärkung demokratischen Urteilsvermö-
gens und der Befähigung zu demokratischen Konfliktlösungen gefördert werden. Dies
erfolgt auch im Rahmen des Thüringer Landesprogramms für Demokratie, Toleranz und
Weltoffenheit.
Das Saarland nimmt bereits seit dem Jahr 2007 an Bundesprogrammen gegen Rechts-
extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus teil. Das hier entstandene Bera-
tungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus setzt sich für ein respektvolles Zusammenle-
ben von Menschen verschiedener Lebenslagen, Herkunft, Kultur, Religion und für die
Einhaltung der Menschenrechte in einer demokratischen Gesellschaft ein. Um antide-
mokratischen Tendenzen vorzubeugen und entgegenzutreten, unterstützt und entwickelt
das Beratungsnetzwerk wirksame Strategien gegen Rechtsextremismus, Rassismus,
Antisemitismus und Islamfeindlichkeit und damit zusammenhängende Formen von Se-
xismus, Homophobie sowie Abwertung von Menschen mit Behinderung und sozial be-
nachteiligten Gruppen.
Mit dem Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken, Programmbereich
Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus“ ist seit dem 01. August 2009 eine Bera-
tungsstelle für Opfer von Diskriminierung und rechter Gewalt als feste Beratungsstruktur
im Saarland eingerichtet worden. Die Opferberaterin ist seit Beginn mit dem strukturellen
Aufbau und der fachspezifischen Vernetzung sowie mit der anlassbezogenen Einzelfall-
beratung, die kostenlos und auch aufsuchend angeboten wird, tätig. An die Beratungs-
stelle für Opfer von Diskriminierung und rechter Gewalt wenden sich Menschen und
Gruppen, die von Diskriminierung und Übergriffen mit rassistischem bzw. rechtsextre-
mistischem Hintergrund betroffen sind. Es geht dabei sowohl um Fremdenfeindlichkeit,
als auch um Gewalt- und Ausgrenzungserfahrungen wegen der Religion und Weltan-
schauung, Behinderung, des Alters, des Geschlechts oder der sexuellen Identität.
Des Weiteren sind auch saarländische Schulen Partner in dem Netzwerk „Schule ohne
Rassismus – Schule mit Courage“.
Auch die hessische Landeszentrale für politische Bildung engagiert sich im Kampf ge-
gen Rassismus. Um diesem effektiv entgegentreten zu können, wurde etwa die Ausei-
nandersetzung mit Vorurteilen gegenüber Sinti und Roma, Juden u.a. in Fortbildungen
und Ausstellungen intensiv verfolgt, so etwa in der Ausstellung „‘Zigeunerbilder‘ in Schu-
le und Unterricht“, die im Jahr 2008 in Kooperation mit dem Landesverband deutscher
Sinti und Roma in Darmstadt durchgeführt wurde, sowie in Lehrerfortbildungen zum An-
tisemitismus in Kooperation mit der Jugendbegegnungsstätte „Anne Frank“ in Frankfurt
am Main im Jahr 2013. Erwähnt seien auch die Fortbildung „Argumentationstraining ge-
gen Stammtischparolen“ im April 2010 in Marburg, das Spielfilmprojekt „Gewalt und
Rassismus – ohne uns“ in den Jahren 2012/2013 im Schwalm-Eder-Kreis sowie die
Fortbildung „Courage zeigen! Gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus“, die im
April 2013 in Kassel durchgeführt wurden. Außerdem wurde die erfolgreiche Veranstal-
tungsreihe „Ballance Hessen“ ausgerichtet, die Toleranz und Fairplay im Sport und im
gesellschaftlichen Miteinander in einer Vielzahl von Veranstaltungen und Angeboten
verknüpft hat.
Im Herbst 2013 wird eine vom hessischen Kultusministerium finanzierte Lehrerhandrei-
chung zu den Bildungsstandards der Sekundarstufe I zum Thema „Sinti und Roma in
Deutschland und die Rolle des Antiziganismus“ herausgegeben.
Im Land Schleswig-Holstein werden gegenwärtig folgende Maßnahmen gegen Rassis-
mus durchgeführt:
- Die Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus setzt das Bundespro-
gramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken, Programmbereich Beratungsnetz-
werk gegen Rechtsextremismus“ um. Im Rahmen dieses Programms entstand auch
die Publikation „Alltägliche Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund
in Schleswig-Holstein 2012“ der Arbeiterwohlfahrt. Außerdem fand im Rahmen des
Programms im Mai 2013 an der Kieler Fachhochschule die Tagung „Alltagsrassismus
– Ursachen, Erscheinungsformen und Gegenstrategien“ statt.
- Weiterhin setzt die Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus ein Lande-
sprogramm gegen Rechtsextremismus mit dem Schwerpunkt Prävention und Demo-
kratiepädagogik ein.
- Das Mobile Beratungsteam gegen Rechtsextremismus bietet Hilfe und Unterstützung
auch für Betroffene von Rassismus und rassistischer Diskriminierung.
- Der Antidiskriminierungsverband Schleswig-Holstein bietet eine kostenlose Rechtsbe-
ratung im Sinne von § 23 AGG, u.a. für Personen, die sich aus Gründen ihrer ethni-
schen Zugehörigkeit oder Religion benachteiligt fühlen.
- Bei der Bürgerbeauftragten des Landtages wurde eine öffentliche Antidiskriminie-
rungsstelle eingerichtet, die ihre Arbeit aufgenommen hat.
- Der bundesweite Auftakt der Interkulturellen Woche fand im Jahr 2013 in Kiel statt.
Das Motto ist in diesem Jahr „Rassismus entsteht im Kopf. Offenheit auch.“
- Die schleswig-holsteinische Polizei konzipiert gegenwärtig in Zusammenarbeit mit der
Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus neue Elemente ihrer Aus- und
Fortbildung, die den Polizeibeamtinnen und -beamten im Einsatz zu mehr Sicherheit
und Sensibilität im Umgang mit Personen mit Migrationshintergrund verhelfen sollen.
- Insgesamt 24 Schulen in Schleswig-Holstein beteiligen sich außerdem an dem Pro-
gramm „Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage“. Gleichzeitig wird ein Pool
von Unterrichtsmaterialien entwickelt, der Wissen über die Kultur der Sinti und Roma
vermitteln soll. Schulen können dieses Material ausleihen und im Unterricht verwen-
Das Bundesministerium der Justiz (BMJ) äußert sich zum Aspekt der Strafschärfung wie
folgt: Im deutschen Strafrecht sind rassistische Motive zwar nicht explizit als strafschär-
fender Umstand genannt, jedoch gewährleistet bereits das geltende Recht die straf-
schärfende Berücksichtigung dieser Motive. § 46 des deutschen Strafgesetzbuchs
(StGB) bestimmt, dass das Tatgericht bei der Strafzumessung namentlich „die Beweg-
gründe und die Ziele des Täters“ sowie „die Gesinnung, die aus der Tat spricht“ zu be-
rücksichtigen hat. Durch diese Formulierung werden gerade auch fremdenfeindliche o-
der rassistische Motive erfasst und können daher im jeweiligen Einzelfall strafschärfend
berücksichtigt werden. Dies ist auch in der Praxis anerkannt, wie eine rechtstatsächliche
Untersuchung sowie einschlägige Gerichtsentscheidungen gezeigt haben.
Im Bereich der Tötungsdelikte hat der Bundesgerichtshof schon im Jahre 1962 ent-
schieden, dass Rassenhass als niedriger Beweggrund im Sinne des Mordtatbestandes
gemäß § 211 Strafgesetzbuch anzusehen ist.
Auf prozessualer Ebene wird derzeit in Zusammenarbeit mit den Ländern eine Änderung
der Richtlinien für das Strafverfahren und Bußgeldverfahren (RiStBV) dahingehend an-
gestrebt, dass rassistischen Motiven in mehreren Hinsichten ausdrücklich besonderes
Gewicht zukommt (Ermittlungsrichtung/Bestehen öffentlichen Interesses an der Strafver-
folgung).
In dem veröffentlichten Text des aktuellen Koalitionsvertrages von CDU, CSU und SPD
findet sich zu der Thematik die folgende Formulierung: „Weil Opfer rassistischer, frem-
denfeindlicher oder sonstiger menschenverachtender Straftaten den besonderen Schutz
des Staates verdienen, wollen wir sicherstellen, dass entsprechende Tatmotive bei der
konkreten Strafzumessung ausdrücklich berücksichtigt werden.“
Gemäß § 130 Abs. 1 Nr. 1 StGB wird wegen Volksverhetzung bestraft, wer in einer Wei-
se, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, gegen eine nationale, rassische,
religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevöl-
kerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichne-
ten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt oder zu Gewalt-
/Willkürmaßnahmen auffordert. § 130 Abs. 1 Nr. 2 StGB stellt Angriffe auf die Men-
schenwürde der oben Genannten durch Beschimpfung, böswillige Verächtlichmachung
und Verleumdung unter Strafe, wenn diese geeignet sind, den öffentlichen Frieden zu
stören. Nach §§ 130, 26 StGB macht sich auch derjenige strafbar, der zur Volksverhet-
zung anstiftet.
§ 130 StGB dient zum einen dem Schutz der Individualrechtsgüter der Personen, die
von aufhetzenden, die Menschenwürde verletzenden Äußerungen betroffen sind, zum
anderen der öffentlichen Sicherheit als Zustand eines von Gewalthandlungen und
Selbsthilfe freien gesellschaftlichen Zusammenlebens. Erreicht die Äußerung nicht die
Schwelle der Eignung zur Friedensstörung, kommt eine Bestrafung wegen Beleidigung
nach § 185 StGB in Betracht, wenn die persönliche Ehre durch Kundgabe von Missach-
tung oder Nichtachtung angegriffen wird.
Bei der Auslegung und Anwendung allgemeiner Gesetze wie den §§ 130, 185 StGB, in
denen die Meinungsfreiheit ihre Schranken findet (Art. 5 Abs. 2 Grundgesetz), sind die
Anforderungen zu beachten, die sich aus diesem Grundrecht ergeben. Nach der Recht-
sprechung des Bundesverfassungsgerichts findet eine Wechselwirkung in dem Sinne
statt, dass die gesetzlichen Schranken der Meinungsfreiheit zwar dem Grundrecht
Grenzen setzen, zugleich aber aus der Erkenntnis der grundlegenden Bedeutung dieses
Grundrechts im freiheitlich demokratischen Staat ausgelegt und damit selbst wieder ein-
geschränkt werden müssen. Dies gilt auch für § 130 StGB. Daher haben die Gerichte
auch den Kontext und die sonstigen Begleitumstände einer Äußerung zu beachten. Sind
Äußerungen mehrdeutig, ist ihr Sinnzusammenhang sorgfältig zu ermitteln. Dabei dürfen
die Gerichte nur dann von einer zur Strafbarkeit führenden Deutung der Äußerung aus-
gehen, wenn zuvor andere, zur Straffreiheit führende Deutungsvarianten mit schlüssigen
Gründen ausgeschieden wurden. Andererseits ist bei der Gesetzesanwendung auch zu
beachten, dass die Meinungsfreiheit stets zurücktreten muss, wenn die zu beurteilende
Verhaltensweise die Menschenwürde eines anderen antastet, da die Menschenwürde
als Wurzel aller Grundrechte mit keinem Einzelgrundrecht abwägungsfähig ist. Überdies
genießen Tatsachenbehauptungen, die – wie etwa die Leugnung der historischen Tat-
sache der Judenverfolgung im Dritten Reich – erwiesen oder bewusst unwahr sind, von
vornherein nicht den Schutz der grundrechtlichen Meinungsfreiheit. Das Tatbestands-
merkmal des öffentlichen Friedens in § 130 StGB versteht das Bundesverfassungsge-
richt als Wertungsklausel zur Ausscheidung nicht strafwürdig erscheinender Fälle, als
„Korrektiv, das es insbesondere erlaubt, auch grundrechtlichen Wertungen im Einzelfall
Geltung zu verschaffen“.
Die Bekämpfung von Hasskriminalität jedweder Art ist selbstverständlicher Auftrag auch
der Justiz. Richterinnen und Richter sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälte erhal-
ten zunächst durch ihre umfassende Ausbildung im Studium und im Vorbereitungsdienst
in allgemeiner Form Fach- und Methodenwissen, um Hasskriminalität zu erkennen und
zu verfolgen. Des Weiteren steht ihnen nach Eintritt in den Beruf ein Angebot von Fort-
bildungsveranstaltungen offen, die regelmäßig mit internationalem und interdisziplinärem
Ansatz die Bekämpfung von Hasskriminalität zum Gegenstand haben. So bietet z.B. die
Deutsche Richterakademie, eine von Bund und Ländern gemeinsam getragene Fortbil-
dungseinrichtung, regelmäßig Veranstaltungen zu der komplexen Thematik an, wie etwa
die Tagungen „Rechtsradikalismus und Neonazismus – Neueste Tendenzen“ oder „Poli-
tischer Extremismus – Herausforderungen für Gesellschaft und Justiz“. Richterinnen und
Richtern sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälten aller Bundesländer stehen diese
Fortbildungsveranstaltungen offen. Darüber hinaus enthält auch das Fortbildungspro-
gramm der Europäischen Rechtsakademie spezielle Tagungsangebote, wie z.B. zum
Thema „Die Bekämpfung der Diskriminierung in der Europäischen Union“.
Von Seiten der Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wird hervorgehoben,
dass die Konferenz der Justizministerinnen und Justizminister am 12./13. Juni 2013
festgestellt habe, es sei rechtspolitisch angezeigt, das Strafzumessungsrecht um eine
Regelung zu ergänzen, welche klarstelle, dass menschenverachtende Beweggründe im
Rahmen der Strafzumessung strafschärfend zu berücksichtigen seien. Die Justizministe-
rinnen und Justizminister haben die Ankündigung der Länder Saarland, Hamburg, Nord-
rhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen begrüßt, eine diesem Anliegen Rech-
nung tragende Gesetzesinitiative einzubringen. Mit der Initiative soll das Anliegen des
Beratenden Ausschusses, rassistische Motive im Strafgesetzbuch ausdrücklich als
strafschärfend zu bewerten, weiter verfolgt werden. Ob die Gesetzesinitiative in der
kommenden Legislaturperiode weiterverfolgt wird, bleibt abzuwarten. Auf die entspre-
chende Aussage in der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU, CSU und SPD wird ver-
III. Situation deutscher Sinti und Roma (Empfehlung 3)
Schließlich empfahl das Ministerkomitee den deutschen Behörden, Maßnahmen zu er-
greifen, um die Teilhabe der Sinti und Roma am öffentlichen Leben unter Berücksichti-
gung der kulturellen Vielfalt innerhalb dieser Gruppe deutlich zu erhöhen. Es sollen Pro-
jekte und Initiativen gefördert und unterstützt werden, die die Teilhabe der Sinti und Ro-
ma am gesellschaftlichen und politischen Leben verbessern. Außerdem sollen umge-
hend Maßnahmen ergriffen werden, um die ungerechtfertigte Unterbringung von Schüle-
rinnen und Schülern der Sinti und Roma in Sonderschulklassen zu beenden. Zudem ge-
be es Berichte, nach denen die Polizei die ethnische Zugehörigkeit kennzeichne.
Im Hinblick auf die Förderung der Teilhabe der Sinti und Roma am öffentlichen Leben ist
Folgendes anzumerken:
Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) fördert im Rahmen
der institutionellen Kulturförderung des Bundes
- den „Zentralrat Deutscher Sinti und Roma“ (2013: 506.000 Euro) sowie
- das „Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma (2013:
1.336.000 Euro).
Von den Aktivitäten dieser Institutionen werden zahlreiche Initiativen angestoßen, die die
Teilhabe der Sinti und Roma am sozialen und wirtschaftlichen Leben verbessern und
Vorurteile und Diskriminierungen bekämpfen.
Am 24. Oktober 2012 wurde in Berlin das „Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma“
in Anwesenheit höchster Vertreter des Bundesrepublik Deutschland eröffnet. So nah-
men u.a. der Bundespräsident, der Präsident des Deutschen Bundestages und die Bun-
deskanzlerin teil. Bei der Einweihung des Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma
mahnte die Bundeskanzlerin, das Leid der Opfer nie zu vergessen. Entworfen wurde das
Denkmal von dem israelischen Künstler Dani Karavan. Diesem ging es darum, einen Ort
des Nachdenkens und der würdevollen Ehrung für die Ermordeten zu schaffen.
Die Freie und Hansestadt Hamburg weist auf folgende aktuelle Projekte hin:
- „Beruflich aktiv mit Roma und Sinti“; Projektlaufzeit Januar 2010 bis Dezember 2013.
Zur Zielgruppe des Projektes gehören Schulabgänger, Jugendliche und ihre Eltern
aus Roma- oder Sinti-Familien in der Region Hamburg Nordwest (Lurup, Osdorf, Ei-
delstedt, Stellingen, Bahrenfeld) sowie weitere Familienmitglieder.
Ziel des Projektes ist die Schaffung einer Beratungsstelle für Roma- oder Sinti-
Familien, die unter Einbeziehung und Beratung/Förderung der Familien Jugendlichen
den Zugang zu Ausbildung oder Arbeit öffnen soll. Insbesondere sollen die Jugendli-
chen befähigt werden, einen Schulabschluss zu erreichen. Sie sollen in Ausbil-
dungsmaßnahmen vermittelt und begleitet werden, sodass sie eine Berufsausbildung
auch tatsächlich absolvieren können. Dazu sollen Eltern in den Beratungs- und Lern-
prozess so einbezogen werden, dass sie sich um ihre eigene Bildung und die ihrer
Kinder aktiv bemühen und so den Integrationsprozess im Familienverband unterstüt-
Sinti-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter in diesem Projekt wurden von der Behörde für
Schule und Berufsbildung zu Bildungsberaterinnen und Bildungsberatern qualifiziert
und sind nun an Schulen für die Zielgruppe regulär beschäftigt.
- „Beratungsstelle für Sinti und Roma in Wilhelmsburg“; Projektlaufzeit: Juli 2011 bis
Zielgruppen des Projektes sind langzeitarbeitslose Sinti oder Roma, insbesondere
Jugendliche. Die Beratungsstelle für Sinti und Roma hat langfristig eine Verbesse-
rung der sozialen und beruflichen Situation der Sinti und Roma zum Ziel, indem Un-
terstützung bei sozialen, sozialrechtlichen und Bildungsfragen angeboten wird.
Das Beratungskonzept bezieht das gesamte Umfeld der Jugendlichen ein und ver-
folgt nachstehend genannte Zielsetzungen: Verringerung der Zahl der Schulabbrü-
che, Integration in den Arbeitsmarkt oder arbeitsmarktpolitische Fördermaßnahmen,
Entwicklung von Perspektiven zur ökonomischen Selbstständigkeit, Unterstützungs-
maßnahmen für betroffene Eltern.
Folgende Projekte in der Freien und Hansestadt Hamburg sind bereits abgeschlossen:
„Qualifizierungsbausteine für Roma“, Projektlaufzeit: 1. März 2009 bis 28. Februar 2011.
Ziel der Maßnahme war es, jugendliche Roma im EDV- und Metallbereich durch Qualifi-
zierungsbausteine der Handelskammer beruflich zu qualifizieren, um durch zertifizierte
Kenntnisse die Aufnahme einer Beschäftigung als Helfer (Schlosser-, Schweißer-, Re-
cycler-) über Zeitarbeitsfirmen zu erreichen. Außerdem sollte durch die damit mögliche
Verkürzungsmöglichkeit der Ausbildung der Verlust von Wartezeiten bei der Aufnahme
einer Berufsausbildung ausgeglichen und eine selbständige Beschäftigung in arbeits-
marktrelevanten Bereichen ermöglicht werden.
www.laenderaktiv.de/laenderdb/index.php?action=bbj_detail&id_offer=569
„Vom Rand in die Mitte – junge Sinti und Roma in Hamburg-Mitte“, Projektlaufzeit:
1.März 2009 bis 30. Juni 2011.
Ziel der Maßnahme (Träger: Stiftung berufliche Bildung, SBB, Hamburg) war es, durch
verschiedene Qualifizierungen die Chancen für nicht ausgebildete jugendliche Sinti auf
dem Arbeitsmarkt zu verbessern und die Chancen auf eine bezahlte Beschäftigung zu
www.esf-hamburg.de/menschen-mit-migrationshintergrund/2032340/vom-rand-in-die-
mitte-unge-sinti-und-roma-aktiv-region-nordwest
Das Land Nordrhein-Westfalen fördert eine – bei dem Landesverband Deutscher Sinti
und Roma NRW angesiedelte – Beratungsstelle für in Nordrhein-Westfalen lebende Sinti
Seit 1985 fördert die Landesregierung die Beratungsarbeit für in Nordrhein-Westfalen
lebende Sinti und Roma in Trägerschaft des Verbandes Deutscher Sinti und Roma e.V.
Landesverband NRW. Die Beratungsstelle in Düsseldorf arbeitet für die Angehörigen der
Minderheit im Bundesland Nordrhein-Westfalen und ist Vermittlungsstelle zwischen Min-
derheit, Mehrheit und deren Institutionen und Einrichtungen. Die Landeszuwendung, die
als Projektförderung zu Personal- und Sachausgaben für die Beratungsarbeit gewährt
wird, beträgt im Haushaltsjahr 2013 202.900 €.
Das Land Baden-Württemberg fördert die Beratungsstelle Soziales und Arbeit des Ver-
bands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg e.V. Der Lan-
desverband berät und informiert Angehörige der Minderheit zu Regelungen des Arbeits-
losen- und Sozialrechts, der Renten- und Versicherungsansprüche sowie hinsichtlich
des Erhalts und der Förderung einer selbständigen Existenzgrundlage. Der Landesver-
band ist außerdem bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung der gesellschaftlichen und
sozioökonomischen Lebenssituation von Angehörigen der Minderheit in Baden-
Württemberg tätig und führt Fortbildungs-, Aufklärungs- und Dialogveranstaltungen für
Angehörige der Minderheit, Sozialberaterinnen und Sozialberater, ehrenamtliche Mitar-
beiterinnen und Mitarbeiter sowie mit behördlichen Sachbearbeiterinnen und Sachbear-
beitern durch.
Das Land fördert außerdem den Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband
Baden-Württemberg e.V., der eine zentrale Rolle bei der Koordination der Angelegen-
heiten von Sinti und Roma einnimmt und durch den die Minderheit in Baden-
Württemberg in vielfältiger Weise vertreten wird. Das Aufgabenfeld des Landesverban-
des liegt unter anderem in der Aufarbeitung und Dokumentation der Geschichte von Sin-
ti und Roma (auf lokaler und regionaler Ebene), der Gedenkstättenarbeit, der Öffentlich-
keitsarbeit gegen Diskriminierung und Benachteiligung sowie im Bereich der kulturellen
Arbeit. Weitere Tätigkeitsbereiche sind Beratung und Fortbildung in den Bereichen Sozi-
ales und Arbeit sowie Bildung.
Das Land Baden-Württemberg hat außerdem mit dem Verband Deutscher Sinti und
Roma, Landesverband Baden-Württemberg e.V. einen Staatsvertrag abgeschlossen, mit
dem der Schutz, die Anerkennung und die Förderung der Minderheit von Sinti und Roma
auf eine gesetzliche wie vertragliche Grundlage gestellt werden. Der Vertrag wurde am
28. November 2013 unterzeichnet und tritt am 1. Januar 2014 in Kraft. In seiner Präam-
bel benennt er explizit Antiziganismus sowie die Notwendigkeit, wirksame Gegenstrate-
gien hierzu zu erarbeiten. Ebenfalls vorgesehen ist eine institutionelle Förderung in Hö-
he von jährlich 500.000 Euro für zunächst fünf Jahre, mit der die Minderheitenarbeit des
Landesverbandes weitergeführt und ausgebaut werden soll und insbesondere in den
Bereichen Förderung von Antiziganismusforschung, Förderung der nationalen Minder-
heitenkultur sowie Förderung der Integration nichtdeutscher Roma ergänzt werden. Es
wird ein Rat für die Angelegenheiten der deutschen Sinti und Roma in Baden-
Württemberg gegründet, dessen Mitglieder je zur Hälfte von Seiten des Landes sowie
von Seiten der Minderheit besetzt werden. Auf Seiten des Landes werden neben Vertre-
tern der Landesregierung auch Vertreter des Landtages sowie ein Vertreter aus den
kommunalen Landesverbänden bestellt. Im Rat können alle die deutschen Sinti und
Roma betreffenden Angelegenheiten sowie Projekte und Maßnahmen beraten werden.
Geplant ist auch die Verankerung eines jährlichen Minderheitenberichts.
Das Land Baden-Württemberg fördert darüber hinaus das Dokumentations- und Kultur-
zentrum Deutscher Sinti und Roma mit Sitz in Heidelberg. Aufgabenschwerpunkte des
Dokumentations- und Kulturzentrums sind die Dokumentation und wissenschaftliche Ar-
beit zur Geschichte, Kultur und Gegenwart der nationalen Minderheit. Der Haushalt des
Dokumentations- und Kulturzentrums wird zu 90 Prozent aus Bundesmitteln und im Üb-
rigen aus Landesmitteln finanziert.
Die Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Teilhabe der Sinti erfolgt im Land Nie-
dersachsen mittelbar durch die Förderung der Beratungsstelle der Sinti und Roma e.V.
in Höhe von 220.000 EUR jährlich. Ein Schwerpunkt der dortigen Arbeit ist die Sozialbe-
ratung der Sinti. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Pflege der Erinnerungskultur. So ist
z.B. eine Wanderausstellung „Aus Niedersachsen nach Auschwitz“ von der Beratungs-
stelle initiiert worden. Es wurden sogenannte Stolpersteine gelegt, z.B. zum Gedenken
an den Boxer Johann Trollmann.
Zudem ist der Hildesheimer Sinti e.V., der unabhängig von der Beratungsstelle der Sinti
und Roma e.V. ist, im Wege der Projektförderung im Jahr 2011 dabei unterstützt wor-
den, eine soziale Begegnungsstätte zu errichten. Ziele des Vorhabens sind die Verbes-
serung der sozialen Teilhabe der Sinti in Hildesheim sowie die modellhafte Verwirkli-
chung verschiedener Initiativen und Vorhaben. Die soziale Begegnungsstätte wird tätig
im Bereich der Sozialberatung, leistet Hilfe für Schule und Ausbildung, unterstützt bei
der beruflichen Ausbildung, engagiert sich beim Ausbau sozialer Kooperation und der
Vernetzung im Bereich der Arbeitsverwaltung. Daneben wird dort derzeit die Vernetzung
aller Sinti in Niedersachsen auf einer Internetplattform organisiert. Diese Aktivität wird
vom Land Niedersachsen im Wege der Projektförderung unterstützt.
Neben dem Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V., der
auch weiterhin Zuwendungen für seine Antidiskriminierungsarbeit sowie eine Beratungs-
stelle für Angehörige der Minderheit erhält, gründete sich im Land Berlin eine weitere
Selbsthilfeorganisation, der Verein zum Erhalt der Kultur Deutscher Sinti und Roma e.V.
(VEK), der seit dem Jahr 2012 den Betrieb des Wohnwagenstellplatzes Dreilinden für
durchreisende deutsche Sinti und Roma für das Land Berlin betreibt.
Im Land Rheinland-Pfalz wurde die institutionelle Förderung der Geschäftsstelle des
Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz e.V., auch im
Berichtszeitraum fortgesetzt. Aufgrund von notwendigen Einsparmaßnahmen im Rah-
men der Konsolidierung des Landeshaushalts musste die Förderung im Jahr 2011 leicht
zurückgefahren werden. Die Kürzungen konnten 2012 und 2013 teilweise jedoch wieder
zurückgenommen werden. Darüber hinaus wurden dem Verband weitere Projektförde-
rungen für Maßnahmen zum Erhalt der Kultur der Sinti und Roma und für sonstige Maß-
nahmen gewährt. Seit dem Jahr 2009 wird auch die Arbeit der Sinti-Union Rheinland-
Pfalz e.V. im Rahmen einer Projektförderung unterstützt.
Im Land Hessen wurde im Jahr 2013 eine Erhöhung der Haushaltsmittel vollzogen.
Konkret sind die Fördermittel unter dem Förderprodukt „Förderung nationaler Minderhei-
ten – Sinti und Roma“ zusammengefasst und als Empfänger der Leistungen wird der
Verband deutscher Sinti und Roma, Landesverband Hessen, genannt. Der hierfür zur
Verfügung stehende Haushaltsansatz wurde vom hessischen Landtag für die Jahre
2013 und 2014 von 166.300 EUR auf 215.000 EUR angehoben. Andere Organisationen
der Sinti und Roma sind im Berichtszeitraum nicht an die hessische Landesregierung
herangetreten.
Seit Oktober 2012 werden im Land Schleswig-Holstein neben den bisherigen Mediato-
rinnen der Minderheit der deutschen Sinti und Roma zehn Bildungsberaterinnen und ein
Bildungsberater ausgebildet. Sie sollen u.a. bei Konflikten zwischen der Mehrheitsbevöl-
kerung und der Minderheit vermitteln, über kulturelle Unterschiede informieren sowie
den Schülerinnen und Schülern der Minderheit als Ansprechpartnerinnen und -partner
dienen und sie bei den Hausaufgaben unterstützen. Sie sollen den Kindern und Jugend-
lichen der Minderheit helfen, die eigene Kultur und Sprache zu bewahren und sie gleich-
zeitig unterstützen, einen Schulabschluss zu erreichen, der ihrer Begabung entspricht.
Damit soll insbesondere vermieden werden, dass Kinder der Sinti und Roma aufgrund
kultureller Unterschiede und Missverständnisse signifikant häufiger als Kinder der Mehr-
heitsbevölkerung einem Förderzentrum zugewiesen werden.
Im Hinblick auf das Bedürfnis, die ungerechtfertigte Unterbringung von Schülerinnen und
Schülern der Sinti und Roma in Sonderschulklassen zu beenden, ist Folgendes anzu-
Die Gefahr einer ungerechtfertigten Zuweisung von Sinti und Roma-Schülerinnen und -
Schülern in Sonderschulen wird in der Freien und Hansestadt Hamburg durch die seit
dem Schuljahr 2010/11 schrittweise erfolgende Einführung eines inklusiven Schulsys-
tems behoben.
Und auch die Freie Hansestadt Bremen betont, dass die künftige Wahl einer integrativen
Beschulung ein zentrales Konfliktfeld in der Zusammenarbeit zwischen Schule und El-
tern auflöse.
Da im Rahmen der Einführung der inklusiven Schule zum Schuljahresbeginn 2013/2014
im Land Niedersachsen die Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen sukzessive
aufgelöst werden, ist die Befürchtung einer ungerechtfertigten Zuweisung der Kinder von
Sinti und Roma zu dieser Schulform auch nach Einschätzung des Landes Niedersach-
sen gegenstandslos. Eltern von Schülerinnen und Schülern mit Bedarf an sonderpäda-
gogischer Unterstützung erhalten insoweit ein Wahlrecht, ob ihr Kind die allgemeine
Schule oder eine Förderschule besuchen soll.
Im Land Baden-Württemberg ist Grundlage für den Besuch einer Sonderschule eine
sonderpädagogische Diagnostik sowie die Klärung des Anspruchs auf ein sonderpäda-
gogisches Bildungsangebot. Wo ein Kind lernt, wird im Einvernehmen mit den Eltern
entschieden. Dies gilt für alle Kinder, unabhängig von ihrer Herkunft oder Zugehörigkeit
zu einer Minderheit.
Das Land Rheinland-Pfalz weist darauf hin, dass ein Verfahren zur Feststellung eines
sonderpädagogischen Förderbedarfs erst dann eingeleitet werde, wenn sich abzeichne,
dass die jeweilige Schülerin oder der jeweilige Schüler trotz Ausschöpfung aller der
Schule zur Verfügung stehenden Fördermaßnahmen voraussichtlich nicht das Ziel der
Grundschule bzw. das Bildungsziel der Berufsreife erreichen kann. Dieser Grundsatz gilt
für sämtliche Schülerinnen und Schüler, also auch für diejenigen aus den Reihen der
Sinti und Roma.
Zur Gewährung der Chancengleichheit von Sinti und Roma-Schülerinnen und -Schülern
werden diese im Saarland nach erfolgter Anmeldung an einer Regelschule wie jede an-
dere Schülerin bzw. jeder andere Schüler beschult. Alle Schülerinnen und Schüler im
Saarland sollen – unabhängig von ihren Fähigkeiten, Beeinträchtigungen oder Behinde-
rungen sowie von ihrer ethnischen, kulturellen oder sozialen Herkunft - grundsätzlich
gleichberechtigt, ungehindert, barriere- und diskriminierungsfrei an den Angeboten des
Bildungssystems teilhaben können. Dabei können sie und ihre Eltern zwischen Angebo-
ten der Regelschulen und der Förderschulen wählen.
Das Bundesland Hessen weist darauf hin, dass hier keine „Sonderschulen“ existieren.
Nach den Regelungen des Hessischen Schulgesetzes (HSchG) haben die allgemeinen
Schulen und die Förderschulen den gemeinsamen Auftrag, bei der Rehabilitation und In-
tegration der Kinder und Jugendlichen mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung
in die Gesellschaft mitzuwirken und dabei mit den Behörden und Einrichtungen der Kin-
der- und Jugendhilfe und den Trägern der Sozialhilfe zusammenzuarbeiten. Dabei ha-
ben die sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentren, die an Förderschulen ein-
gerichtet worden sind, besondere Bedeutung. Der Erfüllung des Auftrags dienen insbe-
sondere Maßnahmen der Prävention und Minderung von Beeinträchtigungen sowie
Maßnahmen der Förderung von Schülerinnen und Schülern in der allgemeinen Schule.
Die Maßnahmen sind in Zusammenarbeit von allgemeiner Schule, Förderschule und
sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentren zu entwickeln.
Falls Schülerinnen und Schüler, die der Minderheit der Sinti und Roma angehören, be-
sonderen Förderbedarf haben sollten, wird dieser im gleichen Verfahren wie für alle an-
deren Schülerinnen und Schüler festgestellt und gemeinsam mit den Eltern die Möglich-
keiten eines Besuches einer Förderschule, aber auch einer allgemeinen Schule im
Rahmen des inklusiven Unterrichts erörtert und festgelegt.
Im Hinblick auf die in der Empfehlung des Ministerkomitees angesprochene Erhebung
der ethnischen Zugehörigkeit durch die Polizei ist Folgendes anzumerken:
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden in der Bundesrepublik Deutschland kei-
ne bevölkerungsstatistischen und sozioökonomischen Daten auf ethnischer Basis erho-
ben. Dies ist unter anderem in den historischen Erfahrungen Deutschlands begründet,
insbesondere im Zusammenhang mit der Verfolgung von Minderheiten in den Zeiten des
Nationalsozialismus. Darüber hinaus stehen der Erfassung ethnischer Daten im Rahmen
der Bundesstatistik auch rechtliche Argumente entgegen. So ist das Bekenntnis zu einer
nationalen Minderheit gemäß Art. 3 des Rahmenübereinkommens des Europarates zum
Schutz nationaler Minderheiten frei. Die Zugehörigkeit zu einer Minderheit ist die persön-
liche Entscheidung eines jeden Einzelnen, die von Staats wegen nicht registriert, über-
prüft oder bestritten wird. Auch die Bonn-Kopenhagener Erklärungen aus dem Jahr
1955, das Gesetz über die Rechte der Sorben im Freistaat Sachsen sowie das Gesetz
zur Ausgestaltung der Rechte der Sorben (Wenden) im Land Brandenburg stehen einer
Erhebung statistischer Daten auf ethnischer Basis entgegen.
In der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für die Bundesrepublik Deutschland, die vom
Bundeskriminalamt auf der Grundlage der von den 16 Bundesländern gelieferten Lan-
desdaten erstellt und veröffentlicht wird, werden nur die Staatsangehörigkeiten erfasst,
nicht hingegen weitere soziokulturelle Merkmale wie etwa die Ethnie, die Religion oder
ein Migrationshintergrund. Dies gilt auch für die Polizeiliche Eingangsstatistik der Bun-
despolizei.
Ob und inwieweit der ethnische Hintergrund bzw. die Volkszugehörigkeit in polizeilichen
Dateien erhoben wird, richtet sich nach den für die jeweiligen unterschiedlichen Dateien
zwischen Bund und Ländern abgestimmten sog. Errichtungsanordnungen. Diese kon-
kretisieren die verschiedenen Rechtsgrundlagen (z.B. Gesetz über das Bundeskriminal-
amt und die Zusammenarbeit des Bundes und der Länder in kriminalpolizeilichen Ange-
legenheiten, Strafprozessordnung, Bundespolizeigesetz). Die Erfassung der Volkszuge-
hörigkeit bzw. des ethnischen Hintergrundes stellt, sofern sie in der Errichtungsanord-
nung vorgesehen ist, keine obligatorische Erfassung dar. Es obliegt vielmehr dem ein-
zelnen Sachbearbeiter, ob er den ethnischen Hintergrund erfasst, wenn die Zugehörig-
keit zu einer bestimmten Ethnie ein tatauslösendes oder zumindest in der Kontexterfas-
sung relevantes Moment darstellt (z.B. bei türkisch-kurdischen Auseinandersetzungen)
und der Sachbearbeiter die Erfassung im Einzelfall für erforderlich erachtet. Eine „Dis-
kriminierung von Angehörigen bestimmter Minderheitengruppen“ im Sinne der Empfeh-
lung des Ministerkomitees findet daher nicht statt.
Darüber hinaus werden durch das Bundeskriminalamt und die Bundespolizei auch keine
personenbezogenen Informationen an die Medien weitergegeben. Daher werden weder
diskriminierende Terminologien verwendet noch Auskünfte zu ethnischen Hintergründen
von Tatverdächtigen gegeben.
Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Polizei der Freien und Hansestadt Ham-
burg ist es Teil des beruflichen Selbstverständnisses, im Zusammenhang mit ihren
dienstlichen Tätigkeiten Minderheiten nicht zu diskriminieren. Dabei ist es ständige Auf-
gabe jeder bzw. jedes Bediensteten, im Besonderen aber auch jeder bzw. jedes Vorge-
setzten, darauf zu achten, jegliche Verwendung diskriminierender Terminologien sowohl
in mündlicher als auch schriftlicher Form zu unterlassen und ggf. konsequent zu unter-
Im Rahmen der Ausbildung wird im Fachbereich Polizeiberufskunde während der Unter-
richtseinheiten „Kommunikation“ und „Umgang mit dem Bürger“ bereits frühzeitig auch
auf kulturelle und religiöse Besonderheiten im Umgang mit Menschen nationaler Min-
derheiten eingegangen und so Diskriminierungen vorgebeugt. Das Fortbildungsangebot
der Hamburger Polizei enthält das Seminar "Kompetenz im Umgang mit Menschen an-
derer Kulturen", das für die Polizei von der Universität Hamburg durchgeführt wird. Dort
findet eine Begegnung und Auseinandersetzung mit Menschen anderer Kulturen und
ethnischer Minderheiten statt. Neben der Verbesserung von Verständnis und Kommuni-
kation im Polizeialltag ist auch die Vermeidung von Diskriminierung Lehrgangsziel.
In sämtlichen Veröffentlichungen - sowohl externer (z.B. Pressemeldungen und –
konferenzen, Wortwahl bei Interviews oder Auskünften gegenüber Journalisten) als auch
interner Natur (z.B. Intranet, interne Informationen, Hamburger Polizei Journal etc.) - legt
die Hamburger Polizei stets ein besonderes Augenmerk darauf, dass keine diskriminie-
rende Terminologie verwendet wird. Die Polizeibediensteten werden darüber hinaus im
Rahmen der Dienstunterrichte an den Dienststellen regelmäßig zu dem Thema sensibili-
siert. Der Umstand, dass aktuell keine Beschwerden vorliegen, belegt, dass die Ham-
burger Polizei in dieser Hinsicht ein hohes Maß an Sensibilität zeigt.
Bei der Polizei Baden-Württemberg wird auf Bezüge zur ethnischen Zugehörigkeit von
Betroffenen, Tatverdächtigen, Geschädigten oder Zeugen seit Jahren gänzlich verzich-
tet. Die Inhalte des Rahmenübereinkommens des Europarates zum Schutz nationaler
Minderheiten sind bei der Polizei in Baden-Württemberg insofern umgesetzt. Ebenso
finden auch die Empfehlungen der Innenministerkonferenz zur Verwendung diskriminie-
rungsfreier Sprache aus dem Jahr 2007 in Baden-Württemberg vollständige Berücksich-
Im Land Rheinland-Pfalz ist die Regelungslage zur Verhinderung von diskriminierenden
Minderheitenkennzeichnungen regelmäßig Gegenstand des Dienstunterrichts in den Po-
lizeidienststellen, in internen Dienstbesprechungen und sonstigen Fortbildungsveranstal-
tungen. Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz e.V.,
hat in einer Stellungnahme vom 6. Dezember 2011 bestätigt, dass sich das rheinland-
pfälzische Innenministerium mit seinen Behörden seit vielen Jahren vorbildlich an die
Regelungen zur Verhinderung von diskriminierenden Minderheitenkennzeichnungen
Das Land Hessen nimmt wie folgt Stellung: Die Innenministerkonferenz hat in ihrer 185.
Sitzung am 6./7. Dezember 2007 im Rahmen einer Bund-Länder-Projektgruppe unter
hessischer Leitung über das Thema „Schutz nationaler Minderheiten vor Verwendung
diskriminierender Minderheitenkennzeichnungen durch die Polizeibehörden“ berichtet.
Durch gleichlautenden Erlass vom 10. Juni 2008 wurden in Hessen die vorgegebenen
Grundsätze und Empfehlungen umgesetzt. Wesentlich sind hierbei die verabschiedeten
Leitsätze sowie deren Weitergabe in der Aus- und Fortbildung der hessischen Polizei-
beamtinnen und -beamten. Die Einhaltung wird außerdem im Rahmen der Dienst- und
Fachaufsicht gewährleistet.
Die Polizei im Land Schleswig-Holstein hat sich verpflichtet, im internen und externen
Sprachgebrauch Stigmatisierungen, Kategorisierungen oder pauschale Bezeichnungen
von Menschen zu unterlassen. Dies geschieht unabhängig davon, ob sie tatsächlich ge-
eignet sind, einen Menschen, eine Ethnie, eine Volkszugehörigkeit oder eine Minderheit
zu diskriminieren, zu stigmatisieren oder abzuqualifizieren. Dies wird über dienstinterne
Anweisungen, insbesondere durch Erlasse, umgesetzt.
IV. Statistische Daten (Empfehlung 4)
Das Ministerkomitee forderte die deutschen Behörden zur Weiterentwicklung der Nut-
zung von Daten über die Lage von Angehörigen der nationalen Minderheiten auf, die
von den nationalen Minderheiten selbst und aus anderen Quellen erlangt wurden, um
Maßnahmen zum Schutze der Minderheiten besser an ihre tatsächlichen Bedürfnisse
anzupassen. Das Ministerkomitee erkennt zwar an, dass aus historischen Gründen die
Behörden nicht bereit sind, statistische Daten auf ethnischer Grundlage zu erheben, al-
lerdings seien derartige Daten vereinzelt verfügbar. Diese wiederum sollten zur Verbes-
serung der Maßnahmen zum Schutz nationaler Minderheiten genutzt werden.
Zahlenangaben über nationale Minderheiten in Deutschland beruhen aus gutem Grunde
nur auf Schätzungen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden in der Bundesre-
publik Deutschland generell keine bevölkerungsstatistischen und sozioökonomischen
Daten auf ethnischer Basis erhoben. Hintergrund dessen ist zum einen die Verfolgung
von Minderheiten während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Zum anderen
bestehen völkerrechtliche Bedenken. Das Rahmenübereinkommen des Europarates
zum Schutz nationaler Minderheiten legt fest, dass die Zugehörigkeit zu einer Minderheit
die persönliche Entscheidung eines jeden Einzelnen ist, die von Staats wegen nicht re-
gistriert, überprüft oder bestritten wird. Nicht zuletzt haben die nationalen Minderheiten
in Deutschland selbst Bedenken gegen die Erhebung ethnisch basierter Daten geäußert.
Insoweit liegen auch in den statistischen Ämtern keine Daten über die Anzahl von Ange-
hörigen der nationalen Minderheiten vor.
V. Erweiterung des Anwendungsbereichs (Empfehlung 5)
Das Ministerkomitee rief die Behörden auf, einen offenen und kommunikativen Ansatz im
Hinblick auf Gruppen zu verfolgen, die derzeit nicht unter das Rahmenübereinkommen
zum Schutz nationaler Minderheiten fallen, darunter Personen ohne deutsche Staatsan-
gehörigkeit, mit dem Ziel, den Schutz nach bestimmten Artikeln des Übereinkommens
ggf. auch auf Angehörige dieser Gruppen zu erweitern.
Die Bundesregierung zeichnete am 11. Mai 1995 das Rahmenübereinkommen. Hierbei
ließ sie dem Europarat eine interpretative Erklärung zukommen, die den Anwendungs-
bereich des Übereinkommens für Deutschland festlegt. Die Erklärung hat folgenden
„Das Rahmenübereinkommen enthält keine Definition des Begriffs der nationalen
Minderheiten. Es ist deshalb Sache der einzelnen Vertragsstaaten zu bestimmen,
auf welche Gruppen es nach der Ratifizierung Anwendung findet. Nationale Minder-
heiten in der Bundesrepublik Deutschland sind die Dänen deutscher Staatsangehö-
rigkeit und die Angehörigen des sorbischen Volkes mit deutscher Staatsangehörig-
keit. Das Rahmenübereinkommen wird auch auf die Angehörigen der traditionell in
Deutschland heimischen Volksgruppen der Friesen deutscher Staatsangehörigkeit
und der Sinti und Roma deutscher Staatsangehörigkeit angewendet."
Der Bund hat die folgenden Voraussetzungen für die Anerkennung als nationale Minder-
heit in Deutschland festgelegt:
- Die Angehörigen der Gruppe sind deutsche Staatsangehörige,
- sie unterscheiden sich von der Mehrheitsbevölkerung durch eine eigene
Sprache, Kultur und Geschichte (eigene Identität),
- die Angehörigen wollen diese Identität bewahren,
- sie sind traditionell in Deutschland heimisch und
- sie leben in Deutschland in angestammten Siedlungsgebieten.
Da der interpretativen Erklärung vom 11. Mai 1995 durch Artikel 1 des Ratifizierungsge-
setzes seitens des Bundesgesetzgebers ausdrücklich zugestimmt wurde, würde die An-
erkennung anderer Personengruppen als nationale Minderheit die Änderung des Ratifi-
zierungsgesetzes durch die Legislative erfordern. Für entsprechende Initiativen wird an-
gesichts der o.g. Begriffsmerkmale jedoch keine Veranlassung gesehen.
VI. Bewahrung des kulturellen Erbes (Empfehlung 6)
Das Ministerkomitee empfahl den deutschen Behörden, die Unterstützung und Bewah-
rung des kulturellen Erbes in enger Abstimmung mit den Betroffenen fortzuführen und
dabei den langfristigen Bedürfnissen von Angehörigen nationaler Minderheiten besonde-
re Beachtung zu schenken.
Nachdem die Bundesregierung das UNESCO-Übereinkommen zur Bewahrung des Im-
materiellen Kulturerbes im April 2013 ratifiziert hatte, wurde im Land Schleswig-Holstein
die Information von Interessierten, die in Gruppen und Gemeinschaften kulturelle Aus-
drucksformen praktizieren, und insbesondere der Minderheiten und Sprachgruppen über
das Verfahren zur Anmeldung noch einmal intensiviert. Am 4. Mai 2013 fand in Lübeck
dazu eine Informationsveranstaltung statt, die die Deutsche UNESCO-Kommission or-
ganisiert hatte. Darüber hinaus wurde auch in den Gremien für Fragen der friesischen
Volksgruppe und im Beirat Niederdeutsch beim Landtag von der Leiterin der Kulturabtei-
lung im Ministerium für Justiz, Europa und Kultur mehrfach über dieses Verfahren und
die Möglichkeiten der Beratung durch das Ministerium informiert.
Der Frasch Rädj/Friesenrat Sektion Nord e.V. hat bei der Landesregierung fristgerecht
einen Antrag für die Aufnahme des Biikebrennens in die Liste des Immateriellen Weltkul-
turerbes unter der Kategorie „Gesellschaftliche Bräuche und Riten“ gestellt. Der Antrag
wird jetzt geprüft, einer Landesjury von Experten vorgelegt und - nach einem erwarteten
positiven Votum - bis Mitte April 2014 der Kultusministerkonferenz (KMK) zur Weiterga-
be an das von Bund und Ländern berufene Expertenkomitee zugeleitet.
Auch der Niederdeutsche Bühnenbund Schleswig-Holstein hat beim zuständigen Minis-
terium fristgerecht einen Antrag auf Aufnahme in die Liste des Immateriellen Weltkultur-
erbes gestellt. Es handelt sich dabei um einen Gemeinschaftsantrag der Niederdeut-
schen Bühnenbunde aus Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-
Holstein, die den jeweiligen Landesministerien vorgelegt wurden.
Die Domowina – Bund Lausitzer Sorben e.V. hat nunmehr ihre länderübergreifende Be-
werbung um Aufnahme in das Verzeichnis der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe
in Sachsen und Brandenburg eingereicht. Der Antrag umfasst eine Liste der gesell-
schaftlichen Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben im Jahresverlauf.
VII. Kompetenzverteilung (Empfehlung 7)
Das Ministerkomitee forderte die deutschen Behörden auf, in Abstimmung mit den Ver-
tretern nationaler Minderheiten die Diskussion über die Aufgabenverteilung im Bereich
des Schutzes nationaler Minderheiten fortzusetzen, damit Maßnahmen zur Bewahrung
und Förderung ihrer Sprache und Kultur mehr Wirkung zeigen und leichter zugänglich
sind. Die Aufgabenteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen führe teilweise zu
komplizierten und verwirrenden Formen staatlicher Förderung.
Für die praktische Umsetzung der meisten aus dem Rahmenübereinkommen folgenden
Verpflichtungen sind in Deutschland die Bundesländer zuständig. Der Bund bleibt in die-
sen Fällen auf die Weisungs- und Aufsichtsrechte des Art. 84 GG beschränkt. Das von
der Verfassung vorgegebene föderale System bedeutet für die Vertreter der Minderhei-
ten, dass sie nicht lediglich einen Ansprechpartner für die Geltendmachung ihrer Belan-
ge haben, sondern sich gegebenenfalls an mehrere Bundesländer wenden müssen. Zu-
dem führt das föderale System in Verbindung mit der Verteilung der Minderheiten auf die
einzelnen Länder zu unterschiedlichen Standards in den Ländern.
Das Bundesministerium des Innern organisiert in regelmäßigen Abständen eine sog.
Implementierungskonferenz. Eingeladen werden hierzu Vertreter verschiedener Bun-
desministerien, der Länder, Vertreter der in Deutschland lebenden nationalen Minderhei-
ten sowie der Regionalsprecher Niederdeutsch. Auf die Tagesordnung der Konferenz
können alle Themen aufgenommen werden, die entweder im Zusammenhang mit dem
Rahmenübereinkommen oder der Europäischen Charta der Regional- oder Minderhei-
tensprachen stehen. Alle Teilnehmer können Themen auf die Tagesordnung setzen las-
sen. Das Gremium ermöglicht es den Vertretern der Minderheiten in besonderem Maße,
sich gleichzeitig an möglichst viele staatliche Stellen zu wenden.
Zudem werden die jeweilige Minderheit betreffende Fragen der Bundesinnenpolitik in
sog. Beratenden Ausschüssen verhandelt. Bisher wurden der „Beratende Ausschuss für
Fragen der dänischen Minderheit beim Bundesministerium des Innern“, der „Beratende
Ausschuss für Fragen des sorbischen Volkes beim Bundesministerium des Innern“, der
„Beratende Ausschuss für Fragen der friesischen Volksgruppe in Deutschland beim
Bundesministerium des Innern“ sowie der „Beratende Ausschuss für Niederdeutsch
beim Bundesministerium des Innern“ eingerichtet. Die Sitzungen werden nach Bedarf
abgehalten, in der Regel jedoch einmal jährlich und darüber hinaus dann, wenn mindes-
tens drei Mitglieder einen entsprechenden Antrag stellen. Die Zusammensetzung ergibt
sich aus der jeweiligen Geschäftsordnung und variiert im Detail. Vertreten sind jedoch
neben dem Bundesministerium des Innern immer auch Angehörige der jeweiligen Min-
derheit sowie Vertreter der zuständigen Landesbehörden. Sofern die Mitglieder des
Deutschen Bundestages nicht ohnehin auch Mitglied im jeweiligen Ausschuss sind, kön-
nen sie (ebenso wie auch andere Ressorts und Sachverständige) zu den Sitzungen ein-
geladen werden. Die Tagesordnungen der Sitzungen werden durch den Vorsitzenden in
Absprache mit den Mitgliedern der Ausschüsse erstellt. Die Ausschusssitzungen bieten
den Vertretern der nationalen Minderheiten die Möglichkeit zu direktem Kontakt zur Lei-
tung des Bundesministeriums des Innern, zu den Ländervertretern sowie zu Abgeordne-
ten des Deutschen Bundestages. Dieser direkte Draht wird von den Minderheiten ge-
schätzt und hat daher einen Mehrwert zu den regelmäßig stattfindenden Kontakten auf
Arbeitsebene.
VIII. Braunkohleförderung (Empfehlung 8)
Das Ministerkomitee machte darauf aufmerksam, dass die weitere Förderung von
Braunkohle in Sachsen und Brandenburg das Risiko einer Schwächung des sprachli-
chen, kulturellen und historischen Erbes der sorbischen Minderheit berge, wenn ganze
Dörfer weit entfernt vom traditionellen Siedlungsgebiet der Minderheit umgesiedelt wür-
den. Das Ministerkomitee forderte die zuständigen Behörden daher auf, den Interessen
der Angehörigen der sorbischen Minderheit die erforderliche Beachtung zu schenken,
wenn neue Umsiedlungen der Bevölkerung für die Braunkohleförderung geplant sind,
und dabei sicherzustellen, dass die Betroffenen aktiv an den Entscheidungsprozessen
und den Vorbereitungen für die Umsiedlung beteiligt werden.
Den Interessen der Angehörigen des sorbischen Volkes im Freistaat Sachsen wird um-
fassend Beachtung geschenkt. Es ist sichergestellt, dass alle Bürger aktiv an den Ent-
scheidungsprozessen und den Vorbereitungen für die Umsiedlung beteiligt werden, ins-
besondere den Rechten des sorbischen Volkes wird dabei Rechnung getragen. Darüber
hinaus profitiert das sorbische Volk von den sicheren Arbeitsplätzen in der Braunkohlen-
industrie der Lausitz. Ohne den Braunkohlebergbau würde der arbeitsplatzbedingte
Wegzug des jüngeren Teils der sorbischen Bevölkerung auch bei einem ggf. in späteren
Jahrzehnten erfolgenden wirtschaftlichen Aufschwung der Region nicht verhindert wer-
In die Güterabwägung bei der Erstellung von Braunkohlenplänen werden sorbische Be-
lange berücksichtigt und sorbische Interessenvertreter weitreichend einbezogen, wie
z.B. aktuell beim Braunkohlenplan für den Tagebau Nochten.
Im Land Brandenburg ist bei Braunkohlentagebauvorhaben vor einer bergrechtlichen
Zulassung das landesplanerische Braunkohlenplanverfahren durchzuführen. Der Braun-
kohlenplan wird von der Landesregierung als Rechtsverordnung beschlossen. Ziel des
Braunkohlenplans ist es, eine langfristig sichere Energieversorgung zu ermöglichen, die
zugleich umwelt- und sozialverträglich ist (§ 12 Abs. 2 des Gesetzes zur Regionalpla-
nung und zur Braunkohlen- und Sanierungsplanung). In Braunkohlenplänen sind neben
Abbaugrenzen und Sicherheitslinien auch unvermeidbare Umsiedlungen und Flächen
für die Wiederansiedlung darzustellen.
Bei einer unvermeidbaren Inanspruchnahme von Siedlungen ist nach § 2 des Gesetzes
zur Förderung der Braunkohle im Land Brandenburg rechtzeitig gleichwertiger Ersatz
anzubieten und zu gewährleisten. Dabei sollen dörfliche Gemeinschaften und soziale
Bindungen durch gemeinsame Umsiedlung erhalten werden. Die Umsiedlung erfolgt auf
Kosten des Bergbautreibenden.
Bei Siedlungen, in denen eine kontinuierliche sprachliche oder kulturelle Tradition bis in
die Gegenwart nachweisbar ist, sind im Falle einer bergbaubedingten Umsiedlung ge-
eignete Wiederansiedlungsflächen im angestammten Siedlungsgebiet der Sorben
(Wenden) auszuweisen.
Bei der vom Unternehmen Vattenfall Europe Mining geplanten Weiterführung des Tage-
baus Welzow Süd, räumlicher Teilabschnitt I in den räumlichen Teilabschnitt II läuft seit
2007 ein Braunkohlenplanverfahren. Der dörflich geprägte Ortsteil Proschim gehört zur
Stadt Welzow und zum angestammten Siedlungsgebiet. Nach Z 17 des Braunkohlen-
planentwurfs sind für die Bevölkerung Proschims die Möglichkeiten zur Bewahrung und
Förderung der sorbischen Kultur, Sprache und Tradition unter den Bedingungen der
Umsiedlung zu erhalten, gegebenenfalls zu verbessern und damit die Bedingungen für
eine kontinuierliche Weiterentwicklung zu schaffen. Als Ansiedlungsstandort ist im Plan-
entwurf der zur Stadt Spremberg gehörende ländliche Ortsteil Terpe ausgewiesen, der
auch zum angestammten Siedlungsgebiet gehört.
IX. Aufklärung der Öffentlichkeit (Empfehlung 9)
Das Ministerkomitee riet den deutschen Behörden, neue Maßnahmen zu ergreifen, um
die Öffentlichkeit über die Sprache und Kultur der Angehörigen nationaler Minderheiten
zukünftig besser aufzuklären, insbesondere außerhalb der traditionellen Siedlungsgebie-
te der Minderheiten.
Von Seiten der Bundesregierung sei hier erneut insbesondere auf die Broschüre „Natio-
nale Minderheiten, Minderheiten- und Regionalsprachen in Deutschland“ hingewiesen,
die über die Siedlungs- und Sprachgebiete der nationalen Minderheiten Auskunft gibt
und die nationalen Minderheiten im Anschluss hieran ausführlich vorstellt.
Die Freie und Hansestadt Hamburg räumt der Förderung von Toleranz und interkulturel-
lem Dialog hohe Bedeutung ein, was insbesondere durch das neue Hamburger Integra-
tionskonzept „Teilhabe, interkulturelle Öffnung und Zusammenhalt“ deutlich wird. Hierbei
geht es um die gleichberechtigte messbare Teilhabe in allen Lebensbereichen. Zentrale
Strategien sind die interkulturelle Öffnung und Antidiskriminierung. Das Konzept richtet
sich nicht speziell an nationale Minderheiten, sondern berücksichtigt, dass auch Men-
schen aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert werden.
In Hamburg ist die interkulturelle Erziehung ein Aufgabengebiet, das von allen Schulen
in sämtlichen Fächern und im Schulleben mitverantwortet wird. Hier erwerben die Schü-
lerinnen und Schüler die Kompetenz, sich zunehmend selbstständig auch außerhalb der
eigenen kulturellen Zusammenhänge zu orientieren und die Sichtweise auch von Min-
derheiten nachzuvollziehen. Die „Beratungsstelle Interkulturelle Erziehung am Hambur-
ger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung“ hält interkulturelle Materia-
lien vor, in denen u.a. Kenntnisse auch zu Sinti und Roma und ihren Kulturen vermittelt
werden, sodass Lehrkräfte dieses Thema im Unterricht mit ihren Schülerinnen und
Schülern erarbeiten können.
Die Hamburger Landeszentrale für politische Bildung fördert u.a. regelmäßig Veranstal-
tungen und Projekte von Vereinigungen, die sich mit dem Zusammenleben und gegen-
seitigen Verständnis von unterschiedlichen Religionen und Nationalitäten, darunter auch
mit nationalen Minderheiten in Deutschland auseinandersetzen. Dazu gehörten im Jahr
2009 die Rosa-Luxemburg-Stiftung (Seminar mit Klaus Mellenthin "Roma - die größte
Minderheit Europas") sowie der Verein zur Erforschung der Geschichte der Juden in
Blankenese ("z 3105 Der Sinto Walter Winter überlebt den Holocaust" - Lesung und Ge-
spräch mit der Autorin Karin Guth), im Jahr 2013 die Stiftung BÀ
Computational statistics handbook with matlab third edition
Historically african american leisure destinations around washington dc
nerievillasislopez
How to think like a horse the essential handbook for understanding why horses...
Argosy Verification_Certificate_118710212
jonathan sammuel harrold
4Runner for Warrior Hunts
Intramolecular motion and chemical reaction pdf
noreenb5
Horticulture as therapy principles and practice
Britt Donckers