Source: http://kann-nicht-sein.de/de/technik/federn/teilegutachten/
Timestamp: 2020-07-02 08:20:14
Document Index: 326719471

Matched Legal Cases: ['§19', '§19', '§21', '§19', '§27', '§19', '§21']

K.A.W. Fahrwerkstechnik - Teilegutachten
Eintragungen mit Teilegutachten?
Kein Problem. VW SPEED und K.A.W zeigen, welchen Aufwand ein Hersteller für diesen Service betreiben muß. Der Kunde erhält dafür ein Produkt mit Brief und Siegel.
Fotos Krishna Lahoti
Wie kommt ein Teilegutachten - im konkreten Fall für Tieferlegungsfedern - zustande? K. A. W. Fahrwerkstechnik in Vellmar hat die VW-Speed eingeladen, bei der Abnahme dabeizusein.
Zunächst zum juristischen Hintergrund
Mit einem Teilegutachten ist die vereinfachte Eintragung des Fahrwerks nach §19 III Straßenverkehrs- Zulassungs- Ordnung ( STVZO) möglich. Grundsätzlich erlischt ja die Betriebserlaubnis des Autos, wenn man fremde Teile einbaut ( §19II STVZO). Es ist dann eine Einzelabnahme nach §21 STVZO notwendig.
Nicht so beim Teilegutachten, denn damit erlischt die Betriebserlaubnis nicht automatisch. Man braucht nur noch bei TÜV, DEKRA oder GTÜ eine Anbaubescheinigung nach §19 IV STVZO einholen, bei der lediglich der korrekte Einbau und die Erfüllung eventueller Auflagen geprüft wird. Das ist weniger Aufwand und kostet auch weniger, denn hier hat ja der Hersteller bereits die fälligen Tests durchgeführt.
Für die eigentliche Eintragung durch die Zulassungsstelle läßt §27 STVZO Zeit bis zur „nächsten Befassung mit den Fahrzeugpapieren “, also zum nächsten ab- oder ummelden. Bis dahin genügt es, die Anbaubescheinigung mitzuführen.
"Die Erstellung eines Teilegutachtens ist eindeutig ein Service für den Kunden", betont Andreas Wiegel von K. A. W.. Ein enormer Aufwand für den Hersteller, denn dafür muß sein Betrieb zertifiziert sein. Dazu ist ein Qualitätsmanagement nachzuweisen, das unter anderem sicherstellt, daß alle in den Gutachten beschriebenen Teile identisch und jederzeit identifizierbar sind.
Nicht zu verwechseln mit dem §19 III- Teilegutachten ist ein reiner Prüfbericht. Damit lassen sich im Rahmen der hierbei fälligen §21- Einzelabnahme allenfalls bestimmte Eigenschaften des Teiles belegen.
Zunächst werden dem TÜV ( in Berlin und den neuen Bundesländern der DEKRA) sämtliche Daten vorgelegt wie Federkennlinie, Kilopond´-Angaben, Windungszahl, Drahtdurchmesser, die ungespannte Länge und - ganz wichtig - eine Dauerschwingtest- Bescheinigung, die nachweist, daß die Feder 500000 mal komplett beund entlastet wurde, ohne zu brechen.
Die Restfederwegsprüfung bei eingebautem Zustand
Kontrolle der Übereinstimmung mit den angegebenen Daten und der Kennzeichnung der Feder, nach anheben des Wagens Prüfung ihrer Vorspannung. Axiales Spiel darf nicht erkennbar sein. Jetzt wird die neue Standhöhe an der Dachmitte gemessen. Auf der Waage ermittelt man die Achslasten. Ausgehend vom Leergewicht wird stufenweise Gewicht eingeladen bis zum Erreichen der zulässigen Last. Die Messung des jeweiligen Tiefgangs erfolgt zwischen Radausschnittunterkante und Radmitte, woraus sich auf die Federrate schließen läßt. Als Sicherheitsreserve wird nun zusätzlich um 30 Prozent überladen, wonach immer noch 25 Millimeter Restfederweg verbleiben müssen.
Fahrversuch bei maximaler Beladung
Einige schnelle Runden auf der Kreisbahn, in beiden Richtungen in weiten und engen Radien, der Ausweichtest durch den Pylonenparcours, anschließend fahren im normalen Straßenverkehr und auf der Schlecht- Wege- Strecke.
Und wie sich ’s gehört, das schönste zum Schluß: Der Praxistest in extremer Fahrsituation, wobei das Fahrwerk komplett ausfedern soll. Hans- Karl Mänz vom TÜV Hessen in Kassel kennt da eine herrliche Kuppe. Fliegen ist einfach schöner als abfliegen. Ein derart geprüftes Qualitätsfahrwerk hilft, auf der Straße zu bleiben.