Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BFHE%20110,%20213
Timestamp: 2019-04-22 22:59:23
Document Index: 356309432

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 3', '§ 222', '§ 223', '§ 223', '§ 169', '§ 103', '§ 21', '§ 23', '§ 1', '§ 71', '§ 21', '§ 144', '§ 12', '§ 2']

BFH, 27.06.1973 - II R 179/71 - dejure.org
Kraftfahrzeugsteuer - Zuordnung zu Verkehrsteuern - Abgrenzung zu Verbrauchsteuern - Verwaltung durch Landesfinanzbehörden - Einjährige Verjährungsfrist - Kraftfahrzeugsteuerfestsetzungen - Prüfung des Sachverhalts - Bescheide in schriftlicher Form - Änderungsvorschrift
BFHE 110, 213
NJW 1974, 471
BStBl II 1973, 807
Während die Kraftfahrzeugsteuer nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 und 4 KraftStG für inländische Fahrzeuge eine öffentlich-rechtliche Erlaubnis zum Gegenstand hat und die Erklärungspflicht an diese Erlaubnis anknüpft (§ 3 Kraftfahrzeugsteuer-Durchführungsverordnung (KraftStDV) in der bis zum 19. Juli 2017 gültigen Fassung), gilt das für den Ersatztatbestand der widerrechtlichen Benutzung nicht (vgl. BFH, Urteil vom 27. Juni 1973 - II R 179/71, BFHE 110, 213).
Mag unter Berücksichtigung der Ausführungen des Bundesfinanzhofs in seiner Entscheidung vom 27.06.1973 (II R 179/71, BFHE 110, 213, 217, BStBl II 1973, 807) im Zusammenhang mit der Kraftfahrzeugsteuer,.
Diese Voraussetzung liegt bei Steueranmeldungen über Abzugsteuern nicht vor (BFH-Urteile vom 15. Oktober 1968 II 53/63, BFHE 94, 79, 85, BStBl II 1969, 86, 89; vom 27. Juni 1973 II R 179/71, BFHE 110, 213, BStBl II 1973, 807, 810;… Tipke/Kruse, Reichsabgabenordnung, Kommentar, 7. Aufl., § 222 A. 6; Mattern/Meßmer, Abgabenordnung, Kommentar, § 223 Tz. 1749;… Hübschmann/Hepp/Spitaler, Abgabenordnung, Kommentar, 1. bis 6. Aufl., § 223 Rz. 12).
Diese grundsätzlich vom Steuerschuldner bei der Preisbildung kalkulierbare Überwälzbarkeit ist ein wesentlicher Grund für die in § 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO festgelegte kurze Verjährungsfrist dieser Steuern (BFH-Urteil vom 27. Juni 1973 II R 179/71, BFHE 110, 213, BStBl II 1973, 807).
Bei der Festsetzung der Kraftfahrzeugsteuer handelt es sich in der Regel um ein Massenverfahren, bei dem die Finanzbehörden die ihnen mitgeteilten Besteuerungsgrundlagen nicht systematisch einer genauen Nachprüfung unterziehen können (…vgl. Egly/Mößlang, a.a.O., Abschn. 4 c = S. 98; BFH-Urteil vom 27. Juni 1973 II R 179/71, BFHE 110, 213, 218, BStBl II 1973, 807).
Eine Legaldefinition fehlt (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 27. Juni 1973 II R 179/71, BFHE 110, 213, BStBl II 1973, 807).
Die Steuer des § 103 b BranntwMonG widerspricht nicht der in der Rechtsprechung des BFH entwickelten Bestimmung des Begriffs der Verbrauchsteuern (vgl. Urteil vom 30. April 1953 V 84/51 S, BFHE 57, 473, 489, BStBl III 1953, 183, 188, und Urteil in BFHE 110, 213, 215, BStBl II 1973; 807; vgl. auch RFH-Urteil in RFHE 3, 160, 161, und BVerfG-Beschluß vom 7. Mai 1963 2 BvL 8, 10/61, BVerfGE 16, 64, 74).
Zwar findet sich weder in der AO 1977 noch sonst im Abgabenrecht eine Legaldefinition des Begriffs der Verbrauchsteuern oder ein Kriterium für ihre Abgrenzung zu anderen Steuern (BFH-Urteil vom 27. Juni 1973 II R 179/71, BFHE 110, 213, BStBl II 1973, 807, 808), doch gibt das Gesetz an anderer Stelle, im Rahmen der Regelung der örtlichen Zuständigkeit (vgl. § 21 AO 1977 einerseits und § 23 AO 1977 andererseits), zu erkennen, daß es die Umsatzsteuer mit Ausnahme der hier nicht in Frage stehenden Einfuhrumsatzsteuer (§ 1 Abs. 1 Nr. 4 UStG 1967; desgleichen die späteren Gesetzesfassungen) nicht zu den Verbrauchsteuern zählt (vgl. die entsprechende Regelung nach den §§ 71 Abs. 1, 73 Abs. 1 und Abs. 4 sowie 76 Nr. 8 der Reichsabgabenordnung - RAO 1931 - vom 22. Mai 1931, RGBl I 1931, 161), eine Klassifikation, die im übrigen durch § 21 Abs. 1 UStG bestätigt wird.
Bei der Kraftfahrzeugsteuer beträgt die Verjährungsfrist mehr als ein Jahr (§ 144 Abs. 1 Satz 1 AO; BFH-Urteil vom 27. Juni 1973 II R 179/71, BFHE 110, 213, 218, BStBl II 1973, 807, 809).
Bei ihr erteilt das FA nach Prüfung des Sachverhalts einen im Gesetz selber vorgesehenen schriftlichen Bescheid (§ 12 Abs. 4 KraftStDV, § 2 Abs. 1 AO; BFHE 110, 213, 218); das geschah im vorliegenden Falle durch den auf 0 DM lautenden Bescheid vom 6. September 1962.
Wie dem BFH-Urteil vom 27. Juni 1973 (II R 179/71, BFHE 110, 213, BStBl II 1973, 807) zur Kraftfahrzeugsteuer zu entnehmen ist, wird bei den Verbrauchsteuern gemeinhin ein bestimmter Gegenstand bzw. dessen Übertritt aus einem der Besteuerung unterliegenden Bereich in einen steuerlich nicht gebundenen Verkehr und das Halten oder der Verbrauch bestimmter Güter als für die Entstehung der Steuerschuld maßgebend angesehen.
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