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Timestamp: 2016-12-06 17:59:44
Document Index: 94281673

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

⭐BAURECHT AKTUELL DAS MAGAZIN DES NETZWERKS BAUANWÄLTE
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1 AUSGABE BAURECHT AKTUELL DAS MAGAZIN DES NETZWERKS BAUANWÄLTE Projektentwicklung Wie lassen sich Risiken vermeiden? Die Rolle des Bauanwalts in der Projektentwicklung von Dr. Andreas Koenen Was kann ein Bauanwalt in der Projektentwicklung tatsächlich leisten? Geht es nicht auch ohne ihn? Bei welchen Fragestellungen lohnt es sich, fachkundigen Rat einzuholen, und wie kann man den Sonderfachmann Recht in das Projektteam sinnvoll integrieren? Vgl. hierzu den Beitrag auf Seite 4/7 Investors Liebling der Vorhaben- und Erschließungsplan von Prof. Dr. Ulrich Rommelfanger Der Vorhaben- und Erschließungsplan hat sich zu einem wichtigen Bestandteil der kommunalen Bauleitplanung entwickelt, bietet er doch für Kommunen und Bauherren/Investoren gleichermaßen die beste Chance, ein Bauprojekt schnell und reibungslos zu planen und zu realisieren. Vgl. hierzu den Beitrag auf Seite 9/10 Bauen im Bestand auch für Projektentwickler ein Risiko von Dr. Andreas Neumann Zur Vermeidung von Fallstricken beim Bauen im Bestand ist ein hoher Grad an Präzision bei der Vertragsgestaltung erforderlich. Voraussetzung ist vor allem die richtige Wahl des Vertragsmodells, zumal der Projektentwickler in vielen Fällen auch für die Altbausubstanz haftet. Vgl. hierzu den Beitrag auf Seite 19/212 3 Editorial 4 Der Bauanwalt in der Projektentwicklung Risikominimierung durch Einbeziehung eines Sonderfachmanns Recht RA Dr. Andreas Koenen, KOENEN BAUANWÄLTE, Essen/Hannover/Münster/Bielefeld 8 Städtebaurecht im Umbruch Investitionsrisiken bei der Stadterneuerung RA Prof. Rudolf Jochem, RJ Anwälte, Wiesbaden 9 Investors Liebling Der Vorhaben- und Erschließungsplan RA Prof. Dr. Ulrich Rommelfanger, RJ Anwälte, Wiesbaden 11 Das Architektenhonorar beim VEP Architekten sollten klare schriftliche Vereinbarung treffen RA Prof. Rudolf Jochem, RJ Anwälte, Wiesbaden 13 Subventionen ein Risiko für Architekten Nur schriftliche Verträge schützen vor Verlust des Architektenhonorars OLG Celle RA Marcus Sundermann, KOENEN BAUANWÄLTE, Essen/Hannover/Münster/Bielefeld 15 ARGE: Versicherungsrechtliche Probleme Gesamtschuldnerische Haftung im Versicherungsrecht RA Karsten Meurer, Meurer Rechsanwälte, Stuttgart 17 Energieeinsparung contra Denkmalschutz Steht die EnEV der Sanierung von Baudenkmalen im Wege? RA Karsten Meurer, Meurer Rechsanwälte, Stuttgart 19 Rechtliche Probleme beim Bauen im Bestand Mängelhaftung im Bauträger- und Käufermodell RA Dr. Andreas Neumann, KOENEN BAUANWÄLTE, Essen/Hannover/Münster/Bielefeld 22 Das Ende vom Lied Projektentwickler darf fristlos kündigen OLG Hamm, Urt. v U 58/12 RA Thorsten Scheuren, LL.M., LEINEN & DERICHS ANWALTSOZIETÄT, Köln/Berlin/Brüssel 23 Über das Netzwerk Bauanwälte 2 BAURECHT AKTUELL 01/2015 Impressum Herausgeber: Netzwerk Bauanwälte GbR II. Hagen 7, Essen, Geschäftsführer: Dr. Andreas Koenen, Redaktion: Dr. Andreas Koenen Fotonachweis: Shutterstock (S. 4, 8, 11, 12, 14, 16, 17, 19, 20, 24)3 Editorial Liebe Leserinnen und Leser, baubegleitende Rechtsberatung ist keineswegs neu. So lässt sich die öffentliche Hand bei ihren Bauten seit jeher durch ihre Justiziare der Bauverwaltung beraten. Auch große private Auftraggeber bzw. Bauherren (z.b. Banken, Versicherungen und Wohnungsbaugesellschaften) besaßen schon immer Rechtsabteilungen, wenngleich in den vergangenen Jahren auch hier Outsourcing an der Tagesordnung ist. Dasselbe gilt für große nationale, vor allem aber für international tätige Baufirmen, die regelmäßig als Auftragnehmer und Auftraggeber auftreten und in vielen Fällen zu einem frühen Zeitpunkt auch in die Projektentwicklung eingebunden sind. Bau- bzw. Immobilienprojekte werden heute jedoch nicht nur von den in der Vergangenheit führenden institutionellen Bauherren entwickelt, sondern von einer Vielzahl auch kleinerer Projektentwicklungsgesellschaften, die häufig bereits vor Beginn des Bauprojekts ihren Investoren nahestanden und teilweise von diesen initiiert und/oder gegründet worden sind. Die für diese modernen Projektentwicklungsgesellschaften handelnden Personen entstammen vielfach der Erfahrungswelt der traditionell auf die Vermarktung und den Vertrieb fertiger Immobilien konzentrierten Immobilienwirtschaft, eine Erfahrungswelt, die zu den Fragestellungen, die im Zusammenhang mit der Errichtung einer Immobilie auftreten, naturgemäß nur wenige Berührungspunkte aufweist. Diese modernen, der Immobilienwirtschaft entstammenden Projektentwickler sind also gehalten, sich das juristische Know-how, das sie für die Errichtung einer Immobilie benötigen, auf dem freien Dr. Andreas Koenen Geschäftsführer Netzwerk Bauanwälte Markt zu beschaffen. In den vergangenen Jahren haben sich einige Kanzleien genau auf dieses Betätigungsfeld konzentriert, die bauvorbereitende und projektbegleitende Rechtsberatung speziell für Projektentwickler anbieten. Zu den in diesem Zusammenhang maßgeblichen Rechtsgebieten gehört zwar vor allem, aber eben nicht nur das private und das öffentliche Baurecht. Hierzu gehören vielmehr alle im Zusammenhang mit der Konzeption, der Planung und Errichtung einer Immobilie auftretenden rechtlichen Fragestellungen, auf die es sich zu spezialisieren gilt. Weil eine juristisch orientierte, rein angebotsbezogene Einteilung von Spezialisierungen anwaltlicher Dienstleistungen auf Rechtsgebiete an der Realität, vor allem aber auch an der Nachfrage im Bereich des Bauens vorbeigeht, hat das Netzwerk Bauanwälte ein eigenes Selbstverständnis entwickelt und diesem einen Namen gegeben, den des Bauanwalts (vgl. hierzu Was ist ein Bauanwalt, S. 5 f.). Das Erfordernis einer Abkehr vom traditonellen Verständnis eines auf ein Rechtsgebiet spezialisierten Rechtsanwalts ist dabei in kaum einem Wirtschaftsbereich so offenkundig geworden wie bei der Entwicklung von Immobilienprojekten. Insofern ist der Bereich der Projektentwicklung in besonderer Weise geeignet, den Wandel innerhalb der Anwaltschaft (in Richtung Spezialisierung) aufzuzeigen, den das Netzwerk Bauanwälte bereits bei seiner Gründung im Jahre 2003 vollzogen hatte. Dies ist der Hintergrund der aktuellen Ausgabe unseres Magazins zum Thema Projektentwicklung. Ausgangspunkt sind dabei die Chancen der Einbeziehung eines Bauanwalts in die Projektentwicklung (S. 4 ff.). Es folgen zwei Beiträge zum öffentlichen Baurecht, von Prof. Rudolf Jochem über das Städtebaurecht im Umbruch (S. 8) sowie seines Kollegen Prof. Dr. Ulrich Rommelfanger über den Vorhabenund Erschließungsplan (VEP), vgl. S. 9. Eine Brücke zum privaten Baurecht stellt dann der Beitrag zum Architektenhonorar beim VEP dar (S. 11 f.). Dass Subventionen nicht nur ein Risiko für Bauherren, sondern auch für Architekten sein können, zeigt der Beitrag von Marcus Sundermann (S. 13 f.). Es folgen zwei Beiträge von Karsten Meurer zum Versicherungsrecht sowie zur Denkmalsanierung (S. 15 ff.) sowie ein Beitrag von Dr. Andreas Neumann über Rechtsprobleme beim Bauen im Bestand (S. 19 ff.). Wann ein Projektentwickler kündigen darf zeigt abschließend der Beitrag von Thorsten Scheuren, LL.M. (S. 22). Viel Freude bei der Lektüre wünscht Ihnen Ihr Dr. Andreas Koenen, Geschäftsführer BAURECHT AKTUELL 01/2015 34 Der Bauanwalt in der Projektentwicklung als Führungsperson im (Projekt-)Team trägt er eine besondere Verantwortung. Der Bauanwalt in der Projektentwicklung Risikominimierung durch Einbeziehung eines Sonderfachmanns Recht von RA Dr. Andreas Koenen, KOENEN BAUANWÄLTE, Essen/Hannover/Münster/Bielefeld Ziel einer bauvorbereitenden Rechtsberatung ist es, spätere Streitfälle und Prozesse zu vermeiden, und falls dies nicht möglich ist diese wenigstens optimal vorzubereiten. Kaum jemand ist mehr darauf angewiesen als der Projektentwickler. Denn die Risiken eines Bauprojekts, das hinsichtlich Kosten, Bauzeit und/ oder Qualität nicht den vom Investor erwarteten und dessen Vertragspartnern zugesicherten Vorgaben entspricht, sind kaum zu überschauen. Umso erstaunlicher ist es, dass es immer noch (Groß-) Projekte gibt, die mit selbst gestrickten Mustern und Verträgen und damit unter Inkaufnahme unüberschaubarer Risiken nicht nur gestartet, sondern auch durchgeführt werden. Insofern verwundert es nicht, dass Bauprojekte immer wieder in den Sand gesetzt werden. Bevor wir uns mit der Rolle eines Bauanwalts bei der Projektentwicklung befassen, gilt es zu klären, welche Risiken es jeweils zu vermeiden gilt. Dies hängt maßgeblich davon ab, um welche Art von Projektentwicklung es geht, verbirgt sich hinter diesem Begriff doch eine Vielzahl von Konstellationen mit ganz unterschiedlich ausgeprägten Risiken. Was ist Projektentwicklung? Gesetzlich definiert ist der Begriff der (Immobilien-)Projektentwicklung nicht, so dass es insoweit keinen Orientierungsmaßstab gibt. Ebenso wenig konnte sich in der Praxis eine einheitliche Begriffsdefinition durchsetzen. Ursprünglich abgeleitet wird das Wort Projekt von dem (lateinischen) proiectum, was das nach vorn Geworfene bedeutet. Ein Projekt ist also etwas, das man voranbringt. Verbunden mit dem Wort Entwicklung ist Projektentwicklung also auch nach dem allgemeinen Sprachgebrauch etwas, was ständig weiterentwickelt wird, bis es zur Realisierung gelangt, sofern sich eine Realisierung im Rahmen der Entwicklungsphase als sinnvoll erweist. In der Immobilienwirtschaft wird der Begriff der Projektentwicklung für die Entwicklung eines Immobilienprojektes von dem Projektanstoß bis hin zur Realisierung (einschließlich Verkauf des Projektes bzw. fertigen Produktes) verstanden. Bausteine einer Projektentwicklung sind also neben der Projektidee immer auch das Grundstück, das notwendige Kapital und der bzw. die Nutzer des fertigen Gebäudes. Zusammenfassend lässt sich Immobilien- Projektentwicklung als das Zusammenfüh- 4 BAURECHT AKTUELL 01/20155 ren von Projektidee, Grundstück, Kapital und Nutzer mit dem Ziel, eine rentable Investition zu tätigen, definieren (so Schäfer/Conzen, Praxishandbuch Immobilien- Projektentwicklung, 3. Aufl. 2013, S. 1). Vor diesem Hintergrund lassen sich zwei unterschiedliche Formen herauskristallisieren, in denen heutzutage Immobilienprojekte entwickelt werden und bei denen die Rolle des baubegleitenden bzw. bauvorbereitenden Anwalts für den Projektentwickler unterschiedlich ausgestaltet ist - die Projektentwicklung als Projektbetreuung sowie die Projektentwicklung in Projektträgerschaft. Projektentwicklung als Projektbetreuung Projekte werden auch heute noch häufig durch so genannte Baubetreuer entwickelt. Dabei ist der Leistungsumfang dieser Projektentwickler (besser Projektbetreuer ) auf Consulting- und Controlling-Leistungen beschränkt. Denn Baubetreuer werden lediglich im fremden Namen und für fremde Rechnung auf fremden Grund und Boden tätig. Aufgrund des beschränkten Leistungsumfangs ist auch der anwaltliche Beratungsbedarf überschaubar, zumindest dann, wenn sich der Baubetreuer auf seine Kernkompetenzen beschränkt und seinem Auftraggeber die Einbeziehung eines Sonderfachmanns Recht empfiehlt. Projektentwicklung in Projektträgerschaft Sehr viel größeren juristischen Beratungsbedarf haben diejenigen, die Immobilienprojekte im eigenen Namen und für eigene Rechnung entwickeln und insofern auch die Risiken tragen, und zwar unabhängig von der Frage, ob das Projekt auf eigenem oder auf fremden Grundstück entwickelt wird. In den meisten Fällen wird die Projektträgerschaft insoweit eingeschränkt sein, als der Projektentwickler im Auftrag eines Investors tätig wird, der entweder bereits Eigentümer des Grundstücks ist oder dieses noch erwirbt. In diesem Fall würden das Grundstücksrisiko und das Vermarktungsrisiko beim Investor verbleiben, der Projektentwickler würde das nicht zu unterschätzende Planungs- und Bauerrichtungsrisiko übernehmen. In dieser Konstellation übernimmt er Planung und Errichtung der Immobilie als echter Projektträger, bis zur Übergabe der fertigen Immobilie an den Investor, seinen Auftraggeber. Auch wenn der Projektentwickler seinem Investor eine fertige Immobilie schuldet, unterliegt ein solcher Projektentwicklungsvertrag allerdings nicht dem Was ist ein Bauanwalt? Von Dr. Andreas Koenen Die deutsche Anwaltschaft ist derzeit im Umbruch. Eine Folge dieses Wandels ist die stetig steigende Zahl der Fachanwaltschaften. Mit Beschluss vom gibt es nun den 22. Fachanwaltstitel, den Fachanwalt für Vergaberecht. Dabei gehörte das Vergaberecht in der Vergangenheit bereits zum Kanon der Rechtsgebiete, in denen ein Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht seine theoretischen Kenntnisse (in Grundzügen) nachgewiesen haben musste. Ebenso musste ein Rechtsanwalt, der den Titel Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht führen wollte, eine (Fachanwalts-)Klausur im öffentlichen Baurecht bestanden haben. Das öffentliche Baurecht war und ist allerdings auch Ausbildungsgegenstand für einen angehenden Fachanwalt für Verwaltungsrecht. Insofern sind die Rechtsgebiete, mit denen sich ein Bauanwalt zu beschäftigen hat, nunmehr auf drei Fachanwaltschaften verteilt. Zwar gehören auch öffentliches Baurecht und Vergaberecht (wie das private Baurecht) zum Fachanwalt Bau- und Architektenrecht und auch zu dessen Ausbildung. Dass es jedoch darüber hinaus zwei weitere Fachanwaltschaften (Verwaltungsrecht und Vergaberecht) gibt, die sich mit den Rechtsgebieten beschäftigen, die rund um das Thema Bauen eine zentrale Rolle spielen, zeigt, dass die Einteilung der Fachanwaltschafen nach rein juristischen Kriterien, d.h. nach Rechtsgebieten, an der Realität vorbeigeht. So war es den am Bau Beteiligten schon in der Vergangenheit kaum vermittelbar, dass es das Baurecht für den hier so bezeichneten Juristen bzw. Anwalt 1.0 gar nicht gibt. Nach dessen tradionellem Verständnis liegen zwischen dem öffentlichen und dem privaten bzw. zivilen Baurecht Welten Unterschiede, die sich bis heute auch in der grundlegend verschiedenen Gerichtsbarkeit (Verwaltungs-, Zivilgerichte sowie die Vergabekammern mit den Vergabesenaten bei den Oberlandesgerichten) widerspiegeln. Da also eine durch einen Fachanwaltstitel ausgewiesene Spezialisierung nach der Fachanwaltsordnung immer angebots- bzw. rechtsgebietsbezogen und nicht nachfragebezogen bzw. auf einen Wirtschaftsbereich bezogen ist, hat das Netzwerk Bauanwälte bereits im Jahre 2003 ganz bewusst den Begriff des Bauanwalts und nicht den des Baurechtsanwalts verwendet. Denn das private Baurecht, das im Vordergrund des zwei Jahre später (2005) entstandenen Fachanwalts für Bau- und Architektenrechts stand und bis heute steht, stellt lediglich einen Teil der Kompetenz und Erfahrung dar, die einen Bauanwalt auszeichnet, der sich nämlich mit sämtlichen rechtlichen Gesichtspunkten befassen muss, die bei der Konzeption, Planung und Errichtung von Bauprojekten von Bedeutung sind. Gerade bei der Projektentwicklung zeigt sich, dass eine Beschränkung auf das private Baurecht zu kurz greift. Denn gerade hier tauchen über das traditionelle Baurecht hinausgehende rechtliche Fragestellungen auf, die einer Lösung zugeführt werden müssen. Vor diesem Hintergrund ist eine auf den Wirtschaftsbereich bezogene, von der traditionellen Einteilung (in Rechtsgebiete) losgelöste Spezialisierung eines Bauanwalts wohl selten so wichtig wie bei der Entwicklung von Bauprojekten. BAURECHT AKTUELL 01/2015 56 Kaufvertragsrecht. Es handelt sich vielmehr um einen klassischen Werkvertrag, durch den der Projektentwickler und zwar verschuldensunabhängig zur Herstellung des vereinbarten Werks verpflichtet ist. Weitere Folge ist, dass der Projektentwickler an einer Gewährleistungszeit von fünf Jahren kaum vorbeikommen dürfte. Und das unterscheidet ihn von vielen Baubetreuern, die je nach Leistungsumfang bzw. Vertragsgestaltung lediglich Dienstleistungen erbringen und gerade keinen Erfolg schulden. Insofern ist der Projektträger, der eine Immobilie auf fremdem Grundstück planen und errichten lässt, in besonderer Weise auf juristische Fachkompetenz und entsprechende Erfahrung eines Bauanwalts angewiesen. Beratungsfelder eines Bauanwalts Je nach Art der Projektentwicklung kommen insgesamt sechs Beratungsfelder in Betracht, in denen der Projektentwickler juristischen Beratungsbedarf hat, der durch einen kompetenten Bauanwalt abgedeckt werden kann. Sie beziehen sich auf folgende Bereiche: das Grundstück (1.), die Planung und den Bauerwerb (2.), die Vermarktung (3.), die Planerverträge (4.), Verträge mit den Baufirmen (5.) und das Vergaberecht (6.). 1. Grundstück Gegenstand der Prüfung des Projektentwicklers ist zunächst einmal die bauplanungs- und bauordnungsrechtliche Zulässigkeit des geplanten Bauvorhabens. Nachbarrechtliche Fragestellungen können hier ebenfalls eine Rolle spielen, die im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens in der Regel nicht geprüft werden. So ist es möglich, dass ein Investor/Bauherr eine Baugenehmigung erhält, die in die Rechte Dritter (des Nachbarn) eingreift und deshalb später, auch nach Erteilung der Baugenehmigung, auf dem Zivilrechtswege ausgehebelt werden kann. Hinzu kommt, dass der Projektentwickler in diesem Bereich gewerberechtliche Fragen beantworten muss. Bei größeren Bauvorhaben wird man die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit zudem durch einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan sicherstellen müssen, der von dem Projektentwickler eingeleitet und auch geführt werden muss (vgl. hierzu den Beitrag von Prof. Dr. Rommelfanger, S. 9 ff.). Im Zusammenhang mit dem Grundstück gilt es auch, vorhandene Bodenrisiken als solche zu erkennen und ggf. entsprechende Sonderfachleute einzuschalten. Die Bodenrisiken können sich zum einen aus dem Baugrund und dem Grundwasser, zum anderen auch in Form von Altlasten und/oder Kontaminationen ergeben. Fragen in diesem Zusammenhang müssen mit dem Erwerb des Grundstücks geklärt werden, zumal die Kosten für die Entsorgung von Bodenverunreinigungen bisweilen ein unkalkulierbares Risiko darstellen und das Grundstück faktisch entwerten können. Hier gilt es, die Risiken sorgfältig zu prüfen, zu erfassen und zu bewerten. Eingeschränkt werden können diese Risiken durch eine vertragliche Gestaltung, bei der auf die Wirksamkeit der Regelungen besonderes Augenmerk gelegt werden muss. Insoweit sind insbesondere bei einem etwaig noch in Betracht kommenden Grundstückskaufvertrag Absicherungsmechanismen und -strategien erforderlich, da ein Grundstückskäufer damit rechnen muss, dass er eine tickende Zeitbombe in Form von Schadstoffverunreinigungen im Boden erwirbt. 2. Planung und Bauerwerb Der Projektentwickler, der im eigenen Namen und für eigene Rechnung das Immobilienrecht plant und realisiert, erhält vom Investor in der Regel einen bisweilen durchaus mehr als auskömmlichen Pauschalpreis. Die Einhaltung der Kosten und damit die Kalkulationssicherheit ist für den Investor das mit Abstand wichtigste Kriterium, weil er nur so das in dieser Konstellation bei ihm verbleibende Vermarktungsrisiko abschätzen bzw. kalkulieren kann. Der Projektentwickler bzw. Projektträger, der sich insoweit auf einen Pauschalfestpreis einlässt, riskiert, dass die von ihm beauftragten Planer und ausführenden Firmen mit mehr Honorarbzw. Mehrvergütungsansprüchen auf ihn zukommen, die er an den Investor/Auftraggeber nicht weiterleiten kann. Projektentwickler brüsten sich in der Praxis häufig damit, dass sie mit ihren Planern Pauschalhonorare vereinbart haben, die unter der Maßgabe der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) in den meisten Fällen allerdings nicht verbindlich sind, weil danach Honorarvereinbarungen nur in bestimmten Fällen zulässig sind. Beispielsweise können sich anrechenbaren Kosten erhöhen oder das Pauschalhonorar unterhalb der HOAI-Mindestsätze liegen (vgl. hierzu den Beitrag auf S. 11 f.). Eine weitere Hürde für die Sicherheit von Planerhonoraren liegt darin, dass eine wirksame Honorarvereinbarung mit einem Architekten/Ingenieur bei Auftragserteilung erfolgt sein muss. Bei Baufirmen gibt es demgegenüber zwar keine (gesetzlichen) Grenzen im Hinblick auf die Wirksamkeit von Pauschalpreisvereinbarungen. Gleichwohl gibt es in der Baupraxis eine Vielzahl von Situationen/Konstellationen, in denen der Bauunternehmer trotz Pauschalpreis einen Mehrvergütungs-, Entschädigungs-/ oder Schadensersatzanspruch hat. Der Projektentwickler riskiert also, dass sein Auftraggeber/Investor ihm weniger schuldet als er seinen Nachunternehmern, jedenfalls dann, wenn die vertragliche Gestaltung nicht entsprechende Vorkehrungen enthält. Dies zu vermeiden, ist eine der Hauptaufgaben bei der Gestaltung von Projektentwicklungsverträgen, die nur mit entsprechender juristischer Fachkompetenz bewältigt werden können. 3. Vermarktung Bei der Vermarktung eines Bauprojekts wird der Projektentwickler in der Regel lediglich als Projektbetreuer bzw. Berater tätig. Allerdings muss bei der Veräußerung neu errichteter Immobilien im Hinblick auf die Erwerber berücksichtigt werden, dass die Erwerber mit Ausnahme bei Mängeln an Grundstücken Mängelrechte 6 BAURECHT AKTUELL 01/20157 innerhalb von 5 Jahren ( 638 BGB) geltend machen können, da insoweit ebenfalls Werkvertragsrecht Anwendung findet, wobei die 5-Jahresfrist in den Fällen, in denen eine Immobilie nicht als Ganzes an einen Erwerber veräußert wird, sondern vielmehr als Eigentumswohnungen, in Bezug auf das Gemeinschaftseigentum erst mit Abnahme durch den letzten Erwerber beginnt. Dies wie zahlreiche anderen Fragen muss der Projektentwickler kennen, berücksichtigen und in die Kalkulation mit einbeziehen. Die 5-jährige Gewährleistungsfrist bei Baumängeln gilt insbesondere auch für Altbauten, wenn diese nicht so, wie sie stehen und liegen (vgl. BGH, NJW 1989, 2534 = BauR ), sondern nach einer Altbausanierung und Renovierung bzw. Kernsanierung, die weitgehend einer Neuherstellung gleich kommt, verkauft werden. In dem Urteil vom (VII ZR 210/05) hatte sich der Bundesgerichtshof zuletzt mit der Anwendbarkeit von Werkvertragsrecht bei umfassenden Modernisierungsarbeiten an einem Altgebäude auseinanderzusetzen und Folgendes festgehalten: Beim Erwerb von Altbauten ist Werkvertragsrecht anwendbar, wenn der Erwerb des Grundstücks mit einer Herstellungsverpflichtung verbunden ist. Übernimmt der Veräußerer vertraglich Bauleistungen, die insgesamt nach Umfang und Bedeutung mit Neuarbeiten vergleichbar sind, haftet er nicht nur für die ausgeführten Umbauarbeiten, sondern auch für die in diesem Bereich vorhandene Altbausubstanz nach den Gewährleistungsregeln des Werkvertragsrechts. Ohne Bedeutung ist es, ob die Parteien den Vertrag als Kaufvertrag und sich selbst als Käufer und Verkäufer bezeichnet haben. Das gilt auch dann, wenn in den Baubestand z.b. der Fundamente, Außenwände und Geschossdecken überhaupt nicht eingegriffen wird. 4. Planerverträge Bei der Gestaltung der Verträge des Projektentwicklers bzw. Projektträgers mit den am Bau Beteiligten (Architekten/ Ingenieure und Bauunternehmen) muss darauf geachtet werden, dass sämtliche Verpflichtungen, die dem Projektträger von dessen Auftraggeber/Investor auferlegt wurden, an die vom Projektträger beauftragten Planer und Bauunternehmen durchgestellt werden. Nur so kann der Projektentwickler verhindern, dass er die Leistungen von Planern und Bauunternehmen zahlen muss, ohne dass er selbst von seinem Auftraggeber bezahlt worden ist. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass die Abnahme des Projektträgers gegenüber seinen Planern/Bauunternehmen erst dann erfolgen muss, wenn seinerseits das von ihm gegenüber dem Auftraggeber errichtete Werk ebenfalls abgenommen ist. Der Gleichklang muss auch hergestellt werden im Hinblick auf die Gewährleistungsfrist. Ob und inwieweit derartige Verknüpfungsklauseln wirksam sind, ist eine Frage des Einzelfalls. In jedem Fall gibt es in diesem Zusammenhang erheblichen Beratungsbedarf, gerade im Hinblick auf die Vertragsgestaltung (vgl. hierzu den Beitrag auf S. 11 f.). Im Hinblick auf die Verträge mit den Planern ist die juristisch zu gestaltende Aufgabe des Projektträgers zu beachten, dass die Einbeziehung ganz unterschiedliche Planer (Architekten, Ingenieure und Sonderfachleute) notwendigerweise Schnittstellen nach sich ziehen, die Regelungslücken und Unklarheiten im Hinblick auf Zuständigkeiten/Verantwortlichkeiten zur Folge haben. Ob allein die Einschaltung eines Generalplaners ein Allheilmittel darstellt, erscheint zumindest zweifelhaft. 5. Verträge mit den Baufirmen Einen großen Teil der Beratung eines Projektentwicklers nimmt wenn auch im Projektverlauf erst zu einem späteren Zeitpunkt die Gestaltung der Verträge mit den ausführenden Firmen ein. Auch hier müssen Schnittstellen beachtet und Regelungslücken vermieden werden, selbst dann, wenn die Bausführung nicht in Einzelgewerken, sondern an einen Generalübernehmer oder -unternehmer vergeben werden soll. 6. Vergaberecht Schließlich soll das auch das Vergaberecht als Beratungsfeld nicht unerwähnt bleiben. Dieses findet allerdings nicht nur Anwendung bei öffentlichen Auftraggebern bzw. Bauherren, sondern in der Regel auch dann, wenn das Vorhaben subventioniert wird. Insoweit gelten die Allgemeinen Nebenbestimmungen für Zuwendungen zur Projektförderung (ANBest-P), die die Einhaltung des Vergaberechts fordern. Bereits der kleinste vergaberechtliche Fehler kann zu einem Rückforderungsanspruch des Subventionsgebers führen, wovon in der Praxis auch regen Gebrauch gemacht wird. FAZIT: Ein Sonderfachmann Recht kann, wie alle anderen Sonderfachleute, wesentlich zum Gelingen des Projekts beitragen. Fehlt eine entsprechende rechtliche Beratung bei der Konzeptionierung und Planung, vor allem aber bei der Realisierung des Bauprojekts, sind die Risiken in puncto Kosten, Bauzeit und Qualität nicht überschaubar und verwirklichen sich in häufigen Fällen auch, wie hinlänglich bekannt ist. Genau dies zu verhindern, ist die Kardinalaufgabe eines Bauanwalts. Dr. Andreas Koenen ist Fachanwalt für Bauund Architektenrecht und Baurechtsspezialist (im Sinne des Netzwerks Bauanwälte). BAURECHT AKTUELL 01/2015 78 Leerstehende Stadtquartiere - das Städtebaurecht schafft Instrumente zur beschleunigten Erneuerung der Städte. Städtebaurecht im Umbruch Investitionsrisiken bei der Stadterneuerung von RA Prof. Rudolf Jochem, RJ Anwälte, Wiesbaden Die aktuelle städtebauliche Entwicklung ist von folgender Lage gekennzeichnet: Geänderte Nutzungsanforderungen führen zur Aufgabe bestehender Bürogebäude aus den 70ern und 80ern Jahren. Sie entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Sie stehen leer und suchen vergeblich nach Mietinteressenten. Ohne dass es dem Beobachter auffällt, stehen ganze Stadtquartiere ungenutzt leer. Es besteht der Eindruck, als gäbe es ein Überangebot an Büronutzflächen, so dass nur weiterhin auf den passenden Mieter gewartet werden müsse. Dies ist ein Trugschluss. Die Entwicklung im Einzelhandel lässt einen Umbruch im Käuferverhalten erkennen, ohne dass jedoch letztendlich ausgemacht werden kann, wohin die Entwicklung führt. Das Einkaufsverhalten über Internetanbieter lässt den kleinteiligen Fachhandel, der auf höhere Margen angewiesen ist, ausbluten. Dies führt zu städtebaulichen Veränderungen, deren Tendenzen noch unklar sind. Im medizinischen Bereich sind Konzentrationsbewegungen zu beobachten. Die Stichworte sind Großkliniken, Ärztezentren etc. Die Beispiele lassen sich vielfach vermehren. Dies gilt auch für andere Märkte, wie z.b. Hotelmarkt, Wohnungsmarkt, Freizeit und Sport. Generell wird spürbar, dass die mehr und mehr vom Autoverkehr befreite Innenstadt zum nachgesuchten Standort für innerstädtisches Wohnen wird. Die Antwort auf diese Entwicklung ist, dass die nicht mehr nutzbaren Gebäude der neuen Entwicklung im Wege stehen. Sie müssen Neubauten weichen. Die Städtebaurechtsnovelle 2013 und die Änderung der BauNVO geben erste Antworten auf diese Entwicklung. Die BauNVO schafft eine Flexibilisierung der baulichen Nutzung. Das Städtebaurecht schafft Instrumente zur beschleunigten Erneuerung der Städte, stärkt mit Mediationsverfahren die Bürgerbeteiligung und schafft den Rahmen für ein positives Investitionsklima. Die maßgeblichen Instrumente konzentrieren sich dabei auf den Vorhaben- und Erschließungsplan VEP, der vielfach die einzige Rechtsgrundlage zur Schaffung von Baurecht für Projekte mit besonderem städtebaulichem Gewicht schafft. Prof. Rudolf Jochem ist Fachanwalt für Bauund Architektenrecht und Baurechtsspezialist (im Sinne des Netzwerks Bauanwälte). 8 BAURECHT AKTUELL 01/20159 Investors Liebling Der Vorhaben- und Erschließungsplan von RA Prof. Dr. Ulrich Rommelfanger, RJ Anwälte, Wiesbaden Während die Stadterneuerung - trotz zunehmender Kooperation von Gemeinden und (privat) Betroffenen - eine öffentliche = hoheitliche Veranstaltung (Krautzberger) bleibt, werden mehr und mehr, im Umfeld der Bauleitplanung auf der kommunalen Ebene, städtebauliche Verträge und andere konsensuale Formen prägend. In diesem Zusammenhang zu nennen ist insbesondere der sogenannte Vorhabenund Erschließungsplan (im Folgenden: VEP). Er ist zu einem wichtigen Bestandteil der kommunalen Bauleitplanung geworden, bietet er doch für Kommunen und Bauherren/Investoren gleichermaßen die beste Chance, ein Bauprojekt schnell und reibungslos (Busse) zu planen und zu realisieren. Auch für das allenthalben geforderte menschenfreundliche urbane Umfeld und die urbane Nachverdichtung von Baulücken bietet sich das Instrument des VEP idealerweise an. Für den sog. unbeplanten Innenbereich kann mit seiner Hilfe selbst ein komplexes Vorhaben verwirklicht werden, das mit der prägenden Umgebungsbebauung ansonsten nicht vereinbar wäre. Ursprung und Entwicklung Der VEP wurde in den letzten zwei Jahrzehnten schrittweise in das Städtebaurecht Deutschlands eingeführt, nachdem er 1990 für das damalige Gebiet der (Noch-) DDR in 55 der Bauplanungs- und Zulassungs- VO normiert worden war (näher dazu: Bielenberg, DVBl 1990, 1314). Seit dem gilt er bundesweit; aber erst durch das BauROG 1998 (BGBl. I 2081) wurde das Instrument des VEP dauerhaft durch 12 BauGB im allgemeinen Städtebaurecht der Bundesrepublik Deutschland verankert. Rechtliche Konstruktion Beim VEP handelt es sich um eine Art Paketlösung aus drei Elementen, dem VEP des Investors, der gemeindlichen (Bebauungsplan-) Satzung und dem zwischen Vorhabenträger und Gemeinde zu schließenden Durchführungsvertrag. Dies bedeutet im Wesentlichen: Der Vorhabenträger legt der Kommune einen Plan für ein bestimmtes Projekt einschließlich der gesamten Erschließung und der zeitlichen Durchführung vor. Dieser, zwischen Gemeinde und Vorhabenträger abgestimmte VEP fließt in den sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan ein. Er liegt (auch weiterhin) einzig in der Hand der Kommune. Sie kann diesen VEP zum alleinigen Bestandteil des als Satzung zu erlassenden vorhabenbezogenen Bebauungsplans machen, muss es aber nicht. Soweit es zur Abrundung der Planung sinnvoll erscheint, kann der Geltungsbereich des vorhabenbezogenen Bebauungsplans über das eigentliche Vorhabengrundstück des Investors bzw. Vorhabenträgers hinausgehen. Der Durchführungsvertrag seinerseits, der die Verpflichtung des Vorhabenträgers zur Durchführung der Vorhaben- und Erschließungsmaßnahmen innerhalb einer bestimmten Frist sowie zur Tragung der Planungs- und Erschließungskosten vor bzw. spätestens zum Zeitpunkt der Beschlussfassung der Satzung gemäß 10 BauGB umfasst (siehe dazu 12 Abs. 1 BauGB) verbindet als quasi Klammer den VEP des Investors und die gemeindliche Satzung der Kommune. Der Durchführungsvertrag ist damit ein Spezialfall eines städtebaulichen Vertrags gemäß 11 BauGB (vgl. auch zum neu eingefügten 12 Abs. 3a BauGB, der den Anwendungsbereich erweitert, weshalb evtl. missverständlich teilweise bereits vom vertragsbezogenen Bebauungsplan gesprochen wird (Lenz/Würtenberger)). Vor- und Nachteile Das beschriebene Zusammenwirken eines privaten Investors mit der jeweiligen Kommune mittels Satzungserlass des vorhabenbezogenen Bebauungsplans bewirkt eine unmittelbare und vor allem zügige Durchführung, damit die Realisierung des Bauvorhabens. Anders als bei einem normalen Bebauungsplan, der sich als Angebotsplan für jedermann versteht, ist der VEP durch seine Vorhabenbezogenheit und mit der Zielsetzung gekennzeichnet, eine Bebauung nach einem präzise umrissenen Projekt des Vorhabenträgers, von dem auch die Initiative ausgeht, und in Abstimmung mit den Rahmenbedingungen und städtebaulichen Zielvorstellungen der Gemeinde auszurichten. Sollte der Vorhabenträger (Investor, Projektentwickler) die Bestimmungen des Durchführungsvertrages nicht erfüllen, ist die Gemeinde berechtigt, den Bebauungsplan aufzuheben, ohne dass dem Vorhabenträger daraus Entschädigungsansprüche erwachsen. BAURECHT AKTUELL 01/2015 910 Im Fall von Störungen ist ein Trägerwechsel denkbar. Sowohl eine Änderung des Durchführungsvertrags oder der Abschluss eines neuen Durchführungsvertrages ist jederzeit möglich, 12 Abs. 3a S. 2 BauGB. Unter bestimmten Voraussetzungen bedarf der Wechsel des Vorhabenträgers aber der Zustimmung der Gemeinde, 12 Abs. 5 S. 1 BauGB. Einerseits soll es dem Vorhabenträger möglich sein, seiner wirtschaftlichen Dispositionsfreiheit gerecht zu werden, andererseits darf es bei einer angestrebten Veränderung in der Person des Vorhabenträgers nicht der Gemeinde unmöglich gemacht werden, das mit dem Vorhaben- und Erschließungsplan beabsichtigte Vorhaben evtl. auch mit einem anderen Partner weiterzuführen. Den unternehmerischen Zielen und den daraus resultierenden Vorteilen für den Investor entspricht vice versa die gleichwohl bei der Gemeinde verbleibende Planungshoheit. Denn das Verfahren zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans erfolgt grundsätzlich nach den üblichen Verfahrensregeln wie bei herkömmlichen Bebauungsplänen. Vorteilhaft für die Gemeinde ist u.a., dass sie anders als beim herkömmlichen vorhabenbezogenen Bebauungsplan nicht an den Festsetzungskatalog des 9 BauGB gebunden ist, d.h. es können weitergehende Festsetzungen in den Bebauungsplan aufgenommen werden. Hinzu kommen die Vorteile aus 13 BauGB (Vereinfachtes Verfahren) bzw. 13a BauGB (Bebauungspläne der Innenentwicklung). Werden die Grundzüge der Planung nicht berührt, kann auf eine frühzeitige Bürgerbeteiligung verzichtet werden; die Pflicht zur Erstellung eines Umweltberichts entfällt. Gleiches gilt gem. 13a Abs. 2 i.v.m. 13 BauGB für Maßnahmen der Innenentwicklung in bereits besiedelten Bereichen, sofern die künftig zulässige Grundfläche eine bestimmte Größenordnung nicht überschreitet. Dem beschriebenen unternehmerischen Vorteil der Schaffung von Baurecht im Sinne einer zügigen Projektentwicklung Der Vorhaben- und Erschließungsplan vermittelt Investoren Planungssicherheit. durch Bebauungsplan steht letztlich kein greifbarer Nachteil für den Unternehmer gegenüber, es sei denn, dass man einen solchen in dessen Übernahmeverpflichtung zur Tragung sämtlicher Planungsund Erschließungskosten (zzgl. eventueller weiterer Kosten für z.b. Gutachten) sieht. Dies ist aber zu verneinen. Denn angesichts der Vorteile gilt auch hier der bereits von Ulpian stammende römisch-rechtliche Grundsatz volenti non fit iniuria (Dem Einwilligenden geschieht kein Unrecht). Häufig bietet es sich an, auch die Sicherung der öffentliche Erschließung zum Vertragsgegenstand zu machen. Denkbar ist, dass der Investor Flächen an die Gemeinde/Stadt abtritt oder entsprechende Dienstbarkeiten an Grundstücken des Privaten vereinbart werden. FAZIT: Im Ergebnis lässt sich also feststellen, dass der VEP die Eigeninitiative potentieller Investoren sowohl stärkt und Planungssicherheit vermittelt als auch ihnen durch seine eingeschränkte und verkürzte Bürgerbeteiligung Beschleunigungs- und damit finanzielle Vollzugsvorteile gewährt, denen für die betroffene Kommune keine hoheitlichen Nachteile entgegenstehen. Prof. Dr. Ulrich Rommelfanger ist Fachanwalt für Verwaltungsrecht und Fachanwalt für Medizinrecht. 10 BAURECHT AKTUELL 01/201511 Die HOAI enthält keine ausdrückliche Regelung für die Bewertung eines Vorhaben- und Erschließungsplanes (VEP). Das Architektenhonorar beim VEP Architekten sollten klare schriftliche Vereinbarung treffen von RA Prof. Rudolf Jochem, RJ Anwälte, Wiesbaden Die Projektentwicklung ist darauf gerichtet, in absehbarer Zeit zu vertretbaren Kosten zu einem Baurecht für eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme zu kommen. Große Grundstücksareale lassen sich nur schwer nach den sehr unbestimmten Regeln des 34 BauGB entwickeln. Vielfach sind städtebauliche Entwicklungen einer Anwendung des 34 BauGB nicht mehr zugänglich, weil die Bauaufgabe sich nicht über die Grundsätze des Einfügens in die bauliche Umgebung beurteilen lässt. Als einziges taugliches Instrument zur Schaffung von Baurecht bietet sich der Vorhaben und Erschließungsplan an. Ohne eine Vorhabenplanung lässt sich indes kein Vorhaben und Erschließungsplan entwickeln. Hier steht der Projektentwickler vor dem Problem, erhebliche Investitionen in Planungsaufwendungen zu tätigen, ohne die Gewissheit zu haben, ob das Baurecht jemals für das von ihm gewünschte Projekt geschaffen wird. Bei einem Vorhaben und Erschließungsplan hängt nämlich die Entscheidung für das Baurecht von der positiven Entscheidung der Vertretungsorgane der Gemeinden und Städte ab, die sich meist nur schwer vorhersagen lassen. Die Überzeugungsarbeit auf den Weg zur Baurechtschaffung verlangt deshalb nach einer ansehnlichen Vorhabenplanung, die das Vorhaben auch anschaulich und für den Laien nachvollziehbar erkennen lässt. Der Vorhaben- und Erschließungsplan besteht planerisch damit aus zwei Komponenten. Es ist dies zunächst die Objektplanung. Sie wird mindestens die Qualität eines Vorentwurfes erreichen müssen. Wenn auch damit nicht alle Grundleistungen der Vorplanung gemäß Anlage 10 der HOAI zu 34 Abs. 1 Leistungsphase 2 zu erarbeiten sind, so ist doch zumindest ein Vorentwurf im Sinne der Grundleistung c) und d) erforderlich, um anschaulich einen städtebaulichen Entwurf zu haben. Diese Leistung ist eine HOAI-Leistung und nach 33 HOAI abzurechnen. Grundlage für die Honorarberechnung ist gemäß 6 Abs. 3 eine Kostenschätzung, die Honorarzone, der das Objekt zuzuordnen ist und ein anteiliges Honorar für die vorbezeichneten Grundleistungen. Ein angemessenes Honorar hierfür kann mit 4,2 % des Honorars nach 35 angenommen werden, da die Teilleistungen 2 d) und f) zusammen 60 % des Leistungsinhaltes der Leistungsphase 2 ausmachen. Neben der Objektplanung verlangt der Vorhaben- und Erschließungsplan die Umsetzung dieses städtebaulichen Entwurfes in die Sprache des Bebauungsplans. Grundlage der Baurechtsetzung ist der daraus entwickelte Bebauungsplan, der von den Vertretungsorganen beschlossen wird und später die Rechtsgrundlage für die BAURECHT AKTUELL 01/12 Erteilung der Baugenehmigung darstellt. Baugenehmigungen werden im einfachen Verfahren von dem Entwurfsverfasser dann auf Grundlage dieses Vorhaben- und Erschließungsplans herbeigeführt. Die Erarbeitung der für diese Rechtsetzung notwendigen Bearbeitung des Bebauungsplans folgt nach dem Leistungsbild des 19 und der Honorierung nach 21 HOAI. Es bestehen 3 Honorarzonen, die Honorarzone 1 bei geringen Anforderung, die Honorarzone 2 bei durchschnittlichen Anforderung und die Honorarzone 3 bei hohen Anforderung. In der Regel kommt die Honorarzone 2 zur Anwendung. Die Honorarermittlung folgt dem Flächenansatz, der vom Vorhaben- und Erschließungsplan überplant wird. Die Leistungen der Leistungsphasen 2 und 3 sind im Regelfall vollständig für diese Umsetzungsarbeit anzunehmen. Dies sind 40 % des nach 21 auf diese Bearbeitung entfallenden Honorars. Abschließend bleibt allerdings festzuhalten, dass die HOAI keine ausdrückliche Regelung für die Bewertung eines Vorhaben- und Erschließungsplans bereithält. Auch wenn sich der Plan aus zwei Komponenten zusammensetzt, die honorarrechtlich nach HOAI geregelt sind, so empfiehlt sich doch dringend eine klare schriftliche Vereinbarung darüber, was Gegenstand der Leistungen des Architekten sein soll und unter welchen Voraussetzungen sie vergütet werden sollen. Verspricht der Projektentwickler die Auftragsvergabe der gesamten Objektplanung für das später genehmigte Vorhaben, so werden die Leistungen für den Vorhaben- und Erschließungsplan häufig zu einer Akquisitionsleistung degradiert. Um hier keine Fehlerwartungen der Beteiligten herbeizuführen empfiehlt es sich dringend, klare und eindeutige vertragliche Regelungen zu treffen. Dabei wird auch zu beachten sein, dass zum Vorhaben- und Erschließungsplan ein Durchführungsvertrag gehört. Eine rechtliche Unterstützung für dieses Thema wird in den meisten Fällen ratsam sein. Nicht jede Projektidee wird Wirklichkeit. Nicht selten gibt es dann Streitigkeiten um das Architektenhonorar, die sich durch Vertragsgestaltung vermeiden lassen. 12 BAURECHT AKTUELL 01/201513 Subventionen ein Risiko für Architekten Nur schriftliche Verträge schützen vor Verlust des Architektenhonorars OLG Celle von RA Marcus Sundermann, KOENEN BAUANWÄLTE, Essen/Hannover/Münster/Bielefeld Öffentliche Fördermittel von Bund und Ländern gelten als Segen, zumindest für Kommunen. Sie ermöglichen Projekte, die ohne diese Mittel nicht realisierbar wären. Für freiberuflich tätige Architekten, die ein Bauprojekt für die Gemeinde bereits in der Antragsphase begleiten, kann dieser Segen jedoch schnell zum Fluch werden. So war es auch in einem Fall, den das OLG Celle mit Beschluss vom entschieden hatte (14 U 237/05, IBR 2006, 338). Ein Architekt hatte für eine Gemeinde - ohne schriftlichen Vertrag - alle Planungen bis zur Entwurfsplanung für einen Theaterneubau (veranschlagte Objektkosten ca. 6 Mio. EUR) erbracht und war auch bei der Beantragung der Fördermittel tätig geworden. Da die Gemeinde den auf sie entfallenden Eigenanteil nicht aufbringen konnte, gab sie die Zuwendungsbewilligung zurück und nahm von dem Projekt Abstand. Die daraufhin vom Architekten erhobene Honorarklage über EUR blieb in erster und zweiter Instanz erfolglos, und zwar deshalb, weil es sich hier um Akquiseleistungen des Architekten gehandelt habe, die auch bereicherungsrechtlich nicht zu vergüten seien. Kein Honoraranspruch ohne schriftlichen Vertragsschluss Architekten können sich ihrer Honorarforderung bekanntlich nur dann sicher sein, wenn es einen entsprechenden Architektenvertrag gibt. Werden Architekten für eine Gemeinde tätig, ist die Rechtslage schon deutlich komplizierter. Die als Rückfallposition dienende BGH-Rechtsprechung zum konkludenten Abschluss eines Architektenvertrags greift nämlich wegen gemeinderechtlicher Besonderheiten in diesen Fällen nicht. Architekten können daher nicht wie sonst üblich (BGH, Urt. v , BauR 2012, 829) erwarten, dass bereits die Entgegennahme bzw. Verwertung der Architektenleistung zu einem konkludenten Vertragsschluss führt. Anders als im Erfahrungshorizont des Architekten verankert, wird sich eine Gemeinde trotz der im Einzelfall schwierigen Abgrenzung zwischen Architektenvertrag und honorarloser Akquisetätigkeit nicht zum (gerichtlichen) Vergleichsschluss genötigt sehen. Dies hat seinen Grund im Schriftformerfordernis der Gemeindeordnungen der Bundesländer. Exemplarisch sei die Regelung des 64 GO NRW erwähnt. Nach dessen Absatz 1 [bedürfen] Erklärungen, durch welche die Gemeinde verpflichtet werden soll, der Schriftform und sind vom Bürgermeister oder seinem allgemeinen Vertreter zu unterzeichnen. Absatz 2 begrenzt diese Regelung auf Geschäfte der laufenden Verwaltung. Da ein Architektenvertrag den Architekten zur Erbringung der Architektenleistung verpflichtet und den Auftraggeber zur Zahlung des Honorars, ist die Voraussetzung eines Verpflichtungsgeschäfts im Sinne des 64 Abs. 1 GO NRW erfüllt. Die Ausnahme vom Schriftformerfordernis nach 64 Abs. 2 GO NRW dürfte der BGH-Rechtsprechung zum konkludenten Vertragsschluss kaum zur Anwendung verhelfen, denn Geschäfte der laufenden Verwaltung erfordern regelmäßig wiederkehrende Geschäfte, die nicht von besonderer Bedeutung für die Gemeinde sind und deren Erledigung nach feststehenden Grundsätzen auf eingefahrenen Gleisen erfolgt. (OVG Münster OVGE 25, 187). Diese Voraussetzungen dürften bei fremd vergebenen Planungsaufträgen nur im Ausnahmefall vorliegen, so dass das Schriftformerfordernis eine unüberbrückbare Hürde bleibt. Auch die Korrektur dieser Rechtsprechung wegen 242 BGB (Treu und Glauben) dürfte nur im Einzelfall über das fehlende Formerfordernis hinweghelfen. Danach kann es der Gemeinde verwehrt sein, sich auf das Schriftformerfordernis zu berufen. Dies hat der BGH etwa in dem Fall angenommen, dass das nach der Gemeindeordnung für die Willensbildung zuständige Organ den Abschluss des Verpflichtungsgeschäfts gebilligt hat (BGH NJW 1973, 1494 (1495)). Damit bleiben die hohen Hürden für einen Vertragsschluss bestehen. Rechtstechnisch wird das Schriftformerfordernis übrigens zu den Vertretungsregelungen gezählt, mit der Folge, dass auch die Schadensersatzhaftung des Vertreters ohne Vertretungsmacht nach 179 BGB im Raum stehen kann. Dieser Anspruch ist jedoch wegen 179 Abs. 3 S. 1 BGB ausgeschlossen, wenn der Anspruchsteller (hier der Architekt) den Mangel der Vertretungsmacht hätte kennen müssen. Dies wird etwa bei Geschäften, die nicht mehr solche der laufenden Verwaltung sind und, einen bedeutsamen Umfang haben, verlangt (OLG Celle, OLGZ 76, BAURECHT AKTUELL 01/14 443). Dementsprechend scheidet hier ein Schadensersatzanspruch gegen den Vertreter ohne Vertretungsmacht aus. Aber auch mit sog. quasivertraglichen und gesetzlichen Ansprüchen gegen die Gemeinde kann ein Architekt in der hier zu besprechenden Konstellation keinen Erfolg haben. Ein Anspruch aus Geschäftsführung ohne Auftrag gegen die Gemeinde scheidet aus, da die Gemeinde das Projekt nur verfolgen wollte, wenn es finanzierbar war. Daher kommt das OLG zu dem Ergebnis, dass die Geschäftsführung der Architekten, also die Erbringung der Planungsleistungen, nicht dem mutmaßlichen Willen der Gemeinde entsprach. Ein bereicherungsrechtlicher Anspruch scheitert schließlich daran, dass die Gemeinde nicht mehr bereichert ist. Das OLG stellt zunächst fest, dass die Gemeinde bereichert gewesen sein könnte, wenn die Planungsleistung verwendet wird. Da das Projekt mangels Finanzierbarkeit aufgegeben wurde und die Planung auch nicht anderweitig verwertbar war, entfällt jedoch die Bereicherung gem. 818 Abs. 3 BGB. Außerdem stellt das OLG fest, worauf es aber nicht mehr ankam, dass die Planungsleistung auch nicht auf Kosten des Architekten erfolgte, da das Akquisestadium nie überschritten wurde. FAZIT: Insofern kann Architekten nur geraten werden, schriftliche Verträge mit den Gemeinden zu schließen. Andernfalls droht ihnen der Totalverlust ihres Honorars. RA Marcus Sundermann ist bei KOENEN BAUANWÄLTE im Bereich Vergaberecht tätig. Bisweilen fehlt den Kommunen das Geld für die Realisierung eines Projekts. Dann können auch die Architekten leer ausgehen, wenn sie sich nicht rechtzeitig schützen. 14 BAURECHT AKTUELL 01/201515 ARGE: Versicherungsrechtliche Probleme Gesamtschuldnerische Haftung im Versicherungsrecht von RA Karsten Meurer, Meurer Rechtsanwälte, Stuttgart Die Arbeitsgemeinschaft als zeitlich begrenzte BGB-Gesellschaft unterliegt besonderen haftungsrechtlichen Regelungen. Jeder Gesellschafter haftet mit seinem gesamten Gesellschafts- und ggf. Privatvermögen und zudem noch gesamtschuldnerisch für von der ARGE eingegangene Verpflichtungen oder Mängelansprüche. Um die Haftung begrenzen zu können muss daher ein effektiver Versicherungsschutz gefunden werden, mit dem alle Beteiligten abgesichert werden können. Im Einzelnen sind folgende Konstellationen denkbar: 1. Schließen sich mehrere Planer zu einer Planungsgemeinschaft zusammen, geben sie dies ihrer Haftpflichtversicherung an und ändern ihren Versicherungsschutz zunächst nicht. Über seine Haftpflichtversicherung ist daher jede Versicherungsnehmer nach Maßgabe der Versicherungsbedingungen aus seinem Haftpflichtvertrag versichert. Der ARGE-Partner ist somit nur für seine Leistungen haftpflichtversichert, nicht aber für die Leistung der Mitgesellschafter (ARGE-Partner). Es kann somit zu einer Deckungslücke kommen. Wenn der ARGE-Partner im Wege der gesamtschuldnerischen Haftung nach 421 ff. BGB von dem Bauherrn für den Fehler eines anderen ARGE- Partners in Anspruch genommen wird, besteht hierfür zunächst kein gesonderter Versicherungsschutz. Die Haftpflichtversicherung wird sich auf die fehlende Versicherung dieser Tätigkeiten berufen und der ARGE-Partner mit diesem Anspruch alleine gelassen. Es ist dann seine Sache, im Wege des Haftungsausgleiches von den anderen ARGE-Partner(n) einen Ausgleich zu erhalten. Fällt bspw. ein ARGE-Partner in die Insolvenz oder verweigert die Haftpflichtversicherung eine Deckungszusage, realisiert sich somit das gesamtschuldnerische Haftungsrisiko bei den anderen ARGE Partnern vollumfänglich. 2. Haftpflichtversicherungen haben deswegen Möglichkeiten vorgesehen, genau diese Risiken im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft abzusichern und Tätigkeiten anderer Fachplaner oder ARGE-Mitglieder in ihren Versicherungsschutz mit einzubeziehen. Das gesamtschuldnerische Haftungsrisiko ist damit nicht mehr vom ARGE-Partner zu übernehmen. Die Versicherung übernimmt dann das Risiko des Innenausgleiches und sichert den Versicherungsnehmer zunächst ab. Allerdings ist somit natürlich die Haftpflichtversicherungssumme immer auf die Höhe der Haftpflichtversicherungssumme des Versicherungsnehmers begrenzt. Hier ist es unbedingt erforderlich, darauf zu achten, dass auch solche ARGE-Partner, die lediglich einen kleinen Leistungsteil im Rahmen der ARGE erbringen, auch Risiken anderer ARGE-Partner angemessen in der Höhe ihres Versicherungsschutzes mit berücksichtigt haben. 3. Schließlich besteht neuerdings bei den meisten Versicherungsgesellschaften die Möglichkeit, Arbeitsgemeinschaften im Wege sog. Objektversicherungen abzusichern. Die Absicherung über die Objektversicherung bedeutet dann, dass alle ARGE-Partner über eine Haftpflichtversicherung, die sich letztlich auf das gesamte zu erstellende Objekt bezieht, abgesichert sind. Schwierige Ausgleichskonstellationen oder Streitverkündungen und gesamtschuldnerische Ausgleichsansprüche sind damit eigentlich vermieden. Kommt es zu einem Schadensfall, übernimmt diese Versicherung den Versicherungsschutz für sämtliche, von der ARGE erbrachten Planungsleistungen. Die objektbezogene Versicherung ist ein großer Luxus, sowohl für die Auftragnehmer, als auch für die Auftraggeber. Die Vorteile des Auftragnehmers bestehen darin, dass er im Rahmen dieses Versicherungspaketes einen Gesamtschutz der Maßnahme erhält und insbesondere Insolvenzrisiken bzw. Risiken aus Versicherungsvertrag des einzelnen ARGE-Mitglieds mit seinem Versicherer nicht tragen muss. Für den Auftraggeber enthält die objektbezogene Haftpflichtversicherung den Vorteil, dass er in der Regel schneller zu finanziellen Schadensersatzerstattungen kommt. Dies, weil lediglich eine Versicherung für alle Schäden Ansprechpartner ist und nicht kompliziert im Innenverhältnis nach dem eigentlichen Verursacher des Schadens gesucht werden muss. Erstattungsansprüche verlaufen in der Regel wesentlich schneller und unkomplizierter, genauso wie Schadensabwicklungen. Voraussetzung für einen Eintritt der Versicherung ist aber natürlich auch im Falle einer objektbezogenen Haftpflicht- BAURECHT AKTUELL 01/16 Die Gesellschafter einer Planungs-ARGE sollten zusammen eine Objektversicherung abschließen. Sie bietet höchstmögliche Sicherheit für Auftragnehmer und Auftraggeber. versicherung, dass kein vertraglicher Leistungsausschluss besteht. Diese kommen bspw. dann in Betracht, wenn der Bauherr Schadensersatz aus Vertragsfristen oder aus verletzten Baukostenobergrenzen, aus abgegebenen Garantien oder aus bewusster Pflichtwidrigkeit des Planers bspw. beim Abweichen von anerkannten Regeln der Technik, verlangt. FAZIT: Sofern eine Planungs-ARGE einen Auftrag annimmt, sollte unbedingt überlegt werden, eine Gesamthaftpflichtversicherung für alle Beteiligten abzuschließen. Eine solche Haftpflichtversicherung, die zwar deutlich teurer ist, als der bestehende Versicherungsschutz, hat aber viele Vorteile und empfiehlt sich insbesondere bei komplizierten Baumaßnahmen. Karsten Meurer, Rechtsanwalt und Mediator, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht 16 BAURECHT AKTUELL 01/201517 Energieeinsparung und Denkmalschutz. Das Konfliktpotential liegt auf der Hand. Energieeinsparung contra Denkmalschutz Steht die EnEV der Sanierung von Baudenkmalen im Wege? von RA Karsten Meurer, Meurer Rechtsanwälte, Stuttgart 1. Die Sanierung denkmalgeschützter Immobilien bietet neben den baulichen Besonderheiten auch attraktive steuerliche Vorteile. Durch 7h) und 7i) und 10f) des Einkommensteuergesetzes erhalten Kapitalanleger, aber auch Eigennutzer, erhebliche Steuererstattungen, deren Höhe sich nach dem Einkommen der Eigentümer und den Sanierungskosten richtet. Es ist möglich, eine Denkmalsanierung nach Ablauf der Steuervorteile in 10 bzw. 12 Jahren bis zur Hälfte zu entschulden. 2. Zuletzt wurde die Energieeinsparverordnung 2014 novelliert. Neben einer allgemeinen Anhebung der Verbrauchsbegrenzungen von Immobilien wurden auch einige Neuerungen eingeführt. Gem. 16a der Energieeinsparverordnung ist bei Immobilienanzeigen nunmehr unter der Voraussetzung, dass gem. 16 EnEV ein Ausweis erstellt werden muss, auf gewisse Angaben des Energieausweises (Art des Energieausweises, Wert des Endenergiebedarfs oder Energieverbrauchs, Angabe der wesentlichen Energieträger für die Heizung des Gebäudes, Baujahr, Energieeffizienzklasse) hinzuweisen bzw. diese anzugeben. Zudem muss die öffentliche Hand bei Räumlichkeiten ab 500 qm oder bei mehr als 250 qm Fläche mit starkem Publikumsverkehr, einen Ausweis aushängen. Gleiches gilt für andere Eigentümer ab 500 qm Nutzfläche, wenn ein Energieausweis bereits vorhanden ist ( 16 Abs. 2 EnEV). Des Weiteren wurde eingeführt, dass die Ausweisersteller gem. 26 c und d EnEV die Ihnen vorliegenden Dokumente bis zu zwei Jahre aufheben müssen und Registriernummern zu beantragen haben. Zudem werden Nachprüfungen der Richtigkeit der ausgestellten Ausweise durch die Aufsichtsbehörden durchgeführt. Stellt sich hierbei heraus, dass ein falscher Energieausweis erstellt worden ist, so kann mit den Ordnungswidrigkeiten der EnEV gegen den Eigentümer vorgegangen werden. Durch die Novelle der Energieeinsparverordnung 2014 wurde der Anwendungsbereich derselben weiter abgerundet. Alle Beteiligten, sowohl der Eigentümer, als auch der Unternehmer, als auch der Ausweisersteller sind nun von dem Anwendungsbereich dieser Verordnung erfasst und bei Verstößen gegen die Energieeinsparverordnung Ordnungswidrigkeiten unterworfen (vgl. 27 EnEV). 24 EnEV regelt den Anwendungsbereich der Energieverordnung bei denkmalgeschützten Immobilien. Es heißt dort: 24 Ausnahmen (1) Soweit bei Baudenkmälern oder sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz die Erfüllung der Anforderungen dieser Verordnung die Substanz oder das Erscheinungsbild beeinträchtigen oder andere Maßnahmen zu einem unverhält- BAURECHT AKTUELL 01/18 nismäßig hohen Aufwand führen, kann von den Anforderungen dieser Verordnung abgewichen werden. (2) Soweit die Ziele dieser Verordnung durch andere als in dieser Verordnung vorgesehene Maßnahmen im gleichen Umfang erreicht werden, lassen die nach Landesrecht zuständigen Behörden auf Antrag Ausnahmen zu. Die EnEV 2014 als Bundesgesetz grenzt damit Ihren Anwendungsbereich ein, wenn denkmalschutzrechtliche Belange entgegenstehen. Eine denkmalgeschützte Immobilie, die landesrechtlichen Regelungen unterliegt, wird geschützt bzw. der Abbruch des Gebäudes wird verboten, was das Urheberrecht nicht kann. Da bekannt ist, dass durch die energetischen Maßnahmen oftmals in die Substanz eingegriffen werden muss, oder solche Maßnahmen negative Auswirkungen für die Substanz selbst oder aber auch dessen Erscheinungsbild haben können, kann von den Bestimmungen dieser Verordnung abgewichen werden, was bedeutet, dass die Verordnung letztlich gar keine Anwendung findet. Somit: Denkmal schlägt EnEV Projektentwickler sollten aber trotzdem gewarnt sein, welche Zusicherungen Sie in ihren Kaufverträgen mit den Erwerbern machen, da Bestandssanierungen immer auch die Pflicht in sich tragen, dass die anerkannten Regeln der Technik zum Zeitpunkt der Abnahme gem. 640 BGB des Bauwerks eingehalten werden müssen. Deswegen sollte nach Auffassung des Unterzeichners von der Nichterreichung des EnEV auf die Standards sicherheitshalber hingewiesen werden. FAZIT: Es besteht aus Sicht des Projektentwicklers kein Grund, wegen Vorgaben der Energieeinsparverordnung von der denkmalgeschützten Sanierung abzusehen. Im Gegenteil, die weitgehende Befreiung birgt die Chance, eine solche Sanierung ohne das Kostenkorsett der EnEV durchführen zu können. In jedem Fall hat aber eine intensive Abstimmung mit dem Denkmalschutzbehörden zu erfolgen. Was ist ein Baudenkmal? Von RA Markus Sundermann Baudenkmäler sind ein gesetzlich besonders geregelter Unterfall eines Denkmals. Denkmäler werden als Sachen, Mehrheiten von Sachen und Teile von Sachen definiert, an deren Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht. Das öffentliche Interesse besteht wiederum, sofern die Sache bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse ist und für die Erhaltung und Nutzung künstlerische, wissenschaftliche, volkskundliche oder städtebauliche Gründe vorliegen. Baudenkmäler bestehen aus baulichen Anlagen oder Teilen baulicher Anlagen. Zu ihnen gehören auch Garten-, Friedhofs- und Parkanlagen sowie andere vom Menschen gestaltete Landschaftsteile. Erforderlich ist, dass außerdem die Voraussetzungen des Denkmalbegriffs erfüllt werden. Historische Ausstattungsstücke sind wie Baudenkmäler zu behandeln, sofern sie mit dem Baudenkmal eine Einheit von Denkmalwert bilden. Auch alte Industrieanlagen werden zu Baudenkmalen erhoben, wenn ein öffentliches Interesse an der Erhaltung und Nutzung besteht. 18 BAURECHT AKTUELL 01/201519 Die Haftung beim Bauen im Bestand geht weit. In vielen Fällen haftet der Projektentwickler auch für die (nicht sanierte) Altbausubstanz. Rechtliche Probleme beim Bauen im Bestand Mängelhaftung im Bauträger- und Käufermodell von RA Dr. Andreas Neumann, KOENEN BAUANWÄLTE, Essen/Hannover/Münster/Bielefeld Zur Vermeidung von Fallstricken beim Planen und Bauen im Bestand (Sanierung, Renovierung und Modernisierung von Altbauten oder deren Restauration, Wiederauf-, Erweiterungs- oder Umbau) ist ein hoher Grad an Präzision in der Vertragsgestaltung erforderlich. Voraussetzung dafür ist zunächst die Wahl des zutreffenden Vertragsmodells einerseits, sowie andererseits eine genaue und eingehende Bestandserkundung und Bestandsaufnahme auch unter Einbeziehung von Bauteilöffnungen, Ausgrabungen, Durchbrüchen, Materialproben etc. Es kommen das Bauträgermodell (hierzu 1.) und das Käufermodell (4.) sowie Mischformen aus beiden (5.) in Betracht. Von werbenden Anpreisungen ist wegen der Prospekthaftung zu warnen (2.). Bestandserkundung und Bestandsaufnahme ermöglichen hingegen präzise Beschaffenheitsvereinbarungen und die Erstellung einer sogenannten negativen Baubeschreibung bzw. Nichtleistungsbeschreibung bezüglich ausdrücklich nicht übernommener Sanierungsarbeiten (3.). Es ist zu raten, in jedem Falle nur punktuelle Sanierungsleistungen zu übernehmen. Auf diese Leistungen selbst ist zwar nach herrschender Meinung in jedem Falle Werkvertragsrecht mit der werkvertraglichen strengen Mängelhaftung anwendbar. Daneben kommt aber bei entsprechender Vertragsgestaltung die Anwendung des Kaufrechts bezüglich der unberührten und in zulässiger Weise ausgeklammerten Altbausubstanz und damit die Möglichkeit eines weitgehenden Haftungsausschlusses in Betracht. Es bestehen mithin durchaus Instrumente, die enormen Haftungsrisiken bei der Altbausanierung in den Griff zu bekommen. 1. Haftung für die Altbausubstanz Bauträgermodelle sind beim Bauen im Bestand verbreitet (Glöckner, Planen und Bauen im Bestand, BauR 2007, S. 254, 255). Die Möglichkeit einer Freizeichnung von der Mängelhaftung ist dabei eng verknüpft mit der Frage, inwieweit Kauf- oder Werkvertragsrecht anwendbar ist. Ein formularmäßiger Ausschluss der Mängelhaftung verstößt bei Anwendung des Werkvertragsrechts gegen 309 Nr. 8b BGB und damit gegen ein Klauselverbot ohne Wertungsmöglichkeit; das heißt eine solche Vertragsregelung wäre als Allgemeine Geschäftsbedingung (AGB) unter allen Umständen unwirksam. BAURECHT AKTUELL 01/20 Der Haftungsumfang wird häufig verkannt. Dies ist ein erhebliches Risiko. Insbesondere kann nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) auch sich die Parteien im Vertrag als Käufer ren Nachweisen). Es ist unbedeutend, ob für die von einer Sanierung nicht betroffenen Teile der Altbausubstanz eine Haftung Veräußerer bezeichnen. Entscheidend und Verkäufer oder als Erwerber und nach Werkvertragsrecht in Betracht kommen, wenn die übernommenen Herstel- Vertrags, aus seinem Zweck und seiner ist vielmehr, dass sich aus dem Inhalt des lungsverpflichtungen nach Umfang und wirtschaftlichen Bedeutung sowie aus Bedeutung mit Neubauarbeiten vergleichbar sind (BGH, Urteile vom Veräußerers zur mangelfreien Erstellung der Interessenlage die Verpflichtung des VII ZR 210/05, und vom VII eines Bauwerks ergibt. An eine solche Verpflichtung knüpft die Sachmängelhaftung ZR 257/03). Hierbei kommt es auf das Gesamtbild der bereits erbrachten und ggf. nach Werkvertragsrecht an. Dies gilt auch noch zu erbringenden Leistungen an (Pause, Bauträgerkauf und Baumodelle, 5. Aufl. wohnung bei Vertragsschluss bereits fertig dann noch, wenn die verkaufte Altbau- 2011, Rn. 634). Auch bei einer Kernsanierung werde häufig nicht in den Baubestand Ein Haftungsausschluss kommt dann saniert ist. der Fundamente, Außenwände und Geschossdecken eingegriffen, argumentiert Klauselverbot ohne Wertungsmöglichkeit wegen Verstoßes gegen das vorgenannte der BGH. Dies hindert die Anwendung nicht in Betracht. Denn beim Bauträgervertrag wird nach Inhalt und Gestaltung des Werkvertragsrechts auch auf diese Bauteile bei entsprechendem Gesamtbild das Vorliegen Allgemeiner Geschäftsbedingungen vermutet (BGH, Urteil vom nicht. Eine Vereinbarung der Geltung des Kaufvertragsrechts ist insoweit unwirksam VII ZR 204/90). Ist der Erwerber ein Verbraucher, gelten Allgemeine und stellt einen Verstoß gegen 309 Nr. 8b BGB sowie gegen das sich aus 307 BGB Geschäftsbedingungen als vom Unternehmer gestellt. Damit ist die AGB-Kontrolle ergebende Verbot dar, einen Vertrag einem nicht einschlägigen Regelungsbereich in der Regel eröffnet (Verfasser, Die zuzuordnen (Basty, Der Bauträgervertrag, Kunst der Präzision, in: Baurecht aktuell 8. Auflage, Köln 2014, Rn mit weite- 01/2014, S. 17). 2. Prospekthaftung Erhöhte Haftungsrisiken können sich auch aus Prospektangaben, der Werbung oder sonstigen im Zusammenhang mit dem Vertragsschluss auch nur beiläufig getätigten Äußerungen ergeben, die für die Ermittlung der vereinbarten Beschaffenheit herangezogen werden und die berechtigte Erwartung des Erwerbers dem Veräußerer zurechenbar erhöhen können. So kann es für die vereinbarte Beschaffenheit maßgeblich auf einen im Zusammenhang mit dem Vertragsschluss übergebenen Werbeprospekt ankommen (BGH, Urteil vom VII ZR 205/06). Von pauschalen Erfolgsversprechen ist dabei im Hinblick auf den sogenannten funktionalen Mangelbegriff des BGH eindeutig abzuraten. Sie können den Umfang der geschuldeten Leistungen dramatisch erhöhen. Verspricht der Veräußerer eines Altbaus weitgehende Sanierungsleistungen, darf der Erwerber dies grundsätzlich dahingehend verstehen, dass der Veräußerer zu diesem Zweck im Rahmen des technisch Möglichen die Maßnahmen angewandt hat, die erforderlich sind, um den Stand der anerkannten Regeln der Technik zu gewährleisten (BGH, Urteil vom Az. VII ZR 257/03). Etwas anderes kann sich je nach der berechtigten Erwartung des Erwerbers unter Berücksichtigung der gesamten Vertragsumstände, insbesondere des konkreten Vertragsgegenstands und der jeweiligen Gegebenheiten des Bauwerks ergeben. Regelmäßig kann die ordnungsgemäße Herstellung der von der Instandsetzung auch nur berührten Bauteile erwartet werden, so zum Beispiel die Überarbeitung und Abdichtung der Balkone bei einer Fassadensanierung nach dem Stand des Dachdeckerhandwerks und dem Stand der Technik zum Zeitpunkt der Sanierung (OLG Düsseldorf, Urteil vom I-5 U 33/00). Können Anforderungen des Stands der Technik und technische Normen, beispielsweise des Wärme- und Schallschutzes, nur durch erhebliche Eingriffe 20 BAURECHT AKTUELL 01/2015 Mehr anzeigen
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