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Timestamp: 2018-07-19 11:40:47
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Matched Legal Cases: ['§211', '§212', '§211', '§212', '§211', '§212', '§211', '§212', '§ 212', '§211', '§212', '§ 35', 'BGH', '§ 212', '§ 35']

ᐅ §211 oder §212 I StGB? - Strafrecht / Strafprozeßrecht - JuraForum.de
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§211 oder §212 I StGB?
Dieses Thema "ᐅ §211 oder §212 I StGB? - Strafrecht / Strafprozeßrecht" im Forum "Strafrecht / Strafprozeßrecht" wurde erstellt von Chappi1906, 15. November 2012.
Chappi1906 V.I.P. 15.11.2012, 13:51
A und B sind gemeinsam unterwegs. B erkennt O (Opfer), an dem er sich noch rächen möchte. Da er aber nicht selbst "Hand anlegen" will hält er ein Messer an A´s Rücken und zwingt ihn mit seiner Pistole (B weiß, dass A eine bei sich führt) auf O zu schießen, was A auch macht.
Zu prüfen ist die Strafbarkeit des A nach §§ 212 I, 211 StGB.
Meiner Einschätzung nach kann man A für diesen Tötungsdelikt zur Verantwortung ziehen. Kann man aber soweit gehen, dass man das Mordmerkmal der Heimtücke (Arg und Wehrlosigkeit) bejahen kann? Auch wenn A über die Umstände der Tat nicht viel machen konnte ausser die "Wahl" zu haben abzudrücken oder selbst zu sterben?
Unbestechlich Star Mitglied 15.11.2012, 15:36
AW: §211 oder §212 I StGB?
A hat O nur erschossen, um sein eigenes Leben zu schützen. Er handelte daher gemäß § 35 StGB (Entschuldigender Notstand) ohne eigene Schuld. Das objektive Mordmerkmal der Heimtücke ist weder bei A noch bei B erkennbar.
Dafür ist bei B das subjektive Mordmerkmal niedriger Beweggründe gegeben. Er handelte nämlich aus Rache, was nach Rechtsprechung des BGH als niedriger Beweggrund gilt. B hat sich daher wegen Mordes schuldig gemacht. A bleibt als schuldlos handelndes Werkzeug des B straffrei.
Whatup V.I.P. 15.11.2012, 16:00
So vorschnell würde ich die Heimtücke hier nicht ablehnen. Sauber durchprüfen.
Chappi1906 V.I.P. 15.11.2012, 16:10
Das ist gut zu wissen und beim nächsten Mal nochmal anzubringen, da gesagt wurde, dass A schon eine Art Wahl hatte und nur die Frage gewesen ist, ob 211 oder 212 I. Es würden lediglich rechtsbeugende Gründe vorherrschen und vis compulsiva wurde ebenso angebracht. Aber als Tipp war zu vernehmen, dass 211 oder 212 I bejaht werden sollen.
Strafbarkeit des B war zwar nicht gefragt bin ich aber auch durchgegangen und bin da ebenso auf Mord gekommen. Beim Mord reicht doch, wenn ein Mordmerkmal zu bejahen ist oder?
Unbestechlich Star Mitglied 15.11.2012, 16:46
"Heimtücke ist das bewusste Ausnutzen der auf Arglosigkeit beruhenden Wehrlosigkeit des Opfers.
Arglos ist, wer sich keines Angriffs versieht. Wehrlos ist, wer in seiner natürlichen Abwehrbereitschaft und -fähigkeit stark eingeschränkt ist."
Ich vermag dem geschilderten Sachverhalt keine Angaben bezüglich der Arglosigkeit des O zu entnehmen.
Aber als Tipp war zu vernehmen, dass 211 oder 212 I bejaht werden sollen.
Das subjektive Mordmerkmal des niedrigen Beweggrundes in Form von Rache ist nur bei B gegeben. Daher hat A nur den Tatbestand des Totschlags gemäß § 212 StGB verwirklicht.
Roon V.I.P. 15.11.2012, 22:22
Arglos ist, wer sich keines Angriffs versieht.
Da braucht es auch eigentlich keine Angaben im Sachverhalt. Wer ohne Warnung auf offener Straße erschossen wird, IST (im Regelfall) arglos. Dünn finde ich den Sachverhalt aber ebenfalls an der Stelle, sodass man sich auch gegen Arglosigkeit entscheiden kann.
Unbestechlich Star Mitglied 15.11.2012, 22:42
Wer ohne Warnung auf offener Straße erschossen wird, IST (im Regelfall) arglos.
Auf offener Straße? Wo steht das? Solche oder andere Umstände werden in der Beschreibung ja gerade nicht erwähnt.
Chappi1906 V.I.P. 16.11.2012, 19:22
Der SV spielt sich in einem Park ab. O konnte also gar nicht mit einem Angriff rechnen (er ging dort spazieren). Daher kam mir der Gedanke der Heimtücke als Mordmerkmal.
Strafbarkeit des B´s ist mir klar (auch wenn nicht gefragt).
Aber was ist nun mit A? Strafbar oder nicht?
Unbestechlich Star Mitglied 16.11.2012, 19:40
Der SV spielt sich in einem Park ab. O konnte also gar nicht mit einem Angriff rechnen (er ging dort spazieren).
Wieso kann man in einem Park nicht mit einem Angriff rechnen?
A bleibt wie bereits geschrieben straflos gemäß § 35 StGB.
Roon V.I.P. 16.11.2012, 20:17
In Deutschland ist bei mangelnder Sachverhaltsangabe bei einem Durchschnittsspaziergänger von Arglosigkeit auszugehen. Vielleicht nicht in Berlin und Duisburg, aber sonst schon.
Unbestechlich Star Mitglied 17.11.2012, 00:03
In Deutschland ist bei mangelnder Sachverhaltsangabe bei einem Durchschnittsspaziergänger von Arglosigkeit auszugehen.
Ist bei mangelnden Angaben in der Beschreibung nicht viel mehr von gar nichts auszugehen?
Chappi1906 V.I.P. 18.11.2012, 13:59
Im SV ist erläutert, dass B sich an O wegen teurer zerstörter Pflanzen rächen möchte. Da im SV nichts anderes angegeben, rechne ich damit, dass man von Arg- und Wehrlosigkeit ausgehen sollte.
Daher rührte auch die Frage, ob es ausreicht wenn ein Mordmerkmal gegeben ist, da dies sonst sicherlich auch einen niederen Beweggrund darstellen kann.
Unbestechlich Star Mitglied 18.11.2012, 16:34
Da im SV nichts anderes angegeben, rechne ich damit, dass man von Arg- und Wehrlosigkeit ausgehen sollte.
Wenn dazu nichts angegeben ist, geht man von gar nichts aus. Alles andere wäre Kaffesatzleserei.
Ja, ein Mordmerkmal reicht.
Chappi1906 V.I.P. 18.11.2012, 19:15
Wenn einer reicht, so würde doch ein Mord mit dem Mordmerkmal des niederen Beweggrundes "durchzukriegen" sein oder?
Unbestechlich Star Mitglied 18.11.2012, 20:07