Source: https://eventfaq.de/steuerrecht/
Timestamp: 2020-05-30 17:28:30
Document Index: 37530715

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 68', '§ 4']

Steuerrecht in der Veranstaltungsbranche: Ausländersteuer, Umsatzsteuer
Ein Veranstalter oder Unternehmer, die auf Veranstaltungen tätig sind, müssen keine Profis im Steuerrecht sein. Ähnlich wie bei anderen Themen ist es aber hilfreich, sich in den wesentlichen Fragen doch etwas auszukennen. Unter diesem Menüpunkt finden Sie ein paar wichtige Themen zum Steuerrecht in Bezug auf Veranstaltungen.
Eine Rolle spielen kann bspw.
beschränkte Einkommensteuer = “Ausländersteuer”,
Umsatzsteuer auf Künstlergagen,
Umsatzsteuer auf Eintrittskarten,
Umsatzsteuer bei Urheberrechten,
Steuern beim Sponsorvertrag,
Versicherungsteuer…
Umsatzsteuer und Eintrittskarte
Wenn der Veranstalter Eintrittskarten verkauft, spielt die Frage eine wichtige Rolle, welche Umsatzsteuer auf das Ticket gehört.
Es gibt drei verschiedene Steuersätze: 19%, 7% und 0%. Der Regelsteuersatz ist 19%. Das heißt: Fällt eine Veranstaltungsleistung nicht unter eine Ausnahmeregelung für 7% oder 0%, dann ist der Ticketpreis mit 19% zu besteuern.
Risiko für den Veranstalter
Es gibt andere steuerrechtliche Fälle, da ist es keine Katastrophe, wenn sich der Veranstalter im Steuersatz irrt: Nämlich vornehmlich dann, wenn er die Umsatzsteuer über den Vorsteuerabzug wieder geltend machen kann.
Das ist aber bei der Umsatzsteuer auf die Einnahmen aus dem Ticketing nicht der Fall:
Der Veranstalter verkauft ein Ticket an den Besucher. Da der Besucher regelmäßig Verbraucher ist bzw. den Endpreis bezahlt, ist es ihm egal, wieviel Steuer darin enthalten ist: Der Besucher zahlt an den Veranstalter 50 Euro inklusive Steuer. Hat der Veranstalter zuvor aber den falschen Steuersatz angesetzt und damit falsch kalkuliert, kann er nicht mehr im Nachhinein das Geld beim Besucher nachfordern (abgesehen davon, dass er im Regelfall den Besucher gar nicht mehr wird ausfindig machen können).
Ist also der Veranstalter fälschlicherweise von 7% ausgegangen, hat er von den 50 Euro Ticketpreis auch nur 7% Umsatzsteuer abgezogen und somit mit einem Nettobetrag von 46,50 Euro kalkuliert. Fordert nun das Finanzamt später aber 19% Umsatzsteuer, dann fehlen dem Veranstalter 12%, die er ja nicht mit einkalkuliert hat.
1.) 19 %
Das ist der Regelsteuersatz ( § 12 Abs. 1 UStG).
2.) 7 %
Mit nur 7% Umsatzsteuer belegt wird die Eintrittsberechtigung für Theater, Konzerte und Museen, sowie die den Theatervorführungen und Konzerten vergleichbaren Darbietungen ausübender Künstler (§ 12 Abs. 2 Nr. 7 a UStG) sowie Zirkusvorführungen (§ 12 Abs. 2 Nr. 7 d UStG).
3.) 0 %
Umsätze sind steuerfrei bei folgenden Einrichtungen des Bundes, der Länder, der Gemeinden oder der Gemeindeverbände: Theater, Orchester, Kammermusikensembles, Chöre, Museen, …. Das Gleiche gilt für die Umsätze gleichartiger Einrichtungen anderer Unternehmer, wenn die zuständige Landesbehörde bescheinigt, dass sie die gleichen kulturellen Aufgaben wie die in Satz 1 bezeichneten Einrichtungen erfüllen(§ 4 Nr. 20 a UStG).
Gleiches gilt, wenn die Veranstaltung von Theatervorführungen und Konzerten durch andere Unternehmer, wenn die Darbietungen von den unter Buchstabe a bezeichneten Theatern, Orchestern, Kammermusikensembles oder Chören erbracht werden (§ 4 Nr. 20 b UStG).
Umsatzsteuer beim Eintrittsgeld für ein Dorffest
Welcher Umsatzsteuersatz gilt, wenn eine Gemeinde ein Dorffest veranstaltet und hierfür Eintrittskarten verkauft?
Umsatzsteuer beim Eintrittsgeld für Dinnershows
Umsatzsteuer beim Eintrittsgeld für DJ-Party
Umsatzsteuer für Standplatz auf einer Kirmes
Wenn eine Stadt eine Standfläche für eine Kirmes vermietet, stellt sich die Frage, ob auf die Miete auch Umsatzsteuer kommt. Diese Frage hat nun das Finanzgericht Münster zumindest vorläufig entschieden.
Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen der vermietenden Stadt und dem Finanzamt ist die Regelung in § 4 Abs. 12a Umsatzsteuergesetz: Umsatzsteuerbefreit ist die Vermietung und die Verpachtung von Grundstücken.
Nachdem die Stadt ihre Umsatzsteuererklärungen abgegeben hatte, erließ das Finanzamt Steuerbescheide und setzte dabei für die Vermietung der Standflächen der jährlichen Kirmes die Umsatzsteuer fest.
Gegen diese Steuerbescheide hat die Stadt Klage erhoben. Das Finanzgericht Münster hat der Klage nun stattgegeben und die Steuerbescheide aufgehoben.
Eine „Kirmes“ ist rechtlich gesehen ein so genannter „Jahrmarkt“. Was ein Jahrmarkt ist, ist in § 68 Abs. 2 Gewerbeordnung definiert: „Ein Jahrmarkt ist eine im allgemeinen regelmäßig in größeren Zeitabständen wiederkehrende, zeitlich begrenzte Veranstaltung, auf der eine Vielzahl von Anbietern Waren aller Art feilbietet.“
Das Problem des § 4 Abs. 12 a UStG ist, dass dort eine so genannte „einheitliche“ Vermietungsleistung gegeben sein muss – nur sie ist umsatzsteuerbefreit.
Bei der Vermietung von Standflächen aber gibt es nicht nur den Vermietungsvorgang, sondern auch Werbung, Organisationsleistungen oder Zurverfügungstellung von Be- und Entwässerung. Ist das alles dann noch eine „einheitliche“ Leistung?
Das Finanzgericht Münster sagt nun in seinem Urteil: Ja. Die neben der Vermietung einhergehenden Leistungen seien lediglich Nebenleistungen, sie sind nur nebensächlich zur Hauptleistung „Vermietung“. Die Organisationsleistungen oder bspw. auch die Be- und Entwässerung seien lediglich das Mittel, um die Standfläche überhaupt vermieten zu können. Diese Nebenleistungen dürften aber bei der Frage, ob die Vermietung insgesamt eine einheitliche Leistung sei (= und damit umsatzsteuer- befreit), nicht berücksichtigt werden.
Damit sind die Mietkosten nicht mit Umsatzsteuer zu belegen.
Allerdings: Der Bundesfinanzhof hat die Revision des Finanzamtes angenommen, so dass das Urteil des Finanzgerichts Münster nicht rechtskräftig ist. Die Auswirkungen der Entscheidung des Bundesfinanzhofes sind – als oberstes Finanzgericht in Deutschland – für alle Städte und Kommunen, die Standflächen auf Kirmessen und Jahrmärkten vermieten, also durchaus relevant.
Pikant: Das Finanzamt bezog sich auf eine „Verwaltungsregelung zur Anwendung des Umsatzsteuergesetzes“, die ausdrücklich regelt, dass der Fall „Eine Gemeinde überlässt Grundstücksflächen für die Dauer eines Jahrmarkts, an dem neben Verkaufsbetrieben überwiegend Gaststätten-, Vergnügungs- und Schaubetriebe teilnehmen“ nicht umsatzsteuerbefreit sei, und bezieht sich auf Urteile des Bundesfinanzhofes aus 1960 und 1968. Dass der Bundesfinanzhof sich in einem neueren Urteil aus 2008 ausdrücklich von den damaligen Urteil distanziert und an diesen nicht mehr festhält, scheint die Finanzverwaltung geflissentlich übersehen zu haben.
Umsatzsteuer bei Designleistungen
Bei der Umsatzsteuer beträgt der Regelsatz 19%, bekanntlich gibt es einen reduzierten Steuersatz von 7%. Das Bundesfinanzministerium hat nun in einem Erlass mitgeteilt, wie die Umsatzsteuer bei Design- und Grafikleistungen zu bewerten ist:
„Für die Frage, ob Leistungen der Gebrauchsgraphiker und der Graphik-Designer ermäßigt zu besteuern sind, ist aus Vereinfachungsgründen auf die dem Leistungsaustausch zugrunde liegende zivilrechtliche Vereinbarung abzustellen, sofern dies nicht zu offensichtlich unzutreffend en steuerlichen Ergebnissen führt. Gehen die Vertragspartner ausweislich der zwischen ihnen geschlossenen Vereinbarung einvernehmlich von der Einräumung urheberrechtlicher Nutzungsrechte an einem Muster oder einem Entwurf aus, ist der ermäßigte Steuersatz anzuwenden.“
Umsatzsteuer bei Brezelverkauf in Festzelten fremder Veranstalter
Gegenstand dieser Gerichtsentscheidung war ein „mobiler“ Brezelverkauf durch Mitarbeiter eines Unternehmens, das auf einem Volksfest Verkaufsstände in den Festzelten angemietet hatte. Er schickte seine Mitarbeiter mit einer Art Bauchladen durch die Festzelte, die dann direkt an den Tischen Brezeln verkaufen sollten.
Gewerbesteuer: Hinzurechnung von Mieten?
Dies kann bspw. die Miete von Konzertsälen, die Anmietung von Ausstellungsflächen auf einer Messe oder die Miete von Hotelzimmern durch einen Reiseveranstalter betreffen.
Lesen Sie dazu unsere Unterseite gewerbesteuerrechtliche Hinzurechnung.
ALLE BEITRÄGE ZUM STEUERRECHT