Source: https://www.tactical-dad.com/private-sicherheit/ist-verteidigungsschie%C3%9Fen-erlaubt/
Timestamp: 2020-08-12 07:25:18
Document Index: 43151639

Matched Legal Cases: ['§22', '§ 9', '§ 9', '§ 15', '§ 14', '§ 9', '§6', '§9', '§6', '§13', '§241', '§13', '§ 23', '§19', '§23', '§ 38', '§ 34', '§ 34', '§ 39', '§ 38', '§ 6', '§ 6']

Ist Verteidigungsschießen (Combat Schießen) erlaubt? - tactical-dads Webseite!
Ist Verteidigungsschießen (Combat Schießen) erlaubt?
Viele haben schon mal gehört, dass das Üben von Verteidigungsschießen verboten ist. Aber stimmt das wirklich? Die Rechtslage dazu ist leider ziemlich kompliziert, aber ich versuche mal etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Das ganze Thema tangiert sehr viele Gesetzesstellen aus dem WaffG, der AWaffV und der WaffVWV. Ich hänge die wichtigsten Gesetzesstellen unten an.
Wer Lehrgänge zur Ausbildung in der Verteidigung mit Schusswaffen oder Schießübungen dieser Art veranstalten will, hat ... der zuständigen Behörde... anzuzeigen (§22 AWaffV). Die Rede ist hier von "Veranstalten", Wenn also eine einzelne Person derartiges Üben will ist so eine Meldung nicht erfoderlich.
Das bedeutet nun, dass es bestimmten Menschen sehr wohl erlaubt ist das Verteidigungsschießen mit scharfen Waffen zu üben. Alle anderen Personen können aber z.B. mit CO2-, Airsoft-, Paintball-, 4mmM20 oder Laserwaffen auf dem eigenen befriedeten Grundstück alles ohne Einschränkungen Trainieren (wenn die Geschosse das Grundstück nicht verlassen können, usw...).
Wenn man nun bedenkt, dass viele Schießanlagen überhaupt nicht für das Verteidigungsschießen geeignet und zugelassen sind, man sich z.B. mit der Verwendung seiner 9mm Sportpistole dafür auf rechtlich dünnes Eis begibt usw. macht es viel mehr Sinn sich auf das Training mit frei verkäuflichen Waffen zu konzentrieren. Eine Scheune, ein paar Airsoft-Waffen und gute Trainingsideen sind wesentlich wirkungsvoller als der scharfe Schuss im wenig geeigneten örtlichen Schützenverein.
Was für Übungen darf man überhaupt auf dem Schießstand schießen?
Darf sich ein Sammler ein .22er Einstecksystem für eine 100 Jahre alte 08 Pistole kaufen die in seiner Sammler WBK steht und damit auf den Schießstand? Unser Waffenrecht ist schon so kompliziert dass man darauf kaum eine klare Antwort geben kann...
Es gibt in der AWaffV den § 9. Dieser § ist sehr wichtig, aber kaum bekannt. Er regelt viel was auf jeden Schießstandbesuch Einfluss hat und zwar das, was wir mit unseren Waffen dort überhaupt tun dürfen. Unterschieden wird in WBK-Inhaber, Jedermann und Dienstwaffenträger.
Es darf nur das geschossen werden was die jeweilige Schießstandzulassung hergibt. IdR. ist hier lediglich die max. Geschossenergie, die Art des Treibladungspulvers und die Schussentfernung zur Scheibe relevant.
WBK-Inhaber dürfen mit allem schießen was innerhalb "des ihrer Berechtigung zugrunde liegenden Bedürfnisses" erfolgt. Das heißt:
Der Jäger darf jagdliches Übungsschießen durchführen, sowohl mit Lang- wie auch mit Kurzwaffen. Er muss sich hierbei nicht nach einer "Sportordnung" richten. Und das darf er logischerweise auch in einem Schützenverein, und nicht nur auf einem jagdlichen Schießstand. Die Bandbreite reicht hierbei vom 6mm Flobert Gewehr bis zum Verteidigungsschießen mit einer Kurzwaffe.
Der Sportschütze (mit einer WBK) darf dagegen lediglich das schießen was im Zusammenhang mit seinem schießsportlichen Bedürfnis steht. Er ist hierbei aber nicht haargenau an die Sportordnungen gebunden, denn im § 9 Nr. 2a wird extra noch "Jedermann" das Schießen auf Grundlage einer Sportordnung genehmigt. Daraus ergibt sich, dass der Sportschütze etwas mehr Spielraum hat. Meiner Meinung nach sind somit z.B. Abweichungen in der Schussentfernung (Pistole auf 50 Meter oder Gewehr auf 25 Meter) zulässig, wie auch Abweichungen in der Schusszahl oder der Art der Zielscheibe. Oder auch die Benutzung von Reduziersystemen zum günstigeren Trainieren fällt mir dazu als Beispiel ein, oder das Schießen auf Luftballons an einer Vereinsfeier. Genau genommen liegt bei solchen Abweichungen von der Sportordnung dann aber kein "sportliches Schießen" mehr vor (gem. § 15a Abs. 1 WaffG) und man kann ein derartiges Schießen nur noch schlecht als Termin für die eigene Regelmäßigkeit gem. § 14 Abs. 2 Nr. 1 WaffG verwenden.
Daraus ergibt sich, dass Jedermann alle sportlichen Disziplinen schießen darf. Um in einem DSB Verein auf Fallplatten zu schießen (BDS) oder die Waffe aus dem Holster zu ziehen (z.B. wie im BDMP) muss man in keinem entsprechenden Verband sein. Auch solche Vorgaben wie ein "Sicherheits- und Regeltest" sind nur verbandsinterne Vorgaben und haben keinen Einfluss auf das Waffenrecht.
Der Waffensammler darf seine Waffen auch zur Probe schießen. Viele Waffenbesitzer und sogar einige Sammler selber sind der Meinung, dass sie nicht mit ihren Waffen schießen dürfen, aber es gibt eine klare Erlaubnis dafür in der WaffVwV Nr. 12.1.1.1. Eine regelmäßige Verwendung dieser Waffen für den Schießsport ist aber nicht gestattet. Diese ausdrückliche Anerkennung eines Bedürfnisses zum Schießen von Sammlerwaffen ermöglicht auch die Erteilung eines Munitionserwerbsscheines für Sammler. Man muss dafür aber zusätzlich begründen warum man die Munition nicht am Schießstand erwerben kann (logischerweise weil kein Schießstand 8mm Nambu Patronen vorrätig hat).
Der Waffenscheininhaber (und Dienstwaffenträger) darf an Lehrgängen zum Verteidigungsschießen teilnehmen. Ist zwar logisch, steht aber auch im § 9AWaffV. Jäger und Sportschützen dürfen idR. nicht an diesen Lehrgängen teilnehmen! Aber Jäger dürfen selbstständig das Verteidigungsschießen trainieren.
Der Dienstwaffenträger (Soldaten, Polizisten, Zöllner, JVA Beamte...) darf in seiner Freizeit alles schießen was die Schießstandzulassung erlaubt. Das darf er auch mit Leihwaffen eines Schützenvereines. Nur das "kampfmäßige Schießen" ist auf zivilen Schießstätten verboten und darf nur auf Behördenschießanlagen durchgeführt werden. Aber das Verteidigungsschießen darf er im Schützenverein sehr wohl trainieren. Ob der Dienstwaffenträger auch in der Freizeit mit seiner Dienstwaffe trainieren darf hängt von seiner jeweiligen Dienstvorschrift dazu ab. Diese sind sehr unterschiedlich und teilweise auch eher ungenau und zweideutig formuliert. Teilweise wird das außerdienstliche Training ausdrücklich erlaubt und unterstützt und andere Behörden verbieten es komplett. Details dazu werde ich nicht öffentlich machen. Denn für die Einhaltung dieser Vorschriften ist ausschließlich der Dienstvorgesetzte (Disziplinarvorgesetzte) zuständig.
Der "Jedermann" (ohne eigene WBK) darf alles schießen was einer Schießsportordnung entspricht.
Zusätzlich darf er im Rahmen des Waffensachkundeunterrichtes und im Jagdkurs schießen. Hierfür gibt es keine genaueren Beschränkungen.
Freunde mit zum Schießen nehmen
Der Freund des WBK-Inhabers, der mit zum Schießen kommt, ist als Jedermann anzusehen.
Der Freund des Sportschützen hat damit eigentlich keinerlei Probleme, denn sein Freund wird sowieso nach einer Sportordnung schießen und er kann das Selbe auch tun.
HIER, beim Bundesverwaltungsamt findet Ihr alle genehmigten Schießsportordnungen. Die Übungen des DJV (Jagdverbandes) sind dort nicht aufgeführt, womit klar ist, dass das "jagdliche Übungsschießen" auch nicht unter diese Definition fällt. Daraus ergibt sich leider im Alltag ein Problem. Der Freund des Jägers, der mit ihm zum Schießen geht, darf somit z.B. nicht stehend angestrichen auf die Rehbockscheibe schießen. Erlaubt wäre ihm dann nur das Schießen nach irgend einer beliebigen Sportordnung mit Ringscheibe usw.
Nachtrag: Neulich hat ein Sachverständiger im Internet behauptet, dass ein Jäger eine sportliches Bedürfnis durch die Disziplinen des DJV hat, das wäre zwar irgendwie logisch, aber wer im Waffenrecht Logik sucht liegt meist falsch. Das jagdliche Übungsschießen hat nichts mit Sportschießen zu tun.
Vom Schießsport ausgeschlossene Schusswaffen (gem. §6 AWaffV)
Im §9 AWaffV Absatz 1 Nr. 3 steht, dass das Schießen mit "vom Schießsport ausgeschlossenen Waffen" auf Schießstätten verboten ist. Das sind meist Waffen wie Derringer, halbautomatische AKM47, UZIs oder Steyr AUG (welche Waffen genau vom Schießsport ausgeschossen sind ist etwas kompliziert und im §6 AWaffV aufgelistet). Der Sportschützen und der "Jedermann" dürfen es also nicht. Derartige Waffen dürfen z.B. von Jäger und Sammlern erworben werden und diese dürfen aufgrund ihres Bedürfnisses auch mit diesen Waffen schießen.
Aber bedenkt, dass die "Deutsche Schießstandordnung" des DSB diese Waffen auf ihren Ständen verbietet. Diese Regelung zeigt mal wieder, dass der DSB immer wieder nicht im Sinne der Waffenbesitzer agiert und dort Vereinsmeierei ein großes Problem ist.
Wann darf der Jäger seine Waffen führen
Im WaffG gibt es den §13 der regelt was Jäger waffenrechtlich dürfen. Und im Absatz 6 steht:
Ein Jäger darf Jagdwaffen zur befugten Jagdausübung einschließlich des Ein- und Anschießens im Revier, zur Ausbildung von Jagdhunden im Revier, zum Jagdschutz oder zum Forstschutz ohne Erlaubnis führen und mit ihnen schießen.
Absolut jeder der einen Jagdschein hat wird über den Inhalt des Absatzes in etwa kennen. Aber es gibt, gerade wenn man im Jagdschutz aktiv ist, kleine Stolperfallen. Ein recht prominenter Fall wo ein Jäger in so eine Falle getappt ist war im Jahr 2012. HIER ist ein weiter Bericht dazu. Ein Jäger wollte einem Bekannten helfen der Probleme mit Schrottdieben hatte. Der Jäger legte sich mit einem Jagdgewehr auf die Lauer und konnte die Diebe festnehmen. Hierbei richtete er auch sein Gewehr auf die Täter.
Das erste Problem, um das es mir hier nicht geht, war dass er nicht selber bedroht wurde und seine Waffe auf die Täter richtete. Das ist eine strafrechtliche Bedrohung (§241 StGB) die er nicht durch Notwehr oder die "vorläufige Festnahme durch Jedermann" rechtfertigen konnte. Ich will aber hier mehr auf den zweiten Punkt eingehen. Der Jäger führte seine Waffe ohne ein Gesetzesmerkmal des §13 Absatz 6 zu erfüllen. Er lud seine Flinte mit Steinsalz und wollte Diebe festnehmen. Das fällt nicht unter "Jagdausübung" oder "Jagdschutz" und damit ist das Führen der Waffe waffenscheinpflichtig und eine Straftat liegt vor.
Die Situation wäre eine ganz andere gewesen wenn der Jäger bei einem Pirschgang zufällig die Diebe bemerkt hätte und bei der Ansprache das Gewehr auf den Boden gerichtet hätte. Denn dann hätte er seine Waffe berechtigt geführt und eine Bedrohung hätte vermutlich auch nicht vorgelegen. Hinsichtlich der Bedrohung kommt es auf die genauen Umstände an. Sie ist prinzipiell gegeben, wenn das Gegenüber mit dem Tod bedroht wird.
In der Praxis kann sich auch ein weiteres Problem ergeben. Sollte ein Jäger nachts unterwegs sein um etwas gegen die Wilderei zu unternehmen muss er auch sehr genau den oben genannten Absatz beachten und zusätzlich die jagdrechtlichen Vorgaben. Denn nachts ist idR. die Jagd verboten und man kann sich nicht so einfach darauf berufen "auf der Jagd" zu sein.
Jeder Revierinhaber und Jagdaufseher ist "jagdschutzberechtigt". Gem. § 23 BJagdG umfasst der Jagdschutz: "Den Schutz des Wildes insbesondere vor Wilderern, Futternot, Wildseuchen, vor wildernden Hunden und Katzen...". Das Führen der Waffen ist diesen Personen also in ihrem Revier immer erlaubt um sich gegen Wilderer verteidigen zu können oder ihr Wild vor wildernden Hunden und Katzen zu schützen.
ABER: Einfache Begehungsscheininhaber sind in den meisten Bundesländern nicht jagdschutzberechtigt und nachts ist idR. Jagdverbot gem. §19 BJagdG. Sollte ein Begehungsscheininhaber, der keine weiteren Befugnisse hat, also nachts im Revier seine Waffe führen wollen kann er dies nur z.B. zur Jagd auf Schwarzwild mit einem Hochwildtauglichen Kaliber. Auch wenn ein Fallenmelder ihn über gefangenes Wild informiert gebietet der Tierschutz es so schnell wie möglich zu erlegen. Erlaubt wäre es auch wenn der Begehungsscheininhaber nachts lediglich Wild beobachtet und seine Waffe nur für Fangschüsse auf erkranktes- oder Unfallwild dabei hat, denn diese fallen natürlich unter "Jagdausübung".
Da die grün-rote Regierung von Baden-Württemberg das dortige Landesjagdgesetz komplett neu verfasst hat ist dort die Rechtslage viel komplexer. Im §23 BJagdG ist der Jagschutz grundsätzlich definiert und es steht dort "Der Jagdschutz umfaßt nach näherer Bestimmung durch die Länder...". Es gibt dort im JWMG aber keinen "Jagdschutz" mehr. Da die Polizei sich sowieso kaum noch um den Schutz von Wildtieren kümmern kann wurde nun auch noch den Jägern verboten etwas gegen Wilderer und wildernde Hunde und Katzen zu unternehmen und die seltenen und bedrohten Arten werden ihrem Schicksal überlassen. Alle Jagdschutzbefugnisse wurden ersatzlos gestrichen. Daher muss man davon ausgehen, dass sich ein Jäger aus Baden-Württemberg nicht auf den Jagdschutz berufen kann und er nur noch seine Waffen zur "Jagdausübung" führen darf.
Ob das JWMG hinsichtlich dem Jagdschutz verfassungswidrig ist kann ich nicht beurteilen, dafür fehlt mir juristisches Wissen. Ich halte es aber doch für etwas bedenklich, wenn das Rahmengesetz des Bundes den Jagdschutz vorsieht und das Landesrecht ihn einfach weg lässt.
(1, WaffV) Abschnitt X. Ausbildung im Verteidigungsschießen
§ 38 (1) Wer Lehrgänge zur Ausbildung in der kampfmäßigen Verteidigung mit Schusswaffen oder Schießübungen dieser Art veranstalten will, hat die beabsichtigte Tätigkeit und den Ort, an dem die Veranstaltung stattfinden soll, zwei Wochen vorher der zuständigen Behörde schriftlich anzuzeigen. Die Beendigung der Lehrgänge oder Schießübungen ist der zuständigen Behörde innerhalb von zwei Wochen ebenfalls anzuzeigen.
(2) In der Anzeige über die Aufnahme der Lehrgänge oder Schießübungen hat der Veranstalter die Personalien der volljährigen verantwortlichen Aufsichtsperson und der Ausbilder anzugeben. § 34 Abs. 2 Satz 2 ist entsprechend anzuwenden. Die spätere Einstellung oder das Ausscheiden der genannten Personen hat der Veranstalter der zuständigen Behörde unverzüglich anzuzeigen.
(3) Auf die Verpflichtung des Veranstalters zur Bestellung einer verantwortlichen Aufsichtsperson und von Ausbildern ist § 34 Abs. 1 entsprechend anzuwenden.§ 39 (1) Zur Teilnahme an den Lehrgängen oder Schießübungen im Sinne des § 38 dürfen nur Personen zugelassen werden,1. die auf Grund eines Waffenscheines oder einer Bescheinigung nach § 6 Abs.2 des Gesetzes zum Führen einer Schusswaffe berechtigt sind,2. denen ein in § 6 Abs. 1des Gesetzes bezeichneter Dienstherr die dienstlichenGründe zum Führen einer Schusswaffe bescheinigt hat oder denen von derzuständigen Behörde eine Bescheinigung nach Absatz 2 erteilt worden ist.(2) Die zuständige Behörde kann Inhabern einer für Kurzwaffen ausgestellten