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Timestamp: 2016-10-25 01:39:45
Document Index: 526579

Matched Legal Cases: ['BGE', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 146/03 (02.04.2004)
U 146/03
Urteil vom 2. April 2004
Pr�sident Ferrari, Bundesrichter Meyer und Ursprung; Gerichtsschreiber Lanz
H.________, 1941, Beschwerdef�hrer,
(Entscheid vom 16. Mai 2003)
Der 1941 geborene H.________ arbeitete von 1979 bis zu seiner Fr�hpensionierung im Jahr 2002 als Kreisforstmeister beim Kanton X.________ und war dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unf�llen und Berufskrankheiten versichert. Ab etwa Anfang August 2000 stellte er eine verschlechterte Kondition sowie Schmerzen in R�cken, Schulterg�rtelbereich, Oberschenkeln und Beckengegend fest. Er suchte deswegen am 15. August 2000 den Hausarzt auf, der eine h�lftige Arbeitsunf�higkeit best�tigte, bei dringendem Verdacht auf eine Borreliose mit Gelenkbeteiligung Stadium II nach bei beruflicher Exposition immer wieder aufgetretenen Zeckenbissen. Am 20. September 2000 wurde die bestehende Symptomatik als Zeckenbissfolge an die SUVA gemeldet. Es folgten durch den Hausarzt veranlasste Untersuchungen des Versicherten am Spital Y.________ (Bericht vom 11. Oktober 2000) sowie durch Dr. med. S.________, Facharzt f�r Innere Medizin FMH (Berichte vom 19. Dezember 2000 und 16. M�rz 2001). Sodann beantwortete das Spital Y.________ am 9. Januar und 31. Mai 2001 Erg�nzungsfragen der SUVA. Mit Verf�gung vom 4. Juli 2001 verneinte der Unfallversicherer seine Leistungspflicht mit der Begr�ndung, es liege weder ein Unfall noch eine unfall�hnliche K�rpersch�digung vor. Daran wurde mit Einspracheentscheid vom 14. September 2001 festgehalten.
Hiegegen erhob der Versicherte Beschwerde. Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich holte ein Gutachten des Spitals A.________ vom 5. M�rz 2003 ein. Gest�tzt auf die Stellungnahme der Experten, wonach eine Lyme-Erkrankung unwahrscheinlich sei, wies das kantonale Gericht die Beschwerde ab (Entscheid vom 16. Mai 2003).
H.________ beantragt mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde, es sei festzustellen, dass mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit eine Lyme-Borreliose vorliege und damit eine Leistungspflicht der SUVA gegeben sei.
Der Unfallversicherer beantragt die Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, ohne sich weiter zur Sache zu �ussern. Das Bundesamt f�r Sozialversicherung, Abteilung Kranken- und Unfallversicherung (seit 1. Januar 2004 im Bundesamt f�r Gesundheit), hat sich nicht vernehmen lassen.
Wie die Vorinstanz zutreffend erkannt hat, werden nach dem massgebenden Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheides (hier: 14. September 2001) eingetretene Rechts- und Sachverhalts�nderungen vom Sozialversicherungsgericht nicht ber�cksichtigt, womit im vorliegenden Fall auch die Anwendbarkeit des am 1. Januar 2003 in Kraft getretenen Bundesgesetzes �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) und der Verordnung hiezu (ATSV) entf�llt (BGE 129 V 4 Erw. 1.2 mit Hinweisen).
Im Einspracheentscheid und im kantonalen Entscheid werden sodann die Bestimmungen und Grunds�tze �ber die Leistungspflicht des Unfallversicherers, namentlich bei Zeckenbissen, und die sich in diesem Zusammenhang stellenden Kausalit�ts- und Beweisfragen richtig wiedergegeben. Darauf wird verwiesen. Hervorzuheben ist, dass nach der Rechtsprechung der Biss der Zecke der Gattung Ixodes s�mtliche Merkmale des Unfallbegriffs (Art. 9 Abs. 1 UVV) erf�llt, weshalb der obligatorische Unfallversicherer f�r die damit verbundenen Infektionskrankheiten (Lyme-Krankheit, Enzephalitis) und deren Folgen aufzukommen hat (BGE 122 V 239 ff. Erw. 5).
2.1 Es steht nach Lage der Akten fest und ist nicht umstritten, dass der Beschwerdef�hrer von Zecken gebissen wurde. Sodann konnte mittels serologischer Labortests zweifelsfrei ein Kontakt mit Borrelia burgdorferi nachgewiesen werden. Streitig und zu pr�fen ist, ob dies nach dem im Sozialversicherungsrecht �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 Erw. 5b) zu einer Lyme-Borreliose, in der Auspr�gung einer Lyme-Arthritis, als f�r die ab August 2000 aufgetretenen Beschwerden verantwortliche Erkrankung gef�hrt hat.
Die Vorinstanz verneint dies und st�tzt sich dabei namentlich auf das Gutachten des Spitals A.________ vom 5. M�rz 2003. Danach ist das Leidensbild mit einer Polyarthritis zu erkl�ren. Differentialdiagnostisch kommen eine rheumatoide Arthritis oder eine parvovirus-assoziierte Polyarthritis resp. Psoriasis-Arthritis in Frage. Eine Lyme-Erkrankung ist aufgrund der Anamnese, der klinischen Symptomatik und des Verlaufes unwahrscheinlich, wenn auch nicht mit letzter Sicherheit auszuschliessen.
2.2 Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Praxis nicht ohne zwingende Gr�nde von der Einsch�tzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verf�gung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widerspr�chlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in �berzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegens�tzliche Meinungs�usserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schl�ssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die �berpr�fung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise f�r angezeigt h�lt, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 Erw. 3b/aa mit Hinweisen).
Mit dem kantonalen Gericht ist festzustellen, dass das Gutachten des Spitals A.________ vom 5. M�rz 2003 s�mtliche Anforderungen an den Beweiswert eines Arztberichtes erf�llt (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Es beruht auf umfassenden Untersuchungen und �berzeugt in seinen eingehend begr�ndeten Schlussfolgerungen. Diese stimmen auch vollumf�nglich �berein mit der Beurteilung durch die �rzte am Spital Y.________. Sie beschreiben eine Polyarthritis unklarer Aetiologie bei Differentialdiagnosen auf seronegative rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Polyarthritis resp. Polyarthritis anderer (z.B. viraler) Aetiologie. Eine Lyme-Arthritis wird, bei positiver Borrelienserologie, mangels entsprechender klinischer Hinweise f�r wenig wahrscheinlich erachtet (Bericht an den Hausarzt vom 11. Oktober 2000 und Stellungnahmen an die SUVA vom 9. Januar 2001 und 31. Mai 2001).
2.3 Gem�ss Norbert Satz (in: Klinik der Lyme-Borreliose, 2. Auflage, Bern 2002, S. 70) setzt die Diagnose einer Lyme-Borreliose - gleich welchen Stadiums - ein entsprechendes klinisches Beschwerdebild und den Ausschluss von Differentialdiagnosen voraus, wobei je nach Krankheitsstadium ein pathologischer laborchemischer Test die Wahrscheinlichkeit der Diagnose erh�hen kann. Die Diagnose der Lyme-Borreliose ist aber trotz aller zur Verf�gung stehenden Labortests ausschliesslich klinisch im Ausschlussverfahren zu stellen (Satz, a.a.O.).
Vorliegendenfalls l�sst sich die zur Diskussion stehende Symptomatik gem�ss der �berzeugenden, mit den am Spital Y.________ erhobenen Befunden �bereinstimmenden Einsch�tzung der Gutachter des Spitals A.________ zwanglos mit einer Polyarthritis erkl�ren, wobei es an der f�r eine Lyme-Borreliose/Arthritis typischen klinischen Pr�sentation fehlt. Damit kann eine Lyme-Erkrankung, trotz der unbestrittenermassen erfolgten Borrelieninfektion, nicht als nat�rlich kausale Ursache f�r das ab August 2000 aufgetretene Beschwerdebild betrachtet werden, weshalb der Unfallversicherer zu Recht seine Leistungspflicht hief�r verneint hat.
Die Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren zu keiner anderen Betrachtungsweise. Selbst wenn von einer noch aktiven Borrelieninfektion auszugehen w�re, �nderte dies nichts an der entscheidenden Tatsache, dass das f�r die Diagnose einer Lyme-Erkrankung zwingend erforderliche klinische Beschwerdebild nicht gegeben ist. Sodann k�nnen zwar Fingergelenke von einer Lyme-Arthritis mit betroffen sein. Statistisch gesehen manifestiert sich diese Erkrankung aber eher in grossen Gelenken (vgl. Satz, a.a.O., S. 142). Daher l�sst sich nicht beanstanden, wenn Gutachter des Spitals A.________ und �rzte des Spitals Y.________ bei der klinischen Beurteilung davon ausgegangen sind, der - hier gegebene - Befall der Fingergelenke sei f�r eine Lyme-Borreliose nicht typisch. Zutreffend ist auch, dass sich eine Lyme-Arthritis h�ufiger in einer Mono- oder Oligoarthritis �ussert, als in einer Polyarthritis wie der hier bestehenden (Satz, a.a.O., S. 142). Es kann im �brigen auf die einl�sslichen, die Einw�nde des Beschwerdef�hrers angemessen mit ber�cksichtigenden Erw�gungen der Vorinstanz verwiesen werden. Darin wird auch zutreffend dargelegt, weshalb nicht auf die abweichenden diagnostischen Meinungs�usserungen des Dr. med. S.________ abzustellen ist. Einpracheentscheid und kantonaler Gerichtsentscheid sind somit rechtens.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich, der Krankenkasse KPT, Direktion, Bern, und dem Bundesamt f�r Gesundheit (BAG) zugestellt.
Luzern, 2. April 2004