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Timestamp: 2019-01-21 22:07:31
Document Index: 51632038

Matched Legal Cases: ['§ 16', '§ 34', '§ 34', '§ 7', '§ 4', '§ 19', '§ 18', '§ 20']

﻿ Steuerliche Besonderheiten zum Jahreswechsel Unternehmer
Steuertipps für Freiberufler, Unternehmer und Unternehmen: Kluges Handeln vor dem Jahreswechsel!
Nach den aktuellen Presseinfos sprudeln die Einnahmen der Finanzverwaltung aus Steuern und den Mehrergebnissen aus den Betriebsprüfungen und Maßnahmen der Steuerfahndung. Alle Parteien denken über Steuersenkungen in der Zukunft nach. Für das Jahr 2018 gilt es zu überprüfen, ob durch geschickte und gezielte Gestaltungsmaßnahmen Steuern minimiert oder optimiert werden können. Hierzu bestehen eine Vielzahl von Möglichkeiten und es kommt wie immer auf den Einzelfall an, ob die eine oder andere Maßnahme sinnvoll ist.
Gründung eines Unternehmens: Ist die Gründung eines Unternehmens beabsichtigt, so bedarf es auch hier einer Vielzahl von Überlegungen und Abwägungen in Bezug auf den Zeitpunkt. Hier kann eine Gründung noch im alten Jahr oder erst im Folgejahr im Einzelfall von Vorteil sein. Die Unternehmensgründung, mit Anlaufverlusten im ersten Jahr (Beispiel: Ankauf von Waren bei Einnahmen-/Ausgabenrechnung, Inanspruchnahme des Investitionsabzugsbetrages für in den folgenden drei Jahren geplante Investitionen), kann zur Verrechnung mit steuerpflichtigen Einkünften aus der bisherigen Tätigkeit im gleichen Jahr sehr vorteilhaft sein. War der Gründer, bisher Arbeitnehmer und hat im Jahr 2018 eine hohe Arbeitnehmerabfindung erhalten, so führt der steuerliche Verlust aus der Unternehmensgründung im Jahr 2018 zwangsläufig zu einer günstigeren Besteuerung der Arbeitnehmerabfindung nach der Fünftelregelung. Mit Blick auf die Möglichkeiten des Investitionsabzugsbetrages ist ebenfalls zu prüfen, wann die Gründung erfolgt. Durch zielorientierte Handlungen können hier tatsächlich einige 1.000 € an Steuern gespart werden.
Betriebsaufgabe im alten oder im neuen Jahr? Es geht einmal um die Ausnutzung des Freibetrags (§ 16 Abs. 4 EStG) und auch in diesem Fall um die Nutzung eines möglichst niedrigen Grenzsteuersatzes zur Anwendung der Fünftelregelung (§ 34 Abs. 1 EStG). Hier kann einmal eine Verschiebung in ein anderes Wirtschaftsjahr oder auch eine Aufteilung in zwei Teilbetriebsveräußerungen (erst das Grundstück, dann der Betrieb u.a.) von Vorteil sein. Dies ist im Detail zu prüfen. Wichtig: soweit im Jahr 2018 es zu einer ermäßigten Besteuerung kommt (Fünftelregelung), sollte geprüft werden, ob durch Sonderzahlungen (Spenden, Versicherungen etc.) der Grenzsteuersatz gesenkt und damit die gesamte Steuerlast optimiert werden kann. Hier sollte kurz vor Jahresende eine steuerliche Hochrechnung erfolgen, um eine optimale Lösung zu erzielen.
Wechsel der Gewinnermittlungsart möglich? Zum Jahreswechsel sollte geprüft werden, ob ein Wahlrecht zum Wechsel der Gewinnermittlungsart besteht und dieses vorteilhaft ausgeübt werden kann. Es geht um die Frage, ob es für Unternehmer/Freiberufler, die ihren Gewinn durch Erstellung einer Einnahmen-/Ausgabenrechnung ermitteln, von Vorteil ist, die Gewinne durch den Betriebsvermögensvergleich, d.h. durch freiwillige Aufstellung einer Bilanz zu ermitteln. Ebenso kann es für Unternehmer, die bisher ihren Gewinn im Rahmen der Bilanzie-rung ermitteln von Vorteil sein zur Einnahmen-/Ausgabenrechnung zu wechseln. Per Saldo können hier im Jahr des Wechsels der Gewinnermittlungsart erhebliche steuerliche Vorteile realisiert werden. Der Wechsel der Gewinnermittlungsart ist jedoch auch betriebswirtschaftlich zu durchdenken. Dies sollte individuell geprüft werden. Folgende steuerlichen Unterschiede in Bezug auf die Gewinnermittlungsart sind hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den konkreten Einzelfall abzuprüfen:
1. Besteuerung nach dem Zufluss-/Abflussprinzip. Eine Besteuerung findet i.d.R. erst zum Zeitpunkt des Geldflusses statt. Der Zeitpunkt der Gewinnrealisierung kann im Einzelfall ertragssteuerlich von erheblicher Bedeutung sein.
2. Grenze zur Inanspruchnahme eines Investitionsabzugsbetrages bei E/Ü-Rechnung = 100.000 € Gewinn im Gegensatz zur Eigenkapitalgrenze von 235.000 € bei Bilanzierung.
3. Voraussetzung zur günstigeren Besteuerung für im Unternehmen verbleibendes Kapital (Thesaurie-rungsvergünstigung mit 28,25 %) ist die Bilanzierung (vergl. § 34a EStG). Soweit die Gewinnermittlung im Rahmen einer Einnahmen-/Ausgabenrechnung erfolgt, gilt das Zufluss-/Abflussprinzip und bereits durch die Verlagerung von Zahlungen kann Einfluss auf das Jahresergebnis 2018 genommen werden.
Anschaffung/Herstellung von Wirtschaftsgütern im alten oder im neuen Jahr? Die Frage, ob aus steuerlicher Sicht Wirtschaftsgüter noch im alten oder neuen Jahr angeschafft werden sollen, ist von den steuerlichen Verhältnissen im Einzelfall abhängig und nicht pauschal zu entscheiden. Geringwertige Wirtschaftsgüter bis zu einem Anschaffungspreis von 800 € netto, sind noch in voller Höhe steuerlich sofort absetzbar, soweit die Anschaffung noch in diesem Jahr erfolgt. Wichtig: Die Wertgrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter wurde ab 01.01.2018 von bisher 410 € netto auf 800 € netto angehoben.
Investitionsabzugsbetrag: Für Anschaffungen, die im Jahre 2019, 2020 oder 20210 geplant sind, kann bereits im Jahr 2018 der Investitionsabzugsbetrag (40 % des Nettoinvestitionsbetrages) in Anspruch genommen werden, soweit die sonstigen Bedingungen der Förderung erfüllt sind (gem. § 7g EStG). Dieser wird auch für die Anschaffung gebrauchter Wirtschaftsgüter gewährt. Wichtig: Wurde im Jahr 2015 zur Gewinnminimierung ein Investitionsabzugsbetrag in Anspruch genommen, so muss zur Vermeidung einer schädlichen Auflösung, die Investition bis spätestens zum 31.12.2018 erfolgen. Darüber hinaus kann die 20-prozentige Sonderabschreibung für kleine und mittelständische Betriebe für Anschaffungen auch dann in Anspruch genommen werden, wenn vorher kein Investitionsabzugsbetrag in Anspruch genommen wurde. Insoweit ist im Einzelfall zu prüfen, ob eine Anschaffung im Jahre 2018 nicht vorteilhafter ist.
Wie hoch ist das Eigenkapital des Unternehmens am 31.12.2018? Für bilanzierende Unternehmer kann die Eigenkapitalausstattung des Unternehmens von besonderer Bedeutung sein. Ein negatives Eigenkapital führt zu Problemen bei der Unternehmensbewertung, hier insbesondere beim Rating durch die Banken. Dies kann deutliche Zinsnachteile bei notwendigen Finan-zierungen bringen. Liegen die Entnahmen aus dem Unternehmen über dem Gewinn des laufenden Jahres (Überentnahmen), kann dies dazu führen, dass die Schuldzinsen des Unternehmens in Höhe von 6 % der Überentnahme steuerlich nicht mehr abzugsfähig sind (§ 4 Abs. 4a EStG). Diese Regelung ist bedeutsam, soweit der Zinsaufwand insgesamt über 2.050 € im Jahr liegt. Personenunternehmen können die Eigenkapitalsituation verbessern und Überentnahmen vermeiden, indem entsprechende Einzahlungen noch im Dezember auf das Unternehmenskonto erfolgen. Das positive Eigenkapital sollte 235.000 € nicht übersteigen, um noch in den Genuss des Investitionsabzugsbetrages zu kommen. Für Unternehmer mit einer hohen Einkommensteuerbelastung (Grenzsteuersatz über 35 %) kann die Nut-zung der begünstigten Besteuerungsregelung für Gewinne, die im Unternehmen bleiben (Thesaurierungsbesteuerung) von Vorteil sein. Um diese optimal zu nutzen, ist eine frühzeitige Strategie zur Ei-genkapitalgestaltung durch Einlagen und Entnahmen erforderlich. In welcher Höhe dann der Antrag auf die begünstigte Besteuerung (Steuersatz rund 29 %) gestellt wird, bedarf dann noch weiterer individueller Berechnungen und Planungen.
Überschreitung von Grenzwerten bei der Umsatzsteuer: Für Unternehmer/Freiberufler, die umsatzsteuerlich als Kleinunternehmer (§ 19 UStG) behandelt werden, gilt es die Grenzen des Umsatzsteuerrechts zu beachten, um nicht durch Überschreitung der Grenzwerte in eine unerwünschte Besteuerungsregelung zu kommen. Überschreiten Kleinunternehmer den Grenzbetrag von 17.500 € im Jahr 2018, unterliegen diese ab 01.01.2019 der umsatzsteuerli-chen Regelbesteuerung. Auch hier kann durch Verschiebung von Einnahmen eine steuerlich optimierte Gestaltung erfolgen. Bei Überschreitung gilt es die Rechnungsstellung ab 01.01.2019 mit Umsatzsteuer-ausweis entsprechend Vorschriften des Umsatzsteuerrechts durchzuführen. Die Besteuerung erfolgt bei der Umsatzsteuer in der Regel nach vereinbarten Entgelten. Dies bedeutet, dass bei Rechnungserhalt der Vorsteuerabzug möglich und bei Rechnungsstellung die Umsatzsteuer ab-zuführen ist. Dies unabhängig davon, ob die Zahlung bereits erfolgte. Dies kann – je nach Branche und Zahlungsziele – für den einzelnen Unternehmer zu einem hohen Liquiditätsbedarf führen, soweit die Um-satzsteuer weit vor dem Erhalt der Kundenzahlungen abgeführt werden muss. Aus diesem Grund besteht für bestimmte Unternehmen die Möglichkeit, die Umsatzsteuerbeträge erst beim Zahlungsvorgang (Ist-Besteuerung Umsatzsteuer) zu berücksichtigen. Hierzu gehören die Freiberufler (Katalog gem. § 18 EStG) und Unternehmen, die nicht bilanzierungspflichtig sind, sowie – auf Antrag – Unternehmen, deren Gesamtumsatz im vorangegangenen Wirtschaftsjahr 500.000 € nicht übersteigt (§ 20 UStG). Für die begünstigten Unternehmen ist eine Umstellung auf die so genannte Ist-Versteuerung jeweils zum Jahreswechsel möglich. Hierzu ist ein Antrag beim zuständigen Finanzamt zu stellen. Der Antrag ist an keine Frist gebunden.
Verträge mit Angehörigen: Zum Jahresende sollten regelmäßig alle Verträge mit Angehörigen, die steuerliche Wirkung entfalten, überprüft werden. Werden die gewünschten Ziele noch erreicht? Wurden Grenzen über- oder unterschritten? Dies gilt im Besonderen für Miet- und Arbeitsverträge. Bei einer steuerlich wirksamen Vermietung an Dritte, ist der Vergleich zur ortsüblichen Miete im Rahmen der steuerlichen Regeln im Auge zu behalten.
Verluste von Ansprüchen wegen drohender Verjährung zum 31. Dezember: Auch Verjährungsfristen zu Forderungen, Umlagenabrechnungen etc. und der Ablauf von Gewährleistungspflichten gilt es zum Jahresende zu beachten, um keine Ansprüche zu verlieren. Inwieweit welche Frist gilt, ist im konkreten Einzelfall zu klären und ggf. sind Maßnahmen zur Wahrung der Frist oder Hemmung eines Fristablaufs zu treffen.
Antrag auf Stromsteuerentlastung: Für Unternehmer des produzierenden Gewerbes (Beispiel Bäckerei) besteht bei entsprechend hohem Stromverbrauch u.U. Anspruch auf eine Entlastung/Rückerstattung von Stromsteuer. Das Gesetz sieht verschiedene Entlastungstatbestände vor. Zur Rückvergütung ist ein entsprechender Antrag beim Hauptzollamt zu stellen. Die Antragsfrist läuft jeweils zum 31.12. des Folgejahres ab. Antragformulare und Infos hierzu sind im Internet bei den Stromanbietern und unter www.bundesfinanzministerium.de zu finden.
Besteuerung der Privatnutzung von Firmenfahrzeugen: Zum Jahreswechsel sollte überprüft werden, ob es sinnvoll ist, von der sogenannten 1-%-Regelung zur Fahrtenbuchmethode zu wechseln. Hierzu ist die Installation eines elektronischen Fahrtenbuchs rechtzei-tig vor dem 1. Januar des nächsten Jahres zu empfehlen.
Inventur per 31.12.: Unternehmen mit einem Warenbestand sollten per 31.12. eine Inventur durchführen, auch wenn sie nicht dazu verpflichtet sind. Das Inventurergebnis dient der Beurteilung des Unternehmensgewinns, der Lager-umschlagsgeschwindigkeit und deckt Fehlmengen auf.
In den vergangenen Jahren kam es zu einer Vielzahl von gesetzlichen Änderungen zu den Themen Be-legaufbewahrung, Bilanzierung, elektronische Datenübermittlung und beispielsweise bei der Nutzung elektronischer Kassensysteme. Die verschiedenen Übergangsvorschriften gilt es zu beachten. Auch für Unternehmer, die ihr Unternehmen in Form einer Kapitalgesellschaft, beispielsweise einer GmbH, führen, bestehen noch eine Reihe von Gestaltungsmöglichkeiten um Steueroptimierungen noch vor dem Jahreswechsel zu bewirken. Das Gleiche gilt für uns Privatpersonen. Hierzu finden Sie Tipps und Checklisten unter www.steuer-gonze.de und Eingabe des Stichwortes „Jahreswechsel“ in der Suchmaske oben rechts.