Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VII%20R%20110/99
Timestamp: 2019-08-21 08:45:10
Document Index: 280472115

Matched Legal Cases: ['§ 69', '§ 69', 'BGH', '§ 71', 'BGH', '§ 69', '§ 41', '§ 37', '§ 3', '§ 69', '§ 71', '§ 69', '§ 25']

BFH, 01.08.2000 - VII R 110/99 - dejure.org
https://dejure.org/2000,482
BFH, 01.08.2000 - VII R 110/99 (https://dejure.org/2000,482)
BFH, Entscheidung vom 01.08.2000 - VII R 110/99 (https://dejure.org/2000,482)
BFH, Entscheidung vom 01. August 2000 - VII R 110/99 (https://dejure.org/2000,482)
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AO 1977 § 69 Satz 1 und Satz 2
Verspätungszuschläge - Haftung des Geschäftsführers - Grundsatz der anteiligen Tilgung - Lohnsteueranmeldungen
AO (1977) § 69 S. 1, 2
Lohnsteuer - Nur quotale Haftung für Verspätungszuschlag
Grundsatz der anteiligen Tilgung, Haftung für Steuerschulden, Lohnsteuer, Pflichtverletzung und Kausalität, übrige Steuern und Nebenleistungen, Verspätungszuschläge, Zahlungsmöglichkeit
Abgabenordnung; Haftung des Geschäftsführers für Verspätungszuschlag
FG Rheinland-Pfalz, 23.11.1998 - 5 K 3260/97
BFHE 192, 249
BB 2000, 2401
BStBl II 2001, 21
BStBl II 2001, 271
BFH, 27.02.2007 - VII R 67/05
Lohnsteuer - Lohnsteuerabzugsverfahren - Haftung - Haftungsquote - Insolvenz - …
aa) Selbst wenn der Abführung der Lohnsteuer --trotz des besonderen gesetzlichen Pflichtengefüges beim Lohnsteuerabzugsverfahren (vgl. BFH-Urteil vom 1. August 2000 VII R 110/99, BFHE 192, 249, BStBl II 2001, 271)-- kein Vorrang vor dem Gebot der Massesicherung zukommen sollte (so aber die --nicht tragende-- Auffassung des 2. Zivilsenats des BGH in DStR 2005, 978, ZIP 2005, 1026), ist umgekehrt jedenfalls der Vorrang der Massesicherung nicht zu begründen.
BFH, 28.03.2001 - VII B 213/00
Dieser Grundsatz gilt auch für festgesetzte Verspätungszuschläge und von der GmbH angeforderte Säumniszuschläge (vgl. Senatsurteil vom 1. August 2000 VII R 110/99, BFHE 192, 249, BFH/NV 2001, 84 V).
Stehen zur Begleichung der Steuerschulden insgesamt ausreichende Mittel nicht zur Verfügung, so bewirkt die durch die schuldhafte Pflichtverletzung verursachte Nichterfüllung der Ansprüche aus dem Steuerschuldverhältnis die Haftung nur in dem Umfang, in dem der Verpflichtete das FA gegenüber den anderen Gläubigern benachteiligt hat (vgl. Senatsurteil vom 1. August 2000 VII R 110/99, BFHE 192, 249, BStBl II 2001, 271, m.w.N.).
Für dessen Ansicht könnten Äußerungen in der Rechtsprechung angeführt werden, wonach die Haftung in § 71 AO Schadenersatzcharakter hat (vgl. BFH-Urteile vom 1. August 2000 VII R 110/99, BFHE 192, 249, BStBl II 2001, 271; vom 9. Dezember 2003 VI R 35/96, BFHE 205, 56, BStBl II 2004, 641; in BFHE 212, 398, BStBl II 2007, 594).
BFH, 02.11.2001 - VII B 155/01
Dieser abgabenrechtliche Haftungstatbestand setzt eine vorsätzliche oder grob fahrlässige Verletzung der steuerlichen Pflichten voraus und hat Schadensersatzcharakter (ständige Senatsrechtsprechung, z.B. Urteil vom 1. August 2000 VII R 110/99, BFHE 192, 249, BStBl II 2001, 271, m.w.N.).
Ob dies den vom Kläger kritisierten Schluss rechtfertigt, dass der Arbeitgeber die Lohnsteuer nur "treuhänderisch" für den Arbeitnehmer und den Steuerfiskus einbehält (z. B. BFH-Urteile vom 21.1.1972 VI R 187/68, BStBl II 1972, 364 ; vom 19.12.2000 VII R 63/99, BStBl II 2001, 217 , vom 1.8.2000 VII R 110/99, BStBl II 2001, 271 ), oder ob nicht vielmehr unter Berücksichtigung des Urteils des Bundesgerichtshofs -BGH- vom 22.1.1004 IX ZR 39/03, Neue Juristische Wochenschrift -NJW- 2004, 1444 davon auszugehen ist, dass es sich beim Lohnsteuerabzug um die Erfüllung einer originären steuerrechtlichen Verpflichtung des Arbeitgebers gegenüber dem Fiskus und nicht um die Erfüllung einer arbeitsvertraglichen Verpflichtung des Arbeitgebers gegenüber dem Arbeitnehmer handelt, dieser also zu keinem Zeitpunkt Eigentümer der Lohnsteuerbeträge geworden ist (…Loose in Tipke/Kruse, AO/FGO, 16. Aufl. § 69 AO Tz. 41), ist für die vorliegende Entscheidung ohne Bedeutung.
Im Übrigen hat der BFH seine in ständiger Rechtsprechung vertretene Auffassung, dass sich der Grundsatz der anteiligen Tilgung bei der Lohnsteuer nur auf eine gleichmäßige Befriedigung des Finanzamts und der Arbeitnehmer bezieht (vgl. auch die Urteile vom 26.7.1988 VII R 83/87, BStBl II 1988, 761 , und in BStBl II 2001, 271 ;… ferner die Beschlüsse in BFH/NV 1999, 745 und in BFH/NV 2001, 1222) in einer kürzlich ergangenen Entscheidung erneut bestätigt und in diesem Zusammenhang daran festgehalten, dass es sich bei dem einbehaltenen Anteil des Bruttolohns aus der Sicht des Arbeitgebers um fremde Gelder handele, die dieser nach § 41a Abs. 1 EStG treuhänderisch zu verwalten und an das Finanzamt abzuführen habe (…Beschluss vom 6.7.2005 VII B 296/04, BFH/NV 2005, 1753 ).
Die Haftung des GmbH-Geschäftsführers erstreckt sich auch auf die steuerlichen Nebenleistungen des § 37 Abs. 1 , § 3 Abs. 3 AO , also auch auf die Säumniszuschläge und Verspätungszuschläge, die infolge vorsätzlicher oder grob fahrlässiger Pflichtverletzung nicht erfüllt worden sind (BFH in BStBl II 2001, 271 ).
Fehlen ausreichende Mittel zur Tilgung sämtlicher Verbindlichkeiten, kann hinsichtlich der Nebenleistungen - im Gegensatz zur Lohnsteuerhaftung - nur eine anteilige Befriedigung sämtlicher Gläubiger verlangt werden (BFH in BStBl II 2001, 271 ).
Da die Norm Schadensersatzcharakter hat (vgl. zu § 69 AO Senatsurteil vom 1. August 2000 VII R 110/99, BFHE 192, 249, BStB1 II 2001, 271), ergibt sich die Höhe der Haftung unabhängig vom Maß des Verschuldens daraus, inwieweit die Pflichtverletzung für den Steuerausfall ursächlich war (…vgl. Senatsurteil vom 26. Februar 1991 VII R 3/90, BFH/NV 1991, 504; vom 26. August 1992 VII R 50/91, BFHE 169, 13, BStBl II 1993, 8; Boeker in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 71 AO Rz 30).
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