Source: https://de.openlegaldata.io/case/bsg-2018-06-19-b-2-u-917-r
Timestamp: 2020-05-25 18:04:46
Document Index: 137674377

Matched Legal Cases: ['§ 106', '§ 537', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 7', 'Art 14', '§ 182', 'Art 2', '§ 537', '§ 537', '§ 28', '§ 18', '§ 4', '§ 7', '§ 2', '§ 1', '§ 24', '§ 275', '§ 24', '§ 275', '§ 537', '§ 6', '§ 168', '§ 96', '§ 24', '§ 87', '§ 24', '§ 541', '§ 24', '§ 275', '§ 41', '§ 3']

Urteil vom Bundessozialgericht (2. Senat) - B 2 U 9/17 R - Open Legal Data
B 2 U 9/17 R
Urteil vom Bundessozialgericht (2. Senat) - B 2 U 9/17 R
Die 1942 geborene Klägerin bezieht seit Juli 2002 eine Altersrente und betreibt seitdem selbstständig eine Praxis für "energetische Körperarbeit". Schwerpunkte der Praxis sind die "Reconnective Therapy" nach H. S., die "russischen Heilweisen" nach G. G. und A. P., das "Total Touch Pulsing" nach B. T., "Qi Gong" sowie die "Fernsitzung bzw Geistheilung".
2. Die Klägerin ist auch im Gesundheitswesen tätig. Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats, die insoweit an die Spruchpraxis des Reichsversicherungsamts anknüpft (vgl RVA, EuM 28, 437; RVA, AN 1930, Heft Nr 12, S 506 Nr 3916; RVA, AN 1930, Heft Nr 1, S 22 Nr 3598; RVA, EuM 30, 484), fallen unter den Begriff Gesundheitswesen iS der GUV Einrichtungen und Tätigkeiten, welche die Beseitigung oder Besserung eines krankhaften Zustandes oder die Pflege eines pflegebedürftigen Menschen bezwecken, ferner diejenigen, die eigens den Zweck haben, die Gesundheit des Einzelnen oder der Allgemeinheit vor unmittelbar drohenden Gefahren zu schützen, dh einer unmittelbar drohenden oder nach Lage des Falles in absehbarer Zeit zu erwartenden Schädigung der Gesundheit vorzubeugen. Dabei muss es sich aber um Einrichtungen und Tätigkeiten handeln, bei denen die Wahrung der Gesundheit den Hauptzweck bildet; es genügt nicht, dass ein gesundheitsfördernder bzw krankheitsverhütender Erfolg lediglich als eine zwar praktisch bedeutsame, aber doch nur nebenher erzielte Begleiterscheinung bewirkt wird (BSG vom 27.10.1961 - 2 RU 115/60 - BSGE 15, 190 = SozR Nr 7 zu 5. BKVO Anl Nr 39, Juris RdNr 15; RVA, EuM 28, 437; BSG vom 25.8.1961 - 2 RU 106/59 - BSGE 15, 41, 44 = SozR Nr 5 zu 5. BKVO Anl Nr 39, SozR Nr 15 zu § 106 SGG). Diese Rechtsprechung ist zwar zu § 537 Nr 2 RVO als Vorgängernorm des § 2 Abs 1 Nr 9 SGB VII ergangen, jedoch gelten trotz des leicht abweichenden Wortlautes (Gesundheitswesen statt Gesundheitsdienst) auch für § 2 Abs 1 Nr 9 SGB VII die bisherigen Grundsätze fort (vgl Amtliche Begründung der Bundesregierung zum Entwurf eines Gesetzes zur Einordnung des Rechts der gesetzlichen Unfallversicherung in das Sozialgesetzbuch BT-Drucks 13/2204 S 75 zu § 2 Abs 1; Riebel in Hauck/Noftz, SGB VII, K § 2 RdNr 119; Lauterbach-Schwerdtfeger, UV-SGB VII, § 2 RdNr 331; Leube in Kater/Leube, SGB VII, § 2 RdNr 230; Kruschinsky in Krasney/Becker/Burchardt/Kruschinsky/Heinz/Bieresborn, SGB VII, § 2 RdNr 532).
Bei der "Reconnective Therapy" nach H. S. geht es nach dem Internetauftritt ihres Entwicklers (https://www.reconnectivetherapy.com/deutschland) um die Erzielung von Heilerfolgen. Auch die "russischen Heilweisen" von G. G. und A. P. dienen nach dem Internetauftritt des "G.-Zentrums" in erster Linie Heilerfolgen (https://g.-zentrum-). Das "Total Touch Pulsing" nach B. T. dient nach den allgemein zugänglichen Angaben der Erfinderin ebenfalls der Förderung von Selbstheilungskräften (http://www.b.-t. de/therapien/therapien/therapie_ttp.html) und "Qi Gong" bezweckt laut der "Deutschen Qigong - Gesellschaft e.V." ua die Gesunderhaltung auf der körperlichen Ebene (https://www.qigong-gesellschaft.de/qigong/wirkung-qigong). Der Senat verwendet diese Angaben der Entwickler bzw Vertreter dieser Methoden, um den Subsumtionsschluss zu rechtfertigen, dass die Klägerin im Gesundheitswesen iS des § 2 Abs 1 Nr 9 SGB VII tätig und damit in der GUV beitragspflichtige selbstständige Unternehmerin ist. Der Senat trifft damit keine Aussage über die Wirkungsweise oder die objektive Eignung dieser Methoden zur Gesunderhaltung bzw Heilung. Im Recht der GUV wird wesentlich auf die Handlungstendenz des Versicherten abgestellt, die hier bei der Klägerin unzweifelhaft auf "Heilung" im weiteren Sinne gerichtet ist. An diese Handlungstendenz knüpft das System des SGB VII den Versicherungsschutz und ggf auch die Beitragspflicht. Dabei geht der Versicherungsschutz der GUV soweit, dass sogar verbotswidriges Handeln einen Versicherungsfall nicht ausschließt (vgl § 7 Abs 2 SGB VII).
3. Grundrechte der Klägerin werden durch die Versicherungs- und Beitragspflicht nicht verletzt. Hinsichtlich der Eigentumsgarantie (Art 14 Abs 1 GG) ist keine erdrosselnde oder konfiskatorische Wirkung eines Beitrags iHv ca 137 Euro pro Jahr erkennbar (vgl BSG vom 7.12.2004 - B 2 U 43/03 R - BSGE 94, 38 = SozR 4-2700 § 182 Nr 1, RdNr 25; BVerfG vom 8.4.1987 - 2 BvR 909/82 ua - BVerfGE 75, 108 = Juris RdNr 116). Der Eingriff in die allgemeine Handlungsfreiheit (Art 2 Abs 1 GG) ist jedenfalls nicht unverhältnismäßig (hierzu BSG vom 23.1.2018 - B 2 U 10/16 R). Sinn und Zweck dieses Versicherungstatbestands war im Übrigen der Schutz solcher Personen, die sich im Besonderen um die Allgemeinheit verdient machen und gerade deshalb besonderen Risiken wie zB Ansteckungsgefahren ausgesetzt sind (vgl Begründung zum Entwurf eines Dritten Gesetzes über Änderungen in der Unfallversicherung vom 11.7.1928 zu § 537 Nr 4b S 12 zur Einführung des Versicherungsschutzes für Krankenhäuser, Heil- und Pflegeanstalten, Entbindungsheimen und sonstigen Anstalten, die Personen zur Kur oder Pflege aufnehmen, der durch das 6. Unfallversicherungsänderungsgesetz vom 9.3.1942 und den dadurch vollzogenen Übergang von der Betriebs- auf die Personenversicherung in § 537 Nr 2 RVO aufging, vgl Begründung zum 6. Gesetz über Änderungen in der Unfallversicherung vom 9.3.1942, S 26).
3 KR 2/12 1x (nicht zugeordnet)
1 KR 6/11 1x (nicht zugeordnet)
§ 28 SGB V 1x (nicht zugeordnet)
1 BvL 10/00 1x (nicht zugeordnet)
1 BvL 9/06 1x (nicht zugeordnet)
§ 18 Abs 1 SGB IV 1x (nicht zugeordnet)
6 KA 24/03 1x (nicht zugeordnet)
§ 4 Abs 3 SGB VII 1x (nicht zugeordnet)
2 RU 35/60 1x (nicht zugeordnet)
§ 7 Abs 2 SGB VII 1x (nicht zugeordnet)
3 KN 4/08 1x (nicht zugeordnet)
§ 2 Abs 1 Nr 9 SGB VII 15x (nicht zugeordnet)
§ 1 Abs 1 HeilprG 1x (nicht zugeordnet)
2 U 18/10 1x (nicht zugeordnet)
2 U 13/16 1x (nicht zugeordnet)
§ 24 Abs 2 Nr 4 SGB X 1x (nicht zugeordnet)
§ 275 Nr 6; BSG 1x (nicht zugeordnet)
1 BvR 48/94 1x (nicht zugeordnet)
1 KR 28/03 1x (nicht zugeordnet)
1 KR 1/10 1x (nicht zugeordnet)
2 U 20/14 1x (nicht zugeordnet)
2 U 43/03 1x (nicht zugeordnet)
2 BvR 909/82 1x (nicht zugeordnet)
1 BvL 14/07 1x (nicht zugeordnet)
1 KR 21/04 1x (nicht zugeordnet)
1 KR 10/12 1x (nicht zugeordnet)
14 AS 49/10 1x (nicht zugeordnet)
14 AS 153/10 1x (nicht zugeordnet)
1 KR 24/06 1x (nicht zugeordnet)
3 RK 35/77 1x (nicht zugeordnet)
7a AL 64/05 1x (nicht zugeordnet)
2 U 4/16 3x (nicht zugeordnet)
1 KR 62/12 1x (nicht zugeordnet)
1 KR 27/13 1x (nicht zugeordnet)
1 BvR 784/03 1x (nicht zugeordnet)
2 U 348/11 1x (nicht zugeordnet)
§ 24 Abs 2 Nr 3 SGB X 1x (nicht zugeordnet)
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2 U 11/13 1x (nicht zugeordnet)
§ 275 Nr 3; BSG 1x (nicht zugeordnet)
§ 537 Nr 2 RVO 2x (nicht zugeordnet)
1 BvL 38/92 1x (nicht zugeordnet)
§ 6 Nr 5; BVerfG 1x (nicht zugeordnet)
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SGG § 96 1x
6 RKa 40/95 1x (nicht zugeordnet)
§ 24 Abs 1 SGB X 2x (nicht zugeordnet)
4 AS 37/09 1x (nicht zugeordnet)
§ 87 SGB V 1x (nicht zugeordnet)
§ 24 SGB X 1x (nicht zugeordnet)
§ 541 RVO 1x (nicht zugeordnet)
2 U 16/03 1x (nicht zugeordnet)
1 KR 53/12 1x (nicht zugeordnet)
§ 24 Abs 2 SGB X 1x (nicht zugeordnet)
§ 275 Nr 2; BSG 1x (nicht zugeordnet)
§ 41 Abs 1 Nr 3, Abs 2 SGB X 2x (nicht zugeordnet)
2 RU 106/59 1x (nicht zugeordnet)
§ 3 Nr 6; BVerwG 1x (nicht zugeordnet)
2 U 3/11 1x (nicht zugeordnet)
2 U 10/16 1x (nicht zugeordnet)
1 KR 15/13 1x (nicht zugeordnet)
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