Source: https://de.scribd.com/document/298237157/Gasschutz-Und-Luftschutz-1935-Nr-1-Januar
Timestamp: 2020-07-06 12:46:54
Document Index: 136718346

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 2', '§ 1', '§ 6', '§ 1']

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Historikerkommission Dresden1945 Abschlussbericht V1 14a
Ch Botschaft Voigt.pap
ga_regelwerk_auflage1 (1)
B E R LI N ,
IM JAN UAR 1935
ZEITSCHQIFT FÜR DAS GESAMTE GEBIET DES GAS-UND LUFTSCHUTZES DER ZIVILBEVÖLKERUNG
MITTEilUNGS BLATT AMTLICHER
Zum 5. 1abrgange von
" GasschufJ und LuflschufJ"
Der au/mer/?same Leser von "GassclJufi und Luflschuf/' wird sich dem Eindruck nichf enfziehen können, dajJ sielJ die von dez- Schri/lleitung in ihrem Geleitwort zum 4. Jahrgange gesfellfe Erwartung bezüglielJ weiterer geisfiger undprakfischer Ausgesfalfung des zivilen Lu/l= sclJuf;es in Deufschland im Laufe des verflossenen Jahres verwirklichf haf. Eine Anzahl neu e r Probleme isf in diesem Zeitraum aufgefauchf und haf ihren Niederschlag in der Zeitschri/l ge= funden. Keines dieser Probleme lwnnfe nafurgemäjJ einer endgülfigen Lösung zugeführt werden, aber Fortschriffe, z. T. sogar erhebliche, wurden zweifelsolme erzielf.
Die in N ordwesfdeufschland, an der deufschen Küsfe, in Mitfel= und in SüddeufselJland sfaff=
gehabten Lu f f s ch u f; ü b u n gen haben eine Fülle von Anregungen und Erkennfnissen organi= saforischer und fechnischer Ar! gezeitigf, deren Auswirkung und Auswertung heufe noelJ nielJf beendef sind. Auch der Wer I? lu f f s ch u fi, dem im Februar 1934 ein Sonderhe/l eingeräumf werden konnfe, haf sich zielbewujJf und naelJdrückliclJ mit seiner rechf schwierigen Aufgabe immer m ehr vertrauf gemachf und WesenfliclJes erreichf. In gleicher Weise isf auelJ ein überaus erfreu= liclJer Aufschwung auf dem Gebiefe des bau fe clJ ni s ch e n Lu f f s ch u fi es fesfzusfellen, der nichf nur in versclJiedenen Aufsäf;en der Zeitschri/l erkennbar wird, sondern der nunmehr auch
Von den Wiss e nschaffen
haf neben der Chemie und Medizin neuerdings die M a f he m a f i k sich mit Lu/lsclJufifragen beschäftigf und durclJ Befrachfungen und Bereclmungen übez- den Fall von Bomben die Sfärl?e und Leisfung des erforderlichen Schuf;es zu l?lären versuchf.
eine literarische Grundlage in Gesfalf eines Buches') gefunden haf.
Auch auf dem Gebiefe des Gassch uf;es der Zivilbevölkerung sind im vergangenenJahre
Auf Veranlassung des Reichslu/lfahrtminisferiums wUl,de
ffreifbare Ergebnisse eZ'zielf worden.
1) Schoßberger, "Bautechnischer Luftschutz". Besprechung in "Gasschutz und Lu!tJchutz"
von den führenden deutschen Gasmask enherstellern in gemein samer Arbeit die S = M a s k e g e=
schaffen, die als Einheitsmaske für die Ausrüstung des
Sicherheits= und Hilfsdienstes
sowie d es
Werklu/lschufles zur Einführung gelangte. Ferner wurden ein Gas sp ü r ger ä t sowie eine Gas s p ü r er aus r ü s tun g, beide bestimmt zum Erkennen seßhafter Kampfstoffe im Freien a uch durch den Nichtfachmann, enfwickelt. Alle diese Neuerungen wurden erstmalig in. "Ga s= schutJ und LuftschutJ" veröffentlicht. Schließlich fand die se ku nd ä re Gas g e fa h r in ver= schiedenen Veröffentlichungen gebührende Beachtung.
Über der Behandlung aller dieser Sonderfragen wurde die große Linie des deutschen Luft= schutJes nicht aus dem Auge verloren. Das literarische Ereignis des Jahres 1935 auf dem Luft= schutJgebiete ist ja das Erscheinen des Sammelwerkes "D erz iv i 1 e Lu f t s ch U 11'(2) von K ni p fe r und Ha m pe, an dessen Aufbau Schriftleiter und ständige Mitarbeiter von "Gasschutz und Lu/lschufz" mitgewirkt haben. Mit dieser Neuerscheinung ist einmal dem deutschen zivilen Luff= schufz eire Grundlage und ein Führer zur Weiterarbeit an die Hand gegeben worden, zum anderen aber wurde dem deutschen Volke durch die Geleitworte des Reichsministers der Lu /t / a h r t die Bedeutung des zivilen Luftschutzes für heule und künftig klar vor Augen gehalten. Es heißt da völlig eindeutig: "Durch die Fesseln von Versai/les sind uns die Wehr= frriheif in der Luft genommen und die aktive Abwehr von der Erde aus unmöglich gemachf. Dieser jeder Gleichberechtigung hohnsprechende Zusfand wird nicht ewig dauern. Diese Bestim= mungen müssen und werden eines Tages fallen! Aber auch dann noch bleibt die Gefahr aus der Luft für Deutschland groß. Auch dan n wir d ne ben dem mi 1i t ä ri s ch end erz iv i 1e Luftschutz nicht zu entbehren sein."-
D e u t schian d will den F ri e den! Der F ü h r er und Re ichs k a n z I er hat in seiner Neujahrsansprache 1935 an das Diplomatische Korps diesen Friedensgedanken erneut zum Aus= druck gebracht: "Kein Land kann das Bedürfnis nach Frieden tiefer empfinden als Deutschland, das nach schweren Jahren voller Not und Leid alle Kräfte für seinen inneren Wiederaufbau zusammengefaßt hat, das diesen Wiederaufbau in Ruhe vollziehen will und das für seine Lebens= rechte von den anderen Ländern nur die gleiche An erken n u ng und Achtung fordert, die es ihn e n se 1b s t e n tg ege nb ring t. Mit seiner Politik, die unverrückbar au/ diesen Grundsätzen beruht, wird Deutschland stets ein siche.rer Garant des Friedens sein."
Um diese hohe Aufgabe erfüllen zu können, ist eine d e u t s ch e Sich.e rh e i tauf der Erde, au/ dem Wasser und in der Luft die Voraussetzung. Seit Deutschlands Ausscheiden aus der Abrüstungslwnferenz und aus dem Völkerbund am 14. Oktober 1933, wo ihm die Gleichbe= l'echtigung verweigert wurde, sind die Fragen der Abrüstung, des Verbotes des Bombenabwurfes und der chemischen Waffe 'auch nicht einen Schrift weifergediehen. Ein internationales Luft:
kriegsverbot besteht überhaupt nicht, das Gen/er Gaskriegsprotokoll erscheint allen Staaten immer mehr als unzulänglicher Schutz. In einer solchen Situation in einem Europa, das nach einer Äußerung des französischen Außenministers La val im verflossenen Jahre "den Krieg mit dem Ellbogen gestreift haf", ist es Recht und Pflicht Deutschlands, seinen Lu/lsd)utz und Gas:
schutz mit allen Mitteln zu einer wirkungsvollen Abwehr zu entwickeln. An der Erreichung dieses hohen Zieles mitzuarbeiten, bleibt auch im neuen Jahr die Aufgabe der
Scbri/lleifung von" GasscbuIJ und Lu/lscbuIJu
2) Be.<prechung in "Gasschutz und Luftschutz" 1934, S. 329 .
Bombenflugzeuge und Bombenunternehmungen gegen das feindliche Hinterland
Der Luftkrieg ist noch etwas eues, noch nicht Erprobtes; im Weltkrieg waren nur die ersten Ansätze von ihm zu spüren und seitdem gab es außer in Kolonien keine Gelegenheit, praktische Erfahrungen zu sammeln. Inzwischen hat sich die Luftwaffe und die Luftabwehr technisch in un~ geahnter Weise weiterentwickelt. Welche Forb schritte hier künftig noch zu erwarten sind, läßt sich auch nicht annähernd vorauss·agen, wenn es auch den Anschein hat, als würden sich bereits gewisse Begrenzungen abzuzeichnen beginnen. Auch in der theoretischen Behandlung des Luft~ krieges mehren sich die Stimmen, die vor Ober~ treibungen, vor Oberschätzungen der Erfolgsaus~ sichten, warnen. Der Krieg zwischen ziv.jJisierten Völkern ist zwar eine brutale, aber doch letzten Endes eine sittliche Angelegenheit, die eine hem~ mungslose Entfaltung aller Möglichkeiten nicht ohne weiteres zuläßt. Wenn es auch dem Völkerc bund in seiner jetzigen Gestaltung und Verfas. sung nie gelingen wird, auf völkerrechtlichem Wege den Luftkrieg abzuschaffen oder wenigstens in menschliche Bahnen zu lcnken, so wcrden doch in einem künftigen Kriege - wie bisher - un~ geschriebene Gesetze gelten, die dem Obertreter moralisch zum Jachteil gereichen werden. Die~ ser moralische Nachteil wird um so mehr ins Ge~ wicht fallen, je größer das Risiko sich gestaltet, das bei Bombenunternehmungen in Kauf genom~ men werden muß, und je geringer die Erfolgs~ aussichten für solche Unternehmungen sind.
Bomb enflugzeuge.
Land im Frieden
Die Bombenflugzeuge für Unternehmungen in das Hinterland des Gegners bilden nur einen Teil der Gesamtzahl der Kriegsflugzeuge, deren Masse für Zwecke der Ausbildung des Heimatschutzes sowio des Heeres, der Marine und des Kolonial. dienstes beansprucht wird. Es wird daher die Zahl der Bombenflugzeuge selbst bei den best. gerüstet,en Staaten in Friedenszeiten nicht über eine enge Begrenzung hinausgehen können. Die Zahlen, die über die S t ä r k e an Bomben~ flugzeugen in den freigerüsteten Staaten bekannt werden, sind ungenau und unzuverlässig, weil sie Zeitungsnachrichten und öffentlichen Berichten entnommen werden müssen, und weil ein Teil der Flugzeuge je nach Bedarf zu verscltiedenen Zwecken verwendet werden kann (Mehrzweck. und Aufklärungsflugzeuge). Im Jahre 1933 stan. den nach den Angaben der Staaten an den Völkep bund für Bombenunternehmungen ohne Marine~ und Kolonialflugzeuge zur Verfügung:
Gesamtbomben-
zuladung je
nach Reich-
weite in
in England')
in der Tschecho~
Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß für die Bombenverbände der Friedensgliederung im Mobilmachungsfall Verstärkungen vorgesehen sind, die teils anderen Verbänden (Aufklärungs> und Schulflugzeuge) entnommen, teils in Reserve
KriegsflugzeuC1e
kann" ~vird be~
schränkt: durch die Kostspieligkeit d~ rasch ver~ alte!lde!l Materials, der umfangreichen Bodenor< gamsahonen, des Flugbetriebes und der Ausbil~ dung, dann aber auch durch die Schwierigkeit des Ersatzes an gut ausgebildet.em Personal und erst~
Es kosten in runden Summen: 1 Jag.dflugzeug etwa 60000-70000 RM., ein schweres Bomben~ flugzeug rund 250000 RM., ein Großbomber 800000-1000000 RM. Frankreichs Heimat~Luft. flotte hat eine Stärke von 2000 Offizieren, 32000 i\1ann und 1847 Flugzeugen , di e Italiens 2300 Offi. ZIere, 23000 Mann (fast durchweg Spezialisten) und 1500 Flugzeuge. Frankreich wendet jährlich
klassigern
nötigen Betriebsstoffe.
8~ 000 000
f~ugfahlg zu
SICh 12,5 bis 15 % aHer Dienstflugzeuge in der In.
Lebensdauer eines Flugzeuges
betragt 1m Fneden 4 bis 5 Jahre' es mü ssen des . halb mindestens 40 bis 50 % der Zahl der Dienst. flugzeuge in Reserve C1ehalten werden wenn die Fliegerverbände mit Sicherheit in ihrer vollen Stärke sofort startbereit gehalten werden sollen.
stan~set~ung Die
duktion kurz
vor dem Kri eg gewonnen und
Reservepersonal besetzt werden.
aber wird man wohl annehmen können, daß we~ nigstens zu Beginn eines Krieges für selbständige Bombenunternehmungen größeren Stils nur Ver~ bände in Frage komm en, die bereits im Frieden für ihre Aufgabe vorbereitet und ausgerüstet sind. Im Verlauf des Krieges wird die Vermehrung des Flugzeugmaterials, sofern genügend Rohstoffe vor~
handen sind, auf geringere Schwierigkeiten stoßen als die des Personals und der Bodenorgani~ sationen. Wie für alle Kriegsflugzeuge gilt auch für die Bomber der Grundsatz: Qua li t ä t g c h t vor Q u ,a n ti t ä t! Von den Flugeigenschaften sind
di e Steigfähigkeit und da si e die Gefahr und
neben der Geschwindigkeit Wendigkeit die wichtigsten,
damit das Risiko verringern, die Obc.rraschun~ und den Luftkampf erleichtern. Außerdem soll natürlich eine möglichst große utzlast für Born.
MilWBI.
h o mber .
!:lomber
Ta g bomb e r.
S p ezialt.g-
Spezi.lbomber
ben verfügbar sein. Die in nächster Z ei t in ver·
sc hi edene n Staaten n e u ~ur Einführung kommen.
den Bombenflugzeuge weisen
geschw indi gke it en bis
(der Heeresbomber Martin 123 in USA. sogar
350 km /h); die meisten bleiben jedooh noch hin.
ter diesen Geschwindigkeiten zurück.
geschwindigkeiten auf größeren Strecken sind um
10 bis 20% geringer. Stei ghöhen von 7000 Metcr
Höhe wür,den für Bomber genügen, werden aber bisher nur von einzelnen Bombenflugzeugarten erreicht; größere Höhen als 8000 Meter sind keine Arbeitshöhen, weder für Bombenabwurp), noch für E rdb eo b achtun g, noch für den Luftkampf. Den Rekord für Steighöhe mit 5 Tonnen Nutzlast und 7000 Meter Höhe hält zur Zeit der franzö· sische Bomber "F arman 22 1", mit 2 Tonnen last und 8438 Meter Höhe das italienische Land. flugzeug "Savoya Marchetti". Die größere Steig~
höhe une! Geschwindi gkeit der Jagdflieger können durch stärkere Bewaffnung der Bomber mehr oder weniger ausgeglichen werden. Durch die Be. waffnu ng mit Maschinengewehren, Maschinen~ kanonen, durch die dazugehörige Bedienung und Munition sowie du rch die Betriebsstoffe, die
Fl u gze ugeinrichtung mit Funk ~, Lichtbil>dgerät und
de rgleichen wird ein großer Teil der Tragkraft der
Bombenflugzeuge b eansp rucht. N icht oder un~ genügend bewaffnete Flugzeuge und solche, die
wegen ihrer ,ge ringen Flugeigenschaften nur
te r besonderen Verhältnissen (Nacht, Wolken
usw.) aufs teigen können, sind keine vollwerti gen Kriegsflullzeuge. Sie sind auch in der Nacht usw. feindlichen Angriffen durch Ja gd fl.ieger und Erd~ abwehr ausgesetzt und müssen mit dem vorzeiti.
ge n Verlassen ihrer D eckung (Nacht, \Volken
usw.) rechnen. Der Schutz durch Geleitflugzeuge (Kampfmehrsitzer) ist problematisch. Es erscheint daher auch die Unterscheidung zwischen Tag. und Nachtbomber nicht besonders glücklich; sie würden besser in leichte (etwa bis 300 kg), mitt.
lere (bis 800 kg), schwere (bis 1,2 Tonne n) und
G roßbomber (über 1,2 Tonnen) eingeteilt. Ob
dabei die Sonderausbildung in Nachtflügen ein.
oder nicht, bleibt eine Frage für sich. Die G r ö ß e des Bombenflugzeuges wiI'd durch die Forderung bedingt, eine möglichst große Bom. bennutzlast flugtechnisch und gegenüber feind. licher Einwirkung sicher über große Strecken transportieren zu können, wobei die Sicherheit durch die Flugleistungen und die Feuerkraft im Vordergrund der Bedingungen steht. Da die Grö. ßenausmaße der Flugzeuge mit diesen Forderun. gen eng zusammenhängen, kann die Nutzlast üb er ein gewisses Maß nicht gesteigert werden. Die Ausmaße (Größe der Flugzeuge) finden eine Grenze in ihrer Verwundbarkeit. Es besteht hier ein grundsätzlicher Unterschied gegenüber See. fahrzeugen. Mit der Vergrößerung des Kriegs. schiffes kann eine V erstärkung der Kampfkraft und der Sicherheit durch Panzerung und Schotten. einteilung Hand in Hand gehen. Je größer jedoch das Kriegsflugzeug, desto verwundbarer wird es, ohne deshalb besser geschützt werden zu kön. nen. Es bietet eine größere Zielfläche; eine Ein. richtung mit ähnlicher Wirkung wie die Schotten. einteilung gibt cs bei Flugzeugen nicht; eine Pan· zerung kommt nur für einen geringen Teil des Flugzeuges in Frage; die Stärke der Panzerung aber findet wegen der Gewichtszunahme eine rascho Grenze, während bei der Geschoßkon. struktion di ese Grenze viel weiter hinausgescho~
zu 300 und 318 km/h auf
Nutz~
bli eb e
ben werden kann. Kleinere Flu gzeuge mi t besse. ren Fl ugeigenschaften und entsp r echender Be- waffnung, geführt von opfermu ti gen, vorzüglich geschulten Piloten, sind dem großen zumindest gleichwertig oder gar überl ege n, obendrein sind die Kosten eines großen Flugzeuges ungleich höher. Für einen schweren Bomber können 4 bis 5 Jagdflugzeuge beschafft und bemannt werden. Dio Born ben kaI i b e r waren bisher sehr verschieden, doch gewinn t man den Ein druck, daß sich ungefähre Normalgrößen herausbilden:
b 0 mb 0 n 50 und 100 kg als normale Sprengmuni, tion, 200 un d 300 kg als Spezialmunition gegen starke Bauten (Kunstbauten der Verkehrswege, g roße Gebä ud e, Regierungsgebäude , Fabriken un d dgl.), 500.kg.Bomben für besonders starke Ziele
(Be t onb aut en, T unn els u. dgl.). Bomben zwischen
luftflotto nur noch für Ausna hm efäll e, noch grö.
ßere Kaliber überhaupt nicht mehr bereitgestellt zu werden. Vorratha ltu ng der Bombenhülsen, Un. terbringung im Flugzeug und Rücksicht auf die Abwurf. und Zielvorrichtungen zwingen zu eiller gewissen Normung de r Bombengrößen. Ins~ besondere hat es ,den Anschein, als würden sich die 50. und 100.kg .Bomben, ähnlich wie die Kali . bel' der Kanonen und Feldhaubitzen, als Massen. munition der Bomber für Fernunternehmungen einbür ge rn . Die Gas m uni t ion paßt sich äuß erlich der Brisanzmunition an, nur wird b ei f I ü eh ti gen Kampfstoffen kaum unter die Größe von 100 kg he runtergegangen werden, um mit einem Treffer bereits eine möglichst hohe Kampfs toffkonzentration zu erzielen. Bei den B r a n d b 0 m ben spielen kleinere Kaliber eine Rolle; sie werden bündelweise über Bord gewor. fen und so über Flächenziele gestreut. Es erscheint je,doch fraglich, ob man von diesem rohen V er. fahren nicht abgehen und zu größeren, wirksame, ren Kalibern 3 ) übergehen wird, die gezielt abge' worfen und damit auch der a ll gemeinen No rmun g unterworfen werden. Zur Zeit kann die Mehrzahl der in fr eigerüste' ten Staaten vorhandenen Bombenflugzeuge im Durchschnitt eher etwas weniger als je 1 t Born' ben mitschleppen. Aufklärungsflu gzeuge führen im all gemeinen nur 200 bi s 300 kg Bomben mit. Nach Durchführung der neuen Aufrustungsprogramme wird die durchschnittliche Bombentonnage wohl zunehmen, jedoch für eine Zielentfernung von
500 km kaum über 1,5 t b etra gen, soweit sich dies
S pli t te
rb 0 m ben 12,5 kg, für B r isa n z.
1000 kg scheinen außer
bis jetzt übersehen läßt. Schätzungsweise werden heute Frankreich und England je 600 bis 700 t, Italien 400 bis 500 t insgesamt in das Hinterland des Feindes tragen können. Die errechnete oder bei Friedensflügen erprobte Nutzlast kann bei Kri egs flügen nicht voll ausgenützt werden, da die Bombengeschwader damit rechnen müssen, bei Hin . und Rückflug zu Umwegen gezwungen oder in Gefechte verwick elt zu werden , wodurch Manö' ver und Gewinnung größerer Höhen sowie genü< gend Munition und Betriebsstoff erforderlich werden. Notlandung im fremden Gebiet wegen Betriebsstoffmangels ist gleichbedeutend mit dem Verlust des Flugzeuges. Sturzbombenangriffe kön. n en nur bis zu einer bestimmten Belastung der Flugzeuge mit Bomben ausgeführt werden. Bis
Bombenvisierg e rä t
ei ne r Höhe von 4200 m eingerichtet.
Ob ers t
Zan e th
r ec hn e t mit 5O ·k ~ ·Br a ndb om b e n , It alien
20· und 70·kg-Bra ndbombcn Gebrauch.
Versuchsübungen
jetzt sind solche nur bis zu einer Belastung mit 250 kg bekannt; nach einem Bericht in "Les Ailes" vom 12. 6. 34 sollen b ei 450 kg Belastung infolge der Beschleunigungskräfte sehr schwierige Fragen auftreten.
nehmungen. Über die A ufga b en für Bombenflugzeuge und
Bombenfernunter.
ihre Begr~nzung lassen sich Betrachtungen nl!r
für den An En twicklUJ1<1
kunftskrieg~ wird von "technischen, taktisch.en und politischen Gesichtspunkten derart beem- flußt, daß alle Voraussagen als äußerst prob]e. matisch anzusehen sind. Es ist aber für die Frage der Luftschutzvorbereitungen im Frieden schon viel erreicht, wenn Klarheit über die Gefahren herrscht, die voraussichtlich in den ersten Tagen eines Zukunftskrieges im Hinterland eintreten werdcn. Zweifellos wird jeder luftgerüstete Staat seine ohne Mobilmachung sofort verwendungs. bereite Luftflotte vom ersten A ug enblick ein er kriegerischen Verwicklung an einsetzen, um dem Gegner in Ausnützung des Überraschungsmomen- tes einen Vorsprung abzugewinnen und ihm Schläge zu versetzen, die ihn an der frcien Ent- faltung seiner Kräfte hindern werden. Der Geg- ner wir,d mit seinen Luftstreitkräften dieselben Ziele anstreben und einen Erfolg der gegnerischen Luftwaffe zu verhindern suchen. Jeder Staat wird daher versuchen, in erster Linie die feindlichen Kriegsflugzeuge in der Luft, auf ihren Flugplätzen, in den Depots und Fabriken zu zerstören oder zumindest lahmzulegen. Luftstützpunkte mit ihr en Flugzeugen, Bodenorga nisa tion en und La - gern, ferner Fabriken, die Flugzeugmaterial und
Betriebsstoffe herstellen, sowie die dazugehörigen Verkehrswege und Transportmittel müssen daher
nen. 1 un besitzt z. B. Frankreich nach "Annuaire Militaire 1934" im Frieden 21 Luftstützpunkte und 9 Mobilmachungszentren mit Flugzeugdepots u. dgI., 3 große Ausbildungslager, außer.dem 50 Flugzeug- und Motorenfabriken und eine ent. sprechende Anzahl größerer Betriebsstofflager und Betriebsstoffabriken ; das sind rund 100 mehr oder weniger umfangreiche Ziele. Nicht gerechnet sind dabei die Verkehrs_ und Sportflugplätze sowie die behelfsmäßigen Ausweichflugplätze. Für die wich , tigsten Ziele, insbesondere für di e Luftstütz- punkte, ist voraussichtlich durch Friedensrnaß. nahmen eine L u f tab weh r vorbereitet, so daß der Angriff mit Störungen und Verlusten rechnen muß. Es ist jedoch anzunehmen, daß ein großer Teil dieser Maßnahmen zu Kriegsbeginn noch nicht vollständig durchgeführt ist und erst aus. gebaut werden muß. Dies gilt in verstärktem Maße von weniger wichtigen Zielen. Die Luft- abwehr wird erst allmählich sich immer stärker fühlbar machen. Die Bomber werden diese Lücke auszunützen suchen. Um die weit im Innern des Landes liegenden und dezentralisierten Objekte, insbesondere Depots und Fabriken , zu erreichen, werden ·die Bombenverbände weite Strecken über fremdes, unbekanntes Land fli egen müssen und der feindlichen Luftjagd damit reichlich Gelegen- heit geben, sie auf Hin- und Rückflug anzugreifen. Soweit aus Friedensübun<1en Schlüsse gezogen werden können, werden t;otzdem, besonders im Schutze der . acht und unter Ausnützung der Wetterlage, überraschende Angriffe der Bomber
fan <1 eines Krieges ans t e ll en. DI e des tuftkrie<1es im Verlauf eines Zu-
frühzeitigen,
überr as ch end en Angriffen rech .
immer wieder gelingen und mindestens zu Teil-
. Die feindliche Erd ab weh r zwmgt zum Auf-
suchen großer Höhen und verringert damit die Treffaussichten, die trotz neuer Verbesserungen bei den Abwurfvorrichtungen schon auf Grund der natürlichen Streuung beschränkt sind. Nach
erfolgen führen~).
G u y 0
aeriennes",
Streuungsberechnungen, um eine Flugzeughalle von 80/100 Meter Größe durch 4 Treffer aus 4000
Flugzeuges von 50 m /Sek. zu zerstöre~, ~26 Bom- ben zu je 50 kg oder 18 Flugzeuge mIt Je 350 kg = 6,3 t Bomben benötigt. Bei einer rein. sche- matischen Annahme, daß 4500 Flugzeuge m 180 solcher Flugzeughall en untergebracht werden könnten, würden zu deren Zerstörung unter denk- bar günstigsten Bedingungen 1134 t Bomben oder 800 bis 1200 moderne Bombenflugzeuge benötigt werden. In Wirklichkeit sind die Verhältnisse aber wesentlich ungünstiger: die Flugzeugschup- pen bilden kleine, schmale Ziele und sind dur~h Tarnung schwer erkennbar; es sind daher teIls größe re' Bombenmengen, teils schwerere Ka1i~er
Höhe und b ei einer G eschwindigkei t des
F~rner wI~d
sich ein <1roßer Teil der Flugzeuge beIm AngrIff nicht im Sch uppen befind e n , und sc~ lie ßlich. müs - sen auch die Instandsetzungswerkstatten, dIe E!- satzteil-, Munitions-, Betriebsstofflager und dIe sonstigen Bodenorganisationen, wie Start- und Landeeinrichtungen usf., Verwaltungs_ und Un- terkunftsgebäude zerstört werden. Um ein Flug- feld von 600/800 m durch Bombentrichter aufzu- pflügen, wer.den etwa 120 Bomben zu je 50 kg = 6 t benötigt. Aber auch die Ausschaltung der feindlichen Erdabwehr nimmt Flugzeuge und Bombenla t in Anspruch. Weniger gut ausgebil-
dete Bombenschützen brauchen das 1,5fache an Bomb en. Bei Störung durch feindliche Abw ehr
25% mittlerer Streuung auf 3 bis 4 %,
Zahl der Bomben um ei n Vielfaches
wächst. Demnach darf zur Berechnung der Kräfte, die gegen einen Luftstützpunkt .angesetzt werd~.n müssen, ungefähr ein Bomber mIt 1 t Bomben fur jedes Flugzeug des Luftstützpunktes in Anschlag gebracht werden; d. h . also, es müßte Ilegen 4500 Flugzeuge eine ebensogroße Menge von Bomben- flugzeugen mit 4500 t Bomben angesetzt werden. Aus dem Gesagten geht hervor, daß weder die jetzigen, noch die in Aussic~t stehenden. FI<;ltten der gerüsteten Staaten ausreIchen.' um ml~ emem Schlage die feindliche Luftrnacht nI~derzukampfen. Es wird hierzu längerer, beharrlIch und plan.
mäßig durchgeführ~er !<ämpfe
bedürt:en
. wird man als An<1nffszlele zunachst dIe WIchtIg- sten nächst<1elege"'nen und empfindlichsten wäh- len ~nd den Anfangserfolg allmählich auszuweiten suchen. Die Bombensbaffeln können je nach der Ent- fernung des Zieles mehrmals am .!~age auf~teig.en und damit die für den Erfolg benotIgte Z e I t em- engen. Der Zeitbedarf für das einmalige Unter- nehmen errechnet sich aus der Entfernung des Ziels und der Reisegeschwindigkeit der Bomben- flugzeuge. Große Verbände mit Flugzeugen ver- schiedener Leistungsfähigkeit müssen ihre Ge- schwindigkeit nach der des sc~wäc?sten. Flu~­
zeuges richten . Hinzuzurechnen 1st ~I~ Zelt,
für den Start, die Gewinnung der nohgen Ho~e, das Versammeln in der Luft, den Bombenangnff selbst, das Sammeln nach dem Angriff und die
.So~it
"Gassc hutz und Luftschutz'·
S . 241-243.
D. Schriltltg.
Landun.g erforderlich ist. Die Zeit für Start und Landung hängt von den Flugplatzverhältnissen, der Witterung und Tageszeit ab. Um eine Höhe von 4000 m zu gewinnen, brauchen schwere Bomber 25 bis 30 Minuten, leichte Bomber 15 bis 20 Minuten oder noch weniger. Der Bomben, angriff ist in wenigen Minuten nur bei Massen' abwürfen durchzuführen; bei gezieltem Reihen' und Einzelabwurf wird er wesentlich längere Zeit beanspruchen. Dasselbe ist der Fall bei feindlicher Luft, und Erdabwehr, da das Ziel wiederholt an' geflogen werden muß. Nächtliche Angriffe kön. nen ununterbrochen 3 bis 4 Stunden und länger dauern. Sammeln, An. und Rückflug hängen, ab. gesehen von der Flugzeuggeschwindigkeit, vom Wetter (Wind, Wolken, Nebel, Gewitter), von den Navigationsschwierigkeiten (Verfliegen) und der feindlichen Gegenwehr ab. Je größer die Ent. fernung, mit desto größeren Verzögerungen muß gerechnet werden. Nach dem Fluge muß eine Pause für Verpflegung und Erholung der Flieger, für entsprechende Neubeladung der Flugzeuge mit Bomben und Munition, für Ergänzung der Betriebsstoffe, für überholung der Fahrzeuge und für Ersatz ausgefallenen Materials oder Perso. nals eingeschaltet werden. Für diese Pause wird man ungefähr ·denselben Zeitbedarf veranschlagen können wie für die Unternehmung selbst. Im Kriege kommt zu der physischen Anstrengung die seelische Belastung, die um so größer wird, je öfter und empfindlicher ,die Flieger in Kämpfe verwickelt werden. Die Beanspruchung von Per. sonal und Material läßt daher einen mehrmaligen Start am Tage nicht lange zu. Bei Großunterneh. mungen auf weite Entfernungen in das Hinter, land des Gegners wird daher mit einem mehr. maligen Einsatz nur selten gereohnet werden können. Mehr als dreimal am Tage können selbst Jag,dflieger nur in Ausnahmefällen aufsteigen. Auch die meteorologischen Einflüsse spielen hier, wie bei jeder fliegerischen Unternehmung, eine nicht zu unterschätzende Rolle. Schlechtwetter, flüge, Blindflüge, Nachtflüge, Eisbildung, Lan. dung in ,der Nacht und bei Nebel bieten der Luftfahrt immer nooh außerordentliche Schwierig, keiten, die mit der Entfernung wachsen. Um ,die Reichweite der Flugzeuge besser aus'
Lu f t s t r e i t ,
kr ä f t e soweit wie möglich feindwärts verlegt; schwere Bomber sind jedoch an große, gut ein,
gerichtete Flughäfen, d. h. an ihre Friedensstütz' punkte, gebunden, die auch nachts Start und Lan' dung gestatten. Von ihren Bodenorganisationen sind letzten Endes alle Flugzeuge abhängig. In ihnen ist die feindliche Luftmacht am empfind,
treffen; sie werden ,daher zu den
wichtigsten Zielen der Bomber gerechnet wer. den müssen. Dem Versuch, durch Vernichtung der feind , lichen Flugzeuge usw. die wenn auch nur vorüber. gehende Luftherrschaft zu erringen, steht am nächsten ,die Aufgabe, das feindliche Heer, Stäbe und Truppen, zu sohädigen, Mobilmachung und Aufmarsch zu stören. Die künftige Mobilmachung wird sich wohl kaum in derselben Weise wie an' läßlich des Weltkrieges abspielen. Die großen Mob i I mac h u n g s zen t ren werden, soweit es sich nicht um Befehlszentren handelt, ebenso wie die großen Garnisonen der Vorkriegsjahre verschwinden. Außer den zahlreichen Friedens, standorten und Truppenübungsplätzen werden noch viele andere kleine Orte, die mit den nötigen
zunützen und einen öfteren Start zu
Erd b ,a s i s
d e. r
lichsten zu
vVaffen" Munitions, und Ausrüstungslagern ver, sehen si nd, zur Mobilmachung herangezogen werden. Der Einfluß, den der Bombenangriff gegen diese Ziele auf die Mobilmachung im Großen aus,
übt, wird sich erst geltend machen, wenn ein ver. hältnismäßig großer Teil von ihnen getroffen wird. Auch der Auf m ars c h wird wohl stärker als bisher dezentralisiert und weniger starr erfol,
wagentransports und vorwiegend nächtlicher Fuß,
märscho durchgeführt werden. Zu den ersten
Maßnahmen im Aufmarschgebiet
t ä r i s ehe L u f t s eh u t z durch Flugzeuge und Erdabwehr gehören. Die hierfür notwendigen Kriegsflugzeuge dürfen dem Heere keinesfalls fehlen und schränken damit dio Zahl der sonst für Bombenunternehmungen verfügbaren Flugzeuge ein. Immerhin wird es sich nicht vermeiden lassen, die Truppen im Aufmarschgebiet zu massieren. Die Ausla,debahnhöfe und die Unterbringungsorte bilden daher ebenso wie anmarschierende und ab, transportierte Kolonnen lohnende Ziele für die Bomber. Die sei b s t ä n d i gen Luftstreitkräfte haben die Sonderaufgabe, den fe in d I ich e n Auf. m ars c h bereits im Hinterland zu stören und hierzu EinladeJbahnhöfe, wichtige Verkehrsknoten, punkte, Wagen' und Maschinenmaterial, Eisen, bahnwerkstätten, Kraftwagenschuppen und .repa. raturwerkstätten sowie Kriegs" Handels. und Bin, nenhäfen, ferner die Verkehrswege selbst mit ihren Kunstbauten (Brücken, Tunnels, Schleusen u. dgl.) und endlich Kraftstoffquellen (Kohlen' zechen und ,haI-den, Schweröl" Benzinlager und .fabriken, Elektrizitätswerke usw.) anzugreifen. Es ist ohne weiteres klar, daß die Zahl dieser Ziele in einem europäischen Großstaat außerordentlich groß ist. Eine nachhaltige Störung des Aufmar. sches findet nur dann statt, wenn Umleitungen nicht oder nur mit großen Umweg,en, die zu Ver' kehrsstockungen führen, möglich sind. Selbst wenn unter dIesem Gesiohtspunkt eine Auswahl der lebenswichtigen Ziele getroffen ist, bleibt ihre Zahl immerhin noch so groß, daß nur ein kleiner T,eil von ihnen in ,den Aufgabenkreis der Bomber einbezogen wer,den kann. Der unmittelbare Schutz all dieser zahlreichen Ziele durch Luftabwehr ist natürlich ebensowenig durchführbar. Auch der Verteidiger wird hier eine enge Wahl treffen müs' sen, wenn er s.eine Verteidigungsmittel nicht ver< zetteln und ,damit zur Ohnmacht verurteilen will.
wird der mi I i.
Wo aktive i\bwehr das Aufsuchen größerer Höhen gebietet, ist die T r e f f aus sie h tauf die zum Teil sehr schmalen Ziele stark herab. gesetzt. Nach "Bombenflugzeuge und Spreng. bomben in französischer, englischer und ameri. kanischer Auffassung" in "Wehr und Waffen", Aug. 1934, wel'den auf Grund von Friedensver. suchen bei Abwurf aus 4000 m Höhe zur Zer. störung benötigt:
für einen mittelgroßen Bahnhof
50 t Bomben =
50 Bombenflugzeuge,
250 t Bomben
für einen Kriegshafen
250 t Bomben =
250 Bombenflugzeuge,
250 Bombenflugzeuge.
Um eine Flußbrücke, 200 m lang, 20 m breit, aus gleicher Höhe zu treffen, braucht man nach den. selben Streuungsberechnungen 30 Bomben zu je 200 kg = 6 t. Versuche durch Sturzflüge auf Brücken sind noch nicht bekanntgeworden; es
erschein t üb erhaupt frag lich, ob die Auftreffwucht und Detonationswirkung beim Sturzflug genügen, um den Einsturz einer festen, neuzeitlichen Brücke zu ve rursachen. Gegenüber Stahlgerippebrücken, wio sie bei der Eisenbahn die Regel sind, vermin~ dert sich die Treffaussicht, da diese Ziele meist wesentlich schmäler sind und bei ihnen auftref~ fende Bomben Gelegenheit haben abzugleiten oder
du rchzufa ll en; auch die D c ton ationswi rkung ist
bei der mangclhaften Ve r-dämmung wesentlich
nicht ein Betonpfeiler getroffen
geringe r, wcnn wird.
Da Land~ und Seestreitkräfte vor der Zertrüm~ merung der feindlichen Wehrmacht an deren Kr a f t q u e il e n nicht heMnkönnen, so fällt diese A ufgabe der Luftflotte zu. Die Kraftquel~ len von Heer und Flotte b cs t ehen in der Rüstungs~ industrie, der Ernährungsbeschaffung und in der Moral der Bevölkerung.
Zi ele,
Li s tun g s i n d u s tri e
gestellt werden, zu charakterisieren, soll als Bei~ spiel die Frankreichs herangezogen werden, soweit sie sich ermitteln ließ. ach Oberst von
O e r t zen in "Rüstung und Abrüstung 1934" b e~
sitzt Frankreich an Betrieben, die unmittelbar der Rüstung ,dienen:
die Waffen verschiedener Art, insbesondere Geschütze, herstellen,
2 größere Privatwerke für sonstige
2 staatliche Geschützgießereien, 6 Artilleriewerkstätten und 9 ähnliche Privatunternehmllngen,
2 Riesenunternehmungen
3 staatliche
staat liche
torien,
Munitionsfabriken,
2 Feuerwerkslabora-
11 Sprengstoffabriken,
ähn li c h e
Privatllnter-
mische Kampfstoffe , 1 Hauptdepot und 21 Pri va tfabrik en für Gasschutzmittel,
1 staatliches und 8 private Unternehmungen für Pan- zerkraftwagen,
Kraftschlepper, im ganzen 39 staatliche und 246 Privatfabrik en ohne die schon früher erwähnten 50 Fabriken für Luftfahr- zeuge. und Motoren und ohne die Werften, Docks und sonstIgen Betriebe für die Marine. Dazu kommen Fabriken für Truppenausrüstung, zu der neben Schein-
we~fern, ~ .o rchapparaten, Meßgeräten, Pionier - und
Bruck~~geraten u. dgI. auch Fahrräder, Fahrzeuge mit
Z.';lbehor,
Pferdeausrüstung und Truppenbekleidung ge-
chemi sc h e Fabriken
78 Privatunternehmungen
Kraftfahrz e uge
Rüstungsindustrie zählenden Betriebe hinzugerech~ net werden, so kommen hierfür alle Fabriken und Werke in Frage, die ihr Rohstoffe Halbfabrikate und Maschinen liefern, sowie die Verkehrsmittel die den Tr.ansport von da zur Rüstungsindustri~ uI?-d v~!1 dieser zur Truppe bewerkstelligen. Die ZIele fur Bombenunternehmun<1en wachsen damit ins Ungemessene.
Zu Beginn eines Krieges befindet sich die In~ dustrie an sich in einer Krisis. Sie muß sich auf Kriegsfabrikation umstellen verliert durch die Einstellung in das Heer ei'nen <1roßen Teil ge~ lernter Arbeiter und muß dafür eine größere Zahl un gelernter Arbeiter aufnehmen um den ver~ ~~hrten Kriegslieferungen gere~ht werden zu konnen. In einer solchen Situation ist sie Bom. benangriffe~ gegenüber doppelt empfindlich. Bei den b eschrankten Luftangriffsmitteln zu Beginn
eines Krieges kann der Angreifer jedoch von der großen .i\lasse der Ziele nur einen ganz geringen Teil in Betracht ziehen. Er wird daher in noch höherem Grade als bei der Störung ,der Mobil.
fältigster ü b e rl eg ung und Abwägung zunächst nur
die Ziele auswählen, die für das feindliche Heer von ausschlaggebender Bedeutung sind. Ein An. griff auf weniger wichtige Ziele, bei denen mit
bringt dem Gegner zwar Verluste und Schaden, cs fragt sich aber sehr, ob diese Verluste für den
Verlauf des Krieges von solcher Tragweite sind, daß sie die Vernachlässigung wichtigerer Auf~
gaben und das Risiko rechtfertigen, das mit jeder Fernunternehmung für die Bomber verknüpft ist. Auch dort, wo die Zusammendrängung von wich.
ti ge n Zielen in Industriezentren und Großs t ä dt en
die Aufgaben der Bomber wesentlich erleichtert, müssen die Aufgaben scharf umrissen werden,
d . h. , es s ind ga nz bestimmte Einze lzi e l e zu b e~
zeichnen, die zerstört und lahm gelegt werden sol. len. Geschieht dies nicht, so kann es dem An~
g r e if e r ergehen wie dem .l äge r , der mit Schrot ,auf
trifft, wenn er nicht ein bestimmtes Huhn aufs Korn genomm en hat. Es kann von einem Bom.
benverband, dessen Bombenlast nur zur sicheren
Z erstörung einer Bahnhofsanlage ausreicht, nicht
verlangt werden, daß er mit dem gleichen Flug noch Flugplätze, Fabriken, Elektrizitätswerke usw. vernichtet. Dies würde zu einer Zersplitt~ rung der Kräfte führen, die die Sicherheit des Erfolges bei allen Zielen in Frage stellt. Nicht die Vielheit mehr oder weni,ger beschädigter Ziele führt zum Erfolg, sondern die siehere und ,durch. schlagende Erfüllung des Auftrags. Hat ein Kriegsflugzeug, sei es Bomber oder Aufklärer, nach festgestellter Erfüllung seiner eigentlichen Aufgabe noch Bomben für den Abwurf auf Ne. benziele übrig, so wird es sich die Gelegenheit für solche Erfolge nicht entgehen lassen. Die Wahl dieser Ziele ist entweder im Befehl bereits festgelegt oder erfolgt nach eigenem Entschluß des Führers. Niemand im feindlichen Land ist daher vor Bombenangriffen sicher; diese Drohung allein genügt bereits, einen ständigen Druck auf die Bevölkerung auszuüben. Schon die Bombenunternehmungen gegen die mit tel bar e Kriegsindustrie gehören einem um. strittenen Gebiet an, da es in den meisten Fällen unmöglich ist, zu unterscheiden, ob in dem Be~ trieb für Heeresangehörige oder Zivilbewohner gearbeitet wir-d. oeh mehr ist dies in allen Un. ternehmungen der Fall, die für die Ernäh ung des Landes sorgen. So wenig die Hungerblockade mo· ralisch berechtigt ist, so wenig sind es Bomben. unternehmungen, die sich gegen die Ernährungs. qudlen der Zivilbevölkerung richten, d. h., soweit es sich nicht um rein militärische Vorratslager und Transporte handelt. Noch mehr umstritten sind die Bombenangriffe gegen die feindliche B e v ö I k e run g selbst und ihre W 0 h n. und A r bei t s t ä t t e n. Reine Te r r 0 r an g r i f fe gegen Städte und andere Siedlungen mit der ausgesprochenen Absicht, die Moral der Bevölkerung zu zermürben und damit die Regierungen zu zwingen, den Willen des Sie. gers anzunehmen, würden einer neuen Art von Kriegführung angehören, gegen die bei allen zivili. sierten Völkern berechtigte Bedenken bestehen. Ob daher mit derartigen Angriffen von einer der
des Aufmarsches au f Grund sorg~
unmittelbaren Luftabwehr zu r echnen ist,
von Hühn ern schi eßt und niehts
kriegführenden Parteien beg 0 11 n e n werden wird, muß zum mindesten starken Zweifeln be.
gegnen. Sie wären außerdem ein zweischneidiges Schwert; denn der Gegner wird nicht zögern, mit noch größeren Schlägen zu antworten. Damit
zu einem gegenseitigen Ver n ich.
tun g s k r i e g, über den die eigentlichen Be. lange der Kriegführung, die Fordcrungen, die das Heer an die Luftrnacht stellt, ins Hintertreffen geraten würden, ohne daß einer willensstarken, vaterländisch gesinnten oder gar fanatisierten Be. völkerung gegenüber eine Entscheidung herbei. geführt werden würde. Denn auch diesen An. griffen sind Grenzen gesetzt in der Vielheit der Ziele, der Ausdehnung eies Landes und der Oe. zentralisation seiner Hilfsmittel, in der Luftab· wehr und Vergeltungsangriffen, in der Tätigkeit des Heeres und endlich und nicht zum wenigsten
durch den zivilen Luftschutz.
käme es
Nach General Mal te s e ("Gasschutz und Luft. schutz" 1933, I-left 1) wir,d ,durch 300 Bomben von
je 100 kg eine
bäude in einer Stadt vollkommen zerstört (d. s. rund 70 Häuser zu je 150 bis 160 qm; dabei wären etwa 550 Tote und 1650 Verwundete zu beklagen. Das sind Zahlen, die bei einer Stadt von 500000 Einwohnern und rund 20000 Häusern zwar schmerzlich, aber in Kriegszeiten durchaus trag. bar ,sind. Auch wenn 300 t Bomben abgeworfen werden und ihnen eine Höchstwirkung von 700 zerstörten Häusern, 5500 Toten und 16500 Ver:
wundeten zugeschrieben wird, so ist kaum anzu:
nehmen, daß ein Volk durch ein solches Unglück, selbst wenn es sich wiederholen sollte, sich auf die Knie zwingen läßt. Ein zweckmäßi~ organi. sierter Luftschutz wird außerdem die Wirkung und die Zahl der Opfer wesentlich zu vermin. dern wissen. Die Ausführung reiner Terrorangriffe gegen die kampfunbeteiligte Bevölkerung ist bedeutend leichter, bequemer und gefahrloser als die von Zweckangriffen. Sie kann in Höhen außerhalb der Reichweite der Erdabwehr erfolgen, voraus:
gesetzt, daß die Bombenflugzeuge solch :: Höhen erreichen, oder es genügt, die Bomben durch deckende Wolkenbänke hindurch abzuwerfen. ohne 'das Ziel selbst zu sehen. Auf dichtbesiedel:
ten großen Flächenzielen werden selbst durch wahllos gestreute Bomben Treffer erzielt werden, wenn nur eine genügend große Menge VOn Bom- ben abgeworfen wird. Soll jedoch die Wirkung auf eine größtmö~liche Höhe gesteigert werden. so wird auch in diesem Fa ll zum mind e sten von systematischem, besser noch von gezieltem BOlTI< benabwttrf aus nicht zu großen Höhen Gebrauch gemacht werden müssen. Besonders trifft dies zu, wenn einzelne Gebäude. wie die Sitze hoher Bc· hörden oder der politischen Führung. beworfen werden sollen. Mit B ra n d b 0 m ben a n g r i f f e n kann, vor· ausgesetzt, daß sich die bisher noch nicht ge. nügend erprobte Wirkung der neuzeitlichen Brandbomben bewahrheitet, eine mindestens ebenso große, wenn nicht größere Matcrialzerstö. rung bei gleichzeitiger Verminderung des Ver. lustes an Menschenleben erzielt werden. Bei den kleinen Brandbomben, die aus großen Höhen un· gezielt in Massen abgeworfen werden, ist aller. dings mit einem sehr starken Einfluß der "Vitte. rungsverhäl tnisse, insbesondere der Luftströmun. gen, auf die Streuung und Treffwahrscheinlichkeit zu rechnen; auch können kleine Brandsätze ver:
Gesamtfläche von 11 000 qm Ge .
hältnismäßig leicht unschädlich gemacht werden. Bei der Vcrwendung von Brandbomben größcren Kalibers können dagegen in gezieltern ' Abwurf Brandherde erzeugt werden, die Feuerlöschver:
suchen von vornherein erfolgreich Widerstand leisten und sich mit benachbarten zu Massen:
bränden vereinigen.
A e r 0 c h e m i s c h e An g r i f f e auf große S~ä~lte we~den sich bei der großen Menge des be. notlgtcn Kampfstoffcs wohl immer auf Teilan. griffe g~gen besonders wichtige oder empfindliche StadtteIle, z. B. Verkehrszentren, bcsehränken' selbst dann ist die Beanspruchung an Bomben; nutzlast sehr groß; so sind nach Ha n s I i a n zur Begiftung von 15 qkm, d. i. eines Rechtecks von 3 mal 5 km (Verkehrszentrum), ctwa 150 t Gelb:
k~e~z ?ei den allergünstigsten Vorbedingungen, dIe 111 lh~er Gesamtheit wohl nie eintreten, nötig. Durch dJO j\1aßnahmen ,des zivilen Luftschutzes ka~1I1 die Wirkung eines solchen Angriffes bis zur Wlrkungslosigkeit abgeschwächt werden. Das Einstreuen einzelner Kampfstoffbomben in einen Brisanzbombenangriff kann zu einer Belästigung der angegriffenen Bevölkerung und zu einer Er:
schwerung der Aufräumungsarbeiten führen. Es
ist jedoch fraglich, ob die Wirkung so groß ist,
daß sie sich gegenüber der verminderten Wir. kung ,der geringeren Zahl von Brisanzbomben rechtfertigen läßt. W,egen der mit einem aero. chemischen An~riff auf .die Zivilbevölkerung ver. bundenen moraltschen Embuße und ihres unsiche.
ren tatsächlichen Wirkungsgrades halte ich es für mehr als unwahrscheinlich, daß in der ersten Zeit
folgt. In welcher Weise sich die verschiedene Ver:
wendung der Bombcn.Luftstreitkräfte in den ersten Kriegstagen auswirken würde oder könnte,
~ei an ein.em .schemati~chen Beispiel angedeutet,
m dem dlC eme ParteI (A) als erstes Ziel die
Zukunftskrieges
Vernichtung der feindlichen Luftrnacht, insbeson:
dere der Bomber, anstrebt, während die andere (B) durch Terrorangriffe auf offene Städte und Industrie im Hinterland des Feindes den Willen zum Widerstand brechen will. Damit soll keines. wegs gesagt werden, ,daß in einem Zukunftskriege
eine der kriegführenden Parteien sich ausschließ. lich zu einem der beiden Systeme (oder einem an . deren) bekennen wird; je nach .der grundsätzlichen Einstellung wird jedoch eine Vcrwendungsart der Luftstreitkräfte zur vorherrschenden werden und
zu ähnlichen Folgerungen berechtigen, wie sie aus dem Beispicl gcschlossen werden können.
Die Staaten A und B sind gleich luftgerüstet; jeder vcrf~gt übcr SO()O Krieg s flugzcugc: hi c rvon treffen auf die selbständige Luftflotte 500 Bom:
ber mit je 1 t Bombenlast und 250 Reserveborn :
benflugzeuge. Die Luftabwehr befindet sich in beiden Staaten auf der gleichen Höhe. Die Kriegs. flugzeuge sind in 27 Luftstützpunkten (je 120 Flugzeuge) und 15 Depots untergebracht. Der Einsatz der Luftflotten erfolgt in Geschwa. dern zu 120, 80 und 60 Flugzeugen. Bei beiden Gegnern werden täglich 10 % Verluste durch die feindliche Jagd: und Erdabwehr sowie durch Un' glücksfälle u. dgl. berechnet. Bei B sollen all e ngriffe zum Ziele führen, während A wegen der stärkeren Luft: und Erdabwehr der 'Luftstütz< ~unkte in B nur zwei Drittel der Angriffe ge. hngen.
Staat "A"
Staat "B"
beim Feind zer·
störte Flugzeuge
3 Luftstützpunkte 2 Depots und dgl.
Städt e
1' /3
3Städte
S tädte
8R 000
Sa. Luftstützpunkte, Depots u nd dgl.,
Sa. 9 St.äd te ,
5 Fabriken,
dazu rund 2000 Tole, 6000 Verwundete (fas t durchweg Militärpersonen) bei B.
dazu rund 20000 Tote, 60000 Verwun- dete (Zivilpersonen) bei A.
die Bomber noch am 6. Taae
bei B die Angriffe schon vom 3. Tage an bedeu .
keine verwendungsbereiten Bombenflugze uge mehr
besit zt. Die Ergänzung aus Depots und Fabriken
schwert und wird zum mindesten Tage, wenn nicht \Vochen und .'ionate, beanspruchen.
Der Eindruck, den die Angriffe von Binfolge der Verlusto an Menschenleben und Material bei
A auf die Zivilbevölkerung hervorrufen, wird
zweifellos ein großer sein. Wenn man aber be.
denkt, daß nur ein Teil der Städte und Fabriken
in A angegriffen wel'den konnte, und wenn man
annimmt, daß die angegriffenen 9 Städte ins. gesamt über rund 4 Millionen Einwohner und etwa 100000 Häuser verfügen, so ist der Prozenb satz der Verluste (Menschen 2%, Häuser 2,4%) doch kaum so groß, daß man sich einen entschei. denden Einfluß auf die Moral einer Gesamtbevöl. kerung von e tw a 40 bis 60 Millionen versprechen könnte.
A ?at dagegen einen starken Vorsprung in der G~wInnung der Luftherrschaft errungen. Fast die
Halfte. der ~riedensluftstützpunkte, Depots und
dergleichen m B sind zerstört oder für längere Zeit außer Betrieb gesetzt. Der Verlust von 2298 Kriegsflugzeugen ist um so schwerer wieder ein. zub~ingen, als A sich vom 5. Tag an in vermehrter Wel~o gegen Depots, Flugzeug: und Betriebsstoff. fabriken wenden kann. Wenn B auch einen we. sentlich geringeren Verlust an Menschenleben zu c rl.~ id e n ha~te, so handelt es sich hier jedoch zum großten Teil um schwer ersetzbare kriegswichtige '
nach und hören am 5. Tag ganz auf, da es
Während bei A
Kraft starten
lass~n
fortdauernden Angriffe
Di.e Bekämpfung der feindlichen Luftrnacht scheInt daher ~m Anfang eines Kri eges die Haupt. a~.fgabe der eigenen Luftstreitkräfte zu sein; es wa.re auch unnatürlich, wenn es nicht so wäre. ReIne Terrorangriffe gegen die Zivilbevölkerung s!ehen a.n letzter Stelle, können aber im Laufe cmes Krieges an Bedeutung gewinnen. Die Gefa~r, die der Zivilbevölkerung in einem Zukunftskneg von der ersten Minute an aus der
Luft droht, soll und darf trotzdem keinesfalls unterschätzt werden; bereits die große Anzahl der wichtigen und damit feindlichen Luftangriffen ausgesetzten Ziele zeigt den großen Umfang der Gefahren an. Die in der Umgebung der Ziele liegenden Wohn. und Arbeitstätten sind infolge der Streuung und Treffungenauigkeit der Bomben in nahezu derselben 'Weise gefähl'det wie die Ziele selbst. Gerade die Erdabwehr, die die feindlichen Flieger in größero Höhen und damit zu größerer Treffun ge n auigkeit ihrer Bomben zwingt, vergrößert den Gefahrenbereich. Es ist daher eine der wichtigsten vorbereitenden Tätig~ keiten der LuftschutzsteIlen, zu üb e rlegen und zu bestimmen, in welchem Grade die einzelnen Ge. genden, insbesondere auch die Wohn. und Ar. beitstättcn, durch feindliche Luftangriffe gefähr. det und welche Maßnahmen darauf aufzubauen sind. Auf der anderen Seite sind aber auch dem Luft. krieg Grenzen gesetzt. Es ist mit den gegen. wärtigen Mitteln der Luftwaffe ni c h t möglich, gleichzeitig oder in kurzer Zeit alle oder auch nur einen großen Teil der kriegswiohtigen Ziele
Iicho Luftflotte lahm zulegen und damit die Luft~
herrschaft zu gewinnen oder gar einen solchen
auszuüben, ·daß
sie den Frieden um jeden Preis anzunehmen wil. lens wird. Auch der Luftwaffe wird der ieg nicht ohne größte Anstrengung und Opfermut in den Schoß fallen. Man wird von ihr erwarten, daß sie die ihr zugewiesenen Aufgaben mit durch~ schlagendem Erfolg erfüllt und die ihr be. stimmten Ziele angreift, auch wenn sie durch feindliche Luftabwehr verteidigt werden. Der Luftkrieg wird wie jeder andere Krieg Zeit kosten und nicht ohne eigene große Verluste an Personal und Material zu führen ein. Di e Luftkrieg~ führung wird, um Großes zu erreichen, Großes wagen müssen; aber ebensosehr ist sie gezwungen. vorher zu rechnen, abzuwägen. ob und inwieweit das Risiko den Einsatz lohnt. Dabei werden trotz größter Energie in der Kriegführung doch auch die moralischen Faktoren auf beiden Seiten in die Rechnun g einzusetzen sein.
Druck auf die Zivilbevölkerung
die feind~
Der Luftschutz im neuen Steuerrecht des Reichs
Regierungsrat Schneppel, Referent im Reichsluftfahrtministerium
Je mehr die Luftschutzarbeit von der Aufklä~ rung und der reinen Organisation zur p ra k t i ~ sc h e n Durchführung des Luftschutzgedankens übergeht, um so tärker tritt das Problem der F i ~
n a n z i e run g in Ersoheinung. Das trifft auf alle Zweige des zivilen Luhschutzes zu; es gilt insbe~ sondere für den Selbstschutz der Bevölkerung. Was auf dem Gebiete des praktischen Selbst~ schutzes von der Bevölkerung verlangt wir,d, ins~ besondere hinsichtlich Schutzraumbau und Brand~ schutzmaßnahmen, kostet Geld. Das Reich hatte deshalb schon im vel"lgangenen Jahre Luftschutz~ bauvorhaben, die unter den Begriff von Instand~ setzungs~ oder Ergänzungsarbeiten an Gebäuden fielen, in die Gewährung von Reichszuschüssen bis zu 1000 RM. im Einzelfalle einbezogen. Gleich~ ~eitig wur,den in gewissem Umfang,e bei Aufwen~ dungen für Luftschutzzwecke steuerliche Vergün~ stigung,en gewährt. Die Mittel, welche im Rahmen des Arbeits~ beschaffungsprogramms für diese Zwecke bereit~ standen, haben bei weitem nicht ausgereicht, um den Bedarf zu decken. Vom Standpunkt der Ver~ breitung des Luftschutz,gedankens ist die Tat~ sache, daß der Hausbesitzer in zunehmendem Maße die Notwendigkeit des Schutzraumbaues und der Feuerschutzmaßnahmen auf dem Boden erk,annte und sich die VorteHe der Reiohszu' schüsse auch hierfür nutzbar zu machen suchte, zu begrüßen. Nach dem Wegfall der Reichszu~ schüsse hat sich dieses Bestreben in ,einer Häu~ fung von Anfragen bei den zuständigen Stellen ausgewirkt, welche Möglichkeiten einer Förderung von praktischen Luftschutzmaßnahmen des ein~ zeInen durch das Reioh beständen. Während die Bestimmungen über die Reichszuschüsse des Arbeitsbeschaffungsprogramms verhältnismäßig rasch bekanntgeworden sind, besteht vielfach noch Unklarheit über die Möglichkeiten, Luftschutz~ maßnahmen zum Teil durch Steuerermäßigungen zu finanzieren. Die Reiohsgesetzgebung hat uns im Oktober vorigen Jahres eine Reihe neuer Steuergesetze ge~ bracht. In aUen ,diesen neuen Gesetzen befindet sich keine Bestimmung, welche die Anrechnung von Kosten regelte, die für Luftschutzzwecke auf~ gewandt wOl'den sind. Dies gilt insbesondere auch
für das Einkommen~ Und ,das Körperschaftsteuer~
gese tz vom 16. Okt. 1934 (R,eichsgesetzblatt, Teil I, Seite 1005 H.), die für eine Steuervergünstigung in erster Linie in Betracht kommen. Trotzdem be~ stehen bei Einkommen~ und Körperschaftsteuer
re cht erhebliche Steuervergünstigungen für Luft~ sohutzmaßnahmen, ,die bereits in früheren Be~ stimmungen niedergelegt und nach wie vor anzu~ wenden sind. Maßgebend für diese Vergünstigungen sind ein~
F i n a n zen vom 10. Oktober 1933 (verkäufliche
Nummer 495), zum anderen die Erg ä n zu n g s ~
verordnung zum Gesetz über Steuer ~
e rleichterung ,en v. 20. April 1934 (Reichs:
E r laß ,d e s R eie h s m i n ist e r s der
gesetzblatt, Teil I, S. 318) .
vom zieht sich auf Aufwendungen für Luftschutz; zwecke aller Art. Er ist nicht befristet und läßt
Der E r laß
k tob e r
die volle Absetzung "aller Aufwendungen, die Zwecken des zivilen Luftschutzes dienen", von dem der Einkommen~ oder Körperschaftsteuer unterliegenden Einkommen aus Gewerbebetrieb, Land~ und Forstwirtschaft und aus Vermietung und Verpachtung unbeweglichen Vermögens (ein~ schließlich des Mietwertes ,der Wohnung im eige~ nen Haus) ,im Steuerabschnitt der Ausgabe zu . Die Zulässigkeit des vollen Abzuges im Steuerab~ schnitt der Ausgabe wirkt sich, wie der Erlaß selbst sagt, als eine Vorwegnahme künftiger Ab~ schreibungen aus. Luftschutzmaßnahmen, auf die der erwähnte Er ~ laß Anwendung findet, sind zum Beispiel der Bau von Schutzräumen und die Herrichtung vorhan~ dener Gebäudeteile zu Schutzräumen, die Beschaf~ fung von technischen Vorrichtungen und sonsti~ gern Gerät für Luftschutzzwecke, die Herrichtung von Dachböden, entsprechend den Anfor,derun~ g·en des Brandschutzes, die Aufstellung und Aus~ bi1dung ·der erforderlichen Trupps in industriellen Werken usw. Hieraus ergibt sich, daß die er~ wähnte Bestimmung nicht nur für Industrieunter~ nehmungen, sondern auch für sonstige Unterneh~ men mit großem Personalbestand und vor allem für die Hauslbesitzer in Betracht kommt. Abzugsfähig im Steuerabschnitt der Ausgabe sind nicht nur Aufwendungen für bauliohe Zwecke und einmalige Anschaffungskosten von Ge.gen~ ständen längerer Nutzungsdauer (Feuerwehrgerät, Al.armgerät usw.), sondern auch laufende Un~ kosten, wie z. B. Ausgaben für Arzneimittel, Im ~ prägnierung von Holzteilen ,des Gebäudes, Chemi~ kalien für die Entgiftung usw. Einzelheiten <sind aus dem oben angezogenen Erlaß zu ersehen 1 ). Die Erg ä n z u n g s ver 0 r d nun g zum Gesetz über Steuererleichterungen vom 2 O. A p r i I 1 934 bezieht sich im Gegen~ satz zu dem Erlaß vom 10. Okt. 1933 nicht auf Aufwendungen für Luftschutzzwecke all e r Art, sondern nur auf solche Luftschutzmaßnahmen, die unt ,er den Begriff der Instandsetzung oder Er ~ gänzung von Gebäuden und Gebäudeteilen fallen. Diese Verordnung, die im übrigen nicht n eu ist, sondern nur eine Erweiterung der ber,eits nach dem Steuererleichterungsgesetz vom 15. · 7. 1933 (Reichsgesetzblatt 33, Teil I, S. 491) zulässigen Steuervergünstigungen darstellt, ist allerdings be ~ fristet. Sie gilt nur für die Zeit vom 1. Januar 1934 bis 31. Dezember 1935, also für die Steuer~ abschnitte 1934 und 1935. Hier besteht die Vep günstigung darin, daß sich ·die Steu<erschu~? bei der ver a n lag t e n Einkommen~ und Korper~ sc haftsteuer um 10 % ·des Betrages ermäßigt, den ,der Steuerpflichtige für baul,iche Luftschutzmaß~ nahmen nachwe 'islich in dem der Veranlagung zu ~ grunde liegenden Zeitraum aufgewendet hat. Die Steuerermäßigung hat allgemein zur Vorausset~ zung, daß grundsätzlich nur inländische Erzeug~ nisse bei ·dem Bau verwendet worden sind, und daß Beginn und Ende der Al"beiten in die Zeit vom 1. Januar 1934 bis zum 31. März 1935 fallen. Der Empfang von Zuschüssen nach ,dem Gebäude~
Veröifen tlicht
ReichssleuerblaH
h',rst.straßc
bezoge n
Reichssteuerbla!!
Reichsverla gsamt,
Scharn-
instandsetzungsgesetz oder aus sonstigen öffenb lichen 'litteIn schließt bei Luftschutzbauten die erwähnte Vergünstigung nicht aus; allerdings ist die steuerliche Ermäßigung in solchen Fällen nur nach dem Selbstaufbringungsbetrag, d. h. nach den um etwaige Bar zuschüsse verminderten Kosten, zu bemessen. DieBestimmungenderVerordnung s ind also bei der im Februar 1935 ab. zugebenden Einkommen. oder Kör. perschaftsteuererklärung für das KaI end e r ja h r 1934 zu be ach t e n. Nach. zuweisen &ind dem Finanzamt diejenigen Aufwen. dungen, welche vor dem 1. Januar 1935 liegen. Die Vergünstigung der Verordnung vom 20. 4. 1934 kommt grundsätzlich nur für den Steuer. abschnitt in Frage, in ·dem die Aufwendungen ent. standen sind. Der Reichsminister der Finanzen hat jedoch zur Vermeidung von Härten Ober< gangsvorschriften erlassen, die im einzelnen aus dem im Reichssteuerblatt Nr. 69 vom 10. 10. 1934 veröffentlichten Er laß übe r Ein z elf rag e n zur Ergänzungsverordnung zum Ge. set z übe r S t e u e r e r lei c h t e run gen zu er ehen sind. Dieser Erlaß erläutert im übrigen auch die Berechnung der Steuerermäßigung im Einzelfal1e an praktischen Beispielen. Als ein wesentlicher Fortschritt gegenüber dem früheren Rechtszustand ist die Einbeziehung der Neubauten, soweit sie Zwecken des zivHen Luft. chutzes dienen, -in die Steuerermäßigungen anzu. sehen. Die Vergünstigung wird in diesem Fal1e im Gegensatz zu den allgemeinen Vorschriften über die steuerliche Behandlung der Neubauten auch dann gewährt, wenn es sich nicht um die Ergänzung oder Vervollständigung eines vorhan. denen Baues, sondern um die Errichtung eines neuen, selbständigen Bauwerks handelt. Sowohl die Ermäßigung der Einkommen. und Körperschaftsteuer auf Grund der Veror-dnung \'om 20. April 1934 als auch die Vergünstigungen
des oben erwähnten Runderlasses vom 10. Ok. tober 1933 können nebeneinander für ein und dieselbe Maßnahme gewährt werden. Beim Vorliegen der geschilderten Vora~ssetzungen kann also praktisch ein Betrag bis zu 20% der aufgewendeten Kosten für einen Schutzraum allein durch Steuerermäßigungen aufgebracht wer· den. Die Zulässigkeit der Anwendung beider Vor. schriften nebeneinander ist in Abschnitt VI des erwähnten Runderlasses des Reichsministers der Finanzen vom 10. Oktober 1934 ausdrücklich klar. gestellt worden. Das Bestehen der Steuerermäßigungen bei der Einkommen. und Körperschaftsteuer legt die Frage nahe, ob nicht auch bei anderen Steuer. arten eine Berücksichtigung von Aufwendungen für Luftschutzzwecke möglich ist. In Betracht kommen hierfür namentlich die Realsteuern, vor allem die Gewerbeertragsteuer. Ansätze zu der. artigen Steuervergünstigungen bestehen bereits in einzelnen Ländern, so z. B. in S ach sen und T h ü r i n gen. Die Thüringische Verordnung über die Berücksichtigung von Aufwendungen für den Luftschutz bei der Gewerbesteuer vom 12. 7. 1934 sieht beispielsweise die volle Absetzung aller ufwendungen für Luftschutzzwecke, die un· mittelbar für den Schutz des Personals und der Betriebsanlagen eines Gewerbetreibenden gemacht worden sind, bei der Veranlagung zur Gewerbe. steuer nach dem Ertrage vor. Auch hinsichtlich der im Abbau begriffenen Gebäudeentschuh dungssteuer liegen von verschiedener Seite An. regungen für die Berücksichtigung der Belange des Luftschutzes vor. Eine ein h e i t 1ich e Re. gel u n g von R eie h s weg e n wäre auch auf diesem Gebiete des Steuerrechts zu begrüßen und würde - namentlioh, wenn sie nicht nur Bau . vor hab e n, sondern auch Aus r ü s tun g s • z w eck end es Sei b s t s eh u t z e s dienstbar gemacht werden könnte - die praktische Durch. führung des Selbstschutzes der Zivilbevölkerung wesentlich fördern.
Das Schiedsrichterwesen bei zivilen Luftschutzübungen
Hauptmann der Schutzpolizei H. K 1ö p per, Luftschutzabschnittsführer im Polizeipräsidium Bochum
Damit alle Teile des zivilen Luftschutzes ihre verantwortungsvolle Aufgabe, die Folgen eines Luftangriffes auf ein Mindestmaß herabzudrücken im Ernstfalle auch richtig lösen können, kommt d~r Erhaltung und Fortentwicklung -des Aus. b 11 dun g s s t a nd e s eine erhöhte Bede utun g zu. Dieser Ausbildungsstand kann jedoch nur durch praktische übungen überprüft werden. Ob nun Teil. oder Vol1übungen abgehalten werden, immer müssen ein Obungsleiter sowie Sohieds. richter vorhanden sein, um hervorgetretene Män; gel fest. und abzustellen. . Die Kenntnisse des taktisch geschulten Schieds. r~c~ters (Geländeschiedsrichter) sind für den ZIVIlen Luftschutz allein nicht ausreichend da er s~ine Entscheidung nur -in Ansehung de; t a k • tl S ehe n Lage zu treffen hat. Bei den zivilen Luftschutzübungen ist aber nioht nur die tab ti~che Lage .maßgebend, sondern es treten noch rem. fa c h 11.C he Gesichtspunkte, und diese so:
gar m erheblIchem Maße, hinzu, die daher mit in den Vordergrund rücken müssen. Da es nun in
samten Wesen des Luftschutzes, nicht nur des zivjlen, sondern auch des militärischen, wie er im Auslande betrieben wird, gründlich vertraut macht; d enn all e Schutz: und Hilfsmaßnahmen
den wenigsten Fällen zutrifft, daß der Gelände:
schiedsrichter gl eie h z ei t i g über gründliche Fachkenntnisse der verschiedenen Sparten des zivilen Luftschutzes verfügt, muß der um.gekehrte Weg gegangen wer-den. Die Schiedsrichter des zivilen Luftschutzes können daher nur aus den in Frage kommenden Fachsparten hervorgehen, sollen also Fachkenntnisse von vornherein mitbringen. Das taktische Verständnis in bezug auf den zivilen Luftschutz dagegen muß bei ihnen geweckt und fortlaufend gefördert wer·den. VoraJussetzung für das vielseHige Amt eines Schiedsriohters im zivi:
len Luftschutz ist also außer seinem selbstver:
ständlichen fachlichen Können die völlige Beherr:
schung des gesamten StoffgeJbietes, d. h., daß er sich mit al1en amtlichen Vorschriften und Dienst:
anweisungen und darüber hinaus, unter Ausnut:
zung der vorhandenen Fachliteratur, mit dem ge:
auf der Erde sind ja letzten Endes abhängig von der Art und Weise, wie nach den z. Z. geltenden Anschauungen Luftangriffe sich heutzutage ab. spielen werden. Das, was heute als richtig aner< kannt wird, kann morgen schon wieder überholt sein. Das "Auf.demdaufenden<Bleiben" ist daher eine der wichtigsten Vorbedingungen für den Schieds< riehter, denn gerade er ist bei OIbungen diejenige Persönlichkeit, die durch saohgemäße Belehrungen, zweckmäßige Einlagen und sachliche Kritiken auf die weitere Ausbildung der übungsteilnehmer günstig einwirken soll. Aus diesen Gründen muß dem Schiedsrichter auch nach dem übungsverlauf eine viel größere Einwirkung auf die übungsteil< nehmer zugebilligt werden als bisher, denn er soll seine während der übung gesammelten Erfahrun. gen nicht nur den Führern, sondern vor allem auch dcn Mannschaften zugänglich machen. Er soll also nicht nur Schiedsrichter, sondern auch - und hier wieder besonders im verstärkten Maße für die ,1V1annschaften - Lehrer sein. Gerade dieses bedarf der weitestgehenden Berücksichtigung, da sich immer wieder zeigt, daß die vor ·den For. mationsführern gehaltene Kritik entweder 'gar nicht oder nur unvollkommen oder unsachlich an die Mannschaften weitergegeben wird. Um diesem übelstande abzuhelfen, muß der übungsleiter da. für sorgen, daß die einzelnen Verbände erst nach dem Abschluß der Führerkritik und nicht schon bei Beendigung der eigentlichen übung entlassen werden, damit anschließend nach erfolgter Führer. besprechung den einzelnen Verbänden durch ihre Führer in Gemeinschaft mit den zugeteilten Schiedsrichtern das für sie Wissenswerte in ge. cigneter Art und Weise übermittelt werden kann. Bei dieser übermittlung ist dem Schiedsrichter Gelegenheit zu geben, vor der breiten Masse als Lehrer zu wirken, um in allgemeinverständlicher Form vorgefundene Fehler oder Mängel unter gleichzeitiger Richtigstellung zu besprechen. Nur so ist es möglich, ,die während der übung ge. sammelten Erfahrungen allen Teilnehmern zu. gänglich zu machen, um so das Interesse und Ver. ständnis für noch abzuhaltende übungen zu wecken und zu fördern. Da das Schiedsrichterwesen des Sicherheits. und Hilfsdienstes gegenüber demjenigen des Selbstschutzes Unterschiede aufweist, dürfte eine gesonderte Besprechung am Platze sein.
Sie her h e i t s. vor Beginn der
übungen den einzelnen Formationen durch den Obungsleiter zugeteilt, gelten als seine Gehilfen, führen mitgegebene Einlagen durch, fällen in sei. nem Namen Entscheidungen und können Mittei. lungen an den Führer ihrer Formation im Rahmen der übung ergehen lassen. An ,die Geschicklich. keit, Rührigkeit und vor allem an die wirklich. keHsnahe Phantasie sowie an das taktische und fachliche Können der Schie,dsrichter werden da. her die größten Anforderungen gestellt werden müssen, denn sie sollen die bei den übungen feh. lenden Eindrücke und Einflüsse der Wirklichkeit nach Möglichkeit ersetzen und einen der Wirk. lichkcit entsprechenden Verlauf im Rahmen des übungszweckes sicherstellen. Entscheidungen dürfen daher nur in Ansehung ,der taktischen Lage und der fachlichen Belange gefällt werden. Einem zu schnellen, wirklichkeitswidrigen Ver. lauf der übung haben sie unter allen Umständen entgegenzuwirken, da sonst zu leicht falsche Bil. der entstehen.
Die u n cl
S chi e d s r ich t erd
i I f s die n s t e s
wer,den
Zunächst erhalten die Schiedsrichter von dem Leit.enden frühzeitig diejenigen Mitteilungen über die allgemeine und besondere Lage, einschI. des Störungsplanes, gegebenenfalls noch eingehendere mündliche oder schrHtliche Anweisungen, also alle erforderlichen Unterlagen, um den Gang der übungen richtig verfolgen zu können. Sie müssen somit über den Gesamtverlauf all er übungen unterrichtet sein, nicht nur über die übung ihrer e i gen e n Formation. Nachstehend sollen eInIge allgemeingültige Punkte gestreift werden, die w der Tätigkeit eines Schiedsrichters bei den zivilen Luftschutz. übungen gehören:
Jeder Schiedsrichter muß sich schon vor Be. ginn der übung am Unterkunftsort (Schutzraum, einschl. Platz für ,die zugeteilten Fahrzeuge mit Geräten) seiner ihm zugewiesenen Formation ein. finden. Dort setzt seine erste Tätigkeit durch überprüfung des Schutzraumes, der Fahrzeuge, des Gerätes und des Personalbestandes ein. Die Fahrzeuge müssen abf.ahrbereit beladen sowie gut getarnt aufgestellt sein. Bei dem Personal ist vor allem darauf zu achten, daß auch die tatsächlich zu dem Verbande gehörenden Mannschaften an. wesend sind. Es ,darf keine nur für diese übung zusammengestellte Formation sein, denn es kommt ja darauf an, Führer und Angehörige des Verbandes aufeinander einzuspieJ.en und keine Potemkinschen Dörfer zu zeigen. Das kriegsmäßige Bild verlangt, daß sich die Formationen bei Beginn der übung in die zugewie. senen Schutz räume zu begeben haben und sich nicht draußen aufhalten, um dadurch einige Minu. ten schneller abrücken zu können. Das Verhalten der Mannschaften im Schutzraum, das Aufneh. men des Einsatzbefehls und das Auswerten des. selben müssen beobachtet werden. Aus Gründen der Zeitersparnis sollen die Schutzräume in der Reihenfolge verlassen werden, wie die Mann. schaften auf den Fahrzeugen Platz nehmen sollen. Der Schiedsrichter muß sich vorher seinen Platz, am besten inder Nähe des Formationsführers, gesichert haben, damit er beim Abrücken nicht hemmend wirkt. Auf eigenes kriegsmäßiges Be. nehmen braucht wohl nicht besonders hingewie. sen werden. Auf das persönliche Verhalten des Formationsführers sowie auf seine Befehle und Anofidnungen ist ein besonderes Augenmerk zu richten. Kleinere Mängel und Verstöße sind so. gleich abzustellen, aber nur durch Hinweis an den Führer, niemals durch direkte Befehlserteilung an die Mannschaften. Weiter muß darauf geachtet werden, daß der Formationsführer beim Abrücken einen Helfer im Schutzraum zurückläßt, der, zumal bei abgele. genen Schutzräumen, die überwachung und Neu. lüftung desselben sowie die Bedienung des Fern. sprechers übernimmt und zugleich bei einem er. neut einsetzenden Luftangriff den Schutzraum wieder ordnungsmäßig verschließt.
zur Unfallstelle
der Fahrgeschwindigke,it,
der Fahr.
sicherheit sowie des eingeschlagenen Weges statt. finden. Sollen während der Fahrt Einlagen über:
geben werden, so hat dieses so früh zu geschehen. daß der Führer noch Zeit hat, sie ,durchzulesen und einen Entschluß zu fassen. Wird die Einlage zu spät übergeben, so sind Führer und Mannschaf. ten aus dem wirklichkeitsnahen Bilde, in das sie sich eingelebt haben, herausgerissen und dadurch "ernüchtert", denn die Phantasie reagiert jetzt nicht mehr auf diese verspätete Einlage.
Bei mündlichen Mitteilungen darf nur etwas ganz Eindeutiges mitgeteilt werden, woraus der Führer auch einen folgerichtigen Entschluß fassen kann. Richtig wäre es, ctwa folgende Mitteilungen zu geben.
a) 50 m vor Ihrem Wagen ist die Straßenmitte durch Brisanzbombeneinschlag, Durchmes~ ser des Sprengtrichters 3 m, aufgerissen;
b) 50 m vor Ihnen liegt ein Verletzter, der von
cinem quer über die Straße gefallenen Baum an beiden Oberschenkeln getroffen ist. R ich ti g deshalb, weil dem Führer durch diese Mitteilungen feste, wirklichkeitsnahe Eindrücke vermittelt weroen, die er beim wirklichen "Ein~ leben" ohne eigene Phantasie nun folgerichtig und
ohne Beeinträchtigung seiner Entschlußkraft aus~ werten kann. Falsch wäre cs, ctwa folgende Mitteilungen zu machen:
a) 50 m vor Ihrem Wagen ist die Straßendecke aufgcris en, Sie müssen umkehren;
einem Baum getroffen ist. F als c h deshalb, weil ,diese Mitteilungen zu allge~ mein gehalten sind, an die eigene Phantasie des Führers zu große Ansprüche stellen und ihn durch Zusätze, wie: "Sie müssen umkehren", in seiner froien Entschlußkraft hemmen.
Das Sichcinfühlen der Führer und Mannschaf~ ten in eine angenommene Lage muß diesen so leicht wie möglich gemacht werden. Hier eröffnet sich dem Schieds ri chtcr cin reiches und dankbare s Arbeitsfeld, auf dem er durch sachgemäßes Ein~ greifen dazu beitragen kann, die übungsschwierig~ keiten zu überwinden. Die fa chI ich e Bewertung der Formationen wird im allgemeinen erst am Einsatzort erfolgen können; jedoch sind hier gleichfalls noch einige allgemeingültige Regeln zu beobachten:
Ausfälle an 1'1annschaften und Gerät sind stets auszusprechen bei unkriegsmäßigem Verhalten, wie z. B.:
a) die Helfer sind ohne Gasmaske ausgerückt,
b) die Gasmaske hat nicht den vorgeschrie~ benen Sitz,
c) die Gasmaske ist ohne Anordnung ab~ oder aufgesetzt,
d) die Helfcr sind unbedacht oder ohne Schutz~ gerät in ein kampfstoffvergiftetes Gebiet ge~ raten odcr sind ohne Körpcrschutz mit kampfstoffbegifteten Personen oder Sachen in Berührung gekommen.
und ~erä~ zu steuern. Auch bei ganzen Verbän~ den, dIe SIch unkriegsmäßid benehmen sollte man sich .nicht scheuen, sie als ~erwendung'sunfähig zu bezclchnen, und sie zunächst aus der übund her~
ausnehmen. Sie können zu ihrem Schutzrau~ zu. rückkehren und nach einer gewissen Zeit wieder Verwendung finden, etwa als aus fremden Ge~
dgl. Auf jeden Fall dürfte dieses scharfe Vor. gehen für die Erziehung der Mannschaften zum krie~smäßigen Verhalten bessere Erfolge zeitigen als eme Verwarnung oder Richtigstellung während
bieten frisch eingetroffene Verstä rkungen
d~r übu~g, zumal auch psychologische Momente eme gewIsse Rolle spielen dürften.
Zu erwähnen und zu bewerten ist noch das Ver.
satzort. Es kommt außer der Schnelligkeit noch darauf an, derart an die SchadensteIle heranzu. kommen, daß ei n sofortiges und durch geeignete
K r a f t w a gen f ü h r e r s
Aufstellung des Wagens ungestörtes Arbeiten möglich ist. Es ist unz\veekmäßig, die Mannschaf. ten direkt an der Einsatzstelle abzusetzen und dann den Wagen wieder einige zwanzig Meter zu' rückzuziehen oder nooh große Manöver durch 'Wenden odcr gar Umsetzen des Wagens auszu. führen. Der Wagen muß von vornherein an der Stelle halten, wo das Gerät abgeladen werden soll, weil die Mannschaften sonst, wie im ersten Falle, sich wieder zum Wagen zurückbegeben
Kraftwagenführer immer noch mit großer Gleich- gültigkeit gegenüber. Bei einiger überlegung dürfte sich das Durchfahren solcher Stellen durch- aus vermeiden lassen. Ist ein Durchfahren jedoch unerläßlich, so muß dieses mit besonderer Vor. sicht geschchen und die baldige Entgiftung, wenn möglich nach dem Eintreffen am Einsatzort, nicht außer acht gelassen wcrden. In diesem Zusam. menhange wird auf die im Novemberheft 1934,
Seite 292 H. , dieser
handlung des Majors a. D. Axe1 Mag n u s "G a s-
s e hut z
Finden mehrere Verbände nacheinander oder zugleich an cinem Einsatzort Verwendung, ver. bleibt jeder Schiedsrichter bei seinem Verbande. eu gebildeten Befehlstel1en werden gleichzeitig besondere Schiedsrichter zugeteilt, deren Zustän. digkeitsbereich jedoch klar umrissen sein muß. Selbstverständlich dürfen sich die einzelnen Schiedsrichter untereinander bera.ten oder Aus- künfte erteilen bzw. einholen; jedoch dürfen sie niemals dem eigenen oder fremden Formations- führcr Ratschläge oder gar Auskünfte über die im Störungsplan enthaltenen Einlagen geben. Nach Beendigung der übung hat jeder Schieds- richter dem übungsleiter bei der Schlußbespre- chung über seine Formation einen genauen Bericht mit Zeitangaben, Einlagen, Mitteilungen, takti. schem Verhalten des Führers, kriegsmäßigem Ver- halten des Verbandes und ,dem fachlichen Arbei. ten desselben zu erstatten. Etwaige Mängel und Fehler sind hier und anschließend bei den Mann. schaften in sachlicher Form zur Sprache zu bringen.
S chi e d s r ich •
das notwendige Arbeitsgerät zu er-
haltcn. 'Kampfstoffbegifteten
Zeitsohrift erschienene Ab.
bei m K r a f t w a gen" verwiesen.
Auch an die Betätigung des
sc hut z es dürfte künftig ein höherer Maßstab als bisher zu legen sein. Da für den Selbstschu!z im allgemcinen nur bestimmte Aufgaben, wIe Alarmierung und Aufsuchen der Schutzräume so. wie Verhaltcn darin, Maßnahmen in der Woh- nung, z. B. Abblenden der Fenster, Tätigkeit der Hausfeuerwehr Rettungsrnaßnahmen bei Ver- schüttung und' KampfstoHgefahr, Be1üfh!ng der Schutzräume nach der Entwarnung u. dgl., In Frage stehen, dürfte ein besonderer Schiedsrichter für die einzelne Phase kaum in Betracht kommen. Es wäre hier zu empfehlen, für jedes einzeln übende Haus einen Schiedsrichter (Schiedsrichtergehilfe, Unter.Schiedsrichter, Haus.Schiedsrichter) einzu.
setzen, der außer dem schon vorher gefor,derten Wissen über die Dinge des Luftschutzes noch über ausreichende Kenntnisse ,der Belange des Selbstschutzes verfügt. Für übungen der Luftschutzgemeinschaften, bei denen vor al1em die Unterstützung bei Feuer, bei Verschüttungen, bei der Räumung von Schutz- räumen und bei Aufräumungsarbeiten in Frage kommt, wird es zweckmäßig sein, für jede Luft. schutzgemeinschaft einen besonderen Schieds- richter (Gemeinschafts.Sehiedsrichter) mit genau begrenztem Aufgabengebiet zu bestellen.
Es dürfte vorteilh a ft sein, b ei dem besonders bei größeren üb ungen s tarken Bedarf an vorge~
bildeten Schiedsrichtern auf die Fachkreise des Sicherheits~ und Hilfsdienstes und auf geeignete Persönlichkeiten des Selbstschutzes zurückzugrei~
näherg,ebracht werden. ü bungsleiter ist der Ortsgruppenführer, der die Aufgaben vorher sorgfältig ausgearbeitet und mit seinen Sohiedsrichtern durchgesprochen haben soll. Vermieden wel'den muß jedoch auf jeden Fall eine sog. Patentlösung oder eine vorgefaßte Meinung in bezug auf die Lösung der Aufgabe.
wodurch gleichzeitig beide Sparten einander
Wird eine ü bung gleich nach Beendigung der~ selben besprochen, ist ,dem Revierleiter der Poli~ zei, wohl meistens ein Offizier, der bei solchen
Übungen anwesend zu sein hat, Gelegenheit zu geben, sich zu der abgehaltenen übung zu äußern. Bei größeren übung,en wil'd sich eine abschlie~ ßende Besprechung nicht sofort durchführen las~ sen, da die Beobachtungen ,der Sohiedsrichter erst gesichtet un d zu einem geordneten Bilde zus.am~ mengefügt werden müssen, um für eine nutzbrin~ gende Weiterarbeit Ve rwendung zu finden. Vorstehendo Erör terun g erhebt keinen An~ spr u ch auf Vo ll ständigkeit, zumaldas ganze Ge~
biet noch Neu l and 1St. Di e
sen sich durch Erfahrungen von anderer Seite be~ stimmt noch ergänzen. Immerhin dürfte ihre Be~ achtung durch die eingesetzten Schiedsrichter eine nicht zu unterschätzende Hilfe für den übungs~
leiter un d nicht zuletzt für die Kleinarbeit b ei der
A u sbi ldun g im ziv il en Luftschutz sein .
ei nz e ln en Punkte la s ~
Luftschutz durch Lockerung der Wohndichte
M. Rittau, Erster Staatsanwalt in Frankfurt a . M.
Mo r r e t t a
achteten und viel umstrittenen Buchel):
"Die Luftwaffe betrachtet als ihr e Z ielscheiben nicht nur die Bollwerke von rein militärischem Charakter und die operiere nd en Streitkräfte, sondern a uch di e leb en s- wichtigen Pro duktionsgebiete und die Zivilbevölkerung, zusammengedrängt in Industriegegen den oder in Städten. die durch Umfang, Bevölkerungsdichte, kulturellen und produktiven Wert die bedeutsamsten Herde des Wider- standes bilden."
Es ist das die Anschauung vom künftigen Ein~ satz der Fliegerwaffe, der man im militärischen Schrifttum des In~ und Auslandes immer wie ·d er b egegn et. Nur gelegentlich sind Zweifel an ihrer Richtigkeit geäußert worden. So schreibt I. M. S p ai g h F):
lohnend en Ziele - Arsenale, Kriegsgerätefabri -
ken, Flughäfen, Werften, Stahlwerke - liegen außerhalb der Städte. Auf sie wird der Angreifer seine Bomben zusammenfassen. E r kann nicht all es zers t ö r en. Aus
reinen Zweckmäßigkeitsgründen wird er Ziele wählen. die besonders lohnen. Das sind die Städte ganz gewiß nicht. Wie kann der Terror gegen friedliche Einwohner ebenso wirksam sein, wie der Terror gegen Kriegs- industriearbeiter? Abgesehen von der möglichen Wie- dervergeItung ist der Bombenahwurf auf Städte ein Glücksspiel. Es ist der Theaterdonner des Laien. Die Rüstung und ihre Quellen zu treffen, ist dagegen fach- männisch geführt er Krieg 3 ) . "
Gegen di e Ansieh ten S p a ,i g h t s ist zunächst
zu sagen, daß di e
übrigen "lohnenden Zi.eJe" keineswegs stets außer~ halb der Städt e li ege n . Das muß Spai ght an an ~
dere r Ste lle sein es Buchs auch zugeb en, wo wir lesen :
Nun trifft es sic h , daß kriegswichtig e Anlagen. z. B .
ausgiebig mit Bomben beworfen, so wird auch di~ M.oral der Bevölkerung in den benachbarten lebenswlchtl.gen Punkten erschüttert. Nicht nur die wirklichen AngrIffe, sondern auch die Alarmierungen (einschließlich der blinden) veranlassen das Personal, Deckung zu suchen, und lähmen dadurch die Geschäftstätigkeit. Das ge- samte Leben kann so unerträglich werden, daß die Be- völkerung einen Frieden um jeden Preis vorzieht."
Nähe vo n lebenswichtigen Punkten liegen.
"vVaHenschmieden " und di e
Kriegsfabriken,
Was nützt unter solchen
Umständen eine Be ~
schränkung auf "miHtärisoh wicht'ige Ziele", selbst wenn sie der Angreifer sich auferlegen wollte?
Mit einem solchen Beruhigungsversuch ist nichts anzufangen. Dem Deutschen Reich ist zudem die
"mögliche Wiedervergeltung" durch das Versailler
Dikt a t unm ög lich
gegen Spaight die Erfahrungen aus dem Weltkrieg ins Feld gefü hrt werden . Es muß also damit ge ~ reohn et werden, daß ,di e luftge rüst eten Staaten in einem künftig,en Krieg nach der von Spaight ver~ worfenen Lehre handeln wel'den:
ge m acht, und schließlich mü ssen
Das souveräne Volk führt h e ut e den Krieg , und seine Moral muß getroffen werden. Große Städte sind Mittel- punkte des souveränen Volkes. Man zertrümmere darum
di e St äd t e. und man ze rtrümm er t den Willen zum Krieg."
D er Gesamtschutz geg·en Luftangriffe umfaßt
a uch nach M 0 r r e t t a. zwei Vertddigun gszweig e, den militärischen Luftschutz, der Deu tschland durch das Versailler Diktat nah ezu unmöglich ge~ macht ist, und den zivilen Luftschutz. Let zterer
erfordert neben Betätigungen psychologischer und
t eohnisch e r Art so lch e verwaltender Natur, an
ihr e r Spitze "die Entfernung der überflüssig e n B e~ völkerung aus ,den Städten". Erst "im Ernstfall" ausg,eführt, könnte sie allzu leicht zu einer "Mas~ senflucht in kleine Ortschaft e n ohne Unterkunft s~ gelegenheiten, ja vielleicht nicht einmal imstande,
menen Obdachlosen zu befriedigen", ausarten. "Bei
d en großen Weltstädten, wie London, Berlin, Paris,
Rom und anderen, erscheint ·die Räumung" , wo ~ mit Mo r r ·e t t a die erst b ei der Mobilmachung
ins Werk gesetzte Räumung meint, "so schwierig, daß sie den Charakt,er eines Rätsels streift. Hun~ derttausende von Menschen in eine m halben oder höohstens einem ganz·en Tag wegzubringen, ist auf dem Papier sehr leicht, .aber in Wirklichkeit er~
soheint
führbar".
e drin gendsten Lebensb edürfnisse der aufgenom~
Militärschriftstellern undurch~
vorausschauende,
z,ielbewußte
Staatsfüh~
rung wird es nicht dem Krieg überlassen , ·das Rät~ sei zu lösen, sondern wird rechtzeitig versuchen,
eine Auflockerung der Wohndichte in den Groß~ städten und Industriegebieten ,durchzuführen·). Diesem Zweck dien en insbe s onder e, wenn auch
si e ht
Kri eg
. a ra Vgl.
Gasschulz
Luftschul z",
Junihelt
p a i g h I
th e citi es . Longmans, Gr ee n and Co.,
~) V~1. da zu
Schriltltg.
schulz",
d az u :
u b erhe
Na ge l
Lullschulz
19 34 ,
271 Ir.
It a li e n ,
nur mittelbar, die nachstehend bezeichneten Maß, nahmen der Reichsregierung:
l. Der deutsche Staatskommissar für das Sied, lungswesen hat kürzlich darauf hingewiesen, daß in letzter Zeit im Zusammenhang mit den Maß, nahmen der Arbeitsbeschaffung vielfach das Be' streben hervorgetreten ist, Grundstücke in Städten durch überschrei ten der zulässigen Be'
bauung , z. B.
stockung und dgl. über das nach den baupolizei, lichen Best·immungen zugelassene Maß hinaus aus,
zu nützen. Di ese Bestrebungen führen häufig zu
ei ner Vermehrung der Wohndichte, die ebenso~ we ni g mit den städtebaulichen und b evö lk e run gs ~
langen des Luftschutzes zu vereinbaren ist. 0 i e
Fo rd er ung e n des Stä .dtebaus und des Luftschut zes ve rl angen die Auf.
der Städt e und die Ver'
hinderung eines weiteren Anwach ~ sen s ·d erB e v ö I k e run g s die h t e über das nach den heutigen Anschauungen ve rtretbare Maß hinaus.
Daher hat der Staatskommissar in Vertretung des Reichswirtschaftsministers die obersten Lan, desbehöroen ersucht, die Polizeibehöroen anzu~ weisen, bei Erteilung von Ausnahmen oder Be, freiungen von baupolizeilichen Bestimmungen über die Ausnutzbarkeit von Grundstücken, besonders in enggebauten Stadtteilen, tunlichste Zurückhai; tung zu üben. Gesuchen, die mit den Forderungen einer gesunden städtebaulichen Entwicklung und den Belangen des Luftschutzes nicht im Einklang stehen, soll nicht mehr stattgegeben wer.den.
Ausbau von D achgeschossen, Auf,
Forderungen wie mit den jeweiligen B e~
2. D er Staatskommissar h a t ferner in Vertre~
tung des Reichswirtschaftsministers von der die~ sem durch das Gesetz über einstweilige Maßnah~ men zur Ordnung des deutschen Siedlungswesens vo m 3. 7. 1934 (RGBl. I S. 568) e rt eil t en Ermächti~ gung Gebrauch gemacht, bis zur reichsgesetz,
lichen Regelung des Planungs~, Siedlungs~ und öffentlichen Baurechts diejenigen Maßnahmen zu treffen, die erforderlich sind, um das deutsche Siedlungswesen zu überwachen und zu ordnen, insbesondere zu bestimmen, daß die Absicht, Wohngebäude oder Siedlungen zu errichten oder niederzulegen, rechtzeitig vor ihrer Verwirklichung anzuzeigen ist, und die Vornahme derartiger Handlungen zu unte rsagen . Die §§ 1 und 2 der auf Grund dieser Ermächt:.jgung erlassenen Verord~ nung vom 5. 7. 1934 (RGBl. I S. 582) lauten:
Wer die Absicht hat, eine der nachstehenden !'1aßnahmen auszuführen, hat dies rechtzeitig vor
Y erwirklichun g
die E rrichtun g oder Niederlegung von Wohnge - bäud~n mit mehr als 50 Wohnungen, gleichgültig, ob die Wohnungen sich in einem oder mehreren
Gebäuden befinden, wenn die Ausführung des V orhabens sich wirtschaftlich als eine zusammen- hän gende Maßnahme darstellt ;
di e Err ichtun g oder Niederlegung von mehr als
nichtl a ndwirtschaftlichen Siedlungsgebäuden
oder Eigenheimen mit einer oder zwei Wohnun- gen, wenn es sich um ein zusammenhängendes
oder Bauvorhaben handelt ;
die Errichtung oder wesentliche Erweiterung von gewerblichen Haupt-, Neben- oder Zweigbetrie- ben, wenn durch diese Maßnahme die Einstellung von mehr als 50 Arbeitnehmern und entweder umfangreiche eubauten für den Betrieb oder Wo~nungsneubauten zur Unterbringung von we11lgstens 25 Arbeitnehmerfamilien erforderlich werden;
bis 3 genannten
Die Anzeigepflicht gilt vorbehaltlich
für öffentliche Verwaltungen. § 2. Die Ausführung der im § 1 Abs. 1 aufgeführ- ten Maßnahmen kann vom Reichswirtschaftsminister untersagt werden, wenn die beabsichtigten Maßnah- men den siedlungs- und wirtschaftspolitischen Ab- sichten der Reichsregierung oder sonst den öffent- lichen Interessen widersprechen würden.
Daß in diesem Zusammenhang unter den öffent, lichen Interessen die des Luftschutzes obenan
zu stehen haben werden , ist selbstverständlich. D ie Stelle, dcr die im § 1 vorgeschrieb en e Anzeige zu erstatten ist, ist nach § 3 die oberste Landes~ behörde oder eine von ihr zu bestimmende Be~ hörde, in Pr euß en der R egierungspräsident (in Berlin ·der Staatskommissar, im Gebiete ·des Sied, lungsverbandes Ruhrkohlenbezirk der Verbands, präsident). Diese Stelle prüft die Anzeige und ge'
dem Anzeigenden innerhalb v on 14 Tagen seit Ein~ gang der Anzeige keine Mi tteilung zukommen läßt, oder sie erhebt vorläufigen Einspruch und lei t et soda nn die Anzeige mit ihrer Stellungnahme und den für die Beurt ei lun g (§ 2) erforde rlichen Unterlagen dem Reichswirtschaftsminister zu. Die~ ser entscheidet endgültig, ob die Maßnahme durch~ ge führt werden darf. Beabsichtigen die Verwal~ tungen des Reiches oder der Länder Maßnahmen im Sinne des § 1 Abs. 1, so ist dies dem Reichs~ wirtschaftsminister unmitte lbar mitzuteilen (§ 6).
nehmigt die beabsichti gte Maß nahm e, ind e m
3. Durch §§ 1 und 2 d es Gesetzes zu r R ege~
lung des Arbeitseinsatzes vom 15. 5. 1934 (RGBI. I
S. 381) ist dem Präsidente n der Reich sa nstalt für
Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung die Ermächtigung erteilt worden, für Bezirke mit hoher Arbeitslosigkeit anzuordnen, ·daß Personen, die in diesen Bezirken am T age des Inkrafttretens der Anordnung keinen Wohnort haben, dort als Arbeiter oder Angestellte nur mit seiner vorheri~ gen Zu stimmung ein ges t ellt werden .dürfen, ·tmd anzuo rdn en, daß Personen. die a m Tage des In~ krafttretens seiner Anordnung od er in Iden hergehenden 3 Jahren in der Landwirtschaft tätig waren, in anderen als landwirtschaftlichen Betrie~ ben oder Berufen für andere als landwirtschaft~ liche Arbeiten nur mit seiner Zustimmung ein~ ges tellt werden dürfen. Daraufhin hat der Präsident der genannten Reichsanstalt durch Anordnung vom 17. 5. 1934 (Reichs~ und Staatsanzeiger Nr. 114 vom 18. 5. 1934) für die Stadtgemeinde Berlin und durch An~ ordnungen vom 30. 8. 1934 (Reichs. und Staats~ anzeiger NI'. 203 vom 3l. 8. 1934) für die Stadt. ge meinden Hamburg, Altona , Wandsbek, Har~ burg ~Wilhelmsbur g, das bremische Staatsgebiet, die Stä,dte Delmenhorst. NOfldenham und Weser~ münde und die umliegenden Gemeinden ein Ver~ bot der Einstellung als Arbeiter oder Angestellte für Person en, -die am ]8 . 5. 1934 in Berlin, am 1. 9. 1934 in den anderen betroffenen Gemeinden kei~ nen Wohnort hatten, ohne vorherig·e Zustimmung des für die Arbeitstelle zuständigen Arbeitsamts erlassen. Ausnahmen von .diesem Verbot sind nur für bestimmte Gruppen von Arbeitern und An~ gestellten und unter besonderen Bedingungen, auf die hier nich t weiter eingegangen werden kann, zulässig. Ferner hat .der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung am ]7. 5. 1934 (Reichs. und Staatsanzeiger NI'. 114 vom 18. 5. 1934) eine Anol'dnung erlassen, wo~ nach Personen, die am Tage des Inkrafttretens dieser Anordnung in der Landwirtschaft als land~
wirtschaftliche Arbeiter, ländliches Gesinde, Wanderarbeiter (Schnitter), Melker oder als Fa~ milienang.ehörige des Unternehmers in einer den vOl"bezeichneten Berufen gleichgearteten Tätig~ keit beschäftigt waren, oder die als solche inner~ halb der letzten 3 Jahre vor Inkrafttreten dieser Anordnung wenigstens 52 'Wochen beschäftigt waren, in Betrieben des Bergbaus, der Eisen~ und Stahlgewinnung, der l\'1etallhütten~ und Metall; halbzeugindustrie, des Baugewerbes und der Bau~ nebengewerbe, ,der Ziegelindustrie und bei Bau~ und Unterhaltungsarbeiten ·der Reichspost und der Groß~ und Kleinbahnen nur mit vorheriger Zustimmung des für die ArbeitsteIle zuständigen Arbeitsamts als Arbeiter oder Angestellte einge~ stellt werden dürfen. 4. Auf Grund des Gesetzes über wirtschaft~ liehe Maßnahmen vom 3. 7. 1934 (RGBI. I S. 565) hat ,der Reichswirtschaftsminister die Verord~ nung über die Verteilung von Afibeitskräften vom 10. 8. 1934 (RGBI. I S. 786) erlassen und darin dem Präsidenten der Reichsanstalt für Arbe.jts~ vermittlung und Arbeitslosenversicherung die alleinige Ermächtig ung zu r Regelung der Vertei~ lung, insbesondere des Austausches, von Arbeits~ kräften erteil t.
Auch von dieser Ermächtigung hat der Präsi~ dent der genannten Reichsanstalt G ebrauch ge~ macht und die Anor,dnung über die Verteilung von Arbeitskräften vom 28. 8. 1934 (Reichs~ und Staatsanzeiger 1 r. 202 vom 30. 8. 1934) erlassen. Danach haben die Arbeitsämter die in der Land~ und Forstwirtschaft vorhandenen offenen Stellen, soweit sie nieht durch land~ und forstwirtschaft~ liehe Beru fsangehörige zu besetzen sind, der Un~ terbringung von Arbeitern und Angestellten unter
25 Jahren nutzbar zu machen, die infolge des Aus ;
tausches gegen ältere Arbeiter und Angestellte, insbesondere kinderreiche Familienväter, aus den industriellen und gewerbliohen Betrieben auszu~
Bund Deul!cher Mädchen phot.
H.-Lpe.
Hausfeuerwehr.
scheiden haben. Die durch diesen Austausch be~ schäftigungslos werdenden Arbeiter und Ange~ stellten werden also nicht mehr die Großstädte und Industriebezirke übervölkern, sondern auf dem Lande untergebracht werden. I-Herzu erfor~ derliehe Familienwohnungen zu errichten, wird
dem Inhaber eines land~ oder forstwirtschaft~
lichen Betriebes durch einen jährlichen Zuschuß erleichtert, den er aus Mitteln der Reichsanstalt auf die Dauer von sechs Jahren zur Verzinsung und Tilgung der Herstellungskosten erhalten kann. Die vorbezeichneten Gesetze und Verordnun; gen sind in ihrer Gesamtheit ein groß angelegtes Unternehmen, ·die Wohnelichte aufzulockern, ein weiteres Anwachsen der Großsiedlungen zu ver~ hindern und der überschüssigen Bevölkerung die Wege zur Abwanelerung aus den Großstädten und el e n Industriezentren aufs Land zu öffnen. Weil diese J\'1aßnahmen nicht nur der Volksgesundheit und der Arbeitsbeschaffung, sondern, wie oben dargelegt, in besonderer Weise dem Luftschutz und damit der Lanelesverteidigung elienen, wird von elen mit ihrer Durchführung betrauten Be~ amten und Behörden ein Zusammenwirken mit dem Reiohsluftschutzbunel und den zuständigen Stellen eier Wehrmacht zu erwarten sein. Es darf sich auf diesem Gebiet nicht das von Dr. Paul Ruprecht in der "Deutschen Wehr " (1934, S. 486) gerügte und mit einem Beispiel aus neuester Zeit belegte Verfahren wiederholen, daß über die Umstellung der Energieversorgung von Städten Beschlüsse gefaßt wurden, ohne die militärischen Forderungen sowie die des zivilen Luftschutzes überhaupt zu erwähnen. Schuld an derart'igen Un~ terlassungen ist letzten Endes das vor dem Siege der nationalsozialistisohen Revolution in Deutsch~ land herrschende System, das eine wehrpolitische Schulun g der Jugend mit allen Mitteln verhin~ dert hat.
Regierungsrat von A s mut h , Referent im Reichs- luftfahrtministerium, wurde zum Oberregierungsrat be- fördert.
Gasschutz und Luftschutz" war, is t dem Kreise unserer
stän dig en l\'\ ita rb ei ter bei~etreten.
i\'l. i eie n z,
übe rnahme in
Unser 1'1 u n t s c h
hat sich am 22.
Hygiene habilitiert.
Lu f t f a h r t
gibt folg endes bekannt:
1 4. Dez e m bel' 1 9 3 4 :
Das Staatliche Materialprüfungsamt Berlin - Dahlem übersendet mir mit Schreiben vom 29. November 1934 cin Prüfun gsze ugnis , Aktenzeichen: Abt. TTTb NI'. 28 763, der Firma Erich Tim m (Bauschlosserei, Kunstschmiede, Bronzebau) in Berlin-Tempelhof über die Prüfung einer e twa 100 cm breiten und 200 cm hohen Tür mit Zarge. Die Prüfung hat ergeben, daß die Tür den von mir ge- stellten Anforderungen an gassichere Raumabschlüsse entspricht. Die Tür kann als "amtlich geprüft" bezeich- net werden.
Re ich sm i n ist erd e r
Die gastechnischen Rüstungen der Fremdstaaten
Von Dr. Rudolf Hanslian
Die alte Erkenntnis bezüglich un erer litwelt, daß "Reden und Handeln" zweierlei, allzu häufig sich völlig widersprechende Dinge sind, findet bei einer Gegenüberstellung der Bewertung der Gaswaffe einmal auf internationalen Konferen~ zen und Abrüstungsverhandlungen, zum anderen in der praktischen Aufrüstung der Fremdstaaten erneute Bestätigung. Jedenfalls sind bisher alle die internationalen Behandlungen, Obereinkom~ men und Verbote bezüglich des Gaskrieges für das militärische Handeln der rüstungsfreien fremdstaaten kein Hemmnis gewesen, sondern alle diese Staaten und Hecre haben in der ach~ kriegszeit ihre Gaswaffe nicht nur beibehalten, sondern sie auch zielb ewußt fortentwickelt. Nachstehend sollen diese gastechnischen Rüstun~ gen einmal aufgezeigt werden. aturgemäß muß man sich bei einem solchen Vorsatz zunächst über die Schwierigkeit klar sein, die darin liegt, daß lediglich B ru c h s t ü c k e von nterlagen zur Verfügung stehen, die keinerlei Anspruch auf \ ' ollständigkeit, ja nicht einmal auf Zu\'crlässig~ keit und Richtigkeit erheben können. Absichtliche rrreführungen der cigenen und fremdstaatlichen Presse sind keineswegs ausgeschlossen, denn es ist ja nur zu verständlich, daß alles, was auf diesem Gebiete tatsächlich erarbeitet, erforscht und Cf< probt worden ist, mit dem Schleier tiefster Ge ~ heimhaltung umwoben wird, da eine Enthüllung des Fortschrittes ihn wertlos machen würde. So ~ mit sind die bekanntgewordenen Tatsachen spärlich; aber auch diese wenigen Bausteine geben doch, wenn man sie sach~
lich auswertet und
schiebt sich bereits in allerneuester Zeit dieses Blickfeld: Ja pan hat bereits begonnen, sich mit diescm Thema zu beschäftigen, ein glei-
ches wird von Aus
t r a I i e n
meldet , und dic Ver ein i g te n S ta a te n wer~
den auf diesem Wege bald folgen; alsdann werden
am nicht zurückstehen wollen, und schließlich werden sich die Großstaaten aller Kontinente beteiligen. Das Te m p 0 eier Entwicklung wird bestimmt von den Fortschritten der Luftwaffe, von der technischen Entwicklung des Flugzeuges, des Flug~ zeugträgers und des Flugzeugstützpunktes. Und wenn man auch beileibe nicht in den Fehler ver- fa ll en darf, der zwar auch in Deutschland trotz aller Aufk lärung noch immer begangen wird, Gasschutz und Luftschutz als völlig g lei ehe 0 i n g e a n z u s p r e c h e n, so er- scheint jedoch die Behauptung nicht abwegig, daß für die E n t w i c k I u n g der gas t e c h~ nischen Rüstungen der Staaten, so- wohl in der Abwehr wie im Angriff, das Flugzeug ein wirkungsvoller Ka-
auch die süd
e r i k a n i s ehe n ta a t e n
talysator ist. Weiter ist zu bemerken: Die militärischen E i n~ s atz mit tel für chemische Kampfstoffe im vVeltkriege waren Handgranaten, Gewehrgrana~ ten bzw. Kombinationen von beiden, ferner Ar~ tilleriegeschosse, Minen und Wurfminen und schließlich Gasflaschen und Giftnebelkerzen. In der j achkrieg zeit sind, soweit bekannt, als wei- tere Einsatzmittel hinzugekommen: Fliegerbom-
sachgemäß zu '
sammenfügt, ein so eindrucks~ volles Bild des tatsächlichen Ge, chehens, daß eine solche Arbeit immerhin lohnend erscheint. Zum Ver tändnis der gastechnischen Arbeiten bei den einzelnen Staa~ ten seien einige Hinweise voran~ gestellt:
Bei den gastechnischen Rüstun~ gen der e u r 0 p ä i sc h e n Län~ der spielen die Frage des aero. chemischen Angriffs auf das He-i. matgebiet, seine Abwehr und der Wirkungsschutz in der Heimat in einem weitaus höheren '1aße mit hinein als bei den überseeischen Ländern, wie z. B. bei den Ver~ ~inigten taaten und Japan. Es 1st nun einmal heute noch dieses Sonderkapitel "Gasschutz im Luftschutz" in erster Linie ein eu r 0 p ä i s ehe s Problem und wird es voraussichtlich auch noch längere Zeit in dieser Be. grenzung bleiben. Freilich ver<
1. Dreizölliger Stokes-Werfer tür Brisanz-,
W1d Nebellllunition,
e in gefü hrt im fr anzösischen , englischen und
amerikanischen Heere.
ben, Flatterminen und tragbare oder fahrbare Verteiler odcr Versprühgeräte für flüssigc Kampfstoffe.
Der qualitativ kleinere Teil dieser Waffenarten wird lediglich von besonders ausgebildeten Speziab truppen, sog. "c h e m i s c h e n S 0 n eI e r t r u p < pe n" ocler "G ast r u p p e n" eingesetzt - hier< hin gehören vor allem elie Gasflaschen und die Gaswurfminen -, der größere Teil zählt zu der normalen Kampfausrüstung der Truppe. So ver< feuert die Artille ri e neben anderer Muni ti on auch Gasgranaten, so wirft der Flieger auch Gasborn< ben, so gebrauch en Inf anteric, Kavallerie, Pionicre und Tanktrupp en Giftnebelkerzen, so ve rschi eß t der 'dreizöllige Stokes<Werfer (siehe Bilder 1 und 2) Sprengminen, Phosphorminen und Gasminen, währ,e nd ,der vierzöllige Stokes< W erfer, z. B. in den Vereinigten Staaten, ,de r Gastruppe vorbehal< ten bleibt. In einigen Lände rn findet man diese chemischen Sondertruppen ganz offen in den Stärkenach<
weise n aufgeführt, so z. B. Staaten, Sowjetrußland und
verschiedenen kl ei <
neren Staaten, in anderen werden sie getarnt und ve rschwinden dadurch aus den offizi,ellen Stärke<
nachweisen, so in England, Frankreich, Japan und anderen Ländern.
,d en
Ungl eichm äßig verhalten sich auch die ver< sehied enen Staaten bzw. Heere in der militäri < sehen 0 r g a n is a t ion des Gasdienstes. Wäh< ren eI in ,ein i gen Heeresorganisationen eine Au ft ei < lung der Gasdienstbearbeitung auf die verschie< denen ZentralstelIen bzw. Inspektionen stattfin< det, zeig t sich bei anderen eine ganz straffe Z en < tralisation eies chemischen Dienstes in einer Hand. Am weites ten ist hier unzweifelhaft So w j e t ~ ruß I a n ,d vorgeschritten, das alles, was unter di e Begriffe Gaselienst, Gastechnik , Gaswaffe , Gastruppe, Gasangriff, Gasabwehr, Brandmuni< tion, Flammenwerfer, künstlicher N ebel u. ä. fällt, in elen Heeressonderzweig "W 0 e n n 0 chi m i <
t s c h es k 0 j e d j el 0" (Kriegschemischer Di enst) zusammengefaßt h a t. Eine ähnliche Zentralisi e~ rung finelen wir bei el e n Ver ,eini ,gten Staa< te n im "C h e m i c a I War f are Se r v i ce",
b e i Frankreich im "Z. ~ Dienst", bei Italien
im "S ,e r v i z i 0 Chi m i c 0 M i I i t are". Nachstehend sollen nunmehr, unterteilt in euro< päische und überseeische Staaten, ,elie gas tech< nischen Rüstungen der einzelnen Länd er in alpha~ betiseher Reihenfolge behandelt werden. Der zivile Luftschutz in ,den einzelnen Staaten, über den ja fortlaufend in "Gasschutz und Luft- schutz" berichtet wird 1 ), findet nur soweit Be< rücksichtigung, als es sich um neuere Nachrich< ten oder aber um Angaben bezüglich "Gasschutz im Luftschutz" handelt.
Belgien. Bereits ,im Frühjahr 1923 hatte Belgien seinen auf Kriegserfahrungen aufgebauten Gasdienst nach amerikanischem Muster umorganisiert. In dem weiteren Aufbau hat es sich dann ziemlich stark an Frankreich ang,elehnt, so vor all em in den Fragen der Gas t ru p p e n , ,deren Zahl nicht bekannt ist, und des Gas<Sanitätsdienstes. Die kriegschemische Zen t r als tell e befindet sich im belgisehen Kriegsministerium in Brüssel. Ihr
zur Seitc steh t eine wissenschaftliche und tech, nische Kommission als beratendes Organ. Die Universitäten des Landes sind mit Forschungs< auf,gaben auf chemischen, technischen und medi< zin ischen Gebieten beauftr ag t. Soweit die Ver < öffcntlichungen dies erkennen lassen, wird sehr gründlich und wissenschaftlich gut gearbeitet. Das militärische kriegschemische F 0 r s c h u n g s < ins t i tut befindet sich in Vilvol"de.
Nachkriegszeit fortentwickelt worden und b esitzt cinen wirksamen Schwebstoffschutz.
Lu f t s eh u t z e s hat sich namentlich das Bel<
gisehe Rote Kreuz außerordentlich wirksam be ~ tätigt. Neben dem Roten Kreuz arbeitet ein pri<
vater Luftschutzverband, die "U n ion Ci v i q u e
Bel g e",
Propagierung und technischen Ausgestaltung des
ziv il en Luftschutzes.
belgisehe
H ,e e r es m a s k e
z i v i I en
G a s <
der staatlich unterstützt wird, an der
Erpro'
dustriezentren
darüber "Gass chut z und Luftschutz" 1933, S. 236
und 315-
W e r k I u f t s c hut z e s
32 1) .
L i t e r a t u r 2 ) :
C iviqu e
BeI ge:
Les Toxiques de Guerr e, Brlissel 1931.
Comba t , Brüssel 1932. L'Abri familial, Brüssel 1933. La Protection industrielle contre les Gaz de Combat.
Protection de la Population civ il e contre les
Briissel 1933.
Gasdienst~
organisation Bulgariens am wenigsten entwickelt. Erst im Jahre 1933 wurd e eine Sonderabteilung für Gasdi,enst beim Kriegsministerium in Sofia ge~
schaffen. Im Gebrauch beim Heere sind
alten deutschen Gas m a s k ,e n aus dem Welt< kriege. Aus literarischen Arbeiten geht hervor, daß seit 1934 den Fragen des Gasschutzes in Heer
und Volk größeres Interesse entgegengebracht wird.
Ga no w, Zacharie Dr., Der chemische Krie g, 1934.
I v a nt s c be f f , Wesselin, Leutnant : Luftsc hut z und Ga ssc hutz , 96 S., Sofia 1934.
,.Monatsschrift für Gasschutz und Flugverkehr", Sofia, seit 1931.
Die zentrale Gasdienstb earbeitung erfolgt im Landesverteidigungsministerium. Ein wissenschaft. liches Lab 0 rat 0 r i u m befindet sich ebenfalls in Kopenhagen. Gas m a s k e n nach französi< sehern Muster mit Schwebstoffilter nach eigenem Patent (Hansen) werden hergestellt.
Dem zivilen
diente eine bereits im
Jahre 1922 eingesetzte Gasschutzkommission, die
sich jedoch auf ,das Studium
schutzarbeiten beschränkte. Ernsthafte Vorberei- tungen für den Gasschutz sowohl des Heeres als
weileren
Sludium seie n
em pf o hl e n : Revue
int e rn a tionale
Cohr s.
Croix·Rou~e, 16. Jahrg,.
H a uptmann :
Zi vil e r
Luft sc hutz
Knipfer - Hampe,
Luftschutz .
we Td e n
nur a ufge füh Tt.
belTeH enden
t e n sie
VeröHentlichungell
de utunJt
verseh en . D. V .
.auch der Zivilbevölkerung wep den erst seit 1933 getätigt, als man mit der Einrichtung von Gasschutzschulen, Maskenprüf. räumen usw. begann. Die ersten Gasmasken für die Zivilbevölke. rung kamen ebenfalls erst 1933 zum Verkauf; der Vertrieb wurde ·den Apotheken über. tragen. 1934 wurde der dänische Luft. chutzbund mit dem Sitz in Ko. penhagen gegründet. Zum Vor. sitzenden wurde der Professor der Chemie S öre n sen ge. wählt. In dem Komitee des Luft. schutzbundes ist das Landesver. teidigungsministerium durch den Chef des Heeres.Ingenieurwesens
ve rtr eten.
England. Ober die Organisation des eng. lischen Gasdienstes ist nur we. nig bekannt. Die Zentralbearbei.
tung erfolgt in einer besonderen Albteilung des Kriegsministeriums (War Office), von der man nur weiß, daß sie per. sonell sehr stark besetzt ist. Im Rahmen der wis. sensehaftlichen und industriellen Vorbereitung des Landes für den Kriegsfall ist auch eine "Kom. mission für chemische Kriegführung" vorgesehen. Die englische Felddienstordnung berücksichtigt an verschiedenen Stellen das chemische Kampfmittel
und schreibt u. a. vor:
"Die Verwendung von Gas als militärische Waffe soll jedesmal vor Kriegsbeginn von den verantwortl ichen Behörden erwogen werden. Ist sie einmal genehmigt, so soll von der A nwen dun g von Gas weitestgehender Gebrauch gemacht werden. Neben Gasgranaten d er A rtillerie ge lan gen bei der Infanterie leichte Gasminen, bei den Fliege rn Gasbomben zur Verwendun g; auch da s Blasverfahren ist beizubehalten. - Der Einsatz seßhafter Kampfstoffe darf nur von den höheren Führern ange- ordnet werden. - Die Wahl der Geschoßart ist Sache der höheren Artillerieführung, indessen sollen Gasge- schosse nur mit Einverständnis des Generalstabes bzw. des Infanterieführers verfeuert werden."
Das englische Hau p t gas ars e n a I befindet sich in Porton Field bei Salisbury Plain. Daselbst i~t auch die 58. (Porton) company der "Royal En. gmeers" als Versuchskompanie für chemische Kriegführung stationiert. Das Arsenal besteht aus Magazinen, einem chemischen F 0 r s eh u n g s • i ~s t i tut, Versuchsplätzen und einer Gas .
Dreuölliger
n ~t s e h u I e, in der in regelmäßigen Zeit.
abschmtten Schulungskurse für Offiziere und Unteroffiziere abgehalten werden. Auch im vier. jährigen Unterrichts. und Ausbildungsplan des
"Officers Training rücksichtigt.
Über Art und Anzahl der vorhandenen bzw. für den Kriegsfall vorgesehenen Gas t r u p p e n ist nichts bekannt. Augenscheinlich sind di e Neb el. züge gleichzeitig mit dieser Aufgabe betraut.
Die englische He e res m ,l s k e (Gummiform. maske) des W eltkrieges ist in der Nachkriegszeit fortentwick elt word en. D er Totraum wurde vep ringert, die Sicht durch Einbau größerer Augen. gläser verbessert. Herstellung erfolgt bei der Firma Siebe, Gorman & Co. in London.
in England au ge n .
scheinlich nur ge ringe Aufmerksamkeit geschenkt.
Gasdienst be.
Corps" ist der
Dem zivilen Gasschutz wird
Stokes -Werfer
Feuerstellung ,
be dient
Zwar wurdo im engli sch en Inn e nminist e rium Ende des Jahres 1933 unter Hinzuziehung von Sachver. ständigen über ·den Gasschutz der Zivilbevölke. rung beraten ; einen gesetzlichen Niederschlag haben diese Verhandlungen jedoch bisher nicht gezeitigt. Vielmehr betätigen sich im zivilen Gas. schutz auch weiterhin ausschließlich private Or. ganisationen, vornehmlich ,das "Englische Rote
lISt. John's
(Red Cross Society)" und der
Au I d, S. J. M., Captain : Gas a nd Flame, London 1918.
*F u ll er. J . F. C., Co lone l : The Reformation of War, London 1923.
Medical Ser-
vices , Vol. H, London 1923.
Ha J dan e, J . B. S., Callinicus: A defense of Chemi-
cal Warfa re.
Lid die Ha r t, Captain: The Remaking of modern A rmi es, London 1927.
Manual of Treatment of gas casualties, London 1930.
of the special brigade.
e f e bur e.
*0 f f i c i al
Riddl e
*F 0 ulk es,
L ondon und
Gas . The
E dinbur g, 1934.
Das estländische Wehrministerium in Reval (h eute Tallinn) hat bereits im Jahre 1928 eine V er. fügung über Schaffung einer Gas s eh u tz • o r g an i sa ti 0 n im Lande erlassen, deren Ober.
Durchführung ist für alle staatlichen und kom. munalen Stellen oblig,atorisch. Die formelle Lei. tung ist einem staatlichen Gas s c hut z rat übertragen, dem ein technisches Komitee angeglie. dert ist. Die gesamte Gasschutzorganisation ist
leitung beim W ehrminis ter li eg t . Die
militä risch
lediglich bei d en
Bef.ehlstell en
(Generaikommandos). An Gas t ru p p e n ist eine Gaskompanie vorhanden. Für d en San i • t ä t s die n s t ist das Estländische Rote Kreuz in weites tem Maße heran gezogen. Di e derzeiti ge
Gas m a s k e ähnelt dem englischen Muster. Das Gas s c hut z de pot (Equipierungsamt der kriegschemischen Abteilung) befindet sich in Reval. Auch der L u f t s c hut z Estlands ist rein mili~ tärisch aufgezogen; er liegt in den Händen eines Wehrv,erbandes, der "P. W. 0." (Protiwo~Wosdu~ schnaja~Oborona, d. i. Luftabwehr). Die Führung haben militärische Stellen; dem Führer der P. W. O. steht ein Gas kom i tee zur Seite.
Gasschutz~ und
Luftschutzwoche in Dorpat veranstalt.et.
Finnland. 1927 wurde der
"F i n ni s c h e
a b weh r ver ein" in Helsingfors gegründet, der die Bevölkerung in ,der Gasabwehr schulen sollte. Zu ,diesem Zwecke wurde eine Gasschutzausstel~ lung, die chemische Kampfstoffe und Gasschutz~ mittel zeigte, veranstaltet. Im November 1930 entschloß man sich zu einer durchgreifenden Um ~ gestaltung des Vereins. Die neue Vereinigung nannte sich S u 0 m e n K aas u s u 0 j el u j ä r ~ j 0 s t ö" (Finnische Gasschutzliga) und wählte zu ihrem Ersten Vorsitzenden den Professor für
Chemie an der Technischen Hochschule in Heb singfors G. Kom p p a. In Zusammenarbeit mit dem Gaskriegsdepartement des Landesverteidi~ gungsministeriums wurde ein gründlich durch~ dachter G ,a s s c hut z pi a n für das ganze Land ausgearbeitet mit dem Ziele, daß an allen für feindliche FJi.egerangriffe in Betracht kommenden Orten ausgebildete Gasschutztrupps in ausrei~ chender Anzahl vorhanden sind. Ober militärische Gastruppen ist nichts bekannt. Eine chemische
Versuchsanstal t des Landesverteidigungsmini~
steriums besteht in Helsingfors.
Gummimaske nach englischem Muster, die im Lande gef.ertigt wird. Die Gummistoff~Fabrik Nokia hat bereits im Weltkriege Gummiteile für die russische Heeresmaske hergestellt.
H e e res m a s k e
Par via i n e n, Kapitän: Kampfgase und Gasschutz.
Kaasutorjunt a" (Gasschutz). Finnischen Gasschutzliga.
Zur Frage des Schubes gegen Quecksilberdämpfe.
Quecksilber, das vor a ll e m in Form
Dämpfe ein besonders gefährliches, sch leichendes
Gift ist, bereitete dem Gasschutztechniker bisher stets Schwierigkeiten. Es war wohl möglich, k 0 ll 0 i d a I in der Luft verteiltes Quecksilber durch die modernen Kolloidfilter restlos zurückzuhalten, dagegen schlug Quecksilber d am p f nicht nur hier, sondern durch jedes Atemfilter nach kurzer Zeit hindurch, d. h. er wurde nicht einmal von der Aktivkohle restlos ad- sorbiert.
Prof. S t 0 c k, Karlsruhe, fand nun, daß Aktivkohle, die mit Jod beladen ist, ein hervorragendes Adsorp- tionsmittel für Quecksilberdämpfe darstellt. Diese
Koh le wurde im chemischen Institut
Hochschule, Karlsruhe, hauptsächlich daraufhin unter- sucht, wie weit sich mit ihrer Hilfe die Entstehung von Quecksilberdämpfen in Arbeits- und Wohnräumen unterbinden läßt, während die Auergesellschaft die Sub- stanz auf ihre Eignung für den Bau von Atemfiltern prüfte.
ü t t e r 2 )
dem nun weitere Berichte 3 ), auch in
Kohle vorliegen, sei kurz auf die neuen Ergebnisse ein- gegangen :
Kohle, die mit weniger als 2% Jod beladen ist, bindet das Quecksilber relativ sehr schlecht; enthält die Kohle mehr als 15% Jod , so besteht die Gefahr einer Schädi- gung des Maskenträgers durch vom Luftstrom mitge- rissenes .Tod. Aus diesem Grunde wird für die neuen Spezialfilter eine Kohle mit 5% Jodgeh al t benutzt. Es hat sich bei den Versuchen zwar gezeigt, daß man das Jod mit gutem Erfolg auch durch die anderen Halogene
(Chlor
und Brom) bzw. durch di e Halogenwasserstoff-
säuren ersetzen kann, jedoch hat sich die jodhaltige Kohle als die la ge rbes tändigste erwiesen.
K 0 h I e erhalten. Mit Hg-Kohle gefüllte Atemfilter
als Hg - Ein sät z e bezeichnet.
dampl- Vergiftung,
"A ngewandt.
Jodkohle als
Jodkohle
- H i r s eh,
Quecksilberdampl,
Dru ck leg un ~ ersche int :
Eis e n bar t h ,
ßcrlin, Atemschutz gegen Quecksilber,
" Di e Gasmaske "
193 4,
In dem neuen Spezialfilter ist der Hg-Kohle ein Schwebstoff-Filter vorgeschaltet, um kolloidales Queck- silber abzufangen; hinter der Hg-Kohle, also als Mund- schicht, liegt gewöhnliche Aktivkohle, um zu vermeiden, daß auch nur Spuren von aus der Jodkohle mitge- rissenem Jod in die Atmungswege gelangen. Dieses Filter gewährt bei einer Laboratoriumsverhältnissen ent- sprechenden Konzentration von 8 mg Quecksilber im Kubikmeter Luft etwa 100 Stunden Schutz, wobei be- reits leichte körperliche Arbeit mit einem Luftverbrauch von 25 bis 30 Il min . vorausgesetzt ist. In Form von S t r e u k 0 h I e verhindert die Hg- Kohle wirksam das Verdampfen des Quecksilbers bei offenen Oberflächen , z. B. bei vorübergehend offen- stehenden Schalen oder Gläsern oder bei vergossenem und etwa in Dielenritzen oder Schrankfugen gelaufenem Quecksilber. wenn das Metall 1 cm bis 2 cm hoch mit der Streukohle bedeckt wird. Irgendwelche gesund- heitlichen Schädigungen durch die Hg-Kohle sind auch in diesen Fällen ausgeschlossen, da sie bei Zimmer- temperatur praktisch kein Jod abgibt. Es steht dem-
weitverbrei teten
Labora to-
riumskrankheiten
kungen, mehr oder minder schweren Nervenschädi-
durch diesen technischen Fortschritt endlich
Halt geboten ist.
l:!ungen -
Gasmaskenappell für Kinder in London.
t e K r e u z (Red Cross So-
ciety), das sich zur Zeit als fast einzige Organisation in England mit dem zivilen Gasschutz beschäftigt, ver- anstaltete kürzlich in einem südlichen Stadtteil London s
6 bi s 15 Jahren nahmen an der Ver -
Gasmaskenappell für Kinder" . Knaben und Mäd-
von und übten nach Anleitung des Rotkrcuz-
chen im Alter anstaltun g teil
personals unter Gasschutzgerät in hierzu erzeugtem , harmlosem Rauch. - Die Aufnahme dieser übung in der englischen Öffentlichkeit und Presse ist recht ge-
Eng I i s c heR 0
So verhielt sich "Manchester Guardian"
Das In ha l t s ver z eich n i s des jahrganges
1934 von "Gasschutz und Luftschut z" ist zum
Ein z elpreis von 0,50 Rj\f. beim Verlage z u erhalten.
Der Washingtoner Vertrag von 1922 seitens Japans gekündigt.
Der Flottcnyertrag von \Vashington. unserem Leser- kreise durch seinen Artikel 5 über das Verbot von er- stickenden, giftigen oder ähnlichen Ga en bei künftigen Kriegshandlungen bekannt, ist am 28. Dezember .1?34 mit Wirkung vom 31. Dezember 1936 von Japan offiZiell gekündigt worden . Damit ist das gesamte Vertr~gs­ werk - Artikel 5 wurde infolge RatifikationsverweIge- rung Frankreichs niemals wirksam - hinfällig gewor- den. Mit diesem Schritt Japans, den die japanische
Regierung allerdings durch gleichzeitige öffentliche Ver-
lautbarungen bez. eines be s s erg e e i g n e t e n
trages abzuschwächen versucht, dürfte nunmehr eine grundlegende Anderung in der Flottenpolitik der großen Seemächte bedingt sein. Bereits sind folgende Tat- sachen in dieser Richtung festzustellen:
Ver ein i g t e S t a a t e n: Am Tage der über- reichung der Note durch den japanischen Botschafter in Washington, S ai t 0, bereits überraschte der ameri- kanische A d mir als tab (Admiral Reefes) die öffent- lichkeit mit seiner Ankündigung, daß im Frühjahr 1935 Flottenmanöver der gesamten See- und Lu f t f lot t e der Vereinigten Staaten im Pazifik, sich erstreckend über eine Wasseroberfläche von 5 Millionen Quadratmeilen von der Südgrenze Kaliforniens bis hin- auf zu den Aleuten mit \Vestbegrenzung der Medway- Inseln, geplant seien. Diese Manöver, die mehrere Monate lang dauern sollen, werden als die g r ö ß t e n in der See g e s chi c h t e all e r L ä n der charak- terisiert und sollen die Verteidigungsmöglichkeiten der gesamten \Vestküste Amerika mit Ausnahme des Panamakanals, dessen Schutz bereits im April 1934 durch umfassende Flotten- und Luftmanöver 1 ) erprobt wurde. erweisen. Die erwähnten ;\\edway-Inseln liegen in der Mitte zwischen amerikanischem Festland und japani ehern Inselreich und besitzen als vorgeschobenste
-ordpazifik erhebliche stra-
amerikanische Stellung im
tegische Bedeutung. Auch den Rüstungsplänen des amerikanischen He e- res für 1935 liegt ein umfangreiches Programm zu- grunde. Der Chef des Generalstabes, General f\'\c.
Arthur, verlangt weitestgehende Motorisierung und Mechanisierung der Truppen, durchgreifende Moderni- sierung der Artillerie (F la k s) und anderer Feuer-
der Tanks und der Mi I i-
waffen'. ferner Vermehrung t ä r f lug z e u g e.
Eng la nd: Die eno1ische Tagespresse bemüht sich, gleich der amerikani;;chen. ihren Leserkreisen die To twendigkeit eines starken Zusammenhaltens und eines gemeinsamen Vorgehens beider Staaten gegen Japan darzulegen. Der etwaigen Möglichkeit einer he.r-
ausforde rnden
Haltung Japans miiss~ von ~~rnh~re~n
amerikanisch -enghsche
Ell1Igkelt
Flottenfra~en entgegengetreten we~den. Beid~ Länder
sollten wahrend der übergangszeIt von ZWCI Jahren bis zur Außerkraftsetzuno des Washingtoner Abkom- mens ihre Flotten zur vollen Vertragsstärke ausbauen. Der britische Flottenstützpunkt Si n gap 0 r e erhielt bereits schwere Geschützunterstände mit modernsten Marinegeschützen in Form einer Anlage, der auch der herrliche Badestrand am Eingang der Straße von Johore zum Opfer fiel. Große Flugplätze wurden angelegt ':Ind zunächst drei Luftgeschwader stationiert. Die Mitte Dezcmber 1934 abgehaltenen Luftmanöv.er dienten d~r Erprobung der militärischen Abwehr Smgapores. MIt dem chwinden des \Vashingtoncr Vertrages ?at En~- 1~l1d im A':Isbau Singapores .freie Hand ~nd Wird es m Kurzc zu emem stark befestJotcn VerteIdIgungszentrum. einem Gibraltar des Ostens." gewandelt haben.
darüb e r
ei ndrucksvollen
militäri-
WaUen "
Kreu z-Z ei tung"
zember 1934.
Ja pan: Ober die japanischen Maßnahmen ve:,lautet bisher nur folgendes: Ende Dezember 1934 verkundete der japanische Kriegsminister die Schaffung einer Re- se r v e - L u f t f lot t e durch Einbeziehung und staat- liche Kontrolle der japanischen Zivilfliegerei. Gleich- zeitig hat der Kriegsminister gemeinsam mit dem Marine- und Innenministei' dem Kabinett den Entwurf des japanischen L u f t ver t eid i gun g s g e set z e s zur Beratung für den Reichstag überreicht. Dieser Ent- wurf sieht unter anderem die Bildung von Luftschutz- organisationen über das ganze japanische Reich vor.
Ein neues Luftschutzgesetz in Lettland.
Am 11. Oktober 1934 nahm der lettische Ministerrat
ein G e set z übe r den pas s i v e n S c hut z der
Z iv i I b e v öl k e run g an. Am 21. Oktober fanden
in Libau unter Einsatz von Flugzeugen Luftschutzübun-
gen statt, die ausdrücklich zum Ziele
völkerung die Gefahren der chemischen Kampfml~tel
künftiger Kriege zu zeigen. Mit dieser übung war eme
k ü n s t I ich e Ver n e bel u n g größeren Umfanges verbunden.
Ein neues Luftschutzgesetz in der Tschecboslowakei.
ach Meldungen aus Prag arbeitet das Innenminist~­ rium zur Zeit an einem G es e t zen t w u r f, "der die Gemeinden zur Errichtung von Deckungen gegen Flug- angriffe verpflichtet". Die technische Kommission schlägt vor, daß weiter bei allen Projekten öffentlicher Bauten der Stadt Prag (also bei neuen Schulen, Zinshäusern, Magazinen usw.), ferner auch bei allen Straßenbauten derartiger Deckungen gedacht werde, und zwar so, daß sie Richtlinien entsprechen, welche die Kommission aus- gea rbei tet ha t.
Die Lufbchutzausstellung Zürich.
Der schweizerische Bundesbeschluß vom 29. Septem- ber 1934, "betreffend den passiven Luftschutz der Zi- vilbevölkerung", hat der Luftschutzarbeit in der Schweiz nunmehr eine feste Organisationsgrundlage gegeben. Es ist bemerkenswert, daß in der Schweiz eine unmittelbare Opposition gegen die zu treffenden Maßnahmen nicht wirksam werden konnte. Der Schweizer überlegt objektiv (nach Gobi Walder):
hatten, der . Be-
dänked
villicht : Mach
Schwizl
D~n b'.sinnt
~ßland sibezg mal!
underschtah,
Uf eus ~ Bombe-n-abe z'laa? -
Aag'nah,
B'schaht doch dä Grundsatz: G'wappnct syl
Schütz dich und schütz dys Vatterland! 0' Zuckunft isch böös und kännt kei Gnaad!
Luftschutz ist Selbstschutz! Bis parat!
de Herrgott ~htönd eus
Verschtand:
Der Bundesbeschluß weist j e dem ein z eIn e n Kan- ton die Aufgabe zu, den passiven Luft~chutz in sei.nem Gebiet entsprechend den eidgenössischen Vorschnften zu organisieren und für die Durchführung der Maß- nahmen lokaler Art zu sorgen. Ein Teil der Kantone konnte hierbei die bereits seit einigen Jahren leben- digen Bestrebungen benutzen, den GasschlItz der Feuer- wehren und der Industrie für die Erfüllung von Luft- schutzaufgaben dienstbar zu machen. Der Z ü r c her i s ehe L u f t s c hut z ver ban d war nach Erlaß des Bundesbeschlusses der erste unter den Kantonverbänden, der eine Aufklärungsarbeit großen Stiles in Gang brachte. E~ vera~stalt~tt: vom
12. Oktober bis 6 . November 1934 m Zunch eme Luft-
sc hut zausste llun g, die in ihrer Zusammenstell ung dem Verständnis des einfachen Bürgers entgegenkommen
Schweizer Schutzanzug mit Fillergerät, Type Schweiz; Aulbewahrungs- und Konservie rungskessel für Filtergeräte;
Ger ä te· Tr ags tän der
H.·Lpe.
sollte (vgl. auch S. 28 d . H.). Der Versuch gelang. Die Ausstellung diente lediglich der Information und glie- derte sich in zwei Grundabteilungen : den akt i v e n und den pas s i v e n Luftschutz. Sie war mit einigen Sc hau ü b u n gen, an denen Flugzeuge jedoch nicht teilnahmen, verbunden. Die Abteilung "a k t i ver Lu f t s c hut z" zeigte 20-mm-F lak als Infanteriebe gleitwaffe, Flak für orts- feste Abwehr oder zum Aufbau auf Motorlastwagen, Flugzeugflügel mit Treffwirkungen auf 1000 m und gute Bilder über Treffge nauigkeit auf 1000 m im Einzel- und Dauerfeuer, eine instruktive Zusammenstellung von Brisanzbomben verschiedener Größen, Brand- bomben und Wirkungsdarstellungen, Bilddemonstratio- nen über Abwurftechnik, Abwehr-Maschinengewehre verschiedener Bauart, ein Jagdflugzeug Devoitine und ein Beobachtungsflugzeug Fokker CV, beide yollstän- dig ausgerüstet und viel beachtet. Die Abteilung HP ass i ver L u f t s c hut z" zwang alle beteiligten Stellen zur Beachtung kollektiver Zu- sammenarbeit. Der Beschauer stand einem systemati- sc hen Aufbau gegenüber, der ihn von der Organisation und den Geräten des Nachrichten- und Alarmdienstes zum Alarmzustand, zur Abwehr, Rettung, Bergung und
zu den Maßnahmen der ersten Hilfe führte. Die An- wendung der Horchgeräte und der Anlagen des Alarm- dienstes wurde bis zum Si~nengeheul praktisch vorge- führt. Bemerkenswert war die schautafelmäßige Dar- stellung der geographischen, topographischen und me- teorologischen Verhältnisse der Stadt Zürich in ihren Beziehungen zu den wahrscheinlichen Wirkungen, die ein Brandbomben- und Gasbombenangriff aus der Luft haben würde. Es gibt kaum ein geeigneteres Mittel, übersteigerte Begriffe von der Wirkung eines solchen Luftangriffes zu korrigieren, als einen objektiven und all- Ilemeinverständlichen Hinweis auf die natürlichen Ver- hältnisse, die den Angriff abwehren helfen . Da die Führungen durch die Ausstellung, nur bei Fachleuten liegend, sehr gut geleitet und nur in Schwizer Dütsch besprochen wurden, kam die in immer größer werden-
ge kennzeichneten
In großem Umfange war dieser Ausstellungsteil der
A te m s c hut z e s
deutschen Beobachter ist es wichtig, feststellen zu kön- nen, wieviel Anerkennung und Verwertung deutsche Vorarbeiten fanden. Die KTA. (Kriegstechnische Ab-
i n d i v i du e II e n
H i I fe
er s t e n
teilung der Sc hw eiz) zeigte Entwick lun g und Aufbau der Sc hw eizer Gasmaske in allen E inzelheiten . Den fachmann interessierte besonders ein von der KTA . a ufg es tellter A ufbewahrung s- und K o nse rvierungskessel für eine größere Anzahl Gasmasken mit Atemschläu- chen für Großfilter (vgl. Bild I). Die mit dieser Aufbe- wahrungsart gemachten Erfahrungen wurden nicht be- kanntgegeben. Durch eine Serie fremder Masken konnte ei n Einblick in den Stand der Maskenkonstruktion des Auslandes gegeben werden. Es kann nicht Aufgabe
herzustellende Sammelschulzräume.
öUenlliche,
Behörd~n