Source: https://pt.slideshare.net/stefanscholz/2018-bauvergaberecht-fr-architekten
Timestamp: 2019-06-24 20:17:53
Document Index: 363174441

Matched Legal Cases: ['§ 97', '§ 2', '§ 69', '§ 73', '§ 1', '§ 3', '§ 4', '§ 14', '§ 17', '§ 3', '§ 3', '§ 107', '§ 6', '§ 6', '§ 122', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', 'EuG', '§ 5', '§ 97', '§ 12', '§ 160', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 6', '§ 16', '§ 3', '§ 15', '§ 17', '§ 134', '§ 19', '§ 19', '§ 132', '§ 133', 'EuG']

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Vorlesung an der TU Berlin, Prof. Kehrberg
1. Vorlesung Technische Universität Berlin - Baurecht und Bauökonomie - „Bauvergaberecht“ Dozent: Dr. Jan Kehrberg, Rechtsanwalt 26. Juni 2018
2. Inhaltsübersicht • Einführung ins Vergaberecht • Vorbereitung des Vergabeverfahrens • Ausschreibungspflicht • Eignungsvoraussetzungen/Zuschlagskriterien • Vertragsarten • Leistungsbeschreibung • Produktneutralität • Vergabe nach Losen 3
3. Inhaltsübersicht • Verfahren bis zur Angebotsfrist • Wertung • Aufhebung des Vergabeverfahrens • Zuschlagserteilung • Vertragsabwicklung • Ausblick 4
4. Einführung ins Vergaberecht
5. Einführung ins Vergaberecht Vergaberecht  öffentlicher Auftraggeber  Unternehmen  Entgeltlicher Vertrag über Bau-, Liefer-, Dienstleistung  Beschaffung der öffentlichen Hand • ursprünglich Haushaltsrecht • heute zusätzlich EU-Richtlinienrecht 6
6. Einführung ins Vergaberecht Grundsätze  Wettbewerb  Transparenz  Gleichbehandlung  wirtschaftliche Beschaffung § 97 GWB § 2 (EU) VOB/A  Herleitung gesamten Vergabeverfahrensrechts 7
7. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Ausschreibungspflicht
8. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Ausschreibungspflicht  Welche Leistung?  EU-weite Vergabe?  Verfahrensart?  Ausnahmetatbestände 9
9. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Welche Leistung?  Bauleistung: VOB/A  Dienstleistung: VOL/A, VgV • Planungswettbewerb, §§ 69 ff. VgV • Vergabe von Architekten- und Ingenieur- leistungen. §§ 73 VgV  Lieferleistung: VOL/A, VgV 10
10. Vorbereitung des Vergabeverfahrens EU-weite Vergabe? Schwellenwert für Bauleistungen = Auftragswert, ab dem EU-weit zu vergeben ist inkl. aller Optionen, Lose usw.  seit 2016: 5.225.000 € [freiberufliche Leistungen 209.000 €]  Anpassung alle 2 Jahre 11
11. Vorbereitung des Vergabeverfahrens EU-weite Vergabe? • Schwellenwert erreicht oder überschritten  GWB – VgV – EU VOB/A • Schwellenwert unterschritten  VOB/A  zweigeteilt Unterschied: Rechtsschutz 12
12. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Aufbau VOB/A • 3 Abschnitte d. VOB/A: „Basisparagraphen“, EU, VS • §§ 1 f. Anwendungsbereich Bauleistungen, Grundsätze • § 3 Arten der Vergabe • §§ 4 ff. Vertragsarten, Leistungsbeschreibung, etc. • §§ 14 ff. Verfahren nach Ende Angebotsfrist • §§ 17 ff. Verfahrensabschluss 13
13. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Nichtoffenes Verfahren Beschränkte Ausschreibung Verhandlungsverfahren Freihändige Vergabe Verfahrensarten Offenes Verfahren Öffentliche Ausschreibung 14
14. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Innovationspartnerschaft Verfahrensarten Wettbewerblicher Dialog 15
15. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Offenes Verfahren/öffentliche Ausschreibung • Regelverfahren • Unternehmen geben  Unterlagen zur Eignung und  Angebot für Leistung in einem Schritt ab 16
16. Vorbereitung des Vergabeverfahrens nichtoffenes Verfahren/ beschränkte Ausschreibung • nicht offenes Verfahren: nun auch Regelverfahren • enge Anwendungsvoraussetzungen  1. Schritt: Eignungsprüfung Teilnahmewettbewerb oder Auswahl AG  2. Schritt: Angebot nur ausgewählte Unternehmen geben Angebot ab  Achtung: KEINE VERHANDLUNGEN! Verhandlungen ausschließlich bei Verhandlungsverfahren/freihändiger Vergabe! 17
17. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Verhandlungsverfahren/freihändige Vergabe  1. Schritt: Eignungsprüfung Teilnahmewettbewerb oder Auswahl AG  2. Schritt: Angebot nur ausgewählte Unternehmen geben Angebot ab  Verhandlungen sind zulässig über • Änderungen der Leistung; Grenze: völlig andere Leistung als ausgeschrieben • Preis 18
18. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Verhandlungsverfahren/freihändige Vergabe • unterliegt Anwendungsvoraussetzungen (aber durch Reform gelockert) • Hauptanwendungsfälle: • § 3a Abs. 2 EU VOB/A: • Bedürfnisse AG erfordern Anpassungsleistungen • Konzeptionelle/innovative Lösungen erforderlich • Verhandlungen „objektiv“ erforderlich (nach Art, Komplexität, rechtlichem/finanziellem Rahmen …) • § 3a Abs. 4 Nr. 3 VOB/A: • Leistung nicht eindeutig und erschöpfend beschreibbar • Kalkulation Vergütung nicht möglich 19
19. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Ausnahmen vom Vergaberecht  §§ 107 ff. GWB • insb. Immobiliengeschäfte: Kauf/Verkauf, Miete es sei denn, Beschaffung, z.B. Bauverpflichtung  Inhouse-Geschäfte  außerdem: Anwendungsbereich prüfen z.B. kein entgeltlicher Vertrag 20
20. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Eignungsvoraussetzungen
21. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Eignungsvoraussetzungen §§ 6, 6a EU VOB/A, § 6a VOB/A, § 122 GWB  Aufträge werden an fachkundige und leistungsfähige (sowie zuverlässige - nur bei VOB/A) Unternehmen vergeben 22
22. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Eignungsvoraussetzungen § 6a Nr. 2 und 3 EU VOB/A  Zum Nachweis ihrer Eignung ist die Fachkunde, Leistungsfähigkeit sowie Zuverlässigkeit der Bewerber oder Bieter zu prüfen. 23
23. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Eignungsvoraussetzungen § 6b Abs. 1 EU VOB/A  Präqualifikation (PQ) Bieter gibt PQ-Nr. an AG ruft Angaben ab Ziel: Bürokratieabbau  oder Einzelnachweise  einheitliche europäische Eigenerklärung 24
24. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Eignungsvoraussetzungen  Umsatz  Arbeitnehmerzahl  Referenzen  Insolvenz, Straftaten usw. ggf. Mindestanforderungen und Auswahlkriterien 25
25. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Eignungsvoraussetzungen § 6a Abs. 3 EU VOB/A  nur für den konkreten Auftrag ERFORDERLICHE Angaben und Nachweise • erheblicher bürokratischer Aufwand für Bieter! insb. Handelsregister, Versicherungsbestätigung • zunächst: möglichst Eigenerklärungen • Bieter in engerer Wahl: Eigenerklärungen durch Nachweise bestätigen lassen, § 6b Abs. 1 Nr. 2 EU VOB/A 26
26. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Zuschlagskriterien
27. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Zuschlagskriterien  Preis  Qualität  Konzeptwertung  Beschleunigungsmaßnahmen 28
28. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Vertragsarten
29. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Vertragsarten § 4 Abs. 1 Nr. 1 EU VOB/A Regelfall: Einheitspreisvertrag  Teilleistungen nach Maß, Gewicht oder Stückzahl angeben  Vergütung nach ausgeführter Menge 30
30. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Vertragsarten • § 4 Abs. 1 Nr. 2 EU VOB/A in geeigneten Fällen: Pauschalvertrag  Detailpauschalvertrag Bausoll liegt detailliert fest Vergütung pauschaliert, nicht nach Menge  Globalpauschalvertrag Bausoll global beschrieben Vergütung pauschaliert, nicht nach Menge 31
31. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Vertragsarten § 4 Abs. 2 EU VOB/A Stundenlohnvertrag  Bauleistungen geringeren Umfangs, die überwiegend Lohnkosten verursachen  Vergütung nach Aufwand 32
32. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Leistungsbeschreibung
33. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Leistungsbeschreibung Grundsatz: § 7 Abs. 1 Nr. 1 EU VOB/A • Leistung eindeutig und erschöpfend beschreiben • gleiches Verständnis • Preise kalkulierbar  Vergleichbarkeit der Angebote 34
34. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Leistungsbeschreibung § 7 Abs. 1 Nr. 2, 3, 6, 7 EU VOB/A konkretisieren • Nr. 2 relevante Umstände für Preisermittlung • Nr. 3 kein ungewöhnliches Wagnis  Umstände, auf die Bieter keinen Einfluss hat  Auswirkung auf Preiskalkulation 35
35. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Leistungsbeschreibung § 7 Abs. 1 Nr. 2, 3, 6, 7 EU VOB/A konkretisieren • Nr. 6 wesentliche Verhältnisse Baustelle • Nr. 7 VOB/C z.B.-Zufahrtsmöglichkeiten -Anschlüsse für Wasser, Energie, Abwasser -Baugrund einschl. Hindernisse (Leitungen, Kabel, Dräne, Kanäle, Bauwerksreste) 36
36. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Leistungsbeschreibung • Bedarfspositionen § 7 Abs. 1 Nr. 4 S. 1 EU VOB/A:  „grundsätzlich nicht“  aber nicht per se unstatthaft (OLG Düsseldorf, 09.01.2013 - VII-Verg 26/12).  jedoch kein Ausgleich unzureichender Planung (Vergabereife)  Preiskalkulation muss möglich sein 37
37. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Leistungsbeschreibung • Bedarfspositionen  Obergrenze: • Rechtsprechung und Literatur gehen von maximal 10 % aus • Rechtsprechung im Einzelfall 15% (1. VK Bund, 14.07.2005 – VK1 – 50/05) 38
38. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Leistungsbeschreibung • Wahlpositionen (Alternativpositionen)  in VOB/A nicht geregelt  zulässig wenn berechtigtes Bedürfnis AG (OLG Düsseldorf, B. v. 22.02.2012 - VII-Verg 87/11; Beschl. v. 13.04.2011 - Verg 58/10; Beschl. v. 24.3.2004 - Verg 7/04; OLG München, Beschl. v. 27.01.2006 - VII - Verg. 1/06)  z.B. zur Ermittlung der kostengünstigsten Ausführungsvariante (OLG Düsseldorf, a.a.O.) 39
39. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Leistungsbeschreibung • Wahlpositionen (Alternativpositionen)  Grenze: kein Ausgleich unzureichender Planung (Vergabereife), (OLG Naumburg, Beschl. v. 01.02.2008 - 1 U 99/07).  nur geringfügige Teile der ausgeschriebenen Leistung (VK Baden-Württemberg, Beschl. v. 09.06.2011 - 1 VK 26/11; VK Münster, Beschl. v. 11.02.2010 - VK 29/09). 40
40. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Leistungsbeschreibung • Stundenlohnarbeiten  § 7 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 EU VOB/A: nur im unbedingt erforderlichen Umfang, soweit Notwendigkeit noch nicht sicher 41
41. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Leistungsbeschreibung mit Leistungsverzeichnis § 7b EU VOB/A  allgemeine Darstellung der Bauaufgabe (Baubeschreibung)  in Teilleistungen gegliedertes Leistungsverzeichnis § 7b Abs. 4 EU VOB/A  gleichartige Leistungen unter einer Position -- gewerkeweise 42
42. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Funktionale Leistungsbeschreibung § 7c EU VOB/A  wenn kombinierte Ausschreibung von Planung und Bauleistung zweckmäßig, um die technisch, wirtschaftlich und gestalterisch beste sowie funktionsgerechteste Lösung der Bauaufgabe zu ermitteln  GÜ/TÜ 43
43. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Funktionale Leistungsbeschreibung • teilfunktionale Leistungsbeschreibung nur Teil der Planung wird mit ausgeschrieben  nicht in VOB/A geregelt  zulässig, wenn zweckmäßig 44
44. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Produktneutralität
45. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Produktneutralität § 7 Abs. 2 EU VOB/A • Grundsatz: keine Produkte vorschreiben • zu verwendende Produkte offen formulieren, z.B. nach Standardleistungsbuch • im Leistungsverzeichnis vom Bieter vorgesehene Fabrikats- und Gerätetypen abfragen • unzulässig: anonymisierte Produktbeschreibung  erkennbar an bestimmten Abmessungen, Farben, Anpreisungen 46
46. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Produktneutralität Voraussetzungen für Ausnahme: • Produktvorgabe sachlich gerechtfertigt • objektive und auftragsbezogene Gründe • Gründe nachweisbar • andere Wirtschaftsteilnehmer nicht diskriminiert (OLG Düsseldorf, Beschl. v. 12.02.2014 - VII- Verg 29/13; Beschl. v. 22.05.2013 - VII-Verg 16/12; Beschl. v. 01.08.2012 - VII-Verg 10/12; OLG Karlsruhe, Beschl. v. 15.11.2013 - 15 Verg 5/13) 47
47. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Produktneutralität Beispiele: • technische Zwänge, gestalterische Gründe, einheitliche Wartung (EuGH, Urt. v. 08.04.2008 – C-337/05; OLG Celle, Beschl. v. 22.05.2008 - 13 Verg 1/08; OLG Frankfurt, Beschl. v. 29.05.2007 - 11 Verg 12/06; Beschl. v. 28.10.2003 - 11 Verg 9/03; 1. VK Hessen, Beschl. v. 17.04.2013 - 69 d VK - 11/2013; VK Südbayern, Beschl. v. 05.06.2013 - Z3-3-3194-1-12-03/13) 48
48. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Produktneutralität Beispiele: • Kompatibilität - Notwendigkeit einer zusätzlichen Schnittstelle (OLG Düsseldorf, Beschl. v. 12.02.2014 - VII-Verg 29/13; Beschl. v. 22.05.2013 - VII-Verg 16/12; OLG Frankfurt, Beschl. v. 28.10.2003 - 11 Verg 9/03; OLG Karlsruhe, Beschl. v. 15.11.2013 - 15 Verg 5/13) 49
49. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Produktneutralität • Ausnahme: Auftragsgegenstand kann nicht anders beschrieben werden  dann Vorgabe eines Leitfabrikats mit dem Zusatz „oder gleichwertig“ 50
50. Vergabe nach Losen
51. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Vergabe nach Losen § 5 Abs. 2 EU VOB/A, § 97 Abs. 4 GWB grundsätzlich Aufteilung in Lose Zweck: Mittelstandsförderung • Teillose: Aufteilung der Menge  z.B. mehrere Gebäude • Fachlose: Aufteilung nach Art/Fachgebiet  z.B. gewerkeweise 52
52. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Vergabe nach Losen • Ausnahme: wirtschaftliche oder technische Gründe für Gesamtvergabe  Gründe für Gesamtvergabe müssen überwiegen (OLG Düsseldorf, Beschl. v. 11.01.2012 - VII-Verg 52/11).  erhöhter Ausschreibungs-, Prüfungs- und Koordinierungsmehraufwand sowie höherer Aufwand bei Gewährleistungen sind typischerweise mit Losvergabe verbundener Mehraufwand, der nach dem Zweck des Gesetzes grundsätzlich in Kauf zu nehmen ist (OLG Düsseldorf, Beschl. v. 21.03.2012 - VII-Verg 92/11) 53
53. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Vergabe nach Losen • wirtschaftliche Gründe  unwirtschaftliche Zersplitterung i.S.v. unverhältnismäßigen Kostennachteilen und Gewährleistungsrisiken (VK Hessen, Beschl. v. 10.09.2007 - 69 d VK – 37/2007; 1. VK Sachsen, Beschl. v. 04.02.2013 - 1/SVK/039-12; OLG Düsseldorf, Beschl. v. 11.07.2007 - VII - Verg 10/07; VK Rheinland-Pfalz, Beschl. v. 16.08.2013 - VK 1 - 13/13) 54
54. Vorbereitung des Vergabeverfahrens Vergabe nach Losen • technische Gründe  bautechnische Kopplungen benachbarter Baukörper (2. VK Bund, Beschl. v. 8.10.2003 - VK 2 - 78/03).  Risiko, dass Teilleistungen nicht zusammenpassen (OLG Koblenz, Beschl. v. 04.04.2012 - 1 Verg 2/11) 55
55. Verfahren bis zur Angebotsfrist
56. Verfahren bis zur Angebotsfrist Kommunikation mit den Bietern • Rückfragen zu den Vergabeunterlagen, § 12a Abs. 3 EU VOB/A • bis 6 Tage vor Ablauf Angebotsfrist beantworten • anonymisiert an alle Bieter 57
57. Verfahren bis zur Angebotsfrist Kommunikation mit den Bietern • Rügen  Behauptung eines Vergaberechtsverstoßes  Abhilfeverlangen  = Vorbereitung Nachprüfungsverfahren!  unverzüglich und fundiert beantworten  notfalls Vergabeunterlagen ändern, Angebotsfrist ggf. verlängern  gegen zurückgewiesene Rüge muss Bieter innerhalb von 15 Tagen Nachprüfungsantrag stellen, § 160 Abs. 3 S. 1 Nr. 4 GWB 58
58. Wertung
59. Wertung • §§ 16 und 16a EU VOB/A: Ausschluss von Angeboten (formelle Prüfung) • § 16b EU VOB/A: Eignungsprüfung • § 16c EU VOB/A: rechnerische, technische und wirtschaftliche Prüfung • § 16d EU VOB/A: Wertung 60
60. Wertung formelle Prüfung Prüfung von Ausschlussgründen  verspätete Angebote  formell unzureichende Angebote  Änderungen an Vergabeunterlagen  unvollständige Preisangaben  wettbewerbswidrige Angebote  unzulässige Nebenangebote  vorsätzlich falsche Erklärung zur Eignung 61
61. Wertung formelle Prüfung Prüfung von Ausschlussgründen • insbesondere: unvollständige Preisangaben  nach § 16 Nr. 3 EU VOB/A unschädlich, wenn -unwesentliche Position UND -keine Änderung der Wertungsreihenfolge 62
62. Wertung formelle Prüfung Prüfung von Ausschlussgründen • insbesondere: unvollständige Preisangaben  hierunter fallen auch Mischkalkulationen durch Auf- und Abpreisungen, da der abgefragte Preis für die Leistung nicht angegeben wird (KG, Beschl. v. 14.08.2012 - Verg 8/12)  nach diesen Grundsätzen sind auch spekulative Preise, 0,01 €-Positionen und negative Preise zu behandeln  aufklären, ggf. ausschließen 63
63. Wertung formelle Prüfung • § 16a EU VOB/A • fehlende Erklärungen und Nachweise MÜSSEN nachgefordert werden • NICHT dagegen fehlerhafte Angaben • Frist: 6 Kalendertage, danach Ausschluss 64
64. Wertung Eignungsprüfung • Prüfung anhand der geforderten Angaben, ob das Unternehmen grundsätzlich geeignet ist, die Leistung auszuführen  z.B. Arbeitnehmerzahl ausreichend?; Referenzen über vergleichbare Leistungen vorhanden? • Bieter müssen Mindestanforderungen erfüllen • bei Teilnahmewettbewerb ggf. Auswahl zwischen mehreren geeigneten Bewerbern • ggf. aufklären 65
65. Wertung Eignungsprüfung • Bieter kann sich in europaweiten Vergaben auf der Fähigkeiten anderer Unternehmen bedienen, § 6d EU VOB/A  insb. Nachunternehmer-, GU-Vergaben • bei nationalen Vergaben gilt grundsätzlich das Selbstausführungsgebot 66
66. Wertung rechnerische, technische und wirtschaftliche Prüfung • Angebot inhaltlich richtig und in sich stimmig? • im Zweifel Einheitspreis maßgebend; Ausnahme: Pauschalpreis  ggf. aufklären 67
67. Wertung Wertung i.e.S. • unverhältnismäßig niedriges Angebot, § 16d Abs. 1 EU VOB/A  wenn Angebot > 20 % niedriger als nächsthöheres Angebot („Aufgreifschwelle“), (OLG Düsseldorf, Beschl. v. 25.04.2012 - VII- Verg 61/11)  § 3 BerlAVG: > 10 % Aufgreifschwelle  wenn sonstige Zweifel bestehen  dann aufklären, nie sofort ausschließen 68
68. Wertung Wertung i.e.S. Wertung anhand der bekanntgemachten Kriterien  Preis  ggf. Qualität 69
69. Wertung Aufklärung • Aufklärung des Angebotsinhalts, § 15 EU VOB/A  Bieter darf nur erläutern  KEINE Änderungen am Angebot  KEINE Verhandlungen 70
70. Aufhebung des Vergabeverfahrens
71. Aufhebung des Vergabeverfahrens • Aufhebungsgründe, § 17 Abs. 1 EU VOB/A  kein Angebot entspricht Ausschreibung alle Angebote auszuschließen  grundlegende Änderung Vergabeunterlagen z.B. Leistungsänderung  oder andere schwerwiegende Gründe z.B. Kürzung Haushaltsmittel 72
72. Aufhebung des Vergabeverfahrens • Aufhebung ist immer möglich, kein Zwang des AG zum Vertragsschluss • jedoch ggf. Schadensersatzanspruch, wenn kein Aufhebungsgrund besteht • i.d.R. negatives Interesse = Kosten der Angebotserstellung • Ausnahmsweise positives Interesse – entgangener Gewinn 73
73. Zuschlagserteilung
74. Zuschlagserteilung Informationspflichten europaweite Vergaben: • § 134 GWB, § 19 EU VOB/A • Vorabinformationspflicht • 10/15 Tage vor Zuschlagserteilung • Name des erfolgreichen Bieters • Gründe der Nichtberücksichtigung • Frühester Zeitpunkt der Zuschlagserteilung 75
75. Zuschlagserteilung Informationspflichten • nach Vorabinformation müssen erfolglose Bieter unverzüglich rügen • AG muss Rüge unverzüglich bescheiden • hilft AG Rüge nicht ab, muss Bieter innerhalb der 10/15-Tages-Frist einen Nachprüfungsantrag stellen • mit Zustellung des Nachprüfungsantrags besteht Zuschlagsverbot 76
76. Zuschlagserteilung Informationspflichten § 19 VOB/A • nach Zuschlagserteilung • auf Antrag Bieter innerhalb von 15 Tagen • Gründe für die Nichtberücksichtigung • Name des erfolgreichen Bieters • Merkmale und Vorteile des erfolgreichen Angebots 77
77. Vertragsabwicklung
78. Vertragsabwicklung Vertragsänderungen, § 132 GWB bei wesentlicher Änderung Pflicht zur Neuvergabe Ausnahmen z.B. wenn • bereits in Vergabeunterlagen vorgesehen • Umstrukturierung Auftragnehmer 79
79. Vertragsabwicklung Vertragsänderungen Ausnahmen z.B. wenn • Wechsel AN unverhältnismäßig schwierig oder • Änderung unvorhersehbar und Gesamtcharakter des Auftrags unverändert und Änderung max. 50 % des urspr. Auftragswertes (berechnet sich je Änderung, Grenze: Umgehung) 80
80. Vertragsabwicklung Vertragsänderungen Ausnahmen z.B. wenn • bis 10 % zusätzliche Bauleistungen/ 15 % zusätzliche Liefer- und Dienstleistungen (berechnet sich nach Gesamtwert aller Änderungen) 81
81. Vertragsabwicklung Kündigung, § 133 VgV • neu: gesetzliches Kündigungsrecht, wenn  wesentliche Vertragsänderung  zwingender Ausschlussgrund zzt. Zuschlag  EuGH-Entscheidung: Vergaberechtsverstoß 82
82. Ausblick
83. Ausblick • Rechtsmittelrichtlinie? • Zukunft VOB/A? 84
84. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ihre Fragen beantworte ich selbstverständlich gern. Für weiteren Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung: Dr. Jan Kehrberg Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht GSK Stockmann Mohrenstraße 42 10117 Berlin Tel. 030 203907-121/123 jan.kehrberg@gsk.de 85
Bauleitung Casestudy
Seminar zur Vorlesung Bauökonomie