Source: https://lkwforum.bboard.de/board/ftopic-72574969nx10641-428.html
Timestamp: 2020-07-04 12:23:02
Document Index: 123817921

Matched Legal Cases: ['Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 8', 'Art. 9', 'Art. 10', 'Art. 11', 'Art. 12', 'Art. 13', 'Art. 14', 'Art. 15', 'Art. 16', 'Art. 17', 'Art. 18', 'Art. 19', 'Art. 20', 'Art. 21', 'Art. 22', 'Art. 23', 'Art. 24', 'Art. 25', 'Art. 26', 'Art. 27', 'Art. 28', 'Art. 29', 'Art. 30', 'Art. 31', 'Art. 32', 'Art. 33', 'Art. 34', 'Art. 35', 'Art. 36', 'Art. 37', 'Art. 38', 'Art. 39', 'Art. 40']

Dokumentensammlung | Die Echten, die Modelle und die Models: Das LKW- und Logistikforum
Posted: 09.10.2006, 15:33 Post subject: Dokumentensammlung
Vertrag zwischen dem Bevollmächtigten Napoleons mit den deutschen Fürsten ("Rheinbundakte")
Vom 12. Juli 1806
Nachdem Wir den Vertrag eingesehen und geprüft haben, welchen Herr Karl Moriz Talleyrand, Fürst von Benevent, Unser Oberkammerherr und Minister der auswärtigen Angelegenheiten Kraft der ihm hiezu ertheilten Vollmachten zu Paris am 12. Julius 1806 mit den in diesem Vertrage genannten Bevollmächtigten abgeschlossen, festgesetzt und unterzeichnet hat, und welcher, wie nachstehend lautet:
Da Se. Majestät der Kaiser der Franzosen, König von Italien einer- und andern Seits Ihro Majestäten die Könige von Baiern und Würtemberg, Ihro Durchlauchten die Kurfürsten Reichserzkanzler und von Baden, der Herzog von Berg und Kleve, der Landgraf von Hessen-Darmstadt, die Fürsten von Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg, die Fürsten von Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen, die Fürsten von Salm-Salm und Salm-Kyrburg, der Fürst von Isenburg-Birstein, der Herzog von Ahremberg, der Fürst von Lichtenstein und der Graf von der Leyen den Wunsch nährten, durch eine angemessene Uebereinkunft den inneren und äusseren Frieden dem mittägigen Deutschland zu versichern, welchem, wie die Erfahrung seit langem und noch ganz neuerlich lehrte, die deutsche Reichsverfassung keine Art von Gewähr mehr leisten konnte, haben zur Abschliessung derselben zu ihren Bevollmächtigten ernannt, und zwar: ...
Und diese sind nach wechselseitiger Mittheilung ihrer Vollmachten über nachstehende Artikel übereingekommen:
Art. 1. Die Staaten Ihrer Majestäten der Könige von Baiern und Würtemberg, Ihrer Durchlauchten der Kurfürsten Erzkanzler und von Baden, des Herzogs von Berg und Kleve, des Landgrafen von Hessen-Darmstadt, der Fürsten von Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg, der Fürsten von Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen, der Fürsten von Salm-Salm und Salm-Kyrburg, des Fürsten Isenburg-Birstein, des Herzogs von Ahremberg und des Fürsten von Lichtenstein und des Grafen von der Leyen werden für immer vom deutschen Reichsgebiete abgesondert, und unter sich durch eine besondere Konföderation unter dem Namen: rheinische Bundesstaaten vereinigt.
Art. 2. Alle deutsche Reichsgesetze, die im vorigen Artikel benannten Könige, Fürsten und die Grafen, ihre Unterthanen und ihre Staaten oder Theile derselben bisher angehen, oder für sie verbindlich seyn konnten, sollen für die Zukunft in Hinsicht Ihrer benannten Majestäten und Durchlauchten und des gedachten Grafen ihrer Staaten und Unterthanen nichtig und von keiner Wirkung seyn. Ausgenommen hievon sind jedoch die Rechte, welche die Staatsgläubiger und Pensionisten durch den Rezeß von 1803 erlangt haben, desgleichen die Verfügungen des 39. §. besagten Rezesses in Betreff der Rheinschiffahrtsoktroi, welche noch ferner nach Form und Inhalt in Vollzug gesetzt werden sollen.
Art. 3. Jeder der konföderirten Könige und Fürsten verzichtet auf jene seiner Titel, welche irgend eine Beziehung auf das deutsche Reich ausdrücken, und wird am ersten Tage des nächsten Monats August dem Reichstage seine Trennung vom Reiche bekannt machen lassen.[2]
Art. 4. Se. kurfürstliche Gnaden der Reichserzkanzler nimmt den Titel: Fürst Primas und Durchlauchtigste Hoheit an.
Mit dem Titel: Fürst Primas ist aber keine Vorzug verbunden, welcher der vollen Souverainität entgegen wäre, die jeder Konföderirte genießen soll.
Art. 5. Ihre Durchlauchten der Kurfürst von Baden, der Herzog von Berg und Kleve, und der Landgraf von Hessen-Darmstadt nehmen den Titel: Grosherzog an. Sie genießen der Rechte, Ehren und Vorzüge, welche mit der königlichen Würde verbunden sind. Ihr Rang und Ihr Vorgangsrecht sind und bleiben nach der Ordnung festgesetzt, in welcher sie im gegenwärtigen Titel genannt sind. Das Haupt des Hauses Nassau nimmt den Titel eines Herzogs, und der Graf von der Leyen jenen eines Fürsten an.
Art. 6. Die gemeinschaftlichen Interessen der Bundesstaaten werden auf dem Bundestage verhandelt, der zu Frankfurt seinen Sitz hat, und sich in zwei Kollegien theilt, nämlich in das Kollegium der Könige und in das Kollegium der Fürsten.
Art. 7. Die Fürsten müssen notwendig von jeder dem rheinischen Bunde fremden Macht unabhängig seyn; sie können daher auch Dienste irgend einer Art nur in den rheinischen oder mit dem Bunde allirten Staaten annehmen. Diejenigen, welche sich bereits in Diensten anderer Mächte befinden, und in denselben bleiben wollen, sind gehalten, ihre Fürstenthümer einem ihrer Kinder zu überlassen.
Art. 8. Sollte der Fall eintreten, daß einer der genannten Fürsten seine Souverainität völlig oder nur zum Theil abtreten wollte, so kann er es nur zu Gunsten einer der konföderirten Staaten.
Art. 9. Alle Streitigkeiten, welche sich unter den Bundesstaaten ergeben dürften, werden von der Bundesversammlung zu Frankfurt entschieden.
Art. 10. In der Bundesversammlung hat Se. Hoheit der Fürst Primas den Vorsitz. Hat eines der beiden Kollegien über irgend eine Angelegenheit sich allein zu berathen, so hat in jenem der Könige Se. Hoheit und in jenem der Fürsten der Herzog von Nassau den Vorsitz.
Art. 11. Die Zeitpunkte, wo sich entweder der ganze Bund oder ein Kollegium insonderheit zu versammeln hat, die Art der Zusammenberufung, die Gegenstände der Berathung, die Art und Weise, wie Beschlüsse zu fassen und in Vollzug zu setzen sind, werden durch ein Fundamental-Statut bestimmt. Dieses wird Se. Hoheit der Fürst Primas binnen einem Monate nach der zu Regensburg erfolgten Notifikation vorlegen, und muß von den Bundesstaaten genehmigt werden. Eben dieses Fundamental-Statut wird den Rang der Mitglieder des Fürsten-Kollegiums bestimmt festsetzen.
Art. 12. Se. Majestät der Kaiser der Franzosen wird als Protektor des rheinischen Bundes ausgerufen, und in dieser Eigenschaft ernennt derselbe nach dem jedesmaligen Abgange des Fürsten Primas dessen Nachfolger.
Art. 13. Se. Majestät der König von Baiern tritt an Se. Majestät den König von Würtemberg die Herrschaft Wiesensteig ab, und verzichtet auf die Rechte, welche Allerhöchstdieselbe von wegen der Markgrafschaft Burgau auf die Abtei Wiblingen haben oder ansprechen könnte.
Art. 14. Se. Majestät der König von Würtemberg tritt an Se. Hoheit den Grosherzog von Baden ab: die Grafschaft Bondorf, die Städte Breunlingen und Villingen mit demjenigen Theile des Gebiets dieser leztern, welcher auf der rechten Seite der Brigach liegt, desgleichen die Stadt Tuttlingen mit den auf dem rechten Donauufer liegenden Zugehörenden des Amtes dieses Namens.
Art. 15. Se. Hoheit der Grosherzog von Baden tritt ab an Se. Majestät den König von Würtemberg Stadt und Gebiet von Biberach nebst allen Zugehörenden.
Art. 16. Se. Durchlaucht der Herzog von Nassau tritt ab an Se. kaiserliche Hoheit den Grosherzog von Berg und Kleve die Stadt Deutz oder Duytz mit ihrem Gebiete, die Stadt und das Amt Königswinter, und das Am[t] Villich.
Art. 17. Se. Majestät der König von Baiern wird die Stadt Nürnberg nebst ihrem Gebiete, ferner die Deutsch-Ordens-Kommenden Rohr und Waldstetten mit seinen Staaten vereinigen und solche mit vollem Eigenthum und Souverainität besitzen.
Art. 18. Se. Majestät der König von Würtemberg wird mit seinen Staaten vereinigen und mit vollem Eigenthum und Souverainität besitzen: die Herrschaft Wiesensteig, und Stadt, Gebiet und Dependenzen von Biberach vermöge der von Sr. Majestät dem Könige von Baiern und Sr. Hoheit dem Grosherzoge von Baden geschehenen Abtretungen, ferner die Stadt Waldsee, die Grafschaft Schelklingen und die Kommenden Kapfenburg oder Lauchheim und Altschhausen (mit Ausnahme der Herrschaften Achberg und Hohenfels) endlich die Abtei Wiblingen.
Art. 19. Se. Hoheit der Grosherzog von Baden wird mit seinen Staaten vereinigen, und mit vollem Eigenthum und Souverainität besitzen: die Grafschaft Bondorf, die Städte Breunlingen, Villingen und Tuttlingen nebst den im vierzehenten Artikel verzeichneten Theilen ihrer Gebiete und Dependenzen, so wie sie Sr. Hoheit von Sr. Majestät dem Könige von Würtemberg abgetreten worden sind.
Se. Hoheit wird ferner mit vollem Eigenthum besitzen: das Fürstenthum Heitersheim nebst allen jenen dazu gehörigen Theilen, welche in Höchstihren vermöge des gegenwärtigen Vertrags bestimmten Besitzungen liegen.
Auf gleiche Weise wird Höchstderselbe die Deutsch-Ordens-Kommenden Beuggen und Freiburg mit vollem Eigenthum besitzen.
Art. 20. Se. kaiserl. Hoheit der Grosherzog von Berg wird mit voller Souverainität und Eigenthum besitzen: Die Stadt Deutz oder Duytz mit ihrem Gebiete, Stadt und Amt Königswinter, und das Amt Villich gemäs der von Sr. Durchlaucht dem Herzoge von Nassau geschehenen Abtretungen.
Art. 21. Se. Hoheit der Grosherzog von Hessen-Darmstadt wird mit seinen Staaten die Burggrafschaft Friedberg vereinigen, und sie, so lang der jetzige Burggraf lebt, blos mit Souverainität, nach seinem Tode aber zugleich mit vollem Eigenthum besitzen.
Art. 22. Se. Hoheit der Fürst Primas wird die Stadt Frankfurt und ihr Gebiet mit seinen Staaten vereinigen, und mit vollem Eigenthum und Souverainität besitzen.
Art. 23. Se. Durchlaucht der Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen wird mit vollem Eigenthum und Souverainität besitzen: die vorhin zur Kommende Alschhausen gehörigen Herrschaften Achberg und Hohenfels, ferner die Köster Klosterwald und Habsthal.
Se. Durchlaucht wird mit Souverainität jene ritterschaftlichen Besitzungen erhalten, welche innerhalb seiner gegenwärtigen Lande und den Bezirken im Norden der Donau liegen, über die sich Kraft gegenwärtigen Vertrags seine Souverainität erstrecken soll, namentlich die Herrschaften Gamertingen und Hettingen.
Art. 24. Ihre Majestäten die Könige von Baiern und Würtemberg, Ihre Hoheiten die Grosherzoge von Baden, Berg und Hessen-Darmstadt, Ihre Hoheit der Fürst Primas, Ihre Durchlauchten der Herzog und die Fürsten von Nassau-Usingen und Weilburg, Hohenzollern-Sigmaringen, Salm-Kyrburg, Isenburg-Birstein und der Herzog von Ahremberg werden alle Souverainitätsrechte ausüben und zwar:
Se. Majestät der König von Baiern über das Fürstenthum Schwarzenberg, die Grafschaft Kastel, die Herrschaften Speckfeld und Wiesentheid, die Theile des Fürstenthums Hohenlohe, welche in der Markgrafschaft Ansbach und im Gebiete von Rothenburg eingeschlossen sind, namentlich das Oberamt Schillingsfürst und Kirchberg; ferner über die Grafschaften Sternstein, die Fürstenthümer Oettingen, die Besitzungen des Fürsten von Thurn und Taxis im Norden des Fürstenthums Neuburg, die Grafschaft Edelstetten, die Besitzungen des Fürsten und der Grafen Fugger, das Burggrafthum Winterrieden und endlich die Herrschaften Buxheim und Tannhausen so wie über die Totalität der Heerstraße, welche von Memmingen nach Lindau führt.
Se. Majestät der König von Würtemberg: über die Besitzungen der Fürsten und Grafen von Truchseß-Waldburg, die Grafschaften Baindt, Egloffs, Guttenzell, Hegbach, Isny, Königseck-Aulendorf, Ochsenhausen, Roth, Schussenried, und Weisenau, über die Herrschaften Mietingen und Sulmingen, Neu-Ravensburg, Tannheim, Warthausen und Weingarten, mit Ausnahme der Herrschaft Hagnau, über die Besitzungen des Fürsten von Thurn und Taxis (mit Ausschluß derjenigen, welche dem Fürstenthum Neuburg nördlich liegen, der Herrschaft Strasberg und des Amts Ostrach) ferner über die Herrschaften Gundelfingen und Neustra, über die Theile der Grafschaft Limburg-Gaildorf, welche besagte Se. Majestät noch nicht besitzen, über alle Besitzungen der Fürsten von Hohenlohe mit der im vorhergehenden Abschnitte gemachten Ausnahme; endlich über den Theil des vormals kurmainzischen Amtes Krautheim, welcher auf der linken Seite der Jagst liegt.
Se. Hoheit der Grosherzog von Baden: über das Fürstenthum Fürstenberg (wovon jedoch die Herrschaften Gundelfingen, Neustra, Trochtelfingen, Jungnau, und der auf der linken Seite der Donau liegende Theil des Amtes Möskirch ausgenommen sind) über die Herrschaft Hagnau, die Grafschaft Thengen, die Landgrafschaft Klettgau, die Aemter Neudenau und Billigheim, das Fürstenthum Leiningen, die auf der linken Mainseite liegenden Besitzungen des Fürsten und der Grafen von Löwenstein-Wertheim, wovon jedoch die Grafschaft Löwenstein, der den Grafen von Löwenstein gehörige Antheil an Limburg-Gaildorf, so wie die Herrschaften Heubach, Breuberg und Habizheim ausgenommen sind, und endlich über die Besitzungen des Fürsten von Salm-Reiferscheid-Krautheim auf der Nordseite der Jagst.
Se. kaiserl. Hoheit der Grosherzog von Berg: über die Herrschaften Limburg-Styrum, Bruck, Hardenberg, Gimborn-Neustadt, und Wildenberg; über die Grafschaften Homburg, Bentheim, Steinfurt, Horstmar, und die Besitzungen des Herzogs von Looz, über die Grafschaften Siegen, Dillenburg (mit Ausnahme der Aemter Wehrheim und Burbach) und Hadamar, über die Herrschaften Westerburg, Schadeck und Beilstein, dann über den Theil der Herrschaft Runkel, welcher eigentlich so genannt wird und auf der rechten Seite der Lahn liegt. Um einen Verbindung zwischen dem Herzogthum Kleve und den obengenannten im Norden desselben liegenden Besitzungen zu haben, soll Sr. kaiserl. Hoheit der Gebrauch einer Straße durch die Staaten der Fürsten von Salm frei stehen.
Se. Hoheit der Grosherzog von Darmstadt: über die Herrschaften Breuberg und Heubach, über die Herrschaft oder das Amt Habizheim, über die Grafschaft Erbach, die Herrschaft Ilbenstadt, den Stollberg-Gedernschen Antheil an der Grafschaft Königstein, über die in den Staaten Sr. Hoheit eingeschlossenen oder daran stoßenden Besitzungen der Freiherrn von Riedesel, namentlich die Gerichte Lauterbach, Stockhausen, Moos und Freienstein, über die Besitzungen der Fürsten und Grafen von Solms in der Wetterau mit Ausnahme der Aemter Hohensolms, Braunfels und Greifenstein, endlich über die Grafschaften Wittgenstein und Berleburg und über das Amt Hessen-Homburg, welches die davon benannte appanagirte Linie des Hauses Hessen-Darmstadt im Besitz hat.
Se. Hoheit der Fürst Primas: über die auf der rechten Seite des Mains gelegenen Besitzungen des Fürsten und der Grafen von Löwenstein-Wertheim, und über die Grafschaft Rineck.
Ihre Durchlauchten der Herzog von Nassau-Usingen und der Fürst von Nassau-Weilburg: über die Aemter Dierdorf, Altenwied, Neuerburg und den dem Fürsten von Wied-Runkel gehörigen Antheil an der Grafschaft Nieder-Isenburg, über die Grafschaften Wied-Neuwied und Holzapfel, über die Herrschaft Schaumburg, die Grafschaft Diez samt Dependenzen, über den dem Fürsten von Nassau-Fulda gehörigen Antheil am Dorfe Münzfelden, über die Aemter Wehrheim und Burbach, über den auf der linken Seite der Lahn gelegenen Theil der Herrschaft Runkel, über das Rittergut Kranzberg, und endlich über die Aemter Hohensolms, Braunfels und Greifenstein.
Se. Durchlaucht der Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen: über die Herrschaften Trochtelfingen, Jungnau und Strasberg, über das Amt Ostrach und den am linken Ufer der Donau liegenden Theil der Herrschaft Mößkirch.
Se. Durchlaucht der Fürst von Salm-Kyrburg: über die Herrschaft Gehmen.
Se. Durchlaucht der Fürst von Isenburg-Birstein: über die Besitzungen der Grafen von Isenburg-Büdingen, Wächtersbach und Meerholz, ohne daß die appanagirten Grafen seiner Linie diese Stipulationen zum Grunde von irgend einigen Ansprüchen gegen ihn anführen dürfen.
Endlich Se. Durchlaucht der Herzog von Ahremberg: über die Grafschaft Dülmen.
Art. 25. Ein jeder der konföderirten Könige und Fürsten soll die in seinen Besitzungen eingeschlossene ritterschaftliche Güter mit voller Souverainität besitzen. Die zwischen zwei konföderirten Staaten gelegene ritterschaftliche Güter sollen in Hinsicht auf Souverainität so gleich als möglich getheilt werden, dergestalten jedoch, daß daraus weder eine Zerstückelung noch eine Vermischung der Gebiete entstehe.
Art. 26. Die Rechte der Souverainität sind: Gesetzgebung, obere Gerichtsbarkeit, Ober-Polizei, militairische Konscription oder Rekrutenzug und Recht der Auflagen.
Art. 27. Ein jeder der jetzt regierenden Fürsten oder Grafen behält als Patrimonial und Privat-Eigenthum ohne Ausnahme alle Domainen, welche sie gegenwärtige besitzen und so auch alle Herrschafts- und Feudalrechte, die nicht wesentlich zur Souverainität gehören, namentlich das Recht der niedern und mittleren bürgerlichen und peinlichen Gerichtsbarkeit, der forsteilichen Gerichtsbarkeit und Polizei, der Jagd und Fischerei, der Berg- und Hüttenwerke, des Zehnten und der Feudalgefälle, das Patronatrecht und andere diesen ähnliche, so wie die aus besagten Domainen und Rechten fließenden Einkünfte.
Ihre Domainen und Güter sollen in Rücksicht der Auflagen wie die Domainen und Güter der Prinzen des Hauses gehalten werden, unter dessen Souverainität sie Kraft des gegenwärtigen Vertrags stehen. Sollte kein Prinz dieses Hauses unbewegliche Güter besitzen, so werden jene den Domainen und Gütern der privilegirtesten Klasse gleichgehalten.
Uebrigens können besagte Domainen und Rechte an keinen der Konföderation fremden Souverain verkauft, noch auf andere Art veräussert werden, wenn sie nicht zuvor dem Fürsten, unter dessen Souverainität sie stehen, angeboten worden sind.
Art. 28. In peinlichen Fällen genießen die jetzt regierenden Fürsten und Grafen und ihre Erben das Recht der Austrägal-Instanz, das heißt, das Recht von ihren Ebenbürtigen gerichtet zu werden; und in keinem Falle darf die Einziehung ihrer Güter ausgesprochen oder verhängt, sondern nur die Einkünfte können während der Lebenszeit des Verurtheilten sequestrirt werden.
Art. 29. Die konföderirten Staaten tragen zur Bezahlung der dermaligen Kriegsschulden nicht blos in Rücksicht ihrer alten Besitzungen bei, sondern auch für jene Gebiete, die jetzt ihrer Souverainität unterworfen werden.
Die Schulden des schwäbischen Kreises fallen Ihren Majestäten den Königen von Baiern und Würtemberg, dann Ihro Hoheit dem Grosherzoge von Baden, und Ihren Durchlauchten den Fürsten von Hohenzollern-Hechingen und Sigmaringen, von Lichtenstein und von der Leyen zur Last und werden nach Verhältniß der künftigen Besitzungen eines jeden der besagten Könige und Fürsten vertheilt.
Art. 30. Die besondere Schulden eines jeden Fürstenthums, einer jeden Graf- oder Herrschaft, die unter die Souverainität eines der konföderirten Staaten kommen, sollen zwischen dem genannten Staate und den jetzt regierenden Fürsten oder Grafen nach dem Verhältniß der Einkünfte getheilt werden, welche der Souverain erwirbt, und die Fürsten und Grafen nach obigen Bestimmungen behalten.
Art. 31. Den jetzt regierenden Fürsten oder Grafen und ihren Erben soll frei seyn, ihre Residenz zu verlegen, wohin sie wollen, nur muß diese in den Staaten eines Mitglieds oder Alliirten der rheinischen Konföderation, oder in den Besitzungen seyn, welche sie mit Souverainität ausserhalb des Gebiets besagter Konföderation behalten. Sie können alsdann ihre Einkünfte oder Kapitalien beziehen ohne irgend einem Recht oder irgend einer Auflage unterworfen zu seyn.
Art. 32. Die bei den öffentlichen Verwaltungen in den Fürstenthümern, Graf- oder Herrschaften, welche Kraft des gegenwärtigen Vertrags unter die Souverainität eines der konföderirten Staaten kommen, angestellte Personen, deren Beibehaltung in ihren Diensten der Souverain nicht für dienlich hält, sollen eine Pension genießen, die derjenigen gleich kommen muß, welche die Gesetze oder Verordnungen des Staates den Bediensteten von gleichem Grade zusichern.
Art. 33. Die Mitglieder der militairischen oder geistlichen Orden, welche zu Folge des gegenwärtigen Vertrags ausser Besitz kommen, oder säkularisirt werden könnten, erhalten eine jährliche und lebenslängliche Pension, welche ihren bisher gehabten Einkünften, ihrer Würde und ihrem Alter angemessen ist; und diese soll auf die Güter verhypothezirt werden, deren Nutznießer sie waren.
Art. 34. Die konföderirten Könige, Grosherzoge, Herzoge und Fürsten entsagen, jeder für sich, seine Erben und Nachfolger, jedem jetzt bestehenden Rechte, welches derselbe auf die jetzigen oder durch gegenwärtigen Vertrag bestimmten Besitzungen anderer Glieder der Konföderation hat oder in Anspruch nehmen könnte. Ausgenommen bleiben blos die eventuellen Rechte der Nachfolge, aber nur für den Fall, wenn ein Haus oder eine Linie erlöschen sollte, welche dermalen die Gebiete, Domainen und Güter, über die sich obgedachte Rechte erstrecken können, als Souverain besitzt, oder vermöge des gegenwärtigen Vertrags besitzen soll.
Art. 35. Zwischen dem französischen Reiche und den rheinischen Bundesstaaten soll in ihrer Gesamtheit sowohl als mit jedem einzelnen ein Bundniß Statt haben, vermöge wessen jeder Krieg auf dem festen Lande, den einer der kontrahirenden Theile zu führen haben könnte, für alle andere unmittelbar zur gemeinsamen Sache wird.
Art. 36. Im Falle eine diesem Bündnisse fremde und benachbarte Macht sich rüstet, sollen die hohen kontrahirenden Theile, um nicht unvorbereitet überfallen zu werden, auf die Anforderung, welche der Mininster eines konföderirten Staats desfalls zu Frankfurt machen wird, sich ebenfalls bewaffnen.
Das Kontingent, welches ein jeder von den Verbündeten zu stellen hat, wird in Viertel getheilt, und die Bundesversammlung hat zu bestimmen, wie viel Viertel mobil gemacht werden sollen; aber die Bewaffnung darf nicht eher bewerkstelligt werden, als in Folge einer von Sr. Majestät dem Kaiser und Könige an jeden der verbundenen Mächte erlassenen Einladung.
Art. 37. Se. Majestät der König von Baiern macht sich anheischig, die Städte Augsburg und Lindau zu befestigen, im ersten dieser beiden Plätze Artillerie-Etablissements zu errichten und zu allen Zeiten zu unterhalten; am zweiten Orte aber einen hinlänglichen Vorrath an Flinten und Munition zu haben, der als Reserve dienen soll, desgleichen auch in Augsburg Bäckereien anzulegen, um einen Vorrath von Zwieback backen lassen zu können, damit im Falle eines Kriegs der Marsch der Armeen keinen Aufenthalt erleide.
Art. 38. Das von jedem der Verbündeten im Falle eines Krieges zu stellende Kontingent wird auf folgende Weise festgesetzt:
Frankreich stellt 200,000 Mann von jeder Art Waffen; das Königreich Baiern 30,000 von jeder Waffengattung; das Königreich Würtemberg 12,000; der Grosherzog von Baden 8000; der Grosherzog von Berg 5000; der Grosherzog von Darmstadt 4000. Ihre Durchlauchten der Herzog und der Fürst von Nassau stellen mit den übrigen verbündeten Fürsten ein Kontingent von 4000 Mann.
Art. 39. Die hohen kontrahirenden Theile behalten sich vor, in der Folge auch andere Fürsten und Staaten Deutschlands in dem neuen Bunde aufzunehmen, deren Aufnahme man dem gemeinschaftlichen Interesse angemessen finden wird.
Art. 40. Die Ratifikationen des gegenwärtigen Vertrags sollen am 25. Juluis des laufenden Jahrs zu München ausgewechselt werden. So geschehen Paris am 12. Julius 1806.
Maximilian Freiherr von Schell.
Franz Xavier von Fischler.
So haben wir genehmigt und genehmigen vorstehenden Vertrag in allen und jeden Artikel, welche darin enthalten sind, erklären, daß derselbe angenommen, ratifizirt und bestätigt sey, und versprechen, daß derselbe unverbrüchlich gehalten werden solle.
Zu dessen Beglaubigung haben Wir gegenwärtige von Uns eigenhändig unterzeichnete auch kontrasignirte und mit Unserm kaiserlichen Siegel versehene Urkunde ertheilt.
In Unserm Pallaste St. Cloud am 19. Julius des Jahres 1806.
Der Minister Staatssekretair
Bedingungen, unter welchen die in der Rheinbundsakte angewiesenen Besitzungen den rheinischen Bundesgenossen durch die Kommissarien Sr. Majestät des Kaisers der Franzosen, Königs von Italiens und Protektor des Rheinischen Bundes Napoleon übergeben worden sind.[1]
aus dem Jahre 1806.]
I) Uebergabe vorhin reichsunmittelbarer
ständischer Lande.
Diese Uebergabe ist unter folgenden Bedingungen geschehen:
1. Ihre Majestät der König (oder Se. Hoheit, Se. Durchlaucht u. s. w.) machen sich anheischig, die Gläubiger und Pensionisten zu beschützen, welche in den neuerdings Ihrer Souverainität unterworfenen Besitzungen vermöge des Rezesses von 1803 Rechte haben können.
2. Ihro Majestät (Hoheit, Durchlaucht u. s. w.) werden in Gemäßheit des 29sten Artikels des Traktates zur Bezahlung der wirklichen Kriegsschulden nicht blos für ihre alten Besitzungen, sondern auch für jene beitragen, welche durch gegenwärtigen Akt Ihrer Souverainität unterworfen werden.
3. Die eigentlichen Schulden auf den Besitzungen des Grafen (oder die Landschulden des Fürstenthums oder der Grafschaft) welche unter die Souverainität von . . . . kommen, sollen zwischen Ihm und deren lezten Besitzer (Fürsten oder Grafen) im Verhältniß der Einkünfte getheilt werden, welche besagter Besitzer (Fürst oder Graf) nach dem 27sten Artikel behält und . . . . (der Souverain) durch gegenwärtigen Akt erwirbt.
4. Die bei der Verwaltung der Lande der Grafschaft (des Fürstenthums) . . . . angestellten Staatsdiener, welche . . . . (der Souverain) in ihrer Stelle beizubehalten nicht für gut fände, sollen eine Pension beziehen, welche derjenigen gleich ist, die den Beamten vom nämlichen Grade nach den Gesetzen und der Verfassung der ältern Lande (des Souverains) verwilligt wird.
5. Der lezte Besitzer der Grafschaft (des Fürstenthums) . . . . soll aller der Rechte genießen, welche ihm durch die Artikel 27. 28. und 31. des Pariser Vertrags zugesichert worden sind, und . . . . (der Souverain) soll wachen, daß sie durch seine Gerichtshöfe nicht verlezt werden.
Ueber alles dieses, welches nach vorstehendem Innhalte Herr . . . . Namens seines Souverains angenommen hat, haben wir das gegenwärtige Protokoll abgefaßt . . . . welches hierauf, nachdem es mit lauter und vernehmlicher Stimme, sowohl in französischer als deutscher Sprache abgelesen worden, nebst uns von dem Kommissair . . . . (des Souverains) und Herrn . . . . (Deputirten des Fürsten oder Grafen) unterzeichnet worden ist u. s. w.
II) Uebergabe der reichsritterschaftlichen
Besitzungen.
Die dritte und fünfte Bedingung des vorstehenden Protokolls befinden sich nicht in den Protokollen der Uebergabe der reichsritterschaftlichen Besitzungen, die erste und zweite sind die nämlichen, und die dritte lautet wie die obenstehende vierte.
Uebrigens ist zu bemerken, daß die Protokolle weder vom Reichsritter selbst noch von einem Deputirten, sondern blos von den Kommissarien Sr. Majestät des Kaisers und jenen des Souverains unterschrieben wurden.
III) Uebergabe von Gebieten mit Eigenthum
und Souverainität.
Diese Uebergabe erfolgte unter nachstehenden Bedingungen:
1) Die Rechte, welche für irgend einen Gläubiger und Pensionisten durch den Reichsschluß von 1803 begründet worden sind, bleiben demselben unverletzlich gesichert. Se. königliche Majestät von Baiern übernehmen daher die Verbindlichkeit für die Befriedung aller derjenigen zu sorgen, deren Bezahlung durch den bemerkten Reichsschluß auf das Gebiet oder die Stadt Nürnberg überwiesen worden ist.
2) Se. königliche Majestät übernehmen andurch die Verpflichtung, zu Bezahlung der gegenwärtigen Kriegsschulden nach Verhältniß dieses Gebietszuwachses beizutragen.
3) Diejenigen Bediensteten der Stadt und des Gebietes von Nürnberg, welche Se. königliche Majestät von Baiern in dem Staatsdienst nicht ferner zu verwenden gedenken, sollen eine Pension beziehen, welche derjenigen gleich ist, die den Beamten von demselben Grade nach den Gesetzen und der Verfassung der älteren Staaten verwilligt wird.
Ordensgeistliche oder Glieder militairischer Orden, welche etwa in Folge des Pariser Vertrags säkularisirt werden könnten, sollen eine jährliche Pension bekommen, welche den Einkünften, die sie vorhin bezogen haben, ihre Dignität und ihrem Alter angemessen seyn muß und die nächstdem den Gütern, von welchen sie die Nutznießung hatten, gesichert bleibt.
Ueber alles dasjenige, was nach dem vorstehenden Innhalte Se. Exzellenz der Freiherr von Montgelas im Namen seines Souverains anerkannt hat, haben wir das gegenwärtige Protokoll in 6 Exemplarien gefertigt; eine Abschrift davou ist den Administrativbehörden zugestellt worden, um solche in dem Archiv zu hinterlegen und weiter bekannt zu machen u. s. w.
[Lossagungs-Urkunde mehrerer Reichsstände vom deutschen Reichsverbande.
(Austrittserklärung der Rheinbundstaaten)
Vom 1. August 1806.]
Hochwürdige, Hoch- und Hochwohl- auch Wohlgeborne,
Insonders Hoch- und vielgeehrte Herren!
Die zur allgemeinen deutschen Reichsversammlung bevollmächtigten unterzeichneten Bothschafter und Gesandte haben den Befehl erhalten, Namens Ihrer Höchst- und Hohen Committenten Euren Excellenzien, Hoch-, Hochwohl- und Wohlgebornen nachstehende Erklärung mitzutheilen:
Die Begebenheiten der drei letzten Kriege, welche Deutschland beinahe ohnunterbrochen beunruhigt haben, und die politischen Veränderungen, welche daraus entsprungen sind, haben die traurige Wahrheit in das hellste Licht gesetzt, daß das Band, welches bisher die verschiedenen Glieder des deutschen Staatskörpers mit einander vereinigen sollte, für diesen Zweck nicht mehr hinreiche, oder vielmehr daß es in der That schon aufgelöst sey; das Gefühl dieser Wahrheit ist schon seit langer Zeit in dem Herzen jedes Deutschen, und so drückend auch die Erfahrung der letzten Jahre war, so hat sie doch im Grunde nur die Hinfälligkeit eines in ihrem Umfange ehrwürdigen, aber durch den – allen menschlichen Anordnungen anklebenden Unbestand fehlerhaft gewordenen Verfassung bestätigt. Nur diesem Umstandes muß man ohne Zweifel die im Jahre 1795 im Reiche selbst sich hervorgethane Trennung zuschreiben, die eine Absonderung des nördlichen und südlichen Deutschlandes zur Folge hatte. Von diesem Augenblicke mußten nothwendig alle Begriffe von gemeinschaftlichem Vaterlande und Interesse verschwinden; die Ausdrücke: Reichskrieg und Reichsfrieden, wurden Worte ohne Schall; vergeblich suchte man Deutschland mitten im deutschen Reichskörper. Die, Frankreich zunächst gelegenen, von allem Schutz entblößten, und allen Drangsalen eines Krieges, dessen Beendigung in den verfassungsmäßigen Mitteln zu suchen nicht in ihrer Gewalt stand, ausgesetzten Fürsten sahen sich gezwungen, sich durch Separatfrieden von dem allgemeinen Verbande in der That zu trennen. Der Friede von Lüneville, und mehr noch der Reichsschluß von 1803, hätten allerdings hinlänglich scheinen sollen, um der deutschen Reichsverfassung neues Leben zu geben, indem sie die schwachen Theile des Systems hinwegräumen und die Hauptgrundpfeiler desselben befestigten. Allein die in den letztverflossenen zehn Monaten unter den Augen des ganzen Reichs sich zugetragenen Ereignisse haben auch diese letzte Hoffnung vernichtet und die gänzliche Unzulänglichkeit der bisherigen Verfassung auf’s Neue außer allem Zweifel gesetzt. Bei dem Drange dieser wichtigen Betrachtungen haben die Souverains und Fürsten des mittäglichen und westlichen Deutschlands sich bewogen gefunden, einen neuen und den Zeitumständen angemessenen Bund zu schließen. Indem sie sich durch gegenwärtige Erklärung von ihrer bisherigen Verbindung mit dem deutschen Reichskörper lossagen, befolgen sie bloß das durch frühere Vorgänge und selbst durch Erklärungen der mächtigeren Reichsstände aufgestellte System. Sie hätten zwar den leeren Schein einer erloschenen Verfassung beibehalten können, allein sie haben im Gegentheil ihrer Würde und der Reinheit ihrer Zwecke angemessener geglaubt, eine offene und freie Erklärung ihres Entschlusses und der Beweggründe, durch welche sie geleitet worden sind, abzugeben. Vergeblich aber würden sie sich geschmeichelt haben, den gewünschten Endzweck zu erreichen, wenn sie sich nicht zugleich eines mächtigen Schutzes versichert hätten, wozu sich nunmehr der nämliche Monarch, dessen Absichten sich stets mit dem wahren Interesse Deutschlands übereinstimmend gezeigt haben, verbindet. Eine so mächtige Garantie ist in doppelter Hinsicht beruhigend. Sie gewährt die Versicherung, daß Se. Majestät der Kaiser von Frankreich, Allerhöchstdero Ruhms halber eben so sehr, als wegen des eigenen Interesses des französischen Kaiserstaates, die Aufrechterhaltung der neuen Ordnung der Dinge in Deutschland und die Befestigung der inneren und äußeren Ruhe sich angelegen seyn lassen werde. Daß diese kostbare Ruhe der Hauptzweck des rheinischen Bundes ist, davon finden die bisherigen Reichsmitstände der Souverains, in deren Namen die gegenwärtige Erklärung geschieht, den deutlichen Beweis darin, daß jedem unter ihnen, dessen Lage ihm eine Theilnahme daran erwünschlich machen kann, der Beitritt zu demselben offen gelassen ist.
Indem wir uns dieses höchsten und hohen Auftrags hierdurch schuldigst entledigen; so haben wir zugleich die Ehre, die Versicherung der hochachtungsvollsten Ergebenheit hinzuzufügen, womit wir sind
Eure Excellenzien, Hochwürden, Hoch- und Hochwohl- und Wohlgeborenen
Regensburg den 1. August 1806.
gehorsamst-ergebenste
Freiherr von Rechberg, Ihrer königlichen Majestät von Baiern
geheimer Rath und bisheriger Comitial-Gesandter.
Freiherr von Seckendorf, Ihrer königlichen Majestät von Württemberg
Staatsminister und bisheriger Comitial-Gesandter.
Churfürstlich-Reichs-Erzkanzlerischer Staatsminister und Directorial-
Gesandter, Freiherr von Albini.
Der churfürstlich Badensche Gesandte, Albrecht Freiherr von
Seckendorf.
Landgräflich Hessischer Gesandter, Freiherr von Türkheim.
Edmund Freiherr von Schmitz-Grollenburg, Seiner hoch-
fürstlichen Durchlaucht zu Hohenzollern-Hechingen und des
hochfürstlichen Gesammthauses Hohenzollern Gesandter.
Weihbischof und Domdechant von Wolf, als Salm-
kyrburgischer Comitial-Gesandter.
Von Wollenbec, von wegen Seiner hochfürstlichen Durchlaucht
zu Isenburg.
Erklärung Sr. Maj. des Kaisers Franz II, wodurch er die deutsche Kaiserkrone und das Reichsregiment niederlegt, die Churfürsten, Fürsten und übrigen Stände, wie auch alle Angehörige und Dienerschaft des deutschen Reiches, ihrer bisherigen Pflichten entbindet;
datirt Wien den 6. August 1806.
(L. S.) Franz.
Johann Philipp Graf von Stadion.
Manifest des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III. zur Begründung der Kriegserklärung an Frankreich.
Vom 9. Oktober 1806.
Indem Se. Maj. der König von Preußen die Waffen zur Vertheidigung Ihres Volkes ergreifen, halten Sie es für nöthig, wie dem gesammelten Europa, die Thatsachen vorzulegen, welche Sr. Maj. einen solchen Schritt zur Pflicht gemacht haben.
Die französische Politik war seit fünfzehn Jahren die Geißel der Menschheit. Daß die schwankenden Machthaber, die seit 1792 im schnellen Wechsel an der Seite von Frankreich standen, die Werkzeuge ihrer Herrschaft nur im Kriege, die Bürgschaft ihrer Existenz nur im Elende der Nationen suchten, konnte man ohne große Verwunderung ansehen. Aber das Aufkommen einer festen Regierung, bei der man nicht dasselbe Bedürfniß voraussetzen konnte, belebte von Neuem die Hoffnungen der Freunde des Friedens. Napoleon, mit der höchsten Gewalt bekleidet, siegreich, umringt von schwachen Staaten oder freundschaftlich gesinnten Regenten, den überwundenen und ermüdeten Nebenbuhlern, hatte es in seiner Macht, eine bessere Rolle zu wählen. Für die Größe der Franzosen blieb Ihm nichts mehr zu thun; für ihr Glück vermochte Er Alles. Es ist schmerzhaft, es sagen zu müssen: die französische Politik blieb nichts destoweniger dieselbe. Eine unersättliche Ehrsucht war fortwährend ihr herrschender Charakter. Die Waffen und die Verträge mußten ihr auf gleiche Weise dienen.
Der Friede von Amiens war kaum geschlossen, als schon das Signal zu den ersten Gewaltthaten erfolgte. Zwei unabhängige Staaten, Holland und die Schweiz, wurden gezwungen, eine Verfassung anzunehmen, die sie in französische Provinzen verwandelte. Die Erneuerung des Kriegs war die Folge davon. Unterdessen dauerte auf dem festen Lande der Friede noch fort. Das deutsche Reich hatte ihn durch unermeßliche Opfer erkauft.
Im Schooße des Friedens geschah es, daß die französischen Truppen in das Churfürstenthum Hannover einfielen, ein Land, welches der Krieg zwischen Frankreich und England nichts anging, daß sie der britischen Flagge die Häfen Deutschlands verschlossen, daß sie sich, und dieß auszuführen, Cuxhavens bemächtigten, und das Gebiet einer freien Stadt, der dieser Krieg noch fremder als selbst dem Hannöverschen war, in Besitz nahmen. – Im Schooße des Friedens geschah es, daß eben diese Truppen, wenige Monate nachher, das deutsche Reich auf eine Weise verletzten, welche die Ehre der Nation noch tiefer verwundete. Die Deutschen haben den Tod des Herzogs von Enghien nicht gerächt; aber das Gedächtniß dieser Begebenheit wird nie bei ihnen erlöschen.
Der Tractat von Lüneville verbürgte die Unabhängigkeit der italienischen Republiken. Den bestimmtesten Verheißungen zum Trotz, setze Napoleon die eiserne Krone auf sein Haupt. Genua wurde Frankreich einverleibt; Lucca hatte ungefähr das gleiche Schicksal. Nur wenige Monate zuvor hatte der Kaiser bei einer feierlichen Veranlassung, bei einer Veranlassung, die ihm große Pflichten auferlegte, vor seinem Volke und vor Europa ausdrücklich erklärt, daß er die Gränzen seines Reiches nie weiter ausdehnen wolle. Ein Tractat mit Rußland verpflichtete Frankreich überdieß, dem König von Sardinien in Italien Schadloshaltungen anzuweisen. Anstatt diese Verbindlichkeit zu erfüllen, bemächtigte man sich aller der Gegenstände, die zu jenen Schadloshaltungen dienlich seyn konnten.
Portugal wollte seine Neutralität behaupten. Man zwang es, mit Gold in der Hand einige Augenblicke trüglicher Sicherheit zu erkaufen. – So blieb, ohne Ausnahme der Pforte, die sich noch des Einfalls in Egypten und Syrien erinnert, keine Macht in Europa übrig, die nicht der Gegenstand irgend eines willkührlichen Angriffs gewesen wäre. – Zu diesen factischen Gewaltthaten gesellte sich nun noch ein System von Beleidigungen und Schmähungen. Ein Journal, welches sich als die Stimme der Regierung ankündigte, wurde zum Archive unversiegbarer Ausfälle gegen alle gekrönten Häupter gewählt.
Nicht eine dieser allgemeinen Bedrückungen konnte Preußen fremd seyn. Verschiedene darunter hingen genau mit seinem wesentlichen Interesse zusammen; und überdieß war die Weisheit des Systems, welches die sämmtlichen Staaten von Europa als Glieder einer und derselben Familie betrachtet, sie Alle zur Vertheidigung eines Jeden aufruft, und in der unmäßigen Vergrößerung des Einen die Gefahr für alle Uebrigen ahnet, durch die Erfahrung hinlänglich bestätigt worden. Doch es ist vor Allem nothwendig, darzustellen, wie das Verfahren Frankreichs in seinem unmittelbaren Verhältnisse gegen Preußen beschaffen war.
Es wäre überflüssig, Alles aufzuzählen, was Napoleon Preußen verdankt. Preußen war die erste Macht, die ihn anerkannte. Keine Versprechungen, keine Drohungen hatten seine Neutralität erschüttern können. Was nur irgend die Pflicht eines guten Nachbars vorschreiben konnte, war sechs Jahre lang geleistet worden. Preußen schätzte eine tapfere Nation, die von ihrer Seite auch Preußen in Krieg und Frieden schätzen gelernt hatte. Es ließ dem Genie ihres Oberhauptes Gerechtigkeit widerfahren. Es hing an jenen natürlichen Verbindungen, die beiden Reichen mehr als ein gemeinschaftliches Interesse verliehen. – Das Andenken an diese Zeiten existiert für Napoleon nicht mehr.
Preußen hatte den Einfall in das Kurfürstenthum Hannover geduldet. Hierin hatte es Unrecht gethan. Auch war seine erste Absicht, sich ihm zu widersetzten. Es erbot sich dazu gegen England, unter Bedingungen, die dieses ablehnte. Man mußte nun wenigstens darauf bedacht seyn, diese Unternehmung unschädlicher zu machen, indem man Frankreich eine Gränze bezeichnete, die es nicht überschreiten sollte. Napoleon verstand sich feierlichst dazu, die Neutralität der nördlichen Staaten nicht zu beeinträchtigen, und Keinen unter ihnen Gewalt anzuthun, besonders aber zu keiner Vermehrung der im Kurfürstenthum befindlichen Truppen zu schreiten. Kaum hatte Er diese Verpflichtungen übernommen, als Er sie brach. – Jedermann weiß, wie Sir Fr. Rumboldt gewaltsam aufgehoben wurde. Jedermann weiß, wie die Hansestädte zu Contributionen unter dem Namen von Anleihen gezwungen wurden, nicht etwa für ihr eigenes Interesse, sondern ganz so, als wäre Frankreich mit ihnen im Kriege gewesen. Für die erste dieser Beleidigungen begnügte sich der König mit einer unvollständigen Genugthuung. Von der zweiten nahm er keine Kunde, weil die Furcht der Seestädte verhinderte, Klage darüber zu führen. Der König verbargt sich keineswegs, welche unerhörte Opfer er dem Frieden brachte; aber immer noch war die Erhaltung dieses Friedens der theuerste Wunsch seines Herzens. Die Langmuth der übrigen Höfe war eher erschöpft, als die Seinige.
Der Krieg brach auf dem festen Lande aus. Die Lage des Königs wurde, in Rücksicht auf seine Pflicht, schwieriger als jemals. Um Frankreich von der Vermehrung der Truppen, die es in Hannover unterhielt, abzuhalten, hatte Er versprochen, keinen Angriff gegen diese zuzulassen. Die Russen und die Schweden bereiteten sich zu einem solchen Angriffe. Von nun an fiel die ganze Last des Verhältnisses zwischen Preußen und Frankreich auf jenes, ohne daß es den geringsten Vortheil davon genoß; und durch eine seltene Verkettung von Umständen schien Preußen, welches nur unpartheyisch und neutral hatte bleiben wollen, dieß, zum Schaden der verbündeten Mächte, nicht mehr seyn. Aller Gewinn, der aus dieser Stellung Preußens hervorging, war für Frankreich; und der König wurde täglich von Collisionen bedroht, die eben so schreckend für Ihn, als entscheidend für den Erfolg der Pläne Napoleons waren.
Wer hätte glauben sollen, daß gerade der Augenblick, in welchem der König der französischen Regierung die stärksten Beweise Seiner Festigkeit und ein seltenes Beispiel von treuer Erfüllung einer einmal übernommenen Verbindlichkeit gab, von Napoleon gewählt werden würde, um Preußen die empflindlichste Beleidigung zuzufügen! Wer erinnert sich nicht der Verletzung des ansbachischen Gebiets, die am 3. October des vergangenen Jahres, ungeachtet des feierlichen Einspruchs der Landesregierung und der königlichen Minister, vor sich ging! So hatte mehrere Jahre lang der merkwürdige Wettstreit zwischen der Mäßigung, die Alles verzieh, und der Redlichkeit, die dem gegebenen Worte bis an’s Ende getreu blieb, von einer Seite, dem Mißbrauche der Gewalt, dem Trotz auf verführerisches Glück, und der Gewohnheit nur mit diesem zu rechnen, von der andern Seite fortdauert.
Der König erklärte der französischen Regierung, daß Er alle seine Verbindungen mit ihr als aufgelöst betrachte. Er setzte Seine Armee in eine den Umständen angemessene Verfassung. Er war nun vollständig überzeugt, daß es für die Nachbarn Frankreichs nur ein einziges Unterpfand der Sicherheit gab, einen auf feste Grundlagen gestützten und von allen Mächten gemeinschaftlich garantirten Frieden. – Se. Majestät erboten Sich gegen die Verbündeten, der Wortführer bei den Unterhandlungen über einen solchen Frieden zu seyn und diese mit Ihren gesammten Kräften zu unterstützen. Es ist hinreichend, die damals verabredeten Bedingungen zu kennen, um die Mäßigung, welche zu alten Zeiten die Politik Sr. Majestät leitete, in ihrem ganzen Umfange zu beurtheilen. Preußen gab in diesem Augenblicke keiner muthwilligen Rachsucht Gehör. Es ließ sich nicht auf die Begebenheiten der letzten Kriege, wie verderblich sie auch gewesen seyn mochten, ein; bestehende Tractate hatten sie einmal sanctionirt. Es verlangte nichts, als gerade die Vollziehung dieser Tractate; aber diese verlangte es uneingeschränkt.
Der Graf Haugwitz begab sich nach Wien, wo damals der französisches Kaiser seinen Aufenthalt hatte. Kaum war dieser Minister einige Tage dort gewesen, als die ganze Gestalt der Dinge sich änderte. Die erlittenen Unglücksfälle hatten dem Wiener Hof einen Waffenstillstand abgenöthigt, dem der Friede unmittelbar folgen sollte. Se. Maj. der Kaiser von Rußland hatte Ihre großmüthigen Absichten dem Wunsche Ihres Alliirten zum Opfer dargebracht, und Ihre Truppen kehrten in die Heimath zurück. – Preußen stand nun allein auf dem Kampfplatze. Es mußte seine Politik auf die Gränzen seiner Kräfte beschränken, und anstatt, wie es sein Wille war, das Interesse von ganz Europa zu umfassen, seine eigne Sicherheit und die seiner Nachbarn zu seiner ersten Richtschnur zu machen.
Der französische Kaiser schlug dem Grafen Haugwitz einen Tractat vor, in welchem auf der einen Seite die wechselseitige Garantie der Besitzungen, die der Unverletzlichkeit des türkischen Gebietes, die der Resultate des Preßburger Friedens, – auf der andern die Besitznahme von Hannover für Preußen, gegen Abtretung dreier Provinzen desselben, stipulirt werden sollte. – Der erste Theil dieses Tractats verhieß wenigstens für die Zukunft eine anerkannte, verbürgte und, wenn Napoleon es gewollte hätte, feste politische Verfassung. Die Resultate des Preßburger Friedens waren ein allgemeines Unglück für Europa; aber Preußen opferte sich allein auf, wenn es sie angriff; und den unaufhörlichen Ursurpationen Frankreichs nur ein für allemal irgend eine Gränze zu bestimmen, schien immer noch ein Vortheil in der Voraussetzung, daß Tractate in den Augen des Hofes von St. Cloud etwas mehr als Worte seyn würden. Der König ratificirte diese Artikel unbedenklich. – Die zweite Hälfte des Tractats von Wien betraf einen Gegenstand, dessen Wichtigkeit eine schreckliche Erfahrung dargethan hatte. Preußen durfte auf keinen Augenblick von Sicherheit rechnen, so lange Hannover in einem Krieg verwickelt blieb, der dieses Land nichts anging. Um welchen Preis es auch durchgesetzt werden mochte, Preußen war entschlossen, nicht zuzugeben, daß die Franzosen dahin zurückkehrten. Es hatte nunmehr die Wahl, diesen Zweck entweder durch einen Tractat oder durch einen Krieg zu erreichen. Das Hingehen dreier Provinzen, gleich treu und glücklich eine lange Reihe von Jahren hindurch, war ein Opfer, das gegen keinen Plan eines eitlen Ehrgeizes je in die Wagschale gelegt werden konnte; aber diese Provinzen wären selbst die ersten Leidenden beim Ausbruch eines Krieges gewesen; alle Plagen dieses Krieges hätten sich auf die Monarchie gewälzt, und die Erwerbung von Hannover mußte Preußen, wen sie unter weniger traurigen Conjuncturen geschehen konnte, die ersprießlichsten Vortheile verschaffen.
Der König glaubte also seine Wünsche mit seinen Grundsätzen zu vereinigen, indem er den vorgeschlagenen Tausch nur unter der ausdrücklichen Bedingung annahm, daß die Vollziehung desselben bis zum allgemeinen Frieden verschoben, und die Zustimmung Sr. Maj. des Königs von Großbritannien abgewartet werden sollte. – Aller Vortheil bei dem Tractate war für Frankreich. Von einer Seite erhielt es Garantien, die seine Eroberungen besiegelten. Von der anderen Seite gab es, was es nicht besaß, was es durch einen ungewissen Krieg hätte wieder erobern müssen, und in den preußischen Abtretungen fand es die Mittel, seine Bundesgenossen zu bereichern. Aber zwischen einer Politik, die Alles will was sie kann, und einer Redlichkeit, die noch an Pflichten und besonders an Verheißungen glaubt, ist der Kampf allemal ungleich. Der König näherte sich dem Augenblick, wo er dieß durch Erfahrungen inne werden sollte. Dieser Augenblick war der schmerzhafteste Seiner Regierung.
Es war Frankreichs Sache, die Modificationen, unter welchen der König den Tractat bestätigt hatte, wenn sie ihm nicht gefielen, zu verwerfen. Es hütete sich wohl, dieses zu thun; denn die ganze preußische Armee war noch unter Waffen. Es fuhr fort, mit Freundschafts-Versicherungen freigiebig zu seyn; es machten den Tractat allenthalben geltend, wo es seinem Interesse gemäß war, daß man daran glaubte; als endlich aber Se. Majestät, gedrängt von dem Wunsche, die einzige Frucht der letzten Verhandlungen, die Ihrem Herzen willkommen war, zu genießen, und das von den Armeen ausgesogene Deutschland zu erleichtern, die Ihrigen zurückgezogen hatte, da änderte sich plötzlich die Sprache. Nun verwarf man zu Paris die dem Tractate von Wien beigefügten Modificationen. Nun versuchte man, von Preußen die verderblichsten Maaßregeln zu erzwingen, – und als Graf Haugwitz, der sich in Paris befand, sich dagegen auflehnte, bestand man mit Hochmuth auf unbedingte Vollziehung des Tractats, auf unverzügliche Abtretung der drei Provinzen, auf Zurücknahme des Patents, wodurch die preußische Besitzergreifung von Hannover für provisorisch erklärt worden war. Man stritt Preußen eine Theil der stipulirten Vortheile ab, und verlangte die Schließung der Häfen gegen die brittische Flagge in eben der Art, wie sie stattgefunden haben würde, wenn die Franzosen in das Kurfürstenthum zurückgekehrt wären.
Der König hatte endlich die wahre Beschaffenheit der Freundschaft des französischen Kaisers vollständig erkannt. Er verbarg sich nicht länger, daß die Früchte eines solchen Verhältnisses allemal dieselben seyn müssten; ein einschläfernder Trank für die Macht, die noch ihre Kräfte fühlte; ein Werkzeug der Herabwürdigung und endlicher Unterjochung für eine Macht, die keine mehr besaß. Unterdessen hatte Napoleon alle Vortheile in seinen Händen. Die preußische Armee war zurückgekehrt; die seinigen hatten sich, nach einigen unwesentlichen Bewegungen, worüber das betrogene Deutschland zu früh gefrohlockt hatte, unter nichtsbedeutenden Vorwänden diesseits des Rheins festgesetzt. Das erste Zusammentreffen konnte Unglücksfälle herbeiführen. Der Krieg, der nicht unter allen Umständen das größte Übel ist, konnte es unter den damaligen werden. Der König wollte noch eine Zeit lang bei seiner bisherigen Rolle stehen bleiben. Er wollte für den Augenblick, der sich damals schon berechnen ließ, seinen Kräfte, deren Europa mehr als jemals nöthig hatte, aufbewahren, und um wenigstens die Ruhe des Nordens zu sichern, bestätigte Er den neuen Tractat. Das Vertrauen war indessen ohne Rettung dahin. – Preußen war nunmehr überzeugt, daß es einen Grad des Ehrgeizes gibt, den nichts zu sättigen vermag, der von Anmaaßung zu Anmaaßung, zuweilen ohne Plan, aber immer mit dem Bedürfnisse Alles zu verzehren, ohne Unterlaß fortschreitet, über die Wahl der Mittel unbesorgt, die Waffen und die Feder, die Gewaltthaten und die Eidschwüre, mit gleicher Entschlossenheit benutzend. Aber selbst mit dieser Ueberzeugung – so groß ist dennoch die unglückliche Ueberlegenheit einer solchen Politik über die, die bloß gerecht seyn will – erfüllte den König alle Bedingungen des Tractats mit aller Sorgfalt eines gewissenhaften Alliirten.
Es ist bekannt, was die Folgen davon in Ansehung der Verhältnisse Sr. Majestät mit England waren. Frankreich gewann nichts hierbei; aber es triumphierte insgeheim über den Gedanken, zwei Höfe veruneinigt zu haben, die vereinigt ihm gefährlich werden konnten; und was in Frankreichs Augen seiner Allianz mit dem Könige ihren eigentlichen Werth gab, war gerade, daß diese Allianz Se. Majestät isolirte, indem sie die Meinung erregte, daß Preußen die Mitschuldigen an so vielem Unglück sey. – Doch mit diesem Unglück begnügte man sich noch nicht. Wir werden bald sehen, wie die französische Politik, versichert, daß sie nun keinen Feind mehr zu fürchten hätte, darauf rechnend, Oesterreich vernichtet zu haben, in ihrem Urtheil über Rußland von eben so viel Unwissenheit als Vermessenheit geleitet, und geblendet durch Preußens anscheinende Ruhe, die Larve endlich von sich wirft, und mit Verachtung aller der Formen, die sonst noch zuweilen geschont worden waren, alle Tractate und alle Rechte ganz öffentlich mit Füßen tritt. Drei Monate nach der Unterzeichnung seines Tractats mit Preußen waren schon die sämmtlichen Artikel desselben verletzt. Der Tractat hatte zur Basis den Status quo des Augenblicks, in welchem er geschlossen wurde, vor allen Dingen also die Garantie des Deutschen Reichs und seiner Stände, in der Verfassung, in welcher sie sich damals befanden. Diese Wahrheit schließt nicht bloß aus der Natur der Sache; der Tractat hatte auch den beiden Mächten ihre Pflichten ausdrücklich vorgeschrieben.
Man hatte Se. Maj. dem Kaiser von Oesterreich die Verhältnisse, in welchen der Preßburger Frieden diesen Monarchen gelassen hatte, mithin auch die deutsche Kaiserkrone und die damit verbundenen Rechte garantirt. Man hatte die Existenz von Baiern, und folglich auch alle die Verhältnisse, die es seit so vielen Jahrhunderten an das Reich knüpften, und dieselbe gemeinschaftliche Garantie bestätigt. Drei Monate nachher wirft der Rheinbund die deutsche Reichsverfassung über den Haufen, raubt demselben den alten Schmuck seines Hauses, und setzt Baiern und dreißig andere Fürsten mit ihm unter die Vormundschaft Frankreichs.[1 Vgl. dazu ...] Doch, darf man wohl, um diese merkwürdigen Begebenheiten zu beurtheilen, seine Zuflucht zu Tractaten nehmen? – Von allen Tractaten haben die Nationen ihre Rechte; und, wenn Frankreich auch nicht mit der Heiligkeit der Eide hier Spott getrieben hätte, diese That eines unerhörten Despotismus hätte dennoch aller Gemüther empört:
Fürsten, die Frankreich nie beleidigt hatten, ihrer Souverainetät zu berauben, sie in Vasallen einiger Auserwählten zu verwandeln, die selbst wieder Vasallen der französischen Regierung werden sollten; eine Constitution von tausendjähriger Dauer, die eine lange Gewohnheit, das Gedächtniß ruhmvoller Zeiten und vielfältige wechselseitige Verhältnisse so vielen Fürsten theuer gemacht hatten, die von allen europäischen Mächten, und unter ihnen auch von Frankreich, so oft garantirt worden war, mit einem Federstrich zu vertilgen; sie zu vertilgen im Angesichte der Verzweiflung der Mitschuldigen wie der Schlachtopfer, indeß man mit seinen Armeen die Stände, welche man zu bereichern vorgibt, zu Grunde richtet, den Städten mitten im tiefsten Frieden Contributionen auferlegt, den neuen Besitzern selbst nichts als ein ausgesogenes Gerippe übrig lässt; diese Constitution zu vertilgen, ohne das man den Kaiser von Deutschland, dem man die Krone entreißt, ohne daß man den Kaiser von Rußland, noch ganz neuerlich Gewährleister des deutschen Bundes, ohne daß man Preußen, noch wesentlicher in diesem Bunde, der solchergestalt aufgelöst werden sollte, interessirt, nur darüber befragt hätte! – Nein, man hatte die Kriege und anhaltenden Siege zuweilen große und denkwürdige Katastrophen herbeiführen sehen; aber ein solches Schauspiel im Frieden ist der Welt noch nie dargeboten worden.
Der König hat die unglücklichen Fürsten, die bei diesen Unternehmungen gelitten haben, bedauert; aber Er bedauert Die nicht weniger, die sich durch die traurige Beute reizen ließen, und Er würde sich vorwerfen, ihr Unglück vermehrt zu haben, wenn Er sie mit zu großer Strenge beurtheilen wollte. Zum Lohne ihrer Hingebung getäuscht, vielleicht gezwungen, Befehlen zu gehorchen, die keinen Widerstand duldeten, oder, wenn selbst ihr Wille berückt wurde, genugsam gestraft durch ihre Erwerbungen, und durch einen Vasallenstaat, der eben so hart ist, als ihre vorigen Verhältnisse ehrenvoll waren, verdienen sie zuletzt wohl nicht, daß Deutschland den Stab über sie breche. Vielleicht, wenn die edelmüthige Nation, der sie ehemals angehörten, sich von allen Seiten erhebt, um ihre Unabhängigkeit zu verfechten, vielleicht wird alsdann der Ruf der Dankbarkeit, und der Ehre auch bis zu ihnen ertönen, und die Ketten werden ihnen dann wenigstens zum Abscheu werden, wenn es darauf ankommt, sie mit dem Blut ihrer Brüder zu färben.
Es war noch nicht genug, daß diese despotische That Preußen schlechthin beleidigte. Dem Kaiser von Frankreich war daran gelegen, daß sie auch in jedem ihrer Nebenumstände der Person des Königs empfindlich wurde. Die Existenz des Prinzen von Oranien befand sich unter der gemeinschaftlichen Garantie der beiden Mächte; denn der König hatte die politischen Veränderungen in Holland nur unter dieser Bedingung anerkannt. Seit Jahren erwartete dieser Prinz, daß seinen durch die wechselseitigen Stipulationen Preußens und Frankreichs gesicherten Geldforderungen Genüge geleistet werden solle. Die batavische Republik hatte den Willen gehabt, sich mit ihm auseinander zu setzen. Der Kaiser Napoleon hatte es ihr verboten. Weder die Erinnerung an diesen Umstand, noch Rücksicht auf die Bande des Blutes, die den Prinzen an Se. Maj. knüpften, noch die zwanzigmal wiederholte Erklärung, daß der König die Gerechtsame seines Schwagers nicht im Stich lassen könne, waren im Stande, zu bewirken, daß man ihn nicht mit unter den Haufen der Schlachtopfer zog. Er war der erste, dem man das Eigentum seiner Väter raubte. Acht Tage zuvor hatte er vom Kaiser einen Brief empfangen, worin ihm, in den gewöhnlichen Formen, Theilnahme über den Tod des Fürsten, seines Vaters, geäußert und zu der friedlichen Besitznahme der Staaten seines Hauses Glück gewünscht wurde. Keiner dieser Nebenumstände ist unwichtig, jeder wirft einen Lichtstrahl auf das Ganze.
Cleve war dem Prinzen Mürat zugefallen. Kaum Souverain geworden, wollte er auch schon Eroberer werden. Seine Truppen besetzten die Abteyen Essen, Werden und Elten unter dem Vorwande, daß sie zum Herzogthum Cleve gehörten, ob sie gleich ganz neu erworbene Gebiete waren und zwischen ihnen und der abgetretenen Provinz auch nicht der Schatten einer Verbindung obwaltete. Man quälte sich vergebens, um diesen Frevel nur irgend einen Anstrich zu verleihen. – Wesel sollte dem neuen Herzoge, nicht dem Kaiser Napoleon gehören. Nie hätte sich der Koenig dazu entschlossen, die letzte Festung am Rheine in Frankreichs Hände zu liefern. Ohne sich mit einem Worte darüber zu erklären, wurde Wesel zu einem französischen Departement geschlagen.
Man hatte sich wechselseitig den Besitzstand der österreichischen Monarchie und der Pforte garantirt. Der Kaiser Napoleon wollte zwar, daß Preußen durch diese Garantien gebunden sey; denn sie waren in seinen Händen ein Werkzeug, dessen er sich bedienen konnte, je nachdem seine Politik es verlangte; ein Vorwand, um irgend einem Streite, den seine Ehrsucht herbeigeführt hätte, Opfer zu begehren. Er selbst aber hielt sich nur so lange daran, als sein Interesse ihm nicht einen andern Gang vorschrieb. Ragusa, obgleich unter dem Schutz der Pforte, wurde von seinen Truppen in Besitz genommen. Gradiska und Aquileja wurden Oesterreich entrissen, ungefähr unter eben dem Vorwande, welcher die Franzosen in die drei Abteyen geführt hatte.
Man war bei allen politischen Berechnungen von der Idee ausgegangen, daß die von Frankreich geschaffenen neuen Staaten im eigentlichen Sinne Staaten, und nicht französische Provinzen, seyn würden. Es kostete dem Cabinet in St. Cloud nur Ein Wort, um ihnen ihre Unabhängigkeit zu rauben. Man erfand die Benennung: das große Reich, und war sofort von nichts als Vasallen umringt. – Von dem Tractate war also keine Spur mehr vorhanden. Und Preußen fuhr fort, seine Häfen gegen England zu verschließen!! Und Preußen glaubte noch immer, Verpflichtungen auf sich zu haben.
Der Kaiser benachrichtigte endlich Se. Majestät, daß es Ihm gefallen habe, das deutsche Reich aufzulösen und einen rheinischen Bunde zu stiften, und forderte den König auf, einen ähnlichen Bund im nördlichen Deutschland zu Stande zu bringen. Das war die gewöhnliche und lange mit Erfolgt gekrönte Tactik, im Augenblick der Geburt eines neuen Projectes den Höfen, die diesem Project Schwierigkeiten in den Weg legen konnten, irgend eine Lockspeise darzubieten. – Der König ergriff die Idee eines solchen Bundes, nicht etwa, als wenn jene nun längst schon gewürdigten Rathschläge den geringsten Eindruck auf ihn gemacht hätten, wohl aber, weil in der That die Umstände Ihn dazu verpflichteten und weil nach dem Abfall der zum Rheinbund übergetretenen Fürsten eine enge Verbindung zwischen den nördlichen mehr als je die Bedingung ihrer Sicherheit war. Der König beschäftigte sich damit; aber glücklicherweise nach andern Grundsätzen als denen seines Musters. Er setzte Seinen Stolz darein, die letzten Deutschen unter Seine Fahne zu versammeln; aber die Rechte eines Jeden sollten unverletzt bleiben und die Ehre allein die Verbündeten an einander knüpfen.
Aber Frankreich sollte den König zu einer Maßregel aufgefordert haben, die nützlich für Preußen gewesen wäre! Wir werden bald sehen, was es heißt, wenn Frankreich mit Gunstbezeugungen auftritt. Zuvörderst hatte man Sorge getragen, in das Grundstatut des Rheinbundes einen Artikel einzufügen, welcher den Keim zu allen künftigen Umgriff