Source: http://leuphana-gemeinsam-gestalten.de/2014/02/06/faktenlage-und-stellungnahme-zur-neufassung-der-rahmenpruefungsordnung/
Timestamp: 2017-08-23 21:14:26
Document Index: 19155641

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§7', '§ 11', '§ 6', '§ 24', '§ 21', '§25', '§ 25']

Faktenlage und Stellungnahme zur Neufassung der Rahmenprüfungsordnung – Leuphana gemeinsam gestalten
« Einladung zur 1. außerordentlichen Sitzung des 9. Studierendenparlaments der Leuphana Universität
Einladung zur 2. ordentlichen StuPa-Sitzung am 05.03. »
in seiner gestrigen außerordentlichen Sitzung hat das StuPa ausführlich über die Neufassung der Rahmenprüfungsordnung (RPO) beraten. Dabei haben wir gemeinsam im StuPa die Faktenlage festgestellt und eine Stellungnahme erarbeitet. Diese findet ihr hier:
Faktenlage zur Neufassung der Rahmenprüfungsordnung (RPO)
Wegfall der Orientierungsstufe / Einführung der Wiederholungs- anstelle der Bonus-Malus-Regelung (§§ 5 aF, 13)
In Angleichung an die MA-RPO sowie an die Lehramts-RPO wird statt der existenten Bonus-Malus-Punkte-Regelung die Wiederholungsregelung eingeführt. Jede Modulprüfung kann somit insgesamt dreimal versucht werden, es sind zwei Wiederholungen möglich. Die zweisemestrige Orientierungsstufe zu Beginn des Studiums wird ersatzlos gestrichen.
Der Katalog der Prüfungsformen wird von 17 auf fünf Prüfungsformen zuzgl. Bachelorarbeit reduziert. Neu ist die Prüfungsform „kombinierten wissenschaftlichen Arbeit“, in der zwei bis drei Teilleistungen (z.B. schriftliche wissenschaftliche Arbeit und Klausur) zu einer Gesamtnote führen. Die Gewichtung und die Art der Teilleistungen sind vor Modulanmeldung in myStudy einsehbar.
Studienleistungen §7 Abs. 1
Die Studienleistungen wurden in der neuen RPO umfassend geändert. In der alten Fassung sind verschiedene Formen der Studienleistung aufgelistet und klar definiert, aus diesen konnten Lehrende auswählen. In der Neufassung fällt diese Aufschlüsselung weg, Studienleistungen werden nur noch als nicht benotete, schriftliche und mündliche Leistungen definiert, die fester Bestandteil des Workloads eines Moduls sind.
Anmeldung zu Prüfungen, Termine und Fristen, Rücktritt §§ 11, 16
Studierende haben immer den gleichen festen Termin (15. Mai bzw. 15. November), zudem sie sich zu allen Prüfungsformen auf immer dieselbe Art anmelden können. Die Anmeldezeiträume gelten für jeden Versuch der Prüfung; es ist also irrelevant, ob es sich um eine Wiederholung oder den ersten Versuch handelt. Für alle Prüfungsformen gleichermaßen ist eine grundsätzliche Rücktrittsmöglichkeit bis fünf Werktage vor dem Prüfungstermin/ dem Beginn des Prüfungszeitraums eröffnet.
Erfolgreiche Teilnahme § 6 Abs. 1 S. 2 (Anwesenheitspflicht)
Eine erfolgreiche Teilnahme an der Lehrveranstaltung kann auf Antrag der/des Lehrenden zur Voraussetzung der Zulassung zur Prüfungsleistung erklärt werden; über den anhand der konkreten Qualifikationsziele begründeten Antrag entscheidet die zuständige Studienkommission. Dies ermöglicht unter anderem die Verpflichtung zur Anwesenheit in Lehrveranstaltungen oder anderen Partizipationsformen. Die Studienkommissionen sind paritätisch besetzt, d.h. sie bestehen zur Hälfte aus studentischen Vertreter_innen.
Fremdsprachenzertifikat im Komplementärstudium § 24
Studierende erwerben Fremdsprachenkenntnisse auch durch Auslandsaufenthalte und außerhalb von Veranstaltungen, die auf dem Transcript festgehalten werden. Um in Tests nachgewiesene Fremdsprachenkenntnisse jedoch in jedem Fall im Zeugnis nachgewiesen zu bekommen, wird hier die Möglichkeit geschaffen, im Sinne der Internationalisierung in der Anlage 8 (Komplementärstudium) ein solches Zertifikat zu etablieren.
Andere Neuregelungen
Weitere Neuregelungen wurden notwendig erstens aufgrund der Einführung eines weiteren achtsemestrigen „Bachelor Plus” mit integriertem Auslandsaufenthalt, dieser in der Fakultät Wirtschaft. Zweitens bedingt die notwendige Umsetzung der Lissabon-Konvention (Übereinkommen über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europäischen Region) eine Neufassung des § 21 (Anrechnung von Studienzeiten und Prüfungsleistungen) sowie der zugehörigen Anlagen 10 und 11. Drittens war die ECTS-Einstufungstabelle neu zu normieren. Schließlich musste aufgrund neu eingeführter Studienprogramme die Major-Minor-Kombinationstabelle aktualisiert werden.
Inkrafttreten der neuen RPO
Die Neubekanntmachung der Rahmenprüfungsordnung gilt vollständig ab dem Wintersemester 15/16 für alle Studierende, unabhängig vom Studienbeginn (beachte §25). Einige Teile der Änderung, unter anderem die erfolgreiche Teilnahme, können ab Veröffentlichung gelten. Für Studierende, die mit einer alten RPO ins Studium gestartet sind, gilt im Rahmen der neuen Prüfungsordnung (3-Versuche-Regelung) der Vertrauensschutz.
Aus Gründen des Vertrauensschutzes gilt die Bonus-Malus-Punkte-Regelung für diejenigen Studierenden weiter, die vor Inkrafttreten der RPO ihr Studium bereits aufgenommen haben. Hier wurde in § 25 Abs. 1 eine Frist von Regelstudienzeit zzgl. 4 Semestern gewählt. Wer bis dahin sein Studium noch nicht beendet hat, fällt unter die Übergangsregelung: Erworbene Maluspunkte werden in jedem Modul, in dem sie erworben wurden, als ein erfolgloser Versuch unter der Wiederholungsregel gewertet.
Stellungnahme des Studierendenparlamentes zur Neufassung der Rahmenprüfungsordnung
Die Intention einer Neufassung der Rahmenprüfungsordnung (RPO) muss die Verbesserung der Qualität von Studium und Lehre aus studentischer Sicht sein.
Ein Studium muss dem Verständnis des Studierendenparlaments (StuPa) nach die Perspektive für eine selbstbestimmte Rolle in der Gesellschaft herausbilden. Hiermit ist nicht nur Beschäftigungsfähigkeit gemeint, sondern eine kritische Praxisorientierung, die Absolvent_innen in die Lage versetzt, erworbene wissenschaftliche Qualifikationen als Instrument für gesellschaftliche Veränderung zu verstehen.
Selbstbestimmung innerhalb des Studiums bedeutet hierbei, dass die Studierenden nicht in erster Linie fremden Weisungen bzw. Zwang unterworfen sind, sondern den Prozess ihrer Teilnahme an Forschung und Lehre selber bestimmen. D.h. dass die Studierenden eine Wahlfreiheit bei der Gestaltung des Studiums haben sollten.
Demnach ist es das Recht der Studierenden, das Studium im Rahmen der einschlägigen Studienordnung eigenverantwortlich zu organisieren, Wahlmöglichkeiten zu nutzen, Prüfungszeitpunkte zu bestimmen und die Art und Weise der Aneignung des wissenschaftlichen Lernens selbst zu bestimmen. Es umfasst dabei auch das Recht auf Fernbleiben.
Nicht die Form, sondern der Inhalt sollte zudem bei einer Veranstaltung entscheidend sein. Der Besuch von Lehrveranstaltungen soll sich also vor allem aus deren Qualität ergeben und sollten daher eigenverantwortlich wahrgenommen werden. Reine erzwungene körperliche Präsenz ohne Motivation sorgt weder für eine vertiefende inhaltlich Auseinandersetzung der Themen, noch zu einer aktiven Beteiligung innerhalb der Seminare.
Eine Anwesenheitspflicht verletzt somit nicht nur die Freiheit des Studiums, sie steht auch dessen Verständnis entgegen und ist diesem nicht förderlich. Sie ist daher voll und ganz abzulehnen.
Zudem schlägt das StuPa eine Vereinfachung der Anmeldefristen für Prüfungsleistungen vor. Studierende sollten nicht genötigt werden, sich zu einem festgesetztem Termin, ca. vier Wochen nach Semesterbeginn, für Prüfungen anzumelden – auch wenn noch kein ausreichende Auseinandersetzung mit den Themengebieten innerhalb der Module ermöglicht werden konnte. Dies gilt speziell für Blockseminare die traditionell später beginnen. Zudem würde das Verpassen der Anmeldefrist dafür sorgen, dass Studierende das Modul aus formal unnötigen Gründen wiederholen müssten und damit ggf. länger studieren.
Das StuPa hält daher eine An- und Abmeldefrist von 5 Werktagen vor Prüfungsbeginn für sinnvoll. Die An- und Abmeldung sollte sowohl für Hausarbeiten als auch wie bisher üblich für Klausuren über die Onlineplattform QIS ermöglicht werden.
3-Versuche-Regelung
Das StuPa hält die geplante Änderung bezüglich der Prüfungswiederholung vom „Maluspunktesystem“ hin, zu den „drei Versuchen“ für eine Verschlechterung, da das Risiko erhöht wird, das Leute aus dem Studium zwangsexmatrikuliert werden. Die Universität hat das Studium zu gewährleisten und nicht einzuschränken bzw. zu beenden.
Das StuPa lehnt somit nicht nur die Änderung des Entwurfs zur Wiederholbarkeit ab, sondern schlägt vor eine Lösung zu finden die Studium und Lehre tatsächlich aus Perspektive der Studierenden von strengen Restriktionen befreit und die Anzahl der Prüfungsversuche erhöht.
An der RPO wurde seit Herbst 2012 gearbeitet. Laut Senatsdokument wurden die Dekanate im Sommer 2013 „in intensiven Einzelgesprächen“ eingebunden. Die erste Gremiensitzung, in welcher es die RPO-Änderung auf die Tagesordnung schaffte, fand Ende September 2013 statt, also ein Jahr nach Beginn des Prozesses. Die demokratisch gewählten Gremien der Universität dürfen nicht übergangen werden. Gerade Prozesse von elementarer Bedeutung für die Studiengestaltung müssen unter Beteiligung aller Statusgruppen hochschulöffentlich stattfinden und nicht etwa in nicht formellen Arbeitsgruppen hinter verschlossenen Türen. Wir fordern in allen zukünftigen Prozessen die Einbindung der Gremien und eine offene Informationspolitik. Bedeutende Änderungen in Studium und Lehre sollten in Konsens mit der Studierendenschaft erarbeitet und beschlossen werden.
Für eine selbstbestimmte Rolle in der Gesellschaft, welche beinhaltet, dass man gesellschaftliche Verantwortung auf wissenschaftlicher Grundlage wahrnimmt, ist die Erweiterung der studentischen Selbstbestimmung notwendig. Das Zurückdrängen von Restriktion innerhalb der RPO können hierzu beitragen Studierenden ein solches Studium zu ermöglichen. Weiter muss die Mitbestimmung der Studierenden auch in Fragen von Lehre gegeben sein. Der Zwang zum Lernen, die Fremdbestimmung von Inhalten, sowie das Vorschreiben von Art und Weise des Lernens, motivieren weder zur vertiefenden Auseinandersetzung, noch sind sie im Sinne des Leitbildes der Leuphana Universität Lüneburg.