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Timestamp: 2016-10-28 06:43:46
Document Index: 11564774

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 24', 'Art. 36', 'BGE', 'BGE', 'Art. 66']

8C_891/2009 (22.02.2010)
8C_891/2009
Die 1977 geborene A.________, verheiratet und Mutter dreier Kinder (geb. 1999, 2001 und 2002), war als Mitarbeiterin im Kundendienst bei der Unternehmung C.________ in einem Pensum von 80 % angestellt und dadurch bei der SWICA Gesundheitsorganisation (nachfolgend: SWICA) obligatorisch gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Am 14. Oktober 2005 wollte sie die T�re eines an der Wand montierten Fotoschrankes �ffnen, als diese sich aus der Angel l�ste und der Versicherten entgegenfiel. A.________, die sich noch etwas sch�tzend wegdrehen konnte, wurde am Schulterblatt und im Bereiche des Musculus trapezius rechts getroffen. Am Spital X.________, wo sie sich noch gleichentags notfallm�ssig untersuchen liess, wurde eine Scapulakontusion rechts mit einer ca. 5 x 4 cm grossen Kontusionsmarke festgestellt. Die Beweglichkeit von Schulter und Halswirbels�ule war nicht eingeschr�nkt und eine R�ntgenuntersuchung ergab keine frischen L�sionen oder Frakturen. Die SWICA erbrachte Versicherungsleistungen. Am 12. Dezember 2005 nahm A.________ ihre T�tigkeit trotz stark protrahiertem Heilungsverlauf wieder zu 50 % auf. Wegen persistierenden Beschwerden wurde die Versicherte im Dezember 2005/Januar 2006 radiologisch, rheumatologisch und neurologisch untersucht, wobei keine abnormen Befunde erhoben wurden. Vom 4. bis 24. Oktober 2006 absolvierte sie eine station�re Rehabilitation in der Klinik Y.________. Gem�ss Austrittsbericht vom 31. Oktober 2006 wurden die Diagnosen eines chronischen zervikospondylogenen Syndroms rechts nach Schulter- und Nackenkontusion und seitheriger Begleitung von Kopfschmerzattacken und Angstzust�nden sowie einer Anpassungsst�rung mit l�ngerer depressiver Entwicklung bei psychosozialer Belastungssituation gestellt. Als schwerwiegendes Problem wurde die schwierige famili�re Situation der Patientin erw�hnt. Nach dem Rehabilitationsaufenthalt nahm die Versicherte ihre Arbeit nicht wieder auf. Die SWICA liess sie am Spital X.________ polydisziplin�r begutachten. Gem�ss Expertise vom 26. Februar 2007 (recte Juli) leidet A.________ unter anderem an einem funktionellen Schulterhochstand rechts mit Verk�rzung des Musculus trapezius rechts bei unauff�lligen neurologischen Werten und einer l�ngeren depressiven Reaktion mit depressiver Verstimmung, Reizbarkeit, Angstattacken und Schlaflosigkeit. Die festgestellten gesundheitlichen St�rungen st�nden in einem nat�rlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 14. Oktober 2005, der Integrit�tsschaden betrage 20 %. Die SWICA er�ffnete der Versicherten mit Verf�gung vom 10. Juni 2008, ab dem 1. September 2007 bestehe kein Anspruch auf Versicherungsleistungen mehr, da zwischen den gutachterlich festgestellten gesundheitlichen Beeintr�chtigungen und dem Unfall kein ad�quater Kausalzusammenhang bestehe. Die dagegen erhobene Einsprache, mit welcher die Ausrichtung einer Integrit�tsentsch�digung von 20 % beantragt wurde, wies die SWICA mit Entscheid vom 9. September 2008 ab.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies die hiegegen erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 26. August 2009 ab.
A.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren und beantragen, es sei ihr eine Integrit�tsentsch�digung von mindestens 20 % zuzusprechen, eventuell sei die Sache zur Vornahme weiterer Abkl�rungen zur�ckzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersucht sie um Gew�hrung der unentgeltlichen Prozessf�hrung.
Die SWICA schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf Vernehmlassung.
Streitig und zu pr�fen ist einzig der Anspruch auf eine Integrit�tsentsch�digung.
Die massgeblichen Rechtsgrundlagen sind im angefochtenen Entscheid zutreffend dargelegt. Das gilt namentlich auch f�r die Grunds�tze �ber den f�r einen Leistungsanspruch der obligatorischen Unfallversicherung erforderlichen nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden im Allgemeinen (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181 mit Hinweisen) sowie bei Beschwerden mit organisch klar ausgewiesenen Unfallfolgen (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103 mit Hinweisen), bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall (BGE 115 V 133; sog. Psycho-Praxis) und bei nicht mit organisch objektiv ausgewiesenen Beschwerden verbundenen Schleudertraumen der HWS, �quivalenten Verletzungen der HWS und Sch�del-Hirntraumen (BGE 134 V 109; sog. Schleudertrauma-Praxis). Darauf wird verwiesen.
Uneinigkeit besteht insbesondere hinsichtlich der Organizit�t der geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden. Das kantonale Gericht legt dar, anl�sslich der R�ntgenuntersuchung am Unfalltag seien keine frischen kn�chernen L�sionen festgestellt worden und auch das MRI vom 12. Januar 2006 habe - ausser zwei kleinen residuellen �demzonen mit wahrscheinlich kleinem H�matom - keinen Nachweis einer weitergehenden Weichteilverletzung erbracht. Gem�ss polydisziplin�rem Gutachten des Spitals X.________ vom 26. Juli 2007 existiere kein organisches Korrelat f�r das posttraumatische Auftreten der Schulterproblematik (Schulterhochstand, Schmerzsymptomatik). Hingegen habe das im IV-Verfahren eingeholte Gutachten vom 13. November 2008 ein Beschwerdebild funktioneller Natur best�tigt; und die Symptomausweitung beruhe auf einer psychosozialen Belastungssituation. Zusammenfassend kam die Vorinstanz zur Erkenntnis, der Schulterhochstand, verbunden mit einer Verk�rzung des Musculus trapezius, stelle kein fassbares organisches Substrat dar, weshalb sie die Ad�quanz des Kausalzusammenhanges auf Grund der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung pr�fte und verneinte.
Demgegen�ber h�lt die Beschwerdef�hrerin daf�r, die Verk�rzung des Musculus trapezius sei organischer Natur, da sie messbar sei. Dem kann nicht gefolgt werden. Bei der Frage, ob organisch nachweisbare Unfallfolgen vorliegen, ist nicht allein zu pr�fen, ob ein organisch fassbares Korrelat die geltend gemachten Beschwerden erkl�ren k�nnten, sondern auch, ob dieses eine Folge der beim Unfall erlittenen K�rpersch�digung ist. Vorliegend kommen alle Gutachter zum Schluss, dass der Schulterschiefstand und die dadurch als Folge eingetretene Verk�rzung des Trapezmuskels funktioneller, das heisst psychischer Natur ist. Es gab daf�r zu keinem Zeitpunkt eine organische Ursache. Damit sind Beschwerden funktioneller und nicht organischer Natur im Sinne der Ad�quanzrechtsprechung. Da sich darin alle Gutachter einig sind, er�brigen sich weitere medizinische Abkl�rungen.
Gem�ss Art. 24 Abs. 1 UVG hat ein Versicherter, welcher durch einen Unfall eine dauernde erhebliche Sch�digung der k�rperlichen, geistigen oder psychischen Integrit�t erleidet, Anspruch auf eine angemessene Integrit�tsentsch�digung. Ein Integrit�tsschaden gilt als dauernd, wenn er voraussichtlich w�hrend des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht (Art. 36 Abs. 1 Satz 1 UVV).
4.1 Die Beschwerdef�hrerin beruft sich zur Berechnung des Integrit�tsschadens auf die Sch�tzung im Gutachten des Spitals X.________ vom 26. Juli 2007. Darin wird indessen nicht ausgef�hrt, welche gesundheitliche Beeintr�chtigung zum Integrit�tsschaden von 20 % f�hren. Die Beurteilung erfolgte ohne Begr�ndung.
4.2 Im psychiatrischen Teilgutachten der Dr. med. K.________ vom 16. Juli 2007 zur Expertise des Spitals X.________ geht die �rztin von einer namhaften Besserung der von ihr diagnostizierten depressiven Reaktion aus, falls die Beschwerdef�hrerin eine gen�gende medikament�se und psychotherapeutische Behandlung aufnehme. Die Gutachterin f�hrt weiter aus, bez�glich der im Rahmen des Unfalls entstandenen depressiven Reaktion bestehe Aussicht auf vollst�ndige Heilung, wobei eine Besserung innerhalb eines halben bis ganzen Jahres zu erwarten sei; es sei nicht damit zu rechnen, dass die Beschwerden bis ans Lebensende in gleichem Ausmass bestehen blieben.
Da der Schulterhochstand und die damit verbundene Verk�rzung des Trapezmuskels funktioneller, da heisst psychogener Natur ist, fehlt es f�r dieses Leiden an der geforderten Dauerhaftigkeit der gesundheitlichen Beeintr�chtigung. Damit besteht kein Anspruch auf eine Integrit�tsentsch�digung.
5.1 Die Beschwerdef�hrerin verlangt weitere Abkl�rungen in Form einer Nachfrage bei den Gutachtern, falls man auf den gesch�tzten Integrit�tsschaden wegen mangelnder Begr�ndung nicht abstelle. Davon kann indessen auch deshalb abgesehen werden, weil es neben der mangelnden Dauerhaftigkeit der gesundheitlichen Beeintr�chtigung auch am ad�quaten Kausalzusammenhang mit dem versicherten Unfall fehlt.
5.2 Da der Schulterhochstand keine organische Folge des Unfalls darstellt (Erw�gung 3), ist die Ad�quanz nach der in BGE 115 V 133 begr�ndeten Rechtsprechung zu pr�fen, wovon auch das kantonale Gericht zu Recht ausgegangen ist. Entgegen der Darstellung in der Beschwerde ist diese Frage unabh�ngig von der beanspruchten Leistungsart (Taggeld, Heilbehandlung, Rente oder Integrit�tsentsch�digung) und nur einmal zu beantworten (BGE 127 V 102). Wie die Vorinstanz bereits richtig festgestellt hat, fehlt es bei dem als mittelschwer an der Grenze zu einem leichten zu qualifizierenden Unfall an einer besonderen Eindr�cklichkeit. Die erlittene Rissquetschwunde und Kontusion an der Schulter ist auch nicht geeignet, eine psychische Fehlentwicklung auszul�sen. Ebenso wenig k�nnen die weiteren Zusatzkriterien als erf�llt gelten. Die Beschwerdef�hrerin bringt keine Argumente vor, die zu einem von der Beurteilung der Vorinstanz abweichenden Resultat f�hren k�nnten. Die Unfallversicherung und die Vorinstanz haben daher den Anspruch auf eine Integrit�tsentsch�digung zu Recht verneint.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Gerichtskosten der Beschwerdef�hrerin aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Diese ersucht um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessf�hrung. Gem�ss den von ihr eingereichten Belegen steht dem Ehepaar ein durchschnittliches monatliches Einkommen - bestehend aus Taggeldern der Arbeitslosenkasse der Versicherten und der Invalidenrente des Ehemannes - von Fr. 5'095.- zur Verf�gung. Hinzu kommen noch die Pr�mienverbilligungen von Fr. 5'651.45 pro Jahr entsprechend Fr. 470.95 im Monat, was zu einem anrechenbaren Total von Fr. 5'566.- f�hrt. Dem steht der prozessuale Notbedarf von Fr. 4'948.- (Grundbetrag Ehepaar Fr. 1550.- und drei Kinder Fr. 1'050.-; Zuschlag von 25 % zum Grundbetrag Fr. 650.-; Mietzins Fr. 1'055.- [ohne Autoabstellplatz]; Krankenkassenpr�mien Fr. 643.-) gegen�ber. Aus dem Vergleich des Einkommens mit dem Notbedarf resultiert ein monatlicher �berschuss von Fr. 618.-, womit eine Bed�rftigkeit nicht ausgewiesen ist. Damit kann dem Gesuch um unentgeltliche Prozessf�hrung nicht entsprochen werden.