Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/steuerstrafrecht/steuerhinterziehung-und-die-urteilsgruende-2-3125167
Timestamp: 2019-12-07 18:50:13
Document Index: 205630137

Matched Legal Cases: ['§ 267', '§ 337', '§ 370', '§ 261', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Nach § 267 Abs. 1 Satz 1 StPO müs­sen die Urteils­grün­de die für erwie­sen erach­te­ten Tat­sa­chen, also das Tat­ge­sche­hen mit­tei­len, in dem die gesetz­li­chen Merk­ma­le der Straf­tat gefun­den wer­den. Dies muss in einer geschlos­se­nen Dar­stel­lung aller äuße­ren und jeweils im Zusam­men­hang damit auch der dazu­ge­hö­ri­gen inne­ren Tat­sa­chen in so voll­stän­di­ger Wei­se gesche­hen, dass in den kon­kret ange­führ­ten Tat­sa­chen der gesetz­li­che Tat­be­stand erkannt wer­den kann 1.
Nur dann kann das Revi­si­ons­ge­richt auf die Sach­rü­ge prü­fen, ob bei der recht­li­chen Wür­di­gung eine Rechts­norm nicht oder nicht rich­tig ange­wen­det wor­den ist (§ 337 StPO).
Die Straf­vor­schrift der Steu­er­hin­ter­zie­hung (§ 370 AO) wird mate­ri­ell­recht­lich aus­ge­füllt durch die im Ein­zel­fall anzu­wen­den­den steu­er­recht­li­chen Vor­schrif­ten, aus denen sich ergibt, wel­ches steu­er­lich erheb­li­che Ver­hal­ten im Rah­men der jewei­li­gen Abga­ben­art zu einer Steu­er­ver­kür­zung geführt hat 2. Auch hier­zu bedarf es aus­rei­chen­der tat­säch­li­cher Fest­stel­lun­gen, die eine Nach­prü­fung durch das Revi­si­ons­ge­richt ermög­li­chen. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re die­je­ni­gen Para­me­ter, die maß­geb­li­che Grund­la­ge für die Steu­er­be­rech­nung sind (Besteue­rungs­grund­la­gen). Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs müs­sen des­halb die Urteils­grün­de bei einer Ver­ur­tei­lung wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung regel­mä­ßig nicht nur die Sum­me der jeweils ver­kürz­ten Steu­ern, son­dern für jede Steu­er­art und jeden Steu­er­ab­schnitt geson­dert die Berech­nung der ver­kürz­ten Steu­ern im Ein­zel­nen ange­ben 3.
Die Anwen­dung steu­er­li­cher Vor­schrif­ten auf den fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt und die dar­aus fol­gen­de Berech­nung der ver­kürz­ten Steu­ern, durch die der Schuld­um­fang der Straf­tat bestimmt wird, ist dabei Rechts­an­wen­dung, die der Tatrich­ter selbst vor­zu­neh­men hat. Auch die Ermitt­lung und Dar­le­gung der Besteue­rungs­grund­la­gen obliegt dem Tatrich­ter. Die Ver­wei­sung auf Betriebs­prü­fungs­be­rich­te oder die Über­nah­me der Ermitt­lungs­er­geb­nis­se der Steu­er­fahn­dung in das Urteil sind eben­so unzu­rei­chend wie die Wie­der­ga­be von Aus­sa­gen, die Finanz­be­am­te als Zeu­gen in der Haupt­ver­hand­lung zur Behand­lung steu­er­li­cher Fra­gen gemacht haben 4. Das Land­ge­richt ist aller­dings nicht gehin­dert, bereits im Ermitt­lungs­ver­fah­ren erstell­te Dar­stel­lun­gen rein mathe­ma­ti­scher Berech­nun­gen, die mit den eige­nen Fest­stel­lun­gen über­ein­stim­men, in das Urteil zu über­neh­men. Dies gilt indes grund­sätz­lich nicht für die Fest­stel­lung der Besteue­rungs­grund­la­gen, die im Wege frei­er rich­ter­li­cher Über­zeu­gungs­bil­dung vom Tatrich­ter eigen­ver­ant­wort­lich zu ermit­teln sind. Die Über­nah­me einer Schät­zung der Finanz­be­hör­den kommt des­halb nur dann in Betracht, wenn der Tatrich­ter die­se eigen­ver­ant­wort­lich nach­ge­prüft hat und von ihrer Rich­tig­keit auch unter Berück­sich­ti­gung der vom Besteue­rungs­ver­fah­ren abwei­chen­den straf­recht­li­chen Ver­fah­rens­grund­sät­ze (§ 261 StPO) über­zeugt ist. Die Schät­zungs­grund­la­gen müs­sen dabei in den Urteils­grün­den für das Revi­si­ons­ge­richt nach­voll­zieh­bar mit­ge­teilt wer­den 5. Eine Berech­nungs­dar­stel­lung ist nur dann aus­nahms­wei­se ins­ge­samt ent­behr­lich, wenn ein sach­kun­di­ger Ange­klag­ter, der zur Berech­nung der hin­ter­zo­ge­nen Steu­ern in der Lage ist, ein Geständ­nis abge­legt hat 6.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Mai 2017 – 1 StR 176/​17
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 12.05.2009 – 1 StR 718/​08, NJW 2009, 2546; Beschlüs­se vom 13.07.2011 – 1 StR 154/​11, BFH/​NV 2011, 1823; und vom 01.09.2015 – 1 StR 12/​15, wis­tra 2015, 477 mwN[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 12.05.2009 – 1 StR 718/​08, NJW 2009, 2546 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 26.04.2001 – 5 StR 448/​00, wis­tra 2001, 308 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 26.04.2001 – 5 StR 448/​00, wis­tra 2001, 308[↩]
st. Rspr.; BGH, Beschlüs­se vom 13.07.2011 – 1 StR 154/​11, BFH/​NV 2011, 1823; und vom 01.09.2015 – 1 StR 12/​15, wis­tra 2015, 477 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 13.07.2011 – 1 StR 154/​11, BFH/​NV 2011, 1823; und vom 25.10.2000 – 5 StR 399/​00, NStZ 2001, 200[↩]
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