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Timestamp: 2016-10-21 13:22:25
Document Index: 218466655

Matched Legal Cases: ['BGE', 'Art. 43', 'Art. 61', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 44', 'BGE', 'Art. 29', 'BGE', 'Art. 36', 'Art. 9', 'Art. 6', 'BGE', 'Art. 6', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 68', 'BGE']

8C_335/2012 (27.09.2012)
8C_335/2012
Waldaustrasse 7, 9000 St. Gallen,
Der 1959 geborene M.________ war Lastwagenchauffeur bei der Firma Z.________ AG und bei der SUVA obligatorisch unfallversichert. Am 21. April 2010 st�rzte er auf einer Baustelle in eine ca. 60 cm tiefe Grube. Am 17. Mai 2010 wurde der Versicherte im Spital Y.________ an der rechten Schulter operiert; im Austrittsbericht vom 21. Mai 2010 wurden eine Supraspinatussehnenl�sion und eine Bicepssehnendegeneration rechts diagnostiziert. Die SUVA erbrachte Heilbehandlung und Taggeld. Am 15. Juni 2010 gab der Versicherte gegen�ber der SUVA Beschwerden am rechten Ellbogen w�hrend der Physiotherapie an. Die Computertomografie (CT) des rechten Ellbogens vom 6. Juli 2010 zeigte unter anderem eine Radiusk�pfchen-Meisselfraktur rechts. Am 10. August 2010 wurden im Spital Y.________ eine Arthroskopie am Ellbogen rechts sowie eine Entfernung freier Gelenkk�rper und eine Fossaplastik durchgef�hrt; im Bericht vom 12. August 2010 wurden eine Arthrose am Ellbogen rechts mit freiem Gelenkk�rper und aktuell Blockaden diagnostiziert. Am 27. September 2010 erfolgten in diesem Spital eine Ellbogenarthroskopie sowie Abtragung des Osteophyt Processus coronoideus. Die SUVA zog diverse Arztberichte bei. Mit Verf�gung vom 17. November 2010 verneinte sie eine Leistungspflicht f�r die Ellbogenbeschwerden rechts, da die Kausalit�t zum Unfall vom 21. April 2010 und eine unfall�hnliche K�rpersch�digung nicht gegeben seien. Die vom Versicherten und von seinem Krankenversicherer erhobenen Einsprachen wies sie mit Entscheid vom 11. April 2011 ab.
Dagegen erhob der Versicherte Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen. Dieses f�hrte am 13. M�rz 2012 eine m�ndliche Verhandlung durch und wies die Beschwerde mit Entscheid gleichen Datums ab.
Mit Beschwerde beantragt der Versicherte, in Aufhebung des kantonalen Entscheides sei die SUVA zu verpflichten, auch f�r die Ellbogenbeschwerden rechts die gesetzlichen UVG-Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld etc.) zu gew�hren; eventuell sei die Sache an die Vorinstanz respektive die SUVA zur Vornahme weiterer Abkl�rungen respektive zur Erstellung eines neutralen Gutachtens zur�ckzuweisen. Die SUVA beantragt die Abweisung der Antr�ge, w�hrend das Bundesamt f�r Gesundheit auf Vernehmlassung verzichtet.
Die Vorinstanz hat die Grundlagen �ber die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem Gesundheitsschaden (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f.) richtig dargelegt. Gleiches gilt betreffend den Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG; BGE 136 V 376 E. 4.1.1 S. 377), den Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125) und den Beweiswert von Arztberichten (BGE 134 V 231 E. 2.1 S. 232). Darauf wird verwiesen. Zu erg�nzen ist Folgendes: Bei einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung gen�gt es, wenn das Ereignis lediglich Ausl�sungsfaktor des Gesundheitsschadens war (SVR 2010 UV Nr. 31 S. 125 E. 5.1 mit Hinweisen [8C_816/2009]; Urteil 8C_682/2011 vom 12. Oktober 2011 E. 2). Soweit sich ein Entscheid auf versicherungsinterne �rztliche Beurteilungen st�tzt, sind an die Beweisw�rdigung strenge Anforderungen zu stellen: Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverl�ssigkeit und Schl�ssigkeit dieser �rztlichen Feststellungen, ist eine versicherungsexterne medizinische Begutachtung nach Art. 44 ATSG oder ein Gerichtsgutachten anzuordnen (BGE 135 V 465).
Streitig und zu pr�fen ist, ob die SUVA f�r die Ellbogenbeschwerden rechts des Versicherten leistungspflichtig ist.
Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, in den echtzeitlichen Akten sei einzig von einer Einwirkung des Sturzes des Versicherten vom 21. April 2010 auf seine rechte Schulter die Rede. Er habe erstmals am 25. Oktober 2010 angegeben, beim Sturz versucht zu haben, sich mit dem rechten Arm abzust�tzen. Eine gleichzeitige Verletzung von Schulter und Ellbogen sei zwar m�glich, jedoch keineswegs zwingend. Gem�ss dem Bericht des Spitals Y.________ vom 30. Juni 2010 seien die Beschwerden am rechten Ellbogen erst nach der Schulteroperation vom 17. Mai 2010 und damit erst rund einen Monat nach dem Unfall vom 21. April 2010 aufgetreten. Eine Ruhigstellung der rechten oberen Extremit�t durch eine Armschlinge oder einen Verband sei erst nach dieser Schulteroperation erfolgt. Da der rechte Arm nach dem Unfall somit weitgehend frei beweglich und nicht fixiert gewesen sei, erscheine es als ungew�hnlich und damit lediglich als m�glich, dass der Versicherte bei diesem Unfall auch eine Verletzung am rechten Ellbogen erlitten, diese jedoch erst nach der Schulteroperation wahrgenommen habe. Auch gest�tzt auf die medizinische Aktenlage - insbesondere die Aktenbeurteilungen der Dres. med. X.________, Facharzt FMH f�r Chirurgie, Kreisarzt-Stellvertreter, vom 10. November 2010, W.________, Facharzt FMH f�r Chirurgie, speziell Allgemein- und Unfallchirurgie, SUVA-Kreisarzt, vom 24. November 2010 und V.________, Facharzt f�r Orthop�dische Chirurgie FMH, SUVA Versicherungsmedizin, vom 4. April 2011 - k�nne nicht �berwiegend wahrscheinlich als erstellt gelten, dass es sich bei der Ellbogenproblematik rechts um eine nat�rlich-kausale Folge des Unfalls vom 21. April 2010 handle. Damit �bereinstimmend habe auch das Spital Y.________ im Bericht vom 30. Juni 2010 den Verdacht auf eine alte Fraktur erhoben.
Der Versicherte macht geltend, die Vorinstanz habe die aus dem Anspruch auf rechtliches Geh�r fliessende Begr�ndungspflicht (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; BGE 136 I 229 E. 5.2 S. 236) verletzt, da sie die Sache nicht im Lichte der Art. 36 UVG und Art. 9 Abs. 2 UVV gepr�ft habe. Diese Frage kann offen bleiben, da ohnehin eine Begutachtung notwendig ist (vgl. auch Urteil 8C_77/2011 vom 26. Mai 2011 E. 4).
Der Versicherte wendet ein, nach dem Unfall vom 21. April 2010 sei als Verletzung die Schulter rechts angegeben und behandelt worden. Er habe sofort Schmerzmittel genommen, weshalb die Schmerzen auszuhalten gewesen seien. Leider habe das Spital Y.________ die Ellbogenproblematik vorerst unbeachtet gelassen. Erst als die Schulter in Ordnung gebracht worden sei, habe er die Schmerzen im Ellbogen rechts kr�ftiger versp�rt, weil er keine Medikamente mehr erhalten respektive der Ellbogen nicht mehr in der Armschlaufe versorgt gewesen sei.
Diesbez�glich ist festzuhalten, dass der Versicherte aufgrund der Akten seinen Hausarzt Dr. med. U.________, Allgemeine Medizin FMH, am 22. April 2010 aufsuchte. Dieser stellte in den Berichten vom 28. April und 26. Mai 2010 einen Sturz auf die rechte Schulter und Schulterschmerzen rechts fest. Das Spital Y.________ beschrieb im Bericht vom 5. Mai 2010 gest�tzt auf eine gleichentags durchgef�hrte Untersuchung ebenfalls einen Sturz auf die rechte Schulter und Schulterschmerzen rechts. Echtzeitliche �rztliche Berichte, welche Ellbogenbeschwerden rechts unmittelbar seit dem Ereignis vom 21. April 2010 dokumentieren w�rden, liegen mithin nicht bei den Akten. Erst am 15. Juni 2010 berichtete der Versicherte, w�hrend der Physiotherapie versp�re er ausgehend vom Ellbogen ein Ziehen bzw. einen Schmerz hinauf zur Schulter und zum Schulterblatt. Gem�ss dem Bericht des Spitals Y.________ vom 30. Juni 2010 bestehen die Beschwerden am rechten Ellbogen seit der Schulteroperation vom 17. Mai 2010. Gest�tzt auf die Angabe des Versicherten anl�sslich der m�ndlichen Verhandlung vom 13. M�rz 2012 ist - der Vorinstanz folgend - davon auszugehen, dass der rechte Arm erst nach dieser Operation mit einer Armschlinge oder einem Verband fixiert wurde.
6.1.1 Die SUVA-�rzte �usserten sich zur Ellbogenproblematik rechts wie folgt: Dr. med. X.________ gab am 10. November 2010 an, da die Echtzeitdokumentation keinen Hinweis auf eine Ellbogenverletzung ergebe und auch im Verlauf keine solche beschrieben worden sei, sei die Kausalit�t der Ellbogenbeschwerden zum Unfall vom 21. April 2010 �berwiegend wahrscheinlich nicht gegeben. Dr. med. W.________ f�hrte am 24. November 2010 bez�glich der Ellbogenbeschwerden aus, ob es sich um ein koinzidenziell auftretendes Manifestwerden eines vorbestehenden asymptomatischen Zustandes handle oder dieser nach der Ruhigstellung manifest geworden sei, bleibe hypothetisch. Auf alle F�lle seien direkt kausal initial echtzeitlich keine Anhaltspunkte vorhanden, die darauf hinwiesen, dass der Ellbogen beim Unfall involviert gewesen sei. Dr. med. V.________ legte am 4. April 2011 - in W�rdigung des R�ntgenbildes vom 30. Juni 2010 und der CT vom 6. Juli 2010 - dar, beim Versicherten sei einige Wochen nach der Rekonstruktion der Rotatorenmanschette an der rechten Schulter eine schmerzhafte Bewegungseinschr�nkung am rechten Ellbogen festgestellt worden. Als Grund daf�r sei eine erhebliche Arthrose mit Osteophyten und auch freien Gelenkk�rpern identifiziert worden. Die These einer Radiusk�pfchenfraktur mit Stufenbildung beim Ereignis vom 21. April 2010 sei nicht wahrscheinlich. Zum einen h�tten anschliessend daran keine Ellbogenschmerzen bestanden, und zum anderen seien am Radiusk�pfchen und am gegen�berliegenden Capitulum humer-radiale schon �ltere Ver�nderungen zu sehen, die nicht erst innerhalb von wenigen Wochen entstanden sein k�nnten. Zudem sei auch keine ehemalige Frakturlinie und namentlich keine Verwerfung an der Basis der Fraktur zu sehen. �berdies w�re die Lokalisation der "Abmeisselung" atypisch. Dies alles spreche gegen eine damals verpasste Radiusk�pfchen-Meisselfraktur. Mit Wahrscheinlichkeit seien die Ellbogenbeschwerden aufgetreten, nachdem der Ellbogen im Rahmen der Schulteroperation und/oder Beschwerden vorg�ngig dazu relativ ruhiggestellt worden sei. Ein direkter Zusammenhang der strukturellen Ver�nderungen am Ellbogen mit dem Unfall und der deswegen durchgef�hrten Schulteroperation l�gen indessen mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit nicht vor.
6.1.2 Dr. med. T.________, Orthop�die, der den Versicherten am 1. Februar 2011 untersuchte, legte im Bericht vom 5. Februar 2011 dar, er vermute, dass die Radiusk�pfchen-Meisselfraktur doch vom Unfall vom 21. April 2010 komme. Auf dem Bild vom 6. Juli 2010 sei diese zwar schon kn�chern durchbaut; da der Versicherte aber vor dem Unfall keine Beschwerden gehabt habe, scheine ihm dies die aktuelle Ursache zu sein. Auch k�nne es sein, dass sich durch den Unfall der freie Gelenkk�rper gebildet habe, der abgesprengt worden sei. Die Arthrose im Gelenk scheine ihm nicht wesentlich zu sein f�r die aktuelle Schmerzproblematik. Nat�rlich habe die Stufenbildung jetzt zu einer weiteren Arthrose gef�hrt. Nach einer weiteren Untersuchung des Versicherten vom 17. Februar 2011 und einer CT vom 18. Februar 2011 gab Dr. med. T.________ im Bericht vom 21. M�rz 2011 an, darauf zeige sich die generalisierte Ellbogenarthrose, die so nat�rlich in ihrem Umfang nicht komplett als Folge des Unfalls vom 21. April 2010 zu sehen sei. Entscheidend scheine ihm doch die Arthrose im Radio-Humeralgelenk zu sein sowie die dort bestehende Stufenbildung, die er als Folge des Unfalls vom 21. April 2010 sehe.
6.2 Diese konkreten und differenzierten Einw�nde von Dr. med. T.________ sind geeignet, zumindest geringe Zweifel an der Zuverl�ssigkeit und Schl�ssigkeit der Beurteilungen der versicherungsinternen �rzte (E. 6.1.1 hievor) zu wecken. Es liegt nicht nur eine pauschale Bejahung der Unfallkausalit�t, sondern eine im einzelnen begr�ndete Stellungnahme vor. Zudem f�hrte der Hausarzt Dr. med. U.________, Allgemeine Medizin FMH, am 4. Oktober 2010 aus, es bleibe zu pr�fen, ob das Schultertrauma und die nachfolgende relative Ruhigstellung des rechten Arms die vorbestehende Problematik des Ellbogens demaskiert und verschlimmert habe.
Weiter ist festzuhalten, dass die versicherungsinternen �rzte zum Ergebnis der CT des rechten Ellbogens vom 18. Februar 2011 nicht Stellung nahmen. Zudem ist zu beachten, dass Dr. med. W.________ am 24. November 2010 lediglich die direkte Unfallkausalit�t der Ellbogenbeschwerden rechts in Abrede stellte. Auch Dr. med. V.________ verneinte am 4. April 2011 einzig den direkten Zusammenhang der strukturellen Ver�nderungen am Ellbogen mit dem Unfall und der deswegen durchgef�hrten Schulteroperation. Diese Aussagen sind unklar und schliessen die nat�rliche Kausalit�t mit dem Unfall vom 21. April 2010 nicht aus, erstreckt sich doch die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers nach Art. 6 Abs. 1 UVG auch auf mittelbare bzw. indirekte Unfallfolgen (nicht publ. E. 3a des Urteils BGE 127 V 491; Urteil 8C_595/2009 vom 17. November 2009 E. 2.2). Schliesslich ist im Lichte der Ausf�hrungen der Dres. med. V.________ und U.________ zu pr�fen, ob die Ellbogenproblematik rechts in einem Zusammenhang mit der Behandlung der unfallbedingten Schulterproblematik rechts steht (Art. 6 Abs. 3 UVG; hierzu vgl. BGE 128 V 169 E. 1c S. 171; SVR 2009 UV Nr. 9 S. 35 E. 4.2.1 [8C_510/2007]). Bei dieser Aktenlage hat die SUVA in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes (E. 2 hievor) ein externes medizinisches Gutachten zu veranlassen und danach �ber den Leistungsanspruch des Versicherten neu zu befinden.
Die unterliegende SUVA tr�gt die Verfahrenskosten (Art. 66 Abs. 1, Art. 68 Abs. 2 BGG; BGE 132 V 215 E. 6.1 S. 235; Urteil 8C_260/2012 vom 27. Juni 2012 E. 4).
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 13. M�rz 2012 und der Einspracheentscheid der SUVA vom 11. April 2011 werden aufgehoben. Die Sache wird an die SUVA zur�ckgewiesen, damit sie, nach erfolgter Abkl�rung im Sinne der Erw�gungen, �ber den Leistungsanspruch neu verf�ge. Im �brigen wird die Beschwerde abgewiesen.