Source: https://bucblog.wordpress.com/2010/05/17/die-haufigsten-juristischen-versprecher/
Timestamp: 2017-07-29 11:38:50
Document Index: 359408760

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 107', '§ 280', '§ 223', '§ 278', '§ 198']

Die häufigsten juristischen Versprecher. | buc.blog
Die häufigsten juristischen Versprecher.	Posted by Nicholas Carraway under Blogroll [6] Comments Sprache ist ständig im Wandel, darum ist so manches, was selbsternannte Sprachhüter (ähem…) als falsch brandmarken, einfach Zeichen semantischer Entwicklung. Dennoch kommt es gerade bei uns Juristen auf Genauigkeit an, weshalb die rechtswissenschaftliche Fachsprache sich gegenüber Neuerungen doch recht träge verhält.
Die folgenden Lapsus sollte man sich also zumindest in einer Klausur oder mündlichen Prüfung ersparen:
„fortfolgende“. Das zweite F in „ff.“ steht einfach nur für den Plural, genau so wie das zweite L in „LL.B.“
§ 1 ff. spricht man daher „Paragraf eins folgende“ aus. Und nicht anders.
„lediglich rechtlich vorteilhaft“. Nein, ein Geschäft kann auch noch auf andere Weise vorteilhaft und trotzdem nach § 107 BGB wirksam sein, zum Beispiel wirtschaftlich vorteilhaft. Einfach die Wortreihenfolge umdrehen, dann hat es Sinn: „rechtlich lediglich vorteilhaft“. Den Fehler macht übrigens jedes zweite Lehrbuch. Und auch das EVP-Skript, das ich gerade lese.
„A hat sich eines Diebstahls strafbar gemacht.“ Das muss man einfach auswendig lernen: Es heißt „sich eines Delikts schuldig machen“ (Genitiv) und „sich wegen eines Delikts strafbar machen“ (mit Präposition). Eure Korrektoren werden es euch danken, so zuletzt ausdrücklich im Korrekturbericht zur ExÜ Saliger vom 7. Mai.
Welche „Sünden“ kennt ihr noch?
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6 Antworten to “Die häufigsten juristischen Versprecher.”
B.A. Says:	17.05.10 at 20:01 5. „Schadenersatz“ ohne „s“ (so auch eine unserer Professorinnen). Im Gesetzestext der §§ 280 ff. ist der Fugenlaut enthalten; a.A. nur das Steuerrecht mit „Einkommensteuer“ etc.
6. „Alternative“ statt „Variante“ oder „Fall“. Es kann entgegen der h.M. auch mehr als zwei Alternativen geben, da diese immer vom Grundfall ausgehen, z.B. „Ich möchte nach Berlin ziehen; alternativ ziehe ich nach München, Frankfurt oder Köln.
Was aber gar keinen Sinn ergibt, ist die Aussage „S hat sich einer Körperverletzung gem. § 223 I StGB in den Alternativen 1 und 2 strafbar gemacht.“, da die beiden Varianten nicht sowohl alternativ als auch gleichzeitig verwirklicht sein können.
Antwort	Lolcat Says:	17.05.10 at 21:10 Schadenersatz und Schadensersatz geht beides. Der Duden garniert die S-Fassung mit dem Zusatz (BGB) – das kann man wohl als subtile Form der Geringschätzung begreifen.
Ob es zu einer Entscheidungsmöglichkeit mehr als eine Alternative geben kann, würde ich mal als „str.“ bezeichnen. Etymologisch erscheint mir das zweifelhaft.
Morphologisches Erregungspotential hat auch das Fugen-S in verfassungsgebend (GG-Präambel), was wohl unter sprachwissenschaftlichen Auspizen eher falsch sein soll (im SPIEGEL dufte mal jemand eine ganze Druckseite zu diesem Thema vollmachen).
Wann man von deren und wann man von derer spricht, ist selbst dem Gesetzgeber nicht klar (vgl. § 278 und § 198 BGB) – hier sind Prof. Fausts Ausführungen im EVP Maßstab und Erkenntnisquelle.
Zu diesem Kommentar noch: http://static.open.salon.com/files/26jul9-getting-a-life_85.jpg
Antwort	Nicholas Carraway Says:	18.05.10 at 10:51 …ein Prof schrieb mir gerade:
Was mir noch häufig auffällt: „X hat die Pflichtverletzung zu verschulden“ (statt: „verschuldet“ oder „zu vertreten“).
Viel schlimmer als ein „fortfolgende“ oder sogar einen „lediglich rechtlichen Vorteil“ finde ich aber, dass ich täglich mindestens eine Law School-E-Mail mit „Reminder“ oder „Save the date“ (besonders apart neulich: „Safe the date“) bekomme. Das weckt Assoziationen an ein Schuhgeschäft in Hintertupfing, das meint, etwas Besseres zu sein, wenn es sich „Shoe Store“ nennt…
Antwort	Kritiker Says:	20.05.10 at 17:22 Was für ein pseudo-intellektuelles Getue. Es zeigt sich ein weiteres Mal, dass sich offenbar gerade angehende Juristen stets in allen Gebieten für die meistgebildesten Menschen der Erde halten.
Antwort	Pseudointellektueller Says:	21.05.10 at 9:54 „meistgebildest“?
Antwort	stan Says:	21.05.10 at 23:05 Übrigens gibt es ein noch viel augenfälligeres Beispiel für falsch verwendete Gesetzesbegriffe: Schon der Begriff „Bürgerliches Gesetzbuch“ ist nämlich völlig unsinnig. Ein Gesetzbuch, das für den Bürger gilt, ist mitnicht „bürgerlich“. Das ist in ungefähr so, als würde man das Jugendgerichtsgesetz als „jugendliches Gerichtsgesetz“ bezeichnen.
17.05.10 at 16:13