Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=2010-12-21&Aktenzeichen=XI%20ZR%2052%2F08
Timestamp: 2018-05-26 02:21:30
Document Index: 191347418

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 133', '§ 242', 'BGH', 'BGH', '§ 316', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Ergänzende Vertragsauslegung bei Unwirksamkeit einer Zinsänderungsklausel zu laufenden Zinsen in einem Sparvertrag; Heranziehung der Zinsentwicklung eines neuen Referenzzinses in Folge der fehlenden Verfügbarkeit von statistischen Daten eines geeigneten Referenzzinses während der gesamten Laufzeit eines Sparvertrages
Grundsätze zur Berechnung laufender Zinsen in Prämiensparverträgen bei unwirksamer Zinsänderungsklausel fortentwickelt
Sie zielt nicht darauf ab, eine unwirksame, den Vertragspartner des Klauselverwenders unangemessen benachteiligende Klausel durch eine der unausgewogenen Regelung im Kern gleichende Gestaltung zu ersetzen (vgl. BGH, Urteil vom 21. Dezember 2010 - XI ZR 52/08, NJW-RR 2011, 625 Rn. 16).
Da die Unwirksamkeit des einseitigen Leistungsbestimmungsrechts nichts daran ändert, dass ein variabler Zinssatz vereinbart ist, ist vielmehr im Wege ergänzender Vertragsauslegung ein Anpassungsmaßstab und -modus zu bestimmen, wobei in sachlicher Hinsicht Parameter zu wählen sind, die dem Erfordernis der Vorhersehbarkeit und Kontrollierbarkeit von Zinsänderungen genügen (BGH Urteil vom 21.12.2010 - XI ZR 52/08 - Rn. 17; dazu auch: BGH Urteil vom 13.04.2010 - XI ZR 197/09).
Die infolge der Unwirksamkeit der Zinsänderungsklausel entstehende Lücke ist im Wege der beiderseits interessengerechten ergänzenden Vertragsauslegung (§§ 133, 157 BGB) zu schließen; dabei entspricht in sachlicher und zeitlicher Hinsicht dem mutmaßlichen Parteiwillen eine Regelung, welche von den Parteien in Kenntnis der Unwirksamkeit der vereinbarten Zinsänderungsklausel nach dem Vertragszweck und angemessener Abwägung ihrer beiderseitigen Interessen nach Treu und Glauben (§ 242 BGB) als redliche Vertragspartner gewählt worden wäre (vgl. BGH, Urteil vom 13. April 2010 - XI ZR 197/09 [unter II 2 a] und ergänzend BGH, Urteil vom 21. Dezember 2010 - XI ZR 52/08 [unter III 1]), was ein einseitiges Leistungsbestimmungsrecht nach §§ 316, 315 Abs. 1 BGB ausschließt (vgl. BGH, Urteil vom 21. Dezember 2010, a.a.O. [unter II 2 b und III 1] und Urteil vom 13. April 2010 [unter II 2 a und b]).
Selbst der Kläger geht im Ansatz mit der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (vgl. BGH, Urteil vom 13. April 2010 - XI ZR 197/09, WM 2010, 933-936 [unter II 2 a] und ergänzend BGH, Urteil vom 21. Dezember 2010 - XI ZR 52/08, WM 2011, 306-309 [unter III 1] davon aus, dass die durch die Unwirksamkeit einer unzulässigen Zinsanpassungsklausel entstandene Lücke im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung zu schließen ist.