Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%20129,%20186
Timestamp: 2019-07-20 02:01:10
Document Index: 354679497

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', '§ 88', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', '§ 89', 'BGH', 'BGH', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 134', 'BGH', 'BGH', '§ 134', 'BGH', 'BGH', '§ 9', 'BGH', '§ 1', '§ 307', '§ 307', 'BGH', '§ 1', '§ 1', '§ 90', 'BGH', '§ 89', '§ 89', '§ 326', 'BGH']

BGH, 29.03.1995 - VIII ZR 102/94 - dejure.org
https://dejure.org/1995,1459
BGH, 29.03.1995 - VIII ZR 102/94 (https://dejure.org/1995,1459)
BGH, Entscheidung vom 29.03.1995 - VIII ZR 102/94 (https://dejure.org/1995,1459)
BGH, Entscheidung vom 29. März 1995 - VIII ZR 102/94 (https://dejure.org/1995,1459)
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Versicherungsvertreterverträge - Klausel - Vertragskündigung - Freistellung von Vertretung - Folgeprovisionen - Ausgleichszahlungen - Zurückbehaltungsrecht des Vertreters
Wirksamkeit der formularmäßigen Freistellung eines gekündigten Versicherungsvertreters bei Fortzahlung der durchschnittlichen Einkünfte
AGBG § 9; HGB § 88a
Formularmäßige Vereinbarung der Folgen einer Freistellung in einem Versicherungsvertretervertrag
Dienstvertrag; Allgemeine Geschäftsbedingungen für Versicherungsvertretervertrag
BGHZ 129, 186
NJW 1995, 1552
ZIP 1995, 839
VersR 1995, 570
WM 1995, 1028
BB 1995, 1054
DB 1995, 1604
Insbesondere ist keine Vereinbarung getroffen worden, nach der der Kläger im Falle der Kündigung der Gegenseite gegen Belassung von Folgeprovisionen und Erhalt einer Ausgleichszahlung hätte freigestellt werden dürfen (vgl. zu einer derartigen Vertragsklausel BGH, Urteil vom 29. März 1995 - VIII ZR 102/94, BGHZ 129, 186 f., juris Rn. 2 ff.).
b) Die Klauseln 8.3.1 und 8.3.3 verstoßen schon deshalb gegen § 9 Abs. 1 AGBG, weil sie, wie zuvor dargelegt, in ihrer konkreten Ausgestaltung mit zwingenden Gesetzesvorschriften (§§ 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3, 89 b Abs. 4 Satz 1 HGB) nicht vereinbar sind; denn von zwingendem Gesetzesrecht darf durch Allgemeine Geschäftsbedingungen nicht abgewichen werden (vgl. Senat, Urteil vom 29. März 1995 - VIII ZR 102/94, NJW 1995, 1552 unter II 2 m.w.Nachw., insoweit nicht abgedruckt in BGHZ 129, 186 und Senat…, Urteil vom 25. September 2002 aaO unter II 3).
bb) Allerdings nehmen der Bundesgerichtshof (st. Rspr. seit 26. Januar 1983 - VIII ZR 342/81 - zu II 7 der Gründe; vgl. auch 29. März 1995 - VIII ZR 102/94 - zu II 2 der Gründe, BGHZ 129, 186) und das zivilrechtliche Schrifttum (Fuchs in Ulmer/Brandner/Hensen AGB-Recht 11. Aufl. Vorb. v. § 307 BGB Rn. 56 mwN; WLP/Pfeiffer 6. Aufl. § 307 Rn. 13 mwN) an, zwingende gesetzliche Vorschriften und §§ 307 ff. BGB seien nebeneinander anwendbar, so dass Klauseln, die gegen zwingendes Recht verstießen und deswegen nach § 134 BGB nichtig seien, schon deshalb der Inhaltskontrolle nicht standhielten (vgl. BGH 25. September 2002 - VIII ZR 253/99 - zu B II 3 der Gründe, BGHZ 152, 121) .
Sie ist wegen dieses Verstoßes nach § 134 BGB nichtig (…Senatsurteil vom 10. Juli 2002, aaO, unter B II 2 a) und hält schon deshalb der Inhaltskontrolle nicht stand (vgl. BGH, Urteil vom 29. März 1995 - VIII ZR 102/94, NJW 1995, 1552 unter II 2 m.w.Nachw., insoweit nicht abgedruckt in BGHZ 129, 186).
Eine derartige Klausel kann der Inhaltskontrolle nach § 9 AGBG jedenfalls dann nicht standhalten, wenn sie Provisionsansprüche des Handelsvertreters unter Verstoß gegen zwingendes Recht ausschließt (vgl. BGHZ 108, 1, 5; 118, 194, 198; Senatsurteile vom 22. März 1989 - VIII ZR 154/88 = WM 1989, 799 unter II 2 f und vom 29. März 1995 - VIII ZR 102/94 = WM 1995, 1028 unter II 2).
Wenn der Bundesgerichtshof eine formularmäßige Freistellungsklausel in Versicherungsvertreterverträgen in seinem Urteil vom 29.03.1995 (VIII ZR 102/94, r+s 1995, 357 ff.) unbeanstandet gelassen hat, weil die Gefahr der Tätigkeit für die Konkurrenz und die Mitnahme des Kundenstammes bestehe, steht dies dem gefundenen Ergebnis nicht entgegen.
§ 1 UKlaG ist daher auch dann anzuwenden, wenn die Unwirksamkeit einer Klausel nicht (auch) auf den §§ 307 ff. BGB, sondern auf einem Verstoß gegen ein gesetzliches Verbot oder gegen zwingendes Recht beruht, sofern dieses Verbot nur zumindest die gleiche Schutzrichtung wie die §§ 307 ff. BGB aufweist (BGH NJW 1983, 1322 = juris Rn 9; NJW 1995, 1552 = juris Rn 30;… Palandt/Bassenge, Bürgerliches Gesetzbuch, 69. Auflage, § 1 UKlaG Rn 6;… Erman/Roloff, Bürgerliches Gesetzbuch, 12. Auflage, § 1 UKlaG Rn 6 m.w.N.).
Sieht man in der einvernehmlichen Freistellung des Versicherungsvertreters letztlich nichts anderes als ein vorgezogenes Wettbewerbsverbot nach § 90 a HGB (so wohl BGH NJW 1995, S. 1552, 1553;… Thume, a.a.O., § 89 Rz. 22;… Löwisch, a.a.O., § 89 Rz. 31) könnte für die Dauer eines Verstoßes auch der Anspruch auf Freistellungsentschädigung nach § 326 Abs. 1 BGB erlöschen.
(BGH, Urteil vom 29.03.1995, NJW 1995, 1552.).