Source: https://www.gevestor.de/details/lifo-674410.html
Timestamp: 2019-10-19 06:41:01
Document Index: 339480329

Matched Legal Cases: ['§ 252', '§ 256', '§ 256', '§ 5', '§ 252', '§ 256', '§ 253']

Lifo – Definition, Verfahren & Abgrenzung
veröffentlicht: 19.09.2019 | Lesedauer: 8 Minuten | Thema: Bilanz
Das LiFo-Verfahren ist eine Methode zur Bewertung von Lagerbeständen. Dabei sind verschiedene Grundregeln zu beachten. (Foto: hywards / Shutterstock.com)
Wissenswertes über LiFo
Bedeutung: Last-in-First-out
Gedanke: Zuletzt produzierte/erworbene Waren werden zuerst verbraucht
Gesetzesgrundlage: § 252 – § 256 HGB
Verfahrensart: Verbrauchsfolgeverfahren; zählt zu den Bewertungsvereinfachungsverfahren
Berechnung: Permanentes-LiFo-Verfahren & Perioden-LiFo-Verfahrens
Abgrenzung: Durchschnittsverfahren; FiFo (First-in-First-out)
Konflikt: Mit Niederstwertprinzip (falls die Preisentwicklung nicht steigt)
Definition Verbrauchsfolgeverfahren: Was ist LiFo?
Bei dem Begriff LiFo handelt es sich um ein Akronym aus den ersten Buchstaben der Worte Last-in-First-out. Damit wird ein Verfahren bezeichnet, das bestimmt, wie Verbrauchsgüter in einer Bilanz bewertet werden sollen. In der Praxis wird es oft bei der Warenwirtschaft verwendet.
Das Verfahren bzw. die Methode beschreibt, dass gleichwertige Wirtschaftsgüter, dieals letztes angeschafft (engl. last in, „zuletzt hinein“) wurden, auch als erstes wieder verbraucht werden (first out, „zuerst hinaus“). Damit steht das Konzept in direktem Gegensatz zum sogenannten FiFo-Verfahren (ebenfalls ein Akronym: First-in-First-out). FiFo bestimmt, dass Waren und Produkte, die als erstes produziert oder angeschafft wurden, auch als erstes wieder verbraucht oder verkauft werden.
Beim LiFo-Verfahren handelt es sich um ein Verbrauchsfolgeverfahren, das grundsätzlich nach§ 256 HGB für zulässig erklärt wurde. Dies ist insbesondere für Unternehmen und Firmengründer interessant, speziell da das LiFo-Verfahren seit dem Jahr 1990 auch steuerrechtlich angewendet werden kann, sofern es den ordnungsmäßigen Buchführungsgrundsätzen folgt.
Voraussetzungen für LiFo
Bei der Bewertung von Vorräten und Lagerbeständen ist es nur möglich die LiFo-Methode anzuwenden, sofern das Unternehmen eine Gewinnermittlung nach § 5 des Einkommensteuergesetzes (Bilanz) anlegen muss. Gleichzeitig ist die LiFo-Methode auch nur dann erlaubt, wenn einesteigende Preisentwicklung vorliegt. Sonst verstößt das Unternehmen gegen das sogenannte Niederstwertprinzip, indem es das LiFo-Verfahren nutzt.
Innerhalb des Last-in-First-out-Verfahrens können Produkte, die gleichartig sind, in Produktklassen zusammengefasst werden. Eine derartige Einteilung wird nach den auf dem Markt üblichen Regeln abgewickelt. Alle Waren und Produkte, die sich bezüglich ihrer Qualität signifikant voneinander unterscheiden, können auf diese Weise nicht in gleiche Produktklassen zugeteilt werden. Gleiches gilt für jene Produkte, die sehr große Preisunterschiede aufweisen.
Was ist das Vorratsvermögen?
Das Vorratsvermögen ist teil des Umlaufvermögens, welches wiederum das gesamte Vermögen bezeichnet, das in einem Unternehmen zum Verbrauch bestimmt ist. Damit gehört es nicht zum Anlagevermögen, welches für spätere Zeiten aufbewahrt wird.
Auch vorhandeneRohstoffe und bestehende Forderungen gehören dem Vorratsvermögen an. Bilanziell findet eine Unterteilung statt hinsichtlich Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe; unfertige Erzeugnisse oder Leistungen; fertige Erzeugnisse; Waren und Anzahlungen.
Begriffe rund ums Lager
Das Lager wird in der Buchhaltung und Bilanzierung als Vorratsvermögen bezeichnet und ist somit teil des im Handelsgesetzbuch definierten Umlaufvermögens. Der Inhalt des Lagers wird als Lagerbestand bezeichnet. Dieser wird durch laufende Registrierung der Ein- und Ausgänge festgehalten. Unter Umständen, etwa bei Fehlern in der Registrierung oder Diebstahl, können dabei jedoch Differenzen zu den tatsächlichen Beständen auftreten, deshalb ist die regelmäßige Kontrolle der Bestände durch Zählen (Inventur) notwendig.
Die Aufgaben der Lagerhaltung bestehen in der Gewährleistung der Warenlieferung und dem Ausgleich von Schwankungen von Angebot und Nachfrage, wobei die Lagerkosten möglichst gering gehalten werden sollen. Bei der Bestimmung der Wirtschaftlichkeit der Lagerhaltung helfen Lagerkennziffern. Wichtige Ausgangsgrößen sind dabei der Anfangsbestand am Beginn und der Endbestand am Ende der Rechnungsperiode. Mithilfe von ihnen werden weitere Kennziffern, wie der Lagerumschlag und die Lagerdauer, errechnet.
Ebenfalls von Bedeutung ist die Verbrauchsfolge, das heißt, die Reihenfolge, in der bestimmte Waren oder Warengruppen ins Lager aufgenommen werden und in der sie es wieder verlassen.
Was sind Bewertungsvereinfachungsverfahren?
Nach dem Bewertungsgrundsatz in § 252 des Handelsgesetzbuchs ist festgeschrieben, dass jede Schuld bei der Bilanzaufstellung einzeln bewertet werden muss.
Eine Ausnahme stellen die Bewertungsvereinfachungsverfahren dar.
Liste der Bewertungsvereinfachungsverfahren:
Verfahren zur vereinfachten Ermittlung der Anschaffungskosten: Rohstoffe, Hilfs- und Betriebsstoffe können mit einem Festwert angesetzt werden.
Verfahren zur vereinfachten Bewertung mehrerer Gegenstände: Gleichartige Vermögensgegenstände des Vorratsvermögens und gleichartige bewegliche Vermögensgegenstände können per Gruppen- oder Durchschnittsbewertung bewertet werden.
Verfahren zur vereinfachten Bewertung nach Reihenfolge: Gleichartige Vermögensgegenstände können zuerst oder in einer anderen vorbestimmten Reihenfolge verbraucht werden (LiFo, FiFo).
Was sind Verbrauchsfolgeverfahren?
Entstehen Kosten durch Lagerung von Gegenständen im Vorratsvermögen, so müssen diese ermittelt werden. Gleichzeitig muss definiert werden, in welcher Reihenfolge sie wieder verbraucht werden. Dies ist die Verbrauchsfolge. Sie wird bestimmt durch zeitliche, preisliche oder sachbezogene Faktoren, die Teil der Bilanzpolitik eines Unternehmens sind.
Mit Inkrafttreten von § 256 HGB ist es Unternehmen nur noch gestattet, die Verfahren LiFo und FiFo zu verwenden, zuvor konnten auch alternative Verbrauchsfolgeverfahren angewandt werden, darunter das Lowest-in-First-out-Verfahren und das Highest-in-First-out-Verfahren.
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Bei dem Niederstwertprinzip handelt es sich um ein Verfahren aus der Buchführung, welches ebenfalls bei der Festsetzung eines Wertes helfen kann. § 253 HGB verpflichtet Unternehmen dazu, immer den niedrigsten möglichen Wert bei der betrieblichen Vermögensbewertung anzusetzen. Das entspricht dem sogenannten Vorsichtsprinzip, das den Fortbestand des Unternehmens sicherstellen soll.
Es lassen sich eine strenge und eine gemilderte Form unterscheiden:
Bei demstrengen Niederstwertprinzip müssen Werte des Vorratsvermögens ungeachtet kurzfristiger oder langfristiger Wertminderungen auf den niedrigsten möglichen Wert angesetzt werden.
Bei dem gemilderten Niederstwertprinzip hingegen, bleibt ein gewisser Ermessensspielraum und vorrübergehende Wertminderungen müssen nicht beachtet werden.
Verbrauchsfolgeverfahren in der Praxis: Beispiele & Abgrenzung
Wie dies in der Praxis aussieht, wird anhand von Beispielen näher beleuchten. Dazu werden im Folgenden verschiedene Formen des LiFo Verbrauchsfolgeverfahrens gegeneinander abgegrenzt sowie das LiFo- mit dem FiFo-Verfahren verglichen.
Beispiel für das LiFo-Verfahren
Wenn jene Verbrauchsgüter zuerst verbraucht werden, die als letztes produziert wurden, so entspricht dies in der Praxis beispielsweise einem Berg an Getreide, der aufgetürmt wird. Während das zuerst produzierte Korn am Fuß des Berges liegt, befindet sich das neuste Getreide immer an der Spitze und fällt an den Seiten herunter. So wird dieses für die Weiterverarbeitung zuerst abgetragen. Das zuletzt geerntete Getreide von diesem Getreideberg ist jenes, welches am längsten im Lager liegt.
Ein anderes Beispiel ist ein produzierendes Unternehmen von Rohren. Die fertigen Produkte werden immer von vorne in das Lager gefahren. Von vorne werden aber auch immer die neuesten Rohre rausgenommen, um sie zu Baustellen zu bringen. Daher sind die ältesten produzierten Rohre am hinteren Ende des Lagers zu finden.
Unterscheidung des Permanenten-LiFo-Verfahrens & des Perioden-LiFo-Verfahrens
Grundsätzlich werden zwei LiFo-Verfahren voneinander unterschieden. Dies sind das Permanente-LiFo-Verfahren auf der einen Seite und das Perioden-LiFo-Verfahren auf der anderen Seite.
Eigenschaften der zwei Verfahren:
Permanentes-LiFo-Verfahren: Beim permanenten LiFo-Verfahren werden Waren Zu- und Abgänge bezüglich Wert und Menge stetig erfasst. Dies ermöglicht einen stets aktuellen Lagerbestand.
Perioden-LiFo-Verfahren: Beim Perioden-LiFo-Verfahren hingegen, kommt eine vereinfachte Methode zur Lagerbestandserfassung zum Zuge, die auf eine bestimmte Periode (z. B. quartalsweise oder jährlich) begrenzt ist. Zum Ende der Periode werden jene Güter mit den Preisen der als erstes erworbenen Vermögensgegenständen bewertet. Höhere Bestände müssen zu den Herstell- und Anschaffungskosten addiert werden. Ein eventuell entstehender Minderbestand wird vom bisherigen Anfangsbestand abgezogen.
Abgrenzung vom LiFo-Verfahren zur Durchschnittsbewertung
Ein Beispiel: Ein PC-Händler kauft im März fünf stationäre Computer zum Preis von je 250 €, einen Monat später kauft er weitere fünf Computer zum selben Preis. Vor Ende des Sommers werden zum neuen Schuljahresbeginn zehn weitere PCs für je 300 € angeschafft. Im Herbst verkauft der Händler zehn PCs.
Nun stellt sich die Frage, mit welchem Wert die Computer gegen Jahresende am Bilanzstichtag bewertet werden? Bei Verwendung des LiFo-Verfahrens wird unterstellt, dass im Herbst nur die zuletzt angeschafften zehn PCs (je 300 € Einkaufspreis) verkauft wurden. Somit bleiben noch insgesamt zehn weitere Computer im Lager, deren Wert in der Bilanz mit je 250 € bzw. insgesamt 2.500 € anzusetzen ist.
Bei der Durchschnittsbewertung werden Anfangsbestände sowie alle Zugänge in dieser Periode mit allen Anschaffungskosten ermittelt. In diesem Beispiel beträgt die Summe der Zugänge 20 Computer mit Anschaffungskosten in Höhe von 5.500 €. Anschließend werden die gesamten Anschaffungskosten durch die Summe der Zugänge geteilt: 5.500 € / 20 = 275€. Der Endbestand von zehn Computern wird also zu je 275 € bilanziert.
(Anfangsbestände + Summierte Zugänge) / Anschaffungskosten = Durchschnittskosten
Abgrenzung zum FiFo-Verfahren: Was ist FiFo?
Im Vergleich zum LiFo-Verfahren wird beim FiFo-Verfahren der entgegengesetzte Weg eingeschlagen. Waren, die zuerst produziert werden, werden auch zuerst wieder verbraucht, beziehungsweise bei der Bewertung betrachtet.
Um das Beispiel mit dem Getreideberg noch mal aufzugreifen: Anstatt dass das Getreide auf einem Berg gesammelt wird, landet es direkt auf einem Transportband, welches es zur Mühle transportiert. So werden die ersten produzierten Körner auch als erstes verwendet, während alles produzierte Getreide gleich lang im Lager verbleibt.
Alternativ könnte sich auch eine Öffnung am unteren Ende des Getreidebergs befinden, durch den die Körner sukzessive hindurch transportiert werden.
Vor- & Nachteile von LiFo
Im direkten Vergleich zu alternativen Verbrauchsfolgeverfahren hat das LiFo-Verfahren verschiedene Vor- und Nachteile. Diese werden in der folgenden Tabelle übersichtlich dargestellt:
LiFo Vorteile: LiFo Nachteile:
LiFo vereinfacht die Bewertung von Vorräten und wirkt der Scheingewinnbesteuerungsproblematik entgegen. Der Erfolg des Verfahrens hängt stark von der Branche und Tätigkeit des Unternehmens ab.
Die Einkommensteuerschuld wird reduziert, besonders in Zeiten von Inflation, da die jeweils teureren Vorräte gegen das aktuelle Einkommen verrechnet werden. Die als erstes produzierten Güter liegen bei kontinuierlicher Produktion unendlich lange im Lager. Bei verderblichen Gütern ist dies weder praktikabel noch wirtschaftlich.
LiFo bietet eine bessere Bewertung aktueller Gewinne durch Matching der letzten Kosten gegen aktuelle Kosten. Die genaue Lagerdauer von Produkten ist nicht nachvollziehbar.
Steuerliche Anwendung von LiFo
Insbesondere die steuerlichen Vorteile von LiFo machen das Konzept und diese Methode besonders attraktiv. Durch dieses Prinzip wird der Warenbestand reduziert, während gleichzeitig die Betriebsausgaben erhöht werden. Das Ergebnis sind niedrigere Steuern. Dennoch gelten gewisse Regeln.
Zum einen darf LiFo nur auf Vorratsvermögen angewandt werden: Roh-, Betriebs- oder Hilfsstoffe sowie auf fertige oder unfertige Erzeugnisse und Waren. Parallel muss eineordnungsgemäße Buchhaltung durchgeführt werden, die den handelsrechtlichen Grundsätzen entspricht und die Vorratsvermögensbewertung vereinfacht.
Als Ausnahme gilt, dass das Unternehmen ein EDV-System einsetzt, mit dem sich individuelle Anschaffungskosten von einzelnen Gütern ermitteln lassen. Dann darf das LiFo-Verfahren nicht verwendet werden.
LiFo und FiFo werden auch bei der Betrachtung von Depot Zu- bzw. Abgängen eingesetzt. Je nach Wertpapier kann es hier sinnvoll sein, durchzurechnen, welche Vorgehensweise den größeren Profit verspricht.
Fazit: LiFo vereinfacht Bewertungen – mit Einschränkungen
Wenn Produktionsgüter produziert werden, ist es nicht nur von organisatorischem Interesse zu bestimmen, welche Rohstoffe oder Güter als erstes weiterproduziert bzw. verkauft werden. Diese Entscheidung hat auch steuerlich einige Bedeutung. Während bei dem klassischen FiFo die Reihenfolge chronologisch eingehalten wird, ist bei LiFo diese Reihenfolge umgekehrt. Die zuletzt produzierten Güter werden direkt als erstes verarbeitet.
Diese Art des Verbrauchsfolgeverfahrens beeinflusst stark die steuerlichen Bedingungen des Unternehmens, weshalb die Rechtmäßigkeit des Verfahrens als ein wertvolles Gut angesehen wird. Letztlich bietet LiFo aber auch verschiedene Nachteile, die vor einer Anwendung besprochen werden sollten. Es kommt hier immer auf den individuellen Einzelfall an, welches Verfahren profitabler ist.