Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/der-gescheiterte-verkauf-von-ackerland-316473
Timestamp: 2020-07-11 13:09:03
Document Index: 4243689

Matched Legal Cases: ['§ 346', '§ 96', '§ 346', '§ 346', '§ 100', 'BGH', '§ 100', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 100', '§ 100', 'BGH', 'BGH']

Der gescheiterte Verkauf von Ackerland | Rechtslupe
Bei der Rück­ab­wick­lung eines Kauf­ver­tra­ges über land­wirt­schaft­li­che Flä­chen ist der Käu­fer nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs grund­sätz­lich nicht ver­pflich­tet, Zah­lungs­an­sprü­che nach dem Betriebs­prä­mi­en­durch­füh­rungs­ge­setz, die ihm im Hin­blick auf die Bewirt­schaf­tung die­ser Flä­chen zuge­teilt wor­den sind, an den Ver­käu­fer oder einen von die­sem zu benen­nen­den Drit­ten zu über­tra­gen.
Kei­ne Über­trra­gung auf­grund Sub­ven­ti­ons­rechts
Die auf­grund der Reform der Gemein­sa­men Agrar­po­li­tik der Euro­päi­schen Uni­on (GAP-Reform) erlas­se­nen Ver­ord­nun­gen ent­hal­ten eben­so wenig wie das zur Umset­zung des Gemein­schafts­rechts erlas­se­ne Betriebs­prä­mi­en­durch­füh­rungs­ge­setz Vor­schrif­ten, nach der Zah­lungs­an­sprü­che mit der Been­di­gung des Rechts, bestimm­te land­wirt­schaft­li­che Flä­chen zu nut­zen, auf den neu­en Eigen­tü­mer oder Bewirt­schaf­ter über­ge­hen oder auf die­sen zu über­tra­gen sind [1].
Kei­ne Über­tra­gung auf­grund gesetz­li­cher Rück­tritts­re­ge­lun­gen
Aus der Vor­schrift des § 346 Abs. 1 BGB, die bestimmt, dass die Ver­trags­par­tei­en nach einem Rück­tritt die emp­fan­ge­nen Leis­tun­gen zurück­zu­ge­wäh­ren und die gezo­ge­nen Nut­zun­gen her­aus­zu­ge­ben haben, folgt ein sol­cher Über­tra­gungs­an­spruch eben­falls nicht.
Bei den Zah­lungs­an­sprü­chen nach dem Betriebs­prä­mi­en­durch­füh­rungs­ge­setz han­delt es sich nicht um eine auf­grund des Kauf­ver­tra­ges emp­fan­ge­ne Leis­tung. Dem Käu­fer sind vom Ver­käu­fer kei­ne sol­chen Ansprü­che oder ande­re Bei­hil­fen, son­dern nur das Eigen­tum und der Besitz an den land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen über­tra­gen wor­den. Die Zah­lungs­an­sprü­che sind weder recht­li­che Bestand­tei­le die­ses Eigen­tums (§ 96 BGB) noch bil­den sie mit den her­aus­zu­ge­ben­den land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen eine wirt­schaft­li­che Ein­heit, die nur als Gan­zes zurück­ge­währt wer­den könn­te.
Wie der Bun­des­ge­richts­hof im Zusam­men­hang mit der Been­di­gung von Pacht­ver­trä­gen bereits frü­her aus­ge­führt hat, han­delt es sich bei Zah­lungs­an­sprü­chen nach dem Betriebs­prä­mi­en­durch­füh­rungs­ge­setz um eine dem Betriebs­in­ha­ber zuge­wie­se­ne, per­so­nen­be­zo­ge­ne Bei­hil­fe. Ihre erst­ma­li­ge Zuwei­sung erfolg­te zwar flä­chen­be­zo­gen und setz­te somit die Bewirt­schaf­tung land­wirt­schaft­li­cher Flä­chen vor­aus. In der Fol­ge sind die Zah­lungs­an­sprü­che aber nicht an die Bewirt­schaf­tung bestimm­ter Flä­chen oder an eine kon­kre­te land­wirt­schaft­li­che Nut­zung gebun­den, viel­mehr kann der Betriebs­in­ha­ber über sie (auch ohne eine Flä­che) ver­fü­gen und die­se ent­we­der durch Ver­äu­ße­rung oder durch Akti­vie­rung auf ande­ren Flä­chen nut­zen [2]. Die Zuord­nung auf den Betriebs­in­ha­ber hin­dert eine Ein­be­zie­hung der Ansprü­che in den pacht­recht­li­chen Her­aus­ga­be­an­spruch [3] eben­so wie in einen land­wirt­schaft­li­che Flä­chen betref­fen­den Rück­ge­währ­an­spruch nach § 346 BGB.
Aus der in § 346 Abs. 1 BGB ent­hal­te­nen Ver­pflich­tung, gezo­ge­ne Nut­zun­gen her­aus­zu­ge­ben, folgt ein sol­cher Anspruch des Ver­käu­fers eben­falls nicht.
Bei den Zah­lungs­an­sprü­chen han­delt es sich nicht um Nut­zun­gen der ver­kauf­ten Acker­flä­chen. Der Begriff der Nut­zung umfasst neben den Früch­ten zwar auch die Vor­tei­le, wel­cher der Gebrauch der Sache gewährt (§ 100 BGB). Aller­dings fal­len Vor­tei­le, die nicht durch den Gebrauch, son­dern nur mit­tels der Sache gewon­nen wer­den, nicht dar­un­ter [4]. Um einen sol­chen, nur mit­tels der Sache erziel­ten Vor­teil han­delt es bei den Zah­lungs­an­sprü­chen nach dem Betriebs­prä­mi­en­durch­füh­rungs­ge­setz schon des­halb, weil die Bewirt­schaf­tung land­wirt­schaft­li­cher Flä­chen nur eine von meh­re­ren Vor­aus­set­zun­gen für deren erst­ma­li­ge Zutei­lung war.
Bei sol­chen Vor­tei­len kann es sich, so der BGH wei­ter, nicht um Nut­zun­gen im Rechts­sin­ne (§ 100 BGB) han­deln. Bestehen sie nach Auf­ga­be des Besit­zes fort, belegt dies, dass sie nicht aus der Sache oder deren Gebrauch gezo­gen wer­den, son­dern (ursprüng­lich) nur mit­tels der Sache erlangt wor­den sind.
Kei­ne Über­tra­gung auf­grund ergän­zen­der Ver­trags­aus­le­gung
Ein Anspruch des Ver­käu­fers auf Über­tra­gung der Zah­lungs­an­sprü­che folgt schließ­lich – zumin­dest in dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen kon­kre­ten Fall – nicht aus einer ergän­zen­den Aus­le­gung des geschlos­se­nen Kauf­ver­tra­ges.
Es fehlt an der hier­für not­wen­di­gen plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke. Eine sol­che kann nur ange­nom­men wer­den, wenn die Par­tei­en mit den getrof­fe­nen Rege­lun­gen ein bestimm­tes Ziel errei­chen woll­ten, dies wegen der Lücken­haf­tig­keit des Ver­ein­bar­ten aber nicht gelun­gen ist. Hin­ge­gen darf die ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung nicht her­an­ge­zo­gen wer­den, um einem Ver­trag aus Bil­lig­keits­grün­den einen zusätz­li­chen Rege­lungs­ge­halt zu ver­schaf­fen, den die Par­tei­en objek­tiv nicht ver­ein­ba­ren woll­ten [5].
Vor­lie­gend fehlt jeg­li­cher Anhalts­punkt dafür, dass die Par­tei­en eine Ver­pflich­tung des Käu­fers begrün­den woll­ten, im Zusam­men­hang mit der Bewirt­schaf­tung der ver­kauf­ten Flä­chen erlang­te staat­li­che Bei­hil­fen bei einer Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges auf den Ver­käu­fer oder einen von ihm zu benen­nen­den Drit­ten zu über­tra­gen.
Der vom BGH zu beur­teil­ten­de kon­kre­te Ver­trag ent­hielt kei­ne Ver­pflich­tun­gen des Käu­fers, die sicher­stel­len sol­len, dass die Bewirt­schaf­tung der ver­kauf­ten Flä­chen bei einer Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges unver­än­dert fort­ge­führt wer­den kann, ins­be­son­de­re kei­ne Ver­ein­ba­rung, nach der der Käu­fer alle die­sem Zweck die­nen­den Ansprü­che auf Bei­hil­fe an die Klä­ge­rin oder einen neu­en Erwer­ber der Flä­chen zu über­tra­gen hat [6].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Janu­ar 2010 – V ZR 170/​08
vgl. BGH, Urteil vom 24.11.2006 – LwZR 1/​06, NJW-RR 2007, 1279, 1280 Rdn. 10[↩]
vgl. näher BGH, Urteil vom 24.11.2006 – LwZR 1/​06, NJW-RR 2007, 1279, 1281 f.; Urteil vom 24.04.2009 – LwZR 11/​08, NJW-RR 2009, 1714, 1715[↩]
BGH, Beschluss vom 24.11.2006 – LwZR 1/​06, NJW-RR, 2007, 1279, 1281, Rdn. 27[↩]
vgl. RGRK-Kre­gel, BGB, 12. Aufl., § 100 Rdn. 4; Staudinger/​Jickeli/​Stieper, BGB [2004], § 100 Rdn. 4[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 13.02.2004 – V ZR 225/​03, WM 2004, 2125, 2126 m.w.N.[↩]
vgl. zur Annah­me eines sol­chen Par­tei­wil­lens: BGH, Urteil vom 24.04.2009 – LwZR 11/​08, NJW-RR 2009, 1714, 1715 f. Rdn. 20.[↩]