Source: http://www.hensche.de/Arbeitsvertragliche_Bezugnahme_auf_Tarifvertrag_Tariflohn_gilt_auch_nach_Betriebsuebergang_BAG_4AZR391-09-u.html
Timestamp: 2019-11-22 19:57:19
Document Index: 89467309

Matched Legal Cases: ['§ 613', '§ 2', '§ 4', '§ 5', '§ 4', '§ 613', 'Art. 3', '§ 63', '§ 63', '§ 4', '§ 63', '§ 63', '§ 63', '§ 92', '§ 97', '§ 92', '§ 92']

15 Sa 1458/08
hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 17. No­vem­ber 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Be­p­ler, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Tre­ber, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Win­ter so­wie die eh­ren-
amt­li­che Rich­te­rin Kral­le-En­geln und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Weßel­kock für Recht er­kannt:
BMT-G II und ab Ok­to­ber 2005 nach Maßga­be des Ta­rif­ver­tra­ges für den öffent­li­chen Dienst (TVöD).
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 5.053,75 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len;
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Auf das Ar­beits­verhält­nis sei­en die für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Rah­men- und Lohn­ta­rif­verträge für die ge­werb­lich Beschäftig­ten in der Gebäuderei­ni­gung an­zu­wen­den. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­be sich mit dem Ur­teil vom 29. Au­gust 2007
fänden ab dem Zeit­punkt des Teil­be­triebsüber­gangs zur Be­klag­ten - dem 1. Ju­li 2004 - die für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Rah­men- und Lohn­ta­rif­verträge für die ge­werb­lich Beschäftig­ten im Gebäuderei­ni­ger­hand­werk auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en An­wen­dung.
Ta­ri­fent­wick­lun­gen ge­bun­den ist (vgl. im Ein­zel­nen BAG 18. März 2009 - 4 AZR 64/08 - Rn. 28, BA­GE 130, 43). Ab die­sem Zeit­punkt sind die in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge nur noch sta­tisch an­zu­wen­den.
c) Der BMT-G II galt auf in­di­vi­du­al­ver­trag­li­cher Grund­la­ge auch nach dem zwei­ten Be­triebs(teil-)über­gang des Be­reichs Rei­ni­gung auf die Be­klag­te und dem da­mit ver­bun­de­nen Bran­chen­wech­sel des Beschäfti­gungs­be­triebs in den Be­reich des Gebäuderei­ni­ger­hand­werks wei­ter. Nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB blieb das in § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­recht Teil des auf die Be­klag­te über­ge­gan­ge­nen Ar­beits­ver­tra­ges.
aa) Et­was an­de­res er­gibt sich nicht schon von Rechts we­gen.
(1) An der fort­dau­ern­den Maßgeb­lich­keit der Rech­te und Pflich­ten aus dem BMT-G II ändert der Um­stand nichts, dass nun­mehr im Ar­beits­verhält­nis das für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärte Ta­rif­recht des Gebäuderei­ni­ger­hand­werks An­wen­dung fin­det. Die nor­ma­tiv nach § 4 Abs. 1 iVm. § 5 TVG im Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en an­wend­ba­ren Re­ge­lun­gen der Gebäuderei­ni­ger­ta­rif­verträge wer­den nach § 4 Abs. 3 TVG durch güns­ti­ge­re ar­beits­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen ver­drängt. Hier­zu gehören die von der Kläge­rin in An­spruch ge­nom­me­nen Ent­gelt­re­ge­lun­gen des BMT-G II und der die­sen ergänzen­den Ta­rif­verträge. Sie fin­den kraft im Ar­beits­verhält­nis pri­vat­au­to­nom ge­bil­de­ten Wil­lens als Ver­trags­recht An­wen­dung.
un­ein­ge­schränkt nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB über. Ein an­de­res Verständ­nis stünde im Übri­gen auch im Wi­der­spruch zu Art. 3 Abs. 1 der Be­triebsüber­gangs-Richt­li­nie 2001/23/EG vom 12. März 2001, wo­nach Rech­te und Pflich­ten aus ei­nem Ar­beits­ver­trag oh­ne Wei­te­res auf den Er­wer­ber über­ge­hen.
der Ein­lei­tung des Sat­zes mit „Da­ne­ben fin­den“ er­gibt sich aber, dass mit der ver­trag­li­chen Re­ge­lung nicht ein et­wai­ger Ta­rif­wech­sel vor­be­rei­tet wird. Viel-mehr geht es in Satz 3 der Ver­ein­ba­rung nur dar­um, auch nicht aus­drück­lich an­ge­spro­che­ne Ta­rif­verträge, die für die da­ma­li­ge Ar­beit­ge­be­rin des kom­mu­na­len öffent­li­chen Diens­tes ein­schlägig wa­ren oder wer­den soll­ten, ne­ben dem Ta­rif­werk des BMT-G II zum Ver­trags­in­halt zu ma­chen. Hier­zu gehören die Ta­rif­verträge für das Gebäuderei­ni­ger­hand­werk nicht (vgl. auch BAG 29. Au­gust 2007 - 4 AZR 767/06 - Rn. 18, BA­GE 124, 34, 39 f.).
Satz 3 BGB, ein­tre­ten­den Ta­rif­wech­sel ver­trag­lich nach­voll­zieht, kann zwar ver­ein­bart wer­den, sie muss aber im Ver­trags­wort­laut in der eben be­schrie­be­nen Wei­se zum Aus­druck kom­men. Ei­ne auf ein be­stimm­tes Ta­rif­werk be­zo­ge­ne Gleich­stel­lungs­klau­sel deckt ei­ne Ver­trags­ent­wick­lung, die ei­nen auf ei­nen Bran­chen­wech­sel fol­gen­den Ta­rif­wech­sel mit­um­fasst, nicht ab (vgl. hier­zu auch BAG 29. Au­gust 2007 - 4 AZR 767/06 - Rn. 17, BA­GE 124, 34, 39).
(1) Das von der Be­klag­ten an­geführ­te Se­nats­ur­teil vom 4. Sep­tem­ber 1996 (- 4 AZR 135/95 - BA­GE 84, 97) be­traf ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Ver­wei­sungs­klau­sel, die kei­ne Ta­rif­wech­sel­klau­sel zum In­halt hat­te. Sie war in ei­nem Fall des Ver­bands­wech­sels des Ar­beit­ge­bers kor­ri­gie­rend da­hin aus­ge­legt wor­den, dass ei­ne Ver­wei­sung auf den je­weils für den Be­trieb gel­ten­den Ta­rif­ver­trag ver­ein­bart wor­den sei. Die­se Recht­spre­chung hat der Se­nat aus­drück­lich auf­ge­ge­ben (22. April 2009 - 4 ABR 14/08 - Rn. 73, BA­GE 130, 286; s. be­reits
Sätze 2 und 3 BGB an­ge­spro­chen. Ei­ne Recht­fer­ti­gung dafür, aus ei­ner auf ein be­stimm­tes Ta­rif­werk be­zo­ge­nen Gleich­stel­lungs­ab­re­de auf ei­ne ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me ei­nes für ei­ne an­de­re Bran­che durch ei­ne an­de­re Ge­werk­schaft ab­ge­schlos­se­nen nicht ge­nann­ten Ta­rif­wer­kes zu schließen, lässt sich da­her aus der an­ge­zo­ge­nen Ent­schei­dung nicht ent­neh­men.
3. Aus al­le­dem folgt, dass die Kla­ge we­gen ei­nes Zah­lungs­be­trags von 5.049,34 Eu­ro brut­to (An­trag zu 1) und 4.034,89 Eu­ro brut­to (An­trag zu 2) in ers­ter In­stanz zu Recht Er­folg hat­te und das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts in die­sem Um­fang wie­der­her­zu­stel­len ist. Nur we­gen ei­nes Teil­be­trags von 81,68 Eu­ro brut­to ist der Kla­ge zu Un­recht ent­spro­chen wor­den, wes­halb die Re­vi­si­on kei­nen Er­folg hat.
a) Die zur Be­rech­nung der Kla­ge­for­de­rung er­for­der­li­chen Tat­sa­chen ste­hen zwi­schen den Par­tei­en fest. Die Kläge­rin konn­te für die Zeit zwi­schen dem 1. Ju­li 2004 und dem 25. De­zem­ber 2006 auf der Grund­la­ge des BMT-G II (29 x 1.241,19 + 992,95 =) 36.987,46 Eu­ro brut­to an lau­fen­dem Ent­gelt so­wie ih­rer Teil­zeit­quo­te ent­spre­chend 207,14 Eu­ro brut­to Ur­laubs­geld be­an­spru­chen. Sie hat aus­weis­lich der vor­lie­gen­den Ab­rech­nun­gen für den Streit­zeit­raum ins­ge­samt 28.110,37 Eu­ro brut­to auf der Grund­la­ge der Gebäuderei­ni­ger­ta­rif­verträge er­hal­ten, wor­aus sich die zu­er­kann­te Ge­samt­dif­fe­renz von 9.084,23 Eu­ro brut­to er­gibt. Auf die darüber hin­aus vom Ar­beits­ge­richt nach Maßga­be des TVöD/VKA zu­er­kann­ten 81,68 Eu­ro hat sie kei­nen An­spruch.
Ist al­so ein An­spruch nach § 63 Un­terabs. 1 BMT-G II ord­nungs­gemäß gel­tend ge­macht wor­den, lässt § 63 Un­terabs. 2 BMT-G II die­se Gel­tend­ma­chung für den­sel­ben Sach­ver­halt aus Gründen der Ver­ein­fa­chung auch für später fällig wer­den­de Leis­tun­gen aus­rei­chen (BAG 10. Ju­li 2003 - 6 AZR 283/02 - EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 168).
bb) Die in die­sem Sin­ne für § 63 BMT-G II aus­rei­chen­de „ein­ma­li­ge Gel­tend­ma­chung“ ge­schah, was die lau­fen­de Vergütung an­geht, mit dem be­reits zi­tier­ten An­walts­schrei­ben vom 15. Ok­to­ber 2004 für den Mo­nat Ju­li 2004 in­ner­halb der Sechs-Mo­nats-Frist. Da­bei wur­de nicht nur die wört­lich an­ge­spro­che­ne Ab­rech­nung, son­dern auch ei­ne ent­spre­chen­de Zah­lung eben­falls ver­langt. Da die Bezüge ständi­ger Na­tur wa­ren, reich­te nach § 63 Un­terabs. 2 BMT-G II die ein­ma­li­ge Gel­tend­ma­chung des An­spruchs aus. So­weit die Be­klag­te dem ei­ne ständi­ge Ände­rung der mo­nat­li­chen Zah­lungs­beträge auf der Ba­sis ei­nes St­un­den­lohns ent­ge­genhält, be­zieht sich dies nicht auf die der Kläge­rin zu­ste­hen­den und von ihr gel­tend ge­mach­ten ständig glei­chen Beträge, son­dern auf die ge­gen­ge­rech­ne­ten Zah­lun­gen der Be­klag­ten un­ter An­wen­dung ei­nes an­de­ren Ta­rif­ver­tra­ges. Auf die­se aus dem Be­reich der Be­klag­ten stam­men­de Un­re­gelmäßig­keit der Dif­fe­renz­beträge kommt es für die Wah­rung der Aus­schluss­frist nach § 63 BMT-G II, was den der Kläge­rin zu­ste­hen­den mo­nat­li­chen Fest­be­trag an­geht, nicht an.
III. Die Kos­ten­fol­ge er­gibt sich aus § 92 Abs. 1 und 2, § 97 ZPO.
Die Kos­ten ers­ter In­stanz wa­ren nach § 92 Abs. 1 ZPO im Verhält­nis des dor­ti­gen Un­ter­lie­gens und Ob­sie­gens ge­son­dert zu ver­tei­len, nach­dem das Ar­beits­ge­richt die ursprüng­lich ein­ge­leg­te Zah­lungs­kla­ge we­gen ei­nes Teil­be­trags ab­ge­wie­sen hat und die Kläge­rin hier­ge­gen kein Rechts­mit­tel ein­ge­legt hat­te.
Die Kos­ten­ent­schei­dung für die zwei­te und drit­te In­stanz be­ruht auf § 92 Abs. 2 ZPO, weil die Zu­viel­for­de­rung der Kläge­rin, was den für die­se In­stan­zen ver­blie­be­nen Streit­ge­gen­stand an­geht, nur ge­ringfügig ist und des-halb un­berück­sich­tigt blei­ben kann.
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