Source: http://www.gesellschaftsrechtskanzlei.com/bgh-urteil-vom-22-februar-2011-ii-zr-14609/
Timestamp: 2017-09-26 12:52:41
Document Index: 142991712

Matched Legal Cases: ['§ 93', '§ 287', 'BGH', 'BGH', '§ 93', 'BGH', 'BGH', '§ 43', '§ 43', '§ 43']

a) Zur Beantwortung der Frage, ob ein Vorstandsmitglied einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bei der Entscheidung über die Erweiterung einer Niederlassung von einer zutreffend erstellten Ertragsprognose ausgegangen ist, muss das Gericht regelmäßig einen Sachverständigen hören, sofern es nicht darlegt, dass es eigene Sachkunde auf dem Gebiet der Unternehmensplanung besitzt und deswegen in der Lage ist, die streitigen Fragen ohne sachverständige Hilfe abschließend zu beurteilen.
b) Nach § 93 Abs. 2 Satz 2 AktG trifft die Gesellschaft – ggf. mit der Erleichterung des § 287 ZPO – die Darlegungs- und Beweislast für einen Schaden und dessen Verursachung durch ein möglicherweise pflichtwidriges Verhalten des Vorstandsmitglieds in seinem Pflichtenkreis. Das Vorstandsmitglied hat dagegen darzulegen und zu beweisen, dass es seine Pflichten nicht verletzt oder jedenfalls schuldlos gehandelt hat oder dass der Schaden auch bei einem rechtmäßigen Alternativverhalten eingetreten wäre (BGH, Urteil vom 4. November 2002 – II ZR 224/00, BGHZ 152, 280, 283 ff.; Urteil vom 16. März 2009 – II ZR 280/07, ZIP 2009, 860 Rn. 42).
Da es bei der dem Beklagten zur Last gelegten Pflichtverletzung um eine unternehmerische Entscheidung geht, die nicht allein deshalb pflichtwidrig ist, weil sie nicht den erstrebten Erfolg hatte, ist der Beklagte gemäß § 93 Abs. 1 Satz 2 AktG schon dann entlastet, wenn er vernünftigerweise annehmen durfte, auf der Grundlage angemessener Information zum Wohle der Gesellschaft zu handeln (BGH, Urteil vom 21. April 1997 – II ZR 175/95, BGHZ 135, 244, 253; Beschluss vom 14. Juli 2008 – II ZR 202/07, ZIP 2008, 1675, Rn. 11; Beschluss vom 3. November 2008 – II ZR 236/07, ZIP 2009, 223).
Schlagworte: allgemeine Regeln, Darlegungs- und Beweislast, Geschäftsleiterpflichten, Haftung nach § 43 Abs. 2 GmbHG, Haftung nach § 43 GmbHG, Innenhaftung, Pflichtverletzung nach § 43 Abs. 2 GmbHG, rechtmäßiges Alternativverhalten, Schaden, Schadensschätzung, unternehmerische Entscheidungen, Verschulden