Source: https://www.schutzwald.at/wissen/was-ist-schutzwald.html
Timestamp: 2020-08-05 01:49:18
Document Index: 248069503

Matched Legal Cases: ['§21', '§21', '§27', '§ 21', '§ 22', '§ 85', '§ 96', '§ 97', '§ 13', '§ 80', '§ 23', '§ 24', '§ 25', '§ 26', 'Art. 10', '§ 25', 'Art. 10', 'Art. 12', '§ 27', '§ 28', '§ 34']

Was ist Schutzwald?, Schutzwald
Wir sehen den Wald aus dem Zugfenster, erleben ihn beim Wandern und betrachten ihn an den Hängen der Alpentäler.
Dabei nehmen wir das satte Grün im Frühling wahr, vielleicht die tierischen Bewohner und schöne Herbstfarben. Unsichtbar bleiben allerdings die vielen Funktionen, die der Wald zum Schutz von unserem Siedlungs- und Lebensraum übernimmt.
Das Kronendach fängt zum Beispiel bis zu 70 Prozent der Neuschneemenge auf und vermindert damit die Lawinengefahr. Die Stämme dienen als natürlicher Schutz vor Steinschlag und die Wurzeln durchdringen den Boden. So wird mehr Wasser im Boden gespeichert und das Hochwasserrisiko verkleinert. Außerdem ist der Wald der beste Erosionsschutz.
Laut dem Waldentwicklungsplan sind rund 30 Prozent der österreichischen Waldfläche Schutzwald, das entspricht 1,25 Millionen Hektar. Fast jede vierte Österreicherin und jeder vierte Österreicher profitiert von den Schutzwirkungen des Waldes.
In Österreich beschreibt und definiert das 2002 novellierte Forstgesetz die Schutzfunktionen des Waldes. Dabei unterscheidet es unter dem Überbegriff Schutzwald zwischen Standortschutzwald (§21[1]), Objektschutzwald (§21[2]) und Bannwald (§27).
Standortschutzwälder sind Wälder, deren Standort durch die abtragenden Kräfte von Wind, Wasser oder Schwerkraft gefährdet ist. Sie erfordern eine besondere Behandlung zum Schutz des Bodens und des Bewuchses sowie zur Sicherung der Wiederbewaldung.
Standortschutzwald befindet sich zum Beispiel
auf Flugsand- oder Flugerdeböden
auf zur Verkarstung neigenden oder stark erosionsgefährdeten Standorten
in felsigen, seichtgründigen oder schroffen Lagen
auf zu Rutschungen neigenden Hängen
in der Kampfzone der Baumgrenzregion.
Der Schutz und die Pflege von Standortschutzwäldern stellen sicher, dass Böden und damit wichtige Ressourcen erhalten bleiben. Die stabilisierenden Maßnahmen sind von Eigentümerinnen und Eigentümern vorzunehmen, sofern die Kosten aus den Erträgen von Fällungen gedeckt werden können. Zudem müssen Kahlflächen wieder bewaldet werden. Damit wird eine nachhaltige Forstwirtschaft garantiert.
Objektschutzwälder sind (laut Forstgesetz) Wälder, die Menschen, Siedlungen, Infrastrukturanlagen oder kultivierten Boden vor Elementargefahren und schädigenden Umwelteinflüssen schützen. Sie halten unter anderem Lawinen und Steine auf, vermeiden Rutschungen und speichern abfließendes Niederschlagswasser. Sie erfordern eine besondere Behandlung zum Sicherstellen ihrer Schutzwirkung.
Die objektschutzwirksamen Waldflächen werden im Schutzwaldplan dargestellt.
Die Eigentümerin oder der Eigentümer eines Schutzwaldes muss diesen so behandeln, dass ein möglichst stabiler und standortangepasster Bewuchs mit kräftigem inneren Gefüge gegeben ist. Kahlflächen müssen wieder bewaldet werden. Die finanzielle Unterstützung der Waldeigentümer durch öffentliche Mittel oder Zahlungen durch Begünstigte ist möglich.
Bannwälder sind mit Bescheid definierte Wälder zur direkten Abwehr bestimmter Gefahren. Die Bannlegung bedeutet, dass erforderliche Maßnahmen und Unterlassungen von der Forstbehörde vorgeschrieben werden. Falls dadurch finanzielle Nachteile entstehen, haben Waldeigentümer Anspruch auf Entschädigung.
Die Bannzwecke für das übergeordnete öffentliche Interesse sind zum Beispiel:
Der Schutz vor Lawinen, Steinschlag, Erdabrutschung, Hochwasser und Wind.
Der Schutz von Heilquellen, Wasservorkommen, touristische Zentren und Ballungsräume vor negativen Einflüssen.
Die Sicherung von Verkehrsanlagen.
In Österreich gibt es circa 12.000 Hektar Bannwaldfläche.
Windschutzanlagen, oder auch Bodenschutzanlagen, schützen landwirtschaftliche Böden gegen den Abtrag durch Wind und dienen der Schneebindung. Damit tragen sie wesentlich zur Sicherung und Erhaltung der nicht vermehrbaren und sich nur über Generationen neu bildenden Ressource Boden bei.
Bodenschutzanlagen sind mit heimischen Bäumen und Sträuchern bestockte Streifen in unserer Kulturlandschaft, die
der Bevölkerung ein abwechslungsreiches Landschaftsbild bescheren.
In der österreichischen Waldinventur sind 1,3 Prozent des Waldes als Auwald eingestuft, das entspricht etwa 50.000 ha. Als Teil des erweiterten Flussökosystems übernehmen die Flächen eine wichtige Schutzfunktion gegen Hochwasser.
Schutzfunktion und Schutzwirkung
Die Begriffe "Schutzwirkung" und "Schutzfunktion" des Waldes werden oft synonym verwendet. Es ist jedoch sinnvoll, die fachlichen Unterschiede kurz anzuführen.
Die Waldfunktion ist eine von der Gesellschaft dem Wald übertragene Aufgabe eine bestimmte Leistung zu erbringen, z. B. die Aufgabe des Waldes vor Schäden durch Naturgefahren zu schützen. Die Funktion hängt damit vom Standort und der Raumplanung ab.
Die Wirkung des Waldes beschreibt das Ausmaß und den Effekt der Aufgabenerfüllung. Damit hängt die Wirkung vom Schutzwald von seinem tatsächlichen Zustand ab. Die Wirkung wird von deutlich mehr Faktoren, wie dem Boden, Baumarten, und der Altersstruktur beeinflusst.
Häufige Herausforderungen bei der Schutzwaldbewirtschaftung sind überalterte Bestände, fehlende Verjüngung, schlechte Erreichbarkeit, überhöhte Wildstände, unvorteilhafte Baumartenmischung und langsames Wachstum aufgrund der Seehöhe.
Daher braucht es eine nachhaltige österreichische Waldpolitik, die den Erhalt und die Verbesserung der Schutzfunktion der Wälder sicherstellt.
BFW Praxisinfo Schutzwald (PDF 4,2 MB)
Forstgesetz 1975, Fassung vom 28.01.2020
§ 21 Schutzwald, Begriff
1. Wälder auf Flugsand- oder Flugerdeböden,
2. Wälder auf zur Verkarstung neigenden oder stark erosionsgefährdeten Standorten,
3. Wälder in felsigen, seichtgründigen oder schroffen Lagen, wenn ihre Wiederbewaldung nur unter schwierigen Bedingungen möglich ist,
4. Wälder auf Hängen, wo gefährliche Abrutschungen zu befürchten sind,
5. der Bewuchs in der Kampfzone des Waldes,
6. der an die Kampfzone unmittelbar angrenzende Waldgürtel.
§ 22 Behandlung und Nutzung des Schutzwaldes
(1) Der Eigentümer eines Schutzwaldes hat diesen entsprechend den örtlichen Verhältnissen jeweils so zu behandeln, dass seine Erhaltung als möglichst stabiler, dem Standort entsprechender Bewuchs mit kräftigem inneren Gefüge bei rechtzeitiger Erneuerung gewährleistet ist.
(4) Der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft hat die Behandlung und Nutzung der Schutzwälder durch Verordnung näher zu regeln. In dieser kann insbesondere angeordnet werden, dass
a) freie Fällungen einer Bewilligung bedürfen (§ 85), soweit nicht § 96 Abs. 1 lit. a und § 97 lit. a Anwendung findet,
b) die Wiederbewaldungsfrist abweichend von § 13 festzusetzen ist,
c) ein von einer Verordnung nach § 80 Abs. 4 abweichendes Alter der Hiebsunreife einzuhalten ist.
§ 23 Feststellungsverfahren bei Schutzwald
§ 24 Maßnahmen zur Sanierung von Schutzwald
a) die Wiederbewaldung unzureichend verjüngter und in ihrer Schutzfunktion beeinträchtigter Schutzwälder,
b) die zur Erhaltung der Schutzfunktion erforderliche Behandlung des Schutzwaldgebietes, auch im Hinblick auf dessen Erschließung.
a) die kartenmäßige Erfassung der Schutzwälder hinsichtlich des Zustandes und der Eigentums- und sonstigen Rechtsverhältnisse,
b) die gemäß Abs. 1 zur Erhaltung der Schutzwälder oder zur Verbesserung ihres Zustandes erforderlichen Maßnahmen, deren zeitlichen Ablauf und Kosten.
§ 25 Sonderbestimmungen für die Kampfzone des Waldes und für Windschutzanlagen
§ 26 Ermächtigung der Landesgesetzgebung
(1) Die Landesgesetzgebung wird gemäß Art. 10 Abs. 2 B-VG ermächtigt, zur Ausführung des § 25 Abs. 1 bis 3 Bestimmungen zu erlassen, durch die im Zusammenwirken mit den zuständigen Landesbehörden die volle Schutzwirkung des Bewuchses gewährleistet ist.
(2) Die Landesgesetzgebung wird ferner gemäß Art. 10 Abs. 2 B-VG ermächtigt, unbeschadet der Vorschriften in den Angelegenheiten der Bodenreform (Art. 12 Abs. 1 Z 3 B-VG), näher zu regeln:
a) die Voraussetzungen zur Einleitung eines Verfahrens zur Errichtung von Windschutzanlagen sowie das Verfahren selbst einschließlich des Enteignungsverfahrens,
b) das Verfahren zur Feststellung, ob bereits bestehende Wälder den Charakter von Windschutzanlagen haben und
c) die Nutzung der Windschutzanlagen, deren Behandlung im einzelnen sowie die Voraussetzungen für das Auflassen einer Windschutzanlage.
§ 27 Bannwald
1. Objektschutzwälder, die der direkten Abwehr bestimmter Gefahren von Menschen, menschlichen Siedlungen oder Anlagen oder kultiviertem Boden dienen,
2. Wälder, deren Wohlfahrtswirkung gegenüber der Nutzwirkung ein Vorrang zukommt, und
3. Wälder, die der direkten Abwehr von Gefahren dienen, die sich aus dem Zustand des Waldes oder seiner Bewirtschaftung ergeben,
a) der Schutz vor Lawinen, Felssturz, Steinschlag, Schneeabsitzung, Erdabrutschung, Hochwasser, Wind oder ähnlichen Gefährdungen,
b) die Abwehr der durch Emissionen bedingten Gefahren,
c) der Schutz von Heilquellen sowie von Fremdenverkehrsorten und Ballungsräumen vor Beeinträchtigung der Erfordernisse der Hygiene und Erholung sowie die Sicherung der für diese Zwecke notwendigen Bewaldung der Umgebung solcher Orte,
d) die Sicherung eines Wasservorkommens,
e) die Sicherung der Benutzbarkeit von Verkehrsanlagen und energiewirtschaftlichen Leitungsanlagen,
f) die Sicherung der Verteidigungswirkung von Anlagen der Landesverteidigung,
g) der Schutz vor Gefahren, die sich aus dem Zustand des Waldes oder aus seiner Bewirtschaftung ergeben.
§ 28 Inhalt der Bannlegung
a) Maßnahmen zur Aufrechterhaltung oder Herbeiführung eines Bewuchses anzuordnen, der den Bannzweck am besten zu erfüllen vermag, wie überhaupt eine bestimmte Waldbehandlung zu verbieten oder aufzuerlegen,
b) bestimmte Fällungen oder Nutzungsarten vorzuschreiben, einzuschränken oder zu verbieten,
c) im Bannwald bestehende Nutzungsrechte einzuschränken oder aufzuheben,
d) bestimmte Bringungsarten oder die Benützung bestimmter Bringungsanlagen vorzuschreiben, örtlich oder zeitlich zu beschränken oder zu verbieten,
e) auf Antrag des Begünstigten den Eigentümer des Bannwaldes zu verpflichten, besondere Maßnahmen (wie die Errichtung und Erhaltung von Anlagen zum Schutze vor Steinschlag, Vermurungen und Lawinen, die Durchführung von Anpflanzungen u. dgl.) im erforderlichen Ausmaß zu dulden.
a) die Fällung an die vorherige Anmeldung oder forstfachliche Auszeige oder an eine Bewilligung zu binden,
b) die Bewirtschaftung nach einem behördlich genehmigten Wirtschaftsplan vorzuschreiben,
c) den Begünstigten die Bestellung und Namhaftmachung einer für die Überwachung der Einhaltung der angeordneten Maßnahmen verantwortlichen Person vorzuschreiben,
d) ein allgemeines, gemäß § 34 Abs. 10 ersichtlich zu machendes Verbot des Betretens des Bannwaldes durch Unbefugte zu erlassen.