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Timestamp: 2018-08-20 15:29:58
Document Index: 33925749

Matched Legal Cases: ['Art. 3', 'Art.3', 'Art. 3', 'Art. 7', 'Art. 3', 'Art. 5', 'Art. 6', 'Art. 5', 'Art. 4']

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Neue EU-Lärmschutz-Richtlinie
Im Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung ist Lärmschwerhörigkeit die Berufskrankheit Nummer eins. Die Palette lärmender Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst ist groß: Rasenmahd, Waldarbeit oder Orchestergraben. Die neue EU-Richtlinie kommt da gerade recht, und außerdem steht dieses Jahr ganz im Zeichen der Aktivitäten gegen Lärm.
Mit der neuen Lärmschutzrichtlinie ist beabsichtigt, die bisher noch gültige Lärmrichtlinie 86/188/EWG, die 1990 in der Unfallverhütungsvorschrift „Lärm“ umgesetzt wurde, an das komplexe EU-Arbeitsschutz-Richtlinienwerk anzupassen. Die Richtlinie legt Mindestanforderungen für die Mitgliedsstaaten der EU fest und muss bis zum 15. Februar 2006 in nationales Recht umgesetzt werden.
Der Vergleich der neuen EG Richtlinie „Lärm“ (2003/10/EG) mit der seit vielen Jahren in Deutschland geltenden UVV „Lärm“ (GUV-V B3) und mit der UVV „Arbeitsmedizinische Vorsorge“ (GUV-V A4) zeigt, dass bereits jetzt viele der Forderungen an das beschriebene Schutzniveau erfüllt sind. Die neue Richtlinie senkt allerdings die Grenzwerte für das Tragen von Gehörschutz, verpflichtet Arbeitgeber zur Bereitstellung von geeigneten Schutzmaterialien und sichert den Arbeitnehmern Mitwirkung bei der Risikobewertung zu.
Ausdrücklich hebt die Richtlinie hervor, dass die Bewertungen und Messungen sachkundig geplant und von befähigten Diensten oder Personen durchgeführt werden müssen. Großer Wert wird darauf gelegt, Prävention so früh wie möglich anzusetzen. Eine Verringerung der Exposition gegenüber Lärm lässt sich wirkungsvoller erreichen, wenn bereits bei der Planung der Arbeitsplätze und Arbeitsstätten Präventivmaßnahmen ergriffen werden und die Arbeitsmittel sowie die Arbeitsverfahren und -methoden so gewählt werden, dass die Gefahren vorrangig bereits am Entstehungsort verringert werden.
Unternehmen sollten also bereits jetzt darauf achten, Investitionen nach den bisher gültigen und den neuen Anforderungen auszurichten, wenn Arbeitsmittel neu beschafft, Arbeitsverfahren neu eingeführt und/oder Arbeitsräume errichtet oder umgestaltet werden.
Was im Speziellen ist neu?
1. Es werden untere Auslösewerte eingeführt, die als Tages-Lärmexpositionspegel LEX,8h = 80 dB(A) bzw. Spitzenschalldruck LC,peak = 135 dB(C) [Art. 3 (1 c)] definiert werden.
Folgende Maßnahmen ab bzw. über einem Lärmexpositionspegel von 80 dB(A) („unterer Auslösewert“) sind erforderlich:
Information/Unterweisung über die Gefährdung,
Die Arbeitgeber werden verpflichtet, besonders auf die Verfügbarkeit von Gehörschutz mit angemessenen Dämpfungseigenschaften zu achten.
Sie sind für die Nachprüfung der Wirksamkeit des persönlichen Gehörschutzes zuständig und verpflichtet, mit allen Mitteln durchzusetzen, dass die Arbeitnehmer den persönlichen Gehörschutz benutzen. Ungeachtet dessen besteht ebenso die Pflicht des Arbeitnehmers, Gehörschutz zu tragen, wenn in Lärmbereichen gearbeitet werden muss.
2. Größere Bedeutung erhält der Beurteilungspegel LArd=85 dB(A), der als oberer Auslösewert mit einem Tages-Lärmexpositionspegel LEX,8h = 85 dB(A) erhalten bleibt.
Dieser Wert hat Priorität bei den Präventionsaktivitäten mit Blick auf die Vermeidung von neuen Fällen der BK 2301 „Lärmschwerhörigkeit“.
Es wird hier ausdrücklich als Ziel gesetzt, den ans Ohr dringenden Lärm unter den Expositionsgrenzwerten zu halten, um irreversible Hörschäden bei Arbeitnehmern zu vermeiden.
3. Expositionsgrenzwerte, die unter Berücksichtigung der dämmenden Wirkung des Gehörschutzes eingehalten werden müssen, werden grundsätzlich neu eingeführt.
Die Expositionsgrenzwerte entsprechen einem Tages-Lärmexpositionspegel LEX,8h = 87 dB(A) bzw. dem Spitzenschalldruck LC,peak = 140 dB(C) [Art.3(1a) in Verbindung mit Art. 3(2) und Art. 7].
Ein Wochen-Lärmexpositionspegel kann wie bisher bei Tätigkeiten angewendet werden, bei denen die Lärmexposition von einem Arbeitstag zum anderen erheblich schwankt [Art. 3 (3)].
Drei einzelne C-bewertete Spitzen-Pegel LC,peak (135 dB, 137 dB, 140 dB) sind für den Spitzenschalldruckpegel festgeschrieben. Bisher galt es erst bei Überschreiten des Grenzwertes von 140 dB (Lin, Peak) Maßnahmen einzuleiten.
Eine tabellarische Zusammenfassung aller relevanten Veränderungen haben wir dem Fachausschuss-Informationsblatt 004 entnommen, das von den Mitgliedern des AK „Betriebslärmbekämpfung“ im Fachausschuss „Maschinenbau, Fertigungssysteme, Stahlbau“ (FA MFS) erarbeitet wurde.
1. Ausgewählte Kernelemente der neuen EG-Richtlinie "Lärm" (2003/10/EG) und einzuleitende Maßnahmen im Überblick
Tabelle 1: Tages-Lärmexplosionspegel LEX,8h (dB(A)), Vorschlag zur Benennung als Tages-Beurteilungspegel LArd (dB(A))
Tabelle 2: Spitzenschalldruck als C-bewertete Spitzen-Pegel LC,peak (Vorschlag den Spitzen-Pegel) entsprechend Din45645 Teil 2 anzugeben)
Tabelle 3: Einzuleitende Maßnahmen im Überblick
Hier muss gehandelt werden:
Folgender zusätzlicher Handlungsbedarf durch die bevorstehende Umsetzung der EG Richtlinie „Lärm“ (2003/10/EG) ist aus den neuen Festlegungen abzuleiten:
Verbot der Überschreitung der Expositionsgrenzwerte unter Berücksichtigung der dämmenden Wirkung des Gehörschutzes.
Lärmminderungsprogramme (Art. 5 (2)) schon bei Überschreiten der oberen Auslösewerte [> 85 dB(A) bzw. LC,peak > 137 dB(C)],
Bereitstellung von geeignetem Gehörschutz [> 80 dB(A) bzw. LC,peak > 135 dB(C)] und
Tragepflicht [> 85 dB(A) bzw. LC,peak > = 137 dB(C)] (Art. 6),
Kennzeichnung von Arbeitsplätzen sowie Bereichsabgrenzung und Zugangseinschränkung
[> 85 dB(A) bzw. LC,peak > 137 dB(C)] [Art. 5 (3)],
Einzelbestimmungen: Dies betrifft z.B. bei der Risikobewertung die Berücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen „Lärm und arbeitsbedingten ototoxischen* Substanzen“ sowie zwischen „Lärm und Vibrationen“. Eingeschränkt wird diese Anforderung durch den Zusatz „soweit technisch durchführbar“ (Art. 4 (6d)).
* Gehör oder Gleichgewichtssinn schädigend
Hier ist Gehörschutz unverzichtbar
Die Mitgliedsstaaten haben drei Jahre Zeit, Rechts- und Verwaltungsvorschriften in Kraft zu setzen, um dieser Richtlinie nachzukommen (für bestimmte Bereiche, zum Beispiel im Musik- und Unterhaltungssektor, sind Fristverlängerungen möglich).
In welcher Form die neue Richtlinie konkret in Deutschland umgesetzt werden soll, wird derzeit in den zuständigen Gremien beraten. Diskutiert wird ein Anhang zur Betriebssicherheitsverordnung. Hieraus könnten Maßnahmen in Form „Technischer Regeln nach BetrSichV“ festgelegt werden.
Die EG Richtlinie „Lärm“ kommt garantiert – schon heute sollten Sie beachten:
Die Umsetzungsfrist der z.T. neuen Mindestanforderungen läuft schon,
Also mit Lärmminderungsprogrammen rechtzeitig beginnen,
Mögliche „Lärmbereiche“ ermitteln, ggf. messtechnisch neu erfassen und festlegen,
In Lärmkarten auf die Bereiche zwischen 80 und 85 dB(A) hinweisen,
Lärmbereiche frühzeitig kennzeichnen,
Umfassend über die Gefahren durch Lärm am Arbeitsplatz unterrichten,
Auf der Grundlage der Emissionskennwerte der 3./9. GSGV , bei Neuanschaffungen emissionsarme Arbeitsmittel kaufen,
Persönlicher Gehörschutz (s.a. GUVR 194): Tragebereitschaft erhöhen,
Nutzen Sie die Hilfestellungen aus den Lärmschutz-Arbeitsblättern (LSA) und Lärmschutz-Informationsblättern (LSI) – zu finden unter: BGVR-Online- Datenbank (dort unter „Titel“ Folgendes eingeben: „LSA“ oder „LSI“).
Noch Fragen: hallek@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 07