Source: https://ht-strafrecht.de/strafrecht/taetigkeitsfelder/allgemeines-strafrecht-ueberblick/koerperverletzung/
Timestamp: 2019-01-16 02:24:53
Document Index: 163676872

Matched Legal Cases: ['§ 229', '§ 221', '§ 224', '§ 225', '§ 227', '§ 225', '§ 231', '§ 32', '§ 153']

Körperverletzung - HT-Strafrecht
Körperverletzungsdelikte stellen einen Tätigkeitsschwerpunkt der Gerichte und der anwaltlichen Arbeit im Strafrecht dar. Gerade aufgrund teilweise sehr hoher Strafandrohungen kommt es oftmals darauf an, die Klaviatur diverser Verteidigungsmöglichkeiten zu kennen und zu beherrschen. Wenn Ihnen die Einleitung eines Strafverfahrens wegen Körperverletzung bekannt gemacht wurde, sollten Sie umgehend einen auf strafrechtlich spezialisierten Fachanwalt kontaktieren.
Arten von Körperverletzungsdelikten und Tatbestand
Voraussetzung für die Erfüllung des Tatbestands der vorsätzlichen Körperverletzung gem. 223 StGB ist die Gesundheitsschädigung bzw. körperliche Misshandlung eines anderen. Darauf, ob das Opfer der Straftat hierbei tatsächlich Schmerzen empfindet, kommt es nicht unbedingt an: Es genügt eine „mehr als nur unerhebliche Beeinträchtigung“ des Wohlbefindens des Opfers durch eine „üble und unangemessene Behandlung“. Zu dem eben genannten objektiven Tatbestand kommt es auf subjektiver Seite darauf an, dass der Täter vorsätzlich gehandelt hat. Hierbei reicht aus, wenn der Täter die körperliche Misshandlung für möglich hält und billigend in Kauf nimmt (so genannter „dolus eventualis“).
Bereits eine Ohrfeige oder ein Schlag auf den Hintern eines Kindes kann demnach den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen. Insbesondere ist zu beachten, dass ein solches Verhalten laut Rechtsprechung auch nicht durch erzieherische Absichten gerechtfertigt ist.
Ein Körperverletzungsvorwurf sollte jedoch nicht nur aufgrund der niedrigen Anforderungen an die Erfüllung des Tatbestands, sondern auch aufgrund der drohenden Bestrafung niemals auf die leichte Schulter genommen werden. Körperverletzungstaten werden mit Geldstrafe, je nach Schwere der Tat und Vorstrafen aber auch mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet. Selbst im Falle dessen, dass der Täter unvorsätzlich, aber fahrlässig gehandelt hat, droht eine empfindliche Sanktionierung: Die fahrlässige Körperverletzung gem. § 229 StGB wird mit bis zu drei Jahren Freiheitsentzug bestraft. Auf der anderen Seite können gerade diese Verfahren oftmals allein durch schriftliche Anträge zur Einstellung gebracht werden.
Weitere Körperverletzungsdelikte
Zu den Delikten, deren Zweck der Schutz der körperlichen Unversehrtheit ist, gehört auch die Aussetzung gem. § 221 StGB, deren Tatbestand beispielsweise durch das Aussetzen einer hilflosen Person in der Kälte verwirklicht werden kann.
Zu den Körperverletzungsdelikten gehört auch die Qualifikation der einfachen Körperverletzung, nämlich die gefährliche Körperverletzung gem. § 224 StGB. Dies liegt vor, wenn eine besonders gefährliche Tathandlung vorgenommen wird. Hierzu gehören
die Verwendung von giftigen oder gesundheitsschädlichen Stoffen,
die Tatausführung mittels eines gefährlichen Werkzeugs oder einer Waffe (als gefährliches Werkzeug gilt hier beispielsweise bereits ein besohlter Schuh, mit dem Tritte ausgeführt werden),
hinterlistige Überfälle,
gemeinschaftliche Körperverletzung sowie
die lebensgefährliche Behandlung.
Die oben aufgeführten Qualifikationsmerkmale gilt es bei der Auswahl geeigneter Verteidigungsstrategien gezielt anzugreifen. Hierzu ist insbesondere umfangreiches Präsenzwissen zur Rechtsprechung hinsichtlich jeden einzelnen Merkmals unabdingbar.
Die gefährliche Körperverletzung wird mit sechs Monaten bis zu zehn Jahren Freiheitsentzug sanktioniert. Aber nicht nur den deutlich höheren Strafrahmen gilt es zu berücksichtigen: Im Unterschied zur einfachen Körperverletzung werden gefährliche Körperverletzungstaten von der Staatsanwaltschaftnicht nur auf Antrag bzw. bei öffentlichem Interesse, sondern ausnahmslos verfolgt. Dies gilt auch dann, wenn das Opfer gar keine Strafverfolgung wünscht.
Worin besteht der Unterschied zwischen gefährlicher und schwerer Körperverletzung?
Zieht die Körperverletzung schwerwiegende Folgen nach sich, wie beispielsweise die dauerhafte Entstellung, Lähmung oder Erblindung des Tatopfers, steht eine Strafbarkeit wegen schwerer Körperverletzung gem. § 225 StGB im Raum. Hier ist aus dem Blickwinkel des Strafverteidigers besonderes Augenmerk auf der subjektiven Tatbestandebene geboten. Sofern der Täter hinsichtlich der Tatfolgen fahrlässig gehandelt hat, beträgt die Mindestfreiheitsstrafe bereits ein Jahr. Kam es dem Täter allerdings absichtlich auf die Folge an, beginnt diese erst bei drei Jahren Freiheitsentzug und kann hiermit auch nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden.
Besonders hoch ist auch der Strafrahmen der Körperverletzung mit Todesfolge gem. § 227 StGB angelegt: Mindestens drei und bis zu fünfzehn Jahre Freiheitsentzug werden hier verhängt. Auch die Misshandlung Schutzbefohlener gem. § 225 StGB, die meist bei der Misshandlung von Kindern oder zu pflegenden Personen greift, wird mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren sanktioniert.
Es ist bemerkenswerterweise sogar möglich, als Täter für eine eingetretene Folge, die selbst nicht verursacht wurde, bestraft zu werden: Der Tatbestand der Beteiligung an einer Schlägerei gem. § 231 StGB erfasst bereits die bloße Beteiligung an gewalttätigen Auseinandersetzungen. Diese Norm kommt typischerweise bei Prügeleien in Bars, Diskotheken oder bei Schlägereien im Rahmen von Fußballspielen zur Anwendung, wenn schwere Folgen – seien auch nicht durch den Täter verursacht – vorliegen.
Verteidigungschancen bei dem Vorwurf einer Körperverletzung
Gerade aufgrund der teils schwierig abzugrenzenden Deliktsvarianten sollten Sie bereits zu dem Zeitpunkt, ab dem Ihnen die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens bekannt wird, einen versierten Fachanwalt für Strafrecht aufsuchen. Machen Sie vorher keine Aussage bei der Polizei.
Nach akribischer Auswertung des Akteninhalts und Aufsetzen einer dementsprechenden Argumentation können viele Verfahren bereits durch umfangreiche schriftliche Anträge zur Einstellung gebracht werden. Zu prüfen sind hier auch Rechtfertigungsgründe wie z.B. Notwehr gem. § 32 StGB, Gründe die für eine Einstellung wegen Geringe der Schuld gem. § 153 StPO sprechen oder Argumente, die gegen die Täterschaft vorgebracht werden können.
Akteneinsicht kann im Ermittlungsverfahren grundsätzlich nur ein Strafverteidiger erhalten.