Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/jugendstrafe-schwere-schuld-4-3133667
Timestamp: 2019-11-17 00:49:38
Document Index: 157775687

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 211', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 17', 'BGH', '§ 17', '§ 17', '§ 17', 'BGH', '§ 17']

Nach der Recht­spre­chung und Tei­len der Lite­ra­tur kommt dem Unrecht der Tat bei der Prü­fung der Schwe­re der Schuld im Sin­ne von § 17 Abs. 2 Var. 2 JGG im All­ge­mei­nen kei­ne selbst­stän­di­ge Bedeu­tung zu 1.
Ent­schei­dend ist, inwie­weit sich die cha­rak­ter­li­che Hal­tung und die Per­sön­lich­keit sowie die Tat­mo­ti­va­ti­on des Her­an­wach­sen­den in vor­werf­ba­rer Schuld nie­der­ge­schla­gen haben.
Der äuße­re Unrechts­ge­halt der Tat ist jedoch inso­fern von Belang, als aus ihm Schlüs­se auf die Per­sön­lich­keit des Täters und die Schwe­re sei­ner Schuld gezo­gen wer­den kön­nen 2. Der Unrechts­ge­halt der Tat, der auch in der gesetz­li­chen Straf­an­dro­hung zum Aus­druck kommt, darf dem­nach auch bei der Prü­fung, ob die Ver­hän­gung einer Jugend­stra­fe wegen der Schwe­re der Schuld gebo­ten ist, nicht unbe­rück­sich­tigt blei­ben 3.
Danach ist der Erzie­hungs­zweck der Jugend­stra­fe nicht das ein­zig maß­geb­li­che Kri­te­ri­um. Hier­zu gilt im Ein­zel­nen:
Erzie­hungs­ge­dan­ke und Schuld­aus­gleich ste­hen in der Regel mit­ein­an­der in Ein­klang 4. Bei einem Gewalt­ver­bre­chen kann die Schwe­re der Schuld aber auch eigen­stän­di­ge Bedeu­tung haben 5. Schwe­re Gewalt­de­lik­te begrün­den regel­mä­ßig die Schwe­re der Schuld 6, wenn­gleich dies nach der Recht­spre­chung nicht aus­nahms­los der Fall ist. Der Straf­zweck des gerech­ten Schuld­aus­gleichs darf in sol­chen Fäl­len jeden­falls nicht völ­lig hin­ter den Erzie­hungs­ge­dan­ken zurück­tre­ten; denn auf die Mög­lich­keit der Bestra­fung schwe­rer Straf­ta­ten durch Ver­hän­gung einer Jugend­stra­fe kann auch in Fäl­len nicht ver­zich­tet wer­den, in denen ein Jugend­li­cher oder Her­an­wach­sen­der nicht erzie­hungs­be­dürf­tig oder erzie­hungs­fä­hig ist 7. Jeden­falls aber ist die Schwe­re der Schuld mit zuneh­men­dem Alter des Her­an­wach­sen­den modi­fi­ziert zu beur­tei­len 8. Dies gilt erst recht, wenn der Ange­klag­te, der zur Tat­zeit noch Her­an­wach­sen­der war, im Urteils­zeit­punkt bereits Erwach­se­ner ist. In sol­chen Fäl­len ist die Ziel­set­zung der Jugend­stra­fe anders zu bewer­ten, als etwa bei einem Jugend­li­chen, der das die Straf­mün­dig­keit begrün­den­de Alter gera­de erreicht hat 9. Wel­ches Gewicht den ein­zel­nen Zumes­sungs­er­wä­gun­gen zukommt, ist abhän­gig vom Ein­zel­fall 10. Der Tatrich­ter hat dazu eine umfas­sen­de Abwä­gung vor­zu­neh­men.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Juli 2018 – 2 StR 150/​18
Die Aus­ein­an­der­set­zung aus "nich­ti­gem" Grund Soweit die Straf­kam­mer zum Nach­teil in die Straf­zu­mes­sung ein­ge­stellt hat, dass der Aus­lö­ser der Aus­ein­an­der­set­zung "nich­tig" gewe­sen sei, es objek­tiv kei­ne Ver­an­las­sung für eine "Abrei­bung"…
Kor­rup­ti­on – und die Zumes­sungs­er­wä­gun­gen im… Aus­gangs­punkt der Zumes­sungs­er­wä­gun­gen ist bei einer Vor­teils­an­nah­me jeden­falls dann die Höchst­maß­nah­me, wenn ein Stabs­of­fi­zier und Dezer­nats­lei­ter einen fünf­stel­li­gen Euro-Betrag annimmt. Vor­lie­gend hat der Sol­dat vor­sätz­lich…
Heim­tü­cke – und die Abwehr­ver­su­che des Tat­op­fers Die Bewer­tung des Vor­ge­hens des Täters als heim­tü­ckisch (§ 211 Abs. 2 2. Grup­pe 1. Merk­mal StGB) ändert sich nichts dadurch, dass das Tat­op­fer noch…
vgl. BGH, Urteil vom 11.11.1960 – 4 StR 387/​60, BGHSt 15, 224, 225 f.; Urteil vom 29.09.1961 – 4 StR 301/​61, BGHSt 16, 261, 263; Beschluss vom 09.08.2000 – 3 StR 176/​00, NStZ-RR 2001, 215, 216; Beschluss vom 25.10.2011 – 3 StR 353/​11, NStZ 2012, 164; Beschluss vom 22.01.2014 – 5 StR 555/​13, NStZ-RR 2014, 119; Eisen­berg, JGG, 10. Aufl.2018, § 17 Rn. 34 ff.; Son­nen in Diemer/​Schatz/​Sonnen, JGG, 7. Aufl.2015, § 17 Rn. 22; a.A. Brunner/​Dölling, JGG, 13. Aufl.2018, § 17 Rn. 27; Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke, 3. Aufl.2017, § 17 JGG Rn. 58 ff.[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 17.12 2014 – 3 StR 521/​14, NStZ-RR 2015, 155, 156; Urteil vom 09.01.2018 – 1 StR 239/​17[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 23.04.1982 – 2 StR 192/​82, NStZ 1982, 332[↩]
vgl. BGH Urteil vom 16.11.1993 – 4 StR 591/​93, StV 1994, 598 f.; Urteil vom 23.04.1998 – 4 StR 12/​98; Urteil vom 04.08.2016 – 4 StR 142/​16, NStZ 2017, 648, 649[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 06.05.2013 – 1 StR 178/​13, NStZ 2013, 658, 659 mit Anm. Eisen­berg, NStZ 2013, 636 ff.[↩]
vgl. Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke aaO § 17 JGG Rn. 71[↩]
vgl. BT-Drs. I/​3264 S. 40 f.; BGH aaO[↩]
vgl. Eisen­berg, JGG aaO § 17 Rn. 29a; s.a. Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke aaO § 17 JGG Rn. 65[↩]
vgl. Kas­par in Fest­schrift für Schöch, 2010, S.209, 213 f., der aus­nahms­wei­se für eine Recht­fer­ti­gung der Jugend­stra­fe durch posi­ti­ve Gene­ral­prä­ven­ti­on plä­diert, aaO S. 222; ähn­lich Osten­dorf, JGG, 10. Aufl.2016, § 17 Rn. 5[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 01.12 1981 – 1 StR 634/​81, NStZ 1982, 163; Urteil vom 21.04.1982 – 4 StR 99/​83, EzSt JGG § 17 Nr. 1[↩]
Besonders schwerer RaubJugendstrafeRaubSchwere der Schuld