Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%202006,%20S.%2045
Timestamp: 2019-07-20 08:53:32
Document Index: 20207760

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 817', '§ 138', '§ 817', '§ 762', '§ 817', 'BGH', '§ 817', '§ 138', '§ 812', '§ 817', 'BGH', '§ 817', '§ 138', '§ 817', '§ 817', '§ 138', '§ 812', '§ 138', 'BGH', 'BGH', '§ 138', '§ 817', 'BGH', 'BGH', '§ 762', 'BGH', '§ 762', '§ 817', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 138', '§ 817', 'BGH', '§ 138', 'BGH', '§ 138', 'BGH']

BGH, 10.11.2005 - III ZR 72/05 - dejure.org
https://dejure.org/2005,67
BGH, 10.11.2005 - III ZR 72/05 (https://dejure.org/2005,67)
BGH, Entscheidung vom 10.11.2005 - III ZR 72/05 (https://dejure.org/2005,67)
BGH, Entscheidung vom 10. November 2005 - III ZR 72/05 (https://dejure.org/2005,67)
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Sittenwidrigkeit von organisierten Schenkkreisen nach dem Schneeballsystem; Verschaffung von Gewinnen für Mitglieder eines Schenkkreises
Keine Kondiktionssperre nach § 817 Satz 2 BGB bei der Teilnahme an einem sittenwidrigen, nach dem Schneeballsystem organisierten "Schenkkreis"
Sittenwidrigkeit von Verträgen nach § 138 I BGB ("Schenkkreise" im Schneeballsystem), Rückforderungsausschluß nach § 817 S. 2 BGB: Keine Anwendung bei Perpetuierung der Sittenwidrigkeit (Schutzzweck der Nichtigkeitssanktion); Verhältnis zu § 762 I BGB (Rückforderungsausschluß bei Spiel und Wette)
Ausschluss des Bereicherungsanpruchs wegen Sittenwidrigkeit
Rückgabe des Einsatzes bei sittenwidrigem Schneeballsytem
Einschränkung des § 817 BGB: Auch Leichtgläubige können bei Schneeballsystemen ihren Einsatz zurück verlangen
Rückzahlung von im Rahmen eines" Schenkkreises" (Schneeballsystem) gezahltem Geld
Schenkkreise - Zahlungen können zurückgefordert werden
Schenkkreise im Visier
BGH gibt Schenkkreis-Teilnehmern Recht auf Rückzahlung -
Ersatzanspruch bei Teilnahme an "Schneeball"-Spielsystem
BGB § 817 Satz 2, § 138 Abs. 1, § 812
Rückforderung des an Schenkkreis geleisteten Geldbetrags ohne Kondiktionssperre ("Schenkkreis")
123recht.net (Entscheidungsbesprechung, 30.6.2006)
Schenkkreis, Herzkreis, Pyramidensystem // Rückzahlungsanspruch von Mitspielern
AG Altenkirchen, 23.09.2004 - 71 C 304/04
AG Altenkirchen, 29.09.2004 - 71 C 304/04
LG Koblenz, 16.03.2005 - 12 S 270/04
VersR 2006, 419
WM 2006, 335
(2) § 817 Satz 2 BGB ist darüber hinaus auch dann einschränkend auszulegen, wenn die Aufrechterhaltung des verbotswidrig geschaffenen Zustandes mit Sinn und Zweck des Verbotsgesetzes unvereinbar ist und deshalb von der Rechtsordnung nicht hingenommen werden kann (vgl. Tiedtke, DB 1990, 2307; BGH, Urteile vom 10. November 2005 - III ZR 72/05, NJW 2006, 45 Rn. 11 f. …und vom 13. März 2008 - III ZR 282/07, NJW 2008, 1942 Rn. 8 ff.;… Staudinger/Lorenz, BGB, Neubearbeitung 2007, § 817 Rn. 10).
Dies verstößt - wie in der Rechtsprechung allgemein anerkannt ist - gegen die guten Sitten (vgl. insbesondere Senatsurteil vom 10. November 2005 - III ZR 72/05 = NJW 2006, 45, 46 Rn. 9; ferner OLG Köln NJW 2006, 3288, 3289; jeweils m.w.N.).
Indessen sprechen der Grund und der Schutzzweck der Nichtigkeitssanktion (§ 138 Abs. 1 BGB) hier - ausnahmsweise - gegen eine Kondiktionssperre gemäß § 817 Satz 2 BGB (siehe in diesem Sinne insbesondere Senatsurteil vom 10. November 2005 aaO S. 46 Rn. 11 m.w.N.).
c) Dementsprechend hat der Senat bereits im Urteil vom 10. November 2005 (aaO Rn. 12) entschieden, dass jedenfalls die Initiatoren derartiger Kreise dem Anspruch auf Rückerstattung der sittenwidrig erlangten Zuwendungen die Kondiktionssperre des § 817 Satz 2 BGB nicht entgegenhalten können.
Die Entscheidung hat im wissenschaftlichen Schrifttum weitgehend Zustimmung gefunden (Möller, NJW 2006, 268; Armgardt, NJW 2006, 2070; Karsten Schmidt, JuS 2006, 265; differenzierend Schmidt-Recla, JZ 2008, 60), ist allerdings bei manchen Amtsgerichten auf Widerspruch gestoßen (z.B. AG Siegburg NJW-RR 2007, 1431).
Ist die "Spielvereinbarung" - wie hier - gemäß § 138 Abs. 1 BGB nichtig, gelten die allgemeinen Regeln (§ 812 ff BGB; Senatsurteil vom 10. November 2005 aaO Rn. 13 m.zahlr.w.N.).
Dieser Verstoß gegen die guten Sitten fällt im vorliegenden Fall sowohl der Klägerin als der Leistenden als auch dem Beklagten als dem Empfänger zur Last (st. Rspr.; siehe insbesondere Senatsurteile vom 10. November 2005 - III ZR 72/05 = NJW 2006, 45, 46 Rn. 9;… vom 13. März 2008 - III ZR 282/07 = NJW 2008, 1942 Rn. 6;… vom 6. November 2008 - III ZR 120/08 Rn. 10 und 121/08 Rn. 10, jeweils m.w.N.).
Dies verstößt - wie in der Rechtsprechung allgemein anerkannt ist - gegen die guten Sitten mit der Folge, dass die hierfür geleisteten Zuwendungen generell als rechtsgrundlos erbracht zurückgefordert werden können (…s. Senatsurteile vom 18. Dezember 2008 - III ZR 132/08, NJW 2009, 984 Rn. 7 ff;… vom 6. November 2008 - III ZR 120/08, NJW-RR 2009, 345 f Rn. 10 f;… vom 13. März 2008 - III ZR 282/07, NJW 2008, 1942 Rn. 6 ff und vom 10. November 2005 - III ZR 72/05, NJW 2006, 45, 46 Rn. 9 ff).
Die Nichtigkeitssanktion des § 138 Abs. 1 BGB würde konterkariert werden und man würde die Initiatoren solcher "Spiele" zum Weitermachen geradezu einladen, wenn sie die mit sittenwidrigen Methoden erlangten Gelder - ungeachtet der Nichtigkeit der das "Spiel" tragenden Abreden - behalten dürften (BGH NJW 2006, 45, 46).
Auch fehlt es bei Brautgeldabreden an einer vergleichbaren Schutzwürdigkeit der Bereicherungsgläubiger: die Abrede dient in keiner Weise dazu "leichtgläubige und unerfahrene Personen" (BGH NJW 2006, 45, 46) zugunsten eines überlegenen Bereicherungsschuldners auszunutzen.
Insbesondere verweisen sie auf die jüngste Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 10.11.2005, NJW 2006, 45, wonach die Zuwendung im Rahmen des Schenkkreises zwar gem. § 138 BGB sittenwidrig, der Bereicherungsanspruch jedoch nicht an § 817 S. 2 BGB gescheitert sei.
Die Sittenwidrigkeit von derartigen Schenkkreisen, die nach dem Modell des Schneeballsystems - auch Pyramidensystem genannt - vollzogen werden, ist allgemein anerkannt (vgl. BGH, Urt. v. 10.11.2005 - III ZR 72/05, NJW 2006, S. 45;… BGH, Urt. v. 22.04.1997 - XI ZR 191/96, NJW 1997, S. 2314, 2315;… OLG Köln, Urt. v. 06.05.2005 - 20 U 129/04, NJW 2005, S. 3290).
Soweit in der Rechtsprechung verschiedentlich die Auffassung vertreten wurde, dass der Zahlende keinen Rückforderungsanspruch habe, wenn und weil er sich der Sittenwidrigkeit des Spiels bewusst gewesen sei oder sich dieser Einsicht zumindest leichtfertig verschlossen habe (…z.B. OLG Köln, Urt. v. 06.05.2005 - 20 U 129/04, NJW 2005, S. 3290;… LG Bonn, Urt. v. 14.07.2004 - 2 O 30/04, NJW-RR 2005, S. 490, 491;… OLG Celle, Urt. v. 20.03.1996 - 13 U 146/95, NJW 1996, S. 2660 f.), ist diesem Standpunkt im Hinblick auf die jüngste Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 10.11.2005 (- III ZR 72/05, NJW 2006, S. 45) der Boden entzogen worden.
Vielmehr muss die Rückforderung, um zur Anwendung von § 762 Abs. 1 S. 2 BGB zu gelangen, gerade auf den Spielcharakter gestützt werden (vgl. BGH, Urt. v. 10.11.2005 - III ZR 72/05, NJW 2006, S. 45, 46;… OLG Bamberg, Urt. v. 07.03.2001 - 3 U 105/00, NJW-RR 2002, S. 1393, 1394;… MünchKomm-Habersack, 4. Aufl., 2004, § 762 Rn. 13, 24).
In Fallgestaltungen, die der vorliegenden in diesem Punkt ähnlich sind, hat der Bundesgerichtshof die Anwendung von § 817 Satz 2 BGB verneint (BGH, Urt. v. 10. November 2005, III ZR 72/05, NJW 2006, 45;… Urt. v. 13. März 2008, III ZR 282/07, NJW 2008, 1942: Schneeballsysteme; BGHZ 111, 308: für Schwarzarbeit; BGHZ 75, 299 Leiharbeit).
Dies verstößt - wie in der Rechtsprechung allgemein anerkannt ist - gegen die guten Sitten (vgl. insbesondere Senatsurteile vom 10. November 2005 - III ZR 72/05 = NJW 2006, 45, 46 Rn. 9, …und vom 13. März 2008 - III ZR 282/07 = NJW 2008, 1942 Rn. 6; jeweils m.w.N.).
Der Verjährungsbeginn wird nicht durch den Umstand hinausgeschoben, dass sich der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 10.11.2005 ( BGH v. 10.11.2005 - III ZR 72/05 - NJW 2006, 45) zur Rückabwicklung von Schenkkreisen geäußert hat.
Vor der Entscheidung des Bundesgerichtshofes vom 10.11.2005 - III ZR 72/05 - NJW 2006, 45 sei die Rechtslage in Bezug auf die Rückabwicklung von Schenkkreisen so unübersichtlich gewesen, dass ihr die Klageerhebung nicht zumutbar gewesen sei.
Insbesondere führt der Umstand, dass sich der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 10.11.2005 (BGH v. 10.11.2005 - III ZR 72/05 - NJW 2006, 45) zur Rückabwicklung von Schenkkreisen geäußert hat, nicht dazu, von einem Verjährungsbeginn erst mit Ablauf des Jahres 2005 auszugehen.
Das Gericht folgt bei der Bewertung der Sittenwidrigkeit von Schenkungen im Rahmen sogenannter "Schenkkreise" der Rechtsprechung des BGH (Urteile vom 10.11.2005, Az. III ZR 72/05 und AZ. III ZR 73/05).
Denn es stehen hier sowohl der Grund als auch der Schutzzweck der Nichtigkeitssanktion des § 138 Abs. 1 BGB einer Anwendung des § 817 Satz 2 BGB entgegen (vgl. BGH Urt. vom 10.11.2005, NJW 2006, 45 (46)).
Andernfalls würde die ratio legis des § 138 BGB - die Nichtigkeitssanktion - untergraben und konterkariert werden; die Initiatoren solcher Spiele würden zum Weitermachen geradezu eingeladen, wenn sie die mit sittenwidrigen Methoden - ungeachtet der Nichtigkeit der das "Spiel" tragenden Abreden - behalten dürften (vgl. BGH, Urt. vom 10.11.2005, NJW 2006, 45 (46)).
Ist die "Spielvereinbarung" - wie hier - gem. § 138 Abs. 1 BGB nichtig, gelten die allgemeinen Regeln (BGH, Urt. vom 10.11.2005, NJW 2006, 45 (46) mit weiteren Nachweisen zu Literatur und Rechtsprechung).
AG Kerpen, 31.07.2007 - 22 C 445/06
Rückforderung des i.R.e. sogenannten "Schenkkreises" Geleisteten
AG Frankfurt/Main, 25.05.2007 - 31 C 2926/06
AG Mülheim/Ruhr, 01.06.2006 - 23 C 2687/05
Schenkkreis, Schneeballsystem
AG Starnberg, 26.04.2007 - 6 C 2275/06
AG Olpe, 13.11.2006 - 25 C 148/06
AG Siegburg, 11.05.2007 - 118 C 69/07
AG Siegburg, 30.03.2007 - 118 C 606/06
Rückzahlungsanspruch wegen einer i.R.e. Schenkkreisvereinbarung erbrachten …
AG Siegburg, 24.11.2005 - 104 C 293/05
Anspruch auf Rückzahlung des i.R.e. sogenannten Schenkkreis-Veranstaltung …
OLG München, 07.05.2007 - 23 U 1695/07
LG Augsburg, 13.11.2007 - 3 O 1980/07
AG Starnberg, 05.12.2006 - 4 C 1711/06
AG Landsberg/Lech, 15.09.2008 - 2 C 901/07
OLG Köln, 12.02.2008 - 12 U 115/07
AG Köln, 04.07.2007 - 147 C 13/07
AG Waldbröl, 28.09.2006 - 6 C 186/06