Source: http://dierezensenten.blogspot.de/2011_08_01_archive.html
Timestamp: 2018-01-16 21:16:18
Document Index: 27321120

Matched Legal Cases: ['Art.43', '§ 476', 'EuG', '§ 29', '§ 64', '§ 35', '§ 63']

Internationales Privatrecht (IPR) kam und kommt auch heute noch an den Universitäten und Fachhochschulen nur als Nebenfach vor und spielt eine eher untergeordnete Rolle. Tendenziell erhält das IPR jedoch durch die zunehmende Internationalisierung einen neuen Stellenwert, was wiederum durch die Schaffung neuer Schwerpunktbereiche und Bachelor- und Masterstudiengänge belegt wird. Dies erkennt auch der hiesige Autor, Prof. Dr. Güllemann, und setzt sich mit seinem erstmalig im Vahlen Verlag erschienen Werk zum Ziel, eine praxisbezogene Darstellung der Materie zu geben. Dabei soll sich das Buch vor allem an Studierende wirtschaftsrechtlicher und betriebswirtschaftlicher Studiengänge der Fachhochschulen, aber auch an Jurastudenten der Universitäten richten. Dem Autor ist es darüber hinaus ein Anliegen, ein kompaktes Grundlagenwissen des Wiener Übereinkommens der Vereinten Nationen vom 11.04.1980 über Verträge über den internationalen Warenkauf (sog. „UN-Kaufrecht“ oder auch „CISG“) als Teil des Internationalem Vertragsrechts zu vermitteln.
Inhaltlich gibt das Buch in zehn Kapiteln, auf insgesamt 252 Seiten, einen Überblick nicht nur über das Internationale „Vertragsrecht“. Zunächst wird der Leser in den ersten fünf Kapiteln an das Thema herangeführt. In den Kapiteln sechs bis acht vermittelt Güllemann die notwendigen Grundkenntnisse im Kollisionsrecht des IPR mit den Teilgebieten Internationales Schuldrecht (Rom I-VO), Internationales Deliktsrecht (Rom II-VO) sowie dem Internationalen Sachenrecht (Art.43 f. EGBGB). Danach geht es im 9. Kapitel allein um das UN-Kaufrecht, welches – wie schon vom Autor eingangs angekündigt – im Vergleich zu den restlichen Kapiteln am ausführlichsten behandelt wird. Das Buch schließt mit dem 10. Kapitel, in dem ein Abriss des Internationalen Zivilverfahrensrechts gegeben wird.
Nimmt der Leser das Werk zum ersten Mal zur Hand, fällt sofort die besonders gut gelungene Gestaltung des Buches auf. Das moderne Layout mit der blauen Schriftfarbe verhilft zu einem sehr angenehmen Lesefluss und verschafft dem Leser auf Anhieb einen guten Überblick. Zudem arbeitet der Autor mit vielfältigen Hilfsmitteln, wie beispielsweise der optischen Hervorhebung von Praxisfällen mit dazugehöriger Lösung, Kontrollfragen am Ende der jeweiligen Kapitel, zusammenfassenden Darstellungen sowie Tabellen und Schaubildern. Wichtige Passagen wurden stets im fetten Schriftformat vom Text hervorgehoben. Zudem erleichtert Güllemann dem Studenten das Lernen durch zusammenfassende Auflistungen der Prüfungsreihenfolge, was die schnelle Einprägung und Wiederholung des gelesenen Stoffs immens erleichtert. Auch schafft es der Autor, bestehende Meinungsstreitigkeiten und die einschlägige Rechtsprechung kurz und prägnant darzustellen. Endlose Ausschweifungen sucht man hier vergeblich: hier liegt wahrscheinlich einer der angenehmsten Unterschiede zur gängigen IPR-Literatur.
Ausgezahlt haben sich vor allem die Bemühungen, einen vertieften Einblick in das UN-Kaufrecht zu geben. Bei seiner Darstellung lässt der Autor wirklich keine Wünsche offen. Das Kapitel beginnt mit Hintergrundinformationen zur Entstehung des UN-Kaufrechts, Erläuterungen zu Aufbau und Gliederung des Übereinkommens, sowie des Anwendungsbereichs. Auch wurde zum Zwecke der Festlegung des räumlichen Anwendungsbereichs eine Liste mit den aktuellen Vertragsstaaten eingefügt. Die Darstellung orientiert sich inhaltlich an dem Aufbau des UN-Kaufrechts, d.h. Güllemann beginnt mit den Allgemeinen Bestimmungen, woran sich eine eingehende Darstellung des „materiellen Kaufrechts“ des CISG anschließt. Hierbei stellt der Autor immer wieder fest, dass die Regelungen dem deutschen Recht an vielen Stellen sehr ähnlich sind und zeigt dem Leser an den relevanten Stellen die Unterschiede zum BGB auf. Auch auf Regelungslücken (Stichwort AGB) wird aufmerksam gemacht und dargestellt, wie das Recht bestimmt wird, nach dem sich diese Lücken dann schließen lassen.
Der Lippross ist mit seiner aktuellen zehnten Auflage nunmehr im Verlagshaus Franz Vahlen in der Reihe Referendarpraxis untergekommen und setzt seine Odyssee durch die juristischen Fachverlage munter fort. Mangelnde Konstanz hat dies nicht zur Folge und das Werk nimmt daran keinen Schaden, soviel vorweg. Auf 274 großformatigen Seiten widmet sich das Buch ausführlich dem Zwangsvollstreckungsrecht nach dem 8. Buch der Zivilprozessordnung. Es ähnelt in seiner formalen Gestaltung einem typischen Skript, weniger einem Lehrbuch und kommt daher Lernenden (vorzugsweise Studierenden und vor allem auch Referendaren) bereits in puncto Seitenaufbau sehr entgegen. Der breite Rand beinhaltet nicht nur ausreichend Platz für eigene handschriftliche Notizen und Anmerkungen, sondern kurze zusammenfassende Schlagwörter und Merkpositionen des Autors selbst, so dass der Inhalt des nebenstehenden Fließtextes eingängiger erlernt werden kann. Im Weiteren arbeitet das Werk ohne Fußnoten, d.h. Fundstellen für Rechtsprechungs- und Literaturmeinungen werden in Klammereinschüben im Text selbst mitgeliefert.
Nach einer kurzen Einführung ist das Werk in sechs Teile untergliedert und folgt dem klassischen Aufbau „Vollstreckung wegen was in was“. Ein Hauptaugenmerk wird naturgemäß auf die praktisch sehr bedeutsame Vollstreckung durch den Gerichtsvollzieher gelegt. Was dem Studenten hier vielleicht noch „spanisch“ vorkommen mag, gibt dem Referendar jedoch bereits einen hervorragenden Ausblick auf das, was die Vollstreckung eines Titels in der Praxis für Probleme aufwerfen kann. Denn der Titel ist nur „die halbe Miete“ und manchmal nicht einmal das. Das anspruchsvolle Lernskript von Lippross zeigt viele praktische Probleme und deren juristische Lösung auf, wie z.B. die etwa im Arbeitsrecht häufige Vollstreckung eines Titels auf Zahlung von Bruttolohn, die Hausratspfändung oder die vorläufige Beschlagnahme bei der Austauschpfändung, die Vollstreckung eines Räumungstitels, wenn dieser nur auf einen der beiden Ehepartner lautet oder die sog. „Berliner Räumung“, bei welcher die Vollstreckung mit der Geltendmachung des Vermieterpfandrechts an allen Sachen des Mieters kombiniert wird. Auch die Auswirkung des neuen P-Kontos ist selbstredend eingearbeitet. Der letzte Teil des Buchs widmet sich den besonderen Klagearten Vollstreckungsgegenklage, Drittwiderspruchsklage und Klage auf vorzugsweise Befriedigung (letztere jedoch nur recht knapp, eben adäquat zu ihrer geringen praktischen Bedeutung).
Das alles liefert Lippross auf Examensniveau und bleibt dabei dennoch nachvollziehbar und lernbar ausgestaltet. Dies ist bei einem derartig schwierigen und komplexen Rechtsgebiet umso beeindruckender. Das Vollstreckungsrecht gehört neben Bereicherungsrecht und Kreditsicherungsrecht sicher zu den unangenehmsten und gefürchtetsten Rechtsgebieten in der Ausbildung. Dabei nimmt es in der Praxis einen gewaltigen Stellenwert ein und entscheidet über den tatsächlichen wirtschaftlichen Erfolg eines Titels. Das vorliegende Buch leistet einen wertvollen Beitrag, sich dieses Rechtsgebiet anzueignen und zugänglich zu machen. Dies gelingt dem Verfasser anhand von insgesamt 99 Fällen sehr gut und mit der richtigen Gewichtung. Übervereinfachung kann man diesem Skript dabei nicht vorwerfen. Zusätzliche Klausurtipps, ein paar dezente Schaubilder, Checklisten und der eine oder andere Musterantrag etwa für den Pfändungsbeschluss vervollkommnen das Ganze. Das Werk hält stets die Balance zwischen der Vermittlung von Examenswissen und Praxisbezug und ist gerade für Referendare sehr geeignet.
Im Besonderen Teil des Schuldrechts sind die Gewährleistungsansprüche im Kauf- und Werkvertragsrecht exakt erläutert, zu loben sind etwa die gut aufbereiteten Zusammenhänge zwischen Mangel und Sechsmonatsfrist des § 476 BGB. Auch das Darlehensrecht wird mit allen Facetten der Verbraucherbeteiligung erfasst, bietet als Anhang sogar einen Exkurs ins Leasingrecht. Das Werkvertragsrecht ist gut auf Hauptfälle wie das private Baurecht abgestimmt samt typischen Fragen zu Darlegungslast, Abnahmefiktion oder Bauhandwerkersicherung. Praxis- und ausbildungsgerecht präsentieren sich die Kommentierungen zu den Erscheinungsformen der Geschäftsbesorgung, wo zum einen die zugrundeliegenden Rechtsbeziehungen herausgearbeitet werden, dann aber auch auf die Details bankrechtlicher Spielarten wie Überweisung und Girovertrag eingegangen wird. Die gesetzlichen Schuldverhältnisse werden detailreich aufbereitet, sodass kniffligen Fragen, z.B. des Kondiktionenrechts in Dreiecksverhältnissen oder der Zurechnung schädigenden Handelns, ebenso präzise Antworten gegenüberstehen. Souverän werden zudem die ständig in der Praxis bemühten Verstöße gegen – angebliche – Verkehrssicherungspflichtverletzungen erfasst, sodass der Leser sich ein gutes Bild von den tatsächlichen Gegebenheiten im Straßenverkehr, bei Kirmesveranstaltungen oder bei Sportereignissen machen kann.
Im Sachenrecht überzeugen die wie nebenbei gegebenen Informationen zu prozessualen Besonderheiten und auch der Umfang der Darstellung altbekannter Themen wie Eigentümer-Besitzer-Verhältnis und Vormerkung. Auch die Pfandrechte an Rechten sind, so selten sie auch in Klausuren abverlangt werden, sehr eingängig abgehandelt. Im Familienrecht liegen die Schwerpunkte definitiv auf dem gesetzlichen Güterstand und den Unterhaltsansprüchen. Sehr positiv für Benutzer aus der Praxis ist die für einen einbändigen Kommentar umfangreiche Ausgestaltung des Betreuungsrechts. Im fünften Buch des BGB stechen die Kommentierungen zu den Erbschaftsansprüchen, zur Konkurrenz zwischen überlebendem Ehepartner und gesetzlichen Erben bei der Berechnung der Erbanteile sowie die umfangreichen Ausführungen zum Vermächtnis heraus. Im Anschluss an das BGB wird auch das EGBGB mit internationalem Privatrecht ausführlich beleuchtet, wobei besonders die vergleichende Übersicht zum internationalen Gesellschaftsrecht hervorragend gelungen ist, ebenso wie die Kommentierung zur Rechtsanwendung bei unerlaubten Handlungen im Ausland, eine in der gerichtlichen Praxis nicht mehr ganz seltene Problematik nach der Entscheidung des EuGH zur Direktklage gegen europäische Versicherungen.
Die Gestaltung des Kommentars ist klassisch. Die Autoren vermeiden lästige Abkürzungen und mittels einer effektiven Hervorhebungstechnik wird der Leser sicher durch die Materie geleitet. Die Verweisungen auf Literatur und Rechtsprechung sind leider immer noch in den Text integriert. Vereinzelt finden sich sogar Aufbau- und Prüfungsvorschläge, z.B. bei den Voraussetzungen der Vormerkung. Erfreulich sind die Zitate aus Rechtsprechung und Vertragsklauseln, um die Fundstellen mit Leben zu füllen. Positiv für die Recherche von Streitfällen sind die deutlich hervorgehobenen abweichenden Ansichten.
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Aus der Reihe Recht und Verwaltung des Kohlhammer-Verlags erscheint der kleine, schmale Band zur Vergabe öffentlicher Aufträge in neuer Auflage. Er gliedert sich in einen ca. 130 Seiten starken Textteil und einen ca. 30 Seiten umfassenden Anhang, der die für die Lektüre des Buchs erforderlichen Auszüge aus VOB/A und VOL/A mitliefert. Das Buch richtet sich an Einsteiger in das öffentliche Vergaberecht, d. h. vorrangig an jeden praktisch arbeitenden Juristen, insbesondere auch den Anwalt, der einen zügigen Einstieg in die Materie vor dem Hintergrund der Frage sucht: Wie löse ich meinen Fall? Aufgrund seiner kurzen, prägnanten Darstellung eignet es sich auch hervorragend für Studenten und Referendare. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass es sich nicht um ein universitäres Lehrbuch im klassischen Sinne handelt, sondern um eine praktische Einstiegslektüre. Es ist kein Fall-Buch, jedoch ein Buch, welches die Rechtsmaterie u. a. anhand von (insgesamt 46) Fällen vermittelt.
Der Textteil gliedert sich in sechs Abschnitte, beginnend mit einer Einführung in das Recht der Auftragsvergabe. Der zweite Abschnitt widmet sich ausführlich der Ausschreibung, der dritte Abschnitt in aller Kürze dem Angebot und der vierte Teil wieder sehr ausführlich der eigentlichen Vergabe, d. h. der Eröffnung des Angebots und dessen Prüfung. Ein fünfter Teil stellt die interkommunale Zusammenarbeit bei der Vergabe dar, speziell das vergabefreie Eigengeschäft („In-house-Geschäft“). Der sechste und letzte Teil stellt den für die Praxis sehr bedeutsamen Rechtsschutz dar, wobei ein klarer Schwerpunkt auf den Primärrechtsschutz gelegt wurde, der in der Praxis jedoch sehr bedeutsame Sekundärrechtsschutz bei unterschwelligen Vergabeverfahren auf nur drei Seiten nur sehr knapp behandelt wird.
Die Darstellung des Stoffs ist, gerade gemessen an der Zielsetzung des Werks, einen schnellen Einstieg zu vermitteln, hervorragend gelungen. Das Vergaberecht ist derart komplex und so stark europarechtlich durchsetzt, dass sich seine Darstellung als äußerst schwierig erweist und Bücher hierzu sich in der Regel als sprachlich schwer verdaulich offenbaren. Hier nicht. In möglichst nicht zu komplexen, kurzen Sätzen und prägnanter Ausdrucksweise wird der Leser an die Hand genommen und Schritt für Schritt in die wesentlichen Verfahrensabläufe eingeführt. Die 1:1 in der Praxis denkbaren und vorkommenden Fälle, welcher sich die vier Autoren bedienen, sind ein probates Mittel zur Darstellung des Stoffs. Dabei handelt es sich stets um knapp geschilderte Fälle, deren Lösungen sich stets direkt anschließen, so dass ein zeitraubendes, nerviges Hin-und Hergeblättere entfällt. Drei Schwerpunkte setzt das Buch insgesamt, nämlich die Ausschreibung, die Vergabe und den Rechtsschutz. Dies sind auch in der Regel die forensisch relevanten Bereiche. Wer dieses Buch durcharbeitet, kann sich einen guten Überblick über Sinn und Zweck des Vergaberechts, sowie seine grundlegenden Prinzipien und Begrifflichkeiten verschaffen. Einzelne Tipps der Autoren an der einen oder anderen Stelle schärfen zudem Problembewusstsein. Angesichts der Zielsetzung des Buchs darf man sich nicht darüber beklagen, dass ein ausgiebiger rechtswissenschaftlicher Diskurs hier nicht stattfindet. Auch Rechtsprechungsfundstellen sind dünn gesät. Wer mehr will oder tiefer eintauchen möchte (bzw. muss), hat anderes zu Rate zu ziehen. Für den Schnelleinstieg ist das kleine Büchlein jedoch höchst geeignet und sehr empfehlenswert.
Labels: Baurecht, Öffentliches Recht, Studium
Im März 2011 ist die 10. Auflage des dreibändigen Werks „Die Steuerberaterprüfung“ erschienen, wobei jeder Band ca. 800-900 Seiten umfasst. Das Werk mit Rechtsstand Dezember 2010 (inkl. Jahressteuergesetz 2010) soll umfänglich auf den schriftlichen Teil der Steuerberaterprüfung vorbereiten. Die schriftliche Prüfung, die jedes Jahr im Herbst deutschlandweit einheitlich abgenommen wird, ist ebenfalls auf drei Bereiche aufgeteilt. Der erste Prüfungstag beinhaltet Umsatzsteuer, Verfahrensrecht (AO etc.), Erbschaftsteuer-/Bewertungsrecht und ggf. Grunderwerbsteuer. Diese Themengebiete werden im dritten Band behandelt. Die anderen beiden Prüfungstage beinhalten einerseits Bilanzsteuerrecht andererseits Ertragsteuerrecht (Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer). Diese beiden Themenkomplexe sind nicht klar voneinander abgrenzbar – auch nicht in der Steuerberaterprüfung – und sind somit auch nicht streng getrennt auf die ersten beiden Bände aufgeteilt. Vielmehr ist ein logischer Aufbau vorgenommen worden, indem die einkommensteuerlichen Grundprinzipien, die Einkunftsarten (primär die Überschusseinkunftsarten) sowie erste übergreifende Komplexe in Band 1 behandelt werden. Außerdem sind die Gewerbesteuer und das internationale Steuerrecht enthalten. Der Band 2 beschäftigt sich dann mit der Besteuerung der einzelnen Rechtsformen inklusive der Bilanzierung (Einzelunternehmen, Mitunternehmerschaften, Körperschaften und damit einhergehend detailliert mit den gewerblichen Einkünften) sowie das Umwandlungssteuerrecht. Jeder Band enthält eine kurze Übersicht, welche Themenbereiche in welchem Band behandelt werden. Dann folgt eine Inhaltsübersicht über den jeweiligen Band. Jedem Hauptteil in den Bänden ist ein ausführliches Inhaltsverzeichnis vorangestellt, das bis in die fünfte Ebene gegliedert ist. Diese Inhaltsverzeichnisse könnten etwas übersichtlicher dargestellt werden.
Herausgeber und Mitautor des dreiteiligen Werks ist Professor Dr. Dr. h. c. Michael Preißer, der an der Universität Lüneburg Steuerrecht und Wirtschaftsprivatrecht lehrt. Die weiteren Mitautoren stammen entweder aus dem Hochschulwesen, der Finanzverwaltung oder der Beratungspraxis. Die meisten sind darüber hinaus als Dozenten in der Vorbereitung zum Steuerberaterexamen oder in den Prüfungsausschüssen tätig. Hierdurch sind Aktualität sowie Relevanz der dargestellten Themen für die Prüfung gewährleistet.
Die Aufbereitung der Inhalte ist je nach Themengebiet und Autor etwas unterschiedlich. Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Autoren aus der Hochschullandschaft einen etwas theoretischeren bzw. wissenschaftlicheren Zugang zu den jeweiligen Themengebieten haben als die Praktiker oder die Bearbeiter aus der Finanzverwaltung.
Labels: Öffentliches Recht
Labels: Öffentliches Recht, Wirtschaftsrecht
Überzeugend für Ausbildung und Praxis ist bei diesem Werk ist die Verknüpfung zwischen tatsächlichem, materiell-rechtlichem und prozessualem Wissen. Kapitel zu den gängigsten Betäubungsmitteln sensibilisieren den Leser für die Gefährlichkeit der Suchtmittel, vor allem bei dem leicht zu verharmlosenden Stoff Cannabis ist es den Autoren gelungen, die tatsächlichen Auswirkungen exakt zu beschreiben, etwa die Psychosegefahr bei Dauerkonsum. Im dann folgenden größten Abschnitt des Buches wird der Leser mit dem materiell-rechtlichen BtM-Recht befasst. Dies umfasst die verschiedenen Tatbestandsalternativen des § 29 BtMG, wobei ich persönlich die Beschreibungen zum Handeltreiben sowie zur Frage der geringen Menge für sehr gelungen halte. Weiterhin sind die Bandendelikte lesenswert erläutert. Hinzu kommt ein Unterkapitel zu den Konkurrenzen und, gut verknüpft, zur Straßenverkehrsteilnahme unter Drogeneinfluss. Ein eigenes Kapitel widmet sich den Rechtsfolgen der Tat und bezieht auch komplexe Fragen wie diejenige nach der Schuldfähigkeit und einer Therapie nach § 64 StGB mit ein. Ebenfalls gut erklärt werden die praktisch unumgänglichen Rechtsfolgen des Verfalls und der Einziehung.
Vollstreckungsrechtliche Aspekte erwarten den Leser im Folgekapitel zu § 35 BtMG, wobei das Erfordernis von vorhandenem Therapieplatz und Kostenzusage gar nicht genug betont werden kann. Das Schlusskapitel thematisiert sodann prozessuale Probleme und führt den Leser zum einen zu Fragen des Einsatzes von Vertrauenspersonen und verdeckten Ermittlern sowie ganz detailliert zu Problemen der Telekommunikationsüberwachung. Die Einführung der jeweiligen Beweismittel in die Hauptverhandlung wird folgerichtig in einem eigenen Unterkapitel verortet.
Dieses Lehrbuch ist auch in der zweiten Auflage eine klare Lektüre- und Kaufempfehlung für Studenten, Referendare und Praktiker. Die Autoren schaffen es, die Sensibilität für die Materie gleich auf mehreren Ebenen zu wecken und dazu noch die Komplexität der Thematik abzubilden und das in lesefreundlich kompakter Weise.
„Was? Für 9,90 Euro soll es ein juristisches Fachbuch geben?“ Das ist das erste, was ich bei Betrachten des Rezensionsexemplars „Sitzungsdienst des Staatsanwalts“ gedacht habe. Und tatsächlich: Was der Referendar oder der junge Staatsanwalt für diesen Preis erhält, kann sich sehen lassen. Auf 186 Seiten findet man in einem Mini-Format einen echten Sitzungsratgeber, der alle praxisrelevanten Fragen für den Hauptverhandlungstermin beantwortet. Die Schriftgröße ist zwar relativ klein, doch tut dies dem guten Eindruck des Buches keinen Abbruch. Der Autor ist Richter am Amtsgericht in Wunsiedel und damit - wenn auch nicht selbst Staatsanwalt - echter Praktiker. Das Buch ist modern aufgemacht, also klar gegliedert in kurze Abschnitte, mit deutlich markierten Tipps versehen und mit zahlreichen Formulierungshilfen und Aufbauschemata gespickt. Nur selten finden sich Rechtsprechungs- und Literaturnachweise, was auch verständlich ist – das Buch ist für die Praxis als stets mitnehmbarer Helfer konzipiert, nicht aber als Nachschlagewerk, um StPO zu lernen.
Fünf große Blocks gliedern das Buch. Zunächst wird die Vorbereitung der Sitzung (so etwa Aktenstudium, der BZR-Auszug oder die Erstellung eines „Renners“ für das anstehende Plädoyer) behandelt. Im Anschluss geht es dann zu dem wichtigsten Thema, der Tätigkeit in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung. Hier werden alle Verfahrenskonstellationen kurz, prägnant und vor allem praxistauglich dargestellt. So finden sich etwa Erörterungen zu der Thematik „Beweisanträge“, zum Umgang mit vorhandenen Asservaten oder natürlich zum Problemkreis des Plädoyers einschließlich der wichtigsten Probleme der Strafzumessung. Auch das für Anfänger absolut unangenehme Thema der Gesamtstrafenbildung einschließlich der so genannten „Zäsurwirkung“ wird dargestellt und anhand von graphischen Darstellungen verdeutlicht. Für den Fall der Einteilung für eine Sitzung beim Jugendrichter enthält das Büchlein auch einen eigenen Abschnitt von 13 Seiten, in dem die die Besonderheiten des Jugendverfahrens dargestellt werden einschließlich der Rechtsfolgen des JGG. Ein weiterer wesentlicher Buchabschnitt befasst sich mit dem für Anfänger eher seltenen Berufungsverfahren. Am Ende des Buches findet sich dann noch ein Anhang mit wertvollen Arbeitshilfen: Checkliste für die Sitzungsvorbereitung, Sitzungsrenner mit Textbausteinen für die Sitzung und das Plädoyer, Übersichten/Checklisten zu den wichtigsten im Buch dargestellten Konstellationen in der Hauptverhandlung (Bsp: Nichterscheinen des Angeklagten, Würdigung einer Zeugenaussage, Prüfungsschema zur Strafzumessung) und auch Prüfungsabfolgen für die Fahrerlaubnisentziehung, das Fahrverbot und Unterbringungsentscheidungen nach §§ 63, 64 StGB. Ein ausführliches Stichwortverzeichnis rundet den guten Eindruck des Buches ab. Daher: Klare Kaufempfehlung!