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Timestamp: 2018-06-22 05:19:51
Document Index: 304420689

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 8', '§ 37', '§ 21', 'Art. 45', '§30']

Vergleichender Expertenbericht: Berufliche Grundbildung | DC dVET
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Vergleichender Expertenbericht: Berufliche Grundbildung	Webmaster	2018-02-13T14:03:16+00:00
Anteil der Lehrlinge einer Alterskohorte
Anteil der Lehrlinge mit Abitur / Matura
Kriterien für ausbildende Unternehmen
Anzahl Berufe
Anteil schulische Ausbildung (regulär und zusätzlich)
Finanzielle Beteiligung der Firmen
Formen und Beispiele von Abschlussprüfungen
Anrechnung der schulischen Leistung in Gesamtbeurteilung
Zugang zur höheren Berufsbildung (Tertiär B)
Durchlässigkeit zur Tertiärbildung (Tertiär A)
Kosten / Nutzen für Unternehmen
Voraussetzung für den Zugang zur dualen Berufsbildung ist in allen Ländern die Erfüllung der obligatorischen Schulpflicht.
Absolvierung (Erfüllung) der neunjährigen Schulpflicht. – Eine positive Absolvierung ist formal nicht erforderlich.
Zunehmend werden vor allem auf Landesebene und kommunaler Ebene Übergangsangebote geschaffen, die bei Jugendlichen, die keine betriebliche Lehrstelle finden, durch eine zusätzliche Basisbildung nach der Schulpflicht die Einstiegschancen erhöhen sollen (z.B. in Produktionsschulen).
Streng genommen kann auch die ÜBA zum Übergangssystem gerechnet werden, zumindest in jenen Fällen in denen nach einem Jahr in der ÜBA ein betrieblicher Ausbildungsplatz angestrebt wird.
Erfüllung der obligatorischen Schulpflicht. – Diese beträgt in der Regel 9 Schulbesuchsjahre. In vielen Kantonen werden allerdings 2 Jahre Kindergarten der obligatorischen Schulpflicht zugerechnet, wodurch sich insgesamt eine Schulpflicht von 11 Jahren ergibt.
Bund, Kantone und OdA setzen verschiedenste Maßnahmen, um Jugendliche beim Einstieg in die Berufsbildung und Betriebe bei ihrer Ausbildungstätigkeit zu unterstützen. Brückenangebote bereiten nach der obligatorischen Schulzeit auf eine berufliche Grundbildung vor mit dem Ziel, die Chancen der Jugendlichen auf dem Lehrstellenmarkt durch weitere Qualifizierung zu erhöhen.
Erfüllung der Vollzeitschulpflicht. – Diese beträgt je nach Bundesland 9 bis 10 Schulbesuchsjahre. Eine positive Absolvierung ist formal nicht erforderlich.
Durch einjährige Übergangsangebote wie z.B. Berufsgrundbildungsjahr, Berufsvorbereitungsjahr, Berufseinstiegsjahr sollen Jugendliche, die nach Absolvierung der Schulpflicht keinen betrieblichen Ausbildungsplatz finden, eine Vorbereitung auf die Berufsausbildung und ein leichterer Einstieg ermöglicht werden. Das Übergangssystem in Deutschland wird häufig aber auch von Jugendlichen genutzt, die die Schulpflicht im der Regelschule noch nicht erfüllt haben.
2.2. Anteil der Lehrlinge einer Alterskohorte
Der Anteil der Lernenden/Auszubildenden/Lehrlinge an der jeweiligen Altersgruppe unterscheidet sich von Land zu Land erheblich und liegt zwischen 37 % in AT und etwas über 60 % in der CH. Ein wesentlicher Grund für die Unterschiede liegt im unterschiedlichen Angebot vollzeitschulischer Berufsbildungen in den jeweiligen Ländern
Ca. 37 % der Jugendlichen eines Altersjahrganges erlernen nach Erfüllung der Schulpflicht einen gesetzlich anerkannten Lehrberuf.
Hinweis: Darüber hinaus entscheiden sich weitere 40 % der Jugendlichen für eine vollzeitschulische Berufsbildung. Daraus ergeben sich fast 80 % eines Altersjahrganges, die eine Berufsausbildung auf der Sekundarstufe II absolvieren.
Jedes Jahr entscheiden sich rund zwei Drittel der Jugendlichen nach Absolvierung der Schulpflicht für eine duale Berufslehre. (Schulbesuchsquote der 17-Jährigen 2012/13: 62 % beruflichen Grundbildung, 21 % Allgemeinbildung, 7 % noch Übergangssystem oder Sek I.)
Schulbesuchsquoten der 16-26-Jährigen 2012/13
Der Anteil der Jugendlichen, die erstmals eine betriebliche Ausbildung beginnen, an der jeweils gesamten Alterskohorte liegt bei rund 56 % („Ausbildungsanfängerquote“).
Knapp 60 % der Schulabgänger/innen wählen den dualen Berufsbildungszweig.
Landtag, Regierung und Gerichte
2.3. Anteil der Lehrlinge mit Matura / Abitur
Die deutlichen Unterschiede im Anteil von Jugendlichen mit Matura/Abitur in der dualen Berufsbildung, lassen sich insb. durch die im Detail doch erheblichen Unterschiede in den Bildungssystemen erklären, etwa durch den in AT großen Anteil eines vollzeitschulischen Berufsbildungsangebotes mit Matura, das in DE aber auch in der CH eine deutlich untergeordnete Rolle spielt. Damit kann für AT ein wesentlich geringerer Anteil an Maturant/innen (Abiturient/innen) festgestellt werden, die noch keinen grundlegenden beruflichen Abschluss habe
Im Schuljahr 2013/14 verfügten rund sechs Prozent der Berufsschüler/innen in den ersten Berufsschulklassen über einen Ausbildungsabschluss auf Sekundarstufe II.
Derzeit keine Daten verfügbar.
Im Berichtsjahr 2013 hatten rund 25 % der Auszubildenden mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag einen allgemeinbildenden Schulabschluss mit Studienberechtigung.
2.4. Kriterien für ausbildende Unternehmen
Um Lehrlinge/Auszubildende/Lernende auszubilden, benötigen Betriebe in allen Vergleichsländern eine Bewilligung, in der die Eignung als Ausbildungsbetrieb festgestellt wird. Voraussetzungen für diese Bewilligung sind insb. eine entsprechende Ausstattung der Betriebe, dass sie die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten ausbilden können, und das Vorhandensein geeigneter Ausbilder/innen. Der konkrete Ablauf der Verfahren und die spezifischen Voraussetzungen z.B. der Ausbilder/innen unterscheiden sich von Land zu Land.
Betriebe reichen bei der regional zuständigen Lehrlingsstelle der WK einen Antrag auf Feststellung der Eignung ein (im BAG festgeschrieben). Die Lehrlingsstelle ist gesetzlich verpflichtet, die Eignung unter Mitwirkung der AK zu prüfen. Ist die Eignung gegeben, wird dem Betrieb ein sogenannter Feststellungsbescheid ausgestellt.
Der Betrieb muss nach Gewerbeordnung berechtigt sein, die Tätigkeiten durchzuführen, in denen ausgebildet werden soll.
Er muss so eingerichtet/geführt sein, dass alle im Berufsbild enthaltenen Kenntnisse/ Fertigkeiten vermittelt werden können (Ausnahme: Ausbildungsverbünde).
Im Unternehmen muss eine ausreichende Zahl von fachlich und pädagogisch geeigneten Ausbilderinnen und Ausbildern verfügbar sein.
Die Voraussetzung für die betriebliche Ausbildung ist die Bildungsbewilligung. Zuständig für das Bewilligungsverfahren ist das kantonale Berufsbildungsamt. Je nach Kanton erfolgt die Erteilung der Bildungsbewilligung aufgrund der Einreichung schriftlicher Unterlagen oder nach einem Betriebsbesuch durch Berufsinspektor/innen des Berufsbildungsamtes.
Es muss u.a. geklärt werden, wer sich betriebsintern als Berufsbildner/in eignet und wie der Ausbildungsablauf aussieht.
Berufsbildner/innen müssen einen Berufsbildner/innenkurs absolviert haben.
Die Eignung des Betriebs wird von der jeweils zuständiger Industrie- oder Handelskammer (IHK) bzw. der Handwerkskammer (HWK) festgestellt. Laut BBiG dürfen nur Betriebe ausbilden, die persönlich und fachlich geeignet sind.
Ausbildungsbetriebe müssen so ausgestattet sein, dass die Fertigkeiten/Kenntnisse/Erfahrungen vermittelt werden können, die in Ausbildungsordnung vorgesehen sind.
Technische Geräte und Werkzeug müssen nicht modernsten, aber aktuellem technischen Stand entsprechen.
Ist der Ausbildende (Betriebsinhaber, Unternehmer) fachlich nicht geeignet oder bildet er nicht selbst aus, muss ein Ausbilder/eine Ausbilderin bestellt werden.
2.5. Ausbildungsvertrag
In allen Vergleichsländern wird das Verhältnis zwischen Ausbildungsbetrieb und Lehrling/Auszubildenden/Lernenden durch einen schriftlichen Vertrag (Lehrvertrag/Berufsausbildungsvertrag) geregelt, dessen Mindestbestandteile im jeweiligen Berufsbildungsgesetz bzw. in der Schweiz im Arbeitsrecht festgelegt sind. Bei minderjährigen Lehrlingen/Auszubildenden/Lernenden ist jeweils die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter/innen erforderlich. In allen Ländern muss der Vertrag durch eine mit der Administration betrauten regionalen Einrichtung (Lehrlingsstelle, IHK/HWK, kantonale Behörde) überprüft und bewilligt werden.
Zwischen dem Lehrberechtigten und dem Lehrling ist schriftlich ein Lehrvertrag zu schließen, dessen Mindestinhalte im BAG (§ 12) verbindlich geregelt sind.
Standardisierte Formulare werden von den Lehrlingsstellen der WK ausgegeben. Die Lehrlingsstelle prüft die Daten des Lehrvertrages und protokolliert (genehmigt) den Vertrag. Diese Protokollierung ist eine Voraussetzung zur späteren Zulassung zur LAP.
Bei minderjährigen Lehrlingen ist die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter erforderlich.
Über besondere oder zusätzliche Ausbildungsvereinbarungen muss schriftlich ein Arbeitsvertrag abgeschlossen werden.
Der Lehrvertrag ist ein Arbeitsvertrag mit der Besonderheit, dass die Arbeit in erster Linie der beruflichen Ausbildung der lernenden Person dient. Der Lehrvertrag samt seinen Mindestinhalten ist im Arbeitsrecht geregelt und ist in schriftlicher Form zwischen Lehrbetrieb und lernender Person zu schließen. Der Lehrvertrag muss von der zuständigen kantonalen Behörde genehmigt werden.
Insb. regelt der Lehrvertrag:
Arbeitsbefreiung für den Berufsschulbesuch und Teilnahme an den Abschlussprüfungen
Es sind bundesweit einheitliche Formulare zu verwenden. Bei minderjährigen Lernenden ist die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter erforderlich.
Laut BBiG müssen Ausbildungsbetriebe und Auszubildende einen Berufsausbildungsvertrag in schriftlicher Form abschließen, dessen Mindestinhalte ebenfalls im BBiG verbindlich geregelt sind.
Mit Abschluss des Ausbildungsvertrages übernehmen Ausbildende und Auszubildende bestimmte Pflichten.
Bei minderjährigen Auszubildenden ist die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter erforderlich.
Musterformulare werden von den verschiedenen IHKs bzw. HWKs zur Verfügung gestellt. Diese prüfen auch den Inhalt des Vertrags.
2.6. Akteure: Rollen und Verantwortlichkeiten
Die dualen Systeme der Vergleichsländer zeichnen sich durch eine gemischte Verantwortung zwischen öffentlichen Einrichtungen (Ministerium, Landesregierungen und zugeordneten Institutionen) und Sozialpartnereinrichtungen/OdA aus. Auf Bundesebene liegt die Verantwortung i.d.R. bei den sachlich zuständigen Ministerien, die durch unterschiedliche Gremien unter starker Beteiligung der Sozialpartner/OdA beraten werden. In AT und tw. in DE erfolgt eine Trennung der Zuständigkeit für den betrieblichen und den schulischen Teil der Ausbildung. In der CH liegt die Gesamtverantwortung für die berufliche Grundbildung auf nationaler Ebene bei einer Institution.
Auf Landesebene nehmen die Landesregierungen und ihre Institutionen (z.B. Lultusministerien/AT: Landesschulräte für die Berufsschulen) die regionale Verantwortung wahr, ebenfalls i.d.R. unterstützt durch sozialpartnerschaftlich besetzte Beratungsgremien. Die Vollziehung und Administration der betrieblichen Ausbildung liegt i.d.R. in DE und AT bei den regionalen IHKs, HWKs bzw. WKs. In der CH sind die regionalen Berufsbildungsämter für die Umsetzung der gesamten dualen Grundbildung auf kantonaler Ebene verantwortlich.
Bundesebene: Das BMWFW ist für die betriebliche Ausbildung und das BMB für den schulischen Ausbildungsteil verantwortlich; der BBAB (sozialpartnerschaftlich besetzt) unterstützt das BMWFW durch Beratung und Gutachten.
Landesebene: Die Lehrlingsstellen der Wirtschaftskammern sind für die Administration der betrieblichen Ausbildung zuständig. Sie werden dabei in durch das BMWFW übertragener Verantwortung tätig. Der Landes-Berufsausbildungsbeirat ist das Beratungsgremium auf Landesebene, ebenfalls sozialpartnerschaftlich besetzt; Landesschulinspektoren sind für die Umsetzung der Bundesvorgaben in den Berufsschulen und die Schulinspektion verantwortlich; die Landesregierungen für die Finanzierung der Berufsschulen.
FAQ Lehre_EN
Bundesebene: Das SBFI ist als Kompetenzzentrum für die Regelung und Mitfinanzierung der Berufsbildung zuständig und hat die Gesamtverordnung über die berufliche Grundbildung, Anerkennung der Prüfungsordnungen, Bildungspläne. Die EBBK, bestehend aus Vertreter/innen von Bund, Kantonen, OdA sowie der Wissenschaft, berät die Bundesbehörden und trägt zur Weiterentwicklung/Koordination der Berufsbildung bei.
Regionale Ebene: 26 kantonale Berufsbildungsämter sind Vollzugsorgane der Berufsbildung auf kantonaler Ebene.
Die OdA wirken sowohl bundesweit als auch kantonal mit und definieren Bildungsinhalte, nationale Qualifikationsverfahren und organisieren die berufliche Grundbildung.
Berufsbildung in der Schweiz – Fakten und Zahlen
Bundesebene: BMBF trägt die Verantwortung für das BBiG und die Ausbildungsordnungen, ebenso wie die fachlich zuständigen Ministerien. Das BIBB führt Aufgaben im Rahmen der Bildungspolitik der Bundesregierung durch. Als zentrales Beratungs- und Beschlussgremium ist der Hauptausschuss des BIBB in allen wichtigen Angelegenheiten der beruflichen Bildung zu beteiligen. Dieser besteht aus Vertreter/innen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern, des Bundes und der Länder.
Landesebene: Die Berufsschulen/Schulaufsicht fällt in die Kompetenz der Kultusministerien. Ein Austausch der Kultusminister der einzelnen Bundesländer erfolgt in der Kultusministerkonferenz. Bei der Landesregierung ist ein Landesausschuss für Berufsbildung installiert: Dieses Beratungsgremium setzt sich paritätisch aus Beauftragten der Arbeitgeber, Gewerkschaften und Landesbehörden zusammen.
Die IHKs bzw. die HWKs sind für die Überwachung, Beratung und Regelung der betrieblichen Ausbildung verantwortlich.
Motor der dualen Berufsbildung
2.7. Ausbildungsdauer
Die Ausbildungsdauer liegt zwischen 2 und 4 Jahren, in DE höchstens 3,5 Jahren. Die meisten Lehrberufe/Ausbildungsberufe haben eine Ausbildungsdauer von 3 Jahren. In allen Ländern sind unter besonderen Voraussetzungen Verkürzungen, aber auch Verlängerungen der Ausbildungsdauer möglich.
2 bis 4 Jahre, meist 3 Jahre
Unter bestimmten Voraussetzungen sind Anrechnungen von Vorlehrzeiten und Schulzeiten möglich: so ist eine Verkürzung der Lehrzeit (Lehrberufe mit 3, 3,5 oder 4 Jahren) um 1 Jahr bei Personen mit Reifeprüfung, Absolventinnen und Absolventen einer mind. 3-jährigen Berufsbildenden mittleren Schule oder für Personen mit LAP/Facharbeiterprüfung in land- und forstwirtschaftlichem Lehrberuf möglich. Auch Berufspraxis kann angerechnet werden.
Bei fachlich verwandten schulischen Berufsbildungen ist auch die Anrechnung von mehreren Jahren, bis hin zum vollständigen Lehrzeitersatz möglich.
Für Lehrlinge in der Berufsausbildung gem. § 8b BAG oder für Lehrlinge die parallel zur Lehre die Berufsreifeprüfung („Lehre mit Matura“) absolvieren, ist auch eine Verlängerung der Lehrzeit möglich.
Lehrzeit – Anrechnung, Ersatz, Verkürzung
In einzelnen Berufen spezielle verkürzte Ausbildungsgänge für Erwachsene.
Verkürzungen von 1 bis 2 Jahren an bestimmte Voraussetzungen gekoppelt (oft Zweitlehre in ähnlichem Berufsgebiet).
Kantonale Behörde kann in Einzelfällen Ausbildung verkürzen (1 bis 2 Jahre). Voraussetzung: lernende Person verfügt über berufsspezifische Vorkenntnisse oder hat eine Ausbildung in einem anderen Beruf absolviert.
Ist das Ausbildungsziel in der normalen Zeit nicht erreichbar, kann die Lehrdauer vom Kanton auf Antrag der Parteien verlängert werden. Auch bei einer reduzierten Arbeitszeit (Training von Leistungssportlern!) kann eine verlängerte Ausbildungszeit vereinbart werden.
2 bis 3,5 Jahre, meist 3 Jahre
Für Studienabbrecher/innen besteht die Möglichkeit einer Lehre unter Reduzierung der Ausbildungsdauer (Anrechnung bisher erbrachter Studienleistungen oder Verkürzung der Ausbildungsdauer aufgrund der Vorbildung).
Für Abiturientinnen/Abiturienten ist eine Verkürzung der Ausbildungszeit um bis zu zwölf Monate möglich.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit der Berücksichtigung bei Nachweis einschlägiger beruflicher Grundbildung, Berufstätigkeit oder Arbeitserfahrung.
Verkürzung – Verlängerung der Ausbildungsdauer
2.8. Anzahl Berufe
Die Unterschiede in der ausgewiesenen Anzahl an Ausbildungsberufen können u.a. auch auf unterschiedliche Zählweisen in den einzelnen Ländern zurückzuführen sein. So werden bspw. in Österreich Lehrberufe die mit Schwerpunkten eingerichtet sind nur als ein Lehrberuf gezählt (z.B. der Lehrberuf Einzelhandel hat 15 Ausbildungsschwerpunkte, zählt aber nur als ein Lehrberuf).
rund 200 (Stand 2015)
rund 250 (Stand 2015)
Berufliche GB
rund 330 (Stand 2015)
Rund 110 Berufe und Anlernberufe in denen Lernende ausgebildet werden (Stand 2014).
Landtag/Reg/Gerichte
2.9. Lernorte
Grundsätzlich erfolgt die Ausbildung in allen Vergleichsländern im Betrieb und in der der Berufs(fach)schule. Wobei die betriebliche Ausbildung deutlich überwiegt. Die betriebliche Ausbildung erfolgt direkt am Arbeitsplatz und/oder – besonders bei größeren Unternehmen – in speziell zu diesem Zweck eingerichteten Werkstätten. In der Schweiz kommen regelmäßig als dritter Ausbildungsplatz überbetriebliche Kurse dazu. Diese gibt es auch in DE und AT, sind hier allerdings Sonderformen der Ausbildung.
In vielen Großbetrieben innerbetriebliche Lehrwerkstätten; in diesen werden tw. auch Lehrlinge anderer Betriebe mit ausgebildet.
In einigen Branchen (z.B. Baubranche) zusätzlich überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen.
Für Jugendliche, die keine betriebliche Lehrstelle oder keinen schulischen Ausbildungsplatz finden, stehen überbetriebliche Einrichtungen (ÜBA) zur Verfügung. Statt einem Lehrvertrag wird ein Ausbildungsvertrag für 1 Jahr abgeschlossen, mit dem Ziel, den Lehrling anschließend in die betriebliche Lehrausbildung zu vermitteln. Es besteht aber auch die Möglichkeit, die gesamte Lehrzeit in der ÜBA zu absolvieren.
Betrieblich organisierte Grundbildung: Betrieb, Berufsfachschule, Ausbildungszentrum (überbetriebliche Kurse, üKs) – triale Ausbildung
Schulisch organisierte Grundbildung: Berufsfachschule, Handelsschule oder Lehrwerkstätte, Betrieb (Praktikum)
Die Ausbildungszentren sind der Lernort für das Basislehrjahre, überbetriebliche Kurse und off the job-Ausbildung von Betrieben und Ausbildungsverbünden. Als Durchführungsort von üKs sind Ausbildungszentren der offizielle dritte Lernort der betrieblich organisierten Grundbildung. Berufe und Betriebe mit eigenen Ausbildungszentren können sich vom ÜK-Obligatorium befreien lassen.
Interne Ausbildungsstätten: Räumlich und organisatorisch vom normalen Betriebsbereich abgegrenzte betriebliche Einrichtungen, die für Bildungszwecke verwendet werden. Die internen Ausbildungsstätten gehören zum Lehrbetrieb, oft werden auch Lernende aus anderen Betrieben ausgebildet.
Im Basislehrjahr werden Lernende im ersten Ausbildungsjahr in einer Vollzeitschule oder einem externem Ausbildungszentrum ausgebildet, bevor sie in den Betrieb wechseln.
Ausbildungsort von ergänzenden Kursen, z.B. Gift-Kurs bei Malern, Fahrschule bei Lastwagenfahrern, Ausbildungsstätten von Produzenten bei Kosmetikerinnen, Autofachleuten etc.
Überbetriebliche Ausbildung erfolgt in mehrwöchigen Lehrgängen in überbetrieblichen Stätten (von Kammern und Innungen eingerichtet). Inhalt, Anzahl, Dauer der Kurse werden von Tarifvertragsparteien auf Bundesebene festgelegt und durch den Wirtschaftsminister in verbindlichen Rahmenlehrplänen festgeschrieben.
2.10. Anteil schulische Ausbildung (regulär und zusätzlich)
Der Anteil der Berufs(fach)schule an der Gesamtausbildung beträgt zwischen 20 % und 40 %. Während in AT der Anteil generell bei rund 20 % liegt, ist die Spannbreite in DE und der CH in Abhängigkeit vom jeweiligen Lehrberuf wesentlich größer. Die Berufs(fach)schule wird in der Regel an 1 bis 2 Tagen in der Woche besucht, in manchen Fällen auch geblockt über mehrere Wochen
Rund 20 % der Gesamtausbildung: 1 bis 2 Tage pro Woche (2 Halbtage) oder geblockt als Lehrgangsschulen über mehrere Wochen im Jahr.
Der Unterricht in der Berufsschule kann ganzjährig (mindestens an einem vollen oder an zwei halben Schultagen in der Woche) oder lehrgangsmäßig (mindestens 8 Wochen hindurch saisonmäßig, auf bestimmte Jahreszeit geblockt) durchgeführt werden. Die Organisationsart geht auf die Abstimmung zwischen Wirtschaft und Schule zurück und berücksichtigt die Bedürfnisse der Branchen und Regionen. Inhaltlicher Schwerpunkt ist der berufsfachliche Unterricht (65 %).
20 bis 40 %: je nach Berufslehre 1 bis 2 Tage pro Woche, in Ausnahmefällen geblockt.
20 bis 40 %: je nach Ausbildungsberuf 1 bis 2 Tage pro Woche oder geblockt über mehrere Wochen.
Zwei Drittel der Schulausbildung widmen sich dem Fachunterricht, ein Drittel dem allgemeinbildenden Unterricht. Abstimmungsgespräche zwischen Betrieben und Schulen über Optimierung der Ausbildungsorganisation sind üblich.
2.11. Finanzielle Beteiligung der Firmen
Der Anteil der betrieblichen Ausbildungskosten an den Gesamtkosten bewegt sich bei etwa 70 % bis 75 % der Gesamtkosten, wobei die Berechnungen für die Schweiz einen deutlich geringeren Wert ergeben, was aber daran liegen dürfte, dass hier die gesamte berufliche Grundbildung inkl. der Fachschulen in die Berechnung einbezogen wird. Wesentliche Kostenpositionen sind Personalkosten (Ausbildungsvergütungen/Löhne/Lehrlingsentschädigung für die Auszubildenden, Löhne/Gehälter der AusbilderInnen), Anlagen- und Sachkosten (z.B. Material- und Maschinenkosten), Verwaltungskosten und Gebühren. Insb. die Anlagen- und Sachkosten können von Betrieb zu Betrieb erheblich variieren und hängen stark von der innerbetrieblichen Organisation der Ausbildung ab (z. B. Ausbildung am Arbeitsplatz oder in Lehrwerkstätten). Bei einer Beurteilung der Kostenanteile der betrieblichen Ausbildung darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Auszubildenden/Lernenden bereits während ihrer Ausbildung auch zum Erfolg/Ertrag des Unternehmens beitragen.
Unternehmen tragen rund drei Viertel der gesamten Ausbildungskosten.
Sie haben allerdings Anspruch auf verschiedene öffentliche Förderungen, die tw. von der Erfüllung bestimmter Kriterien abhängig sind.
Den größten Teil der Kosten macht häufig die Lehrlingsentschädigung aus.
Die betrieblichen Ausgaben machen rund 43 % der gesamten Bildungsausgaben für die berufliche Grundbildung aus.
Kosten Nutzen Studie
Laut Expertenschätzungen tragen Ausbildungsbetriebe rund 70 % der gesamten Ausbildungskosten.
Der mit fast 90 % größte Posten für die Betriebe setzt sich aus den mit der Ausbildung verbundenen Personalkosten zusammen. Darunter fällt u.a. auch die Ausbildungsvergütung für Auszubildende.
2.12. Abschlussqualifikation
Die Ausbildung schließt in allen Ländern mit einer Abschlussprüfung/Lehrabschlussprüfung/Qualifikationsverfahren ab, in der/in dem die Kandidatinnen und Kandidaten in einem meist mehrstufigen Prüfungsverfahren (unterschiedliche Kombinationen aus schriftliche und mündlichen Prüfungsteilen und praktische Prüfungen/Arbeiten) zeigen müssen, dass sie das Ausbildungsziel erreicht haben und über die erforderlichen beruflichen Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen verfügen und diese anwenden können. Die vergebenen Zertifikate verbriefen immer eine öffentlich anerkannte, vollberufliche Qualifikation.
Die Ausbildung schließt mit einer LAP am Ende der Ausbildung ab. Die LAP soll feststellen, ob sich der/die Prüfungskandidat/in die erforderlichen Fertigkeiten/Kenntnisse angeeignet hat und fähig ist, die für Beruf notwendigen Tätigkeiten selbst fachgerecht auszuführen.
Die LAP gliedert sich in eine theoretische und eine praktische Prüfung. Für die Ablegung der LAP sind Prüfungstaxen zu entrichten. Jeder Lehrberuf hat unterschiedliche Regelungen über den Ablauf der LAP. Die Prüfungsordnung wird vom BMWFW gemeinsam mit der Ausbildungsordnung erlassen. Daneben besteht eine allgemeine Prüfungsordnung, die für alle Berufe gilt und u.a. die Zusammensetzung der Prüfungskommission, den Prüfungsvorgang und die Ermittlung des Prüfungsergebnisses regelt.
Mit der Verordnung des Modullehrberufs Labortechnik im Juni 2015 wird in diesem Beruf versuchsweise eine Überprüfung des Ausbildungsfortschritts zur Mitte der Lehrzeit eingeführt.
Lehrabschlussprüfungen_Ergebnis Pilotversuche
Sowohl die betrieblich organisierten wie auch die schulisch organisierten Grundbildungen schließen mit einer Abschlussprüfung ab. Bei verschiedenen Berufen wird während der Ausbildungen eine Zwischenprüfung durchgeführt.
Die Qualifikationsverfahren (QV) sollen zeigen, ob die Prüflinge die im Ausbildungsreglement/Lehrplan umschriebenen Lernziele erreicht haben. Wichtigster Teil des QV ist die Abschlussprüfung. Es kann aber weitere Teile umfassen, insb. der Einbezug von Erfahrungsnoten.
Die Abschlussprüfung gliedert sich in die Bereiche betriebliche Praxis, berufskundliche und allgemeine schulische Bildung. Sie ist gebührenfrei. Die Kriterien für die Gestaltung sind je nach Beruf unterschiedlich und in den Ausbildungsreglements (per Verordnung des SBFI) enthalten. Der Bundesrat regelt die Anforderungen an das Qualifikationsverfahren, das SBFI die Zulassungsvoraussetzungen. Die Abschlussprüfungen werden von den kantonalen Behörden organisiert, die Aufgabenstellungen bei den meisten Berufen von Vertretungen der OdA im Auftrag der Behörden erarbeitet.
Die Berufsausbildung schließt mit einer Abschlussprüfung (im Handwerk: Gesellenprüfung; in der Industrie: Facharbeiterprüfung) am Ende der Ausbildung ab. Während der Ausbildung erfolgt zur Ermittlung des Ausbildungsstandes eine Zwischenprüfung, etwa zur Mitte der Ausbildung. Die Abschlussprüfung soll zeigen, ob der Prüfling die berufliche Handlungsfähigkeit erworben hat.
Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil und ist gebührenfrei. Die zuständige Stelle erlässt die Prüfungsordnung, die von der obersten Landesbehörde genehmigt wird. Die Prüfungsordnung muss u.a. Zulassungskriterien, Gliederung der Prüfung und Bewertungsmaßstäbe regeln.
Berufsausbildungsgesetz BBiG §§ 37-50a
2.13. Formen und Beispiele von Abschlussprüfungen
Gemeinsam ist den Vergleichsländern, dass sich die Abschlussprüfungen/Qualifizierungsverfahren aus mehreren Teilen (meist schriftliche Prüfung und praktische Prüfung) zusammensetzt. Bestandteil der Prüfung ist immer der Nachweis der erworbenen Kompetenzen im Rahmen einer praktischen Arbeit. Unterschiedlich geregelt ist in den jeweiligen Ländern, wie etwaigen Zwischenprüfungen oder Erfahrungsnoten in die Beurteilung zum Ende der Ausbildung einfließen. In allen Ländern bestehen Sonderformen, die es Personen unter Nachweis entsprechender beruflicher Erfahrung (unterschiedlich geregelt) den Zugang zur Abschlussprüfung auch ohne vorangegangene Ausbildung ermöglichen.
Reguläre LAP
Die theoretische Prüfung erfolgt schriftlich.
Praktische Prüfung besteht in Abhängigkeit vom Lehrberuf aus schriftlichen Aufgaben die sich an der Betriebspraxis orientieren oder einer Praxisarbeit: Erledigung eines betrieblichen Arbeitsauftrages, Erstellung eines Werkstückes.
Im mündlichen Fachgespräch werden Themenstellungen aus der betrieblichen Praxis geprüft. Der Prüfling hat geeignete Lösungsvorschläge zu entwickeln.
a.o. LAP: Zulassungsvoraussetzungen sind das vollendete 18. Lebensjahr; Nachweis von erforderlichen Fertigkeiten/Kenntnisse (z.B. durch entsprechende einschlägige Anlerntätigkeit, sonstige praktische Tätigkeit oder durch Besuch entsprechender Kursveranstaltungen).
Außerordentliche Zulassung nach Absolvierung einer aufgrund fachlicher Verwandtschaft gleichgehaltenen vollzeitschulischen Berufsbildung.
LehrabschlussprüfungBerufsausbildungsgesetz BAB §§ 21-27
Reguläre Abschlussprüfung (LAP):
Die Abschlussprüfung umfasst eine praktische Arbeit als individuelle praktische Arbeit oder als vorgegebene praktische Arbeit. Die zuständige kantonale Behörde entscheidet über die Prüfungsform. Der Prüfling muss zeigen, dass die geforderten Tätigkeiten fachlich korrekt und bedarfs- und situationsgerecht ausgeführt werden können. Außerdem ist eine schriftliche Prüfung über die Berufskenntnisse abzulegen. Das QV zur Allgemeinbildung umfasst eine Erfahrungsnote, eine Vertiefungsarbeit sowie (bei den 3 oder 4-jährigen Lehren) eine Schlussprüfung.
Eine direkte Zulassung zur Abschlussprüfung ist auch über eine mindestens fünfjährige berufliche Erfahrung möglich.
Erwachsene können das EFZ/EBA auch über andere Qualifikationsverfahren erwerben, insb. über Validierung von Bildungsleistungen. Berücksichtigt werden auch außerberuflich erworbene Kompetenzen (z.B. Familienarbeit, ehrenamtliche Tätigkeit). Diese werden in einem strukturierten Verfahren geprüft, für das die Kantone verantwortlich sind.
Reguläre Abschlussprüfung:
Die Form der Prüfung ist abhängig von der Ausbildungsordnung, in manchen Teilen ähnlich wie in Österreich: z.B. Prüfungsbereich Arbeitsauftrag: Bearbeitung/Dokumentation einer Arbeitsaufgabe, die einem Kundenauftrag entspricht, sowie ein Fachgespräch darüber führen. Die Zwischenprüfung (vor Ende des 2. Ausbildungsjahres) erfolgt in Form einer praktischen Überprüfung der Kenntnisse (Ausführung einer komplexen Arbeitsaufgabe inkl. situativer Gesprächsphasen und schriftlichen Aufgabenstellungen).
2.14. Anrechnung der schulischen Leistung in Gesamtbeurteilung
Der Erfolg in der Berufs(fach)schule wird bei der Abschlussprüfung bzw. beim Qualifikationsverfahren in den einzelnen Ländern völlig unterschiedlich berücksichtigt bzw. nicht berücksichtigt.
Wird die Berufsschule positiv absolviert entfällt bei der LAP der theoretische Prüfungsteil. Auch bei einem Nachweis einer fachlich einschlägigen vollzeitschulischen Berufsbildung entfällt bei der LAP der theoretische Prüfungsteil.
Die schulische Prüfung ist Teil der Abschlussprüfung. Die Erfahrungsnoten fließen meist in die Gesamtbeurteilung ein.
Es erfolgt keine Anrechnung von schulischen Erfolgen auf die Abschlussprüfung.
2.15. Prüfungsverantwortung
Während in DE und AT Interessenvertretungen der Arbeitgeber (IHK, HWK bzw. WK) für die Organisation und Durchführung der Abschlussprüfungen verantwortlich sind, werden die QV in der Schweiz von eigens dafür bestellten Expertinnen und Experten organisiert und durchgeführt.
Die im jedem Bundesland eingerichteten Lehrlingsstellen der WK sind verantwortlich für die Organisation und Abhaltung der Lehrabschlussprüfungen und Stellen die Prüfungszeugnisse aus.
Sie müssen dafür sorgen, dass alle Lehrlinge am Ende der Lehrzeit die LAP ablegen können. Die LAP ist vor einer Prüfungskommission abzulegen, die von den Lehrlingsstellen eingerichtet wird. Der Kommissionsvorsitzende wird vom Lehrlingsstellenleiter für 5 Jahre bestellt, die Kommissionsbeisitzer werden für jeden Prüfungstermin gesondert bestimmt und setzen sich aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter/innen zusammen. Die Lehrlingsstellen unterstützen die Prüfungskommission bei der LAP-Durchführung.
Die Qualifikationsverfahren werden von Chefexpertinnen und -experten (CPEX) bzw. Prüfungsexpertinnen und -experten (PEX) organisiert und durchgeführt. Diese werden von kantonalen Behörden auf Vorschlag einer OdA ernannt.
Falls keine OdA vorhanden ist, wird die Ernennung im Einzelfall gehandhabt. Voraussetzung für die Tätigkeit als CPEX/PEX ist der Besuch eines vom EHB angebotenen Basiskurses.
Die IHK und die HWK organisieren in den jeweiligen Bundesländern das gesamte Prüfungswesen (Termine, Prüfungsausschüsse) und stellen Prüfungs- bzw. Abschlusszeugnisse aus.
Prüfungsausschüsse bestehen aus mindestens drei Mitgliedern (Vertreter von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und berufsbildenden Schulen). Diese werden längstens für 5 Jahre berufen.
2.16. Zugang zur höheren Berufsbildung (Tertiär B)
In allen Vergleichsländern bestehen Möglichkeiten und Zugänge zu einer beruflichen Höherqualifizierung nach der beruflichen Erstausbildung, die allerdings sehr unterschiedlich strukturiert und formalisiert sind. Gemeinsam ist den Ländern die Meisterqualifikation im Handwerk, die in reglementierten Bereichen den Zugang zur selbstständigen Berufsausübung bildet, sich aber in den formalen Voraussetzungen unterscheidet. Am stärksten formalisiert und mehrstufig aufgebaut ist die berufliche Höherqualifizierung mit der höheren Berufsbildung in der CH.
Der Abschluss einer dualen Berufsbildung mit Lehrabschlussprüfung ermöglicht den Zugang zu zahlreichen beruflicher Höherqualifizierungen auf postsekundärem und tertiärem Level wie z.B. Meister- und Befähigungsprüfungen, Werkmeisterschulen, Berufs- und Fachakademien.
Auch wenn, bspw. für die Zulassung zur Meisterprüfung keine verpflichtende Vorbildung erforderlich ist, zeigt die Realität, dass fast alle Prüfungskandidat/innen über eine facheinschlägige Lehre sowie Berufspraxis verfügen.
Postsekundäretertiäre-Berufsbildung
Die Berufsprüfung ermöglicht Fachkräften nach der beruflichen Grundbildung eine erste fachliche Vertiefung bzw. Spezialisierung und wird mit einem Fachausweis abgeschlossen. Dieser ist i.d.R. eine Bedingung für die Zulassung zu höheren Fachprüfung. Die höhere Fachprüfung qualifiziert Personen ebenso wie die Meisterprüfung zu Branchenexpertinnen und -experten, für Leitungspositionen oder zum selbstständigen Führen eines Geschäftes und schließt mit einem Diplom ab. Zulassungsvoraussetzung für diese Prüfungen ist in jedem Fall eine längere Berufstätigkeit, bei den meisten Prüfungen auch ein einschlägiges EFZ.
Personen mit EFZ ermöglicht die höhere Berufsbildung somit eine Spezialisierung und Vertiefung des Fachwissens. Zudem können Qualifikationen im Bereich der Unternehmensführung erlangt werden.
Ein weiteres Angebot der höheren Berufsbildung sind die Bildungsgänge an höheren Fachschulen. Sie setzen ebenfalls ein EFZ voraus, fördern Kompetenzen im Bereich Fach- und Führungsverantwortung und schließen wie die Höhere Fachprüfung mit einem staatlich geschützten Diplom ab.
Die berufliche Höherqualifizierung wird durch verschiedene Möglichkeiten der Aufstiegsfortbildung gesichert, insb. Handwerks- oder Industriemeister, Fachwirt/in, Fachkaufmann/-frau.
Der Industriemeister ist bspw. eine bundeseinheitlich organisierte Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Voraussetzung ist eine facheinschlägige Berufsausbildung und ausreichend Berufspraxis (nach Fachrichtung unterschiedlich geregelt).
2.17. Durchlässigkeit zur akademischen Tertiärbildung (Tertiär A)
Die Durchlässigkeit zum akademischen Tertiärbereich wird in AT und der CH durch die Berufsmatura/Berufsmaturität ermöglicht, wobei die Berufsmatura in AT den uneingeschränkten Zugang sichert, die Berufsmaturität der CH auf den Zugang zu Fachhochschulen eingeschränkt ist. In DE ist die Möglichkeit das Abitur als Zugang zum akademischen Tertiärbereich parallel zur dualen Berufsbildung zu erlangen auf einige Bundesländer und Fachbereiche beschränkt. In allen Ländern bestehen Möglichkeiten auch ohne Matura/Abitur, aber mit Berufsausbildung und Berufserfahrung (teilweise nach Ablegung von Zusatzprüfungen) bestimmte fachlich einschlägige Bachelorstudien zu belegen
Die Berufsmatura (= Lehre mit Matura, Sonderform der Berufsreifeprüfung) kann kostenfrei und parallel zur Lehre absolviert werden und berechtigt zum allgemeinen Hochschulzugang (Universität, Fachhochschule, Pädagogische Hochschule, Kollegs). Die Vorbereitungskurse und drei von vier Prüfungen können während der Lehrzeit absolviert werden. Die vierte Teilprüfung darf erst nach absolvierter Lehre (Ausnahme 4-jährige Lehrberufe) gemacht werden.
Berufsreifeprüfung (BRP) – nach der Lehre: Voraussetzung ist die Absolvierung einer beruflichen Erstausbildung; Dauer (samt Vorbereitungskursen) je nach Vorbildung 1 bis 2 Jahre und ermöglicht den allgemeinen Hochschulzugang.
Studienberechtigungsprüfung: Vermittelt eingeschränkte Studienberechtigung für Studien an Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen und Kollegs. Diese Prüfung ist Studienrichtungsbezogen. Voraussetzung ist ein Mindestalter von 20 Jahren und eine (außer-)berufliche studienbezogene Vorbildung. Dauer 2-3 Semester.
An Fachhochschulen ist es möglich, bei einschlägiger beruflicher Qualifikation, auch ohne Matura ein Studium anzutreten. Wenn es das Ausbildungsziel des Studienganges erfordert, müssen solche Studienanfänger/innen Zusatzprüfungen ablegen.
Berufsmaturität: Für Lernende, Lehrabsolventinnen und -absolventen bzw. Personen mit mehrjähriger Berufserfahrung ermöglicht der Erwerb der Berufsmaturität die Zulassung zum Studium an Fachhochschulen, nach einer zusätzlichen, meist einjährigen Ausbildung auch den Zugang zu den universitären Hochschulen.
Die Vorbereitung auf die Berufsmaturität kann während der beruflichen Grundausbildung oder danach an unterschiedlichen Schulen absolviert werden. Je nach Vorbildung ist ein Eintritt in höhere Semester möglich.
An einigen Universitäten ist es unter bestimmten Bedingungen möglich auch ohne Matura ein Bachelorstudium anzutreten. Voraussetzung ist die Absolvierung von Aufnahmeverfahren, die je nach Universität verschieden sind und meist ein bestimmtes Mindestalter und Berufserfahrung erfordern.
In einigen Bundesländern besteht die Möglichkeit, in bestimmten Fachbereichen Berufsabschluss und Abitur zu erwerben: Dabei werden praktische Ausbildung im Betrieb und schulischer Teil (berufliches Gymnasium, Berufsschule) kombiniert. Die Ausbildungsdauer beträgt 4 Jahre. Voraussetzung ist die erfolgreiche Aufnahme am beruflichen Gymnasium.
Hochschulen: Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung und Berufserfahrung können unter bestimmten Voraussetzungen direkt in facheinschlägiges Studium einsteigen. Je nach Bundesland bestehen unterschiedliche Detailregelungen.
2.18. Kosten / Nutzen für Unternehmen
Für alle Vergleichsländer gilt, dass die Kosten-Nutzen-Relationen in den ausbildenden Betrieben von vielfältigen Faktoren wie Ausbildungsberuf, Höhe der Ausbildungsentschädigung, Organisation der Ausbildung (Lehrwerkstätten versus Beteiligung am produktiven Arbeitsprozess), Investitionen, Betriebsgröße usw. abhängig sind. Darüber hinaus spielt es eine zentrale Rolle, was als Nutzen definiert wird. Allgemein kann festgestellt werden, dass günstige Kosten-Nutzen-Relation für Betriebe bereits während der Ausbildung günstiger wird, je früher und intensiver es ihnen gelingt, die Lernenden/Auszubildenden in den produktiven Arbeitsprozess einzubinden
Aufwendungen für betriebliche Ausbildung stehen produktive Leistungen der Auszubildenden gegenüber. Lehrlingsausbildung sichert zudem den eigenen betrieblichen Fachkräftenachwuchs, fördert betriebliche Kontinuität und Innovation. Laut einer älteren Studie (1995) ergeben sich für die heimischen Ausbildungsbetriebe im Schnitt Nettokosten. Diese weisen jedoch eine sehr hohe Streuung auf, daher gibt es auch beträchtliche Anteile an Betrieben mit Nettoerträgen aus der Lehrlingsausbildung (35-40 % aller Lehrbetriebe). Besonders in Österreich spielen überdies öffentliche Förderungen eine gewisse Rolle zur Abdeckung der betrieblichen Kosten.
Mehrere Studien (2003, 2004, 2009) ergaben, dass die Aufwendungen der Lehrbetriebe in zwei Dritteln aller Lehrverhältnisse bereits innert der Lehrzeit durch die produktive Arbeit der Lernenden gedeckt werden, in den anderen Fällen meist durch eingesparte Opportunitätskosten nach Abschluss des Lehrverhältnisses. Als Gründe für die höheren Nettoerträge in der Schweiz vor allem gegenüber Deutschland (aber auch Österreich) gelten die geringere Abwesenheit der Lehrlinge vom Betrieb und höhere produktive Zeitanteile, insb. an schwierigen produktiven Tätigkeiten.
Studien haben ergeben, dass 2007 rund 30 % der ausbildenden Betriebe Nettoerträge durch die Ausbildungstätigkeit erwirtschafteten.
2.19. Qualitätssicherung
Die wesentlichen Mechanismen der Qualitätssicherung sind in allen Vergleichsländern ähnlich. Über die laufende Neuordnung der Ausbildungs- und Prüfungsordnungen wird eine zeitgemäße Ausbildung sichergestellt. In allen Ländern bestehen Mechanismen zur Feststellung der Ausbildungsberechtigung von Betrieben sowie Systeme zur Qualifizierung von Ausbilder/innen. Auch wenn die konkreten Abläufe und Zuständigkeiten im Einzelnen sehr unterschiedliche organisiert sind, ist den Systemen gemeinsam, dass die Qualitätssicherung als gemeinsame Aufgabe aller Akteure, d.h. der zuständigen Behörden, der Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen und der einzelnen Ausbildungsbetriebe und Berufs(fach)schulen, verstanden wird.
Wesentliche Instrumente der Qualitätssicherung sind:
Laufende Neuordnung von Ausbildungs- und Prüfungsordnungen durch ein strukturiertes Verfahren unter Mitwirkung aller Beteiligten.
Eignungsfeststellung der Betriebe, die Lehrlinge ausbilden möchten durch die Lehrlingsstelle, gemeinsam mit der Arbeiterkammer.
Ausbilderprüfung und Vorbereitungskurse: Ausbilder/innen müssen fachlich/beruflich und berufspädagogisch geeignet sein und eine Ausbilderprüfung bzw. eine gleichwertige Ausbildung nachweisen. Die Ausbildung der Ausbilder/innen wird durch Ausbilderlehrgänge und durch Weiterbildungsangebote unterstützt.
Laufende Sicherung der betrieblichen Ausbildungsqualität durch Unterstützung mit Ausbildungsmaterialien (Leitfäden etc.).
Qualitätssicherung des Lehrpersonals an Berufsschulen über entsprechende Aus- und Weiterbildung
Qualitätssicherung des Unterrichts bzw. der Schulorganisation durch Qualitätsentwicklungsprogramme
„Clearingstelle LAP“: Dieses Projekt umfasst die Überprüfung von Lehrabschlussprüfungsbeispielen gem. Ausbildungs- und Prüfungsordnung und Kennzeichnung geeigneter Prüfungsbeispiele mit einem Qualitätssiegel
Schulung von LAP-Prüfer/innen
Weiterentwicklung der Prüfungsmodalitäten
Auszeichnungen für vorbildhafte Lehrbetriebe (Staatlich ausgezeichnete Lehrbetriebe, Staatspreis bester Lehrbetrieb etc.) auf Bundesebene und regionaler Ebene.Außerdem bestehen vielfältige öffentliche Initiativen, die auf breite Sichtbarmachung qualitativ hochwertiger Ausbildung abzielen.
Apprenticeship – Key Success Factors
Das BBG fordert explizit die Sicherstellung der Qualität durch Anbieter der Berufsbildung. Maßnahmen sind u.a.
Anforderungen an Ausbilder/innen: Berufsabschluss (EFZ oder höher), zumindest 2 Jahre berufliche Praxis im Lehrgebiet, berufspädagogische Qualifikation oder als Minimalanforderung ein Berufsbildner/innenkurs.
Feststellung der betrieblichen Ausbildungseignung (Bildungsbewilligung) durch zuständige Abteilung des Kantons.
Informations-, Image- und Werbekampagnen von Bund, Kantonen und OdA, z.B. Vignette „Lehrbetrieb“: Das ist eine bundesweit umgesetzte Vignette für Lehrbetriebe, die als Anerkennung für Engagement in der Berufsbildung vergeben wird und von Ausbildungsbetrieben als Marketing-Instrument verwendet werden kann.
Berufsbildungsforen: Schnittstelle Schule-Berufsbildung, regelmäßige Zusammenkünfte und öffentliche Veranstaltungen zur Früherkennung von Problemen (z.B. Lehrstellenangebot und -nachfrage, Integration von Migrantinnen/Migranten in die Berufsbildung).
Jährliche nationale Lehrstellenkonferenz: Plattform zur Erörterung verschiedener aktueller Herausforderungen für Berufsbildung, Stärkung der Verbundpartnerschaft und direkter Dialog mit Lehrbetrieben.
QualiCarte: von Kantonen und Wirtschaftsverbänden entwickeltes Instrument zur Selbstevaluation der betrieblichen Grundbildung.
Qualitätsverantwortlichkeiten in der Berufsbildung
Die Berufsausbildung ist als kooperatives System organisiert, d.h. Ausbildungsqualität entsteht aus dem Zusammenwirken aller Systembestandteile und -beteiligten. Wesentlicher Bestandteil ist die laufende Anpassung der Ausbildungs- und Prüfungsanforderungen durch klar strukturierte Neuordnungsverfahren.
Auf Strukturebene: Berufskonzept als Qualitätssicherungsinstrument; Dualität der Lernorte; Feststellung der Ausbildungseignung von Betrieben; persönliche/fachliche Eignung der Ausbilder/innen;
Unterstützende Regelungen/Maßnahmen: Externes Ausbildungsmanagement; Ausbildungsverbünde; Überbetriebliche Ausbildungsstätten; Ausbildungsbegleitende Hilfen; Modellversuche.
In Unternehmen kommen Qualitätssicherungssysteme wie ISO-Zertifizierungen, EFQM-Modelle zum Einsatz. Ausgestaltung der Mindestanforderungen und der Prüfungen erfolgt immer durch Praktiker/innen (Sachverständige).
2.20. Ausbildung der Ausbildner
Die Berechtigung zur Berufsausbildung in den Betrieben ist in allen Vergleichsländern an das Vorhandensein qualifizierter Ausbilder/innen bzw. Berufsbildner/innen geknüpft. Die Qualifikation umfasst dabei sowohl die erforderlichen beruflichen Fachkompetenzen wie auch pädagogisch-methodische Kompetenzen. Zur Erlangung dieser Ausbildungsbefähigung und -berechtigung sind in allen Ländern unterschiedlich organisierte Ausbilderkurse und Ausbilderprüfungen eingerichtet. Dabei werden in unterschiedlichem Ausmaß Vorkenntnisse anerkannt. Die Teilnahme an diesen Ausbildungen ist i.d.R. an keine Voraussetzungen geknüpft.
Personen, die in Österreich Lehrlinge ausbilden wollen, müssen der zuständigen Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer folgende Voraussetzungen nachweisen:
die Fachkenntnisse für die Ausbildung,
die pädagogisch-methodischen sowie
die rechtlichen Kenntnisse.
Es bestehen drei Möglichkeiten, diese Ausbilder/innenqualifikation zu erwerben:
durch die Ausbilderprüfung: Diese kann im Rahmen der Meister- oder Befähigungsprüfung oder als eigene Prüfung vor einer Prüfungskommission, die von der Meisterprüfungsstelle der Wirtschaftskammer einzurichten ist, abgelegt werden. Die Weiterbildungsinstitute WIFI und BFI bieten Vorbereitungskurse an.
Durch den Ausbilderkurs: Dieser umfasst zumindest 40 Unterrichtseinheiten und schließt mit einem Fachgespräch ab. Ausbilderkurse werden vom WIFI, BFI und anderen Ausbildungseinrichtungen angeboten.
durch Ersatz der Ausbilderprüfung: Laut Verordnung des BMWFW gibt es eine Reihe von Prüfungen, die die Ausbilderprüfung ersetzen. Einschlägige Ausbildungen und Prüfungen können vom Wirtschaftsministerium auf Antrag als Ersatz anerkannt werden.
Die Ausbilderprüfung erfolgt mündlich anhand von Beispielen aus der Ausbildungspraxis.
Als Zulassungsvoraussetzung für den Ausbilderkurs bzw. die Ausbilderprüfung gilt die Vollendung des 18. Lebensjahres.
In einigen Bundesländern bestehen spezielle Ausbilderakademien bzw. Ausbilderforen, die maßgeschneiderte Weiterbildung für Ausbilder/innen anbieten. Diese fördern auch den Erfahrungsaustausch zwischen den Ausbilder/innen.
In der Schweiz werden Ausbilder/innen als Berufsbildner/innen bezeichnet und müssen laut Berufsbildungsgesetz über eine qualifizierte fachliche Bildung sowie über angemessene pädagogische und methodisch-didaktische Fähigkeiten verfügen. Die Mindestanforderungen an die Bildung der Berufsbildner/innen werden vom Bundesrat festgelegt, die Kantone sorgen für die Ausbildung. (Berufsbildungsgesetz, Art. 45)
Die Inhalte der Basisausbildung zum/zur Berufsbildner/in sind in einem Lehrplan festgelegt, der 2007 von der Schweizerischen Berufsbildungsämter-Konferenz (SBBK) erlassen worden ist. Die Kantone entwickeln ihre Bildungsprogramme auf der Grundlage des Lehrplans, wobei sie einen gewissen Spielraum für die Form, die Gestaltung, die Methoden und die zeitliche Ansetzung nutzen können.
Voraussetzungen, um Lehrlinge ausbilden zu können:
Absolvierung des Berufsbildner/innenkurses
einschlägige Berufsausbildung (Lehre oder gleichwertig, z.B. Studium) sowie
zweijährige berufliche Praxis im Lehrgebiet.
In der Schweiz unterscheiden sich die Berufsbildner/innenkurse für kaufmännische Berufsfelder geringfügig von denjenigen für alle übrigen Berufsgruppen. Grundsätzlich können alle Personen den Berufsbildner/innenkurs absolvieren, es bestehen keine gesetzlichen Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen.
Weiterbildung kann bspw. über einen entsprechenden Lehrgang erfolgen, der einen vertieften Einblick in die Berufsbildung bietet und mit einem eidgenössisch anerkannten Diplom abschließt.
Der kantonale Lehrplan
Lehrplan – Berufsbildner
Diplomlehrgang für Berufsbildnerinnen und Berufsbildner
In Deutschland sind Personen ausbildungsberechtigt, wenn sie die erforderlichen beruflichen Fertigkeiten und Kenntnisse und die erforderlichen berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse besitzen.
Die fachlichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten werden bspw. durch den Abschluss eines Ausbildungsberufs oder den Abschluss eines Studiums in der entsprechenden Fachrichtung nachgewiesen. (§30 BBiG)
Der Nachweis der berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse wird durch die Ausbildereignungsverordnung (AEVO; manchmal auch „Ausbildung der Ausbilder“ (AdA) genannt) geregelt. Dabei wird zwischen Ausbildungsbefähigung und Ausbildungsberechtigung unterschieden: Ausbildungsbefähigt ist, wer die AdA-Prüfung bestanden hat. Die Ausbildungsberechtigung erhält man aber nur über eine bestandene AdA-Prüfung, eine abgeschlossene facheinschlägige Berufsausbildung (Lehre, Studium) und wenn der Lehrbetrieb bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer bzw. Handwerkskammer registriert ist. Nur wer Ausbildungsbefähigung und Ausbildungsberechtigung hat, ist somit in Deutschland als Ausbilder/in anerkannt.
Die AEVO sieht keine Zulassungsvoraussetzungen für die Ausbilderprüfung vor. Vorbereitungslehrgänge auf die Ausbilderprüfung werden unter anderem von den Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern angeboten.
Für Ausbilder/innen besteht eine Vielzahl von Weiterbildungsmöglichkeiten, bspw. zum „Geprüften Aus- und Weiterbildungspädagogen“.
2.21. Administration und Umsetzung
Die Basis der dualen Berufsbildung bildet in allen Vergleichsländern das Berufsbildungsgesetzt bzw. Berufsausbildungsgesetz. Die Administration und Umsetzung der Ausbildung umfasst u.a. die Kontrolle der Ausbildungsbefähigung der Ausbildungsbetriebe und der Ausbilder/innen, die Vergabe der Ausbildungsberechtigung, die Kontrolle und Bestätigung der Lehrverträge, die Organisation und Durchführung der Lehrabschlussprüfungen, die administrative und mitunter beratende Unterstützung der Ausbildungsbetriebe usw. In DE und AT fallen diese administrativen Aufgaben in die Zuständigkeit der regionalen IHKs, HWKs bzw. Lehrlingsstellen der WKs. In der Schweiz sind dafür kantonale Berufsbildungsämter eingerichtet. Für die Abwicklung der Prüfungen werden in der Schweiz eigene Expertinnen und Experten bestellt.
Einheitliche gesetzliche Regelung anhand des BAG.
Integration aller relevanten Stakeholder (Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Staat).
Unternehmen sind zentrale Akteure und tragen die Verantwortung für die Ausbildung im Betrieb. Über die Interessenvertretung sind sie primäre Träger des Verwaltungssystems („Lehrlingsstellen“).
Die LAP ist gesetzlich einheitlich geregelt und wird von den Lehrlingsstellen abgewickelt. Die Prüfung findet vor einer Kommission statt, in der Vertreter der WK und der AK sitzen.
Gemeinschaftliche Finanzierung der Lehrausbildung.
Ein weiteres Basiselement ist der klar definierte Lehrvertrag.
Erfolgsfaktoren der dualen Berufsausbildung
Einheitliche gesetzliche Regelung durch das BBG. Die Berufsbildung baut auf klar definierten Bildungsangeboten und nationalen Qualifikationsverfahren auf und ist von hoher Durchlässigkeit geprägt. Auf allen Ebenen ist ein vielfältiges Weiterbildungsangebot vorhanden.
Die Ausbildungen orientieren sich an tatsächlich nachgefragten beruflichen Qualifikationen und an den zur Verfügung stehenden Arbeitsplätzen.
Die Berufsbildung ist Aufgabe von Bund, Kantonen und OdA. Es besteht der Grundsatz der Verbundpartnerschaft und die Zuständigkeiten sind im BBG und in der Berufsbildungsverordnung geregelt. Wo Schnittstellen bestehen, arbeiten Akteure situations- und sachbezogen zusammen. Die kantonalen Berufsbildungsämter sind mit den Verhältnissen in den Regionen vertraut und pflegen Kontakt mit den Betrieben vor Ort. Dadurch können sie Entwicklung des Lehrstellenangebotes abschätzen und rechtzeitig geeignete Maßnahmen ergreifen (Lehrstellenmarketing).
Breite Zielausrichtung: Berufsausbildung als Mittel zur Erreichung ökonomischer (Leistungsfähigkeit), sozialer (Integration) und individueller (Entwicklung) Ziele.
Berufsausbildung als partnerschaftliche Verbundaufgabe zwischen Staat und Wirtschaft.
Gemeinschaftliche Finanzierung der Berufsbildung.
Kodifizierung von Qualitätsstandards (Mindestanforderungen zur Sicherung der Ausbildungsqualität).
Qualifizierung des Lehr- und Ausbildungspersonals (Regulierung von Mindeststandards).
Balance zwischen Standardisierung und Flexibilität.
Entwicklung von fundierten Entscheidungs- und Gestaltungsstrukturen.
Gesellschaftliche Akzeptanz der Berufsbildung.
Das duale Berufsbildungssystem – Vorbild für einen Transfer ins Ausland?
2.22. Berufsbildungsmarketing
Auch wenn das duale Berufsbildungssystem in den vier Vergleichsländern lange Tradition hat, öffentlich anerkannt ist und als grundlegender Bestandteil des formalen Bildungssystems implementiert ist, stehen alle vier Länder vor der wachsenden Herausforderung rückläufiger Zahlen bei Ausbildungsbetrieben und Auszubildenden. Die Ursachen dafür sind vielfältig und liegen u.a. in einem deutlichen Trend zur Allgemeinbildung und Akademisierung, aber auch massiven Veränderungen in der Berufs- und Arbeitswelt. Die Akteure der dualen Berufsbildung sind daher in allen vier Vergleichsländern gleichermaßen gefordert, durch eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Modernisierung der Berufsbildung, durch eine Verbreiterung der Zugangsmöglichkeiten und durch intensive Informationsarbeit bei Betrieben, Jugendlichen und deren Eltern und in der allgemeinen Öffentlichkeit die Attraktivität der dualen Berufsbildung zu erhalten und auszubauen. Gemeinsamkeiten in den Ansätzen dazu finden sich z.B. in einer Intensivierung der Bildungs- und Berufsberatung/Laufbahnberatung, in einer verstärkten Information und Beratung von bestehenden und potenziellen Ausbildungsbetrieben über die Ausbildungsmöglichkeiten, im Ausbau von Unterstützungsangeboten für Auszubildende und Ausbildungsbetriebe, damit die Ausbildung bei Schwierigkeiten fortgesetzt werden kann, in der öffentlichen Auszeichnung vorbildlicher Lehrbetriebe oder in der Verbreiterung der Zugänge zur Ausbildung, Verbesserung von Übergangsangeboten und erhöhter Durchlässigkeit in den tertiären Bereich
Grundsätzlich soll durch verpflichtende Bildungs- und Berufsorientierung gegen Ende der Pflichtschulzeit die Information und Orientierung zu Ausbildungsmöglichkeiten verbessert und eine Ausbildungswahl nach Eignung und Neigung unterstützt werden (tw. eigenes Unterrichtsfach, tw. integriert in andere Fächer oder Projekte);
fixer Bestandteil dieser Berufsorientierung sind berufspraktische Tage, an denen Jugendliche einige Tage die Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten in Betrieben erkunden
Berufsinformation durch Arbeitsmarktservice und Sozialpartnereinrichtungen: Berufsinformationszentren, Online-Datenbanken (z.B. www.bic.at), Publikationen, Organisation von Klassenvorträgen, Branchenpräsentationen, Bewerbungstrainings, Lehrer- und Elternveranstaltungen, Messen etc.
Imagekampagnen: „Karriere mit Lehre“, Qualitätssiegel „Staatlich ausgezeichneter Lehrbetrieb“, Staatspreis „Beste Lehrbetriebe – Fit for Future“, öffentlich ausgetragene Berufswettbewerbe
Lehrbetriebs-Scouts: informieren und motivieren potenzielle Lehrbetriebe und stehen diesen beratend zur Seite.
„Tag der Lehre“: Initiative des Wirtschaftsministeriums, Schüler/innen, Lehrer/innen, Eltern etc. können sich über Lehrlingsausbildung informieren, Ausbildungsbetriebe bieten praxisnahe Einblicke, Institutionen wie AMS, WKO und Industriellenvereinigung bieten Berufsinformation.
Intensive Nutzung der Erfolge bei WorldSkills und EuroSkills in der Medienberichterstattung.
Initiativen zur Förderung von Mädchen in technischen Berufen, z.B. Girls‘ Day
Branchenspezifische Imagekampagnen und Informationsmaterialien durch Arbeitgeberverbände und Berufsverbände in Form von Webseiten, Foldern, Messeauftritten etc.
Das Lehrlingscoaching (und Lehrbetriebscoaching) soll Lehrlinge und Ausbilder/innen in Krisen- und Konfliktsituationen bei der Lösung der Probleme unterstützen und die Fortführung des Ausbildungsverhältnisses ermöglichen.
Das Modell „Lehre und Matura“ soll eine Lehrausbildung für leistungsstarke Jugendliche attraktiv machen, indem diesen die Möglichkeit geboten wird, parallel zur Lehre die Matura (Berufsreifeprüfung) zu absolvieren.
finanzielle Anreize durch öffentliche Förderungen (spielt in Österreich eine relativ große Rolle)
laufende Aktualisierung der Ausbildungsinhalte und Berufsbilder, um moderne, zukunftsträchtige Ausbildungen zu ermöglichen
Lehre – stärken und fördern
Berufsmatura – Lehre mit Reifeprüfung
Die Berufsberatung in den Schulen der Sekundarstufe I und an Laufbahnzentren der Kantone und Kommunen sollen die Orientierung im vielfältigen Angebot der beruflichen Grundbildungen unterstützen.
Lehrstellenförderer/innen: Diese können vom Kanton mandatiert werden, sprechen bei Unternehmen vor, betreiben aktiv Marketing und Beratung für Ausbildungsplätze im Kanton; koordinieren außerdem Maßnahmen der Wirtschaftskammern, der Berufsverbände, der Kantone und der Berufsfachschulen, um Lehrlingsausbildung zu fördern und zu stärken; sind Ansprechpartner/innen für Unternehmen bezüglich neuer Lehrstellen; unterstützen Unternehmen beim Aufbau und bei der Partnersuche im Bereich von Lehrbetriebsverbünden.
Informations-, Image- und Werbekampagnen: von Bund, Kantonen und OdA organisiert, z.B. Vignette „Lehrbetrieb“: bundesweit umgesetzte Vignette für Lehrbetriebe als Anerkennung für Engagement in der Berufsbildung, kann von Ausbildungsbetrieben als Marketing-Instrument verwendet werden. Im kantonalen Lehrstellennachweis (LENA) können Kantone die Adressen von Lehrbetrieben mit offenen Lehrstellen veröffentlichen.
Berufsbildungsforen: auf Bezirksebene als Vereine an Schnittstelle Schule-Berufsbildung organisiert; durch Zusammenkünfte und öffentliche Veranstaltungen tragen sie zur Früherkennung von Problemen (z.B. Lehrstellenangebot und -nachfrage) und Lösungsfindung sowie zur Öffentlichkeitsarbeit für Berufsbildung und Berufsbildungsmarketing bei.
Lehrstellenkonferenz: 2005 als Reaktion auf den damals herrschenden Lehrstellenmangel initiiert, findet diese seither jährlich statt; hat sich inzwischen in eine Plattform umgewandelt, um aktuelle Herausforderungen für die Berufsbildung zu erörtern. Sie soll vor allem die Verbundpartnerschaft stärken und in einen direkten Dialog mit möglichst vielen Lehrbetrieben treten.
Berufsschauen: vom SBFI gefördert, sollen einer breiten Öffentlichkeit Vielfalt und Qualität der Berufsbildung aufzeigen. Schüler/innen, Lehrpersonen, Eltern etc. können sich über Ausbildungsangebot in unterschiedlichen Berufen und über berufliche Karrierewege sowie Weiterbildungsmöglichkeiten informieren.
Grundsätzlich wird es als Aufgabe der Branchenverbände gesehen, ihre Berufe zu bewerben. Adressaten von Maßnahmen sind neben den Jugendlichen auch Eltern, Lehrpersonen und die allgemeine Öffentlichkeit. Für Projekte des Berufsmarketings, die gewisse Kriterien erfüllen, übernimmt das SBFI im gesetzlichen Rahmen anteilsmäßig die Kosten für das Marketingkonzept, die Projektevaluation sowie – für einen begrenzten Zeitraum – die Kosten für Administration, Projektleitung und die Mitarbeiter/innen.
Finanzielle Anreize durch öffentliche Förderungen spielen in der Schweiz eine sehr kleine Rolle; eine gewisse Bedeutung haben in der Schweiz die Berufsbildungsfonds, durch die Betriebe, die sich nicht an der Ausbildung beteiligen, einen Beitrag zu den Ausbildungskosten von Betrieben und OdA leisten.
Jugendliche mit unterschiedlichen Begabungspotenzialen
Die Wirtschaftskammer fördert Berufsbildung
Nationale Lehrstellenkonferenz
Kantonale Lehrstellenkonferenz
Gewährung von Bundesbeiträgen
Schulische Berufsorientierung: von Kultusministerien der Länder in Schulgesetzen, Rahmenrichtlinien, Verordnungen etc. festgelegt, die Vorgaben sind bundesländerspezifisch dabei sehr unterschiedlich. Die Maßnahmen können bspw. Betriebspraktika und -erkundungen, Unterricht in Kooperation mit berufsbildenden Schulen, berufspraktische Projekte, Schülerfirmen etc. umfassen.
“Förderung der Berufsorientierung in überbetrieblichen und vergleichbaren Berufsbildungsstätten” (BOP): Zielgruppe Schüler/innen der allgemeinbildenden Sekundarstufe I; während einer Potenzialanalyse stellen Schüler/innen ihre Neigungen/Kompetenzen fest, danach haben sie bei Werkstatttagen die Möglichkeit, zwei Wochen lang verschiedene Berufsfelder kennenzulernen.
IHK und HWK: Sie beschäftigen Ausbildungsberater/innen, sind Ansprechpartner/innen für Unternehmen und Auszubildende (besuchen Betriebe, informieren über Ausbildungsmöglichkeiten, Berufe, werben neue Ausbildungsplätze und -betriebe); IHKs und HWKs organisieren auch Berufsbildungsmessen, zahlreiche Aus- und Weiterbildungsverantwortliche bieten hier Informationen. Der Messebesuch wird in allgemeinbildenden Schulen pädagogisch vor- und nachbereitet.
Ausbildungsakquisiteure: diese sind in einigen Bundesländern eingerichtet (z.B. Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bayern) und werben um neue Ausbildungsplätze bei Unternehmen, die bisher nicht oder nicht ausreichend ausbilden. Sie leisten außerdem Beratung und praktische Unterstützung bei der Ausbildung. Auch Regionalstellen der Bundesagentur für Arbeit setzen Ausbildungsakquisiteure ein.
Online-Berufsinformation: etwa durch Bundesagentur für Arbeit oder Arbeitgeberorganisationen. Zahlreiche Datenbanken bieten Informationen über Ausbildungswege und Berufe.
finanzielle Anreize durch öffentliche Förderungen (spielt in Deutschland eine geringere Rolle)
Ausbildungsakquisiteure der Arbeitsagentur
Arbeitsagentur – Berufe
Arbeitsagentur – Jobbörse
Best-Practice – Die Jugendberufsagentur