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Timestamp: 2019-08-18 19:26:55
Document Index: 140194178

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'Art. 80', 'Art. 84', 'Art. 9', 'Art. 80', 'Art. 84', 'Art. 9', 'Art. 80', 'Art. 80', 'Art. 84', 'Art. 80', 'Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 80', 'Art. 3', 'Art. 63', 'Art. 163', 'Art. 265', 'Art. 919', 'Art. 930', 'Art. 11', 'Art. 919', 'BGE', 'Art. 80', 'Art. 84', 'Art. 9']

BGE-137-IV-134 - 2011-02-02 - BGE - Strafrecht und Strafvollzug - Art. 80h lit. b IRSG; Art. 84 und 89 Abs. 1 BGG; Art. 9a IRSV; internationale Rechtshilfe in...
Art. 80h lit. b IRSG; Art. 84 und 89 Abs. 1 BGG; Art. 9a IRSV; internationale Rechtshilfe in Strafsachen; Legitimation zur Anfechtung einer Schlussverfügung. Zeugenbefragung und Aktenedition; Beschwerdelegitimation von juristischen Personen und ihren Organen. Zusammenfassung und Präzisierung der Praxis (E. 5 und 6). Rechtshilferechtlich relevanter Begriff der tatsächlichen Verfügungsgewalt über Dokumente; unmittelbare und direkte Betroffenheit der juristischen Person in der vorliegenden Konstellation verneint (E. 7).
Art. 80h let. b EIMP; art. 84 et 89 al. 1 LTF; art. 9a OEIM; entraide internationale en matière pénale; qualité pour recourir contre une décision de clôture. Audition de témoins et consultation du dossier; qualité pour recourir des personnes morales et de leurs organes. Résumé et précision de la jurisprudence (consid. 5 et 6). Notion pertinente en droit de l'entraide internationale du pouvoir de disposition effectif sur les documents; atteinte immédiate et directe de la personne morale niée dans le présent cas d'espèce (consid. 7).
Art. 80h lett. b AIMP; art. 84 e 89 cpv. 1 LTF; art. 9a OAIMP; assistenza internazionale in materia penale; legittimazione a impugnare una decisione di chiusura. Audizione di testimoni ed edizione di atti; legittimazione a ricorrere di persone giuridiche e dei loro organi. Riassunto e precisazione della prassi (consid. 5 e 6). Nozione pertinente del potere di disporre effettivo sui documenti nell'ambito dell'assistenza giudiziaria; lesione immediata e diretta della persona giuridica negata nella fattispecie (consid. 7).
C. Gegen den Nichteintretensentscheid des Bundesstrafgerichts gelangte die X. AG mit Beschwerde vom 16. September 2010 an das Bundesgericht. Sie beantragte (zur Hauptsache), der Entscheid des Bundesstrafgerichts sei aufzuheben und die Sache sei an dieses zurückzuweisen (mit der Anweisung, auf die Beschwerde einzutreten und in der Sache zu entscheiden). Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab. (Zusammenfassung)
1.1 (Vorliegen eines besonders bedeutenden Falles i.S. von Art. 84 BGG bejaht.) (...)
3. Die Beschwerdeführerin macht (im Wesentlichen zusammengefasst) Folgendes geltend: Sie als juristische Person könne den Besitz an Dokumenten notwendigerweise nur durch ihre Organe ausüben. Ihr einziger Verwaltungsrat könne (im Verhältnis zu ihr) nicht als dritte Person betrachtet werden. Indem er als Zeuge aussagte und zwei Dokumente an die Staatsanwaltschaft aushändigte, habe sie faktisch selbst als Zeugin ausgesagt und Unterlagen ediert. In der vorliegenden Konstellation sei sie als Besitzerin der edierten Dokumente und damit als Direktbetroffene anzusehen. Nach der zivilrechtlichen Lehre und Praxis könne ihr Verwaltungsrat nicht persönlich Besitzer von Geschäftsdokumenten gewesen sein. Vielmehr habe er seinen Besitz (im Sinne eines "Besitzdieners") nur für sie ausgeübt. Es erscheine ausserdem aus Rechtsschutzgründen unhaltbar, wenn im Ergebnis niemand legitimiert gewesen wäre, die streitigen Rechtshilfemassnahmen anzufechten. Der Nichteintretensentscheid der Vorinstanz verletze daher Bundesrecht (insbesondere Art. 80h lit. b IRSG [SR 351.1], das in Art. 29 Abs. 1 BV gewährleistete Verbot der formellen Rechtsverweigerung, den in Art. 29 Abs. 2 BV garantierten Gehörsanspruch sowie das Willkürverbot von Art. 9 BV). (...)
5.2 Gemäss Art. 9a IRSV (SR 351.11) gelten als "persönlich und direkt betroffen" im Sinne von Art. 80h lit. b IRSG: bei der Erhebung von Konteninformationen: der Kontoinhaber
von den Rechtshilfemassnahmen unmittelbar und direkt betroffen erscheinen. Von der Übermittlung seines Zeugenprotokolls direkt und unmittelbar tangiert ist der fragliche Zeuge als natürliche Person. Analoges gilt für die Edition der beiden in seiner tatsächlichen Verfügungsgewalt befindlichen und primär ihn persönlich (in seinen privaten Geschäftsinteressen) berührenden Dokumente. Indem er strafprozessual als Zeuge über seine selbstständige Geschäftstätigkeit, seine vertraglichen und persönlichen Beziehungen zu Dritten und zu seinen Aktivitäten als Organ der Beschwerdeführerin befragt wurde, hat er nicht primär (organschaftlich) ihre statutarischen zivilrechtlichen Gesellschaftsinteressen bzw. Geschäftszwecke wahrgenommen. Vielmehr ist er (in seiner persönlichen Interessensphäre als Privatperson) seiner gesetzlichen Zeugnis- und Editionspflicht nachgekommen (vgl. Art. 3 und 7 -12 EUeR i.V.m. Art. 63 f . und 74 IRSG sowie Art. 163 Abs. 2 und Art. 265 Abs. 1 StPO). Die von der Beschwerdeführerin vertretene Ansicht, zwischen ihren Gesellschaftsaktivitäten (als juristische Person) und der Zeugenaussage ihres Verwaltungsrates (als natürliche Person mit eigenem Rechts- und Verantwortungsbereich) sei nicht zu differenzieren, bzw. sie habe faktisch selbst "als Zeugin ausgesagt", erscheint - zumindest strafprozess- und rechtshilferechtlich - nicht haltbar.
7.6.1 Besitzer im zivilrechtlichen Sinne ist, wer die tatsächliche Gewalt über eine Sache hat (Art. 919 Abs. 1 ZGB). Vom Besitzer einer beweglichen Sache wird vermutet, dass er ihr Eigentümer ist (Art. 930 Abs. 1 ZGB). Natürliche Personen, welche für juristische Personen eine Organfunktion ausüben, können entweder für Letztere (und in deren Namen) organschaftlich tätig werden oder aber für sich selbst (im eigenen Namen) Rechte und Pflichten begründen (Art. 11 -12 und 52 -54 ZGB). Insbesondere kann eine natürliche Person (auch während sie gleichzeitig Verwaltungsrätin einer AG ist) im eigenen Namen Besitzesrechte über bewegliche Sachen, namentlich Dokumente, ausüben (Art. 919 ff . i.V.m. 11-12 ZGB). Wenn die Beschwerdeführerin (unter Hinweis auf BGE 81 II 339 E. 5 S. 343 f.) die Auffassung vertritt, ihr Verwaltungsrat könne nicht persönlich Besitzer sein, sondern übe seinen Besitz (im Sinne eines "Besitzdieners") stets für sie aus, übersieht sie, dass dies nur für den Fall gelten kann, dass der Verwaltungsrat in ihrem Namen und Gesellschaftsinteresse (organschaftlich) tätig wird. Wie sich aus den Akten ergibt, betrafen die beiden vom Zeugen edierten Dokumente aber primär den Zeugen selbst, und zwar als in seinem eigenen Namen vertragsschliessende Partei, eine mit ihm privat kontrahierende dritte juristische Person sowie eine weitere natürliche Person. Die im Vertrag zwischen dem Zeugen und seiner Kontrahentin erwähnte Beschwerdeführerin ist erst indirekt mitbetroffen (vgl. oben, E. 7.2).
Entscheid : 137 IV 134
Status : 137 IV 134
Regeste : Art. 80h lit. b IRSG; Art. 84 und 89 Abs. 1 BGG; Art. 9a IRSV; internationale Rechtshilfe in...
zeuge • verwaltungsrat • rechtshilfemassnahme • juristische person • bundesgericht • natürliche person • beschwerdelegitimation • 1995 • rechtshilfe in strafsachen • frage • holdinggesellschaft • legitimation • bundesstrafgericht • spanisch • hausdurchsuchung • editionspflicht • privatperson • verhältnis zwischen • lagerhalter • beschwerde in öffentlich-rechtlichen angelegenheiten
116-IB-106 • 121-II-459 • 122-II-130 • 123-II-153 • 123-II-161 • 124-II-180 • 125-II-356 • 126-II-258 • 126-II-495 • 127-II-104 • 128-II-211 • 129-II-268 • 130-II-162 • 133-V-188 • 137-IV-134 • 81-II-339
1A.154/1995 • 1A.215/2005 • 1A.282/2003 • 1C_287/2008 • 1C_424/2010
BGG: 84, 89
BV: 5, 9, 13, 29, 29a, 190
IRSG: 17a, 63, 80h
SR 0.351.1: 1, 3, 7, 12
StPO: 5, 163, 265
ZGB: 11, 12, 52, 54, 919, 930