Source: http://forum-bg.de/die_bg_holz_und_metall_73.html
Timestamp: 2018-07-22 14:48:49
Document Index: 44869172

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Die BG Holz und Metall (73): … und das Spektakel um Compliance
Forum-BG hat schon einmal auf die Definition von Compliance bei Wikipedia verwiesen, wo Compliance für den Bereich der Betriebswirtschaftslehre, also für Betriebswirte, definiert wird:
Compliance bedeutet "die Einhaltung von Verhaltensmaßregeln, Gesetzen und Richtlinien durch Unternehmen".
(vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Compliance)
Anscheinend wird bei der BGHM Compliance allerdings etwas anders verstanden, nämlich als Instrument, um Selbstverwalter und Beschäftigte früherer Metall-BGen diffamieren zu können und dem Ganzen auch noch den Anschein legitimen Verhaltens zu geben.
Wilfried Ehrlich hat seine Liebe zum Compliance-Blabla ja schon offenbart
Vielleicht erinnern sich Leser von Forum-BG noch daran: Der Vorstandsvorsitzende Wilfried Ehrlich berichtete stolz über Compliance-Vereinbarungen bei der BGHM - und das, nachdem er und Eva von der Weide Aufwandsentschädigungen erhalten hatten, die außerhalb der vereinbarten und vom BVA genehmigten Entschädigungshöhen lagen. Hierüber hat Forum-BG berichtet (vgl. Die BG Holz und Metall (57) - Heiße Luft oder das Spektakel um Compliance)
Nun war es aber nicht diese "besondere Behandlung", die sich Wilfried Ehrlich und Eva von der Weide angedeihen ließen, die Anlass für diese Compliance-Regelungen gewesen wäre. Nein, das wäre auch nicht notwendig, denn schließlich müssen Beschlüsse der Selbstverwaltung auf ihre Rechts- und Richtlinienkonformität hin überprüft und gegebenenfalls muss die Selbstverwaltung auf Verstöße hingewiesen werden.
Weshalb dies in diesem Fall nicht klappte, das muss Dr. Platz gefragt werden.
Der Sachverhalt war eigentlich völlig klar, hätte sich der Vorstand an die geltenden Regelungen gehalten, dann wäre dem Spuk schnell eine Ende gemacht worden:
1. Es gab eindeutige Regelungen bezüglich der finanziellen Entschädigung der Selbstverwalter.
2. Diese Regelungen waren durch das BVA genehmigt und somit ihre Einhaltung wiederum Gegenstand der Kontrolle der BGHM durch das BVA.
Worum es bei der Forderung nach Compliance tatsächlich geht
Als Anlass für das neue Compliance durch Ehrlich und Platz war die Behauptung - aufgestellt von Dr. Platz und seinen Helferlein Trocha und Heck und übernommen vom Vorstand der BGHM - bei der früheren MMBG und HüWaBG habe es "kriminelle Machenschaften" gegeben, in die die Verwaltung und die Selbstverwaltung verwickelt gewesen sein sollen. Ehrlich hat derartiges bereits in seinem Beitrag in der Sitzung der Vertreterversammlung 2/2013 angedeutet.
Exakt diese Behauptungen waren in den Schriftsätzen der Anwälte der BGHM gegen frühere Mitglieder der MMBG und der HüWaBG nachzulesen. Und festgestellt haben wollen diese kriminellen Machenschaften die Herren Trocha und Heck. Dr. Platz und Wilfried Ehrlich kamen diese Behauptungen wohl gerade passend und weder sie, noch der gesamte Vorstand kam auf die Idee hier einmal genauer nachzufragen.
Hätte er das getan, dann wäre ihm sicher der Brief der Vorstandsvorsitzenden der BGHM vom 07. August 2012 an die ehemaligen Vorsitzenden der Vorstände und Vertreterversammlungen der MMBG und HüWaBG, zu Händen des Kollegen Bernd Schildknecht, eingefallen. In diesem Brief, der von Sönke Bock als Vorsitzender selbst unterschrieben wurde, ist u.a. zu lesen:
"Wir sind der Auffassung, dass Sie alle durch Ihr großartiges Engagement wesentlich dazu beigetragen haben, dass in den betreuten Betrieben der Arbeits- und Gesundheitsschutz einen hohen Stellenwert erfahren hat."
Dies ist nur ein kurzes Zitat aus diesem Schreiben! Ein Schreiben, das zu einer Zeit erstellt wurde, als die "Ermittler" der BGHM bereis schon einige Zeit dabei waren, gegen Mitglieder der früheren Selbstverwaltung der MMBG und HüWaBG zu "ermitteln" und Strafanzeigen vorzubereiten.
Wie war das noch? Der Vorstand kann sich ja nicht um alles kümmern, deshalb vertraut er voll der Verwaltung. Von der Aufgabe des Vorstandes, die Geschäftsführung - also das Personal, wie auch dessen Aktivitäten - zu kontrollieren und überwachen, hat sich dieser Vorstand wohl schon lange verabschiedet.
Unterstellungen als Instrument der "Personalpolitik"?
Wie praktisch: Konnte doch auf diese Weise die Arbeitgeberfraktion unter der Führung u.a. von Wilfried Ehrlich sich ihres damaligen Vorsitzenden entledigen. Man unterstellte einfach, die behaupteten "kriminellen Machenschaften" seien Realität und damit war der frühere Vorstandsvorsitzende der Arbeitgeber "nicht mehr tragbar" und konnte der Weg für Wilfried Ehrlich auf den Vorstandsvorsitz freigemacht werden. Nach dem schlichten Denkmodell: Fehlendes Profil fällt nicht auf, wenn man die profilierte Konkurrenz ausschaltet. Oder, wie solche Verhältnisse manchmal locker beschrieben werden: im dunklen Keller fällt eine durchgebrannte Birne nicht auf.
Falsche Behauptungen sind zwar nicht haltbar, verschaffen aber Zeit
Nun haben inzwischen zwei Gerichte festgestellt: Es gab keine "kriminellen Machenschaften"!
Also hat der gesamte Vorstand - und nicht nur die Arbeitgebervertreter - einen Vorsitzenden völlig unberechtigt, unter Berufung auf falsche Behauptungen, zum Rücktritt gedrängt.
Und eben dieser Vorstand, der auf Recht und Richtlinien pfeift, hat sich nun unter der Führung von Wilfried Ehrlich daran gemacht, eine Compliance-Vereinbarung auszuarbeiten und zu verabschieden und diese sich dann auch noch zertifizieren zu lassen. Ein Vorstand, der in der gleichen Besetzung sich um geltende Regelungen für Entschädigungen einen Teufel geschert hat. Wie war das nochmals mit den Böcken, die sich selbst zu ehrlichen Gärtnern machen?
Und eine Reihe von Besonderheiten
Die gesetzlichen Unfallversicherungen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und deshalb gelten für sie die, für alle öffentlichen Einrichtungen geltenden Richtlinien zur ordentlichen Geschäftsführung und gegen Bestechung. Hierzu sind vom Bundesinnenministerium Richtlinien erlassen worden, die aber offenbar bei der Geschäftsführung der BGHM völlig unbekannt sind.
Ermittler mit Stabsstelle
Neben der Innenrevision, die nach den Vorgaben des Bundesinnenministeriums eingerichtet werden muss, hat nun die BGHM 2012 eine Stabsstelle mit dem schönen Titel "Steuerung und Integrität" eingerichtet und deren Leiter wurde der "Ermittler" Trocha. Überdies wird er gleichzeitig auch noch als "Compliance-Beauftragter" benannt.
Erinnern wir uns: Trocha ist einer von den beiden, die "kriminelle Machenschaften" ermittelt haben wollen und die sich von Sozialgerichten sagen lassen mussten, dass es diese behaupteten Machenschaften nicht gegeben hat.
Man könnte fast vermuten, da hat jemand durch falsche Behauptungen der Selbstverwaltung billige Argumente geliefert und für seinen eigenen innerbetrieblichen Aufstieg gesorgt, und das unter dem Deckmäntelchen von "Compliance".
Für den schönen Schein ist nichts zu teuer
Die BGHM hat sich ihr "Compliance-System" nun auch noch zertifizieren lassen. Wer nun denkt: so ein Zertifikat sei etwas Hochoffizielles oder gar Objektives, der muss zur Kenntnis nehmen, die Zertifizierung und das Zertifikat werden von privaten Zertifizierern durchgeführt und vergeben. Von privaten Unternehmen also, die von dieser Tätigkeit leben. So ist es logisch, dass diese Unternehmen natürlich ein hohes Interesse daran haben, dass die Auftraggeber das Zertifikat erhalten und damit zufrieden sind. Und das Zertifikat gilt nur für einen bestimmten Zeitraum, im konkreten Fall 3 Jahre und dann sollen Kunden die Prozedur wiederholen lassen und dem Zertifizierer ein regelmäßiges und gesichertes Einkommen verschaffen.
Die Zertifizierer haben mithin ein existenzielles Interesse, solche Zertifizierungsprozeduren möglichst regelmäßig wiederholen zu können.
Nur das bringt Geld in die Kasse und die Zertifizierung kostet ordentlich Geld.
Bei der BGHM wurde die Zertifizierung durch die DQS GmbH durchgeführt. Wie diese GmbH diese Zertifizierung der Compliance selbst einschätzt, das kann man auf ihrer Internetseite nachlesen. Es heißt dort:
"Welche Art der Compliance Sie auch auditieren lassen wollen - in jedem Fall haben Begutachtungen einer externen, international anerkannten Stelle stets höhere Akzeptanz als intern gemachte Feststellungen. Ein Audit durch die DQS sichert Ihnen höchstes Ansehen in der Öffentlichkeit und beim Gesetzgeber. Nutzen Sie daher unsere erstklassige Reputation unter den Zertifizierern zur Steigerung Ihrer eigenen Imagewerte."
(vgl. http://de.dqs-ul.com/audits/auditarten.html)
Danke für die Aufklärung! Gerne wird so etwas auch mit Win-Win-Situation beschrieben: Der Eine bekommt Geld und der Andere eine gute Reputation und das Ganze ohne großen Aufwand, weder für den einen, noch für den anderen! Ach wie schön ist gemeinsames Händewaschen mit Schmierseife!
Müssen sich jetzt Bund, Länder und Gemeinden auch zertifizieren lassen und vielleicht auch das BVA? Dann muss aber natürlich auch der DGUV e.V. zertifiziert werden. Dr. Breuer, der Hauptgeschäftsführer des DGUV e.V., dürfte überglücklich sein, wenn ihm Dr. Platz und Co die Prozedur erkärt.
Überdies sollte nicht vergessen werden, dass betriebliche Überprüfungen im günstigsten Fall immer nur eine Beschreibung des gesehenen Ist-Zustand darstellt - das kennen wir aus der Überwachung des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes durch Institutionen der staatlichen Arbeitsschutzbehörden sowie der gesetzlichen Unfallversicherungen.
Worum geht es also? Um das Ansehen von Dr. Platz und Co und den schönen Schein? Daran dürfte es kaum noch Zweifel geben.
Worauf basiert eigentlich das Zertifikat?
Die BGHM sonnt sich auf ihrer Website mit dem Zertifikat und lässt die Zertifizierer selbst zu Wort kommen. Es heißt dort:
"Für uns war es ein spannender Prozess, die BGHM genauestens kennenzulernen und unter anderem in den zahlreichen Gesprächen mit den Beschäftigten, die bisherige Umsetzung des Compliance-Management-Systems zu hinterfragen. Dabei konnten wir bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aller Bereiche eine hohe Sensibilität für das Einhalten von Gesetzen, Richtlinien und Regelungen feststellen", erklärt DQS-Auditor Helmut Stais. Er führte gemeinsam mit seinen Kollegen Georg Faber und Hubert Spahn unter anderem an den bundesweit verteilten Standorten der BGHM Mitarbeiterbefragungen zur Wirksamkeitsprüfung des Compliance-Management-Systems durch.
(vgl. http://www.bghm.de/bghm/presseservice/pressemeldungen/detailseite/news/berufsgenossenschaft-holz-und-metall-erhaelt-zer-tifikat-fuer-ihr-compliance-management-system.html?tx_news_pi1[action]=detail&tx_news_pi1[controller]=News&cHash=5376c27bb2a7a31729d990a7279f04f2)
Schön mag man denken, da wurden die Mitarbeiter befragt, ob sie die Gesetze einhalten.
Eine drollige Form der Ermittlung!
Erlaubt sei die Frage: Glaubt irgendwer tatsächlich, damit könne man die Einhaltung von rechtlichen Vorgaben prüfen? Müssen sich nicht alle Beschäftigten, auch ohne Compliance-Richtlinien und Zertifizierung an Recht und Gesetz halten?
Was sollten die befragten Beschäftigten denn sagen? Etwa: Ich pfeife auf die rechtlichen Vorgaben für die Unfallversicherung, ich mache, was mir richtig erscheint? Oder: Ich widerspreche der Geschäftsführung, wenn sie wieder einmal gegen Recht und Gesetz verstößt und ihr Mainzer Landrecht praktiziert?
Und damit ist man auch schon bei der Kernfrage: Halten sich Vorstand und Geschäftsführung an die gesetzlichen Vorgaben? Wurde das bei Zertifizierung überprüft - und nicht nur nachgefragt? Aus der bisherigen Praxis dieser Geschäftsführung und dieses Vorstandes darf man sagen, dass es da - sehr vorsichtig gesagt - noch nicht so ganz klappt und eigentlich noch erheblicher Anstrengungen bedürfte. Aber mit dem Zertifikat für Compliance soll sich ja auch das endgültig erledigt haben.
Dieser Compliance-Zirkus mag vielleicht eine sinnvolle Geldausgabe sein, wenn man großen Wert auf die Außendarstellung der BGHM legt. Nur ist die BGHM eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die über Mitgliedsbeiträge finanziert wird und für die die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben des SGB sowie der Antikorruptionsregel des Bundesinnenministeriums gelten - und zwar ohne Wenn und Aber. Und für die Kontrolle der finanziellen Aktivitäten ist das Bundesversicherungsamt und für die Kontrolle der Aktivitäten im Bereich Prävention ist das BMAS zuständig. Eine derartige Überwachungs- und Kontrollkonzeption kommt aus den Erfahrungen mit derartigen Einrichtungen und ist nicht durch private Segenseinrichtungen, die sich Zertifizierer nennen ersetzbar. Wer käme schon auf die Idee, den Bundesrechnungshof abzuschaffen und dafür den Vorstand der Deutschen Bank mit dessen Aufgaben zu beauftragen?
Die gesetzlichen Unfallversicherungen bedürfen weniger einer PR-Reklame, sondern qualifizierter Leistungen in den Bereichen betrieblicher Prävention, umfassender medizinischer und sozialer Rehabilitation von Opfern aus Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten und gleichermaßen einer rechtskonformen Umsetzung der finanziellen Entschädigung.
Und was ist mit den Kosten für die Zertifizierung?
Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass Dr. Platz und der Vorstand dann sparsam werden, wenn es um die Kernaufgaben Prävention, Rehabilitation und Entschädigung geht. Anders, wenn es um die Beschäftigung von Rechtsanwälten oder Zertifizierern geht, dann wird nicht gespart.
Weshalb sich eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ein Verhalten zertifizieren lässt, für das es eine verbindliche Vorgabe durch den Bundesinnenminister gibt und für dessen Überwachung überdies das Bundesversicherungsamt zuständig ist, das bedarf schon einer Erklärung. Die Leidenschaft von Wilfried Ehrlich für Compliance-Tralala dürfte als Begründung wohl nicht ausreichen.
Die BGHM gewinnt auch noch einen Preis für ihr Compliance-Zertifikat!
Da gibt es doch tatsächlich ein Medienunternehmen, die dfv Mediengruppe, die einen Compliance-Preis verleiht.
Ist ja auch logisch, schließlich gibt der Verlag eine Zeitschrift zum Thema Compliance heraus. Wie so nett berichtet wird, hat der Verlag 2015 zum zweiten Mal den Preis ausgeschrieben und Unternehmen eingeladen, mit ihrer Bewerbung am Deutschen Compliance Preis teilzunehmen.
… und die BGHM hat sich wohl beworben und - welch Wunder! - sie hat einen Preis erhalten!
Wiederum erstaunt einiges: Da veranstaltet die dfv Mediengruppe, also ein Zeitschriftenverlag, der u.a. auch eine Zeitschrift zum Thema Compliance herausgibt, eine "Deutsche Compliance Konferenz" (vgl. http://veranstaltungen.ruw.de/veranstaltungen/compliance/deutsche-compliance-konferenz) und vergibt einen "Deutschen Compliance Preis".
Und wie man nachlesen kann und weiß, hat der Verlag ausgeschrieben und zertifizierte Unternehmen zur Bewerbung eingeladen. Nun liest man auf der Internetseite der BGHM, dass sie am 27.01.2015 das Zertifikat erhalten hat.
Und beim Verlag liest man, dass am 6.2.2015 die Jury entschieden hat, dass die BGHM zu den ausgezeichneten Betrieben gehört.
Das nennt man Geschwindigkeit! Innerhalb von 8 Tagen
wird das Zertifikat überreicht,
schickt die BGHM ihre Bewerbung an den Verlag
liest die Jury die eingereichten Zertifikate
bewertet und bespricht die Jury die sich bewerbenden Betriebe und Unternehmen
und findet auch noch eine Entscheidung.
Rückfragen sind da beim besten Willen nicht mehr möglich - und vermutlich auch überhaupt nicht gewünscht.
Da wird nicht nur von einer Jury, sondern gleichermaßen auch von der Post enorm schnell gearbeitet. Toll! Oder sollte es sich bei diesem Preis um eine Gefälligkeit handeln, die sowieso allen dient?
Wie diese Jury ihre Entscheidung in so schneller Zeit erledigt haben will, das muss sie erklären. Zum Beispiel auch deshalb, da es Kriterien für die Vergabe der Preise gibt (vgl. http://veranstaltungen.ruw.de/images/content/compliance-preis/Preistr%C3%A4ger-Magazin_2015_klein.pdf).
Unter Punkt 4 findet sich die folgende Anforderung:
"Vorstände und Geschäftsführer sind persönlich verantwortlich für die Einhaltung aller Pflichten, haben die nicht delegierbare Oberaufsicht darüber zu führen und diese auch nachzuweisen."
Als Kriterium wird also ausdrücklich die persönliche Verantwortlichkeit formuliert. Wie hat die Jury denn die Einhaltung dieses Kriterium geprüft? Aus dem Zertifikat kann dies nicht entnommen worden sein. Wie war nochmals die Aussage von Wilfried Ehrlich über die Aufsicht, die der Vorstand der Geschäftsführung überlässt, da er sich dazu außerstande sieht? Da ist entweder beim Zertifizierungsprozess etwas übersehen worden oder die Jury hat nicht richtig gelesen, hatte nicht die nötigen Unterlagen, nicht die Zeit die Unterlagen zu lesen…
Vielleicht erklärt aber auch die Zusammensetzung der Jury das Ergebnis.
Die neunköpfige Jury setzt wie folgt zusammen:
1. dem Geschäftsführer der DQS GmbH, die die BGHM zertifiziert hat
2. drei Hochschullehrern, davon eine Hochschullehrerin, die auch Richterin ist (s.u.)
3. zwei Vertretern der dfv Mediengruppe
4. einem Anwalt
5. zwei Vertretern von Unternehmen, die 2014 einen Preis gewonnen haben, nämlich der Flughafen Stuttgart GmbH und der Schaeffler Gruppe. Es sind jeweils die Vertreter dieser Unternehmen in der Jury, die 2014 auch die Preise entgegengenommen haben. Man wird also erwarten dürfen, dass 2016 Trocha zum Mitglied der Jury werden wird.
Vielleicht meinte es die Jury aber auch nur einfach gut…
Bedenkt man, dass die Laudatio von Frau Prof. Dr. Matusche-Beckmann gehalten wurde. Frau Prof. Dr. Matusche-Beckmann ist laut der Biografie, die sich in der Veröffentlichung zum Compliance-Preis im Internet findet, stellvertretende Richterin am Verfassungsgerichtshof des Saarlandes und ehemalige Richterin am Landgericht Saarbrücken und lehrt überdies seit 2006 an der Universität des Saarlandes als Inhaberin des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht sowie Arbeitsrecht. (vgl. http://veranstaltungen.ruw.de/images/content/compliance-preis/Preistr%C3%A4ger-Magazin_2015_klein.pdf). Man kann also durchaus sagen, es handelt sich dabei um eine Repräsentantin des deutschen Rechts. Diese Juristin lobte nun in ihrer Laudatio die Vorreiterrolle der BGHM im öffentlichen Dienst. Sie sagte:
"Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall zeigt, dass eine funktionierende Compliance-Organisation auch in der öffentlichen Verwaltung etabliert werden kann. Compliance-Kultur wird bei der BGHM gelebt. Neben der Einhaltung von Recht und Gesetz werden auch Fairness, Integrität und Nachhaltigkeit als Bestandteile des Compliance-Verständnisses angeführt. Dieses Gesamtpaket erscheint absolut preiswürdig."
(vgl. http://www.bghm.de/bghm/nachrichten-presse/detailseite/news/auszeichnung-fuer-vorbildliche-compliance-kultur.html?tx_news_pi1[action]=detail&tx_news_pi1[controller]=News&cHash=3ea7908cd809b42c667e262d8cb2d928)
Toll, denkt man, welch warme Worte so eine Universitätsprofessorin und Richterin zu finden vermag. Respekt, wie sie und der Rest der Jury eine Beurteilung in so kurzer Zeit zwischen Zertifizierung, Bewerbung und Prämierung finden kann.
Oder sollte sie sich etwa nur einfach der Textbausteine und Worthülsen bedient haben, die die BGHM schon seit längerem für Wilfried Ehrlich und Co zur Verfügung hält.
Ist aus der Laudatio zu schließen, dass man auch an der Universität Saarbrücken und beim Verfassungsgerichtshof des Saarlandes das Compliance-Modell der BGHM einführen wrd?
Die Urteile der Sozialgerichte Düsseldorf und Gelsenkirchen hat sie jedenfalls ganz sicher nicht gelesen, zur Kenntnis genommen oder sonst etwas. Wahrscheinlich sind sie ihr einfach in der Hektik entgangen. Oder war das alles, was sie gesagt hat und was diese Jury entschieden hat nicht wirklich ernst gemeint? Man darf ja auch mal so vor sich hin blubbern, Hauptsache, dem der bezahlt, gefällt es.
Es ist einfach immer wieder schön zu sehen, wie gut Medienunternehmen, Vertreter der Justiz, Vertreter der Universitäten sowie die Geschäftsführung öffentlich-rechtlicher Einrichtungen zusammenarbeiten können und das alles nur, um an das Geld der Beitragszahler zu gelangen und damit gleichzeitig auch noch bei der BGHM Fassadenreinigung zu betreiben.
Und das Ganze auch noch unter dem Thema Compliance, ist das nicht drollig?
Fragt sich nur, weshalb nicht Wilfried Ehrlich den Preis für die BGHM übernommen hat. Das wäre ihm zu wünschen gewesen und hätte der Öffentlichkeit gezeigt, nein, nicht, dass die BGHM über Humor verfügt, sondern, dass sie komisch sein kann. Aber vielleicht ist dies, das nicht Wilfried Ehrich den Preis entgegennehmen durfte, auch nur ein Zeichen dafür, dass die Selbstverwaltung und damit auch Wilfried Ehrlich, bei der BGHM nun endgültig ihren Zenit überschritten haben und nun endgültig überflüssig geworden sind.
Der Preis hätte, wenn er überhaupt zu vergeben war, den Anwaltskanzleien TDWE (Frau Dr. Kämpfer und Herrn Lepper) und vielleicht auch Orth und Kluth zugestanden. Hatten die Vorstandsvorsitzenden in ihrem Schreiben vom 18.04.2012 der staunenden Öffentlichkeit doch angekündigt, dass professionelle Anwälte diese Compliance-Richtlinien erstellen werden. Bei der Geschäftsführung der BGHM scheinen ja nicht einmal die grundlegenden und zwingend einzuhaltenden rechtlichen Vorgaben bekannt zu sein.
Die BG Holz und Metall (73) ←