Source: http://www.endl.de/weblog/2010/10/28/sieg-der-hartplatzhelden-vor-dem-bgh-ein-pyrrhussieg/
Timestamp: 2018-03-18 13:39:13
Document Index: 51046528

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Alexander Endl » Sieg der Hartplatzhelden vor dem BGH ein Pyrrhussieg?
« Unter den Rock gesehen
Pressemitteilung vom 28.10.2010 | 17:17 – Pressefach: Bundesgerichtshof (BGH)
Was sich wie ein Sieg des Amateurfußballers gegen die bösen Verbände liest, wird erst im weiteren Verlauf zeigen müssen, ob man nicht einen Pyrrhussieg erkauft hat. Was am Ende sich zuspitzte war eine Art Schwarz-Weiß-Entscheidung zwischen geldgierigen Verbänden versus kleinem Amateurfussball, den keiner so recht beachtet, man sich aber trotzdem prophylaktisch mal die Rechte vorbehielt, weil man ja irgendwann mal ne Vermarktungsidee daraus entwickeln könnte.
Was mit „ausschließliches Verwertungsrecht“ juristisch verklausuliert wird, meinte genau den Sachverhalt, ob denn ein Verband kategorisch einen Allein-Anspruch anmelden konnte, nur weil er die Organisation des Amateurfußballs stemmte – dem schob der BGH nun einen Riegel vor. Der Fußball gehört also nicht den Verbänden – das allein ist eine gute Feststellung! Aber ist sie die allein seeligmachende Erkenntnis? Nein.
Was der BGH deutlich macht, ist, soweit man dies der Pressemitteilung entnehmen kann, dass man ein „ausschließliches Verwertungsrecht des klagenden Verbandes verneint“, aber nur (sic!) weil man ja auf anderen Wegen die „wirtschaftliche Verwertung der Fußballspiele in seinem Verbandsgebiet […] hinreichend sichern“ könne, indem man einfach den „Besuchern der Fußballspiele Filmaufnahmen unter Berufung auf das Hausrecht untersagt“!
Was man nun gern freudestrahlend als Sieg der Hartplatzhelden für den Amateurfußball sehen möchte, könnte sich schon in Kürze in ein viel größeres Problem verwandeln, wenn nämlich die Vereine (evtl. durch die Verbände gedrängt) nun kategorisch (über das Hausrecht) jegliche Filmmitschnitte zu untersagen. Was sich dann gerade eben noch als Streit zwischen der wirtschaftlichen Verwertung eines Internetplattform gegen einen Verband darstellte (und genau genommen ging es eben darum, und nicht um die Rettung des Amateurfussballs, auch wenn es in der Sache fast auf das gleiche hinauszulaufen schien), könnte sich dann zu einem übergreifenden General-Verbot über das Hausrecht für alle Eltern und Hobbyfilmer entwickeln. Das wäre ein wahrlich teuer erkaufter Sieg.
Es bleibt zu hoffen, dass die Verbände diesem Gedanken nicht folgen, bzw. die Mitglieder der Verbände entsprechend einwirken, dass es gerade im Amateurfußball nicht um Vermarktungsinteressen gehen sollte und erst Recht kein Platz für Eitelkeiten besteht, nur weil man vielleicht durch den BGH eine Niederlage kassierte und man eben auch anders könnte.
„Fair geht vor“ ist ein Leitmotiv des Amateursports. Das sollte man auch hier allen Beteiligten ins Gebetbuch schreiben. Fairness bedeutet auch, dass man zwischen den verschiedenen Interessen, wozu neben Vermarktungsinteressen zum Wohle von Verband und Vereinen auch ein Publikationsinteresse der kleinen Medien und Beteiligten gehört, einen gerechten Ausgleich sucht. Erst dann hat dieses Urteil den Charakter eines Sieges für den Amateursport verdient.
Zitat aus einem Dialog von mir mit dem Verfasser mit Bezug auf den Artikel oben
Posted on 28. Oktober 2010 by Alexander.	This entry was posted in Freizeit, Fußball, Gesellschaft and tagged Amateursport, Fußball, sport. Bookmark the permalink.
Letzter Kommentar war vor 23. November 2010
Der Bundesgerichtshof (BGH) entscheidet im Fall Hartplatzhelden vs. Württembergischen Fussballverband für uns Fans - Fritten, Fussball & Bier
[…] (WFV) vs. Hartplatzhelden genau dieses so ganz nebenbei entschieden. Der ein oder andere Blogger spricht daher inzwischen von einem Pyrrhussieg und kann sich erst in zweiter Linie über den […]
Glaubt jemand ernsthat, dass die Verbände ihre Vereine dazu drängen wollen, Filmen zu verbieten? Was wäre denn das für ein Posse?
Übrigens ist das Hausrecht nicht eine Folge des BGH-Urteils, diese Möglichkeit hatte der DFB schon vorher gehabt.
Kantersieg, Kantersieg!
Hallo Oliver! Also vor allem mal: Glückwunsch zum Sieg! Hartplatzhelden 1 – Verbände 0 – Danke – Bitte. 😀
Kann mir ansatzweise vorstellen, was da an Ballast abfällt – auch wegen der Kosten des ganzen Verfahrens.
Ob die Verbände die Vereine drängen werden? Sicher nicht reflexartig, dazu ist das Faß zu groß, das man aufmachen müsste. Zudem wäre es auch politisch – wegen der öffentlichen Sympathie für das Urteil – unklug, jetzt vorzugehen. Aber ich male mal ein Szenario: Der DFB findet tatsächlich jemanden, der ähnliches machen will und ein Vermarktungskonzept dazu hat. Allerdings fordert der „Vermarkter“ für sein Engagement „Exklusivrechte“ und nun kommt die Arbeit in den Verbänden. Die würden dann wohl „zum Wohle aller“ eine Lösung suchen, diese Exklusivität zu erreichen und stießen – Überraschung! – auf just die Ausführungen des DFB. Damit würde man vielleicht dann auch störrische Gegner zu überzeugen versuchen, dass man es ja nur „für die Vereine“ täte und es (siehe BGH) gar keinen anderen Weg gäbe. — Ich denk eben nur mal laut… Aber ich hoffe, es denken auch andere laut genug, um solche Bestrebungen ggf. frühzeitig zu erkennen und gegen zu arbeiten. Dass der Sprecher des Verbandes direkt nach dem Urteil das quasi dementierte, aber eben auch sofort ansprach, ist für mich eher ein Zeichen dafür, dass man das wohl auch genau so sieht.
Aber das soll euren Sieg nicht trüben! Leider sind (gute und richtige) Einzelfallentscheidungen manchmal in der Folge unkalkulierbar. „Bosman“ ist da sicher ein Beispiel.
Ich glaube eher, dass Verbände politisch aktiv werden und sich ein Leistungsschutzrecht sichern wollen.