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Timestamp: 2018-02-18 03:19:22
Document Index: 40366726

Matched Legal Cases: ['Art. 99', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_1047/2008 11.05.2009
8C_1047/2008
Der 1964 geborene Q.________ war als Mitarbeiter in der Kleinteile- Fertigung der Firma J.________ bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 15. August 2006 auf der Autobahn A1 bei Schafisheim einen Autounfall erlitt. Im Spital X.________, in welchem der Versicherte direkt nach dem Unfall für drei Tage hospitalisiert war, wurde eine Commotio cerebri, diverse Schürfungen bei Kontusion des Thorax, des Beckens und beider Handgelenke, eine Riss-Quetsch-Wunde am linken Ellbogen und eine Adduktorenzerrung links diagnostiziert. Die SUVA anerkannte ihre Leistungspflicht für die Folgen dieses Ereignisses und erbrachte die gesetzlichen Leistungen, stellte diese jedoch mit Verfügung vom 24. April 2008 und Einspracheentscheid vom 30. Juni 2008 per 24. April 2008 ein, da die über dieses Datum hinaus anhaltend geklagten Beschwerden nicht adäquat kausal durch das Unfallereignis verursacht worden seien.
Die von Q.________ hiegegen erhobene Beschwerde wies das Versicherungsgericht des Kantons Aargau mit Entscheid vom 29. Oktober 2008 ab.
Mit Beschwerde beantragt Q.________ sinngemäss, die SUVA sei unter Aufhebung des Einsprache- und des kantonalen Gerichtsentscheides zu verpflichten, ihre Leistungen auch über den 24. April 2008 hinaus zu erbringen.
1.3 Gemäss Art. 99 Abs. 1 BGG sind Noven im letztinstanzlichen Verfahren grundsätzlich unzulässig (vgl. zur Geltung dieses Grundsatzes im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung: BGE 8C_934/2008 E. 3.4). Die Voraussetzungen, unter denen der vom Beschwerdeführer neu eingereichte Arztbericht ausnahmsweise zulässig wäre, sind vorliegend nicht erfüllt, so dass dieser unbeachtet bleiben muss.
- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht ihre Leistungen für die Folgen des Unfalles vom 15. August 2006 per 24. April 2008 eingestellt hat.
Aufgrund des Berichts des SUVA-Arztes Dr. med. E.________, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 22. November 2007 liegt zu Recht ausser Streit, dass die vom Beschwerdeführer subjektiv geklagten Beschwerden mindestens teilweise natürlich kausal durch das Unfallereignis vom 15. August 2006 verursacht sind. Vorinstanz und Verwaltung gingen davon aus, dass das gesamte geklagte Beschwerdebild sich nicht mehr durch organisch hinreichend objektivierbare Befund erklären lassen und dass die Adäquanz des Kausalzusammenhang - trotz diagnostizierter Commotio cerebri - nach den Kriterien, die für psychische Unfallschäden entwickelt wurden (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140), zu prüfen ist. Ob aufgrund der diagnostizierten Commotio cerebri die Adäquanz nicht nach den in BGE 134 V 109 E. 10.3 S. 130 aufgestellten Kriterien zu prüfen wäre, kann offenbleiben, da - wie nachstehende Ausführungen zeigen - die Adäquanz des Kausalzusammenhanges auch nach dieser für den Versicherten günstigeren Rechtsprechung zu verneinen ist.
5.1 Die Schwere des Unfalles ist aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07 E. 5.3.1). Der Versicherte war als Beifahrer in einem Personenwagen auf der Autobahn A1 bei Schafisheim in Richtung Zürich unterwegs, als die Lenkerin bei einem Ausweichmanöver die Herrschaft über das Fahrzeug verlor. Der Personenwagen kollidierte zunächst mit der Mittelleitplanke und schnellte anschliessend über beide Fahrbahnen auf den Pannenstreifen. Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, ist nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer bei diesem Ereignis aus dem Fahrzeug geschleudert wurde. Entgegen seinen Vorbringen kann sich der Versicherte die erlittenen Verletzungen, insbesondere auch die Schürfverletzungen und die ausgedehnten Exkolorationen, auch ohne ein solches Herausschleudern zugezogen haben. Aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften hat das kantonale Gericht das Ereignis vom 15. August 2006 zu Recht als mittelschweren Unfällen qualifiziert. Die Adäquanz eines Kausalzusammenhanges wäre somit nur dann zu bejahen, wenn eines der relevanten Adäquanzkriterien in besonders ausgeprägter oder mehrere dieser Kriterien in gehäufter Weise erfüllt wären.
5.2 Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles besteht unverändert weiter (BGE 134 V 109 E. 10.2.1 S. 127; Urteil 8C_402/2007 vom 23. April 2008 E. 5.2.1). Es ist objektiv zu beurteilen und nicht auf Grund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten Person (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207, U 287/97 E. 3b/cc; Urteil U 56/07 vom 25. Januar 2008 E. 6.1). Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann (vgl. Urteil 8C_39/2008 vom 20. November 2008 E. 5.2). Wie die Vorinstanz nachvollziehbar dargelegt hat, kann das Ereignis vom 15. August 2006 objektiv nicht als besonders eindrücklich im Sinne der Rechtsprechung gewertet werten. Das Kriterium ist somit zu verneinen.
5.3 Die Diagnose einer HWS-Distorsion oder einer anderen, adäquanzrechtlich gleich zu behandelnden Verletzung genügt für sich allein nicht zur Bejahung des Kriteriums der Schwere und besonderen Art der erlittenen Verletzung (BGE 134 V 109 E. 10.2.2 S. 127 f.). Eine besondere Schwere der typischen Beschwerden ist vorliegend so wenig auszumachen wie ein relevanter Vorzustand (vgl. dazu Urteil 8C_785/2007 vom 11. Juni 2008 E. 4.4 und 8C_413/2008 vom 5. Januar 2009 E. 6.3.2). Der Beschwerdeführer macht somit zu Recht nicht geltend, dieses Kriterium zu erfüllen.
5.4 Der Versicherte konnte nach dem Unfall vom 15. August 2006 das Spital X.________ bereits am 17. August 2006 wieder verlassen. Vom 8. November bis zum 21. Dezember 2006 hielt er sich stationär in der Rehaklinik Bellikon auf. Die übrigen durchgeführten Therapiemassnahmen waren für den Beschwerdeführer nicht überdurchschnittlich belastend im Sinne der Rechtsprechung; einer fachärztlicherseits für indiziert gehaltenen Psychotherapie wollte sich der Versicherte nicht unterziehen. Das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung ist somit nicht erfüllt.
5.5 Für die Adäquanzfrage von Bedeutung können im Weiteren in der Zeit zwischen Unfall und dem Fallabschluss ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4 S. 128). Die Glaubwürdigkeit der geltend gemachten, erheblichen Beschwerden wurde von keiner medizinischen Fachperson bezweifelt; das Kriterium ist somit als erfüllt zu betrachten.
5.6 Die vom Versicherten erlittenen Frakturen der Rippen und des linken unteren Schambeinastes wurden erst im Januar 2007, mithin rund fünf Monate nach dem Unfall entdeckt. Da jedoch dem Beschwerdeführer auch bei früherer Diagnosestellung keine anderen Behandlungsmassnahmen hätten angeboten werden können, ist nicht davon auszugehen, dass die Verspätung die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat. Das Kriterium der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, liegt somit nicht vor.
5.7 Der Beschwerdeführer, der seit Februar 2007 wieder voll arbeitete, macht zu Recht nicht geltend, das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen sei erfüllt.
5.8 Was schliesslich das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen betrifft, gilt festzustellen, dass selbst wenn ein solcher bejaht werden könnte, es jedenfalls nicht in ausgeprägter Weise gegeben ist.
5.9 Da mithin keines der massgeblichen Kriterien besonders ausgeprägt vorliegt und selbst dann, wenn man zugunsten des Versicherten das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufes und der erheblichen Komplikationen als erfüllt erachten würde, die Kriterien nicht in gehäufter Weise gegeben sind, ist die Adäquanz eines Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfallereignis vom 15. August 2006 und den über den 24. April 2008 hinaus anhaltend geklagten Beschwerden zu verneinen. Damit ist die Leistungseinstellung auf dieses Datum hin nicht zu beanstanden.
Luzern, 11. Mai 2009