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Timestamp: 2017-07-27 03:19:57
Document Index: 96595920

Matched Legal Cases: ['Art. 12', 'Art. 6', 'Art. 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 1', 'Art. 2', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

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Stellungnahme. der Bundesrechtsanwaltskammer
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1 Stellungnahme der Bundesrechtsanwaltskammer zum Referentenentwurf des BMJ eines Gesetzes zur Neuregelung des Rechtsberatungsrechts (Rechtsdienstleistungsgesetz RDG) erarbeitet vom Ausschuss Rechtsberatungsgesetz Rechtsanwalt JR Dr. Manfred Birkenheier, Saarbrücken, Vorsitzender Rechtsanwalt Dr. Bernd Bürglen, Köln Rechtsanwalt und Notar Bernd Häusler, Berlin Rechtsanwalt Dr. Christoph Munz, Dresden Rechtsanwalt Heinz Plötz, Regensburg Rechtsanwalt Dr. Michael Krenzler, Freiburg Rechtsanwalt Frank Johnigk, BRAK, Berlin Ausschuss Gesellschaftsrecht Rechtsanwalt Dr. Peter Baukelmann, Karlsruhe Rechtsanwalt und Notar John Flüh, Berlin Rechtsanwalt Dr. Fritz-Eckhard Kempter, München, Vorsitzender Rechtsanwalt Rolf Koerfer, Düsseldorf Rechtsanwalt Dr. Dietrich Max, Düsseldorf Rechtsanwalt und Notar Wulf Meinecke, Hannover Rechtsanwalt und Notar Dr. Herbert Müffelmann, Bremen Rechtsanwältin Barbara Schwerin, BRAK, Berlin BRAO-Ausschuss Rechtsanwalt Hans-Peter Benckendorff, Frankfurt Rechtsanwalt und Notar Dr. Henning Hübner, Bremerhaven, Vorsitzender Rechtsanwalt Dr. Albert Hägele, Kempten Rechtsanwalt und Notar Jan J. Kramer, Oldenburg Rechtsanwalt Klaus Steffen, Krefeld Rechtsanwalt Otmar Kury, Hamburg Rechtsanwalt Dr. Peter Krumbiegel, Köln Rechtsanwalt Christian Dahns, BRAK, Berlin Juni 2005 BRAK-Stellungnahme-Nr. 16/20052 2 Verteiler: Bundesministerium der Justiz Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages Arbeitskreise Recht der Bundestagsfraktionen Landesjustizminister/Justizsenatoren der Länder Bundesnotarkammer Deutscher Notarverein Bundessteuerberaterkammer Deutscher Steuerberaterverband Wirtschaftsprüferkammer Deutscher Anwaltverein Bundesverband der Freien Berufe Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft Bundesverband Verbraucherzentralen Patentanwaltskammer3 3 Eckpunkte der Bundesrechtsanwaltskammer zum Referentenentwurf eines Rechtsdienstleistungsgesetzes 1. Die BRAK begrüßt das Bekenntnis des Referentenentwurfs zum Schutz der Bürger, des Rechtsverkehrs und der Rechtsordnung vor unqualifizierter Rechtsberatung und Rechtsbesorgung ( 1 Abs. 1 S. 2 RDG-E). Dies impliziert jedoch, dass zum Schutzbereich des Gesetzes auch der Erhalt einer leistungsfähigen Anwaltschaft gehört. Eine entsprechende Klarstellung im Gesetzestext erscheint daher geboten. Die BRAK bedauert, dass mehrere Regelungen des Referentenentwurfs dem in 1 Abs. 1 S. 2 formulierten Zweck des Gesetzes nicht gerecht werden.. 2. Begrüßt wird, dass der Referentenentwurf für die Rechtsdienstleistung an der Konzeption des Verbots mit Erlaubnisvorbehalt festhält. 3. Die Definition der Rechtsdienstleistung in 2 Abs. 1 RDG-E widerspricht dem Schutzzweck des Gesetzes, weil sie ohne rechtfertigenden Grund und damit zum Schaden des Rechtsuchenden zwischen einfacher Rechtsanwendung und substantieller Rechtsprüfung unterscheiden will. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch die Einführung zweier in vielen Fällen gegenläufiger Tatbestandsmerkmale, nämlich die Verkehrsanschauung einerseits und die erkennbare Erwartung des Rechtsuchenden andererseits, von deren Vorliegen das Erfordernis einer vertieften Prüfung der Rechtslage abhängig sein soll. Für den Begriff der Rechtsdienstleistung sollte daher auf die reich entwickelte und bewährte Rechtsprechung zurückgegriffen werden, wonach eine Dienstleistung dann als Rechtsdienstleistung zu qualifizieren ist, wenn sie in ihrem Kern und ihrem Schwerpunkt nach eine rechtliche Beurteilung einer konkreten fremden Angelegenheit zum Gegenstand hat oder Rechtsverhältnisse gestaltet. 4. Die Mediation soll nach der in Ziff. 3 vorgeschlagenen Definition der Rechtsdienstleistung nicht als solche zu qualifizieren sein, wenn ihr Schwerpunkt nicht in der rechtlichen Beurteilung der streitigen Fragen liegt und auf eine rechtliche Gestaltung verzichtet wird. Die Fixierung einer Abschlussvereinbarung jedermann erlauben zu wollen, der Mediation oder eine vergleichbare Streitbeilegung anbietet ( 2 Abs. 3 Nr. 3) hieße jedoch den Schutz der Beteiligten vor unqualifiziertem Rechtsrat aufzugeben und der Scharlatanerie Tür und Tor zu öffnen RDG ist unvollständig und missverständlich formuliert. Klarzustellen ist, dass eine Rechtsdienstleistung auch dann nicht erbracht werden darf, wenn ihre4 4 ordnungsgemäße Erfüllung durch eine parallel laufende weitere Leistungspflicht gefährdet wird. 6. Die erlaubte Rechtsdienstleistung als Nebenleistung ( 5 Abs. 1 RDG) ist erheblich zu weit gefasst. Denn sie erlaubt jedermann ohne jede Einschränkung die Erbringung von Rechtsdienstleistungen, wenn es sich dabei im Verhältnis zu seiner Hauptleistung nur um eine Nebenleistung handelt. Die damit beabsichtigte Ausdehnung erlaubter Rechtsdienstleistung bringt in Verbindung mit der vorgesehenen engen Definition der Rechtsdienstleistung in 2 Abs. 1 nicht nur einen weiteren massiven Abbau des Verbraucherschutzes mit sich, sondern ist entgegen der Begründung (S. 75 u. 76) auch keineswegs von Verfassungs wegen geboten. Die in der verfassungsrechtlichen Rechtsprechung geforderte Abwägung zwischen der aus Gründen der Berufsfreiheit erlaubnisfreien und der aus Gründen des Verbraucherschutzes erlaubnisbedürftigen Rechtsdienstleistung findet nämlich bereits in der in Ziff. 3 erörterten Definition der Rechtsdienstleistung ihren Niederschlag und kann deshalb weder zur Rechtfertigung einer noch weitergehenden Erlaubnisfreiheit von Rechtsdienstleistungen noch zur Abgrenzung von Haupt- und Nebenleistungen herangezogen werden. Rechtsdienstleistung kann und darf deshalb, wie bisher, als Nebenleistung nur dann erlaubt sein, wenn die nicht rechtsdienstleistende Haupttätigkeit ohne die Nebenrechtsdienstleistung nicht sachgemäß erledigt werden kann. 7. Die Regelung des 5 Abs. 3 i.v.m. 59 a Abs. 4 Satz 2 BRAO, wonach eine Rechtsdienstleistung ohne jede Einschränkung immer dann erlaubt sein soll, wenn sie in Zusammenarbeit mit oder unter Hinzuziehung einer Person erbracht wird, der die entgeltliche Erbringung dieser Rechtsdienstleistung erlaubt ist, macht den Rechtsanwalt zum Erfüllungsgehilfen rein gewerblicher Interessen an der Rechtsbesorgung. Sie enthält damit einen zentralen Angriff auf die freie und unabhängige Anwaltschaft als eine tragende Säule des Rechtsstaats. Gleichzeitig führt sie aber auch zu einer Verschleierung der Verantwortlichkeiten und schwächt damit die Stellung des Verbrauchers gegenüber dem Rechtsdienstleister. Diese Bestimmungen sind deshalb ersatzlos zu streichen. 8. Keine Bedenken bestehen dagegen, dass unentgeltliche Rechtsdienstleistungen innerhalb familiärer, nachbarschaftlicher oder ähnlich enger persönlicher Beziehungen erlaubt sein sollen. Abzulehnen ist jedoch 6 Abs. 2 RDG-E. Die Vorschrift ist dahingehend zu ändern, dass unentgeltliche Rechtsdienstleistungen außerhalb familiärer, nachbarschaftlicher oder ähnlich enger persönlicher Beziehungen nur gemeinnützigen, karitativen oder sozialen Einrichtungen im Rahmen ihrer entsprechenden Tätigkeit erlaubt ist, sofern sie durch Personen mit Befähigung zum Richteramt oder durch Mitglieder einer Rechtsanwaltskammer5 5 erbracht werden, und die Einrichtung über eine angemessene Vermögensschadenhaftpflichtversicherung verfügt. 9. Gegen die Erbringung von Rechtsdienstleistungen durch Berufs- und Interessenvereinigungen ( 7 RDG) bestehen insoweit Bedenken, als das Gesetz keine Bedingungen an die Dauer und Größe einer solchen Vereinigung normiert. Es muss klargestellt werden, dass allgemeine Rechtsberatung kein Satzungszweck einer solchen Vereinigung sein kann. 10. Der Referentenentwurf sieht in Art. 12 die Aufnahme des RDG in den Katalog des 2 Abs. 2 des Unterlassungsklagengesetzes und damit den Abbau eines effizienten präventiven Verbraucherschutzes zugunsten eines nur repressiven Verbraucherschutzes vor. Dies würde bedeuten, dass verbraucherschutzwidrige Praktiken im Bereich der Rechtsdienstleistungen nur noch nachträglich auf gerichtlichem Wege bekämpft werden könnten, wenn der Schaden zum Nachteil des Rechtsuchenden bereits eingetreten ist. Die allein verbleibende Möglichkeit, gegen derartige Praktiken im Wege der Unterlassungsklage vorzugehen, kann zur Erhöhung der Belastungen der Justiz führen. Entgegen dem Referentenentwurf kann auf einen Ordnungswidrigkeitentatbestand nicht verzichtet werden a Abs. 4 BRAO-E zieht den Kreis möglicher sozietätsfähiger Berufe über das derzeitige Recht hinaus zu weit. Im Gesetzgebungsverfahren ist nach einer praktikablen Einschränkung des Entwurfs zu suchen, die den Beruf des Rechtsanwalts nicht gefährdet und dem Berufsbild der Anwaltschaft nicht die Konturen nimmt. Der Ausweitung steht insbesondere eine erhebliche Gefährdung von Mandanteninteressen entgegen, da nicht verkammerte Berufe nicht den Sanktionen der 203, 356 StGB unterliegen Abs. 2 Nr. 2 ZPO-E ist zu streichen, weil die angeblich unentgeltliche Prozessvertretung in hohem Maße missbrauchsanfällig ist und häufig außerhalb der anerkannten karitativen Organisationen in Wahrheit nicht vorliegt. Auch 79 Abs. 2 Nr. 3 ZPO-E ist zu streichen, weil für eine gerichtliche Tätigkeit von Verbraucherzentralen und anderen mit öffentlichen Mitteln geförderten Verbraucherverbänden kein Bedarf besteht und das Kriterium der Erforderlichkeit im Interesse des Verbraucherschutzes nicht justiziabel ist. Entsprechendes gilt für die beabsichtigten Änderungen des Arbeitsgerichtsgesetzes, der Verwaltungsgerichtsordnung, des Sozialgerichtsgesetzes und der Finanzgerichtsordnung. 13. Die Vertretungsbefugnis von Inkassounternehmen im Mahnverfahren und in Zwangsvollstreckungsverfahren (Art. 6 / 79 Abs. 2 Nr. 4 ZPO) ist zu streichen. Die6 6 Begründung, dies führe zu einer preiswerteren Rechtsdurchsetzung für Gläubiger und Schuldner, geht fehl, weil nach verbreiteter Ansicht die Inkassokosten nicht durch die Höchstvergütung nach RVG begrenzt sind, sondern darüber hinaus gehen können, und weil im Falle der Einlegung des Widerspruchs gegen einen Mahnbescheid oder des Einspruchs gegen einen Vollstreckungsbescheid auch nach dem Referentenentwurf ein Rechtsanwalt einzuschalten ist, so dass dem Auftraggeber zusätzliche Kosten entstehen. Die Tätigkeit von Inkassounternehmen im Mahnverfahren führt also für Gläubiger und Schuldner zu höheren Kosten als die Einschaltung eines Rechtsanwalts.7 7 A. Allgemeines 1. Die Situation auf dem Rechtsberatungsmarkt Viele der auf den Rechtsberatungsmarkt drängenden Personen oder Berufe sehen nicht ein, dass Rechtsberatung und Rechtsbesorgung ein juristisches Studium mit erstem Staatsexamen sowie ein Referendariat mit zweitem Staatsexamen und anschließender Anwaltszulassung voraussetzen soll. Lesen, denken, reden, schreiben und verhandeln kann jeder. Die Juristen schreiben dickleibige Kommentare, in denen man vermeintlich als Laie alles Relevante finden, nachlesen und anwenden kann. Im Gegensatz zu Naturwissenschaften und Medizin ist das Recht als Sprachwissenschaft vermeintlich jedermann erschließbar. Diese Einschätzung herrscht auch in Teilen des rechtsuchenden Publikums vor. Im Unterschied zur Heilbehandlung wird ein Qualitätsgefälle zwischen den zur Rechtsberatung ausgebildeten Anwälten und den nicht dafür ausgebildeten Beratern nicht immer sofort spürbar. Die Folgen einer unsachgemäßen Blinddarmoperation durch einen Klempner teilen sich dem Patienten sofort durch körperliche Reaktionen wie Schmerz mit. Die Folgen falscher Rechtsberatung hingegen werden meist erst später erkennbar, wenn sich der Schaden realisiert. Diese Gegebenheiten verleiten zu dem Trugschluss, dass Rechtsberatung und Rechtsbesorgung auch ohne ein wissenschaftliches Studium und Referendariat geleistet werden könne. 2. Richtig ist der Zweck des Gesetzes, die Bürger, den Rechtsverkehr und die Rechtsordnung vor unqualifizierter Rechtsberatung und Rechtsbesorgung zu schützen ( 1 Abs. 1 Satz 2 RDG). Diese schon vom geltenden Rechtsberatungsgesetz verfolgten Ziele dienen nicht nur der Verwirklichung des Rechtsstaates, sondern sind für ihn von schlechthin konstitutiver Bedeutung und deshalb unverzichtbar. Das Bundesverfassungsgericht hat das geltende Rechtsberatungsgesetz gerade auch aus diesen Gründen in ständiger Rechtsprechung für verfassungsgemäß erklärt. Kein Rechtsstaat, kein garantierter Zugang zum Recht für die Bürger ist denkbar ohne den mit Rechten und Pflichten ausgestatteten Anwalt als Sachwalter des Mandanten und als Gegenspieler von Gericht, Staatsanwaltschaft und anderen staatlichen Einrichtungen (Jaeger, NJW 2004, 1(7)). Zu den Gemeinwohlbelangen im Zusammenhang mit einer geordneten Rechtspflege zählt bei der Abgrenzung spezialisierter Berufe und der ihnen vorbehaltenen Aufgaben auch der Erhalt einer leistungsfähigen Berufsgruppe (BVerfGE 97, 12, 31). Denn der Anwaltschaft werden im Allgemeininteresse soziale Berufspflichten in Einengung ihrer wirtschaftlichen Betätigungsfreiheit auferlegt, so8 8 z.b. die Pflicht zur Übernahme der Prozessvertretung ( 48 BRAO), die Pflicht zur Übernahme einer Pflichtverteidigung ( 49 BRAO) und die Pflicht zur Übernahme der Beratungshilfe ( 49a BRAO). Allen diesen Pflichten ist gemeinsam, dass die Rechtsanwältin oder der Rechtsanwalt auch solche Beratungen und Vertretungen übernehmen müssen, die vergütungsmäßig wenig attraktiv sind und die Erhaltung eines Kanzleibetriebs mit Angestellten allein aufgrund der Übernahme solcher Pflichtvertretungen nicht ermöglichen. Der Schutz des Rechtsuchenden wäre jedoch unvollständig, wenn damit nur auf den Gesichtspunkt der fachlich-beruflichen Qualifikation abgestellt würde. Der Rechtsuchende muss auch vor nicht unabhängiger und nicht ausschließlich an seinen legitimen Interessen orientierter Rechtsberatung und Rechtsbesorgung geschützt werden. Nur in Ansätzen ist dieser Schutzzweck auch richtigerweise in 4 RDG-E verankert worden. Er muss aber auch in die Schutzzweckdefinition aufgenommen werden. 3. An einem Verbot mit Erlaubnisvorbehalt wird festgehalten. Die völlige Freigabe der Rechtsbesorgung, also das Recht jeder natürlichen oder juristischen Person zur Rechtsbesorgung ohne Rücksicht insbesondere auf ihre Qualifikation würde ganz offensichtlich alle genannten Ziele verfehlen. Erreicht werden können diese Ziele vielmehr nur durch gesetzgeberische Vorgaben insbesondere hinsichtlich der Qualifikation der Anbieter von Rechtsbesorgung und des zulässigen Bereichs ihrer Tätigkeit. In der Folge davon bedarf es dann aber auch der Regeln zur Einhaltung und Überwachung dieser Vorgaben. Dabei müssen die verfassungs- und europarechtlichen Grenzen beachtet werden, die eine Überprüfung jeder Norm unter den Gesichtspunkten der Erforderlichkeit, Geeignetheit und Verhältnismäßigkeit gebieten. Unentgeltlichkeit von Rechtsberatung als solche ist ohne jede Bedeutung für den Schutz der Rechtsuchenden. Sie gewährleistet diesen Schutz in keiner Weise, weil sie kein Kriterium des Verbraucherschutzes darstellt. Wer Rechtsbesorgung ohne Erlaubnis freigibt, nur weil sie unentgeltlich angeboten und ausgeübt wird, verringert den Verbraucherschutz. Daran ändert sich auch nichts dadurch, dass der Rechtsuchende angeblich wisse, dass er bei einer unentgeltlichen Rechtsbesorgung nicht dieselbe Qualität erwarten könne wie bei einem entgeltlich tätig werdenden Rechtsanwalt. Denn der Kostengesichtspunkt wird in den meisten Fällen trotz dieses angeblichen Wissens davon abhalten, zusätzlich zu dem unentgeltlichen Rechtsrat noch anwaltlichen Rat einzuholen. Im übrigen wäre auch die Entstehung einer nicht kontrollierbaren Grauzone zu befürchten. Ob die Rechtsbesorgung wirklich unentgeltlich erbracht wird, wäre kaum nachprüfbar. Bei Wirtschaftsunternehmen könnte der Preis für vorgeblich unentgeltliche Rechtsberatung überdies ohne weiteres in anderen Produkten versteckt werden, z.b. in Provisionen für Geldanlageprodukte.9 9 Nur im Familien- und Bekanntenkreis kann im Einzelfall die unentgeltliche Rechtsbesorgung akzeptiert werden, wenn und weil sie nicht geschäftsmäßig vorgenommen wird. Anders als bei unentgeltlicher Rechtsbesorgung durch außenstehende Dritte steht hier eine gesellschaftlich-soziale Verpflichtung zur Hilfe im Vordergrund, die beim Empfänger von Rechtsrat kaum den Eindruck einer verbindlichen Rechtsauskunft entstehen lässt. 4. Richtig ist, dass im Interesse der Qualität von Rechtsdienstleistungen keine weiteren Beraterberufe unterhalb der Anwaltschaft eingeführt werden. Die Bindung zulässiger Rechtsbesorgung an die juristische Qualifikation als Volljurist im herkömmlichen Sinne könnte zwar den Schutz der Rechtsuchenden vor unqualifizierter, nicht aber auch vor unzuverlässiger Rechtsbesorgung bewirken. Denn den Schutz vor unzuverlässiger Rechtsbesorgung bewirken nur die gesetzlich festgeschriebenen Kardinalpflichten eines Rechtsanwalts, nämlich - seine Unabhängigkeit, - seine Verschwiegenheitspflicht und - das Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen. Gerade diese Kardinalpflichten sind es, die die besondere Qualität des von einem Rechtsanwalt erteilten Rechtsrates im Vergleich zum Rat eines Volljuristen z.b. einer Bank oder einer Versicherung ausmachen. Eine derartige interessengeleitete Rechtsbesorgung muss deshalb auch in Zukunft ausgeschlossen bleiben. Bei Juristen, die nicht über eine umfassende juristische Ausbildung wie ein Volljurist verfügen wie z.b. den Diplom-Wirtschaftsjuristen (FH) kommt die Gefahr eines nicht ausreichend qualifizierten Rechtsrates hinzu. Es gibt keine einheitliche Ausbildung zum Diplom-Wirtschaftsjuristen an der Fachhochschule, weil jede Fachhochschule eigene Ausbildungsschwerpunkte hat. Es müsste also für jeden Fachhochschuljuristen festgelegt werden, auf welchem Gebiet er selbständig fremde Rechtsangelegenheit besorgen dürfte. Angesichts der nur wenigen eine selbständige Tätigkeit anstrebenden Fachhochschuljuristen wäre die Unsicherheit des rechtsuchenden Publikums über die Qualifikation des Fachhochschuljuristen größer als ein etwaiger Nutzen für den Fachhochschuljuristen. Wenn diesen Juristen der Rechtsbesorgungsmarkt geöffnet werden soll, so kann dies nur in der Weise geschehen, dass sie im Wege eines Ergänzungsstudiums und einer anschließenden Referendarausbildung die Qualifikation eines Rechtsanwalts erlangen. Nach vielen vergeblichen Anläufen ist erst 2003 die Juristenausbildung reformiert worden und auf eine stärkere Berücksichtigung der Tätigkeit als Rechtsanwalt ausgerichtet worden. Es ist nicht sinnvoll, diese Reformbemühungen durch Zulassung eines weiteren, kleinen und nicht hinreichend konturierten Beraterberufs zu konterkarieren.10 10 5. Weitere Ziele eines Rechtsberatungsgesetzes Dem in 1 Abs. 1 behaupteten Schutzzweck des Gesetzes, u.a. den rechtsuchenden Bürger und Verbraucher sowie den Rechtsverkehr vor unqualifizierter und Schaden zufügender Rechtsberatung und Rechtsbesorgung zu schützen, wird der Referentenentwurf aber nicht gerecht. Außerhalb der Anwaltschaft stehenden und nicht qualifizierten Dienstleistern würde in Zukunft bei ihren Aktivitäten auf dem Gebiet der Rechtsberatung und Rechtsbesorgung folgende äußerst problematische gesetzliche Stufenleiter zur Verfügung gestellt werden: - Die einfache, auch entgeltliche Rechtsberatung wäre überhaupt keine Rechtsdienstleistung i.s.d. 2 Abs. 1 und daher erlaubt, d.h. sie wäre nicht vom RDG erfasst. - Sollte es eine Rechtsdienstleistung i.s.d. 2 Abs. 1 sein, wäre sie als Nebenleistung in erheblichem Umfang auch für nicht juristisch qualifizierte Personen eine erlaubte Rechtsdienstleistung i.s.d. 5 Abs Läge auch keine erlaubte Rechtsdienstnebenleistung mehr vor, könnte der nicht qualifizierte Dienstleister einen Rechtsanwalt als Subunternehmer heranziehen, der nur in seinem Auftrag tätig wird und auf die vollständige und richtige Weitergabe seines Arbeitsergebnisses an den Rechtsdienstleistungskunden keinen Einfluss hat ( 5 Abs. 3). Diese weitgehende Herausnahme von Rechtsberatung und Rechtsbesorgung aus dem Schutzbereich des RDG einerseits und Erlaubnis zur Rechtsdienstleistung zugunsten nicht qualifizierter Personenkreise andererseits baut bereits am Anfang der Rechtsdienstleistungskette den präventiven Verbraucherschutz ab und nimmt es hin, dass unqualifizierte Berater falsche rechtliche Beratung vornehmen, die für den betroffenen Bürger häufig nicht mehr zu korrigierende endgültige Konsequenzen hat, so dass er allenfalls im anschließenden Haftungsprozess einen Schadensausgleich in Geld anstreben kann. Auch der erfolgreiche Haftungsprozess nützt dem rechtsuchenden Bürger und Verbraucher allerdings wenig, wenn etwa bei finanzschwachen Kfz-Werkstätten ohne Haftpflichtversicherung der Schadenersatz nicht beigetrieben werden kann, weil das Geld nicht vorhanden ist oder weil der Betrieb bereits in die Insolvenz gegangen ist. Eine Haftpflichtversicherung zu fordern, wäre illusorisch, weil die Versicherung einer Dienstleistung, für die der Anbieter nicht qualifiziert ist, ein versicherungsmathematisch nicht zu kalkulierendes Risiko darstellt oder nur zu einer letztlich strangulierenden Prämienhöhe möglich wäre. Die Entwicklung im Architektenhaftungsrecht zeigt, dass aus Rechtsberatungsmöglichkeiten Rechtsberatungspflichten werden. Für diese den Architekten qualifikationsfremden Rechtsberatungspflichten besteht jedoch kein Versicherungsschutz durch die Berufshaftpflichtversicherer der Architekten, so dass die Geschädigten zur Realisierung ihrer Ansprüche allein auf die Liquidität des Architekten11 11 hoffen müssen. Unter dem Eindruck der Haftungsanfälligkeit bei qualifikationsfremden Dienstleistungen fordert die Bundesarchitektenkammer deshalb mit Recht gegen den üblichen Trend eine Einschränkung der Annexrechtsberatungsbefugnisse (Stellungnahme vom Dezember 2004). Der Abbau von Verbraucherschutz bei der außergerichtlichen Rechtsberatung und Rechtsbesorgung würde zu einer vermehrten Belastung der Justiz mit Folgeprozessen führen. Jeder außergerichtlich korrekt und qualifiziert gelöste Rechtskonflikt entlastet die Justiz. Fehlerhafte Beratung führt im Gegensatz dazu nahezu zwangsläufig zu justizbelastenden Folgeprozessen, wenn wie es überwiegend der Fall sein würde der Beratungsfehler nicht mehr außergerichtlich korrigiert werden kann, etwa weil Fristen verstrichen oder weitergehende Ansprüche durch Abfindungsvergleiche ausgeschlossen sind. Die Hoffnung, etwaige außergerichtliche Beratungsfehler bei nichtqualifizierten Rechtsdienstleistern werde der rechtsuchende Bürger nicht bemerken, wäre illusorisch und überdies nicht schützenswert. Rechtsberatung durch Rechtschutzversicherer bzw. deren Juristen ist verbraucherfeindlich. Die wirtschaftlichen Interessen des Rechtschutzversicherers und des Rechtschutzversicherten, aber auch des etwaigen Gegners des Rechtschutzversicherten, sind unterschiedlich. Das Interesse des Versicherers ist darauf gerichtet, dass durch die Rechtsverfolgung keine durch ihn zu erstattenden Kosten entstehen. Demgegenüber zielt das Interesse des Versicherungsnehmers darauf ab, grundsätzlich unabhängig von Rechtsverfolgungskosten seine Rechtsansprüche durchzusetzen. Besorgte der Rechtschutzversicherer die Rechtsangelegenheit seines Versicherten, könnte es zu Interessenkonflikten kommen. Es bestünde die Gefahr, dass der Versicherer nicht das Interesse des Versicherten, nämlich den versicherten Anspruch zu realisieren, sondern das eigene wirtschaftliche Interesse verfolgt, nicht mit Rechtsverfolgungskosten belastet zu werden. Der Wettbewerb zwischen den Versicherern, der zur Senkung von Kosten zwingt, und die zunehmend vom Shareholder-Value Gedanken geprägte Geschäftspolitik auch der Versicherer verschärft noch die Konfliktsituation. (Antwort der Bundesregierung zur Zukunft der Rechtsberatung, BT-Drucks. 14/3959, S. 13). Der Versicherungsvertrag verpflichtet den Rechtschutzversicherer auch nicht zur optimalen Rechtsberatung und Rechtsvertretung er verpflichtet ihn nur zur Übernahme der Kosten bei Erfolgsaussicht. Der Rechtsanwalt hingegen ist aus dem Mandatsvertrag zwingend verpflichtet, die Interessen seines Mandanten optimal und kostengünstig zu vertreten. Schlechtberatung und Produktion unnötiger Rechtsverfolgungskosten führen zu Schadensersatzansprüchen, denen der Rechtschutzversicherer nicht ausgesetzt ist. Auch Rechtsbesorgung durch Treuhandverträge ist nicht zu befürworten. Derartige Treuhandverträge beinhalten die nahezu vollständige Rechtsentäußerung des Treugebers zu Gunsten des Treuhänders und würden es ermöglichen, den Treugeber wie sämtliche12 12 Entscheidungssachverhalte belegen durch ein von ihm nicht kontrollierbares Geflecht von Verträgen in den wirtschaftlichen Abgrund zu stürzen. Derartigen Auswüchsen zu begegnen, ist gerade Aufgabe eines Rechtsbesorgungsgesetzes als Verbraucherschutzgesetz. Rechtsanwälte dürfen solche anrüchigen Treuhänderfunktionen denn auch nicht übernehmen, obwohl ihnen die Rechtsmacht dazu gegeben wäre. Ihr Berufsrecht verbietet es, weil die Interessen der Mandanten mit ihren eigenen außeranwaltlichen wirtschaftlichen Interessen kollidieren. Auch die gewerbliche Schuldenregulierung, die eine Vermischung von Kreditvermittlung und Inkasso darstellt, konnte bisher wirksam mit den Mitteln des Rechtsberatungsgesetzes kontrolliert werden. Die gewerbliche Schuldenregulierung stellt regelmäßig ein Ausnutzen von Schwäche und Überschuldung dar. Unter dem Vorwand, die Insolvenz abzuwehren, werden meist belanglose oder eher negativ wirkende Dienstleistungen erbracht, für die aber sofort die Vergütung realisiert wird und so den Schuldner erst recht der Insolvenz näher bringt (BAG NJW 1993, 2701; KG NJW-RR 1995, 631). Der Begriff der Rechtsdienstleistung darf nicht so verengt werden, dass der in Bedrängnis geratene Verbraucher und Kunde des gewerblichen Schuldenregulierers den Schutz des Rechtsdienstleistungsgesetzes verliert. Gleiches gilt für zweifelhafte Inkassofirmen (Inkasso Team Moskau, vgl. Der Spiegel 38/2004, S. 60). Dass die Öffnung der Rechtsbesorgung für andere Volljuristen oder Juristen mit geringerer Qualifikation darüber hinaus zu einer Zerstörung der Funktionsfähigkeit der Anwaltschaft führen würde, sei lediglich der Vollständigkeit halber erwähnt. Auf einen Ordnungswidrigkeitentatbestand sollte nicht verzichtet werden. Die zuständige Behörde hat nur bei Untersagungsverfügungen nach 6 Abs. 3 bzw. 7 Abs. 1 Satz 2 RDG die Möglichkeit, den Verwaltungsakt auf Unterlassung mit Zwangsgeld nach Verwaltungsvollstreckungsgesetzen durchzusetzen. Bei unerlaubter Rechtsdienstleistung trotz Widerrufs der Registrierung stehen der zuständigen Behörde keine Reaktionsmöglichkeiten zur Verfügung. Sie muss auf die Suche nach einem Wettbewerber gehen, der auf eigene Kosten wettbewerbsrechtlich auf Unterlassung klagt. Findet sie keinen etwa weil der Verletzer sich in Vermögensverfall befindet und eine prozessuale Kostenerstattung nicht zu erwarten ist -, so kann der Verletzer ungehindert weiter unerlaubt rechtsdienstleistend tätig bleiben, ohne dass es eine Reaktionsmöglichkeit der zuständigen Behörde gibt. Das widerspricht dem Verbraucherschutz, weshalb ein Bußgeldtatbestand nach wie vor erforderlich ist. Auf eine Vorschrift über die Praxisabwicklung wie im geltenden Art. 1 1a RBerG sollte das Rechtsdienstleistungsgesetz nicht verzichten. B. Zu den einzelnen Vorschriften13 13 1 Anwendungsbereich und Ziel des Gesetzes 1 Abs. 1 Satz 1 RDG beschränkt den Anwendungsbereich des Gesetzes auf den außergerichtlichen Bereich. Das ist zu begrüßen. Die Vertretungsbefugnis vor Gericht gehört in die Verfahrensordnungen und sollte nicht im RDG geregelt werden. In den Anwendungsbereich des RDG fällt auch die Vertretung von Personen in Verfahren vor Behörden, soweit nicht verfahrensrechtliche Sonderregelungen bestehen. Zum Schutz des Rechtsverkehrs vor unqualifizierten Rechtsberatern und zum Schutz einer effektiven und reibungslosen Verwaltungstätigkeit ist allerdings zu überlegen, ob nicht für komplexe und rechtlich schwierige Verwaltungsverfahren die Vertretungsbefugnis vor Behörden eingeschränkt werden muss. Es besteht auch kein zwingender Anlass, den im Gesetz zahlreich aufgeführten Leistungserbringern auch die Befugnis zum Tätigwerden in Widerspruchs- oder sonstigen Beschwerdeverfahren zu gewähren, da dort in aller Regel schwierigere juristische Probleme auftauchen und dieses Tätigkeitsfeld den Angehörigen eines echten rechtsberatenden Berufes vorbehalten bleiben sollte. Damit wäre etwa Hilfestellung bei einer Antragstellung vor einer Behörde mit umfasst, nicht aber Rechtsdienstleistungen nach Antragsablehnung im Widerspruchsverfahren. Im Interesse eines effizienten und reibungslosen Verwaltungshandelns wäre es nicht, wenn ein Vertreter ohne Kenntnisse im Verwaltungsverfahrensrecht aufträte und damit nicht auf gleicher Augenhöhe mit der Behörde verhandeln könnte. 1 Abs. 1 Satz 2 RDG enthält eine Schutzzweckdefinition entsprechend dem Vorbild von 1 UWG n.f. Zu Recht wird dabei auf alle Rechtsuchenden und nicht nur auf Verbraucher i.s.d. 13 BGB abgestellt. Zu den Gemeinwohlbelangen einer geordneten Rechtspflege zählt auch der Erhalt einer leistungsfähigen Berufsgruppe (BVerfGE 97, 12, 31). Deshalb sollte 1 Abs.1 Satz 2 RDG am Ende um folgende Worte erweitert werden:... und den Erhalt einer leistungsfähigen Rechtsanwaltschaft sicherzustellen. 1 Abs. 2 RDG enthält den Grundsatz der Subsidiarität, wonach das RDG als lex generalis hinter spezialgesetzliche Vorschriften über anderweitig geregelte Rechtsdienstleistungsbefugnisse zurücktritt. Das ist im Grundsatz zu begrüßen. In 1 fehlt allerdings der allgemeine Hinweis auf die bedeutsame, durch ihre Stellung in der Rechtspflege vorgegebene Rolle der Rechtsanwaltschaft in der außergerichtlichen Rechtsberatung und besorgung. Der Umstand, dass auch zukünftig diese für den Rechtsstaat unverzichtbare Dienstleistungsform unbestritten im ganz überwiegenden Maße von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten erbracht werden wird, sollte seinen Niederschlag im Gesetzestext zum Anwendungsbereich finden. 1 des BRAK-Entwurfes enthält eine solche Klarstellung.14 14 1 Abs. 2 RDG könnte implizieren, dass zukünftig in verschiedenen Spezialgesetzen weitere Rechtsdienstleistungsbefugnisse statuiert werden. Abgesehen von wenigen Einzelfällen sollte jedoch grundsätzlich das RDG die außergerichtliche Rechtsdienstleistung jenseits der klassischen Rechtsberaterberufe abschließend regeln. Deshalb erscheint 1 Abs. 3 Satz 1 BRAK-Entwurf vorzugswürdig. 2 Begriff der Rechtsdienstleistung 1. Begriffsdefinition Rechtsdienstleistung soll nach 2 Abs. 1 RefE jede Tätigkeit in konkreten fremden Angelegenheiten sein, die nach der Verkehrsanschauung oder der erkennbaren Erwartung des Rechtsuchenden eine vertiefte Prüfung der Rechtslage unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls erfordert. Nicht mehr jede Tätigkeit, die darauf gerichtet und geeignet ist, konkrete fremde Rechtsangelegenheiten zu verwirklichen oder fremde Rechtsverhältnisse zu gestalten soll anders als unter der Geltung des RBerG und der ständigen Rechtsprechung des BVerfG und des BGH hierzu zukünftig vom Verbot erfasst werden. Erforderlich sei vielmehr dass die Rechtsberatung oder Rechtsbesorgung eine Prüfung der Rechtslage im Sinn eines juristischen Subsumtionsvorgangs voraussetzt. Werden rechtliche Vorgänge ohne individuelle rechtliche Prüfung abgewickelt etwa in allen Fällen des schlichten Vertreterhandels oder ist die rechtliche Beurteilung einer Frage auch für juristische Laien so leicht und eindeutig, dass es einer besonderen (vertieften) juristischen Prüfung nicht bedarf, so liegt keine Rechtsdienstleistung vor. Aufgrund dieser Definition fallen allgemeine Rechtsauskünfte oder rechtsbesorgende Bagatelltätigkeiten sowie jede Rechtsbesorgung, die keine vertiefte rechtliche Prüfung erfordert, von vornherein nicht in den Anwendungsbereich des Verbotsgesetzes. (allgemeine Begründung S. 51/52) Die rechtliche Beurteilung einer Frage erfordert stets die Subsumtion eines Sachverhaltes unter eine Rechtsnorm, mag die Subsumtion im Einzelfall auch einfach sein. Durch das Abstellen auf einen juristischen Subsumtionsvorgang wird für die Abgrenzung einfacher von schwieriger Rechtsberatung nichts gewonnen. Was unter allgemeine Rechtsauskünfte oder rechtsbesorgende Bagatelltätigkeiten zu verstehen sein soll, bleibt für die Begründung der Neuregelung unklar. Allgemeine Rechtsauskünfte sind bereits nach geltendem Recht nicht auf die Verwirklichung oder Gestaltung konkreter fremder Rechtsangelegenheiten gerichtet und zulässig. Die rechtsbesorgende Bagatelltätigkeit bleibt konturenlos: Geht es hier um einfache oder schwierige Rechtsberatung oder hängt die Einordnung als Bagatelle vom Ausmaß der rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen einer etwaigen fehlerhaften15 15 Beratung ab? Die einfache, aber falsche Rechtsauskunft gegenüber dem gekündigten Arbeitnehmer eines 15-Mann-Betriebs, er habe einen Monat Zeit, die Kündigung anzufechten, ist weder eine Bagatelle noch deswegen keine Rechtsbesorgung, weil dieser Rat keine vertiefte rechtliche Prüfung erfordert. Nach dem Referentenentwurf wäre diese individuell-konkrete Falschberatung entweder eine Bagatelle oder aber keine Rechtsbesorgung, da die falsche Beantwortung der Frage keine vertiefte rechtliche Prüfung erfordert. 2. Das Abstellen auf subjektive Empfindungen und Vorstellungen des rechtsuchenden Bürgers Nach der Entwurfsbegründung S. 66 sollen alle Lebensvorgänge aus dem Anwendungsbereich des Gesetzes ausscheiden, die ohne jede rechtliche Prüfung auskommen, weil sie nach Inhalt, Formen und Rechtsfolgen jedermann derart vertraut sind, dass sie nicht als rechtliche Lebensvorgänge empfunden (!) werden. Diese Geschäfte werden nicht dadurch zur Rechtsdienstleistung, dass ein Dritter mit ihrer Durchführung beauftragt wird. Least z.b. jemand ein Kfz, so weiß jeder Jurist, dass dies ein rechtlich komplexer Vorgang ist; gleichwohl empfindet (!) der Leasingnehmer den Vertragsschluss regelmäßig ebenso wenig als rechtlich hervorhebenswerten Vorgang und somit im Kern ebenso als alltäglich wie den Kauf eines Alltagsgegenstands. Der rechtliche Aspekt dieses Vorgangs ist für ihn grundsätzlich nebensächlich. Der Abschluss des Leasingvertrages oder eines ähnlichen auch rechtliche komplexen Geschäfts wird daher nicht deshalb zu einer Rechtsdienstleistung, weil der Leasingnehmer einen Dritten mit dem Abschluss des Geschäfts beauftragt. Im Widerspruch zur Begründung S. 52 soll es zukünftig also nicht danach gehen, was objektiv auch für juristische Laien... leicht und eindeutig ist. Die spezielle Begründung S. 66 stellt vielmehr unzweideutig darauf ab, was der Laie als leicht empfindet. Als leicht empfindet gerade derjenige etwas, der die Probleme nicht erkennt. Der juristische Laie wird die rechtlichen Probleme regelmäßig nicht erkennen. Der Schutzzweck des Gesetzes wird damit unterlaufen: Der Laie soll vor Gefahren bewahrt werden, die in seiner Rechtsunkenntnis begründet sind. Wo es objektiv komplex ist oder wird, braucht er diesen Schutz besonders dann, wenn er diese Gefahren aufgrund seiner rechtlichen Unkenntnis überhaupt nicht wahrnimmt. Der Schutz des rechtsuchenden Bürgers vor unqualifizierter Rechtsdienstleistung kann nicht davon abhängen, ob der rechtsunkundige Laie den rechtlichen Aspekt als nebensächlich empfindet, sondern ob er tatsächlich nebensächlich ist. Das Beispiel des schlichten Vertreterhandelns bei Kfz-Leasingverträgen belegt auch kein Defizit des geltenden Rechts, welches zu beheben wäre. Kfz-Leasingverträge sind vorformulierte und vorgedruckte Standardverträge mit allgemeinen Geschäftsbedingungen,16 16 bei denen allenfalls noch Preis und Laufzeit auszuhandeln sind. Schlichtes Vertreterhandeln (Begründung S. 52) in derartigen Fällen ist bereits nach geltendem Recht zulässig und keine unerlaubte Rechtsbesorgung, weil das Handeln des Vertreters sich auf die Durchführung der Vorgaben des Vertretenen beschränkt. Eine vertiefte Prüfung der Rechtslage soll ausweislich der Begründung S. 66/67 im Regelfall auch nicht bei den sog. Treuhandfällen bei Bauträger- oder sonstigen Anlagemodellen vorliegen, bei denen der BGH in einer Vielzahl von zitierten Entscheidungen die zugrunde liegenden Geschäftsbesorgungsverträge mit Vollmachtserteilung wegen Verstoßes gegen das RBerG für nichtig gehalten hat: Auch hier wird künftig das RDG nur noch eingreifen, wenn der Anleger beim Abschluss des Geschäftsbesorgungsvertrages erkennbar zum Ausdruck bringt, dass er nicht lediglich die Durchführung des Vertrages durch den Treuhänder, sondern eine vertiefte rechtliche Prüfung, Beratung und Betreuung wünscht (Begründung S. 67, dort ohne Hervorhebung). Diese Begründung zeigt entweder Unkenntnis von den zugrunde liegenden Lebenssachverhalten oder aber eine Geringschätzung des Verbraucherschutzes. Die sog. Bauträger- oder Steuersparimmobilienmodelle zeichnen sich dadurch aus, dass der angebliche Treuhänder (Untreue käme der Wirklichkeit näher, vgl. zuletzt BGH NJW-RR 2005, 634) mit dem überwiegend kreditfinanzierten Geld der Anleger (Treugeber) Immobilien baut oder Altbauten saniert, um die Objekte meist Wohneigentum ganz am Ende den Treugebern einzeln zu übereignen. In den zugrunde liegenden Geschäftsbesorgungsverträgen werden dem Treuhänder und Objektinitiator weitreichende Vollmachten zu Lasten der Treugeber eingeräumt. Der Initiator kann zu Lasten der Treugeber häufig für diese die Darlehensverträge zur Objektfinanzierung, Generalübernehmerverträge, Subunternehmerverträge, Baubetreuerverträge und überhaupt Verträge aller Art abschließen, die zur Fertigstellung des Bauobjekts erforderlich sind. Auch Insichgeschäfte des Initiators und Vertreters mit sich selbst sind meist möglich, weil 181 BGB abbedungen wurde. Alle Verträge mit Dritten verpflichten ausschließlich die Treugeber, nicht aber den Treuhänder. Mit dem kreditfinanzierten Geld der Anleger aufgrund der Steuersparversprechungen häufig 80 % des Endkaufpreises begleicht der Treuhänder alle anfallenden Rechnungen, obwohl in vielen Fällen nicht einmal eine grundbuchliche Absicherung der Anleger durch Auflassungsvormerkung vorhanden ist. Der Kreis der Anleger wird meist in Fonds oder Gesellschaften bürgerlichen Rechts organisiert, wobei die Bestimmung der Geschäftsführung wiederum regelmäßig dem Treuhänder eingeräumt ist. Die umfangreichen Vollmachten räumen dem Projektinitiator eine die wirtschaftliche Existenz bedrohende oder vernichtende Rechtsmacht über den Anleger ein. Eine umfassendere Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten als in diesen Fällen ist kaum denkbar, weshalb auch der Einwand, das RBerG werde hier aus Verbraucherschutzgründen zweckwidrig17 17 instrumentalisiert, unzutreffend ist. Der BGH hat deshalb völlig zu Recht diese umfassende Rechtsbesorgungsmacht über Dritte als klassischen Fall unerlaubter Rechtsberatung und unerlaubter Rechtsbesorgung angesehen. Die Vielzahl der Gerichtsentscheidungen zu den bezeichnenderweise auch als Schottimmobilien genannten Fällen zeigt, dass auch der Schutzzweck des RBerG beeinträchtigt war. Die dem vermeintlichen Treuhänder eingeräumte umfassende Rechtsbesorgungsmacht führte häufig im Zusammenwirken mit den Banken zu überteuerten Darlehen. Ein Teil des eingesetzten Anlegerkapitals verschwand in rechtlich nicht angreifbaren Insichgeschäften oder in überzogener Vergütung für Projektsteuerungsgesellschaften, an denen der Treuhänder häufig selbst beteiligt war. Am Ende hat der Anleger eine überteuerte Immobilie erworben, sitzt auf hohen Zins- und Tilgungslasten und kann diese Belastung durch die erzielbaren Mieten nicht decken so er überhaupt die Wohnung vermietet bekommen hat. Mietgarantien sind häufig das Papier nicht wert, weil die unterkapitalisierte Mietgarantie-GmbH ausgewählt wiederum durch den vermeintlichen Treuhänder - in die Insolvenz gegangen ist. Die dem Treuhänder eingeräumte umfassende Rechtsbesorgungsmacht über Dritte wurde zur eigenen Bereicherung ausgenutzt, weil kein Verbot der Wahrnehmung widerstreitender Interessen ihn daran hinderte. Damit ist ein Schutzzweck des RBerG, den rechtsuchenden Bürger vor abhängiger und interessenkollusiver Rechtsbesorgung zu bewahren, beeinträchtigt. Befremdlich mutet es an, dass dieser Schutz nur noch eingreifen soll, wenn der Anleger beim Abschluss des Geschäftsbesorgungsvertrages erkennbar zum Ausdruck bringt, dass er nicht lediglich die Durchführung des Vertrages durch den Treuhänder, sondern eine vertiefte rechtliche Prüfung, Beratung und Betreuung wünscht. Der Schutz des rechtsuchenden Bürgers wird damit in sein Gegenteil verkehrt. Alle Schrottimmobilienanleger haben lediglich die Durchführung des Vertrages durch den Treuhänder gewünscht, weil ihnen das Bauträgermodell als etwas atypischer Immobilienkaufvertrag mit Finanzierungsgemeinschaft, aber letztlich doch als ganz normaler Immobilienerwerb verkauft wurde. Der damit einhergehende vollständige Verlust der rechtlichen wie wirtschaftlichen Freiheit durch Übertragung einer existenzwichtigen Rechtsbesorgung auf nicht unabhängige, nicht dem Interessenkollisionsverbot unterliegende und nicht juristisch qualifizierte Dritte war ihnen gerade nicht bewusst; und beim Aushandeln der sie knebelnden Verträge waren sie naturgemäß nicht dabei. Welcher Rechtsentäußerung sie durch die fremde unerlaubte Rechtsbesorgung zugestimmt haben, erfuhren sie erst nach Beendigung der unerlaubten Rechtsbesorgung, als die ganzen den Vertragsschluss motivierenden Versprechungen und Annahmen sich als Luftblasen herausstellten. Wer aber als juristischer Laie gar nicht erkennt, dass das Bauträgermodell nicht lediglich eine modifizierte Form des Immobilienkaufvertrages ist, sondern dem sog. Treuhänder umfassende18 18 Rechtsbesorgungsmacht mit allen Nachteilen für den Treugeber einräumt, kann auch keine vertiefte rechtliche Prüfung, Beratung und Betreuung wünschen oder einfordern, wie es der Referentenentwurf verlangt. Verbraucherschutz sieht anders aus. Der rechtsuchende Bürger, der aufgrund seiner Rechtsunkenntnis keine rechtlichen Probleme sieht, sieht auch überhaupt keinen Anlass, eine vertiefte rechtliche Prüfung, Beratung und Betreuung zu wünschen. Wieso sollte er darum bitten, wenn er alles als rechtlich unproblematisch empfindet? Die Konzeption des Referentenentwurfes würde dazu führen, dass nur noch der zumindest rudimentär rechtlich vorgebildete Laie in den Genuss des Schutzes des RDG käme, weil nur er aufgrund seiner Vorbildung den Wunsch nach vertiefter rechtlicher Prüfung, Beratung und Betreuung äußern könnte. Der schutzbedürftigste Bürger, also derjenige, der mangels rechtlichen Problembewusstseins keinen Anlass hat, um eine vertiefte Prüfung der Rechtslage, oder um Rechtsberatung und Rechtsbesorgung nachzusuchen, würde vollständig aus dem Schutzbereich des RDG herausfallen und hilflos unqualifizierten Rechtsdienstleistern ausgeliefert sein ein alles andere als überzeugendes Verbraucherschutzkonzept. Das geltende RBerG knüpft deshalb zu Recht den Schutz des rechtsuchenden Bürgers vor unqualifizierter, nicht unabhängiger und nicht interessenkollisionsfreier Rechtsberatung und Rechtsbesorgung an objektive Kriterien, nicht aber an subjektive Erwartungshaltungen an. Die verbraucherfeindlichen Konsequenzen des Referentenentwurfs im Bereich der Bauträgertreuhandmodelle sind Folge des sachwidrigen Abstellens auf die erkennbare subjektive Erwartungshaltung des Rechtsuchenden und der Aufgabe der bewährten Begriffe Rechtsberatung und Rechtsbesorgung, die viel präziser den Schutzbereich zu beschreiben vermögen als die wolkige Formulierung Rechtsdienstleistung. Auch die Geltendmachung einfacher, nicht streitiger Ansprüche, etwa die Abrechnung von Unfallersatzansprüchen durch eine Kfz-Werkstatt oder einen Kfz- Sachverständigen gegenüber der Haftpflichtversicherung des Kunden (gemeint ist wohl die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners) soll künftig, soweit es sich um eine bloße Schadensabrechnung und nicht um eine nach rechtlicher Prüfung erfolgende Geltendmachung möglicherweise (!) streitiger Schadensposition handelt, keine Rechtsdienstleistung darstellen, auch wenn der Dienstleistende nicht nur über die ihm selbst entstandenen Reparaturkosten abrechnet, sondern für den Geschädigten gleichzeitig etwa auch die allgemeine Schadenpauschale geltend macht. Die Grenze von der allgemeinen Dienstleistung zur Rechtsdienstleistung ist stets dort zu ziehen, wo eine vertiefte rechtliche Prüfung erforderlich wird. Dies wird beim Schadensmanagement regelmäßig der Fall sein, sobald die Regulierung von der19 19 Ermittlung von Haftungs- oder Mitverschuldensquoten abhängt oder aus anderen Gründen streitig werden kann. Hier bleibt, weil es sich nicht um im Kern rechtliche Fragen handelt, die Klärung der von einem Kfz-Sachverständigen oder Reparaturunternehmen ermittelten Schadenpositionen möglich, nicht dagegen eine Auseinandersetzung über Fragen, die den Haftungsgrund oder -umfang betreffen. Ist die Schwelle zur Rechtsdienstleistung überschritten, können diese Tätigkeiten nach 5 als Nebenleistung Gegenstand der Regulierungstätigkeit von Kfz- Sachverständigen, Händlern, Werkstätten oder Mietwagenunternehmern nur sein, wenn die Schadenregulierung nicht in den Mittelpunkt der Tätigkeit rückt (Begründung S. 67/68). Die Inhaber von Kfz-Werkstätten sind juristische Laien und werden häufig die rechtlichen Probleme eines Verkehrsunfalls nicht erkennen und deshalb die rechtlichen Möglichkeiten der Geltendmachung eines Anspruchs nicht ausschöpfen. Die Prognose, ob eine Sache streitig werden wird ( können kann sie das immer), erfordert die Ausbildung eines Juristen. Wenn der Referentenentwurf dem juristischen Laien die Gelegenheit gibt, rechtsberatend tätig zu werden, nimmt der Entwurf Gefahren für das rechtsuchende Publikum in Kauf. Die vorgesehene Erlaubnis ist weder vom Gegenstand noch vom Volumen her begrenzt. Die Kfz-Werkstatt darf also auch Personenschäden und Schmerzensgelder einfordern, solange sie nur die Eindruck hat, besondere Schwierigkeiten würden sich schon nicht ergeben. Sieht sie was in streitigen Fragen eine Frage geschickter Einlassung sein wird Probleme voraus, dann darf die Werkstatt es als Nebenleistung nach 5 RDG deklarieren und weiter tätig werden, falls diese nicht gegenüber dem Hauptgeschäft der Kfz-Reparatur vorrangig wird was allerdings in der Praxis kaum trennscharf festgestellt werden könnte und allenfalls vorläge, wenn die Unfallschadensabwicklung irgendwann so zeit- und arbeitsaufwendig wird, dass dem gegenüber die Kfz-Reparatur in den Hintergrund tritt. Nach der Konzeption des Referentenentwurfs ist die einfache Unfallschadenregulierung keine Rechtsdienstleistung. Diese liegt erst vor, wenn die Regulierung von der Ermittlung von Haftungs- oder Mitverschuldensquoten abhängt oder streitige Fragen über Haftungsgrund oder umfang vorliegen diese Rechtsdienstleistung kann die Kfz-Werkstatt dann aber als Rechtsdienstnebenleistung nach 5 Abs. 1 RefE erbringen. Wie dies im schwierigen Verkehrsunfall- und Versicherungsrecht von einer rechtlich nicht qualifizierten Kfz-Werkstatt oder von einem ebenfalls nicht dazu qualifizierten Kfz-Sachverständigen so geleistet werden soll, dass dem Unfallopfer daraus kein Schaden entsteht, bleibt gänzlich offen. Erst wenn die Schadenregulierung in den Mittelpunkt der Tätigkeit des nicht qualifizierten Dienstleisters rückt, soll der Bereich der Rechtsdienstnebenleistungen verlassen werden mit der Folge, dass die Kfz-Werkstatt nicht weiter dilettieren darf. In diesem vorgerückten Stadium sind aber meist schon alle Fehler zum Nachteil des Unfallopfers begangen worden. Anstatt von vornherein eine qualifizierte Unfallschadensabwicklung durch den Anwalt vornehmen zu20 20 lassen, darf der Anwalt jetzt seinerseits als Reparaturbetrieb zu beheben versuchen, was noch zu beheben ist und im Übrigen den Regressprozess durchführen. Kfz-Werkstätten und Sachverständige hätten, da sie aus guten Gründen auch künftig nicht zur gerichtlichen Vertretung befugt sein sollen, ein hohes Eigeninteresse daran, Schäden außergerichtlich komplett abzuwickeln. Dies würde die Gefahr erhöhen, dass sie mangels juristischer Ausbildung nicht erkennen, welche Fallkonstellation vom Routinefall abweicht und weitere Ansprüche des Geschädigten eröffnet. Das sog. Schadensmanagement wirft eine Reihe von Fragen auf, die mit mangelnder Qualifikation und mangelnder Unabhängigkeit der Kfz-Werkstatt zusammenhängen. Verleiht die Werkstatt selbst Mietwagen oder erhält Provisionen für die Vermittlung von Mietwagen, wird sie den Unfallgeschädigten kaum über die Alternative einer Nutzungsausfallentschädigung beraten. Hatte der Geschädigte einen Zweitwagen oder war er Wenigfahrer, bleibt er zumindest teilweise auf seinen Mietwagenkosten sitzen und erleidet finanzielle Einbußen, die er bei Wahl der Nutzungsausfallentschädigung nicht gehabt hätte. Wenn die Werkstatt bei Auffahrunfällen auch den Schmerzensgeldanspruch wegen eines HWS-Schleudertraumas geltend macht und davon ausgeht, dass es sich um ein normales Schleudertrauma handelt, reguliert die Versicherung des auffahrenden Pkw den geltend gemachten Schmerzensgeldanspruch gegen Abgabe einer Vergleichs- und Abfindungserklärung. Treten danach erneut Schmerzen im Nackenbereich auf, die zur Arbeitsunfähigkeit führen, sind aufgrund der Vergleichs- und Abfindungserklärung weiteres Schmerzensgeld oder Verdienstausfallschaden ausgeschlossen. Der Anwalt kennt diese klassische Falle der Abfindungserklärung und belehrt den Mandanten darüber, dass er damit endgültig abgefunden ist, weshalb vor Unterzeichnung unbedingt eine eingehende ärztliche Untersuchung erforderlich ist. Verkehrsunfallrecht ist eine rechtlich schwierige Materie, weshalb nicht ohne Grund der Fachanwalt für Verkehrsrecht und der Fachanwalt für Versicherungsrecht geschaffen wurden. Die Schadensabwicklung durch Kfz-Werkstätten würde in vielen Fällen den Geschädigten unwiderruflich schlechter stellen; der Regressprozess gegen die Werkstatt würde häufig trotz Erfolgs zu keiner Befriedigung führen, da die nicht haftpflichtversicherten Kfz-Werkstätten im Gegensatz zur Haftpflichtversicherung selten so liquide sind, dass sie die teils enormen Regresssummen bezahlen könnten. 3. Konkrete Angelegenheit Unter einer konkreten Angelegenheit will die Entwurfsbegründung Seite 69 folgendes verstehen: Tätigkeiten, die sich an die Allgemeinheit oder einen unbestimmten Personenkreis richten, sind daher auch dann nicht erfasst, wenn die übrigen Mehr anzeigen
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