Source: https://www.juraforum.de/lexikon/invitatio-ad-offerendum
Timestamp: 2018-03-22 21:25:29
Document Index: 379013998

Matched Legal Cases: ['§ 145', '§ 145', '§ 150', '§ 444', '§ 477', 'BGH']

➤invitatio ad offerendum: Definition, Begriff, Erklärung & Beispiel
invitatio ad offerendum - Definition, Begriff, Erklärung und Beispiel
Erklärung zum Begriff invitatio ad offerendum
I. Die ‚invitatio ad offerendum‘
III. Beispiele für eine ‚invitatio ad offerendum'
Bei einer invitatio ad offerendum (Latein: Einladung zur Abgabe eines Angebots) handelt es sich um einen terminus technicus aus dem Zivilrecht. Er bezeichnet eine rechtlich nicht beachtliche Handlung zur Vertragsanbahnung und ist deshalb vom Vertragsantrag i.S.d. §§ 145 ff. BGB zu unterscheiden.
Den Gegensatz bildet die sog. offerta ad incertas personas (Latein: Angebot an unbestimmte Personen), da es sich dabei um ein rechtsverbindliches Angebot handelt, bei dem jedoch die Person des Vertragspartners (noch) nicht bestimmt ist.
Bei einer invitatio ad offerendum fordert der Anbietende seine potentiellen Vertragspartner also dazu auf, ein verbindliches Angebot abzugeben. Gibt aufgrund dieser Einladung ein Vertragspartner ein – seinerseits für ihn verbindliches – Angebot ab (vgl. § 145 BGB), so hat der Anbietende folgende Möglichkeiten:
er nimmt das Angebot an:
Durch diese Annahme wird der Vertrag dann geschlossen.
er lehnt das Angebot ab:
Damit sind die Vertragsbehandlungen (erfolglos) beendet.
er nimmt das Angebot an, jedoch nur unter Erweiterungen, Einschränkungen oder sonstigen Änderungen:
Nach § 150 Absatz 2 BGB gilt diese Annahme jedoch als Ablehnung, verbunden mit einem neuen Antrag, welchen der Vertragspartner wiederum annehmen, ablehnen oder abändern kann.
Aufgrund dessen, dass es sich bei der invitatio ad offerendum lediglich um eine bloße Aufforderung und nicht um ein bindenden Antrag handelt, fehlt beim Anbietenden der sog. Rechtsbindungswille. Dabei handelt es sich um einen der vier (inneren) Elemente [neben Handlungswille, Erklärungswille und Geschäftswille] bei der Abgabe einer Willenserklärung. Diese sind (mit Ausnahme vom Geschäftswillen) zwingend für die Wirksamkeit der Willenserklärung erforderlich.
– Warenangebote im Supermarkt
– Waren- und Leistungsangebote in Werbeprospekten, Plakaten etc.
– Waren- und Leistungsangebote auf Internet-Seiten
[vgl. auch OLG Nürnberg mit Beschluss vom 10.06.2009, Az.: 14 U 622/09]
1. Preisauszeichnungen stimmen mit dem in der Kasse gespeicherten Preis nicht überein
Stimmen Preisauszeichnungen einer Ware, sei es im Supermarkt oder sei es bei einem bestimmten Ausstellungsstück im Schaufenster eines Geschäftes, nicht mit dem in der Kasse gespeicherten Preis überein, so hat der Kunde grundsätzlich den Kassenpreis zu zahlen.
Obwohl Waren- und Leistungsangebote auf Internet-Seiten grundsätzlich eine bloße ‚invitatio ad offerendum‘ darstellen, handelt es sich bei einem e-Bay-Angebot jedoch doch um ein verbindliches Angebot ‚ad incertas personas‘, da die dortigen Verkäufer sich ihre Vertragspartner eben nicht einfach aussuchen können, sondern ihre angebotene Waren an den Höchstbietenden zu verkaufen haben.
Vertrag mit unbekanntem Vertragspartner, keine Meldung -> Wie lange warten? MM_Lucky schrieb am 04.12.2017, 14:59 Uhr:
Hallo,Person A hat über ein Forum etwas zum Verkauf angeboten. Ein unbekannter Nutzer sagt, er möchte es kaufen (öffentlich).Darauf hin ist aber nichts weiter passiert. Kontaktdaten sind keine bekannt. Jetzt die Frage: Wie lange muss gewartet werden, bis Person A den Artikel an jemand anderen verkaufen darf?Person A und Käufer haben... » weiter lesen
Kaufvertrag an der Zapfsäule Super Bleifrei schrieb am 19.12.2016, 09:12 Uhr:
A fährt des Nachts zu einer Tankstelle mit 24 Stunden-Tankautomat. Genau genommen werden an dieser Stelle ausschließlich Kraftstoffe ausschließlich per Automat verkauft, einen persönlichen Service gibt es an diesem Ort nicht.An der wohlbekannten großen Säule werden die Kraftstoffe mit deutlich sichtbarer Preisangabe beworben. Diese... » weiter lesen
Fernabsatzvertrag ja oder nein ecoquest schrieb am 24.02.2015, 15:07 Uhr:
Folgender fiktiver Fall:John Doe kontaktiert über ein Immobilienportal einen Makler und äußert Interesse an einer Immobilie.Der Zugang der Kontaktanfrage wird mittels automatisiert email vom Makler bestätigt.Zu diesem Zeitpunkt erfolgte keine Erfüllung der gesetzlichen Informationspflichten durch den Makler ( weder im Kontaktformular... » weiter lesen
Hilfe bei einem BGB-Fall... ecki183 schrieb am 12.10.2014, 17:42 Uhr:
Hallo zusammen, brauche Eure Hilfe - habe einen BGB-Fall für eine Prüfung und meine ausgearbeitete Antwort. Habe ich was vergessen oder falsch? Stimmen alle oder fehlen Paragraphen??? Bin über jede Antwort dankbar!!! Vielen Dank schon mal...Bearbeitung folgenden Falles:Medienberaterin M vom ReblandNewsBlatt R verschickt am 13.06. eine... » weiter lesen
Invitatio ad offerendum? kmartin schrieb am 31.10.2012, 18:45 Uhr:
K legt eine 0,5 Liter Coca-Cola-Flasche auf den Tresen, die er zuvor aus einem Regal in dem Kiosk entnommen hat. Der kaugummikauende V sagt daraufhin von der anderen Seite: „Das macht einen Euro und fünfzehn Cent“. K legt das Geld passend auf den Tresen und verlässt den Laden aus der Flasche trinkend. Ist der Ausspruch des V nun als... » weiter lesen
Angebot oder invitatio ad offerendum - Bestellschein Maxi00 schrieb am 06.04.2011, 16:48 Uhr:
Hallo, folgender Sachverhalt beschränkt auf das Wesentliche: "L möchte in Namen des A eine Liege kaufen (hat dafür aber nicht die Vertretungsmacht) und begibt sich in ein Geschäft. Dort erklärt sie, dass sie im Namen... das Auslaufmodell der Liege Marke "xy" anschaffen wolle. Der Verkäufer V erwidert, man habe noch ein Exemplar... » weiter lesen
Ware, ohne zu bezahlen? Riggs79 schrieb am 20.07.2010, 16:40 Uhr:
Hallo, mal angenommen, der fromme A geht in den Supermarkt Z. Der A hat seine Geldbörse, samt ausreichend Bargeld, zu Hause vergessen, weiß davon jedoch (noch) nichts. Der A sucht sich jene Artikel im Supermarkt zusammen und legt diese, wie so üblich, in seinen Einkaufswagen. Der A steht an der Kasse, legt die Ware auf das Fließband... » weiter lesen
falsche Preisauszeichnung im Baumarkt Nappo schrieb am 16.01.2008, 19:33 Uhr:
Hallo, Person X möchte in einer großen deutschen Baumarktkette einen Spiegelschrank kaufen. Dieser ist ausgezeichnet mit einem Preis von 158,99 . Es handelt sich um Bestellware. Die Mitarbeiterin macht den Bestellschein fertig. Später bemerkt X, dass auf dem Bestellschein der Preis von 169,99 angegeben ist. X macht die... » weiter lesen
Der Kauf im Internet wird für viele Menschen immer attraktiver. Wertvolle Zeit die bei dem Einkaufsbummel in der Stadt gespart werden kann, kann man für andere Dinge verwenden. Doch wann hat man als Käufer einen wirksamen Vertrag? Und was ist wenn einem die Kaufsache nicht gefällt oder sie einen Mangel hat. Vertragsschluss im Internet Als ein Vertrag versteht man zwei übereinstimmende Willenserklärungen,... » weiter lesen
invitatio ad offerendum Urteile und Entscheidungen
1. Eine mittels automatischer Antwortfunktion (Auto-Reply) erstellte Auftragsbestätigung über im Internet angebotene Waren ist eine vollwertige Willenserklärung des Anbieters. Ob durch sie der Vertrag zustandekommt, hängt von der Auslegung ihres Inhalts ab. 2. Lautet die Erklärung dahin, der Auftrag werde umgehend ausgeführt, so liegt...
» LG-KOELN, 16.04.2003, 9 S 289/02
BGB § 444 Alt. 2 BGB 1. Wer als Händler in einer Internetanzeige die Laufleistung eines Kraftfahrzeugs ohne einschränkenden Zusatz angibt (137.800 km), muss sich daran festhalten lassen, auch wenn diese Zahl im späteren Kaufvertrag nicht mehr auftaucht. 2. Ob in Fällen wie dem vorgenannten von der Übernahme einer...
» OLG-DUESSELDORF, 15.11.2012, I-3 W 228/12
Als Garantieerklärung, die den in § 477 Abs. 1 Satz 1 und 2 BGB bestimmten Erfordernissen entsprechen muss, ist im Falle einer selbständigen Garantie die auf den Abschluss eines Garantievertrags gerichtete Willenserklärung des Unternehmers und bei einer unselbständigen Garantie dessen auf die Modifikation der gesetzlichen...
» BGH, 05.12.2012, I ZR 146/11
Sicherheitsfrage 60 + Z/w.ei =
invitatio ad offerendum – Weitere Begriffe im Umkreis
Bei einer Offerta ad incertas personas richtet sich ein Angebot an einen unbestimmten aber bestimmbaren Personenkreis. Beispiele: Getränkeautomaten Zapfsäule an der Tankstelle Fraglich ist in diesen Fällen, ob bereits ein Angebot und damit eine...
Eine "Einladung zum Angebot" ist der umgangssprachliche Ausdruck zur "Aufforderung zur Abgabe eines Angebots" ("invitatio ad offerendum"). Verwendet wird dieser Begriff im Zivilrecht, wo er eine nichtrechtsgeschäftliche Anbahnung eines Vertrags...
Mit dem Begriff Angebot wird diese Willenserklärung umschrieben, die von einem Geschäftspartner hinsichtlich eines Vertragsschlusses abgegeben wird. Die Willenserklärung, die der Empfänger seinerseits hinsichtlich des Vertragsschlusses abgibt,...
Kaufmännisches Bestätigungschreiben
'qui tacet consentire videtur'. 'Wer schweigt, scheint zuzustimmen'. Ein Rechtsgrundsatz, der das kaufmännische Bestätigungsschreiben (KBS) in Kürze definiert. Es versteht sich als ein Handelsbrauch, der für sich gesetzlich nicht normiert ist....
Beim Erklärungswillen (auch als Erklärungsbewusstsein bekannt) handelt es sich um einen der vier inneren Elemente einer Willenserklärung. Der Begriff umschreibt den Willen – und damit auch das Bewusstsein – des Handelnden, eine...
Der Begriff Freizeichnungsklausel entstammt aus dem Vertragsrecht und ist der Oberbegriff für alle Vertragsbestimmungen (sog. Klauseln), die an eine bestimmte Bedingung geknüpft oder begrenzt sind, in denen der sog. Verwender (der Klausel) die...
I. Die Abgabe einer Willenserklärung Eine Willenserklärung ist eine private Willensäußerung, die auf einen rechtlichen Erfolg gerichtet ist. Sie besteht aus einem inneren und einem äußeren Element, welche beide für ihre Wirksamkeit...