Source: https://www.erneuerbare-waerme-gesetz.de/ewaermeg-evaluation/einleitung/
Timestamp: 2019-07-19 06:28:31
Document Index: 32492347

Matched Legal Cases: ['Art. 72', '§ 3', '§1', '§1', '§ 1', '§3', '§5', '§7', '§5', '§5', '§5', '§5', '§5', '§10', '§ 16', '§ 25', '§22']

Einleitung - Erneuerbare-Wärme-Gesetz
Das EWärmeG Baden Württemberg
2.1.1 Geschichte des EWärmeG
Mit dem EWär­meG ver­ab­schie­de­te das Land Baden-Würt­tem­berg 2007 das in Deutsch­land ers­te Lan­des­ge­setz sei­ner Art. Anfang 2008 trat es mit dem Ziel in Kraft, den Anteil erneu­er­ba­rer Ener­gi­en an der Wär­me­ver­sor­gung zu erhö­hen und durch die infol­ge­des­sen ver­min­der­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen einen Bei­trag zum Kli­ma­schutz und der Luft­rein­hal­tung zu leis­ten. Der Gel­tungs­be­reich erstreck­te sich sowohl auf Neu­bau­ten als auch auf Bestands­ge­bäu­de im Wohn­ge­bäu­de­be­reich. Die Ver­ab­schie­dung des Geset­zes war auf­grund der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz und -zustän­dig­keit mög­lich, die im Bereich der kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bung bei den Län­dern liegt, „solan­ge und soweit der Bun­de nicht von sei­ner Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­keit durch Gesetz Gebrauch gemacht hat“ (Art. 72 Abs. 1 GG).
Aller­dings trat im fol­gen­den Jahr zum 1. Janu­ar 2009 das EEWär­meG des Bun­des in Kraft, in dem eben­falls eine antei­li­ge Nut­zungs­pflicht erneu­er­ba­rer Ener­gi­en bei der Wär­me­er­zeu­gung für Neu­bau­ten und Bestands­ge­bäu­de (beschränkt auf Bestands­ge­bäu­de der öffent­li­chen Hand) vor­ge­schrie­ben wur­de. Hier­durch wur­de das EWär­meG in Baden-Würt­tem­berg für Neu­bau­ten und Bestands­ge­bäu­de der öffent­li­chen Hand durch das EE-Wär­meG abge­löst. Nach § 3 Abs. 4 EEWär­meG kön­nen die Län­der jedoch „für bereits errich­te­te Gebäu­de, die kei­ne öffent­li­chen Gebäu­de [des Bun­des] sind, eine Pflicht zur Nut­zung von Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en fest­le­gen“. Ergo kön­nen die Rege­lun­gen des EWär­meG wei­ter­hin für den Bestands­ge­bäu­de­be­reich ange­wen­det wer­den. 2015 wur­de eine Novel­lie­rung des EWär­meG beschlos­sen, die am 1. Juli 2015 in Kraft trat.
2.1.2 Ziele des EWärmeG im Kontext der Energiepolitik des Landes Baden-Württemberg
Pri­mä­rer Zweck des novel­lier­ten Geset­zes ist es,
„den Ein­satz von erneu­er­ba­ren Ener­gi­en zu Zwe­cken der Wär­me­ver­sor­gung bei Gebäu­den und die effi­zi­en­te Nut­zung der Ener­gie […] zu stei­gern, die hier­für not­wen­di­gen Tech­no­lo­gi­en wei­ter aus­zu­bau­en und dadurch die Nach­hal­tig­keit der Ener­gie­ver­sor­gung im Wär­me­be­reich zu ver­bes­sern“ (§1 EWär­meG).
Damit ver­folgt das Gesetz sowohl einen ener­gie- wie auch einen tech­no­lo­gie­po­li­ti­schen Zweck. Durch den ener­gie­po­li­ti­schen Zweck des Aus­baus von EE-Wär­me soll zugleich kli­ma­po­li­tisch bei­getra­gen wer­den,
„die Gesamt­sum­me der Treib­haus­gas­emis­sio­nen in Baden-Würt­tem­berg im Ver­gleich zu den Gesamt­emis­sio­nen des Jah­res 1990 bis zum Jahr 2020 um min­des­tens 25 Pro­zent und bis zum Jahr 2050 um 90 % zu ver­rin­gern“ (§1 EWär­meG).
Für den Zweck der Eva­lu­ie­rung des Geset­zes ist es auf Basis von § 1 EWär­meG nicht mög­lich, quan­ti­ta­ti­ve Zie­le abzu­lei­ten, da das Gesetz ledig­lich auf „einen Bei­trag“ zum Kli­ma­schutz abstellt, der nicht näher quan­ti­fi­ziert ist. Daher wer­den die Ergeb­nis­se der Eva­lu­ie­rung semi­quan­ti­ta­tiv bezo­gen auf die fol­gen­den Eva­lua­ti­ons­kri­te­ri­en:
Kri­te­ri­um Ope­ra­tio­na­li­sie­rung
1 Stei­ge­rung des Ein­sat­zes von erneu­er­ba­ren Ener­gi­en in der Gebäu­de-Wär­me­ver­sor­gung und effi­zi­en­te Nut­zung Stei­ge­rung des Absat­zes von EE-Wär­me-Tech­no­lo­gi­en und Maß­nah­men der Gebäu­de­ef­fi­zi­enz gegen­über einer Refe­renz­ent­wick­lung
2 Aus­bau von not­wen­di­gen Tech­no­lo­gi­en für Nr. 1 Qua­li­ta­ti­ve Ein­schät­zung auf Basis von Markt­be­ob­ach­tun­gen und -sta­tis­tik
3 Bei­trag zum Kli­ma­schutz in BW Ein­ge­spar­te THG-Emis­sio­nen durch Nr. 1 gegen­über einer Refe­renz­ent­wick­lung
Tabel­le 2–1: Eva­lua­ti­ons­kri­te­ri­en und deren Ope­ra­tio­na­li­sie­rung
2.1.3 Erfüllungsoptionen des EWärmeG
Das EWär­meG schreibt bei einem Hei­zungs­an­la­gen­aus­tausch (oder nach­träg­li­chen Ein­bau) in bestehen­den Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den einen Deckungs­an­teil des Wär­me­en­er­gie­be­darfs von 15 % durch erneu­er­ba­re Ener­gi­en oder ent­spre­chen­de Ersatz­maß­nah­men vor. Der Wär­me­en­er­gie­be­darf wird defi­niert als die „Sum­me der zur Deckung des Wär­me­be­darfs für Hei­zung und Warm­was­ser­be­rei­tung jähr­lich benö­tig­ten Wär­me­men­ge ein­schließ­lich des ther­mi­schen Auf­wands für Über­ga­be, Ver­tei­lung und Spei­che­rung“ (EWär­meG §3 Nr. 4). Die­se Nut­zungs­pflicht des EWär­meG gilt aus­schließ­lich für Gebäu­de, die vor dem 1. Janu­ar 2009 erbaut wur­den. Gebäu­de, die zu einem spä­te­ren Zeit­punkt errich­tet wur­den, gel­ten hin­ge­gen als Neu­bau­ten und fal­len unter das EEWär­meG. Die Nut­zungs­pflicht kann sowohl durch den Ein­satz von durch das Gesetz aner­kann­ten effi­zi­en­ten erneu­er­ba­ren Wär­me­er­zeu­gern als auch durch bau­li­che Wär­me­schutz­maß­nah­men oder Ersatz­maß­nah­men erfüllt wer­den. Zu den erneu­er­ba­ren Ener­gi­en zäh­len die sola­re Strah­lungs­en­er­gie, Geo­ther­mie, Umwelt­wär­me, fes­te, flüs­si­ge und gas­för­mi­ge Bio­mas­se (§5 Abs. 1 EWär­meG). Eine antei­li­ge Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gi­en kann in Sum­me mit wei­te­ren Maß­nah­men zur voll­stän­di­gen Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht füh­ren. Eine Über­sicht der Erfül­lungs­op­tio­nen ist in Tabel­le 2–2 dar­ge­stellt.
Tabel­le 2–2: Über­sicht der Erfül­lungs­op­tio­nen des EWär­meG 2015 für Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­de. Quel­le: Dar­stel­lung Umwelt­mi­nis­te­ri­um
Bei der Nut­zung von Solar­ther­mie zur Warm­was­ser- und Raum­wär­me­er­zeu­gung wird die Aper­tur­flä­che in m² pro m² Wohn­flä­che (Wfl) (bzw. Nutz­flä­che im Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­reich) her­an­ge­zo­gen. Für eine vol­le Erfül­lung der Pflicht für Ein- oder Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser (EZFH) muss die Kol­lek­tor­flä­che 7 m² je 100 m² Wohn­flä­che betra­gen. Für Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser (MFH) beträgt die Min­dest­kol­lek­tor­flä­che 6 m² je 100 m² Wohn­flä­che. Letz­te­res trifft auch für Nicht­wohn­ge­bäu­de zu. Wer­den als effi­zi­en­ter gel­ten­de Vaku­um­röh­ren­kol­lek­to­ren genutzt, ver­min­dert sich die Kol­lek­tor­min­dest­flä­che jeweils um 20 % (§7 EWär­meG). Eine indi­vi­du­el­le Berech­nung des 15 %- Anteil ist immer mög­lich, Pau­scha­len die­nen der Ver­ein­fa­chung.
Unter den Begriff fes­te Bio­mas­se fal­len sowohl Wär­me­er­zeu­ger auf Basis der Ver­bren­nung von Holz mit­tels Holz­zen­tral­hei­zun­gen als auch mit­tels Holz­ein­zel­öfen. An die Tech­nik der Holz­zen­tral­hei­zun­gen wer­den sei­tens des EWär­meG kei­ne Anfor­de­run­gen gestellt. Mit Holz­ein­zel­feue­rungs­an­la­gen kann die Nut­zungs­pflicht dage­gen nur dann erfüllt wer­den, wenn sie zu den als emis­si­ons­arm gel­ten­den Anla­gen gehö­ren, wel­che in §5 Abs. 5 EWär­meG auf­ge­führt wer­den (Kamin­öfen gehö­ren nicht dazu, sie­he Begrün­dung zum EWär­meG). Teil­wei­se wird zusätz­lich ein Min­dest­wir­kungs­grad gefor­dert – bei Pel­let­öfen bei­spiels­wei­se 90 %. In den Öfen dür­fen nur natur­be­las­se­nes stü­cki­ges Holz oder Pel­lets ein­ge­setzt wer­den (§5 Abs. 5 EWär­meG). Mit den Ein­zel­raum­feue­run­gen müs­sen min­des­tens 30 % der Wohn­flä­che über­wie­gend beheizt wer­den, oder der Ofen muss mit einer Was­ser­ta­sche Wär­me an das Zen­tral­hei­zungs­sys­tem abge­ben, um die Nut­zungs­pflicht voll­stän­dig zu erfül­len. Aus­schließ­lich für Wohn­ge­bäu­de ist auch eine Anrech­nung der Erfül­lungs­op­ti­on zu zwei Drit­teln mög­lich, wenn 25 % der Wohn­flä­che über­wie­gend durch die Ein­zel­raum­feue­rung beheizt wer­den (§5 Abs. 5 EWär­meG).
Wär­me­pum­pen nut­zen Umwelt­wär­me und Geo­ther­mie durch den Ein­satz von Strom oder Brenn­stof­fen. Die Nut­zungs­pflicht gilt bei elek­trisch betrie­be­nen Wär­me­pum­pen als erfüllt, wenn die­se eine Jah­res­ar­beits­zahl (JAZ) von min­des­tens 3,5 erreicht. Für brenn­stoff­be­trie­be­ne Wär­me­pum­pen liegt der Grenz­wert bei einer Jah­res­heiz­zahl (JHZ) von 1,2 (§5 Abs. 2 Satz 1 und 2 EWär­meG).
Der antei­li­ge Ein­satz von gas­för­mi­ger Bio­mas­se bei Gas­hei­zun­gen ermög­licht eine Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht von bis zu zwei Drit­teln. Vor­aus­set­zung ist eine ther­mi­sche Leis­tung der Hei­zungs­an­la­ge von weni­ger als 50 kW. Fer­ner muss der Heiz­kes­sel auf der Brenn­wert­tech­nik basie­ren (§5 Abs. 3 EWär­meG). Die Nut­zungs­pflicht kann des­halb nur antei­lig erfüllt wer­den, da im Ver­gleich zu ande­ren Erfül­lungs­op­tio­nen nur unge­nü­gend Treib­haus­ga­se im Sin­ne der Ziel­er­rei­chung des Geset­zes ein­ge­spart wer­den kön­nen (Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg, 2014).
Ähn­li­ches ist bei der Bei­mi­schung von Bio­öl in Ölhei­zun­gen der Fall. Der antei­li­ge Ein­satz flüs­si­ger Bio­mas­se steht hier in Nut­zungs­kon­kur­renz zum Bedarf in ande­ren Sek­to­ren. Das im Ver­gleich zu ande­ren Maß­nah­men nur gerin­ge Ein­spar­po­ten­zi­al für Treib­haus­gas­emis­sio­nen sowie tech­ni­sche Restrik­tio­nen bei der Bei­mi­schung von Bio­öl füh­ren zu einer ledig­lich gering­fü­gi­gen Effi­zi­enz­stei­ge­rung. Folg­lich kön­nen durch den Ein­satz von Bio­öl in Hei­zungs­an­la­gen nur zwei Drit­tel der Nut­zungs­pflicht erfüllt wer­den. Bei Nicht­wohn­ge­bäu­den darf außer­dem die ther­mi­sche Leis­tung der Hei­zung 50 kW nicht über­schrei­ten.
Wird beim Hei­zungs­an­la­gen­aus­tausch auf die Nut­zung von erneu­er­ba­ren Ener­gie­trä­gern ver­zich­tet, kön­nen auch Ener­gie­ein­spar­maß­nah­men durch bau­li­chen Wär­me­schutz zu einer antei­li­gen oder voll­stän­di­gen Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht füh­ren. Bei der Bewer­tung der Erfül­lungs­op­tio­nen die­nen die rele­van­ten Grenz­wer­te der Ener­gie­ein­spar­ver­ord­nung des Jah­res 2014 (EnEV 2014) als Bezugs­grö­ße. Zu den bau­li­chen Wär­me­schutz­maß­nah­men zählt die voll­stän­di­ge Däm­mung der Außen­wän­de bzw. der Kel­ler­de­cken­räu­me (Wär­me­durch­gangs­ko­ef­fi­zi­ent 20 % unter EnEV 2014), oder eine Redu­zie­rung des Trans­mis­si­ons­wär­me­ver­lusts HT‘ durch eine Kom­bi­na­ti­on geeig­ne­ter Maß­nah­men auf ein Niveau, das in Abhän­gig­keit des Gebäu­de­al­ters und mit Bezug auf die EnEV 2014 bestimmt wird. Wer­den bei Kel­ler­de­cken oder Dach­flä­chen bzw. der obers­ten Geschoss­de­cke Dämm­maß­nah­men durch­ge­führt, wird zudem die Anzahl an Voll­ge­schos­sen (VG) des Gebäu­des für die Ermitt­lung des Erfül­lungs­grads berück­sich­tigt. Für Nicht­wohn­ge­bäu­de exis­tiert fer­ner die Opti­on, den Wär­me­en­er­gie­be­darf (WEB) durch geeig­ne­te Maß­nah­men um 15 % im Ver­gleich zum Bedarf bei Ent­ste­hung der Pflicht zu sen­ken. Wur­den in der Ver­gan­gen­heit bereits aus­rei­chen­de Dämm­maß­nah­men durch­ge­führt, genü­gen die­se für die Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht (Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg, 2014).
Zusätz­lich ist die Nut­zungs­pflicht auch durch Ersatz­maß­nah­men erfüll­bar. Wird der Wär­me­en­er­gie­be­darf ganz oder teil­wei­se mit­tels Kraft-Wär­me-Kopp­lung (KWK) von einer Anla­ge mit einer elek­tri­schen Nenn­leis­tung von bis zu 20 kW gedeckt, gilt die Nut­zungs­pflicht als voll­stän­dig erfüllt, wenn ein Gesamt­wir­kungs­grad von min­des­tens 80 % erreicht und pro Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che wenigs­tens 15 kWh elek­tri­sche Net­to­ar­beit im Jahr erzeugt wer­den. Bei KWK-Anla­gen mit einer elek­tri­schen Nenn­leis­tung über 20 kW und einem Wir­kungs­grad von min­des­tens 80 % wird hin­ge­gen kei­ne spe­zi­fi­sche Net­to­ar­beit vor­ge­schrie­ben. Das Umwelt­mi­nis­te­ri­um BW begrün­det die voll­stän­di­ge Erfüll­bar­keit durch KWK mit der beson­ders effi­zi­en­ten Nut­zung von Brenn­stoff und der damit ein­her­ge­hen­den Treib­haus­gas­min­de­rung (Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg, 2014). Fer­ner gilt nach §10 EWär­meG der Anschluss an ein Wär­me­netz mit einem Anteil der ver­teil­ten Wär­me von 50 % aus hoch­ef­fi­zi­en­ter KWK bzw. Abwär­me oder einem Min­dest­an­teil von 15 % aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en als Ersatz­maß­nah­me, die zur voll­stän­di­gen Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht führt. Auch eine Kom­bi­na­ti­on aus den drei genann­ten Wär­me­quel­len ist mög­lich. Der Ein­satz von Pho­to­vol­ta­ik­mo­du­len mit einer Nenn­leis­tung von 0,02 kWp pro Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che, die Imple­men­tie­rung eines Wär­me­rück­ge­win­nungs­sys­tems in Lüf­tungs­an­la­gen sowie die Abwär­me­nut­zung zäh­len eben­so zu den Erfül­lungs­op­tio­nen wie die Erstel­lung eines Sanie­rungs­fahr­plans. Letz­te­rer soll haupt­säch­lich als Infor­ma­ti­ons-, Moti­va­tions- und Bera­tungs­in­stru­ment die­nen (Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg, 2014). Für Nicht­wohn­ge­bäu­de ist bei der Erstel­lung eines ener­ge­ti­schen Sanie­rungs­fahr­plans zudem auch die Lüf­tung, Küh­lung, Kli­ma­ti­sie­rung und Beleuch­tung zu berück­sich­ti­gen (§ 16 Abs. 2 EWär­meG).
Die Rege­lun­gen des EWär­meG, aber auch flan­kie­ren­de Akti­vi­tä­ten, wie die Schu­lung von Ener­gie­be­ra­tern, die Infor­ma­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten der Bera­tungs­stel­len (z. B. Zukunft Alt­bau, regio­na­le Ener­gie­agen­tu­ren), die För­der­pro­gram­me des Lan­des und natür­lich Maß­nah­men auf Bun­des­ebe­ne wir­ken auf die Ent­wick­lung des Baden-Würt­tem­ber­gi­schen Wär­me­mark­tes ein. Dabei wür­de es zu kurz grei­fen, allein die ord­nungs­recht­lich ver­an­ker­te Pflicht in den Blick zu neh­men. Viel­mehr gibt es auch durch ande­re direk­te und indi­rek­te Wirk­me­cha­nis­men Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se.
Die­se Wir­kun­gen gilt es in einer Eva­lua­ti­on zu erfas­sen, zu bemes­sen, auf ihre Ursa­chen zurück­zu­füh­ren und dar­aus ein Ver­ständ­nis für die Wirk­wei­se des EWär­meG und des Sanie­rungs­fahr­plans zu erar­bei­ten. Dazu müs­sen einer­seits empi­ri­sche Daten aus Sta­tis­ti­ken, Befra­gun­gen, qua­li­ta­ti­ven Inter­views und wei­te­ren Infor­ma­ti­ons­quel­len erho­ben wer­den und ande­rer­seits modell­ge­stütz­te Ana­ly­sen durch­ge­führt wer­den.
For­mal lie­fert die­ses Vor­ha­ben zudem die wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­gen und Ana­ly­sen für die Erstel­lung des Erfah­rungs­be­richts nach § 25 Abs. 2 EWär­meG, der zum 31.12.2018 dem Land­tag vor­zu­le­gen ist und in dem „über den Stand der Umset­zung des Geset­zes, die tech­ni­sche und wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung beim Ein­satz erneu­er­ba­rer Ener­gi­en zu Zwe­cken der Wär­me­ver­sor­gung sowie über die ers­ten Erfah­run­gen mit dem Sanie­rungs­fahr­plan und der Ein­be­zie­hung von Nicht­wohn­ge­bäu­den“ zu berich­ten ist. Auf­bau­end auf die empi­ri­sche Unter­su­chung und die Model­lie­rung wird zudem geprüft, wel­chen Bei­trag das EWär­meG zur Errei­chung der Kli­ma­schutz­zie­le leis­tet.
Die Zie­le die­ses Pro­jek­tes sind daher:
Schaf­fung der empi­ri­schen und wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­gen für den EWär­meG-Erfah­rungs­be­richt
Abschät­zung des Bei­trags des EWär­meG zum Aus­bau der Wär­me­be­reit­stel­lung aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en und zur Min­de­rung der Treib­haus­gas­emis­sio­nen bis 2020 im Hin­blick auf die Kli­ma­schutz­zie­le aus dem baden-würt­tem­ber­gi­schen Kli­ma­schutz­ge­setz (KSG-BW)
Bei­trag des EWär­meG, des Sanie­rungs­fahr­plans und des För­der­pro­gramms zum Sanie­rungs­fahr­plan Baden-Würt­tem­berg zur Ver­bes­se­rung der Bera­tungs­si­tua­ti­on in Baden-Würt­tem­berg und zur ziel­kom­pa­ti­blen, schritt­wei­sen Sanie­rung
Erar­bei­tung von Wei­ter­ent­wick­lungs­op­tio­nen des Geset­zes, des För­der­pro­gramms Sanie­rungs­fahr­plan sowie wei­te­rer Instru­men­te einer Wär­me­po­li­tik in Baden-Würt­tem­berg.
Evaluationsdesign und Struktur des Berichts
Im ers­ten Teil des Berich­tes wer­den die für die Eva­lu­ie­rung des EWär­meG erfor­der­li­chen sta­tis­ti­schen und empi­ri­schen Daten erho­ben, ana­ly­siert und inter­pre­tiert. Die empi­ri­sche Ana­ly­se baut auf meh­re­ren Kom­po­nen­ten auf, ins­be­son­de­re
der sta­tis­ti­schen Aus­wer­tung der gemel­de­ten Erfül­lungs­fäl­le aus dem Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts, in das die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den die bei ihnen ein­ge­gan­ge­nen Nach­wei­se ein­ge­ben (Kapi­tel 3.1.2);
der Aus­wer­tung der Mel­dun­gen der Schorn­stein­fe­ger nach §22 EWär­meG, nach dem die bevoll­mäch­tig­ten Bezirks­schorn­stein­fe­ger den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den jeden Hei­zungs­aus­tausch anzei­gen müs­sen (Kapi­tel 3.1.3);
wei­te­ren Daten­quel­len wie den Markt­ab­satz­zah­len des Bun­des­ver­bands der Deut­schen Hei­zungs­in­dus­trie (BDH) für Hei­zungs­an­la­gen in Baden-Würt­tem­berg oder den lan­des­spe­zi­fi­schen Daten aus der aktu­el­len Mikro­zen­sus Zusat­zer­he­bung (Kapi­tel 4).
Sowohl Aus­wer­tung als auch Dar­stel­lung der Daten erfol­gen zunächst getrennt nach den Gel­tungs­be­rei­chen der ursprüng­li­chen sowie novel­lier­ten Geset­zes­re­ge­lun­gen. Zum leich­te­ren Ver­ständ­nis wer­den die bei­den Gel­tungs­be­rei­che als EWär­meG alt und EWär­meG neu bezeich­net.
Um die Ursäch­lich­keit und wei­te­re Aspek­te des EWär­meG zu erfas­sen, wur­den ver­schie­de­ne Umfra­gen durch­ge­führt. Eine Befra­gung von Ver­pflich­te­ten und einer Kon­troll­grup­pe erlaubt Auf­schluss über Moti­ve und Wir­kungs­me­cha­nis­men des Geset­zes. Sie ist in Kapi­tel 4.5 doku­men­tiert. Wei­te­re Sta­ke­hol­der und Akteurs­grup­pen wur­den befragt: Hei­zungs­bau­er, Schorn­stein­fe­ger, Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten, Regie­rungs­prä­si­di­en und wei­te­re Exper­ten.
Tech­ni­sche Ein­zel­fra­ge­stel­lun­gen wer­den in Kapi­tel 6 unter­sucht. Ein Spe­zi­al­fall sind Nicht­wohn­ge­bäu­de, die mit der Novel­le 2015 als ver­pflich­te­te Objek­te in das EWär­meG auf­ge­nom­men wur­den und die daher in Kapi­tel 7 ver­tieft unter­sucht wer­den. Auch der Sanie­rungs­fahr­plan ist ein neu­es Ele­ment im EWär­meG 2015. Er wird in Kapi­tel 8 umfas­send eva­lu­iert. Die Wir­kun­gen des mit dem SFP ver­knüpf­ten För­der­pro­gramms des Lan­des wer­den in Kapi­tel 9 unter­sucht.
Schließ­lich wird in Kapi­tel 10 der Voll­zug des Geset­zes beschrie­ben und Wei­ter­ent­wick­lungs­po­ten­zia­le eru­iert.
Kapi­tel 11 führt die Unter­su­chun­gen der vor­an­ge­hen­den Kapi­tel zusam­men und syn­the­ti­siert sie – Ziel ist eine quan­ti­ta­ti­ve Abschät­zung der Wir­kun­gen des Geset­zes ein­ge­denk der ver­schie­de­nen Unsi­cher­hei­ten der Ein­gangs­pa­ra­me­ter. Aus den diver­sen Ana­ly­sen fol­gen schließ­lich Emp­feh­lun­gen für eine Wei­ter­ent­wick­lung des Geset­zes, die in Kapi­tel 12 erör­tert wer­den.