Source: https://www.recht-freundlich.de/bitcoin-kryptowaehrungen/steuerrechtliche-betrachtung-der-proof-of-stake-coins
Timestamp: 2019-02-17 23:05:16
Document Index: 332397816

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 18', '§ 20', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 23']

In Kategorie(n): Bitcoin / Kryptowährung - 02. August 2018 von Rechtsanwalt Thomas Feil
Der Proof of Stake ist ein sogenannter Konsens-Mechanismus, der in einem Blockchain – Netztwerk dazu dient einen Konsens herbeizuführen. Dieser Mechanismus ist der derzeit wohl der bekannteste Konsensalgorithmus und kommt beispielsweise bei der Kryptowährung Bitcoin zum Einsatz. Der Konsens zielt darauf ab, welcher Teilnehmer in dem Netzwerk den nächsten Block erzeugen darf. Bei dem Proof of Stake Mechanismus wird für die Konsens Bildung eines Blockchain Netzwerks ein Zufallsalgorithmus verwendet. Durch diesen wird ein Teilnehmer ausgewählt, welcher den nächsten Block minen darf. Allerdings beeinflusst der Stake eines Teilnehmers die Wahrscheinlichkeit ausgewählt zu werden und einen Block minen zu dürfen. Umso mehr Coins ein Nutzer besitzt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit ausgewählt zu werden. Die durch die Generierung eines neuen Blocks geschaffenen Coins, sowie die einbehaltenen Transaktionsgebühren werden Periodisch und zufällig auf die Nutzer übertragen. Die Wahrscheinlichkeit der Ausschüttung hängt hier ebenfalls von der Anzahl der Coins des einzelnen Nutzers, sowie der Dauer der Verfügungsgewalt über diese ab.
Unterschied zwsichen Proof of Stake und Proof of Work
Verwendung eines Proof of Stake Mechanismus von Vorteil?
Welche Arten von Proof of Stake Mechanismen gibt es?
Proof of Stake: Chain based
Proof of Stake: Byzantine Fault Tolerance
Staking – Welche Einkunftsart liegt steuerrechtlich vor?
Bei dem Proof of Work Mechanismus handelt es sich ebenfalls um einen Konsens Mechanismus, der in einem Netzwerk einen Konsens erzielen und eine Einigung hinsichtlich der Version der Blockchain herbeiführen soll. Die Durchführung eines solchen Mechanismus nennt man im Rahmen von Blockchains „Mining“. Bei dem sogenannten Mining stellen Nutzer ihre Rechenleistung zur Verfügung, um Transaktionen die innerhalb des Netzwerks stattfinden zu sammeln und diese zu bestätigen, sie also auf einem „Block“ abzuspeichern. Dabei nutzen Nutzer mathematische Funktionen, die sogenannten Hashfunktionen, welche eine Zeichenkette fester Länge erzeugen. Somit erhalten Nutzer durch das Lösen kryptografischer Aufgaben eine Belohnung, die sich an der bereitgestellten Leistung orientiert.
Den Unterschied zwischen Proof of Stake und Proof of Work macht die Validierung aus. Bei dem Proof of Stake Mechanismus hängt die Wahrscheinlichkeit, einen Block zu minen von dem Anteil der Token im gesamten Netzwerk eines einzelnen Nutzers ab. Umso größer der Stake eines einzelnen Nutzers ist, desto einfacher wird es für den Nutzer den richtigen Wert zu finden. Hingegen beeinflusst bei dem Proof of Work Mechanismus die bereitgestellte Rechenleistung und nicht der Anteil der Token, die Wahrscheinlichkeit einen Block erfolgreich zu minen. Bei diesem Mechanismus ist also lediglich die Rechenkapazität entscheidend. Dies macht den Proof of Work Mechanismus sehr Kostenintensiv, da bei dem Mining eine Menge Energie benötigt wird und die Kosten dementsprechend von den aktuellen Strompreisen abhängen. Durch den enormen Energieverbrauch werden in letzter Zeit die Stimmen nach einer Proof of Stake Implementierung in Kryptowährungen wie Bitcoin laut. So könnte nicht nur dem zunehmendem Energieverbrauch entgegen gewirkt werden, durch den Proof of Stak Mechanismus würde zudem die Sicherheit und die Legitimität des jeweiligen Netzwerkes sichergestellt werden. Allerdings besteht bei beiden Mechanismen die Möglichkeit einer sogenannten 51% Attacke. Das bedeutet, dass die Stabilität und vor allem die Sicherheit des Netzwerks nur dann gefährdet werden können, wenn beispielsweise ein Mining Pool 51% der Mining Leistung auf sich vereinigt.
Der wohl größte Vorteil gegenüber dem Proof of Stak Algorithmus ist der geringe Energieverbrauch. Dieser führt nicht nur zu geringeren Kosten, sondern bringt auch aus Aspekten des Umweltschutzes einige Vorteile mit sich. Ebenfalls von Vorteil ist, dass im Gegensatz zu dem Proof of Stak Algorithmus ein geringeres Risiko der Zentralisierung besteht. Auch benötigen die Nutzer keine zusätzliche Hardware, um sich an der Konsensfindung zu beteiligen. Damit einher geht auch eine stärkere Einbindung der Nutzer und demzufolge der gesamten Community. Auch können Nutzer durch das Staking ein passives Einkommen generieren, weshalb das Proof of Stake Verfahren besonders für Kleininvestoren interessanter wird. Denn das Mining ist wird mit der Zeit immer unrentabler und macht für Privatpersonen bereits seit einiger Zeit kaum noch einen Sinn.
Blockchains mit einem Proof of Stake Mechanismus unterscheiden sich oftmals von ihren Konsensregeln, weshalb verschiedene Arten des Konsensalgorithmusses existieren.
Hier liegt eine dauerhafte Erzeugung von einzelnen Blöcken vor, welche sich an die vorherigen anschließen. Es handelt sich dabei um eine einzige wachsende Blockchain. In diesem Fall entscheidet der Algorithmus, wem das Recht der Erzeugung des nächsten rechts zusteht. Jeder erzeugte Block muss dabei den Regeln des Systems folgen.
Anders hingegen sind die Konsensregeln bei der Byzantine Fault Tolerance. Nutzer können hier einzelne Blöcke vorschlagen, wobei sich die Wahl für den jeweiligen Block durch die validierenden Stimmen erst nach mehreren Runden ergibt. Hier hängt die Findung des neuen Blocks, der die Transaktion aufnimmt von der Anzahl der Coins in dem Netzt ab. Doch nicht nur die Anzahl an Coins, sondern auch noch weiter Faktoren können die Wahrscheinlichkeit der Blockfindung beeinflussen. So kann die Wahl des nächsten Blocks beispielsweise auch durch das Alter des Coins beeinflusst werden. Auch eine zufällige Blockauswahl ist möglich.
Für eine Steuerrechtliche Betrachtung bedarf es zunächst einer Klärung der Frage, ob es sich Bei dem Staking um eine gewerbliche Tätigkeit handelt. Zumindest das Mining stellt in der Regel eine gewerbliche Tätigkeit dar. Beim Staking könnte dies ebenfalls der Fall sein, da auch hier eine vergleichbare Zielsetzung besteht. Im folgenden Abschnitt möchten wir daher eine Abgrenzung von Staking zur gewerblichen und selbstständigen Tätigkeit vornehmen.
Grundsätzlich kann auch beim Staking von einer Gewinnerzielungsabsicht ausgegangen werden, allerdings dürfte es sich für die Einordnung als gewerbliche Tätigkeit nicht um eine gelegentliche Tätigkeit handeln. Ob es sich um eine gelegentliche Tätigkeit handelt oder nicht, hängt dabei von der Nachhaltigkeit ab. Als wichtigstes Argument für eine Nachhaltigkeit spricht die Tatsachse, dass eine Blockfindung hinsichtlich des Proof of Stake Algorithmus mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur einmal vorgenommen wird. Denn grundsätzlich werden bei einer Blockfindung allein Technisch bereits mehrere Berechnungen gemacht. Allerdings lässt sich auch eine einmalige Tätigkeiten nicht ausschließen. Eine solche kann beispielsweise vorliegen, wenn es sich um einen bloßen Stakingversuch handelt. So bedarf es immer einer genauen Betrachtung des Einzelfalls, um, feststellen zu können ob eine gewerbliche Tätigkeit vorliegt.
Neben der Gewinnerzielungsabsicht und einer nachhaltigen Betätigung besteht gem. § 15 Abs. 2 EStG noch zwei weitere Voraussetzungen, die vorliegen müssen, um von gewerblichen Einkünften ausgehen zu können. Das wären zum einen die Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr und zum anderen die Selbstständigkeit. Letzteres liegt vor, wenn die Höhe der Einnahmen von der eigenen Tatkraft abhängig ist. Auf den ersten Blick erscheint das Vorliegen einer Selbstständigkeit bei dem Staking fragwürdig. Denn die Wahrscheinlichkeit der Blockfindung und der damit einhergehenden Bezahlung hängt grundsätzlich von Zufall ab. Demzufolge lassen sich erhaltene Zahlungen nicht konkret steuern. Somit handelt es sich bei dem Staking nicht um eine selbstständige Arbeit. Damit stellen Einkünfte, die durch das Staking erzielt werden auch keine Einkünfte nach § 18 EStG dar.
Eine Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr liegt vor, wenn es sich nicht um Tätigkeiten des Güter- und Leistungsaustausch handelt. Zudem müsste die Tätigkeit für Außenstehende erkennbar angeboten werden, damit eine Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr vorliegt. Bei dem Staking liegt ist das Angebot in der Notwendigkeit einer proaktiven Handlung zu sehen, welche für eine Beteiligung an der Blockfindung benötigt wird.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass durch das Staking keine Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielt werden. Daher lässt sich das Staking steuerrechtlich auch nicht mit dem Mining vergleichen.
Einkünfte aus Stalking könnten als Dividende angesehen werden. Allerdings handelt es sich bei Staking Einkünften nicht um eine offene Gewinnausschüttung, da kein Rechtsgrund im Gesellschaftsverhältnis vorliegt. Es könnte sich hingegen um Kapitalforderungen nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG handeln. Allerdings muss eine Kapitalforderung auf eine Geldleistung gerichtet sein, Sachwerte hingegen werden § 22 Nr. 3 EStG zugeordnet. Es muss sich also zwingend um eine Forderung auf ein gesetzliches Zahlungsmittel handelt. Dies ist hier jedoch nicht der Fall, da die Forderung auf Kryptowährungen und nicht auf ein gesetzliches Zahlungsmittel gerichtet ist. Damit handelt es sich bei Staking Einkünften ebenfalls nicht um Einkünfte aus Kaptalvermögen. Es kann sich daher nur noch um Einkünfte aus sonstigen Leistungen gemäß § 22 Nr. 3 EStG handeln. Die Definition für eine Leitung lautet dabei wie folgt „Als Leistung wird jedes Tun, Unterlassen oder Dulden beschrieben, dass eine Gegenleistung begründet.“ Nutzer, die durch den Proof of Stake Einkünfte erzielen, erzielen demnach Einkünfte aus Leistungen nach § 22 Nr. 3 EStG. Es besteht also eine Einkommenssteuerpflicht auf Einkünfte, die durch das Staking erzielt werden.
Kryptowährungen sind als Wirtschaftsgüter anzusehen, bei deren Verkauf es sich um Veräußerungsgeschäft i.S.d. § 23 EStG handelt. In der Vergangenheit wurde immer wieder über eine Verlängerung der Spekulationsfrist diskutiert. Ein privates Veräußerungsgeschäft liegt demnach nur vor, wenn zwischen der Anschaffung und der Veräußerung nicht mehr als ein Jahr liegt. Eine Verlängerung der Frist von einem auf zehn Jahre hätte vielfältige Folgen. Es würde durch eine solche Verlängerung zu einem geänderten Anlageverhalten kommen und auch dem Proof of Stake Mechanismus würde eine geringe Bedeutung in Deutschland zukommen. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass es durch die Teilnahme am Staking Prozess zu einer solchen Verlängerung kommt.