Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=27.03.2013&Aktenzeichen=4%20CN%207.11
Timestamp: 2020-04-07 04:07:16
Document Index: 317982314

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 9', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1']

BVerwG, 27.03.2013 - 4 CN 7.11 - dejure.org
https://dejure.org/2013,12387
BVerwG, 27.03.2013 - 4 CN 7.11 (https://dejure.org/2013,12387)
BVerwG, Entscheidung vom 27.03.2013 - 4 CN 7.11 (https://dejure.org/2013,12387)
BVerwG, Entscheidung vom 27. März 2013 - 4 CN 7.11 (https://dejure.org/2013,12387)
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§ 1 Abs 9 BauNVO, § 1 Abs 3 S 1 BauGB, § 1 Abs 6 Nr 11 BauGB
Anforderungen an die städtebauliche Rechtfertigung bauleitplanerischer Festsetzungen zur Stärkung von zentralen Versorgungsbereichen
BauGB § 1 Abs. 3 S. 1; BauNVO § 1 Abs. 9
BVerwG, 29.11.2011 - 4 BN 24.11
§ 9 Abs. 1 Nr. 1 BauGB, § 1 Abs. 5, Abs. 9 BauNVO ermächtigen eine Gemeinde grundsätzlich dazu, Einzelhandelsbeschränkungen der vorliegenden Art in einem Bebauungsplan zu regeln (…vgl. z.B. BVerwG, B.v. 4.10.2007 - 4 BN 39-07 - ZfBR 2008, 72 = juris Rn. 5;… U.v. 26.3.2009 - 4 C 21.07 - BVerwGE 133, 310 = juris Rn. 11 ff.;… U.v. 27.3.2013 - 4 C 13.11 - BVerwGE 146, 137 = juris Rn. 8;… U.v. 27.3.2013 - 4 CN 6/11 - BauR 2013 - 1402 = juris Rn. 8;… U.v. 10.9.2015 - 4 CN 8.14 - BVerwGE 153, 16 = juris Rn. 8; U.v. 27.3.2013 - 4 CN 7/11 - juris Rn. 9;… BayVGH, U.v. 23.4.2013 - 15 N 11.178 - juris Rn. 18 ff.;… Hamb. OVG, U.v. 11.4.2019 - 2 E 10/16.N - juris Rn. 47 ff.).
Die Abgewogenheit einer Planung und ihrer Festsetzungen kann deshalb nicht bereits zum Maßstab für deren städtebauliche Rechtfertigung gemacht werden (…zum Ganzen: BVerwG, U.v. 27.3.2013 - 4 C 13.11 - BVerwGE 146, 137 = juris Rn. 9 ff.;… U.v. 27.3.2013 - 4 CN 6/11 - BauR 2013 - 1402 = juris Rn. 9 ff.;… U.v. 10.9.2015 - 4 CN 8.14 - BVerwGE 153, 16 = juris Rn. 11 f.; U.v. 27.3.2013 - 4 CN 7/11 - juris Rn. 10;… Hamb. OVG, U.v. 11.4.2019 - 2 E 10/16.N - juris Rn. 58; Gatz, jurisPR-BVerwG 14/2013 Anm. 3; Külpmann, jurisPR-BVerwG 4/2016 Anm. 1).
Eine strikte Bindung der Gemeinde, auch im Sinne eines Alles-oder-nichts-Prinzips, kann deswegen nicht bestehen (…in klarstellender Auseinandersetzung mit BVerwG, U.v. 29.3.2009 - 4 C 21.07 - BVerwGE 133, 310 ff.: BVerwG, U.v. 27.3.2013 - 4 C 13.11 - BVerwGE 146, 137 = juris Rn. 11 f.;… U.v. 27.3.2013 - 4 CN 6/11 - BauR 2013 - 1402 = juris Rn. 11 f.; U.v. 27.3.2013 - 4 CN 7/11 - juris Rn. 12 f.;… vgl. auch BVerwG, U.v. 10.9.2015 - 4 CN 8.14 - BVerwGE 153, 16 = juris Rn. 13).
Eine auf dieses Ziel bezogene Regelung eines Einzelhandelsausschlusses ist am Maßstab des § 1 Abs. 3 BauGB erst dann zu beanstanden, wenn sie nicht geeignet ist, das Ziel der Zentrenstärkung zu fördern oder dieses Ziel gar konterkariert (…BVerwG, U.v. 27.3.2013 - 4 C 13.11 - BVerwGE 146, 137 = juris Rn. 16 ff.;… U.v. 27.3.2013 - 4 CN 6/11 - BauR 2013 - 1402 = juris Rn. 14 ff.; U.v. 27.3.2013 - 4 CN 7/11 - juris Rn. 16;… U.v. 10.9.2015 - 4 CN 8.14 - BVerwGE 153, 16 = juris Rn. 13, 17 ff.;… Hamb. OVG, U.v. 11.4.2019 - 2 E 10/16.N - juris Rn. 66; Gatz, jurisPR-BVerwG 14/2013 Anm. 3).
Die Erforderlichkeit soll nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts erst dann nicht mehr gegeben sein, wenn der Ausschluss zentrenbildender Sortimente bei Zugrundelegung eines realitätsnahen Maßstabs keinerlei Beitrag zum Zentrenschutz leisten kann (…zum Ganzen vgl.: BVerwG, U.v. 26.3.2009 - 4 C 21.07 - BVerwGE 133, 310 = juris Rn. 19;… U.v. 27.3.2013 - 4 C 13.11 - BVerwGE 146, 137 = juris Rn. 19, 21;… U.v. 27.3.2013 - 4 CN 6/11 - BauR 2013 - 1402 = juris Rn. 18, 21; U.v. 27.3.2013 - 4 CN 7/11 - juris Rn. 19, 22; Gatz, jurisPR-BVerwG 14/2013 Anm. 3; vgl. auch Lüttgau/Krupp, BauR 2014, 31/40).
Deswegen kann die Abgewogenheit einer Bauleitplanung und ihrer Festsetzungen nicht bereits zum Maßstab für deren städtebauliche Erforderlichkeit gemacht werden (…BVerwG, Urt. v. 27.3.2013 - 4 C 13.11 -, BVerwGE 146, 137, juris Rdn. 9;… Urt. v. 27.3.2013 - 4 CN 6.11 -, BauR 2013, 1402, juris Rdn. 9; Urt. v. 27.3.2013 - 4 CN 7.11 -, juris Rdn. 10 jew. m.w.N.).
Der vom Antragsteller in der mündlichen Verhandlung im Zusammenhang mit § 1 Abs. 3 Satz 1 BauGB aufgeworfenen Frage, ob die Festsetzung mit seinem verfassungsrechtlichen Eigentumsgrundrecht vereinbar ist, ist im Rahmen der Prüfung der Abwägungsentscheidung (dazu unten unter II.2.c)) nachzugehen (…vgl. BVerwG, Urt. v. 27.3.2013 - 4 C 13.11 -, BVerwGE 146, 137, juris Rdn. 9;… Urt. v. 27.3.2013 - 4 CN 6.11 -, BauR 2013, 1402, juris Rdn. 9; Urt. v. 27.3.2013 - 4 CN 7.11 -, juris Rdn. 10 jew. m.w.N.).
Insgesamt seien nur vorhandene oder absehbare Nutzungsmöglichkeiten in die Abwägung einzustellen und nicht potentielle Grundstücksnutzungen zu zementieren, während mit Blick auf BVerwG v. 27.03.2013 - 4 CN 7/11 schon eine - hier gegebene - "Förderlichkeit" für die Standortentwicklung ausreiche.
Der von § 1 Abs. 5 BauNVO gestattete Ausschluss bestimmter Nutzungsarten z. B. von Einzelhandel - in einem - wie hier - festgesetzten Baugebiet ist zwar selbst wiederum nur wirksam, wenn er im Sinne von § 1 Abs. 3 Satz 1 BauGB für die städtebauliche Entwicklung und Ordnung "erforderlich" und durch städtebauliche Gründe gerechtfertigt ist (vgl. auch BVerwG v. 27.03.2013 - 4 CN 7.11, BeckRS 2013, 51965).
(2) Bei einem Einzelhandelsausschluss zum Schutz des Zentrums müssen nach der Rechtsprechung (BVerwG v. 27.03.2013 - 4 CN 7.11, BeckRS 2013, 51965, siehe auch OVG Münster v. 14.10.2013 - 2 D 103/12. NE, BauR 2014, 213 = BeckRS 2013, 57622; v. 30.10.2015 - 7 A 2621/13, BeckRS 2015, 55386) zwar konkret zentrenschädliche Sortimente - in der Regel im Zentrenkonzept - ermittelt werden und der festgesetzte Einzelhandelsausschluss muss zudem auch geeignet sein, das vom Plangeber ins Auge gefasste städtebauliche Ziel zu fördern.
Nicht erforderlich im Sinne des § 1 Abs. 3 Satz 1 BauGB sind danach Pläne, die einer positiven Planungskonzeption entbehren und ersichtlich der Förderung von Zielen dienen, für deren Verwirklichung die Planungsinstrumente des Baugesetzbuchs nicht bestimmt sind (BVerwG, Urt. v. 27. März 2013 - 4 CN 7.11 -, juris).
Deswegen kann die Abgewogenheit einer Bauleitplanung und ihrer Festsetzungen nicht bereits zum Maßstab für deren städtebauliche Erforderlichkeit gemacht werden (BVerwG, Urt. v. 27. März 2013 - 4 CN 7.11 -, juris).
Etwas anderes kann nur in offensichtlichen Ausnahmefällen gelten, in denen der Ausschluss zentrenbildender Sortimente keinerlei Beitrag zum Zentrenschutz leisten kann (BVerwG, Urt. v. 27. März 2013 - 4 CN 7.11 -, juris).
Dafür ist das Abwägungsgebot maßgeblich, welches im Hinblick auf gerichtliche Kontrolldichte, Fehlerunbeachtlichkeit und heranzuziehende Erkenntnisquellen abweichenden Maßstäben unterliegt (BVerwG, Urteile vom 27.03.2013 - 4 CN 7.11 - juris Rn. 10 und 4 CN 6.11 -juris Rn. 9, jeweils m.w.N.).
vgl. BVerwG, Urteil vom 27. März 2013 - 4 CN 7.11 -, juris, Rn. 10 ff.
vgl. BVerwG, Urteile vom 29. Januar 2009 - 4 C 16.07 -, BVerwGE 133, 98, und vom 27. März 2013 - 4 CN 7.11 -, juris, Rn. 13.
Das Bundesverwaltungsgericht hat auf die von ihm zugelassene Revision der Beklagten mit Urteil vom 27.3.2013 - 4 CN 7.11 - das Urteil des Senats aufgehoben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das Oberverwaltungsgericht zurückverwiesen.
Das Bundesverwaltungsgericht hat auf die von ihm zugelassene Revision der Antragsgegnerin mit Urteil vom 27. März 2013 - 4 CN 7.11 - das Urteil des Senats aufgehoben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das Oberverwaltungsgericht zurückverwiesen.
vgl. BVerwG, Urteil vom 27. März 2013 - 4 CN 7.11 -, juris.
Darüber hinaus gehende Darlegungen des Plangebers, weshalb jegliche Form des Einzelhandels einer bestimmten Art, würde er im Plangebiet angesiedelt, die gewachsenen Einzelhandelsstrukturen in den geschützten Zentren unabhängig von der Art und dem Umfang des jeweiligen Warenangebotes schädigen würde, sind nicht erforderlich, vgl. BVerwG, Urteil vom 27. März 2013, - 4 CN 7.11 -, juris; OVG NRW, Urteil vom 14. Oktober 2013, - 2 D 103/12.NE -, juris.
Diese über § 1 Abs. 3 Satz 1 BauGB hinausgehenden Anforderungen bestehen nicht in besonders gewichtigen Gründen, sondern in Gründen, die sich aus der jeweiligen Planungssituation ergeben und die die auf § 1 Abs. 9 BauNVO gestützte Feindifferenzierung rechtfertigen können, vgl. BVerwG, Urteil vom 27. März 2013, - 4 CN 7.11 -, juris, Rn. 10; OVG NRW, Urteil vom 14. Oktober 2013, - 2 D 103/12.NE -, juris.
Die weiteren Einzelheiten der konkreten planerischen Lösung sind an den Maßgaben des Abwägungsgebotes gemäß § 1 Abs. 7 BauGB zu messen, vgl. BVerwG, Urteil vom 27. März 2013, - 4 CN 7.11 -, juris, wonach die öffentlichen und privaten Belange gegeneinander und untereinander gerecht abzuwägen sind und das neben einer sachgerechten Entscheidung voraussetzt, dass in die Abwägung alle Belange eingestellt werden, die nach Lage der Dinge in sie eingestellt werden müssen, dass die Bedeutung der Belange nicht verkannt und der Ausgleich zwischen den von der Planung berührten Belangen nicht in einer Weise vorgenommen wird, die zur objektiven Gewichtigkeit einzelner Belange außer Verhältnis steht, vgl. OVG NRW, Urteil vom 14. Oktober 2013, - 2 D 103/12.NE -, juris.
OVG Nordrhein-Westfalen, 28.01.2014 - 10 A 152/13