Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=12%20ME%20474/05
Timestamp: 2019-12-14 04:45:45
Document Index: 395985895

Matched Legal Cases: ['§ 35', '§ 35', '§ 54', '§ 68', '§ 54', '§ 35', '§ 35', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10']

OVG Niedersachsen, 23.02.2006 - 12 ME 474/05 - dejure.org
https://dejure.org/2006,11253
OVG Niedersachsen, 23.02.2006 - 12 ME 474/05 (https://dejure.org/2006,11253)
OVG Niedersachsen, Entscheidung vom 23.02.2006 - 12 ME 474/05 (https://dejure.org/2006,11253)
OVG Niedersachsen, Entscheidung vom 23. Februar 2006 - 12 ME 474/05 (https://dejure.org/2006,11253)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2006,11253) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Eingliederungshilfe nach § 35a SGB 8 durch Übernahme der Kosten für einen Integrationshelfer für den Schulbesuch
Förderschule, Förderungsbedarf, pädagogischer, Integrationshelfer, Jugendhilfe
Eingliederungshilfe nach § 35 a SGB VIII durch Übernahme der Kosten für einen Integrationshelfer für den Schulbesuch
Bestimmung des förderbaren Umfangs der Betreuung eines sprachbehinderten Kindes im Hinblick auf den Besuch einer Förderschule und den Einsatz eines Integrationshelfers; Geltendmachung der Übernahme der Kosten eines pädagogischen Integrationshelfers neben den Kosten für ...
VG Stade, 05.10.2005 - 4 B 1695/05
Dass seelisch behinderte schulpflichtige Kinder einen Anspruch gegen den Träger der Jugendhilfe auf Übernahme der Kosten eines Integrationshelfers für den Schulbesuch haben können, ist in der Rechtsprechung bereits entschieden (vgl. etwa Nds. OVG, Beschluss vom 23. Februar 2006 - 12 ME 474/05 -, JAmt 2006, S. 200 ff., zit. nach juris).
An diese Zuweisung ist der Antragsgegner gebunden (vgl. BVerwG…, Urteil vom 28. April 2005, a.a.O., juris Rn. 11 ff., für die Sozialhilfe; vgl. Nds. OVG, Beschluss vom 23. Februar 2006 - 12 ME 474/05 -, JAmt 2006, S. 200 ff., zit. nach juris Rn. 11, für das SGB VIII;… Wahrendorf in: Grube/Wahrendorf, a.a.O., § 54 SGB XII Rn. 35 m.w.N.;… Brockmann in: Brockmann u.a., a.a.O., Erl. 5.2.1 zu § 68 NSchG), sodass er Zweifel an der Angemessenheit der Beschulung des Antragstellers durch die öffentliche Förderschule G L. dem hier geltend gemachten Anspruch auf einen Integrationshelfer grundsätzlich nicht mit Erfolg entgegen halten kann.
Die Stellung eines Integrationshelfers während des Unterrichts in einer Förderschule muss daher solchen Sachlagen vorbehalten bleiben, in denen diese Auffälligkeiten weit über das übliche Maß hinausgehen, sodass auch die spezielle Schulform die Beschulung des betroffenen Behinderten ohne Einschaltung zusätzlicher, aber nicht vorhandener Kräfte nicht leisten kann oder die Förderschule die zusätzliche Hilfe tatsächlich nicht leistet (vgl. LSG Niedersachsen-Bremen…, Beschluss vom 31. Januar 2011, a.a.O., juris Rn. 13; LSG Baden-Württemberg…, Beschluss vom 09.01.2007, a.a.O., juris Rn. 6 ff.;… Wahrendorf in: Grube/Wahrendorf, a.a.O., § 54 SGB XII Rn. 34; für den Anspruch aus § 35a SGB VIII: Nds. OVG, Beschluss vom 23. Februar 2006, a.a.O., juris Rn. 12).
OVG, Beschluss vom 23.02.2006 - 12 ME 474/05 -, juris; Hess. LSG, Beschluss vom 26.04.2012 - L 4 SO 297/11 B ER-, juris; VG München, Beschluss vom 23.02.2009 - M 18 E 09.148 -, juris; VG Bayreuth, Beschluss vom 16.12.2009 - B 3 E 09.936 -, juris; VG Stuttgart, Beschluss vom 18.10.2013 - 7 K 3048/13 -, juris; LSG NRW, Beschluss vom 20.12.2013 - L 9 SO 429/13 B ER -, juris; Hauck/Noftz, SGB VIII, Stand 07/15, § 35a Rn. 48; Borner, jurisPK-SozR 10/2015 Anm. 5), wobei der Kammer bewusst ist, dass es das Krankheitsbild der Autismusspektrumsstörungen und der daraus resultierende spezifische Unterstützungsbedarf des betroffenen Kindes mit sich bringen, dass im Einzelfall die Grenzen zwischen rein flankierender Hilfe zur Stoffvermittlung, etwa durch bloße Konkretisierung der Aufgabenstellung, und eigenständigem pädagogischem Handeln, wie es in einem den Bedürfnissen des Kindes entsprechenden Umformulieren der Aufgabenstellung gesehen werden könnte, fließend sein können.
In diesem Sinne hat auch das Sächsische Landessozialgericht (LSG) einen Eingliederungshilfebedarf trotz des Besuchs einer Sonderschule sogar in einem Fall für möglich gehalten, in dem die Schulbehörde den Bedarf für einen Integrationshelfer geprüft und verneint hatte (Beschluss vom 24. Juli 2006 - L 3 B 81/06 SO-ER - ; so auch Niedersächsisches OVG, Beschluss vom 23. Februar 2006 - 12 ME 474/05 - ).
vgl. Nds. OVG, Beschluss vom 23. Februar 2006 - 12 ME 474/05 -, JAmt 2006, 200; W. Schellhorn, a.a.O., § 10 Rn. 19; Münder, a.a.O., § 10 Rn. 19; Wiesner, a.a.O., § 10 Rn. 23; Vondung, in: LPK-SGB VIII, 3. Aufl. 2006, § 10 Rn. 12.
- 12 ME 474/05 -, JAmt 2006, 200; und vom 15. September 2005 - 12 ME 354/05 -, FEVS 58, 33, VG Dresden, Urteil vom 10. Juli 2007 - 13 K 19/07 -, Juris; VG Karlsruhe, Beschluss vom 19. Januar 2006 - 8 K 2416/05 -, ZFSH/SGB 2006, 354.
vgl. OVG NRW, Beschlüsse vom 26.3.2008 - 12 B 319/08 -, www.nrwe.de = juris, m.w.N., und vom 15.9.2008 - 12 B 1249/08 -, NVwZ-RR 2009, 336 = www.nrwe.de = juris; OVG Lüneburg, Beschluss vom 23.2.2006 - 12 ME 474/05 -, juris, m.w.N.
Soweit - wie aller Wahrscheinlichkeit nach im vorliegenden Fall - als Ursache des Bedarfs eine seelische Behinderung (hier: Autismus wohl in Form des frühkindlichen High-Functioning-Autismus oder des Asperger-Syndroms) vorliegt, zur generellen Einordnung von Autismus als seelische Störung vgl. OVG NRW, Urteil vom 20.2.2002 - 12 A 5322/00 - (UA S. 16 [dort speziell: atypischer Autismus]), FEVS 54, 182 = NDV-RD 2002, 84 = JAmt 2002, 304; differenzierend bzw. zweifelnd (geistige Behinderung?): OVG Lüneburg, Beschluss vom 23.2.2006 - 12 ME 474/05 -, juris [Rdnr. 8] (dort: frühkindlicher Autismus); VGH München, Beschluss vom 9.6.2008 - 12 CE 08.1021 -, juris (dort: frühkindlicher Autismus in Form des Asperger-Syndroms); OVG Bremen, Urteil vom 9.12.2009 - S 3 A 443/06 -, juris (Rdnrn. 48 f.) (dort: atypischer Autismus); Dalferth: Autismus (insbes. Kapitel "Was ist Autismus?" und "Sind autistische Kinder geistig behindert?"), in: Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (Stand: 7.4.2004), www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/ a_Behinderung/s_1065.html; Remschmidt/Frese: Aktuelle Entwicklungen bei der sozialrechtlichen Zuordnung autistischer Störungen - Zu den Folgen des Urteils des OVG NRW vom 20.2.2002 (12 A 5322/00) -, SGb 2006, 410 (412: "völlig antiquierte Auffassung", dass atypischer Autismus zur "körperlich nicht begründbaren Psychose" gerechnet wird; 413 zu IV a.E.: fallweise Einzelfallbeurteilung, ob Jugend- oder Sozialhilfe); Bundesverband autismus Deutschland e.V.: Zur Situation von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Autismus, Denkschrift (…6. Aufl. August 2008), Kap. 7.1 "Die sozialrechtliche Zuordnung autistischer Störungen" a.E.
Der Sozialhilfeträger hat in diesen Fällen über den behinderungsbedingten Hilfebedarf in eigener Verantwortung zu entscheiden (vgl. Landessozialgericht Baden-Württemberg…, Beschluss vom 9. Januar 2007, L 7 SO 5701/06 ER-B, FEVS 58, 285 und Juris, dort Rn. 6; Sächsisches Landessozialgericht, Beschluss vom 24. Juli 2006, L 3 B 81/06 SO-ER; Niedersächsisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23. Februar 2006, 12 ME 474/05).
OVG NRW, Beschluss vom 11. Juli 2016 - 12 B 669/16 - n.v., unter Bezugnahme auf OVG Lüneburg, Beschluss vom 23. Februar 2006 - 12 ME 474/05 -, juris, Rn. 11.