Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=31%20U%2064/15
Timestamp: 2019-05-20 13:51:29
Document Index: 166573251

Matched Legal Cases: ['§ 355', '§ 355', '§ 355', '§ 357', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

OLG Hamm, 04.11.2015 - 31 U 64/15 - dejure.org
https://dejure.org/2015,38710
OLG Hamm, 04.11.2015 - 31 U 64/15 (https://dejure.org/2015,38710)
OLG Hamm, Entscheidung vom 04.11.2015 - 31 U 64/15 (https://dejure.org/2015,38710)
OLG Hamm, Entscheidung vom 04. November 2015 - 31 U 64/15 (https://dejure.org/2015,38710)
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Fehlerhafte Widerrufsbelehrung: Bank neben Rückabwicklung des Immobilienvertrages auch zu Schadensersatz verpflichtet
Darlehenswiderruf auch nach gezahlter Vorfälligkeitsentschädigung möglich
Widerrufsbelehrung von Sparkasse für unwirksam erklärt
NJW-RR 2016, 494
Die wohl herrschende Auffassung und die überwiegende obergerichtliche Rechtsprechung geht von einer Anwendbarkeit des Widerrufsrechts auch auf einvernehmlich abgelöste oder gekündigte Verbraucherdarlehensverträge aus, wenn der Verbraucher bei der Ablösung in Unkenntnis seines fortbestehenden Widerrufsrechts handelte (OLG Hamm, Urteil vom 04.11.2015, 31 U 64/15, Juris Rn. 24; OLG Hamm…, Urteil vom 25.03.2015, I-31 U 155/14, Juris Rn. 15;… OLG Zweibrücken, Hinweisbeschluss vom 10.05.2012, 7 U 84/09, Juris Rn. 11; OLG Frankfurt…, Beschluss vom 10.03.2014, 17 W 11/14, Juris Rn. 13;… BeckOK-BGB/Müller-Christmann, 38. Ed. 2015, Rn. 13;… ganz allgemein für die Anwendung beim gekündigten Vertrag Palandt/Grüneberg, 75. Aufl. 2016, § 355 BGB, Rn. 2;… jurisPK-BGB/Hönninger, 7. Aufl. 2014, § 355 BGB, Rn. 10).
Die gegenteilige Auffassung werde dem Verbraucherschutz nicht gerecht (OLG Hamm, Urteil vom 04.11.2015, a.a.O.).
Unabhängig davon bliebe ein Widerrufsrecht selbst dann von der sog. Aufhebungsvereinbarung unberührt, wenn die Darlehensverträge hierdurch aufgehoben worden wären (ebenso OLG Hamm…, Urteil vom 25.03.2015 - 31 U 155/14, juris Rn. 15 m.w.N.; Urteil vom 04.11.2015 - 31 U 64/15, juris Rn. 24 m.w.N.; OLG Frankfurt…, Beschluss vom 02.09.2015 - 23 U 24/15, juris Rn. 23).
Ein schutzwürdiges Vertrauen kann die Beklagte hier nämlich schon deshalb nicht in Anspruch nehmen, weil sie es bis dahin jederzeit in der Hand hatte, durch eine nachträglich erteilte wirksame Belehrung den Lauf der - dann auf einen Monat verlängerten - Frist (vgl. § 355 Abs. 2 Satz 2 BGB a.F.) in Gang zu setzen und den Schwebezustand zu beenden (…so bereits Senat, a.a.O. m.w.N.; vgl. auch OLG Hamm, Urteil vom 04.11.2015 - 31 U 64/15, juris Rn. 26; OLG Dresden, Urteil vom 11.06.2015 - 8 U 1760/14, juris Rn.35).
Soweit auch in der obergerichtlichen Rechtsprechung vertreten worden ist, der Darlehensnehmer, der seine auf Abschluss eines Darlehensvertrags gerichtete Willenserklärung wirksam widerrufen hat, habe gemäß §§ 357 Abs. 1, 346 Abs. 1 BGB a.F. einen Anspruch auf Rückgewähr der aufgrund einer gesonderten Vereinbarung an die Bank gezahlte Vorfälligkeitsentschädigung (OLG Düsseldorf, Urteil vom 17.04.2015 - 17 U 127/14, juris Rn.16; OLG Frankfurt…, Beschluss vom 02.09.2015 - 23 U 24/15, juris Rn. 21; OLG Stuttgart…, Urteil vom 29.09.2015 - 6 U 21/15, juris Rn. 72; OLG Hamm, Urteil vom 04.11.2015 - 31 U 64/15, juris Rn. 21; OLG Frankfurt…, Urteil vom 27.01.2016 - 17 U 16/15, juris Rn. 36; OLG Düsseldorf…, Urteil vom 29.01.2016 - 7 U 21/15, juris Rn. 58), teilt der Senat diese Rechtsauffassung nicht.
Der abweichenden Rechtsauffassung anderer Oberlandesgerichte (OLG Hamm, Urteil vom 4.11.2015 - I 31 U 64/15 Rn. 29; OLG Düsseldorf…, Urteil vom 13.05.2016 - 17 U 182/15, Rn. 30; OLG Saarbrücken…, Urteil vom 3.11.2016 - 4 U 54/15 Rn. 90) folgt der Senat angesichts des eindeutigen Gesetzeswortlauts und der Systematik der Norm nicht.
Unabhängig davon bliebe ein Widerrufsrecht selbst dann von der o.g. Vereinbarung unberührt, wenn die Darlehensverträge hierdurch aufgehoben worden wären (ebenso OLG Hamm…, Urteil vom 25.03.2015 - 31 U 155/14, juris Rn. 15 m.w.N.; Urteil vom 04.11.2015 - 31 U 64/15, juris Rn. 24 m.w.N.; OLG Frankfurt…, Beschluss vom 02.09.2015 - 23 U 24/15, juris Rn. 23).
Dabei stellt der BGH ausdrücklich darauf ab, dass bei Fehlen einer ordnungsgemäßen Belehrung über das Widerrufsrecht nicht sichergestellt sei, dass dem Versicherungsnehmer zur Zeit der Kündigung bewusst sei, neben dem Kündigungsrecht ein Recht zum Widerruf zu haben, um so die Vor- und Nachteile einer Kündigung gegen die eines Widerrufs abwägen zu können (BGH…, Urteil vom 16. Oktober 2013 - IV ZR 52/12, Juris Rn. 24; ebenso OLG Stuttgart…, Urteil vom 06.09.2015- 6 U 21/15, Juris Rn. 52; OLG Hamm, Urteil vom 4. November 2015- I-31 U 64/15 Rn. 24).
Demzufolge wird die Frage, ob durch eine Beendigung des Darlehensvertrages das Widerrufsrecht entfallen ist, in der Rechtsprechung der Oberlandesgerichte auch einhellig im Rahmen eines Rechtsmissbrauches erörtert (vgl. nur OLG Hamburg…, Urteil vom 26. Februar 2016 - 2 U 92/15, Juris Rn. 29 ff.; OLG Nürnberg…, Beschluss vom 8. Februar 2016 - 14 U 895/15, Juris Rn. 44 ff.; OLG Hamm, Urteil vom 4. November 2015- I-31 U 64/15 Rn. 24).
Damit liegt eine bloße Änderung des Darlehensvertrages vor, die den ursprünglichen Vertrag als solchen - und damit auch das Widerrufsrecht - unberührt ließ (…vgl. BGH, Urteile vom 26. Oktober 2010 - XI ZR 367/07 - Rdnr. 28, und vom 1. Juli 1997 - XI ZR 267/96 - Rdnrn. 17 f. wie hier auch: OLG Hamm, Urteile vom 4. November 2015 - 31 U 64/15 - Rdnr. 24 …und vom 25. März 2015 - 31 U 155/14 - Rdnr. 15, OLG Karlsruhe, Urteil vom 27. Februar 2015 - 4 U 144/14 - Rdnrn. 11 f.; OLG Düsseldorf, Beschluss vom 3. Juli 2014 - 14 U 59/14).
Ein schutzwürdiges Vertrauen kann die Beklagte bereits deshalb nicht für sich in Anspruch nehmen, weil sie die Situation selbst herbeigeführt hat, indem sie den Klägern keine ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung erteilt hat (OLG Hamm, Urteil vom 10.02.2016 - 31 U 41/15 - Urteil vom 04.11.2015 - 31 U 64/15-).
Nach der Rechtsprechung des Oberlandesgerichts Hamm (Urteil vom 04.11.2015 - 31 U 64/15 -) liegt bereits in der Erteilung einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung eine zum Schadensersatz verpflichtende Pflichtverletzung.