Source: https://www.adp-personalmanager.de/fachartikel/-/asset_publisher/SckcQr8nimMm/digitallibrary/id/1263841?p_p_auth=KooPq7Eg
Timestamp: 2018-11-16 15:53:23
Document Index: 199804089

Matched Legal Cases: ['§ 104', '§ 241', '§ 280', '§ 280', '§ 611', '§ 278', '§ 280', '§ 249', '§ 254', 'BGH']

Schäden auf Arbeitnehmerseite: Wann haftet der Arbeitgeber? - Sie wollen nicht nur an der Oberfläche kratzen?
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Bei Personenschäden ist die Haftung des Arbeitgebers in der Regel ausgeschlossen. Der Grund: Bei Arbeitsunfällen tritt die gesetzliche Unfallversicherung ein. Nur wenn er den Unfall vorsätzlich herbeigeführt hat oder es sich um einen (vom Arbeitgeber herbeigeführten) Wegeunfall handelt, muss er dafür eintreten (§ 104 SGB VII). Die Zuständigkeit der Unfallversicherung schließt auch zivilrechtliche Ansprüche aus, die über deren Leistungskatalog hinausgehen (z.B. Schmerzensgeld). Die Regelung stellt also den Unternehmer von zivilrechtlichen Forderungen aufgrund von Schadensereignissen frei und dient auch der Sicherung des Betriebsfriedens. Vorsatz liegt vor, wenn der Unternehmer den Eintritt des Personenschadens gewollt oder billigend in Kauf genommen hat (vgl. dazu LAG Rheinland-Pfalz, 15.05.2014 - 5 Sa 72/14).
Voraussetzung für die zivilrechtlichen Ansprüche des Arbeitnehmers ist, dass der Arbeitgeber den Schaden durch sein Verhalten (Handeln, Dulden oder Unterlassen) verursacht hat. Darüber hinaus ist Voraussetzung, dass der Arbeitgeber durch sein Verhalten seine arbeitsvertraglichen Pflichten (Neben- oder Fürsorgepflichten - § 241 Abs. 2 BGB) verletzt hat. Im Rahmen dieser Pflichten muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass die in den Betrieb mitgebrachten Sach- und Vermögenswerte nicht beschädigt werden oder verloren gehen. Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers schließt aber nicht alle zur Arbeit mitgebrachten Gegenstände ein, sondern nur die persönlich unentbehrlichen Sachen (wie Kleidung oder auch ein angemessener Geldbetrag). Verletzt er diese Schutzpflicht schuldhaft, muss er Schadenersatz leisten (§ 280 Abs. 1 BGB). Bringt der Arbeitnehmer dagegen Dinge zur Arbeit mit, die im Zusammenhang mit der Arbeit nicht notwendig sind, muss der Arbeitgeber bei Verlust oder Beschädigung nicht haften (ArbG Herne, 19.08.2015 - 5 Ca 965/15, LAG Hamm, 21.01.2016 - 18 Sa 1409/15). Ebenso entfällt die Haftung, wenn der Arbeitgeber den Schaden nicht zu vertreten hat, also weder Vorsatz noch Fahrlässigkeit vorliegen (§ 280 Abs. 1 BGB).
Es muss nicht für alle denkbaren Möglichkeiten eines Schadeneintritts Vorsorge getroffen werden. Es sind vielmehr auch unter Berücksichtigung der Fürsorgepflicht nur die Vorkehrungen zu treffen, die geeignet sind, die Schädigung des Arbeitnehmers weitgehend abzuwenden. Wie weit diese Pflicht geht, ist im Einzelfall nach Treu und Glauben unter Berücksichtigung der betrieblichen und örtlichen Verhältnisse zu bestimmen (BAG, 25.05.2000 - 8 AZR 518/99).
Die Verkehrssicherungspflicht gilt auch, wenn der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern einen Firmenparkplatz zur Verfügung stellt (LAG Düsseldorf, 11.09.2017 - 9 Sa 42/17). Er hat dann für dessen Verkehrssicherheit zu sorgen und die durch die Benutzung des Parkplatzes drohenden Gefahren für die abgestellten Fahrzeuge auf ein zumutbares Mindestmaß zurückzuführen. Besondere Umstände begründen eine gesteigerte Fürsorgepflicht. Sie können in einer das Übliche übersteigenden Gefährdung durch Umgebung oder Nachbarschaft liegen, insbesondere wenn Schädigungen voraussehbar und durch zumutbare Maßnahmen zu vermeiden sind (BAG, 25.05.2000 - 8 AZR 518/99). Besteht aufgrund der Umgebung oder der Nachbarschaft eine erhöhte Gefahr von Diebstahl, kann die Verpflichtung bestehen, besondere Maßnahmen (Umzäunung, Wachpersonal) zu ergreifen (ErfK/Preis, § 611 BGB, Rn. 627).
Der Arbeitgeber haftet auch für das Verschulden seiner Erfüllungsgehilfen (§ 278 BGB), also für Vorsatz oder Fahrlässigkeit seiner beauftragten Mitarbeiter, die zu Sach- oder Vermögensschäden bei anderen Arbeitnehmern führen. Erfüllungsgehilfen i.d.S. sind Personen, deren sich der Arbeitgeber zur Erfüllung seiner Fürsorgepflicht bedient. Werkunternehmer, die auf dem Betriebsgelände Arbeiten ausführen und nur aufgrund besonderer Umstände mit dem Eigentum des Arbeitnehmers in Berührung kommen, sind regelmäßig keine Erfüllungsgehilfen des Arbeitgebers (BAG, 25.05.2000 - 8 AZR 518/99).
Ganz entscheidend ist im Streitfall, dass der Geschädigte den ursächlichen Zusammenhang sowohl zwischen dem Verhalten des Arbeitgebers und der Verletzung des Rechtsgutes (wie z.B. des Eigentums des Arbeitnehmers) wie auch zwischen der Rechtsgutverletzung und dem (materiellen) Schaden beweisen muss. Der Arbeitgeber muss ggf. beweisen, dass er die Verletzung seiner Pflichten nicht zu vertreten hat, also weder Vorsatz noch Fahrlässigkeit vorliegt (§ 280 Abs. 1 BGB). Diese Beweislastverteilung entspricht dem Grundsatz, dass jede Partei die Voraussetzungen für die sie begünstigende Rechtsnorm beweisen muss (BAG, 24.04.2008 - 8 AZR 347/07).
Der Schadenersatz umfasst alle direkten und indirekten Nachteile, die sich durch den Schaden ergeben. Der Arbeitnehmer muss also so gestellt werden, wie er ohne das schädigende Ereignis gestanden hätte (§ 249 Abs. 1 BGB). Es gilt aber das sog. Bereicherungsverbot - durch den Schadenersatz darf sich der Arbeitnehmer nicht besser stellen, als ohne den Schaden.
Trägt der Arbeitnehmer am Entstehen des Schadens eine Mitschuld, kann sich sein Anspruch auf Entschädigung vermindern. Inwieweit dies der Fall ist, hängt von den Umständen des Einzelfalles sowie davon ab, in welchem Umfang die Mitschuld besteht (§ 254 BGB). Entscheidend ist dabei, dass der Geschädigte die Sorgfalt außer Acht gelassen hat, die ein verständiger Mensch im eigenen Interesse aufwendet, um sich vor Schaden zu bewahren (BGH, 01.12.2005 - I ZR 31/04, jurionRS 2005, 31574). Ein Mitverschulden kann also vorliegen, wenn der Mitarbeiter für sein Eigentum eine vermeidbare Gefahrenquelle geschaffen, eine vorhandene Gefahrenquelle nicht abgestellt bzw. daraufhin überwacht hat, ob sie sich konkretisiert, oder wenn er Hinweise auf das Vorhandensein einer Gefahr nicht beachtet hat (LAG Düsseldorf, 11.09.2017 - 9 Sa 42/17).
Ausgabe: 2018 » 07 Thema: Recht
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