Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/grundstuecksverkauf-zwischen-zwei-verwaltungstraegern-347997
Timestamp: 2020-01-18 11:17:53
Document Index: 314716070

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 433', '§ 311', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 14', 'BGH', 'BGH', '§ 13', '§ 40', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Grund­stücks­ver­kauf zwi­schen zwei Ver­wal­tungs­trä­gern | Rechtslupe
Grund­stücks­ver­kauf zwi­schen zwei Ver­wal­tungs­trä­gern
An der pri­vat­recht­li­chen Natur eines Grund­stücks­kauf­ver­trags ändert sich nicht dadurch etwas, dass auf bei­den Sei­ten Trä­ger öffent­li­cher Ver­wal­tung betei­ligt sind und der Ver­käu­fer mit der Gewäh­rung eines Preis­nach­las­ses einen öffent­li­chen Zweck ver­folgt. Für Strei­tig­kei­ten aus einem sol­chen Ver­trag ist der Rechts­weg zu den ordent­li­chen Gerich­ten gege­ben, da es sich um eine bür­ger­li­che Strei­tig­keit gemäß § 13 GVG han­delt.
Ob eine Strei­tig­keit öffent­lich- oder bür­ger­lich-recht­lich ist, rich­tet sich, wenn eine gesetz­li­che Rechts­weg­zu­wei­sung fehlt, nach der Natur des Rechts­ver­hält­nis­ses, aus dem der Kla­ge­an­spruch her­ge­lei­tet wird. Die Natur eines durch Ver­trag begrün­de­ten Rechts­ver­hält­nis­ses bestimmt sich danach, ob der Ver­trags­ge­gen­stand dem öffent­li­chen oder dem bür­ger­li­chen Recht zuzu­ord­nen ist 1. Für die Zuord­nung ist maß­geb­lich, ob die Ver­ein­ba­run­gen mit ihrem Schwer­punkt öffent­lich- oder pri­vat­recht­lich aus­ge­stal­tet sind und wel­cher Teil dem Ver­trag das ent­schei­den­de Geprä­ge gibt 2.
Der Schwer­punkt des zwi­schen den Par­tei­en geschlos­se­nen Ver­tra­ges ist dem Zivil­recht zuzu­ord­nen 3.
Der Ver­trag ist sei­nem wesent­li­chen Inhalt nach auf die Über­tra­gung des Eigen­tums an dem Grund­stück der Klä­ge­rin gegen Zah­lung des ver­ein­bar­ten Kauf­prei­ses gerich­tet und damit ein Grund­stücks­kauf­ver­trag, der dem Zivil­recht (§ 433, § 311b Abs. 1 BGB) zuzu­rech­nen ist. An der pri­vat­recht­li­chen Natur ändert sich auch dann nichts, wenn auf einer oder bei­den Sei­ten Trä­ger öffent­li­cher Ver­wal­tung betei­ligt sind 4. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de erhält der Grund­stücks­kauf­ver­trag dadurch, dass der erwer­ben­de Ver­wal­tungs­trä­ger – was regel­mä­ßig der Fall sein wird – das Grund­stück für die Erfül­lung hoheit­li­cher Auf­ga­ben nut­zen will, nicht einen öffent­lich­recht­li­chen Cha­rak­ter. Denn die fis­ka­li­sche Beschaf­fung der erfor­der­li­chen Mit­tel für die Auf­ga­ben­er­fül­lung voll­zieht sich grund­sätz­lich nach den Regeln des Pri­vat­rechts 5.
Der Umstand, dass zu dem Grund­stücks­kauf ein wei­te­rer Rege­lungs­ge­gen­stand in Form des Ver­bil­li­gungs­ab­schlags hin­zu­tritt, mit des­sen Gewäh­rung die Klä­ge­rin den öffent­li­chen Zweck ver­folg­te, dem beklag­ten Land zu einer ange­mes­se­nen Aus­stat­tung an Grund­stü­cken für unmit­tel­ba­re Ver­wal­tungs­zwe­cke zu ver­hel­fen, führt nicht dazu, dass der Grund­stücks­kauf­ver­trag als öffent­lich­recht­lich anzu­se­hen wäre. Die Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben der öffent­li­chen Ver­wal­tung in der Gestal­tungs­form des Pri­vat­rechts hat zwar zur Fol­ge, dass die Nor­men des Pri­vat­rechts durch Bestim­mun­gen des öffent­li­chen Rechts ergänzt, über­la­gert und modi­fi­ziert wer­den kön­nen 6. Sol­che, auch von den ordent­li­chen Gerich­ten zu berück­sich­ti­gen­de 7, öffent­lich-recht­li­chen Bin­dun­gen ändern aber nichts an der Rechts­na­tur des von den Par­tei­en geschlos­se­nen Grund­stücks­kauf­ver­tra­ges als pri­vat­recht­li­chem Ver­trag.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Sep­tem­ber 2012 – V ZB 86/​12
GmS-OBG, Beschluss vom 10.04.1986 – GmS-OBG 1/​85, BGHZ 97, 312, 314 mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 27.01.2005 – III ZB 47/​04, BGHZ 162, 78, 80 f; BGH, Beschluss vom 06.07.2000 – V ZB 50/​99, WM 2000, 2118, 2119; BGH, Urteil vom 12.11.1991 – KZR 22/​90, BGHZ 116, 339, 342; BVerw­GE 92, 56, 59; BVerw­GE 22, 138, 140[↩]
zu ähn­li­chen Ver­trä­gen vgl. BGH, Urteil vom 06.11.2009 – V ZR 63/​09, NVwZ 2010, 531 Rn. 9; Urteil vom 21.07.2006 – V ZR 158/​05, WM 2006, 2101 Rn. 22; für einen Ver­bil­li­gungs­ab­schlag im Rah­men sog. "Ein­hei­mi­schen­mo­del­le": Urteil vom 29.11.2002 – V ZR 105/​02, BGHZ 153, 93, 96 f. mwN; BVerw­GE 92, 56, 58 f.[↩]
Mau­rer, All­ge­mei­nes Ver­wal­tungs­recht, 17. Aufl., § 14 Rn. 10; Schlet­te, Die Ver­wal­tung als Ver­trags­part­ner, S. 132; vgl. auch BGH, Beschluss vom 02.10.2003 – V ZB 8/​03, NJW-RR 2004, 142, 143[↩]
GmS-OBG, Beschluss vom 10.04.1986 – GmS-OBG 1/​85, BGHZ 97, 312, 315 f. mwN; Kissel/​Mayer, GVG, 5. Aufl., § 13 Rn. 62 f.; Kopp/​Schenke, VwGO, 18. Aufl., § 40 Rn. 25b; Schlet­te, aaO S. 149[↩]
BGH, Urteil vom 06.11.2009 – V ZR 63/​09, NVwZ 2010, 531, 532; BGH, Urteil vom 07.02.1985 – III ZR 179/​83, BGHZ 93, 372, 381[↩]
BGH, Urteil vom 16.04.2010 – V ZR 175/​09, NJW 2010, 3505, 3506 mwN[↩]
Bürgerlich-rechtliche StreitigkeitGrundstücksübertragungordentliche GerichtsbarkeitRechtswegZivilprozess