Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/gesellschaftsrecht/die-fristlose-kuendigung-des-vorstandsmitglieds-einer-genossenschaft-3170538?utm_campaign=twitter&utm_medium=twitter&utm_source=twitter
Timestamp: 2019-11-19 19:15:49
Document Index: 204381078

Matched Legal Cases: ['§ 40', '§ 40', '§ 24', '§ 24', '§ 112', '§ 39', '§ 112', '§ 24', '§ 112', '§ 84', '§ 24', '§ 39', '§ 40', '§ 24', '§ 39', '§ 5', '§ 24', '§ 24', '§ 40', '§ 40', '§ 24', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 626', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Aus der Her­lei­tung der Kün­di­gungs­zu­stän­dig­keit der Gene­ra­lo­der Ver­tre­ter­ver­samm­lung durch den Bun­des­ge­richts­hof ergibt sich, dass es bei die­ser Zustän­dig­keit auch nach der Genos­sen­schafts­rechts­no­vel­le ver­blie­ben ist. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Ent­schei­dungs­zu­stän­dig­keit der Gene­ra­lo­der Ver­tre­ter­ver­samm­lung für die frist­lo­se Kün­di­gung eines Vor­stands­mit­glieds durch­weg damit begrün­det, dass nach § 40 GenG allein der Gene­ral­ver­samm­lung die Ent­schei­dung über die Abbe­ru­fung eines Vor­stands­mit­glieds und die frist­lo­se Kün­di­gung sei­nes Dienst­ver­hält­nis­ses zuste­he. § 40 GenG ist aber mit der Genos­sen­schafts­rechts­no­vel­le nicht inhalt­lich ver­än­dert, son­dern nur redak­tio­nell an § 24 Abs. 2 GenG ange­passt wor­den. Die Ein­schrän­kung auf "von der Gene­ral­ver­samm­lung abzu­be­ru­fen­de Mit­glie­der des Vor­stands" statt wie bis­her "Mit­glie­der des Vor­stands" erklärt sich dar­aus, dass § 24 Abs. 2 Satz 2 GenG n.F. im Unter­schied zur Vor­gän­ger­vor­schrift erlaubt, den Auf­sichts­rat durch Sat­zung zur Abbe­ru­fung von Vor­stän­den zu ermäch­ti­gen. Soweit dies gesche­hen ist, bedarf es kei­ner gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung des Auf­sichts­rats mehr, Mit­glie­der des Vor­stands vor­läu­fig von ihren Geschäf­ten zu ent­he­ben 6.
Der Gesetz­ge­ber hat mit der Neu­fas­sung der Vor­schrift im Wesent­li­chen eine sprach­li­che Ver­ein­fa­chung "in Anleh­nung an § 112 AktG" beab­sich­tigt 7. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on lässt sich aus dem Zweck, den § 39 GenG mit § 112 AktG gemein­sam hat, Inter­es­sen­kol­li­sio­nen vor­zu­beu­gen und eine unbe­fan­ge­ne sach­ge­rech­te Ver­tre­tung der Kör­per­schaft sicher­zu­stel­len 8, nichts für die Zustän­dig­keit des Auf­sichts­rats zur frist­lo­sen Kün­di­gung her­lei­ten. Auch legt der Umstand, dass die Vor­schrif­ten einen gemein­sa­men Rege­lungs­zweck ver­fol­gen, kei­nen kom­pe­tenz­recht­li­chen Gleich­lauf mit der Akti­en­ge­sell­schaft nahe. Die Genos­sen­schaft ver­fügt mit der Gene­ra­lo­der Ver­tre­ter­ver­samm­lung über ein beund abbe­ru­fungs­fä­hi­ges Organ (§ 24 Abs. 2 Satz 1 GenG). Bei der Akti­en­ge­sell­schaft ergibt sich die Zustän­dig­keits­bün­de­lung des Auf­sichts­rats zur Bestellung/​Abberufung des Vor­stands und zur Ver­tre­tung gegen­über dem Vor­stand eben­falls nicht allein aus § 112 AktG, son­dern auch aus der aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Anord­nung in § 84 AktG.
BGBl. I S.1911; im Fol­gen­den: Genos­sen­schafts­rechts­no­vel­le[↩]
Beuthi­en, GenG, 16. Aufl., § 24 Rn. 22, 25, § 39 Rn. 4, § 40 Rn. 1; Fand­rich in Pöhlmann/​Fandrich/​Bloehs, GenG, 4. Aufl., § 24 Rn. 42 bis 44, § 39 Rn. 9; Gätsch in Helios/​Strieder, Beck ?sches HdB der Genos­sen­schaft, § 5 Rn. 57; Gei­bel in Henssler/​Strohn, Gesell­schafts­recht, 4. Aufl., § 24 GenG Rn. 13[↩]
Bau­er, Genos­sen­schafts­Hand­buch, § 24 GenG Rn. 246 f., § 40 GenG Rn. 5; ders. in Frankenberger/​Gschrey/​Bauer, Der Auf­sichts­rat der Genos­sen­schaft, 8. Aufl., S.205; Holthaus/​Lehnhoff in Lang/​Weidmüller, GenG, 39. Aufl., § 40 Rn. 12; Keß­ler in Hillebrand/​Keßler, Ber­li­ner Komm. zum GenG, 2. Aufl., § 24 Rn. 82; ders., BB 2006, 561, 563; fer­ner Geschwandtner/​Helios, Genos­sen­schafts­recht, 2007, S. 95; wohl auch Glenk, Genos­sen­schafts­recht, 2. Aufl., Rn. 570[↩]
BGH, Urteil vom 10.03.1960 – II ZR 56/​59, BGHZ 32, 114, 122; Urteil vom 29.03.1973 – II ZR 20/​71, BGHZ 60, 333, 335; Urteil vom 04.10.1973 – II ZR 130/​71, WM 1973, 1320, 1321; Urteil vom 13.02.1984 – II ZR 2/​83, WM 1984, 532, 533; Urteil vom 18.06.1984 – II ZR 221/​83, ZIP 1984, 947, 948; Urteil vom 12.02.2007 – II ZR 308/​05, NZG 2007, 396 Rn. 6[↩]
BT-Drs. 16/​1025, S. 86[↩]
BT-Drs. 16/​1025, S. 85[↩][↩]
BGH, Urteil vom 26.06.1995 – II ZR 122/​94, BGHZ 130, 108, 111; Urteil vom 15.01.2019 – II ZR 392/​17, ZIP 2019, 564 Rn. 23 mwN[↩]
BT-Drs. 16/​1025, S. 84[↩]
BT-Drs. 16/​1025, S. 84 f.[↩]
vgl. zuletzt nur BGH, Beschluss vom 20.11.2018 – II ZB 22/​17, NJW 2019, 517 Rn. 13[↩]
BGH, Urteil vom 15.06.1998 – II ZR 318/​96, BGHZ 139, 89, 92; Urteil vom 10.01.2000 – II ZR 251/​98, ZIP 2000, 508, 510; Urteil vom 10.09.2001 – II ZR 14/​00, ZIP 2001, 1957, 1958; Urteil vom 09.04.2013 – II ZR 273/​11, ZIP 2013, 971 Rn. 12[↩]
BGH, Urteil vom 18.06.1984 – II ZR 221/​83, ZIP 1984, 947, 949 f.; Urteil vom 12.02.2007 – II ZR 308/​05, ZIP 2007, 674 Rn. 6[↩]
BGH, Urteil vom 24.11.1975 – II ZR 104/​73, WM 1976, 77, 78; Urteil vom 09.04.2013 – II ZR 273/​11, ZIP 2013, 971 Rn. 15[↩]
BGH, Urteil vom 09.04.2013 – II ZR 273/​11, ZIP 2013, 971 Rn. 15; vgl. fer­ner BAG, NJW 2011, 2231, 2232; AP BGB § 626 Aus­schluss­frist Nr. 46 mwN[↩]
BGH, Urteil vom 24.11.1975 – II ZR 104/​73, WM 1976, 77, 78; Urteil vom 02.07.1984 – II ZR 16/​84, ZIP 1984, 1113, 1114; Urteil vom 09.04.2013 – II ZR 273/​11, ZIP 2013, 971 Rn. 15[↩]
BGH, Urteil vom 18.06.1984 – II ZR 221/​83, ZIP 1984, 947, 949; Urteil vom 12.02.2007 – II ZR 308/​05, ZIP 2007, 674 Rn. 7; für die GmbH Urteil vom 15.06.1998 – II ZR 318/​96, BGHZ 139, 89, 92 f.[↩]
BGH, Urteil vom 18.06.1984 – II ZR 221/​83, ZIP 1984, 947, 949[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 18.06.1984 – II ZR 221/​83, ZIP 1984, 947, 950; Urteil vom 12.02.2007 – II ZR 308/​05, ZIP 2007, 674 Rn. 7[↩]