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Timestamp: 2020-08-12 12:39:08
Document Index: 37714827

Matched Legal Cases: ['§ 305', '§ 307', '§ 307', '§ 306', '§ 307', '§ 307', '§ 306', '§ 307', '§ 611', '§ 307']

﻿ ﻿ BAG – 8 AZR 717/07 | bag-urteil.com
Vertragsstrafenabrede – AGB-Kontrolle – Kündigungsfrist – Lehrkraft
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 25.09.2008, 8 AZR 717/07
8 AZR 717/07 > Rn 1
8 AZR 717/07 > Rn 2
8 AZR 717/07 > Rn 3
8 AZR 717/07 > Rn 4
8 AZR 717/07 > Rn 5
8 AZR 717/07 > Rn 6
8 AZR 717/07 > Rn 7
8 AZR 717/07 > Rn 8
8 AZR 717/07 > Rn 9
8 AZR 717/07 > Rn 10
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8 AZR 717/07 > Rn 12
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8 AZR 717/07 > Rn 14
8 AZR 717/07 > Rn 15
8 AZR 717/07 > Rn 16
8 AZR 717/07 > Rn 17
8 AZR 717/07 > Rn 18
8 AZR 717/07 > Rn 19
8 AZR 717/07 > Rn 20
8 AZR 717/07 > Rn 21
8 AZR 717/07 > Rn 22
8 AZR 717/07 > Rn 23
8 AZR 717/07 > Rn 24
Nach § 305c Abs. 1 BGB werden Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen dann nicht Vertragsbestandteil, wenn sie nach den Umständen, insbesondere nach dem äußeren Erscheinungsbild des Vertrages, so ungewöhnlich sind, dass der Vertragspartner des Verwenders mit ihnen nicht zu rechnen braucht. Überraschenden Klauseln muss ein „Überrumpelungs- oder Übertölpelungseffekt” innewohnen. Zwischen den durch die Umstände bei Vertragsschluss begründeten Erwartungen und dem tatsächlichen Vertragsinhalt muss ein deutlicher Widerspruch bestehen. Dabei sind alle Umstände zu berücksichtigen, insbesondere das äußere Erscheinungsbild des Vertrages. So kann der ungewöhnliche äußere Zuschnitt einer Klausel oder ihre Unterbringung an unerwarteter Stelle die Bestimmung zu einer ungewöhnlichen und damit überraschenden Klausel machen. Das Überraschungsmoment ist desto eher zu bejahen, je belastender die Bestimmung ist. Im Einzelfalle muss der Verwender ggf. auf die Klausel besonders hinweisen oder diese drucktechnisch hervorheben (Senat 14. August 2007 – 8 AZR 973/06 – AP BGB § 307 Nr. 28 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 28 mwN) .
8 AZR 717/07 > Rn 25
8 AZR 717/07 > Rn 26
8 AZR 717/07 > Rn 27
8 AZR 717/07 > Rn 28
8 AZR 717/07 > Rn 29
8 AZR 717/07 > Rn 30
8 AZR 717/07 > Rn 31
8 AZR 717/07 > Rn 32
8 AZR 717/07 > Rn 33
8 AZR 717/07 > Rn 34
8 AZR 717/07 > Rn 35
8 AZR 717/07 > Rn 36
8 AZR 717/07 > Rn 37
8 AZR 717/07 > Rn 38
8 AZR 717/07 > Rn 39
8 AZR 717/07 > Rn 40
8 AZR 717/07 > Rn 41
8 AZR 717/07 > Rn 42
8 AZR 717/07 > Rn 43
8 AZR 717/07 > Rn 44
8 AZR 717/07 > Rn 45
8 AZR 717/07 > Rn 46
8 AZR 717/07 > Rn 47
8 AZR 717/07 > Rn 48
8 AZR 717/07 > Rn 49
8 AZR 717/07 > Rn 50
8 AZR 717/07 > Rn 51
8 AZR 717/07 > Rn 52
8 AZR 717/07 > Rn 53
8 AZR 717/07 > Rn 54
8 AZR 717/07 > Rn 55
8 AZR 717/07 > Rn 56
8 AZR 717/07 > Rn 57
8 AZR 717/07 > Rn 58
8 AZR 717/07 > Rn 59
8 AZR 717/07 > Rn 60
8 AZR 717/07 > Rn 61
8 AZR 717/07 > Rn 62
8 AZR 717/07 > Rn 63
8 AZR 717/07 > Rn 64
8 AZR 717/07 > Rn 65
8 AZR 717/07 > Rn 66
8 AZR 717/07 > Rn 67
8 AZR 717/07 > Rn 68
8 AZR 717/07 > Rn 69
8 AZR 717/07 > Rn 70
8 AZR 717/07 > Rn 71
8 AZR 717/07 > Rn 72
Im Grundsatz ist im Recht der Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine geltungserhaltende Reduktion nicht vorgesehen. Dies zeigt bereits § 306 Abs. 2 BGB, der bestimmt, dass dann, wenn Bestimmungen nicht Vertragsbestandteil geworden sind, sich der Inhalt des Vertrages nach den gesetzlichen Vorschriften bestimmt. Es kann dahinstehen, ob es Ausnahmefälle gibt, in denen das „Alles – Oder – Nichts – Prinzip” dem Charakter des Arbeitsverhältnisses als einem auf lange Dauer angelegten Dauerschuldverhältnis mit einer für den Verwender der Allgemeinen Geschäftsbedingungen nur eingeschränkten Kündigungsmöglichkeit nicht gerecht wird. Die Unwirksamkeit einer Vertragsstrafenabrede wegen unangemessener Benachteiligung des Arbeitnehmers stellt einen solchen Ausnahmefall nicht dar (Senat 14. August 2007 – 8 AZR 973/06 – AP BGB § 307 Nr. 28 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 28) .
8 AZR 717/07 > Rn 73
8 AZR 717/07 > Rn 74
Eine ergänzende Vertragsauslegung setzt voraus, dass der Regelungsplan der Parteien infolge der durch die Unwirksamkeit einer Vertragsklausel entstandenen Lücke einer Vervollständigung bedarf. Dies ist nur dann anzunehmen, wenn die ersatzlose Streichung der unwirksamen Klausel keine angemessene, den typischen Interessen des AGB-Verwenders und seines Vertragspartners Rechnung tragende Lösung bietet. Allerdings rechtfertigt nicht jede Verschiebung der Gewichte zu Lasten des Verwenders die Annahme einer ergänzungsbedürftigen Lücke. Eine ergänzende Vertragsauslegung käme nur dann in Frage, wenn sich das Festhalten am Vertrag für den Verwender als unzumutbare Härte iSd. § 306 Abs. 3 BGB darstellen würde. Im Rahmen der ergänzenden Vertragsauslegung wäre zu fragen, was die Parteien vereinbart hätten, wenn ihnen die gesetzlich angeordnete Unwirksamkeit der Klausel bekannt gewesen wäre. Es gölte dann, in Ausrichtung am hypothetischen Parteiwillen und am Maßstab von Treu und Glauben eine lückenausfüllende Ersatzregelung zu finden. Während bei der geltungserhaltenden Reduktion nach der Grenze des am Maßstab der §§ 307 ff. BGB zu beurteilenden „gerade noch Zulässigen” gesucht wird, erstrebt die ergänzende Vertragsauslegung einen beiden Seiten so weit wie möglich gerecht werdenden Ausgleich. Grundsätzlich sind die Gerichte jedoch weder zu einer geltungserhaltenden Reduktion unwirksamer Klauseln berechtigt noch dazu, durch ergänzende Vertragsauslegung an die Stelle einer unzulässigen Klausel die zulässige Klauselfassung zu setzen, die der Verwender der Allgemeinen Geschäftsbedingungen voraussichtlich gewählt haben würde, wenn ihm die Unzulässigkeit der beanstandeten Klausel bekannt gewesen wäre (BAG 23. Januar 2007 – 9 AZR 482/06 – AP BGB Ausbildungsbeihilfe § 611 Nr. 38 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 10 mwN) . Eine ergänzende Auslegung im Fall einer unwirksamen Vertragsstrafenabrede würde dem Verwender das Risiko der unzulässig zu weit gefassten Klausel vollständig nehmen und eine Vertragshilfe allein zu seinen Gunsten darstellen. Eine Störung des Gleichgewichts liegt nicht vor. Der Verwender hat es im Übrigen in der Hand, die Vertragsstrafenvereinbarung präzise und auf die unterschiedlichen Fallkonstellationen bezogen zu formulieren (vgl. zur Rückzahlung von Ausbildungskosten BAG 23. Januar 2007 – 9 AZR 482/06 – aaO) . Das vertragliche Vertragsstrafeversprechen entfällt damit ersatzlos.
8 AZR 717/07 > Rn 75
8 AZR 717/07 > Rn 76
8 AZR 717/07 > Rn 77
8 AZR 717/07 > Rn 78
NZA 2009, 370
DB 2009, 569
Das Urteil BAG – 8 AZR 717/07 wird zitiert in: