Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=19.10.2006&Aktenzeichen=1%20BvR%20152/01
Timestamp: 2020-07-03 21:25:01
Document Index: 258280395

Matched Legal Cases: ['Art. 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EGMR', 'BGH']

BVerfG, 19.10.2006 - 1 BvR 152/01, 1 BvR 160/04 - dejure.org
BVerfG, 19.10.2006 - 1 BvR 152/01, 1 BvR 160/04
https://dejure.org/2006,16760
BVerfG, 19.10.2006 - 1 BvR 152/01, 1 BvR 160/04 (https://dejure.org/2006,16760)
BVerfG, Entscheidung vom 19.10.2006 - 1 BvR 152/01, 1 BvR 160/04 (https://dejure.org/2006,16760)
BVerfG, Entscheidung vom 19. Januar 2006 - 1 BvR 152/01, 1 BvR 160/04 (https://dejure.org/2006,16760)
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Zu Sorgfaltsanforderungen bei Verdachtsberichterstattung unter namentlicher Nennung von einer Straftat verdächtigen Personen - Berührung von Belangen der Öffentlichkeit in besonderer Weise bei Berichterstattung über Missstände und Vorkommnisse im Bereich des ...
LG Ansbach, 31.01.2000 - 3 O 5/98
OLG Nürnberg, 20.12.2000 - 9 U 882/00
LG Ansbach, 20.03.2002 - 2 O 129/98
OLG Nürnberg, 19.11.2002 - 3 U 1344/02
BVerfGK 9, 317
Schließlich muss es sich um einen Vorgang von gravierendem Gewicht handeln, dessen Mitteilung durch ein Informationsbedürfnis der Allgemeinheit gerechtfertigt ist (…vgl. Senatsurteile vom 7. Dezember 1999 - VI ZR 51/99, aaO, 203 f. mwN;… vom 17. Dezember 2013 - VI ZR 211/12, aaO Rn. 26;… vom 18. November 2014 - VI ZR 76/14, aaO Rn. 16 mwN; vgl. auch BVerfGK 9, 317, 322).
So darf die Wahrnehmung der von Art. 5 Abs. 1 GG umfassten Gewährleistungen durch die Gewährung einer Geldentschädigung keinen unvorhersehbaren oder unverhältnismäßigen Haftungsrisiken ausgesetzt werden (…vgl. Senatsurteil vom 17. September 2013 - VI ZR 211/12, BGHZ 199, 237, Rn. 38; BVerfGK 9, 317, 322, juris Rn. 32).
Insbesondere dürfen die Gerichte im Interesse der Meinungsfreiheit keine Anforderungen stellen, welche die Bereitschaft zum Gebrauch des Grundrechts herabsetzen und so auf die Meinungsfreiheit insgesamt einschnürend wirken können (vgl. BVerfGE 85, 1 ; BVerfGK 9, 317 ).
Eine Überspannung der Sorgfaltsanforderungen liegt indes nicht bereits darin, dass die Zulässigkeit einer Verdachtsberichterstattung von einem Mindestmaß an Beweistatsachen abhängig gemacht wird, die für den Wahrheitsgehalt der Information sprechen (vgl. BVerfGK 9, 317 ).
Dies kommt entweder in Betracht, wenn es sich um Fälle schwerer Kriminalität oder aber um Straftaten handelt, die - wie hier - die Öffentlichkeit besonders berühren (BVerfG, Beschluss vom 19. Oktober 2006 - 1 BvR 152/01, BeckRS 2012, 56239; BGH, Urteil vom 7. Dezember 1999 - VI ZR 51/99, NJW 2000, 1036; BGH, Urteil vom 7. Dezember 1999 - VI ZR 51/99, BGHZ 143, 199).
Allerdings ist auch das Interesse der Öffentlichkeit an derartigen Äußerungen zu berücksichtigen (…vgl. BVerfG, AfP 2009, 480 Rn. 62 mwN sowie Senatsurteil vom 7. Dezember 1999 - VI ZR 51/99, BGHZ 143, 199, 203 f.; BVerfGE 114, 339, 353 f.; BVerfGK 9, 317, 321; BVerfGK 10, 485, 489;… EGMR, NJW 2000, 1015 Rn. 66;… NJW 2006, 1645 Rn. 78;… NJW 2012, 1058 Rn. 82).
Zudem setzt die namentliche Erwähnung des Betroffenen wohl zusätzlich eine Abwägung dahingehend voraus, ob eine Aufdeckung der Identität durch Namensnennung durch die der Presse vorliegenden Anhaltspunkte gerechtfertigt war (vgl. BVerfG v. 19.10.2006 - 1 BvR 152/01, BeckRS 2012, 56239; BGH v. 07.12.1999 - VI ZR 51/99, NJW 2000, 1036).