Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20ZR%20113/03
Timestamp: 2020-01-27 15:51:23
Document Index: 171790543

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 43', '§ 823', '§ 266', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 64', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 27.06.2005 - II ZR 113/03 - dejure.org
https://dejure.org/2005,906
BGH, 27.06.2005 - II ZR 113/03 (https://dejure.org/2005,906)
BGH, Entscheidung vom 27.06.2005 - II ZR 113/03 (https://dejure.org/2005,906)
BGH, Entscheidung vom 27. Juni 2005 - II ZR 113/03 (https://dejure.org/2005,906)
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GmbHG § 43 Abs. 1; BGB § 823 Abs. 2; StGB § 266
Voraussetzungen für deliktische Haftung als faktischer Geschäftsführer einer GmbH
Deliktische Haftung einer Person als faktischer Geschäftsführer einer GmbH ; Voraussetzungen für die Annahme des Handelns als faktisches Organmitglied; Abbuchungsvollmacht als Indiz für eine faktische Organstellung
Haftung als faktischer GmbH-Geschäftsführer nur bei maßgeblicher Leitung der Gesellschaft mit Außenwirkung
Voraussetzungen der deliktischen Haftung (hier: § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. 266 StGB) einer Person als faktischer Geschäftsführer einer GmbH
Geschäftsführerhaftung ohne Geschäftsführer?
Faktischer Geschäftsführer, Schadensersatzanspruch, Vermögensbetreuungspflicht
Faktische Geschäftsführung im faktischen GmbH-Konzern bei Beherrschung ohne Außenwirkung; Schadensersatzpflicht bei Beteiligung an Untreue
Voraussetzung für die deliktische Haftung einer Person als faktischer Geschäftsführer einer GmbH
Zusammenfassung von "Urteilsanmerkung zu BGH vom 27.6. und 11.7.05 - II ZR 113/03 u. II ZR 235/03) - Deliktische Haftung des faktischen GmbH-Geschäftsführers wegen Verletzung der Insolvenzantragspflicht" von Prof. Dr. Markus Gehrlein, original erschienen in: BB 2005, 1867 - 1871.
Zusammenfassung von "Die Insolvenzverschleppungshaftung des faktischen Geschäftsführers - Zugleich Besprechung der BGH-Urteile vom 27.06.2005 - II ZR 113/03 und 11.07.2005 - II ZR 235/03" von Wiss. Mit. Rouven Redeker, original erschienen in: DZWIR 2005, 497 - 503.
Entscheidend ist insoweit, dass der Betreffende die Geschicke der juristischen Person - über die interne Einwirkung auf deren satzungsmäßige Organe hinaus - durch eigenes Handeln im Außenverhältnis, das die Tätigkeit des rechtlichen Geschäftsführungsorgans nachhaltig prägt, maßgeblich in die Hand genommen hat (Sen.Urt. v. 27. Juni 2005 - II ZR 113/03, ZIP 2005, 1414, 1415).
Entscheidend ist vielmehr, daß der Betreffende die Geschicke der Gesellschaft - über die interne Einwirkung auf die satzungsmäßige Geschäftsführung hinaus - durch eigenes Handeln im Außenverhältnis, das die Tätigkeit des rechtlichen Geschäftsführungsorgans nachhaltig prägt, maßgeblich in die Hand genommen hat (BGHZ 150, 61, 69 f.; BGHZ 104, 44, 48; vgl. ferner Sen.Urt. v. 27. Juni 2005 - II ZR 113/03, Umdr. S. 6, z.V.b.).
Schließlich unterliegt der nach Bedingungseintritt tätig bleibende "faktische" Geschäftsführer dem Pflichtenkreis eines ordentlichen Geschäftsführers und haftet etwa bei einer Missachtung der Insolvenzantragspflicht (§ 64 Abs. 1 GmbHG; vgl. Sen.Urt. v. 11. Juli 2005 - II ZR 235/03, ZIP 2005, 1550 und v. 27. Juni 2005 - II ZR 113/03, ZIP 2005, 1414).
Sind dem Betreffenden solche Kompetenzen nicht übertragen, spricht dies indiziell gegen die Annahme einer faktischen Geschäftsführung, weil sie zu den Essentialien einer Organstellung zählen (vgl. BGH, Urteil vom 27. Juni 2005 - II ZR 113/03, ZIP 2005, 1414).
Dies wird in dem wiedereröffneten Berufungsverfahren unter Beachtung der vom Senat aufgestellten Anforderungen, die für die Annahme einer faktischen Organstellung erfüllt sein müssen (vgl. nur Sen.Urt. v. 27. Juni 2005 - II ZR 113/03, ZIP 2005, 1414; v. 11. Juli 2005 - II ZR 235/03, ZIP 2005, 1550), nachzuholen sein.
Dabei muss dieses Handeln im Außenverhältnis die Gesellschaft nachhaltig prägen, sodass die Person nach dem Gesamterscheinungsbild ihres Auftretens die Geschicke der Gesellschaft selbst maßgeblich in die Hand genommen hat (BGH, Urteil vom 27.6.2005, II ZR 113/03; Urteil vom 11.7.2005, II ZR 235/03).
Ein die Gesellschaft im Außenverhältnis prägendes Handeln liegt frühestens dann vor, wenn die Beklagte zu 4) diese Bankvollmacht auch ausgeübt hat (vgl. BGH, Urteil vom 27.6.2005, II ZR 113/03, Rz 11), was schon nicht vorgetragen ist.
Unerheblich ist schließlich auch, dass es für die Stellung als faktischer Geschäftsführer einer GmbH nicht erforderlich ist, dass der Handelnde die gesetzliche Geschäftsführung völlig verdrängt (BGH, Urteil vom 27.6.2005, II ZR 113/03, Rz 8), während die Beklagte zu 4) die Geschäfte der GM GmbH aber durchaus mehr geprägt haben könnte als die im Register eingetragene Geschäftsführerin ... M..., bei der es sich um eine reine Strohfrau gehandelt haben dürfte.
b) Ein faktischer Geschäftsführer haftet als Verfügungsberechtigter in diesem Sinne, wenn er nach dem Gesamterscheinungsbild seines Auftretens nach außen die Geschicke der GmbH - über die interne Einwirkung auf die satzungsgemäße Geschäftsführung hinaus - maßgeblich in die Hand genommen hat (vgl. ähnlich im Zivilrecht BGH vom 11. Februar 2008 II ZR 291/06, GmbHR 2008, 702; vom 11. Juli 2005 II ZR 235/03, GmbHR 2005, 1453; vom 27. Juni 2005 II ZR 113/05, GmbHR 2005, 1126; vom 25. Februar 2002 II ZR 196/00, BGHZ 150, 61, 69 f.).
Kontozeichnungsbefugnis und Kontoverfügungen für Geschäftskonto der GmbH (vgl. BGH vom 27. Juni 2005 II ZR 113/02, GmbHR 2005, 1126;… BFH vom 13. September 1988 VII R 35/85, BFH/NV 1989, 139);.
OLG Nürnberg, 25.10.2006 - 4 U 875/06
LG Kaiserslautern, 23.07.2008 - 3 O 1158/04