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Timestamp: 2016-10-22 08:50:14
Document Index: 288694310

Matched Legal Cases: ['Art. 9', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 9', 'BGE', 'Art. 9']

U 110/99 (12.04.2000)
N.________, Beschwerdef�hrer, vertreten durch lic. iur. K.________,
A.- Der 1946 geborene N.________ arbeitete seit April 1996 bei der B.________ AG, als Heizungsmonteur und war in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen Unf�lle versichert. Am 9. September 1997 zog er sich beim eine Treppe hinunter f�hrenden Transport eines Gusseisenradiators mit einem "Sackrolli", welchen er mit einem Arbeitskollegen, A.________, ausf�hrte, eine Verletzung im Bereich von Brustbein und rechter Schulter zu. Die SUVA befragte den Versicherten am 11. Dezember 1997 zum Vorfall und nahm verschiedene �rztliche Berichte zu den Akten. Gest�tzt darauf verneinte sie mit Verf�gung vom 3. Februar 1998 den Anspruch auf Versicherungsleistungen mangels Vorliegens eines Unfalles bzw. einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung. Daran hielt sie auf Einsprache des Versicherten hin fest (Einspracheentscheid vom 12. M�rz 1998).
B.- Beschwerdeweise liess N.________ beantragen, es sei der Einspracheentscheid aufzuheben und die SUVA zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Eine nach Abschluss des Schriftenwechsels unaufgefordert eingereichte weitere Eingabe, welcher ein als "Pr�zisierung des Sachverhaltes" betiteltes Schreiben des Versicherten vom 9. Dezember 1998 und ein Best�tigungsschreiben von A.________ vom 2. Dezember 1998 beigelegt waren, wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich mit Verf�gung vom 15. Dezember 1998 aus dem Recht. Dem am 8. Januar 1999 gestellten Antrag, A.________ als Zeuge zu den n�heren Umst�nden des Unfalles zu befragen, gab das Gericht nicht statt und wies die Beschwerde mit Entscheid vom 15. Februar 1999 ab.
C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst N.________ das im kantonalen Verfahren gestellte Rechtsbegehren erneuern.
W�hrend die SUVA unter Hinweis auf den angefochtenen Entscheid und ihre im kantonalen Verfahren eingereichte Beschwerdeantwort auf Stellungnahme verzichtet, l�sst sich das Bundesamt f�r Sozialversicherung nicht vernehmen.
1.- Im angefochtenen Entscheid werden die massgebenden Bestimmungen �ber den Unfallbegriff (Art. 9 Abs. 1 UVV) und die unfall�hnlichen K�rpersch�digungen (Art. 9 Abs. 2 UVV) sowie die Rechtsprechung zum ungew�hnlichen �usseren Faktor (BGE 121 V 37 Erw. 1a, 118 V 283 Erw. 2a; siehe auch BGE 122 V 232 Erw. 1) zutreffend dargelegt. Darauf kann verwiesen werden. Ebenso verh�lt es sich mit den Ausf�hrungen, wonach das f�r den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungew�hnlichen �usseren Faktors nach Lehre und Praxis auch in einer unkoordinierten Bewegung (RKUV 1996 Nr. U 253 S. 204 Erw. 4c; vgl. auch RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 Erw. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 Erw. 2b; Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 176 f.) oder in einem (im Hinblick auf die Konstitution und berufliche oder ausserberufliche Gew�hnung der betreffenden Person) ausserordentlichen Kraftaufwand (vgl. BGE 116 V 139 Erw. 3b; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 Erw. 2) bestehen kann.
Zu erg�nzen ist, dass die Rechtsprechung, gem�ss welcher der Leistungsansprecher die einzelnen Umst�nde des Unfallgeschehens glaubhaft zu machen hat und, falls er dieser Forderung nicht nachkommt, f�r den Unfallversicherer keine Leistungspflicht besteht (BGE 114 V 305 Erw. 5b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50; SVR 1997 UV Nr. 74 S. 256 Erw. 2c), auf den Nachweis unfall�hnlicher K�rpersch�digungen sinngem�ss Anwendung findet (BGE 116 V 140 Erw. 4b). Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat der Richter demnach von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Wird auf Grund dieser Massnahmen das Vorliegen einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse M�glichkeit gen�gt nicht -, so hat diese als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten des Leistungsansprechers auswirkt.
2.- In der Befragung durch die SUVA vom 11. Dezember 1997 erkl�rte der Versicherte, er habe den 1,2 m hohen, 1 m breiten und 20 cm tiefen Radiator, der �ber 100 kg gewogen habe, auf den dreiachsigen Sackrolli gelegt und festgebunden. Beim eine 20-stufige Treppe hinunter f�hrenden Transport (Tritt f�r Tritt) habe ihm ein Lehrling geholfen, wobei dieser den linken Griff des Rollis und er selber den rechten gehalten habe. Als der Rolli bei der f�nftletzten Treppenstufe etwas ruckartig weggerutscht sei, habe er heftig zur�ckgezogen. Dabei habe er einen stechenden Schmerz im Ansatz des rechten Schl�sselbeines versp�rt. Er sei aber weder mit den F�ssen ausgerutscht noch gest�rzt, noch habe er sich angeschlagen.
Mit Bezug auf das Gewicht des Radiators hat die Vorinstanz auf die vom Versicherten urspr�nglich gemachte und im
kantonalen Beschwerdeverfahren wiederholte Angabe abgestellt, wonach der Gusseisenradiator "�ber 100 kg" schwer war. Gleichzeitig hat sie die am 8. Januar 1999 zum Beweis eines Gewichts von "ungef�hr 300 kg" beantragte Einvernahme von A.________ als Zeuge in antizipierter Beweisw�rdigung abgelehnt. Hiegegen wendet der Beschwerdef�hrer zwar zutreffend ein, die Vorinstanz habe sich dabei zu Unrecht von der Maxime leiten lassen, dass die so genannten "Aussagen der ersten Stunde" glaubw�rdiger sind als solche, die - bewusst oder unbewusst - von nachtr�glichen �berlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sind (BGE 121 V 47 Erw. 2a), weil dieser Grundsatz nur bei sich widersprechenden Aussagen des Versicherten und nicht bei Widerspr�chen zwischen dem Versicherten und einer Drittperson Anwendung findet. Im Ergebnis ist indessen die vom kantonalen Gericht vorgenommene Beweisw�rdigung nicht zu beanstanden. Denn es erscheint fraglich, wie genau A.________, der sich geweigert hatte, den Radiator zu transportieren, zu dessen Gewicht �berhaupt Auskunft geben k�nnte. Hinzu kommt, dass A.________ seine Aussage �ber ein Jahr nach dem Ereignis gemacht hat und damit in einem Zeitpunkt, in welchem das menschliche Erinnerungsverm�gen - vor allem mit Bezug auf Details und Einzelheiten eines Geschehens - l�ngst an Konturen verloren hat. Aus diesen Gr�nden erweist sich die urspr�ngliche Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdef�hrers von vornherein als glaubw�rdiger als jene des A.________, von dessen Einvernahme insofern keine neuen Erkenntnisse zu erwarten waren. Unter diesen Umst�nden durfte die Vorinstanz in antizipierter Beweisw�rdigung von der beantragten Zeugeneinvernahme absehen (BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d).
3.- Nach Auffassung von Vorinstanz und SUVA ist das Vorliegen eines ungew�hnlichen �usseren Faktors mit Bezug auf den streitigen Vorfall, bei welchem sich der Beschwerdef�hrer eine Verletzung zuzog, als er reflexartig nach dem wegzugleiten drohenden Radiator griff, zu verneinen. Diese Betrachtungsweise steht im Einklang mit der Rechtsprechung, welche in �hnlich gelagerten F�llen im selben Sinne entschieden hat: beim Wiederherstellen des Gleichgewichts durch eine heftige Handbewegung anl�sslich des Transports einer 100 bis 150 kg schweren T�re (Rechtsprechungsbeilage zum SUVA-Jahresbericht 1988 Nr. 8 S. 15), beim Heben eines ca. 60 kg wiegenden Papierstapels und reflexartigen Nachfassen, als dieser in sich zusammenzufallen drohte (Rechtsprechungsbeilage zum SUVA-Jahresbericht 1981 Nr. 4 S. 7), beim ruckartigen An-sich-nehmen eines von einem fahrbaren Wagenheber herunterzufallen drohenden Motors mit einem Gewicht von ca. 80 kg (SUVA-Jahresbericht 1962 Nr. 3a S. 17). Diesen Sachverhalten und dem vom Beschwerdef�hrer geschilderten, vorliegend zu pr�fenden Ereignis ist sodann gemeinsam, dass der nat�rliche Ablauf der K�rperbewegung jeweils nicht durch etwas Programmwidriges oder Sinnf�lliges wie Ausgleiten, Stolpern, reflexartiges Abwehren eines Sturzes beeintr�chtigt wurde (vgl. hiezu RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 Erw. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 Erw. 2b). Insoweit unterscheiden sie sich insbesondere von dem in RKUV 1993 Nr. U 162 S. 53 publizierten Urteil, in welchem das Ausgleiten des am Recht stehenden Bauarbeiters beim Verschieben einer Last (einer rund 120 kg schweren Schachtr�hre) als ungew�hnlicher �usserer Faktor - wenn auch im Sinne eines Grenzfalles - anerkannt wurde. Soweit nun in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erstmals geltend gemacht wird, mit dem reflexartigen Griff nach dem Radiator habe der Versicherte ein Ausrutschen verhindern wollen und insofern eine (den Unfallbegriff erf�llende) reflexartige Abwehrbewegung gemacht, kann dieser Sachverhaltsschilderung nicht gefolgt werden. Abgesehen davon, dass sie den Aussagen der ersten Stunde, welchen rechtsprechungsgem�ss erh�hte Glaubw�rdigkeit zukommt (BGE 121 V 47 Erw. 2a), widerspricht, erscheint eher unwahrscheinlich, dass sich der Beschwerdef�hrer im Falle eines drohenden Sturzes am Radiator festgehalten h�tte.
Etwas Ungew�hnliches l�sst sich schliesslich auch im
Kraftaufwand, welcher f�r den zu zweit ausgef�hrten Transport des 100 kg schweren Radiators erforderlich war, nicht erkennen. Insbesondere vermag der Beschwerdef�hrer aus dem Umstand, dass er nach seinen eigenen Angaben nur noch zu 30 % mit eigentlichen Montagearbeiten besch�ftigt ist und die heute im Allgemeinen verwendeten Radiatoren 30 bis 50 kg wiegen, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Vielmehr darf mit Blick auf die von ihm als Monteur �blicherweise ausge�bten T�tigkeiten von einer gewissen beruflichen Gew�hnung ausgegangen werden. Im �brigen waren auch in den bei Maurer (a.a.O., S. 178 Anm. 359) erw�hnten F�llen, in welchen das Eidgen�ssische Versicherungsgericht eine den Unfallbegriff erf�llende �beranstrengung verneint hat, die zu hebenden Lasten zwischen 60 und 100 kg schwer. Soweit der Beschwerdef�hrer schliesslich darauf hinweist, dass er sich f�r den Transport "sehr weit nach unten b�cken, in die Knie gehen, einen m�glichst guten Stand auf der doch sehr kleinen Treppenstufe finden und nach vorne neigen" musste, ist diese der zu verrichtenden Arbeit angepasste K�rperstellung zwar ungewohnt. Dies indessen gen�gt nicht, um das Merkmal der Ungew�hnlichkeit als gegeben zu betrachten (vgl. BGE 99 V 139 Erw. 1).
4.- Im Falle des Beschwerdef�hrers muss schliesslich auch das Vorliegen einer der in Art. 9 Abs. 2 UVV abschliessend (BGE 116 V 140 Erw. 4a, 147 Erw. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, a.a.O., S. 202) aufgez�hlten unfall�hnlichen K�rpersch�digung verneint werden. Denn weder die von Dr. med. R.________, Spezialarzt f�r Neurologie, FMH, allerdings ohnehin nur als Verdachtsdiagnose erw�hnte Subluxation im Bereiche des Sternoclavikulargelenkes (Bericht vom 17. November 1997) noch die von der Klinik X.________ anl�sslich der Untersuchung vom 18. Dezember 1997 festgestellte Zerrung des Sternoclavikulargelenkes rechts lassen sich unter Art. 9 Abs. 2 lit. b UVV subsumieren, welche Bestimmung nur eigentliche Gelenksverrenkungen (Luxationen) erfasst, nicht aber unvollst�ndige Verrenkungen (Subluxationen) oder Distorsionen, welche durch gewaltsame �berm�ssige Bewegungen zu einer Zerrung der Gelenkskapselb�nder f�hren (Maurer, a.a.O., S. 204).