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Timestamp: 2018-07-23 11:53:23
Document Index: 227547100

Matched Legal Cases: ['§ 24', '§ 24', '§ 24', '§24', '§ 24', '§24', '§ 24']

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#1 | Urheberrechtsgesetzt und § 24 Urheberrechtsgesetz 09.08.2017 12:18
Die Frage kommt ja immer wieder und im Selfpublishing hat man leider keine Rechtsabteilung hinter sich. Ich mache einen kleinen Ausflug in unser Rechtssystem - einfach überlesen, wenn es nicht spannend ist!
Ein kurzer Ausflug in das deutsche Recht (sorry, für das österreichische und schweizerische müssen die jeweiligen Landsmänner- und Frauen sprechen).
Wir haben in Deutschlang kein Fallrecht, wie in den USA. D.h. Urteile aus den USA sind i.d.R. nicht vergleichbar.
Dort gilt - eine Jury und ein Richter entscheiden einen Fall - DIESEN konkreten Fall kann ich bei der nächsten Entscheidung heranziehen - darauf basiert das Rechtssystem in den USA.
Konkret - Müller gegen Müller wurde so und so entschieden - daher fußt der Fall Schmidt gegen Schmidt auf Müller gegen Müller.
Oder - bei X war es so - daher könnte es bei mir auch so sein. (sehr vereinfacht, tatsächlich gibt es ja viele Fälle)
In Deutschland ist es umgekehrt. Wir nutzen feststehene Gesetze und Verordnungen als Rechtsquelle und der jeweilige Fall wird in diese Rechtsquellen "gebeugt" (darunter subsumiert).
Ein Richter kann nicht sagen - Weil Fall X Urherberrechtsverletzung schon einmal SO geklärt wurde, nehme ich das als Grundlage. Er/Sie wird immmer den dazugehörigen Paragraphen nehmen und dann entscheiden. (außerdem haben wir kein Jurysystem - die USA auch nur in STrafsachen ... am Rande*g)
Das ist EINER der Gründe, warum ein Rechststreit in Deutschland sehr oft im Vergleich endet - also es gibt keinen Gewinner, der Kläger verzeichtet auf einen großen Teil der Forderung und bekommt einen kleinen Teil.
Die Frage, die sich ein Richter in D. stellen wird ist also nicht - wie wurde das schon mal entschieden - sondern - wie ist der vorliegende Fall unter den Gegebenheiten von §24 Urheberrechtsgesetz zu verstehen.
Und daher ist eine Pauschalantwort schwer.
Was (für mich, aber ich bin kein Richter) recht eindeutig wäre:
- längere Textzitate, wiederholte Textzitate aus anderen Büchern oder Songtexten. Egal ob sie gekennzeichnet sind, oder nicht.
- ganze Songtexte, die unkommentiert im Text stehen.
- längere Ausschnitte aus einem Songtext - das wären für mich auch 2-4 Zeilen (aber da kommt wieder unser Rechtssytem ins Spiel - das entscheidet ein Richter, nicht ich)
- und klassich - zur Einleitung eines Kapitels steht ein Songtext da, ohne Kommentar und man erkennt nicht, ob er vom Autor oder einem anderen Künstler ist.
- auch was @KarinK genannt hat - Aussprüche, die klar von anderen Menschen stammen. Ehrhadt und Valentin haben ja diese kurzen Gedichte, für die sie sehr bekannt sind - Da sagt auch mein Rechtsverständnis, selbst zwei, drei Sätze sind klar erkennbar von denen.
ABER - lt. § 24 Urherberrechtsgesetzt, wird geprüft, ob es ein "selbständiges Werk" ist - umgangsprachlich - die Schöpfungshöhe.
Besser mit Beispiel - wer die "Känguru-Chroniken von Marc Uwe Kling kennt (genial!), der weiß, M.U. Kling verwendet hier oft falsch zugeordente Zitate, als Kunstgriff, als künstlerisches Mittel, entweder den Urheber oder das Zitat an sich, zu karikieren.
Jeder Richter würde m.E. hier eine sehr hohe Schöpfungshöhe erkennen - Herr Kling hat aus einem (bzw. vielen) Zitat ein "selbständiges Werk" geschaffen.
Außerdem kann man schauen, ob es eine eigene Auseinandersetzung mit einem Text gibt. Hier zitiere ich mal mich, das ist sicher;)
In meinem aktuellen Manuskript lasse ich einen meiner Helden 2x 4 Wörter aus "Moon River" singen/brummen - die habe ich aufgeführt.
DAS ist eine Grauzone. Wahrscheinlich bin ich sicher - es gibt aber noch Luft und ein Richter könnte sagen - ahh, das ist ja nur schmückendes Beiwerk und kein selbständiges Werk - Urheberrechtsverletzung!
Da ich das auch anders schreiben kann - kein Problem
Im gleichen Text denkt ein Protagonist - Moon River? Ja, zwischen uns tut sich auch jedes Mal ein Fluss auf, wenn wir uns annähern (sinngemäß) - hier dürften (nach meinem Rechtsemfpinden) auch 4 Wörter stehen - da danach eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Text folgt und daraus ein neues, ein selbständiges Werk entsteht.
WARUM um alles in der Welt gibt es eigentlich §24?
Um die Freiheit der Kunst zu schützen!
Weil es schon seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden üblich ist, sich inspirieren zu lassen und das sogar eine Ehre für den jeweiligen Künstler ist - bzw. weil es bei, sagen wir, faschistischer Kunst erlaubt sein muss, sich kritisch mit ihr - in einem künstlerischen Zusammenhang - auseinanderzusetzen - das wäre ja sonst gar nicht möglich.
Ja, ich verstehe, dass das erschlägt, daher - im Zweifelsfall und bei Unlust sich näher damit zu beschäftigen:
Ihr drüft i.d.R. Künstler nennen und Titel von Songs und Filmen - den Rest kann man umschreiben.
#2 | RE: Urheberrechtsgesetzt und § 24 Urheberrechtsgesetz 09.08.2017 14:04 (zuletzt bearbeitet: 09.08.2017 14:36)
Wenn mir das ein Gesetz so eindeutig sagt, werde ich mich daran halten können; ansonsten kann es u.U. sein, dass mich der eine Richter in diesem oder jenem Fall eines Besseren belehrt, was ein anderer Richter hätte durchgehen lassen.
Der Haken an der Sache ist eben, wann etwas noch zur Regel gehört, und wann nicht.
Gegen das einfache Nennen ist wohl nichts einzuwenden; denn das passiert im richtigen Leben ja auch. Gleichwohl sollte man das nicht als Rechtsberatung auffassen! Problematisch wird es indes, wenn mit der Nennung Deutungen einhergehen, politischer Art z.B.
Ich habe einmal dieses Problem gehabt (Mehrfachnennung eines Werkes und seiner Titel mitsamt der Künstler), weil es thematisch passte.
War mir auch unsicher, ob das so ginge. Habe beim Management nachgefragt und eine positive Antwort bekommen. Da war ich dann auf der wirklich sicheren Seite.
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