Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/abwassergebuehren-und-die-rueckwirkende-gebuehrenerhebung-3121934?pk_campaign=feed&pk_kwd=abwassergebuehren-und-die-rueckwirkende-gebuehrenerhebung
Timestamp: 2020-04-02 14:41:21
Document Index: 94200860

Matched Legal Cases: ['§ 38', 'Art. 13', '§ 169', '§ 169', 'Art. 5', '§ 10127', '§ 6', '§ 10127']

Die neue Abwas­ser­sat­zung ist auch nicht ihrer­seits wegen "neu­er" Feh­ler nich­tig. Im dazu von Gebüh­ren­schuld­ner­sei­te in Bezug genom­me­nen Urteil 6 hat­te der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof die Fra­ge zu klä­ren, ob auch die dor­ti­ge Gebüh­ren­schuld­ne­rin als Nicht­ei­gen­tü­me­rin, aber schuld­recht­lich Berech­tig­te an dem Grund­stück Schuld­ne­rin der Abwas­ser­ge­büh­ren ist. Er kam dabei unter der Rn. 33 zu dem Ergeb­nis, dass viel dafür spre­che, "dass schuld­recht­lich Berech­tig­te gene­rell erst dann als mög­li­che Gebüh­ren­schuld­ner ein­be­zo­gen wer­den soll­ten, wenn ihre Antei­le ent­spre­chend den Vor­schrif­ten der §§ 38, 40 und 42a [der Sat­zung] auch tech­nisch geson­dert fest­ge­stellt wer­den kön­nen." Das bedür­fe aber kei­ner Ent­schei­dung, weil "selbst dann, wenn eine Rück­wir­kung inso­weit vom Sat­zungs­ge­ber beab­sich­tigt gewe­sen sein soll­te, sie wegen Ver­sto­ßes gegen höher­ran­gi­ges Recht unwirk­sam wäre." Die Aus­nah­me vom Rück­wir­kungs­ge­bot zur "Hei­lung" von Alt­sat­zun­gen mit feh­ler­haf­tem Abwä­gungs­maß­stab gel­te "nicht für abge­schlos­se­ne Tat­be­stän­de, wie den Kreis der Gebüh­ren­schuld­ner. Die neue Rege­lung stel­le sich daher als mit dem Rechts­staats­prin­zip nicht zu ver­ein­ba­ren­de, rück­wir­ken­de Erwei­te­rung der Abga­ben­pflich­ti­gen dar." Daher müs­se es dabei blei­ben, dass Schuld­ner der Abwas­ser­ge­bühr nicht die dor­ti­ge Gebüh­ren­schuld­ne­rin, son­dern aus­schließ­lich der Eigen­tü­mer des Grund­stü­ckes sei.
Grund­sätz­lich dür­fen die Gebüh­ren­zah­ler in ihrer Gesamt­heit nur mit den Kos­ten belas­tet wer­den dür­fen, die durch die Erbrin­gung der in Anspruch genom­me­nen Leis­tung ent­ste­hen, sog. "Äqui­va­lenz­prin­zip" 13. Dar­aus folgt in zeit­li­cher Hin­sicht, dass sie grund­sätz­lich auch nur mit den Kos­ten belas­tet wer­den dür­fen, die wäh­rend einer Nut­zungs­pe­ri­ode anfal­len, "Prin­zip der Peri­oden­ge­rech­tig­keit" 14. Um die Gemein­den und Land­krei­se in die Lage zu ver­set­zen, Gebüh­ren über meh­re­re Jah­re kon­stant zu hal­ten, sind mit ent­spre­chen­der gesetz­li­cher Grund­la­ge auch mehr­jäh­ri­ge Gebüh­ren­kal­ku­la­tio­nen mög­lich. Die zeit­li­che Regel­be­gren­zung beträgt fünf Jah­re 15.
Die­se Recht­spre­chung gilt indes nur für Bei­trä­ge und gera­de nicht, wie vor­lie­gend, für Gebüh­ren. Fol­ge­rich­tig ist das Bay­KAG zur Umset­zung die­ses Beschlus­ses durch das Gesetz zur Ände­rung des Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­set­zes vom 11.03.2014 22, in Kraft getre­ten am 1.04.2014, auch nur inso­weit geän­dert wor­den. Ein­ge­fügt wur­de Art. 13 Abs. 1 Nr. 4 lit. b, bb Spie­gel­strich 1, wonach "§ 169 AO mit der Maß­ga­be für die Erhe­bung von Kom­mu­nal­ab­ga­ben gilt, dass über § 169 Abs. 1 S. 1 AO hin­aus die Fest­set­zung eines Bei­trags ohne Rück­sicht auf die Ent­ste­hung der Bei­trags­schuld spä­tes­tens 20 Jah­re nach Ablauf des Jah­res, in dem die Vor­teils­la­ge ein­trat, nicht mehr zuläs­sig ist; liegt ein Ver­stoß gegen die Mit­wir­kungs­pflicht nach Art. 5 Abs. 2a vor und kann der Bei­trag des­we­gen nicht fest­ge­setzt wer­den, beträgt die Frist 25 Jah­re".
BVerfG, Beschluss vom 05.03.2013 – 1 BvR 2457/​08, BVerfGE 133, 143[↩][↩]
VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 07.11.2014 – 2 S 1529/​11 33[↩]
VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 11.03.2010 – 2 S 2938/​08, VBlBW 2010, 481-485[↩]
VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 07.11.2014 – 2 S 1529/​11 31[↩]
vgl. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 30.03.2006 – 2 S 831/​05, NVwZ-RR 2006, 686; Urteil vom 07.11.2014, a.a.O. Rn. 33[↩]
VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 07.11.2014, a.a.O.[↩]
st. Rspr., vgl. BVerwG, Beschluss vom 01.08.2001 – 4 B 23.01 4; Säch­s­OVG, Urteil vom 14.07.2015 – 5 A 625/​11 71, Säch­s­OVG, Urteil vom 02.11.2016 – 5 A 519/​14 31 für eine Abwas­ser­sat­zung[↩]
vgl. Vor­la­ge zur Gemein­de­rats­sit­zung am 16.09.2014 zu § 10127 und die dort in Bezug genom­me­nen Beschluss­vor­la­gen von "XXX Kom­mu­nal­be­ra­tung" zur Gebüh­ren­kal­ku­la­ti­on Abwas­ser für den Berech­nungs­zeit­raum 01.01.2008 – 31.12.2008 und den Berech­nungs­zeit­raum 01.01.2009 – 31.12.2009 vom 23.10.2012, jeweils S. 2[↩]
VG Hal­le, Urteil vom 26.10.2010 – 4 A 13/​10[↩]
VG Stutt­gart, Urteil vom 11.07.2014 – 1 K 2390/​12[↩]
VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 18.12.2014 – 2 S 1710/​14[↩]
vgl. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 01.02.2011 – 2 S 550/​09, VBlBW 2011, 353[↩]
Schulte/​Wiesemann, in: Drie­haus, Kom­mu­nal­ab­ga­ben­recht, § 6 Rn. 92[↩]
Vet­ter, in: Christ/​Oebbecke, Hand­buch Kom­mu­nal­ab­ga­ben­recht, Kapi­tel D, Rn. 171[↩]
Quaas, NVwZ 2007, 757, 759 m.w.N.[↩]
zu einer sol­chen Mög­lich­keit: Quaas, NVwZ 2007, 757, 759 m.w.N[↩]
LT-Drs. 9/​3778 S. 10[↩]
vgl. Vor­la­ge zur Gemein­de­rats­sit­zung am 16.09.2014 zu § 10127 und die dort in Bezug genom­me­nen Beschluss­vor­la­gen von "XXX Kom­mu­nal­be­ra­tung" zur Gebüh­ren­kal­ku­la­ti­on Abwas­ser für den Berech­nungs­zeit­raum 01.01.2008 – 31.12.2008 und den Berech­nungs­zeit­raum 01.01.2009 – 31.12.2009 vom 23.10.2012[↩]
VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 20.01.2010 – 2 S 1171/​09 26; OVG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 07.11.1996 – 4 K 11/​96, KStZ 2000, 12; Hess­VGH, Beschluss vom 28.08.1986 – 5 TH 1870/​86[↩]
LT-Drs. 11/​6586, S. 18[↩]
VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 19.09.2002 – 2 S 976/​02[↩]
LT-Drs. 17/​370, S. 13 ff.[↩]
VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 31.12.2014 – 2 S 2366/​13 46[↩]
Wehr, LKV 2006, 241, 243[↩]
BVerfG, Beschluss vom 18.05.2004 – 2 BvR 2374/​99, NVwZ 2004, 1477, 1479 f.[↩]
VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 31.03.2014 – 2 S 2366/​13 46[↩]