Source: https://rd.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-663-14351-2_8
Timestamp: 2019-06-20 23:19:25
Document Index: 120175322

Matched Legal Cases: ['Art. 34', '§ 45', 'Art. 44', '§ 55', 'Art 44', '§ 74', 'Art. 105', '§ 64', 'Art. 33', '§ 22']

Parlamentarische Untersuchungsausschüsse | Springer for Research & Development
Parlamentarische und präsidentielle Demokratie pp 182-206 | Cite as
Das parlamentarische Untersuchungsrecht der Bundesrepublik ist nicht nur das Kind deutscher Verfassungspraxis und -interpretation, es ist vielmehr das vorläufige, spezielle Endergebnis einer Entwicklungsgeschichte, die auf zwei Grundströmungen verweist. Eine relativ konstante englische einerseits und eine recht wechselvolle, doch typische Besonderheiten aufweisende amerikanisch-französisch-belgisch-preußische Entwicklungslinie andererseits. Zwei Linien, die sich 1918/19 bei der Konzeption des Art. 34 der Weimarer Verfassung — inniger miteinander verbinden und damit die Geschichte des modernen deutschen, in bedeutsamer Hinsicht von den Regelungen aller urigen Staaten der Welt abweichenden Untersuchungsrechts einleiten. Wohl läßt sich schon lange vorher eine periodisch intensiver oder schwächer deutlich werdende wechselseitige Einwirkung beider Entwicklungslinien nachweisen, wobei die Engländer mehr zu den Gebenden denn zu den Nehmenden (civil service) gehören. Aber das auf englischem Boden gewachsene „Kunstwerk“ des parlamentarischen Regierungssystems wird erst 1918/19 — in theoretisch abstrahierter Form — als Gestaltungskonzept in die deutsche Verfassungsgeschichte einbezogen und damit der entscheidende „verbindende Schritt“ unternommen. Bis dahin war die deutsche Geschichte des Untersuchungsrechts durch die Namen Montesquieu und Rousseau geprägt, deren Lehren unter dem Dogma des monarchischen Prinzips deutschen Verständnisses interpretiert wurden. An der Wende zur Moderne steht der Name Max Weber.
Hierzu und zum Folgenden Literaturangaben, nähere Erörterungen und zahlreiche Quellenhinweise bei Winfried Steffani: Die Untersuchgsausschüsse des Preußischen Landtages zur Zeit der Weimarer Republik, Düsseldorf 1960.Google Scholar
Josef Redlich: Recht und “Technik des englischen Parlamentarismus, Leipzig 1905, S. 469.Google Scholar
Vgl. dazu Eric Taylor: The House of Commons at Work, 2nd ed., Aylesbury 1955, S. 179 und ebd., Anm. 2.Google Scholar
Vgl. den “Parliamentary Witnesses Oaths Act” von 1871. Das Recht der “select committees”, “to send for persons, papers, and records”, wird durch St. O. (= Standing Order) Nr. 63 bestimmt.Google Scholar
Untersuchungsausschuß und Staatsgerichtshof; Berlin 1920, S. 61.Google Scholar
De l’esprit des Lois (1748), Ausgabe: Classiques Gamier, Bd. I, S. 170.Google Scholar
McGrain v. Daugherty, 273 US. 135, 174 (1927).Google Scholar
Neuere Entscheidungen des Supreme Court sind der Case Watkins v. United States, 345 US. 178, und Seeney v. New Hampshire, 354 US. 234, beide vom 17. Juni 1957.Google Scholar
Du contrat social, Buch II, Kapitel 2.Google Scholar
Vgl. dazu ebd. Buch Il, Kap. 6, mit Buch Ill, Kap. 1.Google Scholar
Metaphysik der Sitten, Erster Teil: „Anfangsgründe der Rechtslehre“, § 45 (1797).Google Scholar
Robert von Mob!: Staatslehre, Tübingen 1860, Bd. I, S. 51.Google Scholar
Egon Zweig „Die parlamentarische Enquete nach deutschem und österreichischem Recht, in: Zeitschrift für Politik, 1913, S. 293.Google Scholar
Vierzig Bücher vom Staate, 2. Aufl., Heidelberg 1839/40, Bd. Ill, S. 263.Google Scholar
Zweig, a.a.O., S. 284.Google Scholar
Vgl. dazu den Legislative Reorganization Act of 1946, Section 136.Google Scholar
Verfassungsänderung und Verfassungswandlung, S. 52. Google Scholar
Sten. Berichte der Nat.-Vers. S. 2434.Google Scholar
Das Parlamentsrecht des Deutschen Reiches, Teil 1, Berlin 1915,S. 228. Google Scholar
Staatsrecht, Bd. I, S. 306. Google Scholar
Encyklopadie der Staatswissenschaften, 2. umgearbeitete Auflage, Freiburg, Tübingen 1872, S. 157, Anm. 12.Google Scholar
„Die Wirksamkeit der Kommissionen in den Parlamenten“, in: Zeitschrift für Politik,1911, S. 71 f., 85.Google Scholar
Vgl. dazu Steffani, a.a.O., S. 54 ff. und S. 127 ff.Google Scholar
Die Untersuchungsausschüsse im Deutschen Staatsrecht, Halle, Wittenberg 1929, S. 12.Google Scholar
Lehrbuch des Vernunftsrechts und der Staatswissenschaften, 2. Aufl., Stuttgart 1840, Bd. II, S. 256.Google Scholar
Sten. Berichte der Preuß. Nat.-Vers., S. 733.Google Scholar
Vgl. dazu Steffani, a.a.O., S. 43, Anm. 4.Google Scholar
Sten. Berichte der I. Kammer (1849/50), S. 1637 f.Google Scholar
Ebd., S. 1637.Google Scholar
Sten. Berichte des Abgeordnetenhauses, S. 118.Google Scholar
Hierzu und zum Folgenden Steffani a.a.o., S. 56 ff.Google Scholar
Sten. Berichte des Abgeordnetenhauses, S. 942.Google Scholar
Sten. Berichte des Norddeutschen Reichstages (1968), S. 267.Google Scholar
Ebd., S. 259.Google Scholar
Preußisches Staatsrecht, Bd. 1, 2. Aufl., Breslau 1911, S. 460.Google Scholar
Walter Lewald „Enquêterecht und Aufsichtsrecht“, in: Archiv des öffentlichen Rechts, 1923, S. 320.Google Scholar
Siehe Steffani, a.a.O., S. 25, Anm. 2 und Heinrich Gerland: Die Beziehungen zwischen dem Parlament und den Gerichten in England Berlin, Leipzig 1928, S. 105 und 103, Anm. 1.Google Scholar
erschienen als Buch unter dem Titel: Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland. Google Scholar
Zitiert bei Marianne Weber: Max Weber, Ein Lebensbild, Heidelberg 1950, S. 630 f.Google Scholar
Max Weber, a.a.O., S. 57.Google Scholar
Vgl. hierzu Ernst Fraenkel: Das amerikanische Regierungssystem, Kbin, Opladen 1960, S. 287 f.Google Scholar
Weber, a.a.O., S. 59.Google Scholar
„Sagen wir etwa: auf Verlangen von 100 Abgeordneten“, ebd., S. 66.Google Scholar
Ebd., S. 66 f.Google Scholar
F.bd., S. 61.Google Scholar
Verhandlungen der verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung, Anlagen, Aktenstück Nr. 391, „Bericht des Verfassungsausschusses“, S. 265 f.Google Scholar
Ebd., S. 265.Google Scholar
Weber, a.a.O., S. 67.Google Scholar
Während der Weimarer Zeit erschienen achtzehn, von 1945 bis 1958 acht juristische Dissertationen, die speziell dem parlamentarischen Untersuchungsrecht gewidmet sind. Siehe Steffani, a.a.O., S. 366 f.Google Scholar
Ich zitiere nach der oben Anm. 38 angeführten Quelle. Lewald, a.a.O., S. 320.Google Scholar
Ebd., S. 320 f.Google Scholar
Ebd., S. 326.Google Scholar
Lewald, a.a.0., S. 318 ff.Google Scholar
Das parlamentarische Untersuchungsrecht, Stuttgart 1925, S. 30 ff.Google Scholar
Lewald, a.a.O., S. 292 f.Google Scholar
Zweig, a.a.O., S. 265 ff.Google Scholar
Vgl. dazu Hans Mensching: Parlamentarische Untersuchungsausschüsse gema]3 Art. 44 GG, Diss., Hamburg 1954, S. 98 ff. und allgemein Günter Halbach: Die Untersuchungsausschüsse des Bundestages, Diss., Köln 1957, S. 63 ff.Google Scholar
Näheres hierzu bei Steffani, a.a.O., S. 321 ff.Google Scholar
Vgl. Gerland, a.a.O., S. 107.Google Scholar
§ 55 StPO.Google Scholar
Dazu Näheres bei Bernhard Cordes: Das Recht der Untersuchungsausschüsse des Bundestages (Art 44 GG), Diss., Münster 1958, S. 86 ff.Google Scholar
Vgl. dazu Ernst Fraenkel, a.a.O., S. 279.Google Scholar
RGZ 104/432: vgl. auch die Entscheidung vom 12. Juli 1921, zitiert bei Lammers-Simon: Die Rechtsprechung des Staatsgerichtshofs für das Deutsche Reich, Bd. I, 1929, S. 378 ff.Google Scholar
Näheres hierzu bei Halbach, a.a.O., S. 58 ff. und Cordes, a.a.O., S. 50 ff.Google Scholar
Hierzu und zum folgenden Näheres bei Steffani, a.a.O., S. 14 ff. und 106 ff. Siehe auch oben S. 92f.Google Scholar
Vgl. etwa die Vorgeschichte, Begründung und Einsetzungsprozedur des am 1.12.1960 vom Berliner Abgeordnetenhaus eingesetzten Untersuchungsausschusses „Zur Klärung der Justiz-krise“; man beachte vor allem die Begründung des CDU-Fraktionsvorsitzenden Endres im Plenum.Google Scholar
Seit 1970 wird in der Geschäftsordnung des Bundestages zwischen Untersuchungsausschüssen gemäß Ar. 44 GG und Enquete-Kommissionen unterschieden. Die Enquete-Kommissionen sollen „zur Vorbereitung von Entscheidungen über umfangreiche und bedeutsame Sachkomplexe“ (§ 74a GO) eingesetzt werden. In ihnen können auch Nichtparlamentarier Mitglieder sein. Sie übernehmen heute im parlamentarischem System der Bundesrepublik die Funktion von Gesetzgebungsuntersuchungen.Google Scholar
Angaben bei Ernst Fraenkel „Diktatur des Parlaments?“, in: Zeitschr. f Politik, 1954, S. 118.Google Scholar
Vgl. Steffani, a.a.O., S. 125–290.Google Scholar
Angaben bei Steffani, a.a.O., 287.Google Scholar
Vgl. ebd., S. 291, Anm. 1.Google Scholar
Welche Rolle dieser Aspekt in den zwanziger Jahren spielte, dazu Steffani, a.a.O., S. 102 f., bes. S. 199 f. und 364 f.Google Scholar
Landesverfassung der Freien und Hansestadt Bremen vom 21. Oktober 1974, Art. 105, Abs. 6, sowie die Geschäftsordnung vom 17. Oktober 1956, § 64.Google Scholar
Verfassung von Berlin vom 1. September 1950, Art. 33, sowie die Geschäftsordnung, Fassung vom 15. Juli 1955, § 22.und in dem Mißstände so gründlich untersucht werden, um dann abgestellt zu werden.“Google Scholar
Protokolle des Verfassungsausschusses der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin, Sitzung vom 26. Oktober 1949, S. 17. — Vgl. auch Suhrs Ausführungen auf der Konferenz der Präsidenten der deutschen Landtage vom 25. und 26. Oktober 1954 in Hannover, Protokolle, bes. S. 49 ff. und 56.Google Scholar
Steffani W. (1979) Parlamentarische Untersuchungsausschüsse. In: Parlamentarische und präsidentielle Demokratie. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden
DOI https://doi.org/10.1007/978-3-663-14351-2_8