Source: https://www.raklinger.de/pflichtteil.html
Timestamp: 2017-06-22 14:14:06
Document Index: 83890695

Matched Legal Cases: ['§ 2303', '§ 2325', '§ 2329', '§ 2303', '§ 2333', '§ 2303', '§ 2314', '§ 2317', '§ 2311', '§ 2303', '§ 2305', '§ 2306', '§ 2307', '§ 2310', '§ 2311', '§ 2312', '§ 2313', '§ 2314', '§ 2315', '§ 2316', '§ 2317', '§ 2325', '§ 2326', '§ 2327', '§ 2329', '§ 2330', '§ 2331', '§ 2332', '§ 2333', '§ 2336', '§ 2337', '§ 2338', '§ 2336']

Pflichtteil und Pflichtteilsrecht des Enterbten | Erbrecht München
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Pflichtteil und PflichtteilsrechtFragen und AntwortenDer Pflichtteil sichert den nahen Angehörigen, die durch Testament enterbt wurden, eine finanzielle Mindestbeteiligung am Nachlass des Erblassers. Er entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils, wird aber nur in Form von Geld beglichen. Der Pflichttelsberechtigte kann zwei Ansprüche geltend machen:
Den ordentlichen Pflichtteilsanspruch, der aus dem Wert des Nachlasses berechnet wird.
Den Pflichtteilsergänzungsanspruch, der aus bestimmten Schenkungen des Erblassers ermittelt wird.
Zur Durchsetzung der Pflichtteilsrechte steht dem Pflichtteilsberechtigten ein Auskunftsanspruch und ein Wertermittlungsanspruch zur Verfügung.
Der Fachanwalt für Erbrecht, Bernhard F. Klinger, mit Kanzlei in München, setzt Pflichtteils- und Pflichtteilsergänzungsansprüche effektiv unter Nutzung des Auskunftsanspruchs und Wertermittlungsanspruchs durch. Die Erben unterstützt der Erbrechtspezialist bei der Abwehr unberechtigter Pflichtteilsforderungen.
Fragen zum Erb- und Pflichtteilsrecht
Was ist der Pflichtanteil? Kann man ein Kind völlig enterben?
Mein Vater möchte mich wegen groben Undanks enterben. Geht das?
Habe ich einen Pflichtanteil, wenn mein Bruder stirbt? Ich bin ein Scheidungskind. Bekomme ich einen Erteil oder Pflichtanteil, wenn mein Vater stirbt?
Meine Großmutter ist verstorben. Habe ich als Enkelkind einen Erbpflichtteil?
Mein Vater hat mich enterbt. Wie hoch ist mein Erb-Pflichtteil?
Mein Vater möchte, dass ich einen Pflichtteilsverzicht unterschreibe. Was muss ich beachten?
Wo kann ich meinen Pflichtanteil einfordern?
Muss der Pflichtanteil sofort ausgezahlt werden?
Wie wird bei der Pflichtteilsberechnung der Wert einer Immobilie ermittelt?
Kann ich mir meinen Pflichtanteil vorzeitig auszahlen lassen?
Wichtige Gesetze zum Pflichtteil
Was ist der Pflichtteil?Der Pflichtteil sichert gemäß § 2303 BGB den nahen Angehörigen des Verstorbenen eine finanzielle Mindestbeteiligung am Nachlass für den Fall, dass der Erblasser sie durch Verfügung von Todes wegen von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen (Enterbung) hat.
Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Im Gegensatz zum (gesetzlichen oder testamentarischen) Erbteil wird der Pflichtteil aber nur in Form von Geld beglichen. Der Pflichtteilsberechtigte kann also nicht verlangen, dass er bestimmte Nachlassgegenstände erhält. Umgekehrt können auch die Erben nicht fordern, dass ein Pflichtteilsberechtigter anstelle von Geld einen Gegenstand aus dem Nachlass übernimmt.
Das Gesetz unterscheidet zwei Arten des Pflichtteilsanspruchs:
Zum einen den sog. ordentlichen Pflichtteilsanspruch, der aus dem Wert des zum Zeitpunkt des Erbfalls vorhandenen Nachlass berechnet wird. Zum anderen den sog. Pflichtteilsergänzungsanspruch, der aus bestimmten Schenkungen des Erblassers ermittelt wird (§ 2325 BGB).
Der Pflichtteilsanspruch richtet sich vorrangig gegen den Erben (nicht also gegen einen Vermächtnisnehmer); bei Schenkungen kann ausnahmsweise gemäß § 2329 BGB auch der Beschenkte haftbar sein.Was ist der Pflichtanteil? Wenn juristische Laien von einem „Pflichtanteil“ spricht, meinen sie den gesetzlichen Pflichtteil des Enterbten. (§ 2303 BGB)
Beide Begriffe bedeuten also im Grunde das Gleiche, "Pflichtanteil" wird allerdings nur umgangssprachlich verwendet.
Ausführliche Informationen darüber, wem der Pflichtteil zusteht, finden Sie hier.Kann man ein Kind völlig enterben?Eine Enterbung eines Kindes durch Testament ist rechtlich zulässig. Dem Enterbten steht aber ein Pflichtteilsanspruch zu.
Der Pflichtteil ist einerseits der „Notanker“ des Enterbten, der sich mit ein bisschen Glück wenigstens einen halben Erbteil verschaffen kann, und andererseits ein finanzielles Ärgernis für den Erben, der – anders als vom Erblasser vorgesehen – einen Teil des Erbes abgeben muss.Mein Vater möchte mich wegen groben Undanks enterben. Geht das?Eine Enterbung eines Kindes ist durch Testament – sogar ohne Angabe von Gründen oder Motiven – jederzeit möglich. Der gesetzliche Pflichtteilsanspruch kann dem Enterbten aber nur unter sehr engen Voraussetzungen entzogen werden.
Die Pflichtteilsentziehung ist in § 2333 BGB abschließend geregelt und gibt dem Erblasser unter bestimmten Voraussetzungen ausnahmsweise die Möglichkeit, dem Pflichtteilsberechtigten auch noch die diesem vom Gesetz garantierte Mindestbeteiligung am Nachlass zu nehmen. Die Hürden für eine Pflichtteilsentziehung sind hoch. Die Entziehung erfolgt durch letztwillige Verfügung, in der der Erblasser die Entziehungsgründe detailliert darlegen muss.Habe ich einen Pflichtanteil, wenn mein Bruder stirbt? Nein.
Einen Anspruch auf einen Pflichtteil können nur die nächsten Familienangehörigen des Erblassers geltend machen, also seine Abkömmlinge (Kinder, Enkel, Urenkel), sein Ehegatte und – wenn der Erblasser kinderlos verstorben ist – auch seine Eltern.
Zu den Kindern des Erblassers zählen auch nichteheliche und adoptierte Kinder.
Personen ohne Pflichtteilsanspruch: Nicht pflichtteilsberechtigt sind dagegen Stiefkinder und Stiefeltern sowie entferntere Verwandte wie Geschwister, Onkel, Tanten, Neffen und Nichten sowie ein nichtehelicher Lebenspartner des Erblassers.
Detaillierte Informationen finden Sie unter: Wer ist Pflichtteilsberechtigt?Ich bin ein Scheidungskind. Bekomme ich einen Erteil oder Pflichtanteil, wenn mein Vater stirbt?Ja. Der Erbteil und der Pflichtteil eines Kindes, das vom leiblichen Vater oder der leiblichen Mutter durch Testament enterbt wurde, geht bei Scheidung der Eltern nicht verloren.
Hier finden Sie ausführliche Informationen zum Pflichtteilsanspruch.Meine Großmutter ist verstorben. Habe ich als Enkelkind einen Erbpflichtteil?Enkelkinder sind nur dann beim Tod der Großeltern pflichtteilsberechtigt im Sinne des § 2303 BGB, wenn ihr Vater bzw. Mutter vorverstorben ist.
Hier finden Sie ausführliche Informationen zum Pflichtteilsanspruch.Mein Vater hat mich enterbt. Wie hoch ist mein Erb-Pflichtteil?Der Ausdruck "Erb-Pflichtteil" ist nicht ganz korrekt. Richtig müsste es Pflichtteil heißen. Dieser besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Im Gegensatz zum gesetzlichen oder testamentarischen Erbteil wird der Pflichtteil nur in Form von Geld beglichen.
Die Pflichtteilsberechtigten können also nicht verlangen, dass sie bestimmte Nachlassgegenstände erhalten. Umgekehrt kann der Erbe nicht fordern, dass ein Pflichtteilsberechtigter anstelle von Geld einen Gegenstand aus dem Nachlass übernimmt.Mein Vater möchte, dass ich einen Pflichtteilsverzicht unterschreibe. Was muss ich beachten?Man kann schon zu Lebzeiten eines späteren Erblassers einen Pflichtteilsverzicht vereinbaren. Der Verzicht muss aber notariell beurkundet werden.
So können Eltern beispielsweise mit Ihren Kindern einen Pflichtteilsverzicht für den ersten Erbfall vereinbaren, um dem überlebenden Ehegatten die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit zu erhalten. Stirbt ein Ehegatte, (statistisch sterben in der Regel zuerst die Männer) muss der überlebende Ehegatte oft schon knapp kalkulieren, wenn er mit der reduzierten Rente leben muss.
Durch einen Pflichtteilsverzicht ist sichergestellt, dass ihn kein Kind nach dem Tod des Ehegatten wirtschaftlich unter Druck setzen kann. Trotz Pflichtteilsverzicht kann ein Erblasser ein verzichtendes Kind dennoch im Testament als Erbe oder Miterbe einsetzen.
Ausführliche Informationen zum Pflichtteilsanspruch.Wo kann ich meinen Pflichtanteil einfordern?Damit der Pflichtteilsberechtigte die Höhe seines Pflichtteilsanspruch berechnen kann, hat er gegenüber den Erben beziehungsweise der Erbengemeinschaft einen gesetzlichen Auskunftsanspruch und Wertermittlungsanspruch.
Die Erben müssen gemäß § 2314 BGB ein Nachlassverzeichnis vorlegen, in dem alle Nachlassgegenstände und Nachlassschulden genau aufgelistet sind. Dieses Verzeichnis muss auch etwaige ergänzungspflichtige Schenkungen enthalten, also Zuwendungen des Verstorbenen während seiner letzten zehn Lebensjahre sowie alle Schenkungen an den Ehegatten während der Ehezeit ohne zeitliche Begrenzung. Hat sich der schenkende Erblasser an einem Schenkungsgegenstand ein Nutzungsrecht vorbehalten, so müssen auch diese Schenkungen mitgeteilt werden.
Informationen, Fragen und Antworten zu schenkungen finden Sie hier.
Der Pflichtteilsberechtigte kann verlangen, dass dieses Nachlassverzeichnis entweder in privatschriftlicher Form oder von einer Amtsperson – meist einem Notar – erstellt wird. Die Erfahrung zeigt, dass Privatpersonen Nachlassverzeichnisse – entweder aus Unvermögen oder mit Absicht – oft nicht mit der gebotenen Sorgfalt und Vollständigkeit erstellen.
Es empfiehlt sich deshalb für den Pflichtteilsberechtigten, ein notarielles Nachlassverzeichnis einzufordern, da der Notar verpflichtet ist, die Angaben des Erben zur Zusammensetzung des Nachlasses zu überprüfen. Der Pflichtteilsberechtigte hat das Recht, bei der Erstellung des Verzeichnisses hinzugezogen zu werden. Ihm sind hierzu mehrere Terminvorschläge zu unterbreiten, so dass er sich hierauf einstellen kann.
Der Pflichtteilsberechtigte sollte das Recht zur persönlichen Anwesenheit wahrnehmen, da er dadurch die Möglichkeit hat, sich bei der Aufnahme des Nachlassverzeichnisses einen unmittelbaren Eindruck von dessen Vollständigkeit zu verschaffen.Muss der Pflichtanteil sofort ausgezahlt werden?Ein Pflichtteilsanspruch entsteht, wenn eine pflichtteilsberechtigte Person durch Testament oder Erbvertrag von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen worden ist.
Der Pflichtteilsanspruch ist gemäß § 2317 BGB sofort bei Eintritt des Erbfalls fällig.Wie wird bei der Pflichtteilsberechnung der Wert einer Immobilie ermittelt?Die Höhe des Pflichtteilsanspruch ist in erster Linie vom Wert des Nachlasses im Sinne des § 2311 BGB abhängig:
Es müssen daher zunächst alle Vermögenswerte, die zum Nachlass gehören, ermittelt und bewertet werden. Danach werden alle Schulden, die der Verstorbene hinterlassen hat, und die mit dem Erbfall selbst zusammenhängenden Schulden (zum Beispiel Bestattungskosten) abgezogen. Aus diesem sogenannten „Reinnachlass“ wird dann rechnerisch der Pflichtteilsanspruch ermittelt.
Bei unbebauten Grundstücken, Wohn- und Mietshäusern sowie Eigentumswohnungen muss sorgfältig – am besten durch Einholung eines Grundbuchauszugs – geprüft werden, ob der Verstorbene Alleineigentümer dieser Immobilie war oder vielleicht sein Ehegatte als Miteigentümer im Grundbuch eingetragen ist. Bei der Bewertung von Immobilien wird nicht auf etwaige steuerliche Werte geachtet, sondern der aktuelle „Verkehrswert“ angesetzt, der durch Einholung eines Sachverständigengutachtens ermittelt werden muss, wenn sich die Beteiligten nicht auf einen Betrag einigen können.
Kann ich mir meinen Pflichtanteil vorzeitig auszahlen lassen?Nein.
Die bis zum 1.4.1998 bestehende Möglichkeit, dass ein nichteheliches Kind vom leiblichen Vater einen vorzeitigen Erbausgleich verlangen konnte, wurde vom Gesetzgeber ersatzlos gestrichen. Selbstverständlich kann zwischen dem Erb- oder Pflichtteilsberechtigten und dem späteren Erblasser noch zu Lebzeiten einvernehmlich ein Erb- oder Pflichtteilsverzicht gegen Zahlung einer Abfindung vereinbart werden. Dieser Vertrag bedarf der notariellen Beurkundung.
Ausführliche Informationen zur vorweggenommenen Erbfolge finden Sie hier.Wichtige Gesetze
Wichtige Gesetze zum Pflichtteil§ 2303 BGB ‑ Pflichtteilsberechtigte; Höhe des Pflichtteils
§ 2305 BGB ‑ Zusatzpflichtteil
§ 2306 BGB ‑ Beschränkungen und Beschwerungen
§ 2307 BGB ‑ Zuwendung eines Vermächtnisses
§ 2310 BGB ‑ Feststellung des Erbteils für die Berechnung des Pflichtteils
§ 2311 BGB ‑ Wert des Nachlasses
§ 2312 ‑ Wert eines Landguts
§ 2313 BGB ‑ Ansatz bedingter, ungewisser oder unsicherer Rechte; Feststellungspflicht des Erben
§ 2314 BGB ‑ Auskunftspflicht des Erben
§ 2315 BGB ‑ Anrechnung von Zuwendungen auf den Pflichtteil
§ 2316 BGB ‑ Ausgleichungspflicht
§ 2317 ‑ Entstehung und Übertragbarkeit des Pflichtteilsanspruchs
§ 2325 ‑ Pflichtteilsergänzungsanspruch bei Schenkungen
§ 2326 ‑ Ergänzung über die Hälfte des gesetzlichen Erbteils
§ 2327 ‑ Beschenkter Pflichtteilsberechtigter
§ 2329 ‑ Anspruch gegen den Beschenkten
§ 2330 ‑ Anstandsschenkungen
§ 2331a ‑ Stundung
§ 2332 ‑ Verjährung
§ 2333 ‑ Entziehung des Pflichtteils
§ 2336 ‑ Form, Beweislast, Unwirksamwerden
§ 2337 ‑ Verzeihung
§ 2338 ‑ Pflichtteilsbeschränkung
(2) Auf Anordnungen dieser Art finden die Vorschriften des § 2336 Abs. 1 bis 3 entsprechende Anwendung. Die Anordnungen sind unwirksam, wenn zur Zeit des Erbfalls der Abkömmling sich dauernd von dem verschwenderischen Leben abgewendet hat oder die den Grund der Anordnung bildende Überschuldung nicht mehr besteht.	Auszeichnungen: