Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/kassenarzt-ltd-347896
Timestamp: 2020-08-08 06:49:22
Document Index: 88564796

Matched Legal Cases: ['§ 95', '§ 95', '§ 98', '§ 31', '§ 95', '§ 95', '§ 33', '§ 95', '§ 95', '§ 95', '§ 95', '§ 81', 'BGH', '§ 95', '§ 95', '§ 124', '§ 124', '§ 95', '§ 124', '§ 95', '§ 95', 'Art 100', 'Art 12', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'Art 18', '§ 29', '§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 23', 'Art 12', 'Art 12', '§ 95', 'BGH', 'Art 12', 'BGH', '§ 95', '§ 95', 'Art 12', '§ 32', '§ 95', '§ 773', 'Art 3', '§ 95', '§ 95', '§ 95', 'Art 3', '§ 95', '§ 95', '§ 95', '§ 32', 'BGH', 'BGH', '§ 124', 'BGH', 'BGH', '§ 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 95', '§ 23', '§ 95']

Kassenarzt-Ltd. | Rechtslupe
Ein ein­zel­ner Arzt (Zahn­arzt, Psy­cho­the­ra­peut) kann sei­ne ver­trags­ärzt­li­che Tätig­keit nicht in der Rechts­form einer juris­ti­schen Per­son des Pri­vat­rechts aus­üben.
Nach § 95 Abs 1 Satz 1 SGB V kön­nen nur Ärz­te bzw Psy­cho­the­ra­peu­ten als natür­li­che Per­so­nen zur ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung zuge­las­sen wer­den. § 95 Abs 1 SGB V sieht Aus­nah­men für das MVZ vor; in ande­rem Sta­tus als dem der Zulas­sung kön­nen auch juris­ti­sche Per­so­nen an der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung betei­ligt sein, zB als ermäch­tig­te ärzt­lich gelei­te­te Ein­rich­tung (§ 98 Abs 2 Nr 11 SGB V iVm § 31 Ärz­te-ZV). Der Zulas­sungs­sta­tus, an dem der Klä­ger allein inter­es­siert ist, ist für juris­ti­sche Per­so­nen nicht erreich­bar, soweit in die­ser Rechts­form ein­zel­ne Leis­tungs­er­brin­ger ver­trags­ärzt­lich tätig wer­den wol­len. Die Rege­lung des § 95 Abs 1 Satz 6 Halb­satz 1 SGB V in der bis zum 31.12.2011 gel­ten­den Fas­sung, wonach sich MVZ „allen zuläs­si­gen Orga­ni­sa­ti­ons­for­men bedie­nen“ konn­ten (heu­te ein­ge­schränkt in § 95 Abs 1a SGB V), gilt für Ver­trags­ärz­te nicht ent­spre­chend, soweit die­se nicht in einem MVZ tätig sind bzw wer­den wol­len. Inso­weit besteht im wis­sen­schaft­li­chen Schrift­tum Einig­keit [1]. Das Zulas­sungs­recht ist – wird wie­der­um das MVZ als Beson­der­heit unbe­rück­sich­tigt gelas­sen – ganz auf natür­li­che Per­so­nen aus­ge­rich­tet. Selbst bei Gemein­schafts­pra­xen, die als Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten eine recht­li­che Ver­selbst­stän­di­gung auf­wei­sen, sind die Zulas­sun­gen arzt­be­zo­gen [2], die Geneh­mi­gung nach § 33 Abs 3 Satz 1 Ärz­te-ZV betrifft unge­ach­tet ihrer Sta­tus­re­le­vanz ledig­lich die Gestat­tung einer beson­de­ren Form der Berufs­aus­übung.
Zuge­las­sen wer­den nach § 95 Abs 1 Satz 1 SGB V „Ärz­te“; „Ärz­te“ kön­nen sich um die Zulas­sung nach § 95 Abs 2 Satz 1 SGB V bewer­ben, wenn sie in das Arzt­re­gis­ter ein­ge­tra­gen sind (§ 95a, § 95c SGB V für Psy­cho­the­ra­peu­ten). Die Zulas­sung bewirkt die Mit­glied­schaft in der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung (KÄV), deren Dis­zi­pli­nar­ge­walt sich nach § 81 Abs 5 Satz 1 SGB V (nur) auf ihre Mit­glie­der erstreckt. Für MVZ und die dort täti­gen Ärz­te gel­ten zahl­rei­che Son­der­re­ge­lun­gen, die die in einem MVZ täti­gen ange­stell­ten Ärz­te in vie­ler Hin­sicht den Ver­trags­ärz­ten gleich­stel­len [3]. Ohne ver­gleich­ba­re Rege­lun­gen über die Rech­te und Pflich­ten eines bei einer juris­ti­schen Per­son täti­gen oder durch sie han­deln­den Arzt (Psy­cho­the­ra­peut) fehlt für die Zulas­sung einer juris­ti­schen Per­son des Pri­vat­rechts zur ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung jede recht­li­che Grund­la­ge.
Soweit der Klä­ger für mög­lich hält, die für Ärz­te im MVZ gel­ten­den Rege­lun­gen auf das von ihm geplan­te Modell der Aus­übung der psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Tätig­keit in der Rechts­form der von ihm (mit-)gegründeten und (mit-)getragenen Ltd. sinn­ge­mäß im Wege der Aus­le­gung zu über­neh­men, folgt der Senat dem nicht. Jede Aus­le­gung fin­det ihre Gren­ze am ein­deu­ti­gen Wort­laut der Norm sowie der erkenn­ba­ren Rege­lungs­ab­sicht des Gesetz­ge­bers. Es gibt kei­ne Hin­wei­se dar­auf, dass der Gesetz­ge­ber den Weg zur Aus­übung der ver­trags­ärzt­li­chen Tätig­keit für ein­zel­ne Ärz­te in der Rechts­form einer juris­ti­schen Per­son öff­nen woll­te. Auf die umstrit­te­ne Ent­schei­dung des BGH zur (begrenz­ten) berufs­recht­li­chen Zuläs­sig­keit der „Zahn­heil­kun­de-GmbH“ [4] hat der Gesetz­ge­ber nicht mit Ände­run­gen des SGB V reagiert, und in Reak­ti­on auf die Bestre­bun­gen der Bun­des­ärz­te­kam­mer zur Libe­ra­li­sie­rung des ärzt­li­chen Berufs­rechts sind ua die Rege­lun­gen über die Anstel­lung von Ärz­ten in ver­trags­ärzt­li­chen Pra­xen denen im MVZ ange­gli­chen wor­den (§ 95 Abs 9 SGB V zum 1.01.2007; Abs 9b zum 1.01.2012). Für eine Ent­kop­pe­lung von Zulas­sungs­sta­tus und Per­son des Ver­trags­arz­tes gibt es in der Geset­zes­ent­wick­lung kei­ner­lei Anhalts­punk­te.
Wort­laut und Ziel­set­zung des § 95 Abs 1 SGB V unter­schei­den sich auch grund­le­gend von § 124 Abs 2 SGB V, der sich mit der Zulas­sung von Heil­mit­tel­an­bie­tern befasst. Dazu hat der 3. Senat des BSG ent­schie­den, nichts deu­te dar­auf hin, dass nach die­ser Vor­schrift die Mög­lich­keit der Ver­sor­gung von Ver­si­cher­ten der Kran­ken­kas­sen in Form einer GmbH oder einer sons­ti­gen juris­ti­schen Per­son, abwei­chend vom Berufs­recht, aus­ge­schlos­sen sein soll­te [5]. § 124 Abs 1 SGB V spricht von „zuge­las­se­nen Leis­tungs­er­brin­gern“ und stellt nicht – wie § 95 Abs 1 SGB V – auf Per­so­nen ab. Zudem ist aus § 124 Abs 3 SGB V zu schlie­ßen, dass die qua­li­täts­be­zo­ge­nen Anfor­de­run­gen auch von Per­so­nen erfüllt wer­den kön­nen, die bei einer juris­ti­schen Per­son ange­stellt sind.
Auch eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung des § 95 Abs 1 SGB V führt nicht zu dem vom Klä­ger gewünsch­ten Ergeb­nis. Dabei kann an die­ser Stel­le offen­blei­ben, ob eine sol­che Aus­le­gung zur Wah­rung der grund­recht­lich geschütz­ten Belan­ge des Klä­gers gebo­ten wäre. Jeden­falls wäre eine sol­che Aus­le­gung aus­ge­schlos­sen, weil sie die Gren­zen ver­letz­ten wür­de, die den Gerich­ten nach der Recht­spre­chung des BVerfG für eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung gezo­gen sind. Die­se sind erreicht, wenn ein Aus­le­gungs­er­geb­nis erzielt wird, das erkenn­bar dem Wil­len des Gesetz­ge­bers wider­spricht und des­sen Vor­rang bei der Gestal­tung der Rechts­ord­nung nicht beach­tet wür­de [6]. Wenn der Gesetz­ge­ber kraft Ver­fas­sungs­rechts gehal­ten wäre, die ver­trags­ärzt­li­che Tätig­keit gene­rell für juris­ti­sche Per­so­nen zu öff­nen, dürf­te auch das BVerfG ihn nur dazu ver­pflich­ten und nicht im Ein­zel­nen vor­ge­ben, wie dies umzu­set­zen wäre. Genau dar­auf lie­fe aber die – ohne­hin nur sinn­ge­mäß mög­li­che – Über­tra­gung der für die Zulas­sung von MVZ gel­ten­den Regeln auf die Zulas­sung von juris­ti­schen Per­so­nen des Pri­vat­rechts hin­aus, unter denen ein­zel­ne Ver­trags­ärz­te oder Berufs­aus­übungs­ge­mein­schaf­ten an der Ver­sor­gung der Ver­si­cher­ten teil­neh­men wol­len.
Die aus § 95 SGB V abzu­lei­ten­de feh­len­de Zulas­sungs­fä­hig­keit von juris­ti­schen Per­so­nen des Pri­vat­rechts als Rechts­form für die ver­trags­ärzt­li­che Tätig­keit von Ärz­ten (Zahn­ärz­ten, Psy­cho­the­ra­peu­ten) steht mit dem Grund­ge­setz im Ein­klang. Für eine Vor­la­ge an das BVerfG zur Klä­rung die­ser Rechts­fra­ge nach Art 100 Abs 1 GG besteht kein Anlass.
Auch aus Art 12 Abs 1 GG ergibt sich kein Recht, in jeder berufs­recht­lich zuläs­si­gen Rechts­form auch an der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung teil­zu­neh­men. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt teilt weder die Prä­mis­se die­ser Auf­fas­sung, der Psy­cho­the­ra­peut dür­fe zwei­fels­frei in der Rechts­form der von ihm (mit-)gegründeten Ltd. berufs­recht­lich psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Leis­tun­gen erbrin­gen, noch die Schluss­fol­ge­rung von einer – unter­stellt – berufs­recht­li­chen Gestal­tung auf deren zwangs­läu­fi­ge ver­trags­recht­li­che Zuläs­sig­keit als Aus­wir­kung der grund­recht­lich geschütz­ten Berufs­aus­übungs­frei­heit.
Der Gesetz­ge­ber ist nicht ver­pflich­tet, jede von einem Berufs­an­ge­hö­ri­gen gewünsch­te Rechts­form für die Aus­übung der frei­be­ruf­lich aus­zu­üben­den ärzt­li­chen oder psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Heil­kun­de zur Ver­fü­gung zu stel­len [7]. Das Urteil des BGH zur berufs­recht­li­chen Zuläs­sig­keit der Zahn­heil­kun­de-GmbH steht nicht in Wider­spruch zu die­sem Grund­satz. Der BGH hat am 25.11.1993 nicht ent­schie­den, dass die zustän­di­gen Lan­des­ge­setz­ge­ber die Aus­übung der zahn­ärzt­li­chen Heil­kun­de in der Rechts­form der GmbH zulas­sen müs­sen, er hat ledig­lich der von ihm zu beur­tei­len­den Vor­schrift des § 1 Zahn­heil­kun­de­ge­set­zes kein hin­rei­chend kon­kre­tes Ver­bot der Aus­übung der Zahn­heil­kun­de in der Rechts­form einer GmbH ent­nom­men [8].
Die Rechts­la­ge ist inso­weit im Bun­des­ge­biet nicht ein­heit­lich. In Bay­ern ist die Aus­übung der Heil­kun­de gene­rell in der Rechts­form der juris­ti­schen Per­son des Pri­vat­rechts aus­ge­schlos­sen (Art 18 Abs 1 Satz 2 Heil­be­ru­fe-Kam­mer­ge­setz); der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof sieht inso­weit kei­nen Grund­rechts­ver­stoß [9]. § 29 Abs 2 Satz 3 HeilBG Nord­rhein-West­fa­len lässt die Füh­rung einer Ein­zel- oder Gemein­schafts­pra­xis in der Rechts­form einer juris­ti­schen Per­son des Pri­vat­rechts zu, soweit die Kam­mern in der Berufs­ord­nung dazu Anfor­de­run­gen fest­ge­legt haben, die sicher­stel­len, dass die heil­kund­li­che Tätig­keit eigen­ver­ant­wort­lich, unab­hän­gig und nicht gewerb­lich aus­ge­übt wird. Das für den Klä­ger maß­geb­li­che HeilBG Rhein­land-Pfalz ent­hält in § 20 Abs 2 kei­ne Aus­sa­gen zu mög­li­chen Rechts­for­men, bin­det in Satz 1 aber die Aus­übung der ärzt­li­chen und psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Tätig­keit an die Nie­der­las­sung in eige­ner Pra­xis; nach Satz 2 gilt die Bin­dung an die „eige­ne“ Pra­xis nur dann nicht, wenn der Arzt für einen Trä­ger tätig wird, der aus­drück­lich nicht gewerbs- oder berufs­mä­ßig medi­zi­ni­sche Leis­tun­gen erbringt. Damit wäre die Tätig­keit des Klä­gers im Anstel­lungs­ver­hält­nis bei „sei­ner“ Ltd. jeden­falls unver­ein­bar, weil die­se gera­de berufs­mä­ßig Heil­kun­de erbrin­gen soll.
§ 20 der Berufs­ord­nung der rhein­land-pfäl­zi­schen Lan­des-Psy­cho­the­ra­peu­ten-Kam­mer erwei­tert die Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten der The­ra­peu­ten nicht. Die Vor­schrift lässt ledig­lich für die beruf­li­che Koope­ra­ti­on mit ande­ren Ange­hö­ri­gen des Berufs­stan­des oder Ange­hö­ri­gen ande­rer Berufs­grup­pen „alle recht­lich mög­li­chen For­men“ zu, trifft aber zur Rechts­form­wahl bei einer Ein­zel­pra­xis kei­ne nähe­ren Fest­le­gun­gen. Der Ver­weis des § 20 Satz 1 der Berufs­ord­nung auf die „selb­stän­di­ge“ Aus­übung der Tätig­keit dürf­te mit der Abhän­gig­keit des Klä­gers von sei­ner berufs­frem­den Ehe­frau als gleich­be­rech­tig­te Mit­in­ha­be­rin der Ltd. kol­li­die­ren. Auch die Vor­ga­be des § 23a der (Mus­ter-)Berufs­ord­nung für die in Deutsch­land täti­gen Ärz­tin­nen und Ärz­te (MBO‑Ä) wäre nicht gewahrt. Nach Abs 1 die­ser Vor­schrift kön­nen zwar Ärz­tin­nen und Ärz­te auch in der Form der juris­ti­schen Per­son des Pri­vat­rechts ärzt­lich tätig sein, doch dür­fen Gesell­schaf­ter einer Ärz­te­ge­sell­schaft nur Ärz­te sein. Bei Gesell­schaf­tern mit ande­ren Ange­hö­ri­gen von Heil- und Heil­hilfs­be­ru­fen müs­sen Ärz­te die Mehr­heit der Gesell­schafts­an­tei­le hal­ten und die Geschäf­te füh­ren. Das ist in der Ltd. des Klä­gers nicht gewähr­leis­tet. Aus all­dem ist abzu­lei­ten, dass der­zeit weder gene­rell jede Form der Aus­übung der Heil­kun­de in Form einer juris­ti­schen Per­son noch spe­zi­ell die vom Klä­ger geplan­te Tätig­keit in sei­ner Ltd. ohne Wei­te­res berufs­recht­lich zuläs­sig wäre.
Jeden­falls ver­letzt die Bin­dung der ver­trags­ärzt­li­chen Zulas­sung an eine natür­li­che Per­son Grund­rech­te des Klä­gers nicht. Die Vor­schrif­ten des SGB V und der Ärz­te-ZV, aus denen sich der Aus­schluss juris­ti­scher Per­so­nen vor der Zulas­sung ergibt, genü­gen den Anfor­de­run­gen, die an Berufs­aus­übungs­re­ge­lun­gen iS des Art 12 Abs 1 Satz 2 GG zu stel­len sind.
Nach Art 12 Abs 1 Satz 2 GG kann die Berufs­aus­übung nur durch Gesetz oder auf­grund eines Geset­zes gere­gelt wer­den. Das ist in § 95 SGB V gesche­hen. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klä­gers kommt es nicht dar­auf an, dass es kein aus­drück­li­ches gesetz­li­ches Ver­bot der vertrags-(zahn-)ärztlichen/-psychotherapeutischen Tätig­keit durch juris­ti­sche Per­so­nen gibt. Soweit er unter Bezug­nah­me auf die Recht­spre­chung des BGH zur „Zahn­ärz­te-GmbH“ [10] das Feh­len einer gesetz­li­chen Grund­la­ge für einen Ein­griff in Art 12 Abs 1 Satz 1 GG rügt, lässt er außer Acht, dass die­se Ent­schei­dun­gen die berufs­recht­li­che Ebe­ne ärzt­li­cher Tätig­keit betra­fen. Die zugrun­de lie­gen­den Berufs­ord­nun­gen nor­mier­ten nach Ansicht des BGH nicht hin­rei­chend deut­lich, dass die Berufs­aus­übung durch juris­ti­sche Per­so­nen nicht erlaubt sei. Vor­lie­gend schließt das im Ver­trags­arzt­recht nie­der­ge­leg­te Erfor­der­nis der per­sön­li­chen Zulas­sung ein­zel­ner Berufs­trä­ger (§ 95 Abs 1 SGB V) hin­rei­chend kon­kret eine Tätig­keit juris­ti­scher Per­so­nen aus. Eines aus­drück­li­chen Ver­bots bedarf es dane­ben nicht [11]. Es reicht inso­weit aus, wenn ein sol­ches Ver­bot durch Aus­le­gung von Rechts­vor­schrif­ten unter Berück­sich­ti­gung des gesetz­ge­be­ri­schen Wil­lens und ohne Ver­let­zung der aner­kann­ten Aus­le­gungs­grund­sät­ze gewon­nen wer­den kann [12]. Das ist vor­lie­gend der Fall, weil die Vor­schrif­ten über die Zulas­sung so zu ver­ste­hen sind, dass allein eine unmit­tel­ba­re Zulas­sung der Berufs­trä­ger als natür­li­che Per­son zuläs­sig ist und juris­ti­sche Per­so­nen nicht zuge­las­sen wer­den kön­nen.
Der Gesetz­ge­ber hat mit § 95 SGB V das Grund­recht des Art 12 Abs 1 GG auch in zuläs­si­ger Wei­se beschränkt. Die Bin­dung der Zulas­sung an die Per­son des Leis­tungs­er­brin­gers und an das Gebot der per­sön­li­chen Leis­tungs­er­brin­gung (§ 32 Abs 1 Ärz­te-ZV) die­nen dem legi­ti­men Zweck, dass der die Leis­tun­gen erbrin­gen­de (Zahn-)Arzt/Psychotherapeut sei­ner­seits in unmit­tel­ba­rer, auch wirt­schaft­li­cher Ver­ant­wor­tung gegen­über den Leis­tungs­trä­gern für die Leis­tungs­er­brin­gung im Sys­tem der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung steht. Die mit der Zulas­sung ver­bun­de­ne Ver­pflich­tung im Rah­men der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung soll nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers mit der unmit­tel­ba­ren Ver­ant­wor­tung für die kon­kre­te Leis­tungs­er­brin­gung am Ver­si­cher­ten ein­her­ge­hen. Das Ver­hält­nis zwi­schen (Zahn-)Arzt/Psychotherapeut und Pati­ent soll sich per­sön­lich, ver­trau­ens­voll und dis­kret ent­wi­ckeln kön­nen. Dafür muss für den Pati­en­ten unmit­tel­bar erkenn­bar sein, wer die Ver­ant­wor­tung für die Behand­lung trägt und wer mit die­ser wel­che wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen ver­folgt. Dass der Gesetz­ge­ber in die­sem Zusam­men­hang der Haf­tung der an der Ver­sor­gung teil­neh­men­den Leis­tungs­er­brin­ger gegen­über den Kos­ten­trä­gern beson­de­res Gewicht bei­misst, zeigt auch die Rege­lung des § 95 Abs 2 Satz 6 SGB V. Danach ist für die Zulas­sung eines MVZ in der Rechts­form einer GmbH Vor­aus­set­zung, dass die Gesell­schaf­ter selbst­schuld­ne­ri­sche Bürg­schaf­ten für die genann­ten For­de­run­gen der Trä­ger der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung stel­len. Die Begrün­dung die­ser Rege­lung im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren des Ver­trags­arzt­rechts­än­de­rungs­ge­set­zes lässt erken­nen, dass dies auf eine Gleich­stel­lung von Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten und juris­ti­schen Per­so­nen in haf­tungs­recht­li­cher Hin­sicht zielt [13]. Ver­trags­ärz­te, die als Ein­zel­per­so­nen (Ein­zel­pra­xis) oder als Gesamt­hand (Berufs­aus­übungs­ge­mein­schaft) in ver­trags­arzt­recht­li­chen Bezie­hun­gen zu einer KÄV und zu Kran­ken­kas­sen ste­hen, haf­ten per­sön­lich für die Ansprü­che die­ser Insti­tu­tio­nen mit ihrem Pri­vat­ver­mö­gen. Die­se Haf­tungs­er­stre­ckung soll über die selbst­schuld­ne­ri­schen Bürg­schaf­ten (§ 773 BGB) der Gesell­schaf­ter mit­tel­bar auch für zur ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung zuge­las­se­ne juris­ti­sche Per­so­nen gel­ten.
Die Beschrän­kung der Zulas­sung auf natür­li­che Per­so­nen ist zur Errei­chung die­ser Rege­lungs­zwe­cke geeig­net und erfor­der­lich und auch unter dem Gesichts­punkt der Ange­mes­sen­heit nicht zu bean­stan­den. Das Ver­bot, die ver­trags­ärzt­li­che Ein­zel­pra­xis in der Rechts­form einer juris­ti­schen Per­son aus­zu­üben, belas­tet den ein­zel­nen Leis­tungs­er­brin­ger nicht erheb­lich. Betrof­fen ist nicht der Kern­be­reich der beruf­li­chen Tätig­keit, son­dern nur die Wahl der Rechts­form. Soweit damit die steu­er­li­chen Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten ein­ge­schränkt und Haf­tungs­be­schrän­kun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den, wird dies durch die genann­ten Grün­de des All­ge­mein­wohls legi­ti­miert. Der Grund­satz, dass die per­sön­li­che delik­ti­sche Haf­tung durch die Wahl einer haf­tungs­be­schrän­ken­den Rechts­form (GmbH, Ltd.) nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, gilt ohne­hin auch im Rah­men der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung durch Ärz­te und Psy­cho­the­ra­peu­ten [14].
Die Ungleich­be­hand­lung von in Ein­zel­pra­xis zuge­las­se­nen Ärz­ten (Psy­cho­the­ra­peu­ten) und MVZ hin­sicht­lich der Opti­on für die Rechts­form einer juris­ti­schen Per­son des Pri­vat­rechts ver­stößt schließ­lich nicht gegen das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot des Art 3 Abs 1 GG. Inso­weit bestehen tat­säch­li­che und recht­li­che Unter­schie­de von sol­chem Aus­maß und Gewicht, dass eine Ungleich­be­hand­lung gerecht­fer­tigt ist.
Bei dem MVZ han­delt es sich nach der gesetz­li­chen Kon­zep­ti­on um eine Koope­ra­ti­ons­form meh­re­rer Berufs­trä­ger. In § 95 Abs 1 Satz 2 ff SGB V wird das MVZ näm­lich als fach­über­grei­fen­de Ein­rich­tung defi­niert. Dabei spielt es kei­ne Rol­le, dass auf der Betriebs­ebe­ne nicht ledig­lich Ver­trags­psy­cho­the­ra­peu­ten tätig wer­den müs­sen, son­dern auch ange­stell­te Berufs­trä­ger agie­ren kön­nen. Eben­so wenig ist von Belang, dass auf der Grün­dungs­ebe­ne auch ein Ein­zel­ner ein MVZ über eine Ein­mann-Gesell­schaft kre­ieren kann. Der den Grün­dern eines MVZ eröff­ne­ten Opti­on der Rechts­form­wahl liegt der Gedan­ke zugrun­de, dass über eine Koope­ra­ti­on unter­schied­li­cher ärzt­li­cher Fach­ge­bie­te unter­ein­an­der sowie mit nicht­ärzt­li­chen Leis­tungs­er­brin­gern eine Ver­sor­gung „aus einer Hand“ ange­bo­ten wer­den kann [15]. Eine not­wen­di­ge Fol­ge die­ser gesetz­ge­be­risch gewoll­ten Koope­ra­ti­ons­mög­lich­kei­ten ist das Bereit­stel­len der not­wen­di­gen recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für die zweck­ent­spre­chen­de Orga­ni­sa­ti­on der MVZ. Die­ser Orga­ni­sa­ti­ons­rah­men soll neben dem Ermög­li­chen der Zusam­men­ar­beit auch eine Ent­las­tung der Leis­tungs­er­brin­ger von admi­nis­tra­tiv-orga­ni­sa­to­ri­schen Auf­ga­ben bewir­ken [16] wofür wie­der­um eine Ver­selbst­stän­di­gung die­ser Ein­heit gegen­über den die Behand­lung durch­füh­ren­den Berufs­trä­gern sach­ge­recht ist. Die natür­li­che Per­son (Ver­trags­arzt) und das MVZ haben damit zwar den Sta­tus als zuge­las­se­ner Leis­tungs­er­brin­ger gemein­sam; mit dem MVZ ver­folgt der Gesetz­ge­ber aber über die Leis­tungs­er­brin­gung hin­aus­ge­hen­de Zwe­cke, die eine unter­schied­li­che Behand­lung hin­sicht­lich der Orga­ni­sa­ti­ons­mög­lich­kei­ten not­wen­dig bedin­gen und die ver­fas­sungs­ge­mäß umge­setzt wor­den sind.
Das gesetz­ge­be­ri­sche Leit­bild des MVZ ist eine fach­über­grei­fen­de Ein­rich­tung, in der in ers­ter Linie ange­stell­te Ärz­te tätig sind. Die Umset­zung die­ses Leit­bil­des erfor­dert die Bereit­stel­lung eines recht­li­chen Rah­mens für die Trä­ger­schaft. Der Gesetz­ge­ber stellt für die Zeit ab dem 1.01.2012 nur noch die Per­so­nen­ge­sell­schaft, die ein­ge­tra­ge­ne Genos­sen­schaft und die GmbH zur Ver­fü­gung (§ 95 Abs 1a SGB V). Die Neu­re­ge­lung dien­te vor allem dem Aus­schluss der Akti­en­ge­sell­schaft aus dem Kreis der zuläs­si­gen Rechts­for­men [17], hat aber auch zur Fol­ge, dass ein ein­zel­ner Ver­trags­arzt ein MVZ zwar grün­den, aber nicht als Ein­zel­per­son allein betrei­ben kann. Das lässt die Kon­zep­ti­on des Geset­zes erken­nen, die Trä­ger­struk­tur des MVZ zu stär­ken, auch weil die Sta­bi­li­tät eines MVZ, das in gesell­schafts­recht­li­cher Form geführt wird, höher ein­ge­schätzt wird als bei Füh­rung nur durch eine Ein­zel­per­son. Weil in der wirt­schaft­li­chen Rea­li­tät Wirt­schafts­un­ter­neh­men typi­scher­wei­se in der Rechts­form juris­ti­scher Per­so­nen geführt wer­den, lag es nahe, für den Betrieb eines MVZ, das nach Umsatz und Beschäf­tig­ten­zahl durch­aus einem mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men gleich­ste­hen kann, die­sel­ben Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen.
Ohne die Opti­on, ein MVZ in der Rechts­form der GmbH zu betrei­ben, wäre die im Wirt­schafts­le­ben ver­brei­te­te Haf­tungs­be­schrän­kung und der Schutz des per­sön­li­chen Ver­mö­gens der Grün­der – abge­se­hen von der Haf­tung aus der Bürg­schaft nach § 95 Abs 2 Satz 6 SGB V – nicht umsetz­bar gewe­sen. Die Öff­nung des Zulas­sungs­sta­tus für MVZ signa­li­siert des­halb kei­ne gene­rel­le Abkehr des Gesetz­ge­bers von der Kon­zep­ti­on der Bin­dung der ver­trags­ärzt­li­chen Zulas­sung an einen umfas­send per­sön­lich und wirt­schaft­lich ver­ant­wort­li­chen Arzt (Psy­cho­the­ra­peu­ten). Sie ist viel­mehr (nur) unver­meid­li­che Bedin­gung für die Öff­nung der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung auch für ande­re Orga­ni­sa­ti­ons­mo­del­le als die tra­di­tio­nel­le Ein­zel- oder Gemein­schafts­pra­xis. Da der Gesetz­ge­ber mit die­ser Öff­nung legi­ti­me Zie­le ver­folgt – Ver­bes­se­rung der Qua­li­tät der Ver­sor­gung durch Leis­tungs­an­ge­bo­te auf ver­schie­de­nen Fach­ge­bie­ten aus einer Hand; Ver­bes­se­rung der beruf­li­chen Chan­cen von Ärz­ten, die kei­ne selbst­stän­di­ge Tätig­keit anstre­ben – kön­nen aus der Ein­glie­de­rung von Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten in die ver­trags­ärzt­li­che Ver­sor­gung kei­ne wei­ter­ge­hen­den Schlüs­se gezo­gen wer­den: Wo die Vor­tei­le der MVZ für die Ver­sor­gung erreicht wer­den, dür­fen auch juris­ti­sche Per­so­nen zuge­las­sen wer­den; wo das nicht der Fall ist, besteht kein Anlass, auf die Bin­dung der Zulas­sung an den ein­zel­nen Leis­tungs­er­brin­ger zu ver­zich­ten. Für das Begeh­ren des Klä­gers, das Ver­sor­gungs­an­ge­bot einer Ein­zel­pra­xis mit den (mut­maß­li­chen) steu­er- und haf­tungs­recht­li­chen Vor­tei­len einer Gesell­schaft zu kom­bi­nie­ren, bie­tet das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot des Art 3 Abs 1 GG des­halb kei­ne Grund­la­ge.
Die sehr all­ge­mein for­mu­lier­ten Beden­ken gegen die Ver­ein­bar­keit des Zulas­sungs­aus­schlus­ses der Ltd. mit euro­pa­recht­li­chen Vor­schrif­ten grei­fen nicht durch. § 95 Abs 1 SGB V bin­det die Zulas­sung an eine natür­li­che Per­son; juris­ti­sche Per­so­nen deut­schen Rechts wie aus­län­di­schen Rechts sind nicht zulas­sungs­fä­hig. Damit ent­fällt jede Basis für die Annah­me einer Dis­kri­mi­nie­rung der Ltd. zu Guns­ten der GmbH.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 15. August 2012 – B 6 KA 47/​11 R
Atter­mey­er, Die ambu­lan­te Arzt­pra­xis in der Rechts­form der GmbH, 2005, S 198; Hens­s­ler, ZIP 1994, 844, 847; Hencke in Peters, Hand­buch der Kran­ken­ver­si­che­rung – Stand Janu­ar 2012 – § 95 SGB V RdNr 3; Hess in Kas­se­ler Komm – Stand Juni 2012 – § 95 SGB V RdNr 6; Kai­ser, Die Ärz­te-GmbH, 2006, S 306, 316; Laufs, MedR 1995, 11, 16; Ramol­la in Liebold/​Zalewski, Kas­sen­arzt­recht – Stand Juni 2010 – C 95–11 f; Taupitz, NJW 1992, 2317, 2318 f; Wer­ten­bruch, NJW 2003, 1904[↩]
vgl BSG vom 23.06.2010 – B 6 KA 7/​09 R, BSGE 106, 222 = SozR 4–5520 § 32 Nr 4, RdNr 34; Engel­mann, ZMGR 2004, 3, 10[↩]
vgl – unter dem spe­zi­el­len Aspekt der Zulas­sungs­ent­zie­hung – BSG, Urteil vom 21.03.2012 – B 6 KA 22/​11 R[↩]
BGH vom 25.11.1993, BGHZ 124, 224[↩]
BSGE 77, 130, 134 f = SozR 3–2500 § 124 Nr 2 S 17 f[↩]
BVerfGE 128, 157, 179; BVerfGE 122, 39, 61[↩]
vgl BGH vom 18.07.2011, NJW 2011, 3036, 3038 zur Unzu­läs­sig­keit der Gestal­tung einer Rechts­an­walts­ge­sell­schaft als GmbH & Co KG[↩]
BGHZ 124, 224, 228 ff[↩]
Bay­VerfGHE 52, 173 = NJW 2000, 3418; vgl auch Ratzel/​Knüpper in: Ratzel/​Luxenburger (Hrsg), Hand­buch Medi­zin­recht, 2. Aufl 2011, § 5 RdNr 140[↩]
BGH vom 25.11.1993 – I ZR 281/​91 – BGHZ 124, 224, 228 ff; zuvor schon BGH vom 30.11.1977 – IV ZR 69/​76 – BGHZ 70, 158, 166 ff[↩]
vgl BVerfG vom 08.04.1998 – 1 BvR 1773/​96, BVerfGE 98, 49, 59; sie­he auch BSG vom 05.11.1997 – 6 RKa 52/​97, BSGE 81, 143, 144 f = SozR 3–2500 § 95 Nr 16 S 51[↩]
BVerfG vom 06.12.2011 – 1 BvR 2280/​11, NJW 2012, 993, 994 f[↩]
BT-Drucks 16/​2474 S 21[↩]
vgl zB Kili­an in: D. Prüt­ting (Hrsg), Fach­an­walts­kom­men­tar Medi­zin­recht, 2. Aufl 2012, § 23a MBO‑Ä RdNr 3[↩]
BT-Drucks 15/​1525 S 108 lin­ke Spal­te[↩]
hier­zu BSG vom 21.03.2012 – B 6 KA 22/​11 R, RdNr 28[↩]
Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs, BT-Drucks 17/​6906 S 71[↩]
Kas­­sen­­arzt-Ltd. Ein ein­zel­ner Arzt (Zahn­arzt, Psy­cho­the­ra­peut) kann sei­ne ver­trags­ärzt­li­che Tätig­keit nicht in der Rechts­form einer juris­ti­schen Per­son des Pri­vat­rechts aus­üben. Nach § 95 Abs 1 Satz…
BerufsausübungsgemeinschaftLimitedVertragsarzt