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Timestamp: 2019-11-17 17:24:29
Document Index: 357654315

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 20', '§ 20']

Frotscher/Geurts, EStG § 6 Bewertung / 23.4 Unentgeltliche Übertragung eines Mitunternehmeranteils | Haufe Personal Office Platin | Personal | Haufe
Gegenstand einer unentgeltlichen Übertragung einer Wirtschaftseinheit zu Buchwerten nach § 6 Abs. 3 EStG kann schließlich auch ein Mitunternehmeranteil (Rz. 320ff.) oder ein Bruchteil hiervon sein. Ein Mitunternehmeranteil ist nur handelsrechtlich ein einheitlicher Vermögensgegenstand, steuerrechtlich jedoch kein Wirtschaftsgut; er verkörpert vielmehr die Summe aller Anteile an den zum Gesellschaftsvermögen gehörenden Wirtschaftsgütern. Neben den Anteilen an den Wirtschaftsgütern des Gesamthandsvermögens zählt zum Mitunternehmeranteil auch das Sonderbetriebsvermögen des Gesellschafters. Gehören zum Sonderbetriebsvermögen funktional wesentliche Betriebsgrundlagen – z. B. das vom Gesellschafter an die Personengesellschaft verpachtete Betriebsgrundstück –, so muss auch das Grundstück als Sonderbetriebsvermögen neben dem Gesellschaftsanteil auf den unentgeltlichen Erwerber übertragen werden; eine vorherige Veräußerung oder steuerneutrale Ausgliederung nach § 6 Abs. 3 EStG ist dabei unschädlich (Rz. 471).
Will der Übertragende eine wesentliche Betriebsgrundlage seines Sonderbetriebsvermögens zurückbehalten, so steht ihm die vorherige Übertragung z. B. auf eine (andere) gewerblich geprägte Personengesellschaft offen (Rz. 471).
Der Erwerber muss die Mitunternehmerstellung des Übertragenden erlangen und fortführen. Dem steht nicht eine Klausel entgegen, im Fall der Scheidung den Anteil wieder zurückübertragen zu müssen und auch nicht die Vereinbarung einer Rückfallklausel des Inhalts, dass der Übernehmer sich zur Rückübertragung des Anteils verpflichtet, sollte er seine Mitunternehmerschaft zu Lebzeiten des Übertragenden aufgeben. Hingegen erlangt der Erwerber die Mitunternehmerstellung nicht, wenn die tatsächliche Herrschaft über den Mitunternehmeranteil weiterhin beim Übertragenden verbleibt, etwa infolge einer jederzeitigen Widerrufbarkeit der Schenkung oder eines vorbehaltenden Weisungsrechts des Schenkers. Steuerschädlich kann auch der Vorbehalt eines Nießbrauchs des Übertragenden hinsichtlich des Mitunternehmeranteils sein. Denn aufgrund dessen gibt er seine Mitunternehmerstellung nicht vollständig auf, sondern teilt sie sich i. d. R. mit dem Übernehmer. Der BFH hat jedoch für den Fall der entgeltlichen Übertragung eines Mitunternehmeranteils – Gleiches muss für eine unentgeltliche gelten – verlangt, dass der Übertragende seine bisherige Tätigkeit zumindest vorübergehend einstellt.
Gegenstand einer unentgeltlichen Anteilsübertragung i. S. v. § 6 Abs. 3 EStG kann auch ein Bruchteil eines Mitunternehmeranteils sein. Dies ist ausdrücklich in S. 1 Halbs. 2 der Vorschrift geregelt.
Anlässlich der Übertragung eines Bruchteils eines Mitunternehmeranteils braucht funktional nicht wesentliches Betriebsvermögen nicht mit übertragen zu werden. § 6 Abs. 3 EStG ist auch anwendbar, wenn es entnommen oder nach § 6 Abs. 5 EStG zum Buchwert in ein andere Betriebsvermögen überführt wird. Im Fall der Entnahme entsteht ein laufender Gewinn.
Rz. 485a
Funktional wesentliches Sonderbetriebsvermögen muss bei der Übertragung eines Bruchteils eines Mitunternehmeranteils in einem Verhältnis übergehen, das dem Verhältnis des übertragenen Bruchteils zum gesamten Anteil am Gesamthandsvermögen – also quotal – entspricht, damit § 6 Abs. 3 EStG uneingeschränkt anwendbar ist. Der quotale Anteil ist dabei jedoch nur wertmäßig und nicht gegenständlich (wirtschaftsgutbezogen) zu verstehen. Dies bedeutet, dass nicht jedes Wirtschaftsgut quotal mitübertragen werden muss, sondern wertmäßig z. B. nur 30 % des gesamten Sonderbetriebsvermögens. Überträgt der Übertragende funktional wesentliches Sonderbetriebsvermögen unterquotal, so setzt eine Buchwertübertragung nach § 6 Abs. 3 S. 2 EStG voraus, dass der Übernehmer den übernommenen Mitunternehmeranteil über einen Zeitraum von 5 Jahren nicht veräußert oder aufgibt. Diese Behaltefrist endet jedoch spätestens dann, wenn dem Rechtsnachfolger des Teilanteils auch der restliche Bruchteil des Anteils am Gesellschaftsvermögen übertragen wird. Zwar stellen auch die Einbringungen i. S. d. §§ 20 u. 24 UmwStG schädliche Veräußerungen dar. Jedoch soll aufgrund einer Billigkeitsregelung der Finanzverwaltung die Einbringung zu Buchwerten nach §§ 20 oder 24 UmwStG nicht als schädlich angesehen werden, wenn weder die erwerbende Kapital- oder Personengesellschaft den erhaltenen Mitunternehmeranteil sowie die erhaltenen Wirtschaftsgüter des Sonderbetriebsvermögens noch der Einbringende seinen erworbenen Anteil an der übernehmenden Kapital- oder Personengesellschaft ganz oder teilweise veräußert. Eine unentgeltliche Weiterübertragung ist für die Behaltefrist unschädlich; diese geht auf den Rechtsnachfolger über. Als Nichteinhaltung der Behaltefrist sieht es die Verwaltung jedoch an, wenn das aufgrund unterquotaler Übertragung zurückbehaltene Sonderbetriebsvermögen aufgrund eines Gesamtplans im Zusammenhang mit der unentgeltlichen Aufnahme einer natürlichen Person in ein bestehendes Ein...