Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Frankfurt&Datum=29.06.2011&Aktenzeichen=17%20U%2012/11
Timestamp: 2019-07-15 21:20:41
Document Index: 242385823

Matched Legal Cases: ['§ 280', '§ 31', '§ 280', '§ 2', '§ 31', 'BGH', '§ 31', '§ 31', 'BGH', 'BGH']

OLG Frankfurt, 29.06.2011 - 17 U 12/11 - dejure.org
https://dejure.org/2011,5663
OLG Frankfurt, 29.06.2011 - 17 U 12/11 (https://dejure.org/2011,5663)
OLG Frankfurt, Entscheidung vom 29.06.2011 - 17 U 12/11 (https://dejure.org/2011,5663)
OLG Frankfurt, Entscheidung vom 29. Juni 2011 - 17 U 12/11 (https://dejure.org/2011,5663)
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Aufklärungspflicht der Bank über umsatzabhängige Emissionsvergütung ("Lehman Brothers")
Umfang der Aufklärungspflicht der anlageberatenden Bank über Rückvergütungen beim Erwerb von Zertifikaten der Investmentbank Lehman Brothers
Gebotene Offenlegung des von der Emittentin Lehman Brothers gewährten Rabatts auf den Emissionspreis von 3,5% als umsatzabhängig gewährte Emissionsvergütung; Rechtlicher Charakter des Auftrags zur Beschaffung empfohlener Wertpapiere als Kommissionsgeschäft oder im Eigenhandel auszuführendes Festpreisgeschäft; Informationspflicht gegenüber dem Kunden über die konkrete Gestaltung bei einem Auftrag zur Beschaffung empfohlener Wertpapiere
BGB § 280; WpHG § 31d Abs. 1 Nr. 2
Banken müssen auch bei Festpreisgeschäften über Zuwendungen in Form von Rabatten aufklären
Aufklärungspflicht der Bank über Zuwendung beim Festpreisgeschäft
BGB § 280; WpHG § 2 Abs. 3 Satz 2, § 31
Zur Aufklärungspflicht einer Bank beim Kauf von Lehman-Zertifikaten
LG Frankfurt/Main, 23.12.2010 - 21 O 571/09
LG Frankfurt/Main, 23.12.2010 - 21 O 581/09
BGH, 26.06.2012 - XI ZR 356/10
ZIP 2011, 1462
Eine Mindermeinung hingegen bejaht dies (OLG Frankfurt (17. Zivilsenat), ZIP 2010, 2039, 2040 f. und ZIP 2011, 1462, 1463; Maier, VuR 2009, 369, 371; Zingel/Rieck, BKR 2009, 353, 354; Buck-Heeb, BKR 2010, 1 ff.; Geßner, BKR 2010, 89, 95; Märker, NJOZ 2010, 524, 528; wohl auch Koch, BKR 2010, 177, 184).
Eine Pflicht zur Aufklärung über die Gewinnmarge lässt sich der Vorschrift - entgegen einzelnen instanzgerichtlichen Entscheidungen (OLG Frankfurt (17. Zivilsenat), ZIP 2011, 1462, 1463; vgl. auch OLG Köln, ZIP 2011, 1092, 1093 und WM 2011, 1652, 1653 f.) - nicht entnehmen.
Das Berufungsgericht, dessen Urteil unter anderem in ZIP 2011, 1462 veröffentlicht ist, hat zur Begründung seiner Entscheidung im Wesentlichen ausgeführt:.
Vielmehr hat diese sich mit dem Erwerb der Zertifikate im Eigenhandel die Möglichkeit zum Weiterverkauf und damit der Erzielung einer Handelsmarge (nach eigenständiger Kalkulation) in vollem Umfang erkauft (…Koller in: Assmann/Schneider, WpHG, 6. Aufl., § 31d, Rn. 8, 12 m.w.N.; Habersack, WM 2010, 1245, 1249; Köndgen, JZ 2012, 260, 261; wohl auch Bausch, NJW 2012, 354, 357;… nach anderer Auffassung fehlt es an einem Drittbezug: so Fuchs, § 31d, Rn. 15; Rozok, BKR 2007, 217, 218; für Annahme einer Zuwendung: Schumacher, WM 2011, 678, 680;… Veldhoff, Die Haftung von Kreditinstituten für die fehlerhafte Aufklärung und Beratung von Privatkunden beim Erwerb von Zertifikaten, 2012, S. 305 f.; vgl. auch OLG Frankfurt, ZIP 2011, 1462, Rn. 42, Urteil aufgehoben durch den Bundesgerichtshof laut Pressemitteilung Nr. 99/2012 vom 26.06.2012).
Es kann in diesem Zusammenhang dahinstehen, ob derartige Eigenhandelsgeschäfte in der einschlägigen Geschäftspraxis sogar den Regelfall darstellen (vgl. OLG Frankfurt, Urt. v. 29.06.2011 - 17 U 12/11, aaO., juris Rn. 32 m.w.N.), letztlich ausschlaggebend ist nämlich die objektive Rechtsnatur des konkret zu beurteilenden Wertpapiergeschäfts, wie sie sich unter Berücksichtigung der beiderseitigen Willenserklärungen darstellt (…BGH, Urteile vom 27.09.2011 - XI ZR 178/10, aaO., juris Rn. 53 und XI ZR 182/10, juris Rn. 50).
Sie wurde als Auftraggeberin einer Dienstleistung von der Beklagten über deren Interessenlage im Unklaren gelassen (OLG Frankfurt am Main, Urt. v. 29.06.2011 - 17 U 12/11, aaO., juris Rn. 38;… a. A. OLG Frankfurt am Main, Urt. v. 03.02.2012 - 19 U 177/11, juris Rn. 23).
Auskunftsanspruch des Anlegers bei Wertpapiergeschäften über von der Bank …
Nach Auffassung des Senats kann sich der Kläger auch nicht mit Erfolg darauf berufen, dass bei Wertpapiergeschäften mit der Bank von einer tatsächlichen Vermutung für den Abschluss eines Kommissionsgeschäfts auszugehen sei, weil dieses die Regel und mithin das Festpreisgeschäft den Ausnahmefall bilde (…vgl. BGH Urt. v. 25.6.2002, XI ZR 239/01, juris; OLG Frankfurt, Urt. v. 29.6.2011, 17 U 12/11, juris), über den die Beklagte überdies noch hätte aufklären müssen.