Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OVG%20Nordrhein-Westfalen&Datum=18.06.2008&Aktenzeichen=17%20A%202250/07
Timestamp: 2020-04-06 18:36:12
Document Index: 228604964

Matched Legal Cases: ['§ 25', '§ 48', '§ 15', '§ 104', '§ 25', '§ 48', '§ 49', '§ 50', '§ 104', '§ 11', '§ 1', '§ 25']

OVG Nordrhein-Westfalen, 18.06.2008 - 17 A 2250/07 - dejure.org
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OVG Nordrhein-Westfalen, 18.06.2008 - 17 A 2250/07 (https://dejure.org/2008,2041)
OVG Nordrhein-Westfalen, Entscheidung vom 18.06.2008 - 17 A 2250/07 (https://dejure.org/2008,2041)
OVG Nordrhein-Westfalen, Entscheidung vom 18. Juni 2008 - 17 A 2250/07 (https://dejure.org/2008,2041)
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AufenthG § 25 Abs. 5; AufenthG § 48 Abs. 3; AsylVfG § 15 Abs. 2 Nr. 6; AufenthG § 104 a Abs. 1 S. 1 Nr. 4
D (A), Aufenthaltserlaubnis, Ausreisehindernis, Passlosigkeit, Iran, Iraner, Mitwirkungspflichten, Passbeschaffung, Passersatzbeschaffung, Verschulden, Zumutbarkeit, Freiwilligkeitserklärung, Altfallregelung, Behinderung der Aufenthaltsbeendigung, Verzögerung der ...
Duldung des Aufenthalts iranischer Staatsangehöriger wegen Unmöglichkeit ihrer Abschiebung in Ermangelung von Heimreisedokumenten; Zumutbarkeit der Beantragung von Passersatzpapieren bei der Auslandsvertretung des Heimatstaats durch die Ausreisepflichtigen mit der ...
VG Gelsenkirchen, 05.07.2007 - 8 K 3668/06
BVerwG, 25.09.2008 - 1 PKH 11.08
- OVG für das Land Nordrhein-Westfalen - 18.06.2008 - AZ: OVG 17 A 2250/07.
Eine Mitwirkungshandlung, die von vornherein erkennbar aussichtslos ist, kann dem Ausländer nicht abverlangt werden, vgl. BVerwG, Beschluss vom 15. Juni 2006 - 1 B 54/06 -, juris, Rn. 4; OVG NRW, Urteil vom 18. Juni 2008 - 17 A 2250/07 -, juris, Rn. 35.
Weitere Ermittlungen sind insoweit nicht veranlasst, zumal auch andere Tatsachengerichte das Erfordernis einer solchen Freiwilligkeitserklärung festgestellt haben (OVG Münster, Urteil vom 18. Juni 2008 - 17 A 2250/07 - AuAS 2008, 208 - juris, Rn. 45 ff.; VG Hamburg…, Urteil vom 20. Oktober 2006 - 10 K 6115/04 - juris, Rn. 15 ff.; vgl. auch OLG Nürnberg…, Urteil vom 16. Januar 2007 - 2 St OLG Ss 242/06 - juris, Rn. 44 ff.).
Die überwiegende Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte hält die Abgabe einer Freiwilligkeitserklärung dagegen für zumutbar (OVG Münster, Urteil vom 18. Juni 2008 - 17 A 2250/07 - juris, Rn. 55 ff. …und Beschluss vom 5. Juni 2007 - 18 E 413/07 - juris, Rn. 5; OVG Berlin-Brandenburg…, Urteil vom 14. Juni 2007 - 3 B 34.05 - juris, Rn. 55; VGH München…, Beschluss vom 3. August 2007 - 19 ZB 07.1163 - juris, Rn. 5; OVG Lüneburg…, Urteil vom 11. Dezember 2002 - 4 LB 471/02 - juris, Rn. 26 ff.; VGH Kassel, Beschluss vom 28. Januar 2005 - 9 ZU 1412/04; OVG Koblenz…, Beschluss vom 5. April 2007 - 7 A 10108/07 u. a. - juris, Rn. 13; VG Augsburg…, Beschluss vom 9. Oktober 2008 - Au 6 K 08.1194 - juris, Rn. 39; VG Hamburg…, Urteil vom 20. Oktober 2006 - 10 K 6115/04 - juris, Rn. 18); auch diese Auffassung findet Zustimmung im Schrifttum (…Hailbronner, AuslR, Loseblatt, Stand: August 2008, § 25 Rn. 148).
Wann ein solches vorsätzliches Hinauszögern oder Behindern vorliegt, ist in der Rechtsprechung bisher nicht geklärt (vgl. einerseits OVG Münster, Beschluss vom 12. Februar 2008 - 18 B 230/08 - InfAuslR 2008, 211; andererseits OVG Lüneburg…, Beschluss vom 28. Januar 2008 - 12 ME 23/08 - juris, Rn. 4 f.; OVG Münster, Urteil vom 18. Juni 2008 - 17 A 2250/07 - juris, Rn. 77).
Deren Zumutbarkeit ist indes zwischen mehreren Obergerichten umstritten (s. o.) und bedarf nach der Revisionszulassung durch das OVG Münster in seinem Urteil vom 18. Juni 2008 (a.a.O., juris, Rn. 83) der Klärung durch das Bundesverwaltungsgericht.
Dabei kann es dahin stehen, ob der Kläger deshalb keinen Pass erlangen konnte, weil er über keinen abgelaufenen Pass verfügt, in dem eine deutscher Aufenthaltstitel eingetragen ist (vgl. OVG Nordrhein-Westfalen vom 18.6.2008 Az. 17 A 2250/07 InfAuslR 2009, 106 - Rdnr. 37).
(a) Die in § 48 Abs. 3 AufenthG und § 49 Abs. 2 AufenthG statuierte Pflicht, bei der Beschaffung von Heimreisepapieren mitzuwirken und entsprechende Erklärungen abzugeben, ist Ausfluss der einen Ausländer, der keinen Aufenthaltstitel besitzt, treffenden Ausreisepflicht (§ 50 Abs. 1 AufenthG; vgl. auch OVG Nordrhein-Westfalen vom 18.6.2008 Az. 17 A 2250/07 InfAuslR 2009, 106 - Rdnr. 56 ff.).
Anhaltspunkte dafür, dass der in Rede stehenden Freiwilligkeitserklärung ein über die Akzeptanz der Ausreisepflicht hinausgehender Bedeutungsgehalt zukäme, hat der Kläger nicht vorgetragen und sind auch sonst nicht ersichtlich (vgl. ausführlich dazu OVG Nordrhein-Westfalen vom 18.6.2008 Az. 17 A 2250/07 InfAuslR 2009, 106 - Rdnr. 66 ff.).
Auch könnte der Freiwilligkeitserklärung die Erklärung beigefügt werden, dass sie nur aufgrund der gesetzlichen Lage abgegeben wird, ohne tatsächlich in den Iran ausreisen zu wollen (vgl. zu dieser Möglichkeit OVG Nordrhein-Westfalen vom 18.6.2008 Az. 17 A 2250/07 InfAuslR 2009, 106 - Rdnr. 67 ff.).
Diese Voraussetzung wird erfüllt, wenn sich der Ausländer beharrlich weigert, daran mitzuwirken, einen Pass oder einen Passersatz zu beschaffen (OVG NRW…, Beschluss vom 21. Januar 2008 - 18 B 1864/07 -, Asylmagazin 2008, Heft 4, S. 29 = NVwZ-RR 2008, 423 sowie Beschluss vom 12. Februar 2008 - 18 B 230/08 -, AuAS 2008, 112 = InfAuslR 2008, 211 und Urteil vom 18. Juni 2008 - 17 A 2250/07 -, AuAS 2008, 208 = Asylmagazin 2008, Heft 9, S. 37; Fehrenbacher, HTK-AuslR § 104 a AufenthG, Ziffer 3.5 Abs. 4).
Die minderjährige Klägerin zu 2. muss sich die Weigerung ihrer Mutter, der Klägerin zu 1., an der Beschaffung von Pässen oder Passersatzpapieren mitzuwirken, zurechnen lassen (OVG NRW, Urteil vom 18. Juni 2008 - 17 A 2250/07 -, a. a. O.).
Es reicht vielmehr aus, dass in Folge des von dem Ausländer an den Tag gelegten Verhaltens der in der Regel eine Mehrzahl von Verfahrensschritten umfassende Prozess der Aufenthaltsbeendigung nicht gefördert werden kann (OVG NRW, Urteil vom 18. Juni 2008 - 17 A 2250/07 -, a. a. O.).
Für die hier vertretene weite Auslegung spricht schon der Wortlaut der Vorschrift ("behördliche Maßnahmen zur Aufenthaltsbeendigung ... behindert"), der insoweit abweicht von den Formulierungen vergleichbarer Vorschriften, die jeweils erfolgsbezogen darauf abstellen, dass aufenthaltsbeendende Maßnahmen nicht vollzogen werden können (vgl. etwa § 11 Satz 1 der Beschäftigungsverfahrensverordnung vom 22. November 2004, BGBl. I S. 2934 oder § 1 a Nr. 2 des Asylbewerberleistungsgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 5. August 1997, BGBl. I S. 2022; wie hier OVG NRW, Urteil vom 18. Juni 2006 - 17 A 2250/07 -, a. a. O.).
27 vgl. OVG NRW, Urteil vom 18. Juni 2008 - 17 A 2250/07 - , InfAuslR 2009, 106 (Ausstellung eines iranischen Nationalpasses setzt rechtmäßigen Aufenthalts voraus).
38 vgl. OVG NRW, Urteil vom 18. Juni 2008, a.a.O..
40 vgl. OVG NRW, Urteil vom 18. Juni 2008, a.a.O. (Erläuterung der Formularerklärung im Rahmen einer Befragung).
Die Mitwirkungspflicht geht inhaltlich typischerweise dahin, dass der Ausländer die entsprechenden Antragsformulare auszufüllen und zu unterschreiben sowie zur Antragstellung und/oder Aushändigung die von den Heimatbehörden geforderten Vorsprachen auf den konsularischen Vertretungen zu machen hat (vgl. BVerwG, Beschl. v. 15. Juni 2006, Buchholz 402.242 § 25 AufenthG Nr. 4; OVG NW, Urt. v. 18. Juni 2008, InfAuslR 2009, 106, 107).
Die Abgabe der "Freiwilligkeitserklärung" ist dem Kläger daher zuzumuten (…vgl. BVerwG, Urt. v. 10. November 2009, BVerwGE 135, 219, 222ff.; OVG NW, Urt. v. 18. Juni 2008 a. a. O.).
Diese Bekundung kann zumutbar auch vom Kläger erwartet werden (vgl. OVG Nordrhein-Westf., Urteil vom 18.06.2008 - 17 A 2250/07 -, juris; ebenso Senatsbeschluss vom 23.07.2008 - A 11 S 1695/08 -).
Insoweit handelt es sich jedoch um eine Obliegenheit, die sich aus der Ausreisepflicht selbst ergibt (Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 18. Juni 2008 - 17 A 2250/07 - DVBl 2008, 1204 m.w.N.).
OVG Niedersachsen, 09.07.2009 - 4 PA 365/08
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