Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=23.01.1991&Aktenzeichen=II%20B%2046/90
Timestamp: 2019-11-17 22:52:11
Document Index: 287155982

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 7', '§ 9', '§ 10', '§ 11', '§ 516', '§ 1922', '§ 2278', '§ 3', '§ 1922', '§ 10', '§ 9', '§ 1922']

BFH, 23.01.1991 - II B 46/90 - dejure.org
https://dejure.org/1991,991
BFH, 23.01.1991 - II B 46/90 (https://dejure.org/1991,991)
BFH, Entscheidung vom 23.01.1991 - II B 46/90 (https://dejure.org/1991,991)
BFH, Entscheidung vom 23. Januar 1991 - II B 46/90 (https://dejure.org/1991,991)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1991,991) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
ErbStG 1974 § 3 Abs. 1 Nr. 1, § 7 Abs. 1 Nr. 1, § 9 Abs. 1 Nr. 1, § 10 Abs. 1 Satz 2, §§ 11, 12 Abs. 2; BGB § 516 Abs. 1, § 1922 Abs. 1, § 2278
Revisionsverfahren - Mittelbare Grundstücksschenkung - Erwerb von Todes wegen - Erbanfall - Erbvertrag
§§ 3, 7, 9, 12 ErbStG
Erbschaftsteuer; Grundsätze mittelbarer Grundstücksschenkung gelten nicht beim Erwerb von Todes wegen
BFHE 163, 233
BB 1991, 898
BStBl II 1991, 310
Insbesondere sind die Grundsätze, die der erkennende Senat zur sog. mittelbaren Grundstücksschenkung entwickelt hat, wie der Senat im Beschluß vom 23. Januar 1991 II B 46/90 (BFHE 163, 233, BStBl II 1991, 310) ausführlich begründet hat, beim Erwerb von Todes wegen nicht anwendbar.
Denn nicht (erst) dieses ist auf den Kläger als Erben übergegangen (§ 1922 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches - BGB -), sondern bereits das Gebäude in dem (nicht renovierten) Zustand, in dem es sich im Vermögen des Erblassers befunden hatte; der Erbe wird nämlich mit dem Erbanfall Inhaber des Vermögens des Erblassers mit demselben rechtlichen Inhalt und demselben Entwicklungsstand, wie er beim Erbfall gegeben war (Beschluß in BFHE 163, 233, BStBl II 1991, 310, und BFH-Urteil vom 16. Juli 1975 II R 154/66, BFHE 117, 76, BStBl II 1976, 17 zu 2. der Gründe).
Auf die Form der in diesem Zeitpunkt vorliegenden Bereicherung kommt es deshalb entscheidend an, weil sich auch die schenkungsteuerrechtliche Beurteilung nach der Bereicherung des Bedachten und damit nach dem Gegenstand richtet, durch den die Bereicherung --der steuerpflichtige Erwerb (§ 10 Abs. 1 Satz 1 des Erbschaftsteuergesetzes --ErbStG--)-- sich im Vermögen des Bedachten niederschlägt (vgl. BFH-Beschluss vom 23. Januar 1991 II B 46/90, BFHE 163, 233, BStBl II 1991, 310).
Maßgebend ist, wie sich die Vermögensmehrung im Zeitpunkt der Zuwendung (§ 9 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG 1974) beim Bedachten darstellt (BFH-Beschluß vom 23. Januar 1991 II B 46/90, BFHE 163, 233, BStBl II 1991, 310 m. w. N.).
Mit den genannten Schenkungsfällen ist der hier vorliegende Sachverhalt nicht vergleichbar (zur Nichtanwendbarkeit der vom Senat entwickelten Grundsätze zur mittelbaren Grundstücksschenkung auf den Erwerb von Todes wegen durch Erbanfall vgl. auch den Senatsbeschluß vom 23. Januar 1991 II B 46/90, BFHE 163, 233, BStBl II 1991, 310).
Der Kläger und die übrigen Miterben erwarben das Vermögen der Erblasserin gemäß § 1922 BGB genau so, wie es die Erblasserin innehatte, also mit denselben Ansprüchen und Verpflichtungen (vgl. auch Senatsbeschluß in BFHE 163, 233, 235, BStBl II 1991, 310).
Dies setzt jedoch, da es darauf ankommt, wie sich die Vermögensmehrung im Zeitpunkt der Zuwendung beim Beschenkten auswirkt (BFH-Beschluss vom 23. Januar 1991 II B 46/90, BStBl. II 1991, 310, m.w.N., und BFH in BStBl. II 1995, 82, 84) voraus, dass dieser im Verhältnis zum Schenker nicht schon über das ihm ggf. überlassene Geld, sondern erst über das Grundstück oder renovierte Gebäude frei verfügen kann; denn in diesem Fall ist der Beschenkte nicht um die Geldsumme, sondern erst um das mit den zur Verfügung gestellten Geldmitteln erworbene Grundstück bzw. renovierte Gebäude bereichert (…BFH in BStBl. II 1996, 548, 549, und BFH in BFH/NV 1998, 1378, 1379).
Die Kläger verkennen, daß die sog. vorweggenommene Erbfolge zivilrechtlich Schenkung (unter Lebenden) ist (s. oben zu 2. a), so daß die den ursächlichen und sachlichen Unterschieden zwischen unentgeltlichen Zuwendungen unter Lebenden und dem Erwerb von Todes wegen (vgl. hierzu in einem anderen Zusammenhang BFH-Beschluß vom 23. Januar 1991 II B 46/90, BFHE 163, 233, BStBl II 1991, 310) folgende unterschiedliche steuerrechtliche Erfassung, wie sie das Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz vorsieht, sachlich gerechtfertigt ist.
Mit den Entscheidungen vom 23. Januar 1991 II B 46/90 (BFHE 163, 233, BStBl II 1991, 310) sowie vom 10. Juli 1996 II R 32/94 (…BFH/NV 1997, 28) hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden, dass das Rechtsinstitut der mittelbaren Grundstücksschenkung beim Erwerb von Todes wegen durch Erbfall keine Entsprechung hat.
Dies gilt auch, wenn sich Erblasser und Erbe einig gewesen waren, dass der Erbe nach Eintritt des Erbfalls ein bestimmtes Grundstück erwerben solle (so BFHE 163, 233, BStBl II 1991, 310) oder wenn der nach dem Tod des Erblassers erfolgte Kauf eines bestimmten Grundstücks einem gemeinsamen Plan von Erblasser und Erben entsprach (…so BFH/NV 1997, 28).
Der gegenständliche Umfang des erbschaftsteuerrechtlichen Vermögensanfalls bestimmt sich nach bürgerlich-rechtlichen Vorschriften (vgl. Bundesfinanzhof - BFH-Beschluss vom 23. Januar 1991 II B 46/90, BFHE 163, 233, BStBl II 1991, 310 ).
Die Rechtsgrundsätze zur gemischten Schenkung sind auf Erwerbe von Todes wegen beim Anfall eines Vermächtnisses nicht anwendbar (…vgl. in diesem Zusammenhang: BFH-Urteil vom 10. Juli 1996 II R 32/94, BFH/NV 1997, 28 ; BFH-Beschluß vom 23. Januar 1991 II B 46/90, BStBl II 1991, 310 ).
FG Nürnberg, 19.06.1997 - IV 279/96