Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Frankfurt&Datum=12.09.2013&Aktenzeichen=5%20WF%20171/13
Timestamp: 2019-09-16 15:22:24
Document Index: 284051745

Matched Legal Cases: ['§ 89', '§ 1684', '§ 89', '§ 33', 'BGH', '§ 89', 'BGH', '§ 1684']

OLG Frankfurt, 12.09.2013 - 5 WF 171/13 - dejure.org
https://dejure.org/2013,27011
OLG Frankfurt, 12.09.2013 - 5 WF 171/13 (https://dejure.org/2013,27011)
OLG Frankfurt, Entscheidung vom 12.09.2013 - 5 WF 171/13 (https://dejure.org/2013,27011)
OLG Frankfurt, Entscheidung vom 12. September 2013 - 5 WF 171/13 (https://dejure.org/2013,27011)
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Grundlagen zur Durchsetzung des Rechts eines minderjährigen Kindes auf Umgang mit seinem Vater
FamFG § 89 Abs. 2; BGB § 1684 Abs. 1
Zwangsweise Durchsetzung des Umgangs mit dem Kind ist unzulässig
AG Wiesbaden, 05.07.2013 - 536 F 75/13
Diese Ausgestaltung von § 89 Abs. 1 FamFG als "Kann-Vorschrift" als Ersatz für die frühere "Soll-Vorschrift" in § 33 FGG trägt der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (Urteil vom 01.04.2008, 1 BvR 1620/04, FamRZ 2008, 845 ff.) Rechnung, nach der die Umgangspflicht eines Elternteils gegen dessen Willen nur ausnahmsweise dann vollstreckt werden kann, wenn im Einzelfall konkrete Anhaltspunkte dafür sprechen, dass der erzwungene Umgang dem Kindeswohl dient (BT-Drucksache 16/9733, S. 291; BGH, Beschluss vom 17.08.2011, XII ZB 621/10, FamRZ 2011, 1729 ff.; OLG Frankfurt, Beschluss vom 12.09.2013, 5 WF 171/13, FamRZ 2014, 403 f.).
a) Die Ausgestaltung des § 89 Abs. 1 FamFG als "Kann-Vorschrift" stellt die Anordnung des Ordnungsmittels in das pflichtgemäße Ermessen des Gerichts und berücksichtigt mit dieser Formulierung die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 1. April 2008 (BVerfG, Urteil vom 1. April 2008 - 1 BvR 1620/04 -, BVerfGE 121, 69 = NJW 2008, 1287) zur zwangsweisen Durchsetzung einer Umgangsregelung gegen den Willen des umgangsberechtigten Elternteil (vgl. OLG Frankfurt, Beschluss vom 12. September 2013 - 5 WF 171/13, FamRZ 2014, 403, zitiert nach juris, Rn. 14; unter Hinweis auf BGH, Beschluss vom 17. August 2011 - XII ZB 621/10, FamRZ 2011, 1729, und BT-Drs. 16/9733 S. 291).
Insoweit ist vorrangig zu berücksichtigen, dass der Durchsetzung einer Umgangsregelung mit Zwangsmitteln gegen einen umgangsberechtigten, indessen sich verweigernden Elternteil enge verfassungsrechtliche Grenzen gesetzt sind (vgl. BVerfG, NJW 2008, 1287 ff.), die einen Eingriff in das geschützte Persönlichkeitsrecht des betroffenen Elternteils aus Gründen der Verhältnismäßigkeit jedenfalls dann ausschließen, wenn der erzwungene Umgang dem Kindeswohl nicht mehr dienlich ist und somit der den Grundrechteingriff rechtfertigende Zweck verfehlt wird (vgl. auch OLG Frankfurt, FamRZ 2014, 403; OLG Oldenburg, Beschluss vom 28. Juli 2016 - 13 WF 55/16 -, juris Rdnrn. 6 ff.).
Zwar mag vorliegend angesichts der zwingend erforderlichen erheblichen Einschränkungen des Umgangsrechts nicht die häufig betonte (vgl. nur OLG Frankfurt v. 12.09.2013, 5 WF 171/13 - Rn. 17 = FamRZ 2014, 403 ) herausragende Bedeutung des Umganges für die Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisation des Kindes im Vordergrund stehen (…vgl. relativierend Rauscher aaO. § 1684 Rn. 36 m.w.N.: "zumindest förderlicher Einfluss des Umgangs auf die Sozialisation";… Salzgeber aaO. Rn. 693: "Die Beziehung des Kindes zu beiden Elternteilen ist ein wesentlicher Stützfaktor für die Entwicklung des Kindes.").
Auch ihm gegenüber muss der Einsatz von Ordnungsmitteln grundsätzlich offen stehen, auch wenn die Vollstreckung von Umgang gegen den umgangsberechtigten, aber ~unwilligen Elternteil im Ergebnis zumindest in der Regel nicht in Betracht kommen mag (…vgl. hierzu: BVerfG v. 01.04.2008, 1 BvR 1620/04 - Rn. 81 = FamRZ 2008, 845 ; OLG Frankfurt v. 12.09.2013, 5 WF 171/13 - 14 ff. = FamRZ 2014, 403 ;… vgl. auch Salzgeber aaO. Rn. 745).