Source: http://www.medienzentrum-harburg.de/urheberrecht-und-unterrichtsmedien/
Timestamp: 2016-08-31 00:21:45
Document Index: 206826399

Matched Legal Cases: ['§53', '§47', '§48', '§49', '§53', '§53', '§52', '§53']

Unterrichtsmedien und Urheberrecht – Medienzentrum des Landkreises Harburg
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Texte, Bilder, Töne, Filme und Computerprogramme bzw. deren beliebige Kombination unterliegen regelmäßig dem Schutz des Urheberrechts. Eine besondere Kennzeichnung ist dafür nach deutschem Recht nicht erforderlich.
Generell verboten ist das Kopieren aus Schulbüchern und Arbeitsheften sowie von Lernsoftware und Unterrichtsfilmen. Durch Vertrag zwischen den deutschen Bundesländern und einigen Verwertungsgesellschaften, u.a. der VG WORT, GEMA, VFF (Verwertungsgesellschaft der der Film- und Fernsehproduzenten), ist es erkauft, auch aus Schulbüchern, Kino- und Fernsehfilmen kleine Teile eines Werkes, bei Filmen und Musik maximal fünf Minuten für unterrichtliche Zwecke zu kopieren. Hierfür zahlen die Bundesländer einen erheblichen Geldbetrag. Diese Regelung umfaßt jedoch nicht Lernsoftware und Unterrichtsfilme. Ohne den entsprechenden Schutz würde die Produktion von eigens für den Unterricht hergestellten Medien und Materialien sehr schnell zusammenbrechen.
In ihren eigenen vier Wänden dürfen Lehrerinnen und Lehrer praktisch alle Medien nutzen, kopieren und archivieren. Aber: Sie dürfen sie –von wenigen Ausnahmen abgesehen- nicht mit in die Schule nehmen und im Unterricht einsetzen.
Der Grund dafür liegt auf der Hand: Im §53 UrhG heißt es: „(1) Zulässig sind einzelne Vervielfältigungen eines Werkes durch eine natürliche Person zum privaten Gebrauch auf beliebigen Trägern, sofern sie weder unmittelbar noch mittelbar Erwerbszwecken dienen […].“ Das Unterrichten ist aber der Beruf, man könnte auch sagen das Gewerbe des Lehrers. Der Einsatz privater Kopien im Unterricht würde also mittelbar Erwerbszwecken dienen (mittelbar deswegen, weil die Lehrkraft keine zusätzlichen Einkünfte erzielt, wenn sie Medien einsetzt). Dies gilt auch für Aufzeichnungen und Kopien, die durch Schüler, deren Eltern oder andere Personen angefertigt worden sind. Sobald sie im Unterricht eingesetzt werden, dienen sie mittelbar Erwerbszwecken, und das ist verboten.
All das würde die Mediennutzung in der Schule massiv einschränken, gäbe es nicht einige Schulprivilegien und generelle Ausnahmen. Aber auch hier ist zu beachten, dass ein Werk zwar u.U. im Unterricht eingesetzt werden darf, damit jedoch im Allgemeinen keine Befreiung von der Vergütungspflicht einhergeht. So zahlen beispielsweise die meisten Schulträger einen Pauschalbetrag an die GEMA, um den Einsatz von Musik in der Schule zu ermöglichen. Bitte informieren Sie sich bei Ihren Schulträger, ob er dem Pauschalvertrag beigetreten ist.
Schulpriviligen und “urheberrechtsfreie” Medien und Software:
Schulfunk- und Schulfernsehsendungen dürfen auf Bild- und Tonträger übertragen und im Unterricht eingesetzt werden, allerdings nur bis zum Ende des auf die Ausstrahlung folgenden Schuljahres (§47 UrhG).
Öffentliche Reden, die bei öffentlichen Versammlungen oder bei öffentlichen Verhandlungen vor staatlichen, kommunalen oder kirchlichen Organen gehalten oder durch Presse, Funk und Fernsehen verbreitet worden sind, dürfen kopiert bzw. aufgezeichnet und im Unterricht eingesetzt werden (§48 UrhG).
Nachrichten, die durch Presse und Funk verbreitet worden und nicht mit einem Vorbehalt der Rechte versehen worden sind, dürfen aufgezeichnet, vervielfältigt und im Unterricht eingesetzt werden (§49 UrhG).
Funk- und Fernsehsendungen dürfen „zur Unterrichtung über Tagesfragen“ für kurze Zeit aufgezeichnet und eingesetzt werden (§53(2)3.). Sobald das Thema nicht mehr aktuell ist, erlischt diese Erlaubnis.
Kleine Teile eines Werkes, Werke von geringem Umfang oder einzelne Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften dürfen im Schulunterricht in der für eine Schulklasse oder für Prüfungen erforderlichen Anzahl vervielfältigt und eingesetzt werden (§53(3) und 52a UrhG). Durch Vertag zwischen den Bundesländern und Verwertungsgesellschaften ist “kleine Teile” dahin gehend präzesiert, das dies maximal 10 % (maximal 20 Seiten) eines Werkes, maximal 5 Minuten Film, maximal 5 Minuten eines Musikstücks, sowie alle vollständigen Bilder, Fotos und sonstige Abbildungen sind. Ausgenommen bleiben jedoch Werke, die speziell für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmt sind (§52a Abs. 2 UrhG).
Einzelne Elemente von Datenbankwerken dürfen ebenfalls für unterrichtliche Zwecke in der unmittelbar notwendigen Anzahl kopiert und verwendet werden (§53(5)).
Medien und Software aus dem Internet sind nicht urheberrechtsfrei. Aber es gibt hier die Ausnahmen der GNU Public Licence, hierzu gehört z.B. das Betriebssystem Linux oder das Creative Commons (CC) Label. Etliche Texte, Fotos und Filme sind mit ihm gekennzeichnet. Das bekannteste CC dürfte Wikipedia sein. Genauere und ausführlichere Informmationen erhält man unter www.gnu.org bzw. de.creativecommons.org
In jedem Fall gilt es bei Internetquellen unter den allgemeinen Geschäftsbedingungen nachzusehen, in welchem Rahmen eine Verwendung der Inhalte erlaubt ist.
Gesamtvertrag zwischen den deutschen Bundesländern und Rechteinhabern,
vertreten durch VG WORT, VG Bild-Kunst, VG Musikedition und VdS Bildungsmedien e.V (Schulbuchverlage):
Durch die Zahlung von 9.000.000,- € allein für das Jahr 2013 haben die Bundesländer weitere Nutzungsmöglichkeiten für Lehrkräfte, die an staatlichen, kommunlaen und privaten Schulen im Sinne der jeweilgen Landesschulgesetze sowie an Schulen des Gesundheitswesen tätig sind, erworben. Dies betrifft insbesondere die Erlaubnis digitale Kopien (Digitalisate) von Printmedien, auch Unterrichtswerken und Musikeditonen, die ab 2005 erschienen sind, durch einscannen anzufertigen. Diese Digitalisate dürfen in Arbeitsblätter für den eigenen Unterricht eingefügt werden. Auch hier gilt die 10% Regel, was den Umfang anbelangt. Die Quellen müssen -auch in den Arbeitsblättern- angegeben werden. Auch die elektronische Präsentation und Weitergabe an die Lernenden ist jetzt zulässig. Ebenso Ausdruck und elektronische Speicherung. Eine Veröffentlichung z.B. im Internet oder dem für alle Lernenden einer Schule zugänglichen Teil des schulischen Intranets ist nicht erlaubt.
Anwendungsfälle in der Schule:
… einen Artikel aus einer Zeitung oder einer Zeitschrift kopieren bzw. einscannen und in ein Arbeitsblatt einfügen?
… ein Foto oder eine Grafik aus einer Zeitschrift oder dem Internet auf eine Overhead-Folie und ein Arbeitsblatt drucken?
Wenn dies ausdrücklich untersagt ist; insbesondere bei Internetquellen im Impressum oder bei den AGBs nachsehen
… ein Foto, eine Grafik und/oder einen Text aus einem Schulbuch oder Arbeitsheft auf eine Overhead-Folie oder ein Arbeitsblatt kopieren?
Es sei denn, die Einzelgenehmigung des Verlags liegt hierfür vor!Durch Vertrag zwischen den im Verband Bildungsmedien vertetenen Schulbuchverlagen für ab 2005 erschienene Werke erlaubt. Quelle angeben
… ein Foto aus einem Bildband einscannen und auf eine Overhead-Folie drucken, um es der ganzen Klasse zeigen zu können?
… ein Lernprogramm aus dem Internet herunterladen und im Unterricht einsetzen?
Nur, wenn es sich um Freeware handelt und die Nutzung ausdrücklich erlaubt ist.
… ein Arbeitsblatt aus dem Internet herunterladen und unverändert vervielfältigen?
… ein von mir selbst gestaltetes Arbeitsblatt an Kollegen / “U+ Kräfte” weitergeben?
Alle Teile sind selbst erarbeitet und gestaltet
Wenn Teile aus geschützten Werken sind
… Fotos, Texte und Grafiken aus einer CD-ROM oder DVD in eigene Unterrichtsmaterialien einbauen?
Wenn das Programm auf dem Datenträger über eine Kopierfunktion verfügt und diese Nutzung nicht ausdrücklich untersagt ist
Wenn es nur über die „Druck“-Taste geht oder ein Kopierschutz umgangen werden muss
… eine entliehene CD, DVD oder Videokassette kopieren?
Dieses Delikt fällt unter das Strafrecht
… eine gekaufte CD oder DVD kopieren?
Nur bei Computerprogrammen als Sicherheitskopie
In allen anderen Fällen, sobald der Kopierschutz umgangen wird
… eine Fernsehsendung (z.B. einen Tierfilm) aufzeichnen und im Unterricht einsetzen?
Aufzeichnen schon, aber nicht einsetzen „Tagesaktualität“ liegt hier in den seltensten Fällen vor
… einen Fernsehbericht (z.B. über eine Naturkatastrophe) aufzeichnen und im Unterricht einsetzen?
Aber nur im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Sendung (ca. 1 Woche) bzw. so lange diese Naturkatastrophe in den Medien eine Rolle spielt
… einen Spielfilm im Fernsehen aufzeichnen und im Rahmen der Medienerziehung einsetzen?
Die kommunalen und kirchlichen Medienzentren verfügen über ein großes Angebot von Spielfilmen, die legal eingesetzt werden dürfen.
… eine Radiosendung aufzeichnen, einige Interviews herausschneiden und diese im Unterricht einsetzen?
… eine Schulfernsehsendung auch nach drei Jahren verwenden?
Die AGB von YouTube erlauben nur das unmittelbare Ansehen per Lifestream und auch das nur im privaten Bereich
Quellen (2009): mit freundlicher Genehmigung des Instituts für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht gemeinnützige GmbH (FWU), Postfach 12 61, Bavariafilmplatz 3, 82026 Grünwald und der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (alp), Kardinal-von-Waldburg-Str. 6-7, 89407 Dillingen.
Die Autoren dieser Artikel zum Urheberrecht sind Johannes Philipp und Heiko Reek. Johannes Philipp war im FWU u.a. verantwortlich für die Arbeitsbereiche Mediendokumentation, Datenbank Bildungsmedien, Medientechnik sowie Ganztagsschulen/Schulmediotheken; heute arbeitet er beim alp. Heiko Reek leitet das Referat “Recht” im FWU.
Übernommen mit freundlicher Genehmigung des Leiters des Medienzentrums Korbach, Dr. Richard George. (Stand Januar 2013)
Weitere Links als pdf zum Thema (Stand Januar 2015):
Die Gema und das Urheberrecht in Schule
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