Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bfh/2014-09-18/vi-r-80_13
Timestamp: 2017-11-18 02:51:30
Document Index: 289086348

Matched Legal Cases: ['§ 63', '§ 367', '§ 348', '§ 172', '§ 44', '§ 44', '§ 44', '§ 348', '§ 44', '§ 44', '§ 44', '§ 44', '§ 355', '§ 172']

BFH, 18.09.2014 - VI R 80/13 - Zulässigkeit eines erneuten Einspruchs gegen eine (Teil-)Einspruchsentscheidung | anwalt24.de
Urt. v. 18.09.2014, Az.: VI R 80/13
Referenz: JurionRS 2014, 25718
Aktenzeichen: VI R 80/13
FG Düsseldorf - 05.06.2013 - AZ: 15 K 4597/12 E
FGO § 63 ff.
AO § 367 Abs. 2
AO § 348 Nr. 1
AO § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a
AO-StB 2015, 6-7
AUR 2015, 62-63
BB 2015, 230-231
BFH/NV 2015, 71-72
BFH/PR 2015, 67
BStBl II 2015, 115-116
DB 2014, 2692-2693
DStR 2014, 2343-2345
DStZ 2015, 10-11
HFR 2015, 7-8
KÖSDI 2015, 19165
StBW 2014, 972
StBW 2014, 989-990
StX 2014, 748
Die Kläger und Revisionskläger (Kläger) sind Eheleute und wurden im Streitjahr 2011 zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Der Kläger übte eine Auswärtstätigkeit (Einsatzwechseltätigkeit) aus und erzielte hieraus Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit. Mit der Einkommensteuererklärung 2011 machte er Kosten für Fahrten zu seinen Einsatzorten in Höhe von 12.387,60 EUR geltend.
Mit Bescheid vom 4. Juni 2012 setzte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt --FA--) die Einkommensteuer für 2011 auf 7.032 EUR fest. Bei den Einkünften des Klägers brachte er Reisekosten in Höhe von nur 80% des geltend gemachten Betrages zum Abzug.
das Urteil des FG Düsseldorf vom 5. Juni 2013 15 K 4597/12 E und die Einspruchsentscheidung vom 15. November 2012 aufzuheben sowie die Einkommensteuerfestsetzung 2011 vom 4. Juni 2012 dahingehend abzuändern, dass bei den Einkünften des Klägers aus nichtselbständiger Arbeit Fahrtkosten in Höhe von insgesamt 12.387,60 EUR als Werbungskosten berücksichtigt werden.
a) Ist das außergerichtliche Rechtsbehelfsverfahren --wie vorliegend-- durch eine (wirksame) Rechtsbehelfsentscheidung abgeschlossen worden, liegen zwei Verwaltungsakte vor, der ursprüngliche Verwaltungsakt (hier: der Einkommensteuerbescheid vom 4. Juni 2012) und die (Teil)Einspruchsentscheidung (Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 18. Oktober 1972 II R 110/69, BFHE 107, 409, BStBl II 1973, 187 [BFH 18.10.1972 - II R 110/69]; Steinhauff in HHSp, § 44 FGO Rz 300; von Beckerath in Beermann/Gosch, FGO § 44 Rz 165; Seer in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 44 FGO Rz 16).
d) Diese verfahrensrechtliche Einheit hat zum einen zur Folge, dass die Einspruchsentscheidung --obwohl Verwaltungsakt-- nicht nochmals mit dem Einspruch (§ 348 Nr. 1 AO) und in der Regel auch nicht "isoliert" angefochten werden kann (Steinhauff in HHSp, § 44 FGO Rz 303; von Beckerath, a.a.O., FGO § 44 Rz 171, 178; Seer, a.a.O., § 44 FGO Rz 16 f.). Überdies kann eine Einspruchsentscheidung nicht neben einer gegen den Steuerbescheid gerichteten Klage gesondert im Klagewege angefochten werden (BFH-Urteil vom 30. Januar 1976 III R 61/74, BFHE 118, 288, BStBl II 1976, 428 [BFH 30.01.1976 - III R 61/74]). Zum anderen entfällt wegen des "Verbundes" von ursprünglichem Verwaltungsakt und Einspruchsentscheidung die Möglichkeit, den Ausgangsbescheid nach dem Ergehen einer Einspruchsentscheidung nochmals --in seiner ursprünglichen Gestalt-- zum Gegenstand eines außergerichtlichen Rechtsbehelfsverfahrens zu machen. Denn in seiner ursprünglichen Form existiert der Ausgangsbescheid verfahrensrechtlich in einem solchen Fall nicht (mehr). § 44 Abs. 2 FGO behandelt das zweistufige Verwaltungshandeln insoweit vielmehr als Einheit. Ein erneuter Einspruch gegen die nämliche Steuerfestsetzung nach dem Ergehen einer Einspruchsentscheidung ist deshalb ausgeschlossen, auch wenn er innerhalb der Einspruchsfrist (§ 355 Abs. 1 AO) eingelegt wird.
a) Ein wirksamer Antrag auf "schlichte" Änderung nach § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a i.V.m. Sätzen 2 und 3 AO zugunsten des Steuerpflichtigen muss auf eine bestimmte Änderung gerichtet sein und deshalb das verfolgte Änderungsbegehren innerhalb der Einspruchsfrist oder der Klagefrist seinem sachlichen Gehalt nach zumindest in groben Zügen zu erkennen geben (BFH-Urteile vom 27. Oktober 1993 XI R 17/93, BFHE 172, 493, BStBl II 1994, 439 [BFH 27.10.1993 - XI R 17/93]; vom 21. Oktober 1999 I R 25/99, BFHE 190, 285, BStBl II 2000, 283 [BFH 21.10.1999 - I R 25/99]; vom 20. Dezember 2006 X R 30/05, BFHE 216, 31, BStBl II 2007, 503, [BFH 20.12.2006 - X R 30/05] und vom 25. September 2013 VIII R 46/11, [...]).