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Timestamp: 2016-12-02 20:21:56
Document Index: 110779376

Matched Legal Cases: ['Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 2', 'Art. 55', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 45', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 12', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 2', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 12', 'Art. 5', 'Art.6', 'Art. 13', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 5']

⭐Hans-Wolfgang Waldeyer Das Bundesverfassungsgericht zur Wissenschaftsfreiheit der Professoren der Fachhochschulen
Hans-Wolfgang Waldeyer Das Bundesverfassungsgericht zur Wissenschaftsfreiheit der Professoren der Fachhochschulen
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1 DNH Hans-Wolfgang Waldeyer Das Bundesverfassungsgericht zur Wissenschaftsfreiheit der Professoren der Fachhochschulen Viviane Wolff Kulturgeschichte und Region passt das zur Elektrotechnik? Stefanie Heiden Fachhochschulen forschen für den Mittelstand Erika Regnet Bachelor ist anspruchsvoll, aber studierbar Heike Thierau-Brunner, Thomas Stelzer-Rothe und Leo Hellemacher Relevante Fragestellungen für die Lehrevaluation an Hochschulen Reinhard Kulick M.Eng. MEng ein deutsch-britischer Vergleich Günter Siegel Hochschulverbund Virtuelle Fachhochschule (VFH) hlb Hochschullehrerbund e.v. für anwendungsbezogene Wissenschaft und Kunst Z F Postvertriebsstück Entgelt bezahlt Wienands PrintMedien GmbH Linzer Straße Bad Honnef ISSN x Die Neue Hochschule Band 51 Heft 4-5/ Bundesverfassungsgericht +++ Uneingeschränkte Lehr- und Forschungsfreiheit an Fachhochschulen +++ mehr in diesem Heft2 Hochschullehrerbund hlb Hochschulen richtig reformieren Kolloquium des Hochschullehrerbundes hlb Montag, 15. November 2010 Forschungszentrum CAESAR Bonn Programm Eröffnung Change Management an Hochschulen N. N. Reform der inneren Hochschulstrukturen Prof. Dr. Barbara Kehm, INCHER, Universität Kassel Reform der Studiengänge Isabel Roessler, CHE Reform der Lehre Prof. Dr. Kira Klenke, Hochschule Hannover Reform der Besoldung Prof. Dr. Thomas Stelzer-Rothe, Vizepräsident des hlb Mittagspause Arbeitsgruppen AG 1: Change Management Was sind die wesentlichen gesellschaftlichen Veränderungen für die Hochschulen der Zukunft? Was sind die wesentlichen Ziele für Hochschulausbildung und Forschung? Wie werden Hochschulen zu lernenden Organisationen? AG 2: Interne Hochschulstrukturen Wie viel Steuerung verträgt die Hochschule? Wie vertragen sich Qualität und leistungsorientierte Mittelverteilung? Wie kann wissenschaftlicher Sachverstand in Unternehmensstrukturen zur Geltung gelangen? AG 3: Reform der Studiengänge Wo liegen die Ursachen für hohe Abbrecherquoten? Wie unterscheiden sich Bachelor- und Masterstudienprogramme inhaltlich? Wie müssen Bachelorstudienprogramme aufgebaut sein, um berufsqualifizierend zu sein? AG 4: Reform der Lehre Wo liegen die Chancen und die Grenzen des E-Learning? Ist die Anerkennung von außerhalb der Hochschule erbrachter Leistungen eine Entlastung oder Belastung für die Hochschullehre? Wie können die Fachhochschulen die enge Betreuung der Studierenden auch in Zukunft sicherstellen? AG 5: Reform der Besoldung Wie hoch muss eine aufgabengerechte Vergütung von Hochschullehrern sein? Wie muss eine Besoldung strukturiert sein, um zu motivieren? Konkurrieren Fachhochschulen und Universitäten um gleiche Bewerber? Vorstellung der Ergebnisse der Arbeitsgruppen Kaffeepause Abschlussdiskussion: Anforderungen an Reformprozesse an Hochschulen Ende Veranstalter: Hochschullehrerbund Bundesvereinigung e.v. Wissenschaftszentrum Postfach Bonn Telefon (0228) Telefax (O228) Internet: Die Tagung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.3 LEITARTIKEL 03 Wo bleibt das Positive?, fragte kürzlich in Anlehnung an Erich Kästner ein die DNH lobender Kollege. Hier ist es und das gleich im Doppelpack. WISSENSCHAFTSFREIHEIT UND PROMOTIONSRECHT Erstens: Das Bundesverfassungsgericht entschied am 13. April, dass sich auch Professorinnen und Professoren an Fachhochschulen auf die in Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes geschützte Wissenschaftsfreiheit berufen können. Eigentlich selbstverständlich alles andere wäre im aktuellen Wettbewerb der Hochschulen eine Katastrophe gewesen. Die 1983 betonten Unterschiede zwischen den Aufgaben von Professoren an Universitäten und an Fachhochschulen das Gericht hatte letztere damals in die Nähe von Lehrern an Schulen gerückt, denen die Wissenschaftsfreiheit nicht zusteht lassen sich, wie das Gericht erfreulich klar feststellt, angesichts des Wandels im Hochschulbereich nicht aufrechterhalten. Dabei werden gerade die vom hlb vorgetragenen Argumente aufgegriffen: Wissenschaftlich ist sowohl die Lehre an Fachhochschulen, weil sie zu selbstständigem und kritischem Denken befähigen soll, als auch die für Fachhochschulen typische anwendungsbezogene Forschung. Auch an den Fachhochschulen besteht die Einheit ( universitas ) von Forschung und Lehre, da sie sich nicht auf die Übermittlung eigener Forschungsergebnisse reduzieren lässt dann gäbe es sie nirgends. Das Gericht hat hier den Weg unserer Hochschulen zutreffend gewürdigt und der Versuchung widerstanden, eigene, den Vorstellungen der Gesetzgeber zuwiderlaufende hochschulpolitische Akzente zu setzen. Steine statt Brot bietet die Entscheidung allerdings dem von uns unterstützten klagenden Kollegen: Zwar ist nun klar, dass die Wissenschaftsfreiheit durch eine Anweisung zur Lehre außerhalb der Denomination berührt ist. Den im vorliegenden Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes niedrigeren Anforderungen an die Würdigung von Artikel 5 Absatz 3 seien die Verwaltungsgerichte aber noch gerecht geworden. Die eigentliche Frage, inwieweit wir uns definitiv gegen einen solchen Einsatz wehren können, ist also noch offen und muss im Hauptsacheverfahren von den Verwaltungsgerichten geklärt werden. Zweitens: Der Wissenschaftsrat das bedeutendste Beratungsgremium im Wissenschaftsbereich hat am 2. Juli neue Empfehlungen zur Rolle der Fachhochschulen im Hochschulsystem vorgelegt. Hatte er im Januar 2006 in seinen Empfehlungen zur künftigen Rolle der Universitäten im Wissenschaftssystem eine Abkehr vom Ausbau der Fachhochschulen verkündet, weil in einer diversifizierten Universitätslandschaft die weitere Akademisierung der Industriegesellschaft auch von den Universitäten geleistet werden könne, empfiehlt er jetzt, verstärkt auf die Potenziale der Fachhochschulen zu setzen. Insbesondere müssten die im Zuge des Hochschulpakts 2020 bereitgestellten Ressourcen auch künftig erhalten bleiben, die infrastrukturelle Ausstattung müsse verbessert, insbesondere Personal für die Forschungs-Administration bereitgestellt werden, das Fächerspektrum der Fachhochschulen sei zu erweitern, und an die Stelle der Errichtung weiterer Fachhochschulen solle die Konsolidierung der bestehenden treten. Besonders wichtig: Die Übergänge zwischen den Hochschularten müssten erleichtert werden eine Mahnung an die Universitäten, nicht mehr beim Zugang von Absolventen der Fachhochschulen zu mauern. Zur Promotion mahnt der Wissenschaftsrat die Universitäten, ihrem exklusiven Promotionsrecht entspreche eine Kooperationspflicht; welche Konsequenzen vorstellbar sind, wenn diese Pflicht weiter nicht erfüllt wird, sagt er nicht auch das ist eine Aussage. Insgesamt also ein Forderungskatalog, der nahezu den Forderungen des hlb entspricht. Also entspannen wir kurz und genießen einmal die Früchte unserer Arbeit. Ihr Nicolai Müller-Bromley4 04 INHALT Hydraulische Bremsenergie-Rückgewinnung FH Gießen-Friedberg entwickelt elektronisches Lernportal für Behinderte 03 Leitartikel Wissenschaftsfreiheit und Promotionsrecht 15 Die Nase im Wind Empfängermodul für meteorologisches Radarsystem Fachhochschulen Kultur und Region hlb-aktuell FH-Trends Hans-Wolfgang Waldeyer Das Bundesverfassungsgericht zur Wissenschaftsfreiheit der Professoren der Fachhochschulen Viviane Wolff Kulturgeschichte und Region passt das zur Elektrotechnik? Stefanie Heiden Fachhochschulen forschen für den Mittelstand Erika Regnet Bachelor ist anspruchsvoll, aber studierbar Heike Thierau-Brunner, Thomas Stelzer-Rothe und Leo Hellemacher Relevante Fragestellungen für die Lehrevaluation an Hochschulen Reinhard Kulick M.Eng. MEng ein deutsch-britischer Vergleich Bundesdelegiertenversammlung in Ludwigsburg bei Stuttgart Das Bundesverfassungsgericht bestätigt uneingeschränkte Freiheit von Lehre und Forschung an Fachhochschulen Promotionsrecht für forschungsstarke Fachhochschulen Prima Klima im Gewächshaus Fallgesteuertes Behandlungsverfahren chronischer Wunden erfolgreich Master of Arts Cross Media in Magdeburg HTWK Leipzig und Universität Leipzig schließen Rahmenvertrag über Zusammenarbeit in Lehre, Studium und Forschung MBA Entrepreneurship an der HWR Berlin Drei neue Masterstudiengänge des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit an der FH Frankfurt Master-Studiengang Verteilte und mobile Anwendungen an der FH Osnabrück Immobilie im kommunalen Umfeld 50 Günter Siegel Hochschulverbund Virtuelle Fachhochschule (VFH) Forschung Foto: TFH Berlin Hochschule Harz (FH) setzt weiter auf internationale Standards HAW Hamburg feiert 75 Jahre Flugzeugbaustudium5 INHALT Autoren gesucht Studierende des Master-Programms Mechatronic Systems Engineering Foto: FH Osnabrück Neue Bücher von Kolleginnen und Kollegen Impressum Neuberufene Aus den Ländern Wissenswertes Berichte HE: HH: SH: Einzigartige Kampagne unterstreicht Potenzial hessischer Fachhochschulen Hochschulgesetz: Kommission legt Empfehlungen vor Prämienprogramm für Wissenschaftler in Schleswig-Holstein Akkreditierungsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht Bundesverfassungsgericht zu häuslichem Arbeitszimmer Kostenlose Lernsoftware Mathematische Grundlagen für ingenieurwissenschaftliche Studiengänge und für die (Wirtschafts-) Informatik Hochschule München ergänzt Bachelor-Zeugnisse um die Berufsbezeichnung Ingenieur/Ingenieurin Bundesweiter Arbeitskreis Innenrevision an Hochschulen gegründet 54 Das Hochschulrecht in Baden-Württemberg Roboter mit Blume Foto: FH Trier6 06 hlb-aktuell Bundesdelegiertenversammlung in Ludwigsburg bei Stuttgart Der Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Dietrich Birk, stellte in Ludwigsburg auf der Bundesdelegiertenversammlung des Hochschullehrerbundes die Entwicklungsperspektiven für die Fachhochschulen in Baden-Württemberg vor. Die Landesregierung will die Fachhochschulen als Hochschulart weiter stärken. Dazu sollen sie als Hochschulen für Angewandte Wissenschaften im Landeshochschulgesetz verankert werden, sagte Birk. Damit wolle die Landesregierung würdigen, dass an dieser Hochschulart Wissenschaft und Praxiserfahrung in besonderer Weise verbunden werden sowohl in der Forschung als auch in der Lehre. Hochschulen für Angewandte Wissenschaften stärken erfolgreich Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg sekretär. Zwischen 1995 und 2009 habe sich das Drittmittelaufkommen der Fachhochschulen von damals fünf Millionen Euro jährlich auf mittlerweile 25 Millionen Euro jährlich verfünffacht. Eine weitere Stärkung könne man zum Beispiel durch neue Stiftungsprofessuren mit dem Schwerpunkt Forschung und Entwicklung erreichen. Birk: Im Ausbauprogramm Hochschu- Die Fachhochschulen stärken den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg, indem sie in der Lehre aktuelle Wissenschaft unter dem Blickwinkel ihrer Anwendungsmöglichkeit an künftige Arbeitnehmer vermitteln. Zugleich gehen sie in Forschung und Entwicklung Fragestellungen nach, welche für die Praxis der Unternehmen im Land besonders relevant sind, so der Staatsle 2012 sind an den Fachhochschulen neue Studienanfängerplätze entstanden. Dies entspricht bei siebensemestrigen Bachelor-Studiengängen statistisch neuen Studierenden. An einigen Standorten ist die Zahl der Studierenden um über 25 Prozent gestiegen. Zudem hätten die Fachhochschulen ihr Fächerspektrum immer weiter verbreitert. Neben den bisherigen Schwerpunkten in den Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften seien neue Lehrangebote im Wirtschaftsrecht, im Gewerbelehramt oder der Biotechnologie entwickelt worden. Pressemitteilung des MWK vom Der Präsident des Hochschullehrerbundes hlb, Prof. Dr. Nicolai Müller-Bromley (l.), im Gespräch mit Staatssekretär Dr. Dietrich Birk (re.) Das Bundesverfassungsgericht bestätigt uneingeschränkte Freiheit von Lehre und Forschung an Fachhochschulen Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Beschluss 1 BvR 216/07 vom 13. April 2010, veröffentlicht am 27. Juli 2010, festgestellt, dass sich Fachhochschullehrer, denen die eigenständige Vertretung eines wissenschaftlichen Faches in Forschung und Lehre übertragen worden ist, auf die Freiheit von Wissenschaft, Lehre und Forschung (Art. 5 Abs. 3 GG) berufen können. Anweisungen hinsichtlich der Lehre berühren das Recht des Hochschullehrers, sein Fach in Forschung und Lehre zu vertreten (vgl. die Leitsätze zum Beschluss). Damit gibt das Bundesverfassungsgericht ausdrücklich seine bisherige Auffassung auf, wonach der wissenschaftliche Charakter insbesondere der Lehre an Fachhochschulen fraglich war. Der Hochschullehrerbund hlb hat sein Mitglied, das dieses Verfahren vor das Bundesverfassungsgericht getragen hat, unter anderem durch juristische Stellungnahmen unterstützt. Er hat vor dem Gericht eine ausführliche Stellungnahme abgegeben. Die Argumente des Hochschullehrerbundes hlb haben die Entscheidung des Gerichts ganz wesentlich geprägt (vgl. DNH Heft 1 und 2 aus 2008 sowie die Stellungnahme des hlb, die Sie auf den Internetseiten im Mitgliederbereich unter Mitgliederinformationen finden). Das Bundesverfassungsgericht begründet seine Auffassung im Wesentlichen damit, dass Bundes- und Landesgesetzgeber die Universitäten und Fachhochschulen in den vergangenen Jahren einander angenähert haben.7 hlb-aktuell 07 Im Einzelnen führt das Bundesverfassungsgericht folgende Argumente an: Die wesentlichen Aufgaben und Ausbildungsziele wurden in den vergangenen Jahren für alle Hochschularten einheitlich normiert. In den Landesgesetzen wird die Freiheit von Forschung und Lehre auch für Fachhochschulen garantiert. Den Fachhochschulen wurden Forschungsaufgaben übertragen. Die Aufgaben der Hochschulen und die Ziele des Studiums wurden unabhängig von der Hochschulart festgelegt: Einerseits sind nach Auffassung des Gerichts auch für die Universitäten Ausbildungsaufgaben zentral, so dass die Universitätslehre notwendig auf Prüfungsordnungen ausgerichtet und durch Studienpläne gesteuert wird, ohne dass dadurch der Wissenschaftscharakter der Lehre an Universitäten in Frage gestellt würde. Andererseits könne es ebenso wie bei Universitäten Aufgabe einer Fachhochschule oder der in ihr tätigen Professoren sein, ihren Studierenden im Rahmen der Ausbildungsaufgaben wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden zu vermitteln sowie sie zu wissenschaftlicher Arbeit zu befähigen. Die Zulassungsvoraussetzungen der Studierenden wurden angeglichen. Lehre im Sinne des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ist nach Ansicht des Gerichts nicht nur, was sich als kommuniziertes Resultat eigener Forschung erweist. Für den Fachhochschullehrer folge die Anforderung, die Forschungs- und Erkenntnisentwicklungen auf seinem jeweiligen Wissenschaftsgebiet permanent zu verfolgen, zu reflektieren, kritisch zu hinterfragen und für seine Lehre didaktisch und methodisch zu verarbeiten, schon aus der Formulierung der für Fachhochschulen gesetzlich normierten Aufgaben und Ausbildungsziele. Schließlich beschreibt das Gericht Annäherungen zwischen Universitäten und Fachhochschulen im Zuge des Bologna-Prozesses. Hubert Mücke Promotionsrecht für forschungsstarke Fachhochschulen Bonn, den 14. Juli Der Hochschullehrerbund hlb fordert, forschungsstarke Bereiche an Fachhochschulen nicht länger vom Promotionsrecht auszuschließen. Wer forscht, soll promovieren dürfen, fasst der Präsident des Hochschullehrerbundes hlb, Prof. Dr. Nicolai Müller-Bromley, die Forderung zusammen. Es genüge nicht, Fachhochschulen in Hochschulen für angewandte Wissenschaften umzubenennen. Die Hochschulgesetze müssten es forschungsstarken Bereichen dieser Hochschulen auch ermöglichen, ein eigenes Promotionsrecht zu erhalten, wenn sie die vom Wissenschaftsrat im Juli 2009 aufgestellten Kriterien erfüllten. Die aktuelle Situation, nach der Fachhochschulen ungeachtet ihrer Leistungen institutionell vom Promotionsrecht ausgeschlossen sind, ist mit den Strukturen des Europäischen Hochschulraums nicht länger vereinbar. Der Bologna-Prozess hat zu einem Wettbewerb geführt, in dem alle deutschen Hochschulen mit vergleichbarer Studienstruktur, gleichgestellten Abschlüssen mit gleichen Berechtigungen für Berufe in den Wissenschaften und der Praxis, systematisch gleicher Besoldung der Professorinnen und Professoren und intensiven Forschungsaktivitäten im unmittelbaren Wettbewerb stehen. Der Ausschluss auch forschungsstarker Fachhochschulen vom Promotionsrecht erweist sich als systemfremder und nicht länger hinnehmbarer Wettbewerbsnachteil. Die Promotion qualifizierter Fachhochschulabsolventen an deutschen Universitäten stößt immer noch auf erhebliche Probleme. Dies mindert die Attraktivität schon der Bachelor- und erst recht der Master-Studienprogramme der Fachhochschulen für qualifizierte Interessenten und verschafft den Universitäten einen sachlich nicht begründeten Wettbewerbsvorteil. Kooperationsvereinbarungen von Universitäten und Fachhochschulen ermöglichen zwar einen geregelten Zugang von Fachhochschulabsolventen zur Promotion; sie setzen allerdings ein gemeinsames Forschungsfeld voraus, das wegen der unterschiedlichen Forschungsinteressen im Regelfall nicht besteht. Die Mehrzahl der qualifizierten Fachhochschul-Absolventen promoviert daher im Ausland. Dadurch geht ein erheblicher Teil gerade der fähigsten Köpfe für die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft verloren ( brain drain ). Die vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) wichtige anwendungsorientierte Forschung an Fachhochschulen leidet daran, dass Fachhochschulen ihren qualifizierten und vom Arbeitsmarkt stark nachgefragten Absolventen ohne Promotionsmöglichkeit keine attraktive Perspektive bieten können, für Forschungsvorhaben befristet an der Hochschule weiter zu arbeiten. Der Wissenschaftsrat hat im Juli 2009 erstmals Kriterien für die Vergabe des Promotionsrechts an nichtstaatliche Hochschulen vorgelegt. Darin wird explizit die Möglichkeit einbezogen, das Promotionsrecht auch Teilen einer Hochschule zu gewähren. Sofern forschungsstarke Einheiten an Fachhochschulen diese Kriterien erfüllen und z. B. im Zuge einer Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat nachweisen, gibt es keinen Grund mehr, sie weiterhin vom Promotionsrecht auszuschließen. Der Präsident des Hochschullehrerbundes hlb appelliert daher an die Wissenschaftsorganisationen und die Politik in Bund und Ländern, für eine entsprechende Änderung der Hochschulgesetze zu sorgen.8 08 WALDEYER Das Bundesverfassungsgericht zur Wissenschaftsfreiheit der Professoren der Fachhochschulen Prof. Dr. jur. Hans-Wolfgang Waldeyer Gelmerheide Münster Hans-Wolfgang Waldeyer Das Bundesverfassungsgericht hatte bisher in seiner Rechtsprechung 1) ausdrücklich offen gelassen, ob auch die Professoren der Fachhochschule sich auf das Grundrecht aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG berufen können. Diese Frage hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts in seinem Beschluss vom 13 April 2010, 2) der am 27. Juli 2010 veröffentlicht wurde, beantwortet. Die Leitsätze dieser bahnbrechenden Entscheidung lauten: 1. Fachhochschullehrer, denen die eigenständige Vertretung eines wissenschaftlichen Faches in Forschung und Lehre übertragen worden ist, können sich auf die Freiheit von Wissenschaft, Lehre und Forschung (Art. 5 Abs. 3 GG) berufen. 2. Anweisungen hinsichtlich der Lehre berühren das Recht des Hochschullehrers, sein Fach in Forschung und Lehre zu vertreten. Wegen der großen hochschulpolitischen Bedeutung dieser Entscheidung soll die Begründung des Bundesverfassungsgerichts möglichst vollständig wiedergegeben werden. damit betraut werden, wissenschaftlich eigenständig zu forschen und zu lehren, ist im Grundsatz eine Entscheidung des Gesetzgebers. Er ist hierbei nicht auf die Fortschreibung der tradierten Formen und Einrichtungen beschränkt. Soweit er Personen als Hochschullehrern die eigenständige Vertretung eines wissenschaftlichen Faches in Forschung und Lehre überträgt, fallen diese unter den Schutz des Art. 5 Abs. 3 GG. 2. Annäherung von Universitäten und Fachhochschulen Das Bundesverfassungsgericht stellt fest, daß Bundes- und Landesgesetzgeber in den vergangenen Jahren Universitäten und Fachhochschulen einander angenähert hätten. Das Hochschulrahmengesetz und die Landeshochschulgesetze unterschieden grundsätzlich nicht mehr zwischen solchen Regelungen, die allein für Universitäten Geltung beanspruchten und solchen Regelungen, die für andere Hochschularten gelten würden. 3) Die wesentlichen Aufgaben und Ausbildungsziele werden für alle Hochschularten einheitlich normiert. 4) Die I. Begründung des Bundesverfassungsgerichts 1. Entwicklungsoffenheit von Art. 5 Abs. 3 GG Das Bundesverfassungsgericht bekräftigt seine bisherige Rechtsprechung zur Entwicklungsoffenheit des sachlichen Schutzbereichs der Wissenschaftsfreiheit und leitet daraus folgendes ab: In welchen Einrichtungen, in welchem Umfang und bezogen auf welchen Fächerzuschnitt Personen amtlich 1) BVerfGE 61, 210, 237ff; 64, 323, 353ff 2) Az: 1 BvR 216/07 3) Vgl. 1 Satz 1 HRG 4) 2 und 29 Abs. 1 BWHG, Art. 2 und Art. 55 BayHG, 4 und 21 Abs. 1 BerlHG, 3 und 16 Abs. 1 BbgHG, 4 und 52 BremHG, 3, 46 und 49 HmbHG, 3 und 13 HeHG, 3 und 28 Abs. 1 LHGMV, 3 NdsHG, 3 und 58 Abs. 1 NRWHG, 2 und 16 Abs. 1 RPfHG, 2 und 48 SaarUG, 5 und 15 SäHG, 3 und 6 LSAHG, 3 und 46 Abs. 1 SHHG, 5 und 40 Abs. 1 ThürHG9 WISSENSCHAFTSFREIHEIT 09 Entgegen seinen Feststellungen 1982 und 1983 hat das Bundesverfassungsgericht in seiner jetzigen Entscheidung die Lehr- und Forschungsfreiheit der Professoren an Fachhochschulen uneingeschränkt bestätigt. Der Autor kommentiert die Entscheidung und nimmt dazu Stellung. Freiheit von Forschung und Lehre werde, zumeist unter ausdrücklicher Nennung von Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG, auch für die Fachhochschulen garantiert. 5) Den Fachhochschulen seien Forschungsaufgaben übertragen worden. 6) Da Aufgaben der Hochschulen und Ziele des Studiums unabhängig von der Hochschulart normiert würden, lasse sich die vom Bundesverfassungsgericht 7) in den Jahren 1982 und 1983 getroffene Feststellung, dass bei wissenschaftlichen Hochschulen die Pflege und Entwicklung der Wissenschaften durch Forschung und Lehre im Vordergrund stünden und dem Studierenden eine umfassende wissenschaftliche Ausbildung vermittelt werden solle, bei Fachhochschulen hingegen die Vorbereitung auf eine berufliche Tätigkeit durch anwendungsbezogene Lehre vornehmliche Aufgabe sei, nicht mehr aufrechterhalten. Einerseits seien auch für die Universitäten Ausbildungsaufgaben zentral, so dass die Universitätslehre notwendig auf Prüfungsordnungen ausgerichtet sei und durch Studienpläne gesteuert werde, ohne dass dadurch der Wissenschaftscharakter der Lehre an Universitäten in Frage gestellt werde. Andererseits kann es ebenso wie bei den Universitäten Aufgabe der Fachhochschulen oder der in ihnen tätigen Professoren sein, ihren Studierenden im Rahmen der Ausbildungsaufgaben wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden zu vermitteln sowie sie zu wissenschaftlicher Arbeit zu befähigen. 3. Rolle und Bedeutung der Forschung Auch weitere Annahmen bezüglich für den Anwendungsbereich des Art. 5 Abs. 3 GG erheblicher Unterschiede zwischen Universitäten und Fachhochschulen im Hinblick auf Rolle und Bedeutung der Forschung lassen sich angesichts gesetzlicher Neuerungen und faktischer Entwicklungen nicht mehr aufrechterhalten. In den Jahren 1982 beziehungsweise 1983 sei die Feststellung, Fachhochschulen würden Forschungs- und Entwicklungsvorhaben nur im Rahmen ihres Ausbildungsauftrages vornehmen, während bei Universitäten die Forschung neben der wissenschaftlichen Grundlegung und Weiterentwicklung von Lehre und Studium ganz allgemein der Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse diene, 8) noch zutreffend gewesen. Gleiches gelte für die Aussage, der Gesetzgeber habe den Fachhochschulen Forschung zwar in einem bestimmten Rahmen gestattet, ihnen anders als den wissenschaftlichen Hochschulen aber keinen Auftrag zur Forschung erteilt. 9) Heute gestatte die Mehrheit der Bundesländer in ihren Hochschulgesetzen den Fachhochschulen nicht lediglich zu forschen, Forschung werde den Fachhochschulen vielmehr als Aufgabe, teilweise sogar ohne funktionale Bindung an ihren Ausbildungsauftrag, ausdrücklich zugewiesen. Damit haben sich auch die dienstrechtlich vermittelten Aufgaben von Fachhochschullehrern inhaltlich erweitert. Allein das höhere Lehrdeputat und der daraus folgende geringere Freiraum für Forschung kann die Berufung des Fachhochschullehrers auf die Wissenschaftsfreiheit nicht ausschließen. 4. Zugangsvoraussetzungen zum Studium Auch das Argument der unterschiedlichen Zulassungsvoraussetzungen für Studierende kann eine Herausnahme der Fachhochschulen aus dem Schutzbereich der Wissenschaftsfreiheit nicht länger rechtfertigen. Dass den Studierenden an Fachhochschulen mit Rücksicht auf ihren niedrigeren Bildungsabschluss keine wissenschaftliche Lehre erteilt werden könne, 10) vermag angesichts der aktuellen gesetzlichen Regelung nicht mehr zu überzeugen. Auf der rahmenrechtlichen Grundlage des 27 Abs. 2 Satz 2 HRG hätten mittlerweile alle Bundesländer beruflich qualifizierten Personen ohne Hochschulreife den Zugang zum Universitätsstudium eröffnet. 11) Umgekehrt seien die gestiegenen Anforderungen an Fachhochschulstudierende daran ablesbar, dass unabhängig von der jeweiligen Hoch- 5) 3 Abs. 1 bis 3 BWHG, Art. 3 Abs. 1 bis 3 BayHG, 5 Abs. 1 BerlHG, 4 Abs. 1 und 2 BbgHG, 7 Abs. 1 bis 3 BremHG,11 HmbHG, 28 Satz 1 HeHG, 5 Abs. 1 bis 3 LHGMV, 4 Abs. 1 und 2 NRWHG, 3 Abs. 1 bis 3 RPfHG, 3 Abs. 1 bis 3 SaarUG, 4 SäHG, 4 Abs. 1 bis 4 LSAHG, 4 Abs. 1 bis 4 SHHG, 7 Abs. 1 bis 3 ThürHG 6) 40 BWHG, Art. 2 Abs. 1 Satz 6 BayHG, 4 Abs. 1 Satz 1, Abs 3 Satz 4 BerlHG, 3 Abs. 1 Satz 1 und 4 BbgHG, 4 Abs. 1 Satz 1 BremHG, 4 Abs. 2 Satz 3, Abs. 3 Nr. 2 HmbHG, 4 Abs. 3 Satz 4 HeHG, 3 Abs. 1 Satz 1 und 4 LHGMV, 3 Abs. 4 Satz 2 NdsHG, 3 Abs. 2 Satz 2 NRWHG, 2 Abs. 1 Satz 1 und 3 RPfHG, 2 Abs. 1 Satz 3 SaFHG, 5 Abs. 1 Satz 2 SäHG, 3 Abs. 11 Satz 2 LSAHG, 94 Satz 3 SHHG, 5 Abs. Satz 2 und 4 ThürHG 7) BVerfGE 61, 210, 244f; 64, 323, 354f 8) BVerfGE 61, 210, 244f; , 354f 9) Vgl. BVerfGE 64, 323, 358f 10) Vgl. BVerfGE 64, 323, 357f 11) 59 BWHG, Art. 45 BayHG, 11 BerlHG, 8 BbgHG, 35 BremHG, 38 HmbHG, 54 Abs. 2 und 3 HeHG, 18 Abs. 1 und 19 LHGMV, 18 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 Satz 3 NdsHG, 49 Abs. 6 NRWHG, 65 Abs. 1 Satz 3 bis 5 RPfHG, 69 Abs. 4 SaarUG, 17 Abs. 2 und 5 SäHG, 27 Abs. 4 LSAHG, 39 Abs. 1, Abs. 2 Satz 2 und 3 SHHG, 63 ThürHG10 10 WALDEYER schulart als Ziel von Lehre und Studium die Befähigung zu selbstständigem Denken 12), zu kritischem Denken, 13) zu wissenschaftlich-kritischem Denken 14) oder zur kritischen Einordnung wissenschaftlicher Erkenntnis 15) formuliert werde. 5. Bologna-Prozess Schließlich hätten sich Annäherungen zwischen Universitäten und Fachhochschulen im Zuge des sogenannten Bologna-Prozesses ergeben, die erkennen lassen, dass nach dem Willen des Gesetzgebers auch Fachhochschulen als wissenschaftliche Ausbildungsstätten angesehen werden sollen. Nach 19 Abs. 1 HRG könnten alle Hochschulen Studiengänge einrichten, die zu einem Bachelor- oder Bakkalaureusgrad und zu einem Master- oder Magistergrad führen. Die Regelstudienzeit sei dabei unabhängig von der Hochschulart einheitlich geregelt. Bei der Hochschulprüfung an Fachhochschulen oder in Fachhochschulstudiengängen müsse nach 18 Abs. 1 Satz 2 HRG lediglich der Diplomgrad mit dem Zusatz Fachhochschule ( FH ) versehen werden. 6. Einheit von Forschung und Lehre Auch der Grundsatz der Einheit der Forschung und Lehre führt nicht dazu, dass wissenschaftliche Lehre institutionell zwingend an Universitäten gebunden ist und Fachhochschullehrern das Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit folglich nicht zustehen kann. Lehre im Sinne des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG sei nicht nur, was sich als kommuniziertes Resultat eigener Forschung erweise. 16) Für den Fachhochschullehrer folgt die Anforderung, die Forschungs- und Erkenntnisentwicklungen auf seinem jeweiligen Wissenschaftsgebiet permanent zu verfolgen, zu reflektieren, kritisch zu hinterfragen und für seine Lehre didaktisch und methodisch zu verarbeiten, schon aus der Formulierung der für Fachhochschulen gesetzlich normierten Aufgaben und Ausbildungsziele. 17) Sowohl an Universitäten wie an Fachhochschulen seien darüber hinaus Unterrichtstätigkeiten, die bloße Wissensvermittlung darstellten und die Weitergabe eigener und fremder Forschungsergebnisse zumeist untrennbar miteinander verknüpft. Würde man wissenschaftliche Lehre nur dann annehmen, wenn sie sich als Resultat eigener Forschung darstellt, wäre auch ein Großteil der Lehre an Universitäten nicht als wissenschaftlich zu qualifizieren, was dem Grundrechtsschutz für die Freiheit der Lehre nicht gerecht würde. Im Übrigen lasse sich die Einheit von Forschung und Lehre bei Fachhochschullehrern nicht pauschal verneinen, weil die Landeshochschulgesetze den Fachhochschulen Forschung als Aufgabe übertragen hätten. Dass es sich nicht nur bei der Grundlagenforschung, sondern auch bei anwendungsbezogener Forschung um wissenschaftliche Forschung im Sinne des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG handele, habe das Bundesverfassungsgericht bereits 1982 festgestellt und sich in diesem Zusammenhang gegen einen restriktiven, statischen und abschließend definierten Forschungsbegriff gewendet. Forschung war schon immer nicht nur reine Grundlagenforschung, sondern setzte auch an bestimmten praktischen Fragestellungen an. 18) Vorbemerkung: Die folgenden Ausführungen des Bundesverfassungsgerichts beziehen sich auf die Professoren sämtlicher Hochschularten. 7. Anweisungen hinsichtlich der Lehre Anweisungen hinsichtlich der Lehre gegenüber einem als selbstständigen Wissenschaftler bestellten Hochschullehrer berühren dessen Recht, sein Fach in Forschung und Lehre zu vertreten, und damit seine in Art. 5 Abs. 3 GG geschützte Wissenschaftsfreiheit. Dabei werde die Freiheit der Lehre für den Hochschullehrer durch sein konkretes Amt bestimmt. 19) Die Wissenschaftsfreiheit sei vorbehaltlos gewährleistet. Allerdings könne nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts in die Wissenschaftsfreiheit, wie bei anderen vorbehaltlos gewährleisteten Grundrechten, mit Rücksicht auf kollidierendes Verfassungsrecht eingegriffen werden, 20) wobei es grundsätzlich auch insoweit einer gesetzlichen Grundlage bedürfe. 21) Eingriffe in die Wissenschaftsfreiheit des Hochschullehrers könnten insbesondere durch das Ziel der ihrerseits durch Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG geschützten Erhaltung und Förderung der Funktionsfähigkeit der Hochschulen sowie des Schutzes anderer Grundrechtsträger gerechtfertigt sein. 22) Zu berücksichtigen seien auch die in Art. 12 Abs. 1 GG verbürgten Grundrechtspositionen der Studierenden, da die Hochschulen nicht nur der Pflege der Wissenschaften dienten, sondern auch die Funktion von Ausbildungsstätten für bestimmte Berufe hätten. 23) Da die Lehre zu den dienstlichen Pflichten der Professoren gehöre, seien Entscheidungen der zuständigen Hochschulorgane über die inhaltliche, zeitliche und örtliche Koordination in der 12) 16 Abs. 1 BbgHG, 15 Abs. 1 SäHG, 6 Abs. 1 Satz 1 LSAHG 13) 21 Abs. 1 BerlHG 14) 13 Satz 1 HeHG, 46 Satz 2 Saar FHG 15) 58 Abs. 1 NRWHG 16) Vgl. Denninger, in: ders. u.a., AK-GG, 3. Auflage 2001, Art. 5 Abs. 3, Rn. 29 f; Hailbronner, die Freiheit der Forschung und Lehre als Funktionsgrundrecht, 1979, S. 164f 17) Vgl. hierzu BVerfGE 55, 261, 270f 18) Vgl. BVerfGE 61, 210, ) Vgl. BVerfGE 35, 79, 147; 122, 89, 105f 20) Vgl. BVerfGE 47, 327, 369; 57, 70, 99 21) Vgl. BVerfGE 83, 130, 142; 107, 104, 120; 122, 89, ) Vgl. BVerfGE 55, 37, 68f; 95, 193, 212;111, 333, 353f; 122, 89, ) Vgl. BVerfGE 35, 79, 121f; 55, 37, 68f; 93, 85, 9511 WISSENSCHAFTSFREIHEIT 11 von der Hochschule anzubietenden Lehre und über die Verteilung und Übernahme von Lehrverpflichtungen grundsätzlich zulässig. 24) Dabei genießt die auf Eigeninitiative und Freiwilligkeit beruhende Selbstkoordination der dem Fachbereich angehörigen Professoren als milderes Mittel den Vorrang gegenüber der Fremdbestimmung durch die zuständigen Hochschulorgane; erst wenn eine kollegiale Einigung nicht zustande kommt, weil beispielsweise keiner der unter Berücksichtigung ihres Dienstverhältnisses und nach Maßgabe ihrer Lehrverpflichtungen in Betracht kommenden Hochschullehrer zur Übernahme einer Lehrveranstaltung bereit ist, kann zur Deckung des notwendigen Lehrangebots eine einseitige Anweisung zur Durchführung der Lehrveranstaltung ergehen. 25) 8. Beachtung des konkret-funktionellen Amtes des Hochschullehrers Anordnungen hinsichtlich der vom Hochschullehrer zu haltenden Lehrveranstaltungen müssten sein Grundrecht auf Freiheit von Forschung und Lehre beachten, dessen inhaltlicher Bezugspunkt auch für den Professor der Fachhochschule durch sein konkret-funktionelles Amt bestimmt werde. Einfachgesetzlich ausgestaltet wird das konkretfunktionelle Amt durch 43 HRG beziehungsweise durch die entsprechenden Vorschriften der Landeshochschulgesetze in Verbindung mit der Ausgestaltung des jeweiligen Dienstverhältnisses. Den verschiedenen Aufgaben und Profilen der Hochschulen beziehungsweise ihrer Organisationseinheiten könne so im Rahmen der jeweiligen Ausgestaltung der Dienstverhältnisse Rechnung getragen werden. Beschränkungen der Lehrfreiheit müssten sich in diesem gesetzlichen Rahmen halten. Hochschullehrern dürfen Aufgaben folglich nur im Rahmen der für ihr Dienstverhältnis geltenden Regelungen übertragen werden. 26) 9. Beachtung des dem Hochschullehrer übertragenen Faches Gegenständlich bestimmt und begrenzt ist demnach das konkret-funktionelle Amt eines Hochschullehrers gemäß 43 HRG und den entsprechenden Regelungen in den Hochschulgesetzen der Länder nicht nur durch die der Hochschule übertragenen Aufgaben, sondern daneben durch das dem Hochschullehrer übertragene Fach. Zur Ermittlung der inhaltlichen Reichweite des übertragenen Faches könne auf die stellenplanmäßige Funktionsbezeichnung der Professur, die Berufungsvereinbarung, die Ernennungsurkunde und, soweit vorhanden, eine besondere Einweisungsverfügung sowie indiziell auf den Ausschreibungstext zurückgegriffen werden. 27) Für die Frage, wie weit oder eng ein Fach zu verstehen sei, könne dabei auch auf den Kontext der Gesamtaufgaben einer Hochschule abgestellt werden; je spezialisierter und profilierter der wissenschaftliche Auftrag einer Hochschule ist, desto enger muss im Zweifel die jeweilige Fachbeschreibung verstanden werden. Es reicht dabei jedoch nicht, pauschal darauf abzustellen, ob es um die Fachbeschreibung in einer Fachhochschule oder einer Universität geht, sondern es muss der jeweils konkrete Kontext in Blick genommen werden, der auch innerhalb der verschiedenen Hochschulen differieren kann. 10.Der zu entscheidende Fall Im zu entscheidenden Fall war ein Professor einer Fachhochschule, der am Fachbereich Bauingenieurwesen Professor für Vermessungskunde ist, von der Hochschulleitung angewiesen worden, ab dem Sommersemester 2006 Lehrveranstaltungen im Grundlagenfach Darstellende Geometrie im Rahmen des Bachelorstudiengangs Bauingenieurwesen durchzuführen. 11.Anwendung der verfassungsrechtlichen Vorgaben im zu entscheidenden Fall a. Kern der vorbehaltlos gewährten Lehrfreiheit ist insbesondere die freie Wahl von Inhalt und Methode der Lehrveranstaltungen. Diese sind hier nicht betroffen. b. Eingriffe in die Lehrfreiheit bedürfen auch dann einer besonders gewichtigen Rechtfertigung durch entgegenstehendes Verfassungsrecht, wenn sie dem Hochschullehrer die Lehre des eigenen Fachs unmöglich machen. 28) Auch dafür ist im vorliegenden Fall nichts ersichtlich. c. Wegen der Prägung der grundrechtlichen Lehrfreiheit durch das konkret-funktionelle Amt beeinträchtigt auch die Zuweisung von Lehraufgaben, die nicht mehr vom Lehrauftrag gedeckt sind, die Lehrfreiheit. 29) Eine unbeschränkte Möglichkeit für die Hochschulorgane, dem Hochschullehrer fachfremden Unterricht abzuverlangen, würde nicht nur dessen durch die Lehre des eigenen Faches bestimmter Lehrfreiheit nicht gerecht, sondern könnte auch zur Sanktionierung missliebiger Lehre im eigenen Fach benutzt werden. 30) 24) Vgl. BVerfGE 93, 85, 98 25) Vgl. BVerfGE 35, 79, ) Vgl. BVerfGE 93, 85, 98 27) Vgl. Thieme, Deutsches Hochschulrecht, 3. Auflage 2004, Rn. 743; Reich, Hochschulrahmengesetz, 10. Auflage 2007, 43 Rn. 1 und 2; Detmer, Das Recht der Universitätsprofessoren, in: Hartmer/Detmer, Hochschulrecht, 2004, Rn ) Vgl. dazu BVerfGE 122, 89, 106ff 29) Vgl. dazu Starck, in: v. Mangoldt/Klein/Starck, GG, Bd. 1, Art. 5 Abs. 3 Rn. 341; Thieme, in: Hailbronner/Geis, Hochschulrecht in Bund und Ländern, Bd. 1, Stand: April 2003, 43 Rn. 91, 94 und 95; Reich, Hochschulrahmengesetz, 10. Auflage 2007, 4 Rn. 21 und 43 Rn. 1 und 2 30) Vgl. dazu BVerfGE 122, 89, 10712 12 WALDEYER 12.Ergebnis Ob die Grenzen der Zuweisung fachfremder Lehre im vorliegenden Fach tatsächlich überschritten sind, ist streitig und durch die Verwaltungsgerichte im Hauptsacheverfahren zu klären. II. Stellungnahme 1. Gemeinsamkeiten von Universitäten und Fachhochschulen In seinen Beschlüssen der Jahre 1982 und ) hat das Bundesverfassungsgericht hervorgehoben, dass sich Lehre und Forschung der Universitäten und Fachhochschulen grundlegend voneinander unterscheiden würden. 32) Diese Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts haben die Rechtsprechung und ein Großteil des Schrifttums Jahrzehnte lang geprägt. Im vorliegenden Beschluss betont das Bundesverfassungsgericht dagegen die Gemeinsamkeiten von Universitäten und Fachhochschulen, ohne weiterhin bestehende Unterschiede zwischen diesen beiden Hochschularten zu erwähnen. 2. Wissenschaftlichkeit der Fachhochschulen Besonders wichtig ist, dass das Bundesverfassungsgericht die Wissenschaftlichkeit der Fachhochschulen deutlich hervorhebt. Auch die Lehre an den Fachhochschulen wird als wissenschaftliche Lehre eingestuft. Nicht nur die Universitätsprofessoren, sondern auch die Professoren der Fachhochschule werden als selbstständige Wissenschaftler bezeichnet. Das Bundesverfassungsgericht benutzt nicht mehr den Begriff wissenschaftliche Hochschulen zur Kennzeichnung der Universitäten, sondern ordnet sowohl die Universitäten als auch die Fachhochschulen als wissenschaftliche Ausbildungsstätten ein. Diese Einordnung ist folgerichtig, weil nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts auch an den Fachhochschulen die Einheit von Forschung und Lehre verwirklicht ist. 3. Forschungsaufgabe der Fachhochschulen Unzutreffend ist, dass lediglich die Mehrheit der Bundesländer den Fachhochschulen Forschung als Aufgabe zuweise. Vielmehr ist Forschung in sämtlichen Ländern Pflichtaufgabe der Fachhochschulen und ihrer Professoren. Ungenau ist die Feststellung, dass in den Hochschulgesetzen der Länder den Fachhochschulen Forschung teilweise sogar ohne funktionale Bindung an ihren Ausbildungsauftrag zugewiesen werde. Vielmehr wird in den Hochschulgesetzen von zwölf Ländern die Forschungsaufgabe der Fachhochschulen nicht mehr durch ihren Ausbildungsauftrag eingeschränkt. 33) Dies hat zur Folge, dass Fachhochschulen Forschungsaufgaben auch dann wahrnehmen können, wenn diese nicht unmittelbar der Ausbildung dienen. 4. Terminologie Das Bundesverfassungsgericht bezeichnet die Professoren der Fachhochschule mehrfach als Fachhochschullehrer, an einer Stelle verwendet es auch den Begriff Fachhochschulprofessor. Diese Begriffe entsprechen nicht der gesetzlichen Terminologie. Das Hochschulrahmengesetz spricht unabhängig von der Hochschulart von Professoren und Hochschullehrern. Das Bundesbesoldungsgesetz weist den Professoren der Universitäten die Amtsbezeichnung Universitätsprofessor und den Professoren der Fachhochschulen die Amtsbezeichnung Professor zu. 34) Im Hochschulrecht wird zwischen dem Zugang zum Studium und der Zulassung zum Studium unterschieden. Der vom Bundesverfassungsgericht verwendete Begriff Zulassungsvoraussetzungen ist nicht zutreffend, weil sich die Ausführungen auf die Zugangsvoraussetzungen zum Studium beziehen. Das Bundesverfassungsgericht spricht von fachfremdem Unterricht der Hochschullehrer. Dieser Begriff ist nicht zutreffend, weil den Hochschullehrern in 43 HRG Lehre als dienstliche Aufgabe zugewiesen wird. Unterricht obliegt gemäß 56 HRG den Lehrkräften für besondere Aufgaben und nach Maßgabe des Landesrechts auch den wissenschaftlichen Mitarbeitern. Das Bundesverfassungsgericht spricht in Zusammenhang mit den Lehraufgaben der Hochschullehrer von Lehrauftrag. Dieser Begriff ist missverständlich, weil sich gemäß 55 HRG der Begriff Lehrauftrag auf die Lehrbeauftragten bezieht. 5. Verfassungsrechtliche Grenzen der fachlichen Änderung der dienstlichen Aufgaben der Professoren Die diesbezüglichen Ausführungen des Bundesverfassungsgerichts sind zu unbestimmt. Zutreffend ist, dass wegen der Prägung der grundrechtlichen Lehrfreiheit durch das konkret-funktionelle Amt die fachliche Veränderung der Lehraufgaben die Lehrfreiheit beeinträchtigt. Richtig ist auch, dass eine unbeschränkte Möglichkeit für die Hochschulorgane, dem Hochschullehrer fachfremden Unterricht abzuverlangen, dessen durch die Lehre des eigenen Faches bestimmter Lehrfreiheit nicht gerecht wird. Die entscheidende Frage, ob und inwieweit eine beschränkte Möglichkeit der Änderung der dienst- 31) BVerfGE 61, 210ff; 64, 323ff 32) Kritisch hierzu Waldeyer, Das Recht der Fachhochschulen, 2.Auflage, Heidelberg 2000, Rn ) Vgl. Art. 2 Abs. 1 Satz 6 Halbsatz 2 BayHG, 4 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3 Satz 4 BerlHG, 3 Abs. 1 Satz 1 und 3 BbgHG, 4 Abs. 1 Satz 1 BremHG, 4 Abs. 2 Satz 3 HmbHG, 3 Abs. 4 Satz 4 NdsHG, 3 Abs. 2 Satz 2 NRWHG, 3 Abs. 1 Satz 1 und 4 HGMV, 2 Abs. 1 Satz 3 Halbsatz 2 RPfHG, 4 Abs. 1 Satz 3 SäHG, 94 Satz 3 SHHG, 5 Abs. 1 Satz 2 und 4 ThürHG 34) Bundesbesoldungsordnung W Besoldungsgruppen W2 und W313 WISSENSCHAFTSFREIHEIT 13 lichen Aufgaben eines Professors mit dem Grundgesetz vereinbar ist, wird vom Bundesverfassungsgericht nicht beantwortet. Insoweit ist zunächst darauf hinzuweisen, dass in 14 Hochschulgesetzen bestimmt wird, dass die Festlegung der dienstlichen Aufgaben eines Professors unter dem Vorbehalt einer Überprüfung in angemessenen Abständen stehen muss. 35) Dieser Überprüfungsvorbehalt stellt zugleich einen Änderungsvorbehalt dar, 36) weil eine Überprüfung ohne eine Möglichkeit einer Änderung der dienstlichen Aufgaben keinen Sinn ergibt. Der Überprüfungs- und Änderungsvorbehalt erstreckt sich sowohl auf die Ausgestaltung des Dienstverhältnisses als auch auf die Funktionsbeschreibung der jeweiligen Stelle. 37) In diesem Zusammenhang ist aber zu beachten, dass eine fachliche Veränderung der Lehraufgaben eines Professors einen Eingriff in sein durch Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG geschütztes Recht an dem konkret-funktionellen Amt darstellt, der grundsätzlich unzulässig ist. 38) Etwas anders gilt jedoch, wenn die Grundrechtsposition des Professors aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG mit der Grundrechtsposition des Studienbewerbers bzw. Studierenden aus Art. 12 Abs. 1 GG kollidiert. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn nur durch eine Änderung der dienstlichen Aufgaben eines Professors kapazitäre Engpässe in numerus-clausus-studiengängen beseitigt oder neue Anforderungen der beruflichen Praxis bewältigt werden können. Der Konflikt zwischen einem Träger eines vorbehaltslos gewährleisteten Grundrechts und anderen verfassungsrechtlich geschützten Gütern ist nach dem Grundsatz praktischer Konkordanz zu lösen, der fordert, dass nicht eine der widerstreitenden Rechtspositionen bevorzugt und maximal behauptet wird, sondern alle einen möglichst schonenden Ausgleich erfahren. 39) In diesen Kollisionsfällen kann in das durch Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG geschützte Recht des Professors an dem konkret-funktionellen Amt eingegriffen werden. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass der Professor zur wissenschaftlichen Lehre verpflichtet ist. Die Eingriffsbefugnis wird daher begrenzt durch die wissenschaftliche Qualifikation des Professors. 40) Dies ergibt sich bei habilitierten Professoren aus der akademischen Lehrbefugnis. Veränderungen des zugewiesenen Lehrgebiets sind daher nur insoweit zulässig, als sie sich im Rahmen der akademischen Lehrbefähigung des Professors halten. 41) Die Eingriffsbefugnis in das konkretfunktionelle Amt eines nicht habilitieren Professors der Fachhochschule wird begrenzt durch seine wissenschaftliche Kompetenz. Dies ergibt sich daraus, dass er zu anwendungsbezogener wissenschaftlicher Lehre verpflichtet ist. Wissenschaftliche Lehre ist nur im Rahmen der wissenschaftlichen Kompetenz des Professors der Fachhochschule möglich. Für diese reicht ein abgeschlossenes Hochschulstudium in einem bestimmten Fach 42) nicht aus. Vielmehr muss die besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit gemäß 44 Nr. 3 HRG hinzukommen. Diese wird in der Regel durch die Qualität einer Promotion nachgewiesen. Außerdem muss bei einem nicht habilitierten Professor der Fachhochschule die Qualifikation gemäß 44 Nr. 4 Buchst. c HRG hinzukommen. Nur soweit diese Qualifikationsmerkmale reichen, ist eine fachliche Veränderung der Lehraufgaben eines nicht habilitieren Professors der Fachhochschule verfassungsrechtlich zulässig. 43) III. Schlussbemerkungen Der vorliegende Beschluss des Bundesverfassungsgerichts stellt einen Meilenstein auf dem Weg der Weiterentwicklung der Fachhochschulen dar. Er ermöglicht ihnen faire Bedingungen im nationalen und internationalen Wettbewerb der Hochschularten und sichert auf diese Weise ihre Zukunftsfähigkeit. Unter Zugrundelegung der vorliegenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ist die Verleihung des Promotionsrechts an die Fachhochschulen verfassungsrechtlich zulässig. Dass dies auch hochschulpolitisch wünschenswert ist, hat der Verfasser in seiner Monographie Das Recht der Fachhochschulen 44) dargelegt. 35) 46 Abs. 3 Satz 2 BWHG, 99 Abs. 5 Satz 2 BerlHG, 37 Abs. 3 Satz 1 BbgHG, 16 Abs. 5 Satz 2 BremHG, 12 Abs. 7 Satz 2 HmbHG, 57 Abs. 6 Satz 3 HGMV, 24 Abs. 1 Satz 3 NdsHG, 35 Abs. 4 Satz 2 NRWHG, 48 Abs. 3 Satz 2 RPfHG, 31 Abs. 1 Satz 3 SaarUG, 29 Abs. 3 Satz 2 SaarFHG, 38 Abs. 5 Satz 2 SäHG, 34 Abs. 4 Satz 1 LSAHG, 60 Abs. 4 Satz 2 SHHG, 76 Abs. 5 Satz 2 ThürHG 36) Epping, in: Leuze/Bender, NWUG, 48 Rn. 24; Waldeyer, NVwZ 2008, S ) Reich, HRG, 8. Auflage 2002, 43 Rn ) Waldeyer, NVwZ 2008, S ) Vgl. BVerfGE 28, 243, 260ff; 41, 29, 50; 52, 223, 247, 251; 93, 1, 21 40) Waldeyer, NVwZ 2008, ) Waldeyer, in: Hailbronner/Geis, Hochschulrecht in Bund und Ländern, Bd. 1, 50 HRG Rn. 49; Kehler, in: Denninger, HRG, 43 Rn. 46, 101 und 50 Rn ) Vgl. 44 Nr. 1 HRG 43) Vgl. Waldeyer, NVwZ 2008, S ) 2. Auflage, 2000, Rn. 8114 14 FH-TRENDS Forschung und Entwicklung Hydraulische Bremsenergie- Rückgewinnung Studenten des Fachbereichs Maschinenbau an der Hochschule Niederrhein haben ein hydraulisches Bremsenergie- Rückgewinnungssystem weiterentwickelt und dieses am Beispiel eines Fahrrads am Projekttag vorgestellt. Das Prinzip ist ganz einfach: Beim Bremsen wird Öl in einen Druckbehälter gepumpt, die rotatorische Energie wird dabei in hydraulische Energie umgewandelt. Wenn beim Anfahren ein Druckknopf gedrückt wird, entweicht der Druck und betreibt die Pumpe, die das Rad zum Drehen bringt. Lukas Derksen führt das hydraulische Bremsenergie-Rückgewinnungssystem vor. Bei einer Vollbremsung kann durchaus ein Druck von 80 bar aufgebaut werden, sagt Artur Hahn, einer der fünf Studenten des Bachelor-Studiengangs Maschinenbau, die das Bremsenergie- Rückgewinnungssystem konzipiert haben. Zum Vergleich: Ein vollgepumpter Autoreifen hat rund zwei bar. Ein Druck von 40 bis 50 bar ist ausreichend, um das Fahrrad aus dem Stand zum Fahren zu bringen. Die Studenten wissen auch schon, für wen ihre Erfindung besonders interessant sein könnte: für Briefträger, die ständig bremsen und wieder anfahren müssen. Sie können die durch den Bremsvorgang entstandene Energie unmittelbar beim Anfahren nutzen, sagt Hahn. Aber auch für Maschinen in der Industrie, die häufig abgebremst werden, ist die Technik interessant. Christian Sonntag FH Gießen-Friedberg entwickelt elektronisches Lernportal für Behinderte Die FH Gießen-Friedberg erhält für ein Forschungsprojekt des Zentrums für blinde und sehbehinderte Studierende (BliZ) Mittel in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Das Vorhaben zur Entwicklung eines Lernportals für Behinderte wird zum überwiegenden Teil vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert. Weitere Geldgeber sind das Bundesgesundheitsministerium, die Bundesagentur für Arbeit, der Landeswohlfahrtsverband Hessen und das Hessische Innenministerium. Die Laufzeit beträgt viereinhalb Jahre. Das Hessische elektronische Lernportal für Behinderte (H-elb) soll Menschen mit eingeschränkten Körperfunktionen den Studienalltag erleichtern und ein hohes Maß an Barrierefreiheit gewährleisten, so Projektleiterin Prof. Dr. Erdmuthe Meyer zu Bexten. Das Portal wird behindertengerechte Lehrmaterialien und Übungsaufgaben zur Verfügung stellen und den Online-Zugriff auf Datenbanken mit Fachliteratur erlauben. Die Möglichkeit, an die spezielle Behinderung angepasste mündliche und schriftliche Prüfungen ortsunabhängig abzulegen, ist ebenfalls vorgesehen. Jeder Benutzer wird über ein individuelles Layout, das an seine persönlichen Bedürfnisse angepasst ist, Zugang finden. Die Betreuung durch Lehrende und Mitarbeiter des BliZ erfolgt ebenfalls über H-elb. Meyer zu Bexten verspricht sich von dem Projekt eine deutlich verbesserte Integration Behinderter in den Studienalltag. Im Rahmen des Projekts werden sechs schwerbehinderte Hochschulabsolventen drei Jahre beschäftigt sein. Kooperationspartner sind die Gießener Justus-Liebig-Universität, das Paul-Ehrlich-Institut, das Robert-Koch-Institut, der Landeswohlfahrtsverband Hessen und die Agentur für Arbeit. Für FH-Präsident Prof. Dr. Günther Grabatin ist das Projekt ein Indiz für die führende Rolle der Fachhochschule Gießen-Friedberg in dem Bemühen, Behinderten eine faire Chance im Studium zu geben. Gleichzeitig sei der Erfolg des BliZ ein Beleg dafür, dass Forschung und Entwicklung an seiner Hochschule einen immer größeren Stellenwert bekämen. Die Forschungsmittel, die die Fachhochschule Gießen-Friedberg einwirbt, haben sich zwischen 2006 und 2009 verdreifacht. Wir werden unsere15 FH-TRENDS 15 Forschungskompetenz als Partner der Wirtschaft weiter ausbauen, so Grabatin. Seit seiner Gründung im Jahr 1998 unterstützt das Zentrum für blinde und sehbehinderte Studierende an der FH Gießen-Friedberg Sehgeschädigte im Studium. Es ist mit modernsten technischen Hilfsmitteln ausgestattet und bietet eine intensive persönliche Betreuung. Daneben testet und entwickelt das BliZ Hilfsmittel für Sehbehinderte und chronisch Kranke. Es ist die einzige Einrichtung ihrer Art an einer deutschen Fachhochschule. Gabriele Amann-Ille Die Nase im Wind Empfängermodul für meteorologisches Radarsystem Wenn das mobile Radarsystem Rainscanner eines Neusser Unternehmens neben Intensität und Entfernung einer Niederschlagsfront jetzt auch die Windgeschwindigkeit angibt, ist das das Verdienst von Frank Hackemesser. Mögliche Einsatzgebiete sind Hochseeplattformen, Flugfelder und Großveranstaltungen. Zum Abschluss seines Masterstudiums der Informations- und Kommunikationstechnik an der Hochschule Niederrhein entwickelte der 27-Jährige ein entsprechendes Empfängermodul. Damit machte er beim Förderverein des Fachbereichs Elektrotechnik und Informatik so viel Wind, dass ihm der diesjährige Fördervereinspreis zugesprochen wurde. Die Selex Systems Integration GmbH in Neuss-Rosellen, bei der der Fördervereinspreisträger seine Herausforderung fand, verbessert durch die Erweiterung der Leistungsfunktion ihres mobilen Radargeräts ihre Marktposition. So wie bei Niederschlagsfronten auch, wird bei der Messung der Windgeschwindigkeit ein Radarsignal ausgesendet. Trifft es auf eine sich bewegende Regenfront, so wird ein Echo zurückgeworfen und im Empfänger ausgewertet. Die mobilen Radarsysteme sind klein, kostengünstig und flexibel. Rudolf Haupt Prima Klima im Gewächshaus Forschungsgruppe der FH Osnabrück entwickelt Bewertungsplattform für Pflanzen Landwirte und Gärtner, die professionell Gewächshauskulturen betreiben, sind auf optimale Klimaverhältnisse in den Häusern angewiesen. Hier reicht es nicht aus, nach Erfahrungswerten vorzugehen. Um ihnen die Möglichkeit zu geben, Gründe für den Erfolg oder Misserfolg einer Pflanzenkultur zu benennen, befasst sich derzeit eine Forschungsgruppe der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur (AuL) der Fachhochschule Osnabrück mit der automatischen Erfassung und Verarbeitung von Klima- und Pflanzendaten. Unter dem Titel KliPa wird erforscht, welche klimatischen Voraussetzungen für bestimmte Kulturen optimal, welche Maßnahmen eventuell überflüssig sind und wo Energie und damit Geld eingespart werden kann. Kameras begleiten und dokumentieren fortlaufend die Wachstumsleistung und Biomasseproduktion der Pflanzen. Gleichzeitig registriert ein Computer alle zu dem jeweiligen Zeitpunkt bestehenden Klimafaktoren, wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Sonneneinstrahlung. Durch diese parallelen Messungen und Verknüpfungen der Bilddaten ist es möglich, genaue Rückschlüsse zwischen den jeweiligen Klimafaktoren und der Entwicklung der Pflanzen zu ziehen. KliPa ist somit eine Art Dokumentationsinstrument, das als Basis für die Fehlererkennung und Verbesserung des Klimas im Gewächshaus dient. Vor allem ermöglicht es den vereinfachten Austausch mit anderen Fachleuten. Die Wissenschaftler der FH generieren derzeit eine Datenbank, deren Informationen es den Nutzern ermöglichen, Qualitätsvergleiche von Kulturen über längere Zeiträume und sogar über den Betrieb oder die Region hinweg zu erstellen. Doch nicht nur für Gärtner und Landwirte stellt KliPa, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, eine wichtige Informationsquelle dar. Die Software soll zudem Gartenfachberater in den Landwirtschaftskammern in die Lage versetzen, schnell und unkompliziert Klimainformationen insbesondere in grafischer Form über den zu beratenden Betrieb zu gewinnen. Auch für die Hersteller der bestehenden Klimacomputer ergeben sich Vorteile. Sie können dank KliPa die Probleme ihrer Kunden schneller und effizienter eingrenzen und beheben. Ralf Garten Fallgesteuertes Behandlungsverfahren chronischer Wunden erfolgreich Die Dauer und damit die Kosten einer Behandlung lassen sich erheblich verringern, wenn ein modernes und fallgesteuertes Behandlungsverfahren in der Versorgung chronischer Wunden gewählt wird. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Studie des Instituts für Pflege- und Gesundheitsökonomie an der Hochschule Bremen unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz Janßen. Von 2007 bis 2010 konnten die Behandlungswege von etwa 300 Patienten mit erfolgreich abgeschlossener Therapie chronischer Wunden unter- Fortsetzung auf S. 2516 16 WOLFF Kulturgeschichte und Region passt das zur Elektrotechnik? Prof. Dr. Viviane Wolff Studiendekanin Hochschule Fulda Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik Marquardstr Fulda Viviane Wolff Wie Technik, Region und Geschichte miteinander kombiniert werden können, belegen Projekte, die in den letzten Semestern an der Hochschule Fulda entstanden sind. Obgleich mit Ferdinand Braun vor gut einhundert Jahren ein Sohn der Stadt den Physik-Nobelpreis erhielt, mit Ferdinand Schneider der Daniel Düsentrieb Osthessens wirkte, der sich mit mehr als 200 Patenten in den Annalen verewigte, und die Stadt früher führend im Bereich der Industrietextilien war, in den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts sogar eine kleine Serie von Fulda-Mobilen die Autobahnen Deutschlands eroberten und vor den Toren der Stadt der deutsche Erfinder des Computers, Konrad Zuse, seine Rechenmaschinen baute, ist die Stadtgeschichte weitestgehend geprägt von ihrer kirchlichen Entwicklung mit Dom, Bischofssitz, katholischer Fakultät (früher Universität) sowie die Gründung durch Bonifatius. Gerade vor dem Hintergrund der eingangs skizzierten Technikgeschichte einer Region belegen die an der Hochschule entstandenen Arbeiten, wie es möglich ist, eine Hochschule mit ihren Studierenden und deren Arbeiten im Bereich der Elektrotechnik und regionale Belange in Einklang zu bringen. In den Fällen, in denen Städte oder Kreise auf Hochschulen zugehen, geht es oft um Regionalplanungen. Künstlerische Fachbereiche werden mit Filmen oder Logos beauftragt; wirtschaftliche Fachbereiche mit wirtschaftlichen Untersuchungen. Es wirkt hier ein Pull-Mechanismus (externe Einrichtungen fordern Hilfe/Dienstleistungen selbstständig an): Bei anstehenden Projekten erinnern sich Kommunen gerne der Fachkompetenz ihrer ansässigen Hochschulen oder sie neigen angesichts klammer Haushaltskassen dazu, sich auf Arbeiten von Studierenden zu beziehen und suchen daher den Kontakt zur Hochschule. Unberührt davon gelingt es den technischen Fachbereichen, Kontakte zu regionalen Unternehmen aufzubauen und mit ihnen in vielfältigster Weise Projekte zu realisieren. Der Fokus der hier beschriebenen Arbeiten liegt ausnahmslos in der Kopplung von Geschichte, Kultur und Region mit (Elektro-) Technik, die der Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik in den letzten beiden Jahren in den Bachelorstudiengängen Wirtschaftsingenieurwesen sowie Elektrotechnik und Informationstechnik an der Hochschule Fulda realisierte. Neben exemplarischen Erstsemesterprojekten in Form von Kurzfilmen und Geo-Tracking, die Kultur, Region und Technik verbinden, sind es auch Fallstudien zu Forschungsvorhaben, die der Fachbereich realisiert und die Kultur und Geschichte mit Techniklösungen der Hochschule kombinieren. Erstsemesterprojekte Was ist das? Das Erstsemesterprojekt hat als Lernziel, den Studierenden einen Einblick in typische Aufgaben eines Ingenieurs zu geben. Sie sollen selbstständiges Arbeiten erlernen, aber auch die Fähigkeit zur Teamarbeit einüben. Dabei sollen sie als Grundlage zur Planung des Ablaufs ihres Studiums eigene Stärken und Schwächen erkennen. Ihnen sollen Prinzipien der Problemanalyse und Projektabwicklung vertraut sein. [1] Die neu eingeschriebenen Studierenden17 KULTURGESCHICHTE UND REGION 17 In der öffentlichen Wahrnehmung ist es selten, dass Elektrotechnik mit Kultur und Regionalgeschichte in Verbindung gebracht wird. Dieser Beitrag schildert beispielhaft, wie die Elektrotechnik in der Kultur und der Regionalgeschichte ihren Platz einnimmt. organisieren sich in kleinen Gruppen von fünf Kommilitonen zu einem Projekt und lernen gemeinsam eine klar umrissene Aufgabe innerhalb von drei Monaten abzuschließen. Parallel zu einer Vorlesung zum Projektmanagement sollen diese studentischen Gruppen lernen, sich selbst zu managen, Ressourcen und zeitliche Meilensteine zu definieren und nach Möglichkeit einzuhalten. Der kurze Zeitrahmen des Projekts, das erstmalige Finden der Gruppe untereinander mit der Erkenntnis der jeweiligen Stärke sowie das an den Kenntnisstand angemessene Niveau des Projekts sind die Rahmenbedingungen dieser Erstsemesterprojekte. Film ab... Kunst trifft Genies und auf Stadtgeschichte Neben diversen anderen Themen, u. a. Regenerative Energien, gab es in den letzten Wintersemestern einige Erstsemesterprojekte, die sich auf vielfältige Art mit Technik und Stadt/Region befassten. So entstanden inzwischen mehrere Kurzfilme über die eingangs erwähnten berühmten Köpfe der Elektrotechnik, die in der Region beheimatet waren. Ferdinand Braun Der einzige (Physik-) Nobelpreisträger (1909) der Stadt, der gebürtige Fuldaer Ferdinand Braun [2], ist aus dem Bewusstsein der Stadt und seiner Bürger verdrängt. Wenig ist bekannt über seine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Die Festakt Ferdinand Braun Stadt hat zwar eine Straße und auch einen beruflichen Schulkomplex nach ihm benannt, einige Exponate und Schautafeln stehen im örtlichen Vonderau-Museum, doch nachhaltigen und großen Einfluss auf das Bewusstsein um diesen Sohn der Stadt ist damit nicht verbunden. Treffend kam dies in einer Interview- Sequenz der studentischen Filmgruppe zum Ausdruck, die eine Straßenbefragung nach seinem Namen durchführte. Immerhin ein Passant glaubte in ihm den Erfinder der Glühbirne auszumachen dies war zwar nicht korrekt, aber immerhin zeigt diese Aussage, dass er Braun im Bereich Technik und Erfindungen verortet. Um dieses Wissen aufzufrischen, zeigte die Filmgruppe neben den lokalen Orten (Geburtshaus, Schule) kurz die wichtigsten Lebensdaten Ferdinand Brauns und auch die im Vonderau- Museum ausgestellten Exponate, wie die berühmte Braunsche Röhre, die (sehr verkürzt) als Vorläufer der ersten Fernseh- und Computerbildschirme gelten kann. Brauns wesentliche Erfindung, die ihm auch den Physik-Nobelpreis einbrachte, die elektronische Funkübertragung, stellten die Studierenden in einem Versuch nach. Da der Fachbereich kein eigenes Filmlabor hat, nutzten die Studierenden Kameras und Einrichtungen des Offenen Kanal Fuldas, mit dem eine Kooperation seitens der Hochschule besteht. Aufgabenstellung war, den Film in verschiedenen Formaten herzustellen, und so konnte das Portrait Ferdinand Brauns mehrfach im Offenen Kanal in Fernsehqualität gesendet sowie als Kurzfilm auf der Homepage des Fachbereichs hinterlegt werden [3]. Daneben war es für die Studierenden ein besonderes Ereignis, dass sie gemeinsam mit dem Hochschulpräsidenten am Festakt der Stadt Fulda zur 100. Wiederkehr der Nobelpreisverleihung teilnehmen und ihren Kurzfilm dem Oberbürgermeister zeigen und feierlich überreichen durften, damit die Stadt den Film für ihre kulturellen Zwecke einsetzen kann. Zu diesem Anlass bekam der Oberbürgermeister noch eine zweite Fassung. Denn18 18 WOLFF Wagner stammte zwar nicht aus dem direkten regionalen Umfeld Fuldas, doch immerhin geht es um einen Hessen und Frankfurt ist auch nicht allzu fern. Anders als die anderen hier skizzierten Kurzfilme der diversen Erstsemesterprojekte, ging diese Gruppe mit einem Augenzwinkern und einer Porinzwischen hatte eine andere Filmgruppe alle bisherigen Filme untertitelt, so dass der Film auch in tonlosen digitalen Bilderrahmen gezeigt werden kann. Ferdinand Schneider Zeitgleich mit Braun lebte und arbeitete ein anderer Tüftler in Fulda. Gemeinhin wird er auch als Daniel Düsentrieb Fuldas bezeichnet. Mehr als 200 Patente gehen auf sein Konto und dies beschreibt auch schon sein Dilemma. Die hohen Patentgebühren und ein schlechtes Marketing oder einfach auch nur der falsche Zeitpunkt seiner Entdeckungen führten dazu, dass seine Erfindungen ihn finanziell auszehrten. Die wichtigsten dieser Erfindungen, die Entwicklung der Normuhr so wie wir sie auch heute kennen, bis hin zur Energiegewinnung aus Windrädern über die elektrische Funkübertragung portraitierte eine weitere Filmgruppe, während eine andere seinen Lebensweg [4] in Fulda skizzierte. Im Gegensatz zur Braun-Filmgruppe nutzten diese beiden Gruppen kleine Camcorder des Fachbereichs, da auch die Ressourcen des Offenen Kanals nur beschränkt sind. Auch diese beiden Film-Ergebnisse sind veröffentlicht worden, um diesen Teil der Fuldaer Stadt- und Technikgeschichte visuell größeren Kreisen an Interessierten näher zu bringen. Auf eigenen Webseiten bzw. bei YouTube und auf der Fachbereichs-Webseite sind die Filme weltweit zu sehen. Und da es unter Jugendlichen und jungen Menschen seit einigen Jahren en vogue ist, via Handy zu filmen, sind alle hier beschriebenen Filme der Erstsemestergruppen auch ins entsprechende Handyformat konvertiert worden. Die Studierenden können dadurch ihre Filme untereinander austauschen und auf diese Weise die Arbeit der anderen kennen lernen, aber auch um etwas Geschichte zu erfahren. Konrad Zuse Kurz vor seinem Tod 1995 traf der Computerpionier auf der weltgrößten Computermesse CeBIT in Hannover mit Bill Gates zusammen. Ohne Zuse hätten Gates und die heutige Gesellschaft Konrad Zuse-Skulptur nicht den Siegeszug des Computers erlebt. Zwar waren die ersten Rechenmaschinen, die Zuse fertigte, weit davon entfernt, die Leistungsfähigkeit und das kompakte Format heutiger Laptops und Notebooks zu haben es waren gewaltige Schränke, die grundlegende Rechenoperationen durchführten, doch Zuse konnte sie bereits in Serienreife produzieren und verkaufen. Von Berlin über München und Oberbayern verschlug es ihn später nach Osthessen, in die Städte Bad Hersfeld und Hünfeld. Im Jahr 2010 wäre Zuse 100 Jahre alt geworden. Da lag es nahe, einen Kurzfilm über sein Leben von den Studierenden im Rahmen der Erstsemesterprojekte anfertigen zu lassen. Der Bedeutung angemessen, filmte diese Gruppe wieder mit den Kameras vom Offenen Kanal Fulda und ihr Beitrag wurde im Programm des Offenen Kanals zum Jahresanfang gezeigt. Zum eigentlichen Geburtstag im Juni 2010 erfolgte eine Wiederholung des Kurzfilms. Johann Philipp Wagner Zu einer Zeit, als in Deutschland gerade die erste Dampflokomotive, der Adler, die kurze Strecke von Nürnberg nach Fürth bewältigte, tüftelte in Frankfurt ein weiteres Genie bereits an der Elektrolokomotive. Der Fürst zu Fürstenberg stellte ihm am Bodensee entsprechende Hallen zur Verfügung, in der Wagner an seiner elektrischen Bahn bauen konnte. Seinerzeit stellte gar der damalige Bundestag Gulden in Aussicht, wenn die Erfindung funktionierte und er sie an den Staat abträte. Die Erfindung funktionierte jedoch nur mit einem sehr schlechten Wirkungsgrad. Später verbesserte Werner von Siemens die elektrische Bahn grundlegend. Für eine andere Entwicklung wird der 1799 im heutigen Bad Schwalbach geborene Wagner aber heute noch in fast jedem Lexikon genannt. Mit seinem Wagnerschen Hammer, einem stromdurchfließenden Magneten, einem so genannten Unterbrecher, stellt er die Urform einer elektrischen Klingel dar. Johann Wagner19 KULTURGESCHICHTE UND REGION 19 Die Stadt Fulda selbst bietet dem Leser in ihrem Katalog [7] zum Gartenkulturpfad eine Übersichtskarte über die Lage der Gärten im Stadtgebiet. Die einzelnen Gärten (u. a. Schlossgarten Fulda, Domdechanei-, Dahliengarten, Klostergärten (Franziskanerkloster Frauenberg, Klostergarten Benediktinerabtei) Auepark, Gärten an der Tränke, Garten der Weingeschichte, Privatgarten mit Steinkunst, Eurohügel, Schlossgarten Fasanerie) jedoch sind kartografisch nicht ausreichend dargestellt. tion Ironie an das Drehbuch. Es war kein reiner Faktenfilm, obgleich auch hier wichtige Stationen von Wagners Leben und die Funktionsweise des Wagnerschen Hammers gezeigt werden. Ähnlich dem Film über Braun, sollen auch die Filme über Zuse und Wagner in deren Wirkungsorten gezeigt werden. Entweder, wo dies möglich ist, in Offenen Kanälen, in örtlichen Museen oder zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel die Jubiläumsprogramme, die 2010 zum 100. Geburtstags Zuses aufgelegt werden. Neben der entsprechenden Öffentlichkeitsarbeit soll wieder versucht werden, auch die regionalen Verantwortlichen mit dem Werk der Studierenden bekannt zu machen. OSM Spazieren gehen einmal anders Zwar verfügt der Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik über keine spezifischen Angebote im Bereich der Geoinformatik als Studienangebot, daher erwies sich das Internetprojekt OpenStreetMap Die freie Weltkarte [5] (OSM) als geeignetes Instrument, um junge Studierende mit so genannten GPS-Trackern im Rahmen der Erstsemesterprojekte auf die Reise zu schicken. Neben dem eigentlichen Ziel des Erstsemestermoduls, dem erfolgreichen Projektmanagement kleiner studentischer Gruppen, lag hier der technische Part im Verständnis von GPS-Signalen, der Erklärung, wie aus Signalen Standortbestimmungen zu erzielen sind, welche Ungenauigkeiten handelsübliche GPS-Tracker aufweisen und wie man aus den damit gewonnenen Geodaten Karten erzeugt. Ein durchaus gewollter Nebenaspekt dieses Projektes lag in der Erkundung des Studienortes und das Wissen um dessen Kultur und Geschichte. Nachdem im Wintersemester 2008/09 ein erstes Pilotprojekt [6] des Fachbereiches räumlich noch fast auf dem Hochschulgelände blieb, die Gruppe erfasste den gesamten Campus, einige Außenstellen (Studierendenwohnheime und Landesbibliothek) und Nebengebäude, zogen die Studierenden im Wintersemester 2009/10 in die Innenstadt und teilweise auch in die Peripherie. Die Geodaten dreier unterschiedlicher Themenfelder wurden hierbei von drei studentischen Gruppen erfasst und letztlich als OSM- Karte präsentiert bzw. in bestehenden OSM-Karten auf dem OSM-Internet-Portal integriert. Gartenkulturpfad Als Modellprojekt der Stadt Fulda im Rahmen ihrer lokalen Agenda 21 entstand der erste Gartenkulturpfad Deutschlands, auf dem sich bislang 18 offene Gärten, vom Kloster- und Schlossgarten bis hin zu Stadtgärten und Parks, präsentieren. Da die so genannten Mapper bei OSM in erster Linie wichtige Straßen und Wege erfassen, um die eigentliche Weltkarte mit Leben zu füllen, unterblieb oftmals das Erfassen von Grünflächen und Parks, oder deren räumliche Lage wird nur grob (z. B. Umrisse) dargestellt. Mit dem Projekt sollten die Fuldaer Studierenden zumindest für den Bereich dieser lokalen 18 Gärten und Parks eine Genauigkeit (Fußwege) und einen Detailreichtum (Brunnen, Toiletten, Telefonzellen, Briefkästen etc.) in der Erfassung und Legende einbringen. Im Projektverlauf erwies sich der komplette Gartenkulturpfad als zu umfangreich. Gerade die sehr großen Parkanlagen (Schlossgarten, Fasanerie und Auepark) sind sehr aufwändig, so dass sich die Gruppe auf die innerstädtischen Gärten konzentrierte. Die Erfassung der verbliebenen sechs Gärten sowie Dokumentation wird daher als Folgeprojekt im kommenden Wintersemester angeboten. Auch einige botanische Besonderheiten (z. B. Dahliengarten) konnten zwar als Projekt absolviert werden, zum ehrlichen Bedauern der Studierenden konnten sie jedoch keine einzige Dahlie mehr sehen, da diese im Winter nicht mehr blühen, was die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Gärten erschwerte. Tierisches Fulda Eine andere Erstsemestergruppe widmete sich einem weiteren OSM-Spaziergang. Er entführte die Gruppe in weite Teile der Innenstadt, so dass als Nebeneffekt das Kennenlernen des Studienorts und der Einblick in die zu erfassende Materie entstand. Für ein Kinderbuchprojekt erstellten die Studierenden eine Karte in OSM, die die Standorte von rund vierzig Tierdarstellungen im Stadtgebiet Fuldas zeigt. Als Bischofssitz überwiegen in Fulda naturgemäß Darstellungen von Lämmern und Tauben, daneben die in fast allen Städten als Herrschaftsikonen zu findenden Löwen, Drachen und Adler. Doch Fresken, Wandmalereien, Brunnen etc. zeigen auch andere, seltenere Motive wie Störche, Fische, Schildkröten, Bären, Raben etc. Teilweise sind diese Motive in versteckten Winkeln der Stadt oder an wenig bekannten Häusern zu sehen, so dass die Studierenden sich in dem Projekt mit der Architektur des historischen Stadtkerns sowie alten, aber auch neuen (Zier-) Brunnen auseinander setzten und generell mit der Frage beschäftigt waren, warum ist hier ein rsp. das Tier zu finden.20 20 WOLFF Diese inhaltliche Auseinandersetzung war nicht in die Aufgabenstellung integriert, sie blieb den einzelnen Studierenden überlassen und soll in einem projektierten Buch vertieft werden. Aber das Kennenlernen von Häusern und Straßenzügen und die Entdeckung einzelner geschichtlicher Gebäudeensembles war dennoch ein erfolgreicher Nebenaspekt dieses Projektes. Aufgrund des Projektes gibt es nun seitens der städtischen Tourist-Info Bestrebungen, diesen Tier- Pfad, analog der nachfolgend vorgestellten Stadtrallye ins eigene Jugendprogramm aufzunehmen. Stadtrallye Ähnlich dem Tierischen Fulda ging es in diesem OSM-Projekt darum, die Stadt zu entdecken. Die Tourist-Information der Stadt bietet seit einigen Jahren für Kinder und Jugendliche eine so genannte Stadtrallye an, in der die Teilnehmer einen Bogen mit derzeit vierzehn Stationen ablaufen und Fragen im Bogen beantworten müssen, die sich aus der Besichtigung der Station ergeben (Jahreszahlen, Namen oder Sonstiges eintragen). Das Ziel dieser Gruppe war es, einen gesamten Routenplan dieser Rallye mit den GPS-Trackern für OpenStreetMap zu erstellen. Seitens der Stadt erhielt die Hochschule zwar den Rallye-Bogen, weitergehende Infos als eine solche Route waren von städtischer Seite allerdings nicht in OSM erwünscht, da man dort befürchtete, dass dann niemand mehr die reale Tour absolviert. Im Gegensatz zur Tier -Gruppe lag es hier für die Studierenden nahe, sich mit den im Bogen befindlichen Fragen zu beschäftigen auch wenn dies nicht Aufgabenbestandteil des Projektes war. Eine rudimentäre (da das Niveau ja für Jugendliche ausgelegt ist) inhaltliche Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte ließ sich somit in die Projektarbeit integrieren. Gerade für auswärtige Studierende, denen Fuldas Geschichte bislang kaum etwas sagte, ließ sich über dieses Projekt etwas historisches Wissen vermitteln. Point Alpha Erfolgreiche Projekte und neue Techniken begeistern zuweilen auch andere Studierende. Durch die Kenntnis und den Austausch mit Kommilitonen der OSM-Erstsemestergruppen hat ein Student des Fachbereichs unabhängig von irgendwelchen Hochschulprojekten seine Heimatgemeinde Rasdorf für OSM erfasst. Auf Anregung des Fachbereichs hat er zusätzlich mit der Erfassung des außerhalb gelegenen Point Alpha Areals begonnen. Heute ist Point Alpha ein Grenzmuseum mitsamt Wachtürmen, Umzäunungen und mehr. Zu Zeiten des Kalten Kriegs war hier ein heikles Stück innerdeutsche Grenze am so genannten Fulda Gap. Inzwischen gibt es einen rund vierzehn Kilometer langen Point- Alpha-Weg der harrt noch seiner Erfassung. Vielleicht durch andere Projektgruppen oder eben Nachahmer, die sich für die Thematik OpenStreetMap interessieren und dieses Stück innerdeutsches Kulturgut kartographisch in die Freie Weltkarte überführen wollen. Ähnlich wie bei den Filmgruppen galt auch für die OSM-Gruppen, dass deren Arbeit nicht nur für die Schublade gemacht wurde. Die Verbindung Stadtkultur und OpenStreetMap erwies sich hierbei als so interessant für die OSM- Community, dass diese Projekte auf GIS-Konferenzen in Osnabrück und Salzburg vorgestellt werden konnten [8,9] Forschen Kulturgüter schützen Die aufgeführten Projekte konnten naturgemäß, da es sich um Studierende des ersten Semesters handelt, nur oberflächig die Kultur- und Stadtgeschichte behandeln. Dennoch sind die Ansätze und zumindest teilweise die Motivation der Studierenden nachhaltig geweckt, sich eingehender mit dieser Materie zu beschäftigen, zumal einige auch öffentliche Aufmerksamkeit in Form von Veranstaltungen, Posterbeteiligungen an Kongressen oder Konferenzbeiträgen erfuhren. Einen ganz praktischen und sehr intensiven Bezug zur Kultur und deren Gütern verfolgt das vom BMFT geförderte Forschungsprojekt Prävent [10, 11] von Professor Bernd Cuno am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik. Gemeinsam mit Studierenden entwickelt er ein Sensorsystem, das objektnahe Klimata erfasst und somit Kulturgüter schützen soll. Gerade in historischem Baubestand und im musealen Ambiente sind viele hygroskopische Materialien wie Holz, Papier und Textilien anfällig auf klimatische Schwankungen, längerfristige Veränderungen sowie Wasser- oder Pilzbefall. Dies führt dazu, dass häufig in regelmäßigen Abständen eine Restaurierung fällig wird. Inzwischen gehen die Eigentümer (meist Kirchen und öffentliche Träger) dazu über, vorausschauend (präventiv) die Lagerungs- und Ausstel- Wachturm, Point Alpha Mehr anzeigen
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