Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Verguetung_LAG-Duesseldorf_5Sa977-08.html
Timestamp: 2018-04-25 17:59:55
Document Index: 161631624

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 107', '§ 138', '§ 107', '§ 107', '§ 107', '§ 107', '§ 64', '§ 64', '§ 66', '§ 611', '§ 107', '§ 134', '§ 3', '§ 611', '§ 107', '§ 107', '§ 307', '§ 107', '§ 107', '§ 107', '§ 107', '§ 107', '§ 107', '§ 107', '§ 107', '§ 107', '§ 308', '§ 107', '§ 107', '§ 107', '§ 134', '§ 107']

Schlag­worte: Truckverbot, Lohn und Gehalt: Truckverbot
Akten­zeichen: 5 Sa 977/08
Ent­scheid­ungs­datum: 30.10.2008
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Mönchengladbach, Urteil vom 29.05.2008, 3 Ca 788/08
3 Ca 788/08 Ar­beits­ge­richt Mönchen­glad­bach
am 30. Ok­to­ber 2008
DGB Rechts­schutz GmbH, G.-F.-Str. 34 - 38, E.,
die Dr. L. GmbH & Co. Me­dia KGaA, ver­tre­ten durch ih­re Kom­ple­mentärin, die­se wie­der­um ver­tre­ten durch ih­re Geschäftsführer N. N. N. und Dr. O. Q., H. str. 5, B.,
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte X. u.a.,
W. str. 7, B.,
hat die 5. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 30.10.2008 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Gött­ling als Vor­sit­zen­den so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Har­la­cher und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ur­ba­ni­ak
1) Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mönchen­glad­bach vom 29.05.2008 – 3 Ca 788/08 – ab­geändert:
1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 6.480,-- € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 1.237,19 € net­to nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB seit dem 01.01.2008 zu zah­len.
2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 6.480,-- € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 1.670,-- € net­to nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB seit dem 01.02.2008 zu zah­len.
3. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 1.794,60 € brut­to nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB seit dem 12.02.2008 abzüglich am 26.05.2008 ge­zahl­ter 612,33 € net­to zu zah­len.
Die Par­tei­en strei­ten über die Fra­ge, ob es zulässig ist, ei­nen Teil der zwi­schen ih­nen ver­ein­bar­ten Vergütung als Be­zugs­rech­te auf stimm­rechts­lo­se Vor­zugs­ak­ti­en der Be­klag­ten aus­zu­wei­sen.
Der am 07.04.1965 ge­bo­re­ne Kläger war auf­grund ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges vom 28./30.11.2007 als We­bre­dak­teur der Be­klag­ten beschäftigt. Die Be­klag­te ent­wi­ckelt als so ge­nann­tes Start-up-Un­ter­neh­men ei­ne In­ter­net­platt­form mit neu­ar­ti­ger au­di­tiver Di­men­si­on, die es ermögli­chen soll, un­abhängig von Bild­schirm, Maus und Tas­ta­tur nur über ein han­delsübli­ches Head­set mit Funk­ver­bin­dung im In­ter­net zu sur­fen.
§ 3 des zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­nen Ver­tra­ges lau­tet aus­zugs­wei­se:
(1) Der Mit­ar­bei­ter erhält als Vergütung für sei­ne Tätig­keit ein
Brut­to-Mo­nats­ge­halt von 6.480,-- €, zahl­bar in Be­zugs­rech­ten auf 1500 Stück auf den Na­men lau­ten­der stimm­rechts­lo­ser Vor­zugs­ak­ti­en der Ge­sell­schaft zum ge­rings­ten Aus­ga­be­be­trag, wo­bei ein
Be­zugs­recht auf ei­ne Ak­tie mit ei­nem Wert von 1,-- € an­ge­setzt wird, so­wie der Rest bar­geld­los je­weils zum Mo­nats­en­de.
Am 19.12.2007 ver­ein­bar­ten die Par­tei­en zusätz­lich ei­ne „An­la­ge Nr. 1 zum be­fris­te­ten Pro­be­ar­beits­ver­trag“, in der es heißt:
Die Ak­ti­en der Ge­sell­schaft wer­den im Ja­nu­ar 2008 de­potfähig. So­mit wird der Mit­ar­bei­ter nicht mehr in Be­zugs­rech­ten auf Ak­ti­en der Ge­sell­schaft, son­dern in Ak­ti­en selbst teil­wei­se vergütet.
Des­halb ver­ein­ba­ren der Mit­ar­bei­ter und die Ge­sell­schaft fol­gen­de Ände­rung zum Ar­beits­ver­trag vom 28./30.11.2007 mit Wir­kung ab 01.01.2008:
§ 3 Ab­satz (1) des Ar­beits­ver­tra­ges wird wie folgt neu ge­fasst:
(1) Der Mit­ar­bei­ter erhält als Vergütung für sei­ne Tätig­keit ein Brut­to-Mo­nats­ge­halt von 6.480,-- €, zahl­bar je­weils zum Mo­nats­en­de in Geld in Höhe von 1.670,-- € bar­geld­los so­wie der Rest in auf den Na­men lau­ten­der stimm­rechts­lo­ser Vor­zugs­ak­ti­en der Dr. L. GmbH & Co. Me­dia KGaA, B., zum nied­rigs­ten Kurs am Tag der Über­las­sung.
Der Kläger, für den ei­ne Wo­chen­ar­beits­zeit von 30 St­un­den galt, kündig­te das mit der Be­klag­ten be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis am 23.01.2007 zum 11.02.2008. Für sei­ne bis da­hin er­brach­ten Leis­tun­gen zahl­te ihm die Be­klag­te fol­gen­de Beträge tatsächlich aus:
De­zem­ber 2007 am 20.12.2008 ein Geld­be­trag von 1.237,19 € Ja­nu­ar 2008 am 28.01.2008 ein Geld­be­trag von 1.670,-- € Fe­bru­ar 2008 am 23.05.2008 ein Geld­be­trag von 612,33 €
Mit sei­ner am 14.03.2008 beim Ar­beits­ge­richt Mönchen­glad­bach anhängig ge­mach­ten Kla­ge hat der Kläger wei­te­re Vergütung für die Mo­na­te De­zem­ber 2007 bis Fe­bru­ar 2008 in Höhe von ins­ge­samt 14.754,60 € brut­to gel­tend ge­macht. Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Ver­ein­ba­rung über die Ak­ti­en­be­zugs­rech­te sit­ten­wid­rig und da­mit rechts­un­wirk­sam wäre. Dies er­ge­be sich zum ei­nen aus der Tat­sa­che, dass die Ak­ti­en zum Zeit­punkt des Be­ste­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses in kei­ner Wei­se han­del­bar ge­we­sen sei­en und auch an der
Börse nicht zu­ge­las­sen wären. Zum an­de­ren fol­ge die Rechts­un­wirk­sam­keit aber auch aus den Re­ge­lun­gen des § 107 Abs. 2 Ge­wO.
Der Kläger hat sich zur Be­rech­nung sei­ner Vergütungs­for­de­rung auf die ver­ein­bar­te Vergütung von 6.480,-- € brut­to pro Mo­nat be­zo­gen und hier­von die tatsächlich ge­zahl­ten Net­to­beträge in Ab­zug ge­bracht.
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 6.480,-- € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 1.237,19 € net­to nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB seit dem 01.01.2008 zu zah­len;
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 6.480,-- € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 1.670,-- € net­to nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB seit dem 01.02.2008 zu zah­len;
3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 1.794,60 € brut­to nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB seit dem 12.02.2008 abzüglich am 26.05.2008 ge­zahl­ter 612,33 € net­to zu zah­len.
Die Be­klag­te hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die dem Kläger gewähr­ten Ak­ti­en­be­zugs­rech­te als rea­le Wert­pa­pie­re an­zu­se­hen sei­en, die frei ge­han­delt wer­den könn­ten und auch de­potfähig wären. Über­dies sei die Börsen­einführung der Be­klag­ten ge­plant. Hier­bei han­de­le es sich zwar um ei­nen lang­wie­ri­gen Pro­zess, der aber mit großem En­ga­ge­ment vor­an­ge­trie­ben wer­de. Des­halb stell­ten so­wohl die Ak­ti­en selbst wie auch die Be­zugs­rech­te wert­hal­ti­ge Po­si­tio­nen dar; die ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­rung im Ar­beits­ver­trag des Klägers entspräche dem­gemäß auch sei­nem In­ter­es­se.
Die Be­klag­te hat wei­ter die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass ei­ne sit­ten­wid­ri­ge Ver­ein­ba­rung schon des­halb nicht vor­lie­gen könne, weil der tatsächlich ge­zahl­te
Be­trag von 1.670,-- € für ei­nen Ar­beit­neh­mer, der 30 St­un­den pro Wo­che beschäftigt wer­de, an­ge­mes­sen sei. Sch­ließlich sei die Einräum­ung von Ak­ti­en­be­zugs­rech­ten in der Pra­xis in­zwi­schen auch durch­aus üblich, und zwar vor al­len Din­gen im Be­reich der Soft­ware­ent­wick­lung.
Mit Ur­teil vom 29.05.2008 hat die 3. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Mönchen­glad­bach – 3 Ca 788/08 – die Kla­ge ab­ge­wie­sen. In den Ent­schei­dungs­gründen, auf die im Übri­gen Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, die Vergütungs­ver­ein­ba­rung in den An­stel­lungs­verträgen des Klägers sei nicht nach § 138 BGB rechts­un­wirk­sam. Der er­folgs­abhängi­ge Teil sei­ner Vergütung hätte zwar bei 60 bzw. 55 % ge­le­gen; dies sei in­des­sen noch nicht als sit­ten­wid­rig ein­zu­stu­fen. Im­mer­hin ver­blie­ben dem Kläger selbst mit sei­nem Fi­xum al­lein 9,52 € net­to pro St­un­de und für die Zeit ab 01.01.2008 so­gar 13,-- € net­to pro St­un­de, die ihm auf je­den Fall aus­zu­zah­len wären. Hin­zu­zu­rech­nen sei­en dann aber auch noch die Ak­ti­en­op­tio­nen, die ihm im­mer­hin die Chan­ce gewähr­ten, am Un­ter­neh­mens­er­folg teil­zu­ha­ben.
Der Kläger hat ge­gen das ihm am 09.06.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil mit ei­nem am 03.07.2008 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se – nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 11.09.2008 – mit ei­nem am 10.09.2008 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.
Er wie­der­holt im We­sent­li­chen sei­nen Sach­vor­trag aus dem ers­ten Rechts­zug und meint, die Vergütungs­ver­ein­ba­rung der Par­tei­en ver­let­ze das Truck-Ver­bot des § 107 Abs. 1 und 2 Ge­wO. Darüber hin­aus wer­de hin­sicht­lich des Sach­be­zugs­teils sei­ner Vergütung auch der pfänd­ba­re Teil sei­nes Mo­nats­ein­kom­mens über­schrit­ten, was zu ei­nem wei­te­ren Ver­s­toß ge­gen § 107 Abs. 2 Satz 5 Ge­wO führe.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mönchen­glad­bach vom 29.05.2008 – 3 Ca 788/08 – ab­zuändern und gemäß den erst­in­stanz­li­chen Schluss­anträgen des Klägers zu er­ken­nen.
Sie ver­tei­digt das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil und wie­der­holt eben­falls ih­ren Sach­vor­trag aus dem ers­ten Rechts­zug.
Die Be­klag­te hält § 107 Abs. 1 und 2 Ge­wO für nicht ver­letzt und meint, die Gewährung von Be­zugs­rech­ten und Ak­ti­en­op­tio­nen lie­ge be­reits in der Ei­gen­art des Ar­beits­verhält­nis­ses be­gründet. Darüber hin­aus entspräche ei­ne der­ar­ti­ge Vergütungs­ver­ein­ba­rung aber auch dem In­ter­es­se des Klägers, der ein sol­ches be­reits durch die Ei­ni­gung über die strei­ti­ge Vergütungs­ab­re­de zum Aus­druck ge­bracht hätte. Dies sei aus­rei­chend, das Ar­beit­neh­mer­inter­es­se im Sin­ne des § 107 Abs. 2 Satz 1 Ge­wO zu be­gründen.
Sie ist nämlich an sich statt­haft (§ 64 Abs. 1 ArbGG), nach dem Wert des Be-schwer­de­ge­gen­stan­des zulässig (§ 64 Abs. 2 Zif­fer b ArbGG) so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 66 Abs. 1 Satz 1 ArbGG, 519, 520 ZPO).
Auch in der Sa­che selbst hat­te das Rechts­mit­tel Er­folg.
Der Kläger hat ge­gen die Be­klag­te ei­nen An­spruch auf Zah­lung der aus dem Te­nor er­sicht­li­chen Rest­vergütungs­be­stand­tei­le für die Mo­na­te De­zem­ber 2007 bis Fe­bru­ar 2008 gemäß §§ 611 BGB, 107 Abs. 1 Ge­wO i. V. m. den zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträgen vom 28.11./30.11.2007 bzw. 19.12.2007. Dem­ge­genüber kann sich die Be­klag­te nicht auf ei­ne vollständi­ge Erfüllung der Vergütungs­for­de­run­gen des Klägers durch die Einräum­ung von Ak­ti­en­be­zugs­rech­ten be­ru­fen, weil die­ser Teil der Vergütungs­ver­ein­ba­rung den Vor­ga­ben des § 107 Abs. 2 Satz 1 Ge­wO nicht standhält und des­halb gemäß § 134 BGB kei­ne Rechts­wir­kun­gen ent­fal­tet.
1. Dem Kläger steht auf­grund der oben ge­nann­ten ar­beits­ver­trag­li­chen
Ver­ein­ba­run­gen für die Mo­na­te De­zem­ber 2007 und Ja­nu­ar 2008 je­weils ei­ne Brut­to­mo­nats­vergütung von 6.480,-- € und für den Mo­nat Fe­bru­ar 2008 ein ent­spre­chen­der Vergütungs­an­teil bis zum 11.02.2008 zu. Dies er­gibt sich un­zwei­fel­haft zunächst aus § 3 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 28./30.11.2007 für den Zeit-raum bis zum 31.12.2007. Da­nach folgt der An­spruch auf ein Brut­to­mo­nats­ge-
halt von 6.480,-- € aus der „An­la­ge Nr. 1 zum be­fris­te­ten Pro­be­ar­beits­ver­trag“ vom 19.12.2007.
Zwi­schen den Par­tei­en ist in die­sem Zu­sam­men­hang wei­ter un­strei­tig, dass der Kläger in dem hier strei­ti­gen Zeit­raum sei­ne Ar­beits­leis­tung ver­trags­gemäß er­bracht hat, so dass die Be­klag­te grundsätz­lich gemäß § 611 BGB zur Ge­gen­leis­tung ver­pflich­tet ist.
2. Die­se hat sie al­ler­dings bis­her nur zu ei­nem Teil er­bracht und da­mit die Ge­halts­for­de­rung des Klägers auch nur teil­wei­se erfüllt.
Auch in­so­weit ist zwi­schen den Par­tei­en zunächst un­strei­tig, dass der Kläger für den Mo­nat De­zem­ber 2007 ei­nen Be­trag in Höhe von 1.237,19 €, für den Mo­nat Ja­nu­ar 2008 ei­nen Be­trag in Höhe von 1.670,-- € und für den Mo­nat Fe­bru­ar 2008 ei­nen Be­trag in Höhe von 612,33 € tatsächlich er­hal­ten hat. Die­se Zah­lun­gen lässt sich der Kläger auf sei­ne Vergütungs­for­de­run­gen auch an­rech­nen.
3. Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Be­klag­ten und des Ar­beits­ge­richts ist die er­ken­nen­de Be­ru­fungs­kam­mer darüber hin­aus der Mei­nung, dass die Be­klag­te ih­re wei­ter­ge­hen­de Vergütungs­zah­lungs­pflicht nicht durch die Einräum­ung von Ak­ti­en­be­zugs­rech­ten erfüllen konn­te. Die ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­rung in den An­stel­lungs­verträgen der Par­tei­en wi­der­spricht § 107 Abs. 1 Ge­wO und genügt darüber hin­aus auch nicht den Vor­ga­ben des § 107 Abs. 2 Satz 1 Ge­wO.
3.1 Gemäß § 307 Abs. 1 Ge­wO ist das Ar­beits­ent­gelt in Eu­ro zu be­rech­nen und aus­zu­zah­len. Darüber hin­aus können Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer Sach­bezüge als Teil des Ar­beits­ent­gelts ver­ein­ba­ren, wenn dies dem In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers oder der Ei­gen­art des Ar­beits­verhält­nis­ses ent­spricht, § 107 Abs. 2 Satz 1 Ge­wO.
Un­ter Sach­bezügen ver­steht man in die­sem Zu­sam­men­hang sol­che Zu­wen­dun­gen ei­nes Ar­beit­ge­bers an sei­nen Ar­beit­neh­mer, die zwar ei­ne geld­wer­te
Leis­tung dar­stel­len, aber nicht in Geld er­bracht wer­den. Sie sind sinn­gemäß als Ge­genstände de­fi­niert, die der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer als Ent­gelt überlässt. Zu Sach­bezügen zählen ty­pi­scher­wei­se die De­pu­ta­te in der Land­wirt­schaft, Koh­len im Berg­bau, Kost, Woh­nung, Hei­zung, Be­leuch­tung, die Über­las­sung von Kraft­fahr­zeu­gen zur Pri­vat­nut­zung so­wie Per­so­nal­ra­bat­te (Bo­em­ke, Kom­men­tar zur Ge­wer­be­ord­nung, § 107, Rz. 15 und 16; Tet­tin­ger/Wank, Ge­wer­be­ord­nung, 7. Aufl., § 107, Rz. 4). Darüber hin­aus ist an­er­kannt, dass bei ei­ner un­ter­stell­ten Wert­hal­tig­keit auch die Be­zugs­rech­te auf Ak­ti­en, ver­gleich­bar zu Ak­ti­en­op­tio­nen, den Sach­be­zugs­be­griff des § 107 Abs. 2 Ge­wO erfüllen (EFK/Preis, 8. Aufl., § 107 Ge­wO, Rdn. 4). Zu Guns­ten der Be­klag­ten kann des­halb da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass es sich bei den mit dem Kläger ver­ein­bar­ten Ak­ti­en­be­zugs­rech­ten um Sach­bezüge im Sin­ne des § 107 Abs. 2 Satz 1 Ge­wO han­delt.
3.2 Die Ver­ein­ba­rung über die Gewährung von Ak­ti­en­be­zugs­rech­ten erfüllt aber nicht die Vor­aus­set­zun­gen des § 107 Abs. 2 Satz 1 Ge­wO, weil die­se Ver­ein­ba­rung we­der dem In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers noch der Ei­gen­art sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ent­spricht.
3.2.1 Mit dem In­ter­es­se des Klägers lässt sich die Ab­re­de über die Ak­ti­en­be­zugs­rech­te nicht be­gründen. Da dem Ar­beit­ge­ber die in­di­vi­du­el­le In­ter­es­sen­la­ge des Ar­beit­neh­mers im Re­gel­fall un­be­kannt ist und in größeren Un­ter­neh­men Vergütungs­fra­gen ge­ne­ra­li­sie­rend ge­re­gelt wer­den, kann bei der Be­wer­tung der In­ter­es­sen­la­ge nur ein ob­jek­ti­ver Maßstab an­ge­legt wer­den. Ob ein In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers be­steht, ist da­her nicht vom sub­jek­ti­ven Stand­punkt des Ar­beit­neh­mers aus zu be­stim­men, maßge­bend ist viel­mehr des­sen wohl­ver­stan­de­nes In­ter­es­se. Im Re­gel­fall wird man des­halb von ei­nem In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an dem Sach­be­zug aus­ge­hen können. Zum ei­nen hat er selbst die­sen ver­trag­lich ver­ein­bart. Zum an­de­ren wer­den – von sel­te­nen Aus­nah­mefällen ab­ge­se­hen – Sach­leis­tun­gen ver­ein­bart, die der Ar­beit­neh­mer selbst nut­zen kann. Dann aber be­steht grundsätz­lich nicht die Ge­fahr, dass dem Ar­beit­neh­mer Sach­bezüge ge­wehrt wer­den, die die­ser selbst zunächst zu Geld ma­chen muss, um Bar­mit­tel für sei­nen Le­bens­un­ter­halt zu er­lan­gen (so aus­drück-
lich: Bau­er/Opo­l­o­ny, Ar­beits­recht­li­che Ände­run­gen in der Ge­wer­be­ord­nung, BB 2002, 1591 ff.; Bo­em­ke, a. a. O., § 107, Rz. 18; Tet­tin­ger/Wank, a. a. O., § 107, Rz. 5).
Hier­nach muss zu Guns­ten des Klägers von ei­ner der Aus­nah­mefälle aus­ge­gan­gen wer­den, der nach der über­wie­gen­den Li­te­ra­tur­mei­nung zu ei­ner Ver­nei­nung des In­ter­es­ses des Ar­beit­neh­mers zu führen hat.
Zum Zeit­punkt des zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses war der Kläger ge­hal­ten, die ihm über­las­se­nen Ak­ti­en­be­zugs­rech­te zu rea­li­sie­ren. Dies konn­te er, da zum da­ma­li­gen Zeit­punkt die Be­klag­te den be­ab­sich­tig­ten Börsen­zu­gang noch nicht um­ge­setzt hat­te, nur im frei­en Han­del tun. Un­abhängig da­von, ob ein der­ar­ti­ger Han­del und die Um­set­zung in Bar­mit­tel über­haupt rea­lis­tisch ge­we­sen sein mag, stand es je­den­falls in dem nur be­fris­tet ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en mehr oder we­ni­ger in den Ster­nen, ob und in wel­cher Höhe ein Ver­kauf der Ak­ti­en­be­zugs­rech­te bzw. – später – der da­zu­gehören­den Ak­ti­en möglich war. Dann aber kann schon an­ge­sichts die­ser äußerst un­si­che­ren Sach­la­ge nicht von ei­nem Ei­gen­in­ter­es­se des Klägers ge­spro­chen wer­den.
Dem kann die Be­klag­te nicht ent­ge­gen­hal­ten, dass sie ihm für sei­ne tatsächli­che Tätig­keit von 30 Wo­chen­stun­den ei­ne Brut­to­mo­nats­vergütung von 1.670,-- € net­to zur Verfügung stell­te. In die­sem Zu­sam­men­hang ist ent­schei­dend, dass in bei­den An­stel­lungs­verträgen ei­ne Brut­to­mo­nats­vergütung von 6.480,-- € kon­kret ver­ein­bart war. Mit die­ser Ver­ein­ba­rung brach­te die Be­klag­te zum Aus­druck, dass sie den Wert der Ar­beits­leis­tung des Klägers in ge­nau die­ser Höhe an­setz­te. Gleich­zei­tig führ­te die Auf­tei­lung die­ser Brut­to­mo­nats­vergütung in ei­nen bar aus­zu­zah­len­den Net­to­be­trag ei­ner­seits und der Gewährung von Ak­ti­en­be­zugs­rech­ten oder Ak­ti­en­op­tio­nen an­de­rer­seits da­zu, dass mehr als 50 % der Vergütung des Klägers mit ei­nem er­heb­li­chen Un­si­cher­heits­fak­tor be­las­tet wur­de. Kon­kret be­stand und be­steht die Ge­fahr, dass der über dem Be­trag 1.670,-- € net­to hin­aus­ge­hen­de An­teil voll­kom­men wert­los sein könn­te. Dies wie­der­um würde zu ei­ner er­heb­li­chen Störung des syn­al­lag­ma­ti­schen Verhält-
nis­ses führen, die er­neut be­legt, dass von ei­nem Ei­gen­in­ter­es­se des Klägers ge­ra­de nicht aus­ge­gan­gen wer­den kann.
Die vor­ste­hen­de Über­le­gung wird im Übri­gen gestützt durch – nach Mei­nung der Be­ru­fungs­kam­mer ver­gleich­ba­ren – Über­le­gun­gen der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Wi­der­ruf­lich­keit von Zu­la­gen in For­mu­lar­ar­beits­verträgen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in sei­ner grund­le­gen­den Ent­schei­dung vom 12.01.2005 (Az.: 5 AZR 364/04 – AP Nr. 1 zu § 308 BGB) aus­geführt, dass der Ar­beit­ge­ber we­gen der Un­ge­wiss­heit der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung des Un­ter­neh­mens und der all­ge­mei­nen Ent­wick­lung des Ar­beits­verhält­nis­ses ein an­er­ken­nens­wer­tes In­ter­es­se dar­an hat, be­stimm­te Leis­tun­gen, ins­be­son­de­re Zu­satz­leis­tun­gen fle­xi­bel aus­zu­ge­stal­ten. Da­bei dürfe aber das Wirt­schafts­ri­si­ko des Un­ter­neh­mers nicht auf den Ar­beit­neh­mer ver­la­gert wer­den. In die­sem Zu­sam­men­hang sei es dann zulässig, ei­nen Wi­der­rufs­vor­be­halt zu for­mu­lie­ren, so­weit der wi­der­ruf­li­che An­teil am Ge­samt­ver­dienst un­ter 25 bis 30 % lie­ge.
Die er­ken­nen­de Be­ru­fungs­kam­mer ver­kennt nicht, dass die so­eben zi­tier­te Recht­spre­chung zur Zulässig­keit all­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen und mit­hin zur Zulässig­keit der Ge­stal­tung von For­mu­lar­ar­beits­verträgen er­gan­gen ist. Wenn al­ler­dings das Bun­des­ar­beits­ge­richt be­reits bei der Wi­der­ruf­lich­keit von Zu­satz­leis­tun­gen ei­ne Gren­ze von höchs­tens 30 % der Ge­samt­vergütung für an­ge­mes­sen hält, so ist der dar­in lie­gen­de Rechts­ge­dan­ke auch dann her­an­zu­zie­hen, wenn es sich um frei aus­ge­han­del­te Verträge wie den vor­lie­gen­den han­delt. Hier­bei spielt aber vor al­lem und in ers­ter Li­nie ei­ne Rol­le, dass es sich bei der hier strei­ti­gen Vergütungs­ver­ein­ba­rung nicht nur um Zu­satz­leis­tun­gen han­delt, die dem Kläger ne­ben sei­ner ei­gent­li­chen Mo­nats­vergütung zur Verfü-gung ge­stellt wur­de. Zu be­wer­ten ist viel­mehr ein Teil des dem Kläger für sei­ne Ar­beits­leis­tung ge­schul­de­ten Brut­to­mo­nats­ge­halts, das letzt­lich, wie oben auf­ge­zeigt, zu ei­nem großen Teil wert­los sein könn­te.
Ins­ge­samt kann des­halb auch an­ge­sichts der Höhe der ver­ein­bar­ten Sach­bezüge nicht von ei­nem In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers, hier des Klägers, aus­ge­gan­gen wer­den.
3.2.2 Die Ver­ein­ba­rung über die dem Kläger zu gewähren­de Sach­bezüge ent­spre­chen auch nicht der Ei­gen­art sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten.
Die Gewährung von Sach­bezügen als Ar­beits­ent­gelt liegt ge­ra­de in be­stimm­ten Bran­chen in der Ei­gen­art des Ar­beits­verhält­nis­ses. So ist et­wa die Ab­ga­be von De­pu­ta­ten im Gas­tro­no­mie-, Braue­rei- oder Ta­bak­ge­wer­be üblich und wei­ter­hin zulässig. Auch die Über­las­sung ei­ner Woh­nung für ei­ne Haus­meis­ter- oder Pfört­nertätig­keit als Teil des Ar­beits­ent­gelts ist auf­grund der Ei­gen­art des Ar­beits­verhält­nis­ses oh­ne wei­te­res zulässig, wo­bei es auf das In­ter­es­se des Ar-beit­neh­mers dann nicht mehr an­kommt (vgl. auch hier­zu: Bau­er/Opo­l­o­ny, a. a. O., Sei­te 1593; Bo­em­ke, a. a. O., § 107, Rz. 19; Tet­tin­ger/Wank, a. a. O., § 107, Rz. 6).
Auch die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend nicht ge­ge­ben. Die vom Ge­setz­ge­ber be­ab­sich­tig­ten und von der oben dar­ge­stell­ten Li­te­ra­tur kom­men­tier­ten Fall­ge­stal­tun­gen sind er­kenn­bar sol­che, wo sich aus der Ei­gen­art der Bran­che selbst oder des Ar­beit­ge­bers die Gewährung von Sach­bezügen ab­lei­ten lässt. Die als Bei­spie­le ge­nann­ten Sach­bezüge stel­len re­gelmäßig sol­che dar, die der je­wei­li­ge Ar­beit­ge­ber selbst pro­du­ziert oder als Dienst­leis­tung an­bie­tet und es des­halb ge­bo­ten und vernünf­tig er­scheint, die beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer dar­an teil­ha­ben zu las­sen. Hin­zu kommt, dass der­ar­ti­ge De­pu­ta­te und Sach­bezüge re­gelmäßig nur ge­rin­ge Tei­le der Ge­samt­vergütung aus­ma­chen (zu den­ken ist an die Über­las­sung von Bierkästen oder Zi­ga­ret­ten­pa­ckun­gen an in­ter­es­sier­te Ar­beit­neh­mer), so dass die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ei­nen Großteil ih­rer Vergütung als Bar­mit­tel zur Verfügung be­hal­ten.
Dem­ge­genüber stel­len die Ak­ti­en­be­zugs­rech­te, die die Be­klag­te dem Kläger gewährt, kei­nen Sach­be­zug dar, der sich aus der Ei­gen­art der Bran­che oder dem Un­ter­neh­mens­zweck der Be­klag­ten ab­lei­ten lässt. Dass die Be­klag­te ein mo­der­nes Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men im Soft­ware­be­reich dar­stellt, heißt nicht zwangsläufig, dass die Gewährung von Ak­ti­en­pa­ke­ten oder Be­zugs­rech­ten der Ei­gen­art ih­res Un­ter­neh­mens ent­spricht. Dem steht schon ent­ge­gen, dass der-
ar­ti­ge Un­ter­neh­men so­wohl als Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten aber auch in an­de­rer Ge­sell­schafts­form be­trie­ben wer­den können. Sch­ließlich gilt auch hier, dass ge­ra­de der ho­he An­teil des Sach­be­zugs an der Ge­samt­vergütung des Klägers nicht nur zu ei­nem er­heb­li­chen fi­nan­zi­el­len Ri­si­ko führt, son­dern darüber hin­aus auch nicht mehr mit der Ei­gen­art der Be­klag­ten be­gründet wer­den kann.
4. Steht da­nach fest, dass die Gewährung von Ak­ti­en­be­zugs­rech­ten we­gen
Ver­s­toßes ge­gen § 107 Abs. 2 Ge­wO i. V. m. § 134 BGB in­so­weit nicht zur Erfüllung des Vergütungs­an­spruchs des Klägers geführt hat, gilt wei­ter § 107 Abs. 1 Ge­wO. Hier­nach ist die Be­klag­te auch wei­ter­hin ver­pflich­tet, dem Kläger ei­ne Vergütung in Höhe von 6.480,-- € brut­to pro Mo­nat zur Verfügung zu stel­len, abzüglich der be­reits ge­zahl­ten Net­to­beträge.
R E C H T S M I T T E L B E LE H R U N G :
gez.: Har­la­cher
gez.: Ur­ba­ni­ak
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