Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F01-07-2010-8C_218-2010
Timestamp: 2016-10-21 16:51:44
Document Index: 22377247

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 106', 'Art. 42', 'BGE', 'Art. 106', 'BGE', 'BGE']

8C_218/2010 (01.07.2010)
8C_218/2010
Unfallversicherung (Kausalzusammenhang, Sch�del-Hirntrauma),
A.a Der 1976 geborene S._______ war als Lastwagenchauffeur der Firma X.________ gegen die Folgen von Unf�llen versichert, als er am 3. Juli 2003 als Lenker eines Personenwagens frontal mit einem korrekt entgegenkommenden Fahrzeug kollidierte und dabei ein Sch�delhirntrauma erlitt (Austrittsbericht des Spitals A.________ vom 7. Juli 2003). Die SUVA anerkannte ihre Leistungspflicht f�r die Folgen dieses Ereignisses und erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Der Versicherte konnte am 11. Mai 2004 seine bisherige Arbeit wieder voll aufnehmen, sodass die SUVA die Leistungen am 15. M�rz 2005 einstellte.
A.b Am 30. M�rz 2005 wurde S._______ bewusstlos neben seinem Lastwagen �ber ein am Boden deponiertes Alteisenteil gebeugt, vorgefunden. Die Umst�nde des Vorfalls konnten nicht restlos gekl�rt werden, wobei der Versicherte selber angab, beim Aufsteigen auf den Lastwagen ausgerutscht und r�ckw�rts auf den Boden gefallen zu sein. Er erlitt dabei gem�ss Austrittsbericht des Spitals A.________ vom 7. April 2005 ein leichtes Sch�delhirntrauma sowie eine schmerzhafte R�ckenkontusion. Die SUVA anerkannte auch f�r dieses Ereignis ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Leistungen, stellte diese jedoch mit Verf�gung vom 12. M�rz 2007 und Einspracheentscheid vom 28. M�rz 2008 auf den 31. M�rz 2007 ein, da die �ber dieses Datum hinaus anhaltend geklagten Beschwerden nicht ad�quat kausal durch das Unfallereignis vom 30. M�rz 2005 verursacht worden seien.
Die von S._______ hiegegen gef�hrte Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern mit Entscheid vom 5. Februar 2010 ab.
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten l�sst S._______ beantragen, es sei der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben und die SUVA zu verpflichten, weiterhin r�ckwirkend ab 1. April 2007 die gesetzlichen Leistungen aus den Unf�llen vom 3. Juli 2003 und 30. M�rz 2005 zu erbringen, insbesondere seien Taggelder auf der Grundlage einer vollst�ndigen Arbeitsunf�higkeit zuzusprechen. Zudem sei eine Rente bei einer mindestens 70 %-igen Invalidit�t und eine Integrit�tsentsch�digung bei einer Integrit�tseinbusse von mindestens 40 % zuzusprechen.
Die SUVA beantragt Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann wegen Rechtsverletzungen gem�ss Art. 95 und 96 BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist folglich weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erw�gungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann eine Beschwerde mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begr�ndung abweisen. Immerhin pr�ft das Bundesgericht, unter Ber�cksichtigung der allgemeinen Begr�ndungspflicht der Beschwerde (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG), grunds�tzlich nur die geltend gemachten R�gen, sofern die rechtlichen M�ngel nicht geradezu offensichtlich sind. Es ist jedenfalls nicht gehalten, wie eine erstinstanzliche Beh�rde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu untersuchen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen werden (Urteil 8C_934/2008 vom 17. M�rz 2009 E. 1 mit Hinweisen, nicht publ. in: BGE 135 V 194, aber in: SVR 2009 UV Nr. 35 S. 120). Das Bundesgericht kann die Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem Recht nur insofern pr�fen, als eine solche R�ge in der Beschwerde vorgebracht und begr�ndet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).
2.1 Das kantonale Gericht hat im angefochtenen Entscheid die Bestimmungen �ber die vom Unfallversicherer bei Berufsunf�llen, Nichtberufsunf�llen und Berufskrankheiten zu erbringenden Leistungen richtig wiedergegeben. Gleiches gilt f�r die Rechtsprechung �ber die hief�r erforderlichen kausalen Zusammenh�nge zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden mit den jeweils zu beachtenden Beweisregeln. Darauf wird verwiesen.
Streitig und zu pr�fen ist die Leistungspflicht der SUVA f�r die �ber den 31. M�rz 2007 hinaus anhaltend geklagten Beschwerden des Versicherten.
3.1 Das kantonale Gericht ist diesbez�glich nach umfassender W�rdigung der medizinischen Akten zu Recht davon ausgegangen, dass bez�glich des ersten Unfalls zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung am 15. M�rz 2005 keine residuellen unfallbedingten Beschwerden mehr vorhanden waren, wie sich aus den Angaben des Versicherten anl�sslich der Besprechung mit der SUVA vom 21. September 2004 (SUVA-Bericht vom 23. September 2004) und dem Schreiben des Dr. med. B.________, Innere Medizin FMH, (vom 4. M�rz 2005) ergibt.
3.2 Unbestritten ist sodann, dass die anhaltenden Beschwerden nicht auf einen organisch hinreichend nachweisbaren Gesundheitsschaden zur�ckzuf�hren sind, weshalb die Ad�quanz eines allf�lligen Kausalzusammenhanges zwischen dem Ereignis vom 30. M�rz 2005 und diesen Beschwerden speziell zu pr�fen ist. Die Vorinstanz hat dabei unter der Annahme eines mittelschweren, im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen liegenden Ereignisses eine Pr�fung nach den Kriterien der sog. "Schleudertrauma-Praxis" (BGE 134 V 109 E. 10.3 S. 130) vorgenommen und die Ad�quanz unter Bejahung eines Kriteriums (erhebliche Beschwerden) verneint.
3.3 Die Schwere des Unfalles ist auf Grund des augenf�lligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kr�ften zu beurteilen (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07 E. 5.3.1). Der genaue Hergang des Unfalles ist ungekl�rt. Das kantonale Gericht hat aber stichhaltig dargelegt, dass nicht von einem Sturz aus vier Metern H�he auszugehen ist, wie wiederholt geltend gemacht wird, zumal sich die Ladebr�cke in ca. eineinhalb Metern H�he befindet. Selbst wenn auf den vom Beschwerdef�hrer vorgetragenen Ablauf abgestellt wird, wonach er beim Aufsteigen auf die Ladebr�cke des Lastwagens ausgerutscht und auf den R�cken gefallen war, wobei er bewusstlos, �ber der Heugabelmaschine gebeugt und ohne �ussere Verletzungen, vorgefunden wurde, kann das Ereignis h�chstens als mittelschwerer Unfall im engeren Sinn bezeichnet werden (vgl. etwa die Urteile 8C_1014/2009 vom 22. Februar 2010 E. 5.1, 8C_115/2009 vom 28. Juli 2009 E. 6.2, 8C_825/2008 vom 9. April 2009 E. 4.2, 8C_493/2009 vom 18. Dezember 2009 E. 5.2.2 und U 191/04 vom 12. August 2005 E. 5.1). Die Ad�quanz des Kausalzusammenhanges w�re somit nur dann zu bejahen, wenn eines der relevanten Ad�quanzkriterien in besonders ausgepr�gter oder drei dieser Krite-rien erf�llt w�ren (in Pl�doyer 2/2010 S. 53 zusammengefasstes Urteil 8C_897/2009 vom 29. Januar 2010 [E. 4.5 mit Hinweisen]).
3.4 Entgegen den Vorbringen in der Beschwerde ereignete sich der Unfall vom 30. M�rz 2005 weder unter besonders dramatischen Begleitumst�nden noch war er im Sinne des einschl�gigen Kriteriums von besonderer Eindr�cklichkeit. Das Kriterium ist somit zu verneinen (vgl. auch Urteil U 41/06 vom 2. Februar 2007 Sachverhalt und E. 10.1).
3.5 Die Diagnose einer HWS-Distorsion oder einer anderen, ad�quanzrechtlich gleich zu behandelnden Verletzung gen�gt f�r sich allein nicht zur Bejahung des Kriteriums der Schwere und besonderen Art der erlittenen Verletzung (BGE 134 V 109 E. 10.2.2 S. 127 f.). Richtig ist, dass eine HWS-Distorsion, welche eine bereits erheblich vorgesch�digte Wirbels�ule trifft, speziell geeignet ist, die "typischen" Symptome hervorzurufen (SVR 2009 UV Nr. 30 S. 105, 8C_413/2008 6.3.2). Wenn der Beschwerdef�hrer in Anlehnung daran geltend macht, aufgrund des Umstands, dass er zum zweiten Mal ein Sch�delhirntrauma erlitten habe sei das Kriterium der besonderen Art und Schwere der erlittenen Verletzungen in ausgepr�gter Weise erf�llt, kann ihm aber nicht gefolgt werden. Auch wenn er sich beim zweiten Ereignis ein weiteres (leichtes) Sch�delhirntrauma zuzog, zeigten die anl�sslich des zweiten Unfalls erhobenen bildgebenden Befunde weder Auff�lligkeiten, noch lagen entsprechende unfallbedingte Restbeschwerden vor (Neurologische Beurteilung des Prof. Dr. med. C.________, MBA, Facharzt f�r Neurologie, Medizinischer Leiter der Neurologischen Rehabilitation an der Klinik D.________ vom 18. April 2006 und erg�nzende Stellungnahme vom 6. Februar 2007). Wie der Versicherte selbst ausf�hrte, war er vor dem Ereignis vom 30. M�rz 2005 voll arbeitsf�hig. Somit ist nicht davon auszugehen, dass das Gehirn dermassen erheblich vorgesch�digt war, dass die am 30. M�rz 2005 erlittene Commotio cerebri deswegen als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren w�re (vgl. Urteil 8C_542/2008 vom 20. November 2008 E. 5.3). Das Kriterium ist demnach nicht erf�llt.
3.6 Der Beschwerdef�hrer legt weiter nicht dar, weshalb die Behandlung nach dem Unfall besonders belastend gewesen sein sollte. Eine besondere Belastung, wie sie sich im angerufenen Urteil 8C_897/2009 E. 4.3 fallbezogen ergab, ist denn auch nicht aus den Akten ersichtlich. Demnach ist auch das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden �rztlichen Behandlung zu verneinen.
3.7 Inwiefern aus dem Umstand, dass - gem�ss dem Versicherten - von einer mehrere Stunden dauernden Bewusstlosigkeit nach dem Unfall auszugehen ist, eine �rztliche Fehlbehandlung resultieren soll, wie beschwerdeweise eingewendet wird, ist nicht ersichtlich. Keine der behandelnden �rzte stellten eine initiale Bewusstlosigkeit in Abrede, wobei am Unfalltag bereits wieder ein allseits orientierter, wacher Patient in gutem Allgemeinzustand mit einem Wert auf der Glasgow Coma Scale (GCS) von 15 beschrieben wurde (Austrittsbericht des Spitals A.________ vom 7. April 2005). Der Versicherte legt denn auch nicht substanziiert dar, worin bez�glich der Behandlung des erlittenen leichten Sch�delhirntraumas und der R�ckenkontusion eine �rztliche Fehlbehandlung zu sehen ist, weshalb diese zu verneinen ist.
3.8 Was schliesslich die beiden Kriterien der erheblichen Beschwerden und der erheblichen Arbeitsunf�higkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen betrifft, gilt es festzustellen, dass sie jedenfalls nicht in ausgepr�gter Weise gegeben sind, wie dies mit Blick auf die erheblichen Beschwerden geltend gemacht wird. Zu Recht wies das kantonale Gericht diesbez�glich auf die sich aus den medizinischen Akten ergebende Selbstlimitierung des Versicherten und die teilweise fehlende �bereinstimmung der geklagten Beschwerden mit den objektiven Befunden hin (Neurologische Stellungnahme und interdisziplin�re Zusammenfassung der Klinik D.________ vom 18. April 2006).
3.9 Da mithin keines der massgeblichen Kriterien besonders ausgepr�gt vorliegt und selbst dann, wenn man zugunsten des Beschwerdef�hrers die beiden Kriterien der erheblichen Beschwerden und der erheblichen Arbeitsunf�higkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen als erf�llt erachten w�rde, fehlt es an der Ad�quanz eines Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfallereignis vom 30. M�rz 2005 und den �ber den 31. M�rz 2007 hinaus anhaltend geklagten, organisch nicht im Sinne der Rechtsprechung hinreichend nachweisbaren Beschwerden. Vorinstanz und SUVA haben damit einen weiteren Leistungsanspruch zu Recht verneint.