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Timestamp: 2020-07-05 15:55:37
Document Index: 52756454

Matched Legal Cases: ['§ 222', '§ 16', '§ 21', '§ 8', '§ 3', '§ 3', '§ 7']

Asbest - Infos zu Gefährdungen und Tipps zu deren Vermeidung
Asbest erkennen und entsorgen
Themenseite Asbest
Eternitplatten an Fassaden oder Dächern können Asbest enthalten – so wie viele andere Produkte auch. Bekannte Beispiele sind Asbestzementwellplatten und ebene Asbestplatten. Es gibt aber noch viele weitere, zum Teil sehr versteckte Anwendungen.
Diese Themenseite fasst zusammen, wie Sie Asbest erkennen und welche Möglichkeiten es zur sicheren Bestimmung von Asbest gibt. Sie erfahren, welche Vorgaben die TRGS 519 bei Abbruch- und Instandhaltungsarbeiten macht. Hier finden Sie Hilfestellung, was bei Asbestsanierung und Asbestentsorgung zu beachten ist. Informieren Sie sich auch über Kosten, die entstehen, wenn Sie Asbest entsorgen müssen.
Diese Themenseite richtet sich an Sicherheitsingenieure, Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinatoren (SiGeKo), Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifas), Sicherheitsbeauftragte (Sibe), aber auch an Architekten, Bauingenieure, Beschäftigte im Handwerk sowie interessierte Privatpersonen wie Heimwerker.
Sie finden Antworten zu folgenden Themengebieten:
Asbest erkennen: Typische Fundstellen
Achtung: Diese Produkte können Asbest enthalten
Rechtsvorschriften für Tätigkeiten mit asbesthaltigen Produkten
Darauf müssen Sie der Asbestentsorgung achten
Asbest entsorgen: Kosten und Beispiele
Vorkommen und Eigenschaften von Asbest
Weiterführendes Link- und Literaturverzeichnis
Diese Themenseite wurde in Zusammenarbeit mit Dipl.-Ing. Ulf.-J. Schappmann, Geschäftsführer der SIMEBU Thüringen GmbH (www.simebu.de), erstellt. Er ist Sicherheitsingenieur, SiGeKo, Leiter der Fachbereichs Gefahrstoffe im VDSI e.V. und Sachkundiger nach TRGS 519, Anlage 3 und 4. E-Mail: ujschappmann@simebu.de
Asbest ist die Sammelbezeichnung für bestimmte natürliche Minerale. Diese lassen sich nicht durch technische Prozesse herstellen. Während künstlich produzierte Mineralfasern eine glasige Struktur haben, sind alle Asbestarten vollständig faserförmig kristallisiert.
Asbest kann in zwei Mineralgruppen entstehen:
Mineralgruppe der Serpentine
Mineralgruppe der Amphibole
Faserförmig kristallisiertes Serpentin heißt Chrysotil-Asbest (Weißasbest). Bei faserförmig kristallisierten Amphibolen unterscheidet man verschiedene Arten von Asbest. Die häufigsten sind Krokydolith (Blauasbest), Anthophyllit, Amosit, Aktinolith und Tremolit.
Asbest erkennen: Das geht nicht mit bloßem Auge. Asbestfasern bestehen aus millionenfach aneinander gelagerten Kristalliten. Eine mikroskopisch gerade noch nachweisbare Asbestfaser mit einem Durchmesser von 1 µm (= 1/1.000 mm) setzt sich aus rund 2.500 Einzelfasern zusammen. Wird eine Asbestfaser mechanisch oder chemisch belastet, kann sie in einzelne Kristallite oder Kristallitbündel zerfallen. Diese Bruchstücke sind ebenso gefährlich wie die Ursprungsfaser!
Asbest wird in zahlreichen Produkten eingesetzt. Bekannt sind unter anderem Asbestzementwellplatten, ebene Platten und Schindeln, die unter den Handelsnamen „Eternit“ und „Fulgurit“ vertrieben wurden. Informationen über Fundstellen können Sie hier abrufen.
Asbest kann schwere und tödliche Erkrankungen wie Asbestose oder Lungen- und Kehlkopfkrebs sowie weitere Krebsarten verursachen.
Alle durch Asbest verursachten Krankheiten sind auf die kristalline Faserstruktur dieses Minerals zurückzuführen – genauer gesagt, auf die nadelartige Form der Asbestfaser.
Asbest oder Bruchstücke von Asbest (Asbestfasern) lösen dann eine Erkrankung aus, wenn das Mineral die Lungenbläschen (Alveolen) erreicht. In Fällen, in denen Asbest über die Haut (dermal) oder über den Magen-Darm-Trakt (oral) aufgenommen wurde, konnte bislang keine schädigende Wirkung nachgewiesen werden.
Asbestfasern erhalten erst dann lungengängige Abmessungen, wenn sie längs gespalten oder quer gebrochen werden. Dies geschieht durch mechanische Beanspruchung wie Zerbrechen, Schleifen, Bohren, Sägen oder Abscheuern.
Nach der Faserdefinition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben lungengängige Asbestfaserteilchen folgende Merkmale:
Sie haben einen maximalen Durchmesser von 3 µm,
sie sind mindestens 5 µm lang und
das Verhältnis zwischen Länge zu Durchmesser ist größer als 3:1.
(Hinweis: 1 µm = 10-3 mm = ein Tausendstel Millimeter. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von circa 50 µm!)
Wenn Asbestfasern einmal in den Lungenbläschen sind, werden sie dort lange Zeit weiter längs gespalten. Eine einzelne Faser (Einzelfibrille) von Chrysotil-Asbest kann bis zu 0,02 µm dünn sein. Eine chemische Zersetzung der Einzelfibrillen durch die körpereigene Abwehr findet nicht statt.
Daher gilt: Vermeiden Sie unbedingt beim Umgang mit Asbest oder asbesthaltigen Materialien alle Verfahren, die eine mechanische Beanspruchung der Fasern zur Folge haben! Dazu gehören alle schleifenden, brechenden oder abtragenden Arbeitsverfahren. Zerbrechen Sie Asbeststücke nicht!
So weit wie bisher bekannt ist, gehen von ruhenden, fest gebundenen Asbestzementprodukten keine Gesundheitsgefahren aus. Durch Wind und Regen abgetragene Asbestfasern sind zu lang und zu dick, um die Lunge zu erreichen. So erreichen Asbestfasern mit einer Länge von über 20 µm nicht die Lungenbläschen. Sie werden im Nasen-Rachen-Raum abgeschieden.
Asbest im Außenbereich: Lieber frühzeitig handeln!
Anwohner im Umfeld von Gebäuden mit Asbestzement (zum Beispiel Dächer, Fassaden) müssen also in der Regel nicht mit Gesundheitsgefahren rechnen: Die Asbestfasern sind ruhend und fest gebunden. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber bislang auch kein Rückbaugebot für Produkte aus Asbestzement im Außenbereich erlassen. Der Asbestzement muss nur bauphysikalisch und baustatisch den Anforderungen entsprechen. Allerdings kann jede Beschädigung des Asbestzements zu einer erhöhten Asbestfaserfreisetzung und damit zu Gesundheitsgefahren führen. Daher gilt: Im Außenbereich eingesetzte Produkte aus Asbestzement sollten so bald wie möglich sachgerecht ausgebaut und der Asbest entsorgt werden.
Asbest erkennen – typische Fundstellen?
Eine erste Einschätzung, ob Asbest oder asbesthaltige Materialien vorliegen, kann nur eine sachkundige Person vornehmen. Eine eindeutige Aussage, ob und in welcher Form beziehungsweise Menge Asbest vorliegen, liefert nur eine spezielle Materialanalyse (REM/EDX-Analyse). Dabei handelt es sich um eine Untersuchung mit dem Rasterelektronenmikroskop mit energiedispersiver Röntgenspektroskopie.
Eine sachkundige Person kann beurteilen,
ob Asbestfasern bei der Nutzung von asbesthaltigem Material freigesetzt werden oder
ob beim Ausbau von asbesthaltigem Material eine Freisetzung von Asbestfasern droht.
Es muss immer der konkrete Anwendungsfall betrachtet werden. Leider ist davon auszugehen, dass beim Rückbau die Akzeptanzkonzentration regelmäßig und in vielen Fällen auch die Toleranzkonzentration überschritten wird. Dies liegt daran, dass bei jedem Arbeiten mit dem asbesthaltigen Material Fasern in nicht bekanntem Umfang freigesetzt werden.
Fundstellen in der Natur
Da Asbest ein natürlich vorkommendes Mineral ist, gibt es natürliche Fundstellen auf der ganzen Welt, insbesondere in Russland, Kanada, China und Brasilien. Hauptsächlich wird Serpentin (Chrysotil-Asbest, Weißasbest) gefördert.
Ein Import oder die Verwendung von Asbest ist in Deutschland sowie in der gesamten EU ebenso wie in der Schweiz, in Norwegen und Island verboten. In anderen Ländern werden aber immer noch asbesthaltige Produkte hergestellt und auf en Markt gebracht. Daher gilt: Vorsicht bei Eigenimporten aus Nicht-EU-Ländern!
Fundstellen in der Industrie
Am 30. November 1993 trat ein Herstellungs- und Verwendungsverbot für alle Arten asbesthaltiger Produkte in Deutschland in Kraft. EU-weit gibt es ein solches Verbot seit 2005.
Weltweit wurde Asbest in über 3.000 Produkten eingesetzt. Asbest wurde in zahlreichen Industriezweigen wie zum Beispiel der Fahrzeugindustrie oder in der Elektrotechnik genutzt (vgl. Tabelle). Bei Fahrzeugen beziehungsweise Fahrzeugteilen, die bis 1993 in den Handel gebracht worden sind, kann damit gerechnet werden, dass asbesthaltige Materialien vorhanden sind. Über Importe aus Nicht-EU-Ländern werden aber auch heute noch asbesthaltige Teile eingeführt und verbaut. Ein weiteres Problem sind Altbestände von asbesthaltigen Materialien, die entgegen der geltenden Regelung noch verarbeitet werden.
Mit über 75 Prozent lag der Anteil der Asbestanwendungen im Baubereich besonders hoch.
Zu den bekanntesten Fundstellen am Bau gehören:
Fundstellen, an denen Asbestzement zum Einsatz gekommen ist (zum Beispiel asbesthaltige Wellplatten; asbesthaltige Tafeln und kleinförmige Schindeln als Ersatzschiefer)
Schornsteinauskleidungen
Abwurfschächte für Müll oder Wäsche in Hochhäusern
Fundstellen, an denen bauchemische Produkte (zum Beispiel alte Fliesenkleber, Estriche, Putze, Spachtelmasse, Fußbodenbeläge) eingesetzt wurden
alte Heizleitungsisolierungen
alte Fensterbänke und Blumenkästen
Ehemalige Einsatzbereiche von Asbest und asbesthaltigen Materialien in der Industrie
Beispiele für technische Anwendungen und Fundstellen
asbesthaltige Kupplungs- und Bremsbeläge
asbesthaltige Zylinderkopfdichtungen
asbesthaltige Abgaskrümmerdichtungen und andere Dichtungsstoffe
asbesthaltige Ummantelung von Abgasanlagen (z. B. Asbestgewebe an außenliegenden Auspuffrohre an Hochleistungsautomobilen)
asbesthaltige Spachtelmasse (z. B. Antidröhnspachtel)
asbesthaltige Hitze- und Kälteschutzisolierungen/Hochtemperaturdichtungen
asbesthaltige Außenbandbremsen an Aufzugsmaschinen und Pressen
asbesthaltige Abdichtungen an älteren Ölwannen und Hydraulikleitungen
asbesthaltige Hochtemperaturdichtungen/Kälteschutzisolierungen
asbesthaltiger Schallschutz (z. B. Asbestgewebe als Schallentkoppler)
asbesthaltige Dichtungen in Heißwasserboilern älterer Bauart
asbesthaltiges Material in älteren Dichtsätzen für Wasserhähne und Absperrventile (Stopfbuchsen)
asbesthaltige Dichtungen in Ofentüren älterer Bauart
Heizraum- und Rohrisolierung
asbesthaltige Materialien in einigen Nachtspeicheröfen älterer Bauart
Brandschutz Verwendung von asbesthaltigem Material in Brandschutzklappen, Feuerpatschen, Schutzanzügen
asbesthaltige Isolierungen gegen Stromeinwirkungen (z. B. an Schaltschränken, Verteileranlagen)
asbesthaltige Hochtemperaturisolierungen
asbesthaltiges Material in Lampenfassungen/Scheinwerfergehäusen
asbesthaltige Abdichtmasse für Einführstutzen in der Feuchtrauminstallation
Hinweise zur Nutzung der Tabelle:
Die genannten Anwendungsfälle sind insbesondere bei Altanlagen oder alten Installationen mit einem Herstellungs- oder Errichtungsdatum von vor 1993 immer zu vermuten!
Grundsätzlich sind bei allen Arbeiten an asbesthaltigen Materialien die Mindestschutzanforderungen nach TRGS 519 Dies sollten auch Privatpersonen beachten!
Zu Instandhaltungsarbeiten an Dichtungen und Packungen vgl. auch TRGS 519 Nr. 17.3.
Zu Instandhaltungsarbeiten an Bremsanlagen und Kupplungen vgl. auch TRGS 519 Nr. 17.4.
Weitere Informationen sind in der DGUV Informationen 201-012 „Verfahren mit geringer Exposition gegenüber Asbest bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten“ sowie unter dguv.de abrufbar.
Achtung: Diese Produkte können Asbest enthalten?
Asbest kann in vielen verschiedenen Produkten vorkommen. Im Folgenden finden Sie nähere Ausführungen zu folgenden Produkten:
Produkte aus Serpentingestein
Asbestzement, insbesondere Eternitplatten
Putze, Spachtel, Kitte und Farben, insbesondere „Morinol“ und „Guro-Kitt“
Fußbodenbeläge, insbesondere Cushion- und Vinyl-Beläge
Serpentingestein
Asbest ist ein natürlich vorkommendes Mineral. In natürlicher Form kommt es unter anderem als Serpentingestein vor. Dieses wird häufig für Bauwerke und Steinmetzarbeiten eingesetzt. Hersteller von Serpentingestein müssen aber nachweisen, dass ihre Produkte frei von Asbest sind. Die Grenze für Asbestfreiheit liegt bei 0,1 Gewichtsprozent. Nur wenn das Serpentingestein unter diesem Grenzwert liegt, darf es in den Handel gebracht werden.
Problematisch sind bereits verarbeitete asbesthaltige Serpentingesteine wie zum Beispiel
Kaminsimse aus Serpentinit aus dem Zöblitzer Serpentinbrüchen,
Verkleidungen/Bodenbeläge aus Serpentino Verde Vittoria (Italien).
Hier liegen meist keine Erkenntnisse über die mögliche Asbesthaltigkeit vor. Bei alten Produkten aus solchem Gestein sollte keine mechanische Bearbeitung erfolgen oder es muss vorher beprobt werden.
Produkte aus Asbestzement (AZ-Produkte) wurden von unterschiedlichen Herstellern produziert und in den Handel gebracht. Produkte, die bis November 1993 in den Handel kamen, waren in der Regel asbesthaltig. Danach mussten sie asbestfrei sein. Der größte Anbieter Eternit versieht heute seine Produkte aus Faserzement mit dem Stempel „AF“ (asbestfrei).
Typische Produkte aus Asbestzement sind:
Wellplatten (5er und 6er Wellplatten sowie „Berliner Welle“)
kleinformatige Platten (Kunstschiefer)
Formstücke zu Wellplatten (Traufteile, Firsthauben, Ortgangplatten, Kehlplatten)
Rohre in unterschiedlichen Nennweiten bis max. DN 1500
Kanäle (Vierkantrohre)
Pass-Stücke für Rohre und Kanäle
Produkte aus Asbestzement gibt es in unterschiedlichen Ausführungen (gepresst, dampfgehärtet, unbeschichtet, beschichtet). Sie enthalten in der Regel 15 bis 16 Masseprozent an Asbestfasern, vor allem Chrysotil-Asbest (Weißasbest). In Einzelfällen wurde auch Krokydolith (Blauasbest) zugesetzt, um die Stabilität zu erhöhen.
Im eingebauten Zustand setzen Produkte aus Asbestzement in der Regel keine Fasern frei, sofern keine mechanische Beanspruchung erfolgt. Beim Rückbau wird meist die Akzeptanzkonzentration von 10.000 Fasern/m3 Luft überschritten. Allerdings wird die Toleranzkonzentration von 100.000 Fasern/m3 in der Regel nicht erreicht.
Kitte, Spachtelmasse, Putze, Farben
Kitte, Spachtelmassen, Putze und Farben gehören zu bauchemischen Produkten, die Asbestfaseranteile enthalten können. Besonders bekannt sind zum Beispiel die Produkte „Morinol“ und „Guro-Kitt“.
Der Fugenkitt „Morinol“ wurde im DDR-Plattenbau eingesetzt. Das Produkt wurde bis 1983 unter Verwendung Chrysotil-Asbest (Weißasbest) hergestellt. Es diente vor allem zum Abdichten, beispielsweise von Mauerwerksfugen, Fenstern und Türen. „Guro-Kitt“ wurde in der Elektrotechnik zum Abdichten in Feuchtrauminstallationen eingesetzt. Es enthielt ebenfalls Anteile von Weißasbest.
Es gibt noch viele weitere industriell hergestellte Spachtelmassen und Beschichtungsstoffe, die 8 bis 55 Masseprozent Asbestfasern enthalten können. Überwiegend in Westdeutschland wurden viele Putze, Kleber und Kitte verwendet, die nicht näher bekannte Mengenanteile von Asbest enthalten können. Da die Einsatzbereiche stark variieren, kann nur eine sachkundige Person zuverlässige Aussagen zu möglichen Gesundheitsgefährdungen treffen. Diese muss dazu Proben vor Ort entnehmen und im Labor analysieren lassen.
Im eingebauten und unberührten Zustand besteht bei diesen Materialien eine sehr geringe Gefahr, dass Asbestfasern freigesetzt werden. Dies ist im Falle einer Bearbeitung (zum Beispiel mechanisches Abtragen) anders: Die freigesetzten Asbestfasern können dann sogar die Toleranzkonzentration überschreiten! Ob dies tatsächlich der Fall ist, hängt zum einen von der Art der Bearbeitung, zum anderen von der Bindung der Fasern im Bindemittel ab.
Eine besondere Form bauchemischer Produkte sind die mit Asbest verarbeiteten Fußbodenbeläge. Hier sind zwei Produkte zu unterscheiden.
Cushion-Beläge: Die Beläge sind auf eine Trägerpappe aufgebracht (kaschiert). Diese enthält rund 40 bis 98 Masseprozent Asbestfasern.
Vinyl-Beläge (FloorFlex): Die Beläge enthalten rund 20 Masseprozent Asbestfasern. Diese sind fest in die PVC-Matrix eingebunden.
Ob bei der Nutzung Asbestfasern freigesetzt werden, hängt von der Abnutzung der Belagsoberflächen ab. Beim Ausbau werden – bedingt durch die Art der Entfernung – Asbestfasern bis über die Toleranzgrenzen hinaus freigesetzt.
Eine der wichtigsten Eigenschaften von Asbest ist: Das Mineral ist nicht brennbar. Deshalb wurde Asbest für viele Brandschutzprodukte eingesetzt.
Diese lassen sich zwei Kategorien einteilen:
Brandschutzbaumaterialien (zum Beispiel Plattenwerkstoffe wie Promabest, Baufatherm, Sokalit)
Brandschutzdichtmaterialien (zum Beispiel Schnüre, Gewebe, Packungen, Putze)
Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, mussten diese Produkte einen hohen Asbestanteil (bis zu 80 Masseprozent) und eine lockere Bindungsstruktur aufweisen. Vor allem in Brandschutzdichtmaterialien sind Fasern aus Chrysotil-Asbest (Weißasbest) in sehr lockeren Bindungen verarbeitet worden.
Der hohe Faseranteil und die lockere Bindung führen dazu, dass auch im eingebauten Zustand ständig Fasern in die Umgebung abgegeben werden. Hinzu kommt, dass viele Produkte im Innenraumbereich eingesetzt wurden. Hier ist also auch ohne Bearbeitung mit hohen Faserfreisetzungen zu rechnen. Eine Oberflächenbeschichtung (zum Beispiel mit Farben, Tapeten) reduziert diese Belastung nur in geringem Maß.
Beim Ausbau dieser Brandschutzprodukte werden – bedingt durch die Art der Entfernung – Faserfreisetzungen bis weit über die Toleranzkonzentration erreicht.
Rechtsvorschriften für Tätigkeiten mit asbesthaltigen Produkten?
Die Rechtsvorschriften für Tätigkeiten mit asbesthaltigen Produkten müssen in zwei Teilbereichen betrachtet werden.
Der erste Teilbereich sind die Arbeitsschutzvorschriften, der zweite Bereich sind die Vorschriften zur sachgerechten Entsorgung.
Grundsätzlich gilt, dass sowohl die Arbeitsschutzvorschriften als auch insbesondere die Entsorgungsvorschriften nicht nur durch die gewerblichen Unternehmen die Tätigkeiten mit asbesthaltigen Produkten ausführen zu beachten sind, sondern auch durch alle Privatpersonen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Privatpersonen weitere Personen in die Tätigkeit einbeziehen.
Ein weiterer Grundsatz ist, dass die Weitergabe von asbesthaltigen Produkten, gleich in welcher Form oder Art, ob entgeltlich oder unentgeltlich, eine verbotene Handlung darstellt und unter den Straftatbestand der Körperverletzung (§ 222 StGB) geahndet werden kann.
Hier eine kurze, nicht vollständige Übersicht der zu beachtenden Regelungen:
Arbeitsschutzgesetz>
Kreislaufwirtschaftsgesetz>
Chemikalienverbotsverordnung>
Landes-Bauordnung
Technische Regel für Gefahrstoffe 519 „Asbest – Abbruch-, sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten“ (TRGS 519)>
Vorschriften und Regeln der gesetzlichen Unfallversicherer
DGUV Regel 112-189 Einsatz von Schutzkleidung
DGUV Information 201-012 Verfahren mit geringer Exposition gegenüber Asbest bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten
DGUV Information 201-050 Gebundene Asbestprodukte in Gebäuden
Sonstige Normen und Regeln
LASI Leitlinien zur Gefahrstoffverordnung, 3. überarbeitete Auflage mit Ergänzung im Abschnitt I „Asbest“ (LV 45)
LAGA Merkblatt Nr. 23: Vollzugshilfe zur Entsorgung asbesthaltiger Abfälle
Richtlinie für die Bewertung und Sanierung schwach gebundener Asbestprodukte in Gebäuden (Asbest - Richtlinie), Ausgabe Januar 1996
Das Herstellungs- und Verwendungsverbot für Asbest
In Anhang II (zu § 16 Absatz 2) der Gefahrstoffverordnung werden unter Nummer 1 besondere Herstellungs- und Verwendungsbeschränkungen für Asbest festgelegt. Dort heißt es:
Arbeiten an asbesthaltigen Teilen von Gebäuden, Geräten, Maschinen, Anlagen, Fahrzeugen und sonstigen Erzeugnissen sind verboten. Dies gilt auch für private Haushalte.
Es werden aber auch Ausnahmen von diesem Verbot geregelt, z. B.
Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten mit Ausnahme von Arbeiten, die zu einem Abtrag der Oberfläche von Asbestprodukten führen
Als besonders gefährlich werden deshalb folgende Arbeiten benannt, die immer zu einem Abtrag der Oberfläche führen, wie Abschleifen, Druckreinigen, Abbürsten und Bohren von Asbestprodukten.
Ebenfalls verboten sind Überdeckungs-, Überbauungs- und Aufständerungsarbeiten an Asbestzementdächern und –wandverkleidungen, da hier ebenfalls in die Materialien eingegriffen werden muss.
Auch Reinigungs- und Beschichtungsarbeiten an unbeschichteten Asbestzementdächern und –wandverkleidungen gehören zu den verbotenen Arbeiten. Das heißt aber nicht, dass solche Arbeiten an bereits beschichteten Asbestzementdächern und –wandverkleidungen ausgeführt werden dürfen. Hier gibt es weitergehende Regelungen, die solche Arbeiten nur nach Genehmigung der zuständigen Behörden zulassen.
Die weitere Verwendung von bei Arbeiten anfallenden asbesthaltigen Gegenständen und Materialien zu anderen Zwecken als der Abfallbeseitigung oder Abfallverwertung ist gleichfalls verboten. Auch bisher eingelagerte, nicht verwendete asbesthaltige Produkte, wie z. B. Asbestwellplatten oder asbesthaltige Kfz-Ersatzteile dürfen nicht weiter verkauft verschenkt oder genutzt werden.
Besondere Vorsicht ist deshalb beim Kauf von Ersatz- oder Zubehörteilen über Onlinehändler geboten, da hier immer wieder Produkte mit Asbest angeboten werden. Sollten diese verwendet werden, greifen strafrechtliche Regelungen.
Zulässige Tätigkeiten mit asbesthaltigen Materialien
Nach den Vorgaben des Anhang II Nr. 1 Absatz 1 Gefahrstoffverordnung sind nur Abbrucharbeiten und Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten an asbesthaltigen Materialien zugelassen. Um diese Arbeiten ausführen zu können, müssen aber weitere rechtliche Regelungen beachtet werden. Diese sind im Anhang I Gefahrstoffverordnung unter Nummer 2.4 Ergänzende Vorschriften zum Schutz gegen Gefährdung durch Asbest näher beschrieben.
Das Ziel der Gefahrstoffverordnung ist es, den Menschen und die Umwelt vor stoffbedingten Schädigungen zu schützen. Dazu werden Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten und anderer Personen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen bestimmt. Der Zielgruppe dieser Verordnung sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Der private Bereich ist nur dort eingeschlossen, wo dies ausdrücklich in der Verordnung geregelt ist.
Da im Anhang II Nummer 1 Absatz 4 Gefahrstoffverordnung die Ausweitung des Herstellungs- und Verwendungsverbotes aber auf den privaten Haushalt ausgedehnt wurde, müssen damit auch hier die in Anhang I Nr. 2.4 getroffen Regelungen beachtet werden.
Folgende Vorgaben werden gemacht:
1. Ermittlung und Beurteilung der Gefährdung durch Asbest
Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung muss der Arbeitgeber, im Regelfall der Auftragnehmer, ermitteln, ob seine Beschäftigten einer Gefährdung durch den Gefahrstoff Asbest bei der Ausführung der Tätigkeiten ausgesetzt sein können, damit er geeignete Schutzmaßnahmen festlegen kann.
Dazu benötigt er Angaben seines Auftraggebers. Dieser ist somit gefordert, vor einer Auftragserteilung überprüfen zu lassen, ob bei den geplanten Arbeiten Tätigkeiten an oder mit asbesthaltigen Materialien auszuführen sind. Hinweise, wie diese Materialien erkannt und bestimmt werden können sind an anderer Stelle dieser Themenseite zu finden.
Auch Privatpersonen, die selbst Arbeiten ausführen wollen, bei denen möglicherweise Asbestfasern frei werden könnten, sind gut beraten, vor Beginn solcher Arbeiten sich über Art der Materialen und notwendige Schutzmaßnahmen zu informieren. Das gilt besonders dann, wenn noch weitere Personen in die Arbeiten einbezogen werden.
Als Unterstützung für die Ermittlung wird demnächst eine „Leitlinie für die Asbesterkundung zu Vorbereitung von Arbeiten in und an älteren Gebäuden“ (Herausgeber: BAuA, UBA, BBSR) erscheinen.
2. Anzeige an die Behörde
Der Gesetzgeber verpflichtet Arbeitgeber, die Tätigkeiten an asbesthaltigen Materialien ausführen wollen, diese sieben Tage vor Beginn der Arbeiten bei der zuständigen Behörde anzuzeigen. Dazu werden in der TRGS 519 Formulare bereitgestellt.
Wird dieser Verpflichtung nicht oder nicht rechtzeitig nachgekommen, so ist das eine Ordnungswidrigkeit nach § 21 Nr. 1 GefstoffV, die mit bis zu 2.000 EUR Bußgeld geahndet werden kann.
Wichtig ist auch, dass in der Anzeige mindesten eine sachkundige Person (Sachkunde nach TRGS 519 Anlage 3 oder 4) durch den Arbeitgeber benannt wird, die die Arbeiten ständig beaufsichtigt und weisungsbefugt ist. Für die Ausführung von Tätigkeiten an schwach gebundenen asbesthaltigen Materialien muss das Unternehmen über eine behördliche Zulassung verfügen. Sachkundenachweise und Zulassungen müssen aktuell gültig sein.
Auftraggeber sollten daher immer prüfen, ob die von ihnen beauftragten Unternehmen auch den Pflichten zur Anzeige nachkommen, da sonst auch ein Einleiten eines Ordnungswidrigkeitenverfahrens gegen den Auftraggeber möglich ist. Vorsicht ist bei Nachweisen von Unternehmen aus EU-Staaten geboten. Hier sollte Rücksprache mit den für den Arbeitsort zuständigen Behörden (Gewerbeaufsichtsbehörde) geführt werden.
Privatpersonen, die selbst solche Arbeiten ausführen wollen, unterliegen keiner Anzeigepflicht und müssen auch keine Sachkunde nachweisen.
3. Ergänzende Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Asbestexposition
Grundsätzliche Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen werden in den §§ 8 bis 11 Gefahrstoffverordnung benannt.
Da aber Tätigkeiten mit Asbest besondere Gefährdungen hervorbringen, werden hier zusätzliche Schutzmaßnahmen festgelegt.
Die wichtigste Schutzmaßnahme, insbesondere zum Schutz anderer Personen, ist die Vorgabe, dass asbesthaltige Materialien vor dem Beginn aller anderer Tätigkeiten in den betroffenen Bereichen entfernt oder so geschützt werden müssen, das keine Gefährdung mehr besteht.
Für die die Arbeiten ausführenden Beschäftigten müssen geeignete Atemschutzgeräte, Schutzanzüge und bei Bedarf weitere persönliche Schutzausrüstungen durch den Arbeitgeber bereitgestellt und nach Abschluss der Arbeiten sicher entsorgt werden.
Um Verschleppungen von Asbestfasern in andere Bereiche, insbesondere auch in den Privatbereich, zu vermeiden, müssen am Arbeitsort Duschmöglichkeiten für die Beschäftigten, die Arbeiten mit asbesthaltigen Materialien ausführen , vorhanden sein.
Eine wichtige Schutzmaßnahme ist auch, dass die Ausbreitung von Asbeststäuben in andere Bereich durch geeignete Maßnahmen, wie z. B. staubdichte Abtrennungen des Arbeitsbereichs und eine Absaugung der asbestfaserbelasteten Luft über Filteranlagen erfolgt. Der Zugang zu den Arbeitsbereichen muss über Schleusen erfolgen.
Alle diese Schutzmaßnahmen richten sich wieder vorrangig an gewerbliche Unternehmen, aber auch Privatpersonen, die selbst solche Arbeiten ausführen wollen, sollten diese im Rahmen der Möglichkeiten anwenden, um Gefährdungen unbeteiligter auszuschließen.
5. Ergänzende Bestimmungen zur Unterweisung der Beschäftigten
Die in Nummer 4 und 5 genannten Schutzmaßnahmen richten sich an den Arbeitgeber, der Tätigkeiten mit Asbest ausführen will.
Er muss vor Beginn der Arbeiten diese in einem Arbeitsplan beschreiben. Hierzu hält auch die TRGS 519 in der Anlage 1.4 ein Formblatt bereit, das Gefährdungsbeurteilung und Arbeitsplan zusammenfasst.
Um die Umsetzung der festgelegten Schutzmaßnahmen auf der Baustelle zu gewährleisten, müssen die dort eingesetzten Beschäftigten vor Beginn der Arbeiten über die auftretenden Gefahren und die Schutzmaßnahmen unterwiesen und dies dokumentiert werden.
Diese Vorgaben müssen durch Privatpersonen, die selbst solche Arbeiten ausführen wollen, nicht umgesetzt werden. Es wird aber empfohlen, dass zu mindest auch hier eine Planung der Arbeiten mit der Festlegung von Schutzmaßnahmen erfolgt.
Was sind zulässige Tätigkeiten mit asbesthaltigen Materialien?
Zulässige Tätigkeiten mit asbesthaltigen Materialien sind
1. Abbrucharbeiten
Abbrucharbeiten sind alle Arbeiten, bei denen das asbesthaltige Material vollständig ausgebaut und sachgerecht entsorgt wird.
der Rückbau von Asbestzementdachplatten oder Fassadenverkleidungen,
der Ausbau von asbesthaltigen Lüftungs- oder anderer Rohrleitungen,
die Demontage von asbesthaltigen Dichtungen, Brems- und Kupplungsbelägen,
das Entfernen von asbesthaltigen Fußbodenbelägen,
das Entfernen von asbesthaltigen Putzen, Kitten, Klebern oder Spachtelmassen
Teilrückbauten sollten vermieden werden, da hier immer die Gefahr einer späteren Kontamination mit Asbest besteht.
2. Sanierungsarbeiten
Sanierungsarbeiten sind Arbeiten, bei denen Möglichkeit der Freisetzung von Asbestfasern durch die vorhandenen asbesthaltigen Materialen mit einer Beschichtung oder durch eine staubdichte Abtrennung auf ein unkritisches Maß verringert wird.
Die Art der Ausführung solcher Sanierungsarbeiten ist umfassend in der Richtlinie für die Bewertung und Sanierung schwach gebundener Asbestprodukte in Gebäuden (Asbest - Richtlinie), Ausgabe Januar 1996, geregelt.
Hierzu muss angemerkt werden, dass Sanierungsarbeiten immer nur eine „Behelfs-Maßnahme“ sein können, da die Gefährdung durch das asbesthaltige Material weiter besteht.
Zudem kann heute auch nur noch die Maßnahme der staubdichten Abtrennung (räumliche Trennung) sachgerecht verwirklicht werden, da geeignete und zugelassene Beschichtungsmittel für asbesthaltige Materialien auf dem Markt nicht zur Verfügung stehen.
3. Instandhaltungsarbeiten
Instandhaltungsarbeiten umfassen alle Maßnahmen zur Bewahrung des Soll-Zustandes (Wartung), zur Feststellung und Beurteilung des Ist-Zustandes (Inspektion) und zur Wiederherstellung des Soll-Zustandes (Instandsetzung).
Die zulässigen Instandhaltungsarbeiten an asbesthaltige Materialien werden in Nummer 17 der TRGS 519 beschrieben. Hierzu gehören insbesondere die Demontage von asbesthaltigen Dichtungen, Brems- und Kupplungsbelägen.
Die hier auch benannten Instandhaltungsarbeiten an Asbestzementprodukten sollten in keinem Fall mehr ausgeführt werden, da im Regelfall die vorgefundenen Asbestzementprodukte das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben.
Die einzige Ausnahme stellen notwendige Reparaturen an Rohrleitungen aus Asbestzement zur Beseitigung von Rohrbrüchen dar.
Die Technische Regel für Gefahrstoffe 519 Asbest Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten (TRGS 519)
Die TRGS 519 untersetzt die in Anhang I Nr. 2.4 Gefahrstoffverordnung aufgestellten Anforderungen durch konkrete Vorgaben zur Umsetzung in der Praxis.
Technische Regeln haben Empfehlungscharakter und sind keine Rechtsvorschriften, sie stellen aber den Stand der Technik dar und der Arbeitgeber darf vermuten, dass er bei der Anwendung der Technischen Regeln alle erforderlichen Sicherheits- und Schutzmaßnahmen getroffen hat. Er darf aber auch davon abweichen, wenn er auf anderem Weg das gleiche Schutzniveau, wie es in den Regeln beschrieben ist erreicht.
Der Adressat der Technischen Regeln ist genauso, wie bei den Verordnungen immer der Arbeitgeber (= Unternehmer). Das heißt aber nicht, dass Privatpersonen diese Regelungen, insbesondere die vorgegebenen Schutzmaßnahmen, bei Tätigkeiten mit Asbest nicht anwenden können, sie sollen es im Rahmen der Möglichkeiten sogar.
In der TRGS 519 werden neben allgemeinen Regelungen Schutzmaßnahmen für konkrete Anwendungsfälle bei Tätigkeiten mit asbesthaltigen Materialien beschrieben. So z. B. im Abschnitt 16 Besondere Regelungen für Abbrucharbeiten an Asbestzementprodukten und im Abschnitt 18 Besondere Anforderungen an Tätigkeiten mit asbesthaltigen Abfällen.
Ergänzt wird dieses Regelwerk durch eine Reihe von Anhängen, in denen zum einen Musterformulare für die Anzeige von Tätigkeiten mit asbesthaltigen Materialien und die Gefährdungsbeurteilung mit Arbeitsplan enthalten sind, aber auch die Vorgaben für die Lehrgängen zum Erwerb und Erhalt der Sachkunde, die Zulassung als Fachbetrieb sowie Anforderungen an die eingesetzte Technik.
Aktuell ergänzt wurde die TRGS 519 durch eine Hilfestellung zu Gefährdungsbeurteilung und zur Festlegung von Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten an asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern oder anderen ehemaligen verwendeten bauchemischen Produkten mit vergleichbaren Asbestgehalten.
Der Arbeitsschutz kennt eine Rangfolge für die notwendigen Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen
Substitution oder Ersatzstoffprüfung
technischen Schutzmaßnahmen
Eine Substitution von asbesthaltigen Materialien ist nicht vorgesehen, da diese aus der bewohnten Umwelt entfernt werden sollen.
Die hier beschriebenen Schutzmaßnahmen sind vorrangig für den privaten Anwender auf der zusammengestellt, deshalb wird das Thema organisatorische Schutzmaßnahmen vorerst ausgespart.
Arbeitgeber und Unternehmen, auch Einzelunternehmer, sind verpflichtet, die in Anhang I Nr. 2.4 Gefahrstoffverordnung und der TRGS 519 beschriebenen Anforderungen (siehe hierzu auch „Recht“) in vollem Umfang anzuwenden und durchzusetzen.
Asbest ist in der Form von lungengängigen Feinstfasern (WHO-Fasern) krebsauslösend. Daher gilt als Grundschutzmaßnahme die Vermeidung der Erzeugung solcher Feinstfasern, oder wenn das nicht möglich ist, das Verhindern, das solche Fasern in die Lunge des Menschen gelangen.
Wenn es nicht notwendig ist, sollten asbesthaltige Materialien nicht bearbeitet oder mit ihnen hantiert werden.
Technische Schutzmaßnahmen dienen der Vermeidung des Freiwerdens von Asbest-Feinstfasern.
Hierzu werden geeignete Industriestaubsauger und Luftreiniger mit zugelassenen Filtern zum Entfernen der Feinstfasern aus der Luft eingesetzt.
Die Anforderung an die hier einzusetzenden Geräte sind in der Anlage 7. 1und 7.2 TRGS 519 beschrieben.
Eine weitere Möglichkeit ist die Bindung der Feinstfasern an der Entstehungsstelle durch den Einsatz von Faserbindemitteln oder als einfachste Möglichkeit durch benetzen mit „entspanntem Wasser“. Diese sind „drucklos“ zu vernebeln. Dafür werden meist Niederdruckspritzgeräte oder für kleinste Flächen Handsprühgeräte verwendet.
Als Faserbindemittel werden handelsübliche Restfaserbindemittel verwendet. Entspanntes Wasser wird durch den Zusatz von geringen Mengen handelsüblichem Geschirrspülmittel in das Wasser (ca. 5-10 Tropfen Spülmittel auf 10 l Wasser) hergestellt.
Um das Verschleppen von Asbestfeinstfasern in andere, nicht belastete Bereiche zu vermeiden, sind bei Tätigkeiten im Außenbereich die Türen und Fenster geschlossen zu halten, ggf. mit Folie staubdicht abzukleben. Lüftungs- und Klimageräte sind abzuschalten und die Öffnungen ebenfalls staubdicht zu verschließen.
Der Arbeitsbereich ist als „Schwarzbereich“ zu deklarieren und darf nur von den dazu berechtigten Personen mit Schutzausrüstung betreten werden.
Bei Arbeiten in Innenräumen müssen weitergehende Schutzmaßnahmen getroffen werden. So sind alle nicht mit Asbest belasteten Flächen staubdicht abzuschotten und der Zugang zum Schwarzbereich darf nur über eine Schleusenanlage erfolgen.
Ebenso muss das Material über eine Schleusenanlage aus dem Schwarzbereich herausgebracht werden.
Der abgeschottete Bereich muss über eine spezielle Lüftungsanlage unter Unterdruck gehalten werden, um das Austreten von Asbestfeinstfasern zu vermeiden.
Diese Möglichkeiten stehen Privatpersonen in der Regel nicht zur Verfügung, deshalb sollten bei solchen notwendigen Arbeiten immer Fachfirmen beauftragt werden.
Die personenbezogenen Schutzmaßnahmen sind zum einen die Bereitstellung und Benutzung persönlicher Schutzausrüstung und die Einhaltung von hygienischen Maßnahmen.
Für die Einhaltung der hygienischen Maßnahmen sind bei kurzzeitigen Arbeiten mindestens Waschgelegenheiten mit fließend Kalt- und Warmwasser sowie geeignete Hautreinigungsmittel bereitzustellen. Für umfangreichere Arbeiten müssen Duschmöglichkeiten unmittelbar am Ausgang des Schwarzbereiches bereitgestellt werden.
Die notwendige persönliche Schutzausrüstung besteht aus einem Atemschutzgerät und einem staubdichten Schutzanzug.
Als Atemschutzgeräte können filtrierende Halbmasken der Typen FFP2 bzw. FFP3 für kurzzeitige Tätigkeiten bis zu maximal 2 Stunden pro Arbeitstag verwendet werden. Für längerdauernde Tätigkeiten sind Halbmasken mit Partikelfiltern der Typen P2 oder P3 zwingend einzusetzen.
Die Bedienanleitungen der Hersteller für die Atemschutzgeräte sind unbedingt zu beachten, insbesondere die Hinweise zum korrekten Auf- und Absetzen sowie zum Wechsel der Filter.
Der Atemschutz soll verhindern, das Asbestfeinstfasern in die Atemwege und damit in die Lunge gelangen können. Deshalb gilt der Grundsatz „Vor Betreten des Schwarzbereiches aufsetzen und erst nach dem Verlassen wieder Absetzen“.
Eine Atemschutzmaske sollte bei allen Arbeiten an oder mit asbesthaltigen Teilen als Minimalschutz der Atemwege verwendet werden.
Als staubdichte Schutzanzüge werden sogenannte Einweganzüge der Schutzkategorie III Typ 5 (Partikeldicht) verwendet. Mit diesen Schutzanzügen soll das Anhaften von Asbestfeinstfasern an der Arbeitskleidung und damit eine Verschleppung in nicht belastete Bereiche verhindert werden.
Bei der Benutzung der Schutzanzüge ist darauf zu achten, dass diese den gesamten Körper einschließlich des Kopfes (Haare) bedecken.
Weitere persönliche Schutzausrüstung, wie Schutzhandschuhe, Schutzbrille und Sicherheitsschuhe ergeben sich aus den örtlichen Gegebenheiten und der Gefährdungsbeurteilung.
Tätigkeiten mit Asbestzement-Produkten
Asbestzement-Produkte enthalten in der Regel maximal 15 % Asbestfasern (Weißasbest), die fest in einer Bindemittelmatrix (Zement) eingelagert sind. Diese Fasern werden nur bei einer Bearbeitung (Bohren, Sägen, Schneiden) oder beim Zerbrechen freigesetzt.
Das Schleifen und Schneiden mit Winkelschleifern oder schnelllaufenden Sägen, das Reinigen mit Hochdruckwasserstrahl oder das Abbürsten mit Stahldrahtbesen erzeugt sehr viele Feinstfasern und ist deshalb VERBOTEN!
Asbestzement-Produkte, die ihrer Funktion, z. B. als Dachplatte oder Fassadenplatte noch genügen, müssen nicht ausgewechselt werden. Sie dürfen aber auch nicht gereinigt oder beschichtet werden.
Sollen solche Produkte von einem Gebäude entfernt werden, so ist die sicherste Lösung die Beauftragung eines geeigneten Fachbetriebs mit sachkundigem Personal.
Will bei kleineren Objekten, z. B. Gartenlauben, Garagen, Ställe, der Eigentümer dies selbst durchführen, so sind ebenfalls bestimmte Sicherheitsmaßnahmen notwendig, um die Gefährdung besonders von Unbeteiligten (Nachbarn, eigene Familie) zu vermeiden.
Bei der Demontage von Asbestzementdächern muss noch ein weiterer wichtiger Punkt beachtet werden: Solche Dächer sind „nicht begehbare Bauteile“ und dürfen ohne Schutzmaßnahmen, wie die Herstellung von trittsicheren Arbeitsflächen vor der Demontage, nicht begangen werden. Es besteht hier sonst die Gefahr eines Durchbruchs durch das nicht tragfähige Material mit der Folge schwerster oder gar tödlicher Verletzungen.
Aus diesem Grund müssen auch um das Dach oder an die Fassade geeignete Gerüste als Arbeits- und Schutzgerüst sowie Zugangsmöglichkeit gestellt werden.
Für die Demontage gilt, dass immer entgegen der ursprünglichen Verlegerichtung gearbeitet wird. Bei Dächern wird also am Giebel begonnen, bei Fassaden mit der obersten Reihe.
Die Platten werden mit Restfaserbindemittel oder entspanntem Wasser eingesprüht, die Verschraubungen oder Vernagelungen vorsichtig gelöst und die Platten abgenommen. Insbesondere bei Dachplatten sind hierzu immer mindestens zwei Personen notwendig.
Danach werden diese Platten, ohne sie über die Flächen zu schleifen, zu ziehen oder zu werfen auf kürzestem Weg in den Entsorgungsbehälter (Platten-BigBag) verbracht.
Sollte trotzdem Bruch entstehen, so sind diese Bruchstücke, ebenso wie die entfernten Schrauben, Muttern oder Nägel in einem Kunststoffsack zu sammeln und ebenfalls als asbestbelasteter Abfall zu entsorgen.
War unter den Asbestplatten eine Dämmung aus künstlicher Mineralfaser, so ist diese ebenfalls mit Restfaserbindemittel oder entspanntem Wasser zu benetzen und muss auch ebenfalls als asbestbelasteter Abfall entsorgt werden.
Unterkonstruktionen, wie Sparren und Pfetten, die weitergenutzt werden sollen, sind mit einem dafür zugelassenem Industriestaubsauger abzusaugen, wenn möglich feucht abzuwischen und müssen mit Restfaserbindemittel eingesprüht werden, um noch anhaftende Asbestfeinstfasern am Freiwerden zu hindern. Entspanntes Wasser ist hierfür nicht geeignet.
Soll die Unterkonstruktion entfernt werden, so muss sie ebenfalls als asbestbelasteter Abfall entsorgt werden. Wie diese zu verpacken ist, sollte mit dem örtlichen Entsorger abgestimmt werden.
Tätigkeiten an asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern
Asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern (PSF) sind erst in den letzten Jahren in den Focus geraten. Da es auch schwierig ist, hier die konkrete Asbestbelastung festzustellen wird mit der Anlage 9 zur TRGS 519 versucht eine Hilfestellung zu Gefährdungsbeurteilung und zur Festlegung von Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten an asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern oder anderen ehemaligen verwendeten bauchemischen Produkten mit vergleichbaren Asbestgehalten zu geben.
Generell gilt auch hier, dass die Freisetzung von Asbestfeinstfasern zu vermeiden ist. Deshalb sollten alle Tätigkeiten, die zu einem Aufrauen oder Abtragen der Oberflächen führen unterlassen werden. Im Zweifelsfall sind sachkundige Fachleute zu befragen und deren Hinweise zu befolgen.
Keine Tätigkeit mit Kontakt zu asbesthaltigen Materialien ist
das Streichen, Überkleben asbestfreier Beschichtungen, Tapeten und anderen Wand- und Deckenbekleidungen auf asbesthaltigen PSF,
das Aufbringen neuer Bodenbeläge auf vollflächig intakten und asbestfreien Bodenbelägen mit darunterliegenden asbesthaltigen Spachtelmassen oder Fliesenklebern,
wenn keine Bearbeitung des asbesthaltigen Untergrunds erfolgt. Daher sind auch keine Anforderungen nach TRGS 519 beschrieben.
Als Tätigkeiten mit niedrigem Risiko werden folgende Arbeiten angesehen
das manuelle Einschlagen und Ziehen von Nägeln in oder aus Oberflächen mit asbesthaltigen PSF
das Setzen von Bohrlöchern in Bauteile mit PSF, wenn mit einem emissionsarmen Verfahren nach DGUV Information 201-012 BT 30 „Bohren von Bohrlöchern in Wände und Decken mit asbesthaltiger Bekleidung“ mit Bohrdurchmesser bis max. 12 mm
Wenn mit einem der emissionsarmen Verfahren nach DGUV Information 201-012 BT 31 „Stanzverfahren“ oder BT 32 „Stemmverfahren“ die zu bearbeitende Fläche vorbereitet und anschließend auf den asbestfreien Untergrund gearbeitet wird, sind auch die folgenden Tätigkeiten mit einem niedrigen Risiko eingeschätzt:
Bohren auch mit größeren Bohrerdurchmesser,
Setzen von Dosenlöchern mit Dosensenker,
Stemmarbeiten bis max. 20 x 20 cm Fläche zwischen linear oder kleinflächig, z.B. für das Verlegen von Leitungen, Anbringen von Sicherungskästen
Da insbesondere Privatpersonen diese geprüften emissionsarmen Verfahren kaum zur Verfügung stehen, wird hier eine Ersatzlösung für den Einzelfall, insbesondere das Bohren von Löchern für Durchmesser bis 10 mm vorgeschlagen:
Die Arbeitsstelle wird satt mit entspanntem Wasser benetzt,
über die Arbeitsstelle wird eine handelsübliche Kunststofftüte mit Industrieklebeband (Gaffer-Tape, Panzerband)
jetzt wird durch die Kunststofftüte gebohrt, so dass die Bohrspäne in die Tüte fallen,
nach Abschluß der Bohrung wird der Bohrer zurückgezogen, sofort unter fließendem Wasser angespült, um anhaftende Bohrspäne zu entfernen,
das Bohrloch mit dem vorgesehenen Dübel versehen,
die Kunststofftüte an der Bohrstelle ebenfalls mit Industrieklebeband verschlossen und vorsichtig so von der Arbeitsstelle entfernt, dass alle Bohrspäne in der Tüte verbleiben,
die Arbeitsstelle wird mit einem feuchten Tuch, z. B. Küchentuch abgewischt und das Tuch in die Tüte getan,
die Tüte wird an der offenen Seite verschlossen und mit Industrieklebeband zusätzlich gesichert und als asbesthaltiger Abfall auf dem Wertstoffhof entsorgt. Nicht in den normalen Restmüll geben.
Durch das Anfeuchten sowie das Auffangen der feuchten Bohrspäne in einer staubdichten Tüte soll die Freisetzung von Asbestfeinstfasern wirkungsvoll minimiert werden.
Alle anderen, insbesondere großflächige oder umfangreiche Arbeiten an asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern sollten nur durch Fachfirmen mit sachkundigem Personal ausgeführt werden.
Tätigkeiten an technischen Geräten und Anlagen, in oder an denen asbesthaltige Materialien verbaut sind
Grundsätzlich sollten Tätigkeiten an technischen Geräten und Anlagen, in oder an denen asbesthaltige Materialien verbaut sind nur dann ausgeführt werden, wenn dies zum Zweck einer weiteren Nutzung notwendig ist.
Geräte und Anlagen, an oder in denen asbesthaltige Materialien verbaut sind, sind nicht zu demontieren oder zu zerlegen, da hier eine nicht bestimmbare Gefährdung der Freisetzung von Asbestfeinstfasern erfolgen kann.
Elektrogeräte, wie alte Toaster, Bügeleisen, Wäschemangel, Haarfön, Heizlampen usw. die möglicherweise asbesthaltige Materialien als Hitze- oder Isoliermaterial enthalten können, sind über die Wertstoffhöfe der Kommunen als Elektroschrott zu entsorgen. Gleiches gilt für alte Waschmaschinen, Wäschetrockner oder Kochgeräte und Herde.
Aber auch in Kraftfahrzeugen und in Heizungs- und Sanitäranlagen können asbesthaltige Materialien verbaut worden sein.
Hier ist es manchmal zum Erhalt der Nutzbarkeit notwendig, an solchen Bauteilen zu arbeiten. Auch hier gilt der Grundsatz der Vermeidung der Freisetzung von Asbestfeinstfasern.
Wenn möglich sollten Bauteile, wie Kupplungsscheiben, Bremsbacken oder auch Ventilköpfe als Ganzes ohne den Ausbau der asbesthaltigen Materialien gewechselt werden.
Müssen alte Dichtungen, z. B. an einem Zylinderkopf oder an einem Heizungsventil gewechselt werden, so sollte dies so erfolgen, dass keine Asbestfeinstfasern freigesetzt werden.
Eine gute Möglichkeit ist, diese Teile, insbesondere die asbesthaltige Dichtung, durch das Einsprühen oder Tränken mit einer penetrierenden Flüssigkeit, wie z. B. Öl oder Petroleum, zu durchfeuchten.
Dann sollte die Dichtung möglichst großflächig mit einem Schaber oder eine Spachtel von der Dichtfläche abgenommen werden und sofort in einem staubdichten Kunststoffbeutel, der danach verschlossen wird, abgelegt werden.
Die Dichtflächen sowie die Werkzeuge sind danach ebenfalls mit der verwendeten penetrierenden Flüssigkeit zu reinigen und die benutzten Tücher in dem Kunststoffbeutel mit zu entsorgen.
Die Entsorgung erfolgt wieder über den kommunalen Wertstoffhof als asbesthaltiges Material.
Darauf müssen Sie bei der Asbestentsorgung achten?
Asbest und asbesthaltige Materialien werden nach § 3 der Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV) als „gefährlicher Abfall“ eingestuft. Das heißt: Wenn Sie Asbest entsorgen, müssen Sie besondere Vorgaben beachten. Welche Regelungen für Sie zutreffen, können Sie bei der zuständigen unteren Abfallbehörde Ihres Landkreises beziehungsweise Ihrer Stadt erfragen.
Bei der Asbestentsorgung sind Sie verpflichtet, den Abfall über eine bestimmte Anlage, Sondermülldeponie oder eine vorgeschriebene Abfallbeseitigungsgesellschaft entsorgen zu lassen. Diese sogenannte Überlassungspflicht gilt unabhängig davon, ob Sie gewerblich oder privat Asbest entsorgen wollen.
Als privater Abfallerzeuger können Sie Kleinmengen über Ihren Wertstoffhof oder Ihre Deponie vor Ort sachgerecht entsorgen. Hier erhalten Sie die zugelassenen Entsorgungsbehältnisse sowie Hinweise zur Anlieferung und zu den Kosten. Da der Begriff Kleinmenge bundeseinheitlich nicht geregelt ist, sollten Sie sich vorab beim örtlichen Wertstoffhof oder Entsorger erkundigen, welche Menge darunterfällt.
Gewerbliche Abfallerzeuger müssen weitergehende Vorgaben einhalten.
Asbesthaltiger Abfall – ja oder nein?
Grundsätzlich gilt: Abfälle, die Asbest enthalten sind „gefährliche Abfälle“! Sie müssen also spezielle Vorgaben bei der Asbestentsorgung beachten. Welche Abfälle darunterfallen, schlüsselt die Europäische Abfallverordnung auf. Dazu gehören:
gefährlicher Abfall nach Abfallschlüssel 17 06 01* - Dämmmaterial, das Asbest enthält (zum Beispiel asbesthaltige Baustoffe wie Brandschutzplatten, Leichtbauplatten „MFK Sokalit“, Fugenkitt Morinol sowie andere Kitte, Spachtel und Putze)
gefährlicher Abfall nach Abfallschlüssel 17 06 03* - Dämmmaterial, das aus gefährlichen Stoffen besteht oder solche enthält (zum Beispiel alte Mineralwolle, künstliche Mineralfasern)
gefährlicher Abfall nach Abfallschlüssel 17 06 05* - asbesthaltige Baustoffe (zum Beispiel Asbestzement)
Einen Überblick, was es kostet, Asbest zu entsorgen finden Sie hier.
So entsorgen Sie Asbest richtig
Grundsätzlich gelten folgende Sicherheitsregeln bei der Asbestentsorgung:
Verpacken Sie Asbestabfälle feucht in dafür zugelassene Behältnisse (zum Beispiel Big Bags, Plattencontainer, Asbestabfallsäcke). Achten Sie beim Verschließen darauf, dass kein Staub entsteht!
Kennzeichnen Sie die Asbestbehältnisse mit dem Gefahrenkennzeichen „Achtung enthält Asbest“. Dies ist nach TRGS 519 Nummer 9.3 und Nummer 18 vorgeschrieben. Weitere Hinweise zur Kennzeichnung enthält auch die Mitteilung 23 der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) unter Punkt 8.
Sichern Sie die Asbestabfälle gegen den Zugriff von Unbefugten!
Werfen oder schütteln Sie niemals Asbestabfälle!
Das Verladen von asbesthaltigen Abfällen in Behältern oder auf der Ladefläche von Transportfahrzeugen ist sorgfältig durchzuführen. Das heißt konkret:
Verpacken Sie die asbesthaltigen Abfälle staubdicht und möglichst feucht in dafür geeignete Behältnisse (zum Beispiel Kunststoffmüllsäcke).
Verstauen Sie die asbesthaltigen Abfälle vorsichtig rutschsicher im Fahrzeug und sichern Sie diese gegebenenfalls mit Zurrmitteln.
Transportieren Sie die Abfälle im Fahrzeug vorsichtig.
Der Eigentransport ist für private Abfallerzeuger und bei Kleinmengen auch für gewerbliche Abfallerzeuger nur nach den jeweiligen landesrechtlichen Vorgaben zulässig. Erkundigen Sie sich dazu bei der zuständigen unteren Abfallbehörde!
Was geschieht mit dem Asbest?
In Deutschland werden Asbest und asbesthaltige Abfälle (zum Beispiel Eternit, Eternitplatten, Asbestzement) auf Deponien verbracht – eine andere Art der Asbestentsorgung ist in Deutschland weder technisch noch wirtschaftlich realisierbar. Bei der Deponierung gibt es derzeit nur zwei Möglichkeiten:
Einlagerung in Monodeponien (zum Beispiel Caaschwitz/Thüringen oder Treuchtlingen/Bayern)
Einlagerung in Sonderbereichen von Hausmüll- oder Industrieabfalldeponien
Ausführliche Hinweise zur Asbestentsorgung finden Sie hier.
Die Kosten der Asbestentsorgung können regional sehr unterschiedlich sein. Folgende Beispiele zeigen, mit welchen Kosten Sie rechnen müssen, wenn Sie Asbest oder asbesthaltige Abfälle entsorgen wollen.
Beispiel 1: Entsorgung von asbesthaltigen Baustoffen nach Abfallschlüssel 17 06 01*. (Brandschutzplatten, Leichtbauplatte MFK Sokalit, Fugenkitt Morinol)
durchschnittliche Kosten in NRW (Ruhrgebiet): 395,00 Euro/t
durchschnittliche Kosten in Thüringen: 110,00 bis 130,00 Euro/t
Beispiel 2: Entsorgung von künstlichen Mineralfasern (KMF) nach Abfallschlüssel 17 06 03*
durchschnittliche Kosten in Thüringen: 130,00 Euro/t
Beispiel 3: Entsorgung von Asbestzement nach Abfallschlüssel 17 06 05*
durchschnittliche Kosten in NRW (Ruhrgebiet): 130,00 Euro/t
durchschnittliche Kosten in Thüringen: 90,00 bis 110,00 Euro/t
durchschnittliche Kosten in Bayern: 77,00 bis 115,00 Euro/t
Kosten für Privathaushalte in Berlin
(Berliner Stadtreinigung, BSR): 1,50 Euro/kg (bis max. 20 kg)
Tipp: Lassen Sie sich immer den Nachweis als Entsorgungsfachbetrieb zeigen. Dort muss vermerkt sein, dass das Unternehmen für die Abfallarten nach AVV-Nr. 17 06 01* und 17 06 05* oder für alle Abfallarten nach AVV zugelassen ist.
Alle basischen Gesteine (Gabbro, Diabas, Basalt, Peridotit, Pikrit) können geringe Mengen Asbest enthalten. Durch Verwitterung und beim Abbau dieser Gesteine werden Asbestfasern freigesetzt, die beispielsweise zu einer natürlichen Grundbelastung der Luft von bis zu 100 Fasern je m³ in Deutschland führen. In Ländern mit höheren Asbestgehalten in den Böden verursacht der Asbestfaseranteil in der Luft durchaus umweltbedingte Asbesterkrankungen der Bevölkerung.
Asbest ist die Sammelbezeichnung für bestimmte natürliche Minerale. Die Gruppe umfasst insgesamt 6 verschiedene Mineralien, die Faserstrukturen ausbilden:
Aktinolith, CAS-Nummer*) 77536-66-4,
Amosit, CAS-Nummer 12172-73-5,
Anthophyllit, CAS-Nummer 77536-67-5,
Chrysotil, CAS-Nummer 12001-29-5 und CAS-Nummer 132207-32-0,
Krokydolith, CAS-Nummer 12001-28-4,
Tremolit, CAS-Nummer 77536-68-6.
Die wichtigste Asbestart ist das faserförmig kristallisierte Serpentin, der Chrysotil-Asbest (Weißasbest). Dessen Hauptvorkommen liegen hier in der Russischen Föderation im Oblast Swerdlowsk bei der Stadt Asbest, hier ist die wichtigste noch betriebene Asbestfundstelle der Welt.
Die zweitwichtigste Fundstelle befand sich in Kanada in der Provinz Quebec nahe der Stadt Asbestos, die ihnen Namen jetzt zu Chrysotil gewandelt hat. Der Betrieb dieser Mine wurde im Jahr 2018 eingestellt.
Weitere wichtige Fundstätten waren in Australien, in Zypern und in Norditalien. Alle diese Lagerstätten sind inzwischen geschlossen. Lagerstätten in Brasilien, der Türkei und China sowie Kasachstan werden aktuell noch ausgebeutet.
Der sogenannte Blauasbest, richtiger Krokydolith, ein faserförmig kristallisierter Amphibolasbest wurde überwiegend im südlichen Afrika (Republik Südafrika, Simbabwe) gefördert. Auch hier ist die Förderung eingestellt.
Die anderen Arten der faserförmigen Amphibol-Asbeste, wie Anthophyllit, Amosit, Aktinolith, Tremolit spielten nur eine untergeordnete Rolle in der wirtschaftlichen Nutzung.
Auch in Deutschland wurden und werden beim Abbau von Serpentinit, Diabas, Basalt und Granit zum Teil Gänge mit faserförmig auskristallisiertem Chrysotilasbest und in sehr geringen Mengen auch Amphibolasbest gefunden.
Alle Asbestminerale weisen besondere Eigenschaften auf, die sie für die Anwendung in Industrie und Gewerbe so besonders machen. Dies sind
sehr hohe Zugfestigkeiten und hoher Elastizitätsmodul
hohe Resistenz gegenüber chemischen Einflüssen
sehr hohe Hitzebeständigkeit (Feuerfestigkeit)
Die letzte Eigenschaft, bereits seit der Antike bekannt, findet sich auch im Namen „Asbest“ wieder. Er kommt vom griechischen Wort „asbestos“ und bedeutet unzerstörbar.
Chrysotilasbest hat außerdem die Eigenschaft, sehr lange und gut verarbeitbare Fasern auszubilden, die sich sogar verspinnen und verweben lassen.
Insbesondere die sehr hohe Zugfestigkeit vom 3 bis 10-fachen von Baustahl (St 52 (S355): Zugfestigkeit 470 - 630 N/mm²) führte dazu, dass es überhaupt möglich war dünne Platten und Baukörper aus Asbestzement herzustellen.
Die Hitzebeständigkeit wurde insbesondere im Brandschutz, aber auch für andere Anwendungen bei hohen Temperaturen, z. B. für Hitzeschutzbekleidung für Stahlwerker und Feuerwehrleute genutzt.
Weiterführende Links- und Literaturverzeichnis?
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG): Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit
Chemikaliengesetz (ChemG): Gesetz zum Schutz vor gefährlichen Stoffe
Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG): Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen
Arbeitsmedizinische Vorsorgeverordnung (ArbMedVV): Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge
Baustellenverordnung (BaustellV): Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen
Chemikalien-Sanktionsverordnung (ChemSanktionsV): Verordnung zur Sanktionsbewehrung gemeinschafts- oder unionsrechtlicher Verordnungen auf dem Gebiet der Chemikaliensicherheit
Chemikalien-Verbotsverordnung (ChemVerbotsV): Verordnung über Verbote und Beschränkungen des Interkehrbringens und über die Abgabe bestimmter Stoffe, Gemische und Erzeugnisse nach dem Chemikaliengesetz
Gefahrstoffverordnung (GefStoffV): Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen
PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV): PSA-BV Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen bei der Arbeit
Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV): Verordnung über die Bewirtschaftung von gewerblichen Siedlungsabfällen und von bestimmten Bau- und Abbruchabfällen
TRGS 400 „ Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“
TRGS 402 „ Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen: Inhalative Exposition
TRGS 410 „Expositionsverzeichnis bei Gefährdung gegenüber krebserzeugenden oder keimzellmutagenen Gefahrstoffen der Kategorien 1A oder 1B“
TRGS 517 „ Tätigkeiten mit potenziell asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen und daraus hergestellten Zubereitungen und Erzeugnissen“
TRGS 519 „ Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten“
TRGS 906 „Verzeichnis krebserzeugender Tätigkeiten oder Verfahren nach § 3 Abs. 2 Nr. 3 GefStoffV“
BekGS 911 „Fragen und Antworten zum Risikokonzept gemäß BekGS 910“
Mitteilung 23 der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA): Vollzugshilfe zur Entsorgung) asbesthaltiger Abfälle
DGUV Vorschrift 38: Bauarbeiten
DGUV Regel 100-001: Grundsätze der Prävention
DGUV Regel 112-189: Einsatz von Schutzkleidung
DGUV Regel 112-190: Benutzung von Atemschutzgeräten
DGUV Information 201-012: Verfahren mit geringer Exposition gegenüber Asbest bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten
DGUV Information 201-050: Gebundene Asbestprodukte in Gebäuden
DGUV Information 212-515: Persönliche Schutzausrüstungen
DGUV Information 240-012: Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 1.2 „Mineralischer Staub, Teil 2: Asbestfaserhaltiger Staub“
DGUV Information 240-260: Handlungsanleitung für arbeitsmedizinische Untersuchungen nach dem DGUV Grundsatz G 26 „Atemschutzgeräte“
www.baua.de/asbest
Verzeichnis der akkreditierten Messstellen und Prüflaboratorien für Arbeitsplatzmessungen gemäß Gefahrstoffverordnung (§ 7 Abs. 10). Stand 04/2019.
Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI): Leitlinien zur Gefahrstoffverordnung. 3. überarbeitete Auflage mit Ergänzungen im Abschnitt I „Asbest“ (LV 45). Oktober 2018.
Informationen zum Nationalen Asbestdialog
Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU): Asbest – Informationen über Abbruch, Sanierung und Instandhaltungsarbeiten. Ausgabe 4/2015.
European Federation of Building and Woodworkers (EFBWW): Asbest aufspüren und die richtigen Maßnahmen treffen. O.J.
Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI): Asbesthaltige Fußbodenbeläge Was ist zu tun? (KB 005). Ausgabe 1/2016.
Albracht, G., Schwerdtfeger, O.A.: Herausforderung Asbest. Universum Verlag. 1991
Bossenmayer, H. J., Schumm, H.-P., Tepasse, R. (Hrsg.): Asbest-Handbuch. Ergänzbarer Leitfaden für die Sanierungspraxis. Loseblattsammlung. Erich Schmidt Verlag. Berlin. 1991 bis 1997
Leit­li­nien zur Asbesterkun­dung
Obwohl Asbest seit 1993 in Deutsch­land verbo­ten ist, können Haus­be­sit­zer, Hand­wer­ker und private Heim­wer­ker in älte­ren Gebäu­den immer...
Trotz eines umfas­sen­den Verbots im Jahr 1993 ster­ben jähr­lich etwa 1.500 Menschen an den Folgen einer Berufs­krank­heit durch Asbest. Zwischen 2001...
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