Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bsg/2010-04-27/b-2-u-344_09-b
Timestamp: 2017-09-23 02:47:28
Document Index: 312074649

Matched Legal Cases: ['§ 153', '§ 160', 'Art 101', '§ 556', '§ 202', '§ 160', '§ 295', 'Art 101', '§ 295', '§ 295']

BSG, 27.04.2010 - B 2 U 344/09 B - Begründung einer Nichtzulassungsbeschwerde im sozialgerichtlichen Verfahren; Verstoß gegen das Recht auf den gesetzlichen Richter | anwalt24.de
Beschl. v. 27.04.2010, Az.: B 2 U 344/09 B
Referenz: JurionRS 2010, 18246
Aktenzeichen: B 2 U 344/09 B
LSG Chemnitz - 30.09.2009 - AZ: L 6 U 32/09
SG Leipzig - 08.01.2009 - AZ: S 23 U 33/07
§ 153 Abs. 5 SGG
Breith. 2010, 998-1000
NJW 2011, 107 "gesetzlicher Richter"
Az: B 2 U 344/09 B
L 6 U 32/09 (Sächsisches LSG)
S 23 U 33/07 (SG Leipzig)
Der 2. Senat des Bundessozialgerichts hat ohne mündliche Verhandlung am 27. April 2010 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. M e y e r sowie die Richter Dr. B e c k e r und M u t s c h l e r sowie die ehrenamtliche Richterin Grützmacher und den ehrenamtlichen Richter K l e e m a n n
Auf die Beschwerde des Klägers wird das Urteil des Sächsischen Landessozialgerichts vom 30. September 2009 aufgehoben und die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Landessozialgericht zurückverwiesen.
Eine Nichtzulassungsbeschwerde ist ua begründet, wenn ein Verfahrensfehler geltend gemacht wird und vorliegt, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen kann (§§ 160a, 160 Abs 2 Nr 3 SGG). Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt, weil das angefochtene Urteil des LSG unter Verletzung des Grundsatzes des gesetzlichen Richters (Art 101 Abs 1 Satz 2 Grundgesetz [GG]) ergangen ist.
Dieser Verfahrensmangel ist nicht dadurch geheilt, dass der Entscheidung des LSG eine mündliche Verhandlung vorausgegangen ist, in der der Kläger anwaltlich vertreten war und die Besetzung des LSG erkennen konnte. Zwar gelten die Vorschriften der Zivilprozessordnung (ZPO) über die Rüge von Verfahrensmängeln der Berufungsinstanz im Revisionsverfahren und die Heilung von Verfahrensmängel (§§ 556, 295 ZPO) nach § 202 SGG im sozialgerichtlichen Verfahren entsprechend (BSG SozR 1500 § 160a Nr 61 mwN). Eine Heilung ist jedoch dann ausgeschlossen, wenn Vorschriften verletzt sind, auf deren Befolgung ein Beteiligter nicht wirksam verzichten kann (§ 295 Abs 2 ZPO). Zu diesen Vorschriften gehören die von Amts wegen zu beachtenden Grundlagen des Prozessrechts, wie die Prozessvoraussetzungen und die ordnungsgemäße Besetzung des Gerichts aufgrund des Verfassungsgebots des Art 101 Abs 1 Satz 2 GG (vgl nur Greger in Zöller, ZPO, § 295 RdNr 4; Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann, ZPO, § 295 RdNr 16, 25, 29; jeweils mwN). Gegen die ordnungsgemäße Besetzung des Gerichts wurde vorliegend verstoßen.