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Timestamp: 2017-05-28 14:55:51
Document Index: 227516423

Matched Legal Cases: ['EGMR', 'EuG', '§ 2', '§ 23', '§ 87', '§ 87', '§ 17', 'Art. 4', '§ 23', '§ 10', 'Art. 14', 'BGH', '§ 49', 'EuG', 'BGH']

Die Rezensenten: November 2015
Herdegen, Europarecht, 17. Auflage, C.H. Beck 2015
Matthias C. Kettemann, LL.M. (Harvard), Frankfurt am Main
manchen Werken kommt man nicht vorbei. Dass zu diesen Herdegens Goldstandard unter den Einführungen zum Europarecht
gehört, wissen Studierende (und die Lehrenden, die das Buch empfehlen). Wie Natalie-Cäcilie Plate in diesem Blog in
ihrer Besprechung der 14. Auflage schreibt, ist Herdegens Europarecht eine
Empfehlung der Professoren, der man trauen kann: „ein Muss und stets die Erste Wahl“.
erfolgreiche „Grundrisse des Rechts“-Serie bei C. H. Beck, in der Herdegen auch eine Einführung in das
Völkerrecht veröffentlicht hat, überzeugt durch eine didaktisch sinnvolle Aufbereitung
der behandelten Fächer und die sichere Hand beim Navigieren zwischen nötigen
Lücken und unerlässlichen Inhalten.
wurde neu? In der 17. Auflage finden sich Ausführungen zur aktuellen
Spruchpraxis des EGMR und des EuGH (hier besonders zum Gutachten über den
EMRK-Beitritt der EU und zum währungspolitischen Mandat der EZB).
blieb bestehen? Weiterhin überzeugt das Werk mit dem holistischen Ansatz an das
„Europarecht“, das für Herdegen neben
dem Recht der EU auch Rechtsbereiche im Zusammenhang mit dem OSZE-Prozess und
dem Europarat (hier insbesondere Menschenrechtssschutz durch die EMRK)
beinhaltet. Angesichts der Europäisierung des öffentlichen und privaten Rechts
und der Europafreundlichkeit der deutschen Rechtsordnung ist dieser geweitete
Blick unabdinglich. Gerade sein Abschnitt zur Bedeutung der EMRK als
gemeineuropäischer Grundrechtsstandard ist in Zeiten der wachsenden menschenrechtlichen
Herausforderungen von großer Bedeutung.
stellt Herdegen sicher, dass die
Leser einen guten Überblick erhalten, dass sie die zentralen Instrumente und
Organe des Europarechts und der EU kennen sowie dass sie wissen, wo sie
weiterlesen müssen. An keiner Stelle wirken die Ausführungen überladen – ein
„Grundriss“ ist angekündigt, einen „Grundriss“ erhält man.
sicher kommende 18. Auflage könnte berücksichtigen, dass die Anzahl hilfreicher
Schaubilder und Diagramme, die komplexe Zusammenhänge illustrieren, durchaus
noch ausgebaut werden könnte. Auch die Verweise auf weiterführende Literatur
könnte aktualisiert werden, gerade im Teil zur EMRK. Andererseits könnte der
kleine Abschnitt zu „Internetadressen“ europäischer Institutionen wegfallen.
Google tut es auch. Im Sachverzeichnis könnten den Urteilen kleine Hinweise auf
die jeweils entscheidenden Gerichte beigefügt werden, um dessen Nutzbarkeit
noch zu erhöhen. Schließlich wäre anzudenken, ob Urteile im Text nicht
hervorgehobenen werde können, um den didaktischen Nutzen noch zu erhöhen.
wendet sich weiterhin primär an Studierende, kann aber auch für
Schwerpunktkandidaten als Grundlage herangezogen werden. Wie Herdegen richtig bemerkt, müssen auch
Kandidaten in anderen Fächern inzwischen solide Kenntnisse des Europarechts
aufweisen. Auch diesen sei daher Herdegens
Einführung ans Herz gelegt. Und wer einmal Gefallen am Europarecht gefunden
hat, kann in Folge aus dem reichen Fundus an weiterführenden europarechtlichen
Publikationen des Autors schöpfen.
Rezension Zivilrecht: Fallsammlung zum Urheber- und Medienrecht
Wandtke / Bullinger / von
Welser, Fallsammlung zum Urheber- und Medienrecht, 4. Auflage, C.H. Beck 2015
Von Rechtsreferendar Dr.
Arian Nazari-Khanachayi, LL.M. Eur.,
Das Urheberrecht hat in den letzten ca. 30 Jahren nicht
nur durch den immensen Europäisierungsprozess mit zehn Sekundärrechtsakten, die
die systembildenden Eckpfeiler dieses Rechtsgebietes einer (Voll-)Harmonisierung
zugeführt haben, einen Wandel von Innen durchlebt (näher hierzu Rehbinder/Peukert, Urheberrecht, 17. Aufl.
2015, § 2 Rn. 13 i.V.m. § 23 Rn. 445 u. 450 et passim). Vielmehr wurde und wird dieses Rechtsgebiet auch
weiterhin durch die Digitalisierung unserer globalen Gesellschaft von Außen zu
einem Wandel gezwungen. Dem steht das Medienrecht in Nichts nach, hat es doch seine
Funktion in der demokratischen
Informationsgesellschaft zu einem Meinungsbildungsprozessschützenden
Kontrollinstrumentarium geändert (näher hierzu Fechner, Medienrecht, 15. Aufl. 2014, S. 2) und unterliegt daher
ebenfalls Änderungen. Daher ist es besonders erfreulich, wenn ein Fallbuch zu
genau diesen beiden Rechtsgebieten aus der Feder von ausgewiesenen Experten in
Neuauflage erscheint, folglich neuerliche Entwicklungen (siehe hierzu Vorwort) aufzunehmen
und in die gutachterlichen Denkstrukturen umzuwandeln vermag. Die in diesem
Buch immens versammelte Expertise zeigt sich dabei dadurch, dass neben den
Herausgebern mit Herrn Prof. Dr.
Artur-Axel Wandtke, Emeritus für Bürgerliches Recht, Gewerblichen
Rechtsschutz und Urheberrecht an der Juristischen Fakultät der
Humboldt-Universität zu Berlin, Herrn RA Prof.
Dr. Winfried Bullinger, Honorarprofessor an der Brandenburgischen
Technischen Universität Cottbus, und Herrn RA Dr. Marcus von Welser, LL.M., Fachanwalt für gewerblichen
Rechtsschutz und Lehrbeauftragter an der Humboldt-Universität zu Berlin, neun
(weitere) bundesweit agierende Rechtsanwälte das Werk bearbeitet haben (näher
zu den Autoren im Bearbeiterverzeichnis auf S. XI). In formaler Hinsicht ist bereits das umfassende Spektrum
an behandelten Themen beeindruckend: in 48 Fällen auf 318 Seiten werden die
wichtigsten Eckpfeiler des Urheberrechts vor dem Hintergrund des
internationalen und europäischen Urheberrechts über die Abgrenzung dieser
Materie zum gewerblichen Rechtsschutz bis hin zu den rechtlichen Besonderheiten
der öffentlichen Wort- und Bildberichterstattung bis hin zum Rundfunk- und
Telemedienrecht unter Berücksichtigung verfahrensrechtlicher Rechtsfragen
behandelt. Dabei sind die Fälle zwar prägnant, jedoch äußerst präzise zuzüglich
eines ausführlichen Fußnotenapparats gelöst, sodass sich der Leser sowohl einen
sicheren Kenntnisstand erarbeiten als auch Einzelfragen zielgenau vertiefen
kann: So werden beispielsweise beim „erlangten Etwas“ im Rahmen eines
Eingriffskondiktionsanspruchs wegen Eingriffs in das Persönlichkeitsrecht des
Anspruchsstellers die Ergebnisse der jeweiligen Ansichten skizziert, jedoch
durch die weiterführenden Fußnoten (Fall 40 S. 255 Fn. 32 f.) ein
eigenständiges Vertiefen ermöglicht. In inhaltlicher Hinsicht besticht das Werk gleich in
mehrfacher Hinsicht, wenngleich hier insbesondere die Aktualität im Vordergrund
gestellt wird: Bereits die Aufnahme zweier neuer Fälle zeigt die immense
Tragweite der Novellierungen und Rechtsprechungsentwicklungen im Urheberrecht.
Fall 19 gehört zu den Neuheiten des Werkes: Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage hat nicht nur in der
wissenschaftlichen Diskussion für viel Wirbel gesorgt, sondern zugleich ein
neues Instrumentarium mit Ausstrahlwirkung auf die Kommunikation im Internet
geschaffen. Denn nach § 87f Abs. 1 Satz 1 HS 2 UrhG werden bereits
„kleinste Textausschnitte“ geschützt, was nach zutreffender Ansicht im
geltenden Recht im Lichte der Rechtsprechung des Gerichtshofs (Urt.
v. 16.07.2009 – C-5/08, Rn. 37 ff. – Infopaq I) ausgelegt werden muss
(näher hierzu Wandtke, Urheberecht,
4. Aufl. 2014, S. 355), folglich die Kommunikation im Internet erheblich
einschränken kann. Dies zeigt sich dann auch im Fall 19, in dem ein
Sendeunternehmen einen Suchmaschinenbereiter auf Unterlassung in Anspruch
nehmen möchte. In der Lösung wird sodann der „neue“ § 87f Abs. 1 UrhG dezidiert
unter Berücksichtigung sowohl der bereits vorhandenen Literaturstimmen und
gesetzgeberischen Äußerungen (RegE eines
Siebenten Gesetzes zur Änderung des Urheberrechtsgesetzes BT-Drs.
17/11470 v. 27.08.2012) als auch der (europäischen) Rechtsprechung
einer Lösung zugeführt. Dies dürfte nicht nur für Studierende im einschlägigen
Schwerpunktbereichsstudium äußerst nützlich sind, sondern zugleich auch eine
große Denkstütze für Praktiker im einschlägigen Arbeitsfeld bieten, die ihre
Mandanten nach dem in diesem Werk vorgeschlagenen Schema unter Vertiefung der
angegebenen Quellen gutachterlich beraten können. Ähnlich verhält es sich mit Fall 23. Hier nun geht es
freilich nicht um eine Novellierung, sondern um eine Rechtsprechungsentwicklung
auf europäischer Ebene, die das nationale Urheberrecht einem Wandel unterwarf: Der
aus dem nationalen Recht nach § 17 Abs. 2 UrhG bekannte Erschöpfungsgrundsatz
(stark vereinfacht: das Recht zum erstmaligen Inverkehrbringen des Originals
oder eines Vervielfältigungsstückes des Werkes auf einem Markt) wurde nämlich
in der UsedSoft Entscheidung des Gerichtshofs (Urt. v. 03.07.2012 – C-128/11)
auf Computerprogramme angewandt. Hieran anknüpfend und mit Blick auf Art. 4 Abs.
2 RL 2001/29 (InfoSoc-RL) wird seither diskutiert, ob der europäische
Erschöpfungsgrundsatz sich auch auf andere digitale Güter beziehen sollte (näher
hierzu Fall 23 S. 133 f. nach Fn. 17), wobei der Bearbeiter des Falles
(Herr RA Dr. Ole Jani, Berlin)
erfreulicherweise und nach einer dogmatisch überzeugenden Prüfung zu dem
Ergebnis gelangt, die Übertragung der UsedSoft-Entscheidung auf andere digitale
Güter sei abzulehnen (Fall 23 S. 134 f.). Erfreulich ist dieses Ergebnis
deswegen, weil die pauschale Annahme der Erschöpfung und ihre Erstreckung auf
andere digitale Güter zwar nicht der Kommunikation zwischen Kreativen und
(potentiellen) Kreativen im Internet dient, jedoch „die gewünschte Entstehung
durchlizenzierter Abonnement- oder Pay-per-use-Geschäftsmodelle untergraben“
könnte (siehe auch Rehbinder/Peukert,
Urheberrecht, 17. Aufl. 2015, § 23 Rn. 467). Schließlich ist eine weitere, beispielhaft hervorgehobene
Aktualisierung des Werkes im Bereich des Medienrechts zu finden. Denn gerade die
Störerhaftung war nicht nur, sondern ist auch weiterhin weitreichenden
Entwicklungen ausgesetzt, die sowohl der gesetzgeberischen Regulierungswut als
auch dem unionsrichterlichen Aktionsdrang zu verdanken sind. Und gerade im
demokratischen Informationszeitalter ist die Bedeutung von jeglichen
Internetdienstleistungsanbietern kaum zu überschätzen, wobei es zunächst keine
Rolle spielt, ob diese den Zugang zum Internet ermöglichen (Access-Provider),
die Inhalte im Internet präsentieren (Content-Provider) oder den Server für das
Abspeichern der Präsentierten Inhalte bereithalten (Host-Provider) (näher zu
den Unterschieden zwischen den jeweiligen Providern aus rechtlicher Sicht Nazari-Khanachayi, Zulässigkeit von
Zugangserschwerungsverfügungen gegen Access-Provider bei (drohenden)
Urheberrechtsverletzungen, 2015, S. 19 f.). In Fall 47 geht es dann auch um die
Verantwortlichkeit eines Content-Providers, die Anlass gibt, dem Leser ausgehend
von einer Prüfung der Haftungsprivilegierung nach § 10 TMG für Diensteanbieter
über die Haftungsbeschränkung des Art. 14 RL 2000/31 (E-Commerce-RL) bis
hin zum Störerhaftungskonzept des BGH – jeweils unter zielgenauer Angabe der
unmittelbar einschlägigen Rechtsprechung – eine instruktive Anleitung für die
Prüfung ähnlich gelagerter Fälle mit Internetdiensteanbietern als Subjekte des
Rechtsstreits anzubieten.
Nicht unerwähnt bleiben darf jedoch bei aller Freude an
der immensen Aktualität des Werkes, dass auch nach wie vor eine Vielzahl an –
bisweilen noch nicht höchstrichterlich entschiedenen – Standardfragen (vgl.
etwa Fall 9 S. 57: die Frage nach der Aktivlegitimation eines Gesellschafters
innerhalb einer GbR, wenn ein ausschließliches Nutzungsrecht von Miturhebern in
eine GbR eingebracht wird) auch weiterhin breiten Raum bei der Darstellung der
einzelnen Fälle einnehmen. Insgesamt ist die Neuauflage des Werkes von Wandtke/Bullinger/von Welser ganz
besonders begrüßenswert: Es ist nicht nur durch die Beteiligung von – neben den
namhaften Herausgebern – Praktikern aus den einschlägigen Rechtsgebieten mit
einer gewaltigen Expertise, Prägnanz und zugleich Präzision geschrieben.
Vielmehr nimmt das Werk durchgehend neuerliche Entwicklungen im sich dynamisch
entwickelnden Urheber- und Medienrecht auf und verortet diese entweder gänzlich
neu im Gesamtsystem oder aber innerhalb des Gesamtsystems an den einschlägigen
Stellen. Gerade dies erleichtert dem Leser den Zugriff auf die kaum noch
überschaubaren Neuerungen auf diesem Gebiet. Daher kann das Werk nicht nur
Studierenden im einschlägigen Schwerpunktbereichsstudium empfohlen werden,
sondern wird auch dringend Praktikern sowohl im einschlägigen Praxisbereich als
auch mit gelegentlicher Berührung zu diesen Rechtsgebieten zur Lektüre
Rezension Zivilrecht: Einstweiliger Rechtsschutz in der familienrechtlichen Praxis
Giers, Einstweiliger Rechtsschutz
in der familienrechtlichen Praxis, FamRZ-Buch Nr. 41, 1. Auflage, Gieseking 2015
Von Rechtsanwältin Julia Schenke,
Autor des Buches „Einstweiliger Rechtsschutz in der familienrechtlichen
Praxis“, Dr. Michael Giers, ist Direktor am Amtsgericht Neustadt am Rübenberge
und nicht nur als Familienrichter sonder auch als Dozent in der
Anwaltsfortbildung tätig. Dies ermöglicht ihm nicht nur einen umfassenden Überblick
über die aktuelle Rechtsprechung, welche im vorliegenden Werk auf dem Stand von
Mai 2015 ist, sondern führt zudem dazu, dass er auch über einen großen
Erfahrungsschatz im Hinblick auf die praktische Tätigkeit der Rechtsanwälte
Praktiker im Familienrecht kennt die in diesem Gebiet äußerst umfangreiche Rechtsprechung
und weiß, dass insbesondere im Bereich des einstweiligen Rechtsschutzes oftmals
zügiges Handeln geboten ist, welches dazu führen kann, dass die Zeit äußerst
knapp ist, um sich einerseits einen tiefer gehenden Überblick über die Vielzahl
an Rechtsbehelfen zu verschaffen. Andererseits liegt gerade Eilverfahren meist
ein unter Umständen hohes Gefährdungspotential zugrunde, so dass es eben einer
gründlichen Arbeit bedarf. Zumal die jeweilige Entscheidung weitreichend sein
kann und die sofortige Vollstreckung möglich ist. Um diesem manchmal nicht so
einfachen Umgang mit derartigen Fällen besser gerecht werden zu werden, bietet
das Buch von Dr. Giers eine hervorragende Hilfe.
Buch orientiert sich an der Abfolge der §§ 49 bis 57 FamFG und somit am Gang
des einstweiligen Anordnungsverfahrens. Dabei werden alle jeweiligen
Themengebiete an der Stelle behandelt, an der sie auch im Laufe des Verfahrens
zur Anwendung kommen. Mit 222 Seiten ist das Werk nicht allzu umfangreich, was
aber nicht negativ zu werten ist, sondern vielmehr positiv hervorzuheben ist,
da ein verhältnismäßig schneller Überblick möglich ist und der Autor sich nicht
mit Randproblemen aufgehalten hat. Zwar in aller Kürze aber dennoch umfassend
erfolgt die Darstellung der einstweiligen Anordnungen in Kindschaftssachen,
Gewaltschutzsachen, Unterhaltssachen sowie Ehewohnungs- und Haushaltssachen. In
diesem Zusammenhang werden zudem der Arrest, das selbständige Beweisverfahren,
vorzeitiger Zugewinnausgleich, die Vollstreckung aus nicht rechtskräftigen
Titeln und die Rückführung nach Kindesentführung behandelt.
wird selbstverständlich nicht nur auf die jeweilige aktuelle Rechtssprechung hingewiesen,
sondern das Buch enthält außerdem 36 Mustertexte, die die Arbeit insbesondere
im Eilverfahren wesentlich erleichtern. An dieser Stelle sei auch auf die
Übersichtlichkeit der Gliederung hingewiesen, die ein schnelles Nachschlagen
möglich macht und zudem die Fundstellen der Mustertexte gesondert aufweist.
Weiteren werden besondere Problembereiche des einstweiligen Rechtsschutzes an
zahlreichen Beispielen diskutiert und fundierte Lösungen präsentiert, die die
langjährige Erfahrung des Autors widerspiegeln. Ferner werden praktische
Hinweise aus der Sicht des Familienrichters gegeben, die eine wertvolle Hilfe
darstellen, um unter Anderem auch dem Mandanten den tatsächlichen Ablauf des
jeweiligen Verfahrens näher zu bringen. Im
letzten Kapitel wird schließlich noch auf die im Verfahren der einstweiligen
Anordnung, dem Arrest und dem selbständigen Beweisverfahren entstehenden
Gerichts- und Rechtsanwaltskosten eingegangen.
in Allem handelt es sich folglich um ein durchweg empfehlenswertes Werk, welches
mit einem Preis von 39,- € zudem ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweist.
Buch eignet sich schließlich nicht nur für im Familienrecht tätige Richter und
Rechtsanwälte, sondern ist auch durchaus allen anderen am familienrechtlichen
Verfahren Beteiligten -wie z. B. Jugendämtern und Sozialhilfeträgern- zu
Rezension Zivilrecht: Bank- und Kapitalmarktrecht
Assies / Beule / Heise / Strube, Handbuch des Fachanwalts Bank- und
Kapitalmarktrecht, 4. Auflage, Carl Heymanns 2015
Von RA Sebastian Schechinger, LL.M., München
Das Handbuch für den im Bank- und
Kapitalmarkt tätigen Anwalt erscheint im Jahr 2015 nunmehr in der vierten
Auflage und darf damit allmählich zu den etablierten Standardwerken gezählt
werden. Herausgegeben wird das Handbuch gemeinschaftlich von Paul H. Assies,
Dirk Beule, Julia Heise und Hartmut Strube, allesamt Rechtsanwälte und zum Teil
als Syndizi tätig. Die Gesamtredaktion hat auch in der vierten Auflage Dr.
Patrick Rösler inne, welcher Rechtsanwalt und Geschäftsführer des Finanz
Colloquium Heidelberg ist. Wie bereits die vorigen Auflagen orientiert sich
auch diese Ausgabe inhaltlich an den Vorgaben der Fachanwaltsordnung. Das Buch
wurde parallel zu dem Konzept für den Fachanwalt für Bank- und
Kapitalmarktrecht erstellt. Dies ist auch nicht verwunderlich: drei der vier
Herausgeber sitzen im geschäftsführenden Ausschuss der Arbeitsgemeinschaft
Bank- und Kapitalmarktrecht im Deutschen Anwaltverein. Der Leser erhält
insoweit eine konzeptionelle Gestaltung aus erster Hand.
Mit seinen über 1.800 eng bedruckten
Seiten ist der Inhalt umfassend. Die Herausgeber werden von etwa 30
Rechtsanwaltskollegen als Mitverfassern unterstützt. Thematisch unterteilt sich
das Handbuch in neun Kapitel. Dem Bankrecht wird, wie auch im
Fachanwaltslehrgang, ein Schwerpunkt eingeräumt. So erfolgt im ersten Kapitel
eine Darstellung von Organisation und Rechtsrahmen des Bank- und Börsenwesens,
der Compliance in Kreditinstituten, strafrechtlichen Risiken und der
Organhaftung. Kapitel zwei behandelt die Kontoführung und geht in chronologischer
Reihenfolge auf Kontoeröffnung, -führung und schließlich -kündigung ein. Dem
Zahlungsverkehr ist das dritte Kapitel gewidmet. Nach einer Grundsteinlegung zu
Überweisung, Lastschrift sowie Debit- und Kreditkarten wird der elektronische
Zahlungsverkehr erörtert; hier haben sich etwa durch die europäische
SEPA-Lastschrift Neuerungen ergeben. Schließlich erfolgt noch eine Behandlung
des Wechsel- und Scheckverkehrs. Das folgende Kapitel erörtert das
Darlehens-/Kreditrecht, welches für den als Rechtsanwalt tätigen Praktiker eine
hohe Bedeutung hat. Mit über 700 Seiten ist die Abhandlung dann auch tatsächlich
sehr umfangreich. Ganze zehn Unterkapitel beinhaltet dieses kreditrechtliche
Kapitel: Zinsen, Kosten, Entgelte und Zinspassungsklauseln, Verbraucherkredit,
Bau- und Immobilienfinanzierung, Leasing und Factoring sowie Beendigung von
Kreditverträgen, um hier nur ein paar Schlagworte zu den Inhalten zu nennen. Es
folgt, thematisch naheliegend, das Kapital fünf zum Kreditsicherungsrecht. Die
Kapitalanlage in Sparformen beschreibt das sechste Kapitel, bevor nun, im
folgenden Kapitel, ein dezidiert kapitalmarktrechtliches Thema behandelt wird:
die Kapitalanlage in Wertpapieren, außerbörsliche Finanztermingeschäfte,
alternative Investments und Investmentfonds. Die Ausführungen beginnen mit
einer Darstellung der Kapitalmarktaufsicht sowie dem Wertpapier und der Emission
von Schuldverschreibungen. Daraufhin folgen Abhandlungen zu etwa Aufklärungs-
und Beratungspflichten, Aufträgen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren,
Prospektpflicht und Prospektinhalt, Hedgefonds, Private Equity und Venture
Capital und schließlich zur Vermögensverwaltung. Kapitel acht befasst sich mit
der Anlageberatung und Prospekten im Grauen Kapitalmarkt. Und Kapital neun
schließlich erläutert Mandat und Prozessführung im Bank- und Kapitalmarktrecht.
Der Aufbau ist so gestaltet, dass nach
den üblichen Übersichten- und Verzeichnissen zu Beginn jedem Kapitel ein
detailliertes Inhaltsverzeichnis vorangestellt ist. Die Kapitel sind mit
Randnummern versehen. Umfangreiche Fußnotenapparate erlauben eine vertiefte
Recherche. Am Ende des Buches ist ein Stichwortverzeichnis abgedruckt, welches
mit seinen annährend vierzig Seiten recht umfangreich ist.
Eine besondere Zusatzleistung ist die
Möglichkeit, mit Erwerb des Handbuches zugleich auch eine Online-Ausgabe zu
nutzen. Hierzu ist eine Registrierung für Jurion erforderlich. Vor dem
Hintergrund neuer rechtlicher Anforderungen wird hierfür eine Zahlung von 39,80
Euro fällig, welche mit dem kostenpflichtigen Erwerb einer Jurion Plus Card
umgangen werden kann. Zu dem Kaufpreis von 199 Euro für das Hardcover-Buch
kommen dann entsprechende Kosten hinzu – dafür erhält der Benutzer die Vorzüge
einer zusätzlichen Online-Ausgabe.
Das Handbuch behandelt umfassend verschiedenste
Inhalte aus dem Bank- und Kapitalmarktrecht; der Schwerpunkt liegt im Bankrecht.
Wer als Praktiker ein profundes Handbuch für diesen Bereich sucht, ist mit dem
Werk gut beraten. Durch seine inhaltliche Anlehnung an den Fachanwaltslehrgang
eignet es sich aber auch besonders für den Lernenden, welcher ein umfassendes
Nachschlagewerk für ein vertieftes Studium sucht. Ein schnelles und gezieltes
Nachschlagen ist durch die übersichtliche Gestaltung unproblematisch möglich.
Die Online-Ausgabe ist ein erfreulicher und zeitgemäßer Zusatz und rundet
dieses gelungene Gesamtpaket ab.
Rezension Zivilrecht: Azubi-Guide
Deutsche Vereinigung der Rechtsanwalts- und Notariatsangestellten e.V. / ZAP, Azubi-Guide,
1. Auflage, ZAP 2015
Rechtsanwältin Marion Andrae, Saarbrücken
Aus Anlass der zum 01.08.2015 in Kraft
getretenen neuen ReNoPat-Ausbildungsverordnung haben der ZAP Verlag und der
RENO Berufsverband den Azubi-Guide entwickelt. Dieser will den Auszubildenden
Tipps und Informationen in den Bereichen Büro, Berufsschule sowie Weiterbildung
an die Hand geben und die Arbeit des RENO Berufsverbandes vorstellen.
Im ersten Teil erklärt der Ratgeber die
novellierten Ausbildung- und Prüfungsinhalte in Theorie (Berufsschule) und
Praxis (Kanzlei) vom ersten bis zum dritten Ausbildungsjahr. Dabei werden auch
nützliche Tipps aufgezeigt, wenn es zu Problemen in der Ausbildung kommt und
die wichtigsten arbeitsrechtlichen Normen dargestellt. Hinweise und Praxistipps
sind drucktechnisch besonders hervorgehoben. Der erste Teil schließt mit
Übungsaufgaben und deren Lösungen.
Der zweite Teil beinhaltet ein
vollständiges Muster eines Ausbildungsnachweises, sprich eines Berichtsheftes.
Das integrierte Berichtsheft enthält eine Wochenübersicht und Ausfüllhinweise.
Im dritten Teil geht es um die
Ausbildungsvergütung, Förderungsmöglichkeiten sowie um steuerrechtliche und
sozialversicherungsrechtliche Tipps für die Auszubildenden.
Der vierte Teil beleuchtet die
praktische Ausbildung im Kanzleibetrieb und weist auf die wichtige
Verschwiegenheitspflicht hin. Darüber hinaus erläutert der Ratgeber wichtige
„soft skills“ im Büroalltag und im Umgang mit Kollegen, Vorgesetzten und
Mandanten. Praktisch hilfreich sind auch die Tipps für ein professionelles
Verhalten am Telefon.
Das fünfte und letzte Kapitel listet
nützliche Adressen, Ansprechpartner und Kontaktdaten auf und beinhaltet sowie
ein Kalendarium bis einschließlich 2018.
Der Azubi-Guide ist ein sehr guter
Ratgeber und sinnvolle Arbeitsunterlage. Das Werk ist ein nützlicher Begleiter
für die gesamte Ausbildungszeit und die Anschaffung lohnt sich allein schon wegen
des integrierten Berichtsheftes. Jedem Auszubildenden in diesem Berufsfeld kann
der Azubi-Guide nur wärmstens empfohlen werden.
Rezension Zivilrecht: Mit Arbeit spielt man nicht
Thüsing,
Mit Arbeit spielt man nicht, 1. Auflage, C.H. Beck 2015
Von stud. iur.
Maren Wöbbeking, Göttingen
„Col lavoro non si gioca - Mit
Arbeit spielt man nicht“, mit diesen, wie Gregor Thüsing selbst angibt, von
Papst Franziskus geklauten, jedoch umso treffenderen Worten, leitet der Autor
seine Streitschrift zur gerechteren Ordnung des Arbeitsmarktes ein. Gregor Thüsing dürfte den meisten
Lesern dabei eher als Verfasser Juristischer Lehrbücher und Kommentare zum
Arbeitsrecht bekannt sein. Mit diesem Plädoyer, welches sich sowohl an Juristen
als auch an politisch Interessierte im weitesten Sinne richten soll, geht
Thüsing auf ein Thema ungebrochener Aktualität, den Arbeitsmarkt und seine
Stellung in der Wirtschafts- und Sozialordnung ein. Auf weniger als 200 Seiten
schafft er es dabei, viele umstrittene Themen wie den Mindestlohn, die
Leiharbeit, die Frauenquote, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und einige
weitere aufzugreifen und in dennoch gebotenem Umfang zu erläutern. Jedes Thema
wird dem Leser dabei zunächst aus verschiedenen Standpunkten nähergebracht und
an Hand von Beispielen und Bezügen vorgestellt.
Erwähnenswert häufig bedient er
sich dabei der christlichen Soziallehre und ihrer Bedeutung für die
Arbeitsethik. So finden sich im Plädoyer nicht nur weitere Zitate verschiedener
Päpste, sondern auch Gleichnisse aus der Bibel die zur Verdeutlichung gewisser
Herangehensweisen wie zum Beispiel an das Thema Mindestlohn dienen. Darüber
hinaus werden im Verlaufe des Plädoyers auch historische, ökonomische und soziale
Aspekte herangezogen um die verschiedenen Herangehensweisen verständlich zu
machen. Naturgemäß stehen jedoch zumeist die rechtlichen Aspekte, schon auf
Grund ihrer notwendigen Verknüpfung zum Arbeitsmarkt und sicherlich auch
aufgrund des fachlichen Wissens des Autors im Vordergrund. Dabei wird primär
auf den deutschen und europäischen Raum eingegangen, wenngleich sich auch einige
Rechtsvergleiche zum Amerikanischen Recht finden. Bei manchen seiner juristischen
Erläuterungen sind gewisse juristische Vorkenntnisse im Arbeitsrecht durchaus von
Vorteil und ermöglichen ein weitergehendes Verständnis, aber auch generell
politisch Interessierten sind die juristischen Aspekte in ihrem Grundgedanken
ohne Probleme zugänglich. Schließlich präsentiert Thüsing
zum Ende jedes Kapitels mögliche Lösungen und Herangehensweisen an bestehende
Probleme am Arbeitsmarkt und zeigt dabei auch die jeweiligen Vorteile der
verschiedenen Interessensparteien. Bemerkenswert ist dabei, dass er in seiner
eigenen Meinung angenehm zurückhaltend bleibt und diese zum Großteil nicht
heraussticht. Dementsprechend drängen seine Ideen sich dem Leser nicht auf, wie
das Format der Streitschrift es vielleicht vermuten ließe. Gerade hierdurch
macht er es bei diesen doch häufig sehr strittigen Themen auch unter Umständen
thematisch voreingenommen Lesern möglich, andere Aspekte eines Themas zu
Insgesamt ist dies ein Buch, welches
sich insbesondere zur fundierten Meinungsbildung bezüglich der aktuellen
Arbeitsmarktthematik eignet, indem es neben juristischen und ökonomischen auch
historische und christliche Aspekte und Argumentationsstränge aufzeigt.
Rezension Zivilrecht: Arbeitsrechts-Handbuch
/ Koch / Linck / Treber / Vogelsang, Arbeitsrechts-Handbuch, 16. Auflage, C.H.
Rechtsanwältin Annett Bachmann-Heinrich, Fachanwältin für Sozialrecht, Dresden
Das „Arbeitsrechts-Handbuch“ von Dr. h.
c. Günter Schaub gehört zu den Klassikern in der arbeitsrechtlichen Literatur.
Im Juni 2015 erschien das Werk nunmehr bereits in seiner 16. Auflage. Die
Neuauflage wurde vom Autorenteam bestehend aus Prof. Dr. Ulrich Koch, Dr.
Rüdiger Linck, Dr. Jürgen Treber, Dr. Hinrich Vogelsang sowie unter Mitarbeit
von Dr. Martina Ahrendt und Tilman Anuschek bearbeitet. Die Rechtsprechung und das einbezogene
Schrifttum sind auf dem Stand vom 15. April 2015, teils sogar auch später, wobei
sich die Autoren vor allem an der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts
orientiert haben. Dennoch werden ebenso unionsrechtliche Bezüge an
entsprechender Stelle hergestellt. Dem Vorwort ist zu entnehmen, dass die
Neuauflage allerhand gesetzliche Neuregelungen berücksichtigt. Dazu zählen die u.a.
die Änderungen im Recht der geringfügig Beschäftigten, das Pflegezeit- und
Familienpflegezeitgesetz oder die Neuregelung der Elternzeit im BEEG. Darüber
hinaus findet der Leser systematisch und ausführlich aufbereitete Darstellungen
zu dem in der Praxis seit diesem Jahr relevant gewordenen Mindestlohngesetz
sowie zu den Änderungen im Recht der Arbeitnehmerentsendung und der Allgemeinverbindlicherklärung.
Besonders hervorzuheben ist zudem, dass die Autoren auch das im Mai 2015 vom
Bundestag verabschiedete Gesetz zur Tarifeinheit bereits in ihrer Neuauflage
berücksichtigt haben. Des Weiteren wurden mehrere Kapitel aufgrund aktueller
Rechtsprechung überarbeitet: so zum Beispiel das AGB-Recht, das
Eingruppierungs-, Urlaubs- und Kündigungsrecht. Der Schwerpunkt liegt nach wie vor im
Individualarbeits- und Betriebsverfassungsrecht. Der Anwender findet daher bspw.
ausführliche Darstellungen zu den Pflichten des Arbeitnehmers aus dem
Arbeitsvertrag, zur Entgeltfortzahlungspflicht, zur Arbeitsvergütung ohne
Arbeitsleistung, zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses oder zum Schutz
besonderer Personengruppen. Im Rahmen des Betriebsverfassungsrechts sind dann u.
a. Probleme zur Betriebsratswahl, zu den Betriebsverfassungsorganen zur
Mitbestimmung und zur Beteiligung des Betriebsrats umfassend aufbereitet. Darüber
hinaus findet der Leser auch Ausführungen zum Arbeitskampf-, Tarifvertrags- und
zum Personalvertretungsrecht. Nur dieser kleine Auszug aus dem
Inhaltsverzeichnis verrät bereits die umfangreiche und vielseitige Bandbreite
des Buches. Der Leser kann sich folglich mit dem „Arbeitsrechts-Handbuch“ problemlos
einen fundierten Überblick zu einzelnen arbeitsrechtlichen Frage- und
Problemstellungen verschaffen oder aber vertieft in ein Themengebiet
einsteigen. Zudem erhält der Anwender an gegebener Stelle entsprechende
Hinweise auf weiterführende Literatur oder maßgebliche Rechtsprechung.
Rezension Zivilrecht: Fälle für Fortgeschrittene im Bürgerlichen Recht
Werner / Saenger, Fälle für Fortgeschrittene im Bürgerlichen
Recht, 5. Auflage, Vahlen, 2015
Von Dipl. iur. Philipp Matzke, Göttingen
Spätestens mit
Erreichen des Hauptstudiums sollte das Schreiben von Klausuren als
eigenständiger Teil der Vorbereitung auf Abschlussarbeiten angesehen werden.
Sind Lerntechniken, mit deren Hilfe materielles Wissen abgespeichert werden
kann, den meisten Studenten bekannt, fehlt häufig die Fähigkeit, Gelerntes in
der Klausur fachgerecht aufzubereiten. Die Bearbeitung eines
Klausursachverhaltes ist quasi das „Handwerkszeug“ des Juristen und wie ein
jedes Handwerk, so kann auch die Fallbearbeitung und –lösung erlernt werden.
Eine gute Hilfe für Studenten im Hauptstudium stellt dabei das von Olaf Werner
und Ingo Saenger in der nunmehr fünften Auflage erschienene Werk dar, in dem 22
Fälle aus fast allen Bereichen des Bürgerlichen Gesetzbuches abgebildet sind.
Lediglich das Familienrecht findet keinerlei Berücksichtigung, was angesichts
der möglichen Verzahnung mit anderen Rechtsgebieten den ansonsten durchweg
positiven Eindruck trübt. Dagegen ist ein Fall aus dem nicht sehr
klausurrelevanten Vereinsrecht aufgenommen. Die Autoren greifen auf
Sachverhalte zurück, die entweder als Besprechungs- oder Klausurfall in den von
ihnen abgehaltenen Veranstaltungen in der Übung für Fortgeschrittene erprobt
folgt dem gängigen Aufbaustil eines Klausurenkurses: Dem Sachverhalt folgt eine
ausführliche Lösungsskizze, die sich nicht darauf beschränkt, ein Ergebnis zu
präsentieren, sondern dem Leser Argumentationslinien aufzeigt. Insbesondere für
die Aufbereitung einer umstrittenen Problematik ist dieser Weg eine gute Hilfe
für den Studenten. An die Lösung schließt sich ein Block mit weitergehenden
Hinweisen zur in der Ausbildungsliteratur vorhandenen Aufsätzen und Fallbearbeitungen
Dem Studenten
wird ein guter Eindruck von dem vermittelt, was ihn in den Klausuren erwartet:
Die Bearbeitung von Problemen aus mehreren Teilgebieten des Bürgerlichen
Gesetzbuches. Lagen die Schwerpunkt von Klausuren im bisherigen Studium meist nur
auf einzelnen Teilgebieten, so kommt es in der Übung für Fortgeschrittene meist
zum ersten Mal zu einer Verzahnung von Problemen, die viele Studenten vor das
Problem der richtigen Einordnung in der Falllösung stellt. Hier ist das Buch
mit Aufbauhinweisen und Erläuterungen eine gute Hilfe dar, um sich diesen
Schwierigkeiten zu stellen.
sich in der Examensvorbereitung befindende Student sollte den Blick nicht
vorschnell von diesem Buch abwenden. Gerade zu Beginn der Examensvorbereitung,
in der schnell Verzweiflung aufgrund der Komplexität richtiger Examensfälle
aufkommt, bietet sich ein Blick in das Buch an, das hervorragend für die
Wiederholung geeignet ist. Die Fälle sind auf mittlerem bis hohem Niveau und
bieten durch Lektürehinweise in den Fußnoten und am Ende eines jeden Kapitels
die Möglichkeit der tiefergehenden Bearbeitung.
Werner/Saenger kann daher auch in der fünften Auflage sowohl Studenten
fortgeschrittener Semester als auch angehenden Examenskandidaten uneingeschränkt
Rezension Zivilrecht: Schmerzensgeld-Beträge 2016
Hacks / Wellner / Häcker,
Schmerzensgeld-Beträge 2016, 34. Auflage, Anwaltverlag 2016
RA, FA für Verkehrsrecht Sebastian Gutt, Helmstedt
Das Standardwerk zum
Schmerzensgeld, die seinerzeitige „ADAC-Tabelle“, nunmehr seit ein paar
Auflagen schlicht Schmerzensgeld-Beträge genannt, liegt frisch in der 34.
Auflage vor. Inhaltlich hat sich bereits in
den vergangenen Jahren einiges geändert. Bereits in den Vorauflagen erfolgte
die Darstellung nicht mehr nach Höhe des Schmerzensgeldes, sondern ist nunmehr
sortiert nach Verletzungsarten, und zwar von „A wie Amputation des Armes“ bis
„V wie Versteifung“. Gesondert dargestellt werden auch weiterhin die besonderen
Verletzungsarten, -ursachen und -folgen, jedoch diesmal ebenfalls alphabetisch
aufbereitet. Lebensgefährliche Mehrfachverletzungen sind in einer eigenen
Kategorie „Polytraumen“ zusammengefasst. Schön ist, dass am Ende dieser Auflage
eine zusätzliche Übersicht gestaffelt nach der Höhe des Schmerzensgeldes und
mit den laufenden Nummern der Entscheidungen aufgenommen wurde.
Innerhalb der jeweiligen
Verletzungsarten findet man den jetzt gewohnten Aufbau wieder. Wellner
und Häcker haben das bisher bewährte System beibehalten und beginnen bei
den Verletzungsarten zunächst mit dem geringsten Schmerzensgeld und stellen
dann der Höhe nach aufsteigend die weiteren Schmerzensgelder zu dieser
Verletzungsart dar.
Die Neuauflage ist ergänzt worden
um zahlreiche neue Entscheidungen, und zwar insgesamt 200. Die Tabelle enthält
daher weiterhin mehr als 3000 Urteile insgesamt. Ungemein hilfreich ist das
kurze medizinische Wörterbuch am Ende der Tabelle. Aber auch der Allgemeine
Teil, in dem die Grundlagen des Schmerzensgeldes dargestellt werden, ist
äußerst gelungen und wird nunmehr regelmäßig um aktuelle Entscheidungen
Das Rezensionsexemplar enthielt
auch in diesem Jahr die CD-ROM sowie die Online-Version mit
juris-Rechtsprechung. Es bleibt bei der jährlichen Empfehlung, die Vollversion
der CD-ROM auf dem eigenen Rechner zu installieren und so zu recherchieren. Die
Recherche auf diese Weise ist ungemein einfach. Man kann die Suche auf die
Verletzung des Geschädigten im konkreten Fall fast genau einschränken. Sodann
werden die jeweils passenden Entscheidungen als Auswahl angezeigt, welche man
im „Korb“ ablegen kann. Von dort aus können sie bequem gelöscht oder aber ausgedruckt
werden, und zwar jeweils schon unter Berücksichtigung der Indexanpassung.
Fazit: Die Schmerzensgeldtabelle
des Anwaltverlages bleibt das Maß aller Dinge. Link zum Shop
Basiswissen Reiserecht-Grundriss des Reisevertrags- und Individualreiserechts,
3. Auflage, Vahlen 2015
Rechtsanwältin Elisabeth Krohe, Dresden
Die Urlaubszeit neigt sich nun langsam
dem Ende zu. Dies sorgt dafür, dass sich die Termine des Rechtsanwalts häufen,
in denen die reisegeplagten Mandanten ihr Leid klagen: sei es, dass der Hin-
oder Rückflug deutlich später oder gar nicht erfolgt ist; sei es, dass die
Koffer nicht mitgekommen sind oder Kakerlaken unfreiwillige Mitbewohner des
Hotelzimmers waren. Bei der Bearbeitung eines solchen Falles zeigt es sich
dann, wie stark das Reiserecht in diverse Rechtsquellen gegliedert ist und
welche große Bedeutung das Richterrecht, durch eine Flut von Entscheidungen, einnimmt.
Im ersten Teil des Buches widmet sich Prof. Dr. Führich dem Reisevertragsrecht der Pauschalreisen und erläutert die
Grundlagen des Reiserechts, den Vertragsschluss und die Besonderheiten
hinsichtlich der verschiedenen Beteiligten wie dem Reisevermittler, -veranstalter
und Reisenden sowie die aus dem Reisevertrag resultierenden Pflichten. Er geht
ebenso auf die Besonderheit der Insolvenzsicherung und der Folgen der
Nichtbeachtung ein und beschreibt die Informationspflichten des Reiseveranstalters
nach der BGB-InfoV. Als weitere Themen werden die Leistungs- und
Preisänderungen, die Aufhebung des Reisevertrages sowie der Umgang bzw.
rechtliche Folgen mit Reisemängeln besprochen. Insbesondere die Behandlung der
Fristen und des Reiseprozesses gibt dem Rechtsanwender viele hilfreiche Tipps,
um die Ansprüche des Reisenden gegenüber dem Veranstalter geltend zu machen. Der zweite Teil des Buches behandelt nun
das Individualreiserecht. Neben dem Reisevermittlungsrecht und dem
Flugbeförderungsrecht wird in ausführlicher Weise auch auf die immer mehr an
Bedeutung gewinnende VO (EG) Nr. 261/2004 und den daraus resultierenden
Fluggastrechten hingewiesen, ebenso auf das Montrealer Abkommen. Im Anschluss daran findet der Leser dann
die Antworten auf die im Verlauf des Buches gestellten Kontrollfragen sowie
einen umfassenden Anhang, in dem sich die angesprochenen Gesetze, Verordnungen
und Übereinkommen wiederfinden, die bei der Bearbeitung der Fälle und Mandate
erforderlich sind. Weiterhin findet sich im Anhang sowohl die von der 24.
Zivilkammer des LG Frankfurt/M. entwickelte Frankfurter Tabelle wie auch die
durch Herrn Prof. Dr. Führich geführte
und ergänzte Kemptener Reisemängeltabelle. Diese ist für einen ersten Überblick
und der Abgrenzung zwischen einem tatsächlichen Reisemangel und einer bloßen
Unannehmlichkeit besonders hilfreich.
Auch wenn der Rechtsanwalt die Fälle
nicht zur Kontrolle braucht, die Schaubilder haben den einzigartigen Vorteil,
dass man mit einem Blick die Voraussetzungen und Besonderheiten des jeweiligen
Anspruches im Blick hat. Als besonders positiv seien nochmals die Sammlung der
aktuellsten Urteile zum Thema Reisepreisminderung hervorgehoben, die einen
ersten Überblick über die Anspruchshöhe der Mandanten geben und die in der durch
Herrn Prof. Dr. Führich auf dessen
Homepage www.reiserecht-fuehrich.de
ständig aktualisiert werden. Es handelt sich also um ein Werk, das nicht nur
Studierenden und Mitarbeitern in Reiseunternehmen gute Dienste leistet, sondern
auch dem reiserechtsbefassten Rechtsanwalt. Link zum Shop
Rezension Zivilrecht: Die Schuldrechtsklausur I Balzer / Kröll / Scholl, Die
Schuldrechtsklausur I Kernprobleme der vertraglichen Schuldrechtsverhältnisse
in der Fallbearbeitung, 4. Auflage, Springer 2015
Von Patricia Milena Popp, LL.B. stud. iur.,
schreiben gehört zum Alltag eines jeden Jurastudenten. Auch wenn es oftmals
lästig und zeitraubend erscheint, so ist die Niederschrift von Falllösungen ein
optimales Training für den Ernstfall. Oft kann erst anhand des selbst geschriebenen
Gutachtens erkannt werden, wo tatsächlich die eigenen Fehler oder Lücken
liegen, sodass diese korrigiert und geschlossen werden können. Als
besonders hartnäckig und schwierig in der Klausur erweist sich immer öfter das
allgemeine und besondere Schuldrecht. Um eine schuldrechtliche Klausur in den
Griff zu bekommen, bedarf es deshalb eines besonderen Trainings. Für ein
solches Training bietet sich das umfangreiche Lehrbuch der Herren Balzer, Kröll und Scholl aus Düsseldorf,
Köln und Hamburg mithin gut an. Das Werk ist zwischenzeitlich zum vierten Mal
erschienen und enthält im Vergleich zur vorherigen Auflage eine überarbeitete
Version der Falllösungen, die beispielsweise die aktuelle EuGH Rechtsprechung
zum Kaufrecht berücksichtigt. Außerdem ist der Titel Die Schuldrechtsklausur I
(vormals nur Die Schuldrechtsklausur)
neu, da die Autoren einen zweiten Band planen, der sich mit den gesetzlichen Schulverhältnissen
befassen soll.
Die Schuldrechtsklausur I behandelt die Kernprobleme der
vertraglichen Schuldverhältnisse anhand von 30 unterschiedlichen Fällen. Der
Schwerpunkt der Darstellungen liegt auf dem Kaufrecht, aber auch das Werk- und
Dienstvertragsrecht, Miet- und Pachtrecht oder Auftragsrecht werden behandelt.
Die beiden letzten Fälle befassen sich zudem mit dem nicht zu unterschätzenden
Bürgschaftsrecht. Die Fälle
sind mit Lösungen überwiegend zwischen 15 und 20 Seiten lang und auf dieselbe
Weise aufgebaut: Der Sachverhalt ist stets vorangestellt, gefolgt von der
ausformulierten Lösung des entsprechenden Falls. Eine Übersicht der Lösung in
Form einer Skizze gibt es nicht, allerdings gibt es zu Beginn jeder Lösung eine
kleine Einleitung in der etwa auf den Schwierigkeitsgrad des Falls hingewiesen
wird oder ein einschlägiges Urteil, auf dem der Fall basiert, zitiert wird. Die
Darstellungen in der Falllösung sind in Absätze untergliedert und die einzelnen
Abschnitte mit Überschriften gekennzeichnet. Dies erzeugt eine übersichtliche
Darstellung und erleichtert es dem Leser, sich in der Falllösung
zurechtzufinden. Besonders hilfreich ist dieser Aufbau für das Verständnis der
Meinungsstreits. Dank Überschriften wie Ansicht BGH, Ansicht der herrschenden
Lehre und einer entsprechenden Stellungnahme fällt es leicht, sich ein Bild von
den Streitständen zu machen und deren Lösungsansätze nachzuvollziehen. Auch
sind diverse Textstellen in grauen Kästen hinterlegt sodass zusätzlich
hilfreiche Stellen aus dem Text hervorgehoben werden, Erklärungen ergänzt
werden oder auf andere Stellen innerhalb des Lehrbuchs verwiesen wird.
hilfreich ist auch das vorangestellte Literaturverzeichnis in dem auf passende Kommentare,
Lehrbücher oder Gesamtdarstellungen hingewiesen wird. Besonders
studentenfreundliche Werke sind hier mit einem Sternchen gekennzeichnet, was es
Studenten in Anfangssemestern erleichtern dürfte, sich im Dschungel der
juristischen Literatur zurechtzufinden. Im Anhang finden sich zudem eine Reihe
schematischer Übersichten, die etwa die Rechte des Käufers bei Mängeln der
Kaufsache oder die Rechte des Bestellers bei Mängeln des Werkes beinhalten.
Diese können bei der Falllösung ergänzend herangezogen werden und geben einen
guten Überblick über die einzelnen Problemfelder.
wird Die Schuldrechtsklausur I mitunter ein wenig zu grundlegend erscheinen. Die
Darstellungen sind doch sehr kleinschrittig und setzen an Stellen an, an denen wenig
bis kein Vorwissen vorausgesetzt wird. Hingegen ist Die Schuldrechtsklausur I für
Studenten in niedrigeren Semestern ein optimaler Begleiter etwa für die
Vorbereitung auf eine Klausur in der großen Übung Zivilrecht, da alle
relevanten Gebiete der vertraglichen Schuldverhältnisse und ihre typischen
Eigenarten aufgezeigt werden und somit eine lückenlose Vorbereitung ermöglicht
wird. Mit dem geplanten zweiten Teil von Die
Schuldrechtsklausur wird es dann sicher zusätzlich möglich sein, auch die
Vorbereitung über die Materie der gesetzlichen Schuldverhältnisse in den Griff
zu bekommen, um im Schuldrecht gut aufgestellt zu sein.
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