Source: https://m.grin.com/document/428876
Timestamp: 2020-04-09 11:09:41
Document Index: 237721318

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 10', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 10', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 7', '§ 10', '§ 8', '§ 10', '§ 8', '§ 10', '§ 10', '§10', '§ 10', '§ 10', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 10', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', 'EuG', '§ 10', '§ 2', '§ 10', '§ 10', '§ 8', '§ 8']

Kritische Untersuchung der Verlustnutzungsbeschränkung bei ...
von Yannik Kainhofer (Autor)
2. Der Verlustabzug nach § 8 Abs.1 KStG i.V. m. § 10d EStG
2.1 Maßgeblichkeit
3. Die Verlustabzugsbeschränkung nach § 8c KStG
3.1.1 Die Mantelkaufregelung nach § 8 Abs.4 KStG
3.1.2 BFH - Rechtsprechung
3.4.1 Stille - Reserven Klausel
3.4.2 Konzernklausel
4. Verfassungsmäßigkeit des § 8c KStG
4.1 Normenkontrollverfahren
4.2.1 Grundsatz der Steuergerechtigkeit
4.2.2 Trennungsprinzip
4.2.3 Ausnahmetatbestand § 8c Abs. 1 KStG
4.3 Verfahrensrechtliche Konsequenzen
4.3.1 Bescheide nach dem 12.05.2017
4.3.2 Bescheide vor dem 12.05.2017
5. Neuregelung des § 8d KStG
5.2 Vor- und Nachteile der Neuregelung
Abb. 1 Varianten der Verlustnutzungsbeschränkung bei Kapitalgesellschaften
Abb. 2 Varianten der Stille – Reserven – Klausel
Abb. 3 Stille - Reserven - Klausel bei positivem steuerlichem Eigenkapital
Abb. 4 Stille - Reserven - Klausel bei negativem steuerlichem Eigenkapital
§ 8c KStG.
Dieser Paragraph regelt die besonderen Verlustabzugsbeschränkungen. Dabei stellt diese Ausnahmeregelung vom Grundsatz der im Einkommensteuerrecht verankerten Verlustnutzung ein in der Literatur wie auch in der Rechtsprechung ein gegensätzlich diskutiertes Thema dar. Im besonderen Fokus stehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf nationaler Ebene die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts bezüglich der Verfassungsmäßigkeit des § 8c Abs.1 S.1 KStG sowie auf internationaler Ebene das Urteil des Europäischen Gerichtshofes, welches die Sanierungsklausel und deren Vereinbarkeit mit EU - Recht betrifft. Die Verlustnutzungsbeschränkung des § 8c KStG steht somit in mehreren Punkten auf dem Prüfstand. Insbesondere sind dabei die Auswirkungen auf die künftige der Verlustnutzung bei Kapitalgesellschaften kritisch zu hinterfragen bzw. die Folgen für die, unter der bisherigen gesetzlichen Regelung, erfolgte Steuerveranlagung.
Zu Beginn dieser Projektarbeit steht dabei zunächst die Aufarbeitung bzw. Erörterung der grundlegenden gesetzgeberischen Grundlagen bezüglich der Verlustnutzung nach § 8 Abs. 1 KStG i.V.m. § 10d EStG. Es soll unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklung der Ursprung der Verlustnutzungsbeschränkung bei Kapitalgesellschaften in seinen Grundzügen dargelegt und dabei auf die ursprünglichen Probleme kritisch hingewiesen werden. Insbesondere inwieweit diese ursprünglichen Probleme möglicherweise mit den aktuellen Rechtsprechungen zusammenhängen könnten. Um dies analysieren zu können, wird § 8c KStG in seinen Grundzügen beschrieben und anschließend die Frage der Verfassungsmäßigkeit des § 8c KStG anhand des Urteils des Bundesverfassungsgerichts analysiert.1 Des Weiteren wird die internationale Rechtsprechung in Bezug auf § 8c KStG und die daraus resultierenden Folgen erörtert.2 Abschließend widmet sich die Projektarbeit der Auslegung der gesetzlichen Neuregelung des § 8d KStG und dessen in Frage stehender Rolle bezüglich der Weiterentwicklung und Überarbeitung des bestehenden § 8c KStG.
Das Ziel der Projektarbeit ist es, anhand verschiedener Sichtweisen und Urteile einen klaren Überblicküber die Problematik des § 8c KStG zu geben und diese unter besonderer Berücksichtigung des Gesichtspunktes der Verfassungsmäßigkeit kritisch zu würdigen. In diesem Zuge soll auch auf die sich aktuell ergebenden Konsequenzen für das steuerliche Verfahrensrecht eingegangen werden.
§ 8 Abs.1 KStG regelt die Einkommensermittlung innerhalb der Körperschaftsteuer, welche sich in ihren Grundzügen auf das Einkommensteuerrecht bezieht. Ebenfalls in diesem Rahmen der Maßgeblichkeit umfasst, ist die Einkommensermittlung der Körperschaftsteuer bzw. deren Bemessungsgrundlage durch § 7 KStG. Daraus resultierend sind die aufgeführten Merkmale der einkommensteuerrechtlichen Einkommensermittlung aus § 10d EStG, bezüglich des Verlustabzugs bzw. der Verlustnutzung grundsätzlich in Form des § 8 Abs.1 KStG auf die Körperschaftsteuer zuübertragen. Des Weiteren wird durch § 10a GewStG dieser Grundsatz der Maßgeblichkeit ebenfalls auf die Verlustnutzung innerhalb des Gewerbesteuerrechts angewandt. Im Rahmen dieser Projektarbeit wird diese Regelung jedoch nicht weiter aufgegriffen. Die Maßgeblichkeit im Körperschaftsteuerrecht bildet in diesem Sinne die Basis für das Verständnis bzw. die gesetzlichen Vorschriften bezüglich der Verlustnutzung, welche im Folgenden in Bezugnahme auf die grundsätzliche Regelung des Einkommensteuerrechts aufgeführt sind.
Der Verlustabzug umfasst in seinem Anwendungsbereich unbeschränkt sowie beschränkt Steuerpflichtige.3 Dabei kann er nur von dem Steuerpflichtigen durchgeführt werden, welcher den Verlust selbst erlitten hat. Somit muss eine Personenidentität bestehen.4 Eine Übertragung von Verlustabzügen ist grundsätzlich nicht möglich, sofern diese nicht erfüllt ist.5 Im Gegensatz zu natürlichen Personen ist dieses Kriterium bei Personengesellschaften schwerer greifbar.
Innerhalb eines Veranlagungszeitraums werden bei natürlichen Personen zunächst die positiven und negativen Einkünfte miteinander verrechnet, im Rahmen des sogenannten Verlustausgleichs.6 Die Regelung bezüglich des Verlustabzugs findet somit grundsätzlich eine nachrangige Anwendung bei der Ermittlung des Einkommens. Innerhalb des Verlustabzugs werden negative Einkünfte, welche durch den Verlustausgleich nicht ausgeglichen werden konnten, in einem anderen Veranlagungszeitraum vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen.7 Im Rahmen dieser Projektarbeit soll ausschließlich auf den Verlustabzug eingegangen werden, da bei Kapitalgesellschaften gemäß§ 8 Abs.2 KStG in der Regel nur gewerbliche Einkünfte vorliegen und somit ein vertikaler Verlustausgleich wegfällt. Für die Durchführung des Verlustabzugs gibt der Gesetzgeber im Rahmen des § 10d EStG zwei Möglichkeiten vor. Ein Verlust eines Steuerpflichtigen im laufenden Veranlagungszeitraum kann zum einen laut § 10d Abs.1 EStG auf das Einkommen des vorangegangenen Veranlagungszeitraums zurückgetragen (Verlustrücktrag) bzw. zum anderen laut §10d Abs.2 EStG auf das Einkommen des dem Verlustjahr folgenden Veranlagungszeitraums vorgetragen (Verlustvortrag) werden.8
Negative Einkünfte (Verluste), welche bei der Ermittlung des Einkommens einer Kapitalgesellschaft verbleiben, werden primär durch den Verlustrücktrag in den vorangegangenen Veranlagungszeitraum zurückgetragen.9 Dabei wird der Verlustrücktrag zeitlich auf den unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraum und in seiner Höhe auf 1.000.000 begrenzt.10 Auf die primäre Anwendung des Verlustrücktrags kann ganz oder teilweise verzichtet werden, da zwischen dem Verlustrücktrag und dem Verlustvortrag ein Wahlrecht besteht.11
Der Verlustvortrag in folgenden Veranlagungszeiträumen ist zeitlich unbegrenzt und der Höchstbetrag beläuft sich auf die beim Verlustrücktrag ausgeführten Darstellung mit der Ausnahme, dass bei Überschreitung dieser Höchstbeträge der verbleibende Verlustvortrag auf 60 Prozent desübersteigenden Betrags des Gesamtbetrags der Einkünfte eingegrenzt wird.12
Im Gegensatz zum Verlustrücktrag besteht beim Verlustvortrag kein Wahlrecht.13 Der verbleibende Verlustvortrag ist darüber hinaus gesetzlich am Ende jedes Veranlagungszeitraums gesondert festzustellen.14
Die Grundgedanken dieser gesetzlichen Regelung sind die Prinzipien der Steuergerechtigkeit und der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.15
Dies bedeutet das Steuerpflichtige mit der gleichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit im Rahmen der Steuergerechtigkeit gleich hoch zu besteuern sind und dass bei unterschiedlicher wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit eine verhältnismäßige höhere bzw. niedrigere Besteuerung anzuwenden ist.16 Grundsätzlich werden mit der Regelung zum Verlustabzug gemäß§ 10d EStG die beiden Prinzipien bei der Einkommensermittlung integriert.17
Bei der Verlustverrechnung gemäß§ 10d EStG gilt es zu beachten, dass die gesetzliche Regelung im Einkommensteuerrecht nur den Rahmen bildet. Der Gesetzgeber schränkt zum einen den Verlustabzug bei Kapitalgesellschaften mit dem nachträglich angefügten Paragraphen § 8c KStG deutlich ein und durch § 8d KStG wird diese Einschränkung in gewisser Weise durchbrochen. Diese in zeitlichen Abläufen durchgeführte einschränkende und abändernde Entwicklung bzw. Definition des Auslegungsrahmens der einkommensteuerrechtlichen Einkommensermittlung diente dem Zweck vorhandene Definitionslücken zu schließen.18 Im Laufe dieser Entwicklung wurden die gesetzlichen Regelungen kritisch beurteilt und der Gesetzgeber musste diese mehrmalsüberarbeiten.
Die aktuellen gesetzlichen Regelungen zum Verlustabzug bei Kapitalgesellschaften in Form der § 8c und § 8d KStG beruhen auf der ursprünglichen Fassung des § 8 Abs.4 KStG, welche den Grundgedanken der Verlustnutzungsbeschränkung bei Kapitalgesellschaften bildete.
Die bisherige gesetzliche Regelung, in Form des § 8 Abs.4 KStG, schränkte den Rahmen des Verlustabzugs deutlich ein, da bei einem sogenannten Mantelkauf der Verlustabzug vollständig ausgeschlossen wurde.19 Ein Mantelkauf stellte primär die Übertragung aller Anteile bzw. einer qualifizierten Mehrheit an einer Kapitalgesellschaft dar.20 Dabei hatte die bestehende Kapitalgesellschaft ihren ursprünglichen Geschäftsbetrieb eingestellt, das Unternehmen in seinen Grundzügen, das heißt der rechtliche Mantel, blieb jedoch weiterhin bestehen.21 Der zugrunde liegende Gedanke eines Mantelkaufs, war somit die, mit dem Anteilseigner Wechsel vollzogene, Einbringung neuen Kapitals in die bestehende Gesellschaft bzw. deren Mantel.22 Die Motive welche den Käufer zu einem Mantelkauf veranlasst haben, waren teilweise rein wirtschaftlicher Art. Dennoch hätte die Möglichkeit bestehen können, einen Mantelkauf aus rein steuerlichen Gründen zu vollziehen, um den bestehenden Verlustvortrag einer Gesellschaft zuübernehmen und die zukünftigen Gewinne mit dem bestehenden steuerlichen Verlustvortrag zu verrechnen.23 Deshalb wurde durch § 8 Abs.4 KStG der Verlustvortrag bei Kapitalgesellschaften durch den Gesetzgeber nicht nur an die rechtliche Identität, das heißt den Mantel der Gesellschaft, sondern ebenfalls an die wirtschaftliche Identität der Kapitalgesellschaft geknüpft.24 Um das Kriterium der Personenidentität, welches Grundgedanke des § 10d EStG ist, zu gewährleisten, mussten somit nun die zwei erwähnten Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sein. Dabei fand durch den Mantelkauf zwar keine Änderung der rechtlichen Identität der Kapitalgesellschaft statt, häufigänderte sich jedoch die wirtschaftliche Identität der Kapitalgesellschaft.25
Die Folgen des Mantelkaufs, einschließlich der Änderung der wirtschaftlichen Identität waren im Sinne des § 8 Abs.4 KStG ein vollständiger Verlustuntergang.26
Die BFH - Rechtsprechung bestätigte den Grundgedanken der Personengleichheit bezüglich der wirtschaftlichen Identität in seinen frühen Entscheidungen.27 In darauf folgenden Urteilen knüpfte man den Verlustabzug jedoch nicht mehr an die wirtschaftliche Identität sondern bezog sich maßgeblich auf das Fortbestehen bzw. die Gleichheit der rechtlichen Identität.28 Dies führte dazu, dass der Grundgedanke der Einführung dieses Gesetzes, nämlich die Unterbindung des Handels mit Verlustabzügen, nun bedingt ermöglicht wurde, da sich durch die teilweise Übertragung von Anteilen die rechtliche Identität größtenteils nichtänderte.29 Durch das Steuerreformgesetz von 1990 und der Veröffentlichung einer Verwaltungsanweisung im Jahr 1999 wollte der Gesetzgeber den Auslegungsspielraum schließen und knüpfte den Verlustabzug erneut an die zusätzliche Voraussetzung der Gleichheit der wirtschaftlichen Identität. Da dies jedoch zu mehr Verwirrung als Klarheit führte, was die Nutzung von Verlusten betraf, wurde durch die Unternehmensteuerreform 2008 versucht eine abschließende Regelung zu finden, um den Spielraum bei der Verlustnutzung endgültig zu regeln.
Im Zuge dieses Unternehmensteuerreformgesetzes 2008 wurde § 8c KStG eingeführt, welcher die bisherige Regelung des § 8 Abs.4 KStG ersetzen sollte.30 Dabei fand § 8c KStG erstmalig im Veranlagungszeitraum 2008 Anwendung, bei Beteiligungserwerben, bei welchen das wirtschaftliche Eigentum nach dem 31.12.2007überging.31 Die Verwaltungsanweisung bezüglich der Anwendung des § 8c KStG wurde mit dem BMF Schreiben vom 04.07.2008 durch die Finanzverwaltung veröffentlicht.32
§ 8c KStG umfasst in seinem Anwendungsbereich sowohl die unbeschränkt, wie auch die beschränkt steuerpflichtigen Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen.33 Dabei lässt sich § 8c KStG aufgrund seiner zwei unterschiedlichen Rechtsfolgen, welche sich beide in ihren Tatbestandsvoraussetzungen unterscheiden, in zwei Varianten unterteilen.
§ 8c Abs.1 S.1 KStG – (Variante 1)
„Werden innerhalb von fünf Jahren mittelbar oder unmittelbar 25 Prozent des gezeichneten Kapitals ... an einen Erwerber oder diese nahen stehenden Personen ...übertragen oder liegt ein vergleichbarer Sachverhalt vor ... sind insoweit die ... nicht ausgeglichenen ... negativen Einkünfte nicht mehr abziehbar“.34
§ 8c Abs.1 S.2 KStG – (Variante 2)
„Unabhängig ... sind die bis zum schädlichen Beteiligungserwerb nicht genutzten Verluste vollständig nicht mehr abziehbar, wenn innerhalb von fünf Jahren mittelbar oder unmittelbar... mehr als 50 Prozent des gezeichneten Kapitals ... an einen Erwerber oder diese nahen stehenden Personenübertragen werden ...“.35
Zentraler Punkt beider Varianten des § 8c KStG ist die differenzierte Regelung des Verlustuntergangs. Bezüglich der Rechtsfolge definiert § 8c Satz 1 KStG bzw. Variante 1 den quotalen Verlustuntergang, wohingegen § 8c Satz 2 KStG bzw. Variante 2 den vollständigen Verlustuntergang regelt.36
Das Haupttatbestandsmerkmal beider Varianten ist der sogenannte schädliche Beteiligungserwerb.37
Gegenstand der Übertragung des schädlichen Beteiligungserwerbs sind Anteile (gezeichnetes Kapital der Gesellschaft). Somit wird der Erwerb von Kapitalanteilen ebenso, wie der Erwerb von Mitgliedschaftsrechten und Beteiligungsrechten, aber auch von Stimmrechten, umfasst.38 Unter den weiter aufgeführten vergleichbaren Sachverhalten zählt der Gesetzgeber eine Reihe von Beispielen innerhalb des BMF Schreibens vom 04.07.2008 auf, wie die Fusion von Anstalten desöffentlichen Rechts oder der Erwerb von Genussscheinen.39 Die Verlustabzugsbeschränkung hängt somit wesentlich von der Veränderung des Gesellschafterbestandes ab, welche sich in Form der Anteile widerspiegelt.40 Die wirtschaftliche Identität als Kriterium fällt demnach faktisch weg. Dabei ist hervorzuheben, dass eine Kapitalerhöhung einem Beteiligungserwerb bzw. einer Übertragung von Anteilen gleichzusetzen ist, wenn es zu einer Veränderung der Beteiligungsquoten der Gesellschaft kommt.41
Des Weiteren kann die Übertragung sowohl mittelbar als auch unmittelbar erfolgen. Der Gesetzgeber macht dabei jedoch keinen Unterschied, da der unmittelbare Beteiligungserwerb grundsätzlich auch dann schädlich ist, wenn er mittelbar zu keiner Änderung der Beteiligungsquote führt.42
Für den Zeitpunkt des Beteiligungserwerbs maßgeblich ist der Übergang des wirtschaftlichen Eigentums, wobei für beide Varianten ein Fünf - Jahres - Zeitraum relevant ist.43 Außerdem spielt es keine Rolle ob die Übertragung entgeltlich oder unentgeltlich erfolgt, da beide Tatbestände von § 8c KStG erfasst werden.44 Sollte der Zeitpunkt des schädlichen Beteiligungserwerbs unterjährig stattfinden, ist es grundsätzlich möglich, einen bis zum genannten Zeitpunkt entstandenen unterjährigen Gewinn bzw. Verlust mit den vorhandenen, nicht genutzten Verlusten zu verrechnen.45
Sowohl Variante 1 als auch Variante 2 des § 8c KStG setzen den schädlichen Beteiligungserwerb durch einen Erwerber oder durch diesem nahe stehende Personen voraus. Ein Erwerber im Sinne des Gesetzgebers kann jede natürliche Person, juristische Person oder Mitunternehmerschaft sein.46 Dabei wird Nahestehen als jede rechtliche oder tatsächliche Beziehung zu einer anderen Person, unabhängig von dem Anteilserwerb, definiert.47 Darüber hinaus zählen Personen mit gleichgerichteten Interessen ebenfalls zum Erwerberkreis. Gleichgerichtete Interessen sind dabei anzunehmen, wenn ein gemeinsamer Zweck verfolgt wird, im Rahmen der Anteilsübertragung.48
Die oben aufgeführten grundlegenden Bestandteile des schädlichen Beteiligungserwerbs bilden die Grundlage beider gesetzlicher Varianten des Verlustabzugs.
Abb.1 Varianten der Verlustnutzungsbeschränkung bei Kapitalgesellschaften49
Der Gesetzgeber hat die dargestellten Grenzen bewusst definiert. Bei einem schädlichen Beteiligungserwerb, welcher eine Grenze von 25 Prozentüberschreitet, nimmt man an, dass ab dieser Höhe der Anteilsübertragung der Erwerber oder diesem nahe stehende Personen auf die Prozesse der Kapitalgesellschaft Einfluss nehmen können.50 Somit würde die Möglichkeit zur Steuerung der Verluste bestehen.51 Diese Unterbindung jener potenziell bestehenden Steuerungsmöglichkeiten ist einer der grundlegenden Gedanken zur Einschränkung der Verlustnutzung bei Kapitalgesellschaften. Des Weiteren begründet der Gesetzgeber die 25 - Prozent - Grenze mit der Änderung der wirtschaftlichen Identität durch die Einbringung des neuen Kapitals bzw. durch die neuen Erwerber.52
Dabei ist der ausgeführte schädliche Beteiligungserwerb innerhalb beider Varianten durch einen Fünf - Jahres - Zeitraum zeitlich begrenzt. Bei der Ermittlung der Verlustabzugsbeschränkung müssen jedoch beide Zeiträume getrennt voneinander betrachtet werden.53 Grundsätzlich werden zunächst alle Erwerbe durch einen Erwerber oder diesem nahe stehende Personen innerhalb eines Fünf - Jahres - Zeitraums zusammengefasst, insofern sie für den schädlichen Beteiligungserwerb relevant sind. Dabei ist der Beginn dieses Zeitraums der Zeitpunkt des ersten mittelbaren, oder unmittelbaren schädlichen Beteiligungserwerbs, wobei es auf den zu Beginn aufgeführten Übergang des wirtschaftlichen Eigentums ankommt.54
Der Fünf – Jahres – Zeitraum in Variante 1 beginnt mit einem schädlichen Beteiligungserwerb, welcher die Grenze von 25 Prozentüberschreitet. Des Weiteren beginnt mit jedem weiteren Beteiligungserwerb ein neuer Fünf – Jahres - Zeitraum.55
1 Vgl. BVerfG vom 29.03.2017, 2 BvL 6/11, GmbHR 2017, S. 710
2 Vgl. EuG vom 04.02.2016, T 287/11 / T 620/11, GmbHR 2016, S.384
3 Vgl. Lippross, O. / Kaup, M. (2014), Rz.4
4 Vgl. ebenda, Rz.5
5 Vgl. § 10d Abs.4 S.1 EStR
6 Vgl. § 2 Abs.3 EStG
7 Vgl. Lippross, O. / Kaup, M. (2014), Rz.1
8 Vgl. Lippross, O. / Kaup, M. (2014), Rz.12 / Rz.22
9 Vgl. § 10d Abs.1 S.1, 1 Hs. EStG
11 Vgl. Lippross, O. / Kaup, M. (2014), Rz.12
12 Vgl. § 10d Abs.2 S.1 EStG
13 Vgl. ebenda, Abs.1 S.1 ff.
14 Vgl. Lippross, O. / Kaup, M. (2014), Rz.27
15 Vgl. Scholz, A. (2017), S.1 ff.
16 Vgl. ebenda, S.1
17 Vgl. Lippross, O. / Kaup, M. (2014), Rz.1
18 Vgl. BMF, Schreiben vom 04.07.2008, IV C 7, DB 2008, Rz.1
19 Vgl. Preißer, M. / Brinkmann, L. (2017), Rz.1.1
20 Vgl. Lippross, O. / Staats, A. (2012), Rz.1
21 Vgl. Preißer, M. / Brinkmann, L. (2017), Rz.1.1
22 Vgl. Lippross, O. / Staats, A. (2012), Rz.1
23 Vgl. Preißer, M. / Brinkmann, L. (2017), Rz.1.2
24 Vgl. Zenthöfer, W. / Alber, M. (2013), S.78
25 Vgl. ebenda, S.78
26 Vgl. Lippross, O. / Staats, A. (2012), Rz. 1
27 Vgl. Preißer, M. / Brinkmann, L. (2017), Rz.1.2
28 Vgl. BFH vom 29.10.1986, I R 202/82, BStBI II 1987, S. 308
29 Vgl. Preißer, M. / Brinkmann, L. (2017), Rz.1.2
30 Vgl. Gehrmann, R. (2017), S.1
31 Vgl. BMF Schreiben vom 04.07.2008, IV C 7, DB 2008, Rz.35
32 Vgl. Ronneberger, T. (2016), S.2
33 Vgl. Kessler, W. / Egelhof, J. / Probst, D. (2017), S.1289
34 § 8c Abs.1 S.1 KStG
35 § 8c Abs.1 S.2 KStG
36 Vgl. Lippross, O. / Staats, A. (2012), S.4
37 Vgl. BMF Schreiben vom 04.07.2008, IV C 7, DB 2008, Rz.3
38 Vgl. Preißer, M. / Brinkmann, L. (2017), S.5
39 Vgl. BMF Schreiben vom 04.07.2008, IV C 7, DB 2008, Rz.7
40 Vgl. Gehrmann, R. (2017), S.3
41 Vgl. BMF Schreiben vom 04.07.2008, IV C 7, DB 2008, Rz.9
42 Vgl. Ronneberger, T. (2016), S.2
43 Vgl. Vgl. Kessler, W. / Egelhof, J. / Probst, D. (2017), S.1289
44 Vgl. Preißer, M. / Brinkmann, L. (2017), S.7
45 Vgl. BFH vom 30.11.2011, BStBl II, 2012, S. 360
46 Vgl. BMF Schreiben vom 04.07.2008, IV C 7, DB 2008, Rz.24
47 Vgl. Gehrmann, R. (2017), S.4
48 Vgl. BMF Schreiben vom 04.07.2008, IV C 7, DB 2008, Rz.27
49 Vgl. Zenthöfer, W. / Alber, M. (2013), S.80, eigene Darstellung
50 Vgl. Preißer, M. / Brinkmann, L. (2017), Rz.1.3
51 Vgl. Scholz, A. (2017), S.3
52 Vgl. Preißer, M. / Brinkmann, L. (2017), Rz. 1.3.2
53 Vgl. BMF Schreiben vom 04.07.2008, IV C 7, DB 2008, Rz.20
54 Vgl. Preißer, M. / Brinkmann, L. (2017), Rz.1.4.3
55 Vgl. BMF Schreiben vom 04.07.2008, IV C 7, DB 2008, Rz.18
9783668730786
9783668730793
v428876
kritische untersuchung verlustnutzungsbeschränkung kapitalgesellschaften berücksichtigung kstg
Yannik Kainhofer (Autor)