Source: https://www.lv-alh.de/index.php/steuertipps/arbeitnehmer?id=280:informationen-zur-steuerkare-steuerklasse-lohnsteuerbescheinigung&catid=39
Timestamp: 2020-07-06 04:29:21
Document Index: 308606224

Matched Legal Cases: ['§ 38', '§ 39', '§39', '§39', '§ 169', '§ 38']

Informationen zur Steuerkarte, Steuerklasse, Lohnsteuerbescheinigung
Informationen zur Steuerklassenwahl (§ 38b EStG)
Grundlegende Informationen zur Steuerkarte, Steuerklasse und Lohnsteuerbescheinigung für die Einkünfte aus Arbeitslohn:
Die Steuerklasse ist mitentscheidend über die Höhe des monatlichen Lohnsteuerabzugs.
Personengruppe (Arbeitnehmer/Pensionäre):
1. Alleinstehende/ledige
2. Geschiedene und getrennt lebende Ehegatten soweit die Trennung vor dem 1. 1. des jeweiligen Kalenderjahres erfolgte.
3. verheiratete Ehegatten soweit ein Ehegatte im Ausland lebt. (Hinweis: gilt u.U. auch für Angehörige einer ausländischen Armee, Botschaft etc.)
4. Verwitwete im 2. Kalenderjahr nach dem Tod des Ehegatten.
1. Alleinstehende mit mindestens einem Kind mit Anspruch auf Kindergeld im Haushalt ledig, geschieden, verwitwet seit dem 2. Vorjahr, verheiratet und bereits vor dem 1. 1. getrennt lebend. Zum Haushalt darf keine weitere Erwachsene Person ohne Anspruch auf Kindergeld gehören.
Die Steuerklasse II berücksichtigt den Anspruch auf Entlastungsbetrag für Alleinerziehende.
Steuerklasse III + Steuerklasse V
Personengruppe (Arbeitnehmer/Pensionäre): Die Steuerklasse III erhalten verheiratete Arbeitnehmer mit Anspruch auf Zusammenveranlagung, soweit nur ein Arbeitnehmerehegatte berufstätig ist oder der andere Ehegatte nur im geringen Umfangs berufstätig ist und hierfür die Steuerklasse V gewählt hat.
Ebenso erhalten verwitwete Personen im Jahr des Todes des Ehegatten und im Folgejahr die Steuerklasse III soweit die Ehegatten im Jahr des Todes Anspruch auf Zusammenveranlagung hatten.
Alternativ zur Steuerklassenkombination III / V können Ehegatten auch die Steuerklassenkombination IV / IV wählen.
Soweit nur einer der beiden Ehegatten berufstätig ist oder der andere Ehegatte deutlich geringere Lohneinkünfte bezieht (mindestens 1/3 niedrigere Einkünfte), ist hier die Steuerklassenkombination III / V die günstigere Variante. Hier erhält der Höherverdienende die Steuerklasse III und zahlt damit erheblich weniger Lohnsteuer als bei der Steuerklasse IV. Ehegatten die die Steuerklassenkombination III / V wählen, sind allerdings zur Abgabe einer jährlichen Einkommensteuererklärung verpflichtet. Ein vermeintlich sehr niedriger monatlicher Lohnsteuerabzug, kann dann im Rahmen der Steuerveranlagung zu einer erheblichen Steuernachzahlung führen.
Die Steuerklasse V führt bei niedrigen Einkünften zu einem relativ hohen Lohnsteuerabzug. Dies kann sich insbesondere für die Höhe des Bezugs von Arbeitslosengeld, Insolvenzgeld, Kurzarbeitergeld, Elterngeld, Krankengeld und andere Lohnersatzleistungen negativ auswirken, da diese sich am Nettolohn / Nettogehalt orientieren. Hier ist frühzeitig der Umstieg auf die Steuerklassenkombination IV / IV zu empfehlen.
Hier der Link zum Merkblatt des Bundesfinanzministeriums zur Steuerklassenwahl 2018 bei Ehegatten mit Entscheidungstabelle!
Personengruppe (Arbeitnehmer/Pensionäre): Die Steuerklasse IV/IV erhalten verheiratete Arbeitnehmer mit Anspruch auf Zusammenveranlagung, soweit beide Arbeitnehmereinkünfte erzielen. Diese Steuerklassenkombination ist für Ehegatten bei annähernd gleich hohen Arbeitnehmereinkünften zu empfehlen. Ist dies nicht der Fall, besteht seit dem Jahre 2010 die Möglichkeit das Faktorverfahren zu wählen. In diesem Fall wird aus dem Verhältnis der voraussichtlichen Jahreseinkommensteuer für beide Ehegatten zur Summe der Lohnsteuer jedes Ehegatten Faktoren ermittelt die beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt werden und im Ergebnis zu einer gerechteren Aufteilung der Lohnsteuer für beide Ehegatten führen. Eine hohes Nachzahlungsrisiko wie bei der Steuerklassenkombination III/V wird damit vermieden.Der Faktor wird durch das Wohnsitzfinanzamt ermittelt und eingetragen. Ob sich dies lohnt und wie der Faktor berechnet wird, ist für den Normalbürger auf Anhieb nicht erkennbar. Das Bundesfinanzministerium hat hierzu ein entsprechendes Berechnungsmodul online bereitgestellt: www.bmf-steuerrechner.de .
Auch bei Wahl des Faktorverfahrens besteht die Verpflichtung zur Abgabe einer jährlichen Einkommensteuererklärung.
Die Steuerklasse IV enthält keine Vergünstigungen für Verheiratete und ist mit der Steuerklasse I praktisch identisch. Hier führt die Abgabe einer freiwilligen Steuererklärung für das abgelaufene Jahr (so genannte Antragsveranlagung) meist zu einer Steuererstattung.
Die Steuerklasse VI erhalten die Arbeitnehmer mit einem Neben-/Zweitarbeitsverhältnis. Die Steuerklasse VI ist die Lohnsteuerklasse mit dem höchsten Lohnsteuerabzug. Diese Steuerklasse wird auch bei der Lohnabrechnung verwendet, soweit der Arbeitsgeber aufgrund einer Sperrung für den Arbeitnehmer keine ELStAM (Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale) bereitgestellt bekommt.
Seit dem 1. Januar 2012 ist allein das zuständige Wohnsitzfinanzamt für den Wechsel der Steuerklasse zuständig (§ 39 EStG). Liegen die Voraussetzungen für die bisherige Steuerklasse nicht mehr vor, so sind die geänderten Daten dem Finanzamt mitzuteilen. Für den Wechsel auf eine für den Steuerpflichtigen günstigere Steuerklasse ist ein Antrag auf Lohnsteuerklassenwechsel beim Finanzamt zu stellen (§39 Abs. 5 bis 7 EStG).
Hinweis zum Antrag auf Lohnsteuerermäßigung
Arbeitnehmer die Ansprüche auf besondere Steuervergünstigungen haben, können diese bereits bei der monatlichen Lohnabrechnung anteilige berücksichtigen lassen (§39a EStG). Damit ist der monatliche Lohnsteuerabzug niedriger und es kommt im Rahmen der zu erstellenden Einkommensteuererklärung (Abgabepflicht) nicht mehr zu hohen Erstattungsbeträgen.
Typische Freibeträge sind der Behindertenpauschbetrag, Freibeträge wegen beruflich bedingter erhöhter Fahrt- und Reisekosten oder Verlusten aus Vermietung und Verpachtung.
Die Berücksichtung des Freibetrages bei den ELStAm-Daten erfolgt mit dem Antrag auf Lohnsteuerermäßigung beim Wohnsitzfinanzamt des Steuerpflichtigen.
Wird letztlich eine für den monatlichen Lohnsteuerabzug ungünstige Steuerklasse gewählt, so kann dies durch Abgabe einer Einkommensteuererklärung nach Ablauf des Jahres wieder „geheilt“ werden. Die zuviel bezahlte Lohnsteuer wird dann vom Finanzamt zurückerstattet.
Nach Aufhebung der bisherigen zwei Jahresfrist ist die Abgabe der Steuererklärung im Rahmen der Festsetzungsverjährung gem. §§ 169 AO möglich. Die Festsetzungsverjährung beträgt 4 Jahre und beginnt bei einer Einkommensteuererklärung die ohne Verpflichtung abgegeben wird (Antragsveranlagung) mit Ablauf des Jahres in dem die Steuer entstanden ist. Nach Ablauf der Frist gehen etwaige Steuerrückerstattungsansprüche endgültig verloren. Die Frist kann nicht verlängert werden.
Weitere Infos zur "elektronischen Lohnsteuerkarte" bzw. den elektronisch übermittelten Lohnsteuerabzugsmerkmalen!
Fundstellen: §§ 38 EStG
Dieter P. Gonze, Stb. 09.05.2018