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Timestamp: 2019-09-17 22:53:52
Document Index: 162424978

Matched Legal Cases: ['§ 305', '§ 305', '§ 306', '§ 310', '§ 310', '§ 134', '§ 276', '§ 202', '§ 104', '§ 134', '§ 309', '§ 278', '§ 305', '§ 202', '§ 202', '§ 8', '§ 307', '§ 309', '§ 77', '§ 88', 'BGH', 'BGH', '§ 306', '§ 310', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 4', '§ 309', '§ 309', '§ 309', '§ 4']

In den Vor­in­stan­zen haben das Arbeits­ge­richt und das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln die Kla­ge abge­wie­sen1. Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt Erfolg:
Nach § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB sind All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen alle für eine Viel­zahl von Ver­trä­gen vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­be­din­gun­gen, die eine Ver­trags­par­tei der ande­ren Ver­trags­par­tei bei Abschluss eines Ver­tra­ges stellt. Da der Arbeit­neh­mer Ver­brau­cher ist2, fin­den § 305c Abs. 2 und §§ 306, 307 bis 309 nach § 310 Abs. 3 Nr. 2 BGB grund­sätz­lich auch Anwen­dung, falls die Klau­sel nur zur ein­ma­li­gen Ver­wen­dung bestimmt ist und der Ver­brau­cher auf­grund der Vor­for­mu­lie­rung auf den Inhalt kei­nen Ein­fluss neh­men konn­te. Gemäß § 310 Abs. 3 Nr. 1 BGB gel­ten All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen zudem als vom Unter­neh­mer gestellt, es sei denn, dass sie durch den Ver­brau­cher ein­ge­führt wur­den3.
Bei All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen unter­liegt die Aus­le­gung des Arbeits­ver­tra­ges der vol­len revi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung durch den Bun­des­ar­beits­ge­richt4.
All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach ihrem objek­ti­ven Inhalt und typi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von ver­stän­di­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern unter Abwä­gung der Inter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wobei nicht die Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zugrun­de zu legen sind. Maß­ge­bend sind die Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten des typi­scher­wei­se bei Ver­trä­gen der gere­gel­ten Art zu erwar­ten­den nicht rechts­kun­di­gen Ver­trags­part­ners. Anhalts­punkt für die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist in ers­ter Linie der Ver­trags­wort­laut5.
Im Hin­blick auf die­se kla­re Geset­zes­la­ge ist regel­mä­ßig davon aus­zu­ge­hen, dass die Ver­trags­part­ner mit sol­chen Ver­trags­klau­seln kei­ne Fäl­le anders als das Gesetz und unter Ver­stoß gegen die gesetz­li­che Ver­bots­norm iSd. § 134 BGB regeln woll­ten. Ver­trags­klau­seln, die nur in außer­ge­wöhn­li­chen, von den Ver­trags­part­nern bei Ver­trags­ab­schluss nicht für rege­lungs­be­dürf­tig gehal­te­nen Fäl­len gegen das Gesetz ver­sto­ßen, sind wirk­sam6. Eine am Sinn und Zweck sol­cher Klau­seln ori­en­tier­te Aus­le­gung ergibt, dass der­ar­ti­ge Aus­nah­me­fäl­le von der Klau­sel gar nicht erfasst wer­den sol­len7.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hält an die­ser von ihm bereits bestä­tig­ten Recht­spre­chung fest8. Dass ein Arbeit­ge­ber sei­ne eige­ne Haf­tung für Vor­satz nicht aus­schlie­ßen kann, ergibt sich, auch wenn es sich nicht um einen For­mu­lar­ar­beits­ver­trag han­delt, schon aus § 276 Abs. 3 BGB. Über den Geset­zes­wort­laut hin­aus ver­bie­tet § 202 Abs. 1 BGB nicht nur Ver­ein­ba­run­gen zur Ver­jäh­rung von Ansprü­chen wegen Vor­satz­haf­tung, son­dern auch Aus­schluss­fris­ten, die sich auf eine Vor­satz­haf­tung des Schä­di­gers bezie­hen9. Hin­zu kommt, dass § 104 Abs. 1 SGB VII die Haf­tung des Arbeit­ge­bers bei Arbeits­un­fäl­len und Berufs­un­fä­hig­keit auf Vor­satz beschränkt, sie aber auch genau in die­sen Fäl­len gera­de nicht aus­schließt. Daher spielt einer­seits die Haf­tung des Arbeit­ge­bers wegen Ver­let­zung der Gesund­heit des Arbeit­neh­mers in der Pra­xis kei­ne gro­ße Rol­le10; ande­rer­seits hat der Arbeit­ge­ber grund­sätz­lich kein Inter­es­se dar­an, einen gesetz­wid­ri­gen Haf­tungs­aus­schluss für vor­sätz­lich ver­ur­sach­te Per­so­nen­schä­den zu ver­ein­ba­ren, der in jedem Fal­le wegen § 134 BGB nich­tig und bei For­mu­lar­ar­beits­ver­trä­gen zudem nach § 309 Nr. 7 Buchst. a BGB ohne Wer­tungs­mög­lich­keit unwirk­sam wäre. Bei der Ver­ein­ba­rung einer Aus­schluss­frist den­ken die Par­tei­en eines Arbeits­ver­tra­ges vor allem an lau­fen­de Ent­gelt­an­sprü­che, also an Ansprü­che des Arbeit­neh­mers, gege­be­nen­falls aber auch an Ansprü­che des Arbeit­ge­bers auf Rück­zah­lung über­zahl­ten Arbeits­ent­gelts, nicht aber an ver­trag­li­che oder delik­ti­sche Ansprü­che wegen Per­so­nen­schä­den11. Daher ist eine zwi­schen den Par­tei­en des Arbeits­ver­tra­ges ver­ein­bar­te Aus­schluss­frist dahin gehend aus­zu­le­gen, dass sie nur die von den Par­tei­en für rege­lungs­be­dürf­tig gehal­te­nen Fäl­le erfas­sen soll. Ohne beson­de­re Hin­wei­se im Ein­zel­fall ist eine Anwen­dung auch auf die Fäl­le, die durch zwin­gen­de gesetz­li­che Ver­bo­te oder Gebo­te gere­gelt sind, regel­mä­ßig gera­de nicht gewollt. Ohne sol­che Beson­der­hei­ten kann auch nicht ange­nom­men wer­den, die Aus­schluss­frist bezie­he sich auf Kri­te­ri­en, die auf­grund von Rück­aus­nah­men, hier § 278 Satz 2 BGB, aus­nahms­wei­se doch regel­bar sei­en.
Nach § 305c Abs. 2 BGB gehen Zwei­fel bei der Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen zulas­ten des Ver­wen­ders. Die­se soge­nann­te Unklar­hei­ten­re­gel stellt bei objek­tiv mehr­deu­ti­gen Klau­seln eine Aus­le­gungs­hil­fe dar, wonach in sol­chen Fäl­len die Inter­es­sen des Ver­wen­ders hin­ter den­je­ni­gen der ande­ren Par­tei zurück­tre­ten sol­len. Auf die­se Unklar­hei­ten­re­gel kann nur zurück­ge­grif­fen wer­den, wenn nach Aus­schöp­fung der aner­kann­ten Aus­le­gungs­me­tho­den nicht beheb­ba­re Zwei­fel ver­blei­ben12. Der­ar­ti­ge Zwei­fel bei der Aus­le­gung bestehen im vor­lie­gen­den Fall nicht.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat für tarif­ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten, die Scha­dens­er­satz­an­sprü­che aus vor­sätz­li­chem Han­deln erfas­sen, ent­schie­den, dass sol­chen Tarif­klau­seln § 202 Abs. 1 BGB nicht ent­ge­gen­steht, da das Gesetz die Erleich­te­rung der Haf­tung wegen Vor­sat­zes nur "durch Rechts­ge­schäft" ver­bie­tet13. Da die Arbeits­ver­trags­par­tei­en hier nicht auf einen Tarif­ver­trag Bezug genom­men haben, braucht nicht ent­schie­den zu wer­den, ob ein Rechts­ge­schäft iSv. § 202 BGB dann aus­schei­det, wenn ein Tarif­ver­trag auf­grund einer arbeits­ver­trag­li­chen Bezug­nah­me­klau­sel ins­ge­samt Anwen­dung fin­det.
Ent­las­sung aus dem Frei­wil­li­gen Poli­zei­dienst in… § 8 Abs. 1 Satz 1 des baden-würt­tem­ber­gi­schen Geset­zes über den Frei­wil­li­gen Poli­zei­dienst (FPolDG BW) vom 12.04.198514 bestimmt, dass Ange­hö­ri­ge…
LAG Köln, Urteil vom 31.01.2012 – 5 Sa 1560/​10 [↩]
BAG 23.09.2010 – 8 AZR 897/​08, Rn. 15, AP BGB § 307 Nr. 48 = EzA BGB 2002 § 309 Nr. 6 [↩]
BAG 23.08.2012 – 8 AZR 804/​11, Rn.20 [↩]
BAG 7.06.2011 – 1 AZR 807/​09, Rn. 23 mwN, AP BetrVG 1972 § 77 Betriebs­ver­ein­ba­rung Nr. 55 = EzA BetrVG 2001 § 88 Nr. 3 [↩]
BAG 24.01.2013 – 8 AZR 965/​11, Rn. 24 [↩]
vgl. BGH 17.02.2011 – III ZR 35/​10, Rn. 10, BGHZ 188, 351; 23.11.2005 – VIII ZR 154/​04, zu II 2 b der Grün­de; 10.05.1994 – XI ZR 65/​93, zu II 2 b der Grün­de; Palandt/​Grüneberg 72. Aufl. § 306 BGB Rn. 9; Schlewing NZA-Bei­la­ge 2012, 33, 34 [↩]
vgl. BAG 25.05.2005 – 5 AZR 572/​04, zu IV 6 der Grün­de, BAGE 115, 19 = AP BGB § 310 Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 3; 28.09.2005 – 5 AZR 52/​05, zu II 4 der Grün­de, BAGE 116, 66 = AP BGB § 307 Nr. 7 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 8 [↩]
BAG 18.08.2011 – 8 AZR 187/​10, Rn. 31, EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr.200 [↩]
BAG 18.08.2011 – 8 AZR 187/​10 – aaO [↩]
Däubler/​Bonin/​Deinert/​Däubler 3. Aufl. § 309 Nr. 7 Rn. 5; Chris­ten­sen in Ulmer/​Brandner/​Hensen AGB-Recht 11. Aufl. § 309 Nr. 7 BGB Rn. 23 [↩]
vgl. Schlewing in Clemenz/​Kreft/​Krause AGB-Arbeits­recht § 309 Rn. 89 ff.; Bay­reu­ther NZA 2005, 1337 [↩]
BAG 14.11.2012 – 5 AZR 107/​11, Rn.19 [↩]
BAG 18.08.2011 – 8 AZR 187/​10, Rn. 32 ff., EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr.200 [↩]
GBl. BW 1985, S. 129 [↩]