Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=8%20AZR%20486/02
Timestamp: 2019-04-19 15:28:56
Document Index: 287031709

Matched Legal Cases: ['Art. 2', '§ 14', '§ 611', '§ 611', '§ 276', '§ 611', '§ 611', '§ 310', '§ 4', '§ 611', '§ 286', '§ 615', '§ 8', '§ 611', '§ 37', '§ 611', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 276', '§ 611', '§ 8', '§ 286', '§ 611']

BAG, 17.07.2003 - 8 AZR 486/02 - dejure.org
Schadensersatz wegen Minderungen des Arbeitslosengeldes nach fristwidriger Kündigung
Art. 2 § 14 des Gesetzes zur Neuordnung des Eisenbahnwesens vom 27. Dezember 1993; Anwendung des Tarifvertrags für die Angestellten der Deutschen Reichsbahn (AnTV-DR); Fehlen eines Beschäftigungsverhältnisses; Voraussetzungen für die Gewährung von Arbeitslosengeld; Erkennbarkeit der Unwirksamkeit einer Kündigung; Verletzung der Kündigungsfrist; Schuldhafte Verletzung der Sorgfaltspflicht bei Kündigung; Berechnung des Arbeitlosengeldes gemäß Arbeitsförderungsgesetz; Nichtgewährung einer Schriftsatzfrist zur Einhaltung der tariflichen Ausschlussfristen ; Gleichwohlgewährung; Nicht unter Vorbehalt angenommene Änderungskündigung; Eintragung der Deutschen Bahn AG in das Handelsregister als Rechtsnachfolgerin der Deutschen Reichsbahn
ArbG Stendal, 15.08.2001 - 7 Ca 903/00
LAG Sachsen-Anhalt, 13.06.2002 - 9 Sa 763/01
Geltend gemacht werden können Schadensersatzforderungen, sobald der Gläubiger in der Lage ist, sich den erforderlichen Überblick ohne schuldhaftes Zögern zu verschaffen und seine Forderungen wenigstens annähernd zu beziffern (…BAG 14. Dezember 2006 - 8 AZR 628/05 - aaO; 17. Juli 2003 - 8 AZR 486/02 - AP BGB § 611 Haftung des Arbeitgebers Nr. 27).
Ist die Rechtslage nicht eindeutig und beruht der Ausspruch der Kündigung auf einem vertretbaren Rechtsstandpunkt, handelt der kündigende Arbeitgeber solange nicht fahrlässig, wie er auf die Wirksamkeit seiner Kündigung vertrauen darf (vgl. BAG 17. Juli 2003 - 8 AZR 486/02 - aaO;… 13. Juni 2002 - 2 AZR 391/01 - aaO;… 22. März 2001 - 8 AZR 536/00 - aaO) .
Das Revisionsgericht kann nur prüfen, ob der Tatrichter von den richtigen rechtlichen Beurteilungsmaßstäben ausgegangen ist, die wesentlichen Umstände des Einzelfalles berücksichtigt sowie Denkgesetze, Erfahrungssätze und Verfahrensvorschriften verletzt hat (vgl. BAG 17. Juli 2003 - 8 AZR 486/02 - mwN, AP BGB § 611 Haftung des Arbeitgebers Nr. 27) .
Grundsätzlich kann sich eine unberechtigte Kündigung als eine Arbeitsvertragsverletzung darstellen, die dann zum Ersatz eines durch die Kündigung verursachten Schadens führen kann, wenn der Arbeitgeber bei Anwendung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt (§ 276 Abs. 2 BGB) hätte erkennen können, dass die Kündigung unwirksam ist (vgl. Senat 17. Juli 2003 - 8 AZR 486/02 - AP BGB § 611 Haftung des Arbeitgebers Nr. 27 mwN).
Geltend gemacht werden können Schadensersatzforderungen, sobald der Gläubiger in der Lage ist, sich den erforderlichen Überblick ohne schuldhaftes Zögern zu verschaffen und seine Forderungen wenigstens annähernd zu beziffern (BAG 17. Juli 2003 - 8 AZR 486/02 - AP BGB § 611 Haftung des Arbeitgebers Nr. 27 mwN; 27. Oktober 2005 - 8 AZR 3/05 - AP BGB § 310 Nr. 5 = EzA TVG § 4 Ausschlussfristen Nr. 181).
Dementsprechend ist der Gläubiger grundsätzlich verpflichtet, bei der Geltendmachung auch zumindest die ungefähre Höhe seiner Forderung zu nennen (BAG 17. Juli 2003 - 8 AZR 486/02 -aaO).
Das ist z. B. dann der Fall, wenn der Arbeitgeber bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt hätte erkennen können, dass eine von ihm ausgesprochene Kündigung unwirksam ist, also ein Verstoß gegen die objektive Sorgfaltspflicht besteht (BAG, Urteil vom 17.07.2003 - 8 AZR 486/02 - in: AP Nr. 27 zu § 611 Haftung des Arbeitgebers;… Urteil vom 20.06.2002 - 8 AZR 488/01 - in: NZA 03, S. 268 ff; Urteil vom 17.02.1994 - 8 AZR 275/92 - in: AP Nr. 2 zu § 286 BGB).
Entscheidend ist, ob er unter Berücksichtigung der höchstrichterlichen Rechtsprechung mit vertretbaren Gründen zu der Annahme gelangen durfte, die Kündigung werde sich als rechtswirksam erweisen (BAG, Urteil vom 17.07.2003, a. a. O.; Urteil vom 13.06.2002 - 2 AZR 391/01- in: AP Nr. 97 zu § 615 BGB; Urteil vom 22.03.2001 - 8 AZR 586/00 -in: EzBAT Nr. 31 zu § 8 BAT Schadensersatzpflicht des Arbeitgebers).
Das ist z.B. dann der Fall, wenn der Arbeitgeber bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt hätte erkennen können, dass die Kündigung unwirksam ist (BAG vom 22.03.2001, aaO., vom 17.07.2003, 8 AZR 486/02, AP Nr. 27 zu § 611 BGB Haftung des Arbeitgebers).
Denn eine (schriftliche) Geltendmachung nach § 37 Abs. 1 TV-L setzt voraus, dass die Art und die ungefähre Höhe des geltend gemachten Anspruches bezeichnet werden (BAG v. 17.7. 2003 - 8 AZR 486/02, AP BGB § 611 Haftung des Arbeitgebers Nr. 27; BAG v. 17.5. 2001 - 8 AZR 366/00, NZA 2002, 910;… Burger/ Dick , a.a.O. § 37 Rz. 22;… Bepler/Böhle/Meerkamp/Stöhr/ Bepler, a.a.O., § 37 Rz. 28;… Fieberg in: Fürst, a.a.O., § 37 Rz. 89;… Bredemeier/Neffke/Cerff/Weizenegger/ Neffke , TVöD/TV-L, 1. Aufl., § 37 Rz. 18).
Das ist zB dann der Fall, wenn der Arbeitgeber bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt hätte erkennen können, dass die Kündigung unwirksam ist (BAG 17. Juli 2003 - 8 AZR 486/02 - AP Nr. 4 zu § 276 BGB; 20. Juni 2002 - 8 AZR 488/01 - EzA BGB § 611 Arbeitgeberhaftung Nr. 11; 22. März 2001 - 8 AZR 536/00 - EzBAT § 8 BAT Schadensersatzanspruch des Arbeitgebers Nr. 31)), also ein Verstoß gegen die objektive Sorgfaltspflicht besteht (BAG 17. Februar 1994 - 8 AZR 275/92 - AP Nr. 2 zu § 286 BGB).
Die Beklagte konnte ermitteln, was auf sie zukam (vgl. BAG Urteil vom 07. Juli 2003 - 8 AZR 486/02 - AP Nr. 27 zu § 611 BGB Haftung des Arbeitgebers; BAG Urteil vom 10. Oktober 1984 - 5 AZR 557/81 - veröffentlicht in juris ).
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