Source: https://vaz.mediaweb.at/texte/pfg.shtm
Timestamp: 2020-07-02 16:15:57
Document Index: 370572039

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 1', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 4', '§ 9']

Entwurf: Bundesgesetz über die Förderung der Presse
Bundesgesetz vom ... über die Förderung der Presse
(Presseförderungsgesetz 1995)
erstellt im Auftrag der Grünen Bildungswerkstatt Tirol von Robert Zöchling. Endgültige Fassung vom 19.09.1994
Bestands- und Gründungsförderung
Verfahren zur Förderung gemäß den Abschnitten II bis IV
Verfahren zur Förderung gemäß Abschnitt V
Erschleichung von Förderungsmitteln, Strafbestimmung
Erläuterungen – Allgemeiner Teil
Grundzüge des vorliegenden Entwurfs
Erläuterungen – Besonderer Teil
Druckmedium: jedes Mittel zur Verbreitung von Mitteilungen oder Darbietungen mit gedanklichem Inhalt im Wege der Massenherstellung in einem Druck- oder ähnlichen Vervielfältigungsverfahren;
Tageszeitung: ein Druckmedium, das mindestens 125mal jährlich erscheint;
Wochenzeitung: ein Druckmedium, das mindestens 25mal und höchstens 124mal jährlich erscheint;
Zeitschrift: ein Druckmedium, das mindestens 4mal und höchstens 24mal jährlich erscheint;
Entgeltliche Veröffentlichung: jede Ankündigung oder Empfehlung sowie jeder sonstige Beitrag und Bericht, für dessen Veröffentlichung ein Entgelt geleistet wird;
Gesamtumfang: die Seitenzahl eines Druckwerkes einschließlich Umschlag;
Anzeigenanteil: der Anteil der Seitenfläche der entgeltlichen Veröffentlichungen an der gesamten Seitenfläche einschließlich Umschlag;
Redaktioneller Anteil: der Anteil der redaktionell gestalteten Seitenfläche an der gesamten Seitenfläche einschließlich Umschlag;
Förderungsjahr: das Kalenderjahr, für das Förderung beantragt wird;
Vorjahr: das dem Förderungsjahr vorangegangene Kalenderjahr;
Vertriebsauflage: die Anzahl der tatsächlich in Verkehr gebrachten Exemplare.
Abschnitt II – Tageszeitungen
3. Förderungsmittel sind nach Maßgabe der Bestimmungen dieses Bundesgesetzes an Verleger von Tageszeitungen auf deren Verlangen zu gewähren, sofern diese Zeitungen die folgenden Voraussetzungen erfüllen:
ihre mittlere Druckauflage je Ausgabe darf im Vorjahr 90.000 Exemplare nicht überstiegen haben;
ihr Anzeigenanteil darf im Vorjahr 20 vH nicht überstiegen haben.
Es wird ein Einheitssatz der Förderung pro Seite errechnet. Erforderlichenfalls sind den unterschiedlichen Zeitungsformaten entsprechende, unterschiedliche Einheitssätze festzulegen.
Der auf die einzelne Zeitung entfallende Förderungsbetrag ergibt sich aus der Multiplikation des Einheitssatzes mit dem redaktionellen Umfang des Vorjahres und der Multiplikation des sich daraus ergebenden Betrages mit dem als Teil von Eins ausgedrückten redaktionellen Anteil aller Ausgaben des Vorjahres.
Abschnitt III – Wochenzeitungen
ihre mittlere Druckauflage je Ausgabe darf im Vorjahr 40.000 Exemplare nicht überstiegen haben;
ihr Anzeigenanteil darf im Vorjahr 30 vH nicht überstiegen haben.
Der auf die einzelne Zeitung entfallende Förderungsbetrag ergibt sich aus der Multiplikation dieses Einheitssatzes mit dem redaktionellen Umfang des Vorjahres und der Multiplikation des sich daraus ergebenden Betrages mit dem als Teil von Eins ausgedrückten redaktionellen Anteil aller Ausgaben des Vorjahres.
Abschnitt IV – Zeitschriften
ihre mittlere Druckauflage je Ausgabe darf im Vorjahr 25.000 Exemplare nicht überstiegen haben;
Es wird ein Einheitssatz der Förderung pro Seite errechnet. Erforderlichenfalls sind den unterschiedlichen Zeitschriftenformaten entsprechende, unterschiedliche Einheitssätze festzulegen.
Der auf die einzelne Zeitschrift entfallende Förderungsbetrag ergibt sich aus der Multiplikation dieses Einheitssatzes mit dem redaktionellen Umfang des Vorjahres und der Multiplikation des sich daraus ergebenden Betrages mit dem als Teil von Eins ausgedrückten redaktionellen Anteil aller Ausgaben des Vorjahres.
Abschnitt V – Bestands- und Gründungsförderung
Abschnitt VI – Verfahren zur Förderung gemäß den Abschnitten II bis IV
30 vH für die Förderung gemäß Abschnitt II
30 vH für die Förderung gemäß Abschnitt III
40 vH für die Förderung gemäß Abschnitt IV
vom Bundeskanzler aus dem Kreis der mit Publizistik- und Kommunikationswissenschaften bzw. Medienökonomie befaßten Wissenschafterinnen und Wissenschafter
vom Verband österreichischer Zeitungsherausgeber und Zeitungsverleger
vom österreichischen Zeitschriftenverband
von der Vereinigung alternativer Zeitungen und Zeitschriften
von der für die journalistischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Druckmedien zuständigen Gewerkschaft
Diese zehn Mitglieder haben sich binnen einer Woche auf einen Vorsitzenden oder eine Vorsitzende zu einigen, widrigenfalls dieser oder diese vom Präsidium des österreichischen Rechtsanwaltskammertages binnen weiterer zwei Wochen zu bestimmen ist.
Die Kommission kann ihren Beratungen Auskunftspersonen beiziehen.
Abschnitt VII – Verfahren zur Förderung gemäß Abschnitt V
um die vom Österreichischen Statistischen Zentralamt ermittelte Inflationsrate
um den Betrag jener gemäß den Bestimmungen dieses Absatzes im Vorjahr vorgesehen gewesenen Mittel, die nicht widmungsgemäß für die Förderung gemäß den Abschnitten II bis IV verwendet werden konnten.
zu 35 vH für die Förderung von Tageszeitungen
zu 35 vH für die Förderung von Wochenzeitungen
zu 30 vH für die Förderung von Zeitschriften
Abschnitt VIII – Erschleichung von Förderungsmitteln, Strafbestimmung
das Presseförderungsgesetz 1985, BGBl. Nr. 538/1984.
der Abschnitt II des Bundesgesetzes über die Förderung politischer Bildungsarbeit und Publizistik 1984, BGBl. Nr. 369/1984.
Öffentlichkeit ist nicht bloß eine für eine demokratische Republik wünschenswerte Bereicherung, sondern ein für deren Konstitution unverzichtbares – wahrscheinlich ihr wichtigstes – Element. Welchen Sinn hat es, von öffentlichen Angelegenheiten überhaupt noch zu reden, wenn die Information und die Möglichkeit zur Meinungsbildung über diese Angelegenheiten derart eingeschränkt sind, daß sie eigentlich schon zu privaten Angelegenheiten von Lobbys und Funktionären geworden sind? Der ursprüngliche Schutz der Presse vor staatlicher Zensur stellt jedoch keinerlei Schutz vor der heute weit fortgeschrittenen Privatisierung der öffentlichen Auseinandersetzung durch "leistungsfähige" betriebswirtschaftliche Einheiten oder gesellschaftliche Großorganisationen dar. Mit anderen Worten: "Die Pressefreiheit wurde ursprünglich als gegen den Staat durchzusetzendes Grundrecht konzipiert. Heute stellt sie sich auch als Problem des Schutzes gegen bestimmte wirtschaftliche Vorgänge und publizistische Macht gesellschaftlicher Gruppen. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass die Zahl der Zeitungen und Zeitschriften abnimmt und dass regionale Monopole in der kontinuierlichen Berichterstattung ins Blickfeld rücken." (Presserecht, Presseförderung – Bericht der Expertenkommission für die Revision von Artikel 55 der Bundesverfassung vom 1. Mai 1975, Abschnitt 37: "Zusammenhänge zwischen Presseförderung und Pressefreiheit", herausgegeben vom Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement, Bern 1975, Seite 34. Siehe auch: Robert Zöchling: Schluß mit dem Gerede!, JURIDIKUM-THEMA 2/91 "Die Freiheit von Inhalt", Seite 29).
Wir müssen also davon ausgehen, daß es zur Gewährleistung der in einer demokratischen Gesellschaft wünschenswerten "Verbreitung von Mitteilungen oder Darbietungen mit gedanklichem Inhalt in Wort, Schrift, Ton oder Bild" (Mediengesetz 1981) und zur Herstellung der "vollen Freiheit der Medien" mit der Aussicht auf "freie Meinungsäußerung und Information" (Mediengesetz 1981) nicht ausreicht, die Medien vor staatlichen "Beschränkungen der Medienfreiheit" in Schutz zu nehmen. Wir halten es in der gegenwärtigen Situation der sogenannten "Medienlanschaft" für noch weitaus dringender geboten, die Medien vor der vollständigen Unterordnung ihrer Darbietungen unter Vermarktungsinteressen zu schützen, da die Vermarktung nach aller Erfahrung der letzten Jahrzehnte die Vernichtung von Inhalten mit sich bringt, jedenfalls aber zu den in Österreich in den letzten Jahrzehnten zu verzeichnenden Konzentrationsprozessen führt und damit zu einem gefährlichen Verlust an Meinungsvielfalt und -freiheit.
Auf den in diesem Licht offensichtlichen Widersinn der derzeitigen Regelung des Presseförderungsgesetzes wurde in der wissenschaftlichen Literatur wie in der politischen Diskussion zu diesem Thema bereits hinreichend hingewiesen. Zuletzt auf sehr zurückhaltende Weise in einer von BM für Wissenschaft und Forschung in Auftrag gegebenen Studie: "(...) Das heißt, auch Zeitungen, die keine ökonomischen Probleme haben, werden unterstützt; eine Pressekonzentration hemmende Wirkung kann bei einem solchen Vorgehen nicht erreicht werden. Da neben der direkten Förderung eine Vielzahl indirekter Maßnahmen zur Erleichterung der ökonomischen Situation der Presse besteht, die sich meist für Zeitungen mit hoher Auflage stärker auswirken als für kleinere Blätter (Mehrwertsteuer, Werbeaufkommen durch Begrenzung der Rundfunkwerbung, günstige Tarife bei Postdiensten), profitieren große Zeitungen erheblich mehr als kleinere." (Christina Holtz-Bacha: Presseförderung im westeuropäischen Vergleich (Teil III.3 des Forschungsprogramms "Ökonomie und Zukunft der Printmedien"), Bochum 1992/93, Seite 159). Auch die Förderung "staatsbürgerlich bildender" Zeitschriften, wie sie derzeit im "Bundesgesetz über die Förderung politischer Bildungsarbeit und Publizistik" geregelt ist, muß heute als zumindest unzeitgemäß, außerhalb jedes adäquaten Sachzusammenhangs stehend und der Bedeutung und Vielfalt der nicht täglich oder wöchentlich erscheinenden Presse völlig unangemessen bezeichnet werden (Siehe z.B. Konstantin Drobil: Die Alternativpresse in Österreich, Eine Untersuchung der ökonomischen Strukturen und der staatlichen Rahmenbedingungen anhand einer repräsentativen Erhebung 1992, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Grund- und Integrativwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, Oktober 1993. Siehe auch Robert Zöchling: Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig – Hunderte Millionen und keine Förderung, JURIDIKUM-THEMA 2/91, Seite 30ff).
Jegliche Verlagsförderung ist auf die Kompensation oben erwähnter "Marktschwäche" auszurichten. Ein (gemessen an anderen in Frage kommenden Kriterien) relativ einfach und verläßlich numerisch feststellbares Indiz für das Verhältnis von "Ausrichtung auf eine öffentliche Aufgabe" zu "Ausrichtung auf kommerziellen Erfolg" ist das Verhältnis des redaktionellen Umfangs zum Anzeigenumfang. Dabei ist zu beachten, daß eine Förderung anzeigenschwacher Medien nicht zu einer Förderung von Anzeigenschwäche werden soll, eine Vermehrung des Anzeigenaufkommens also lohnender sein sollte als die Inanspruchnahme staatlicher Förderung.
Es ist kein vernünftiger Grund dafür auszumachen, daß staatliche Förderungsmaßnahmen sich – wie derzeit – ausschließlich oder beinahe ausschließlich auf die Tages- und Wochenpresse richten sollten. Gerade die Vielfalt thematisch spezialisierter, in größeren Zeitabständen erscheinender Druckmedien bietet heute Möglichkeiten zur Wiedergewinnung einer Informationsvielfalt und Meinungsfreiheit, die durch die Tages- und Wochenpresse allein nicht hergestellt werden kann. Die Zeitschriften müssen einen ihrer demokratiepolitischen Bedeutung und ihrem strukturellen Förderungsbedarf entsprechenden Anteil an staatlichen Förderungsprogrammen erhalten.
Anbeträchtlich der Rasanz von Konzentrationsprozessen am Medienmarkt und der – auch mangels bisheriger adäquater Förderung – strukturellen ökonomischen Schwäche förderungswürdiger Medien, kann eine Förderung auf neuer Grundlage nur sinnvoll sein, wenn begleitende Maßnahmen zur Existenzsicherung von einstellungsbedrohten Medien vorgesehen werden.
Die bloße Zielsetzung, das bestehende – bereits demokratiegefährdend geringe – Maß an Informationsvielfalt und Meinungsfreiheit zu sichern, käme einer Bankrotterklärung staatlicher Medienpolitik gleich. Der Versuch einer Wiederherstellung der Medienvielfalt durch Maßnahmen der Gründungsförderung ist heute unerläßlich.
Grundsätzlich gelten für alle Printmedien die gleichen Kriterien der Förderungswürdigkeit und der Förderungsbemessung. Die Förderungswürdigkeit wird einheitlich
an ein notwendiges Minimum inhaltlicher Kriterien unter dem Aspekt der zu fördernden öffentlichen Aufgabe
an ein notwendiges Minimum wirtschaftlicher Kriterien unter dem Aspekt des Förderungsbedarfs
geknüpft. Es wurden lediglich in für die Bewertung der Konkurrenzsituation unerläßlichen Punkten unterschiedliche "Kennzahlen" für Tages- und Wochenzeitungen bzw. Zeitschriften (betreffend Auflagenzahlen und Anzeigenanteil) vorgesehen. Es wurde hingegen bei den inhaltlichen Kriterien der Förderungswürdigkeit das bisher bestehende unterschiedliche "Anforderungsprofil" an Tages-/Wochenzeitungen ("Presseförderung") einerseits und Zeitschriften ("Publizistikförderung") andererseits mangels erkennbarer sachlicher Rechtfertiugung aufgegeben.
Gegenstand der Förderung ist die erbrachte publizistische Leistung ausgedrückt in redaktionell gestalteten Seiten. Die staatliche Förderung soll somit einen Deckungsbeitrag zu den fixen Kosten der Produktion redaktioneller Zeitungs- und Zeitschriftenseiten darstellen, die ja grundsätzlich unabhängig von der Auflage sind. Die derzeitige Regelung des Presseförderungsgesetzes wie auch Förderungsregelungen in anderen europäischen Ländern sehen eine Zuteilung von Förderungsmitteln nach gedruckten oder in Verkehr gebrachten oder verkauften Exemplaren vor. Mögen diese Ansätze auch in ihrem Ursprung plausibel scheinen (etwa: als Beteiligung an den Druckkosten oder als Rückerstattung der beim Verkauf vereinnahmten Umsatzsteuer), so läßt sich bei näherer Betrachtung kein vernünftiger Grund dafür finden, Auflagenzahlen zu fördern – diese fördern sich selbst. Bei der Ermittlung des Umfangs in Seiten wurde als notwendiges sachliches Differenzierungskriterium die Existenz unterschiedlicher Formate berücksichtigt.
Die Regelung ist so einfach wie möglich gehalten: Dies in der Erwägung, daß weder eine ausgedehntere Formulierung der inhaltlichen Kriterien der Förderungswürdigkeit noch eine ausführlichere, dafür notwendig unschärfere, Formulierung von Kriterien für die Förderungszumessung eine sachgerechtere oder "objektivere" Förderungsallokation mit Sicherheit gewährleisten würden. Die vorliegende Regelung sieht einen an möglichst strikt formalen, einfach und soweit möglich anhand der vorliegenden Druckwerke selbst überprüfbaren Förderungszugangs- und Zumessungskriterien orientierten Berechnungsmodus vor, wodurch politische Entscheidungsspielräume in der Durchführung des Gesetzes vermieden werden und der gerade in diesem Bereich wünschenswerten Rechtssicherheit (hier auch: Kalkulierbarkeit) gedient wird (Siehe dazu die Kritik am bestehenden System von Christina Holtz-Bacha, op.cit., Seite 158).
Hinsichtlich der Bestands- und Gründungsförderung werden keine näheren Bestimmungen der möglichen Verwendungszwecke von Förderungsmitteln bzw. besonderer, förderbarer Maßnahmen getroffen. Auch hinsichtlich der Form der Förderung werden alle in Frage kommenden Varianten (von Kreditgarantien über Kreditgewährung bis zu Geldzuwendungen) offengehalten. Dies in der Erwägung, daß auch in der Literatur zu diesem Thema zwar auf verschiedene "gelungene" spezielle Förderungsmaßnahmen etwa für die Kooperation von Verlagen im Vertriebs- oder Herstellungsbereich in verschiedenen europäischen Ländern hingewiesen wird, dabei jedoch unklar bleibt, welchen Nutzen solche Spezialförderungen unter den Bedingungen der Österreichischen Medienökonomie erbringen könnten. Dies auch in Ermangelung entsprechender Erhebungen und wissenschaftlicher Untersuchungen. Der vorliegende Entwurf beschränkt sich daher
auf das Erfordernis, den Förderungsnutzen mittels eines entsprechenden verlegerischen Konzeptes im Einzelfall glaubhaft zu machen.
auf die Möglichkeit, die Förderungsgewährung mit Bedingungen und Auflagen in wirtschaftlicher Hinsicht zu verbinden.
Bestimmte über eine direkte Verlagsförderung unter dem Gesichtspunkt der Medienvielfalt hinausgehende Instrumente der Presseförderung wurden hier nicht berücksichtigt, da sie systematisch anderen Materien angehören und den Rahmen der vorliegenden Regelung sprengen würden. So wäre etwa die Frage nach verbesserten Zugangsbedingungen zum tariflich begünstigten Postzeitungsversand für kleine Medien im Rahmen der Postordnung zu beantworten (ein gewichtiges Argument für eine großzügigere Regelung wären die bestehenden, überaus großzügigen Zugangsbestimmungen für Medien, die von politischen Parteien herausgegeben werden). Eine besonders für die Zeitschriftensparte unter dem Aspekt der vielfach beklagten Enge des Inlandsmarktes sicherlich wünschenswerte Förderung des Auslandsvertriebs würde einerseits ebenfalls eher in diesen Zusammenhang gehören, andererseits ist fraglich, ob nicht durch den EU-Beitritt Österreichs in diesem Bereich ohnehin eine Kostenerleichterung geschaffen wird, insofern österreichische Zeitschriften in anderen EU-Ländern in den Genuß der dort vorgesehenen Postzeitungstarife kommen könnten ("Bei den bevorzugten Posttarifen in Frankreich waren früher ausländische Publikationen ausgeschlossen. Der Europäische Gerichtshof kritisierte jedoch 1985 diese Diskriminierung als nicht vereinbar mit den Römischen Verträgen. Die französische Gesetzgebung wurde daraufhin geändert, seitdem gelten für Publikationen aus Mitgliedsländern der Europäischen Gemeinschaft, die in Frankreich vertrieben werden, dieselben Tarife wie für die einheimische Presse." Christina Holtz-Bacha, op.cit., Seite 39). Die ebenfalls wünschenswerte Förderung der Schaffung von journalistischen Arbeitsplätzen oder die Verbesserung der Stellung freier MitarbeiterInnen und freier AutorInnen in Zeitschriften gehört eher in den Bereich der Arbeitsmarktpolitik bzw. der Sozialpolitik. Der vorliegende Entwurf sieht lediglich eine Förderung der Verlage nach dem hauptsächlichen Kriterium des redaktionellen Aufwandes im Allgemeinen vor und sollte somit tendenziell auch die entsprechende Beschäftigung redaktioneller MitarbeiterInnen begünstigen.
Der Entwurf bemüht sich, Regelungselemente aus dem bisherigen Presseförderungsgesetz (vor allem aus dem Abschnitt "Besondere Förderung...") zu integrieren, soweit dies sachlich mit der Neufundierung des gesamten Instrumentes vereinbar ist, um das sohin mögliche Höchstmaß an Kontinuität herzustellen, das für die bisher mit der Presseförderung Befaßten und von ihr begünstigten Medien sicherlich wünschenswert ist.
Hinsichtlich des finanziellen Aufwandes für die "neue" Presseförderung ist zu sagen, daß mit für das erste Förderungsjahr vorgesehenen 335 Mio. Schilling für die "laufende" Förderung nur wenig mehr Aufwand vorgesehen ist als bisher, eine Verbesserung der Sinnhaftigkeit und Effizienz der Presseförderung also nicht hauptsächlich durch zusätzliche Budgetbelastung, sondern durch eine bessere – d.h. sachgerechte – Zuteilung von Förderungsmitteln erreicht werden soll. Eine wirklich deutliche Mehrbelastung für den Bundeshaushalt ergibt sich aus dem zusätzlichen Erfordernis der Bestands- und Gründungsförderung zur Wiedergewinnung einer Medienvielfalt, die in den vergangenen Jahren auch infolge der Abwesenheit staatlicher Medienpolitik verlorenging.
Es bestehen derzeit keine Regelungen der EU betreffend die Förderung von Medien durch die einzelnen Mitgliedstaaten. Wie aus einem Entschließungsantrag des Ausschusses für Kultur, Jugend, Bildung und Medien des Europäischen Parlaments vom 14. April 1992 hervorgeht, wird eine solche Regelung seitens der EU in absehbarer Zeit auch nicht zu erwarten sein: "(...) Ebenso fallen die zahlreichen und verschiedenen Beihilfen, die die Staaten ihren Presseunternehmen mit Blick auf die Wahrung des Pluralismus gewähren, nicht unter die Gemeinschaftsvorschriften, weil sie auf Gemeinschaftsebene keine Wettbewerbsverzerrungen verursachen." (Europäisches Parlament, Sitzungsdokumente, Ausgabe in deutscher Sprache vom 27. April 1992, Nr. A3-0153/92: Bericht des Ausschusses für Kultur, Jugend, Bildung und Medien über Medienkonzentration und Meinungsvielfalt, Seite 17.)
Die Formulierung ist an die derzeitige Bestimmung des Presseförderungsgesetzes 1985, § 2 Abs.1 Z 1 zweiter Halbsatz, angelehnt. Mit der Erweiterung des Begünstigtenkreises auf solche Medien, die politische, wirtschaftliche und kulturelle Fragen nicht bloß "journalistisch" sondern auch wissenschaftlich behandeln, sollen auch jene Medien in den Geltugsbereich dieses Gesetzes einbezogen werden, die bisher von der sog. "Publizistikförderung" erfaßt wurden. Durch die hier vorgeschlagene, ein insgesamt breiteres Spektrum von inhaltichen "Zugängen" und Darstellungsformen erfassende, Formulierung soll auch eine größere Vielfalt der Information und Meinungsbildung insofern gefördert werden, als sie etwa eine "Verwissenschaftlichung" journalistischer Arbeit ebenso begünstigt wie eine "Veröffentlichung" wissenschaftlicher Arbeit. Mit der Formulierung "in einer demokratischen Gesellschaft wünschenswerte Information und Meinungsbildung" sollen solche Medien von der Förderungswürdigkeit ausgenommen werden, deren Inhalt jenem öffentlichen Interesse, in dem die Presseförderung nach diesem Entwurf begründet ist, entgegenwirken, die also eine gegen Demokratie und Freiheit der Information und Meinungsäußerung gerichtete Blattlinie verfolgen. Es wurde während der Erarbeitung dieses Entwurfes auch von verschiedenen Seiten angeregt, konkretere Ausschließungskriterien anzuführen – etwa anhand der Begriffe "Rechtsextremismus", "Wiederbetätigung", "Rassismus" u.dgl.. Es erscheint jedoch plausibler, ein ausschließendes Kriterium am hier verfolgten Regelungszweck zu orientieren, der durch die Förderungsgewährung selbst nicht unterlaufen werden soll.
Publikationen, die ausschließlich der Unterhaltung, der Freizeitplanung u.ä. dienen, sind schon von der Formulierung des § 1 Abs. 2 lit. a) nicht umfaßt – bei "Mischformen" (etwa Zeitschriften mit "Freizeitkalender" o.ä.) soll anhand des Überwiegens "staatsbürgerlicher Information" bzw. "unterhaltender Inhalte" entschieden werden. Die Förderung von Religionsgemeinschaften ist nicht Gegenstand des hier entworfenen Bundesgesetzes – es kann auch davon ausgegangen werden, daß die Verbreitung religiöser Inhalte in Österreich keiner zusätzlichen Förderung bedarf.
Eine solche "Anti-Dumping-Klausel" ist bereits im bestehenden Presseförderungsgesetz (§ 7 Abs.2 Z 5) vorgesehen. Auch das Bundesgesetz über die Förderung politischer Bildungsarbeit und Publizistik kennt eine Bestimmung, die gegen die Förderung von überwiegend gratis abgegebenen Zeitschriften gerichtet ist (§ 7 Abs.1 Z 1). Da im vorliegenden Entwurf die Auflage eines Druckmediums nicht zu den Förderungskriterien zählt, reduziert sich die Bedeutung der Frage des Verkaufspreises bzw. der Verkaufserlöse auf die Frage nach der Konkurrenzierung anderer förderungswürdiger Medien. Ausschließlich gegen eine solche "Dumpingstrategie" richtet sich daher die hier vorgeschlagene Formulierung.
Zum Abschnitt I – Begriffsbestimmungen
Zum Abschnitt II – Tageszeitungen
Entspricht der derzeit für die "Besondere Förderung" des Presseförderungsgesetzes geltenden Begrenzung des Anzeigenanteils (§ 7 Abs.2 Z 6).
Zum Abschnitt III – Wochenzeitungen
Zum Abschnitt IV – Zeitschriften
Zum Abschnitt V – Bestands- und Gründungsförderung
Die hier vorgeschlagene "Bestandsförderung" ist als eine Art "Krisenintervention" gestaltet, das heißt es sollen von der Einstellung bedrohte Medien durch entsprechende Überbrückungs- oder Investitionshilfen gestützt werden, soferne durch ihre Einstellung eine "Lücke" in der Medienlandschaft entstehen würde, die durch die verbliebenen Medien nicht zu schließen wäre. Dabei wird auch zu berücksichtigen sein, daß selbst bei Vorhandensein anderer Medien mit ähnlicher Themenwahl und Zielgruppe eine nachhaltige Beeinträchtigung der Informations- und Meinungsvielfalt etwa durch den Wegfall bestimmter inhaltlicher Positionen oder bestimmter Darstellungsformen entstehen kann, die die Bestandsförderung für ein Medium auch und gerade dann rechtfertigen kann, wenn im gleichen "Segment" auch noch andere Publikationen existieren. Eine generelle Förderung von Investitionen auch ohne Vorliegen einer aktuellen Einstellungsgefahr – etwa zur Modernisierung der Produktion, zur Verbesserung der redaktionellen Ausstattung oder im vertrieblichen Bereich – werden hier nicht vorgeschlagen, da der strukturelle Bedarf an und die möglichen Auswirkungen von derartigen Förderungsprogrammen für Österreich nicht geklärt sind und ohne eine solche Klärung die Gefahr einer dem Förderungszweck zuwiderlaufenden Allokation von Bundesmitteln besteht.
Zum Abschnitt VI – Verfahren zur Förderung gemäß den Abschnitten II bis IV
Für die Presseförderung gemäß dem Presseförderungsgesetz wurden 1993 rund 300 Mio. Schilling aufgewendet, für die sog. "Publizistikförderung" trotz einer Erhöhung des Budgets im Jahr 1993 vernachlässigenswerte ca. 8 Mio. Schilling. Der hier vorgeschlagene Betrag von 335 Mio. Schilling, das entspricht ca. 0,5 vT der für 1994 veranschlagten Bundesausgaben, hält sich somit weitgehend im Rahmen der bisherigen Größenordnung. Die Festlegung des Betrages sowie der jährlichen Inflationsanpassung entspricht dem vielfach geäußerten und von Gesetzgeber und Regierung auch bereits anerkannten Bedürfnis nach besserer Kalkulierbarkeit der Presseförderung.
Diese Bestimmung entspricht dem § 4 Abs.2 des derzeit geltenden Presseförderungsgesetzes. Davon abweichend sieht das Bundesgesetz über die Förderung politischer Bildungsarbeit und Publizistik derzeit eine vorgängige Befassung der Kommission und Beschlußfassung der Bundesregierung unter Bedachtnahme auf deren Empfehlung vor. Aufgrund des hier vorgesehenen gleichartigen und vor allem im Vergleich zur derzeitigen "Publizistikförderung" von weniger unbestimmten Gesetzesbegriffen determinierten Beurteilungs- und Berechnungsmodus für alle Medien wird hier – auch mit Rücksicht auf die nach diesem Entwurf weit größere Gesamtzahl der Anträge, mit der sich eine einzige Kommission konfrontiert sähe – dem Mechanismus des derzeit geltenden Presseförderungsgesetzes der Vorzug gegeben.
Derzeit ist in § 9 Abs.1 Z 3 des Bundesgesetzes über die Förderung politischer Bildungsarbeit und Publizistik die Teilnahme eines "Vertreters der publizistischen Wissenschaften an den österreichischen Universitäten" und für dessen Bestellung ein vorgängiges Auswahlverfahren durch eine gemeinsame Konferenz der Institute für Publizistikwissenschaften vorgesehen. Auf dieses aufwendige Vorschlagsverfahren wurde hier verzichtet, dafür wurde die Möglichkeit eröffnet, auch Wissenschafterinnen oder Wissenschafter zu bestellen, die sich außerhalb der Institute für Publizistik und Kommunikationswissenschaft mit Medienökonomie beschäftigen, da diese spezielle Qualifikation für die Arbeit im hier vorgesehenen Beirat von entscheidender Bedeutung sein wird.
Es kann infolge der in den Abschnitten II bis IV vorgesehen Höchstgrenzen für Förderungsbeträge in Verbindung mit einem Mangel an förderungswürdigen Förderungswerbern dazu kommen, daß die im Bundesfinanzgesetz vorgesehenen Mittel für die "laufende" Förderung nicht ausgeschöpft werden können. Es scheint im Falle eines solchen Mangels an förderungswürdigen Medien angebracht, diese verbliebenen Mittel für die Förderung der Gründung förderungswürdiger Medien zu verwenden.