Source: https://ht-strafrecht.de/strafrecht/taetigkeitsfelder/allgemeines-strafrecht-ueberblick/raubdelikte/
Timestamp: 2018-07-23 15:43:22
Document Index: 229409055

Matched Legal Cases: ['§ 249', '§ 253', '§ 252', '§ 250', '§ 250', '§ 316', '§ 239', '§ 249', '§ 242', '§ 253', '§ 252', '§ 316', '§ 251', '§ 250']

Raubdelikte - HT-Strafrecht
Raubbdelikte
Raub gem. § 249 StGB sowie die räuberische Erpressung gem. §§ 253, 255 StGB sowie räuberischer Diebstahl gem. § 252 StGB stellen bereits Verbrechenstatbestände dar. Im Unterschied zu Vergehen werden Verbrechen mit einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr bestraft. Der Strafrahmen reicht bei den genannten Delikten bis zu fünfzehn Jahren.
Führt der Täter bei der Begehung seines Raubes eine Waffe oder ein gefährliches Werkzeug mit sich, handelt es sich um einen schweren Raub gem. § 250 Abs. 1 StGB. Die Mindestfreiheitsstrafe beträgt in diesem Fall drei Jahre, was bedeutet, dass eine verhängte Freiheitsstrafe nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden kann, da dies ist nur bis zu einer Strafe von zwei Jahren möglich ist.
Einen besonders hohen Strafrahmen hat der Gesetzgeber bei den Delikten des besonders schweren Raubes gem. § 250 Abs. 2 StGB, des räuberischen Angriffs auf Kraftfahrer gem. § 316a StGB sowie dem erpresserischen Menschenraub gem. § 239a StGB festgelegt: Hier wird bei Verurteilung eine Freiheitsstrafe von fünf bis zu fünfzehn Jahren verhängt.
Welche Merkmale kennzeichnen Raubdelikte und wo bestehen Unterschiede?
Ein Raub gem. § 249 StGB setzt die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache voraus. Im Unterschied zum Diebstahl gem. § 242 StGB erfolgt die Wegnahme allerdings durch Nötigung. Diese kann entweder durch tatsächlich ausgeübte Gewalt erfolgen, es genügt aber bereits die bloße Androhung.
Als Beispiele für ein Raubdelikt kommen „Klassiker“ wie Überfälle auf Geschäfte oder Personen in Betracht, bei denen die Täter gegen den Willen des Opfers Gegenstände (z.B. Geldbörse oder Waren) wegnehmen. Allerdings gibt es auch vermeintlich weniger schwerwiegende Taten, bei denen der Tatbestand des Raubes erfüllt sein kann, beispielsweise das unter Jugendlichen verbreitete sogenannte „Abziehen“ von Smartphones unter Androhung oder Anwendung von Gewalt.
Der Raub ist laut höchstrichterlicher Rechtsprechung ein Sonderfall der räuberischen Erpressung. Die Voraussetzungen einer räuberischen Erpressung gem. §§ 253, 255 StGB können nämlich bereits deutlich leichter erfüllt sein: Unter diesem Tatbestand können auch Tathandlungen subsumiert werden, bei denen keine Sache als Objekt der Tat existiert. Ferner ist keine Wegnahme erforderlich, es genügt bereits die Herausgabe durch das Opfer. Auch eine räuberische Erpressung setzt allerdings Gewalt oder die Androhung einer Gefahr für Leib und Leben voraus, weiterhin muss seitens des Täters die Absicht bestehen, sich zum Nachteil des Opfers an der Tat zu bereichern.
Beispiel zur Abgrenzung zwischen Raub und räuberischer Erpressung:
Droht ein Täter einem Passanten, diesen zu schlagen, wenn er ihm nicht sein Mobiltelefon aushändigt, macht er sich wegen räuberischer Erpressung strafbar, wenn der Passant es ihm übergibt.
Droht der Täter dem Passanten hingegen, ihn zu schlagen und nimmt ihm anschließend gewaltsam sein Mobiltelefon ab, macht er sich wegen Raubes strafbar.
Ein räuberischer Diebstahl gem. § 252 StGB geht aus einer zunächst gewaltlosen Wegnahme des Tatobjekts, also einem Diebstahl hervor. Versucht das Opfer der Tat oder eine andere Person nach Vollendung, aber noch vor Sicherung der Beute, dem Täter die Beute wieder abzunehmen und wehrt sich der Täter gewaltsam dagegen, kann ein räuberischer Diebstahl vorliegen. Dies kann wiederum auch der Fall sein, wenn der Täter die Anwendung der Gewalt nur androht.
Beispiel: Der Täter, der zuvor aus einem Geschäft Waren gestohlen hat, trifft vor dem Geschäft auf einen Ladendetektiv, der versucht, ihm das Diebesgut wieder abzunehmen. Schlägt der Täter nun auf den Ladendetektiv ein, um im Besitz der Beute zu bleiben, macht er sich wegen räuberischen Diebstahls strafbar.
Sofern eine Person, die gerade ein Kraftfahrzeug steuert, zum Ziel des Raubes oder der Erpressung wird, kann der Tatbestand des räuberischen Angriffs auf Kraftfahrer gem. § 316 a StGB erfüllt sein.
Sofern das Raubopfer gar sein Leben bei der Tat verliert, ist auch eine Strafbarkeit wegen Raubes mit Todesfolge gem. § 251 StGB denkbar. Bemerkenswerterweise ist hier kein Tötungsvorsatz erforderlich, es reicht bereits aus, wenn der Täter die Todesfolge leichtfertig verursacht hat.
Was ist ein schwerer Raub beziehungsweise besonders schwerer Raub?
Von einem schweren Raub ist die Rede, wenn der Täter bei der Ausführung seines Raubes eine Waffe oder ein gefährliches Werkzeug mit sich führt. Hierfür ist es gerade nicht notwendig, dass der mitgeführte Gegenstand auch tatsächlich eingesetzt wird oder für das Opfer sichtbar ist. Fraglich ist hier oftmals die Eigenschaft eines Gegenstandes als gefährliches Werkzeug. Bei Vorliegen eines inneren Verwendungsvorbehaltes, also eines Missbrauchswillens, reicht bereits das Mitführen irgendeines, an sich nicht gefährlichen Werkzeugs aus. Hinsichtlich des gefährlichen Werkzeugs besteht auch innerhalb der Rechtsprechung teilweise Uneinigkeit, welche Anforderungen zu stellen sind, was diverse Ansatzpunkte für die spätere Strafverteidigung birgt. Der Tatbestand des schweren Raubes umfasst auch Bandentaten, bei denen der Täter die Tat unter Hilfe eines weiteren Bandenmitglieds ausführt.
Vom Straftatbestand des besonders schweren Raubes gem. § 250 Abs. 2 StGB sind Taten umfasst, bei denen der Täter ein gefährliches Werkzeug oder eine Waffe nicht bloß mit sich geführt, sondern diese bei der Tatausübung auch eingesetzt hat.
An welchen Stellen setzt die Verteidigungsstrategie bei Raubdelikten für gewöhnlich an?
Zunächst ist – wie bei jedem anderen Vorwurf – zu prüfen, ob die Täterschaft in Zweifel gezogen werden kann. Hierzu ist besonders entscheidend, dass der Beschuldigte keine Aussage im Rahmen einer polizeilichen Vernehmung macht. Oftmals sehen sich Beschuldigte zu einer voreiligen Aussage genötigt, weil vermeintlich zweifellos feststeht, dass sie an der vorgeworfenen Tat entweder beteiligt oder in jedem Fall unbeteiligt waren. In beiden Fällen ist eine solche vorschnelle Einlassung im Regelfall die Zerstörung späterer Verteidigungschancen. Besser ist die sofortige Konsultation eines Strafverteidigers. Oft können Verfahren auch in diesem Bereich schriftlich zur Einstellung gebracht werden allein weil ein Tatverdacht hinsichtlich der Täterschaft nicht besteht.
Darüber hinaus kann ein auf dem Gebiet des Strafrechts kompetenter Rechtsanwalt gezielt einzelne Raubmerkmale angegriffen werden.
Steht der Vorwurf eines besonders schwereren Raubes im Raum, ist besonders sogfältig zu prüfen, ob qualifizierende Merkmale in Zweifel gezogen werden können und Chancen auf einen Freispruch bestehen. Dies ist insbesondere für die Erarbeitung einer Verteidigungstaktik entscheidend, da die Chancen einer Strafmaßverteidigung bei einer Mindestfreiheitsstrafe von fünf Jahren begrenzt sind.
Wird bei dem Vorwurf eines Raubdelikts ein Pflichtverteidiger gestellt?
Anders als in anderen Ländern und entgegen der landläufigen Meinung richtet sich das Recht auf einen Pflichtverteidiger in Deutschland nicht nach der finanziellen Situation des Beschuldigten. Fälle der sogenannten notwendigen Verteidigung liegen nach deutschem Recht beispielsweise vor, wenn dem Beschuldigten ein Verbrechen vorgeworfen wird, die Tat vor dem Landgericht angeklagt oder Untersuchungshaft angeordnet wurde.
Bei Raubdelikten liegt immer ein Fall der notwendigen Verteidigung vor, was bedeutet, dass der Verteidiger seine Gebühren zunächst gegenüber der Staatskasse abrechnet.
Wenn Sie dazu aufgefordert werden, sich einen Pflichtverteidiger zu suchen, machen Sie von diesem Recht Gebrauch und wählen Sie sorgfältig einen auf die Strafverteidigung spezialisierten Fachanwalt aus. Überlassen Sie die Wahl des Anwalts keinesfalls dem Gericht! Nur so können Sie sichergehen, dass Ihre Verteidigung kein „angepasster“ Rechtsanwalt mit geringen strafrechtlichen Kenntnissen, sondern ein Experte, der die nötige Souveränität auch für unbequeme Verfahrenslagen besitzt.