Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/2/2218.htm
Timestamp: 2018-12-15 05:13:30
Document Index: 111841740

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 2', '§ 24', '§ 4', '§ 8', '§ 10', '§ 4', '§ 41', '§ 8', '§ 63', '§ 14', '§ 2']

2.218 Dießener Tal und Seitentäler
Verordnung des Regierungspräsidium Karlsruhe über das Natur- und Landschaftsschutzgebiet "Dießener Tal und Seitentäler" (Stadt Horb und Gemeinde Schopfloch, Landkreis Freudenstadt - Regierungsbezirk Karlsruhe -, sowie Sulz am Neckar, Landkreis Rottweil - Regierungsbezirk Freiburg - vom 21.Dez.1998 (GBl. v. 26.02.1999, S. 104).
Aufgrund der §§ 21, 22 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29.März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Großen Kreisstadt Horb und der Gemeinden Schopfloch und Sulz am Neckar werden zum Natur- und Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Dießener Tal und Seitentäler".
(1) Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 1311 ha. Davon entfallen auf das Naturschutzgebiet rund 500 ha, auf das Landschaftsschutzgebiet rund 811 ha.
(2) Das Naturschutzgebiet schließt folgende Gewanne ganz oder teilweise mit ein:
· Gemarkung Horb-Dettlingen: Taibiswiesen, Viehtrieb, Eselsteig, Welle, Tanzplatz, Töbele, Hochberger Halde, Haugensteiner Berg, Hochberg, Tal, Riedhalden, Münchwiesen;
· Gemarkung Horb-Bittelbronn: Hochberg;
· Gemarkung Horb-Dießen: Vorderer Raingrund, Hochberg, Obere Sägmühle, Hennenwiesen, Harrößental, Schloßäcker, Brunnadern, Vorderer Raingrund, Haldenäcker, Obere Mühlwiesen, Spitzwiesen, Tabakäcker, Eichhalde, Helle, Bühl, Mühlhalde, Schafrain, Leimen, Grieß, Haldenwäldle, Käppelesäcker, Weinberg, Kohlgrube, Allmendteile, Vorderer Hau, Rexinger Steig, Rexinger Hau, Brandhalde, Eselweg, Scheuerlesrain, Winterrain, Batzenwiesen, Talweg, Talwegäcker, Lehenwasen, Riedel, Lange Halde, Käppleswiesen, Käppeleswasen, Hofwiesen, Salwäldle, Störklewald, Saläcker, Brandweg, Sieble, Engental, Schlattwald, Untere Sägmühle, Burgstall, Schlattäcker, Sperrain, Au, Mitteltal, Zwischen den Bächen, Waagrain, Eselrain, Heiligenwald;
· Gemarkung Horb-Rexingen: Großer Hau;
· Gemarkung Horb-Dettingen: Brandhalde, Untere Brandhalde, Küchlesrain, Krautrain, Dießental, Haldenäcker, Weinberg;
· Gemarkung Schopfloch-Oberiflingen: Sommerhalde, Winterhalde, Harressental;
· Gemarkung Sulz-Dürrenmettstetten: Schlagwald, Engerstal, Hohe Tannen.
Das Landschaftsschutzgebiet umschließt größtenteils das Naturschutzgebiet.
(3) Die Grenzen des Natur- und Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie (Naturschutzgebiet) und mit durchgezogener grüner Linie (Landschaftsschutzgebiet) sowie in 21 Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie (Naturschutzgebiet) und mit durchgezogener grüner, flächig schwarz punktierter Linie (Landschaftsschutzgebiet) eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und bei den Landratsämtern Freudenstadt und Rottweil sowie der vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft Horb mit den Gemeinden Empfingen und Epfingen im Gäu auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
1. die Erhaltung, Förderung und Entwicklung der verschiedenen Wiesen- und Weidegesellschaften, die von naturnahen artenreichen Halbtrockenrasen bis zu Kohldistel-Glatthafer-Wiesen und bachbegleitenden Hochstaudenfluren reichen und Nahrungs-, Lebens- und Rückzugsräume einer außergewöhnlich reichhaltigen Insekten-, Kleinsäuger- und Avifauna sind;
2. die Erhaltung und Förderung einer vielfältig ausgeprägten Staudensaumflora entlang von Feldhecken, Waldrändern, Wegen und Fließgewässern als ökologisch wichtiger Übergangs- und Pufferbereich unterschiedlicher Vegetationsstrukturen und Lebensräume;
3. die Erhaltung der Hecken und Feldgehölze in beispielhafter Ausprägung und Vielfalt sowie der Lesesteinriegel als Bestandteile der historischen Kulturlandschaft auf Muschelkalk und Lebensräume zahlreicher Pflanzen und Tiere;
4. die Erhaltung, Förderung und Entwicklung des naturnahen Verlaufes des Dießenbaches mit seinen Mäandern, dem bachbegleitenden Gehölzbewuchs und den von der Bachaue geprägten feuchten bis nassen Wiesentypen;
5. die Erhaltung der zahlreichen Karstquellen und der aus ihnen entstandenen Tuffrinnen als geologische und erdgeschichtliche Anschauungs- und Forschungsobjekte und Beispiel für ein auf Veränderungen im Wasserhaushalt empfindlich reagierendes Ökosystem;
6. die Erhaltung und Förderung der Ackerrandbegleitflora als bedrohte und gefährdete Pflanzengesellschaft;
7. die Erhaltung, Förderung und Entwicklung von Wäldern unterschiedlicher Ausprägung und Zusammensetzung mit einer artenreichen Krautschicht und gut ausgebildeten, naturnahen Waldrändern als ökologisch hochwertige Lebens-, Nahrungs- und Rückzugsräume für viele zum Teil bedrohte Tierarten;
8. die Erhaltung und Förderung einer außergewöhnlich reichhaltigen Tierwelt in hochdifferenzierten Biotopstrukturen in einem beispielhaft erhaltenen Landschaftsausschnitt eines Neckar-Seitentales.
(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können, insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.
2. Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;
2. das Gebiet außerhalb befestigter Wege, im Wald außerhalb befestigter Wege von mindestens 2 Meter Breite mit Fahrrädern zu befahren;
6. Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle zu starten oder zu landen sowie Start- und Landeplätze anzulegen.
b) durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird
d) Pflanzenschutzmittel nur unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung verwendet werden;
e), wesentliche Landschaftsbestandteile wie landschaftsbestimmende Hecken, Gebüsche, Steinriegel, Bäume, Feldraine und Böschungen nicht beseitigt oder zerstört werden;
2. ordnungsgemäße Ausübung der forstwirtschaftlichen Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und für den im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde erfolgenden Bau von Waldwegen, die für die Bewirtschaftung des Waldes erforderlich sind;
a) Hochsitze nur landschaftsgerecht, aus naturbelassenen Rundhölzern und außerhalb von nach § 24a Abs. 1 NatSchG besonders geschützten Biotopen errichtet werden;
b) keine weiteren Futterstellen und Schußschneisen eingerichtet werden;
c) keine weiteren Wildäcker angelegt werden;
4. ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß die Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt und die Amphibienpopulationen zu schützen sind;
5. ordnungsgemäße Imkerei mit Ausnahme von § 4 Abs. 3 Nr. 1;
6. den Ausbau der L 398 zwischen Dießen und Dettingen, soweit dieser planfestgestellt wird.
1. die Erhaltung und Förderung von Streuobstwiesen als ökologisch wichtiges und ästhetisch reizvolles Bindeglied zwischen Bebauung und freier Landschaft sowie der Wiesen- und Weidelandschaft als ökologisch bedeutsamer Ergänzungsbereich des angrenzenden Naturschutzgebietes;
2. die Erhaltung eines kleinklimatischen Ausgleichsraumes;
3. die Erhaltung und Förderung einer abwechslungsreichen, mit naturnahen Landschaftselementen ausgestatteten Kulturlandschaft als erweiterter Nahrungs-, Lebens- und Rückzugsraum einer artenreichen Pflanzen- und Tierwelt;
4. die Erhaltung eines großräumigen, abwechslungsreichen sowie gut erschlossenen naturnahen Landschaftsteiles mit hohem Erholungs- und Erlebniswert für die Allgemeinheit;
5. die Förderung und Erhaltung der größtenteils extensiv bewirtschafteten Wiesen-, Weiden- und Ackerflächen sowie der unterschiedlichen Waldstandorte zur Bewahrung der Nutzungs- und Leistungsfähigkeit eines ausgewogenen Naturhaushaltes.
(1) Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebiets verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der Erlaubnis der unteren Naturschutzbe­
13. wesentliche Landschaftsbestandteile wie landschaftsbestimmende Hecken, Gebüsche, Steinriegel, Bäume, Feldraine und Böschungen zu beseitigen oder zu zerstören;
14. durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen wie z.B. Drainagen oder Verdohlungen den Wasserhaushalt zu verändern.
1. ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung mit der Maßgabe, daß
b) landschaftsbestimmende Hecken, Gebüsche, Steinriegel, Bäume, Feldraine und Böschungen nicht beseitigt oder zerstört werden;
3. ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;
4. ordnungsgemäße Imkerei mit Ausnahme von § 8 Abs. 2 Nr. 1.
§ 10 Schutz- und Pflegemaßnahmen, Flurbereinigung
Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. §§ 4, 7 und 8 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden. Für den Vollzug von Maßnahmen, die in einem Plan nach § 41 Flurbereinigungsgesetz (FlurbG) enthalten sind, ist keine Gestattung nach § 8 dieser Verordnung oder § 63 NatSchG erforderlich, wenn das Flurbereinigungsverfahren zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Verordnung bereits angeordnet war.
§ 14 Aufhebung
Mit dem Inkrafttreten dieser Verordnung tritt für den Bereich der Gemarkungen Horb-Dettlingen und Horb-Dießen sowie in den in § 2 bezeichneten Flächen die am 13.02.1957 vom Kreis Hechingen erlassene Verordnung zum Schutze des Dießentales sowie von Teilen des Neckar- und Glattales im Bereich des Kreises Hechingen außer Kraft. Ferner tritt die Verordnung des Landratsamtes Freudenstadt zum Schutz des flächenhaften Naturdenkmales "Tuffrinne Dießen" vom 22.03.1984 außer Kraft.
Karlsruhe, den 21.Dez.1998