Source: https://www.hausarbeiten.de/document/172286
Timestamp: 2019-04-18 23:00:35
Document Index: 35532084

Matched Legal Cases: ['§ 36', '§ 11', '§ 27', '§ 36', '§ 62', '§ 31', '§ 66', '§ 60', '§ 36', '§ 36', '§ 31', '§ 31', '§ 36']

EDV für die Soziale Arbeit - Schwerpunkt: Soziale Diagnostik und ... | Hausarbeiten publizieren
1 Gesamtprozess der Fallsteuerung durch den ASD bei Gewährung von Hilfen zur Erziehung (HzE)
2 Rechtliche Rahmenbedingungen: Mitwirkungsrechte und Mitwirkungspflichte der Eltern / Kinder und Jugendlichen im Hilfeprozess
3 Zwischenbewertung fachlicher Unklarheiten: Die Partizipation in der Jugendhilfe
4 Theoriediskussion: Soziale Diagnostik und geeignete Hilfen
4.1 Messmer: Widersprüchlichkeit von Diagnose und Aushandlung
4.2 Lammerding und Erzberger: Vorstellung einer systematischen Informationsaufnahme im Rahmen sozialpädagogischer Diagnostik
4.3 Harnach: Die Abgrenzung des „Aushandelns“ in der Diagnostik
4.4 Pantucek und Langhanky: Zwei gegensätzliche Positionen zur sozialen Diagnostik
5 Anforderungen an die EDV-Unterstützung für ausgewählte Arbeitsschritte Sozialer Diagnostik
6 Bewertung von Gedok 4.1 unter Verwendung des Fallbeispieles „Familie C“
Hilfen zur Erziehung nach dem Sozialgesetzbuch sind als Mittel konzipiert, Eltern bei ihrem Erziehungsauftrag zu unterstützen und dessen Erziehungskompetenz zu stärken. Die Verbessrung der Sozialisationsbedingungen von Kindern steht dabei im Vordergrund. Gerade dann, wenn Familien von Überforderung gezeichnet sind, muss die Jugendhilfe versuchen, auf die vorhandenen Defizite zu reagieren und Qualifikationshilfe für Erziehende zu leisten. Laut dem Jugendamt Leipzig beginnt der Prozessablauf der Hilfeplanung bei der Eingangsdiagnostik und mündet nach den beiden folgenden Schritten der Zielentwicklung und der Hilfeentscheidung bei der Kontrolle der Realisierung dieser Hilfen.
Die weiteren Inhalte bzw. Unterpunkte dieser Strukturierung sollen im Folgenden mit dem Phasenmodell des Hilfeprozesses nach Harnach verbunden werden.
Harnach gliedert dieses Modell in 3 Phasen:
Phase 1: Problemsichtung und Beratung
Phase 2: Klärung der individuellen Situation und Entscheidung über die Hilfe Phase 3: Erbringung der Hilfe und Rückmeldung über den Hilfeverlauf
Ein „Fallstart“ beginnt, sofern eine Anzeige einer Kindeswohlgefährdung oder ein Hilfebe- gehren und Aufsuchen des ASD durch Sorgeberechtigte vorliegend ist. Diese Kontaktauf- nahme könnte bspw. durch das Vorsprechen im Amt, einen Hausbesuch, einen Anruf oder eine Kontaktherstellung über eine dritte Person erfolgen. Während die Klienten in dieser Phase der Problemsichtung und Beratung erste Angaben über die anstehenden Probleme und ihre Hilfeerwartungen machen, sind schon hier erste diagnostische Überlegungen des Sozialarbeiters erforderlich, um über kommende Hilfen und deren mögliche Folgen für die Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen beraten zu können. (vgl. Harnach, 2007, S. 107). Zur Gewinnung und der Ordnung von Informationen ist eine Sozialanamnese einzusetzen. Bei der Problemkonkretisierung sollen laut dem Jugendamt Leipzig Probleme erfasst und auf die Handlungsrelevanz für den ASD überprüft werden. Außerdem werden Ziele herausgearbeitet und die vorliegenden Ressourcen zur Zielerreichung analysiert werden. (vgl. Jugendamt Leipzig, 2008, S. 4).
Nach § 36 Abs. 1 S. 1 SGB VIII haben die Personenberechtigten und das Kind / der Jugendli- che einen Anspruch auf eine fachliche Beratung durch das Jugendamt. In diesem Gespräch kann das Jugendamt neben individuellen Hilfen auch zu allgemeinen Förderungen beraten.
Sofern sich die Familie bzw. der Antragsberechtigte nicht für Hilfen nach §§ 11, 13, 14, 16, 17, 18 oder 22 SGB VIII, sondern für Hilfen nach §§ 27, 35a oder 41 SGB VIII entscheidet, beginnt das Verwaltungsverfahren und damit die Phase der Klärung der individuellen Situation und Entscheidung über die Hilfe. (vgl. Harnach, 2007, S. 108).
Bevor das Jugendamt eine Entscheidung über die Gewährung der beantragten Hilfen treffen kann, sind in der Phase der Klärung der individuellen Situation und Entscheidung über die Hilfe im Verwaltungsverfahren die Voraussetzungen für die notwendigen Hilfen zu klä- ren. Erfolgt die Bewilligung der Hilfen für einen längeren Zeitraum, so erstellt das Jugendamt in Zusammenarbeit mit den Personensorgeberechtigten, dem Kind / dem Jugendlichen und allen Personen und Institutionen, die an der Durchführung der Hilfsmaßnahme beteiligt sind, einen Hilfeplan. Dieser Hilfeplan stellt nicht nur eine Begründungsfunktion bzw. eine Vo- raussetzung für die Hilfegewährung, sondern dient nach § 36 Abs. 2 SGB VIII auch „als Grundlage für die Ausgestaltung der Hilfe“. (vgl. Harnach, 2007, S. 109).
In der Phase der Erbringung der Hilfe und Rückmeldung über den Hilfeverlauf geht nach Harnach die fachliche Gewährleistung des Hilfeprozesses auf die leistungsbringende Stelle - den Einrichtungen und Diensten - über. Um über die Fortführung oder Beendigung der Hilfe entscheiden zu können, muss der Änderungs- bzw. Hilfeprozess kontinuierlich diagnostisch begleitet und evaluiert werden. Die Dokumentation von Art und Ausmaß der Veränderungen ist von evidenter Bedeutung, um das Wohlergehen und die Entwicklung des Kindes / des Jugendlichen zu sichern. Auf der Grundlage des Arbeitskonzeptes ist deshalb eine monatliche Leistungsdokumentatoin duch den Träger zu veranlassen.
Sind die in der Zielbeschreibung gewünschten Veränderungen und Zustände eingetreten, wird der Hilfeprozess beendet. Ist das Erreichen des gewünschten Ziels zu negieren, müssen die Leistungsberechtigten gefragt werden, ob sie eine Forsetzung der Hilfen wünschen. Bei einer Annahme dieses Angebotes erfolt die Bewilligung der Fortsetzung der Hilfen. Verneinen die Personenberechtigen aber diese Option, ist zu prüfen, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt. Falls das der Fall sein sollte, ist das Familiengericht anzurufen. Ansonsten führt diese Entscheidung zu einer Beendigung des Hilfeprozesses.
2 Rechtliche Rahmenbedingungen: Mitwirkungsrechte und Mitwirkungs- pflichte der Eltern / Kinder und Jugendlichen im Hilfeprozess
Wie in der letzten Phasen dargestellt, ist das Jugendamt auf die Mitwirkungsbereitschaft der Personensorgeberechtigten angewiesen. Diese haben keine Mitwirkungspflicht. Sie können die Begutachtung ihres Kindes untersagen. Sofern sie nicht bereit sind, dem Jugendamt die erforderlichen Informationen zu geben, hat das Jugendamt gemäß § 62 Abs. 2 S. 1 SGB VIII keine Möglichkeit, die Daten über andere Personen (bspw. Lehrer oder Nachbarn) zu beschaffen. (vgl. Harnach, 2007, S. 287). Das Vorliegen von Hinweisen einer möglichen Kindeswohlgefährdung ist die einzige Ausnahme, die diese Gesetzmäßigkeit durch Einschalten des Familiengerichtets „außer Acht“ lassen kann.
Abgesehen von diesem Grenzfall sollen im Folgenden weitere gesetzliche Rahmenbedingungen bezüglich der oben genannten Thematik skizziert werden. Neben den wesentlichen zielführenden Methoden und den Absichten der sozialpädagogischen Familienhilfe sind in § 31 SGB VIII die Erwähnung der „Hilfe zur Selbsthilfe“ und die erfor- derliche Mitarbeit der Familie als bedeutende Punkte zu sehen. Hilfen erfolgen nur auf Antrag und werden bei fehlender Mitwirkung gemäß § 66 SGB I teilweise versagt oder entzogen. Die Praxis sieht diesem Paragraphen jedoch kritisch entgegen, da sich der vorhandene Zustand durch Entziehen der Hilfe womöglich verschlechtern kann, und somit weitere Hilfen notwen- dig werden.
Neben den genannten Mitwirkungspflichten der „Angabe von Tatsachen“, dem „Persönlichen Erscheinen“, den „Untersuchungen“ und „Grenzen der Mitwirkung“ nach den §§ 60 bis 62 und 65 SGB VIII, stellt die Mitwirkung der Personenberechtigten und des Kindes / des Jugendlichen an dem Hilfeplan nach § 36 SGB VIII einen zentralen Punkt - gerade auch für die Mitwirkungsrechte der Eltern - im Hilfeprozess dar.
„Ist Hilfe außerhalb der eigenen Familie erforderlich, so sind die in Satz 1 genannten Personen bei der Auswahl der Einrichtung oder der Pflegestelle zu beteiligen. Der Wahl und den Wünschen ist zu entsprechen, sofern sie nicht mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden sind.“ (vgl. § 36 Abs. 1 SGB VIII).
Zwar haben die Eltern das Wahlrecht bei der Trägerauswahl, bei fachlichen Entscheidungen bedarf es jedoch keiner Zustimmung der Eltern. Dieser juristische Fakt wird oft als „Aushandlungsprozess“ zwischen Beteiligten und dem Jugendamt bezeichnet.
Die folgende Tabelle fasst einen Großteil der oben genannten Paragraphen anschaulich zu- sammen.
Quelle: (Wabnitz, 2007, S. 182)
Allein ein Blick auf § 31 SGB VIII liefert eine breite Diskussionsgrundlage für die Frage, wie viel Partizipation im Hilfeprozess gewährleistet werden soll, darf und kann.
„Sozialpädagogische Familienhilfe soll durch intensive Betreuung und Begleitung Familien in ih- ren Erziehungsaufgaben, bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, der Lösung von Konflikten und Krisen sowie im Kontakt mit Ämtern und Institutionen unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Sie ist in der Regel auf längere Dauer angelegt und erfordert die Mitarbeit der Familie“ (§ 31 SGB VIII).
Aus dieser Formulierung können folgende Fragen abgeleitet werden:
- Intensive Betreuung und Begleitung von Familien in ihren Erziehungsaufgaben - Wie intensiv darf und muss diese Betreuung sein und wo sind die Grenzen?
- Bewältigung von Alltagsproblemen - Wie viel Selbstbestimmung kann der Jugendamtsmitarbeiter ethisch und professionell verantworten?
- Lösung von Konflikten - Welche Lösungsvariante kann der Sozialarbeiter im Rahmen seines Doppel- oder sogar Tripplemandats unterstützen?
- Hilfe zu Selbsthilfe - Wie weit darf sie gehen?
- Erforderliche Mitarbeit der Familie - Was sollte unternommen werden, wenn die Mitarbeit begrenzt ist?
Die Beantwortung dieser Fragen fällt vor dem Hintergrund der altersentsprechenden Ent- wicklung von Jugendlichen und einer möglicherweise ungesunden, uneinsichtigen und refle- xionslosen Lebensweise von Personensorgeberechtigten besonders schwer. Die Frage der Partizipation ist auch immer eine Frage der Machtstellung und Machtvergabe. Es stehen sich nach dem „Fallstart“ der kontaktierte oder eingeschaltete - und damit aktivierte
- vermeintliche Fachexperte und der vermeintliche Kunde und Empfänger dieser Dienstleistung gegenüber. So entsteht eine Art Abhängigkeitsverhältnis, das in seiner Ausrichtung verhandelt werden muss.
„In einer Untersuchung des Deutschen Jugendinstitutes zum Thema „Partizipation in erzieheri- schen Hilfen“ (Pluto/Mamier/van Santen/Seckinger/Zink 2003) wurde festgestellt, dass sich die Fachkräfte nicht gerne mit der Frage der Verteilung von und dem Umgang mit Macht befassen, denn für viele ist Partnerschaftlichkeit das Prinzip ihres Handelns in der Interaktion mit den Kli- entInnen (vgl. ebd., S. 66). Doch in der Praxis wird Partizipation unterschiedlich umgesetzt, wie Pluto et al. beschrieben: Von manchen Fachkräften wird Beteiligung als Sanktion eingesetzt. Sie eröffnen die Möglichkeit zur Partizipation erst im Laufe der Zeit oder nutzen sie zur positiven Verstärkung für ein erwünschtes Verhalten, mit dem Vorbehalt, sie jederzeit wieder zu entziehen. Subtiler wird die Beteiligung bei Definitionsprozessen von Problemlagen, denn von der Einschät- zung und Bewertung eines Problems hängt es entscheidend ab, welche Konsequenzen gezogen und welche Hilfeangebote und Lösungen angestrebt werden. Stimmen die Einschätzungen von Klien- tInnen mit denen der Fachkräfte überein, dann steigen die Chancen, durch Beteiligung eine ge- meinsame Antwort für die Bewältigung zu finden. Die Machtungleichheit zeigt sich dann, wenn die Fachkräfte davon ausgehen, dass ihre Problemdefinition die angemessenere ist und keine ande- ren Möglichkeiten zulassen und die Betroffenen somit von der Beteiligung ausschließen (vgl Pluto/Mamier/van Santen/Seckinger/Zink 2003, S. 69ff.).“ (Moser, 2010, S. 101)
Ein Wunsch- und Wahlrecht wird zwar den Adressaten zugesprochen, die fachliche Entscheidungsgewalt bleibt aber im Rahmen des aufgenommenen Leistungsempfangs auf Seiten des Jugendamtes. Die geforderte gemeinsame Ausgestaltung des Hilfeplans gemäß § 36 SGB VIII gilt es vor diesem Hintergrund zu reflektieren und zu hinterfragen.
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der theoretischen Auseinandersetzung zur Bedeutung und Notwendigkeit sozialpädagogischer Diagnostik im Hinblick auf die Auswahl geeigneter Hilfen und Interventionsformen im Hilfeprozess.
Der folgende Text bezieht sich auf die Darstellung der Hilfeplanung, insbesondere auf die sozialpädagogische Diagnostik, wie sie Messmer in der 48. Ausgabe der Sozialwissenschaftlichen Literaturrundschau darstellt.
Hilfeplanung kann als eine Steuerungsaufgabe gesehen werden, die von einer höchst organisierten Komplexität geprägt ist. Dabei muss sie verschiedene Interessenkalküle mit kollektiven Entscheidungsprozessen verbinden. Diese Handlung wird durch Multiperspektivität und Mehrdimensionalität von Problemdefinitionen und Lösungsoptionen erschwert.
Messmer (2004) versteht die Hilfeplanung als reflexives Modernisierungskonzept, in dem sozialpädagogische Diagnostik keineswegs unantastbar und in Frage gestellt werden kann. Der Autor sieht dabei die Hilfeplanung als „Versuch, im zeitlichen Vorgriff eine Entschei- dung über die erwartbar beste Handlungsalternative unter kontingenten Entscheidungsbedin- gungen und prinzipiell ungewissen Hilfeverläufen zu strukturieren.“ (vgl. (Messmer, 2004, S. 73).
Entscheidungsprozesse sind im sozialen Bereich der Hilfeplanung selbstreflexiv und erzeugen so ein empathiegesteuertes Aushandlungs- und Verständigungsinstrument der sozialpädagogischen Leistungserbringung.
„Welche erzieherische Hilfe für Kinder und Jugendliche die >>richtige<< ist (Schrap- per/SEngling/Wieckenbrock1987; Schrapper 1996), wird im Fachdiskurs der öffentlichen Jugend- hilfe als ein von vornherein nicht objektiv lösbaes Problem angesehen. Dem stünden die Komple- xität von Lebenslagen, die Unübersichtlichkeit und Interdependenz mannigfaltiger Problem- und Einflussfaktoren, die Vielzahl möglicher Problemdeutungen und eine Reihe an angemessenen und wirksamen sozialpädagogischen Interventionen entgegen.“ (Messmer, 2004, S. 75 f.).
Die Klienten als Leistungsberechtigte sind dabei nicht mehr Objekt des staatlichen Handelns, sondern gestalten den Hilfeprozess auch als Subjekt mit. Somit obliegt die Gestaltung des Hilfeprozess nicht nur den Experten alleine. Die Bedürfnisse der Adressaten - oder auch Co- produzenten der Entscheidung - gewinnen an Gewicht und Legitimität. Daneben wird die Erhöhung des Reflexionsgrades durch das Zusammenwirken von mehreren Fachkräften nach vorne gebracht. Da die Probleme meist so komplex sind, empfiehlt sich ein mutliperspektivi- scher Blick auf den Fall. Im Rahmen der starken Differenzierung pädagogischer, therapeuti- scher und sozialer Hilfsangebote und deren Träger ist es meist nicht möglich, dass sich der ASD-Mitarbeiter ohne Einschalten bzw. Rücksprache mit den jeweiligen Fachkräften der involvierten Systeme einen Überblick über das Gesamtspektrum verschaffen kann. Teambe- ratungen und die Arbeit in einem multiprofessionellen Team dienen außerdem der Kompe- tenzerweiterung.
„Entsprechend verschiebt sich die ‚Fachlichkeit‘ sozialpädagogischer Expertise vom fallverste- henden Experten- und Erfahrungswissen in den Aushandlungs- und Entscheidungsfindungspro- zess. Dort wird das Fallverstehen zum Produkt einer im Prinzip multilateralen und deshalb kontin- genten Aushandlungs- und Abwägungsprozedur, die den unhinterfragten Rückgriff auf die Stan- dardmodelle expertokratischer Entscheidungsfindung verbiete.“ (Messmer, 2004, S. 77).
Nichtsdestotrotz und gerade im Hinblick auf den thematischen Fokus dieses Kapitels darf die verständliche Nachprüfbarkeit der Hilfeplanung für Außenstehende nicht übergangen werden. Diese wird durch methodisch standardisierte Diagnoseverfahren überhaupt möglich. Demgegenüber steht jedoch der Aushandlungscharakter des Hilfeplans, der damit die Entbehrlichkeit einer fachlich begründeten und vom Jugendamt verantworteten Feststellung des konkreten erzieherischen Bedarfs suggeriert. (vgl. Messmer, 2004, S. 80).
Aufgrund der Aushandlungs-Thematik läuft der Bereich der sozialpädagogischen Diagnostik gerade unter Berücksichtigung der theoretischen - aber in der Praxis nicht vorhandenen - Gleichstellung der Aushandlungspartner Gefahr, durch Undurchsichtigkeit und Entscheidungsschwierigkeiten an Bedeutung zu verlieren.
Festzuhalten sind laut Messmer zwei Ansichten zur sozialpädagogischen Diagnostik: Auf der einen Seite steht ein enges, expertokratisches bzw. psychosoziales Diagnoseverständnis, das auf der Vorstellung einer logisch unmittelbaren Verkettung von Ursachen und Wirkungen beruht, den meist komplexen und überindividuellen Problemkonstellationen aber nicht gerecht werden kann.
Demgegenüber steht eine Diagnostik, die auf die Akzeptanz, Sichtweise und die Mitarbeit der Betroffenen angewiesen ist und damit mehr die Dynamik eines Aushandlungsprozess annimmt.
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (FB Angewandte Sozialwissenschaften)
Sozialadministration
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soziale arbeit schwerpunkt diagnostik hilfen
Oliver Zetsche (Autor), 2011, EDV für die Soziale Arbeit - Schwerpunkt: Soziale Diagnostik und geeignete Hilfen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/172286