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Timestamp: 2020-01-18 18:56:31
Document Index: 378229389

Matched Legal Cases: ['§ 22', '§ 1', '§ 22', '§ 1', '§ 2', '§ 22', '§ 1', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'Art. 6', 'EuG', 'Art. 6', 'EuG', 'Art. 6', 'EuG', '§ 10', '§ 10', '§ 10']

﻿ ﻿ BAG – 6 AZR 457/14 | bag-urteil.com
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 23.07.2015, 6 AZR 457/14
Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des Sächsischen Landesarbeitsgerichts vom 9. Mai 2014 – 3 Sa 695/13 – aufgehoben.
6 AZR 457/14 > Rn 1
6 AZR 457/14 > Rn 2
6 AZR 457/14 > Rn 3
6 AZR 457/14 > Rn 4
6 AZR 457/14 > Rn 5
6 AZR 457/14 > Rn 6
6 AZR 457/14 > Rn 7
6 AZR 457/14 > Rn 8
6 AZR 457/14 > Rn 9
6 AZR 457/14 > Rn 10
6 AZR 457/14 > Rn 11
6 AZR 457/14 > Rn 12
6 AZR 457/14 > Rn 13
6 AZR 457/14 > Rn 14
6 AZR 457/14 > Rn 15
6 AZR 457/14 > Rn 16
6 AZR 457/14 > Rn 17
6 AZR 457/14 > Rn 18
6 AZR 457/14 > Rn 19
6 AZR 457/14 > Rn 20
6 AZR 457/14 > Rn 21
6 AZR 457/14 > Rn 22
6 AZR 457/14 > Rn 23
6 AZR 457/14 > Rn 24
6 AZR 457/14 > Rn 25
c) § 22 AGG trifft hinsichtlich des Ursachenzusammenhangs zwischen Nachteil und durch § 1 AGG verbotenem Anknüpfungsmerkmal eine Beweislastregelung, die sich zugleich auf die Darlegungslast auswirkt. Nach § 22 Halbs. 1 AGG genügt eine Person, die sich wegen eines der in § 1 AGG genannten Gründe für benachteiligt hält, ihrer Darlegungslast, wenn sie Indizien vorträgt und ggf. beweist, die diese Benachteiligung vermuten lassen (BAG 26. Juni 2014 – 8 AZR 547/13 – Rn. 31 mwN; 26. September 2013 – 8 AZR 650/12 – Rn. 25 f. mwN). Dies gilt auch bei einer möglichen Benachteiligung durch eine ordentliche Kündigung, die nicht den Anforderungen des Kündigungsschutzgesetzes genügen muss (vgl. BAG 19. Dezember 2013 – 6 AZR 190/12 – Rn. 41, BAGE 147, 60; ErfK/Schlachter 15. Aufl. § 2 AGG Rn. 17; Günther/Frey NZA 2014, 584, 585). Bei der Prüfung des Kausalzusammenhangs sind alle Umstände des Rechtsstreits im Sinne einer Gesamtbetrachtung und -würdigung des Sachverhalts zu berücksichtigen (vgl. BAG 26. Juni 2014 – 8 AZR 547/13 – Rn. 31 mwN; 21. Juni 2012 – 8 AZR 364/11 – Rn. 33, BAGE 142, 158). Für die Vermutungswirkung des § 22 AGG ist es ausreichend, dass ein in § 1 AGG genannter Grund „Bestandteil eines Motivbündels“ ist, das die Entscheidung beeinflusst hat. Eine bloße Mitursächlichkeit genügt (BAG 18. September 2014 – 8 AZR 753/13 – Rn. 22; 26. Juni 2014 – 8 AZR 547/13 – Rn. 34; 26. September 2013 – 8 AZR 650/12 – Rn. 25). Auf ein schuldhaftes Handeln oder gar eine Benachteiligungsabsicht kommt es nicht an (BAG 21. Juni 2012 – 8 AZR 364/11 – Rn. 32, aaO).
6 AZR 457/14 > Rn 26
6 AZR 457/14 > Rn 27
6 AZR 457/14 > Rn 28
6 AZR 457/14 > Rn 29
6 AZR 457/14 > Rn 30
6 AZR 457/14 > Rn 31
6 AZR 457/14 > Rn 32
6 AZR 457/14 > Rn 33
6 AZR 457/14 > Rn 34
6 AZR 457/14 > Rn 35
6 AZR 457/14 > Rn 36
aa) Eine unterschiedliche Behandlung wegen des Alters ist nach § 10 Satz 1 AGG zulässig, wenn sie objektiv und angemessen und durch ein legitimes Ziel gerechtfertigt ist. Gemäß § 10 Satz 2 AGG müssen die Mittel zur Erreichung dieses Ziels angemessen und erforderlich sein. § 10 AGG dient der Umsetzung von Art. 6 der Richtlinie 2000/78/EG des Rates vom 27. November 2000 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf (ABl. EG L 303 vom 2. Dezember 2000 S. 16) in das nationale Recht (BAG 18. März 2014 – 3 AZR 69/12 – Rn. 21, BAGE 147, 279). Der Gesetzgeber hat bei der Umsetzung den Text der Richtlinie nahezu wörtlich in das nationale Recht übernommen. Dessen Regelungen sind unionsrechtskonform in Übereinstimmung mit der Richtlinie unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) auszulegen (vgl. BAG 21. Oktober 2014 – 9 AZR 956/12 – Rn. 17; 14. März 2012 – 7 AZR 480/08 – Rn. 30). Dieser hat darauf erkannt, dass legitime Ziele iSv. Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 der Richtlinie 2000/78/EG wegen der als Beispiele genannten Bereiche Beschäftigungspolitik, Arbeitsmarkt und berufliche Bildung solche aus dem Bereich „Sozialpolitik“ sind (vgl. EuGH 13. September 2011 – C-447/09 – [Prigge] Rn. 81, Slg. 2011, I-8003; BAG 19. Dezember 2013 – 6 AZR 790/12 – Rn. 26 mwN, BAGE 147, 89). Ziele, die als „rechtmäßig“ iSd. Art. 6 Abs. 1 der Richtlinie 2000/78/EG angesehen werden können, stehen als „sozialpolitische Ziele“ im Allgemeininteresse. Dadurch unterscheiden sie sich von Zielen, die im Eigeninteresse des Arbeitgebers liegen, wie Kostenreduzierung und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Freilich ist es nicht ausgeschlossen, dass eine nationale Vorschrift bei der Verfolgung der genannten sozialpolitischen Ziele den Arbeitgebern einen gewissen Grad an Flexibilität einräumt (EuGH 21. Juli 2011 – C-159/10, C-160/10 – [Fuchs und Köhler] Rn. 52, Slg. 2011, I-6919; 5. März 2009 – C-388/07 – [Age Concern England] Rn. 46, Slg. 2009, I-1569). Eine unabhängig von Allgemeininteressen verfolgte Zielsetzung eines einzelnen Arbeitgebers kann aber keine Ungleichbehandlung rechtfertigen.
6 AZR 457/14 > Rn 37
6 AZR 457/14 > Rn 38
6 AZR 457/14 > Rn 39
dd) Entgegen der Ansicht des Landesarbeitsgerichts und der Beklagten hat der Gesetzgeber die Möglichkeit eines (zeitnahen) Rentenbezugs auch nicht nach § 10 Satz 3 Nr. 5 und 6 AGG als generell zulässiges Differenzierungskriterium angesehen. § 10 Satz 3 Nr. 5 AGG gilt gerade nicht für Kündigungen („ohne Kündigung“). Die zu dieser Vorschrift ergangene Rechtsprechung kann daher nicht herangezogen werden (vgl. zur Wirksamkeit von Altersgrenzen BAG 12. Juni 2013 – 7 AZR 917/11 – Rn. 33 f. mwN). § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG bezieht sich auf die Ausgestaltung von Sozialplänen. Diese kommen nur bei einer wirksamen Kündigung zum Tragen (vgl. zu ihrer Überbrückungsfunktion BAG 9. Dezember 2014 – 1 AZR 102/13 – Rn. 23 mwN).
6 AZR 457/14 > Rn 40
6 AZR 457/14 > Rn 41
6 AZR 457/14 > Rn 42
6 AZR 457/14 > Rn 43
6 AZR 457/14 > Rn 44
6 AZR 457/14 > Rn 45
Das Urteil BAG – 6 AZR 457/14 wird zitiert in: