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Timestamp: 2016-10-27 16:49:08
Document Index: 74932058

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

K.________, 1961, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Dieter Kehl, Poststrasse 22, 9410 Heiden,
Winterthur Versicherungen, General Guisan-Strasse 40, 8400 Winterthur, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt Guy Reich, M�nchhaldenstrasse 24, 8008 Z�rich.
Die 1961 geborene K.________ arbeitete als B�roangestellte in einem 50%-Pensum bei der Firma U.________ AG in X.________ und war bei den Winterthur Versicherungen (nachfolgend: Winterthur) f�r die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert. Am 10. M�rz 2003 wurde sie als Beifahrerin auf dem Hintersitz in einen Verkehrsunfall verwickelt, als ein vortrittsbelasteter Mofafahrer in die rechte Seite des Autos prallte und dessen Fahrer eine Vollbremsung einleitete. K.________ begab sich nach dem Unfall selbstst�ndig zum n�chsten Arzt. Dieser diagnostizierte eine leichte Dolenz der Dornforts�tze der HWS und der BWS ohne sensomotorische Ausf�lle, aber mit einer vegetativen Reaktion in Form von kalter Haut am rechten Vorderarm. Dr. med. R.________ stellte die Diagnose eines Beschleunigungstraumas der HWS mit vegetativer passagerer Reaktion des rechten Vorderarmes und vorordnete neben Schmerzmitteln einen Schanz'schen Kragen. Aufgrund der r�ntgenologischen Untersuchungen konnten oss�re L�sionen ausgeschlossen werden. Die Winterthur richtete Taggelder aus und kam f�r die Heilbehandlung auf. In der Folge berichtete der Hausarzt der Versicherten �ber zunehmende neuropsychologische St�rungen wie Konzentrationsst�rungen, Vergesslichkeit, Gedankenabrisse und weiteres. Vom 14. Oktober bis 6. November 2003 weilte die Versicherte in der Rehaklinik Y.________. Dort stellte man die Diagnosen eines Status nach Verkehrsunfall (Seitkollision) bei HWS-Distorsion mit persistierenden Zervikozephalgien rechts, persistierenden Kribbelpar�sthesien am rechten Arm, vegetativer Dysregulation in Form von schlechtem Schlaf, verst�rkter M�digkeit und schlechter Darmmotilit�t und leichten neuropsychologischen Funktionsst�rungen. Die Winterthur erstellte ein unfallanalytisches Gutachten (datiert vom 16. Januar 2004) und liess beim Vorstand des Institutes f�r gerichtliche Medizin in Graz, Prof. Dr. Leinzinger, ein fachorthop�disches Gutachten erstellten. Dieser kam auf Grund der Akten, insbesondere der erw�hnten Unfallanalyse der Winterthur zur �berzeugung, aus verkehrsmedizinischer Sicht sei eine Verletzungsm�glichkeit auszuschliessen, weshalb die Beschwerden der Versicherten nur psychosomatischer Natur sein k�nnten. Die Winterthur gab in der Folge eine polydisziplin�re Begutachtung bei der MEDAS St. Gallen in Auftrag, stornierte diesen aber unter anderem nach Intervention des Anwalts der Versicherten in Bezug auf die Gutachterfragen und Zweifel �ber die zeitliche Verf�gbarkeit des Begutachtungsinstitutes wieder. Nach Konsultation verschiedener Vertrauens�rzte teilte die Unfallversicherung der K.________ in ihrer Verf�gung vom 12. Juli 2004 mit, sie erbringe ab 1. Juni 2004 keine Leistungen mehr, da es bei den fortdauernden Beschwerden sowohl am nat�rlichen, als auch am ad�quaten Kausalzusammenhang mit dem versicherten Ereignis fehle. Daran hielt die Winterthur auch auf Einsprache hin, in welcher insbesondere auch das Einholen eines interdisziplin�ren Gutachtens gefordert wurde, mit Entscheid vom 1. M�rz 2005 fest.
Die Beschwerde, mit welcher K.________ die Weiterausrichtung von Versicherungsleistungen auf Grund einer 100%igen Arbeitsunf�higkeit beantragen liess, wies das Verwaltungsgericht des Kantons Appenzell Ausserrhoden mit Entscheid vom 31. Mai 2006 ab.
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst K.________ beantragen, in Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids sei die Winterthur zu verpflichten, die gesetzlich geschuldeten Leistungen r�ckwirkend und weiterhin zu erbringen; eventuell sei die Streitsache an die Vorinstanz oder die Unfallversicherung zur�ckzuweisen
Im kantonalen Entscheid werden die nach der Rechtsprechung f�r den Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 UVG) geltenden Voraussetzungen des nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181), insbesondere bei Schleudertraumen oder schleudertrauma�hnlichen Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359; RKUV 2000 Nr. U 395 S. 316, U 160/98; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67, U 183/93), zutreffend dargelegt. Entsprechendes gilt f�r die von der Judikatur entwickelten allgemeinen Grunds�tze zur freien Beweisw�rdigung und zum Beweiswert eines Arztberichtes (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352).
Anzumerken bleibt, dass wenn die Unfallkausalit�t einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist, die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst entf�llt, wenn der Unfall nicht die nat�rliche und ad�quate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Ebenso wie der leistungsbegr�ndende nat�rliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse M�glichkeit nunmehr g�nzlich fehlender urs�chlicher Auswirkungen des Unfalls gen�gt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegr�ndender nat�rlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Diese Beweisgrunds�tze gelten sowohl im Grundfall als auch bei R�ckf�llen und Sp�tfolgen (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b mit Hinweisen) und sind f�r s�mtliche Leistungsarten massgebend. Der Unfallversicherer hat nicht den Beweis f�r unfallfremde Ursachen zu erbringen. Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ist an sich unerheblich. Entscheidend ist allein, ob die unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (Urteil S. vom 7. Juni 2006 E. 2.2, U 414/05, mit Hinweisen).
Streitig und zu pr�fen ist, ob die im Zeitpunkt der Leistungseinstellung durch die Winterthur (31. Mai 2004) noch geklagten Beschwerden als Folgen des Unfalls vom 10. Mai 2003 zu betrachten sind und - in diesem Zusammenhang - ob der massgebliche Sachverhalt hinreichend abgekl�rt ist.
3.1 Auf Grund der medizinischen Akten, welche �ber den Sachverhalt im Anschluss des Ereignisses erstellt wurden, steht fest, dass die Beschwerdef�hrerin am 10. Mai 2003 ein Beschleunigungstrauma der HWS erlitten hat. Daran kann auch eine nachtr�gliche Beurteilung auf der Basis rein theoretischer technischer Analysen nichts �ndern. Innerhalb der von der Rechtsprechung anerkannten Latenzzeiten trat das f�r diese Verletzung typische Beschwerdebild mit einer H�ufung von Beschwerden auf (Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den rechten Arm und die Hand, mit Kribbeln im rechten Arm und K�ltegef�hl eine Stunde nach dem Ereignis [Bericht Dr. med. R.________ vom 8. Juli 2003]; Konzentrationsst�rungen, Vergesslichkeit, Gedankenabrissen, cervicospondylogenen Ausstrahlungen [Berichte des Dr. med. G.________, vom 4. Juni und 9. September 2003] ; BGE 117 V 360 E. 4b; RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2; Urteil W. vom 1. M�rz 2006 E. 6.1, U 153/05). Die gleiche Diagnose wurde auch an der Rehaklinik Y.________ gestellt (Bericht Prof. Dr. med. E.________ vom 31. Dezember 2003), wo persistierende Zervikozephalgien rechts, persistierende Kribbelpar�sthesien am rechten Arm und vegetative Dysregulation mit schlechtem Schlaf, verst�rkter M�digkeit und schlechter Darmmotilit�t festgestellt wurden.
3.2 Die Unfallversicherung begr�ndet die Ablehnung ihrer Leistungspflicht ab 1. Juni 2004 unter anderem mit einem erheblichen medizinischen Vorzustand und schwierigen psychosozialen Verh�ltnissen. Dies wird mit Aktenberichten ihrer Vertrauens�rzte untermauert. Darin wird ausgef�hrt, dass eine neuropsychologische Beurteilung schon wenige Wochen nach dem Unfallereignis stattgefunden habe, was darauf hindeute, dass entsprechende Beschwerden schon vor dem Unfall bestanden h�tten. Ohne mit der Beschwerdef�hrerin in irgend einem Kontakt gestanden zu haben und ohne dass ein psychiatrischer Bericht oder sogar ein Gutachten bei den Akten liegt, kommt der die Winterthur beratende Facharzt f�r Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med. S.________, zur Erkenntnis, die Versicherte leide unter einer Befindlichkeitsst�rung, welche nicht durch den Unfallmechanismus, sondern durch eine Ehescheidung, ihre Pers�nlichkeit und erhebliche materielle Sorgen begr�ndet seien. Das �berzeugt nicht. Die medizinischen Akten, auf welche sich die Winterthur beruft, beruhen alle auf rein theoretischen Annahmen und damit weder auf pers�nlichen Untersuchungen und/oder Gespr�chen, noch auf Erkenntnissen, die sich auf entsprechende Arztberichte st�tzen k�nnten. Die Sache ist daher an die Unfallversicherung zur�ckzuweisen, damit sie den Gesundheitszustand der Beschwerdef�hrerin polydisziplin�r (Neurologie, Rheumatologie und Psychiatrie) abkl�ren l�sst und dabei insbesondere auch der Frage, nach dem nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen den beim Unfall erlittenen Sch�digungen und den gestellten Diagnosen nachgeht.
Nach dem Gesagten ist der medizinische Sachverhalt nicht hinreichend abgekl�rt und es bestehen keine rechtsgen�glichen Unterlagen, die der Beschwerdegegnerin erlauben w�rden, die nat�rliche Kausalit�t zwischen dem Unfall vom 10. Mai 2003 und den �ber den 31. Mai 2004 hinaus anhaltenden Beschwerden zu verneinen. Da auf Grund des aktuellen Erkenntnisstandes auch nicht gesagt werden kann, ob allf�llige psychische Beschwerden die Folgen der HWS-Distorsion ganz in den Hintergrund gedr�ngt haben, kann zudem nicht entschieden werden, ob - bei Bejahung eines nat�rlichen Kausalzusammenhanges - die Ad�quanz auf Grund der Rechtsprechung f�r psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133) oder jener bei Schleudertraumen oder schleudertrauma�hnlichen Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359) zu beurteilen sein wird. Auch dar�ber wird die Unfallversicherung nach Durchf�hrung eines polydisziplin�ren Gutachtens neu zu entscheiden haben.
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird in dem Sinne teilweise gutgeheissen, als der Entscheid des Verwaltungsgerichts von Appenzell Ausserrhoden vom 31. Mai 2006 und der Einspracheentscheid der Winterthur Versicherungen vom 1. M�rz 2005 aufgehoben werden. Es wird die Sache an die Winterthur Versicherungen zur�ckgewiesen, damit sie den Sachverhalt im Sinne der Erw�gungen abkl�re und �ber den Anspruch der Beschwerdef�hrerin auf Versicherungsleistungen neu verf�ge. Im �brigen wird die Verwaltungsgerichtsbeschwerde abgewiesen.
Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdef�hrerin f�r das Verfahren vor dem Bundesgericht eine Parteientsch�digung von Fr. 2'500.- (einschliesslich Mehrwertsteuer) zu bezahlen.