Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F03-12-2015-9C_689-2015
Timestamp: 2016-10-23 06:21:37
Document Index: 293523978

Matched Legal Cases: ['Art. 105', 'Art. 97', 'Art. 105', 'Art. 99', 'Art. 42', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 66']

9C_689/2015 � � Urteil vom 3. Dezember 2015
A.________ meldete sich im M�rz 2012 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Unter anderem in Ber�cksichtigung des Gutachtens des Instituts B.________ vom 14. Juli 2014 verneinte die IV-Stelle des Kantons Aargau mit Verf�gung vom 19. Dezember 2014 einen Rentenanspruch.
Die Beschwerde des A.________ wies das Versicherungsgericht des Kantons Aargau nach Beiladung der Pensionskasse der PAX zum Verfahren mit Entscheid vom 12. August 2015 ab.
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beantragt A.________, der Entscheid vom 12. August 2015 sei aufzuheben und ihm eine ganze IV-Rente zuzusprechen; eventualiter sei die Sache an die IV-Stelle zwecks weiterer Abkl�rungen zur�ckzuweisen.
Der Beschwerdef�hrer hat einen nach Erlass des angefochtenen Entscheids erstellten �rztlichen Bericht vom 31. August 2015 ins Recht gelegt. Dieses Dokument hat aufgrund des Verbots, im Beschwerdeverfahren echte Noven beizubringen, sowie aufgrund der Bindung des Bundesgerichts an den vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt (Art. 105 Abs. 1 BGG) mit Beschr�nkung der Pr�fung in tats�chlicher Hinsicht auf die in Art. 97 Abs. 1 und Art. 105 Abs. 2 BGG festgelegten Beschwerdegr�nde grunds�tzlich unbeachtet zu bleiben. Die ebenfalls eingereichten �rztliche Berichte vom 29. Januar, 28. M�rz und 9. April 2015, alle nach Erlass der Verf�gung vom 19. Dezember 2014 datierend, sind unzul�ssige (unechte) Noven (Art. 99 Abs. 1 BGG), da sie ohne weiteres bereits im vorinstanzlichen Verfahren h�tten aufgelegt werden k�nnen (Urteil 9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 1.2).
Der Beschwerdef�hrer r�gt, das kantonale Versicherungsgericht habe die vorhandenen medizinischen Berichte nicht in die Beweisw�rdigung miteinbezogen und nicht �berzeugend begr�ndet, weshalb es trotz der aktuelleren Berichte einzig auf das Gutachten des Instituts B.________ vom 14. Juli 2014 abgestellt habe.
2.1.�Mit Bezug auf die nach der Expertise erstellten Berichte von pract. med. C.________ vom 8. September 2014 und Dr. med. D.________ vom 16. September 2014 hat die Vorinstanz dargelegt, weshalb sie deren Beweiswert nicht zu mindern verm�chten. Der Beschwerdef�hrer �ussert sich nicht dazu, womit er seiner Begr�ndungspflicht nicht gen�gt (Art. 42 Abs. 2 BGG; BGE 138 I 171 E. 1.4 S. 176; Urteil 2C_413/2014 vom 11. Mai 2014 E. 2.1).
2.2.�Weiter lassen sich dem Bericht des Dr. med. E.________ vom 14. Januar 2013 keine schweren neurologischen Defizite entnehmen. Vielmehr verweist der Facharzt im Wesentlichen auf den Bericht des Spitals F.________ �ber die interdisziplin�re Schmerzsprechstunde vom 7. Dezember 2012, welcher die Komplexit�t des ganzen St�rungsbildes dokumentiere, woraus zur Zeit de facto eine Arbeitsunf�higkeit von 100 % resultiere. Im �brigen hat die Vorinstanz dargelegt, weshalb auf diese Einsch�tzung nicht abgestellt werden kann, wozu der Beschwerdef�hrer nichts sagt.
2.3.�Schliesslich hat die Vorinstanz dargelegt, weshalb auf die Beurteilung des Psychiaters des Instituts B.________ abgestellt werden kann. Der Beschwerdef�hrer bestreitet die betreffenden Erw�gungen nicht. Danach waren - im Gegensatz zum erw�hnten Bericht des Spitals F.________, in welchem die Diagnose "Angst und depressive St�rung, gemischt (ICD-10 F41.2) " gestellt worden war - insbesondere beim Beschwerdef�hrer weder Hinweise f�r eine eigentliche depressive St�rung noch eine Angstst�rung festzustellen. Der Umstand allein, dass in einem anderen Streitfall ein kantonales Versicherungsgericht die Beurteilung des selben psychiatrischen Experten nicht als beweiskr�ftig erachtet hatte, gen�gt nicht, um das Abstellen auf dessen Beurteilung im vorliegenden Fall als bundesrechtswidrig erscheinen zu lassen.
Die R�ge, die Vorinstanz habe die medizinischen Akten willk�rlich gew�rdigt (Urteil 9C_156/2015 vom 1. Juli 2015 E. 1.2), ist unbegr�ndet.
Wie der Beschwerdef�hrer richtig vorbringt, hat die Vorinstanz die mit Urteil 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281) ge�nderte und pr�zisierte Rechtsprechung zum invalidisierenden Charakter pathogenetisch-�tiologisch unklarer syndromaler Beschwerdebilder ohne organisch nachweisbare Grundlage (BGE 130 V 352 und seitherige Urteile) nicht ber�cksichtigt bzw. nicht angewendet. Die im Gutachten des Instituts B.________ vom 14. Juli 2014 unter den Diagnosen (ohne Einfluss auf die Arbeitsf�higkeit) aufgef�hrte Somatisierungsst�rung (ICD-10 F45.0) geh�rt zu den mit einer anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung (ICD-10 F45.4) vergleichbaren psychosomatischen Leiden (Urteil 8C_696/2008 vom 3. Juni 2009 E. 8.2.2). Darauf war somit bei Erlass des angefochtenen Entscheids vom 12. August 2015 grunds�tzlich die neue Rechtsprechung anwendbar (BGE 132 V 368 E. 2.1 S. 369). Indessen ergibt sich auch im Lichte von BGE 141 V 281 nichts zu Gunsten des Beschwerdef�hrers:
Vorab macht er - zu Recht - nicht geltend und legt auch nicht dar, inwiefern dem Gutachten des Instituts B.________ vom 14. Juli 2014 nunmehr kein Beweiswert mehr zukommen soll (BGE 141 V 281 E. 8 S. 309). Gem�ss der Expertise konnte der Psychiater der Medizinischen Abkl�rungsstelle keine eigentlichen psychopathologischen Symptome feststellen. Der Blutspiegel des verordneten Antidepressivums sodann lag weit unter dem therapeutischen Bereich, was darauf hindeutete, dass der Explorand entgegen seinen Angaben das Medikament kaum einnahm, er sich somit nicht besonders depressiv f�hlte. Zudem gab er an, eine gute Beziehung mit seiner Ehefrau und den (f�nf erwachsenen) Kindern zu haben, was f�r das Vorhandensein von das Leistungsverm�gen beg�nstigenden Ressourcen spricht (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1 und E. 4.3.3 S. 292 ff.).
Entscheidend ist jedoch, dass der Beschwerdef�hrer im Rahmen der verschiedenen spezial�rztlichen Untersuchungen Verhaltensweisen zeigte, die nicht mehr als blosse (unbewusste) Tendenz zur Schmerzausweitung und -verdeutlichung, sondern als anspruchsausschliessende Aggravation zu betrachten sind (vgl. Urteil 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4). Der Orthop�de des Instituts B.________ erw�hnte, es sei im Rahmen der problemlos durchgef�hrten Untersuchung immer wieder zu erheblichem Schmerzgebaren, Gegenspannung sowie bei Palpation der Wirbels�ule zur erheblichen Schmerz�usserung selbst bei geringem Druck gekommen; vier von f�nf Waddell-Zeichen seien positiv. Die vom Exploranden angegebenen Beschwerden seien v�llig diffus und w�rden gr�sste Teile des Bewegungsapparates umfassen. Der neurologische Gutachter hielt fest, es habe sich beim Stand und Gang eine deutliche Unsicherheit gezeigt. Beim Blindgang sei es zu mehreren Beinahest�rzen gekommen, welche der Explorand (jedoch) ausgezeichnet aufgefangen habe. Die geklagte Sensibilit�tsst�rung im Bereich des linken Beines sei v�llig diffus. Eine demonstrative Komponente sei offensichtlich.
Unter diesen Umst�nden kann der Somatisierungsst�rung kein invalidisierender Charakter zugesprochen werden, der zu einer rechtlich relevanten zus�tzlichen Einschr�nkung der von den Gutachtern mit 85 % bezifferten Arbeitsf�higkeit in angepassten T�tigkeiten f�hren und zu diesbez�glichen Abkl�rungen Anlass geben k�nnte. Die Bemessung des Invalidit�tsgrades (von 34 %) blieb schon vor Vorinstanz unangefochten.
Als unterliegende Partei hat der Beschwerdef�hrer die Gerichtskosten zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG).
Dieses Urteil wird den Parteien, der Pensionskasse der PAX, dem Versicherungsgericht des Kantons Aargau und dem Bundesamt f�r Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.