Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/der-anspruch-auf-erteilung-einer-rechnung-379502
Timestamp: 2020-07-14 16:38:36
Document Index: 134212143

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 273', '§ 14', '§ 1', '§ 14', '§ 14', '§ 4', '§ 14', '§ 273', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 15', '§ 4', '§ 4', 'Art. 135', 'Art. 135', '§ 4', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 14', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 14', 'BGH', '§ 14', '§ 14', 'Art. 13', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Der Anspruch auf Erteilung einer Rechnung | Rechtslupe
Der Anspruch auf Ertei­lung einer Rech­nung
Besteht ein Anspruch auf Ertei­lung einer Rech­nung nach § 14 UStG, kann der Leis­tungs­emp­fän­ger das von ihm geschul­de­te Ent­gelt grund­sätz­lich nach § 273 Abs. 1 BGB zurück­hal­ten, bis der Leis­ten­de ihm die Rech­nung erteilt [1]. Ist ernst­lich zwei­fel­haft, ob die Leis­tung der Umsatz­steu­er unter­liegt, kann der Leis­tungs­emp­fän­ger die Ertei­lung einer Rech­nung nach § 14 UStG mit geson­dert aus­ge­wie­se­ner Steu­er nur ver­lan­gen, wenn die zustän­di­ge Finanz­be­hör­de den Vor­gang bestands­kräf­tig der Umsatz­steu­er unter­wor­fen hat [2]. Einer bestands­kräf­ti­gen Unter­wer­fung kommt es im Ergeb­nis gleich, wenn einer Kla­ge des Leis­tungs­emp­fän­gers gegen das für die Umsatz­steu­er­fest­set­zung gegen­über dem Leis­ten­den zustän­di­ge Finanz­amt auf Fest­stel­lung, dass der betref­fen­de Umsatz steu­er­bar und steu­er­pflich­tig ist, durch rechts­kräf­ti­ge Ent­schei­dung statt­ge­ge­ben wird [3].
Ein Unter­neh­mer, der eine Lie­fe­rung oder sons­ti­ge Leis­tung nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG und dabei einen Umsatz an einen ande­ren Unter­neh­mer für des­sen Unter­neh­men aus­führt, ist grund­sätz­lich ver­pflich­tet, eine – den Anfor­de­run­gen des Umsatz­steu­er­ge­set­zes ent­spre­chen­de – Rech­nung aus­zu­stel­len, vgl. § 14 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 UStG. Eine sol­che Ver­pflich­tung zur Aus­stel­lung einer Rech­nung besteht gemäß § 14 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Satz 3 UStG nicht, wenn der Umsatz nach § 4 Nr. 8 bis 28 UStG steu­er­frei ist.
Besteht ein Anspruch auf Ertei­lung einer Rech­nung nach § 14 UStG, kann der Leis­tungs­emp­fän­ger das von ihm geschul­de­te Ent­gelt grund­sätz­lich nach § 273 Abs. 1 BGB zurück­hal­ten, bis der Leis­ten­de ihm die Rech­nung erteilt [4]. Ist indes ernst­lich zwei­fel­haft, ob die Leis­tung der Umsatz­steu­er unter­liegt, kann der Leis­tungs­emp­fän­ger die Ertei­lung einer Rech­nung nach § 14 UStG mit geson­dert aus­ge­wie­se­ner Steu­er nur ver­lan­gen, wenn die zustän­di­ge Finanz­be­hör­de den Vor­gang bestands­kräf­tig der Umsatz­steu­er unter­wor­fen hat [5]. Einer sol­chen bestands­kräf­ti­gen Unter­wer­fung kommt es im Ergeb­nis gleich, wenn einer Kla­ge des Leis­tungs­emp­fän­gers gegen das für die Umsatz­steu­er­fest­set­zung gegen­über dem Leis­ten­den zustän­di­ge Finanz­amt auf Fest­stel­lung, dass der betref­fen­de Umsatz steu­er­bar und steu­er­pflich­tig ist, durch rechts­kräf­ti­ge Ent­schei­dung statt­ge­ge­ben wird [3]. Soweit der Leis­tungs­emp­fän­ger danach die Ertei­lung einer Rech­nung nach § 14 UStG mit geson­dert aus­ge­wie­se­ner Steu­er nicht ver­lan­gen kann, steht ihm ein dies­be­züg­li­ches Zurück­be­hal­tungs­recht nicht zu.
An der genann­ten Recht­spre­chung [6] ist jeden­falls für den – hier gege­be­nen – Fall, dass ernst­lich zwei­fel­haft ist, ob eine Steu­er­be­frei­ung ein­greift, auch unter Berück­sich­ti­gung der Rege­lun­gen zur Berich­ti­gung bei zu Unrecht erfolg­tem Steu­er­aus­weis (vgl. § 14c UStG) fest­zu­hal­ten [7]. Bei einer der­ar­ti­gen ernst­lich zwei­fel­haf­ten Steu­er­rechts­la­ge ist es dem Leis­ten­den regel­mä­ßig nicht zuzu­mu­ten, eine Rech­nung nach § 14 UStG mit geson­der­tem Steu­er­aus­weis aus­zu­stel­len, die unter Umstän­den nach der Beur­tei­lung der zustän­di­gen Finanz­be­hör­de zu Unrecht einen Steu­er­aus­weis ent­hält. Der Leis­ten­de wäre damit dem Risi­ko aus­ge­setzt, dass allein durch einen sol­chen Steu­er­aus­weis eine – ansons­ten nicht bestehen­de – Steu­er­schuld aus­ge­löst wird (vgl. § 14c UStG). Die für den Leis­ten­den grund­sätz­lich eröff­ne­ten Kor­rek­tur­mög­lich­kei­ten gemäß § 14c UStG kom­pen­sie­ren die mit die­sem Risi­ko ver­bun­de­ne Belas­tung nicht hin­rei­chend. Es kann in die­sem Zusam­men­hang offen­blei­ben, ob und inwie­weit der­je­ni­ge, der von einem Zivil­ge­richt rechts­kräf­tig zur Ertei­lung einer Rech­nung nach § 14 UStG mit geson­der­tem Steu­er­aus­weis ver­ur­teilt wor­den ist, zu einer Berich­ti­gung der dar­auf­hin erteil­ten Rech­nung nach Maß­ga­be von § 14c UStG noch befugt wäre [8]. Die mit dem genann­ten Risi­ko ver­bun­de­ne Belas­tung wird jeden­falls wegen der Kom­ple­xi­tät der mit einer sol­chen Berich­ti­gung ver­bun­de­nen Ver­fah­ren nicht hin­rei­chend kom­pen­siert [9]. Im Übri­gen ist ein Leis­tungs­emp­fän­ger, der einen Vor­steu­er­ab­zug aus­üben möch­te und hier­für eine nach § 14 UStG aus­ge­stell­te Rech­nung benö­tigt (vgl. § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 2 UStG), in der­ar­ti­gen Fäl­len nicht recht­los gestellt. Denn der Bun­des­fi­nanz­hof [10] erach­tet bei ernst­lich zwei­fel­haf­ter Steu­er­rechts­la­ge eine Kla­ge des Leis­tungs­emp­fän­gers gegen das für die Umsatz­steu­er­fest­set­zung gegen­über dem Leis­ten­den zustän­di­ge Finanz­amt auf Fest­stel­lung, dass ein bestimm­ter Umsatz steu­er­bar und steu­er­pflich­tig ist, für zuläs­sig.
Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Maß­stä­be steht dem Beklag­ten in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit das gel­tend gemach­te Zurück­be­hal­tungs­recht nicht zu. Der strei­ti­ge Vor­gang ist nicht durch die zustän­di­ge Finanz­be­hör­de bestands­kräf­tig der Umsatz­steu­er unter­wor­fen wor­den. Der Beklag­te hat auch nicht gel­tend gemacht, dass er Kla­ge vor den Finanz­ge­rich­ten auf Fest­stel­lung, dass der betref­fen­de Umsatz steu­er­bar und steu­er­pflich­tig ist, erho­ben hät­te.
Im Übri­gen ist es ernst­lich zwei­fel­haft, ob im Streit­fall die Steu­er­be­frei­ung gemäß § 4 Nr. 11 UStG ein­greift.
Nach die­ser Vor­schrift sind unter ande­rem die Umsät­ze aus der Tätig­keit als Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter und Ver­si­che­rungs­mak­ler steu­er­frei. § 4 Nr. 11 UStG dient der Umset­zung von Art. 135 Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 2006/​112/​EG über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem vom 28.11.2006 [11] und ist kon­form mit die­ser Richt­li­nie aus­zu­le­gen. Nach die­ser Richt­li­ni­en­be­stim­mung befrei­en die Mit­glied­staa­ten Ver­si­che­rungs- und Rück­ver­si­che­rungs­um­sät­ze ein­schließ­lich der dazu gehö­ri­gen Dienst­leis­tun­gen, die von Ver­si­che­rungs­mak­lern und ver­tre­tern erbracht wer­den, von der Steu­er. Die von Art. 135 Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 2006/​112/​EG ver­wen­de­ten Begrif­fe sind uni­ons­recht­li­ch­au­to­nom aus­zu­le­gen, um eine in den Mit­glied­staa­ten unter­schied­li­che Anwen­dung des Mehr­wert­steu­er­sys­tems zu ver­hin­dern [12].
Nach die­ser Recht­spre­chung ist es für die steu­er­freie Ver­si­che­rungs­ver­mitt­lungs­tä­tig­keit wesent­lich, Kun­den zu suchen und die­se mit dem Ver­si­che­rer zusam­men­zu­brin­gen [13]. Die Ver­mitt­lung kann in einer Nach­weis, einer Kon­takt­auf­nah­me- oder in einer Ver­hand­lungs­tä­tig­keit bestehen, wobei sich die Tätig­keit auf ein ein­zel­nes Geschäft, das ver­mit­telt wer­den soll, bezie­hen muss [14]. Nicht steu­er­frei sind hin­ge­gen Leis­tun­gen, die kei­nen spe­zi­fi­schen und wesent­li­chen Bezug zu ein­zel­nen Ver­mitt­lungs­ge­schäf­ten auf­wei­sen [15]. Der Umstand, dass ein Ver­si­che­rungs­mak­ler oder ver­tre­ter zu den Par­tei­en des Ver­si­che­rungs­ver­trags, zu des­sen Abschluss er bei­trägt, kei­ne unmit­tel­ba­re Ver­bin­dung, son­dern nur eine mit­tel­ba­re Ver­bin­dung über einen ande­ren Steu­er­pflich­ti­gen unter­hält, der selbst in unmit­tel­ba­rer Ver­bin­dung zu einer die­ser Par­tei­en steht und mit dem der Ver­si­che­rungs­mak­ler oder ver­tre­ter ver­trag­lich ver­bun­den ist, schließt es nicht aus, dass die von dem Letzt­ge­nann­ten erbrach­te Leis­tung nach § 4 Nr. 11 UStG steu­er­frei ist [16]. Es ist nicht grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen, dass die Tätig­keit eines Ver­si­che­rungs­mak­lers und ver­tre­ters sich in ver­schie­de­ne Dienst­leis­tun­gen auf­tei­len lässt, die als sol­che unter den Begriff "zu den Ver­si­che­rungs- und Rück­ver­si­che­rungs­um­sät­zen gehö­ri­ge Dienst­leis­tun­gen, die von Ver­si­che­rungs­mak­lern und ver­tre­tern erbracht wer­den" fal­len [17]. Die Reich­wei­te des § 4 Nr. 11 UStG bei arbeits­tei­lig orga­ni­sier­tem Ver­trieb ist nicht abschlie­ßend geklärt [18].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Juni 2014 – VII ZR 247/​13
Anschluss an BGH, Urteil vom 27.10.2011 – I ZR 125/​10, GRUR 2012, 711 Rn. 44 – Bar­men Live; Beschluss vom 08.03.2005 – VIII ZB 3/​04, NJW-RR 2005, 1005, 1006[↩]
Anschluss an BGH, Urteil vom 10.11.1988 – VII ZR 137/​87, NJW 1989, 302, 303; Urteil vom 24.02.1988 – VIII ZR 64/​87, BGHZ 103, 284, 291 ff.[↩]
vgl. BFHE 183, 288, 294[↩][↩]
vgl. BGH, Urteil vom 27.10.2011 – I ZR 125/​10, GRUR 2012, 711 Rn. 44 – Bar­men Live; Beschluss vom 08.03.2005 – VIII ZB 3/​04, NJW-RR 2005, 1005, 1006; Bunjes/​Korn, UStG, 12. Aufl., § 14 Rn. 31[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 10.11.1988 – VII ZR 137/​87, NJW 1989, 302, 303 = BauR 1989, 83; Urteil vom 24.02.1988 – VIII ZR 64/​87, BGHZ 103, 284, 291 ff.; Urteil vom 14.01.1980 – II ZR 76/​79, NJW 1980, 2710; offen­ge­las­sen von BGH, Urteil vom 02.11.2001 – V ZR 224/​00, NJW-RR 2002, 376, 377[↩]
BGH, Urteil vom 10.11.1988 – VII ZR 137/​87, NJW 1989, 302, 303 = BauR 1989, 83; Urteil vom 24.02.1988 – VIII ZR 64/​87, BGHZ 103, 284, 291 ff.; Urteil vom 14.01.1980 – II ZR 76/​79, NJW 1980, 2710[↩]
offen­ge­las­sen bezüg­lich der Kor­rek­tur­mög­lich­kei­ten gemäß § 14 Abs. 2, Abs. 3 UStG a.F. von BGH, Urteil vom 02.11.2001 – V ZR 224/​00, NJW-RR 2002, 376, 377[↩]
vgl. hier­zu Bunjes/​Korn, aaO, § 14 Rn. 26[↩]
vgl. Sölch/​Ringleb/​Wagner, Umsatz­steu­er, 71. Ergän­zungs­lie­fe­rung, § 14 UStG Rn.197[↩]
BFHE 183, 288, 293 f.[↩]
ABl. EU Nr. L 347 S. 1, ber. ABl. EU 2007 Nr. L 335 S. 60; frü­her Art. 13 Teil B Buchst. a Sechs­te Richt­li­nie 77/​388/​EWG des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern[↩]
vgl. EuGH, UR 2005, 201 Rn. 25 – Arthur Ander­sen; BFHE 226, 172, 175[↩]
vgl. EuGH, UR 2005, 201 Rn. 36 – Arthur Ander­sen; BFHE 226, 172, 175; BFHE 219, 237, 239[↩]
vgl. BFHE 226, 172, 175 m.w.N.[↩]
vgl. BFHE 226, 172, 176 m.w.N.[↩]
vgl. EuGH, BB 2008, 1152 Rn. 29 – J.C.M. Beheer[↩]
vgl. EuGH, BB 2008, 1152 Rn. 27 – J.C.M. Beheer[↩]
vgl. BFHE 219, 237, 240 f.[↩]
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