Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=16.08.2001&Aktenzeichen=V%20R%2072%2F00
Timestamp: 2019-10-16 01:09:22
Document Index: 25893802

Matched Legal Cases: ['§ 233', '§ 14', '§ 17', '§ 14', '§ 17', '§ 14', '§ 14', '§ 233', '§ 17', '§ 14', '§ 14', '§ 233', '§ 13', '§ 14', '§ 14', '§ 233', '§ 14']

BFH, 16.08.2001 - V R 72/00 - dejure.org
https://dejure.org/2001,1832
BFH, 16.08.2001 - V R 72/00 (https://dejure.org/2001,1832)
BFH, Entscheidung vom 16.08.2001 - V R 72/00 (https://dejure.org/2001,1832)
BFH, Entscheidung vom 16. August 2001 - V R 72/00 (https://dejure.org/2001,1832)
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Umsatzsteuer - GmbH - Verzinsung - Nachzahlungszinsen - Wiedereinsetzung in den vorigen Stand - Zustellung - Fristversäumnis - Verschulden
AO § 233a; UStG § 14 Abs. 2 § 17 Abs. 1
Eine für den Steuerpflichtigen ungünstige Rechtsfolge, die der Gesetzgeber bewusst angeordnet oder in Kauf genommen hat, rechtfertigt dagegen keine Billigkeitsmaßnahme (vgl. BFH-Urteil vom 16.08.2001 V R 72/00, BFH/NV 2002, 545 , m.w.N.).
Nach dem BFH-Urteil vom 16. August 2001 V R 72/00, HFR 2002, 381; BFH/NV 2002, 545 seien bei der Prüfung, ob ein den Liquiditätsvorteil kompensierender Liquiditätsnachteil entstanden sei, Umsatzsteuerzahlungen, die ohne rechtliche Verpflichtung erfolgt seien, zu berücksichtigen.
Diese Zielsetzung ergebe sich ausdrücklich aus der Gesetzesbegründung (BT-Drucksache 11/2157, S. 194) und sei von zwei BFH-Senaten in vier Entscheidungen ausdrücklich bestätigt worden (BFH, Urteile vom 20. Januar 1997 V R 28/95 BFHE 183, 353 , BStBl II 1997, 716; vom 11. Juli 1996 V R 18/95, BFHE 180, 524 , BStBl II 1997, 259; vom 5. Juni 1996 X R 234/93, BFHE 180, 240 , BStBl II 1996, 503 und BFH-Urteil in HFR 2002, 381; BFH/NV 2002, 545 ).
Nach dem BFH-Urteil in HFR 2002, 381; BFH/NV 2002, 545 komme ein Erlass aus sachlichen Billigkeitsgründen von Nachzahlungszinsen, die durch den unterschiedlichen Entstehungszeitpunkt von Vorsteuerrückzahlungserstattung und Umsatzsteuererstattung bedingt seien, nicht in Betracht.
Dieses Ergebnis stehe im Einklang mit dem BFH-Urteil in HFR 2002, 381, BFH/NV 2002, 545 .
Denn dieser Steuerpflichtige schuldete bis zur Berichtigung der Rechnungen nach § 14 Abs. 2 Satz 2 i.V.m. § 17 Abs. 1 UStG die zu Unrecht ausgewiesene Umsatzsteuer (BFH-Urteil in HFR 2002, 381, BFH/NV 2002, 545 ).
Entgegen dem Vortrag der Klägerin kann dem BFH-Urteil in HFR 2002, 381, BFH/NV 2002, 545 nicht im Wege des Umkehrschlusses entnommen werden, dass ein einen entstandenen Liquiditätsvorteil kompensierender Liquiditätsnachteil nur dann vorliegt, wenn der Unternehmer, der zu Unrecht Vorsteuerbeträge in Anspruch genommen hat, an anderer Stelle ebenfalls zu Unrecht Umsatzsteuerbeträge an das Finanzamt abführt.
Denn nach der gesetzlichen Ausgestaltung des Gefährdungstatbestandes des § 14 Abs. 2 UStG darf hinsichtlich der Zinsen nicht ein Ergebnis entstehen, als wirke die Rechnungsberichtigung auf den Zeitpunkt des Entstehens der Umsatzsteuerschuld nach § 14 Abs. 2 UStG zurück (vgl. BFH-Urteile in BFH/NV 2003, 591 und in HFR 2002, 381; BFH/NV 2002, 545 ).
Umstände, die der Gesetzgeber bei der Ausgestaltung des gesetzlichen Tatbestandes einer Vorschrift bewusst in Kauf genommen hat, stehen jedoch dem Erlass entgegen (ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteil vom 16. August 2001 V R 72/00, BFH/NV 2002, 545, unter II.2.a, m.w.N.).
Nach der Rechtsprechung des Senats ist die Festsetzung von Nachzahlungszinsen gemäß § 233a AO grundsätzlich rechtmäßig, wenn der Schuldner der Steuernachforderung Liquiditätsvorteile gehabt hat, weil er von der Zahlung der geschuldeten Steuer --wegen unzutreffender Steuerfestsetzung-- vorerst "freigestellt" war (vgl. BFH-Urteil in BFH/NV 2002, 545, unter II.2.b, m.w.N.;… BFH-Beschluss vom 28. Oktober 2005 V B 196/04, BFH/NV 2006, 245).
Für die Rechnungsberichtigung, auf die § 17 Abs. 1 Satz 3 UStG gemäß § 14 Abs. 2 Satz 2 UStG entsprechend anzuwenden ist, bedeutet dies, dass erst im Zeitpunkt der Rechnungsberichtigung der nach § 14 Abs. 2 UStG geschuldete Steuerbetrag zu berichtigen war (vgl. BFH-Urteil in BFH/NV 2002, 545, unter II.2.c aa, m.w.N.).
(vgl. BFH-Urteile vom 16. August 2001 V R 72/00, BFH/NV 2002, 545;… in BFH/NV 2003, 591).
Der BFH habe in seinem Urteil in BFH/NV 2002, 545 eine sachliche Unbilligkeit für die Festsetzung bzw. Erhebung von Zinsen nach § 233a AO verneint.
Eine für den Steuerpflichtigen ungünstige Rechtsfolge, die der Gesetzgeber bewusst angeordnet oder in Kauf genommen hat, rechtfertigt dagegen keine Billigkeitsmaßnahme (vgl. BFH-Urteile in BFH/NV 2002, 545;… in BFH/NV 2012, 1493).
Zweck der Vorschrift ist es einen Ausgleich dafür zu schaffen, dass die Steuer bei den einzelnen Steuerpflichtigen zu unterschiedlichen Zeitpunkten festgesetzt und fällig werden (so die Gesetzesbegründung in BTDrucks. 11/2157, S. 194; vgl. auch BFH-Urteile in BFHE 183, 353, BStBl II 1997, 716; in BFH/NV 2002, 545;… in BFH/NV 2003, 591).
Liquiditätsvorteile, die dem Steuerpflichtigen oder dem Fiskus aus dem verspäten Erlass eine Steuerbescheides typischerweise entstanden sind, sollen mit Hilfe der sog. Vollverzinsung ausgeglichen werden (vgl. BFH-Urteile in BFH/NV 2002, 545, m.w.N.;… in BFH/NV 2003, 591;… BFH-Beschluss BFH/NV 2013, 901).
Dies hat zur Folge, dass die Berichtigung nicht auf den Zeitpunkt der Ausgabe der Rechnung zurückwirkt, der auch der gemäß § 13 Abs. 1 Nr. 4 UStG für den Fall des § 14c Abs. 2 UStG gesetzlich vorgeschriebenen Zeitpunkt der Steuerentstehung ist (vgl. zu § 14 Abs. 2 Satz 2 UStG a.F. BFH-Urteile in BFH/NV 2002, 545;… in BFH/NV 2003, 591, und aus jüngerer Zeit BFH-Beschluss vom 21. Mai 2010 V B 91/09, BFH/NV 2010, 1619, m.w.N.).
Diese Grundsätze gelten auch für den Erlass festgesetzter Zinsen nach § 233a AO 1977 (vgl. BFH-Urteil vom 16. August 2001 V R 72/00, BFH/NV 2002, 545, m.w.N.).
Eine für den Steuerpflichtigen ungünstige Rechtsfolge, die der Gesetzgeber bewusst angeordnet oder in Kauf genommen hat, rechtfertigt dagegen keine Billigkeitsmaßnahme (vgl. BFH-Urteile vom 16. August 2001 V R 72/00, BFH/NV 2002, 545;… in BFH/NV 2011, 865, …und vom 14. März 2012 XI R 28/09, BFH/NV 2012, 1493).
Eine für den Steuerpflichtigen ungünstige Rechtsfolge, die der Gesetzgeber bewusst angeordnet oder in Kauf genommen hat, rechtfertigt dagegen keine Billigkeitsmaßnahme (BFH-Urteile vom 16. August 2001 V R 72/00, BFH/NV 2002, 545; vom 4. Februar 2010 II R 25/08, BFHE 228, 130, BStBl II 2010, 663, jeweils m.w.N.).
Eine für den Steuerpflichtigen ungünstige Rechtsfolge, die der Gesetzgeber bewusst angeordnet oder in Kauf genommen hat, rechtfertigt dagegen keine Billigkeitsmaßnahme (BFH-Urteil vom 16. August 2001 V R 72/00, BFH/NV 2002, 545, m.w.N.).
BFH, 19.12.2002 - V R 66/00
OVG Sachsen, 31.03.2015 - 4 A 8/14
Wasserentnahmeabgabe, Verzinsung
FG Brandenburg, 05.11.2001 - 1 K 446/00
Auch bei Rechnungsberichtigung kein Erlass von Nachforderungszinsen auf nach § 14 …