Source: http://www.judicialis.de/Bundesverfassungsgericht_2-BvR-1601-94_Beschluss_16.02.2000.html
Timestamp: 2017-06-26 22:33:06
Document Index: 304577403

Matched Legal Cases: ['§ 93', '§ 93', '§ 90', '§ 93', '§ 93', 'in dubio', '§ 10', '§ 1']

Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 16.02.2000 mit dem Az.: 2 BvR 1601/94	/* Banner Ads */
Aktenzeichen: 2 BvR 1601/94
BVerfGG § 93b BVerfGG § 93a BVerfGG § 90 Abs. 1 BVerfGG § 93a Abs. 2 BVerfGG § 93d Abs. 1 Satz 3 Diese Entscheidung enthält keinen zur Veröffentlichung bestimmten Leitsatz.
- 2 BvR 1601/94 -
- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Herrmann-F. Kramer und Koll., Bahnhofstraße 39, Hann. Münden -
a) den Beschluss des Thüringer Oberlandesgerichts vom 8. Juni 1994 - 2 Ws-Reha 12/94 -,
b) den Beschluss des Bezirksgerichts Erfurt - II. Rehabilitierungssenat - vom 14. Juli 1993 - II Reha 637/92 -
am 16. Februar 2000 einstimmig beschlossen:
1. Die Rehabilitierungsgerichte sind von Verfassungs wegen nicht gehalten, im Rehabilitierungsverfahren im Zweifel für den Antragsteller zu entscheiden. Der Grundsatz "in dubio pro reo" - für den nicht entschieden ist, ob ihm Verfassungsrang zukommt (vgl. Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 23. September 1987 - 2 BvR 814/87 -, NJW 1988, S. 477; Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 4. Februar 1997 - 2 BvR 122/97 -, JURIS) - ist ein strafverfahrensrechtlicher Satz, der zu Gunsten eines Angeklagten Anwendung findet. Das Rehabilitierungsverfahren nach dem strafrechtlichen Rehabilitierungsgesetz, das eine diesem Grundsatz vergleichbare Regelung nicht enthält (vgl. Bruns/Schröder/Tappert, StrRehaG, Kommentar, 1993, § 10, Rn. 34; Herzler/Ladner/Peifer/Schwarze/Wende, Rehabilitierung, Potsdamer Kommentar, 2. Aufl., 1997, § 1 StrRehaG, Rn. 54), ist kein Strafverfahren; der Antragsteller im Rehabilitierungsverfahren hat auch keine dem Angeklagten im Strafverfahren vergleichbare Stellung. Im Rehabilitierungsverfahren geht es nicht um die Verurteilung oder die Erneuerung einer Verurteilung des Antragstellers, sondern um die Wiedergutmachung judikativen Unrechts der DDR und damit des Unrechts einer fremden Staatsgewalt, für das die Bundesrepublik Deutschland nicht verantwortlich ist und für das sie nicht einzustehen hat (Urteil des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 7. Dezember 1999 - 2 BvR 1533/94 -, Umdruck S. 19, 28).
2. Die tatsächliche Würdigung des Oberlandesgerichts, der Verurteilung des Beschwerdeführers habe eine Meinungsverschiedenheit des Alltags zu Grunde gelegen, sowie seine Auffassung, bei dieser Sachlage sei nicht von politischer Verfolgung durch das Strafverfahren auszugehen, sind von Verfassungs wegen nicht zu beanstanden.