Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/erbst/das-ferienhaus-als-schenkung-vom-ehepartner-368152
Timestamp: 2020-08-05 14:16:49
Document Index: 11344852

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 94', '§ 13', '§ 16', 'Art. 100', '§ 13', '§ 13', '§ 13', 'Art. 3', 'Art. 6', '§ 16', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13']

Das Ferienhaus als Schenkung vom Ehepartner | Rechtslupe
Zuwen­dun­gen unter Leben­den, mit denen ein Ehe­gat­te dem ande­ren Ehe­gat­ten Eigen­tum oder Mit­ei­gen­tum an einem im Inland bele­ge­nen, zu eige­nen Wohn­zwe­cken genutz­ten Haus oder einer im Inland bele­ge­nen, zu eige­nen Wohn­zwe­cken genutz­ten Eigen­tums­woh­nung (Fami­li­en­wohn­heim) ver­schafft, blei­ben nach § 13 Abs. 1 Nr. 4a Satz 1 ErbStG steu­er­frei. Die Steu­er­be­frei­ung bezieht sich nach ihrem Sinn und Zweck nicht nur auf das Haus ver­stan­den als Gebäu­de, son­dern auch auf das Grund­stück, des­sen wesent­li­cher Bestand­teil es nach § 94 Abs. 1 Satz 1 des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches ist [1].
Der BFH hat erheb­li­che Zwei­fel, ob die­se weit­rei­chen­de Steu­er­be­frei­ung des § 13 Abs. 1 Nr. 4a ErbStG ver­fas­sungs­ge­mäß ist. Denn sie führt bei Ehe­leu­ten zu einer Begüns­ti­gung von Immo­bi­li­en­ver­mö­gen, für die ein hin­rei­chen­der sach­li­cher Grund fehlt [2]. Die Begüns­ti­gung kann ins­be­son­de­re nicht mit einem Anspruch auf steu­er­li­che Frei­stel­lung des Gebrauchs­ver­mö­gens der Fami­lie [3] gerecht­fer­tigt wer­den. Denn die­se Frei­stel­lung erfolgt in typi­sie­ren­der Wei­se bereits durch die Frei­be­trä­ge des § 16 ErbStG [4].
Eine Vor­la­ge nach Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG zur Ein­ho­lung einer Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts über die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des § 13 Abs. 1 Nr. 4a ErbStG kommt jedoch schon des­halb nicht in Betracht, weil das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit Beschluss vom 7. Novem­ber 2006 [5] trotz der fest­ge­stell­ten Ver­fas­sungs­ver­stö­ße die Wei­ter­gel­tung des ErbStG bis zu einer Neu­re­ge­lung ange­ord­net hat und die Neu­re­ge­lung durch das Erb­StRG mit Wir­kung ab 1. Janu­ar 2009 erfolgt ist.
Für die­se Aus­le­gung spricht die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Steu­er­be­frei­ung nach § 13 Abs. 1 Nr. 4a ErbStG. Nach der Geset­zes­be­grün­dung [6] soll­ten im Hin­blick auf die Recht­spre­chung des BFH zur schen­kungsteu­er­recht­li­chen Behand­lung von ehe­be­ding­ten Zuwen­dun­gen [7] sol­che Zuwen­dun­gen unter Ehe­gat­ten von der Schen­kungsteu­er frei­ge­stellt wer­den, die den enge­ren Kern der ehe­li­chen Lebens- und Wirt­schafts­ge­mein­schaft berüh­ren. Die Steu­er­be­frei­ung soll­te des­halb Zuwen­dun­gen im Zusam­men­hang mit dem Erwerb eines Fami­li­en­wohn­heims oder der Rege­lung der Eigen­tums­ver­hält­nis­se an einem Fami­li­en­wohn­heim erfas­sen, weil Ehe­gat­ten durch die gemein­sa­me part­ner­schaft­li­che Ein­wir­kung auf das Fami­li­en­wohn­heim in beson­de­rem Maße die ehe­li­che Lebens- und Wirt­schafts­ge­mein­schaft ver­wirk­lich­ten.
Nach der Vor­stel­lung des Gesetz­ge­bers soll­te mit der Steu­er­be­frei­ung für die Zuwen­dung eines Fami­li­en­wohn­heims der enge­re Kern­be­reich der ehe­li­chen Lebens- und Wirt­schafts­ge­mein­schaft pri­vi­le­giert wer­den. Zu die­sem Kern­be­reich gehört das zu eige­nen Wohn­zwe­cken genutz­te Haus, in dem durch das fami­liä­re Zusam­men­le­ben der Lebens­mit­tel­punkt der Fami­lie begrün­det wird. Dem­ge­gen­über ist eine Zweit­woh­nung oder eine Feri­en­woh­nung nicht mehr dem „enge­ren“ Kern­be­reich der ehe­li­chen Lebens- und Wirt­schafts­ge­mein­schaft zuzu­ord­nen.
Die­se Vor­stel­lung liegt auch der Neu­fas­sung des ErbStG durch das Erb­StRG zugrun­de. Durch das Erb­StRG wur­de die Steu­er­be­frei­ung für Fami­li­en­hei­me auf Erwer­be von Todes wegen durch den über­le­ben­den Ehe­gat­ten erstreckt, wobei hier­für u.a. Vor­aus­set­zung ist, dass die Woh­nung beim Erwer­ber unver­züg­lich zur Selbst­nut­zung zu eige­nen Wohn­zwe­cken bestimmt ist (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b Satz 1 ErbStG n.F.). Dazu wird in der Geset­zes­be­grün­dung aus­ge­führt, eine Nut­zung zu eige­nen Wohn­zwe­cken sei auch noch gege­ben, wenn der über­le­ben­de Ehe­gat­te meh­re­re Wohn­sit­ze habe, das Fami­li­en­heim aber sei­nen Lebens­mit­tel­punkt bil­de [8].
Art. 3 Abs. 1 GG ver­bie­tet einen gleich­heits­wid­ri­gen Begüns­ti­gungs­aus­schluss, bei dem eine Begüns­ti­gung einem Per­so­nen­kreis gewährt, einem ande­ren Per­so­nen­kreis aber vor­ent­hal­ten wird [9].
Im Bereich des Steu­er­rechts hat der Gesetz­ge­ber zwar einen weit­rei­chen­den Ent­schei­dungs­spiel­raum bei der Aus­wahl des Steu­er­ge­gen­stands. Die Frei­heit des Gesetz­ge­bers im Steu­er­recht –auch im Erb­schaft­steu­er­recht– wird hier­bei aller­dings durch zwei Leit­li­ni­en begrenzt, näm­lich durch das Gebot der Aus­rich­tung der Steu­er­last am Prin­zip der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit und durch das Gebot der Fol­ge­rich­tig­keit [10]. Die Steu­er­pflich­ti­gen müs­sen dem Grund­satz nach durch ein Steu­er­ge­setz recht­lich und tat­säch­lich gleich­mä­ßig belas­tet wer­den. Die mit der Wahl des Steu­er­ge­gen­stands ein­mal getrof­fe­ne Belas­tungs­ent­schei­dung hat der Gesetz­ge­ber unter dem Gebot mög­lichst gleich­mä­ßi­ger Belas­tung aller Steu­er­pflich­ti­gen bei der Aus­ge­stal­tung des steu­er­recht­li­chen Aus­gangs­tat­be­stands fol­ge­rich­tig umzu­set­zen. Aus­nah­men von einer fol­ge­rich­ti­gen Umset­zung bedür­fen eines beson­de­ren sach­li­chen Grun­des [10].
Das bestehen­de Erb­schaft­steu­er­recht sieht zwar im Hin­blick auf den Schutz von Ehe und Fami­lie (Art. 6 Abs. 1 GG) auch das Fami­li­en­prin­zip als Gren­ze für das Maß der Steu­er­be­las­tung vor [11]. Danach ist die fami­liä­re Ver­bun­den­heit der nächs­ten Ange­hö­ri­gen zum Erb­las­ser (oder Schen­ker) erb­schaft­steu­er­recht­lich zu berück­sich­ti­gen [12]. Dies erfolgt aber regel­mä­ßig durch die Gewäh­rung von Frei­be­trä­gen nach § 16 ErbStG.
Die ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen sind auch dann zu beach­ten, wenn steu­er­recht­li­che Vor­schrif­ten im Ein­zel­fall aus­ge­legt und ange­wen­det wer­den [13].
In der Lite­ra­tur und in der finanz­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung wird eben­falls weit­aus über­wie­gend die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass eine Steu­er­be­frei­ung nach § 13 Abs. 1 Nr. 4a ErbStG nur in Betracht kommt, wenn sich in dem Haus oder der Eigen­tums­woh­nung der Mit­tel­punkt des fami­liä­ren Lebens befin­det, und dass damit eine Steu­er­be­frei­ung für Feri­en- oder Wochen­end­häu­ser aus­schei­det [14].
vgl. BFH, Urteil vom 26.02.2009 – II R 69/​06, BFHE 224, 151, BStBl II 2009, 480[↩]
vgl. hier­zu BVerfG, Beschluss vom 22.06.1995 2 BvR 552/​91, BVerfGE 93, 165, BStBl II 1995, 671, unter C.I.2.b aa[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 93, 165, BStBl II 1995, 671[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 02.03.1994 – II R 59/​92, BFHE 173, 432, BStBl II 1994, 366[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 21.07.2010 – 1 BvR 611/​07 u.a., BVerfGE 126, 400, und BFH, Beschluss vom 27.09.2012 – II R 9/​11, BFHE 238, 241, BStBl II 2012, 899, jeweils m.w.N.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 126, 400, und BFH, Beschluss in BFHE 238, 241, BStBl II 2012, 899[↩][↩]
vgl. BVerfG-Beschlüs­se in BVerfGE 93, 165, BStBl II 1995, 671, und in BVerfGE 126, 400[↩]
vgl. Jüli­cher in Troll/​Gebel/​Jülicher, ErbStG, § 13 Rz 61; Geck in Kapp/​Ebeling, § 13 ErbStG, Rz 38.4; Kobor in Fischer/​Jüptner/​Pahlke/​Wachter, ErbStG, 4. Aufl., § 13 Rz 30; Vis­korf in Viskorf/​Knobel/​Schuck/​Wälzholz, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, Bewer­tungs­ge­setz, 4. Aufl., § 13 ErbStG Rz 39; Meincke, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 16. Aufl., § 13 Rz 20; Kein-Hüm­bert in Moench/​Weinmann, § 13 ErbStG Rz 27; Sla­bon, ErbBstg 2004, 248; Hardt, ZEV 2004, 408; FG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 18.02.1999 – 4 K 2180/​98, EFG 1999, 619; zu § 13 Abs. 1 Nr. 4a ErbStG n.F.: Brüg­ge­mann, ErbBstg 2010, 210; Eisele, Steu­er und Stu­di­um 2010, 579; Stö­ckel, NWB 2010, 216; Esskandari/​Bick, Der Erb­schaft-Steu­er-Bera­ter 2011, 246; Hut­ma­cher, ZNotP 2013, 46; a.A. Handz­ik, DStZ 1999, 416; Schu­mann, ZEV 2012, 224[↩]