Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/der-kampfsportler-und-der-bedingte-toetungsvorsatz-397666
Timestamp: 2020-06-04 12:21:38
Document Index: 127030170

Matched Legal Cases: ['§ 224', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Der Kampfsportler - und der bedingte Tötungsvorsatz | Rechtslupe
Der Kampfsportler - und der bedingte Tötungsvorsatz
Der Kampf­sport­ler – und der beding­te Tötungs­vor­satz
Bei­de Ele­men­te der inne­ren Tat­sei­te müs­sen in jedem Ein­zel­fall geson­dert geprüft und durch tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen belegt wer­den [1].
Annah­me oder Ableh­nung beding­ten Tötungs­vor­sat­zes kön­nen nur auf der Grund­la­ge einer Gesamt­be­trach­tung aller objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Umstän­de erfol­gen [2]. Dabei ist die auf der Grund­la­ge der dem Täter bekann­ten Umstän­de zu bestim­men­de objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung ein wesent­li­cher Indi­ka­tor [3].
Bei der Wür­di­gung des Wil­lens­ele­ments ist neben der kon­kre­ten Angriffs­wei­se jedoch regel­mä­ßig auch die Per­sön­lich­keit des Täters, sein psy­chi­scher Zustand zum Tat­zeit­punkt und sei­ne Moti­va­ti­on mit in die erfor­der­li­che Gesamt­be­trach­tung ein­zu­be­zie­hen [4].
Die­se Anfor­de­run­gen sah der Bun­des­ge­richts­hof im hier beur­teil­ten Fall als nicht erfüllt. Das erst­in­stanz­lich täti­ge Land­ge­richt hielt in sei­nem Urteil ledig­lich fest, dass die Hand­lun­gen des Ange­klag­ten "kon­kret lebens­ge­fähr­lich" und "jeder ein­zel­ne Schlag […] geeig­net" gewe­sen sei, "die Neben­klä­ge­rin zu töten". Dies genügt – wie bereits der Blick auf § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB zeigt – für die Annah­me beding­ten Tötungs­vor­sat­zes nicht. Sei­ne Über­zeu­gung, dass der Ange­klag­te die Lebens­ge­fähr­lich­keit der Schlä­ge erkann­te und den Ein­tritt des ihm uner­wünsch­ten Erfolgs jeden­falls bil­li­gend in Kauf nahm, begrün­det das Land­ge­richt nicht näher. Es setzt sich weder mit dem kon­kre­ten sub­jek­ti­ven Vor­stel­lungs­bild des Ange­klag­ten, der die Neben­klä­ge­rin ledig­lich "außer Gefecht" set­zen woll­te, noch mit dem Umstand aus­ein­an­der, dass die Gefähr­lich­keit der mit dem Fäus­tel geführ­ten Schlä­ge ent­schei­dend von ihrer Inten­si­tät abhing. Uner­ör­tert bleibt auch, ob das Aus­blei­ben knö­cher­ner Ver­let­zun­gen dafür spre­chen könn­te, dass der Ange­klag­te die Schlä­ge jeden­falls nicht mit Wucht geführt hat.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Juni 2015 – 2 StR 504/​14
BGH, Urteil vom 04.11.1988 – 1 StR 262/​88, BGHSt 36, 1, 9 f.; BGH, Urteil vom 18.10.2006 – 2 StR 340/​06, NStZ 2007, 150, 151; BGH, Urteil vom 27.01.2011 – 4 StR 502/​10, NStZ 2011, 699, 702[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 25.03.1999 – 1 StR 26/​99, NJW 1999, 2533, 2534[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 01.06.2007 – 2 StR 133/​07, NStZ-RR 2007, 267, 268[↩]