Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F11-03-2004-U_175-2003
Timestamp: 2016-10-22 13:33:41
Document Index: 123961745

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 175/03 (11.03.2004)
I.________, 1969, Beschwerdef�hrer, vertreten
I.________, geboren 1969, erlitt am 21. Februar 2001 bei seiner Arbeit als Blechschleifer einen Unfall. Eine defekte Handschleifmaschine �berhitzte und liess sich nicht mehr ausschalten, und es traten Stichflammen aus. Beim Versuch, den Stecker zu ziehen, strauchelte I.________. Dann verfing sich der Schmirgelteller in seinem Pullover, was zu einer Rauchentwicklung f�hrte. Erst einem herbeigerufenen Arbeitskollegen gelang es schliesslich, den Stecker zu ziehen. Seither klagt I.________ �ber eine H�rsch�digung sowie �ber psychische Beschwerden. Nach Auffassung der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) besteht kein Zusammenhang zwischen Unfall und H�rsch�digung und psychisch bedingter Arbeitsunf�higkeit, weshalb sie ihre Leistungspflicht, insbesondere die �bernahme der psychologisch-psychotherapeutischen Behandlung sowie eines Aufenthalts im Epilepsie-Zentrum X.________, mit Verf�gungen vom 8. April und 17. Juli 2002 ablehnte. Daran hielt sie auf Einsprache hin fest (Einspracheentscheid vom 3. September 2002).
I.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren und beantragt im Wesentlichen, es seien ihm die gesetzlichen Leistungen aus der Unfallversicherung zuzusprechen.
W�hrend die SUVA auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliesst, verzichten das Bundesamt f�r Sozialversicherung, Abteilung Kranken- und Unfallversicherung (seit 1. Januar 2004 im Bundesamt f�r Gesundheit), sowie die als Mitinteressierte beigeladene Concordia Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung auf eine Vernehmlassung.
Das kantonale Gericht hat die Grunds�tze �ber die Anwendbarkeit des am 1. Januar 2003 in Kraft getretenen Bundesgesetzes �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 und die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen (BGE 119 V 337 Erw. 1, 117 V 360 Erw. 4a, je mit Hinweisen) und ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden insbesondere bei psychischen Fehlreaktionen (BGE 115 V 136 Erw. 4c und 138 ff. Erw. 6 und 7) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Was zun�chst die H�rprobleme des Versicherten betrifft, ist nach Auffassung der Vorinstanz eine nat�rliche Kausalit�t zum Unfall nicht �berwiegend wahrscheinlich (BGE 126 V 360 Erw. 5b, 125 V 195 Erw. 2, je mit Hinweisen). Sie st�tzt sich dabei mit der Verwaltung auf den Bericht des SUVA-Arztes Dr. med. M.________, Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Hals- und Gesichtschirurgie und Arbeitsmedizin FMH, vom 22. M�rz 2002, welcher eine Verursachung der heute bestehenden H�rst�rung durch den Unfall als h�chstens m�glich bezeichnet hat. Der Beschwerdef�hrer r�gt, dass Dr. med. M.________ lediglich deshalb zu diesem Schluss komme, weil er davon ausgegangen sei, es habe gar kein Sturz stattgefunden. Dies trifft jedoch nicht zu. Der SUVA-Arzt stellte fest, dass eigentliche Kopfverletzungen, die bei gen�gender Auspr�gung im Rahmen einer Commotio auris internae zu einer massiven H�rst�rung f�hren k�nnten, nicht aktenkundig seien. Solche wurden tats�chlich weder durch den Arbeitskollegen des Versicherten bemerkt, welcher an Ort und Stelle Hilfe leistete, noch im Spital Y.________, in welches der Beschwerdef�hrer nach dem Unfall eingewiesen wurde (Bericht vom 27. Februar 2001). Auch die im Spital diagnostizierte (leichtgradige) Rauchgasintoxikation war nach Ansicht des SUVA-Arztes nicht geeignet, eine einseitige H�rst�rung zu bewirken. Damit ist schl�ssig festgestellt, dass die bestehenden H�rprobleme unfallfremd sind (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis), weshalb Verwaltung und Vorinstanz zu Recht auf die Einsch�tzung des SUVA-Arztes abgestellt haben. Im �brigen kann vollumf�nglich auf die zutreffenden Erw�gungen des kantonalen Gerichts verwiesen werden.
Zu pr�fen ist im Weiteren, ob die psychischen Beschwerden des Versicherten auf den erlittenen Unfall zur�ckgef�hrt werden k�nnen. Diese �ussern sich als Bewusstseinsst�rungen, die mit starken Kopfschmerzen und Zittern eingeleitet werden. Seit Mitte Mai 2002 treten die Anf�lle nach Angaben des Beschwerdef�hrers t�glich w�hrend mindestens 20 bis 30 Minuten auf. Am 11. Juni 2003 habe er sogar in die Psychiatrische Klinik Z.________ eingewiesen werden m�ssen.
Unbestritten ist, dass der Unfall des Beschwerdef�hrers dem mittleren Bereich zuzuordnen ist (BGE 115 V 138 ff. Erw. 6). Ein ad�quater Kausalzusammenhang k�nnte daher nur bejaht werden, wenn ein einzelnes der in diesen F�llen erforderlichen einschl�gigen Beurteilungskriterien in besonders ausgepr�gter Form vorl�ge oder diese in geh�ufter oder auffallender Weise gegeben w�ren (BGE 115 V 140 f. Erw. 6c/bb/cc). Das kantonale Gericht hat erwogen, dass keines der nach der Rechtsprechung massgebenden Kriterien vorliege. Demgegen�ber macht der Beschwerdef�hrer geltend, dass der Unfall besonders eindr�cklich gewesen sei. Mit Flash-backs werde er mehrmals t�glich mit seiner Ohnmacht gegen�ber der mit Strom geladenen, Stichflammen ausl�senden Schleifmaschine konfrontiert und erlebe nochmals, wie er damals gegen die Wand und auf den Boden geschleudert wurde. Die Beschwerdegegnerin wendet dagegen zu Recht ein, dass nicht das subjektive Unfallerlebnis massgebend ist (RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313 ff.). Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass keine besondere Eindr�cklichkeit und keine besonders dramatischen Begleitumst�nde vorliegen. Die geltend gemachte Arbeitsunf�higkeit ist wirtschaftlich bedingt, nachdem der Versicherte seine Erwerbst�tigkeit bei der vormaligen Arbeitgeberin so lange aus�ben konnte, bis diese Ende November 2001 die Produktion eingestellt hat. Da die Schmerzen im Halsbereich nicht somatisch bedingt sind und die Ohrenschmerzen diesen gegen�ber in den Hintergrund treten, ist auch das Kriterium der k�rperlichen Dauerschmerzen nicht erf�llt. Demnach fehlt der ad�quat-kausale Zusammenhang zwischen dem Vorfall vom 21. Februar 2001 und den noch geklagten Beschwerden, weshalb die Verwaltungsgerichtsbeschwerde unbegr�ndet ist.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen, dem Bundesamt f�r Gesundheit (BAG) und der Concordia Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung zugestellt.
Luzern, 11. M�rz 2004