Source: https://www.res-media.net/youtube-videos-und-die-kennzeichnungspflicht-von-werbung-2/
Timestamp: 2020-07-10 07:09:54
Document Index: 4052122

Matched Legal Cases: ['§ 58', '§ 2', '§ 58', '§ 58', '§ 7', '§ 58', 'BGH']

YouTube-Videos und Werbung - Der Fall Flying Uwe
In YouTube-Videos ist zunehmend zu beobachten, wie Mode- und Beauty-BloggerInnen Produkte diverser Hersteller testen und weiterempfehlen. Hinter dem unabhängigen Schein, den privat gedrehte Videos vermitteln, steht jedoch meist eine Finanzierung des YouTubers durch den Hersteller. Aber auch bei anderen Videos kann es zu Produktempfehlungen und Sponsoring durch Unternehmen kommen, die diese Blogger und YouTuber mit finanziellen Mitteln oder durch das bereitstellen kostenloser Schminkutensilien unterstützen.
Aktueller Fall – Bußgeld für Flying Uwe über 10.500 €
Die Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein hat nun gegen den Fitness-YouTuber „Flying Uwe“ ein Bußgeld in Höhe von 10.500 Euro verhängt, weil er drei Videos nicht als „Dauerwerbesendung“ gekennzeichnet habe. Die Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein hat wohl Berichten zufolge mehrere YouTuber angeschrieben und auf die Werbe- und Sponsoringbestimmungen für YouTube aufmerksam gemacht. „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum“, heißt es wohl dazu von der Medienanstalt.
Die Regeln des Rundfunkstaatsvertrags finden auf Fernsehsendungen Anwendung. Danach müssen auf Produktplatzierungen ausreichend hingewiesen werden (§ 58 Abs. 1 RStV). Das bedeutet, dass zu Beginn, nach jeder Werbepause und beim Ende jeder Sendung ein entsprechender Hinweis erfolgen muss. Produktplatzierungen sind gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 11 RStV „die gekennzeichnete Erwähnung oder Darstellung von Waren, Dienstleistungen, Namen, Marken, Tätigkeiten eines Herstellers von Waren oder eines Erbringers von Dienstleistungen in Sendungen gegen Entgelt oder eine ähnliche Gegenleistung mit dem Ziel der Absatzförderung. Die kostenlose Bereitstellung von Waren oder Dienstleistungen ist Produktplatzierung, sofern die betreffende Ware oder Dienstleistung von bedeutendem Wert ist“. Produktplatzierungen dürfen jedoch nicht unmittelbar zum Kauf auffordern und das umworbene Produkt zu stark in den Vordergrund stellen.
Bei YouTube –Videos ist es ratsam, wenn zwischendurch Werbeeinblendungen erscheinen oder Bestandteile des Videos sind, zu Beginn des Videos auf den Werbecharakter hinzuweisen. Da viele YouTube-Videos mittlerweile dem Fernsehen sehr ähnlich sind, ist es wahrscheinlich, dass die Regeln des Rundfunkstaatsvertrages auch Anwendung finden können (§ 58 Abs. 3 TMG). Ein Großteil der bei YouTube eingestellten Videos dürften gegen diese Vorschriften verstoßen.
Laut der Medienaufsicht verstößt im aktuellen Fall der Blogger Flying Uwe durch die betroffenen Videos gegen § 58 Abs. 3 in Verbindung mit § 7 Abs. 5 des Rundfunkstaatsvertages. Die Paragraphen besagen: Auch für Telemedien gelten die Werbegrundsätze des RStV, wenn Anbieter fernsehähnliche Inhalte produzieren. Dauerwerbesendungen müssen zu Beginn als solche angekündigt und während ihres gesamten Verlaufs als solche gekennzeichnet werden. Die Medienanstalt hat sich also für die Anwendung des § 58 Abs. 3 Rundfunkstaatsvertrag auf youtube-Videos entschieden.
Das dürfte auch viele Videos, die Firmen über ihre sozialen Netzwerke einstellen betreffen.
Bisher wurde Schleichwerbung bzw. nicht ausreichend gekennzeichnete Videos als Werbung über die sozialen Medien durch Blogger, Influencer uws. noch nicht verfolgt, weder von den Behörden, noch von Wettbewerbern. Hier findet aber wohl gerade ein Umdenken statt.
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