Source: https://www.hochsauerlandkreis.de/kinderkurheim/info/zertifizierung/einrichtungskonzept/einrichtungskonzept.php
Timestamp: 2019-10-17 05:27:17
Document Index: 312250184

Matched Legal Cases: ['§ 111', '§ 1', '§ 16', '§ 42', '§ 16', '§ 8', '§ 72']

Einrichtungskonzept - Hochsauerlandkreis
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Einrichtungskonzept Kinderkurheim "Arnsberg" des Hochsauerlandkreises auf Norderney
Das Kinderkurheim "Arnsberg" auf Norderney wurde erstmals 1921 als "Erholungsheim" durch Kinder aus dem Bereich des Altkreises Arnsberg belegt und entwickelte sich ab etwa 1947 von dem ursprünglichen Erholungsheim hin zu einer Einrichtung für eine gehobene Kurheilfürsorge.
Seit 1991 wird das Kinderkurheim als "stationäre Einrichtung für medizinische Vorsorgeleistungen und medizinische Rehabilitationsmaßnahmen" geführt.
Der nach § 111 SGB V mit den Krankenkassen (u.a. AOK - Landesverband Niedersachsen) abgeschlossene Versorgungsvertrag ist Grundlage der Einrichtung als Kinderkurheim.
Das Haus verfügt insgesamt über 45 genehmigte Plätze. Auf der Basis von jährlich insgesamt elf Kuren sollen je Kurmaßnahme maximal 45 Plätze in drei Gruppen vorgehalten werden. Hiervon werden etwa 20 % durch die Versicherungsträger genehmigt.
Unabhängig von dieser eingeschränkten Versicherungsleistung hat es sich das Kreisjugendamt des Hochsauerlandkreises zum Ziel gesetzt, ausgehend von einer ganzheitlichen Betrachtung der Gesundheit, nämlich sowohl der physischen wie auch der psychosozialen Gesundheit, dieses Angebot der Gesundheitsförderung als eine Maßnahme der gesundheitlichen Prävention allen Kindern, Jugendlichen und ihren Familien vorzuhalten. Somit erhält das Angebot des Kinderkurheimes auch im Kontext "Früher Hilfen" und der Prävention der Jugendhilfe eine herausragende Bedeutung.
Der Hochsauerlandkreis bietet, wie im vorgenannten Leitbild beschrieben, gesundheits- und sozialisationsfördernde "Kurmaßnahmen" an, die nicht nur die Stärkung eines jeden einzelnen Kindes / Jugendlichen, sondern auch die Stärkung der Familie als sozialen Mittelpunkt des betreffenden Kindes zum Ziel haben.
Die Krankheitsbilder bei Kindern in Deutschland haben sich gegenüber früher verändert. Infektionskrankheiten, die früher gefährlich, lebensbedrohlich waren, lassen sich heute mit Impfungen und Medikamenten verhindern bzw. gut behandeln. Stattdessen sind verstärkt chronische und psychomotorische Erkrankungen festzustellen, die einer spezifischen, kontinuierlichen Behandlung bedürfen.
Chronische Erkrankungen der Luftwege, allergische Krankheiten und Diathesen, Haut- und Atemwegserkrankungen, Erkrankungen des Halte- und Stützapparates, Ess- und Verhaltensstörungen, sind nur einige der Indikationen, die im Kinderkurheim behandelt werden (s. hierzu Reha-Konzept).
Psychische, soziale Gesundheit
Entsprechend der o.a. Definitionen zeigen sich im Alltag des Kinderkurheimes neben den o.g. körperlichen Erkrankungen seit Jahren schon insgesamt, auch im Bereich der geistigen und sozialen Gesundheit, massive Veränderungen. Krankheitsbilder, wie Verhaltensauffälligkeiten, Essstörungen, psychogene Funktions- oder Entwicklungsstörungen, Störungen des Sozialverhaltens oder emotionale Störungen des Kindesalters, AD(H)S oder Schulmüdigkeit, sind heute überwiegende Indikationen.
Gründe hierfür sind sehr vielschichtig zu betrachten, fokussieren sich aber aus Sicht der Jugendhilfe neben weiteren Faktoren, insbesondere auf veränderte Lebensbedingungen, veränderte familiäre Strukturen, Beziehungsstörungen, traumatische Erfahrungen, Verlassenheitszustände, schulische Anforderungen oder ein geändertes Freizeitverhalten bei wachsendem Medienkonsum.
Die psychisch-soziale Gesundheit eines Kindes steht in direktem Zusammenhang mit seinen familiären und sozialen Lebensbedingungen. Vor dem Hintergrund, dass "jeder junge Mensch ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung" hat, ist es die Aufgabe der Jugendhilfe, junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu fördern und dazu beizutragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen. Eltern und andere Erziehungsberechtigte sind bei der Erziehung zu beraten und zu unterstützen" (§ 1 Sozialgesetzbuch VIII - SGB VIII).
Die Gesundheitsförderung der Kinder / Jugendlichen richtet sich auf die Förderung des sozialen, psychischen und physischen Wohlbefindens von Kindern. Hierbei sind vorhandene oder benötigte Ressourcen zu stärken und Resilienz zu fördern. Durch entsprechende Angebote sollen vorhandene Belastungen minimiert und Entlastungsmöglichkeiten erlernt werden.
Unter angemessener Berücksichtigung ihrer gegebenen Lebensbedingungen sind Kinder und Jugendliche, zu altersentsprechendem gesundheitsförderlichem Verhalten zu befähigen. Hierzu zählt auch die Vermittlung bzw. Entwicklung von Sozialkompetenzen und die Förderung sozialen Lernens mit dem Ziel der Stärkung des Selbstbewusstseins und der Identitätsentwicklung. Individual- oder auch gruppenpädagogische Angebote sind hierzu geeignete Maßnahmen.
Das Jugendamt hat entsprechend § 16 SGB VIII Müttern, Vätern und jungen Menschen Leistungen der allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie anzubieten, die dazu beitragen sollen, dass Mütter und Väter ihre Erziehungsverantwortung besser wahrnehmen können. Neben der Erziehungsberatung, der Begleitung der Familie im Kontext zum sozialen Umfeld, zur Schule und anderen Institutionen im formlosen Bereich, zählen hierzu u.a. auch Angebote der Familienerholung, der Familienfreizeit, insbesondere auch in belastenden Familiensituationen, die alle aber das Ziel der Stärkung der familiären Erziehungskraft haben.
Die Teilnahme an einer sozialpädagogisch begleiteten Kurmaßnahme kann insoweit auch als Maßnahme der Förderung der Erziehung in der Familie genutzt werden und zur Stabilisierung und Erholung des individuellen und familiären Zusammenlebens beitragen.
Über eine solche freiwillige, von allen Beteiligten gewünschte Krisenintervention hinaus, gibt es für das Jugendamt auch die Situation einer gesetzlich vorgeschriebenen Inobhutnahme (§ 42 SGB VIII) eines Kindes oder Jugendlichen. Das Kinderkurheim bietet hier die Möglichkeit, im wohlverstandenen Interesse der betroffenen Kinder und deren Eltern von einer solchen Maßnahme abzusehen und aus dem geschützten und akzeptierten Rahmen der "Kurmaßnahme" heraus die weitere Perspektivklärung des Kindes oder Jugendlichen mit allen Beteiligten vorzunehmen. Die Betreuung des Kindes in der Einrichtung auch über die Kurdauer hinaus, wird unter Berücksichtigung der Kindesinteressen in besonders geeigneten Fällen und im Einvernehmen mit allen Beteiligten bei Bedarf sichergestellt.
Der vierwöchige Aufenthalt im Kinderkurheim bietet die Chance, aus einer bei einem Teil der Kinder defizitären, belastenden familiären Situation heraus im geschützten und fachlich begleiteten Raum des Kinderkurheimes zur Ruhe zu kommen und neue Kräfte zu finden.
Die Abwesenheit des Kindes beinhaltet auch für die Familie die Chance, unter Beteiligung der Fachkräfte des Jugendamtes, ihre Situation zu reflektieren und, wenn notwendig, entsprechende für die Rückkehr des Kindes erforderliche Veränderungen, zu planen und umzusetzen.
Das Angebot der "Förderung der Erziehung in der Familie" im Kinderkurheim schließt auch die zeitlich befristete Aufnahme eines Säuglings mit seiner Mutter/Vater bei einer Dauer von max. zwei Kurdauern ein (§ 16, 3 SGB VIII).
Indikationen für eine solche Aufnahme können sein:
fehlende Betreuungs- oder Unterstützungsalternative;
zeitlich befristetes, pädagogisch begleitetes "Clearing" der neuen Mutterrolle;
ungeklärte Versorgungs- und Betreuungssituation;
ungeklärter Sachverhalt gem. § 8 a SGB VIII.
Inhaltliche Ausgestaltung/Leistungsangebot
Wie an anderer Stelle bereits formuliert, richtet sich Gesundheitsförderung im Kindesalter auf die Förderung des sozialen, psychischen und physischen Wohlbefindens von Kindern. Im Mittelpunkt stehen die Stärkung von Ressourcen und die Senkung von Belastungen bei Mädchen und Jungen.
Ziel und Aufgabe einer Kur ist es, nach einem ganzheitlichen Ansatz sowohl die drohenden Gesundheits- und Sozialschäden einzudämmen, als auch die bereits manifesten Krankheitsbilder durch eine ausgewogene Ganzheitstherapie zu lindern.
Die Kur vermittelt Hilfe zur Selbsthilfe und Stärkung der Eigeninitiative. Sie enthält verhaltenstherapeutische Komponenten, gibt Impulse für den Alltag zu Hause und hat somit eine wichtige Bedeutung in der präventiven Gesundheitsvorsorge.
Die Kinder erfahren durch die Kur eine seelische und körperliche Erholung.
Das Kinderkurheim bietet hierzu entsprechende, fachärztlich verordnete Therapien und Behandlungsmöglichkeiten sowie mit- und aufeinander abgestimmte sozialpädagogische Interventionsangebote.
Die über das Jahr insgesamt elf Kurangebote mit einer Dauer von drei bzw. vier Wochen werden in maximal drei Gruppen durchgeführt. Die Gruppengröße wird auf höchstens 15 Kinder festgelegt. Das Aufnahmealter liegt in der Regel bei drei bis max. 15 Jahren.
Die schulpflichtigen Kinder nehmen während einer Kurmaßnahme in der Schulzeit am "begleiteten Lernen" in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch teil. Der Unterricht findet grundsätzlich in den Räumlichkeiten des Kinderkurheimes statt und wird durch hauptamtliche Lehrkräfte der kooperativen Gesamtschule Norderney sowie durch das eigene Personal des Kinderkurheimes erteilt. Ziel ist es, individuell auf den Lernstand des Schülers einzugehen, um so Lernrückstände des Kindes zu vermeiden und einen reibungslosen Anschluss an den Unterricht nach seinem Kuraufenthalt zu ermöglichen.
Hierzu wird bereits vor Kurbeginn von der Schule des Kindes ein Lernstandsbogen angefordert.
Die Teilnahme am "begleiteten Lernen" und der vermittelte Lernstoff werden dokumentiert und der Schule am Heimatort nach Beendigung der Kurmaßnahme übermittelt.
Kinder und Jugendliche mit folgenden Krankheits- oder Störungsbildern können im Kinderkurheim "Arnsberg" nicht aufgenommen werden, da eine für diese Art der Erkrankung ärztliche und psychiatrische Betreuung nicht gewährleistet ist.
bekannte und dokumentierte Gewaltbereitschaft gegenüber Dritten
Anfallsleiden mit Krampfanfällen sollten in einem spezifischen Zentrum behandelt werden.
Sofern das Kind medikamentös eingestellt ist und in jüngerer Zeit keine Anfälle aufgetreten sind, kann u.U. eine Aufnahme erfolgen. Dies bedarf der vorherigen Absprache.
Kinder und Jugendliche ohne Compliance können nicht aufgenommen werden, eine Mitwirkungsbereitschaft ist im Minimalansatz erforderlich.
Qualitätssicherung, Qualitätsentwicklung, Zertifizierung
Das Kinderkurheim "Arnsberg" hat sich am 19.06.2013 als stationäre Rehabilitationseinrichtung erfolgreich dem Zertifizierungsverfahren "QM-Kultur Reha" durch die Zertifizierungsstelle WIESO CERT GmbH gestellt. Nach Erstzertifizierung ist innerhalb von jeweils drei Jahren eine Re-Zertifizierung nachzuweisen. Die erste Re-Zertifizierung erfolgte im Jahr 2016.
In der Zwischenzeit erfolgen jährliche Überwachungsaudits, durchgeführt von WIESO CERT GmbH, um eine kontinuierliche Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung zu gewährleisten.
Voraussetzung für die Einstellung im pädagogischen Team des Kinderkurheimes ist neben den Voraussetzungen der §§ 72, 72 a SGB VIII (Fachkräfteangebot, Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter Personen) in der Regel der Nachweis einer Ausbildung zur Erzieherin bzw. Erzieher. Auch die für die Pflege und gesundheitliche Betreuung zuständigen Fachkräfte unterliegen den o.g. Bestimmungen.
Der Hochsauerlandkreis erwartet von den Fachkräften die Teilnahme an entsprechenden Fortbildungsmaßnahmen. In gemeinsamen Fortbildungsveranstaltungen mit den Fachkräften der "Sozialen Dienste der Jugendhilfe" des Kreisjugendamtes werden besondere Themenstelllungen i.S. einer Qualitätsentwicklung fortgeschrieben.
Um auch die Qualität der individuellen Kurmaßnahmen mit entsprechender abgestimmter Zielplanung sicherzustellen, ist die gemeinsame Hilfeplanung der beteiligten Fachkräfte Voraussetzung.
Die Aufnahmegründe im Kinderkurheim "Arnsberg" liegen weiterhin sowohl im medizinischen als auch im sozialen Bereich, so dass medizinische Fachkompetenz aber auch sozialpädagogisches Handeln einen hohen Stellenwert einnimmt.
Die altersstrukturierten Gruppen werden durch pädagogische Fach- und Ergänzungskräfte (Sozial- und Heilpädagogik, Erzieher/-innen, Heilerziehungspfleger) einer Gymnastiklehrerin, einer Pflegefachkraft sowie vier Mitarbeiter/-innen in der Hauswirtschaft und einer Verwaltungskraft betreut.
Die ständige ärztliche Versorgung und Überwachung der Kinder ist entsprechend des Versorgungsvertrages im Rahmen eines Honorarvertrages sichergestellt.
Teilhabeorientierung ICF
Um auch die Qualität jeder einzelnen, individuellen Kurmaßnahme mit entsprechend abgestimmter Zielplanung sicherzustellen, ist die gemeinsame Hilfeplanung der beteiligten Fachkräfte aus Gesundheits- oder Jugendhilfe unter angemessener altersentsprechender Beteiligung des Kindes Voraussetzung. In geeigneten Situationen werden in die Hilfeplanung neben den Eltern auch weitere Fachkräfte z.B. der Jugendhilfe einbezogen. Fachlich ausgerichtete Teamarbeit auf der Basis von Empathie und Sorge um jedes einzelne Kind ist hier Voraussetzung und garantierte Grundhaltung.
Nach der Anfangsuntersuchung werden mit jedem Kind ein individueller Therapieplan und die ärztlich verordneten Kuranwendungen besprochen. Dabei werden die individuellen Kontextfaktoren sowie die Wünsche und Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt.
Nach der Eingewöhnungsphase stellt das pädagogische Team gemeinsam mit jedem einzelnen Kind ein Kurziel auf. Es wird zunächst eine Ausgangssituation erarbeitet.
Dann wird überlegt, welches Ziel das betreffende Kind erreichen kann. Es wird eine Dokumentation für jedes Kind angelegt.
Dabei werden sowohl die Sicht des Kindes als auch die der Pädagogen und Therapeuten berücksichtigt.
Gleichzeitig wird zu Kurbeginn im Team festgelegt, welche Kinder an der heilpädagogischen Einzelhilfe teilnehmen.
Zur Mitte der Kur findet eine Zielüberprüfung sowohl mit dem Kind als auch mit den Pädagogen und den Therapeuten statt. Dabei wird geklärt, ob noch an dem Ziel gearbeitet werden muss.
Gegen Ende des Aufenthaltes findet eine Überprüfung statt, ob das Kind sein Ziel erreicht hat. Wieder werden dabei außer der Sicht des Kindes auch die der Pädagogen und Therapeuten berücksichtigt.
Anschließend bestätigt das Kurkind mit seiner Unterschrift die Kurdokumentation.
Das Einrichtungskonzept ist für alle Mitarbeiter verbindlich.
des Kinderkurheims