Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Diskriminierung_Behinderung_EuGH_C-303-06.html
Timestamp: 2017-01-24 03:07:19
Document Index: 42886164

Matched Legal Cases: ['Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 234', 'Art. 13', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 5', 'Art. 7', 'Art. 10', 'Art. 18', 'Art. 234', 'Art. 234', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 1', 'Art. 13', 'Art. 5', 'Art. 7', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 13', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2']

HENSCHE Arbeitsrecht: C-303/06
C-303/06
Vorabentscheidungsersuchen des Employment Tribunal, London South - Vereinigtes Königreich
17. Ju­li 2008(*)
„So­zi­al­po­li­tik − Richt­li­nie 2000/78/EG − Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf − Art. 1, Art. 2 Abs. 1, 2 Buchst. a und 3 und Art. 3 Abs. 1 Buchst. c − Un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung − Belästi­gung im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Be­hin­de­rung − Ent­las­sung ei­nes Ar­beit­neh­mers, der selbst kei­ne Be­hin­de­rung hat, des­sen Kind aber be­hin­dert ist − Ein­be­zie­hung − Be­weis­last“
In der Rechts­sa­che C‑303/06
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 234 EG, ein­ge­reicht vom Em­ploy­ment Tri­bu­nal Lon­don South (Ver­ei­nig­tes König­reich) mit Ent­schei­dung vom 6. Ju­li 2006, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 10. Ju­li 2006, in dem Ver­fah­ren
S. Cole­man
At­tridge Law,
Ste­ve Law
un­ter Mit­wir­kung des Präsi­den­ten V. Skou­ris, der Kam­mer­präsi­den­ten P. Jann, C. W. A. Tim­mer­m­ans, A. Ro­sas, K. Lena­erts und A. Tiz­za­no so­wie der Rich­ter M. Ileðiè, J. Kluèka, A. Ó Cao­imh (Be­richt­er­stat­ter), T. von Dan­witz und A. Ara­b­ad­jiev,
Ge­ne­ral­an­walt: M. Poia­res Ma­du­ro,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 9. Ok­to­ber 2007,
– von Frau Cole­man, ver­tre­ten durch R. Al­len, QC, und P. Mi­chell, Bar­ris­ter,
– der Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs, ver­tre­ten durch V. Jack­son als Be­vollmäch­tig­te im Bei­stand von N. Pai­nes, QC,
– der grie­chi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch K. Geor­gia­dis und Z. Chat­zi­pav­lou als Be­vollmäch­tig­te,
– von Ir­land, ver­tre­ten durch N. Tra­vers, BL,
– der li­taui­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch D. Kri­auèiûnas als Be­vollmäch­tig­ten,
– der nie­derländi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch H. G. Se­vens­ter und C. ten Dam als Be­vollmäch­tig­te,
– der schwe­di­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch A. Falk als Be­vollmäch­tig­te,
nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 31. Ja­nu­ar 2008
Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Frau Cole­man, Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens, und At­tridge Law, ei­ner An­walts­kanz­lei, so­wie ei­nem Part­ner die­ser Kanz­lei, Herrn Ste­ve Law, (im Fol­gen­den ge­mein­sam: ehe­ma­li­ger Ar­beit­ge­ber), we­gen ih­rer, wie Frau Cole­man vorträgt, er­zwun­ge­nen Kündi­gung.
Die Richt­li­nie 2000/78 wur­de auf der Grund­la­ge von Art. 13 EG er­las­sen. Ih­re Erwägungs­gründe 6, 11, 16, 17, 20, 27, 31 und 37 lau­ten:
„(6) In der Ge­mein­schafts­char­ta der so­zia­len Grund­rech­te der Ar­beit­neh­mer wird an­er­kannt, wie wich­tig die Bekämp­fung je­der Art von Dis­kri­mi­nie­rung und ge­eig­ne­te Maßnah­men zur so­zia­len und wirt­schaft­li­chen Ein­glie­de­rung älte­rer Men­schen und von Men­schen mit Be­hin­de­rung sind.
(16) Maßnah­men, die dar­auf ab­stel­len, den Bedürf­nis­sen von Men­schen mit Be­hin­de­rung am Ar­beits­platz Rech­nung zu tra­gen, spie­len ei­ne wich­ti­ge Rol­le bei der Bekämp­fung von Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen ei­ner Be­hin­de­rung.
(17) Mit die­ser Richt­li­nie wird un­be­scha­det der Ver­pflich­tung, für Men­schen mit Be­hin­de­rung an­ge­mes­se­ne Vor­keh­run­gen zu tref­fen, nicht die Ein­stel­lung, der be­ruf­li­che Auf­stieg, die Wei­ter­beschäfti­gung oder die Teil­nah­me an Aus- und Wei­ter­bil­dungs­maßnah­men ei­ner Per­son vor­ge­schrie­ben, wenn die­se Per­son für die Erfüllung der we­sent­li­chen Funk­tio­nen des Ar­beits­plat­zes oder zur Ab­sol­vie­rung ei­ner be­stimm­ten Aus­bil­dung nicht kom­pe­tent, fähig oder verfügbar ist.
(20) Es soll­ten ge­eig­ne­te Maßnah­men vor­ge­se­hen wer­den, d. h. wirk­sa­me und prak­ti­ka­ble Maßnah­men, um den Ar­beits­platz der Be­hin­de­rung ent­spre­chend ein­zu­rich­ten, z. B. durch ei­ne ent­spre­chen­de Ge­stal­tung der Räum­lich­kei­ten oder ei­ne An­pas­sung des Ar­beits­geräts, des Ar­beits­rhyth­mus, der Auf­ga­ben­ver­tei­lung oder des An­ge­bots an Aus­bil­dungs- und Ein­ar­bei­tungs­maßnah­men.
(27) Der Rat hat in sei­ner Emp­feh­lung 86/379/EWG vom 24. Ju­li 1986 [ABl. L 225, S. 43] zur Beschäfti­gung von Be­hin­der­ten in der Ge­mein­schaft ei­nen Ori­en­tie­rungs­rah­men fest­ge­legt, der Bei­spie­le für po­si­ti­ve Ak­tio­nen für die Beschäfti­gung und Be­rufs­bil­dung von Men­schen mit Be­hin­de­rung anführt; in sei­ner Ent­schließung vom 17. Ju­ni 1999 be­tref­fend glei­che Beschäfti­gungs­chan­cen für be­hin­der­te Men­schen [ABl. C 186, S. 3] hat er be­kräftigt, dass es wich­tig ist, ins­be­son­de­re der Ein­stel­lung, der Auf­recht­er­hal­tung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses so­wie der be­ruf­li­chen Bil­dung und dem le­bens­be­glei­ten­den Ler­nen von Men­schen mit Be­hin­de­rung be­son­de­re Auf­merk­sam­keit zu wid­men.
(31) Ei­ne Ände­rung der Re­geln für die Be­weis­last ist ge­bo­ten, wenn ein glaub­haf­ter An­schein ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung be­steht. Zur wirk­sa­men An­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ist ei­ne Ver­la­ge­rung der Be­weis­last auf die be­klag­te Par­tei er­for­der­lich, wenn ei­ne sol­che Dis­kri­mi­nie­rung nach­ge­wie­sen ist. Al­ler­dings ob­liegt es dem Be­klag­ten nicht, nach­zu­wei­sen, dass der Kläger ei­ner be­stimm­ten Re­li­gi­on an­gehört, ei­ne be­stimm­te Welt­an­schau­ung hat, ei­ne be­stimm­te Be­hin­de­rung auf­weist, ein be­stimm­tes Al­ter oder ei­ne be­stimm­te se­xu­el­le Aus­rich­tung hat.
(37) Im Ein­klang mit dem Sub­si­dia­ritätsprin­zip nach Ar­ti­kel 5 des EG-Ver­trags kann das Ziel die­ser Richt­li­nie, nämlich die Schaf­fung glei­cher Aus­gangs­be­din­gun­gen in der Ge­mein­schaft bezüglich der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf, auf der Ebe­ne der Mit­glied­staa­ten nicht aus­rei­chend er­reicht wer­den und kann da­her we­gen des Um­fangs und der Wir­kung der Maßnah­me bes­ser auf Ge­mein­schafts­ebe­ne ver­wirk­licht wer­den. Im Ein­klang mit dem Verhält­nismäßig­keits­prin­zip nach je­nem Ar­ti­kel geht die­se Richt­li­nie nicht über das für die Er­rei­chung die­ses Ziels er­for­der­li­che Maß hin­aus.“
Art. 1 der Richt­li­nie 2000/78 lau­tet: „Zweck die­ser Richt­li­nie ist die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in Beschäfti­gung und Be­ruf im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten.“
Art. 2 („Der Be­griff ‚Dis­kri­mi­nie­rung‘“) Abs. 1 bis 3 der Richt­li­nie 2000/78 be­stimmt:
(3) Un­erwünsch­te Ver­hal­tens­wei­sen, die mit ei­nem der Gründe nach Ar­ti­kel 1 in Zu­sam­men­hang ste­hen und be­zwe­cken oder be­wir­ken, dass die Würde der be­tref­fen­den Per­son ver­letzt und ein von Einschüchte­run­gen, An­fein­dun­gen, Er­nied­ri­gun­gen, Entwürdi­gun­gen oder Be­lei­di­gun­gen ge­kenn­zeich­ne­tes Um­feld ge­schaf­fen wird, sind Belästi­gun­gen, die als Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von Ab­satz 1 gel­ten. In die­sem Zu­sam­men­hang können die Mit­glied­staa­ten den Be­griff ‚Belästi­gung‘ im Ein­klang mit den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und Ge­pflo­gen­hei­ten de­fi­nie­ren.
Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 be­stimmt:
Art. 5 („An­ge­mes­se­ne Vor­keh­run­gen für Men­schen mit Be­hin­de­rung“) die­ser Richt­li­nie sieht vor:
„Um die An­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes auf Men­schen mit Be­hin­de­rung zu gewähr­leis­ten, sind an­ge­mes­se­ne Vor­keh­run­gen zu tref­fen. Das be­deu­tet, dass der Ar­beit­ge­ber die ge­eig­ne­ten und im kon­kre­ten Fall er­for­der­li­chen Maßnah­men er­greift, um den Men­schen mit Be­hin­de­rung den Zu­gang zur Beschäfti­gung, die Ausübung ei­nes Be­ru­fes, den be­ruf­li­chen Auf­stieg und die Teil­nah­me an Aus- und Wei­ter­bil­dungs­maßnah­men zu ermögli­chen, es sei denn, die­se Maßnah­men würden den Ar­beit­ge­ber un­verhält­nismäßig be­las­ten. …“
Art. 7 („Po­si­ti­ve und spe­zi­fi­sche Maßnah­men“) der Richt­li­nie 2000/78 lau­tet:
„(1) Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz hin­dert die Mit­glied­staa­ten nicht dar­an, zur Gewähr­leis­tung der völli­gen Gleich­stel­lung im Be­rufs­le­ben spe­zi­fi­sche Maßnah­men bei­zu­be­hal­ten oder ein­zuführen, mit de­nen Be­nach­tei­li­gun­gen we­gen ei­nes in Ar­ti­kel 1 ge­nann­ten Dis­kri­mi­nie­rungs­grunds ver­hin­dert oder aus­ge­gli­chen wer­den.
(2) Im Fal­le von Men­schen mit Be­hin­de­rung steht der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz we­der dem Recht der Mit­glied­staa­ten ent­ge­gen, Be­stim­mun­gen zum Schutz der Ge­sund­heit und der Si­cher­heit am Ar­beits­platz bei­zu­be­hal­ten oder zu er­las­sen, noch steht er Maßnah­men ent­ge­gen, mit de­nen Be­stim­mun­gen oder Vor­keh­run­gen ein­geführt oder bei­be­hal­ten wer­den sol­len, die ei­ner Ein­glie­de­rung von Men­schen mit Be­hin­de­rung in die Ar­beits­welt die­nen oder die­se Ein­glie­de­rung fördern.“
Art. 10 („Be­weis­last“) der Richt­li­nie be­stimmt:
„(1) Die Mit­glied­staa­ten er­grei­fen im Ein­klang mit ih­rem na­tio­na­len Ge­richts­we­sen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um zu gewähr­leis­ten, dass im­mer dann, wenn Per­so­nen, die sich durch die Nicht­an­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes für ver­letzt hal­ten und bei ei­nem Ge­richt oder ei­ner an­de­ren zuständi­gen Stel­le Tat­sa­chen glaub­haft ma­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen, es dem Be­klag­ten ob­liegt zu be­wei­sen, dass kei­ne Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes vor­ge­le­gen hat.
(2) Ab­satz 1 lässt das Recht der Mit­glied­staa­ten, ei­ne für den Kläger güns­ti­ge­re Be­weis­last­re­ge­lung vor­zu­se­hen, un­berührt.“
Nach Art. 18 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 muss­ten die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten er­las­sen, um die­ser Richt­li­nie spätes­tens zum 2. De­zem­ber 2003 nach­zu­kom­men. In Abs. 2 die­ses Ar­ti­kels heißt es je­doch:
„Um be­son­de­ren Be­din­gun­gen Rech­nung zu tra­gen, können die Mit­glied­staa­ten er­for­der­li­chen­falls ei­ne Zu­satz­frist von drei Jah­ren ab dem 2. De­zem­ber 2003, d. h. ins­ge­samt sechs Jah­re, in An­spruch neh­men, um die Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­nie über die Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters und ei­ner Be­hin­de­rung um­zu­set­zen. In die­sem Fall set­zen sie die Kom­mis­si­on un­verzüglich da­von in Kennt­nis. Ein Mit­glied­staat, der die In­an­spruch­nah­me die­ser Zu­satz­frist be­sch­ließt, er­stat­tet der Kom­mis­si­on jähr­lich Be­richt über die von ihm er­grif­fe­nen Maßnah­men zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters und ei­ner Be­hin­de­rung und über die Fort­schrit­te, die bei der Um­set­zung der Richt­li­nie er­zielt wer­den konn­ten. Die Kom­mis­si­on er­stat­tet dem Rat jähr­lich Be­richt.“
Da das Ver­ei­nig­te König­reich Großbri­tan­ni­en und Nord­ir­land ei­ne sol­che Zu­satz­frist für die Um­set­zung der Richt­li­nie be­an­tragt hat­te, lief die Um­set­zungs­frist für die­sen Mit­glied­staat erst am 2. De­zem­ber 2006 ab.
Das Ge­setz von 1995 über Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung (Disa­bi­li­ty Dis­cri­mi­na­ti­on Act 1995) (im Fol­gen­den: DDA) soll im We­sent­li­chen be­wir­ken, dass Dis­kri­mi­nie­run­gen ge­genüber Men­schen mit Be­hin­de­rung, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit der Beschäfti­gung, rechts­wid­rig sind.
Bei der Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78 in die Rechts­ord­nung des Ver­ei­nig­ten König­reichs wur­de der zwei­te Teil des DDA, in dem Fra­gen der Beschäfti­gung ge­re­gelt sind, durch das Ge­setz von 2003 zur Ände­rung des Ge­set­zes von 1995 über Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung (Disa­bi­li­ty Dis­cri­mi­na­ti­on Act 1995 [Amend­ment] Re­gu­la­ti­ons 2003), das am 1. Ok­to­ber 2004 in Kraft ge­tre­ten ist, geändert.
Nach Sec­tion 3 A (1) DDA in der Fas­sung des Ge­set­zes von 2003 (im Fol­gen­den: DDA 2003)
„… wird ei­ne Per­son mit Be­hin­de­rung dis­kri­mi­niert, wenn je­mand
a) sie aus ei­nem Grund, der mit ih­rer Be­hin­de­rung im Zu­sam­men­hang steht, we­ni­ger güns­tig be­han­delt als er an­de­re Per­so­nen, für die die­ser Grund nicht gilt oder gel­ten würde, be­han­delt oder be­han­deln würde, und
b) er nicht be­wei­sen kann, dass die­se Be­hand­lung ge­recht­fer­tigt ist“.
Nach Sec­tion 3 A (4) DDA 2003 kann die Be­hand­lung ei­ner Per­son mit Be­hin­de­rung auf kei­nen Fall ge­recht­fer­tigt sein, wenn sie ei­ner un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von Sec­tion 3 A (5) gleich­kommt, die lau­tet:
„Ei­ne Per­son mit Be­hin­de­rung wird un­mit­tel­bar dis­kri­mi­niert, wenn je­mand die­se Per­son we­gen ih­rer Be­hin­de­rung we­ni­ger güns­tig be­han­delt, als er ei­ne Per­son be­han­delt oder be­han­deln würde, d ie die­se be­stimm­te Be­hin­de­rung nicht hat und die die glei­chen oder nicht merk­lich ver­schie­de­nen Ei­gen­schaf­ten, ein­sch­ließlich der Fähig­kei­ten, hat wie die Per­son mit Be­hin­de­rung.“
Der Be­griff der Belästi­gung wird in Sec­tion 3 B DDA 2003 wie folgt de­fi­niert:
„1. … ei­ne Per­son mit Be­hin­de­rung wird belästigt, wenn je­mand sich ihr ge­genüber aus ei­nem Grund, der mit ih­rer Be­hin­de­rung im Zu­sam­men­hang steht, auf ei­ne un­erwünsch­te Wei­se verhält und da­mit be­zweckt oder be­wirkt,
a) die Würde der Per­son mit Be­hin­de­rung zu ver­let­zen oder
b) ein von Einschüchte­run­gen, An­fein­dun­gen, Er­nied­ri­gun­gen, Entwürdi­gun­gen oder Be­lei­di­gun­gen ge­kenn­zeich­ne­tes Um­feld zu schaf­fen.
2. Ein Ver­hal­ten hat die in Abs. 1 Buchst. a und b ge­nann­te Wir­kung, wenn un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände und ins­be­son­de­re der Emp­fin­dun­gen der Per­son mit Be­hin­de­rung vernünf­ti­ger­wei­se von ei­ner sol­chen Wir­kung aus­zu­ge­hen ist.“
Nach Sec­tion 4 (2)(d) DDA 2003 ist es ei­nem Ar­beit­ge­ber ver­bo­ten, ei­ne bei ihm beschäftig­te Per­son mit Be­hin­de­rung durch Ent­las­sung oder Zufügung ir­gend­ei­nes an­de­ren Scha­dens zu dis­kri­mi­nie­ren.
18. Nach Sec­tion 4 (3)(a) und (b) DDA 2003 ist es ei­nem als sol­cher han­deln­den Ar­beit­ge­ber auch ver­bo­ten, ei­ne be­hin­der­te Per­son, die bei ihm beschäftigt ist oder sich bei ihm be­wor­ben hat, zu belästi­gen.
Frau Cole­man ar­bei­te­te ab Ja­nu­ar 2001 als An­walts­se­kretärin für ih­ren ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber.
Im Jahr 2002 ge­bar sie ei­nen Sohn, der an apnoi­schen Anfällen und an an­ge­bo­re­ner La­ryn­go­ma­la­zie und Bron­cho­ma­la­zie lei­det. Der Zu­stand ih­res Soh­nes er­for­dert ei­ne spe­zia­li­sier­te und be­son­de­re Pfle­ge. Die für ihn er­for­der­li­che Pfle­ge wird im We­sent­li­chen von der Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens ge­leis­tet.
Am 4. März 2005 stimm­te sie ei­ner frei­wil­li­gen Ent­las­sung („vol­un­ta­ry red­un­dan­cy“) zu, wo­durch der Ver­trag mit ih­rem ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber be­en­det wur­de.
Am 30. Au­gust 2005 reich­te sie beim Em­ploy­ment Tri­bu­nal Lon­don South ei­ne Kla­ge ein, mit der sie vor­bringt, we­gen der Tat­sa­che, dass sie Haupt­be­treue­rin ei­nes be­hin­der­ten Kin­des sei, Op­fer ei­ner er­zwun­ge­nen so­zi­al­wid­ri­gen Kündi­gung („con­struc­tive un­fair dis­mis­sal“) ge­we­sen zu sein und ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung als die an­de­ren Ar­beit­neh­mer er­fah­ren zu ha­ben. Durch die­se Be­hand­lung sei sie ge­zwun­gen ge­we­sen, ihr Ar­beits­verhält­nis mit ih­rem ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber zu be­en­den.
Aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung er­gibt sich, dass der maßgeb­li­che Sach­ver­halt des Aus­gangs­ver­fah­rens noch nicht vollständig er­mit­telt wur­de, da sich die Vor­la­ge­fra­gen nur als Vor­fra­gen stell­ten. Das vor­le­gen­de Ge­richt setz­te die Ent­schei­dung über den Teil der Kla­ge aus, der die Ent­las­sung von Frau Cole­man be­trifft, am 17. Fe­bru­ar 2006 führ­te es aber ei­ne vor­be­rei­ten­de Anhörung über den Kla­ge­grund der Dis­kri­mi­nie­rung durch.
Bei die­sem Ge­richt stellt sich die Vor­fra­ge, ob sich die Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens auf die Be­stim­mun­gen des na­tio­na­len Rechts, ins­be­son­de­re die­je­ni­gen zur Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78, stützen kann, um ge­genüber ih­rem ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber gel­tend zu ma­chen, dass sie we­gen ei­ner Be­nach­tei­li­gung im Zu­sam­men­hang mit der Be­hin­de­rung ih­res Soh­nes dis­kri­mi­niert wor­den sei.
Aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung er­gibt sich, dass der Kla­ge von Frau Cole­man beim vor­le­gen­den Ge­richt nach na­tio­na­lem Recht nicht statt­ge­ge­ben wer­den könn­te, wenn die Aus­le­gung der Richt­li­nie 2000/78 durch den Ge­richts­hof der Aus­le­gung wi­der­spre­chen soll­te, die von Frau Cole­man befürwor­tet wird.
Aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung er­gibt sich wei­ter, dass nach dem Recht des Ver­ei­nig­ten König­reichs das an­ge­ru­fe­ne Ge­richt bei ei­ner vor­be­rei­ten­den Anhörung über ei­ne Rechts­fra­ge da­von aus­geht, dass sich der Sach­ver­halt wie vom Kläger dar­ge­stellt er­eig­net hat. Im Aus­gangs­ver­fah­ren wird von fol­gen­dem Sach­ver­halt aus­ge­gan­gen:
Als Frau Cole­man aus dem Mut­ter­schafts­ur­laub zurück­kam, wei­ger­te sich ihr ehe­ma­li­ger Ar­beit­ge­ber, sie an ih­ren frühe­ren Ar­beits­platz zurück­keh­ren zu las­sen; die El­tern nicht be­hin­der­ter Kin­der hätten un­ter die­sen Umständen auf ih­re frühe­re Stel­le zurück­keh­ren dürfen.
Er lehn­te es auch ab, ihr die glei­chen fle­xi­blen Ar­beits­zei­ten und die glei­chen Ar­beits­be­din­gun­gen zu gewähren wie ih­ren Kol­le­gen, die kei­ne be­hin­der­ten Kin­der ha­ben.
Frau Cole­man wur­de als „faul“ be­zeich­net, wenn sie frei­neh­men woll­te, um ihr Kind zu be­treu­en, während El­tern nicht be­hin­der­ter Kin­der die­se Möglich­keit gewährt wur­de.
Die of­fi­zi­el­le Be­schwer­de, die sie ge­gen ih­re schlech­te Be­hand­lung ein­reich­te, wur­de nicht sach­gemäß be­han­delt, und sie sah sich ge­zwun­gen, sie zurück­zu­zie­hen.
Es gab un­an­ge­mes­se­ne und ver­let­zen­de Be­mer­kun­gen so­wohl in Be­zug auf sie selbst als auch in Be­zug auf ihr Kind. Es wur­den kei­ne sol­chen Be­mer­kun­gen ge­macht, wenn an­de­re Ar­beit­neh­mer frei­neh­men oder ei­ne ge­wis­se Fle­xi­bi­lität be­an­tra­gen muss­ten, um sich um ih­re nicht be­hin­der­ten Kin­der zu kümmern.
Da sie ge­le­gent­lich we­gen Pro­ble­men im Zu­sam­men­hang mit dem Zu­stand ih­res Kin­des zu spät kam, wur­de ihr ge­sagt, dass sie ent­las­sen wer­de, wenn sie er­neut zu spät kom­me. Ei­ne sol­che Dro­hung wur­de ge­genüber an­de­ren Ar­beit­neh­mern mit nicht be­hin­der­ten Kin­dern, die aus den glei­chen Gründen zu spät ka­men, nicht aus­ge­spro­chen.
Da das Em­ploy­ment Tri­bu­nal Lon­don South der An­sicht ist, dass der bei ihm anhängi­ge Rechts­streit Fra­gen nach der Aus­le­gung des Ge­mein­schafts­rechts auf­wirft, hat es be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
Schützt die Richt­li­nie 2000/78 im Rah­men des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung nur Men­schen vor un­mit­tel­ba­rer Dis­kri­mi­nie­rung und Belästi­gun­gen, die selbst ei­ne Be­hin­de­rung ha­ben?
Falls die ers­te Fra­ge ver­neint wird, schützt die Richt­li­nie 2000/78 auch Ar­beit­neh­mer, die zwar nicht selbst ei­ne Be­hin­de­rung ha­ben, aber we­gen ih­rer Be­zie­hung zu ei­nem Men­schen mit Be­hin­de­rung ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung er­fah­ren oder belästigt wer­den?
Wenn ein Ar­beit­ge­ber ei­nen Ar­beit­neh­mer we­ni­ger güns­tig be­han­delt, als er an­de­re Ar­beit­neh­mer be­han­delt oder be­han­deln würde, und fest­steht, dass der Grund für die Be­hand­lung des Ar­beit­neh­mers dar­in liegt, dass die­ser ei­nen Sohn mit Be­hin­de­rung hat, den er be­treut, stellt die­se Be­hand­lung dann ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung dar, die den durch die Richt­li­nie 2000/78 fest­ge­leg­ten Grund­satz der Gleich­be­hand­lung ver­letzt?
Wenn ein Ar­beit­ge­ber ei­nen Ar­beit­neh­mer belästigt und fest­steht, dass der Grund für die Be­hand­lung des Ar­beit­neh­mers dar­in liegt, dass er ei­nen Sohn mit Be­hin­de­rung hat, den er be­treut, stellt die­se Belästi­gung dann ei­ne Ver­let­zung des durch die Richt­li­nie 2000/78 fest­ge­leg­ten Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung dar?
Die nie­derländi­sche Re­gie­rung ist zwar der An­sicht, dass den Fra­gen des vor­le­gen­den Ge­richts ein ech­ter Rechts­streit zu­grun­de lie­ge, stellt je­doch die Zulässig­keit des Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens we­gen des Um­stands in Fra­ge, dass noch nicht der ge­sam­te Sach­ver­halt der Rechts­sa­che er­mit­telt ist, da es sich um Vor­fra­gen im Rah­men ei­ner vor­be­rei­ten­den Anhörung han­delt. Sie trägt vor, bei ei­ner sol­chen vor­be­rei­ten­den Anhörung ge­he das na­tio­na­le Ge­richt da­von aus, dass sich der Sach­ver­halt so er­eig­net ha­be, wie er von der Kläge­rin dar­ge­stellt wor­den sei.
In­so­weit ist dar­an zu er­in­nern, dass Art. 234 EG den Rah­men für ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den na­tio­na­len Ge­rich­ten und dem Ge­richts­hof schafft, die auf ei­ner Ver­tei­lung der Auf­ga­ben zwi­schen ih­nen be­ruht. Aus Art. 234 Abs. 2 EG geht klar her­vor, dass es Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts ist, darüber zu ent­schei­den, in wel­chem Ver­fah­rens­sta­di­um es ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Ge­richts­hof rich­ten soll (vgl. Ur­tei­le vom 10. März 1981, Irish Crea­me­ry Milk Supp­liers As­so­cia­ti­on u. a., 36/80 und 71/80, Slg. 1981, 735, Rand­nr. 5, und vom 30. März 2000, JämO, C-236/98, Slg. 2000, I-2189, Rand­nr. 30).
Im Aus­gangs­ver­fah­ren hat das vor­le­gen­de Ge­richt fest­ge­stellt, dass Frau Cole­man, soll­te die Aus­le­gung der Richt­li­nie 2000/78 durch den Ge­richts­hof nicht mit der von ihr befürwor­te­ten Aus­le­gung übe­rein­stim­men, in der Sa­che nicht ob­sie­gen könn­te. Das vor­le­gen­de Ge­richt hat so­mit, wie es nach den Rechts­vor­schrif­ten des Ver­ei­nig­ten König­reichs er­laubt ist, ent­schie­den, die Fra­ge zu prüfen, ob die­se Richt­li­nie da­hin aus­zu­le­gen ist, dass sie auf die Ent­las­sung ei­nes Ar­beit­neh­mers in ei­ner Si­tua­ti­on wie der von Frau Cole­man an­zu­wen­den ist, be­vor es er­mit­telt, ob die­se tatsächlich be­nach­tei­ligt oder belästigt wor­den ist. Des­halb wur­den die Vor­la­ge­fra­gen un­ter der An­nah­me ge­stellt, dass sich der Sach­ver­halt so er­eig­net hat, wie er in Rand­nr. 26 des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­legt wor­den ist.
Wenn der Ge­richts­hof so­mit mit ei­nem Er­su­chen um Aus­le­gung des Ge­mein­schafts­rechts be­fasst ist, das nicht of­fen­sicht­lich oh­ne Be­zug zur Rea­lität oder zum Ge­gen­stand des Aus­gangs­rechts­streits ist, und wenn er über die er­for­der­li­chen An­ga­ben verfügt, um ei­ne sach­dien­li­che Ant­wort auf die ihm ge­stell­ten Fra­gen zur An­wend­bar­keit der Richt­li­nie 2000/78 auf die­sen Rechts­streit zu ge­ben, muss er dar­auf ant­wor­ten; er braucht nicht selbst den an­ge­nom­me­nen Sach­ver­halt zu prüfen, auf den sich das vor­le­gen­de Ge­richt gestützt hat; die An­nah­me wird vom vor­le­gen­den Ge­richts später nach­zu­prüfen sein, falls sich dies als er­for­der­lich er­wei­sen soll­te (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 27. Ok­to­ber 1993, End­er­by, C-127/92, Slg. 1993, I-5535, Rand­nr. 12).
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen ist da­her als zulässig an­zu­se­hen.
Zum ers­ten Teil der ers­ten Fra­ge so­wie zur zwei­ten und zur drit­ten Fra­ge
Mit die­sen Fra­gen, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die Richt­li­nie 2000/78 und ins­be­son­de­re die Art. 1 und 2 Abs. 1 und 2 Buchst. a da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung nur ge­genüber ei­nem Ar­beit­neh­mer, der selbst be­hin­dert ist, ver­bie­ten oder ob der Grund­satz der Gleich­be­hand­lung und das Ver­bot der un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung auch für ei­nen Ar­beit­neh­mer gel­ten, der nicht selbst be­hin­dert ist, der aber, wie im Aus­gangs­ver­fah­ren, we­gen ei­ner Be­hin­de­rung sei­nes Kin­des be­nach­tei­ligt wird, für das er selbst im We­sent­li­chen die Pfle­ge­leis­tun­gen er­bringt, die des­sen Zu­stand er­for­dert.
Nach Art. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist de­ren Zweck die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in Beschäfti­gung und Be­ruf.
Art. 2 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie de­fi­niert den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz da­hin, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Art. 1 ge­nann­ten Gründe, so­mit ein­sch­ließlich der Be­hin­de­rung, ge­ben darf.
Gemäß Art. 2 Abs. 2 Buchst. a die­ser Richt­li­nie liegt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor, wenn ei­ne Per­son u. a. we­gen ei­ner Be­hin­de­rung in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde.
Gemäß ih­rem Art. 3 Abs. 1 Buchst. c gilt die Richt­li­nie 2000/78 im Rah­men der auf die Ge­mein­schaft über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, in Be­zug auf die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und des Ar­beits­ent­gelts.
So­mit er­gibt sich aus die­sen Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 2000/78 nicht, dass der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, den sie gewähr­leis­ten soll, auf Per­so­nen be­schränkt ist, die selbst ei­ne Be­hin­de­rung im Sin­ne der Richt­li­nie ha­ben. Ihr Zweck ist viel­mehr, in Beschäfti­gung und Be­ruf je­de Form der Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen ei­ner Be­hin­de­rung zu bekämp­fen. Der in die­sem Be­reich in der Richt­li­nie 2000/78 ver­an­ker­te Gleich­be­hand­lungs­grund­satz gilt nicht für ei­ne be­stimm­te Ka­te­go­rie von Per­so­nen, son­dern in Be­zug auf die in ih­rem Art. 1 ge­nann­ten Gründe. Die­se Aus­le­gung wird durch den Wort­laut von Art. 13 EG un­ter­mau­ert, der die Rechts­grund­la­ge der Richt­li­nie 2000/78 ist und in dem der Ge­mein­schaft die Zuständig­keit über­tra­gen wird, ge­eig­ne­te Vor­keh­run­gen zu tref­fen, um Dis­kri­mi­nie­run­gen u. a. aus Gründen ei­ner Be­hin­de­rung zu bekämp­fen.
Zwar enthält die Richt­li­nie 2000/78 ei­ne Rei­he von Be­stim­mun­gen, die, wie sich aus de­ren Wort­laut selbst er­gibt, nur für Be­hin­der­te gel­ten. So be­stimmt ihr Art. 5, dass an­ge­mes­se­ne Vor­keh­run­gen zu tref­fen sind, um die An­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes auf Men­schen mit Be­hin­de­rung zu gewähr­leis­ten. Das be­deu­tet, dass der Ar­beit­ge­ber die ge­eig­ne­ten und im kon­kre­ten Fall er­for­der­li­chen Maßnah­men er­grei­fen muss, um den Men­schen mit Be­hin­de­rung den Zu­gang zur Beschäfti­gung, die Ausübung ei­nes Be­rufs, den be­ruf­li­chen Auf­stieg und die Teil­nah­me an Aus- und Wei­ter­bil­dungs­maßnah­men zu ermögli­chen, es sei denn, die­se Maßnah­men würden den Ar­beit­ge­ber un­verhält­nismäßig be­las­ten.
Art. 7 Abs. 2 der Richt­li­nie sieht auch vor, dass im Fal­le von Men­schen mit Be­hin­de­rung der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz we­der dem Recht der Mit­glied­staa­ten, Be­stim­mun­gen zum Schutz der Ge­sund­heit und der Si­cher­heit am Ar­beits­platz bei­zu­be­hal­ten oder zu er­las­sen, noch Maßnah­men ent­ge­gen­steht, mit de­nen Be­stim­mun­gen oder Vor­keh­run­gen ein­geführt oder bei­be­hal­ten wer­den sol­len, die ei­ner Ein­glie­de­rung von Men­schen mit Be­hin­de­rung in die Ar­beits­welt die­nen oder die­se Ein­glie­de­rung fördern.
Die Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs so­wie die grie­chi­sche, die ita­lie­ni­sche und die nie­derländi­sche Re­gie­rung sind der An­sicht, dass im Licht so­wohl der in den bei­den vor­aus­ge­hen­den Rand­num­mern ge­nann­ten Vor­schrif­ten als auch der Erwägungs­gründe 16, 17 und 27 der Richt­li­nie 2000/78 das in die­ser vor­ge­se­he­ne Ver­bot der un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung nicht da­hin aus­ge­legt wer­den könne, dass es auch ei­ne Si­tua­ti­on wie die der Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens er­fas­se, da die­se nicht selbst be­hin­dert sei. Auf die Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­nie könn­ten sich nur Per­so­nen be­ru­fen, die in ei­ner Si­tua­ti­on, die mit der an­de­rer Per­so­nen ver­gleich­bar sei, we­gen spe­zi­fi­scher, ih­nen ei­ge­ner Merk­ma­le we­ni­ger güns­tig be­han­delt oder be­nach­tei­ligt würden.
Dass sich die in den Rand­nrn. 39 und 40 des vor­lie­gen­den Ur­teils erwähn­ten Be­stim­mun­gen spe­zi­fisch auf Men­schen mit ei­ner Be­hin­de­rung be­zie­hen, folgt aus dem Um­stand, dass es sich ent­we­der um Be­stim­mun­gen han­delt, die ei­ne po­si­ti­ve Dis­kri­mi­nie­rung zu­guns­ten der be­hin­der­ten Per­son selbst be­tref­fen, oder um spe­zi­fi­sche Maßnah­men, die oh­ne Be­deu­tung wären oder die sich als un­verhält­nismäßig er­wei­sen könn­ten, wenn sie nicht auf Men­schen mit Be­hin­de­rung be­schränkt wären. Wie sich aus den Erwägungs­gründen 16 und 20 die­ser Richt­li­nie er­gibt, han­delt es sich um Maßnah­men, mit de­nen den Bedürf­nis­sen be­hin­der­ter Men­schen bei der Ar­beit Rech­nung ge­tra­gen und der Ar­beits­platz der Be­hin­de­rung die­ser Men­schen ent­spre­chend aus­ge­stal­tet wer­den soll. Mit sol­chen Maßnah­men soll so­mit spe­zi­ell die Ein­glie­de­rung be­hin­der­ter Men­schen in das Ar­beits­le­ben ermöglicht und gefördert wer­den, und des­halb können sie nur die­se Men­schen so­wie die Pflich­ten be­tref­fen, die ih­ren Ar­beit­ge­bern und ge­ge­be­nen­falls den Mit­glied­staa­ten ih­nen ge­genüber ob­lie­gen.
So­mit kann aus der Tat­sa­che, dass die Richt­li­nie 2000/78 Be­stim­mun­gen enthält, mit de­nen spe­zi­ell den Bedürf­nis­sen be­hin­der­ter Men­schen Rech­nung ge­tra­gen wer­den soll, nicht der Schluss ge­zo­gen wer­den, dass der dort ver­an­ker­te Gleich­be­hand­lungs­grund­satz re­strik­tiv aus­zu­le­gen ist, d. h. in dem Sinn, dass er nur un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen der Be­hin­de­rung ver­bie­tet und aus­sch­ließlich Men­schen mit Be­hin­de­rung selbst be­trifft. Zu­dem be­zieht sich der sechs­te Erwägungs­grund die­ser Richt­li­nie, in­dem er auf die Ge­mein­schafts­char­ta der so­zia­len Grund­rech­te der Ar­beit­neh­mer hin­weist, so­wohl auf die Bekämp­fung je­der Art von Dis­kri­mi­nie­rung als auch auf die Not­wen­dig­keit, ge­eig­ne­te Maßnah­men zur so­zia­len und wirt­schaft­li­chen Ein­glie­de­rung von Men­schen mit Be­hin­de­rung zu tref­fen.
Die Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs so­wie die ita­lie­ni­sche und die nie­derländi­sche Re­gie­rung tra­gen wei­ter vor, dass sich ei­ne re­strik­ti­ve Aus­le­gung des sach­li­chen An­wen­dungs­be­reichs der Richt­li­nie 2000/78 aus dem Ur­teil vom 11. Ju­li 2006, Chacón Na­vas (C-13/05, Slg. 2006, I-6467), er­ge­be. Nach An­sicht der ita­lie­ni­schen Re­gie­rung hat der Ge­richts­hof in die­sem Ur­teil den Be­griff Be­hin­de­rung und sei­ne Er­heb­lich­keit im Ar­beits­verhält­nis re­strik­tiv aus­ge­legt.
Im Ur­teil Chacón Na­vas hat der Ge­richts­hof den Be­griff Be­hin­de­rung de­fi­niert und in den Rand­nrn. 51 und 52 die­ses Ur­teils aus­geführt, dass das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung bei Ent­las­sun­gen nach Art. 2 Abs. 1 und Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78 ei­ner Ent­las­sung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung ent­ge­gen­steht, die un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­pflich­tung, an­ge­mes­se­ne Vor­keh­run­gen für Men­schen mit Be­hin­de­rung zu tref­fen, nicht da­durch ge­recht­fer­tigt ist, dass die be­tref­fen­de Per­son für die Erfüllung der we­sent­li­chen Auf­ga­ben ih­res Ar­beits­plat­zes nicht kom­pe­tent, fähig oder verfügbar ist. Aus ei­ner sol­chen Aus­le­gung er­gibt sich je­doch nicht, dass der in Art. 2 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie de­fi­nier­te Gleich­be­hand­lungs­grund­satz und das Ver­bot der un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung nach Art. 2 Abs. 2 Buchst. a die­ser Richt­li­nie nicht auf ei­ne Si­tua­ti­on, wie sie im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de steht, an­wend­bar sein können, wenn ei­ne Be­nach­tei­li­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers we­gen der Be­hin­de­rung sei­nes Kin­des er­folg­te, für das er selbst im We­sent­li­chen die Pfle­ge­leis­tun­gen er­bringt, die des­sen Zu­stand er­for­dert.
Zwar hat der Ge­richts­hof in Rand­nr. 56 des Ur­teils Chacón Na­vas aus­geführt, dass der Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie im Hin­blick auf Art. 13 EG nicht über die Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen der in Art. 1 die­ser Richt­li­nie ab­sch­ließend auf­gezähl­ten Gründe hin­aus aus­ge­dehnt wer­den darf, so dass ei­ne Per­son, die von ih­rem Ar­beit­ge­ber aus­sch­ließlich we­gen Krank­heit ent­las­sen wur­de, nicht in den von der Richt­li­nie 2000/78 ge­schaf­fe­nen all­ge­mei­nen Rah­men fällt, er hat je­doch nicht ent­schie­den, dass der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz und der sach­li­che Gel­tungs­be­reich die­ser Richt­li­nie hin­sicht­lich die­ser Gründe re­strik­tiv aus­ge­legt wer­den müssen.
Wie sich aus den Rand­nrn. 34 und 38 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, ver­folgt die Richt­li­nie 2000/78 das Ziel, ei­nen all­ge­mei­nen Rah­men zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung in Beschäfti­gung und Be­ruf we­gen ei­nes der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe zu schaf­fen, zu de­nen u. a. die Be­hin­de­rung zählt, und dies im Hin­blick auf die Um­set­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes in den Mit­glied­staa­ten. Aus dem 37. Erwägungs­grund der Richt­li­nie er­gibt sich, dass es auch ihr Ziel ist, glei­che Aus­gangs­be­din­gun­gen in der Ge­mein­schaft bezüglich der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf zu schaf­fen.
Wie Frau Cole­man, die li­taui­sche und die schwe­di­sche Re­gie­rung so­wie die Kom­mis­si­on gel­tend ma­chen, würden die­se Zie­le und die prak­ti­sche Wirk­sam­keit der Richt­li­nie gefähr­det, wenn ein Ar­beit­neh­mer in der Si­tua­ti­on der Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens sich nicht auf das Ver­bot der un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung in Art. 2 Abs. 2 Buchst. a die­ser Richt­li­nie be­ru­fen könn­te, wenn nach­ge­wie­sen wur­de, dass er we­gen der Be­hin­de­rung sei­nes Kin­des in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung er­fah­ren hat, als ein an­de­rer Ar­beit­neh­mer erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde, und zwar auch dann, wenn der Ar­beit­neh­mer nicht selbst be­hin­dert ist.
In­so­weit er­gibt sich aus dem elf­ten Erwägungs­grund die­ser Richt­li­nie, dass der Ge­mein­schafts­ge­setz­ge­ber auch der An­sicht war, dass Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung die Ver­wirk­li­chung der im Ver­trag fest­ge­leg­ten Zie­le, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Beschäfti­gung, un­ter­mi­nie­ren können.
Zwar ist in ei­ner Si­tua­ti­on wie der des Aus­gangs­ver­fah­rens die Per­son, die un­mit­tel­bar dis­kri­mi­niert wur­de, nicht selbst be­hin­dert, doch ist nach An­sicht von Frau Cole­man der Grund für die we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung, der sie aus­ge­setzt ge­we­sen sei, sehr wohl ei­ne Be­hin­de­rung. Wie sich aus Rand­nr. 38 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, gilt die Richt­li­nie 2000/78, die dar­auf ge­rich­tet ist, im Be­reich Beschäfti­gung und Be­ruf je­de Form der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung zu bekämp­fen, nicht für ei­ne be­stimm­te Ka­te­go­rie von Per­so­nen, son­dern in Be­zug auf die in ih­rem Art. 1 ge­nann­ten Gründe.
Wird fest­ge­stellt, dass ein Ar­beit­neh­mer in ei­ner Si­tua­ti­on, wie sie im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de steht, we­gen ei­ner Be­hin­de­rung un­mit­tel­bar dis­kri­mi­niert wird, könn­te ei­ne Aus­le­gung der Richt­li­nie, nach der ih­re An­wen­dung auf Per­so­nen be­schränkt ist, die selbst be­hin­dert sind, die­ser Richt­li­nie ei­nen großen Teil ih­rer prak­ti­schen Wirk­sam­keit neh­men und den Schutz, den sie gewähr­leis­ten soll, min­dern.
Was die für ei­ne Si­tua­ti­on wie im Aus­gangs­ver­fah­ren gel­ten­de Be­weis­last an­be­langt, ist dar­an zu er­in­nern, dass nach Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 die Mit­glied­staa­ten im Ein­klang mit ih­rem na­tio­na­len Ge­richts­we­sen die er­for­der­li­chen Maßnah­men er­grei­fen müssen, um zu gewähr­leis­ten, dass im­mer dann, wenn Per­so­nen, die sich durch die Nicht­an­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes für ver­letzt hal­ten und bei ei­nem Ge­richt oder ei­ner an­de­ren zuständi­gen Stel­le Tat­sa­chen glaub­haft ma­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen, es dem Be­klag­ten ob­liegt, zu be­wei­sen, dass kei­ne Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes vor­ge­le­gen hat. Gemäß Abs. 2 die­ses Ar­ti­kels lässt des­sen Abs. 1 das Recht der Mit­glied­staa­ten, ei­ne für den Kläger güns­ti­ge­re Be­weis­last­re­ge­lung vor­zu­se­hen, un­berührt.
Im Aus­gangs­ver­fah­ren ist es so­mit Sa­che von Frau Cole­man, gemäß Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 Tat­sa­chen glaub­haft zu ma­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner nach die­ser Richt­li­nie ver­bo­te­nen un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung ver­mu­ten las­sen.
Nach die­ser Be­stim­mung der Richt­li­nie 2000/78 und de­ren 31. Erwägungs­grund ist ei­ne Ände­rung der Re­geln für die Be­weis­last ge­bo­ten, wenn ein glaub­haf­ter An­schein ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung be­steht. Soll­te Frau Cole­man Tat­sa­chen glaub­haft ma­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten ließen, würde die tatsächli­che Um­set­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes so­mit ver­lan­gen, dass die Be­weis­last bei den Be­klag­ten des Aus­gangs­ver­fah­rens liegt, die be­wei­sen müss­ten, dass die­ser Grund­satz nicht ver­letzt wor­den ist.
In die­sem Zu­sam­men­hang könn­ten die Be­klag­ten des Aus­gangs­ver­fah­rens das Vor­lie­gen ei­nes sol­chen Ver­s­toßes be­strei­ten, in­dem sie mit al­len recht­lich vor­ge­se­he­nen Mit­teln be­wei­sen, dass die Be­hand­lung des Ar­beit­neh­mers durch ob­jek­ti­ve Fak­to­ren ge­recht­fer­tigt ist, die mit ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung und der Be­zie­hung die­ses Ar­beit­neh­mers zu ei­nem Men­schen mit Be­hin­de­rung nichts zu tun ha­ben.
Nach al­le­dem ist auf den ers­ten Teil der ers­ten Fra­ge so­wie auf die zwei­te und die drit­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass die Richt­li­nie 2000/78 und ins­be­son­de­re ih­re Art. 1 und 2 Abs. 1 und 2 Buchst. a da­hin aus­zu­le­gen sind, dass das dort vor­ge­se­he­ne Ver­bot der un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung nicht auf Per­so­nen be­schränkt ist, die selbst be­hin­dert sind. Erfährt ein Ar­beit­neh­mer, der nicht selbst be­hin­dert ist, durch ei­nen Ar­beit­ge­ber ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung, als ein an­de­rer Ar­beit­neh­mer in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde, und ist nach­ge­wie­sen, dass die Be­nach­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers we­gen der Be­hin­de­rung sei­nes Kin­des er­folgt ist, für das er im We­sent­li­chen die Pfle­ge­leis­tun­gen er­bringt, de­ren es be­darf, so verstößt ei­ne sol­che Be­hand­lung ge­gen das Ver­bot der un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung in Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78.
Zum zwei­ten Teil der ers­ten Fra­ge und zur vier­ten Fra­ge
Mit die­sen Fra­gen, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die Richt­li­nie 2000/78 und ins­be­son­de­re die Art. 1 und 2 Abs. 1 und 3 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­ne Belästi­gung, die mit ei­ner Be­hin­de­rung in Zu­sam­men­hang steht, nur ge­genüber ei­nem Ar­beit­neh­mer ver­bie­ten, der selbst be­hin­dert ist, oder ob das Ver­bot der Belästi­gung auch für ei­nen Ar­beit­neh­mer gilt, der nicht selbst be­hin­dert ist, der aber, wie im Aus­gangs­ver­fah­ren, Op­fer ei­nes un­erwünsch­ten Ver­hal­tens ist, das ei­ne Belästi­gung dar­stellt, die mit der Be­hin­de­rung sei­nes Kin­des in Zu­sam­men­hang steht, für das er selbst im We­sent­li­chen die Pfle­ge­leis­tun­gen er­bringt, die des­sen Zu­stand er­for­dert.
Da die Belästi­gung nach Art. 2 Abs. 3 der Richt­li­nie 2000/78 als ei­ne Form der Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von Abs. 1 die­ses Ar­ti­kels an­ge­se­hen wird, sind die­se Richt­li­nie und ins­be­son­de­re ih­re Art. 1 und 2 Abs. 1 und 3 aus den glei­chen Gründen, wie sie in den Rand­nrn. 34 bis 51 des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­legt wor­den sind, da­hin aus­zu­le­gen, dass sie sich nicht dar­auf be­schränken, ei­ne Belästi­gung ge­genüber Per­so­nen zu ver­bie­ten, die selbst be­hin­dert sind.
Wird nach­ge­wie­sen, dass das un­erwünsch­te Ver­hal­ten, das ei­ne Belästi­gung ge­genüber ei­nem Ar­beit­neh­mer dar­stellt, der nicht selbst be­hin­dert ist, im Zu­sam­men­hang mit der Be­hin­de­rung sei­nes Kin­des steht, für das er im We­sent­li­chen die Pfle­ge­leis­tun­gen er­bringt, de­ren es be­darf, so verstößt ein sol­ches Ver­hal­ten ge­gen den in der Richt­li­nie 2000/78 ver­an­ker­ten Gleich­be­hand­lungs­grund­satz und ins­be­son­de­re ge­gen das Belästi­gungs­ver­bot nach Art. 2 Abs. 3 die­ser Richt­li­nie.
In­so­weit ist je­doch dar­an zu er­in­nern, dass nach dem Wort­laut von Art. 2 Abs. 3 der Richt­li­nie 2000/78 die Mit­glied­staa­ten den Be­griff Belästi­gung im Ein­klang mit den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und Ge­pflo­gen­hei­ten de­fi­nie­ren können.
Was die Be­weis­last in ei­ner Si­tua­ti­on, wie sie im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de steht, an­be­langt, gel­ten für die Belästi­gung, die als ei­ne Form der Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 an­ge­se­hen wird, die glei­chen Re­geln, wie sie in den Rand­nrn. 52 bis 55 des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­legt wor­den sind.
Folg­lich ist, wie sich auch aus Rand­nr. 54 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, gemäß Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 und ih­rem 31. Erwägungs­grund ei­ne Ände­rung der Re­geln für die Be­weis­last ge­bo­ten, wenn ein glaub­haf­ter An­schein ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung be­steht. Soll­te Frau Cole­man Tat­sa­chen glaub­haft ma­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner Belästi­gung ver­mu­ten las­sen, würde die tatsächli­che Um­set­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes so­mit ver­lan­gen, dass die Be­weis­last bei den Be­klag­ten des Aus­gangs­ver­fah­rens liegt, die be­wei­sen müss­ten, dass un­ter den Umständen des vor­lie­gen­den Fal­les kei­ne Belästi­gung statt­ge­fun­den hat.
Nach al­le­dem ist auf den zwei­ten Teil der ers­ten Fra­ge und auf die vier­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass die Richt­li­nie 2000/78 und ins­be­son­de­re ih­re Art. 1 und 2 Abs. 1 und 3 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass das dort vor­ge­se­he­ne Ver­bot der Belästi­gung nicht auf Per­so­nen be­schränkt ist, die selbst be­hin­dert sind. Wird nach­ge­wie­sen, dass ein un­erwünsch­tes Ver­hal­ten, das ei­ne Belästi­gung dar­stellt und dem ein Ar­beit­neh­mer aus­ge­setzt ist, der nicht selbst be­hin­dert ist, im Zu­sam­men­hang mit der Be­hin­de­rung sei­nes Kin­des steht, für das er im We­sent­li­chen die Pfle­ge­leis­tun­gen er­bringt, de­ren es be­darf, so verstößt ein sol­ches Ver­hal­ten ge­gen das Ver­bot der Belästi­gung in Art. 2 Abs. 3 der Richt­li­nie 2000/78.
Die Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf und ins­be­son­de­re ih­re Art. 1 und 2 Abs. 1 und 2 Buchst. a sind da­hin aus­zu­le­gen, dass das dort vor­ge­se­he­ne Ver­bot der un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung nicht auf Per­so­nen be­schränkt ist, die selbst be­hin­dert sind. Erfährt ein Ar­beit­neh­mer, der nicht selbst be­hin­dert ist, durch ei­nen Ar­beit­ge­ber ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung, als ein an­de­rer Ar­beit­neh­mer in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde, und ist nach­ge­wie­sen, dass die Be­nach­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers we­gen der Be­hin­de­rung sei­nes Kin­des er­folgt ist, für das er im We­sent­li­chen die Pfle­ge­leis­tun­gen er­bringt, de­ren es be­darf, so verstößt ei­ne sol­che Be­hand­lung ge­gen das Ver­bot der un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung in Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78.
Die Richt­li­nie 2000/78 und ins­be­son­de­re ih­re Art. 1 und 2 Abs. 1 und 3 sind da­hin aus­zu­le­gen, dass das dort vor­ge­se­he­ne Ver­bot der Belästi­gung nicht auf Per­so­nen be­schränkt ist, die selbst be­hin­dert sind. Wird nach­ge­wie­sen, dass ein un­erwünsch­tes Ver­hal­ten, das ei­ne Belästi­gung dar­stellt und dem ein Ar­beit­neh­mer aus­ge­setzt ist, der nicht selbst be­hin­dert ist, im Zu­sam­men­hang mit der Be­hin­de­rung sei­nes Kin­des steht, für das er im We­sent­li­chen die Pfle­ge­leis­tun­gen er­bringt, de­ren es be­darf, so verstößt ein sol­ches Ver­hal­ten ge­gen das Ver­bot der Belästi­gung in Art. 2 Abs. 3 der Richt­li­nie 2000/78.
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