Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/wechselschichtarbeit-kommunaler-angestellter-3132798
Timestamp: 2020-05-28 07:43:05
Document Index: 194960778

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 8', '§ 21', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 8', '§ 7', '§ 8', '§ 8', '§ 7', '§ 7', '§ 8', '§ 7', '§ 8', '§ 7', '§ 27', '§ 7', '§ 8', '§ 7', '§ 48', '§ 7', '§ 7', '§ 48', '§ 7', '§ 7', '§ 15']

Wechselschichtarbeit kommunaler Angestellter | Rechtslupe
Wech­sel­schicht­ar­beit kom­mu­na­ler Ange­stell­ter
Nach § 7 Abs. 1 Satz 1 TVöD‑K liegt Wech­sel­schicht­ar­beit vor, wenn der im Wech­sel­schicht­dienst Beschäf­tig­te nach dem Ende einer Nacht­schicht erneut zu min­des­tens zwei wei­te­ren Nacht­schich­ten her­an­ge­zo­gen wird, wobei die zwei­te die­ser Nacht­schich­ten längs­tens nach Ablauf eines Zeit­mo­nats begon­nen haben muss.
Beschäf­tig­te, die stän­dig Wech­sel­schicht­ar­beit leis­ten, haben nach § 8 Abs. 5 Satz 1 TVöD‑K Anspruch auf eine Wech­sel­schicht­zu­la­ge von 105, 00 Euro brut­to monat­lich. Es han­delt sich um einen in Monats­be­trä­gen fest­ge­leg­ten Ent­gelt­be­stand­teil, der dem Arbeit­neh­mer einen finan­zi­el­len Aus­gleich dafür gewäh­ren soll, dass die Wech­sel­schicht­ar­beit erheb­lich auf sei­nen Lebens­rhyth­mus ein­wirkt und ihr Beginn und ihr Ende außer­halb der all­ge­mein übli­chen Arbeits- und Geschäfts­zei­ten lie­gen 1. Die Beschäf­tig­ten leis­ten stän­dig Wech­sel­schicht­ar­beit, wenn ihnen die­se Tätig­keit dau­er­haft vom Arbeit­ge­ber zuge­wie­sen ist und die Arbeits­leis­tung tat­säch­lich erbracht wird. Unter­bre­chun­gen in den in § 21 Abs. 1 Satz 1 TVöD‑K genann­ten Fäl­len sind unschäd­lich 2.
Gemäß § 7 Abs. 1 Satz 2 TVöD‑K sind Wech­sel­schich­ten wech­seln­de Arbeits­schich­ten, in denen unun­ter­bro­chen bei Tag und Nacht, werk­tags, sonn­tags und fei­er­tags gear­bei­tet wird. Das setzt vor­aus, dass in dem Arbeits­be­reich, in dem der Beschäf­tig­te tätig ist, an allen Kalen­der­ta­gen unun­ter­bro­chen 24 Stun­den gear­bei­tet wird. Uner­heb­lich ist hin­ge­gen, in wie vie­le Schich­ten der 24-Stun­den-Tag auf­ge­teilt wird oder ob in allen Schich­ten der Arbeits­an­fall gleich groß ist und des­halb in jeder Schicht die glei­che Anzahl von Arbeit­neh­mern arbei­tet 3. Wech­sel­schicht­ar­beit nach § 7 Abs. 1 Satz 1 TVöD‑K muss nach einem Schicht- oder Dienst­plan erfol­gen, der einen regel­mä­ßi­gen Wech­sel der täg­li­chen Arbeits­zeit in Wech­sel­schich­ten im genann­ten Sinn vor­sieht. Der Beschäf­tig­te muss zur Arbeit in allen Schicht­ar­ten ein­ge­setzt wer­den 4.
Dar­über hin­aus for­dert § 7 Abs. 1 Satz 1 TVöD‑K für den Bereich der Kran­ken­häu­ser, dass der Beschäf­tig­te längs­tens nach Ablauf eines Monats erneut zu min­des­tens zwei Nacht­schich­ten her­an­ge­zo­gen wird. Inso­fern sind die Anfor­de­run­gen gegen­über § 7 Abs. 1 Satz 1 TVöD-AT, der nur eine erneu­te Nacht­schicht for­dert und eine Durch­schnitts­be­rech­nung zulässt, erhöht 5.
Der nach § 7 Abs. 1 Satz 1 TVöD‑K maß­geb­li­che Monats­zeit­raum beginnt nicht mit dem Ende der letz­ten Nacht­schicht des Vor­mo­nats, son­dern mit jedem Ende einer Nacht­schicht. Im Anwen­dungs­be­reich des TVöD‑K liegt Wech­sel­schicht­ar­beit bei Erfül­lung der übri­gen Vor­aus­set­zun­gen des § 7 Abs. 1 TVöD‑K vor, wenn der Beschäf­tig­te nach dem Ende einer Nacht­schicht erneut zu min­des­tens zwei wei­te­ren Nacht­schich­ten her­an­ge­zo­gen wird, wobei die zwei­te die­ser Nacht­schich­ten längs­tens nach Ablauf eines Zeit­mo­nats begon­nen haben muss. Dies ergibt die Aus­le­gung der tarif­li­chen Rege­lun­gen 6.
Der Wort­laut des § 7 Abs. 1 Satz 1 TVöD‑K weist kei­nen Bezug zu einem Kalen­der­mo­nat auf. Die Tarif­norm gibt viel­mehr einen zeit­li­chen Rah­men von einem Monat vor. Längs­tens nach Ablauf die­ser Zeit­span­ne muss die oder der Beschäf­tig­te erneut zu min­des­tens zwei Nacht­schich­ten her­an­ge­zo­gen wer­den, um Wech­sel­schicht­ar­beit im tarif­li­chen Sin­ne zu leis­ten. Maß­geb­lich ist dem­nach der Zeit­mo­nat 7.
Die Monats­frist beginnt mit jedem Ende einer Nacht­schicht 8. Dies folgt eben­falls aus dem Tarif­wort­laut. Von einer "erneu­ten" Her­an­zie­hung zur Nacht­schicht spricht man dann, wenn die vor­aus­ge­hen­de Nacht­schicht, die Her­an­zie­hung zu die­ser, bereits been­det ist. Der Arbeit­neh­mer hat Nacht­schicht geleis­tet und wird nun­mehr wie­der, "erneut", zur Nacht­schicht her­an­ge­zo­gen 9. Eine Anknüp­fung des Frist­be­ginns an die letz­te im Vor­mo­nat geleis­te­te Nacht­schicht ent­behrt einer Grund­la­ge im Wort­laut des § 7 Abs. 1 Satz 1 TVöD‑K.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Rhein­land-Pfalz 10 ist durch das Erfor­der­nis einer Her­an­zie­hung zu min­des­tens zwei Nacht­schich­ten nicht aus­ge­schlos­sen, dass jede Nacht­schicht einen neu­en Monats­zeit­raum aus­lö­sen kann. Durch die Vor­aus­set­zung der Her­an­zie­hung zu min­des­tens zwei Nacht­schich­ten wird ledig­lich das Aus­maß der Belas­tung fest­ge­legt, das die tarif­li­che Ein­ord­nung als Wech­sel­schicht­ar­beit und den dar­aus fol­gen­den Aus­gleichs­an­spruch in Form der Wech­sel­schicht­zu­la­ge recht­fer­ti­gen soll. Hier­zu steht ein erneu­ter Frist­be­ginn mit jedem Nacht­schich­ten­de nicht in Wider­spruch. Er ent­spricht viel­mehr dem dar­ge­stell­ten Zweck der Wech­sel­schicht­zu­la­ge.
Dies gilt auch bei Berück­sich­ti­gung des Umstands, dass der Belas­tungs­aus­gleich durch die Wech­sel­schicht­zu­la­ge nach § 8 Abs. 5 Satz 1 TVöD‑K in Form einer auf den Kalen­der­mo­nat bezo­ge­nen finan­zi­el­len Leis­tung erfolgt.
Hier­aus ergibt sich kein sys­te­ma­ti­scher Wider­spruch zu § 7 Abs. 1 Satz 1 TVöD‑K. Die­ser defi­niert die Wech­sel­schicht­ar­beit für den TVöD‑K und ist inso­weit maß­geb­li­cher Bestand­teil des § 8 Abs. 5 Satz 1 TVöD‑K. Für den Anspruch auf Wech­sel­schicht­zu­la­ge nach § 8 Abs. 5 Satz 1 TVöD‑K muss im Rah­men stän­di­ger Wech­sel­schicht­ar­beit iSd. § 7 Abs. 1 Satz 1 TVöD‑K in die­sem Monat Wech­sel­schicht­ar­beit geleis­tet wor­den sein. Nach der Nie­der­schrifts­er­klä­rung zu § 7 Abs. 1 Satz 1 TVöD‑K ist der Anspruch auf die Wech­sel­schicht­zu­la­ge aller­dings auch erfüllt, wenn unter Ein­hal­tung der Monats­frist zwei Nacht­diens­te geleis­tet wur­den, die nicht zwin­gend unmit­tel­bar auf­ein­an­der fol­gen müs­sen.
Für die auf den Kalen­der­mo­nat bezo­ge­ne Sicht­wei­se des § 8 Abs. 5 Satz 1 TVöD‑K ist ohne Belang, ob in die­sem Kalen­der­mo­nat über das für § 7 Abs. 1 Satz 1 TVöD‑K aus­rei­chen­de Maß hin­aus Nacht­schich­ten geleis­tet wur­den. Selbst wenn Beschäf­tig­te im Rah­men stän­di­ger Wech­sel­schicht­ar­beit in die­sem Monat mehr als zwei Nacht­schich­ten geleis­tet haben, erhal­ten sie nur ein­mal eine Wech­sel­schicht­zu­la­ge von 105, 00 Euro brut­to. Hier­auf ist der Belas­tungs­aus­gleich beschränkt.
Die Beschrän­kung des Belas­tungs­aus­gleichs führt auch dazu, dass ein­zel­ne Nacht­schich­ten nicht mehr­fach Ansprü­che auf Wech­sel­schicht­zu­la­ge in ver­schie­de­nen Kalen­der­mo­na­ten nach § 8 Abs. 5 Satz 1 TVöD‑K begrün­den kön­nen. Jede Nacht­schicht wird nur ein­mal berück­sich­tigt. Wur­de eine Nacht­schicht bezo­gen auf den Vor­mo­nat für den Anspruch auf die Wech­sel­schicht­zu­la­ge bereits ange­rech­net, ist die­se Nacht­schicht für den Fol­ge­mo­nat hin­sicht­lich der Wech­sel­schicht­zu­la­ge gleich­sam "ver­braucht". Des­sen unge­ach­tet löst auch das Ende die­ser Nacht­schicht den Lauf der Monats­frist nach § 7 Abs. 1 Satz 1 TVöD‑K zukunfts­be­zo­gen aus.
Nach § 27 Abs. 1 Buchst. a TVöD‑K haben Beschäf­tig­te, die stän­dig Wech­sel­schicht­ar­beit nach § 7 Abs. 1 TVöD‑K leis­ten und denen die Zula­ge nach § 8 Abs. 5 Satz 1 TVöD‑K zusteht, bei Wech­sel­schicht­ar­beit für je zwei zusam­men­hän­gen­de Mona­te Anspruch auf einen Arbeits­tag Zusatz­ur­laub.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 24. Mai 2018 – 6 AZR 191/​17
vgl. BAG 24.03.2010 – 10 AZR 570/​09, Rn. 30 ff.; 24.03.2010 – 10 AZR 58/​09, Rn. 32, BAGE 134, 34; 24.09.2008 – 10 AZR 634/​07, Rn.19, BAGE 128, 21; Breier/​Dassau/​Kiefer/​Lang/​Langenbrinck TVöD Stand August 2011 Teil B 4 § 7 TVöD‑K Rn. 5[↩]
vgl. BAG 24.03.2010 – 10 AZR 58/​09, Rn. 18 ff., aaO; BecK­OK TVöD/​Dannenberg Stand 1.01.2013 TVöD-BT‑K § 48 Rn. 10[↩]
BAG 23.11.2017 – 6 AZR 43/​16, Rn. 31[↩]
vgl. BAG 13.06.2012 – 10 AZR 351/​11, Rn. 14 mwN, BAGE 142, 55; 24.03.2010 – 10 AZR 58/​09, Rn. 16, BAGE 134, 34; 24.09.2008 – 10 AZR 140/​08, Rn. 13 ff.[↩]
vgl. BAG 24.03.2010 – 10 AZR 58/​09, Rn. 17, BAGE 134, 34; Bur­ger in Bur­ger TVöD/​TV‑L 3. Aufl. § 7 Rn. 14[↩]
vgl. hier­zu BAG 27.07.2017 – 6 AZR 701/​16, Rn.19[↩]
Breier/​Dassau/​Kiefer/​Lang/​Langenbrinck TVöD Stand August 2011 Teil B 4 § 7 TVöD‑K Rn. 7; Clemens/​Scheuring/​Steingen/​Wiese TVöD Stand Janu­ar 2007 Teil II/3.1 BT‑K § 48 Rn. 4; Mar­tens in Sponer/​Steinherr TVöD Stand Novem­ber 2009 § 7 TVöD‑K Rn. 4[↩]
aA Breier/​Dassau/​Kiefer/​Lang/​Langenbrinck TVöD Stand August 2011 Teil B 4 § 7 TVöD‑K Rn. 8: Beginn der letz­ten Nacht­schicht[↩]
so zur inso­weit inhalts­glei­chen Vor­gän­ger­re­ge­lung des § 15 Abs. 8 Unter­abs. 6 BAT BAG 5.06.1996 – 10 AZR 610/​95, zu III 1 b der Grün­de[↩]
LAG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 16.02.2017 – 5 Sa 474/​16; eben­so Geiß­ler öAT 2017, 124[↩]
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