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Timestamp: 2020-02-26 23:27:37
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Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Entlastung der Hausverwaltung auf Eigentümerversammlung - recht.de
Entlastung der Hausverwaltung auf Eigentümerversammlung
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Beitrag von helenamuc » 27.06.09, 01:50
Angenommen, eine Hausverwaltung verwaltet eine Anlage mit 90 Wohneinheiten. Das Anwesen wurde vor ca. 3 Jahren von einem Bauträger errichtet, der dem gleichen Konzern angehört wie die Hausverwaltung.
Wäre es hier anzuraten, die Hausverwaltung auf der Versammlung der Eigentümer wunschgemäß zu entlasten?
Wäre es anzuraten, den Eigentümerbeirat zu entlasten?
Re: Entlastung der Hausverwaltung auf Eigentümerversammlung
Beitrag von Edelmieter » 27.06.09, 10:07
helenamuc hat geschrieben: Wäre es hier anzuraten, die Hausverwaltung auf der Versammlung der Eigentümer wunschgemäß zu entlasten?
helenamuc hat geschrieben: Wäre es anzuraten, den Eigentümerbeirat zu entlasten?
Wenn er ehrenamtlich oder gegen eine geringe Aufwandsentschädigung arbeitet, ja.
Beitrag von derblacky » 27.06.09, 10:53
Edelmieter hat geschrieben:
Warum nicht? Wenn die Verwaltung ihre Arbeit ordentlich macht, kann sie doch auch entlastet werden.... oder überseh ich hier grad was?
Beitrag von Thorsten D. » 27.06.09, 11:46
schliese mich der vorgegangenen Meinung an.
Wenn eine Verwaltung ordentlich arbeitet sollte sie auch entlastet werden, mittlerweile besteht nach BGH Rechtsprechung auch ein Anspruch auf Entlastung.
Allerdings sollte unter der Thematik Bauträger bestellt ersten Verwalter und der Firmenverquickung ganz genau hinsehen und alle Unterlagen lieber doppelt prüfen,
auch im Bezug zu eventuellen Baumängeln
Beitrag von Edelmieter » 27.06.09, 20:33
derblacky hat geschrieben: Warum nicht?
1. Weil es für eine Entlastung keine Notwendigkeit gibt.
2. Weil es für die Eigentümer nur Nachteile mit sich bringt.
3. Weil es ausschließlich für den Verwalter Vorteile hat.
Thorsten D. hat geschrieben: Wenn eine Verwaltung ordentlich arbeitet sollte sie auch entlastet werden ...
Thorsten D. hat geschrieben: ... mittlerweile besteht nach BGH Rechtsprechung auch ein Anspruch auf Entlastung.
Das ist, nach meiner Kenntnis, unzutreffend. Da das Wohnungseigentumsgesetz keine Entlastung kennt, kann kein Anspruch auf Entlastung bestehen. Der Bundesgerichtshof hat auch nicht entschieden, dass ein Anspruch auf Entlastung besteht (lasse mich aber gerne durch Angabe entsprechender Quellen belehren). Ein Anspruch auf Entlastung kann nur dann bestehen, wenn dies vertraglich vereinbart worden ist.
Beitrag von Thorsten D. » 27.06.09, 20:57
Hallo Edelmieter,
sicher bekommst Du die entsprechende Quellenangabe :
Ein dem Verwalter Entlastung erteilender Beschluss der Eigentümer entspricht nach Meinung des BGH grundsätzlich ordnungsgemäßer Verwaltung. Der Beschluss hat zwar die Wirkung eines negativen Schuldanerkenntnisses der Wohnungseigentümer, jedoch nur für Sachverhalte, die den Eigentümern bekannt oder bei sorgfältiger Prüfung erkennbar waren. Die Eigentümer müssen dem Verwalter aber auch ein hohes Maß an persönlichen Vertrauen entgegenbringen; um dieses zu erhalten besteht kein Grund dem Verwalter das Misstrauen auszusprechen, indem ihm für seine ordnungsgemäße Tätigkeit keine Entlastung erteilt wird (BGH, Beschluss vom 17.7.2003, Az.: ZB 11/03). In einer weiteren Entscheidung hat der BGH außerdem klargestellt, dass ein Beschluss über die Verwalterentlastung auch bei einem ausgeschiedenen Verwalter als ordnungsgemäß anzusehen ist
(BGH, Beschluss vom 25.9.2003, Az.: V ZB 40/03)
Beitrag von moro » 27.06.09, 21:21
Thorsten D. hat geschrieben: Der Beschluss hat zwar die Wirkung eines negativen Schuldanerkenntnisses der Wohnungseigentümer, jedoch nur für Sachverhalte, die den Eigentümern bekannt oder bei sorgfältiger Prüfung erkennbar waren.
Ja. Und genau aus diesem Grund wird die Rechtswirkung einer Entlastung weithin überschätzt.
Ist zum Zeitpunkt der Versammlung ein Sachverhalt, der Grundlage für eine Forderung gegen den Verwalter sein könnte, weder bekannt noch erkennbar, so geht eine 'Entlastung' ins Leere. Tauchen später solche Sachverhalte auf, so sind die Eigentümer durch die 'Entlastung' keineswegs daran gehindert, resultierende Forderungen geltend zu machen. Deshalb spricht auch nichts dagegen, den Verwalter zu 'entlasten', wenn dieser vorträgt, er habe ordnungsgemäß verwaltet und wenn zum Zeitpunkt der Versammlung nichts Gegenteiliges bekannt oder erkennbar ist.
Eine echte Wirkung entfaltet die Entlastung genau umgekehrt dann, wenn über anspruchsbegründende Sachverhalte gesprochen wird (wenn beispielsweise der Verwalter ein Fehlverhalten selbst vorträgt) und dennoch eine Entlastung erfolgt (zum Beispiel weil die Eigentümer den ansonsten sehr gut arbeitenden Verwalter schätzen und ihm diesen einen Fehler nachsehen). In einem solchen Fall bedeutet die 'Entlastung' einen Forderungsverzicht.
Beitrag von Edelmieter » 27.06.09, 22:17
Thorsten D. hat geschrieben: Hallo Edelmieter,
Die BGH-Entscheidung bescheinigt lediglich, dass sich die Entlastung mit einer ordnungsgemäßen Verwaltung vereinbaren lässt. Einen Anspruch des Verwalters auf Entlastung lässt sich dieser Entscheidung nicht entnehmen.
moro hat geschrieben: Und genau aus diesem Grund wird die Rechtswirkung einer Entlastung weithin überschätzt.
Leider eher unterschätzt. Wenn sich die Sachverhalte aus den Verwaltungsunterlagen ergeben, sind die Bücher anschließend zu. Welcher Eigentümer prüft sämtliche Unterlagen? Wenn der Verwalter allerdings die Unterlagen manipuliert, so dass die Sachverhalte nicht erkennbar waren, erstreckt sich die Entlastung natürlich nicht auf diese Sachverhalte.
Aber warum sollte sich eine Eigenümergemeinschaft überhaupt dem Risiko einer späteren gerichtlichen Klärung aussetzen? Ein seriöser Verwalter, der ordentlich arbeitet, braucht nun einmal keine Entlastung oder klarer ausgedrückt, keinen Verzicht der Wohnungseigentüer auf Schadensersatzanspüch gegen sich. Ein unseriöser schon.
Beitrag von helenamuc » 30.06.09, 06:56
Vielen Dank für diese hilfreichen und aufschlussreichen Antworten!