Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/umsatzsteuer-beim-factoring-321485
Timestamp: 2019-09-20 12:32:23
Document Index: 362732446

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 10', '§ 10', 'Art. 11', '§ 10', 'Art. 11', '§ 10', 'Art. 11', '§ 10', '§ 242', '§ 17', 'EuG', 'EuG', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'BGH']

Umsatz­steu­er beim Fac­to­ring | Rechtslupe
Tritt ein Unter­neh­mer eine For­de­rung aus einem Umsatz­ge­schäft gegen einen unter dem Nenn­wert der For­de­rung lie­gen­den For­de­rungs­kauf­preis ab, min­dert sich hier­durch nicht die Bemes­sungs­grund­la­ge für die an den Schuld­ner des Ent­gelts aus­ge­führ­te Leis­tung. Das Ent­gelt bestimmt sich nach den Zah­lun­gen der Kun­den des Unter­neh­mers an den For­de­rungs­er­wer­ber.
Tritt ein Unter­neh­mer eine For­de­rung aus einem Umsatz­ge­schäft gegen einen unter dem Nenn­wert der For­de­rung lie­gen­den For­de­rungs­kauf­preis ab, min­dert sich hier­durch nicht die Bemes­sungs­grund­la­ge für die an den Schuld­ner des Ent­gelts aus­ge­führ­te Leis­tung1.
Bei dem "Ent­gelt", des­sen Ver­ein­nah­mung bei der Besteue­rung nach ver­ein­nahm­ten Ent­gel­ten gemäß § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b UStG für den Unter­neh­mer die Steu­er­schuld begrün­det, han­delt es sich um das Ent­gelt im Sin­ne von § 10 Abs. 1 UStG. Zum Ent­gelt gehört gemäß § 10 Abs. 1 Satz 2 UStG alles, was der Leis­tungs­emp­fän­ger auf­wen­det, um die Leis­tung zu erhal­ten, jedoch abzüg­lich der Umsatz­steu­er. Die­se Vor­schrif­ten beru­hen auf Art. 11 Teil A Abs. 1 Buchst. a der Sechs­ten Mehr­wert­steu­er-Richt­li­nie 77/​388/​EWG2. Danach ist Besteue­rungs­grund­la­ge bei Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den und Dienst­leis­tun­gen … "alles, was den Wert der Gegen­leis­tung bil­det, die der Lie­fe­rer oder Dienst­leis­ten­de für die­se Umsät­ze vom Abneh­mer oder Dienst­leis­tungs­emp­fän­ger oder von einem Drit­ten erhält oder erhal­ten soll, ein­schließ­lich der unmit­tel­bar mit dem Preis die­ser Umsät­ze zusam­men­hän­gen­den Sub­ven­tio­nen".
Trotz der zwi­schen § 10 Abs. 1 Satz 2 UStG und Art. 11 Teil A Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 77/​388/​EWG bestehen­den For­mu­lie­rungs­un­ter­schie­de füh­ren bei­de Rege­lun­gen zum sel­ben Ergeb­nis, da weder § 10 Abs. 1 Satz 2 UStG die Berück­sich­ti­gung der Sicht des Leis­ten­den ver­bie­tet noch Art. 11 Teil A Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 77/​388/​EWG eine Berück­sich­ti­gung der Auf­wen­dun­gen des Leis­tungs­emp­fän­gers aus­schließt3.
Dem­entspre­chend rich­tet sich die Höhe des Ent­gelts nach dem zwi­schen Leis­ten­dem und Leis­tungs­emp­fän­ger bestehen­den Rechts­ver­hält­nis, aus dem sich der für die Steu­er­bar­keit der Leis­tung maß­geb­li­che unmit­tel­ba­re Zusam­men­hang zwi­schen der Leis­tung und dem erhal­te­nen Gegen­wert ergibt4.
Bestim­men sich Höhe und Umfang des Ent­gelts nach dem zwi­schen den Par­tei­en des Leis­tungs­aus­tau­sches bestehen­den Rechts­ver­hält­nis, ist eine Abtre­tung des dem leis­ten­den Unter­neh­mer zuste­hen­den Ent­gelt­an­spruchs an einen For­de­rungs­er­wer­ber für die Bestim­mung des Ent­gelts ohne Bedeu­tung.
Durch eine Ver­ein­ba­rung, an der der Leis­tungs­emp­fän­ger nicht betei­ligt ist, kann das zwi­schen dem Leis­ten­den und dem Leis­tungs­emp­fän­ger bestehen­de Rechts­ver­hält­nis nicht geän­dert wer­den. Tritt daher der leis­ten­de Unter­neh­mer sei­ne For­de­rung aus dem sei­ner Leis­tung zugrun­de lie­gen­den Rechts­ge­schäft ohne Betei­li­gung des Leis­tungs­emp­fän­gers an einen For­de­rungs­er­wer­ber für einen unter dem Nenn­wert der abge­tre­te­nen For­de­rung lie­gen­den Kauf­preis ab, sind Abtre­tung und Ver­kauf der For­de­rung für die Bestim­mung der Bemes­sungs­grund­la­ge nach § 10 Abs. 1 Satz 2 UStG ohne Bedeu­tung. Hier­durch wird die erfor­der­li­che Über­ein­stim­mung zwi­schen dem vom Unter­neh­mer zu ver­steu­ern­den und dem vom Leis­tungs­emp­fän­ger auf­ge­wen­de­ten Ent­gelt gewähr­leis­tet5.
Der von Wag­ner6 ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, nach der im Fal­le der Über­nah­me des Aus­fall­ri­si­kos durch den For­de­rungs­er­wer­ber (sog. ech­tes Fac­to­ring) "das Schick­sal der Ent­gelts­for­de­rung nur noch ein Inkas­so­bü­ro, nicht aber den Lie­fe­rer [berührt]" und eine "Nicht- oder Min­der­zah­lung des Leis­tungs­emp­fän­gers an das Inkas­so­un­ter­neh­men nicht zur Vor­steu­er­be­rich­ti­gung, son­dern nur zur Wert­be­rich­ti­gung beim Inkas­so­un­ter­neh­mer [führt]", so dass "Besteue­rung des Lie­fe­rers und Vor­steu­er­ab­zug auf Grund der Nenn­wert­ver­äu­ße­rung an das Inkas­so­bü­ro im neu­tra­len Gleich­ge­wicht [blei­ben]", schließt sich der Bun­des­fi­nanz­of nicht an7.
Hier­ge­gen spricht bereits, dass weder das natio­na­le Umsatz­steu­er­recht noch die Richt­li­nie 77/​388/​EWG eine Rechts­grund­la­ge für eine "Wert­be­rich­ti­gung beim Inkas­so­un­ter­neh­mer" im Fall einer Abwei­chung zwi­schen For­de­rungs­kauf­preis und tat­säch­li­cher Zah­lung des Leis­tungs­emp­fän­gers ent­hal­ten. Ver­äu­ßert der Unter­neh­mer sei­nen Ent­gelt­an­spruch im Rah­men eines For­de­rungs­ver­kaufs, obliegt es ihm im Übri­gen, mit dem For­de­rungs­er­wer­ber einen Aus­kunfts­an­spruch hin­sicht­lich des Umfangs der Zah­lun­gen des Leis­tungs­emp­fän­gers zu ver­ein­ba­ren. Ob sich ein der­ar­ti­ger Infor­ma­ti­ons­an­spruch bei der Abtre­tung von For­de­run­gen aus steu­er­pflich­ti­gen Umsatz­ge­schäf­ten bereits nach Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) aus einer ver­trag­li­chen Neben­pflicht des For­de­rungs­er­wer­bers ergibt8, hat der Bun­des­fi­nanz­hof im Streit­fall nicht zu ent­schei­den.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 6. Mai 2010 – V R 15/​09
Vor­steu­er­be­rich­ti­gung Eine Vor­steu­er­be­rich­ti­gung gem. § 17 UStG setzt die Rück­ge­währ des gezahl­ten Ent­gelts vor­aus. Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 10. M&auml;rz 2008 – 16 K 482/​06
BFH, Urteil vom 27.05.1987 – X R 2/​81, BFHE 150, 375, BSt­Bl II 1987, 739 [↩]
Richt­li­nie des Rates vom 17. Mai 1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 77/​388/​EWG [↩]
EuGH, Urteil vom 15.05.2001 – C‑34/​99, Prim­back Ltd., Slg. 2001, I‑3833, BFH/​NV Bei­la­ge 2001, 173 Rdnr. 43; BFH, Urteil vom 19.10.2001 – V R 48/​00, BFHE 196, 376, BSt­Bl II 2003, 210 [↩]
vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 196, 376, BSt­Bl II 2003, 210; und vom 16.01.2003 – V R 36/​01, BFH/​NV 2003, 667; vgl. auch EuGH, Urteil Prim­back in Slg. 2001, I‑3833, BFH/​NV Bei­la­ge 2001, 173 Rdnr. 25 [↩]
vgl. hier­zu z.B. BFH, Urteil vom 12.01.2006 – V R 3/​04, BFHE 213, 69, BSt­Bl II 2006, 479 [↩]
Wag­ner in Sölch/​Ringleb, UStG, § 10 Rz 173 f. [↩]
vgl. Schuh­mann in Rau/​Dürrwächter, UStG, § 10 Rz 65 "For­de­rungs­ab­tre­tung"; eben­so Sta­die, UStG, Kom­men­tar 2009, § 10 Rz 30 [↩]
vgl. z.B. BGH, Urteil vom 14.11.1984 – IVa ZR 179/​82, NJW 1986, 423 [↩]
BemessungsgrundlageEntgeltminderungFactoring