Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/modedesignerin-und-die-kuenstlersozialversicherung-328983
Timestamp: 2019-10-15 06:52:51
Document Index: 230486556

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 8', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 18', '§ 24', '§ 2', 'Art 5', '§ 2', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 25', '§ 2', '§ 2', '§ 24', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 25', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2']

Mode­de­si­gne­rin und die Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rung | Rechtslupe
Modedesignerin und die Künstlersozialversicherung
Mode­de­si­gne­rin und die Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rung
Eine Mode­de­si­gne­rin unter­liegt nicht der Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs­ge­setz. Weder ent­spricht ihre Tätig­keit der einer Desi­gne­rin im Sin­ne des KSVG, noch hat sie sich aus dem ange­stamm­ten Bereich des (Kunst-)Hand­werks gelöst und ist als in Kunst­krei­sen aner­kann­te Künst­le­rin anzu­se­hen.
Nach § 1 KSVG wer­den selbst­stän­di­ge Künst­ler und Publi­zis­ten in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung, in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung und in der sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung ver­si­chert, wenn sie eine künst­le­ri­sche oder publi­zis­ti­sche Tätig­keit erwerbs­mä­ßig und nicht nur vor­über­ge­hend aus­üben (Nr 1) und im Zusam­men­hang mit der künst­le­ri­schen oder publi­zis­ti­schen Tätig­keit nicht mehr als einen Arbeit­neh­mer beschäf­ti­gen, es sei denn, die Beschäf­ti­gung erfolgt zur Berufs­aus­bil­dung oder ist gering­fü­gig iS des § 8 SGB IV (Nr 2). Nach § 2 Satz 1 KSVG ist Künst­ler im Sin­ne die­ses Geset­zes, wer Musik, dar­stel­len­de oder bil­den­de Kunst schafft, aus­übt oder lehrt. Im vor­lie­gen­den Fall kommt ersicht­lich nur das "Schaf­fen von bil­den­der Kunst" iS des § 2 Satz 1 KSVG in Betracht. Die Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen die­ser Vor­schrift sind hier aber nicht erfüllt.
In § 2 Satz 1 KSVG wer­den drei Berei­che künst­le­ri­scher Tätig­keit jeweils in den Spiel­ar­ten des Schaf­fens, Aus­übens und Leh­rens umschrie­ben, näm­lich die Musik sowie die bil­den­de und die dar­stel­len­de Kunst. Eine wei­ter­ge­hen­de Fest­le­gung, was dar­un­ter im Ein­zel­nen zu ver­ste­hen ist, ist im Hin­blick auf die Viel­falt, Kom­ple­xi­tät und Dyna­mik der Erschei­nungs­for­men künst­le­ri­scher Betä­ti­gungs­fel­der nicht erfolgt. Der Gesetz­ge­ber spricht im KSVG nur all­ge­mein von "Künst­lern" und "künst­le­ri­schen Tätig­kei­ten", auf eine mate­ri­el­le Defi­ni­ti­on des Kunst­be­griffs hat er hin­ge­gen bewusst ver­zich­tet 1. Die­ser Begriff ist des­halb aus dem Rege­lungs­zweck des KSVG unter Berück­sich­ti­gung der all­ge­mei­nen Ver­kehrs­auf­fas­sung und der his­to­ri­schen Ent­wick­lung zu erschlie­ßen 2. Aus den Mate­ria­li­en zum KSVG ergibt sich, dass der Begriff der Kunst trotz sei­ner Unschär­fe auf jeden Fall sol­che künst­le­ri­schen Tätig­kei­ten umfas­sen soll, mit denen sich der "Bericht der Bun­des­re­gie­rung über die wirt­schaft­li­che und sozia­le Lage der künst­le­ri­schen Beru­fe (Künst­ler­be­richt)" aus dem Jah­re 1975 3 beschäf­tigt 4. Der Gesetz­ge­ber hat damit einen an der Typo­lo­gie von Aus­übungs­for­men ori­en­tier­ten Kunst­be­griff vor­ge­ge­ben, der in aller Regel dann erfüllt ist, wenn das zu beur­tei­len­de Werk den Gat­tungs­an­for­de­run­gen eines bestimm­ten Kunst­typs (zB Thea­ter, Male­rei, Musik) ent­spricht. Bei die­sen Berufs­fel­dern ist das sozia­le Schutz­be­dürf­nis der Betrof­fe­nen zu unter­stel­len, ohne dass es auf die Qua­li­tät der künst­le­ri­schen Tätig­keit ankommt oder eine bestimm­te Werk- und Gestal­tungs­hö­he vor­aus­ge­setzt wird 5. So liegt es im Fal­le der Klä­ge­rin aber nicht, weil sie weder wie eine Desi­gne­rin tätig ist noch in Kunst­krei­sen über eine Aner­ken­nung als Künst­le­rin ver­fügt.
Zunächst ent­spricht die Tätig­keit der Klä­ge­rin nicht der einer Desi­gne­rin iS des KSVG. Soweit der Ent­wurf von Mode­ar­ti­keln sowie von Gebrauchs- und Indus­trie­pro­duk­ten betrof­fen ist, gilt als Desi­gner/-in nur die­je­ni­ge Per­son, die ihre Ent­wür­fe ganz oder zumin­dest über­wie­gend durch die Ver­ga­be von Lizen­zen ver­wer­tet. Wer hin­ge­gen sol­che Güter nach eige­nen Ent­wür­fen selbst fer­tigt oder im eige­nen Namen fer­ti­gen lässt und sie anschlie­ßend ver­mark­tet, ist nach der Wer­tung des KSVG als Pro­du­zent und nicht als Desi­gner anzu­se­hen.
Grund­sätz­lich zählt aller­dings auch das Design zu den in den Schutz­be­reich des KSVG ein­be­zo­ge­nen Berufs­fel­dern. Desi­gner sind zwar im Künst­ler­be­richt nicht als eige­ne Berufs­grup­pe geson­dert auf­ge­führt, jedoch ist das "Design" im Künst­ler­be­richt der bil­den­den Kunst umfas­send gleich­be­rech­tigt gegen­über­ge­stellt, dar­un­ter mit beson­de­rer Nen­nung der Berufs­grup­pen der Gra­fik-Desi­gner, der Indus­trie-Desi­gner sowie der Foto-Desi­gner 6. Die­sem Ver­ständ­nis ent­spre­chend hat­te auch der Ver­ord­nungs­ge­ber der zwi­schen­zeit­lich wie­der auf­ge­ho­be­nen "Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des KSVG" 7 die Grup­pe ua der Mode-Desi­gner dem Bereich der bil­den­den Kunst zuge­rech­net (vgl § 2 Abs 2 Nr 9 KSVGDV). In die­sem Sin­ne ist der erken­nen­de Senat in sei­ner Recht­spre­chung wie selbst­ver­ständ­lich von der Künst­ler­ei­gen­schaft der Mode-Desi­gner aus­ge­gan­gen, weil die Tätig­keit mit der von Gra­fik-Desi­gnern, Foto-Desi­gnern oder Lay­ou­tern ver­gleich­bar sei 8. Dem ent­spricht in der Recht­spre­chung des BSG des Wei­te­ren auch die Zuord­nung jeg­li­cher ande­rer Design-Beru­fe zum Typus des bil­den­den Künst­lers iS des KSVG 9.
Künst­ler­sta­tus im Sin­ne des KSVG hat im Bereich des Ent­wurfs von Mode­ar­ti­keln sowie von Gebrauchs- oder Indus­trie­pro­duk­ten aller­dings nur der Desi­gner, der sei­ne Tätig­keit auf das Ent­wer­fen beschränkt und mit der Produktion/​Ver­mark­tung der ent­wor­fe­nen Güter nicht befasst ist. Als Künst­ler anzu­se­hen im Sin­ne von § 2 Satz 1 KSVG ist ein Desi­gner aus­schließ­lich um sei­ner gestal­ten­den Tätig­kei­ten wegen. Design ist die form­ge­rech­te und funk­tio­na­le Gestal­tung von Gegen­stän­den aller Art unter künst­le­risch-ästhe­ti­schen Gesichts­punk­ten. Dabei wird unter dem Begriff Pro­dukt- oder Indus­trie­de­sign eine den Erfor­der­nis­sen der (hand­werk­li­chen, gewerb­li­chen oder indus­tri­el­len) Pro­duk­ti­on ange­pass­te Gestal­tung von Gebrauchs­ge­gen­stän­den aller Art ver­stan­den 10. Dem­ge­mäß hat der Senat als cha­rak­te­ris­ti­sches Merk­mal des Indus­trie­de­signs den Ent­wurf der äuße­ren Gestalt von Gegen­stän­den (ein­schließ­lich der Farb­ge­bung) nach ästhe­ti­schen, den vor­ge­se­he­nen Ver­wen­dungs­zweck und die Funk­ti­on unein­ge­schränkt wah­ren­den Gesichts­punk­ten (Gestal­tung der "schö­nen Form") ange­se­hen und dies als eine eigen­schöp­fe­risch gestal­ten­de, der "bil­den­den Kunst" im Sin­ne des § 2 KSVG zuzu­rech­nen­de Tätig­keit gewer­tet 11. Des­halb hat er die Erstel­lung von Ent­wür­fen für Tür- und Fens­ter­be­schlä­ge durch Desi­gner als künst­le­ri­sche Tätig­keit iS des KSVG qua­li­fi­ziert und dem Bereich "bil­den­de Kunst" zuge­ord­net, solan­ge damit nicht die hand­werk­li­che oder indus­tri­el­le Pro­duk­ti­on der Gegen­stän­de durch die den Ent­wurf erstel­len­de Per­son ver­bun­den ist 12. Ver­gleich­bar hat er die Tätig­keit eines Tat­too-Desi­gners als künst­le­risch qua­li­fi­ziert, sofern die­ser sich auf das Ent­wer­fen und Zeich­nen von Tat­too-Moti­ven und Vor­la­gen als Arbeits­mit­tel für Tat­too-Stu­di­os beschränkt, ohne selbst die Ent­wür­fe auf die mensch­li­che Haut zu über­tra­gen 13.
Grund­sätz­lich kei­ne künst­le­ri­sche Tätig­keit ist dage­gen das Her­stel­len oder die Pro­duk­ti­on von Gebrauchs­gü­tern. Dies gilt zunächst stän­di­ger Recht­spre­chung des Senats zufol­ge für die hand­werks­mä­ßi­ge Fer­ti­gung. Die Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rung ist nach ihrer Anla­ge als "Künst­ler"-Sozi­al­ver­si­che­rung aus­schließ­lich für künst­le­ri­sche und nicht für hand­werks­mä­ßig aus­ge­üb­te Beru­fe geschaf­fen wor­den 14. Dem­zu­fol­ge begrün­den schöp­fe­ri­sche Leis­tun­gen kei­ne Aner­ken­nung als künst­le­risch iS von § 2 Satz 1 KSVG, solan­ge sie über den Bereich des Hand­werk­li­chen nicht hin­aus­ge­hen 15. Nicht anders ver­hält es sich bei indus­tri­ell her­ge­stell­ten Pro­duk­ten, bei denen am Anfang ein Ent­wurf steht, der sodann in der Fer­ti­gung Gestalt annimmt und an des­sen Ende die – mög­lichst gewinn­brin­gen­de – Ver­mark­tung folgt. Ver­si­che­rungs­schutz im Sin­ne des § 2 Satz 1 KSVG genießt nicht der Pro­du­zent, son­dern nur der mit dem Ent­wurf betrau­te Desi­gner, weil des­sen Werk nach den für die Auf­stel­lung des Künst­ler­be­richts maß­ge­ben­den Kri­te­ri­en einem der drei Berei­che künst­le­ri­scher Tätig­keit zuzu­rech­nen ist. Die Abgren­zung ist unpro­ble­ma­tisch bei Desi­gnern, die sich auf das Ent­wer­fen der Pro­dukt­vor­la­gen beschrän­ken und ihre Ein­künf­te aus­schließ­lich oder zumin­dest weit über­wie­gend aus Lizen­zen für die Über­las­sung der Ent­wür­fe bezie­hen. In die­sem Fall ist das ver­wer­te­te Arbeits­er­geb­nis – der Pro­dukt­ent­wurf – einer der Kunst­gat­tun­gen der Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rung zuzu­rech­nen, näm­lich der bil­den­den Kunst. Anders liegt es indes, wenn jemand ein Pro­dukt nach eige­nen Ent­wür­fen selbst anfer­tigt und anschlie­ßend sogar die Ver­mark­tung vor­nimmt, also sei­ne Ein­künf­te nicht allein aus der Über­las­sung eines Ent­wurfs zur Ver­wer­tung durch Drit­te erzielt, son­dern viel­mehr aus der Pro­duk­ti­on und/​oder der anschlie­ßen­den Ver­äu­ße­rung der Gegen­stän­de. Dann mag der Ver­wer­tungs­er­folg zwar auch von der Güte des eige­nen Ent­wurfs abhän­gen, aber das vor­be­rei­ten­de Design ist nur ein Teil­be­reich des kom­ple­xen Tätig­keits­bil­des. In der Gesamt­schau prä­gend ist viel­mehr eine Ein­heit aus Ent­wurf, Pro­duk­ti­on und Ver­mark­tung, wobei dies glei­cher­ma­ßen für in klei­ner und in gro­ßer Serie pro­du­zier­te Gegen­stän­de gilt. Eben­so wie beim Kunst­hand­wer­ker steht auch bei der Herstellung/​Vermarktung selbst ent­wor­fe­ner Pro­duk­te die Ver­wer­tung der Pro­dukt­pa­let­te im Vor­der­grund, sodass wegen einer etwai­gen Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs­ge­setz nicht mehr allein auf die eigen­schöp­fe­ri­sche Leis­tung beim Ent­wurf ange­knüpft wer­den kann.
Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch im vor­lie­gen­den Fall einer Mode­de­si­gne­rin. Zwar hat die Klä­ge­rin sich zunächst auf das Ent­wer­fen der von ihr ver­trie­be­nen Mode­ar­ti­kel und Acces­soires beschränkt und an deren Her­stel­lung nicht unmit­tel­bar selbst mit­wirkt, son­dern dies durch freie Mit­ar­bei­ter und Prak­ti­kan­ten erle­di­gen lässt. Das ändert jedoch nichts dar­an, dass sie umfas­send in den Pro­duk­ti­ons­ab­lauf und die Ver­mark­tung der fer­ti­gen Pro­duk­te ein­ge­bun­den ist. Zum einen wer­den die Ent­wür­fe nach ihren Anga­ben und auf ihre Rech­nung gefer­tigt und es kann kei­nen Unter­schied machen, ob die Her­stel­lung durch sie selbst, durch eige­ne Ange­stell­te (dann ent­fie­le die Ver­si­che­rungs­pflicht womög­lich schon aus ande­ren Grün­den) (vgl § 1 Nr 2 KSVG) oder durch freie Mit­ar­bei­ter/-innen und Prak­ti­kan­ten erfolgt. Zum ande­ren ist die Klä­ge­rin Inha­be­rin eines Laden­ge­schäfts sowie Betrei­be­rin eines Inter­net­shops, wo sie die ent­wor­fe­nen Mode­ar­ti­kel und Acces­soires selbst anbie­tet und ver­kauft. Das schließt es aus, die Klä­ge­rin als Mode­de­si­gne­rin im Sin­ne von § 2 Satz 1 KSVG qua­li­fi­zie­ren zu kön­nen.
Die Klä­ge­rin hat sich auch nicht der­ma­ßen aus dem ange­stamm­ten hand­werk­li­chen Berufs­feld gelöst, dass sie als in Kunst­krei­sen aner­kann­te Künst­le­rin der Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem KSVG unter­lie­gen könn­te.
Aller­dings ist, wie das Bun­des­so­zi­al­ge­richt schon wie­der­holt ent­schie­den hat, nicht schlecht­hin jede Tätig­keit, die dem Hand­werks­be­reich zuzu­ord­nen ist, aus der Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem KSVG aus­ge­klam­mert. Zwar gilt im Grund­satz für alle hand­werk­li­chen Beru­fe, dass sie kei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem KSVG begrün­den. Dar­un­ter fal­len alle Gewer­be, die als zulas­sungs­pflich­ti­ge Hand­wer­ke betrie­ben wer­den kön­nen (§ 1 Abs 2 HwO – Anla­ge A der HwO), sowie die in der Anla­ge B der HwO genann­ten Gewer­be, die als zulas­sungs­freie Hand­wer­ke oder hand­werks­ähn­li­che Gewer­be betrie­ben wer­den kön­nen (§ 18 Abs 2 HwO), aber dar­über hin­aus auch alle nicht in der HwO ver­zeich­ne­ten hand­werk­li­chen Tätig­kei­ten im wei­te­ren Sin­ne 16. Jedoch kommt eine Ein­stu­fung als Künst­ler auch bei grund­sätz­lich hand­werk­li­cher Tätig­keit aus­nahms­wei­se dann in Betracht, wenn der Betrof­fe­ne mit sei­nen Wer­ken in ein­schlä­gi­gen fach­kun­di­gen Krei­sen als "Künst­ler" aner­kannt und behan­delt wird und des­halb den Bereich der rein hand­werks­mä­ßi­gen Berufs­aus­übung ver­las­sen hat 17.
Aner­ken­nung als Künst­ler kön­nen Ange­hö­ri­ge grund­sätz­lich hand­werk­lich gepräg­ter Beru­fe indes nur für sol­che Wer­ke erfah­ren, die ihrer­seits dem Kunst­be­griff des KSVG genü­gen und daher den Gat­tungs­an­for­de­run­gen eines bestimm­ten Kunst­typs (z.B. Thea­ter, Male­rei, Musik) ent­spre­chen. Dafür reicht es nicht aus, dass die Aus­füh­rung in Fach­krei­sen als beson­ders qua­li­täts­voll oder hoch­wer­tig ange­se­hen wird, wie das Revi­si­ons­vor­brin­gen mög­li­cher­wei­se zu ver­ste­hen sein könn­te 18. Viel­mehr ist eine Zuord­nung zum Bereich der Kunst nur dann anzu­neh­men, wenn der Betrof­fe­ne mit sei­nen Wer­ken in ein­schlä­gi­gen fach­kun­di­gen Krei­sen als "Künst­ler" aner­kannt und behan­delt wird 19. Wie der Senat bereits ent­schie­den hat, ist hier­für bei Ver­tre­tern der bil­den­den Kunst vor allem maß­ge­bend, ob der Betrof­fe­ne an Kunst­aus­stel­lun­gen teil­nimmt, Mit­glied von Künst­ler­ver­ei­nen ist, in Künst­ler­le­xi­ka auf­ge­führt wird, Aus­zeich­nun­gen als Künst­ler erhal­ten hat oder ande­re Indi­zi­en auf eine der­ar­ti­ge Aner­ken­nung schlie­ßen las­sen 20. Als ein sol­ches Indiz hat der Senat zB die Abbil­dung oder Bespre­chung einer Arbeit in einer Kunst­zeit­schrift ange­se­hen 21. Nicht aus­rei­chend dage­gen ist der Besuch von Ver­kaufs­mes­sen 22.
Die­se beson­de­ren Kri­te­ri­en sind im vor­lie­gen­den Fall nicht erfüllt. Der vom LSG fest­ge­stell­te Sach­ver­halt gibt kei­nen Anhalts­punkt dafür, dass die Arbei­ten der Klä­ge­rin durch Fach­krei­se der bil­den­den Kunst (z.B. Kunst­kri­ti­ker, Muse­ums­leu­te, Gale­ris­ten, Kunst­ver­ei­ne) die­ser Kunst­gat­tung zuge­rech­net wür­den. Soweit die Klä­ge­rin in die­sem Zusam­men­hang auf die regel­mä­ßi­ge Teil­nah­me an Aus­stel­lun­gen und die dem vor­ge­schal­te­te Aus­wahl durch Fach­ju­rys ver­weist, lässt sich nicht erken­nen, dass es sich dabei um Kunst­aus­stel­lun­gen han­deln könn­te, die zumin­dest im wei­te­ren Sin­ne der bil­den­den Kunst zuzu­rech­nen wären. Viel­mehr spricht alles dafür, dass es sich um kunst­hand­werk­li­che Ver­kaufs­aus­stel­lun­gen han­delt, denen für die Aner­ken­nung in Künst­ler­krei­sen kei­ne Indi­zwir­kung zukommt.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 10. März 2011 – B 3 KS 4/​10 R
Die diplo­mier­te Mode­de­si­gne­rin und die… Der Betrieb eines Mode­ate­liers unter­fällt nicht der Ver­si­che­rungs­pflicht in der Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rung. Dies ent­schied jetzt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in dem Fall einer Klä­ge­rin, die ein Stu­di­um an…
BT-Drucks 8/​3172 S 21[↩]
vgl BSG SozR 4 – 5425 § 24 Nr 6 RdNr 13 und BSGE 83, 160, 161 = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 9 S 33 – jeweils mwN; zum Kunst­be­griff des Art 5 GG vgl. BVerfGE 30, 173, 188 ff.; und 81, 108, 116; zur Ziel­rich­tung des KSVG vgl. BT-Drucks 9/​26, S 18; und BT-Drucks 8/​3172, S 19 ff.[↩]
BT-Drucks 7/​3071[↩]
BSGE 83, 160, 165 f = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 9 S 37 f; BSGE 83, 246, 250 = SozR 3 – 5425 § 1 Nr 5 S 23; vgl auch Finke/​Brachmann/​Nordhausen, KSVG, 04. Aufl 2009, § 2 RdNr 3 und 9; Schrie­ver "Der Begriff der Kunst im Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht" in: von Wulffen/​Krasney (Hrsg), Fest­schrift 50 Jah­re Bun­des­so­zi­al­ge­richt, 2004, S 709, 714 f.[↩]
BSG aaO[↩]
vgl BT-Drucks 7/​3071 S. 7[↩]
KSVGDV vom 23.05.1984, BGBl I 709[↩]
vgl BSG SozR 4 – 5425 § 2 Nr 5 RdNr 7 – Web-Desi­gner[↩]
vgl BSG SozR 3 – 5425 § 25 Nr 9 – Gestal­tung von CD-Covern; BSG SozR 3 – 5425 § 2 Nr 11 – Indus­trie­de­si­gner; Urteil vom 04.03.2004 – B 3 KR 15/​03 R – Lay­ou­ter; BSG SozR 4 – 5425 § 2 Nr 5 RdNr 7 – Web-Desi­gner; Urteil vom 07.07.2005 – B 3 KR 7/​04 R – Berufs­fach­schu­le für Design­be­ru­fe; BSG SozR 4 – 5425 § 24 Nr 8 – Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Design­kon­zep­te[↩]
Brock­haus, Die Enzy­klo­pä­die, 20. Aufl 1996, Band 10, Stich­wort "Indus­trie­de­sign"[↩]
vgl BSG SozR 3 – 5425 § 2 Nr 11 S 46 – Indus­trie­de­si­gner[↩]
aaO S 45[↩]
vgl BSGE 98, 152 = SozR 4 – 5425 § 2 Nr 11, RdNr 21 – Täto­wie­rer; ähn­lich auch BSGE 82, 164, 167 f = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 8 S 30 – Fein­täsch­ner und BSG SozR 4 – 5425 § 2 Nr 5 RdNr 15 – Web-Desi­gner[↩]
vgl dazu schon BSGE 80, 136, 138 = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 5 S 15 – Cem­balo­bau­er[↩]
vgl BSGE 82, 164, 165 f = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 8 S 28 – Fein­täsch­ner; BSG SozR 3 – 5425 § 25 Nr 11 S 56 – Gemäl­de­fo­to­gra­fie; BSGE 98, 152 = SozR 4 – 5425 § 2 Nr 11, RdNr 18 – Täto­wie­rer[↩]
vgl zusam­men­fas­send zuletzt BSGE 98, 152 = SozR 4 – 5425 § 2 Nr 11 RdNr 18 – Täto­wie­rer[↩]
vgl BSGE 80, 136, 140 = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 5 S 17 – Cem­balo­bau­er; BSGE 82, 164, 168 = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 8 S 31 – Fein­täsch­ner; BSGE 98, 152 = SozR 4 – 5425 § 2 Nr 11, RdNr 22 – Täto­wie­rer[↩]
vgl BSGE 98, 152 = SozR 4 – 5425 § 2 Nr 11 RdNr 22 – Täto­wie­rer[↩]
vgl BSGE 80, 136, 140 = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 5 S 16 – Cem­balo­bau­er[↩]
vgl BSGE 82, 164, 168 = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 8 S 31 – Fein­täsch­ner[↩]
vgl BSGE 98, 152 = SozR 4 – 5425 § 2 Nr 11, RdNr 22 – Täto­wie­rer[↩]
vgl BSGE 82, 164, 169 = SozR 3 – 5425 § 2 Nr 8 S 32 – Fein­täsch­ner[↩]
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