Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/zigarettenschmuggel-3111441
Timestamp: 2020-01-19 01:23:49
Document Index: 300309468

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 23', '§ 23', '§ 73', '§ 73', '§ 73', '§ 375', '§ 73', '§ 74', '§ 375', '§ 74', '§ 369', 'BGH', '§ 73', 'BGH']

Ziga­ret­ten­schmug­gel | Rechtslupe
Die Tabak­steu­er ent­steht beim Grenz­über­tritt von Polen nach Deutsch­land, wenn die Tabak­wa­ren ent­ge­gen § 17 Abs. 1 TabStG ohne deut­sche Steu­er­zei­chen aus dem steu­er­recht­lich frei­en Ver­kehr eines ande­ren Mit­glied­staats in das Steuerge­biet ver­bracht und dabei zu gewerb­li­chen Zwe­cken in Besitz gehal­ten wer­den (vgl. § 23 Abs. 1 Satz 1 TabStG).
Der Ver­brin­ger ver­stößt jeweils gegen sei­ne Pflicht aus § 23 Abs. 1 Satz 2 und 3 TabStG, als Steu­er­schuld­ner über die Tabak­wa­ren, für die die Steu­er ent­stan­den war, unver­züg­lich eine Steu­er­erklä­rung abzu­ge­ben 1.
Der Ver­brin­ger hat jedoch aus die­sen Taten der Steu­er­hin­ter­zie­hung nicht die ohne deut­sche Steu­er­zei­chen nach Deutsch­land ver­brach­ten Ziga­ret­ten im Sin­ne von § 73 Abs. 2 Satz 2 StGB erlangt. Zwar ist beim Delikt der Steu­er­hin­ter­zie­hung auch ein Betrag in Höhe der ver­kürz­ten Steu­ern erlang­tes "etwas" im Sin­ne des § 73 Abs. 1 StGB, weil sich der Täter die Auf­wen­dun­gen für die­se Steu­ern erspart 2. Die Waren, auf die sich die Hin­ter­zie­hung von Ver­brauch­steu­ern bezieht, sind als sol­che jedoch nicht durch die Steu­er­hin­ter­zie­hung erlangt. Sie unter­lie­gen des­halb nicht dem Ver­fall gemäß § 73 StGB, kön­nen aber gemäß § 375 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO ein­ge­zo­gen wer­den.
Soweit sich der Ver­brin­ger die Auf­wen­dun­gen für die ver­kürz­ten Steu­ern erspart hat, ist hier eine Ver­falls­an­ord­nung des­halb aus­ge­schlos­sen, weil Ansprü­che des Steu­er­fis­kus im Sin­ne des § 73 Abs. 1 Satz 2 StGB ent­ge­gen­ste­hen 3.
Aller­dings kommt gemäß § 74c StGB eine Ein­zie­hung des Wert­er­sat­zes der Ziga­ret­ten in Betracht. § 375 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO ord­net als Neben­fol­ge einer Steu­er­hin­ter­zie­hung, die sich auf die Hin­ter­zie­hung von Ver­brauch­steu­ern bezieht, die Mög­lich­keit der Ein­zie­hung der ver­brauch­steu­er­pflich­ti­gen Erzeug­nis­se als Bezie­hungs­ge­gen­stän­de an. Hat der Täter – wie hier – den Gegen­stand, der ihm zur Zeit der Tat gehör­te oder zustand und auf des­sen Ein­zie­hung hät­te erkannt wer­den kön­nen, vor der Ent­schei­dung über die Ein­zie­hung ver­äu­ßert, so kann das Gericht gegen ihn gemäß § 74c StGB die Ein­zie­hung eines Geld­be­trags bis zu der Höhe anord­nen, die dem Wert des Gegen­stan­des ent­spricht. Die­se Ein­zie­hungs­mög­lich­keit besteht gemäß § 369 Abs. 2 AO auch im Steu­er­straf­recht.
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 27.01.2015 – 1 StR 613/​14, wis­tra 2015, 236; vom 28.06.2011 – 1 StR 37/​11, wis­tra 2011, 394; und vom 13.07.2010 – 1 StR 239/​10, wis­tra 2010, 406; Fischer, StGB, 63. Aufl., § 73 Rn. 9[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 27.01.2015 – 1 StR 613/​14, wis­tra 2015, 236; vom 28.06.2011 – 1 StR 37/​11, wis­tra 2011, 394; und vom 28.11.2000 – 5 StR 371/​00, NStZ 2001, 155[↩]