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Timestamp: 2020-07-06 03:42:32
Document Index: 133929351

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 22', '§ 22', 'BGH', 'BGH']

Tönsbergrecht: LG Köln - Geldentschädigung wegen Persönlichkeitsverletzung durch Veröffentlichung einer Berichterstattung über angebliche Skandale aus Privatleben von Jogi Löw
LG Köln - Geldentschädigung wegen Persönlichkeitsverletzung durch Veröffentlichung einer Berichterstattung über angebliche Skandale aus Privatleben von Jogi Löw
Das LG Köln hat mit Urteil vom 05.07.2017, Az. 28 O 9/17 entschieden, dass dem Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft Jogi Löw eine Geldentschädigung wegen Persönlichkeitsverletzung durch Veröffentlichung einer Berichterstattung über angebliche Skandale aus seinem Privatleben zusteht.
Der Kläger, Joachim Löw, ist als der Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft einer der bekanntesten Deutschen und verfügt in der Öffentlichkeit über einen einwandfreien Ruf. Im Sommer des Jahres 2016 trennte sich der Kläger von seiner Ehefrau. Die Beklagte ist verantwortlich für diverse Zeitschriften. Sie veröffentlichte insgesamt elf Berichterstattungen über den Kläger, die sich u.a. mit seinem Privat- und Liebesleben, insbesondere mit seiner Ehe, seiner Trennung von seiner Ehefrau, seinen Urlauben, einem angeblichen Flirt und einer angeblichen Liaison mit seiner Patentochter beschäftigen und die weit überwiegend mit Fotos des Klägers bebildert sind, die ihn - auch in Badehose - während seiner Urlaubreisen am Strand und in einem Straßencafé in Berlin zeigen. Mit anwaltlichen Schreiben forderte der Kläger die Beklagte erfolgreich zur Abgabe von strafbewehrten Unterlassungserklärungen auf. Erfolglos blieb indes die Aufforderung zur Zahlung einer Geldentschädigung i.H.v. mindestens 120.000 Euro. Mit der Klage begehrt der Kläger u.a. die Zahlung einer angemessenen Geldentschädigung.
Die Berufung ist vor dem Oberlandesgericht Köln unter dem Aktenzeichen 15 U 103/17 anhängig.
Über eine Person des öffentlichen Lebens (hier: Jogi Löw) darf in größerem Umfang berichtet werden als über andere Personen, wenn die Information einen hinreichenden Nachrichtenwert mit Orientierungsfunktion im Hinblick auf eine die Allgemeinheit interessierende Sachdebatte hat und die Abwägung keine schwerwiegenden Interessen des Betroffenen ergibt, die einer Veröffentlichung entgegenstehen. Allerdings kann eine Prominenter, der ständig im Fokus der medialen Berichterstattung steht, die berechtigte Erwartung haben, nicht auch noch während des Urlaubs oder eines Café-Besuchs in den Medien abgebildet zu werden. Eine Berichterstattung, die den Prominenten in Badehose bekleidet zeigt und die lediglich dessen Privat- und Liebensleben, insbesondere seine Ehe, die Trennung von seiner Ehefrau, einen angeblichen Flirt und eine angebliche Liaison mit seiner Patentochter zum Inhalt hat, stellt insoweit eine mit einer Geldentschädigung auszugleichende Persönlichkeitsrechtsverletzung dar.
Der Kläger ist der Auffassung, dass eine Geldentschädigung in Höhe von mindestens 120.000,- EUR gerechtfertigt sei, weil die Beklagte – unstreitig – in nur zwei Monaten zehn Artikel sowie trotz der anhängigen Klage am 28.01.2017 erneut einen Artikel veröffentlichte, die – so meint er – ausschließlich seine Privatsphäre beträfen, an der kein seine Interessen überwiegendes öffentliches Informationsinteresse bestehe, zumal er sich - so behauptet er - weder zu seinem Privatleben noch zu seiner Trennung öffentlich geäußert habe und seine Ehefrau ihn nahezu nie zu öffentlichen Auftritten begleitet habe, weder Interviews gegeben habe noch sonst in der Öffentlichkeit an seiner Seite präsent gewesen sei. Hinzu komme, dass – unstreitig – sieben von diesen elf – seines Erachtens – rechtswidrigen Berichterstattungen großformatige Titelseitenstories waren und dass nahezu alle dieser elf – seines Erachtens – rechtswidrigen Berichterstattungen mit 24 Paparazzi-Bildern bebildert gewesen seien, welche – so behauptet er – aus weiter Entfernung mittels Teleobjektiv oder anderer technischer Hilfsmittel heimlich und ohne seine Kenntnis aufgenommen worden seien und die ihn – unstreitig - überwiegend mit nacktem Oberkörper in drei unterschiedlichen Badehosen am Strand oder auf dem Hotelgelände zeigten. Schließlich sei zu berücksichtigen, dass die Beklagte auf sieben Titelseiten – unstreitig - über sein Liebesleben spekulierte und ihm insbesondere eine Affäre mit seiner Patentochter andichtete.
Vor diesem Hintergrund ist er der Meinung, dass die Beklagte sowohl sein Recht am eigenen Bild als auch seine Privatsphäre schwerwiegend und vorsätzlich verletzt habe. Aufgrund der Intensität der einzelnen Persönlichkeitsrechtsverletzungen, der Art und Weise der jeweiligen Veröffentlichung und ihrer hohen Verbreitung sowie aufgrund des Umstandes, dass die Berichterstattungen über angebliche Skandale aus seinem privaten Alltag allein den kommerziellen Interessen der Beklagten und der Befriedigung der Neugier ihrer Leserschaft dienten, sei in Anbetracht der Tatsache, dass die Beklagte sich aus eigenen wirtschaftlichen Interessen rücksichtslos und hartnäckig über seine Rechte hinweg gesetzt habe, mindestens die beantragte Geldentschädigung zuzuerkennen, um sowohl seinem Genugtuungsinteresse ausreichend Rechnung zu tragen als auch einen echten Hemmungseffekt zu bewirken. Hinzu komme, dass es sich - so meint er weiter – bei den seitens der Beklagten eingereichten Berichterstattungen (Anlagen B3 bis B9) nicht um mit den streitgegenständlichen Berichterstattungen vergleichbare Artikel handele, zumal er diese vor diesem Rechtsstreit nicht zur Kenntnis genommen, mithin auch nicht geduldet habe.
Die Beklagte ist der Auffassung, dass dem Kläger weder für die einzelnen Artikel noch wegen eines – vermeintlich – hartnäckigen Verhaltens ihrerseits eine Geldentschädigung zuzuerkennen sei. Es sei zu berücksichtigen, dass sowohl an dem Kläger als eine der berühmtesten Persönlichkeiten Deutschlands als auch an seiner Ehefrau ein erhebliches öffentliches Interesse bestehe und dass der nicht der Privatsphäre zuzuordnende Umstand, dass sich der Kläger und seine Ehefrau im Sommer 2016 trennten, bundesweit – unstreitig - für Schlagzeilen sorgte. Außerdem sei hinsichtlich der Beiträge zwischen dem 30.07.2016 und dem 03.08.2016 zu berücksichtigen, dass sich die streitgegenständlichen Beiträge nicht nur mit der Urlaubssituation des Klägers beschäftigten, sondern auch einen Bezug zu der vergangenen Europameisterschaft, dem Erholungsbedürfnis des Klägers danach und zu der während der Europameisterschaft nicht anwesenden Ehefrau des Klägers hätten. Die Artikel, die zwischen dem 17.08.2016 und dem 10.09.2016 erschienen, beschäftigten sich sodann mit der zwischenzeitlich bekannt gewordenen Trennung des Klägers von seiner Ehefrau. Hierbei handele es sich insgesamt um Themen, deren Berichterstattung von einem hohen Informationsinteresse getragen werde, zumal der Kläger mit Ausnahme des Artikels, welcher ihm eine Liaison mit seiner Patentochter unterstelle, in einem positiven Licht dargestellt werde. Zudem sei zu beachten, dass der Kläger – unstreitig – Anfang Oktober 2016 in der „X5“ zu der Trennung von seiner Ehefrau Stellung nahm, was von anderen Medien aufgegriffen wurde, und auch bei anderen Gelegenheiten zu seinem Privatleben Stellung nahm. Hinsichtlich der Einzelheiten wird auf die Anlagen B1 und B2 sowie B10 Bezug genommen. Schließlich sei zu berücksichtigen, dass – so meint sie – mit den streitgegenständlichen Fotos vergleichbare Aufnahmen in den letzten Jahren von anderen Medien veröffentlicht worden seien, ohne dass sich der Kläger – unstreitig – bislang hiergegen wehrte. Hinsichtlich der Einzelheiten wird auf die Anlagen B3 bis B9 Bezug genommen. Schließlich ist sie der Meinung, dass auch der Umstand, dass der Kläger – unstreitig - wiederholt seinen Urlaub mit seiner deutlich jüngeren Patentochter verbrachte, vor dem Hintergrund seines diesbezüglichen Auftretens am Strand und der Trennung von seiner Ehefrau ein berichtenswerter Umstand gewesen sei. Hinsichtlich der Einzelheiten der diesbezüglichen Argumentation wird auf die Seiten 5 und 8 des Schriftsatzes vom 25.04.2017 Bezug genommen. Außerdem sei zu beachten, dass der Kläger auf den streitgegenständlichen Fotos äußerst vorteilhaft aussehe, diese – mit Ausnahme derjenigen in der Zeitschrift „X6“ Nr. 5/2017 - in einem öffentlichen Raum gefertigt worden seien und diese hinsichtlich der jeweils beschriebenen Urlaubssituation eine Belegfunktion hätten. Hinzu komme schließlich, dass der Kläger – so behauptet die Beklagte – sich – wie das am 02.10.2016 veröffentlichte Interview (Anlage B10) zeige - an den streitgegenständlichen Berichterstattungen nicht in der erforderlichen erheblichen Art störe, sodass eine Geldentschädigung mangels Genugtuungsinteresses nicht zuzuerkennen sei.
Vor diesem Hintergrund überwiegen die Interessen des Klägers diejenigen der Beklagten hinsichtlich aller angegriffenen Fotos. Es ist zwar zu berücksichtigen, dass der Kläger zweifelsohne einer der bekanntesten Deutschen ist und folglich auch ein nachvollziehbares Interesse an seinem Privatleben besteht, zumal er sich zu der Trennung von seiner Ehefrau bei einer Gelegenheit äußerte. Eingedenk dessen hat der Kläger auch im privaten Bereich eine Leitbild- und Kontrastfunktion, die der Leserschaft der Beklagten ein gewisses Maß an Orientierung geben kann. Ferner gehört die Entscheidung, auf welche Art und Weise ein Artikel bebildert wird, zu den Kernbereichen der Pressefreiheit der Beklagten. Insofern darf selbst die Normalität des Alltagslebens prominenter Personen der Öffentlichkeit vor Augen geführt werden, wenn dies der Meinungsbildung zu Fragen von allgemeinem Interesse dienen kann. Letzteres ist jedoch nicht der Fall. Denn die streitgegenständlichen Aufnahmen zeigen den Kläger lediglich beim Besuch eines Cafés oder im Urlaub, der auch bei Prominenten zum grundsätzlich geschützten Kernbereich der Privatsphäre gehört (vgl. BGH, GRUR 2007, 527). Denn gerade der Urlaub ist für einen Prominenten von besonderer Bedeutung, um sich zumindest für den Zeitraum des Urlaubs aus der medialen Öffentlichkeit zurückziehen zu können. Das Gewicht der mit der jeweiligen Abbildung verbundenen Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts des Klägers ist auch erhöht, weil die visuelle Darstellung durch Ausbreitung von üblicherweise der öffentlichen Erörterung entzogenen Einzelheiten – hier des Urlaubs oder eines Café-Besuchs - thematisch die Privatsphäre berührt. Zudem konnte der Kläger, der ständig im Fokus der medialen Berichterstattung steht, die berechtigte Erwartung haben, nicht auch noch während des Urlaubs – gerade nach der Europameisterschaft oder der Trennung von seiner Ehefrau - oder eines Café-Besuchs in den Medien abgebildet zu werden. Überdies zeigen die Aufnahmen den Kläger in einem Moment der Entspannung und des Sich-Gehen-Lassens außerhalb der Einbindung in die Pflichten des Berufs und Alltags, was sich bereits an seiner jeweiligen Bekleidung zeigt. Zudem ist zu berücksichtigten, dass die Fotos erkennbar in Unkenntnis des Klägers und damit heimlich gemacht wurden. Aus einem heimlichen Vorgehen bei der Erlangung einer Fotoaufnahme kann sich jedoch ein besonderer Schutzbedarf ergeben (vgl. BVerfG, NJW 2008, 1793), den die Kammer hier als gegeben ansieht, da die Beklagte nicht substantiiert vorgetragen hat, dass der Kläger die Fertigung der Fotos wahrgenommen hat. Zuletzt kann die Beklagte auch nicht die Entscheidung des BVerfG (NJW 2017, 1376) zu ihren Gunsten ins Feld führen, da es in dem dortigen Verfahren um die Veröffentlichung von Fotos eines bekannten Moderators im Vorhinein einer Hauptverhandlung im Rahmen des gegen ihn geführten Strafverfahrens ging und folglich nicht um eine Berichterstattung, die mit der hier streitgegenständlichen vergleichbar ist.
Zwar kann eine Selbstöffnung des Privaten deren Schutz begrenzen (vgl. BVerfG, NJW 2000, 1021, 1022 – Caroline von Monaco; BGH, NJW 2005, 594, 595 – Uschi Glas). Insbesondere können auch Prominente nicht einerseits bereitwillige Einblicke gewähren, nach Bedarf aber diesen Einblick wieder verschließen. Vielmehr muss „die Erwartung, dass die Umwelt die Angelegenheiten oder Verhaltensweisen in einem Bereich mit Rückzugsfunktion nur begrenzt oder nicht zur Kenntnis nimmt, … situationsübergreifend und konsistent zum Ausdruck gebracht werden“ (vgl. BGH, NJW 2004, 594, 595 mit Hinweis auf die Selbstkommerzialisierung BVerfG, NJW 2000, 1021, 1023 - Caroline von Monaco). Auch dies gilt nicht nur im Bereich der Bild-, sondern auch bei der Wortberichterstattung (OLG Köln, NJW-RR 2014, 1069, 1070).
Denn der Kläger hat sich gegenüber der Presse weder zu seinen Urlauben noch zu vermeintlichen Flirts oder vermeintlichen Liebesbeziehungen geäußert noch der Presse Urlaubsfotos übermittelt. Allein darum geht es jedoch. Selbst der – unterstellte - Umstand, dass der Kläger in der Vergangenheit vereinzelt Berichte über seine Ehe und Veröffentlichungen von Urlaubsfotos duldete sowie sich pauschal zu der Trennung von seiner Ehefrau äußerte, hat nicht zur Folge, dass eine Selbstöffnung hinsichtlich der streitgegenständlichen Äußerungen bzw. hier inkriminierten Fotos anzunehmen ist.
- „X6“ Nr. 31 vom 30.07.2016:
- „X6“ Nr. 36 vom 03.09.2016:
- „X6“ Nr. 37 vom 10.09.2016:
- „X1“ Nr. 32 vom 03.08.2016:
- „X1“ Nr. 34 vom 17.08.2016:
- „X1“ Nr. 37 vom 07.09.2016:
- „X2“ Nr. 31 vom 01.08.2016:
- „X3“ Nr. 32 vom 03.08.2016:
- „X4“ Nr. 32 vom 03.08.2016:
LG Köln, 05.07.2017, 28 O 9/17
Das LG Köln hat dem Kläger eine Geldentschädigung in Höhe von 220.000 Euro zugesprochen. Das Gericht ist überzeugt, dass die Bild- und Textberichterstattung des Beklagten den Kläger in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzt hat. Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt sich die Zulässigkeit der Bildveröffentlichung nach dem abgestuften Schutzkonzept der §§ 22, 23 KUG. Wenn die abgebildete Person nicht in die Veröffentlichung der Aufnahmen eingewilligt hat, dürfen die Bildnisse nur dann veröffentlicht werden, wenn es sich um solche der Zeitgeschichte handelt. Dass der Kläger auf Grund seiner Tätigkeit als Bundestrainer als Person des öffentlichen Interesses anzusehen ist, hat zur Folge, dass über eine solche Person in größerem Umfang berichtet werden darf als über andere Personen, wenn die Information einen hinreichenden Nachrichtenwert mit Orientierungsfunktion im Hinblick auf eine die Allgemeinheit interessierende Sachdebatte hat und die Abwägung keine schwerwiegenden Interessen des Betroffenen ergibt, die einer Veröffentlichung entgegenstehen. Maßgebend für die Frage, ob es sich bei den veröffentlichten Fotos um Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte handelt, ist das Zeitgeschehen. Dieses ist vom Informationsinteresse der Öffentlichkeit her zu bestimmen und umfasst auch Fragen von allgemeinem gesellschaftlichem Interesse. Selbst die Normalität des Alltagslebens prominenter Personen darf der Öffentlichkeit in unterhaltenden Beiträgen vor Augen geführt werden, wenn dies der Meinungsbildung zu Fragen von allgemeinem Interesse dienen kann. Allerdings besteht das Informationsinteresse der Öffentlichkeit nicht schrankenlos. Das Gericht führt in seiner Entscheidung aus, dass der Einbruch in die persönliche Sphäre des Abgebildeten durch den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit begrenzt wird, so dass eine Berichterstattung keineswegs immer zulässig ist. Bei der Abwägung spielt eine entscheidende Rolle, ob die Presse eine neue und wahre Information von allgemeinem Interesse für die öffentliche Meinungsbildung ernsthaft und sachbezogen erörtert und damit einen Beitrag zu irgendeiner Diskussion von allgemeinem Interesse für Staat und Gesellschaft leistet oder ob der Informationswert für die Öffentlichkeit wesentlich in der Unterhaltung ohne gesellschaftliche Relevanz besteht. Das LG Köln stellt in seiner Entscheidung dar, dass für die Gewichtung der Belange des Persönlichkeitsschutzes bei der Bildberichterstattung zudem die Umstände der Gewinnung der Abbildung, etwa durch Ausnutzung von Heimlichkeit oder beharrliche Nachstellung, zu bedenken sind. Das Gewicht der mit der Abbildung verbundenen Beeinträchtigungen des Persönlichkeitsrechts ist erhöht, wenn der Betroffene typischerweise die berechtigte Erwartung haben durfte, nicht in den Medien abgebildet zu werden oder die Medienberichterstattung den Betroffenen in Momenten der Entspannung oder des Sich-Gehen-Lassens außerhalb der Einbindung in die Pflichten des Berufs und Alltags erfasst. Davon ausgehend überwiegen die Interessen des Klägers diejenigen der Beklagten hinsichtlich aller angegriffenen Fotos. Das Gericht hat zwar berücksichtigt, dass ein nachvollziehbares Interesse am Privatleben des prominenten Klägers besteht, zumal er sich zu der Trennung von seiner Ehefrau bei einer Gelegenheit äußerte. Selbst die Normalität des Alltagslebens prominenter Personen darf der Öffentlichkeit vor Augen geführt werden, wenn dies der Meinungsbildung zu Fragen von allgemeinem Interesse dienen kann. Letzteres ist jedoch nach Dafürhalten des Gerichts nicht der Fall. Die streitgegenständlichen und heimlich angefertigten Aufnahmen zeigen den Kläger beim Besuch eines Cafés oder im Urlaub, der auch bei Prominenten zum grundsätzlich geschützten Kernbereich der Privatsphäre gehört. Gerade der Urlaub ist für einen Prominenten von besonderer Bedeutung, um sich zeitweise aus der medialen Öffentlichkeit zurückziehen zu können. Zudem konnte der Kläger, der ständig im Fokus der medialen Berichterstattung steht, die berechtigte Erwartung haben, nicht auch noch während des Urlaubs oder eines Café-Besuchs in den Medien abgebildet zu werden. Die Voraussetzungen einer persönlichkeitsrechtsverletzenden Berichterstattung liegen auch hinsichtlich der angegriffenen Wortberichterstattungen vor. Im Rahmen der Abwägung ist zwar zu berücksichtigen, dass die Leserschaft der Beklagten aufgrund der Prominenz des Klägers ein nachvollziehbares Informationsinteresse auch an dem Privatleben des Klägers hat, zumal der Kläger sich von seiner Ehefrau trennte und dies bei einer Gelegenheit gegenüber den Medien kommentierte. Die streitgegenständlichen Äußerungen befriedigen jedoch allein die Neugier und die Sensationslust der Rezipienten, möglichst detailreich über das Privatleben des Klägers informiert zu werden. Ferner ist zu berücksichtigen, dass die Verbreitung der Gerüchte über vermeintliche Flirts, eine vermeintliche Liebesbeziehung zu seiner Patentochter oder zu einer neuen Frau den Kernbereich der Privatsphäre des Klägers betreffen, ohne dass ein berechtigtes Interesse der Beklagten an der Streuung derartiger Gerüchte zu erkennen ist. Diese Eingriffe in das Allgemeine Persönlichkeitsrecht des Klägers sind auch unter Berücksichtigung des Umstandes rechtswidrig, dass der Kläger in der Vergangenheit vereinzelt auf Fragen der Presse zu seiner Privatsphäre antwortete. Eine den Schutz des Privaten begrenzende Selbstöffnung hat das LG Köln vorliegend verneint, da der Kläger sich gegenüber der Presse weder zu seinen Urlauben noch zu vermeintlichen Flirts oder vermeintlichen Liebesbeziehungen geäußert noch der Presse Urlaubsfotos übermittelt hat. Die Wort- und Bildberichterstattungen der Beklagten stellen aufgrund der abgebildeten Situationen und der Umstände ihres Entstehens jeweils einen schwerwiegenden Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Klägers dar. Das Gericht hat die Persönlichkeitsrechtsverletzung durch die Beklagte insbesondere deshalb als schwerwiegend eingestuft, weil der Kläger sich in den betreffenden Situationen im Urlaub bzw. in seiner Freizeit befand und die Bildnisse nur entstehen konnten, weil sie heimlich gefertigt wurden. Da es sich zudem um Berichte in einer Publikumszeitschrift mit hoher Verbreitungswirkung handelt, ist die Berichterstattung auch in quantitativer Hinsicht intensiv. Daneben tragen Anlass und Beweggrund des Handelns der Beklagten die Wertung als schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung. Denn die Veröffentlichung der streitgegenständlichen Fotos diente allein der Befriedigung der voyeuristischen Interessen der Leserschaft der Beklagten an der bildlichen Darstellung des Klägers im Urlaub bzw. in einem Café in Berlin. Ein berechtigtes oder nachvollziehbares Informationsinteresse, das über diese Neugier hinausginge, ist vor dem Hintergrund, dass der Kläger sich zu solchen privaten Details seines außerhalb seiner Berufstätigkeit anzusiedelnden Lebens nicht detailreich geäußert hat, nicht ersichtlich. Bei der Bemessung der Geldentschädigung sind zu berücksichtigen die Eingriffsintensität, der Grad des Verschuldens, der Verbreitungsgrad, das Verhalten des Betroffenen und die Funktionen des Geldentschädigungsanspruchs, Ausgleich und Genugtuung zu gewähren, aber auch künftige Verletzungen der Persönlichkeitssphäre zu verhindern. Vor diesem Hintergrund hat die Kammer in Anbetracht der bereits dargestellten Umstände, insbesondere des vorsätzlichen Verhaltens der Beklagten, des deutschlandweiten Verbreitungsgrades der von der Beklagten verlegten Zeitschriften, der hohen Eingriffsintensität sowohl der Bild- als auch der Wortberichterstattung, des hieraus resultierenden hohen Genugtuungsinteresses des Klägers sowie des ebenfalls zu berücksichtigenden Präventionsgedankens eine Geldentschädigung in Höhe von 220.000 Euro für angemessen erachtet.
Die Zulässigkeit einer Bildveröffentlichung in der Presse beurteilt sich nach dem abgestuften Schutzkonzept der §§ 22, 23 KUG (vgl. Urteil des BGH vom 28.10.2008 - VI ZR 307/07 - und Urteil des BGH vom 18.10.2011 - VI ZR 5/10). Liegt keine Einwilligung des Abgebildeten vor, ist im Rahmen der Frage, ob die Abbildung einem Geschehen der Zeitgeschichte zuzuordnen ist, eine Abwägung der Presse- und Informationsfreiheit mit dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Abgebildeten vorzunehmen. Das LG Köln hat vorliegend nicht überraschend dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Klägers den Vorrang gegeben. Das Gericht hat die beanstandete Wort- und Bildberichterstattung der Privatsphäre des Prominenten zugeordnet. Zur Privatsphäre gehören u.a. alle persönlichen Informationen, von denen der Betroffene berechtigterweise erwarten kann, dass sie nicht ohne seine Einwilligung veröffentlicht werden. Darunter fallen Informationen über das Beziehungsleben und Informationen über das Urlaubsverhalten von Prominenten (vgl. Beschluss des BVerfG vom 08.12.2011 - 1 BvR 927/08). Ein Prominenter muss nicht damit rechnen, im Urlaub oder in seiner Freizeit spärlich bekleidet abgelichtet zu werden. Die ausgeurteilte Entschädigungssumme ist sowohl den Umständen der heimlichen Bildgewinnung, den hartnäckigen Spekulationen über das Privatleben des Prominenten sowie der sich hieraus ergebenden Genugtuungsfunktion der Geldentschädigung geschuldet.
Eingestellt von RA Gerth um 08:30
Labels: 05.07.2017, allgemeine Persönlichkeitsrecht, Az. 28 O 9/17, Geldentschädigung, Jogo Löw, LG Köln