Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=01.12.1978&Aktenzeichen=VI%20R%20149/75
Timestamp: 2019-10-22 22:56:31
Document Index: 242341954

Matched Legal Cases: ['§ 33', '§ 33', '§ 12', '§ 33', '§ 33', '§ 33']

BFH, 01.12.1978 - VI R 149/75 - dejure.org
BFH, 01.12.1978 - VI R 149/75
https://dejure.org/1978,214
BFH, 01.12.1978 - VI R 149/75 (https://dejure.org/1978,214)
BFH, Entscheidung vom 01.12.1978 - VI R 149/75 (https://dejure.org/1978,214)
BFH, Entscheidung vom 01. Dezember 1978 - VI R 149/75 (https://dejure.org/1978,214)
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Unterhaltspflicht - Privatschulbesuch - Lernbehindertes Kind - Außergewöhnliche Belastung
Privatschulbesuch lernbehinderter Kinder ist keine außergewöhnliche Belastung
EStG (1971) § 33
Aufwendungen für Privatschulbesuche eines krankheitsbedingt lernbehinderten Kindes grundsätzlich nicht als außergewöhnliche Belastung zu berücksichtigen
BFHE 126, 302
NJW 1979, 1176 (Ls.)
DB 1979, 386
BStBl II 1979, 78
Hingegen handele es sich bei den sog. Leerfahrten um sog. mittelbare Krankheitskosten (vgl. BFH-Urteile vom 1. Dezember 1978 VI R 149/75, BFHE 126, 302, BStBl II 1979, 78; vom 2. Dezember 1981 VI R 167/79, BFHE 135, 37, BStBl II 1982, 297; vom 2. März 1984 VI R 158/80, BFHE 140, 556, BStBl II 1984, 484).
Auch die weitere Erwägung des FG verdeutlicht die Notwendigkeit, die Fahrten in ihrem Gesamtzusammenhang zu würdigen, um in sachgerechter Weise die außergewöhnlichen und zwangsläufigen Aufwendungen i.S. von § 33 Abs. 2 EStG von den der privaten Lebensführung zuzurechnenden, nach § 12 Nr. 1 EStG nicht abzugsfähigen Aufwendungen abzugrenzen (vgl. dazu BFH-Urteile in BFHE 126, 302, BStBl II 1979, 78, 80; vom 16. Mai 1975 VI R 132/72, BFHE 116, 130, BStBl II 1975, 536).
In einer weiteren grundlegenden Entscheidung aus dem Jahr 1978 hatte der BFH über den krankheitsbedingten Besuch einer Privatschule zu entscheiden (vgl. BFH-Urteil vom 1.12.1978 VI R 149/75, BFHE 126, 302, BStBl II 1979, 78).
Als einzigen Ausnahmefall, in dem Aufwendungen für den Schulbesuch Krankheitskosten i.S. des § 33 EStG darstellen könnten, zog der BFH den Besuch einer Behindertenschule in Betracht (vgl. BFH-Urteil vom 1.12.1978 VI R 149/75, BFHE 126, 302, BStBl II 1979, 78).
Wie sich den eingangs dargestellten BFH-Urteilen zum Privatschulbesuch (vgl. BFH-Urteile vom 1.12.1978 VI R 149/75, BFHE 126, 302, BStBl II 1979, 78, vom 18.4.1990 III R 160/86, BFHE 161, 447, BStBl II 1990, 962 und wohl auch vom 11.11.2010 VI R 17/09, BFHE 232, 40, BStBl II 2011, 969) entnehmen lässt, können derartige Aufwendungen nur unter ganz engen Voraussetzungen als (unmittelbare) Krankheitskosten angesehen werden.
Mit der BFH-Entscheidung vom 1.12.1978 VI R 149/75 (BFHE 126, 302, BStBl II 1979, 78) geht der Senat davon aus, dass es sich in diesem Fall nicht um unmittelbare Krankheitskosten, sondern um - nicht abziehbare - bloße Kosten der Vorbeugung bzw. Folge einer Krankheit handelt.
Wie sich den eingangs dargestellten BFH-Urteilen zum Privatschulbesuch (vgl. BFH-Urteile vom 1.12.1978 VI R 149/75, BFHE 126, 302, BStBl II 1979, 78, vom 18.4.1990 III R 160/86, BFHE 161, 447, BStBl II 1990, 962 und vom 11.11.2010 VI R 17/09, BFHE 232, 40, BStBl II 2011, 969) weiterhin entnehmen lässt, wäre die Qualifikation derartiger Aufwendungen als (unmittelbare) Krankheitskosten auch nur unter ganz engen Voraussetzungen möglich.
Mit der BFH-Entscheidung vom 1.12.1978 VI R 149/75 (BFHE 126, 302, BStBl II 1979, 78) geht der Senat davon aus, dass es sich in diesem Fall nicht um unmittelbare Krankheitskosten, sondern um - nicht abziehbare - bloße Kosten der Vorbeugung bzw. Folge einer Krankheit handelt (so auch FG Düsseldorf, Urteil vom 14. März 2017 - 13 K 4009/15, juris).
Grundsätzlich seien "nur unmittelbare Krankheitskosten ..., nicht aber ... die mit einer Krankheit verbundenen Folgekosten als außergewöhnliche Belastungen anzusehen" (Urteil vom 2. Dezember 1981, VI R 167/79, BStBl. II 1982, 297 mit weiteren Nachweisen - m.w.N.-, vgl. auch Urteile vom 16. Mai 1975, VI R 132/72, BStBl. II 1975, 536, vom 1. Dezember 1978, VI R 149/75, BStBl. II 1979, 78, vom 14. Oktober 1997, III R 18/97, BFH/NV 1998, 448 m.w.N.).
Bei der Beurteilung, ob Lebenshaltungskosten über § 33 EStG ausnahmsweise steuerlich berücksichtigt werden können, ist - nicht zuletzt wegen der Gleichmäßigkeit der Besteuerung - ein strenger Maßstab anzulegen." (Urteil vom 16. Mai 1975, a.a.O., ebenso Urteil vom 1. Dezember 1978 a.a.O. …und vom 17. Juli 1981 a.a.O.).
Diese Vorschriften über den sog. Kinderlastenausgleich enthalten typisierende Sonderregelungen, nach welchen - ohne Rücksicht auf die Höhe der im Einzelfall tatsächlich angefallenen Aufwendungen - alle für Unterhalt und Ausbildung von Kindern angefallenen Kosten pauschal abgegolten sind (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 1. Dezember 1978 VI R 149/75, BFHE 126, 302, BStBl II 1979, 78).
In Anwendung dieser Grundsätze hat der BFH in ständiger Rechtsprechung die Aufwendungen für den Besuch von Privatschulen, die in ihren Bildungs- und Erziehungszielen mit öffentlichen ( - staatlichen - ) Schulen vergleichbar sind, regelmäßig nicht als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt (Urteile in BFHE 126, 302, BStBl II 1979, 78, und vom 5. Juli 1962 IV 5/61, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung - HFR - 1963, 98).
In diesem Sinne sind alle Aufwendungen, die ausschließlich zum Zwecke der Heilung einer Krankheit getätigt werden oder den Zweck verfolgen, die Krankheit - in der Person des Kranken - erträglich zu machen, als außergewöhnliche Belastung zu berücksichtigen (BFH-Urteile in BFHE 126, 302, BStBl II 1979, 78; vom 20. März 1987 III R 150/86, BFHE 149, 539, BStBl II 1987, 596; vom 13. Februar 1987 III R 208/81, BFHE 149, 222, BStBl II 1987, 427, und in BFHE 79, 104, BStBl III 1964, 270).
Deshalb ist § 33 EStG nicht anwendbar auf die Unterbringung eines Kindes in einer Privatschule, die aus sozialen, psychologischen oder pädagogischen Gründen erfolgt (vgl. Senatsurteil in BFHE 161, 447, BStBl II 1990, 962), und zwar auch dann nicht, wenn die Unterbringung erfolgt, weil das Kind behindert ist (BFH-Urteile in BFHE 126, 302, BStBl II 1979, 78, und in BFHE 161, 447, BStBl II 1990, 962) oder weil es kein Deutsch spricht (BFH-Urteil vom 23. Februar 1968 VI R 236/67, BFHE 91, 418, BStBl II 1968, 374).
Keine außergewöhnliche Belastung wird dagegen durch die mit einer Krankheit verbundenen Folgekosten begründet (BFH-Urteile vom 1. Dezember 1978 VI R 149/75, BFHE 126, 302, BStBl II 1979, 78, und vom 2. Dezember 1981 VI R 167/79, BFHE 135, 37, BStBl II 1982, 297).
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Privatschule - Besuch - Lernbehinderte Kinder - Belastung
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