Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2012-03-20/vi-zr-3_11
Timestamp: 2017-11-23 00:17:21
Document Index: 315110937

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 254', '§ 254', 'BGH', '§ 254', '§ 254', '§ 254', '§ 254']

BGH, 20.03.2012 - VI ZR 3/11 - Zulässigkeit der Berücksichtigung eines lediglich gesetzlich vermuteteten Verschuldens bei der Prüfung eines Mitverschuldens gemäß § 254 Abs. 1 BGB | anwalt24.de
Urt. v. 20.03.2012, Az.: VI ZR 3/11
Referenz: JurionRS 2012, 15369
Aktenzeichen: VI ZR 3/11
LG Aachen - 11.11.2009 - AZ: 11 O 25/07
OLG Köln - 30.11.2010 - AZ: 24 U 155/09
DAR 2013, 301
FamRZ 2012, 1134-1136
FuR 2012, 663-664
Life&Law 2012, 553-556
MDR 2012, 768-769
NJW 2012, 2425-2427
NJW-Spezial 2012, 362
NZV 2012, 479
r+s 2012, 356-357
r+s 2012, 452
RÜ 2012, 493-496
VersR 2012, 865-867
VRA 2012, 113
VRS 2012, 137-140
ZAP 2012, 783
ZAP EN-Nr. 429/2012
bb) Nach der ständigen Rechtsprechung des erkennenden Senats können bei der Schadensabwägung nach § 254 BGB indes nur solche Umstände verwertet werden, von denen feststeht, dass sie eingetreten und für die Entstehung des Schadens ursächlich geworden sind. Ein Verschulden, das nur gesetzlich vermutet wird, darf daher nicht berücksichtigt werden (vgl. Senatsurteile vom 16. Oktober 1956 - VI ZR 162/55, NJW 1957, 99 f. [BGH 16.10.1956 - VI ZR 162/55]; vom 8. Januar 1963 - VI ZR 35/62, VersR 1963, 285, 286; vom 23. November 1965 - VI ZR 158/64, VersR 1966, 164, 165; vom 10. Januar 1995 - VI ZR 247/94, VersR 1995, 357; vom 21. November 2006 - VI ZR 115/05, VersR 2007, 263 Rn. 15; ebenso Erman/Ebert, BGB, 13. Aufl., § 254 Rn. 84; MünchKommBGB/Oetker, 5. Aufl., § 254 Rn. 110; Soergel/Mertens, BGB, 12. Aufl., § 254 Rn. 112; Unberath in Bamberger/Roth, BGB, 2. Aufl., § 254 Rn. 53). Wird ein Verschulden nur vermutet, so fehlt jeder Anhalt für das Maß dieses Verschuldens, das von der leichtesten Fahrlässigkeit bis zur gröbsten Sorgfaltspflichtverletzung reichen kann. Nur wenn das Maß der Verantwortlichkeit beider Teile feststeht, ist eine sachgemäße Abwägung möglich. Wollte man sie auf Unterstellungen und Vermutungen gründen, so würde man in unzulässiger Weise Gewisses mit Unbekanntem vergleichen und zu keinem gerechten Ergebnis gelangen (vgl. Senatsurteil vom 16. Oktober 1956 - VI ZR 162/55, aaO, 100).