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Timestamp: 2019-06-17 20:06:23
Document Index: 2236256

Matched Legal Cases: ['EuG', 'BGH', '§ 12', 'BGH', 'Art. 27', 'BGH', '§ 307', 'Art. 31', 'Art. 10', 'Art. 10', '§ 433', '§ 307', 'Art. 3', '§ 307', '§ 305', '§ 307', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 38', 'BGH', 'BGH', '§ 40', '§ 29', '§ 38', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 40', '§ 29', '§ 7', 'BGH', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 40', '§ 40', '§ 305', '§ 38', '§ 12', '§ 12', '§ 29', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

KG Berlin, Urteil vom 05.06.2014 - 22 U 90/13
3. Der Verbrauchergerichtsstand nach EU-Recht (EuGVVO) kommt nicht in Betracht, weil Liechtenstein nicht EU-Mitglied, sondern als Mitglied der EFTA nur Vertragsstaat des Europäischen Wirtschaftsraums ist. Liechtenstein ist ferner nicht Vertragsstaat des LugÜ I bzw. [ab 1. Januar 2010] des LugÜ II (vgl. BGH mit Urteil 28. Juni 2007 – I ZR 49/04 – NJW-RR 2008, 57, 58 [22]; Toussaint in: Vorwerk/Wolf, ZPO [Beck'scher Online-Kommentar; Stand: 1.1.2014], § 12 Rn. 17.1), weshalb die internationale Zuständigkeit für die Klage gegen liechtensteinische Unternehmen sich danach mittelbar aus den Bestimmungen für die örtliche Zuständigkeit ergibt (vgl. BGH mit Urteil 28. Juni 2007 – I ZR 49/04 – NJW-RR 2008, 57, 58 [23]).
Bei der Prüfung der Wirksamkeit dieser Vereinbarung ist gemäß Art. 27 Abs. 4, 31 Abs. 1 EGBGB a.F. das vereinbarte Vertragsstatut, also das Recht, das bei Wirksamkeit der Rechtswahlklausel anzuwenden wäre, maßgeblich (vgl. BGH mit Urteil vom 24. November 1988 – III ZR 150/87 – NJW 1989, 1431, 1432 [IV.1.c)]; Wurmnest in: Münchener Kommentar, BGB, 6. Aufl., § 307 Rn. 231; Hohloch in: Erman, BGB, 12. Aufl., Art. 31 EGBGB Rn. 1; zum entsprechenden Art. 10 Abs. 1 Rom I vgl. Thorn in: Palandt, BGB, 73. Aufl., Art. 10 Rom I Rn. 2; Beckmann in: Staudinger, BGB (2014), Vorbemerkungen zu §§ 433 ff Rn. 288; Coester in: Staudinger, BGB (2013), § 307 Rn. 561a; Magnus in: Staudinger, BGB (2011), Art. 3 Rom I Rn. 176; Roloff in: Erman, BGB, 12. Aufl., § 307 Rn. 150; vgl. auch Roloff in: Erman, BGB, 13. Aufl., § 305 Rn. 57 [mit unzutreffendem Hinweis auf die inzwischen unbesetzte Rn. 150 zu § 307]), weshalb liechtensteinisches Recht zu Grunde zu legen ist. Denn das anzuwendende Recht bestimmt sich nach den Regeln des deutschen internationalen Privatrechts (vgl. BGH mit Urteil vom 24. November 1988 – III ZR 150/87 – NJW 1989, 1431, 1432 [III.1.a)]; BGH mit Urteil vom 18. März 1997 – XI ZR 34/96 – NJW 1997, 2885, 2886 [I.2.a)]; BGH mit Urteil vom 17. Mai 1972 – VIII ZR 76/71 – BGHZ 59, 23, 26 f.; Toussaint in: Vorwerk/Wolf, ZPO [Beck'scher Online-Kommentar; Stand: 1.1.2014], § 38 Rn. 2). Die Zulässigkeit der Gerichtsstandsvereinbarung richtet sich jedoch nach deutschem Prozessrecht (vgl. BGH mit Urteil vom 24. November 1988 – III ZR 150/87 – NJW 1989, 1431, 1432 [III.1.a)]; BGH mit Urteil vom 18. März 1997 – XI ZR 34/96 – NJW 1997, 2885, 2886 [I.2.a)]), weshalb die gemäß § 40 Abs. 2 Nr. 2 ZPO unabdingbare Bestimmung des ausschließlichen Gerichtsstandes in § 29c Abs. 1 S. 2 ZPO in jedem Fall vorgeht und für Klagen gegen den Verbraucher zwingend ist.
(3) Dagegen ist die Vereinbarung für den besonderen Gerichtsstand der Klage des Verbrauchers gegen den Unternehmer – anders als der Kläger meint – grundsätzlich unter den hier vorliegenden Voraussetzungen des § 38 Abs. 2 ZPO zulässig. § 29c Abs. 1 ZPO differenziert zwischen besonderem und ausschließlichem Gerichtsstand. Dem Gesetzgeber ist zweifellos die Systematik von besonderem und ausschließlichem Gerichtsstand bekannt. In § 29c Abs. 1 S. 2 ZPO ist die ausschließliche Zuständigkeit nur für Klagen gegen den Verbraucher vorgesehen, wovon § 29c Abs. 2 und Abs. 3 ZPO wegen des Verbots der Gerichtsstandsvereinbarung (§ 40 Abs. 2 Nr. 2 ZPO) sogar für zwei Fälle Ausnahmen zulässt. Die Überschrift des § 29c „Besonderer Gerichtsstand für Haustürgeschäfte“ wäre zudem unzutreffend und Abs. 1 S. 2 überflüssig, wenn der Gerichtsstand gegen seinen klaren Wortlaut auch für Klagen des Verbrauchers ein ausschließlicher hätte sein sollen. Dass die Vorschrift dem Schutz des Verbrauchers in gleicher Weise wie zuvor § 7 HTWiG dienen soll, bedeutet nicht, dass entgegen der bekannten Systematik Gerichtsstandsvereinbarungen unzulässig sein sollten. Dementsprechend wird die Norm weder von dem Bundesgerichtshof noch sonst in der Rechtsprechung oder Literatur uminterpretiert und – in Wiederholung des Gesetzestextes – ausgeführt, dass die Zuständigkeit für Klagen gegen den Verbraucher ausschließlich ist, während die für Klagen des Verbrauchers keine ausschließliche mehr ist (vgl. BGH mit Beschluss vom 7. Januar 2003 – X ARZ 362/02 – NJW 2003, 1190 [III.1.]; BayObLG mit Beschluss vom 15. Januar 2003 – 1 Z AR 170/02 – NJOZ 2003, 520, 521 f. [II.3.]; Toussaint in: Vorwerk/Wolf, ZPO [Beck'scher Online-Kommentar; Stand: 1.1.2014], § 29c Rn. 11, 12; Heinrich in: Musielak, ZPO, 10. Aufl., § 29c Rn. 4; Vollkommer in: Zöller, ZPO, 30. Aufl., § 29c Rn. 1, § 40 Rn. 6). Notwendige Folge des (nur) besonderen Gerichtsstands ist, dass eine Gerichtsstandsvereinbarung insoweit nicht nach § 40 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 ZPO ausgeschlossen ist.
(b) Gerichtsstandsvereinbarungen unterliegen selbstverständlich der Prüfung nach §§ 305 ff. BGB (vgl. Toussaint in: Vorwerk/Wolf, ZPO [Beck'scher Online-Kommentar; Stand: 1.1.2014], § 38 Rn. 4 und § 12 Rn. 20), vgl. auch Vollkommer in: Zöller, ZPO, 30. Aufl., § 12 Rn. 2).
bb) Erfüllungsort für die Rückzahlungspflicht wegen des Widerrufs (vgl. Vollkommer in: Zöller, ZPO, 30. Aufl., § 29 Rn. 25 „Bankgeschäfte“) wäre der Sitz der Beklagten, der sich nicht im Inland befindet, und für den geltend gemachten Schadenersatzanspruch (aus Prospekthaftung) besteht ebenfalls kein inländischer Erfüllungsort. Bei Schadenersatzansprüchen ist die verletzte Haupt- bzw. primäre Leistungspflicht maßgeblich (vgl. BGH mit Urteil vom 7. November 2012 – VIII ZR 108/12 – NJW-RR 2013, 309 [14]; BGH mit Urteil vom 18. Januar 2011 – X ZR 71/10 – NJW 2011, 2056, 2058 [29]). Das gilt auch für Schadenersatzansprüche aus der Nicht- oder Schlechterfüllung von Nebenpflichten, weshalb hier die – nicht in Deutschland zu erfüllenden – Pflichten aus dem Anlagevertrag maßgeblich sind (vgl. für eine dem vorliegenden Sachverhalt entsprechende Sachlage BGH mit Beschlüssen vom 18. November 2009 und vom 10. Februar 2010 – IV ZR 36/09 – VersR 2010, 645 [Vorinstanz: OLG München mit Urteil vom 30. Januar 2009 - 25 U 3097/07 - VersR 2009, 1382]; vgl. ferner BGH mit Urteil vom 7. November 2012 – VIII ZR 108/12 – NJW-RR 2013, 309 [14]; für Beratungsnebenpflicht aus Kaufvertrag BGH mit Beschluss vom 7. Januar 2014 – X ARZ 578/13 – MDR 2014, 239 [6, 13]; für Beratungspflicht im laufenden Vertragsverhältnis BGH mit Urteil vom 30. September 1976 – II ZR 107/74 – WM 1976, 1230; vgl. auch OLG München mit Urteil vom 30. Januar 2009 – 25 U 3097/07 – OLGR 2009, 332 [II.3.]), was jedenfalls dann sachgerecht ist, wenn die vorvertragliche Pflichtverletzung zum Vertragsschluss führte.