Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NStZ%202011,%20356
Timestamp: 2020-04-07 01:05:48
Document Index: 102544176

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 251', '§ 337', '§ 22', '§ 23', '§ 212', '§ 251', '§ 256', 'BGH', 'BGH', '§ 251', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 126', '§ 30', '§ 76', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 30', 'Art. 2', 'BGH', 'Art. 101', '§ 126', 'BGH', 'BGH']

Rechtsprechung: NStZ 2011, 356 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: BGH, 11.01.2011
https://dejure.org/2011,7563
BGH, 08.02.2011 - 4 StR 583/10 (https://dejure.org/2011,7563)
BGH, Entscheidung vom 08.02.2011 - 4 StR 583/10 (https://dejure.org/2011,7563)
BGH, Entscheidung vom 08. Februar 2011 - 4 StR 583/10 (https://dejure.org/2011,7563)
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Unmittelbarkeitsgrundsatz (Verlesung eines Arztbriefes; mangelnder Beschluss; mangelndes Beruhen); Aufklärungspflicht
§ 251 Abs 4 S 1 StPO, § 337 StPO, § 22 StGB, § 23 StGB, § 212 StGB
Revisionsgrund im Strafverfahren wegen versuchten Totschlags: Verfahrensfehlerhafte Verlesung einer Beweisurkunde in der Hauptverhandlung ohne Verlesungsbeschluss
Erforderlichkeit eines Gerichtsbeschlusses hinsichtlich der Verlesung eines Arztbriefes
StPO § 251 Abs. 4 S. 1, 2; StPO § 256
sueddeutsche.de (Pressebericht zum Verfahren - vor Ergehen der Entscheidung, 29.06.2010)
Hass am Ammersee: Rache-Fahrt gegen Radfahrer - Ärztin muss in Haft
tz.de (Pressebericht zum Verfahren - vor Ergehen der Entscheidung, 23.06.2010)
strafverteidigung-hamburg.com (Entscheidungsbesprechung)
Volle Kraft zurück: Verlesung ohne Beschluss - Prozessmaxime ade
LG Augsburg, 29.06.2010 - 8 Ks 600 Js 135627/08
NStZ 2011, 356
Entscheidend ist insoweit, ob die persönliche Vernehmung des Zeugen zur weiteren Aufklärung erforderlich ist oder ob die Verlesung der Niederschrift genügt (vgl. BGH, Beschluss vom 8. Februar 2011 - 4 StR 583/10, BGHR StPO § 251 Abs. 4 Gerichtsbeschluss 6 mwN).
Grundsätzlich ist schon dieser Umstand allein geeignet, die Revision zu begründen (…vgl. BGH, Beschlüsse vom 25. Oktober 2011 - 3 StR 315/11, NStZ 2012, 585 Rn. 9 f.; vom 8. Februar 2011 - 4 StR 583/10, NStZ 2011, 356, 357 mwN).
https://dejure.org/2011,8495
BGH, 11.01.2011 - 1 StR 648/10 (https://dejure.org/2011,8495)
BGH, Entscheidung vom 11.01.2011 - 1 StR 648/10 (https://dejure.org/2011,8495)
BGH, Entscheidung vom 11. Januar 2011 - 1 StR 648/10 (https://dejure.org/2011,8495)
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Besetzungsfehler bei der Bescheidung eines in der Hauptverhandlung gestellten Antrages auf Aufhebung des Haftbefehls (Beruhen)
§ 126 Abs 1 StPO, § 30 GVG, § 76 GVG
Besetzung einer Strafkammer des Bundesgerichtshofes (BGH) bei Beschlüssen über Haftfragen außerhalb der Hauptverhandlung
Kurznachricht zu "Die Besetzung der Gerichte bei Entscheidungen über Haftfragen in laufender Hauptverhandlung - zugleich eine Anmerkung zu BGH 1 StR 648/10 -" von RiOLG Dr. Dirk Gittermann, original erschienen in: DRiZ 2012, 12 - 15.
LG München I, 08.07.2010 - 3 KLs 313 Js 42290/08
NStZ 2012, 341 (Ls.)
StV 2011, 295
JR 2011, 361
Der Bundesgerichtshof hat mehrfach entschieden, dass auch bei laufender Hauptverhandlung Gerichtsentscheidungen in der Besetzung außerhalb der Hauptverhandlung getroffen werden können (vgl. BGH, Urteil vom 27. August 1986 - 3 StR 223/86, BGHSt 34, 154, 155 f.; BGH, Beschluss vom 11. Januar 2011 - 1 StR 648/10, StV 2011, 295).
Der Senat weist darauf hin, dass nach der neueren höchstrichterlichen Rechtsprechung Haftentscheidungen auch während einer laufenden Hauptverhandlung stets in der Besetzung der Strafkammer mit den für Entscheidungen außerhalb der Hauptverhandlung berufenen drei Berufsrichtern zu treffen sind (BGH, Beschluss vom 11. Januar 2011 - 1 StR 648/10 - ).
1.2 Der Gegenansicht, nach der die Strafkammer Haftentscheidungen während laufender Hauptverhandlung stets in der Besetzung außerhalb der Hauptverhandlung zu treffen hat, (OLG Hamburg B. v. 02.10.1997 - 2 Ws 220-97, NJW 1998, 2988; verfassungsrechtlich gebilligt BVerfG B.v. 28.03.1998 - 2 BvR 2037-97, NJW 1998, 2962; BGH B.v. 11.01.2011 - 1 StR 648/10, BeckRS 2011, 03085), und der sich der Senat bislang grundsätzlich angeschlossen hat (OLG München B. 21.06.2010 - 2 Ws 503/10, BeckRS 2010, 16217; B. v.18.04.2007 - 2 Ws 347, 348/07, BeckRS 2007, 07922), kann nicht uneingeschränkt gefolgt werden.
Den deswegen gegen die hier vertretene Auffassung angemeldeten Bedenken im Hinblick auf den gesetzlichen Richter und die dabei eröffneten Manipulationsmöglichkeiten (OLG Hamburg B.v. 02.10.1997 - 2 Ws 220-97, NJW 1998, 2988; BGH B.v. 11.01.2011 - 1 StR 648/10, BeckRS 2011, 03085;… vgl. auch Gittermann in Löwe-Rosenberg, StPO, 26. Aufl. 2010, § 30 GVG, Rn. 17) ist jedoch das aus dem Grundrecht der Freiheit der Person in Art. 2 Abs. 2 GG folgende Beschleunigungsgebot in Haftentscheidungen entgegenzuhalten.
Angesichts der seit vielen Jahren hoch umstrittenen Frage der Gerichtsbesetzung bei Haftentscheidungen während laufender Hauptverhandlung, die nach derzeitiger Gesetzeslage ungeachtet des Versuchs eines höchstrichterlichen "Machtworts" durch den 1. Strafsenat des BGH in nicht tragenden Ausführungen anlässlich einer Revisionsentscheidung (StV 2011, 295 = NStZ 2011, 356 = JR 2011, 361) weder dogmatisch überzeugend noch gar nach den praktischen Folgen befriedigend zu lösen ist, sondern ein Handeln des Gesetzgebers erfordert (s. hierzu nur Gittermann DRiZ 2012, 12; Sowada NStZ 2001, 169 und StV 2010, 37), läge hier, wollte man von einem Zuständigkeitsverstoß ausgehen, jedenfalls keine willkürliche, grob fehlerhafte, die Bedeutung und Tragweite von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG verkennende Rechtsanwendung durch die Strafkammer vor.
Haftentscheidungen sind auch während einer laufenden Hauptverhandlung stets ohne Schöffen zu treffen (…str., vgl. zum Ganzen Meyer-Goßner/Schmitt, § 126 Rn. 8; wie hier: BGH, Beschluss vom 11. Januar 2011 - Az.: 1 StR 648/10 - NStZ 2011, 356 ; Senat, Beschlüsse, vom 2. Oktober 1997, Az.: 2 Ws 220/97; vom 24. Juni 2003, Az.: 2 Ws 164/03; vom 18. Januar 2016, Az.: 2 Ws 7/16), weil es ansonsten von Zufälligkeiten abhinge, welche Besetzung über einen entsprechenden Antrag zu entscheiden hätte und auch die Gefahr unterschiedlicher Mehrheitsverhältnisse für die Entscheidung ein- und derselben Haftfrage bestünde (…BGH, a.a.O.).