Source: https://www.dk-ra.de/keine-einstweilige-raeumung-im-gewerberaummietrecht/
Timestamp: 2019-09-21 01:04:00
Document Index: 239049875

Matched Legal Cases: ['§ 940', '§ 940', '§ 940', '§ 940', '§ 283', '§ 283', '§ 940', 'BGH', 'BGH', '§ 12']

Keine einstweilige Räumung im Gewerberaummietrecht - Daryai & Kuo
UrteilStartseite » Aktuelle Urteile » Urteile » Keine einstweilige Räumung im Gewerberaummietrecht
Keine einstweilige Räumung im Gewerberaummietrecht
Beschluss // Kammergericht Berlin // 8 W 64/13
Mit Beschluss vom 05.09.2013 wurde durch das Kammergericht entschieden, dass die Vorschrift zur schnellen Räumung von Wohnungen nach § 940a Abs. 2 ZPO, die im Zuge der Mietrechtsreform in die ZPO eingearbeitet wurde, im Gewerberaummietrecht nicht anwendbar ist.
Mit der Mietrechtsreform im Jahr 2013 wurden in § 940 a ZPO zwei Möglichkeiten zur kurzfristigen Räumung durch einstweilige Verfügung in die Zivilprozessordnung eingefügt. Zum einen § 940a Abs. 2 ZPO zur Räumung eines Dritten, wenn der Vermieter erst nach Abschluss der mündlichen Verhandlung erfährt, dass dieser auch in der Wohnung wohnt. Zum anderen nach § 940a Abs. 3 ZPO, der auf die Sicherungsanordnung nach § 283a ZPO Bezug nimmt. § 283a ZPO ist für den Fall geschaffen, dass der Mieter die Mietzahlungen vollständig einstellt und befürchtet werden muss, dass er später nicht mehr zur Leistung fähig ist. Wenn der Vermieter dann gleichzeitig auf Räumung und Zahlung klagt, kann er, wenn die Klage hohe Aussicht auf Erfolg hat und ein überwiegendes Interesse dargelegt werden kann, verlangen, dass der Mieter für die weiter fällig werdenden Mieten Sicherheit leistet. Kommt der Mieter dieser Anordnung des Gerichts nicht nach, kann dann durch einstweilige Verfügung die Räumung verlangt werden. Diese Vorschriften wurden zur Bekämpfung von Mietnomaden in die ZPO eingefügt.
Derzeit ist noch umstritten, ob diese Vorschriften nur im Wohnraummietrecht oder auch in der Gewerberaummiete anwendbar sind. In der Praxis besteht aufgrund der recht langen Verfahrensdauern auch in Gewerberaummietsachen ein Bedürfnis, kurzfristig einen Räumungstitel durchzusetzen. Das Kammergericht lehnt eine analoge Anwendung zumindest des Absatzes 2 aber ab. Es begründet dies mit dem Wortlaut und der systematischen Stellung von § 940a ZPO. Dieser trägt die Überschrift „Räumung von Wohnraum“. In den Absätzen 1-3, in denen dann die Voraussetzungen dargelegt werden, die für eine einstweilige Räumung gegeben sein müssen, wird jeweils ausdrücklich von „Räumung von Wohnraum“ gesprochen. Deshalb sei Absatz 2 der Vorschrift, so das Kammergericht, nicht auf Gewerberaum anwendbar. Anderer Ansicht ist beispielsweise das Landgericht Hamburg, das meint, wenn im Wohnraummietrecht mit seinem sozialen Schutzgedanken eine einstweilige Räumung möglich ist, muss dies im Gewerberaummietrecht erst recht möglich sein (LG Hamburg, Urteil vom 27.06.2013 – 334 O 104/13).
Dies ist für den Gewerberaumvermieter höchst unerfreulich. Der Zeitraum bis zur Räumung kann durch eine spät mitgeteilte „Untervermietung“ so sehr lange hinausgezögert werden. Darüber hinaus treffen die Argumente des Kammergerichts auch auf die einstweilige Räumung nach Absatz 3 zu. Voraussichtlich wird es in Berlin deshalb keine einstweilige Räumung geben, wenn der Mieter einer Anordnung des Gerichts, die Miete als Sicherheit zu leisten, nicht Folge leistet. Letztlich bleibt abzuwarten, wie sich der BGH positionieren wird, wenn ihm eine solche Entscheidung zur Überprüfung vorgelegt werden wird.
Weiter Informationen zu der Entscheidung finden Sie hier.
einstweilige VerfügungGewerbeMietrechtMietschuldenRäumungUntermieter
Pflicht zur Entfernung von Graffitis durch Allgemeine Geschäftsbedingungen?
Mit Urteil vom 06.10.2015 hat das Landgericht Köln entschieden, dass eine Klausel, die dem Mieter die Pflicht zur Instandhaltung und Instandsetzung zu weitgehend überbürdet, als Allgemeine Geschäftsbedingung unwirksam ist.
Heizkostenabrechnungen sind nach dem tatsächlichen Verbrauch im Abrechnungszeitraum zu erstellen
BGH: Heizkostenabrechnungen sind zwingend nach dem Leistungsprinzip zu erstellen; erstellt der Vermieter die Abrechnung nach dem Abflussprinzip, muss erneut abgerechnet werden, eine Kürzung nach § 12 Abs. 1 HeizkostenV kommt nicht in Frage
vorheriger Beitrag: Keine gewohnheitsmäßige Nutzung der nichtvermieteten Terrasse
Nächster Beitrag: Nachweis eines Verschuldens des Mieters bei Beschädigung des Parketts