Source: http://www.landesrecht-bw.de/jportal/?quelle=jlink&docid=MWRE106399300&psml=bsbawueprod.psml&max=true
Timestamp: 2019-02-18 00:49:00
Document Index: 331555085

Matched Legal Cases: ['Art 28', '§ 18', '§ 121', '§ 22', '§ 59', '§ 18']

Landesrecht BW Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg 1. Senat | 1 S 570/92 | Urteil | Ausschluß eines Gemeinderatsmitglieds von der Beratung und Beschlußfassung wegen Befangenheit; gemeindliche Stellungnahme zur Landschaftsschutzverordnung | Langtext vorhanden
Aktenzeichen: 1 S 570/92
ECLI: ECLI:DE:VGHBW:1993:0318.1S570.92.0A
Normen: Art 28 Abs 2 GG, § 18 Abs 1 GemO BW, § 121 Abs 1 GemO BW, § 22 NatSchG BW, § 59 Abs 1 NatSchG BW
Ausschluß eines Gemeinderatsmitglieds von der Beratung und Beschlußfassung wegen Befangenheit; gemeindliche Stellungnahme zur Landschaftsschutzverordnung
1. Ein Gemeinderat darf wegen Befangenheit bei einer Gemeinderatssitzung nicht mitwirken, wenn er oder die unter die Befangenheitsregelung fallende Person (§ 18 Abs 1 Nr 1-4, Abs 2 GemO (GemO BW)) aufgrund persönlicher Beziehungen zu dem Gegenstand der Beratung oder Beschlußfassung ein individuelles Sonderinteresse hat, das zu einer Interessenkollision führen kann und die Besorgnis rechtfertigt, daß der Betreffende nicht mehr uneigennützig und nur zum Wohl der Gemeinde handelt (st Rechtspr).
2. Die Frage, ob ein die Mitwirkung ausschließendes individuelles Sonderinteresse vorliegt, kann nicht allgemein, sondern nur aufgrund einer wertenden Betrachtungsweise der Verhältnisse des Einzelfalls entschieden werden. Dabei kann grundsätzlich jeder individualisierbare materielle oder immaterielle Vorteil oder Nachteil zu einer die Mitwirkung ausschließenden Interessenkollision führen. Dabei ist erforderlich, aber auch ausreichend, daß der Eintritt des Sondervorteils oder -nachteils aufgrund der Entscheidung des Gemeinderats konkret möglich, dh hinreichend wahrscheinlich ist.
3. Gemeinderäte, die im Geltungsbereich eines geplanten Landschaftsschutzgebietes Grundeigentum besitzen, dürfen wegen Befangenheit bei der Beratung und Beschlußfassung über die von der Gemeinde vor Erlaß der Landschaftsschutzverordnung gegenüber der unteren Naturschutzbehörde abzugebende Stellungnahme nicht mitwirken.
ESVGH 43, 188-192 (Leitsatz und Gründe)
VGHBW-Ls 1993, Beilage 5, B1
RdL 1993, 180-182 (Leitsatz und Gründe)
UPR 1993, 351-353 (Leitsatz und Gründe)
NVwZ-RR 1993, 504-505 (Leitsatz und Gründe)
BWVPr 1993, 236-237 (Leitsatz und Gründe)
DÖV 1993, 1098-1099 (Leitsatz und Gründe)
BWVPr 1994, 44-45 (Leitsatz und Gründe)
NuR 1994, 87-89 (Leitsatz und Gründe)
LRE 29, 101-107 (Leitsatz und Gründe)
BRS 55 Nr 208 (Leitsatz und Gründe)
BWGZ 1995, 148-150 (Leitsatz und Gründe)
vorgehend VG Karlsruhe, 22. Januar 1992, Az: 4 K 570/91
Vergleiche Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg 1. Senat, 10. Mai 1993, Az: 1 S 1943/92
Rudolf Oster, DVP 1995, 122-125 (Entscheidungsbesprechung)
Vergleiche Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg 5. Senat, 5. Dezember 1991, Az: 5 S 976/91
http://www.landesrecht-bw.de/jportal/?quelle=jlink&docid=MWRE106399300&psml=bsbawueprod.psml&max=true