Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=B%2011a%20AL%2021/06%20R
Timestamp: 2020-02-24 12:40:36
Document Index: 313709977

Matched Legal Cases: ['§ 119', '§ 6', '§ 119', '§ 6', 'BGH', '§ 103', '§ 119', '§ 6', '§ 7', '§ 6']

BSG, 21.03.2007 - B 11a AL 21/06 R - dejure.org
https://dejure.org/2007,3645
BSG, 21.03.2007 - B 11a AL 21/06 R (https://dejure.org/2007,3645)
BSG, Entscheidung vom 21.03.2007 - B 11a AL 21/06 R (https://dejure.org/2007,3645)
BSG, Entscheidung vom 21. März 2007 - B 11a AL 21/06 R (https://dejure.org/2007,3645)
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Arbeitslosenhilfe - Bedürftigkeitsprüfung - Vermögensverwertung - verdecktes Treuhandvermögen - Amtsermittlung
Rücknahme der Arbeitslosenhilfebewilligung für die Vergangenheit; Bedürftigkeitsprüfung; Vermögensverwertung; verdecktes Treuhandvermögen; Untersuchungsgrundsatz; Beweislast
Rechtmäßigkeit einer Aufhebung der Bewilligung und Rückforderung von Arbeitslosenhilfe nebst Krankenversicherungsbeiträgen und Pflegeversicherungsbeiträgen - Ausschöpfung aller Ermittlungsmöglichkeiten und Berücksichtigung des Grundsatzes der freien, aus dem ...
SG Kiel, 28.04.2005 - S 6 AL 154/04
In drei weiteren Entscheidungen zur verdeckten Treuhand vom 13. September 2006 (- B 11a AL 13/06 R - sowie - B 11a AL 19/06 R -) und 21. März 2007 (- B 11a AL 21/06 R -) hat der 11a-Senat seine Auffassung bestätigt.
Erst wenn sich nach Ausschöpfung aller Ermittlungsmöglichkeiten entscheidungserhebliche Tatsachen nicht mehr feststellen lassen, stellt sich die Frage der objektiven Beweis- bzw Feststellungslast (…vgl BSGE 71, 256, 258 f = SozR 3-4100 § 119 Nr. 7, S 28, S 31 mwN;… BSGE 96, 238, 245 = SozR 4-4220 § 6 Nr. 4; BSG, Urteil vom 21.3.2007 - B 11a AL 21/06 R) .
d) Erst und nur dann, wenn sich das Tatsachengericht nach Ausschöpfung aller Möglichkeiten zur Aufklärung des Sachverhalts vom Vorliegen einer entscheidungserheblichen Tatsache nicht zu überzeugen vermag, stellt sich die Frage der Beweislastverteilung (…vgl BSGE 71, 256, 258 f = SozR 3-4100 § 119 Nr. 7, S 28, S 31 mwN;… BSGE 96, 238, 245 = SozR 4-4220 § 6 Nr. 4 RdNr 33 mwN; BSG, Urteil vom 21.3.2007 - B 11a AL 21/06 R).
Deshalb sei nur so viel gesagt: Sicherheitshalber abgetretene Forderungen sind fiduziarische Sicherheiten, die auch ohne ausdrückliche Vereinbarung ein Treuhandverhältnis begründen (Bundesgerichtshof - Großer Senat - BGHZ 137, 212 ); als solches bedarf es einer entsprechenden Sicherungsabrede, die zivilrechtlich wirksam abgeschlossen sein muss (vgl. (vgl. BSG, Urteile vom 24. Mai 2006 - B 11a AL 49/05 R -, 21. März 2007 - B 11a AL 21/06 R - und 28. August 2007 - B 7/7a AL 10/06 R - ; Bundesverwaltungsgericht BVerwGE 132, 21).
Nach Ausschöpfung aller Ermittlungsmöglichkeiten ist die Tatsache des Einkommenszuflusses daher nach den Grundsätzen der objektiven Beweis- bzw. Feststellungslast zu beurteilen (BSG, Urteil vom 26. November 1992 - 7 RAr 38/92; BSG…, Urteil vom 24. Mai 2006 - B 11a AL 7/05 R Rn. 32f.; BSG, Urteil vom 21. März 2007 - B 11a AL 21/06 R; BSG…, Urteil vom 8. September 2010 - B 11 AL 4/09 R Rn. 17;… Müller , in: Roos/Wahrendorf , 1. Aufl. 2014 § 103 Rn. 16, 43).
Eine Umkehr der Beweislast ist jedoch anzunehmen, wenn es um Tatsachen geht, die sich ausschließlich in der Sphäre eines Beteiligten befinden (…sog. besondere Beweisnähe - BSG , Urteil vom 13. September 2006 - B 11a AL 13/06 R Rn. 18; BSG , Urteil vom 21. März 2007 - B 11a AL 21/06 R Rn. 18).
Wenn sich aber nach Ausschöpfung aller Ermittlungsmöglichkeiten entscheidungserhebliche Tatsachen nicht mehr feststellen lassen, stellt sich die Frage der objektiven Beweis- bzw Feststellungslast (…vgl BSGE 71, 256, 258 f = SozR 3-4100 § 119 Nr. 7, S 28, S 31 mwN;… BSGE 96, 238, 245 = SozR 4-4220 § 6 Nr. 4; BSG, Urteil vom 21.3.2007 - B 11a AL 21/06 R).
Steht ein Aufhebungs- oder Rücknahmebescheid im Streit, trifft die objektive Beweislast dementsprechend grundsätzlich den Beklagten (vgl. BSG, Urteile vom 24.05.2006, Az.: B 11a AL 7/05 R, vom 21.03.2007, Az.: B 11a AL 21/06 R, und vom 28.08.2007, Az.: B 7/7a AL 10/06 R).
Eine Ausnahme von diesem Grundsatz ist jedoch dann zu machen, wenn solche Vorgänge nicht aufklärbar sind, die in der persönlichen Sphäre oder der Verantwortungssphäre des Leistungsempfängers wurzeln, d.h. wenn eine besondere Beweisnähe zum Leistungsempfänger vorliegt (BSG, Urteile vom 24.05.2006, Az.: B 11a AL 7/05 R, vom 21.03.2007, Az.: B 11a AL 21/06 R und vom 28.08.2007, Az.: B 7/7a AL 10/06 R).
Nachdem die Vermutungsregelung des § 7 Abs. 3a SGB II nicht eingreift, ist die Beklagte mit der materiellen Beweislast hinsichtlich der Rechtsmäßigkeit der Aufhebung der Leistungsbewilligung belastet (BSG, Urteil v. 21.03.2007, Az.: B 11a AL 21/06 R; BSG, Urteil v. 28.08.2007, Az.: B 7/7a AL 10/06 R ).
Nach dieser mittlerweile ständigen Rechtsprechung des BSG (…u.a. Urteile vom 24. Mai 2006 B 11a AL 49/05 R, SozR 4-4220 § 6 Nr. 4; vom 13. September 2006, B 11a AL 19/06 R; vom 21. März 2007, B 11a AL 21/06 R und vom 8. August 2007, B 7/7a AL 10/06 R - alle zitiert nach juris), der der Senat nach eigener Prüfung folgt, greift vorliegend eine Umkehr der Beweislast ein.
Sind Vorgänge nicht mehr aufklärbar, die in der Sphäre des Arbeitslosen wurzeln, so geht dies zu seinen Lasten (BSG, Urteil vom 21. März 2007, Az.: B 11a AL 21/06 R, info also 2007 S. 166).