Source: https://www.haufe.de/finance/haufe-finance-office-premium/innergemeinschaftliche-lieferung-voraussetzungen_idesk_PI20354_HI1904845.html
Timestamp: 2020-05-31 21:05:04
Document Index: 53414050

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 17']

Innergemeinschaftliche Lieferung, Voraussetzungen | Haufe Finance Office Premium | Finance | Haufe
Lieferung in anderes EU-Land
Ausfuhrnachweis, Buchnachweis
Steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung § 4 Nr. 1b UStG
Kostenart 4125
5100 SKR 04
Kostenart 4400
Eine innergemeinschaftliche Lieferung liegt nur dann vor, wenn der Empfänger ein Unternehmer in einem anderen EU-Land ist, der verpflichtet ist, den Erwerb in seinem EU-Land der Umsatzsteuer zu unterwerfen. Der deutsche Unternehmer muss sich also zunächst darüber informieren, ob der Erwerber Unternehmer ist. Weist der Empfänger seine Unternehmereigenschaft durch eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer nach und sind ansonsten alle Voraussetzungen erfüllt, bucht er den Verkauf auf das Konto "Innergemeinschaftliche Lieferung § 4 Nr. 1b UStG" 8125 (SKR 03) bzw. 4125 (SKR 04).
Bank/Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
an Steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung § 4 Nr. 1b UStG
Kann der deutsche Unternehmer nicht feststellen, ob der Empfänger in seinem EU-Land Unternehmer ist, muss er die Lieferung der Umsatzsteuer unterwerfen. Er bucht die Lieferung auf das Konto "Erlöse 19 % USt" 8400 (SKR 03) bzw. 4400 (SKR 03).
2 Praxis-Beispiel für Ihre Buchhaltung: Lieferung einer Maschine nach Spanien
Herr Huber liefert eine Maschine an seinen Abnehmer in Spanien. Er berechnet ihm einen Betrag von 10.000 EUR netto ohne Umsatzsteuer. Der Empfänger der Lieferung weist durch seine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer nach, dass er bei seinem Finanzamt in Spanien als Unternehmer geführt wird. Außerdem hat Herr Huber die Ausfuhr nachgewiesen und den Buchnachweis geführt.
1200 Bank 10.000 an 8125 Innergemeinschaftliche Lieferung § 4 Nr. 1b UStG 10.000
1800 Bank 10.000 an 4125 Innergemeinschaftliche Lieferung § 4 Nr. 1b UStG 10.000
3 Wann eine steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferungen vorliegt
Lieferungen in Nicht-EU-Länder sind generell umsatzsteuerfrei. Lieferungen in andere EU-Länder jedoch nur, wenn der Empfänger ein Unternehmer ist, der den Erwerb in seinem Land als innergemeinschaftlichen Erwerb der Umsatzsteuer zu unterwerfen hat.
Das hat zur Folge, dass die Lieferung umsatzsteuerpflichtig ist, wenn sie in ein anderes EU-Land erfolgt und der Empfänger den Erwerb in seinem Heimatland nicht als innergemeinschaftlichen Erwerb der Umsatzsteuer zu unterwerfen hat. Das ist z. B. der Fall, wenn die Lieferung ausgeführt wird an
einen Unternehmer, der die Gegenstände privat erwirbt,
einen Unternehmer, der steuerfreie Umsätze ausführt, die den Vorsteuerabzug ausschließen,
einen Kleinunternehmer oder
einen Land- und Forstwirt mit pauschal versteuerten Umsätzen oder
eine nicht unternehmerisch tätige juristische Person.
Überschreitet jedoch der Erwerber in seinem Heimatland die Erwerbsschwelle oder unterwirft er seine Einkäufe in anderen EU-Ländern freiwillig der Erwerbsbesteuerung (Option) kann die Lieferung wieder umsatzsteuerfrei durchgeführt werden.
Innergemeinschaftliche Lieferung (§§ 4 Nr. 1 b, 6a UStG):
Ausnahme: Innergemeinschaftliche Lieferung neuer Fahrzeuge. Hier findet die Besteuerung immer (auch bei Privatpersonen) im EU-Land des Erwerbers statt.
4 Wichtig: Es müssen alle – auch formellen – Anforderungen eingehalten werden
Die Voraussetzungen für eine umsatzsteuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung müssen beleg- und buchmäßig nachgewiesen werden. Mit Wirkung vom 1.10.2013 ist der Belegnachweis für innergemeinschaftliche Lieferungen neu geregelt worden (11. Verordnung zur Änderung der Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung). Wenn die formellen Voraussetzungen (Buch- und Belegnachweis) nicht eingehalten werden, entfällt die Umsatzsteuerfreiheit, selbst wenn feststeht, dass es sich um eine innergemeinschaftliche Lieferung handelt.
Um die Umsatzsteuerfreiheit gegenüber dem Finanzamt durchzusetzen zu können, muss der deutsche Unternehmer die Unternehmereigenschaft des Empfängers und darüber hinaus die Voraussetzungen gemäß §§ 17a ff. UStDV buchmäßig nachweisen. Allein wegen des fehlenden oder mangelhaften Buchnachweises kann die Finanzverwaltung die Steuerfreiheit ablehnen.
Kontierungs-Praxis-Tipp: Die Betriebsprüfung nimmt innergemeinschaftliche Sachverhalte ins Visier
Aus den Umsatzsteuer-Voranmeldungen und der Umsatzsteuer-Jahreserklärung kann das Finanzamt erkennen, ob der Unternehmer innergemeinschaftliche Lieferungen und/oder Erwerbe ausgeführt hat. Je nach Umfang dieser Umsätze muss der Unternehmer damit rechnen, dass sich das Finanzamt bei ihm meldet, um eine Betriebsprüfung, zumindest eine Umsatzsteuer-Sonderprüfung durchzuführen.
Der Unternehmer sollte deshalb alle Formalien beachten, weil er ansonsten für den steuerfreien Umsatz Umsatzsteuer zahlen müsste. Diese Umsatzsteuer zahlt der Unternehmer aus der eigenen Tasche, weil er sich diese nicht von seinen Kunden zurückholen kann. Die Lieferung ins EU-Ausland kann dann für den Unternehmer ein Verlustgeschäft werden.