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Timestamp: 2018-04-21 05:40:08
Document Index: 105996374

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 10', '§ 33', '§ 27', '§ 89', '§ 150', '§ 10']

Verwaltungsrecht | ABMO Rechtsanwälte - bitte einmal recht aktuell
Der Bundesfinanzhof hat in seinem erst kürzlich veröffentlichten Urteil vom 04.02.2010 entschieden bzw. bestätigt, daß Steuerberatungskosten für die Erstellung der Einkommensteuererklärung nicht (mehr) absetzbar sind.
Hintergrund der Entscheidung ist eine Änderung im Einkommenssteuergesetz (EStG), mit der der Sonderausgabenabzug (§ 10 Abs. 1 Nr. 6 EStG) für Steuerberatungskosten bereits seit dem Veranlagungszeitraum 2006 aufgehoben worden ist.
Der BFH hat nun klargestellt, daß die Steuerberatungskosten für die Erstellung der Einkommenssteuererklärung weder gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 1a EStG als abzugsfähige „Dauernde Lasten“ eingestuft werden können, noch ein Abzug gemäß § 33 EStG als „außergewöhnliche Belastung“ in Frage komme.
Auch das subjektive Nettoprinzip, wonach die Besteuerung an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ausgerichtet wird und Aufwendungen für die Erwerbstätigkeit selbst und andere existenzsichernde Aufwendungen in Form von Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen grundsätzlich steuerlich abzugsfähig sind, sieht das Gericht nicht verletzt, weil „der Ersatz von Steuerberatungskosten … sozialhilferechtlich nicht gewährleistet“ wird und „die Inanspruchnahme von Steuerberatungsleistungen … nicht Teil des notwendigen Existenzminimums“ ist, vgl. § 27 Abs. 1 SGB XII.
Das verfassungsrechtliche Gleichheitsgebot sieht das Gericht durch die Nichtberücksichtigung der Steuerberatungskosten richtigerweise als nicht verletzt an, interessant ist die Urteilsbegründung jedoch „ im Hinblick auf die Kompliziertheit des Steuerrechts„:
„Die Finanzbehörde ist nach § 89 Abs. 1 AO zur Beratung verpflichtet; sie soll die Abgabe von Erklärungen, die Stellung von Anträgen oder die Berichtigung von Erklärungen oder Anträgen anregen, wenn diese offensichtlich nur versehentlich oder aus Unkenntnis unterblieben oder unrichtig abgegeben oder gestellt worden sind; sie erteilt, soweit erforderlich, Auskunft über die den Beteiligten im Verwaltungsverfahren zustehenden Rechte (sic!) und die ihnen obliegenden Pflichten.
Auch verlangen die Steuergesetze nichts Unmögliches; gemäß § 150 Abs. 2 AO sind die Angaben in den Steuererklärungen nach bestem Wissen und Gewissen zu machen. Maßstab ist das individuelle subjektive Können und Wissen des einzelnen Steuerpflichtigen.
Die Ausfüllung von Steuererklärungsvordrucken kann sicherlich einen erheblichen Aufwand verursachen. Diese Last ist aber –wie auch andere Pflichten, etwa die Wehrpflicht– im demokratischen Gemeinwesen „entschädigungslos“ hinzunehmen.
Im demokratischen Rechtsstaat sind Steuern Solidarbeiträge zur Finanzierung der öffentlichen Aufgaben, an denen jeder nach Maßgabe seiner Leistungsfähigkeit zu beteiligen ist. Es ist daher die Pflicht eines jeden Staatsbürgers, Steuererklärungen zu erstellen, um den von ihm geschuldeten Beitrag an den öffentlichen Lasten ermitteln zu können. Dabei ist es jedem Steuerpflichtigen unbenommen, sich steuerlich beraten zu lassen; im privaten Bereich kann er aber insoweit keine steuerliche Entlastung in Anspruch nehmen.“
Die Entscheidung ist nach Streichung des § 10 Abs. 1 Nr. 6 EStG folgerichtig, weil der Gesetzgeber nun einmal entschieden hat, daß (private) Steuerberatungskosten nicht mehr als Sonderausgaben abzugsfähig sind.
Bundesfinanzhof, Urteil vom 4. Februar 2010 X R 10/08
Vorinstanz: Urteil des Niedersächsischen FG vom 17. Januar 2008 10 K 103/07
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