Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OVG%20Sachsen&Datum=11.12.2002&Aktenzeichen=5%20D%2040/00
Timestamp: 2019-07-22 04:57:56
Document Index: 279999956

Matched Legal Cases: ['Art 3', 'Art 28', '§ 14', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3']

OVG Sachsen, 11.12.2002 - 5 D 40/00 - dejure.org
https://dejure.org/2002,17675
OVG Sachsen, 11.12.2002 - 5 D 40/00 (https://dejure.org/2002,17675)
OVG Sachsen, Entscheidung vom 11.12.2002 - 5 D 40/00 (https://dejure.org/2002,17675)
OVG Sachsen, Entscheidung vom 11. Dezember 2002 - 5 D 40/00 (https://dejure.org/2002,17675)
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GG Art 3 Abs. 1, Art 28 Abs. 2; SächsKAG § 14; SächsAGB § 3a; EGAB § 3
NVwZ-RR 2003, 887
a) Bei der Ausgestaltung des Gebührensystems in ihrer Satzung haben die Landkreise und die von ihnen gegründeten Zweckverbände ein weites Ermessen, das als solches einer verwaltungsgerichtlichen Kontrolle entzogen ist (ständige Rechtsprechung, vgl. u. a. SächsOVG, Urt. v. 11.12.2002 - 5 D 40/00 -, SächsVBl 2003, 117-122 und BVerwG, Urt. v. 20.12.2000, BVerwGE 112, 297 f.).
Sie ist zwingend zu beachten (SächsOVG, Beschl. v. 12.10.1993 - 2 S 64/93 -, SächsVBl 1994, 111f; zur grundsätzlichen Zulässigkeit lenkender landesrechtlicher Vorgaben für die Gebührengestaltung vgl. auch den zu der vorgenannten Entscheidung des SächsOVG ergangenen Beschl. des BVerwG, v. 3.5.1994 - 8 NB 1/94 -, juris und SächsOVG, Urt. v. 11.12.2002 - 5 D 40/00 -, SächsVBl 2003, 117-122).
Insgesamt sind Anreize zur Müllvermeidung nur dann effektiv i. S. d. § 3a Abs. 3 Satz 1 SächsABG, wenn derjenige, der Müll vermeidet, hierfür unmittelbar und nicht nur unerheblich finanziell belohnt wird (SächsOVG, Urt. v. 11.12.2002 - 5 D 40/00 -, SächsVBl 2003, 117-122).
Die Vorschrift gibt dem Satzungsgeber zudem einen gesetzlich festgeschriebenen sachlichen Gesichtspunkt an die Hand, wenn der Satzungsgeber z. B. zur Beförderung des Ziels der Abfallvermeidung von klassischen gebührenrechtlichen Grundsätzen abweichen möchte (vgl. zur sog. "Quersubventionierung" der Bioabfallentsorgung SächsOVG, Urt. v. 11.12.2002 - 5 D 40/00 -, SächsVBl 2003, 117-122).
Der hieraus für den Satzungsgeber folgenden Pflicht zur Gewährung von effektiven Anreizen zur Abfallvermeidung u.a. durch seine Gebührenbemessung (vgl. SächsOVG Beschl. v. 12.10.1993, SächsVBl 1994, 111 zu § 3 EGAB und Urt. v. 11.12.2002 - 5 D 40/00), wird auch nach der Auffassung des Senats jedenfalls für den Fall genügt, dass - wie hier - der Anteil der mengenabhängigen Gebühr mehr als die Hälfte der Gesamtbelastung beträgt (…vgl. etwa: VG Minden, Urt. v. 14.9.2000, NVwZ 2002, 241 [242]).
Er ist an einer degressiven Ausgestaltung der Leerungsgebühren nichtgehindert (SächsOVG, Urt. v. 11.12.2002, aaO); zu ihrer Einführung aber auch nicht verpflichtet.
Der hieraus für den Satzungsgeber folgenden Pflicht zur Gewährung von effektiven Anreizen zur Abfallvermeidung u.a. durch seine Gebührenbemessung (vgl. SächsOVG Beschl. v. 12.10.1993, SächsVBl 1994, 111 zu § 3 EGAB und Urt. v. 11.12.2002 - 5 D 40/00), wird auch nach der Auffassung des Senats jedenfalls für den Fall genügt, dass - wie hier - der Anteil der mengenabhängigen Gebühr mehr als die Hälfte der Gesamtbelastung beträgt (…vgl. etwa: VG Minden, Urt. v. 14.9.2000, NVwZ 2002, 241 [242]).".
§ 3a Abs. 3 Satz 1 SächsABG beinhaltet nach der Rechtsprechung des Senats (Urt. v. 11.12.2002, SächsVBl 2003, 117 = NVwZ-RR 2003, 887;… Urt. v. 17.10.2002, 5 B 515/98) die Verpflichtung des Satzungsgebers, durch Einräumung finanzieller Anreize die Nachfrage nach abfallwirtschaftlichen Entsorgungsleistungen zu verringern.
vgl. BVerwG, Urteil vom 17.04.2002 - 9 CN 1/01 - NJW 2002, 2807; OVG NRW, Urteil vom 02.06.1995 - 15 A 3123/93 - NVwZ-RR 1996, 697; OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 30.10.1997 - 12 A 11984/96 - KStZ 1998, 71; Hess. VGH, Urteil vom 16.10.1997 - 5 UE 1593/94 - NVwZ-RR 1999, 197; Bayr. VGH, Urteil vom 29.03.1995 - 4 N 93.3641 - BayVBl 1996, 532; Sächs. OVG, Urteil vom 11.12.2002 - 5 D 40/00 - NVwZ-RR 2003, 887; die genannte Rechtsprechung bezieht sich auf kommunalrechtliche Gebührenerhebungen durch Selbstverwaltungskörperschaften mit ortsgesetzgeberischem Ermessen; sie ist erst recht einschlägig bei Gebührenerhebungen durch die staatliche Exekutive, die keine Ermessensspielräume zu beachten hat - vgl. VG Leipzig, Urteil vom 23.04.2006 - 6 K 1820/02; VG Frankfurt, Urteil vom 31.05.2006 - 12 E 2920/01.
Sie ist zwingend zu beachten (SächsOVG, Beschl. v. 12. Oktober 1993 - 2 S 64/93 -, SächsVBl. 1994, 111 f.; zur grundsätzlichen Zulässigkeit lenkender landesrechtlicher Vorgaben für die Gebührengestaltung vgl. auch den zu der vorgenannten Entscheidung des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts ergangenen Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 3. Mai 1994 - AnB 1/94 -, juris, und SächsOVG, Urt. v. 11. Dezember 2002 - 5 D 40/00 -, SächsVBl. 2003, 177 bis 122).
Der Satzungsgeber ist befugt, zwischen mengen- oder gewichtsorientierten auch personen-, haushalts- oder grundstücksbezogene Maßstäbe zu wählen (…vgl. BVerwG, Urt. v. 10. Dezember 2000 - 11 C 7/00 -, NVwZ 2002, 199, 200 [BVerwG 20.12.2000 - 11 C 7/00]; OVG Bautzen, Urt. v. 11. Dezember 2002 - 5 D 40/00 -, NVwZ-RR 2003, 887, 888) [OVG Sachsen 11.12.2002 - 5 D 40/00].