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Timestamp: 2020-02-27 21:03:35
Document Index: 372618078

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 27', 'Art. 214', '§ 6', '§ 17', '§ 6', '§ 17', '§ 6', '§ 6', '§ 17', '§ 6', 'EuG', 'EuG']

Inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung – und die vom BZSt bestä­tig­te USt-Id-Nr. | Rechtslupe
Innergemeinschaftliche Lieferung - und die vom BZSt bestätigte USt-Id-Nr.
Inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung – und die vom BZSt bestä­tig­te USt-Id-Nr.
Das BZSt bestä­tigt auf Anfra­ge dem Unter­neh­mer i.S. des § 2 UStG die Gül­tig­keit einer USt-Id-Nr. sowie den Namen und die Anschrift der Per­son, der die USt-Id-Nr. von einem ande­ren Mit­glied­staat erteilt wur­de.
Die USt-Id-Nr. (§ 27a UStG) bzw. die Mehr­wert­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer (Art. 214 der Richt­li­nie des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem 2006/​112/​EG) sind zwar kei­ne mate­ri­ell-recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung 1, sie erlan­gen aber Bedeu­tung für die Steu­er­frei­heit auf­grund des Beleg- und Buch­nach­wei­ses (§ 6a Abs. 3 UStG i.V.m. §§ 17a ff. USt­DV) sowie für die Steu­er­frei­heit auf­grund Ver­trau­ens­schut­zes (§ 6a Abs. 4 UStG).
Die USt-Id-Nr. des Abneh­mers (§ 17c Abs. 1 Satz 1 USt­DV) ist Teil des vom Unter­neh­mer zu füh­ren­den Buch­nach­wei­ses. Auf­zu­zeich­nen ist die rich­ti­ge USt-Id-Nr. des wirk­li­chen Abneh­mers; die­se muss im Zeit­punkt der Lie­fe­rung noch gül­tig sein 2. Im Streit­fall hat die Klä­ge­rin zwar die bei Lie­fe­rung noch gül­ti­ge USt-Id-Nr. des MP auf­ge­zeich­net. Da es sich aber bei die­ser Fir­ma ‑was unstrit­tig ist- um kei­nen Unter­neh­mer han­delt, ent­fällt die Beweis­kraft die­ser buch­mä­ßi­gen Auf­zeich­nung. Es kann daher inso­weit nicht zu einer Inan­spruch­nah­me der Steu­er­frei­heit auf for­mel­ler Beweis­grund­la­ge kom­men 3.
Die Steu­er­frei­heit auf­grund Ver­trau­ens­schut­zes nach § 6a Abs. 4 UStG setzt u.a. vor­aus, dass der Unter­neh­mer den Nach­weis­pflich­ten nach § 6a Abs. 3 UStG i.V.m. §§ 17a ff. USt­DV ihrer Art nach nach­ge­kom­men ist 4. Maß­geb­lich hier­für ist die for­mel­le Voll­stän­dig­keit, nicht aber auch die inhalt­li­che Rich­tig­keit der Beleg- und Buch­an­ga­ben, da § 6a Abs. 4 UStG das Ver­trau­en auf unrich­ti­ge Abneh­mer­an­ga­ben schützt 5. Dafür genügt die Auf­zeich­nung einer im Zeit­punkt der Lie­fe­rung gül­ti­gen USt-Id-Nr. des Abneh­mers, sodass die ‑im Streit­fall erfolg­te- rück­wir­ken­de Löschung die­ser USt-Id-Nr. nach Aus­füh­rung der Lie­fe­rung nicht zulas­ten des gut­gläu­bi­gen Lie­fe­rers berück­sich­tigt wer­den kann. Denn es wider­sprä­che dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit, den Ver­käu­fer allein des­halb zur Mehr­wert­steu­er her­an­zu­zie­hen, weil die Mehr­wert­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer des Erwer­bers rück­wir­kend aus dem Regis­ter gelöscht wur­de 6.
Selbst wenn ganz erheb­li­che und auf den ers­ten Blick erkenn­ba­re Unter­schie­de hin­sicht­lich der Unter­schrift auf den Abhol­be­le­gen für drei PKW und dem Rei­se­pass vor­han­den sind 7 und die­se Abwei­chun­gen allein oder zusam­men mit den ver­schie­de­nen Anga­ben der Klä­ge­rin über den Abhol­vor­gang für die vier am 31.08.2010 ver­kauf­ten PKW geeig­net wären, Zwei­fel hin­sicht­lich der Per­son des tat­säch­li­chen Abneh­mers und der unter­neh­me­ri­schen Ver­wen­dung der ver­kauf­ten PKW im übri­gen Gemein­schafts­ge­biet zu begrün­den, sind kei­ner­lei Anhalts­punk­te dafür fest­ge­stellt, dass die Klä­ge­rin bereits bei dem davor lie­gen­den Ver­kauf vom 18.08.2010 und dem danach erfolg­ten Ver­kauf vom 23.10.2010 die Sorg­falt eines ordent­li­chen Kauf­manns nicht beach­tet hät­te. Die blo­ße Ver­mu­tung, dass die Gescheh­nis­se am 31.08.2010 zwi­schen der Klä­ge­rin und MP "mög­li­cher­wei­se" bereits am 18.08.2010 abge­spro­chen wor­den sei­en, ist jeden­falls nicht aus­rei­chend, um einem Steu­er­pflich­ti­gen den auf­grund der sei­ner­zeit gül­ti­gen USt-Id-Nr. bestehen­den Ver­trau­ens­schutz auch für sol­che Lie­fe­run­gen zu ver­sa­gen, in denen zu beson­de­rer Sorg­falt ver­an­las­sen­de Umstän­de weder fest­ge­stellt noch offen­sicht­lich sind.
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 2. Novem­ber 2016 – V B 72/​16
vgl. hier­zu EuGH, Urteil Plöckl vom 20.10.2016 – C‑24/​15, EU:C:2016:791, Rz 41[↩]
BFH, Beschluss vom 02.04.1997 – V B 159/​96, BFH/​NV 1997, 629[↩]
BFH, Urteil vom 10.08.2016 – V R 45/​15, Deut­sches Steu­er­recht ‑DStR- 2016, 2402[↩]
BFH, Urtei­le in DStR 2016, 2402, sowie vom 12.05.2011 – V R 46/​10, BFHE 234, 436, BSt­Bl II 2011, 957, Rz 30[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 234, 436, BSt­Bl II 2011, 957; und vom 15.02.2012 – XI R 42/​10, BFH/​NV 2012, 1188[↩]
EuGH, Urtei­le vom 09.10.2014 – C‑492/​13, EU:C:2014:2267, Rz 36, sowie Mec­sek-Gabo­na vom 06.09.2012 – C‑273/​11, EU:C:2012:547, Rz 63 und 64[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 14.11.2012 – XI R 17/​12, BFHE 239, 516, BSt­Bl II 2013, 407, Leit­satz 1 sowie Rz 26[↩]
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