Source: https://www.haufe.de/steuern/steuer-office-kanzlei-edition/fischerpahlkewachter-erbstg-13a-steuerbefreiung-fue-12142-sachlicher-anwendungsbereich_idesk_PI5592_HI10340445.html
Timestamp: 2020-08-06 02:12:02
Document Index: 146201379

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 20', '§ 13', '§ 5', '§ 1', '§ 13', '§ 67', '§ 13']

Fischer/Pahlke/Wachter, ErbStG § 13a: Steuerbefreiung fü ... / 12.1.4.2 Sachlicher Anwendungsbereich | Steuer Office Kanzlei-Edition | Steuern | Haufe
Der Vor-Abschlag wird beim Erwerb von Anteilen an bestimmten Gesellschaften gewährt. Meist werden diese Gesellschaften kurz als Familienunternehmen bezeichnet. Die gesetzliche Regelung ist jedoch in keiner Weise auf Familienunternehmen beschränkt, sondern gilt für alle Personen- und Kapitalgesellschaften. In der Gesetzesbegründung wird aber mehrfach darauf hingewiesen, dass sich entsprechende Entnahme-, Verfügungs- und Abfindungsbeschränkungen vor allem in den Gesellschaftsverträgen von "(großen) familiengeführten Unternehmen" finden. Die gesetzgeberische Zielsetzung kommt auch darin zum Ausdruck, dass Anteilsübertragungen auf (Familien-)Angehörige und Familienstiftungen privilegiert sind.
Der Gesetzeswortlaut definiert den Kreis der begünstigten Unternehmen nicht ausdrücklich. Der Anwendungsbereich ergibt sich lediglich mittelbar durch die Bezugnahme auf Personen- und Kapitalgesellschaften (§ 13a Abs. 9 S. 1 Nr. 2 und 3 ErbStG) und die Notwendigkeit eines Gesellschaftsvertrages bzw. einer Satzung (§ 13a Abs. 9 Halbs. 1 ErbStG).
Den Erwerbern von Einzelunternehmen (Gewerbebetrieben) wird der Vorab-Abschlag nicht gewährt. Der Gesetzgeber hat (trotz wiederholter Kritik) an dieser Benachteiligung von Einzelunternehmen festgehalten. In der Praxis sollten Einzelunternehmen daher rechtzeitig einen Rechtsformwechsel in eine Einpersonen-GmbH oder -GmbH & Co. KG in Betracht ziehen (z. B. nach §§ 20, 24 UmwStG). Der Rechtsformwechsel muss mindestens 2 Jahre vor der Übertragung der Gesellschaftsanteile vollzogen worden sein. Die Rückwirkung des Umwandlungssteuergesetzes (bei der Einbringung) gilt nicht für das ErbStG.
Der Begriff der Personengesellschaft umfasst neben OHG und KG (einschließlich auch GmbH & Co. KG) insbesondere die Gesellschaften bürgerlichen Rechts. Der Gesetzgeber hat hier den zivilrechtlichen Begriff der Personengesellschaft verwendet und nicht wie sonst auf den steuerrechtlichen Mitunternehmerbegriff abgestellt (etwa beim begünstigungsfähigen Vermögen in § 13b Abs. 1 Nr. 2 ErbStG). Die Verfügungsbeschränkung im Gesellschaftsvertrag muss sich dementsprechend auch nur auf die (zivilrechtliche) "Beteiligung an der Personengesellschaft" und nicht auch auf das steuerrechtliche Sonderbetriebsvermögen beziehen.
Der Begriff der Kapitalgesellschaft umfasst insbesondere AG's, GmbH's (einschließlich UG's (haftungsbeschränkt), § 5a GmbHG), Europäische Gesellschaften (SE) und KGaA (siehe § 1 Abs. 1 Nr. 1 KStG). Nach Auffassung der Finanzverwaltung soll der Vorweg-Abschlag für Aktiengesellschaften nicht zur Anwendung kommen, weil das Aktiengesetz keine entsprechende Einschränkung in der Satzung zulässt. Dies ist mit dem Gesetzeswortlaut des ErbStG (§ 13a Abs. 9 Satz 1 Nr. 2 ErbStG: "Kapitalgesellschaft") nicht vereinbar und widerspricht den Gestaltungsmöglichkeiten des AktG (siehe §§ 67 ff. AktG).
Rz. 608
Der Vorab-Abschlag gilt gleichermaßen für in- und ausländische Gesellschaften, deren Anteile unmittelbar übertragen wurde. Auf den Sitz oder den Ort der Geschäftsleitung kommt es nicht an (vorbehaltlich § 13b Abs. 1 Nr. 2 und Nr. 3 ErbStG). Die Regelung gilt ferner unabhängig von Art, Größe und Branche des Unternehmens. Grundsätzlich werden auch börsennotierte und kapitalmarktorientierte Unternehmen erfasst.