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Timestamp: 2016-10-25 22:52:23
Document Index: 172493236

Matched Legal Cases: ['Art. 19', 'BGE', 'in fine', 'BGE', 'BGE', 'Art. 6']

8C_358/2014 (14.08.2014)
8C_358/2014 � � Urteil vom 14. August 2014
Der 1964 geborene A.________ arbeitete seit September 1995 vollzeitlich bei der B.________ AG als Spengler und war dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen obligatorisch versichert. In der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober 2001 wurde er innerorts beim �berqueren einer Strasse auf einem Fussg�ngerstreifen linksseitig von einem Personenwagen angefahren. Das Spital C.________, wo er bis 5. November 2001 hospitalisiert war, diagnostizierte eine Commotio cerebri, multiple Gesichtssch�delfrakturen links mit Kieferklemme, eine nicht dislozierte mediale Tibiaplateaufraktur am linken Knie (mit elektrisierenden Gef�hlen am linken Unterschenkel) sowie eine Kontusion des rechten Daumens mit Verdacht auf L�sion des Ligamentum collaterale ulnare (Austrittsbericht vom 5. November 2001). Die weitere medizinische Betreuung �bernahm ab 5. bis 17. November 2001 station�r das Spital G.________, das diagnostisch zus�tzlich eine Distorsion der Halswirbels�ule (HWS) Grad II sowie einen Verdacht auf eine leichte Fussheberparese links bei m�glicher Peronaeusl�sion erw�hnte (Austrittsberichte vom 5. Dezember und vom 23. November 2001). Vom 8. Mai bis 12. Juni 2002 hielt sich der Versicherte in der Rehabilitationsklinik H.______ auf, laut deren Austrittsbericht vom 11. Juli 2002 leichte bis mittelschwere T�tigkeiten, die wechselbelastend ausge�bt werden k�nnen, ganztags zumutbar waren (Heben und Tragen von Lasten �ber 10 kg - speziell repetitiv oder �ber Schulterh�he -, Verrichtungen in Zwangsposition des Rumpfes sowie das Steigen auf Leitern oder Ger�ste waren beschwerlich und nur eingeschr�nkt m�glich). Nach weiteren ambulant und station�r durchgef�hrten �rztlichen Untersuchungen und Behandlungen (u.a. in der Rehabilitationsklinik H.______, wo der Versicherte ein Ergonomie-Trainingsprogramm und eine berufsorientierte Ergotherapie absolvierte, vgl. Austrittsbericht vom 1. Oktober 2003) unterbreitete die SUVA mit Schreiben vom 16. August 2006 zur Fallerledigung einen Vergleichsvorschlag, zu dem sich der Versicherte nicht �usserte. Auf Veranlassung der Verwaltung beurteilte Dr. med. D.________, Facharzt FMH f�r Chirurgie, SUVA Versicherungsmedizin, am 4. Februar 2011 die medizinischen Akten und gelangte zum Schluss, dass an der HWS und LWS (Lendenwirbels�ule) sowie im Bereich des Gehirns keine unfallbedingten strukturellen Sch�digungen nachgewiesen werden konnten und die mediale Diskopathie am linken Knie degenerativer Natur und im �brigen ohne klinische Relevanz war; einzig die Sensibilit�tsst�rung im Bereich des linken Auges bei Status nach einer oss�r gut ausgeheilten Jochbeinfraktur war wahrscheinliche Unfallfolge, die analog einem Ausfall des Nervus infraorbitalis eine Integrit�tsentsch�digung von 5 %, nicht aber eine Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit rechtfertigte. Mit Verf�gung vom 6. August 2011 sprach die SUVA dem Versicherten eine Entsch�digung gest�tzt auf eine Integrit�tseinbusse von 5 % zu und hielt fest, die weiterhin geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden seien organisch nicht nachweisbar und st�nden in keinem rechtserheblichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall und dessen Folgen, weshalb die Versicherungsleistungen r�ckwirkend auf den 30. August 2006 eingestellt w�rden. Daran hielt sie auf Einsprache hin fest (Einspracheentscheid vom 16. M�rz 2012).
Mit Beschwerde l�sst A.________ beantragen, unter Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids sei die Sache an die SUVA zur�ckzuweisen, damit sie weitere medizinische Abkl�rungen vornehme und hernach �ber die gesetzlichen Leistungen neu verf�ge.
2.1.�Streitig und zu pr�fen ist, ob der Beschwerdef�hrer �ber den 30. August 2006 hinaus Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung hat. Prozessthema bildet dabei die Frage, ob die SUVA die gesundheitlichen Folgen des Unfalles vom 30./31. Oktober 2001 hinreichend abkl�rte und den rechtserheblichen Kausalzusammenhang zu Recht verneinte. Hinsichtlich der zu beachtenden Rechtsgrundlagen ist mit der Vorinstanz auf den Einspracheentscheid der SUVA vom 16. M�rz 2012 zu verweisen.
2.2.�Vorab ist festzustellen, dass bezogen auf den Zeitpunkt der Leistungseinstellung (30. August 2006) unbestritten von der Fortsetzung der �rztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands mehr erwartet werden konnte (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG). Der Beschwerdef�hrer bringt aber vor, die Aktenbeurteilung des Dr. med. D.________ vom 4. Februar 2011, die allein auf den bis 2006 vorhanden gewesenen �rztlichen Ausk�nften beruhe, sei nicht schl�ssig. Die Vorinstanz �bersehe, dass der Kreisarzt der SUVA (Dr. med. E.________), die Rehabilitationsklinik H.______ und der beigezogene Neurologe (Dr. med. F.________) aufgrund eingehender ambulanter und station�rer Untersuchungen auf den Unfall zur�ckzuf�hrende objektivierbare somatische Befunde festgehalten und zudem die Kopfschmerzen und den Schwindel betreffend weitere Abkl�rungen als notwendig gehalten h�tten. Darauf gehe Dr. med. D.________ nicht ein, weshalb an dessen Schlussfolgerungen zumindest geringe Zweifel im Sinne von BGE 135 V 465 best�nden.
2.3.1.�Aufgrund der �rztlichen Unterlagen steht unbestritten fest, dass die Frakturen im linken Gesichtsbereich (Jochbein) und am linken Knie oss�r komplikationslos ausheilten und sich daraus keine wesentlichen Einschr�nkungen der Arbeitsf�higkeit ergaben. Weiter r�umt der Beschwerdef�hrer ein, dass Dr. med. E.________, Facharzt f�r Chirurgie FMH, Kreisarzt der SUVA, mit Bericht vom 4. M�rz 2004 sowohl im Bereich der HWS als auch der LWS bildgebend nachgewiesene massive Vorzust�nde festhielt. Zu der von diesem Arzt im Rahmen der Einsch�tzung der Integrit�tseinbusse ohne Begr�ndung vertretenen Auffassung, die feststellbaren m�ssigen klinischen Befunde seien dennoch teilweise auf den Unfall zur�ckzuf�hren, �usserte sich Dr. med. D.________ einl�sslich. Er hielt zutreffend fest, dass gem�ss Austrittsbericht des Spitals C.________ vom 5. November 2001 die Wirbels�ule nicht klopfschmerzhaft und insbesondere im Bereich der HWS indolent war; der beigezogene Dr. med. F.________, Facharzt FMH f�r Neurologie, konnte zudem keine radikul�ren Ausf�lle der Extremit�ten finden (vgl. Bericht vom 20. Dezember 2001). Dem ist zun�chst anzuf�gen, dass schon die �rzte des Spitals G.________ (vgl. Berichte vom 23. November sowie vom 5. und 13. Dezember 2001) die von den Medizinern des Spitals C.________ vermutete Fussheberschw�che links nicht best�tigen konnten. Zudem ergab die von Dr. med. F.________ sp�ter erneut durchgef�hrte neurologische Untersuchung nach wie vor einen unauff�lligen Status der oberen und unteren Extremit�ten (Bericht vom 9. M�rz 2006). Diesen Ausk�nften steht das als unfallkausal angegebene, aus der gest�tzt auf die durchgef�hrte EFL gewonnene Arbeitsprofil der Rehabilitationsklinik H.______ (Austrittsbericht vom 1. Oktober 2003), wonach leichtere T�tigkeiten, die ohne andauerndes Arbeiten in vorgeneigter Haltung oder �ber Brusth�he und ohne wiederholtes Steigen auf Leitern verrichtet werden konnten, nicht entgegen. Die geltend gemachte Fussheberschw�che war auch w�hrend des Rehabilitationsaufenthaltes nicht Gegenstand der Behandlung.
2.3.2.�Auch f�r die weiter geltend gemachten Beschwerden (chronische Kopfschmerzen; Schwindel; Kieferklemme links) konnten die �rzte weder ein somatisches noch - was explizit anerkannt ist - ein psychiatrisches Korrelat finden. Der Beschwerdef�hrer �bersieht, dass keine Therapien empfohlen werden konnten, mit welchen der Gesundheitszustand und die Arbeitsf�higkeit wesentlich zu verbessern gewesen w�ren (vgl. Austrittsberichte der Rehabilitationsklinik H.______ vom 11. Juli 2002 und 1. Oktober 2003). Daher ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz in Best�tigung des Einspracheentscheids der SUVA vom 16. M�rz 2012 bei der Beurteilung des rechtserheblichen Kausalzusammenhangs davon ausgegangen ist, der Versicherte leide nicht an organisch oder psychiatrisch objektivierbaren gesundheitlichen Beeintr�chtigungen. Mit den geltend gemachten neuropsychologischen Defiziten allein ist, was der Beschwerdef�hrer verkennt, der nat�rliche Kausalzusammenhang nicht zu begr�nden (vgl. dazu Urteile 8C_744/2007 vom 5. November 2008 E. 4.6 f., publ. in SVR 2009 UV Nr. 18 S. 69; 8C_102/2008 vom 26. September 2008 E. 6.4; U 393/06 vom 24. September 2009 E. 5.3.2; U 328/06 vom 25. Juli 2007 E. 6.2 in Verbindung mit E. 7.2, publ. in SVR 2008 UV Nr. 2 S. 3; U 344 /05 vom 13. M�rz 2006 E. 2.2, 4.1 und 4.3.2 in fine f.). Die �rzte der Rehabilitationsklinik H.______ vermochten denn auch die im Spital G.________ festgestellten, leichten neuropsychologischen Defizite (vgl. Bericht vom 22. Februar 2002) �tiologisch nicht klar einzuordnen (vgl. Austrittsbericht vom 11. Juli 2002). Daran �nderte auch die am 26. Februar 2006 durchgef�hrte neuropsychologische Verlaufskontrolle nichts, wonach neu eine mittelschwere St�rung vorlag, die vor allem in Zusammenhang mit der nunmehr eingetretenen, deutlich reduzierten psychophysischen Belastbarkeit, den anhaltenden R�ckenschmerzen und der resignierten Grundstimmung standen (Bericht der Rehabilitationsklinik H.______ vom 27. Februar 2006).
2.3.3.�Zu pr�fen ist weiter, ob der Beschwerdef�hrer beim Unfall vom 30./31. Oktober 2001 eine Commotio cerebri erlitt, deren Folgen ihm aus medizinischer Sicht die Wiederaufnahme einer Arbeitst�tigkeit zumindest teilweise verunm�glichten. Selbst der Beschwerde ist nicht zu entnehmen, dass der Beschwerdef�hrer unmittelbar im Anschluss an den Unfall vom 30./31. Oktober 2001 an den typischen Folgen einer milden traumatischen Hirnverletzung litt. Die geltend gemachten linksseitigen starken Kopfschmerzen mit nicht n�her zu spezifizierenden Schwindelsymptomen (vgl. Bericht des Dr. med. E.________ vom 4. M�rz 2004) konnten trotz der genannten und anderweitigen spezial�rztlichen und neuropsychologischen Untersuchungen nicht verifiziert werden. Auch in diesem Punkt ist nicht ersichtlich, inwiefern von weiteren spezial�rztlichen Abkl�rungen neue Erkenntnisse zur Frage des zur Diskussion stehenden nat�rlichen Kausalzusammenhangs bezogen auf den Zeitpunkt der Leistungseinstellung (30. August 2006) zu erwarten w�ren.
2.4.1.�Nach dem Gesagten hat das kantonale Gericht zu Recht die Frage gepr�ft, ob die geltend gemachten Kopfschmerzen, Schwindelsensationen und neuropsychologischen Defizite, die laut Austrittsbericht der Rehabilitationsklinik H.______ vom 1. Oktober 2003 zu einem wesentlichen Teil die Konzentrationsf�higkeit und damit die Arbeitsf�higkeit herabsetzten, in einem ad�quaten Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 30./31. Oktober 2001 standen. Der vorinstanzlichen Auffassung, dass der Versicherte kein Distorsionstrauma der HWS, allenfalls aber ein leichtes Sch�del-Hirntrauma erlitt, ist beizupflichten. In �bereinstimmung mit der Rechtsprechung (vgl. Urteil 8C_476/2007 vom 4. August 2008 E. 4.1.2, publ. in SVR 2008 UV Nr. 35 S. 133) hat das kantonale Gericht erkannt, dass - wie vorliegend - bei einem initial und danach bei der Commotio-�berwachung diagnostizierten Glasgow-Coma-Skala-Wert (GCS) von 15 selbst bei anzunehmender anterograder Amnesie kein schwerwiegendes Sch�del-Hirntrauma anzunehmen ist, das die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis (BGE 134 V 109 und 117 V 359) rechtfertigen w�rde. Daher hat die Vorinstanz den ad�quaten Kausalzusammenhang zu Recht nach den gem�ss BGE 115 V 133 (Psychopraxis) zu beachtenden Grunds�tzen beurteilt.
2.4.2.�Das kantonale Gericht hat den Unfall vom 30./31. Oktober 2001 zutreffend dem Bereich der mittelschweren Unf�lle im engeren Sinne zugeordnet. Diese Einsch�tzung steht entgegen der Auffassung des Beschwerdef�hrers in �bereinstimmung mit anderen vergleichbaren, vom Bundesgericht beurteilten F�llen (vgl. die in E. 5.2 des Urteils 8C_389/2012 vom 6. November 2012, publ. in SVR 2013 UV Nr. 3 S. 7, erw�hnte Kasuistik; vgl. auch Urteile 8C_990/2008 vom 6. M�rz 2009 Sachverhalt A. und E. 5.3.1 sowie U 435/04 vom 20. Oktober 2005 Sachverhalt A. und E. 3.2 ab initio). Von den daher weiter zu pr�fenden, objektiv fassbaren und unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehenden oder als Folge davon erscheinenden Umst�nden, welche als massgebende Kriterien in die Gesamtw�rdigung einzubeziehen sind, war gem�ss vorinstanzlichem Entscheid angesichts der multiplen Frakturen und Verletzungen an verschiedenen K�rperteilen allenfalls dasjenige der k�rperlichen Dauerschmerzen erf�llt.
2.4.3.�Was der Beschwerdef�hrer vorbringt, dringt nicht durch. Das kantonale Gericht hat zutreffend erkannt, dass eine besondere Eindr�cklichkeit des Unfalles schon deshalb zu verneinen war, weil der Versicherte wiederholt eine Amnesie f�r das Unfallereignis geltend machte. Dass der Ged�chtnisverlust in Bezug auf das Unfallereignis zu psychischen Problemen gef�hrt h�tte, ist ausweislich der Akten sowie der Vorbringen in der Beschwerde von vornherein auszuschliessen. Dieser Punkt bildete gem�ss Akten zudem zu keinem Zeitpunkt ein wesentliches Thema der medizinischen Behandlung. Weiter steht fest, dass die multiplen k�rperlichen Verletzungen aus unfall�rztlicher Sicht innerhalb weniger Monate praktisch folgenlos ausheilten. Verblieben war einzig die Sensibilit�tsst�rung im Bereich der linken Gesichtsh�lfte, mit der jedoch unbestritten gem�ss Beurteilung des Dr. med. D.________ vom 4. Februar 2011 keine Arbeitsunf�higkeit zu begr�nden war. Unter diesen Umst�nden ist aus unfallversicherungsrechtlicher Sicht betrachtet wenig nachvollziehbar, dass sich der Beschwerdef�hrer w�hrend Jahren nicht um eine neue Arbeitsstelle bem�hte. Er verkennt mit seinen Vorbringen insgesamt die Gesetzeslage, wonach bei langer Dauer der Arbeitsunf�higkeit auch die zumutbare T�tigkeit in einem anderen Beruf zu ber�cksichtigen ist (Art. 6 Abs. 1 Satz 2 in Verbindung mit Satz 1 ATSG).
2.5.�Insgesamt ist das vorinstanzliche Ergebnis, wonach aufgrund der umfangreichen medizinischen Akten aus unfallversicherungsrechtlicher Sicht keine die Arbeitsf�higkeit wesentlich beeintr�chtigenden gesundheitlichen Einschr�nkungen eruiert werden konnten, und gest�tzt darauf der ad�quate Kausalzusammenhang der geltend gemachten Beschwerden mit dem Unfall vom 30./31. Oktober 2001 und dessen Folgen zu verneinen war, nicht zu beanstanden.