Source: http://www.anwalt24.de/rund-ums-recht/BGH_22_08_2012_4_StR_234_12_Tateinheit_oder_Tatmehrheit_bei_-d5170674.html
Timestamp: 2017-01-17 23:38:01
Document Index: 47348817

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 349', '§ 52', '§ 53', '§ 349', '§ 349', '§ 53', '§ 52', 'BGH', 'BGH', '§ 265']

BGH, 22.08.2012 - 4 StR 234/12 - Tateinheit oder Tatmehrheit bei Verurteilung wegen Versicherungsbetrugs und wegen Urkundenfälschung; Auswirkungen des Erfolgens der Zuleitungen der gefälschten Versicherungsanträge jeweils gemeinsam an einem Tag für das Bestehen von Tateinheit oder Tatmehrheit bei den Betrugstaten | Urteile auf anwalt24.de
BGH, 31.08.2012 - AnwZ (Brfg) 25 /12 - Widerruf der Zulassung zur Rechtsanwaltsc...…BGH, 22.08.2012 - 4 StR 234/12 - Tateinheit oder Tatmehrheit bei Verurteilung we...BGH, 22.08.2012 - XII ZB 141/12 - Information über einen bestehenden Anwaltszwan...BGH, 22.08.2012 - XII ZB 474/11 - Erhebung der Einrede der Verjährung durch eine...BGH, 22.08.2012 - XII ZB 319/11 - Anerkennung von eine Betreuervergütung erhöhen...BGH, 22.08.2012 - 4 StR 308/12 - Rechtmäßigkeit einer strafgerichtlichen Begründ...BGH, 22.08.2012 - 1 StR 317/12 - Tatvollendung der Steuerhinterziehung bei korre...BGH, 22.08.2012 - 4 StR 244/12 - Ausnutzen der besonderen Verhältnisse des Straß...BGH, 22.08.2012 - XII ZB 183/11 - Erstattungsfähigkeit der Kosten für mehrere Re...BGH, 22.08.2012 - 2 StR 530/11 - Kurierfahrten von Betäubungsmitteln als rechtli...BGH, 22.08.2012 - VII ZB 68/11 - Aufnahme der Pflicht zur Herausgabe sämtlicher ...BGH, 22.08.2012 - 2 StR 235/12 - Prüfung der Anordnung einer Unterbringung in ei...BGH, 21.08.2012 - 4 StR 157/12 - Verwerfung einer Revision als unbegründetBGH, 21.08.2012 - 4 StR 284/12 - Vollziehung der erkannten Gesamtfreiheitsstrafe...BGH, 21.08.2012 - 4 StR 311/12 - Annahme eines Hangs bei einer eingewurzelten un...BGH, 21.08.2012 - X ZR 87/11 - Nichtigerklärung eines Patents für eine Barriereh...BGH, 21.08.2012 - 1 StR 257/12 - Annahme eines unbenannten schweren Falles i.R.d...BGH, 21.08.2012 - X ZR 146/11 - Begriff der außergewöhnlichen Umstände im Sinne ...BGH, 21.08.2012 - II ZR 99/11 - Klärungsbedürftigkeit einer Formulierung in eine...BGH, 21.08.2012 - II ZR 100/11 - Klärungsbedürftigkeit einer Formulierung in ein...BGH, 21.08.2012 - X ZR 138/11 - Anspruch auf Ausgleichszahlungen gegen Luftverke...BGH, 21.08.2012 - 1 StR 26/12 - Verurteilung wegen selbstständiger, in Tatmehrhe...…BGH, 01.08.2012 - XII ZB 456/11 - Anspruch eines sowohl in einer Sorgerechts- al...
BGH, 22.08.2012 - 4 StR 234/12 - Tateinheit oder Tatmehrheit bei Verurteilung wegen Versicherungsbetrugs und wegen Urkundenfälschung; Auswirkungen des Erfolgens der Zuleitungen der gefälschten Versicherungsanträge jeweils gemeinsam an einem Tag für das Bestehen von Tateinheit oder Tatmehrheit bei den Betrugstaten
BundesgerichtshofBeschl. v. 22.08.2012, Az.: 4 StR 234/12Gericht: BGHEntscheidungsform: BeschlussDatum: 22.08.2012Referenz: JurionRS 2012, 23664Aktenzeichen: 4 StR 234/12 Verfahrensgang:nachgehend:BGH - 25.10.2012 - AZ: 4 StR 234/12Rechtsgrundlagen:§ 349 Abs. 2 StPO§ 52 StGB§ 53 StGBVerfahrensgegenstand:Betrug u.a. Redaktioneller Leitsatz:Hat ein mittelbarer Täter mehrere Einzeldelikte durch eine einheitliche Handlung gegenüber seinem Vordermann veranlasst, werden ihm die jeweiligen Taten auch dann als tateinheitlich begangen zugerechnet, wenn der Vordermann seinerseits tatmehrheitlich gehandelt hat.Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts und des Beschwerdeführers am 22. August 2012 gemäß § 349 Abs. 2 und Abs. 4 StPO beschlossen: Tenor:1.Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Paderborn vom 23. Januar 2012, a)im Schuldspruch dahingehend geändert, dass der Angeklagte wegen Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug in acht Fällen, davon in einem Fall in neun tateinheitlichen Fällen, in einem Fall in sieben tateinheitlichen Fällen und in zwei Fällen in drei tateinheitlichen Fällen sowie wegen Betrugs in zwei weiteren Fällen und wegen Urkundenfälschung in einem weiteren Fall verurteilt ist, b)im Ausspruch über die in den Fällen II.2 bis II.7 und II.9 bis II.24 verhängten Einzelstrafen und im Ausspruch über die Gesamtstrafe jeweils mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben. 2.Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen. 3.Die weiter gehende Revision wird verworfen. Gründe1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Betrugs in 28 Fällen, davon in 26 Fällen in Tateinheit mit Urkundenfälschung sowie wegen Urkundenfälschung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Seine Revision hat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Erfolg. Im Übrigen ist sie offensichtlich unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO. I. 2 Entgegen der Auffassung des Landgerichts stehen die in den Fällen II.2 bis II.7 und II.9 bis II.24 der Urteilsgründe erfassten Taten zueinander nicht im Verhältnis der Tatmehrheit (§ 53 StGB). Stattdessen ist in den Fällen II.2 bis II. 7 von zwei Fällen der Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug in jeweils drei tateinheitlichen Fällen auszugehen. In den Fällen II.9 bis II.24 hat sich der Angeklagte der Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug in neun tateinheitlichen Fällen (Fälle II.10, II.11, II.17 bis II.22 und II.24) und der Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug in sieben tateinheitlichen Fällen (Fälle II.9, II.12 bis II.16 und II.23) schuldig gemacht. 3 1. Nach den Feststellungen war der Angeklagte zunächst für die Versicherungsagentur des Zeugen A. tätig. Gemäß einem vorgefassten Tatplan setzte er "vom 18.-20.02.2008" (UA 7) in insgesamt sechs Versicherungsanträge die ihm aus anderen Zusammenhängen bekannt gewordenen Daten verschiedener Personen ein und fügte jeweils eine nachgeahmte Unterschrift hinzu. Anschließend leitete er die Anträge über die Agentur des Zeugen A. der Versicherung zu. Im Vertrauen auf die Richtigkeit und Echtheit der beurkundeten Angaben wurden am 18. und 20. Februar 2008 jeweils drei Versicherungsverträge abgeschlossen und in der Folge Abschlussprovisionen in einer Gesamthöhe von 9.400,50 Euro an den gutgläubigen Zeugen A. überwiesen, der diese ohne Abzug an den Angeklagten weiterleitete (Fälle II.2 bis II.7). 4 Ab Mai 2009 war der Angeklagte als Versicherungsvermittler für die Finanzagentur des Zeugen W. tätig. Nach dem gleichen Muster wie in den Fällen II.2 bis II.7 erstellte er in der Folgezeit auch hier insgesamt 17 Versicherungsanträge mit unechten Unterschriften und leitete sie anschließend an den insoweit gutgläubigen Zeugen W. weiter, der am 28. Mai 2009 sieben (Fälle II.9, II.12 bis II.16 und II.23) und am 12. November 2009 neun (Fälle II.10, II.11, II.17 bis II.22 und II.24) Anträge verschiedenen Versicherungsgesellschaften vorlegte, deren Sachbearbeiter irrig von rechtsverbindlichen Erklärungen der in den Anträgen genannten Personen ausgingen und Provisionen in einer Gesamthöhe von 32.543,78 Euro zur Auszahlung brachten. Der Senat entnimmt den Feststellungen, dass die den Versicherungsverträgen vom 18. und 20. Februar 2008 zugrunde liegenden und die von dem Zeugen W. am 28. Mai 2009 und 12. November 2009 weitergeleiteten Versicherungsanträge von dem Angeklagten jeweils zusammen vorgelegt wurden. 5 2. Danach stehen die Betrugstaten, bei denen die Zuleitungen der gefälschten Versicherungsanträge jeweils gemeinsam an einem Tag erfolgt sind, jeweils zueinander im Verhältnis der Tateinheit (§ 52 StGB), weil sich eine Ausführungshandlung gleichzeitig auf sämtliche Tatbestandsverwirklichungen bezog (BGH, Beschluss vom 8. April 1998 - 1 StR 128/98, NStZ-RR 1998, 234). Der Umstand, dass der Zeuge W. die ihm am 28. Mai 2009 überlassenen Versicherungsanträge zum Teil verschiedenen Versicherungsgesellschaften vorgelegt hat, ist ohne Belang, da es für die Frage des Vorliegens einer oder mehrerer Handlungen für jeden Täter allein auf seinen Tatbeitrag ankommt. Hat ein mittelbarer Täter mehrere Einzeldelikte durch eine einheitliche Handlung gegenüber seinem Vordermann veranlasst, werden ihm die jeweiligen Taten auch dann als tateinheitlich begangen zugerechnet, wenn der Vordermann seinerseits tatmehrheitlich gehandelt hat (BGH, Beschluss vom 24. Juli 2008 - 3 StR 243/08, StV 2008, 575, 576). 6 3. Die Vorschrift des § 265 StPO steht der Schuldspruchänderung nicht entgegen, weil es dem insoweit geständigen Angeklagten nicht möglich gewesen wäre, sich anders als geschehen zu verteidigen. II. 7 Die Schuldspruchänderung zieht in den Fällen II.2 bis II.7 und II.9. bis II.24 der Urteilsgründe die Aufhebung der Einzelstrafen mit den zugehörigen Feststellungen nach sich. Dadurch verliert auch die Gesamtstrafe ihre Grundlage. Mutzbauer Roggenbuck Franke Quentin Reiter Hinweis: Das Dokument wurde redaktionell aufgearbeitet und unterliegt in dieser Form einem besonderen urheberrechtlichen Schutz. Eine Nutzung über die Vertragsbedingungen der Nutzungsvereinbarung hinaus - insbesondere eine gewerbliche Weiterverarbeitung außerhalb der Grenzen der Vertragsbedingungen - ist nicht gestattet.