Source: http://m.hensche.de/Altersgrenzen_fuer_Beamte_wie_im_Hessischen_Beamtenrecht_sind_keine_Altersdiskriminierung_durch_Zwangspensionierung_EuGH_C-159-10_C-160-10-u.html
Timestamp: 2017-09-21 06:42:06
Document Index: 366391029

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'Art. 267', 'Art. 6', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 15', '§ 25', 'Art. 15', '§ 50', '§ 35', '§ 50', '§ 50', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 50', '§ 50', '§ 50', '§ 50', '§ 50', '§ 50', 'Art. 267', 'Art. 6', '§ 50', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 6', '§ 50', 'Art. 6', '§ 50', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 50', '§ 50', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 50', '§ 50', 'Art. 15', '§ 50', '§ 50', 'Art. 6', '§ 50', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 50', '§ 50', '§ 50']

HENSCHE Arbeitsrecht: C-159/10, C-160/10
Schlag­worte: Beamter, Diskriminierung: Alter, Zwangspensionierung, Altersgrenze, Altersdiskriminierung
Akten­zeichen: C-159/10,
1. Die Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf steht ei­nem Ge­setz wie dem Hes­si­schen Be­am­ten­ge­setz in der Fas­sung des Ge­set­zes vom 14. De­zem­ber 2009, das die zwangs­wei­se Ver­set­zung von Be­am­ten auf Le­bens­zeit, im vor­lie­gen­den Fall Staats­anwälten, in den Ru­he­stand mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs vor­sieht, wo­bei sie höchs­tens bis zum voll­ende­ten 68. Le­bens­jahr wei­ter­ar­bei­ten dürfen, wenn es im dienst­li­chen In­ter­es­se liegt, nicht ent­ge­gen, so­fern die­ses Ge­setz zum Ziel hat, ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Al­ters­struk­tur zu schaf­fen, um die Ein­stel­lung und die Beförde­rung von jünge­ren Be­rufs­an­gehöri­gen zu begüns­ti­gen, die Per­so­nal­pla­nung zu op­ti­mie­ren und da­mit Rechts­strei­tig­kei­ten über die Fähig­keit des Beschäftig­ten, sei­ne Tätig­keit über ein be­stimm­tes Al­ter hin­aus aus­zuüben, vor­zu­beu­gen, und es die Er­rei­chung die­ses Ziels mit an­ge­mes­se­nen und er­for­der­li­chen Mit­teln ermöglicht.
2. Die An­ge­mes­sen­heit und Er­for­der­lich­keit der frag­li­chen Maßnah­me ist nach­ge­wie­sen, wenn sie im Hin­blick auf das ver­folg­te Ziel nicht un­vernünf­tig er­scheint und auf Be­weis­mit­tel gestützt ist, de­ren Be­weis­kraft das na­tio­na­le Ge­richt zu be­ur­tei­len hat.
3. Ein Ge­setz wie das Hes­si­sche Be­am­ten­ge­setz in der Fas­sung des Ge­set­zes vom 14. De­zem­ber 2009, das den zwangs­wei­sen Über­tritt von Staats­anwälten in den Ru­he­stand mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs vor­sieht, ist nicht al­lein des­halb in­kohärent, weil es ih­nen in be­stimm­ten Fällen er­laubt, bis zum voll­ende­ten 68. Le­bens­jahr wei­ter­zu­ar­bei­ten, es außer­dem Be­stim­mun­gen enthält, die den Über­tritt in den Ru­he­stand vor Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs er­schwe­ren sol­len, und an­de­re Rechts­vor­schrif­ten des be­tref­fen­den Mit­glied­staats das Ver­blei­ben im Dienst von be­stimm­ten Be­am­ten, ins­be­son­de­re be­stimm­ten Wahl­be­am­ten, über die­ses Al­ter hin­aus vor­se­hen und das Ru­he­stands­al­ter schritt­wei­se von 65 auf 67 Jah­re an­he­ben.
Vor­ins­tan­zen: VG Frankfurt/Main, 29.03.2010, 9 K 3854/09.F
21. Ju­li 2011(*)
„Richt­li­nie 2000/78/EG – Art. 6 Abs. 1 – Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters – Zwangs­wei­se Ver­set­zung von Staats­anwälten in den Ru­he­stand mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs – Le­gi­ti­me Zie­le, die ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters recht­fer­ti­gen – Kohärenz der Rechts­vor­schrif­ten“
In den ver­bun­de­nen Rechts­sa­chen C‑159/10 und C‑160/10
be­tref­fend Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main (Deutsch­land) mit Ent­schei­dun­gen vom 29. März 2010, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 2. April 2010, in den Ver­fah­ren
Ger­hard Fuchs (C‑159/10),
Pe­ter Köhler (C‑160/10)
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten J. N. Cun­ha Ro­d­ri­gues, der Rich­ter A. Ro­sas, U. Lõhmus und A. Ó Cao­imh so­wie der Rich­te­rin P. Lindh (Be­richt­er­stat­te­rin),
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 5. April 2011,
– des Lan­des Hes­sen, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt M. Deutsch,
– Ir­lands, ver­tre­ten durch D. O’Ha­gan und B. Doh­er­ty als Be­vollmäch­tig­te,
Die Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­tref­fen die Aus­le­gung von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. L 303, S. 16).
Sie er­ge­hen im Rah­men von Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen Herrn Fuchs und Herrn Köhler ei­ner­seits und dem Land Hes­sen an­de­rer­seits we­gen ih­rer Ver­set­zung in den Ru­he­stand im Al­ter von 65 Jah­ren.
Die Erwägungs­gründe 8, 9 und 11 der Richt­li­nie 2000/78 lau­ten:
„(8) In den vom Eu­ropäischen Rat auf sei­ner Ta­gung am 10. und 11. De­zem­ber 1999 in Hel­sin­ki ver­ein­bar­ten beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Leit­li­ni­en für 2000 wird die Not­wen­dig­keit un­ter­stri­chen, ei­nen Ar­beits­markt zu schaf­fen, der die so­zia­le Ein­glie­de­rung fördert, in­dem ein gan­zes Bündel auf­ein­an­der ab­ge­stimm­ter Maßnah­men ge­trof­fen wird, die dar­auf ab­stel­len, die Dis­kri­mi­nie­rung von be­nach­tei­lig­ten Grup­pen, wie den Men­schen mit Be­hin­de­rung, zu bekämp­fen. Fer­ner wird be­tont, dass der Un­terstützung älte­rer Ar­beit­neh­mer mit dem Ziel der Erhöhung ih­res An­teils an der Er­werbs­bevölke­rung be­son­de­re Auf­merk­sam­keit gebührt.
(11) Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen … des Al­ters … können die Ver­wirk­li­chung der im EG-Ver­trag fest­ge­leg­ten Zie­le un­ter­mi­nie­ren, ins­be­son­de­re die Er­rei­chung ei­nes ho­hen Beschäfti­gungs­ni­veaus und ei­nes ho­hen Maßes an so­zia­lem Schutz, die He­bung des Le­bens­stan­dards und der Le­bens­qua­lität, den wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Zu­sam­men­halt, die So­li­da­rität so­wie die Freizügig­keit.“
Zweck die­ser Richt­li­nie ist nach Art. 1 „die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in Beschäfti­gung und Be­ruf im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten“.
Art. 2 Abs. 1 und 2 Buchst. a der Richt­li­nie sieht vor:
„(1) Im Sin­ne die­ser Richt­li­nie be­deu­tet ‚Gleich­be­hand­lungs­grund­satz‘ dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Ar­ti­kel 1 ge­nann­ten Gründe ge­ben darf.
a) liegt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Ar­ti­kel 1 ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde“.
Art. 3 („Gel­tungs­be­reich“) der Richt­li­nie 2000/78 sieht in Abs. 1 vor:
Art. 6 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie be­stimmt:
Der Bun­des­ge­setz­ge­ber hat die Richt­li­nie 2000/78 mit dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (im Fol­gen­den: AGG) vom 14. Au­gust 2006 (BGBl. I S. 1897), zu­letzt geändert durch Art. 15 Abs. 66 des Ge­set­zes vom 5. Fe­bru­ar 2009 (BGBl. I S. 160), um­ge­setzt.
In § 25 des Ge­set­zes zur Re­ge­lung des Sta­tus­rechts der Be­am­tin­nen und Be­am­ten in den Ländern (Be­am­ten­sta­tus­ge­setz) vom 17. Ju­ni 2008 (BGBl. I S. 1010), zu­letzt geändert durch Art. 15 Abs. 16 des Ge­set­zes vom 5. Fe­bru­ar 2009 (BGBl. I S. 160), hat er zum Ru­he­stand der Be­am­ten auf Le­bens­zeit der Länder und Ge­mein­den be­stimmt:
„Be­am­tin­nen auf Le­bens­zeit und Be­am­te auf Le­bens­zeit tre­ten nach Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze in den Ru­he­stand.“
Die­se Be­stim­mung re­gelt die Al­ters­gren­ze nicht selbst, son­dern überlässt de­ren Fest­set­zung den Ländern.
§ 50 des Hes­si­schen Be­am­ten­ge­set­zes in der Fas­sung des Ge­set­zes vom 14. De­zem­ber 2009 (im Fol­gen­den: HBG) re­gelt die ver­bind­li­che Al­ters­gren­ze für den Über­tritt der Be­am­ten des Lan­des Hes­sen in den Ru­he­stand wie folgt:
„(1) Die Be­am­ten auf Le­bens­zeit tre­ten mit dem En­de des Mo­nats, in dem sie das fünf­und­sech­zigs­te Le­bens­jahr voll­endet ha­ben (Al­ters­gren­ze), in den Ru­he­stand.
(2) Ab­wei­chend von Abs. 1 gilt für die nach­fol­gen­den im Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit ste­hen­den Be­am­ten Fol­gen­des:
1. Leh­rer an öffent­li­chen Schu­len tre­ten mit Ab­lauf des letz­ten Mo­nats des Schul­jah­res, in dem sie das fünf­und­sech­zigs­te Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, in den Ru­he­stand,
2. Pro­fes­so­ren, Hoch­schul­do­zen­ten, wis­sen­schaft­li­che und künst­le­ri­sche Mit­ar­bei­ter so­wie Lehr­kräfte für be­son­de­re Auf­ga­ben an den Hoch­schu­len des Lan­des tre­ten mit Ab­lauf des letz­ten Mo­nats des Se­mes­ters, in dem sie das fünf­und­sech­zigs­te Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, in den Ru­he­stand.
(3) Wenn es im dienst­li­chen In­ter­es­se liegt, kann der Ein­tritt in den Ru­he­stand auf An­trag des Be­am­ten über das voll­ende­te fünf­und­sech­zigs­te Le­bens­jahr hin­aus um ei­ne be­stimm­te Frist, die je­weils ein Jahr nicht über­stei­gen darf, hin­aus­ge­scho­ben wer­den, je­doch nicht länger als bis zum voll­ende­ten acht­und­sech­zigs­ten Le­bens­jahr. Die Ent­schei­dung trifft die obers­te Dienst­behörde oder die von ihr be­stimm­te Behörde.“
Das vor­le­gen­de Ge­richt führt aus, ein Ver­blei­ben im Dienst sei bis 1992 auf An­trag zulässig ge­we­sen, wenn dem kei­ne dienst­li­chen Be­lan­ge ent­ge­gen­ge­stan­den hätten. Seit 1992 sei ein Ver­blei­ben im Dienst von der Vor­aus­set­zung abhängig, dass es im dienst­li­chen In­ter­es­se lie­ge.
Das HBG enthält ei­ne Son­der­be­stim­mung zur Al­ters­gren­ze für Be­am­te auf Zeit, die – wie Bürger­meis­ter oder Landräte – Wahl­be­am­te sind. Die­se wer­den mit Voll­endung des 71. Le­bens­jahrs in den Ru­he­stand ver­setzt, wenn ih­re Amts­zeit dann noch nicht be­en­det ist.
Auf Bun­des­ebe­ne lag die Al­ters­gren­ze für Be­am­te bis zum 12. Fe­bru­ar 2009 bei 65 Jah­ren. Seit­her se­hen die Rechts­vor­schrif­ten ei­ne schritt­wei­se An­he­bung die­ser Al­ters­gren­ze auf 67 Jah­re vor. Zum in den Aus­gangs­ver­fah­ren maßgeb­li­chen Zeit­punkt hat­ten ei­ni­ge Länder, nicht aber das Land Hes­sen, ver­gleich­ba­re Be­stim­mun­gen er­las­sen.
Außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes sieht § 35 des Sechs­ten Bu­ches des So­zi­al­ge­setz­buchs, der für Beschäftig­te in pri­vat­recht­li­chen Ar­beits­verhält­nis­sen gilt, seit dem 1. Ja­nu­ar 2008 eben­falls ei­ne schritt­wei­se An­he­bung der Al­ters­gren­ze, die An­spruch auf ei­ne Al­ters­ren­te eröff­net, auf 67 Jah­re vor. Nach den Über­g­angs­be­stim­mun­gen er­rei­chen vor dem 1. Ja­nu­ar 1947 ge­bo­re­ne Per­so­nen die Re­gel­al­ters­gren­ze mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs.
Die den Aus­gangs­rechts­strei­tig­kei­ten zu­grun­de lie­gen­den Sach­ver­hal­te sind prak­tisch iden­tisch, und die vom vor­le­gen­den Ge­richt ge­stell­ten Fra­gen sind die glei­chen.
Die Kläger der bei­den Aus­gangs­ver­fah­ren, Herr Fuchs und Herr Köhler, ge­bo­ren 1944, übten bis zur Er­rei­chung des 65. Le­bens­jahrs im Jahr 2009, zu dem sie nach § 50 Abs. 1 HBG nor­ma­ler­wei­se in den Ru­he­stand tre­ten muss­ten, das Amt ei­nes Ober­staats­an­walts aus.
Sie be­an­trag­ten un­ter Be­ru­fung auf § 50 Abs. 3 HBG, den Ein­tritt ih­res Ru­he­stands um ein Jahr hin­aus­zu­schie­ben.
Nach­dem das Hes­si­sche Mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz ih­re Anträge ab­ge­lehnt hat­te, leg­ten sie dort Wi­der­spruch ein und such­ten beim Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main um einst­wei­li­gen Rechts­schutz nach.
Das Ver­wal­tungs­ge­richt gab ih­ren Eil­anträgen statt und ver­pflich­te­te das Land Hes­sen, Herrn Fuchs und Herrn Köhler in ih­rem Be­am­ten­verhält­nis zu be­las­sen. Im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren hob der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof die Be­schlüsse des Ver­wal­tungs­ge­richts auf und wies die Eil­anträge ab. Seit dem 1. Ok­to­ber 2009 können Herr Fuchs und Herr Köhler ihr Amt nicht mehr ausüben und be­zie­hen ein Ru­he­ge­halt.
Nach­dem auch das Hes­si­sche Mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz ih­re Wi­dersprüche zurück­ge­wie­sen hat­te, er­ho­ben Herr Fuchs und Herr Köhler beim Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main Kla­ge ge­gen die ent­spre­chen­den Be­schei­de.
Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat Zwei­fel an der Ver­ein­bar­keit der für die Ausübung des Staats­an­walts­be­rufs fest­ge­leg­ten Al­ters­gren­ze mit Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78. Sei­nes Er­ach­tens stellt die zwangs­wei­se Ver­set­zung in den Ru­he­stand mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs ei­ne ge­gen die Richt­li­nie 2000/78 ver­s­toßen­de Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar.
Das vor­le­gen­de Ge­richt führt aus, dass die strei­ti­ge Be­stim­mung zu ei­nem Zeit­punkt ein­geführt wor­den sei, als man da­von aus­ge­gan­gen sei, dass in die­sem Al­ter Dienst­unfähig­keit ein­tre­te. Heu­te be­leg­ten For­schungs­ar­bei­ten, dass die Dienstfähig­keit in­di­vi­du­ell un­ter­schied­lich sei. Zu­dem ha­be die stei­gen­de Le­bens­er­war­tung den Ge­setz­ge­ber ver­an­lasst, die all­ge­mei­ne Al­ters­gren­ze für den Ein­tritt in den Ru­he­stand und die Eröff­nung des An­spruchs auf ein Ru­he­ge­halt für Bun­des­be­am­te und Beschäftig­te des pri­va­ten Sek­tors auf 67 Jah­re an­zu­he­ben. Das HBG se­he da­ne­ben vor, dass Wahl­be­am­te ihr Amt bis zum voll­ende­ten 71. Le­bens­jahr ausüben könn­ten.
Der Stel­lung­nah­me des Lan­des Hes­sen zum HBG in der Fas­sung von 1962 zu­fol­ge ha­be die­ses Ge­setz die Ein­stel­lung jünge­rer Men­schen ermögli­chen und da­mit ei­ne an­ge­mes­se­ne Al­ters­struk­tur gewähr­leis­ten sol­len. Ein sol­ches Ziel stel­le je­doch kei­ne ob­jek­ti­ve Recht­fer­ti­gung dar, da es im na­tio­na­len Recht kein hin­rei­chend ge­nau­es Kri­te­ri­um dafür ge­be, wann ei­ne Al­ters­struk­tur als güns­tig oder ungüns­tig zu be­trach­ten sei. Ein sol­ches Ziel die­ne auch nicht dem All­ge­mein­in­ter­es­se, son­dern dem in­di­vi­du­el­len In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers. Je­den­falls ha­be das Land Hes­sen nicht dar­ge­legt, wel­che Art des Al­ters­auf­baus es aus wel­chen Gründen als sach­ge­recht er­ach­te. Die mit­ge­teil­ten Zah­len be­leg­ten, dass jünge­re Per­so­nen be­reits in er­heb­li­chem Um­fang mit staats­an­walt­li­chen Auf­ga­ben be­traut sei­en. Neue­re For­schungs­er­geb­nis­se be­sag­ten, dass es kei­nen po­si­ti­ven Zu­sam­men­hang zwi­schen dem al­ters­be­ding­ten zwangs­wei­sen Aus­schei­den aus dem Ar­beits­markt und Neu­ein­stel­lun­gen jünge­rer Per­so­nen ge­be. Frag­lich sei auch, ob Zah­len, die nur das Land Hes­sen und in­ner­halb die­ses Lan­des die dem öffent­li­chen Recht un­ter­lie­gen­den Be­am­ten beträfen, die nur ei­nen klei­nen Teil der Be­diens­te­ten des Lan­des und der abhängig Beschäftig­ten aus­mach­ten, für die An­nah­me ei­nes Ziels des öffent­li­chen In­ter­es­ses aus­reich­ten und ob ein sol­ches Ziel nicht er­for­de­re, sich auf ei­nen größeren Maßstab, ins­be­son­de­re sämt­li­che Be­am­te und Be­diens­te­te des Lan­des oder gar sämt­li­che Be­am­te und Be­diens­te­te des Mit­glied­staats, zu be­zie­hen.
Das vor­le­gen­de Ge­richt weist fer­ner dar­auf hin, dass der Ein­tritt der Staats­anwälte in den Ru­he­stand nicht im­mer zu Ein­stel­lun­gen zur Be­set­zung der frei ge­wor­de­nen Plan­stel­len geführt ha­be. Sei­nes Wis­sens wol­le das Land da­mit Ein­spa­run­gen im Haus­halt vor­neh­men.
Außer­dem sei­en be­stimm­te Maßnah­men in­kohärent. Dies gel­te ins­be­son­de­re für das mögli­che Ver­blei­ben der Beschäftig­ten im Dienst bis zum 68. Le­bens­jahr trotz der un­wi­der­leg­li­chen Ver­mu­tung der Dienst­unfähig­keit ab dem 65. Le­bens­jahr, der Er­schwe­rung des frei­wil­li­gen Ru­he­stand­s­ein­tritts vor dem 65. Le­bens­jahr und der be­reits in ei­ni­gen Re­ge­lun­gen vor­ge­se­he­nen An­he­bung der Al­ters­gren­ze.
Das vor­le­gen­de Ge­richt hat da­her die Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:
1. Liegt den Re­ge­lun­gen im HBG zu der für die Be­am­tin­nen und Be­am­ten grundsätz­lich zwin­gen­den Al­ters­gren­ze mit der Fol­ge ei­nes Über­tritts in den Ru­he­stand nach uni­ons­recht­li­chen Maßstäben ein auf das All­ge­mein­wohl aus­ge­rich­te­tes Ziel zu­grun­de?
In­so­weit stel­len sich vor al­lem fol­gen­de Ein­zel­fra­gen:
– Wel­che An­for­de­run­gen sind im Ein­zel­nen an ein sol­ches dem All­ge­mein­wohl ver­pflich­te­tes Ziel aus uni­ons­recht­li­cher Sicht zu stel­len? Wel­chen ergänzen­den Fra­ge­stel­lun­gen zur Sach­ver­halts­aufklärung müss­te das vor­le­gen­de Ge­richt zusätz­lich nach­ge­hen?
– Stellt das In­ter­es­se an ei­ner Ein­spa­rung von Haus­halts­mit­teln und Per­so­nal­kos­ten, hier in der Ge­stalt der Ver­mei­dung von Neu­ein­stel­lun­gen und der da­mit ein­her­ge­hen­den Ver­min­de­rung von Per­so­nal­aus­ga­ben, ein le­gi­ti­mes Ziel im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 dar?
– Kann das Ziel ei­nes Dienst­herrn an ei­ner ge­wis­sen Pla­nungs­si­cher­heit hin­sicht­lich des endgülti­gen Aus­schei­dens von Be­am­tin­nen und Be­am­ten als le­gi­ti­mes Ziel des All­ge­mein­wohls an­er­kannt wer­den, und zwar auch dann, wenn je­der Dienst­herr im Gel­tungs­be­reich des HBG oder des Be­am­ten­sta­tus­ge­set­zes ei­ge­ne Per­so­nal­pla­nungs­vor­stel­lun­gen ent­wi­ckeln und durch­set­zen kann?
– Kann das In­ter­es­se an ei­ner „güns­ti­gen Al­ters­schich­tung“, ei­nem „güns­ti­gen Al­ters­auf­bau“ als Ziel des All­ge­mein­wohls an­er­kannt wer­den, ob­wohl es in­so­weit an all­ge­mei­nen Stan­dards oder ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen zur Rich­tig­keit ei­ner Al­ters­schich­tung, ei­nes Al­ters­auf­baus fehlt?
– Kann das In­ter­es­se, Beförde­rungsmöglich­kei­ten für vor­han­de­ne, be­reits ein­ge­stell­te Be­am­tin­nen und Be­am­te zu schaf­fen, als le­gi­ti­mes Ziel des All­ge­mein­wohls im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 an­ge­se­hen wer­den?
– Ver­folgt ei­ne Al­ters­gren­zen­re­ge­lung zur Ver­mei­dung von ein­zel­nen Rechts­strei­tig­kei­ten mit älte­ren Beschäftig­ten we­gen des Fort­be­stands ih­rer Dienstfähig­keit ein le­gi­ti­mes Ziel des All­ge­mein­wohls?
– Setzt der All­ge­mein­wohl­be­zug im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ein ein­zel­ne Dienst­her­ren und/oder Ar­beit­ge­ber überg­rei­fen­des Kon­zept der Ar­beits­markt­po­li­tik im Be­reich der un­selbständi­gen Beschäfti­gung vor­aus, wenn ja, mit wel­chem Grad an Ein­heit­lich­keit und Ver­bind­lich­keit?
– Können ein­zel­ne Ar­beit­ge­ber oder Dienst­her­ren für Grup­pen von Beschäftig­ten, hier be­grenzt auf die Be­am­tin­nen und Be­am­ten im Gel­tungs­be­reich des HBG, mit der­maßen be­schränkt gel­ten­den Al­ters­gren­zen­re­ge­lun­gen über­haupt All­ge­mein­wohl­zie­le ver­fol­gen?
– Un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen kann das von ein­zel­nen Dienst­her­ren ver­folg­ba­re, aber nicht bin­dend vor­ge­ge­be­ne Ziel als dem All­ge­mein­wohl im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 die­nend an­ge­se­hen wer­den, auf­grund des Über­tritts in den Ru­he­stand be­setz­bar ge­wor­de­ne Stel­len durch Neu­ein­stel­lun­gen, ge­ge­be­nen­falls nach vor­he­ri­ger Beförde­rung be­reits vor­han­de­ner Beschäftig­ter zu be­set­zen? Müssen für den All­ge­mein­wohl­be­zug über pau­scha­le Be­haup­tun­gen, die Re­ge­lung die­ne die­sem Ziel, auch sta­tis­ti­sche Da­ten oder sons­ti­ge Er­kennt­nis­se vor­lie­gen, die auf die hin­rei­chen­de Ernst­haf­tig­keit und tatsächli­che Rea­li­sie­rung ei­ner sol­chen Ziel­set­zung schließen las­sen?
2. a) Wel­che An­for­de­run­gen sind an die An­ge­mes­sen­heit und Eig­nung ei­ner Al­ters­gren­zen­re­ge­lung im Sin­ne der im HBG ent­hal­te­nen Re­ge­lun­gen kon­kret zu stel­len?
b) Be­darf es nähe­rer Er­mitt­lun­gen, um die – vor­aus­sicht­li­che – An­zahl der frei­wil­lig über die Al­ters­gren­ze hin­aus im Dienst ver­blei­ben­den Be­am­tin­nen und Be­am­ten im Verhält­nis zur Zahl der­je­ni­gen zu be­stim­men, die je­den­falls mit dem Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze ei­ne ab­schlags­freie Ver­sor­gung be­zie­hen und des­halb auf je­den Fall aus dem Dienst aus­schei­den wol­len? Wäre es nicht an­ge­mes­sen, in­so­weit der Frei­wil­lig­keit den Vor­rang vor ei­nem zwangs­wei­sen Aus­schei­den ein­zuräum­en, so­lan­ge durch Re­ge­lun­gen zur Kürzung des Ru­he­ge­halts bei In­an­spruch­nah­me vor dem Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze dafür ge­sorgt wird, dass un­an­ge­mes­se­ne Auf­wen­dun­gen für den Ver­sor­gungs­haus­halt und da­mit ver­bun­de­ne Per­so­nal­kos­ten ver­mie­den wer­den? (Frei­wil­lig­keit vor Zwang als an­ge­mes­se­ne­re und im Er­geb­nis kaum we­ni­ger ge­eig­ne­te Re­ge­lung).
c) Kann es als an­ge­mes­sen und er­for­der­lich an­ge­se­hen wer­den, für Be­am­tin­nen und Be­am­te pau­schal mit dem Er­rei­chen ei­nes be­stimm­ten höhe­ren Le­bens­al­ters wie hier dem Er­rei­chen des 65. Le­bens­jahrs die Dienst­unfähig­keit un­wi­der­leg­lich zu ver­mu­ten und des­halb das Be­am­ten­verhält­nis au­to­ma­tisch en­den zu las­sen?
d) Ist es an­ge­mes­sen, die an sich mögli­che Wei­ter­beschäfti­gung im Be­am­ten­verhält­nis je­den­falls bis zum voll­ende­ten 68. Le­bens­jahr aus­sch­ließlich an be­son­de­re In­ter­es­sen des Dienst­herrn zu knüpfen, oh­ne sol­che In­ter­es­sen je­doch die Be­en­di­gung des Be­am­ten­verhält­nis­ses oh­ne je­de recht­li­che Möglich­keit ei­ner er­neu­ten Be­ru­fung in das Be­am­ten­verhält­nis zu er­zwin­gen?
e) Führt ei­ne Al­ters­gren­zen­re­ge­lung, die zum zwangs­wei­sen Aus­schei­den aus der Beschäfti­gung führt, an­stel­le sich auf die nach Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 zulässi­ge Fest­le­gung der Vor­aus­set­zun­gen ei­nes An­spruchs auf ei­ne un­gekürz­te Ver­sor­gung zu be­schränken, zu ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Ab­wer­tung der Be­lan­ge le­bensälte­rer Men­schen im Verhält­nis zu den grundsätz­lich nicht höher­wer­ti­gen Be­lan­gen jünge­rer Men­schen?
f) So­weit das Ziel ei­ner Er­leich­te­rung von Neu­ein­stel­lun­gen und/oder Beförde­run­gen als le­gi­tim an­er­kannt wird, fragt sich, wel­che nähe­ren An­for­de­run­gen in tatsäch­li­cher Hin­sicht zu stel­len sind, um nach­zu­wei­sen, bis zu wel­chem Grad ent­spre­chen­de Möglich­kei­ten tatsächlich ge­nutzt wer­den, bei je­dem ein­zel­nen Dienst­herrn, der die Al­ters­gren­zen­re­ge­lung für sich be­an­sprucht oder bei al­len der ge­setz­li­chen Re­ge­lung un­ter­fal­len­den Dienst­her­ren, ein­sch­ließlich oder aus­sch­ließlich des all­ge­mei­nen Ar­beits­markts?
g) Ist es an­ge­sichts der heu­te schon er­kenn­ba­ren de­mo­gra­fisch be­ding­ten Lücken im Ar­beits­markt, dem als­bald ein­tre­ten­den Be­darf an Fach­kräften al­ler Art, d. h. auch im öffent­li­chen Dienst des Bun­des und in den Ländern, an­ge­mes­sen und er­for­der­lich, dienstfähi­ge Be­am­tin­nen und Be­am­te, die ihr Amt wei­ter ausüben wol­len, der­zeit gleich­wohl zum Aus­schei­den aus dem Be­am­ten­verhält­nis zu zwin­gen, ob­wohl als­bald ein er­heb­li­cher und durch den Ar­beits­markt kaum zu de­cken­der Per­so­nal­be­darf be­ste­hen wird? Sind in­so­weit bran­chen­be­zo­ge­ne Ar­beits­markt­da­ten er­for­der­lich, die später ge­ge­be­nen­falls noch zu er­he­ben wären?
3. a) Wel­che An­for­de­run­gen sind an die Kohärenz der hes­si­schen und ge­ge­be­nen­falls auch der bun­des­recht­li­chen Re­ge­lun­gen zu Al­ters­gren­zen­re­ge­lun­gen zu stel­len?
b) Kann das Verhält­nis von § 50 Abs. 1 HBG und § 50 Abs. 3 HBG als wi­der­spruchs­frei an­ge­se­hen wer­den, wenn die grundsätz­lich mögli­che Wei­ter­beschäfti­gung über die Al­ters­gren­ze hin­aus al­lein von den In­ter­es­sen des Dienst­herrn abhängig ist?
c) Ist § 50 Abs. 3 HBG richt­li­ni­en­kon­form ge­ge­be­nen­falls da­hin aus­zu­le­gen, dass zur Ver­mei­dung ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung im­mer dann zu er­fol­gen hat, wenn ihr kei­ne dienst­li­chen Gründe ent­ge­gen­ste­hen? Wel­che An­for­de­run­gen wären an das Vor­lie­gen sol­cher Gründe ge­ge­be­nen­falls zu stel­len? Ist in­so­weit an­zu­neh­men, dass dienst­li­che In­ter­es­sen die Wei­ter­beschäfti­gung schon dann er­for­dern, wenn an­dern­falls ei­ne nicht zu recht­fer­ti­gen­de Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ein­tre­ten würde?
d) Wie könn­te ei­ne der­maßen ge­bo­te­ne Aus­le­gung von § 50 Abs. 3 HBG trotz der zwi­schen­zeit­lich ein­ge­tre­te­nen Be­en­di­gung des Be­am­ten­verhält­nis­ses zu ei­ner Fort­set­zung oder ei­nem Wie­der­auf­le­ben des Be­am­ten­verhält­nis­ses des Klägers nutz­bar ge­macht wer­den? Müss­te in die­sem Fall § 50 Abs. 1 HBG je­den­falls bis zur Voll­endung des 68. Le­bens­jahrs außer An­wen­dung blei­ben?
e) Ist es an­ge­mes­sen und er­for­der­lich, ei­ner­seits den frei­wil­li­gen Ru­he­stand­s­ein­tritt ab der Voll­endung des 60. bzw. 63. Le­bens­jahrs mit ei­ner dau­er­haf­ten Kürzung des Ru­he­ge­halts zu er­schwe­ren, an­de­rer­seits ei­ne frei­wil­li­ge Wei­ter­beschäfti­gung über das voll­ende­te 65. Le­bens­jahr aus­zu­sch­ließen, wenn nicht der Dienst­herr aus­nahms­wei­se ein be­son­de­res In­ter­es­se an der Wei­ter­beschäfti­gung hat?
f) Entfällt die An­ge­mes­sen­heit und Er­for­der­lich­keit der Al­ters­gren­zen­re­ge­lung in § 50 Abs. 1 HBG durch die güns­ti­ge­ren Re­ge­lun­gen für Al­ters­teil­zeit­beschäftig­te ei­ner­seits, die Be­am­tin­nen und Be­am­ten auf Zeit an­de­rer­seits?
g) Wel­che Be­deu­tung für die Kohärenz kommt den un­ter­schied­li­chen Re­ge­lun­gen im Dienst-, Ar­beits- und So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht zu, die ei­ner­seits ei­ne dau­er­haf­te Her­auf­set­zung des Al­ters an­stre­ben, mit dem Ren­ten- oder Ru­he­ge­halts­leis­tun­gen un­gekürzt be­zo­gen wer­den können, an­de­rer­seits die Kündi­gung we­gen Er­rei­chens des für die Re­gel­al­ters­ren­te vor­ge­se­he­nen Le­bens­al­ters ver­bie­ten, an­de­rer­seits mit dem Er­rei­chen ge­nau die­ses Al­ters die Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zwin­gend ein­tre­ten las­sen?
h) Spielt es für die Kohärenz ei­ne Rol­le, dass die schritt­wei­se Her­auf­set­zung der Al­ters­gren­zen in der So­zi­al­ver­si­che­rung und dem Be­am­ten­recht des Bun­des und ei­ni­ger Länder vor­ran­gig dem In­ter­es­se der Beschäftig­ten dient, so spät wie möglich den verschärf­ten Vor­aus­set­zun­gen ei­ner ab­schlags­frei­en Al­ters­ren­te oder ei­nes ab­schlags­frei­en Ru­he­ge­halts un­ter­wor­fen zu wer­den? Sind die­se Fra­gen des­halb un­be­acht­lich, weil für Be­am­tin­nen und Be­am­te im Gel­tungs­be­reich des HBG noch kei­ne Her­auf­set­zung der Al­ters­gren­zen er­folgt ist, ob­wohl die­se Her­auf­set­zung für die im Ar­beits­verhält­nis Beschäftig­ten demnächst wirk­sam wer­den wird?
Durch Be­schluss des Präsi­den­ten des Ge­richts­hofs vom 6. Mai 2010 sind die Rechts­sa­chen C‑159/10 und C‑160/10 zu ge­mein­sa­mem schrift­li­chen und münd­li­chen Ver­fah­ren und zu ge­mein­sa­mer Ent­schei­dung ver­bun­den wor­den.
Das vor­le­gen­de Ge­richt wirft in drei Fra­ge­kom­ple­xen zahl­rei­che Teil­fra­gen auf, von de­nen ei­ni­ge die Aus­le­gung des na­tio­na­len Rechts be­tref­fen. In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Ge­richts­hof nach Art. 267 AEUV nicht be­fugt ist, durch Vor­ab­ent­schei­dung über die Aus­le­gung in­ner­staat­li­cher Rechts­vor­schrif­ten zu ent­schei­den. Die Zuständig­keit des Ge­richts­hofs be­schränkt sich auf die Prüfung der Be­stim­mun­gen des Uni­ons­rechts (vgl. u. a. Ur­teil vom 10. Ja­nu­ar 2006, Cas­sa di Ris­par­mio di Firen­ze u. a., C‑222/04, Slg. 2006, I‑289, Rand­nr. 63).
Die Vor­la­ge­fra­gen sind dem­nach un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Ein­schränkung zu prüfen.
Mit sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt im We­sent­li­chen wis­sen, ob die Richt­li­nie 2000/78 ei­nem Ge­setz wie dem HBG ent­ge­gen­steht, das die zwangs­wei­se Ver­set­zung von Be­am­ten auf Le­bens­zeit, hier Staats­anwälten, in den Ru­he­stand mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs – vor­be­halt­lich der Möglich­keit, höchs­tens bis zur Voll­endung des 68. Le­bens­jahrs wei­ter­zu­ar­bei­ten, wenn es im dienst­li­chen In­ter­es­se liegt – vor­sieht, so­fern die­ses Ge­setz ei­nes oder meh­re­re der fol­gen­den Zie­le, nämlich die Schaf­fung ei­nes „güns­ti­gen Al­ters­auf­baus“, Plan­bar­keit des Aus­schei­dens, die Beförde­rung von Be­am­ten, die Ver­mei­dung von Rechts­strei­tig­kei­ten oder Haus­halts­mit­tel­ein­spa­run­gen, ver­folgt.
Es ist un­strei­tig, dass die Be­en­di­gung des Dienst­verhält­nis­ses der Be­am­ten des Lan­des Hes­sen, ins­be­son­de­re der Staats­anwälte, mit Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze, die zum Be­zug des vol­len Ru­he­ge­halts be­rech­tigt, d. h. mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs, ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 dar­stellt.
Ei­ne Be­stim­mung wie § 50 Abs. 1 HBG berührt nämlich die Ar­beits- und Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen im Sin­ne des Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78, in­dem sie die be­tref­fen­den Staats­anwälte dar­an hin­dert, über ihr voll­ende­tes 65. Le­bens­jahr hin­aus zu ar­bei­ten. Darüber hin­aus führt die­se Be­stim­mung da­durch ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters im Sin­ne des Art. 2 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie ein, dass sie die­sen Per­so­nen ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung zu­teil wer­den lässt, als sie an­de­re Per­so­nen, die die­ses Al­ter noch nicht er­reicht ha­ben, ge­nießen.
Nach Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 stellt ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen ist und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt ist und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.
Um die Vor­la­ge­fra­ge be­ant­wor­ten zu können, ist da­her zu prüfen, ob die frag­li­che Be­stim­mung durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.
Zum Vor­lie­gen ei­nes le­gi­ti­men Ziels
Vor­ab ist zu prüfen, wel­che Fol­gen die feh­len­de Erwähnung des mit dem HBG ver­folg­ten Ziels in die­sem Ge­setz und ei­ne Ände­rung die­ses Ziels und sei­nes Kon­texts ha­ben und ob meh­re­re Zie­le gel­tend ge­macht wer­den können.
Zunächst er­gibt sich aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung, dass im HBG nicht klar an­ge­ge­ben ist, wel­ches Ziel mit § 50 Abs. 1, der die Al­ters­gren­ze für Le­bens­zeit­be­am­te auf 65 Jah­re fest­legt, ver­folgt wird.
In­so­weit hat der Ge­richts­hof wie­der­holt ent­schie­den, dass sich aus Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 nicht ab­lei­ten lässt, dass ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung, die das an­ge­streb­te Ziel nicht ge­nau an­gibt, au­to­ma­tisch von ei­ner Recht­fer­ti­gung nach die­ser Be­stim­mung aus­ge­schlos­sen ist. Fehlt es an ei­ner sol­chen ge­nau­en An­ga­be, ist al­ler­dings wich­tig, dass an­de­re – aus dem all­ge­mei­nen Kon­text der be­tref­fen­den Maßnah­me ab­ge­lei­te­te – An­halts­punk­te die Fest­stel­lung des hin­ter die­ser Maßnah­me ste­hen­den Ziels ermögli­chen, da­mit des­sen Rechtmäßig­keit so­wie die An­ge­mes­sen­heit und Er­for­der­lich­keit der zu sei­ner Er­rei­chung ein­ge­setz­ten Mit­tel ge­richt­lich über­prüft wer­den können (Ur­tei­le vom 16. Ok­to­ber 2007, Pa­la­ci­os de la Vil­la, C‑411/05, Slg. 2007, I‑8531, Rand­nrn. 56 und 57, vom 12. Ja­nu­ar 2010, Pe­ter­sen, C‑341/08, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 40, und vom 12. Ok­to­ber 2010, Ro­sen­bladt, C‑45/09, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 58).
Hin­sicht­lich der Ände­rung des an­ge­streb­ten Ziels er­gibt sich aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung, dass § 50 HBG ursprüng­lich auf die un­wi­der­leg­li­che Ver­mu­tung ei­ner mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs ein­tre­ten­den Dienst­unfähig­keit gestützt war. In der münd­li­chen Ver­hand­lung ha­ben die Ver­tre­ter des Lan­des Hes­sen und der deut­schen Re­gie­rung al­ler­dings her­vor­ge­ho­ben, dass die­se Ver­mu­tung nicht mehr als Grund­la­ge die­ser Al­ters­gren­ze an­zu­se­hen sei und dass der Ge­setz­ge­ber an­er­kannt ha­be, dass über die­ses Al­ter hin­aus ge­ar­bei­tet wer­den könne.
In­so­weit ist da­von aus­zu­ge­hen, dass ei­ne Ände­rung des Kon­texts ei­nes Ge­set­zes, die zu ei­ner Ände­rung des Ziels die­ses Ge­set­zes führt, für sich ge­nom­men nicht aus­sch­ließen kann, dass mit dem Ge­setz ein le­gi­ti­mes Ziel im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ver­folgt wird.
Umstände können sich ändern, und das Ge­setz kann aus an­de­ren Gründen den­noch auf­recht­er­hal­ten wer­den.
Da­her konn­te in den vor­lie­gen­den Aus­gangs­ver­fah­ren der vom vor­le­gen­den Ge­richt an­geführ­te Um­stand, dass die Al­ters­gren­ze in ei­ner Zeit der Voll­beschäfti­gung ein­geführt und dann in ei­ner Zeit der Ar­beits­lo­sig­keit auf­recht­er­hal­ten wur­de, ne­ben ei­ner veränder­ten Wahr­neh­mung der Fähig­keit, über das voll­ende­te 65. Le­bens­jahr hin­aus zu ar­bei­ten, zu ei­ner Ände­rung des ver­folg­ten Ziels führen, oh­ne da­mit des­sen Le­gi­ti­mität aus­zu­sch­ließen.
Hin­sicht­lich der Be­ru­fung auf meh­re­re Zie­le zu­gleich er­gibt sich aus der Recht­spre­chung, dass ein le­gi­ti­mes Ziel im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 auch dann ge­ge­ben sein kann, wenn meh­re­re Zie­le gleich­zei­tig ver­folgt wer­den.
So ver­hielt es sich in der Rechts­sa­che Ro­sen­bladt, in der der Ge­richts­hof in den Rand­nrn. 43 und 45 sei­nes Ur­teils fest­ge­stellt hat, dass Zie­le der Art, wie die deut­sche Re­gie­rung sie an­geführt hat­te, un­ter Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 fal­len.
Die gel­tend ge­mach­ten Zie­le können zu­sam­menhängen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 18. No­vem­ber 2010, Ge­or­giev, C‑250/09 und C‑268/09, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nrn. 45, 46 und 68) oder hier­ar­chisch ge­ord­net sein wie in der Rechts­sa­che Pe­ter­sen, in der sich die deut­sche Re­gie­rung, wie aus den Rand­nrn. 41 und 65 des Ur­teils in die­ser Rechts­sa­che her­vor­geht, in ers­ter Li­nie auf ein Ziel und hilfs­wei­se auf ein an­de­res Ziel be­ru­fen hat­te.
Zu den vom vor­le­gen­den Ge­richt an­geführ­ten Zie­len
Dem vor­le­gen­den Ge­richt zu­fol­ge be­zweckt § 50 Abs. 1 HBG ins­be­son­de­re die Schaf­fung ei­nes „güns­ti­gen Al­ters­auf­baus“, der in der gleich­zei­ti­gen Beschäfti­gung von jun­gen Be­rufs­anfängern und von älte­ren, er­fah­re­ne­ren Be­am­ten im frag­li­chen Be­ruf, dem des Staats­an­walts, be­ste­he. Das Land Hes­sen und die deut­sche Re­gie­rung tra­gen vor, dass dies das Haupt­ziel der Vor­schrift sei. Die Ver­pflich­tung, mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs in den Ru­he­stand zu tre­ten, sol­le ein Gleich­ge­wicht zwi­schen den Ge­ne­ra­tio­nen schaf­fen, wo­mit drei an­de­re vom vor­le­gen­den Ge­richt erwähn­te Zie­le ver­bun­den sei­en, nämlich die wirk­sa­me Pla­nung des Aus­schei­dens und von Ein­stel­lun­gen, die Förde­rung der Ein­stel­lung und Beförde­rung von jünge­ren Be­am­ten und die Ver­mei­dung von Rechts­strei­tig­kei­ten über die Fähig­keit des Beschäftig­ten, sei­nen Dienst über die­ses Al­ter hin­aus wei­ter aus­zuüben.
Das Land Hes­sen und die deut­sche Re­gie­rung tra­gen vor, die gleich­zei­ti­ge Beschäfti­gung von Amts­trägern al­ler Al­ters­grup­pen in­ner­halb des be­tref­fen­den Diens­tes ermögli­che auch, dass die älte­ren Be­am­ten ih­re Er­fah­rung an jünge­re Kol­le­gen wei­tergäben und die­se ih­re frisch er­wor­be­nen Kennt­nis­se teil­ten, und tra­ge da­mit zur Leis­tungsfähig­keit der Jus­tiz­ver­wal­tung bei.
Es ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Förde­rung von Ein­stel­lun­gen nach ständi­ger Recht­spre­chung un­be­streit­bar ein le­gi­ti­mes Ziel der So­zi­al- oder Beschäfti­gungs­po­li­tik der Mit­glied­staa­ten dar­stellt, zu­mal wenn es dar­um geht, den Zu­gang jünge­rer Per­so­nen zur Ausübung ei­nes Be­rufs zu fördern (Ur­teil Ge­or­giev, Rand­nr. 45). Der Ge­richts­hof hat fer­ner ent­schie­den, dass die Zu­sam­men­ar­beit von Beschäftig­ten ver­schie­de­ner Ge­ne­ra­tio­nen auch zur Qua­lität der aus­geübten Tätig­kei­ten bei­tra­gen kann, ins­be­son­de­re durch die Förde­rung des Er­fah­rungs­aus­tauschs (vgl. in die­sem Sin­ne zu Lehr­kräften und For­schern Ur­teil Ge­or­giev, Rand­nr. 46).
Eben­so ist da­von aus­zu­ge­hen, dass das Ziel, ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Al­ters­struk­tur von jünge­ren und älte­ren Be­am­ten zu schaf­fen, um die Ein­stel­lung und Beförde­rung jünge­rer Be­am­ter zu begüns­ti­gen, die Per­so­nal­pla­nung zu op­ti­mie­ren und da­mit et­wai­gen Rechts­strei­tig­kei­ten über die Fähig­keit des Beschäftig­ten, sei­ne Tätig­keit über ei­ne be­stimm­te Al­ter­gren­ze hin­aus aus­zuüben, vor­zu­beu­gen, un­ter gleich­zei­ti­ger Be­reit­stel­lung ei­ner leis­tungsfähi­gen Jus­tiz­ver­wal­tung, ein le­gi­ti­mes Ziel der Beschäfti­gungs- und Ar­beits­markt­po­li­tik dar­stel­len kann.
Das vor­le­gen­de Ge­richt fragt je­doch, ob ei­ne Maßnah­me wie § 50 Abs. 1 HBG nicht eher im In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers als im All­ge­mein­in­ter­es­se liegt. Ins­be­son­de­re sei frag­lich, ob die Be­stim­mun­gen, die ein ein­zel­nes Land für ei­nen Teil sei­ner Be­diens­te­ten, hier die Be­am­ten auf Le­bens­zeit, zu de­nen die Staats­anwälte gehörten, er­las­se, nicht ei­ne zu klei­ne Grup­pe von Per­so­nen be­tref­fe, um ei­ne Maßnah­me zu sein, mit der ein im All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­des Ziel ver­folgt wird.
Der Ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass die Zie­le, die als „rechtmäßig“ im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 an­ge­se­hen wer­den können, im All­ge­mein­in­ter­es­se ste­hen­de Zie­le sind, die sich von rein in­di­vi­du­el­len Be­weg­gründen, die der Si­tua­ti­on des Ar­beit­ge­bers ei­gen sind, wie Kos­ten­re­du­zie­rung oder Ver­bes­se­rung der Wett­be­werbsfähig­keit, un­ter­schei­den, oh­ne dass al­ler­dings aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass ei­ne na­tio­na­le Rechts­vor­schrift bei der Ver­fol­gung der ge­nann­ten rechtmäßigen Zie­le den Ar­beit­ge­bern ei­nen ge­wis­sen Grad an Fle­xi­bi­lität einräumt (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 5. März 2009, Age Con­cern Eng­land, C‑388/07, Slg. 2009, I‑1569, Rand­nr. 46).
Zie­le wie die in Rand­nr. 50 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten, die im Rah­men beschäfti­gungs- und ar­beits­markt­po­li­ti­scher Be­lan­ge den In­ter­es­sen al­ler be­trof­fe­nen Be­am­ten Rech­nung tra­gen, um ei­nen leis­tungsfähi­gen öffent­li­chen Dienst, hier die Jus­tiz­ver­wal­tung, zu gewähr­leis­ten, können als im All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­de Zie­le an­ge­se­hen wer­den.
Der Ge­richts­hof hat darüber hin­aus ent­schie­den, dass die zuständi­gen Stel­len auf na­tio­na­ler, re­gio­na­ler oder Bran­chen­ebe­ne die Möglich­keit ha­ben müssen, die zu­guns­ten ei­nes le­gi­ti­men Ziels von all­ge­mei­nem In­ter­es­se ein­ge­setz­ten Mit­tel zu ändern, in­dem sie sie bei­spiels­wei­se an die Beschäfti­gungs­la­ge im be­tref­fen­den Mit­glied­staat an­pas­sen (Ur­teil Pa­la­ci­os de la Vil­la, Rand­nr. 70).
Der Um­stand, dass ei­ne Be­stim­mung auf re­gio­na­ler Ebe­ne an­ge­passt wird, schließt da­her nicht aus, dass sie ein le­gi­ti­mes Ziel im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ver­folgt. In ei­nem Staat wie der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land darf der Ge­setz­ge­ber die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass es im In­ter­es­se al­ler Be­trof­fe­nen Sa­che der Länder und nicht des Bun­des ist, be­stimm­te un­ter die­se Be­stim­mung fal­len­de Vor­schrif­ten zu er­las­sen, wie die­je­ni­gen über das Ru­he­stands­al­ter der Be­am­ten auf Le­bens­zeit.
In­des muss ein grundsätz­lich zwin­gen­der Über­tritt in den Ru­he­stand mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs, wie er in § 50 Abs. 1 HBG vor­ge­se­hen ist, in­so­weit auch an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein.
Zur An­ge­mes­sen­heit ei­ner sol­chen Maßnah­me tra­gen das Land Hes­sen und die deut­sche Re­gie­rung vor, dass freie Plan­stel­len im öffent­li­chen Dienst, vor al­lem für Staats­anwälte und ins­be­son­de­re in den höhe­ren Be­sol­dungs­grup­pen, nur in be­grenz­ter Zahl zur Verfügung stünden. In An­be­tracht der Haus­halts­zwänge sei die Möglich­keit, neue Stel­len zu schaf­fen, be­schränkt. Staats­anwälte würden wie al­le Be­am­ten auf Le­bens­zeit er­nannt, und ein frei­wil­li­ges vor­zei­ti­ges Aus­schei­den sei die Aus­nah­me. Die Fest­le­gung ei­ner ver­bind­li­chen Al­ters­gren­ze für ih­ren Über­tritt in den Ru­he­stand sei das ein­zi­ge Mit­tel, die Beschäfti­gung ge­recht zwi­schen den Ge­ne­ra­tio­nen zu ver­tei­len.
Der Ge­richts­hof hat be­reits ent­schie­den, dass der Über­tritt in den Ru­he­stand in ei­nem ge­setz­lich be­stimm­ten Al­ter bei Be­rufs­grup­pen, bei de­nen die Zahl der Stel­len be­grenzt ist, den Zu­gang jünge­rer Be­rufs­an­gehöri­ger zur Beschäfti­gung begüns­ti­gen kann (vgl. in die­sem Sin­ne zu Ver­trags­zahnärz­ten Ur­teil Pe­ter­sen, Rand­nr. 70, und zu Uni­ver­sitätspro­fes­so­ren Ur­teil Ge­or­giev, Rand­nr. 52).
Was die Be­rufs­grup­pe der Staats­anwälte in Deutsch­land be­trifft, ist der Zu­gang zu die­sem Be­ruf da­durch be­schränkt, dass die Be­tref­fen­den ei­ne be­son­de­re Qua­li­fi­ka­ti­on er­wor­ben ha­ben müssen, die den er­folg­rei­chen Ab­schluss ei­nes Stu­di­ums und ei­nes Vor­be­rei­tungs­diens­tes er­for­dert. Zu­dem könn­te der Ein­tritt jun­ger Staats­anwälte in den Be­ruf da­durch ge­bremst wer­den, dass die be­tref­fen­den Be­am­ten auf Le­bens­zeit er­nannt wer­den.
Un­ter die­sen Umständen er­scheint es nicht un­vernünf­tig, wenn die zuständi­gen Stel­len ei­nes Mit­glied­staats da­von aus­ge­hen, dass mit ei­ner Maßnah­me wie § 50 Abs. 1 HBG das Ziel er­reicht wer­den kann, ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Al­ters­struk­tur zu schaf­fen, um die Plan­bar­keit des Aus­schei­dens zu er­rei­chen, die Beförde­rung ins­be­son­de­re von jünge­ren Be­am­ten zu gewähr­leis­ten und Rechts­strei­tig­kei­ten vor­zu­beu­gen, die im Zu­sam­men­hang mit der Ver­set­zung in den Ru­he­stand ent­ste­hen können.
Es ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Mit­glied­staa­ten bei der Fest­le­gung der Maßnah­men zur Er­rei­chung die­ses Ziels über ei­nen wei­ten Er­mes­sens­spiel­raum verfügen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Pa­la­ci­os de la Vil­la, Rand­nr. 68).
Die Mit­glied­staa­ten dürfen das in der Richt­li­nie 2000/78 auf­ge­stell­te Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters je­doch nicht aushöhlen. Die­ses Ver­bot ist im Licht des in Art. 15 Abs. 1 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on an­er­kann­ten Rechts, zu ar­bei­ten, zu se­hen.
Dar­aus folgt, dass auf die Teil­nah­me älte­rer Ar­beit­neh­mer am Be­rufs­le­ben und da­mit am wirt­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und so­zia­len Le­ben be­son­de­res Au­gen­merk zu rich­ten ist. Ihr Ver­blei­ben im Be­rufs­le­ben fördert die Viel­falt im Be­reich der Beschäfti­gung, die ein im 25. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78 an­er­kann­tes Ziel ist. Es trägt außer­dem ent­spre­chend dem in den Erwägungs­gründen 9 und 11 zum Aus­druck ge­brach­ten An­lie­gen des Uni­ons­ge­setz­ge­bers zu ih­rer persönli­chen Ent­fal­tung und Le­bens­qua­lität bei.
Der Be­lang des Ver­blei­bens die­ser Per­so­nen im Be­rufs­le­ben ist je­doch un­ter Wah­rung an­de­rer ge­ge­be­nen­falls ge­genläufi­ger Be­lan­ge zu berück­sich­ti­gen. Per­so­nen, die das Al­ter er­reicht ha­ben, das ei­nen An­spruch auf ein Ru­he­ge­halt eröff­net, können den Wunsch ha­ben, die­sen An­spruch gel­tend zu ma­chen und ih­re Tätig­keit auf­zu­ge­ben und das Ru­he­ge­halt zu be­zie­hen statt wei­ter­zu­ar­bei­ten. Darüber hin­aus könn­ten Vor­schrif­ten über die au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung der Ar­beits­verhält­nis­se von Beschäftig­ten, die das Ru­he­stands­al­ter er­reicht ha­ben, im In­ter­es­se ei­ner Ver­tei­lung der Beschäfti­gung zwi­schen den Ge­ne­ra­tio­nen die be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung jünge­rer Ar­beit­neh­mer fördern.
Da­her können sich die be­tref­fen­den na­tio­na­len Stel­len bei der Fest­le­gung ih­rer So­zi­al­po­li­tik auf­grund po­li­ti­scher, wirt­schaft­li­cher, so­zia­ler, de­mo­gra­fi­scher und/oder haus­halts­be­zo­ge­ner Erwägun­gen ver­an­lasst se­hen, zu ent­schei­den, die Le­bens­ar­beits­zeit der Ar­beit­neh­mer zu verlängern oder, im Ge­gen­teil, de­ren frühe­ren Ein­tritt in den Ru­he­stand vor­zu­se­hen (vgl. Ur­teil Pa­la­ci­os de la Vil­la, Rand­nrn. 68 und 69). Der Ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass es Sa­che die­ser Stel­len ist, ei­nen ge­rech­ten Aus­gleich zwi­schen den ver­schie­de­nen wi­der­strei­ten­den In­ter­es­sen zu fin­den, wo­bei sie dar­auf zu ach­ten ha­ben, nicht über das hin­aus­ge­hen, was zur Er­rei­chung des ver­folg­ten le­gi­ti­men Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich ist (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le Pa­la­ci­os de la Vil­la, Rand­nrn. 69 und 71, so­wie Ro­sen­bladt, Rand­nr. 44).
In­so­weit hat der Ge­richts­hof an­er­kannt, dass ei­ne Maßnah­me, die die zwangs­wei­se Ver­set­zung von Ar­beit­neh­mern mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs er­laubt, dem Ziel der Förde­rung von Ein­stel­lun­gen ent­spre­chen und nicht als übermäßige Be­ein­träch­ti­gung der be­rech­tig­ten Er­war­tun­gen der Ar­beit­neh­mer an­ge­se­hen wer­den kann, wenn ih­nen ei­ne Ren­te zu­gu­te­kommt, de­ren Höhe nicht als un­an­ge­mes­sen be­trach­tet wer­den kann (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Pa­la­ci­os de la Vil­la, Rand­nr. 73). Der Ge­richts­hof hat außer­dem zu ei­ner Maßnah­me, die ei­ne au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses in die­sem Al­ter vor­schrieb, ent­schie­den, dass die­se Maßnah­me in ei­ner Bran­che, in der sie dem vor­le­gen­den Ge­richt zu­fol­ge für den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ei­nen er­heb­li­chen fi­nan­zi­el­len Nach­teil be­deu­tet, nicht über das hin­aus­geht, was zur Er­rei­chung der ver­folg­ten Zie­le, ins­be­son­de­re der Förde­rung von Ein­stel­lun­gen, er­for­der­lich ist. Der Ge­richts­hof hat da­bei berück­sich­tigt, dass der Ar­beit­neh­mer sei­ne Al­ters­ren­te be­zie­hen, zu­gleich aber wei­ter auf dem Ar­beits­markt blei­ben kann und ge­gen Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen des Al­ters geschützt ist (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Ro­sen­bladt, Rand­nrn. 73 bis 76).
67 In den vor­lie­gen­den Aus­gangs­ver­fah­ren er­gibt sich aus den Ak­ten, dass die Staats­anwälte grundsätz­lich mit 65 Jah­ren mit ei­nem un­gekürz­ten Ru­he­ge­halt in Höhe von et­wa 72 % ih­res letz­ten Ge­halts in den Ru­he­stand ver­setzt wer­den. Fer­ner sieht § 50 Abs. 3 HBG vor, dass sie auf An­trag wei­te­re drei Jah­re bis zur Voll­endung des 68. Le­bens­jahrs ar­bei­ten können, wenn dies im dienst­li­chen In­ter­es­se liegt. Sch­ließlich wer­den sie durch das na­tio­na­le Recht nicht dar­an ge­hin­dert, oh­ne Al­ters­be­schränkung ei­ne an­de­re Be­rufstätig­keit, wie die ei­nes Rechts­be­ra­ters, aus­zuüben.
In An­be­tracht die­ser Ge­sichts­punk­te ist da­von aus­zu­ge­hen, dass ei­ne Maßnah­me wie § 50 Abs. 1 HBG, die die Ver­set­zung von Staats­anwälten in den Ru­he­stand mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs vor­sieht, nicht über das hin­aus­geht, was zur Er­rei­chung des Ziels er­for­der­lich ist, ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Al­ters­struk­tur zu schaf­fen, um die Ein­stel­lung und die Beförde­rung von jünge­ren Be­rufs­an­gehöri­gen zu begüns­ti­gen, die Per­so­nal­pla­nung zu op­ti­mie­ren und da­mit Rechts­strei­tig­kei­ten über die Fähig­keit des Beschäftig­ten, sei­ne Tätig­keit über ein be­stimm­tes Al­ter hin­aus aus­zuüben, vor­zu­beu­gen.
Das vor­le­gen­de Ge­richt möch­te außer­dem wis­sen, ob das Ziel, Haus­halts­mit­tel ein­zu­spa­ren, le­gi­tim im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist.
Das Land Hes­sen und die deut­sche Re­gie­rung ha­ben al­ler­dings vor­ge­tra­gen, dass § 50 Abs. 1 HBG die­ses Ziel nicht ver­fol­ge. Dem Land Hes­sen zu­fol­ge lässt sich der Um­stand, dass be­stimm­te Be­am­te auf Le­bens­zeit, hier Staats­anwälte, nicht er­setzt wor­den sei­en, da­mit erklären, dass die­se in ei­ner Zeit er­nannt wor­den sei­en, als die Zahl be­stimm­ter Ver­fah­ren außer­gewöhn­lich ge­stie­gen sei. Ab­ge­se­hen von die­sen Stel­len­strei­chun­gen sei die Zahl der Staats­anwälte seit 2006 ge­stie­gen.
In­so­weit ist es Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts, zu prüfen, ob das Ziel, Haus­halts­mit­tel ein­zu­spa­ren, ein mit dem HBG ver­folg­tes Ziel ist.
Es ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ei­ne Ver­mu­tung für die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der Vor­la­ge­fra­gen des na­tio­na­len Ge­richts spricht, die es zur Aus­le­gung des Uni­ons­rechts in dem recht­li­chen und sach­li­chen Rah­men stellt, den es in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung fest­ge­legt und des­sen Rich­tig­keit der Ge­richts­hof nicht zu prüfen hat (vgl. u. a. Ur­teil vom 22. Ju­ni 2010, Mel­ki und Ab­de­li, C‑188/10 und C‑189/10, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 27). Im vor­lie­gen­den Fall hat der Ge­richts­hof auf die Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, da nicht of­fen­sicht­lich ist, dass die er­be­te­ne Aus­le­gung des Uni­ons­rechts in kei­nem Zu­sam­men­hang mit der Rea­lität oder dem Ge­gen­stand des Aus­gangs­rechts­streits steht oder das Pro­blem hy­po­the­ti­scher Na­tur ist.
Wie sich aus Rand­nr. 65 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, hin­dert das Uni­ons­recht die Mit­glied­staa­ten beim Er­lass von Maßnah­men im Be­reich Ru­he­stand nicht dar­an, ne­ben po­li­ti­schen, so­zia­len oder de­mo­gra­fi­schen Erwägun­gen auch Haus­halts­erwägun­gen zu berück­sich­ti­gen, so­fern sie da­bei ins­be­son­de­re das all­ge­mei­ne Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters be­ach­ten.
In­so­weit können Haus­halts­erwägun­gen zwar den so­zi­al­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen ei­nes Mit­glied­staats zu­grun­de lie­gen und die Art oder das Aus­maß der von ihm zu tref­fen­den so­zia­len Schutz­maßnah­men be­ein­flus­sen, für sich al­lein aber kein le­gi­ti­mes Ziel im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 dar­stel­len.
Nach al­le­dem ist auf die ers­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass die Richt­li­nie 2000/78 ei­nem Ge­setz wie dem HBG, das die zwangs­wei­se Ver­set­zung von Be­am­ten auf Le­bens­zeit, im vor­lie­gen­den Fall Staats­anwälten, in den Ru­he­stand mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs vor­sieht, wo­bei sie höchs­tens bis zum voll­ende­ten 68. Le­bens­jahr wei­ter­ar­bei­ten dürfen, wenn es im dienst­li­chen In­ter­es­se liegt, nicht ent­ge­gen­steht, so­fern die­ses Ge­setz zum Ziel hat, ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Al­ters­struk­tur zu schaf­fen, um die Ein­stel­lung und die Beförde­rung von jünge­ren Be­rufs­an­gehöri­gen zu begüns­ti­gen, die Per­so­nal­pla­nung zu op­ti­mie­ren und da­mit Rechts­strei­tig­kei­ten über die Fähig­keit des Beschäftig­ten, sei­ne Tätig­keit über ein be­stimm­tes Al­ter hin­aus aus­zuüben, vor­zu­beu­gen, und es die Er­rei­chung die­ses Ziels mit an­ge­mes­se­nen und er­for­der­li­chen Mit­teln ermöglicht.
Mit sei­ner zwei­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, wel­che Da­ten der Mit­glied­staat vor­le­gen muss, um die An­ge­mes­sen­heit und Er­for­der­lich­keit der in den Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Maßnah­men zu be­le­gen, und ins­be­son­de­re, ob ge­naue Sta­tis­ti­ken oder Zah­len­an­ga­ben vor­zu­le­gen sind.
Aus Rand­nr. 51 des Ur­teils Age Con­cern Eng­land er­gibt sich, dass all­ge­mei­ne Be­haup­tun­gen, dass ei­ne be­stimm­te Maßnah­me ge­eig­net sei, der Beschäfti­gungs­po­li­tik, dem Ar­beits­markt und der be­ruf­li­chen Bil­dung zu die­nen, nicht genügen, um dar­zu­tun, dass das Ziel die­ser Maßnah­me ei­ne Aus­nah­me von dem Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung recht­fer­ti­gen kann, und nicht den Schluss zu­las­sen, dass die gewähl­ten Mit­tel zur Ver­wirk­li­chung die­ses Ziels ge­eig­net sind.
Der Ge­richts­hof hat in Rand­nr. 67 die­ses Ur­teils auch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 den Mit­glied­staa­ten die Be­weis­last dafür auf­er­legt, dass das zur Recht­fer­ti­gung an­geführ­te Ziel rechtmäßig ist, und stellt an die­sen Be­weis ho­he An­for­de­run­gen.
Dem 15. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78 zu­fol­ge ob­liegt die Be­ur­tei­lung von Tat­beständen, die auf ei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung schließen las­sen, den ein­zel­staat­li­chen ge­richt­li­chen In­stan­zen oder an­de­ren zuständi­gen Stel­len nach den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder Ge­pflo­gen­hei­ten. In die­sen ein­zel­staat­li­chen Vor­schrif­ten kann ins­be­son­de­re vor­ge­se­hen sein, dass mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung mit al­len Mit­teln, ein­sch­ließlich sta­tis­ti­scher Be­wei­se, fest­zu­stel­len ist.
In Be­zug auf die Be­ur­tei­lung, wel­chen Grad an Ge­nau­ig­keit die er­for­der­li­chen Be­weis­mit­tel auf­wei­sen müssen, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Mit­glied­staa­ten über ei­nen wei­ten Er­mes­sens­spiel­raum bei der Wahl ei­ner Maßnah­me verfügen, die sie für er­for­der­lich hal­ten.
Die­se Wahl kann da­her auf wirt­schaft­li­chen, so­zia­len, de­mo­gra­fi­schen und/oder Haus­halts­erwägun­gen be­ru­hen, die vor­han­de­ne und nach­prüfba­re Da­ten, aber auch Pro­gno­sen um­fas­sen, die sich na­tur­gemäß auch als falsch er­wei­sen können und da­her ei­ne ge­wis­se Un­si­cher­heit ber­gen. Die Maßnah­me kann außer­dem auf po­li­ti­schen Erwägun­gen be­ru­hen, die oft­mals ei­nen Aus­gleich zwi­schen ver­schie­de­nen denk­ba­ren Lösun­gen im­pli­zie­ren und es eben­falls nicht er­lau­ben, das gewünsch­te Er­geb­nis als si­cher zu be­trach­ten.
Es ist Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts, die Be­weis­kraft der ihm vor­ge­leg­ten Be­weis­mit­tel, zu de­nen ins­be­son­de­re sta­tis­ti­sche Da­ten gehören können, nach den Re­geln des in­ner­staat­li­chen Rechts zu be­ur­tei­len.
Auf die zwei­te Fra­ge ist da­her zu ant­wor­ten, dass die An­ge­mes­sen­heit und Er­for­der­lich­keit der frag­li­chen Maßnah­me nach­ge­wie­sen ist, wenn sie im Hin­blick auf das ver­folg­te Ziel nicht un­vernünf­tig er­scheint und auf Be­weis­mit­tel gestützt ist, de­ren Be­weis­kraft das na­tio­na­le Ge­richt zu be­ur­tei­len hat.
Mit sei­ner drit­ten Fra­ge fragt das vor­le­gen­de Ge­richt nach der Kohärenz ei­nes Ge­set­zes wie des HBG. Es möch­te ins­be­son­de­re wis­sen, ob das HBG in­so­weit In­kohären­zen auf­weist, als es Staats­anwälte zwingt, mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs in den Ru­he­stand ein­zu­tre­ten, ob­wohl es ih­nen ers­tens er­laubt, ih­re Tätig­keit bis zur Voll­endung des 68. Le­bens­jahrs fort­zu­set­zen, wenn es im dienst­li­chen In­ter­es­se liegt, und es zwei­tens durch Kürzung des Ru­he­ge­halts­an­spruchs ein frei­wil­li­ges Aus­schei­den mit Voll­endung des 60. oder des 63. Le­bens­jahrs er­schwert und drit­tens die Be­am­ten­ge­set­ze des Bun­des und meh­re­rer an­de­rer Länder so­wie das für die Beschäftig­ten des Pri­vat­sek­tors gel­ten­de So­zi­al­ge­setz­buch die schritt­wei­se Her­auf­set­zung des Al­ters, mit dem ein un­gekürz­tes Ru­he­ge­halt be­zo­gen wer­den kann (Re­gel­al­ters­gren­ze), von 65 auf 67 Jah­re vor­se­hen.
Es ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung nach ständi­ger Recht­spre­chung nur dann ge­eig­net ist, die Ver­wirk­li­chung des gel­tend ge­mach­ten Ziels zu gewähr­leis­ten, wenn sie tatsächlich dem An­lie­gen ge­recht wird, es in kohären­ter und sys­te­ma­ti­scher Wei­se zu er­rei­chen (Ur­tei­le vom 10. März 2009, Hart­lau­er, C‑169/07, Slg. 2009, I‑1721, Rand­nr. 55, und Pe­ter­sen, Rand­nr. 53).
Aus­nah­men von den Be­stim­mun­gen ei­nes Ge­set­zes können in be­stimm­ten Fällen des­sen Kohärenz be­ein­träch­ti­gen, ins­be­son­de­re wenn sie we­gen ih­res Um­fangs zu ei­nem Er­geb­nis führen, das dem mit dem Ge­setz ver­folg­ten Ziel wi­der­spricht (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Pe­ter­sen, Rand­nr. 61).
Die in § 50 Abs. 3 HBG ent­hal­te­ne Aus­nah­me der Verlänge­rung der Tätig­keit der Staats­anwälte bis zum voll­ende­ten 68. Le­bens­jahr fin­det nur An­wen­dung, wenn sie im dienst­li­chen In­ter­es­se liegt und der Be­tref­fen­de ei­nen ent­spre­chen­den An­trag stellt.
In der münd­li­chen Ver­hand­lung hat das Land Hes­sen aus­geführt, dass da­mit der Fall er­fasst wer­den sol­le, dass ein Staats­an­walt das 65. Le­bens­jahr voll­endet, ein von ihm be­ar­bei­te­tes Straf­ver­fah­ren aber noch nicht ab­ge­schlos­sen ha­be. Um et­wai­gen mit sei­ner Er­set­zung ver­bun­de­nen Schwie­rig­kei­ten vor­zu­beu­gen, se­he das HBG aus­nahms­wei­se ein Ver­blei­ben im Dienst vor. Die be­trof­fe­ne Ver­wal­tung könne es da­her im dienst­li­chen In­ter­es­se für sinn­voll hal­ten, den Staats­an­walt in sei­nem Amt zu be­las­sen, statt ihn durch je­man­den zu er­set­zen, der sich erst in die Ak­ten ein­ar­bei­ten müsse.
Es ist fest­zu­stel­len, dass ei­ne sol­che Aus­nah­me nicht ge­eig­net ist, das an­ge­streb­te Ziel zu be­ein­träch­ti­gen, nämlich ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Al­ters­struk­tur zu gewähr­leis­ten, um ins­be­son­de­re die Leis­tungsfähig­keit des Diens­tes zu ga­ran­tie­ren.
Ei­ne sol­che Aus­nah­me kann viel­mehr die Stren­ge ei­nes Ge­set­zes wie des HBG – ge­ra­de im In­ter­es­se des be­tref­fen­den öffent­li­chen Diens­tes – ab­mil­dern. Denn die Plan­bar­keit des Aus­schei­dens und von Ein­stel­lun­gen auf­grund des sys­te­ma­ti­schen Aus­schei­dens der Staats­anwälte mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs trägt zwar zum rei­bungs­lo­sen Funk­tio­nie­ren die­ses Diens­tes bei, doch ermöglicht es die Einführung der in Rand­nr. 88 des vor­lie­gen­den Ur­teils erwähn­ten Aus­nah­me, kon­kre­te Fälle zu bewälti­gen, in de­nen das Aus­schei­den des Staats­an­walts der bestmögli­chen Erfüllung der ihm über­tra­ge­nen Auf­ga­ben ab­träglich sein könn­te. Die­se Aus­nah­me er­scheint da­her im Zu­sam­men­hang des HBG nicht in­kohärent.
Es ist wei­ter fest­zu­stel­len, dass an­de­re vom vor­le­gen­den Ge­richt an­geführ­te Aus­nah­me­re­ge­lun­gen des HBG, wie die Wei­ter­beschäfti­gung be­stimm­ter Lehr­kräfte für ei­ni­ge Mo­na­te über das voll­ende­te 65. Le­bens­jahr hin­aus, um ei­nen Lehr­ab­schnitt ab­zu­sch­ließen, oder be­stimm­ter Wahl­be­am­ter, um die Be­en­di­gung ih­rer Amts­zeit si­cher­zu­stel­len, auf glei­che Wei­se die Erfüllung der den Be­tref­fen­den über­tra­ge­nen Auf­ga­ben gewähr­leis­ten sol­len und eben­falls das an­ge­streb­te Ziel nicht zu be­ein­träch­ti­gen schei­nen.
Dem vor­le­gen­den Ge­richt zu­fol­ge ist die Kohärenz auch des­halb frag­lich, weil das HBG den frei­wil­li­gen Über­tritt von Staats­anwälten, die das 60. oder 63. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, in den Ru­he­stand durch ei­ne Vor­schrift er­schwe­re, die in die­sen Fällen ei­ne Kürzung des Ru­he­ge­halts vor­se­he, während § 50 Abs. 1 HBG die Staats­anwälte dar­an hin­de­re, ih­ren Dienst über das voll­ende­te 65. Le­bens­jahr hin­aus fort­zu­set­zen.
Es ist fest­zu­stel­len, dass das vom vor­le­gen­den Ge­richt an­ge­spro­che­ne Kohärenz­pro­blem un­klar bleibt. Ei­ne Be­stim­mung wie die von ihm an­geführ­te scheint viel­mehr die lo­gi­sche Fol­ge des § 50 Abs. 1 HBG zu sein. Die Um­set­zung ei­ner sol­chen Vor­schrift, die ei­ne Pla­nung des Über­tritts in den Ru­he­stand mit 65 Jah­ren im­pli­ziert, er­for­dert nämlich, dass die ent­spre­chen­den Aus­nah­men be­grenzt sind. Ei­ne Be­stim­mung, die ei­ne Kürzung des Ru­he­ge­halts vor­sieht, kann die Staats­anwälte je­doch von ei­nem vor­zei­ti­gen Aus­schei­den ab­hal­ten oder die­ses zu­min­dest er­schwe­ren. Ei­ne sol­che Be­stim­mung trägt da­mit zur Er­rei­chung des an­ge­streb­ten Ziels bei, so dass das HBG nicht als in­kohärent an­ge­se­hen wer­den kann.
Das vor­le­gen­de Ge­richt weist auch auf die schritt­wei­se An­he­bung der Re­gel­al­ters­gren­ze von 65 auf 67 Jah­re in den Be­am­ten­ge­set­zen des Bun­des und meh­re­rer Länder so­wie im für Beschäftig­te in pri­vat­recht­li­chen Ar­beits­verhält­nis­sen gel­ten­den So­zi­al­ge­setz­buch hin. Zum in den Aus­gangs­ver­fah­ren maßgeb­li­chen Zeit­punkt ha­be das Land Hes­sen ei­ne ähn­li­che An­he­bung be­ab­sich­tigt, aber noch nicht an­ge­nom­men.
Der bloße Um­stand, dass der Ge­setz­ge­ber zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt be­ab­sich­tigt, das Ge­setz zu ändern, um die Re­gel­al­ters­gren­ze an­zu­he­ben, kann zu die­sem Zeit­punkt nicht zur Rechts­wid­rig­keit des be­ste­hen­den Ge­set­zes führen. Ein sol­cher et­wai­ger Über­gang von dem ei­nen zu dem an­de­ren Ge­setz er­folgt nicht so­fort, son­dern er­for­dert Zeit.
96 So geht aus dem 25. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78 her­vor, dass die Ände­run­gen in den ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten in un­ter­schied­li­chem Rhyth­mus er­fol­gen können, um der je­wei­li­gen be­son­de­ren Si­tua­ti­on Rech­nung zu tra­gen. Die­ser Rhyth­mus kann auch von Re­gi­on zu Re­gi­on, hier von Land zu Land, un­ter­schied­lich sein, um re­gio­na­le Be­son­der­hei­ten zu berück­sich­ti­gen und es den zuständi­gen Behörden zu ermögli­chen, die er­for­der­li­chen An­pas­sun­gen vor­zu­neh­men.
Dar­aus folgt, dass das Ge­setz ei­nes Mit­glied­staats oder ei­nes Lan­des nicht schon des­halb in­kohärent ist, weil es im Hin­blick auf die An­he­bung der Re­gel­al­ters­gren­ze zu ei­nem an­de­ren Zeit­punkt geändert wird als das ei­nes an­de­ren Mit­glied­staats oder Lan­des.
Auf die drit­te Fra­ge ist da­her zu ant­wor­ten, dass ein Ge­setz wie das HBG, das den zwangs­wei­sen Über­tritt von Staats­anwälten in den Ru­he­stand mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs vor­sieht, nicht al­lein des­halb in­kohärent ist, weil es ih­nen in be­stimm­ten Fällen er­laubt, bis zum voll­ende­ten 68. Le­bens­jahr wei­ter­zu­ar­bei­ten, es außer­dem Be­stim­mun­gen enthält, die den Über­tritt in den Ru­he­stand vor Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs er­schwe­ren sol­len, und an­de­re Rechts­vor­schrif­ten des be­tref­fen­den Mit­glied­staats das Ver­blei­ben im Dienst von be­stimm­ten Be­am­ten, ins­be­son­de­re be­stimm­ten Wahl­be­am­ten, über die­ses Al­ter hin­aus vor­se­hen und das Ru­he­stands­al­ter schritt­wei­se von 65 auf 67 Jah­re an­he­ben.
zur Übersicht C-159/10,