Source: https://www.anwalt-strafrecht-berlin.org/aktuelles/erfolg-im-ermittlungsverfahrens-wegen-sexuellen-missbrauchs-jugendlicher-gegen-entgelt-nach-%C2%A7-182-abs-2-stgb/
Timestamp: 2020-01-22 21:02:31
Document Index: 322658894

Matched Legal Cases: ['§ 182', '§ 182', '§ 182', '§ 112', '§ 170', '§ 170', '§ 182']

Einstellung Ermittlungs wegen sexuellen Missbrauchs Jugendlicher
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Erfolg im Ermittlungsverfahrens wegen sexuellen Missbrauchs Jugendlicher gegen Entgelt nach § 182 Abs. 2 StGB
Welchen Hintergrund hat der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines Jugendlichen gegen Entgelt?
Der jugendliche Geschädigte besitzt ein Escortprofil im größten deutschsprachigen Internetkontaktportal für bi-, trans- und homosexuelle Männer und gibt sich dort als volljährig aus. Dieser Beschäftigung geht der vermeintlich Geschädigte zu dem Tatzeitpunkt bereits seit zwei Jahren nach, um sich Geld dazuzuverdienen. Über jenes Portal nahm der Beschuldigte Kontakt zum vermeintlich Geschädigten auf und es kam zu einem Treffen, bei welchem sexuelle Handlungen gegen Entgelt ausgetauscht wurden.
Wie gestaltet sich der Hergang des Ermittlungsverfahrens?
Zunächst wurde bei der hiesigen Polizeiwache Anzeige gegen Unbekannt wegen sexuellen Missbrauchs Jugendlicher gemäß § 182 StGB durch eine externe Person erstattet. Diese Person ist Betreuerin der Wohngruppe, welcher der vermeintlich Geschädigte angehört, und hat im Zuge ihrer dortigen Anstellung herausgefunden, dass der Jugendliche sich prostituiert. Nach einer Reihe verschiedener gescheiterter Versuche, den Jungen zur Vernunft zu bringen, war die Anzeigenerstattung der finale Schritt. Im Zuge der Beschlagnahmung des Handys des Geschädigten konnten durch die Analyse der Chatverläufe und der anschließenden Abfrage der Rufnummern nach § 112 TKG (Telekommunikationsgesetz) mehrere Tatverdächtige identifiziert werden. Über besagte Chatverläufe hat sich der zum Tatzeitpunkt 15-Jährige mit seinen Freiern verabredet, indem Treffzeitpunkt und -ort sowie die Höhe der Bezahlung festgelegt wurden. Im Zuge der Zeugenvernehmung bestätigte der inzwischen 17-jährige Geschädigte die Identität der als Tatverdächtige eingegrenzten Personen per Lichtbildaufnahmen. Daraufhin wurde das Verfahren an die Staatsanwaltschaft zur weiteren Bearbeitung übergeben.
Hinzuziehen des Verteidigers Rechtsanwalt Grunst nach Vorladung der Polizei
Einer der nun Beschuldigten wandte sich nach Erhalten einer entsprechenden polizeilichen Vorladung an die Kanzlei für Strafrecht in Berlin von Herrn Rechtsanwalt Grunst, welcher seinem Mandanten zunächst riet, von dessen Schweigerecht Gebrauch zu machen. In seiner Mandatsanzeige verkündete Rechtsanwalt Grunst, dass jegliche Kommunikation im Zuge des Ermittlungsverfahrens ausschließlich über ihn als Verteidiger zu führen sei. Nebst der Information, dass sein Mandant folgerichtig nicht an der Beschuldigtenvernehmung teilnehmen werde, beantragte der Verteidiger Grunst gegenüber der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht. Außerdem beantragte er, das Verfahren gemäß § 170 Abs. 2 StPO wegen mangelnden hinreichenden Tatverdachts einzustellen.
Wie begründet die Verteidigerseite den Antrag auf Einstellung des Ermittlungsverfahrens nach § 170 Abs. 2 StPO?
Begründend führte Rechtsanwalt Grunst den Fakt auf, dass zu keinem Zeitpunkt das Alter des Geschädigten zur Sprache kam und sein Mandant daher von der Minderjährigkeit keine Kenntnis hatte, geschweige denn diese einfach in Kauf nahm. Der Geschädigte hat ganz im Gegenteil sogar bewusst sein tatsächliches Alter verschwiegen. Außerdem gab Verteidiger Grunst zu bedenken, dass man als Nutzer jenes Internetkontaktportals davon ausgehen können sollte, dass die Betreiber beim Anlegen eines Escortprofils auf Volljährigkeit prüfen und diese anschließend gewährleisten. Ergänzend wies Rechtsanwalt Grunst darauf hin, dass der Geschädigte auch während des gesamten Zeitraums des laufenden Verfahrens wegen sexuellen Missbrauchs Jugendlicher auf jenem Portal unter einem anderen Pseudonym als scheinbar Volljähriger aktiv war, und das trotz seiner Minderjährigkeit. Als besonders heikel wies Rechtsanwalt Grunst auf die Tatsache hin, dass der vermeintlich Geschädigte HIV-positiv ist und sich dennoch zur Prostitution anbietet. Anliegend an die Stellungnahme verschickte der Verteidiger einen Screenshot, welches das neue Escortprofil des vermeintlich Geschädigten zeigte. Daraufhin wurde das Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs sexuellen Missbrauchs Jugendlicher gegen Entgelt nach § 182 Abs. 2 StGB durch die Staatsanwaltschaft gemäß 170 Abs. 2 StPO wegen mangelnden hinreichenden Tatverdachts eingestellt.