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Timestamp: 2020-01-20 17:44:47
Document Index: 287509427

Matched Legal Cases: ['§ 307', '§ 305', '§ 307', '§ 195', '§ 199', '§ 204', '§ 204', '§ 812', '§ 199', '§ 288', 'BGH', 'BGH']

Der 2006 geschlossene Kreditvertrag – und das Bearbeitungsentgelt | BankenBote
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Kredit4. August 2014
Der Bankkunde hat das sogenannte Bearbeitungsentgelt ohne Rechtsgrund an die Bank geleistet. Der Darlehensvertrag ist bezüglich des Bearbeitungsentgelts gemäß § 307 BGB unwirksam. Die Parteien haben einen Verbraucherkreditvertrag abgeschlossen, die Vereinbarung des Bearbeitungsentgelts ist eine Allgemeine Geschäftsbedingung im Sinne des § 305 BGB, weil es sich um eine für eine Vielzahl von Verträgen vorformulierte Bedingung handelt, welche die Bank dem Bankkunden vorgegeben hat.
Daran ändert im vorliegend vom Landgericht Stuttgart entschiedenen Fall auch die Tatsache nichts, dass hier das Bearbeitungsentgelt nicht prozentual in den Vertragsbedingungen, in einem Preisverzeichnis oder einem Aushang vorgesehen ist, wie dies in den einschlägigen obergerichtlichen Entscheidungen der Fall war, sondern das Bearbeitungsentgelt in Höhe von 300, 00 EUR im Darlehensvertrag als Betrag ausgerechnet enthalten ist. Denn auch in diesem Fall ist das Bearbeitungsentgelt eine vorformulierte, von der Bank vorgegebene Klausel. Die Bank verwendet derartige Klauseln regelmäßig. Entscheidend ist dabei, dass die Bank üblicherweise einen anteiligen Betrag von der Darlehenssumme als Bearbeitungsentgelt vorschreibt. Dass dieser Betrag und auch der Anteil nicht in allen Verträgen gleich ist, steht einer vorgegebenen Vertragsbedingung nicht entgegen, weil über das Bearbeitungsentgelt zwischen den Parteien weder dem Grunde noch der Höhe nach verhandelt wurde. Die Bank hat jenes einseitig vorgegeben.
Das von der Bank vorgegebene Bearbeitungsentgelt ist eine sogenannte Preisnebenabsprache, die der Inhaltskontrolle des § 307 Abs.1 S.1, Abs.2 Nr.1 BGB nicht Stand hält. Dies hat der Bundesgerichtshof erst kürzlich in vergleichbaren Fällen entschieden1. Den zutreffenden Ausführungen, die sich ohne Weiteres auf den hier zu entscheidenden Rechtsstreit übertragen lassen, schließt sich das Landgericht an. Etwas Abweichendes ergibt sich auch nicht daraus, dass die Bank hier vorträgt, das Bearbeitungsentgelt sei eine angemessene Gegenleistung für die von ihr vorgenommene Bonitätsprüfung des Bankkunden. Dabei handelt es sich nämlich um eine eigene Aufgabe der Bank, welche sie jedenfalls überwiegend im eigenen Interesse erbringt. Die Bank will sich mit dem Bearbeitungsentgelt nicht die Hingabe des Darlehens als Hauptleistung vergüten lassen, sondern ihre als eigene Nebenleistung „angebotene“ Bonitätsprüfung. Schon deswegen kann die Gegenleistung nicht als Hauptpreisabrede qualifiziert werden. Die Bank hätte auch direkt einen höheren Nominalzinssatz in Ansatz bringen können und die Bearbeitungsgebühren einpreisen. Eben das wollte aber die Bank nicht. Sie hat ihre Gegenleistung in zwei Teile gespalten, in einen niedrigeren (für die Kunden ins Auge springenden) Zinssatz und daneben das Bearbeitungsentgelt. Das erkennende Gericht vermag darin nicht deswegen eine Hauptpreisabsprache sehen, weil das Bearbeitungsentgelt von der Bank der früheren Rechtsprechung folgend nicht mehr prozentual, sondern als ausgerechneter Betrag ausgewiesen ist. Eine Aufspaltung des Preises durch die Bank ist nicht unzulässig, sie darf neben den Zinsen grundsätzlich auch „Kosten“ als Gegenleistung ersetzt verlangen. Sie muss nach dem Willen des Gesetzgebers aber hinnehmen, dass diese daneben verlangte und nicht ausgehandelte Zahlungsverpflichtung des Kunden der AGB-Kontrolle unterliegt.
Der Anspruch des Bankkunden ist jedoch gem. §§ 195, 199 BGB verjährt.
Zu Recht gehen die Parteien von einer dreijährigen Verjährungsfrist ab Ende des Jahres aus, in welchem der Anspruch entstanden ist und zusätzlich die Voraussetzungen des § 199 Abs.1 Nr.2 BGB vorlagen. Dies war das Jahr 2006. Damit ist Verjährung am 31.12.2009 eingetreten. Die 2013 eingereichte Klage konnte die Verjährung nicht gem. § 204 Abs.1 Nr.1 BGB hemmen. In diesem Fall eines Vertrages aus dem Jahr 2006 hält die Berufungskammer die Entscheidung des Amtsgerichts, dass die Verjährungsfrist nicht vor 2011 zu laufen begonnen habe und die 2013 erhobene Klage die Verjährung gem. § 204 Abs.1 Nr.1 BGB hemmte, nicht für zutreffend.
Da die Verpflichtung des Kreditnehmers zur Zahlung des Bearbeitungsentgelts im Zeitpunkt der Kreditauszahlung sofort fällig und sogleich im Verrechnungswege erfüllt wird, ist auch der Bereicherungsanspruch der Bankkunde zu diesem Zeitpunkt in vollem Umfang entstanden. Ein Gläubiger, der einen Bereicherungsanspruch aus § 812 Abs.1 S.1 Alt.1 BGB verfolgt, hat dann Kenntnis von den anspruchsbegründenden Umständen, wenn er von der Leistung und den Tatsachen weiß, aus denen sich das Fehlen des Rechtsgrundes ergibt. Der Verjährungsbeginn setzt grundsätzlich nur die Kenntnis der den Anspruch begründenden Tatsachen voraus. Nicht erforderlich ist deswegen in der Regel, dass der Gläubiger aus den ihm bekannten Tatsachen die zutreffenden rechtlichen Schlüsse zieht. Die Rechtsunkenntnis des Gläubigers kann den Verjährungsbeginn nur dann hinausschieben, wenn innerhalb der regulären Verjährungsfrist eine unsichere und zweifelhafte Rechtslage vorliegt, die selbst ein rechtskundiger Dritter nicht zuverlässig einzuschätzen vermag. In einem solche Fall würde es an der Zumutbarkeit der Klageerhebung als übergreifender Voraussetzung für den Verjährungsbeginn fehlen2.
Im hier zu entscheidenden Rechtsstreit wusste der Bankkunde, dass ihm das Bearbeitungsentgelt von der Bank einseitig und ohne konkrete Gegenleistung vorgegeben war. Für den Bankkunden oder jedenfalls für einen von ihm beauftragten, spezialisierten, ihn beratenden Rechtsanwalt wäre bis Ende 2009 mangels einer damals noch nicht unsicheren und zweifelhaften, von divergierenden Meinungen und Entscheidungen geprägten Rechtlage eine Klageerhebung nicht unzumutbar gewesen, eine Klage hätte nur eben mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Erfolg gehabt. Die Tatsache, dass sich im Laufe der Jahre 2010 und 2011 eine obergerichtliche Rechtsprechung herauskristallisieren würde, welche das Bearbeitungsentgelt – anders als das Disagio – als eine unwirksame Preisnebenabsprache einordnen würde, war bis Ende 2009 nicht erkennbar. Erst die Veröffentlichungen im Jahr 2011 gaben im Sinne von § 199 Abs.1 Nr.2 BGB Anlass, von einer unwirksamen Vereinbarung und damit von einem Bereicherungsanspruch auszugehen. Zu dem Zeitpunkt war die Forderung aber bereits verjährt.
In diesem Fall eines Vertrages aus dem Jahr 2006 ist das Landgericht einig mit der Entscheidung des Landgerichts Mönchengladbach. Auch das dortige Urteil3 erkennt grundsätzlich an, dass im Einzelfall ausnahmsweise die unklare Rechtslage der Verjährung entgegenstehen kann. Nur wurde dort, wie hier, die Ausnahme aus tatsächlichen Gründen nicht angenommen. Die hiesige Berufungskammer ist sich mit derjenigen des Landgerichts Mönchengladbach einig, dass dann, wenn ein Anspruch verjährt ist, weil die Rechtsprechungslage während der gesamten Verjährungsfrist gefestigt war, eine spätere Änderung in der Rechtsprechung aus Gründen der Rechtssicherheit nicht zum Wiederaufleben der Durchsetzbarkeit der Forderung führen kann. Anders sieht das Landgericht in ihrer ständigen Rechtsprechung die Situation nur dann, wenn während der Verjährungsfrist die Unsicherheit der Rechtslage begründende oder beendende Gerichtsentscheidungen ergehen, weil es dem Anspruchsinhaber grundsätzlich unbenommen bleiben muss, die Klage zu einem beliebigen Zeitpunkt innerhalb der gesamten Verjährungsfrist zu erheben. Das ist hier aber gerade nicht der Fall. Etwas anderes ergibt sich aus Sicht der Landgericht auch nicht aus der höchstrichterlichen Rechtsprechung4.
Die Bankkunde haben mangels durchsetzbarer Hauptforderung auch keinen Anspruch gem. §§ 288, 291 BGB auf Ersatz der geltend gemachten Zinsen als Verzugsschaden.
Landgericht Stuttgart, Urteil vom 16. Juli 2014 – 13 S 36/14
vgl. BGH Urteile vom 15.06.2010 – XI ZR 309/09 und 07.12.2010 – XI ZR 348/09 jeweils m.w.N. [↩]
LG Mönchengladbach, Urteil vom 20.11.2013
– 2 S 77/13 [↩]
BGH Urteile vom 15.06.2010 – XI ZR 309/09; und 07.12.2010 – XI ZR 348/09 [↩]