Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Arbeitslosengeld_I.html
Timestamp: 2018-06-24 07:17:37
Document Index: 250885210

Matched Legal Cases: ['§ 137', '§ 138', '§ 141', '§ 38', '§ 38', '§ 309', '§ 142', '§ 143', '§ 147', '§ 147', '§ 149', '§ 151', '§ 150', '§ 341', '§ 151', '§ 153', '§ 154', '§ 337', '§ 337', '§ 3', '§ 32', '§ 190', '§ 19', '§ 19', '§ 5', '§ 159', '§ 157', '§ 19', '§ 3', '§ 251', '§ 170', '§ 6', '§ 23', '§ 5', '§ 8', '§ 174', '§ 174', '§ 5', '§ 146', '§ 49', '§ 156', '§ 47', '§ 47', '§ 146', '§ 148', '§ 49', '§ 26', '§ 192', '§ 44', '§ 49', '§ 192', '§ 159', '§ 159', '§ 38', '§ 309', '§ 38', '§ 159', '§ 159', '§ 159', '§ 148', '§ 156', '§ 157', '§ 157', '§ 158', '§ 160', '§ 157', '§ 157', '§ 157', '§ 115', '§ 157', '§ 157', '§ 615', '§ 615', '§ 11', '§ 115', '§ 335', '§ 115', '§ 335', '§ 115', '§ 148', '§ 115', '§ 337', '§ 159', 'EuG']

HENSCHE Arbeitsrecht: Arbeitslosengeld I
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In­for­ma­tio­nen zum The­ma Ar­beits­lo­sen­geld I: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht
Le­sen Sie hier, wer An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld I hat, was Sie bei der Ar­beits­los­mel­dung zu be­ach­ten ist und wie lang Ar­beits­lo­sen­geld ge­währt wird.
Au­ßer­dem fin­den Sie Hin­wei­se zu den The­men Kran­ken­ver­si­che­rung, Ren­ten­ver­si­che­rung, Sperr­zeit und Ru­hen des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs.
Schließ­lich wird er­läu­tert, wann Ar­beits­lo­sen­geld im We­ge der Gleich­wohl­ge­wäh­rung ge­zahlt wird.
Was versteht man unter Arbeitslosengeld I?
Das Ar­beits­lo­sen­geld I ist ei­ne von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) bzw. von der ört­lich zuständi­gen Ar­beits­agen­tur ge­zahl­te Lohn­er­satz­leis­tung.
An­ders als das Ar­beits­lo­sen­geld II setzt die Gewährung von Ar­beits­lo­sen­geld I vor­aus, dass der Empfänger in der ge­setz­li­chen Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­si­chert ist und auf­grund des Ver­si­che­rungs­verhält­nis­ses An­spruch auf Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen, d.h. auf Ar­beits­lo­sen­geld I, hat.
In der Spra­che der Ar­beits­ver­wal­tung und Ju­ris­ten sind die Abkürzun­gen ALG I bzw. Alg I für das Ar­beits­lo­sen­geld I und die ent­spre­chen­den Abkürzun­gen für das Ar­beits­lo­sen­geld II gebräuch­lich (ALG II bzw. Alg II).
Wo finden sich gesetzliche Regelungen über das Arbeitslosengeld I?
Die Bun­des­agen­tur bzw. die Ar­beits­agen­tu­ren ent­schei­den über die Gewährung von Alg I auf ge­setz­li­cher Grund­la­ge. Maßgeb­lich ist hier vor al­lem das Drit­te Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB III).
Ant­wor­ten auf vie­le kon­kre­te Ein­zel­fra­gen fin­den sich in den Fach­li­chen Wei­sun­gen (FW) und Geschäfts­an­wei­sun­gen (GA) der Bun­des­agen­tur zum The­ma Ar­beits­lo­sen­geld. Mit ih­nen soll die Ent­schei­dungs­pra­xis der Sach­be­ar­bei­ter der Ar­beits­agen­tu­ren ver­ein­heit­licht wer­den, und zwar in ei­ner Wei­se, die dem Ge­setz und der Recht­spre­chung der So­zi­al­ge­rich­te ent­spricht.
Ar­beits­lo­sen­geld I können gemäß § 137 SGB III Ar­beit­neh­mer ver­lan­gen, die
ar­beits­los sind, und
sich bei der Agen­tur für Ar­beit ar­beits­los ge­mel­det ha­ben, und
die An­wart­schafts­zeit erfüllt ha­ben.
Wer ist arbeitslos im Sinne der Anspruchsvoraussetzungen für das Arbeitslosengeld I?
Ar­beits­los ist ein Ar­beit­neh­mer gemäß § 138 SGB III, der die fol­gen­den drei Vor­aus­set­zun­gen erfüllt:
Er darf nicht in ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­hen (Beschäfti­gungs­lo­sig­keit), und
er muss sich bemühen, sei­ne Beschäfti­gungs­lo­sig­keit zu be­en­den (Ei­gen­bemühun­gen), und
er muss den Ver­mitt­lungs­bemühun­gen der Ar­beits­agen­tur zur Verfügung ste­hen (Verfügbar­keit).
Ei­ne eh­ren­amt­li­che Betäti­gung schließt Ar­beits­lo­sig­keit nicht aus, wenn da­durch die be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung des Ar­beits­lo­sen nicht be­ein­träch­tigt wird. Ei­ne zeit­lich nicht er­heb­li­che Er­werbstätig­keit von we­ni­ger als 15 St­un­den wöchent­lich schließt die Beschäfti­gungs­lo­sig­keit nicht aus, wo­bei ge­le­gent­li­che Ab­wei­chun­gen von ge­rin­ger Dau­er un­berück­sich­tigt blei­ben.
Im Rah­men der Ei­gen­bemühun­gen hat der Ar­beits­lo­se al­le Möglich­kei­ten zur be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rung zu nut­zen. Hier­zu gehören ins­be­son­de­re die Wahr­neh­mung der Ver­pflich­tun­gen aus ei­ner Ein­glie­de­rungs­ver­ein­ba­rung, die Mit­wir­kung bei der Ver­mitt­lung durch Drit­te und die In­an­spruch­nah­me der Selbst­in­for­ma­ti­ons­ein­rich­tun­gen der Agen­tur für Ar­beit.
Den Ver­mitt­lungs­bemühun­gen der Ar­beits­agen­tur ste­hen Ar­beit­neh­mer zur Verfügung, die fol­gen­de Be­din­gun­gen erfüllen:
Sie müssen ei­ne ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge, min­des­tens 15 St­un­den wöchent­lich um­fas­sen­de, zu­mut­ba­re Beschäfti­gung un­ter den übli­chen Be­din­gun­gen des für sie in Be­tracht kom­men­den Ar­beits­mark­tes ausüben können und zur Ausübung be­reit sein,
sie müssen den Vor­schlägen der Agen­tur für Ar­beit zur be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rung zeit- und orts­nah Fol­ge leis­ten können, und
sie müssen da­zu be­reit sein, an Maßnah­men zur be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rung in das Er­werbs­le­ben teil­zu­neh­men.
Was schreibt das Gesetz zur Arbeitslosmeldung vor?
Gemäß § 141 Abs.1 SGB III hat sich der Ar­beits­lo­se persönlich bei der zuständi­gen Agen­tur für Ar­beit ar­beits­los zu mel­den. Ei­ne Mel­dung per Brief, Fax, Te­le­fon oder durch ei­nen Stell­ver­tre­ter ist al­so un­zulässig bzw. führt nicht zum Ent­ste­hen ei­nes An­spruchs auf Ar­beits­lo­sen­geld.
In zeit­li­cher Hin­sicht ist ei­ne Mel­dung be­reits dann zulässig, wenn die Ar­beits­lo­sig­keit noch nicht ein­ge­tre­ten, der Ein­tritt der Ar­beits­lo­sig­keit aber in­ner­halb der nächs­ten drei Mo­na­te zu er­war­ten ist. Die Ar­beits­los­mel­dung muss spätes­tens am ers­ten Tag des vom Ar­beit­neh­mer gewünsch­ten Leis­tungs­be­zugs er­fol­gen, da oh­ne ei­ne sol­che Mel­dung Ar­beits­lo­sen­geld I nicht gewährt wird. Ei­ne rück­wir­ken­de Leis­tungs­be­wil­li­gung ist aus­ge­schlos­sen.
Von der Ar­beits­los­mel­dung ist die „frühzei­ti­ge Ar­beits­su­che“ zu un­ter­schei­den, d.h. die Mel­dung als ar­beit­su­chend. Gemäß § 38 Abs.1 SGB III sind Ar­beit­neh­mer, de­ren Ar­beits­verhält­nis vor­aus­sicht­lich en­den wird, da­zu ver­pflich­tet, sich spätes­tens drei Mo­na­te vor des­sen Be­en­di­gung persönlich bei der Agen­tur für Ar­beit ar­beit­su­chend zu mel­den. Zu die­sem Zeit­punkt ist die Ar­beits­lo­sig­keit da­her noch (lan­ge) nicht ein­ge­tre­ten, so dass ei­ne Ar­beits­los­mel­dung noch nicht möglich ist. § 38 Abs.1 SGB III lau­tet:
"(1) Per­so­nen, de­ren Aus­bil­dungs- oder Ar­beits­verhält­nis en­det, sind ver­pflich­tet, sich spätes­tens drei Mo­na­te vor des­sen Be­en­di­gung persönlich bei der Agen­tur für Ar­beit ar­beit­su­chend zu mel­den. Lie­gen zwi­schen der Kennt­nis des Be­en­di­gungs­zeit­punk­tes und der Be­en­di­gung des Aus­bil­dungs- oder Ar­beits­verhält­nis­ses we­ni­ger als drei Mo­na­te, ha­ben sie sich in­ner­halb von drei Ta­gen nach Kennt­nis des Be­en­di­gungs­zeit­punk­tes zu mel­den. Zur Wah­rung der Frist nach den Sätzen 1 und 2 reicht ei­ne An­zei­ge un­ter An­ga­be der persönli­chen Da­ten und des Be­en­di­gungs­zeit­punk­tes aus, wenn die persönli­che Mel­dung nach ter­min­li­cher Ver­ein­ba­rung nach­ge­holt wird. Die Pflicht zur Mel­dung be­steht un­abhängig da­von, ob der Fort­be­stand des Aus­bil­dungs- oder Ar­beits­verhält­nis­ses ge­richt­lich gel­tend ge­macht oder vom Ar­beit­ge­ber in Aus­sicht ge­stellt wird. Die Pflicht zur Mel­dung gilt nicht bei ei­nem be­trieb­li­chen Aus­bil­dungs­verhält­nis. Im Übri­gen gel­ten für Aus­bil­dung- und Ar­beit­su­chen­de die Mel­de­pflich­ten im Leis­tungs­ver­fah­ren nach den §§ 309 und 310 ent­spre­chend."
Wer hat die Anwartschaftszeit erfüllt?
Die An­wart­schafts­zeit hat gemäß § 142 SGB III erfüllt, wer in der sog. Rah­men­frist min­des­tens zwölf Mo­na­te in ei­nem Ver­si­che­rungs­pflicht­verhält­nis ge­stan­den hat. Die Rah­men­frist beträgt gemäß § 143 Abs.1 SGB III im All­ge­mei­nen zwei Jah­re und be­ginnt mit dem Tag vor der Erfüllung al­ler sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen für den An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld. Da für die Be­rech­nung der Dau­er des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs al­ler­dings ei­ne "um drei Jah­re er­wei­ter­te Rah­men­frist" maßgeb­lich ist (§ 147 Abs.1 Satz 1 SGB III), gilt im Nor­mal­fall ei­ne Rah­men­frist von fünf Jah­ren.
Dem­zu­fol­ge setzt der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld nicht nur vor­aus, dass der Ar­beit­neh­mer vor Be­ginn sei­ner Ar­beits­lo­sig­keit zwölf Mo­na­te lang ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäftigt war und dass sein Ar­beit­ge­ber da­her Beiträge zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung für ihn ab­geführt hat. Wei­te­re Vor­aus­set­zung für den An­spruch auf Alg I ist zu­dem, dass die an­spruchs­be­gründen­den zwölf Beschäfti­gungs­mo­na­te nicht all­zu lan­ge zurück­lie­gen, d.h. sie müssen in­ner­halb von fünf Jah­ren vor Be­ginn der Ar­beits­lo­sig­keit ab­sol­viert wor­den sein. Lie­gen Beschäfti­gungs­zei­ten länger zurück und fal­len da­her nicht in die­se Rah­men­frist hin­ein, wer­den sie bei der Fra­ge, ob ein Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch be­steht, nicht berück­sich­tigt.
Wie lange wird Arbeitslosengeld I gewährt?
In­fol­ge der En­de 2003 von der da­ma­li­gen rot-grünen-Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on be­schlos­se­nen Leis­tungskürzun­gen in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung zum 01.01.2004 ("Agen­da 2010") kam es zu ei­nem jah­re­lan­gen po­li­ti­schen Streit über die an­ge­mes­se­ne Dau­er des Ar­beits­lo­sen­gel­des. Dar­auf­hin be­schloss die fol­gen­de Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on von CDU/CSU und SPD im Ja­nu­ar 2008 ei­ne Kor­rek­tur der Agen­da 2010, die rück­wir­kend zum 01.01.2008 in Kraft trat und ei­ne Verlänge­rung des Ar­beits­lo­sen­geld­be­zugs für älte­re Ar­beit­neh­mer vor­sah.
Die­ser Kor­rek­tur zu­fol­ge be­kom­men
50jähri­ge Ar­beits­lo­se nach ei­ner Beschäfti­gungs­zeit von min­des­tens 30 Mo­na­ten 15 Mo­na­te Ar­beits­lo­sen­geld (zu­vor wa­ren es nur zwölf Mo­na­te),
55jähri­ge Ar­beits­lo­se nach ei­ner Beschäfti­gungs­zeit von 36 Mo­na­ten 18 Mo­na­te Ar­beits­lo­sen­geld (wie be­reits zu­vor), und
58jähri­ge Ar­beits­lo­se nach ei­ner Beschäfti­gungs­zeit von 48 Mo­na­ten 24 Mo­na­te Ar­beits­lo­sen­geld (zu­vor wa­ren es nur 15 Mo­na­te).
Die­se Re­ge­lun­gen sind im­mer noch Teil der ak­tu­ell gülti­gen Vor­schrift zur Be­zugs­dau­er von Alg I, nämlich von § 147 Abs.2 SGB III. Da­nach beträgt die Dau­er des An­spruchs auf Ar­beits­lo­sen­geld:
nach Ver­si­che­rungs­pflicht­verhält­nis­sen
mit ei­ner Dau­er von ins­ge­samt
min­des­tens . . . Mo­na­ten
und nach Voll­endung
des . . . Le­bens­jah­res
... Mo­na­te
Für die Fest­stel­lung der Ver­si­che­rungs­zei­ten gilt ei­ne um drei Jah­re länge­re Rah­men­frist, ins­ge­samt al­so ein Zeit­raum von fünf Jah­ren vor Ein­tritt der Ar­beits­lo­sig­keit.
In welcher Höhe wird Arbeitslosengeld I gewährt?
Das Ar­beits­lo­sen­geld beträgt 60 Pro­zent (all­ge­mei­ner Leis­tungs­satz) und bei Ar­beit­neh­mern mit min­des­tens ei­nem Kind 67 Pro­zent (erhöhter Leis­tungs­satz) des zu­letzt be­zo­ge­nen Net­to­ge­hal­tes.
Die­ses Net­to­ge­halt wird pau­schal be­rech­net auf der Grund­la­ge der ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten zum Ab­zug von So­zi­al­ab­ga­ben und Steu­ern. Das pau­schal be­rech­ne­te Net­to­ge­halt ist das sog. Leis­tungs­ent­gelt (§ 149 SGB III). Es ist Aus­gangs­punkt für die Be­rech­nung der Höhe des Ar­beits­lo­sen­gel­des.
Das Leis­tungs­ent­gelt wird aus­ge­hend vom Be­mes­sungs­ent­gelt er­rech­net. Das Be­mes­sungs­ent­gelt ist das durch­schnitt­lich auf den Tag ent­fal­len­de bei­trags­pflich­ti­ge Brut­to­ent­gelt, das der Ar­beits­lo­se im Be­mes­sungs­zeit­raum er­zielt hat (§ 151 Abs.1 Satz 1 SGB III). Ge­halts­be­stand­tei­le, auf die der Ar­beits­lo­se beim Aus­schei­den aus dem Beschäfti­gungs­verhält­nis An­spruch hat­te, gel­ten als er­zielt, wenn sie zu­ge­flos­sen oder nur we­gen Zah­lungs­unfähig­keit des Ar­beit­ge­bers nicht zu­ge­flos­sen sind. Der Be­mes­sungs­zeit­raum um­fasst grob ge­sagt das letz­te Jahr vor Be­ginn der Ar­beits­lo­sig­keit. Ein­zel­hei­ten sind in § 150 SGB III ge­re­gelt.
Das in die­sem Jahr er­ziel­te Ar­beits­ent­gelt ist für die Er­mitt­lung des Be­mes­sungs­ent­gelts maßgeb­lich, vor­aus­ge­setzt, das Ar­beits­ent­gelt wur­de durch ei­ne ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäfti­gung er­zielt und ist bei­trags­pflich­tig zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung.
Die Vor­aus­set­zung der ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäfti­gung ist bei­spiels­wei­se bei ei­ner ge­ringfügi­gen Tätig­keit („Mi­ni­job“) nicht erfüllt, da für die­se kei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung be­steht. Die Vor­aus­set­zung der Bei­trags­pflich­tig­keit des Ent­gelts ist auch bei Bes­ser­ver­die­nen­den nicht erfüllt, nämlich teil­wei­se bzw. in­so­weit, als ihr Ar­beits­ein­kom­men die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung über­steigt.
Die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ent­spricht der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung (§ 341 Abs.4 SGB III) und beträgt im Jah­re 2017 pro Mo­nat 6.350 EUR (al­te Bun­desländer) bzw. 5.700 EUR (neue Bun­desländer) und aufs Jahr ge­rech­net 76.200 EUR (al­te Bun­desländer) bzw. 68.400 EUR (neue Bun­desländer). Darüber lie­gen­de Ar­beits­ein­kom­men sind in­so­weit, als sie die­se Gren­ze über­stei­gen, in der Ar­beits­lo­sen- wie in der Ren­ten­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­frei, d.h. der über­stei­gen­de Ge­halts­an­teil ist nicht ver­si­chert.
Ist das für die Er­mitt­lung des Be­mes­sungs­ent­gelts im letz­ten Jahr vor der Ar­beits­lo­sig­keit maßgeb­li­che Ar­beits­ent­gelt er­mit­telt, wird es durch 365 ge­teilt (§ 151 Abs.1 Satz 1 SGB III) und von die­sem tägli­chen Be­mes­sungs­ent­gelt gemäß § 153 Abs.1 Satz 1 SGB III ei­ne So­zi­al­ver­si­che­rungs­pau­scha­le in Höhe von 21 Pro­zent, die Lohn­steu­er gemäß Lohn­steu­er­ta­bel­le (d.h. oh­ne in­di­vi­du­el­le Frei­beträge und Pau­scha­len) so­wie der So­li­da­ritäts­zu­schlag ab­ge­zo­gen. Das Er­geb­nis die­ser Abzüge ist das tägli­che Leis­tungs­ent­gelt.
Das Leis­tungs­ent­gelt wird je nach­dem, ob der Ar­beit­neh­mer den all­ge­mei­nen oder den erhöhten Leis­tungs­satz be­an­spru­chen kann, mit 0,6 oder 0,67 mul­ti­pli­ziert; dies er­gibt den tägli­chen Leis­tungs­satz bzw. Zahl­be­trag. Ist Ar­beits­lo­sen­geld für vol­le Ka­len­der­mo­na­te zu leis­ten, wird je­der Mo­nat pau­schal mit 30 Ta­gen an­ge­setzt (§ 154 Satz 2 SGB III), d.h. der Ar­beits­lo­se erhält pro Mo­nat den tägli­chen Zahl­be­trag mal dreißig.
Wann und wie wird das Arbeitslosengeld I ausgezahlt?
Ar­beits­lo­sen­geld I wird je­weils mo­nat­lich nachträglich aus­ge­zahlt (§ 337 Abs.2 SGB III), und zwar bar­geld­los und kos­ten­frei auf ein vom Empfänger an­ge­ge­be­nes inländi­sches Kon­to (§ 337 Abs.1 Satz 1 SGB III).
Geht al­les mit rech­ten Din­gen zu, wird die Über­wei­sung von der Ar­beits­agen­tur so zei­tig an­ge­wie­sen, dass der Be­rech­tig­te am ers­ten Bank­ar­beits­tag des Fol­ge­mo­nats über das Ar­beits­lo­sen­geld verfügen kann.
Wie wird das Arbeitslosengeld I steuerlich behandelt?
Das Ar­beits­lo­sen­geld I ist gemäß § 3 Nr.2 Ein­kom­men­steu­er­ge­setz (EStG) zwar „steu­er­frei“, un­ter­liegt aber dem Pro­gres­si­ons­vor­be­halt nach § 32b Abs1 Nr.1 EStG.
Das heißt, dass der Ar­beits­lo­sen­geld­empfänger zwar, falls er außer dem Ar­beits­lo­sen­geld kei­ne wei­te­ren Einkünf­te er­zielt, kei­ne Ein­kom­men­steu­er zu ent­rich­ten hat, da das Ar­beits­lo­sen­geld steu­er­frei ist. Er­zielt er je­doch an­der­wei­ti­ges zu ver­steu­ern­des Ein­kom­men, ist bei der Er­mitt­lung des Steu­er­sat­zes, der auf das an­der­wei­ti­ge Ein­kom­men an­zu­wen­den ist, das er­hal­te­ne Ar­beits­lo­sen­geld hin­zu­zu­rech­nen (Pro­gres­si­ons­vor­be­halt).
Im Er­geb­nis be­deu­tet dies, dass der Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld da­zu führen kann, dass an­de­re Einkünf­te höher be­steu­ert wer­den, als dies oh­ne den Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld der Fall wäre.
Besteht während des Arbeitslosengeldbezugs Schutz in der Kranken- und Rentenversicherung?
Nach § 190 Abs.2 Fünf­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB V) en­det die Mit­glied­schaft ei­nes ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung mit dem En­de des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses. Die­ses ab­rup­te En­de der beschäfti­gungs­be­ding­ten Mit­glied­schaft in der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­se wird ab­ge­fe­dert durch ei­nen für ei­nen Mo­nat nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nach­ge­hen­den Leis­tungs­an­spruch gemäß § 19 Abs.2 SGB V: En­det die Mit­glied­schaft Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger, können Leis­tun­gen noch für ei­nen Mo­nat nach dem En­de der Mit­glied­schaft be­an­sprucht wer­den, so­lan­ge kei­ne Er­werbstätig­keit aus­geübt wird.
Be­reits vor Ab­lauf die­ses Mo­nats, in der Re­gel mit dem un­mit­tel­bar nach Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ein­set­zen­den Ar­beits­lo­sen­geld­be­zug, setzt die ge­genüber § 19 Abs.2 SGB V vor­ran­gi­ge ei­genständi­ge ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung der Ar­beits­lo­sen (kurz: „KV­dA“) ein: § 5 Abs.1 Nr.2 SGB V be­stimmt, dass Ar­beits­lo­se während des Be­zugs von Ar­beits­lo­sen­geld in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­pflich­tig sind, so dass sie im Krank­heits­fall auf­grund ei­ner ei­genständi­gen Mit­glied­schaft in der Kran­ken­ver­si­che­rung geschützt sind.
Dem Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld gleich­ge­stellt ist der Fall, dass der Ar­beits­lo­se Ar­beits­lo­sen­geld I nicht be­zieht, weil der An­spruch ab Be­ginn des zwei­ten Mo­nats bis zur zwölf­ten Wo­che ei­ner Sperr­zeit gemäß § 159 SGB III oder ab Be­ginn des zwei­ten Mo­nats we­gen ei­ner Ur­laubs­ab­gel­tung im Sin­ne von § 157 Abs.2 SGB III ruht. Da­mit wird si­cher­ge­stellt, dass mit ei­ner Sperr­zeit be­leg­te Ar­beits­lo­se nach Ab­lauf des nach­wir­ken­den An­spruchs gemäß § 19 Abs.2 SGB V eben­falls in den Schutz der KV­dA ein­be­zo­gen wer­den.
Darüber hin­aus sind Per­so­nen gemäß § 3 Satz 1 Nr.3 Sechs­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB VI) in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­pflich­tig in der Zeit, für die sie Ar­beits­lo­sen­geld be­zie­hen, wenn sie im letz­ten Jahr vor Be­ginn der Leis­tung zu­letzt ver­si­che­rungs­pflich­tig wa­ren.
Wer trägt die Beiträge für die Kranken- und Rentenversicherung der Arbeitslosen?
Mit dem fort­be­ste­hen­den Ver­si­che­rungs­schutz Ar­beits­lo­ser in der ge­setz­li­chen Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rung stellt sich die Fra­ge, wer die da­mit ver­bun­de­ne Bei­trags­last tra­gen muss. Dies ist kraft ge­setz­li­cher Re­ge­lung die Bun­des­agen­tur für Ar­beit: Während der Dau­er der Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht Ar­beits­lo­ser trägt die Ar­beits­agen­tur so­wohl die Kran­ken­ver­si­che­rungs­beiträge (§ 251 Abs.4a SGB V) als auch die Ren­ten­beiträge für die Zeit der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht Ar­beits­lo­ser (§ 170 Abs.1 Nr.2 b) SGB VI).
Ist ein Ar­beit­neh­mer auf­grund des Über­schrei­tens der Jah­res­ar­beits­ent­gelt­gren­ze in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung gemäß § 6 Abs.1 Nr.1 SGB V ver­si­che­rungs­frei und hat sich da­her bei ei­ner pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung ver­si­chert, ist er in al­ler Re­gel auch bei ei­ner pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung ge­gen das Ri­si­ko der Pfle­ge­bedürf­tig­keit ver­si­chert, da § 23 Elf­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB XI) pri­vat voll­kran­ken­ver­si­cher­te Per­so­nen zum Ab­schluss ei­ner pri­va­ten Pfle­ge­ver­si­che­rung ver­pflich­tet. Trotz des Be­ste­hens ei­ner pri­va­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung sind sol­che Ar­beit­neh­mer ab Be­ginn des Be­zugs von Ar­beits­lo­sen­geld in der KV­dA ver­si­che­rungs­pflich­tig (§ 5 Abs.1 Nr.2 SGB V).
In die­ser Si­tua­ti­on können sich Ar­beits­lo­se ent­we­der mit der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung auf das vorüber­ge­hen­de Ru­hen des Ver­si­che­rungs­schut­zes und der Bei­trags­zah­lun­gen ei­ni­gen oder aber gemäß § 8 Abs.1 Nr.1a) SGB V be­an­tra­gen, von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der KV­dA be­freit zu wer­den. Vor­aus­set­zung für die­sen An­trag ist, ab­ge­se­hen vom Ar­beits­lo­sen­geld­be­zug, dass der Ar­beits­lo­se in den letz­ten fünf Jah­ren vor dem Leis­tungs­be­zug nicht ge­setz­lich kran­ken­ver­si­chert war, bei ei­nem pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men ver­si­chert ist und Ver­trags­leis­tun­gen erhält, die der Art und dem Um­fang nach den Leis­tun­gen der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ent­spre­chen.
In­fol­ge ei­ner sol­chen Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der KV­dA müssen al­ler­dings die Beiträge zur pri­va­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung wei­ter ent­rich­tet wer­den, was mit er­heb­li­chen fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen ver­bun­den sein kann. Um die­se ab­zu­mil­dern, sieht § 174 SGB III vor, dass die Bun­des­agen­tur für Ar­beit die Beiträge zur pri­va­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung über­nimmt. Der An­spruch auf Bei­tragsüber­nah­me ist auf die Beiträge be­grenzt, die die Ar­beits­ver­wal­tung an­sons­ten an die ge­setz­li­che Kran­ken- bzw. Pfle­ge­ver­si­che­rung zu ent­rich­ten hätte. Der Ar­beits­lo­se wird in dem Um­fang der Über­nah­me der Bei­trags­last durch die Bun­des­agen­tur von sei­ner Pflicht zur Bei­trags­zah­lung be­freit (§ 174 Abs.3 SGB III).
Welche Folgen hat das Zusammentreffen von Arbeitslosigkeit und Krankheit?
Auf­grund ih­rer Ver­si­che­rungs­pflicht in der KV­dA gemäß § 5 Abs.1 Nr.2 SGB V ha­ben Be­zie­her von Ar­beits­lo­sen­geld I ei­nen An­spruch auf Kran­ken­geld, wenn ih­re Krank­heit sie ar­beits­unfähig macht oder sie auf Kos­ten der Kran­ken­kas­se sta­ti­onär in ei­nem Kran­ken­haus, ei­ner Vor­sor­ge- oder Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tung be­han­delt wer­den. Ähn­lich wie Ar­beit­neh­mer ha­ben auch Ar­beits­lo­se im Fal­le krank­heits­be­ding­ter Ar­beits­unfähig­keit für die Dau­er von sechs Wo­chen ei­nen ge­genüber dem Kran­ken­geld vor­ran­gi­gen An­spruch auf Leis­tungs­fort­zah­lung bei Ar­beits­lo­sen­geld (§ 146 SGB III). Während die­ser Zeit ruht der An­spruch auf Kran­ken­geld (§ 49 Abs.1 Nr.3a SGB V).
Setzt nach Ab­lauf der sechswöchi­gen Leis­tungs­fort­zah­lung der Kran­ken­geld­be­zug ein, ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld (§ 156 Abs.1 Nr.2 SGB III). Ab­wei­chend von § 47 Abs.1 Satz 1 SGB V, wo­nach das Kran­ken­geld 70 Pro­zent des zu­letzt er­ziel­ten re­gelmäßigen Ar­beits­ent­gelts beträgt, sieht § 47b SGB V ei­ne Fest­set­zung des Kran­ken­gel­des auf den Be­trag des Ar­beits­lo­sen­gel­des vor, den der Ver­si­cher­te zu­letzt be­zo­gen hat, um auf die­se Wei­se ei­ne nicht ge­recht­fer­tig­te fi­nan­zi­el­le Bes­ser­stel­lung des im Kran­ken­geld­be­zug be­find­li­chen Ar­beits­lo­sen ge­genüber sei­ner vor­he­ri­gen Si­tua­ti­on zu ver­mei­den.
Während die Leis­tungs­fort­zah­lung bei krank­heits­be­ding­ter Ar­beits­unfähig­keit gemäß § 146 SGB III den Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch für die Dau­er der Krank­heit bzw. der Leis­tungs­fort­zah­lung durch Erfüllung gemäß § 148 Abs.1 Nr.1 SGB III min­dert, ist dies beim Kran­ken­geld­be­zug nicht der Fall, da der Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch in die­sem Fal­le ruht (§ 49 Abs.1 Nr.3a SGB V) und da­her nach Ab­lauf des Kran­ken­geld­be­zugs für die zu­vor be­ste­hen­de Rest­dau­er wei­ter ge­zahlt wer­den muss. Außer­dem be­steht gemäß § 26 Abs.2 Nr.1 SGB III während des Be­zugs von Kran­ken­geld Ver­si­che­rungs­pflicht in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung, falls der Kran­ken­geld­be­zie­her un­mit­tel­bar vor Be­ginn der Leis­tung als Beschäftig­ter ver­si­che­rungs­pflich­tig war oder Ar­beits­lo­sen­geld I be­zo­gen hat.
Der Kran­ken­geld­be­zug ist da­her aus Sicht des Ar­beits­lo­sen nicht nur we­gen der länge­ren An­spruchs­dau­er von ma­xi­mal 78 Wo­chen güns­ti­ger als die höchs­tens sechswöchi­ge Leis­tungs­fort­zah­lung des Ar­beits­lo­sen­gel­des, son­dern zu­dem aus zwei an­de­ren Gründen: Zum ei­nen min­dert der Kran­ken­geld­be­zug an­ders als die Leis­tungs­fort­zah­lung nicht den ver­blei­ben­den Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch. Zum an­de­ren trägt der Kran­ken­geld­be­zug zum Ent­ste­hen ei­nes neu­en Stamm­rechts auf Ar­beits­lo­sen­geld­be­zug bei.
In ver­gleich­ba­rer Wei­se stel­len sich Ar­beit­neh­mer bes­ser, wenn sie kurz vor Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses ar­beits­unfähig er­kran­ken als wenn dies erst kurz nach Be­ginn des Ar­beits­lo­sen­geld­be­zugs ge­schieht:
Be­fin­den sich Ar­beit­neh­mer vor Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses im Kran­ken­geld­be­zug, wird ih­re Mit­glied­schaft in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung auf­grund des über die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses hin­aus an­dau­ern­den Kran­ken­geld­be­zugs gemäß § 192 Abs.1 Nr.2 SGB V auf­recht­er­hal­ten, so dass sie auch wei­ter­hin kran­ken­geld­be­rech­tigt blei­ben, falls die Ar­beits­unfähig­keit wei­ter oh­ne Un­ter­bre­chung an­dau­ert.
Das­sel­be gilt, wenn das Ar­beits­verhält­nis des ar­beits­unfähig er­krank­ten Ar­beit­neh­mers vor Ab­lauf des sechswöchi­gen Ent­gelt­fort­zah­lungs­zeit­raums be­en­det wird, da der An­spruch auf Kran­ken­geld be­reits mit Be­ginn der Er­kran­kung dem Grun­de nach ent­steht (§§ 44 Abs.1 Satz 1; 46 Satz 1 SGB V) und während der Ent­gelt­fort­zah­lung le­dig­lich ruht (§ 49 Abs.1 Nr.1 SGB V). Auch in die­sem Fall be­steht da­her die Mit­glied­schaft in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung über die Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses hin­aus gemäß § 192 Abs.1 Nr.2 SGB V fort.
Wann wird eine Sperrzeit verhängt?
Hat sich der Ar­beit­neh­mer ver­si­che­rungs­wid­rig ver­hal­ten, oh­ne dafür ei­nen wich­ti­gen Grund zu ha­ben, tritt gemäß § 159 SGB III ei­ne Sperr­zeit ein, für de­ren Dau­er der Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch ruht.
Ver­si­che­rungs­wid­ri­ges Ver­hal­ten liegt gemäß § 159 Abs.1 Satz 2 SGB III vor, wenn
der Ar­beits­lo­se das Beschäfti­gungs­verhält­nis gelöst oder durch ein ar­beits­ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten An­lass für die Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ge­ge­ben und da­durch vorsätz­lich oder grob fahrlässig die Ar­beits­lo­sig­keit her­bei­geführt hat (Sperr­zeit bei Ar­beits­auf­ga­be),
der bei der Agen­tur für Ar­beit als ar­beit­su­chend ge­mel­de­te Ar­beit­neh­mer (§ 38 SGB III) oder der Ar­beits­lo­se trotz Be­leh­rung über die Rechts­fol­gen ei­ne von der Agen­tur für Ar­beit un­ter Be­nen­nung des Ar­beit­ge­bers und der Art der Tätig­keit an­ge­bo­te­ne Beschäfti­gung nicht an­nimmt oder nicht an­tritt oder die An­bah­nung ei­nes sol­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses, ins­be­son­de­re das Zu­stan­de­kom­men ei­nes Vor­stel­lungs­gespräches, durch sein Ver­hal­ten ver­hin­dert (Sperr­zeit bei Ar­beitsab­leh­nung),
der Ar­beits­lo­se trotz Be­leh­rung über die Rechts­fol­gen die von der Agen­tur für Ar­beit ge­for­der­ten Ei­gen­bemühun­gen nicht nach­weist (Sperr­zeit bei un­zu­rei­chen­den Ei­gen­bemühun­gen),
der Ar­beits­lo­se sich wei­gert, trotz Be­leh­rung über die Rechts­fol­gen an ei­ner Maßnah­me der Eig­nungs­fest­stel­lung, ei­ner Trai­nings­maßnah­me oder ei­ner Maßnah­me zur be­ruf­li­chen Aus­bil­dung oder Wei­ter­bil­dung oder ei­ner Maßnah­me zur Teil­ha­be am Ar­beits­le­ben teil­zu­neh­men (Sperr­zeit bei Ab­leh­nung ei­ner be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rungs­maßnah­me),
der Ar­beits­lo­se die Teil­nah­me an ei­ner in Num­mer 4 ge­nann­ten Maßnah­me ab­bricht oder durch maßnah­me­wid­ri­ges Ver­hal­ten An­lass für den Aus­schluss aus ei­ner die­ser Maßnah­men gibt (Sperr­zeit bei Ab­bruch ei­ner be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rungs­maßnah­me),
der Ar­beits­lo­se ei­ner Auf­for­de­rung der Agen­tur für Ar­beit, sich zu mel­den oder zu ei­nem ärzt­li­chen oder psy­cho­lo­gi­schen Un­ter­su­chungs­ter­min zu er­schei­nen (§ 309 SGB III), trotz Be­leh­rung über die Rechts­fol­gen nicht nach­kommt (Sperr­zeit bei Mel­de­versäum­nis),
der Ar­beits­lo­se sei­ner Mel­de­pflicht nach § 38 SGB III nicht nach­ge­kom­men ist (Sperr­zeit bei ver­späte­ter Ar­beit­su­chend­mel­dung).
Der Ar­beit­neh­mer hat die für die Be­ur­tei­lung ei­nes wich­ti­gen Grun­des maßge­ben­den Tat­sa­chen dar­zu­le­gen und nach­zu­wei­sen, wenn die­se in sei­ner Sphäre oder in sei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­reich lie­gen.
Die Recht­spre­chung der So­zi­al­ge­rich­te und die dar­an ori­en­tier­te Ver­wal­tungs­pra­xis der Ar­beits­agen­tu­ren er­ken­nen in vie­len Si­tua­tio­nen zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers bzw. Ar­beits­lo­sen an, dass ein "ver­si­che­rungs­wid­ri­ges Ver­hal­ten" wie z.B. die Ar­beits­auf­ga­be durch Ei­genkündi­gung oder Auf­he­bungs­ver­trag durch ei­nen wich­ti­gen Grund ge­recht­fer­tigt sein kann.
Ei­nen gu­ten Über­blick über die­se Fälle fin­det man in den von der Bun­des­agen­tur veröffent­lich­ten Geschäfts­an­wei­sun­gen (GA) zu § 159 SGB III (Stand De­zem­ber 2016), mit de­nen die Ge­set­zes­an­wen­dung durch die Sach­be­ar­bei­ter der Ar­beits­agen­tu­ren ver­ein­heit­licht wer­den soll.
In den GA zu § 159 SGB III (Stand De­zem­ber 2016) wer­den un­ter an­de­rem fol­gen­de Fälle als wich­ti­ger Grund für ei­ne Ar­beits­auf­ga­be an­er­kannt (Punkt 159.1.2.1, S.10 ff.):
Die vom Ar­beit­neh­mer bzw. Ar­beits­lo­sen er­war­te­te oder ver­lang­te Ar­beit verstößt ge­gen ge­setz­li­che Be­stim­mun­gen, ta­rif­recht­li­che Re­ge­lun­gen oder ge­gen "die gu­ten Sit­ten".
Die Be­zah­lung ist sit­ten­wid­rig ge­ring, d.h. sie liegt min­des­tens 20 Pro­zent un­ter dem Ta­rif­lohn oder der ortsübli­chen Be­zah­lung.
Der Ar­beit­ge­ber ist in­sol­vent ge­wor­den.
Der Ar­beit­neh­mer bzw. Ar­beits­lo­se wird am Ar­beits­platz ge­mobbt oder se­xu­ell belästigt.
Die Beschäfti­gung wird zur Be­gründung, Auf­recht­er­hal­tung oder Wie­der­her­stel­lung der ehe­li­chen Ge­mein­schaft oder ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft auf­ge­ge­ben.
Wei­ter­ge­hen­de In­for­ma­tio­nen zu der Fra­ge, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ne Sperr­zeit verhängt wird, fin­den Sie un­ter den Stich­wor­ten Sperr­zeit, Sperr­frist und Auf­he­bungs­ver­trag und Sperr­zeit.
Welche Folgen hat eine Sperrzeit?
Während ei­ner Sperr­zeit erhält der Ar­beits­lo­se zunächst ein­mal kein Ar­beits­lo­sen­geld, da der An­spruch ja gemäß § 159 Abs.1 Satz 1 SGB III ruht.
Die Dau­er der Sperr­zeit wird vom Ge­setz un­ter­schied­lich lang fest­ge­legt je nach­dem, für wie gra­vie­rend der Ge­setz­ge­ber das zur Sperr­zeit führen­de ver­si­che­rungs­wid­ri­ge Ver­hal­ten an­sieht.
So dau­ert die Sperr­zeit bei Ar­beits­auf­ga­be in der Re­gel zwölf Wo­chen, die Dau­er ei­ner Sperr­zeit we­gen Ar­beitsab­leh­nung, bei Ab­leh­nung oder bei Ab­bruch ei­ner be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rungs­maßnah­me je nach La­ge des Fal­les drei, sechs oder zwölf Wo­chen usw. Die Dau­er ei­ner Sperr­zeit bei Mel­de­versäum­nis oder bei ver­späte­ter Ar­beit­su­chend­mel­dung beträgt da­ge­gen nur ei­ne Wo­che.
Darüber hin­aus führt ei­ne Sperr­zeit aber auch zum endgülti­gen Weg­fall, d.h. zur ef­fek­ti­ven Min­de­rung des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs.
Der Um­fang der Min­de­rung des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs stimmt im All­ge­mei­nen mit der Dau­er der Sperr­zeit übe­rein, doch gibt es auch hier Un­ter­schie­de im De­tail. So min­dert zum Bei­spiel ei­ne Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be, falls sie im Re­ge­l­um­fang von zwölf Wo­chen zu verhängen ist, den Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch nicht et­wa nur im Um­fang von zwölf Wo­chen, son­dern min­des­tens um ein Vier­tel der ge­sam­ten An­spruchs­dau­er (§ 148 Abs.1 Nr.4 SGB III). Bei älte­ren Ver­si­cher­ten können Auf­he­bungs­verträge da­her, falls die Ar­beits­agen­tur hierfür kei­nen wich­ti­gen Grund an­er­kennt, bei ei­ner Ge­samt­dau­er des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs von 24 Mo­na­ten zu ei­ner sperr­zeit­be­ding­ten An­spruchs­min­de­rung von sechs Mo­na­ten führen.
Wann ruht der Anspruch auf Arbeitslosengeld?
Der Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch ruht, ab­ge­se­hen von den Fällen ei­ner Sperr­zeit, auch in an­de­ren Fällen, führt da­bei aber im Un­ter­schied zu den Sperr­zeitfällen le­dig­lich zu ei­ner zeit­li­chen Ver­schie­bung des Be­ginns der Zah­lung, nicht aber zu ei­ner An­spruchs­min­de­rung. Das bloße Ru­hen des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs trifft den Ar­beits­lo­sen da­her nicht so hart wie der Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit.
Der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld ruht ins­be­son­de­re,
wenn der Ar­beits­lo­se an­de­re So­zi­al­leis­tun­gen be­zieht wie zum Bei­spiel Kran­ken­geld, Ver­letz­ten­geld, Mut­ter­schafts­geld, Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung oder Al­ters­ren­te (§ 156 SGB III),
wenn der Ar­beits­lo­se ei­nen An­spruch auf Lohn bzw. Ge­halt oder auf Ur­laubs­ab­gel­tung hat oder sol­che Zah­lun­gen er­hal­ten hat (§ 157 SGB III). Wenn sol­che Ansprüche zwar be­ste­hen, aber nicht erfüllt wer­den, gibt es trotz­dem Ar­beits­lo­sen­geld, und zwar im We­ge der "Gleich­wohl­gewährung", § 157 Abs.3 SGB III,
wenn der Ar­beits­lo­se we­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne Ab­fin­dung oder ähn­li­che Leis­tung er­hal­ten oder zu be­an­spru­chen hat und das Ar­beits­verhält­nis oh­ne Ein­hal­tung ei­ner der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist des Ar­beit­ge­bers ent­spre­chen­den Frist be­en­det wur­de (§ 158 SGB III),
wenn der Ar­beits­lo­se durch Be­tei­li­gung an ei­nem inländi­schen Ar­beits­kampf oder oh­ne ak­ti­ve Be­tei­li­gung in ei­nen sol­chen Ar­beits­kampf un­ter be­stimm­ten, im Ge­setz fest­ge­leg­ten Umständen ver­wi­ckelt und da­her ar­beits­los ge­wor­den ist (§ 160 SGB III).
Was versteht man unter Gleichwohlgewährung von Arbeitslosengeld?
Wie erwähnt ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld I gemäß § 157 Abs.1 SGB III während der Zeit, für die der Ar­beits­lo­se Ar­beits­ent­gelt erhält oder zu be­an­spru­chen hat. Die­sel­be Rechts­fol­ge tritt gemäß § 157 Abs.2 SGB III ein, wenn der Ar­beits­lo­se we­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne Ur­laubs­ab­gel­tung er­hal­ten hat oder be­an­spru­chen kann. In die­sem Fall ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld für die Zeit des ab­ge­gol­te­nen bzw. ab­zu­gel­ten­den Ur­laubs.
Es kommt aber vor, dass die­se fi­nan­zi­el­len Ansprüche, d.h. Ar­beits­ent­gelt und/oder Ur­laubs­ab­gel­tung, fak­tisch nicht gewährt wer­den, weil der zur Leis­tung ver­pflich­te­te Ar­beit­ge­ber nicht zah­len kann oder sei­ne Leis­tungs­pflicht zu Un­recht be­strei­tet. In sol­chen Fällen hält § 157 Abs.3 Satz 1 SGB III den Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch auch für die­se Ru­hens­zei­ten auf­recht. Die Vor­schrift lau­tet:
„So­weit die oder der Ar­beits­lo­se die in den Absätzen 1 und 2 ge­nann­ten Leis­tun­gen (Ar­beits­ent­gelt im Sin­ne des § 115 des Zehn­ten Bu­ches) tatsächlich nicht erhält, wird das Ar­beits­lo­sen­geld auch für die Zeit ge­leis­tet, in der der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld ruht."
Die Leis­tung von Ar­beits­lo­sen­geld gemäß § 157 Abs.3 Satz 1 SGB III für Zei­ten, in de­nen der Ar­beits­lo­se zwar ei­nen recht­li­chen An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt oder Ur­laubs­ab­gel­tung hat, die­ser je­doch nicht erfüllt wird, wird als Gleich­wohl­gewährung von Ar­beits­lo­sen­geld be­zeich­net.
Ein im Ar­beits­recht prak­tisch be­son­ders wich­ti­ger Fall der Gleich­wohl­gewährung ist der Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld während der Zeit, in der sich der Ar­beit­ge­ber nach Aus­spruch ei­ner un­wirk­sa­men Kündi­gung im An­nah­me­ver­zug be­fin­det: Hier ist an sich bzw. von Rechts we­gen der Lohn über den Kündi­gungs­ter­min hin­aus wei­ter zu ent­rich­ten, was oft­mals auch nach ei­ner ar­beits­ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung ge­richt­lich fest­ge­stellt wird, doch muss der gekündig­te Ar­beit­neh­mer die Zeit der Un­ge­wiss­heit fi­nan­zi­ell über­brücken und be­fin­det sich da­her zwi­schen­zeit­lich im Ar­beits­lo­sen­geld­be­zug gemäß § 157 Abs.3 SGB III, d.h. er erhält Ar­beits­lo­sen­geld im We­ge der Gleich­wohl­gewährung.
Wie wird der Bezug von gleichwohlgewährtem Arbeitslosengeld rückabgewickelt?
Stellt sich im Nach­hin­ein rechts­ver­bind­lich her­aus, dass der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer, der ei­ne ge­wis­se Zeit Ar­beits­lo­sen­geld im We­ge der Gleich­wohl­gewährung er­hal­ten hat, für die­se Zeit zur Lohn­zah­lung ver­pflich­tet ist, ist die Zah­lungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers ge­spal­ten, d.h. er hat in zwei Rich­tun­gen hin Er­stat­tung zu leis­ten:
Zum ei­nen ist er dem Ar­beit­neh­mer zur Zah­lung von An­nah­me­ver­zugs­lohn (§ 615 Satz 1 BGB) ver­pflich­tet, wo­bei er das vom Ar­beit­neh­mer er­hal­te­ne Ar­beits­lo­sen­geld gemäß § 615 Satz 2 BGB bzw. gemäß § 11 Nr.3 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) in Ab­zug brin­gen kann. Würde ein sol­cher Ab­zug nicht ge­macht, würde sich der Ar­beit­neh­mer im Er­geb­nis fi­nan­zi­ell bes­ser ste­hen als im Fal­le re­gulärer Lohn­zah­lung.
Zum an­de­ren ist der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet, der Bun­des­agen­tur für Ar­beit das vom Ar­beit­neh­mer er­hal­te­ne Ar­beits­lo­sen­geld zu er­stat­ten. Denn der Lohn­an­spruch des Ar­beit­neh­mers ist in Höhe des be­zo­ge­nen Ar­beits­lo­sen­gel­des auf die Bun­des­agen­tur über­ge­gan­gen. Der For­de­rungsüber­gang er­gibt sich aus § 115 Abs.1 Zehn­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB X). Die­se Vor­schrift lau­tet:
„So­weit der Ar­beit­ge­ber den An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf Ar­beits­ent­gelt nicht erfüllt und des­halb ein Leis­tungs­träger So­zi­al­leis­tun­gen er­bracht hat, geht der An­spruch des Ar­beit­neh­mers ge­gen den Ar­beit­ge­ber auf den Leis­tungs­träger bis zur Höhe der er­brach­ten So­zi­al­leis­tun­gen über.“
Darüber hin­aus schul­det der Ar­beit­ge­ber der Bun­des­agen­tur auch die Er­stat­tung der von ihr ge­tra­ge­nen Beiträge zur Kran­ken- und zur Ren­ten­ver­si­che­rung (§ 335 Abs.3 Satz 1 SGB III); die­se Vor­schrift ist ei­ne not­wen­di­ge Ergänzung zu § 115 Abs.1 SGB X, da die­se ei­nen For­de­rungsüber­gang nur in Höhe des vom Ar­beits­lo­sen er­hal­te­nen Ar­beits­lo­sen­gel­des an­ord­net. Er­stat­tet der Ar­beit­ge­ber der Bun­des­agen­tur die von die­ser ge­tra­ge­nen Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge, ist er sei­ner­seits für die­se Zeiträume von der ihn an­sons­ten tref­fen­den Pflicht zur Bei­trags­zah­lung be­freit (§ 335 Abs.3 Satz 2 SGB III).
In der Pra­xis wen­den sich die Ar­beits­agen­tu­ren in Fällen der Gleich­wohl­gewährung mit sog. Über­lei­tungs­mit­tei­lun­gen an den Ar­beit­ge­ber, d.h. sie tei­len die­sem schrift­lich mit, dass der Ar­beit­neh­mer Ar­beits­lo­sen­geld im We­ge der Gleich­wohl­gewährung erhält und man da­her be­reits jetzt den gemäß § 115 Abs.1 SGB X über­ge­lei­te­ten Lohn­an­spruch dem Grun­de nach gel­tend ma­che bzw. zur Zah­lung ein­for­de­re. In die­sem Zu­sam­men­hang wird der Ar­beit­ge­ber auch oft auf­ge­for­dert, auf mögli­cher­wei­se an­zu­wen­den­de Aus­schluss­fris­ten zu ver­zich­ten.
Kann der Arbeitnehmer den Regress der Arbeitsagentur beim Arbeitgeber beeinflussen?
Der Ar­beit­neh­mer hat ein leb­haf­tes Ei­gen­in­ter­es­se dar­an, dass der Ar­beit­ge­ber der Bun­des­agen­tur für Ar­beit das ge­zahl­te Ar­beits­lo­sen­geld I und die Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge er­stat­tet. Die Gleich­wohl­gewährung von Ar­beits­lo­sen­geld führt nämlich, als ganz "nor­ma­le" Ar­beits­lo­sen­geld­zah­lung, da­zu, dass der Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch des Ar­beit­neh­mers durch Erfüllung gemäß § 148 Abs.1 Nr.1 SGB III er­lischt:
Wer da­her zum Bei­spiel für ma­xi­mal zwölf Mo­na­te Ar­beits­lo­sen­geld be­an­spru­chen kann und auf­grund ei­ner un­wirk­sa­men Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers da­zu ge­zwun­gen ist, das Ar­beits­lo­sen­geld bei­spiels­wei­se sechs Mo­na­te vor dem später rechts­ver­bind­lich fest­ge­stell­ten Be­en­di­gungs­ter­min im We­ge der Gleich­wohl­gewährung zu be­zie­hen, hat sei­nen Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch zum Zeit­punkt des re­gulären Be­en­di­gungs­ter­mins be­reits im Um­fang von sechs Mo­nats­zah­lun­gen bzw. zur Hälf­te ver­braucht.
Zahlt der Ar­beit­ge­ber der Bun­des­agen­tur in ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on den, in Höhe des Ar­beits­lo­sen­gel­des über­ge­lei­te­ten, Lohn­an­spruch und er­stat­tet er zu­dem die von der Bun­des­agen­tur ge­zahl­ten Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge, verlängert sich der Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch des Ar­beit­neh­mers in dem Um­fang die­ser Zah­lun­gen. Da­mit sind sämt­li­che fi­nan­zi­el­len Nach­tei­le, die der Ar­beit­neh­mer durch die vorüber­ge­hen­de Ver­wei­ge­rung der Lohn­zah­lung er­lit­ten hat, aus­ge­gli­chen.
Un­ter­bleibt die Er­stat­tung durch den Ar­beit­ge­ber al­ler­dings, et­wa we­gen man­geln­der Zah­lungsfähig­keit oder -be­reit­schaft, geht dies mit­tel­bar zu­las­ten des Ar­beit­neh­mers: In sol­chen Fällen zahlt der Ar­beit­ge­ber zwar mögli­cher­wei­se auf­grund ei­nes ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils oder Ver­gleichs die Dif­fe­renz zwi­schen dem vom Ar­beit­neh­mer er­hal­te­nen Ar­beits­lo­sen­geld und dem Brut­to­lohn, doch „spart“ er sich die an die Bun­des­agen­tur zu zah­len­de Ar­beits­lo­sen­geld­er­stat­tung.
Sieht die Bun­des­agen­tur von der ge­richt­li­chen Bei­trei­bung die­ser For­de­rung ab, hat sie kei­nen Nach­teil, da es ja bei der Min­de­rung des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs ver­bleibt, d.h. sie ist nicht mit ver­mehr­ten Ansprüchen des Ar­beit­neh­mers be­las­tet. Den wirt­schaft­li­chen Scha­den hat da­her letzt­lich der Ar­beit­neh­mer auf­grund der vor­ver­la­ger­ten In­an­spruch­nah­me der Ar­beits­lo­sen­geld­zah­lung im We­ge der Gleich­wohl­gewährung und der da­durch ein­tre­ten­den frühe­ren Erschöpfung sei­nes Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs.
An­ge­sichts die­ser Rechts­la­ge könn­te man mei­nen, der Ar­beits­lo­se ha­be ei­nen An­spruch auf ef­fek­ti­ve Bei­trei­bung des auf die Bun­des­agen­tur auf­grund der Gleich­wohl­gewährung über­ge­lei­te­ten Lohn­an­spruchs. Ein sol­cher An­spruch wird je­doch vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) in ständi­ger Recht­spre­chung ver­neint (BSG, Ur­teil vom 11.06.1987, 7 RAr 16/86, Rn.24). Da­nach steht die Ent­schei­dung über die Bei­trei­bung des über­ge­lei­te­ten Lohn­an­spruchs im pflicht­gemäßen Er­mes­sen der Ver­wal­tung, die sich da­bei al­lein an haus­halts­recht­li­chen Zweckmäßig­keits­ge­sichts­punk­ten zu ori­en­tie­ren hat. Der Ar­beit­neh­mer kann da­her ein Tätig­wer­den der Bun­des­agen­tur nicht er­zwin­gen.
Vor die­sem Hin­ter­grund kann der Ar­beit­neh­mer im We­sent­li­chen zwei Maßnah­men zur Si­che­rung sei­ner auf die Bun­des­agen­tur über­ge­hen­den Lohn­ansprüche und da­mit zur Wie­der­er­lan­gung des durch die Gleich­wohl­gewährung vor­zei­tig ver­brauch­ten Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs er­grei­fen:
Ers­tens: So­weit ta­rif­li­che oder ar­beits­ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten zu be­ach­ten sind, steht zu befürch­ten, dass die Ar­beits­agen­tur die in den meis­ten Aus­schluss­klau­seln vor­ge­se­he­ne schrift­li­che Gel­tend­ma­chung der Lohn­ansprüche un­terlässt. Steht der Ar­beit­neh­mer in ei­nem sol­chen Fall im fort­lau­fen­den Be­zug von gleich­wohl­gewähr­tem Ar­beits­lo­sen­geld, kann er selbst die Aus­schluss­frist durch schrift­li­che Gel­tend­ma­chung der mo­nat­lich neu ent­ste­hen­den Lohn­ansprüche wah­ren.
Da­bei muss al­ler­dings der ge­setz­li­che For­de­rungsüber­gang gemäß § 115 Abs.1 SGB X be­ach­tet wer­den, der je­weils im Zeit­punkt der Leis­tungs­er­brin­gung, d.h. bei der Ar­beits­lo­sen­geld­zah­lung zum Zeit­punkt des Geld­ein­gangs beim Ar­beit­neh­mer am ers­ten Bank­ar­beits­tag des Fol­ge­mo­nats (§ 337 Abs.2 SGB III) ein­tritt. Die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung des lau­fen­den Lohn­an­spruchs z.B. für den Mo­nat März soll­te da­her ge­gen Mo­nats­en­de er­fol­gen und da­mit zu ei­nem Zeit­punkt, zu dem der Ar­beit­neh­mer noch For­de­rungs­in­ha­ber ist.
Zwei­tens: Die ak­tu­el­le Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) lässt es zu, dass der Ar­beit­neh­mer die auf die Bun­des­agen­tur auf­grund von gleich­wohl­gewähr­tem Ar­beits­lo­sen­geld über­ge­lei­te­ten Lohn­ansprüche im ei­ge­nen Na­men vor den Ar­beits­ge­rich­ten ein­klagt, und zwar mit der Maßga­be, dass Zah­lung an die Bun­des­agen­tur er­fol­gen soll (BAG, Ur­teil vom 19.03.2008, 5 AZR 432/07). Vor­aus­set­zung ei­ner sol­chen „Pro­zess­stand­schaft“ ist ei­ne Ein­wil­li­gung der Bun­des­agen­tur zu die­sem Vor­ge­hen.
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