Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4248.htm
Timestamp: 2018-11-21 08:43:29
Document Index: 7738758

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 10']

4.248 Hagnaufurter Ried
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Hagnaufurter Ried« vom 1. Dezember 1994 (GBl. v. 31.01.1995, S. 66).
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Ingoldingen, Landkreis Biberach, und der Stadt Aulendorf, Landkreis Ravensburg, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Hagnaufurter Ried«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 31,5 ha. Es umfaßt
· auf Gemarkung Winterstettendorf der Gemeinde Ingoldingen in den Gewannen Ried und Unteres Krukenholz die Flurstücke 53, 56‑72, 74‑78, 80, 101, 104‑108, 110 sowie die Feldwege 9 teilweise, 15 und 16,
· auf Gemarkung Tannhausen der Stadt Aulendorf im Gewann St.Titus die Flurstücke 15/1, 15/2 teilweise und 15/5.
(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 15. Oktober 1994 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen und bei den Landratsämtern Biberach und Ravensburg auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege und Förderung faunistisch reichhaltiger und landschaftsprägender Niedermoorflächen sowie floristisch und faunistisch hochwertiger, sich naturnah regenerierender ehemaliger Torfstiche. Die regionale und überregionale Funktion als Brut‑ und Rastplatz für zahlreiche Vogelarten sowie als potentieller Lebensraum für seltene und höchst gefährdete Wiesenbrüter gilt es im Verbund der oberschwäbischen Feuchtgebiete zu bewahren.
· die Erhaltung und Förderung des ökologischen Inventars mit Vorsorge‑ und Pflegemaßnahmen für die artenreichen Pflanzen‑ und Tiergemeinschaften sowie deren ungestörte Ansiedlung bzw. Bestandsstabilisierung;
· die Erhaltung, Förderung und Stabilisierung von Niedermoorreststandorten als Lebensraum für seltene und bestandsgefährdete Arten sowie von ehemaligen Torfstichen als Rückzugsgebiete für hochspezialisierte Arten;
· die Erhaltung der Moorlandschaft auf lokaler Ebene;
· die Regenerierung und Stabilisierung des Wasserhaushalts als Voraussetzung für die Erhaltung der Moorböden und die Entwicklung der charakteristischen gefährdeten faunistischen und floristischen Lebensgemeinschaften;
· die Durchführung extensiver Nutzungsformen, die auf die Belange des Naturschutzes sowie der Landschaftspflege abgestimmt sind.
3. die Bodengestalt zu verändern, insbesondere Boden‑ oder Materialablagerungen vorzunehmen oder Torf abzubauen;
4. Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die geeignet sind, den Wasserhaushalt des Gebiets entgegen dem Schutzzweck zu verändern, insbesondere den Grundwasserstand abzusenken oder eine stärkere Entwässerung zu bewirken;
8. Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie zu beunruhigen, zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;
10. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Massenveranstaltungen aller Art durchzuführen;
11. das Schutzgebiet in den Zeiten vom 20. März bis 31. Juli außerhalb der Wege zu betreten oder das Schutzgebiet zu befahren;
14. Luftfahrzeuge aller Art oder Schiffsmodelle zu betreiben;
16. Düngemittel zu verwenden oder Chemikalien aller Art einzubringen.
a) der Schutzzweck gefördert wird, insbesondere größtmögliche Rücksicht auf die Vogelwelt genommen wird,
b) die Jagd auf Federwild erst ab 1. November zulässig ist,
c) keine Fütterungen für Schalen‑ und Federwild errichtet werden und bestehende Fütterungseinrichtungen entfernt werden,
d) keine Kirrungen an feuchten Standorten eingerichtet werden,
e) Hochsitze nur als einfache Ansitzleitern aus naturbelassenen Rundhölzern in unmittelbarem Anschluß an hochwüchsige Gehölze errichtet werden;
a) standortgerechte Waldgesellschaften dauerwaldartig genutzt werden,
b) nicht standortgerechte Aufforstungen langfristig unter Ausnutzung der Naturverjüngung in einem naturnah aufgebauten gestuften Wald mit standortheimischen Bäumen und Sträuchern umzuwandeln sind. Zu diesem Zweck ist auch der einmalige flächige Hieb bis zu 1 ha zulässig. § 4 Abs. 2 Nr. 7 bleibt unberührt;
3. für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, Intensität und Umfang mit der Maßgabe, daß
a) auf Flst. 105 der Gemarkung Winterstettendorf nur mit Festmist gedüngt werden darf,
b) in der Zeit vom 20. März bis 30. Juni kein Walzen, Eggen oder Schleifen und keine Schafbeweidung erfolgen,
c) ein Umbruch von Grünland unterbleibt,
d) landeseigene Grundstücke nicht vor dem 1. Juli gemäht werden dürfen und im übrigen entsprechend dem Pflegeplan bewirtschaftet werden; § 4 Abs. 2 Nr. 3 und 4 sowie § 4 Pflanzenschutzanwendungsverordnung in der jeweils geltenden Fassung bleiben unberührt;
5. für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke sowie der rechmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. Unterhaltungsarbeiten an Wassergräben dürfen bei maschineller Räumung nur in der Zeit vom 15. September bis 31. Oktober vorgenommen werden. Bestehende Rohrdurchlässe dürfen nicht tiefergelegt werden;
Anlagen im Sinne von § 4 Abs. 2 Nr. 1 dieser Verordnung, die ohne die erforderliche behördliche Genehmigung errichtet wurden, sind zu beseitigen. Nutzungen, die Eingriffe gemäß §§ 10 bis 12 NatSchG sind und für die keine behördlichen Genehmigungen vorliegen, sind zu unterlassen.
TÜBINGEN, den 1. Dezember 1994