Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ+97,+224
Timestamp: 2018-12-13 02:59:36
Document Index: 23212101

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 341', '§ 640', '§ 62', '§ 12', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 67', '§ 56', '§ 56', '§ 64', '§ 71', 'BGH', 'BGH', '§ 370', 'BGH', '§ 167', '§ 173', '§ 28', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 164', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 62', '§ 62', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 59', '§ 28', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 06.03.1986 - VII ZR 235/84 - dejure.org
Abnahme durch eine Gemeinde - Abnahmeerklärung - Rechtliche Qualifikation
BGB § 341 Abs. 3, § 640; KSVG § 62; VOB/B § 12
Öffentlicher Auftraggeber: Bauabnahme
BGHZ 97, 224
NJW 1986, 1758
MDR 1986, 840
NVwZ 1986, 691 (Ls.)
BauR 1986, 444
Auf diesen Rechtsschein kann der Auftraggeber vertrauen, weil er nicht damit rechnen muss, dass der Auftragnehmer auf eine Einladung zu einer Vertragsverhandlung über den durch Zuschlag zustande gekommenen Vertrag einen vollmachtlosen Vertreter schickt, wenn nicht besondere Umstände vorliegen oder ihm dies sonst verdeutlicht wird (vgl. auch BGH, Urteil vom 6. März 1986 - VII ZR 235/84, BGHZ 97, 224, 230).
Verpflichtungsgeschäfte sind Erklärungen, die auf eine Verpflichtung der Gebietskörperschaft abzielen im Gegensatz zu solchen Erklärungen, bei denen die Verpflichtung nur eine Nebenfolge der Erklärung ist oder die die Gebietskörperschaft belasten, aber keine neue Verpflichtung zur Folge haben (BGH, Urteil vom 6. März 1986 - VII ZR 235/84, BGHZ 97, 224; Muth/Plumbaum u.a., Potsdamer Kommentar zur Kommunalverfassung des Landes Brandenburg, § 67 GemO Anm. 3;… Sponer/Jacob/Menke, Landkreisordnung für den Freistaat Sachsen, 2. Aufl., § 56 LKrO Anm. 1;… v. Loebell, Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen, 4. Aufl, § 56 Anm. 1; Rehn/Cronauge, Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen § 64 Anm. II. 1; Schneider/Dreßler, Hessische Gemeindeordnung, § 71 HGO Anm. 3).
OLG Braunschweig, 20.12.2012 - 8 U 7/12
Vereinbarung eines abweichenden Beginns der Verjährungsfrist im Annahmeprotokoll; …
Auch sind Erklärungen, die zwar die Gemeinde belasten, aber keine neue Verpflichtung zur Folge haben, hiervon nicht umfasst (vgl. BGH BauR 1986, 444 ff. Rdn. 9).
Die kommunalrechtlichen Formvorschriften, die der Bundesgerichtshof in ständiger Rechtsprechung als Vertretungsregeln auslegt, welche die Vertretungsmacht der handelnden Organe einschränken, gelten nicht für die Abnahme der Bauleistung, weil es sich dabei nicht um eine Verpflichtungserklärung oder einen Verzicht handelt (vgl. BGH BauR 1986, 444 ff. Rdn. 8;… Althaus/Heindl, Der öffentliche Bauauftrag, Aufl. 2011, Teil 3 Rdn. 281).
Das folgt aus dem Gedanken des z.B. in den §§ 370 BGB und 56 HGB verankerten Vertrauensschutzes (BGHZ 97, 224, 230; NJW-RR 1986, 1476, 1477; 1987, 308; WM 1989, 1836, 1837; OLG Düsseldorf MDR 1978, 930; ZIP 1989, 494, 495;… Sörgel-Leptien, 12. Aufl., § 167 BGB Rdnr. 20, 30, 32;… Palandt-Heinrichs, 51. Aufl., § 173 BGB Rdnr. 21).
Ob vorliegend ein vorbehaltsfreies einfaches Geschäft der laufenden Verwaltung im Sinne von Abs. 3 der §§ 28 a.F., 41 n.F. GO NW gegeben oder nach Abs. 1 Satz 2 dieser Vorschriften die Zustimmung des Gemeinderats erforderlich gewesen wäre, ist deshalb für die Vertretungsmacht des Gemeindeorgans unerheblich, weil es sich insoweit lediglich um interne Zuständigkeitsregelungen handelt und deren etwaige Verletzung auf die Wirksamkeit von Vertretungshandlungen nach außen keinen Einfluss hat (…BGH aaO.; BGHZ 92, 164, 169 [insoweit in NJW 1985, 1778 nicht abgedruckt]; BGHZ 97, 224, 226 = NJW 1986, 1758;… Palandt-Heinrichs, Vor § 164 BGB, Rn. 5a).
Jene Bestimmungen erfassen nach Abs. 1 Satz 1 ausschließlich Erklärungen, durch die die Gemeinde verpflichtet werden soll; sie setzen daher rechtsgeschäftliche Willensäußerungen voraus, die - unmittelbar oder mittelbar - auf eine Verpflichtung der Gemeinde abzielen (BGHZ 32, 375, 378 = NJW 1960, 1865; BGHZ 92, 164, 173 = NJW 1985, 1778, 1780; BGHZ 97, 224, 227 = NJW 1986, 1758).
Die in jenen Vorschriften enthaltene Beschränkung der Vertretungsmacht erstreckt sich nicht auf Erklärungen, die zwar die Gemeinde belasten, aber keine neue Verpflichtung zur Folge haben (BGHZ 97, 224, 227 = NJW 1986, 1758 mwN.); Verzichtserklärungen sind nach nordrhein-westfälischem Kommunalrecht - anders als etwa im Saarland (…vergl. BGH aaO.) - hiervon nicht erfasst.
Sie führt jedenfalls weder zum Entstehen noch zur Erhöhung der Verpflichtungen der Gemeinde aus dem Werkvertrag (zu allem BGH 6.3.86 - VII ZR 235/84 -).
Der Begriff "Geschäfte der laufenden Verwaltung" bezeichnet als unbestimmter Rechtsbegriff solche Verwaltungsgeschäfte, die wegen ihrer Regelmäßigkeit und Häufigkeit zu den herkömmlichen und üblichen Aufgaben der Verwaltung gehören, deren Wahrnehmung nach feststehenden Grundsätzen in eingefahrenen Geleisen erfolgt und keine grundsätzlich weittragende Bedeutung entfaltet (OLG Celle, Urteil vom 17.2.1999 - 2 U 37/98, NVwZ-RR 2000, 105 (zur Kündigung eines Pachtvertrags durch die Gemeinde;… Thiele, NGO, 4. Aufl., 1997, § 62 Anm. 5;… Thieme/Schäfer, § 62 Rdn. 9). Zur laufenden Verwaltung gehören Geschäfte, die in mehr oder weniger regelmäßiger Wiederkehr vorkommen und zugleich nach Größe, Umfang der Verwaltungstätigkeit und Finanzkraft der Gemeinde von sachlich weniger erheblicher Bedeutung sind (BGH, Urteil vom 6. März 1986 - VII ZR 235/84, BGHZ 97, 224 zum saarländischen KSVG; BGHZ 92, 164; vgl. auch BGH NJW 1980, 117; Saarländisches Oberlandesgericht, Urteil vom 3. März 2011 - 8 U 262/10 - 70; NJW-RR 2011, 1455; OVG Münster OVGE 25, 186, 193;… Lehné/Weirich/Gros, Saarländisches Kommunalrecht, § 59 Rdnr. 3.1;… Rauball/Pappermann/Roters, GemO NRW, 3. Aufl., § 28 Rdnr. 30).
ccc) Letztlich bedarf dies allerdings keiner abschließenden Entscheidung, weil die Frage, ob für die Kündigung gemeinderechtlich die Zustimmung des Gemeinderats erforderlich gewesen wäre, auf die Wirksamkeit der Vertretungshandlung keinen Einfluss hat (BGHZ 97, 224, BGHZ 92, 164).
Die Gemeinde wird durch seine Erklärungen grundsätzlich auch dann verpflichtet, wenn es an einem erforderlichen Beschluss der Gemeindevertretung fehlt (BGH, Urteil vom 18.11.2016 - V ZR 266/14, MDR 2017, 265 m.w.N.; BGHZ 97, 224).
Dabei handelte es sich weder um ein seiner Natur nach im gewöhnlichen Betriebsablauf regelmäßig wiederkehrendes Geschäft noch um eine Maßnahme, die in ihrem Umfang und in ihrer finanziellen Tragweite von sachlich weniger erheblicher Bedeutung gewesen wäre (vgl. Senatsurteil BGHZ 92, 164, 173 m.w.Nachw. sowie BGHZ 97, 224, 226) [BGH 06.03.1986 - VII ZR 235/84] .
OVG Brandenburg, 12.06.2002 - 1 A 178/00
OVG Brandenburg, 12.06.2002 - 1 A 178
Vertragliche Verlängerung eines befristeten Dauerschuldverhältnisses mit einer …