Source: https://www.elektrofachkraft.de/pruefung/pruefanlass-fuer-baurechtliche-pruefungen
Timestamp: 2018-12-19 16:48:30
Document Index: 375015563

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 54', '§ 54', '§ 3', '§ 63', '§ 63', '§ 85', '§ 85', '§ 3', '§ 85', '§ 85', '§ 3', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 9', '§ 2']

▷ Baurechtliche Prüfungen am Beispiel der PrüfVO NRW
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Baurechtliche Prüfungen am Beispiel der PrüfVO NRW
23.07.2014 10:04 (Kommentare: 0)
PrüfVO NRW: für Prüfungen technischer Anlagen z.B. in Versammlungsstätten (Bildquelle: djedzura/iStock/Thinkstock)
Rechtsgrundlagen für baurechtliche Prüfungen
Immer wieder kommt es bei den Betreibern bzw. Bauherren von Gebäuden zu Missverständnissen bzw. Unklarheiten im Bezug auf die Prüfungen von technischen Einrichtungen. Insbesondere die elektrotechnischen Einrichtungen und deren Prüfanlass sollen an dieser Stelle unter die Lupe genommen werden.
Dabei sollen der Zusammenhang zwischen dem Prüfanlass und den erforderlichen Prüfungen von technischen Anlagen erläutert sowie die rechtlichen Grundlagen bzw. Zusammenhänge am Beispiel des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen dargestellt werden.
Um das Zusammenleben von Menschen bzw. deren Interaktionen zu regeln, erlässt der Gesetzgeber Verordnungen und Gesetze. Dies gilt auch für das Bauen und Betreiben von Gebäuden. In Nordrhein-Westfalen (NRW) gibt es dafür, wie in anderen Bundesländern auch, eine Landesbauordnung (LBO). Die Bauordnung des Landes Nordrhein-Westfalen (BauO NRW) wird im Internet z.B. durch das Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen bereit gestellt (vgl. MIK, 2014). Die BauO NRW gilt für alle baulichen Anlagen und Bauprodukte. Sie regelt zahlreiche Begriffe, Schutzziele und Formalitäten.
Schutzziele gemäß BauO NRW § 3
Besonders hervorzuheben ist jedoch der § 3 „Allgemeine Anforderungen“ in dem ganz allgemeine Schutzziele festgelegt sind. Sinngemäß heißt es dort, dass bauliche Anlagen so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten sind, dass die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit oder die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht gefährdet werden. Aus diesem Satz lassen sich zumindest schon einmal drei Zeitpunkte ablesen an denen technische Anlagen innerhalb eines Gebäudes genauer zu betrachten sind.
Da sind zum einen die Zeitpunkte der Errichtung und
der Änderung sowie
zum anderen wiederkehrende Zeiträume um den Zustand der technischen Anlagen aufrecht zu erhalten.
Eine konkrete zeitliche Vorgabe findet man an dieser Stelle jedoch noch nicht.
Sonderbauten gemäß BauO NRW § 54
In § 54 „Sonderbauten“ geht die BauO NRW dann speziell auf bestimmte Gebäude ein. Vereinfacht heißt es dort, dass für bestimmte bauliche Anlagen und Räume, die eine besondere Art aufweisen oder einer besonderen Nutzung dienen, zur Einhaltung der in § 3 beschriebenen Schutzziele, im Einzelfall besondere Anforderungen gestellt werden können. Ebenso sind jedoch auch besondere Erleichterungen möglich.
Diese Anforderungen und Erleichterungen können sich, neben einer ganzen Reihe von anderen, z.B. auf die folgenden Punkte beziehen:
Brandschutzeinrichtungen (z.B. Brandmeldeanlagen)
Rettungswege und ihre Kennzeichnung (z.B. Rettungswegkennzeichnung und Sicherheitsbeleuchtung)
Beleuchtung und Energieversorgung (z.B. Allgemeinstrom- und Sicherheitsbeleuchtung sowie Sicherheitsstromversorgungen)
Pflicht zur Erstellung eines Brandschutzkonzepts (hieraus können weitere Forderungen nach technischen Anlagen entstehen)
Nachweis der Nutzbarkeit der Rettungswege im Brandfall (z.B. Rauchfreihaltung, Vermeidung von Brandlasten oder brandschutztechnische Abschottung von elektrischen Einrichtungen gegenüber Rettungswegen)
Prüfungen sowie Prüfbescheinigungen (z.B. wiederkehrende Prüfungen von technischen Anlagen)
Genehmigungsbedürftige Bauvorhaben gemäß BauO NRW § 63
Der § 63 der BauO NRW legt fest, wann es sich um ein Bauvorhaben handelt, welches einer Genehmigung bedarf. Darin heißt es zusammengefasst, dass die Errichtung, die Änderung, die Nutzungsänderung sowie der Abbruch jeweils einer Baugenehmigung bedürfen. Ebenso sind Bauvorhaben, die unter das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) fallen, genehmigungspflichtig. In den folgenden Paragrafen 65-67 findet der interessierte Leser zusätzlich eine umfangreiche Auflistung von genehmigungsfreien Bauvorhaben.
Weitere Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften gemäß BauO NRW § 85
Zu guter Letzt wird im § 85 der BauO NRW festgelegt, dass die oberste Bauaufsicht des Landes Nordrhein-Westfalen ermächtigt ist, weitere Rechtsverordnungen und Vorschriften zu erlassen. Ziel dieser Ermächtigungen ist es, die Schutzziele des § 3 (Allgemeine Anforderungen) zu verwirklichen. Dazu zählen auch Rechtsverordnungen und Vorschriften, die die wiederkehrenden Prüfungen von Anlagen oder Einrichtungen zur Verhütung erheblicher Gefahren regeln, da diese Einrichtungen ständig ordnungsgemäß instand gehalten werden müssen. Ebenso ist die oberste Bauaufsicht ermächtigt Rechtsverordnungen und Vorschriften zu erlassen, die die Nachprüfungspflicht auf bestehende Anlagen oder Einrichtungen regelt.
Darüber hinaus kann die obere Bauaufsicht auch solche Rechtsvorschriften erlassen, die die staatliche Anerkennung von Sachverständigen regelt, sowie die Verpflichtung der Betreiber bestimmte technische Anlagen und Einrichtungen regelmäßig und wiederkehrend zu prüfen. Dazu zählen u.a. auch Details wie die Voraussetzungen für die Anerkennung von Sachverständigen, Mindestanforderungen an deren Fachkenntnisse und Berufserfahrungen, Nachweise der Befähigung oder persönliche Zuverlässigkeit sowie Altersgrenzen.
Prüfverordnung NRW (PrüfVO NRW) als Rechtsverordnung im Sinne des § 85 der BauO NRW
Auf der Grundlage des § 85 der BauO NRW ist zum 28.12.2009 die aktuelle und noch bis zum 31.12.2014 gültige Prüfverordnung NRW (PrüfVO NRW) des Landes Nordrhein-Westfalen in Kraft getreten. Wie aus dem vollständigen Name dieser Verordnung „Verordnung über die Prüfung technischer Anlagen und wiederkehrende Prüfungen von Sonderbauten“ ersichtlich ist, gilt die PrüfVO NRW für die Prüfung von technischen Anlagen in Sonderbauten. Sie beschreibt und regelt zahlreiche Punkte bezüglich der Prüfung von technischen Anlagen zur Realisierung der Schutzziele im Sinne des § 3 der BauO NRW.
Prüfgrundsätze NRW als Anhang zur PrüfVO NRW
Zusätzlich gibt es in Nordrhein-Westfalen jedoch noch eine Besonderheit. Im Anhang zur PrüfVO NRW gibt es die „Grundsätze für die Prüfung technischer Anlagen entsprechend der Prüfverordnung durch Prüfsachverständige“, kurz Prüfgrundsätze NRW genannt. Diese legen detailliert fest, was bei der Prüfung von technischen Einrichtungen im Sinne der PrüfVO NRW durch die Sachverständigen zu beachten ist, welche Unterlagen durch den Betreiber bzw. Bauherren bereitzustellen sind und welche Inhalte die Prüfberichte aufweisen müssen.
PrüfVO NRW - die wichtigsten Inhalte
Die Prüfverordnung (PrüfVO NRW) definiert Anforderungen an die Prüfung technischer Anlagen und wiederkehrende Prüfungen. Die Verordnung gilt für technische Anlagen in Sonderbauten. Dazu gehören u.a. Versammlungsstätten, Verkaufsstätten, Hochhäuser mit Aufenthaltsräumen und Abfertigungsgebäude in Flughäfen und Bahnhöfen.
Verordnung über die Prüfung technischer Anlagen und wiederkehrende Prüfungen von Sonderbauten (Prüfverordnung – PrüfVO NRW)
Die Prüfverordnung NRW (PrüfVO NRW) löste zum 28.12.2009 die bis dahin in Nordrhein-Westfalen geltende Technische Prüfverordnung Nordrhein-Westfalen (TPrüfVO NRW) von 1995 ab. Der Anwendungsbereich der PrüfVO NRW wird in § 1 „Anwendungsbereich“ beschrieben. Darin wird unter anderem geregelt, auf welche Gebäude und technische Anlagen die PrüfVO NRW angewendet werden muss.
Anwendungsbereiche gemäß § 1 der PrüfVO NRW
Die PrüfVO NRW gilt für die Prüfung von technischen Anlagen in diesen Gebäuden:
Versammlungsstätten mit mehr als 200 Besuchern
Verkaufsstätten mit mehr als 2.000 m2 Grundfläche
Beherbergungsstätten mit mehr als 12 Gastbetten
Hochhäuser mit Aufenthaltsräumen in mehr als 22 m Höhe über Grund
Mittel- und Großgaragen mit mehr als 100 m2 Nutzfläche
Pflege- und Betreuungseinrichtungen mit mehr als 500 m2 Grundfläche
allgemein- und berufsbildende Schulen wie z.B. Grund-, Real- und Berufsschulen sowie Gymnasien
Hallenbauten für gewerbliche oder industrielle Betriebe mit mehr als 2.000 m2 Geschossfläche
Messebauten mit mehr als 2.000 m2 Geschossfläche
Abfertigungsgebäude in Flughäfen und Bahnhöfen mit mehr als 2.000 m2 Geschossfläche
sonstige bauliche Anlagen und Räume besonderer Art oder Nutzung (Sonderbauten), wenn es im Einzelfall angeordnet wurde
Bei Unklarheiten geben Baugenehmigung und Brandschutzkonzept nähere Auskünfte
Bestehen im Einzelfall Unklarheiten, ob ein Gebäude zu den oben aufgeführten Sonderbauten zählt, so ist dem Betreiber die Einsichtnahme in die Baugenehmigung bzw. das Brandschutzkonzept angeraten. Im Allgemeinen lässt sich durch die zuvor genannten Genehmigungsunterlagen schnell klären, ob die technischen Anlagen unter die PrüfVO NRW fallen.
Prüfpflichtige elektrotechnische Gewerke
In den zuvor genannten Gebäuden sind die folgenden elektrotechnischen Anlagen zu prüfen:
Sicherheitsbeleuchtungsanlagen (z.B. Flucht- und Rettungswegebeleuchtung)
Sicherheitsstromversorgungsanlagen (z.B. Notstromdiesel)
Brandmeldeanlagen (z.B. für die Brandfrüherkennung)
Alarmierungsanlagen (z.B. für die Alarmierung von anwesenden Personen im Brandfall zwecks Evakuierung des Gebäudes)
elektrische Anlagen (z.B. Elektroverteilungen und Steckdosen)
Teilweise Einschränkung des Prüfumfangs für die elektrischen Anlagen
Für die elektrischen Anlagen gibt es eine weitere Unterteilung bezüglich des Prüfumfangs. So sind in Krankenhäusern nur die elektrischen Anlagen zu prüfen, die der Aufrechterhaltung des Betriebs dienen. Elektrische Anlagen in Garagen sind nur prüfpflichtig, wenn es sich um geschlossene Großgaragen, wie z.B. mehrgeschossige Tiefgaragen handelt. In allen anderen Gebäuden gibt es hingegen keine weiteren Einschränkungen bzw. Erleichterungen. Dort sind alle elektrischen Anlagen prüfpflichtig.
Für den interessierten Leser sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass es weitere prüfpflichtige technische Anlagen, wie z.B. Feuerlöschanlagen oder Rauchabzugsanlagen gibt.
Prüfanlässe und Prüffristen gemäß § 2 der PrüfVO NRW
Der § 2 „Prüfungen, Prüffristen der technischen Anlagen“ der PrüfVO NRW erläutert, wer die technischen Anlagen gemäß § 1 prüfen muss, wer die Kosten dafür trägt und zu welchen Anlässen diese Prüfungen erfolgen müssen. Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass prüfpflichtige elektrotechnische Anlagen und die dafür bauordnungsrechtlich geforderten Brandschutzmaßnahmen seit der Einführung der PrüfVO NRW nur noch von Prüfsachverständigen zu prüfen sind. Unter dem Begriff „bauordnungsrechtlich geforderte Brandschutzmaßnahmen“ wird dabei z.B. der geforderte Funktionserhalt im Brandfall von technischen Anlagen verstanden. Die Prüfsachverständigen müssen im Rahmen ihrer Tätigkeit die Wirksamkeit und Betriebssicherheit der technischen Anlage prüfen bzw. bestätigen. Alle Prüfungen erfolgen auf Veranlassung und Kosten des Bauherrn.
Erstprüfungen und wesentliche Änderungen
Grundsätzlich sind Prüfungen vor der ersten Inbetriebnahme durchzuführen. Darüber hinaus müssen bestehende Anlagen, die wesentlich geändert und danach wieder in Betrieb genommen werden, einer erneuten Prüfung unterzogen werden. Wiederinbetriebnahmen sind dabei im Umfang wie Erstprüfungen durchzuführen.
Nach der Erstprüfung sind die technische Anlagen wiederkehrend zu prüfen. Der Zeitraum zwischen den Prüfungen darf dabei für Sicherheitsbeleuchtungs- und Sicherheitsstromversorgungs-, Brandmelde- sowie Alarmierungsanlagen nicht mehr als drei Jahre betragen.
Elektrische Anlagen müssen hingegen in Zeiträumen von längsten sechs Jahren wiederkehrend geprüft werden.
Ordungswidrigkeiten gemäß § 9 der PrüfVO NRW
Die Nichtbeachtung eines Bauherrn bzw. Betreibers der in § 2 aufgeführten Pflichten, wie z.B. die fristgerechte Veranlassung der Durchführung von Prüfungen oder die Nichtaufbewahrung von Prüfberichten, wird als Ordnungswidrigkeit behandelt.
Aber nicht nur der Bauherr hat Pflichten. Gleiches gilt auch für den Prüfsachverständigen. Dieser verhält sich z.B. ordnungswidrig, wenn er die zuständige Bauaufsichtsbehörde bzw. die Baudienststelle nicht unterrichtet, obwohl der Bauherr/Betreiber die bei der Prüfung festgestellten Mängel nicht fristgerecht beseitigt. Der Prüfsachverständige hat somit eine Meldepflicht an die zuständige Behörde, wenn Mängel nicht abgestellt werden oder er sich von deren Beseitigung nicht überzeugen kann. Ebenso ist der Prüfsachverständige verpflichtet, die Grundsätze für die Prüfung technischer Anlagen entsprechend der Prüfverordnung durch Prüfsachverständige – Prüfgrundsätze NRW – einzuhalten. Die Prüfgrundsätze beschreiben z.B. detailliert die einzuhaltenden Normen und Verordnungen, durch den Betreiber bereitzustellende Unterlagen, den Umfang und die Durchführung der eigentlichen Prüfung sowie den Inhalt eines Prüfberichts.
Prüfgrundlagen für baurechtliche Prüfungen
Für die Prüfung technischer Anlagen werden in den Prüfverordnungen Grundsätze aufgestellt, die die Elektrofachkraft zu beachten hat. Dazu gehören u.a. das Feststellen von Wirksamkeit und Betriebssicherheit, die Berücksichtigung des Zeitpunkts der Errichtung der Anlage und die abschließende Dokumentation.
entsprechend der Prüfverordnung durch Prüfsachverständige - Prüfgrundsätze NRW - Anhang zur Prüfverordnung
Zur Sicherstellung eines einheitlichen Qualitätsstandards für alle in Nordrhein-Westfalen tätigen Prüfsachverständigen wurde zusätzlich zur Prüfverordnung NRW ein Anhang erstellt. Dieser Anhang beinhaltet die Prüfgrundsätze zur Prüfverordnung NRW. Dabei handelt es sich um allgemeingültige Vorgaben, die bei den Prüfungen durch den Betreiber bzw. den Sachverständigen zu beachten sind. Diese Prüfgrundsätze gelten für alle Prüfungen von technischen Anlagen, die im Sinne der Prüfverordnung NRW durchgeführt werden. Um die Verbindlichkeit sicherzustellen müssen Prüfsachverständige deren Einhaltung im Prüfbericht schriftlich bestätigen.
Wirksamkeit und Betriebssicherheit im Sinne der Prüfgrundsätze
In den Prüfgrundsätzen NRW werden zunächst allgemeine Aussagen zur Prüfung getroffen. So hat der Prüfsachverständige als Ziel einer jeden Prüfung festzustellen, ob eine technische Anlage „wirksam“ und „betriebssicher“ ist.
Unter dem Begriff „wirksam“ wird dabei im Allgemeinen die Funktion einer technischen Anlage verstanden. Ein Beispiel hierfür kann die Funktion einer Steckdose in einer elektrischen Anlage sein (Spannung seht an der Steckdose für den Verbraucher zur Verfügung).
Die Begrifflichkeit „betriebssicher“ soll hingegen den anwendungssicheren Betrieb auch im Fehlerfall ausdrücken. So darf von der Steckdose bei bestimmungsgemäßem Gebrauch keine Gefahr für den Anwender ausgehen. Als Beispiel hierfür könnte das Ansprechen der Schutzmaßnahme einer Steckdose genannt werden (z.B. LS-Schalter oder RCD lösen im Fehlerfall aus, Spannung wird im Fehlerfall sicher abgeschaltet).
Zeitpunkt der Errichtung ist zu berücksichtigen
Der Sachverständige ist für die Art und den Umfang sowie die Durchführung der Prüfungen selbst verantwortlich. Er hat bei den Prüfungen gemäß der Prüfverordnung NRW die einschlägigen Vorschriften, Bestimmungen sowie die allgemein anerkannten Regeln der Technik (a.a.R.d.T.) zu berücksichtigen.
Diese Vorschriften, Bestimmungen und allgemein anerkannten Regeln der Technik beziehen sich immer auf den Zeitpunkt der Errichtung der technischen Anlagen. D.h. auch, dass z.B. bei einer Wiederholungsprüfung in einem größeren Gebäudekomplex mit verschiedenen Bauabschnitten und verschiedenen Errichtungsjahren, u.U. technische Bestimmungen aus verschiedenen Jahren zu berücksichtigen sind. So kann die technische Ausführung einer elektrischen Anlage in dem einen Gebäudeabschnitt betriebssicher und wirksam sein. Wohingegen die gleiche technische Ausführung einer elektrischen Anlage in einem anderen Gebäudeabschnitt diese Bedingungen aufgrund des Errichtungszeitpunkts nicht erfüllen.
Beispiel: Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen
Als ein einfaches Beispiel kann an dieser Stelle die Forderung der DIN VDE 0100-410:2007-06 nach RCDs (Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen) für Steckdosenstromkreise, die durch Laien genutzt werden, genannt werden. Fällt das Errichtungsjahr z.B. in das Jahr 2006 sind diese nicht grundsätzlich Pflicht. Liegt die Errichtung jedoch im Jahr 2010, so sieht es hier schon anders aus. Der Elektrofachkraft ist es also angeraten, sich ständig über die aktuelle Normenlage zu informieren. Insbesondere an die elektrotechnischen Berufsgruppen werden hier erhöhte Anforderungen an eine ständige Weiterbildung gestellt.
Stichprobenprüfungen sind möglich
Laut den Prüfgrundsätzen sind zunächst einmal alle Anlagenteile zu prüfen, es sei denn eine Stichprobenprüfung ist ausdrücklich gestattet. Dazu sind im Anhang einzelne Prüftätigkeiten mit einem „(S)“ für Stichprobenprüfung bei Erstabnahme oder mit „(SW)“ für Stichprobenprüfung bei wiederkehrender Prüfung gekennzeichnet.
Insbesondere bei den Prüfungen von elektrischen Anlagen führt dieser Punkt immer wieder zu Unsicherheiten bei der Elektrofachkraft, dem Bauherrn oder Betreiber. Da alle Anlagenteile der elektrischen Anlage zu prüfen sind, gilt dieses selbstverständlich auch für die elektrischen Anlagen der Klima-, Sanitär-Heizungs-, Lüftungs- oder Gebäudeleittechnik. Der Elektrosachverständige prüft zwar nicht die Lüftungstechnik, sehr wohl aber die elektrische Anlage der selbigen.
Jede Prüfung schließt mit einem Prüfbericht ab
Weiterhin legen die Prüfgrundsätze fest, dass für jede Prüfung ein Prüfbericht zu erstellen ist. Die Zusammenfassung von mehreren Prüfungen in einem einzigen Bericht (z.B. elektrische Anlage und Sicherheitsbeleuchtung) ist somit nicht mehr zulässig. Ebenso ist nach Abschluss der Prüfung im Prüfbericht durch den Sachverständigen eine Bewertung in Bezug auf die Wirksamkeit und Betriebsicherheit sowie den Weiterbetrieb der technischen Anlage vorzunehmen.
Teile A-I der Prüfgrundsätze
Insgesamt gibt es 9 Teile (A - I), in denen die einzelnen Prüfungen von technischen Anlagen beschrieben werden. Bei den Teilen A bis E handelt es sich um nicht elektrotechnische Gewerke der Gebäudetechnik, die durch Sachverständige für Lüftung- bzw. Gebäudetechnik zu prüfen sind. Für die Elektrofachkraft sind im Rahmen dieses Beitrags nur die elektrotechnischen Prüfungen interessant. Deshalb geht dieser Beitrag auch nur auf die Teile F bis I ein. Diese sind im Einzelnen:
F (Sicherheitsstromversorgung bzw. Sicherheitsbeleuchtung)
G (Alarmierungsanlagen)
H (Brandmeldeanlagen)
I (elektrische Anlagen)
Jeder Abschnitt F bis I befasst sich somit mit einem eigenständigen elektrotechnischen Gewerk (technische Anlage) für das durch den Sachverständigen ein eigenständiger Prüfbericht zu erstellen ist. Für jede technische Anlage werden in den Abschnitten F bis I die folgenden Rubriken im Detail erläutert:
Prüfgrundlagen, die berücksichtigt werden müssen (z.B. Verordnungen, Richtlinien, allgemein anerkannte Regeln der Technik wie DIN und VDE-Vorschriften)
Bereitzustellende Unterlagen (Unterlagen, die der Betreiber oder Errichter der Anlage für den Sachverständigen zur Verfügung stellen soll, damit sich dieser ein umfassendes Bild der Anlage machen kann)
Detaillierte Beschreibung der durch den Sachverständigen durchzuführenden Prüfungen bzw. des Prüfumfangs (teilweise auch mittels Stichproben)
Aufbau bzw. Inhalt des durch den Sachverständigen zu erstellenden Prüfberichts
Teil I „Elektrische Anlagen“ der Grundsätze für die Prüfung technischer Anlagen entsprechend der Prüfverordnung durch Prüfsachverständige (Prüfgrundsätze NRW)
Der Abschnitt „Prüfgrundlagen“ listet die bei der Prüfung in NRW durch den Sachverständigen zu berücksichtigende Verordnungen, Richtlinien und allgemein anerkannten Regeln der Technik auf. Dazu zählen z.B. die Landesbauordnung (BauO NRW), die eventuell für das Gebäude geltenden Sonderbauverordnungen (wie z.B. Teil 1 der SBauVO NRW bei Versammlungsstätten) sowie eingeführte Technische Baubestimmungen, wie z.B. die Leitungsanlagenrichtlinie NRW (LAR NRW) mit ihren Ausführungen zum Verlegen von Leitungen in notwendigen Fluren und Treppenräumen.
Korrodierte Klemmverbindung
Die letzte Rubrik „Prüfbericht“ beschreibt detailliert den Inhalt und Aufbau des durch den Sachverständigen zu erstellenden Prüfberichts. Neben allgemeinen Punkten wie Anlagenstandort, Betreiber/Bauherr, Prüfdatum und Name/Anschrift des Sachverständigen sind auch eine Kurzbeschreibung der geprüften Anlage, die Beurteilungsmaßstäbe (Richtlinien, Baugenehmigung u.ä.), die Art der Prüfung („vor Inbetriebnahme“, „nach wesentlicher Änderung“, „wiederkehrend“ oder „Nachprüfung“) sowie die Messergebnisse und Messgeräte im Bericht zu vermerken.
In der Praxis haben sich die drei Einstufungen: „ohne Mängel“, „Mängel und Beanstandungen“ (Mängelpunkt sind vorhanden und müssen innerhalb einer gesetzten Frist beseitigt werden) sowie „wesentliche Mängel“ (die Mängelpunkte sind so gravierend, dass diese unverzüglich beseitigt werden müssen und zusätzlich eine Nachprüfung erforderlich ist) eingebürgert.
Es ist immer ein Bericht zur Dokumentation der Prüfung zu erstellen. (Bildquelle: Fuse/Thinkstock)
BRD (2014), Bezirksregierung Düsseldorf, Verordnung über die Prüfung technischer Anlagen und wiederkehrende Prüfungen von Sonderbauten (Prüfverordnung – PrüfVO NRW), Stand: 24.11.2009
BRD (2014a): Bezirkregierung Düsseldorf - Grundsätze für die Prüfung technischer Anlagen entsprechend der Prüfverordnung durch Prüfsachverständige - Prüfgrundsätze NRW - (Anhang zur PrüfVO NRW), Stand: 24.11.2009
BRD (2014b): Bezirkregierung Düsseldorf - Grundsätze für die Prüfung technischer Anlagen entsprechend der Prüfverordnung durch Prüfsachverständige - Prüfgrundsätze NRW - (Anhang zur PrüfVO NRW), Stand: 24.11.2009
ARGEBAU 2014): Konferenz der für Städtebau, Bau- und Wohnungswesen zuständigen Minister und Senatoren der Länder (Bauministerkonferenz), Grundsätze für die Prüfung technischer Anlagen entsprechend der Muster-Prüfverordnung durch bauaufsichtlich anerkannte Prüfsachverständige (Muster-Prüfgrundsätze), Stand 26.11.2010
MIK (2014): Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen - Landesbauordnung (BauO NRW), Stand: 22.05.2014