Source: http://deutschestextarchiv.de/book/view/savigny_system05_1841?p=34
Timestamp: 2020-07-14 20:12:34
Document Index: 12640713

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 44', '§ 123', '§ 44', '§ 1', '§ 94', '§ 44', '§ 13', '§ 44', '§ 123', '§ 44', '§ 1', '§ 94', '§ 13', '§ 44', '§ 123', '§ 44', '§ 1', '§ 94']

in einem späteren Rechtsstreit Gebrauch machen wollte (e).
Diese Prozeßform wurde nun allerdings in allen Prozes-
sen über den Status angewendet, aber auch in manchen
anderen Prozessen, und namentlich in solchen, deren Ge-
genstand Obligationen waren (f). Aus dieser Entdeckung
hat man nun neuerlich schließen wollen, die angeführte
Stelle der Institutionen sey eine Erfindung der Juristen
Justinians, und dem Römischen Recht eigentlich fremd (g);
beide Stücke dieser Behauptung aber können nicht zuge-
geben werden. Zuvörderst nämlich ist es im Sinn des
Justinianischen Rechts völlig richtig zu sagen, Präjudi-
cialklagen sind Klagen aus dem Status, da von den übri-
gen Präjudicialklagen des älteren Rechts (quanta dos
sit, an praedictum sit u. s. w.) keine einzige mehr vor-
kommt (h); wenigstens im Sinn des Justinianischen Rechts
also wäre die gewöhnliche Erklärung jener Stelle der In-
(e) Dieses sagt schon Theophi-
lus in § 13 J. de act., allein es
war eine unfruchtbare Notiz, so-
lange wir die Bestandtheile der
formula und deren Zusammenhang
nicht kannten. Bey Gajus IV.
§ 44. 48 findet sich nun nicht nur
eine vollgültigere Bestätigung, son-
dern es ist vorzüglich die Bedeu-
tung jener Eigenthümlichkeit man-
cher Klagen erst klar geworden.
(f) Gajus III. § 123. IV. § 44.
Paulus V. 9. § 1. L. 30 de reb.
auct. jud. (42. 5.). -- Nicht da-
hin gehört Gajus IV. § 94, denn
diese sponsio hatte allerdings eine
condemnatio, die aber nur eine
bloße Formalität war "nec tamen
haec summa sponsionis exigi-
tur." Es war also kein praeju-
dicium, kam aber im Zweck und
Erfolg mit einem solchen überein,
und daher nennt es Gajus eine
sponsio praejudicialis.
(g) Düroi Bemerkungen S. 406
-- 410, besonders S. 409.
(h) Daß einmal in den Dige-
sten ein solcher Fall genannt wird,
(Note f), muß als eine blos an-
tiquarische Notiz betrachtet werden;
denn Niemand wird behaupten, daß
in unsrem Recht ein solcher Fall
anders als jeder gewöhnliche Rechts-
streit behandelt werden dürfe.
in einem ſpäteren Rechtsſtreit Gebrauch machen wollte (e).
Dieſe Prozeßform wurde nun allerdings in allen Prozeſ-
ſen über den Status angewendet, aber auch in manchen
anderen Prozeſſen, und namentlich in ſolchen, deren Ge-
genſtand Obligationen waren (f). Aus dieſer Entdeckung
hat man nun neuerlich ſchließen wollen, die angeführte
Stelle der Inſtitutionen ſey eine Erfindung der Juriſten
Juſtinians, und dem Römiſchen Recht eigentlich fremd (g);
beide Stücke dieſer Behauptung aber können nicht zuge-
geben werden. Zuvörderſt nämlich iſt es im Sinn des
Juſtinianiſchen Rechts völlig richtig zu ſagen, Präjudi-
cialklagen ſind Klagen aus dem Status, da von den übri-
sit, an praedictum sit u. ſ. w.) keine einzige mehr vor-
kommt (h); wenigſtens im Sinn des Juſtinianiſchen Rechts
alſo wäre die gewöhnliche Erklärung jener Stelle der In-
(e) Dieſes ſagt ſchon Theophi-
war eine unfruchtbare Notiz, ſo-
lange wir die Beſtandtheile der
formula und deren Zuſammenhang
§ 44. 48 findet ſich nun nicht nur
eine vollgültigere Beſtätigung, ſon-
dern es iſt vorzüglich die Bedeu-
cher Klagen erſt klar geworden.
auct. jud. (42. 5.). — Nicht da-
dieſe sponsio hatte allerdings eine
bloße Formalität war „nec tamen
tur.” Es war alſo kein praeju-
Erfolg mit einem ſolchen überein,
— 410, beſonders S. 409.
ſten ein ſolcher Fall genannt wird,
tiquariſche Notiz betrachtet werden;
in unſrem Recht ein ſolcher Fall
ſtreit behandelt werden dürfe.
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[20/0034] Buch II. Rechtsverhältniſſe. Kap. IV. Verletzung. in einem ſpäteren Rechtsſtreit Gebrauch machen wollte (e). Dieſe Prozeßform wurde nun allerdings in allen Prozeſ- ſen über den Status angewendet, aber auch in manchen anderen Prozeſſen, und namentlich in ſolchen, deren Ge- genſtand Obligationen waren (f). Aus dieſer Entdeckung hat man nun neuerlich ſchließen wollen, die angeführte Stelle der Inſtitutionen ſey eine Erfindung der Juriſten Juſtinians, und dem Römiſchen Recht eigentlich fremd (g); beide Stücke dieſer Behauptung aber können nicht zuge- geben werden. Zuvörderſt nämlich iſt es im Sinn des Juſtinianiſchen Rechts völlig richtig zu ſagen, Präjudi- cialklagen ſind Klagen aus dem Status, da von den übri- gen Präjudicialklagen des älteren Rechts (quanta dos sit, an praedictum sit u. ſ. w.) keine einzige mehr vor- kommt (h); wenigſtens im Sinn des Juſtinianiſchen Rechts alſo wäre die gewöhnliche Erklärung jener Stelle der In- (e) Dieſes ſagt ſchon Theophi- lus in § 13 J. de act., allein es war eine unfruchtbare Notiz, ſo- lange wir die Beſtandtheile der formula und deren Zuſammenhang nicht kannten. Bey Gajus IV. § 44. 48 findet ſich nun nicht nur eine vollgültigere Beſtätigung, ſon- dern es iſt vorzüglich die Bedeu- tung jener Eigenthümlichkeit man- cher Klagen erſt klar geworden. (f) Gajus III. § 123. IV. § 44. Paulus V. 9. § 1. L. 30 de reb. auct. jud. (42. 5.). — Nicht da- hin gehört Gajus IV. § 94, denn dieſe sponsio hatte allerdings eine condemnatio, die aber nur eine bloße Formalität war „nec tamen haec summa sponsionis exigi- tur.” Es war alſo kein praeju- dicium, kam aber im Zweck und Erfolg mit einem ſolchen überein, und daher nennt es Gajus eine sponsio praejudicialis. (g) Düroi Bemerkungen S. 406 — 410, beſonders S. 409. (h) Daß einmal in den Dige- ſten ein ſolcher Fall genannt wird, (Note f), muß als eine blos an- tiquariſche Notiz betrachtet werden; denn Niemand wird behaupten, daß in unſrem Recht ein ſolcher Fall anders als jeder gewöhnliche Rechts- ſtreit behandelt werden dürfe.
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Zitationshilfe: Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 5. Berlin, 1841, S. 20. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system05_1841/34>, abgerufen am 14.07.2020.