Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Gleichbehandlung_Betriebsrente_Arbeiter_und_Angestellte_LAG_Koeln_13Sa254_11.html
Timestamp: 2016-12-11 06:04:17
Document Index: 209538130

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 10', '§ 2', '§ 3', '§ 3', '§ 11', '§ 10', '§ 253', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 10', '§ 3', '§ 11', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 91', '§ 72']

13 Sa 254/11 2 Ca 1130/09Ar­beits­ge­richt Aa­chen Verkündet am 22. März 2012
H,Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le
hat die 13. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 22.03.2012durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. A als Vor­sit­zen­de so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter H und E
1. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Aa­chen vom 27.01.2011 – 2 Ca 1130/09 – ab­geändert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
T a t b e s t a n d Die Par­tei­en strei­ten über die Höhe der dem Kläger zu­ste­hen­den Be­triebs­ren­te und da­bei, ob der Kläger als ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­mer ge­genüber den bei der Be­klag­ten beschäftig­ten An­ge­stell­ten be­nach­tei­ligt wird und ihm ein An­spruch auf Gleich­be­hand­lung zu­steht.
Der am 1948 ge­bo­re­ne Kläger ist seit dem 05.09.1988 bei der Be­klag­ten, ei­ner in pri­va­ter Rechts­form or­ga­ni­sier­ten kom­mu­na­len Beförde­rungs­ge­sell­schaft, die den öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr in der Städte­re­gi­on A be­treibt, beschäftigt. Er war bis zum Jahr 1998 als Bus­fah­rer tätig und ist seit­dem frei­ge­stell­tes Be­triebs­rats­mit­glied. Auf den Ar­beits­ver­trag vom 19.08.1988, der ei­ne Be­zug­nah­me auf die für die Be­klag­te gel­ten­den Ta­rif­verträge und be­trieb­li­chen Ver­ein­ba­run­gen enthält (§ 7), wird ver­wie­sen. Der Kläger ist in die Vergütungs­grup­pe 8 ein­grup­piert. Ihm war von Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses an ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung zu­ge­sagt.
Die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung bei der Be­klag­ten war in der Zeit vom 01.01.1976 bis zum 01.12.2000 in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung, der so­ge­nann­ten Pen­si­ons­ord­nung, zu­letzt in der Fas­sung vom 21.12.1983 (im Fol­gen­den: Pen­si­ons­ord­nung) ge­re­gelt. Die­se sah für die Be­rech­nung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ein Ge­samt­ver­sor­gungs-Mo­dell vor. Da­nach er­folgt die Be­rech­nung der Be­triebs­ren­te im We­sent­li­chen in vier Schrit­ten:
1) Im ers­ten Schritt wird gemäß § 3 A) 1) a) Pen­si­ons­ord­nung die so­ge­nann­te Be­mes­sungs­grund­la­ge, d. h. die ma­xi­ma­le Höhe der Ge­samt­ver­sor­gung be­stimmt. Hier­zu ver­weist die Pen­si­ons­ord­nung auf ei­ne als „Leis­tungs­ta­fel I“ be­zeich­ne­te An­la­ge aus der ein Pro­zent­satz ab­zu­le­sen ist, wel­che in Re­la­ti­on zu den bis zum Zeit­punkt des Ren­ten­be­zugs zurück­ge­leg­ten Beschäfti­gungs­jah­ren steht und bei 35 % nach 10 zurück­ge­leg­ten Beschäfti­gungs­jah­ren be­ginnt und bis zu 75 % nach 35 Beschäfti­gungs­jah­ren reicht. Zur Er­mitt­lung der Be­mes­sungs­grund­la­ge, al­so der ma­xi­mal mögli­chen Höhe der Ge­samt­ver­sor­gung war die­ser Pro­zent­satz auf die von dem Mit­ar­bei­ter vor sei­nem Aus­schei­den zu­letzt be­zo­ge­ne mo­nat­li­che Brut­to-Vergütung zu über­tra­gen. Die­se zu­letzt be­zo­ge­ne Vergütung – als pen­si­onsfähi­ges Ge­halt oder ru­he­geldfähi­ges Ein­kom­men be­zeich­net – war gemäß § 3 A) I a) Pen­si­ons­ord­nung auf die ta­rif­li­che Mo­nat­s­ta­bel­len­vergütung ein­sch­ließlich even­tu­ell ge­zahl­ter ta­bel­la­ri­scher, Vor­hand­wer­ker-, Vor­ar­bei­ter-, Schichtführer-, Ko­lon­nenführer- und Haus­stands­zu­la­gen so­wie Fahr­dienst-Er­schwer­nis- und Schicht­zu­schläge und den auf den Mo­nat ent­fal­len­den Teil - 3 -
der Weih­nachts­zu­wen­dung und des Ur­laubs­gel­des be­grenzt. Wei­te­re Zu­la­gen und Zu­schläge blie­ben für die Höhe des pen­si­onsfähi­gen Ent­gelts außer Be­tracht, so dass ei­ne Dif­fe­renz zwi­schen dem pen­si­onsfähi­gen Ge­halt und dem tatsächli­chen be­zo­ge­nen Brut­to-Ge­halt be­ste­hen konn­te. Der aus der „Leis­tungs­ta­fel I“ er­mit­tel­te Pro­zent­satz der vor­ge­nann­ten zu­letzt be­zo­ge­nen Ge­halts­stand­tei­le er­gab da­mit die Höhe der ma­xi­mal mögli­chen Ge­samt­ver­sor­gung, al­so der sich aus ei­ner Ad­di­ti­on von ge­setz­li­cher und be­trieb­li­cher Ren­te er­ge­ben­den ma­xi­ma­len Al­ters­ren­te des je­weils be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ters.
2) Die nach den vor­ste­hen­den Grundsätzen be­rech­ne­te Be­mes­sungs­grund­la­ge in Höhe von ma­xi­mal 75 Pro­zent der vor dem Aus­schei­den in den Ru­he­stand zu­letzt be­zo­ge­nen mo­nat­li­chen Brut­to-Vergütung wur­de als zwei­ter Schritt durch ei­ne so gen­nann­te „Net­to-Li­mi­tie­rung“ gemäß § 3 A) 8) der Pen­si­ons­ord­nung zusätz­lich be­grenzt. Da­nach durf­te die Höhe der Ge­samt­ver­sor­gung/Be­mes­sungs­grund­la­ge nicht mehr als 90 % des vor dem Aus­schei­den zu­letzt be­zo­ge­nen durch­schnitt­li­chen Net­to­mo­nats­ein­kom­mens be­tra­gen.
3) Als drit­ter Schritt wur­de § 3 A) 2 a) der Pen­si­ons­ord­nung die nach die­sen Grundsätzen be­rech­ne­te Ge­samt­ver­sor­gung in Höhe von ma­xi­mal 75 Pro­zent der zu­letzt be­zo­ge­nen mo­nat­li­chen Brut­to­vergütung bzw. 90 Pro­zent der zu­letzt be­zo­ge­nen Net­to­vergütung, ent­spre­chend dem Ge­samt­ver­sor­gungs-Mo­dell be­zo­ge­ne ge­setz­li­che Al­ters­ren­te ab­ge­zo­gen. Dar­aus folg­te zwin­gend, dass, je höher die ge­setz­li­che Al­ters­ren­te bei glei­cher Ge­samt­ver­sor­gung aus­fiel, des­to nied­ri­ger der ergänzen­de An­spruch auf Be­triebs­ren­te war und um­ge­kehrt.
4) Als vier­ten Schritt ver­ein­bar­ten die Be­triebs­par­tei­en, dass die Be­triebs­ren­te gemäß § 3 A) 3) der Pen­si­ons­ord­nung nicht den Be­trag über­stei­gen durf­te, der sich aus der Mul­ti­pli­ka­ti­on der ru­he­geldfähi­gen Beschäfti­gungs­jah­re mit dem Grund­be­trag gemäß der „Leis­tungs­ta­fel II“ er­gab.
Die „Leis­tungs­ta­fel II“ war der Pen­si­ons­ord­nung als An­la­ge bei­gefügt
Vergütungs­grup­pen 1 und 2, 3 und 4, 5 und 6 so­wie 7 bis 10 – und die Ver­kehrs­an­ge­stell­ten – dif­fe­ren­ziert nach den Vergütungs­grup­pen 10 und 11, 12 und 13 so­wie 14 un­ter­schied­lich ho­he Grund­beträge vor. Die Mul­ti­pli­ka­ti­on die­ser Grund­beträge mit den zum Zeit­punkt des Ren­ten­ein­tritts zurück­ge­leg­ten Beschäfti­gungs­jah­ren er­gab so­mit die ma­xi­mal mögli­che Höhe der Be­triebs­ren­te. Die un­ter­schied­li­chen Grund­beträge der „Leis­tungs­ta­fel II“ wur­den ab Ja­nu­ar 1985 ent­spre­chend der Ent­wick­lung der ta­rif­li­chen Mo­nats­vergütun­gen pro­zen­tu­al an­ge­ho­ben.
Im Jahr 2000 wur­de die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung bei der Be­klag­ten für al­le Mit­ar­bei­ter von der Pen­si­ons­ord­nung in den Ta­rif­ver­trag zur Al­ters- und Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung vom 19.10.2000 (im Fol­gen­den: TV 2000) überführt. Der TV 2000 be­rech­net die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung für al­le ab dem 01.12.2000 ein­ge­stell­ten Mit­ar­bei­ter auf der Grund­la­ge ei­nes ein­heit­li­chen Stei­ge­rungs­sat­zes von 0,4 % in Abhängig­keit von Beschäfti­gungs­dau­er und dem Ge­halt, das Ge­samt­ver­sor­gungs-Mo­dell wur­de auf­ge­ge­ben. Für die vor In­kraft­tre­ten des TV 2000 bei der Be­klag­ten beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter – wie den Kläger - heißt es un­ter:
„§ 10Über­g­angs­re­ge­lung
Die­se Über­g­angs­re­ge­lung gilt für al­le Mit­ar­bei­ter, die vor dem In­kraft­tre­ten die­ses Ta­rif­ver­tra­ges ein Ar­beits­verhält­nis bei der A be­gon­nen ha­ben. Es wird für je­den die­ser Mit­ar­bei­ter das er­reich­ba­re Ru­he­geld R bei Voll­endung des im „Ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sches Gut­ach­ten über die Be­wer­tung der Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen der A zum 31.12.1999“ zu­grun­de­ge­leg­ten Be­ginns der Al­ters­ren­te nach der Pen­si­ons­ord­nung vom 11. Ju­ni 1976 i. d. F. vom 21. De­zem­ber 1983 nach den am 31. De­zem­ber 1999 gel­ten­den Verhält­nis­ses be­stimmt und hier­aus ein in­di­vi­du­el­ler Stei­ge­rungs­satz wie folgt er­mit­telt: S=R/(d*E) mit
D = ru­he­geldfähi­ge Beschäfti­gungs­jah­re bis zur Voll­endung des im „Ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sches Gut­ach­ten über die Be­wer­tung der Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen der A zum 31.12.1999“ zu­grun­de­ge­leg­ten Be­ginns der Al­ters­ren­te gemäß § 2 A Abs. 3) E = ru­he­geldfähi­ges Ein­kom­men am 31. De­zem­ber 1999 gemäß § 3 A Abs. 2). Für die­se Mit­ar­bei­ter wird der Stei­ge­rungs­satz in § 3 A Abs. 1) von 0,4 % durch den in­di­vi­du­el­len Stei­ge­rungs­satz er­setzt.“ Da­nach wur­de für den Kläger ein in­di­vi­du­el­ler Stei­ge­rungs­satz in Höhe von 0,46 % er­rech­net. In dem für die Be­rech­nung der in­di­vi­du­el­len Stei­ge­rungssätze maßgeb­li­chen Zeit­punkt 31.12.1999 be­tru­gen die Grund­beträge nach der „Leis­tungs­ta­fel II c“ vom 03.05.1999:
„Ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer: Grund­beträge
ab 01. Jan. 1995 01. Ju­li 1995 01.01 DM
der Vergütungs­grup­pen
Vor­hand­wer­ker bzw. Vor­ar­bei­ter zuzüglich auf
der Vergütungs­grup­pen 10 und 11 auf 31,41
Gel­der­he­ber im An­ge­stell­ten-Verhält­nis auf 31,41 32,38 32,80" Im Jahr 1999 wa­ren in der Vergütungs­grup­pe 8 493 Ar­bei­ter und 12 An­ge­stell­te ein­grup­piert. Die 12 An­ge­stell­ten er­hiel­ten Zu­la­gen in Höhe von 64,00 €, 221,00 €, 459,00 € und 576,00 €, die bei Fest­le­gung des pen­si­onsfähi­gen Ge­halts nicht zu berück­sich­ti­gen sind. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf den Be­klag­ten­schrift­satz vom 11.01.2012 (Sei­te 7 und 15 Bl. 475,483 d. A.) ver­wie­sen.
Der TV 2000 wur­de durch den Ta­rif­ver­trag zur Al­ters- und Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung vom 14.01.2008 (im Fol­gen­den TV 2008) ab­gelöst. Es ver­blieb bei dem ein­heit­li­chen Stei­ge­rungs­satz von 0,4 %. Die Über­g­angs­re­gel in § 11 TV 2008 ist wort­i­den­tisch mit der Vorgänger­vor­schrift des § 10 TV 2000.
Der Kläger er­hielt von der Be­klag­ten auf Nach­fra­ge am 26.02.2008 ei­ne Aus­kunft über sei­ne Ren­ten­an­wart­schaft. Dar­aus er­gab sich für den Kläger bei ei­nem ver­sor­gungsfähi­gen Brut­to­mo­nats­ge­halt von 2.795,41 € und ei­nem in­di­vi­du­el­len Stei­ge­rungs­satz von 0,46 % ei­ne zum Zeit­punkt der Aus­kunfts­er­tei­lung un­ver­fall­ba­re An­wart­schaft von 251,78 €, bei Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze von 325,72 €.
Der Kläger er­hielt in dem für die Be­rech­nung des in­di­vi­du­el­len Stei­ge­rungs­sat­zes maßgeb­li­chen Jahr 1999 ein Jah­res­brut­to­ge­halt von 69.415,00 DM. Sein pen­si­onsfähi­ges Ge­halt be­trug le­dig­lich 58.718,00 DM, da Zu­la­gen und Zu­schläge in Höhe von 10.600,00 € nicht berück­sich­tigt wur­den.
Mit sei­ner am 13.03.2009 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat der Kläger be­gehrt, mit den bei der Be­rech­nung des in­di­vi­du­el­len Stei­ge­rungs­sat­zes nach der Leis­tungs­ta­fel II c) - nach sei­ner Auf­fas­sung – un­ge­recht­fer­tigt bes­ser­ge­stell­ten Ver­kehrs­an­ge­stell­ten gleich­be­han­delt zu wer­den.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, bei der Be­rech­nung der be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge des Klägers ab 01.07.1993 die in der Leis­tungs­ta­fel II c) ent­hal­te­nen Grund­beträge der Ver­kehrs­an­ge­stell­ten her­an­zu­zie­hen.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Auf das Ur­teil (Bl. 171 bis 182 d. A.) wird ver­wie­sen. Ge­gen die­se Ent­schei­dung rich­tet sich die Be­ru­fung der Be­klag­ten, die der Auf­fas­sung ist, die Kla­ge sei be­reits man­gels hin­rei­chen­der Be­stimmt­heit und feh­len­dem Rechts­schutz­bedürf­nis un­zulässig. Je­den­falls sei die Kla­ge un­be­gründet, da kein An­spruch aus ar­beits­recht­li­chem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz be­ste­he, be­reits des­halb, da ei­ne ta­rif­li­che Re­ge­lung vor­lie­ge. Der Kläger wer­de auch nicht nach Ar­ti­kel 3 GG un­gleich ge­genüber den Ver­kehrs­an­ge­stell­ten be­han­delt. Maßgeb­lich für das Vor­lie­gen ei­ner Un­gleich­be­hand­lung sei, da ein Ge­samt­ver­sor­gungs-Sys­tem vor­lie­ge, nicht die Höhe der Be­triebs­ren­te, son­dern die Höhe der letzt­lich er­ziel­ten Ge­samt­ver­sor­gung. Da­her könne auch nicht auf die ein­zel­nen Fak­to­ren der Be­rech­nung Ge­samt­ver­sor­gung ab­ge­stellt wer­den. Die zwi­schen den An­ge­stell­ten und ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mern un­ter­schied­li­chen Grund­beträge führ­ten zu kei­ner Un­gleich­be­hand­lung des Klägers.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Aa­chen ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Der Kläger be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Be­ru­fung
und be­an­tragt nun­mehr,
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, bei der Be­rech­nung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung des Klägers ab 01.07.1993
den in der Leis­tungs­ta­fel IIc vom 03.05.1999 ent­hal­te­nen Grund­be­trag für Ver­kehrs­an­ge­stell­te in Höhe von 34,29 DM her­an­zu­zie­hen.
Der Be­klag­te ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil und ist wei­ter der Auf­fas­sung, dass der Kläger als ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­mer ge­genüber den Ver­kehrs­an­ge­stell­ten we­gen der un­ter­schied­li­chen Grund­beträge in der Leis­tungs­ta­fel II c) be­nach­tei­ligt wer­de. Der vom Kläger an sich auf­grund des Ge­samt­ver­sor­gungs-Sys­tems er­reich­ba­re Be­triebs­ren­ten­an­spruch wer­de durch die Grund­beträge be­schränkt. Da­her wir­ke im Fall des Klägers die Schran­ke aus der Leis­tungs­ta­fel II und führe zu ei­ner Re­du­zie­rung des tatsächli­chen Be­triebs­ren­ten­an­spruchs.
We­gen der Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils, die im Be­ru­fungs­ver­fah­ren ge­wech­sel­ten Schriftsätze, die ein­ge­reich­ten Un­ter­la­gen und die Sit­zungs­pro­to­kol­le Be­zug ge­nom­men.
I. Die Be­ru­fung ist zulässig und hat auch in der Sa­che Er­folg.
Die Kla­ge ist mit dem zu­letzt ge­stell­ten (Leis­tungs-)An­trag, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, bei der Be­rech­nung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung des Klägers ab 01.07.1993 den in der Leis­tungs­ta­fel II c) vom 03.05.1999 ent­hal­te­nen Grund­be­trag für Ver­kehrs­an­ge­stell­te in Höhe von 34,29 DMher­an­zu­zie­hen, zulässig. Ins­be­son­de­re genügt sie dem Be­stimmt­heits­er­for­der­nis des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, da nun­mehr der be­gehr­te Grund­be­trag kon­kret be­zif­fert wird. Für die Kla­ge be­steht auch vor Ren­ten­ein­tritt des Klägers im Jahr 2014 ein Recht­schutz­bedürf­nis. Der Kläger durf­te schon vor sei­nem Aus­schei­den bei der Be­klag­ten bzw. den Be­zug der Be­triebs­ren­te, die zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­ge Rechts­fra­ge zur Be­rech­nung sei­ner Be­triebs­ren­te ge­richt­lich klären (vgl. et­wa BAG 15.5.2012 – 3 AZR 11/10
– (für die Fest­stel­lungs­kla­ge mit ent­spre­chen­dem Kla­ge­an­trag)). Der vom Kläger an­ge­grif­fe­ne Be­rech­nungs­fak­tor un­ter­liegt bis zum Leis­tungs­be­zug auch kei­ner Verände­rung mehr, da er auf ei­ner ta­rif­li­chen Be­sitz­stands­wah­rung (§ 11 TV 2008) be­ruht, die für die Be­rech­nung des in­di­vi­du­el­len Stei­ge­rungs­sat­zes, ein­sch­ließlich der dafür her­an­ge­zo­ge­nen Grund­beträge nach der Leis­tungs­ta­fel II c) auf das Jahr 1999 ab­stellt.
II. Die Kla­ge ist je­doch un­be­gründet. Der Kläger hat un­ter kei­nem recht­li­chen Ge­sichts­punkt An­spruch auf die be­gehr­te Be­rech­nung un­ter Her­an­zie­hung des Grund­be­tra­ges für Ver­kehrs­an­ge­stell­te in Höhe von 34,29 DM. Die Be­klag­te hat für die Be­rech­nung der Ver­sor­gungs­an­wart­schaft des Klägers zu Recht die Grund­beträge für die ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer zu­grun­de­ge­legt. Denn der Kläger ist als Bus­fah­rer tätig und da­mit ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­mer. Der Kläger kann sei­ne Kla­ge nicht mit Er­folg auf die al­lein in Be­tracht kom­men­den An­spruchs­grund­la­gen des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes oder des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes stützen.
1. Die Her­an­zie­hung der Grund­beträge für die Be­rech­nung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung des Klägers be­ruht auf § 11 (Über­g­angs­re­ge­lung) TV 2008, da­mit ei­ner ta­rif­li­chen Vor­schrift, die nicht an den Maßstäben des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes zu mes­sen ist.
a. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts greift der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz we­gen sei­nes Schutz­cha­rak­ters ge­genüber der Ge­stal­tungs­macht des Ar­beit­ge­bers nur dort ein, wo die­ser durch ei­ge­nes ge­stal­ten­des Ver­hal­ten ein ei­ge­nes Re­gel­werk bzw. ei­ne ei­ge­ne Ord­nung schafft, nicht hin­ge­gen bei bloßem – auch ver­meint­li­chem – Nor­men­voll­zug (vgl. et­wa BAG 27.08.2008 – 4 AZR 484/07). Dies gilt auch dann, wenn der Ta­rif­ver­trag man­gels Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­neh­mers nicht un­mit­tel­bar und zwin­gend, son­dern le­dig­lich – wie hier – auf­grund ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen In­be­zug­nah­me An­wen­dung fin­det (BAG 22.12.2009 – 3 AZR 895/07).
b. Die hier strei­ti­ge Be­rech­nung der Ver­sor­gungs­an­wart­schaft des Klägers un­ter Her­an­zie­hung der Grund­beträge der Leis­tungs­ta­fel II c) der Pen­si­ons­ord­nung be­ruht auf ei­ner ta­rif­li­chen Vor­schrift, nämlich der Über­g­angs­vor­schrift des § 11 TV 2008, die wort­gleich der Über­g­angs­vor­schrift des § 10 TV 2000 ent­spricht. Die­se Über­g­angs­re­ge­lung gilt für al­le Mit­ar­bei­ter, die vor dem 01.12.2000 ein Ar­beits­verhält­nis bei der Be­klag­ten be­gon­nen ha­ben und gibt die Be­rech­nungs­for­mel zum Stich­tag 31.12.1999 un­ter Be­zug­nah­me auf ein ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sches Gut­ach­ten in der Wei­se vor, dass für die­se Mit­ar­bei­ter der Stei­ge­rungs­satz in § 3 A TV 2008 von 0,4 % durch den so er­mit­tel­ten in­di­vi­du­el­len Stei­ge­rungs­satz er­setzt wird. Die Be­rech­nung stellt da­her ei­nen bloßen Voll­zug die­ser Ta­rif­norm dar. Et­was an­de­res folgt auch nicht dar­aus, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en da­durch die Be­triebs­ren­ten­ansprüche aus der ehe­ma­li­gen Pen­si­ons­ord­nung fort­ge­schrie­ben ha­ben. Da die­se Fort­schrei­bung in Form in­di­vi­du­el­ler Stei­ge­rungssätze und un­ter Fest­le­gung ei­ner kon­kre­ten Be­rech­nungs­for­mel von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­genständig – oh­ne Ge­stal­tungs­spiel­raum für die Be­klag­te als Ar­beit­ge­ber ge­re­gelt wor­den ist.
2. Der Kläger hat auch kei­nen An­spruch auf Her­an­zie­hung des be­gehr­ten Grund­be­trags für Ver­kehrs­an­ge­stell­te bei der Be­rech­nung sei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nach dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Ar­ti­kel 3 Ab­satz 1 GG.
a. Der Gleich­heits­satz des Ar­ti­kel 3 Abs. 1 GG wird durch ei­ne Ta­rif­norm ver­letzt, wenn die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en es versäumt ha­ben, tatsächli­che Gleich­hei­ten oder Un­gleich­hei­ten der zu ord­nen­den Le­bens­verhält­nis­se zu berück­sich­tig­ten, die so be­deut­sam sind, dass sie bei ei­ner am Ge­rech­tig­keits­ge­dan­ken ori­en­tier­ten Be­trach­tungs­wei­se be­ach­tet wer­den müssen. Al­ler­dings ist die rich­ter­li­che Kon­trol­le von Ta­rif­verträgen im Hin­blick auf ei­nen Ver­s­toß ge­gen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Ar­ti­kel 3 Abs. 1 GG nicht un­be­schränkt eröff­net; Ein­schränkun­gen er­ge­ben sich viel­mehr aus der ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tung der Ta­rif­au­to­no­mie nach Ar­ti­kel 9 Abs. 3 GG, der den Ta­rif­part­nern ei­ne Einschätzungs­präro­ga­ti­ve ga­ran­tiert,
so­weit es um die Be­ur­tei­lung der tatsächli­chen Re­ge­lungs­pro­ble­me und der Rechts­fol­gen geht, und ei­nen Be­ur­tei­lungs- und Er­mes­sens­spiel­raum einräumt, so­weit es um in­halt­li­che Ge­stal­tung der Re­ge­lung geht. Des­halb ist es nicht Auf­ga­be der Ge­rich­te zu prüfen, ob die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die zweckmäßigs­te, vernünf­tigs­te und ge­rech­tes­te Lösung für das Re­ge­lungs­pro­blem ge­fun­den ha­ben; auch der Kom­pro­miss­cha­rak­ter von Ta­rif­verträgen als Ver­hand­lungs­er­geb­nis di­ver­gie­ren­der In­ter­es­sen muss in dem Sin­ne berück­sich­tigt wer­den, dass an die Sys­tem­ge­rech­tig­keit der ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung kei­ne zu ho­hen Er­war­tun­gen ge­stellt wer­den dürfen. Im Übri­gen ist an­er­kannt, dass die Ta­rif­part­ner – im In­ter­es­se prak­ti­ka­bler, verständ­li­cher und über­sicht­li­cher Re­ge­lung – ty­pi­sie­ren­de Re­ge­lun­gen tref­fen können. Aus die­sem Grun­de kann bei der Prüfung ei­nes mögli­chen Ver­s­toßes ge­gen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz nicht auf die Ein­zel­fall­ge­rech­tig­keit ab­ge­stellt wer­den, son­dern nur auf die ge­ne­rel­len Aus­wir­kun­gen der Re­ge­lung. Die aus dem Gleich­heits­satz fol­gen­den Gren­zen sind je­doch dann über­schrit­ten, wenn ei­ne Grup­pe von Nor­madres­sa­ten im Ver­gleich zu an­de­ren Nor­madres­sa­ten an­ders be­han­delt wird, ob­wohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Un­ter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Ge­wicht be­ste­hen, dass sie ei­ne Un­gleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen können (BAG 22.12.2009 – 3 AZR 895/07 m.w.N.). Kei­ne Recht­fer­ti­gung für die Un­gleich­be­hand­lung stellt nach die­sen Grundsätzen der bloße Sta­tus­un­ter­schied zwi­schen ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mern – Ar­bei­tern – und An­ge­stell­ten dar. Die dar­an an­knüpfen­de Un­ter­schei­dung be­ruht für sich ge­nom­men auf kei­ner­lei sach­ge­rech­ten Erwägun­gen. (BAG 22.12.2009 – 3 AZR 895/07; BAG 16.02.2010 – 3 AZR 216/09 – (für ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung)).
b. An die­sen Maßstäben ge­mes­sen, ist ein Ver­s­toß ge­gen Ar­ti­kel 3 Abs. 1 GG nicht fest­zu­stel­len. Die Be­rech­nung des für die Höhe der Ver­sor­gungs­an­wart­schaft des Klägers maßgeb­li­chen in­di­vi­du­el­len Stei­ge­rungs­sat­zes be­ruht, wie be­reits aus­geführt, auf der Über­g­angs­vor­schrift nach § 11 TV 2008. Die­se Ta­rif­norm gibt die Be­rech­nung des Stei­ge­rungs­sat­zes un­ter Her­an­zie­hung der Grund­beträge nach der Leis­tungs­ta­fel II c) der Pen­si­ons­ord­nung vor. Die­se Grund­beträge ent­hal­ten zwar der Höhe nach dif­fe­ren­zier­te Re­ge­lun­gen für ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer
und Ver­kehrs­an­ge­stell­te. So ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig, dass für die Be­rech­nung des in­di­vi­du­el­len Stei­ge­rungs­sat­zes des Klägers, der nach der Vergütungs­grup­pe 8 vergütet wird, als ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­mer nur ein Grund­be­trag von 22,90 DM her­an­zu­zie­hen ist, dem­ge­genüber bei ei­nem Ver­kehrs­an­ge­stell­ten mit der­sel­ben Vergütungs­grup­pe ein Grund­be­trag von 34,29 DM (Grund­beträge ab 01.05.1999). Die­se Un­gleich­be­hand­lung knüpft je­doch nicht al­lein an den Sta­tus von Ar­bei­tern und An­ge­stell­ten an und be­gründet so­mit kei­nen Ver­s­toß ge­gen den Gleich­heits­satz. Denn aus die­ser Dif­fe­ren­zie­rung folgt für die ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer kei­ne Be­nach­tei­li­gung ge­genüber den Ver­kehrs­an­ge­stell­ten im Hin­blick auf die als Ge­samt­ver­sor­gung ge­stal­te­te be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung. Zwi­schen bei­den Grup­pen be­ste­hen darüber hin­aus Un­ter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Ge­wicht, dass sie ei­ne Un­gleich­be­hand­lung hin­sicht­lich der Grund­beträge recht­fer­ti­gen können.
c. Die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung der Be­klag­ten ist als Ge­samt­ver­sor­gung ge­stal­tet. Die Grund­beträge stel­len nur ei­nen Be­rech­nungs­fak­tor dar, der nicht iso­liert be­trach­tet wer­den kann. Maßgeb­lich ist dem­nach nicht die Höhe der Grund­beträge, auch nicht die Höhe der Be­triebs­ren­te selbst, son­dern - ori­en­tiert am Ge­samt­ver­sor­gungs­mo­dell - die je­weils von den Ver­sor­gungs­empfängern im Er­geb­nis er­ziel­te Ge­samt­ver­sor­gung. Die ta­rif­lich vor­ge­ge­be­ne Be­rech­nung des in­di­vi­du­el­len Stei­ge­rungs­sat­zes berück­sich­tigt al­le Be­rech­nungs­fak­to­ren, die in der Pen­si­ons­ord­nung zur Be­rech­nung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung als ein kom­ple­xes Ge­samt­ver­sor­gungs­mo­dell vor­ge­se­hen sind. Im ers­ten Schritt ist nach § 3 A 1a) der Pen­si­ons­ord­nung die so­ge­nann­te Be­mes­sungs­grund­la­ge, d. h. die ma­xi­ma­le Höhe der Ge­samt­ver­sor­gung nach der Leis­tungs­ta­fel I zu be­stim­men, wel­che in Re­la­ti­on zu den bis zum Zeit­punkt des Ren­ten­be­zugs zurück­ge­leg­ten Beschäfti­gungs­jah­ren steht, bei 35 % nach 10 zurück­ge­leg­ten Beschäfti­gungs­jah­ren be­ginnt und bis zu 75 % nach 35 Beschäfti­gungs­jah­ren er­reicht. Die­ser Pro­zent­satz der ma­xi­mal mögli­chen Höhe der Ge­samt­ver­sor­gung ist auf die von dem Mit­ar­bei­ter vor sei­nem Aus­schei­den zu­letzt be­zo­ge­ne mo­nat­li­che Brut­to-Vergütung zu über­tra­gen. Da­bei ist von dem in § 3 A 1a) der Pen­si­ons­ord­nung näher be­zeich­ne­ten pen­si­onsfähi­gen bzw. ru­he­geldfähi­gen Ein­kom­men aus­zu­ge­hen, der ta­rif­li­chen - 13 -
Mo­nat­s­ta­bel­len­vergütung ein­sch­ließlich even­tu­ell ge­zahl­ter ta­bel­la­ri­scher, Vor­hand­wer­ker-, Vor­ar­bei­ter-, Schichtführer-, Ko­lon­nenführer- und Haus­stands­zu­la­gen so­wie Fahr­dienst-, Er­schwer­nis- und Schicht­zu­schläge so­wie des auf den Mo­nat ent­fal­len­den Teils der Weih­nachts­zu­wen­dung und des Ur­laubs­gel­des. Die da­nach be­rech­ne­te Be­mes­sungs­grund­la­ge in Höhe von ma­xi­mal 75 % der vor dem Aus­schei­den in den Ru­he­stand zu­letzt be­zo­ge­nen mo­nat­li­chen Brut­to-Vergütung wird durch ei­ne so­ge­nann­te Net­to-Li­mi­tie­rung gemäß § 3 A 8) der Pen­si­ons­ord­nung zusätz­lich be­grenzt auf ma­xi­mal 90 % des vor dem Aus­schei­dens zu­letzt be­zo­ge­nen durch­schnitt­li­chen Net­to­mo­nats­ein­kom­men. In ei­nem drit­ten Schritt wird nach dem Ge­samt­ver­sor­gungs­mo­dell von der ma­xi­mal 75 % der zu­letzt be­zo­ge­nen mo­nat­li­chen Brut­to-Vergütung bzw. 90 % der zu­letzt be­zo­ge­nen Net­to-Vergütung die ge­setz­li­che Al­ters­ren­te ab­ge­zo­gen. Als vier­ten Schritt wird die ma­xi­ma­le Höhe der Be­triebs­ren­te auf die Mul­ti­pli­ka­ti­on der Grund­beträge nach der Leis­tungs­ta­fel II der Pen­si­ons­ord­nung be­grenzt.
d. Die un­ter­schied­li­chen Grund­beträge zwi­schen ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mern und Ver­kehrs­an­ge­stell­ten bzw. die Be­vor­zu­gung der Ver­kehrs­an­ge­stell­ten durch höhe­re Grund­beträge wird durch die grundsätz­li­che Be­vor­zu­gung der ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer bei den übri­gen Be­rech­nungs­fak­to­ren aus­ge­gli­chen. Ei­ne iso­lier­te Be­trach­tung der Grund­beträge zur Fest­stel­lung ei­ner Un­gleich­be­hand­lung ist da­her un­zulässig. Nach dem vom Kläger nicht be­strit­te­nen Be­klag­ten­vor­trag zeigt sich die Be­vor­zu­gung der ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer ge­genüber den Ver­kehrs­an­ge­stell­ten be­zo­gen auf das für die Be­rech­nung des in­di­vi­du­el­len Stei­ge­rungs­sat­zes maßgeb­li­che Jahr 1999 wie folgt:
aa. Die Be­vor­zu­gung der ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer ge­genüber den Ver­kehrs­an­ge­stell­ten er­gibt sich be­reits aus der De­fi­ni­ti­on des pen­si­onsfähi­gen Ge­halts nach § 3 A 1a) der Pen­si­ons­ord­nung, wo­nach zur ta­rif­li­chen Mo­nat­s­ta­bel­len­vergütung die dort ge­nann­ten Zu­la­gen wie Vor­hand­wer­ker-, Vor­ar­bei­ter-, Schichtführer-, Ko­lon­nenführer- und Haus­stands­zu­la­gen so­wie Fahr­dienst-, Er­schwer­nis- und Schicht­zu­la­gen hin­zu­ge­rech­net wer­den. Da­bei han­delt es sich um Zu­la­gen und Zu­schläge, die von ge­werb­li­chen
Ar­beit­neh­mern, bei­spiels­wei­se Bus­fah­rern wie dem Kläger, re­gelmäßig, von An­ge­stell­ten hin­ge­gen nur in Aus­nah­mefällen er­wor­ben wer­den. Dies be­wirk­te in­ner­halb der für den Kläger maßgeb­li­chen Vergütungs­grup­pe 8, das pen­si­onsfähi­ge Ge­halt al­ler in Voll­zeit täti­gen An­ge­stell­ten DM 58.718,00 be­trug, hin­ge­gen das pen­si­onsfähi­ge Ge­halt von rund 96 % al­ler ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer in Voll­zeit DM 61.580,00 und da­mit DM 2.862,00 mehr be­trug. Le­dig­lich vier ge­werb­li­che Voll­zeit­ar­beit­neh­mer (0,8 %) er­hiel­ten ein iden­ti­sches pen­si­onsfähi­ges Ge­halt wie die An­ge­stell­te der Vergütungs­grup­pe 8, das Ge­halt der übri­gen 92 % lag darüber. Da­mit wer­den die ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer durch die Be­mes­sungs­grund­la­ge be­vor­zugt, da sie bei glei­chem Dienst­al­ter und da­mit glei­chem pro­zen­tua­len Ge­samt­ver­sor­gungs­grad auf­grund der höhe­ren Be­mes­sungs­grund­la­ge ei­ne höhe­re Ge­samt­ver­sor­gung er­hal­ten können.
bb. Darüber hin­aus wer­den die ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer durch die Vergütungs­struk­tur bei der Be­klag­ten auch hin­sicht­lich der ge­setz­li­chen Al­ters­ren­te und der Net­to-Li­mi­tie­rung be­vor­zugt. So wer­den bei der Be­klag­ten wei­te­re über das pen­si­onsfähi­ge Ge­halt hin­aus­ge­hen­de Zu­la­gen und Zu­schläge ge­zahlt, die in der Re­gel nur von ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mern er­wor­ben wer­den. Dies be­trifft ins­be­son­de­re die Zu­schläge für Fei­er­tags-, Sonn­tags- und Nacht­ar­beit so­wie Mehr­ar­beits­zu­schläge. In­ner­halb der Vergütungs­grup­pe 8 la­gen die­se – über das oh­ne­hin schon um rund DM 2.800,00 höhe­re pen­si­onsfähi­ge Ge­halt hin­aus­ge­hen­den – Zu­la­gen und Zu­schläge der ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer bei durch­schnitt­lich rund DM 8.500,00. Der Kläger er­hielt im Jahr 1999 Zu­la­gen in Höhe von über 10.000,00 DM. Dem­ge­genüber ha­ben von den 12 An­ge­stell­ten der Vergütungs­grup­pe 8 le­dig­lich vier An­ge­stell­te Zu­la­gen in Höhe von DM 64,00 bis DM 576,00 be­zo­gen. Die ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer, ein­sch­ließlich des Klägers, er­ziel­ten da­mit we­gen des um rund DM 2.800,00 höhe­ren pen­si­onsfähi­gen Ge­halts und der zusätz­li­chen Zu­la­gen ein we­sent­lich höhe­res Brut­to-Ge­halt als ih­re an­ge­stell­ten Kol­le­gen. Da­durch er­hiel­ten sie zum ei­nen ei­ne er­heb­lich höhe­re ge­setz­li­che Al­ters­ren­te, zum an­de­ren wur­den sie auch bei der Net­to-Li­mi­tie­rung, wel­che die Höhe der Ge­samt­ver­sor­gung auf 90 % des zu­letzt er­ziel­ten Brut­to­ge­hal­tes be­grenzt, be­vor­zugt.
cc. Die von der Be­klag­ten vor­ge­leg­ten An­la­ge B 5 (Bl. 421 d. A.) zeigt, dass der Kläger im Ver­gleich zu ei­nem fik­ti­ven „Ver­kehrs­an­ge­stell­ten“ mit an­sons­ten dem­sel­ben Ge­burts­da­tum, Ein­tritts­da­tum, pen­si­onsfähi­gem Ge­halt, ge­setz­li­chen Ren­ten­al­ter, Dienst­jah­ren und dem­nach er­wor­be­ner Ge­samt­ver­sor­gung in glei­cher Höhe ei­nen um mehr als 4.000,00 Eu­ro höhe­res Net­to­ge­halt und ei­ne mehr als 4.000,00 Eu­ro höhe­re ge­setz­li­che Ren­te er­zie­len würde. Die­se Be­vor­zu­gung des Klägers wird je­doch durch die ge­genüber den Ver­kehrs­an­ge­stell­ten bei ihm als ge­werb­li­chem Mit­ar­bei­ter nied­ri­ge­ren Grund­beträgen, die ei­nem nied­ri­ge­ren in­di­vi­du­el­len Stei­ge­rungs­satz zur Fol­ge ha­ben – beim Kläger nach sei­nen tatsächli­chen Da­ten 0,46 % und als fik­ti­ver Ver­kehrs­an­ge­stell­ter oh­ne Zu­schläge bei 0,70 % - aus­ge­gli­chen und führt zu ei­ner fast aus­ge­gli­che­nen Ge­samt­ver­sor­gung. Da­bei er­zielt der Kläger nach sei­nen tatsächli­chen Da­ten ei­ne Ge­samt­ver­sor­gung von 33.967,49 DM pro Jahr bei ei­nem jähr­lich er­wor­be­nen Ge­samt­ver­sor­gungs­an­teil von 2,50 % und steht sich da­mit so­gar bes­ser als ein fik­ti­ver Ver­kehrs­an­ge­stell­ter, als der er ei­ne Ge­samt­ver­sor­gung von 32.850,66 DM und ei­nen jähr­lich er­wor­be­nen Ge­samt­ver­sor­gungs­an­teil von 2,42 % er­hal­ten würde. Die Be­rech­nung nach der An­la­ge B 5 zeigt, dass im Hin­blick auf die Vor­tei­le der ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer bei der Be­mes­sungs­grund­la­ge, der Net­to-Li­mi­tie­rung und der ge­setz­li­chen Al­ters­ren­te auf­grund ih­rer höhe­ren Zu­schläge und Zu­la­gen als die Ver­kehrs­an­ge­stell­ten durch die nied­ri­ge­ren Grund­beträge ge­genüber die­sen nicht be­nach­tei­ligt wer­den, son­dern die höhe­ren Grund­beträge der Ver­kehrs­an­ge­stell­ten die­se Be­vor­zu­gung der ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer aus­glei­chen und im Er­geb­nis zu ei­ner in et­wa glei­chen Ge­samt­ver­sor­gung von ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mern und An­ge­stell­ten führen.
3. Ei­ne Un­gleich­be­hand­lung oder Be­nach­tei­li­gung des Klägers auf­grund der für die ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer nied­ri­ge­ren Grund­beträge als für die Ver­kehrs­an­ge­stell­ten auch dann nicht an­zu­neh­men, wenn man mit dem Kläger da­von aus­geht, dass die Be­rech­nung sei­ner Be­triebs­ren­te auf der Pen­si­ons­ord­nung, al­so ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung be­ruht und da­her der
be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz als An­spruchs­grund­la­ge in Be­tracht kommt.
a. Da­nach stellt der bloße Sta­tus­un­ter­schied zwi­schen ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mern – Ar­bei­tern – und An­ge­stell­ten kei­ne Recht­fer­ti­gung für ei­ne Un­gleich­be­hand­lung dar. Die dar­an an­knüpfen­de Un­ter­schei­dung be­ruht für sich ge­nom­men auf kei­ner­lei sach­ge­rech­ten Erwägun­gen. Viel­mehr han­delt es sich um ei­ne per­so­nen­be­zo­ge­ne Un­gleich­be­hand­lung, die schon dann ge­gen den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz verstößt, wenn zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Un­ter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Ge­wicht be­ste­hen, dass sie die Un­gleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen könn­ten. Nur wenn der­ar­ti­ge Un­ter­schie­de be­ste­hen, kann – in sel­te­nen Aus­nah­mefällen – die sta­tus­be­zo­ge­ne Kenn­zeich­nung als „Kürzel“ für ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung her­an­ge­zo­gen wer­den. Es ist er­for­der­lich, dass mit der An­knüpfung an den Sta­tus­un­ter­schied gleich­zei­tig an ei­nen Le­bens­sach­ver­halt an­ge­knüpft wird, der ge­eig­net ist, die in der Re­ge­lung ge­trof­fe­ne Rechts­fol­ge zu tra­gen. Das ist am Re­ge­lungs­zweck und dem aus ihm fol­gen­den Dif­fe­ren­zie­rungs­grund zu mes­sen. Der Dif­fe­ren­zie­rungs­grund muss auf vernünf­ti­gen und ein­leuch­ten­den Erwägun­gen be­ru­hen; er darf ge­gen kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen oder sons­ti­gen über­ge­ord­ne­ten Wer­tent­schei­dun­gen ver­s­toßen (BAG 16.02.2010 – 3 AZR 216/09).
b. Nach die­sen Grundsätzen ist kei­ne Un­gleich­be­hand­lung fest­zu­stel­len. Zwar knüpfen die zur Be­rech­nung des in­di­vi­du­el­len Stei­ge­rungs­sat­zes her­an­ge­zo­ge­nen Grund­beträge an den Sta­tus­un­ter­schied zwi­schen ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mern und Ver­kehrs­an­ge­stell­ten an. Dies führt je­doch, wie be­reits aus­geführt, zu kei­ner Un­gleich­be­hand­lung. Denn es han­delt sich da­bei le­dig­lich um ei­nen von meh­re­ren Be­rech­nungs­fak­to­ren zur Er­mitt­lung ei­ner Ge­samt­ver­sor­gungs­ren­te, der nicht iso­liert be­trach­tet wer­den darf. Die höhe­ren Grund­beträge der Ver­kehrs­an­ge­stell­ten glei­chen viel­mehr die Be­vor­zu­gung der ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer hin­sicht­lich der übri­gen Be­rech­nungs­fak­to­ren aus und führen da­mit – je­weils be­zo­gen auf die glei­che Vergütungs­grup­pe – zu ei­ner annähernd gleich ho­hen Ge­samt­ver­sor­gung von
ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mern und Ver­kehrs­an­ge­stell­ten. We­gen der wei­te­ren Be­gründung wird auf die Ausführun­gen un­ter 2.c. und d. ver­wie­sen.
c. Selbst wenn man die nach bei­den Grup­pen dif­fe­ren­zier­ten Grund­beträge als am bloßen Sta­tus an­knüpfen­de Un­gleich­be­hand­lung an­se­hen würde, liegt aus den un­ter 3.b. ge­nann­ten Gründen ein für die ge­trof­fe­ne Re­ge­lung recht­fer­ti­gen­der Dif­fe­ren­zie­rungs­grund vor.
III. Der Kläger hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen (§ 91 Abs.1 ZPO).
IV. Die Re­vi­si­on war gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­zu­las­sen, da der Rechts­streit we­gen ei­ner Viel­zahl gleich­ge­la­ger­ter Fälle grundsätz­li­che Be­deu­tung hat.
Rechts­mit­tel­be­leh­rung Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der kla­gen­den Par­tei
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