Source: https://www.jusmeum.de/urteil/olg_koeln/7901972af90a51bcbdacfa291ad8e5a440fae035de9b8d18fb83932881b32499
Timestamp: 2019-08-24 11:18:01
Document Index: 160250520

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 426', '§ 706', '§ 706', '§ 287', '§ 706', '§ 706', '§ 9', '§ 57', '§ 529', '§ 513', '§ 9', '§ 535', '§ 426', '§ 8', '§ 706', '§ 706', '§ 706', '§ 706', 'Art. 268', 'Art. 268', '§ 706', '§ 706', '§ 706', '§ 426', '§ 426', '§ 706', '§ 426', '§ 426', '§ 670', '§ 195', '§ 195', 'Art. 229', '§ 6', '§ 204', '§ 706', '§ 426']

OLG Köln, 8 U 42/06: OLG Köln: treu und glauben, auflösung der gesellschaft, auszug, geschäftsführung ohne auftrag, telefonanlage, widerklage, innenverhältnis, mietvertrag, vermieter, aufrechnung
Urteil des OLG Köln vom 09.11.2006, 8 U 42/06
OLG Köln: treu und glauben, auflösung der gesellschaft, auszug, geschäftsführung ohne auftrag, telefonanlage, widerklage, innenverhältnis, mietvertrag, vermieter, aufrechnung
Treu und glauben, Auflösung der gesellschaft, Auszug, Geschäftsführung ohne auftrag, Telefonanlage, Widerklage, Innenverhältnis, Mietvertrag, Vermieter, Aufrechnung
Oberlandesgericht Köln, 8 U 42/06
Aktenzeichen: 8 U 42/06
Vorinstanz: Landgericht Köln, 4 O 34/04
Schlagworte: Steuerberaterhonorarfoderung; Formerfordernis; eingescannte Unterschrift
Normen: § 9 Abs. 1 StBGebV
Leitsätze: Eine Steuerberaterhonorarforderung, die lediglich mit einer eingescannten Unterschrift unterzeichnet ist, genügt nicht den Formerfordernissen des § 9 Abs. 1 StBergGebV.
Tenor: Auf die Berufungen des Klägers und des Beklagten wird das am 28.04.2006 verkündete Urteil der 4. Zivilkammer des Landgerichts Köln - 4 O 34/04 - unter Zurückweisung der weitergehenden Rechtsmittel teilweise abgeändert und insgesamt wie folgt neu gefasst:
1. Der Kläger wird verurteilt, an den Beklagten 64.184,83 € nebst Zinsen in Höhe von acht Prozentpunkten über dem Basiszinssatz aus einem Betrag von 60.316,00 € seit dem 01.03.2004 und in Höhe von acht Prozentpunkten über dem Basiszinssatz aus einem Betrag von 3.868,83 € seit dem 14.07.2005 zu zahlen. Die Widerklage im Übrigen wird abgewiesen.
2. Der Kläger wird verurteilt, den Beklagten gegenüber Herrn U. K., Gut St. B., T.-weg, xxxxx L., von den vor dem 01.03.2003 entstandenen Verbindlichkeiten aus dem Mietvertrag vom 05.10.1997 über das Objekt C. Straße 528 und 530 in Höhe von 1.167,74 € und von den nach dem 01.03.2003 entstandenen Verbindlichkeiten über das Objekt C. Straße 528 in Höhe von 2.171,28 € freizustellen.
3. Die Hilfswiderklage wird als unzulässig verworfen.
4. Die Kosten des Rechtsstreits haben der Kläger zu 60 % und der Beklagte zu 40 % zu tragen.
6. Jede Partei darf die Vollstreckung durch die Gegenseite durch Sicherheitsleistung oder Hinterlegung von 120 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages abwenden, wenn nicht die Gegenseite vor der Vollstreckung Sicherheit in derselben Höhe leisten.
Der Kläger ist als Steuerberater, der Beklagte ist als Rechtsanwalt tätig. Beide Parteien hatten sich 1993 zur gemeinsamen Berufsausübung zusammengeschlossen und traten nach außen unter der Kanzleibezeichnung "I. & M." auf. Im Innenverhältnis sollte jede Partei auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko tätig werden.
4Die Parteien mieteten mit Vertrag vom 15.10.1997 (Bl. 1 ff. AH) von dem Zeugen K. ab dem 15.12.1998 für die Dauer von fünf Jahren Büroräume in dem Objekt C. Straße 528 in L.. Das Mietverhältnis endete zum 15.12.2003. Auch im Objekt C. Straße 530 wurden Räumlichkeiten genutzt, die – zulässigerweise – untervermietet wurden. Die Parteien schafften gemeinsam eine Telefonanlage, einen Fotokopierer und einen Server für die Datenverwaltung und -speicherung an. Sie betrieben eine gemeinsame Telefon- und Telefaxanlage. Der Post- und Telefaxeingang, eingehende Telefongespräche sowie der Empfang der Mandanten wurde von Angestellten erledigt. Sämtliche Kosten für die Büroräume, das Empfangspersonal, die Telefonanlage, den Fotokopierer und das Telefaxgerät zahlte zunächst der Beklagte. Der Kläger zahlte an den Beklagten monatlich einen festen Betrag.
5Nachdem die Sozietät der Parteien zum 31.12.2002 einvernehmlich aufgelöst worden war und sich der Kläger zum 01.01.2003 mit anderen Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern u.a. zu der Sozietät "B." in L. zusammengeschlossen hatte, zog der Beklagte am 28.02.2003 aus den angemieteten Räumlichkeiten in der C. Straße 528 aus. Die Umstände, die zum Auszug des Beklagten führten, sind zwischen den Parteien teilweise streitig. Im Zusammenhang mit dem Auszug sind wechselseitig einstweilige Verfügungsverfahren durchgeführt worden, wonach dem Kläger u.a. die Führung des Kanzleinamens "B." an der Adresse C. Straße 528 untersagt (LG Köln 15 O 1/03) und der Beklagte zur Wiederherstellung der Telefon- und Serververbindung verurteilt wurde (LG Köln 15 O 8/03). Wegen Mietrückständen in der Zeit vom 01.03.2003 bis 15.12.2003 sowie wegen vertraglich vereinbarter Renovierungskosten nahm der Zeuge K. den Beklagten klageweise in Anspruch (LG Köln 4 O 179/04 und 4 O 395/04). Nach Zahlung von 30.360,30 € durch den Beklagten ist von der Miete noch ein Betrag in Höhe von 5.234,28 € offen.
Mit der vorliegenden Klage hatte der Kläger ursprünglich erreichen wollen, dem Beklagten die weitere Nutzung des Briefbogens "I. & M." im Rechtsverkehr zu untersagen. Nachdem hierüber ein Teilvergleich erzielt worden war, erklärten die 3
Parteien den Rechtsstreit insoweit schon in erster Instanz übereinstimmend für erledigt (Bl. 129 GA).
7Widerklagend hatte der Beklagte ursprünglich den Kläger auf Zustimmung zur Übernahme des von den Parteien gemeinsam abgeschlossenen Telefonanschlussvertrages mit der Firma M. D. durch sich allein in Anspruch genommen. Nachdem der Kläger dem zugestimmt hatte, wurde der Rechtsstreit auch insoweit übereinstimmend für erledigt erklärt (Bl. 228 GA).
8Mit Schriftsatz vom 16.02.2004, dem Kläger zugestellt am 01.03.2004 (Bl. 96 GA), und mit Schriftsatz vom 07.07.2005, dem Kläger zugestellt am 14.07.2005 (Bl. 200 GA), hat der Beklagte seine Widerklage erweitert. Er verfolgt seitdem die anteilige Erstattung der seit dem 01.01.2001 von ihm für das gemeinsame Büro verauslagten Kosten, die Begleichung von Rechtsanwaltshonoraren sowie von Schadensersatzansprüchen. Insgesamt begehrt er Zahlung von 105.087,84 €, die sich wie folgt zusammensetzen:
1.) Kosten der Büronutzung für die Jahre 2001 und 2002 34.590,19 €
2.) Kosten der Büronutzung für Januar und Februar 2003 1.830,40 €
3.) Offene Rechnungen Verbrauchskosten 2001 – 2003 2.615,09 €
4.) Offene Telefongebühren 2001 – 2003 2.230,89 €
5.) Büromiete 01.03. bis 15.12.2003 (LG Köln 4 O 179/04) 30.360,30 €
6.) Kosten für die Telefonanlage ab 01.03.2003 7.197,00 €
7.) Gebühr für den Telefonanschlussvertrag ab 01.03.2003 4.690,00 €
8.) Erstattung der Renovierungskosten (LG Köln 4 O 395/04) 10.762,63 €
9.) Rechtsanwaltshonorare 6.867,51 €
10.) Erstattung veruntreuter Fremdgelder 269,03 €
11.) Anteil Büromiete Juli bis Dez. 2002 (LG Köln 4 O 35/03) 3.599,80 €
12.) Demontage Firmenschild 75,00 €
10Daneben macht der Beklagte Freistellungsansprüche wegen weiterer Verpflichtungen der Parteien gegenüber dem Vermieter geltend.
11Der Beklagte hat behauptet, zwischen den Parteien sei – entsprechend der genutzten Bürofläche – ein Kostenverteilungsschlüssel vereinbart gewesen, wonach der Kläger 40 % und der Beklagte 60 % der nach Abzug der Anteile der Untermieter verbleibenden Kosten zu tragen habe; hierfür hat er sich insbesondere auf die Übersicht Bl. 28 AH bezogen. Bei den Zahlungen, die der Kläger monatlich erbracht habe, habe es sich lediglich um Abschlagszahlungen gehandelt, über die noch abzurechnen gewesen sei. Das wirtschaftliche Risiko der Untervermietung hätten beide Parteien getragen. Die bei ihm angestellte Mitarbeiterin am Empfang sei für beide Parteien tätig gewesen und habe neben der Empfangstätigkeit und dem Kaffeeservice auch den vollständigen Telefonverkehr abgewickelt. Der Beklagte ist der Ansicht gewesen, nach seinem Auszug zum 01.03.2003 habe der Kläger die Bürokosten vollständig alleine zu tragen, da er die angemieteten Büroflächen ab diesem Zeitpunkt allein genutzt habe. Wegen des wechselseitigen Parteivorbringens hinsichtlich der einzelnen geltend gemachten
Forderungen wird auf das angefochtene Urteil und die dort angegebenen Schriftsätze Bezug genommen (Bl. 250 bis 251 GA).
den Kläger zu verurteilen, 13
1. an ihn 105.087,84 € nebst Zinsen in Höhe von acht Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit zu zahlen;
2. ihn gegenüber Herrn U. K., Gut St. B., T.-weg, xxxxx L., von den vor dem 01.03.2003 entstandenen Verbindlichkeiten aus dem Mietvertrag vom 05.10.1997 über das Objekt C. Straße 528 und 530 in Höhe von 1.167,74 € und von den aus diesem Vertrag nach dem 01.03.2003 entstandenen Verbindlichkeiten in Höhe von 5.482,21 € freizustellen;
3. ihn gegenüber der Firma N. F. GmbH, E. H. Straße 13, xxxxx L., von den Ansprüchen aus dem Mietvertrag vom 23.10.1998 über den Kopierer N. DI 450 nebst Zubehör in Höhe von 317,18 € je Monat, beginnend mit dem 01.03.2004 freizustellen;
204. der Verlängerung des Mietvertrages mit der Firma N. F. GmbH, E. H. Straße 13, xxxxx L., von den Ansprüchen aus dem Mietvertrag vom 23.10.1998 über den Kopierer N. DI 450 nebst Zubehör über den 31.08.2005 hinaus zu widersprechen.
23Er hat behauptet, zwischen den Parteien sei eine Büroservice-Pauschale vereinbart worden, womit der auf ihn entfallende Mietanteil einschließlich Nebenkosten und fixer Kosten für die Telefonanlage etc. habe ausgeglichen sein sollen. Eine Absprache, wonach er – der Beklagte – sich auch an den Kosten für Empfang und Kaffeeservice zu beteiligen habe, habe es nicht gegeben. Über die Räumlichkeiten in der C. Straße 530 habe allein der Beklagte eine Vereinbarung mit dem Vermieter getroffen, um sich eine zusätzliche Einnahmequelle aus Untervermietung zu schaffen. Für die Jahre 2000 bis
2002 habe es Jahresabrechnungen mit einem geringfügigen Guthaben zugunsten des Klägers gegeben (Bl. 57 ff. AH). Lediglich die Telefongebühren und Kopierkosten seien hiervon ausgenommen gewesen. Nach dem Auszug des Beklagten habe der Kläger weiterhin allein seine bisherigen Büroräume genutzt und den von ihm zu tragenden Mietanteil in Höhe von 1.140 € pro Monat unmittelbar an den Vermieter gezahlt. Was die vom Beklagten geforderten Rechtsanwaltshonorare anbelangt, so hat der Kläger die Einrede der Verjährung erhoben.
24Der Kläger hat die Aufrechnung mit den nachfolgend aufgeführten angeblichen Steuerberaterhonorarforderungen, Auszahlungs-, Erstattungs- und Schadensersatzansprüchen im Umfang von 17.762,31 € erklärt:
1.) Schilderanlage 1.188,82 €
2.) Patchfeld 258,22 €
3.) Steuerberaterhonorare i.S. des Beklagten 10.349,23 €
4.) Schadensersatz Pkw 2.750,00 €
5.) Steuerberaterhonorar i. S. M. 840,90 €
6.) Steuerberaterhonorar i.S. K.-L. 637,07 €
7.) Gerichtskostenerstattung 586,07 €
8.) Wiederanschluss Computerarbeitsplätze 152,00 €
9.) Datenkonvertierung und Anschlussarbeiten 1.000,00 €
10.) Faxgerät ./.
26Darüber hinaus hat der Kläger Zurückbehaltungsrechte geltend gemacht sowie die Herausgabe eines Aktenvernichters im Wert von 59,90 € verlangt. Die Klägerforderungen sind von dem Beklagten im einzelnen bestritten worden. Gegen die Steuerberaterhonorarforderungen hat der Beklagte u.a. eingewandt, dass die – erstmals im Prozess vorgelegten – Rechnungen (Bl. 69 bis 76 AH) nicht den Anforderungen des § 9 StBGebV genügten, weil die Unterschriften eingescannt und seine Rechnungen auch nicht unmittelbar an den Beklagten, sondern an seinen Prozessbevollmächtigten im vorliegenden Rechtsstreit übermittelt worden seien. Wegen des wechselseitigen Parteivorbringens hinsichtlich der einzelnen zur Aufrechnung gestellten Forderungen wird auf das angefochtene Urteil und die dort angegebenen Schriftsätze Bezug genommen (Bl. 252 bis 253 GA).
27Nachdem er bereits mit Schriftsatz vom 19.08.2005 ein Schreiben der Fa. N. vom 12.08.2005 zur Akte gereicht hatte, ausweislich dessen der Beklagte durch die Vertragsübernahme des Klägers aus dem Mietvertrag betreffend den Kopierer N. DI 450 und einer Haftung gegenüber der Fa. N. entlassen sei (Bl. 160 AH), hat der Kläger nach dem Schluss der mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht am 17.02.2006 mit Schriftsatz vom 03.03.2006 ein weiteres Schreiben der Fa. N. zur Akte gereicht, in dem unter dem 01.03.2006 die Beendigung des Mietvertrages über den Kopierer N. DI 450 zum 31.10.2004 bestätigt wird sowie die Tatsache, dass aus dem Vertrag keine Verbindlichkeiten mehr bestehen (Bl. 241 GA).
28Nach Durchführung der Beweisaufnahme hat das Landgericht durch Urteil vom 28.04.2006 die Widerklage überwiegend – nämlich was die Zahlungsansprüche anbelangt, in Höhe von 69.330,00 € und bezüglich der Freistellungsansprüche in Höhe von 2.192,88 € und 1.167,74 € – für begründet erachtet und aufgerechnete Forderungen in Höhe von 14.894,55 € in Abzug gebracht. Im Ergebnis hat es Zahlungsansprüche in Höhe von 54.435,45 € sowie Freistellungsansprüche in Höhe von 1.167,74 € und 2.192,88 € bejaht. Etwaige Freistellungsansprüche des Beklagten wegen des Mietvertrags mit der Fa. N. betreffend den Kopierer hat das Landgericht als durch Erfüllung untergegangen angesehen.
29Zur Begründung hat das Landgericht ausgeführt, dass der Beklagte gemäß § 426 Abs. 2 S. 1 BGB gegen den Kläger grundsätzlich einen Anspruch auf Ausgleich der von ihm verauslagten Bürokosten in Höhe von 40 % der nach Abzug der von den Untermietern getragenen Kosten habe. Zwar sei die Beweisaufnahme zu der Frage des Kostenverteilungsschlüssels – monatliche Pauschale oder 40 % : 60 % ? – unergiebig gewesen. Doch sei in diesem Fall die Auslegungsregel des § 706 Abs. 1 BGB anzuwenden. Diese greife ein, wenn hinsichtlich der Höhe der Beitragsverpflichtungen vom Grundsatz der gleichen Beiträge abweichende Regelungen weder im Vertrag noch konkludent abweichende Vereinbarungen ermittelbar seien. Da beide Parteien eine von der hälftigen Teilung abweichende Regelung behaupteten, die jeweils nicht habe bewiesen werden können, stehe die Höhe der Beiträge der beiden Gesellschafter gerade nicht fest, so dass nach § 706 Abs. 1 BGB davon auszugehen sei, dass grundsätzlich beide Parteien 50 % der im Rahmen der Bürogemeinschaft entstandenen Kosten zu tragen haben. Da der Beklagte lediglich 40 % verlange, müsse er sich an diesem Vortrag festhalten lassen. Eine Kostenverteilung im Verhältnis von 40 % zu 60 % gelte auch für die Zeit nach dem Auszug des Beklagten aus den gemeinsam genutzten Büroräumen. Der Beklagte könne nicht verlangen, dass der Kläger die Büromiete in der Zeit vom 01.03. bis zum 15.12.2003 alleine trägt. Die gesamtschuldnerische Haftung für die gemeinsam eingegangenen Verpflichtungen aus dem Mietvertrag bestehe auch nach dem Auszug fort. Dieser führe weder dazu, dass der Beklagte aus den mietvertraglichen Verpflichtungen entlassen worden sei, noch habe der Beklagte substantiiert dazu vorgetragen, dass der Kläger alle Räumlichkeiten allein genutzt habe. Das Landgericht hat es als bewiesen angesehen, dass der Kläger vom 01.03. bis 15.12.2003 monatlich 1.140,00 € unmittelbar an den Zeugen K. zahlte, und den hinsichtlich dieses Zeitraums noch zu zahlenden Restanteil des Klägers zu den im Innenverhältnis geschuldeten 40 % gemäß § 287 Abs. 1 und 2 ZPO folglich auf 5.766,64 € geschätzt. Zu den Kosten der Büronutzung gehören nach der – durch die Beweisaufnahme gewonnenen – Überzeugung des Landgerichts neben der Miete und den Nebenkosten auch die Kosten für den Empfang und den Kaffeeservice. Ebenso ist das Landgericht davon überzeugt gewesen, dass die Anmietung der Räumlichkeiten in der C. Straße 530 Sache beider Parteien und damit auch Risiko beider Parteien gewesen sei. Wegen der Begründung zu den wechselseitig erhobenen Forderungen im Einzelnen wird auf die Entscheidungsgründe des angefochtenen Urteils Bezug genommen (Bl. 254 bis 261 GA).
30Unabhängig von einander haben beide Parteien form- und fristgerecht Berufung gegen das Urteil eingelegt und ihre Rechtsmittel, mit denen beide ihre erstinstanzlichen Klageanträge weiterverfolgen, ordnungsgemäß begründet. Beide Parteien rügen angebliche Fehler des Landgerichts bei der Sachverhaltsermittlung und in der Rechtsanwendung.
31Der Kläger bekräftigt seine Behauptung, wonach die von ihm monatlich gezahlten Beträge Pauschalen zum Ausgleich aller angefallenen Bürokosten mit Ausnahme der Telefongebühren und der Kopierkosten gewesen seien und nicht Abschläge auf einen später abzurechenden Kostenausgleich, für den die Parteien angeblich eine Kostenverteilungsquote von 40 % zu 60 % vereinbart hätten. Er sieht seine Behauptung durch die Bekundung der Zeugin D. bestätigt, die ausgesagt hat, dass er – der Kläger – monatlich einen Betrag an den Beklagten gezahlt habe "für alles, was angefallen ist, außer Kosten, die nicht fix waren" (Bl. 230 GA). Ferner zeige auch der Umstand, dass der Beklagte vor diesem Prozess diesbezüglich angebliche Ansprüche nicht verfolgt habe, dass solch eine Abrede nicht bestanden habe.
32Der Kläger ist weiterhin der Ansicht, dass der von dem Landgericht herangezogene § 706 Abs. 1 BGB vorliegend nicht einschlägig sei, da die Parteien (unstreitig) im Rahmen des mündlich geschlossenen Gesellschaftsvertrags eine Regelung zur Kostenverteilung getroffen hätten. Streitig sei lediglich, ob insoweit eine Abrechnung nach dem Verhältnis der von ihnen allein genutzten Büroflächen zu erfolgen oder sich der Kläger lediglich mit einem Pauschalbetrag zu beteiligen habe. Nach Ansicht des Klägers scheide damit eine Heranziehung des § 706 BGB aus, für den nur dann Raum sei, wenn es überhaupt an einer Kostenverteilungsabrede fehle. Ferner habe das Landgericht nicht berücksichtigt, dass der Beklagte die Räumlichkeiten, die Telefonanlage, den Service der Mitarbeiterinnen (Empfang, Kaffee) in wesentlich größerem Umfang genutzt habe als der Kläger.
33Schließlich rügt der Kläger mit der Berufung die Beurteilung einer Vielzahl einzelner Positionen der Widerklage und der von ihm zur Aufrechnung oder Zurückbehaltung gestellten Forderungen durch das angefochtene Urteil. Wegen der diesbezüglichen Einzelheiten wird auf die nachfolgenden Ausführungen unter Ziffer II sowie auf das Klägervorbringen in den Schriftsätzen vom 03.07.2006 (Bl. 311 bis 325 GA), 09.08.2006 (Bl. 328 bis 341), 14.09.2006 (Bl. 436 bis 441 GA) und 26.09.2006 (Bl. 469 bis 471 GA) verwiesen.
unter Abänderung des am 28.04.2006 verkündeten Urteils der 4. Zivilkammer des Landgerichts Köln – 4 O 34/04 – 35
die Widerklage abzuweisen. 36
die Berufung des Klägers zurückzuweisen. 38
Darüber hinaus beantragt der Beklagte, 39
unter Abänderung des am 28.04.2006 verkündeten Urteils der 4. Zivilkammer des Landgerichts Köln – 4 O 34/04 – 40
den Kläger zu verurteilen, 41
1. an den Beklagten 105.087,84 € nebst Zinsen in Höhe von acht Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit zu zahlen,
2. den Beklagten gegenüber Herrn U. K., Gut St. B., T.-weg, xxxxx L., von den vor dem 01.03.2003 entstandenen Verbindlichkeiten aus dem Mietvertrag vom 05.10.1997 über das Objekt C. Straße 528 und 530 in Höhe von 1.167,74 € und von den nach dem 01.03.2003 entstandenen Verbindlichkeiten über das Objekt C. Straße 528 in Höhe von 5.482,21 € freizustellen.
48Der Beklagte bekräftigt seine Behauptung, wonach die von dem Kläger monatlich gezahlten Beträge keine Pauschalen, sondern Abschläge auf einen später abzurechnenden Kostenausgleich gewesen seien, für den die Parteien angeblich eine Kostenverteilungsquote von 40 % zu 60 % vereinbart hätten. Jedoch habe das Landgericht nach Ansicht des Beklagten verkannt, dass die Quote von 40 % zu 60 % nur bis zur Auflösung der Sozietät zum 31.12.2002 habe gelten sollen. Ab dem 01.01.2003, spätestens aber ab dem 01.03.2003 – dem Tag, zu dem der Beklagte aus den bis dahin gemeinsam genutzten Räumen ausgezogen sei – müsse der Kläger die Kosten für die Büronutzung allein tragen. Denn dieser habe ab diesem Zeitpunkt die Räume auch allein genutzt. Den Auszug des Beklagten zum 01.03. 2003 habe der Kläger überdies aufgrund seines angeblich eklatant vertrags- und berufsrechtswidrigen Verhaltens zu vertreten und sei ihm – dem Beklagten – daher zum Ersatz des Schadens verpflichtet, den der Beklagte hierdurch erlitten habe.
49In der Berufungsbegründungsschrift vom 15.08.2006 bestreitet der Beklagte erstmals dezidiert Inhalt und Umfang der den Steuerberaterhonorarrechnungen zugrunde liegenden Leistungen sowie die Angemessenheit der veranschlagten Gebührensätze (Bl. 374 bis 383 GA). Zugleich hält er an der Auffassung fest, dass der Kläger nicht berechtigt sei, mit den ihm vermeintlich zustehenden Steuerberatergebühren aufzurechnen, weil die Rechnungen nicht den Anforderungen des § 9 Abs. 1 StBGebV genügten. Vorsorglich erhebt der Beklagte gegenüber den Steuerberaterhonorarforderungen die Einrede der Verjährung. Unberechtigt sei die Einforderung der angeblichen Honoraransprüche nach Ansicht des Beklagten ferner deswegen, weil dies auf dem Briefbogen der Kanzlei B. erfolge, die nicht Vertragspartner des Beklagten gewesen sei. Indem er die den Beklagten betreffenden Angelegenheiten in der Kanzlei B. weiterbearbeitet habe, habe der Kläger im Übrigen gegen die ihm obliegende Verschwiegenheitspflicht verstoßen (§ 57 Abs. 1 StBGebV).
50Der Beklagte rügt mit seiner Berufung darüber hinaus eine Vielzahl einzelner Positionen seiner Widerklage und der ihm gegenüber zur Aufrechnung oder Zurückbehaltung
gestellten Forderungen durch das landgerichtliche Urteil. Auf Einzelheiten wird nachfolgend unter Ziffer II eingegangen werden. Zudem wird auf das Beklagtenvorbringen in den Schriftsätzen vom 15.08.2006 (Bl. 345 bis 387 GA), 14.09.2006 (Bl. 454 bis 460), 15.09.2006 (Bl. 461 bis 465) und 12.10.2006 (Bl. 488 bis 498 GA) Bezug genommen.
51Der Beklagte behauptet erstmals in zweiter Instanz, von dem Kläger wegen früherer anwaltlicher Tätigkeiten in den Angelegenheiten "Versicherungsschaden am Pkw des Klägers" und "M.", Rechtsanwaltshonorare in Höhe von weiteren 2.215,90 € beanspruchen zu können. Er behauptet, diese Forderungen einvernehmlich gegen Erstattungsansprüche des Klägers aufgerechnet zu haben.
Hilfsweise erhebt der Beklagte Widerklage und beantragt, 52
den Kläger zu verurteilen, an den Beklagten 2.215,90 € nebst Zinsen in Höhe von acht Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit zu zahlen 53
die hilfsweise erhobene Widerklage abzuweisen. 55
Er bestreitet, dass der Beklagte die abgerechneten Leistungen erbracht hat. 56
57Der Beklagte hat mit der am 15.08.2006 bei Gericht eingegangenen Berufungsbegründungsschrift ursprünglich auch die Anträge angekündigt, den Kläger zu verurteilen, ihn – den Beklagten – gegenüber der Firma N. F. GmbH von den Ansprüchen aus dem Mietvertrag vom 23.10.1998 über den Kopierer N. DI 450 nebst Zubehör in Höhe von 317,18 € je Monat, beginnend mit dem 01.03.2004, freizustellen und der Verlängerung des Mietvertrages über den 31.08.2005 hinaus zu widersprechen. Im Hinblick auf den Inhalt der Schreiben der Fa. N. vom 12.08.2005 (Bl. 160 AH) und 01.03.2006 (Bl. 241 GA) haben die Parteien den Rechtsstreit bezüglich der sich auf den Mietvertrag mit der Fa. N. beziehenden Berufungsanträge in der mündlichen Verhandlung vom 19.10.2006 übereinstimmend in der Hauptsache für erledigt erklärt (Bl. 502 Rück. GA).
59Die zulässigen Berufungen beider Parteien haben jeweils nur zu einem geringen Teil Erfolg. Nur in geringem Umfang beruht die Entscheidung des Landgerichts auf einer Rechtsverletzung bzw. rechtfertigen die im Berufungsverfahren zugrunde zu legenden Tatsachen (§§ 529, 531 ZPO) eine andere Entscheidung (§ 513 ZPO). Insbesondere was die Auslegung des internen Kostenverteilungsschlüssels zwischen den Parteien (40 % : 60 %) und die Fortgeltung dieses Verteilungsschlüssels in der Zeit zwischen dem Auszug des Beklagten (01.03.2006) und dem Ende des Mietvertrags (15.12.2003) angeht, tritt der Senat der Auffassung des Landgerichts bei. In Abweichung vom landgerichtlichen Urteil verneint der Senat allerdings die Einforderbarkeit der geltend gemachten Steuerberaterhonorare, weil die zugrunde liegenden Berechnungen, die lediglich eine eingescannte Unterschrift tragen, nicht den Formerfordernisses des § 9 Abs. 1 StbGebV genügen. Im Übrigen ergeben sich bei den einzelnen Positionen kleinere Abweichungen von der landgerichtlichen Entscheidung.
1. Zahlungsantrag 60
61Der Beklagte kann – nach teilweise erfolgreicher Aufrechnung durch den Kläger – von dem Kläger Zahlung von 64.184,83 € verlangen.
62a) Zu Recht und mit zutreffender Begründung, die von den Parteien auch nicht in Zweifel gezogen wird, hat das Landgericht in der angefochtenen Entscheidung angenommen, dass der Beklagte den Kläger unmittelbar auf Zahlung in Anspruch nehmen darf und nicht vorab eine Auseinandersetzungsbilanz zu verlangen braucht. Dem schließt sich der Senat an.
63b) Die Widerklageforderungen sind in Höhe von 67.797,08 € begründet. Diese Summe setzt sich wie folgt zusammen:
3.) Offene Rechnungen Verbrauchskosten 2001 – 2003 1.519,32 €
4.) Offene Telefongebühren 2001 – 2003 1.778,31 €
5.) Büromiete 01.03. bis 15.12.2003 (LG Köln 4 O 179/04) 5.766,64 €
6.) Kosten für die Telefonanlage ab 01.03.2003 2.878,80 €
7.) Gebühr für den Telefonanschlussvertrag ab 01.03.2003 0,00 €
8.) Erstattung der Renovierungskosten (LG Köln 4 O 395/04) 8.697,08 €
12.) Demontage Firmenschild 0,00 €
ad 1.) Kosten der Büronutzung für die Jahre 2001 und 2002 65
66Nachdem er Miete und Nebenkosten gegenüber dem gemeinsamen Vermieter K. beglichen hat, hat der Beklagte gegen den Kläger einen Anspruch auf 40 %ige Erstattung der Kosten für die Büronutzung in den Jahre 2001 und 2002 gemäß § 535 Abs. 2 BGB i. V. m. §§ 426 Abs. 2 Satz 1, 706 Abs. 1 BGB; dies macht einen Betrag von 34.590,19 € aus. Wegen der Berechnung wird auf die Seiten 18 bis 21 des Beklagtenschriftsatzes vom 16.02.2004 Bezug genommen (Bl. 77 bis 80 GA). Um Wiederholungen zu vermeiden, wird zur Begründung vorab auf die entsprechenden Ausführungen in der angefochtenen Entscheidung verwiesen.
67a) Mit seinem Einwand, mit der Anmietung der Räumlichkeiten C. Straße 530 und daher auch mit den damit verbundenen Kosten und wirtschaftlichen Risiken nichts zu tun gehabt zu haben, kann der Kläger nicht durchdringen. Denn auch wenn er – wie der Zeuge K. bekundet hat – bei den späteren Gesprächen über die Anmietung der Räume in C. Straße 530 nicht (mehr) dabei war, sind ihm diese Anmietung und die mit ihr verbundenen Kosten doch zuzurechnen. Denn schon mit dem Abschluss des schriftlichen Mietvertrags vom 15.10.1997 haben beide Parteien bewusst und gewollt
bereits die Grundlagen für die Untervermietung der Räumlichkeiten in der C. Straße 530 mit geschaffen. Ausweislich des § 8 des Mietvertrags (Bl. 7 AH) wurde von vornherein Raum für eine Vielzahl von Untermietern eingeplant. Folgerichtig unterzeichneten daher am 29.09.1998 ebenfalls beide Parteien eine Abrede mit ihrem Vermieter, die eben nicht nur Renovierungsarbeiten an der C. Straße 528, sondern auch schon in der C. Straße 530 betraf (Bl. 17 AH). Vor diesem Hintergrund hätte es dem Kläger oblegen darzulegen und zu beweisen, dass er trotz seiner Involvierung in die Untervermietung von jeglicher Haftung für die Kosten und wirtschaftlichen Risiken der C. Straße 530 ausgenommen sein sollte. Dies ist ihm nicht gelungen. Selbst wenn er – wie der Zeuge K. bekundete – immer den Raum verlassen haben sollte, wenn es um dieses Thema ging, reichte dies für den Beweis nicht aus. Dieser Umstand indizierte allenfalls, dass der Kläger an der praktischen Abwicklung der im Vertrag von vornherein angelegten Untervermietung kein Interesse hatte und sie seinem Mitgesellschafter – dem Beklagten – überlassen hatte. Er änderte aber nichts daran, dass die Anmietung der C. Straße 530 dem ursprünglichen Plan beider Parteien entsprach.
68b) Zu Recht hat das Landgericht ferner im Innenverhältnis der Parteien einen Ausgleichsanspruch des Beklagten gegen den Kläger in Höhe von 40 % aller Kosten bejaht. Ein Verteilungsschlüssel von 40 % (Kläger) zu 60 % (Beklagter) folgt für die Zeit bis zum 31.12.2002 aus § 706 Abs. 1 BGB. Hiernach haben die Gesellschafter in Ermangelung einer anderen Vereinbarung gleiche Beiträge zu leisten. § 706 Abs. 1 BGB ist eine Auslegungsregel, die (nur) greift, wenn die Parteien keine andere Vereinbarung getroffen haben. Wer entgegen der Auslegungsregel des § 706 Abs. 1 BGB die Vereinbarung von unterschiedlich hohen Beiträgen behauptet, hat dies zu beweisen (Laumen in Baumgärtel, Handbuch der Beweislast, 4. Auflage, 1991, § 706 BGB, Rn. 1). Vorliegend sind die Parteien sich allerdings insoweit einig, als sie beide die Vereinbarung eines anderen Teilungsmodus behaupten: der Kläger die Vereinbarung einer Pauschale, der Beklagte die eines Verteilungsschlüssels von 40 % (Kläger) zu 60 % (Beklagter). Sind die Parteien aber darüber einig, dass sie abweichende Beitragsleistungen vereinbart haben, ist also lediglich die Höhe der Beiträge streitig, so trifft – allgemeinen Beweislastregeln folgend – denjenigen die Beweislast, der eine für ihn günstige Abweichung von der Auslegungsregel des Gesetzes behauptet (Laumen, ebd., Rn. 2; Rosenberg, AcP 94 (1903), 1, 111; in dieser Richtung auch RGZ 6, 79, 82 (zu Art. 268 HGB); a.A. RGZ 7, 45, 46 (zu Art. 268 HGB)). Dies ist hier der Kläger, der die Beteiligung mit einer Pauschale behauptet, die unter einem Anteil von 40 % der Kosten liegt, während der Beklagte einen Verteilungsschlüssel von 40 % zu 60 % behauptet. Kann der Darlegungs- und Beweispflichtige den Beweis nicht erbringen, greift als Auffangnorm die Regelung des § 706 Abs. 1 BGB ein, wonach – "in Ermangelung einer anderen Vereinbarung", die dann nämlich nicht bewiesen worden ist – eine Verpflichtung zu gleichen Beiträgen gilt. Entgegen der Auffassung des Klägers scheidet die Anwendbarkeit des § 706 Abs. 1 BGB nicht schon dann aus, wenn die Parteien übereinstimmend behaupten, überhaupt eine "andere Vereinbarung" getroffen haben, sondern erst dann, wenn die Parteien auch über den Inhalt der Vereinbarung einig sind. Für den vorliegenden Fall folgt daraus, dass die Parteien – da der Kläger die ihm günstige Vereinbarung eines Pauschalbetrages nicht hat beweisen können – grundsätzlich gleiche Beiträge zu entrichten haben, es dem Beklagten jedoch nach den Grundsätzen von Treu und Glauben ("venire contra factum proprium") verwehrt ist, von dem Kläger mehr als eine Beteiligung in Höhe von 40 % zu verlangen. Denn es erschiene treuwidrig, wenn der Beklagte, sich das Ergebnis einer Auslegungsregel ("gleiche Teile") zunutze machte, das ihm mehr gäbe, als er selbst während des Prozesses gefordert hat.
69Den ihm obliegenden Beweis der Vereinbarung einer (bloßen) Pauschale hat der Kläger – wie das Landgericht zutreffend festgestellt hat – hier nicht geführt. Die Frage, welche von der gesetzlichen Auslegungsregel abweichende Vereinbarung die Parteien getroffen haben, ist trotz der Zeugenvernehmung offen geblieben. Zur Begründung wird insoweit vorab auf die Ausführungen in den Entscheidungsgründen Bezug genommen. Zwar hat die Zeugin D. – wie der Kläger mit der Berufung hervorhebt – bekundet, der Beklagte habe monatlich einen Betrag gezahlt "für alles, was angefallen ist, außer Kosten, die nicht fix waren" (Bl. 230 GA). Im Kontext ihrer Aussage im Übrigen offenbart sich aber, dass es sich bei dieser Aussage um eine reine Mutmaßung handelte, der eine überwiegende Richtigkeitsgewähr nicht zukommt. Denn die Zeugin D. hat ihre Aussage nicht nur mit dem Hinweis darauf begonnen, dass sie nicht wisse, wie die Kosten untereinander aufgeteilt worden seien (Bl. 230 GA), sondern sie hat diese Unkenntnis später auch noch einmal ausdrücklich wiederholt und konkretisiert ("Ich weiß nicht, wie die interne Verteilung war, ob dies Halbe-Halbe war oder eine anderweitige prozentuale Aufteilung. Ob eine Aufteilung prozentual zu den genutzten Räumlichkeiten bestand, weiß ich auch nicht", Bl. 231 GA ). Wenn die Zeugin D. sodann bekundet, dass "unter die Vereinbarung" ihres Wissens nach die Miete, die Nebenkosten sowie die Kosten für die Telefonanlage und den Empfang fiel (Bl. 231 GA), lässt dies – entgegen dem Kläger – nicht den an Sicherheit grenzenden Schluss zu, dass es sich bei dem Monatsbetrag des Klägers also um eine Pauschale gehandelt haben müsse. Für "Miete, Nebenkosten, Telefonanlage und Empfang" hätte der Kläger mit dem Monatsbetrag mit gleicher Wahrscheinlichkeit eine Pauschale als auch zunächst nur einen Abschlag entrichtet haben können. Verwendungszweck und Zahlungsmodus lassen einen sicheren Schluss auf die Höhe der Schuld nicht zu.
ad 2.) Kosten der Büronutzung für Januar und Februar 2003 70
71Folgerichtig hat das Landgericht dem Beklagten aus demselben Rechtsgrund auch einen Anspruch gegen den Kläger auf anteilige Erstattung der Kosten der Büronutzung für die Monate Januar und Februar 2003 in Höhe von 1.830,40 € zugesprochen. Wegen der Berechnung wird auf S. 21 bis 22 des Beklagtenschriftsatzes vom 16.02.2004 Bezug genommen (Bl. 80 bis 81 GA). Dass die Gesellschaft der Parteien einvernehmlich zum 01.01.2003 aufgehoben worden war, ändert an der Verbindlichkeit des Verteilungsschlüssels von 40 % (Kläger) zu 60 % (Beklagter) nichts.
72Allerdings kann für die Zeit nach Ende der Sozietät mit Ablauf des 31.12.2002 nicht mehr auf § 706 Abs. 1 BGB abgestellt werden. Jedoch ergibt sich dasselbe Ergebnis aus einer an Treu und Glauben orientierten Auslegung des Parteilwillens gemäß § 426 Abs. 1 Satz 1 BGB. Die Auflösung der Gesellschaft zum 01.01.2003 änderte nichts an der gesamtschuldnerischen Haftung der Parteien gegenüber dem Vermieter K.. Für das Innenverhältnis der Parteien galt seitdem die Auslegungsregel des § 426 Abs. 1 Satz 1 BGB, nach dem die Gesamtschuldner – ebenso wie die Gesellschafter in § 706 Abs. 1 BGB – in ihrem Verhältnis zueinander zu gleichen Teilen verpflichtet sind, soweit nicht ein anderes bestimmt ist. Bei sachgerechter, an den Grundsätzen von Treu und Glauben orientierter Auslegung des Parteiwillens gelangt man vorliegend zu dem Schluss, dass die Parteien stillschweigend insoweit eine "anderweitige Bestimmung" getroffen haben, als sie den Verteilungsschlüssel aus der aktiven Sozietätszeit über die Beendigung hinaus – letztlich für die gesamte Restlaufzeit bis zum 15.12.2003 – gelten lassen wollten. Dafür sprechen folgende Gründe:
73Für die Zeit ab dem 01.01.2003 fehlt zwar eine ausdrückliche anderweitige Vereinbarung hinsichtlich der Kostentragung im Innenverhältnis. Gegen die Annahme, dass ab diesem Zeitpunkt folglich die Regel der gleichmäßigen Kostenteilung gemäß § 426 Abs. 2 Satz 1 BGB zur Anwendung kommen sollte, spricht indes der Befund, dass die Parteien zur Jahreswende 2002/03 in ihrem Verhältnis zu einander – mit Ausnahme der Beendigung der Außensozietät – nichts änderten. Zwar gerieten sie bald in Unstimmigkeiten darüber, ob und wie die Nutzung der bisherigen Büroräume durch den zur Kanzlei B. übergewechselten Kläger verträglich würde bewerkstelligt werden können. In der tatsächlichen Nutzung, insbesondere in der Aufteilung der Büroräume zwischen Kläger und Beklagtem, änderte sich mit dem Ende der Gesellschaft indessen nichts, was mangels entgegenstehender Angaben der Parteien dahin auszulegen ist, dass die Parteien auch den bisherigen Verteilungsschlüssel weiter anwenden wollten.
ad 3.) Offene Rechnungen Verbrauchskosten 2001 – 2003 74
75Von den 2.615,09 € deren Erstattung der Beklagte von dem Kläger für vorverauslagte Verbrauchskosten für die Jahre 2001 bis 2003 begehrt, kann der Beklagte 1.519,32 € verlangen (§§ 426 Abs. 2 Satz 1, 670 BGB). Von den 723,90 €, die das Landgericht dem Beklagten zugesprochen hat, ist mit Blick auf die Kosten der Internetdomains ein Betrag in Höhe von 210,24 € abzuziehen. Hinzuzusetzen sind Kopierkosten in Höhe von 157,65 € und 927,72 € abzüglich gezahlter 79,71 €. Einen Anspruch auf (teilweise) Erstattung der für die Vermögenshaftpflichtversicherung 2003 aufgewandten Kosten hat der Beklagte nicht. Im Einzelnen ist zu den in der Berufungsinstanz streitigen Positionen Folgendes festzustellen:
a) Internetdomains 76
77Der Beklagte begehrt die Erstattung von 411,20 DM (= 210,24 €), die er für Internetdomains aufgewendet hat. Das Landgericht hat ihm einen Anspruch auf Erstattung dieses Betrags zugesprochen, weil sich der Kläger bereit erklärt habe, ein Drittel der auf die Internetdomains entfallenden Gesamtkosten zu tragen. Der Kläger rügt demgegenüber ein angebliches Missverständnis des Landgerichts: Er – der Kläger – habe lediglich zugestanden, einen Teil der Kosten für vier von zwölf Internetdomains zu übernehmen, nämlich ein Drittel von vier Zwölftel, und nicht – wie das Landgericht angenommen habe, weil 1/3 zufällig 4/12 entspricht – ein Drittel der Gesamtkosten. Der Kläger meint, mit den bereits gezahlten 192,00 DM, müsse es daher sein Bewenden haben. Dem hat der Beklagte nichts Stichhaltiges entgegengesetzt und seinen Anspruch nicht schlüssig begründet, mit der Folge, dass die zunächst zugesprochenen 411,20 DM (= 210,24 €) in Abzug zu bringen sind.
78Mit der Widerklage will der Beklagte die gesamten Kosten für die Internetdomains auf drei Köpfe verteilen: den des Klägers, seinen eigenen und den einer Untermieterin, bei der es sich um die Ehefrau des Beklagten gehandelt haben könnte. Indes hat der Beklagte nicht bestritten, dass es nur vier Internetdomains für die Kanzlei "I. & M." gab. Dass der Kläger verpflichtet sein könnte, sich an den Kosten der Internetdomains zu beteiligen, die nicht für die gemeinsame Sozietät eingerichtet worden sind, sondern etwa für das Versicherungsunternehmen der Ehefrau des Beklagten, wird von dem Beklagten nicht vorgetragen und ist auch sonst nicht ersichtlich. Der Kläger ist also nur an den Kosten zu beteiligen, die für vier (von insgesamt zwölf) Internetdomains angefallen sind. Hiervon wiederum trägt der Kläger – unter Zugrundelegung des allgemeinen Verteilungsschlüssels – lediglich 40 %. Der von dem Beklagten mit der
Widerklage geltend gemachte Betrag von 411,20 DM (= 210, 24 €) ist hingegen unschlüssig; der Betrag ist von der vom Landgericht ausgeurteilten Summe abzuziehen.
b) Kopierkosten 79
80Nachdem der Beklagte in der Berufungsinstanz seinen Vortrag bezüglich der Kopierkosten ergänzt – nämlich klargestellt hat, dass die Rechnung vom 10.12.2001 (Bl. 64 AH) in der Rechnung vom 18.12.2003 (Bl. 40 AH) aufgegangen ist, weil sie (angeblich) nicht bezahlt worden war – und nachdem der Beklagte in der mündlichen Verhandlung vom 19.10.2006 die Bezahlung der Rechnung vom 10.12.2001 über 79,71 € zugestanden hat, ergibt sich ein über die vom Landgericht ausgeurteilte Summe hinausgehender Anspruch des Beklagten gegen den Kläger auf Erstattung von Kopierkosten gemäß den Rechnungen vom 10.10.2001 (308,33 DM = 157,65 €, Bl. 39 AH) und 18.12.2003 (927,73 €, Bl. 40 AH), von denen allerdings der als bezahlt zugestandene Betrag gemäß der Rechnung vom 10.12.2001 (155,90 DM = 79,71 €, Bl. 64 AH) abzuziehen ist.
81Der gemäß Rechnung vom 10.10.2001 geltend gemachte Erstattungsanspruch in Höhe von 157,65 € (Bl. 39 AH) ist auch nicht verjährt. Der nach altem Recht entstandene Erstattungsanspruch des Beklagten – mag er sich auf §§ 670 BGB, 706 Abs. 1 oder 812 BGB gründen – unterlag zunächst der dreißigjährigen Regelverjährung gemäß § 195 BGB a.F. Da die dreijährige Frist gemäß § 195 BGB n.F. erst am 01.01.2002 zu laufen begann (Art. 229 § 6 Abs. 4 Satz 1 EGBGB), wurde die Verjährung durch Erhebung der Widerklage vor Fristablauf am 01.01.2005 – nämlich durch Zustellung der Widerklageschrift am 01.03.2004 – wirksam gehemmt (§ 204 Abs. 1 Nr.1 BGB n.F.).
c) Vermögenshaftpflichtversicherung 2003 82
83Obwohl der Beklagte seinen Vortrag bezüglich der auf Vermögenshaftpflichtversicherung 2003 entfallenden Kosten durch umfangreichen neuen Vortrag in der Berufungsinstanz ergänzt hat und er nun eine – angeblich im Einvernehmen mit dem Kläger – korrigierte Forderung in Höhe von 890,60 € behauptet, von der er lediglich 805,81 € geltend mache, besteht ein Erstattungsanspruch insoweit nicht. Die in dem angefochtenen Urteil gerügten Unstimmigkeiten im Beklagtenvortrag sind nach wie vor nicht ausgeräumt. Weder sind die Abrechnungszeiträume in Übereinstimmung zu bringen (S. 15 des Schriftsatzes vom 15.08.2006 359 GA> widerspricht den Abrechnungen vom 21.05.2002 und 26.06.2002 65, 66 AH>), noch stimmen die veranschlagten Beträge überein: 8.950,27 € brutto sind weder 7.091,53 € noch 7.791,53 € netto (ebd. Bl. 359 GA, Bl. 65 AH). Trotz einer entsprechenden Rüge des Klägers in der Berufungsinstanz hat der Beklagte seinen Vortrag an dieser Stelle nicht nachgebessert, so dass es insoweit bei dem klageabweisenden Urteil zu bleiben hat.
ad 4.) Offene Telefongebühren 2001 – 2003 84
Der Beklagte hat gegen den Kläger einen Anspruch auf Erstattung der von ihm verauslagten und nicht durch Abrechnung mit den Gebührenzählern der Telefonanlage erfassten Telefongebühren aus den Jahren 2001 bis 2002 gemäß §§ 706 Abs. 1, 426 Abs. 2 Satz 1, 611 Abs.1, evt. 535 Abs. 2 BGB in Höhe von lediglich 1.778, 31 €. Der von dem Beklagten geltend gemachte und von dem Landgericht in voller Höhe von 2.230,89 € zugesprochene Anspruch ist um einen Betrag von 452,58 € zu kürzen, weil 85
das Landgericht den Kläger – wie dieser zu Recht gerügt hat – zu 50 % an den offenen Telefongebühren für 2001 und 2002 beteiligt hat, obwohl er doch nach dem allgemeinen Verteilungsschlüssel lediglich zu einem Anteil von 40 % für diese Nebenkosten einzustehen hat. Zuviel berechnet wurden dem Kläger auf diese Weise 199,95 € für das Jahr 2001 und 252,63 € für das Jahr 2002, in der Summe also 452,58 €, um die die Forderung von 2.230,89 € zu kürzen ist.
ad 5.) Büromiete 01.03. bis 15.12.2003 86
87Zu Recht und mit zutreffender Begründung hat das Landgericht den Kläger dazu verurteilt, dem Beklagten für die Zeit von seinem Auszug aus den gemeinsamen Büroräumen am 01.03.2003 bis zum vereinbarten Ende des Mietvertrags am 15.12.2003 40 % der verauslagten Büromiete zu tragen (§§ 426 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Satz 1, 535 Abs. 2 BGB). Soweit der Beklagte in Vorlage getreten ist, ist der Kläger zur Zahlung verpflichtet. Dies ist bezüglich des bereits ausgeurteilten Betrags in Höhe von 5.766,64 € der Fall. Wegen der Berechnung der genannten Beträge wird auf das angefochtene Urteil Bezug genommen (dort S. 11), das von den Parteien insoweit auch nicht angegriffen worden ist.
88a) Entgegen der Auffassung des Beklagten ist der Kläger für den Zeitraum zwischen dem Auszug des Beklagten und dem Ende des Mietvertrags im Innenverhältnis nicht etwa verpflichtet, die Kosten für die Büronutzung allein tragen, weil er die Räume C. Straße 528 in dieser Zeit allein genutzt hätte oder weil er aufgrund seines angeblich eklatant vertrags- und berufsrechtswidrigen Verhaltens den Auszug des Beklagten provoziert hätte. Dem Verhalten des Klägers in der Zeit ab dem 01.03.2003 kann weder der alleinige Nutzungswille für die gesamten Büroräume entnommen werden, noch hat er die Räume alleine genutzt. Auch hat er den Auszug des Beklagten nicht erzwungen und auch keine konkrete Vertragsaufhebung und Neuvermietung verhindert.
89aa) Der Kläger hat durch seinen alleinigen Verbleib in den Büroräumen nicht zum Ausdruck gebracht, diese nun allein nutzen (und bezahlen) zu wollen. Zwar gibt es in der Rechtsprechung – worauf der Beklagte zutreffend hinweist – Beispielsfälle aus dem Bereich der nichtehelichen Lebensgemeinschaft, in denen der eine Partner nach der Beendigung der Lebensgemeinschaft und dem Auszug des anderen Partners die ursprünglich an beide vermietete Wohnung monatelang allein weiterbenutzt und dadurch objektiv zum Ausdruck gebracht hat, dass er die Wohnung unabhängig von dem Auszug des Partners weiter behalten wolle; in solchen Fällen kann der in der Wohnung verbliebene Lebenspartner unter Umständen gehalten sein, im Innenverhältnis zu seinem früheren Lebenspartner den gesamten Mietzins für die vormals gemeinsame Wohnung allein tragen zu müssen (vgl. OLG Köln, OLGR Köln 2003, 199, 200; OLG Düsseldorf, NJW-RR 1998, 658, 659). Indes unterscheiden sich diese Fälle von dem hier vorliegenden Fall in wesentlicher Hinsicht; hier kann nicht auf den Willen des in den Räumen verbliebenen Klägers geschlossen werden, diese fortan allein zu nutzen. Denn hier geht es nicht um die Nutzung einer Wohnung, die auch von einer einzigen Person durchaus wirtschaftlich sinnvoll allein weitergenutzt werden kann, sondern um die Nutzung von 125,83 qm zusätzlicher Bürofläche, die der Beklagte hinterlassen hat. Dies ist nicht nur in absoluten Zahlen erheblich. Die Fläche überstieg auch deutlich die von dem Kläger bis dahin genutzte Fläche von 82,81 qm. Dass es für den Kläger wirtschaftlich sinnvoll gewesen sein könnte, die Räume des Beklagten entgeltlich mitzubenutzen, ist nicht ersichtlich. Der bloße Umstand, dass der Kläger "allein" in den vormals gemeinsam genutzten Räumen zurückblieb, ist nicht etwa
gleichbedeutend mit einer "alleinigen Nutzung" der Räume durch den Kläger. Auch dies unterscheidet den vorliegenden Fall von den Beispielsfällen der Nutzung einer Zweioder Dreizimmerwohnung: Während der in der Wohnung verbleibende Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft leicht, wenn nicht gar unweigerlich alle Räume der Wohnung nutzt, war dies hier nicht der Fall. Die Räume, die der Beklagte verlassen hat, waren von denen des Klägers durch Flur und Empfangsbereich getrennt. Eine ausschließliche Nutzung des Räume des Klägers war, auch ohne sich der Räume des Beklagten zu bedienen, möglich und sinnvoll. Denn auch vor dem Auszug des Beklagten hat der Kläger nicht etwa dessen Räume mitbenutzt.
90Die – in zweiter Instanz unverändert wiederholte, nun unter Zeugenbeweis gestellte – Behauptung des Beklagten, der Kläger habe nach seinem – des Beklagten – Auszug seine Räume mitbenutzt, nämlich in den Räumen des Erdgeschosses, auch in dem ehemalig vom Beklagten genutzten Raum, seine Sachen deponiert, hat das Landgericht zu Recht für unsubstantiiert erachtet und ausgeführt, es hätte vorgetragen werden müssen, dass der Kläger alle Räumlichkeiten allein genutzt habe. Dieser Wertung des Beklagtenvorbringens tritt der Senat im Ergebnis bei. Der nicht weiter konkretisierte, sich auf einen einzigen Raum beschränkende Vortrag, der Kläger habe "auch in dem ehemalig vom Beklagten genutzten Raum" im Erdgeschoss seine Sachen "deponiert", reicht schon als Behauptung für eine alleinige Nutzung der Räume des Beklagten durch den Kläger nicht aus. Auf die Frage, ob der Beweisantritt verspätet ist, kommt es daher nicht an.
91bb) Der Kläger hat sich auch keiner Pflichtverletzung gegenüber dem Beklagten schuldig gemacht, die es angemessen erscheinen lassen könnte, den Kläger im Innenverhältnis mit den vollen Kosten zu belasten, sei es weil er den Auszug des Beklagten provoziert hätte, sei es, weil er die vorzeitige Aufhebung des Mietvertrags oder eine Neuvermietung der Räume des Beklagten schuldhaft verhindert oder sich schuldhaft nicht genügend um die Neu- (Unter-) Vermietung der Räume des Beklagten gekümmert hätte. Auch dass er ein Angebot der Beklagtenseite auf alleinige Übernahme des Mietvertrags durch den Beklagten nicht angenommen hat, hat nicht zur Folge, dass deswegen der Kläger im Innenverhältnis alle Kosten zu tragen hat.
92(1) Der Beklagte wirft dem Kläger in mehrfacher Hinsicht Pflichtverletzungen vor, deretwegen er meint, im Innenverhältnis von jeder Haftung für die Bürokosten ab 01.03.2003 freigestellt werden zu müssen: Zum einen behauptet er, von dem Kläger zum schnellstmöglichen Auszug gezwungen worden sein. Hierfür hebt der Beklagte auf die Umstände ab, unter denen er, – angeblich – zu seiner Überraschung und nur durch Zufall am 19.12.2002, von dem Vorhaben des Klägers erfahren habe, sich mit der Kanzlei B. zusammenzuschließen. Der Beklagte ist der Ansicht, ein Verbleib in den gemeinsamen Büroräumen sei ihm unzumutbar gewesen. Er behauptet hierzu, die Führung des Kanzeleinamens "B." durch den Kläger, die Aufstellung eines auf die Kanzlei B. hinweisenden Schildes an der Haustür und im Fenster des Büros des Klägers sowie die Verwendung entsprechender Briefbögen hätten im Geschäftsverkehr den falschen Eindruck hervorrufen können, auch er – der Beklagte – habe sich mit der Kanzlei B. zusammengeschlossen. Für die Mandanten sei nicht erkennbar gewesen, wo die Kanzlei B. "aufhörte". Diese potenzielle Irreführung sei nur durch seinen Auszug zu vermeiden gewesen, da der Kläger keine Anstalten unternommen habe auszuziehen, was wiederum daran gelegen habe, dass die neuen Kanzleiräume der Kanzlei B. Anfang 2003 noch nicht fertiggestellt gewesen seien. Außerdem habe die erhebliche Gefahr bestanden, dass Mandatsgeheimnisse des Beklagten an die Sozietät B.
gelangten, was besonders gefährlich hinsichtlich der Prozesse gewesen sei, in denen die Sozietät B. die Gegenseite vertreten habe. Schließlich habe die Gefahr bestanden, dass er – der Beklagte –, der ein tadelloses Ansehen genieße aufgrund des angeblich "zweifelhaften Rufes" der Kanzlei B. Mandate verlöre.
93Diese Argumentation des Beklagten trägt nicht. Der Beklagte mag die Situation Anfang 2003 subjektiv als unerträglich empfunden haben. Objektiv war sie es jedoch nicht, sondern dem Beklagte war zuzumuten, den gemeinsam geschlossenen Mietvertrag