Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=23.10.2003&Aktenzeichen=V%20R%202/02
Timestamp: 2019-10-20 02:06:26
Document Index: 45841311

Matched Legal Cases: ['§ 227', '§ 233', 'Art. 97', '§ 15', '§ 102', '§ 4', '§ 9', '§ 233', '§ 102', '§ 227', '§ 233', '§ 233', '§ 4', '§ 9', '§ 233', '§ 233']

BFH, 23.10.2003 - V R 2/02 - dejure.org
https://dejure.org/2003,1474
BFH, 23.10.2003 - V R 2/02 (https://dejure.org/2003,1474)
BFH, Entscheidung vom 23.10.2003 - V R 2/02 (https://dejure.org/2003,1474)
BFH, Entscheidung vom 23. Januar 2003 - V R 2/02 (https://dejure.org/2003,1474)
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AO 1977 § 227, § 233a Abs. 1, Abs. 2, Abs. 2 a, Abs. 5; EGAO 1977 Art. 97 § 15 Abs. 8; FGO § 102; UStG 1993 § 4 Nr. 9 Buchst. a, § 9 Abs. 1
Kein Erlass von Nachzahlungszinsen bei nachträglichem Verzicht auf USt-Befreiung
Erlass von Nachzahlungszinsen aus sachlichen Gründen; Nachträglicher Verzicht auf die Steuerfreiheit eines Umsatzes; Ansprüche auf steuerliche Nebenleistungen; Nachprüfung der Erlassablehnung als Ermessensentscheidung
BFHE 203, 410
BStBl II 2004, 39
Dies gilt auch für den Erlass nach § 233a AO festgesetzter Zinsen (BFH-Urteil vom 23. Oktober 2003 V R 2/02, BFHE 203, 410, BStBl II 2004, 39, unter II.2.a).
Denn zum einen ist ein FG gemäß § 102 FGO bei der Prüfung einer Ermessensentscheidung nach § 227 AO 1977 auf die Feststellung von Ermessensfehlern beschränkt und darf nicht seine eigene Ermessensentscheidung an die Stelle der Ermessensentscheidung des FA setzen (vgl. Beschluss des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes vom 19. Oktober 1971 GmS-OGB 3/70, BFHE 105, 101, BStBl II 1972, 603; BFH-Urteil vom 23. Oktober 2003 V R 2/02, BFHE 203, 410, BStBl II 2004, 39).
Nur im Fall einer sogenannten Ermessensreduzierung auf Null kann das Gericht eine Verpflichtung der Finanzbehörde zum Erlass aussprechen (ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. Bundesfinanzhof - BFH -, Urteil vom 23. Oktober 2003, V R 2/02, Sammlung der Entscheidungen des BFH - BFHE - 203, 410, Bundessteuerblatt - BStBl. - II 2004, 39).
Diese Grundsätze gelten auch für den Erlass festgesetzter Zinsen nach § 233 a AO (BFH, Urteil vom 23. Oktober 2003, V R 2/02, a.a.O. m.w.N.).
Ob die möglichen Zinsvorteile tatsächlich gezogen worden sind, ist grundsätzlich unbeachtlich (BFH, Urteil vom 23. Oktober 2003, V R 2/02, a.a.O.).
Der Verzicht auf die Steuerfreiheit bewirkte rückwirkend, dass die Vermietungsumsätze, soweit die Klägerin optiert hat, steuerpflichtig sind (BFH, Urteile vom 28. November 2002, V R 54/00, BFHE 200, 38, BStBl. II 2003, 175; vom 23. Oktober 2003, V R 2/02, a.a.O.).
Das Gericht folgt insoweit der ständigen Rechtsprechung des BFH (BFH, Urteile vom 2. April 1998, V R 34/97, BFHE 185, 536, BStBl. II 1998, 695;… vom 28. November 2002, V R 54/00, a.a.O.; vom 23. Oktober 2003, V R 2/02, a.a.O.).
Das Urteil vom 23. Oktober 2003, V R 2/02 (…a.a.O.) betraf einen Fall vor Inkrafttreten des § 233 Abs. 2 a AO.
Mit dieser Rechnung hat die KG die Pachtleistungen als steuerpflichtige Umsätze behandelt und demzufolge auf die Steuerfreiheit der Pachtleistungen verzichtet (§ 4 Nr. 12 Buchst. a i.V.m. § 9 Abs. 1 UStG; vgl. auch BFH-Urteil in BFHE 203, 410, BStBl II 2004, 39).
Der Verzicht auf die Steuerfreiheit bewirkte rückwirkend, dass der Umsatz steuerpflichtig ist (vgl. BFH-Urteil in BFHE 203, 410, BStBl II 2004, 39, unter II.2.b bb).
Nur im Falle einer sog. Ermessensreduzierung auf null kann das Gericht eine Verpflichtung der Finanzbehörde zum Erlass aussprechen (ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteil vom 23. Oktober 2003 V R 2/02, BFHE 203, 410, BStBl II 2004, 39, unter II.1.).
Dies gilt auch für den Erlass nach § 233a AO festgesetzter Zinsen (BFH-Urteil in BFHE 203, 410, BStBl II 2004, 39, unter II.2.a).
Ob die möglichen Zinsvorteile tatsächlich bestanden, ist grundsätzlich unbeachtlich (BFH-Urteil in BFHE 203, 410, BStBl II 2004, 39, unter II.2.b aa).
Diese Grundsätze gelten auch für den Erlass festgesetzter Zinsen nach § 233a AO 1977 (…vgl. BFH-Urteile vom 16. August 2001 V R 72/00, BFH/NV 2002, 545, m.w.N.; vom 23. Oktober 2003 V R 2/02, BFHE 203, 410, BStBl II 2004, 39).
Ob die möglichen Zinsvorteile tatsächlich gezogen worden sind, ist grundsätzlich unbeachtlich (vgl. BFH-Urteile vom 15. Oktober 1998 IV R 69/97, BFHE 187, 198; in BFHE 203, 410, BStBl II 2004, 39, unter II. 2. b, aa;… vom 15. Juli 2004 V R 76/01, BFHE 207, 1, BFH/NV 2004, 1682, unter II. 1.).
Die Nachzahlungszinsen sind zudem entscheidend auf die vom Kläger mit dem Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt) getroffene tatsächliche Verständigung für die Streitjahre zurückzuführen, sodass auch insoweit zweifelhaft ist, ob überhaupt ein sachlicher Erlassgrund besteht (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 23. Oktober 2003 V R 2/02, BFHE 203, 410, BStBl II 2004, 39 zur nachträglichen Option zur Umsatzsteuerpflicht).