Source: https://www.zl-legal.de/blog/arbeitsrecht/eugh-arbeitgeber-muessen-arbeitszeiten-kuenftig-systematisch-erfassen-ecj-employers-must-systematically-record-working-hours-in-future/
Timestamp: 2019-06-17 23:28:36
Document Index: 289664312

Matched Legal Cases: ['EuG', '§ 16', '§ 17', '§ 2', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

EuGH: Arbeitgeber müssen Arbeitszeiten künftig systematisch erfassen / ECJ: Employers must systematically record working hours in future -
Nach deutschem Recht sind Arbeitgeber bislang nur verpflichtet, solche Arbeitszeiten zu erfassen, die über die werktäglich zulässige Höchstarbeitszeit von acht Stunden hinausgehen. Diese Nachweise sind mindestens zwei Jahre aufzubewahren, § 16 Abs. 2 Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Allerdings gibt es nach § 17 des Mindestlohngesetzes (MiLoG) bereits heute für die in § 2a Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz (SchwarzArbG) genannten Branchen (z.B. im Baugewerbe, im Gaststättengewerbe, im Gebäudereinigergewerbe, in der Fleischwirtschaft) weitergehende Pflichten zur Aufzeichnung der Arbeitszeit. Arbeitgeber und auch Entleiher, die in diesen Branchen tätig sind, sind verpflichtet, Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufzuzeichnen. Gleiches gilt auch branchenunabhängig für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse.
Nach der oben genannten Entscheidung des EuGH wird sich die Pflicht zur Aufzeichnung von Arbeitszeiten künftig darüber hinaus grundsätzlich auf alle Arbeitgeber ausweiten. Dem EuGH zufolge sind Arbeitgeber nach der Charta der Grundrechte der Europäischen Union und auch der Arbeitszeitrichtlinie (Richtlinie 2003/88/EG) zu verpflichten, ein System einzurichten, mit dem die von einem jeden Arbeitnehmer geleistet tägliche Arbeitszeit gemessen werden kann.
Als Begründung führt der EuGH die Bedeutung des grundrechtlich verankerten Arbeitnehmerschutzes an, der eine Begrenzung der Höchstarbeitszeit und die Gewährung von täglichen und wöchentlichen Ruhezeiten erforderlich macht.
Nach Auffassung des EuGH kann ohne ein System, mit dem die tägliche Arbeitszeit jedes Arbeitnehmers gemessen werden kann, weder die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden und ihre zeitliche Verteilung noch die Zahl der Überstunden objektiv und verlässlich ermittelt werden. Dies hat zur Folge, dass es für den einzelnen Arbeitnehmer äußerst schwierig oder praktisch unmöglich ist, seine Rechte durchzusetzen. Ohne ein solches Arbeitszeiterfassungssystem sei – so der EuGH – die Sicherstellung eines besseren Schutz der Arbeitnehmer nicht möglich.
Durch ein Arbeitszeiterfassungssystem soll es sowohl den Arbeitnehmern als auch den zuständigen Behörden und nationalen Gerichten erleichtert werden, die tatsächliche Beachtung der Rechte der Arbeitnehmer bei der Einhaltung der Höchstarbeitszeiten, der Pausen und der Ruhezeiten zu kontrollieren.
Der EuGH hat daher in seiner Entscheidung vom 14.05.2019 den Mitgliedstaaten aufgegeben, die Arbeitgeber zu verpflichten, ein objektives, verlässliches und zugängliches System einzurichten, mit dem die von einem jeden Arbeitnehmer geleistete tägliche Arbeitszeit gemessen werden kann. Es ist nun Aufgabe der Mitgliedstaaten, die konkreten Modalitäten zur Umsetzung eines solchen Systems zu bestimmen und dabei gegebenenfalls den Besonderheiten des jeweiligen Tätigkeitsbereichs oder der Eigenheiten, wie z.B. auch der Größe bestimmter Unternehmen Rechnung zu tragen.
Es ist jedenfalls zu erwarten, dass die Erfassung der Arbeitszeiten künftig deutlich umfangreicher erfolgen muss als bisher und dass die zuständigen Behörden mit hoher Wahrscheinlichkeit Gebrauch von den ihnen dann zur Verfügung stehenden erweiterten Kontrollmöglichkeiten machen werden.
Die deutschen Aufsichtsbehörden fordern zum Teil bereits heute weitergehende Arbeitszeitaufzeichnungen, als gesetzlich vorgeschrieben. Sie sind der Ansicht, dass nicht nur die an Werktagen über acht Stunden hinausgehende Arbeitszeit dokumentiert werden muss, sondern generell Beginn und Ende der Arbeitszeit, sowie die Arbeit an Sonn- und Feiertagen und die Zeiten der Inanspruchnahme des Arbeitnehmers während einer Rufbereitschaft, weil ansonsten die Einhaltung der Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes nicht überprüft werden könne.
Wir halten Sie wie gewohnt über die Umsetzung der Vorgaben des EuGH durch den deutschen Gesetzgeber und die dann im Betrieb erforderlichen Maßnahmen informiert.
Under German law, employers are so far only obliged to record working hours that exceed the maximum working time of eight hours permitted per working day. These records must be kept for at least two years, sec. 16 Para. 2 Working Time Act (Arbeitszeitgesetz – ArbZG). However, according to sec. 17 of the Minimum Wage Act (Mindestlohngesetz – MiLoG), there are already further obligations to record working hours for the industries listed in sec. 2a of the Act to Combat Undeclared Work and Unlawful Employment (Schwarzarbeitergesetz – SchwarzArbG) (e.g. in the construction, catering, cleaning and meat industry). Employers and hirers working in these sectors are obliged to record the beginnig, end and duration of their daily working hours. This also applies to minor employment relationships irrespective of the sector.
According to the above-mentioned ruling of the European Court of Justice, the obligation to record working hours will in future be extended in principle to all employers. According to the ECJ, the Charter of Fundamental Rights of the European Union and the Working Time Directive (Directive 2003/88/EC) require employers to set up a system to measure the daily working time of each worker.
The European Court of Justice cites the importance of the protection of employees enshrined in fundamental rights, which makes it necessary to limit maximum working hours and to grant daily and weekly rest periods.
According to the ECJ, without a system for recording the daily working time of each employee, neither the number of hours worked and their distribution over time nor the number of overtime hours can be determined objectively and reliably. As a result, it is extremely difficult or practically impossible for individual employee to enforce their rights. According to the ECJ, without such a working time recording system it would not be possible to ensure better protection for employees.
The aim of a working time recording system is to make it easier both for employees and for the competent authorities and national courts to monitor the effective observance of employees’rights in respect of maximum working hours, breaks and rest periods.
According to the decision of 14 May 2019, the European Court of Justice, the Member States therefore must require employers to set up an objective, reliable and accessible system enabling the duration of time worked each day by each worker to be measured. It is now for the Member States to define the specific arrangements for implementing such a system, in particular the form that it must take, having regard, as necessary, to the particular characteristics of each sector of activity concerned, or the specific characteristics of certain undertakings concerning, inter alia, their size.
In any case, it is to be expected that the recording of working times will have to be considerably more extensive in future than has been the case to date and that the competent authorities will very probably make use of the extended control options then available to them.
The German supervisory authorities are already demanding more extensive working time records than required according to sec. 16 Para. (2) ArbZG. The authorities are of the opinion that not only the working time exceeding eight hours on working days must be documented, but also the beginning and ending of working hours in general, as well as work on Sundays and public holidays and the times when the employee is on call, because otherwise compliance with the requirements of the Working Hours Act cannot be verified.
As usual, we keep you informed about the implementation of the ECJ requirements by the German legislator and the measures then required in the Company.