Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/verbindlichkeit-einer-arbeitgeberweisung-343793
Timestamp: 2019-12-06 20:51:04
Document Index: 389401082

Matched Legal Cases: ['§ 315', '§ 315', '§ 315', '§ 315', '§ 611', '§ 611', '§ 315', '§ 16', '§ 16', 'BGH', 'BGH', '§ 315', '§ 315', '§ 315', '§ 1']

Ver­bind­lich­keit einer Arbeit­ge­ber­wei­sung | Rechtslupe
Der Arbeit­neh­mer ist an eine Wei­sung des Arbeit­ge­bers, die nicht aus sons­ti­gen Grün­den unwirk­sam ist, vor­läu­fig gebun­den, bis durch ein rechts­kräf­ti­ges Urteil gemäß § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB die Unver­bind­lich­keit der Leis­tungs­be­stim­mung fest­ge­stellt wird.
Für die Fra­ge des (feh­len­den) Leis­tungs­wil­lens des Arbeit­neh­mers ist es uner­heb­lich, ob die Wei­sung bil­li­gem Ermes­sen ent­sprach. Die unbil­li­ge Leis­tungs­be­stim­mung ist nicht nich­tig, son­dern nur unver­bind­lich, § 315 Abs. 3 Satz 1 BGB. Ent­steht Streit über die Ver­bind­lich­keit, ent­schei­det nach § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB das Gericht. Des­halb darf sich der Arbeit­neh­mer über eine unbil­li­ge Aus­übung des Direk­ti­ons­rechts – sofern sie nicht aus ande­ren Grün­den unwirk­sam ist – nicht hin­weg­set­zen, son­dern muss ent­spre­chend § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB die Gerich­te für Arbeits­sa­chen anru­fen. Wegen der das Arbeits­ver­hält­nis prä­gen­den Wei­sungs­ge­bun­den­heit 1 ist der Arbeit­neh­mer an die durch die Aus­übung des Direk­ti­ons­rechts erfolg­te Kon­kre­ti­sie­rung ua. des Inhalts der Arbeits­leis­tung vor­läu­fig gebun­den, bis durch ein rechts­kräf­ti­ges Urteil (etwa auf­grund einer Kla­ge auf Beschäf­ti­gung mit der frü­he­ren Tätig­keit) die Unver­bind­lich­keit der Leis­tungs­be­stim­mung fest­steht 2.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 22. Febru­ar 2012 – 5 AZR 249/​11
vgl. dazu BAG 20.01.2010 – 5 AZR 106/​09, Rn. 18 mwN, AP BGB § 611 Abhän­gig­keit Nr. 120 = EzA BGB 2002 § 611 Arbeit­neh­mer­be­griff Nr. 17[↩]
vgl. zur Gestal­tungs­wir­kung des Urteils nach § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB und der vor­läu­fi­gen Bin­dung an die Leis­tungs­be­stim­mung: BAG 16.12.1965 – 5 AZR 304/​65, zu 4 der Grün­de, BAGE 18, 54; 28.07.2011 – 3 AZR 859/​09, Rn. 32, AP BetrAVG § 16 Nr. 74 = EzA BetrAVG § 16 Nr. 60; BGH 04.04.2006 – X ZR 122/​05, Rn. 22, BGHZ 167, 139; Münch­Komm-BGB/Gott­wald 5. Aufl. § 315 Rn. 45, 47 ff.; Erman/​Hager 13. Aufl. § 315 BGB Rn. 22; Palandt/​Grüneberg 71. Aufl. § 315 BGB Rn. 16 f., jeweils mwN; vgl. zur Ver­bind­lich­keit einer Wei­sung und der mög­li­chen Ver­pflich­tung des Arbeit­ge­bers, ein­zel­ne Wei­sun­gen wegen eines Gewis­sens­kon­flikts des Arbeit­neh­mers durch Neu­aus­übung des Direk­ti­ons­rechts zu ver­än­dern: BAG 24.02.2011 – 2 AZR 636/​09, Rn. 25, EzA KSchG § 1 Per­so­nen­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 28[↩]