Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/wahlpruefungsbeschwerde-wahleinspruchsverfahren-bundestag-3133026
Timestamp: 2020-03-29 01:12:53
Document Index: 54025495

Matched Legal Cases: ['Art.19', '§ 32', 'Art. 41', '§ 48', 'Art. 41', 'Art. 41', 'Art.19', 'Art.19']

Wahl­prü­fungs­be­schwer­de – und das noch nicht abge­schlos­se­ne Wahl­ein­spruchs­ver­fah­ren vor dem Bun­des­tag | Rechtslupe
Eine Wahl­prü­fungs­be­schwer­de ist unzu­läs­sig, solan­ge das Wahl­ein­spruchs­ver­fah­ren vor dem Deut­schen Bun­des­tag noch nicht abge­schlos­sen ist. Auch eine des­we­gen eine auf die Ver­let­zung von Art.19 Abs. 4 GG gestütz­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de wäre unzu­läs­sig. Dies gilt auch für Anträ­ge auf Erlass einer Einst­wei­li­gen Anord­nung nach § 32 Abs. 1 BVerfGG.
Der Erhe­bung einer Wahl­prü­fungs­be­schwer­de steht der feh­len­de Abschluss des Wahl­ein­spruchs­ver­fah­rens vor dem Deut­schen Bun­des­tag ent­ge­gen. Gemäß Art. 41 Abs. 2 GG, § 48 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG ist erst gegen den Beschluss des Deut­schen Bun­des­ta­ges die Beschwer­de an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zuläs­sig 1.
Dar­an fehl­te es im hier vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schie­de­nen FAll. Dabei kann dahin­ste­hen, ob etwas ande­res gilt, wenn dem Beschwer­de­füh­rer ein Abwar­ten der Ent­schei­dung des Deut­schen Bun­des­ta­ges über den ein­ge­leg­ten Wahl­ein­spruch nicht zuge­mu­tet wer­den kann. Dies könn­te in Betracht kom­men, wenn über einen Wahl­ein­spruch nicht in ange­mes­se­ner Frist ent­schie­den wird und dadurch die Gefahr besteht, dass das Wahl­prü­fungs­be­schwer­de­ver­fah­ren nicht mehr zeit- oder sach­ge­recht durch­ge­führt wer­den kann 2. Die Antrag­stel­ler haben aber kei­ne Umstän­de vor­ge­tra­gen, die für die Unzu­mut­bar­keit des Abwar­tens der Ent­schei­dung des Deut­schen Bun­des­ta­ges spre­chen. Sol­che sind auch nicht in sons­ti­ger Wei­se ersicht­lich. Die bis­he­ri­ge Dau­er des Wahl­ein­spruchs­ver­fah­rens von weni­ger als einem Jahr kann nicht ohne Wei­te­res als unan­ge­mes­sen ange­se­hen wer­den 3. Es ist auch nicht abseh­bar, dass die Ent­schei­dung des Bun­des­ta­ges erst zu einem Zeit­punkt erge­hen wird, der die Durch­füh­rung eines ord­nungs­ge­mä­ßen Wahl­prü­fungs­be­schwer­de­ver­fah­rens vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gefähr­det. Soweit die Antrag­stel­ler gel­tend machen, die Garan­tie der ord­nungs­ge­mä­ßen Zusam­men­set­zung des Bun­des­ta­ges dür­fe nicht ohne einst­wei­li­gen Rechts­schutz blei­ben, ver­ken­nen sie, dass die Fest­stel­lung der ord­nungs­ge­mä­ßen Zusam­men­set­zung des Bun­des­ta­ges gera­de Gegen­stand des Wahl­prü­fungs­ver­fah­rens ist und daher kei­nen beson­de­ren Umstand dar­stellt, der für sich genom­men geeig­net ist, zur Unzu­mut­bar­keit des Abwar­tens einer Ent­schei­dung über den Wahl­ein­spruch zu füh­ren.
Auch eine (noch zu erhe­ben­de) Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Nicht­ge­wäh­rung einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes durch den Deut­schen Bun­des­tag wäre unzu­läs­sig. Ent­schei­dun­gen und Maß­nah­men, die sich unmit­tel­bar auf das Wahl­ver­fah­ren bezie­hen, kön­nen nur mit den in den Wahl­vor­schrif­ten vor­ge­se­he­nen Rechts­be­hel­fen und im Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren ange­foch­ten wer­den 4. Die Wahl­prü­fung obliegt gemäß Art. 41 Abs. 1 GG dem Bun­des­tag, gegen des­sen Ent­schei­dung gemäß Art. 41 Abs. 2 GG die Beschwer­de an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zuläs­sig ist. Damit wird die Kor­rek­tur etwai­ger Wahl­feh­ler ein­schließ­lich sol­cher, die Ver­let­zun­gen sub­jek­ti­ver Rech­te ent­hal­ten, dem Rechts­weg des Art.19 Abs. 4 GG ent­zo­gen 5. Dar­an hat sich durch das Gesetz zur Ver­bes­se­rung des Rechts­schut­zes in Wahl­sa­chen 6 nichts geän­dert 7. Dem­ge­mäß ist für eine auf Art.19 Abs. 4 GG gestütz­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de im Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren kein Raum 8. Das Vor­brin­gen der Antrag­stel­ler bie­tet kei­ne Ver­an­las­sung, die­se Rechts­la­ge in Fra­ge zu stel­len.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 24. Juli 2018 – 2 BvQ 33/​18
vgl. BVerfGE 63, 73, 76[↩]
vgl. VerfGH Saar­land, Urteil vom 31.01.2011 – Lv 13/​10 83, 84[↩]
vgl. BVerfGE 121, 266, 290; 123, 39, 65[↩]
vgl. BVerfGE 11, 329 f.; 14, 154, 155; 16, 128, 130; 28, 214, 219; 63, 73, 76; 83, 156, 158[↩]
vgl. BVerfGE 22, 277, 281; 34, 81, 94; 46, 196, 198; 66, 232, 234[↩]
vgl. BVerfGE 134, 135, 138 Rn. 5[↩]
vgl. BVerfGE 66, 232, 234; BVerfG, Beschluss vom 30.08.2017 – 2 BvQ 50/​17 1[↩]
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