Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/insolvenzanfechtung-glaeubigerbenachteilung-und-der-missglueckte-sanierungsversuch-337344
Timestamp: 2019-10-14 12:59:23
Document Index: 334136706

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 131', '§ 131', '§ 131', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 133', '§ 133']

Ein erheb­li­ches Beweis­an­zei­chen für einen Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gungs­vor­satz des Schuld­ners ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gege­ben, wenn der Gläu­bi­ger eine Befrie­di­gung erhält, die er nicht, nicht in der Art oder nicht zu der Zeit zu bean­spru­chen hat, mit­hin eine inkon­gru­en­te Befrie­di­gung 1. Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall hat­te die Beklag­te auf­grund des Ver­gleichs­ver­trags zwar einen Anspruch auf die geleis­te­te Zah­lung. Die im Ver­gleich von der Schuld­ne­rin ein­ge­gan­ge­ne Zah­lungs­ver­pflich­tung war jedoch ihrer­seits inkon­gru­ent, weil die Beklag­te aus dem unge­kün­dig­ten Dar­le­hen kei­ne Zah­lung ver­lan­gen konn­te. Ent­ge­gen der Ansicht des Beru­fungs­ge­richts kann die­ser Umstand dazu füh­ren, dass auch die Zah­lung auf­grund des Ver­gleichs inkon­gru­ent war. Denn die Ver­gleichs­ver­ein­ba­rung ent­fällt als kon­gru­enz­be­grün­den­der Schuld­grund für die geleis­te­te Zah­lung, wenn sie ihrer­seits anfecht­bar ist 2.
Die Indi­zwir­kung der Inkon­gru­enz für einen Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gungs­vor­satz des Schuld­ners kann aller­dings durch die Umstän­de des Ein­zel­falls aus­ge­schlos­sen sein, wenn die­se erge­ben, dass die ange­foch­te­ne Rechts­hand­lung von einem ande­ren, anfech­tungs­recht­lich unbe­denk­li­chen Wil­len gelei­tet war und das Bewusst­sein der Benach­tei­li­gung ande­rer Gläu­bi­ger infol­ge­des­sen in den Hin­ter­grund getre­ten ist. Das kommt ins­be­son­de­re dann in Betracht, wenn die Gewäh­rung einer inkon­gru­en­ten Befrie­di­gung Bestand­teil eines ernst­haf­ten, letzt­lich aber fehl­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­ver­suchs ist 3. Die blo­ße Hoff­nung des Schuld­ners auf eine Sanie­rung räumt jedoch sei­nen Benach­tei­li­gungs­vor­satz nicht aus, wenn die dazu erfor­der­li­chen Bemü­hun­gen über die Ent­wick­lung von Plä­nen und die Erör­te­rung von Hilfs­mög­lich­kei­ten nicht hin­aus­ge­kom­men sind. Es muss viel­mehr zu der Zeit der ange­foch­te­nen Hand­lung ein schlüs­si­ges, von den tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten aus­ge­hen­des Sanie­rungs­kon­zept vor­lie­gen, das min­des­tens in den Anfän­gen schon in die Tat umge­setzt wor­den ist und beim Schuld­ner die ernst­haf­te und begrün­de­te Aus­sicht auf Erfolg recht­fer­tigt 4.
Die Beur­tei­lung des Beru­fungs­ge­richts, es kön­ne unter die­sen Umstän­den jeden­falls nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Beklag­te einen Benach­tei­li­gungs­vor­satz der Schuld­ne­rin gekannt habe, beruht auf den glei­chen Erwä­gun­gen, die das Beru­fungs­ge­richt auch zum Vor­lie­gen eines Benach­tei­li­gungs­vor­sat­zes der Schuld­ne­rin ange­stellt hat. Dies ist im Ansatz nicht zu bean­stan­den, weil die Kennt­nis des Anfech­tungs­geg­ners spie­gel­bild­lich zum Benach­tei­li­gungs­vor­satz des Schuld­ners zu beur­tei­len ist 5. Wegen der dar­ge­stell­ten Rechts­feh­ler tra­gen die Erwä­gun­gen des Beru­fungs­ge­richts aber die Beur­tei­lung zur Kennt­nis der Beklag­ten so wenig wie die­je­ni­ge zum Vor­satz der Schuld­ne­rin.
Insol­venz­an­fech­tung, Gläu­bi­ger­be­nach­tei­lung und der… Die Ver­ein­ba­rung einer Zah­lungs­ver­pflich­tung ent­fällt als kon­gru­enz­be­grün­den­der Schuld­grund für die ange­foch­te­ne Zah­lung, wenn sie selbst der Insol­venz­an­fech­tung unter­liegt. Beweis­an­zei­chen für die sub­jek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen der Vor­satz­an­fech­tung…
Anhö­rungs­rü­ge – und wann sie nutz­los ist Mit einer Anhö­rungs­rü­ge kann weder die Feh­ler­haf­tig­keit der tat­säch­li­chen oder recht­li­chen Wür­di­gung der Aus­gangs­ent­schei­dung noch eine Gehörs­ver­let­zung sei­tens der Finanz­be­hör­de noch eine Ver­let­zung des recht­li­chen…
etwa BGH, Urteil vom 05.03.2009 – IX ZR 85/​07, BGHZ 180, 98 Rn. 17 mwN[↩]
BGH, Urteil vom 30.09.1993 – IX ZR 227/​92, BGHZ 123, 320, 325; vom 02.02.2006 – IX ZR 67/​02, BGHZ 166, 125 Rn. 39; Bork in Kübler/​Prütting/​Bork, InsO, 2008, § 131 Rn. 37; FKInsO/​Dauernheim, 6. Aufl., § 131 Rn. 4; Hmb­Komm-InsO/­Rog­ge, 3. Aufl., § 131 Rn. 3[↩]
BGH, Urteil vom 12.11.1992 – IX ZR 236/​91, WM 1993, 270, 273; vom 01.04.2004 – IX ZR 305/​00, ZIP 2004, 957, 959; vom 16.10.2008 – IX ZR 183/​06, ZIP 2009, 91 Rn. 52; vom 05.03.2009 – IX ZR 85/​07, BGHZ 180, 98 Rn. 17[↩]
BGH, Urteil vom 26.03.1984 – II ZR 171/​83, ZIP 1984, 572, 580; vom 12.11.1992, aaO; vom 04.12.1997 – IX ZR 47/​97, ZIP 1998, 248, 251; vom 16.10.2008, aaO[↩]
BGH, Urteil vom 04.12.1997 – IX ZR 47/​97, ZIP 1998, 248, 253; HK-InsO/K­reft, 6. Aufl., § 133 Rn. 21; Uhlenbruck/​Hirte, InsO, 13. Aufl., § 133 Rn. 25[↩]