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Timestamp: 2019-10-20 05:50:52
Document Index: 168851828

Matched Legal Cases: ['§ 553', '§ 553', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 553', '§ 553', '§ 553', '§ 563', '§ 553', 'BGH', 'BGH', '§ 553', 'BGH']

Kinne/Schach/Bieber, BGB § 553 Gestattung der Gebrauchsü ... / 2.3 Voraussetzungen | Deutsches Anwalt Office Premium | Recht | Haufe
Kinne/Schach/Bieber, BGB § 553 Gestattung der Gebrauchsü ... / 2.3 Voraussetzungen
Der Mieter muss ein berechtigtes Interesse an der Gebrauchsüberlassung eines Teils des Wohnraums haben. Als berechtigt ist jedes, auch höchstpersönliche Interesse des Mieters von nicht ganz unerheblichem Gewicht anzusehen, das mit der geltenden Rechts- und Sozialordnung im Einklang steht (BGH, Urteil v. 23.11.2005, VIII ZR 4/05, a. a. O.). Der Begriff des berechtigten Interesses ist weit zu fassen; darunter fallen sämtliche vernünftigen Gründe des Mieters einschließlich seiner wirtschaftlichen und persönlichen Gründe (BGH, Urteil v. 3.10.1984, VIII ARZ 2/84, BGHZ 92, 213 [218 ff.] = NJW 1985, 130 = WuM 1985, 7; BayObLG, BayObLGZ 1997, 292 = NJW 1998, 1324 = WuM 1997, 603; OLG Hamm, a. a. O.; KG, ZMR 1984, 376; LG Berlin, Urteil v. 7.12.2004, 65 S 303/04, GE 2005, 126; Schmidt-Futterer/Blank, § 553 Rn. 4). Bei mehreren Mietern reicht das berechtigte Interessen in der Person eines Mieters aus. Jedoch muss immer der Mieter selbst ein berechtigtes Interesse haben, so dass Anliegen der Allgemeinheit (z. B. Unterbringung von Asylbewerbern) keinen Anspruch auf Gebrauchsüberlassungerlaubnis begründen (LG Berlin, Beschluss v. 25.2.1994, 64 S 1/94, WuM 1994, 326; Franke, Wohnungsbaurecht, Mietrecht, § 553 Anm. 4; a. A. Schmidt-Futterer/Blank, § 553 Rn. 4; Derleder, WuM 1994, 305).
Das berechtigte Interesse kann auf der Veränderung der familiären Situation des Mieters, bei §§ 563–563a, 564 auch seines Nachfolgers, beruhen. Ob ein berechtigtes Interesse des Mieters vorliegt, beurteilt sich allein nach der Darlegung der tatsächlichen Umstände des Einzelfalls, während die Belange des Vermieters dabei nur unter dem Gesichtspunkt der Zumutbarkeit i. S. von § 553 Abs. 1 Satz 2 letzter Halbsatz Berücksichtigung finden (BGH, Urteil v. 3.10.1984, VIII ARZ 2/84, BGHZ 92, 213 = NJW 1985, 130 = WuM 1985, 7; Franke, Wohnungsbaurecht, Mietrecht, § 553 Anm. 4.2). Ein Anspruch auf Gebrauchüberlassungserlaubnis ist beispielsweise bejaht worden, wenn der Mieter sich zeitweilig nicht in der Wohnung aufhalten kann (LG Berlin, Urteil v. 22.4.1994, 63 S 37/94, GE 1994, 931), sich langfristig zur Heilbehandlung auswärts befindet (LG Berlin, Urteil v. 20.4.1993, 63 S 43/93, GE 1993, 653), sich berufsbedingt für ein Jahr im Ausland aufhält (AG Berlin-Schöneberg, GE 1990, 549), einen Freund (LG Berlin, GE 1991, 571), einen Partner (LG Berlin, GE 1986, 659 = WuM 1987, 221) oder einen Lebensgefährten (OLG Hamm, RE v. 23.10.1991, 30 RE-Miet 1/91, NJW 1992, 513 f. = GE 1991, 1197 f. = ZMR 1992, 20 = WuM 1991, 668) aufnehmen oder eine Wohngemeinschaft (AG Berlin-Wedding, GE 1990, 549 f.) gründen will. Ein Anspruch auf Erlaubnis zur Gebrauchüberlassung ist auch deswegen bejaht worden, weil der ältere Mieter nach Auszug der Kinder der zunehmenden Vereinsamung vorbeugen wollte (AG Hamburg, Urteil v. 16.5.1990, 45 C 334/90, WuM 1990, 500) oder nach Auszug eines Mitmieters durch Aufnahme eines Dritten weiter eine Wohngemeinschaft aufrechterhalten wollte (LG Hamburg, Urteil v. 9.4.1992, 307 S 363/91, WuM 1992, 432), wenn der Dritte zusätzlich die Betreuung des Kleinkindes des Mieters übernehmen soll (LG Berlin, Beschluss v. 12.2.1985, 64 S 360/84, GE 1985, 479 [481]; LG Berlin, ZMR 2002, 409; AG Büdingen, WuM 1991, 585), bei Verkleinerung der Familie durch den Tod oder den Auszug einzelner Familienangehöriger (AG Berlin-Tiergarten, GE 1987, 523; AG Friedberg, WuM 1981, 231), bei Trennung von Eheleuten (LG Frankfurt/Main, WuM 1981, 39; AG Hamburg, WuM 1985, 87), bei Auszug eines Mitmieters (LG Berlin, NJW-RR 1990, 457), bei Schwangerschaft einer berufstätigen Mieterin (LG Berlin, GE 1985, 479).
Das berechtigte Interesse des Mieters kann auch auf wirtschaftlichen Gründen (Entlastung von Reise- und Wohnungskosten wegen auswärtiger Beschäftigung, unvorhersehbare Verringerungen seines Einkommens, Mietsteigerungen, Tod des Ehegatten-Mitmieters) beruhen (BGH, Urteil v. 23.11.2005, VIII ZR 4/05, a. a. O.; OLG Hamburg, WuM 1993, 737; LG Berlin, Urteil v. 4.12.2006, 67 S 425/05, GE 2007, 783; LG Hamburg, ZMR 2001, 973 [974]; AG Stuttgart, Beschluss v. 8.2.2012, 32 C 6091/11, ZMR 2012, 366; AG Berlin-Tempelhof/Kreuzberg, Urteil v. 1.9.2011, 14 C 212/11, GE 2012, 66). Es stellt jedoch kein berechtigtes Interesse für eine Untervermietung dar, wenn der Mieter bei längerer Abwesenheit die Wohnung wirtschaftlich verwerten will (LG Mannheim, Urteil v. 30.4.1997, 4 S 142/96, WuM 1997, 369; a. A. Mutter, ZMR 1998, 204); ebenso wenig, wenn der Mieter einer für ihn zu groß gewordenen Wohnung behauptet, durch Untervermietung die Wohnungsnot lindern zu wollen, und sich dabei Einkünfte in Höhe des größten Teils der eigenen Miete verschafft. In einem solchen Fall ist ihm regelmäßig der Umzug in eine kleinere Wohnung zuzumuten (LG Frankfurt/Main, NJWE-MietR 1997, 198).
Wenn eine Wohngemeinschaft zerfällt, ist ein berechtigtes Interesse des allein zurückbleibenden Mieters, der nicht mehr willens ist, für die gesamte Miete allein aufzukommen, an der Auswechslung der ...