Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=12.01.2005&Aktenzeichen=XII%20ZR%20227/03
Timestamp: 2019-05-22 14:11:42
Document Index: 249187263

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 640', '§ 1600', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 1600', 'Art. 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 284', 'BGH', 'BGH', '§ 284', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 12.01.2005 - XII ZR 227/03 - dejure.org
https://dejure.org/2005,291
BGH, 12.01.2005 - XII ZR 227/03 (https://dejure.org/2005,291)
BGH, Entscheidung vom 12.01.2005 - XII ZR 227/03 (https://dejure.org/2005,291)
BGH, Entscheidung vom 12. Januar 2005 - XII ZR 227/03 (https://dejure.org/2005,291)
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ZPO § 640 Abs. 2 Nr. 2; BGB §§ 1600 Nr. 1, 1600 b Abs. 1 Satz 2; GG Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1
Heimliche DNA-Analysen für Vaterschaftsanfechtung nicht verwertbar
Anforderungen an eine Vaterschaftsanfechtungsklage; Umfang des Rechts des Kindes auf Kenntnis seiner genetischen Abstammung; Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung durch die Untersuchung und Verwendung des DNA-Identifizierungsmusters; Rechtmäßigkeit heimlich veranlasster Vaterschaftsanalysen und Verwertbarkeit im Vaterschaftsanfechtungsverfahren gegen den Willen des Kindes oder seines gesetzlichen Vertreters; Recht des Vaters oder Scheinvaters auf Kenntnis seiner Vaterschaft; Recht des möglichen Vaters auf Verschaffung der Kenntnis der eigenen Vaterschaft oder Nichtvaterschaft
Vaterschaftsanfechtung aufgrund heimlicher DNA-Analyse
Vaterschaftstest - Verwertbarkeit eines heimlich eingeholten Tests
Beweisverwertungsverbot bei heimlich eingeholtem DNA-Vaterschaftstest
DNA-Analyse und Vaterschaftsanfechtung
Familienrecht - Verwertbarkeit von heimlich eingeholter DNA- Analyse
Ein gerichtliches Abstammungsgutachten zur Feststellung der Vaterschaft kann auch dann verwertet werden, wenn es nicht hätte eingeholt werden dürfen
Keine auf heimlich eingeholten DNA-Vaterschaftstest gestützte Anfechtung der Vaterschaft
Unklare Vaterschaft: Heimlich eingeholte DNA-Analysen sind rechtswidrig
Abstammung - Heimlich eingeholte DNA-Vaterschaftstests
§§ 1600, 1600 b BGB, Art. 1, 2 GG
Verwertbarkeit heimlicher DNA-Analysen im Vaterschaftsanfechtungsverfahren
Zusammenfassung von "Anmerkung zur Entscheidung des BGH vom 12.01.2005, XII ZR 227/03 (Zur Frage der Verwertbarkeit einer heimlich eingeholten DNA-Analyse im Vaterschaftsanerkennungsverfahren)" von Ri Dr. Frank Klinkhammer, original erschienen in: FF 2005, 150 - 151.
Zusammenfassung von "Urteilsanmerkung zu BGH v. 12.1.2005 - XII ZR 227/03 - DNA-Analyse und Vaterschaftsanfechtung" von Prof. Dr. Ansgar Ohly, LL.M., original erschienen in: JZ 2005, 624 - 628.
Zusammenfassung von "Die Novellierung des Abstammungsrechts" von Prof. Dr. Ingo Fritsche, original erschienen in: NJ 2008, 193 - 198.
BGHZ 162, 1
NJW 2005, 497
MDR 2005, 632
FamRZ 2005, 340
AnwBl 2005, 28
a) das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 12. Januar 2005 - XII ZR 227/03 -,.
Gleiches gilt für das Interesse, sich ein Beweismittel für zivilrechtliche Ansprüche zu sichern (…BVerfG 9. Oktober 2002 - 1 BvR 1611/96 - und - 1 BvR 805/98 - aaO;… 13. Februar 2007 - 1 BvR 421/05 - aaO; BGH 12. Januar 2005 - XII ZR 227/03 - BGHZ 162, 1;… Stein/Jonas/Leipold aaO § 284 Rn. 63).
Das Bundesverfassungsgericht und die neuere Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs verweisen insoweit auf notwehrähnliche Situationen wie die Anfertigung heimlicher Tonbandaufnahmen zur Feststellung der Identität eines anonymen Anrufers oder zur Feststellung erpresserischer Drohungen oder den Fall eines auf andere Weise nicht abwehrbaren Angriffs auf die berufliche Existenz (vgl. BVerfGE 106, 28, 49 f.; BGHZ 162, 1, 6; BGH…, Urteil vom 18. Februar 2003, aaO, unter II 2 c).
Es darf nur im überwiegenden Interesse der Allgemeinheit und unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes eingeschränkt werden; die Einschränkung darf nicht weiter gehen als es zum Schutz des öffentlichen Interesses unerlässlich ist (Senatsurteil vom 12. Januar 2005 - XII ZR 227/03 - FamRZ 2005, 340, BVerfG NJW 2001, 2320, 2321).
Trifft dies zu, dann hat er die Vorschriften im Lichte der Grundrechte auszulegen und anzuwenden (Senatsurteil vom 12. Januar 2005 - XII ZR 227/03 - FamRZ 2005, 340, vgl. auch BVerfG FamRZ 1991, 1037).
Nach dem Schutzzweck des allgemeinen Persönlichkeitsrechts hindert ein Verstoß gegen das Beweiserhebungsverbot auch die Verwertung des Beweismittels (Senatsurteil vom 12. Januar 2005 - XII ZR 227/03 - FamRZ 2005, 340, 341;… Musielak/Foerste ZPO 10. Aufl. § 284 Rn. 23).
Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus den Urteilen des XII. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs (BGHZ 162, 1; 166, 283; BGH, Urteil vom 12. Januar 2005 - XII ZR 60/03 - FamRZ 2005, 342), wonach heimlich eingeholte Abstammungsgutachten im Vaterschaftsanfechtungsverfahren "auch als Parteivortrag ungeeignet [seien], die Schlüssigkeit einer Vaterschaftsanfechtungsklage herbeizuführen" (BGHZ 166, 283 Tz. 10).
Um das vom Untersuchungsgrundsatz geprägte Vaterschaftsanfechtungsverfahren in Gang zu bringen, muss der Kläger lediglich Umstände vortragen, die bei objektiver Betrachtung geeignet sind, Zweifel an der Abstammung des Kindes von dem als Vater geltenden Kläger zu wecken und die Möglichkeit der Abstammung des Kindes von einem anderen Mann als nicht ganz fern liegend erscheinen zu lassen (BGHZ 162, 1, 3).
Es ist daher auch als Parteivortrag ungeeignet, die Schlüssigkeit einer Vaterschaftsanfechtungsklage herbeizuführen (Senatsurteile vom 12. Januar 2005 BGHZ 162, 1 = FamRZ 2005, 340 ff. und - XII ZR 60/03 - FamRZ 2005, 342 ff.).
Der Senat hat in diesen Entscheidungen zu erkennen gegeben, dass die bisherigen hohen Anforderungen der Rechtsprechung an die Umstände, mit denen ein Anfangsverdacht im Vaterschaftsanfechtungsverfahren zu begründen ist, zu überdenken sein werden (vgl. Senatsurteile vom 12. Januar 2005 aaO jeweils unter 2).
Es müssen vielmehr weitere Gesichtspunkte hinzutreten, die das Interesse an der Beweiserhebung trotz der Rechtsverletzung als schutzbedürftig erscheinen lassen (vgl. Anm. Bull zu: BVerfG NJW 2009, 3279; NJW 2007, 753 [758]; BGH NJW 2005, 497 [498 f.]).
(1) Mit Urteilen vom 12. Januar 2005 (BGHZ 162, 1 = FamRZ 2005, 340 und XII ZR 60/03 - FamRZ 2005, 342) hatte der Senat entschieden, dass der für eine Vaterschaftsanfechtungsklage erforderliche Anfangsverdacht nicht durch ein heimlich eingeholtes DNA-Gutachten dargelegt werden kann.
Diese Rechtfertigung fehlt, wenn bereits eine naturwissenschaftlich gesicherte Kenntnis aufgrund erfolgter - rechtlich verwertbarer (vgl. Senatsurteile BGHZ 162, 1 = FamRZ 2005, 340 ff. und vom 12. Januar 2005 - XII ZR 60/03 - FamRZ 2005, 342, 343 f.) - Abstammungsbegutachtung vorliegt.
OLG Jena, 20.03.2012 - 1 WF 643/11
Beginn der Frist für die Vaterschaftsanfechtung