Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/wahlpruefungsverfahren-mandatsrelevanz-oder-subjektive-rechtsverletzung-3138977
Timestamp: 2020-08-14 11:49:14
Document Index: 123367282

Matched Legal Cases: ['§ 48', '§ 23', '§ 48', 'Art. 3', '§ 49', '§ 23', '§ 48', '§ 48']

Wahlprüfungsverfahren - Mandatsrelevanz oder subjektive Rechtsverletzung | Rechtslupe
Wahlprüfungsverfahren - Mandatsrelevanz oder subjektive Rechtsverletzung
Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren – Man­dats­re­le­vanz oder sub­jek­ti­ve Rechts­ver­let­zung
Beschränkt sich der Beschwer­de­füh­rer im Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren auf die Gel­tend­ma­chung einer sub­jek­ti­ven Rechts­ver­let­zung, bedarf es der Dar­le­gung der Man­dats­re­le­vanz des Wahl­feh­lers nicht.
Die Beschwer­de­füh­rer sind beschwer­de­be­fugt, wenn sie eine Ver­let­zung eige­ner Rech­te in einer Wei­se dar­ge­tan haben, die eine sol­che nicht von vorn­her­ein als aus­ge­schlos­sen erschei­nen lässt. Dabei ist es unschäd­lich, dass sie in ihrer Wahl­prü­fungs­be­schwer­de nicht aus­ge­führt haben, ob der gerüg­te Wahl­feh­ler Ein­fluss auf die Man­dats­ver­tei­lung haben kann und die ange­grif­fe­ne Bun­des­tags­wahl daher für ungül­tig zu erklä­ren ist.
Das Ver­fah­ren der Wahl­prü­fungs­be­schwer­de nach § 48 BVerfGG war ursprüng­lich als ein rein objek­ti­ves Bean­stan­dungs­ver­fah­ren aus­ge­stal­tet, bei dem die Dar­le­gung einer Beschwer­de­be­fug­nis nicht erfor­der­lich war [1]. Viel­mehr erfor­der­te eine zuläs­si­ge Wahl­prü­fungs­be­schwer­de einen gemäß § 23 Abs. 1 Satz 2 BVerfGG hin­rei­chend sub­stan­ti­ier­ten und aus sich her­aus ver­ständ­li­chen Sach­vor­trag, aus dem erkenn­bar war, wor­in ein Wahl­feh­ler lie­gen soll­te, der Ein­fluss auf die Man­dats­ver­tei­lung haben konn­te [2].
Nach der Neu­fas­sung des § 48 BVerfGG durch Art. 3 des Geset­zes zur Ver­bes­se­rung des Rechts­schut­zes in Wahl­sa­chen vom 12.07.2012 [3], durch die erst­mals expli­zit die Mög­lich­keit der Fest­stel­lung der Ver­let­zung eige­ner Rech­te im Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren eröff­net wor­den ist, bedarf es bei einer aus­schließ­li­chen Rüge der Ver­let­zung sub­jek­ti­ver Wahl­rech­te einer sub­stan­ti­ier­ten Dar­le­gung der Man­dats­re­le­vanz des gel­tend gemach­ten Wahl­feh­lers nicht mehr. Mit der Neu­re­ge­lung zielt der Gesetz­ge­ber dar­auf ab, dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in den Wahl­prü­fungs­be­schwer­de­ver­fah­ren, in denen die Wahl zum Deut­schen Bun­des­tag nicht für ungül­tig zu erklä­ren ist, die Mög­lich­keit zu eröff­nen, auf ent­spre­chen­de Beschwer­den hin die gel­tend gemach­ten Rechts­ver­let­zun­gen zu klä­ren und gege­be­nen­falls im Tenor sei­ner Ent­schei­dung fest­zu­stel­len [4]. Der Ver­zicht auf das Erfor­der­nis der Dar­le­gung der Man­dats­re­le­vanz in Fäl­len der Gel­tend­ma­chung sub­jek­ti­ver Wahl­rechts­ver­let­zun­gen ent­spricht dem Gebot effek­ti­ven Rechts­schut­zes. Denn auf­grund der Exklu­si­vi­tät der Wahl­prü­fungs­be­schwer­de, wie sie in § 49 BWahlG kodi­fi­ziert ist und in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts als ver­fas­sungs­kon­form bestä­tigt wur­de [5], sind Ver­fas­sungs­be­schwer­den, die Maß­nah­men in Bezug auf eine kon­kre­te Bun­des­tags­wahl zum Gegen­stand haben, unzu­läs­sig. Da nicht jeder Wahl­feh­ler, der sub­jek­ti­ve Rech­te ver­letzt, zugleich eine Aus­wir­kung auf die Man­dats­ver­tei­lung hat, ent­stün­de eine erheb­li­che Rechts­schutz­lü­cke, sofern man auch inso­weit die Dar­le­gung einer Man­dats­re­le­vanz des gerüg­ten Wahl­feh­lers für die Zuläs­sig­keit einer Wahl­prü­fungs­be­schwer­de erfor­der­lich erach­te­te.
Der Ver­zicht auf die Dar­le­gung einer mög­li­chen Aus­wir­kung des gel­tend gemach­ten Wahl­feh­lers auf die Man­dats­ver­tei­lung ent­bin­det den aus­schließ­lich eine sub­jek­ti­ve Rechts­ver­let­zung rügen­den Beschwer­de­füh­rer aller­dings nicht von den Begrün­dungs­pflich­ten aus § 23 Abs. 1 Satz 2, § 48 Abs. 1 Halb­satz 2 BVerfGG. Beschränkt der Beschwer­de­füh­rer die Wahl­prü­fungs­be­schwer­de auf die Gel­tend­ma­chung einer sub­jek­ti­ven Rechts­ver­let­zung, hat er die Mög­lich­keit einer Ver­let­zung sei­nes Wahl­rechts sub­stan­ti­iert dar­zu­le­gen.
vgl. Bech­ler, in: Burkiczak/​Dollinger/​Schorkopf, BVerfGG, 2015, § 48 Rn.19[↩]
vgl. BVerfGE 40, 11, 30; 48, 271, 276; 58, 175, 175 f.; 122, 304, 308 f.[↩]
BGBl I S. 1501[↩]
vgl. BT-Drs. 17/​9391, S. 11[↩]
vgl. BVerfGE 11, 329, 329; 14, 154, 155; 16, 128, 130; 74, 96, 101[↩]
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