Source: https://www.flugrechte.eu/7131/flugzeiten%C3%A4nderung-sunexpress-r%C3%BCckflug-wurde-vorne-verlegt
Timestamp: 2019-01-20 05:52:34
Document Index: 194807373

Matched Legal Cases: ['Art. 3', 'Art. 3', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', 'Art. 5', '§ 651', '§ 651', '§651', '§ 651', '§651', '§651']

Flugzeitenänderung Sunexpress: Rückflug wurde 10h nach vorne verlegt - FLUGGASTRECHTE
unser Rückflug mit Sunexpress von Antalya nach Basel wurde kurzfristig um 10h nach vorne verlegt. Statt wie geplant um 16:05 Uhr fand der Abflug bereits um 6:15 Uhr statt. Dies bedeutete nicht nur, dass uns ein Urlaubstag verloren ging, wir mussten bereits um 2 Uhr nachts Richtung Flughafen aufbrechen und es entstanden für den Transfer mitten in der Nacht weitere Kosten.
Sunexpress schreibt als Antwort auf unsere Bitte um Erstattung: "Die in Flugplänen veröffentlichte Flugzeiten sind nicht Bestandteil des Beförderungsvertrages und können sich zwischen Datum der Veröffentlichung und Ihrem Buchungs- bzw. Reisedatum ändern. Änderungen bei Flugzeiten und Flugrouten sind deshalb immer vorbehalten. Insofern müssen wir Ihre Forderung ablehnen."
Können wir weitere Schritte in die Wege leiten, da es sich bei der Flugzeitenänderung um 10 Stunden, der Anreise mitten in der Nacht und den zusätzlichen Kosten durch um eine erhelbliche Beeinträchtigung des Urlaubs handelte?
B. Gießler
wieder getaggt 25, Mai 2016 von admin
Lieber Familie Geißler,
Sie haben eine Reise in die Türkei gebucht und sind diese auch bereits angetreten. Die Abreise sollte mit der Airline Sun Express erfolgen. Leider ging dies nicht problemlos vonstatten. Ihr Flug von Antalya nach Basel wurde kurzfristig um 10h nach vorne verlegt. Statt wie geplant um 16:05 Uhr fand der Abflug bereits um 6:15 Uhr statt. Dies hatte zur Folge, dass Sie bereits um 2 Uhr nachts Richtung Flughafen aufbrechen mussten und Ihnen wegen des nächtlichen Transfers noch weitere Kosten entstanden sind. Sie haben dir Airline bereits kontaktiert und mussten leider feststellen, dass diese nicht bereit ist Verantwortung zu übernehmen. Vielmehr beruft sich die Fluggesellschaft auf ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Danach seien die in den Flugplänen veröffentlichten Flugzeiten nicht Bestandteil des Beförderungsvertrages und könnten sich daher zwischen Datum der Veröffentlichung und Ihrem Buchungs- bzw. Reisedatum ändern. Änderungen bei Flugzeiten und Flugrouten sind deshalb immer vorbehalten. Insofern sehe sich dir Sun Express gezwungen Ihre Forderung abzulehnen. Sie fragen sich nun, ob Sie dies so hinnehmen müssen, oder etwaige Ansprüche geltend machen können.
Für mich klingt es so, als hätten Sie eine reine Flugbuchung vorgenommen. Diese ist abzugrenzen von der Buchung einer Pauschalreise. Falls sie ein Leistungspaket, beispielsweise Flüge, Hotel und Transfer bei einem Reiseveranstalter gebucht haben, würde ich Sie um einen weiteren Post bitten, dies hätte nämlich einen großen Einfluss auf die anzuwendenden Anspruchsgrundlagen. Da aber zunächst von einer reinen Flugbuchung auszugehen ist, wäre in Ihrem Fall die Fluggastrechte Verordnung als gesetzliche Grundlage heranzuziehen. Bei der Fluggastrechte Verordnung handelt es sich um eine gemeinsame Regelung des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates, welche die Ansprüche von Fluggästen gegenüber der jeweiligen Airline reguliert. Diese Ansprüche können geltend gemacht werden, wenn dem Reisenden wegen nicht Beförderung, Annullierung oder (großer) Verspätung ein Nachteil entstanden ist.
Unabhängig davon, ob ihr Fall als Nichtbeförderung oder Annullierung zu betrachten wäre, muss zunächst der Anwendungsbereich der Fluggastrechte Verordnung (nachfolgend VO genannt) eröffnet sein. Dies ist in Art. 3 VO geregelt.
Artikel 3, Anwendungsbereich
In Ihrem Fall ergibt sich die Problematik, dass Sie von einem Staat welcher kein Mitgliedsstaat ist abgeflogen sind und dieser Flug nicht von einer Airline eines Mitgliedstaates durchgeführt wurde. Bei Sun Express handelt es sich um eine türkische Airline, welche ihren Hauptsitz in Antalya hat. Da die Türkei (noch) nicht zur Europäischen Union gehört, sind die Voraussetzungen des Art. 3 Abs. 1 b nicht erfüllt. Daher ist der Anwendungsbereich leider nicht eröffnet. Folglich können Sie keine Ansprüche aus der Fluggastrechte Verordnung geltend machen.
Dies bedeutet jedoch noch nicht, dass Sie vollkommen schutzlos sind. Neben der EU-Fluggastrechteverordnung gibt es in zahlreichen weiteren Staaten, wie auch in der Türkei, ähnliche Fluggastrechte. Außerdem gibt es mit dem Montrealer Übereinkommen (MÜ) eine Art weltweiten Mindeststandard an Passagierrechten. Dieses Abkommen ist von den meisten Ländern weltweit unterzeichnet worden. Falls Sie diesbezüglich nähere Informationen erhalten wollen, würde ich empfehlen einen anwaltlichen Rat einzuholen. Auf Grund der Komplexität kann ich an dieser Stelle keine weiteren Ausführungen tätigen. Ich hoffe ich konnte trotzdem etwas weiterhelfen und wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem weiteren Vorgehen.
Guten Tag B. Gießler,
Ihr Rückflug mit Sunexpress von Antalya nach Basel wurde kurzfristig um 10 Stunden nach vorne verlegt. Um Ihren Flug um 6:15 Uhr zu erreichen musste Sie deshalb in der Nacht um 2:00 Uhr aufbrechen.
Sie schreiben, dass Ihr Reiseveranstalter Sie bereits darüber informiert hat, dass er sich in den AGBs eine mögliche Flugzeitenänderung vorbehalten hat.
Ihr Flug wurde um 10 Stunden verschoben. Diese Verschiebung könnte Ihnen objektiv nicht zumutbar sein, auch und gerade weil diese Verschiebung Ihre Nachtruhe beeinträchtigen könnte, da Sie sehr früh zum Flughafen aufbrechen müssten. Es könnte sich hier also nicht nur um eine bloße Unannehmlichkeit handeln. Die Reise könnte deshalb im Sinne von § 651 c BGB mangelbehaftet sein. Eine Reise ist mangelhaft, wenn sie einen Fehler aufweist oder nicht die zugesicherten Eigenschaften aufweist.
Das es zu einer Verschiebung Ihrer Abflugzeit um 10 Stunden kam und Sie darüber hinaus mitten in der Nacht zum Flughafen aufbrechen mussten könnte als eine Abweichung dieser zugesicherten Eigenschaften gelten. Eine Verschiebung um 10 Stunden liegt auf jeden Fall deutlich über der durch das AG Bonn festgelegten Grenze von maximal 8 Stunden. Darüber hinaus könnte die Dauer Ihrer Reise ein weiterer ausschlaggebender Punkt sein. Dies würde natürlich eine Abwägung im Einzelfall notwendig machen.
Und dies könnte, abhängig davon, ob der Mangel ausreichend erheblich ist, einen Anspruch auf eine Reisepreisminderung im Sinne von § 651d Absatz 1 BGB gegenüber Ihrem Reiseveranstalter begründen. Ein Reiseveranstalter hat nach § 651 c Absatz 1 BGB nämlich die Pflicht die Reise so zu erbringen, dass sie die zugesicherten Eigenschaften besitzt und eben gerade nicht mit Mängeln behaftet ist.
Zur Orientierung für Sie mit welcher Höhe einer Reisepreisminderung Sie unter Umständen rechnen könnten sei nochmals auf die, von einer Vorkommentatorin bereits gepostete, Reisepreisminderungstabelle des ADAC hinzuweisen: https://www.adac.de/_mmm/pdf/Reisepreisminderungstabelle%202015_212238.pdf
Den wahrscheinlich vorliegenden Mangel haben Sie ja offenbar Ihrem Reiseveranstalter gegenüber schon angezeigt, und sich auch nach einer Reisepreisminderung erkundigt, also ein Abhilfeverlangen (im Sinne von § 651c Abs. 2 BGB) kundgetan. Damit haben Sie sich sehr richtig verhalten.
Abschließend ist also nochmals zu sagen, dass Ihnen wahrscheinlich ein Anspruch auf Reisepreisminderung zusteht, und Ihnen zu raten sich noch einmal an Ihren Reiseveranstalter zu wenden. Sollte dieser unkooperativ reagieren und von einer partiellen Rückerstattung Ihrer bereits geleisteten Zahlungen absehen wollen haben Sie weiterhin die Möglichkeit Ihre Sache mit einem Anwalt gerichtlich zu verfolgen.
Beantwortet 27, Mai 2016 von Zeta (6,220 Punkte)
ob und welche Ansprüche Ihnen in einer solchen Situation zustehen, richtet sich zunächst einmal danach, ob es sich bei dem betroffenen Flug um einen Nur-Flug handelt, den Sie direkt bei der Airline selbst gebucht haben, oder um einen Teil einer Pauschalreise. Hiernach richtet sich nämlich, welche Rechtsgrundlagen auf Ihren Fall Anwendung finden. Handelt es sich nämlich um einen Teil einer Pauschalreise stehen Ihnen u.U. neben den Ansprüchen aus der europäischen Fluggastrechte-Verordnung auch Ansprüche nach Reisevertragsrecht des BGBs zu.
Ansprüche nach EU-Verordnung VO(EG) 261/2004
In einem solchen Fall, indem die Airline oder auch der Reiseveranstalter einen bereits gebuchten Flug einseitig nach Buchung noch einmal verschiebt, handelt es sich nach der VO um eine Annullierung des ursprünglichen Fluges gem. Art. 5 VO. Eine solche Annullierung zieht grundsätzlich verschiedene Rechte nach sich. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die VO auf Ihren Fall überhaupt Anwendung findet. Dies ist in Ihrem Fall jedoch nicht gegeben, da es sich um einen Flug handelt, der zwischen zwei Nicht-EU-Staaten stattfand und nicht von einer europäischen Fluglinie durchgeführt wurde. Daher stehen Ihnen vorliegend nach der VO keine Rechte gegen die Airline zu.
Handelt es sich bei dem betroffenen Flug allerdings um einen Teil einer Pauschalreise, haben Sie Ansprüche gegen den Reiseveranstalter, da die Flugverschiebung um 10 Std einen Mangel der Reise gem. § 651c Abs. 1 BGB darstellt. Vergl. hierzu u.a. das Urteil des AG Ludwigsburg v. 15.08.2008. Dieses Urteil können Sie bei Interesse vollständig im Internet nachlesen unter "Reise-Recht-Wiki.de 10 C 1621/08". Ein solcher Mangel berechtigt Sie unter weiteren Voraussetzung z.B. zu einer Minderung des Reisepreises gem. § 651d BGB oder auch zu Schadenersatz gem. §651f BGB.
Mithin ist zusammen fassend zu sagen, dass es durchaus rechtens ist, dass die Airline Ihre Forderungen ablehnt. Eventueller Schuldner dieser Forderungen ist allenfalls der Reiseveranstalter.
Beantwortet 14, Jun 2016 von Cockpit1 (20,980 Punkte)
Sie haben einen Flug mit SunExpress in die Türkei gebucht. Ihr Rückflug von Antalya nach Basel wurde jedoch kurzfristig um 10 Stunden vorverlegt. Statt wie geplant um 16:05 Uhr ist Ihr Flug bereits um 6:15 Uhr gestartet. Dadurch haben Sie einen Urlaubstag verloren, desweiteren wurde Ihre Nachtruhe beeinträchtigt und durch den Transfer entstanden Ihnen weitere Kosten.
Sunexpress weigert sich nun jedoch Ihnen jegliche Kosten zu erstatten. Sie fragen sich nun, ob dies rechtens ist oder Sie Ansprüche gegen die Fluggesellschaften geltend machen können.
Ihren Angaben lässt sich leider nicht genau entnehmen, ob der Flug ein sogenannter 'Nur-Flug' war oder es sich um eine Pauschalreise gehandelt hat. Ein 'Nur-Flug' ist eine reine Flugbuchung, während eine Pauschalreise ein gesamtes Leistungspaket inklusive Hotel, Flug und Transfer darstellt.
Falls Sie einen 'Nur-Flug' gebucht haben, ergeben sich mögliche Ansprüche aus der Europäischen Fluggastrechte Verordnung. Fraglich ist jedoch zunächst ob diese in Ihrem Fall überhaupt Anwendung findet.
Der Anwendungsbereich ergibt sich aus Artikel 3 VO Nr. 261/2004.
einen Flug, der von einer Fluggesellschaft mit Sitz in der EU ausgeführt wird, antreten.
Die Verordnung gilt somit für alle, auch nicht-europäische Luftfahrtunternehmen, die von einem europäischen Flughafen abfliegen. Sie gilt ebenso bei Flügen vom einem Drittstaat zu einem Flughafen der EU nur für die EU-Luftfahrtunternehmen.
Problematisch in Ihrem Fall ist jedoch, dass Sunexpress eine türkische Fluggesellschaft ist. Also eine Fluggesellschaft die Ihren Sitz außerhalb der EU hat. Desweiteren sind Sie aus der Türkei geflogen, also ebenfalls außerhalb der EU. Die Europäische Fluggastrechte Verordnung findet in Ihrem Fall also leider keine Anwendung.
Falls Sie eine Pauschalreise gebucht haben ergeben sich mögliche Ansprüche aus dem Reisevertragsrecht der §§ 651 a-m BGB. Hier ist zunächst relevant, ob die Flugzeiten fester Bestandteil des Vertrages geworden sind. Ist das der Fall hat sich der Reiseveranstalter an diese zu halten. Tut er dies nicht, haben Sie ein Recht auf Schadensersatz und Minderung.
Falls die Flugzeiten nicht fester Bestandteil geworden sind, stellen die Änderungen dennoch einen Mangel dar, wenn die Flugverschiebung objektiv nicht zumutbar ist. In Ihrem Fall sind die Änderungen der Flugzeiten als unzumutbar zu bewerten, da Sie Ihre Nachtruhe erheblich beeinträchtigen. Dadurch könnten Sie ebenfalls Ansprüche auf Schadensersatz aus §651 f und Minderung aus §651 d BGB geltend machen.
Beantwortet 28, Jun 2016 von UeberdenWolken (8,540 Punkte)