Source: https://blogs.pwc.de/regulatory/aktuelles/eba-leitlinien-zur-definition-des-schuldnerausfall-definition-of-default/1683/
Timestamp: 2020-07-02 17:03:17
Document Index: 301224181

Matched Legal Cases: ['Art 178', 'Art 178', 'Art 178', 'Art. 178', 'Art 178', 'Art 147', 'Art 153', 'Art 189', 'Art 191']

EBA Leitlinien zur Definition des Schuldnerausfall – definition of default - PwC Regulatory Blog
EBA Leitlinien zur Definition des Schuldnerausfall – definition of default
Im letzten Jahr hat die European Banking Authority (EBA) mit der Überarbeitung des Internal Rating Based Approach (IRB-Ansatz) begonnen. In einem Diskussionspapier (EBA Discussion Paper on the Future of the IRB Approach, EBA/DP/2015/15) hat sie die möglichen Maßnahmen zur Überarbeitung des IRB-Ansatzes vorgestellt. Ein Aspekt betrifft die Definition des Schuldnerausfalls. Nähere Ausführungen dazu enthält der im September 2015 veröffentlichte Entwurf einer Leitlinie gemäß Art 178 (7) CRR für Zwecke des Internal-Rating Based Approach (IRB-Ansatzes) und des Kreditrisikostandardansatzes (KSA) – EBA Guidelines on the application of the definition of default (EBA/CP/2015/15). Dieser Entwurf ergänzt den RTS zu Art 178 (6) CRR, in dem festgelegt wird, nach welchen Kriterien eine Materialitätsschwelle für die Überfälligkeit einer Forderung festzulegen ist (RTS on the materiality threshhold past due (EBA/CP/2014/32)).
Parallel dazu hat die EBA eine quantitative und qualitative Analyse (QIS) eingeleitet, um die Auswirkungen von RTS und Leitlinie auf die aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen und die Kalibrierung der Risikoparameter zu erheben. Schwerpunkt der QIS ist unter anderem die Frage nach den Möglichkeiten der Institute, eine Datenhistorie aufgrund der angepassten Ausfalldefinition zu sammeln (EBA QIS on default definition instructions).
Die Ausfalldefinition beeinflusst die Eigenmittelanforderungen nach der CRR sowohl im IRB-Ansatz als auch nach dem Standardansatz. Im Rahmen des IRB-Ansatzes ist die Ausfalldefinition der Anknüpfungspunkt für die Schätzung der Risikoparameter und die Berechnung der erwarteten Verluste. Im KSA ist die Ausfalldefinition ausschlaggebend für die Zuordnung der Forderungen zur KSA-Forderungsklasse „Ausgefallene Positionen“ und die damit verbundene besondere Risikogewichtung.
In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die nationalen Aufsichtsbehörden die Ausfalldefinition unterschiedlich umgesetzt haben, was teilweise zu unterschiedlichen Ausfallzeitpunkten führen kann. Vor allem grenzüberschreitend tätige Bankengruppen können durch einheitliche Vorgaben entlastet werden, da sich der Aufwand für die Einhaltung unterschiedlicher Vorschriften reduziert.
Die wesentlichen Kriterien des Ausfalls im Überblick
1. Überfälligkeit (past-due)
Für die Feststellung einer Überfälligkeit durch Zählung von Verzugstagen legen die RTS (EBA/CP/2014/13 s.o.) nähere Bestimmungen fest. Ergänzend dazu stellen die Leitlinien detaillierte Regelungen auf, wie bei besonderen Konstellationen zu verfahren ist. Dazu gehören die Fälle, in denen der Schuldner das vertragliche Recht hat, den Rückzahlungsplan zu ändern, auszusetzen oder zu verschieben. Darüber hinaus werden technisch bedingte Ausfälle, die nicht zu einem Schuldnerausfall führen, auf wenige Anwendungsfälle begrenzt.
2. Hinweise darauf, dass eine Verbindlichkeit nicht beglichen wird (Indications for unlikeliness to pay)
Nach Art 178 (3) CRR sind bestimmte Elemente als Hinweis darauf anzusehen, dass eine Verbindlichkeit wahrscheinlich nicht beglichen wird. Dazu gehören unter anderem erhebliche Kreditanpassungen seitens des Instituts, krisenbedingte Restrukturierung der Verbindlichkeit oder ein Insolvenzantrag durch den Schuldner bzw. das Institut. Die Leitlinien stellen klar, wie die einzelnen Elemente anzuwenden sind. Für alle Elemente und Kriterien, die die Institute bei ihrer Beurteilung der Ausfallwahrscheinlichkeit berücksichtigen, gilt, dass die Prozesse und Methoden der Beurteilung eindeutig definiert und festgelegt sein müssen.
Spezifische Kreditrisikoanpassungen / Specific credit risk adjustments (SCRA)
Die Leitlinien stellen in Ergänzung der „Standards on the specification of the calculation of specific and general credit risk adjustments“ (Delegierte VO (EU) No 183/2014) klar, dass die dort genannten Fälle der spezifischen Kreditrisikoanpassungen (z.B. für in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasste Verluste für zum beizulegenden Zeitwert bewertete Instrumente, die gemäß dem geltenden Rechnungslegungsrahmen eine kreditrisikobedingte Wertminderung aufweisen und für Verluste infolge aktueller oder vergangener Ereignisse, die sich auf eine signifikante einzelne Risikoposition oder auf Risikopositionen auswirken, die zwar für sich genommen nicht signifikant sind, aber einzeln oder kollektiv bewertet werden) als erhebliche Bonitätsverschlechterung anzusehen und damit als Hinweis auf einen wahrscheinlichen Ausfall zu behandeln sind.
Spezifische Kreditrisikoanpassungen für Verluste, für die historische Werte darauf hinweisen, dass der Verlust eingetreten ist, das Institut aber noch nicht erkennen kann, welche Risikoposition davon betroffen ist, werden nach den Leitlinien nicht als Hinweis auf eine Ausfallwahrscheinlichkeit gewertet, da sie (noch) keinem einzelnen Kreditnehmer zugewiesen werden können.
Weiterhin sehen die Leitlinien vor, dass Kredite, die zukünftig nach IFRS 9 dem „stage 3“ zugeordnet werden, immer als ausgefallen zu behandeln sind.
Veräußerung von Verbindlichkeiten/ Sale of credit obligations
Soweit die Veräußerung nicht im Zusammenhang mit der Verschlechterung der Bonität der Verbindlichkeit steht, sondern z.B. aufgrund eines erhöhten Liquiditätsbedarfs des Instituts oder aus strategischen Gründen erfolgt, sollen Verluste aus diesen Veräußerungsgeschäften nicht als Hinweis auf einen Ausfall gewertet werden. Umgekehrt sollen Institute bei Veräußerungen, die unmittelbar im Zusammenhang mit einer Bonitätsverschlechterung stehen, die Wesentlichkeit des Verlustes analysieren und bei Überschreiten einer Materialitätsschwelle (5%) als Ausfallhinweis einordnen.
Krisenbedingte Restrukturierung / Distressed restructuring
Die krisenbedinge Restrukturierung sollte auch die Fälle von Stundungsmaßnahmen/forbearance einschließen, die nach den ITS an die Aufsicht zu melden sind(DVO (EU) 2015/227 und DVO (EU) 680/2014). Soweit gestundete Forderungen voraussichtlich zu verminderten finanziellen Verpflichtungen führen, sollten sie als ausgefallen eingestuft werden. Dazu wird ein Barwertvergleich der potentiellen Zahlungsströme durchzuführen sein. Der Schwellenwert für die verminderte finanzielle Verpflichtung soll nicht größer als 1 % sein.
Insolvenz (bankruptcy) und zusätzliche Hinweise für Ausfallwahrscheinlichkeiten
Die Leitlinien enthalten Anhaltspunkte dafür, was unter einer der Insovenz vergleichbaren Maßnahme zu verstehen ist. Institute können zudem weitere Indikatoren als Hinweis für eine Ausfallwahrscheinlichkeit heranziehen, die unter anderem den spezifischen Charakter der Risikopositionen berücksichtigen (z.B. Verbindungen innerhalb einer Gruppe von verbundenen Kreditnehmern).
3. Verwendung externer Daten bei der Verlustdatenschätzung (Application of the definition of default in the external data)
Greifen die Institute für die Beurteilung des Schuldnerausfalls auf externe Daten zurück, muss geprüft werden, ob die in den externen Datenquellen verwendete Ausfalldefinition einerseits mit der Definition des Art. 178 CRR und andererseits mit den institutseigenen Definitionen und Kriterien übereinstimmt. Bei Abweichungen sind entsprechende Anpassungen in den externen Daten vorzunehmen oder es ist nachzuweisen, dass die Auswirkungen dieser Abweichungen auf alle Risikoparameter und Eigenkapitalanforderungen so geringfügig sind, dass auf Anpassungen verzichtet werden kann. Sind die Abweichungen nicht unerheblich können, aber durch Anpassungen der externen Daten nicht ausgeräumt werden können, müssen die Institute eine Sicherheitsspanne bei der Schätzung der Risikoparameter einkalkulieren, die diese Abweichungen mit berücksichtigt.
4. Kriterien für eine Zurücksetzung des Ausfallstatus (Return to non-defaulted status)
Bevor eine Risikoposition wieder aus dem Ausfallstatus herausgenommen werden kann, müssen bestimmte Mindestanforderungen erfüllt sein:
Mindestbeobachtungsphase von 3 Monaten, während der kein Ausfallereignis eintreten darf.
Analyse von Verhalten und finanzieller Situation des Schuldners während dieser Phase.
Abschließende Einschätzung der Mindestbeobachtungsphase, ob eine Verbesserung der Kreditqualität tatsächlich eingetreten ist und diese dauerhaft ist, so dass eine Zurücksetzung des Ausfallstatus gerechtfertigt ist.
Bei krisenbedingten Restrukturierungen gilt eine Beobachtungsphase von mindestens 1 Jahr
5. Konsistente Ausfalldefinition (Consistency in the application of the definition of default)
Die Ausfalldefinition muss einheitlich innerhalb der eigenen Organisationstruktur angewendet werden. Dazu gehört insbesondere, dass der Ausfall eines Schuldners im Hinblick auf alle seine Positionen in allen relevanten IT-Systemen des Instituts, innerhalb der Gruppe und an verschiedenen geografischen Standorten einheitlich identifiziert wird. Stehen rechtliche Hindernisse einer einheitlichen Definition innerhalb der Gruppe entgegen (z.B. Verbraucherschutz oder Bankgeheimnis), müssen die Institute ihre jeweiligen Aufsichtsbehörden darüber informieren und die Erheblichkeit dieser Inkonsistenzen sowie ihre Auswirkungen auf die Risikoparameter schätzen. Ist eine einheitliche gruppenweite Identifizierung sehr aufwändig , weil z.B. eine zentrale Datenbank oder andere Mechanismen entwickelt werden müssen, dürfen die Institute nur dann darauf verzichten, wenn sie darlegen können, dass die Auswirkungen abweichender Definitionen nur geringfügig sind.
6. Anwendung der Ausfalldefinition im Mengengeschäft (Application of the definition of default for retail exposures)
Bei Risikopositionen aus dem Mengengeschäft dürfen Institute die Ausfalldefinition auf einzelne Kreditfazilitäten und nicht auf die gesamten Verbindlichkeiten des Kreditnehmers anwenden (Art 178 Abs. 1 CRR). Zur Klarstellung sehen die Leitlinien vor, dass Institute mit IRB-Ansatz die Kreditfazilitäten entsprechend der Risikopositionsklasse „Mengengeschäft“ in Übereinstimmung mit Art 147 (5) CRR bestimmen. Das Gleiche gilt auch für angekaufte Unternehmensforderungen, für die nach Art 153 Abs. 6 CRR die Regelungen aus dem Mengengeschäft angewendet werden dürfen.
Ob die Institute die Ausfalldefinition auf die gesamten Verbindlichkeiten des Kreditnehmers oder nur auf einzelne Kreditfazilitäten anwenden, müssen sie in Übereinstimmung mit ihrem internen Risikomanagement entscheiden. Allerdings sollen nach den Leitlinien vergleichbare Retailpositionen bzw. gleichartige Kundenkreise auch einheitlich behandelt werden.
Bei Anwendung der Ausfalldefinition auf der Ebene der einzelnen Kreditfazilitäten, gibt es keine automatische „Ansteckung“ zwischen den Forderungen gegenüber diesem Kreditnehmer. Soweit aber ein bedeutender Anteil der Gesamtforderungen ausfällt, können Institute erwägen, dies als Hinweis auf einen Ausfall oder eine erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeit eine Ausfallwahrscheinlichkeit definieren. In diesem Zusammenhang greifen die Leitlinien den Gedanken des sog. „pulling-effect“ auf, der bereits mit den ITS on forbearance and non-performing exposures eingeführt wurde. Überschreiten die ausgefallenen Positionen gegenüber einem Kreditnehmer eine bestimmte Schwelle, sollen gegenüber diesem Kreditnehmer alle (weiteren) Positionen als ausgefallen eingestuft werden. Die Leitlinien schlagen hierfür in Übereinstimmung mit dem ITS on forbearance eine Schwelle von 20% der ausstehenden Forderungen vor. Um die Ansteckungseffekte bei gemeinsamen Kreditverpflichtungen von mehreren Schuldnern zu regeln wird ebenfalls die Einführung einer (noch näher zu bestimmenden) Materialitätsschwelle vorgeschlagen.
Um sicherzustellen, dass die Ausfalldefinition richtig festgelegt und einheitlich angewendet wird, erwarten Aufseher von den Instituten eine detaillierte Dokumentation, die auch die Handhabung und Anwendung der Hinweise auf eine Ausfallwahrscheinlichkeit beinhaltet. Insbesondere sollen die Prozesse, Informationsquellen und Verantwortlichkeiten für die Identifizierung der einzelnen Ausfallhinweise beschrieben werden. Darüber hinaus sollen die Institute ein Verzeichnis aller aktuellen und vorherigen Versionen der Ausfalldefinitionen führen.
8. Internal Governance
Für Institute, die den IRB Ansatz nutzen, müssen die Ausfalldefinitionen durch das Leitungsorgan bzw. einem benannten Ausschuss und die Geschäftsleitung (vgl. Art 189 CRR) genehmigt werden. Die Interne Revision prüft regelmäßig die Funktionsweise und Effektivität der vom Institut verwendeten Prozesse zur Identifizierung des Schuldnerausfalls in Übereinstimmung mit Art 191 CRR.
Die in den Leitlinien vorgeschlagenen Änderungen betreffen sowohl Institute, die den KSA-Ansatz verwenden als auch Institute mit IRB-Ansatz. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass zumindest die IRB Institute in Deutschland mit aufsichtlich genehmigten Ratingverfahren die Anforderungen der Leitlinien eigentlich bereits weitgehend in den vorhandenen Prozessen integriert haben sollten. Für die KSA Institute könnte der Implementierungs- und Dokumentationsaufwand umfangreicher sein, um sicherzustellen, dass Ausfälle konsistent und rechtzeitig erkannt werden können.
Kategorien: Aktuelles, EBA Guidelines | Schlagworte: Deafult, IRB-Ansatz, KSA
am 02.7.2020
Modul 7: Offenlegung