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Timestamp: 2019-12-09 22:28:54
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Matched Legal Cases: ['BGH', '§227', '§22', 'BGH', 'BGH', '§ 227', '§211', '§227', 'BGH']

Mord oder Mordversuch? - CopZone
Mord oder Mordversuch?
Beitragvon Alex-eddp » Fr 27. Nov 2015, 18:29
Vorab folgendes Beispiel :
Bei einer KV mit Todesfolge war bis 2002 die Versuchsstrafbarkeit umstritten. Folgende Fallkonstellation hatte der BGH beurteilt :
Rechtsradikale wollten einen Farbigen zusammenschlagen. Unmittelbar vor ihm stehend holten die Täter aus, das Opfer wich aus und floh. Jener war schneller als seine Verfolger und wollte sich in einem Haus in Sicherheit bringen. Die Haustür war zugesperrt und in Angst schlug das Opfer die Scheibe ein, verletzte sich dabei jedoch so schwer, dass er verblutete.
Versuchte KV mit Todesfolge (§227 i.V.m §22 StGB)
-> Das Problem hier ist ja der Kausalzusammenhang zwischen den Faustschlägen und der Todesursache (also deren Vorhersehbarkeit) und der daraus resultierende tatbestandsspezifische Gefahrenzusammenhang.
Der BGH sah diese Punkte dennoch als zutreffend im Bezug auf die Kausalität.
Deshalb mein Beispiel:
"A" will unbedingt "B" mit tötungsvorsatz umbringen. Er besorgt sich eine Pistole und plant die Untat dahingehend, dass er "B" am darauffolgenden Tag nach der Arbeit abpassen will.
"A" wartet auf "B", läuft hinter ihm und drückt ab. Der Schuss verfehlt sein Ziel, "B" erkennt die Gefahr und flüchtet vor "A". Jener ist schneller als "A", stolpert aber plötzlich und fällt in eine zersprungene Flasche (bspw Flaschenhals) und verletzt sich dabei so schwer, dass er stirbt.
Auch hier ist eigentlich der Kausalzusammenhang im Bezug auf den abgegebenen Schuss und der Todesursache meiner Meinung nach das Problem.
Der Täter hat die Tat ja nicht vollendet, die Tat ist also im Versuch stecken geblieben. Es ist also ein fehlgeschlagener Versuch, von dem auch kein Rücktritt möglich ist.
Ist "A" jetzt wegen Mordes zu verurteilen, oder analog auf das eingangs erwähnte Beispiel bezogen wegen "Versuchtem Mordes mit Todesfolge"?
Ich weiß selber, dass das kurios und komisch klingt. Nun ist es aber ja für das Strafmaß nicht unerheblich, ob Versuch, oder vollendet.
Auch stell ich mir folgenden Ansatz vor -> "Versuchter Mord mit Todesfolge = Mord"
Habe ich dahingehend einen Denkfehler, oder sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht?
Ein Paar Hinweise wären klasse :-)
Re: Mord oder Mordversuch?
Beitragvon Diag » Fr 27. Nov 2015, 19:21
Folgt man der Entscheidung des BGH, dann hätten wir eine versuchte KV mit Todesfolge sowie einen versuchten Totschlag/Mord.
Selbst ein Mord mit Schusswaffe ist an sich ja eigentlich auch eine gefKV (mit Todesfolge).
Beitragvon Hessen78 » Fr 27. Nov 2015, 19:23
Alex-eddp hat geschrieben: Ein Paar Hinweise wären klasse :-)
Du wirfst hier ein paar Dinge munter durcheinander. Schau Dir doch mal den Unterschied zwischen Kausalität ("Conditio sine qua non") und der objektiven Zurechenbarkeit noch einmal an. Die Kausalität ist hier gar nicht das Problem!
Was für ein Tatbestand sollte ein "Mord mit Todesfolge" sein? Kann die Leiche wirklich sterben?
Was für eine Art von Delikt ist denn der § 227 StGB? Und wie sieht das Prüfungsschema für diese Art von Delikten grundsätzlich aus?
Beitragvon Dr.Sichel » Fr 27. Nov 2015, 20:17
Hier ist das sehr schön aufgeschlüsselt, ist allerdings auch keine ganz einfache Materie die du dir da ausgesucht hast ;)
Wie schon erwähnt gibt es den "versuchten Mord mit Todesfolge" so nicht, da der §211 StGB im §227 StGB nicht aufgeführt ist.
In einer Klausur wäre an Stelle der versuchten gef. KV mit Todesfolge bestimmte auch eine fahrlässige Tötung begründbar, wenn sich hier die Rechtsprechung des BGH geändert hat und nicht gefestigt ist.
Zuletzt geändert von Dr.Sichel am Fr 27. Nov 2015, 23:53, insgesamt 1-mal geändert.
Beitragvon Lone Soldier » Fr 27. Nov 2015, 22:45
Versuchter Mord mit Todesfolge ist Quatsch. Wenn die Kausalität und Zurechenbarkeit zu bejahen sind, ist es Mord/Totschlag. Hätten die Rechtsradikalen in deinem Beispiel Tötungsvorsatz gehabt, wären sie wegen vollendetem Totschlag/Mord zu verurteilen gewesen. KV mit Todesfolge heißt nichts anderes, als dass das Gericht den Tod des Opfers als fahrlässige Folge der Tathandlung, nicht als vorsätzlich herbeigeführt, eingeschätzt hat.
Insofern hast du die Wahl zwischen einem vollendeten Tötungsdelikt oder einem versuchten Tötungsdelikt. Knackpunkt ist die Zurechenbarkeit, damit solltest du dich nochmal intensiver befassen, wie die Rechtsprechung da aktuell aussieht. Seit 2002 sind dreizehn Jahre vergangen und da kann sich auch mal was ändern.