Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/kreditfinanzierter-immobilienfonds-und-der-haustuerwiderruf-39367
Timestamp: 2020-01-18 14:43:59
Document Index: 12567463

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Kre­dit­fi­nan­zier­ter Immo­bi­li­en­fonds und der Haus­tür­wi­der­ruf | Rechtslupe
Kre­dit­fi­nan­zier­ter Immo­bi­li­en­fonds und der Haus­tür­wi­der­ruf
Eine Wider­rufs­be­leh­rung, nach der die Wider­rufs­frist erst mit Ein­gang der vom Kre­dit­neh­mer unter­zeich­ne­ten Ver­trags­ur­kun­de bei der Bank zu lau­fen begin­nen soll, ver­mit­telt, wie der Bun­des­ge­richts­hof jetzt ent­schie­den hat, dem Kre­dit­neh­mer nicht mit hin­rei­chen­der Klar­heit die Kennt­nis über den Frist­be­ginn.
Es gibt kei­nen recht­li­chen Ober­satz des Inhalts, dass die Ver­mu­tung der Ursäch­lich­keit einer Haus­tür­si­tua­ti­on für den spä­te­ren Abschluss eines Dar­le­hens­ver­tra­ges ohne Rück­sicht auf die kon­kre­ten Umstän­de des Ein­zel­falls bei einer Zeit­span­ne von drei Wochen zwi­schen Haus­be­such und Ver­trags­schluss ent­fällt.
Der mit dem Wider­rufs­recht nach § 1 Abs. 1 HWiG bezweck­te Schutz des Ver­brau­chers erfor­dert eine umfas­sen­de, unmiss­ver­ständ­li­che und für den Ver­brau­cher ein­deu­ti­ge Beleh­rung (§ 2 Abs. 1 Satz 2 HWiG). Der Ver­brau­cher soll dadurch nicht nur von sei­nem Wider­rufs­recht Kennt­nis erlan­gen, son­dern auch in die Lage ver­setzt wer­den, sein Wider­rufs­recht aus­zu­üben. Er ist des­halb auch über den Beginn der Wider­rufs­frist ein­deu­tig zu infor­mie­ren 1. Nach die­sen Maß­stä­ben ist die zitier­te, den Klä­gern erteil­te Wider­rufs­be­leh­rung unwirk­sam. Der ver­stän­di­ge Kun­de, auf des­sen Sicht­wei­se es für die Aus­le­gung der Beleh­rung ankommt 2, kann den Beginn der Wider­rufs­frist anhand der Beleh­rung nicht ermit­teln. Denn nach die­ser Beleh­rung beginnt die Frist ent­ge­gen § 2 Abs. 1 Satz 2 HWiG nicht mit Aus­hän­di­gung der Beleh­rung, son­dern erst dann, wenn die unter­schrie­be­ne Aus­fer­ti­gung des Dar­le­hens­ver­tra­ges der Beklag­ten zuge­gan­gen ist. Wann dies der Fall ist, ent­zieht sich der Kennt­nis des Dar­le­hens­neh­mers, der über inter­ne Abläu­fe bei der Kre­dit­ge­be­rin nicht infor­miert ist.
Ein Wider­rufs­recht im Sin­ne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 HWiG setzt vor­aus, dass der Kun­de durch münd­li­che Ver­hand­lun­gen im Bereich einer Pri­vat­woh­nung zu sei­ner spä­te­ren Ver­trags­er­klä­rung bestimmt wor­den ist. Dabei genügt eine Haus­tür­si­tua­ti­on bei der Ver­trags­an­bah­nung, die für den spä­te­ren Ver­trags­schluss ursäch­lich ist. Ein enger zeit­li­cher Zusam­men­hang zwi­schen der münd­li­chen Ver­hand­lung gemäß § 1 Abs. 1 HWiG und der Ver­trags­er­klä­rung ist nicht gefor­dert, indi­ziert aber die Ursäch­lich­keit der Haus­tür­si­tua­ti­on für den spä­te­ren Ver­trags­schluss. Die Indi­zwir­kung für die Kau­sa­li­tät nimmt aller­dings mit zuneh­men­dem zeit­li­chen Abstand ab und kann nach einer gewis­sen Zeit ganz ent­fal­len 3. Ob sich der Dar­le­hens­neh­mer auch bei einem grö­ße­ren zeit­li­chen Abstand zwi­schen der münd­li­chen Ver­hand­lung und dem Ver­trags­schluss durch einen Ver­stoß gegen § 1 HWiG in einer Lage befin­det, in der er in sei­ner Ent­schei­dungs­frei­heit beein­träch­tigt ist 4, ist eine Fra­ge der Wür­di­gung des Ein­zel­falls 5. Wel­cher Zeit­raum hier­für erfor­der­lich ist und wel­che Bedeu­tung mög­li­cher­wei­se auch ande­ren Umstän­den im Rah­men der Kau­sa­li­täts­prü­fung zukommt, ist Sache der tatrich­ter­li­chen Wür­di­gung, die in der Revi­si­ons­in­stanz grund­sätz­lich nur beschränkt über­prüft wer­den kann (BGH, Urtei­le vom 9. Mai 2006 – XI ZR 119/​05, WM 2006, 1243, Tz. 14, vom 10. Juli 2007 – XI ZR 243/​05, WM 2007, 1831, Tz. 11, vom 18. Dezem­ber 2007 – XI ZR 76/​06, WM 2008, 292, Tz. 20 und vom 18. Novem­ber 2008 – XI ZR 157/​07, Tz. 22 m.w.N.)).
Gemes­sen an die­sen Grund­sät­zen sind die Aus­füh­run­gen des in der Beru­fungs­in­stanz täti­gen OLG Karls­ru­he nach Auf­fas­sung des BGH jedoch rechts­feh­ler­haft, da es eine Wür­di­gung der kon­kre­ten Ein­zel­fall­um­stän­de unter­las­sen und damit wesent­li­chen Sach­ver­halt außer Acht gelas­sen hat. Das Beru­fungs­ge­richt ist, so der BGH, von dem fal­schen Ober­satz aus­ge­gan­gen, bei einem Abstand von drei Wochen zwi­schen dem ers­ten Haus­be­such und dem Abschluss des Dar­le­hens­ver­tra­ges kön­ne ohne Hin­zu­tre­ten wei­te­rer Umstän­de nicht mehr von einer Indi­zwir­kung für die Kau­sa­li­tät der Haus­tür­si­tua­ti­on aus­ge­gan­gen wer­den. Ent­ge­gen der Ansicht des OLG Karls­ru­he hat der BGH jedoch den Rechts­satz, dass die Indi­zwir­kung für die Kau­sa­li­tät bei einem Abstand von drei Wochen zwi­schen Haus­be­such und Ver­trags­schluss ohne wei­te­re Umstän­de gene­rell ent­fällt, nicht auf­ge­stellt. Der BGH hat ledig­lich Beru­fungs­ur­tei­le, in denen bei einem Abstand von drei Wochen und wei­ter hin­zu­tre­ten­den kon­kre­ten Umstän­den auf­grund einer Ein­zel­fall­wür­di­gung die Kau­sa­li­tät ver­neint wor­den ist, recht­lich nicht bean­stan­det, so bei­spiels­wei­se, wenn zwi­schen der Haus­tür­si­tua­ti­on und dem Abschluss des Dar­le­hens­ver­tra­ges eine nota­ri­el­le Beur­kun­dung des Treu­hand­an­ge­bo­tes erfolgt ist 6. Kon­kre­te Umstän­de, die dafür spre­chen, dass die Indi­zwir­kung der Ursäch­lich­keit der Haus­tür­si­tua­ti­on für den spä­te­ren Ver­trags­schluss ent­fällt, hat das OLG Karls­ru­he im jetzt vom BGH ent­schie­de­nen Fall jedoch nicht fest­ge­stellt. Auf die nota­ri­el­le Beglau­bi­gung des Fonds­bei­tritts kann dabei nach Auf­fas­sung des BGH inso­weit nicht abge­stellt wer­den, da die­se nach der Unter­zeich­nung des Dar­le­hens­ver­tra­ges durch die Klä­ger erfolg­te.
BGH, Urteil vom 13. Janu­ar 2009 – XI ZR 118/​08, WM 2009, 350, Tz. 14 m.w.N.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 13. Janu­ar 2009 – XI ZR 118/​08, WM 2009, 350, Tz. 16[↩]
BGHZ 131, 385, 392; BGH, Urtei­le vom 9. Mai 2006 – XI ZR 119/​05, WM 2006, 1243, Tz. 14 und vom 18. Novem­ber 2008 – XI ZR 157/​07, Tz. 22 m.w.N.[↩]
BGHZ 123, 380, 393 m.w.N.[↩]
st. Rspr. u.a. BGH, Urtei­le vom 13. Juni 2006 – XI ZR 94/​05, WM 2006, 1995, Tz. 15 und vom 18. Novem­ber 2008 – XI ZR 157/​07, Tz. 22 m.w.N.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 13. Juni 2006 – XI ZR 94/​05, WM 2006, 1995, Tz. 15[↩]
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