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Timestamp: 2019-12-12 12:00:25
Document Index: 56384753

Matched Legal Cases: ['§ 1', 'Art. 53', 'Art. 140', 'Art. 123', 'Art. 109', 'Art. 1', 'Art. 17', 'Art. 52', 'Art. 56', 'Art. 53', 'Art. 25', 'Art. 48', 'Art. 19', 'Art. 1', 'Art. 79', 'Art. 140', 'Art. 136', 'Art. 137', 'Art. 138', 'Art. 139', 'Art. 141', 'Art 138', 'Art. 38', 'Art. 63', 'Art. 65', 'Art. 67', 'Art. 54', 'Art. 14', 'Art. 20', 'Art. 58', 'Art. 82', 'Art. 79', 'Art. 1', 'Art. 20', 'Art. 79', 'Art. 15', 'Art. 19']

WEIMARER VERFASSUNG - Information
Weimarer Verfassung Information
Nach dem Ort ihrer Verabschiedung wird das Deutsche Reich für die Dauer seiner demokratischen Periode von 1919 bis 1933 als Weimarer Republik bezeichnet. Der 11. August nahm in den Folgejahren den Charakter eines Nationalfeiertags an, wenngleich er diesen Status nie offiziell erhielt. [1]
Am 16. April 1871 trat die Bismarcksche Reichsverfassung als Verfassung des neu gegründeten Deutschen Reiches in Kraft. Sie ging aus der Verfassung des Norddeutschen Bundes von 1867 hervor, die zunächst am 1. Januar 1871 durch eine Verfassung des Deutschen Bundes gleichen Inhaltes ersetzt wurde. Die von Otto von Bismarck geprägte Verfassung besaß keinen Grundrechtsteil, sondern beschränkte sich auf Bestimmungen für die Zuständigkeiten der einzelnen staatlichen Organe. Sie sah außerdem weiterhin die damals in Europa übliche konstitutionelle Monarchie als Staatsform vor. [2]
Gedenktafel am Deutschen Nationaltheater Weimar, gestaltet von Walter Gropius 1921 [3]
Die Weimarer Verfassung galt auch nach der Machtergreifung der NSDAP am 30. Januar 1933 formell fort. Sie wurde jedoch durch verfassungsdurchbrechende Gesetze weitgehend außer Kraft gesetzt, [4] zunächst durch die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat, besser bekannt als „Reichstagsbrandverordnung“ vom 28. Februar 1933. Die Verordnung annullierte die 81 Mandate der Kommunistischen Partei Deutschlands und machte den Weg frei für die notwendige Zweidrittelmehrheit zur Verfassungsänderung, die das Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich („Ermächtigungsgesetz“) ermöglichten. Das zunächst auf vier Jahre befristete Gesetz wurde am 23. März 1933 verabschiedet und später mehrmals verlängert. Den Schlussstrich zog das von der Reichsregierung Hitler am 1. August 1934 erlassene Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches, [5] dessen § 1 „das Amt des Reichspräsidenten […] mit dem des Reichskanzlers“ vereinigte und festhielt, dass mit dem Ableben Paul von Hindenburgs alle „bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler“ übergehen. Mit diesem Gesetz hat Hitler sich der Instanz des Reichspräsidenten mit Hindenburgs Tod am 2. August 1934 entledigt, die ihn gem. Art. 53 WRV hätte stürzen und damit die Rückkehr zur WRV herbeiführen können. [6] Die Vereinigung beider Ämter haben in einer Volksabstimmung über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs am 19. August 1934 fast 90 % der Abstimmenden bejaht.
Führende Kommentatoren der NS-Zeit haben bereits 1933 die Weimarer Verfassung als außer Kraft gesetzt betrachtet und das Ermächtigungsgesetz als „Vorläufiges Verfassungsgesetz des neuen Deutschlands“ bezeichnet. Den Übergang der verfassungsgebenden Gewalt auf die Reichsregierung (und damit die Beseitigung dessen Vorbehaltes, dass Reichsrat und Reichstag unangetastet bleiben) regelte dann Artikel 4 des Gesetzes über den Neuaufbau des Reichs vom 30. Januar 1934. Nach dieser Betrachtungsweise ist die Weimarer Verfassung gegenstandslos geworden. [7]
Durch das Grundgesetz wurde die WRV nicht explizit aufgehoben. Gem. Art. 140 GG sind jedoch nur die Bestimmungen zu Religion und Religionsgesellschaften der Artikel 136, 137, 138, 139 und 141 der Weimarer Verfassung vom 11. August 1919 Bestandteil des Grundgesetzes. Dazu der ehemalige Verfassungsrichter Udo Di Fabio: „Formell und ausdrücklich wurde die Verfassung nie außer Kraft gesetzt, weder durch die Naziherrschaft noch durch alliiertes Besatzungsrecht. Mit dem Inkrafttreten des Grundgesetzes, das eine vollgültige Verfassung ist, muss aber nach allgemeinen Prinzipien der Verfassungsablösung durch neue Verfassungsgebung (siehe Artikel 146 GG) hier vom spätesten Zeitpunkt eines auch formellen Außerkrafttretens der Weimarer Verfassung ausgegangen werden.“ [8]
Gem. Art. 123 Abs. 1 GG gilt außerdem Art. 109 Abs. 3 Satz 2 WRV bezüglich der namensrechtlichen Behandlung von Adelsbezeichnungen als einfaches Bundesrecht fort. Danach gelten Adelsbezeichnungen „nur als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden.“ [9] [10]
Umfasste die ausschließliche Gesetzgebung noch Bereiche, die traditionell dem Reiche oblagen ( Staatsverträge und Kolonialwesen, Staatsangehörigkeit, Freizügigkeit im Reichsgebiet, Ein- und Auswanderung, Auslieferung, Wehrrecht, Münzwesen, Zollrecht einschließlich die Einheit des Zoll- und Handelsgebietes und der Freizügigkeit des Warenverkehrs, Post- und Fernmeldewesen), ging die konkurrierende Gesetzgebung weit über das Gewohnte hinaus. Neben den tradierten Gegenständen des Reichsrechts (Justizpolitik: Bürgerliches Recht, Handelsrecht, Strafrecht, Prozessrecht und Strafvollstreckungsrecht; Innenpolitik: Passrecht, Fremdenpolizei, Press-, Vereins-, Versammlungswesen; Sozial- und Arbeitspolitik: Arbeitsrecht, Sozialversicherungen, Einrichtung beruflicher Vertretungen für das Reichsgebiet; Verkehrspolitik: Seeschifffahrt, Eisenbahn, Binnenschifffahrt, Fahrzeugverkehr zu Lande, im Wasser und in der Luft; Wirtschaftspolitik: Versicherungswesen, Bankwesen, Börsenwesen, Gewerberecht, Vergesellschaftung, Enteignungsrecht, Handel, das Maß- und Gewichtswesen, die Ausgabe von Papiergeld) waren Gesetzgebungskompetenzen bezüglich des Armenwesens, der Wandererfürsorge, der Fürsorge für die Kriegsteilnehmer und ihre Hinterbliebenen, Einrichtung beruflicher Vertretungen für das Reichsgebiet, Straßenbau, Bergbau, Gesundheitswesen, Veterinärwesen, Verkehr mit Nahrungs- und Genussmitteln, Küstenfischerei, Pflanzenschutz, Theater- und Lichtspielwesen und insbesondere über das Abgabenrecht (Steuern und Beiträge) einschließlich des dazugehörenden Verfahrensrechts neu. Politisch bedeutete diese Zuständigkeit des Reichs für die Länder, dass das Reich nicht mehr ihr „Kostgänger“ war, sondern es nunmehr die Möglichkeit hatte, die eigenen Einnahmen festzulegen. Es konnte sogar diejenigen Steuern bestimmen, welche den Ländern zuflossen. Das Reich hatte dabei lediglich auf die Lebensfähigkeit der Länder Rücksicht zu nehmen. Machtpolitisch bedeutend konnte auch die Bedürfnisgesetzgebung über das Ordnungs- und Polizeirecht sein, von dem das Reich allerdings keinen Gebrauch machte. Daher blieb das Länderpolizeirecht bestehen. Selbst in traditionellen Länderangelegenheiten wie der Schul- und Hochschulpolitik konnte das Reich Rahmengesetze erlassen. Die Rahmengesetzgebung erstreckte sich auch auf die Rechte und Pflichten der Religionsgesellschaften, das wissenschaftliche Büchereiwesen, das Recht der Beamten der Länder und sonstigen Körperschaften, das Bodenrecht, die Bodenverteilung, das Ansiedlungs- und Heimstättenwesen, die Bindung des Grundbesitzes, das Wohnungswesen, die Bevölkerungsverteilung und das Bestattungswesen.
Das Deutsche Reich hatte nach der Weimarer Reichsverfassung den Reichstag, den Reichspräsidenten, die Reichsregierung, den Reichsrat und den Staatsgerichtshof als Staatsorgane. Das Reich handelte durch seine Staatsorgane. Durch Artikel 1 der Verfassung wurde die neue Staatsform einer Republik konstituiert. Die Wahl von Reichstag und Reichspräsident durch das Deutsche Volk, die Möglichkeit des Volkes, über Volksentscheid und Volksbegehren auf die Gesetzgebung einzuwirken, bildete die vom Volk ausgehende Staatsgewalt in Form einer gemischt repräsentativ- plebiszitären Demokratie ( Volkssouveränität). Auch das betonte Art. 1 WRV noch einmal. Jedes Land, das Bestandteil des Deutschen Reichs ist, muss eine freistaatliche Verfassung haben, und seine Volksvertretung muss in einer allgemeinen, gleichen, unmittelbaren und geheimen Verhältniswahl von Männern und Frauen bestimmt werden (Art. 17 WRV); damit wurde gesichert, dass die innere Grundstruktur von Reich und Ländern gleich ist.
Die Reichsregierung bestand aus dem Reichskanzler und den von diesem vorgeschlagenen Reichsministern, die wie auch der Kanzler selbst vom Reichspräsidenten ernannt (Art. 52 und 53) und nicht vom Reichstag gewählt wurden. Die Reichsregierung bildete ein echtes Kollegialorgan, innerhalb dessen jeder Reichsminister innerhalb seines Sachgebiets selbständig entschied ( Ressortprinzip). Nach Art. 56 Abs. 2 leitete jeder Reichsminister den ihm anvertrauten Geschäftszweig selbständig und unter eigener Verantwortung gegenüber dem Reichstag. Die Reichsminister hatten der Reichsregierung alle Gesetzentwürfe, ferner Angelegenheiten, für welche Verfassung oder Gesetz dieses vorschreiben, sowie Meinungsverschiedenheiten über Fragen, die den Geschäftsbereich mehrerer Reichsminister berührten, zur Beratung und Beschlussfassung zu unterbreiten.
Im dritten Abschnitt werden Glaubensfreiheit und Gewissensfreiheit garantiert. [11] Auf eine Staatskirche wird verzichtet; damit war das bis dahin noch geltende „ landesherrliche Kirchenregiment“ abgeschafft, nach dem der Landesherr Träger der Regierungsgewalt in der evangelischen Landeskirche war. In Artikel 138 wird der Verfassungsauftrag erteilt, die Staatsleistungen an die Kirchen abzulösen.
– Friedrich Stahl [12]
Viele der „Konstruktionsfehler“ müssen jedoch kritisch diskutiert werden und die innen- wie außenpolitischen und gesellschaftlichen Umstände, unter denen die Verfassung entstand, berücksichtigt werden. Des Weiteren muss der Umstand Beachtung finden, dass der Parlamentarische Rat von 1949 aus den Fehlern der Weimarer Verfassung lernen konnte, die Verfasser der Weimar Verfassung um den Berliner Staatsrechtler und Kommunalpolitiker Hugo Preuß aber bis auf den Versuch der Paulskirche kein vergleichbares Vorbild hatten. Außerdem muss man beachten, dass eine Verfassung nur einen Rahmen abzugeben vermag, der durch konkrete Politik auszufüllen ist, aber auch unausgefüllt bleiben kann. [13]
Schon während der Verfassungsverhandlungen entbrannten heftige Auseinandersetzungen über die Stellung des Reichspräsidenten. Unter anderem Max Weber plädierte für einen starken, vom Parlament unabhängigen und vom Staatsvolk direkt gewählten Reichspräsidenten. Die Ausschussmehrheit entschied sich für einen starken Reichspräsidenten vor allem aus Misstrauen gegenüber dem parteipolitisch gespaltenen Parlament. [14] [15] Sie wollten diesem einen vom Volk legitimierten politischen Führer als Verkörperung des ganzen Staates gegenüberstellen, der zur Not auch ohne das Parlament handeln kann. Der Reichspräsident war folglich mit umfassenden Befugnissen ausgestattet worden: er konnte den Reichskanzler berufen oder entlassen (Art. 53), er konnte den Reichstag auflösen (Art. 25), er hatte die sogenannte Diktaturgewalt inne, das heißt, er hatte das Recht zur Reichsexekution, zum Einsatz der Reichswehr und zum Erlass von Notverordnungen „zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ (Art. 48). Aus dieser Machtfülle leitet sich auch die heutige Kritik am Amt des Reichspräsidenten ab. Er konnte die Republik in sogenannten Notfällen in eine Art Diktatur mit sich selbst an der Spitze umwandeln. Das Gefährliche war außerdem, dass das Parlament so aus seiner politischen Verantwortung flüchten konnte. [16]
Problematisch war auch z. B. die Praxis, so genannte „ verfassungsdurchbrechende“ Reichsgesetze zu beschließen. Dabei durften Gesetze der Verfassung widersprechen, wenn sie von einer Zweidrittelmehrheit unterstützt wurden. Die vier Ermächtigungsgesetze gehören zu dieser Entwicklung. Das Grundgesetz schreibt daher vor, dass eine Verfassungsänderung in einer expliziten Änderung des Verfassungstextes bestehen muss. Die Praxis ist jedoch abermals nicht so sehr der Verfassung anzulasten, sondern der Politik.
Der Verfassungstag am 11. August war von 1921 bis 1932 Nationalfeiertag der Weimarer Republik. Reichspräsident Ebert hatte die Verfassung an seinem Urlaubsort am Esstisch unterzeichnet; eine große, feierliche Zeremonie für die Unterzeichnung wäre seinem Charakter fremd gewesen. Dennoch ordnete die Regierung Wirth am 11. August 1921 an, den Verfassungstag erstmals zu feiern und die Gebäude aller Reichsbehörden entsprechend zu beflaggen. Die in der Folge unter der Regie von Reichskunstwart Edwin Redslob immer aufwendiger gestalteten Verfassungstage in Berlin zogen viele Besucher an [1] und wurden noch am 11. August 1932 abgehalten. Erst die Nationalsozialisten schafften den Brauch ab.
Die Intensität der Feiern wich dabei jedoch im Reich regional teils erheblich voneinander ab. In Hessen, Baden und Preußen war der 11. August offizieller Feiertag, in anderen Orten feierten die Angestellten der Reichsbehörden alleine, während die jeweiligen Landesbehörden den Tag ignorierten. [17] Eine bedeutende Rolle bei der Gestaltung der Feierlichkeiten kam dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold zu, bei welchem der 11. August fester Bestandteil des eigenen Festkalenders war. [18]
Das Deutsche Kaiserreich war nach der Bismarckschen Reichsverfassung vom 16. April 1871 eine konstitutionelle Monarchie. Das Staatsoberhaupt war der Kaiser, der zugleich preußischer König war. Er hatte die exekutive Gewalt inne: Er ernannte den Reichskanzler, der als einzelner Ministerrang hatte (Chef der Reichsleitung [19]), war Oberbefehlshaber des Heeres und bestimmte über die Beamten (Staatssekretäre). Der Deutsche Kaiser berief den Reichstag und Bundesrat („Bundesrath“) ein. Er hatte das Recht, mit Zustimmung des Bundesrates den Reichstag aufzulösen oder anderen Staaten den Krieg zu erklären. Auch wenn der Kaiser die Gesetzgebung stark beeinflussen konnte und jeder Verantwortung gegenüber anderen Staatsorganen enthoben war, bedurften alle Reichsgesetze der ausdrücklichen Zustimmung des Bundesrates. Der Bundesrat erließ nicht nur Verwaltungsvorschriften, sondern war vollwertige Parlamentskammer. Es gab zunächst keinen Kontrollmechanismus, der innerhalb der Grenzen seiner Befugnisse Missbrauch seitens des Kaisers verhindern oder ihn einschränken konnte. Erst kurz vor seiner Abdankung räumte Wilhelm II. nach starkem innenpolitischen Druck mit dem Gesetz zur Abänderung der Reichsverfassung vom 28. Oktober 1918 [20] dem Reichstag weiterreichende Kompetenzen ein und entsprach damit den Forderungen nach mehr parlamentarischer Kontrolle.
Die Bismarcksche Verfassung diente als Kompromiss zwischen konservativer Monarchie und bürgerlicher Gesellschaft nach der Reichsgründung im Januar 1871 vor allem der Staatsorganisation und trug zum Zusammenwachsen des Bundesgebiets mit einheitlichem Indigenat aller „Unterthanen“ in allen Bundesstaaten bei. [21]
Als der Parlamentarische Rat zwischen dem 1. September 1948 und dem 23. Mai 1949 in Bonn das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (GG) ausarbeitete, orientierte er sich an der Weimarer Verfassung. Man lernte sozusagen aus ihren Fehlern und der legalen Machtergreifung in der Zeit des Nationalsozialismus. Das Grundgesetz ähnelt der Weimarer Verfassung in vielen Punkten, enthält aber auch große Unterschiede. So spielt der Bundespräsident nicht die herausragende Rolle wie der Reichspräsident. Insgesamt wurde die Gewaltenteilung neu austariert mit dem Bundesverfassungsgericht als Hüter der Verfassung. [22] [23]
Darüber hinaus dürfen die Grundrechte in ihrem Wesensgehalt nicht angetastet werden ( Art. 19 Abs. 2 GG). Der verfassungsändernde Gesetzgeber darf die Grundrechtsartikel des Grundgesetzes abändern, nur sind die in den Art. 1 und 20 GG niedergelegten Grundsätze unantastbar ( Art. 79 Abs. 3 GG).
Art. 140 GG bestimmt, dass die Art. 136, Art. 137, Art. 138, Art. 139 und Art. 141 der Weimarer Verfassung Bestandteile des Grundgesetzes sind. Sie werden auch als „Religionsartikel“ oder „inkorporierte Artikel der Weimarer Reichsverfassung“ [24] bezeichnet und bilden den Kern des geltenden Staatskirchenrechts. Die Ablösung von Staatsleistungen gem. Art 138 (1) durch die Landesgesetzgebung, für die der Bund die Grundsätze aufstellt, wurde bis heute nicht verwirklicht.
Im Gegensatz zur Weimarer Republik ist die Bundesrepublik Deutschland keine Präsidial-, sondern eine parlamentarische Demokratie. [25] Der Deutsche Bundestag wird direkt vom Volk gewählt ( Art. 38 Abs. 1 GG) und wählt wiederum den Bundeskanzler ( Art. 63 GG). Dieser bestimmt die Richtlinien der Politik und ist dem Parlament verantwortlich ( Art. 65, Art. 67 GG). Der Bundespräsident wird von der Bundesversammlung gewählt ( Art. 54 Abs. 1 Satz 1 GG). Seine Aufgaben im politischen System der Bundesrepublik Deutschland liegen jenseits der Tagespolitik.
In der Weimarer Reichsverfassung standen die Grundrechte nicht am Anfang des Textes, anders als im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland von 1949. Bei den sozialen Grundrechten ist das Grundgesetz allerdings zurückhaltender als die Weimarer Verfassung. Während die Weimarer Verfassung in ihrem fünften Abschnitt zum Teil detailliert soziale Rechte festschreibt, übernahm das Grundgesetz im Wesentlichen nur den Satz, dass Eigentum verpflichte ( Art. 14 Abs. 2 Satz 1 GG) und definiert die Bundesrepublik bewusst zurückhaltend als „sozialen Bundesstaat“ ( Art. 20 Abs. 1 GG).
Die Macht des Bundespräsidenten wurde vom Grundgesetz zugunsten des Bundeskanzlers und der Regierung stark eingeschränkt. Anordnungen und Verfügungen des Bundespräsidenten bedürfen zu ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung durch den Bundeskanzler oder den zuständigen Bundesminister ( Art. 58 Abs. 1 GG). Heute hat der deutsche Bundespräsident vor allem eine repräsentative Funktion. Mit der Gegenzeichnung, Ausfertigung und Verkündung von Gesetzen bestätigt er bereits vom Parlament getroffene Entscheidungen ( Art. 82 Abs. 1 GG). [26]
Die Stellung der Regierung wurde gestärkt. Sie ist nur vom Vertrauen des Deutschen Bundestags abhängig und nicht wie früher vom Reichstag und dem Reichspräsidenten. Der Bundestag kann einen Kanzler nur dadurch absetzen, dass er gleichzeitig einen neuen wählt ( konstruktives Misstrauensvotum). Dieses Verfahren sorgt für mehr Stabilität, da sich in der Weimarer Zeit politische Gruppierungen zu einer Abwahl des Kanzlers vereinen konnten, ohne jedoch einen eigenen Kandidaten vorschlagen zu müssen. In der Weimarer Republik konnte man auch den Reichsministern das Vertrauen entziehen.
Verfassungsänderungen müssen – anders als in Weimarer Zeit – jetzt explizit sein. Verfassungsdurchbrechende Gesetze, die mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit zustande kommen, ändern nicht die Verfassung, notwendig ist eine Verfassungstextänderung. Art. 79 Abs. 3 GG besagt ferner, dass die in Art. 1 und Art. 20 niedergelegten Grundsätze sowie die Bundesstaatlichkeit nicht berührt werden dürfen. Bundesländer können zwar (nach Volksabstimmungen) in ihrem Gebietsumfang oder in ihrer Zahl verändert werden, jedoch ist eine Abschaffung nicht möglich. Die im Artikel 20 GG festgeschriebene Gewaltenteilung kann nicht außer Kraft gesetzt werden. Die „ Ewigkeitsklausel“ des Art. 79 Abs. 3 GG bindet die pouvoir constitué (verfasste Gewalt = Staatsgewalt). Ob sie auch die pouvoir constituant (verfassungsgebende Gewalt) bindet, ist umstritten.
Der Verfassungsausschuss des Deutschen Volksrats erstellte bis Oktober 1948 den Entwurf für eine "Verfassung der deutschen demokratischen Republik", der als eine Synthese der bürgerlich-demokratischen Weimarer Verfassung, dem SED-Verfassungsentwurf vom November 1946 mit Gewalteneinheit und Wirtschaftsplanung sowie den fünf Landesverfassungen der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) angesehen werden kann. [27]
In der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik von 1949 finden sich in 80 von 144 Artikeln Ähnlichkeiten mit der WRV, [28] deren sozialstaatliche Elemente sie durch ein allgemeines Bekenntnis zu sozialer Gerechtigkeit und gesellschaftlichem Fortschritt (Präambel), durch eine stärkere Ausgestaltung der sozialen Grundrechte (Art. 15–18) und detaillierte Regelungen über die Wirtschaftsordnung (Art. 19–29) fortentwickelte. [29] Die DDR war ein demokratischer, parlamentarischer und föderaler Rechtsstaat, was die tatsächlichen Machtverhältnisse im SED-Regime jedoch nicht widerspiegelte. [30]
Die zweite Verfassung von 1968 war sozialistisch und verankerte die führende Rolle der SED. [31] Aus der Verfassung von 1974 verschwand der Bezug zur deutschen Nation. Stattdessen war die DDR nun „für immer und unwiderruflich mit der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken verbündet“. [32]
Milan Kuhli: Zur Verfassung von Weimar – eine Einführung. In: Juristische Ausbildung (JURA) 2009, S. 321–329
Lars Clausen: Drei soziologische Anläufe in der Verfassungskrise: Tönnies – Weber – Schelsky. In: Uwe Carstens u. a. (Hrsg.): Verfassung, Verfasstheit, Konstitution, Books on Demand, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-4858-2, S. 23–39
Werner Frotscher: Direkte Demokratie in der Weimarer Verfassung. In: Deutsches Verwaltungsblatt (DVBl.) 1989, S. 541–549
Christoph Gusy: Die Entstehung der Weimarer Reichsverfassung. In: Juristenzeitung (JZ) 1994, S. 753–763
Christoph Gusy: Das Demokratieprinzip der Weimarer Reichsverfassung. In: Juristische Ausbildung (Jura) 1995, S. 226–234
Christoph Gusy: Vom Deutschen Reich zur Weimarer Republik. In: Juristenzeitung (JZ) 15–16/1999, S. 758
Felix Hammer: Die Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919 – die Weimarer Reichsverfassung. In: Juristische Ausbildung (Jura) 2000, S. 57–63
Hans Mommsen: Ist die Weimarer Republik an Fehlkonstruktionen der Reichsverfassung gescheitert? In: Detlef Lehnert, Christoph Müller (Hrsg.): Vom Untertanenverband zur Bürgergenossenschaft. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2003, ISBN 3-8329-0067-5
Johannes Rux: Direkte Demokratie in der Weimarer Republik. In: Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft (KritV) 2002, S. 273–297
Reinhard Mußgnug: 90 Jahre Weimarer Reichsverfassung – Zum 11. August 2009. (PDF) In: Zeitschrift für das Juristische Studium, 2009, S. 346
↑ a b Manuela Achilles: With a Passion for Reason: Celebrating the Constitution in Weimar Germany . In: Central European History . Band 43, Nr. 4, Dezember 2010, S. 666–689, doi: 10.1017/s0008938910000750.
↑ Reinhard Mußgnug: 90 Jahre Weimarer Reichsverfassung ─ Zum 11. August 2009. (PDF) In: Zeitschrift für das Juristische Studium, 2009, S. 346–358
↑ Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik, Oldenbourg, München 1984, S. 19 ( Ausschnitt ( Memento vom 19. September 2011 im Internet Archive)).
↑ Hans Boldt: Die Weimarer Reichsverfassung. In: Karl-Dietrich Bracher, Manfred Funke und Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.): Die Weimarer Republik 1918–1933. Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Droste Verlag, Düsseldorf 1987, S. 61 f. ( Ausschnitt ( Memento vom 6. September 2011 im Internet Archive)).
↑ Der Begriff „ Reichsregierung“ wurde von Bismarck bewusst gemieden, um auf die Souveränität der Bundesglieder Rücksicht zu nehmen.
↑ Stärken und Schwächen der Weimarer Reichsverfassung. Eine Gegenüberstellung (PDF) Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, Ausarbeitung vom 22. Juni 2012
↑ Fragen zur DDR-Verfassung im Vergleich mit dem Grundgesetz (PDF) Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, Ausarbeitung vom 29. April 2009, S. 4
↑ DDR/Verfassung: Glückliches Leben . In: Der Spiegel . Nr. 6, 1968 ( online).
↑ Winfried Sträter: Vor 50 Jahren: Erst die zweite Verfassung der DDR war sozialistisch. Deutschlandfunk, 9. April 2018
Normdaten (Werk): GND: 4149364-3 ( OGND, AKS) | LCCN: no90012188 | VIAF: 213095936 | | Anmerkung: Ansetzungsform GND: Verfassung, 1919.
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