Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=5%20StR%20225/53
Timestamp: 2018-01-23 07:57:19
Document Index: 367792985

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 4', '§ 59', 'BGH', '§ 54', '§ 17', 'BGH', 'BGH', '§ 54', '§ 17', 'BGH', '§ 54', '§ 17', 'BGH', '§ 54', 'BGH', '§ 54', '§ 17', 'BGH', 'BGH', '§ 17', 'BGH', '§ 6', 'BGH', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 46', '§ 823', 'BGH', '§ 1', '§ 6', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 24.09.1953 - 5 StR 225/53 - dejure.org
Entscheidung des Reichsaufsichtsamts über die Beurteilung einer Unternehmung als Kreditinstitut - Wirtschaftliche Art und Bedeutung von Geschäften für ihre Zuordnung zum Aufgabenbereich eines Kreditinstituts - Irrtum über Tatumstände bei normativen Tatbestandsmerkmalen - Zwecksparunternehmung als Erwerbsgeschäft - Verjährung eines Vergehens nach § 4 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) - Zulässigkeit von Zwecksparunternehmungen
Zur Parallewertung in der Laiensphäre (hier: Verstoß gegen Kreditwesengesetz); §§ 59 StGB; 1, 3 Abs. 1, 46 KWG
BGHSt 4, 347
NJW 1953, 1680
bb) Hält der Täter des § 54 KWG seine Geschäfte für rechtlich zulässig und nicht erlaubnispflichtig, so stellt dies aus strafrechtlicher Sicht einen Verbotsirrtum (§ 17 StGB) dar (Senat…, Urteil vom 15. Mai 2012 - VI ZR 166/11, NJW 2012, 3177 Rn. 23 mN; BGH, Urteil vom 24. September 1953 - 5 StR 225/53, BGHSt 4, 347, 352 f.;… Schröder, Handbuch Kapitalmarktstrafrecht, 3. Aufl., Rn. 966 f.;… Knierim, in: Wabnitz/Janovsky, Handbuch des Wirtschafts- und Steuerstrafrechts 4. Aufl., Kap. 10 Rn. 278; aA OLG Oldenburg…, Urteil vom 26. März 2012 - 1 Ss 205/11, juris Rn. 15;… Bock, in: Graf/Jäger/Wittig, Wirtschafts- und Steuerstrafrecht 2. Aufl., § 54 KWG Rn. 82;… Rinjes, wistra 2015, 7;… siehe weiter Sternberg-Lieben/Schuster, in: Schönke/Schröder, StGB 29. Aufl., § 17 Rn. 12a).
Die rechtlich richtige Beurteilung der normativen Tatbestandsmerkmale gehört demgegenüber nicht zum Vorsatz (…Senatsurteil vom 10. Juli 1984 - VI ZR 222/82, aaO; BGH, Urteil vom 24. September 1953 - 5 StR 225/53, aaO).
Hält der Täter des § 54 KWG seine Geschäfte für rechtlich zulässig und nicht erlaubnispflichtig, so stellt dies aus strafrechtlicher Sicht einen Verbotsirrtum (§ 17 StGB) dar, der die Tat nur dann als entschuldigt erscheinen lässt, wenn er unvermeidbar war (vgl. BGH, Urteil vom 24. September 1953 - 5 StR 225/53, aaO;… Lindemann in Boos/Fischer/Schulte-Mattler, aaO Rn. 12 f.;… Schwennicke in Schwennicke/Auerbach, aaO, § 54 Rn. 15;… Schröder, Handbuch Kapitalmarktstrafrecht, aaO Rn. 967 und in Achenbach/Ransiek, aaO Rn. 88).
Unvermeidbarkeit ist hierbei anzunehmen, wenn der Täter genügende Erkundigungen über eine Erlaubnispflicht eingezogen hat, vorzugsweise durch Einholung einer Auskunft der Erlaubnisbehörde (vgl. BGH, Urteil vom 24. September 1953 - 5 StR 225/53, aaO S. 352 f.;… Lindemann in Boos/Fischer/Schulte-Mattler, aaO Rn. 13;… Schwennicke in Schwennicke/Auerbach, aaO).
Hält der Täter des § 54 KWG seine Geschäfte für rechtlich zulässig und nicht erlaubnispflichtig, so unterliegt er nach ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung aus strafrechtlicher Sicht einem Verbotsirrtum im Sinne des § 17 StGB (…Senatsurteile vom 16. Mai 2017 - VI ZR 266/16, Rn. 23, noch nicht veröffentlicht;… vom 15. Mai 2012 - VI ZR 166/11, NJW 2012, 3177 Rn. 23; BGH, Urteil vom 24. September 1953 - 5 StR 225/53, BGHSt 4, 347, 352 f.; jeweils mwN).
Ein solcher Verbotsirrtum führt gemäß § 17 Satz 1 StGB zur Schuldlosigkeit, wenn er unvermeidbar war (…Senatsurteile vom 16. Mai 2017 - VI ZR 266/16, Rn. 16;… vom 15. Mai 2012 - VI ZR 166/11, aaO; BGH, Urteil vom 24. September 1953 - 5 StR 225/53, aaO, 352).
Dagegen enthält § 6 Abs. 1 KWG die Generalklausel für die "eigentliche" Bankenaufsicht, die eine Aufsicht über die einzelnen Kreditinstitute ist und das Ziel hat, die Struktur- und Ordnungsvorschriften des Kreditwesengesetzes und seiner Durchführungsbestimmungen durchzusetzen und die Gläubiger des (einzelnen) Kreditinstituts vor Verlusten zu schützen (BGH NJW 1953, 1680, 1681 unter 3 b;… Bähre/Schneider a.a.O. § 6 Anm. 2;… Reischauer/Kleinhans a.a.O. § 6 Anm. 4;… zum Einlegerschutz als selbständiger, zumindest mitwirkender Schutzzweck der Bankenaufsicht vgl. Beck a.a.O. § 6 Rdn. 7, 19, 36; Consbruch/Möller KWG [1965] § 6 Anm. 2;… Bähre/Schneider a.a.O.;… Reischauer/Kleinhans a.a.O. Einl. S. 1 mit § 46 Anm. 1; demgegenüber nimmt Lünterbusch Privatr. Auswirkungen des KWG [1968] S. 39/40 einen unmittelbaren Einlegerschutz nur für die "Eingangsstufe", nicht für die "Abwicklungsstufe" an).
Soweit die genannten Bestimmungen Schutzgesetze im Sinne des § 823 Abs. 2 BGB zugunsten der Gläubiger darstellen (vgl. BGH NJW 1953, 1680;… WM 1970, 636;… 1971, 1330, 1332 - betr. § 1 Abs. 1 c KWG 1939/1944: "Der Reichswirtschaftsminister kann die Fortführung des Geschäftsbetriebes untersagen, wenn ... das Kreditinstitut keine Gewähr für die Sicherheit der ihm anvertrauten Gelder oder Wertpapiere bietet") und die Aufsicht zu gewährleisten hat, daß diese Vorschriften des Kreditwesengesetzes befolgt werden, ist mangels einer einschränkenden Zielsetzung des Gesetzes (§ 6 Abs. 1) anzunehmen, daß die zur Einhaltung dieser Vorschriften ausgeübte Aufsicht zugleich auch dem Gläubigerschutz dient, jedenfalls soweit der einzelne Gläubiger sich nicht auf andere Weise angemessen vor Verlusten schützen kann (Stein Wirtschaftsaufsicht S. 188; Bullinger Staatsaufsicht in der Wirtschaft VVDStRL 22 [1965] S. 264, 289;… vgl. auch RGZ 172, 11, 15 betr. Amtspflichten der Polizei und § 823 Abs. 2 BGB).
Denn die rechtlich richtige Beurteilung der normativen Tatbestandsmerkmale gehört nach der strafrechtlichen Schuldtheorie nicht zum Vorsatz (vgl. schon BGHSt 4, 347, 352).
Das FG ist zutreffend davon ausgegangen, dass es für ein vorsätzliches Handeln ausreicht, wenn der Täter die Verwirklichung der Merkmale des objektiven Tatbestands zumindest billigend in Kauf nimmt und im Wege einer "Parallelwertung in der Laiensphäre" erkennt (Urteil des Bundesgerichtshofs vom 24. September 1953 5 StR 225/53, BGHSt 4, 347).
Für ein vorsätzliches Handeln reicht es, wenn der Täter die Verwirklichung der Merkmale des objektiven Tatbestands zumindest billigend in Kauf nimmt und im Wege einer "Parallelwertung in der Laiensphäre" erkennt (BGH-Urteil vom 24. September 1953 5 StR 225/53, BGHSt 4, 347;… BFH-Urteil vom 30. Juni 2010 II R 14/09, BFH/NV 2010, 2002).
Das setzt voraus, daß er alle seine geistigen Erkenntniskräfte eingesetzt und aufgetretene Zweifel durch Nachdenken und erforderlichenfalls durch Einholung von Rat bei einer sachkundigen und vertrauenswürdigen Person oder Stelle beseitigt hat (BGHSt 2, 194, 201; 4, 1, 5; 4, 236, 243; 4, 347, 352/353; 21, 18, 20/21;… vgl. ferner KG JR 1977, 379, 380 mit Anm. Rudolphi).
Das setzt voraus, daß er alle seine geistigen Erkenntniskräfte eingesetzt und aufgetretene Zweifel durch Nachdenken und erforderlichenfalls durch Einholung von Rat bei einer sachkundigen und vertrauenswürdigen Person oder Stelle beseitigt hat (BGHSt 2, 194, 201 [BGH 18.03.1952 - GSSt - 2/51]; 4, 1, 5; 4, 236, 243; 4, 347, 352/353; 21, 18, 20/21;… vgl. ferner KG JR 1977, 379, 380 mit Anm. Rudolphi).
BGH, 27.11.1974 - 2 StR 530/74
Einordnung einer Falschbeurkundung eines Notars als rechtserhebliche Tatsache im …
BGH, 21.08.1964 - 4 StR 265/64