Source: http://m.hensche.de/Bewerbungsbetrug_Schadensersatz_Betrug_Bewerbung_Schaden_muss_nachgewiesen_werden_LAG_Berlin-Brandenburg_15Sa980-11-u.html
Timestamp: 2018-05-23 12:59:04
Document Index: 198123740

Matched Legal Cases: ['§ 826', '§ 263', '§ 611', '§ 812', '§ 812', '§ 812', '§ 812', 'BGH', '§ 812', 'BGH', '§ 611', '§ 611', '§ 812', '§ 812', '§ 620', '§ 134', '§ 611', '§ 91', '§ 72']

HENSCHE Arbeitsrecht: 15 Sa 980/11
Schlag­worte: Minderleistung, Schadensersatz
Akten­zeichen: 15 Sa 980/11
Ent­scheid­ungs­datum: 24.08.2011
Leit­sätze: Täuscht ein Ar­beit­neh­mer bei Ein­ge­hung des Ar­beits­verhält­nis­ses über sei­ne Qua­li­fi­ka­ti­on (hier: kein vor­han­de­ner Hoch­schul­ab­schluss), so ist er in der Re­gel we­der be­rei­che­rungs­recht­lich noch im We­ge des Scha­dens­er­sat­zes ver­pflich­tet, die im Ar­beits­verhält­nis er­hal­te­ne Vergütung zurück­zu­zah­len.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 17.02.2011, 2 Ca 4958/10
am 24. Au­gust 2011
15 Sa 980/11
2 Ca 4958/10
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 24. Au­gust 2011
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Frau D. und Frau S.
I. Auf die Be­ru­fung des Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 17.02.2011 - 2 Ca 4958/10 - teil­wei­se ab­geändert:
Die Kla­ge wird ins­ge­samt ab­ge­wie­sen.
Die Kläge­rin als Ar­beit­ge­be­rin be­geht von ih­rem ehe­ma­li­gen An­ge­stell­ten Er­satz für Auf­wen­dun­gen in ursprüng­li­cher Höhe von 13.454,40 € und nun­mehr im Be­ru­fungs­ver­fah­ren in Höhe von 12.100,24 €. Die Kläge­rin zahl­te für Ok­to­ber und No­vem­ber 2009 an den Be­klag­ten ein Net­to­ent­gelt in Höhe von 6.638,14 € und wei­te­re 3.449,01 € Ar­beit­ge­ber­an­tei­le zur So­zi­al­ver­si­che­rung. Die Kos­ten für die An­mie­tung ei­nes Dienst­wa­gens für den Be­klag­ten be­tru­gen im Ok­to­ber 2010 736,90 € net­to und im No­vem­ber 2010 684,81 € net­to. Wei­ter­hin wand­te die Kläge­rin für drei Geschäfts­rei­sen des Be­klag­ten 591,38 € auf.
Mit Stel­len­an­zei­ge vom 22. April 2009 (Ko­pie Bl. 7 d. A.) such­te die Kläge­rin ei­nen Ver­triebs­mit­ar­bei­ter. Hin­sicht­lich der for­ma­len An­for­de­run­gen wur­de ver­langt „Aus­bil­dungs­grad Hoch­schul­ab­schluss oder Fach­hoch­schul­ab­schluss“. Der Be­klag­te leg­te in Ko­pie ein gefälsch­tes Di­plom­zeug­nis vor, ob­wohl er über kei­ner­lei der­ar­ti­gen Ab­schluss verfügte. Mit Ar­beits­ver­trag vom 17./18. Sep­tem­ber 2009 wur­de der Be­klag­te ab dem 1. Ok­to­ber 2009 ein­ge­stellt. Das Ge­halt be­trug an­fangs 4.500,-- € brut­to. Mit Schrei­ben vom 23. No­vem­ber 2009 kündig­te die Kläge­rin das Ar­beits­verhält­nis mit dem Be­klag­ten zum 7. De­zem­ber 2009. Kurz dar­auf kündig­te sie frist­los un­ter dem 27. No­vem­ber 2009, wo­ge­gen der Be­klag­te sich nicht zur Wehr setz­te.
Die Kläge­rin hat be­haup­tet, die Ar­beits­leis­tun­gen des Be­klag­ten sei­en un­zu­rei­chend ge­we­sen. Die Leis­tun­gen sei­en nicht ein­mal aus­rei­chend ge­we­sen. So ha­be der Be­klag­te feh­ler­haf­te An­ge­bo­te un­ter­brei­tet und auf Rügen be­lei­digt re­agiert. Ein An­schrei­ben an die kas­senärzt­li­che Ver­ei­ni­gung un­ter dem 10. No­vem­ber 2009 sei schon im Ent­wurf feh­ler­haft ge­we­sen. Am 12./13. No­vem­ber 2009 ha­be er den Auf­trag er­hal­ten, eng­li­sche Tex­te zu kon­trol­lie­ren und zu kor­ri­gie­ren, wo­bei teil­wei­se Text­bau­stei­ne aus dem Eng­li­schen ins Deut­sche zu über­tra­gen wa­ren. Die Geschäftsführe­rin der Kläge­rin ha­be dann je­doch über sie­ben St­un­den am 12. No­vem­ber 2009 den ers­ten Teil der Ar­bei­ten kon­trol­lie­ren und ver­bes­sern müssen. Auch die wei­te­ren Ar­bei­ten, die der Be­klag­te am 13. No­vem­ber 2009 hier­zu vor­ge­legt ha­be, sei­en voll­kom­men un­vollständig ge­we­sen. So ha­be er z. B. in sechs Zei­len sechs er­heb­li­che Feh­ler ver­ur­sacht. Man könne die Ar­beits­leis­tung des Be­klag­ten nur als sehr man­gel­haft, fast schon als un­genügend be­zeich­nen.
den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an sie die Sum­me von 13.454,40 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 % über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.01.2010 zu zah­len.
Der Be­klag­te hat ein­geräumt, dass er nicht feh­ler­frei ge­ar­bei­tet ha­be. Trotz­dem stünde ihm der Ar­beits­lohn zu. Es müsse auch berück­sich­tigt wer­den, dass ein Ein­ar­bei­tungs­plan von drei Mo­na­ten be­stan­den hätte.
Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin hat mit Ur­teil vom 17. Fe­bru­ar 2011 den Be­klag­ten zur Zah­lung von 12.100,24 € ver­ur­teilt. In­so­fern haf­te der Be­klag­te we­gen arg­lis­ti­ger Täuschung gem. §§ 826, 823 Abs. 2 BGB i. V. m. § 263 StGB. In­fol­ge des täuschungs­be­ding­ten Ab­schlus­ses des Ar­beits­ver­tra­ges ha­be die Kläge­rin in die­ser Höhe Auf­wen­dun­gen ge­habt. Die­se Vermögens­min­de­rung sei durch den Be­klag­ten nicht im Zeit­raum 1. Ok­to­ber 2009 bis 27. No­vem­ber 2009 durch zu­ge­flos­se­ne Ar­beits­leis­tung aus­ge­gli­chen wor­den. Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last hierfür tra­ge der Schädi­ger, so­mit der Be­klag­te. Die­ser sei sei­ner Dar­le­gungs- und Be­weis­last nicht nach­ge­kom­men. Er ha­be die Be­haup­tun­gen der Kläge­rin nicht wi­der­le­gen könne, dass sei­ne Leis­tun­gen für die Kläge­rin nicht von ir­gend­ei­nem Wert ge­we­sen sei­en. Bis zu­letzt sei­en Zwei­fel ver­blie­ben, ob und in wel­chem Um­fang der Be­klag­te im Zeit­raum sei­ner Beschäfti­gung tatsächlich ir­gend­wel­che Leis­tun­gen er­brach­te, die im We­ge der Vor­teils­aus­glei­chung in die Er­mitt­lun­gen des ein­ge­tre­te­nen Scha­dens hätten ein­be­zo­gen wer­den können. So­weit die Kläge­rin wei­te­re Scha­dens­er­satz­po­si­tio­nen gel­tend ge­macht hat, hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin dies ab­ge­lehnt.
Die­ses Ur­teil ist dem Be­klag­ten am 7. April 2011 zu­ge­stellt wor­den. Die Be­ru­fung er­folg­te am 2. Mai 2011. Nach Verlänge­rung bis zum 1. Ju­li 2011 ging die Be­ru­fungs­be­gründung am sel­ben Tag beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein.
Der Be­klag­te ist der An­sicht, dass das Ar­beits­ge­richt Ber­lin die Dar­le­gungs- und Be­weis­last ver­kannt ha­be. Durch die­se Ent­schei­dung wer­de die ständi­ge Recht­spre­chung des BAG zur Rück­ab­wick­lung von Verträgen bei An­fech­tung aus­ge­he­belt. Je­den­falls hätte der Kläge­rin auf­ge­ge­ben wer­den müssen, dass die­se sämt­li­che Ar­beits­leis­tun­gen des Klägers von
An­fang an dar­le­gen müsse, da er kei­ner­lei Zu­gang zu den be­trieb­li­chen Un­ter­la­gen mehr hätte.
die Kla­ge un­ter Auf­he­bung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ber­lin - 2 Ca 4958/10 - vom 17.02.2011 ab­zu­wei­sen.
Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ist zulässig. Sie ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.
Die Be­ru­fung ist auch be­gründet. In­so­fern war das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil teil­wei­se ab­zuändern und die Kla­ge ins­ge­samt ab­zu­wei­sen.
Täuscht ein Ar­beit­neh­mer bei Ein­ge­hung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses über sei­ne Qua­li­fi­ka­ti­on, so ist er in der Re­gel we­der be­rei­che­rungs­recht­lich, noch im We­ge des Scha­dens­er­sat­zes ver­pflich­tet, die im Ar­beits­verhält­nis er­hal­te­ne Vergütung zurück­zu­er­stat­ten. Dies gilt hier für die Vergütung selbst, die Ar­beit­ge­ber­an­tei­le, aber auch für die Kos­ten für den Dienst­wa­gen, weil die­se Teil der Vergütung sind, und sons­ti­ge Auf­wen­dun­gen der Kläge­rin für drei Geschäfts­rei­sen.
1. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat sich schon in frühe­rer Zeit anläss­lich ei­nes Fal­les, wo­nach die Ar­beit­neh­me­rin bei der Ein­stel­lung als Lei­te­rin der Buch­hal­tung über ih­re Qua­li­fi­ka­ti­on getäuscht ha­ben soll, mit der Fra­ge aus­ein­an­der­ge­setzt, in­wie­fern ein so ge­nann­ter An­stel­lungs­be­trug vor­liegt. Es hat hier­zu aus­geführt:
Die­ser An­spruch ist nicht schlüssig,
a) Die Kläge­rin hat vor­ge­tra­gen, daß ih­re Rechts­vorgänge­rin durch die Be­klag­te bei de­ren An­stel­lung getäuscht wor­den sei; sie hat wei­ter un­ter Be­weis ge­stellt, daß bei den An­stel­lungs­ver­hand­lun­gen die Be­klag­te Fähig­kei­ten vor­getäuscht ha­be, die sie nicht be­ses­sen ha­be, und daß die Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin da­durch zur Ein­stel­lung der Be­klag­ten ver­an­laßt wor­den sei. Dar­in kann der schlüssi­ge Vor­trag ei­ner An­spruchs­grund­la­ge lie­gen, wenn, was hier na­he liegt, das Ver­hal­ten der Be­klag­ten schuld­haft ge­we­sen ist (Hu­eck-Nip­per­der, Lehr­buch, 7. Aufl., Bd. I S. 229).
Die Kläge­rin hat je­doch nicht dar­ge­tan, daß ih­rer Rechts­vorgänge­rin durch das be­haup­te­te Ver­hal­ten der Be­klag­ten ein Scha­den ent­stan­den ist. Sie nimmt viel­mehr nur ei­ne Be­wer­tung der von der Be­klag­ten an­geb­lich er­brach­ten Leis­tun­gen vor und setzt den dafür von ihr er­mit­tel­ten Wert an die Stel­le der im Ar­beits­ver­trag ver­ein­bar­ten Vergütung. Das stellt aber kei­ne zulässi­ge Scha­dens­be­rech­nung dar, da die Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin, ob­wohl sie die Unfähig­keit der Be­klag­ten nach ih­rem ei­ge­nen Vor­trag als­bald er­kannt hat, sie zu den al­ten Be­din­gun­gen wei­ter beschäftigt hat.
Um ei­nen Scha­den­er­satz­an­spruch schlüssig dar­zu­tun, hätte die Kläge­rin vor­tra­gen müssen, wel­che Vermögens­nach­tei­le ih­rer Rechts­vorgänge­rin durch den an­geb­li­chen An­stel­lungs­be­trug der Be­klag­ten ent­stan­den sein sol­len. Die­se Nach­tei­le könn­ten et­wa dar­in be­ste­hen, daß die Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin ge­zwun­gen ge­we­sen wäre, die aus Ver­schul­den der Be­klag­ten man­gel­haft ge­wor­de­ne Buch­hal­tung wie­der in Ord­nung brin­gen zu las­sen; dann könn­ten die Kos­ten, die da­durch ent­stan­den wären, als Scha­den gel­tend ge­macht wer­den. Auch hätte die Kläge­rin dar­tun können, daß durch die man­gel­haf­ten Leis­tun­gen der Be­klag­ten die Buch­hal­tung in ei­nen Zu­stand ge­ra­ten sei, der dem Fi­nanz­amt Ver­an­las­sung ge­ge­ben hätte, zur Schätzung zu grei­fen; dann könn­te in Höhe der steu­er­li­chen Nach­tei­le, die der Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin da­durch ent­stan­den wären, Scha­den­er­satz ge­for­dert wer­den. Die Kläge­rin hat je­doch ih­re For­de­rung nur da­mit be­gründet, daß sie gleich­sam ei­nen Min­de­rungs­an­spruch gel­tend ge­macht hat. Ein sol­cher be­steht aber im Ar­beits­ver­trags­recht nicht.
b) Wenn die Kläge­rin der Be­klag­ten den Be­trag in Rech­nung stellt, der sich aus der Dif­fe­renz zwi­schen dem ver­ein­bar­ten Ge­halt und der nach An­sicht der Kläge­rin an­ge­mes­se­nen Vergütung er­gibt, so zieht sie ih­ren An­spruch in Wahr­heit nicht als Scha­den­er­satz­an­spruch auf, son­dern als ei­nen sol­chen aus un­ge­recht­fer­tig­ter Be­rei­che­rung. Ein Be­rei­che­rungs­an­spruch kommt je­doch in Fällen vor­lie­gen­der Art nicht in Be­tracht.
Nach dem Ar­beits­ver­trag, durch den die Be­klag­te als Buch­hal­te­rin (Lei­te­rin der Buch­hal­tung) an­ge­stellt war, war die Leis­tung der Diens­te Ge­gen­stand des Ver­tra­ges (§ 611 BGB: "ver­spro­che­ne Diens­te"). Selbst wenn die­se Diens­te in un­zuläng­li­cher Wei­se ge­leis­tet wor­den sind, ist § 812 BGB nicht an­wend­bar. Die Zah­lung des ver­ein­bar­ten Ge­halts er­folg­te nämlich nicht oh­ne recht­li­chen Grund, son­dern eben auf­grund der
ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung, mit der das Ge­halt ver­spro­chen wor­den ist. Des­halb kommt die An­wen­dung des § 812 Abs. 1 Satz 1 BGB nicht in Be­tracht.
§ 812 Abs. 1 Satz 2 2. Al­ter­na­ti­ve BGB greift eben­falls nicht ein. Was dort als "Er­folg" be­zeich­net ist, könn­te nur die Leis­tung der Diens­te durch die Be­klag­te sein. Die­se Leis­tung der Diens­te war aber ge­ra­de ver­trag­lich ver­ein­bart. Wenn § 812 BGB ei­ne Ei­ni­gung der Par­tei­en über den Er­folg erwähnt, so ist da­mit kei­ne ver­trag­li­che Bin­dung ge­meint. Liegt ei­ne sol­che vor, so ist das Rechts­verhält­nis nicht nach Be­rei­che­rungs-, son­dern nach Ver­trags­recht ab­zu­wi­ckeln (BGH 44/321 [323] = AP Nr. 2 zu § 812 BGB un­ter Be­ru­fung auf BGH BB 63, 1076).
Selbst dann käme ein Be­rei­che­rungs­an­spruch nicht in Fra­ge, wenn die Her­stel­lung ei­nes be­stimm­ten Werks, z.B. die Auf­stel­lung ei­ner Bi­lanz, Ver­trags­in­halt ge­wor­den wäre. Denn auch in ei­nem sol­chen Fall be­steht hin­sicht­lich der Leis­tung ei­ne ver­trag­li­che Bin­dung, so daß Be­rei­che­rungs­recht nicht zur An­wen­dung kommt, son­dern der Gläubi­ger al­lein auf ver­trag­li­che Ansprüche an­ge­wie­sen ist.
Da ei­ne an­de­re An­spruchs­grund­la­ge für die­se For­de­rung der Kläge­rin nicht er­sicht­lich ist, muß es in­so­weit bei der Ab­wei­sung des hier erörter­ten An­spruchs ver­blei­ben. Auf die Ver­fah­rungsrügen der Re­vi­si­on kommt es so­mit nicht an; der An­spruch schei­tert schon an der feh­len­den Schlüssig­keit.“
(BAG 06.06.1972 - 1 AZR 438/71 - ju­ris, AP Nr. 71 zu § 611 BGB Haf­tung des Ar­beit­neh­mers).
Später hat das BAG in ei­nem Be­schluss noch­mals be­tont, dass ei­ne Min­de­rung bei Mängeln der er­brach­ten Dienst­leis­tung nicht möglich sei (18.07.2007 - 5 AZN 610/07 - ju­ris Rn. 3, BB 2007, 1903). Dies ent­spricht auch der über­wie­gen­den An­sicht in der ju­ris­ti­schen Li­te­ra­tur (ErfK-Preis § 611 BGB Rn. 683; a. A. Jous­sen NZA 2006, 963; LAG Köln, 16.06.2000 - 11 Sa 1511/99 - NZA-RR 2000, 630).
Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze ist die Kla­ge nicht be­gründet.
2.1 Die Kla­ge auf Scha­dens­er­satz­ansprüche we­gen ei­nes so ge­nann­ten An­stel­lungs­be­tru­ges ist nicht schlüssig, wo­bei of­fen blei­ben kann, ob ein sol­cher vor­liegt. Je­den­falls ist durch die Täuschung über das Vor­han­den­sein ei­nes Di­ploms kein Scha­den ent­stan­den. Die An­stel­lung des Be­klag­ten selbst stellt kei­nen Scha­den dar. Die Kläge­rin woll­te je­man­den ein­stel­len. Hier­durch ist ihr Vermögen auch al­lein schon des­we­gen nicht ge­min­dert wor­den, weil sie mit Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges um­ge­kehrt das Recht er­hielt, die Ar­beits­kraft des Be­klag­ten zu ver­wer­ten. Die von der Kläge­rin be­haup­te­te man­gel­haf­te oder evtl. gar un­genügen­de Ar­beits­leis­tung mag zu­tref­fend sein. Nach der Recht­spre­chung
des BAG be­steht bei der man­gel­haf­ten Ar­beits­leis­tung ein Min­de­rungs­an­spruch je­doch nicht. Dies wird vom LAG Köln in der oben an­geführ­ten Ent­schei­dung über­se­hen. Das LAG Köln geht in Ab­wei­chung von der Recht­spre­chung des BAG da­von aus, dass bei ei­ner Täuschung über die Qua­li­fi­ka­ti­on die ge­zahl­te Vergütung an sich schon ei­nen Scha­den dar­stel­le. Dies ist je­doch nicht zu­tref­fend.
2.2 Der Kläge­rin steht der gel­tend ge­mach­te An­spruch auch nicht un­ter be­rei­che­rungs­recht­li­chen As­pek­ten (§ 812 BGB) zu.
In­so­fern führt das BAG zu Recht aus, dass selbst bei un­zuläng­li­cher Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tun­gen § 812 BGB nicht an­zu­wen­den ist. Die Zah­lung des ver­ein­bar­ten Ge­hal­tes er­fol­ge ge­ra­de nicht oh­ne recht­li­chen Grund, son­dern auf­grund der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung, mit der das Ge­halt ver­spro­chen wor­den ist.
Et­was an­de­res kann nur gel­ten, wenn gar kein Ar­beits­verhält­nis vor­ge­le­gen hätte. Aber dies kann vor­lie­gend des­we­gen nicht an­ge­nom­men wer­den, da der Be­klag­te nicht ein­mal ei­ne An­fech­tungs­erklärung ab­ge­ge­ben hat. Er hat im Be­ru­fungs­ter­min viel­mehr aus­drück­lich erklärt, dass ei­ne sol­che nicht be­ab­sich­tigt ge­we­sen sei.
Doch selbst wenn man die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 27. No­vem­ber 2009 in ei­ne An­fech­tung um­deu­ten könn­te (vgl. ErfK-Müller-Glöge § 620 BGB Rn. 63), dann hätte ei­ne sol­che An­fech­tung nur zur Fol­ge, dass das Ar­beits­verhält­nis mit Erklärung der An­fech­tung be­en­det wäre. Dies wird vom BAG in ständi­ger Recht­spre­chung je­den­falls bei ei­nem in Voll­zug ge­setz­ten Dau­er­schuld­verhält­nis an­ge­nom­men (BAG vom 03.12.1998 - 2 AZR 754/97 - NZA 1999, 584). Aus­nahms­wei­se soll et­was an­de­res nur dann gel­ten, wenn die Durchführung des Ar­beits­verhält­nis­ses selbst ge­gen ein Ge­setz gem. § 134 BGB verstößt. Dies hat das BAG z. B. an­ge­nom­men, wenn ein Büro­vor­ste­her im Zu­sam­men­ar­beit mit ei­nem Rechts­an­walt Man­dan­ten­gel­der ver­un­treut (BAG 25.04.1963 - 5 AZR 398/62 - AP Nr. 2 zu § 611 BGB fak­ti­sches Ar­beits­verhält­nis) oder wenn dem an­ge­stell­ten Arzt die ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­ne Ap­pro­ba­ti­on fehlt, so dass er den Be­ruf des Arz­tes nicht ausüben durf­te (BAG 03.11.2004 - 5 AZR 592/03 - NZA 2005, 1409). Ei­ne sol­che Fall­ge­stal­tung liegt hier nicht vor, da die Beschäfti­gung des Be­klag­ten als Ver­triebs­mit­ar­bei­ter trotz des nicht vor­han­de­nen Di­ploms ge­gen kei­ner­lei ge­setz­li­che Vor­schrift ver­stieß.
Da un­ter Auf­he­bung des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils die Kla­ge ins­ge­samt ab­zu­wei­sen war, hat die Kläge­rin die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen (§ 91 ZPO).
Die Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on lie­gen nicht vor, da die hie­si­ge Ent­schei­dung sich an der Recht­spre­chung des BAG ori­en­tiert. Im Übri­gen wird auf die Möglich­keit ei­ner Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de (§ 72 a ArbGG) hin­ge­wie­sen.
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