Source: http://prof-schweizer.de/bibliothek/neu/index.html?datum=2019-03
Timestamp: 2019-05-26 15:24:46
Document Index: 59695902

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'EuG', 'BGH', '§ 543', 'BGH', 'EuG', 'BGH', '§ 13', 'BGH', 'BGH', '§ 5', 'EuG', 'BGH', '§ 935', '§ 932', '§ 817', '§ 817', 'BGer', 'Art. 118', 'Art. 118', 'Art.11', 'Art. 11', 'Art. 11', '§ 308', '§ 4', '§ 14', '§ 13', '§ 80']

im Zeitraum: 2019-03
Wohnungseigentumsgesetz: Nutzung einer Teileigentumseinheit zur tageweisen Unterbringung von Obdachlosen
BGH, Urteil vom 8. März 2019 - V ZR 330/17.
Die tageweise Unterbringung von wohnungslosen Personen in einer Gemeinschaftsunterkunft zur Vermeidung von Obdachlosigkeit ist in der Regel als heimähnliche Unterbringung anzusehen, die grundsätzlich in Teileigentumseinheiten erfolgen kann.
In der Teilungserklärung aus dem Jahr 1984 sind zwei Teileigentumseinheiten als „Laden“ bezeichnet, bestehend aus jeweils vier Ladenräumen, zwei Fluren und einem Bad. Darin betreibt eine gewerbliche Mieterin eine Einrichtung zur Vermeidung von Obdachlosigkeit. Obdachlose werden auf der Grundlage eines Vertrags mit dem Bezirksamt tageweise untergebracht und betreut, wobei sich in der Regel zwei Personen einen Raum teilen.
Am weitesten reicht natürlich, dass der BGH annimmt - ob man es begrüßt oder nicht: Ohne entgegenstehende Regelung - zum Beispiel in Teilungserklärungen - werden der Charakter der Anlage und die prägenden örtlichen Verhältnisse grundsätzlich nicht geschützt. Entsprechend klar muss vor Errichtung einer Anlage geklärt werden, was erlaubt und was nicht erlaubt sein soll.
Käufer tun also auch insoweit gut daran, bei Prüfung der vorgelegten Verträge nicht fahrlässig zu unterstellen, es sei auch im Interesse des einzelnen Bewohners schon alles bedacht. Prüfen Sie vor allem, ob in den rechtlichen Grundlagen der Anlage festgehalten ist, worauf Sie wert legen. Im entschiedenen Fall öffnete die Zulassung eines Ladens die Möglichkeit, dass sich die prägenden örtlichen Verhältnisse ändern. Da der BGH geurteilt hat, ist die Richtung der gesamten Rechtsprechung im vorhinein bestimmt. Auch eindeutige Mehrheits-Beschlüsse der Eigentümer können grundsätzlich nichts mehr ändern.
Eine schlaue Geschichte: mit fünf Punkten besteht man keine Prüfung!
Vier Studenten der Universität Sydney waren so gut in Organischer Chemie, dass sie alle ihre Tests, Klausuren und Praktika bisher in diesem Semester mit der Bestnote bestanden haben. Sie waren sich sicher, mit Bestnote auch die Abschlussprüfung zu schaffen. Sie entschlossen sich, das Wochenende vor der Prüfung nach Canberra zu fahren, wo einige Freunde eine Party schmissen. Nach heftigem Feiern verschliefen sie den gesamten Sonntag und schafften es nicht vor Montag morgen - dem Tag der Prüfung - wieder zurück nach Sydney.
Sie entschlossen sich, nicht zur Prüfung zu gehen, sondern dem Professor nach der Prüfung zu erzählen, warum sie nicht kommen konnten. Die vier Studenten erklärten ihm, sie - die Stars - hätten in Canberra in den Archiven der Australien National University noch geforscht und geplant gehabt, früh genug zurück zu sein. Aber sie hätten einen Platten gehabt auf dem Rückweg und keinen Wagenheber dabei, und es hätte ewig gedauert, bis ihnen jemand geholfen hätte. Deswegen seien sie erst jetzt angekommen! Der Professor dachte darüber nach und erlaubte ihnen dann, die Abschlussprüfung am nächsten Tag nachzuholen.
Die Studenten waren erleichtert, bereiteten sich noch vor, und am nächsten Tag kamen sie pünktlich zum ausgemachten Zeitpunkt zum Professor. Dieser setzte jeden Studenten in einen anderen Raum, gab ihnen die Aufgaben und sagte ihnen, sie sollten anfangen. Die erste Aufgabe brachte fünf Punkte. Es war etwas Einfaches über eine Radikalische Substitution. „Cool", dachten alle vier, „Die Nummer ist gelaufen." Jeder von ihnen schrieb die Lösung der ersten Aufgabe hin und drehte das Blatt um: "2. Aufgabe 95 Punkte: Welcher Reifen war platt?"
„Die Kenntnis des 'europäischen Verbrauchers' ”: „Prosciutto di Parma” gewinnt gegen „Culatello di Parma”
Urteil des Oberlandesgerichts Köln vom 18.01.2019 – Az. 6 U 61/18.
„Die Verkehrsauffassung kann der Senat unter Berücksichtigung der vorstehend dargestellten Kriterien selbst beurteilen. Denn der Senat gehört zu den angesprochenen europäischen Verkehrskreisen. Dass es nicht allein auf die Kenntnis eines deutschen Verbrauchers ankommt, sondern auf die Kenntnis eines „europäischen Verbrauchers“ abzustellen ist, führt nicht dazu, dass der Senat die Verkehrsauffassung nicht selbst beurteilen könnte. Wie sich aus der dargestellten Entscheidung des EuGH ergibt, hat dieser den europäischen Verbraucher ausdrücklich dem Verbraucher aus dem Herkunftsland gegenüber gestellt, so dass die Mitglieder des Senats zu diesen Verkehrskreisen zählen, zumal - so immer noch das OLG - die Mitglieder des Senats auch ein nicht unerhebliches Interesse an den Essgewohnheiten im europäischen Ausland haben und dort immer wieder einkauften”(!).
Wer sich mit den Klagen der Justiz auseinandersetzen muss, die Gerichte seien überlastet, und es mangele an der Qualität der Rechtsprechung, muss dieses Urteil beachten. 28 Druckseiten mit 166 Randnummern benötigt der Senat, um
a. auf eine Sachverhaltsfrage zu antworten, er wisse selbst, wie die Verbraucher in den europäischen Ländern auffassen, zumal die Mitglieder des Senats auch ein nicht unerhebliches Interesse an den Essgewohnheiten im europäischen Ausland haben und dort immer wieder einkaufen sowie im vierten Leitsatz
b. festzustellen: Die Bezeichnung „Culatello di Parma“ für ein aufgeschnittenes Rohschinkenprodukt in Klarsichtverpackung stellt eine Anspielung auf die geschützte Ursprungsbezeichnung „Prosciutto di Parma“ dar.
Überflüssig erschien dem Senat, sich mit den Ergebnissen einer vorgelegten Marktforschungsstudie auseinanderzusetzen, aber nicht mit der Begründung, die Voraussetzung „Anspielung” sei selbstverständlich erfüllt und ohne zu erwähnen, dass sowohl der EuGH als auch der BGH repräsentative Umfragen als Beweismittel anerkennen.
Das Gericht hat die Revision zugelassen - mit der Begründung: „Die Revision wird zugelassen. Die Rechtssache hat grundsätzliche Bedeutung (§ 543 Abs. 2 ZPO). Der Senat geht von einer grundsätzlichen Bedeutung aus, weil ... . Auch ist nicht höchstrichterlich entschieden, wie sich der europäische Verbraucher bestimmt.”
Der BGH kann sich damit befassen, dass er in der Rechtsentwicklung zur Bedeutung und Feststellung der pluralistischen Wirklichkeit weltweit führend war, ehe der EuGH mit dem sog. europäischen Verbraucherleitbild einige Stufen zurücktrat. Vgl. eingehend zu den Entwicklungsstufen Schweizer, GRUR 2000, 923 ff., 931 f. sowie z.B. die Beiträge Schweizer in den Festschriften für Geimer, Heldrich, Sonnenberger. Die höchste Entwicklungsstufe wäre, im Anschluss an die früher am weitesten fortgeschrittene BGH-Rechtsprechung zu definieren: „Rechtserheblich ist, ob ein erheblicher Teil der rechtsrelevanten Personen in der jeweiligen Situation im Sinne der Norm auffasst.” (Schweizer a.a.O., S. 932 re.Sp.) Zur Definition der „rechtsrelevanten Personen” kann aus dem europäischen Verbraucherleitbild übernommen werden, dass und inwieweit es sich um informierte, verständige und aufmerksame Personen handeln muss.
Grundsätzlich fragt sich darüber hinaus auch („relevante Personen"), ob pro Land der Sachverhalt festzustellen ist. Das OLG führt allerdings - eine Rechtsfrage beantwortend - aus: Da es sich um einen europaweiten Schutz handelt, kommt es auf die sogenannte Verkehrsauffassung des „europäischen Verbrauchers" an.
Die Anspruchsgrundlage § 13 Abs. 1 lit.b bestimmt (Hervorhebung vom Verf.)
b) jede widerrechtliche Aneignung, Nachahmung oder Anspielung, selbst wenn der tatsächliche Ursprung des Erzeugnisses oder der Dienstleistung angegeben ist oder wenn der geschützte Name in Übersetzung oder zusammen mit Ausdrücken wie „Art“, „Typ“, „Verfahren“, „Fasson“, „Nachahmung“ oder dergleichen verwendet wird, auch wenn dieses Erzeugnis als Zutat verwendet wird;
Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, Urteil vom 10. Januar 2019, Az. 6 U 37/17.
Eine - beklagte - Unternehmerin vertreibt über das Internet u. a. Telekommunikationsdienstleistungen. Sie verwendet dabei das gesetzlich angebotene Muster für die Widerrufsbelehrung. In der Muster-Widerrufsbelehrung gab die Beklagte ihre Telefonnummer nicht an, obwohl sie über geschäftliche Telefonnummern verfügt, die eigens für den Kontakt mit bereits vorhandenen Kunden eingerichtet worden sind.
In der vom Gesetzgeber empfohlenen Widerrufsbelehrung sind Name, und, soweit verfügbar, Telefonnummer, Telefaxnummer und E-Mail-Adresse des Unternehmers angegeben. Da der Widerruf nicht nur in Textform, sondern auch telefonisch oder mündlich erklärt werden kann, muss der Unternehmer dem Verbraucher die Telefonnummer jedenfalls dann mitteilen, wenn er diese Telefonnummer auch sonst für Kunden nutzt.
Das Urteil führt noch aus, dass die Unternehmerin von Kunden, mit denen sie Verträge geschlossen hat, auf mehreren Nummern angerufen werden kann, und dass sie dann eben auch Widerrufe telefonisch entgegen nehmen muss. Das Urteil geht nicht darauf ein, ob sie alle für Kunden verwendeten Nummern zur Verfügung stellen muss. Eine Nummer wird wohl genügen, wenn sicher gestellt ist, dass Widerrufe auf dieser Nummer wirklich entgegen genommen werden. Das Unternehmen kann sicher stellen, dass Missbrauch ausgeschlossen ist und der Widerruf bewiesen werden kann.
Anforderungen an den elektronischen Fristenkalender
BGH, Beschluss vom 28. Februar 2019 - III ZB 96/18. Kanzleiorganisation.
a) Bei der Fristeingabe in den elektronischen Fristenkalender muss durch einen Ausdruck der eingegebenen Einzelvorgänge oder eines Fehlerprotokolls kontrolliert werden. Unterbleibt eine derartige Kontrolle, so liegt ein anwaltliches Organisationsverschulden vor (Bestätigung mehrerer BGH-Beschlüsse).
Medienrechtlicher Auskunftsanspruch nur für Unternehmen mit journalistisch-redaktioneller Prägung!
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 21.3.2019- 7 C 26.17
Eine Gesellschaft gibt als Unternehmenszweck an: „Informationslogistik für die Bauwirtschaft“. Sie betreibt eine Reihe von Internetportalen. Zentrale Elemente dieser Internetportale sind Datenbanken, in denen sie Informationen und Softwaredienstleistungen zu öffentlichen Ausschreibungen und Beschaffungsmärkten für die Bau- und Gebäudewirtschaft vorhält. Zudem wird auf den Portalen eine Rubrik „News zu den Beschaffungsmärkten“ geführt. Darüber hinaus gibt das Unternehmen vierteljährlich ein Druckerzeugnis heraus, dessen elektronische Fassung auf einigen ihrer Internetportale verlinkt ist. Das Unternehmen verlangte, gestützt auf das Landespressegesetz und den Rundfunkstaatsvertrag, jeweils nach Abschluss des Vergabeverfahrens Auskünfte zum Auftragnehmer, der Auftragssumme, der Zahl der Bieter und dem Datum der Auftragsvergabe. Das Verwaltungsgericht wies die Klage ab, die Berufung der Klägerin hat der Verwaltungsgerichtshof zurückgewiesen. Nun also die Revision.
Vollständig liegt das Urteil noch nicht vor. Die Pressemitteilung des BVerwG führt nur kurz aus: Das Bundesverwaltungsgericht hat die Revision der Klägerin zurückgewiesen. Die Pressefreiheit verbietet es nicht, Wirtschaftsunternehmen Auskunftsansprüche nach dem Landespresserecht und dem Rundfunkstaatsvertrag zu versagen, wenn sie vorwiegend außerpublizistische Unternehmenszwecke verfolgen.
Taggen kann verboten sein
Landgericht Karlsruhe, Urteil vom 21.03.2019- 13 O 38/18 KfH.
Die vom Gericht beurteilten Instagram-Posts einer Influencerin bestehen aus einem Foto, auf dem sie selbst abgebildet ist, und ein Begleittext ist hinzu gefügt. Der Follower kann auf das Foto klicken. Es erscheint dann ein Tag mit den Namen der Marke der von der Influencerin getragenen Kleidung oder der Accessoires. Mit einem Klick auf einen Tag ist der Nutzer dann gleich auf dem Instagram-Account des jeweiligen Markenherstellers. Die Posts sind nicht als Werbung gekennzeichnet.
Begründung der Wettbewerbswidrigkeit
Der aus EU-Recht umgesetzte § 5a Abs. 6 UWG verbietet geschäftliche Handlungen, wenn der kommerzieller Zweck nicht kenntlich gemacht wird (es sei denn er ergibt sich unmittelbar aus den Umständen).
Die üblichen Rechtfertigungsversuche greifen nicht:
Auch wenn die Influencerin einwendet, sie würde vorrangig Nachfragen der Follower („Woher hast du dein Kleid?“) vermeiden, ändert nichts am geschäftlichen Zweck.
Auch eine (scheinbare) Privatheit der Posts und der Umstand, dass die Beklagte nicht für alle Posts bezahlt wird, nimmt nicht die Wettbewerbswidrigkeit.
Dass die Influencerin immer zugleich ihr Image sowie ihre Authentizität verbessern und ihre Community stärken will, ändert nichts. Werbende sind an möglichst glaubwürdigen Werbeträgern interessiert.
Nicht alle Nutzer wissen, dass es sich um Werbung handelt.
Sehr fraglich ist, ob nicht der nach dem europäischen Verbraucherleitbild relevante Durchschnittsnutzer Bescheid weiß, wenn schon dieses Rechtsinstitut nach allg. M. wesentlich sein soll. Mit einer repräsentativen Umfrage, dem vom EuGH und dem BGH anerkannten Beweismittel, hätten die Influencer nach den Erfahrungen des Verf. dieser Zeilen sehr wohl Chancen.
Sonntagvormittag nach der Kirche. Frühschoppen beim Fischerwirt. Fast alle Dorfwichtigen inklusive Pfarrer sitzen beisammen. Alle sind fröhlich, freuen sich auf´s Bier, nur der Wirt fehlt noch und der Pfarrer, der schaut ganz griesgrämig drein.
Fragt ihn die Wirtin: „Sagen´s Herr Pfarrer, warum sind´s denn heute so betrübt?"
Meint der: „Ja, da soll man noch fröhlich sein, wenn einem in der Früh im Beichtstuhl als erstes ein Ehebruch gebeichtet wird."
Da kommt der Wirt hinzu und sagt: „Herr Pfarrer, da haben´s aber gestaunt, dass heute ich der Erste beim Beichten war!"
Heutzutage müssen viele #Witze zeitgemäß umgeschrieben werden!
Heute hat mich mein Sohn umarmt. Zuerst dachte ich, „Och wie liebevoll”. Doch dann geht er zu seiner Mama und sagt, „Ja, er hat schon wieder zugenommen.”.
Neues Patentrecht?
Die Bundesregierung überprüft nach eigenen Angaben das Patentrecht auf Anpassungs- und Modernisierungsbedarf. Dies berichtete der parlamentarische Pressedienst. Nach Durchführung der Prüfung werde in Abhängigkeit von ihrem Ergebnis ein Gesetzentwurf vorgelegt, heißt es in der Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 19/8048) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (BT-Drs. 19/7591).
Mit Blick auf die in der Anfrage zitierte Kritik unter anderem an der langen Verfahrensdauer der Patentprüfung werde langfristig eine mittlere Verfahrensdauer von drei Jahren ab Stellung des Prüfungsantrages angestrebt. 2017 habe der Mittelwert 4,5 Jahre betragen. Über eine schnelle Besetzung der mit den Haushaltsgesetzen 2018 und 2019 neu zugewiesen Prüferstellen beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) hinaus verfolge die Bundesregierung weitere Maßnahmen mit dem Ziel einer Effizienzsteigerung. Zahlen zu den in der Anfrage ebenfalls thematisierten Patentrechtsverletzungen lägen der Bundesregierung nicht vor, heißt es weiter in der Antwort.
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht zumindest für jedes Jahr interessante Zahlen. So gibt es eine Statistik mit der Anzahl der Patentanmeldungen in Deutschland in den Jahren von 2000 bis - aktueller Stand - 2017. Im Jahr 2017 wurden beim Deutschen Patent- und Markenamt 67.707 Patente angemeldet.
Internetplattformen: keine internationale Zuständigkeit für deutsche Gerichte bei Vertrag mit anwendbarem ausländischen Zivilrecht
Meint das Oberlandesgericht Celle, Urteil vom 06.02.2019- 7 U 102/18.
Ein Porsche 911 Turbo wurde über eine Internetplattform wahrheitswidrig als „reines Schönwetterfahrzeug in makellosem Bestzustand" ausgeschrieben. Als Verkäuferin trat eine in Bulgarien ansässige Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit einem Vertreter in Deutschland auf. Die Klägerin zahlte den Kaufpreis von ca. 60.000 Euro an die Gesellschaft, fuhr nach Bulgarien, unterschrieb einen in bulgarischer Sprache abgefassten schriftlichen Kaufvertrag. Tatsächlich befand sich das Fahrzeug nicht "in makellosem Bestzustand", vielmehr wies es zahlreiche Mängel u. a. infolge eines schweren Unfalls auf.
Auch wenn die Klägerin den Schadensersatzanspruch nur auf den behaupteten Betrug stützt - für dessen Feststellung deutsche Gerichte zuständig wären, wenn die Täuschung in der Bundesrepublik stattgefunden hat - muss berücksichtigt werden, dass die behauptete Täuschung über Fahrzeugmängel zugleich einen Verstoß gegen die Verpflichtung der Beklagten zur Lieferung eines vertragsgemäßen (mangelfreien) Porsches darstellt, weshalb der gesetzliche Anspruch nicht festgestellt werden könne, ohne den Inhalt des Vertrages und die Umstände des Vertragsschlusses zugrunde zu legen, für deren Prüfung aber die bulgarischen Gerichte zuständig sind. Die Klage ist deshalb als unzulässig abzuweisen.
Anmerkung: Diese Urteilsbegründung lässt sich aus mehreren Gründen nicht halten (obwohl das OLG Celle für eine sonst gute Rechtsprechung bekannt ist):
1. Eigentumserwerb?
In der Pressemitteilung erwähnt das Gericht, dass die Klägerin, als sie in Bulgarien das Auto abholte, erfuhr, dass das Fahrzeug in der Vergangenheit einmal gestohlen worden war. Das Urteil geht jedoch offenbar nicht darauf ein, dass § 935 BGB (und vermutlich auch das bulgarische Recht) bestimmt: „Erwerb des Eigentums auf Grund der §§ 932 bis 934 tritt nicht ein, wenn die Sache dem Eigentümer gestohlen worden, verloren gegangen oder sonst abhanden gekommen war.” Die Urteilsbegründung unterstellt jedoch als selbstverständlich, dass die Klägerin Eigentümerin des Porsche geworden ist.
Für das Internationale Verfahrens- und das Internationale Privatrecht ist wie für das nationale Recht das Rechtsinstitut der „Vorfrage” eine Binsenweisheit. Vorfragen können verlangen, dass ausländisches Recht anzuwenden (und nicht deshalb eine Klage abzuweisen) ist. Das OLG Celle hätte somit die Klage nicht mit der Begründung als unzulässig abweisen dürfen, für bulgarisches Zivilrecht seien die bulgarischen Gerichte zuständig und deshalb für die deutschen Gerichte eben die internationale Zuständigkeit abzulehnen.
Auf § 817 BGB geht die Begründung - obwohl der Porsche, wie erwähnt, gestohlen worden war - ebenfalls nicht ein:
„§ 817 Verstoß gegen Gesetz oder gute Sitten
War der Zweck einer Leistung in der Art bestimmt, dass der Empfänger durch die Annahme gegen ein gesetzliches Verbot oder gegen die guten Sitten verstoßen hat, so ist der Empfänger zur Herausgabe verpflichtet. Die Rückforderung ist ausgeschlossen, wenn dem Leistenden gleichfalls ein solcher Verstoß zur Last fällt, es sei denn, dass die Leistung in der Eingehung einer Verbindlichkeit bestand; das zur Erfüllung einer solchen Verbindlichkeit Geleistete kann nicht zurückgefordert werden.”
Jeden Markenrechtler interessierender Entscheid des Schweizerischen Bundesverwaltungsgerichts
BGer Entscheid vom 28.11.2018, Az.: 4 A_234/2018
Die Marke "...." wurde nicht in Gebrauchsabsicht hinterlegt, sondern in der Absicht, bestehende Marken mit diesen Bestandteilen anzugreifen und für die Beilegung der Markenstreitigkeiten Geld zu verlangen. Folglich ist die Hinterlegung als rechtsmissbräuchlich zu betrachten und die Nichtigkeit der hinterlegten Marke festzustellen.
Der Wert dieser Entscheidung besteht darin, dass ein immer wieder auftretender Fall herausgestellt wird. Im Übrigen ist die Entscheidung ein Musterbeispiel dafür, wie die Verfahrensvorschriften geändert werden sollten, um die Arbeitslast von Gerichten zu verringern. In 119 Randnummern wird wiederholt, um mit wenigen Worten das Entscheidende auszudrücken.
Kopftuchverbot für Richterinnen, Staatsanwältinnen und Landesanwältinnen in Bayern bei Gerichtsverhandlungen
Bayerischer Verfassungsgerichtshof Entscheidung vom 14.03.2019- Vf. 3-VII-18.
Begründung, Hervorhebungen von uns.
Der Gesetzgeber hat im Fall des Aufeinandertreffens widerstreitender Verfassungsgüter einen möglichst schonenden Ausgleich zwischen den kollidierenden verfassungsrechtlich geschützten Werten zu schaffen. Hier hat er bei seiner Abwägung die institutionelle Neutralität der Justiz in Übereinstimmung mit der verfassungsrechtlichen Wertordnung als besonders schützenswertes Gut angesehen. Auf der anderen Seite durfte er berücksichtigen, dass die Person des Amtsträgers bei der Ausübung der ihm übertrage-nen Funktion tendenziell hinter seinem Amt zurücktritt und bei der privaten Selbstdarstel-lung im Rahmen der Amtstätigkeit das Gebot der Mäßigung gilt. Dementsprechend ist es verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, dass der Gesetzgeber den Verfassungsgütern, die mit dem Verbot geschützt werden, größeres Gewicht beigemessen hat als der mit der angegriffenen Regelung verbundenen Beeinträchtigung des Grundrechts der Amtsträger auf freie Bekundung ihres Glaubens.
2. Der Gleichheitssatz des Art. 118 Abs. 1 BV ist ebenfalls nicht verletzt.
3. Auch gegen das Diskriminierungsverbot des Art. 118 Abs. 2 Satz 1 BV wird nicht verstoßen.
Art.11 Abs. 2 BayRiStAG knüpft nicht am biologischen Geschlecht des jeweiligen Amtsträgers an. Es ist auch nicht ersichtlich, dass in erster Linie Frauen beeinträchtigt würden. Art. 11 Abs. 2 BayRiStAG betrifft nicht nur das Tragen eines Kopftuchs aus religiösen Gründen, sondern vielmehr alle religiös oder weltanschaulich geprägten Kleidungsstücke oder Symbole, die Zweifel an der Unabhängigkeit, Neutralität oder ausschließlichen Bindung ihrer Trägerin oder ihres Trägers an Recht und Gesetz hervorrufen können. Hiervon umfasst sind auch Kleidungsstücke, die ausschließlich oder vorwiegend von Männern getragen werden, wie etwa die Kippa oder der Dastar. Im Übrigen verfolgt der Gesetzgeber in verfassungsrechtlich nicht zu beanstandender Weise das Ziel, Beeinträchtigungen des verfassungsrechtlichen Gebots der Neutralität der Justiz zu verhindern und das Vertrauen der Bevölkerung in die Unabhängigkeit der Gerichte zu bewahren. Die angegriffene Regelung hat angesichts dieses Normziels objektiv nichts mit einer Differenzierung aufgrund des Geschlechts zu tun.
Art. 11 des Bayerischen Richter- und Staatsanwaltsgesetz bestimmt:
Ein Pächter darf wie ein Eigentümer das Fotografieren der gepachteten Räume und die Verwertung der vom Pachtobjekt entstandenen Bilder untersagen.
OLG Frankfurt, Urteil vom 11.02.2019 – 16 U 205/17.
Kraft der rechtlichen und tatsächlichen Herrschaftsmacht, die dem Pächter durch das vertraglich gewährte Hausrecht verliehen wird, hat er die Möglichkeit, andere vom Zugang zu dem Pachtobjekt auszuschließen und ihnen damit auch die Möglichkeit zur Anfertigung von Fotoaufnahmen, insbesondere der Innenräume abzuschneiden. Aus dem Hausrecht ergibt sich Befugnis, zu entscheiden, wer Zutritt zum Grundstück erhält und zu welchen Voraussetzungen. So kann vom Pächter auch bestimmt werden, ob und in welchem Umfang Fotoaufnahmen angefertigt werden dürfen.
Folglich war es rechtswidrig, Lichtbildaufnahmen von den Innenansichten wie Bistro, Veranstaltungsraum sowie einem Besprechungsraum anzufertigen.
Wer sind die besseren Gläubigen? Und was kann diese Frage mit Tiger Woods und dem Golfclub München-Eichenried zu tun haben?
Der israelische Regierungschef Netanyahu macht dem Papst den Vorschlag, anhand eines Golfturniers herauszufinden, welche Gläubigen die besseren seien: Juden oder Katholiken.
Der Papst berät im Vatikan mit Kardinälen: „Am Besten wir rufen Dustin Johnson an. Wir ernennen ihn zum Kardinal, dann kann er gegen Netanyahu spielen, und der Sieg ist uns sicher." Da alle von dieser Idee begeistert sind, und der Papst eh unfehlbar ist, stimmen die Kardinäle zu.
Dustin Johnson, gegenwärtige Nr. 1 der Golf-Weltrangliste, wird angerufen und, wie sollte es anders sein, er fühlt sich hochgeehrt und übernimmt den Auftrag. Nach dem Spiel kommt Johnson in den Vatikan, um Bericht zu erstatten: „Ich bin Zweiter geworden, Eure Heiligkeit."
„Wie bitte? Nur Zweiter?", fragt der Papst. „Zweiter hinter Netanyahu? "Nein", sagt Johnson, „Zweiter hinter Rabbi Woods."
Tiger Woods hält die Rekorde für die meisten auf Platz 1 der Welt-Rangliste beendeten Saisons (12) sowie für die meisten Wochen an der Spitze der Weltrangliste, sowohl absolut (683) als auch aufeinander folgend (281). Erste Weltranglisten Nr. 1 war (bei Einführung der Wertung) der 1957 in Anhausen (Landkreis Augsburg) geborene und mit dem Golfclub München-Eichenried verbundene Bernhard Langer. Eingeführt wurde die Golf Weltrangliste im Jahr 1986, einem Jubeljahr für die zahlreichen deutschen Golfenthusiasten. Aktuell führt, wie erwähnt, der US-Amerikaner Dustin Johnson. Tiger Woods nimmt nach seiner Krise bereits wieder Rang 13 ein. Die Golfwelt wartet darauf, ob Tiger alias Rabbi Woods jetzt im Alter von 42 Jahren nochmals den Golfthron einnehmen kann.
Bernhard Langer gehört immer noch zu den besten Golf-Champions und ist noch bei jedem Turnier der Challenge Tour gut für einen Platz unter den Top 10. Am 16. Januar 2019 wurde Bernhard Langer zum achten Mal insgesamt und zum fünften Mal in Folge zum Spieler des Jahres der PGA Tour Champions gewählt. Mal sehen, ob Bernhard Langer nicht doch in diesem Jahr, wie schon mehrmals früher, auf der Anlage des Golfclubs München-Eichenried bei den BMW International Open spielt, dem renommiertesten Golfturnier in Deutschland. 60 000 Besucher werden erwartet. Bernhard Langer hat schon - wie erwähnt seit 1986 einer der führenden Weltranglistenspieler - an der ersten BMW International Open vom 12. - 15. Oktober 1989, also in München-Eichenried, teilgenommen. In diesem Jahr findet die BMW International Open 2019 vom 19. bis 23. Juni natürlich wieder in Eichenried statt, unter anderem auf jeden Fall mit Martin Kaymer und Titelverteidiger Matt Wallace.
Fragen Sie einen Golfspieler, an welchen Schlag von Tiger Woods, Bernhard Langer oder Martin Kaymer er sich erinnert. Er wird Ihnen begeistert Geschichten erzählen!
Übrigens: Für das vergangene Jahr, 2018, finden Sie im Internet exemplarisch für den Golfclub München-Eichenried von „Eichenrieder Damen AK 65 zum zweiten Mal Bayerische Meisterinnen!”
„Eichenrieder Kids AK 12 an der Spitze in Bayern!”
lauter Gratulationen dieser Art.
Bei Loch 10/19, das ist in jedem Club das Restaurant, treffen Sie stets passende Sports-Freundinnen und -Freunde jeden Alters und jeder Klasse. Der Verf. dieser Zeilen spielt ganz schlecht und würde gerne eine Mannschaft Ü 80 gründen; das wäre Bundesliga! Dann wäre ein Traum erfüllt: Bundesliga-Golfer. Oft hört man den Satz: „Die Golfer, die spinnen alle mit ihrem Sport”.
Apropos „schlechter Spieler” und Golfer, die spinnen alle!
Von einem Rolf, Golfclub W., sagen auch seine Freunde, er lerne es nie; er sei wohl der schlechteste Spieler auf dieser Welt. Ein Golf-Spieler, den es gepackt hat, gibt aber nie auf. Immer wieder kommt für jeden der Moment mit einem Schlag, nach dem er weiß: „Jetzt kann ich's”.
Rolf beschließt eines Tages, auf einem anderen Golfplatz zu spielen, wo man ihn nicht kennt. Er möchte feststellen, ob es anderswo länger als einen oder gar zwei oder drei Schläge besser läuft. Er wählt natürlich gleich den Platz, auf dem die International Open gespielt wird. Er fühlt sich wie Bernhard Langer. Ein großer Tag. Er leistet sich einen Caddy. Nach einer furchtbaren Runde mit zahllosen Luftschlägen, Slices und Fehlputts sagt er zu seinem Caddy: „Ich bin wohl der schlechteste Golfer der Welt!"
Da tröstet ihn der Caddy: „Das glaube ich nicht! Im Club W. soll es einen Golfer geben, der Rolf heißt, und alle sagen, er ist der schlechteste Golfer der Welt!"
Preisangabe „nach geschätzten Einsparungen” rechtswidrig
Wenn diese Werbung Schule gemacht hätte, wären Preisverschönerungen keine Grenzen mehr gesetzt. Aber bis zum 20. März muss der Konzern Tesla diese Praxis endgültig stoppen. Grenzen gesetzt hat die Wettbewerbszentrale mit einer Abmahnung. Tesla hat sich daraufhin mit der Wettbewerbszentrale geeinigt.
Tesla hatte sich im Internet für den Verkauf und die Finanzierung seines „Model 3" auf unterstellte Kraftstoffeinsparungen bezogen und mit Preisen und/oder Raten "nach geschätzten Einsparungen" geworben. Dabei wurde dem Kaufpreis von 56.380 Euro ein Preis von 51.380 Euro für den Barkauf gegenübergestellt. Auch warb Tesla im Rahmen der Finanzierung mit einer geschätzten Ratenzahlung von 626 Euro monatlich sowie einer "monatlichen Rate nach Einsparungen" von 522 Euro monatlich. Unter "Einzelheiten anzeigen" erschien unter anderem der Hinweis: "Geschätzte Kraftstoffeinsparung/Jahr 5: - 5.000 €".
Diese Werbepraxis führt irre und verstößt gegen die Preisangabenverordnung. Die von Tesla bei den Berechnungsbeispielen geschätzte Kraftstoffkosteneinsparung über einen Zeitraum von fünf Jahren ist willkürlich sowie intransparent und widerspricht damit den Grundsätzen von Preiswahrheit und Preisklarheit. Für die Werbeadressaten sind Bezugspunkte nicht nachvollziehbar: etwa die Laufleistung pro Jahr, welche Betriebskosten berücksichtigt worden sind, gegenüber welchem Fahrzeug die genannte Einsparung erzielt werden soll.
Darüber hinaus: Selbst wenn eine "Einsparung" erzielt wird, ist es unlauter einen Einsparungsbetrag von dem zu zahlenden Kaufpreis oder der monatlichen Rate abzuziehen, weil der Kunde zum Zeitpunkt des Kaufs oder der Finanzierung den vollen genannten Preis bezahlen muss und diese Preisdarstellung damit auch gegen die Preisangabenverordnung verstößt.
Die schnelle Unterwerfung von Tesla wird sich dadurch erklären, dass Tesla im gleichen Sinne von der Wettbewerbszentrale schon im Jahr 2017 abgemahnt wurde und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle das Model S wieder aus der Liste der förderfähigen Elektroautos gestrichen hat. Tesla hatte damals sein Model S 75 D mit einer „Standardausstattung" für einen Barzahlungsgrundpreis von 69.019 Euro beworben, obwohl kein Tesla-Fahrzeug zu diesem Preis zu erwerben war.
Unterlassungsverpflichtung: kein Trick mit der Veränderung eines Bildes!
Oberlandesgericht Frankfurt a.M., Beschluss v. 29.1.2019, Az. 16 W 4/19.
Zur Bebilderung eines Artikels nutzte die BILD ein Foto mit dem Hinweis: „Wasser, Süßigkeiten und Kaugummis erbeutet die Frau im pinkfarbenen T-Shirt im geplünderten Drogeriemarkt“. Kopf und Oberkörper der Frau waren herangezoomt dargestellt worden. Die „Frau im pinkfarbenen T-Shirt“ erwirkte eine einstweilige Verfügung, „im Zusammenhang mit der Suche nach den G 20-Verbrechern durch Bekanntgabe ihres nachfolgend wiedergegeben Bildnisses erkennbar zu machen“.
Kurz darauf veröffentlichte die Beschwerdeführerin einen Artikel mit dem Titel: „BILD zeigt die Fotos trotzdem - Gericht verbietet Bilder von G 20-Plünderin.“ Abgebildet wurde auch das Foto, das Gegenstand der Unterlassungsverpflichtung war. Anders als in der Ausgangsberichterstattung wurde das Foto nunmehr komplett abgedruckt. Das Landgericht Frankfurt hat dem Verlag daraufhin ein Ordnungsgeld i.H.v. 50.000 € wegen Verstoßes gegen die Unterlassungsverpflichtung auferlegt. Die Beschwerde beim OLG blieb erfolglos.
BILD hat „hier bewusst und gewollt versucht (...), die Entscheidung des Landgerichts zu umgehen“. ...Der Umstand, dass nun das komplette Foto und nicht nur ein vergrößerter Teilausschnitt abgedruckt wurde, ändert nichts an der Identität der beiden Fotos. Die Verletzungsform, auf welche sich die Unterlassungsverpflichtung bezieht, ist dieselbe. Die beiden Bildpublikationen unterscheiden sich nicht in ihrem Aussagegehalt.
Tägliche Gefahr: Schadensersatzpflicht des Rechtsanwalts bei fragwürdigem Hinweis des Mandanten auf den Zugang eines Schreibens!
Bundesgerichtshof, Urteil vom 14.2.2019 - IX ZR 181/17 -
Entschieden wurde zum Zugang eines Kündigungsschreibens. Das Problem kann jedoch genauso bei anderen Zustellungen auftreten.
Ein Kündigungsschreiben datierte vom 22. Dezember 2011 und war mit der Aufschrift „per Boten" versehen. Danach kam in Betracht, dass das Schreiben bereits am 22. Dezember 2011 durch einen Boten zu einer Tageszeit in den Briefkasten der Klägerin eingeworfen wurde, als mit einer Entnahme noch am selben Tag gerechnet werden konnte. Eine solche Möglichkeit konnte der beklagte Rechtsanwalt auch nicht aufgrund der Äußerung des Ehemannes der Klägerin ausschließen, die Zustellung sei am 23. Dezember 2011 erfolgt. Die Äußerung war nicht dahin zu verstehen, dass am Tag zuvor der Briefkasten nach dem Zeitpunkt geleert worden ist, zu dem noch mit einer Entnahme gerechnet werden konnte, und dabei das Kündigungsschreiben nicht vorgefunden worden ist.
Auf die Richtigkeit tatsächlicher Angaben seines Mandanten darf der Rechtsanwalt vertrauen und braucht insoweit keine eigenen Nachforschungen anzustellen.. Dies gilt jedoch nur für Informationen tatsächlicher Art, nicht für die rechtliche Beurteilung eines tatsächlichen Geschehens. Bei Angaben des Mandanten mit rechtlicher Bedeutung muss der Anwalt damit rechnen, dass der Mandant die damit verbundenen Beurteilungen nicht verlässlich genug allein vornehmen kann, weil ihm entsprechende Erfahrungen und Kenntnisse fehlen.
Allgemeine Geschäftsbedingungen Sky zur Änderung des Programmangebots rechtsunwirksam
Landgericht München I, Urteil vom 17.1.2019 - Az. 12 O 1982/18.
Der Bezahlsender Sky Deutschland darf sich in seinen Geschäftsbedingungen nicht das Recht einräumen, das vereinbarte Programmangebot beliebig zu ändern oder einzuschränken. Programme und Programmpakte dürfen nicht ohne triftigen Grund und nicht ohne Rücksicht auf die Interessen der Abonnenten geändert oder eingeschränkt werden.
Kunden hatten das Sky Sport Paket vor allem wegen der Übertragung der Formel 1-Rennen abonniert. Doch in der Saison 2018 waren die Rennen nicht mehr bei Sky zu sehen. Die Übertragungsrechte waren dem Unternehmen zu teuer geworden. Kunden, die ihr Abo daraufhin kündigen wollten, ließ Sky mit dem Hinweis auf die strittige Klausel nicht aus dem Vertrag. Da immer noch Sport gezeigt werde, habe sich der Gesamtcharakter des Pakets nicht geändert.
Begründung; Medienberichte ordnen in der Regel nicht mit Paragrafen ein, weil die Verbraucherzentrale vzbv in ihrer Pressemitteilung, wie so oft, nicht paragraphenmäßig einordnet.
§ 308 Nr. 4 BGB stellt für die mögliche Rechtfertigung eines Leistungsänderungsvorbehalts darauf ab, ob ein solcher unter Berücksichtigung, der Interessen des Verwenders für den anderen Vertragsteil zumutbar ist. Im Ergebnis ist dabei eine Interessenabwägung zwischen den Interessen des Klauselverwenders und denen des Vertragspartners vorzunehmen. Entscheidend ist dabei, dass die Fassung der Klausel keine Änderungen erlaubt, welche dem Vertragspartner unzumutbar wären.
Für zulässig erklärte das Gericht dagegen eine Klausel, nach der Sky zu Programmänderungen berechtigt ist, die aus lizenzrechtlichen oder technischen Gründen erforderlich sind. Für diesen Fall hatte Sky seinen Kunden ein Sonderkündigungsrecht eingeräumt.
Amazon versucht gekaufte Bewertungen zu verhindern
OLG Frankfurt a. M.,Beschluss vom 22.02.2019- 6 W 9/19.
Es muss kenntlich gemacht werden, dass die Tester einen vermögenswerten Vorteil erhalten haben.
Die Antragsgegnerin bietet von Amazon unabhängigen Verkäufern an, Kundenrezensionen gegen Entgelt zu erstellen und zu veröffentlichen. Sie vermittelt auf Wunsch einen Tester, der das über amazon.de erworbene Produkt bewertet und hierfür im Regelfall das Produkt - eventuell gegen Zahlung eines kleinen Eigenanteils - behalten darf. Die Rezension wird über das Portal der Antragsgegnerin automatisiert bei amazon.de eingestellt.
Maßgeblich ist, dass der durchschnittlich informierte, situationsadäquat aufmerksame und verständige Durchschnittsverbraucher bei Produktbewertungen davon ausgeht, dass diese grundsätzlich ohne Gegenleistung erstellt werden“. Die Idee eines jeden Bewertungsportals beruht darauf, dass die Bewerter die Produkte aufgrund eines eigenständigen Kaufentschlusses erworben haben und nunmehr ihre Bewertung unbeeinflusst von Dritten mitteilen. Der Verbraucher erwartet eine nicht „gekaufte“ Bewertung. Die von der Antragsgegnerin vermittelten Rezensionen entsprechen nicht dieser Verbrauchererwartung, weil die Tester einen vermögenswerten Vorteil für die Abfassung der Bewertung erhalten.
Warum ist Amazon „so korrekt”? Natürlich um seinen Dienst nicht zu verwässern.
Ein Gottesgeschenk für den Pfarrer!
Ein verregneter Sonntagmorgen wie fast überall heute in Deutschland. Es nieselt. Dennoch: Der neue Pfarrer spielt leidenschaftlich gern Golf. Er schleicht sich vor 7 Uhr aus dem Pfarrhaus hinüber zum Golfplatz. Nur kurz soll es sein. Ganz allein. Aber Gott sieht natürlich alles! Um 10:30 Uhr beginnt der Gottesdienst. Der Pfarrer spielt so gut wie noch nie, alles gelingt. Am dritten Loch gelingt ihm das erste As seines Lebens, nach neun Spielbahnen liegt er 4 unter und 7 unter nach 13. Gott und Jesus schauen zu. Jesus zu Gott: „Was soll das? So wird er alle 18 spielen wollen. Er kann nur noch den Talar überwerfen.” Der liebe Gott grinst und antwortet gelassen: „Er wird noch einen Eagle und am Ende wie Wood damals in einer Runde 12 unter spielen – aber wem soll er’s denn erzählen?“
Mainstream - Samstagswitze gehen heute so!
"Heute machen wir uns mal einen richtig gemütlichen Samstag", schlägt die Frau ihrem Mann vor.
„Prima, und was wollen wir machen?"
„Das Kind geben wir zur Nachbarin, und du gehst deine Mutter besuchen."
Identifizierende Berichterstattung gegen Umfeld der AfD
Das Oberlandesgericht Karlsruhe, Urteil vom 13.2.2019, Az. 6 U 105/18, nimmt an:
Mit Rücksicht auf die Diskussion um rechtsextreme Bestrebungen im Umfeld der AfD leisten Presseartikel einen Beitrag zum geistigen Meinungskampf in einer die Öffentlichkeit wesentlich berührenden Frage. Aus diesem Grund darf in diesem Zusammenhang auch identifizierend über den Kläger berichtet werden.
Das OLG sah es auch als hinreichend glaubhaft gemacht an, dass die im Rechtsstreit vorgelegten Chat-Protokolle authentisch sind.
Deshalb war es für das Gericht überwiegend wahrscheinlich, dass der Kläger sich in der zitierten Weise menschenverachtend, rassistisch und demokratiefeindlich geäußert hat und früher NPD-Mitglied gewesen ist, wie er dies gegenüber verschiedenen Chat-Partnern selbst angegeben hatte.
Mit der üblichen Argumentation schloss das Gericht aus, dass die Presse selbst sträflich an das Material gelangt ist und deshalb nicht berichten durfte. Wörtlich: „Die Berichterstattung ist auch nicht deshalb verboten, weil die Chat-Protokolle möglicherweise widerrechtlich „geleakt“ wurden. Der Kläger konnte nicht glaubhaft machen, dass der Beklagte den etwaigen Rechtsbruch selbst begangen oder in Auftrag gegeben hat. Deshalb überwiegt das von dem Beklagten [Presse] verfolgte Informationsinteresse der Öffentlichkeit und sein Recht auf Meinungs- und Medienfreiheit das Interesse des Klägers [aus Umfeld AfD] am Schutz seiner Vertraulichkeitssphäre.
„Olympiareif” ist nicht „Olympia” und deshalb rechtmäßig
Bundesgerichtshof, Urteil von heute, 7. März 2019. Az. I ZR 225/17.
Wer seine Sporttextilien „olympiaverdächtig" oder ”olympiareif" bezeichnet, verstößt nicht gegen das Olympia-Schutzgesetz.
Die Beklagte betreibt einen Textilgroßhandel. Während der olympischen Spiele 2016 warb sie auf ihrer Internetseite für Sportbekleidung mit den Aussagen „olympiaverdächtig" und „olympiareif".
Ein enger Bezug zu den Olympischen Spielen wird nicht allein dadurch hergestellt, dass Wörter wie "olympiareif" und "olympiaverdächtig" produktbezogen als Synonym für eine außergewöhnlich gute Leistung benutzt werden. Für dieses Ergebnis spricht auch § 4 Nr. 2 OlympSchG, der - unter dem Vorbehalt fehlender Unlauterkeit - ausdrücklich eine Benutzung der olympischen Bezeichnungen als Angabe über Merkmale oder Eigenschaften von Waren, Dienstleistungen oder Personen erlaubt. Eine für ein unlauteres Ausnutzen der Wertschätzung ausreichende bildliche Bezugnahme auf die Olympischen Spiele fehlt ebenfalls. Die in der angegriffenen Werbung abgebildete Medaille in der Hand eines Sportlers ist nicht per se ein olympisches Motiv. Diese Darstellung fällt daher nicht in den Schutzbereich des Olympia-Schutzgesetzes.
1 %-Regelung bei Privatnutzung eines Betriebs-Pkw
Bundesfinanzhof, erst heute in einer Pressemitteilung des BFH bekannt gemachtes Urteil vom 8. November 2018, Az. III R 13/16.
Der für die steuerliche 1 %-Regelung maßgebliche Listenpreis ist derjenige, zu dem ein Steuerpflichtiger das Fahrzeug als Privatkunde [nach dem Listenpreis] erwerben könnte. Denn der im Gesetz erwähnte Listenpreis soll nicht die Neuanschaffungskosten und auch nicht den gegenwärtigen Wert des Fahrzeugs abbilden, vielmehr handelt es sich um eine generalisierende Bemessungsgrundlage für die Bewertung der Privatnutzung eines Betriebs-Pkw.
Der BFH merkt in seiner Pressemitteilung an, dass das Urteil einen Taxiunternehmer betrifft und auch anzuwenden ist für alle Sonderpreislisten mit Sonderrabatten, die ein Fahrzeughersteller bestimmten Berufsgruppen gewährt.
Keine Abschreibehelferin für Betriebsrat bei Entgeltlisten
Landesarbeitsgericht Düsseldorf Beschluss vom 23.10.2018, Az. 8 TaBV 42/18.
Der Betriebsrat kann weder die Übergabe der Entgeltlisten in elektronischer oder gedruckter Form, noch die Überlassung eines PC, auf dem die Listen gespeichert sind, noch die Gestellung zusätzlichen Büropersonals zwecks Schaffung einer "Abschreibemöglichkeit" der Listen verlangen. Derartige Ansprüche bestehen auch nach Inkrafttreten des EntgTranspG generell nicht; darauf, ob der Begriff des "Auswertens" lediglich eine zeitweilige Überlassung rechtfertigte, kommt es nicht an.
Es ist nicht zu erkennen, wodurch sich der Aufgabenkanon des Betriebsrats im Zusammenhang mit dem Inkrafttreten des EntgTranspG, abgesehen von der Verpflichtung zur Auskunftserteilung gemäß §§ 14 Abs. 1, 15 Abs. 2, geändert haben sollte mit der Folge, dass nach Sinn und Zweck nunmehr ein Anspruch auf Überlassung von Bruttoentgeltlisten anzuerkennen wäre, den es bisher nicht gab. Die in § 13 Abs. 1 Satz 1 EntgTranspG genannte Förderung der Durchsetzung der Entgeltgleichheit von Frauen und Männern im Betrieb besteht "im Rahmen seiner (des Betriebsrats) Aufgaben nach § 80 Abs. 1 Nr. 2a BetrVG"; die Regelung betrifft nur eine bestimmte Ausprägung des geschlechtsneutralen Gleichstellungsgebotes und konkretisiert sie im Sachzusammenhang des EntgTranspG. Die Aufgaben des Betriebsrats werden mithin nicht erweitert, sondern nur klargestellt.
Rosenmontagskinder müssen närrisch sein!
am rosenmontag in mainz am Rhein
mein papa sein wahlspruch war spass an der freud
und gestern war gestern und heute ist heut
und dann hat er um meine mutter gefreit
was daraus dann wurde steht vor euch ihr leut
und sollt eines tages ein mann um mich frein
dann darf es vor allem kein trauerkloss sein
wir brauchen kein Reichtum
wir brauchen kein Geld
gehört uns die welt
Sie wissen: Margit Sponheimer hatte 1969 ihren großen Dauer-Erfolg mit Am Rosenmontag bin ich geboren, komponiert von Charly Niessen.
Wohin gehen Sie heute? Und ich sage Ihnen, wie alt Sie sind.
Drei 50-Jährige treffen sich am Karnevalsonntag und wollen gemeinsam feiern.
„Wo gehen wir denn hin?"
Zur Lindenwirtin , da ist heute bestimmt was los.
Als sie 60 Jahre wurden, trafen sie sich wieder und wollten zusammen feiern . Wo gehen wir hin?
Zur Lindenwirtin , dort isst man am besten.
Bei der 7oJahr Feier wieder die Frage , wo gehen wir hin?
Zur Lindenwirtin , da gibt es Freibier.
Bei der 80 Jahr Feier wieder die Frage , wo gehen wir hin?
Zur Lindenwirtin , da waren wir noch nie .
Allgemeinbildung: Wann ist Karnevalszeit, und ist heute ein Karnevalstag?
Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 11.01.2019 - 19 Ca 3743/18.
Die „Karnevalszeit" oder „Faschingszeit” hat vorgestern mit der Weiberfastnacht und dem Schmutzigen Donnerstag begonnen und dauert bis Aschermittwoch. "Karnevalstage" sind nur Weiberfastnacht (Schmutziger Donnerstag), Rosenmontag und Aschermittwoch.
Die Klägerin war von März 2013 bis August 2017 bei der Beklagten als Servicekraft in Köln beschäftigt. Sie wollte unter anderem bestätigt erhalten, während der Karnevalszeit gearbeitet zu haben. Sie hatte 2017 jedenfalls am Freitag und Samstag nach Weiberfastnacht gearbeitet. Der Arbeitgeber war der Ansicht, diese Tage lägen nicht „in der Karnevalszeit". Die Klage war erfolgreich. Das ArbG urteilte, dass die Klägerin in der Karnevalszeit gearbeitet hat.
Der Begriff „Karnevalszeit" ist zwar nicht gesetzlich genau definiert. Aber im Rheinland und insbesondere im Kölner Raum besteht gerichtsbekannt kein Zweifel. Anders als der Begriff der „Karnevalstage", der sich nur auf Weiberfastnacht, Rosenmontag und Aschermittwoch beziehen kann, lässt sich die „Karnevalszeit" als die gesamte Hochzeit auffassen, in der Karneval gefeiert wird, mithin die Zeit von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch.
Wieder ein Auskunftsanspruch der Presse verneint!
BVerwG 7 C 23.17 - Urteil vom 28. Februar 2019
Ein Verein zur Förderung der Informationsfreiheit beantragte beim Generalbundesanwalt den Informationszugang zu einer Weisung des Bundesministers der Justiz und für Verbraucherschutz an den Generalbundesanwalt bzw. zu dem gesamten Schriftverkehr in diesem Ermittlungsverfahren. Der Generalbundesanwalt lehnte ab. Die Klage blieb in den Vorinstanzen erfolglos. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Revision des Klägers zurückgewiesen.