Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/der-verstoss-des-notars-gegen-treuhandauflagen-375124
Timestamp: 2020-04-04 02:30:24
Document Index: 328085779

Matched Legal Cases: ['§ 54', '§ 94', '§ 60', '§ 96', '§ 88', '§ 3', '§ 96', '§ 4', '§ 96', '§ 113', '§ 13', '§ 96', '§ 94', '§ 94', '§ 94', '§ 124', '§ 111', '§ 94', 'BGH', '§ 94', '§ 94', '§ 94', 'BGH', 'BGH']

Der Ver­stoß des Notars gegen Treu­hand­auf­la­gen | Rechtslupe
Der Verstoß des Notars gegen Treuhandauflagen
Der Ver­stoß des Notars gegen Treu­hand­auf­la­gen
Unter außer­ge­wöhn­li­chen Umstän­den kann auch bei einem Ver­stoß des Notars gegen § 54b Abs. 2 Satz 3 BeurkG und gegen Treu­hand­auf­la­gen eine Miss­bil­li­gung gemäß § 94 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO als Sank­ti­on aus­rei­chen.
Nach § 60 Abs. 3 BDG i.V.m. § 96 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO hat das Gericht bei einer Kla­ge gegen eine Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung neben der Recht­mä­ßig­keit auch die Zweck­mä­ßig­keit der ange­foch­te­nen Dis­zi­pli­nar­ent­schei­dung zu über­prü­fen. Es ist nicht auf die Prü­fung beschränkt, ob die dem Klä­ger zum Vor­wurf gemach­te Ver­hal­tens­wei­se (Lebens­sach­ver­halt) tat­säch­lich gege­ben und dis­zi­pli­nar­recht­lich als Dienst­ver­ge­hen zu wür­di­gen ist, son­dern hat – beja­hen­den­falls – unter Beach­tung des Ver­schlech­te­rungs­ver­bo­tes (vgl. § 88 VwGO i.V.m. § 3 BDG, § 96 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO) im Inter­es­se der Ver­fah­rens­be­schleu­ni­gung (§ 4 BDG i.V.m. § 96 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO) auch dar­über zu ent­schei­den, wel­ches die ange­mes­se­ne Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ist. Anders als sonst bei einer Anfech­tungs­kla­ge ist das Gericht danach nicht gemäß § 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO dar­auf beschränkt, eine rechts­wid­ri­ge Ver­fü­gung auf­zu­he­ben; es trifft in Anwen­dung der in § 13 Abs. 1 BDG i.V.m. § 96 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO nie­der­ge­leg­ten Grund­sät­ze inner­halb der durch die Ver­fü­gung vor­ge­ge­be­nen Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men­ober­gren­ze viel­mehr eine eige­ne "Ermes­sens­ent­schei­dung". Es kann die ange­foch­te­ne Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung zu Guns­ten des Klä­gers abän­dern und an Stel­le der ver­häng­ten eine mil­de­re Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me aus­spre­chen 1. Dies umfasst auch die Befug­nis, statt einer Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me eine blo­ße Miss­bil­li­gung gemäß § 94 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO aus­zu­spre­chen, die zwar einen Tadel beinhal­tet, jedoch dis­zi­pli­na­ri­schen Cha­rak­ter nicht hat 2. Da sie aber eben­so wie eine Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me die Reak­ti­on der Auf­sichts­be­hör­de auf ein Dienst­ver­ge­hen des Notars ist 3, ist auch das Dis­zi­pli­nar­ge­richt befugt, die Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung durch eine Miss­bil­li­gung zu erset­zen. Von die­ser Mög­lich­keit hat das Ober­lan­des­ge­richt in nicht zu bean­stan­den­der Wei­se Gebrauch gemacht.
Die Miss­bil­li­gung kann bei ord­nungs­wid­ri­gem Ver­hal­ten und Pflicht­ver­let­zun­gen leich­te­rer Art aus­ge­spro­chen wer­den (§ 94 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO). Dies kommt unter ande­rem in Betracht, wenn der Notar inner­dienst­li­chen Vor­schrif­ten nicht Rech­nung trug, ohne dass blei­ben­de Schä­den ein­ge­tre­ten sind oder eine Außen­wir­kung ein­ge­tre­ten ist 4. Aber auch bei einem Ver­hal­ten mit Außen­wir­kung kann eine Miss­bil­li­gung aus­ge­spro­chen wer­den, wenn das Ver­schul­den beson­ders leicht wiegt 5. Eine Maß­nah­me nach § 94 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO kann dann ins­be­son­de­re aus­rei­chen, wenn zu erwar­ten ist, dass der Notar den betref­fen­den Fall zum Anlass neh­men wird, künf­ti­ge Ver­stö­ße glei­cher oder ähn­li­cher Art nicht mehr zu bege­hen und in der Ver­gan­gen­heit nicht schon schär­fe­re Maß­nah­men ver­hängt wer­den muss­ten 6.
Nach die­sen Maß­stä­ben und unter der gebo­te­nen Berück­sich­ti­gung der beson­de­ren Umstän­de des Ein­zel­falls ist in dem hier ent­schie­de­nen Fall nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs die Ent­schei­dung des Senats für Notar­sa­chen des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main, nur eine Miss­bil­li­gung aus­zu­spre­chen 7, nicht zu bean­stan­den:
Vor­lie­gend hat­te der Notar eine Aus­zah­lung aus dem Ander­kon­to vor­ge­nom­men, obgleich die ver­trag­li­chen Fäl­lig­keits­vor­aus­set­zun­gen nicht vor­la­gen. Zwar stellt ein sol­ches Vor­ge­hen in der Regel einen schwer­wie­gen­den und gro­ben Ver­stoß gegen die nota­ri­el­len Amts­pflich­ten dar, da pein­li­che Genau­ig­keit bei der Erfül­lung von Treu­hand­auf­la­gen für einen Notar eine grund­le­gen­de Pflicht ist 8. Dies hat das Ober­lan­des­ge­richt jedoch beach­tet und wie­der­um unter Berück­sich­ti­gung der unge­wöhn­li­chen Beson­der­hei­ten des Ein­zel­falls eine dis­zi­pli­na­ri­sche Ahn­dung des Pflicht­ver­sto­ßes des Klä­gers aus­nahms­wei­se nicht für erfor­der­lich gehal­ten. Die­se Wür­di­gung lässt einen Grund zur Zulas­sung der Beru­fung nicht erken­nen.
Ins­be­son­de­re weil Schä­den nicht ent­stan­den sind und zu erwar­ten ist, dass der Klä­ger auch ohne eine dis­zi­pli­na­ri­sche Ahn­dung die ihm unter­lau­fe­nen, weit­ge­hend klei­ne­re for­ma­le Nach­läs­sig­kei­ten beinhal­ten­den und im Übri­gen durch außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de ver­an­lass­ten; vom Regel­fall abwei­chen­den Pflicht­ver­stö­ße nicht wie­der bege­hen wird, begeg­net es nicht ernst­li­chen Zwei­feln (§ 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO i.V.m. § 111d Satz 2 BNo­tO), ledig­lich eine Miss­bil­li­gung aus­zu­spre­chen.
Auch wei­te­re Pflicht­ver­stö­ße, ins­be­son­de­re die Abwei­chung von den ver­trag­li­chen Aus­zah­lungs­vor­aus­set­zun­gen, die jeweils für sich genom­men bereits ein Vor­ge­hen nach § 94 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO gebie­ten, füh­ren nicht not­wen­dig dazu, dass eine Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ange­zeigt ist. Bei der gebo­te­nen Wür­di­gung aller Umstän­de kann gleich­wohl ins­ge­samt ledig­lich eine Miss­bil­li­gung gerecht­fer­tigt sein.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. März 2014 – NotSt(Brfg) 1/​13
Das Urteil über einen nicht mehr exis­ten­ten Ver­wal­tungs­akt Ent­schei­det das Finanz­ge­richt über Steu­er­be­schei­de, obwohl die­se zwi­schen­zeit­lich geän­dert wur­den, so liegt in die­sem gegen die zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung nicht mehr exis­ten­ten (Ausgangs-)Bescheide ergan­ge­nen…
BGH, Beschluss vom 23.07.2012 – NotSt(Brfg) 5/​11, ZNotP 2012, 359 Rn. 3 m.umfangr.w.N.[↩]
Bau­mann in Eylmann/​Vaasen, BNotO/​BeurkG, 3. Aufl., § 94 Rn. 2; Herr­mann in Schippel/​Bracker, BNo­tO, § 94 Rn. 1; Lerch in Arndt/​Lerch/​Sandkühler, BNo­tO, 7. Aufl., § 94 Rn. 2[↩]
Bau­mann, Herr­mann jew. aaO[↩]
Bau­mann aaO Rn. 5; Herr­mann aaO Rn. 2; Lerch aaO Rn. 4[↩]
Herr­mann; Lerch jew. aaO[↩]
Lerch aaO[↩]
OLG Frankfurt/​Main, Gerichts­be­scheid vom 30.06.2013 – 1 Not 2/​12[↩]
z.B. BGH, Beschluss vom 26.03.2007 – NotZ 37/​06 6; zu ein­sei­ti­gen Ver­wah­rungs­an­wei­sun­gen sie­he auch BGH, Urteil vom 10.07.2008 – III ZR 255/​07, WM 2008, 1662 Rn. 8 mwN[↩]
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