Source: https://www.mittelstands-anwaelte.de/BGH-zur-Kuendigung-eines-Reisevertrages-wegen-der-Aschewolke-12-2012/
Timestamp: 2019-11-15 04:51:43
Document Index: 47359665

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651']

BGH zur Kündigung eines Reisevertrages wegen der Aschewolke ( 12 / 2012 ) | DASV - Die Deutsche Anwalts- und Steuerberatervereinigung für die mittelständische Wirtschaft e.V.
BGH zur Kün­di­gung eines Rei­se­ver­tra­ges wegen der Asche­wol­ke ( 12 / 2012 )
(Kiel) Der für das Rei­se- und Per­so­nen­be­för­de­rungs­recht zustän­di­ge X. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass ein Rei­se­ver­trag über eine Kreuz­fahrt wegen höhe­rer Gewalt gekün­digt wer­den darf, wenn die Flug­ver­bin­dun­gen zum Aus­gangs­punkt der Kreuz­fahrt wegen eines behörd­lich ange­ord­ne­ten Flug­ver­bots aus­ge­fal­len sind.
Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein” der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 18.12.2012 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. X ZR 2/12.
Der Klä­ger buch­te über ein Rei­se­bü­ro der Beklag­ten für sich und sei­ne Ehe­frau eine Kari­bik­kreuz­fahrt, die von der am Ver­fah­ren betei­lig­ten Streit­hel­fe­rin ver­an­stal­tet wur­de und am 19. April 2010 in Fort Lauderdale/USA begin­nen soll­te. Die Hin- und Rück­flü­ge sowie wei­te­re Leis­tun­gen buch­te er geson­dert. Im April 2010 wur­de auf­grund der von dem islän­di­schen Vul­kan Eyjaf­jal­la­jökull aus­ge­sto­ße­nen Asche­wol­ke ein Flug­ver­bot ange­ord­net. Der Klä­ger und sei­ne Ehe­frau konn­ten die gebuch­ten Flü­ge in die USA nicht antre­ten und des­halb an der Kreuz­fahrt nicht teil­neh­men. Mit Schrei­ben vom 18. April 2010 kün­dig­te der Klä­ger gegen­über der Rei­se­ver­an­stal­te­rin den Ver­trag über die Kreuz­fahrt wegen höhe­rer Gewalt. Die Rei­se­ver­an­stal­te­rin ver­lang­te Stor­no­ge­büh­ren von 90% des Rei­se­prei­ses, die die Beklag­te an sie zahl­te.
Der Klä­ger ver­lang­te von der Beklag­ten die Erstat­tung einer geleis­te­ten Anzah­lung. Die Beklag­te for­der­te im Wege der Wider­kla­ge die Erstat­tung der an die Rei­se­ver­an­stal­te­rin gezahl­ten Stor­no­ge­büh­ren.
Das Amts­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und die Wider­kla­ge abge­wie­sen. Auf die Beru­fung der Beklag­ten hat das Land­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen und der Beklag­ten Ersatz für die Stor­no­ge­büh­ren zuge­spro­chen. Zur Begrün­dung hat es aus­ge­führt, der Ver­trag über die Kreuz­fahrt sei kein Rei­se­ver­trag und kön­ne des­halb nicht wegen höhe­rer Gewalt gekün­digt wer­den. Die Beklag­te sei als Rei­se­ver­mitt­le­rin auch nicht ver­pflich­tet gewe­sen, den Klä­ger dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er das Risi­ko der Anrei­se tra­ge und im Fal­le eines Flug­aus­falls wegen höhe­rer Gewalt den Ver­trag über die Kreuz­fahrt nicht kos­ten­frei wer­de kün­di­gen kön­nen. Mit der Revi­si­on begehr­te der Klä­ger die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Urteils.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, so Klar­mann, dass es sich bei dem Ver­trag über die Teil­nah­me an der Kreuz­fahrt um einen Rei­se­ver­trag im Sin­ne des § 651a BGB han­delt, den der Klä­ger wirk­sam wegen höhe­rer Gewalt gemäß § 651j BGB gekün­digt hat. Maß­geb­lich für das Kün­di­gungs­recht ist, dass die indi­vi­du­el­le Rei­se des Rei­sen­den infol­ge bei Ver­trags­schluss nicht vor­her­seh­ba­rer höhe­rer Gewalt nicht statt­fin­den kann. Hier konn­te die Kreuz­fahrt als sol­che zwar durch­ge­führt wer­den, an ihr teil­zu­neh­men war den Rei­sen­den jedoch offen­sicht­lich nicht mög­lich, zumin­dest aber erheb­lich erschwert.
Infol­ge der wirk­sa­men Kün­di­gung durch den Klä­ger hat die Rei­se­ver­an­stal­te­rin gemäß § 651j Abs. 2 Satz 1 i.V.m. § 651e Abs. 3 Satz 1 BGB den Anspruch auf den ver­ein­bar­ten Rei­se­preis ver­lo­ren. Die Beklag­te kann des­halb vom Klä­ger kei­ne Erstat­tung des an die Rei­se­ver­an­stal­te­rin gezahl­ten Betra­ges ver­lan­gen. Einen Anspruch auf Erstat­tung der Anzah­lung kann der Klä­ger hin­ge­gen nicht gegen das beklag­te Rei­se­bü­ro, son­dern allen­falls gegen die Rei­se­ver­an­stal­te­rin gel­tend machen.