Source: http://m.hensche.de/Streik_Kirche_Streiks_kirchliche_Einrichtungen_Streiks_Kirche_auch_bei_Anwendung_des_Dritten_Wegs_LAG_Hamm_8Sa788-10u.html
Timestamp: 2018-05-24 10:10:55
Document Index: 25316437

Matched Legal Cases: ['Art. 140', 'Art. 137', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 118', '§ 118', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 118', '§ 118', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 118', '§ 118', '§ 613', 'Art. 9', 'Art. 137', '§ 118', '§ 69', '§ 1004', '§ 1004', '§ 10', '§ 3', '§ 9', '§ 285', '§ 329', '§ 28', 'Art. 140', '§ 137', 'Art. 140', 'Art. 9', 'Art. 140', 'Art. 4', 'Art. 9', 'Art 137', '§ 10', '§ 14', 'Art. 137', 'Art.9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 140', '§ 10', '§ 118', '§ 10', '§ 4', '§ 9', '§ 28', '§ 28', '§ 10', 'Art.9', '§ 4', '§ 6', '§ 15', 'Art. 9', '§ 10', '§ 15', '§ 10', '§ 16', 'Art. 9']

HENSCHE Arbeitsrecht: 8 Sa 788/10
Schlag­worte: Streik, Streik: Kirche
Akten­zeichen: 8 Sa 788/10
Ent­scheid­ungs­datum: 13.01.2011
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bielefeld, Urteil vom 03.03.2010, 3 Ca 2958/09
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.11.2012, 1 AZR 179/11
3 Ca 2958/09 ArbG Bie­le­feld
Verkündet am 13.01.2011
Gre­watsch
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 13.01.2011
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ven­ne­wald und Horn
Un­ter Zurück­wei­sung der kläger­sei­ti­gen An­schluss­be­ru­fung wird auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten das Ur­teil des ArbG Bie­le­feld vom 03.03.2010 – 3 Ca 2958/09 - ab­geändert:
Die Kos­ten des Rechts­streits tra­gen die Kläger zu je 1/9.
Die Re­vi­si­on ge­gen das Ur­teil wird zu­ge­las­sen.
Der Streit­wert für den Be­ru­fungs­rechts­zug beträgt un­verändert 450.000 €.
Mit ih­rer Kla­ge wen­den sich die Kläger zu 1 bis 4 als pri­vat­recht­lich or­ga­ni­sier­te dia­ko­ni­sche Ein­rich­tun­gen in Nord­rhein-West­fa­len und Nie­der­sach­sen, die Kläger zu 5, 7 und 8 als Re­präsen­tan­ten die­ser und wei­te­rer dia­ko­ni­scher Ein­rich­tun­gen so­wie die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len und die Evan­ge­lisch-lu­the­ri­sche Lan­des­kir­che Han­no­ver als Kläge­rin­nen zu 6 und 9 ge­gen die be­klag­te Ge­werk­schaft ver.di mit dem Ziel, die­ser den Auf­ruf ih­rer Mit­glie­der zu Maßnah­men des Ar­beits­kampfs und die Or­ga­ni­sa­ti­on und Durchführung von Kampf­maßnah­men un­ter­sa­gen zu las­sen.
Zur Be­gründung die­ses Kla­ge­ziels ma­chen die Kläger im We­sent­li­chen gel­tend, auf­grund der in Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 3 WRV ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Kir­chen­au­to­no­mie sei die Durchführung von Ar­beitskämp­fen im Be­reich der Dia­ko­nie grundsätz­lich aus­ge­schlos­sen. Viel­mehr ste­he für die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen der sog. „Drit­te Weg" zur Verfügung, wel­cher an­stel­le ei­ner
kon­fron­ta­ti­ven Aus­ein­an­der­set­zung um den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen und den hier­mit ver­bun­de­nen Be­ein­träch­ti­gun­gen der Wahr­neh­mung ca­ri­ta­ti­ver Auf­ga­ben ei­ne ein­ver­nehm­li­che Re­ge­lung bzw. bei feh­len­der Ei­ni­gung ei­ne Re­ge­lung durch un­abhängi­gen Sch­lich­ter­spruch vor­se­he und sich seit lan­gem bewährt ha­be. Nach­dem die Be­klag­te die Kläger zu 1 bis 4 zur Auf­nah­me von Ta­rif­ver­hand­lun­gen auf­ge­for­dert und für den Wei­ge­rungs­fall Maßnah­men des Ar­beits­kamp­fes an­ge­droht ha­be und es in den Ein­rich­tun­gen der Kläger zu1 bis 3 auch be­reits zu Ar­beits­nie­der­le­gun­gen ge­kom­men sei, sei­en die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Er­lass des be­an­trag­ten Un­ter­las­sungs­ge­bots erfüllt, wo­bei nicht al­lein den Klägern zu 1 bis 4, son­dern auch den wei­te­ren Klägern ein Un­ter­las­sungs­an­spruch aus ei­ge­nem Recht zu­ste­he.
Un­ter Be­zug­nah­me auf die Kla­ge­schrift und den Schrift­satz vom 23.02.2010 ha­ben die Kläger im ers­ten Rechts­zu­ge be­an­tragt
na­mens und im Auf­trag der Kläger zu 1 bis 3
1.a Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1. bis 3. zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1. bis 3. zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.
Hilfs­wei­se zu 1.a.:
1.b Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1. bis 3. zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen der Klägers zu 1. bis 3. zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die Kläger zu 1. bis 3. mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den
Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung sol­cher Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.
hilfs­wei­se zu 1.b.:
1.c. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1. bis 3. zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1. bis 3. zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die Kläger zu 1. bis 3. mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.
2. Der Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Zif­fer 1. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von € 250.000,00, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.
na­mens und im Auf­trag des Klägers zu 4
3.a. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4. zu
Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 4. zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.
Hilfs­wei­se zu 3.a:
3.b Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4. zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 4. zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit der Kläger zu 4. mit sei­nen nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung sol­cher Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart hat, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.
Hilfs­wei­se zu 3.b.:
3.c Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4. zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen der Klägers zu 4. zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit der Kläger zu 4. mit sei­nen nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher
Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die AVR-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart hat.
4. Der Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Zif­fer 3. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von € 250.000,00, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.
na­mens und im Auf­trag der Klägers zu 5 und 6
5.a Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.
Hilfs­wei­se zu 5.a.:
5.b Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und
Chefärz­ten an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung von Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.
Hilfs­wei­se zu 5.b.:
5.c Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lap­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.
Hilfs­wei­se zu 5. c.:
5.d Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu Streiks, Warn­streiks und
sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.
6. Dem Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Zif­fer 5. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von € 250.000,00, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.
na­mens und im Auf­trag des Klägers zu 7
7.a. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7. an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7. an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.
Hilfs­wei­se zu 7.a.:
7.b Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7. an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7. an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung von Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.
Hilfs­wei­se zu 7.b.:
7.c Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, wel­ches dem Kläger zu 7. an­gehört, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, das dem Kläger zu 7. an­gehört, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und
Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.
Hilfs­wei­se zu 7. c.:
7.d. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, wel­ches dem Kläger zu 7. an­gehört, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, das dem Kläger zu 7. an­gehört, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.
8. Dem Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Zif­fer 5. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner
Höhe von € 250.000,00, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.
na­mens und im Auf­trag der Kläger zu 8 und 9
9.a Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.
Hilfs­wei­se zu 9.a.:
9.b Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung von Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.
Hilfs­wei­se zu 9.b.:
9.c Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die AVR-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die Dienst­ver­trags­ord­nung-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.
Hilfs­wei­se zu 9. c.:
9.d Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d.
gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die AVR-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die Dienst­ver­trags­ord­nung-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.
10. Dem Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Zif­fer 9. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von € 250.000,00, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.
Sie hat un­ter Hin­weis auf Art. 9 Abs. 3 GG ge­genüber dem ver­folg­ten Un­ter­las­sungs­an­spruch im We­sent­li­chen ein­ge­wandt, für ei­nen Aus­schluss des Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen feh­le es an ei­ner recht­li­chen Grund­la­ge, so­weit die Kir­che hier­bei auf die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern auf ar­beits­ver­trag­li­cher Grund­la­ge zurück­grei­fe. Den be­son­de­ren An­for­de­run­gen des kirch­li­chen Diens­tes et­wa im Be­reich der Kran­ken­pfle­ge könne im Kon­flikt­fall – nicht an­ders als bei staat­li­chen Ein­rich­tun­gen der Da­seins­vor­sor­ge – durch den Ab­schluss ent­spre­chen­der Not­dienst­ver­ein­ba­run­gen Rech­nun­gen ge­tra­gen wer­den. Im Übri­gen hat die Be­klag­te vor­ge­tra­gen, die ge­stell­ten Anträge sei­en zum Teil aus pro­zes­sua­len Gründen un­zulässig.
Durch Ur­teil vom 03.03.2010 (Bl. 765 ff. d. A.), auf wel­ches we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Par­tei­vor­brin­gens - ins­be­son­de­re auch zur
Rechts­stel­lung der ein­zel­nen Kläger und den hierfür maßgeb­li­che­ne Rechts­grund­la­gen - Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt auf den Haupt­an­trag der Kläger zu 1 bis 3 die Be­klag­te sinn­gemäß zur Un­ter­las­sung von Kampf­auf­ru­fen und -maßnah­men ver­ur­teilt und der Be­klag­ten für den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ein Ord­nungs­geld an­ge­droht. Die Haupt­anträge der wei­te­ren Kläger hat das Ar­beits­ge­richt als nicht hin­rei­chend be­stimmt an­ge­se­hen und auf der Grund­la­ge der nach­ran­gig ver­folg­ten Hilfs­anträge dem Un­ter­las­sungs­be­geh­ren mit den an­trags­gemäßen Ein­schränkun­gen ent­spro­chen. Zur Be­gründung für den kla­ge­statt­ge­ben­den Teil der Ent­schei­dung hat das Ar­beits­ge­richt im We­sent­li­chen aus­geführt, die an­gekündig­ten Streik­maßnah­men der Be­klag­ten ge­genüber den Klägern zu 1 bis 3 und den wei­te­ren Trägern kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen sei­en rechts­wid­rig, da den Ge­werk­schaf­ten im Verhält­nis zur Kir­che und den Trägern kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen kein Streik­recht zu­ste­he. Das ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­te Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che und die hier­mit ver­bun­de­ne Be­fug­nis zu ei­genständi­ger Or­ga­ni­sa­ti­on und Ver­fah­rens­ge­stal­tung ge­bie­te die An­er­ken­nung und den Schutz des „Drit­ten We­ges". So­weit Art. 137 Abs. 3 WRV das Selbst­be­stim­mungs­recht der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten nur in den Schran­ken des all­ge­mei­nen Ge­set­zes gewähr­leis­te, gehöre hier­zu nicht das - ge­setz­lich nicht ge­re­gel­te - Streik­recht. Je­den­falls sei die Reich­wei­te der Hand­lungs­frei­heit der Ge­werk­schaft im Licht der Kir­chen­au­to­no­mie zu be­stim­men, wo­bei die Ge­samt­abwägung letzt­lich zum Vor­rang des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts führe. Hierfür spre­che zum ei­nen das Ge­bot der Ar­beits­kampf­pa­rität. Da die Kläger sat­zungs­recht­lich wie auch im Hin­blick auf die Glau­bens- und Sit­ten­leh­re das Kampf­mit­tel der Aus­sper­rung als un­zu­mut­bar ab­lehn­ten, sei im Fal­le ei­nes Streiks kei­ne Kampf­pa­rität gewähr­leis­tet. Auch wenn der Ver­zicht auf das Kampf­mit­tel der Aus­sper­rung auf ei­ner selbst gewähl­ten Be­schränkung be­ru­he, sei die­se doch als Aus­druck des ele­men­ta­ren kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­ses zu re­spek­tie­ren. Ge­gen die Zulässig­keit von Streik­maßnah­men spre­che des Wei­te­ren auch der Grund­satz der christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft, wel­cher eben­falls als Aus­druck kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­sens an­zu­se­hen sei. Auch die Ent­schei­dung der Kir­che, kei­ne Ta­rif­verträge ab­zu­sch­ließen, son­dern Ar­beits­be­din­gun­gen durch das Re­ge­lungs­ver­fah­ren des „Drit­ten We­ges" kon­sen­su­al zu ge­stal­ten, wer­de vom ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che um­fasst, zu­mal mit die­sem Weg ein hin­rei­chend ge­rech­tes Sys­tem zur Ge­stal­tung
ar­beits­recht­li­cher Re­ge­lun­gen zur Verfügung ste­he. Al­lein die Tat­sa­che, dass Re­ge­lun­gen des „Drit­ten We­ges" nicht in je­der Hin­sicht mit Ta­rif­ab­schlüssen ver­gleich­bar und aus die­sem Grun­de bei der An­wen­dung ar­beits­recht­li­cher Ge­set­ze nicht durch­weg ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen gleich­ge­stellt sei­en, ände­re nichts dar­an, dass im We­sent­li­chen gleich­wer­ti­ge Durch­set­zungs-Chan­cen bei der Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen auf dem „Drit­ten Weg" bestünden. Sch­ließlich recht­fer­ti­ge auch die Ori­en­tie­rung der kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen an ge­meinnützi­gen mildtäti­gen Zwe­cken die An­er­ken­nung des „Drit­ten We­ges" in Ab­gren­zung zum Sys­tem von Ta­rif­ver­trag und Ar­beits­kampf. Al­lein der Um­stand, dass auch die Kläger ih­re Ein­rich­tun­gen un­ter Be­ach­tung der Grundsätze der Wirt­schaft­lich­keit führen müss­ten, recht­fer­ti­ge kei­ne Gleich­stel­lung mit rei­nen Wirt­schafts­un­ter­neh­men.
Mit ih­rer recht­zei­tig ein­ge­leg­ten und be­gründe­ten Be­ru­fung wen­det sich die Be­klag­te ge­gen die aus­ge­ur­teil­te Un­ter­sa­gung von Maßnah­men des Ar­beits­kamp­fes. Ne­ben pro­zes­sua­len Einwänden - be­tref­fend die Be­stimmt­heit der Kla­ge­anträge und zu be­an­stan­den­den Un­klar­hei­ten des Ur­teils­te­nors – so­wie dem Ein­wand, für das ver­folg­te Un­ter­las­sungs­be­geh­ren feh­le es schon an der sach­li­chen Vor­aus­set­zung der Erst­be­ge­hungs- oder Wie­der­ho­lungs­ge­fahr, wie­der­holt und ver­tieft die Be­klag­te ih­ren Stand­punkt zur Zulässig­keit von Maßnah­men des Ar­beits­kamp­fes im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bie­le­feld ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen
Die Kläger be­an­tra­gen
Sie ver­tei­di­gen die ar­beits­ge­richt­li­che Ent­schei­dung un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ih­res Vor­brin­gens als zu­tref­fend und tre­ten ergänzend den mit der Be­ru­fung vor­ge­brach­ten pro­zes­sua­len Einwänden der Be­klag­ten ent­ge­gen. So­weit
die Be­klag­te ge­genüber dem ver­folg­ten Un­ter­las­sungs­an­spruch den Ge­sichts­punkt feh­len­der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ein­wen­de, ste­he dies in er­kenn­ba­rem Wi­der­spruch zu den Ausführun­gen in der Be­ru­fungs­be­gründung, in wel­cher die Be­klag­te selbst vor­tra­ge, dass in den Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1 bis 3 be­reits Ar­beits­nie­der­le­gun­gen statt­ge­fun­den hätten. In An­be­tracht der Tat­sa­che, dass un­strei­tig auch ge­genüber der Be­klag­ten zu 4 für den Fall der Wei­ge­rung, Ta­rif­ver­hand­lun­gen auf­zu­neh­men, Kampf­maßnah­men an­ge­droht wor­den sei­en, könne nicht zwei­fel­haft sein, dass die Ge­fahr ent­spre­chen­der Schrit­te auch ge­genüber den wei­te­ren Klägern be­ste­he.
Wei­ter le­gen die Kläger zu 4 bis 9 An­schluss­be­ru­fung ein, mit wel­cher sie zum ei­nen (Bl. 1240 ff. d. A.) die vom Ar­beits­ge­richt aus pro­zes­sua­len Gründen ab­ge­wie­se­nen Anträge zum Ge­gen­stand des Be­ru­fungs­ver­fah­rens ma­chen. Zu Un­recht ha­be das Ar­beits­ge­richt die ab­ge­wie­se­nen Anträge als nicht hin­rei­chend be­stimmt an­ge­se­hen. Zum an­de­ren (Bl. 1263 ff. d. A.) er­wei­tern die Kläger zu 1 bis 3 mit der An­schluss­be­ru­fung die erst­in­stanz­lich ver­folg­ten Anträge um wei­te­re Hilfs­anträge mit dem Ziel, den mit der Be­ru­fung vor­ge­tra­ge­nen Zulässig­keits­be­den­ken vor­sorg­lich Rech­nung zu tra­gen.
Die Kläger be­an­tra­gen im We­ge der An­schluss­be­ru­fung,
na­mens und im Auf­trag des Klägers zu 4.:
3.a. die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4. zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 4. zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.
na­mens und im Auf­trag der Kläger zu 5. und 6.:
5.a. die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Voll­mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Voll­mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.
na­mens um im Auf­trag des Klägers zu 7.:
7.a. die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Voll­mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7. an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Voll­mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7. an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.
na­mens und im Auf­trag der Kläger zu 8. und 9.:
9.a. Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Voll­mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Voll­mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.
Fer­ner er­wei­tern die Kläger ih­re Anträge wie folgt:
Die Kläger zu 1. bis 3.
ver­fol­gen ih­re erst­in­stanz­lich ge­stell­ten Haupt- und Hilfs­anträge wei­ter und stel­len für den Fall, dass ih­re je­wei­li­gen Anträge zu 1. a. bis 1. c. im Be­ru­fungs­ver­fah­ren er­folg­los blei­ben, je­weils den fol­gen­den An­trag:
1.d. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1., bzw. 2., bzw. 3., in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist, zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. BAT-KF/MTArb-KF be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.
Der Kläger zu 4.
stellt für den Fall, dass die Anträge zu 3. a. und 3.c. im Be­ru­fungs­ver­fah­ren er­folg­los blei­ben, den fol­gen­den An­trag:
3.d. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4., in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist, zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen,
Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che
Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.
Die Kläger zu 5. und 6. stel­len für den Fall, dass die Anträge zu 5. a. und 5. d. im Be­ru­fungs­ver­fah­ren er­folg­los blei­ben, je­weils den fol­gen­den An­trag:
5.e. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die
- in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind und
- de­ren Ar­beit­ge­ber Voll­mit­glied des Klägers zu 5. ist und
- in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EDK) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist, zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. BAT-KF/MtArb-KF be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.
Der Kläger zu 7. stellt für den Fall, dass die Anträge zu 7.a. und zu 7.d. im Be­ru­fungs­ver­fah­ren er­folg­los blei­ben, den fol­gen­den An­trag:
7.e. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die
- de­ren Ar­beit­ge­ber Voll­mit­glied ei­nes Dia­ko­ni­schen Wer­kes ist, wel­ches dem Kläger zu 7. an­gehört, und
- in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder
des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist, zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. BAT-KF/MtArb-KF be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.
Die Kläger zu 8. und 9. stel­len für den Fall, dass die Anträge zu 9.a. und zu 9.d. im Be­ru­fungs­ver­fah­ren er­folg­los blei­ben, je­weils den fol­gen­den An­trag:
9.e. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer die
- de­ren Ar­beit­ge­ber Voll­mit­glied des Klägers zu 8. ist und
- in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) oder der AVR-Konförde­ra­ti­on oder der Dienst­ver­trags­ord­nung-Konförde­ra­ti­on, je­weils in der je­weils gel­ten­den Fas­sung, ver­ein­bart ist,
zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. AVR-Konförde­ra­ti­on bzw. Dienst­ver­trags­ord­nung-Konförde­ra­ti­on be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.
Von der wei­te­ren Dar­stel­lung des Tat­be­stan­des wird gem. § 69 ArbGG ab­ge­se­hen.
Die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat Er­folg und führt un­ter Abände­rung des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils zu um­fas­sen­den Ab­wei­sung der Kla­ge. Aus den­sel­ben Gründen bleibt der An­schluss­be­ru­fung der Kläger der Er­folg ver­sagt.
Der Rechts­streit ist zur Ent­schei­dung reif, oh­ne dass es der Gewährung ei­ner wei­te­ren Schrift­satz­frist zwecks Er­wi­de­rung auf den Be­klag­ten­schrift­satz vom 03.01.2011 und zur Stel­lung­nah­me zu den Erörte­run­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt be­darf. In An­be­tracht des um­fang­rei­chen Par­tei­vor­brin­gens in bei­den Rechtszügen sind recht­li­che Ge­sichts­punk­te, wel­che der Ergänzung oder Ver­tie­fung bedürfen, nicht er­sicht­lich; so­weit ein­zel­ne Tei­le des Sach­ver­halts als strei­tig an­zu­se­hen sind, kommt es hier­auf aus den nach­fol­gen­den Gründen nicht an. Nach­dem die ge­gensätz­li­chen Rechts­auf­fas­sun­gen der Par­tei­en und der Stand­punkt der Kam­mer in der münd­li­chen Ver­hand­lung ausführ­lich erörtert wor­den sind, sich hier­bei kei­ne in Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur un­berühr­ten Fra­gen oder von den Par­tei­en et­wa über­se­he­ne Ge­sichts­punk­te ge­zeigt ha­ben und sich die be­reits schriftsätz­lich be­leg­te Ver­traut­heit der Par­tei­ver­tre­ter mit den für die Ent­schei­dung des Rechts­streits maßgeb­li­chen Fra­gen bestätigt hat, ist dem An­spruch der Par­tei­en auf Gewährung recht­li­chen Gehörs Genüge ge­tan.
Die frist­ge­recht ein­ge­leg­te und auch im Übri­gen zulässi­ge B e r u f u n g d e r Be­klag­ten ist be­gründet.
Wie die Aus­le­gung der von den Klägern zu 1 bis 9 zur Ent­schei­dung ge­stell­ten Kla­ge­anträge er­gibt, macht ein je­der der Kläger ei­nen ei­ge­nen, ge­gen die Be­klag­te ge­rich­te­ten Un­ter­las­sungs­an­spruch gel­tend. Auch wenn die Kläger ihr Be­geh­ren je­weils auf die glei­che recht­li­che An­spruchs­grund­la­ge (§§ 1004, 823 BGB) stützen,
ma­chen we­der die Kläger sämt­lich noch – wie es nach der For­mu­lie­rung der Anträge zu 1 für die Kläger zu 1 bis 3 oder der Anträge zu 5 für die Kläger 5 und 6 so­wie der Anträge zu 8 für die Kläger zu 8 und 9 den An­schein ha­ben könn­te – ei­nen ge­mein­sa­men, den be­tref­fen­den Klägern als Ge­samtgläubi­ger zu­ste­hen­den Un­ter­las­sungs­an­spruch im We­ge der sub­jek­ti­ven Kla­gehäufung gel­tend. Viel­mehr liegt, wie sich aus dem – im Tat­be­stand des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils nicht wie­der­ge­ge­be­nen - je­wei­li­gen Ein­gangs­satz vor For­mu­lie­rung der Kla­ge­anträge er­gibt, die nach­fol­gen­den Anträge würden „na­mens und im Auf­trag der (je­weils be­zeich­ne­ten) Kläger" an­gekündigt, ei­ne Kom­bi­na­ti­on von sub­jek­ti­ver und ob­jek­ti­ver Kla­gehäufung vor, in­dem ein je­der Kläger ein ei­ge­nes, vom Kla­ge­be­geh­ren der übri­gen Kläger zu un­ter­schei­den­des Be­geh­ren ver­folgt. Auch so­weit et­wa die Anträge zu 1 „na­mens und im Auf­trag der Kläger zu 1 bis 3" ge­stellt wird und sich kläger­seits auf Ein­rich­tun­gen der Kläger 1 bis 3 be­zieht, liegt der Ge­dan­ke fern, die Kläge­rin zu 1 wol­le der Be­klag­ten ei­nen Streik auch bei den Kläge­rin zu 2 und 3 un­ter­sa­gen las­sen oder den Un­ter­las­sungs­an­spruch als Ge­samtgläubi­ger ne­ben den Klägern zu 2 und 3 gel­tend ma­chen. Ent­spre­chen­des gilt für die Anträge zu 5, wel­che na­mens der Kläger 5 und 6 ge­stellt sind und sich zwar auf Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 5 be­zie­hen, sei­tens der Kläge­rin zu 6 aber erklärter­maßen auf ei­nen ei­ge­nen Rechts­an­spruch gestützt wer­den. Auch für die na­mens der Kläger zu 8 und 9 ge­stell­ten Anträge zu 8 gilt er­kenn­bar nichts an­de­res. Wel­cher Kläger für sich wel­ches Kla­ge­ziel ver­folgt, lässt sich da­mit im We­ge der Aus­le­gung be­stim­men. Zu­gleich ist da­mit der Ein­wand der Be­klag­ten aus­geräumt, der den Klägern vom Ar­beits­ge­richt zu­ge­spro­che­ne Un­ter­las­sungs­an­spruch sei mehr­fach ti­tu­liert, so dass die Be­klag­te mehr­fa­cher Zwangs­voll­stre­ckung aus­ge­setzt sei. Viel­mehr sind auch bei der Aus­le­gung des vom Ar­beits­ge­richt er­las­se­nen Voll­stre­ckungs­ti­tels die vor­ste­hen­den Ge­sichts­punk­te zu berück­sich­ti­gen.
Ge­gen die Kom­bi­na­ti­on von sub­jek­ti­ver und Kla­gehäufung be­ste­hen kei­ne Be­den­ken. Da die Kläger je­weils gleich­ar­ti­ge Kla­ge­zie­le ver­fol­gen, oh­ne dass hier­mit ge­gensätz­li­cher Par­tei­vor­trag ver­bun­den ist, stellt es ei­ne bloße Fra­ge der Zweckmäßig­keit dar, ob die Kläger ih­re je­weils ei­genständi­gen Be­geh­ren in ge­trenn­ten Pro­zes­sen oder im Ge­wan­de ei­nes äußer­lich ein­heit­li­chen Ver­fah­rens gel­tend ma­chen. Da ein Fall ein­fa­cher Streit­ge­nos­sen­schaft vor­liegt, sind Zulässig­keit und Be­gründet­heit der Kla­gen je­weils ge­son­dert zu be­ur­tei­len.
Der von der K l ä g e r i n z u 1 . ver­folg­te und vom Ar­beits­ge­richt zu­ge­spro­che­ne Un­ter­las­sungs­an­trag ist zulässig, aber un­be­gründet.
1. Ab­wei­chend vom Stand­punkt der Be­klag­ten be­ste­hen ge­gen die Be­stimmt­heit des Kla­ge­an­tra­ges und da­mit ge­gen sei­ne Zulässig­keit kei­ne Be­den­ken.
Ins­be­son­de­re be­steht kein Zwei­fel, wel­ches die­je­ni­gen „Ein­rich­tun­gen" sind, auf wel­che sich der Un­ter­las­sungs­an­trag be­zieht. Die­se sind in der Kla­ge­be­gründung wie auch im Tat­be­stand des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils kon­kret be­nannt. Da im Übri­gen die Zwangs­voll­stre­ckung nicht durch den – womöglich mit den Ge­ge­ben­hei­ten nicht ver­trau­ten – Ge­richts­voll­zie­her, son­dern durch das Voll­stre­ckungs­ge­richt er­folgt, be­ste­hen auch aus voll­stre­ckungs­recht­li­cher Hin­sicht kei­ne Un­klar­hei­ten.
So­weit die Be­klag­te wei­te­re be­griff­li­che Un­klar­hei­ten der Kla­ge­anträge be­an­stan­det, be­trifft dies nicht die Anträge der Kläge­rin zu 1.
2. Der ver­folg­te Un­ter­las­sungs­an­trag er­weist sich in­des­sen als un­be­gründet.
a ) Als Rechts­grund­la­ge für den ver­folg­ten Un­ter­las­sungs­an­spruch kom­men die Vor­schrif­ten der §§ 1004, 823 BGB in Be­tracht. Auch wenn die Kläge­rin zu 1 kein Ge­wer­be im Sin­ne des Ge­wer­be­rechts ver­folgt, steht auch Ein­rich­tun­gen oh­ne Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht ein gleich­ar­ti­ger, der Rechts­fi­gur des „ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­triebs" nach­ge­bil­de­ter de­lik­ti­scher und ne­ga­to­ri­scher Rechts­schutz zu (zum ge­meinnützi­gen DRK-Blut­spen­de­dienst LAG Hamm, 16.01.2007, 8 Sa 74/07, NZA-RR 2007,250 m.w.N.).
b) Nach­dem die Be­klag­te un­strei­tig ge­genüber der Kläge­rin zu 1 be­reits Maßnah­men des Ar­beits­kampfs an­ge­droht und kurz­fris­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen ver­an­lasst hat, fehlt es auch nicht am Merk­mal der Erst­be­ge­hungs- oder Wie­der­ho­lungs­ge­fahr.
c) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin und ab­wei­chend vom Stand­punkt des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils sind An­dro­hung und Durchführung von Maßnah­men des Ar­beits­kamp­fes im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen nicht grundsätz­lich als rechts­wid­rig und da­mit un­zulässig an­zu­se­hen.
(1) Der von der Kläge­rin vor­ge­tra­ge­ne und vom Ar­beits­ge­richt ge­teil­te Stand­punkt ent­spricht der h. M. des ar­beits­recht­li­chen Schrift­tums (statt al­ler Ri­char­di, Ar­beits­recht in der Kir­che, 5. Aufl., § 10 II S. 161 ff; Thüsing, Kirch­li­ches Ar­beits­recht, § 3 B S. 139 ff.; Schlüter in Brox/Rüthers, Ar­beits­kampf­recht, 2. Aufl., Rn 546). Nach der ge­gen­tei­li­gen Auf­fas­sung (Bie­back in Däubler, Ar­beits­kampf­recht, 2. Aufl., Rn 498 ff., Ga­mill­scheg, Kol­lek­ti­ves Ar­beits­recht Bd. 1 S. 139 ff; Kühling, AuR 2001,241 ff.) ste­hen dem­ge­genüber auch im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen die Ge­stal­tungs­mit­tel von Ta­rif­ver­trag und Ar­beits­kampf zur Verfügung, so­weit die Kir­che sich bei der Durchführung ih­rer Auf­ga­ben auf den Ein­satz von Ar­beit­neh­mern stützt, wo­bei ar­beits­kampf­be­ding­te Be­hin­de­run­gen der ca­ri­ta­ti­ven Betäti­gung durch ge­eig­ne­te Not­dienst­re­ge­lun­gen ein­ge­schränkt wer­den sol­len. Nach ver­mit­teln­der Auf­fas­sung (Ot­to, Ar­beits­kampf- und Sch­lich­tungs­recht § 9 Rn 31; ders. in MünchArbR, 2. Aufl., § 285 Rn 219 an­ders jetzt MünchArbR/Ri­char­di, 3. Aufl., § 329 Rn 14 ; Kis­sel, Ar­beits­kampf­recht, § 28 Rn 36 ff.) soll sich der Aus­schluss von Maßnah­men des Ar­beits­kamp­fes nicht glei­cher­maßen auf sämt­li­che in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen täti­ge Ar­beit­neh­mer be­zie­hen, viel­mehr soll es für die Zulässig­keit von Maßnah­men des Ar­beits­kamp­fes dar­auf an­kom­men, in­wie­fern die Tätig­keit des Ar­beit­neh­mers den Kern- oder den Rand­be­reich der kirch­li­chen Tätig­keit be­trifft. Nach der Auf­fas­sung von Bel­ling (Fest­schrift 50 Jah­re Bun­des­ar­beits­ge­richt, S. 477, 488) gilt dies je­den­falls für sol­che Be­rei­che kirch­li­cher Betäti­gung, wel­che oh­ne Be­zug zum „Dienst am Nächs­ten" primär wirt­schaft­li­chen Zie­len die­nen wie die Be­schaf­fung von Sach­leis­tun­gen, den Ver­kauf von Wirt­schaftsgütern oder den Be­trieb ei­ner kirch­li­chen Dar­lehns­ge­nos­sen­schaft. Maßgeb­lich nach der ver­mit­teln­den An­sicht soll da­nach sein, ob der Verkündungs­auf­trag der Kir­che oder der ca­ri­ta­ti­ve Auf­trag der kirch­li­chen Ein­rich­tung durch ei­nen Ar­beits­kampf kon­kret
gefähr­det wird, wes­we­gen - wie auch bei der Kündi­gung von Be­lang - zwi­schen ver­schie­de­nen Tätig­keits­be­rei­chen und Auf­ga­ben zu un­ter­schei­den sei (Ot­to, a.a.O., Kis­sel, a.a.O. Rn 39).
(2) Die von der h. M. vor­ge­tra­ge­nen Gründe sind nach dem Stand­punkt der Kam­mer im Er­geb­nis nicht ge­eig­net, jed­we­den auf Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ge­rich­te­ten Streiks im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen als rechts­wid­ri­gen Ein­griff ein­zu­stu­fen. Dies gilt kon­kret auch für die von der Kläge­rin zu 1 be­trie­be­nen Kran­kenhäuser.
Auch un­ter Berück­sich­ti­gung der ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Au­to­no­mie der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten so­wie der kirch­lich ge­prägten Ei­gen­hei­ten und be­son­de­ren Auf­ga­ben­stel­lung der von der Kläge­rin zu 1 be­trie­be­nen Ein­rich­tun­gen geht ein vollständi­ger Aus­schluss von Ar­beits­kampf­maßnah­men, wel­cher auch Ar­beit­neh­mer in Rand­be­rei­chen und Hilfs­funk­tio­nen des Kran­ken­haus­be­triebs um­fas­sen soll, über das recht­lich ge­bo­te­ne Maß hin­aus und führt da­mit zu ei­ner übermäßigen Be­ein­träch­ti­gung der eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich gestütz­ten Rechts­po­si­ti­on der Be­klag­ten und ih­rer bei der Kläge­rin zu 1 als Ar­beit­neh­mer beschäftig­ten Mit­glie­der – nach­fol­gend (a). Zum an­de­ren kann der „Drit­te Weg", wel­cher im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen an die Stel­le von Ta­rif­ver­trag und Ar­beits­kampf tre­ten und ei­ne kon­sen­sua­le Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen ermögli­chen soll, in sei­ner ge­genwärti­gen Aus­prägung nicht als ge­eig­net an­ge­se­hen wer­den, der Ar­beit­neh­mer­sei­te ver­gleich­ba­re Chan­cen zur Durch­set­zung ih­rer For­de­run­gen zu ver­mit­teln, wie sie im außer­kirch­li­chen Be­reich auf der Grund­la­ge des staat­li­chen Ar­beits­rechts mit Ta­rif­ver­trag und Ar­beits­kampf zur Verfügung ste­hen – nach­fol­gend (b).
(a) Ab­wei­chend vom Stand­punkt der Kläger recht­fer­tigt das ver­fas­sungs­recht­lich verbürg­te Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen je­den­falls kei­nen vollständi­gen Aus­schluss von Ar­beits­kampf­maßnah­men im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen oh­ne Un­ter­schei­dung da­nach, in­wie­fern durch den kampf­be­ding­ten Ar­beits­aus­fall der in christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­te „Dienst am Nächs­ten" un­mit­tel­bar be­ein­träch­tigt wird oder der kirch­li­che Ar­beit­ge­ber al­lein im Be­reich von Hilfs­funk­tio­nen (Haus­dienst, Zah­lungs­we­sen) durch ar­beits­or­ga­ni­sa­to­ri­sche
Er­schwe­run­gen und Zufügung von fi­nan­zi­el­len Nach­tei­len zu ei­nem Ein­len­ken und Ein­ge­hen auf die er­ho­be­nen For­de­run­gen ver­an­lasst wer­den soll.
(aa) Recht­li­cher An­satz­punkt für die Be­ur­tei­lung der Rechtmäßig­keit von Ar­beits­kampf­maßnah­men im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen ist das in Art. 140 GG i.V.m. § 137 WRV ga­ran­tier­te Recht der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, ih­re An­ge­le­gen­hei­ten in­ner­halb der Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes selbständig zu ord­nen und ver­wal­ten. Die so be­gründe­te Au­to­no­mie kommt ne­ben der ver­fass­ten Kir­che auch den kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen zu.
(aaa) Da nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfGE 70, 138 = AP Nr. 24 zu Art. 140 GG) bei der Aus­le­gung des Be­griffs „des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes" dem Selbst­verständ­nis der re­li­giösen oder welt­an­schau­li­chen Ge­mein­schaft be­son­de­res Ge­wicht zu­kommt und dem­ent­spre­chend das Selbst­be­stim­mungs­recht der Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten nur durch sol­che Ge­set­ze be­schränkt ist, wel­che für die­se „die­sel­be Be­deu­tung ha­ben wie für je­der­mann" (BVerfGE 66, 20), er­gibt sich zwangsläufig ein Span­nungs­verhält­nis zwi­schen Kir­chen­au­to­no­mie und eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich verbürg­ter Ko­ali­ti­ons­frei­heit gemäß Art. 9 Abs. 3 GG, oh­ne dass es dar­auf an­kommt, ob es sich in­so­weit um ei­nen Grund­rechts­kon­flikt han­delt oder Art. 140 GG als staats­recht­li­che Kol­li­si­ons­re­gel auf­zu­fas­sen ist (Thüsing, a.a.O. S. 13; Ri­char­di/Thüsing, AuR 2002, 94, 96 f.). Die Auflösung die­ses Span­nungs­verhält­nis­ses führt zwar, wie im Fol­gen­den aus­zuführen ist, zu not­wen­di­gen Ein­schränkun­gen des Ar­beits­kamp­fes im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen, oh­ne dass an­de­rer­seits die An­er­ken­nung des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts und die hier­aus her­ge­lei­te­ten Grundsätze der „christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft" ei­nen vollständi­gen Aus­schluss des Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts er­for­der­lich ma­chen und da­mit recht­fer­ti­gen können.
(bbb) So­weit dem­ge­genüber die Be­klag­te mit ih­ren Ausführun­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richts vor­ran­gig auf ei­nen Grund­rechts­kon­flikt zwi­schen kol­lek­ti­ver Re­li­gi­ons­frei­heit der Kir­chen und in­di­vi­du­el­ler Re­li­gi­ons­frei­heit der beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ver­weist und hier­in ei­nen An­satz­punkt zur Auflösung des dar­ge­stell­ten Span­nungs­verhält­nis­ses se­hen will,
über­zeugt dies nicht. Rich­tig ist zwar, dass der Kir­che und ih­ren Ein­rich­tun­gen die in Art. 4 GG ge­nann­ten Frei­hei­ten und Gewähr­leis­tun­gen zu­ste­hen, wie auch die in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer sich auf ent­spre­chen­de in­di­vi­du­el­le Rech­te be­ru­fen können. Gleich­wohl han­delt es sich nicht um ei­nen Kon­flikt zwi­schen kol­lek­ti­ver und in­di­vi­du­el­ler Glau­bens­frei­heit. Die Be­klag­te wie auch die streik­wil­li­gen Ar­beit­neh­mer neh­men, in­dem sie für sich das Recht zur Durchführung von Ar­beits­kampf­maßnah­men re­kla­mie­ren, nicht ih­re Glau­bens- und Ge­wis­sens­frei­heit wahr, wel­che von der Kir­che oder vom kirch­li­chen Ar­beit­ge­ber auf­grund ab­wei­chen­der re­li­giöser Über­zeu­gun­gen in Fra­ge ge­stellt wird. Eben­so we­nig geht es um ei­nen „Glau­bens­kampf" in dem Sin­ne, der Kir­che und ih­ren Ein­rich­tun­gen ein ab­wei­chen­des Verständ­nis von Glau­bens­in­hal­ten oder ei­ner Be­schränkung ih­res Au­to­no­mie­an­spruchs ab­zu­rin­gen. Ge­gen­stand und Ziel der von der Be­klag­ten or­ga­ni­sier­ten und von den Klägern ab­zu­weh­ren­den Maßnah­men ist viel­mehr die Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen, für wel­che sich die Be­klag­te auf Art. 9 Abs. 3 GG stützen kann. Al­lein der Um­stand, dass durch Maßnah­men des Ar­beits­kampfs die Ar­beits­abläufe in den be­trof­fe­nen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen gestört und da­mit – je­den­falls nach kirch­li­chem Verständ­nis – der in re­li­giöser Über­zeu­gung ge­leis­te­te „Dienst am Nächs­ten" be­ein­träch­tigt wird, kann ei­nen Kon­flikt zwi­schen kol­lek­ti­ver und in­di­vi­du­el­ler Re­li­gi­ons­frei­heit nicht be­gründen. Eben­so we­nig führt der Hin­weis auf den Grund­rechts­kon­flikt im Be­reich der Be­rufs­frei­heit von Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer wei­ter. Erst die Ei­gen­hei­ten der Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern im Dienst der Kir­che be­gründen das hier maßgeb­li­che Span­nungs­verhält­nis zwi­schen Kir­chen­au­to­no­mie und Ko­ali­ti­ons­frei­heit.
(ccc) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläger­sei­te kann das dar­ge­stell­te Span­nungs­verhält­nis und die Not­wen­dig­keit ei­nes scho­nen­den Aus­gleichs nicht schon mit der Be­gründung in Ab­re­de ge­stellt wer­den, das von der Be­klag­ten re­kla­mier­te Streik­recht sei nicht als „all­ge­mei­nes Ge­setz" im Sin­ne des Art 137 Abs. 3 WRV an­zu­se­hen, da es al­lein auf Richter­recht be­ru­he und nicht in ei­nem förm­li­chen Par­la­ments­ge­setz ge­re­gelt sei (in die­sem Sin­ne Ri­char­di a.a.O., § 10 Rn 10; ders., NZA 2002, 929, 931). In Be­zug auf den Zweck der Re­ge­lung, das Selbst­be­stim­mungs­recht der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ge­genüber der staat­li­chen Ord­nung ab­zu­gren­zen, er­scheint zwei­fel­haft, aus wel­chem Grun­de hier­zu al­lein auf „for­mel­le Ge­set­ze" ab­zu­stel­len sein soll mit der Fol­ge, dass sämt­li­che Rechts­re­geln,
wel­che man­gels ge­setz­ge­be­ri­schen Han­delns aus Gründen des Rechtsgüter­schut­zes von den Ge­rich­ten in zulässi­ger und vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ge­bil­lig­ter Rechts­fort­bil­dung ent­wi­ckelt wer­den muss­ten, bei der Ab­gren­zung von Kir­chen­au­to­no­mie und staat­li­cher Ord­nung un­berück­sich­tigt blei­ben sol­len. Näher liegt ein Be­griffs­verständ­nis des „all­ge­mei­nen Ge­set­zes" im Sin­ne der ge­sam­ten staat­li­chen Ord­nung, an wel­che auch die Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten un­ter Be­ach­tung der Glau­bens­frei­heit ge­bun­den sein sol­len. Auch nach v. Cam­pen­hau­sen (Staats­kir­chen­recht, 3. Aufl., § 14 II, S.114 ff.) ist der Be­griff des „für al­le gel­ten­den Ge­set­zes" im Sin­ne des Art. 137 WRV in­halt­lich zu be­stim­men, oh­ne dass der Ge­sichts­punkt des „förm­li­chen Ge­set­zes" Erwähnung fin­det. Un­abhängig hier­von lässt sich das be­ste­hen­de Span­nungs­verhält­nis schon des­halb nicht mit ei­nem feh­len­den förm­li­chen Streik­ge­setz be­gründen, weil je­den­falls der Ver­fas­sungs­norm des Art.9 Abs. 3 GG der Cha­rak­ter als „all­ge­mei­nes Ge­setz" nicht ab­ge­spro­chen wer­den kann und da­mit auch die Kir­che mit ih­ren Ein­rich­tun­gen den Be­schränkun­gen des Art. 9 Abs. 3 Satz 2 un­ter­liegt. So­weit dem­ge­genüber Ri­char­di (a.a.O.) ausführt, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ha­be zwar für die Aus­ge­stal­tung des Ar­beits­kampf­rechts und der An­er­ken­nung von Streik und Aus­sper­rung auf das Er­for­der­nis ei­nes for­mel­len Ge­set­zes ver­zich­tet, für das Verhält­nis von Staat und Kir­che sei dem­ge­genüber ei­ne Re­ge­lung durch for­mel­les Ge­setz un­ab­ding­bar, da das Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen nur durch die Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes be­grenzt wer­de, kann hier­in kein Ar­gu­ment mit ei­genständi­gem Ge­halt ge­se­hen wer­den. Rich­tig ist zwar, dass dann, wenn der Staat ei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung für den Ar­beits­kampf träfe, zu prüfen wäre, in­wie­fern die­se dem für al­le gel­ten­den Ge­setz ent­spricht und die Kir­che nicht an­ders als die ge­set­zes­un­ter­wor­fe­nen Pri­vat­rechts­sub­jek­te trifft. Aus wel­chem Grun­de ei­ne sol­che Prüfung nicht auch für die von der Recht­spre­chung - an­stel­le des feh­len­den Ge­set­zes­rechts - auf­ge­stell­ten und vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als zulässi­ge Aus­ge­stal­tung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit ge­bil­lig­ten Rechts­grundsätze möglich sein soll­te, ist nicht zu er­ken­nen. Ei­ne Ver­schie­bung der Gren­zen zwi­schen dem Selbst­be­stim­mungs­recht der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten und der Reich­wei­te des Schran­ken­vor­be­halts ist mit der An­for­de­rung an ein for­mel­les Ge­setz oder mit dem Ver­zicht auf die­ses Er­for­der­nis nicht ver­bun­den. Das Zu­gangs­recht be­triebs­frem­der Ge­werk­schafts­ver­tre­ter zu kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zwar we­gen feh­len­der ge­setz­li­cher Grund­la­ge, nicht
hin­ge­gen des­halb ver­neint, weil ein sol­ches Recht zwar von Ver­fas­sungs­we­gen an­zu­er­ken­nen, je­doch nicht vom Par­la­ment als förm­li­ches Ge­setz ver­ab­schie­det wor­den sei. Viel­mehr hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Her­lei­tung ei­nes der­ar­ti­gen Zu­tritts­rechts aus Art. 9 Abs. 3 GG in der Sa­che ver­neint (zu­tr. Kühling AuR 2001, 247).
(bb) Kann da­nach ein Span­nungs­verhält­nis zwi­schen Kir­chen­au­to­no­mie und Ko­ali­ti­ons­frei­heit aus den vor­ste­hen­den Gründen nicht in Ab­re­de ge­stellt wer­den, be­darf es, so­fern nicht ei­ne der Grund­rechts­po­si­tio­nen ab­so­lu­ten Vor­rang zu be­an­spru­chen hat, ei­nes möglichst scho­nen­den Aus­gleichs nach den Grundsätzen prak­ti­scher Kon­kor­danz mit dem Ziel, Be­schränkun­gen der ei­nen Po­si­ti­on durch die an­de­re nur in­so­weit zu­zu­las­sen, wie dies dem Maßstab der Er­for­der­lich­keit ent­spricht.
Un­zwei­fel­haft han­delt es sich bei der Aus­ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen der in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer nicht um ei­ne rein „in­ner­kirch­li­che An­ge­le­gen­heit". An­de­rer­seits führt al­lein der Um­stand, dass sich die Kir­chen und die Kläge­rin zu 1 als kirch­li­che Ein­rich­tung bei ih­rer ca­ri­ta­ti­ven Betäti­gung nicht auf die Beschäfti­gung von Or­dens­mit­glie­dern oder Kir­chen­be­am­ten be­schränken, son­dern – wie an­de­re Pri­vat­rechts­sub­jek­te – als Grund­la­ge der Beschäfti­gung die Rechts­form des Ar­beits­verhält­nis­ses wählen, nicht da­zu, dass schon aus die­sem Grun­de für die Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten des kirch­li­chen Diens­tes kei­ne Grund­la­ge be­steht und das Selbst­be­stim­mungs­recht der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten zurück­zu­tre­ten hat. Wie be­reits aus­geführt, ist bei der Aus­le­gung des Be­griffs des „für al­le gel­ten­den Ge­set­zes" dem Selbst­verständ­nis der Kir­chen Rech­nung zu tra­gen. Al­lein der Um­stand, dass auf die Ar­beits­verhält­nis­se der Beschäftig­ten staat­li­ches Recht An­wen­dung fin­det, den beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern das Grund­recht aus Art. 9 Abs. 3 GG zu­steht und auch die Be­klag­te ih­rer­seits den Grund­rechts­schutz des Art. 9 Abs. 3 GG im Verhält­nis zur Kir­che und ih­ren Ein­rich­tun­gen be­an­spru­chen kann, ver­mag da­mit noch kei­nen ab­so­lu­ten Vor­rang der Ko­ali­ti­ons­frei­heit zu be­gründen. Hier­aus folgt die Not­wen­dig­keit, die bei­der­seits be­trof­fe­nen Grund­rechts­po­si­tio­nen im Sin­ne „prak­ti­scher Kon­kor­danz" bei der Be­ant­wor­tung der hier auf­ge­wor­fe­nen Rechts­fra­gen zu berück­sich­ti­gen (BVerfGE 70, 138 ff. – ju­ris Rn 59). Al­lein durch die Wahl der Rechts­form der
Beschäfti­gung – der Be­gründung von Ar­beits­verhält­nis­sen – ändert sich nichts dar­an, dass nach dem Selbst­verständ­nis der Kir­che die kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen wie auch die hier beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer auf der Grund­la­ge christ­li­cher Über­zeu­gung „Dienst am Nächs­ten" leis­ten, an­de­rer­seits den in den kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen täti­gen Ar­beit­neh­mern und der be­klag­ten Ge­werk­schaft das Grund­recht der Ko­ali­ti­ons­frei­heit verbürgt ist.
(cc) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin ist das dar­ge­stell­te Span­nungs­verhält­nis nicht schon des­halb im Sin­ne ei­nes um­fas­sen­den Ver­bots von Ar­beits­kampf­maßnah­men im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen auf­zulösen, weil die Kir­che aus Glau­bens­gründen das Kampf­mit­tel der Aus­sper­rung ab­leh­ne, sich ge­gen das „ant­ago­nis­ti­sche Kon­flikt­mo­dell" des Ar­beits­kampfs so­wie die hier­mit ver­bun­de­ne Spal­tung der Beschäftig­ten in strei­ken­de und nicht strei­ken­de Beschäftig­te ent­schie­den und statt des­sen mit dem „Drit­ten Weg" ein Ver­fah­ren zur ein­ver­nehm­li­chen Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen ge­schaff­ten ha­be, weil al­lein die­ses mit dem We­sen der Dienst­ge­mein­schaft ver­ein­bar sei.
(aaa) Könn­te al­lein ei­ne der­ar­ti­ge Wil­lens­ent­schei­dung, auch wenn sie in Kir­chen­ge­set­zen oder Sat­zun­gen förm­lich nie­der­ge­legt wird, den Gel­tungs­be­reich des Selbst­be­stim­mungs­rechts und die Reich­wei­te des die­ses be­schränken­den „all­ge­mei­nen Ge­set­zes" ver­bind­lich fest­le­gen, lie­fe dies auf die An­er­ken­nung ei­ner „Kom­pe­tenz-Kom­pe­tenz" hin­aus und würde da­mit die Ab­gren­zung staat­li­chen und kirch­li­chen Rechts ein­sei­tig den Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten über­las­sen (Kühling, AuR 2001, 241, 243). Ein sol­ches Verständ­nis lässt sich den ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­la­gen der Kir­chen­au­to­no­mie nicht ent­neh­men. Viel­mehr un­ter­liegt die Be­ur­tei­lung, in­wie­weit die all­ge­mei­nen Ge­set­ze für die Kir­chen die­sel­be Be­deu­tung wie für je­der­mann be­sit­zen oder aber den Ei­gen­hei­ten des kirch­li­chen Diens­tes in be­son­de­rer Wei­se Rech­nung zu tra­gen ist, der Be­ur­tei­lung durch die staat­li­chen Ge­rich­te, wo­bei frei­lich dem kirch­li­chen Selbst­verständ­nis Be­ach­tung zu schen­ken ist, oh­ne die­sem aber ab­so­lu­ten Vor­rang ein­zuräum­en (Jar­ras/Pie­roth, 10. Aufl., Art. 140 GG Rn 9). Mit der An­er­ken­nung der kirch­li­chen Ent­schei­dungs­frei­heit, au­to­nom zu be­stim­men, wel­che kirch­li­chen Ge­bo­te wel­che Be­deu­tung für den In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses zu­kom­men soll und in­wie­fern ein Ver­s­toß ge­gen so be­gründe­te Grund­pflich­ten als nicht hin­nehm­ba­rer Ver­s­toß ge­gen Re­geln der „christ­li­chen
Dienst­ge­mein­schaft" an­zu­se­hen ist (BVerfGE a.a.O. Rn 59) geht nicht die Kom­pe­tenz ein­her, un­ter Aus­schal­tung der ge­richt­li­chen Kon­trol­le be­stimm­ten, nach kirch­li­chem Verständ­nis als sinn­voll er­ach­te­ten, sach­lich ge­bo­te­nen oder je­den­falls aus Gründen des Selbst­be­stim­mungs­rechts von der staat­li­chen Rechts­ord­nung hin­zu­neh­men­den Aus­ge­stal­tun­gen des kirch­li­chen Diens­tes den Cha­rak­ter von Glau­benssätzen bei­zu­mes­sen. Die Ent­schei­dung der Kir­che und ih­rer Ein­rich­tun­gen, das Mit­tel der Aus­sper­rung als sol­ches ab­zu­leh­nen, ist da­nach nicht schon des­halb von dem er­for­der­li­chen Abwägungs­pro­zess aus­zu­neh­men, weil et­wa dies­bezügli­che Glau­bens­in­hal­te in Re­de ste­hen. Hier­von zu un­ter­schei­den ist die Fra­ge, ob Ar­beits­kampf­maßnah­men ein­sch­ließlich der Aus­sper­rung des­halb (bzw. in­so­weit) aus­zu­sch­ließen sind, weil an­sons­ten der kirch­li­che Auf­trag zum „Dienst am Nächs­ten" nicht hin­zu­neh­men­de Ein­schränkun­gen erfährt. Ein ge­willkürter Aus­schluss von Ar­beits­kampf­maßnah­men ist dem­ge­genüber nicht vom Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che ge­deckt.
(bbb) So­weit sich dem­ge­genüber die Kläge­rin dar­auf be­ruft, ih­re Ent­schei­dung, auf die Aus­sper­rung als Mit­tel zur Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen zu ver­zich­ten, sei Aus­druck re­li­giöser Über­zeu­gung und da­her aus Gründen der Re­li­gi­ons­frei­heit hin­zu­neh­men, oh­ne dass es ei­ner Abwägung mit an­geb­lich kol­li­die­ren­den Grund­rechts­po­si­tio­nen der Be­klag­ten bedürfe, kann sich die Kam­mer die­sem Stand­punkt nicht an­sch­ließen. Soll nicht die ge­richt­li­che Über­prüfung leer­lau­fen, be­darf es kon­kre­ten Sach­vor­trags und der Be­nen­nung von Glau­benssätzen, wel­cher die staat­li­chen Ge­rich­te in die La­ge ver­setzt, die be­an­spruch­te Re­li­gi­ons­frei­heit von Erwägun­gen ab­zu­gren­zen, mit wel­chen aus an­de­ren als re­li­giösen Gründen die Bin­dung an die „all­ge­mei­nen Ge­set­ze" ver­neint wer­den soll (Kühling, AuR 2001, 246 un­ter Hin­weis auf BVerfGE 70, 167 f.). Nicht je­der nach­voll­zieh­ba­re Wunsch nach Frei­heit von staat­li­cher Ord­nung kann als Aus­druck der Glau­bens­frei­heit in­ter­pre­tiert wer­den. Schon die Tat­sa­che, dass nach dem re­li­giösen Verständ­nis der Kir­che die Durchführung von Ar­beitskämp­fen ein­sch­ließlich der Aus­sper­rung, so­weit es den außer­kirch­li­chen Be­reich be­trifft, nicht als Ver­s­toß ge­gen Glau­bens­re­geln ver­stan­den wird (Ri­char­di, a.a.O. § 10 Rn 11), macht deut­lich, dass der Aus­sper­rungs­ver­zicht den spe­zi­fi­schen Ei­gen­hei­ten der kirch­lich ge­tra­ge­nen Ein­rich­tun­gen und ih­res „Verkündungs­auf­tra­ges" Rech­nung tra­gen und das Zu­sam­men­wir­ken von Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mern in der „christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft" nicht durch
kon­flikt­haf­te Aus­tra­gung von In­ter­es­sen­ge­gensätzen – et­wa in Form der Aus­sper­rung - be­ein­träch­tigt wer­den soll. Wie im Fol­gen­den aus­zuführen ist, ist zwar die ca­ri­ta­ti­ve Betäti­gung in Form der „Dienst­ge­mein­schaft" als Aus­druck re­li­giöser Über­zeu­gung durch Re­li­gi­ons­frei­heit und kirch­li­ches Selbst­be­stim­mungs­recht ge­deckt, wor­aus Ein­schränkun­gen von Ar­beits­kampf­maßnah­men ab­zu­lei­ten sind. So­weit da­nach Ar­beitskämp­fe aus­schei­den, entfällt zu­gleich das hier an­ge­spro­che­ne Mit­tel der Aus­sper­rung. Dem­ge­genüber über­zeugt es nicht, wenn die Kläger­sei­te un­ter Hin­weis auf den Bei­trag von Bee­se („Der Drit­te Weg" – An­la­ge K 43, Bd. VI d. A.) die Er­set­zung des staat­li­chen Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts durch ein kon­sen­sua­les Re­ge­lungs­mo­dell mit all­ge­mei­nen Glau­bens­grundsätzen und Bi­bel­zi­ta­ten zu be­gründen sucht. Dem christ­li­chen Verständ­nis ent­spricht zwei­fel­los das Bemühen um ge­rech­ten Aus­gleich und Ver­zicht auf un­ge­rech­te Ge­walt. Dem­ge­genüber ist auch oh­ne ver­tief­tes theo­lo­gi­sches Verständ­nis er­kenn­bar, dass die zur Be­gründung der vor­ge­tra­ge­nen The­se auf­geführ­ten Be­le­ge kei­nen spe­zi­fi­schen Be­zug zu der hier maßgeb­li­chen ar­beits- und ver­fas­sungs­recht­li­chen Fra­ge­stel­lung auf­wei­sen, was zu gel­ten hat, wenn der von ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung ge­tra­ge­ne und als Aus­druck christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­te „Dienst am Nächs­ten" un­ter den be­son­de­ren Be­din­gun­gen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses – al­so auf „welt­li­cher" Rechts­grund­la­ge - ge­leis­tet wird. Ei­ne „au­then­ti­sche", die staat­li­che Rechts­an­wen­dung bin­den­de In­ter­pre­ta­ti­on von Glau­bens­in­hal­ten in dem Sin­ne, dass Aus­sper­rung, Ar­beits­kampf und jed­we­de Form kon­flikt­haf­ter Aus­ein­an­der­set­zun­gen im Rah­men der „Dienst­ge­mein­schaft" grundsätz­lich – d. h. oh­ne sach­lich be­gründe­te Not­wen­dig­keit und so­gar außer­halb oder in Rand­be­rei­chen von Verkündungs­auf­trag und ca­ri­ta­ti­ver Betäti­gung - aus­zu­sch­ließen sei, kann in der vor­ge­leg­ten Dar­stel­lung nicht ge­se­hen wer­den. Das sei­tens der Kir­chen re­kla­mier­te „Struk­tur­prin­zip" der Ein­heit des kirch­li­chen Diens­tes und der Dienst­ge­mein­schaft, wel­ches die Ab­leh­nung von Streik und Aus­sper­rung im Be­reich kirch­li­chen Ar­beits­rechts be­gründen soll, kann nicht als der staat­li­chen Rechts­an­wen­dung ent­zo­ge­ner Glau­bens­satz an­ge­se­hen wer­den.
(ccc) Aus dem­sel­ben Grun­de kann zur Recht­fer­ti­gung ei­nes Ar­beits­kampf­ver­bo­tes im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen auch nicht die Ent­schei­dung der Kir­chen genügen, das „Kon­flikt­mo­dell" der Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zung und des Ar­beits­kampfs durch ein „kon­sen­sua­les" Re­ge­lungs­mo­dell er­set­zen zu wol­len, weil die­ses dem
christ­li­chen Versöhnungs­ge­dan­ken am bes­ten ent­spre­che. Al­lein die Tat­sa­che, dass in der kirch­lich ge­tra­ge­nen Dienst­ge­mein­schaft Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer ge­mein­sam da­zu bei­tra­gen, das Ziel des „Diens­tes am Nächs­ten" möglichst ef­fek­tiv zu ver­wirk­li­chen, steht der Fest­stel­lung nicht ent­ge­gen, dass bei der Ver­ein­ba­rung der Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen der durch die abhängi­ge Beschäfti­gung be­ding­te In­ter­es­sen­ge­gen­satz zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer nicht entfällt. Die im Ver­gleich zum „Nor­mal­ar­beits­verhält­nis" ge­stei­ger­te Ver­bun­den­heit zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer – nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ver­deut­licht durch die Be­grif­fe von „Dienst­ge­ber" und „Dienst­neh­mer" - und der Kon­sens über Zie­le und In­halt des „Diens­tes am Nächs­ten" prägt den In­halt der Ver­trags­pflich­ten, be­trifft hin­ge­gen nicht das „Aus­han­deln" der Ver­trags­be­din­gun­gen, wel­ches der Wahr­neh­mung der je­weils ei­ge­nen In­ter­es­sen im Verhält­nis zur an­de­ren Ver­trags­par­tei dient. An­schau­lich ge­spro­chen voll­zieht sich der „Dienst am Nächs­ten" an die­sem, nicht hin­ge­gen am kirch­li­chen „Dienst­ge­ber" bzw. Ar­beit­ge­ber als Gläubi­ger der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Leis­tung. Das Zu­sam­men­wir­ken von Ar­beit­neh­mern und Ar­beit­ge­ber im Rah­men der „Dienst­ge­mein­schaft" ändert nichts dar­an, dass das zu­grun­de­lie­gen­de Rechts­verhält­nis nicht als „Ge­mein­schafts­verhält­nis" an­zu­se­hen, son­dern - ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Re­geln der ver­trag­li­chen Be­gründung ein­sch­ließlich des Aus­han­delns und der Fort­ent­wick­lung der Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen - als Ar­beits­verhält­nis aus­ge­stal­tet ist, wel­ches durch den der In­ter­es­sen­ge­gen­satz der Ver­trags­par­tei­en ge­kenn­zeich­net ist.
Von der Erfüllung der über­nom­me­nen „Dienst­pflich­ten" im Geis­te der kirch­lich ge­prägten Vor­ga­ben zu un­ter­schei­den ist da­mit das ar­beits­ver­trag­lich ge­stal­te­te „Grund­verhält­nis". Der In­ter­es­sen­ge­gen­satz der Ver­trags­par­tei­en beim Aus­han­deln von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung beim ge­gen­sei­ti­gen Ver­trag ein­sch­ließlich der Ent­fal­tung von „Ver­hand­lungs­druck" ist zwin­gend mit der gewähl­ten Rechts­grund­la­ge – dem Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges – ver­bun­den und hat, wie das Bei­spiel der Beschäftig­ten im Öffent­li­chen Dienst be­legt, nichts mit dem Ge­gen­satz von Ka­pi­tal und Ar­beit zu tun. Die Tat­sa­che, dass der ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer in al­ler Re­gel zur Durch­set­zung sei­ner For­de­run­gen al­lein nicht in der La­ge ist und sich aus die­sem Grun­de mit an­de­ren Ar­beit­neh­mern zu ei­nem Ver­band zu­sam­men­sch­ließt, wel­cher ih­re In­ter­es­sen bei der Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen ver­tritt, hat auch nichts
mit ei­nem – im Be­reich der kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen ab­zu­leh­nen­den - „Feh­de­ge­dan­ken" zu tun, wie die Kläger un­ter Hin­weis auf ei­ne vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­wen­de­te For­mu­lie­rung mei­nen. Er­sicht­lich han­delt es sich in­so­weit nicht um ei­ne kon­kre­te und his­to­risch be­leg­te Par­al­le­le zur ger­ma­ni­schen und mit­tel­al­ter­li­chen Feh­de, wel­che die Durch­set­zung von Rech­ten ge­genüber frem­der Rechts­ver­let­zung zum Ge­gen­stand hat und der Wie­der­her­stel­lung der ver­letz­ten Sip­pen­eh­re dien­te (s. Brock­haus En­zy­klopädie, Stich­wort Feh­de), son­dern um den Ver­such ei­ner bild­haf­ten Um­schrei­bung von Kon­flikt­si­tua­tio­nen, wel­cher kein ei­genständi­ger Er­kennt­nis­wert bei­ge­mes­sen wer­den kann. Al­lein dem Wil­len der ei­nen Ver­trags­par­tei, sich möglichst kon­flikt­frei mit der an­de­ren „geg­ne­ri­schen" Ver­trags­par­tei über die maßgeb­li­chen Ver­trags­be­din­gun­gen zu verständi­gen, kann da­nach kei­ne maßgeb­li­che Be­deu­tung bei­ge­mes­sen wer­den. Trotz Übe­rein­stim­mung von Ar­beit­neh­mer und kirch­li­chem Ar­beit­ge­ber, im Rah­men der Dienst­ge­mein­schaft da­zu bei­zu­tra­gen, dass der Auf­trag zum „Dienst am Nächs­ten" op­ti­mal erfüllt wird, bleibt es da­bei, dass der Ar­beit­neh­mer – an­ders als das Or­dens­mit­glied, das sich für ei­ne selbst­lo­sen Ein­satz ent­schie­den hat - sei­ne Ar­beits­kraft ent­gelt­lich in den Dienst des Ar­beit­ge­bers stellt und sei­ne in­ne­re Ver­bun­den­heit mit den Zie­len der kirch­li­chen Ein­rich­tung in der Diens­terfüllung, nicht hin­ge­gen im Nach­ge­ben bei den Ver­hand­lun­gen um güns­ti­ge­re Ar­beits­be­din­gun­gen und ei­nem Ver­zicht auf kon­flikt­haf­te Aus­ein­an­der­set­zun­gen un­ter Be­weis stellt. Auch das Bei­spiel der Ge­sell­schaft Bürger­li­chen Rechts zeigt an­schau­lich, oh­ne dass die recht­li­chen und tatsächli­chen Un­ter­schie­de zum Ar­beits­verhält­nis und den Ei­gen­hei­ten der kirch­li­chen Dienst­ge­mein­schaft ver­kannt wer­den, dass das Zu­sam­men­wir­ken zum Er­rei­chen ei­nes ge­mein­sa­men Zwecks zu tren­nen ist von der Aus­ge­stal­tung der Ge­sell­schaf­ter­rech­te im Ge­sell­schafts­ver­trag und der durch mögli­che In­ter­es­sen­ge­gensätze ge­prägten Ausübung von Rech­ten aus dem Ge­sell­schafts­ver­trag, ins­be­son­de­re so­weit es um ei­ne Ak­tua­li­sie­rung der fi­nan­zi­el­len As­pek­te geht. In glei­cher Wei­se kann auch bei der Ver­wirk­li­chung der „Dienst­ge­mein­schaft" in Form der Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern kein Wi­der­spruch dar­in ge­se­hen wer­den, dass trotz Ver­bun­den­heit in der Sa­che die maßgeb­li­chen Ar­beits­be­din­gun­gen nach den hierfür ein­schlägi­gen Re­geln nicht stets kon­flikt­frei zu re­geln sind.
(ddd) So­weit dem­ge­genüber Ri­char­di in die­sem Zu­sam­men­hang aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur be­trieb­li­chen Mit­be­stim­mung (BA­GE 29, 405,411 = AP Nr. 10 zu § 118 Be­trVG) fol­gern will, nicht al­lein das das streng dua­lis­ti­sche (d.h. durch den In­ter­es­sen­ge­gen­satz von Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat ge­kenn­zeich­ne­te) Sys­tem des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes wi­der­spre­che dem Grund­satz der christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft, dies müsse erst recht für das Sys­tem von Ta­rif­ver­trag und Ar­beits­kampf gel­ten, da letz­te­res nicht wie die Be­triebs­ver­fas­sung vom Ko­ope­ra­ti­ons­mo­dell, son­dern vom Mo­dell der Kon­fron­ta­ti­on ge­prägt sei (Ri­char­di a.a.O. § 10 Rn 16), lässt dies den un­ter­schied­li­chen Sach­zu­sam­men­hang der Fra­ge­stel­lun­gen außer Acht. We­sent­li­cher Ge­gen­stand der be­trieb­li­chen Mit­be­stim­mung ist – ver­ein­facht ge­spro­chen – die Ge­stal­tung der Ar­beits­abläufe und die Be­gren­zung der dem Ar­beit­ge­ber zu­ste­hen­den Rech­te, wel­che er bei Feh­len ei­ner Be­triebs­ver­tre­tung al­lein ausüben könn­te. Dass die Ei­gen­hei­ten des kirch­li­chen Diens­tes hier an­de­re Re­ge­lungs­me­cha­nis­men als sinn­voll oder er­for­der­lich er­schei­nen las­sen, als sie im Be­reich von Wirt­schafts­be­trie­ben gel­ten, hat nichts mit der Fra­ge zu tun, ob die Ei­gen­hei­ten der kirch­li­chen Betäti­gung in den For­men des Ar­beits­rechts schon „ih­rem We­sen nach" mit den ein­schlägi­gen Rechts­re­geln un­ver­ein­bar sind, wel­che die Aus­tra­gung des spe­zi­fi­schen In­ter­es­sen­kon­flikts zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer um die Ge­stal­tung der Ver­trags­be­din­gun­gen - ins­be­son­de­re zu Leis­tung und Ge­gen­leis­tung - zum Ge­gen­stand ha­ben. Al­lein die Ge­fahr, dass die Aus­tra­gung ei­nes hier­auf be­zo­ge­nen Kon­flikts in Wi­der­spruch zu den Auf­ga­ben der kirch­li­chen Ein­rich­tung ge­ra­ten kann, be­deu­tet nicht, dass schon die An­er­ken­nung des In­ter­es­sen­ge­gen­sat­zes und das Zu­las­sen kon­flikt­haf­ter Aus­ein­an­der­set­zun­gen dem We­sens­ge­halt der christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft wi­der­spre­chen und da­mit oh­ne Rück­sicht auf die kon­kre­ten Aus­wir­kun­gen auf die je­wei­li­ge Auf­ga­ben­stel­lung der kirch­li­chen Ein­rich­tung grundsätz­lich aus­ge­schlos­sen wer­den müssen. Nicht die In­sti­tu­ti­on der Dienst­ge­mein­schaft als sol­che und ih­re Struk­tur­prin­zi­pi­en bedürfen im Kon­flikt mit der Ko­ali­ti­ons­frei­heit und ih­ren Aus­for­mun­gen des Schut­zes vor un­verhält­nismäßigen Be­ein­träch­ti­gun­gen, son­dern die kon­kre­ten For­men der Betäti­gung als Aus­prägun­gen der Glau­bens­frei­heit, wie dies auf den in christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­ten „Dienst am Men­schen" zu­trifft.
(eee) Aus den­sel­ben Gründen ver­mag auch der Ein­wand nicht zu über­zeu­gen, die Durchführung von Streik­maßnah­men für zu ei­ner „Spal­tung der Dienst­ge­mein­schaft", in­dem sich Grup­pen strei­ken­der und am Streik nicht be­tei­lig­ter Ar­beit­neh­mer bil­de­ten. An­ders als in Be­zug auf grundsätz­li­che Glau­bens­fra­gen und die An­for­de­run­gen an die Ausübung des „Diens­tes am Nächs­ten" lässt sich die Not­wen­dig­keit ei­ner übe­rein­stim­men­den Über­zeu­gung in Be­zug auf den rech­ten Weg zur Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen nicht re­li­giös be­gründen. Eben­so we­nig ist er­sicht­lich, dass al­lein die Auf­spal­tung der Be­leg­schaft in streik­wil­li­ge und – un­wil­li­ge Ar­beit­neh­mer die Ge­fahr be­gründet, dass hier­durch der in ge­mein­sa­mer re­li­giöser Über­zeu­gung ge­leis­te­te „Dienst am Nächs­ten" be­ein­träch­tigt wer­den könn­te.
(fff) Sch­ließlich kann auch aus dem „We­sen der Dienst­ge­mein­schaft" nichts Ge­gen­tei­li­ges her­ge­lei­tet wer­den. Oh­ne dass es im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang auf die teils kri­ti­schen Stel­lung­nah­men zur Ver­wen­dungs­ge­schich­te die­ses Be­griffs an­kommt (vgl. die Dar­stel­lung bei Lührs, ZMV Son­der­heft 2010, 60 ff. ei­ner­seits, Ri­char­di a.a.O., § 4 Rn 19, Ham­mer a.a.O., S. 176 an­de­rer­seits), ist auch nach kirch­li­chem Verständ­nis zu be­ach­ten, dass das Ar­beits­verhält­nis sich nicht mit der Dienst­ge­mein­schaft deckt, viel­mehr in der Dienst­ge­mein­schaft die ver­schie­de­nen For­men der kirch­li­chen Auf­ga­ben­er­le­di­gung – durch Or­dens­leu­te, Kle­ri­ker, Eh­ren­amt­li­che pp. wie auch der als „Dienst­neh­mer" be­zeich­ne­ten Ar­beit­neh­mer zu­sam­men­ge­fasst sind (Hahn, ZMV Son­der­heft 2010, 33 ff.). In recht­li­cher Hin­sicht geht da­mit ei­ne not­wen­di­ge Un­ter­schei­dung zwi­schen den ver­schie­de­nen Be­tei­lig­ten der Dienst­ge­mein­schaft – Or­dens­leu­ten, Ar­beit­neh­mern pp. - ein­her. Auch wenn die ide­el­le Zu­ord­nung zu ei­nem ein­heit­li­chen Gan­zen be­ach­tet wird, ist der überg­rei­fen­de Ge­dan­ke der Dienst­ge­mein­schaft nicht ge­eig­net, die recht­li­chen Ei­gen­hei­ten zu über­win­den, wel­che mit der Wahl der je­weils un­ter­schied­li­chen Rechts­form ver­bun­den sind. Der Ge­dan­ke der Dienst­ge­mein­schaft fin­det da­mit Ein­gang in die Rechts­sphäre nur nach Maßga­be der gewähl­ten Rechts­form und ih­rer durch das staat­li­che Recht ge­prägten Ei­gen­hei­ten, so et­wa beim „Ver­trags­mo­dell" in der Ver­ein­ba­rung be­son­de­rer Loya­litäts­pflich­ten. Zu­gleich be­grenzt die Wahl der Rechts­form die Möglich­kei­ten, die mit dem Ge­dan­ken der Dienst­ge­mein­schaft ver­bun­de­ne Vor­stel­lung ei­ner „ge­mein­sa­men Ver­wirk­li­chung des Heils­ge­dan­kens" recht­lich ver­bind­lich aus­zu­ge­stal­ten, so­weit dies mit der Struk­tur des Ver­tra­ges und
den für das Ver­trags­mo­dell recht­lich vor­ge­ge­be­nen Re­geln in Wi­der­spruch steht. Soll­te sich – was zwei­fel­haft er­scheint – ein unüber­brück­ba­rer und aus­nahms­lo­ser Ge­gen­satz zwi­schen ver­bind­li­chen Glau­bens­grundsätzen, dem hier­auf gestütz­ten Ge­dan­ken der Dienst­ge­mein­schaft und dem Ver­trags­mo­dell des frei­en - not­falls mit der Ausübung kol­lek­ti­ven Drucks ver­bun­de­nen - Aus­han­delns der Ver­trags­be­din­gun­gen er­wei­sen, müss­ten die Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten da­von Ab­stand neh­men, ih­re Betäti­gung in der Dienst­ge­mein­schaft auf die - fol­ge­rich­tig als un­ge­eig­net an­zu­se­hen­de – Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern zu gründen. Die Kam­mer ver­tritt die­sen Stand­punkt nicht, ver­mag je­doch eben­so we­nig der Auf­fas­sung zu fol­gen, schon der Ge­dan­ke der Dienst­ge­mein­schaft als sol­cher sei als Aus­druck nicht zu hin­ter­fra­gen­der Glau­bens­grundsätze ge­eig­net, ei­nen um­fas­sen­den Aus­schluss von Ar­beits­kampf­maßnah­men im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen zu recht­fer­ti­gen.
Im Übri­gen ist dar­auf hin­zu­wei­sen, auch die kon­flikt­be­haf­te­te In­ter­es­sen­wahr­neh­mung – selbst in der ehe­li­chen Ge­mein­schaft - letzt­lich auf ei­ne Ei­ni­gung zielt, wenn auch ein „Ehe­s­treik" so­weit er­sicht­lich bis­lang al­lein Ge­gen­stand li­te­ra­ri­scher Dar­stel­lun­gen ge­we­sen ist. Be­ach­tet man wei­ter die nach­fol­gend dar­ge­stell­ten Be­schränkun­gen der Maßnah­men des Ar­beits­kampfs, wel­che sich dar­aus recht­fer­ti­gen, dass nach dem kirch­li­chen Selbst­verständ­nis der „Dienst am Men­schen" auch nicht vorüber­ge­hend für die Dau­er ei­nes Ar­beits­kampfs sus­pen­diert wer­den kann, so be­darf es kei­ner ge­willkürten, ver­meint­lich durch den „Versöhnungs­ge­dan­ken" und den „Aus­schluss der Feh­de" ge­tra­ge­nen Er­set­zung des Sys­tems von Ta­rif­ver­trag und Ar­beits­kampf durch ein rein „kon­sen­sua­le" Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen. Viel­mehr kommt ei­ne Be­schränkung der Ko­ali­ti­ons- und Ar­beits­kampf­frei­heit al­lein in­so­weit in Be­tracht, wie dies zur Auf­recht­er­hal­tung des in christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­ten „Diens­tes am Nächs­ten" ge­bo­ten ist.
(ggg) Zu­sam­men­fas­send ist da­mit fest­zu­hal­ten: Nimmt die kirch­li­che Ein­rich­tung, wel­che die Rechts­form des Ar­beits­verhält­nis­ses wählt, die Recht­stel­lung des Ar­beit­ge­bers ein und er­bringt da­mit der Beschäftig­te, da­mit die Ein­rich­tung dem christ­li­chen Dienst­leis­tungs­auf­trag ent­spre­chen kann, sei­ne Ar­beits­leis­tung in abhängi­ger Stel­lung, so ist hier­mit zwangsläufig der für das Ar­beits­verhält­nis ty­pi­sche In­ter­es­sen­ge­gen­satz zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer in Be­zug auf
die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen ver­bun­den. Wie im Ein­zel­nen zu er­rei­chen ist, dass hier- bei – beim Kon­flikt um die Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen - das An­lie­gen des „Diens­tes am Nächs­ten" kei­nen Scha­den nimmt, kann nicht abs­trakt durch Aus­schal­tung we­sent­li­cher Ar­beit­neh­mer­rech­te und pau­scha­le Er­set­zung des Ta­rif­ver­trags- und Ar­beits­kampf­sys­tems durch ei­ne als vor­zugswürdig an­ge­se­he­ne kon­sen­sua­le Form der Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen be­stimmt wer­den. Viel­mehr kommt es dar­auf an, in­wie­fern die Ei­gen­art der vom Ar­beit­neh­mer in der Funk­ti­on des „Dienst­neh­mers" er­brach­ten Ar­beits­leis­tung ei­nen Aus­schluss von Ar­beits­kampf­maßnah­men ob­jek­tiv als er­for­der­lich und sach­lich ge­bo­ten er­schei­nen lässt, wo­bei der Maßstab des „sach­lich Ge­bo­te­nen" un­ter Berück­sich­ti­gung des kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­ses zu be­stim­men ist.
(dd) Ge­gen die Berück­sich­ti­gung des Selbst­verständ­nis­ses der Kir­che bei An­wen­dung des Maßsta­bes des „sach­lich Ge­bo­te­nen" kann auch nicht ein­ge­wandt wer­den, dies lau­fe auf ei­nen Zir­kel­schluss hin­aus. Auch in an­de­ren recht­li­chen Zu­sam­menhängen – so bei der recht­li­chen Über­prüfung der sog. „frei­en Un­ter­neh­mer­ent­schei­dung" im Be­reich des Kündi­gungs­schutz­rechts - ist ge­dank­lich zwi­schen den bin­den­den Vor­ga­ben des Ar­beit­ge­bers und der Er­for­der­lich­keit der zu die­sem Zweck durch­geführ­ten Maßnah­men zu un­ter­schei­den. Dem­ent­spre­chend lau­tet die maßgeb­li­che Fra­ge, wel­che bin­den­den Vor­ga­ben für den in der ein­zel­nen Ein­rich­tung ge­leis­te­ten „Dienst am Nächs­ten" kenn­zeich­nend und des­halb auf der Grund­la­ge des kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­ses der recht­li­chen Kon­trol­le ent­zo­gen sind.
Ge­gen­stand der „Dienst­leis­tung" der Kläge­rin zu 1 ist der Dienst am kran­ken und pfle­ge­bedürf­ti­gen Men­schen, wel­cher aus Glau­bens­gründen Vor­rang vor in­di­vi­du­el­len Be­lan­gen der Beschäftig­ten be­an­spru­chen und kei­ner ge­woll­ten Un­ter­bre­chung un­ter­lie­gen soll. Nimmt man die­se Vor­ga­be als recht­lich bin­dend hin, so müssen Ein­schränkun­gen des „Dienst­be­trie­bes", wie sie mit Ar­beits­nie­der­le­gun­gen ver­bun­den sind, ver­mie­den wer­den. Im Be­reich der ärzt­li­chen Leis­tun­gen und der Kran­ken­pfle­ge schei­den Maßnah­men des Ar­beits­kampfs da­nach aus. Ihr Aus­schluss ist zur Wah­rung der nicht zu hin­ter­fra­gen­den Vor­ga­ben er­for­der­lich.
(ee) So­weit dem­ge­genüber die Be­klag­te ei­ne spe­zi­fi­sche Be­trof­fen­heit des re­li­giös mo­ti­vier­ten Dienst­leis­tungs­auf­tra­ges und die hier­mit be­gründe­te Er­for­der­lich­keit der Be­schränkung von Ar­beits­kampf­maßnah­men mit der Be­gründung in Zwei­fel zieht, auch bei nicht kirch­lich ge­tra­ge­nen Kran­kenhäusern wer­de das Pa­ti­en­ten­wohl bei Ar­beitskämp­fen nicht be­ein­träch­tigt, da durch ent­spre­chen­de Not­dienst­re­ge­lun­gen ent­spre­chen­de Vor­sor­ge ge­trof­fen wer­de, greift die­ser An­satz zu kurz. Rich­tig ist zwar, dass der Ar­beits­kampf in Ein­rich­tun­gen der Da­seins­vor­sor­ge und ins­be­son­de­re im Be­reich der Kran­ken­ver­sor­gung auch im außer­kirch­li­chen Be­reich be­son­de­ren Ein­schränkun­gen un­ter­liegt, um Ge­sund­heits­ge­fah­ren und schwer­wie­gen­de Nach­tei­le für Pa­ti­en­ten und All­ge­mein­heit zu ver­mei­den. Hier­aus folgt oh­ne wei­te­res, dass dem akut Er­krank­ten ärzt­li­che Hil­fe nicht vor­ent­hal­ten wird und et­wa not­wen­di­ge Ope­ra­tio­nen auch während des Ar­beits­kamp­fes durch­geführt wer­den müssen. So­weit es dem­ge­genüber um die Durchführung von Heil­maßnah­men geht, wel­che nicht als dring­lich an­zu­se­hen sind und dem­ent­spre­chend oh­ne Ge­sund­heits­ge­fah­ren auf ei­nen späte­ren Zeit­punkt ver­scho­ben wer­den können, wer­den die­se von ei­ner Not­dienst­re­ge­lung nicht zwangsläufig er­fasst. Die Dar­stel­lung der Be­klag­ten, wie sie in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt vor­ge­tra­gen wor­den ist, auch im Fal­le ei­nes Ar­beits­kampfs kom­me es nicht zum Auf­schub von nicht drin­gen­den Ope­ra­tio­nen, über­haupt sei­en Be­ein­träch­ti­gun­gen auf Sei­ten der Pa­ti­en­ten aus­ge­schlos­sen, steht – wie die Be­richt­er­stat­tung in der Pres­se über den Ärz­te­streik im Jah­re 2010 be­legt – mit der Rea­lität nicht in Ein­klang (www.neue­pres­se.de, Mel­dung vom 17.05.2010: „Je­der zwei­te OP-Saal steht leer"; www.spie­gel.de: „Vie­le Pa­ti­en­ten muss­ten lan­ge War­te­zei­ten in Kauf neh­men"). We­der ist er­sicht­lich, wie trotz nicht nur kurz­fris­ti­ger Ar­beits­nie­der­le­gung des ärzt­li­chen Per­so­nals sämt­li­che ge­plan­ten Be­hand­lungs­maßnah­men durch­geführt wer­den könn­ten, noch er­scheint na­he­lie­gend, dass bei vol­ler Auf­recht­er­hal­tung der me­di­zi­ni­schen Leis­tun­gen des be­streik­ten Kran­ken­hau­ses auf den Ar­beit­ge­ber aus­rei­chen­der Druck aus­geübt wer­den kann, auf die ar­beit­neh­mer­sei­tig ge­stell­ten For­de­run­gen ein­zu­ge­hen. Wie aus der Pres­se er­sicht­lich, hat der Mar­bur­ger Bund im Zu­sam­men­hang mit dem ge­nann­ten Ärz­te­streik zwar sein Bemühen be­tont, die Pa­ti­en­ten „so we­nig wie möglich in Mit­lei­den­schaft zu zie­hen", an­de­rer­seits be­rich­tet die Pres­se von der Not­wen­dig­keit, we­gen der der streik­be­ding­ten Ein­schränkung des Kran­ken­haus­be­trie­bes nicht dring­li­che Ope­ra­tio­nen zu ver­schie­ben. Auch der
wei­te­re Ein­wand der Be­klag­ten, im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang ge­he es al­lein um kurz­fris­ti­ge Un­ter­bre­chun­gen der Ar­beit et­wa zu De­mons­tra­ti­ons­zwe­cken über­zeugt nicht. Auch wenn die in der Ver­gan­gen­heit bei der Kläge­rin zu 1 durch­geführ­ten Ar­beits­nie­der­le­gun­gen so ge­stal­tet ge­we­sen sein mögen, dass Be­ein­träch­ti­gun­gen des Dienst­be­trie­bes und des Pa­ti­en­ten­wohls vollständig aus­ge­schlos­sen wa­ren, könn­te aus ei­ner der­ar­ti­gen Hand­ha­bung ei­ne recht­lich re­le­van­te Schluss­fol­ge­rung nur ge­zo­gen wer­den, wenn die Be­klag­te auf das Un­ter­las­sungs­be­geh­ren der Kläge­rin mit ei­ner ent­spre­chen­den Erklärung re­agiert hätte, sich auch künf­tig auf kurz­fris­ti­ge Pro­test­maßnah­men oh­ne Störun­gen des Dienst­be­trie­bes be­schränken zu wol­len. Kenn­zeich­nend für den Ar­beits­kampf ist je­doch die Ausübung emp­find­li­chen Drucks auf den Ar­beit­ge­ber, um die­sen zum Ein­len­ken zu ver­an­las­sen. Dass dies al­lein mit dem Zei­gen von Trans­pa­ren­ten in der Frühstücks­pau­se er­reicht wer­den könn­te, er­scheint fern­lie­gend. Auch die For­mu­lie­rung von Ham­mer (AuR 1995, 167), in sen­si­blen Be­rei­chen müsse die Ar­beit erst or­ga­ni­siert wer­den, be­vor sie nie­der­ge­legt wer­den könne, um die Funk­ti­onsfähig­keit be­streik­ter Ein­rich­tun­gen „zwar nicht un­be­ein­träch­tigt zu las­sen, aber in je­dem Fall zu er­hal­ten", ändert nichts dar­an, dass sich ei­ne Not­dienst­re­ge­lung ih­rer Ziel­set­zung nach le­dig­lich auf die Ab­wehr von Ge­mein­wohl­ge­fah­ren be­schränkt, hin­ge­gen nichts dar­an ändern soll, Druck auf die Ar­beit­ge­ber­sei­te eben da­durch aus­zuüben, dass der re­guläre Dienst­ab­lauf durch Vor­ent­hal­tung der Ar­beits­leis­tung gestört wird.
Geht man dem­ent­spre­chend da­von aus, dass der be­ab­sich­tig­te Druck auf den Ar­beit­ge­ber ty­pi­scher­wei­se auch bei ei­nem Streik im Kran­ken­haus­be­trieb durch Störun­gen des Dienst­ab­laufs und Ein­schränkun­gen des Dienst­be­trie­bes er­reicht wer­den soll, so entfällt da­mit die Grund­la­ge für die Ar­gu­men­ta­ti­on, schon auf­grund ent­spre­chen­der Not­dienst­re­ge­lun­gen wer­de der im Kran­ken­haus ge­leis­te­te „Dienst am Men­schen" von vorn­her­ein nicht be­ein­träch­tigt. Be­tei­li­gen sich die­je­ni­gen Beschäftig­ten, wel­che im ärzt­li­chen und pfle­ge­ri­schen Be­reich un­mit­tel­bar mit der Be­treu­ung von Pa­ti­en­ten be­fasst sind, am Ar­beits­kampf, wird der „Dienst am Nächs­ten" zeit­wei­se sus­pen­diert. Weil im In­ter­es­se der be­reits auf­ge­nom­me­nen Pa­ti­en­ten ei­ne Su­s­pen­die­rung des Diens­tes am Kran­ken­bett kaum in Be­tracht kommt, ver­blie­be – nicht an­ders als bei nicht kirch­li­chen Kran­kenhäusern – die Not­wen­dig­keit, auf­schieb­ba­re Be­hand­lungs­maßnah­men zu ver­schie­ben. Dies mag im Ein­zel­fall für die be­trof­fe­nen Men­schen le­dig­lich lästig sein, nicht sel­ten wird
hier­mit je­doch – selbst bei mögli­chem Wech­sel des Kran­ken­hau­ses - ei­ne Verlänge­rung der Lei­dens­zeit ver­bun­den sein.
Aus­ge­hend vom Selbst­verständ­nis der Kir­che und ih­rer Ein­rich­tun­gen, dass der in christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­te „Dienst am Nächs­ten" der­ar­ti­ge Ein­schränkun­gen nicht er­laubt und das Wohl des Pa­ti­en­ten nicht durch bloßen „Not­dienst" wie im Be­reich staat­li­cher Da­seins­vor­sor­ge, son­dern nur durch un­ein­ge­schränk­ten Dienst am Kran­ken erfüllt wird, folgt hier­aus die Not­wen­dig­keit, wei­ter­ge­hend als im außer­kirch­li­chen Be­reich Maßnah­men des Ar­beits­kampfs ein­zu­schränken. Während es im außer­kirch­li­chen Be­reich um das Span­nungs­verhält­nis zwi­schen Ar­beits­kampf­frei­heit, Er­for­der­nis­sen der Da­seins­vor­sor­ge und dem Ge­sichts­punkt der „Dritt­be­trof­fen­heit" – kon­kret be­zo­gen auf den be­hand­lungs­bedürf­ti­gen Men­schen - geht, wor­aus sich das Er­for­der­nis von Not­dienst­re­ge­lun­gen er­gibt, trifft der Ar­beits­kampf in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen den in christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­ten „Dienst am Men­schen" selbst und be­darf da­her mit Rück­sicht auf die gewähr­leis­te­te Kir­chen­au­to­no­mie wei­ter­ge­hen­der Be­schränkun­gen, als die­se aus dem Er­for­der­nis des Not­diens­tes fol­gen. Kon­kret lässt sich dies am Bei­spiel des Ar­beits­kampfs in staat­li­chen Kin­dergärten im Jah­re 2009 ver­deut­li­chen. Al­lein die Tat­sa­che, dass der während des Streiks auf­recht­er­hal­te­ne Not­dienst hin­ter der Aus­ge­stal­tung des re­gulären Kin­der­gar­ten­all­tags zurück­bleibt, ver­mag die Rechts­wid­rig­keit des Ar­beits­kamp­fes und hier­auf gestütz­te In­di­vi­dual­ansprüche nicht zu be­gründen und ent­hebt die Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten nicht von der et­wai­gen Not­wen­dig­keit ei­ge­ner Bemühun­gen um das Kin­des­wohl (LAG Hamm, 29.10.2009, 8 Sa­Ga 22/09, Ju­ris). In Ab­gren­zung hier­zu müss­te in ei­ner kirch­lich ge­tra­ge­nen Ein­rich­tung ein der­art re­du­zier­ter Not­dienst­be­trieb als Wi­der­spruch zu dem aus re­li­giösen Gründen gewähl­ten Mo­dell des „Diens­tes am Nächs­ten" an­ge­se­hen wer­den.
Nicht die feh­len­de Ar­beits­kampf­wil­lig­keit des Ar­beit­ge­bers oder die Ab­nei­gung ge­genüber der of­fe­nen Aus­tra­gung von Kon­flik­ten um die Ar­beits­be­din­gun­gen, wohl aber der Ge­sichts­punkt der Kon­ti­nuität des in christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­ten „Diens­tes am Nächs­ten" recht­fer­tigt es da­mit, die Ko­ali­ti­ons­frei­heit der Ar­beit­neh­mer und ih­rer Ge­werk­schaf­ten mit Ein­schränkun­gen zu ver­se­hen.
(ff) Die so be­gründe­te Ein­schränkung des Rechts auf Durchführung von Ar­beits­kampf­maßnah­men trägt al­ler­dings nicht den um­fas­sen­den Aus­schluss des Ar­beits­kampfs für sämt­li­che in den von der Kläge­rin zu 1 be­trie­be­nen Kran­kenhäusern beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer oh­ne Berück­sich­ti­gung des Um­stan­des, in­wie­fern die von ih­nen er­le­dig­ten Tätig­kei­ten dem in christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­ten „Dienst am Nächs­ten" zu­zu­rech­nen sind. Viel­mehr ist in Übe­rein­stim­mung mit dem Stand­punkt von Ot­to (a.a.O. § 9 Rn 31 ff.) zwi­schen Kern- und Rand­be­rei­chen kirch­li­cher Tätig­keit zu un­ter­schei­den (ähnl. Kis­sel a.a.O. § 28 Rn 39; s. auch Bie­back in Däubler, Ar­beits­kampf­recht, 2. Aufl., Rn 511 a). Maßgeb­lich muss da­nach sein, ob der je­wei­li­ge Auf­trag der Ein­rich­tung durch den Ar­beits­kampf kon­kret gefähr­det wird, was nicht glei­cher­maßen auf al­le Beschäftig­ten und die von ih­nen er­le­dig­ten Auf­ga­ben zu­trifft. Zu nen­nen ist et­wa die Tätig­keit der Ar­beit­neh­mer im Be­reich des Rei­ni­gungs- und Küchen­diens­tes, in ein­zel­nen Ver­wal­tungs­be­rei­chen oder in sol­chen Tätig­keits­fel­dern, wel­che – auch un­ter Be­ach­tung der Pra­xis kirch­lich ge­tra­ge­ner Ein­rich­tun­gen – im We­ge der Leih­ar­beit oder durch ex­ter­ne Dienst­leis­ter er­le­digt wer­den können. So­weit tatsächlich ei­ne sol­che Aus­glie­de­rung von Auf­ga­ben auf ex­ter­ne Dienst­leis­ter vor­liegt, stellt sich die Fra­ge ei­ner Ein­schränkung des Ar­beits­kampf­rechts oh­ne­hin nicht. Steht aber die Aus­glie­de­rung der­ar­ti­ger Hilfs­funk­tio­nen auch den kirch­lich ge­tra­ge­nen Ein­rich­tun­gen nicht nur theo­re­tisch und recht­lich zur Verfügung, son­dern be­legt die Pra­xis, dass ei­ne der­ar­ti­ge Aus­glie­de­rung nach dem Selbst­verständ­nis der Kir­che nicht aus­ge­schlos­sen ist, so wird hier­an deut­lich, dass ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung der Reich­wei­te des Ar­beits­kampf­ver­bots nach Funk­ti­ons­be­rei­chen kei­nen un­zulässi­gen Ein­griff in das Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che dar­stel­len kann.
So­weit die Kläger­sei­te hier­ge­gen ein­wen­det, ei­ne strik­te Tren­nung zwi­schen Ar­beit­neh­mern und Tätig­kei­ten mit un­mit­tel­ba­rem Be­zug zur Dienst­leis­tung am Nächs­ten ei­ner­seits und an­de­ren Tätig­kei­ten und Ar­beit­neh­mern mit ent­fern­te­rem oder feh­len­dem Be­zug zum Dienst­leis­tungs- oder Verkündi­gungs­auf­trag sei schon aus prak­ti­schen Gründen kaum möglich, weil et­wa auch die Auf­stel­lung von Dienst­plänen für die Funk­ti­onstüch­tig­keit des Kran­ken­haus­be­trie­bes ent­schei­dend sei, folgt hier­aus al­lein, dass es auf den un­mit­tel­ba­ren Pa­ti­en­ten­kon­takt nicht
an­kom­men kann. Nimmt man in­des­sen den Ge­sichts­punkt mögli­cher Aus­glie­de­rung von Teil­auf­ga­ben und die dies­bezügli­che Pra­xis zum Maßstab, so wird deut­lich, dass zwar die­je­ni­gen Funk­tio­nen der Kran­ken­haus­ver­wal­tung, wel­che für den Ab­lauf des Dienst­be­trie­bes ent­schei­dend sind, vom Ar­beits­kampf­ver­bot nicht aus­ge­nom­men wer­den können. Dem­ge­genüber könn­ten an­de­re Ver­wal­tungs­be­rei­che, wel­che et­wa für die Ab­rech­nung mit der Kran­ken­kas­se zuständig sind, in Ar­beits­kampf­maßnah­men ein­be­zo­gen wer­den können, oh­ne dass der „Dienst am Nächs­ten" lei­det. Nicht die Druck­ausübung als sol­che ein­sch­ließlich der wirt­schaft­li­chen Schädi­gung des Ar­beit­ge­bers durch Ein­nah­me­ausfälle und erhöhte Kos­ten­be­las­tung hat aus Gründen des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts zu un­ter­blei­ben, Maßstab für die Zulässig­keit bzw. Be­schränkung von Ar­beits­kampf­maßnah­men ist viel­mehr die un­ein­ge­schränk­te und nicht auf Not­maßnah­men be­grenz­te Ver­sor­gung des Pa­ti­en­ten.
Ge­gen ei­ne der­ar­ti­ge Dif­fe­ren­zie­rung kann auch nicht ein­ge­wandt wer­den, die­se führe zu ei­nem „ge­spal­te­nen Ar­beit­neh­mer­recht" in Be­zug auf Ta­rif­ab­schluss- und Ar­beits­kampfmöglich­kei­ten auf un­si­che­rer Be­wer­tungs­grund­la­ge (vgl. Kis­sel, § 28 Rn 38). Wie sich am Bei­spiel der Ar­beits­kampf­be­schränkun­gen im Be­reich der Da­seins­vor­sor­ge zeigt, liegt kei­ne Be­son­der­heit dar­in, dass die Ar­beit­neh­mer je nach Auf­ga­ben­stel­lung in un­ter­schied­li­cher Wei­se zur Teil­nah­me an Ar­beits­nie­der­le­gun­gen be­rech­tigt sind. Letzt­lich befürwor­tet auch Kis­sel die hier ver­tre­te­ne Dif­fe­ren­zie­rung nach Maßga­be der je­weils aus­geübten Tätig­keit und ih­rer je­wei­li­gen Nähe oder Fer­ne zum kirch­li­chen Verkündungs- oder Dienst­leis­tungs­auf­trag mit der Erwägung, dass auch im Kündi­gungs­recht die Stel­lung des Beschäftig­ten bei der Be­wer­tung des Kündi­gungs­grun­des nicht un­berück­sich­tigt blei­ben könne. Letz­te­res ist frei­lich nicht un­um­strit­ten, be­darf je­doch hier schon des­halb kei­ner Ver­tie­fung, da die An­er­ken­nung des Streik­rechts für ei­nen Teil der Beschäftig­ten und die Wahr­neh­mung die­ses Rechts - an­ders als ei­ne Loya­litäts­pflicht­ver­let­zung durch ei­nen „verkündungsnähe­ren" oder „verkündungs­fer­ne­ren" Ar­beit­neh­mer - nicht ge­eig­net ist, die Fra­ge des An­se­hens und der Glaubwürdig­keit der Kir­che in­fra­ge zu stel­len. Die Rei­ni­gungs- oder Buch­hal­tungs­kraft, wel­che sich nach den vor­ste­hen­den Maßstäben an ei­nen ge­werk­schaft­li­chen Streik be­tei­lig­ten darf, setzt sich – an­ders als durch
Kir­chen­aus­tritt oder Wie­der­ver­hei­ra­tung nach Schei­dung – nicht mit grund­le­gen­den Glau­benssätzen der Kir­che in Wi­der­spruch.
Die ge­gen­tei­li­gen Auf­fas­sung von Ri­char­di (a.a.O. § 10 Rn 13), ei­ne der­ar­ti­ge Ab­stu­fung des Streik­rechts nach der Nähe der Funk­ti­on des Ar­beit­neh­mers zum kirch­li­chen Auf­trag sei mit dem Kom­pe­tenz der Kir­che un­ver­ein­bar, selbst über In­halt und Reich­wei­te kirch­li­cher Re­ge­lun­gen zu ent­schei­den, über­zeugt je­den­falls hin­sicht­lich der hier maßgeb­li­chen Fra­ge­stel­lung nicht. Auch wenn man dem Stand­punkt folgt, dass der In­halt der Loya­litäts­pflich­ten we­gen ih­res Be­zu­ges zu den Glau­bens­in­hal­ten al­lein von den Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten zu be­stim­men ist, las­sen sich die Be­schränkun­gen des Ar­beits­kampfs im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen aus den dar­ge­stell­ten Gründen nicht nach­voll­zieh­bar als Aus­prägung be­stimm­ter Glau­benssätze und Gött­li­cher Ge­bo­te be­gründen. Viel­mehr fin­den die dar­ge­stell­ten Be­schränkun­gen ih­re Grund­la­ge in den sach­lich be­gründe­ten Er­for­der­nis­sen der „Dienst­ge­mein­schaft". Al­lein de­ren Ziel­set­zung ist Aus­druck des re­li­giös ge­prägten Selbst­verständ­nis­ses. So­weit sich Ein­schränkun­gen des staat­li­chen Ar­beits­rechts und der Ko­ali­ti­ons­frei­heit für Ar­beit­neh­mer mit be­stimm­ten Auf­ga­ben nicht aus der Funk­ti­on der kirch­li­chen Ein­rich­tung be­gründen las­sen, kann die­ses Be­gründungs­de­fi­zit nicht durch ei­nen Rück­griff auf das Recht zur au­to­no­men In­ter­pre­ta­ti­on der Glau­bens­in­hal­te über­wun­den wer­den.
Ge­gen die Dif­fe­ren­zie­rung nach der Nähe der Auf­ga­ben­stel­lung zum „Dienst am Nächs­ten" kann auch nicht er­folg­reich ein­ge­wen­det wer­den, auch bei ei­ner Be­schränkung des Streiks auf Ar­beit­neh­mer in „Hilfs­funk­tio­nen" kom­me es je­den­falls mit­tel­bar zu nicht hin­zu­neh­men­den Be­ein­träch­ti­gun­gen, weil et­wa der Aus­fall der Leis­tun­gen im Küchen- Rei­ni­gungs- oder Wäsche­dienst nicht da­zu führen könne, dass die be­treu­ten Pa­ti­en­ten un­zu­rei­chend beköstigt oder in un­ger­ei­nig­ten Räum­en und ver­schmutz­ter Bettwäsche ge­pflegt würden. Rich­tig ist zwar, dass ein Kran­ken­haus­be­trieb nicht oh­ne die ge­nann­ten Hilfs­funk­tio­nen be­trie­ben wer­den kann und das Pa­ti­en­ten­wohl die Auf­recht­er­hal­tung der­ar­ti­ger Haus­diens­te er­for­dert. Maßgeb­lich dafür, dass gleich­wohl ein Ar­beits­kampf in den ge­nann­ten Be­rei­chen nicht grundsätz­lich aus­ge­schlos­sen ist, ist der Ge­sichts­punkt der Er­setz­bar­keit der Dienst­leis­tun­gen et­wa durch Ein­schal­tung ge­werb­li­cher Dienst­leis­ter. Der mit dem
Ar­beits­kampf in ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung er­streb­te Druck auf den Ar­beit­ge­ber wird dem­gemäß nicht et­wa da­durch er­reicht, dass in den be­tref­fen­den Be­rei­chen „al­le Räder still­ste­hen", son­dern durch die or­ga­ni­sa­to­ri­sche und wirt­schaft­li­che Mehr­be­las­tung des Ar­beit­ge­bers, wel­che mit dem aus­hilfs­wei­sen Ein­satz von Fremd­fir­men ty­pi­scher­wei­se ver­bun­den ist. So­weit sich im Ein­zel­fall zei­gen soll­te, dass trotz ent­spre­chen­der Bemühun­gen Er­satz nicht zu er­hal­ten und da­mit der un­ein­ge­schränk­te „Dienst am Nächs­ten" nicht gewähr­leis­tet ist, kann dies ein­zel­fall­be­zo­gen zu ge­richt­lich an­zu­ord­nen­den Streik­be­schränkun­gen An­lass ge­ben, wie dies auch im Be­reich außer­kirch­li­cher Da­seins­vor­sor­ge in Be­tracht kommt, so et­wa bei der quan­ti­ta­ti­ven Ein­schränkung von Streik­maßnah­men beim Blut­spen­de­dienst zur Auf­recht­er­hal­tung ei­ner Not­re­ser­ve mit gleich­zei­ti­gem Ge­bot an den Ar­beit­ge­ber, Blut­kon­ser­ven nur noch zur Not­fall­ver­sor­gung ab­zu­ge­ben (LAG Hamm, 16.01.2007, 8 Sa 74/07, NZA-RR 2007, 250). In An­be­tracht der Viel­falt der Le­bens­verhält­nis­se – der Ei­gen­art der streik­be­trof­fe­nen Be­trie­be und Ein­rich­tun­gen so­wie der mögli­chen Va­ria­ti­on der Ar­beits­kampf­mit­tel und ih­rer Störwir­kung – las­sen sich die Gren­zen zulässi­ger Ar­beits­kampf­nah­men nur be­grenzt durch abs­trak­te Grundsätze er­fas­sen, wes­we­gen im Ein­zel­fall Streik­re­geln im We­ge des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ge­schaf­fen wer­den müssen. Die­se Pro­ble­ma­tik be­trifft in­des­sen glei­cher­maßen nicht­kirch­li­che wie kirch­li­che Ar­beit­ge­ber. Al­lein der Um­stand, dass Ar­beitskämp­fe in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen aus den dar­ge­stell­ten Gründen die Auf­recht­er­hal­tung des „Diens­tes am Nächs­ten" nicht be­ein­träch­ti­gen dürfen, recht­fer­tigt da­nach kein um­fas­sen­des Ver­bot des Ar­beits­kampfs. Ei­ne Aus­ge­stal­tung ei­nes Streiks in der Wei­se, den Ar­beit­ge­ber durch Ausübung wirt­schaft­li­chen Drucks zum Nach­ge­ben zu ver­an­las­sen, steht mit dem Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che nicht in Wi­der­spruch, ist da­mit von Art.9 Abs. 3 GG ge­deckt und kann da­mit nicht als rechts­wid­ri­ger und zu un­ter­las­sen­der Ein­griff in die Rech­te der Kläge­rin an­ge­se­hen wer­den.
(gg) Der ver­folg­te Kla­ge­an­trag dif­fe­ren­ziert nicht zwi­schen ver­schie­de­nen Ar­beit­neh­mer­grup­pen und Beschäfti­gun­gen im Kran­ken­haus, ih­rer Nähe oder Fer­ne zum „Dienst am Nächs­ten" und den Aus­wir­kun­gen des Ar­beits­kampfs auf die­sen. Als Glo­balan­trag un­ter­liegt er da­mit der Ab­wei­sung als un­be­gründet.
(b) Aber auch wenn man - ab­wei­chend von den vor­ste­hen­den Über­le­gun­gen – die Dif­fe­ren­zie­rung nach der Nähe der ar­beits­ver­trag­li­chen Tätig­keit zum „Dienst am Nächs­ten" - für un­zulässig oder un­ge­eig­net hält und mit der h. M. ein um­fas­sen­des Streik­ver­bot an­er­ken­nen woll­te, setzt die Zurück­drängung des staat­li­chen Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts auch nach dem Stand­punkt der h. M. vor­aus, dass zur Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen ein gleich­wer­ti­ges In­stru­men­ta­ri­um zur Verfügung steht, wel­ches zwar die mit ei­nem Ar­beits­kampf ver­bun­de­nen Be­ein­träch­ti­gun­gen des kirch­li­chen Diens­tes ver­mei­det, den Ar­beit­neh­mern je­doch durch Aus­ge­stal­tung des Ver­fah­rens­we­ges glei­che Chan­cen zur Durch­set­zung ih­rer For­de­run­gen bie­tet, wie sie im außer­kirch­li­chen Be­reich mit der Durchführung von Ar­beits­kampf­maßnah­men ver­bun­den sind.
Ab­wei­chend vom Stand­punkt der h. M. und der Kläger trifft dies auf den zur Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen vor­ge­se­he­nen „drit­ten Weg" in sei­ner ge­genwärti­gen Aus­prägung nicht zu.
(aa) Kenn­zeich­nend für das Sys­tem des „drit­ten We­ges" ist der Ver­such, durch gleich­be­rech­tig­te Mit­wir­kung von Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­ver­tre­tern ein­sch­ließlich der pa­ritäti­schen Be­set­zung ei­nes Sch­lich­tungs­aus­schus­ses und der In­stal­lie­rung ei­nes „neu­tra­len Vor­sit­zen­den" ei­ne für bei­de Sei­ten ak­zep­tier­te, ge­rech­te Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen zu fin­den, oh­ne dass es zu ei­ner Ver­tie­fung von Ge­gensätzen, ar­beits­kampf­be­ding­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen oder Beschädi­gung der be­trieb­li­chen Funk­tio­nen und der auf ge­mein­sa­mer Glau­bensüber­zeu­gung be­ru­hen­der Dienst­ge­mein­schaft kommt. Geht man da­von aus, dass das im außer­kirch­li­chen Be­reich gel­ten­de Sys­tem des Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts in sei­ner kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung nicht von Ver­fas­sungs we­gen zwin­gend vor­ge­ge­ben ist und – nach frei­lich um­strit­te­ner - Auf­fas­sung (Löwisch/Rieb­le, TVG, 2. Aufl., Grundl. Rn 55) die ge­setz­li­che Einführung ei­nes dem Ar­beits­kampf zeit­lich vor­ge­hen­den Sch­lich­tungs­ver­suchs nicht aus­ge­schlos­sen ist, so be­geg­net al­lein die im Ver­fah­ren des „Drit­ten We­ges" vor­ge­se­he­ne In­stal­lie­rung ei­nes Sch­lich­tungs­ver­fah­rens – im Sin­ne ei­nes zwin­gend vor­ge­schal­te­ten Ver­fah­rens­schritts - kei­nen unüber­wind­li­chen Be­den­ken. Ob darüber hin­aus die Einführung ei­ner Zwangs­sch­lich­tung un­ter vollständi­gem Aus­schluss des Sys­tems von Ta­rif­ver­trag und Ar­beits­kampf vom Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen ge­deckt
ist, er­scheint dem­ge­genüber nicht un­zwei­fel­haft, be­darf in­des­sen kei­ner ab­sch­ließen­den Ent­schei­dung. Je­den­falls auf der Grund­la­ge der be­ste­hen­den Ver­fah­rens­re­geln des „Drit­ten We­ges" fehlt es nämlich be­reits an dem Er­for­der­nis, dass die­ser den Ar­beit­neh­mern im Ver­gleich zum staat­li­chen Ta­rif- und Ar­beits­kampf­sys­tem gleich­wer­ti­ge Durch­set­zungs­chan­cen bie­tet. Al­lein der Um­stand, dass die Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­sei­te über ei­ne glei­che An­zahl stimm­be­rech­tig­ter Ver­tre­ter in der ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on wie auch im Sch­lich­tungs­aus­schuss verfügen und der „neu­tra­le Sch­lich­ter" nicht im kirch­li­chen Dienst steht, be­gründet zwar ei­ne for­mel­le Gleich­heit der Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­sei­te. Al­lein hier­mit lässt sich je­doch die Er­set­zung des staat­li­chen Ta­rif-und Ar­beits­kampf­sys­tems nicht recht­fer­ti­gen, da hier­mit ei­ne gleich­wer­ti­ge Ver­hand­lungs­macht und gleich­wer­ti­ge Durch­set­zungs­chan­cen nicht gewähr­leis­tet sind.
(bb) We­sent­li­ches Merk­mal des staat­li­chen Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts ist die Mit­wir­kung von Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­ber­verbänden (zu­tr. Kühling AuR 2001, 244; Ham­mer, Kirch­li­ches Ar­beits­recht, S. 360 ff.). Von Ver­fas­sungs­we­gen steht dem Ar­beit­neh­mer nicht al­lein das Recht zu, sich mit an­de­ren zu ei­ner Ge­werk­schaft zu­sam­men zu schließen, viel­mehr wird der von den Ar­beit­neh­mern ge­bil­de­ten Ge­werk­schaft ein ei­ge­nes Recht zur ko­ali­ti­ons­gemäßen Betäti­gung ein­geräumt, um so die kol­lek­ti­ve In­ter­es­sen­durch­set­zung zu ermögli­chen, wel­che dem Ar­beit­neh­mer we­der als Ein­zel­nem noch ne­ben an­de­ren ge­lin­gen könn­te. Die Führung von Ta­rif­ver­hand­lun­gen durch die Ge­werk­schaft mit haupt­amt­li­chen und fach­lich qua­li­fi­zier­ten Funk­ti­onären er­laubt da­mit der Ar­beit­neh­mer­sei­te ei­ne Ver­hand­lungsführung mit dem Ar­beit­ge­ber bzw. dem Ar­beit­ge­ber­ver­band „auf Au­genhöhe". Die so be­gründe­te Ver­hand­lungs­macht der Ge­werk­schaft wird dem­ge­genüber durch die Ver­fah­rens­re­geln des „Drit­ten We­ges" weit­ge­hend zurück­ge­drängt. Die gem. § 4 der Ord­nung für die Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (An­la­ge 14, Bl. 295 ff. d. A.) von der De­le­gier­ten­ver­samm­lung be­nann­ten bzw. nach § 6 ARRG (An­la­ge 5, Bl. 211 ff. d. A.) von den Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen in die pa­ritäti­sche Kom­mis­si­on ent­sand­ten Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter müssen zu ei­nem An­teil von zwei Drit­teln haupt­amt­lich in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen tätig sein. Schon we­gen die­ses Quo­rums kommt die Be­tei­li­gung von haupt­amt­li­chen Mit­ar­bei­tern ei­ner Ge­werk­schaft nur in deut­lich
ein­ge­schränk­ten Um­fang in Be­tracht. Berück­sich­tigt man wei­ter, dass nach den Re­geln des „Drit­ten We­ges" die in der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on täti­gen Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter je­weils die in den Ein­rich­tun­gen ver­tre­te­nen Verbände und de­ren Mit­glie­der re­präsen­tie­ren und so – ab­wei­chend vom Sys­tem des Ta­rif­ver­trags­rechts – nicht je­de Ar­beit­neh­mer­ko­ali­ti­on ei­genständig für ih­re Mit­glie­der Ar­beits­be­din­gun­gen aus­han­delt, wird ei­ne Mit­wir­kung von Ver­bands­ver­tre­tern der Ar­beit­neh­mer­sei­te in der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on wei­ter da­durch be­schränkt, dass rea­lis­ti­scher­wei­se je­de Ver­ei­ni­gung das Quo­rum von zwei Drit­teln haupt­amt­lich in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen täti­ger Mit­ar­bei­ter ge­son­dert zu erfüllen hat. Geht man – den Ausführun­gen in der Kla­ge­schrift (S. 39, Bl. 128 d. A.) fol­gend – bei­spiel­haft da­von aus, dass die im Kran­ken­haus der Kläge­rin zu 1 täti­gen Ar­beit­neh­mer­grup­pen im Mar­bur­ger Bund, bei der Be­klag­ten und im Ver­band kirch­li­cher Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter (VKM RWL) or­ga­ni­siert sind und un­ter Berück­sich­ti­gung der An­zahl der ver­tre­te­nen Ar­beit­neh­mer auf die be­klag­te Ge­werk­schaft drei Stim­men in der ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on ent­fie­len, wo­von hier­von zwei Drit­tel haupt­amt­lich im Kir­chen­dienst täti­ge Beschäftig­te sein müss­ten, so ver­bleibt der Be­klag­ten al­lein die Ent­sen­dung ei­nes ein­zi­gen haupt­amt­li­chen Ge­werk­schafts­funk­ti­onärs. Da­ne­ben be­wirkt die Auf­tei­lung der „Ar­beit­neh­mer­bank" auf die in der Ein­rich­tung ver­tre­ten Verbände die zusätz­li­che Ge­fahr der Zer­split­te­rung und des „Aus­ein­an­der­di­vi­die­rens" mit dem Er­geb­nis ei­ner Schwächung der Ver­hand­lungs­po­si­ti­on. Im Ge­gen­satz zum be­ste­hen­den Ta­rif­ver­trags­sys­tem, nach des­sen Re­geln je­der Ver­band mit dem ihm ei­ge­nen Kamp­fes­wil­len die In­ter­es­sen sei­ner Mit­glie­der durch­zu­set­zen sucht und frei ent­schei­det, ob ei­ne Ver­bin­dung mit ei­ner kon­kur­rie­ren­den Ver­ei­ni­gung zu ei­ner Ta­rif- und Kampf­ge­mein­schaft wünschens­wert er­scheint, geht es bei der Be­schluss­fas­sung in der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on um ei­ne Verständi­gung auf ei­ne ein­heit­li­che Ar­beits­rechts­re­ge­lung. Al­lein der Um­stand, dass die je­wei­li­gen Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen vor­zugs­wei­se sol­che Ar­beit­neh­mer in die ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on ent­sen­den, wel­che Mit­glie­der der be­tref­fen­den Ver­ei­ni­gung sind, ver­schafft den ent­sand­ten Ver­tre­tern nicht zwangsläufig ein ent­spre­chen­des Ver­hand­lungs­ge­schick und Durch­set­zungs­vermögen, wie dies bei Ta­rif­ver­hand­lun­gen auf Ar­beit­ge­ber- und Ge­werk­schafts­sei­te an­zu­tref­fen ist.
(cc) Zu­tref­fend weist Ri­char­di (a.a.O., § 15 Rn 19 ff.) dar­auf hin, dass für die Gleich­wer­tig­keit des „drit­ten We­ges" mit dem Ta­rif­ver­trags­sys­tem und die An­nah­me ei­nes Gleich­ge­wichts nicht al­lein die glei­che Mit­glie­der­zahl von Ver­tre­tern der Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer in der ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on genügt (a.a.o., Rn 21). Ne­ben der Ab­si­che­rung der persönli­chen Rechts­stel­lung der Kom­mis­si­ons­mit­glie­der ist auch nach dem Stand­punkt von Ri­char­di we­sent­lich, ob „die Mit­ar­bei­ter­sei­te dem Sach­ver­stand der Dienst­ge­ber ei­ne ent­spre­chen­de ei­ge­ne Fach­kom­pe­tenz ent­ge­gen­set­zen kann (un­ter Hin­weis auf Dütz, EssG 18 (1984) 67, 93). Dem­ge­genüber über­zeugt es nicht, wenn Ri­char­di den Stand­punkt ein­nimmt, dem Pa­ritätser­for­der­nis sei be­reits da­mit genügt, dass die Ver­tre­ter der Mit­ar­bei­ter sich bei der Erfüllung ih­rer Auf­ga­ben von ih­ren Verbänden un­terstützen las­sen können, aus­rei­chend sei die Möglich­keit der Verbände, sich im Ver­fah­ren des „drit­ten We­ges" ko­ali­ti­ons­recht­lich zu betäti­gen, oh­ne dass der kirch­li­che Ge­setz­ge­ber ver­pflich­tet sei, den Verbänden be­son­de­re Be­fug­nis­se zu­zu­wei­sen (kri­tisch zu Recht Ham­mer, Kirch­li­ches Ar­beits­recht, S. 394).
Im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang geht es in­des­sen nicht um die all­ge­mei­ne Fra­ge, in­wie­fern der Ge­setz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit ge­hal­ten ist, den Ge­werk­schaf­ten et­wa im Zu­sam­men­hang mit der Mit­glie­der­wer­bung und dem Zu­tritts­recht von Ge­werk­schafts­be­auf­trag­ten zu kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen be­son­de­re Rech­te ein­zuräum­en. Viel­mehr be­trifft die Fra­ge­stel­lung das Span­nungs­verhält­nis zwi­schen dem Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen und der Ko­ali­ti­ons­frei­heit und die An­for­de­run­gen an ein kirch­li­ches Re­ge­lungs­mo­dell, wel­ches an die Stel­le des staat­li­chen Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts tre­ten und den An­for­de­run­gen des Art. 9 Abs. 3 GG durch gleich­wer­ti­ge Durch­set­zungs­chan­cen der Ar­beit­neh­mer­sei­te ent­spre­chen soll. Folgt man dem Stand­punkt der Kläger­sei­te, dass das staat­li­che Ta­rif- und Ar­beits­kampf­recht mit den Ei­gen­hei­ten der „Dienst­ge­mein­schaft" nicht ver­ein­bar ist und die Kir­chen aus die­sem Grun­de be­rech­tigt sind, auf der Grund­la­ge ih­res Selbst­be­stim­mungs­rechts ein ei­genständi­ges Ver­fah­ren zur Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen zu schaff­ten, wel­ches al­ler­dings dem An­spruch genügen muss, der Ar­beit­neh­mer­sei­te gleich­wer­ti­ge Durch­set­zungs­chan­cen ein­zuräum­en, so ist die Fra­ge falsch ge­stellt, ob der Ge­setz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit durch­weg ge­hal­ten ist, den Ge­werk­schaf­ten be­stimm­te Be­fug­nis­se ein­zuräum­en. Viel­mehr ist zu fra­gen, ob das Ver­fah­ren des „Drit­ten We­ges" der Ar­beit­neh­mer­sei­te
die glei­chen Durch­set­zungs­chan­cen wie das staat­li­che Ta­rif- und Ar­beits­kampf­recht bie­tet, wenn die Ge­werk­schaf­ten auf ei­ne bloße Be­ra­tungs­funk­ti­on be­schränkt wer­den. Dem­ent­spre­chend be­darf es ei­ner sach­lich nach­voll­zieh­ba­ren Be­gründung und Recht­fer­ti­gung dafür, dass der Ge­werk­schaft – an­ders als nach den sonst maßgeb­li­chen Re­geln – nicht die Rol­le des Ver­hand­lungsführers zu­ge­bil­ligt, son­dern ihr al­lein die Rol­le ei­nes Be­ra­ters „im Hin­ter­grund" zu­ge­wie­sen wird. Träfe die Ge­werk­schaft selbst die Ent­schei­dung, sich im staat­li­chen wie auch im kirch­li­chen Be­reich stets auf ei­ne der­ar­ti­ge Be­ra­ter­funk­ti­on zu be­schränken, weil et­wa dem Ge­sichts­punkt der Ver­traut­heit der Beschäftig­ten mit den be­trieb­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten Vor­rang vor ex­ter­ner Ein­fluss­nah­me ein­geräumt wer­den soll­te, so wären ge­gen ei­ne ent­spre­chen­de Ver­fah­rens­re­ge­lung im Be­reich des kirch­li­chen Ar­beits­rechts kei­ne Be­den­ken zu er­he­ben. Neh­men aber die Ge­werk­schaf­ten im Be­reich des staat­li­chen Ar­beits­rechts bei der Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen die Rol­le des Ver­hand­lungsführers wahr, so genügt zur Recht­fer­ti­gung ei­ner ab­wei­chen­den kirch­li­chen Ver­fah­rens­re­ge­lung nicht der Hin­weis, die Ver­fas­sung ge­bie­te es nicht, den Ko­ali­tio­nen be­stimm­te Be­fug­nis­se zu­zu­wei­sen. Aus wel­chem Grun­de im Be­reich kirch­li­cher Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ver­fah­ren die Gewähr­leis­tung der „kom­mu­ni­ka­ti­ven Funk­ti­on der Ko­ali­ti­ons­frei­heit" (Ri­char­di, a.a.o., § 10 Rn. 38) genügen und der hier­mit ver­bun­de­ne, le­dig­lich „kom­mu­ni­ka­tiv ver­mit­tel­te" Ein­fluss auf die Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen als ebenbürtig im Ver­gleich zur Mit­ge­stal­tung der Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen beim Ab­schluss von Ta­rif­verträgen an­ge­se­hen wer­den könn­te, ver­mag die Kam­mer nicht nach­zu­voll­zie­hen (in die­sem Sin­ne auch Os­wald, Streik­recht im kirch­li­chen Dienst und in an­de­ren ka­ri­ta­ti­ven Ein­rich­tun­gen, Diss., 2005, S. 209 mit FN 1045, S. 235).
Ne­ben der Fra­ge des in­halt­li­chen Ein­flus­ses auf die zu re­geln­den Ar­beits­be­din­gun­gen geht es im Übri­gen um den Ge­sichts­punkt Durch­set­zungs­kraft. Die­ser bleibt bei bloßer Zu­bil­li­gung ei­ner „kom­mu­ni­ka­ti­ven Funk­ti­on" der Ko­ali­ti­ons­frei­heit der Ge­werk­schaft er­sicht­lich un­berück­sich­tigt, ob­gleich sich ge­ra­de­zu auf­drängen muss, dass al­lein die persönli­che Qua­li­fi­ka­ti­on der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter in der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on - be­ruf­li­che Fach­kom­pe­tenz, fes­te Ver­wur­ze­lung in der kirch­li­chen Dienst­ge­mein­schaft und aus­ge­prägtes ge­werk­schaft­li­ches En­ga­ge­ment - im all­ge­mei­nen nicht genügen, um gleich ei­nem haupt­amt­lich täti­gen Ver­bands­ver­tre­ter Ver­hand­lun­gen er­folg­reich
führen zu können. Dem­ge­genüber über­zeugt es nicht, wenn Ri­char­di (NZA 2002, 929, 933) die struk­tu­rel­le Über­le­gen­heit der Ar­beit­ge­ber­sei­te bzw. die auch vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfGE 84, 212, 229) an­ge­nom­me­ne struk­tu­rel­le Un­ter­le­gen­heit der ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer – zu­min­dest im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang - Ab­re­de stellt. Träfe Ri­char­dis Stand­punkt zu, gäbe es we­der für die Ein­be­zie­hung des Ar­beits­rechts in die Kon­trol­le der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen noch für die An­er­ken­nung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit mit der Aus­for­mung des Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts ei­nen plau­si­blen Grund. Überträgt man die Fra­ge­stel­lung nach dem rea­len Ver­hand­lungs­gleich­ge­wicht auf Le­bens­sach­ver­hal­te außer­halb des kirch­li­chen Ar­beits­rechts und stellt et­wa die Fra­ge, ob ein an­walt­lich be­ra­te­ner Ar­beit­neh­mer über die­sel­be Fach­kennt­nis, das­sel­be Ver­hand­lungs­ge­schick und Durch­set­zungs­vermögen im Hin­blick auf die Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen wie der ei­ge­ne oder geg­ne­ri­sche An­walt verfügt, so wird sich kaum ei­ne Gleich­wer­tig­keit be­gründen las­sen. Dem Stand­punkt Ri­char­dis, es könne kei­nem Zwei­fel un­ter­lie­gen, dass die Verhält­nis­se in den Gre­mi­en des „Drit­ten We­ges" pa­ritäti­schen Er­for­der­nis­sen entsprächen (a.a.O., § 15 Rn 23), kann da­nach nicht ge­folgt wer­den (Zwei­felnd auch Weg­ner, ZMV Son­der­heft 2010, 40, 47/48).
(dd) Auch die von Ri­char­di zum Be­leg zi­tier­te Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 06.11.1996 (5 AZR 334/95, AP Nr. 1 zu § 10 a AVR Ca­ri­tas­ver­band) be­sagt letzt­lich nichts darüber, in­wie­fern die Möglich­keit der in die ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on ent­sand­ten Mit­ar­bei­ter, sich von der Ge­werk­schaft be­ra­ten zu las­sen, die­se in die La­ge ver­setzt, dem Sach­ver­stand und Ver­hand­lungs­ge­schick der Ar­beit­ge­ber­sei­te ei­ne ent­spre­chen­de ei­ge­ne Kom­pe­tenz ent­ge­gen zu set­zen. Ge­gen­stand der zi­tier­ten Ent­schei­dung ist al­lein die Fra­ge, in­wie­fern ei­ne ein­ver­nehm­lich auf dem „Drit­ten Weg" zu­stan­de ge­kom­me­ne Rück­zah­lungs­klau­sel nach den­sel­ben ein­ge­schränk­ten Maßstäben, wie sie für Ta­rif­verträge maßgeb­lich sind, ei­ner In­halts­kon­trol­le un­ter­lie­gen. Dass ei­ne ge­mein­sam von Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern auf dem „Drit­ten Weg" be­schlos­se­nen Re­ge­lung nicht an­ders als ein zwi­schen Ta­rif­par­tei­en aus­ge­han­del­ter Ta­rif­ver­trag ei­ne womöglich glei­che „ma­te­ri­el­le Rich­tig­keits­gewähr" bie­tet, wel­che ei­ne Be­schränkung ge­richt­li­cher Kon­troll­maßstäbe er­laubt, er­scheint durch­aus nach­voll­zieh­bar. Für die Fra­ge, ob die Ar­beit­neh­mer­sei­te bei der Re­ge­lung von
Ar­beits­be­din­gun­gen nicht mit Hil­fe ge­werk­schaft­li­cher Ver­hand­lungs­macht der Ar­beit­ge­ber­sei­te ei­ne güns­ti­ge­re Re­ge­lung hätte ab­rin­gen können, wel­cher eben­falls die erwähn­te Rich­tig­keits­gewähr zukäme, ist da­mit je­doch nichts ge­won­nen. Auch wenn die im Ver­fah­ren des „Drit­ten We­ges" be­schlos­se­nen Re­ge­lun­gen ei­ner un­ein­ge­schränk­ten Rechts­kon­trol­le un­ter­zo­gen würden und in kei­ner Hin­sicht zu be­an­stan­den wären, be­sagt dies nichts für die Fra­ge, ob bei verstärk­ter Mit­wir­kung oder Ver­hand­lungsführung der Ge­werk­schaft ei­ne für die Ar­beit­neh­mer­sei­te vor­teil­haf­te­re Re­ge­lung hätte er­zielt wer­den können. Zur Fra­ge der Gleich­wer­tig­keit des „Drit­ten We­ges", der Ver­gleich­bar­keit der Durch­set­zungs­chan­cen und der sach­li­chen Er­for­der­lich­keit, die Ge­werk­schaft von der un­mit­tel­ba­ren Be­tei­li­gung an der Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen fern­zu­hal­ten, trägt der Hin­weis auf die ge­nann­te Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts eben­so we­nig wie an­de­re teils nur beiläufi­ge Äußerun­gen ver­schie­de­ner Se­na­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts bei, wel­che sämt­lich in an­de­ren, hier nicht ein­schlägi­gen Zu­sam­menhängen for­mu­liert wor­den sind.
(ee) Fehlt es da­nach schon we­gen der Zurück­drängung des ge­werk­schaft­li­chen Ein­flus­ses und der Be­schränkung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit auf ei­ne „kom­mu­ni­ka­ti­ven Funk­ti­on" an gleich­wer­ti­gen Durch­set­zungs­chan­cen, be­darf es kei­ner ab­sch­ließen­den Be­wer­tung, in­wie­fern auch die Be­set­zung der Po­si­ti­on des Sch­lich­ters Be­den­ken un­ter dem Ge­sichts­punkt der Pa­rität ent­ge­gen­ste­hen. Auch wenn – wie die Kläger­sei­te un­wi­der­spro­chen vor­ge­tra­gen hat – in der Ver­gan­gen­heit stets ei­ne Ei­ni­gung über die Per­son des Sch­lich­ters ge­fun­den wer­den konn­te, wes­we­gen die vor­han­de­ne Kon­flikt­re­ge­lung. über die Ein­set­zung des Sch­lich­ters durch die Ver­wal­tungs­kam­mer der Kir­che (§ 16 Abs. 5 Satz 2 ARRG) bzw. über die Fort­dau­er der Amts­zeit des frühe­ren Sch­lich­ters bis­lang nicht zur An­wen­dung ge­kom­men ist, zeigt doch be­reits der Un­ter­schied zu der Ver­fah­rens­re­ge­lung der ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on, nach wel­cher ein jähr­li­cher Wech­sel im Vor­sitz zwi­schen Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­sei­te vor­ge­se­hen ist, dass das Prin­zip der Pa­rität nicht im stren­gen Sin­ne durch­ge­hal­ten ist. Auch Jous­sen (ZTR 2010, 54, 59), wel­cher an sich der Ver­fah­rens­ord­nung des „Drit­ten We­ges" po­si­tiv ge­genüber­steht, ver­weist auf die Be­deu­tung der Fra­ge, wie die Per­son des Sch­lich­tungs­vor­sit­zen­den be­stimmt wird, und schlägt vor, hierüber im Streit­fall das Los ent­schei­den zu las­sen. Dem­ge­genüber lässt sich nach den gel­ten­den Re­geln der „ein­ver­nehm­li­chen"
Be­set­zung des Sch­lich­ter­pos­tens ei­ne ge­wis­se in­halt­li­che „Vor­wir­kung" nicht gänz­lich aus­sch­ließen (in die­sem Sin­ne auch Kühling, AuR 2001, 245 mit FN 61, 248: „Einschätzung der Ver­hand­lungs­chan­cen mit Blick auf die Sch­lich­tungs­in­stanz").
(ff) Zu­sam­men­fas­send bleibt da­mit fest­zu­hal­ten, dass ab­wei­chend von der h. M. der „Drit­te Weg" nicht als gleich­wer­tig mit dem staat­li­chen Ta­rif- und Ar­beits­kampf­sys­tem an­ge­se­hen wer­den kann. Auch wenn nach dem Stand­punkt der Kam­mer das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht we­gen der Be­son­der­hei­ten des in den kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen ge­leis­te­ten „Diens­tes am Nächs­ten" Ein­schränkun­gen der aus Art. 9 Abs. 3 GG fol­gen­den Po­si­ti­on der Ge­werk­schaf­ten er­laubt, können die­se nur un­ter der Vor­aus­set­zung als ge­recht­fer­tigt an­ge­se­hen wer­den, dass das Ver­fah­ren des „Drit­ten We­ges" den vom Ar­beits­kampf aus­ge­schlos­se­nen Ar­beit­neh­mern gleich­wer­ti­ge Durch­set­zungs­chan­cen un­ter Be­tei­li­gung der Ge­werk­schaft bie­tet. Dar­an fehlt es aus den dar­ge­stell­ten Gründen mit der Fol­ge, dass un­ter den ge­ge­be­nen Umständen dem ver­folg­ten Un­ter­las­sungs­be­geh­ren nicht ent­spro­chen wer­den kann.
d) Er­weist sich da­nach das von der Kläge­rin zu 1 ver­folg­te Kla­ge­be­geh­ren mit dem Haupt­an­trag in der Sa­che als un­be­gründet, weil die bekämpf­ten Ar­beits­kampf­maßnah­men nicht als rechts­wid­rig an­zu­se­hen sind, ist für die Ent­schei­dung über die von der Kläge­rin zu 1 ge­stell­ten Hilfs­anträge kein Raum. Er­sicht­lich sind die­se al­lein un­ter der Be­din­gung ge­stellt, dass der Haupt­an­trag we­gen ein­zel­ner An­trags­mo­da­litäten schei­tert, nicht hin­ge­gen soll über die Hilfs­anträge auch für den Fall ent­schie­den wer­den, dass der Un­ter­las­sungs­an­spruch um­fas­send ver­neint wird.
Die vor­ste­hen­den Ausführun­gen gel­ten für die Anträge der Kläger zu 2 und 3 ent­spre­chend.
Das sei­tens des Klägers zu 4 ver­folg­te Un­ter­las­sungs­be­geh­ren, wel­chem das Ar­beits­ge­richt gemäß dem Ur­teils­te­nor zu Ziff. 2 hin­sicht­lich des drit­ten Hilfs­an­tra­ges (An­trag 3 c) statt­ge­ge­ben hat, schei­tert – ab­wei­chend vom Stand­punkt der Be­klag­ten – nicht am Er­for­der­nis hin­rei­chen­der Be­stimmt­heit des Kla­ge­an­tra­ges, er­weist sich aber in der Sa­che schon des­halb als un­be­gründet, weil es an dem für je­den Un­ter­las­sungs­an­spruch er­for­der­li­chen Merk­mal der Erst­be­ge­hungs- oder Wie­der­ho­lungs­ge­fahr fehlt.
1. An­ders als dies auf die Anträge an­de­rer Kläger zu­trifft, er­strebt der Kläger zu 4 kein par­ti­el­les, auf abs­trakt be­zeich­ne­te Ein­rich­tun­gen von Ver­bands­mit­glie­dern be­schränk­tes Ar­beits­kampf­ver­bot, wo­bei die Kon­kre­ti­sie­rung der er­fass­ten Ein­rich­tun­gen gg­fls. dem Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren über­las­sen blei­ben soll. Viel­mehr sol­len der Be­klag­ten Ar­beits­kampf­maßnah­men un­ein­ge­schränkt ver­bo­ten wer­den, weil in der Ein­rich­tung die auf­geführ­ten kirch­li­chen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen – von per­so­nell ein­ge­grenz­ten Aus­nah­men ab­ge­se­hen - durch­weg An­wen­dung fin­den und es sich des­halb um ei­ne Ein­rich­tung der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft han­delt. Da­mit weist das Kla­ge­ziel kei­ne Un­klar­hei­ten auf.
2. In der Sa­che schei­tert der Un­ter­las­sungs­an­trag je­doch an der feh­len­den Erst­be­ge­hungs- oder Wie­der­ho­lungs­ge­fahr.
Zwar hat die Be­klag­te auch der Kläge­rin zu 4 Ar­beits­kampf­maßnah­men an­ge­droht, wie sich aus dem Schrei­ben vom 07.08.2009 (An­la­ge K 48 zur Be­ru­fungs­er­wi­de­rung, Bd. VI d. A.) er­gibt. An­ders als in den Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1 bis 3 ha­ben tatsächlich bis­lang je­doch kei­ne Ar­beits­nie­der­le­gun­gen statt­ge­fun­den, wes­we­gen nicht die Fra­ge der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr, son­dern der Erst­be­ge­hungs­ge­fahr zu be­ur­tei­len ist. Dies setzt ei­nen ak­tu­ell dro­hen­den Ein­griff vor­aus, was sich aus be­reits be­gon­ne­nen Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen er­ge­ben kann. Die Auf­for­de­rung zu Ta­rif­ver­hand­lun­gen lässt sich je­doch nicht als Vor­be­rei­tungs­hand­lung zu Streik­maßnah­men auf­fas­sen. Rich­tig ist zwar, dass ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr sich im Ein­zel­fall auch schon dar­aus er­ge­ben kann, dass der Geg­ner sich ei­ner dies­bezügli­chen Be­rech­ti­gung berühmt (OLG Frank­furt,
30.11.2007, 11 U 9/07 – ju­ris -; ArbG Frank­furt, 12.04.2007, 11 Ga 60/07 – Ju­ris -). Vor­aus­set­zung für ei­ne aus der bloßen „Berühmung" fol­gen­den Be­ge­hungs­ge­fahr ist je­doch, dass der ab­zu­weh­ren­de An­griff al­lein vom Wil­len des Geg­ners abhängt. An­dern­falls fehlt es trotz des „Berühmens" an der ak­tu­el­len Be­ge­hungs­ge­fahr (OLG Fran­kurt a.a.O.).
Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind mit der im Schrei­ben vom 07.08.2009 ent­hal­te­nen, mit der Auf­for­de­rung zur Auf­nah­me von Ta­rif­ver­hand­lun­gen ver­bun­de­nen und ganz all­ge­mein ge­hal­te­nen An­dro­hung von Ar­beits­kampf­maßnah­men nicht erfüllt. Auch wenn es für die Durchführung von Warn­streiks kei­ner Ur­ab­stim­mung be­darf und im Übri­gen die Rechtmäßig­keit des Streiks im Verhält­nis zum Geg­ner nicht von der Ein­hal­tung sat­zungs­gemäßer Re­geln der Ge­werk­schaft abhängt, be­darf es doch vor Durchführung ei­nes Streiks zu­min­dest der Klärung, ob tatsächlich in der Be­leg­schaft ei­ne aus­rei­chen­de Zahl von Per­so­nen vor­han­den ist, wel­che zu of­fen be­kun­de­tem Pro­test be­reit sind und Kamp­fes­wil­len be­ken­nen wol­len. An­ders als bei über­wie­gend ge­werk­schaft­lich or­ga­ni­sier­ten Be­trie­ben kann dies bei Ein­rich­tun­gen in kirch­li­cher Träger­schaft nicht als selbst­verständ­lich an­ge­se­hen wer­den. Dem­ent­spre­chend folgt aus der Ver­knüpfung zwi­schen der Auf­for­de­rung zu Ta­rif­ver­hand­lun­gen und der all­ge­mei­nen An­dro­hung von Maßnah­men des Ar­beits­kamp­fes noch kei­ne ak­tu­el­le Be­ge­hungs­ge­fahr. An­de­res käme in Be­tracht, wenn die Ge­werk­schaft nach Zurück­wei­sung der Ver­hand­lungs­auf­for­de­rung „nun­mehr" mit Kampf­maßnah­men droht und ih­re in der Ein­rich­tung täti­gen Mit­glie­der zur Teil­nah­me auf­for­dert. Berück­sich­tigt man wei­ter, dass das er­streb­te um­fas­sen­de und nicht auf ei­ne ak­tu­el­le Aus­ein­an­der­set­zung be­zo­ge­ne Ver­bot von Kampf­maßnah­men im Fal­le der Rechts­kraft zeit­lich un­be­schränk­te Wir­kun­gen ent­fal­tet, müssen an das Merk­mal der Erst­be­ge­hungs­ge­fahr stren­ge An­for­de­run­gen ge­stellt wer­den.
Dar­auf, dass dem Kläger zu 4 der ver­folg­te Un­ter­las­sungs­an­spruch eben so we­nig wie den Klägern zu 1 bis 3 zu­steht, kommt es da­nach nicht mehr an. Im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ar­beits­ge­richt sind die vor­ste­hen­den Ge­sichts­punk­te wie auch die Fra­ge der An­trags­um­stel­lung im Sin­ne ei­nes Fest­stel­lungs­an­tra­ges erörtert wor­den. Aus nach­voll­zieh­ba­ren Gründen hat die Kläger­sei­te hier­von ab­ge­se­hen, da auch auf die­sem We­ge ei­ne Klärung der
Rechts­la­ge im Sin­ne der Kläger­sei­te im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nicht zu er­rei­chen ge­we­sen wäre.
So­weit es die Be­ru­fung des Klägers zu 5 be­trifft, be­ste­hen Be­den­ken ge­gen die Zulässig­keit so­wohl des vom Ar­beits­ge­richt un­ter Ziff. 3 b des Te­nors po­si­tiv be­schie­de­nen Hilfs­an­tra­ges zu 5 c als auch des mit der Be­ru­fung beim Lan­des­ar­beits­ge­richt oh­ne wei­te­res an­ge­fal­le­nen Hilfs­an­tra­ges zu 5 d.
1. Als Spit­zen­ver­band in der Rechts­form ei­nes ein­ge­tra­ge­nen Ver­eins, wel­chem u. a. auch die Kläger zu 1 bis 3 an­gehören, will der Kläger zu 5 der Be­klag­ten Kampf­maßnah­men bei den­je­ni­gen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen un­ter­sa­gen las­sen, wel­che als Ver­eins­mit­glie­der sei­nem Schutz un­ter­ste­hen. Wel­ches die Mit­glie­der und Ein­rich­tun­gen sind, er­gibt sich aus dem An­trag nicht und steht in An­be­tracht der Tat­sa­che, dass der ver­folg­te Un­ter­las­sungs­an­trag auf ei­ne künf­ti­ge Leis­tung ge­rich­tet ist, auch nicht ab­sch­ließend fest, viel­mehr sol­len das Kampf­ver­bot wohl die je­wei­li­gen Mit­glie­der schützen. Auch wenn nur die ge­genwärti­gen Mit­glie­der er­fasst sein sol­len, ändert dies nichts dar­an, dass der sach­li­che Gel­tungs­be­reich des Ver­bots da­mit nicht dem Ur­teil selbst zu ent­neh­men ist, son­dern erst durch zusätz­li­che Aus­kunfts­er­tei­lung und Nach­weis der Mit­glied­schaft der frag­li­chen Ein­rich­tun­gen – gg­fls. im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren - fest­ge­stellt wer­den könn­te. Zur Klärung, ob Maßnah­men des Ar­beits­kampfs in den Ein­rich­tun­gen der je­wei­li­gen Ver­bands­mit­glie­der zulässig sind und ob der Kläger zu 5 die­se aus ei­ge­nem Recht ab­weh­ren kann, be­darf es kei­nes zu­kunfts­be­zo­ge­nen Leis­tungs­an­tra­ges, des­sen Reich­wei­te sich im Er­kennt­nis­ver­fah­ren nicht ab­sch­ließend be­stim­men lässt. Die dar­ge­stell­te voll­stre­ckungs­recht­li­che Pro­ble­ma­tik ließe sich – wie in der münd­li­chen Ver­hand­lung erörtert - mögli­cher­wei­se durch ei­nen Fest­stel­lungs­an­trag ver­mei­den, ei­nen sol­chen hat die Kläger­sei­te je­doch im Hin­blick auf die Ge­fahr der Kla­ge­ab­wei­sung aus Gründen des ma­te­ri­el­len Rechts nicht ge­stellt.
Ge­gen die dar­ge­stell­ten Zulässig­keits­be­den­ken kann auch nicht ein­ge­wandt wer­den, die Reich­wei­te des Un­ter­las­sungs­ge­bots sei je­den­falls be­stimm­bar, da zum ei­nen
viel­fach schon aus An­ga­ben im In­ter­net zu ent­neh­men sei, wel­che Ein­rich­tun­gen zu den Mit­glie­dern des Klägers zu 5 zähl­ten, wei­ter sei der Vor­stand auch je­der­zeit zur Aus­kunft ge­genüber der Be­klag­ten be­reit; je­den­falls im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren las­se sich die Mit­glied­schaft gg­fls. un­schwer be­le­gen. Dem ist ent­ge­gen zu hal­ten, dass der zur Un­ter­las­sung ver­ur­teil­te Schuld­ner oh­ne wei­te­res – und nicht erst auf­grund ein­zu­ho­len­der Er­kun­di­gun­gen und erst recht nicht erst im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren, in wel­chem es um die Auf­er­le­gung des im Ur­teil an­ge­droh­ten Ord­nungs­gel­des nach be­gan­ge­nem Ver­bots­ver­s­toß geht – wis­sen muss, in wel­chen Ein­rich­tun­gen er von Kampf­auf­ru­fen pp. ab­se­hen muss und in wel­chen Ein­rich­tun­gen er nicht ei­ner be­reits ti­tu­lier­ten Be­schränkung un­ter­liegt. Die Fra­ge, wer Mit­glied des Klägers ist, be­trifft da­mit nicht le­dig­lich die Reich­wei­te der Be­rech­ti­gung des kläge­ri­schen Ver­ban­des, sich schützend für sei­ne Mit­glie­der ein­zu­set­zen und (aus ei­ge­nem Recht) ein Ver­bot von Kampf­maßnah­men zu er­wir­ken, viel­mehr ist der „Gel­tungs­be­reich" und da­mit der Ge­gen­stand der zu un­ter­las­sen­den Hand­lung mit der Fra­ge der Ver­bands­mit­glied­schaft ver­knüpft. Die Klärung der ge­genständ­li­chen Reich­wei­te des Un­ter­las­sungs­ge­bots kann aber nicht dem Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten blei­ben.
Auch aus der von der Be­klag­ten zi­tier­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts folgt nichts an­de­res. Rich­tig ist zwar, dass im sog. Flashmob-Ver­fah­ren (BAG, 22.09.2011, 1 AZR 972/08) der ver­folg­te Kla­ge­an­trag des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des dar­auf ge­rich­tet war, der be­klag­ten Ge­werk­schaft ein be­stimm­tes Ver­hal­ten in ei­ner Fi­lia­le ei­nes Mit­glieds­un­ter­neh­mens des Klägers zu un­ter­las­sen, oh­ne dass hier­mit die Erklärung ver­bun­den war, wel­che Un­ter­neh­men zu den Mit­glie­dern des Klägers zähl­ten. Für die Be­stim­mung der ge­genständ­li­chen Reich­wei­te des Un­ter­las­sungs­an­tra­ges wa­ren der­ar­ti­ge An­ga­ben in­des­sen ent­behr­lich, da sich der zu un­ter­las­sen­de „Flas­mob-Auf­ruf" auf oh­ne­hin be­streik­te Fi­lia­len be­zog, al­so nur sol­che Ak­tio­nen um­fass­te, sie zu dem Streik hin­zu­tra­ten. Wel­che Fi­lia­len von der Ge­werk­schaft be­streikt wur­den, war die­ser aber oh­ne wei­te­res aus ei­ge­ner An­schau­ung be­kannt. Nichts an­de­res gilt für die zi­tier­te Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 24.04.2007 (1 AZR 252/06, NZA 2007,987). Auch hier war nach den kon­kre­ten Umständen aus der sach­li­chen Ein­gren­zung der Un­ter­las­sungs­anträge für die Be­klag­te er­kenn­bar, bei wel­chen Mit­glieds­un­ter­neh­men
des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des Ar­beits­kampf­maßnah­men un­ter­las­sen wer­den soll­ten. An­satz­punk­te für ei­ne der­ar­ti­ge Ein­gren­zung der zu un­ter­las­sen­den Ar­beits­kampf­maßnah­men sind dem­ge­genüber im vor­lie­gen­den Fall nicht er­kenn­bar, so dass der Kreis der „Mit­glie­der", wel­che mit dem Un­ter­las­sungs­an­trag vor Ein­grif­fen geschützt wer­den sol­len, nicht oh­ne Rück­griff auf außer­pro­zes­sua­le Umstände ab­zu­gren­zen ist.
2. Die vor­ste­hen­den Be­den­ken führen al­ler­dings nicht zur Un­zulässig­keit des aus­ge­ur­teil­ten Hilfs­be­geh­rens ins­ge­samt, viel­mehr folgt aus den vor­ste­hen­den Ausführun­gen zur Kla­ge der Kläger 1 bis 3, dass die­se kon­kret von Kampf­maßnah­men be­droht sind. Dass die Kläger 1 bis 3 Mit­glied des Klägers sind, steht außer Streit. Da der Kläger zu 5 nicht als Pro­zess­stand­schaf­ter frem­de Rech­te gel­tend macht, son­dern aus ei­ge­nem Recht Un­ter­las­sung ver­langt, be­ste­hen ge­gen die Zulässig­keit des Un­ter­las­sungs­be­geh­rens des Klägers zu 5, ge­rich­tet auf die Un­ter­sa­gung von Kampf­maßnah­men in den Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1 bis 3 kei­ne Be­den­ken.
3. In der Sa­che gel­ten für den Un­ter­las­sungs­an­spruch des Klägers zu 5 die­sel­ben Grundsätze wie für die Kläger zu 1 bis 3. So­weit es die Be­son­der­heit be­trifft, dass der Kläger zu 5 als Spit­zen­ver­band ein Kampf­ver­bot in den Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1 bis 3 er­strebt, wird auf die zu­tref­fen­den Ausführun­gen des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils ver­wie­sen. Die mit der Be­ru­fung gel­tend ge­mach­ten Einwände über­zeu­gen nicht, ins­be­son­de­re geht es nicht um die Wahr­neh­mung frem­der Rech­te im We­ge der Pro­zess­stand­schaft, son­dern um die Ausübung ei­ge­ner Rech­te des Ver­ban­des. Im Er­geb­nis schei­tert der ver­folg­te Un­ter­las­sungs­an­spruch da­nach ent­schei­dend dar­an, dass auch der Kläger zu 5 – eben­so we­nig wie die Kläger zu 1 bis 3 - ein um­fas­sen­des Ver­bot von Ar­beits­kampf­maßnah­men in den Ein­rich­tun­gen sei­ner Mit­glie­der nicht ver­lan­gen kann.
Für die Kla­ge­anträge der Kläger zu 6-9 gel­ten die vor­ste­hen­den Ausführun­gen zu IV 1 ent­spre­chend.
Die An­schluss­be­ru­fun g der Kläger bleibt oh­ne Er­folg.
Dies gilt zunächst für die vom Ar­beits­ge­richt als un­zulässig ab­ge­wie­se­nen Anträge.
Un­abhängig da­von, dass die­se – ih­re Zulässig­keit un­ter­stellt - auf der Grund­la­ge der Ausführun­gen zur Be­ru­fung in der Sa­che oh­ne­hin nicht ge­eig­net wären, dem er­streb­ten Be­geh­ren zum Er­folg zu ver­hel­fen, teilt die Kam­mer die vom Ar­beits­ge­richt er­ho­be­nen Be­den­ken. Wei­te­rer Ausführun­gen be­darf es in­des­sen nicht, da auf der Grund­la­ge der vor­ste­hen­den Ausführun­gen zur Be­ru­fung die Be­stimmt­heit der Anträge - wei­ter­ge­hend als vom Ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men - zu ver­nei­nen ist.
Aus den­sel­ben Gründen blei­ben auch die im We­ge der An­schluss­be­ru­fung kla­ge­er­wei­ternd in den Pro­zess ein­geführ­ten Hilfs­anträge oh­ne Er­folg.
Von den Kos­ten des Rechts­streits tra­gen die Kläger je 1/9.
Ge­gen das Ur­teil war die Re­vi­si­on we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung zu­zu­las­sen.
Der Streit­wert für das Be­ru­fungs­ver­fah­ren beträgt un­verändert 450.000 €.
Ge­gen die­ses Ur­teil kann von den Klägern
In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­chrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.
Ven­ne­wald
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