Source: https://ihrrecht.wordpress.com/tag/arglist/
Timestamp: 2020-07-07 23:28:28
Document Index: 328787008

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 634', '§ 199', '§ 634', '§ 199', '§ 638', '§ 634']

Arglist | Ihr-Recht-Blog
OLG Karlsruhe zur Verjährung bei arglistigem Verschweigen eines Mangels
Filed under: Bau- und Architektenrecht — Schlagwörter: Abweichung, Anwalt, Arglist, Auftraggeber, Auftragnehmer, Baauteile, Leistungsverzeichnis, mangelhaft, Mangelhaftigkeit, Mängel, Schultz, Verjährung, Verjährungsfrist, Verschweigen, Werk — ihrrecht @ 06:42
Verschweigt der Auftragnehmer einen Mangel arglistig, verjähren die Gewährleistungsansprüche des Auftraggebers nicht in fünf Jahren ab Abnahme, sondern in 10 Jahren von der Entstehung des Anspruchs an. Der Auftragnehmer handelt arglistig, wenn er einen Werkmangel kennt und den Auftraggeber bei der Abnahme nicht darauf hinweist.
Hierauf hat das OLG Karlsruhe bereits mit Urteil vom 26.01.2016, Az. U 3/14 hingewiesen, der BGH hat mit Beschluss vom 16.05.2018, Az. VII ZR 51/16 die Nichtzulassungsbeschwerde zurückgewiesen, so daß das Urteil zwischenzeitlich rechtskräftig ist.
Das OLG hat allerdings weiter darauf hingewiesen, daß eine Abweichung von den Vorgaben des Leistungsverzeichnisses, das Fehlen wesentlicher Bauteile oder das Vorhandensein eines besonders schweren Mangels für sich allein genommen nicht ausreiche, um ein arglistiges Verschweigen annehmen zu können.
Arglistig handele, wer einen Mangel des Werkes kenne oder ihn zumindest für möglich halte und billigend in Kauf nehme, dass seinem Vertragspartner der Fehler nicht bekannt sei und dieser bei Offenlegung den Vertrag nicht oder nicht mit dem vereinbarten Inhalt geschlossen hätte. Eine Schädigungsabsicht oder Vorteilserlangung sei nicht erforderlich. Bedingter Vorsatz genüge. Bei einer ins Blaue hinein abgegebenen objektiv unrichtigen Erklärung liege Arglist vor, wenn der Handelnde das Fehlen einer zuverlässigen Beurteilungsgrundlage bewusst nicht offenlege. Demgegenüber reiche das Vorliegen eines besonders schweren Mangels oder das Fehlen wesentlicher Bauteile als solches allein noch nicht aus, um ein arglistiges Verschweigen annehmen zu können.
Vielmehr sei erforderlich, dass der Auftragnehmer die Mangelhaftigkeit der Arbeit erkannt habe, diese auf der Hand gelegen habe und er sich bewusst gewesen sei, dass durch den Mangel die Dauerhaftigkeit des Bestandes der Leistung erheblich beeinträchtigt werde oder beeinträchtigt werden könne. Arglistig handele auch derjenige, der sich bewusst besserer Erkenntnis verschließe.
Im vorliegend entschiedenen Fall kamen die 1. Instanz (LG Mosbach, 06.12.2013, Az. 1 O 129/13) nach Durchführung einer Beweisaufnahme und das OLG im Berufungsverfahren zu dem Ergebnis, daß zwar das von der Auftragnehmerin angebotene und ausgeführte System der Firma B. in wesentlichen Aspekten nicht den Vorgaben des Leistungsverzeichnisses entspreche und dies insbesondere für die laut Leistungsverzeichnis ausdrücklich ausgeschlossene Verbundentwässerung gelte, auch im Innenbereich seien keine konstruktiven Maßnahmen für eine Ableitung und ein Auffangen von Kondenswasser getroffen worden, wie vom Leistungsverzeichnis gefordert, letztendlich habe jedoch die Auftraggeberin ein arglistiges Verhalten der Auftragnehmerin, in Sonderheit ein arglistiges Verschweigen der Mängel der Pfosten-Riegel- Glasfassade, nicht hat nachweisen können.
OLG Karlsruhe: Mangel arglistig verschwiegen: Verjährung 10 Jahre nach Abnahme!
Filed under: Bau- und Architektenrecht — Schlagwörter: Abnahme, Anwalt, Arglist, Mängel, Schultz, Verjährung, Verjährungsfrist — ihrrecht @ 12:02
Bei arglistigem Verschweigen eines Baumangels durch den Unternehmer (Auftragnehmer) verjährt der Anspruch des Bestellers (Auftraggebers) auf Ersatz von Mangelbeseitigungskosten nach §§ 634a Abs. 3, 195, 199 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1, Satz 2 BGB spätestens 10 Jahre nach Abnahme des Bauwerks. Für den Verjährungsbeginn kommt es auf das Erfordernis einer Nacherfüllungsfrist nicht an (OLG Karlsruhe, Urteil vom 24.01.2014, Az. 4 U 149/13).
Das OLG Karlsruhe stellt darauf ab, daß die Entstehung des Anspruchs auf Ersatzvornahmekosten unter verjährungsrechtlichem Aspekt weder von der Entdeckung äußerer Mängelsymptome noch von der Feststellung der Mängelursache, dem Ablehnungsschreiben der Beklagten oder dem Anfall der Sanierungskosten abhänge. Vielmehr sei der auf Geld gerichtete Gewährleistungsanspruch bereits mit Abnahme der Schlechtleistung im Sinne des § 199 BGB "entstanden" (vgl. für das neue Recht MüKo/Busche, BGB, 6. Aufl. 2012, Rn. 53 zu § 634a BGB; Palandt/Ellenberger Rn. 15 a.E. zu § 199), ohne dass es auf ein Beseitigungsverlangen als materielle Voraussetzung des sekundären Ersatzanspruchs ankomme (Palandt/Ellenberger a.a.O.). Dies ergebe sich für die regelmäßige Gewährleistungsfrist aus § 638 Satz 2 BGB a.F. bzw. aus § 634a Abs. 2 BGB n.F., weil dort der Verjährungsbeginn mit Abnahme die Entstehung des Sekundäranspruchs fingiert. Für die Verjährungshöchstfrist bei Arglist könne nichts anderes gelten, so das OLG.