Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/der-niederlaendische-belastingadviseur-als-prozessbevollmaechtigter-3109173
Timestamp: 2019-11-12 16:49:46
Document Index: 326806854

Matched Legal Cases: ['Art. 1', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'Art. 5', '§ 5', '§ 62', '§ 3', 'EuG', 'Art. 56', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 62', 'EuG', 'EuG']

Der nie­der­län­di­sche Belas­ting­ad­vi­seur als Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter | Rechtslupe
Der nie­der­län­di­sche Belas­ting­ad­vi­seur als Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter
Ein in den Nie­der­lan­den ansäs­si­ger "Belas­ting­ad­vi­seur" als Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter zurück­zu­wei­sen, wenn er in Deutsch­land mehr als nur vor­über­ge­hend geschäfts­mä­ßi­ge Hil­fe in Steu­er­sa­chen leis­tet.
Seit dem grund­le­gen­den Beschluss des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 21.08.2008 1 ist ‑wie auch schon zuvor in Bezug auf die durch Art. 1 Nr. 3 des Ach­ten Geset­zes zur Ände­rung des Steu­er­be­ra­tungs­ge­set­zes vom 08.04.2008 2 m.W.z. 12.04.2008 in § 3a StBerG über­führ­te Rege­lung des frü­he­ren § 3 Nr. 4 StBerG- in der höchst­rich­ter­li­chen Finanz­recht­spre­chung aner­kannt, dass ein in den Nie­der­lan­den ansäs­si­ger "Belas­ting­ad­vi­seur" als Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter zurück­zu­wei­sen ist, wenn er ent­ge­gen § 3a Abs. 1 Sät­ze 1 und 5 StBerG bzw. Art. 5 Abs. 2 der Richt­li­nie 2005/​36/​EG im Inland mehr als nur vor­über­ge­hend geschäfts­mä­ßi­ge Hil­fe in Steu­er­sa­chen leis­tet 3. In einem sol­chen Fall liegt eine "unbe­fug­te" Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen i.S. von §§ 5 Abs. 1 Satz 1, 160 Abs. 1 StBerG vor, die unzwei­fel­haft von § 62 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 1 FGO erfasst wird 4.
Die­se stän­di­ge Recht­spre­chung der natio­na­len Fach­ge­richts­bar­keit ist, wie der Bun­des­fi­nanz­hof erst­mals im Beschluss vom 26.09.2007 5 zu § 3 Nr. 4 StBerG fest­ge­stellt hat, euro­pa- bzw. uni­ons­rechts­kon­form. Davon woll­te der Bun­des­fi­nanz­hof im Vor­la­ge­be­schluss in BFHE 246, 278, BSt­Bl II 2014, 907 ‑ersicht­lich- nicht abwei­chen. Auch der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat in dem von den Klä­gern nicht mehr wei­ter kom­men­tier­ten Urteil X-Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft 6 erneut bekräf­tigt, dass die Mit­glieds­staa­ten man­gels Har­mo­ni­sie­rung der Bedin­gun­gen des Zugangs zur Tätig­keit der geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen auf Uni­ons­ebe­ne nach wie vor befugt sind, die dafür gel­ten­den Vor­aus­set­zun­gen selbst fest­zu­le­gen. Die anschlie­ßen­den Aus­füh­run­gen des EuGH zu Art. 56 AEUV bezie­hen sich aus­schließ­lich auf die dort zu beur­tei­len­de Kon­stel­la­ti­on einer insti­tu­tio­na­li­sier­ten grenz­über­schrei­ten­den Steu­er­be­ra­tung ohne phy­si­schen Grenz­über­tritt durch die für die Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft han­deln­den natür­li­chen Per­so­nen. Nur in die­sem Fall stellt sich die ‑vom Bun­des­fi­nanz­hof im Ver­fah­ren II R 44/​12 zu klä­ren­de- Fra­ge, ob bzw. unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen § 3a StBerG zur Anwen­dung kom­men kann, wenn sich der Dienst­leis­ten­de phy­sisch nicht in den Auf­nah­me­mit­glieds­staat begibt 7. Ein sol­cher Fall liegt hier jedoch nicht vor.
Ob eine Dienst­leis­tung im Ein­zel­fall nur vor­über­ge­hen­den Cha­rak­ter i.S. von § 3a Abs. 1 Sät­ze 1 und 5 StBerG hat, erfor­dert eine Wür­di­gung der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se, die in ers­ter Linie dem Tatrich­ter obliegt und revi­si­ons­recht­lich nur ein­ge­schränkt ‑näm­lich hin­sicht­lich eines Ver­sto­ßes gegen die Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Erfah­rungs­sät­ze sowie gegen Ver­fah­rens­recht- über­prüft wer­den kann 8.
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 14. März 2016 – X B 101/​14
BFH, Beschluss vom 21.08.2008 – VIII B 70/​08, DStR 2008, 2440[↩]
BGBl I 2008, 666[↩]
vgl. BFH, Beschlüs­se vom 11.02.2003 – VII B 330/​02, – VII S 41/​02, BFHE 201, 483, BSt­Bl II 2003, 422, unter II. 1.b; vom 08.03.2007 – IX B 240/​06, BFH/​NV 2007, 1195; vom 09.07.2007 – I B 70/​07, BFH/​NV 2007, 2357; vom 26.09.2007 – IX B 31/​07, jeweils zu § 3 Nr. 4 StBerG; s. auch BFH, Beschlüs­se vom 15.10.2003 – X B 82/​03, BFH/​NV 2004, 671, unter II. 2.; vom 13.11.2008 – X B 82/​08, Zeit­schrift für Steu­ern & Recht 2009, R214, unter II. 2. und 3., jeweils zu § 3 Nr. 4 StBerG; und vom 13.11.2008 – X B 105/​08, BFH/​NV 2009, 415, unter II. 2., zu § 3a StBerG[↩]
vgl. nur Spind­ler in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 62 FGO Rz 61[↩]
BFH, Beschluss vom 26.09.2007 – IX B 31/​07[↩]
EuGH, EU:C:2015:827, Rz 44 – 46, BB 2016, 36[↩]
vgl. EuGH, Urteil X‑Steuerberatungsgesellschaft, EU:C:2015:827, Rz 51 – 60, BB 2016, 36[↩]
vgl. erneut BFH, Beschluss vom 26.09.2007 – IX B 31/​07, n.v.[↩]
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