Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerfGE%20107,%20186
Timestamp: 2019-07-16 17:55:34
Document Index: 75435605

Matched Legal Cases: ['Art. 12', '§ 43', '§ 17', '§ 8', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR']

BVerfG, 11.02.2003 - 1 BvR 1972/00, 1 BvR 70/01 - dejure.org
BVerfG, 11.02.2003 - 1 BvR 1972/00, 1 BvR 70/01
https://dejure.org/2003,681
BVerfG, 11.02.2003 - 1 BvR 1972/00, 1 BvR 70/01 (https://dejure.org/2003,681)
BVerfG, Entscheidung vom 11.02.2003 - 1 BvR 1972/00, 1 BvR 70/01 (https://dejure.org/2003,681)
BVerfG, Entscheidung vom 11. Februar 2003 - 1 BvR 1972/00, 1 BvR 70/01 (https://dejure.org/2003,681)
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Verfassungswidrigkeit des Impfstoffversandverbots für Apotheker und der Werbung hierfür: keine Gefährdung weder des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung noch der Arzneimittelsicherheit durch den Versand von Impfstoffen zwischen Apotheker und Arzt
Gesetzliches Verbot, Impfstoffe an Ärzte zu versenden - Werbung für Impfstoffe gegenüber Ärzten - Verletzung der Berufsfreiheit der Apotheker - Vermeidung der Mehrbelastung der Krankenkassen durch Preiswettbewerb - Gewährung der Arzneimittelsicherheit durch Übersendungsverbote - Versandhandelsverbot zwischen Apotheke und Arzt zur Begegnung von Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung bei Vorsorgeimpfungen
Impfstoffe: Versand an Ärzte erlaubt
Grundgesetz, Art. 12 Abs. 1 ; Arzneimittelgesetz, § 43 Abs. 1 ; Apothekerbetriebsordnung, § 17 Abs. 1 und 2 ; Gesetz über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens, § 8 Abs. 1 Satz 1
LG Münster, 14.02.1997 - 23 O 13/97
OLG Hamm, 21.10.1997 - 4 U 70/97
VG Köln, 04.11.1998 - 9 K 8674/95
BVerfGE 107, 186
NJW 2003, 1027
NVwZ 2003, 980 (Ls.)
NZS 2003, 313
DVBl 2003, 658
(a) Da die Gesundheit und erst recht das menschliche Leben zu den besonders hohen Gütern zählen, darf ihr Schutz auch mit Mitteln angestrebt werden, die in das Grundrecht der Berufsfreiheit empfindlich eingreifen (vgl. BVerfGE 17, 269 ; 85, 248 ; 107, 186 ).
Gefahreinschätzungen sind nicht schlüssig, wenn identischen Gefährdungen in demselben Gesetz unterschiedliches Gewicht beigemessen wird (vgl. BVerfGE 107, 186 ).
Steht dagegen die grundrechtliche Beschränkung nur in einem entfernten Zusammenhang zum Gemeinschaftsgut, so kann dieses nicht generell Vorrang vor der Berufsausübungsfreiheit beanspruchen (BVerfG 11. Februar 2003 - 1 BvR 1972/00 und 1 BvR 70/01 - BVerfGE 107, 186).
Die gesetzlich angeordnete Maßnahme muss dabei einen hinreichenden Bezug zum geschützten Gemeinschaftsgut haben (BVerfG 11. Februar 2003 - 1 BvR 1972/00 und 1 BvR 70/01 - BVerfGE 107, 186).
Allerdings entbindet all dies den Gesetzgeber nicht von der Notwendigkeit, in sich hinreichend schlüssige und konsistente Regelungen zu schaffen, weil nur dann die Gründe, die die Ungleichbehandlung der Geschlechter rechtfertigen sollen, auch das erforderliche Gewicht entfalten (vgl. auch BVerfG, Beschl. v. 11.02.2003 - 1 BvR 1972/00 -, BVerfGE 107, 186, 197, juris Rn. 44, Urt. v. 28.03.2006 - 1 BvR 1054/01 -, BVerfGE 115, 276, 309 f., juris Rn. 119 ff. …und Urt. v. 30.07.2008 - 1 BvR 3262/07 -, BVerfGE 121, 327, 362 f., juris Rn. 135 f.).
Je enger der Bezug einer gesetzgeberischen Maßnahme zu einem Schutzgut ist, desto eher lassen sich Eingriffe in die Berufsausübungsfreiheit verfassungsrechtlich rechtfertigen; besteht hingegen nur ein entfernter Zusammenhang zwischen grundrechtlicher Beschränkung und Gemeinschaftsgut, so kann dieses nicht generell Vorrang vor der Berufsausübungsfreiheit beanspruchen (BVerfGE 85, 248, 261; 107, 186, 197;… Mann in Sachs, GG, 7. Aufl., Art. 12 Rn. 144).
Das gilt namentlich für nichtverschreibungspflichtige apothekenpflichtige Arzneimittel; denn hier besteht ein erhöhter Beratungsbedarf (vgl. BVerfG, Beschluss vom 11. Februar 2003 - 1 BvR 1972/00 u.a. - BVerfGE 107, 186 ).
Gefahreneinschätzungen sind nicht (mehr) schlüssig, wenn identischen oder vergleichbaren Gefährdungen in denselben oder in anderen, aber dieselbe Materie betreffenden Gesetzen unterschiedliches Gewicht beigemessen wird (BVerfG, Beschluss vom 11. Februar 2003 a.a.O. S. 197).
Die Zwischenschaltung der Apotheken bei der Abgabe der Arzneimittel dient einer sicheren und qualitativ hochwertigen Arzneimittelversorgung der Bevölkerung und damit einem Gemeinschaftsgut von hohem Rang, das selbst empfindliche Eingriffe in die Berufsfreiheit rechtfertigen kann (BVerfG, Beschluss vom 11. Februar 2003 - 1 BvR 1972/00 u.a. - BVerfGE 107, 186 ).
Je enger dabei der Bezug der beschränkenden Vorschriften zu dem Schutzgut ist, desto eher lassen sich Eingriffe in die Berufsausübungsfreiheit rechtfertigen (BVerfG, Beschluss vom 11. Februar 2003 a.a.O. ; Urteil vom 16. Januar 2002 - 1 BvR 1236/99 - BVerfGE 104, 357 ).
Sie bezweckt mithin die Gewährleistung von Rechts- und Gemeinschaftsgütern von hohem Rang, deren Schutz auch mit Mitteln angestrebt werden darf, die empfindlich in das Grundrecht der Berufsfreiheit eingreifen (s. BVerfGE 85, 248, 261; 107, 186, 196; 121, 317, 357).
Das Berufungsgericht ist bei diesen Ausführungen im rechtlichen Ansatz zutreffend davon ausgegangen, dass eine gesetzliche Beschränkung der freien Berufstätigkeit nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts einer Nachprüfung am Maßstab des Art. 12 Abs. 1 GG nur standhält, wenn sie durch hinreichende Gründe des Gemeinwohls gerechtfertigt ist (vgl. BVerfGE 103, 1, 10 - Hennenhaltungsverordnung; 107, 186, 196 - Impfstoffversand).
Die Reglementierung der Vertriebsformen und die hiermit verbundenen Pflichten, die sich im Arzneimittelgesetz, im Apothekengesetz, in der Apothekenbetriebsordnung sowie im Heilmittelwerbegesetz finden, stellen deshalb einen Eingriff in die selbst verantwortete Berufsausübung dar und müssen sich dementsprechend an Art. 12 Abs. 1 GG messen lassen (BVerfGE 107, 186, 196 - Impfstoffversand).
Mit vielen Vorschriften begegnet der Gesetzgeber allerdings nicht unmittelbar bestimmten Gesundheitsgefahren, sondern sucht über die Gestaltung von Rahmenbedingungen die Arzneimittelsicherheit zu verbessern, wobei dies außer durch Vorgaben für den Umgang mit Arzneimitteln auch durch Beratungs- und Informationspflichten geschehen kann (BVerfGE 107, 186, 196 f. - Impfstoffversand).
Dagegen kann das Gemeinschaftsgut der Gesundheit der Bevölkerung bei einem nur entfernten Zusammenhang mit der Beschränkung der freien Berufstätigkeit nicht generell Vorrang vor dieser beanspruchen (BVerfGE 107, 186, 197 - Impfstoffversand).
In der benannten Entscheidung hat das Bundesverfassungsgericht ausgeführt, dass Gefahreneinschätzungen nicht schlüssig seien, wenn identischen Gefährdungen in demselben Gesetz unterschiedliches Gewicht beigemessen werde (vgl. BVerfGE 121, 317 unter Bezugnahme auf BVerfGE 107, 186 ).
OVG Rheinland-Pfalz, 24.01.2006 - 6 A 11097/05
Tierarzneimittel dürfen nicht im Versandhandel angeboten werden
OVG Sachsen-Anhalt, 08.08.2007 - 2 L 160/06
Versandverbot apothekenpflichtiger Tierarzneimittel
OVG Rheinland-Pfalz, 30.01.2006 - 6 A 11097/05
Zum Versandverbot apothekenpflichtiger Tierarzneimittel an Tierhalter
OVG Hamburg, 05.03.2004 - 1 Bf 375/99
Verbot von nach außen wirkender Eigenwerbung an Taxen; Berufsausübungsfreiheit
OVG Saarland, 23.06.2005 - 2 R 17/03
Kein Flüchtlingsstatus für tschetschenische Volkszugehörige aus der Russischen …
BVerwG, 06.03.2009 - 3 B 118.08
Bedarfsgrenze; Berufsfreiheit; Beschränkung; Gemeinschaftsgut; Gesundheitsschutz; …
LG Braunschweig, 22.08.2006 - 9 O 1695/06
Wettbewerbsverstoß: Verbot des Naturalrabatts für Direktabgabe …
BVerwG, 06.03.2009 - 3 B 122.08
Wahrnehmung von Aufgaben des qualifizierten Krankentransportes durch ein …
SG Berlin, 18.07.2006 - S 81 KR 4207/04
Krankenversicherung - Vergütung - Arzneimittel - Versand in Arztpraxis
EGMR, 01.07.2014 - 41694/07
ISAKOVIC VIDOVIC v. SERBIA
EGMR, 06.11.2007 - 13909/05
LEPOJIC v. SERBIA
EGMR, 01.03.2016 - 50124/13
MILENKOVIC v. SERBIA
EGMR, 09.04.2013 - 1401/08
ANÐELKOVIC v. SERBIA
EGMR, 23.09.2008 - 2361/05
SG Berlin, 18.07.2006 - S 81 KR 4208/04
Streit um die Vergütung für von einer Apotheke abgegebene Arzneimittel; …
EGMR, 23.02.2010 - 48497/06
DERMANOVIC v. SERBIA
EGMR, 28.06.2016 - 24463/11
DIMOVIC v. SERBIA
EGMR, 17.09.2013 - 18428/10
KRSTIC v. SERBIA
EGMR, 22.09.2009 - 15966/04
EGMR, 28.04.2009 - 31320/05
MILOSEVIC v. SERBIA
EGMR, 04.06.2009 - 2839/08
KNAPIC v. CROATIA
EGMR, 16.12.2008 - 29907/05
STANKOVIC v. SERBIA
EGMR - 75229/10 (anhängig)
EGMR - 5158/12 (anhängig)
JAKOVLJEVIC v. SERBIA
EGMR - 54574/07
PAUNOVIC v. SERBIA
EGMR, 09.01.2007 - 34379/03
LUKIC v. BOSNIA AND HERZEGOVINA