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Timestamp: 2016-10-22 02:02:32
Document Index: 244773426

Matched Legal Cases: ['BGE', 'Art. 72', 'BGE', 'Art. 7', 'Art. 75', 'Art. 90', 'Art. 95', 'Art. 95', 'Art. 105', 'Art. 97', 'BGE', 'BGE', 'Art. 99', 'BGE', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 5', 'Art. 3', 'Art. 9', 'Art. 16', 'Art. 156', 'Art. 18', 'Art. 29', 'Art. 16', 'Art. 3', 'BGE', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 82', 'Art. 85', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 154', 'Art. 154', 'Art. 90', 'Art. 92', 'Art. 92', 'Art. 296', 'Art. 156', 'Art. 156', 'Art. 159', 'Art. 16', 'Art. 156', 'e contrario', 'Art. 156', 'Art. 12', 'Art. 13', 'Art. 13', 'Art. 5', 'Art. 13', 'Art. 13', 'Art. 13', 'BGE', 'Art. 13', 'BGE', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 1', 'Art. 13', 'Art. 5', 'Art. 1', 'Art. 11', 'Art. 26']

5A_513/2016 (12.08.2016)
5A_513/2016 � � Urteil vom 12. August 2016
vertreten durch Rechtsanw�ltin Brigitte Scheuber,
vertreten durch Rechtsanwalt Paul von Moos, Kasernenplatz 2, 6003 Luzern.
Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts Luzern, 2. Abteilung, vom 23. Juni 2016.
A.________ und B.________ sind die nicht verheirateten Eltern des 2006 in der Schweiz geborenen C.________. Kurz nach der Geburt des Kindes zog die Mutter mit C.________ nach Spanien, wo sie w�hrend mehrerer Jahre mit dem Vater in gemeinsamem Haushalt lebten. Im Jahr 2011 trennten sich die Eltern, wobei C.________ fortan tageweise abwechselnd bei seinen beiden Elternteilen lebte. Ende Januar / Anfang Februar 2016 reiste die Mutter, als der Vater f�r eine Woche in den Pyren�en weilte, ohne dessen Wissen mit dem Kind in die Schweiz, wo sie mit diesem seither wohnt. In Spanien ist zwischen den Parteien noch ein Verfahren betreffend Sorgerecht und Obhut h�ngig.
Mit Gesuch vom 23. M�rz 2016 beantragte der Vater beim Kantonsgericht Luzern die R�ckf�hrung von C.________ nach Spanien. Nach Anh�rung der Eltern und des Kindes ordnete das Kantonsgericht mit Entscheid vom 23. Juni 2016 dessen R�ckf�hrung an, unter Regelung der Vollzugsmodalit�ten.
Gegen diesen Entscheid hat die Mutter am 11. Juli 2016 beim Bundesgericht eine Beschwerde eingereicht mit den Begehren um dessen Aufhebung, eventuell um R�ckweisung der Sache an das Kantonsgericht. Ferner verlangt sie die unentgeltliche Rechtspflege. Mit Verf�gung vom 12. Juli 2016 wurde angeordnet, dass Vollstreckungsmassnahmen einstweilen zu unterbleiben haben. Mit Vernehmlassungen vom 14. bzw. 15. Juli 2016 schlossen der Vater sowie das Kantonsgericht auf Abweisung der Beschwerde. Mit Vernehmlassung vom 18. Juli 2016 ersuchte der Kindesvertreter um Gutheissung der Beschwerde. Am 28. Juli 2016 reichte der Vater einen Massnahmeentscheid des Amtsgerichtes von Gijon vom 26. Juli 2016 nach, wonach das Verbringen des Kindes in die Schweiz als widerrechtlich erkl�rt, bei R�ckkehr des Kindes das erneute Verlassen des Landes ohne Zustimmung beider Elternteile untersagt, f�r jenen Fall der Einzug des Passes des Kindes verf�gt und ohne pr�judizielle Wirkung f�r das Hauptverfahren vor�bergehend die Obhut (guarda y custodia) �ber C.________ dem Vater zugewiesen wurde. Mit Eingabe vom 8. August 2016 wies die Mutter darauf hin, dass das Amtesgericht von Gijon auf den 26. Oktober 2016 Termin f�r die Verhandlung in der Hauptsache angesetzt habe.
Bei R�ckf�hrungsentscheiden nach dem Haager �bereinkommen �ber die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentf�hrung (HK�, SR 0.211.230.02) geht es um die Regelung der Rechtshilfe zwischen den Vertragsstaaten (BGE 120 II 222 E. 2b S. 224), die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Respektierung und Durchsetzung ausl�ndischen Zivilrechts steht (Art. 72 Abs. 2 lit. b Ziff. 1 BGG; BGE 133 III 584).
Gegen den Entscheid des Kantonsgerichtes Luzern, welches als einzige kantonale Instanz entschieden hat (Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes �ber internationale Kindesentf�hrung und die Haager �bereinkommen zum Schutz von Kindern und Erwachsenen, BG-KKE, SR 211.222.32), steht die Beschwerde in Zivilsachen offen (Art. 75 Abs. 1 und Art. 90 BGG).
Mit ihr kann insbesondere die Verletzung von Bundesrecht (Art. 95 lit. a BGG) und von V�lkerrecht (Art. 95 lit. b BGG) ger�gt werden, wozu als Staatsvertrag auch das HK� geh�rt. Demgegen�ber ist das Bundesgericht an die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz grunds�tzlich gebunden (Art. 105 Abs. 1 BGG). Diesbez�glich kann einzig eine offensichtlich unrichtige, d.h. willk�rliche Sachverhaltsfeststellung ger�gt werden, wof�r das strenge R�geprinzip zum Tragen kommt und appellatorische Ausf�hrungen ungen�gend sind (Art. 97 Abs. 1 BGG; BGE 140 III 264 E. 2.3 S. 266).
Echte Noven sind im bundesgerichtlichen Verfahren grunds�tzlich ausgeschlossen (BGE 133 IV 342 E. 2.1 S. 344; 139 III 120 E. 3.1.2 S. 123) und unechte sind nur insoweit zul�ssig, als erst der angefochtene Entscheid dazu Anlass gegeben hat (Art. 99 Abs. 1 BGG), was n�her zu begr�nden ist (BGE 133 III 393 E. 3 S. 395). Die erst nach Erlass des angefochtenen Entscheides erstellten und auf diesen Bezug nehmenden Dokumente (insb. Schreiben des Kindes, des Sozialarbeiters und des Klassenlehrers sowie E-Mails des Kindes) k�nnen deshalb keine Ber�cksichtigung finden. Gleiches gilt f�r den Massnahmeentscheid des Amtsgerichtes von Gijon vom 26. Juli 2016. Ohnehin verm�chten die Anordnungen in jenem Entscheid die Frage der Widerrechtlichkeit des Verbringens des Kindes nicht zu beeinflussen, weil die Sorgerechtslage unmittelbar vor dem Verbringen massgeblich ist (Art. 3 Abs. 1 lit. a HK�). Schliesslich stellt auch der Hinweis auf die am 26. Oktober 2016 stattfindende Verhandlung in Spanien ein echtes Novum dar, welches nicht ber�cksichtigt werden kann.
Unbestrittenermassen hatte das Kind vor seinem Verbringen in die Schweiz seinen gew�hnlichen Aufenthalt in Spanien. Aufgrund der h�lftig wahrgenommenen Betreuung des Kindes besteht sodann kein Zweifel, dass allf�llige Sorgerechte tats�chlich ausge�bt worden w�ren (Art. 3 Abs. 1 lit. b HK�); bestritten ist durch die Mutter jedoch, dass dem Vater �berhaupt eine Sorgerechtsposition im Sinn von Art. 3 Abs. 1 lit. a HK� bzw. ein Aufenthaltsbestimmungsrecht im Sinn von Art. 5 lit. a HK� zukam. H�tte die Mutter unmittelbar vor dem Verbringen des Kindes �ber das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht verf�gt, so w�re die Verlegung des Aufenthaltsortes des Kindes nicht widerrechtlich im Sinn von Art. 3 HK� und es w�rde diesfalls an der wichtigsten R�ckf�hrungsvoraussetzung fehlen.
2.1.�Als Sachverhalt hat das Kantonsgericht festgestellt, dass die Mutter bei der Geburt von C.________ in der Schweiz das alleinige elterliche Sorgerecht hatte, was der Vater so auch zur Kenntnis nahm, indem er anl�sslich der Anerkennung des Kindes am 30. August 2006 vor dem Zivilstandsbeamten eine Rechtsmittelbelehrung unterzeichnete, welche u.a. auf die erw�hnte Rechtslage hinwies. Kurz nach der Geburt zog die Mutter mit dem Kind nach Spanien, wobei die Parteien �ber den genauen Zeitpunkt unterschiedliche Angaben machen (Vater: einen Monat nach Geburt; Mutter: am 2. Januar 2008); gem�ss spanischer Wohnsitzbest�tigung erfolgte der Zuzug am 29. Oktober 2007. Bis ins Jahr 2011 lebten alle drei Personen in gemeinsamem Haushalt. Nach der Trennung der Eltern lebte C.________ gem�ss �bereinstimmenden Aussagen aller drei Personen unter der Woche tageweise abwechselnd sowie alternierend an den Wochenenden bei Vater und Mutter, welche in der gleichen Ortschaft wohnhaft blieben, wobei sie ihn auch abwechselnd mit dem Auto zur Schule und zum Musikunterricht brachten bzw. von dort abholten. Im Herbst 2015 unterzeichneten die Parteien im Zusammenhang mit einem eingeleiteten Verfahren eine Vereinbarung, welche u.a. die gemeinsame elterliche Sorge (patria potestad) und die gemeinsame Obhut (guarda y custodia) vorsah. Weil die Mutter am vorgesehenen Gerichtstermin nicht teilnahm, wurde die Vereinbarung bislang nicht gerichtlich homologiert.
Ausgehend von diesem Sachverhalt kam das Kantonsgericht zum rechtlichen Schluss, gem�ss Art. 9 Abs. 4 des C�digo Civil espa�ol (CCes) gelte als Kollisionsrecht das Haager Kindesschutz�bereinkommen (HKs�, SR 0.211.231.011), gem�ss dessen Art. 16 Abs. 4 der Vater ebenfalls die elterliche Sorge erworben habe, welche nach Art. 156 Abs. 1 CCes grunds�tzlich beiden Elternteilen gemeinsam zustehe, soweit keine der im Gesetz vorgesehenen Ausnahmen gegeben sei. Eine solche sei nicht ersichtlich; insbesondere habe der Vater am 30. August 2006 vor dem Zivilstandsamt nicht einer alleinigen Aus�bung der elterlichen Sorge durch die Mutter zugestimmt, sondern im Rahmen der Rechtsmittelbelehrung zur Kenntnis genommen, dass nach damaliger Rechtslage in der Schweiz das Sorgerecht allein der Mutter zukam. Es liege auch keine anderweitige Zustimmung zur alleinigen elterlichen Sorge und ebenso wenig eine abweichende Massnahme im Sinn von Art. 18 HKs� vor. Erg�nzend hielt das Kantonsgericht fest, auch das vom spanischen Justizministerium bei D.________, Mitglied der Haager Konferenz, in Auftrag gegebene Kurzgutachten komme zum Schluss, dass Eltern im Fall eines Scheiterns des Zusammenlebens normalerweise die gemeinsame elterliche Sorge (patria potestad) behielten, was auch der Fall sei, wenn dem einen Teil die Obhut (custodia) und dem anderen ein Besuchsrecht zugeteilt werde. In diesem Sinn erfordere insbesondere die Verlegung des Wohnortes des Kindes in jedem Fall die Zustimmung beider Elternteile.
2.2.�Die Mutter r�gt eine Geh�rsverletzung (Art. 29 Abs. 2 BV) im Zusammenhang mit ihrem Vorbringen, der Vater habe vor dem Zivilstandsamt am 30. August 2006 ausdr�cklich die Zustimmung zur alleinigen elterlichen Sorge erteilt. Entgegen ihrer Behauptung hat sich das Kantonsgericht aber sehr wohl mit der betreffenden Urkunde auseinandergesetzt. Gem�ss den Sachverhaltsfeststellungen des Kantonsgerichts gab der Vater in diesem Dokument keine aktive Zustimmung ab, sondern nahm er einfach die damalige Rechtslage in der Schweiz zur Kenntnis. Die Mutter erhebt keine Willk�rr�ge (dazu E. 1), wonach der Inhalt des Dokumentes vom Kantonsgericht in willk�rlicher Weise gew�rdigt worden w�re. Der Inhalt des aktenkundigen Dokumentes entspricht denn auch offensichtlich dem, was das Kantonsgericht festgestellt hat.
Die Behauptung, der Vater habe auch nach dem Umzug von Mutter und Kind nach Spanien weiterhin diese Rechtslage (alleiniges Sorgerecht der Mutter) gewollt, entbehrt mithin einer tats�chlichen Basis, zumal das Kantonsgericht die - vorliegend unbeanstandete - Sachverhaltsfeststellung getroffen hat, der Vater habe auch sonst nie einem alleinigen Sorgerecht der Mutter zugestimmt. Schliesslich bleibt f�r die Auslegung von Art. 16 Abs. 4 HKs�, worauf noch ausf�hrlich einzugehen sein wird, ohne Belang, ob er damals nach schweizerischem Recht die gemeinsame elterliche Sorge h�tte verlangen k�nnen; aus dem betreffenden Vorbringen l�sst sich mithin nichts f�r den Standpunkt der Mutter ableiten.
In v�lligem Kontrast zu den erstinstanzlichen Aussagen von Vater, Kind und der Mutter selbst steht, wenn sie vor Bundesgericht pl�tzlich behauptet, das Kind habe in Spanien nach der Trennung gar nicht h�lftig beim Vater gelebt, sondern sie habe diesem nur ein Besuchsrecht erm�glichen wollen. Die Behauptung ist aber ohnehin bereits aus formellen Gr�nden unbeachtlich, weil sie bloss appellatorisch und nicht in Form einer substanziierten Willk�rr�ge vorgetragen wird (dazu E. 1).
2.3.�Wem das Aufenthaltsbestimmungsrecht �ber das Kinder zukam - was entscheidend ist f�r die Frage der widerrechtlichen Sorgerechtsverletzung im Sinn von Art. 3 und 5 HK� -, bestimmt sich nach dem internationalen Privatrecht am gew�hnlichen Aufenthaltsort des Kindes unmittelbar vor dem Verbringen (BGE 136 III 353 E. 3.5 S. 362), wobei auch ein allf�lliger Renvoi zu beachten ist (Urteil 5A_764/2009 vom 11. Januar 2010 E. 3.1). Art. 9 Abs. 4 C�digo civil espa�ol (CCes) verweist seit dem 1. Januar 2011 f�r den Inhalt und die Aus�bung des Sorgerechtes direkt auf das HKs�. Zum gleichen Ergebnis h�tte allerdings auch die fr�here Rechtslage gef�hrt (vgl. BERGMANN/FERID, Internationales Ehe- und Kindschaftsrecht, Spanien 182. Lieferung, S. 37 f.) : Charakter und Inhalt des Kindschaftsverh�ltnisses sowie die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern richteten sich nach dem Personalstatut des Kindes, welches nach Art. 9 Abs. 1 CCes durch die Staatsangeh�rigkeit bestimmt wird; aufgrund der schweizerischen Staatsangeh�rigkeit von C.________ w�ren mithin Art. 82 Abs. 1 und 3 i.V.m. Art. 85 IPRG anwendbar gewesen, welche ebenfalls auf das HKs� verweisen.
Ausgehend von der Anwendbarkeit des HKs� stellt sich zun�chst die Frage, welche Auswirkungen der seinerzeitige Wegzug des Kindes nach Spanien auf die Sorgerechtslage hatte. Die Antwort gibt Art. 16 Abs. 4 HKs�, wonach sich beim Aufenthaltswechsel des Kindes das von Gesetzes wegen einer Person zukommende Sorgerecht, wenn diese noch nicht dar�ber verf�gt, nach dem Recht des neuen gew�hnlichen Aufenthaltes richtet. Im erl�uternden Bericht (Rapport explicatif / explanatory Report) von PAUL LAGARDE vom 15. Januar 1997 zum HKs� (abrufbar auf der Website der Haager Konferenz, www.hcch.net) wird ausf�hrlich dargelegt, was mit Art. 16 Abs. 3 und 4 HKs� beabsichtigt ist, n�mlich eine Vermittlung zwischen den Konzepten der Mutabilit�t und der Kontinuit�t des Sorgerechts (erl�uternder Bericht, Rz. 105) je nach konkreter Ausgestaltung der nationalen Rechte des Weg- und des Zuzugsstaates (erl�uternder Bericht, Rz. 106). F�r den vorliegend interessierenden Fall, dass im Zeitpunkt des Wechsels des Aufenthaltsortes des Kindes das Recht des Wegzugsstaates die Alleinsorge und das Recht des Zuzugsstaates die geteilte Sorge als Grundsatz statuierte, stand dem anderen Elternteil ab dem Zeitpunkt des Zuzugs aufgrund von Art. 16 Abs. 4 HKs� ebenfalls die elterliche Sorge zu (erl�uternder Bericht, Rz. 107). Das HKs� regelt diese expansive Kraft selbst�ndig, d.h. es ist nicht n�tig, dass der Zuzugsstaat sie f�r den Zuzugsfall explizit vorsieht (erl�uternder Bericht, Rz. 108).
Die elterliche Sorge des schweizerischen Rechts entspricht der spanischen "patria potestad" (elterliche Gewalt) im Sinn von Art. 154 ff. CCes. Nach spanischem Recht umfasst die patria potestad u.a. die Befugnis, die Kinder bei sich zu haben (Art. 154 Abs. 2 CCes). Daraus ergibt sich die Aufenthaltsbestimmungsbefugnis (Urteile 5A_441/2010 vom 7. Juli 2010 E. 4.3.1; 5A_550/2012 vom 10. September 2012 E. 3.3.2; beide Entscheide betreffen R�ckf�hrungen nach Spanien). Nicht entscheidend ist die - einzig im Zusammenhang mit der Trennung und Scheidung in Art. 90 ff. CCes geregelte - Obhut (guarda y custodia, vgl. zur analogen Lage nach katalanischem Recht, welches in jener Konstellation als innerspanisches Kollisionsrecht zur Anwendung kam: Urteil 5A_537/2012 vom 20. September 2012 E. 2), welche durchaus auch geteilt sein kann (sog. guarda y custodia compartida aufgrund entsprechender Scheidungsvereinbarung, Art. 92 Abs. 5 CCes, oder richterlicher Anordnung, Art. 92 Abs. 8 CCes).
Wie dies seit dem 1. Juli 2014 gem�ss Art. 296 Abs. 2 ZGB auch f�r das schweizerische Recht der Fall ist (vgl. Bundesgesetz vom 21. Juni 2013, AS 2014 357), wird die patria potestad nach spanischem Recht grunds�tzlich durch beide Elternteile gemeinsam ausge�bt (Art. 156 Abs. 1 CCes). Leben die Eltern getrennt, wird sie durch denjenigen Elternteil ausge�bt, bei welchem das Kind lebt (Art. 156 Abs. 7 CCes). Treffen sie dabei keine einvernehmliche Regelung, entscheidet der Richter, welchem Elternteil das Sorgerecht zusteht (Art. 159 CCes).
Nach dem Gesagten hat sich die elterliche Sorge mit der Verlegung des Aufenthaltsortes des Kindes nach Spanien auch auf den Vater ausgedehnt (Art. 16 Abs. 4 HKs� i.V.m. Art. 156 Abs. 1 CCes). Nach der Trennung lebte C.________ je zur H�lfte und tageweise abwechselnd bei den beiden Elternteilen, so dass weiterhin von einer gemeinsamen Aus�bung des Sorgerechtes auszugehen ist (e contrario Art. 156 Abs. 7 CCes), zumal bislang kein Gericht die elterliche Sorge dem Vater oder der Mutter allein zugeteilt h�tte. Nach der von den Parteien zur gerichtlichen Genehmigung vorgesehenen Vereinbarung soll dies denn auch nicht der Fall sein.
2.4.�Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass der Vater mit der Verlegung des Aufenthaltsortes des Kindes nach Spanien die elterliche Mitsorge, welche das Aufenthaltsbestimmungsrecht einschliesst, �ber C.________ erhalten und diese bis zum Verbringen des Kindes in die Schweiz zusammen mit der Mutter auch tats�chlich ausge�bt hat. Das einseitige Verbringen durch die Mutter ohne Wissen und Einverst�ndnis des Vaters ist deshalb widerrechtlich und l�st grunds�tzlich die sofortige R�ckgabepflicht aus (Art. 12 Abs. 1 HK�), soweit nicht ausnahmsweise ein Ausschlussgrund greift.
Vor Bundesgericht neu geltend gemacht wird der Ausschlussgrund von Art. 13 Abs. 2 HK� (dazu E. 3.1). Im Zusammenhang mit der schwerwiegenden Gefahr im Sinn von Art. 13 Abs. 1 lit. b HK� wird einzig noch eine Verletzung von Art. 5 Abs. 1 lit. b BG-KKE ger�gt (dazu E. 3.2).
3.1.�Der Ausschlussgrund von Art. 13 Abs. 2 HK� wurde vor Kantonsgericht nie thematisiert. Er beruht ausschliesslich auf echten Noven, welche aus prozessualen Gr�nden nicht beachtet werden k�nnen (vgl. E. 1). Ohnehin w�re aber selbst unter Ber�cksichtigung des Schreibens von C.________ vom 1. Juli 2016 an das Bundesgericht ein eigentliches Widersetzen des Kindes im Sinn von Art. 13 Abs. 2 HK� nicht dargetan, wie nachfolgend kurz ausgef�hrt sei.
Im kantonsgerichtlichen Verfahren hat sich der Loyalit�tskonflikt, in welchem C.________ sich befindet, fast lehrbuchm�ssig manifestiert. Sowohl gegen�ber dem Kindesvertreter als auch bei der kantonsgerichtlichen Anh�rung hat er ausgef�hrt, dass er gerne einen Knopf h�tte, auf den er dr�cken k�nnte, um beim Vater und bei erneutem Dr�cken bei der Mutter zu sein, halb/halb, m�glichst viel mit beiden. Er wusste bei der Anh�rung auch nur Positives von beiden Aufenthaltsorten zu berichten. In der Schweiz gef�llt es ihm gut, auch in der Schule, und er hat guten Kontakt zur Mutter, mit welcher er viel unternimmt. Ebenso war es f�r ihn in Spanien gut und f�hlte er sich auch beim Vater wohl, mit welchem er ebenfalls viel unternommen hat.
Der Brief vom 1. Juli 2016 an das Bundesgericht enth�lt gewissermassen das Gegenteil der bisherigen �usserungen des Kindes. Der in fast einwandfreiem Deutsch geschriebene Brief behandelt namentlich die Problemkreise einer Kindesr�ckf�hrung sowie das in Spanien zwischen den Eltern h�ngige Verfahren. Sowohl von der Sprache (weitgehende Fehlerlosigkeit; relativ anspruchsvolle grammatikalische Strukturen) als auch vom Aufbau und Inhalt her (ziemlich fachliche Thematisierung des in Spanien zwischen den Eltern h�ngigen Verfahrens; akribische Auflistung, was der Vater im Fall einer R�ckkehr nach Spanien bei der Erziehung alles falsch machen w�rde und was an dortigen Lebensumst�nden alles nicht gut w�re) wirkt das Schreiben nicht wie von einem Kind spanischer Muttersprache im Alter von C.________ verfasst, sondern vielmehr wie von einer erwachsenen und in das R�ckf�hrungsverfahren involvierten Person diktiert. Das Schreiben l�sst eine recht starke Manipulation des Kindes erahnen, was sich mit der im erstinstanzlichen Verfahren vorgebrachten Klage des Vaters deckt, der Telefonverkehr werde strikt �berwacht, wobei er zwischenzeitlich offenbar g�nzlich unterbunden wird, wie der Vater in seiner Vernehmlassung ans Bundesgericht festh�lt und sich auch aus der Vernehmlassung des Kindesvertreters ergibt. Das muss aber keineswegs heissen, dass das Schreiben nicht sinngem�ss das beinhalten k�nnte, was C.________ heute empfindet. Es deutet vieles darauf hin, dass C.________ mit seiner Mutter, welche ihn konsequent vom Vater abschirmt, in der Zwischenzeit eine Schicksalsgemeinschaft aufgebaut und er seinen Loyalit�tskonflikt dahingehend gel�st hat, dass er sich auf ihre Seite schl�gt und ihrem Wunsch nach einem Leben in der Schweiz nachkommt. Dies geht jedenfalls auch aus der Vernehmlassung des Kindesvertreters vor. Diesem gegen�ber hat sich C.________ dahingehend ge�ussert, dass er nicht ohne seine Mutter nach Spanien zur�ck m�chte und dass er seit dem Entscheid des Kantonsgerichtes ein schlechtes Gef�hl habe und nicht mehr schlafen k�nne. Wenn die Mutter ebenfalls nach Spanien zur�ckgehen k�nnte, was aber wegen der fehlenden dortigen Arbeitsgelegenheiten nicht m�glich sei, w�rde er ebenfalls zur�ckkehren und er k�nnte sich dann sogar vorstellen, in Spanien wieder so zu leben wie fr�her, d.h. einmal beim Vater und einmal bei der Mutter. Der Kindesvertreter w�rdigt diese Aussagen selbst auch so, dass C.________ nun f�r sich eine Entscheidung getroffen habe, um Entlastung zu erfahren.
Nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann - w�rde man �ber das prozessual geltende Novenverbot hinwegsehen und den Einwand materiell behandeln - ein Kindeswille, welcher nicht autonom gebildet worden ist, sondern auf Manipulation beruht, den Ausschlussgrund von Art. 13 Abs. 2 HK� nicht begr�nden (BGE 131 III 334 E. 5.1 S. 340; 133 III 146 E. 2.6 S. 152; vgl. sodann das Anwendungsbeispiel f�r einen manipulierten Kindeswillen im Urteil 5A_229/2015 vom 30. April 2015 E. 5.1).
3.2.�Was sodann die schwerwiegende Gefahr im Sinn von Art. 13 Abs. 1 lit. b HK� anbelangt, erneuert die Mutter ihre kantonsgerichtlichen Vorbringen (im Auto des Vaters habe es keine Kopfst�tzen, der Vater lasse C.________ alleine ausreiten, er sei bei ihm einmal von einem Hund gebissen worden, die Wohnung beim Vater sei schmutzig, er k�mmere sich zu wenig um die Weizenallergie des Kindes, u.�.m.) nicht mehr. Wie das Kantonsgericht zutreffend erwogen hat, k�nnten diese Einw�nde, soweit sie zutreffen sollten, auch nicht ansatzweise eine schwerwiegende Gefahr f�r das Kind begr�nden. Als solche sind nach konstanter Rechtsprechung Gefahren wie Krieg, Seuchen oder Misshandlung durch den Elternteil anzusehen (vgl. BGE 130 III 530 E. 3 S. 535; Urteile 5A_913/2010 vom 4. Februar 2011 E. 5.1; 5A_674/2011 vom 31. Oktober 2011 E. 3.2; 5A_840/2011 vom 13. Januar 2012 E. 3.1; 5A_229/2015 vom 30. April 2015 E. 6.1).
Vielmehr beschr�nkt sich die Mutter darauf, beschwerdeweise eine Verletzung von Art. 5 Abs. 1 lit. b BG-KKE geltend zu machen und in diesem Zusammenhang eine Geh�rsr�ge zu erheben, indem das Kantonsgericht nicht begr�ndet habe, wieso ihre bessere wirtschaftliche Ausgangslage in der Schweiz und die hohe Arbeitslosigkeit in Spanien keinen Ausschlussgrund darstelle; ferner wirft sie dem Kantonsgericht vor, die Lebenssituation des Kindes in Spanien nicht abgekl�rt zu haben.
Die Geh�rsr�ge im Sinn der Verletzung der Begr�ndungspflicht als Teilgehalt des rechtlichen Geh�rs geht indes fehl. Das Kantonsgericht hat sich ausf�hrlich zu den relevanten Fragen im Zusammenhang mit der schwerwiegenden Gefahr ge�ussert (dass sich die schwerwiegende Gefahr auf das Kind, nicht auf den Elternteil beziehen muss; dass die drei Bedingungen von Art. 5 Abs. 1 lit. a-c BG-KKE kumulativ gegeben sein m�ssen). Im �brigen ist der angefochtene Entscheid auch von der Sache her zutreffend; wirtschaftliche Nachteile im Herkunftsstaat begr�nden als solche keine schwerwiegende Gefahr (Urteil 5A_105/2009 vom 16. April 2009 E. 3.3). Sodann geht es um eine R�ckf�hrung in ein w�hrend Jahren effektiv gelebtes Umfeld, d.h. um die Wiederherstellung des Status quo ante (vgl. auch Art. 1 lit. a HK�); es ist deshalb nicht ersichtlich, was an zus�tzlichen Abkl�rungen zur dortigen Lage das Kantonsgericht h�tte vornehmen und im angefochtenen Entscheid begr�nden sollen.
Bei einer R�ckf�hrung des Kindes wird die Mutter m�glicherweise mit ihm nach Spanien zur�ckkehren, wo sie mit diesem w�hrend Jahren gelebt hat, auch nach der Trennung vom Vater. Weil sie die hohe Arbeitslosigkeit in Spanien anf�hrt und sie in der Schweiz einer Erwerbsarbeit nachgeht, ist aber auch denkbar, dass C.________ alleine nach Spanien zur�ckkehren und demzufolge bei seinem Vater leben w�rde. Schwerwiegende Gefahren f�r das Kind im Sinn von Art. 13 Abs. 1 lit. b HK� - aber auch die kumulativ erforderlichen Voraussetzungen, wie sie in Art. 5 Abs. 1 BG-KKE genannt werden - sind aufgrund der kantonsgerichtlichen Sachverhaltsfeststellungen und Erw�gungen nicht ersichtlich. C.________ w�rde in ein ihm vertrautes Umfeld (�rtlich, sprachlich, schulisch) zur�ckkehren und durch seinen Vater betreut, welcher bereits vorher im Einvernehmen mit der Mutter w�hrend langer Jahre die h�lftige Betreuung �bernommen hatte und bei welchem er sich vor dem Verbringen in die Schweiz wohl f�hlte. Es bestehen keine Anzeichen, dass es C.________ beim Vater in irgendeiner Weise schlecht ergehen k�nnte. Auch im Zusammenhang mit seiner Weizenallergie, welche der Vater nach der Behauptung der Mutter zu wenig ernst nimmt, sind keine schwerwiegenden Gefahren ersichtlich, weiss doch C.________, wie seine Aussagen bei der Anh�rung zeigen, inzwischen selbst, was er essen darf und was nicht, und besteht in Spanien eine ad�quate medizinische Versorgung, soweit dies erforderlich sein sollte; die kantonale Behauptung der Mutter, die aufgrund der Weizenallergie drohende chronische Ohrenentz�ndung k�nne nur in der Schweiz behandelt werden, ist jedenfalls nicht glaubhaft. Im �brigen hat die Anh�rung der Eltern ergeben, dass beide Teile ihn lieb haben, sich umfassend um ihn sorgen und viel mit ihm zu unternehmen wissen. W�hrend der Vater sich mehr um die m�nnliche Seite des Knaben zu k�mmern scheint (Reiten, Bergsteigen, Tiere trainieren, etc.), f�rdert die Mutter eher dessen musische Seite (Saxophon spielen, Vorlesen, gemeinsam Geschichten erfinden, etc.), wie sich aus den elterlichen Aussagen bei der Parteibefragung ergibt. Beides ist f�r ein heranwachsendes Kind wichtig und die Betreuungssituation, wie sie vor dem Verbringen bestand, w�re f�r C.________ wohl sogar optimal; es sind aber auch keine schwerwiegenden Gefahren ersichtlich, wenn das Kind allenfalls von einem Elternteil allein betreut w�rde, zumal der Vater bei der Anh�rung in Aussicht gestellt hat, dass er in diesem Fall so viel Kontakt mit der Mutter als m�glich zulassen w�rde.
3.3.�Was schliesslich den Hinweis der Mutter auf den Gerichtstermin in Spanien vom 26. Oktober 2016 anbelangt, handelt es sich um ein echtes Novum (vgl. E. 1). Ohnehin verm�chte dieser Termin aber auch von der Sache her keine Suspendierung der R�ckf�hrungsentscheidung zu rechtfertigen. Es ist durchaus m�glich, dass der f�r die materielle Entscheidung zust�ndige spanische Richter zum Schluss kommt, dass C.________ in der Schweiz leben soll. Indes l�sst die Massnahmeverf�gung vom 26. Juli 2016 nicht unbedingt darauf schliessen und noch weniger kann davon ausgegangen werden, dass, soweit bereits am 26. Oktober 2016 ein Sachurteil gef�llt werden k�nnte, dieses nicht von der einen oder anderen Seite angefochten wird. Angesichts der nicht mit Zweifeln behafteten R�ckf�hrungssituation und der Eilbed�rftigkeit von Kindesr�ckf�hrungen (Art. 1 lit. a und Art. 11 Abs. 2 HK�) sowie mit Blick auf das beginnende Schuljahr w�re eine Aufschiebung der vorliegenden Rechtsmittelentscheidung nicht gerechtfertigt.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit auf sie eingetreten werden kann. Damit werden das Gesuch um aufschiebende Wirkung sowie die diversen Verfahrens- und Massnahmeantr�ge in der Vernehmlassung des Vaters gegenstandslos. Indes wurden im Sinn einer superprovisorischen Anordnung am 12. Juli 2016 jegliche Vollzugshandlungen untersagt, so dass der vom Kantonsgericht angeordnete �bergabezeitpunkt f�r den Fall, dass die Mutter nicht gem�ss Ziff. 1 des Dispositivs des angefochtenen Entscheides selbst mit C.________ nach Spanien zur�ckkehren w�rde, neu zu bestimmen ist. Die Modalit�ten (Ort und Zeit der �bergabe, Aush�ndigung der Dokumente, sowie Zwangsvollstreckung bei unterbleibender freiwilliger �bergabe) richten sich nach dem Dispositiv des angefochtenen Urteils.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben und die Rechtsvertreter aller Beteiligten aus der Bundesgerichtskasse entsch�digt (Art. 26 Abs. 2 HK�). Das Gesuch der Beschwerdef�hrerin um unentgeltliche Rechtspflege ist damit gegenstandslos.
Der Zeitpunkt der �bergabe von C.________ an den Beschwerdegegner gem�ss den im Entscheid des Kantonsgerichts Luzern vom 23. Juni 2016 festgelegten Modalit�ten wird neu festgelegt auf Samstag, 20. August 2016, 11.00 Uhr, bei der Eingangspforte des Campingplatzes U.________.
Aus der Bundesgerichtskasse werden Rechtsanw�ltin Brigitte Scheuber und Rechtsanwalt Sandor Horvath mit je Fr. 3'000.-- und Rechtsanwalt Paul von Moos mit Fr. 2'000.-- entsch�digt.
Dieses Urteil wird den Parteien, C.________, dem Kantonsgericht Luzern, 2. Abteilung, dem Amt f�r Gemeinden des Kantons Luzern, der Luzerner Polizei, Polizeiposten Horw, und dem Bundesamt f�r Justiz, Zentralbeh�rde f�r Kindesentf�hrungen, schriftlich mitgeteilt.