Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerfGK%2012,%20308
Timestamp: 2019-06-19 18:16:57
Document Index: 316422580

Matched Legal Cases: ['Art 140', 'Art. 137', 'Art. 12', '§ 9', '§ 111', '§ 40', '§ 111', '§ 111', 'Art. 12', '§ 9', 'Art. 12', 'Art. 14', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 19', '§ 9', 'Art. 5', '§ 376', 'Art. 12', 'Art. 12']

BVerfG, 17.10.2007 - 2 BvR 1095/05 - dejure.org
https://dejure.org/2007,529
BVerfG, 17.10.2007 - 2 BvR 1095/05 (https://dejure.org/2007,529)
BVerfG, Entscheidung vom 17.10.2007 - 2 BvR 1095/05 (https://dejure.org/2007,529)
BVerfG, Entscheidung vom 17. Januar 2007 - 2 BvR 1095/05 (https://dejure.org/2007,529)
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Gesetzliche Belegungspflicht einer öffentlich geförderten kirchlichen Altenpflegeeinrichtung mit dem Eigentumsgrundrecht, der Berufsausübungsfreiheit und dem kirchlichen Selbstbestimmungsrecht vereinbar - Belegungsrecht zur Vermeidung der Sozialhilfebedürftigkeit pflegebedürftiger, finanzschwacher Bürger geeignet und erforderlich
Verfassungsmäßigkeit des brandenburgischen Landespflegegesetzes (LPflegeG,BB); Verfassungsmäßigkeit der bußgeldbewerten Pflicht aus dem LPflegeG,BB zur Meldung freiwerdender Pflegeplätze durch die Träger von Altenpflegeeinrichtungen; Verfassungsmäßigkeit der bußgeldbewerten Pflicht aus LPflegeG,BB zur Belegung freier Heimplätze mit sozial bedürftigen Einwohnern Brandenburgs in dem Umfang der erhaltenen öffentlichen Förderungen; Verfassungsmäßigkeit der bußgeldbewerten Pflicht aus dem LPflegeG,BB zur Erteilung von Auskünften über die persönlichen Verhältnisse der Bewohner von Pflegeheimen; Verfassungsmäßigkeit der bußgeldbewerten Pflichten für Heimträger aus LPflegeG,BB im Hinblick auf die Behandlung kirchlich-karitativer Heimträger; Anwendbarkeit des Grundrechts der Berufsfreiheit auf nicht gewinnorientierte Unternehmen bzw. karitative Einrichtungen; Schutzbereich des verfassungsmäßigen kirchlichen Selbstbestimmungsrechts; Grundrechtsschutz für die karitative Tätigkeit der Religionsgemeinschaften; Gewährleistung des Art 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 3 S. 1 Weimarer Reichsverfassung (WRV)
Erfolglose Verfassungsbeschwerde einer öffentlich geförderten kirchlichen Altenpflegeeinrichtung gegen gesetzliche Belegungspflicht
BVerfGK 12, 308
DVBl 2007, 1555
Art. 12 Abs. 1 GG schützt auch den Betrieb von SPZ (zu Krankenhäusern vgl BVerfGE 82, 209, 223; zu Pflegeeinrichtungen: BVerfGK 14, 187, 190; BVerfGK 12, 308, 327 = SozR 4-3300 § 9 Nr. 3 RdNr 79;… zu Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtung iS des § 111 SGB V vgl BSGE 87, 14, 23 = SozR 3-2500 § 40 Nr. 3 S 12 f;… BSGE 89, 294, 300 = SozR 3-2500 § 111 Nr. 3 S 21;… BSGE 81, 189, 197 f = SozR 3-2500 § 111 Nr. 1 S 10 f) .
Auf die Frage, ob sich der Kläger zu 1. als karitative Einrichtung hier auf das Grundrecht aus Art. 12 Abs. 1 GG berufen kann (vgl BVerfG Beschluss vom 17.10.2007 - 2 BvR 1095/05 - SozR 4-3300 § 9 Nr. 3 RdNr 78 ff mwN) kommt es nicht an.
Die staatliche Zuwendung ist regelmäßig ein Akt der staatlichen Grundrechtsvorsorge, dient also der Realisierung grundrechtlicher Freiheit und nicht ihrer Beschränkung und Überführung in eine grundrechtliche Bindung der Empfänger (vgl. BVerfG 17. Oktober 2007 - 2 BvR 1095/05 - Rn. 101, DVBl 2007, 1555) .
Diese Regelungen haben für Religionsgemeinschaften dieselbe Bedeutung wie für jedermann und treffen sie in ihrer Besonderheit nicht härter als andere (vgl. dazu BVerfG, DVBl 2007, 1555, 1561; BVerfGE 66, 1, 20 mwN).
a) Das Betreiben einer Pflegeeinrichtung ist als eigener Beruf von der Berufsfreiheit geschützt (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senates vom 17. Oktober 2007 - 2 BvR 1095/05 -, DVBl 2007, S. 1555 ).
Es besteht ein überragendes Interesse der Allgemeinheit daran, dass staatliche Mittel wirtschaftlich und sparsam eingesetzt werden (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senates vom 17. Oktober 2007 - 2 BvR 1095/05 -, DVBl 2007, S. 1555 ).
Der Senat unterstellt zugunsten der Klägerin, dass sie sich auf die Grundrechte der Art. 12 Abs. 1 GG (dazu a und c), Art. 14 GG - ggf iVm Art. 2 Abs. 1 GG (dazu b und c) sowie Art. 3 Abs. 1 GG (dazu d) berufen kann, obwohl nicht feststeht, dass sie sich als juristische Personen des Privatrechts nicht überwiegend im Eigentum der öffentlichen Hand befindet (zum Problem der Grundrechtsfähigkeit gemäß Art. 19 Abs. 3 GG in solchen Fällen vgl zB: BVerfG SozR 4-3300 § 9 Nr. 3 RdNr 77 f; BVerfGE 45, 63, 79 f;… BVerfGE 68, 193, 212 f = SozR 5495 Art. 5 Nr. 1;… BVerfGE 70, 1, 15 = SozR 2200 § 376d Nr. 1; zu einem mehrheitlich in öffentlicher Hand befindlichen Stromversorgungsunternehmen vgl BVerfG, Beschluss vom 16.5.1989 - 1 BvR 705/88 -, NJW 1990, 1783; vgl insgesamt BVerfG, Beschluss vom 18.5.2009 - 1 BvR 1731/05 - NVwZ 2009, 1282).
Ziel des Gesetzes ist die soziale Absicherung des Risikos der Pflegebedürftigkeit (vgl. BTDrucks 12/5262, S. 1 f. und BTDrucks 12/5617, S. 1 f.), und diesem Zweck dient auch das Belegungsrecht des Staates, mit dem gewährleistet wird, dass die geförderten Pflegeplätze vorrangig sozial schwachen Landesbürgern zugute kommen und mit dem der Sozialhilfeträger entlastet werden soll (Verminderung von Sozialhilfeleistungen), der ansonsten den (höheren) Pflegesatz zahlen müsste (vgl. zum Zweck des Belegungsrechts eingehend Bundesverfassungsgericht --BVerfG--, Beschluss vom 17. Oktober 2007 2 BvR 1095/05, Deutsches Verwaltungsblatt --DVBl-- 2007, 1555, unter B. II., m.w.N.).
Diese Regelung soll letztlich bewirken, dass über geringere Pflegesätze ein größerer Anteil von Pflegebedürftigen (die regelmäßig nicht Nutznießer des Belegungsrechts sind) die Aufwendungen aus den Alterseinkünften finanzieren kann, ohne Sozialhilfeleistungen in Anspruch nehmen zu müssen (zum Zweck der Vermeidung von Sozialhilfeabhängigkeit BVerfG-Beschluss in DVBl 2007, 1555, unter B. II. 1. c (1), m.w.N.).
Da Art. 12 Abs. 1 GG auf eine möglichst unreglementierte berufliche Betätigung abzielt, stellen Regelungen, die sich unmittelbar auf die Berufsausübung beziehen oder aber zumindest eine objektiv berufsregelnde Tendenz haben, einen Eingriff in dieses Grundrecht dar, wenn eine berufliche Tätigkeit nicht in der gewünschten Weise ausgeübt oder ein Unternehmen nicht nach eigenen Vorstellungen geführt werden kann (BVerfG, Beschluss vom 17. Dezember 2007 - 2 BvR 1095/05 -, DVBl. 2007, 1555 [1559]).
Ebenso wenig handelt es sich um eine schlichte Minderung von Erwerbschancen durch Verschlechterung der Wettbewerbsposition im laufenden Marktgeschehen, gegen die Art. 12 Abs. 1 GG gleichfalls keinen Schutz gewährt (vgl. BVerfG, Beschluss vom 17. Dezember 2007, a.a.O.; Kammerbeschluss vom 17. August 2004 - 1 BvR 378/00 -, NJW 2005, 273 [274]).