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Timestamp: 2020-03-29 11:08:22
Document Index: 165499758

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 882', '§ 14', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Ver­mö­gens­ver­fall – und der Wider­ruf der Anwalts­zu­las­sung | Rechtslupe
Vermögensverfall - und der Widerruf der Anwaltszulassung
Gemäß § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO wird der Ver­mö­gens­ver­fall des Rechts­an­walts wider­leg­bar ver­mu­tet, wenn der Rechts­an­walt im maß­geb­li­chen Zeit­punkt der Wider­rufs­ent­schei­dung 1 in dem vom Voll­stre­ckungs­ge­richt zu füh­ren­den Ver­zeich­nis ein­ge­tra­gen war (§ 882b ZPO).
Das gilt nur dann nicht, wenn die den Ein­tra­gun­gen zugrun­de­lie­gen­den For­de­run­gen im Zeit­punkt des Wider­rufs nicht oder nicht mehr bestan­den 2. Dar­le­gungs­und beweis­pflich­tig ist inso­weit der betrof­fe­ne Rechts­an­walt.
Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ist der Rechts­an­walt schon sei­ner Dar­le­gungs­last nicht nach­ge­kom­men. Der Anwalts­ge­richts­hof hat trotz man­gel­haf­ten Vor­trags zuguns­ten des Rechts­an­walts unter­stellt, dass drei der vier For­de­run­gen, wel­che den Ein­tra­gun­gen im Schuld­ner­ver­zeich­nis zugrun­de lagen, im Zeit­punkt des Wider­rufs erle­digt gewe­sen sei­en. Hin­sicht­lich der vier­ten For­de­rung, der For­de­rung der i. AG, hat der Rechts­an­walt in ers­ter Instanz ohne Anga­be von Ein­zel­hei­ten behaup­tet, eine Abspra­che mit dem Gläu­bi­ger getrof­fen zu haben (Beweis: Zeu­ge W.). In der Begrün­dung des Zulas­sungs­an­trags behaup­tet der Rechts­an­walt, der Zeu­ge W. habe ver­spro­chen, auf die Voll­stre­ckung zu ver­zich­ten. Die­sem nach wie vor sehr vagen, nicht mit Ein­zel­hei­ten zu Zeit und Inhalt der getrof­fe­nen Ver­ein­ba­rung unter­leg­ten Vor­trag kann nicht ent­nom­men wer­den, dass die For­de­rung der genann­ten Gläu­bi­ge­rin, die einer der vier Ein­tra­gun­gen im Schuld­ner­ver­zeich­nis zugrun­de lag, bereits im Zeit­punkt des Wider­rufs­be­schei­des erle­digt war. Ein Beweis­an­tritt ver­mag den erfor­der­li­chen Sach­vor­trag des Rechts­an­walts nicht zu erset­zen.
Zur Wider­le­gung der gesetz­li­chen Ver­mu­tung hat der Rechts­an­walt ein auf den maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Wider­rufs bezo­ge­nes voll­stän­di­ges und detail­lier­tes Ver­zeich­nis sei­ner Gläu­bi­ger und sei­ner Ver­bind­lich­kei­ten vor­zu­le­gen und kon­kret dar­zu­le­gen, dass sei­ne Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se nach­hal­tig geord­net waren 3. Das ist hier nicht erfolgt.
Der Ver­mö­gens­ver­fall des Rechts­an­walts gefähr­de­te im vor­lie­gen­den Fall auch die Inter­es­sen der Recht­su­chen­den:
Nach der in § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO zum Aus­druck kom­men­den 16 Wer­tung des Gesetz­ge­bers ist mit dem Ver­mö­gens­ver­fall eines Rechts­an­walts grund­sätz­lich eine Gefähr­dung der Inter­es­sen der Recht­su­chen­den ver­bun­den. Auch wenn die­se Rege­lung nicht im Sin­ne eines Auto­ma­tis­mus zu ver­ste­hen ist, die Gefähr­dung daher nicht zwangs­läu­fig und aus­nahms­los schon aus dem Vor­lie­gen eines Ver­mö­gens­ver­falls folgt, kann die Gefähr­dung im nach der gesetz­li­chen Wer­tung vor­ran­gi­gen Inter­es­se der Recht­su­chen­den nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len ver­neint wer­den, wobei den Rechts­an­walt hier­für die Fest­stel­lungs­last trifft. Die Annah­me einer der­ar­ti­gen Son­der­si­tua­ti­on setzt min­des­tens vor­aus, dass der Rechts­an­walt sei­ne anwalt­li­che Tätig­keit nur noch für eine Rechts­an­walts­so­zie­tät aus­übt und mit die­ser recht­lich abge­si­cher­te Maß­nah­men ver­ab­re­det hat, die eine Gefähr­dung der Man­dan­ten effek­tiv ver­hin­dern 4. Selbst auf­er­leg­te Beschrän­kun­gen des in Ver­mö­gens­ver­fall gera­te­nen Rechts­an­walts sind grund­sätz­lich nicht geeig­net, eine Gefähr­dung der Recht­su­chen­den aus­zu­schlie­ßen 5.
Der Rechts­an­walt ver­weist dar­auf, dass er nie­mals Fremd­geld nicht abge­führt habe. Der ihm vor­ge­wor­fe­ne Fall aus dem Jahr 2010 sei auf ein Miss­ver­ständ­nis nach Ende sei­ner dama­li­gen Sozie­tät mit einem Rechts­an­walt M. K. zurück­zu­füh­ren. Das mag sein, reicht aber nicht aus.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Janu­ar 2020 – AnwZ (Brfg) 69/​19
vgl. dazu BGH, Beschluss vom 29.06.2011 – AnwZ (Brfg) 11/​10, BGHZ 190, 187 Rn. 9 ff.[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 26.11.2002 AnwZ (B) 18/​01, NJW 2003, 577; vom 16.10.2019 AnwZ (Brfg) 28/​19 6[↩]
BGH, Beschluss vom 30.01.2017 – AnwZ (Brfg) 61/​16, mwN; vom 21.12.2018 – AnwZ (Brfg) 33/​18; st. Rspr.[↩]
BGH, Beschluss vom 15.12 2017 – AnwZ (Brfg) 11/​17; vom 21.02.2018 – AnwZ (Brfg) 72/​17; vom 05.03.2018 – AnwZ (Brfg) 52/​17 8; vom 21.12.2018 – AnwZ (Brfg) 33/​18[↩]
BGH, Beschluss vom 15.12.2017, aaO, Rn. 17 mwN; vom 21.12.2018, aaO[↩]
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