Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Diskriminierung_Bewerbung_LAG_Hamburg_3Sa15-08.html
Timestamp: 2018-06-24 14:48:30
Document Index: 143974364

Matched Legal Cases: ['§ 547', '§ 2', '§ 15', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 15', '§ 9', '§ 9', 'Art. 140', '§ 137', '§ 9', '§ 9', '§ 3', '§ 7', 'Art 4', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 15', '§ 7', '§ 1', '§ 1', '§ 15', '§ 7', '§ 1', '§ 1', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 292', '§ 3', '§ 11', '§ 7', '§ 1', '§ 611', '§ 7', '§ 7', '§ 6', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 93', '§ 15', '§ 91', '§ 64', '§ 72']

HENSCHE Arbeitsrecht: 3 Sa 15/08
Schlag­worte: Bewerbung, Diskriminierung: Bewerbung, Diskriminierung: Religion, Diskriminierung: Ethnische Herkunft
Akten­zeichen: 3 Sa 15/08
Ent­scheid­ungs­datum: 29.10.2008
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 04.12.2007, 20 Ca 105/07
3 Sa 15/08
( 20 Ca 105/07 ArbG Ham­burg)
-Kläge­rin / Be­ru­fungs­be­klag­te-
29. Ok­to­ber 2008
-Be­klag­ter / Be­ru­fungskläger-
er­kennt das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, Drit­te Kam­mer, auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 29. Ok­to­ber 2008 durch den
Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Schau­de als Vor­sit­zen­den
die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin …
den eh­ren­amt­li­cher Rich­ter …
Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 04. De­zem­ber 2007 – 20 Ca. 105/07 – ab­geändert.
Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein wei­te­res Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.
Die Nicht­zu­las­sung der Re­vi­si­on durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt kann selbständig durch Be­schwer­de an­ge­foch­ten wer­den.
Die Be­schwer­de ist zu be­gründen. Die Be­gründung muss ent­hal­ten
1. die Dar­le­gung der grundsätz­li­chen Be­deu­tung ei­ner Rechts­fra­ge und de­ren Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit,
2. die Be­zeich­nung ei­ner Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, des Ge­mein­sa­men Se­nats der obers­ten Ge­richtshöfe des Bun­des, des Bun­des­ar­beits­ge­richts oder, so­lan­ge ei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts in der Rechts­fra­ge nicht er­gan­gen ist, von ei­ner an­de­ren Kam­mer des­sel­ben Lan­des­ar­beits­ge­richts oder ei­nes an­de­ren Lan­des­ar­beits­ge­richts, von der das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts ab­weicht, so­wie die Dar­le­gung, dass die Ent­schei­dung auf die­ser Ab­wei­chung be­ruht, oder
3. die Dar­le­gung ei­nes ab­so­lu­ten Rechts­be­schwer­de­grun­des nach § 547 Nr. 1 bis 5 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung oder der Ver­let­zung des An­spruchs auf recht­li­ches Gehör und der Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der Ver­let­zung.
Die Be­schwer­de kann nur ein Rechts­an­walt oder ei­ne Rechts­anwältin, der bzw. die bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­sen ist, oder ei­ne Ge­werk­schaft, ei­ne Ver­ei­ni­gung von Ar­beit­ge­bern oder ein Zu­sam­men­schluss sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ein­le­gen und be­gründen. Dies gilt ent­spre­chend für ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.
Die Be­schwer­de ist bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt in­ner­halb ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat nach Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils schrift­lich ein­zu­le­gen. Der Be­schwer­de­schrift soll ei­ne Aus­fer­ti­gung oder be­glau­big­te Ab­schrift des Ur­teils bei­gefügt wer­den, ge­gen das die Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­den soll.
Die Be­schwer­de ist in­ner­halb ei­ner Not­frist von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils zu be­gründen.
Wird der Be­schwer­de statt­ge­ge­ben, so wird das Be­schwer­de­ver­fah­ren als Re­vi­si­ons­ver­fah­ren fort­ge­setzt. In die­sem Fall gilt die form- und frist­ge­rech­te Ein­le­gung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de als Ein­le­gung der Re­vi­si­on. Mit der Zu­stel­lung der Ent­schei­dung be­ginnt die Re­vi­si­ons­be­gründungs­frist.
Die Re­vi­si­ons­be­gründung muss ent­hal­ten:
Zur Be­gründung der Re­vi­si­on kann auf die Be­gründung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de Be­zug ge­nom­men wer­den.
Die Re­vi­si­on kann nur ein Rechts­an­walt oder ei­ne Rechts­anwältin, der bzw. die bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­sen ist, oder ei­ne Ge­werk­schaft, ei­ne Ver­ei­ni­gung von Ar­beit­ge­bern oder ein Zu­sam­men­schluss sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der be­gründen. Dies gilt ent­spre­chend für ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.
Die Frist für die Be­gründung der Re­vi­si­on beträgt zwei Mo­na­te. Die Re­vi­si­ons­be­gründungs­frist kann auf An­trag ein­mal bis zu ei­nem wei­te­ren Mo­nat verlängert wer­den.
2. Aus tech­ni­schen Gründen sind die Be­schwer­de­schrift, die Be­schwer­de-/Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift und die sons­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze im Be­schwer­de-/Re­vi­si­ons­ver­fah­ren in sie­ben­fa­cher Aus­fer­ti­gung (und für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ei­ne Aus­fer­ti­gung mehr) bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­zu­rei­chen.
3. Zur Möglich­keit der Ein­le­gung der Rechts­be­schwer­de bzw. der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de mit­tels elek­tro­ni­schen Do­ku­ments wird auf die Ver­ord­nung vom 9. März 2006 (BGBl I, 519 ff) hin­ge­wie­sen.
Die Kläge­rin be­gehrt von dem Be­klag­ten die Zah­lung ei­ner Entschädi­gung im Zu­sam­men­hang mit ei­ner be­haup­te­ten Be­nach­tei­li­gung we­gen der Re­li­gi­on bzw. der eth­ni­schen Her­kunft der Kläge­rin.
Die Kläge­rin ist Deut­sche türki­scher Her­kunft und gehört nicht ei­ner christ­li­chen Kir­che an.
Der Be­klag­te, der für Ham­burg zuständi­ge Lan­des­ver­band des Dia­ko­ni­schen Wer­kes, ist als sol­cher Teil der Nord­el­bi­schen Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Kir­che (NEK) und da­mit der Evan­ge­li­schen Kir­che Deutsch­lands (EKD).
In der „Richt­li­nie des Ra­tes der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land nach Ar­ti­kel 9 Buchst. b Grund­ord­nung über die An­for­de­run­gen der pri­vat­recht­li­chen be­ruf­li­chen Mit­ar­beit in der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land und des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD“ heißt es u.a.
Grund­la­gen des Kirch­li­chen Diens­tes
(1) Der Dienst der Kir­che ist durch den Auf­trag be­stimmt, das Evan­ge­li­um in Wort und Tat zu be­zeu­gen. Al­le Frau­en und Männer, die in An­stel­lungs­verhält­nis­sen in Kir­che und Dia­ko­nie tätig sind, tra­gen in un­ter­schied­li­cher Wei­se da­zu bei, dass die­ser Auf­trag erfüllt wer­den kann. Die­ser Auf­trag ist die Grund¬la­ge der Rech­te und Pflich­ten von An­stel­lungs­trägern so­wie Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern.
Be­ruf­li­che An­for­de­rung
bei der Be­gründung des Ar­beits­verhält­nis­ses
(1) Die be­ruf­li­che Mit­ar­beit in der Evan­ge­li­schen Kir­che und ih­rer Dia­ko­nie setzt grundsätz­lich die Zu­gehörig­keit zu ei­ner Glied­kir­che der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land oder ei­ner Kir­che vor­aus, mit der die Evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land in Kir­chen­ge­mein­schaft ver­bun­den ist …
(2) Für Auf­ga­ben, die nicht der Verkündi­gung, Seel­sor­ge, Un­ter­wei­sung oder Lei­tung zu­zu­ord­nen sind, kann von Ab­satz 1 ab­ge­wi­chen wer­den, wenn an­de­re ge­eig­ne­te Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter nicht zu ge­win­nen sind. In die­sem Fall können auch Per­so­nen ein­ge­stellt wer­den, die ei­ner an­de­ren Mit­glieds­kir­che der Ar­beits­ge­mein­schaft christ­li­cher Kir­chen in Deutsch­land oder der Ver­ei­ni­gung Evan­ge­li­scher Frei­kir­chen an­gehören sol­len. Die Ein­stel­lung von Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zun­gen des Ab­sat­zes 1 nicht erfüllen, muss im Ein­zel­fall un­ter Be­ach­tung der Größe der Dienst­stel­le oder Ein­rich­tung und ih­rer sons­ti­gen Mit­ar­bei­ter­schaft so­wie der wahr­zu­neh­men­den Auf­ga­ben und des je­wei­li­gen Um­fel­des ge­prüft wer­den. § 2 Ab­satz 1 Satz 2 bleibt un­berührt“
Mit Stel­len­an­zei­ge vom 30. No­vem­ber 2006 such­te der Be­klag­te zum 01. Fe­bru­ar 2007 pro­jekt­be­dingt be­fris­tet bis zum 31. De­zem­ber 2007 für den Vor­stands­be­reich So­zia­les und Öku­me­ne /Fach­be­reich Mi­gra­ti­on und Exis­tenz­si­che­rung ei­ne/n So­zi­alpädago­gin/en für das Teil­pro­jekt „In­te­gra­ti­ons­lot­se Ham­burg“ der Equal-Ent­wick­lungs­part­ner­schaft N.. In der Stel­len­an­zei­ge heißt es u. a.:
Zu den Auf­ga­ben die­ser Po­si­ti­on gehören der in­halt­li­che Aus­bau der Ru­brik „Fach­in­for­ma­tio­nen" auf www.in­te­gra­ti­ons­lot­seh­am­burg.de, die Er­stel­lung von In­for­ma­ti­ons­ma­te­ri­al, die Vor­be­rei­tung und Durchführung von Ver­an­stal­tun­gen so­wie die Ar­beit in den Struk­tu­ren und Gre­mi­en des Fach­be­reichs Mi­gra­ti­on und Exis­tenz­si­che­rung.
Sie verfügen über ein ab­ge­schlos­se­nes Stu­di­um der So­zi­al­wis­sen­schaft/So­zi­alpädago­gik (o. Ä.), Er­fah­run­gen in der Pro­jekt­ar­beit so­wie Er­fah­run­gen und Kom­pe­ten­zen in den The­men­be­rei­chen Mi­gra­ti­on, Ar­beits­markt und In­ter­kul­tu­ra­lität. Sie be­sit­zen zu­dem si­che­re EDV-An­wen­der- und In­ter­net­kennt­nis­se. Für Sie sind so­wohl das ei­genständi­ge Ar­bei­ten als auch das kon­struk­ti­ve Ar­bei­ten im Team selbst­verständ­lich.
Als dia­ko­ni­sche Ein­rich­tung set­zen wir die Zu­gehörig­keit zu ei­ner christ­li­chen Kir­che vor­aus.“
Die Kläge­rin, die ei­ne Aus­bil­dung zur Rei­se­ver­kehrs­kauf­frau ab­sol­viert hat und we­der über ein ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um noch über die Hoch­schul­rei­fe verfügt, be­warb sich mit Schrei­ben vom 24. De­zem­ber 2006 um die­se Stel­le. Am 02. Ja­nu­ar 2007 er­hielt die Kläge­rin ei­nen An­ruf ei­ner Mit­ar­bei­te­rin des Be­klag­ten, Frau K., die der Kläge­rin erklärte, de­ren Be­wer­bung sei sehr in­ter­es­sant, las­se je­doch die Fra­ge der Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit un­be­ant­wor­tet. Auf die Erklärung der Kläge­rin, sie prak­ti­zie­re kei­ne Re­li­gi­on, sei aber als Türkin gebürti­ge Mus­li­min, frag­te Frau K., ob die Kläge­rin sich den Ein­tritt in die Kir­che vor­stel­len könne, da dies un­be­ding­te Vor­aus­set­zung für die Stel­le sei. Die Kläge­rin er­wi­der­te, sie hal­te dies nicht für nötig, da die Stel­le kei­nen re­li­giösen Be­zug auf­wei­se.
Mit Schrei­ben vom 06. Fe­bru­ar 2007 teil­te der Be­klag­te der Kläge­rin mit, er ha­be kei­ne den Wünschen der Kläge­rin ent­spre­chen­de Po­si­ti­on zu be­set­zen. Zu­gleich wies der Be­klag­te auf die Stel­lenbörse der NEK hin, in der vie­le in­ter­es­san­te Stel­len aus­ge­schrie­ben würden.
Die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le wur­de von dem Be­klag­ten mit ei­ner Be­wer­be­rin be­setzt, die im Jahr 1999 ei­nen uni­ver­sitären Ab­schluss mit dem aka­de­mi­schen Grad ei­ner „Di­plom-So­zi­al­wis­sen­schaft­le­rin“ er­langt hat­te und de­ren bis­he­ri­ges be­ruf­li­ches Le­ben stark auf die The­men „So­zia­li­sa­ti­on“ und „Mi­gra­ti­on“ aus­ge­rich­tet ge­we­sen war.
Mit Schrei­ben ih­res Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 21. Fe­bru­ar 2007 be­gehr­te die Kläge­rin von dem Be­klag­ten Entschädi­gung gemäß § 15 des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) im Hin­blick auf ih­re Be­nach­tei­li­gung bei der Stel­len­be­set­zung we­gen ih­rer Re­li­gi­on so­wie ih­rer eth­ni­schen Her­kunft. Der Be­klag­te wies mit Schrei­ben vom 01. März 2007 den gel­tend ge­mach­ten An­spruch zurück und erklärte, die Zu­gehörig­keit zu ei­ner christ­li­chen Kir­che stel­le ei­ne im Sin­ne des § 9 AGG ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung für die Mit­ar­beit im Dia­ko­ni­schen Werk dar.
Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, sie sei durch den Be­klag­ten im Be­wer­bungs­ver­fah­ren un­mit­tel­bar we­gen ih­rer Re­li­gi­on so­wie mit­tel­bar we­gen ih­rer eth­ni­schen Her­kunft in un­zulässi­ger Wei­se be­nach­tei­ligt wor­den, so dass ihr ge­gen den Be­klag­ten ein Entschädi­gungs­an­spruch in Höhe von drei Brut­to­mo­nats­gehältern zu­ste­he. Der Ver­dienst der Kläge­rin auf der aus­ge­schrie­be­nen Stel­le hätte – dies ist un­strei­tig - bei ca. € 1.300,00 brut­to mo­nat­lich ge­le­gen.
Die Kläge­rin hat vor­ge­tra­gen, das Kri­te­ri­um der Kir­chen­mit­glied­schaft sei be­reits un­ter ver­ga­be­recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten un­zulässig. Es kon­ter­ka­rie­re die Zie­le des Pro­jekts „In­te­gra­ti­ons­lot­se“. Dem Be­klag­ten ge­he es in dem Pro­jekt aus­drück­lich nicht um die ge­ziel­te In­te­gra­ti­on christ­li­cher Mi­gran­ten. An­ge­spro­chen sei­en viel­mehr al­le Mi­gran­ten un­abhängig von de­ren Kon­fes­si­ons­zu­gehörig­keit. Für die­se Ziel­set­zung sei die Ver­knüpfung von In­te­gra­ti­ons­bemühun­gen mit Mis­sio­nie­rungs­ver­su­chen hin­der­lich, da sie für al­le, die ei­ne fach­li­che Be­ra­tung oh­ne Verkündung ei­nes Glau­bens wünsch­ten, ei­ne Zu­gangs­bar­rie­re dar­stel­len könne und wer­de. In der Pra­xis des Pro­jekts fin­de sich denn auch kei­ner­lei Be­zug zu ei­ner re­li­giösen Tätig­keit. Der Be­klag­te ha­be, in­dem er staat­li­che Mit­tel be­an­tragt ha­be, um ei­ne rein „welt­li­che“ Ziel­set­zung zu fördern, je­den­falls in­so­weit auf sein Selbst­be­stim­mungs­recht ver­zich­tet, als die­ses im Wi­der­spruch zu den Zie­len und Kri­te­ri­en des EQUAL-Pro­jek­tes aus­geübt wer­de.
Dem Be­klag­ten ste­he auch un­abhängig von der Fremd­fi­nan­zie­rung das von ihm in An­spruch ge­nom­me­ne Selbst­be­stim­mungs­recht vor­lie­gend nicht zu. Die eu­ropäischen Vor­ga­ben des Dis­kri­mi­nie­rungs­schut­zes so­wie das Ge­bot der eu­ro­pa­rechts­kon­for­men Aus­le­gung be­schränk­ten die Selbst­ver­wal­tung der Kir­che. Ar­ti­kel 4 der Richt­li­nie 2000/78/EG sta­tu­ie­re kei­ne um­fas­sen­de Frei­stel­lung der Kir­che von dem Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot. Da­nach sei ei­ne Un­gleich­be­hand­lung nur zulässig, wenn an­ge­sichts des Ethos der Or­ga­ni­sa­ti­on die Re­li­gi­on der Per­son nach der Art der Tätig­keit oder der Umstände ih­rer Ausübung ei­ne we­sent­li­che, rechtmäßige und ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stel­le. Da­nach räume das eu­ropäische Recht den Kir­chen Ten­denz­schutz ein, nicht aber ei­ne Po­si­ti­on, die dem bis­he­ri­gen deut­schen Verständ­nis des Selbst-be­stim­mungs­rechts ent­spre­che.
Auch nach Auf­fas­sung des deut­schen Ge­setz­ge­bers sol­le, wie aus der Ge­set­zes­be­gründung zu § 9 AGG er­sicht­lich sei, § 9 AGG nicht über das hin­aus­ge­hen, was nach Ar­ti­kel 4 der Richt­li­nie
2000/78/EG zulässig sei. Da­nach sei im Er­geb­nis ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen der Re­li­gi­on bei der Ein­stel­lung auch durch kirch­li­che Träger nur noch dann zulässig, wenn dies auf Grund der kon­kre­ten Funk­ti­on der Stel­le er­for­der­lich sei. Da­von sei vor­lie­gend nicht aus­zu­ge­hen. Wie aus der Stel­len­aus­schrei­bung er­sicht­lich, ver­tre­te der Stel­len­in­ha­ber das Dia­ko­ni­sche Werk in kei­nem Gre­mi­um. Darüber hin­aus be­inhal­te die Stel­le kei­ner­lei Voll­mach­ten und wei­se we­der Fest­stel­lungs- noch An­wei­sungs¬be­fug­nis­se auf. Die Mit­ar­beit in den Gre­mi­en be­schränke sich auf die Teil­nah­me an den Gre­mi­en der Ent­wick­lungs­part­ner­schaft N. so­wie die Ar­beit in den Struk­tu­ren und Gre­mi­en des Fach­be­reichs Mi­gra­ti­on und Exis­tenz­si­che­rung des Be­klag­ten selbst. Dem Be­klag­ten sei es nicht dar­um ge­gan­gen, dass die ein­zu­stel­len­de Per­son be­stimm­te Wer­te verkörpe­re oder sich in be­stimm­ter Wei­se ver­hal­te, son­dern aus­sch­ließlich um das for­ma­le Kri­te­ri­um der Mit­glied¬schaft in ei­ner christ­li­chen Kir­che. Der Be­klag­te erfülle je­doch mit staat­li­chen Mit­teln ei­nen staat­li­chen Auf­trag, der eben­so gut von ei­nem nicht re­li­giösen Träger wahr­ge­nom­men wer­den könne.
Die Dia­ko­nie ge­he mit der Aus­wei­tung ih­rer Auf­ga­ben­be­rei­che im­mer mehr da­zu über, je nach Verfügbar­keit auf dem Ar­beits­markt auch Nicht­chris­ten ein­zu­stel­len. Sie ge­be in ih­ren ta­rif­li­chen Vor­schrif­ten le­dig­lich zwin­gend vor, dass evan­ge­li­sche Grund­la­gen der dia­ko­ni­schen Ar­beit an­er­kannt würden und der Beschäftig­te sich durch sein Ver­hal­ten da­zu nicht in Wi­der­spruch set­ze. Die Mit­glied­schaft in ei­ner Kir­che sei le­dig­lich als Soll­vor­schrift aus­ge­stal­tet, Aus­nah­men sei­en zulässig.
Wei­ter­hin hat die Kläge­rin gel­tend ge­macht, sei wer­de auch we­gen ih­rer eth­ni­schen Her­kunft be­nach­tei­ligt wor­den. Gebürti­ge Türken stell­ten in Ham­burg die größte Grup­pe der Ein­wan­de­rer dar. In die­ser Grup­pe sei der An­teil von Per­so­nen, die Mit­glied ei­ner christ­li­chen Kir­che sei­en, ver­schwin­dend ge­ring. Weit über 90 % der türkischstämmi­gen Bevölke­rung gehörten, je­den­falls for­mell, dem is­la­mi­schen Glau­ben an. Die An­for­de­rung, Mit­glied ei­ner christ­li­chen Kir­che zu sein, sei zwar dem An­schein nach bezüglich eth­ni­scher Grup­pen neu­tral. Tatsächlich könne die­se An­for­de­rung Per­so­nen mit ei­ner Her­kunft aus der Türkei in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen, da von den dort ge­bo­re­nen Per­so­nen fast nie­mand Mit­glied ei­ner christ­li­chen Kir­che sei. Hier­aus fol­ge hier ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen der eth­ni­schen Her­kunft.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung gemäß § 15 AGG zu zah­len, de­ren Höhe in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt wird.
Die Be­klag­te hat vor­ge­tra­gen, der Vor­wurf der un­zulässi­gen Be­nach­tei­li­gung we­gen der eth­ni­schen Her­kunft schei­de von vorn­her­ein aus, da sich der Be­klag­te we­der im Rah­men der veröffent­lich­ten Stel­len­an­zei­ge noch später bei der Be­set­zungs­ent­schei­dung da­von ha­be lei­ten las­sen und letzt­end­lich die frag­li­che Stel­le an ei­ne gebürti­ge In­de­rin ver­ge­ben ha­be.
Die Be­gren­zung der als ge­eig­net an­ge­se­he­nen Be­wer­ber und Be­wer­be­rin­nen in der Stel­len­an­zei­ge auf Per­so­nen, die die Zu­gehörig­keit zu ei­ner christ­li­chen Kir­che auf­wei­sen konn­ten, sei gemäß § 9 Abs. 1 AGG zulässig ge­we­sen und stel­le da­mit kei­nen Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des AGG dar.
Al­lei­ni­ger Maßstab für die Zulässig­keit des Han­delns des Be­klag­ten sei­en die Vor­schrif­ten des AGG, durch die der Ge­setz­ge­ber der Bun­des­re­pu­blik die EG-Richt­li­nie in na­tio­na­les Recht um­ge­setzt ha­be. Das selbst­verständ­li­che Ge­bot der richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung des na­tio­na­len Rechts be­deu­te nicht, dass das Eu­ropäische Recht und da­mit die in Fra­ge ste­hen­de Richt­li­nie al­lei­ni­ge oder we­sent­li­che Richt­schnur für die Aus­le­gung des § 9 AGG sei. In ers­ter Li­nie ha­be sich die Aus­le­gung an na­tio­na­lem Recht, ins­be­son­de­re der Ver­fas­sung mit ih­rer be­son­de­ren Ga­ran­tie des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts (Art. 140 GG i.V.m. § 137 WRV) aus­zu­rich­ten.
Auch der eu­ro­pa­recht­li­che Kon­text des § 9 AGG führe im Übri­gen zu kei­ner an­de­ren Be­ur­tei­lung. Durch die Erklärung Nr. 11 im Ams­ter­da­mer Ver­trag so­wie vor al­lem durch den auf die­se Erklärung Be­zug neh­men­den Erwägungs­grund 24 zu der in Fra­ge ste­hen­den EG–Richt­li­nie wer­de klar­ge­stellt, dass das Ge­mein­schafts­recht den na­tio­na­len Sta­tus der Kir­chen und die sich dar­an knüpfen­den spe­zi­fi­schen Be­fug­nis­se ge­ra­de nicht in ir­gend­ei­ner Wei­se be­ein­träch­ti­gen, mit­hin in die den Kir­chen nach den na­tio­na­len Rechts­ord­nun­gen gewähr­ten Au­to­no­mi­en und Ent­schei­dungs­frei­hei­ten in kei­ner Wei­se ein­grei­fen wol­le.
§ 9 Abs. 1 AGG be­rech­ti­ge den Be­klag­ten, die Zu­gehörig­keit zu ei­ner christ­li­chen Kir­che als „be­ruf­li­che An­for­de­rung“ für ei­ne jed­we­de Tätig­keit in sei­nem Wir­kungs­kreis zu de­fi­nie­ren und da­mit zur Vor­aus­set­zung für ei­ne Ein­stel­lung zu ma­chen. Die Aus­le­gung die­ser Vor­schrift ha­be sich aus­sch­ließlich dar­an zu ori­en­tie­ren, in­wie­weit und in wel­cher Wei­se die je­wei­li­ge Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft oder Ver­ei­ni­gung, hier al­so der Be­klag­te bzw. die NEK und die EKD, un­ter Be­ach­tung ih­res Selbst­verständ­nis­ses le­gi­ti­miert sei­en, An­for­de­run­gen an Beschäftig­te im kirch­li­chen Dienst auf­zu­stel­len. Im Hin­blick auf das ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­te kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht kom­me al­lein dem Be­klag­ten das Recht zu, für sich näher zu de­fi­nie­ren und fest­zu­le­gen, was in sei­nem Wir­kungs­kreis „ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­run­gen“ zu sein hätten. Die Ge­samt­heit der kirch­li­chen Be­diens­te­ten wer­de als Dienst­ge­mein­schaft ver­stan­den, in
der je­der ein­zel­ne ei­nen auf das Selbst­verständ­nis der Kir­che be­zo­ge­nen, von die­sem nicht trenn­ba­ren Dienst wahr­neh­me, und da­mit un­mit­tel­bar zu den „We­sens- und Le­bensäußerun­gen" der Kir­che bei­tra­ge. Die­se ge­ne­rel­le Ver­knüpfung der Tätig­keit je­des ein­zel­nen kirch­li­chen Mit­ar­bei­ters mit der Wahr­neh­mung des um­fas­sen­den kirch­li­chen Auf­trags dürfe un­abhängig von der je­weils kon­kret erfüll­ten Auf­ga­be nicht in Fra­ge ge­stellt wer­den. Die die­sen Zu­sam­menhängen Rech­nung tra­gen­den ver­bind­li­chen Vor­ga­ben fänden ih­ren Nie­der­schlag in der Richt­li­nie des Ra­tes der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land. An den dort in § 3 ge­re­gel­ten be­ruf­li­chen An­for­de­run­gen für die Auf­nah­me ei­ner Tätig­keit im kirch­li­chen Dienst ori­en­tie­re sich die Ein­stel­lungs- und Beschäfti­gungs­pra­xis des Be­klag­ten. Aus­nah­men sei­en al­lein da­durch be­dingt, dass im Wir­kungs­kreis des Be­klag­ten die Erfüllung be­stimm­ter Auf­ga­ben ge­ra­de nur mit Men­schen möglich sein könne, die nicht der christ­li­chen Re­li­gi­on an­gehörten oder dass die Si­tua­ti­on auf dem Ar­beits­markt es er­for­de­re, ei­nen nicht dem christ­li­chen Glau­bens­be­kennt­nis anhängen­den Men­schen ein­zu­stel­len.
Auch nach der Art der Tätig­keit der im Streit ste­hen­den Stel­le sei die Zu­gehörig­keit zu ei­ner christ­li­chen Kir­che als ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung an­zu­er­ken­nen. Bei dem Pro­jekt „In­te­gra­ti­ons­lot­se Ham­burg“ ge­he es nicht primär dar­um, dass der da­mit be­trau­te Mit­ar­bei­ter auf Grund sei­ner ei­ge­nen Per­son ei­ne be­son­de­re Nähe zu dem an­ge­spro­che­nen Per­so­nen­kreis der Mi­gran­ten auf­wei­se. Es sei ge­ra­de An­lie­gen und Ziel des Pro­jek­tes, ei­ne In­te­gra­ti­on der Mi­gran­ten in die hie­si­ge Ge­sell­schaft zu be­glei­ten, was re­gelmäßig nur von ei­ner Per­son mit ei­nem Hin­ter­grund, der nicht dem­je­ni­gen der zu be­treu­en­den Mi­gran­ten ent­spre­che, ge­leis­tet wer­den könne.
Die Kläge­rin ver­ken­ne, dass der Be­klag­te als Spit­zen­ver­band der Dia­ko­nie den kirch­li­chen (Sen­dungs-)Auf­trag nicht in ers­ter Li­nie im We­ge der Verkündi­gung oder Mis­sio­nie­rung, son­dern über ei­nen „in Wort und Tat“ prak­ti­zier­ten „ganz­heit­li­chen Dienst am Men­schen“ ver­fol­ge, al­so im We­ge der täti­gen Nächs­ten­lie­be. Die im Pro­jekt In­te­gra­ti­ons­lot­se Ham­burg für die dort beschäftig­te So­zi­alpädago­gin an­fal­len­den Auf­ga­ben stünden im un­mit­tel­ba­ren Kon­text mit der Wahr­neh­mung des dia­ko­ni­schen Auf­tra­ges des Be­klag­ten.
Zu den Auf­ga­ben der So­zi­alpädago­gin gehöre es laut Stel­len­be­schrei­bung, den Be­klag­ten in öffent­li­chen Auf­trit­ten bei Ver­an­stal­tun­gen, in Gre­mi­en, in Ver­hand­lun­gen ins­be­son­de­re auch ge­genüber Ver­tre­tern von Behörden, In­sti­tu­tio­nen und Verbänden so­wie ge­genüber kom­mu­na­len, na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Ein­rich­tun­gen zu re­präsen­tie­ren. Da­mit er­hal­te die Tätig­keit ei­nen un­mit­tel­ba­ren kirch­lich-dia­ko­ni­schen Ein­schlag, der die Zu­gehörig­keit zu ei­ner christ­li­chen Kir­che als Merk­mal der Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Leit­bild des Be­klag­ten un­ab­ding­bar ma­che.
Die­se Ein­ord­nung der Tätig­keit wer­de nicht da­durch re­la­ti­viert, dass das Pro­jekt ein­ge­bun­den sei in ei­ne Initia­ti­ve der Eu­ropäischen Uni­on und aus de­ren so­wie Bun­des­mit­teln fi­nan­ziert wer­de. Den Zu­wen­dungs­ge­bern auf eu­ropäischer und na­tio­na­ler Ebe­ne sei be­wusst, dass ei­ne Un­terstützung von Pro­jek­ten, die ein kirch­lich-dia­ko­ni­scher Träger durchführe, stets von vorn­her­ein un­ter den sich mit Blick auf das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht er­ge­ben­den Vor­be­hal­ten ste­he. Dem­ent­spre­chend mach­ten die Zu­wen­dungs­be­schei­de dem Be­klag­ten die neu­tra­le Aus­wahl von Mit­ar­bei­tern ge­ra­de nicht zur recht­lich er­zwing­ba­ren Auf­la­ge, son­dern ließen es mit ei­nem bloßen „Hin­weis“ im Sin­ne ei­ner Emp­feh­lung be­wen­den.
Mit Ur­teil vom 04. De­zem­ber 2007 hat das ArbG Ham­burg den Be­klag­ten ver­ur­teilt, an die Kläge­rin € 3.900,00 zu zah­len. Das Ar­beits­ge­richt ist der Auf­fas­sung, die Ab­leh­nung der Be­wer­bung der Kläge­rin auf die Stel­len­an­zei­ge vom 30. No­vem­ber 2001 stel­le ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG dar. Das Ar­beits­ge­richt stützt sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen dar­auf, dass die mit­glieds­staat­li­chen Aus­nah­men für die be­ruf­li­che Tätig­keit in re­li­giösen Or­ga­ni­sa­tio­nen nicht über das nach Art 4 Abs. 2 RL 2000/87/EG zulässi­ge Ma­xi­mum hin­aus­ge­hen dürf­ten. Die­se Vor­schrift se­he die Zulässig­keit ei­ner Dif­fe­ren­zie­rung nach der Re­li­gi­on nur vor, wenn die­se nach Art der Tätig­keit oder den Umständen ih­rer Ausübung ei­ne we­sent­li­che, rechtmäßige und ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung an­ge­sichts des Ethos der Or­ga­ni­sa­ti­on dar­stel­le. Die Recht­fer­ti­gungs­wir­kung ha­be mit­hin ei­nen Tätig­keits­be­zug, der ei­ne un­ter­schieds­lo­se For­de­rung nach Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit pro­ble­ma­tisch ma­che. § 9 Abs. 1 AGG sei da­her nach die­sen Vor­ga­ben eu­ro­pa­rechts­kon­form aus­zu­le­gen. Der Kir­che und da­mit dem Be­klag­ten ste­he es nicht frei, be­ruf­li­che An­for­de­run­gen für ei­ne jed­we­de Tätig­keit in sei­nem Wir­kungs­kreis zu de­fi­nie­ren und da­mit zur Vor­aus­set­zung für ei­ne Ein­stel­lung zu ma­chen, oh­ne dass es noch auf ei­ne spe­zi­fi­sche Recht­fer­ti­gung für die dar­aus fol­gen­de un­ter­schied­li­che Be­hand­lung an­kom­me. Die Be­ur­tei­lung ha­be viel­mehr da­nach zu er­fol­gen, ob die Re­li­gi­on von Beschäftig­ten im Hin­blick auf das Selbst­verständ­nis der Kir­che oder nach Art der Tätig­keit ei­ne ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stel­le. Für die in Re­de ste­hen­de Stel­le ei­ner So­zi­alpädago­gin im Rah­men des Teil­pro­jekts „In­te­gra­ti­ons­lot­se Ham­burg“ sei dies nicht der Fall. Der Be­klag­te ha­be nicht plau­si­bel dar­ge­legt, dass die Stel­le dem verkündungs­na­hen Be­reich zu­zu­rech­nen sei. Auch nach der Art der Tätig­keit, die ei­ne So­zi­alpädago­gin im Rah­men des Teil­pro­jekts „In­te­gra­ti­ons­lot­se Ham­burg“ zu ver­rich­ten ha­be, sei die Zu­gehörig­keit zu ei­ner christ­li­chen Kir­che kei­ne ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ver­wie­sen.
Ge­gen das dem Be­klag­ten am 31. Ja­nu­ar 2008 zu­ge­stell­te Ur­teil wen­det sich die­ser mit der am 22. Fe­bru­ar bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen und nach Frist­verlänge­rung bis 2. Mai 2008 am 30. April 2008 be­gründe­ten Be­ru­fung.
Der Be­klag­te trägt vor, es läge schon des­halb kei­ne Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin vor, weil die Fra­ge der Kir­chen­mit­glied­schaft im Aus­wahl­ver­fah­ren für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le kei­ne Rol­le ge­spielt ha­be. Die Mit­ar­bei­te­rin Frau K. ha­be le­dig­lich ei­ni­ge of­fe­ne Fra­gen hin­sicht­lich der Be­wer­bung abklären wol­len; auch die Fra­ge nach der Kon­fes­si­on sei dar­un­ter ge­we­sen. Al­le Be­wer­bungs­un­ter­la­gen, auch die der Kläge­rin, sei­en je­doch an den zuständi­gen Fach­be­reichs­lei­ter Dr. H. wei­ter­ge­lei­tet wor­den. Die­ser ha­be nach ei­ner ers­ten Durch­sicht von ei­ner Berück­sich­ti­gung der Be­wer­bung der Kläge­rin be­reits des­halb Ab­stand ge­nom­men, weil die Kläge­rin nicht über die ge­for­der­te Qua­li­fi­ka­ti­on ei­nes ab­ge­schlos­se­nen Hoch­schul­stu­di­ums der So­zi­al­wis­sen­schaft/So­zi­alpädago­gik verfügt ha­be. Die Kläge­rin sei auf­grund der Nich­terfüllung der ge­for­der­ten fach­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on und da­mit un­ge­ach­tet ih­rer Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit von vorn­her­ein ob­jek­tiv nicht für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le ge­eig­net ge­we­sen sei. Zu­dem sei der Kir­chen­mit­glied­schaft an­ge­sichts der her­aus­ra­gen­den Qua­li­fi­ka­ti­on der späte­ren Stel­len­in­ha­be­rin im Rah­men des Aus­wahl­pro­zes­ses kei­ne Be­ach­tung ge­schenkt wor­den.
Im Übri­gen wie­der­holt und ver­tieft der Be­klag­te sein erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen hin­sicht­lich der aus sei­ner Sicht feh­ler­haf­ten Aus­le­gung des § 9 AGG durch das erst­in­stanz­li­che Ur­teil.
un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 4. De­zem­ber 2007, Az. 20 Ca 105/07, die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Die Kläge­rin ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil und ver­tieft die Ausführun­gen zur aus ih­rer Sicht feh­ler­frei­en Aus­le­gung des § 9 AGG durch das Ar­beits­ge­richt.
Die Kläge­rin ist nach wie vor der Auf­fas­sung, sie sei we­gen der Re­li­gi­on bzw. we­gen der eth­ni­schen Her­kunft be­nach­tei­ligt wor­den. Ei­ne Be­nach­tei­li­gung lie­ge schon dann vor, wenn das Kri­te­ri­um – hier die Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit – in ei­nem Mo­tivbündel ei­ner von meh­re­ren die Ent­schei­dung be­stim­men­den Fak­to­ren ge­we­sen sei. Es wer­de be­strit­ten, dass ein ab­ge­schlos­se­nes Stu­di­um der So­zi­al­wis­sen­schaft/So­zi­alpädago­gik ei­ne ob­jek­ti­ve Vor­aus­set­zung für die zu be­set­zen­de Stel­le ge­we­sen sei. An­ge­sichts der Stel­len­aus­schrei­bung sei auch nicht er­kenn­bar, wes­halb ein sol­ches Stu­di­um über die ob­jek­ti­ve Eig­nung ent­schei­den sol­le. Zu­dem sei die Kläge­rin of­fen­sicht­lich auch ob­jek­tiv für die Stel­le in Fra­ge ge­kom­men; sonst sei die Fra­ge
nach ei­nem mögli­chen Kir­chen­ein­tritt im anläss­lich der Be­wer­bung geführ­ten Te­le­fo­nat kaum ge­stellt wor­den.
Sch­ließlich macht die Kläge­rin gel­tend, an dem im­ma­te­ri­el­len Scha­den, des­sen Aus­gleich der Entschädi­gungs­an­spruch die­ne, ände­re sich auch nichts, wenn der Be­klag­te durch ge­dan­ken­lo­se Or­ga­ni­sa­ti­on der Kläge­rin nur vor­ge­spie­gelt hätte, sie würde we­gen ih­rer Re­li­gi­on be­nach­tei­ligt.
Die zulässi­ge Kla­ge ist un­be­gründet. Der Kläge­rin steht kein Entschädi­gungs­an­spruch gem. § 15 Abs. 2 AGG i.V.m. § 7 Abs. 1. § 1 AGG zu. Sie war auf­grund feh­len­der, in der Stel­len­aus­schrei­bung ge­for­der­ter Qua­li­fi­ka­ti­on kei­ne ge­eig­ne­te Be­wer­be­rin, so dass sie auch nicht „we­gen“ ei­nes un­zulässi­gen Merk­mals im Sin­ne des § 1 AGG be­nach­tei­ligt wer­den konn­te.
1. Vor­aus­set­zung für ei­nen Scha­dens­er­satz- oder Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 AGG ist, dass der Ar­beit­ge­ber ge­gen das sich aus § 7 Abs. 1 i. V. m. § 1 AGG er­ge­ben­de Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot verstößt. Er­for­der­lich ist al­so ei­ne Be­nach­tei­li­gung aus Gründen der Ras­se oder we­gen der eth­ni­schen Her­kunft, des Ge­schlechts, der Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Iden­tität.
Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für das Vor­lie­gen von In­di­zi­en, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ver­mu­ten las­sen, trägt gemäß § 22 AGG die­je­ni­ge Par­tei, die sich auf ei­ne sol­che Be­nach­tei­li­gung be­ruft. § 22 AGG sieht ein zwei­stu­fi­ges Ver­fah­ren vor: Auf der ers­ten Stu­fe steht der Nach­weis ei­ner Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­mu­tung durch den Ar­beit­neh­mer. Ge­lingt die­ser Nach­weis, so trifft auf der zwei­ten Stu­fe den Ar­beit­ge­ber die Dar­le­gungs- und Be­weis­last dafür, dass die Be­nach­tei­li­gung ge­recht­fer­tigt ist. § 22 AGG enthält kei­ne vollständi­ge Be­weis­last­um­kehr i.S. von § 292 ZPO. Viel­mehr gewährt die Norm dem Ar­beit­neh­mer „nur“ ei­ne Be­wei­ser­leich­te­rung hin­sicht­lich der Kau­sa­lität zwi­schen Ar­beit­ge­ber­ver­hal­ten und Be­nach­tei­li­gung bzw. spe­zi­fi­scher Be­nach­tei­li­gungs­ten­denz (§ 3 Abs. 2 AGG) in Form ei­ner Ab­sen­kung des Be­weis­maßes (vgl. Gro­bys, Die Be­weis­last im An­ti-Dis­kri­mi­nie­rungs­pro­zess, NZA 2006, 898, 900).
Als ein - vom Ar­beit­neh­mer vor­zu­tra­gen­des - In­diz, wel­ches zur Be­gründung ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung her­an­ge­zo­gen wer­den kann, ist ei­ne ge­gen § 11 i.V.m. § 7 Abs. 1, § 1 AGG ver­s­toßen­de Stel­len­aus­schrei­bung an­er­kannt. Ein sol­cher Ver­s­toß be­gründet grundsätz­lich die Ver­mu­tung, dass ein bei der Stel­len­be­set­zung nicht berück­sich­tig­ter Be­wer­ber, der ein be­stimm­tes Merk­mal, wel­ches in der Stel­len­aus­schrei­bung ge­for­dert wird, nicht auf­weist, des­we­gen be­nach­tei­ligt wor­den ist, un­abhängig da­von, ob noch an­de­re Gründe für die Ein­stel­lungs­ent­schei­dung maßgeb­lich wa­ren. Es ge­lan­gen dann die be­zeich­ne­ten Be­weis­last­re­ge­lun­gen zur An­wen­dung (vgl. BAG vom 27.04.2000 - 8 AZR 295/99, zi­tiert nach ju­ris, zur Be­weis­last­ver­tei­lung bei § 611 a BGB a.F.).
Im Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren kann je­doch nur be­nach­tei­ligt wer­den, wer ob­jek­tiv für die zu be­set­zen­de Stel­le über­haupt in Be­tracht kommt und sich sub­jek­tiv ernst­haft be­wor­ben hat (Rust in: Rust/Fal­ke (Hrsg.), AGG, § 7 Rn. 28; Däubler in: Däubler/Bertz­bach (Hrsg.), AGG, § 7 Rn. 9; Bau­er/Göpfert/Krie­ger, AGG, 2. Aufl., § 6 Rn. 10). Die­ser Grund­satz war be­reits zur frühe­ren Vor­schrift des § 611 a BGB an­er­kannt (vgl. LAG Ber­lin vom 30.03.2006 – 10 Sa 2395/05, LA­GE § 611 a BGB 2002 Nr. 1, zi­tiert nach ju­ris; BAG vom 27.04.2000 - 8 AZR 295/99, zi­tiert nach ju­ris; BAG vom 12.11.1998 - 8 AZR 365/97, AP Nr. 16 zu § 611a BGB, zi­tiert nach ju­ris). Ei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung ist auch im Hin­blick auf das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz nicht ge­bo­ten (so auch LAG Ba­den-Würt­tem­berg vom 13.08.2007 - 3 Ta 119/07, zi­tiert nach ju­ris; LAG Köln vom 15.02.2008 - 11 Sa 923/07 – m.w.N., zi­tiert nach ju­ris).
Ein Be­wer­ber ist ob­jek­tiv un­ge­eig­net, wenn er die in der Stel­len­aus­schrei­bung of­fen ge­leg­ten An­for­de­run­gen nicht erfüllt. Die dort ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen sind der Maßstab für die Fra­ge sei­ner Eig­nung. Das An­for­de­rungs­pro­fil muss sich be­reits aus der Stel­len­aus­schrei­bung er­ge­ben. Kri­te­ri­en, die die­ser Aus­schrei­bung nicht zu ent­neh­men sind und le­dig­lich von dem in An­spruch ge­nom­me­nen Ar­beit­ge­ber im Nach­hin­ein als zwin­gen­de Vor­aus­set­zung dar­ge­stellt wer­den (sog. nach­ge­scho­be­ne Kri­te­ri­en), dürfen nicht berück­sich­tigt wer­den (LAG Nie­der­sach­sen vom 04.07.2005 - 12 Sa 1244/05 – m.w.N., zi­tiert nach ju­ris).
In An­wen­dung die­ser Rechts­grundsätze er­gibt sich hier Fol­gen­des:
Nach der Stel­len­aus­schrei­bung des Be­klag­ten vom 30.11.2006 soll­te der Be­wer­ber oder die Be­wer­be­rin „über ein ab­ge­schlos­se­nes Stu­di­um der So­zi­al­wis­sen­schaft/So­zi­alpädago­gik (o.Ä.)“ verfügen. Der re­la­ti­vie­ren­de Klam­mer­zu­satz „o.Ä.“ be­zieht sich er­sicht­lich nicht auf die Vor­aus­set­zung ei­nes Hoch­schul­stu­di­ums an sich, son­dern auf die an­ge­ge­be­ne Fach­rich­tung des­sel­ben. Dies er­gibt sich aus der Stel­lung des Zu­sat­zes nach der An­ga­be der gewünsch­ten Fach­rich­tun­gen. Zu­dem wur­de mit der Stel­len­aus­schrei­bung aus­drück­lich ei­ne So­zi­alpädago­gin
oder ein So­zi­alpädago­ge ge­sucht. Die Kläge­rin hat aus­weis­lich des ih­rer Be­wer­bung bei­gefügten Le­bens­laufs we­der ein Hoch­schul­stu­di­um ab­sol­viert noch be­sitzt sie die Hoch­schul­rei­fe. Sie ist nicht So­zi­alpädago­gin, son­dern aus­ge­bil­de­te Rei­se­ver­kehrs­kauf­frau. Die Qua­li­fi­ka­ti­on der Kläge­rin weicht da­mit in ih­ren Grund­vor­aus­set­zun­gen so er­heb­lich von den aus­ge­schrie­be­nen Ein­stel­lungs­kri­te­ri­en ab, dass von ei­ner ob­jek­ti­ven Eig­nung auch un­ge­ach­tet der sons­ti­gen in den letz­ten Jah­ren er­wor­be­nen Qua­li­fi­ka­tio­nen der Kläge­rin für die The­men­be­rei­che Mi­gra­ti­on, Ar­beits­markt und In­ter­kul­tu­ra­lität nicht die Re­de sein kann. Auch können die­se Qua­li­fi­ka­tio­nen, die sich aus­weis­lich des von der Kläge­rin zur Ak­te ge­reich­ten Le­bens­lau­fes im We­sent­li­chen auf meh­re­re Wei­ter­bil­dun­gen von je­weils ma­xi­mal ein­mo­na­ti­ger Dau­er und ei­ne einjähri­ge Tätig­keit als Teil­zeit­mit­ar­bei­te­rin im Rah­men ei­nes Teil­pro­jek­tes der Equal-Part­ner­schaft so­wie ei­ne vier­mo­na­ti­ge Tätig­keit als Re­fe­ren­tin für Mi­gra­ti­ons­po­li­tik be­schränken, ein ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um nicht er­set­zen. An­ge­sichts des aus der Stel­len­aus­schrei­bung er­sicht­li­chen Tätig­keits­be­reichs des ein­zu­stel­len­den Mit­ar­bei­ters ist zu­dem die For­de­rung nach ei­nem ab­ge­schlos­se­nen Hoch­schul­stu­di­um nicht willkürlich.
Ent­ge­gen der von der Kläge­rin ver­tre­te­nen Auf­fas­sung ist das Vor­brin­gen des Be­klag­ten zur feh­len­den ob­jek­ti­ven Eig­nung der Kläge­rin nicht ver­spätet. Ab­ge­se­hen da­von, dass durch die­ses Vor­brin­gen ei­ne Verzöge­rung der Ent­schei­dung des Rechts­streits nicht ein­ge­tre­ten ist und schon aus die­sem Grund ei­ne Zurück­wei­sung nicht möglich ist, kam es auf die­ses Vor­brin­gen letzt­lich gar nicht an, denn die Kla­ge war von vorn­her­ein an­ge­sichts der großen Dis­kre­panz zwi­schen dem in der Stel­len­aus­schrei­bung ge­nann­ten An­for­de­rungs­pro­fil und den be­ruf­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen der Kläge­rin nicht schlüssig. Die Kläge­rin hat sich in­so­fern dar­auf be­schränkt, in der Kla­ge­schrift aus­zuführen, sie verfüge zwar nicht über ein ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um, sei je­doch in al­len sons­ti­gen An­for­de­run­gen weit über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­ziert. Wor­aus sich die­se weit über­durch­schnitt­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on er­ge­ben soll, hat sie je­doch in kei­ner Wei­se dar­ge­legt. Erst recht hat sie nicht dar­ge­legt, dass sie über Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten verfügte, die den durch ein ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um ver­mit­tel­ten entsprächen.
An­ders als die Kläge­rin meint, kommt es auch nicht dar­auf an, ob die vom Be­klag­ten auf­ge­stell­ten An­for­de­run­gen ob­jek­tiv er­for­der­lich wa­ren. Es un­ter­liegt al­lein der Or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­walt des Ar­beit­ge­bers fest­zu­le­gen, wel­che Funk­tio­nen in­ner­halb des Be­trie­bes der In­ha­ber ei­ner be­stimm­ten Stel­le zu erfüllen hat und wel­che An­for­de­run­gen er an den In­ha­ber ei­ner be­stimm­ten Stel­le oder den Be­wer­ber für ei­ne be­stimm­te Stel­le stel­len will. Dann ist es aber al­lein auch Sa­che des Ar­beit­ge­bers, in ei­ner Stel­len­aus­schrei­bung die­je­ni­gen An­for­de­run­gen zu be­stim­men, die ein Be­wer­ber für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le erfüllen muss (BAG vom 23.02.1998 – 1 ABR 82/86, AP Nr. 2 zu § 93 Be­trVG 1972, zi­tiert nach ju­ris).
Es ist auch nicht fest­zu­stel­len, dass sich der Be­klag­te im vor­lie­gen­den Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren nicht an das von ihm auf­ge­stell­te An­for­de­rungs­pro­fil ge­hal­ten hätte. Für den Fall, dass ei­ne Be­wer­be­rin oder ein Be­wer­ber ein­ge­stellt wor­den wäre, der eben­falls nicht über das in der Stel­len­aus­schrei­bung vor­aus­ge­setz­te ab­ge­schlos­se­ne Hoch­schul­stu­di­um verfügte, müss­te sich der Be­klag­te vor­hal­ten las­sen, dass er selbst of­fen­bar die An­for­de­rung nicht als we­sent­lich oder un­ab­ding­bar an­ge­se­hen hat. Dann könn­te die­ses Merk­mal bzw. des­sen Nich­terfüllung durch die Kläge­rin auch nicht als ent­schei­den­der Maßstab für die Be­ur­tei­lung der ob­jek­ti­ven Eig­nung her­an­ge­zo­gen wer­den. Un­strei­tig be­saß die nach Ab­schluss des Aus­wahl­ver­fah­rens ein­ge­stell­te Mit­ar­bei­te­rin ein Di­plom im Fach So­zi­al­wis­sen­schaf­ten, hat al­so ein Hoch­schul­stu­di­um ab­ge­schlos­sen. Der Be­klag­te hat sich bei der tatsächli­chen Stel­len­be­set­zung so­mit an das von ihm auf­ge­stell­te An­for­de­rungs­pro­fil ge­hal­ten.
Man­gels ob­jek­ti­ver Eig­nung konn­te die Kläge­rin da­her bei der Stel­len­be­set­zung nicht be­nach­tei­ligt wer­den.
Dem steht nicht ent­ge­gen, dass sich die Mit­ar­bei­te­rin des Be­klag­ten, Frau K., nach Ein­gang des Be­wer­bungs­schrei­bens te­le­fo­nisch bei der Kläge­rin mel­de­te und nach der Kir­chen­zu­gehörig­keit er­kun­dig­te. Die die­ses Gespräch ein­lei­ten­de Be­mer­kung der Frau K., dass die Be­wer­bung der Kläge­rin sehr in­ter­es­sant sei, ist kein aus­rei­chen­des In­diz für die Be­reit­schaft des Be­klag­ten, von den auf­ge¬stell­ten Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen ab­wei­chen zu wol­len. Der­ar­ti­ge For­mu­lie­run­gen sind im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Be­wer­bungs­ver­fah­ren übli­che ein­lei­ten­de Höflich­keits­flos­keln oh­ne kon­kre­ten Aus­sa­ge­ge­halt oder gar Bin­dungs­wil­len. Dafür, dass dies im vor­lie­gen­den Fall an­ders ge­we­sen wäre, ist nichts er­sicht­lich. Auch die Fra­ge da­nach, ob die Kläge­rin sich ei­nen Ein­tritt in die Kir­che vor­stel­len könne, sagt nichts darüber aus, dass der Be­klag­te be­reit ge­we­sen wäre, in die­sem Fal­le von den von ihm auf­ge­stell­ten fach­li­chen Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen ab­zu­se­hen. Da nicht Frau K., son­dern un­strei­tig Herr Dr. H. die Aus­wah­l­ent­schei­dung traf, kommt es nicht dar­auf an, wel­che Vor­stel­lun­gen Frau K. mögli­cher­wei­se darüber hat­te, ob sich die Ein­stel­lungs­chan­cen der Kläge­rin durch ei­ne Kir­chen­zu­gehörig­keit erhöhten.
2. So­weit die Kläge­rin in der Be­ru­fungs­in­stanz gel­tend macht, auch dann, wenn der Be­klag­te ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen der Re­li­gi­on nur „vor­ge­spie­gelt“ ha­be, sei ihr ein vom Be­klag­ten aus­zu­glei­chen­der im­ma­te­ri­el­ler Scha­den ent­stan­den, fin­det dies im Ge­setz kei­ne Stütze. Ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch gewährt § 15 Abs. 2 AGG nur bei ei­nem Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot. Ein sol­cher Ver­s­toß schei­det hier, wie vor­ste­hend aus­geführt, aus.
Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 91 Abs. 1 ZPO i.V.m. § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG.
Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on war nicht ver­an­lasst, da die hierfür gemäß § 72 Abs. 2 ArbGG er­for­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nicht vor­lie­gen.
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