Source: https://www.rechteasy.at/wiki/einkuenfte-aus-land-und-forstwirtschaft/
Timestamp: 2020-07-12 09:17:41
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Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 22', '§ 23', '§ 125', '§ 17', '§ 23', '§ 4', '§ 128', '§ 4', '§ 4', '§ 125', '§ 30', '§ 23']

Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft (Definition Österreich) - RechtEasy.at
Steuerrecht Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
Die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft gehören in Österreich zu den betrieblichen Einkunftsarten. Dazu zählen die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft (§ 21 EStG), Einkünfte aus selbständiger Arbeit (§ 22 EStG) und Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 23 EStG). Das Einkommensteuergesetz (EStG) ist anzuwenden und im Speziellen die Randziffern (Rz) 5001 bis 5188 der Einkommensteuerrichtlinien 2000.
Die Definition durch den Verwaltungsgerichtshof lautet: „In der Einkunftsart Land- und Forstwirtschaft werden Erträge aus der Erzeugung von pflanzlichen und tierischen Produkten mit Hilfe der Naturkräfte erfasst. Es muss ein Mindestmaß an Beziehung zum Grund und Boden gegeben sein.“ (VwGH 19. März 1985, 84/14/0139)
Die Erträge von Nebenbetrieben (Substanzbetriebe, z. B. Schotterabbau, und Verwertungsbetrieben, z. B. Sägewerke) sind ebenfalls den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft zuzurechnen, wenn dabei die jährlichen Einnahmen 33.000 € inkl. USt. nicht übersteigen. Auch andere Nebentätigkeiten (z. B. Holzschlägerung für Dritte, Schneeräumung als Dienstleister etc.) müssen hier angerechnet werden – übersteigen die jährlichen Gesamteinnahmen die Grenze von 33.000 €, liegen vom ersten Euro an Einkünfte aus Gewerbebetriebvor.
Am häufigsten wird der Einheitswert des Betriebes als Berechnungsgrundlage verwendet. Der Einheitswert wird um die Verpachtungen vermindert und um die Zupachtungen erhöht. Je nach Höhe des Einheitswertes werden verschiedene Formen der Veranlagung gewählt:
Damit die Pauschalierungsmethoden angewendet werden dürfen darf der Vorjahresumsatz 220.000 Euro (bei Forstwirtschaft 250.000 Euro) nicht übersteigen. Der Steuerpflichtige hat eine Gewinnermittlungsart für den gesamten Betrieb zu wählen. Die PauschVO 2011 ist anzuwenden.
Ist der Einheitswert kleinergleich 100.000 Euro und besteht keine Buchführungspflicht nach § 125 BAO und werden auch nicht freiwillig Bücher geführt, dann steht dem Steuerpflichtigen die Möglichkeit der Vollpauschalierung nach § 17(4) EStG zu. Werden die Voraussetzungen erfüllt, so kann der land- und forstwirtschaftliche Betrieb den Durchschnittsatz von 39 % des maßgebenden Einheitswertes als Gewinn ansetzen. Die Betriebseinnahmen und -ausgaben sind bei dieser Form grundsätzlich unbedeutend. Zusätzliche pauschale Ausgaben, die geltend gemacht werden können, sind:
Befindet sich der Einheitswert zwischen 100.000 und 150.000 Euro kann die Teilpauschalierung angewendet werden. Das gilt auch für land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit Option auf die sozialversicherungsrechtliche Beitragsgrundlage nach § 23(1a) Bauernsozialversicherungsgesetz bei einem Einheitswert unter 100.000 Euro, und wenn der reine forstwirtschaftliche Einheitswert 11.000 Euro übersteigt. Treffen diese Voraussetzungen zu, wird der Gewinn nach § 4(3) EStG Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ermittelt, d. h. die Berechnungsgrundlage wird der Umsatz der sich aus den aufzuzeichnenden Betriebseinnahmen bildet. Der Steuerpflichtige kann 70 % seiner tatsächlichen Betriebseinnahmen als Betriebsausgaben ansetzen.
Ausgaben für den Eingang an Waren und Rohstoffen laut § 128 BAO,
Ausgaben für Löhne (inkl. Lohnnebenkosten) soweit diese unmittelbar dem Betriebsgegenstand zurechbar sind
Beiträge im Sinne des § 4 Abs. 4 Z 1 (Sozialversicherungsaufwendungen)
Wechselt der Steuerpflichtige von der pauschalen Angabe der Betriebsausgaben zum Einzelnachweis, so hat er diese Form für mindestens fünf Wirtschaftsjahre beizubehalten.
Der Steuerpflichtige kann von der Vollpauschalierung auf die Teilpauschalierung optieren, ist jedoch auch hier wieder für fünf Wirtschaftsjahre an diese Entscheidung gebunden. Steuerberater empfehlen vor jeder Veranlagung die Pauschalierungsoptionen durchzurechnen.
Übersteigt der Einheitswert 150.000 Euro oder übersteigt der Umsatz in zwei aufeinanderfolgenden Kalenderjahren 400.000 Euro so ist eine Gewinnermittlung nach § 4(1) EStG durchzuführen. § 125 BAO Steuerpflichtige die zur Buchführung verpflichtet sind, oder dies freiwillig tun, dürfen ein vom Kalenderjahr abweichendes Wirtschaftsjahr beantragen.
Werden im Rahmen eines landwirtschaftlichen Hauptbetriebes auch Umsätze aus zugekauften Erzeugnissen erzielt, so ist ein einheitlicher landwirtschaftlicher Betrieb auch dann anzunehmen, wenn der Einkaufswert des Zukaufes fremder Erzeugnisse nicht mehr als 25 % des Umsatzes dieses Betriebes beträgt. § 30(9) BewG Übersteigt der Wert 25 % liegen Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb nach § 23 EStG vor. Gleiches gilt für zugekaufte Urprodukte (Direktvermarkter).
Abgrenzungsprobleme ergeben sich durch das Vermieten von Gästezimmer, etwaigen Nebenbetrieben (z. B.: Sägewerk, Sennerei) und die gewerbliche Tierhaltung.
Werner Doralt/Hans Georg Ruppe: Steuerrecht. Bd. I. 10. Aufl. Verlag Manz, Wien 2012 ISBN 978-3-214-05121-1 S. 40.
BMF: Einkommensteuerrichtlinie 2000, Rz 4142
BMF: Einkommensteuerrichtlinie 2000, Rz 4102
BMF: Einkommensteuerrichtlinie 2000, Rz 5027
BGBl. II Nr. 471/2010: PauschVO 2011
BMF: Einkommensteuerrichtlinie 2000, Rz 4140
BMF: Einkommensteuerrichtlinie 2000, Rz 4147
BMF: Einkommensteuerrichtlinie 2000, Rz 4166
BMF: Einkommensteuerrichtlinie 2000, Rz 4117 ff
BMF: Einkommensteuerrichtlinie 2000, Rz 4119 ff
BMF: Einkommensteuerrichtlinie 2000, Rz 4126 ff
BMF: Einkommensteuerrichtlinie 2000, Rz 4133
BKS-Steuerberatung, LuF PauschVO 2011 – LuF PauschVO 2006 – eine Gegenüberstellung: Was ist neu?
Memento vom 22. Januar 2011 im Internet Archive)
Marian Wakounig, Franz Labner: Einkommensteuer, LexisNexis, Wien 2008, ISBN 978-3-7007-3927-2, S. 70
BMF: Einkommensteuerrichtlinie 2000, Rz 5061
BMF: Einkommensteuerrichtlinie 2000, Rz 5045 ff
http://de.wikipedia.org/wiki/Eink%C3%BCnfte_aus_Land-_und_Forstwirtschaft_(%C3%96sterreich) 21.11.2018
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