Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/online-flugreisebuchung-reiseruecktrittsversicherung-3119668
Timestamp: 2019-12-05 22:36:44
Document Index: 215458327

Matched Legal Cases: ['Art. 23', '§ 3', '§ 4', 'Art. 23', '§ 152', 'BGH', 'Art. 23', 'BGH', 'Art. 23', 'BGH', 'EuG', 'BGH']

Online-Flug­rei­se­bu­chung – und die zu pene­trant ange­bo­te­ne Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung | Rechtslupe
Online-Flugreisebuchung - und die zu penetrant angebotene Reiserücktrittsversicherung
Online-Flug­rei­se­bu­chung – und die zu pene­trant ange­bo­te­ne Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung
In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall erfolg­te der Buchungs­ab­lauf der­art, dass die Buchung eines Flu­ges nur fort­ge­setzt wer­den kann, wenn der Besu­cher des Por­tals in dem Block unter der Über­schrift "Wir emp­feh­len den Abschluss einer Rei­se­ver­si­che­rung" sich durch Ankli­cken für eine der drei Mög­lich­kei­ten ent­schei­det:
"Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung",
"Rei­se­schutzund Rück­tritts­ver­si­che­rung",
"Ich ver­zich­te aus­drück­lich auf den ange­bo­te­nen Rei­se­schutz und zah­le im Not­fall alle Kos­ten selbst".
Ent­schei­det sich der Nut­zer durch Ankli­cken für die letz­te Mög­lich­keit, erscheint ein Fens­ter mit der Über­schrift "Sie haben sich ent­schie­den, ohne Ver­si­che­rung zu ver­rei­sen". In dem Fens­ter wird der Buchungs­in­ter­es­sent dar­auf hin­ge­wie­sen, dass bei einer Stor­nie­rung durch­schnitt­lich Kos­ten in Höhe von 275 € anfal­len, in eini­gen Fäl­len aber auch deut­lich mehr. Fer­ner weist die Port­al­be­trei­be­rin noch­mals auf die für 9 € erhält­li­che Rei­se­ver­si­che­rung hin. Ein oran­ge unter­leg­tes Feld rechts unten trägt die Auf­schrift "Wei­ter Ich möch­te abge­si­chert sein" . Links befin­det sich das nicht farb­lich unter­leg­te und in klei­ne­rer Schrift gehal­te­ne Feld "Wei­ter ohne Ver­si­che­rung" .
Nach Art. 23 Abs. 1 Satz 4 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1008/​2008 müs­sen beim Ange­bot von inner­ge­mein­schaft­li­chen Flug­diens­ten fakul­ta­ti­ve Zusatz­kos­ten zum einen auf kla­re, trans­pa­ren­te und ein­deu­ti­ge Art und Wei­se am Beginn jedes Buchungs­vor­gangs mit­ge­teilt wer­den. Außer­dem darf die Annah­me die­ser fakul­ta­ti­ven Zusatz­kos­ten durch den Kun­den nur auf Grund­la­ge eines "Optin"-Verfahrens erfol­gen. Die­se Vor­schrift stellt eine Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung im Sin­ne von § 3a UWG (bis 9.12 2015: § 4 Nr. 11 UWG aF) dar 4.
Nach den Fest­stel­lun­gen des Kam­mer­ge­richts 5 erscheint nach dem Ankli­cken der Aus­wahl­mög­lich­keit mit dem Inhalt "Ich ver­zich­te aus­drück­lich auf den ange­bo­te­nen Ver­si­che­rungs­schutz und zah­le im Not­fall alle Kos­ten selbst" das Fens­ter mit der Über­schrift "Sie haben sich ent­schie­den, ohne Ver­si­che­rung zu ver­rei­sen". Das Kam­mer­ge­richt hat ange­nom­men, das in die­sem Fens­ter vor­ge­se­he­ne Feld "Wei­ter – ich möch­te abge­si­chert sein" sei auf­grund der gra­fi­schen und farb­li­chen Gestal­tung erheb­lich augen­fäl­li­ger als die Schalt­flä­che, die eine Fort­set­zung des Buchungs­vor­gangs ohne Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung ermög­li­che. Sei­ne Gestal­tung und Anord­nung an der rech­ten unte­ren Sei­te des Fens­ters ver­lei­te­ten den Ver­brau­cher dazu, es in der Annah­me anzu­kli­cken, er set­ze die Buchung – wie von ihm bereits zuvor gewählt – ohne Ver­si­che­rung fort. Auf die­ser Grund­la­ge gelangt das Kam­mer­ge­richt zu dem Ergeb­nis, es han­de­le sich um eine Vor­ein­stel­lung des Ver­si­che­rungs­schut­zes und nicht um ein Ver­fah­ren auf "Optin"-Basis.
Die­se Beur­tei­lung hält der recht­li­chen Nach­prü­fung im Ergeb­nis stand. Ob es sich aller­dings – wie das Kam­mer­ge­richt ange­nom­men hat – um einen Ver­stoß gegen das Erfor­der­nis eines "Optin"-Verfahrens han­delt, kann offen­blei­ben. Jeden­falls steht die Mit­tei­lung der Kos­ten der Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung in der ange­grif­fe­nen Gestal­tung des Buchungs­vor­gangs nicht im Ein­klang mit dem eben­falls in Art. 23 Abs. 1 Satz 4 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1008/​2008 vor­ge­se­he­nen Gebot der Klar­heit, Trans­pa­renz und Ein­deu­tig­keit.
Steu­er 0,- € – und der Ver­spä­tungs­zu­schlag Die Fest­set­zung eines Ver­spä­tungs­zu­schlags gemäß § 152 AO ist nicht zuläs­sig, wenn die Steu­er­erklä­rung, wegen deren ver­spä­te­ter Abga­be ein Ver­spä­tungs­zu­schlag fest­ge­setzt wer­den soll, zu einer…
vgl. BGH, Beschluss vom 25.10.2012 – I ZR 81/​11, K&R 2013, 200 Rn. 9 "Optout"-Verfahren; vgl. fer­ner – zu Art. 23 Abs. 1 Satz 2 die­ser Ver­ord­nung – BGH, Urteil vom 30.07.2015 – I ZR 29/​12, GRUR 2016, 392 Rn. 15 = WRP 2016, 467 – Buchungs­sys­tem II, sowie – zu Art. 23 Abs. 1 Satz 3 die­ser Ver­ord­nung – BGH, Beschluss vom 21.04.2016 – I ZR 220/​14, GRUR 2016, 716 Rn. 16 = WRP 2016, 834 – Flug­prei­se[↩]
KG, Urteil vom 21.07.2015 – 5 U 114/​14, BeckRS 2015, 15733[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 19.07.2012 – C112/​11, NJW 2012, 2867 Rn. 14, 17 und 20 – ebookers.com/Ver­brau­cher­zen­tra­le; BGH, K&R 2013, 200 Rn. 10 – "Optout"-Verfahren[↩]
vgl. OLG Frank­furt/​Main, GRUR 2015, 400[↩]