Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/versicherungsrecht/rechtsschutzversicherung-und-der-streit-um-die-gebuehrenhoehe-3101849?pk_campaign=feed&pk_kwd=rechtsschutzversicherung-und-der-streit-um-die-gebuehrenhoehe
Timestamp: 2019-10-19 19:41:08
Document Index: 7346608

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 128', '§ 128', '§ 5', '§ 5', 'BGH', 'BGH']

Dies ergibt sich aus einer Aus­le­gung der Nor­men. Bei­de spre­chen davon, dass der Ver­si­che­rer sei­ne Leis­tungs­pflicht ver­neint; inhalt­lich bezie­hen sie sich auf die Inter­es­sen­wahr­neh­mung sowie auf Erfolgs­aus­sicht und Mut­wil­lig­keit. Die Über­schrift von § 17 ARB nennt aus­drück­lich die Prü­fung der Erfolgs­aus­sich­ten. Bei­de Bestim­mun­gen betref­fen damit die Fra­ge, ob die Rechts­ver­fol­gung als sol­che Aus­sicht auf Erfolg hat oder mut­wil­lig ist 1. Dar­um geht es im Streit­fall nicht. Viel­mehr strei­ten die Par­tei­en dar­um, ob die auf­grund der Ein­lei­tung des Güte­ver­fah­rens ent­stan­de­nen Anwalts­kos­ten bei von der Beklag­ten aner­kann­ter Pflicht, Ver­si­che­rungs­schutz zu gewäh­ren not­wen­dig waren oder die hier­durch ent­stan­de­nen Kos­ten bei einem kos­ten­spa­ren­den Vor­ge­hen ver­meid­bar gewe­sen wären.
Die Fra­ge, ob und in wel­cher Höhe die vom Ver­si­che­rer nach § 2 Abs. 1 a ARB 75 zu tra­gen­de gesetz­li­che Ver­gü­tung des Rechts­an­walts ent­stan­den ist und ob dem Ver­gü­tungs­an­spruch des Rechts­an­walts Ein­re­den ent­ge­gen­ste­hen, rich­tet sich wie auch ein durch­schnitt­li­cher Ver­si­che­rungs­neh­mer erkennt nicht nach dem Rechts­ver­hält­nis zwi­schen Ver­si­che­rer und Ver­si­che­rungs­neh­mer, son­dern aus­schließ­lich nach dem Man­dats­ver­hält­nis zwi­schen Rechts­an­walt und Ver­si­che­rungs­neh­mer. Über die Höhe der gesetz­li­chen Ver­gü­tung eines für den Ver­si­che­rungs­neh­mer täti­gen Rechts­an­walts nach § 2 Abs. 1 a ARB 75 kann ver­bind­lich nur im Ver­hält­nis zwi­schen Anwalt und Ver­si­che­rungs­neh­mer ent­schie­den wer­den 2. Dies ist auch erfor­der­lich und gebo­ten, wenn Streit besteht, ob die Gebüh­ren­for­de­rung des Anwalts berech­tigt ist, weil der Ver­si­che­rer in § 2 Abs. 1 a ARB 75 nur ver­spricht, sol­che gesetz­li­chen Gebüh­ren zu tra­gen, die tat­säch­lich ent­stan­den sind. Ein Urteil im Pro­zess zwi­schen Ver­si­che­rungs­neh­mer und Ver­si­che­rer bin­det den Anwalt nach all­ge­mei­ner Mei­nung nicht 3. Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te wäre also trotz eines kla­ge­ab­wei­sen­den Urteils in jenem Pro­zess nicht gehin­dert, sei­ne Gebüh­ren­for­de­run­gen in einem Pro­zess gegen sei­nen Man­dan­ten durch­zu­set­zen. Die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen geben einem durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mer kei­nen Anhalts­punkt, auf­grund des­sen er erwar­ten könn­te, dass ein Rechts­streit mit dem Ver­si­che­rer Bin­dungs­wir­kung für das Man­dats­ver­hält­nis haben könn­te. Gegen­stand der Deckungs­kla­ge ist grund­sätz­lich nur die Fra­ge, ob der Ver­si­che­rer für den betref­fen­den Vor­gang bzw. das jewei­li­ge Ver­fah­ren Deckungs­schutz zu gewäh­ren hat.
Der durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer erkennt daher, dass stets dann, wenn der Ver­si­che­rer ein­wen­det, die vom Rechts­an­walt gefor­der­te Ver­gü­tung ste­he die­sem nicht zu, dies ver­bind­lich nur in einem Rechts­streit mit dem Anwalt ent­schie­den wer­den kann. Ihm ist klar, dass gebüh­ren­recht­li­che Fra­gen nicht Gegen­stand des Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­ses sind. Bestrei­tet der Ver­si­che­rer, dass die Gebüh­ren­for­de­rung des Rechts­an­walts berech­tigt ist, ist dies im Man­dats­ver­hält­nis zu klä­ren. Ist der Ver­si­che­rer nicht bereit, die Gebüh­ren­for­de­rung zu bezah­len, ist er ver­pflich­tet, dem Ver­si­che­rungs­neh­mer Kos­ten­schutz für einen etwai­gen Gebüh­ren­pro­zess zu gewäh­ren 4; eine im Man­dats­ver­hält­nis ergan­ge­ne Ent­schei­dung über die Gebüh­ren­an­sprü­che des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten bin­det den Ver­si­che­rer. Nach dem Ver­ständ­nis des durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mers ist inso­weit ent­schei­dend, dass das vom Ver­si­che­rer geschul­de­te Ergeb­nis – Befrei­ung von der Ver­bind­lich­keit – ein­tritt 5.
vgl. Arm­brüs­ter in Prölss/​Martin, VVG 29. Aufl. § 1 ARB 2010 Rn. 14; Münch­Komm-VVG/Rich­ter, § 128 Rn. 13; Harbauer/​Bauer, Rechts­schutz­ver­si­che­rung 8. Aufl. § 128 VVG Rn. 5[↩]
LG Trier r+s 1988, 16, 17[↩]
LG Trier r+s 1988, 16, 17 f.; Harbauer/​Bauer aaO § 5 ARB 2000 Rn. 99; Arm­brüs­ter in Prölss/​Martin, VVG 29. Aufl. § 5 ARB 2010 Rn.20[↩]
Wendt, r+s 2010, 221, 229[↩]
BGH, Urteil vom 16.07.2014 – IV ZR 88/​13, BGHZ 202, 122 Rn. 27 m.w.N.[↩]