Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/2/2223.htm
Timestamp: 2018-12-11 20:56:35
Document Index: 45669359

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 2', '§ 5', '§4', '§ 4', '§ 4', '§ 64', '§ 4', '§ 5']

2.223 Schreckberg
Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet »Schreckberg« (Große Kreisstadt Mosbach, Gemarkung Diedesheim, Neckar-Odenwald-Kreis) vom 24. Juli 2002 (GBl. v. 11.11.2002, S. 408).
Auf Grund der §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GB1. S. 385) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Großen Kreisstadt Mosbach, Gemarkung Diedesheim, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Schreckberg«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 16ha.
(2) Es liegt nördlich von Diedesheim an einem steilen Prallhang des Neckars. Erfasst sind im wesentlichen die Gewanne »Schreckberg« und »Schafpfad« auf Gemarkung Diedesheim, Stadt Mosbach. Im Südwesten folgt die Gebietsabgrenzung überwiegend dem in der Hangmitte gelegenen Weg (Flst. Nr. 607), lediglich im nördlichen Bereich erstreckt sich das Schutzgebiet bis zum Unterhang (bis zum Weg, Flst. Nr. 728). Die nordöstliche Grenze wird von der Hangoberkante gebildet. Im Norden wird das Gebiet durch einen Weg (Flst. Nr. 940), im Süden durch die Bebauung von Diedesheim begrenzt.
(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe, beim Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis in Mosbach und bei der Großen Kreisstadt Mosbach als untere Verwaltungsbehörde auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
(1) Wesentlicher Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung, Förderung und Pflege des nach Südwesten exponierten Muschelkalksteilhangs am Neckar in seiner Eigenart und Schönheit. Die hohe Struktur- und Lebensraumvielfalt und das überregional bedeutende Arteninventar dieses ehemaligen Weinbergs gilt es zu bewahren.
(2) Schutzzweck ist insbesondere die Erhaltung und Entwicklung
- des reichstrukturierten Lebensraummosaiks aus Mager- und Trockenrasen, Muschelkalkbänken, mageren orchideenreichen Streuobstwiesen, Kleingewässern (Kalktuffquelle, naturnaher Bachlauf), Trockenmauern, Sukzessionswäldern, wärmeliebender Gebüsch- und Saumvegetation und alten Obst- und Eichen-Baumbeständen mit Totholz und Baumhöhlen;
- des faunistischen und floristischen Inventars, insbesondere der Vorkommen seltener und gefährdeter Pflanzenarten. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die zahlreichen Orchideen- und Moosarten, die Artenvielfalt der Heuschrecken und Tagfalter sowie die Vorkommen gefährdeter Vogelarten;
- des Trockengebiets als Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 (Teil des Natura-2000-Ge-bietes »Wälder bei Mosbach«) mit prioritären natürlichen Lebensräumen;
- der in exponierter Lage am Neckar gelegenen Landschaft mit ihren durch traditionelle Nutzung entstandenen Offenlandbiotopen und Kleinstrukturen.
3. Trockenmauern entgegen dem Schutzzweck zu beeinträchtigen, insbesondere durch Zerstörung, Beseitigung oder unsachgemäße Reparatur;
4. den vorhandenen Obstbaumbestand zu verändern; die Entnahme einzelner abgängiger Bäume bleibt bei entsprechenden Neu- und Nachpflanzungen zulässig;
6. Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen, anzuwenden;
7. Düngemittel zu verwenden.
(5) fehlt (Anm. LfU).
2. die Wege zu befahren; zulässig sind Fahrräder auf Wegen über zwei Metern Breite;
3. das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen mit Krankenfahrstühlen oder zur Bewirtschaftung der im Schutzgebiet gelegenen Grundstücke für die in § 5 Abs. 4 aufgeführten Nutzungen, Unterhaltungs- sowie Instandsetzungsmaßnahmen;
4. außerhalb befestigter Wege zu reiten;
7. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleichtflugzeuge, Sprungfallschirme) und Freiballonen sowie das Betreiben von Flugmodellen.
(1) Abweichend von §4 ist es zulässig, die landwirtschaftliche Nutzung auszuüben, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang ordnungsgemäß im Sinne der gesetzlichen Vorgaben erfolgt, dabei den Boden pflegt, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Diese Regelung gilt auch für Personen, die nicht Inhaber eines landwirtschaftlichen Betriebes sind.
1.die Bodengestalt nicht verändert wird, insbesondere durch Abgrabungen, Aufschüttungen oder Bohrungen;
4. eine Wiederbepflanzung mit Reben nur auf Flächen des Rebaufbauplans erfolgt und die Übertragung von Wiederbepflanzungsrechten im Einzelfall im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe festgelegt wird;
5. die Bewirtschaftung der Rebflächen nach guter fachlicher Praxis erfolgt;
6. Feldraine, Hecken, Gebüsche und Bäume nicht beeinträchtigt werden;
7. Tothölzer, Höhlenbäume oder Horstbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten bleiben;
8. der vorhandene Obstbaumbestand erhalten bleibt, wobei die Entnahme einzelner abgängiger Bäume bei entsprechender Neu- und Nachpflanzung zulässig ist.
Das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufzunehmen, die auf Grund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stilllegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben war, bleibt unter den oben genannten Voraussetzungen unberührt.
(2) Abweichend von § 4 ist es zulässig, die forstwirtschaftliche Nutzung auszuüben, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang ordnungsgemäß erfolgt und Ziele des Naturschutzgesetzes sowie den Schutzzweck berücksichtigt. Voraussetzung ist weiter, dass Tothölzer, Höhlenbäume und Horstbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten bleiben.
(3) Abweichend von § 4 ist es zulässig, die Jagd auszuüben, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne der gesetzlichen Vorgaben erfolgt.
1. Hochsitze nur außerhalb von trittempfindlichen Bereichen und nur landschaftsgerecht, d.h. an der Ostgrenze des Naturschutzgebietes in die dortige Gebüschkulisse eingepasst, errichtet werden;
2. keine Wildäcker, Futterstellen oder Kirrungen angelegt werden;
3. für die Verjüngung der vorkommenden Waldgesellschaften angepasste Wildbestände angestrebt werden;
(4) Unberührt bleiben auch sonstige bisher rechtmäßig ausgeübte Nutzungen der Grundstücke (z.B. aufgrund bestehender luftrechtlicher Erlaubnisse) und Gewässer und die Nutzungen der rechtmäßig bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und deren Unterhaltung und Instandsetzung. Zulässig sind außerdem rechtmäßig ausgeführte Maßnahmen und Nutzungsänderungen, die zur Erhaltung, Verbesserung oder Wiederherstellung des Schutzgebietes im Sinne des Schutzzwecks führen, wenn sie im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde oder einer von ihr beauftragten Stelle veranlasst werden.
Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. l Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene oder nach § 5 in die Verbote einbezogene Handlungen vornimmt.
karlsruhe, den 24. Juli 2002