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Timestamp: 2020-07-08 22:38:43
Document Index: 179114523

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 138', '§ 8', '§ 138', '§ 8', '§ 8', 'Art. 100']

Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer verfassungswidrig? | Rechtslupe
Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer verfassungswidrig?
Bemes­sungs­grund­la­ge für die Grund­er­werb­steu­er ver­fas­sungs­wid­rig?
Der Bun­des­fi­nanz­hof hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen jetzt förm­lich auf­ge­for­dert, einem Revi­si­ons­ver­fah­ren zur Grund­er­werb­steu­er bei­zu­tre­ten, in dem die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Grund­be­sitz­be­wer­tung zu prü­fen ist. Auf dem Prüf­stand steht frei­lich nicht die Grund­er­werb­steu­er an sich, son­dern nur die Bestim­mung der Bemes­sungs­grund­la­ge für eine bestimm­te Fall­ge­stal­tung, in der nicht unmit­tel­bar ein Grund­stück erwor­ben wird, son­dern Antei­le an einer Grund­be­sitz­ge­sell­schaft:
In dem Ver­fah­ren ist zu ent­schei­den, inwie­weit für den Erwerb der gesam­ten Antei­le an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft mit Grund­be­sitz Grund­er­werb­steu­er fest­zu­set­zen ist. Nach § 8 Abs. 2 Nr. 3 des Grund­er­werb­steu­er­ge­set­zes bemisst sich die Grund­er­werb­steu­er u.a. bei steu­er­pflich­ti­gen Anteils­ver­ei­ni­gun­gen und ‑erwer­ben nicht nach dem Wert der Gegen­leis­tung (Regel­be­mes­sungs­grund­la­ge); viel­mehr wer­den für die­se Fäl­le die vom Finanz­amt geson­dert fest­zu­stel­len­den Grund­be­sitz­wer­te nach §§ 138 ff. des Bewer­tungs­ge­set­zes, wie sie vor dem 1. Janu­ar 2009 auch für die Erb­schaft­steu­er maß­geb­lich waren, als Steu­er­be­mes­sungs­grund­la­ge her­an­ge­zo­gen.
Die­se Grund­be­sitz­be­wer­tung hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Novem­ber 2006 in einem zur Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er ergan­ge­nen Beschluss [1] in umfas­sen­der Wei­se als ver­fas­sungs­wid­rig bean­stan­det. Es hat ins­be­son­de­re fest­ge­stellt, dass die Grund­be­sitz­wer­te für bebau­te Grund­stü­cke zwi­schen weni­ger als 20% und über 100% des gemei­nen Werts lie­gen und somit eine so gro­ße Streu­brei­te auf­wei­sen, dass der Bewer­tung Zufäl­li­ges und Will­kür­li­ches anhaf­tet, ohne dass dies als Fol­ge einer zuläs­si­gen Typi­sie­rung ver­fas­sungs­recht­lich hin­nehm­bar ist.
Der Gesetz­ge­ber hat im Hin­blick auf die­se Ent­schei­dung durch das Erb­schaft­steu­er­re­form­ge­setz vom 24. Dezem­ber 2008 ledig­lich die Grund­be­sitz­be­wer­tung für die Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er neu gere­gelt. Für die Grund­er­werb­steu­er hat er es dem­ge­gen­über bei den bis­he­ri­gen, vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bean­stan­de­ten Bewer­tungs­vor­schrif­ten belas­sen. Der Bun­des­fi­nanz­hof zieht des­halb eine Vor­la­ge an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Betracht und hat nun­mehr zunächst das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um auf­ge­for­dert, dem Ver­fah­ren bei­zu­tre­ten, um sich zu die­ser Pro­ble­ma­tik zu äußern.
Denn die Aus­füh­run­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts las­sen sich nicht ledig­lich auf den nur für die Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er bedeut­sa­men Ver­gleich der Grund­stücks­wer­te mit den für ande­re der Besteue­rung unter­lie­gen­de Gegen­stän­de anzu­set­zen­den Wer­ten beschrän­ken, son­dern betref­fen nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs auch die Bin­nen­ge­rech­tig­keit beim Wert­an­satz für Grund­stü­cke. Sie sind daher für die Grund­er­werb­steu­er glei­cher­ma­ßen von Bedeu­tung, soweit sich die Steu­er nicht nach dem Wert der Gegen­leis­tung (§ 8 Abs. 1 GrEStG), son­dern nach den Wer­ten i.S. der §§ 138 ff. BewG (§ 8 Abs. 2 GrEStG) bemisst [2].
Der Bun­des­fi­nanz­hof ist zwar nach Erge­hen des BVerfG-Beschlus­ses zur Grund­stücks­be­wer­tung im Erb­schaft­steu­er­recht von der Anwend­bar­keit des § 8 Abs. 2 GrEStG jeden­falls für vor dem 1. Janu­ar 2009 ver­wirk­lich­te Erwerbs­vor­gän­ge aus­ge­gan­gen [3]. Dar­an kann nach Über­zeu­gung des Bun­des­fi­nanz­hofs nun aber nicht mehr län­ger fest­ge­hal­ten wer­den. Denn die­ser Recht­spre­chung lag die Annah­me zugrun­de, dass der Gesetz­ge­ber die vom BVerfG fest­ge­stell­ten Ver­fas­sungs­ver­stö­ße bei der Grund­be­sitz­be­wer­tung nicht nur für die Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er, son­dern auch für die Grund­er­werb­steu­er für nach dem 31. Dezem­ber 2008 ver­wirk­lich­te Erwerbs­vor­gän­ge mit Wir­kung ab 1. Janu­ar 2009 besei­ti­gen wür­de. Da dies nicht gesche­hen ist, kommt nun­mehr eine Vor­la­ge an das BVerfG nach Art. 100 Abs. 1 GG –und zwar auch für Besteue­rungs­zeit­punk­te vor dem 1. Janu­ar 2009– in Betracht.
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 27. Mai 09 – II R 64/​08
BVerfG, Beschluss vom 07.11.2006 – 1 BvL 10/​02 – BVerfGE 117, 1, BStBl II 2007, 192[↩]
vgl. Micker, Deut­sche Steu­er-Zei­tung 2009, 285, 290, m.w.N.[↩]
BFH, Urtei­le vom 09.04.2008 – II R 32/​06, BFH/​NV 2008, 1526; und vom 11. Juni 2008 – II R 58/​06, BFHE 222, 87, BStBl II 2008, 879[↩]
Ver­fas­sungs­wid­ri­ge Erb­schaft­steu­er Die Erhe­bung der Erb­schaft­steu­er ist in der der­zei­ti­gen Form wegen Ver­sto­ßes gegen das Gleich­heits­ge­bot (Arti­kel 3 Grund­ge­setz) ver­fas­sungs­wid­rig. Dies hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit einem heu­te…
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