Source: https://www.deutsche-flagge.de/de/coronavirus
Timestamp: 2020-07-14 14:00:40
Document Index: 373575357

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 35', '§ 34', '§ 58', '§ 58', '§ 76', '§ 85', '§ 19', '§ 19']

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FAQ zum Coronavirus https://www.deutsche-flagge.de/de/coronavirus https://www.deutsche-flagge.de/@@site-logo/DF_logo_hires.png
Auch wir als Deutsche Flagge tragen Verantwortung, um die weitere Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Wir haben daher beschlossen, Schiffsbesichtigungen auf ein Minimum zu reduzieren und vorübergehend Zeugnisse auch ohne vor-Ort-Kontrolle auszustellen. Für Seeleute gibt es Erleichterungen bei Befähigungszeugnissen und -nachweisen. Die wichtigsten Informationen dazu finden Sie in unserem offiziellen Statement der Deutschen Flagge.
In unseren nachfolgenden FAQ beantworten wir alle wichtigen Fragen zu den Folgen von COVID-19 für Seeleute und Reedereien. Wenn Sie weitere Fragen haben, mailen Sie uns gerne unter feedback@deutsche-flagge.de
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Was empfiehlt der Seeärztliche Dienst Seeleuten und Reedereien zum Corona-Virus?
Der Seeärztliche Dienst der BG Verkehr gibt Seeleuten und Reedern folgende Tipps, wie man sich vor dem Virus schützt und was bei Verdachtsfällen zu tun ist:
Das "Medizinische Handbuch See" des Seeärztlichen Dienstes der BG Verkehr enthält konkrete Empfehlungen für Hygienemaßnahmen bei der Behandlung von möglicherweise infizierten Personen an Bord. Dazu gehören unter anderem:
Aktuelle Reisehinweise zu Ländern, in denen das Coronavirus aufgetreten ist, finden Sie auf der Website des Auswärtigen Amtes.
Wo finde ich konkrete Tipps zum Umgang mit dem Corona-Virus an Bord von Seeschiffen?
Informationen über die richtige Hygiene und Maßnahmen bei einem Verdachtsfall oder Erkrankung an Bord finden Sie unter anderem:
im "Medizinischen Handbuch See" der BG Verkehr,
im Leitfaden "Coronavirus (COVID-19) - Guidance for Ship Operators for the Protection of the Health of Seafarers" der Internationalen Schifffahrtskammer ICS,
in den "Interim Advice for ship operators" der Arbeitsgruppe "EU Healthy Gateways joint action consortium" (konkrete Empfehlungen für Betreiber von Frachtschiffen auf den Seiten Seiten 9 bis 11).
Sollen alle einsteigenden Seeleute vor ihrem Dienstbeginn an Bord auf das COVID-19-Virus getestet werden?
Die Antwort auf diese Frage hängt von den individuellen Gegebenheiten in der jeweiligen Reederei ab - zum Beispiel vom Fahrtgebiet der Schiffe. Wir empfehlen Seeleuten und Reedereien, diese Frage mit ihrer Betriebsärztin/ihrem Betriebsarzt zu klären.
Wichtig ist auf jeden Fall, dass sich Seeleute vor ihrem Einstieg an Bord an die Auflagen der Bundesregierung und der Bundesländer zur Eindämmung der Corona-Pandemie (Abstands- und Hygieneregeln, Kontaktbeschränkungen u. a.) gehalten haben.
Müssen deutsche Seeleute nach ihrer Rückkehr von einem Einsatz an Bord eines weltweit fahrenden Schiffes für 14 Tage in Quarantäne?
Rechtlich sind Seeleute nicht zu einer 14tägigen Quarantäne verpflichtet, wenn sie zuvor auf einem Seeschiff im Ausland unterwegs waren und keine COVID-19-Symptome haben. Diese Ausnahme ist in § 3 Nr. 3 der "Muster-Verordnung zu Quarantänemaßnahmen für Ein-und Rückreisende zur Bekämpfung des Coronavirus" geregelt ("Mitarbeiter von Schiffsunternehmen oder als Besatzung von Schiffen"). Diese Muster-Verordnung ist von den zuständigen Bundesländern in ihr jeweiliges Landesrecht umgesetzt worden. In diesen Verordnungen der einzelnen Bundesländer ist auch der Wegfall der Quarantäne-Pflicht bei Einreise aus einem EU-Staat geregelt. Diese Verordnungen werden ständig an die aktuelle Corona-Lage angepasst und geändert; am einfachsten finden Sie sie über die Website der Bundesregierung.
Da Seeleute im Hafen und auf ihrem Rückweg/Rückflug vom Schiff nach Hause Kontakt mit anderen Personen außerhalb der Schiffsbesatzung hatten, ist eine 14tägige Quarantäne zu Hause, wie es derzeit noch für Einreisende außerhalb der EU vorgeschrieben ist, auch für Seeleute grundsätzlich sinnvoll. Seeleute sollten daher die Personalabteilung ihrer Reederei kontaktieren und abklären, ob das auch in ihrem Fall umsetzbar ist.
Was passiert, wenn ein Seediensttauglichkeitszeugnis abläuft oder schon abgelaufen ist?
Bis zum 30. Juni 2020 gilt noch die generelle Ausnahmeregelung, dass deutsche Seediensttauglichkeitszeugnisse mit einer regulären Laufzeit von zwei Jahren (sowie ein Jahr bei jugendlichen Besatzungsmitgliedern), die seit dem 1.1.2020 abgelaufen sind oder demnächst ablaufen, automatisch bis zum 30. Juni 2020 verlängert werden.
Seediensttauglichkeitszeugnisse, die nach dem 30. Juni 2020 ablaufen, müssen durch eine ärztliche Untersuchung erneuert werden. Die Liste der von der BG Verkehr zugelassenen Ärztinnen und Ärzte, die derzeit Seediensttauglichkeitsuntersuchungen durchführen (das sind fast alle), finden Sie auf unserer Website.
Finden derzeit Seediensttauglichkeits-Untersuchungen statt?
Ja. Nur ganz wenige Ärztinnen und Ärzte untersuchen derzeit nicht. Die Liste der von der BG Verkehr zugelassenen Ärztinnen und Ärzte, die derzeit Seediensttauglichkeitsuntersuchungen durchführen, finden Sie auf unserer Website.
Finden wieder medizinische Wiederholungslehrgänge statt?
Ja, die Kurse finden wieder statt. Die aktuelle Übersicht der Lehrgänge finden Sie auf unserer Website.
Muss die deutsche Bordapotheke wegen COVID 19 ergänzt werden?
Nein. Im aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnisse wurde die Behandlung von Infektionskrankheiten, auch mit Auswirkungen auf das Atemsystem, berücksichtigt. Spezielle Medikamente gegen eine Corvid 19-Infektion gibt es bisher nicht.
Gibt es noch einen EU-Exportstopp für medizinische Schutzausrüstung auch für die Belieferung von Bordapotheken?
Nein, die befristeten Durchführungsverordnungen der EU sind nicht verlängert worden und gelten damit nicht mehr. Es gibt daher keine europäischen Exportbeschränkungen mehr für medizinische Schutzausrüstung. Apotheken können die für die Bordapotheken erforderlichen Medizinprodukte und Arzneimittel ins Ausland versenden.
Was passiert, wenn mein Befähigungszeugnis oder –nachweis abläuft oder schon abgelaufen ist?
Deutsche Befähigungszeugnisse und –nachweise und Qualifikationsnachweise, die vor dem 01.09.2020 ablaufen, erhalten eine generelle Gültigkeitsverlängerung um 6 Monate. Diese generelle Verlängerung ist in einem offiziellen Statement der Deutschen Flagge veröffentlicht worden.
Was passiert, wenn mein deutscher Gültigkeitsvermerk für mein ausländisches Befähigungszeugnis abläuft?
Die Gültigkeit aller Anerkennungsvermerke, die vor dem 01.09.2020 ablaufen, wird generell um bis zu 6 Monate verlängert. Die Verlängerung der Gültigkeit der Anerkennungsvermerke erfolgt im Einklang mit den im Zusammenhang mit der Corona-Krise getroffenen Maßnahmen der jeweiligen zeugniserteilenden Verwaltung. Diese generelle Verlängerung ist in einem offiziellen Statement der Deutschen Flagge veröffentlicht worden.
Muss ich einen Antrag für die Gültigkeitsverlängerung stellen?
Nein, die Gültigkeitsverlängerung um 6 Monate erfolgt generell, ein individueller Antrag ist nicht erforderlich. Diese generelle Verlängerung ist in einem offiziellen Statement der Deutschen Flagge veröffentlicht worden.
Sollte ich trotzdem einen Antrag auf Gültigkeitsverlängerung stellen?
Ja, es wird sogar ausdrücklich darum gebeten, entsprechende Anträge auf reguläre Gültigkeitsverlängerung für 5 Jahre zu stellen. Die Anträge werden weiterhin entgegengenommen und bearbeitet, soweit es die gegenwärtige Situation zulässt.
Was passiert, wenn ein vorgeschriebener Wiederholungslehrgang nicht stattfindet?
Wenn Ihr Befähigungszeugnis demnächst abläuft und Sie für einen Wiederholungslehrgang oder eine vereinfachte Funkprüfung angemeldet waren, dieser/e aber wegen COVID-19 nicht stattfindet, dann reichen Sie Ihren Antrag beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) wie gewohnt ein, zusammen mit der Anmeldung zum Wiederholungslehrgang und/oder zur vereinfachten Funkprüfung und der Absage des Lehrgangs. Wenn alle anderen Anforderungen erfüllt sind, wird Ihr Zeugnis dann regulär um 5 Jahre verlängert, und Sie werden aufgefordert, den Nachweis des durchgeführten Wiederholungslehrgangs und/oder der vereinfachten Funkprüfung innerhalb von 6 Monaten nachzureichen. Diese grundsätzliche Festlegung ist in einem offiziellen Statement der Deutschen Flagge veröffentlicht worden.
Zu medizinischen Wiederholungslehrgängen finden Sie eine Frage/Anwort in unserer FAQ-Rubrik "Maritime Medizin"
Was passiert, wenn ein vorgeschriebener Sicherheitslehrgang zur erstmaligen Erteilung eines Befähigungszeugnisses oder –nachweises wegen COVID-19 nicht stattfindet?
Zur erstmaligen Erteilung eines Zeugnisses müssen alle vorgeschriebenen Sicherheitslehrgänge absolviert werden. Hier ist aus Sicherheitsgründen keine Ausnahme möglich.
Was passiert, wenn ein sonstiger vorgeschriebener Lehrgang zur erstmaligen Erteilung eines Befähigungszeugnisses, Befähigungsnachweises oder Qualifikationsnachweises wegen COVID-19 nicht stattfindet?
Zur erstmaligen Erteilung eines Befähigungszeugnisses, Befähigungsnachweises oder Qualifikationsnachweises müssen für den Einsatz an Bord in entsprechender Funktion alle vorgeschriebenen Lehrgänge absolviert werden (Schiffsdienst auf Tankschiffen, Fahrgastschiffen, IGF-Schiffen, in polaren Gewässer, Grundausbildung in der Gefahrenabwehr SRT, Gefahrenabwehrbeauftragter SSO). Hier ist keine Ausnahme möglich.
Was passiert, wenn zur Gültigkeitsverlängerung eines Befähigungszeugnisses, -nachweises, Anerkennungsvermerks oder Qualifikationsnachweises wegen COVID-19 keine Seediensttauglichkeitsuntersuchung stattfindet?
Zur Seediensttauglichkeit finden Sie mehrere Fragen/Antworten in unserer FAQ-Rubrik "Maritime Medizin".
Was passiert, wenn zur Erstausstellung eines Befähigungszeugnisses, -nachweises, Anerkennungsvermerks oder Qualifikationsnachweises wegen COVID-19 keine Seediensttauglichkeitsuntersuchung stattfindet?
Ohne erstmalige Seediensttauglichkeit ist ein Einsatz an Bord nicht möglich.
Besichtigungen · Zeugnisse
Was passiert, wenn Zeugnisse für Seeschiffe unter deutscher Flagge demnächst auslaufen oder schon ungültig geworden sind?
Wie vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie auch ist vor der Erteilung und Erneuerung von Schiffszeugnissen die Überprüfung der Schiffe durch Besichtigerinnen und Besichtiger der anerkannten Klassifikationsgesellschaften oder der Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr erforderlich. Auch Besichtigungen zur Bestätigung von Zeugnissen (Zwischenbesichtigungen) sind wieder notwendig.
Nur in außergewöhnlichen Fällen - wenn zum Beispiel in einem Hafen keine Besichtigung aufgrund von COVID-19-Schutzmaßnahmen möglich ist - kann die Deutsche Flagge im Einzelfall und nach Prüfung folgender Unterlagen auf eine Besichtigung verzichten:
Erklärung des Reeders welche Umstände / besonderen Bedingungen aufgrund COVID_19 Beschränkungen eine Besichtigung nicht möglich machen.
Erklärung/Empfehlung der für das Schiff verantwortlichen Klassifikationsgesellschaft einschließlich Heranziehen des letzten Klassenberichtes
Auswertung bestehender Auflagen der für das Schiff verantwortlichen Klassifikationsgesellschaft (Class Conditions)
Einsicht in den Bericht der letzten Bodenbesichtigung unter Angabe IW (In Water) oder Dry-Docking
Auswertung der Ergebnisse aus den Datenbanken der jeweilige Hafenstaatkontroll-Regime (PSC-MoU's)
Auswertung des letzten ISM-Auditberichts
Bei Non-Convention-Schiffen (= unterliegen nicht den internationalen Übereinkommen wie SOLAS u. a.) und Fischereifahrzeugen über 24 m Länge: Auswertung letzter Flaggenstaatsberichte.
In diesen Ausnahmenfällen kann die Deutsche Flagge elektronische Kurzzeit-Zeugnisse bis zu dem Zeitpunkt erteilen, in dem eine Besichtigung des Schiffes möglich ist. Die Reedereien müssen auch in diesen Ausnahmefällen auf ihren Schiffen alle technischen und betrieblichen Vorschriften einhalten.
Bleiben die Schiffszeugnisse gültig, wenn die Zwischenbesichtigung wegen des Corona-Virus ausfällt?
Ein Aufschieben der Besichtigung ist nur als Ausnahme im Einzelfall unter bestimmten Voraussetzungen zulässig (vgl. die erste Frage unter "Besichtigungen - Zeugnisse").
Beim Safety Management Certificate (SMC) nach dem ISM-Code gilt:
Wird nach dem Ausschöpfen des einjährigen Auditfensters erkennbar, dass ein Zwischenaudit nicht mehr durchgeführt werden kann, wenden sich bitte die betroffenen Reedereien an die Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr unter: ism@bg-verkehr.de.
Was passiert, wenn die internen ISM-Audits nicht innerhalb des vorgesehenen Zeitraumes durchgeführt werden können?
Interne Sicherheitsmanagementaudits an Bord nach Punkt 12.1 des ISM-Codes müssen grundsätzlich in Abständen von höchstens zwölf Monaten durchgeführt werden, in begründeten Ausnahmefällen darf dieses Intervall um höchstens drei Monate überschritten werden. Ist ein Audit wegen der derzeitigen Corona-Schutzmaßnahmen auch in diesem Verlängerungszeitraum nicht möglich, kann die interne Überprüfung über die endgültige Frist hinaus verschoben werden, wenn:
die Überprüfung bei der nächsten sicheren und geeigneten Gelegenheit durchgeführt wird und
der Grund für die Verschiebung im Schiffstagebuch ordnungsgemäß dokumentiert wird.
Die Deutsche Flagge (Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr) ist damit einverstanden, wenn ausnahmsweise die Schiffsführung diese Überprüfung nach den internen Richtlinien des Unternehmens durchführt.
Seearbeitsrecht (MLC)/Besatzung/Crewwechsel
Habe ich als Seemann derzeit einen Anspruch auf Landgang?
Normalerweise haben Seeleute in ihrer dienstfreien Zeit einen Anspruch auf Landgang (§ 35 Seearbeitsgesetz), wenn die Sicherheit des Schiffes und die Sicherheit der Besatzungsmitglieder dies zulassen. Dafür benötigen Seeleute jeweils die Erlaubnis des Kapitäns oder in dessen Vertretung des zuständigen Vorgesetzten (§ 34 Seearbeitsgesetz). Der Anspruch auf Landgang entfällt derzeit, wenn:
Gesundheits- oder andere Behörden des Hafenstaates den Landgang im Rahmen ihrer COVID-19-Schutzmaßnahmen untersagen oder
der Kapitän die Sicherheit seines Schiffes und die seiner Besatzungsmitglieder durch den Corona-Virus gefährdet sieht.
Wie sieht es derzeit mit dem Urlaub für Seeleute aus?
Normalerweise sollen die Urlaubswünsche der Seeleute bei der Urlaubsplanung durch die Reederei berücksichtigt werden. Auch soll der Urlaub möglichst nach sechsmonatigem ununterbrochenem Dienst an Bord, spätestens bis zum Schluss des Beschäftigungsjahres, genommen werden (§ 58 Seearbeitsgesetz). Wenn aber derzeit wegen der Corona-Pandemie beispielsweise aufgrund nationaler oder anderer Schutzmaßnahmen in den jeweiligen Häfen eine sichere Ablösung nicht möglich ist, muss ein Besatzungsmitglied auch über die sechs Monate hinaus an Bord Dienst leisten. Möglicherweise bestehen abweichende Tarifvereinbarungen – hier ist eine Lösung mit den Tarifpartnern anzustreben.
Dürfen Seeleute derzeit ausnahmsweise länger als 12 Monate an Bord bleiben?
Ja, wegen der Corona-Pandemie ist es derzeit ausnahmsweise zulässig, dass Seeleute länger als 12 Monate an Bord bleiben dürfen. Nach § 58 Seearbeitsgesetz müssen Reedereien ihren Seeleuten den Urlaub eigentlich bis zum Ende des Beschäftigungsjahres gewähren. Auf Grund der derzeitigen Reiseeinschränkungen können Reedereien ihre Seeleute nicht immer rechtzeitig vor Ablauf der befristeten Heuerverträge sicher heimschaffen. Um den sicheren Schiffsbetrieb aufrechtzuerhalten, ist es unter folgenden Voraussetzungen ausnahmsweise zulässig, dass Seeleute länger als 12 Monate an Bord verbleiben:
Die betroffenen Besatzungsmitglieder müssen einzeln zustimmen, dass sie länger an Bord verbleiben, als in ihrem Heuervertrag vorgesehen.
Die befristeten Heuerverträge müssen verlängert oder erneuert werden, damit Seeleute immer einen gültigen Heuervertrag haben.
Bei der Verlängerung oder Erneuerung der Heuerverträge sind ggfs. Vorgaben aus dem geltendem Tarifvertrag zu berücksichtigen. Nach Möglichkeit sollte ein Gesamtzeitraum an Bord von 14 Monaten nach erstmaligen Dienstantritt nicht überschritten werden.
Die Reederei muss die sichere Heimschaffung der Besatzungsmitglieder bei der nächstmöglichen Gelegenheit sicherstellen.
Was ist derzeit bei einer Heimschaffung bei einer außerordentlichen Kündigung durch Seeleute, z. B. wegen einer dringenden Familienangelegeneit, zu beachten?
Bei der Heimschaffung nach einer außerordentlichen Kündigung durch ein Besatzungsmitglied ist der Reeder verpflichtet, dem Besatzungsmitglied seinen Pass/Ausweispapiere auszuhändigen und die Heimschaffung zu organisieren (§ 76 Seearbeitsgesetz). Wegen der Corona-Pandemie kann es aber zu Verzögerungen bei der Organisation der Heimschaffung durch den Reeder kommen. Solche Verzögerungen müssen von Seeleuten hingenommen werden, wenn sie durch die Virus-Schutzmaßnahmen in den Häfen verursacht werden.
Ich bin Schiffsmechaniker-Auszubildender. Muss mich mein Reeder weiter bezahlen, auch wenn ich derzeit wegen des Corona-Virus nicht zur Berufsschule oder an Bord komme?
Ja, der Reeder muss auch in einem solchen Fall zumindest für sechs Wochen die Ausbildungsvergütung weiterzahlen. Dieser Rechtsanspruch ergibt sich aus § 85 Absatz 2 Satz 2 Seearbeitsgesetz, der auf den § 19 Berufsbildungsgesetz (BBiG) verweist. In § 19 Absatz 1 BBiG sind die beiden Varianten aufgezählt, die genau auf die jetzige Situation passen, nämlich wenn ein Auszubildender:
sich für die Berufsausbildung bereithält, diese aber ausfällt (derzeit wegen der Schulschließungen in Folge des Corona-Virus) oder
unverschuldet seine Pflichten aus dem Berufsausbildungsverhältnis nicht erfüllen kann (derzeit kein Einsatz an Bord wegen der Beschränkungen in den Häfen wegen des Coronavirus möglich).
Können ausländische Seeleute zum Crewwechsel nach Deutschland einreisen?
Ja, Seeleute aus dem Ausland können ungehindert nach Deutschland einreisen, um ihren Dienst an Bord eines Seeschiffes in einem deutschen Hafen anzutreten. Seeleute müssen dann nicht in eine 14tägige Quarantäne, sondern können direkt z. B. vom Flughafen zu ihrem Schiff im Hafen fahren.
Für einen reibungslosen Ablauf sollte:
der Schiffsmakler oder die Personalabteilung einer Reederei die Einreise der Seeleute vorher der jeweiligen Dienststelle der Bundespolizei ankündigen und
der Seemann bei der Einreise nach Deutschland dem jeweiligen Bundespolizisten deutlich machen, dass er unmittelbar zu seinem Schiff durchreisen will.
Wo finde ich Hilfe, wenn die Ablösung/Crew-Wechsel in einem ausländischen Hafen aufgrund des Corona-Virus erschwert wird?
die jeweilige Auslandsvertretung (Botschaft/Konsulat) der Bundesrepublik Deutschland in dem Staat des Hafens,
die betreuende Agentur vor Ort,
ggf. den örtlichen Korrespondenten des P&I Clubs,
wenn lokale Behörden im Ausland die Ablösung und den Crew-Wechsel auf Seeschiffen unter deutscher Flagge wegen des Corona-Virus erschweren oder verhindern sollten. Deutschland hat ein Netzwerk von über 200 Botschaften und Generalkonsulaten sowie rund 330 Honorarkonsuln, das Deutschen im Ausland hilft. Diese Unterstützung ist allerdings begrenzt, da die Gesetze des jeweiligen ausländischen Staates beachtet werden müssen.
Weitere wichtige Information zu Reisen in Zeiten des Corona-Virus finden Sie auf der Website des Auswärtigen Amtes: https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/buergerservice-faq-kontakt
Wie kann das Ansteckungsrisiko an Bord bei Hafenanläufen minimiert werden?
Die IMO gibt in ihrem Circular Letter N. 4204/Add. 16 vom 6. Mai 2020 (nur auf Englisch) Tipps und Empfehlungen, wie Schiffsbesatzungen das Ansteckungsrisiko mit dem Corona-Virus bei Bordbesuchen von Landbeschäftigten während der Hafen-Liegezeit - zum Beispiel bei Kontrollen - reduzieren können.
Was passiert, wenn die internen-ISM Audits nicht innerhalb des vorgesehenen Zeitraumes durchgeführt werden können?
Was sollte derzeit bei Sicherheitsübungen und -ausbildungen an Bord beachtet werden?
Von den vorhandenen Verfahren des eigenen Sicherheitsmanagementsystems – und damit auch von einzelnen SOLAS-Vorgaben - kann bis auf weiteres abgewichen werden, um die Anzahl der gleichzeitig an einer Übung oder Schulung teilnehmenden Besatzungsmitglieder so gering wie nötig zu halten. Dafür ist es notwendig, dass
eine themengleiche alternative Aus- oder Weiterbildung erfolgt,
die Gründe für das Abweichen im Schiffstagebuch respektive Sicherheitsmanagementsystem dokumentiert werden.
Was passiert, wenn derzeit keine Wartungsarbeiten z. B. an Rettungsinseln möglich sind?
Eine Reederei muss eine Wartungsverlängerung für Rettungsinseln oder Rettungsflöße bei der Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr (nautik@bg-verkehr.de) beantragen, wenn die landseitige Wartung dafür derzeit wegen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nicht durchgeführt werden kann. Die Reederei muss der BG Verkehr in diesem Ausnahmefall nachvollziehbar darlegen, warum eine Wartung oder Serviceleistung nicht möglich war.
Wie müssen insbesondere Fährschiffs-Reedereien im Auslandsverkehr ihre Reisenden über das Corona-Virus informieren?
Alle Reedereien, die Reisende auf Seeschiffen aus dem Ausland nach Deutschland transportieren, müssen diesen bei der Ankunft Verhaltenshinweise zur Corona-Krankheitsvorsorge geben. Das hat das Bundesgesundheitsministerium in einer Anordnung festgelegt.
Hafenstaatkontrolle in deutschen Häfen
Finden derzeit Hafenstaatkontrollen in deutschen Häfen statt?
Ja, seit Anfang Juni finden wieder regelmäßige Hafenstaatkontrollen in deutschen Häfen statt, jedoch unter Einhaltung besonderer Schutzmaßnahmen für die Kontrolleure und die Schiffsbesatzungen.
Was passiert derzeit, wenn deutsche Hafenstaatkontrolleure abgelaufene Zeugnisse an Bord vorfinden?
Flaggenthemen · Flaggenregister
Was kann ich tun, wenn ich Unterlagen zu einem Antrag nicht im Original beibringen kann?
Es werden bis auf Weiteres auch Unterlagen per E-Fax akzeptiert.
Wie kann ich Unterlagen einreichen, wenn mir das per E-Fax nicht möglich ist?
Dann können die Unterlagen bis auf Weiteres als pdf per Mail eingereicht werden. Das BSH behält sich die Nachforderung der Unterlagen im Original vor.