Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Altersdiskriminierung_ArbG-Berlin_38Ca4878-08.html
Timestamp: 2016-12-06 00:48:16
Document Index: 247347828

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 15', '§ 7', '§ 22', '§ 46', '§ 91', '§ 61', '§ 64']

HENSCHE Arbeitsrecht: 38 Ca 4878/08
AGG, Diskriminierung: Alter
38 Ca 4878/08
Ar­beits­ge­richt Ber­linGeschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)
als Ur­kunds­be­am­t­er­lin
hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin, 38. Kam­mer, auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 09.09.2008 durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt Laib als Vor­sit­zen­der so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr LI­MO, und Herr für Recht er­kannt:
Die Kla­ge wird auf Kos­ten des Klägers bei ei­nem Streit­wert in Höhe von 40.000,00 EUR ab­ge­wie­sen.
Tat­be­stand: Der Kläger meint, er sei bei der Be­wer­bung um ei­ne Stel­le we­gen sei­nes Al­ters be­nach­tei­ligt wor­den. Der Kläger ist am 05.05.1956 ge­bo­ren. Bezüglich des be­ruf­li­chen Wer­de­gangs des Klägers wird auf BI. 7 bis 9 d. A. ver­wie­sen. Die Be­klag­te an­non­cier­te im In­ter­net ei­ne Stel­le als „Im­mo­bi­li­en­mak­ler (m/w) -Ge­wer­be­ver­mie­tung" (BI. 10 d.A). Dar­auf­hin be­warb sich der Kläger per e-mail am 27.02.2008 (B1.11d. A). Am Fol­ge­tag er­hielt der Kläger per e-mail ei­ne Ab­sa­ge (BI. 12 d. A). Weil die Be­klag­te in der e-mail ge­schrie­ben hat, dass sie ei­ne neue Po­si­ti­on mit ei­nem "Jung­mak­ler“ zu be­set­zen ha­be, mein­te der Kläger, er sei we­gen sei­nes Al­ters dis­kri­mi­niert wor­den und mach­te ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch in Ho­he von 20.000,00 Eu­ro außer­ge­richt­lich gel­tend (BI. 13/14 d. A). Das wies die Be­klag­te zurück. Der Be­griff Jung­mak­ler be­zeich­ne, un­abhängig vom Le­bens­al­ter, ei­nen Be­rufs­ein­stei­ger in der Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft. Der Kläger sei auf­grund sei­ner her­vor­ra­gen­den be­ruf­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen und sei­nes be­ruf­li­chen Wer­de­gangs für ei­ne sol­che Po­si­ti­on Über­qua­li­fi­ziert und des­we­gen ab­ge­lehnt wor­den (BI. 15/16 d. A). Mit der Kla­ge macht der Kläger wei­ter­hin gel­tend, er sei we­gen sei­nes Al­ters dis­kri­mi­niert wor­den und hält nun­mehr ei­ne Entschädi­gung in Höhe von min­des­tens 40.000,00 Eu­ro für an­ge­mes­sen. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten sei­nes Vor­brin­gens wird ver­wie­sen auf die Kla­ge­schrift so­wie auf den Schrift­satz vom 01.09.2008. Der Kläger be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihm ei­ne bil­li­ge Entschädi­gung in Geld zu zah­len, de­ren Höhe in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt wird, je­doch min­des­tens 40.000,00 Eu­ro beträgt. Die Be­klag­te be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Die Be­klag­te tritt dem Kla­ge­be­geh­ren ent­ge­gen. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf den Schrift­satz vom 25.04.2008 ver­wie­sen. - 3 -
Ent­schei­dungs­gründe: Die Kla­ge ist un­be­gründet. Der Kläger hat als Be­wer­ber für ein Beschäfti­gungs­verhält­nis (§ 6 Abs. 1 Satz 2 AGG) kei­nen Entschädi­gungs­an­spruch gemäß § 15 Abs. 2 AGG. Der Kläger ist nicht we­gen sei­nes Al­ters be­nach­tei­ligt wor­den (§ 7 Abs. 1 AGG), son­dern wur­de des­we­gen nicht ein­ge­stellt, weil er für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le als Im­mo­bi­li­en­mak­ler ob­jek­tiv Über­qua­li­fi­ziert war. Für die Stel­le war nach der Aus­schrei­bung ein Stu­di­um so­wie Be­rufs­er­fah­rung le­dig­lich "wünschens­wert", al­so nicht un­ab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung. Schon dies spricht dafür, dass die Be­klag­te ei­nem Be­rufs­ein­stei­ger ei­ne Chan­ce ge­ben woll­te. Dass die Be­klag­te in­so­weit von ei­nem "Jung­mak­ler" spricht, ist oh­ne Be­lang. Das mag al­len­falls da­zu führen, dass ei­ne Ver­mu­tung gemäß § 22 AGG be­gründet wird, ändert aber nichts dar­an, dass ein Entschädi­gungs­an­spruch nur be­steht, wenn der Kläger we­gen sei­nes Al­ters be­nach­tei­ligt wor­den ist. Das ist nicht so. Der Kläger ist ob­jek­tiv Über­qua­li­fi­ziert für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le als Im­mo­bi­li­en­mak­ler und kam da­mit ob­jek­tiv für die zu be­set­zen­de Stel­le nicht in Be­tracht. Des­we­gen hat die Be­klag­te sei­ne Be­wer­bung ab­schlägig be­schie­den und nicht des­we­gen, weil er zum Zeit­punkt der Be­wer­bung 51 Jah­re alt war. Der Kläger war aus­weis­lich sei­nes be­ruf­li­chen Le­bens­laufs bei ver­schie­de­nen Ver­trags­part­nern ins­ge­samt über zwan­zig Jah­re als Geschäftsführer tätig bzw. be­trieb meh­re­re Jah­re ei­ne selbständi­ge Un­ter­neh­mens­be­ra­tungs­fir­ma. Was den Kläger dar­an rei­zen soll, ei­nen be­ruf­li­chen Ab­stieg zum „nor­ma­len" Im­mo­bi­li­en­mak­ler zu voll­zie­hen, hat sich dem Ge­richt nicht er­schlos­sen. Die Be­wer­bung kann nicht wirk­lich als ernst­haft an­ge­se­hen wer­den. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 46 Abs. 2 ArbGG, § 91 Abs. 1 ZPO. Der Streit­wert war gemäß § 61 Abs. 1 ArbGG im Ur­teil fest­zu­set­zen, hier in Höhe des gel­tend ge­mach­ten Entschädi­gungs­be­tra­ges.
Ge­gen die­ses Ur­teil kann vom Kläger Be­ru­fung ein­ge­legt wer­den.
Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Mag­de­bur­ger Platz 1, 10785 Ber­lin, ein­ge­gan­gen sein.
Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung. Da­bei ist zu be­ach­ten, dass bei ei­ner Zu­stel­lung durch Nie­der­le­gung bei ei­ner Post­an­stalt die Frist be­reits mit der Nie­der­le­gung und Be­nach­rich­ti­gung in Lauf ge­setzt wird, al­so nicht erst mit der Ab­ho­lung der Sen­dung. Das Zu­stel­lungs­da­tum ist auf dem Um­schlag ver­merkt.
Für die Be­klag­te ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
Wei­te­re Statt­haf­tig­keits­vor­aus­set­zun­gen er­ge­ben sich aus § 64 Abs. 2 ArbGG: "Die Be­ru­fung kann nur ein­ge­legt wer­den,a) wenn sie in dem Ur­teil zu­ge­las­sen wor­den ist,b) wenn der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des 600 Eu­ro über­steigt,c) in Rechts­strei­tig­kei­ten über das Be­ste­hen, das Nicht­be­ste­hen oder die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses oderd) wenn es sich um ein Versäum­nis­ur­teil han­delt, ge­gen das der Ein­spruch an sich nicht statt­haft ist, wenn die Be­ru­fung oder An­schluss­be­ru­fung dar­auf gestützt wird, dass der Fall schuld­haf­ter Versäum­ung nicht vor­ge­le­gen ha­be."
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