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Timestamp: 2016-10-24 03:34:49
Document Index: 59674717

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 96', 'Art. 106', 'Art. 97', 'Art. 105', 'BGE', 'BGE', 'Art. 6']

8C_489/2013 (16.08.2013)
8C_489/2013 � � Urteil vom 16. August 2013
Der 1989 geborene G.________ arbeitete als Landschaftsg�rtner bei der Gartenpflege K.________ und war damit bei der Groupe Mutuel Versicherungen GMA AG (nachfolgend: Groupe Mutuel) f�r die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert. Am 4. Juni 2011 wurde er als Mitfahrer in einem Audi S3 Quattro in eine Auffahrkollision verwickelt, als der Fahrzeuglenker innerorts wegen einer Katze abrupt bremste und der Lenker des dahinter fahrenden Nissan X-Trail das Bremsman�ver zu sp�t erkannte. Der Versicherte litt im Anschluss daran an Kopf- und Nackenschmerzen, welche in den Hinterkopf ausstrahlten. Zus�tzlich traten Schwindel, �belkeit und Erbrechen ein, weshalb er sich am 6. Juni 2011 in die Behandlung seines Hausarztes, med. pract. N.________, Allgemeinmedizin FMH, begab. Dieser diagnostizierte einen Verletzungsgrad II gem�ss QTF. Die von ihm veranlassten R�ntgenaufnahmen waren unauff�llig. Das MRI der Halswirbels�ule (HWS) vom 15. November 2011 zeigte laut Bericht des Spital X.________ eine wahrscheinlich degenerative Signalalteration im dorsalen Dens, liess aber ansonsten keine residualen Traumafolgen, Spinalkanalstenosen oder neurokompressiven Diskushernien erkennen. Am 14. Dezember 2011 wurde im R�ntgeninstitut Y.________ ein CT der HWS vorgenommen, welches laut Dr. med. T.________ eine bekannte atlanto-dentale Instabilit�t zwischen Atlasbogen und Dens zeigte. Der Radiologe �usserte den Verdacht auf diskrete Subluxationsstellung in den lateralen Atlantoaxial-Gelenken. Der Befund spreche f�r eine ligament�re Verletzung, wobei das Ligamentum transversum atlantis intakt erscheine. Am 27. Januar 2012 nahm Dr. med. S.________, Leiter Wirbels�ulenchirurgie am Spital A.________, eine dorsale Spondylodese C1/2 vor. Die Groupe Mutuel holte von der Haftpflichtversicherung (Z�rich Versicherungen AG) die Unfallanalyse vom 23. M�rz 2012 ein und beauftragte Dr. med. Z.________, Facharzt f�r Neurochirurgie FMH, mit einem Aktengutachten, welches am 4. Mai 2012 erstellt wurde. Gest�tzt darauf stellte sie mit Verf�gung vom 16. Mai 2012 ihre Leistungen auf den 31. Dezember 2011 hin ein, da die Beschwerden sp�testens nach sechs Monaten nicht mehr im Zusammenhang mit dem Unfall vom 4. Juni 2011 stehen w�rden. Im Rahmen der dagegen eingereichten Einsprache legte G.________ die Berichte des med. pract. N.________ vom 12. Juni 2012, des Dr. med. S.________ vom 13. Juni 2012 und des Dr. med. M.________ vom 13. Juni 2012 bei. Die Groupe Mutuel holte die Stellungnahme des Dr. med. Z.________ vom 3. Juli 2012 ein und hielt mit Einspracheentscheid vom 10. Oktober 2012 an der verf�gten Leistungseinstellung fest.
G.________ erhob dagegen Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern und legte die Stellungnahme des Dr. med. S.________ vom 23. Oktober 2012 bei. Mit ihrer Vernehmlassung reichte die Groupe Mutuel eine �berpr�fung der technischen Unfallanalyse der Z�rich Versicherungen AG durch die Arbeitsgruppe f�r Unfallmedizin (AGU) Z�rich vom 3. Dezember 2012 ein. Das Verwaltungsgericht wies die Beschwerde mit Entscheid vom 29. Mai 2013 ab.
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten l�sst G.________ beantragen, in Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids seien ihm die gesetzlichen UVG-Leistungen r�ckwirkend ab dem 1. Januar 2012 auszurichten. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abkl�rung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
Die Akten der Vorinstanz wurden eingeholt. Ein Schriftenwechsel wurde nicht durchgef�hrt.
Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann wegen Rechtsverletzungen gem�ss Art. 95 und Art. 96 BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Milit�r- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).
Streitig ist die Einstellung s�mtlicher Leistungen der Groupe Mutuel aus dem Ereignis vom 4. Juni 2011 auf den 31. Dezember 2011.
Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen und Grunds�tze zur Leistungspflicht des Unfallversicherers und zu dem hief�r vorausgesetzten kausalen Zusammenhang sowie zu den zu beachtenden Beweisregeln, namentlich zum erforderlichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit, zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
3.1.�Der Beschwerdef�hrer r�gt eine Verletzung des rechtlichen Geh�rs und damit verbunden eine unvollst�ndige Feststellung des Sachverhalts, weil das kantonale Gericht seinen Antrag auf gerichtliche Einholung eines unfallanalytischen Gutachtens abgelehnt hat. Eine unabh�ngige Ermittlung des Delta-v-Wertes dr�ngt sich nach Ansicht des Beschwerdef�hrers auf, weil die beiden von der Beschwerdegegnerin veranlassten unfallanalytischen Gutachten bez�glich der zugrunde gelegten Werte, wie auch im Ergebnis erheblich voneinander abwichen und nicht auf ihre Objektivit�t hin �berpr�ft werden k�nnten.
3.2.�Das unfallanalytische Gutachten der Z�rich Versicherungen AG vom 23. M�rz 2012 ergab eine relative Kollisionsgeschwindigkeit des Nissan auf den Audi im Bereich von 18.4 bis 24.1 km/h und eine kollisionsbedingte Geschwindigkeits�nderung (Delta-v) des Audi durch Heckanstoss von 9.4 bis 13.7 km/h. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, ist das unfallanalytische Gutachten umfassend und gibt Aufschluss �ber die ber�cksichtigten Werte und Unterlagen. Der Beschwerdef�hrer zeigt denn auch keine konkreten M�ngel des Gutachtens auf. Dass Bereichswerte genannt werden, ist bei derartigen Analysen �blich und l�sst diese nicht als unzuverl�ssig erscheinen. Auch der Umstand, dass das unfallanalytische Gutachten von einem beteiligten Privatversicherer eingeholt wurde, steht seiner Verwertbarkeit im Verfahren der obligatorischen Unfallversicherung nicht entgegen. Massgebend ist, ob die Aussagen der Unfallanalytiker zu �berzeugen verm�gen (Urteil 8C_138/2009 vom 23. Juni 2009 E. 4.3.3), was hier zutrifft. Dies ergibt sich auch aus der als Plausibilit�tspr�fung durchgef�hrten Beurteilung der AGU vom 3. Dezember 2012. Ausgehend von einem etwas h�heren EES-Wert (energy-equivalent-speed) f�r den Heckbereich des Audi ergab diese eine Kollisionsgeschwindigkeit des Nissan von maximal rund 26.1 km/h und eine kollisionsbedingte Geschwindigkeits�nderung (Delta-v) des Audi von maximal rund 15 km/h. Dass die Vorinstanz das unfallanalytische Gutachten der Z�rich Versicherungen AG als beweistauglich anerkannt hat, bedeutet nicht, dass ihre Beurteilung auf einer den Untersuchungsgrundsatz sowie die Grunds�tze der antizipierten Beweisw�rdigung verletzenden, mithin rechtsfehlerhaften Sachverhaltsfeststellung beruhen w�rde. Die tats�chliche Geschwindigkeits�nderung l�sst sich nicht immer zuverl�ssig ermitteln, weshalb solchen Unterlagen nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung beweisrechtlich nicht erh�htes Gewicht in dem Sinne zukommt, dass sich allein gest�tzt darauf eine Kausalit�tsbeurteilung vornehmen liesse. Vielmehr sind die physikalisch ermittelten Ergebnisse von unfallanalytischen Gutachten im Rahmen einer Gesamtw�rdigung aller zur Verf�gung stehenden Beweismittel zu w�rdigen (vgl. BGE 134 V 109 E. 8.3 S. 121; RKUV 2003 Nr. U 489 S. 357, U 193/01 E. 3.2; SVR 2009 UV Nr. 13 S. 52, 8C_590/2007 E. 6.1; Urteil 4A_540/2010 vom 8. Februar 2011; vgl. zum Ganzen: HANS-JAKOB MOSIMANN, Der Stellenwert von Unfallanalyse und Biomechanik f�r die Rechtsprechung, SZS 2011 S. 549 ff.). Von einer weiteren Unfallanalyse sind daher keine neuen relevanten Erkenntnisse zu erwarten (antizipierte Beweisw�rdigung; BGE 134 I 140 E. 5.3 S. 148; 124 V 90 E. 4b S. 94), weshalb die Vorinstanz ohne Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh�r auf die Abnahme weiterer Beweise verzichtet hat.
4.1.�Der Beschwerdef�hrer erblickt zudem eine Verletzung des rechtlichen Geh�rs und unvollst�ndige Feststellung des Sachverhalts im Umstand, dass das kantonale Gericht von der Einholung eines fachmedizinischen Obergutachtens abgesehen hat. Zur Begr�ndung h�lt er fest, eine neutrale Begutachtung dr�nge sich auf, nachdem mit Dr. med. S.________ und Dr. med. M.________ zwei auf dem Gebiet der Wirbels�ulenchirurgie f�hrende Fachpersonen eine unfallkausale Instabilit�t der HWS und damit einen traumatischen Ursprung der operativ behobenen Beschwerden bejaht h�tten, w�hrend der Administrativgutachter Dr. med. Z.________ eine solche verneint habe. Zudem habe Dr. med. Z.________ bei der Beurteilung vom 4. Mai 2012 die Bildgebung des Spitals B.________ vom 10. Januar 2012 mit dem Hinweis auf eine Ruptur des Ligaments nicht vorgelegen. Des Weitern r�gt der Beschwerdef�hrer eine Verletzung von Art. 6 und 10 UVG, weil das kantonale Gericht davon ausgehe, die Instabilit�t der HWS sei mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit durch einen degenerativen Vorzustand bedingt.
4.2.�Das kantonale Gericht hat sich einl�sslich mit den medizinischen Akten auseinander gesetzt und erwogen, das Gutachten des Dr. med. Z.________ vom 4. Mai 2012 erf�llte die Anforderungen an eine beweiskr�ftige Expertise. Gest�tzt auf die Schlussfolgerung des Facharztes ging dieses davon aus, dass das Unfallereignis vom 4. Juni 2011 zu einer vor�bergehenden Verschlimmerung eines krankhaften Zustandes gef�hrt habe und der status quo sine rund sechs Monate danach erreicht gewesen sei. Die erstmals von Dr. med. M.________ im Januar 2012 erw�hnte Ruptur des Ligamentum transversum habe nicht den eigentlichen Grund f�r den operativen Eingriff vom 27. Januar 2012 gebildet. Dieser sei vielmehr wegen eines krankhaften Vorzustandes im Sinne einer allgemeinen Bandlaxit�t erforderlich geworden, wie sie Dr. med. E.________ im Bericht vom 23. Dezember 2011 festgehalten habe. F�r das Erreichen des status quo sine sp�testens Ende Dezember 2011 spreche insbesondere auch, dass die HWS bereits wenige Wochen nach dem Unfall wieder frei beweglich gewesen sei, der Beschwerdef�hrer - wenn auch unter Residualbeschwerden im Nackenbereich - ab dem 11. Juli 2011 wieder zu arbeiten begonnen habe und die bildgebende Abkl�rung vom 15. November 2011 keine residualen Traumafolgen gezeigt habe. Dr. med. S.________ habe im Bericht vom 13. Juni 2012 die Beurteilung des Dr. med. Z.________ insoweit best�tigt, als er eine ligament�re Ruptur bedingt durch eine Krafteinwirkung entsprechend einem Delta-v von 9.4 bis 13.7 km/h nicht f�r m�glich halte. Zudem habe dieser festgehalten, dass eine posttraumatische Ver�nderung zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht durch die radiologischen Befunde bewiesen werden k�nne. Auch wenn Dr. med. Z.________ nicht �ber das MRI vom 10. Januar 2012 verf�gt habe, vermag dies laut Vorinstanz die Zuverl�ssigkeit des Gutachtens nicht in Zweifel zu ziehen, da sich die geltend gemachte Verletzung aus keiner der zuvor erfolgten bildgebenden Untersuchungen ergeben habe und auch Dr. med. S.________ den Nachweis einer unfallkausalen Verletzung anhand der vorhandenen bildgebenden Unterlagen ausschliesse.
4.3.�Was der Beschwerdef�hrer dagegen vorbringt, vermag die Betrachtungsweise der Vorinstanz nicht als bundesrechtswidrig erscheinen zu lassen. Eine unfallbedingte Instabilit�t und Luxation im Bereich der oberen HWS ist nicht nachgewiesen. Dr. med. N.________ diagnostizierte im Bericht vom 28. November 2011 mit Hinweis auf das MRI der HWS vom 15. November 2011 eine wahrscheinlich degenerative Signalalteration im dorsalen Dens, bei ansonsten fehlenden residualen Traumafolgen. Der Verdacht auf eine unfallbedingte Sch�digung konnte mittels bildgebender Abkl�rungen nicht erh�rtet werden, wovon auch Dr. med. S.________ ausgeht (Bericht vom 13. Juni 2012). Die Beurteilung der MRI-Befunde durch weitere Fachpersonen wird demnach zu keinen neuen Erkenntnissen f�hren. Ob eine kongenitale Ver�nderung viel fr�her als erst mit 22 Jahren zu einer Hyperlaxit�t h�tte f�hren m�ssen, wie Dr. med. S.________ meint, l�sst sich gem�ss der �berzeugend begr�ndeten Stellungnahme des Dr. med. Z.________ vom 3. Juli 2012 nicht erh�rten. Denn Bandschw�chen k�nnen ohne weiteres auch erst im Erwachsenenalter manifest werden. Wie die Vorinstanz zudem unter Hinweis auf die diesbez�glich �bereinstimmenden Stellungnahmen von Dres. med. S.________ und Z.________ zutreffend bemerkt, stellt das unfallanalytische Gutachten aufgrund der errechneten Geschwindigkeits�nderung ein gewichtiges Indiz gegen die Annahme einer �berwiegend wahrscheinlich kollisionsbedingt verursachten Instabilit�t oder Luxation auf der H�he von C1/C2 der HWS dar. Von weiteren spezial�rztlichen Erhebungen sind keine entscheidrelevanten neuen Aufschl�sse zu erwarten, weshalb der Verzicht der Vorinstanz auf weitergehende Beweismassnahmen nicht zu beanstanden ist und solche auch letztinstanzlich nicht zu veranlassen sind.