Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_wann_ist_eine_Aenderungskuendigung_verhaeltnismaessig_LAG_Hamm_10Sa890-12_u.html
Timestamp: 2017-01-19 21:23:10
Document Index: 101221202

Matched Legal Cases: ['Art. 3', '§ 138', 'Art. 6', '§ 247', '§ 247', '§ 2', '§ 615', '§ 174', '§ 623', '§ 612', '§ 8', '§ 1', 'Art. 140', 'Art. 137', '§ 626', 'Art. 140', 'Art. 137', '§ 612', '§ 615', '§ 2', '§ 143', 'Art. 137', '§ 30', '§ 615', '§ 2', '§ 297', '§ 2', '§ 1', '§ 21', 'Art. 140', 'Art. 137', 'Art. 1', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 4', '§ 4', 'Art. 140', 'Art. 137', 'Art 4', 'Art. 140', 'Art. 137', 'Art. 137', 'Art. 140', 'Art. 137', 'BGH', 'Art. 137', 'Art. 137', '§ 6', 'Art. 140', 'Art. 137', 'Art. 137', 'Art. 3', '§ 138', 'Art. 6', 'BGH', 'BGH', '§ 30', '§ 612', '§ 612', '§ 322', '§ 322', '§ 611', '§ 615', '§ 615', '§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 2', '§ 4', '§ 39', '§ 39', '§ 39', '§ 36', '§ 36', '§ 36', '§ 39', '§ 157', '§ 143', '§ 97']

HENSCHE Arbeitsrecht: 10 Sa 890/12
1. Für die Ausübung des pas­to­ra­len Be­ru­fes der Ge­mein­de­re­fe­ren­ten/in­nen ist ei­ne ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung durch den zuständi­gen (Erz-)Bi­schof er­for­der­lich.
2. Der Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung stellt ei­ne in­ner­kirch­li­che Maßnah­me dar, die von den staat­li­chen Ge­rich­ten nicht auf ih­re Rechtmäßig­keit, son­dern al­len-falls auf ih­re Wirk­sam­keit, d. h. dar­auf hin über­prüft wer­den kann, ob sie ge­gen Grund­prin­zi­pi­en der Rechts­ord­nung verstößt, wie sie in dem all­ge­mei­nen Willkürver­bot (Art. 3 Abs. 1 GG) so­wie in dem Be­griff der gu­ten Sit­ten (§ 138 BGB) und dem des ord­re pu­blic (Art. 6 EGBGB) ih­ren Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben.
3. Der Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung ist we­gen der dar­aus re­sul­tie­ren­den Unmöglich­keit der Leis­tungs­er­brin­gung an sich ge­eig­net, ei­ne per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen.
Arbeitsgericht Paderborn, Urteil vom 23.11.2011, 2 Ca 561/11Nachfolgend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.04.2014, 2 AZR 812/12
Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pa­der­born vom 23.11.2011 – 2 Ca 561/11 – teil­wei­se ab­geändert und wie folgt ge­fasst:
1. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en we­der durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung des Be­klag­ten ERZ­BIS­TUMS vom 02.12.2010 noch durch die wei­te­re außer­or­dent­li­che Kündi­gung des Be­klag­ten ERZ­BIS­TUMS vom 22.12.2010 auf­gelöst wor­den ist, son­dern bis zum 30.06.2011 fort­be­stan­den hat.
2. Das be­klag­te ERZ­BIS­TUM wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 1.323,46 € brut­to abzüglich 2.694,15 € net­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz der Eu­ropäischen Zen­tral­bank gemäß § 247 BGB seit dem 02.12.2010 zu zah­len.
3. Das be­klag­te ERZ­BIS­TUM wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 4.947,75 € brut­to abzüglich 2.266,29 € net­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz der Eu­ropäischen Zen­tral­bank gemäß § 247 BGB zu zah­len.
5. Die wei­ter­ge­hen­de Be­ru­fung der Kläge­rin wird zurück­ge­wie­sen.
6. Von den Kos­ten des ers­ten Rechts­zu­ges tra­gen die Kläge­rin 61,5 % und das be­klag­te ERZ­BIS­TUM 38,5 %. Die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens trägt die Kläge­rin.
Die Par­tei­en strei­ten in der Be­ru­fungs­in­stanz noch über die Wirk­sam­keit ei­ner or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gung, über Vergütungs­ansprüche un­ter dem Ge­sichts­punkt des An­nah­me­ver­zu­ges, ei­nen An­spruch auf Weih­nachts­zu­wen­dung so­wie über ei­nen hilfs­wei­se gel­tend ge­mach­ten An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung.
Die am 6. Ja­nu­ar 1972 ge­bo­re­ne, ver­hei­ra­te­te und ge­genüber drei Kin­dern un­ter­halts­pflich­ti­ge Kläge­rin war nach ei­nem er­folg­reich ab­ge­schlos­se­nen Stu­di­um im Fach­be­reich Theo­lo­gie an der Ka­tho­li­schen Fach­hoch­schu­le P1 und ei­nem sich an­sch­ließen­den, be­rufs­prak­ti­schen Jahr seit dem 01.02.1998 beim be­klag­ten ERZ­BIS­TUM beschäftigt. Die Beschäfti­gung er­folg­te zunächst im Rah­men ei­nes auf 2 Jah­re be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges als Ge­mein­de­as­sis­ten­tin. Anläss­lich ih­rer Ein­stel­lung als Ge­mein­de­as­sis­ten­tin un­ter­zeich­ne­te die Kläge­rin am 21.01.1998 die fol­gen­de Erklärung:
"Mit mei­ner Tätig­keit als Ge­mein­de­as­sis­tent/in bzw. Ge­mein­de­re­fe­rent/in neh­me ich in be­son­de­rer Wei­se am Sen­dungs­auf­trag der Kir­che teil. Ich ver­pflich­te mich, mei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten (in be­son­de­rem Maße) loy­al zu erfüllen und bei der Ausübung mei­nes Diens­tes die kirch­li­chen Vor­schrif­ten zu be­ach­ten und zu wah­ren.
Fer­ner neh­me ich zur Kennt­nis, dass die An­la­ge 20 zur KA­VO so­wie das Diöze­sa­ne Sta­tut für Ge­mein­de­re­fe­ren­tin­nen und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten im ERZ­BIS­TUM P1 vom 11.09.1995 (KA 1996 Stück 3 Nr. 30) nebst An­la­gen in den je­wei­li­gen Fas­sun­gen Be­stand­teil des An­stel­lungs­ver­tra­ges sind."
Mit Ar­beits­ver­trag vom 06.01.2000 (Bl. 11 – 13 d. A.) wur­de die Kläge­rin dann mit Wir­kung zum 01.02.2000 auf un­be­stimm­te Zeit als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin ein­ge­stellt. Nach § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges ist die Kirch­li­che Ar­beits- und Vergütungs­ord­nung (KA­VO) in ih­rer je­wei­li­gen Fas­sung ein­sch­ließlich der An­la­gen Be­stand­teil des Ver­tra­ges.
Am 05.02.2000 wur­de der Kläge­rin im Rah­men ei­ner lit­ur­gi­schen Fei­er die Be­auf­tra­gung zum Dienst als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin im ERZ­BIS­TUM P1 er­teilt und ihr zu­gleich die Mis­si­on ca­no­ni­ca zur Er­tei­lung des ka­tho­li­schen Re­li­gi­ons­un­ter­richts an Grund-, Haupt-, Son­der-, Re­al- und Ge­samt­schu­len (Klas­se 5 – 10) ver­lie­hen. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die vom ERZ­BISCHOF von P1 aus­ge­stell­te Ur­kun­de (Bl. 14 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Die Kläge­rin war zu­letzt in die Ent­gelt­grup­pe 10, Stu­fe 5 mit ei­nem Brut­to­mo­nats­ge­halt von 3.923,32 € ein­grup­piert.
Nach­dem die Kläge­rin zunächst im Pas­to­ral­ver­bund S1-S2 tätig war, wur­de sie auf ih­ren Wunsch ab dem 01.05.2007 im Pas­to­ral­ver­bund P1- Nord-Ost ein­ge­setzt. In die­sem Zu­sam­men­hang strit­ten die Par­tei­en darüber, ob die Kläge­rin ver­pflich­tet ist, ih­ren Wohn­sitz in­ner­halb der Ein­satz­ge­mein­de zu neh­men. Mit Ur­teil vom 13.08.2009 (Az.: 16 Sa 1045/08) hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm dar­auf er­kannt, dass die Kläge­rin ei­ner Re­si­denz­pflicht un­ter­liegt.
Die von der Kläge­rin beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­leg­te Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de (Az.: 3 AZN 824/09) blieb oh­ne Er­folg.
Mit Schrei­ben vom 25.01.2010 be­an­trag­te die Kläge­rin, die vom 28.01.2009 bis zum 28.02.2010 ar­beits­unfähig er­krankt war, ei­ne in­ner­be­trieb­li­che Um­set­zung in den Pas­to­ral­ver­bund S1 oder in den Pas­to­ral­ver­bund H2-G2-L1. Die Kläge­rin wur­de dar­auf­hin zu ei­nem Ein­satz­pla­nungs­gespräch ein­ge­la­den. In die­sem Gespräch wur­de der Kläge­rin eröff­net, dass ihr die ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung zum Dienst als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin ent­zo­gen wer­den sol­le. Gleich­zei­tig wur­de ihr ein auf den 11.02.2010 da­tier­tes Anhörungs­schrei­ben (Bl. 15 – 16 d. A.) zum be­ab­sich­tig­ten Ent­zug der Be­auf­tra­gung über­ge­ben.
Mit De­kret vom 16.03.2010 (Bl. 20 - 23 d. A.) ent­zog das be­klag­te ERZ­BIS­TUM der Kläge­rin die Be­auf­tra­gung als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin. Zur Be­gründung wur­de im We­sent­li­chen aus­geführt:
Nach dem Sta­tut für Ge­mein­de­re­fe­ren­tin­nen und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten im ERZ­BIS­TUM P1 vom 01.12.2006 so­wie Nr. 3 der An­la­ge 20 zur KA­VO für die (Erz-) Bistümer A1, E2, K1, M1 (nord­rhein­westfäli­scher Teil) und P1 würden Ge­mein­de­re­fe­ren­tin­nen und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten zu ih­rem pas­to­ra­len Dienst durch den Diöze­s­an­bi­schof be­auf­tragt. Die pas­to­ra­le Be­auf­tra­gung durch den Diöze­s­an­bi­schof stel­le ei­nen in­ner­kirch­li­chen Rechts­akt dar, der zurück­ge­nom­men wer­den könne und müsse, wenn das für ei­ne pas­to­ra­le Tätig­keit im Auf­trag des Diöze­s­an­bi­schofs er­for­der­li­che Ver­trau­ens­verhält­nis dau­er­haft und ir­re­pa­ra­bel geschädigt sei. Das er­for­der­li­che Ver­trau­ens­verhält­nis sei vor­lie­gend nicht mehr ge­ge­ben. Die Kläge­rin ha­be während des Ver­fah­rens um die Fra­ge ih­rer Re­si­denz­pflicht wie­der­holt un­wah­re und ehr­ver­let­zen­de Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen zum Nach­teil des ERZ­BIS­TUMS, des ERZ­BISCHOFS so­wie von Mit­ar­bei­tern des ERZ­BIS­TUMS getätigt bzw. der­ar­ti­ge Be­haup­tun­gen durch ih­ren Ehe­mann ge­dul­det und die­se ehr­ver­let­zen­den Be­haup­tun­gen durch ge­ziel­ten Ein­satz der Pres­se auch in die brei­te Öffent­lich­keit ge­tra­gen. Die­se Be­haup­tun­gen sei­en in ho­hem Maße ge­eig­net, die Kir­che im An­se­hen Drit­ter her­ab­zuwürdi­gen und ihr Ver­trau­ens­verhält­nis zum ERZ­BISCHOF zu beschädi­gen. Darüber hin­aus las­se das bis­he­ri­ge Ver­hal­ten der Kläge­rin nur den Schluss zu, dass sie die Re­si­denz­pflicht in ih­rer fun­da­men­ta­len Be­deu­tung für den Dienst als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin nicht an­er­ken­ne.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf das De­kret vom 16.03.2010 Be­zug ge­nom­men.
Anträge der Kläge­rin auf Aus­set­zung des Voll­zugs und auf Rück­nah­me des De­krets blie­ben eben­so er­folg­los wie die von der Kläge­rin ein­ge­reich­te hier­ar­chi­sche Be­schwer­de zum apos­to­li­schen Stuhl. Mit De­kret der Con­gre­ga­tio Pro Cle­ri­cis vom 16.10.2010 (Bl. 27 d. A.) wur­de die Be­schwer­de we­gen sach­li­cher und recht­li­cher Un­be­gründet­heit zurück­ge­wie­sen.
Nach dem Ent­zug der Be­auf­tra­gung als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin wies das be­klag­te Erz­bis­tum der Kläge­rin mit Wir­kung zum 13.04.2010 ei­ne Tätig­keit im au­dio­vi­su­el­len Ar­chiv des In­sti­tuts für Re­li­gi­onspädago­gik und Me­di­en­ar­beit in P1 (IRUM) zu. Die­se Tätig­keit übte die Kläge­rin für ei­ni­ge Ta­ge aus; im Übri­gen war sie be­ur­laubt oder ar­beits­unfähig er­krankt. Mit Schrei­ben vom 13.07.2010 kündig­te die Kläge­rin an, ab dem 26.07.2010 ein Zurück­be­hal­tungs­recht an ih­rer Ar­beits­leis­tung we­gen nicht ver­trags­gemäßer Beschäfti­gung aus­zuüben. In ei­nem Per­so­nal­gespräch vom 26.07.2010 wur­de der Kläge­rin dann an­ge­bo­ten, ei­ne an­de­re Tätig­keit aus­zuüben, nämlich die Er­stel­lung ei­ner Ar­beits­hil­fe für den "Ma­te­ri­al­kof­fer zum Chris­ten­tum" für den Ein­satz in der Grund­schu­le. Da­bei wur­de der Kläge­rin mit­ge­teilt, dass die Po­si­ti­on in der Ent­gelt­grup­pe 9 – 10 ein­grup­piert sei, re­li­gi­onspädago­gi­sche Auf­ga­ben be­tref­fe und in der Wer­tig­keit in vol­lem Um­fang ih­rer Aus­bil­dung ent­spre­che. Die Vergütung sol­le da­her un­verändert blei­ben. Die Kläge­rin lehn­te die an­ge­bo­te­ne Beschäfti­gung ab und leg­te die Ar­beit – wie an­gekündigt – nie­der. Das be­klag­te Erz­bis­tum stell­te dar­auf­hin die Zah­lung des Ar­beits­ent­gelts an die Kläge­rin für den Zeit­raum ab dem 26.07.2010 ein.
Die Kläge­rin er­hob so­dann Kla­ge auf Beschäfti­gung als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin so­wie auf Zah­lung der ver­trag­li­chen Vergütung für den Zeit­raum vom 26.07.2010 bis 30.09.2010.
Nach­dem die Kla­ge erst­in­stanz­lich über­wie­gend Er­folg hat­te, hörte das be­klag­te ERZ­BIS­TUM mit Schrei­ben vom 25.11.2010 die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung zu ei­ner be­ab­sich­tig­ten außer­or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gung, ei­ner hilfs­wei­sen or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gung so­wie zu ei­ner Ver­set­zung der Kläge­rin an. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf das Anhörungs­schrei­ben nebst An­la­gen (Bl. 69 – 77 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Mit Schrei­ben vom 02.12.2010, wel­ches vom Lei­ter der Haupt­ab­tei­lung Per­so­nal und Ver­wal­tung un­ter­zeich­net war und der Kläge­rin am sel­ben Tag zu­ging, sprach das be­klag­te ERZ­BIS­TUM ge­genüber der Kläge­rin ei­ne außer­or­dent­li­che Ände­rungskündi­gung aus und bot ihr zu­gleich die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu geänder­ten Be­din­gun­gen ab dem 03.12.2010 als Se­kretärin mit ei­ner Vergütung gemäß der Ent­gelt­grup­pe 5, Stu­fe 5 KA­VO an. Ei­nen ent­spre­chen­den Ar­beits­ver­trag fügte es der Kündi­gung bei. Mit Schrei­ben ih­res Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 07.12.2010 wies die Kläge­rin die Kündi­gung man­gels Voll­macht­nach­wei­ses und Schrift­form zurück.
Nach er­neu­ter Anhörung der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung mit Schrei­ben vom 15.12.2010 (Bl. 78 - 86 d. A.) erklärte das be­klag­te ERZ­BIS­TUM mit Schrei­ben vom 22.12.2010 ge­genüber der Kläge­rin er­neut ei­ne außer­or­dent­li­che Ände­rungskündi­gung, wel­che vom Ge­ne­ral­vi­kar des be­klag­ten ERZ­BIS­TUMS un­ter­zeich­net wur­de.
Am 29.12.2010 sprach das be­klag­te ERZ­BIS­TUM schließlich nach er­neu­ter Anhörung der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung (Bl. 137 - 146 d. A.) ge­genüber der Kläge­rin hilfs­wei­se ei­ne or­dent­li­che Ände­rungskündi­gung zum 30.06.2011 aus.
Die Kläge­rin lehn­te das Ände­rungs­an­ge­bot ab.
Mit Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 09.09.2011 (Az.:18 Sa 2241/10) wur­de die erst­in­stanz­lich noch über­wie­gend er­folg­rei­che Kla­ge der Kläge­rin auf Beschäfti­gung als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin und auf Zah­lung der Vergütung für die Zeit vom 26.07.2010 bis zum 30.09.2010 ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung wur­de im We­sent­li­chen aus­geführt, es könne da­hin­ste­hen, ob dem Beschäfti­gungs­an­spruch be­reits der Ent­zug der Be­auf­tra­gung als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin ent­ge­gen ste­he. Ein Beschäfti­gungs­an­spruch sei je­den­falls auf­grund der aus­ge­spro­che­nen Ände­rungskündi­gun­gen ent­fal­len. Die­se sei­en nicht of­fen­sicht­lich un­wirk­sam. Ei­nem Vergütungs­an­spruch für die Zeit vom 26.07.2010 bis zum 30.09.2010 ste­he die Vor­schrift des § 615 Satz 2 BGB ent­ge­gen. In­dem die Kläge­rin das An­ge­bot des be­klag­ten ERZ­BIS­TUM, sie mit der Er­stel­lung ei­ner Ar­beits­hil­fe für den Un­ter­richt in der Grund­schu­le zu beschäfti­gen, ab­ge­lehnt ha­be, ha­be sie es böswil­lig un­ter­las­sen, Einkünf­te in glei­cher Höhe zu er­wer­ben.
Mit der vor­lie­gen­den Kla­ge wen­det sich die Kläge­rin so­wohl ge­gen die Wirk­sam­keit der bei­den außer­or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gun­gen als auch ge­gen die Wirk­sam­keit der hilfs­wei­se erklärten or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gung. Des Wei­te­ren be­gehrt sie für die Zeit vom 26.07.2010 bis zum 30.09.2010 auf­grund ei­ner zum 01.03.2010 er­folg­ten Vergütungs­erhöhung ei­ne Nach­zah­lung von 103,24 € brut­to, für die Zeit vom 01.10.2010 bis zum 02.12.2010 Ver­zugs­lohn­ansprüche in Höhe von ins­ge­samt 8.286,03 € brut­to und die Zah­lung der Weih­nachts­zu­wen­dung für das Jahr 2010 in Höhe von 80 % ei­nes Brut­to­mo­nats­ge­hal­tes. Hilfs­wei­se hat sie ei­nen An­spruch auf Ab­gel­tung von 27 Ur­laubs­ta­gen mit 4.947,75 € brut­to gel­tend ge­macht.
Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die streit­ge­genständ­li­chen Kündi­gun­gen sei­en un­wirk­sam. Die Un­wirk­sam­keit der außer­or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gung vom 02.12.2010 er­ge­be sich be­reits aus § 174 BGB und aus § 623 BGB. Ein wich­ti­ger Grund für die außer­or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gun­gen bzw. ein Grund zur so­zia­len Recht­fer­ti­gung der hilfs­wei­se frist­ge­rech­ten Ände­rungskündi­gung sei nicht ge­ge­ben. Das be­klag­te ERZ­BIS­TUM könne sich in die­sem Zu­sam­men­hang nicht auf den Ent­zug der Be­auf­tra­gung als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin be­ru­fen. An­de­ren­falls würde dies da­zu führen, dass sich das be­klag­te ERZ­BIS­TUM durch ei­nen in­ner­kirch­li­chen Akt ei­nen Kündi­gungs­grund qua­si "selbst bas­teln" könne. Dies gel­te ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund, dass sich das be­klag­te ERZ­BIS­TUM ar­beits­ver­trag­lich zur ih­rer Beschäfti­gung als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin ver­pflich­tet ha­be. So­weit sich das be­klag­te Erz­bis­tum hin­sicht­lich der Ent­zie­hung der Be­auf­tra­gung auf Vor­schrif­ten des Co­dex Iu­ris Ca­no­ni­ci (im Fol­gen­den: CIC) be­ru­fe, sei­en die­se im Ar­beits­ver­trag nicht in Be­zug ge­nom­men wor­den. Ei­ne Ent­zie­hung der Be­auf­tra­gung nach den Re­ge­lun­gen des CIC schei­de auch des­halb aus, weil sie als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin kein "Amt" be­klei­det ha­be. Viel­mehr sei sie le­dig­lich zum "Dienst" als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin be­auf­tragt wor­den. Die Be­auf­tra­gung zu die­sem "Dienst" stel­le je­doch kei­ne ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung dar. Ge­gen die An­nah­me ei­ner sol­chen ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung spre­che der Ver­gleich mit der Si­tua­ti­on der Ge­mein­de­as­sis­ten­ten. Die­se übten die­sel­ben Tätig­kei­ten wie Ge­mein­de­re­fe­ren­ten aus. Hierfür er­hiel­ten sie je­doch kei­ne be­fris­te­te ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung, son­dern le­dig­lich ei­ne be­fris­te­te Er­laub­nis zur Er­tei­lung des Re­li­gi­ons­un­ter­richts. Bei der Be­auf­tra­gung han­de­le es sich nicht um ei­ne zwin­gen­de Vor­aus­set­zung für die Tätig­keit als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin, son­dern eher um ei­ne Art sym­bo­li­schen Akt. Dies zei­ge schon die Tat­sa­che, dass sie ih­re Tätig­keit als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin be­reits am 01.02.2000 auf­ge­nom­men hat, während ih­re Be­auf­tra­gung erst am 05.02.2000 er­folg­te. In an­de­ren Fällen hätten so­gar noch länge­re Zeiträume zwi­schen Tätig­keits­auf­nah­me und Be­auf­tra­gung ge­le­gen. Ver­hal­tens­be­ding­te oder an­de­re Kündi­gungs­gründe sei­en nicht er­sicht­lich. Viel­mehr lie­ge ein Ver­s­toß ge­gen § 612 a BGB vor; ihr sei gekündigt wor­den, weil sie ih­re Rech­te in den vor­an­ge­gan­ge­nen Rechts­strei­ten ver­folgt ha­be. Hin­sicht­lich der außer­or­dent­li­chen Kündi­gun­gen sei auch die zweiwöchi­ge Kündi­gungs­erklärungs­frist nicht ge­wahrt. Zu­dem wer­de die ord­nungs­gemäße Anhörung der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung des be­klag­ten Erz­bis­tums be­strit­ten. Ins­be­son­de­re sei der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung in den Anhörungs­schrei­ben un­zu­tref­fend mit­ge­teilt wor­den, sie ha­be zu­mut­ba­re an­de­re Tätig­kei­ten ab­ge­lehnt, ob­wohl dies nicht den Tat­sa­chen ent­spre­che. Auch sei in der Anhörung der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung nicht erwähnt wor­den, dass sie an­geb­lich ein Kir­chen­amt be­klei­de, für das ei­ne ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung er­for­der­lich sei.
Sch­ließlich sei das Ände­rungs­an­ge­bot un­zu­mut­bar, da es unnötig weit in ih­re Rech­te ein­grei­fe. Die Stel­le als Se­kretärin in Voll­zeit mit der Ent­gelt­grup­pe 5 be­deu­te ei­ne Hal­bie­rung ih­rer Einkünf­te. Ei­ne Teil­zeit­stel­le mit 50 % der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit und ei­ner Vergütung gemäß der Ent­gelt­grup­pe 10 wäre verhält­nismäßiger ge­we­sen. Das Ände­rungs­an­ge­bot sei auch des­halb un­verhält­nismäßig, da sie nach ih­rem bis­he­ri­gen Ar­beits­ver­trag ei­ne Wo­chen­ar­beits­zeit von 38,5 St­un­den ge­habt ha­be und in den Ände­rungs­verträgen nun­mehr von ei­ner Wo­chen­ar­beits­zeit von "zur­zeit 39 St­un­den" die Re­de sei. Auch die Re­ge­lung in § 8 Abs. 3 des Ar­beits­ver­tra­ges sei text­lich geändert wor­den, oh­ne dass hier­zu ei­ne Not­wen­dig­keit be­stan­den ha­be.
Von den gel­tend ge­mach­ten Zah­lungs­ansprüchen sei le­dig­lich ein zins­lo­ses Dar­le­hen der AR­GE in Höhe von 2.694,15 € net­to in Ab­zug zu brin­gen. Ein wei­te­rer An­spruchsüber­gang lie­ge nicht vor, da sie erst nach dem 12.12.2010 Ar­beits­lo­sen­geld er­hal­ten ha­be.
1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung des be­klag­ten ERZ­BIS­TUMS mit Schrei­ben vom 02.12.2010 nicht be­en­det wor­den ist;
2. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis auch nicht durch die wei­te­re außer­or­dent­li­che Kündi­gung des Be­klag­ten ERZ­BIS­TUMS mit Schrei­ben vom 22.12.2010 be­en­det wor­den ist;
3. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis auch nicht durch die hilfs­wei­se or­dent­li­che Kündi­gung des Be­klag­ten ERZ­BIS­TUMS mit Schrei­ben vom 29.12.2010 zum 30.06.2011 be­en­det wer­den wird;
4. das be­klag­te ERZ­BIS­TUM zu ver­ur­tei­len, an sie 11.565,58 Eu­ro brut­to abzüglich 2.694,15 Eu­ro net­to so­wie zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz der Eu­ropäischen Zen­tral­bank
aus 9,10 Eu­ro seit dem 01.08.2010,
aus wei­te­ren 47,07 Eu­ro seit dem 01.09.2010
aus wei­te­ren 47,07 Eu­ro seit dem 01.10.2010
aus wei­te­ren 3.970,39 Eu­ro seit dem 01.11.2010
aus wei­te­ren 7.146,70 Eu­ro seit dem 01.12.2010
aus wei­te­ren 345,25 Eu­ro seit dem 01.01.2011;
5. hilfs­wei­se für den Fall des Un­ter­lie­gens mit den Anträgen zu den Zif­fern 1) bis 3) das be­klag­te ERZ­BIS­TUM zu ver­ur­tei­len, an sie 4.947,75 Eu­ro brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz der Eu­ropäischen Zen­tral­bank seit dem 01.01.2011 zu zah­len.
Das be­klag­te ERZ­BIS­TUM be­an­tragt,
Das be­klag­te ERZ­BIS­TUM hat die An­sicht ver­tre­ten, der pas­to­ra­le Be­ruf der Ge­mein­de­re­fe­ren­ten stel­le nach den Be­stim­mun­gen des CIC ein Kir­chen­amt dar, das oh­ne ka­no­ni­sche Amtsüber­tra­gung nicht gültig er­langt wer­den könne. Die ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung sei da­mit ei­neVor­aus­set­zung für die Ausübung der Tätig­keit als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin. Nach dem Ent­zug der Be­auf­tra­gung könne und dürfe die Kläge­rin nicht mehr als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin ein­ge­setzt wer­den. Der Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung stel­le ei­ne in­ner­kirch­li­che An­ge­le­gen­heit dar, die sich nach den cann. 184 ff CIC rich­te. Hier­bei sei für die Be­trof­fe­nen der in­ner­kirch­li­che Rechts­weg gemäß can. 1737 § 1 CIC eröff­net, den die Kläge­rin be­schrit­ten ha­be. Auf­grund des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts gem. Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 1 und 3 WRV sei der Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung von den staat­li­chen Ge­rich­ten nicht über­prüfbar. Auf­grund des Ent­zugs der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung sei ei­ne Beschäfti­gung der Kläge­rin als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin nicht mehr möglich ge­we­sen. Die Kündi­gungs­erklärungs­frist nach § 626 Abs. 2 BGB sei ge­wahrt, da es sich um ei­nen Dau­er­tat­be­stand han­de­le. Die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung sei ord­nungs­gemäß an­gehört wor­den. Aus dem bei­gefügten De­kret sei für die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung er­sicht­lich ge­we­sen, dass die Kläge­rin ein ka­no­ni­sches Kir­chen­amt be­klei­det ha­be. Das Ände­rungs­an­ge­bot sei auch zu­mut­bar ge­we­sen. An­de­re, we­ni­ger nach­tei­li­ge Stel­len, auf de­nen die Kläge­rin auf­grund ih­rer Aus­bil­dung und ih­ren Kennt­nis­sen hätte wei­ter­beschäftigt wer­den können, sei­en nicht vor­han­den ge­we­sen. Im Übri­gen er­rech­ne sich bei ei­ner Beschäfti­gung mit der bis­he­ri­gen Ent­gelt­grup­pe 10 auf ei­ner hal­ben Stel­le ei­ne ge­rin­ge­re Vergütung als bei der an­ge­bo­te­nen Stel­le. Die Dau­er der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit sei nicht geändert wor­den, da die­se nach der KA­VO seit dem 01.10.2008 39 St­un­den be­tra­ge. Vergütungs­ansprüche für die Zeit vom 26.07.2010 bis zum 02.12.2010 bestünden nicht, da der Kläge­rin zum ei­nen die Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung unmöglich ge­we­sen sei und sie zum an­de­ren ei­ne zu­mut­ba­re Beschäfti­gung ab­ge­lehnt ha­be. Hin­sicht­lich der Weih­nachts­zu­wen­dung ste­he der Kläge­rin nach den Re­ge­lun­gen der KA­VO le­dig­lich ein an­tei­li­ger An­spruch von 5/12 = 1.323,46 € zu, da sie in den Mo­na­ten Ja­nu­ar und Fe­bru­ar so­wie Au­gust bis De­zem­ber 2010 kei­ne Bezüge er­hal­ten ha­be. Hin­sicht­lich des hilfs­wei­se gel­tend ge­mach­ten Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruchs lie­ge ei­ne Über­lei­tungs­an­zei­ge der Bun­des­agen­tur für Ar­beit vor.
Mit Ur­teil vom 23.11.2011 hat das Ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die außer­or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gun­gen vom 02.12.2010 und vom 22.12.2010 nicht auf­gelöst wor­den ist, son­dern bis zum 30.06.2011 fort­be­stan­den hat. Des Wei­te­ren hat es das be­klag­te ERZ­BIS­TUM ver­ur­teilt, an die Kläge­rin ei­ne an­tei­li­ge Weih­nachts­zu­wen­dung für das Jahr 2010 in Höhe von 1.323,46 € ab­zgl. des Dar­le­hens der AR­GE zu zah­len. Im Übri­gen hat es die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt: Ob die Be­auf­tra­gung für den Dienst als Ge­mein­de­re­fe­rent/in ein "Amt" im kir­chen­recht­li­chen Sin­ne dar­stel­le, ob es sich hier­bei um ei­ne ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung oder le­dig­lich ei­ne Art sym­bo­li­schen Akt han­de­le, können of­fen blei­ben. We­gen der Seel­sor­ger- und Verkündungstätig­keit der Ge­mein­de­re­fe­ren­ten gehöre es je­den­falls zum Selbst­be­stim­mungs­recht der ka­tho­li­schen Kir­che, zusätz­lich zum ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag als Vor­aus­set­zung für die Tätig­keit als Ge­mein­de­re­fe­rent/in ei­ne ge­son­dert er­teil­te kirch­li­che Be­auf­tra­gung zu for­dern. Der Ent­zug der Be­auf­tra­gung stel­le ei­nen in­ner­kirch­li­chen Akt dar. Da nach Art. 140 GG i. v. m. Art. 137 Abs. 3 S. 2 WRV nicht nur die Ämter­ver­ga­be, son­dern all­ge­mein die Ord­nung des kirch­li­chen Diens­tes al­lein durch die Kir­che oh­ne Mit­wir­kung des Staa­tes er­fol­ge, sei der Ent­zug der Be­auf­tra­gung der voll­umfäng­li­chen Über­prüfung durch die Ar­beits­ge­rich­te nicht zugäng­lich. Hin­rei­chen­de An­halts­punk­te dafür, dass die Ent­zie­hung der Be­auf­tra­gung als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin ge­gen fun­da­men­ta­le Grund­prin­zi­pi­en der Rechts­ord­nung wie dem all­ge­mei­nen Willkürver­bot, dem Be­griff der gu­ten Sit­ten oder dem od­re pu­blic ver­s­toße, bestünden nicht. Da die Kläge­rin auf­grund des Ent­zugs der Be­auf­tra­gung nicht mehr die Vor­aus­set­zun­gen für ih­re ver­trag­lich ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung auf­wei­se, lie­ge an sich ein wich­ti­ger Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung vor. Un­ter Berück­sich­ti­gung der Umstände des Ein­zel­fal­les und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le er­ge­be sich je­doch, dass dem Be­klag­ten ERZ­BIS­TUM die Ein­hal­tung der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist zu­mut­bar ge­we­sen sei. Das Ar­beits­verhält­nis sei aber durch die hilfs­wei­se or­dent­li­che Kündi­gung be­en­det wor­den. Der Ent­zug der Be­auf­tra­gung stel­le ei­nen per­so­nen­be­ding­ten Kündi­gungs­grund dar. Das Ände­rungs­an­ge­bot des be­klag­ten ERZ­BIS­TUMS sei auch zu­mut­bar ge­we­sen.
Die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung sei ord­nungs­gemäß an­gehört wor­den. Die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung ha­be zu­min­dest aus den bei­gefügten Un­ter­la­gen und De­kre­ten ent­neh­men können, dass die Kläge­rin ein Kir­chen­amt be­klei­de bzw. ei­ne ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung der Kläge­rin vor­lie­ge. Wel­che Tätig­kei­ten von der Kläge­rin ab­ge­lehnt wur­den ha­be die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung der eben­falls bei­gefügten Auf­stel­lung ent­neh­men können.
Sch­ließlich ver­s­toße die Kündi­gung auch nicht ge­gen das Maßre­ge­lungs­ver­bot des § 612 a BGB.
Vergütungs­ansprüche stünden der Kläge­rin für den Zeit­raum vom 26.07.2010 bis zum 02.12.2010 nicht zu. Da­bei könne of­fen blei­ben, ob An­nah­me­ver­zugs­lohn­ansprüche schon des­halb aus­schei­den, weil der Kläge­rin we­gen des Ent­zugs der Be­auf­tra­gung die Fähig­keit zur Er­brin­gung der ge­schul­de­ten Ar­beits­leis­tung fehl­te. Ei­nem Zah­lungs­an­spruch ste­he je­den­falls die Re­ge­lung des § 615 S. 2 BGB ent­ge­gen; in­so­weit wer­de auf die Ausführun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm im Ver­fah­ren 18 Sa 2241/10 Be­zug ge­nom­men.
Ein An­spruch auf die Weih­nachts­vergütung sei nur in Höhe von 1.323,46 € ge­ge­ben, da die Kläge­rin in den Mo­na­ten Ja­nu­ar und Fe­bru­ar 2010 oh­ne Ent­gelt­fort­zah­lung ar­beits­unfähig er­krankt war und für die Zeit ab dem 26.07.2010 kei­ne Vergütungs­ansprüche ha­be. Nach § 2 Abs. 2 der An­la­ge 14 zur KA­VO sei die Zu­wen­dung aber um ein Zwölf­tel für je­den Ka­len­der­mo­nat zu kürzen, in dem der Mit­ar­bei­ter kei­ne Bezüge er­hal­ten hat.
Der hilfs­wei­se gel­tend ge­mach­te An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung sei un­be­gründet, da nicht fest­stell­bar sei, in wel­cher Höhe die Kläge­rin ak­tiv­le­gi­ti­miert ist. Nach § 143 Abs. 2, 3 SGB III ru­he der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld während des Be­zugs von Ur­laubs­ab­gel­tung. Sei auch für die­sen Zeit­raum Ar­beits­lo­sen­geld gewährt wor­den, ge­he der An­spruch in Höhe des gewähr­ten Ar­beits­lo­sen­gel­des auf die Bun­des­agen­tur für Ar­beit über. Vor­lie­gend ha­be die Kläge­rin nicht dar­ge­legt, in wel­cher Höhe sie Ar­beits­lo­sen­geld be­zo­gen ha­be.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils wird auf Bl. 330 bis 359 d. A. ver­wie­sen.
Mit ih­rer recht­zei­tig ein­ge­leg­ten und be­gründe­ten Be­ru­fung wen­det sich die Kläge­rin un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens ge­gen den Stand­punkt des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils zur Wirk­sam­keit der hilfs­wei­se erklärten or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gung, zur Fra­ge der An­nah­me­ver­zugs­lohn­ansprüche, zum Um­fang des An­spruchs auf die Weih­nachts­zu­wen­dung so­wie zur Ur­laubs­ab­gel­tung.
Sie ist der An­sicht, das Ar­beits­ge­richt ha­be nicht die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner per­so­nen­be­ding­ten Kündi­gung, son­dern die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung prüfen müssen. An­lass für den Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung sei un­strei­tig ein Ver­hal­ten im Rah­men der Aus­ein­an­der­set­zung der Par­tei­en über die Re­si­denz­pflicht ge­we­sen. Die­ses Ver­hal­ten könne kei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung recht­fer­ti­gen. Dies ha­be das be­klag­te ERZ­BIS­TUM of­fen­bar von vorn­her­ein selbst er­kannt; denn an­sons­ten hätte es der Schaf­fung ei­nes künst­li­chen Kündi­gungs­grun­des durch den Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung nicht be­durft. Woll­te man der An­sicht des Ar­beits­ge­richts fol­gen, könn­te das ERZ­BIS­TUM im­mer dann, wenn sich ein "be­auf­trag­ter" Mit­ar­bei­ter nicht wie gewünscht verhält, oh­ne ge­richt­li­che Über­prüfbar­keit die Be­auf­tra­gung ent­zie­hen, um das Ar­beits­verhält­nis dann per­so­nen­be­dingt zu kündi­gen. Nach Art. 137 Abs. 3 WRV könn­ten die Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ih­re An­ge­le­gen­hei­ten aber nur in­ner­halb der Schran­ke des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes selbständig ord­nen und ver­wal­ten. Vor­lie­gend wol­le sich das be­klag­te ERZ­BIS­TUM, das sich zum Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges der Pri­vat­au­to­no­mie be­dient ha­be, nun durch Schaf­fung ei­nes ab­so­lu­ten und von welt­li­chen Ge­rich­ten nicht über­prüfba­ren Kündi­gungs­grun­des außer­halb der Rechts­ord­nung be­we­gen. In ih­rer Sphäre lie­gen­de Gründe für ei­ne per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung sei­en je­den­falls nicht ge­ge­ben. Sie sei nach wie vor in der La­ge, die ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­te Leis­tung als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin zu er­brin­gen. Ins­be­son­de­re sei die Er­tei­lung der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung nicht Vor­aus­set­zung für die Leis­tungs­er­brin­gung. Zum Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung ha­be es im ge­sam­ten Kir­chen­recht kei­ne Re­ge­lung ge­ge­ben, die die Er­tei­lung der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung als Vor­aus­set­zung für die Tätig­keit als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin ge­re­gelt ha­be. Die Wirk­sam­keit der Kündi­gung schei­te­re auch an der nicht ord­nungs­gemäßen Be­tei­li­gung der MAV nach § 30 MA­VO. Dem Anhörungs­schrei­ben nebst An­la­gen sei nicht zu ent­neh­men, dass das be­klag­te ERZ­BIS­TUM von ei­nem Kir­chen­amt aus­ge­he, wel­ches nach den ent­spre­chen­den kir­chen­recht­li­chen Vor­schrif­ten ent­zo­gen wer­den könne. Die gel­tend ge­mach­ten An­nah­me­ver­zugs­lohn­ansprüche ha­be das Ar­beits­ge­richt nicht mit der Be­gründung ab­wei­sen dürfen, sie müsse sich nach § 615 S. 2 BGB an­rech­nen las­sen, was sie böswil­lig zu ver­die­nen un­ter­las­sen ha­be. Da die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung der Zu­wei­sung des neu­en Ar­beits­plat­zes nicht zu­ge­stimmt ha­be, hätte ihr be­reits des­halb ein Zurück­be­hal­tungs­recht zu­ge­stan­den. Im Übri­gen hätte das be­klag­te ERZ­BIS­TUM sie auch oh­ne ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin beschäfti­gen können. Hin­sicht­lich der Kürzung der Weih­nachts­zu­wen­dung bestünden Zwei­fel an der Wirk­sam­keit der Kürzungs­re­ge­lung in § 2 Abs. 2 der An­la­ge 14 zur KA­VO. Die Re­ge­lung dif­fe­ren­zie­re nicht da­nach, ob der Ar­beit­neh­mer in Fol­ge ei­nes dem Ar­beit­ge­ber zu­zu­rech­nen­den Um­stan­des – zum Bei­spiel ei­nes Ar­beits­un­fal­les – länger­fris­tig kei­ne Vergütung er­hal­ten hat, oder aus ei­nem sons­ti­gen nicht dem Ar­beit­ge­ber zu­zu­ord­nen­den Grund. Hin­sicht­lich des An­spruchs auf Ur­laubs­ab­gel­tung hat die Kläge­rin den Ar­beits­lo­sen­geld­be­scheid zur Ak­te ge­reicht und be­zo­ge­nes Ar­beits­lo­sen­geld in Höhe von 2.266,29 € net­to in Ab­zug ge­bracht.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pa­der­born vom 23.11.2011 – 2 Ca 561/11 – teil­wei­se ab­zuändern und
1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis auch nicht durch die hilfs­wei­se or­dent­li­che Kündi­gung des Be­klag­ten ERZ­BIS­TUMS vom 29.12.2010 mit Ab­lauf des 30.06.2011 ge­en­det hat;
2. das be­klag­te ERZ­BIS­TUM zu ver­ur­tei­len, an sie wei­te­re 10.242,12 € brut­to zzgl. Zin­sen in 50 Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz der EZB
aus 9,10 € seit dem 01.08.2010,
aus wei­te­ren 47,07 € seit dem 01.09.2010,
aus wei­te­ren 47,07 € seit dem 01.10.2010,
aus wei­te­ren 3.970,39 € seit dem 01.11.2010,
aus wei­te­ren 5.823,24 € seit dem 01.12.2010,
aus wei­te­ren 345,25 € seit dem 01.01.2011
3. hilfs­wei­se für den Fall des Un­ter­lie­gens mit dem An­trag zu Zif­fer 1,
das be­klag­te ERZ­BIS­TUM zu ver­ur­tei­len, an sie 4.947,75 € brut­to abzüglich 2.266,29 54 € net­to so­wie zzgl. Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­sat EZB seit dem 01.07.2011 zu zah­len.
Das be­klag­te ERZ­BIS­TUM be­tont, dass es sich um ei­ne per­so­nen­be­ding­te und nicht um ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung han­de­le. Das Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che und da­mit die Ver­fas­sung ver­bie­te es, dass das Ar­beits­ge­richt ei­nen Sach­ver­halt, der in der kirch­li­chen Ge­richts­bar­keit ab­sch­ließend ge­prüft wur­de, ei­ner ei­ge­nen Prüfung un­ter­zieht. Es sei auch nicht Sa­che der Kläge­rin fest­zu­stel­len, ob ih­re Be­auf­tra­gung ei­nes ka­no­ni­schen Ak­tes be­darf oder nicht. Dies sei durch den Spruch der Kon­gre­ga­ti­on für den Kle­rus für al­le Be­tei­lig­tenein­sch­ließlich der Ar­beits­ge­richts­bar­keit ab­sch­ließend und ver­bind­lich fest­ge­stellt. Zah­lungs­ansprüche der Kläge­rin für die Zeit vom 26.07.2010 bis zum 30.09.2010 sei­en nicht ge­ge­ben. Für den Zeit­raum bis zum 30.09.2010 ste­he be­reits die rechts­kräfti­ge Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 09.09.2011 – 18 Sa 2241/10 – ei­ner Nach­for­de­rung ent­ge­gen. Im Übri­gen sei die Kläge­rin über­haupt nicht leis­tungsfähig im Sin­ne von § 297 BGB ge­we­sen. Der Ur­laubs­an­spruch wer­de grundsätz­lich nicht be­strit­ten. Ob ein Ab­gel­tungs­an­spruch be­ste­he, hänge aber da­von ab, ob das Ar­beits­verhält­nis zum 30.06.2011 ge­en­det hat. So­lan­ge dies nicht rechts­kräftig fest­ste­he, hänge der An­spruch von ei­nem zukünf­ti­gen Er­eig­nis ab; ei­ne Kla­ge auf künf­ti­ge Leis­tung sei vor­lie­gend aber nicht zulässig.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die Sit­zungs­pro­to­kol­le ergänzend Be­zug ge­nom­men.
Die an sich statt­haf­te und form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pa­der­born vom 23.11.2011 hat nur in ge­rin­gem Um­fang Er­folg. So­weit das Ar­beits­ge­richt den hilfs­wei­se gel­tend ge­mach­ten An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung ab­ge­wie­sen hat, ist die Be­ru­fung teil­wei­se be­gründet. Im Übri­gen ist sie un­be­gründet.
A) Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en hat durch die Ände­rungskündi­gung vom 29.12.2010 mit Ab­lauf des 30.06.2011 ge­en­det. Die Ände­rungskündi­gung ist so­zi­al ge­recht­fer­tigt im Sin­ne der §§ 2, 1 Abs. 2 S. 1 KSchG und auch nicht aus an­de­ren Gründen un­wirk­sam. Da die Kläge­rin das Ände­rungs­an­ge­bot auch nicht un­ter Vor­be­halt an­ge­nom­men hat, hat das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en da­her mit Ab­lauf der Kündi­gungs­frist am 30.06.2011 sein En­de ge­fun­den.
I. Ei­ne Ände­rungskündi­gung ist nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts wirk­sam, wenn sich der Ar­beit­ge­ber bei ei­nem an sich an­er­ken­nens­wer­ten An­lass dar­auf be­schränkt hat, le­dig­lich sol­che Ände­run­gen vor­zu­schla­gen, die der Ar­beit­neh­mer bil­li­ger­wei­se hin­neh­men muss. Die Ände­run­gen müssen ge­eig­net und er­for­der­lich sein, um den In­halt des Ar­beits­ver­trags den geänder­ten Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten an­zu­pas­sen. Die an­ge­bo­te­nen Ände­run­gen dürfen sich nicht wei­ter vom In­halt des bis­he­ri­gen Ar­beits­verhält­nis­ses ent­fer­nen, als zur Er­rei­chung des an­ge­streb­ten Zie­les er­for­der­lich ist (BAG, Ur­teil vom 22.04.2004 – 2 AZR 385/03 -; BAG, Ur­teil vom 23.11.2000 – 2 AZR 617/99 -; BAG, Ur­teil vom 18.11.1999 – 2 AZR 77/99 -).
Die­ser Maßstab gilt un­abhängig da­von, ob der Ar­beit­neh­mer das Ände­rungs­an­ge­bot ab­ge­lehnt oder un­ter Vor­be­halt an­ge­nom­men hat (BAG, Ur­teil vom 19.05.1993 – 2 AZR 584/92 -).
Aus der Berück­sich­ti­gung des Ände­rungs­an­ge­bo­tes bei der Prüfung der So­zi­al­wid­rig­keit er­gibt sich ein zwei­stu­fi­ges Prüfungs­ver­fah­ren. Zunächst ist zu prüfen, ob Gründe in der Per­son oder im Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers oder drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se ei­ne Ver­tragsände­rung be­din­gen. So­dann ist zu prüfen, ober der Ar­beit­ge­ber sich dar­auf be­schränkt hat, nur sol­che Ände­run­gen vor­zu­schla­gen, die der Ar­beit­neh­mer bil­li­ger­wei­se hin­neh­men muss. Die­se Fra­ge wie­der­um ist an Hand des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes zu be­ur­tei­len. Das be­deu­tet, dass die geänder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen im Hin­blick auf den Kündi­gungs­grund ge­eig­net so­wie er­for­der­lich sein müssen und sich nicht wei­ter vom bis­he­ri­gen In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses ent­fer­nen dürfen, als dies zur Er­rei­chung des mit der Ände­rungskündi­gung an­ge­streb­ten Zie­les er­for­der­lich ist.
II. Ge­mes­sen an die­sen Grundsätzen ist die streit­ge­genständ­li­che Ände­rungskündi­gung nicht so­zi­al­wid­rig.
1. Die vom be­klag­ten ERZ­BIS­TUM an­ge­streb­ten Ver­tragsände­run­gen sind durch Gründe in der Per­son der Kläge­rin be­dingt.
a) Ei­ne per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung kann ins­be­son­de­re so­zi­al ge­recht­fer­tigt sein, wenn der Ar­beit­neh­mer aus Gründen, die in sei­ner Sphäre lie­gen, je­doch nicht von ihm ver­schul­det sein müssen, zu der nach dem Ver­trag vor­aus­ge­setz­ten Ar­beits­leis­tung ganz oder teil­wei­se nicht mehr in der La­ge ist. In die­sen Fällen liegt in der Re­gel ei­ne schwe­re und dau­er­haf­te Störung des ver­trag­li­chen Aus­tausch­verhält­nis­ses vor, der der Ar­beit­ge­ber mit ei­ner Ände­rungskündi­gung, oder wenn kei­ne an­de­re Beschäfti­gung mehr möglich ist, mit ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung be­geg­nen kann (BAG, Ur­teil vom 11.12.2003 – 2 AZR 667/02 -; BAG, Ur­teil vom 24.02.2005 – 2 AZR 211/04 -).
So ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes an­er­kannt, dass bei­spiels­wei­se der Ent­zug der Ermäch­ti­gung zum Um­gang mit Ver­schluss­sa­chen (VS-Ermäch­ti­gung) eben­so wie der Ent­zug ei­ner schul­auf­sicht­li­chen Ge­neh­mi­gung oder der Ent­zug ei­ner Fahr­er­laub­nis bei ei­nem Kraft­fah­rer we­gen des sich hier­aus er­ge­ben­den Beschäfti­gungs­ver­bo­tes an sich ge­eig­net ist, ei­nen per­so­nen­be­ding­ten Kündi­gungs­grund im Sin­ne des § 1 Abs. 2 S. 1 KSchG ab­zu­ge­ben ( vgl. BAG, Ur­teil vom 26.11.2009 – 2 AZR 272/08 -; BAG, Ur­teil vom 11.12.1987 – 7 AZR 709/85 -).
b) Vor­lie­gend stützt das be­klag­te ERZ­BIS­TUM die Kündi­gung dar­auf, dass der Kläge­rin durch den Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung die kir­chen­recht­lich er­for­der­li­che Be­fug­nis bzw. Er­laub­nis für ei­ne Tätig­keit als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin feh­le. Oh­ne die­se Be­fug­nis könne und dürfedie Kläge­rin ih­re ver­trag­lich ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin nicht mehr er­brin­gen. Durch den Ver­lust der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung sei ihr die Er­brin­gung der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Ar­beits­leis­tung we­gen des sich hier­aus er­ge­ben­den, kir­chen­recht­li­chenBeschäfti­gungs­ver­bo­tes unmöglich ge­wor­den.
Die Kläge­rin ver­tritt dem­ge­genüber die An­sicht, die Er­tei­lung ei­ner ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung sei nicht Vor­aus­set­zung der Leis­tungs­er­brin­gung. Zum Zeit­punkt des Zu­gangs der streit­ge­genständ­li­chen Kündi­gung ha­be es im ge­sam­ten Kir­chen­recht kei­ne Re­ge­lung ge­ge­ben, nach der ei­ner ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung für die Tätig­keit als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin er­for­der­lich sei.
Bei der zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­gen Fra­ge, ob der kirch­li­che Be­ruf der Ge­mein­de­re­fe­ren­ten ei­ne ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung vor­aus­setzt, han­delt es sich um ei­ne rein kir­chen­recht­li­che Fra­ge. Gleich­wohl ist die Kam­mer vor­lie­gend be­fugt, die zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­ge Fra­ge, ob der kirch­li­che Be­ruf der Ge­mein­de­re­fe­ren­ten/in­nen nach dem kirch­li­chen Recht ei­ne ka­no­ni­sche Sen­dung vor­aus­setzt, zu über­prüfen.
Die Ver­fas­sungs­ga­ran­tie des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts gewähr­leis­tet den Kir­chen darüber zu be­fin­den, wel­che Diens­te es in ih­ren Ein­rich­tun­gen ge­ben soll und in wel­chen Rechts­for­men sie wahr­zu­neh­men sind. Die Kir­chen können sich da­bei der staat­li­chen Pri­vat­au­to­no­mie be­die­nen, um ein Ar­beits­verhält­nis zu be­gründen und zu re­geln (BverfG, Be­schluss vom 04.06.1985 – 2 BvR 1718/83 -). Be­die­nen sich die Kir­chen wie je­der­mann der Pri­vat­au­to­no­mie, so fin­det auf die­se das staat­li­che Ar­beits­recht An­wen­dung. In­so­weit er­folgt ei­ne Ver­bin­dung zwi­schen kirch­li­chem und welt­li­chem Recht, wo­bei in­ner­kirch­li­che Re­ge­lun­gen oder Ent­schei­dun­gen mögli­cher­wei­se von präju­di­zi­el­ler Be­deu­tung für die Be­ur­tei­lung des streit­ge­genständ­li­chen Rechts­verhält­nis­ses sind. Hängt hier­nach die Ent­schei­dung der Rechts­strei­tig­keit von der An­wen­dung und Prüfung kirch­li­chen Rechts als Vor­fra­ge ab, wird ei­ne In­zi­dent­kon­trol­le all­ge­mein als zulässig an­ge­se­hen (vgl. Ri­char­di, Ar­beits­recht in der Kir­che, 5. Auf­la­ge, § 21 Rz. 2 m.w.N.; BAG, Ur­teil vom 21.05.1992 – 2 AZR 49/92 – m.w.N.). Durch die­se In­zi­dent­kon­trol­le wird nicht in un­zulässi­ger Wei­se in die nach Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 3 S. 2 WRV ga­ran­tier­te Ämter­ho­heit der Kir­che, wo­nach die­se ih­re Ämter oh­ne Mit­wir­kung des Staa­tes oder der bürger­li­chen Ge­mein­de ver­leiht, al­so selbst be­stimmt, wel­che Ämter sie ein­rich­tet, wel­che Ämter ei­ner ka­no­ni­schen Amtsüber­tra­gung bedürfen und wem ein Amt über­tra­gen wird, ein­ge­grif­fen. Bei der vor­lie­gend vor­zu­neh­men­den In­zi­dent­kon­trol­le geht es viel­mehr nur um die Fra­ge, wie die Kir­che von ih­rem Selbst­be­stim­mungs­recht Ge­brauch ge­macht hat, al­so um die Fra­ge, wel­che Ämter sie ein­ge­rich­tet hat und wel­che Ämter ei­ne ka­no­ni­sche Amtsüber­tra­gung er­for­dern.
c) Die An­wen­dung des kirch­li­chen Rechts er­gibt vor­lie­gend, dass die Ausübung des kirch­li­chen Be­ru­fes der Ge­mein­de­re­fe­ren­ten/in­nen ei­ne ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung durch den zuständi­gen (Erz-) Bi­schof er­for­dert. Oh­ne ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung kann und darf der Be­ruf nach den kir­chen­recht­li­chen Re­ge­lun­gen nicht aus­geübt wer­den.
Das Er­for­der­nis ei­ner ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung er­gibt sich so­wohl aus dem Co­dex Iu­ris Ca­no­ni­ci, der in­so­weit Rah­men­recht enthält, das durch teil­kirch­li­ches diöze­sa­nes Recht aus­gefüllt wird, als auch aus dem diöze­sa­nen Sta­tut für Ge­mein­de­re­fe­ren­tin­nen und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten im ERZ­BIS­TUM P1 vom 01.12.2006.
aa) Nach can. 146 CIC kann ein Kir­chen­amt oh­ne ka­no­ni­sche Amtsüber­tra­gung nicht gültig er­langt wer­den kann. Dar­aus folgt, dass der Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges für sich al­lein die kir­chen­recht­li­che Über­tra­gung des kirch­li­chen Am­tes nicht be­wir­ken kann. Zur Er­lan­gung des Kir­chen­am­tes be­darf es viel­mehr ei­nes ka­no­ni­schen Rechts­ak­tes.
Was un­ter ei­nem Kir­chen­amt zu ver­ste­hen ist, ist in can. 145 CIC de­fi­niert. Da­nach ist Kir­chen­amt jed­we­der Dienst, der durch gött­li­che oder kirch­li­che An­ord­nung auf Dau­er ein­ge­rich­tet ist und der Wahr­neh­mung ei­nes geist­li­chen Zwe­ckes dient. Der CIC hat da­mit im An­schluss an das II. Va­ti­ka­ni­sche Kon­zil für das ka­no­ni­sche Recht ei­nen wei­ten Amts­be­griff über­nom­men und die gemäß dem CIC/1917 be­ste­hen­de be­griff­li­che Ver­bin­dung des ka­no­ni­schen Amts­be­griffs mit der Kir­chen­ge­walt auf­ge­ge­ben. Kir­chen­recht­lich ist da­mit der Be­griff des Kir­chen­am­tes auch nicht mehr auf die Ämter ein­ge­schränkt, die das Sa­kra­ment der Wei­he vor­aus­set­zen.
Die kirch­li­chen Be­ru­fe der Pas­to­ral- und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten erfüllen die in can. 145 CIC ge­nann­ten Kri­te­ri­en. Zum ei­nen sind sie sind in den Teil­kir­chen auf kirch­li­che An­ord­nung dau­er­haft ein­ge­rich­tet wor­den. Zum an­de­ren die­nen sie dem geist­li­chen Zweck der Seel­sor­ge. Wer ei­nen der bei­den Be­ru­fe ausübt, wirkt nach Maßga­be des teil­kirch­li­chen, diöze­sa­nen Rechts so­wohl im Be­reich der Verkündi­gung des Glau­bens als auch im Be­reich der Lit­ur­gie und Dia­ko­nie mit.
Die Aus­wei­tung des kir­chen­recht­li­chen Amts­be­griffs hat des Wei­te­ren zur Fol­ge, dass auch Lai­en Träger ei­nes Kir­chen­am­tes sein können, wie sich aus can. 228 CIC er­gibt. Da­nach sind Lai­en, die als ge­eig­net be­fun­den wer­den, befähigt, von den geist­li­chen Hir­ten für je­ne kirch­li­chen Ämter und Auf­ga­ben her­an­ge­zo­gen zu wer­den, die sie gemäß den Rechts­vor­schrif­ten wahr­zu­neh­men vermögen. Nach den hier maßgeb­li­chen diöze­sa­nen Rechts­vor­schrif­ten, nämlich dem Sta­tut für Ge­mein­de­re­fe­ren­tin­nen und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten im ERZ­BIS­TUM P1, han­delt es sich bei dem Be­ruf der Ge­mein­de­re­fe­ren­ten/in­nen um ein Amt, für das Lai­en her­an­ge­zo­gen wer­den können. Dies er­gibt sich oh­ne wei­te­res aus Art. 1 § 1 des Sta­tu­tes. Da­nach sind von der je­dem Chris­ten un­mit­tel­bar durch Tau­fe und Fir­mung ge­ge­be­nen Sen­dung die pas­to­ra­len Diens­te im en­ge­ren Sinn zu un­ter­schei­den. In die­sen pas­to­ra­len Diens­ten neh­men Lai­en, von den Bischöfen aus­drück­lich be­auf­tragt, in be­stimm­ten Sach­be­rei­chen am amt­li­chen Auf­trag der Kir­che teil.
bb) Dem Er­geb­nis, dass die Be­ru­fe der Pas­to­ral- und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten/in­nen nach dem CIC Ämter im kir­chen­recht­li­chen Sinn dar­stel­len, de­ren Ausübung kir­chen­recht­lich ei­ne ka­no­ni­sche Amtsüber­tra­gung vor­aus­setzt, steht nicht der Um­stand ent­ge­gen, dass so­wohl im Rah­men­sta­tut für Ge­mein­de- und Pas­to­ral­re­fe­ren­ten/in­nen der Deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz vom 10.03.1987, in dem der­zeit gülti­gen Rah­men­sta­tut aus dem Jah­re 2011 als auch im Sta­tut für Ge­mein­de­re­fe­ren­tin­nen und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten im ERZ­BIS­TUM P1 vom 01.12.2006 die kirch­li­chen Be­ru­fe der Pas­to­ral- und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten/in­nen re­gelmäßig nicht als "Amt" son­dern als (pas­to­ra­ler) "Dienst" be­zeich­net wer­den. Zum ei­nen de­fi­niert can. 145 CIC das Kir­chen­amt selbst als "Dienst", der durch gött­li­che oder kirch­li­che An­ord­nung auf Dau­er ein­ge­rich­tet ist und der Wahr­neh­mung ei­nes geist­li­chen Zwe­ckes dient. Zum an­de­ren ist zu berück­sich­ti­gen, dass der Be­griff des Kir­chen­am­tes im theo­lo­gi­schen – dog­ma­ti­schen Sinn viel­fach auf Ämter ein­ge­schränkt wird, die das Sa­kra­ment der Wei­he vor­aus­set­zen. In­so­fern wird in der theo­lo­gi­schen Dog­ma­tik ein an­de­rer Amts­be­griff ver­wen­det als im Kir­chen­recht, wo­bei man in den Sta­tu­ten of­fen­bar den dog­ma­ti­schen Amts­be­griff zu­min­dest teil­wei­se bei­be­hal­ten hat. Dies ändert aber nichts an dem Er­geb­nis, dass es sich bei dem pas­to­ra­len Be­ruf der Ge­mein­de­re­fe­ren­ten/in­nen kir­chen­recht­lich um ein Amt han­delt, für des­sen Ausübung die bischöfli­che Be­auf­tra­gung kon­sti­tu­ti­ve Vor­aus­set­zung ist.
cc) Das Er­for­der­nis ei­ner ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung er­gibt sich da­ne­ben auch hin­rei­chend deut­lich aus dem teil­kirch­li­chen, diöze­sa­nen Sta­tut für Ge­mein­de­re­fe­ren­tin­nen und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten im ERZ­BIS­TUM P1. Be­reits in Ar­ti­kel 1 § 1 des Sta­tu­tes ist fest­ge­hal­ten, dass in den pas­to­ra­len Diens­ten Lai­en, "von den Bischöfen aus­drück­lich be­auf­tragt", in be­stimm­ten Sach­be­rei­chen am amt­li­chen Auf­trag der Kir­che teil­neh­men. In Ar­ti­kel 1 § 2 Abs. 2 des Sta­tu­tes ist wie­der­um fest­ge­hal­ten, dass der ERZ­BISCHOF die Ge­mein­de­re­fe­ren­tin­nen und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten zu ih­rem Dienst als Seel­sor­ge­rin­nen und Seel­sor­ger "be­auf­tragt". Aus Ar­ti­kel 5 § 4 des Sta­tu­tes er­gibt sich schließlich, dass die er­for­der­li­che Be­auf­tra­gung nicht be­reits in dem Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges als Ge­mein­de­re­fe­rent/in ent­hal­ten ist, son­dern zusätz­lich zum Ar­beits­ver­trag er­for­der­lich ist. Nach Ar­ti­kel 5 § 4 des Sta­tu­tes ent­schei­det nach er­folg­rei­chem Ab­schluss der zwei­ten Dienst­prüfung der Ge­ne­ral­vi­kar über die un­be­fris­te­te An­stel­lung als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin oder Ge­mein­de­re­fe­rent. Die da­ne­ben er­for­der­li­che Be­auf­tra­gung zum pas­to­ra­len Dienst er­folgt dem­ge­genüber durch den ERZ­BISCHOF im Rah­men ei­ner lit­ur­gi­schen Fei­er, wo­bei zu­gleich die "Mis­sio ca­no­ni­ca" für den schu­li­schen Re­li­gi­ons­un­ter­richt er­teilt wird.
dd) Dass die kirch­li­chen Be­ru­fe der Pas­to­ral- und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten/in­nen zu ih­rer Ausübung ei­ne ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung des zuständi­gen Bi­schofs ver­lan­gen, wird, so­weit er­sicht­lich, aus­sch­ließlich von der Kläge­rin im Rah­men des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens in Fra­ge ge­stellt. So hat die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung der Ge­mein­de­re­fe­ren­tin­nen und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten im ERZ­BIS­TUM P1 in sei­ner Stel­lung­nah­me zu der streit­ge­genständ­li­chen Kündi­gung das Er­for­der­nis ei­ner ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung nicht in Zwei­fel ge­zo­gen, son­dern nur be­an­stan­det, dass die Über­prüfung der ursächli­chen Gründe für den Ent­zug der Be­auf­tra­gung den staat­li­chen Ge­rich­ten ent­zo­gen und aus­sch­ließlich in die Be­wer­tung kirch­li­cher Ge­rich­te ge­stellt wer­de, was un­zulässig sei. Auch der Theo­lo­gi­sche Bei­rat der Be­rufs­grup­pe der Pas­to­ral­re­fe­ren­ten/in­nen geht in sei­ner im Ja­nu­ar 2010 ver­fass­ten Stel­lung­nah­me zur da­mals ge­plan­ten und mitt­ler­wei­le ver­ab­schie­de­ten Neu­fas­sung des Rah­men­sta­tuts für Pas­to­ral- und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten/in­nen da­von aus, dass die bei­den kirch­li­chen Be­ru­fe der Pas­to­ral- und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten/in­nen zu ih­rer Ausübung ei­ne kir­chen­amt­li­che Sen­dung des zuständi­gen Bi­schofs ver­lan­gen. In der von ihm vor­ge­schla­ge­nen Glie­de­rung für die Neu­fas­sung des Rah­men­sta­tuts ist dann un­ter Ziff. 3.4 aus­drück­lich der Glie­de­rungs­punkt "Ka­no­ni­sche Amtsüber­tra­gung (c.146)" auf­ge­nom­men wor­den. So­weit er­sicht­lich wird auch in der kir­chen­recht­li­chen Li­te­ra­tur das Er­for­der­nis ei­ner ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung nicht in Zwei­fel ge­zo­gen (vgl. Sa­bi­ne De­mel, Hand­buchKir­chen­recht, S. 434). Sch­ließlich hat auch die Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on in dem De­kret vom 16.10.2010 aus­drück­lich fest­ge­stellt, dass die Kläge­rin gem. can. 228 CIC zum Dienst als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin be­auf­tragt und ihr ei­nem Kir­chen­amt gemäß can. 145 CIC über­tra­gen wor­den ist.
ee) Die von der Kläge­rin ge­gen das Er­for­der­nis ei­ner ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung vor­ge­brach­ten Ar­gu­men­te über­zeu­gen dem­ge­genüber nicht.
So­weit die Kläge­rin dar­auf hin­weist, dass ihr die ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung erst am 05.02.2000 er­teilt wor­den sei, ob­wohl sie ih­re Tätig­keit be­reits am 01.02.2000 auf­ge­nom­men ha­be, hat das be­klag­te ERZ­BIS­TUM in der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung un­wi­der­spro­chen dar­ge­legt, dass die Ur­kun­de über die Be­auf­tra­gung zum Dienst als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin be­reits An­fang Ja­nu­ar 2000 vom ERZ­BISCHOF un­ter­zeich­net wor­den ist.
Auch der wei­te­re Hin­weis der Kläge­rin, Ge­mein­de­as­sis­ten­ten/in­nen würden oh­ne ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung tätig, ver­mag nicht zu über­zeu­gen. Wie sich aus Ar­ti­kel 3 des Sta­tu­tes für Ge­mein­de­re­fe­ren­tin­nen und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten im ERZ­BIS­TUM P1 er­gibt, ist die Tätig­keit der Ge­mein­de­as­sis­ten­ten/in­nen ei­ne Aus­bil­dungs­stu­fe auf dem Weg zur Tätig­keit als Ge­mein­de­re­fe­rent/in. Die Tätig­keit der Ge­mein­de­as­sis­ten­ten/in­nen ist da­mit mit der Tätig­keit der Ge­mein­de­re­fe­ren­ten/in­nen nicht ver­gleich­bar.
Sch­ließlich über­zeugt auch der Hin­weis der Kläge­rin, in ei­nem an­de­ren Bis­tum ha­be ein Ge­mein­de­re­fe­rent erst mehr als ein hal­bes Jahr nach Auf­nah­me sei­ner Tätig­keit die ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung er­hal­ten und sei bis da­hin oh­ne ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung in der Seel­sor­ge und Verkündung tätig ge­we­sen, nicht. Dies mag zwar kir­chen­rechts­wid­rig ge­we­sen sein, führt aber nicht da­zu, dass die maßgeb­li­chen kir­chen­recht­li­chen Vor­schrif­ten außer Kraft ge­setzt würden.
d) Der Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung kann von der Kam­mer vor­lie­gend nicht auf sei­ne Rechtmäßig­keit über­prüft wer­den, da es sich um ei­ne in­ner­kirch­li­che Maßnah­me han­delt, die kei­ner, bzw. nur ei­ner ein­ge­schränk­ten Kon­trol­le durch staat­li­che Ge­rich­te un­ter­liegt. Während bei der Prüfung der Vor­fra­ge, ob der pas­to­ra­le Be­ruf der Ge­mein­de­re­fe­ren­ten/in­nen ein Kir­chen­amt ist, das der ka­no­ni­schen Amtsüber­tra­gung be­darf, nicht in die Ämter­ho­heit der Kir­che ein­ge­grif­fen, son­dern nur ge­prüft wur­de, wie die Kir­che ihr Selbst­be­stim­mungs­recht aus­geübt hat, würde durch ei­ne Über­prüfung der Rechtmäßig­keit des Ent­zugs der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung in un­zulässi­ger Wei­se in die Ämter­ho­heit der Kir­che, wo­nach die­se ih­re Ämter oh­ne Mit­wir­kung des Staa­tes oder der bürger­li­chen Ge­mein­de ver­leiht und ent­zieht, ein­ge­grif­fen.
aa) Nach Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 3 WRV ord­nen und ver­wal­ten die Kir­chen und Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten ih­re An­ge­le­gen­hei­ten selbständig in­ner­halb der Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes. Sie ver­lei­hen ih­re Ämter oh­ne Mit­wir­kung des Staa­tes oder der bürger­li­chen Ge­mein­de. Hier­durch wird den Kir­chen das Recht zur ei­genständi­gen Ord­nung und Ge­stal­tung ih­rer in­ne­ren An­ge­le­gen­hei­ten ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­tet. Die­ses Selbst­be­stim­mungs­recht ist ne­ben der Re­li­gi­ons­frei­heit (Art 4 Abs. 1 und 2 GG) und der Tren­nung von Staat und Kir­che (Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 1 WRV) ein we­sent­li­ches Grund­prin­zip der staats­kir­chen­recht­li­chen Ord­nung des Grund­ge­set­zes. In­ner­kirch­li­che Re­ge­lun­gen oder Maßnah­men, die im staat­li­chen Zuständig­keits­be­reich kei­ne un­mit­tel­ba­ren Rechts­wir­kun­gen ent­fal­ten, dürfen staat­li­che Ge­rich­te da­her nicht auf ih­re Rechtmäßig­keit prüfen, da an­sons­ten die von der Ver­fas­sung gewähr­leis­te­te Ei­genständig­keit und Un­abhängig­keit kirch­li­cher Ge­walt ge­schmälert würde.
Die nach Art. 137 Abs. 3 S. 2 WRV ga­ran­tier­te Au­to­no­mie, die Ämter im Be­reich der Seel­sor­ge oh­ne Mit­wir­kung des Staa­tes zu ver­lei­hen und zu ent­zie­hen, trifft die Kir­che in ih­rer ur­ei­ge­nen Funk­ti­on, den Glau­ben zu verkünden, Seel­sor­ge zu be­trei­ben und ka­ri­ta­tiv tätig zu wer­den und gehört da­mit zum Kern­be­reich der in­ner­kirch­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten. Der Grund­satz der Ämter­au­to­no­mie be­inhal­tet nicht nur, dass die Kir­chen frei be­stim­men dürfen, wel­che An­for­de­run­gen an die Amts­in­ha­ber zu stel­len sind und wel­che Rech­te und Pflich­ten die­se im Ein­zel­fall ha­ben. Das Selbst­be­stim­mungs­recht enthält im Be­reich des Rechts der Kir­chenämter viel­mehr ei­ne all­ge­mei­ne Re­ge­lungs­kom­pe­tenz, die ins­be­son­de­re die Frei­heit zum Or­ga­ni­sa­ti­ons­akt und zur Per­so­nal­ent­schei­dung im Ein­zel­fall um­fasst und die kei­ner Kon­trol­le durch staat­li­che Ge­rich­te un­ter­liegt (vgl. BVerfG, Be­schluss vom 09.12.2008 – 2 BvR 717/08 -; Be­schluss vom 27.01.2004 – 2 BvR 496/01 -; VG Düssel­dorf, Ur­teil vom 16.07.2010 – 1 K 714/08 -).
bb) Der Grund­satz der Ämter­au­to­no­mie ist auch dann zu be­ach­ten, wenn sich die Kir­che wie vor­lie­gend bei den Be­ru­fen der Ge­mein­de- und Pas­to­ral­re­fe­ren­ten/in­nen der Pri­vat­au­to­no­mie be­dient, um ein Ar­beits­verhält­nis zu be­gründen. Wie oben dar­ge­legt, ist zwi­schen dem Kir­chen­amt, das nur durch ka­no­ni­sche Amtsüber­tra­gung er­langt wer­den kann und der recht­li­chen Grund­la­ge als äußere Vor­aus­set­zung für die Ausübung des Am­tes, dem zu­grun­de lie­gen­den Dienst- oder Ar­beits­verhält­nis zu un­ter­schei­den. So­fern die Kir­chen kein kir­chen­recht­li­ches Dienst­verhält­nis be­gründen, son­dern sich der Pri­vat­au­to­no­mie zur Be­gründung von Ar­beits­verhält­nis­sen be­die­nen, fin­det auf die­se das staat­li­che Ar­beits­recht An­wen­dung. Die Ein­be­zie­hung der kirch­li­chen Ar­beits­verhält­nis­se in das staat­li­che Ar­beits­recht hebt in­des­sen die durch Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 3 S. 2 WRV ga­ran­tier­te Au­to­no­mie, die Ämter im Be­reich der Seel­sor­ge oh­ne Mit­wir­kung des Staa­tes zu ver­lei­hen und zu ent­zie­hen, nicht auf. Die Ver­lei­hung und Ent­zie­hung des Kir­chen­am­tes bleibt viel­mehr ei­ne ei­ge­ne, von dem zu Grun­de lie­gen­den Ar­beits­verhält­nis zu tren­nen­de und von den staat­li­chen Ge­rich­ten nicht über­prüfba­re An­ge­le­gen­heit der Kir­che.
cc) Dar­an ändert letzt­lich auch nichts der Um­stand, dass der Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung mit­tel­ba­re Rechts­wir­kun­gen im staat­li­chen Kündi­gungs­schutz­recht hat. Der Ent­zug der bischöfli­chen Be­auf­tra­gung führt zwar nicht un­mit­tel­bar zu ei­ner Be­en­di­gung oder in­halt­li­chen Ände­rung des Ar­beits­ver­tra­ges. Da die ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung aber kon­sti­tu­ti­ve Vor­aus­set­zung für die Ausübung des pas­to­ra­len Diens­tes ist, ist der – ge­richt­lich nicht über­prüfba­re – Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung ge­eig­net, ei­nen per­so­nen­be­ding­ten Kündi­gungs­grund zu schaf­fen. Da­bei be­steht durch­aus die Möglich­keit, dass der kirch­li­che Ar­beit­ge­ber ein Fehl­ver­hal­ten des im Be­reich der Seel­sor­ge täti­gen Mit­ar­bei­ters, wel­ches ei­ne Kündi­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen nicht recht­fer­ti­gen könn­te, zum An­lass für den Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung nimmt, und so ei­nen per­so­nen­be­ding­ten Kündi­gungs­grund schafft. Hier­bei han­delt es sich aber nur um ei­ne mit­tel­ba­re Wir­kung der in­ner­kirch­li­chen Maßnah­me, die nicht da­zu führt, die in­ner­kirch­li­che An­ge­le­gen­heit selbst dem staat­li­chen Be­reich und da­mit den staat­li­chen Ge­rich­ten zu­zu­ord­nen. Ei­ne Re­ge­lung, die kei­ne un­mit­tel­ba­ren Rechts­wir­kun­gen in den staat­li­chen Zuständig­keits­be­reich hat, bleibt auch dann ei­ne in­ner­kirch­li­che An­ge­le­gen­heit, wenn sie dort­hin mit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen hat (vgl. Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Be­schluss vom 21.09.1976 – 2 BvR 350/75; BVerwG, Ur­teil vom 30.10.2002 – 2 C 23/01 -; BGH, Ur­teil vom 11.02.2000 – V ZR 271/99 -; VG Düssel­dorf, Ur­teil vom 16.07.2010 – 1 K 714/08 -)
dd) Die­sem Er­geb­nis steht auch nicht der Schran­ken­vor­be­halt in Art. 137 Abs. 3 S. 1 WRV ent­ge­gen. Die For­mel "in­ner­halb der Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes" kann nicht im Sin­ne ei­nes all­ge­mei­nen Ge­set­zes­vor­be­halts oder im Sin­ne der For­mel "im Rah­men der Ge­set­ze" ver­stan­den wer­den. Ge­set­ze, die für al­le und da­mit auch für die Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten bei der Ord­nung ih­rer ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten gel­ten, sind nur sol­che Rechts­nor­men, die für die Kir­che die­sel­be Be­deu­tung ha­ben wie für je­der­mann. Trifft das Ge­setz die Kir­che in ih­rer Be­son­der­heit als Kir­che, weil nämlich ihr Selbst­verständ­nis, ins­be­son­de­re ih­ren geist­lich – re­li­giösen Auf­trag be­schränkend, und da­mit an­ders als den nor­ma­len Adres­sa­ten, bil­det es in­so­weit kei­ne Schran­ke (BVerfG, Be­schluss vom 21.09.1976 – 2 BvR 350/75 -; BVerwG, Ur­teil vom 30.10.2002 – 2 C 23/01 -). Dies gilt auch für die durch Art. 137 Abs. 3 S. 2 WRV ga­ran­tier­te Au­to­no­mie, die Ämter im Be­reich der Seel­sor­ge zu ver­lei­hen und zu ent­zie­hen. Die Ämter­au­to­no­mie gehört zum Kern­be­reich der in­ner­ge­mein­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten der Kir­chen, weil nur die Kir­che selbst, oh­ne Bin­dung an den Schran­ken­vor­be­halt ent­schei­den kann, wel­che Diens­te nach ih­rem be­kennt­nismäßigen Verständ­nis ei­ne be­son­de­re kirch­li­che Be­vollmäch­ti­gung er­for­dern und wer für sie die persönli­chen Vor­aus­set­zun­gen erfüllt. (vgl. Ri­char­di, a.a.O., § 6 Rn. 22).
ee) Selbst wenn man mit ei­ner in der Recht­spre­chung und der Li­te­ra­tur teil­wei­se ver­tre­te­nen Auf­fas­sung in der von Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 3 WRV for­mu­lier­ten Schran­ke "des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes" ei­ne Bestäti­gung für die grundsätz­lich auch ge­genüber kirch­li­chen Maßnah­men be­ste­hen­de Pflicht zur Jus­tiz­gewährung durch staat­li­che Ge­rich­te sähe und ei­ne Be­schränkung le­dig­lich des In­halts und Um­fangs der Jus­tiz­gewährung annähme, blie­be es bei dem Er­geb­nis, dass der Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung vor­lie­gend nicht auf sei­ne Rechtmäßig­keit über­prüft wer­den kann.
Nach die­ser als sog. Abwägungs­theo­rie be­zeich­ne­ten Auf­fas­sung gewährt das ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­te Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen kei­ne Frei­stel­lung von staat­li­cher Jus­tiz­ho­heit. Es un­ter­lie­ge viel­mehr nach Art. 137 Abs. 3 WRV den Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes. In­halt und Um­fang des staat­li­chen Rechts­schut­zes hängen nach die­ser Rechts­auf­fas­sung ma­te­ri­ell da­von ab, was der Na­tur der Sa­che oder Zweck­be­zie­hung nach auf­grund ei­ner Güter­abwägung zwi­schen re­li­gi­ons­recht­li­chem Schutz- und Frei­heits­bedürf­nis der Kir­che und all­ge­mei­nem Recht des Ein­zel­nen als ei­ge­ne An­ge­le­gen­heit der Kir­che an­zu­se­hen ist. Führt die Abwägung da­zu, dass es sich um ei­ne von der geist­li­chen Grund­ord­nung und ei­nem dar­auf ge­gründe­ten Selbst­verständ­nis der Kir­che ge­tra­ge­ne Maßnah­me nach au­to­no­men Kir­chen­recht han­delt, so kann sie durch staat­li­che Ge­rich­te nicht auf ih­re Rechtmäßig­keit, son­dern nur auf ih­re Wirk­sam­keit, d. h. dar­auf hin über­prüft wer­den, ob sie ge­gen Grund­prin­zi­pi­en der Rechts­ord­nung verstößt, wie sie in dem all­ge­mei­nen Willkürver­bot (Art. 3 Abs. 1 GG) so­wie in dem Be­griff der gu­ten Sit­ten (§ 138 BGB) und dem des ord­re pu­blic (Art. 6 EGBGB) ih­ren Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben (BGH, Ur­teil vom 28.03.2003 – V ZR 261/02 -).
Auch die Ver­tre­ter die­ser Rechts­auf­fas­sung ord­nen Maßnah­men im Be­reich der Ämter­ho­heit dem kirch­li­chen au­to­no­men Be­reich des Selbst­be­stim­mungs­rechts zu, so dass kei­ne um­fas­sen­de Rechtmäßig­keits­kon­trol­le, son­dern nur ei­ne Wirk­sam­keitsprüfung möglich ist (BGH, Ur­teil vom 28.03.2003 - V ZR 261/02 - ).
ff) Die­se Wirk­sam­keitsprüfung er­gibt vor­lie­gend, dass ein Ver­s­toß ge­gen die Grund­prin­zi­pi­en der Rechts­ord­nung nicht vor­liegt.
Das be­klag­te ERZ­BIS­TUM hat den Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung da­mit be­gründet, dass das er­for­der­li­che Ver­trau­ens­verhält­nis für ei­nen pas­to­ra­len Dienst nicht mehr ge­ge­ben sei, da die Kläge­rin während des Ver­fah­rens um die Fra­ge ih­rer Re­si­denz­pflicht wie­der­holt un­wah­re und ehr­ver­let­zen­de Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen zum Nach­teil des ERZ­BIS­TUMS, des ERZ­BISCHOFS so­wie von Mit­ar­bei­tern des ERZ­BIS­TUMS getätigt und durch den ge­ziel­ten Ein­satz der Pres­se auch in die brei­te Öffent­lich­keit ge­tra­gen ha­be. Die­se Be­haup­tun­gen sei­en in ho­hem Maße ge­eig­net ge­we­sen, die Kir­che im An­se­hen Drit­ter her­ab­zuwürdi­gen.
Wenn das be­klag­te ERZ­BIS­TUM hier­von aus­ge­hend zu dem Er­geb­nis ge­langt ist, das für ei­ne pas­to­ra­le Tätig­keit er­for­der­li­che Ver­trau­ens­verhält­nis sei nicht mehr ge­ge­ben und die ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung da­her zu ent­zie­hen, er­scheint dies we­der willkürlich noch sit­ten­wid­rig. Es wer­den viel­mehr sach­li­che Gründe gel­tend ge­macht, wo­bei ins­be­son­de­re zu berück­sich­ti­gen ist, dass die Kläge­rin als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin un­mit­tel­bar im Be­reich des geis­tig – re­li­giösen Auf­tra­ges der Kir­che tätig war, was ein ge­stei­ger­tes Ver­trau­ens- und Loya­litäts­verhält­nis er­for­dert. Da­bei ver­kennt die Kam­mer nicht, dass der Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung für die Kläge­rin letzt­lich ein Be­rufs­ver­bot als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin be­inhal­tet und dass die Kläge­rin außer­halb der ka­tho­li­schen Kir­che kei­ne bzw. nur äußerst be­grenz­te Möglich­kei­ten hat, die durch ihr Stu­di­um und ih­re Aus­bil­dung er­lang­ten Fähig­kei­ten und Kennt­nis­se wei­ter zu ver­wen­den und ei­ne ent­spre­chen­de neue Ar­beit zu fin­den. Gleich­wohl ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Pas­to­ral-und Ge­mein­de­re­fe­ren­ten/in­nen im Rah­men des ur­ei­ge­nen Verkündungs­auf­trags der Kir­che tätig sind. Auf­grund der ver­fas­sungs-recht­lich gewähr­leis­te­ten Ämter­au­to­no­mie können die staat­li­chen Ge­rich­te der Kir­che aber nicht vor­schrei­ben, wen sie für die Verkündung des Glau­bens ein­setzt und wen nicht. Eben­so we­nig können die staat­li­chen Ge­rich­te der Kir­che vor­schrei­ben, wer für die Verkündung des Glau­bens ge­eig­net ist und wer nicht. Ein Ver­s­toß ge­gen den ord­re pu­blic ist aus die­sen Gründen eben­falls nicht er­sicht­lich. Ob et­was an­de­res dann zu gel­ten hätte, wenn die Kläge­rin nach dem in­ner­kirch­li­chen Recht kei­ne Möglich­keit ge­habt hätte, sich ge­gen den Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung zu­min­dest im Ver­wal­tungs­we­ge zu ver­tei­di­gen, be­darf vor­lie­gend kei­ner Ent­schei­dung, da die­se Möglich­keit be­stand und von der Kläge­rin auch ge­nutzt wur­de.
e) Auf­grund des Ent­zugs der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung fehl­te der Kläge­rin da­mit ei­ne nach den kir­chen­recht­li­chen Re­ge­lun­gen kon­sti­tu­ti­ve Vor­aus­set­zung für die Ausübung des pas­to­ra­len Diens­tes als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin. Durch den Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung war die Er­brin­gung der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Ar­beits­leis­tung unmöglich ge­wor­den, so dass ei­ne Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen nicht mehr möglich war. Die dau­er­haf­te Unfähig­keit, die ver­trag­lich ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen, ist aber an sich ge­eig­net, ei­ne per­so­nen­be­ding­te Ände­rungskündi­gung, oder falls kei­ne an­de­ren Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten be­ste­hen, ei­ne per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen.
2. Die vom Be­klag­ten ERZ­BIS­TUM an­ge­bo­te­nen Ver­tragsände­run­gen wa­ren er­for­der­lich, ge­eig­net und auch zu­mut­bar, um den In­halt des Ar­beits­ver­tra­ges den geänder­ten Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten an­zu­pas­sen.
a) Die vom ERZ­BIS­TUM an­ge­bo­te­nen Ände­run­gen wa­ren er­for­der­lich, da ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin in ih­rer bis­he­ri­gen Tätig­keit als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin auf­grund des Ent­zugs der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung dau­er­haft unmöglich ge­wor­den war. Die an­ge­bo­te­nen Ände­run­gen wa­ren auch da­zu ge­eig­net, den In­halt des Ar­beits­ver­tra­ges den geänder­ten Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten an­zu­pas­sen, da die Tätig­keit als Se­kretärin im Ge­gen­satz zur Tätig­keit als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin kei­ne ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung vor­aus­setzt. Die an­ge­bo­te­nen Ände­run­gen wa­ren schließlich auch zu­mut­bar. Die Zu­mut­bar­keit der an­ge­bo­te­nen Ände­run­gen be­ur­teilt sich nach dem Verhält­nismäßig­keits­grund­satz, der für die Ände­rungskündi­gung in glei­cher Wei­se gilt, wie für die Be­en­di­gungskündi­gung. Da­nach dürfen sich die an­ge­bo­te­nen Ände­run­gen nicht wei­ter vom In­halt des bis­he­ri­gen Ar­beits­verhält­nis­ses ent­fer­nen, als zur Er­rei­chung des an­ge­streb­ten Zie­les un­ter Berück­sich­ti­gung des In­halts­schutz­in­ter­es­ses des Ar­beit­neh­mers un­be­dingt er­for­der­lich ist. Der Ar­beit­ge­ber muss von meh­re­ren frei­en Ar­beitsplätzen den­je­ni­gen an­bie­ten, der dem bis­he­ri­gen Ar­beits­platz in ei­ner Ge­samt­schau der Ar­beits­be­din­gun­gen am nächs­ten kommt.
Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend erfüllt. Das be­klag­te ERZ­BIS­TUM hat im Ein­zel­nen dar­ge­legt, wel­che Stel­len zum Zeit­punkt des Aus­spruchs der Kündi­gung frei wa­ren, wel­che Stel­len auf­grund der Qua­li­fi­ka­ti­on der Kläge­rin für ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung in Be­tracht ka­men und dass die an­ge­bo­te­ne Stel­le für die Kläge­rin im Hin­blick auf die bis­he­ri­ge Stel­le die am we­nigs­ten nach­tei­li­ge war. Den dies­bezügli­chen Dar­le­gun­gen des be­klag­ten ERZ­BIS­TUMS ist die Kläge­rin nicht sub­stan­ti­iert ent­ge­gen­ge­tre­ten. Sie hat le­dig­lich gel­tend ge­macht, dass es we­ni­ger nach­tei­lig ge­we­sen wäre, ihr ei­ne hal­be Stel­le der Ent­gelt­grup­pe 10 an­zu­bie­ten, oh­ne aber zu be­haup­ten, dass ei­ne sol­che Stel­le über­haupt zur Verfügung ge­stan­den hätte. Un­abhängig da­von hat das be­klag­te ERZ­BIS­TUM, von der Kläge­rin nicht wei­ter be­strit­ten, dar­ge­legt, dass ei­ne hal­be Stel­le der Ent­gelt­grup­pe 10 zu höhe­ren Ein­kom­mens­ver­lus­ten geführt hätte, als ei­ne vol­le Stel­le nach der Ent­gelt­grup­pe 5.
b) Die wei­te­ren von der Kläge­rin be­an­stan­de­ten "Ände­run­gen" des an­ge­bo­te­nen Ar­beits­ver­tra­ges im Ver­gleich zu ih­rem bis­he­ri­gen Ar­beits­ver­trag stel­len tatsächlich kei­ne Ände­run­gen dar, da sie sich aus­sch­ließlich aus der be­reits im Ur­sprungs­ver­trag in Be­zug ge­nom­men KA­VO er­ge­ben und da­her oh­ne­hin für das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin gal­ten.
III. Die Wirk­sam­keit der Kündi­gung schei­tert auch nicht an ei­ner feh­ler­haf­ten Be­tei­li­gung der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung nach § 30 MA­VO.Zwi­schen den Par­tei­en ist un­strei­tig, dass das be­klag­te ERZ­BIS­TUM die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung mit 104 Schrei­ben vom 16.12.2010 zu der be­ab­sich­tig­ten Ände­rungskündi­gung an­gehört hat. In dem Anhörungs­schrei­ben hat das be­klag­te ERZ­BIS­TUM der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung die er­for­der­li­chen An­ga­ben zur Per­son der Kläge­rin, zur Kündi­gung, zu den für ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung in Be­tracht kom­men­den frei­en Ar­beitsplätzen und zu den be­ab­sich­tig­ten Ver­tragsände­run­gen de­tail­liert mit­ge­teilt. Auch dies wird von der Kläge­rin nicht in Zwei­fel ge­zo­gen.
Ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin konn­te die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung dem Anhörungs­schrei­ben nebst An­la­gen auch ent­neh­men, dass es sich bei der Tätig­keit der Ge­mein­de­re­fe­ren­ten nach An­sicht des be­klag­ten ERZ­BIS­TUMS um ein Kir­chen­amt han­delt, für des­sen Ausübung die ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung ei­ne kon­sti­tu­ti­ve Vor­aus­set­zung ist. Die be­ab­sich­tig­te Kündi­gung wur­de vom be­klag­ten ERZ­BIS­TUM im Anhörungs­schrei­ben ge­ra­de und aus­sch­ließlich mit dem Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung zum Dienst als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin be­gründet. Hier­zu wur­de der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung im Ein­zel­nen dar­ge­legt, dass der Kläge­rin mit De­kret vom 16.03.2010 die ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung ent­zo­gen wur­de. Des Wei­te­ren wur­de dar­ge­legt, dass die hier­ar­chi­sche Be­schwer­de der Kläge­rin mit De­kret der Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on vom 16.10.2000 zurück­ge­wie­sen wur­de. So­dann wur­de aus­geführt, dass der Kläge­rin durch den rechts­wirk­sam bestätig­ten Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung endgültig die Befähi­gung zur Ausübung ih­rer ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin feh­le und sie da­her im Rah­men ih­rer bis­he­ri­gen Ver­trags­be­din­gun­gen nicht mehr beschäftigt wer­den könne und dürfe. Die­sen Ausführun­gen konn­te die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung hin­rei­chend deut­lich ent­neh­men, dass der Dienst der Ge­mein­de­re­fe­ren­ten nach An­sicht des be­klag­ten ERZ­BIS­TUMS ei­ne ka­no­ni­sche Be­auf­tra­gung er­for­dert, oh­ne die ei­ne Beschäfti­gung als Ge­mein­de­re­fe­rent nicht möglich ist. So­weit der Be­griff "Kir­chen­amt" nicht aus­drück­lich ver­wandt wur­de, scha­det dies nicht. In­so­weit kann zum ei­nen auf die obi­gen Ausführun­gen zum Be­griff des Kir­chen­am­tes als "Dienst", der auf Dau­er ein­ge­rich­tet ist und der Wahr­neh­mung ei­nes geist­li­chen Zwe­ckes dient, ver­wie­sen wer­den. Zum an­de­ren konn­te die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung dem bei­gefügten De­kret der Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on vom 16.10.2010 oh­ne wei­te­res ent­neh­men, dass der Dienst der Ge­mein­de­re­fe­ren­ten als Kir­chen­amt gem. can. 145 CIC an­ge­se­hen wird.
IV. Die Ände­rungskündi­gung verstößt ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin nicht ge­gen das Maßre­ge­lungs­ver­bot nach § 612 a BGB.
Die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung wur­de nicht aus­ge­spro­chen, weil die Kläge­rin in zulässi­ger Wei­se ih­re Rech­te aus­geübt hat, son­dern weil ihr durch den Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung ei­ne kon­sti­tu­ti­ve Vor­aus­set­zung für den Dienst als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin fehl­te und ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung zu den bis­he­ri­gen Ver­trags­be­din­gun­gen da­her nicht möglich war. Nach­dem die Kläge­rin an­de­re Tätig­kei­ten ab­ge­lehnt hat­te und ei­ne ein­ver­nehm­li­che Ände­rung des Ver­tra­ges nicht er­zielt wer­den konn­te, blieb dem be­klag­ten ERZ­BIS­TUM letzt­lich nur die Möglich­keit der Ände­rungskündi­gung, um die an­ge­streb­te Ver­tragsände­rung um­zu­set­zen. Wenn über­haupt, hätte al­len­falls der Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung ei­ne Maßnah­me im Sin­ne von § 612 a BGB, der ei­nen Son­der­fall der Sit­ten­wid­rig­keit er­fasst, dar­stel­len können. In­so­weit ist aber be­reits oben dar­ge­legt wor­den, dass der Ent­zug der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung we­der willkürlich noch sit­ten­wid­rig war.
Nach al­le­dem ist die vom be­klag­ten ERZ­BIS­TUM aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung we­der so­zi­al­wid­rig noch aus an­de­ren Gründen un­wirk­sam. Da die Kläge­rin das Ände­rungs­an­ge­bot auch nicht un­ter Vor­be­halt an­ge­nom­men hat, hat das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en mit Ab­lauf der Kündi­gungs­frist am 30.06.2011 ge­en­det.
B) Der Kläge­rin steht kein An­spruch auf Ent­gelt­zah­lung für den Zeit­raum vom 26.07.2010 bis zum 02.12.2010 zu.
I. Der Zah­lungs­an­trag ist, auch so­weit die Kläge­rin für die Zeit vom 26.07.2010 bis zum 110 30.09.2010 die Nach­zah­lung ei­ner Vergütungs­erhöhung von ins­ge­samt 103,24 € brut­to gel­tend macht, zulässig. Dem steht die Rechts­kraft des Ur­teils des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 09.09.2011 – 18 Sa 2241/10 -, mit dem über Vergütungs­ansprüche der Kläge­rin für die­sen Zeit­raum ent­schie­den wur­de, nicht ent­ge­gen. Die ma­te­ri­el­le Rechts­kraft ei­nes Ur­teils reicht gemäß § 322 Abs. 1 ZPO nur so­weit, wie über den durch die Kla­ge­er­he­bung gel­tend ge­mach­ten An­spruch ent­schie­den wor­den ist. Wur­de nur über ei­nen, wenn auch ver­deck­ten, Teil­an­spruch rechts­kräftig ent­schie­den, kann der rest­li­che An­spruch mit ei­ner er­neu­ten Kla­ge anhängig ge­macht wer­den. Ei­ne Aus­deh­nung der Rechts­kraft auf den nicht gel­tend ge­mach­ten Teil des An­spruchs ist nicht ge­recht­fer­tigt (str.; vgl. Zöller/Voll­kom­mer, ZPO, 24. Aufl., vor § 322 Rn. 47 ff m. w. N. zum Streit­stand).
II. Der An­trag ist je­doch un­be­gründet.
1. Ein Vergütungs­an­spruch für die Zeit vom 27.07.2010 bis zum 02.12.2010 er­gibt sich nicht aus dem Ar­beits­ver­trag in Ver­bin­dung mit § 611 Abs. 1 BGB, da die Kläge­rin in die­sem Zeit­raum ei­ne Ar­beits­leis­tung nicht er­bracht hat.
2. Ein Zah­lungs­an­spruch folgt auch nicht aus § 615 Satz 1 BGB, da sich das be­klag­te ERZ­BIS­TUM mit der An­nah­me der Ar­beits­leis­tung der Kläge­rin nicht in An­nah­me­ver­zug be­fun­den hat.
Auf­grund des Ent­zugs der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung mit Wir­kung zum 16.03.2010 fehl­te der Kläge­rin die Befähi­gung zur Ausübung ih­rer ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin. Sie konn­te da­her von der Be­klag­ten auch bei Fort­be­ste­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses we­der ih­re tatsächli­che Beschäfti­gung als Ge­mein­de­re­fe­ren­tin ver­lan­gen noch die Be­klag­te in An­nah­me­ver­zug set­zen. Denn we­gen des Feh­lens der ka­no­ni­schen Be­auf­tra­gung war die Kläge­rin außer­stan­de, die ver­ein­bar­te Leis­tung zu be­wir­ken (§§ 615 Satz 1, 297 BGB). Unmöglich­keit der Leis­tung und An­nah­me­ver­zug des Gläubi­gers schließen sich aber ge­gen­sei­tig aus (vgl. BAG, Ur­teil vom 25.05.1988 – 7 AZR 506/87 – zur Unmöglich­keit der Leis­tung beim Ent­zug der "mis­sio ca­no­ni­ca"; BAG, Ur­tei­le vom 26.03.1986 –7 AZR 592/84 - und vom 11.12.1987 – 7 AZR 709/85 – zur Unmöglich­keit der Leis­tung beim Ent­zug der schul­auf­sicht­li­chen Ge­neh­mi­gung).
C) Die Be­ru­fung ist eben­falls un­be­gründet, so­weit die Kläge­rin über die erst­in­stanz­lich zu­er­kann­ten 5/12 der Weih­nachts­zu­wen­dung für das Jahr 2010 hin­aus die Zah­lung der vol­len Weih­nachts­zu­wen­dung be­gehrt.
Nach § 2 Abs. 2 der An­la­ge 14 zur KA­VO ver­rin­gert sich der An­spruch auf die Weih­nachts­zu­wen­dung für je­den Ka­len­der­mo­nat, in dem der Mit­ar­bei­ter kei­ne Bezüge er­hal­ten hat, um ein Zwölf­tel. Hier­von aus­ge­hend ste­hen der Kläge­rin le­dig­lich 5/12 der Weih­nachts­zu­wen­dung für das Jahr 2010 zu.
I. Auf­grund der lang­an­hal­ten­den Er­kran­kung der Kläge­rin vom 28.01.2009 bis 28.02.2010 hat die Kläge­rin, wie zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig ist, für die Mo­na­te Ja­nu­ar und Fe­bru­ar 2010 kei­ne Bezüge er­hal­ten, so dass die Weih­nachts­zu­wen­dung um 2/12 zu kürzen ist. Die von der Kläge­rin in­so­weit geäußer­ten Be­den­ken ge­gen die Kürzungs­re­ge­lung sind un­be­gründet. Ab­ge­se­hen da­von, dass vor­lie­gend nicht er­sicht­lich ist, dass die Kläge­rin auf­grund ei­nes Ar­beits­un­fal­les ar­beits­unfähig er­krankt war, muss die Kürzungs­re­ge­lung auch nicht da­nach dif­fe­ren­zie­ren, ob die länger­fris­ti­ge Ar­beits­unfähig­keit auf ei­nen Ar­beits­un­fall zurück­zuführen ist oder nicht. Nach § 4a EFZG ist ei­ne Ver­ein­ba­rung über die Kürzung von Leis­tun­gen, die der Ar­beit­ge­ber zusätz­lich zum lau­fen­den Ar­beits­ent­gelt er­bringt (Son­der­vergütun­gen) auch für die Zei­ten der Ar­beits­unfähig­keit in­fol­ge Krank­heit zulässig. § 4 a EFZG enthält da­bei kei­ne Ein­schränkung da­hin­ge­hend, dass krank­heits­be­ding­te Ar­beits­unfähig­keit, die in­fol­ge ei­nes Ar­beits­un­fal­les ein­ge­tre­ten ist, die Kürzungsmöglich­keit bei Son­der­vergütun­gen aus­sch­ließt. Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Ge­set­zes zeigt viel­mehr, dass nach dem Wil­len des Ge­setz­ge­bers ei­ne Kürzung von Son­der­vergütun­gen bei krank­heits­be­ding­ten Fehl­zei­ten des Ar­beit­neh­mers grundsätz­lich zulässig sein soll, oh­ne dass es auf die Ur­sa­chen der Er­kran­kung an­kommt (BAG, Ur­teil vom 15.12.1999 – 10 AZR 626/98 -). An­halts­punk­te dafür, dass die Kürzungs­re­ge­lung in § 2 Abs. 2 der An­la­ge 14 zur KA­VO die in § 4 a Satz 2 EFZG nor­mier­te Gren­ze der Kürzungsmöglich­keit über­schrei­tet, sind nicht er­sicht­lich und wur­den auch von der Kläge­rin nicht gel­tend ge­macht.
II. Der An­spruch der Kläge­rin auf die Weih­nachts­zu­wen­dung für das Jahr 2010 ist um wei­te­re 118 5/12 zu kürzen, da sich das be­klag­te ERZ­BIS­TUM nach den obi­gen Dar­le­gun­gen mit der An­nah­me der Ar­beits­leis­tung der Kläge­rin nicht in An­nah­me­ver­zug be­fun­den hat und die Kläge­rin da­her zu Recht für die Mo­na­te Au­gust bis De­zem­ber 2010 kei­ne Bezüge er­hal­ten hat.
D) Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist teil­wei­se be­gründet, so­weit sie hilfs­wei­se die Ab­gel­tung von 27 Ur­laubs­ta­gen be­gehrt.
I. Der Kla­ge­an­trag ist, ent­ge­gen der An­sicht des be­klag­ten ERZ­BIS­TUMS, zulässig. Bei dem An­trag der Kläge­rin han­delt es sich nicht um ei­ne un­zulässi­ge Kla­ge auf zukünf­ti­ge Leis­tung.
Ei­ne Kla­ge auf zukünf­ti­ge Leis­tung liegt nur dann vor, wenn der gel­tend ge­mach­te Kla­ge­an­spruch noch nicht fällig ist. Der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung ist je­doch zum Zeit­punkt der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses fällig. Das ist vor­lie­gend der 30.06.2011. Al­lein der Um­stand, dass über die Wirk­sam­keit der Kündi­gung noch nicht rechts­kräftig ent­schie­den ist, führt nicht da­zu, dass die vom Aus­gang desKündi­gungs­rechts­streits abhängi­gen Ansprüche erst nach rechts­kräfti­gem Ab­schluss des Kündi­gungs­rechts­streits fällig wer­den. Nicht die Fällig­keit, son­dern die Be­gründet­heit des von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­ten An­spruchs auf Ur­laubs­ab­gel­tung hängt von der in­ner­pro­zes­sua­len Fra­ge ab, ob das Ar­beits­verhält­nis durch die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung zum 30.06.2011 be­en­det wor­den ist. Die Fällig­keit des An­spruchs wird da­durch nicht hin­aus­ge­scho­ben.
II. Der An­spruch der Kläge­rin er­gibt sich aus § 39 KA­VO. Ist der Ur­laubs­an­spruch im Zeit­punkt der Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses noch nicht erfüllt, ist der Ur­laub nach § 39 Abs. 1 S. 1 KA­VO grundsätz­lich während der Kündi­gungs­frist zu gewähren und zu neh­men. So­weit der Ur­laub nicht gewährt wer­den kann oder die Kündi­gungs­frist nicht aus­reicht, ist der Ur­laub nach § 39 Abs. 1 S. 2 KA­VO ab­zu­gel­ten.
Zwi­schen den Par­tei­en ist un­strei­tig, dass der Kläge­rin zum Zeit­punkt des Zu­gangs der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung vom 02.12.2010 noch ein Ur­laubs­an­spruch von 27 Ta­gen zu­stand, der auf­grund der außer­or­dent­li­chen, frist­lo­sen Kündi­gung nicht gewährt und ge­nom­men wur­de.
Dem Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch steht nicht ent­ge­gen, dass die Kläge­rin die­sen erst mit Schrift­satz vom 18.02.2011 gel­tend ge­macht hat. Zwar war der Ur­laubs­an­spruch der Kläge­rin zu die­sem Zeit­punkt ver­fal­len. Nach § 36 Abs. 8 Satz 1 KA­VO ist der Ur­laub grundsätz­lich bis zum En­de des Ur­laubs­jah­res an­zu­tre­ten. Ur­laub, der nicht in­ner­halb die­ser Frist an­ge­tre­ten ist, verfällt, so­fern kei­ne in § 36 Abs. 8 KA­VO ge­nann­ter Über­tra­gungs­gründe vor­lie­gen. Nach­dem das Bun­des­ar­beits­ge­richt nicht mehr an der Sur­ro­gats­theo­rie festhält, un­ter­liegt der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch als rei­ner Geld­an­spruch aber nicht dem Fris­ten­re­gime für den Ur­laubs­an­spruch (BAG, Ur­teil vom 19.06.2012 – 9 AZR 652/10 -). Die Kläge­rin muss­te da­her die Ab­gel­tung ih­res Ur­laubs nicht in­ner­halb der Fris­ten des § 36 Abs. 8 KA­VO ver­lan­gen.
Die Höhe der für die­se Ta­ge zu zah­len­den Ur­laubs­ab­gel­tung er­gibt sich aus § 39 Abs. 2 KA­VO.
Da­nach ist je­der Ur­laubs­tag mit 3/65 der der Brut­to­mo­nats­vergütung ab­zu­rech­nen. Aus­ge­hend von ei­ner Brut­to­mo­nats­vergütung von 3.970,39 € er­rech­net sich ein Be­trag von 183,25 € brut­to pro Ur­laubs­tag. Die­ser Be­trag mul­ti­pli­ziert mit 27 ab­zu­gel­ten­den Ur­laubs­ta­gen er­gibt die von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­te For­de­rung in Höhe von 4.947,75 € brut­to.
Das Ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend er­kannt, dass der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld nach § 157 Abs. 2 S. 1 SGB III (bis­he­ri­ger § 143 Abs. 2 S. 1 SGB III) für die Zeit des ab­ge­gol­te­nen Ur­laubs ruht. Wur­de gleich­wohl auch für die­sen Zeit­raum Ar­beits­lo­sen­geld ge­leis­tet, so geht der An­spruch in die­ser Höhe auf die Bun­des­agen­tur für Ar­beit über, so dass die Kläge­rin in­so­weit nicht ak­tiv le­gi­ti­miert ist. Nach­dem die Kläge­rin zweit­in­stanz­lich den Ar­beits­lo­sen­geld­be­scheid zur Ak­te ge­reicht hat und das für den Zeit­raum von 27 Ur­laubs­ta­gen er­hal­te­ne Ar­beits­lo­sen­geld von der Kla­ge­for­de­rung in Ab­zug bringt, be­ste­hen ge­gen den gel­tend ge­mach­ten An­spruch auch in­so­weit kei­ne Be­den­ken.
Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 2 ZPO. Da­nach wa­ren der Kläge­rin die Kos­ten des Rechts­mit­tel­ver­fah­rens ganz auf­zu­er­le­gen, ob­wohl die Be­ru­fung der Kläge­rin teil­wei­se er­folg­reich war. Der Er­folg be­ruht aber auf ei­nem neu­en Vor­brin­gen der Kläge­rin, das sie be­reits im ers­ten Rechts­zug gel­tend zu ma­chen im­stan­de war.
Die Kam­mer hat we­gen der grundsätz­li­chen Be­deu­tung der zu ent­schei­den­den Rechts­fra­gen die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen.	m.hensche.de
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