Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=V%20ZR%20100/85
Timestamp: 2019-11-15 21:13:58
Document Index: 9152512

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 138', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 12.12.1986 - V ZR 100/85 - dejure.org
BGH, 12.12.1986 - V ZR 100/85
https://dejure.org/1986,1362
BGH, 12.12.1986 - V ZR 100/85 (https://dejure.org/1986,1362)
BGH, Entscheidung vom 12.12.1986 - V ZR 100/85 (https://dejure.org/1986,1362)
BGH, Entscheidung vom 12. Dezember 1986 - V ZR 100/85 (https://dejure.org/1986,1362)
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Sittenwidrigkeit - Gesinnung
WM 1987, 353
Da es für die Prüfung des Äquivalenzverhältnisses allein auf die objektiven Werte von Leistung und Gegenleistung ankommt, können solche Motivationen nur für die subjektiven Voraussetzungen der Sittenwidrigkeit Bedeutung erlangen (…vgl. Senat, Urt. v. 30. März 1984, V ZR 61/83, WM 1984, 874, 875; Urt. v. 12. Dezember 1986, V ZR 100/85, WM 1987, 353, 354;… Urt. v. 3. Juli 1992, V ZR 76/91, NJW-RR 1993, 198, 199;… Urt. v. 5. Oktober 2001, V ZR 237/00, NJW 2002, 429, 431).
Für die Feststellung eines besonders groben Mißverhältnisses von Leistung und Gegenleistung - und die daran anknüpfende Schlußfolgerung auf die verwerfliche Gesinnung - kommt es allein auf die objektiven Werte dieser Leistungen an (Senat, Urt. v. 12. Dezember 1986, V ZR 100/85, WM 1987, 352, 354;… Urt. v. 20. April 1990, V ZR 256/88, NJW-RR 1990, 950;… Urt. v. 12. Januar 1996, V ZR 289/94, NJW 1996, 1204).
Besondere Interessen oder Motivationen einer Vertragspartei können nicht für die Prüfung des Äquivalenzverhältnisses, sondern nur für die subjektiven Voraussetzungen der Sittenwidrigkeit Bedeutung erlangen (Senat, Urt. v. 12. Dezember 1986, aaO).
Diese Schlußfolgerung leitet sich aus dem - von dem Berufungsgericht nicht in Betracht gezogenen - Erfahrungssatz her, daß in der Regel außergewöhnliche Leistungen nicht ohne Not - oder nicht ohne einen anderen den Benachteiligten hemmenden Umstand - zugestanden werden und auch der Begünstigte diese Erfahrung teilt (…vgl. Senat, Urt. v. 28. Mai 1976, V ZR 170/74, LM § 138 (Aa) Nr. 22; Urt. v. 12. Dezember 1986, aaO;… Urt. v. 21. März 1997, aaO;… Urt. v. 19. Januar 2001, V ZR 437/99, NJW 2001, 1127, 1128).
Allein durch ihren Hinweis auf mögliche Motive der Parteien wird diese Vermutung nicht entkräftet (BGH, Urt. v. 12. Dezember 1986, V ZR 100/85, WM 1987, 353, 354).
Ist das Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung besonders kraß, so kann der Schluß auf die bewußte oder grob fahrlässige Ausnutzung eines den Vertragspartner hemmenden Tatumstandes und damit auch auf eine verwerfliche Gesinnung gerechtfertigt sein (…vgl. u. a. BGH, Urteile vom 18. Januar 1980 a.a.O., vom 30. Januar 1981 - V ZR 7/80 = WM 1991, 404 unter II 2 und vom 12. Dezember 1986 - V ZR 100/85 = WM 1987, 353 unter II 2).
Ein Geschäft kann allerdings unter diesem rechtlichen Gesichtspunkt unwirksam sein, wenn ein besonders grobes Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung vorliegt; in solchen Fällen kann daraus auch eine verwerfliche Gesinnung desjenigen vermutet werden, der sich die extreme Differenz zunutze machen will (vgl. BGH-Urteile vom 30.01.1981-V ZR 7/80-WM 1981, 404 f. und vom 12.12.1986-V ZR 100/85-WM 1985, 313 f.).
Zwar liegt bei einer Preisüberhöhung von ca. 100 % zum objektiven Wert des Kaufgegenstandes ein auffälliges Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung vor, das den Schluss auf eine verwerfliche Gesinnung des Verkäufers rechtfertigen kann (BGH - 20.11.1986 - VII ZR 332/95 - WM 1987, 353; 30.03.1984 - VII ZR 61/83 - WM 1984, 874; 30.01.1981 - VII ZR 7/80 - WM 1981, 404; 18.01.1980 - VII ZR 34/78 - WM 1980, 597; 20.04.1990 - VII ZR 256/88 - NJW-RR 1990, 950; 13.07.1989 - III ZR 201/88 - NJW-RR 1989, 1068; ebenso OLG Stuttgart 6.11.1998 - 2 U 107/98 - OLGR 1999, 141 und 28.10.1999 - 13 U 38/99 - OLGR 2000, 111).