Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/79414,0.html
Timestamp: 2019-09-22 21:15:21
Document Index: 220173068

Matched Legal Cases: ['§212', '§223', '§212', '§223', '§240', '§ 253', '§212', '§ 212', '§212', '§223', 'BGH']

Verfasst am: 04 Aug 2006 - 17:09:31 Titel: Strafrecht HA kleiner Schein (Uni Heidelberg)
Die Diskussionsrunde ist eroeffnet !!!
Verfasst am: 05 Aug 2006 - 13:44:36 Titel:
Und hier gibt's den Sachverhalt:
Uebung im Strafrecht fuer Anfaenger
Nach einem Diskothekenbesuch geraten T und O in Streit. Dabei wird T immer wï¿½tender und eilt zu seinem Auto, um einen Baseballschlï¿½ger zu holen und O damit krï¿½ftig zu verprï¿½geln. Unter lautem Brï¿½llen stï¿½rmt er mit Verletzungs-, aber ohne Tï¿½tungsvorsatz auf O zu. Dieser ist zunï¿½chst wie erstarrt. Als er dann aber den krï¿½ftigen, den Baseballschlï¿½ger zum Zuschlagen auf Oï¿½s Kopf schwingenden T unmittelbar vor sich sieht, entstehen in ihm heftige, panische Angstgefï¿½hle und er ergreift die Flucht. Dabei gerï¿½t O jedoch schon bald in eine Sackgasse. Ihm bleibt nun keine andere Mï¿½glichkeit mehr, sich dem massiven Angriff zu entziehen, als durch einen riskanten Sprung von einer hohen Mauer. Er stï¿½rzt dabei jedoch mit dem Kopf gegen einen Stein und verletzt sich so schwer, dass er noch an der Unglï¿½cksstelle verstirbt. T hat zwar von Anfang an die panische Angst des O erkannt, mit einem solchen Verlauf des Geschehens jedoch nicht gerechnet. ï¿½ Als T gerade dabei ist, sich zu entfernen, nimmt er den Z wahr, den er flï¿½chtig kennt und der die Vorkommnisse beobachtet hat. T beschlieï¿½t daraufhin, zunï¿½chst nach Hause zu gehen und spï¿½ter in Ruhe zu ï¿½berlegen, wie er verhindern kann, dass Z den Vorfall bei der Polizei anzeigt und dadurch seine Tï¿½terschaft offenbart.
Nach einiger ï¿½berlegungszeit kommt T zu dem Entschluss, dass Z getï¿½tet werden muss, damit er nichts mehr bezeugen kann. Da er sich aber selbst die ï¿½Finger nicht schmutzigï¿½ machen will, sucht er seinen Kumpel K auf, der ihm noch 10.000 ï¿½ schuldet. Mit dem Versprechen, ihm die Schuld zu erlassen, gewinnt T den K zur Tatausfï¿½hrung, fï¿½r die er ihm die freie Hand gibt. K, der ï¿½ wie T weiï¿½ ï¿½ den Z kennt und mit diesem ohnehin verfeindet ist, erklï¿½rt, dass er Z im ï¿½offenen Kampfï¿½ mit einer Pistole niederstrecken werde. Daraufhin hï¿½ndigt ihm T als ï¿½Anzahlungï¿½ einen von K ausgestellten Schuldschein in Hï¿½he von 3000 ï¿½ aus.
Da K noch eine geeignete Schusswaffe benï¿½tigt, sucht er seinen Freund F auf, dem er erzï¿½hlt, er wolle einen unliebsamen Menschen zur Rede stellen und offen ï¿½abknallenï¿½. F erfï¿½llt seinem Freund den Gefallen und ï¿½bergibt ihm seine Pistole. Dabei ist es ihm gleichgï¿½ltig, wer die Person ist, die getï¿½tet werden soll.
Einige Tage spï¿½ter schreitet K zur Tat. Mittlerweile hat er sich jedoch dazu entschlossen, Z aus einem Hinterhalt heraus zu tï¿½ten und sich sicherheitshalber zu maskieren. Bei Dunkelheit legt er sich in einem Busch auf die Lauer. Als sich eine Person nï¿½hert, glaubt er, Z vor sich zu haben, und gibt mit Tï¿½tungsvorsatz einen Schuï¿½ ab. Das Opfer wird aber, wie K sogleich erkennt, nur am Arm getroffen. Sofort spring K aus seinem Versteck heraus und nï¿½hert sich dem Verletzten, um ihn aus der Nï¿½he zu erschieï¿½en und seinen Tï¿½tungsplan zu verwirklichen. Da erkennt K, dass er nicht Z, sondern ausgerechnet den zufï¿½llig des Weges kommenden F mit dessen eigener Pistole angeschossen hat. Dieser ist aber ersichtlich nur ganz leicht und vï¿½llig ungefï¿½hrlich verletzt worden. Als K die Personenverwechslung bewusst wird, gibt er seine Absicht, nochmals zu schieï¿½en, auf und entfernt sich rasch, damit F nicht erkennt, dass er der Schï¿½tze war.
Strafbarkeit von T, K und F nach dem StGB?
Verfasst am: 06 Aug 2006 - 17:13:14 Titel:
Hab mir mal den Sv durchgelesen und spontan paar Gedanken dazu gemacht..vielleicht hilft euch das ja weiter..
1.) §212 Totschlag an O (obj.Zurechnung fraglich, da Verhalten des Opfers ursaächlich für Erfolgseintritt..Vgl. hierzu Rötzel-Fall)
2.) §§223 I, II,224 I Nr.2, 22, 23 an O (Tatentschluss (+) , Unm. Ansetzen (+/- je nach Argumentation, SV
gibt keine Auskunft, ob T O gefolgt ist)
3.) §§212I , 22, 23I, 26 für K an Z(F) (Strafbarkeit des Anstifters bei error in persona Vgl. NJW 1991, 933)
4.)§§223 I, 224 I, 26 für K an Z (F) (s.o)
5.) §240, § 253 NÖtigung/Erpressung an K (-)
Strafbarkeit des K
1.) §212 (-) Erfolg nicht eingetreten
2.) §§ 212, 22, 23 --> error in persona,aber unbeachtlich bei gleichwertigen Objekten (Mensch)(+)
1.) §212I, 22, 23I, 27 - an sich zu bejahen, problematisch, da F später selbst Opfer war
( §§223, 224 I Nr.2, Nr.3, Nr.5, )
Zuletzt bearbeitet von eDD am 06 Aug 2006 - 17:57:53, insgesamt 4-mal bearbeitet
Verfasst am: 06 Aug 2006 - 17:35:22 Titel:
BGH NJW 1971, 152 (Absturz-Fall): Keine Zurechnung, wenn sich das angegrif-fene Opfer – um sich weiteren Angriffen zu entziehen – durch ein Zimmerfenster auf einen Balkon flüchten will und dabei abstürzt
Vielleicht auch hilfreich..
Verfasst am: 06 Aug 2006 - 18:09:10 Titel:
eDD hat folgendes geschrieben:
Meiner Meinung nach liegt gar keine Strafbarkeit wegen Totschlags vor, da spätestens bei dem subjektiven Tatbestand bereits der Vorsatz fehlt, daher nur Versuch der schweren Körperverletzung an O. Danach noch Anstiftung oder mittelbare Täterschaft zum versuchten Mord an Z. Hier bemerke ich aber gerade einen Aufbau Problem aufgrund der Akzessorietät. Bevor ich auf die Strafbarkeit des Z eingehen kann (Anstiftung/mittelbare Täterschaft), muss ich erstmal auf die Strafbarkeit des K eingehen. Somit hat der Aufbau einen unschönen "Bruch". Was meinste, wie man das besser darstellen könnte?
Zu den anderen Problemen habe ich mir noch nicht ganz so viel Gedanken gemacht. Aber trotzdem danke für die spontane Überlegung!
Verfasst am: 06 Aug 2006 - 18:35:13 Titel:
Nach der Strafbarkeit des Z war nicht gefragt, zumindest in deinem ersten Beitrag laut Sachverhalt nicht
Beim Totschlag an O kannste bei der obj. Zurechnung diskutieren inwiefern sich O das selber zuzuschreiben hat, danach entweder zustimmen oder ablehnen..
Der andere Totschlag bei Ts Strafbarkeit bezog sich ja auf F(Z)..
sprich Anstiftung zum versuchten Totschlag..diskussionswürdig..
da bestünde dann Tateinheit zur anstiftung zur versuchten Körperverletzung..könnt doch passen
Verfasst am: 06 Aug 2006 - 18:39:08 Titel:
Ich meinte natürlich T, nicht Z!!!
Verfasst am: 06 Aug 2006 - 19:25:14 Titel:
du meinst du müsstest erst die strafbarkeit des k an dem f(z) prüfen, bevor du auf die anstiftung des T zu sprechen kommen kannst?meintest du das so?
kommt halt drauf an, wie du aufbaust..
Historisch gesehen, wärs dann ja kein problem..einfach, nach dem was sich ereignet hat prüfen..sieht dann wohl aber unschön aus..
Alternative wäre eben wie gesagt nach den Strafbarkeiten zu prüfen,
fängst mit der des T an und wenn du zur Anstiftungsprüfung kommst, könntest du den versuchten Totschlag bzw. KV inzident in diese Prüfung mit rein nehmen. Inzidentprüfungen haben u.U den Nachteil, dass es leicht unübersichtlich wird.
Verfasst am: 07 Aug 2006 - 12:25:08 Titel:
Jo, genau das meine ich!!!
Dieser "Bruch" im Gutachten wäre für mich unschön. Der Aufbau einer inzidenten Prüfung kann wiederum sehr unübersichtlich wirken. Hm, muss mir wohl erstmal Gedanken machen, wie ich das am besten aufbaue.
Würdest du hier die Strafbarkeit des T wegen Totschlags an O prüfen? Es ist offensichtlich ja zu verneinen. Da O aber tot ist, muss man das trotzdem anprüfen?
Verfasst am: 07 Aug 2006 - 14:24:53 Titel:
Ja ich würde den Totschlag an O auf jeden Fall anprüfen..allein deswegen weil der O ja stirbt und die Diskussion um das Verschulden bei der obj. Zurechnung der erste Schwerpunkt darstellen soll..