Source: http://bravors.brandenburg.de/verordnungen/nsghutelandaltranft_2015
Timestamp: 2018-10-18 22:30:57
Document Index: 112783643

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 20', '§ 20', '§ 4', '§ 4', '§ 11']

(GVBl.II/01, [Nr. 12], S.211)
geändert durch Artikel 10 der Verordnung vom 9. November 2015
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen in den Gemeinden Bad Freienwalde und Wriezen (Landkreis Märkisch-Oderland) werden als Naturschutzgebiet festgesetzt. Das Naturschutzgebiet trägt die Bezeichnung „Hutelandschaft Altranft-Sonnenburg".
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 572 Hektar und liegt drei Kilometer südöstlich von Bad Freienwalde, unmittelbar südwestlich von Altranft. Es umfasst folgende Flurstücke und Flure der Gemarkungen
Altranft Flur 1 72 - 74, 78, 80 anteilig - Nordteil bis Südgrenze Flurstück 89, 88/2 anteilig bis zur westlichen Kante des Waldriegels, Acker ausgeschlossen, 89 - 97, 98/1-3, 99;
Flur 2 121 - 123, 131, 132 anteilig bis Südgrenze Flurstück 133, 147 - 185;
Rathsdorf Flur 1 1 - 16, 18;
Flur 2 1 - 2, 3/1-2, 4 - 21, 54 - 55, 377 anteilig, bis zum Weg im Osten, 378, 379/3 anteilig, bis zum Abzweig des Weges im Osten;
Sonnenburg Flur 1 87 - 96, 97/1-2, 112 - 116, 117/1-7, 118 - 123. Eine Kartenskizze ist dieser Verordnung zur Orientierung als Anlage beigefügt.
(2) Die Grenze des Naturschutzgebietes ist in topografischen Karten im Maßstab 1 : 10 000 und in Flurkarten mit ununterbrochener Linie eingetragen; als Grenze gilt der innere Rand dieser Linie. Maßgeblich ist die Einzeichnung in den Flurkarten.
(3) Die Verordnung mit Karten kann beim Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg, oberste Naturschutzbehörde, in Potsdam sowie beim Landkreis Märkisch-Oderland, untere Naturschutzbehörde, von jedermann während der Dienstzeiten kostenlos eingesehen werden.
Der Schutzzweck des ehemals überwiegend militärisch genutzten Naturschutzgebietes ist
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung „Hutelandschaft Altranft-Sonnenburg“ (§ 7 Absatz 1 Nummer 6 des Bundesnaturschutzgesetzes) mit seinen Vorkommen von
Mageren Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis), Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum), Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (Galio-Carpinetum) und Alten bodensauren Eichenwäldern auf Sandebenen mit Quercus robur als natürlichen Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse im Sinne von § 7 Absatz 1 Nummer 4 des Bundesnaturschutzgesetzes,
Subpannonischen Steppen-Trockenrasen, Trockenen, kalkreichen Sandrasen, Schlucht- und Hangmischwäldern (Tilio-Acerion) und Auen-Wäldern mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae) als prioritären natürlichen Lebensraumtypen im Sinne von § 7 Absatz 1 Nummer 5 des Bundesnaturschutzgesetzes;
die Erhaltung und naturnahe Wiederherstellung der Lebensräume wildlebender Pflanzenarten, darunter zahlreiche nach § 20a Abs. 1 Nr. 7 und 8 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders und streng geschützte Arten der Trocken-, Mager- und Steppenrasen, wie beispielsweise Echtes Tausendgüldenkraut, Sand-Strohblume, Rauhe-, Heide- und Kartäuser-Nelke, Violette Schwarzwurzel, Trespen-Federschwingel, Streifen-Klee sowie Federgras;
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als Rückzugsraum und potenzielles Wiederausbreitungszentrum wildlebender Tierarten, darunter zahlreiche nach § 20a Abs. 1 Nr. 7 und 8 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders und streng geschützte Tierarten, insbesondere Vogelarten mit Bindung an trockene und extensiv genutzte Lebensräume, wie Wiedehopf, Brachpieper, Heidelerche, Sperbergrasmücke und vom Aussterben bedrohte Greifvögel, Reptilien, Lurche und Heuschrecken;
die Erhaltung des Gebietes aus wissenschaftlichen Gründen zur Beobachtung und Erforschung der Wirksamkeit von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen auf Trockenrasenarealen, aus landeskundlichen Gründen, insbesondere als Zeugnis der historischen Bewirtschaftungsform der Schafhutung und der an diese reliefbedingte extensive Landnutzung gebundenen Struktur- und Biotopvielfalt;
die Bewahrung und Förderung des Gebietes als wichtiges Glied im regionalen Biotopverbund im Raum Bad-Freienwalde-Haselberg-Wriezen und als Element eines Verbundsystems von Lebensräumen für wärmeliebende Tierund Pflanzenarten entlang der Oder;
die Erhaltung der hervorragenden Schönheit, besonderen Vielfalt und Eigenart des Gebietes, die sich aus dem unterschiedlich stark bewegten Relief einschließlich seiner Hohlwege, den altbaumreichen Waldbeständen und den extensiv genutzten Offenflächen mit inselartig eingebetteten Baumgruppen und Solitärsträuchern ergibt, und die der Hutelandschaft einen außergewöhnlichen Parkcharakter verleihen.
wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören oder Futtermittel bereitzustellen;
Pflanzenschutzmittel jeder Art zu verwenden;
Wiesen, Weiden oder sonstige Flächen umzubrechen oder neu anzusäen;
(1) Ausgenommen von den Verboten des § 4 bleiben folgende
die Verbote des § 4 Abs. 2 Nr. 15, 21 und 22 gelten, wobei auf den Ackerflächen der Gemarkung Rathsdorf, Flur 2, Flurstücke 3/1, 10, 11 und 12 sowie der Gemarkung Altranft, Flur 1, im nördlichen Bereich des Flurstücks 73 entsprechend der Darstellung in der Flurkarte die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und Weise weiterhin zulässig bleibt,
die Beweidung mit Schafen so erfolgt, dass Erosionsschäden vermieden werden,
die Nutzung der traditionellen Schaftränke auf dem Flurstück 21 der Gemarkung Rathsdorf, Flur 2, so erfolgt, dass der vorhandene Feuchtbiotop nicht nachhaltig beeinträchtigt wird;
die im Sinne des § 11 Abs. 3 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, dass
bei der Wiederaufforstung nur heimische Baum- und Straucharten zu verwenden sind. Die Wiederaufforstung mit fremdländischen Koniferen bleibt auf den Flurstücken 377 teilweise, 4, 5, 6, 9, 15, 16 und 17 der Gemarkung Rathsdorf, Flur 2 und den Flurstücken 117/3 teilweise, 117/6 teilweise und 117/7 der Gemarkung Sonnenburg, Flur 1, die den Forstabteilungen, Abt. 38 b, Abt. 39 a, b, Abt. 40 c, d und Abt. 41 b im Revier Wriezen entsprechen, auf Einzelflächen bis zu 0,5 Hektar außerhalb der Lebensräume der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, in einem Gesamtumfang von 3 Hektar zulässig. Die Forstrevierkarte zu diesen Flächen im Maßstab 1 : 10 000 ist den Flurkarten beigefügt,
bei der Holzentnahme ausreichend Totholz und Überhälter im Bestand für Arten, die an diese Habitatstrukturen gebunden sind, verbleiben;
die Errichtung von Kanzeln und Ansitzleitern, sofern das charakteristische Landschaftsbild nicht beeinträchtigt wird und nur Materialien verwendet werden, die sich in das Landschaftsbild einfügen,
die Anlage von Wildäckern bis zu einer maximalen Größe von 0,5 Hektar und von Kirrungen außerhalb von Trockenrasenflächen, Frischweiden und deren Randbereiche;
das Sammeln von Waldfrüchten zu nicht gewerblichen Zwecken auf den Flurstücken 378 und 379, Flur 2 der Gemarkung Rathsdorf in der Zeit vom 1. Juni bis 1. Dezember jeden Jahres;
die sonstigen, bei In-Kraft-Treten dieser Verordnung auf Grund behördlicher Einzelfallentscheidungen rechtmäßig ausgeübten Nutzungen und Befugnisse in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;
Weiterführung der Beweidung und Anwendung anderer geeigneter Maßnahmen zum Erhalt der Offenflächen mit den Trockenrasengesellschaften und zur Rückdrängung der Landreitgrasbestände.
Anwendung mechanischer Maßnahmen, um der beginnenden Verbuschung und Bewaldung, insbesondere dem Eindringen der Robinie und Weißdorn wirksam zu begegnen.
Erhalt oder Wiederherstellung der an der potenziell natürlichen Vegetation orientierten Baumartenzusammensetzung auf den bewaldeten Flächen.
Einrichtung von vegetationskundlichen Dauerbeobachtungsflächen in Bereichen mit Vorkommen gefährdeter Arten beziehungsweise Lebensgemeinschaften sowie in Räumen mit auf Nutzung angewiesenen Entwicklungszielen.
Rückbau ehemalig militärisch genutzter baulicher Anlagen, sofern sie keine naturschutzrelevante Bedeutung besitzen.
Erhalt höhlenreicher Altbäume und Überhälter als Horstbäume, sofern von ihnen keine Gefahr für die Verkehrssicherung ausgeht.
der Form- oder Verfahrensmangel ist zuvor gegenüber dem Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung in Potsdam unter Angabe der verletzten Rechtsvorschrift und der Tatsache, die den Mangel ergibt, gerügt worden.
Potsdam, den 13. Juni 2001