Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20ZR%2039/83
Timestamp: 2020-02-19 12:44:48
Document Index: 200013250

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 138', 'BGH', '§ 138', 'BGH', '§ 826', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 14.11.1983 - II ZR 39/83 - dejure.org
BGH, 14.11.1983 - II ZR 39/83
https://dejure.org/1983,1552
BGH, 14.11.1983 - II ZR 39/83 (https://dejure.org/1983,1552)
BGH, Entscheidung vom 14.11.1983 - II ZR 39/83 (https://dejure.org/1983,1552)
BGH, Entscheidung vom 14. November 1983 - II ZR 39/83 (https://dejure.org/1983,1552)
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Grundsätzlich keine sittenwidrige Diskontierung eines Akzeptantenwechsels bei Kenntnis der Diskontbank von fehlender Regreßmöglichkeit des Ausstellers
Bank - Diskontierung - Akzeptantenwechsel - Sittenwidrigkeit - Geschäftsvermögen sicherungsübereignet - Regreß des Austellers - Vollstreckungsfähiges Vermögen
NJW 1984, 728
ZIP 1984, 37
WM 1983, 1406
BB 1984, 1261
JR 1984, 378
(1) Die Wahrnehmung eigener Sicherungsinteressen ist als solche grundsätzlich nicht sittenwidrig (vgl. BGH, Urteile vom 3. Juni 1958 - VI ZR 79/57, WM 1958, 895, vom 9. Dezember 1969 - VI ZR 50/68, WM 1970, 399, 400, vom 14. November 1983 - II ZR 39/83, WM 1983, 1406 und vom 30. Oktober 1990 - IX ZR 9/90, WM 1991, 88, 90), auch dann nicht, wenn sich ein Gläubiger von seinem Schuldner für einen bereits gewährten Kredit nachträglich Sicherheiten bestellen lässt (BGH, Urteil vom 14. April 1964 - VI ZR 219/62, WM 1964, 671, 672 f.).
(a) Einer derartigen Reduzierung der Anforderungen an die Feststellung der Sittenwidrigkeit eines Sicherungsvertrags mit der Folge seiner Nichtigkeit nach § 138 Abs. 1 BGB steht entgegen, dass die tatsächliche wirtschaftliche Lage des Sicherungsgebers nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ein wesentlicher Aspekt im Rahmen der notwendigen Gesamtwürdigung, insbesondere für die Bejahung der Sittenwidrigkeit, ist (vgl. BGH, Urteil vom 2. Februar 1955 - IV ZR 252/54, NJW 1955, 1272, 1273 f. [zu den Anforderungen an die Prüfung der Lage des Sicherungsgebers durch den Sicherungsnehmer, um die Nichtigkeit der Bestellung weiterer Sicherheiten für bereits eingeräumte Kredite gemäß § 138 Abs. 1 BGB zu vermeiden]; BGH, Urteile vom 9. Dezember 1969 - VI ZR 50/68, WM 1970, 399, 400 und vom 17. Juni 2004 - IX ZR 2/01, WM 2004, 1575, 1576 [jeweils zu § 826 BGB wegen sittenwidriger Insolvenzverschleppung]; BGH, Urteile vom 14. November 1983 - II ZR 39/83, WM 1983, 1406 und vom 16. März 1995 - IX ZR 72/94, WM 1995, 995, 998 [zu anderen Fällen der Gläubigergefährdung oder Kredittäuschung]).
Wird dieses unter Umständen abgeschlossen, die dazu geeignet und bestimmt sind, andere Gläubiger darüber zu täuschen, daß der Schuldner kein freies Vermögen mehr hat, und dadurch zur Vergabe weiterer Kredite zu verleiten, kann ein Sittenverstoß in Betracht kommen (BGH, Urt. v. 14. November 1983 - II ZR 39/83, NJW 1984, 728 f; v. 16. März 1995 - IX ZR 72/94, NJW 1995, 1668).
Durfte er dagegen davon ausgehen, der Schuldner werde mit den gewährten Krediten den Geschäftsbetrieb ordnungsgemäß weiterführen können, kann ihm nicht vorgeworfen werden, sich sittenwidrig über die Belange anderer Gläubiger hinweggesetzt zu haben (BGH, Urt. v. 14. November 1983 - II ZR 39/83, aaO).
Es müssen stets weitere Umstände hinzukommen, ehe der Vorwurf der Sittenwidrigkeit gerechtfertigt ist, so z.B., daß wegen der besonderen Verhältnisse die Möglichkeit einer Schädigung Dritter so naheliegt, daß sich den Vertragsschließenden die Erkenntnis aufdrängen mußte, diese Möglichkeit werde sich mit hoher Wahrscheinlichkeit verwirklichen; die Bank handelt ferner sittenwidrig, wenn sie sich von ihrem Kreditnehmer nicht nur zur Sicherheit Vermögenswerte übertragen läßt, sondern ihm damit zugleich die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit nimmt (BGH, Urteil vom 14. November 1983 - II ZR 39/83, NJW 1984, 728 unter II; BGH, Beschluß vom 17. März 1988 - III ZR 101/87, NJW-RR 1988, 1012 unter 1).
OLG Hamm, 03.11.1998 - 7 U 21/98
Zunächst ist die Wahl des Scheck-Wechsel-Verfahrens zur Begleichung von Forderungen und die Diskontierung von sogenannten Akzeptantenwechseln im Rahmen eines solchen Verfahrens als solche nicht sittenwidrig (vgl. BGHZ 56, 265, MDR 1971, 827; BGH v. 14.11.1983 - II ZR 39/83, MDR 1984, 379 = NJW 1984, 728; OLG Hamm NJW-RR 1995, 67 und v. 13.5.1986 - 7 U 13/86, NJW-RR 1987, 40; OLG Frankfurt v. 24.4.1995 - 4 U 36/94, WM 1995, 1497 und v. 4.11.1992 - 19 U 33/92, OLGR Frankfurt 1993, 130 = WM 1993, 1710; OLG Karlsruhe v. 30.12.1994 - 13 U 291/93, WM 1996, 1294).
a) Es ist allgemein anerkannt, daß die Diskontierung eines Wechsels und die nachfolgende Inanspruchnahme des Ausstellers sittenwidrig ist, wenn eine Bank den Wechsel eines Akzeptanten zum Diskont annimmt, obgleich sie weiß, daß dieser zahlungsunfähig ist (BGH WM 1977, 638; v. 14.11.1983 - II ZR 39/83, MDR 1984, 379 = NJW 1984, 728; OLG Koblenz v. 7.3.1986 - 2 U 1393/85, NJW-RR 1987, 40).
Es ist nämlich grundsätzlich Sache des Ausstellers, die Bonität des Akzeptanten bei einer derartigen Zahlungsweise selbst zu prüfen, weil die Diskontbank diese Bonitätsprüfung ausschließlich im eigenen Interesse vornimmt und dabei auch die Rückgriffshaftung des Ausstellers berücksichtigen kann (BGH v. 14.11.1983 - II ZR 39/83, MDR 1984, 379 = WM 1983, 1406 = NJW 1984, 728; OLG Hamm v. 9.12.1994 - 7 U 97/94, OLGR Hamm 1995, 56 = NJW-RR 1995, 617).
Da die Klägerin nicht gehalten war, die Interessen der Vertragspartner ihres Kunden wahrzunehmen (vgl. auch BGH v. 14.11.1983 - II ZR 39/83, MDR 1984, 379 = NJW 1984, 728), bestand für sie keine Verpflichtung, die Beklagte auf das Fehlen von vollstreckbarem Vermögen der Fa. N. hinzuweisen.
OLG Frankfurt, 04.11.1992 - 19 U 33/92
Sittenwidrigkeit der Begebung eines Wechsel zur Begleichung einer …
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGHZ 56, 264; NJW 1984, 728) ist ein solcher Wechsel zulässig, nicht sittenwidrig und insbesondere auch rediskontfähig.
Allein aus der Tatsache, daß die Firma ... als Akzeptant zahlungsunfähig war und die Beklagte deshalb gegenüber dieser keinen Regress durchsetzen konnte, kann jedoch eine Sittenwidrigkeit noch nicht abgeleitet werden (BGH NJW 1984, 728).
Sie war nicht verpflichtet, die Beklagte darüber aufzuklären, daß die Firma ... kein vollstreckungsfähiges Vermögen mehr besitzt (BGH NJW 1984, 728, 729) [BGH 14.11.1983 - II ZR 39/83] .
Es müssen stets weitere Umstände hinzukommen, ehe der Vorwurf der Sittenwidrigkeit gerechtfertigt ist, so z.B., daß wegen der besonderen Verhältnisse die Möglichkeit einer Schädigung Dritter so naheliegt, daß sich den Vertragsschließenden die Erkenntnis aufdrängen mußte, diese Möglichkeit werde sich mit hoher Wahrscheinlichkeit verwirklichen; die Bank handelt ferner sittenwidrig, wenn sie von ihrem Kreditnehmer nicht nur zur Sicherheit Vermögenswerte übertragen läßt, sondern zugleich ihm damit die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit nimmt (BGH, Urteil vom 14. November 1983 - II ZR 39/83, NJW 1984, 728 unter II; BGH, Beschluß vom 17. März 1988 - III ZR 101/87, NJW-RR 1988, 1012 unter 1).
BGH, 26.02.2003 - VIII ZR 15/02
Es müssen stets weitere Umstände hinzukommen, ehe der Vorwurf der Sittenwidrigkeit gerechtfertigt ist, so z.B., daß wegen der besonderen Verhältnisse die Möglichkeit der Schädigung Dritter so naheliegt, daß sich den Vertragsschließenden die Erkenntnis aufdrängen mußte, diese Möglichkeit werde sich mit hoher Wahrscheinlichkeit verwirklichen; die Bank handelt ferner sittenwidrig, wenn sie sich von ihrem Kreditnehmer nicht nur zur Sicherheit Vermögenswerte übertragen läßt, sondern ihm damit zugleich die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit nimmt (BGH, Urteil vom 14. November 1983 - II ZR 39/83, WM 1983, 1406 = NJW 1984, 728 unter II; BGH, Beschluß vom 17. März 1988 - III ZR 101/87, NJW-RR 1988, 1012 unter 1).
OLG Hamm, 09.12.1994 - 7 U 97/94
Ausgestaltung des gutgläubigen Erwerbs eines Wechsels durch eine …
In beiden Fällen muß er im eigenen Interesse die Bonität des Akzeptanten selbst prüfen (vgl. BGH NJW 1984, 728 [BGH 14.11.1983 - II ZR 39/83] ).
Für das Wechselscheckverfahren bedeutet das, daß die Banken dann sittenwidrig handeln, wenn sie wegen der desolaten Finanzlage des Unternehmens bereits bei Diskontierung des Wechsels wissen oder es sich ihnen aufdrängen muß, daß der Akzeptant mit ziemlicher Sicherheit bei Verfall nicht zahlen können wird und sie darum Rückgriff gegen den Aussteller nehmen werden (vgl. BGH WM 1977, 638; NJW 1984, 728 [BGH 14.11.1983 - II ZR 39/83] ).
Es müssen stets weitere Umstände hinzukommen, ehe der Vorwurf der Sittenwidrigkeit gerechtfertigt ist, so z.B., daß wegen der besonderen Verhältnisse die Möglichkeit der Schädigung Dritter so naheliegt, daß sich den Vertragsschließenden die Erkenntnis aufdrängen mußte, diese Möglichkeit werde sich mit hoher Wahrscheinlichkeit verwirklichen; die Bank handelt ferner sittenwidrig, wenn sie sich von ihrem Kreditnehmer nicht nur zur Sicherheit Vermögenswerte übertragen läßt, sondern ihm damit zugleich die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit nimmt (BGH, Urteil vom 14. November 1983 - II ZR 39/83, NJW 1984, 728 unter II; BGH, Beschluß vom 17. März 1988 - III ZR 101/87, NJW-RR 1988, 1012 unter 1).
OLG Karlsruhe, 30.12.1994 - 13 U 291/93
Anspruch auf Zahlung einer Wechselsumme nebst Wechselunkosten und Provision gegen …
Die Beklagte verkennt nicht, daß die Diskontierung eines sog. Akzeptantenwechsels, wie er hier vorliegt, grundsätzlich nicht sittenwidrig ist, sondern daß weitere Umstände hinzutreten müssen, ehe der Vorwurf der Sittenwidrigkeit gerechtfertigt ist (BGH WM 1983, 1406).
SG Halle, 05.02.2008 - S 2 AS 1367/07