Source: http://swissblawg.ch/2017/06/1c_2672016-gueltigkeit-der-buendner-volksinitiative-nur-eine-fremdsprache-in-der-primarschule-amtl-publ.html
Timestamp: 2017-08-20 20:56:18
Document Index: 236634535

Matched Legal Cases: ['BGer', 'BGer', 'BGer', 'Art. 8', 'BGer', 'BGer', 'BGer']

1C_267/2016: Gültigkeit der Bündner Volksinitiative “Nur eine Fremdsprache in der Primarschule” (amtl. Publ.) - swissblawg
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Fabian Klaber	• 17. Juni 2017
Im zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Urteil vom 3. Mai 2017 äusser­te sich das BGer zur im Kan­ton Grau­bün­den ein­ge­reich­ten Volks­in­itia­ti­ve “Nur eine Fremd­spra­che in der Pri­mar­schu­le (Fremd­spra­chen­in­itia­ti­ve)”. Die kan­to­na­le Volks­in­itia­ti­ve wur­de in der Form der all­ge­mei­nen Anre­gung mit dem fol­gen­den Wort­laut ein­ge­reicht:
Das Gesetz für die Volks­schu­len des Kan­tons Grau­bün­den ist so abzu­än­dern und aus­zu­ge­stal­ten, dass in der Pri­mar­schu­le für den Fremd­spra­chen­un­ter­richt im gan­zen Kan­ton fol­gen­de Regel gilt: In der Pri­mar­schu­le ist nur eine Fremd­spra­che obli­ga­to­risch, je nach Sprach­re­gi­on ist dies Deutsch oder Eng­lisch.
In der Fol­ge kamen die bei­den Pro­fes­so­ren Adria­no Pre­vi­ta­li (Nur eine Fremd­spra­che in der Pri­mar­schu­le?, in: ZGRG 2/2014 S. 93 ff.) und Bern­hard Ehren­zel­ler (Gut­ach­ten zur Fra­ge der Gül­tig­keit der kan­to­na­len Volks­in­itia­ti­ve “Nur eine Fremd­spra­che in der Pri­mar­schu­le”) zum Schluss, dass die Volks­in­itia­ti­ve für ungül­tig zu erklä­ren sei. Nach­dem der Gro­sse Rat des Kan­tons Grau­bün­den die Volks­in­itia­ti­ve für ungül­tig erklär­te, hiess das kan­to­na­le Ver­wal­tungs­ge­richt eine von sechs Pri­vat­per­so­nen ein­ge­reich­te Beschwer­de gegen den Ungül­tig­keits­be­schluss gut. Die von 18 Pri­vat­per­so­nen gegen die­sen Ent­scheid geführ­te Beschwer­de wird vom BGer abge­wie­sen.
Das BGer weist zunächst dar­auf hin, dass das Initia­tiv­be­geh­ren von den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten über­ein­stim­mend so aus­ge­legt wer­de, dass die Pri­mar­schü­ler aus den ita­lie­nisch- und räto­ro­ma­nisch­spra­chi­gen Regio­nen ein­zig in der Fremd­spra­che Deutsch und die Pri­mar­schü­ler aus den deutsch­spra­chi­gen Regio­nen ein­zig in der Fremd­spra­che Eng­lisch obli­ga­to­risch unter­rich­tet wer­den könn­ten. Die Initia­ti­ve schlie­sse jedoch das Ange­bot einer zwei­ten Fremd­spra­che in der Pri­mar­schu­le auf frei­wil­li­ger Basis nicht aus.
Die Beschwer­de­füh­rer dage­gen brin­gen vor, dass die Initia­ti­ve das Rechts­gleich­heits­ge­bot (Art. 8 Abs. 1 BV) ver­let­ze. Die­se Ver­let­zung sei im Umstand zu erblicken, dass die Pri­mar­schü­ler je nach Sprach­re­gi­on ent­we­der nur in der Fremd­spra­che Deutsch oder nur in der Fremd­spra­che Eng­lisch obli­ga­to­risch unter­rich­tet wür­den. Das BGer pflich­tet den Beschwer­de­füh­re­rin inso­fern bei, als die von der Initia­ti­ve vor­ge­se­he­ne Rege­lung nicht gewähr­lei­ste, dass die Schü­ler aus den ver­schie­de­nen Sprach­re­gio­nen zu jedem Zeit­punkt ihrer Aus­bil­dung bzw. am Ende der Pri­mar­schu­le über ver­gleich­ba­re Kom­pe­ten­zen in einer zwei­ten Lan­des­spra­che sowie in Eng­lisch ver­füg­ten.
Obwohl die Fremd­spra­chen­in­itia­ti­ve — so das BGer — zum Rechts­gleich­heits­ge­bot oder zum Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot in einem gewis­sen Span­nungs­ver­hält­nis ste­he, las­se sich die Initia­ti­ve vom Gesetz­ge­ber aber in einer Art und Wei­se umset­zen, die nicht gegen ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­sät­ze ver­sto­sse. So kön­ne sicher­ge­stellt wer­den, dass die Schü­ler bis zum Ende der obli­ga­to­ri­schen Schul­zeit eine gleich­wer­ti­ge Sprach­aus­bil­dung erhiel­ten, da die zwei­te Fremd­spra­che in der Ober­stu­fe rela­tiv effi­zi­ent erlernt wer­den kön­ne. Zudem kön­ne die Schul­trä­ger­schaft ver­pflich­tet wer­den, den unter­schied­li­chen Vor­kennt­nis­sen der Schü­ler auf der Ober­stu­fe mit der Ein­füh­rung von getrenn­ten Fremd­spra­chen-Klas­sen Rech­nung zu tra­gen. Schliess­lich könn­ten die Bedürf­nis­se von Schü­lern aus Rand­re­gio­nen des Kan­tons mit Son­der­re­ge­lun­gen befrie­digt wer­den.
Die wei­te­ren von den Beschwer­de­füh­rern vor­ge­brach­ten Rügen weist das BGer mit jeweils kur­zen Begrün­dun­gen eben­falls ab (vgl. E. 6. – 10.).