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Timestamp: 2017-04-25 15:12:34
Document Index: 142080604

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 305', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'BGE', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 4', 'Art. 664', 'Art. 5', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 4', 'Art. 8', 'Art. 10', 'Art. 3', 'Art. 10', 'Art. 3', 'Art. 4', 'Art. 2', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 101', 'Art. 8', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'BGE', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 312', 'Art. 2', 'Art. 663', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 552', 'Art. 594', 'Art. 620', 'Art. 772', 'BGE', 'Art. 2', 'Art. 67', 'Art. 67', 'Art. 64', 'Art. 37', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 261', 'Art. 1']

Praxis der Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei zu Art. 2 Abs. 3 GwG - PDF
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1 Eidgenössisches Finanzdepartement EFD Eidgenössische Finanzverwaltung EFV Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei Praxis der Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei zu Art. 2 Abs. 3 GwG 29. Oktober 2008 Der Geltungsbereich des Geldwäschereigesetzes im Nichtbankensektor Eidgenössische Finanzverwaltung EFV Kontrollstelle GwG, Christoffelgasse 5, Bern Tel , Fax2 Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung und Auslegungsgrundsätze Generalklausel von Art. 2 Abs. 3 GwG Allgemeines Berufsmässigkeit Erlös Weitere Kriterien Akzessorischer Geldwechsel Finanzintermediation für nahe stehende Personen Berufsmässigkeit beim Kreditgeschäft Übergang zu einer berufsmässigen Tätigkeit Abgrenzung im Bereich der Hilfspersonen Tätigkeit im Finanzsektor Werttransport Organtätigkeit Domizilierung, Gründung und Verkauf von Gesellschaften Sitzgesellschaften Operativ tätige Gesellschaften Holdinggesellschaften Mantelgesellschaften Trusts Fakturierungsgesellschaften Vereine, Stiftungen und Genossenschaften Kreditgeschäft (Art. 2 Abs. 3 Bst. a GwG) Auslegungsgrundsätze Einfache Kreditvergabe Kreditvergabe zwischen Gesellschaft und Gesellschafter Gemeinschaftliches Eigentum an Aktien Miteigentum an Aktien Gesamteigentum an Aktien Beschränkte dingliche Rechte an Aktien Nutzniessung an Aktien Pfandrecht an Aktien Treuhandverhältnisse bei Aktien Aktionärsbindungsverträge Kreditvergabe zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Gleichbehandlung von Mitarbeitenden und Exekutivorganen Weisungsgebundene Organe Kreditvergabe zwischen nahe stehenden Personen Einzelne Kreditarten Geldkredite Konsumkredite Handelsfinanzierung Factoring Forfaitierung Finanzierungsleasing Verbriefte und unverbriefte Finanzprodukte Dienstleistungen für den Zahlungsverkehr (Art. 2 Abs. 3 Bst. b GwG) /643 4.1 Inkassotätigkeit Vornahme elektronischer Überweisungen Überweisungen im Giroverkehr Ausführung von Zahlungsaufträgen Lohnzahlungen Geld- und Wertübertragung Zahlungsverkehr in spezifischen Branchen Escrow Agent Versicherungsvermittler Makler nach Obligationenrecht Versicherungsvermittler mit weitergehenden Vollmachten Liegenschaftsverwaltung und Immobilienhandel Liegenschaftsverwaltung Verwaltung von Immobiliengesellschaften Immobilienhandel General- und Totalunternehmer, Architekten und Ingenieure Bautreuhänder Kunst- und Antiquitätenhandel Ausgabe und Verwaltung von Zahlungsmitteln Kreditkarten Kundenkarten Debitkarten Elektronisches Geld Family Office Handelstätigkeit (Art. 2 Abs. 3 Bst. c GwG) Geldwechsel Handel mit Banknoten und Münzen Edelmetallhandel Handel mit Rohwaren Devisenhandel Kunden-Devisenhändler Devisen-Vermögensverwalter Devisenhandelsfonds Zwischenhändler Effektenhandel Vermögensverwaltung (Art. 2 Abs. 3 Bst. e GwG) Abgrenzungen bei der Verwaltung von Vermögen Unabhängiger Vermögensverwalter Kollektive Kapitalanlagen Investmentclubs Entgegennahme von Geldern Betriebssparkassen Vereine, Stiftungen und Genossenschaften Anlageberatung (Art. 2 Abs. 3 Bst. f GwG) Aufbewahrung von Vermögenswerten Aufbewahrung von Effekten (Art. 2 Abs. 3 Bst. g GwG) Die physische Aufbewahrung von übrigen Vermögenswerten Staatliches Handeln Schuldbetreibungs- und Konkursämter Ausseramtlicher Konkursverwalter Schuldbetreibungs- und konkursrechtliche Liquidatoren Vormund Erbschaftsverwalter /644 9.6 Willensvollstrecker Erbschaftsliquidator Obligationenrechtliche Liquidatoren Unterstellung der Anwälte und Notare Der Anwalt als Escrow Agent Güterrechtliche Auseinandersetzung Liegenschaftskauf Erbteilung Verwaltung einer ungeteilten Erbschaft im Auftragsverhältnis Rechtsagenten Finanzgeschäfte im Konzern Dienstleistungen für spezialgesetzliche Finanzintermediäre Vorsorgeeinrichtungen Räumlicher Geltungsbereich /645 1 Einleitung und Auslegungsgrundsätze Der persönliche Geltungsbereich des Geldwäschereigesetzes 1 im Nichtbankensektor wird in Art. 2 Abs. 3 GwG festgelegt, der eine Generalklausel und eine nicht abschliessende Liste von unterstellten Tätigkeiten umfasst. Die Botschaft 2 erwähnt, dass für die Unterstellung unter das Gesetz an bestimmte Dienstleistungen angeknüpft wird sowie dass der Katalog der aufgeführten Tätigkeiten dem Geltungsbereich von Art. 305 ter Abs. 1 StGB sowie weitgehend dem Anhang zur Richtlinie 89/646/EWG entspricht. Die Botschaft fügt hinzu, dass eine extensive Erfassung des Finanzsektors vorgeschlagen wird. Im Folgenden wird die Praxis der Kontrollstelle 3 zu Art. 2 Abs. 3 GwG dargelegt. Langjährige Erfahrung, Lehre und Rechtsprechung haben die Praxis mitgeprägt. Nebst den rechtsstaatlichen Auslegungsgrundsätzen (grammatikalische-, historische-, systematische-, teleologische-, verfassungskonforme-, völkerrechtliche- und zeitgenössische Auslegung) wendet die Kontrollstelle bei der Auslegung der Generalklausel und der einzelnen Detailbestimmungen folgende Grundsätze an: Relevant für die Beurteilung ist die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit, nicht deren Bezeichnung oder die Umschreibung des Zweckes im Handelsregistereintrag 4, eben so wenig die Branche in der jemand tätig ist. Führt man sich die in Art. 2 Abs. 3 GwG aufgeführten Tätigkeiten vor Augen, so wird ersichtlich, dass es sich dabei vorwiegend um Finanzdienstleistungen handelt. Es sollen somit nur Tätigkeiten aus dem Finanzsektor erfasst werden 5. In Bst. c von Art. 2 Abs. 3 GwG werden mehrere Handelstätigkeiten - Handel mit Banknoten und Münzen, Geldmarktinstrumenten, Devisen, usw. - aufgeführt. Eine Handelstätigkeit kann allerdings nur dann Art. 2 Abs. 3 GwG unterstellt sein, wenn die gehandelten Güter als Finanzinstrumente zu qualifizieren sind 6. Bei der Beurteilung, ob fremde Vermögenswerte betroffen sind, berücksichtigt die Kontrollstelle in gewissen Konstellationen neben der bevorzugten rein rechtlichen Betrachtungsweise auch wirtschaftliche Gesichtspunkte. Sowohl natürliche wie juristische Personen können dem GwG unterstellt sein. Bei Personengesellschaften muss gelten, dass dort wo sie zivilrechtlich eine beschränkte Rechtsfähigkeit erlangen, nämlich bei Kollektiv- und Kommanditgesellschaften, die Unterstellungspflicht die Personengesellschaft trifft. Bei einfachen Gesellschaften bildet hingegen jeder Bundesgesetz vom 10. Oktober 1997 über die Bekämpfung der Geldwäscherei im Finanzsektor, SR 955.0, nachfolgend GwG. BBl 1996 III 1117 f. Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei, nachfolgend Kontrollstelle. Allerdings kann ein im Handelsregister eingetragener Zweck, der auf die Ausübung einer finanzintermediären Tätigkeit schliessen lässt, für sich alleine bereits die Eröffnung eines Verfahrens durch die Kontrollstelle rechtfertigen, auch wenn der eingetragene Zweck gar nicht ausgeübt wird, vgl. BGE 2A.345/2006 vom 24. Oktober Vgl. Ziff. 2.4, Tätigkeit im Finanzsektor. Vgl. Ziff. 5, Handelstätigkeit (Art. 2 Abs. 3 Bst. c GwG). 5/646 Gesellschafter individuell das unterstellungspflichtige Rechtssubjekt. Bei Einzelfirmen besteht eine rechtliche Einheit zwischen dem Inhaber und seiner Firma, so dass die Unterstellungspflicht das gleiche Rechtssubjekt trifft. 2 Generalklausel von Art. 2 Abs. 3 GwG 2.1 Allgemeines Die Finanzintermediation im Nichtbankensektor wird in Art. 2 Abs. 3 GwG mit vier Begriffen umschrieben, nämlich mit Annehmen und Aufbewahren sowie mit der Hilfe beim Anlegen und bei der Übertragung von fremden Vermögenswerten. Das Annehmen von fremden Vermögenswerten wird nur selten eine eigenständige Bedeutung haben, denn durch die Annahme von Vermögenswerten alleine entsteht noch keine Finanzintermediation. Diese wird dadurch jedoch unter Umständen eingeleitet, wenn die betroffene Person im Finanzsektor tätig ist, denn die Annahme erfolgt oftmals im Hinblick auf die Aufbewahrung, die Anlage oder die Übertragung der fremden Vermögenswerte. Werden fremde Vermögenswerte zur Finanzierung der eigenen unternehmerischen Tätigkeit entgegengenommen, entsteht dadurch keine Unterstellungspflicht 7. Die eigenständig unterstellte Tätigkeit des Aufbewahrens von Vermögenswerten beschränkt sich auf die Aufbewahrung von Effekten im Sinne des Börsengesetzes 8. Die Hilfe beim Anlegen beschreibt alle denkbaren Fälle der Vermögensanlage 9. Ausschlaggebend ist dabei im Allgemeinen das Vorhandensein einer Vollmacht, die dem Finanzintermediär erlaubt, über die fremden Vermögenswerte zu bestimmen. Die Art der Vollmacht ist dabei irrelevant, es kommt einzig auf die Verfügungsmacht an. Diese wird auch angenommen, wenn die Vollmacht auf einzelne Vermögenswerte beschränkt ist oder eine kollektive Zeichnungsberechtigung besteht, denn eine Mitbestimmungsmöglichkeit ist bereits ausreichend für die Unterstellung. Die Hilfe beim Übertragen fremder Vermögenswerte unterscheidet sich von der Hilfe beim Anlegen in der Regel dadurch, dass beim Übertragen die Eigentumsverhältnisse ändern 10. Dem GwG unterstellt sind grundsätzlich nur Personen, die Finanzintermediation mit fremden Vermögenswerten betreiben. Fremd sind Vermögenswerte, wenn dem Finanzintermediär daran kein Rechtsanspruch, insbesondere kein Eigentumsrecht zusteht. Das Gesetz und die Praxis sehen allerdings Ausnahmen von diesem Grundsatz vor: bei Finanzgeschäften im Konzern 11, Organsstellung bei Sitzgesellschaften 12, sowie beim Handel mit gewissen Waren 13. Bei ersterem entsteht keine Unterstellung, obwohl man es mit fremden Vermö Vgl. Ziff. 6.5, Entgegennahme von Geldern. Vgl. Ziff. 8, Aufbewahrung von Vermögenswerten. Vgl. Ziff. 6, Vermögensverwaltung (Art. 2 Abs. 3 Bst. e GwG). Vgl. Ziff. 4.2, Vornahme elektronischer Überweisungen. Vgl. Ziff. 11, Finanzgeschäfte im Konzern. Vgl. Ziff. 2.6, Organtätigkeit. Vgl. Ziff. 5, Handelstätigkeit (Art. 2 Abs. 3 Bst. c GwG). 6/647 genswerten zu tun hat, bei letzteren entsteht eine Unterstellung, obwohl die Vermögenswerte nicht fremd sind. 2.2 Berufsmässigkeit Im Nichtbankensektor findet das GwG nach seinem Wortlaut 14 ausschliesslich auf Finanzintermediäre Anwendung, die ihre Tätigkeit berufsmässig ausüben. Das GwG enthält jedoch keine Definition der Berufsmässigkeit. Die Botschaft zum GwG hält immerhin folgendes fest: Nicht nur lukrative Haupt-, sondern auch Nebenerwerbstätigkeiten sollen durch das Gesetz erfasst werden. Gleichzeitig soll aber nicht jede Person unter das Gesetz fallen, die nur gelegenheitshalber eine dieser Tätigkeiten ausübt. Wer dies hingegen berufsmässig tut, sei dies im Sinne eines Haupt- oder Nebenerwerbs, für den kommen die gesetzlich vorgeschriebenen Massnahmen gegen die Geldwäscherei zur Anwendung. 15. Tätigkeiten von untergeordneter Bedeutung sollen nach dem Willen des Gesetzgebers also nicht unter das GwG fallen. Der Gesetzgeber hat es der Kontrollstelle überlassen, die genaue Abgrenzung zwischen berufsmässigen und nichtberufsmässigen Tätigkeiten festzulegen. Die von der Kontrollstelle zu diesem Zweck erlassene Verordnung 16 präzisiert anhand von verschiedenen, klar überprüfbaren Kriterien, unter welchen Voraussetzungen eine berufsmässige Finanzintermediation im Sinne des GwG gegeben ist. Die gewählten Kriterien sind alternativ anwendbar. Es genügt somit, dass eines der Kriterien erfüllt ist, um berufsmässig tätig zu sein 17. Kundenbeziehungen zu Personen, welche aufgrund von Art. 2 Abs. 4 GwG nicht unter den Geltungsbereich des GwG fallen, werden für die Beurteilung der Berufsmässigkeit nicht einbezogen Erlös Für die Beurteilung, ob ein Finanzintermediär seine Tätigkeit berufsmässig ausübt, ist insbesondere die Höhe des erzielten Erlöses massgebend 19. Der Erlös besteht aus sämtlichen Einnahmen, die mit unterstellungspflichtigen Tätigkeiten erzielt werden. Massgebend ist der Bruttoerlös ohne Abzug von Erlösminderungen. Für Handelsunternehmen, die ihre Erfolgsrechnung nach der Bruttomethode führen, ist der Bruttogewinn massgebend. Die gewählte Schwelle von CHF 20'000.- erklärt sich daraus, dass nicht nur Haupt-, sondern auch Nebenerwerbstätigkeiten erfasst werden sollen. Der für die Qualifikation als berufsmässige Finanzintermediation massgebende Bruttoerlös ist auf der Grundlage derjenigen Einnahmen zu berechnen, die der Finanzintermediär aus den dem GwG unterstellten Tätigkeiten erzielt. Erbringt ein Finanzintermediär im Rahmen einer bestimmten Geschäftsbeziehung einerseits Dienstleistungen, die dem GwG unterstellt Art. 2 Abs. 3 GwG. BBl 1996 III Verordnung vom 20. August 2002 der Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei über die berufsmässige Ausübung der Finanzintermediation im Nichtbankensektor, SR , nachfolgend VB-GwG. Art. 2 VB-GwG. Vgl. Ziff. 12, Dienstleistungen für spezialgesetzliche Finanzintermediäre. Art. 4 VB-GwG. 7/648 sind und andererseits Dienstleistungen, die nicht dem GwG unterstellt sind, so werden grundsätzlich nur die Einnahmen aus der unterstellten Tätigkeit dem massgebenden Bruttoerlös zugerechnet. Dies setzt voraus, dass der Finanzintermediär eine klare und saubere buchhalterische Trennung seiner Aktivitäten in unterstellte und nicht unterstellte Tätigkeiten vornimmt. Dabei muss der Finanzintermediär die unterstellten Aktivitäten zu Ansätzen verrechnen, die seinem tatsächlichen Aufwand und seinen üblichen Preisen entsprechen. Die Aufteilung der Einnahmen aus unterstellten und nicht unterstellten Aktivitäten muss zudem nachvollziehbar sein. Kann die Aufsichtsbehörde die Aufteilung der Einnahmen aus den beiden Aktivitäten nicht mit vertretbarem Aufwand feststellen, stellt sie für die Beurteilung der Berufsmässigkeit auf die gesamten Einkünfte aus der gesamten Geschäftstätigkeit ab Weitere Kriterien Neben dem Erlös legt die Verordnung weitere, alternative Kriterien fest, die zur Qualifikation einer Tätigkeit als berufsmässig führen können. Zwei dieser zusätzlichen Kriterien sind ausschliesslich auf dauernde Geschäftsbeziehungen anwendbar: die Anzahl Vertragsparteien und der Umfang fremder Vermögenswerte. Berufsmässig handelt somit auch, wer in einem Kalenderjahr dauernde Geschäftsbeziehungen mit mehr als zehn Vertragsparteien aufnimmt oder unterhält 20 oder im Rahmen von dauernden Geschäftsbeziehungen Verfügungsmacht über fremde Vermögenswerte hat, die zu einem beliebigen Zeitpunkt CHF 5 Millionen überschreiten 21. Für Sitzgesellschaften werden zur Bestimmung des Umfangs der fremden Vermögenswerte sinngemäss die Bilanzaktiven als assets under management herangezogen. Gemäss Art. 664 OR dürfen Gründungs-, Kapitalerhöhungs- und Organisationskosten, die aus der Errichtung, der Erweiterung oder Umstellung des Geschäfts entstehen, bilanziert und innerhalb von fünf Jahren abgeschrieben werden. Diese Kosten haben, obwohl sie in den Aktiven der Bilanz aufgeführt sind, keine Werthaltigkeit. Sie sind deshalb vom massgebenden Wert der Bilanzaktiven für die Bestimmung der Berufsmässigkeit abzuziehen. Das gleiche gilt für einen bilanzierten Verlustvortrag. Unabhängig davon, ob eine dauernde Geschäftsbeziehung besteht oder bloss einmalige unterstellungspflichtige Transaktionen durchgeführt werden, handelt schliesslich berufsmässig, wer Transaktionen durchführt, deren Gesamtvolumen CHF 2 Millionen im Kalenderjahr überschreitet 22. Als Transaktion ist grundsätzlich jede Form der Umwandlung und jede Übertragung von Vermögenswerten zu verstehen. Bei dauernden Geschäftsbeziehungen werden allerdings der Zufluss von Vermögenswerten und Umschichtungen innerhalb desselben Depots bei der Berechnung des Transaktionsvolumens nicht berücksichtigt. Bei zweiseitig verpflichtenden Vertragsbeziehungen ist nur die von der Gegenpartei erbrachte Leistung einzuberechnen Art. 5 VB-GwG. Art. 6 VB-GwG. Art. 7 VB-GwG. 8/649 2.2.3 Akzessorischer Geldwechsel Beim akzessorischen Geldwechsel entsteht die Berufsmässigkeit einerseits durch das Erfüllen der Kriterien über den Erlös oder das Transaktionsvolumen, andererseits aber auch dann, wenn ein Unternehmen einzelne oder miteinander verbundene Geldwechselgeschäfte im Betrag von über CHF 5'000.- durchführt oder bereit ist, solche durchzuführen 23, ohne dadurch eines der Kriterien von Art. 4 und 7 VB-GwG zu erfüllen. Diese Regel betrifft insbesondere Unternehmen, deren Haupttätigkeit das Führen eines Hotels, eines Reisebüros oder einer Tankstelle ist, die jedoch nebenbei ihren Kunden auch den Geldwechsel anbieten Finanzintermediation für nahe stehende Personen Die Sonderregel in Bezug auf die Finanzintermediation für nahe stehende Personen will sicherstellen, dass die Vermögensverwaltung zum Beispiel für einen betagten Elternteil ohne Unterstellung unter das GwG grundsätzlich möglich bleibt 24. Erbringt jemand Finanzdienstleistungen sowohl für Dritte wie für nahe stehende Personen im Sinne dieser Bestimmung, werden die Geschäftsbeziehungen mit letzteren in die Berechnung der relevanten Schwellenwerte erst einbezogen, wenn der Erlös daraus den Betrag von CHF 20'000.- ü- berschreitet. Als nahe stehende Personen im Sinne dieser Regelung gelten Verwandte und Verschwägerte in gerader Linie, Verwandte bis zum dritten Grad der Seitenlinie, Ehegatten (auch geschiedene), Personen in eingetragener Partnerschaft, Miterben bis zum Abschluss der Erbteilung, sowie Nacherben und Nachvermächtnisnehmer nach Artikel 488 ZGB Berufsmässigkeit beim Kreditgeschäft Für das Betreiben von Kreditgeschäften wird die Schwelle der Berufsmässigkeit gesondert definiert 26. Für die Regelung der Berufsmässigkeit im Kreditbereich wird das Kriterium des Erlöses mit demjenigen des Kreditvolumens kombiniert angewendet und es gelten andere Schwellenwerte. Konkret bedeutet dies, dass Kreditgeber nur berufsmässig tätig sind, wenn sie sowohl einen Erlös von über 250'000 Franken erzielen, als auch ein Kreditvolumen von mehr als 5 Mio. Franken vergeben haben. Für die Bestimmung des Erlöses aus dem Kreditgeschäft werden alle Einnahmen aus dem Kreditgeschäft berücksichtigt, exklusiv des Anteils, welcher der Kreditrückzahlung dient 27. Bei einem Leasingvertrag ist nicht die einzelne Rate relevant, sondern das Gesamtvolumen aller im Rahmen des Vertrags zu zahlenden Raten, exklusiv des Amortisationsanteils. Berufsmässigkeit im Leasinggeschäft liegt deshalb dann vor, wenn der Gesamtwert aller Lea Art. 8 VB-GwG. Art. 10 VB-GwG. Art. 3 Bst. e VB-GwG. Art. 10a VB-GwG. Art. 3 Bst. f VB-GwG. 9/6410 singverträge den Schwellenwert von CHF 5 Millionen überschreitet, wobei jeder Leasingvertrag mit dem Gesamtvolumen aller zu zahlenden Raten zu Buche schlägt. Nicht zu berücksichtigen für die Definition der Berufsmässigkeit im Kreditbereich sind die allgemeinen Kriterien gemäss Art. 4 bis 7 VB-GwG, so z.b. die Anzahl Vertragsparteien oder das Transaktionsvolumen. Erbringt jemand sowohl Dienstleistungen im Kreditbereich wie auch solche in einem andern unterstellungspflichtigen Bereich, muss die Berufsmässigkeit für beide Bereiche separat ermittelt werden. Wird die Schwelle der Berufsmässigkeit in einem der Bereiche überschritten, gilt die Unterstellungspflicht auch für den andern Tätigkeitsbereich Übergang zu einer berufsmässigen Tätigkeit Wird Finanzintermediation nicht berufsmässig ausgeübt, ist sie dem GwG nicht unterstellt und es ist kein Anschluss an eine SRO oder Bewilligung der Kontrollstelle notwendig. Wer allerdings von einer nichtberufsmässigen zu einer berufsmässigen Finanzintermediation wechselt, wird unterstellungspflichtig und muss die Sorgfaltspflichten des GwG umgehend einhalten und innerhalb von zwei Monaten einer SRO angeschlossen sein oder bei der Kontrollstelle ein Bewilligungsgesuch eingereicht haben 28. Solange der Anschluss an eine SRO nicht erfolgt ist oder die Bewilligung nicht erteilt wurde, ist es dem Finanzintermediär untersagt, neue unterstellungspflichtige Geschäftsbeziehungen aufzunehmen. Bei den bestehenden unterstellungspflichtigen Geschäftsbeziehungen ist er zudem angehalten, sich auf Handlungen zu beschränken, die zwingend zur Erhaltung der Vermögenswerte erforderlich sind Abgrenzung im Bereich der Hilfspersonen Art. 2 Abs. 3 GwG definiert den persönlichen Geltungsbereich des GwG im Nichtbankensektor. Jede natürliche oder juristische Person, die eine Tätigkeit gemäss dieser Bestimmung ausübt, ist dem GwG unterstellt und verpflichtet, sich einer Selbstregulierungsorganisation (SRO) anzuschliessen oder eine Bewilligung der Kontrollstelle einzuholen. Das GwG enthält hingegen keine Regelung über den Kreis der Personen, die von einem SRO-Anschluss bzw. von der Bewilligung der Kontrollstelle erfasst werden. So äussert sich das Gesetz insbesondere nicht darüber, inwieweit der Beizug von Hilfspersonen zur Ausübung von unterstellungspflichtigen finanzintermediären Tätigkeiten zulässig ist. In der Praxis ist unumstritten, dass die Arbeitnehmer eines Bewilligungsträgers oder eines SRO-Mitgliedes (natürliche oder juristische Personen) für ihre im Rahmen der Arbeitsleistung für den Arbeitgeber ausgeübten finanzintermediären Tätigkeiten, durch die Bewilligung oder den SRO-Anschluss des Arbeitgebers gedeckt sind. Die Natur des Rechtsverhältnisses zwischen der Hilfsperson und dem Bewilligungsträger resp. dem SRO-Mitglied ist für die Definition der Hilfsperson jedoch nicht ausschlaggebend Art. 11 Abs. 1 VB-GwG. Art. 11 Abs. 2 VB-GwG. 10/6411 Der Hilfspersonenbegriff von Art. 101 des Obligationenrechts umfasst sämtliche natürliche oder juristische Personen, die für eine andere Person und mit deren Einverständnis eine Schuldpflicht erfüllen oder ein Recht ausüben. So kann grundsätzlich sowohl ein Arbeitnehmer als auch ein unabhängiger Beauftragter eine Hilfsperson sein. In der Praxis gibt es regelmässig Fälle, in denen ein Finanzintermediär sich einer Hilfsperson bedient, die aus rein juristischer Sicht unabhängig ist, jedoch gegenüber dem Finanzintermediär nicht über eine operationelle Unabhängigkeit verfügt. Massgebend für die Sicherstellung der Einhaltung der im GwG statuierten Sorgfaltspflichten ist der Grad der Integration der Hilfsperson in die interne Organisation des Bewilligungsträgers resp. des SRO- Mitglieds. Die Sicherstellung einer ordnungsgemässen Umsetzung der GwG-Pflichten erfordert, dass eine an sich unabhängige Hilfsperson relativ stark in die Organisation des Finanzintermediärs eingebunden ist. Folgende Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein, damit eine Hilfsperson für die Ausübung der finanzintermediären Tätigkeit keine eigenständige Bewilligung resp. keinen eigenständigen SRO-Anschluss benötigt: Die Hilfsperson darf nur für einen einzigen bewilligten oder angeschlossenen Finanzintermediär tätig sein (Exklusivitätsklausel). Die Hilfsperson muss vom bewilligten oder angeschlossenen Finanzintermediär sorgfältig ausgewählt werden und untersteht dessen Weisungen und Kontrolle. Gegenpartei des Endkunden ist stets der bewilligte oder angeschlossene Finanzintermediär und nicht dessen Hilfsperson. Die Hilfsperson muss somit immer im Namen und auf Rechnung des bewilligten oder angeschlossenen Finanzintermediären handeln. Auch hat die Honorierung der Hilfsperson durch den bewilligten oder angeschlossenen Finanzintermediär und nicht durch den Endkunden zu erfolgen. Der bewilligte oder angeschlossene Finanzintermediär muss die Hilfsperson in seine organisatorischen Massnahmen gemäss Art. 8 GwG einbeziehen (interne Richtlinien, interne Kontrollen etc.). Der bewilligte oder angeschlossene Finanzintermediär muss namentlich eine Aus- und laufende Weiterbildung der Hilfsperson sicherstellen, die auf die konkrete Tätigkeit und die für ihn wesentlichen Aspekte der Geldwäschereibekämpfung ausgerichtet ist Die Hilfsperson darf zur Ausübung ihrer Tätigkeit keinen Dritten beiziehen. 43 Sämtliche dieser Elemente sind in einer schriftlichen Vereinbarung zwischen dem Finanzintermediär und seiner Hilfsperson eingehend zu regeln. Sind die aufgeführten Voraussetzungen vollumfänglich erfüllt, wird eine Hilfsperson als integraler Bestandteil des Finanzintermediärs betrachtet. Folglich ist die Tätigkeit der Hilfsperson von der Bewilligung oder vom SRO-Anschluss des Finanzintermediärs gedeckt. Gegenüber der Aufsichtsstelle ist der bewilligte bzw. angeschlossene Finanzintermediär persönlich für die Umsetzung der Pflichten gemäss Art. 3 ff. GwG innerhalb seines Unternehmens verantwortlich. In Fällen, in denen die Hilfsperson über eigene und vom Finanzintermediär getrennte Geschäftsräumlichkeiten verfügt, hat der bewilligte oder angeschlossene Finanzintermediär sicherzustellen, dass die Aufsichtsorgane ungehindert Zugang zu diesen Räumlichkeiten sowie zu sämtlichen darin aufbewahrten und im Zusammenhang mit dem GwG relevanten Dokumenten haben /6412 Beim Bewilligungsträger, der finanzintermediäre Tätigkeiten auf eine Hilfsperson übertragen will, muss es sich stets um einen von der Kontrollstelle bewilligten Finanzintermediär bzw. um einen Finanzintermediär handeln, der einer anerkannten SRO angeschlossen ist. Eine in der Schweiz tätige Hilfsperson kann sich nicht auf eine im Ausland ausgestellte Bewilligung oder Überwachung des Bewilligungsträgers abstützen. Hier gelten die ordentlichen Regeln über den räumlichen Geltungsbereich des Geldwäschereigesetzes 30 : Sofern die Hilfsperson für den ausländischen Bewilligungsträger in oder von der Schweiz aus Geschäfte abschliesst oder ihn rechtlich verpflichtet (formalisierte oder faktische Zweigniederlassung), ist diese Hilfsperson dem GwG selber unterstellt Tätigkeit im Finanzsektor Der vollständige Name des GwG lautet Bundesgesetz zur Bekämpfung der Geldwäscherei im Finanzsektor. Gegenstand des Gesetzes sind die Bekämpfung der Geldwäscherei und die Sicherstellung der Sorgfalt bei Finanzgeschäften. Es ist, gemäss Botschaft 31, auf die im Finanzsektor tätigen Personen anwendbar. Der Gesetzgeber hat bewusst darauf verzichtet, andere Bereiche, in denen auch Geldwäscherei betrieben werden kann, zu unterstellen. Bei der Auslegung des Gesetzes und insbesondere bei der Auslegung der Generalklausel von Art. 2 Abs. 3 GwG, ist deshalb immer zu berücksichtigen, dass nur Tätigkeiten unterstellt sein sollen, die dem Finanzsektor zuzurechnen sind. Der Begriff des Finanzsektors wird im Gesetz nicht umschrieben. Klar dem Finanzsektor zuzuordnen sind die Tätigkeiten, welche im Katalog von Art. 2 Abs. 3 Bst. a-g GwG aufgezählt werden. Dieser Katalog bildet den Ausgangspunkt für die Auslegung der Generalklausel. Tätigkeiten, welche vergleichbar sind oder grosse Ähnlichkeiten mit Tätigkeiten haben, die im Katalog ausdrücklich erwähnt werden, sind im Einzelfall zu prüfen und allenfalls über die Generalklausel dem Gesetz unterstellt. Eine subsidiäre Auslegungshilfe bilden die auf internationaler Ebene bestehenden Listen der Tätigkeiten im Finanzsektor 32 und die Rechtsprechung des Bundesgerichts. Die Beschränkung auf den Finanzsektor hat zur Folge, dass Personen und Unternehmen, die sich an Handelsgeschäften beteiligen, dem GwG grundsätzlich nicht unterstellt sind, auch wenn sie dabei einen aktiven Beitrag zur Verschiebung von fremden Vermögenswerten leisten 33. Eine ganze Reihe von Tätigkeiten, die geldwäschereigefährdet sein könnten, fallen deshalb nicht unter das GwG. Dazu gehören insbesondere der Liegenschaften-, der Antiquitäten- oder der Kunsthandel Vgl. Ziff. 14, Räumlicher Geltungsbereich. BBl 1996 III Am bekanntesten sind die Listen der EU (Anhang I der Richtlinie 2000/12/EG) und der FATF (The 40 Recommendations, Glossary, financial institutions ). Die WTO hat in Zusammenhang mit dem GATS (General Agreement on Trade in Services) die Services Sectoral Classification List ( W120-Liste ) erstellt, die in sehr ausführlicher Weise Tätigkeiten diversen Sektoren zuweist, unter anderem dem Finanzsektor ( Financial Services ). Die UN Statistics Division führt ebenfalls eine Central Product Classification (CPC) die sehr detailliert Tätigkeiten einzelnen Sektoren zuteilt. Eine Hauptkategorie bilden die Financial and related services. Vgl. Ziff. 5 zur unterstellten Handelstätigkeit mit Finanzprodukten. BBl 1996 III 1116; vgl. auch Ziff , Immobilienhandel, sowie , Kunst- und Antiquitätenhandel. 12/6413 2.5 Werttransport Der physische Werttransport, d.h. die Beförderung von Vermögenswerten von einem Ort zum andern, ist dem GwG nicht unterstellt. Es handelt sich hierbei um eine Dienstleistung, welche sich in ihrer Handlung nicht vom Transport anderer Güter unterscheidet. Falls aber im Zusammenhang resp. während des Transports zusätzliche Leistungen erbracht werden, welche für sich alleine betrachtet als Finanzintermediation bezeichnet werden müssen, entsteht eine Unterstellungspflicht. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Transporteur das ihm anvertraute Bargeld mittels Einzahlung auf sein eigenes Konto in Buchgeld umwandelt, bevor er es dem Empfänger oder auftragsgemäss einem Dritten in elektronischer Form gutschreiben lässt. Damit erbringt er neben der Beförderung des Geldes zusätzlich eine Dienstleistung für den Zahlungsverkehr. Handelt der Transporteur jedoch im Auftrag des Gläubigers der Forderung aus dem Basisrechtsgeschäfts, ist die Tätigkeit insgesamt als Inkasso und damit als nicht unterstellungspflichtig zu qualifizieren. Als Beispiel dafür dient das in der Transportbranche verbreitete Cash on delivery (COD), welches somit dem GwG nicht unterstellt ist. Beim COD übergibt ein Versender einem Transporteur eine Ware, welche von Letzterem zu einem Empfänger transportiert wird. Der Transporteur händigt dem Empfänger die Ware gegen Bezahlung mittels Bargeld oder Check aus. Schliesslich wird der betreffende Geldbetrag vom Transporteur auf dem Postweg an den Versender übermittelt oder er wird auf das Konto des Transporteurs einbezahlt und von dort in elektronischer Form auf das Konto des Versenders überwiesen. Dieses Geschäft stellt ein Zahlungssicherungsgeschäft im Interesse des Versenders dar. Auftraggeber ist der Versender der Ware, also der Gläubiger der Forderung. Es handelt sich folglich um ein nicht unterstelltes Inkassogeschäft 35. Nicht als finanzintermediäre Dienstleistung zu qualifizieren ist das Rollen von Münzen, denn hierbei wird das Transportgut nur neu verpackt. Ebenfalls keine Finanzintermediation stellt das Wechseln von Geld einer Stückelung in eine andere Stückelung derselben Währung dar 36. Mit jedem Transport erfolgt automatisch auch die Aufbewahrung des zu transportierenden Guts während der Transportzeit. Grundsätzlich stellt die physische Aufbewahrung von Vermögenswerten keine Finanzdienstleistung dar und löst somit auch keine Unterstellungspflicht aus. Anders präsentiert sich die Lage allerdings, wenn es sich beim aufbewahrten Gut um Effekten gemäss Art. 2 Abs. 3 Bst. g GwG handelt 37. Diese Dienstleistung ist ausdrücklich dem Gesetz unterstellt. Zielt der Wille der Parteien auf die Aufbewahrung der Effekten ab, muss diese als Hauptdienstleistung betrachtet werden, weshalb eine Unterstellungspflicht entsteht. Erfolgt die Aufbewahrung der Effekten jedoch nur als notwendige Nebendienstleistung während des Transports, ist sie nicht als eigenständige Dienstleistung zu betrachten und löst dementsprechend keine Unterstellungspflicht aus Ziff. 4.1, Inkassotätigkeit. Ziff. 5.1, Geldwechsel. Ziff. 8.1, Aufbewahrung von Effekten (Art. 2 Abs. 3 Bst. g GwG). 13/6414 2.6 Organtätigkeit Grundsätzlich gelten Verwaltungsratsmandate und andere Organtätigkeiten nicht als Finanzintermediation. Die betroffene Person handelt in diesem Fall als Organ der Gesellschaft und verfügt deshalb nicht über fremdes sondern über eigenes Vermögen, dasjenige der Gesellschaft, deren Organ sie ist. Anders ist die Einschätzung jedoch bei der fiduziarischen Organtätigkeit, welche unter Umständen als Finanzintermediation zu qualifizieren ist 38. Nicht unterstellt ist regelmässig der wirtschaftlich Berechtigte, selbst wenn er eine Organfunktion wahrnimmt. Die Unterstellungspflicht ist unter anderem daran gebunden, dass die Organstellung fiduziarisch ausgeübt wird. Dieses Handeln aufgrund von Weisungen Dritter fehlt jedoch, wenn der wirtschaftlich Berechtigte selber als Organ auftritt. Ausgegangen wird von einem weiten Organbegriff. Demnach gelten alle Personen als Organ, welche tatsächlich die Funktion von Organen erfüllen, indem sie den Organen vorbehaltene Entscheide treffen oder die eigentliche Geschäftsführung besorgen und so die Willensbildung der Gesellschaft massgebend mitbestimmen. Erfasst werden also nicht nur die formellen (Mitglieder des Verwaltungsrats) und die materiellen (Direktoren, Geschäftsführer usw.), sondern auch die faktischen Organe Domizilierung, Gründung und Verkauf von Gesellschaften Die Domizilierung einer Sitzgesellschaft, bei welcher der Gesellschaft ein Briefkasten zur Verfügung gestellt wird oder für sie Sekretariatsarbeiten ausgeführt werden, ist dem GwG nicht unterstellt. Das gleiche gilt für die Gründung und den Verkauf von Gesellschaften, wenn er sich auf die Beratung, die Ausarbeitung der Verträge, die Vermittlung von Personen zur Sicherstellung der Leitung und die Durchführung der Gründung resp. des Verkaufs ohne Möglichkeit, in den notwendigen Zahlungsverkehr einzugreifen, beschränkt. Werden allerdings im Rahmen des Gründungs- resp. Verkaufsmandates Inhaberaktien oder blanko-indossierte Namenaktien mit Effektenqualität aufbewahrt, so stellt dies eine finanzintermediäre Tätigkeit dar Sitzgesellschaften Sitzgesellschaften gibt es in den unterschiedlichsten Rechtsformen, von der Aktiengesellschaft, insbesondere ausgestaltet mit Inhaberaktien, über Familienstiftungen und Anstalten bis zu den Trusts. Grundsätzlich gelten als Sitzgesellschaften organisierte Personenzusammenschlüsse und organisierte Vermögenseinheiten, die keinen Betrieb des Handels, der Fabrikation oder eines anderen nach kaufmännischer Art geführten Gewerbes betreiben. Es handelt sich im Allgemeinen um Finanzvehikel, die der Verwaltung des Vermögens Vgl. Ziff , Sitzgesellschaften. Vgl. BGE 114 V 213 S. 215 ff. Vgl. Ziff. 8, Aufbewahrung von Vermögenswerten. 14/6415 des wirtschaftlich Berechtigten dienen. Der Begriff der Sitzgesellschaft ist untechnisch zu verstehen 41. Eine Sitzgesellschaft ist von operativ tätigen Gesellschaften abzugrenzen. Eine operativ tätige Gesellschaft charakterisiert sich in diesem Zusammenhang dadurch, dass sie als Hauptzweck nicht die Verwaltung des Vermögen des an ihr wirtschaftlich Berechtigten verfolgt, sondern eine unternehmerische Tätigkeit ausübt. Ob eine Sitzgesellschaft oder eine operative Gesellschaft vorliegt, ist jeweils im Einzelfall abzuklären. Zur Beurteilung der Frage, ob der Hauptzweck einer Gesellschaft in der Verwaltung des Vermögens des wirtschaftlich Berechtigten und der damit verbundenen Erzielung von Erträgen oder Kapitalgewinne, welche dieses Vermögen abwirft, oder aber eine eigentliche unternehmerische Tätigkeit vorliegt, dienen Indizien. Diese Indizien sind insbesondere der Bilanz und der Erfolgsrechnung zu entnehmen. Stellt beispielsweise ein Wertschriftenportfeuille oder ein anderer Vermögenswert der dominierende Bilanzposten einer Gesellschaft dar, werden gleichzeitig in der Erfolgsrechnung überwiegend die aus den bilanzierten Vermögenswerte herrührenden Erträge oder Kapitalgewinne ausgewiesen, liegen starke Indizien für die Bejahung einer Sitzgesellschaft vor. In Fällen, wo sowohl Indizien für eine operative Gesellschaft als auch für eine Sitzgesellschaft vorliegen, sind jeweils das oder die dominierenden und damit den Hauptzweck der Gesellschaft bestimmenden Indizien im Gesamtkontext zu eruieren. Sitz- und Investmentgesellschaften 42 haben gemeinsam, dass sie keine unternehmerische Tätigkeit im eigentlichen Sinne ausüben, dass beide gesellschaftsrechtlich organisierte Vehikel sind, die der Vermögensanlage dienen, und dass das Gesellschaftsvermögen im Interesse der wirtschaftlich Berechtigten angelegt und verwaltet wird. Verneint die EBK 43 aufgrund der Anzahl Investoren die Qualifizierung als Investmentgesellschaften im Sinne des KAG 44, ist zu prüfen, ob es sich um Sitzgesellschaften handelt, deren Organe Finanzintermediäre im Sinne des GwG sind. Unterstellt wird nicht die Sitzgesellschaft, sondern ihre Organe. Aus rechtlicher Sicht rechtfertigt sich die Unterstellung der Organe von Sitzgesellschaften durch die Tatsache, dass solche Organe auf Weisung des wirtschaftlich Berechtigten, d.h. fiduziarisch handeln. Dies hat zur Folge, dass die rechtliche Selbstständigkeit der Gesellschaft keine Berücksichtigung finden kann. Organe von Sitzgesellschaften handeln nicht als Teil der Sitzgesellschaft und verfügen somit nicht über eigene Vermögenswerte. Sie handeln vielmehr für den die Sitzgesellschaft beherrschenden wirtschaftlich Berechtigten und verfügen somit über fremdes Vermögen, dasjenige des wirtschaftlich Berechtigten. Fungiert der wirtschaftlich Berechtigte selber als Organ, verwaltet er sein eigenes Vermögen und ist demnach dem GwG nicht Art. 3 GwV Kst (Verordnung der Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei vom 10. Oktober 2003 über die Pflichten der ihr direkt unterstellten Finanzintermediäre, SR , nachfolgend GwV Kst) kann bei der Beurteilung der Unterstellungsfrage nur beschränkt beigezogen werden, denn er geht von der Annahme aus, dass sämtliche Gebilde, die keinen Betrieb des Handels, der Fabrikation oder eines anderen nach kaufmännischer Art geführten Gewerbes betreiben, sowie sämtliche Gebilde, die keine eigenen Geschäftsräume unterhalten oder kein eigenes Personal beschäftigen, bei der Erfüllung der Sorgfaltspflichten als Sitzgesellschaften behandelt werden müssen. Vgl. Ziff. 6.3, Kollektive Kapitalanlagen. Eidgenössische Bankenkommission, nachfolgend EBK. Bundesgesetz vom 23. Juni 2006 über die kollektiven Kapitalanlagen, SR , nachfolgend KAG. 15/6416 unterstellt. Nicht relevant für die Unterstellung der in der Schweiz wohnhaften Organe ist der Inkorporationsort der Gesellschaft. Sitzgesellschaften können sowohl in der Schweiz wie im Ausland inkorporiert sein, wobei man im letzten Fall oft von Offshore-Gesellschaften spricht. Grundsätzlich gelten sämtliche formellen, materiellen und faktischen Exekutivorgane 45 von Sitzgesellschaften als Finanzintermediäre, sofern sie zeichnungsberechtigt sind, wobei eine kollektive Zeichnungsberechtigung zur Unterstellung genügt. Bei ausländischen Sitzgesellschaften kann es vorkommen, dass deren Organe juristische Personen sind. Häufig wird die juristische Person, welche als Organ eingesetzt wird, ihrerseits als Sitzgesellschaft zu qualifizieren sein. In diesem Fall gilt jedoch nicht die juristische Person, sondern es gelten die Organe dieser als Organ fungierenden juristischen Person als Finanzintermediäre und haben sich dem GwG zu unterstellen Operativ tätige Gesellschaften Die soeben dargelegte Situation ist von derjenigen bei operativ tätigen Gesellschaften, Handels-, Produktions- oder Dienstleistungsgesellschaften, zu unterscheiden. Auch bei o- perativ tätigen Gesellschaften kann der Fall eintreten, dass die Organe ihre Tätigkeit gestützt auf einen mit dem wirtschaftlich Berechtigten abgeschlossenen Treuhandvertrag ausüben. Die Organe sind auch in diesem Fall verpflichtet, ihr Mandat im Interesse und unter Berücksichtigung der Weisungen des wirtschaftlich Berechtigten wahrzunehmen. Jedoch stellt die operativ tätige Gesellschaft, im Unterschied zu einer Sitzgesellschaft, kein blosses Finanzvehikel dar. Unter diesem Gesichtspunkt rechtfertigt es sich, insbesondere fiduziarische Verwaltungsräte und andere Organe von operativ tätigen Gesellschaften nicht dem GwG zu unterstellen. Operativ tätig sind insbesondere Vereine und Stiftungen mit einem gemeinnützigen, politischen, religiösen, wissenschaftlichen, künstlerischen, geselligen oder ähnlichen Zweck, welche ihren statutarischen Zweck auch tatsächlich verfolgen. Zur Klarstellung ist schliesslich festzuhalten, dass eine operativ tätige Gesellschaft selbstredend als solche dem GwG unterstellt ist, falls sie eine Tätigkeit nach Art. 2 Abs. 3 GwG berufsmässig ausübt Holdinggesellschaften Holdinggesellschaften sind keine Finanzvehikel, sondern Instrumente zur Konzernbildung. Ihr Zweck besteht im dauerhaften Halten von Beteiligungen an eigenständigen Gesellschaften, um diese zu leiten und zu kontrollieren. Diese Leitungs- und Kontrollfunktion kann grundsätzlich angenommen werden, wenn die Holdinggesellschaft über die Stimmenmehrheit bei ihren Beteiligungen verfügt oder in anderer Weise einen beherrschenden Einfluss ausübt. Im Allgemeinen wird die Holdinggesellschaft die Gesellschaften, die sie kontrolliert, in ihren Konsolidierungskreis einbeziehen Ziff. 2.6, Organtätigkeit, RZ /6417 Holdinggesellschaften sind nicht als Sitzgesellschaften zu qualifizieren, obwohl sie streng genommen deren Definitionsmerkmale erfüllen. Die Organe einer Holdinggesellschaft sind daher keine Finanzintermediäre. Dies gilt auch für den Fall, dass es sich bei den Tochtergesellschaften der Holding um Sitzgesellschaften handelt. In diesem Fall sind allerdings die Organe dieser Tochtergesellschaften Finanzintermediäre und dem GwG unterstellt Mantelgesellschaften Bei Mantelgesellschaften handelt es sich um Gesellschaften, die entweder früher operativ tätig waren und vorübergehend stillgelegt wurden, oder die als still liegende Gesellschaft zwecks zukünftiger Aktivierung gegründet wurden. Eine Mantelgesellschaft ist eine Sitzgesellschaft, denn sie hat keine operative Tätigkeit und in der Regel weder Personal noch Räumlichkeiten. Die Organe einer Mantelgesellschaft sind daher als Finanzintermediäre zu qualifizieren, es sei denn der wirtschaftlich Berechtigte fungiert selber als Organ Trusts Der Trust ist ein dem Schweizerischen Gesellschaftsrecht unbekanntes Rechtsgebilde. Spätestens seit die Schweiz das Haager Trustübereinkommen 46 ratifiziert hat, wird der Trust vom Schweizerischen Gesetzgeber anerkannt. Es gibt auch in der Schweiz Personen und Unternehmen, die für Trusts ausländischen Rechts als Trustee oder Protector fungieren. Es ist daher notwendig festzuhalten, unter welchen Voraussetzungen diese Personen und Unternehmen als Finanzintermediär im Sinne des Geldwäschereigesetzes zu qualifizieren sind. Es gibt verschiedene Arten von Trusts. Die Errichtung eines Express Trust erfolgt mit einem einseitigen Rechtsgeschäft. Sie kann mittels einer letztwilligen Verfügung oder einer Erklärung unter Lebenden, grundsätzlich formfrei erfolgen. Da es sich bei der Errichtung des Trusts um ein einseitiges Rechtsgeschäft handelt, ist die Annahme durch den Trustee für die Rechtsgültigkeit des Trusts nicht erforderlich. Es entsteht auch keine Rechtsbeziehung zwischen dem Settlor und dem Trustee. Die Rechtsbeziehung besteht vielmehr zwischen dem Trustee und den wirtschaftlich Berechtigten, zu deren Gunsten der Trustee das Trustvermögen verwaltet. Trusts werden wie Sitzgesellschaften behandelt, denn sie erfüllen die gleichen Tatbestandsmerkmale wie diese 47. Sie haben einzig zum Zweck, Vermögenswerte zu halten und zu verwalten. Der Trustee nimmt definitionsgemäss fremde Vermögenswerte entgegen, denn der Settlor überlässt ihm seine Vermögenswerte. Der Trustee hält und verwaltet das Trustvermögen in eigenem Namen, jedoch nach den Bestimmungen des Settlor und im Interesse der wirtschaftlich Berechtigten. Wirtschaftlich betrachtet handelt es sich daher um fremdes Vermögen Das Übereinkommen über das auf Trusts anwendbare Recht und über ihre Anerkennung (BBl ) ist am 1. Juli 2007 in Kraft getreten. Vgl. Ziff , Sitzgesellschaften. 17/6418 Der Trustee, der in oder von der Schweiz aus Trusts verwaltet, fällt unter den Anwendungsbereich des GwG, unabhängig davon, wo das Trustvermögen liegt und unabhängig von der Rechtsordnung, nach welcher der Trust errichtet wurde. Ob ein Protector als Finanzintermediär gilt, hängt von der Ausgestaltung seiner Befugnisse ab. Beschränken sich seine Aufgaben auf das Auswechseln oder die Überwachung des Trustees, oder hat er einzig ein Vetorecht gegen Anlage- und Ausschüttungsentscheide des Trustees, so ist der Protector kein Finanzintermediär im Sinn des GwG. Sobald der Protector anstelle des Trustee oder gemeinsam mit diesem Entscheidungen im Finanzbereich trifft, wird er jedoch zum Finanzintermediär und ist dem GwG unterstellt Fakturierungsgesellschaften Unter dem Begriff Fakturierungsgesellschaft versteht die Kontrollstelle eine Gesellschaft, welche den gesamten Wertschöpfungsprozess der Fakturierung oder Teile davon für einen anderen Rechnungssteller übernimmt. Die Tätigkeit der Fakturierungsgesellschaft ist dem GwG grundsätzlich nicht unterstellt. Sogar wenn die Zahlungsabwicklung vom Rechnungsempfänger über die Fakturierungsgesellschaft zum Rechnungssteller erfolgt, handelt es sich im Normalfall um ein nicht unterstellungspflichtiges Inkasso 48 oder Factoring 49. Oftmals werden Fakturierungsgesellschaften zum Zweck der Steueroptimierung gegründet. Sie vollzieht ausschliesslich die Fakturierung der erbrachten Leistungen der Gründergesellschaft oder ihr nahe stehenden Unternehmungen. Dazu benötigt sie weder eigenes Personal noch Geschäftsräumlichkeiten. Zu prüfen ist in diesem Fall, ob es sich um eine Sitzgesellschaft 50 im Sinne des GwG handelt und damit eine Unterstellungspflicht für die Organe der Sitzgesellschaft besteht Vereine, Stiftungen und Genossenschaften Vereine, Stiftungen und Genossenschaften sehen in der Regel in ihren Statuten einen operativen Zweck vor. Üben sie diesen auch statutenkonform aus, sind sie keine Sitzgesellschaften. Ihre Organe sind daher keine Finanzintermediäre. Anders ist die Situation zu beurteilen, wenn der statutarische Zweck keine operative Tätigkeit beinhaltet oder diese nicht ausgeübt wird. In diesem Fall wird das Gebilde zur Sitzgesellschaft und seine Organe zu unterstellten Finanzintermediären Ziff. 4.1, Inkassotätigkeit. Ziff , Factoring. Ziff , Sitzgesellschaften. 18/6419 3 Kreditgeschäft (Art. 2 Abs. 3 Bst. a GwG) 3.1 Auslegungsgrundsätze Nach Art. 2 Abs. 3 Bst. a GwG gelten Personen als Finanzintermediäre, die das Kreditgeschäft (namentlich durch Konsum- oder Hypothekarkredite, Factoring, Handelsfinanzierungen oder Finanzierungsleasing) betreiben. Gemäss Botschaft will diese Bestimmung diejenigen Tätigkeiten abdecken, die dem Bankgeschäft ähnlich sind. Der Unterschied liegt darin, dass keine Publikumsgelder entgegengenommen werden und die Refinanzierung in erheblichem Umfang von der Gruppe kommt, obschon eine Tätigkeit im Kreditgeschäft ausgeübt wird 51. Anders als das BankG 52 dient das GwG nicht dem Gläubigerschutz, sondern der Verhinderung von Geldwäscherei. Das erhöhte Risiko der Geldwäscherei wird beim Kreditgeschäft bei den Zins- und Amortisationszahlungen angesiedelt. Der Kreditnehmer könnte dafür verbrecherisch erlangte Gelder einsetzen. Weil die Möglichkeit zur Geldwäscherei damit beim Kreditnehmer angesiedelt wird, ist nicht dieser selber, sondern der Kreditgeber dem GwG unterstellt. Für die Frage der Unterstellung unter das GwG kann es nicht ausschlaggebend sein, woher die vom Kreditgeber gewährten Finanzierungsmittel stammen. Ein Kreditgeschäft ist somit auch dann dem GwG unterstellt, wenn es nicht durch Fremdmittel refinanziert, sondern ausschliesslich durch Eigenmittel des Finanzintermediärs finanziert wird. Art. 2 Abs. 3 Bst. a GwG geht von einem weiten Kreditbegriff aus, der sich nicht auf reine Darlehen 53 beschränkt. Die Regelung orientiert sich massgeblich an der Regulierung der EU 54 und der FATF 55, deren Standard erreicht werden soll 56. Diese internationalen Standards erfassen nicht nur die Geldkredite, sondern Finanzierungen aller Art, sogar Verpflichtungskredite. Durch die Nichtübernahme der entsprechenden Bestimmungen der EU und der FATF hat der Gesetzgeber allerdings die Unterstellung dieser letzten Art Geschäfte klar verneint. Bürgschaften, Garantien, Akzeptkredite und andere Eventualverpflichtungen zugunsten Dritter sind deshalb keine dem GwG unterstellten Geschäfte. Unterstellt sind jedoch auch in der Schweiz Kredite in allen Formen, unabhängig vom Verwendungszweck und von der Kreditabsicherung, sowie Finanzierungen aller Art. Wie bereits erwähnt, will Art. 2 Abs. 3 lit. a GwG das Betreiben von Kreditgeschäften erfassen und meint damit die bankähnliche Kredittätigkeit 57. Der Gesetzgeber wollte mit der Voraussetzung, dass eine Kredittätigkeit bankenähnlich sein muss, um unter das GwG zu fallen, unterscheiden zwischen den auf Profit ausgerichteten Geschäften (Betreiben von Kre BBl 1996 III Bundesgesetz vom 8. November 1934 über die Banken und Sparkassen, SR 952.0, nachfolgend BankG. Art. 312 ff. OR. Europäische Union. Financial Action Task Force against Money Laundering, ein internationales Gremium, das Normen und eine Politik zur Bekämpfung der Geldwäscherei aufstellen und unterstützen will; BBl 1996 III BBl 1996 III /6420 ditgeschäften) und den Tätigkeiten, welche vornehmlich andere Ziele verfolgen und damit nicht bankähnlichen Charakter aufweisen (einfache Kreditvergabe). Berufsmässig 58 ausgeübte Kreditgeschäfte fallen unter den Geltungsbereich des GwG, während die einfache Kreditvergabe davon ausgenommen ist, unabhängig von der Art des Kredits Einfache Kreditvergabe Es obliegt grundsätzlich den betroffenen Unternehmen und Personen nachzuweisen, dass eine einfache Kreditvergabe und nicht ein unterstelltes Kreditgeschäft vorliegt. In folgenden Konstellationen ist jedoch jeweils von einer einfachen und damit nicht unter den Geltungsbereich des GwG fallenden Kreditvergabe auszugehen: Kreditvergabe zwischen Gesellschaft und Gesellschafter, Kreditvergabe zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Kreditvergabe zwischen nahe stehenden Personen Kreditvergabe zwischen Gesellschaft und Gesellschafter Kreditverhältnisse zwischen Gesellschaft und Gesellschafter fallen nicht in den Geltungsbereich von Art. 2 Abs. 3 Bst. a GwG, wenn der Gesellschafter an der Gesellschaft massgeblich beteiligt ist. Dabei ist es unerheblich, ob die Gesellschaft oder der Gesellschafter als Kreditgeber auftritt. Massgeblich beteiligt sind natürliche und juristische Personen, die direkt oder indirekt mindestens 10% des Kapitals und/oder der Stimmen einer Gesellschaft halten. Es wird somit nicht verlangt, dass die Kreditvergabe innerhalb eines vollkonsolidierten 60 Konzerns erbracht wird. Es genügt, wenn zwischen dem Kreditgeber und dem Kreditnehmer eine 10% Beteiligung besteht, um vom Geltungsbereich des GwG ausgenommen zu werden. Abgestellt wird auf das Eigenkapital der Gesellschaft, d.h. auf das Aktienkapital und das Partizipationskapital. Das Genussscheinkapital wird nicht berücksichtigt. Die Genussscheinberechtigten können sich daher auch nicht auf die Ausnahmeregelung berufen. Die massgebliche Beteiligung muss während der gesamten Vertragsdauer gegeben sein. Sobald die Voraussetzung wegfällt, wird der Kreditgeber zum Finanzintermediär 61. Diese Praxis gilt für Kreditverhältnisse mit allen juristischen Personen, bei denen eine kapital- oder stimmenmässige Beteiligung möglich ist (Aktiengesellschaft, Kommandit- Aktiengesellschaft, Gesellschaft mit beschränkter Haftung und Genossenschaft). Für Kre Vgl. Ziff , Berufsmässigkeit beim Kreditgeschäft. Vgl. Ziff. 3.3, Einzelne Kreditarten. Vgl. Art. 663e OR. Vgl. Ziff , Übergang zu einer berufsmässigen Tätigkeit. 20/64 Mehr anzeigen
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