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Timestamp: 2019-06-27 06:03:56
Document Index: 218746607

Matched Legal Cases: ['§ 31', '§ 6', '§ 8', '§ 13', '§ 21', '§ 8', '§ 2', '§ 21', '§ 40']

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Energiebezug Strom Abrechnung und Zähler Intelligente Zähler
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(24. Januar 2018) Eigentlich sollten moderne digitale Stromzähler genauer messen, als die bisher gebräuchlichen mechanischen Ferraris-Zähler mit Drehscheibe und Rollenzählwerk. Dass dies nicht unbedingt so sein muss, zeigten bereits in den Jahren 2007 bis 2010 massenhaft fehlerhafte Messungen der Erträge von Photovoltaikanlagen. Die damaligen Messfehler traten aufgrund nicht sinusförmiger Ströme mit hochfrequenten Impulsen einiger Wechselrichter auf, die man bei den Prüfnormen für elektronische Zähler schlicht nicht bedacht hatte. Die Normen wurden 2011 schließlich korrigiert.
Die jetzigen Funde der Universität Twente und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Amsterdam traten jedoch nicht bei PV-Anlagen, sondern bei der Messung von Stromverbräuchen auf. In den Tests der Forscher zeigte sich, dass Stromzähler mit Hallsensoren bis zu 46 Prozent zu wenig Strom messen können und Zähler mit Rogowskispulen bis zu 586 Prozent zu viel Verbrauch anzeigen können (siehe Wer falsch misst, misst Mist).
Unrealistische Bedingungen?
Von den Zählerherstellern Iskraemeco und Landis + Gyr wurde gegenüber der Energiedepesche jetzt kritisiert, dass die Messfehler von Zählern mit Rogowskispulen und Hallsensoren nur unter Laborbedingungen auftreten würden und die Messungen in Twente unrealistisch gewesen seien.
Messaufbau der Universität Twente: Alle elektronischen Zähler sowie auch die beiden analogen Kontrollzähler wurden in Reihe geschaltet. Dementsprechend müssten alle Zähler, wenn sie richtig messen, den gleichen Verbrauch ermitteln – was jedoch nicht der Fall war.
Tatsächlich wurden von den niederländischen Forschern über 30 Messreihen mit verschiedensten Szenarien durchgeführt. Einige der Messreihen sind, wie die Kritiker zutreffend anmerken, eher wenig praxisnah. Dazu gehören beispielsweise Messungen von 50 gedimmten LED und Leuchtstofflampen, die ausdrücklich nicht dimmbar sind. Diese werden bei einer Dimmung nicht dunkler oder beginnen derart zu flackern, dass kein Verbraucher diese Lampen so betreiben würde. Durch das Flackern könnten die Lampen zudem Netzstörungen erzeugen, die sich auf das desaströse Messergebnis ausgewirkt haben könnten. Für diese Testreihen ist die vorgebrachte Kritik der Zählerhersteller durchaus nachvollziehbar.
Es finden sich aber auch sehr praxisnahe Messreihen in den Veröffentlichungen aus Twente: So beispielsweise die Dimmung eines ohmschen Verbrauchers auf 25 Prozent Leistung (siehe Kasten „Twente-Phänomen für Techniker“). Diese Konstellation wäre beispielsweise mit Halogenlampen keineswegs unrealistisch, sondern der wohl typische Anwendungsfall für Dimmer in deutschen Haushalten.
„Twente-Phänomen“ für Techniker
In der Grafik sind links von der roten Linie die normalen Spannungs- und Stromverlaufskurven eines ungedimmten ohmschen Verbrauchers geplottet. Rechts von der roten Linie ist der Einsatz eines Phasenanschnittdimmers zu sehen, der so eingestellt ist, dass für den Zeitraum von einem Nulldurchgang zum nächsten die ersten 75 Prozent der Zeit der Stromfluss verhindert wird. Nur in den letzten 25 Prozent der Zeit kann der Strom fließen. Das Ergebnis ist eine 75-prozentige Dimmung des angeschlossenen Verbrauchers. Ein Zähler mit Rogowskispulen hat bei diesem konkreten und praxisnahen Versuch 121 Prozent zu viel gemessen.
Alle Testreihen im Detail: bdev.de/zaehleranalyse
Zusammenfassung der Ergebnisse: bdev.de/twente
Nach Einschätzung vom Bund der Energieverbraucher verdient das „Twente-Phänomen“ eine eingehende behördliche Untersuchung mit Offenlegung der Ergebnisse. Es ist für die betroffenen Hersteller leicht zu sagen, dass das „Phänomen“ nur unter Laborbedingungen auftrete und die im Markt befindlichen Zähler aktuelle Normen einhalten. Es ist nach Ansicht vom Bund der Energieverbraucher jedoch unerheblich, ob aktuelle Normen eingehalten werden, wenn Zähler nachweisbar falsch messen und sich die Normen damit als lückenhaft erweisen.
Da das „Phänomen“ nicht nur in praxisfernen Laboranordnungen, sondern auch mit ohmschen Verbrauchern aufgetreten ist, muss überprüft werden, ob die Funde aus Twente reproduzierbar sind – oder nicht. Erst wenn eine solche Überprüfung transparent und nachvollziehbar durchgeführt wurde und dabei keine unzulässigen Abweichungen festgestellt werden, kann das inzwischen verlorene Vertrauen in elektronische Zähler sowie deren Eichung wiederhergestellt werden. Andernfalls sind die Normen für die Eichung elektronischer Zähler zu überarbeiten und alle betroffenen Zähler mit Rogowskispulen und Hallsensoren umgehend aus dem Verkehr zu ziehen.
Blick in einen Stromzähler: Im Vordergrund deutlich zu sehen ist je Phase ein doppelter Aufbau von Rogowskispulen nebst Mess-IC vom Typ STPM01, der die Messdaten (W, VAR, VA, Irms, Vrms, V und I) für seine jeweilige Phase ermittelt und bereits digitalisiert an den zentralen Speicher mit Display im oberen Teil des Zählers weiterleitet.
Eine unter Leitung der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt stehende VDE-FNN-Arbeitsgruppe zur „Zuverlässigkeit und Messbeständigkeit von Messsystemen“ soll sich dem „Twente-Phänomen“ annehmen. Der Bund der Energieverbraucher wird sich an dieser Arbeitsgruppe beteiligen.
Lösung für Verbraucher
Verbraucher mit potenziell betroffenen Stromzählern sollten bei Zweifeln an der Zuverlässigkeit ihres Stromzählers bei ihrem Messstellenbetreiber – in der Regel der örtliche Stromnetzbetreiber – hartnäckig einen Austausch des Zählers verlangen. Sollte der Stromnetzbetreiber dem nicht nachkommen, bleibt Verbrauchern nur, den Messstellenbetreiber zu wechseln. So bietet beispielsweise der freie Messstellenbetreiber Discovergy Smart Meter mit Shunt-Messung an, einem fehlerfreien Messverfahren. Zwar gewährt Discovergy den Mitgliedern im Bund der Energieverbraucher 20 Prozent Rabatt auf den Jahrespreis. Dieser ist jedoch auch rabattiert meist deutlich höher als die Messentgelte des lokalen Netzbetreibers für elektronische Zähler ohne smarte Zusatzfunktionen.
Der Stromzähler am Vereinssitz vom Bund der Energieverbraucher e.V. war bis vor wenigen Wochen ein MT174-Zähler mit Rogowskispulen. Der Verein hat daher den Messstellenbetreiber gewechselt und von Discovergy einen smarten Zähler mit Shunt-Messung einbauen lassen.
Ist mein Zähler betroffen?
In den Untersuchungen der Universität Twente hat sich ein klares Muster abgezeichnet: Elektronische Zähler mit Rogowskispulen maßen bei den Tests der Forscher grundsätzlich zu viel. Zähler mit Hallsensoren zu wenig und nur Zähler mit Shunt-Messung haben – wie auch alte analoge Ferraris-Zähler – keine Auffälligkeiten gezeigt.
Leider kann man einem elektronischen Zähler von außen nicht ansehen, mit welchem Verfahren er misst. Wir haben für Sie recherchiert, was in elektronischen Zählern steckt. Wenn Sie Informationen zu weiteren Zählermodellen haben, schreiben Sie uns: info@energieverbraucher.de
Rogowskispule Hallsensor Shunt-Messung
EasyMeter (Discovergy) Alle bekannten Modelle
EMH Metering Alle bekannten Modelle
Iskraemeco MT171
MT681 MD300
Itron (Actaris) ACE3000 EM214
Kamstrup Alle bekannten Modelle
Landis+Gyr Alle konventionellen
elektronischen Haushaltszähler Alle „modernen
Messeinrichtungen“ nach MsbG
Segment-ID: 17560
Eine neue Studie hat zu Tage gefördert, dass bis zu 6 Millionen Stromzähler in Deutschland möglicherweise viel zu viel messen. weiter lesen
Energieverbraucher wie Energieversorger verlassen sich gleichermaßen darauf, dass Stromzähler richtig messen. Eine neue Studie hat jedoch zu Tage gefördert, dass bis zu 6 Millionen Stromzähler in Deutschland möglicherweise viel zu viel messen – trotz Zulassung und Eichung.
(25. Oktober 2017) Forscher der Universität Twente und der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Amsterdam haben elektronischen Stromzählern auf den Zahn gefühlt: In zwei Testreihen wurden elektronische Stromzählermodelle der Baujahre 2004 bis 2014 mit Zulassung für Abrechnungszwecke untersucht. Die Ergebnisse sind schockierend! Während einige Stromzähler unter bestimmten Bedingungen bis zu 46 Prozent zu wenig Strom gemessen hatten, haben andere Modelle bis zu 586 Prozent zu viel Verbrauch angezeigt.
Die skandalösen Funde wurden in der deutschen Tagespresse schnell aufgenommen. Aber berichtet wurde ausschließlich über falsch messende „Smart Meter“. Betroffen sind prinzipiell jedoch alle „elektronischen Stromzähler“. Daher Stromzähler, die nicht mittels Ferraris-Prinzip elektromagnetisch über eine Drehscheibe messen. Nach Erhebungen der Bundesnetzagentur sind in Deutschland derzeit 6.161.352 solcher Stromzähler im Einsatz (Monitoringbericht 2016). Ob diese elektronischen Zähler „smart“ sind, spielt für die Messfehlerproblematik keine Rolle.
In mehreren unterschiedlichen Versuchen konnte nicht nur die Ursache der Messfehler gefunden, sondern auch deren Reproduzierbarkeit bewiesen werden. Bei gewöhnlichen ohmschen Verbrauchern wie Herdplatten, Heizlüftern oder Glühlampen haben alle Zähler richtig gemessen. Dies ist kein Wunder, denn dieses Verbrauchsmuster wird für die Eichprüfung verwendet. Bei elektronischen Verbrauchern mit nichtlinearen Lasten wie sie bei geregelten Netzteilen, Computern, PV-Wechselrichtern oder Leuchtstofflampen sowie LED auftreten, zeigten sich erste Messfehler außerhalb der zulässigen Toleranz. Zu den besonders heftigen Abweichungen kam es beim Einsatz von Dimmern, wie sie für Beleuchtungszwecke häufig verwendet werden.
Um die Ursache zu finden, wurden die Stromzähler zerlegt. Es zeigte sich, dass die einzigen richtig messenden Zähler im Testfeld eine Shunt-Messung verwendeten. Die Zähler mit Hall-Sensoren ermittelten zu niedrige Werte und Zähler mit Rogowski-Spulen maßen durchweg einen viel zu hohen Stromverbrauch.
Hat ihr Stromzähler ein Display, so ist er potenziell von dem Problem betroffen. Leider machen die meisten Zählerhersteller auf Typenschildern und Datenblättern keine Angabe zu dem verwendeten Messverfahren, so dass man als Verbraucher im Dunkeln tappt. Die Zählerhersteller EMH metering, Kamstrup und EasyMeter (Produzent der Smart Meter von Discovergy) haben inzwischen mitgeteilt, dass bei deren Geräten ausschließlich das korrekt messende Shunt-Verfahren zum Einsatz kommt. Der zum japanischen Toshiba-Konzern gehörende Hersteller Landis+Gyr hingegen kritisierte die Ergebnisse der Forscher zunächst pauschal als „praxisfremd“, nur um kurz darauf einzuräumen, potenziell betroffene Hall-Sensoren zu verwenden. Dem niederländischen Rundfunksender Avrotros zu Folge, sollen zudem Zähler der Hersteller Echelon, Iskra und Enermet die kritisierten Messverfahren verwenden.
Problemlösung fehlgeschlagen
Die betroffenen Zählerhersteller und Messstellenbetreiber können sich aktuell zurücklehnen: Die Zähler halten die zum Zulassungszeitpunkt der Zähler geltenden Normen ein. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) als zuständige Aufsichtsbehörde sowie auch der Verband der Elektrotechnik (VDE) haben das Problem inzwischen anerkannt. Laut einer Pressemitteilung der PTB soll der Messfehler aufgrund einer Normänderung für Zähler mit Baujahren ab 2011 generell nicht mehr bestehen. Dies steht jedoch im Widerspruch zu den Funden bei Zählern mit den Baujahren 2013 und 2014 (+566 sowie +475 Prozent).
Es braucht einen Aufschrei
Verbrauchern mit betroffenen Stromzählern bleibt nur, bei ihrem Messstellenbetreiber – in der Regel der örtliche Stromnetzbetreiber – hartnäckig einen Austausch von falsch messenden Zählern zu verlangen und im Zweifel den Messstellenbetreiber zu wechseln. Auch sollten Verbraucher mit einem potenziell betroffenen Stromzähler den Abrechnungen ihres Energieversorgers unter Verweis auf die Problematik widersprechen, wenn die Rechnungen unplausibel hoch erscheinen. Der Bund der Energieverbraucher hat die zuständigen Bundesministerien für Verbraucherschutz und Wirtschaft sowie die Bundesnetzagentur angeschrieben und darauf gedrungen, dass betroffene Verbraucher vor den Folgen falscher Messungen geschützt werden.
Forschungsveröffentlichung im Volltext: bdev.de/twente
Stellungnahme der PTB dazu: Download Stellungnahme der PTB vom 13.03.2017 zur Twente-Studie
Segment-ID: 17465
Der „Rollout“ wird kommen! weiter lesen
Am 2. September 2016 ist ein neues Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) in Kraft getreten. Aber anders als in diesem Gesetz vorgesehen, müssen im laufenden Jahr 2017 noch keine smarten Strom- und Gaszähler verbaut werden. Doch der „Rollout“ wird kommen!
(29. September 2017) Das MsbG steckt den Rahmen ab für eine Revolution beim Messen von Strom und Gas, die in den kommenden Jahren auf alle Verbraucher zukommen wird. Die Materie dahinter ist trocken, die Regelungen im Gesetz sind kompliziert formuliert und nur schwer zu verstehen. Um Ihnen den Einstieg zu erleichtern, lassen wir Sie teilhaben am Schicksal von fünf fiktiven Fami-lien und dem, was sich für diese Familien in den kommenden Jahren ändern wird.
Familie Smart wohnt in einem eigenen Haus und verbraucht rund 6.000 kWh Strom im Jahr. Das zeigt bisher ein Zähler mit einem Drehrad an, ein sogenannter Ferraris-Zähler. Der Zähler wurde vor 19 Jahren installiert und die Eichplakette ist längst abgelaufen. Herr und Frau Smart streiten sich, ob ein neuer Zähler jetzt schon sinnvoll ist, was ein „Smart Meter“ eigentlich genau ist und was ein solcher Zähler kann. Während Herr Smart der Meinung ist, dass ein Smart Meter mit dem Internet verbunden werden muss, meint Frau Smart, dass ein solcher Zähler nur Verbräuche detailliert auf einem Display anzeigen kann.
Familie Glück hat bereits ein „Smart Meter“ mit Anbindung an das Internet und Auswertungsfunktionen, der vor drei Jahren auf besonderen Wunsch von Familie Glück installiert wurde.
Familie Warm besitzt eine Nachtstromheizung mit separatem Zähler.
Familie Sonnenschein hat nicht nur einen jährlichen Stromverbrauch von 6.500 kWh, sondern auch eine alte 8 kWp PV-Anlage mit Volleinspeisung auf dem Hausdach und dafür einen eigenen Stromzähler.
Die besonders sparsame Familie Jung wohnt zur Miete in einem Mehrfamilienhaus und verbraucht nur 1.500 kWh pro Jahr.
Stromzähler erfassen Strommengen, die in eine Richtung fließen. Bei Prosumern mit einer PV-Anlage oder einem BHKW auch die „Einspeisung“ von Strom in das öffentliche Netz. In 87,2 Prozent aller Haushalte hängen noch alte Ferraris-Zähler mit Drehscheibe. Diese Zähler zeigen nur eine Zahl an: Den seit der Installation insgesamt verbrauchten oder eingespeisten Strom. Für Strom- und Gaszähler ist der Messstellenbetreiber zuständig. In den allermeisten Fällen ist dies der örtliche Netzbetreiber, der nicht mit dem Energieversorger zu verwechseln ist. Wer Ihr Netz- und Messstellenbetreiber ist, steht auf der Stromrechnung Ihres Energieversorgers. Sie können es selbst herausfinden über den Code des Netzbetreibers auf Ihrer Rechnung. Der Code des Netzbetreibers ist sechsstellig: Das sind die ersten sechs Ziffern im Netzcode und die auf „DE“ folgenden sechs Ziffern in der Zählpunktbezeichnung – nicht mit der Zählernummer zu verwechseln. Unter den Internetadressen bdev.de/stromcode oder bdev.de/gascode können Sie diesen Code eingeben und bekommen den Namen des Netzbetreibers angezeigt.
„Moderne Messeinrichtung“
Alle analogen Ferraris-Zähler, aber auch ältere elektronische Zähler, sollen durch eine „moderne Messeinrichtung“ ersetzt werden, sprich: einen digitalen Zähler mit Display und genormter elektronischer Datenschnittstelle. Das Wort „moderne Messeinrichtung“ sollte man sich daher merken. Ein solcher Zähler erfasst nicht nur den Stromverbrauch in Kilowattstunden für jeden einzelnen Tag, jede Woche und jeden Monat für die zurückliegenden zwei Jahre, sondern kann auch den aktuellen Stromverbrauch in Watt anzeigen. Ein solcher Zähler ist also bereits in gewisser Weise „smart“.
Damit die Messdaten des Verbrauchers vom Energieversorger und vom Netzbetreiber für die Abrechnungen genutzt werden können, müssen sie elektronisch und verschlüsselt übertragen werden. Dafür braucht man eine zusätzliche Kommunikationseinheit, genannt „Smart Meter Gateway“ (SMGW). Moderne Messeinrichtung und Smart Meter Gateway bilden zusammen ein „intelligentes Messsystem“ (iMSys).
Damit Familie Smart künftig laufend ihre aktuellen Verbräuche sehen kann, braucht man aber noch mehr als ein intelligentes Messsystem: nämlich eine Anzeigemöglichkeit der Messwerte. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Man geht zum Zähler und leuchtet ihn mit der Taschenlampe an. Der Zähler zeigt dann die Messdaten an, wenn er vorher dafür freigeschaltet wurde.
Mit einem Auslesekopf am Zähler wird ein Signal empfangen und auf ein Display im Wohnraum übertragen.
Ein Computer wird über ein Kabel oder per Funk mit dem Smart Meter verbunden, empfängt von dort die Messwerte und wertet sie aus.
Der Messstellenbetreiber empfängt über das Gateway die Messwerte und stellt sie dem Verbraucher über ein Internetportal zur Verfügung (siehe Beispiel).
Aber der Streit zwischen Herrn und Frau Smart geht weiter: Wie viel darf das intelligente Messsystem kosten? Was lässt sich sparen? Und kann die Familie durch Dritte zum Einbau eines intelligenten Messsystems gezwungen werden? In einem Punkt hat das Ehepaar aber schon Klarheit: Was ein „Smart Meter“ ist, dafür gibt es keine amtliche Festlegung. Also haben Herr und Frau Smart beide recht mit ihren unterschiedlichen Definitionen von einem Smart Meter: Ein ehefreundliches Gesetz.
Wann steht der Wechsel an?
Der Wechsel zu „modernen Messeinrichtungen“ und „intelligenten Messsystemen“ ist die vom Gesetzgeber verordnete Zukunft. Bis 2032 müssen die Messstellenbetreiber 95 Prozent der Zähler in Deutschland gegen „moderne Messeinrichtungen“ austauschen. Wann das konkret für die Familien Smart, Sonnenschein, Glück, Warm und Jung passieren wird, darauf haben die fünf Familien wenig Einfluss.
Daher ist der Familienstreit bei Smarts teilweise überflüssig: Denn nicht die Familie entscheidet, ob der Wechsel hin zu einem smarten Zähler kommt, sondern nur ob man diesen Wechsel vorzieht, bevor er zur Pflicht wird. Ärgerlich ist dabei, dass Familie Smart sich gegen die Entscheidung des Messstellenbetreibers hinsichtlich des Installationszeitpunktes nicht wehren kann.
Besonders weitreichend ist die kommende Umstellung für Verbraucher mit mehr als 10.000 Kilowattstunden Jahresstromverbrauch, Betreiber einer Stromerzeugungsanlage mit mindestens sieben Kilowatt Leistung, sowie Haushalte mit unterbrechbaren Verbrauchern wie Nachtspeicherheizungen. Eigentlich wäre bei diesen Verbrauchern bereits dieses Jahr nicht nur die zwangsweise Installation einer modernen Messeinrichtung, sondern auch die eines teuren Smart Meter Gateways vorgeschrieben. Weil es jedoch noch keine behördlich zertifizierten Gateways gibt, muss der Einbau noch nicht vorgenommen werden.
In welchem Zeitfenster der Wechsel für welche Verbrauchergruppen und Erzeugungsanlagenbetreiber geschehen soll und welche Kosten jeweils anfallen dürfen, steht in § 31 MsbG (siehe Grafik). Kurz gesagt müssen Messstellenbetreiber dann intelligente Messsysteme einbauen, wenn:
Mindestens Smart Meter Gateways von drei Herstellern durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert worden sind.
Die Kosten für das intelligente Messsystem je nach Einzelfall aktuell 100 bis 200 Euro im Jahr nicht übersteigen. Die höchstens zulässigen Messkosten hängen dabei von der Stromverbrauchsmenge und/oder der Leistung einer Stromerzeugungsanlage ab.
Der Einbau drei Monate im Voraus angekündigt wird.
Verbraucher haben keinen Einfluss aus die Auswahl der Zähler ihres Messstellenbetreibers und auch keinen Einfluss darauf, wann der örtliche Messstellenbetreiber mit dem Einbau von modernen Messeinrichtungen beginnt.
Aber Verbraucher können ihren Messstellenbetreiber genau wie ihren Energieversorger wechseln!
Wie bei der Grundversorgung mit Strom gibt es bei der Messung einen örtlich „grundzuständigen Messstellenbetreiber“. Dies ist in der Regel der lokale Netzbetreiber. Man kann aber jederzeit zu einem anderen Messstellenbetreiber wechseln.
Ähnlich wie beim Telefon- oder Stromanbieter schließt man mit einem neuen Messstellenbetreiber einen Vertrag, der auch die Laufzeit und die Kündigungsmöglichkeiten regelt. Die Höchstlaufzeit beträgt zwei Jahre.
Dennoch ist Vorsicht angesagt: Man sollte nicht unüberlegt derartige Verträge unterschreiben. Denn der gesetzliche Schutz, der die zusätzlichen Kosten nach oben begrenzt, gilt für Verträge mit freien Messstellenbetreibern nicht. Deshalb ist zu befürchten, dass bald Unternehmen am Start sind, die mit vielen leeren Versprechen Kunden locken, um nach der Unterschrift abzukassieren.
Der Wechsel des Messstellenbetreibers kann vom Verbraucher strategisch genutzt werden, um sich der Willkür seines örtlich grundzuständigen Netzbetreibers zu entziehen, der die Einbauentscheidung trifft, sofern der Verbraucher nicht schon zu einem anderen Messstellenbetreiber gewechselt hat. Allerdings will der Wechsel wohl überlegt sein. Denn der Messstellenbetreiber, zu dem ein Verbraucher wechselt, hat dann alle Fäden in der Hand, ohne dass sich der Verbraucher dann noch wehren kann. Es ist ratsam, zu einem Messstellenbetreiber zu wechseln, der fest verspricht, ob und wann er neue Messsysteme installiert und zu welchen Kosten.
Freie Messstellenbetreiber sind aber rar gesät. Angebote wie der Yello „Sparzähler“ oder der E.ON „EnergieNavi“ sind meist an unattraktive Stromtarife gekoppelt und für mündige Verbraucher keine Alternative. Dem Bund der Energieverbraucher ist bisher nur ein Messstellenbetreiber bekannt, der bundesweit einzelne kleine Stromzähler installiert, nämlich Discovergy. Mit einem Jahrespreis von 60 Euro pro Smart Meter, egal ob dieses als Bezugszähler für eine Wohnung, als Erzeugungszähler einer PV-Anlage oder als Zwei-Richtungs-Zähler eingesetzt wird, ist das Angebot für ein Smart Meter zwar preislich sehr attraktiv, gleichwohl aber teurer als die guten alten Ferraris-Zähler. Einen Erfahrungsbericht lesen Sie unter Neue Zähler braucht das Land.
Zurück zu unseren Beispielhaushalten: Familie Glück bekam schon vor drei Jahren einen smarten Stromzähler installiert. Dieser Zähler entspricht zwar nicht den technischen Anforderungen an ein intelligentes Messsystem, er hat aber ab dem Einbauzeitpunkt acht Jahre Bestandsschutz. Familie Glück kann diesen Zähler weiter verwenden.
Familie Warm hat eine Nachtstromheizung. Sobald sich diese Stromverbraucher netzdienlich steuern lassen und Smart Meter Gateways verfügbar sind, kann der örtliche Netzbetreiber zwangsweise den Zähler gegen ein maximal 100 Euro pro Jahr teures Messsystem austauschen. Der Zähler für den gewöhnlichen Stromverbrauch der Warms von 3.000 Kilowattstunden pro Jahr ist davon nicht betroffen.
Familie Sonnenschein hat eine PV-Anlage auf dem Dach. Bisher durfte die Familie die Einspeisung als Anlagenbetreiber selbst mit einem eigenen Zähler messen. Seit dem Inkrafttreten des Messstellenbetriebsgesetzes zum 2. September 2016 dürfen jedoch nur noch professionelle Messstellenbetreiber Stromzähler betreiben. Familie Sonnenschein muss daher einen Messstellenbetreiber beauftragen. Aber auch für den Stromverbrauchszähler droht ab 2020 wegen des Verbrauchs von mehr als 6.000 Kilowattstunden im Jahr der kommende Smart-Meter-Rollout. Für Familie Sonnenschein könnte sich der Wechsel zu einem freien Messstellenbetreiber daher doppelt lohnen: Die Messung mit jetzt verfügbaren nicht standardkonformen Smart Metern ist mit jeweils rund 60 Euro pro Jahr günstiger als die Preisobergrenze für zertifizierte „intelligente Messsysteme“ und hat mindestens acht Jahre Bestandsschutz.
Mieterhaushalte
Die sparsame Familie Jung wohnt in einer Mietwohnung. Für Mietwohnungen gelten ab dem 1. Januar 2021 besondere Regelungen nach § 6 MsbG: Mieter sind zwar „Anschlussnutzer“, aber „Anschlussnehmer“ ist der Hauseigentümer. Dieser darf ab 2021 für alle Zähler seiner Liegenschaft den Messstellenbetreiber wählen, ohne die Mieter als Anschlussnutzer fragen zu müssen. Die Mieter müssen über den bevorstehenden Wechsel nur rechtzeitig informiert werden und der vom Vermieter gewählte Messstellenbetreiber darf in Summe nicht teurer sein, als wenn jeder Mieter selbst einen Messstellenbetreiber wählt. Mieter können zwar von Vermietern verlangen, alle zwei Jahre Angebote von anderen Messstellenbetreibern einzuholen. Der Vermieter kann aber den Anbieter dennoch frei auswählen. So steht zu befürchten, dass Mieter beim Messstellenbetrieb zukünftig ähnlich wie bereits von den Heizkostenabrechnern unbillig zur Kasse gebeten werden.
Für die Messung von Wärme und Wasser gilt das Gesetz nicht, allerdings für Gaszähler. Für smarte Gaszähler gibt es jedoch keinen festen Rolloutplan. Vorgeschrieben ist nur, dass sich alle neuen Gaszähler theoretisch mit einem Smart Meter Gateway verbinden lassen müssen. Dies erfolgt bei Gaszählern in der Regel über eine Befestigungsmöglichkeit für ein Impulsmodul oder einen optischen Auslesekopf. Wie teuer diese optionalen Lösungen sein werden, wird sich erst zeigen, wenn Smart Meter Gateways verfügbar sind und installiert werden.
Mitgliedern im Bund der Energieverbraucher e.V. räumt der freie Messstellenbetreiber Discovergy aktuell bei Abschluss von Neuverträgen einen dauerhaften Rabatt in Höhe von 20 Prozent auf die Jahresrechnung ein.
Dieser Mitgliedschaftsvorteil kann unter der Rufnummer 0241-53809410 in Anspruch genommen werden.
Segment-ID: 17463
Vor vier Jahren ließ Oliver Stens seinen konventionellen Stromzähler gegen ein Smart Meter des Messstellenbetreibers Discovergy austauschen und berichtete in der Energiedepesche über seine ersten Erfahrungen. Hier zieht er nun sein Fazit. weiter lesen
Vor vier Jahren ließ Oliver Stens seinen konventionellen Stromzähler gegen ein Smart Meter des Messstellenbetreibers Discovergy austauschen und berichtete in der Energiedepesche über seine ersten Erfahrungen. Hier zieht er nun sein Fazit.
(26. September 2017) Nach vier Jahren sekundengenauer Aufzeichnung von Stromdaten mittels Smart Meter sollte man denken, dass nicht mehr viel Neues passiert. Und doch bleibt es spannend. Nach und nach sind weitere Auswertungsfunktionen hinzugekommen und es gibt immer wieder überraschende Entwicklungen des Verbrauchsverhaltens im eigenen Haushalt zu beobachten.
Die meisten Versorger senden ihren Kunden einmal jährlich die Rechnung auf der Basis einer einzigen Zählerstandsablesung. Das war‘s. Der intelligente Zähler erfasst hingegen den Zählerstand ständig, genauer gesagt alle zwei Sekunden. Und der Messstellenbetreiber Discovergy versucht, seinen Kunden die Stromdaten in möglichst plausibler Form zu veranschaulichen. Statt im Keller Zählerstände abzuschreiben, meldet man sich am Computer mit seinem Passwort an und bekommt Zugang zu seinen Stromdaten, die auf verschiedene Arten aufbereitet wurden.
In der Drei-Phasen-Darstellung werden einzelne Geräte besser erkennbar. In rot hier die Waschmaschine und in grün die Spülmaschine.
Die Startseite ist das Messwerte-Fenster: Der Tagesgang. Vom aktuellen Tag wird der Leistungsverlauf im Überblick gezeigt. Interessante Details kommen zum Vorschein, wenn man in besondere Zeitbereiche hereinzoomt. So kann man beispielsweise überprüfen, ob sein Kühlgerät noch effizient arbeitet. Mit einem anderen Mausklick zeigen sich statt der Gesamtleistung die Leistungen der drei einzelnen Stromphasen. Die verschiedenen Steckdosen-Stromkreise werden getrennt dargestellt und einzelne Geräte werden besser erkennbar.
Sehr anschaulich ist auch die Heatmap-Darstellung. Hier kann der Stromverbrauch mehrerer Monate auf einen Blick angezeigt werden.
Ein langer Verbrauchszeitraum wird kompakt und anschaulich dargestellt mit der „Heatmap“. Nach rechts läuft die Tageszeit von 0 bis 24 Uhr, nach oben laufen die fortlaufenden Tage. Die Leistung der jeweiligen Zeit wird in verschiedenen Farben dargestellt. Sparprogramme der Spülmaschine erscheinen hier als grüne Punkte. Die gelben Augen sind Waschprogramme unterschiedlicher Temperatur. Links von 0 bis 6 Uhr erkennt man das regelmäßige Takten des Kühlschranks in blau, das sich von der Grundlast in lila abhebt.
Die Königsdisziplin ist aber die automatische Erkennung und Zuordnung aller Einzelgeräte aus den Stromdaten. Diese Aufgabe ist äußerst schwierig und komplex. Das Entwicklerteam tüftelt schon seit Jahren daran. Seit August ist diese Funktion für ausgewählte Nutzer zur Erprobung freigeschaltet. Mit dieser Funktion soll durch gezielte Tipps zu Geräten und Nutzungsverhalten der Stromverbrauch sinken. Wenn alles klappt, soll die Geräteerkennung auch kostenlos für alle Nutzer kommen.
Auch nach vier Jahren bin ich noch überzeugt, dass Transparenz beim Stromverbrauch nützlich ist. Es ist ein erhebendes Gefühl, etwas Unsichtbares plötzlich sehen zu können. Erst aus vielen einzelnen Puzzleteilen wird zum Schluss das Gesamtbild erkennbar: Der Jahresstromverbrauch.
Mein Smart Meter hilft mir zudem bei der Frage, wo es sich lohnt, auf den Verbrauch zu achten, und in welchen Bereichen es die Mühe nicht wert ist. Ich bleibe weiter dabei!
Segment-ID: 17464
Smart-Meter wider Willen
Im Aufmerksamkeitsschatten von Brexit und Europameisterschaft hat der Bundestag mit dem „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ den Zwangs-Rollout von Smart-Metern beschlossen. weiter lesen
Im Aufmerksamkeitsschatten von Brexit und Europameisterschaft hat der Bundestag mit dem „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ den Zwangs-Rollout von Smart-Metern beschlossen. Auf Verbraucher kommen neue Kosten zu.
(23. September 2016) Für die Politik sind Smart-Meter ein einfacher „Schlüssel zum Gelingen der Energiewende“, für den Romanautor Frank Elsberg sind Smart-Meter hingegen der Auslöser für einen potenziellen „Blackout“. Doch beide Positionen gehen an der Wirklichkeit vorbei. Denn im Gegensatz zu intelligenten Ortsnetztransformatoren, die auf lokaler Ebene wirklich smart auf erneuerbare Einspeiser reagieren und den Netzbetreibern Auskunft über die Auslastung von Netzabschnitten geben könnten, sind die beschlossenen Smart-Meter einfach nur teure Stromzähler mit Online-Anbindung. Zwar könnten diese zukünftig theoretisch mit Abschaltvorrichtungen für säumige Stromkunden oder zu stark einspeisende Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. Diese Anwendungen sind jedoch bisher nur angedacht.
Verbraucher, die sich hingegen ein Smart-Meter mit weitreichenden Auswertungsoptionen wünschen, beispielsweise zur Optimierung des Eigenverbrauchs aus einer PV-Anlage, können sich bereits seit Jahren ein Smart-Meter von einem freien Messstellenbetreiber wie Discovergy installieren lassen (Bericht in ED 2/2013). Für die Mehrheit der Verbraucher wird der jetzt beschlossene Smart-Meter-Zwangs-Rollout in erster Linie ein weiterer Kostenfaktor auf der Stromrechnung sein. Inwieweit Webportale oder Apps der örtlichen Netzbetreiber Verbrauchern überhaupt nützliche Auskünfte über deren Stromverbrauch geben werden und ob zeitvariable Tarife Verbrauchern eine Ersparnis bringen können, bleibt abzuwarten. Selbst die optimistischen Rechnungen der „Kosten-Nutzen-Analyse“ für das Gesetz gehen bei kleinen Letztverbrauchern von einem „durchschnittlichen Stromkosteneinsparpotenzial von annähernd drei Euro pro Jahr“ aus. Gleichzeitig sollen nach dem Gesetz Kleinstverbrauchern aber ab 2020 bis zu 23 Euro für ein Smart-Meter pro Jahr berechnet werden.
Voraussetzungen für den Rollout
Wann der für 2017 vorgesehene flächendeckende Zähleraustausch (Rollout) Verbraucher im Einzelnen treffen wird, macht das neue Gesetz vom Vorliegen bestimmter Bedingungen und von Preisobergrenzen abhängig.
Diese Regelung ist nicht grundsätzlich neu: Bereits vor fünf Jahren hatte der Gesetzgeber mit einer Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes den Zwangs-Rollout von „Messsystemen“ beschlossen. Die damals definierten technischen Anforderungen und die wirtschaftliche Vertretbarkeit sind jedoch bis heute nicht eingetreten. Auch nach dem neuen Gesetz ist fraglich, ob der nunmehr für den 1. Januar 2017 vorgesehene Rolloutbeginn durchführbar ist. Dafür müssten drei Zählerhersteller Gateways zur Anbindung von Smart-Metern an das Internet anbieten. Zertifiziert ist bisher jedoch kein einziges „Smart-Meter-Gateway“.
Neben der technischen Machbarkeit, also der Verfügbarkeit von drei zertifizierten Gateway-Modellen, müssen Preisobergrenzen eingehalten werden, damit Netzbetreiber ab 2017 binnen acht Jahren zwangsweise Smart-Meter bei den Verbrauchern installieren dürfen.
Für Letztverbraucher mit einem Jahresstrombedarf ab 10.000 kWh beträgt diese Preisobergrenze 130 Euro im Jahr und steigert sich auf maximal 200 Euro ab 50.000 kWh. Direkt ab 2017 ist der Einbaubeginn nicht nur für Verbraucher ab 10.000 kWh Jahresbezug, sondern auch für Einspeiser ab sieben kW Anlagenleistung vorgesehen, wobei die Preisobergrenze hier 100 Euro pro Jahr beträgt. Für Stromverbraucher unter 10.000 kWh oder mit Einspeiseanlagen unter sieben Kilowatt Erzeugungsleistung soll der Rollout frühestens ab 2020 beginnen.
Neben der Verpflichtung durch den Netzbetreiber, kann ein Rollout im Einzelfall auch durch den sogenannten Anschlussnehmer, in Mehrfamilienhäusern zumeist der Eigentümer, angestoßen werden. Durch diese Sonderregelung kann ein Vermieter beispielsweise ein Heizkostenabrechnungsunternehmen auf Kosten der Mieter mit einem sofortigen Smart-Meter-Rollout beauftragen und damit die Mieter auch ihres Wahlrechts auf einen freien Messstellenbetreiber berauben. Zwar gelten auch in diesem Fall die Preisobergrenzen, ob diese Einschränkung des Verbraucherwahlrechtes allerdings mit europarechtlichen Verbraucherschutzvorschriften vereinbar ist, wird durch den Europäischen Gerichtshof noch zu klären sein.
Eines ist jedoch bereits jetzt klar: Weder für die Energiewende, noch für Energieverbraucher wird der jetzt beschlossene Zwangs-Rollout einen Gewinn bringen – ganz im Gegensatz zu Netzbetreibern, Heizkostenabrechnern und Zählerherstellern.
Kosten-Nutzen-Studie: Kosten-Nutzen-Analyse für einen flächendeckenden Einsatz intelligenter Zähler
Gesetzestext: Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende
Segment-ID: 16719
Too smart to meter?
Viel Geld wird mit veralteten Zählern gemacht weiter lesen
Stromzähler werden meist von den Netzbetreibern installiert und betrieben: ein einträgliches Geschäft. Aber es gibt auch freie Messstellenbetreiber, die sofort Unabhängigkeit vom Netzbetreiber und den Komfort von Smart-Meter-Lösungen zu überschaubaren Kosten liefern.
Louis-F. Stahl berichtet über Neues vom Zählermarkt.
(2. Juli 2015) Wer etwas liefert, dem obliegt für gewöhnlich das Wiegen und Messen. Auf diesen Grundsatz gestützt, begannen die Betreiber kleiner PV-Anlagen und stromerzeugender Heizungen vor rund 15 Jahren einfach mit eigenen Zählern ihre Einspeisung zu messen. Der Gesetzgeber sprach ihnen dieses Recht später sogar ausdrücklich zu (§ 8 Abs. 1 KWKG 2002) oder sah eine Einspeisemessung durch Netzbetreiber zumindest nur als eine Alternative an (§ 13 Abs. 1 EEG 2004). Für die Netzbetreiber selbst war die Messung lange Zeit nur notwendiges Übel zu durchlaufenden Kosten.
Erst Bestrebungen seitens der Politik, nicht nur die Energielieferung, sondern auch die Messung zu liberalisieren und die beginnende Debatte um „Smart Meter“ führten zur Entdeckung des Messwesens als Einnahmequelle für die Netzbetreiber. Ab 2007 musste sich daher die Clearingstelle EEG mit der von Netzbetreibern aufgeworfenen Frage befassen, ob Erzeuger und Einspeiser ohne besondere Fachkundeprüfung überhaupt selbst messen können und dürfen. Das Ergebnis war wenig überraschend: „Alle des Lesens und Schreibens kundigen Menschen“ seien „fachkundig zur Messung, d. h. zum Ablesen der Messwerte in Kilowattstunden“ befand die Clearingstelle EEG (Az. 2008/20, 2011/2/2, 2012/7). Eine Tatsache, die auch heute noch einige Netzbetreiber anzweifeln, aber zeitgleich Postkarten zur Zähler-Selbstablesung an einfache Stromverbraucher senden, um die Kosten für eigene Ablesemitarbeiter zu sparen.
Messung als Geschäftsmodell
Für Letztverbraucher wurde erst mit der Einfügung des § 21b in das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) im Jahr 2005 der grundlegende Rechtsrahmen für eine Liberalisierung im Messwesen geschaffen. In der Praxis sahen sich die ersten freien Messstellenbetreiber jedoch mit hunderten Netzbetreibern konfrontiert, die jeweils unterschiedlichste Verträge und Prozesse durchsetzen wollten. So beschränkte sich die freie Wahl des Stromzählers für Verbraucher zunächst auf Sonderlösungen von lokalen Elektrobetrieben und fand lediglich in größeren Anlagen wie Wohnungseigentümergemeinschaften praktische Relevanz. Einzig der Stromanbieter Yello begann ab 2007 seinen „Sparzähler“ bundesweit für Letztverbraucher anzubieten. Der Zähler von Yello kann gleichwohl bis heute nicht als Angebot eines unabhängigen Messstellenbetreibers betrachtet werden, da die Nutzung des Yello-Sparzählers an eine Stromlieferung von Yello gekoppelt ist. Im Ergebnis handelt es sich also lediglich um eine Maßnahme, Verbraucher mit Hardware am Anbieterwechsel zu hindern.
Erst mit der Messzugangsverordnung (MessZV) von 2008 und dank sehr detaillierter Vorgaben für Wechselprozesse (WiM) sowie verbindliche Rahmenverträge durch die Bundesnetzagentur (Az. BK6-09-034) konnte sich ab dem Jahr 2010 überhaupt ein freier Markt im Bereich des Messwesens mit standardisierten Produkten sowie Abläufen und damit niedrigen Kosten entwickeln. Dabei können Messstellenbetreiber auch innovative Messprodukte anbieten, da sie unabhängig von den „Technischen Anschlussbedingungen“ der Netzbetreiber selbst berechtigt sind, die „Art, Zahl und Größe von Mess- und Steuereinrichtungen“ zu bestimmen (§ 8 Abs. 1 MessZV). So lässt beispielsweise die Telekom durch ihr Tochterunternehmen „PASM“ deutschlandweit in tausenden VDSL-Verteilerkästen am Straßenrand den Stromverbrauch dieser Verteilerkästen mit besonders kleinen Stromzählern erfassen, die bestückt mit normal großen Stromzählern der verschiedenen Netzbetreiber um ein Vielfaches größer ausfallen müssten. Ähnlich verfuhr LichtBlick bei seinen ZuhauseKraftwerken: Statt bei Kunden teure und große Zählerschränke an die Hauswand zu schrauben, verbaute der unternehmenseigene Messstellenbetrieb die Zähler einfach direkt ab Werk in seine stromerzeugenden Heizungen.
Abzocke bei PV-Volleinspeisung
Auch um die Kreation neuer Einnahmequellen aus dem Nichts sind einige Netzbetreiber nicht verlegen: Bis vor einigen Jahren wurden kleine PV-Anlagen typischerweise so errichtet, dass der gesamte erzeugte Strom in das Netz eingespeist wird. Wird jedoch zum Beispiel nachts kein Strom vom PV-Generator erzeugt, dann kann je nach Wechselrichter theoretisch ein geringer Eigenverbrauch bestehen. Dieser Verbrauch liegt allerdings unterhalb der Anlaufstromstärke und Genauigkeitsanforderungen für Messungen entsprechend MID MI-003, DIN EN 50470, VDE 0418. Daher einigten sich Interessenvertreter von Netz- und Anlagenbetreibern im Einvernehmen mit dem Bundesfinanzministerium im Rahmen mehrerer Empfehlungen der Clearingstelle EEG darauf, nur die Einspeisung mit nicht rücklaufgesperrten Ein-Richtungs-Zählern zu erfassen. Seit Kurzem bauen einige wenige Netzbetreiber diese bestehenden Zähler wieder aus und neue Zwei-Richtungs-Zähler ein – die PV-Anlagenbesitzer sollen dann typischerweise zwischen 60 und 300 Euro im Jahr für eine unsinnige zusätzliche Messung und die theoretische Strombezugsmöglichkeit (Leistungspreis) zahlen.
Mögliche Gegenwehr
Sofern das neu installierte Bezugszählwerk dauerhaft null kWh anzeigt, ist die Rechtslage aus Sicht der Schlichtungsstelle Energie eindeutig: Es besteht kein Anspruch seitens des Netzbetreibers (Az. 4977/12 und 4615/13). Unter der Adresse www.aerger-mit-eon-und-avacon.de berichtet ein Betroffener zudem von einem erfolgreichen gerichtlichen Verfahren gegen diese Masche. Wenn aber ein Bezug gemessen wird, müssten es Betroffene auf ein risikoreiches und teures Verfahren mit ungewissem Ausgang ankommen lassen. Wer seine PV-Anlage auf dem eigenen Wohnhaus betreibt, hat aber auch eine andere Möglichkeit: Wenn die Volleinspeisungs-PV-Anlage nicht direkt an das Stromnetz angeschlossen wird, sondern wie bei einer Anlage mit vorrangigem Eigenverbrauch hinter einem Zwei-Richtungs-Zähler, aber mit bilanzieller Volleinspeisung betrieben wird (siehe Grafik), fällt zumindest die Grundgebühr für die theoretische Stromentnahme der PV-Anlage aus dem Netz weg. Darüber hinaus können betroffene Verbraucher natürlich auch noch einen freien Messstellenbetreiber für dieses Messkonzept beauftragen und dreisten Netzbetreibern damit ein Schnippchen schlagen.
Wenn für bestehende PV-Anlagen mit Volleinspeisung (links) nachträglich eine Bezugsstrommessung vom Netzbetreiber gefordert wird und dafür ein 2-Richtungs-Zähler installiert werden soll (Mitte), empfiehlt es sich die Anlage im Verbraucherstromkreis anzuschließen und den Strom als bilanzielle Volleinspeisung komplett durchzuleiten (rechts). Dadurch lässt sich die sonst fällige Strom-Grundgebühr für den theoretisch möglichen Stand-By-Bezugsstrom der PV-Anlage sparen.
Einträgliches Geschäft mit alter Technik
Die Netzbetreiber verdienen schon heute sehr gut mit den über 40 Millionen teilweise steinalten und längst abgeschriebenen mechanischen Ferraris-Zählern mit Drehscheibe und Rollenzählwerk, für die Verbraucher Jahr für Jahr zwischen sechs und 57 Euro bezahlen müssen. Das erklärt, warum die Netzbetreiber versuchen, die Messhoheit zu behalten. Hausbesitzer mit einer kleinen Erzeugungsanlage und vorrangigem Eigenverbrauch erhalten hingegen bereits seit etwa zehn Jahren im Regelfall zumindest einen halbwegs modernen elektronischen Zwei-Richtungs-Zähler. Dabei handelt es sich ebenfalls um einfache „Standardlastprofilzähler“ (SLP), die nur eine Anzeige für den gesamten gemessenen Verbrauch und die gesamte gemessene Einspeisung besitzen.
Der neuste Rolloutplan für Smart Meter des Wirtschaftsministeriums sieht ab 2017 den regulären Einsatz vollwertiger Messsysteme „iMSys“ vor. Alle neuen Zähler sollen ab 2017 mindestens „iZ“ Basiszähler sein, die sich später zu einem iMSys aufrüsten lassen.
Amtlicher Fahrplan für Smart-Meter-Rollout
Schon 2008 hatte der Gesetzgeber mit der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) den Einsatz von Smart-Metern ab dem 1. Januar 2010 vorgesehen, sofern es „technisch machbar und wirtschaftlich zumutbar“ sei. Auch einige Novellen des EnWG später und nicht zuletzt aufgrund immer weiter verschärfter Datenschutz- und IT-Sicherheitsanforderungen hapert es an diesen beiden Ausschlusskriterien bis heute. Nach Jahren der schwammigen Grenzen hat das Bundeswirtschaftsministerium im Februar 2015 mit der Veröffentlichung von Eckpunkten für das Verordnungspaket „Intelligente Netze“ Nägel mit Köpfen gemacht:
Einfache „intelligente Zähler“ (iZ) mit SLP-Messung sollen den Verbraucher jährlich maximal 20 Euro kosten und ab 2017 regulär verbaut werden. Bis 2032 sollen die rund 40 Mio. bestehenden Zähler in Deutschland sukzessiv gegen iZ ausgetauscht werden.
Wird ein solcher intelligenter Zähler mit einem Smart-Meter-Gateway zu einem „intelligenten Messsystem“ (iMSys) mit Fernauslesung aufgerüstet, sollen maximal 100 Euro pro Jahr anfallen. Ab 2017 soll für Verbraucher mit mehr als 20.000 kWh Bezug sowie alle bestehenden Erzeugungs-anlagen ab sieben kW Leistung ein iMSys zur Pflicht werden.
Kann die „einheitliche Kosten- und Preisobergrenze für Einbau und Betrieb von intelligenten Messsystemen und Zählern“ nicht eingehalten werden, soll es „keinen Rollout um jeden Preis“ geben, so das Ministerium. Mit diesen eng gesetzten Kostengrenzen könnte der Rollout von Messsystemen auch weiterhin eine ferne Zukunftsmusik bleiben. Der angesetzte Rolloutstart von iMSys im Jahr 2017 ist jedenfalls sehr optimistisch.
Intelligente Basiszähler „iZ“ in BKE-Bauform (links) sind von heute üblichen „eHZ“ nach EDL21-Standard äußerlich kaum zu unterscheiden, unterstützen aber die Kryptografie des MessSystems 2020. Größere Basiszähler (rechts) verfügen über eine Klappe, hinter der sich ein Smart-Meter-Gateway installieren lässt, das mehrere iZ zu einem Messsystem „iMSys“ aufwerten kann.
Die technischen Spezifikationen für die neuen Zähler wurden 2013 veröffentlicht (VDE-FNN-Lastenhefte „MessSystem 2020“). Im gleichen Jahr wurde auch das IT-Security-Schutzprofil vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik von der EU abgenommen. Erste Basis-zähler (iZ) nach diesen Regeln wurden Ende 2014 zertifiziert, Smart-Meter-Gateways zur Aufrüstung der iZ zu einem iMSys befinden sich derzeit jedoch noch im Entwicklungsstadium. Inwieweit die bisher als Ausgangsbasis für Messsysteme gehandelten und von Netzbetreibern seit Jahren verbauten elektronischen EDL21-Zähler fit für das anspruchsvolle und weiterentwickelte „MessSystem 2020“ gemacht werden können, ist fraglich. Für Messsysteme dürften nur neue iZ in Frage kommen, wohingegen bisherige EDL21-Zähler einfach dort eingesetzt werden könnten, wo die Integration in ein iMSys nicht erforderlich ist.
Für Letztverbraucher und Besitzer kleiner PV-Anlagen oder eines BHKW gibt es kaum wirklich freie Alternativen zum Standardzähler des Netzbetreibers. Angebote wie der Yello „Sparzähler“, E.ON „EnergieNavi“ oder die Angebote von Stadtwerken sind zumeist an unattraktive Tarife gekoppelt und daher für mündige Verbraucher keine Alternative. Mit einem bundesweiten Angebot an Messlösungen für Sonderfälle oder größere Projekte hat sich das seit 2010 als Messstellenbetreiber tätige Unternehmen Mediaelektrik Bock einen Namen gemacht. Eher auf den Massenmarkt zielt hingegen das Angebot von Discovergy: Mit einem Jahrespreis von 60 Euro pro Smart-Meter, egal ob dieses als Bezugszähler für eine Wohnung, als Erzeugungszähler einer PV-Anlage, als Zwei-Richtungs-Zähler oder im Rahmen einer Summenmessung in Mehrfamilienhäusern eingesetzt wird, ist das Angebot auch preislich sehr attraktiv. Darüber hinaus reduziert sich die Rechnung des Energieversorgers um die Preisbestandteile für Messstellenbetrieb und Messung, da diese nicht mehr vom Netzbetreiber erbracht werden.
In der Praxis müssen Verbraucher auf diesen Umstand aber oft hinweisen und ggf. mit Unterstützung von Discovergy hartnäckig bleiben. Wie hoch dieser Betrag beim jeweiligen Netzbetreiber genau ist, lässt sich durch einen Blick auf den Versorgungsvertrag (§ 2 Abs. 3 GVV) herausfinden, da diese Angabe seit einiger Zeit vorgeschrieben ist.
Transparenz dank Smart-Meter
Das Smart-Meter von Discovergy bietet ein Web-Portal sowie eine App für Smartphones zur Analyse des eigenen Verbrauchs (Bericht in ED 2/2013), aber auch der Produktion und ggf. Eigennutzung aus einer PV-Anlage. Nur eine Erkennung einzelner Geräte und deren Verbrauch, wie es der Energiekostenmonitor Smappee bietet (Bericht in ED 1/2015), lässt das Portal von Discovergy noch vermissen. Aber auch für Sonderfälle bietet der freie Messstellenbetrieb Lösungen: Liefert der Besitzer eines Discovergy-Zählers beispielsweise Strom direkt an weitere Letztverbraucher in der gleichen Kundenanlage, können ohne Aufpreis Rechnungsvorlagen erstellt werden oder die Durchleitung von Strom von externen Lieferanten für drittversorgte Letztverbraucher einer Summenmessung organisiert werden.
Der Messstellenbetreiber Discovergy bietet Verbrauchern detaillierte Analysen ihres Verbrauchsverhaltens und kann auch eine PV-Anlage mit Eigenverbrauch in die Auswertungen einbinden. Ein Demozugang ist unter www.discovergy.de erreichbar.
Auf Smart-Meter warten Verbraucher mindestens, seit die EU 2006 mit der Endenergieeffizienzrichtlinie den flächendeckenden Einsatz solcher Zähler zu „wettbewerbsorientierten Preisen“ ausgerufen hat. Geht es nach dem Wirtschaftsministerium, sollen ab 2017 Verbraucher zumindest beim Zählerwechsel zwingend „intelligente Zähler“ erhalten und bis 2032 alle Zähler im Bestand gewechselt werden. Da diese Zähler schon heute kaum teurer sind als veraltete Ferraris-Zähler mit Drehscheibe, erscheint dieses Vorhaben realistisch. Ob hingegen wirklich ab 2017 auch intelligente Messsysteme – und damit das, was man gemeinhin unter einem Smart Meter versteht – flächendeckend zu angemessenen Preisen installiert werden kann, darf bezweifelt werden.
Verbraucher, die sich den Mehrwert eines Smart Meter sofort wünschen, oder ihrem Netzbetreiber mit einer speziellen Messlösung ein Schnippchen schlagen wollen, können entsprechende Systeme jedoch schon heute von freien Messstellenbetreibern wie Discovergy beziehen.
Sonderkonditionen für Mitglieder im Bund der Energieverbraucher
Im Rahmen des Interviews zu diesem Artikel hat der Messstellenbetreiber Discovergy einen dauerhaft um 30 Euro pro Jahr reduzierten Sondertarif für Mitglieder im Bund der Energieverbraucher e. V. angeboten: Mitglieder erhalten die Smart-Meter-Messung einer Erzeugungsanlage (PV/BHKW) sowie einen Zwei-Richtungs-Zähler im Paket für 90 Euro im Jahr. Das Mitgliederangebot kann bis voraussichtlich Ende 2015 unter der Rufnummer 0241-53809410 in Anspruch genommen werden.
Segment-ID: 15976
Steigt der Bund aus?
Baake plaudert weiter lesen
(11. Dezember 2014) Lange wurden sie als Heilsbringer für die Energiewende gepriesen. Inzwischen ist klar: Der Einbau sogenannter intelligenter Stromzähler in Wohnungen wird von der Bundesregierung nicht mehr forciert. Für Haushalte sei dies zu teuer und lohne sich nicht, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake bei einem Energiekongress in Berlin. Erst wenn etwa Elektroautos massenhaft verbreitet seien, könne dies wieder ins Auge gefasst werden: „Jetzt würde es die Energiewende nur noch weiter verteuern“, sagte Baake.
Intelligente Stromzähler (Smart Meter) können genau ermitteln, wann ein Haushalt oder Betrieb viel Strom verbraucht und was die größten Stromverbraucher sind. In Verbindung mit den schwankenden Ökostrom-Mengen könnten etwa Besitzer von Elektro-Autos dann besonders viel Elektrizität einsetzen, wenn der Preis gering ist. In der Praxis liegen die Kosten für Smart Meter jedoch über den Einsparmöglichkeiten zeitabhängiger Tarife, weshalb sich die Technik bisher nicht durchsetzen konnte. Frühere Bundesregierungen hatten immer wieder das Potenzial dieser Zähler betont und in Arbeitsgruppen zusammen mit der Lobby der Zählerhersteller und der Stromwirtschaft den Einsatz vorbereitet.
Segment-ID: 15347
Schutzprofil verkündet weiter lesen
Schutzprofil verkündet
(1. Juli 2014) Für Smart Meter hat der Gesetzgeber ein sogenanntes „Schutzprofil“ zur Gewährleistung der Datensicherheit und des Datenschutzes vorgeschrieben. Das zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik teilt mit, dass dieses Schutzprofil für die Kommunikationseinheit (Gateway) und auch für das Sicherheitsmodul nunmehr vorliegt. Auf der Internetseite www.bsi.bund.de/SmartMeter sind die Schutzprofile abrufbar.
Segment-ID: 14848
Smartphone wird Smart Meter
„EnergieTracker“ – die erste Smartphone-App weiter lesen
(25. Juni 2014) Die Deutsche Gesellschaft für multimediale Kundenbindungssysteme mbH (DGMK), Berlin, präsentiert ihren „EnergieTracker“ – die erste Smartphone-App, mit der Endverbraucher ihren Strom- und Gasverbrauch per Bilderkennung dokumentieren und an ihren Versorger übermitteln können. Das Ausfüllen einer Zählerkarte oder das Warten auf den „Ableser“ entfällt. Die Energieversorger können so ihre Kosten fürs Ablesen und in der Kundenverwaltung senken.
Die App visualisiert zudem den Verbrauch nach mehreren Messungen auf einer Zeitachse. Und eine „Effizienz-Ampel“ zeigt, ob man mehr oder weniger verbraucht als ein Vergleichshaushalt. Die Technologie steht allen Verbrauchern innerhalb der „StromTracker App“ für Berlin und Hamburg zur Verfügung, die App gibt es kostenlos für Apple und Android.
Segment-ID: 14847
Strommanagement im Haushalt
Pilotstudie abgeschlossen weiter lesen
(8. Mai 2014) Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) informiert über eine qualitative Langzeitstudie zum Einsatz eines Strommanagementsystems in Privathaushalten. Über 18 Monate wurde der Umgang mit dem System in Haushalten im Raum Siegen daraufhin untersucht, wie er sich über die Zeit entwickelte und welche Faktoren für Erfolg oder Misserfolg maßgeblich sind. In der Spitze wurde der Stromverbrauch durch die regelmäßige Nutzung des Systems um rund 15% gesenkt, im Mittel lag die Stromersparnis bei 7,8%. Für die Analyse installierten die Forscher umfangreiche Messtechnik in den Haushalten.
Alle Infos liefen auf einem Server im Haus zusammen. Auf ihm war auch die "EnergyMonitor"-Software des FIT installiert, die die Daten verwaltete und den Benutzern grafisch aufbereitet zur Verfügung stellte. Die Bewohner konnten die Verbrauchsinfos über Fernseher, Computer, Tablets oder Smartphones abrufen. Dabei waren detaillierte Analysen wie der Verbrauch pro Geschoss, für bestimmte Räume bis hin für bestimmte Geräte möglich. Lösungen für den Massenmarkt müssten vor allem zwei Hürden nehmen, so das Fazit des FIT: Sie müssen den Energieverbrauch für typische Wohn- oder Lebenssituationen individuell konfigurierbar abbilden und sich dynamisch anpassen, um für den alltäglichen Gebrauch interessant und nützlich zu bleiben.
Ein System solle verschiedene Nutzerlevels unterstützen, um für den Einsteiger als auch für den späteren Power-User gleichbleibend interessant zu sein. Und die Infos müssten auf Anhieb plausibel erscheinen und verstanden werden. Intensiv genutzt wurde das System besonders in den Haushalten, die den Umgang damit in ihre abendlichen Fernsehgewohnheiten integrierten. Dort wurde das Interface zum Strommanagementsystem ein Dreh- und Angelpunkt zur gemeinsamen Analyse und Strategiefindung der Familienmitglieder zum Stromsparen.
Segment-ID: 14748
Digitaler Stromzähler ersetzt Ferraris-Zähler: So einfach sah die Welt des Smart-Metering vor einigen Jahren noch aus. weiter lesen
Digitaler Stromzähler ersetzt Ferraris-Zähler: So einfach sah die Welt des Smart-Metering vor einigen Jahren noch aus. Was sich daraus mittlerweile entwickelt hat und noch bevorsteht, davon haben Verbraucher meist keine Vorstellung.
(25. März 2014) Die alten Stromzähler mit einer einfachen Drehscheibe haben ausgedient. Das möchte man hoffen. Über die Jahre haben Verbraucher genug für diese altertümlichen Monster gezahlt, so dass der Austausch mit genaueren, weniger störanfälligen und nicht einmal teureren elektronischen Zählern längst eine Selbstverständlichkeit sein müsste. Elektronische Zähler sind mittlerweile nicht mehr teurer als die Zähler mit der Drehscheibe. Aber das elektronische Signal kann dem Verbraucher seinen Verbrauch sekundengenau anzeigen.
Derzeit erfahren Sie als Verbraucher über die Stromrechnung nur einmal jährlich, wie viel Strom Sie wirklich verbraucht haben. Wer heutzutage seinen Energieverbrauch ohne großen technischen Aufwand im Blick behält, verbraucht in der Regel drei bis zehn Prozent weniger Strom. Das haben zahlreiche sozialwissenschaftliche empirische Studien ergeben. Elektronische Zähler können auch den Stromlieferanten die Abrechnung erleichtern, wenn ihm die Abrechnungsdaten übermittelt werden. Es liegt also nahe, elektronische Zähler zum Vorteil von Versorgern und Verbrauchern möglichst rasch und flächendeckend einzuführen. Aber die Geschichte ist wesentlich komplizierter und nicht gerade erbaulich für Verbraucher.
Die sogenannte „Dritte Binnenmarktrichtlinie Energie“ der EU (2009/72/EG) schreibt vor, dass alle Verbraucher Anspruch auf eine monatliche Stromabrechnung haben, die auf dem tatsächlichen Verbrauch basiert. Ferner sollen alle Mitgliedsstaaten die Einführung intelligenter Messsysteme wirtschaftlich bewerten und herausfinden, welche Art des intelligenten Messens wirtschaftlich vertretbar und kostengünstig ist. Darauf aufbauend sollen innerhalb von zehn Jahren die intelligenten Messsysteme eingeführt werden. Wird die Einführung positiv bewertet, dann sollen bis 2020 mindestens 80 Prozent der Verbraucher mit intelligenten Messsystemen ausgestattet werden.
Smarte Zählerlösung per Aufsatz
Die Fast Forward AG, München, macht durch eine „energyCam“ aus jedem mechanischen Strom-, Gas- oder Wasserzähler mit einem einfachen Aufsatz einen Smart Meter. Das handflächengroße Auslesegerät erfasst die Stände optisch, digitalisiert den Wert und übermittelt ihn drahtlos oder per Kabel an ein beliebiges Gateway. Energieversorger, Messstellenbetreiber, Messdienstleister und Industriebetriebe können jeden Zähler mit Rollenzählwerk umrüsten und in die Smart-Metering-Kette einbinden. Das Gerät wird direkt über das Glas des jeweiligen Zählers gehalten und per Knopfdruck gestartet. Das Gerät kostet rund 100 Euro. Eine Komplettlösung für den Normalverbraucher gibt es derzeit noch nicht.
Die Effizienzrichtlinie (2012/27/EU) hat die Einführung intelligenter Zähler konkretisiert (Artikel 9 der Richtlinie). An dem 80-Prozent-Ziel wird festgehalten. Die intelligenten Messsysteme sollen auch den von den Kunden eingespeisten Strom erfassen und Verbrauchern historische Verbräuche zur Kontrolle anzeigen können.
Die Vorgaben des deutschen Gesetzgebers
Der deutsche Gesetzgeber hat am 4. August 2011 das Energiewirtschaftsgesetz novelliert und dort konkretisiert, in welchen Fällen intelligente Messsysteme eingebaut werden müssen:
Nach größeren Gebäuderenovierungen (mehr als 25 Prozent des Gebäudes betroffen).
Bei allen Letztverbrauchern mit mehr als 6.000 kWh Jahresverbrauch.
Bei Eigenerzeugungsanlagen wie BHKW und PV-Anlagen mit einer installierten Leistung über sieben Kilowatt.
In allen übrigen Gebäuden, soweit technisch machbar und wirtschaftlich vertretbar.
In 96 Prozent dieser Fälle sind die Netzbetreiber dieser Verpflichtung bisher nicht nachgekommen, so der Monitoringbericht der Bundesnetzagentur 2013. Neue oder grundlegend renovierte Gebäude: 141.510 von 343.642 Zählpunkten mit Smart Meter, Verbraucher mit über 6.000 kWh Jahresverbrauch: 171.461 von 4.398.207 Zählpunkte mit Smart Meter. Ähnlich schwach ist auch der Ausrüstungsstand bei den Kleinein-speisern mit mehr als sieben Kilowatt Leistung: 33.627 von 136.176 Zählpunkten wurden als Smart Meter ausgeführt.
Steckdosen vom Smart-Phone oder PC steuern und programmieren
Ein Messsystem besteht laut Gesetz aus einer Messeinrichtung und einer Kommunikationseinrichtung zur Verarbeitung und Speicherung dieser Daten. Ferner schreibt das Energiewirtschaftsgesetz die Einhaltung eines IT-Security-Schutzprofils für intelligente Zähler fest, das gesondert durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik festzulegen ist.
Zwei Jahre später sind die technischen Einzelheiten dieses Schutzprofils festgelegt und im März 2013 der EU-Kommission notifiziert worden. Und auch die Studie zur wirtschaftlichen Bewertung intelligenter Messsystemen liegt für Deutschland vor: „Kosten-Nutzen-Analyse für einen flächendeckenden Einsatz intelligenter Zähler“, im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erarbeitet von Ernst & Young.
Die alte Welt ohne Smart Meter
Klassisch unterschied man zwischen Standardlastprofil (kurz: SLP; Verbrauchsdaten werden nur einmal jährlich abgelesen, dazwischenliegende Wert wurden dem Durchschnitt entsprechend angenommen) mit dem Ferraris-Zähler mit Drehscheibe und registrierender Leistungsmessung (kurz: RLM; Verbrauchsdaten werden alle 15 Minuten ermittelt und über eine Datenfernkommunikation fernausgelesen) für Netznutzer mit einem Verbrauch von mehr als 100.000 kWh pro Jahr.
Zwischenphase mit EDL21 und EDL40
In einer Zwischenphase bevor das Schutzprofil festgelegt wurde, orientierten sich die intelligenten Zähler an den weiten Vorgaben des alten § 21 EnWG: Der Zähler zeigt die aktuelle Leistung, den Verbrauch seit der letzten Nullstellung wie ein Tageskilometerzähler und den Verbrauch der vergangenen 24 Stunden, sieben, 30 und 365 Tage. Man sprach von „EDL21-Zählern“ oder bei Ausstattung dieser Zähler mit einem „Multi Ulility Communication“ (MUC) genannten Kommunikationsmodul entsprechend § 40 EnWG von „EDL40-Messsystem“. Die EDL21-Zähler haben eine Info-Schnittstelle für den Verbraucher zum Anschluss eines Displays oder eines PC und eine Schnittstelle für den Messstellenbetreiber, die auch Steuerungsbefehle an den Zähler (zum Beispiel „Zähler sperren“) entgegennimmt. EDL21-Zähler können auch in künftige Mess-systeme mit Schutzprofil eingebunden werden. Am Markt stehen EDL21 und EDL40-Zähler in großer Zahl zur Verfügung.
Die neue Welt: Das Gateway mit Schutzprofil
Die Schutzprofil-Anforderung (Technische Richtlinie TR 03109) sieht neben der Messeinrichtung eine Kommunikationseinrichtung vor, die den Namen „Smart Meter Gateway“ (SMGW) trägt. Das SMGW kann direkt im Zählerschrank eingebaut sein. In einem Mietshaus braucht man nur eines für alle Mietparteien. Am Markt verfügbar sind SMGW-Systeme vermutlich erst im Jahr 2015: Es ist noch viel Entwicklungsarbeit zu leisten, bis eine Technik zur Verfügung steht, die den zahlreichen Anforderungen gerecht wird. Die Kosten liegen laut einer Befragung zwischen 75 und 580 Euro je Einheit.
Was das Gateway macht
Das Gateway stellt eine Verbindung mit einer oder mehreren Messeinrichtungen im Haus her. Es kann aber auch mit steuerbaren Verbrauchsgeräten und Stromerzeugern im Haus verbunden sein und auch mit einem Datendisplay. Diese Komponenten dürfen aber nicht untereinander verbunden sein, sondern sie dürfen nur über das Gateway miteinander kommunizieren. Das Gateway hat ein Sicherheitsmodul zur verschlüsselten Datenübermittlung für jegliche Datenübertragung auch innerhalb des Hauses. Der Stromzähler übermittelt mindestens alle 15 Minuten einen Messwert an das Gateway. Jeder Zähler wird bei der Installation des Gateways einem Endverbraucher zugeordnet.
Das Gateway kann je nach Ausstattung verschlüsselt über Funk, Powerline, GSM oder DSL mit einem zentralen Administrator verbunden werden. Das Gateway kann aber auch ohne Verbindung nach Außen betrieben werden.
Der Administrator kann die tagesgenauen Messwerte aus dem Gateway auslesen. Aber auch Extremwerte der Leistung der Erzeugungsanlage müssen für autorisierte Marktteilnehmer zur Verfügung gestellt werden. Wie diese Autorisierung im Detail ausgestaltet sein wird, darauf darf man gespannt sein. Die Messwerte müssen bis mindestens drei Monate nach Abrechnungserstellung aufbewahrt werden. Das Gateway ist wie ein Zähler mit einer Eichplombe vor Fremdeingriffen gesichert. Ein authentifizierter Endverbraucher kann seine Daten aus dem Gateway auslesen, sich anzeigen lassen oder auswerten.
Tarife für das Gateway
Folgende Tarifarten muss das Gateway unter-stützen:
Datensparsame Tarife mit nur einem Verbrauchswert je Abrechnungszeitraum.
Zeitvariable Tarife mit unterschiedlichen Preisen für unterschiedliche Zeiträume.
Lastvariable Tarife mit unterschiedlichen Preisen je nach anfallender Last.
Verbrauchsvariable Tarife mit unterschied-lichen Preisen je nach bisher schon verbrauchter Energiemenge.
Ereignisvariable Tarife, wobei die Ereignisse wie eine Tarifumschaltung oder durch steuerbare Verbraucher hervorgerufen sein können.
Der Rollout in Deutschland
Die neue Technik würde für jeden Verbraucher mit jährlich 29 Euro zusätzlich zum heutigen Entgelt für Messung und Abrechnung zu Buche schlagen und ist daher nicht zu rechtfertigen. Der Nutzen für die Verbraucher rechtfertigt zusätzliche Aufwendungen dieser Höhe nicht, so die Studie von Ernst & Young. Unklar ist, ob der geschätzte Betrag von 29 Euro ausreicht. Andere Schätzungen gehen von über 100 Euro aus. Offen ist derzeit auch, wer die Kosten einer flächendeckenden Einführung (sogenannter Rollout) zu tragen hätte und wer die technische Verantwortung dafür übernehmen würde: die Energieanbieter, die Netzbetreiber oder eine staatliche Stelle. Die Studie sieht einen Hauptnutzen intelligenter Messsysteme darin, dass die örtlichen Netze durch die Abschaltung von Verbrauchern und Zuschaltung dezentraler Erzeuger stabilisiert werden und kostspielige Netzausbauten eingespart werden können. Bereits ab einer Durchdringungsrate von 15 Prozent tritt dieser Effekt ein. Damit diese Möglichkeiten genutzt werden können, müsste der gesetzliche Rahmen entsprechend geändert werden.
Smart-Meter-Rollout in anderen Ländern
Eine flächendeckende verpflichtende Einführung von Smart Metern gab es bisher in Großbritannien, Irland, Italien, Niederlanden, Frankreich und Schweden. In keinem dieser Länder gibt es mit Deutschland vergleichbare technische Anforderungen. Vielmehr wurden in allen diesen Ländern einfache und günstige elektronische Zähler mit Fernauslesung und Display installiert, entsprechend EDL21.
Kunden wollen Smart Meter
Der Einbau intelligenter Stromzähler wird von 83 Prozent der Stromkunden befürwortet, wenn die Stromkonzerne die Kosten tragen, und ebenfalls von 83 Prozent, wenn der Datenschutz gewährleistet ist. Das ergab eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage der Unternehmensberatung Putz & Partner unter 1.000 Verbrauchern. 24 Prozent sprechen sich für einen Einbau eines Smart Meter sogar aus, wenn für sie dadurch Kosten entstehen. Auf die Frage „Würden Sie Ihren Stromanbieter wechseln, wenn Sie einen intelligenten Stromzähler angeboten bekommen?“ antworten 72 Prozent mit „Ja, weil ich erwarte, dadurch Stromkosten zu sparen“. Die Transparenz über ihren Stromverbrauch, die Smart Metering den Kunden ermöglicht, ist für 63 Prozent ein starkes Argument. Nur jeder Vierte hat Sorgen wegen der Daten-sicherheit.
In Großbritannien ist der Energielieferant für den Zählertausch verantwortlich. Er trägt auch die Kosten der Umrüstung und kann versuchen, diese über den Strompreis dem Verbraucher weiterzubelasten. Die Umstellung von 27 Millionen Strom- und 22 Millionen Gaszählern soll zwischen 2014 und 2019 erfolgen. In allen anderen Ländern ist der Verteilnetzbetreiber für den Zählertausch zuständig.
In Italien und Schweden ist die Zählerumstellung schon komplett abgeschlossen. In Italien beziffert der Enel die Umstellungskosten auf 68 Euro je Zähler und die Betriebskosten auf zwei Euro je Zähler und Jahr. Die Kosten werden über eine Erhöhung der Strompreise finanziert. Der Nutzen der neuen Zähler liegt vorwiegend beim Verteilnetzbetreiber.
In Schweden wurden der Zählertausch wegen der gesetzlichen Vorgaben einer monatlichen Abrechnung anhand der tatsächlichen Verbräuche zwischen 2006 und 2009 durchgeführt. Die digitalen Zähler sind auch dort fernauslesbar. Die Kosten werden in Schweden mit insgesamt 176 bis 293 Euro je Messstelle beziffert.
Nachdem die Studie zur Wirtschaftlichkeit auf dem Tisch liegt, muss die Politik nun entscheiden, wie es in Deutschland mit dem Smart Metering weitergeht. Dabei müssen Verbraucherinteressen vorrangig berücksichtigt werden. Zwar hat die Studie einige Wege für den Rollout oder besser Nicht-Rollout in Deutschland diskutiert und bewertet. Viele Fragen sind aber offen geblieben. Und viele bindende Vorgaben lassen sich nicht vom Tisch wischen. Die Diskussion bleibt also spannend. Nutznießer der Smart-Meter sind vor allem die Energieanbieter, die direkt auf die Abrechnungsdaten der Kunden zugreifen können. Es darf nicht so sein, dass die Verbraucher die Kosten tragen und die Versorger die Vorteile absahnen. Als vorbildlich kann die Regelung in Großbritannien gelten. Und die „Intelligenz“ von elektronischen Zählern muss in erster Linie den Verbrauchern, nicht den Versorgern zur Verfügung stehen.
Den Zähler mit dem Handy abfotografieren. Den Rest erledigt eine App, die von der Pixolus GmbH in Köln entwickelt wurde. Die App ermittelt den Zählerstand aus dem Foto und macht daraus eine Verbrauchsauswertung. Die Software ist zwar fertig entwickelt, wird aber noch nicht auf dem Markt angeboten. Dieser Entwicklung wird der Innovationspreis der Energiedepesche zuerkannt.
Segment-ID: 14544
Fast Forward AG, München, präsentierte die von ihr entwickelte "EnergyCam" weiter lesen
(2. Januar 2014) Die Fast Forward AG, München, präsentierte die von ihr entwickelte "EnergyCam", die aus jedem mechanischen Strom-, Gas- oder Wasserzähler mit einem einfachen Aufsatz einen Smart Meter macht. Das handflächengroße Auslesegerät erfasst die Stände optisch, digitalisiert den Wert und übermittelt ihn drahtlos oder per Kabel an ein beliebiges Gateway. Energieversorger, Messstellenbetreiber, Messdienstleister und Industriebetriebe können jeden Zähler mit Rollenzählwerk umrüsten und in die Smart Metering-Kette einbinden. Das Gerät wird direkt über das Glas des jeweiligen Zählers gehalten und per Kopfdruck gestartet.
Rote LED-Pfeile helfen bei der korrekten Positionierung. Blinkt eine grüne LED, muss der digital angezeigte Zählerstand mit dem des mechanischen Zählers abgeglichen werden. Stimmt dieser überein, wird die "EnergyCam" mit Acrylat-Klebepads befestigt. Die "EnergyCam" liest die Zahlen durch die integrierte Kamera und einen OCR-Erkennungsalgorithmus automatisch in 15-Minuten-Intervallen ab. Eingebaute LEDs rechts und links beleuchten das Rollenzählwerk. Der Strom für die Funktionen kommt je nach Modell entweder über ein LAN-Kabel oder aus einer Batterie. Die Abrechnungsdaten werden durch eine 128-Bit-AES-Encryption verschlüsselt und sind via LAN über das Gateway auch vom Endkunden im Computer abrufbar.
Das Gerät kann für rund 100 Euro erworben werden. Die Auswertung der Zählerinformation übernimmt der Käufer. Eine Komplettlösung für den Normalverbraucher gibt es derzeit noch nicht.
Segment-ID: 14280
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Zählertausch: Großbritannien wird smart
(9. Dezember 2013) Auf der Insel hat man mit dem Tausch von 27 Millionen Strom- und 22 Millionen Gaszählern bereits begonnen. Er wird bis 2019 beendet sein.
Die Strom- und Gaslieferanten sind dort für den Einbau zuständig und müssen auch die Kosten von geschätzten 14 Milliarden Euro tragen. Finanziert wird das durch Einsparungen aller Marktbeteiligten und Preiserhöhungen für die Kunden.
Italien hat bereits alle 32 Millionen Stromzähler auf intelligente Zähler umgebaut.
Einen Überblick über Kosten und Nutzen in Deutschland und anderen Ländern Europas gibt die aktuelle Studie von Ernst & Young im Auftrag des Bundeswirtschaftsministerium.
Segment-ID: 14245
Denkpause bei Smart Meter.
Technische Mindesanforderungen überzogen weiter lesen
Denkpause bei Smart Meter
(2. Juli 2013) Der EDNA-Bundesverband Energiemarkt & Kommunikation, Lörrach, begrüßte, dass sich die Verabschiedung der Verordnung über technische Mindestanforderungen an den Einsatz intelligenter Messsysteme (MSysV) und damit die verpflichtende Wirksamkeit des BSI-Schutzprofils für das Smart Meter Gateway wegen einer Intervention Frankreichs bis nach der Bundestagswahl verzögert. Dies sei eine Chance, nochmals über die technische Ausgestaltung des Smart Metering in Deutschland nachzudenken.
Die derzeit angedachte Variante des Gateways werde in dieser Komplexität allenfalls von 500.000 Unternehmen benötigt. Für die 40 Mio Haushaltkunden sei das Gerät eindeutig überdimensioniert und werde zu einem Investitionsgrab, so EDNA. Die Zähler sollen nur mit einer Mindestfunktionalität ausgestattet und die Intelligenz sowie die Datenhaltung in die Software verlagert werden. Der EDNA-Bundesverband ist eine Vereinigung von Softwareherstellern, Unternehmensberatern und IT-Dienstleistern sowie Anwendern im eBusiness in den Energiemärkten rund um die Energielogistik.
Segment-ID: 13688
Was kostet mein Frühstück?
Es gibt viele Studien zu intelligenten Stromzählern (Smart Meter) im Haushalt. Aber es gibt kaum Möglichkeiten für Verbraucher, diese neuen Technik auszuprobieren. weiter lesen
Es gibt viele Studien zu intelligenten Stromzählern (Smart Meter) im Haushalt. Aber es gibt kaum Möglichkeiten für Verbraucher, diese neuen Technik auszuprobieren. Oliver Stens testete Discovergy, neben Yello der zweite Anbieter mit live-Stromanzeige am PC.
(18. Juni 2013) „Entdecke deine Energie“ steht als Slogan auf der Homepage von Discovergy. „Was gibt‘s da groß zu entdecken?“, denke ich und lese mir die Konditionen durch. Nach Vertragsabschluss soll binnen vier Wochen ein Elektriker meinen Stromzähler wechseln. Das kostet einmalig 69 Euro. Der neue intelligente Zähler kostet samt Nutzung der Auswertesoftware dann jährlich 60 Euro bei einer Mindestvertragslaufzeit von zwei Jahren. Ich klicke auf „jetzt bestellen“ und gebe meine Email, Adresse und Bankverbindung ein.
Fünf Wochen später meldet sich tatsächlich ein freundlicher Elektriker und macht einen Termin zum Zählerwechsel aus. Die Formalitäten mit dem Netzbetreiber hat er schon erledigt und er ist schnell bei der Sache. 45 Minuten später ist der Zähler gewechselt, die Datenübertragung getestet und auch das kleine Problemchen gelöst, dass mein antiker Router nur einen LAN-Eingang hat. Er hat einen kleinen Funksender aus der Tasche gezaubert und ohne Mehrkosten eingebaut. Er wünscht mir noch viel Spaß und fährt zum nächsten Kunden.
In den nächsten Tagen beobachte ich das Geschehen in unserem Haushalt und verfolge gleichzeitig mit dem Laptop auf dem Schoß unseren Verbrauch auf der Webseite. Meine Vermutung, es gäbe für mich wenig Neues zu entdecken, war ein Irrtum. Da die Stromdaten praktisch online in Echtzeit dargestellt und aufgezeichnet werden, hinterlässt jede kleinste Aktion im Haushalt ihren energetischen Fingerabdruck. Der Kaffeeautomat, Lichtschaltungen, das Öffnen der Kühlschranktür, jede kleinste Handlung erkennt man als Sprung der Gesamtleistung.
Ebenso spannend ist die Beobachtung, wenn alle schlafen und niemand mehr irgendwas ein- oder ausschaltet. Dann passiert stromtechnisch immer noch mehr, als man vermutet. Kühlgeräte gehen zyklisch an und aus. Auch Heizungspumpen schalten nach ihrem eingestellten Zeitprogramm an und aus. Geräte mit eingebautem Akku wie Laptop, Mobiltelefon oder die Heizungssteuerung takten zur Ladungserhaltung und erzeugen kleine Hügelchen.
Der Discovergy-Zähler wird installiert.
Und ich stehe ungläubig vor der Frage: Woher kommen die 25 Watt, nachdem alle Lichter aus sind und die ganze Familie schläft? Wäre ich doch vorher jede Wette eingegangen, unsere übrig gebliebene Grundlast läge unter zehn Watt.
Der Auflösung kam ich auf die Spur, als ich mal alleine in der Wohnung war. Mit der Verbrauchskurve auf dem iPod habe ich schrittweise die einzelnen Verbraucher ausschaltet. Wie Treppenstufen ging der Verbrauch in Wattsprüngen zurück und ich konnte die Höhe der Stufen ablesen.
Gerne hab ich als Anzeigegerät meinen internettauglichen iPod verwendet. Das erhöht erstens die Mobilität bei der Ursachensuche, und man hat ein geringeres „Grundrauschen“. Gerade, wenn man auf der Suche nach den letzten paar Watt ist, stört ein Laptop, dessen Leistung um etwa fünf Watt schwankt. Für Smartphones und iPods gibt es auch eine App. Außer anderer Farben und einem kürzeren live-Zeitfenster bot sie mir aber keinen Vorteil, so dass ich die Standard-Internetseite bevorzugte.
Bisher habe ich per Hand meine Zählerstände aufgeschrieben und im PC aufgearbeitet. Der neue Zähler nimmt mir diese Arbeit künftig ab und ist dabei viel gewissenhafter und zuverlässiger als ich. Gegenüber Zählerstandsanalysen oder Messungen mit einem Energiekostenmonitor oder Wattcher bietet Discovergy wesentlich mehr Komfort und Möglichkeiten. Von den 60 Euro jährlichen Kosten gehen noch 15 Euro ab, da die Zählermiete für den alten Zähler entfällt. Ob ich nach zwei Jahren weiter bei Discovergy bleibe, lasse ich noch mal auf mich zukommen. Das ist vermutlich davon abhängig, was sich auf dem Portal von Discovergy noch Neues entwickelt.
Wohin geht die Smart-Meter-Reise?
Seit 2012 muss jeder Stromanbieter per Gesetz auch last- und zeitvariable Tarife anbieten. Gezwungenermaßen kam von deren Seite bislang kein Erfolgsstück zum Thema Smart Meter dabei raus. Yello war der Vorreiter. Discovergy ist kein Stromanbieter, sondern Messstellenbetreiber. Und wie jeder Stromkunde seinen Anbieter wechseln kann, kann er auch seinen Messstellenbetreiber wechseln.
Schaut man nur auf die Kosten für den Messbetrieb, gibt es dafür praktisch keinen Markt. Denn während es bei Stromrechnungen um jährlich Hunderte oder sogar einige tausend Euros geht, liegt der Preis für die Zählermiete bei kaum 20 Euro. Discovergy wirbt nicht über die Preise, sondern mit dem Versprechen, endlich Transparenz beim Stromverbrauch zu bieten. Hierzu wird ein Stromzähler von „Easymeter“ verwendet. Dieser wurde um eine Kommunikationseinheit erweitert, damit eine genauere Datenanalyse möglich wird. Konkret wird damit alle zwei Sekunden die momentane Leistung erfasst. Die aufgearbeiteten Strominformationen bekommt der Kunde übersichtlich am PC oder am Smartphone serviert.
Woher komen die 20 Watt Leistung, wenn Oliver Stens nachts alleine in der dunklen Wohnung ist?
Eine Nutzung im Rahmen einer ausführlichen Energiediagnose für Wohngebäude, wie sie viele Energieberater anbieten, wäre eigentlich sinnvoll. Denn aus der Strom-Datensammlung ließe sich viel Nützliches herauslesen. Beispielsweise eine Bewertung der Grundlast durch Standby-Geräte oder der Verbrauch der Kühl- und sonstigen Hausgeräten.
Doch ein zu beratender Haushalt hat zunächst mal keine sekundengenauen Daten. Und eine vorübergehende Zählermontage wäre ebenso aufwändig wie die Dauerinstallation, da die Montagezeit des Zählers die Hauptkosten verursacht. So scheint der Gebrauch für den mobilen Einsatz in Einzelhaushalten leider nicht praktikabel.
Eher möglich wäre eine Energieberatung von kommunalen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Verwaltungsgebäuden und so weiter. Schon jetzt kontrollieren einige Supermarktketten ihre Märkte mit Discovergy, um einen hohen Verbrauch einzelner Filialen gezielt aufzuspüren und zu optimieren. Ebenso sind Nutzungs- und Beleuchtungszeiten für Amortisationsuntersuchungen wesentlich verlässlicher, als wenn die Daten aus Befragungen stammen.
Ausblick und Überwachungsangst
Es wird eine Frage der Zeit sein, dass Software in der Lage sein wird, typische Leistungssprünge zu erkennen und einzelnen Verbrauchern zuzuordnen. Damit wird einerseits eine automatisierte Auswertung mit konkreten Handlungsvorschlägen möglich. Andererseits sind diese Möglichkeiten für manche Menschen etwas beängstigend. Schon jetzt kann man im öffentlichen Musterhaushalt Villa Kunterbunt anhand der Tageslinien erkennen, wie lange die Familie im Sommerurlaub war und wann Freunde zum Blumen gießen kamen und wieder gingen. Die Frage der Zugriffsberechtigung auf die Daten ist brisant. Wie beim Online Banking gibt es Sicherheitsvorkehrungen, um einen Missbrauch zu verhindern. Aber für Passwort und Virenschutz ist am Ende jeder selbst zuständig.
Was, wenn Hacker die Datenbank knacken und anhand der Stromverbrauchskurven Einbrüche planen? Solche Befürchtungen sind vermutlich übertrieben. Viel einfacher für Diebe ist es schließlich, das Haus zu beobachten und vorher mal zu klingeln.
Wer sich einen Eindruck über die Möglichkeiten des Zählers machen will, sendet bis Juli 2013 eine mail mit dem Betreff „Testzugang“ an o.stens@gmx.de.
Er erhält dann Zugang zu den Daten der „Villa Kunterbunt“, einem Einfamilienhaus mit vier Personen.
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