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Timestamp: 2016-10-01 22:21:01
Document Index: 21484276

Matched Legal Cases: ['§ 160', '§ 101', '§ 160', '§ 160', '§ 53', '§ 160', '§ 53', '§ 53', '§ 53', 'BGH', 'BGH', '§ 53', 'BGH']

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Telekommunikationsüberwachung – und die Telefonate mit einem Rechtsanwalt	25. April 2016 | Kanzlei und Beruf, StrafrechtGeschätzte Lesezeit: 2 Minuten	Die im Rahmen einer richterlich angeordneten Telekommunikationsüberwachung erfolgten Aufzeichnungen über die durch die verfahrensgegenständlichen Überwachungsmaßnahmen gewonnenen Erkenntnisse müssen, soweit sie Telefonate mit einem Rechtsanwalt betreffen, nach § 160a Abs. 1 Satz 3 i.V.m. Satz 5 StPO unverzüglich gelöscht werden.
Dies gilt auch dann, wenn man die während der Durchführung der Ermittlungsmaßnahmen sowie zum Zeitpunkt der Benachrichtigung nach § 101 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 StPO geltende Fassung des § 160a Abs. 1 StPO anwendet, nach der – soweit hier von Bedeutung – im Gegensatz zu der seit dem 1.02.2011 geltenden Neufassung die Norm lediglich Verteidiger, nicht aber Rechtsanwälte im Allgemeinen erfasste. Im Einzelnen:
Die Rechtsanwältin war zwar zu keinem Zeitpunkt als solche mandatierte Verteidigerin des Beschuldigten. Jedoch beginnt das berufsbezogene Vertrauensverhältnis, das zu schützen § 160a Abs. 1 i.V.m. § 53 StPO beabsichtigt, nicht erst mit Abschluss des zivilrechtlichen Geschäftsbesorgungsvertrages, sondern umfasst auch das entsprechende Anbahnungsverhältnis1. Ein solches Anbahnungsverhältnis ist hier anzunehmen.
Gegenstand der Gespräche, die hier zwischen der Ehefrau des Beschuldigten und der Rechtsanwältin geführt wurden, war die Suche nach einem Rechtsanwalt für den Beschuldigten. So teilte die Ehefrau des Beschuldigten in dem Telefonat vom 24.04.2008 u.a. mit, dieser wünsche sich die Rechtsanwältin als Vertreterin. In dem Gespräch vom 29.04.2008 erklärte die Rechtsanwältin, sie habe den Beschuldigten gebeten, ihr eine Vollmacht zu unterschreiben und zuzuschicken. Außerdem fragte sie nach den Gegenständen, die bei der Hausdurchsuchung beschlagnahmt wurden und ob etwas dabei gewesen sei, was den Beschuldigten belasten könne. Dies verneinte die Ehefrau des Beschuldigten. In der Unterhaltung am 2.05.2008 wird schließlich ausgeführt, der Beschuldigte habe einem anderen Rechtsanwalt Vollmacht erteilt und es sei nicht notwendig, zwei Rechtsanwälte gleichzeitig zu beauftragen. Bei einem Wunsch nach Beratung oder sonstigen Fragen könne die Ehefrau des Beschuldigten die Rechtsanwältin aber jederzeit anrufen. Die Gespräche enthalten demnach neben Ausführungen etwa zu ausländerrechtlichen Fragestellungen eindeutige Bezüge zu dem gegen den Beschuldigten geführten Strafverfahren und einer möglichen Mandatierung der Rechtsanwältin in diesem, die genügen, um den Anwendungsbereich der § 160a Abs. 1, § 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 StPO zu eröffnen.
Die Rechtsanwältin, gegen die sich die Ermittlungsmaßnahmen nicht richteten, hätte über das, was ihr aus den verfahrensgegenständlichen Telefongesprächen bekannt wurde, gemäß § 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 StPO das Zeugnis verweigern dürfen.
Nach dieser Vorschrift bekanntgeworden ist dem Berufsausübenden all das, was ihm in anderer Weise als durch Anvertrauen im Sinne des Mitteilens in der erkennbaren Erwartung des Stillschweigens in funktionalem Zusammenhang mit seiner Berufsausübung zur Kenntnis gelangt, unabhängig davon, von wem, aus welchem Grund oder zu welchem Zweck er sein Wissen erworben hat. Nicht erfasst sind allein solche Tatsachen, die er als Privatperson oder nur anlässlich seiner Berufsausübung in Erfahrung gebracht hat2.
Ausgehend von diesen Maßstäben unterliegt der Inhalt der verfahrensgegenständlichen Telefongespräche dem Schutz des § 53 StPO. Ungeachtet des Umstands, von wem die Initiative für die Telefonate ausging, standen die Äußerungen der Gesprächspartner jeweils in ausreichendem Bezug zu der Funktion der Rechtsanwältin als – möglicher – Verteidigerin des Beschuldigten. Hieran ändert es nichts, dass in dem hier entschiedenen Fall direkter Gesprächspartner der Rechtsanwältin nicht der Beschuldigte, der sich in Untersuchungshaft befand, sondern dessen Ehefrau war.
Bundesgerichtshof, Beschluss vom 4. Februar 2016 – StB 23/14
vgl. im Einzelnen BGH, Beschluss vom 18.02.2014 – StB 8/13, BGHR StPO § 53 Abs. 1 Nr. 2 Anwendungsbereich 1 mwN↩
BGH, aaO mwN↩
Weitere Informationen:Telekommunikationsüberwachung – und die Telefonate…Abgehörte Telefonate zwischen Verteidigern und…Notwendige Verteidigung – und der verspätet…Tod während des Sicherungsverfahrens – und die…Das nicht übersetzte OWi-Urteil – und der Lauf der…Der unerwünschte Pflichtverteidiger	Weiterlesen auf der Rechtslupe:
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