Source: http://www.authora.de/insolvenzrecht/
Timestamp: 2017-09-20 23:28:51
Document Index: 169627706

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 19', '§ 14', '§ 26', '§ 14', '§ 157', '§ 187', '§ 200']

Insolvenzrecht - Wenn Privatpersonen oder Firmen zahlungsunfähig sind
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Inmitten einer bunten und reizüberfluteten Medienwelt, in der viele Personen alles - hier, jetzt und sofort - haben wollen und die kurzfristige Erzielung von Gewinnen mehr zu bedeuten scheint als ein an Nachhaltigkeit ausgerichtetes wirtschaftliches Handeln, überschätzen immer mehr Personen ihre eigene Zahlungsfähigkeit und begeben sich - nolens volens - in eine Situation, da sie die selbst begründeten Verbindlichkeiten nicht mehr erfüllen können.
Was tun, wenn selbst über den Weg der Verpfändung kein Kurzkredit mehr zu erlangen ist? Vielen Personen verbleibt als Ultima Ratio eigentlich nur noch der Weg, beim zuständigen Gericht Insolvenz anzumelden. Der Insolvenzfall ist von Seiten eines Gerichts dann festzustellen, wenn das Vermögen des künftigen Insolvenzschuldners nicht mehr genügt, um alle bereits begründeten Verbindlichkeiten zu entsprechen.
Das an einen Antrag des künftigen Insolvenzschuldners oder des künftigen Insolvenzgläubigers gebundene Insolvenzverfahren ist ein geordnetes Verfahren der Gesamtzwangsvollstreckung, das auf die gemeinschaftliche Befriedigung der Insolvenzgläubiger aus der Insolvenzmasse gerichtet ist. Im Gegensatz zur Einzelzwangsvollstreckung erfolgt die Befriedigung der Gläubiger quotal. Die Verfahrenseröffnung setzt das Vorliegen eines der in der Insolvenzordnung (InsO) enumerativ aufgelisteten und gerichtlicherseits festzustellenden Insolvenzgründe voraus.
Als Insolvenzgrund kommen demnach die aktuelle oder unmittelbar drohende Zahlungsunfähigkeit (§§ 17, 18 InsO) sowie Überschuldung (§ 19 InsO) in Betracht. Zu unterscheiden ist zwischen der Insolvenz natürlicher und juristischer Personen. Für Verbraucher i.S. des § 14 BGB gilt das Verbraucherinsolvenzverfahren. Damit keine Ablehnung des Insolvenzverfahrens wegen Masseunzulänglichkeit erfolgt, muss das Vermögen des künftigen Insolvenzschuldners jedenfalls die Verfahrenskosten decken (§ 26 InsO).
Das Insolvenzverfahren hat für den Insolvenzschuldner und seine grundrechtlich abgesicherte Freiheitssphäre einschneidende Wirkungen, da seine zuvor bestehende Verfügungsbefugnis über sein Vermögen auf den Insolvenzverwalter übergeht. Verfügungen des Insolvenzschuldners über sein Vermögen sind nach Einleitung des Insolvenzverfahrens absolut unwirksam. Der Betroffene ist deshalb vor Einleitung des Insolvenzverfahrens bereits im Insolvenzeröffnungsverfahren nach § 14 Abs. 2 InsO zwingend anzuhören.
Nach der erstmaligen Einberufung der Gläubigerversammlung, in der nach § 157 InsO über den Fortgang des Insolvenzverfahrens zu entscheiden ist, erfolgt die Verwertung der Insolvenzmasse durch den Insolvenzverwalter und wird insbesondere über die Verwertung von Gegenständen entschieden, die mit einem Absonderungsrecht belastet sind. Die Insolvenzgläubiger müssen ihre Forderungen anmelden und ihre Eintragung in die Insolvenztabelle erwirken. In einem sodann erfolgenden Prüfungstermin werden die in der Insolvenztabelle eingetragenen Forderungen geprüft. Schließlich wird auf Grundlage der § 187 InsO über die Befriedigung der Insolvenzgläubiger entschieden. Die Aufhebung des Insolvenzverfahrens richtet sich nach § 200 InsO.
Um der steigenden Insolvenzhäufigkeit in der Bundesrepublik Deutschland zu begegnen, diskutieren zahlreiche Politiker parteiübergreifend über die Einführung eines Unterrichtsfaches Geld an allen öffentlichen Schulen. Vor dem Hintergrund, dass eine in frühen Jahren nicht gelernte Verantwortung im Umgang mit Geld im Erwachsenenalter verheerende Konsequenzen haben kann - Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr - verdient diese Forderung Unterstützung.