Source: https://www.dasrechtsschutz.de/de/rechtsportal/oft-nachgefragt/elternunterhalt/was-pflege-kostet.aspx
Timestamp: 2020-08-14 16:14:14
Document Index: 3846575

Matched Legal Cases: ['§ 1610', '§ 3', '§ 4', '§ 9', '§ 36', '§ 84']

Was Pflege kostet | D.A.S. - Die Rechtsschutzmarke der ERGO
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Heim und ambulanter Pflegedienst
Wenn die Eltern allein nicht mehr zurechtkommen, sehen betroffene Angehörige manchmal nur eine Lösung: Die Unterbringung in einem Pflegeheim. Denn viele Familien sind nicht in der Lage, die Versorgung der pflegebedürftigen Eltern allein zu bewältigen. Schon jetzt sind in Deutschland fast drei Millionen Menschen pflegebedürftig. Etwa jeder Dritte von ihnen erhält vollstationäre Pflege in einem Heim. Nicht immer ist ein solcher Heimaufenthalt unerlässlich. Oft wissen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen nicht um die vielen Alternativen zur dauerhaften vollstationären Unterbringung.
Heim oder Pflege in den eigenen vier Wänden?
Seit Anfang 2017 gibt es gesetzliche Änderungen, die sich auf den gesamten Pflegebereich auswirken. Dabei wird auch die Pflege im häuslichen Umfeld finanziell stärker gefördert.
Denken Sie deshalb darüber nach, ob die Wohnsituation Ihrer Eltern nicht eine Versorgung in der eigenen Wohnung zulässt. Sie können sich bei der Pflege professionelle Unterstützung holen, zum Beispiel von einem ambulanten Pflegedienst. Zudem gibt es seit Jahren legale Möglichkeiten zur Beschäftigung von Haushaltshilfen aus Osteuropa. Selbst ein altersgerechter Umbau im Haus wird finanziell unterstützt. Das Thema Elternunterhalt stellt sich bei einer Pflege in den eigenen vier Wänden meist nicht, da viel weniger Kosten anfallen als beim Heimaufenthalt.
Und wenn eine Pflege daheim nicht möglich ist? Es gibt eine Vielzahl von alternativen Wohnmodellen, wie zum Beispiel betreutes Wohnen oder ambulant betreute Wohngemeinschaften.
Natürlich kann nicht jede Pflegesituation so gelöst werden. Überlegen Sie deshalb genau, welches Modell für Sie und Ihre Eltern am besten passt. Denken Sie jedoch daran: Die Lebensfreude eines alten Menschen ist eng mit den Themen Wohnen und Betreuung verknüpft.
Lassen Sie sich zu den Alternativen und finanzielle Hilfen am Pflegestützpunkt in ihrer Region beraten. Der Pflegestützpunkt ist eine Anlaufstelle für Pflegebedürftige und deren Angehörige. Er gibt zudem Auskunft über Leistungen der Pflegeversicherung, Grundsicherung und weitere staatliche Gelder. Ein Verzeichnis aller deutschen Pflegestützpunkte finden Sie im Internet.
>> Was kostet ein Heimplatz?
>> Professionelle Pflege daheim: Was kostet der ambulante Pflegedienst?
>> Pflege daheim mit Angehörigen oder Freunden: Welche Hilfen gibt es?
Für eine Heimunterbringung fallen hohe Kosten an – im Schnitt ca. 3.200 Euro im Monat. Die Preise variieren jedoch stark. Regionale Unterschiede und die Ausstattung der Pflegeeinrichtung machen sich im Preis bemerkbar. Selbst innerhalb des Heimes kann der Preis von Zimmer zu Zimmer verschieden sein.
Schon hier folgender Hinweis: Manchmal sind Sie als Angehöriger bei der Entscheidung, ob Unterbringung im Heim oder Pflege in häuslicher Umgebung, nicht eingebunden. Werden Sie dann vom Sozialamt für die Heimkosten in Anspruch genommen (mehr dazu später), müssen Sie nur zahlen, wenn eine Heimunterbringung auch tatsächlich notwendig war (Pflegegrad ist Indiz). Zudem müssen die Unterbringungskosten im Hinblick auf den Lebensstandard Ihrer Eltern auch angemessen sein. Ein Luxusheim müssen Sie nicht automatisch mitfinanzieren.
Leistungen der Pflegeversicherung bei vollstationärer Pflege
Nahezu jeder Bundesbürger ist in einer Pflegeversicherung automatisch versichert. Wird ein Mensch pflegebedürftig, sollte er oder seine Angehörigen bei der Krankenkasse einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung stellen. Ein Anruf bei der Krankenkasse oder ein formloses Schreiben genügt dafür. Nach einer Terminvereinbarung kommt das Personal des Medizinischen Dienst (MDK) zur Begutachtung vorbei und kann dem Pflegebedürftigen einen Pflegegrad (Pflegegrad 1 bis 5) zuerkennen.
Je nach Pflegegrad werden bis zu 2.005 Euro monatlich der Heimkosten übernommen. Das sind jedoch maximal die Pflegekosten. Für Kosten - zum Beispiel für Unterkunft und Verpflegung - kommt die Pflegeversicherung dagegen nicht auf.
Download PDF Leistungen der Pflegeversicherung
Download PDF Beispielsrechnung für Eigenanteil
Der Eigenanteil beläuft sich seit 1.1.2017 bei Pflegegrad II bis V (Ausnahme bei Zusatzleistungen) immer auf den gleichen Betrag (nähere Informationen später).
Wie berechnen sich die Heimkosten für den Heimbewohner?
Die Heimkosten setzen sich für den Pflegebedürftigen aus folgenden Positionen zusammen.
Pflegekosten (Pflegesätze) 
Kosten für Unterkunft und Verpflegung: sogenannte „Hotelkosten“ 
Investitionskosten: In einigen Bundesländern gibt es dafür Pflegewohngeld 
Kosten für besondere Zusatzleistungen und manchmal eine Ausbildungsumlage
Die Pflegekosten machen einen ganzen Teil der Heimkosten aus. Allerdings muss der Heimbewohner nur für einen Bruchteil der Kosten selbst aufkommen. Den anderen Teil übernimmt die Pflegeversicherung (siehe oben). Die Leistungen der Pflegeversicherung sind je nach Pflegegrad unterschiedlich.
Einheitlicher Eigenanteil der Heimbewohners
Für den Heimbewohner selbst steigen die Preise für die Pflege bei einem höheren Pflegegrad dagegen nicht. Heimbewohner der Pflegegrade 2 bis 5 bezahlen seit Anfang 2017 bei stationärer Pflege immer den gleichen, einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE). Dieser Eigenanteil ist zwar innerhalb der Pflegeeinrichtung bei Pflegegrad 2-5 einheitlich. Er unterscheidet sich aber von Einrichtung zu Einrichtung.
Ergänzender Hinweis: Für Heimbewohner mit Pflegegrad 1 (selten) gelten Besonderheiten.
Hinweis: Heimbewohner mit einem niedrigen Pflegegrad bezahlen heute mehr für den Heimplatz als früher. Da innerhalb der Heimbewohner „querfinanziert“ wird, subventionieren sie quasi die Pflege der Heimbewohner mit einem hohen Pflegegrad.
Bei den Kosten für die Unterkunft und Verpflegung spricht man von den „Hotelkosten“. Dazu gehören auch die Kosten für die Mahlzeiten und die Reinigung. Diese Kosten werden nicht von den Pflegekassen erstattet. Für sie muss der Heimbewohner, wie bei einer Pflege daheim auch, selbst aufkommen. Sie können jedoch durch das Sozialamt im Rahmen der Grundsicherung bei Bedürftigkeit des Heimbewohners übernommen werden.
Investitionskosten sind Kosten für den Erhalt des Gebäudes, zum Beispiel Kosten für Renovierung, Reparaturen oder Umbau oder auch Aufwendungen für Miete und Pacht. Eigentlich fällt es in den Verantwortungsbereich der Länder, eine leistungsfähige pflegerische Versorgungsstruktur bereitzustellen. Deshalb beteiligen sich einige Länder direkt an den Kosten. Andere helfen mit dem sogenannten „Pflegewohngeld“, wenn das Einkommen und Vermögen des Heimbewohners nicht ausreicht (Nordrhein-Westfalen und Schleswig Holstein).
Hinweis: Rechtlich umstritten ist, ob das Sozialamt im Rahmen des Elternunterhalts auch diese Investitionskosten von den Kindern verlangen kann.
Ausbildungsumlage und Zusatzleistungen
In manchen Heimen wird dem Heimbewohnern ein kleiner Beitrag zur Ausbildungsvergütung in Rechnung gestellt. Zudem können Pflegebedürftige mit dem Heim Zusatzleistungen vereinbaren, die dann in der Rechnung auftauchen.
Beispiel: Preisliste für vollstationäre Pflege in einem Heim
Zur Verdeutlichung sehen Sie hier die Preisliste für den Pflegeplatz in einem fiktiven Pflegeheim. Die einzelnen Kosten variieren von Heim zu Heim. Ihr zu zahlender Eigenanteil bleibt bei Pflegegrad 2 bis 5 innerhalb eines Heims einheitlich.
Download PDF Preisliste Pflegeheim
Hinweis: Bei pflegebedürftige Menschen mit Pflegegrad 1 sieht der Gesetzgeber nur einen geringen Pflege- und Unterstützungsbedarf. Ein Heimaufenthalt wird in der Regel für sie nicht als notwendig erachtet.
Hinweis: Grob geschätzt können Sie damit rechnen, dass der Eigenanteil– also der Teil der Heimkosten, den der Heimbewohner selbst aufbringen muss – je nach Einrichtung bei monatlich zwischen 1.300 und 1.800 Euro liegt.
Professionelle Pflege daheim: Was kostet der ambulante Pflegedienst?
Eine Alternative zum Heim ist die Beauftragung eines ambulanten Pflegedienstes. Professionelle Pflegedienste haben Listen, in denen ihre Tätigkeiten (z.B. Ganzwaschung, Lagern, Zubereiten von Speisen, Putzen) mit den jeweiligen Preisen aufgeführt sind.
Pflegebedürftige Menschen sollen nach dem Willen des Gesetzgebers so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden betreut werden. Deshalb gewährt die Pflegekasse „Pflegesachleistungen“ für eine ambulante Pflege in der eigenen Wohnung. Wie groß die finanziellen Unterstützung ist, hängt vom Pflegegrad ab.
Bei Pflegegrad 3 sind die Beträge für Leistungen eines ambulanten Pflegedienstes (Pflegesachleistung 1.298 Euro) sogar höher als die bei der Heimpflege (1.262 Euro).
Im einem Pflegevertrag mit dem Pflegedienst kann der Pflegebedürftige die gewünschten Tätigkeiten genau festgelegen. Die Abrechnung erfolgt direkt zwischen Pflegedienst und Pflegekasse.
Nur wenn die Kosten für die Dienstleistungen das gewährte Budget der Pflegesachleistung überschreiten, wird der zusätzliche Betrag dem Pflegebedürftigen direkt in Rechnung gestellt.
Ihr Angehöriger kann Pflegedienstleistungen (der Begriff Pflegesachleistung ist etwas irreführend) in folgender Höhe von einem ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen, ohne selbst dazuzahlen zu müssen.
Download PDF Leistungen gesetzliche Pflegeversicherung
Beispiel (mit ambulanten Pflegedienst): Anna Rehberger hat einen Pflegevertrag mit dem ambulanten Pflegedienst. Der Pflegedienst berechnet für seine Leistungen 1.400 Euro. Mit Pflegegrad 3 übernimmt die Pflegeversicherung 1.298 Euro der Kosten und rechnet mit dem Pflegedienst direkt ab. Es bleibt für Frau Rehberger 102 Euro monatlich, die sie selbst von ihrer Rente zahlen muss (zu zusätzlichen Ansprüchen auf Sozialleistungen lesen Sie hier: Sozialamt zahlt bei Bedürftigkeit)
Wird ein ambulanter Pflegedienst beauftragt, stellt sich das Thema Elternunterhalt für die Kinder in der Regel nicht. Generell können Sie damit rechnen, dass der Eigenanteil des Pflegebedürftigen – also der Teil der Kosten, den er selbst bezahlen müssen – bei ambulanter Pflege gering ist. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Leistungen der Pflegekasse für Kurzzeit- und Verhinderungspflege.
Pflege daheim durch Angehörige oder Freunden: Welche Hilfen gibt es?
Pflegebedürftige, die von Angehörigen oder anderen Personen betreut werden, erhalten Pflegegeld. Das Pflegegeld wird in der Regel auf das Konto des Pflegebedürftigen überwiesen. Ihm steht es dann frei, wem er das Pflegegeld gibt.
Download PDF Pflegegeld für Angehörige
Leider können mit den höheren „Pflegesachleistungen“ (siehe oben) keine 24h-Pflegekräfte aus Osteuropa bezahlt werden. Dafür müssen die Pflegebedürftigen das Pflegegeld verwenden.
Kombipflege: Angehörige + anerkannter Pflegedienst
Der Pflegebedürftige kann auch eine Kombination zwischen Pflegegeld und Sachleistung wählen.
Hinweis: Damit können Sie als Kinder oder zum Beispiel eine Hilfskraft aus Osteuropa dem Pflegebedürftigen zur Hand gehen (Pflegegeld) und zusätzlich für manche Dienstleistungen einen professionellen Pflegedienst engagieren, der ins Haus kommt (Pflegesachleistung).
Pflegende Kinder werden vom Sozialamt nicht zu Unterhaltszahlungen (Elternunterhalt) herangezogen.
Beispiel (Pflegesachleistung und Pflegegeld kombiniert)
Anna Rehberger hat einen Pflegevertrag mit dem ambulanten Pflegedienst. Sie wird zusätzlich von ihrer Tochter gepflegt. Deshalb engagiert Anna Rehberger den ambulanten Pflegedienst nur für 50 Prozent des Sachleistungsbetrages und beantragt Kombileistung. Damit steht ihr noch 50 Prozent des Pflegegeldes zu. Dieses Pflegegeld wird auf ihr eigenes Konto überwiesen. Sie kann es dann an ihre Tochter weitergeben.
Die Berechnung der Kombinationsleistung ist kompliziert. Deswegen folgende Vereinfachung als Merkformel: Wenn Sie 50 von den Pflegesachleistungen in Anspruch nehmen, erhalten Sie noch anteilig 50 aus dem Pflegegeld. Wenn Sie 70 Prozent von den Sachleistungen in Anspruch nehmen, erhalten Sie noch anteilig 30 Prozent aus dem Pflegegeld.
Lesen Sie weiter: Sozialamt zahlt bei Bedürftigkeit
§ 1610 BGB Maß des Unterhalts§ 3 SGB XI Vorrang der häuslichen Pflege
§ 4 SGB XI Art und Umfang der Leistungen
§ 9 SGB XI Aufgaben der Länder
§§ 36 ff. SGB XI Leistungen bei häuslicher Pflege
§§ 84 ff SGB XI Vergütung der stationären Pflegeleistungen