Source: https://umsatzsteuer.digital/vorteilhaftigkeit-der-kleinunternehmerregelung/
Timestamp: 2020-06-05 21:08:27
Document Index: 106383797

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 1', '§ 19', '§ 19', '§ 1', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 19']

Vorteilhaftigkeit der Kleinunternehmerregelung - Umsatzsteuer Digital
Vorteilhaftigkeit der Kleinunternehmerregelung – Eine steuerplanerische Analyse
Bei Aufnahme einer unternehmerischen Tätigkeit besteht für den Stpfl. bei Erfüllung der entsprechenden Voraussetzungen die Möglichkeit, entweder die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG anzuwenden oder zur Regelbesteuerung mit entsprechendem Vorsteuerabzug zu optieren. Obwohl der Entscheidung eine nicht unerhebliche finanzielle Bedeutung zukommt, wird in der Praxis nur selten eine detaillierte Steuervorteilhaftigkeitsberechnung durchgeführt. Ziel dieser Untersuchung ist es, eine solche steuerplanerische Analyse für die Kleinunternehmerregelung vorzunehmen sowie eine allgemeine Handlungsempfehlung für die Ausübung des Wahlrechts abzuleiten. Die Ergebnisse der Arbeit tragen zu einer Erhöhung der Beratungsqualität bei Kleingewerbetreibenden bei.
I. Voraussetzungen und Rechtsfolgen der Kleinunternehmerregelung
Grundsätzlich unterliegen Umsätze von Unternehmern, die im Inland eine Lieferung oder sonstige Leistung im Rahmen ihres Unternehmens gegen Entgelt ausführen, der Umsatzsteuer (§ 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG). Zu diesem Grundsatz bildet die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG eine Ausnahme. Demnach wird die Umsatzsteuer unter bestimmten Bedingungen nicht erhoben. Zur Anwendung der Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG sind folgende Voraussetzungen kumulativ zu erfüllen (Abschn. 19.1 UStAE):
Der Unternehmer ist im Inland (§ 1 Abs. 3 UStG) ansässig.
Der Umsatz nach § 19 Abs. 1 Satz 2 UStG lag im vergangenen Jahr unter 17.500 €.
Der Umsatz nach § 19 Abs. 1 Satz 2 UStG liegt im laufenden Jahr voraussichtlich unter 50.000 €.
Kein Verzicht des Unternehmers auf die Kleinunternehmerregelung nach § 19 Abs. 2 Satz 1 UStG.
Bei Anwendung der Kleinunternehmerregelung steht dem Unternehmer spiegelbildlich allerdings kein Vorsteuerabzug für die empfangenen Vorleistungen zu (§ 19 Abs. 1 Satz 4 a. E. UStG). Aus dem Vorteil der Nichterhebung der Umsatzsteuer und dem Nachteil des fehlenden Vorsteuerabzugs für die Vorleistungen resultieren somit gegenläufige Effekte. Grundsätzlich dient die Vorschrift zwar lediglich der Verwaltungsvereinfachung. Aufgrund des Wahlrechts nach § 19 Abs. 2 Satz 1 UStG kommt ihr aber bei der Beratung von Kleingewerbetreibenden eine steuerplanerische Bedeutung zu, zumal die Anwendung der Regelbesteuerung an eine fünfjährige Bindungswirkung geknüpft ist und damit die resultierenden Steuerwirkungen langfristig determiniert sind (vgl. Abschn. 19.2 Abs. 3 Satz 1 UStAE).
II. Konkretisierung der entscheidungsrelevanten Faktoren
Angesichts der gegenläufigen Wirkungen der Handlungsalternativen bedarf die Entscheidung über die Ausübung der Option nach § 19 UStG einer Analyse des Einzelfalls. Es sind dafür
die Höhe der Vorleistungen (Abschn. 2),
die Zusammensetzung der Ausgangsleistungen hinsichtlich der Vorsteuerabzugsberechtigung der Kunden (Abschn. 3),
die jeweils anwendbaren Steuersätze und
der zusätzliche Aufwand infolge der Anwendung der Regelbesteuerung durch die Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen (Abschn. 4)
2. Vorleistungen
3. Ausgangsleistungen
4. Administrative Aufwendungen bei der Regelbesteuerung
III. Ableitung einer Handlungsempfehlung
IV. Beispielhafte Quantifizierung der Vorteilhaftigkeit
V. Zusammenfassung der Ergebnisse und weitere Einflussfaktoren
Die Entscheidung für oder gegen die Ausübung der Kleinunternehmerregelung ist deshalb von Bedeutung, weil sich bereits bei Bruttoumsätzen von 15.000 € der Gewinn vor Ertragsteuern um bis zu 2.394,96 € verändert.
Die Kleinunternehmerregelung ist dann vorteilhaft, wenn die Bruttoumsätze gegenüber nicht vorsteuerabzugsberechtigten Kunden höher als die vorsteuerabzugsberechtigten Bruttovorleistungen sind.
Insbesondere bei heterogener Kundenstruktur aus vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmern und Privatkunden sowie einem bedeutenden Anteil an Vorleistungen, bei denen ein Vorsteuerabzug in Betracht kommen könnte, ist eine Handlungsempfehlung nur schwer möglich.
Autor: Matthias Blank, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Steuerlehre der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
aus: StuB 16/2017 S. 623 [LAAAG-53915]
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Von NWB Redaktion|2017-09-29T14:52:50+02:00August 25th, 2017|Kleinunternehmer|