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Timestamp: 2018-08-18 02:41:17
Document Index: 372755682

Matched Legal Cases: ['Art. 113', 'Art. 114', 'Art. 114', 'Art. 115', 'Art. 352', 'Art. 115', 'Art. 20', 'Art. 6', 'Art. 51', 'Art. 20', 'Art. 41', 'EuG', 'EuG', 'Art. 3', 'Art. 45', 'EuG', 'Art. 36', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 15', 'Art. 45', 'Art. 20', 'Art. 45', 'Art. 45', 'EuG', 'Art. 45', 'Art. 45', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 10', 'Art. 56', 'Art. 20', 'Art. 57', 'Art. 56', 'Art. 56', 'EuG', 'Art. 63', 'Art. 63', 'EuG', 'Art. 63', 'Art. 63', '§ 50', '§ 10', 'EuG', '§ 21', '§121', '§ 2', '§ 16', '§ 2', 'EuG', 'Art. 63', 'EuG', 'Art. 49', 'Art. 20', 'Art. 51', 'Art. 49', 'Art. 52', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 6', 'EuG', '§ 6', 'EuG', '§ 6', 'EuG', '§ 6', 'EuG', '§ 6', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 8', '§ 20', '§ 20', '§ 7', '§ 20', 'EuG', 'Art. 107', '§ 107', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 8', '§ 8', 'Art. 107', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 108', '§ 108', 'Art. 107', '§ 8', 'EuG', 'EuG', '§ 117', 'Art. 26', 'Art. 27', '§ 19', '§ 4', '§ 6', '§ 4', '§ 7', '§ 2', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 33', 'EuG', '§ 249', '§ 7', '§ 5', '§ 17', '§ 249', '§ 10', '§ 10', '§ 14', '§ 14', '§ 3', '§ 14', 'Art. 18', 'EuG', 'EuG', 'Art. 267', 'Art. 267', 'Art. 267', 'Art. 258', 'Art. 101', 'EuG', 'EuG', 'Art. 263', 'EuG', 'Art. 79', 'Art. 1', 'EuG', 'Art. 263']

Veröffentlicht von:Magdalena Lichtenberg Geändert vor 11 Monaten
Prof. Dr. Roman Seer Lehrstuhl für Steuerrecht Sommersemester 2017
2 Geltung des Unionsrechts
Kompetenzen der EU Einfluss und Geltung des Unionsrechts
Ausgangspunkt: Regelungskompetenzen auf dem Gebiet des Steuerrechts nur, soweit durch Primärrecht (EUV, AEUV) zugewiesen Grundsatz der Einzelermächtigung: keine „Kompetenz-Kompetenz“ der EU
4 Primärrechtliche Kompetenzzuweisungen
Art. 113 AEUV: Harmonisierung der indirekten Steuern (insb.: MwStSysRL) Zweck der Ermächtigung: Stärkung des Binnenmarktes Art. 114 Abs. 1 AEUV: Rechtsangleichung im Binnenmarkt – gilt ausdrücklich nicht für Steuern (Art. 114 Abs. 2 AEUV)
5 Primärrechtliche Kompetenzzuweisungen
Art. 115 AEUV: Richtlinienkompetenz zur Errichtung oder Stärkung des Binnenmarktes (beachte: Einstimmigkeitsprinzip) Nicht für direkte Steuern gedacht, aber ggf. auch hierfür einsetzbar Art. 352 AEUV: Auffangkompetenz für Ausnahme-fälle – kommt bislang praktisch kaum zur Anwendung
6 Folgen der begrenzten Ermächtigung
Keine „Steuerrechtsunion“ Keine Steuererhebung durch die Union Keine einheitlich kodifizierte europäische Steuerrechtsordnung Keine Unionskompetenz für multilaterale DBA Keine umfassende Kompetenz für sekundärrechtliche Harmonisierung
7 Einfluss des Unionsrechts
Materiell-rechtlich: Positive Integration: Harmonisierungsauftrag (insbes. indirekte Steuern) Negative Integration: Einschränkung nationaler Befugnisse durch Grundfreiheiten, EU-Grundrechte und Beihilfeverbot Verfahrensrechtlich: Zwischenstaatliche Amtshilfe in Steuersachen, insbesondere: AmtshilfeRL, BeitreibungsRL
8 Akte bzgl. direkter Steuern auf Basis von Art. 115 AEUV
Fusions-RL Mutter-Tochter-RL Zins- u. Lizenz-RL Amts-hilfe-RL Beitrei-bungs-RL
9 Verstärkte Zusammenarbeit in Steuersachen
Art. 20 EUV i.V. mit Art AEUV: mindestens 9 Mitgliedstaaten im Rat auf Vorschlag der EU-Kommission mit Zustimmung des EU-Parlaments Voraussetzungen: Keine Wettbewerbsverzer-rungen und keine Hindernisse für einen funktionierenden Binnenmarkt Seit 2013 Ermächtigung für 11 Mitgliedstaaten (darunter DL) zur Einführung einer Finanztrans-aktionssteuer im Rahmen verstärkter Zusammenarbeit
10 Europäische Charta der Grundrechte
11 Europäische Charta der Grundrechte
Art. 6 I EUV: Die Europäische Charta der Grundrechte ist Teil der Verträge  Primärrecht Grundrechte-Kanon sehr viel ausführlicher als deutsche Grundrechte, im Schutzniveau aber vergleichbar
12 Europäische Charta der Grundrechte
Bedeutung der GrCh für das Steuerrecht Art. 51 I 1 EU-GrCH: Mitgliedsstaaten sind bei der Durchführung von Unionsrecht an die GrCh gebunden Keine Bindung für Gesetzgebung im Bereich der direkten Besteuerung (Ausnahme: Allg. Gleichheitssatz, Art. 20 GrCh im Anwendungsbereich der Grundfreiheiten) Bindung staatlicher Organe (z.B. FinBeh., FG) bei der „Durchführung von Unionsrecht“ Zwischenstaatlichen Amtshilfe (EUAHiG/BeitrG auf der Basis von EU-AmtshilfeRl/BeitrRL) Mit GG vergleichbares Schutzniveau (Ausnahme: zwingende Anhörung nach Art. 41 Abs. 2a GrCh)
13 Europäische Charta der Grundrechte
Besondere Bedeutung der Grundrechte-Charta im Steuerstrafrecht: EuGH: Verfolgung und Bestrafung von USt-Hinterziehung dient auch der mitgliedsstaatlichen Verpflichtung zur Erhebung der Mehrwertsteuer nach der MwStSystRL und erfolge daher in Ausführung von Unionsrecht. GrCh daher im Rahmen eines entsprechenden Strafverfahrens zu beachten (EuGH v. v – C-617/10 – Akerberg Fransson)
14 Grundfreiheiten Überblick
15 Binnenmarkt (Art. 3 III EUV)
Mögliche Handelshemmnisse durch: Physische Hindernisse: Bsp.: Passkontrollen an den inneren Grenzen der Gemeinschaft Technische Hindernisse: Bsp.: unterschiedliche Standards in elektronischem Zubehör Fiskalische Hindernisse: Bsp.: nationalen Systeme zur Erhebung indirekter Steuern
16 Grundfreiheiten und allg. Diskriminierungsverbot
17 Verletzung von Grundfreiheiten
Prüfungsreihenfolge: Anwendungsbereich/ Gewährleistungsgehalt Ungleichbehandlung grenzüberschreitender Sachverhalte mit Blick auf die Steuerbelastung führt regelmäßig zu Verstoß (sog. Konvergenz der Grundfreiheiten) Rechtfertigungsgründe Verhältnismäßigkeitsprinzip (Schranken-Schranke)
18 Rechtsfolge einer Verletzung
Grundfreiheiten sind als subjektive Rechte unmittelbar geltendes EU-Recht in den Mitgliedstaaten Verstößt eine nationale Vorschrift im konkreten Fall gegen Grundfreiheiten, ist sie insoweit unanwendbar, bleibt aber gültig Anwendungsvorrang des Unionsrechts kein Geltungsvorrang
19 Verstoß gegen Gewährleistungsgehalt
20 Verstoß gegen Gewährleistungsgehalt
Ausgangspunkt: vergleichbare Sachverhalte führen allein wegen Grenzüberschreitung zu anderen steuerlichen Belastungen (Ungleichbehandlung von „Auslandssachverhalt“ gegenüber „Inlandssachverhalt“)
21 Verstoß gegen Gewährleistungsgehalt
Diskriminierung Benachteiligung des beschränkt Stpfl. (EU-Ausländer) ggü. unbeschränkt Stpfl. bei inländischen Einkünften („inbound-Konstellation“  „Diskriminierung“ durch Quellenstaat) Offene Diskriminierung: steuerlicher Tatbestand knüpft an Staatsangehörigkeit oder Sitz an Versteckte Diskriminierung: steuerlicher Tatbestand knüpft nur mittelbar an Staatsangehörigkeit an (z.B. Wohnsitz, gewöhnlicher Aufenthalt, Ort der Tätigkeit, Zahlungsort) 21 21
22 Verstoß gegen Gewährleistungsgehalt
Beschränkungen Benachteiligung von Auslandseinkünften (im EU-Ausland erwirtschaftet) ggü. Inlandseinkünften bei unbeschränkt Stpfl. („outbound- Konstellation“  „Beschränkung“ durch Ansässigkeitsstaat) Keine Diskriminierung: Unterscheidung gilt für alle unbeschr. Stpfl. Aber: Art. 45, 49 AEUV gehen über ein bloßes Diskrimi-nierungsverbot hinaus; extensive Auslegung durch EuGH: Beschränkungen des Zu-/Weggangs zu/aus einem MS durch einen MS (grenzüberschr. Sachverhalt) führt zu Verstoß
23 Rechtfertigung von Beschränkungen der Grundfreiheiten
Rechtfertigungsgründe (Schrankenprüfung) Geschriebene Schranken  Art. 36 S. 1 AEUV Öffentliche Sicherheit Öffentliche Ordnung Gesundheitsschutz Ungeschriebene Schranken (nicht für offene Diskriminierungen) Zwingende Gründe des Allgemeinwohls: Kohärenz des Steuersystems Territorialitätsprinzip, Steuerüberwachung S. EuGH, Rs. 120/78 – „Cassis de Dijon“ Grundrechte als „vertragsimmanente Schranken „ordre public“
24 Rechtfertigungsgründe in der EuGH-Rechtsprechung
25 Rechtfertigung von Beschränkungen der Grundfreiheiten
Rechtfertigungsprüfung Legitimes Ziel (= Schrankenprüfung) Verhältnismäßigkeit i. w. S. („Schranken-Schranken“) Geeignetheit der Beschränkung zur Erreichung des Ziels Erforderlichkeit der Beschränkung zur Erreichung des Ziels Angemessenheit der Beschränkungen im Verhältnis zur Zielerreichung (Verhältnismäßigkeit i.e.S.) Wichtiges Abwägungskriterium: Keine schleichende „Unitarisierung“ durch subj. Abwehrrechte  Spannungsverhältnis zwischen Binnenmarkt und Steuerhoheit der MS
26 Anwendung der Grundfreiheiten auf die direkten Steuern
27 Geltung der Grundfreiheiten für direkte Steuern?
28 Der Fall „Schumacker“ Belgien Deutschland Grenzpendler
EuGH Urteil v , C-279/93 – Schumacker, Slg. 1995, I-225 = DB 1995, 407 Belgien Deutschland Grenzpendler Unbeschränkte Steuerpflicht: Einkünfte aus unselbständiger Arbeit in Deutschland besteuert (Art. 15 DBA-Belgien) Beschränkte Steuerpflicht: Steuerliche Berücksichtigung der persönlichen Situation (insbes. Ehegattensplitting) oblag dem Wohnsitzstaat und wurde beschränkt Steuerpflichtigen nicht gewährt
29 Arbeitnehmerfreizügigkeit Art. 45 ff. AEUV
Subjektiver Anwendungsbereich: Unionsbürger (Art. 20 AEUV) Sachlicher Anwendungsbereich: Arbeitnehmerfreizügigkeit (Art. 45 AEUV) Arbeitnehmer sind frei innerhalb des Territoriums eines Mitgliedstaats jegliches Arbeitsverhältnis einzugehen und sich in jedem Mitgliedstaat niederzulassen 29 29
30 Arbeitnehmerfreizügigkeit Art. 45 ff. AEUV
Eingriff? Steuerliche Schlechterstellung von Unionsbürgern ohne deutschen Wohnsitz (mittelbare Diskriminierung) Aber: Vergleichbare Situation von Grenzpendler und Inländer? EuGH: im Bereich der direkten Steuern Gebietsansässige und Gebietsfremde i.d.R. nicht vergleichbar, weil Einkünfte in unterschiedlichen Staaten erzielt werden und Berücksichtigung „persönlicher Lage“ im Wohnsitzstaat möglich bleibt anders aber, wenn im Wohnsitzstaat keine nennenswerten Einkünfte und Einkommen vielmehr im Wesentlichen im Beschäftigungsstaat erzielt, da andernfalls „persönliche Lage“ in keinem Staat berücksichtigt wird 30 30
31 Arbeitnehmerfreizügigkeit Art. 45 ff. AEUV
Rechtfertigung? Ausdrückliche Schranken des Art. 45 Abs. 3 AEUV (-) Ungeschriebene Schranken Kohärenz wegen drohender doppelter Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse in Quellen- und Ansässigkeitsstaat  Vorliegend (-), da im Ansässigkeitsstaat keine Berücksichtigung möglich Verwaltungsrechtliche Schwierigkeiten bei der Ermittlung der persönlichen Verhältnisse? Möglichkeit der Amtshilfe 31 31
32 Schumacker-Doktrin Auf dem Gebiet der direkten Steuern sind die Situationen von unbeschränkt und beschränkt Steuerpflichtigen grundsätzlich nicht vergleichbar. Steuerliche Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse obliegt grundsätzlich dem Ansässigkeitsstaat. Bezieht der Steuerpflichtige jedoch kein oder nur einen geringen Anteil seines Einkommens aus seinem Ansässigkeitsstaat und bezieht den ganz überwiegenden Teil seines Einkommens aus einem anderen Mitgliedstaat (Quellenstaat), obliegt dem Quellenstaat ausnahmsweise die steuerliche Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse des Steuerpflichtigen. Unterlässt der Quellenstaat dies, handelt er diskriminierend, da die persönlichen Verhältnisse dann in keinem Staat berücksichtigt werden. 32 32
33 Schumacker-Doktrin Weitere Anwendung und Erweiterung der Doktrin
EuGH vom – Rs. C-107/94 – „Asscher“: Bei familienbezogenen steuerlichen Vergünstigungen für Vergleichbarkeit maßgeblich, wo der überwiegende Teil des Familieneinkommens erzielt wird EuGH vom – Rs. C-391/97 – „Gschwind“: Einkünfte werden grundsätzlich nur „fast ausschließlich“ im Beschäftigungsstaat erzielt, wenn ebenda mindestens 90 % der Einkünfte erzielt werden EuGH v – Rs. C-450/09 – „Schröder“: Sonderausgaben nach § 10 ff. EStG können trotz ihrer Verwurzelung im subjektiven Nettoprinzip mit Einkünften in so engem Zusammenhang stehen, dass sie für die Frage der Benachteiligung wie Betriebsausgaben zu bewerten sind. 33 33
34 Gesetzliche Rentenversicherung Berufsständische Rentenversicherung
35 Dienstleistungsfreiheit Art. 56-62 AEUV
Anwendungsbereich Persönlicher Anwendungsbereich Natürliche Personen: Unionsbürger (Art. 20 AEUV) Juristische Personen: Zuordnung zur Rechtsordnung eines Mitgliedstaats (Sitztheorie/Gründungstheorie) Sachlicher Anwendungsbereich: Dienstleistung: Legaldefinition in Art. 57 AEUV Grenzüberschreitender Sachverhalt (Art. 56 Abs. 1 AEUV) Entgeltlichkeit Geschützt ist Aktive Dienstleistungsfreiheit: Leistender erbringt Dienstleistungen in einem MS, in dem er keinen Betrieb unterhält, oder Passives Dienstleistungsfreiheit: Leistungsempfänger bezieht Dienstleistungen aus einem anderen MS 35 35
36 Dienstleistungsfreiheit Art. 56-62 AEUV
Vorliegend denkbar: Beschränkung des Arztes: Wird von Umzug abgehalten, weil Beiträge nicht abzugsfähig Diskriminierung der Versicherung: Gegenüber ansässigen Versicherern benachteiligt, weil Beiträge für Versicherte nicht abziehbar Rechtfertigung durch Kohärenz, weil vereinnahmte Beiträge von Versicherern in Finnland nicht besteuert werden? 36 36
37 Schlussfolgerungen aus dem Fall „Danner“
38 Der Fall „Schempp“ EuGH-Urteil v , C-403/03 – Schempp, Slg. 2005, I-6421 = DStR 2005, 1265 Korrespondenzprinzip: Abzugsfähigkeit setzt Versteuerung beim Empfänger voraus Hr. Schempp Abzug der Unterhaltszahlung in Deutschland? Deutschland Unterhalt Österreich kein Abzug für Unterhaltszahlungen und daher auch keine Versteuerung von bezogenem Unterhalt Geschiedene Fr. Schempp
39 Schlussfolgerungen aus dem Fall „Schempp“
40 Der Fall „Gerritse“ Niederlande Deutschland 3.000 €
41 Schlussfolgerungen aus „Gerritse“
42 Grundfreiheiten und Gemeinnützigkeitsrecht
43 Kapitalverkehrsfreiheit Art. 63-65 AEUV
44 Kapitalverkehrsfreiheit Art. 63-65 AEUV
45 „Centro di Musicologoia Walter Stauffer“) -
46 - „Persche“ Deutschland Portugal (Spender) Centro Popular di Lagoa
47 - „Persche“ EuGH v C-318/07, Slg I-359 = DStR 2009, 207 Grenzüberschreitende (Sach-)Spenden an in der EU ansässige Körperschaften werden durch die Kapitalverkehrsfreiheit ( Art. 63 AEUV) geschützt Beschränkung auf im Inland ansässige Spendenempfänger verletzen Art. 63 AEUV Erfordernisse der Steueraufsicht können den generellen Ausschluss des Spendenabzugs nicht rechtfertigen Nationales Steuergesetz kann aber Anforderungen an den Nachweis der Gemeinnützigkeit des ausländischen Spendenempfängers stellen, muss nicht die Mittel des grenzüberschreitenden Informationsaustausches (EU- Amtshilfe, s. Kooperations-RL 2011/16/EU) nutzen!
48 Abzugsmöglichkeit von Auslandsspenden
49 - Spendennachweis BFH v – X R 7/13, BStBl. II 2015, 588 Es kann zwar nicht verlangt werden, dass die Zuwendungsbestätigung des ausländ. Empfängers dem amtlich vorgeschriebenen Vordruck i.S. des § 50 EStDV entspricht. Zu den notwendigen Bestandteilen der Zuwendungsbestätigung des ausländ. Empfängers gehört aber, dass dieser bescheinigt, er habe die Spende erhalten, verfolge den satzungsgemäßen gemeinnützigen Zweck und setze die Spende ausschließlich satzungsgemäß ein.
50 Folgerung: Änderung der §§ 10b I EStG, 9 I Nr. 2 KStG, 9 Nr. 5 GewStG
51 Grundfreiheiten und Erbschaftsteuerrecht
52 - „Margarete Block“ EuGH-Urteil v , C-67/08 – Block, Slg I-883 = DStR 2009, 373 Deutschland Spanien Erblasserin Alleinerbin Block Spanien: beschränkte Erbschaftsteuerpflicht = Territorialitätsprinzip bezogen auf das in einer span. Bank gehaltene Kapitalvermögen DL: unbeschränkte Erbschaftsteuerpflicht = Weltvermögensprinzip, keine Anrechnung spanischer ErbSt n. § 21 II Nr.1 ErbStG i.V. mit §121 BewG 52 52
53 „Block“-Entscheidung
54 Der Fall „Vera Mattner“
55 „Mattner“-Entscheidung
56 Folgerung: Ergänzung des ErbStG um § 2 III ErbStG
BeitrRLUmsG v , BGBl. I 2592: Option zur unbeschränkten Steuerpflicht, wenn Erblasser, Schenker oder Erwerber im Zeitpunkt des Erwerbs in einem EU/EWR-Staat ansässig war Freibeträge nach § 16 I ErbStG sind anwendbar; Zusammenrechnung n. § 2 III ErbStG n.F. ist aber unionsrechtswidrig, s. EuGH v – C-479/14, Hünnebeck. Widerspruch auch: Art. 63 AEUV schützt auch den Kapital-verkehr mit Drittstaaten. Gebietsansässige von Drittstaaten sind aber weiterhin von der Option ausgenommen.
57 Der Fall „Eheleute Weite“
EuGH v – C 181/12, IStR 2013, 954 Deutschland Beschränkte Stpfl. In DL: Freibetrag nur 2 T€ statt 500 T€ Schweiz Eheleute Weite lebten seit Jahren in der Schweiz, der Erblasserin Frau Weite gehörte neben Schweizer Geldvermögen (ca.170 T€), Geldvermögen (ca. 33 T€) und das Grdst. in Deutschland  Alleinerbe Ehemann Weite wird beschränkt stpfl. in DL wegen des geerbten Grdst.
58 Unternehmensbesteuerung in Europa
59 Der Fall „Lasteyrie du Saillant“
60 Niederlassungsfreiheit Art. 49 ff. AEUV
Anwendungsbereich Sachlicher Anwendungsbereich: Niederlassung Ausübung einer wirtschaftlichen Tätigkeit Mittels einer festen Einrichtung In stabiler und kontinuierlicher Weise Persönlicher Anwendungsbereich Natürliche Personen: Unionsbürger (Art. 20 AEUV) Juristische Personen: Zuordnung zur Rechtsordnung eines Mitgliedstaats (Sitztheorie/Gründungstheorie) Bereichsausnahme in Art. 51 AEUV Verstöße Offene Diskriminierung Versteckte Diskriminierung Beschränkungen 60 60
61 Niederlassungsfreiheit Art. 49 ff. AEUV
Rechtfertigungen Geschriebene Rechtfertigungen (Art. 52 Abs. 1 AEUV): Öffentliche Sittlichkeit Ordnung und Sicherheit Schutz der Gesundheit und des Lebens von Menschen Ungeschriebene Rechtfertigungen: „Zwingende Gründe des Allgemeinwohls“ (Cassis de Dijon-Formel) Verhältnismäßigkeit der Beschränkung zum legitimen Ziel 61 61
62 Schlussfolgerungen aus „Lasteyrie du Saillant“
63 „National Grid Indus“- EuGH (Große Kammer) v. 29. 11
64 Entscheidungsgründe „National Grid Indus“
65 Entscheidungsgründe „National Grid Indus“
66 Weitere EuGH-Entscheidungen zur Entstrickung
EuGH v – C-164/12, FR 2014, 466 (Rechtssache DMC) EuGH v – C-657/13, ISR 2015, 144 (Rechtssache Verder LabTec)
67 Inlandsbezug der § 6b EStG-Rücklage EuGH v. 6. 4
Inlandsbezug der § 6b EStG-Rücklage EuGH v – C-591/13, FR 2015, 460 Ersatz-WG-Anschaffung Unternehmen: Veräußerungsgewinn Reinvestition in dt. Betriebsstätte Deutschland EU-Mitgliedstaat Reinvestition in ausländ. Betriebsstätte Verletzt die Beschränkung der § 6b-Rücklage auf die Reinvestition in inland. Betriebsstätten die Niederlassungsfreiheit?
68 Folgerungen aus dem EuGH-Urt. im § 6b EStG-Fall
Rechtfertigungsgrund „Aufteilung der Steuerhoheiten“ – „Schranken-Schranke“ des Verhältnismäßigkeitsprinzips Lt. EuGH ist sofortige Besteuerung nicht notwendig, um Aufteilung der Steuerhoheiten zu bewirken; (Festsetzung) reiche aus (Wahlrecht der Sofortbesteuerung) Der Förderungszweck des § 6b EStG wird auch bei einer Reinvestition in ausländ. Betriebsstätte erreicht Gebot des mildesten Mittels: Stundung des Gewinns bei Reinvestition in ausländ. Betriebsstätte (z.B. auf 5 Jahre)
69 EuGH v. 06.06.2000 – C-35/98 -, Slg. 2000 I-4113 = DStRE 2000, 742 „Verkooijen“
70 „Verkooijen“-Entscheidung
71 Petri Manninen schwedische AG
72 „Manninen“ Entscheidung – I.
73 „Manninen“ Entscheidung – II.
74 Folgerungen aus „Manninen“
75 Folgerungen aus „Manninnen“
76 Dänische u. niederländ. AG
EuGH v C 292/04, Slg I-1835 = DStR 2007, u. EuGH v – C-262/09, Slg I-5669 = DStR 2011, 1262 „Meilicke I+II“ KSt-Anrechnung für einen deutschen Anteilseigner, der Ausschüttungen ausländischer AG’en erhält, die in den anderen MS’en dort der KSt unterlegen haben? Wienand Meilicke Deutschland Gewinnausschüttungen Andere MS’en Dänische u. niederländ. AG
77 „Meilicke“ - Entscheidungen
Parallele zur Manninen-Entscheidung Wirkung der EuGH-Entscheidung = ex tunc Begrenzungs-Antrag Deutschlands: Fiskalische Auswirkungen seien zu groß Deutschland habe die KSt-Anrechnung im Vertrauen auf die Europarechtskonformität erlassen Seit der Verkooijen-Entscheidung konnte die deutschen Bundesregierung nicht mehr länger auf die Europarechtskonformität vertrauen
78 „Meilicke“ - Entscheidung
79 BFH v. 15.1.2015 – I R 69/12 „Meilicke“ – Nachweis der ausländ. KSt
Bestätigung der materiellen Gleichstellung der ausländ. Dividende und der ausländ. KSt mit Inlandsdividenden/KSt Nachweiserfordernis Die ausländ. KSt-Vorbelastung (KSt-Anrechnungsbetrag) muss in substantieller Weise nachgewiesen werden Eine ausländ. Bankbescheinigung, dass tatsächlich KSt von der ausschüttenden KapGes gezahlt worden ist, reicht nicht aus. Ebensowenig reicht eine grobe Schätzung aus.
80 „Bosal“ – EuGH v. 18.9.2003 -168/01, Slg. 2003 I-9430
81 Entscheidung - „Bosal“
82 Lankhorst-Hohorst GmbH
83 „Lankhorst-Hohorst“-Entscheidung
84 „Lankhorst-Hohorst“-Entscheidung
85 Unternehmensbesteuerung in Europa
86 „Marks & Spencer“ – EuGH v. 13. 12. 2005, C-446/03, Slg
87 Rechtfertigungsgründe -„Marks & Spencer“
88 Folgerungen aus „Marks & Spencer“
Sitz-Staat der Mutterges. muss ultima ratio die Verluste berücksichtigen, wenn keine Möglichkeit mehr bei den ausländ. Tochterges. Besteht (dazu nun EuGH v – GrK C-172/13, Kommission ./. U.K.) Nachweispflichtig ist das Unternehmen Problem: Unionsrechtswidrigkeit hängt vom Umfang des Verlustabzugs der MS der Tochterges. ab!
89 „A Oy“ – EuGH v. 21.2.2013 – C-123/11, DStR 2013, 392 Fusion Finnland
90 Folgerungen aus „A Oy“ Gleichstellung von ausländ. mit inländ. Tochtergesellschaften Mutterges. muss ultima ratio die Verluste berücksichtigen, wenn keine Möglichkeit mehr bei den ausländ. Tochterges. besteht (finale Verluste) Nationale Gerichte haben zu prüfen, ob A Oy nachgewiesen hat, dass alle Möglichkeiten zur Verlustnutzung in Schweden ausgeschöpft worden sind Verlustfinalität wird aber nicht allein durch umwandlungsbedingten Untergang begründet
91 „Lidl Belgium “ – EuGH v. 15.05.2008 – C-414/06 Slg 2008 I-3601 = DStR 2008, 1030
92 EuGH v. 15.05.2008 – C-414/06 „Lidl Belgium “ - Slg 2008 I-3601
93 Folgerungen aus „Lidl Belgium“
94 Weitere Entscheidungen zur grenzüber-schreitenden Verlustverrechnung
95 Unternehmensbesteuerung in Europa
96 CFC Aktives und passives Einkommen
97 „Cadbury Schweppes“ – EuGH v. 12. 9. 2006, C-196/04, Slg
98 Entscheidungsgründe „Cadbury Schweppes“
99 Folgerungen von „Cadbury Schweppes“
100 Folgerungen aus „Cadbury Schweppes“
101 Reaktion des deutschen Gesetzgebers im JStG 2008
§ 8 II AStG: Entlastungsbeweis einer tatsächlichen wirtschaftlichen Tätigkeit Voraussetzung: EG-Amtshilfe-RL oder Amtshilfe-Abkommen ermöglichen gegenseitige Auskünfte der MS BMF-Schreiben BStBl. I 2007, 99
102 „Columbus Container Services“- BFH v. 21.10.2009, BStBl. II 2010, 774
103 „Columbus Container Services“- BFH v. 21.10.2009, BStBl. II 2010, 774
104 Folgerungen aus BFH v § 20 Abs.2 AStG ist nicht anzuwenden, wenn der Motivtest bestanden wird. § 20 Abs.2, 3 AStG ist eine Vorschrift zur Verhinderung von Missbrauch §§ 7 AStG sind tatbestandliche Voraussetzung für § 20 Abs.2, 3 AStG Rechtsgrundsätze aus „Cadburry Schweppes“ sind auch in diesem Fall anzuwenden Der sog. Motivtest ist EU- rechtskonform in die Regelung hineinzulesen. Rechtslage eindeutig nach BFH, daher keine erneute Vorlage an EuGH
105 Das Beihilfenverbot im Steuerrecht
Art. 107 ff. AEUV
106 Begriff der Beihilfe Ausgangspunkt: Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen im Binnenmarkt durch Steuervergünstigungen einzelner MS für Unternehmen ( = jede selbständig ausgeübte Erwerbstätigkeit am Markt) Danach ist Beihilfe i.S.v. § 107 I AEUV jede Maßnahme, die einen selektiven Vorteil für Unternehmen gewährt, staatlich finanziert ist, den Handel zwischen Mitgliedstaaten beeinträchtigt und wettbewerbsverzerrende Wirkung entfaltet.
107 Insbesondere: Selektiver Vorteil
Selektiver Vorteil liegt vor, wenn durch eine Ausnahme 3-stufige Prüfung der Selektivität: Bestimmung des steuerlichen Referenzsystems „Normalbesteuerung“  Belastungsgrund und Belastungsprinzipien Feststellung einer Abweichung vom Referenzsystem, die zu Unterscheidungen zwischen Wirtschaftsteilnehmern führt, die sich hinsichtlich des Ziels des Referenzsystems in einer vergleichbaren tatsächlichen und rechtlichen Situation befinden Ausnahme durch die Natur bzw. den inneren Aufbau des nationalen Steuersystems gerechtfertigt?
108 Weitere Merkmale i.R.d. Besteuerung regelmäßig unproblematisch gegeben: Staatliche Finanzierung = Verzicht auf Steueraufkommen Keine Saldierung mit erwarteten Vorteilen (bspw. Investitionsanreize, Zunahme von LSt-Einnahmen durch Vergünstigung) Auswirkung auf Handel und Wettbewerbsverzerrung wird vermutet  Steuervorteile bedeuten ausreichende abstrakte Eignung bzw. Gefahr
109 Übungsfall: Sanierungsklausel EuG v. 4. 2. 2016 - T-287/11 u
Übungsfall: Sanierungsklausel EuG v T-287/11 u. T 620/11, DStR 2016, 390, dazu Anm. de Weerth, DB 2016, 682 (Verfahren vor dem EuGH unter C-203/16 u. C-209/16 anhängig) § 8c I KStG: „Gesammelte“ Verlustvorträge einer Körperschaft verfallen ganz oder teilweise, wenn min. 25 % der Geschäftsanteile innerhalb von 5 Jahren übertragen werden. Hintergrund: Bekämpfung von Missbrauch durch sog. „Verlustmäntel“ Die Regelung ging jedoch zu weit, weshalb der Gesetzgeber Rückausnahmen implementierte, u.a. durch die Sanierungsklausel in § 8c Ia KStG  Keine Abzugsbeschränkung, wenn Anteilsübertragung der Sanierung des Unternehmens dient (dann ersichtlich kein Missbrauch)
110 Übungsfall: Sanierungsklausel
Problem: Sanierungsklausel = Beihilfe i.S.v. Art. 107 I AEUV? Selektiver Vorteil für Unternehmen?  3-stufige Prüfung 1. Stufe: Bestimmung des Referenzsystems Problem: „kleines“ oder „großes“ Referenzsystem? „Großes Referenzsystem“: interperiodische Verlustberücksich-tigung als allgemeines Grundprinzip des Körperschaftsteuerrechts „Kleines Referenzsystem“: Grundprinzip ist die Abzugsbe-schränkung beim schädlichen Beteiligungserwerb
111 Übungsfall: Sanierungsklausel
EuG: „Mischung“ aus beiden, im Ergebnis aber „kleines“ System grds. Möglichkeit der Verlustnutzung mit teilweiser Beschrän-kung als Mittel der Missbrauchsbekämpfung sei der zu betrachtende Rahmen 2. Stufe: Unterscheidung durch Abweichung? DL: Situation sanierungsbedürftiger Unternehmen nicht vergleichbar mit gesunden Unternehmen EuG: Vergleichbarkeit mit Blick auf den Zweck der Grundregel (= Missbrauchsbekämpfung)  auch gesunde Unternehmen können ohne Missbrauchsabsicht oder –möglichkeit Anteile übertragen.
112 Übungsfall: Sanierungsklausel
3. Stufe: Ausnahme durch die Natur bzw. den inneren Aufbau des nationalen Steuersystems gerechtfertigt? Rechtsmittel-Arg.: Sanierungsklausel führt zurück zum objektiven Nettoprinzip = tragender Grundsatz des dt. Steuersystems Dagegen EuG: Steuersystematik muss Unterscheidung rechtfertigen  warum objektives Nettoprinzip nur für sanierungsbedürftige Unternehmen, nicht aber für gesunde Unternehmen, bei denen kein Missbrauch gegeben ist? Trotz weiterer Ausnahmen (Konzern- und Stille-Reserven-Klausel) Anteilsübertragungen ohne Missbrauch denkbar, für die keine Ausnahme greift. Kritik: Typisierungsbefugnis wäre bei Auswahl des zutreffenden Referenzrahmens sachgemäß gewürdigt worden.
113 Verfahrensfragen § 108 III AEUV: präventive Beihilfenkontrolle  geplante Maßnahme, die Beihilfe sein kann, muss der Kommission angezeigt werden (Notifizierungsverfahren). Die Kommission kann genehmigen. § 108 II AEUV: repressive Beihilfenkontrolle  alle als Beihilfe in Betracht kommenden Maßnahmen können von der Kommission laufend kontrolliert werden Bei Verstoß gegen Art. 107 I AEUV: entsprechendes Gesetz ist nicht mehr anwendbar, bereits gezahlte Beihilfe (auch in Form von Steuerbegünstigung) müssen zurückgefordert werden So geschehen im Fall von § 8c Ia KStG!
114 Vergleichsfall: „P Oy“ EuGH v. 18.7.2013 – C-6/12, DStR 2013, 1588
Finnland: Verbot der Verlustnutzung bei Beteiligungswechsel > 50 %, Finanzverwaltung kann Verlustnutzung ausnahmsweise genehmigen Problem: Dispens = Beihilfe? EuGH: Ausnahme von Verlustabzugsbeschränkung kann selektiver Vorteil sein (nicht abschließend entschieden) Gerechtfertigt aber, wenn Genehmigung nur anhand systemimmanenter Kriterien erteilt wird  ledigliche Prüfung, ob Anteilsübertragung Verlusthandel darstellt Systemfremde Genehmigungskriterien (bspw. Arbeitsplatzerhalt) führen jedoch zu verbotener Beihilfe
115 Europäische Amtshilfe im Bereich des Steuerrechts
116 Rechtsquellen der Amtshilfe
Grundnorm: § 117 AO Doppelbesteuerungsabkommen Art. 26 OECD-MA: Informationsaustausch Art. 27 OECD-MA: Beitreibungshilfe MwSt-ZusammenarbeitsVO Nr. 904/2010 v , ABl. EU Nr. L 268, 1 EU-AmtshilfeRL 2011/16/EU v , ABl. EU Nr. L 64, 1 EU-Amtshilfegesetz (EUAHiG) Finanzkontenaustauschgesetz (FKAustG) EU-BeitreibungsRL 2010/24/EU v , ABl. EU Nr. L 84, 1 EU-Beitreibungsgesetz
117 Informationsaustausch
Administrazione Finanziaria Finanzverwaltung Auskunft I ital. Einkünfte in DL steuerfrei nach DBA-Italien § 19 EStG
118 Informationsaustausch nach EUAHiG (v. 26.6.2013, BGBl. I 1809)
Umsetzung der Richtline 2011/16/EU v Regelt den Informationsaustausch zwischen EU-Mitgliedstaaten Ziele des Informationsaustausches: Lösung des Spannungsverhältnisses zwischen fortschreitender Globalisierung und Territorialitätsprinzip Stärkung des Binnenmarktes durch verstärkte Wettbewerbsgleichheit Förderung der Gleichmäßigkeit der Besteuerung durch Bekämpfung von Steuerflucht
119 Erteilung von Auskünften auf Ersuchen
§ 4 I S. 1 EUAHiG: Eingehende Ersuchen § 6 I EUAHiG: Ausgehende Ersuchen Übermittlung voraussichtlich erheblicher Informationen in Steuersachen für jede Art von Steuern auf Ersuchen Möglichkeit der Erheblichkeit im ersuchenden Staat genügt Keine „Fishing Expeditions“  Auskunftsanfrage ins Blaue hinein Beschaffungspflicht: Behörden ermitteln gewünschte Information wie im Rahmen eines inländischen Besteuerungsverfahrens
120 Erteilung von Auskünften auf Ersuchen
Grenzen der Beschaffungs- und Übermittlungspflicht, § 4 Abs. 3 EUAHiG: Rechtliche oder tatsächliche Unmöglichkeit (Nr. 1)  Äquivalenzprinzip Verletzung des Subsidiaritätsprinzips (Nr. 2): Behörde hat ihr zur Verfügung stehende Mittel selbst nicht ausgeschöpft Keine Preisgabe von Handels-, Gewerbe- und Berufsgeheimnissen, sowie von Geschäftsverfahren (Nr. 3) Verstoß gegen Ordre Public (Nr. 4)
121 Automatischer Informationsaustausch
§ 7 EUAHiG: regelmäßiger, elektronischer Auskunftsverkehr ohne Ersuchen zum Zwecke des Abgleichs von Besteuerungsgrundlagen Instrument eines grenzüberschreitenden Risikomanagements Abs. 1: Vergütungen aus nichtselbständiger Arbeit, Aufsichts-/Verwaltungsratsvergütungen, Lebensversicherungsprodukte, Ruhegehälter, Renten und ähnliche Zahlungen, Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen Abs. 2: Finanzkontendaten i.S.v. § 2 FKAustG Verbindliche Auskünfte und APA (Verrechnungspreiszusagen)
122 Spontanauskünfte §§ 8, 9 EUAHiG: „Internationale Kontrollmitteilung“
Informationen, die innerhalb eines inländischen Besteuerungsverfahrens bekannt werden und für ausländische Behörde von Bedeutung sein können § 8 Abs. 1 EUAHiG: Fakultative Übermittlung jeglicher Information § 8 Abs. 2 EUAHiG: Obligatorische Übermittlung von Informationen in bestimmten Fällen (insbes. Steuerhinterziehung, Gewinnverlagerung zwischen verbundenen Unternehmen
123 Grenzüberschreitende Informations-pflicht im Erbfall - § 33 ErbStG EuGH v – C-522/14 – Sparkasse Allgäu Zweigstelle Auskunft: Konten in Österreich
124 Amministrazione Finanziaria
Beitreibungshilfe Beitreibungsersuchen Amministrazione Finanziaria Finanzverwaltung Auskehr StB Vollstreckung nach fruchtloser Zahlungsaufforderung (§§ 249 ff. AO)
125 Beitreibungshilfe nach EUBeitrG (v. 07.12.2011, BGBl I 2011, 2592)
Umsetzung der Richtline 2010/24/EU v Verpflichtet die Behörden untereinander zur Beitreibung von Abgaben aller Art. inkl. Nebenforderungen, Verwaltungsgebühren und Erstattungen Auch Sicherungsmaßnahmen und Zustellungshilfe (§ 7 EUBeitrG) möglich Eigener Auskunftsaustausch zum Zwecke der Beitreibung (§§ 5, 6 EUBeitrG) Bedienstete der ersuchenden Behörde können mitwirken (§§ 17, 18 EUBeitrG) Beitreibung erfolgt nach nationalen Vorschriften (§§ 249 ff. AO) wie Vollstreckung eigener fälliger Steuerforderungen
126 Ausgehende Ersuchen Gemäß § 10 EUBeitrG zulässig wenn:
Abs. 1: Vollstreckungsvoraussetzungen gegeben und Forderung nicht angefochten oder nicht mehr anfechtbar Ausnahme: eingelegter Einspruch ist offensichtlich aussichtslos (§ 10 Abs. 1 S. 2 EUBeitrG) Abs. 2: Ausschöpfung aller eigenen nach AO gegebenen Vollstreckungsmöglichkeiten  Grundsatz der Subsidiarität Auch, soweit weitere Vollstreckungsmaßnahmen wirtschaftlich sinnlos oder unverhältnismäßig wären § 14 I EUBeitrG: Nur für Forderungen ab 1500 € § 14 II EUBeitrG: Forderung nicht älter als 5 Jahre seit Fälligkeit oder Unanfechtbarkeit oder älter als 10 Jahre seit erstmaliger Fälligkeit
127 Eingehende Ersuchen Eingehende Ersuchen
Werden an das BZSt gerichtet (Zentrale Verbindungsstelle, § 3 I Nr. 1 EUBeitrG) Weiterleitung an das für den Schuldner örtlich zuständigen FA Keine besonderen Zulässigkeitsvoraussetzungen, aber: BMF-Merkblatt v , BStBl. I 2014, 188, Rz : Grundsatz der Subsidiarität Erkennbare erhebliche Verfahrensmängel im ersuchenden Staat
128 Eingehende Ersuchen Ablehnung der Amtshilfe
§ 14 I EUBeitrG Sofern Beitreibung unbillig wäre Ausprägung des Ordre Public Grundsatzes Insbes.: Rechtsstaatswidrige Forderungen (Bsp: BFH BStBl. II 2011, 401: Zahlungsaufforderungen durch ersuchende Behörde (Italien) erging ohne Rechtsbehelfsbelehrung und nur in italienischer Sprache  keine Vollstreckung durch deutsche Behörden, wegen Verstoß gegen Ordre Public)
129 Eingehende Ersuchen Art. 18 I EU-BeitrRL:
Die ersuchte Behörde ist nicht verpflichtet, die in den Artikeln 10 bis 16 vorgesehene Amtshilfe zu leisten, falls die Beitreibung der Forderung aus Gründen, die auf die Verhältnisse des Schuldners zurückzuführen sind, erhebliche wirtschaftliche oder soziale Schwierigkeiten in dem ersuchten Mitgliedstaat bewirken könnte, sofern die in diesem Mitgliedstaat geltenden Rechts- und Verwaltungsvorschriften sowie die dort übliche Verwaltungspraxis eine solche Ausnahme für nationale Forderungen zulassen. Übernommen von BMF-Merkblatt v , BStBl. I 2014, 188, Rz Kritik?
130 Rechtsschutz im Europäischen Steuerrecht
131 Rechtsschutz gegen unionsrechtswidriges innerstaatliches Recht
Grundsatz: Ordentlicher Richter des Unionsrechts ist der innerstaatliche Richter Vorrang von Unionsrecht vor nationalem Recht Finanzgerichte wenden sämtliches Unionsrecht unmittelbar an und legen es eigenständig aus unionsrechtswidrige Vorschriften bleiben unangewendet (EuGH v C-555/07 Seda Kücükdeveci/Swedex GmbH & Co. KG) Bei Auslegungsfragen: Vorabentscheidungsverfahren vor dem EuGH: Art. 267 AEUV Für Finanzgerichte fakultativ, Art. 267 II AEUV Für BFH verpflichtend, Art. 267 III AEUV
132 Rechtsschutz gegen unionsrechtswidriges innerstaatliches Recht
Verstoß gegen Vorlagepflicht durch BFH Vertragsverletzungsverfahren nach Art. 258, 259 AEUV Grds. möglich, aber klagebefugt sind nur MS und Kommission Stpfl. hat nur die Möglichkeit einer formlosen Beschwerde bei der EU-Kommission, um ein Vertragsverletzungsverfahren zu initiieren Verfassungsbeschwerde wegen Verstoß gegen Art. 101 I 2 GG Grds. möglich, aber BVerfG: restriktive Anwendung  nur bei objektiv willkürlicher oder offensichtlich unhaltbarer Unterlassung der Vorlage
133 Rechtsschutz gegen Unionsrecht und sonstige Maßnahmen der Union
Rechtsschutz gegen sekundäres und tertiäres Unionsrecht Vereinbarkeit mit primärem Unionsrecht Keine Prüfungskompetenz nationaler Gerichte, stattdessen ungeschriebene Vorlagepflicht an EuGH (Verwerfungskompetenz des EuGH) Nichtigkeitsklage nach Art. 263 AEUV vor dem EuG Vereinbarkeit mit Grundgesetz Grds. keine Prüfung durch BVerfG („Solange“-Rspr.) Ausnahme: Unionsrecht verletzt von Art. 79 Abs. 3 GG geschützte Verfassungsprinzipien, insbes. Art. 1 I GG („Ultra Vires“-Rspr.) s. anschaulich BVerfG v – 2 BvR 2735/14, NJW 2016, 1149 – Europäischer Haftbefehl
134 Rechtsschutz gegen Unionsrecht und sonstige Maßnahmen der Union
Rechtsschutz gegen Maßnahmen aufgrund von Unionsrecht Durch deutsche Behörden Grds. vollständige Überprüfbarkeit durch nationale Gerichte (inkl. Grundrechtsprüfung  Solange-Rspr. gilt nur für Unionsrechtsakte, nicht für Einzelmaßnahmen!) Aber: bei Maßnahmen wegen zwingendem Unionsrecht keine Prüfungskompetenz der nationalen Gerichte (da eine solche der Prüfung des Unionsrechts selber gleichkommt) Durch Unionsorgane Grds. kein Rechtsweg vor deutsche Gerichte Nichtigkeitsklage vor EuG nach Art. 263 AEUV (s. Übungsfall zur Sanierungsklausel)