Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=17.09.1998&Aktenzeichen=4%20CN%201.97
Timestamp: 2019-07-21 10:23:06
Document Index: 297350322

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 5', '§ 9', '§ 47', '§ 41', '§ 47', '§ 1', '§ 2', '§ 17', '§ 47', '§ 1']

BVerwG, 17.09.1998 - 4 CN 1.97 - dejure.org
https://dejure.org/1998,560
BVerwG, 17.09.1998 - 4 CN 1.97 (https://dejure.org/1998,560)
BVerwG, Entscheidung vom 17.09.1998 - 4 CN 1.97 (https://dejure.org/1998,560)
BVerwG, Entscheidung vom 17. September 1998 - 4 CN 1.97 (https://dejure.org/1998,560)
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Normenkontrolle - Antragsbefugnis - Nachteil - Rechtsverletzung - 6. VwGOÄndG - Änderung des Prozeßrechts - Verkehrslärm
NVwZ-RR 1999, 278 (Ls.)
BauR 1999, 137
ZfBR 1999, 41
Dieses Interesse wird von der Rechtsordnung in § 1 Abs. 5 Satz 1 und 2 Nr. 1 und Nr. 7, § 5 Abs. 2 Nr. 6 und § 9 Abs. 1 Nr. 24 BauGB ausdrücklich als schutzwürdig bewertet (vgl. BVerwG, Beschluss vom 18.3.1994 - 4 NB 24.93 -, DVBl. 1994, 701; Urteil vom 17.9.1998 - 4 CN 1.97 -, BRS 60 Nr. 45 = BauR 1999, 137).
Erforderlich ist vielmehr, dass sich die Verkehrssituation in einer spezifisch planbedingten Weise (nachteilig) ändert (vgl. BVerwG, Urteil vom 17.9.1998 - 4 CN 1.97 - a. a. O.; zu planbedingten Beeinträchtigungen anderer Art vgl. auch Urteil vom 21.3.2002 - 4 CN 14.00 -, BVerwGE 116, 144 = NVwZ 2002, 1509 = BauR 2002, 1650).
Ob eine planbedingte Zunahme des Verkehrslärms zum notwendigen Abwägungsmaterial gehört und damit die Antragsbefugnis des davon Betroffenen zu bejahen ist, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls (so BVerwG, Urteil vom 17.9.1998, a. a. O.; Beschluss vom 19.2.1992 - 4 NB 11.91 -, BRS 54 Nr. 41 = NJW 1992, 2844 - jeweils zum Nachteilsbegriff des § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO a. F.); maßgebend ist, ob die geltend gemachten Beeinträchtigungen in einem adäquat-kausalen Zusammenhang mit der Planung stehen und mehr als geringfügig sind (vgl. dazu BVerwG…, Urteil vom 21.3.2002, a. a. O.; zur Bejahung der Antragsbefugnis von Anwohnern außerhalb des Plangebiets vgl. etwa BVerwG, Beschluss vom 6.12.2000 - 4 BN 59.00-, BRS 63 Nr. 47 = NVwZ 2001, 431 m. w. N. aus der früheren Rechtsprechung; OVG NW, Urteil vom 28.8.1996 - 11a D 125/92.NE -, BRS 58 Nr. 17 = NVwZ-RR 1997, 686; OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 25.3.1999 - 1 C 11636/98 -, BImSchG-Rspr. § 41 Nr. 47, Leitsatz 1 - LS auch in juris; vgl. zum Ganzen auch VGH BW, Urteil vom 24.9.1999 - 5 S 2519/98 - zitiert nach juris).
"Unter welchen Voraussetzungen eine Verkehrszunahme an einem außerhalb des Plangebiets gelegenen Grundstück in der Abwägung beachtet werden muss, ist Frage des Einzelfalles, wie das Bundesverwaltungsgericht vielfach entschieden hat (vgl. z.B. Beschl. v. 21.7.1989 - 4 NB 18.88 -, NVwZ 1990, 256 ; Beschl. v. 19.2.1992 - 4 NB 11.91 -, NJW 1992, 2844 ; Beschl. v. 18.3.1994 - 4 NB 24.93 -, NVwZ 1994, 683 ; Beschl. v. 28.11.1995 - 4 NB 38.94 -, NVwZ 1996, 711 ; Urt. v. 17.9.1998 - 4 CN 1.97 -, BauR 1999, 137 ;… Urt. v. 26.2.1999 - 4 CN 6.98 -, NVwZ 2000, 197 ;… Urt. v. 21.10.1999 - 4 CN 1.98 -, NVwZ 2000, 807 ; Beschl. v. 6.12.2000 - 4 BN 59.00 -, NVwZ 2001, 431 ; Beschl. v. 19.8.2003 - 4 BN 51.03 -, BauR 2004, 1132 ; Beschl. v. 8.6.2004 - 4 BN 19.04 -, BauR 2005, 829 ; Beschl. v. 24.5.2007 - 4 BN 16.07 -, ZfBR 2007, 580 ; Beschl. v. 12.6.2008 - 4 BN 8.08 -, BauR 2008, 1416 ; Beschl. v. 23.11.2009 - 4 BN 49.09 -, juris).
Nach feststehender höchstrichterlicher Rechtsprechung, der sich die Vorinstanz angeschlossen hat, ist antragsbefugt im Sinne des § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO, wer durch den angegriffenen Bebauungsplan oder dessen Anwendung in einem Interesse negativ betroffen wird, das im Rahmen der planerischen Abwägung gemäß § 1 Abs. 7 BauGB zu berücksichtigen war (Urteile vom 17. September 1998 - BVerwG 4 CN 1.97 - BRS 60 Nr. 45 S. 170 und vom 24. September 1998 - BVerwG 4 CN 2.98 - BRS 60 Nr. 46 S. 174).
Die Frage, ob ein Belang zum notwendigen Abwägungsmaterial gehört und damit geeignet ist, die Antragsbefugnis des Betroffenen auszulösen, richtet sich letztlich nach den Umständen des Einzelfalls und unterliegt demgemäß in erster Linie der Beurteilung durch den Tatrichter (Urteil vom 17. September 1998 a.a.O. S.171).
Dass der Lärm infolge des neuen Baugebiets allgemein zunehmen wird, reicht für die Antragsbefugnis nicht aus (Urteil vom 17. September 1998 a.a.O.).
Zu den abwägungserheblichen Belangen zählt auch das Interesse, vor planbedingten zusätzlichen Lärmimmissionen durch erhöhtes Verkehrsaufkommen verschont zu bleiben (BVerwG vom 17.9.1998 BauR 1999, 137).
Das gilt auch für Lärmeinwirkungen unterhalb der Schwelle, bei deren Überschreiten nach den jeweils einschlägigen technischen Regelwerken zwingend Lärmschutzmaßnahmen erforderlich sind (BVerwG vom 8.6.2004 Baur 2005, 829; vom 17.2.1998 BauR 1999, 137).
e) Freilich ist Lärmschutzgesichtspunkten bereits unterhalb der Erheblichkeitsschwelle, die durch § 2 Abs. 1 VerkehrslärmschutzVO als im Wege der Abwägung nicht überwindbare Grenze bezeichnet wird, im Rahmen des nach § 17 Abs. 1 Satz 2 FStrG gebotenen Interessenausgleichs Rechnung zu tragen (vgl. BVerwG, Urteil vom 17. September 1998 - BVerwG 4 CN 1.97 - ZfBR 1999, 41; Beschlüsse vom 19. Februar 1992 - BVerwG 4 NB 11.91 - und vom 18. März 1994 - BVerwG 4 NB 24.93 - Buchholz 310 § 47 VwGO Nrn. 63 und 88 sowie vom 17. Mai 1995 - BVerwG 4 NB 30.94 - Buchholz 406.11 § 1 BauGB Nr. 82).