Source: https://www.weka.ch/themen/finanzen-controlling/mehrwertsteuer/mwst-international/article/faq-bezugsteuerpflicht-rechtsgleiche-besteuerung-von-leistungen-im-inland/
Timestamp: 2018-09-21 06:19:17
Document Index: 57498230

Matched Legal Cases: ['Art. 3', 'Art. 7', 'Art. 45', 'Art. 3', 'Art. 7', 'Art. 45']

Der Begriff «Bezugsteuer» bringt zum Ausdruck, dass die Steuer aufgrund von Leistungen erhoben wird, die der Steuerpflichtige bezogen hat, die sogenannten Eingangsumsätze. Zum Thema Bezugsteuer tauchen in der Praxis immer wieder Fragen auf. Sie erhalten in diesem Beitrag von unserem Fachexperten, aus der WEKA MWST-Online-Rechtsberatung, Antworten auf Praxisfragen.
Frage: Wir haben einen Mandanten mit Sitz in Deutschland ohne Betriebsstätte in der Schweiz, der aber in der Schweiz mehrwertsteuerpflichtig registriert ist. Der Mandant verkauft, liefert und montiert Küchen in der Schweiz. Nun hat er einen in DE ansässigen selbstständigen Monteur beauftragt, eine Küche in CH zu montieren (reine Montageleistung ohne Material). Dieser Monteur ist in CH nicht mehrwertsteuerpflichtig registriert. Nun stellt sich die Frage, ob diese Leistung bei der MWST in CH zur Bezugsteuerpflicht anzumelden ist. Die Rechnung des Monteurs wurde ohne MWST ausgestellt mit dem Hinweis auf die Steuerfreiheit in DE. Meiner Meinung nach ist Bezugsteuerpflicht gegeben, da es sich gemäss MWST-Recht um eine Lieferung handelt, die in der Schweiz erfolgt ist. Da der Leistungsempfänger in CH mehrwertsteuerpflichtig registriert ist, muss er auf dieser Leistung MWST abführen.
Antwort: Die Montageleistung des Monteurs stellt im Sinne von Art. 3 lit. d Ziff. 2 MWSTG eine Lieferung dar. Der Lieferort befindet sich im Sinne von Art. 7 Abs. 1 lit. a MWSTG in der Schweiz. Der Bezugsteuer gemäss Art. 45 Abs. 1 lit. c MWSTG unterliegen Lieferungen im Inland durch Unternehmen mit Sitz im Ausland, die nicht im Register der steuerpflichtigen Personen eingetragen sind, sofern diese Lieferungen nicht der Einfuhrsteuer unterliegen:
Lieferungen im Inland durch Unternehmen mit Sitz im Ausland: Der Monteur ist eine im Ausland ansässige Unternehmung (bitte beachten Sie, dass dies gemäss dem von Ihnen geschilderten Sachverhalt so angenommen wird; sollte dies nicht zutreffen, würde sich die Antwort auf Ihre Fragestellung grundlegend ändern und es wären insbesondere auch sozialversicherungsrechtliche Fragen zu klären).
nicht im Register der steuerpflichtigen Personen: Der Monteur ist nicht im Register der in der Schweiz mehrwertsteuerpflichtigen Unternehmen eingetragen (bitte beachten Sie, dass dies gemäss dem von Ihnen geschilderten Sachverhalt so angenommen wird; sollte dies nicht zutreffen, würde sich die Antwort auf Ihre Fragestellung grundlegend ändern).
die Lieferung unterliegt nicht der Einfuhrsteuer: Da keine Ware vom Monteur in die Schweiz eingeführt wird, unterliegt die Lieferung des Monteurs nicht der Einfuhrsteuer (bitte beachten Sie, dass dies gemäss dem von Ihnen geschilderten Sachverhalt so angenommen wird; sollte dies nicht zutreffen, würde sich die Antwort auf Ihre Fragestellung grundlegend ändern).
Zusammengefasst ist die Lieferung des Monteurs, wie von Ihnen korrekt vorgeschlagen, mit der Bezugsteuer zu erfassen. Ich erlaube mir hierbei die Anmerkung, dass der hier beschriebene Ablauf nicht dem Ablauf in der EU – namentlich Deutschland – entspricht und deshalb allenfalls Verständnisprobleme bei Ihrem Kunden oder dessen Steuerberater hervorrufen könnte.
Frage: Von einem Lieferanten in den USA werden uns Kosten für physische Tests an Prüffenstern in den USA in Rechnung gestellt. Wir bekommen anschliessend einen Prüfbericht. Ist es korrekt diese Rechnung ohne MWST zu erfassen, da die Tests in den USA ausgeführt werden oder müsste hier Bezugsteuer deklariert werden?
Antwort: Das Regulieren, Eichen, Einstellen oder Prüfen an bzw. von Gegenständen stellt nach Art. 3 lit. d MWSTG eine Lieferung dar. Der Lieferort ist dabei gemäss Art. 7 MWSTG in den USA. Da sich der Lieferort im Ausland befindet, findet entsprechend Art. 45 MWSTG – d.h. die Bezugsteuer – keine Anwendung. Die Erfassung der Rechnung ohne MWST demnach korrekt.
Frage: Wir (Firma XY) kaufen immer mehr Software oder Lizenzen aus dem Ausland ein, welche nachher in den Verkauf innerhalb der EU geht. Nun war mein Gedanke, dass wir diese über unsere DE-UID-Nr. abrechnen könnten, da ein Weiterverkauf innerhalb der EU besteht. Das Finanzamt Konstanz hat dies nun aber nicht bestätigt und mitgeteilt, dass alle Einkäufe von Lizenzen/Software über die CH-MWST-Nr. laufen müssen, egal wohin diese nachher verkauft werden. Der Grund ist, weil wir (Firma XY), keine Betriebsstätte in DE haben. Lieferadresse auf der Rechnung war bis anhin mit unserem Lager in Deutschland und der DE-UID versehen. Können Sie bestätigen, dass alle diese Einkäufe über die CH mit Bezugsteuer abgerechnet werden? Und falls ja müssen wir nun alle Rechnungen mit unserer CH-Nr. und Adresse versehen? Wie sind die Umsätze – Lizenzen werden meist in die EU weiterverkauft – zu versteuern? Es geht hier ja immer um nicht physische Ware.
Antwort: Die Antwort des FA Konstanz ist grundsätzlich korrekt, da sich der Leistungsort für nach Einkauf Software/ Lizenzen aus dem Ausland bei einem Unternehmen (mehrwertsteuerpflichtige Institution) sowohl im CH-Recht wie auch im EU-Recht nach dem Empfängerortsprinzip richtet. Entsprechend befindet sich der Leistungsort (mangels einer Betriebsstätte) am Sitz der Gesellschaft – also in der Schweiz. In der Schweiz ist demnach die Bezugsteuer zu deklarieren. Gleich verhält sich die Situation, wenn Sie die Software/Lizenzen «ins Ausland» verkaufen. Der Leistungsort für den Verkauf von Software/Lizenzen richtet sich wiederum sowohl im CH-Recht wie auch im EU-Recht nach dem Empfängerortsprinzip. Ich gehe davon aus, dass die Leistungsempfänger Unternehmen (mehrwertsteuerpflichtige Institutionen) sind. Entsprechend ist keine CH-MWST in Rechnung zu stellen; teilweise (abhängig vom Land) ist ferner auf der Rechnung auf das Reverse-Charge-Verfahren hinzuweisen (z.B. Deutschland).