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Timestamp: 2016-10-22 08:57:27
Document Index: 166495471

Matched Legal Cases: ['Art. 8', 'Art. 4', 'Art. 7', 'Art. 28', 'Art. 16', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 95', 'BGE', 'Art. 105', 'Art. 97', 'Art. 105', 'Art. 97', 'Art. 61', 'BGE', 'Art. 95', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 68', 'BGE']

8C_73/2011 (01.04.2011)
Der 1960 geborene B.________ war als Betonwerker bei der M.________ AG t�tig. Ab dem 25. November 2008 setzte er wegen starken R�ckenschmerzen mit der Arbeit aus. Dr. med. R.________, Facharzt f�r innere Medizin FMH, stellte auf Grund einer MRI-Untersuchung die Diagnose von lumbosacralen Schmerzen bei lumbosacraler �bergangsst�rung mit bilateraler Hemisacralisation der Processi transversi LWK5 zu Massa lateralis des SWK1 bei schwer degenerativen Ver�nderungen der Nearthrose rechts mit h�hergradiger Einengung ausserhalb des Foramen intervertebrale rechts mit Kompression auf die Nervenwurzel L5 extraforaminal. Am 11. Mai 2009 meldete sich B.________ bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle des Kantons Aargau holte verschiedene medizinische Berichte der behandelnden �rzte - unter anderem den Austrittsbericht �ber einen station�ren Aufenthalt vom 10. Oktober bis 16. November 2009 an der Rehaklinik X.________ - ein. Nach Durchf�hrung des Vorbescheidverfahrens teilte sie dem Versicherten verf�gungsweise mit, er k�nne seine bisherige T�tigkeit als Betonwerker seit November 2008 nicht mehr aus�ben. Hingegen sei ihm in einer angepassten, k�rperlich leichten bis teilweise mittelschweren T�tigkeit ohne Zwangshaltung der Wirbels�ule ein volles Pensum zumutbar, was zu einem Invalidit�tsgrad von 16 % f�hre. Er habe damit keinen Anspruch auf eine Invalidenrente (Verf�gung vom 26. April 2010).
Das Versicherungsgericht des Kantons Aargau wies die dagegen erhobene Beschwerde, mit welcher die Zusprechung einer halben Invalidenrente bei einem Invalidit�tsgrad von 58 %, eventuell die Durchf�hrung weiterer Abkl�rungen, beantragt worden war, mit Entscheid vom 17. November 2010 ab.
B.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren und die erstinstanzlich gestellten Antr�ge erneuern.
Das kantonale Gericht hat die massgeblichen Rechtsgrundlagen zutreffend dargelegt. Es betrifft dies insbesondere die gesetzlichen Bestimmungen und von der Rechtsprechung entwickelten Grunds�tze zum Begriff der Invalidit�t (Art. 8 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG) und Erwerbsunf�higkeit (Art. 7 ATSG), zu den Voraussetzungen und zum Umfang des Rentenanspruchs (Art. 28 Abs. 1 IVG [in der seit 1. Januar 2008 in Kraft stehenden Fassung]), zur Ermittlung des Invalidit�tsgrades bei erwerbst�tigen Versicherten nach der Einkommensvergleichsmethode (Art. 16 ATSG), zur Aufgabe des Arztes oder der �rztin im Rahmen der Invalidit�tsbemessung (BGE 132 V 93 E. 4 S. 99 f.) sowie zum Beweiswert und zur W�rdigung �rztlicher Berichte und Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). Darauf - wie auch auf die Erw�gungen zu dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 119 V 335 E. 1 S. 338; vgl. auch BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) - wird verwiesen.
Streitig und zu pr�fen ist, ob der Beschwerdef�hrer Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
3.1 IV-Stelle und kantonales Gericht nehmen gest�tzt auf einen Bericht des Dr. med. C.________, Oberarzt Rheumaklinik am Kantonsspital Y.________, visiert von Prof. Dr. med. H.________, vom 8. September 2009 an, dem Beschwerdef�hrer sei ein volles Pensum in einer leidensangepassten Besch�ftigung zumutbar. Es leuchte ein, dass die Fach�rzte anhand der diagnostizierten Schmerzsyndrome zu diesem Schluss gekommen seien, da es sich bei einem "Syndrom" ausweislich der vom Gericht konsultierten Fachliteratur (PSCHYREMBEL, Klinisches W�rterbuch) um keinen greifbaren Gesundheitsschaden im Sinne einer Beeintr�chtigung der k�rperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit handle, was grunds�tzlich zur Folge habe, dass auch keine Arbeitsunf�higkeit vorliegen k�nne. Im Weiteren folgerte die Vorinstanz in Anwendung der Rechtsprechung �ber die invalidisierende Wirkung einer somatoformen Schmerzst�rung (BGE 130 V 352), selbst wenn man aufgrund der erhobenen degenerativen Ver�nderungen an der Wirbels�ule von einem Gesundheitsschaden ausginge, w�rden Schmerzsyndrome in der Regel zu keiner lang dauernden, zu einer Invalidit�t f�hrenden Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit f�hren.
3.2 Der Beschwerdef�hrer wendet ein, der Bericht des Rheumatologen Dr. med. C.________, auf welchen die Verwaltung und das kantonale Gericht abgestellt haben, sei in sich widerspr�chlich, da der Arzt einerseits von einer vollen Arbeitsf�higkeit in einer leichten und mittelschweren T�tigkeit ausgehe und dem Patienten andererseits weitere Therapien - so auch einen station�ren Aufenthalt in der Rehaklinik X.________ - verordne, um seiner Arbeitsf�higkeit f�r leichte bis mittelschwere T�tigkeiten zu verbessern. Der am 30. November 2009 verfasste Austrittsbericht der Rehaklinik X.________ zu Handen der Rheumaklinik des Kantonsspitals Y.________ sei in deren Bericht vom 8. September 2009 naturgem�ss nicht ber�cksichtigt worden. Die Diskrepanzen zwischen diesen Berichten sei nicht abgekl�rt worden, weshalb die Vorinstanz Bundesrecht verletzt habe.
4.2 Der Untersuchungsgrundsatz z�hlt zu den in Art. 95 BGG erw�hnten bundesrechtlichen Vorschriften. Die unvollst�ndige (gerichtliche) Feststellung der rechtserheblichen Tatsachen (BGE 135 V 23 E. 2 S. 25 mit Hinweisen; ULRICH MEYER, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 2008, N. 25, 36 und 58-61 zu Art. 105 BGG; HANSJ�RG SEILER, in: Bundesgerichtsgesetz [BGG], 2007, N. 24 zu Art. 97 BGG), die Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes als einer wesentlichen Verfahrensvorschrift (statt vieler: Urteil 9C_850/2008 vom 6. Februar 2009 E. 2.2 mit Hinweis; ULRICH MEYER, a.a.O., N. 60 zu Art. 105 BGG; MARKUS SCHOTT, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 2008, N. 17 ff. zu Art. 97 BGG) sowie die Pflicht zu inhaltsbezogener, umfassender, sorgf�ltiger und objektiver Beweisw�rdigung (Art. 61 lit. c ATSG; BGE 132 V 393 E. 4.1 S. 400) stellen Rechtsverletzungen gem�ss Art. 95 lit. a BGG dar. Hat das kantonale Gericht die rechtserheblichen tats�chlichen Feststellungen in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes getroffen, sind sie f�r das Bundesgericht nicht verbindlich (Urteil 8C_773/2008 vom 11. Februar 2009 E. 5.4, in: SVR 2009 EL Nr. 5 S. 17).
5.1 Beim Bericht der Rheumatologen des Kantonsspitals Y.________ vom 8. September 2009 handelt es sich um Antworten in einem Standard-Fragebogen der Invalidenversicherung an behandelnde �rzte. Es ist nicht ersichtlich, welche medizinischen Unterlagen den Berichtenden vorgelegen und welche Untersuchungen sie vorgenommen haben. Die attestierte volle Arbeitsf�higkeit f�r leichte bis mittelschwere T�tigkeiten ist nicht weiter begr�ndet. Es werden die Diagnosen eines lumbospondylogenen Syndroms und eines Zervikobrachial-Syndroms links gestellt. Mit weiteren Arztberichten setzt sich Dr. med. C.________ nicht auseinander. Er gibt an, der Patient nehme keine Medikamente, was im Widerspruch zur Darstellung der �rzte der Rehaklinik X.________ steht. Diese gehen im Austrittsbericht vom 30. November 2009 von einer 50%igen Arbeitsf�higkeit f�r eine leichte, wechselbelastende T�tigkeit aus. Auch sie begr�nden ihre Einsch�tzung nicht, attestieren ihrem Patienten aber eine gute Mitwirkung im Therapieprogramm, was sich auch in einer Verbesserung bez�glich Kraft und Ausdauer gezeigt habe.
5.2 Im angefochtenen Entscheid wird festgestellt, die von den Rheumatologen erw�hnten "Syndrome" h�tten keine organische Ursache, weshalb das kantonale Gericht davon auszugehen scheint, der Beschwerdef�hrer leide an einer somatoformen Schmerzst�rung; in den vorliegenden Akten wird indessen von keinem Arzt ein psychiatrischer Befund auch nur in Erw�gung gezogen und eine somatoforme Schmerzst�rung wird nicht diagnostiziert. Kaum Beachtung findet dabei die sich aus den Akten ergebende Tatsache, dass am 9. Dezember 2008 mittels MRT an der Klinik A.________ erhebliche degenerative Ver�nderungen unter anderem mit einer Wurzelkompression L5 extraforaminal sowie beginnenden und bereits bestehenden Chondrosen und Osteochondrosen auf verschiedenen Ebenen festgestellt wurden. Es handelt sich dabei um organische Befunde und - entgegen dem kantonalen Entscheid - nicht um ein "�tiologisch-pathogenetisch unklares syndromales Beschwerdebild".
5.3 Auch der Hinweis auf die Beurteilung durch den Orthop�den Dr. med Z.________ vom Kantonsspital Y.________ kann die Diskrepanz der Einsch�tzungen in den bereits erw�hnten Berichten nicht kl�ren, geht dieser Arzt doch offenbar von einer unrichtigen Anamnese aus. So steht im Bericht vom 17. M�rz 2009, der Patient arbeite noch voll, obwohl dieser seine T�tigkeit seit dem 25. November 2008 nicht mehr aufgenommen hatte.
Im Weiteren widerspricht die Darstellung im angefochtenen Entscheid, auf die Einsch�tzung der behandelnden �rzte der Rehaklinik X.________ k�nne schon deshalb nicht abgestellt werden, weil diese �ber keinen Facharzttitel verf�gten, dem Gebot der freien Beweisw�rdigung. Indem das kantonale Gericht zudem unterstellt, es sei "vielmehr anzunehmen, dass die �rzte der Rehaklinik X.________ von einem bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell ausgingen, wonach Soziogenit�t und pathogenetisch (�tiologisch) unklare subjektive Leidenszust�nde als Krankheitsursache anerkannt werden und die �rzteschaft so begr�ndete Arbeitsunf�higkeiten attestieren", ohne dass in Anwendung des Untersuchungsgrundsatzes diesbez�glich n�here Abkl�rungen getroffen worden oder im Austrittsbericht vom 30. November 2009 Hinweise zu finden w�ren, hat es Bundesrecht verletzt. Die auf Vermutung basierende Sachverhaltsfeststellung hat damit letztinstanzlich keinen Bestand.
5.4 Schliesslich kann auch die Stellungnahme des med. pract. W.________ vom Regionalen �rztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle nichts zur weiteren Kl�rung des Sachverhaltes beitragen.
Die Rechtsprechung hat sich zum Beweiswert eines RAD-Berichts verschiedentlich ge�ussert. Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht - gewissermassen als Hilfestellung f�r die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge �ber den Leistungsanspruch zu entscheiden haben - den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu w�rdigen, wozu namentlich auch geh�rt, bei widerspr�chlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zus�tzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie w�rdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (SVR 2009 IV Nr. 50 S. 153, 8C_756/2008 E. 4.4; Urteil 9C_589/2010 vom 8. September 2010 E. 2).
Vorliegend hat der RAD-Arzt den Beschwerdef�hrer nicht selbst untersucht. Auch ihm lagen lediglich die kurzen Berichte aufgrund der Frageb�gen der Invalidenversicherung und der Austrittsbericht vom 30. November 2009 vor. Nach der Feststellung, dass die Beurteilung der Rehaklinik X.________ im Widerspruch zu derjenigen der Rheumatologen des Kantonsspitals Y.________ steht, h�lt er ohne weitere Abkl�rung letztere f�r relevant, da "sie (die Rehaklinik) sich offensichtlich weit �berwiegend auf die subjektiven Schmerzangaben des Versicherten st�tzt". Solches l�sst sich dem Bericht indessen nicht entnehmen. Ebenso steht der vom RAD-Arzt gewonnene Eindruck im Widerspruch zu der in der Rehaklinik X.________ gezeigten Leistung.
5.5 Entgegen der Darstellung des Beschwerdef�hrers gen�gt indessen auch der Austrittsbericht vom 30. November 2009 nicht, um seine Arbeitsf�higkeit abschliessend zu beurteilen. Die attestierte 50%ige Arbeitsunf�higkeit ist nicht begr�ndet, sodass sie sich einer richterlichen �berpr�fung entzieht.
5.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die vorliegenden �rztlichen Stellungnahmen den praxisgem�ssen Anforderungen an eine beweiskr�ftige medizinische Grundlage nicht gen�gen (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232 mit Hinweis). Der Entscheid basiert im Wesentlichen auf knapp gehaltenen und sich teilweise widersprechenden Berichten von behandelnden �rzten. Bei der vorliegenden d�rftigen Aktenlage kann nicht im Sinne antizipierter Beweisw�rdigung gesagt werden, von einer zus�tzlichen, nachvollziehbar und schl�ssig begr�ndeten medizinischen Beurteilung seien keine verwertbaren entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten (vgl. SVR 2009 UV Nr. 3 S. 9 E. 8.3, 8C_354/2007). Die Sache ist daher in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes (E. 4. 1 hiervor) an die IV-Stelle zur�ckzuweisen. Die Verwaltung hat daher zus�tzliche medizinische Abkl�rungsmassnahmen in Form eines polydisziplin�ren Gutachtens zu veranlassen und hernach gest�tzt auf die gewonnenen Erkenntnisse erneut �ber den Rentenanspruch zu verf�gen.
Die R�ckweisung der Sache an die Verwaltung zur erneuten Abkl�rung (mit noch offenem Ausgang) gilt f�r die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientsch�digung als vollst�ndiges Obsiegen im Sinne von Art. 66 Abs. 1 sowie Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG, unabh�ngig davon, ob sie beantragt oder ob das entsprechende Begehren im Haupt- oder im Eventualantrag gestellt wird (BGE 132 V 215 E. 6.1 S. 235; Urteil 8C_101/2010 vom 3. Mai 2010 E. 6). Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten daher der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Dem obsiegenden Beschwerdef�hrer steht eine angemessene Parteientsch�digung zu.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 17. November 2010 und die Verf�gung der IV-Stelle des Kantons Aargau vom 26. April 2010 werden aufgehoben. Es wird die Sache an die IV-Stelle des Kantons Aargau zur�ckgewiesen, damit sie im Sinne der Erw�gungen verfahre und �ber den Anspruch des Beschwerdef�hrers auf eine Invalidenrente neu verf�ge.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Parteientsch�digung und der Gerichtskosten des vorangegangenen Verfahrens an das Versicherungsgericht des Kantons Aargau zur�ckgewiesen.