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Timestamp: 2016-10-21 23:54:15
Document Index: 6104457

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 65', 'Art. 66', 'Art. 68']

8C_202/2014 (09.07.2014)
8C_202/2014 � � Urteil vom 9. Juli 2014
R�merstrasse 38, 8401 Winterthur.
Beschwerde gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Solothurn vom 29. Januar 2014.
A.________, geboren 1973, st�rzte am 20. M�rz 2010 beim Gleitschirmfliegen (Kite skiing/Speed flying mit einem Paragleiter) ab. Er zog sich dabei Kompressionsfrakturen (BWK 2, 6 und 7) sowie Lungen- und Nierenkontusionen zu. Er wurde zun�chst bis zum 26. M�rz 2010 im Spital B.________ konservativ versorgt und anschliessend im Spital C.________ betreut. Nachdem dort im Ambulatorium D.________ anfangs 2011 auch Konsultationen zur psychosomatischen Evaluation erfolgt waren, diagnostizierte Dr. med. E.________, Universit�tsklinik und Poliklinik f�r Psychiatrie, eine posttraumatische Belastungsst�rung und attestierte eine 100%ige Arbeitsunf�higkeit (Bericht vom 16. M�rz 2012). Er �berwies A.________ an Frau lic. phil. F.________, Fachpsychologin f�r Psychotherapie FSP, zur EMDR-Therapie, welche jedoch nach wenigen Sitzungen abgebrochen wurde (Berichte vom 30. Januar und 24. Februar 2012), sowie an Dr. med. G.________, Medizinisches Zentrum H.________, welcher eine nach dem Gleitschirmabsturz aufgetretene eindr�ckliche Leistungsintoleranz feststellte und ein gezieltes Aufbautraining unter physiotherapeutischer Assistenz empfahl, wozu sich A.________ jedoch nicht habe aufraffen k�nnen (Bericht vom 17. Januar 2012). Die Stelle als Projektleiter bei der I.________ AG war dem Versicherten per 30. September 2010 gek�ndigt worden. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), bei welcher A.________ f�r die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen sowie Berufskrankheiten versichert war, erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Nach der Abschlussuntersuchung vom 23. April 2012 erachtete ihr Kreisarzt Dr. med. J.________ einen ganzt�gigen Einsatz f�r administrative T�tigkeiten und leichte k�rperliche Aktivit�ten aus somatischer Sicht als zumutbar. Gest�tzt darauf schloss die SUVA den Fall mit Verf�gung vom 25. April 2012 und Einspracheentscheid vom 24. Juli 2012 per 1. Mai 2012 ab. Sie sprach dem Versicherten aufgrund der k�rperlichen Unfallfolgen eine Integrit�tsentsch�digung bei einer Integrit�tseinbusse von 5 % zu, lehnte indessen die Haftung f�r die psychischen beziehungsweise organisch objektiv nicht ausgewiesenen Unfallfolgen mangels ad�quaten Kausalzusammenhangs mit dem Absturz vom 20. M�rz 2010 ab.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Versicherungsgericht des Kantons Solothurn mit Entscheid vom 29. Januar 2014 ab.
A.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren mit dem Antrag, unter Aufhebung des angefochtenen Entscheides seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen.
W�hrend die SUVA auf Abweisung der Beschwerde schliesst, verzichten die SWICA Krankenversicherung AG und das Bundesamt f�r Gesundheit auf eine Vernehmlassung.
Streitig ist letztinstanzlich allein, ob die SUVA f�r die psychischen Unfallfolgen einzustehen hat. Das kantonale Gericht hat die diesbez�glich massgeblichen Grunds�tze (Art. 6 UVG; BGE 138 V 248 E. 4 S. 250 f.; 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f.; 129 V 177 E. 3 S. 181 ff.; 115 V 133) zutreffend dargelegt. Es wird darauf verwiesen.
Nach den vorinstanzlichen Erw�gungen war der Gleitschirmabsturz im Rahmen der Ad�quanzpr�fung dem eigentlich mittleren Bereich der Unfallereignisse zuzuordnen (BGE 115 V 133 E. 6 und 7 S. 138 ff.; 134 V 109 E. 10 S. 126 ff.). Das kantonale Gericht ging dabei in sachverhaltlicher Hinsicht davon aus, dass der Absturz aus acht bis zehn Metern, jedoch nicht in freiem Fall erfolgt sei, weil beim Paragleiter (lediglich) alle drei Seile vorne gerissen seien. Die Vorinstanz hat die Rechtsprechung zur Anwendung gebracht, wonach St�rze aus einer gewissen H�he als mittelschwer im engeren Sinne zu qualifizieren sind (RKUV 1998 Nr. U 307 S. 448 E. 3a).
Sofern die sachverhaltlichen Annahmen des kantonalen Gerichts zutreffen sollten, w�re sein Entscheid nicht zu beanstanden.
4.1.�Das Bundesgericht hat St�rze aus einer H�he von einigen Metern regelm�ssig dem eigentlich mittleren Bereich zugeordnet (vgl. zuletzt etwa Urteile 8C_811/2012 vom 4. M�rz 2013 E. 7.2; 8C_742/2009 vom 13. September 2010 E. 5.1; 8C_855/2009 vom 21. April 2010 E. 8.2; 8C_115/2009 vom 28. Juli 2009 E. 6.2; 8C_584/2007 vom 9. September 2008 E. 4.1; 8C_396/2007 vom 30. Mai 2008 E. 3.3; U 239/06 vom 12. April 2007 E. 4.3.2).
Nicht dazugez�hlt hat das Bundesgericht namentlich etwa den Sturz von einem Bauger�st �ber 5,4 bis acht Meter (was nicht weiter gekl�rt wurde; Urteil U 392/05 vom 16. Dezember 2005 E. 2.1), den Sturz vom obersten Balkon im dritten Stock eines sich im Bau befindlichen Mehrfamilienhauses aus einer H�he von etwa sieben bis acht Metern (Urteil U 168/04 vom 8. Oktober 2004 E. 5.2), den Sturz �ber sechs bis acht Meter beim Fensterreinigen im ersten Stock (Urteil U 167/99 vom 8. Februar 2000 E. 3b), den Sturz aus einer H�he von f�nf Metern auf einen Asphaltboden (RKUV 1998 Nr. U 307 S. 448, U 169/97 E. 3b) oder den Sturz bei der Arbeit aus einer H�he von rund acht Metern in einen Kaminschacht (Urteil U 231/94 vom 10. Mai 1995 E. 3c, zitiert in: RKUV 2005 Nr. U 555 S. 322, U 458/04 E. 3.4.1). Diese F�lle wurden jeweils als mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den schweren Unf�llen qualifiziert. Den schweren Unf�llen zugeordnet hat das Bundesgericht den Absturz eines Kranf�hrers mit einem an der Decke eines Bahntunnels montierten Kran �ber wenigstens acht Meter (Urteil U 83/97 vom 23. Dezember 1997 E. 2c, zitiert in: RKUV 1998 Nr. U 307 S. 448, U 169/97 E. 3a) sowie einen Gleitschirmabsturz (BGE 120 V 352 E. 5b/cc S. 356).
4.2.�Eine gr�ssere H�he rechtfertigte keine andere Qualifikation und es gen�gte umgekehrt auch eine geringere H�he f�r die Zuordnung zum eigentlich mittleren Bereich, wenn besondere Umst�nde zu ber�cksichtigen waren. Zu erw�hnen sind die Leiterst�rze �ber lediglich drei Meter, aber in bewusstlosem Zustand nach einem Stromschlag (SVR 2011 UV Nr. 10 S. 35, 8C_584/2010 E. 4.2.4), und �ber insgesamt etwa f�nf bis sieben Meter, jedoch abgebremst durch einen Zwischenboden (Urteil U 417/06 vom 19. Juni 2007 E. 4.2.1).
Der vorliegende Fall l�sst sich aus den folgenden Gr�nden nicht zuverl�ssig beurteilen.
5.1.�Es ist ungekl�rt geblieben, aus welcher H�he der Versicherte abgest�rzt ist. Gem�ss den �rztlichen Stellungnahmen, namentlich dem Bericht des Spitals B.________, wo die notfallm�ssige Versorgung erfolgte, handelte es sich um acht bis zehn Meter, wobei damals erw�hnt wurde, dass die Anamnese zufolge massiver Analgesie durch den Erstversorger (der Versicherte wurde luftgebunden auf die Notfallstation verbracht) erschwert gewesen sei. Weitere diesbez�gliche Abkl�rungen sind nicht erfolgt. Erst in einer Besprechung vom 4. November 2011, somit mehr als anderthalb Jahre nach dem Unfall, wurde die Frage aufgegriffen. Der Versicherte konnte sich dazu nicht �ussern. Beim Abflug habe er sich auf einer H�he von rund 200 Metern �ber dem Boden befunden. Wie der Pistenchef gem�ss einem Zeitungsartikel mitgeteilt habe, sei er ganz normal eine Kurve geflogen und dann ins Trudeln geraten. Der Versicherte erachtete daher eine Absturzh�he von acht bis zehn Metern als unm�glich, konnte sich auch nicht erkl�ren, woher diese Angaben stammten. Er selber habe den �rzten gegen�ber eine Absturzh�he von 30 bis 50 Metern erw�hnt. Der einzige Zeuge, der genannte Pistenchef, gehe von einer H�he von 20 Metern aus.
5.2.�Es findet sich in den Akten keine Dokumentation, um was f�r einen Paragleiter es sich gehandelt hat und wo die gerissenen Seile angebracht gewesen waren. Damit bleibt auch offen, wie sich dieser Defekt ausgewirkt hat, ob beziehungsweise inwieweit der mit den verbleibenden Seilen befestigte Gleitschirm seine Funktion noch erf�llen konnte. Es l�sst sich daher nur mutmassen, dass der Beschwerdef�hrer nicht in freiem Fall gest�rzt, sondern dabei abgebremst worden sei.
5.3.�Die erl�uterten Umst�nde sind entscheidwesentlich, und es d�rfen von weiteren Abkl�rungen dazu noch neue Erkenntnisse erwartet werden. Die Sache ist daher an die SUVA zur�ckzuweisen, damit sie �ber ihre Leistungspflicht hinsichtlich der geltend gemachten psychischen Folgen des Gleitschirmabsturzes vom 20. M�rz 2010 neu verf�ge.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 BGG). Die Gerichtskosten werden der unterliegenden Beschwerdegegnerin auferlegt (Art. 66 Abs. 1 BGG); des Weiteren hat sie dem Beschwerdef�hrer eine Parteientsch�digung zu bezahlen (Art. 68 Abs. 2 BGG).
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Solothurn vom 29. Januar 2014 und der Einspracheentscheid der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) vom 24. Juli 2012 werden aufgehoben. Die Sache wird zu neuer Verf�gung an die SUVA zur�ckgewiesen. Im �brigen wird die Beschwerde abgewiesen.
Dieses Urteil wird den Parteien, der SWICA Krankenversicherung AG, dem Versicherungsgericht des Kantons Solothurn und dem Bundesamt f�r Gesundheit schriftlich mitgeteilt.