Source: https://www.adac.de/reise-freizeit/ratgeber-reisen/reiserecht/flugausfall-flugverspaetung/?redirectId=quer.Flugausfall%20Verspaetung
Timestamp: 2019-05-25 00:24:05
Document Index: 16849214

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

ADAC Notfall-Checkliste, Musterschreiben & Übersicht zu „außergewöhnlichen Umständen“
Sie stehen am Flughafen, Ihr Flug ist abgesagt, umgebucht oder erheblich verspätet. Mit der ADAC Checkliste gehen Sie schon am Flughafen richtig vor.
ADAC Notfallcheckliste „Flug annulliert, verspätet oder überbucht – richtig handeln“, 224,81 KB
Musterschreiben für Ansprüche wegen Annullierung oder Verspätung, 27,36 KB
Bei Flügen aus oder in die EU kann der Reisende bei Überbuchung, Annullierung oder einer Ankunftsverspätung ab drei Stunden Ausgleichszahlungen nach der EU-Fluggastrechteverordnung verlangen. Für alle anderen internationalen Flüge ergeben sich Ansprüche aus dem Montrealer Übereinkommen.
EuGH: Keine Entschädigung für Flugverspätung wegen Reifenpanne
Der Flug eines Germanwings-Passagiers hatte auf dem Weg von Dublin nach Düsseldorf mehr als drei Stunden Verspätung. Grund dafür war eine Schraube, die auf der Start- und Landebahn gelegen und sich in einen der Flugzeug-Reifen gebohrt hatte. Bevor das Flugzeug nach Düsseldorf abheben konnte, musste erst der Reifen gewechselt werden. Der Passagier forderte eine Entschädigung wegen der Verspätung.
Die Airline berief sich auf "außergewöhnliche Umstände" und verweigerte die Zahlung. Der Passagier klagte und bekam in der ersten Instanz recht. Im Berufungsverfahren bat das Landgericht Köln die höchsten EU-Richter in Luxemburg um Rat.
Schraube im Flugzeugreifen - Airline muss keine Entschädigung zahlen
Mit Urteil vom 4.4.2019 (Rechtssache C-501/17) gaben die Richter des EuGH der Airline Recht. Die Airline kann sich auf "außergewöhnliche Umstände" berufen, denn dass eine Schraube auf dem Rollfeld liegt, sei für die Airline nicht vorhersehbar und auch nicht Teil des normalen von der Airline beherrschbaren Betriebs. Der Passagier kann von der Airline keine Entschädigung wegen der Flugverspätung fordern
EuGH: Entschädigung bei massenhafter Krankmeldung der Flugbesatzung
Die massenhafte Krankmeldung der Belegschaft bei Tuifly stellt keinen "außergewöhnlichen Umstand" dar. Daher muss die Airline den Reisenden Entschädigungen für die Verspätungen oder Annullierungen bezahlen, die durch den „Wilden Streik“ einstanden sind. Das entschied der EuGH.
Bei Tuifly ging im Oktober 2016 fast nichts mehr: Während der Verhandlungen über eine Umstrukturierung bei dem Ferienflieger meldeten sich große Teile der Belegschaft krank. Die Folge waren reihenweise Annullierungen und Verspätungen. Die Passagiere blieben sitzen, wurden umgebucht oder mussten lange warten. Seitdem wird darüber gestritten, ob die sitzengebliebenen Fluggäste einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen haben.
Entgegen der Schlussanträge des Generalanwalts urteilte der EuGH (Urteil vom 17.04.2018, Aktenzeichen C-195/17) eher verbraucherfreundlich. Wenn es wegen tarifrechtlich unerlaubter Arbeitsniederlegung („wilder Streik“) zu Flugausfällen oder erheblichen Verspätungen kommt, steht den Passagieren grundsätzlich eine Ausgleichszahlung nach der Fluggastrechteverordnung zu. Fluggesellschaften können sich nicht automatisch auf außergewöhnliche Umstände berufen.
Außergewöhnliche Umstände liegen nur vor, wenn das Ereignis nicht der betrieblichen Sphäre unterfällt und von der Fluggesellschaft nicht beherrschbar ist. Beides verneinte der EuGH im Fall Tuifly. Die massenhaften Krankmeldungen der Besatzung waren als Reaktion auf die geplanten Umstrukturierungen Teil der gewöhnlichen Betriebstätigkeit. Außerdem war der wilde Streik für die Fluggesellschaft beherrschbar, denn er endete kurze Zeit später infolge der Einigung mit dem Betriebsrat.
Das sagen ADAC Juristen dazu
„Natürlich versuchen Fluggesellschaften, sich möglichst oft auf außergewöhnliche Umstände zu berufen“, erklären die ADAC Juristen. Unstrittig ist das bei Ereignissen, die keiner verhindern kann. Wie Unwetter oder Aschewolken nach einem Vulkanausbruch. Gern versuchen Airlines aber auch, sich mit dem Hinweis auf defekte Lautsprecheranlagen oder verstopfte Toiletten zu entlasten. „Das Phänomen massenhafter Krankmeldungen und damit die Frage, ob dadurch bedingt Flugausfälle einen außergewöhnlichen Umstand darstellen, trat bisher so noch nicht auf“, erklären die Experten.
Für die betroffenen Passagiere geht es dabei um viel Geld: In der Fluggastrechteverordnung der EU ist genau geregelt, in welcher Höhe ihnen eines Ausgleichzahlung zusteht. Die Clubjuristen haben ein Formular entwickelt, mit dem Mitglieder ihre Ansprüche schnell und einfach bei einer Fluggesellschaft anmelden können, 27,36 KB. Zahlt die Airline daraufhin nicht, hilft die Rechtsberatung des Clubs – und wenn nötig ein ADAC Vertragsanwalt.