Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/GmbH-Neugruendung-Sitz--f24586.html
Timestamp: 2017-12-13 11:38:56
Document Index: 97058289

Matched Legal Cases: ['§4', '§ 5', '§ 7', '§ 7', '§ 5', '§ 30', '§ 49']

GmbH-Neugründung Sitz (Gesellschaftsrecht) - frag-einen-anwalt.de
www.frag-einen-anwalt.de Gesellschaftsrecht GmbH-Neugründung Sitz
| 12.04.2007 00:03 |
ich beabsichtige eine Ein-Mann-GmbH zu gründen, deren Geschäftszweck es ist, administrative Büroaufgaben für Unternehmen wahrzunehmen, die Organisation von Geschäftreisen/-events und die Betreuung von Geschäftspartnern dieser Unternehmen zu übernehmen. Die Aufgaben reichen von der Erledigung anfallender Sekretariatsarbeiten, wie Schriftwechsel, Buchhaltungsvorbereitung bis zum Übersetzungsservice.
Ein weiterer neuer Geschäftszweig der GmbH wird die Vermittlung von Hostessen als Begleitung für kulturelle Veranstaltungen, zu Geschäftsessen und Stadtführungen sowie die Betreuung von Geschäftspartnern meiner jeweiligen Auftraggeber durch einen eigenen erstklassigen Escortservice sein.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe ich von zuhause aus gearbeitet als Einzelunternehmung/Personengesellschaft.
Den Sitz der neuen GmbH möchte ich bei einem Büroserviceunternehmen in München registrieren lassen. Ich könnte dort jeweils für ca. 1 Tag die Woche ein Besprechungszimmer oder Büroräume mieten, um z. B. Vorstellungsgespräche o. ä. durchzuführen. Der Büroservice würde mit mir einen "Miet- und Dienstvertrag" (Mustervertrag liegt mir bereits in Kopie vor) abschließen, aus dem hervorgeht, daß ich dort einen Raum gemietet habe (ob ständig oder zeitlich begrenzt, geht nicht hervor) und zusätzlich Bürodienstleistungen (Post- und Telefondienste) in Anspruch nehme.
Dies würde für mich eine sehr kostengünstige Möglichkeit darstellen, da ich erheblich weniger Mietkosten hätte.
Da ich meine Geschäfte auch in der Zukunft vorwiegend mit Laptop und Handy theoretisch von jedem Ort der Welt aus erledigen kann, möchte ich mir kein zusätzliches Büro "aufhalsen", was dann sowieso die meiste Zeit ungenutzt bliebe.
Andererseits möchte ich keine Bewerberinnen in meinem Homeoffice empfangen und auch nicht meine Privatadresse auf der späteren Escort-Homepage - gezwungenermaßen - im Impressum angeben müssen, sondern die Adresse des gemieteten Büros.
Die Mitarbeiterin des Büroservice hat mir zugesichert, daß bereits eine ganze Anzahl von Firmen ihren Sitz auf ihre Adresse im Handelsregister registriert haben. Alle haben diesen extra für solche Fälle ausgearbeiteten und von einem Rechtsbeistand geprüften "Miet- und Dienstvertrag". Das Modell wäre speziell für solche Anforderungen (Sitz) konzipiert worden.
Es gibt wohl eine neue Regelung, daß man - um den Sitz einer GmbH dort anzumelden - nicht nur eine "Briefkastenadresse" haben darf sondern auch einen zu den üblichen Geschäftszeiten betreuten Festnetzanschluß dort haben sollte, den ich ebenfalls bekäme und einen gemieteten Büroraum.
Ein Sitz an meiner Privatadresse (Homeoffice) käme für mich auf keinen Fall in Frage.
Mich würde nun interessieren, ob es da einen "Haken" gibt bzw. ob das die jeweiligen Registergerichte (hier München) auslegen können, wie sie wollen? Und ob ich gezwungen wäre, ein Büro anzumieten, in dem ich dann "alibiartig" zu arbeiten hätte?
Ich möchte auch nicht mit meinem jetzigen Homeoffice umziehen in ein "richtiges" Büro, da ich es sehr genieße, so frei und flexibel wie bisher arbeiten zu können. Über den §4a GmbHG habe ich Kenntnis.
Außerdem würde mich interessieren, ob es stimmt, daß bei der Gründung einer Ein-Mann-GmbH ein Stammkapital in Höhe von € 12.500,00 ausreicht?
Ich bedanke mich im Voraus für Ihre schnelle Antwort.
Vorbehaltlich eines Grundes, der sich aus dem mit dem Büroserviceunternehmen geschlossenen Vertrages ergibt, spricht nichts gegen eine solche Regelung und einen solchen Sitz. Sie sind nicht verpflichtet, sich ständig in Ihrem Büro aufzuhalten, es muss lediglich Ihre Erreichbarkeit grundsätzlich gewährleistet sein. Durch den Büroservice werden Ihnen sicherlich Anrufe und Post weitergeleitet bzw. zur Kenntnis gebracht oder für Sie bis zu Ihrem nächsten Besuch gesammelt. Dies muss meines Erachtens, schon zu Ihrer eigenen Absicherung, vertraglich mit Ihrem Büroservice geregelt sein.
Daher spricht nichts grundsätzliches gegen eine solche Regelung.
Niemand, auch nicht das Registergericht, kann Sie zwingen, von einem bestimmten Ort aus zu arbeiten. Sie brauchen lediglich einen Sitz, an dem Sie erreichbar sind. Hierbei geht es unter anderem auch darum, dass der GmbH an einer Adresse Briefe zugestellt werden können darunter z. B. Nachrichten des Registergerichts, aber auch eine Klage im Zivilprozess. Auch unter diesem Gesichtspunkt sollte daher eine regelmäßige Abholung der Post oder Weiterleitung gewährleistet sein.
Dies sind aber zum Gutteil Fragen, die nur anhand einer Prüfung des Vertrages, den Sie mit dem Büroservicedienstleister schließen, beantwortet werden können. Gerne bin ich bereit, diesen Vertrag im Rahmen eines gesonderten Mandates zu prüfen. Sollten Sie hieran Interesse haben, So bitte ich Sie, mir eine Email zu schicken.
Für die Frage, wie hoch Ihr Stammkapital sein muss, ist zunächst § 5 GmbHG maßgeblich, danach muss das Stammkapital mindestens 25.000,00 € betragen. Davon zu unterscheiden ist die Frage, wie viel dieses Stammkapitals bei einer Gründung der GmbH eingzahlt werden muss. Dies ist im Regelfall die Hälfte, also 12.500,00 €. Bei einer Einmann-GmbH gibt es zusätzlich die Regelung des § 7 Abs. 2 GmbHG (die ich Ihnen im Wortlaut an das Ende meines Beitrages gesetzt habe), wonach der restliche Teil der Stammeinlage durch Bestellung einer Sicherheit gewährleistet sein muss. Dies kann zum Bsp. die Bürgschaft einer Bank sein. Sie müssten also 12.500,00 € an die Gesellschaft zahlen und für den restlichen Betrag eine Bürgschaft zur Verfügung stellen.
§ 7 Abs. 2 GmbHG: Die Anmeldung darf erst erfolgen, wenn auf jede Stammeinlage, soweit nicht Sacheinlagen vereinbart sind, ein Viertel eingezahlt ist. Insgesamt muß auf das Stammkapital mindestens soviel eingezahlt sein, daß der Gesamtbetrag der eingezahlten Geldeinlagen zuzüglich des Gesamtbetrags der Stammeinlagen, für die Sacheinlagen zu leisten sind, die Hälfte des Mindeststammkapitals gemäß § 5 Abs. 1 erreicht. Wird die Gesellschaft nur durch eine Person errichtet, so darf die Anmeldung erst erfolgen, wenn mindestens die nach den Sätzen 1 und 2 vorgeschriebenen Einzahlungen geleistet sind und der Gesellschafter für den übrigen Teil der Geldeinlage eine Sicherung bestellt hat.
Nachfrage vom Fragesteller	12.04.2007 | 01:10
Ich bin in der Lage, auch die vollen 25.000 € als Stammkapital bei Gründung einzulegen (ohne Bürgschaft). Kann ich davon dann aber gleich nach Registrierung der GmbH bestimmte Investitionen, wie Homepage-Erstellung, Mietzahlungen, Werbeanzeigen usw. je nach Bedarf bezahlen? Oder muß das Stammkapital erst mal auf dem Konto liegen bleiben? Die GmbH wird durch die von mir geleisteten Schreibarbeiten usw. gleich Umsätze machen. Also es besteht kein finanzielles Problem. Nur die Escort-Agentur ist dann ein neues Geschäftsfeld, was Investitionen erfordert.
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 12.04.2007 | 10:29
Sie sollten, wenn möglich, das einzuzahlende Stammkapital zumindest bis nach Eintragung der Gesellschaft in das Handelsregister, also in der Gründungsphase, keine Geschäfte tätigen, da sie für diese Geschäfte zwischen Gründung und Eintragung als Geschäftsführer grundsätzlich persönlich haften. Sie vermeiden dadurch also die persönliche Haftung über das (eingezahlte) Stammkapital hinaus. Dies könnte im Insolvenzfall maßgeblich und damit teuer werden.
§ 30 GmbHG schreibt vor, dass eine Rückzahlung der Stammeinlage an die Gesellschafter nicht erfolgen darf.
Nach Gründung können Sie aber das Stammkapital für Investitionen verwenden, sie sollten es aber nicht verbrauchen, sondern Gegenwerte dafür anschaffen (z. B. Laptop o. ä.) Bei Zahlung der Miete aus dem Stammkapital besteht das Problem, dass hier kein dauerhafter Gegenwert in das Gesellschaftsvermögen einfließt und das Stammkapital damit verbraucht ist. Hierbei ist dann wieder § 49 Abs. 3 GmbHG zu beachten, wonach eine Gesellschafterversammlung einzuberufen ist, wenn die Hälfte des Stammkapitals verloren ist.
Als Einmann-GmbHG müssen Sie, das sei über Ihre Frage hinaus ganz allgemein erwähnt, sorgfältig darauf achten, alle Vorgänge sorgfältig zu dokumentieren, das ist sowohl gegenüber dem Finanzamt als auch im Insolvenzfall (den ich Ihnen nicht wünsche) wichtig.
Ich hoffe, ich habe Ihre Nachfrage zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet und wünsche Ihnen viel Erfolg und gute Geschäfte!
"Die Antwort war sehr ausführlich und einleuchtend. Vielen Dank. "
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