Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Stoerung-des-oeffentlichen-Friedens--f10096.html
Timestamp: 2017-12-12 14:30:27
Document Index: 110901873

Matched Legal Cases: ['§ 125', '§ 1', '§ 105', '§ 32', '§ 27', '§ 35', '§ 32', '§ 32', '§ 34', '§ 32', '§ 45']

Störung des öffentlichen Friedens - frag-einen-anwalt.de
www.frag-einen-anwalt.de Strafrecht Störung des öffentlichen Friedens
03.02.2006 18:25 |
ich (männlich, 19 Jahre) habe die Straftat "Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten" begangen. Konkret habe ich einen Lehrer schriftlich in einem Brief an die Polizei mit dem Tode bedroht. (Bombendrohung)
Zum Tatzeitpunkt war ich 18 Jahre und eine Woche alt.
Wird das Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewandt?
Wird es eine Eintragung in das Führungszeugnis geben? Für mich ist das von großer Bedeutung, weil ich inzwischen meine Tat mehr als bereue und selbst Lehrer werden möchte. Bei der Bewerbung zum Referendariat wird in einigen Bundesländern ein Führungszeugnis für Behörden des Typs O verlangt. Ich habe
im Internet widersprüchliche Angaben zu den Eintragungen ins Führungszeugnis gelesen. Wird diese Straftat in das Typ-O-Führungszeugnis eingetragen? Wann wird sie ggf. wieder gelöscht?
§ 125 StGB hat die Strafandrohung Freiheitsstrafe von einem bis drei Jahren oder Geldstrafe. Gemäß § 1 JGG ist das Jugendgerichtsgesetz auf Heranwachsende (zum Tatzeitpunkt 18 aber noch nicht 21 Jahre alt) anwendbar, wenn eine Verfehlung vorliegt, die nach den allgemeinen Vorschriften mit Strafe bedroht ist. Dies ist bei Ihnen der Fall. Nach § 105 JGG findet Jugendstrafrecht (anstatt Erwachsenenstrafrecht) auf Heranwachsende dann Anwendung wenn:
1.	die Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Täters bei Berücksichtigung auch der Umweltbedingungen ergibt, daß er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand, oder
2.	es sich nach der Art, den Umständen oder den Beweggründen der Tat um eine Jugendverfehlung handelt.
Diese Voraussetzungen werden richterlich überprüft. Allgemein kann gesagt werden, dass in der überwiegenden Zahl der Fälle Jugendstrafrecht auf Heranwachsende angewendet wird.
Was in ein Führungszeugnis eingetragen wird, steht in § 32 BZRG.
Sollten Sie nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden, dann wird nach Nr.5 Geldstrafe von nicht mehr als 90 Tagessätzen und Freiheitsstrafe von nicht mehr als drei Monaten nicht in das Führungszeugnis aufgenommen (wenn im Register keine weitere Strafe eingetragen ist).
Bei der Anwendung von Jugendstrafrecht wird der Schuldspruch nach § 27 des Jugendgerichtsgesetzes, Verurteilungen, durch die auf Jugendstrafe von nicht mehr als zwei Jahren erkannt worden ist, wenn die Vollstreckung der Strafe oder eines Strafrestes gerichtlich oder im Gnadenweg zur Bewährung ausgesetzt oder nach § 35 des Betäubungsmittelgesetzes zurückgestellt und diese Entscheidung nicht widerrufen worden ist, Verurteilungen, durch die auf Jugendstrafe erkannt worden ist, wenn der Strafmakel gerichtlich oder im Gnadenweg als beseitigt erklärt und die Beseitigung nicht widerrufen worden ist, nicht im Führungszeugnis aufgenommen. Genau nachlesen können Sie dies unter § 32 II BZRG.
Der Unterschied zu einem Führungszeugnis für Behörden besteht darin, dass in einem Behördenführungszeugnis zusätzlich - anders als beim Privatführungszeugnis - auch bestimmte Entscheidungen von Verwaltungsbehörden, zum Beispiel der Widerruf eines Waffenscheins oder einer Gewerbeerlaubnis, enthalten sein. Auch Entscheidungen über eine mögliche Schuldunfähigkeit oder die gerichtlich angeordnete Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt können beispielsweise in einem Behördenführungszeugnis aufgeführt sein.
Dies steht in § 32 IV BZRG. Gemäß Ihren Angaben ist dies jedoch bei Ihnen nicht relevant.
Die Länge der Frist, nach der eine Verurteilung nicht mehr in das Führungszeugnis aufgenommen wird, ist in § 34 BZRG festgelegt und beträgt zum Beispiel dann drei Jahre, wenn es sich um Geldstrafe von mehr als 90 Tagessätzen handelt und noch eine weitere Strafe im Führungszeugnis eingetragen ist ( Voraussetzung des § 32 II BZRG nicht erfüllt). Ansonsten 5 Jahre.
Nach Ihren Angaben halte ich es für relativ unwahrscheinlich, dass es zu einer eintragungsfähigen Verurteilung kommt. Wenn Sie die Tat nun bereuen, so sollten Sie dies ausdrücklich zum Ausdruck bringen, da dies in der Strafzumessung berücksichtigt werden kann. Möglicherweise sollten Sie auf eine Einstellung des Verfahrens oder Absehen von der Verfolgung (nach § 45 JGG) hinarbeiten.
Die genannten Vorschriften können Sie unter http://bundesrecht.juris.de/bzrg/ nachlesen.
Ich hoffe, ich konnte Sie ein wenig beruhigen und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Störung des öffentlichen Friedens - frag-einen-anwalt.de © 2017 QNC GmbH