Source: https://en.b-ok.org/book/3571780/965ad5
Timestamp: 2020-04-06 22:38:24
Document Index: 255772588

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Forensische Psychiatrie : Klinik, Begutachtung und Behandlung zwischen Psychiatrie und Recht ; 69 Tabellen | Nedopil, Norbert | download
Main Forensische Psychiatrie : Klinik, Begutachtung und Behandlung zwischen Psychiatrie und Recht ; 69 Tabellen
Das bietet die genaue Beschreibung rechtlicher Rahmenbedingungen sowie praktischer und formaler Aspekte der Begutachtung und die Behandlung spezieller Fragestellungen der forensischen Psychiatrie. Das Spannunsgfeld zwischen medizinscher Stellungnahme und juristischer Entscheidung wird ebenso dargestellt, wie knapp, systematisch und übersichtlich die Krankheitslehre in direktem Bezug zu Fragen der Delinquenz und rechtlichen Begutachtung. Fragen des Verkehrs- und Unterbringungsrechts sowie rechtliche Grundlagen der Behandlung und Fürsorge werden ebenfalls besprochen. Read more...
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Prüfungsvorbereitung Rechtsmedizin : 48 Tabellen
Gefängnismedizin : medizinische Versorgung unter Haftbedingungen
Karlheinz Keppler, Heino Stöver
Aus Nedopil, N.: Forensische Psychiatrie (ISBN 9783131034533) © 2007 Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart
Klinik, Begutachtung und Behandlung
zwischen Psychiatrie und Recht
Stuttgart ∙ New York
Publikation in der Deutschen National­bibliografie;
© 2007 Georg Thieme Verlag KG
Telefon: +49/(0)711/8931-0
Zeichnungen: Barbara Gay, Stuttgart
Satz: medionet Prepress Services Ltd., Berlin
gesetzt aus Adobe InDesign CS2
ISBN 978-3-13-103453-3
Wichtiger Hinweis: Wie jede Wissenschaft ist die Medizin ständigen Entwicklungen unterworfen. Forschung und
anbelangt. Soweit in diesem Werk eine Dosierung oder eine
Applikation erwähnt wird, darf der Leser zwar darauf vertrauen, dass Autoren, Herausgeber und Verlag große Sorgfalt darau; f verwandt haben, dass diese Angabe dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes entspricht.
sorgfältige Prüfung der Beipackzettel der verwendeten Präparate und gegebenenfalls nach Konsultation eines Spezialisten festzustellen, ob die dort gegebene Empfehlung für
Dosierungen oder die Beachtung von Kontraindikationen
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Präparaten oder solchen, die neu auf den Markt gebracht
worden sind. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf
eigene Gefahr des Benutzers. Autoren und Verlag appellieren an jeden Benutzer, ihm etwa auffallende Ungenauigkeiten dem Verlag mitzuteilen.
besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass
es sich um einen freien Warennamen handelt.
für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikro­verfilmungen
Psychiatrische Universitäts-Klinik
Abt. Forensische Psychiatrie
Prof. Dr. med. Volker Dittmann
Wilhelm-Klein-Strasse 27
Dr. med. Franz Joseph Freisleder
Heckscher Klinikum
für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik
für Suchtforschung
Im Vorwort zu diesem Buch als Neuerscheinung
wies Nedopil auf die 15-jährige Geschichte seines
Entstehens hin. Vier Jahre später liegt die zweite
Auflage vor. Diese Spanne mag dem einen oder
anderen vielleicht von gewagter Kürze erscheinen.
Wer einen Blick hineintut, wird aber schnell eines
Besseren belehrt. Zwei Gründe machen die nun
vorliegende Neubearbeitung geradezu „zwingend
erwünscht“.
Zum einen hat sich viel bewegt in der forensischen Psychiatrie gerade im letzten halben Jahrzehnt. Zu Grundthemen wie Persönlichkeitsstörungen, Prognostik und Behandlungsformen sind mit
hinzutretenden Forschungsergebnissen zugleich
neue Perspektiven eröffnet worden, wie die Klientel dieses Fachgebiets besser zu verstehen sei, und
zugleich neue Varianten, wie ihr „forensisch“ vielleicht besser gerecht zu werden ist. Zwar liegen die
Quellen solcher Erkenntnisse vielfach noch im Ausland, doch schmälert dies keineswegs den Zugewinn,
den sie auch für die hierzulande forensisch-psychiatrisch Tätigen bereithalten. Der Text der zweiten
Auflage beweist auf Schritt und Tritt, wie gründlich
er (auch insofern) aktualisiert ist. In Anbetracht der
durchgängigen Praxis-Orientierung des Werkes ist
ein signifikanter Fort-Schritt.
Eben davon aber wird auch der andere große
Adressatenkreis profitieren, der hier – das Justizsystem insgesamt vereinfachend – der „juristische“ genannt sei. Hier war vor allem das Gesetz
zur Bekämpfung von Sexualdelikten und anderen
gefährlichen Straftaten vom 26. 1. 1998 das prägende Ereignis der Zeit seit der Vorauflage von 1996;
denn es bewirkte eine Art Trendwende innerhalb
eines forensischen Zentralbereichs. Mit dieser kriminalpolitischen Lage setzt sich der Sachverständige Nedopil unter allen einschlägigen Aspekten
ebenso gründlich wie deutlich kritisch auseinander.
Das wiederum bedingte die ausführlichere Darstellung oder überhaupt Neufassung von Abschnitten,
z. B. über den Maßregelvollzug, den sozialtherapeutischen Strafvollzug (einschl. § 182 Abs. 2 VollzG) und
die ambulante Nachsorge unter Führungsaufsicht.
Und nach wie vor gilt: „Die Therapie von Sexualdelinquenten im Maßregelvollzug erscheint … durchaus erfolgversprechend. Die Rückfallrate ist deutlich
niedriger als bei Sexualdelinquenten, die aus der
Strafhaft entlassen werden“ (13.2.3.3): Wann wird
„man“ dem endlich (wieder) Rechnung tragen?
Hinzugekommen sind ferner die Kapitel über
(allgemeine) Gefängnispsychiatrie, den Umgang
mit Opfern, die Passagen über die sozial- und zivilrechtliche Begutachtung von Schmerzsyndromen
usw.; die Nennungen stehen für viele weitere. Alles
in allem dürfte der nun vorliegende Text seine Qualitäten der durchdachten Kombination von Ergänzungen und Einfügungen verdanken, von Neugewichtungen, Neuzuordnungen innerhalb der Systematik sowie neuen oder zusätzlichen Texten. Damit
gelingt eine Fortschreibung aller Qualitäten, dank
deren die Erstauflage sich seinerzeit so schnell und
umfassend durchsetzte. Zugleich wird schon jetzt
ein vielverspechend anhaltender Zugzwang sichtbar!
Dem Vorwort der zweiten Auflage ist nach sechs Jahren nicht viel hinzuzufügen. Die Situation der Forensischen Psychiatrie, die damals beschrieben wurde,
besteht unvermindert fort: Es gab auch in den vergangenen Jahren einen erheblichen Wissenszuwachs, und es gab gesetzliche Veränderungen und
Vorgaben der Rechtsprechung, die sich nachhaltig
auf die psychiatrische Begutachtungskunde auswirken. Aus diesen Gründen war eine Vielzahl von
Änderungen und Ergänzungen erforderlich. Darüber hinaus haben erneut Anregungen von Lesern
und Seminarteilnehmern zu Verbesserungen beigetragen. Für derartige Anregungen und Kritik bin ich
auch weiterhin ausgesprochen dankbar. Das Literaturverzeichnis wurde nochmals ausgeweitet, damit
die Leser die in diesem Buch enthaltenen Anregungen vertiefen können. Dies gilt insbesondere für
Teile des Buches, in denen nicht das gesamte derzeitige Wissen aufgezeigt, sondern nur Überblicke
dargestellt werden konnten: In dem Kapitel über
Therapie beispielsweise geht es nicht darum, einzelne Behandlungskonzepte im Maßregelvollzug im
Detail darzustellen und zu werten, sondern Einblick
in den gegenwärtigen Stand der Behandlungsmöglichkeiten und ihre Grenzen zu geben. Vergleichbares gilt auch für eine Reihe anderer Kapitel, z. B.
jenes über Prognose, über Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen oder über Gefängnispsychiatrie.
Die Ergänzung des Buches durch eine Sammlung
von Beispielgutachten, die ebenfalls beim Thieme
- Verlag unter dem Titel „Beispielgutachten in der
Forensischen Psychiatrie“ (2001) erschienen sind,
hat sich offenbar bewährt. Auch in dieser Auflage
wird durch Hinweis in eckiger Klammer [] auf die
entsprechenden Beispiele und die Seitenzahl in diesem Buch hingewiesen.
Wiederum haben einige Mitarbeiter und Freunde
dieses Manuskript sehr sorgfältig durchgelesen, und
ihre Korrekturen und Anregungen zur Verbesserung
haben sicher zu einer besseren Lesbarkeit beigetragen. Ich danke besonders Frau Dr. Ruth Saueracker,
Herrn Dr. Friedrich Mohr, Herrn Vors. Richter am
Landgericht a. D. Heinz Alert, Herrn Prof. Dr. Jürgen
Müller und Frau Dr. Susanne Kappicht für ihre Hilfe.
Seit der Erstauflage des Buches 1996 hat sich in der
forensischen Psychiatrie mehr verändert als in vielen Jahren davor. Das Wissen in dem Fach hat sich
enorm erweitert, der internationale Wissensaustausch hat auf breiter Basis zugenommen, Erkenntnisse und Instrumente, die im Ausland entwickelt
wurden, sind nicht mehr nur bei einzelnen Wissenschaftlern bekannt, sondern werden in der täglichen Praxis angewandt. Therapieverfahren für psychisch kranke oder gestörte Rechtsbrecher wurden
z. T. neu, z. T. weiterentwickelt und finden in einer
zunehmenden Zahl von Einrichtungen Anwendung.
Das Fortbildungs- und Tagungsangebot hat sich vervielfacht. Die Vorbereitung für eine Spezialisierung
in forensischer Psychiatrie mit Zertifikat durch die
Fachgesellschaft ist abgeschlossen, die Einrichtung
eines Schwerpunktarztes bei der Bundesärztekammer beantragt.
Forensische Psychiatrie ist heute weit mehr als
früher in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten.
Trotz der großen Fortschritte steht die forensische
Psychiatrie nicht nur in Deutschland (Mason 1999)
einer Vertrauenskrise bezüglich ihrer Effektivität
gegenüber. Die veröffentlichte Meinung und der
öffentliche Druck ist dem Fach und seinen Vertretern gegenüber ganz besonders unnachsichtig und
voreingenommen. Forensische Psychiater geraten
dabei allzu leicht in die Gefahr, dem öffentlichen
Druck nachzugeben und zum Handlanger politischer Entscheidungen zu werden, die sowohl den
ethischen Prinzipien der Medizin als auch dem
Erkenntnisstand des Faches zuwiderlaufen. So
erlebt man auf der einen Seite die Verkleinerung
und Schließung von psychiatrischen Einrichtungen
und den Zwang zur Verkürzung von Aufenthaltszeiten in psychiatrischen Kliniken aus Kostengründen, auf der anderen Seite die langfristige zwangsweise Unterbringung von Menschen, die durch
keine psychische Störung in ihrer Entscheidungsfreiheit beeinträchtigt sind, in geschlossenen Kliniken. Psychiater haben sich in der Vergangenheit
schon öfter dem politischen Druck gebeugt, sehr
zum Nachteil ihres Berufsstandes. Die forensische
Psychiatrie, die im Überlappungsbereich zwischen
Humanwissenschaft und Jurisprudenz steht und
nicht nur das Wohl der ihr anvertrauten Patienten,
sondern auch die Interessen der Allgemeinheit und
speziell jene eines potenziellen Opfers oder jene der
Gemeinschaft der Versicherten im Auge behalten
muss, ist dieser Gefahr noch mehr ausgesetzt als die
klinische Psychiatrie. Umso wichtiger ist es, wachsam zu bleiben und ein möglichst sicheres Fundament für eigene Entscheidungen zu finden. Auch die
zweite Auflage dieses Buches soll hierfür ein Beitrag
und eine Hilfe sein.
Von Lesern und in Seminaren wurde immer
wieder bemängelt, dass der praktischen Umsetzung
des theoretischen Wissens zu wenig Raum gegeben
wurde. Ich habe mich deshalb mit Unterstützung
des Thieme Verlags entschlossen, in Ergänzung des
Lehrbuchs eine Sammlung von Beispielgutachten
herauszugeben. Sie erscheint unter dem Titel „Beispielgutachten aus der Forensischen Psychiatrie“
im Thieme Verlag. In den einzelnen Kapiteln dieses
Buches wird auf die jeweils entsprechenden Gutachten hingewiesen.
Auch diese Neuauflage wäre nicht ohne die
Hilfe vieler Mitarbeiter zustande gekommen. Ich
danke allen für ihre Mithilfe, insbesondere Frau Dr.
A. Steinwachs und Frau S. Lindhoff; beide haben die
Manuskripte und Druckfahnen mit großer Mühe
durchgelesen und zu vielen Verbesserungen angeregt.
München, im Juni 2000
Die Entstehung des Buches hat eine lange Geschichte.
Die Anfänge wurden bereits vor mehr als 15 Jahren
vom Thieme Verlag und meinem verehrten Lehrer,
Herrn Professor Dr. Werner Mende, konzipiert. Das
Drängen von beiden, Verlag und Initiator, haben
dazu beigetragen, dass dieses Buch jetzt geschrieben
wurde. Es hat sicher eine andere Form bekommen
als ursprünglich geplant, und es setzt auch andere
Akzente. Es soll auch nicht die unverwechselbare
Handschrift eines Autors tragen oder der Schulenbildung in der forensischen Psychiatrie dienen.
Vielmehr sollten derzeitiges Wissen und derzeitige
Meinungsbildung aus mehreren Perspektiven dargestellt werden.
Das Buch ist durch vielerlei Hilfe möglich geworden. Viele Diskussionen mit medizinisch-psychologischen und juristischen Fachleuten und Anfängern
bei den Interdisziplinären Niederpöckinger Seminaren für forensische Psychiatrie und Psychologie,
einer Weiterbildungsveranstaltung, die seit 1990
jährlich stattfindet, haben mir die Augen für Probleme geöffnet, die mir sonst kaum aufgefallen
wären. Sie haben auch Lösungsansätze gezeigt, an
die ich allein nicht gedacht hätte. Hierfür bin ich den
dozierenden und diskutierenden Mitstreitern, aber
auch den fragenden und anregenden Teilnehmern in
Niederpöcking sehr dankbar.
Das Manuskript hat viele Wandlungen und – ich
hoffe – Verbesserungen erfahren. Für die aufmerksame Lektüre, die Korrektur und die Verbesserungsvorschläge bin ich meinen Mitarbeitern/innen Frau
Dr. Lutz, Frau Dr. Steinwachs und Herrn Dr. Krupinski
zu großem Dank verpflichtet. Es bleiben sicher einige
Ungereimtheiten und Unzulänglichkeiten bestehen.
Über einige bin ich mir bewusst, ohne eine adäquate
Lösung gefunden zu haben, andere werde ich wohl
erst nach dem Erscheinen des Buches erfahren. Für
die Unausgewogenheit der Geschlechtsbezeichnungen möchte ich mich entschuldigen. Ich habe
zugunsten der Lesbarkeit auf „innen“ verzichtet.
Täter und Opfer bleiben, wo sich geschlechtsspezifische Formulierungen nicht vermeiden ließen,
männlich. Wenngleich Männer tatsächlich in diesem Feld überrepräsentiert sind, wollte ich eine
geschlechtsspezifische Voreingenommenheit in
meinen Formulierungen nicht ausdrücken.
Ärztliches Handeln und rechtliches, insbesondere strafrechtliches Denken, scheinen oft wie zwei
Pole eines Spektrums, aus dem menschliches Handeln betrachtet werden kann und muss. Die dabei
auftretenden Gegensätze sollen nicht verwischt
werden. Angemessene Entscheidungen können häufig erst getroffen werden, wenn man einen Sachverhalt oder eine Person aus verschiedenen Positionen
betrachtet und bedenkt. In dem Forum, in dem die
Entscheidungen getroffen werden, haben die einzelnen Akteure unterschiedliche Rollen und Aufgaben.
Es erscheint mir wichtig, dass diese Rollen möglichst
transparent bleiben und dass die Akteure ihre Rollen nicht verlassen, dass sie nicht vereinnahmt werden und sich nicht vereinnahmen lassen. Um dies
zu gewährleisten, sind sowohl fundierte Kenntnisse
der eigenen Aufgaben wie ausreichendes Wissen um
die Aufgaben der anderen erforderlich und es bedarf
des gegenseitigen Resektes. Das Buch soll dazu dienen, Wissen und Verständnis zu vermitteln; die
gegenseitige Achtung nicht nur der Personen, sondern auch der Rollen, die sie auf dem Forum spielen,
kann der Autor sich und den anderen Beteiligten im
forensisch-psychiatrischen Dialog nur wünschen.
München, im März 1996
Allgemeine Grundlagen .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Einführung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Begriffsbestimmung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Historische Entwicklung  .  .  .  .  .  .  .
Standortbestimmung  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Grundlagen forensischpsychiatrischen Vorgehens  .  .  .  .  .
vor Gericht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Rechtliche Vorgaben  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Praktische Probleme  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Rollenkonflikte  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Öffentlichkeit und Presse  .  .  .  .  .  .  .
Rechtliche Rahmenbedingungen und Implikationen für den Psychiater  .  .  .  .  .  .  .
Strafrecht .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Schuldunfähigkeit und ­verminderte
Schuldfähigkeit  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Eingangsmerkmale . . . . . . . . . . .
Krankhafte seelische Störung  .  .  .  .
Tiefgreifende Bewusstseinsstörung  .
Schwachsinn  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Funktionsbeeinträchtigungen  .  .  .  .
Einsichtsunfähigkeit  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Steuerungsunfähigkeit und
­verminderte Steuerungsfähigkeit  .  .
Maßregeln der Besserung und
Sicherung .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Prognosen im Erkenntnis­verfahren  .
Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus (§  63 StGB)  .  .  .
Entziehungsanstalt (§  64 StGB)  .  .  .
(§  126a StPO)  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Sicherungsverwahrung (§  66 StGB)  .
(§  66a StGB)  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Prognosen im Verlauf
der ­Unterbringung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Änderung der Vollstreckungs­reihenfolge  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Späterer Beginn der Maßregel  .  .  .
Änderung der Art der Maßregel . . .
Einweisung in die Sozialtherapeuti­sche
Abteilung einer Justizvollzugsanstalt
Lockerungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Prognosen zur Entlassung aus der
­Unterbringung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Aussetzung von Maßregeln zur
­Bewährung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
nach zehn Jahren (§  67d Abs. 3 StGB)
Beendigung der Unterbringung in einer
Entziehungsanstalt wegen Aussichts­
losigkeit (§  67d Abs. 5 StGB)  .  .  .  .  .
Erledigung der Unterbringung in
einem psychiatrischen Krankenhaus
(§  67d Abs. 6 StGB),
sog. Fehleinweisungen  .  .  .  .  .  .  .  .
Führungsaufsicht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Betäubungsmittelgesetz (BtmG) und
Betäubungsmittel-Verschreibungs­
verordnung (BtmVV)  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Verhandlungsunfähigkeit  .  .  .  .  .  .  .
Haftunfähigkeit  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Disziplinarrecht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Indikationen zur Anforderung eines
psychiatrischen ­Gutachtens im Strafund ­Disziplinarverfahren  .  .  .  .  .  .  .
Zivilrecht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Geschäftsunfähigkeit  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Prozessunfähigkeit  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Testierunfähigkeit  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Betreuungsrecht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Rechtliche Grundlagen  .  .  .  .  .  .  .  .
Vollmacht und Betreuung  .  .  .  .  .  .
Einwilligungsvorbehalt  .  .  .  .  .  .  .  .
Geschäftsunfähigkeit und Betreuung
Zustimmung des Vormundschafts­­gerichts  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Begutachtung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Exkurs: Einwilligung in ärztliche
Behandlung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Eherecht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Bürgerliches Haftungs- und
Schadensersatzrecht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Zurechnungsfähigkeit  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Entschädigung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Bundesentschädigungsgesetz  .  .  .  .
Sozialrecht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Häufige Begriffe im ­Sozialrecht  .  .  .
Zusammenhangsfragen  .  .  .  .  .  .  .  .
Wesentliche Bedingung  .  .  .  .  .  .  .  .
Beweisanforderungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Unterbringung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Unterbringungsformen  .  .  .  .  .  .  .  .
Zivilrechtliche Unterbringung  .  .  .  .
Strafrechtliche Unterbringung  .  .  .  .
Untersuchung und vorläufige
Ärztliches Zeugnis und ­Gutachten  .
Empirische Daten  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
­Untergebrachten  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Fahreignung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Rechtsfragen bei Kindern, Jugend­lichen und Heranwachsenden  .  .  .
Gesetzliche Altersstufen im
Kindes- und Jugendalter  .  .  .  .  .  .  .
Strafrecht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Die Reifebeurteilung jugendlicher
und heranwachsender Rechts­brecher
Zur strafrechtlichen Verantwortlich­keit jugendlicher Täter: §  3 JGG  .  .  .
Jugendstrafrecht oder allgemeines
Strafrecht beim heranwachsenden
Täter: §  105 JGG  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Exkurs: Überlegungen zu einer
Reform des §  105 JGG  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Exkurs: Sicherungsverwahrung auch
für jugendliche und ­heranwachsende
gefährliche Straf­täter?  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Erziehungsmaßregeln im
­Jugendstrafrecht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Zivilrecht und öffentliches Recht  .  .
Deliktfähigkeit  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Entschädigungspflicht  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Familien- und Sorgerecht, ­Adoption
Geschlossene Unterbringung von
Kindern und Jugendlichen  .  .  .  .  .  .
Kinder- und Jugendhilferecht und
Psychiatrische Krankheitslehre und Implikationen für die forensische Beurteilung
Grundbegriffe  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Psychopathologische ­Symptome  .  .
Psychische Funktionen und ihre
Störungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Besondere Verhaltensund ­Erlebensweisen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
­Dokumentationssysteme  .  .  .  .  .  .  .
Zusammenfassung zu Syndromen  .
Verlaufsbeschreibung  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Klassifikation psychischer Störungen 96
Entwicklung der diagnostischen
Konzepte  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Moderne psychiatrische
­Klassifikationssysteme  .  .  .  .  .  .  .  .
Forensische Relevanz  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Kriterienkatologe, Merkmalslisten,
Richtlinien und ­Mindestanforderungen
Einzelne Störungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  103
Organisch bedingte Störungen  .  .  .  .  103
Klinik  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  103
Vorübergehende hirnorganische
Chronische hirnorganische ­
Exkurs: Aufmerksamkeitsdefizit­Hyperaktivitäts-Störung (ADHS)  .  .
Delinquenz  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Störungen durch psychotrope
Substanzen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Psychiatrische Terminologie  .  .  .  .  .
Diagnostik  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Alkoholbedingte Störungen  .  .  .  .  .
Klinik  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Substanz und Stoffwechsel  .  .  .  .  .  .
Wirkung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Missbrauch  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Entzugserscheinungen  .  .  .  .  .  .  .  .
Kriminalität  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Verkehrsdelikte  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
12.4.1.7
12.4.1.8
12.4.4.3
12.4.4.4
12.5.1.4
12.5.1.6
12.5.4.3
12.5.4.4
12.6.4.4
Störungen durch illegale und
andere psychotrope Substanzen  .  .  .
­Substanzen und ihrer Wirkungen  .  .
Opioide  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Cannabinoide  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Sedativa, Hypnotika und Anxiolytika
Kokain  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Amphetamine und andere
­Psychostimulanzien  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Halluzinogene  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Inhalanzien  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Polytoxikomanie  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Schizophrene, schizotype und
wahnhafte Störungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Klinische Formen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Schizophrenien  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Schizotype Störung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Vorübergehende akute psychotische
Schizoaffektive Störungen  .  .  .  .  .  .
Weitere psychotische Störungen  .  .
Affektive Störungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Klinik affektiver Störungen  .  .  .  .  .  .
Manische Episode  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Depressive Episode  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Rezidivierende affektive Störung  .  .
Dysthymia  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Neurosen, psychosomatische
Störungen und Belastungs­reaktionen
Phobische Störungen und
­Angststörungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
12.7.1.5
12.7.1.6
12.7.4.4
12.8.5.3
12.8.5.4
12.10.1.3
12.10.4.1
12.10.5.1
12.10.5.2
12.10.5.3
12.11.4.1
12.11.4.2
12.11.4.3
12.11.4.4
Zwangsstörungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Belastungsreaktionen und
­Anpassungsstörungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Dissoziative und ­Konversions­störungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Somatoforme Störungen  .  .  .  .  .  .  .
Neurasthenie  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Exkurs: Simulation und ­Aggravation
Persönlichkeitsstörungen  .  .  .  .  .  .  .
Einzelne ­Persönlichkeits­störungen  .
Exkurs: Das heutige Konzept der
„psychopathy“  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Behandlung und Verlauf von
­Persönlichkeitsstörungen  .  .  .  .  .  .  .
Abnorme Gewohnheiten und
Störungen der Impuls­kontrolle  .  .  .
Abweichendes Sexualverhalten  .  .  .  .
Paraphilien oder Störungen der
Sexualpräferenz  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Exhibitionismus  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Fetischismus  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Pädophilie  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Sadismus und Sadomasochismus  .  .
Begutachtung bei Transsexualität  .  .
Standards der Diagnostik und
Das Transsexuellengesetz (TSG)  .  .  .
Intelligenzminderung  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Klinische Einteilung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Behandlung und Betreuung  .  .  .  .  .
Störungen des Kindes- und
Jugendalters  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Klassifikation kinder- und jugend­
psychiatrischer Störungen und
Erkrankungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Jugendspezifische Besonderheiten
bei psychischen Störungen  .  .  .  .  .  .
­Verhaltens- und emotionale
­Störungen mit Beginn in der
­Kindheit und Jugend  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Besonderheiten kinder- und
­jugendpsychiatrischer ­Behandlung  .
im Maßregelvollzug  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Glaubwürdigkeitsbegutachtung
von Kindern und Jugendlichen  .  .  .  .
Besondere Fragestellungen an die forensische Psychiatrie  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Besonderheiten bei der Beurteilung
und Behandlung delinquenten
Verhaltens  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 229
Affektdelikte  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Sexualdelinquenz  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Aggressive Sexualdelikte  .  .  .  .  .  .  .  236
Sexuelle Nötigung und
Vergewaltigung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Sexueller Kindesmissbrauch  .  .  .  .  .
Inzest  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Sexuell motivierte Tötungen  .  .  .  .  .
Besonderheiten bei der Unter­suchung
aggressiver Sexualstraftäter  .  .  .  .  .
Behandlung und ­Rückfallverhütung
Medizinische Behandlung  .  .  .  .  .  .
Behandlungsmöglichkeiten  .  .  .  .  .
Therapieeinrichtungen für
­Sexualstraftäter  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Risikoeinschätzung und
­Risikominimierung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Aggressionsdelikte  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Psychopathologische Erfassung,
Entstehung und Prophylaxe
­aggressiven Verhaltens  .  .  .  .  .  .  .  .
Aggression bei psychischen
­Störungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Aggressionsformen und Tätertypen
Jugendliche Aggressionstäter  .  .  .  .
Gewalt in der Familie  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Brandstiftung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Stalking  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Altersdelinquenz  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Begutachtung bei speziellen
Syndromen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Begutachtungsprobleme bei
Suizidalität und Auto­aggressivität  .
Suizidprävention versus ­Sterbehilfe
Grundlagen für die Beurteilung der
Suizidalität  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Epidemiologische Daten  .  .  .  .  .  .  .
Bedingungsfaktoren bei Suizidalen  .
Suizidalität und autonome ­
Entscheidung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Interventionsformen  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Strafrechtliche Sonderfälle: ­Para­suizidale Geste und ­erweiterter Suizid
Selbstverletzungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Störungsbilder, die bislang empirisch
noch nicht ­zugeordnet werden
konnten  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Schmerzsyndrome  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Rückfallprognosen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Geschichte der ­Prognoseforschung  .
Derzeitige Prognosekonzepte  .  .  .  .
Methodische Voraussetzungen  .  .  .
Prognoseinstrumente  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Protektive Faktoren  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Unterschiedliche prognostische
Fragestellungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Verflechtung von Prognose und
Therapie  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Grenzen von ­Rückfallprognosen  .  .  .
Inhalt von Prognosegutachten  .  .  .  .
Zusammenfassung des ­derzeitigen
Wissensstandes  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Behandlung und Prävention bei
Aggressionstätern  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Prävention unmittelbarer
Aggression  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Pharmakologische Behandlung  .  .  .
Langfristige Verhaltensmodifikation
bei Aggressionstätern  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Sonderfälle von Gewalttaten  .  .  .  .  .
Mord und Totschlag  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Gewaltdelikte von Frauen . . . . . . .
Behandlung psychisch gestörter
Rechtsbrecher  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Rechtliche ­Rahmenbedingungen  .  .
Maßregelvollzugsgesetze  .  .  .  .  .  .  .
Rechtliche Grundlagen der Therapie
Behandlung, Behandlungspflicht und
Duldung der Behandlung  .  .  .  .  .  .  .
Verschwiegenheitspflicht und
­Offenbarungspflicht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Stufenplan, Lockerungen und
­Belastungserprobung  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Verantwortlichkeit bei
­Fehlentscheidungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Derzeitige Situation des ­
Maßregelvollzugs  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Grundlagen der ­Therapie ­unter
forensischen ­Bedingungen  .  .  .  .  .  .
Konzepte und Tendenzen der
Behandlung psychisch ­gestörter
Individuelle, hypothesengeleitete
Therapiekonzepte  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Therapeutische Spezialisierung und
Differenzierung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Entwicklungstendenzen  .  .  .  .  .  .  .
Ambulante forensische Therapie  .  .
Sozialtherapeutische ­Abteilungen  .
Gefängnispsychiatrie  .  .  .  .  .  .  .  .  .
von Opfern  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Haftreaktionen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Alkohol- und ­Drogenmissbrauch  .  .
Haftfähigkeit  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Schweigepflicht und
Offenbarungspflicht­  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Behandlungskonzepte  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Glaubhaftigkeit von
Zeugenaussagen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Gutachtenerstellung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  333
Verschwiegenheitspflicht des Arztes
und Aussagepflicht des
Sachverständigen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Rechtliche Bestimmungen zur
Gutachtensdurchführung  .  .  .  .  .  .  .
Praktische Durchführung des
Gutachtenauftrags  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Aktenstudium  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Exploration und Untersuchung  .  .  .
Aufklärung des Untersuchten  .  .  .  .
Untersuchungsablauf  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Besonderheiten der Untersuchung
im Strafverfahren  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Intervenierende Variablen bei der
Schriftliches Gutachten  .  .  .  .  .  .  .  .
Einleitung und Formalien  .  .  .  .  .  .  .
Aktendarstellung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Angaben des Probanden  .  .  .  .  .  .  .
Befunde  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Beurteilung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Teilnahme an der ­Hauptverhandlung
Verfahrensgang  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Mündliches Gutachten  .  .  .  .  .  .  .  .
Befragung des Sachverständigen  .  .
Fehlermöglichkeiten bei der
Sachverständigenvergütung  .  .  .  .
Entwicklungstendenzen und
Forschungsrichtungen  .  .  .  .  .  .  .  .
Weiterbildung und ­Qualitätssicherung 354
Forschung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  355
Rückblick  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Biologische und funktionelle
­Abweichungen bei dissozialen
Persönlichkeiten  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  357
Vorläufer von Delinquenz und
­Gewalt im Kindes- und ­Jugendalter  .  359
Frauen in der forensischen
­Psychiatrie  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  360
Forensische Psychiatrie und ­Polizei  .  360
Offene Fragen der
und der Rückfallprognose  .  .  .  .  .  .
20.2.3.3
20.2.3.4
20.2.3.5
Forensische Psychiatrie in Österreich 365
Einleitung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Straftaten im Zustand ­voller
­Berauschung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Vorbeugende Maßnahmen  .  .  .  .  .  .
Suchtmittelgesetz  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Jugendgerichtsgesetz  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Unterbringung psychisch Kranker . .
im Zivilrecht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Sachwalterschaft  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Geschäfts- und Testierfähigkeit  .  .  .
Ehegesetz  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
im Sozialrecht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Berufsunfähigkeit – Invalidität  .  .  .
Schmerzensgeld  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Pflegegeldgesetz  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Justizanstalt Göllersdorf  .  .  .  .  .  .  .
Justizanstalt Wien-Mittersteig  .  .  .  .
Justizanstalt Wien-Favoriten  .  .  .  .  .
Zukunftsaussichten  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
in der Schweiz  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Zur Situation der forensischen
Psychiatrie in der Schweiz  .  .  .  .  .  .
Notwendigkeit der Begutachtung  .  .
Strafrechtliche Maßnahmen  .  .  .  .  .
Handlungs- und Urteilsfähigkeit  .  .
Vormundschaftliche Maßnahmen . .
Fürsorgerische ­Freiheitsentziehung
(FFE)  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Sozialversicherungsrecht  .  .  .  .  .  .  .
Anhang  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Zitierte Gesetzestexte  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Gesetzestexte in Deutschland  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Zivilprozessordnung ZPO  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Gesetz über die Angelegenheiten der
freiwilligen Gerichtsbarkeit (FGG)  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Bundesdisziplinarordnung (BDO)  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Ehegesetz (EheG)  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Sozialgesetzbuch (SGB VI)  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Strafgesetzbuch  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Jugendgerichtsgesetz  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Betäubungsmittelgesetz  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Straßenverkehrsgesetz  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Strafprozessordnung (StPO)  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Strafvollzugsgesetz - StVollzG  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Gesetzestexte Österreich  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Strafgesetzbuch (StGB)  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Strafprozessordnung(StPO)  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Strafvollzugsgesetz (StVG)  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Suchtmittelgesetz (SMG)  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Jugendgerichtsgesetz (JGG)  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Unterbringungsgesetz (UbG)  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB)  .  .
Allgemeines Sozialversicherungsgesetz (ASVG)  .
Gesetzestexte Schweiz  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Neues Strafgesetzbuch (StGB),
in Kraft ab 01.01.2007  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Schweizerische Bundesverfassung  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Zivilgesetzbuch  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Literatur .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Abkürzungsverzeichnis  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Sachverzeichnis  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .
Die forensische Psychiatrie ist nach heutigem Verständnis ein Spezialgebiet der Psychiatrie, welches
sich mit den fachspezifischen Begutachtungsfragen
und mit der Behandlung psychisch kranker Rechtsbrecher befasst.
Forensisch vom lateinischen „Forum“ (= der
Platz, das Theater, das Gericht) bezieht sich im
weitesten Sinn auf die Anwendung einer Wissenschaft zur Beantwortung von gerichtlichen Fragen.
„Forensisch“ ersetzt somit den deutschen Begriff
„Gerichts- “ oder „Rechts-“ in den jeweils zusammengesetzten Wörtern, wie Gerichtsmedizin, Rechtsmedizin und gerichtliche Psychiatrie. Das noch bis
1976 in Neuauflagen erschienene Standardwerk der
Forensischen Psychiatrie von Langelüddeke und
Bresser hieß Gerichtliche Psychiatrie.
Seine historischen Wurzeln hat das Fach in der
Rechtswissenschaft und der Rechtsmedizin. Der
forensische Psychiater bewegt sich an den Grenzen zu einer Reihe anderer Fächer: Rechtswissenschaften, Kriminologie, Soziologie, Psychologie,
Rechtsmedizin und die verschiedenen Strömungen
der Psychiatrie haben Anteil an seinem Denkgebäude. Aus der Vielzahl der Wissenschaften sind
es jedoch jeweils nur Einzelbereiche, die er für die
Erfüllung seiner Aufgaben beherrschen muss. Der
forensische Psychiater gerät somit in Gefahr, von
vielen Fachgebieten ein wenig zu wissen, keines
aber durch fundierte und umfassende Kenntnis zu
Dieses Dilemma spiegelt sich auch in dem vorliegenden Lehrbuch wider, nicht zuletzt, weil dessen Umfang relativ begrenzt sein soll: Keines der
von der forensischen Psychiatrie tangierten Gebiete
kann ausführlich dargestellt werden. Selbst die Strömungen der Psychiatrie, die für die Forensik relevant
sind, können nicht alle im Detail erläutert werden.
Dieser Begrenzung muss man sich stets bewusst
bleiben. Als Leitfaden soll das Buch dem Anfänger
und dem fachfremden Leser einen Überblick vermitteln und ihm ermöglichen, sich im forensischen
Fachgebiet zu orientieren. Es soll darüber hinaus
die wesentlichen Hilfestellungen für eigene gutachterliche Tätigkeit anbieten und Hinweise auf wei-
terführende Literatur zur Beantwortung spezieller
Fragen liefern.
Das Buch orientiert sich vorwiegend an einer
deskriptiven, phänomenologisch ausgerichteten
Psychopathologie und Psychiatrie, wie sie den
modernen Diagnoseschemata ICD-10 und DSM-IVTR zugrunde liegen und wie sie auch von der herrschenden Meinung in der forensischen Psychiatrie
getragen werden. Hinweise auf biologische Erklärungsmodelle oder psychodynamische Konzepte
bleiben deshalb immer unvollständig und zum Teil
sogar bruchstückhaft. Sie dürfen aber meiner Meinung nach nicht fehlen, um den Lesern das breite
Spektrum der psychiatrischen Denkmöglichkeiten
aufzuzeigen und sie gegebenenfalls zu vertiefender
Lektüre der jeweiligen Grundlagenliteratur anzuregen.
Die forensische Psychiatrie im engeren Sinn befasst
sich mit den Fragen, die von Gerichten und Behörden an Psychiater gestellt werden. In einem weiteren Sinn deckt das Fach jenen breiten Überlappungsbereich zwischen Recht und Psychiatrie ab,
der sich sowohl aus den rechtlichen Problemen im
Umgang mit psychisch Kranken und Gestörten für
Ärzte, Gerichte und Behörden ergibt als auch aus
den Auswirkungen der medizinischen und psychologischen Probleme dieser Menschen auf ihre Fähigkeit zu rechtsrelevantem Handeln.
In allen medizinischen Fächern gibt es einen
meist unterschätzten Einfluss rechtlicher Vorgaben
auf medizinisches Handeln und einen relativ großen
Einfluss ärztlicher Entscheidungen auf rechtsrelevante Fragen: Ärztliche Eingriffe sind Körperverletzungen und somit prinzipiell strafbare Handlungen
und Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht der Selbstbestimmung eines Menschen. Sie sind nur gerechtfertigt durch die Einwilligung des Betroffenen nach
ordnungsgemäßer Aufklärung. Ärztliches Handeln
tangiert also immer Grundrechte der Patienten. Dar-
über hinaus sind Bescheinigungen, Atteste und Formulargutachten rechtsverbindliche Aussagen. Die
sozialrechtlichen Fragen nach Arbeitsunfähigkeit,
nach Minderung der Erwerbsfähigkeit, nach Berufsunfähigkeit oder nach Unfallfolgen müssen von
jedem Arzt beantwortet werden. Begutachtungen
gehören somit ebenfalls zum Alltag von praktizierenden Ärzten aller Fachrichtungen. Über das hierfür erforderliche Wissen informieren spezielle Lehrbücher (Dörfler et al. 2001; Fritze et al. 2001; Marx
u. Klepzig 1997; Rauschelbach et al. 2000) .
In der Psychiatrie hat die Begutachtungskunde
jedoch eine wesentlich größere Bedeutung als in
den anderen medizinischen Fachgebieten. Die Sonderstellung der Begutachtungskunde in der Psychiatrie
resultiert aus dem großen Überlappungsbereich mit
der Rechtsprechung und der historischen wie tatsächlichen Nähe zur Rechtsmedizin. Die sachlichen
Notwendigkeiten für den Überlappungsbereich von
Recht und Psychiatrie ergeben sich zum einen aus
einer am einzelnen Menschen orientierten Rechtsprechung, zum anderen aus der Forderung, Rechte
des Menschen auch dort zu respektieren, wo dieser
seine Rechte nicht mehr selber wahrnehmen kann
oder aufgrund einer Krankheit zu seinem eigenen Schaden auf vermeintlichen Rechten besteht.
Unabhängig von philosophischen Erwägungen und
wissenschaftlichen Hypothesen und weitgehend
unberührt von dem derzeit zum wiederholten Mal
ausgebrochenen heftigen Diskurs über Determinismus und Indeterminismus (Geyer 2004; Maier et al.
2005; Roth 2003; Singer 2003) gehen Gesetze und
Rechtsprechung davon aus, dass der erwachsene,
rechtsmündige Mensch weitgehend frei über seinen
Willen verfügen und die Verantwortung für sein
eigenes Handeln übernehmen kann. Die für sein
Handeln erforderlichen Fähigkeiten werden weder
definiert, noch werden die Voraussetzungen, die
dafür erforderlich sind, beschrieben. Der gesunde
Erwachsene ist schuldfähig und geschäftsfähig, einwilligungsfähig und berufsfähig und vieles andere
mehr. Die Rechtswissenschaft und die forensische
Psychiatrie sind sich seit jeher der philosophischen
Problematik „des freien Willens“ und der Relativität
der Aussage, dass der Mensch gemäß einer freien
Willensbestimmung handeln kann, bewusst (Haddenbrock 1995; Nedopil 1998a; Saß 1998; Schöch
1998a). Der Diskurs über die Willensfreiheit hat die
Geschichte der Rechtswissenschaft und der forensischen Psychiatrie mit unterschiedlichen religiösen,
philosophischen, psychologischen und naturwissenschaftlichen Argumenten begleitet und offenbar
mit jeder neuen Methodenentwicklung der letzten
Jahrhunderte (z. B. Psychoanalyse, Behaviorismus,
funktionelle Bildgebung) neue Nahrung erhalten.
Psychische Krankheiten können jedoch die
kognitiven und voluntativen Fähigkeiten von Menschen beeinträchtigen, sodass ihnen vernünftige
Willensäußerungen nicht mehr möglich sind.
Normkonformes Verhalten kann durch eine psychische Erkrankung beeinträchtigt oder verhindert
werden. Die Aufhebung einer eigenen vernünftigen
Willensentscheidung kann sich auch auf die medizinische Behandlung auswirken. Beispielsweise
kann ein Patient durch seine Krankheit selbst gehindert werden, die Notwendigkeit einer Behandlung
einzusehen. Dies macht unter Umständen eine
Behandlung gegen den Willen oder ohne Zustimmung des Patienten erforderlich. Auf der einen Seite
wirken sich somit psychische Störungen auf viele
Bereiche rechtsrelevanten Handelns aus; auf der
anderen Seite beeinflussen rechtliche Vorschriften
die Behandlung in der Psychiatrie weit häufiger als
in anderen Bereichen der Medizin. Beides hat dazu
geführt, dass schon relativ früh in der Entwicklung
des Faches eine Subspezialisierung zur forensischen
Psychiatrie erfolgte. Neben der Begutachtungskunde
für Gerichte und Behörden ist die forensische Psychiatrie auch gefordert, wenn Zwangsmaßnahmen zum
Schutz der Patienten oder auch der Allgemeinheit notwendig werden. Der forensische Psychiater sollte als
Bindeglied zwischen den Disziplinen fungieren und
auch den klinisch tätigen Arzt über die rechtlichen
Fragen der Behandlung psychisch Kranker beraten
Forensische Psychiatrie beschränkt sich jedoch
nicht auf den Austausch und die Vermittlung von
Wissen und Lehrmeinungen zwischen Recht und
Psychiatrie. Die Behandlung psychisch kranker
Rechtsbrecher, die im Konfliktbereich zwischen
rechtlichem Sicherungsauftrag und ärztlicher, am
Individuum orientierter Behandlungsethik stattfindet, gehört zu ihren schwierigsten Aufgaben.
Aus diesem Bereich kommen auch die meisten
Forschungsimpulse: Zusammenhänge zwischen
psychischen Störungen und Delinquenzmustern, die
Entwicklung und Wirksamkeitsüberprüfung kriminaltherapeutischer Interventionsstrategien, Vorhersagemöglichkeiten künftiger Delinquenz der Behandelten und die Überprüfung der Verlässlichkeit der
Prognosen bleiben wichtige Forschungsaufgaben in
diesem Bereich. Darüber hinaus sind von der forensischen Psychiatrie die Abgrenzung zwischen juristischen Normvorgaben, statistischen Normen und
psychopathologischen Abweichungen, die Objektivierung psychiatrischer Befunderhebungen und
deren forensischer Relevanz und die Bewertung der
Auswirkungen sozialrechtlicher Entscheidungen
auf die künftige Lebensqualität psychisch Gestörter auf empirisch-wissenschaftlicher Grundlage
gefordert. Die enge Nachbarschaft zur Kriminologie
und Soziologie wird durch derartige Themenkataloge deutlich. Die besondere Aufgabe in diesem
mehrfachen Überlappungsbereich, die praktischen
Anforderungen im Umgang mit Auftraggebern und
Klientel und die Forschungsbereiche zeigen die Notwendigkeit einer Spezialisierung der forensischen
Psychiatrie, aber auch das Gewicht, welches dieses
Fach für die Psychiatrie und die Medizin insgesamt
hat. Forensische Psychiatrie bleibt aber trotz aller
Spezialkenntnisse und Spezialanforderungen Teil
des Gesamtfaches Psychiatrie, zumal historisch die
Begutachtung, die Behandlung und ggf. die Verwahrung psychisch Kranker und sozial störender
Menschen eine der wichtigen Aufgaben des Faches
waren und es bis heute sind (Hoff 2005; Kröber
2005; Nedopil 2005a).
der Angeklagten zu befinden hatte. Zwar sind Einflüsse von Ärzten, wie Aretaeus (ca. 150 n. Chr.) oder
Galenus (129 – 201 n. Chr.), die sich auch mit Geisteskrankheiten befassten, auf die römische Gesetzgebung unverkennbar, bei der Ermittlung des Geisteszustandes im Einzelfall wurde der Arzt jedoch
nicht eingeschaltet. Erst über ein Jahrtausend später
empfahl Paolo Zacchia (1584 – 1659), Leibarzt des
Papstes und Berater der Rota Romana, des obersten
Gerichtshofes der katholischen Kirche und des Kirchenstaates, bei bestimmten Verfahren Ärzte hinzuzuziehen. Er schrieb 1621 die „Quaestiones medicolegales“. In Quaestio 1 steht: „Dementia, ac similes
morbi, passiones cerebri sunt solis medicis notae“
(dass Geisteskrankheiten Leiden des Gehirns sind,
die nur dem Arzt bekannt sind). Er unterschied drei
verschiedene Formen der gestörten Geistestätigkeit,
die zur Beeinträchtigung des Verstandes führen
könnten („qui rationem laedunt“):
1. Fatuitas (Geistesschwäche, Stumpfsinn),
2. Phrenitis (Wahn, Halluzinationen, Delirium) und
3. Insania (gänzlicher Verlust des Verstandes).
Nach den Rechtspraktiken der meisten deutschen
Reichsstädte und Fürstentümer durften im Mittelalter Geisteskranke nicht mit dem Tode bestraft
werden. Sie konnten auf andere Weise „unschädlich
gemacht“ werden (Lenckner 1972). In der Gesetzgebung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher
Nation kam es durch die Einführung der Constitutio
Criminalis Carolina 1532 durch Karl V. zu einer Betonung des öffentlichen Charakters der Strafe. Offenbar wurden ab dieser Zeit in Anlehnung an römischitalienische Rechtsprinzipien und an die Kanonistik,
die im 14. Jahrhundert entwickelt worden war, auch
in Mitteleuropa Geistesgestörte nicht bestraft. Entscheidenden Einfluss erhielt die Betrachtung geistesgestörter Menschen durch die Rechtsprechung
von der Naturrechtsbewegung und der sich daraus
entwickelnden Imputationslehre. Sie geht davon
aus, dass für die Bestrafung der Erfolg der Tat nur
maßgebend ist, insoweit sie dem Täter zurechenbar
war. Nach dem Rechtsphilosophen Samuel Pufendorf (1632 – 1694) führt die Differenz zwischen
den physischen Gegebenheiten und der Norm zu
einer „actio moralis“, zur Zurechnung von Schuld
und Verdienst. Für die Zurechnung (imputatio) sind
sowohl ein „praelucens intellectus“ (vorleuchtende
Einsicht) wie ein „decernens voluntas“ (unterscheidender Wille) Vorbedingung. Ein Willensdefekt
führt zur Zurechnungsunfähigkeit. Nach dieser Auffassung ist die Willensfreiheit die Grundlage für die
Verantwortung des Menschen.
Fragen, die heute üblicherweise an den forensischen
Psychiater gestellt werden, wurden in Rechtsprechung und Gesetzgebung erörtert, lange bevor
es das Fach Psychiatrie oder gar eine forensische
Psychiatrie gab. Aristoteles (Nikomachische Ethik)
entwarf als Erster die Idee, dass psychisch Kranke
nicht bestraft werden sollten, wenn ihre Krankheit
die Grundlage ihres Rechtsverstoßes war, wenn der
Täter aufgrund eines Wahns oder aufgrund von Desorientiertheit handelte. Im römischen Recht gingen
„furiosi“ (die Rasenden), „mente capti“ (die Verblödeten) und „dementes“ (die Toren) straffrei aus.
Bei ihnen war man der Meinung, dass sie durch ihr
Schicksal genug gestraft seien („furiosum fati infelicitas excusat, satis furore ipso punitur“, Lenckner 1972). Auch schwerer Affekt und Trunkenheit
wirkten sich nach römischem Recht strafmindernd
Unter Justinian (483 – 565) gab es bereits
Kuratoren für Personen, die wegen „imbecillitas“
(Verstandesschwäche) in ihrer Verfügungsfreiheit
eingeschränkt waren (von Krafft-Ebing 1885). Das
römische Recht unterschied sich von der in Mitteleuropa bis in das 16. Jahrhundert praktizierten
Rechtsausübung insofern, als es neben der Tat auch
die subjektiven Tatumstände für die Strafzumessung berücksichtigte. Das römische Recht legte
allerdings nicht fest, wer über die Geisteszustände
Wenn auch noch mit vielen Unklarheiten behaftet, war hier zum ersten Mal ein übergreifendes
Konzept erarbeitet worden, welches die verschiedenen Formen der Geistesstörungen unter einem
forensisch relevanten Gesichtspunkt zusammenfasste. In der Folge wurde von mehreren Autoren
eine Reihe von Geistesstörungen aufgezählt, die
zum Ausschluss der Willensfreiheit führen sollen.
Joh. Samuel Freiherr von Böhmer (1704 – 1772)
erwähnte:
1. Furiosi (Rasende),
2. Dementes (Schwachsinnige),
3. Maniaci (Geistesverwirrte) und
4. die an schwerer, mit Wahn verbundener Form
der Melancholia Leidenden.
Als vermindert schuldfähig wurden Angeklagte
wegen „Dummheit“, gerechten Zornes und angeborener Taubstummheit, außerdem wegen objektivierbarer Affekt-, Rausch- und Schlafzustände angesehen.
Von Böhmer riet den Richtern, wegen der
Schwierigkeit bei der Unterscheidung dieser
Zustände die Ärzte zu befragen. Nachhaltig vertreten wurde diese Auffassung in einem 1740 von Joh.
Zacharias Platner verfassten Werk mit dem Titel:
„Programma, quo ostenditur medicos de insanis et
furiosis audiendos esse“ (Konzept, in dem gezeigt
wird, dass Ärzte über Geisteskranke und Rasende
zu hören sind, Krafft-Ebing 1885). Dass Ärzte zu
hören seien, wurde damit begründet, dass die Tollheit eine Krankheit des Körpers ist, die das Gehirn
derart beeinträchtigt, dass es die Dinge weder recht
bedenken kann, noch in der Lage ist, seinem Willen
zu befehlen (Janzarik 1972).
Im Laufe des 18. Jahrhunderts bestanden aber
weiterhin Zweifel, wer die verminderte Willensfreiheit eines Menschen zu beurteilen hat. Kant
(1724 – 1804) vertrat in seiner Anthropologie (1798)
die Auffassung, dass es sich dabei um ein psychologisches und nicht um ein medizinisches Problem
handele („eine gerichtliche Arzneikunde betreibt,
wenn es auf die Frage ankommt, ob der Gemütszustand des Täters Verrückung oder mit gesundem
Verstande genommene Entschließung sei, Einmischung in fremdes Geschäft“; §  41). In der Praxis
hatte sich dennoch die sogenannte „gerichtliche
Arzneywissenschaft“ mit jenen zweifelhaften Seelenzuständen zu befassen, die zu Straffreiheit oder
Strafminderung führten.
Zwischenzeitlich hatte sich auch das Wissen
um die psychischen Erkrankungen ausgeweitet.
Mit Philippe Pinel (1745 – 1826) begann eine neue
Anschauung der geistig-seelischen Störungen. Er
versuchte, die einzelnen Krankheitsbilder detailliert zu schildern (Jaspers 1973). Die Psychiater
jener Zeit stellten häufig neben den sorgfältigen
Beschreibungen der Krankheitsbilder auch die Auswirkungen der Krankheiten auf den rechtlichen
Umgang mit den Patienten dar. Aus dieser Krankheitsbeschreibung entwickelte ein Schüler Pinels,
Jean Etienne Dominique Esquirol (1772 – 1840), die
Monomanienlehre, die zunächst großen Einfluss auf
die forensische Psychiatrie ausübte. Auch heute
erinnern Begriffe wie Kleptomanie oder Pyromanie an den französischen Psychiater. Die Monomanienlehre wurde in den folgenden Jahren heftig
angegriffen. Wilhelm Griesinger (1817 – 1869) z. B.
schrieb darüber: „Die Tat selbst zum wesentlichen
Kriterium eines anomalen Zustandes zu machen,
hat zu der Lehre von den Monomanien geführt,
die für die Wissenschaft gleich gefährlich war und
nur dazu diente, das ärztliche Urteil mit Recht bei
den Richtern in Verruf zu bringen“ (Janzarik 1972).
Diese Kritik soll jedoch die Bedeutung Esquirols für
die Entwicklung der forensischen Psychiatrie und
auch für die Gesetzgebung nicht schmälern. In seinem 1838 erschienenen Lehrbuch nimmt der rechtliche Aspekt des Umgangs mit den Kranken einen
Neben der Beschreibung immer neuer Krankheitsbilder kam aus Frankreich in Form der Degenerationslehre eine andere, sehr einflussreiche Lehrmeinung, welche die Entwicklung der forensischen
Psychiatrie des späten 19. und des beginnenden 20.
Jahrhunderts maßgeblich beeinflusste: Benedict
Augustin Morel (1809 – 1873) führte 1857 einen
Teil der Geisteskrankheiten auf eine von Generation
zu Generation zunehmende Abweichung von dem
ursprünglichen Menschentyp (type primitif von Rousseau) zurück. Die milieubedingten Schäden würden
durch Degeneration und Vererbung fortschreiten bis
zur vorzeitigen Verblödung, die er „demence précoce“ nannte. Diese mehr romantische Anschauung
wurde durch die Übernahme der Lehren Darwins
nach damaliger Anschauung naturwissenschaftlich untermauert. Valentin Magnan (1835 – 1916)
führte die Degeneration auf Fehlentwicklungen der
menschlichen Evolution zurück: Das Ausmaß der
Störung des seelischen Gleichgewichtes entspreche
demnach dem Grad der Degeneration.
Die Auswirkungen der Entartungslehre zeigten
sich besonders in der forensischen Psychiatrie und
in der Kriminalanthropologie: Bezüglich ihrer Genese
wurden Geisteskrankheiten und Kriminalität gleichgesetzt. Erbliche Belastung, ausschweifende Lebens-
führung und Alkoholismus wurden von den Vertretern dieser Lehre als die häufigsten Voraussetzungen
von Kriminalität und Geisteskrankheit angesehen.
Der exponierteste Vertreter dieser Auffassung, Cesare Lombroso (1836 – 1910), verfasste 1876 sein viel
zitiertes und bereits damals sehr umstrittenes Werk
„delinquente nato“, auf Deutsch „Der Verbrecher in
anthropologischer, ärztlicher und juristischer Beziehung“ (Lombroso 1894). Seiner Auffassung nach sind
Verbrecher Menschen, die auf eine niedrigere Evolutionsstufe zurückgesunken sind. Dieser Rückschritt
lasse sich nicht nur an der Verhaltensweise, sondern
auch an anatomischen Merkmalen feststellen. Mit
der Wiederentdeckung der Mendel’schen Arbeiten
über den tatsächlichen Mechanismus der Vererbung
zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren auch die Theorien der Degenerationslehre in der Psychiatrie bald
wissenschaftlich überholt. Sie wurden dennoch später zu einem der Mosaiksteine eines radikalen, menschenverachtenden Umgangs mit psychisch Kranken, der erst in den letzten Jahren in begrenztem
Umfang aufgearbeitet wurde (Leonhardt u. Foerster 1996). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
weckten neben der Zunahme der psychiatrischen
Erkenntnisse auch Reformbewegungen der Rechtsprechung das Bedürfnis, psychiatrisches Wissen
für die richterliche Wahrheitsfindung nutzbar zu
machen. Während zuvor der Verbrecher eine Person
war, der ein Delikt zugeschrieben wurde, begann
man jetzt, nach den Charakterzügen und Motiven
des Verbrechers zu fragen. Während zuvor die Frage
des Gerichts lautete: „Was muss wie bestraft werden?“, hieß die Frage jetzt: „Wer kann bestraft werden?“ (Foucault 1976). Das Interesse an der Person
des Täters und an seinen Motiven, geweckt durch
immer wieder zitierte dramatische Verbrechen, verlangte nach psychologischen und psychiatrischen
Erklärungen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab
es eine sehr große Zahl von Lehrbüchern, kasuistischen Beiträgen und theoretischen Auseinandersetzungen. Bei letzteren spielte die Frage, ob es aus
naturwissenschaftlich-psychiatrischer Sicht überhaupt eine Willensfreiheit gäbe, ob somit die Voraussetzungen für die Strafbarkeit eines Handelns
überhaupt angenommen werden könnten, eine
große Rolle. Dieser Determinismus-IndeterminismusStreit ist bis heute noch nicht endgültig geklärt und
wird wohl auch einer letzten wissenschaftlichen
Klärung nicht zugänglich sein (siehe Kapitel 1.1).
Die frühen Psychiater, insbesondere Johann Christian August Heinroth (1773 – 1843), ein sogenannter
Psychiker, hatten in ihren Grundideen eher indeterministische Standpunkte vertreten. Sie hielten den
Menschen nicht nur für seine Verbrechen, sondern
zum Teil auch für seine psychische Erkrankung für
verantwortlich. Heinroth schrieb 1825 (S. 261): „Der
Mensch hat es sich jederzeit selbst zuzuschreiben,
wenn er melancholisch, verrückt, wahnsinnig usw.
wird: denn er hat das köstlichste Gut seines Lebens,
die Freiheit, im Widerspruche gegen das Gesetz derselben, dessen er sich gar wohl bewusst ist, nicht
Demgegenüber sahen die Somatiker unter den
Psychiatern, wie Friedreich (Friedreich 1842), ihre
Aufgabe darin, die Erkenntnisse der psychologischen
Medizin in die Gesetzgebung und Rechtsprechung
einzubringen: „So wollen wir denn hoffen, dass die
neue Zeit eine alte, sich oft nur in geistlosen Formen
bewegende Juristerei zu Grabe getragen und dafür
das Dogma geschaffen hat, dass Gesetzgebung und
Rechtspflege ohne Anthropologie und Psychologie
nur zu elender Barbarei führen. Möchten Inquirenten
und erkennbare Richter sich immer bemühen, den
ganzen Menschen, welcher als Angeklagter vor
ihnen steht, möglichst kennen zu lernen: es ist eine
schöne und reichlich lohnende Aufgabe nachzuweisen, dass der Verbrecher nur ein Unglücklicher sei“.
Die Auseinandersetzung zwischen Psychikern, wie
Heinroth und Ideler, und Somatikern, wie Friedreich,
wirkte sich auch auf die forensisch-psychiatrischen
Lehrmeinungen aus. Die Ersteren neigten mehr zu
indeterministischen, die Letzteren eher zu deterministischen Anschauungen.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die forensische Psychiatrie ebenso wie die klinische Psychiatrie davon überzeugt, dass durch naturwissenschaftlich-medizinische Erkenntnisse in naher Zukunft
die psychischen Erkrankungen erklärt und konkrete
Maßnahmen zu ihrer Verhinderung unternommen
werden könnten. Zudem glaubte man, dass durch
die wissenschaftlichen Erkenntnisse die Verbrechensbekämpfung wesentlich erleichtert werde:
Die Identifizierung von Verbrechertypen, ihre spezifische Behandlung oder Verwahrung würden
Strafen unnütz und Behandlung möglich machen.
Krafft-Ebing schrieb 1885: „Als in nicht ferner Zeit
anzuhoffende Fortschritte unserer Wissenschaft
sind die Klärung gewisser Zustände, die sich äußerlich wie bloße moralische Verkommenheit anfühlen, in Wirklichkeit aber krankhafte sind, die Verwertung neuerer Forschungen über die Erblichkeit
psychischer Gebrechen, über den Einfluss gewisser
verborgener Nervenkrankheiten (Epilepsie; Hysterie) auf das Zustandekommen unfreier Geisteszustände zu verzeichnen.“ Kraepelin (1880) erwartete,
dass durch die Einrichtung von Erziehungsanstal-
ten, die lebenslängliche Detention von Unverbesserlichen und die Fürsorge für Entlassene Rückfälligkeit weitgehend vermieden werden könnte. Die
positivistischen Anschauungen jener Zeit führten zu
einer Vielzahl von Untersuchungen an Verbrechern.
Neuroanatomische Studien an Verbrechergehirnen,
Studien über Familien von Kriminellen und über die
Wirkung des Alkohols auf die Entwicklung von Verbrechern (Zusammenfassung bei Lombroso 1894)
führten zu wissenschaftlich nicht haltbaren Schlüssen, die auch von einer Reihe anderer namhafter
Psychiater vertreten wurden (Bleuler 1896). Ihre
überzogene Propagierung durch Binding und Hoche
(1920) diente später der Rechtfertigung für politisch
motivierte Eingriffe in die Freiheit, Unversehrtheit
und schließlich in das Leben psychisch Kranker
(Dörner 1989). Solche Denkansätze wurden aber
bereits um die vorletzte Jahrhundertwende kritisiert
(Aschaffenburg 1906). Der Missbrauch dieser Denkansätze im Nationalsozialismus begründete ihre
massive Ablehnung nach dem Zweiten Weltkrieg
durch die Psychiatrie in Deutschland und führte zu
einer Abwendung von der Suche nach biologischen
Grundlagen der Delinquenz. Die biologische Psychiatrie widmete sich den endogenen Psychosen. Das
Interesse der Psychiatrie an den Rechtsbrechern ließ
nach. Die Intentionen gingen eher dahin, nachzuweisen, dass psychische Krankheit und Rechtsbruch
unabhängig voneinander auftreten. Somit zeigt die
Geschichte, dass einerseits psychiatrische Anschauungen in grober Weise für politische Zwecke missbraucht werden können und dass andererseits die
Angst vor dem Missbrauch sinnvolle Forschung
hemmen oder gar verhindern kann.
Forschungen, die zunehmend auch die forensische Psychiatrie und die Begutachtung beeinflussen (Eichelman 1992; Elbogen u. Huss 2000; Elliott
2004; Heinz 1999b; Laakso et al. 2002; Müller et al.
2004; Raine et al. 1997; Retz 2001; Soderstrom et
al. 2002), haben jedoch gezeigt, dass es biologische
Faktoren für Delinquenz geben könnte und die gleichen neuronalen Fehlfunktionen für Gewalttätigkeit verantwortlich sein könnten, die auch für einige
psychische Krankheiten postuliert werden.
Andererseits haben die soziologischen Forschungen und die daraus resultierenden kriminologischen Theorien auch dargelegt, dass Delinquenz
nicht ausschließlich dem Individuum zuzuordnen
ist, sondern dass sowohl das gesellschaftliche System und seine Reaktions- und Sanktionsformen als
auch das Milieu der unmittelbaren Umgebung des
Einzelnen und nicht zuletzt die jeweilige Situation,
in der sich ein Individuum zum Zeitpunkt seines
Handelns befindet, wesentliche Anteile am Zustandekommen seines Fehlverhaltens haben.
Die gesetzlichen Entwicklungen haben, wenn
überhaupt, nur sehr verzögert auf die Erkenntnisse
aus Forschung und Theorienbildung reagiert. Mit
dem ersten Strafgesetzbuch des Deutschen Reiches
1871 wurde im §  51 ein Strafausschluss wegen
psychischer Krankheiten festgelegt. Eine verminderte Zurechnungsfähigkeit gab es jedoch nicht.
Die gesetzlichen Eingangsmerkmale, um wegen
einer Krankheit Straffreiheit zu erlangen, lauteten:
Bewusstlosigkeit und krankhafte Störung der Geistestätigkeit. Sie mussten einen Ausschluss der freien
Willensbestimmung zur Folge haben. Von den
Psychiatern, an ihrer Spitze Gustav Aschaffenburg,
wurde das Fehlen von juristischen Zwischenstufen
für die psychopathologischen Graduierungen zwischen Gesundheit und schwerer Krankheit, welche
Straffreiheit nach sich zog, kritisiert. Zuletzt wurde
mit der Strafrechtsreform 1933 eine verminderte
Zurechnungsfähigkeit im §  51 Abs. 2 StGB eingeführt. Die Eingangsmerkmale lauteten in dem neuen
Gesetz: Bewusstseinsstörung, Geistesschwäche und
krankhafte Störung der Geistestätigkeit. Die Exkulpierungsvoraussetzungen blieben weiterhin nahezu
ausschließlich auf krankhafte Störungen begrenzt.
Im Laufe der Jahre hat die Rechtsprechung die
Störungen und Beeinträchtigungen, die eine verminderte Zurechnungsfähigkeit nach sich ziehen
können, ausgeweitet. Sie mussten aber „krankheitswertig“ sein, um forensisch relevant zu werden. Der
Begriff der Krankheitswertigkeit muss in diesem
Zusammenhang jedoch sehr kritisch gesehen werden, da er im forensischen Sprachgebrauch lediglich
auf das Ausmaß der psychosozialen Beeinträchtigung durch die Krankheit abhebt. Nicht gemeint
ist hingegen eine Reihe von anderen medizinischen
Definitionsmerkmalen des Krankheitsbegriffes, wie
Schicksalhaftigkeit, regelhafter Verlauf u. a. (zum
Krankheitsbegriff siehe Kapitel 2.1). In der Strafrechtsreform von 1975 wurde der juristische Merkmalskatalog entsprechend den Kompromissen, die
zwischen den verschiedenen psychiatrischen und
psychologischen Schulen und den Juristen möglich
waren, erweitert. Sie lauten nun krankhafte seelische Störung, tiefgreifende Bewusstseinsstörung,
Schwachsinn und schwere andere seelische Abartigkeit. Sie umfassen damit auch eindeutig Beeinträchtigungen, die nicht dem damaligen Konzept von
Krankheit entsprachen, sondern lediglich Normabweichungen oder Ausnahmezustände darstellten.
Die Definition der Schuldfähigkeit oder der Schuldunfähigkeit ist dadurch nicht einfacher geworden.
Im Zivilrecht ist das Beharrungsvermögen noch
ausgeprägter als im Strafrecht. Bis zum 01.01.1992
bestand das 1896 geschaffene Vormundschafts-und
Pflegschaftsrecht mit seiner antiquierten und heute
als diskriminierend empfundenen Terminologie.
Danach konnte unter Vormundschaft gestellt werden, wer infolge von Geisteskrankheit oder Geistesschwäche oder infolge von Trunk- oder Rauschmittelsucht seine Angelegenheiten nicht zu besorgen
vermochte oder wer durch Verschwendung, Trunkoder Rauschmittelsucht sich oder seine Familie der
Gefahr des Notstandes aussetzte. Ein Entmündigter
war geschäftsunfähig oder beschränkt geschäftsfähig. Unter eine Gebrechlichkeitspflegschaft konnte
gestellt werden, wer nicht unter Vormundschaft
stand, aber infolge geistiger oder körperlicher
Gebrechen seine Angelegenheiten, insbesondere
seine Vermögensangelegenheiten, nicht zu besorgen vermochte. Die Pflegschaft konnte auch gegen
den Willen eines Menschen eingerichtet werden,
wenn eine Verständigung mit ihm nicht möglich
war. Im Vordergrund der gesetzlichen Regelungen
stand die Sorge um das Vermögen und das Wohlergehen der Familie. Bestrebungen, die Sorge um den
Kranken selbst in den Mittelpunkt der gesetzlichen
Bestimmungen zu stellen, sind mehrere Jahrzehnte
lang zurückzuverfolgen (Lenckner u. Schumann
1972). Die Anfänge der Rechtsreform, die 1992 in
Kraft trat, sind auf die Psychiatrie-Enquête 1975
zurückzuführen. Die gesetzlichen Bestimmungen
über Geschäftsfähigkeit und Testierfähigkeit haben
sich allerdings seit 1896 nicht geändert.
Der Bundesgerichtshof hat in Anlehnung an Beschreibungen des Reichsgerichts den Gutachter als „Gehilfen des Richters“ (BGHSt 3, 28) bezeichnet. Sein Gutachten ist ein Beweismittel wie jedes andere. Er liefert
jedoch aufgrund seines Fachwissens Erkenntnisse,
die dem Entscheidungsträger nicht ohne Weiteres
zugänglich sind; er zieht Schlüsse, die ein Laie nicht
von vornherein nachvollziehen kann. Die Fähigkeit
und Berechtigung zum medizinischen und psychologischen Erkenntnisgewinn und zur fachbezogenen
Schlussfolgerung heben ihn von anderen Zeugen ab.
Durch seine fachlichen Schlussfolgerungen schafft
er neue Tatsachen, die das Gericht in den Gesamtzusammenhang einbezieht. Die Diagnostik ist in der
Psychiatrie mehr als in anderen Gebieten der Medizin von Konventionen abhängig. Verschiedene Lehrmeinungen und Schulen prägen die psychiatrische
Krankheitslehre. Die Grenzen zwischen Auffälligkeiten des Verhaltens und Empfindens, die in die
Randzonen des normalpsychologischen Spektrums
fallen, und Krankheitssymptomen sind oft fließend.
Die dadurch entstehenden Unsicherheiten, die häufig auch zu Meinungsverschiedenheiten zwischen
Gutachtern führen, machen es notwendig, dass der
Sachverständige dem Auftraggeber die Grundlagen
seiner gutachterlichen Äußerungen und die Logik
seiner Schlussfolgerungen verständlich macht. Nur
so kann dieser die Wertigkeit der gutachterlichen
Schlussfolgerungen beurteilen und Aussagen verschiedener Gutachten gegeneinander abwägen.
Der Psychiater muss somit im Gutachten viel mehr
Informationen über sein fachliches Vorgehen vermitteln als andere Ärzte.
Gutachter müssen
1. die Prinzipien juristischen Denkens, soweit sie
für die Psychiatrie relevant sind, verstehen,
2. die Gesetze und Vorschriften kennen, die den
Umgang mit den Patienten regeln und auch dieRechtsstellung psychisch Kranker beeinflussen,
3. die Fähigkeit erwerben, den Gerichten ihr Fachwissen in einer Weise zu vermitteln, dass es von
den Juristen angewandt werden kann.
Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, erscheint
es auch aus praktischen Erwägungen sinnvoll, der
forensischen Psychiatrie innerhalb der Psychiatrie
eine besondere Position zuzuschreiben. Im Hinblick
auf die Besonderheiten therapeutischen Handelns
in der Psychiatrie ist die Rolle des Gutachters von
jener des Therapeuten zu trennen.
Behandlung und Begutachtung finden in jeweils
unterschiedlichen Bezugsrahmen statt, Therapeut
und Gutachter haben ganz unterschiedliche Rollen
und Funktionen, selbst wenn sie sich häufig der gleichen Techniken bedienen:
Die Zielsetzung des Gutachters ist das Verständnis, welches er vom Betroffenen erwirbt und welches er dem Gericht vermitteln kann, das Ziel des
Therapeuten ist das Verständnis, welches der Patient von seinem Leiden oder seinen Konflikten hat,
und dessen Modifikation (Beier 1996).
Psychiatrische Behandlung setzt ein besonders
intensives und meist auch langfristiges Arzt-PatientVerhältnis voraus. Gutachten, die für viele Menschen
enorme und nicht immer nur die erwünschten Konsequenzen haben, können das für die Behandlung
erforderliche Vertrauensverhältnis zerstören. Ein
behandelnder Arzt hat große Schwierigkeiten, neutral und sachlich zu rechtlichen Fragen Stellung zu
nehmen, wenn er dadurch die therapeutische Allianz gefährdet weiß.
Der Fokus der Aufmerksamkeit ist bei der
Begutachtung ein grundsätzlich anderer als bei der
Behandlung: Während der Therapeut Diagnosen
stellt, um daraus eine Hierarchie von Behandlungsmaßnahmen für das subjektive Leiden des Patienten
abzuleiten, und Aspekte vernachlässigt, die für die
Behandlung unbedeutend sind, ist der Gutachter
bestrebt, Diagnosen und die daraus resultierenden
rechtlichen Konsequenzen möglichst umfassend
abzusichern. Er stellt dabei auch die Angaben des
Untersuchten infrage und fahndet nach Unstimmigkeiten. Allerdings ist es keinesfalls Aufgabe des
Gutachters, „Detektiv zu spielen“ (Slovenko 1997).
Psychiater bleiben, auch wenn sie Gutachter werden, der medizinischen Ethik verpflichtet (ArboledaFlorez 2005, Nedopil 2004).
Eine Begutachtung unterläuft die ärztliche
Schweigepflicht. Befunde, die ein behandelnder
Arzt erhoben hat, dürfen nicht ohne das Wissen des
Patienten an den Auftraggeber weitergegeben werden. Die Grenzziehung zwischen solchen Informationen, die einem Therapeuten im Vertrauen auf seine
Schweigepflicht mitgeteilt werden, und solchen,
die über ein Gutachten an eine Behörde oder gar
öffentlich in den Gerichtssaal gelangen, sollte dem
Patienten und nicht dem Therapeuten überlassen
Für eine eigene Rolle des Fachs und besondere
Fortbildung in forensischer Psychiatrie spricht auch,
dass der gutachtende Psychiater häufig, in Strafverfahren immer, vor das Gericht gerufen wird, um
seine Beurteilung mündlich zu erläutern. Gerichte
erwarten, dass dem Fachmann die wesentlichen
Abläufe des Gerichtsverfahrens bekannt sind und
dass er sich im Gericht zu bewegen weiß.
Der forensische Psychiater beschränkt sich
jedoch nicht auf die Begutachtungskunde. Er ist
nicht nur Vermittler medizinischen Erfahrungswissens für Gerichte oder Behörden, sondern sollte dem
klinisch tätigen Psychiater auch die rechtlichen und
ethischen Normen, an denen sich Behandlung und
Therapieforschung orientieren, näher bringen. Hier
bestehen besonders dann Unsicherheiten, wenn die
Einwilligungsfähigkeit aufgehoben oder beschränkt
ist. Dort, wo rechtliche Vorgaben ärztliches Handeln
besonders eng begrenzen, z. B. im psychiatrischen
Maßregelvollzug, ist der forensische Psychiater
nicht nur Wissensvermittler, Berater oder Bindeglied zwischen den Wissenschaften, sondern direkt
verantwortlich für die Therapie. Diese Verantwortlichkeit unterscheidet sich zumindest quantitativ
von der sonst üblichen klinischen Praxis. Jeder Arzt
trägt sowohl gegenüber dem von ihm betreuten
Patienten wie gegenüber der Allgemeinheit Verantwortung. Die Gewichte sind allerdings unterschiedlich verteilt. Während sich die Verantwortung der
Kliniker für die Allgemeinheit auf akut bedrohliche
Fälle beschränkt, z. B. bei Ansteckungsgefahr durch
eine Seuche oder unmittelbar geäußerte Bedrohung
eines Dritten, hat der forensische Psychiater direkte
Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit. Dementsprechend unterscheidet sich sein Vertragsverhältnis auch vom klinischen Arzt. In der Klinik und
in der ärztlichen Praxis geht der Patient ein unmittelbares Vertragsverhältnis ein. In der forensischen
Psychiatrie besteht ein entsprechendes Vertragsverhältnis zum Auftraggeber, also zur Justiz oder
Behörde; dies gilt selbst dann, wenn gleichzeitig
eine Therapie durchgeführt werden soll. Der Untersuchte ist nicht nur Subjekt, welches autonom in
eine Behandlung einwilligt, sondern auch Objekt,
über welches Befunde für Dritte erhoben und an
Dritte weitergegeben werden. Die Interessenlagen
von Auftraggeber und Untersuchten sind häufig
ganz verschieden. Diese Situation ist dem Untersuchten auch zu erklären. Die Grundsätze der Aufklärung bei der Begutachtung finden sich in Kapitel
20.2.2.1, jene über die Verschwiegenheits- und die
Offenbarungspflicht im Maßregelvollzug in Kapitel
Forensische Psychiatrie hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Auf der einen
Seite sind die Anfragen an Begutachtungen und der
Umfang an Behandlungsaufträgen, aber auch der
Druck der Öffentlichkeit gewachsen; auf der anderen Seite haben die Forschung in der forensischen
Psychiatrie und das Wissen in vielen Bereichen, die
für Begutachtung und Behandlung entscheidend
sind, erheblich zugenommen. Die Zahl derer, die in
der forensischen Psychiatrie tätig sind, ist massiv
angestiegen. Dies alles, aber auch die immer noch
vorhandenen Mängel in vielen Bereichen haben
dazu geführt, dass auch Qualitätsanforderungen in
der forensischen Psychiatrie wieder in den Blickpunkt gerückt sind und dass Wege gesucht wurden,
um Qualitätsstandards zu entwickeln und durchzusetzen {Boetticher 2002; Boetticher et al. 2005;
Greuel 2000; Großpietzsch et al. 1997; Hansis 2002;
Nedopil et al. 2005; Saß 2000}:
9 Verbesserung und Systematisierung der Dokumentation
9 Übernahme von Methoden des Qualitätsmanagements aus der Medizin
9 Herausgabe von Leitlinien und Leitfäden
Zertifizierung und Schwerpunktsarztbildung
Erarbeitung von Mindestanforderungen (für die
gerichtliche Überprüfung von Gutachten)
Die Maßnahmen zur Qualitätssicherung werden
in verschiedenen Kapiteln dieses Buches ausführlicher dargestellt.
Grundlagen forensisch-psychiatrischen Vorgehens
Die Voraussetzungen, die einen Menschen befähi­gen, sich an Normen zu orientieren und entsprechend zu handeln, werden in keinem Gesetz definiert. In den jeweiligen Gesetzen sind immer nur
die Umstände genannt, die ihn von den rechtlichen Folgen seines Handelns ausnehmen, wie
z. B. die Schuldunfähigkeit oder die Geschäftsunfähigkeit. Feststellungen dieser Ausnahmen fallen in
die Zuständigkeit der Gerichte oder Behörden. Der
Arzt, der sich hierzu direkt äußert, überschreitet
die Grenzen seiner Kompetenz. Seine Aufgabe ist es
lediglich, dem Gericht die medizinischen und psychologischen Voraussetzungen zu benennen und sie
zu erläutern, damit das Gericht möglichst gut gerüstet ist, selbstständig die Entscheidung zu fällen, ob
in einem konkreten Fall die vom Gesetz vorgesehene
Ausnahme vorliegt oder nicht. Der Arzt muss allerdings wissen, welche Voraussetzungen das Gericht
benötigt, um derartige Entscheidungen zu treffen.
Hierzu muss er den juristischen Krankheitsbegriff
verstehen und ihn so anwenden können, wie er für
die jeweilige Fragestellung relevant ist.
Der juristische Krankheitsbegriff unterscheidet sich grundsätzlich vom medizinischen Krankheitsbegriff, obwohl der Gesetzgeber wiederholt
versucht hat, sich der medizinischen Terminologie
Der medizinische Krankheitsbegriff hebt nach
herkömmlichem Verständnis auf natürliche Krankheitseinheiten ab, die definiert sind durch Ursache,
Symptomatik, Verlauf und Therapierbarkeit.
Um den Minimalanforderungen des medizinischen Krankheitsmodells zu genügen, sollte
eine Krankheit durch eine möglichst eindeutige
Beschreibung der Symptome, deren Entstehung und
Entwicklung, durch die differenzialdiagnostische
Abgrenzbarkeit von anderen Störungen und durch
den zu erwartenden Verlauf der Symptomatik definiert sein.
Dieser Krankheitsbegriff wurde in der Psychiatrie verlassen. Die modernen operationalisierten
Klassifikationssysteme beschränken sich auf eine
möglichst genaue, einheitliche Beschreibung von
Symptomkonstellationen. Dadurch ist jedoch nur
ein Element des medizinischen Krankheitsmodells
erfüllt. Die diagnostischen Zuordnungen sind auf
eine möglichst vergleichbare Beschreibung der Störungsbilder zum Zweck der Verständigung unter
Fachleuten reduziert. Die Beschränkung macht die
begrenzte forensische Relevanz der Diagnosen in
DSM-IV oder ICD-10 verständlich.
Der juristische Krankheitsbegriff setzt von vornherein einen anderen Schwerpunkt. Bei ihm geht es
unabhängig von der Ursache und der Therapierbarkeit vorwiegend um die Ausprägung einer Störung.
Krankheit ist somit im juristischen Sinne vor allem
vom Überschreiten einer bestimmten, unter Umständen sogar normativ gesetzten Schwelle abhängig.
Insofern kommt es vor allen Dingen auf das Ausmaß
der Funktionseinschränkungen an. Dieses Ausmaß
muss dem Juristen verdeutlicht werden, damit er
die Subsumtion einer Störung unter einen juristischen Krankheitsbegriff oder besser ein juristisches
Merkmal nachvollziehen kann. Man hat allerdings
versucht und versucht es bei neuen Gesetzen auch
weiterhin, die juristische Nomenklatur dem medizinischen Krankheitsbegriff anzugleichen, um den
erfahrungswissenschaftlichen Erkenntnissen und
den in der Medizin vorherrschenden Strömungen
Rechnung zu tragen. Ob solche Versuche sinnvoll
sind, muss dahingestellt bleiben, gelungen sind sie
bislang nicht. Die medizinische Diagnostik ist einem
fortwährenden Wandel unterzogen und wird laufend den wissenschaftlichen Fortschritten und den
Konventionen der medizinischen Profession angepasst. Etwa alle 10 Jahre wird ein neues Diagnosenschema der WHO (ICD) und noch öfter eine Revision
des Amerikanischen Diagnostischen Manuals (DSM)
herausgegeben. Für juristische Begriffe bedarf es
eines längerfristigen Bestandes. Die Krankheitsbegriffe des Bürgerlichen Gesetzbuches haben schon
über 100 Jahre Bestand und jene des Strafgesetzbuches immerhin schon 25 Jahre. Aus Gründen der
Rechtssicherheit erscheint es wichtig, den juristischen Krankheitsbegriff möglichst präzise zu fassen
und ihn nicht den Modeströmungen der medizinischen Terminologie anzupassen (Nedopil 2000a).
Derartige Modeströmungen können beispielhaft an
2 Grundlagen forensisch-psychiatrischen Vorgehens
den Begriffen aufgezeigt werden, welche die neuen
Klassifikationssysteme für Intelligenzminderungen
erfunden haben. Die achte Ausgabe von ICD, die
gültig war, als das Strafgesetzbuch 1975 die §§  20
und 21 StGB einführte, definierte einen HamburgWechsler-Intelligenzquotienten (IQ) von 75 bis 79
als „leichten Schwachsinn“ (ICD-8 Nr. 311). In ICD9 wurde ein Mensch mit diesem IQ als grenzdebil
bezeichnet (ICD-9 Nr. 317.0 „Niedrige Intelligenz“),
und ICD-10 ebenso wie DSM-IV-TR diagnostizieren
für diesen Bereich keine Störung. Um die Betroffenen
nicht zu stigmatisieren, ordnen die heutigen Diagnosesysteme der „leichten Intelligenzminderung“
einen IQ von 50 bis 69 zu, ein Bereich, den ICD-9
als leichte intellektuelle Behinderung oder Debilität bezeichnete und der in ICD-8 als deutlicher (IQBereich 60 bis 74) oder schwerer Schwachsinn (IQBereich 40 bis 59) aufgeführt wurde. Es wäre jedoch
falsch, davon auszugehen, dass „leicht Intelligenzgeminderte“ im Jahr 2000 eher steuerungsfähig wären
als „deutlich Schwachsinnige“ im Jahr 1975.
Der juristische und der medizinische Krankheitsbegriff haben zwar einen gewissen Überlappungsbereich, dürfen aber keinesfalls gleichgesetzt
werden, da sie häufig selbst dann etwas grundsätzlich anderes bezeichnen, wenn eine vergleichbare
oder gar identische Terminologie gebraucht wird. Es
kommt somit wesentlich darauf an, die in den verschiedenen Gesetzen verwendeten Bezeichnungen
oder Eingangsmerkmale für den juristischen Krankheitsbegriff zu kennen und zu wissen, welche klinischen Diagnosen unter ihnen subsumiert werden.
Bei den meisten Begutachtungen genügt es nicht,
eine klinische Diagnose zu stellen und diese einem
juristischen Eingangsmerkmal zuzuordnen; es
kommt vielmehr auf die durch eine Störung bedingte
Funktionseinschränkung an. Daraus ergibt sich ein
zwei- oder mehrstufiges Beantwortungsschema.
Zuerst muss geklärt werden, ob das Ausmaß der
durch die klinische Diagnose beschriebenen Störung ausreicht, um den je nach anzuwendendem
Gesetz geforderten juristischen Krankheitsbegriff
zu erfüllen. Beispielsweise heißen die Krankheitsbegriffe im Strafrecht nach §  20 StGB „krankhafte
seelische Störung“, „tiefgreifende Bewusstseinsstörung“, „Schwachsinn“ oder „schwere andere seelische Abartigkeit“. Im Betreuungsrecht heißen sie
„psychische Krankheit“ oder „körperliche, geistige
oder seelische Behinderung“ (§  1896 BGB).
Erst wenn die Antwort auf diese Frage positiv
ausfällt, kann die zweite Frage beantwortet werden.
Diese lautet: „Welche durch Gesetz oder Rechtsprechung bestimmte Funktionsbeeinträchtigung wird
oder wurde durch die Störung bedingt?“ Auch diese
Funktionsbeeinträchtigung wird je nach Gesetzestext unterschiedlich benannt. Sie heißt im §  20 StGB
„Unfähigkeit, das Unrecht des Handelns einzusehen
oder nach dieser Einsicht zu handeln“, im §  104 BGB,
der die Geschäftsunfähigkeit regelt, heißt sie „Ausschluss der freien Willensbestimmung“.
Bei sehr vielen gutachterlichen Problemfällen
kommt es nicht oder nicht nur auf die augenblicklich zu beobachtende Symptomatik an. Ausschlaggebend ist vielmehr die Psychopathologie zur Tatzeit
bzw. zum Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses oder
die Prognose der festgestellten Störung oder Verhaltensweise. Somit müssen häufig Befunde aus zurückliegenden Zeiträumen in Erfahrung gebracht und
beurteilt werden, oder es ist ein künftig erwarteter
psychischer Befund für die Beurteilung ausschlaggebend. Derartige Einschätzungen können jedoch nur
hypothetischen Charakter haben. Hypothesen, die
der Arzt bei der Beantwortung rechtlich relevanter
Fragen bildet, beruhen auf der klinischen Erfahrung und empirischen Erkenntnissen. Aufgrund
des hypothetischen Charakters der Antwort muss
erwogen werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit
die Hypothese zutrifft. Bei der Beantwortung einer
Rechtsfrage muss somit in aller Regel in mehreren
Schritten vorgegangen werden [GS St-1 S. 1 ff.]:
1. Stellen einer klinischen Diagnose
2. Subsumtion unter einen juristischen Krankheitsbegriff
3. Entwicklung einer Hypothese über die störungsbedingte Funktionsbeeinträchtigung aufgrund
des klinischen Erfahrungswissens
4. Quantifizierung der rechtsrelevanten Funktionsbeeinträchtigung
5. Benennung der Wahrscheinlichkeit, mit welcher
die klinische Hypothese zutrifft.
Die Wahrscheinlichkeitsgrade, welche die Annahme
einer Hypothese rechtfertigen, sind wiederum je
nach Gesetz sehr unterschiedlich; z. B. gilt im Strafrecht der Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“, bei der Annahme der Geschäftsunfähigkeit
muss diese jedoch zur vollen Überzeugung des
Gerichts belegt werden. Die Anwendung juristischer Beweisregeln ist immer Aufgabe des Gerichts
Im Georg Thieme Verlag ist 2001 vom gleichen Autor ein
Buch mit „Beispielgutachten aus der Forensischen Psychiatrie“ erschienen. Auf die jeweiligen Beispiele wird in
den einzelnen Kapiteln des vorliegenden Buches durch
Verweis, z. B. [GS St-1 S. xxff ], hingewiesen.
und hat nur selten einen direkten Einfluss auf das
Der Begriff Wahrscheinlichkeit kann zudem
leicht missverstanden werden. Im wissenschaftlichen Sprachverständnis bezieht er sich auf die
Beobachtung vieler Ereignisse; bei der Begutachtungsentscheidung handelt es sich jedoch immer
um eine Einzelfallanalyse.
Die Unsicherheit wissenschaftlicher Erkenntnisse, die verschiedenen psychiatrischen Schulen