Source: http://mebie.de/265-Filme_im_Unterricht
Timestamp: 2018-02-20 21:14:38
Document Index: 338471047

Matched Legal Cases: ['§ 47', '§ 51', '§ 52', '§ 47', '§ 51', '§ 51']

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(Komplette) Filme im Unterricht
Rechtliche Regelungen zur unterrichtlichen Nutzung
Filme_im_Unterricht.pdf
Das Urheberrechtsgesetz (UrhG) privilegiert in einem gewissen Rahmen den Einsatz von Filmen im Unterricht. Es gibt einige Regelungen, wie z. B. § 47 UrhG (Schulfunkgesetz), § 51 UrhG (Filmzitat) und § 52a UrhG (Intranetparagraph),
die im schulischen Kontext angewendet werden können bzw. explizit für diesen bestimmt sind. Diese Regelungen
gelten allerdings nur für „normale“ Filme und nicht für Filme, die für den Schulunterricht produziert wurden.
Unproblematisch nutzbare Filme
Filme, die für den Unterricht produziert wurden, erhalten Sie in der Regel mit allen erforderlichen Rechten in Ihrem Medienzentrum. Unproblematisch nutzbar sind auch Filme, die nicht mehr vom Urheberrecht geschützt sind, also
vor über 70 Jahren produziertwurden. Ebenso sind alle Filme im Unterricht nutzbar, sofern der Urheberrechtsinhaber seine konkrete Einwilligung in die Nutzung gegeben hat.
Im Bezug auf Heim-, Kauf- oderVerleihmedien (Videothek) kann die Frage, ob der geschlossene Klassenverband öffentlich ist oder nicht, zunächst dahingestellt bleiben. Es ist inzwischen „üblich“, dass sowohl die Heimvideos,
die im Handel erworben werden können, sowie Filme aus Videotheken oder von sonstigen Verleihstellen (mit Ausnahme der Medienzentren/Bildstellen) nur das Recht zum privaten Gebrauch beinhalten. Dies ist der Familien- und Freundeskreis im Sinne des Urheberrechts. Somit ist ein Einsatz im Unterricht bei solchen Filmen nicht gestattet
(es ist davon auszugehen, dass diese Einschränkung rechtlich zulässig ist).
Selbst aufgezeichnete Filme
Bei selbst aufgezeichneten Filmen ist die Frage der Öffentlichkeit des geschlossenen Klassenverbandes
allerdings momentan noch ungeklärt. Der klassenübergreifende Unterricht ist jedoch inzwischen unstrittig öffentlich. Der Oberste Österreichische Gerichtshof hat im Jahre 2008 festgestellt, dass auch der geschlossene Klassenverband
als öffentlich zu qualifizieren ist. Hierzu gibt es allerdings noch keine Entscheidung von einem deutschen obersten Gericht, so dass man sich in Deutschland in einer rechtlichen Grauzone befindet. Um auf der rechtlich sicheren Seite zu sein, ist es ratsam, auch von der Öffentlichkeit des geschlossenen Klassenverbandes auszugehen. Dafür sprechen in den Augen des Verfassers auch ganz deutlich die überzeugenderen Argumente.
Daneben gibt es immer mehr Angebote im Internet, seien es Mediatheken oder öffentliche Plattformen wie YouTube.
Hier ist erstes Gebot, die entsprechenden Nutzungsbedingungen auf eine Einsatzmöglichkeit zu prüfen. Bei YouTube
zum Beispiel ist zum einen nur das Streaming-Verfahren zulässig und zum anderen darf die Nutzung nur zu „rein
persönlichen, nicht kommerziellen“ Zwecken erfolgen. Da der Lehrer durch den Unterricht seinen Lebensunterhalt verdient, ist also die Nutzung von YouTube im Unterricht nicht nur nicht „reinpersönlich“, sondern erfolgt auch kommerziell. Die Einschränkung, dass eine kommerzielle Nutzung ausgeschlossen ist bzw. der gesonderten
Einwilligung bedarf, ist gerade bei „Internetfilmen“ fast immer vorhanden, so z. B. auch bei der Mediathek der ARD (unter „Hilfe“, „FAQ“, letzte Frage des ersten Abschnitts). Somit sind – auch wenn gesonderte Schüler-PCs zur Verfügung stehen – Arbeitsaufträge, die Filme (oder auch Links zu Filmen) mit den o. g. Einschränkungen (keine
kommerzielle Nutzung, nur als Streaming-Verfahren) betreffen, nach Ansicht des Verfassers auch im geschlossenen Klassenverband nicht einsetzbar, da in Bezug auf den Lehrer weder von privater noch von nicht-kommerzieller
Nutzung die Rede sein kann.
Sollten Sie Zweifel über den Einsatz des jeweiligen Filmes haben, so ist die Kontaktaufnahme mit dem Rechteinhaber angezeigt – besonders vor dem Hintergrund, dass das Urheberrecht die zivilrechtliche Gutgläubigkeit nicht kennt. Die Argumentation „Das habe ich nicht gewusst“ ist also keine zulässige Antwort, denn gerade im Urheberrecht
muss vor der Nutzung fremder Werke die Rechtslage geklärt werden.
Schulfunksendungen (die ausdrücklich auch so bezeichnet sind!) können im Unterricht gelung des § 47 UrhG (Details
s. u.) unproblematisch eingesetzt werden. Schulfunksendungen werden nicht durch ihre Einsatzmöglichkeit
im Unterricht determiniert, sondern vielmehr dadurch, ob sie als solche gesondert gekennzeichnet sind. Dies ist bei Sendungen, die z. B. Sonntagabend um 19:30 Uhr im ZDF ausgestrahlt werden (ZDF Expedition, Terra X, Die Deutschen), nicht der Fall. Die derzeitige Fristenregelung besagt, dass Schulfunksendungen bis an das Ende des
auf die Übertragung der Schulfunksendung folgenden Schuljahres eingesetzt werden dürfen und dann zu löschen sind. Das heißt, eine Schulfunksendung, die im Mai 2010 gesendet wurde, ist am Ende des Schuljahres
2010/2011 zu löschen. Die Frist beginnt bei einer Wiederholung der Sendung von Neuem zu laufen.
Filmausschnitte im Unterricht
Im Rahmen urheberrechtlich geschützter Werke ist nicht nur das gesamte Werk vor Eingriffen geschützt, sondern geschützt sind auch Werkfragmente, bezogen auf den Film also auch Filmausschnitte oder Einzelbilder.
Grundsätzlich ist anerkannt, dass Ausschnitte aus Filmen zitiert werden dürfen, auch wenn das Filmzitat nicht ausdrücklich in § 51 UrhG erwähnt ist. Dies gilt nicht nur für Kinofilme, sondern auch für Fernsehsendungen
oder Fernsehfilme. Voraussetzung hierfür ist zum einen, dass der betroffene Filmausschnitt urheberrechtlich
geschützt ist (ist er das nicht, ist eine Verwendung sowieso unproblematisch möglich).
Bei Bestehen des Urheberrechtsschutzes müssen sämtliche Voraussetzungen für ein sog. Kleinzitat gem. § 51 Nr. 2
UrhG gegeben sein. Das bedeutet, dass das zitierte Einzelwerk veröffentlicht sein muss (wovon auszugehen ist). Daneben muss das zitierende Werk urheberrechtlich schutzfähig sein, was bei der Konzeption und
der Durchführung einer Unterrichtseinheit auch in der Regel gegeben ist (es handelt sich um
ein sog. Sprachwerk). Das Kleinzitat erlaubt nur Stellen eines Werkes bzw. kleine Ausschnitte zu zitieren, daher sollte das Zitat so kurz wie möglich sein (max. 5 Minuten), da Gerichte hier sehr restriktiv verfahren. Der konkrete Zitatumfang wird im Einzelfall durch den Zitatzweck bestimmt. Der Zitatzweck im Rahmen des Kleinzitates geht über die reine „Erläuterung des Inhaltes“ hinaus, d. h., das Filmzitat im Rahmen eines Sprachwerkes (also der Unterrichtseinheit) kann auch den eigenen Ausführungen eine Devise oder ein Motto voranstellen oder auch nur eine Stimmung
verdeutlichen. Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass das Zitat als Zitat erkennbar sein muss und
die Quelle entsprechend angegeben sein muss. Erstes ist im Rahmen der Unterrichtsgestaltung wohl immer gegeben und die Quellenangabe sollte dann – sofern es sich nicht eindeutig aus dem Kontext ergibt – mündlich erfolgen.
Grundsätzlich ist die Bearbeitung eines fremden Filmwerkes eine gesonderte Nutzungsart, die der Rechteinhaber dem Nutzer einräumen muss. Das heißt, Filme dürfen z. B. ohne gesonderte Erlaubnis nicht neu geschnitten werden.Daher wird bei großen Mediendistributionssystemen wie z. B. Edmond (NRW) oer auch aktuell in Niedersachsen dieses Bearbeitungsrecht gesondert eingeräumt. Dies betrifft allerdings nur die Bearbeitung im Rahmen des Unterrichts, nicht eine darüber hinausgehende Veröffentlichung.
Autor: Falk Jellissen, Justitiar MedienLB GmbH.
Veröffentlichung in "Computer + Unterricht" 79