Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/fristverlaengerungsantrag-und-die-von-der-fachkraft-notierte-berufungsbegruendungsfrist-3203420
Timestamp: 2020-07-13 07:26:12
Document Index: 290206483

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Fristverlängerungsantrag - und die von der Fachkraft notierte Berufungsbegründungsfrist | Rechtslupe
Fristverlängerungsantrag - und die von der Fachkraft notierte Berufungsbegründungsfrist
Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs hat ein Rechts­an­walt durch orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen sicher­zu­stel­len, dass ein frist­ge­bun­de­ner Schrift­satz recht­zei­tig gefer­tigt wird und inner­halb der lau­fen­den Frist beim zustän­di­gen Gericht ein­geht.
Hier­zu hat er grund­sätz­lich sein Mög­lichs­tes zu tun, um Feh­ler­quel­len bei der Ein­tra­gung und Behand­lung von Rechts­mit­te­lund Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­fris­ten aus­zu­schlie­ßen [1].
Ein bestimm­tes Ver­fah­ren ist inso­weit zwar weder vor­ge­schrie­ben noch all­ge­mein üblich [2]. Auf wel­che Wei­se der Rechts­an­walt sicher­stellt, dass die Ein­tra­gung im Fris­ten­ka­len­der und die Wie­der­vor­la­ge der Hand­ak­ten recht­zei­tig erfol­gen, steht ihm grund­sätz­lich frei [3]. Sämt­li­che orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men müs­sen aber so beschaf­fen sein, dass auch bei uner­war­te­ten Stö­run­gen des Geschäfts­ab­laufs, etwa durch Über­las­tung oder Erkran­kung der zustän­di­gen Ange­stell­ten, Ver­zö­ge­run­gen der anwalt­li­chen Bear­bei­tung oder ähn­li­che Umstän­de, bei Anle­gung eines äußers­ten Sorg­falts­maß­sta­bes die Ein­hal­tung der anste­hen­den Frist gewähr­leis­tet ist [4].
Hier­von aus­ge­hend darf der Rechts­an­walt zwar die Berech­nung und Notie­rung von Fris­ten einer gut aus­ge­bil­de­ten, als zuver­läs­sig erprob­ten und sorg­fäl­tig über­wach­ten Büro­kraft über­tra­gen. Jedoch hat er durch geeig­ne­te orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men sicher­zu­stel­len, dass die Fris­ten zuver­läs­sig fest­ge­hal­ten und kon­trol­liert wer­den [5]. Wei­ter hat er sei­ne Tätig­keit für die Par­tei so ein­zu­rich­ten, dass auch mög­li­che Unre­gel­mä­ßig­kei­ten und Zwi­schen­fäl­le, sofern sie nicht außer­halb des Bereichs der ver­nünf­ti­ger­wei­se anzu­stel­len­den Berech­nun­gen lie­gen, kein Hin­der­nis für die Wah­rung der Frist bil­den. Des­halb muss in der Orga­ni­sa­ti­on des Fris­ten­we­sens einer Anwalts­kanz­lei gewähr­leis­tet sein, dass außer der eigent­li­chen Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­frist auch eine Vor­frist notiert wird, mit der sicher­ge­stellt wer­den soll, dass dem sach­be­ar­bei­ten­den Rechts­an­walt für die Fer­ti­gung der Rechts­mit­tel­schrift oder Rechts­mit­tel­be­grün­dung hin­rei­chend Zeit ver­bleibt [6].
Für den Fall eines Frist­ver­län­ge­rungs­an­trags bestehen zusätz­li­che Anfor­de­run­gen an das Fris­ten­we­sen. In die­sen Fäl­len muss als zusätz­li­che Fris­ten­si­che­rung auch das hypo­the­ti­sche Ende der bean­trag­ten Frist­ver­län­ge­rung bei oder als­bald nach Ein­rei­chung des Ver­län­ge­rungs­an­trags im Fris­ten­buch ein­ge­tra­gen, als vor­läu­fig gekenn­zeich­net und recht­zei­tig, spä­tes­tens nach Ein­gang der gericht­li­chen Mit­tei­lung über­prüft wer­den, damit das wirk­li­che Ende der Frist fest­ge­stellt wer­den kann [7]. Zugleich mit der Ein­tra­gung des bean­trag­ten (vor­aus­sicht­li­chen) Fris­ten­des ist hier­für auch eine Vor­frist ein­zu­tra­gen [4]. Auf die­se Wei­se kann die Fris­t­wah­rung in der Regel selbst dann gewähr­leis­tet wer­den, wenn die Ein­tra­gung der ursprüng­li­chen Frist ver­se­hent­lich gelöscht wor­den oder die Ein­tra­gung der ver­län­ger­ten Frist ver­se­hent­lich unter­blie­ben ist [4].
Die nach die­ser Recht­spre­chung gefor­der­ten Sorg­falts­pflich­ten haben die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall nicht in vol­lem Umfang erfüllt. So besteht weder nach dem Vor­brin­gen des Klä­gers noch nach den Aus­füh­run­gen in den eides­statt­li­chen Ver­si­che­run­gen sei­ner Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten oder deren Büro­an­ge­stell­ten B. in deren Kanz­lei eine all­ge­mei­ne oder eine spe­zi­el­le Anwei­sung, dass und wie das zudem nur als vor­läu­fig zu kenn­zeich­nen­de Ende einer Beru­fungs­be­grün­dungs­frist recht­zei­tig, d.h. spä­tes­tens nach Ein­gang der gericht­li­chen Mit­tei­lung zu über­prü­fen ist, damit das wirk­li­che Ende der Frist ver­läss­lich fest­ge­stellt wer­den kann. Nur eine sol­che kanz­lei­in­ter­ne Anwei­sung kann die Fris­t­wah­rung in der Regel auch dann gewähr­leis­ten, wenn die Ein­tra­gung der ursprüng­li­chen Frist ver­se­hent­lich gelöscht wor­den oder wie im vor­lie­gen­den Fall die Ein­tra­gung der ver­län­ger­ten Frist ver­se­hent­lich unter­blie­ben ist. Das Feh­len einer sol­chen Anwei­sung stellt ein Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten dar.
Nichts ande­res gilt im Hin­blick dar­auf, dass die Büro­an­ge­stell­te B. in ihrer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung ihre Hand­lungs­wei­se mit einem extrem hohen Arbeits­auf­wand in einer Viel­zahl zu bear­bei­ten­der Ange­le­gen­hei­ten erklärt hat. Denn inso­weit hat sie bekun­det, dass sie zwar anhand der bewil­lig­ten Frist­ver­län­ge­rung hät­te erken­nen kön­nen, dass in der vor­lie­gen­den Sache eine Frist­ver­län­ge­rung erfolgt ist, die in den Fris­ten­ka­len­der ein­zu­tra­gen war, jedoch zugleich davon aus­ge­gan­gen wäre, dass die ver­län­ger­te Frist auf­grund der übli­chen Hand­ha­bung bereits in den Kalen­der ein­ge­tra­gen gewe­sen war. Damit hat sie ein­ge­räumt, dass die Ein­tra­gung des Endes einer Frist­ver­län­ge­rung nicht gene­rell spä­tes­tens nach Ein­gang der gericht­li­chen Mit­tei­lung zu über­prü­fen war. Dar­über hin­aus wür­de auch ein hoher Arbeits­an­fall von Frau B. die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers nicht ent­las­ten. Denn sämt­li­che orga­ni­sa­to­ri­schen Maß­nah­men müs­sen so beschaf­fen sein, dass auch bei uner­war­te­ten Stö­run­gen des Geschäfts­ab­laufs, etwa durch Über­las­tung der zustän­di­gen Ange­stell­ten, bei Anle­gung eines äußers­ten Sorg­falts­maß­sta­bes die Ein­hal­tung der anste­hen­den Fris­ten gewähr­leis­tet ist. Dazu hat die Rechts­be­schwer­de nichts vor­ge­tra­gen.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Mai 2020 – XI ZB 19/​19
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 09.05.2017 – VIII ZB 5/​16, NJW-RR 2017, 953 Rn. 8; und vom 04.09.2018 – VIII ZB 70/​17, NJW-RR 2018, 1325 Rn. 13, jeweils mwN[↩]
BGH, Urteil vom 21.12.1988 – VIII ZR 84/​88, NJW 1989, 2393 unter – II 2; Beschlüs­se vom 27.01.2015 – II ZB 21/​13, NJW 2015, 2038 Rn. 7; und vom 04.09.2018 – VIII ZB 70/​17, aaO, jeweils mwN[↩]
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 28.05.2013 – VI ZB 6/​13, NJW 2013, 2821 Rn. 9; und vom 04.09.2018 – VIII ZB 70/​17, aaO mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 04.09.2018 – VIII ZB 70/​17, aaO mwN[↩][↩][↩]
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 25.09.2014 – III ZR 47/​14, NJW 2014, 3452 Rn. 8 und Beschluss vom 04.09.2018 – VIII ZB 70/​17, NJW-RR 2018, 1325 Rn. 13 f., jeweils mwN[↩]
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 04.09.2018 – VIII ZB 70/​17, aaO Rn. 14 mwN[↩]
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 22.03.2011 – II ZB 19/​09, NJW 2011, 1598 Rn. 12; vom 22.09.2015 – XI ZB 14/​14 14; und vom 04.09.2018 – VIII ZB 70/​17, NJW-RR 2018, 1325 Rn. 15, jeweils mwN[↩]
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