Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Differenzierungsklausel_Gewerkschaft_BAG%20_8AZR536-08.html
Timestamp: 2019-03-22 10:41:40
Document Index: 151858696

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 35', '§ 19', '§ 2', '§ 19', '§ 19', '§ 3', '§ 19', '§ 4', '§ 5', '§ 3', 'Art. 3', 'Art. 9', '§ 3', '§ 4', '§ 133', '§ 3', '§ 4', '§ 19', '§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 611', 'Art. 2', '§ 12', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 4', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 3', '§ 3', 'Art. 9', '§ 3', '§ 1', '§ 1', '§ 611', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 4', 'Art. 9', '§ 3', 'Art. 3', '§ 3', '§ 4', '§ 1', '§ 1', '§ 3', 'Art. 9', '§ 3', '§ 4', '§ 2', '§ 19', 'Art. 9', '§ 3', '§ 19', '§ 3', '§ 5', '§ 5', '§ 2', '§ 2', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 310', '§ 310', '§ 305', '§ 622', '§ 3', '§ 17', '§ 13', '§ 8', '§ 14', '§ 4', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 3', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 611', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 3', 'Art. 9', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 72', '§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 823', 'Art. 9', '§ 5', '§ 1', 'Art. 9', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'Art. 9', '§ 3', '§ 139', '§ 3', 'Art. 9', '§ 3', '§ 19', '§ 97']

BAG, Urteil vom 18.03.2009, 4 AZR 64/08 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 18.03.2009, 4 AZR 64/08
Schlagworte: Differenzierungsklausel, Einmalzahlung, Gewerkschaft, Gratifikation
2. Der Große Senat hat in seinem Beschluss vom 29. November 1967 (- GS 1/67 - BAGE 20, 175) keine bindende Entscheidung über eine einfache Differenzierungsklausel getroffen. (Rn.86) Soweit man dennoch die dort aufgestellten Rechtssätze auf § 3 TVAstD anwendet, hält diese Regelung den Anforderungen stand und ist insbesondere nicht sozial inadäquat.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Oldenburg (Oldenburg), Urteil vom 24.03.2007, 4 Ca 9/07 Landesarbeitsgericht Niedersachsen, Urteil vom 11.12.2007, 5 Sa 914/07
hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 18. März 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Be­p­ler, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Creutz­feldt, die
Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Win­ter so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Rat­a­ycz­ak und Bre­den­diek für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen vom 11. De­zem­ber 2007 - 5 Sa 914/07 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über ei­nen An­spruch der Kläge­rin auf ei­ne ta­rif­lich nur für Ge­werk­schafts­mit­glie­der vor­ge­se­he­ne Aus­gleichs­zah­lung.
Die Kläge­rin ist seit dem 1. Ju­ni 1999 bei der Be­klag­ten so­wie de­ren Rechts­vorgänge­rin als Pfle­ge­kraft beschäftigt; sie ist nicht Mit­glied der Ge­werk­schaft ver.di. Der zwi­schen der Kläge­rin und dem Rechts­vorgänger der Be­klag­ten, dem Ar­bei­ter­wohl­fahrt Be­zirks­ver­band We­ser-Ems e.V. am 18. Ju­ni 1999 ge­schlos­se­ne Ar­beits­ver­trag lau­tet aus­zugs­wei­se wie folgt:
„§ III Ar­beits­ent­gelt
1. Das mo­nat­li­che Ent­gelt er­gibt sich aus der ta­rif­li­chen Ein­grup­pie­rung gemäß BMT-AW II in Kran­ken­pfle­ge­ta­rif­ver­trag: Grup­pe IV, Fall­grup­pe: 5.
2. So­weit das Ent­gelt bzw. ein­zel­ne Be­stand­tei­le des Ent­gel­tes über das ta­rif­li­che Ent­gelt hin­aus­ge­hen, han­delt es sich um frei­wil­li­ge, je­der­zeit wi­der­ruf­li­che Leis­tun­gen, die auf zukünf­ti­ge Ta­rif­erhöhun­gen an­ge­rech­net wer­den können.
§ VII Ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen
Im übri­gen gel­ten die Be­stim­mun­gen des an­zu­wen­den­den Ta­rif­ver­tra­ges in sei­ner je­weils gülti­gen Fas­sung. Ein Ex­em­plar die­ses Ta­rif­ver­tra­ges liegt in der Ein­rich­tung zur Ein­sicht­nah­me aus.
§ VIII Zusätz­li­che Al­ters­ver­sor­gung
So­fern es sich um ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis han­delt und die Vor­aus­set­zun­gen gem. § 35 BMT-AW II erfüllt wer­den, be­steht ein An­spruch auf ei­ne zusätz­li­che Al­ters- und Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung (VBLU). Es muß ein ei­ge­ner schrift­li­cher An­trag vom Ar­beit­neh­mer ge­stellt wer­den.
Der Rechts­vorgänger der Be­klag­ten war als Ta­rif­ver­trags­par­tei an den BMT-AW II ge­bun­den. Da­bei han­delt es sich um ei­nen langjährig gel­ten­den Man­tel­ta­rif­ver­trag für den ge­sam­ten bun­des­wei­ten Be­reich der Ar­bei­ter­wohl­fahrt mit weit­ge­hen­der Ori­en­tie­rung am BAT.
In den Jah­ren 2003 bis 2005 schlos­sen die Ge­werk­schaft ver.di und die Be­klag­te bzw. de­ren Rechts­vorgänger mit re­gio­na­ler Gel­tung sog. „Re­struk­tu­rie­rungs­ta­rif­verträge“, die ei­ne be­fris­te­te Ab­sen­kung der im BMT-AW II vor­ge­se­he­nen Son­der­zah­lun­gen vor­sa­hen. Die­se Re­struk­tu­rie­rungs­ta­rif­verträge wur­den von den Par­tei­en auf ihr Ar­beits­verhält­nis an­ge­wandt. Die Kläge­rin er­hielt in den ge­nann­ten Jah­ren je­weils die Son­der­zah­lun­gen auf der Ba­sis der in den Re­struk­tu­rie­rungs­ta­rif­verträgen ge­re­gel­ten Ab­sen­kung.
Nach der Um­struk­tu­rie­rung des Be­zirks­ver­ban­des We­ser-Ems durch Aus­glie­de­rung und ge­sell­schafts­recht­li­cher Ver­selbständi­gung meh­re­rer ge­meinnützi­ger Ge­sell­schaf­ten mit be­schränk­ter Haf­tung, ua. der Be­klag­ten, schlos­sen die­se Ge­sell­schaf­ten zu­sam­men mit dem Be­zirks­ver­band auf der ei­nen und der Ge­werk­schaft ver.di auf der an­de­ren Sei­te auf­grund nach­hal­ti­ger wirt­schaft­li­cher Pro­ble­me am 11. Sep­tem­ber 2006 meh­re­re Ta­rif­verträge, dar­un­ter ei­nen sog. „Haus­ta­rif­ver­trag“ (Haus-TV), der den Mit­ar­bei­tern in § 19 grundsätz­lich ei­nen An­spruch auf ei­ne Jah­res­son­der­zah­lung gewähr­te, und ei­nen „Ta­rif­ver­trag zum Aus­gleich des struk­tu­rel­len De­fi­zits der Un­ter­neh­mens­grup­pe des ehe­ma­li­gen AWO-Be­zirks­ver­ban­des We­ser-Ems (TVAstD)“, der aus­zugs­wei­se fol­gen­den Wort­laut hat:
„Zwi­schen
1. AWO-Be­zirks­ver­band We­ser-Ems e.V., ...
3. AWO Woh­nen & Pfle­gen We­ser-Ems gGmbH (WuP),
ver.di - Ver­ein­ten Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft
Lan­des­be­zirk Nie­der­sach­sen/Bre­men
Die wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für die Un­ter­neh­mens­grup­pe des ehe­ma­li­gen AWO-Be­zirks­ver­ban­des We­ser-Ems er­zwin­gen be­son­de­re Maßnah­men, um ih­re wirt­schaft­li­che und fi­nan­zi­el­le Hand­lungsfähig­keit zu er­hal­ten bzw. zu ver­bes­sern. Dies gilt ins­be­son­de­re für die AWO Woh­nen und Pfle­gen We­ser-Ems gGmbH, die im Ver­gleich zu an­de­ren Re­gio­nen mit bis zu 15 % ge­rin­ge­ren Pfle­gesätzen ope­rie­ren muss. Die er­for­der­li­che Re­struk­tu­rie­rung, die zur Er­lan­gung ei­ner dau­er­haf­ten Wett­be­werbsfähig­keit durch­geführt wer­den muss, ist oh­ne die­se Maßnah­men nicht um­setz­bar, da nur so die dro­hen­de Zah­lungs­unfähig­keit ab­ge­wen­det wer­den kann. ...
Zur Si­che­rung und zum Er­halt der Un­ter­neh­mens­grup­pe des ehe­ma­li­gen AWO-Be­zirks­ver­ban­des We­ser-Ems wer­den fol­gen­de vom Haus­ta­rif­ver­trag ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen ge­trof­fen.
Die­ser Ta­rif­ver­trag gilt für die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer - nach­fol­gend Beschäftig­te ge­nannt -, die in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zum AWO-Be­zirskver­band We­ser-Ems e.V., ... AWO Woh­nen & Pfle­gen We­ser-Ems gGmbH, ... (nach­fol­gend AWO-Grup­pe) ste­hen. ...
§ 2 Außer­kraft­set­zen § 19 des Haus­ta­rif­ver­tra­ges der AWO Grup­pe
Der § 19 des Haus­ta­rif­ver­tra­ges der AWO-Grup­pe vom 01. Ju­li 2006 wird durch die­sen Ta­rif­ver­trag Aus­gleich struk­tu­rel­les De­fi­zit (TV AstD) un­ter Be­ach­tung der Re­ge­lun­gen in den fol­gen­den Pa­ra­gra­phen außer Kraft ge­setzt.
§ 3 Aus­gleichs­zah­lung für ver.di-Mit­glie­der
(1) Als Er­satz­leis­tung we­gen des Ver­zichts auf die Son­der­zah­lun­gen gemäß § 19 des Haus­ta­rif­ver­tra­ges der AWO-Grup­pe er­hal­ten die ver.di-
Mit­glie­der der AWO-Grup­pe in je­dem Geschäfts­jahr zum 31. Ju­li ei­ne Aus­gleichs­zah­lung in Höhe von 535 € brut­to je Voll­zeit­kraft gemäß ta­rif­li­cher Wo­chen­ar­beits­zeit.
(2) Teil­zeit­beschäftig­te er­hal­ten die Aus­gleichs­zah­lung an­tei­lig.
(3) Die­se Aus­gleichs­zah­lung er­hal­ten Beschäftig­te, die ih­re Mit­glied­schaft in der Ver­ein­ten Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (ver.di) für die zurück­lie­gen­den drei Mo­na­te bis zum Aus­zah­lungs­tag glaub­haft zum 30. Ju­ni nach­ge­wie­sen ha­ben.
(4) Für das Jahr 2006 ist die Mit­glied­schaft für die zurück­lie­gen­den drei Mo­na­te bis zum Aus­zah­lungs­tag (30.09.06) glaub­haft zum 31.08.2006 nach­zu­wei­sen.
§ 4 Er­geb­nis­abhängi­ge Son­der­zah­lung
(1) Als wei­te­re Er­satz­leis­tung er­hal­ten die Beschäftig­ten der AWO-Grup­pe jähr­lich ei­ne er­geb­nis­abhängi­ge Son­der­zah­lung gem. §§ 5 - 7, wenn die fi­nan­zi­el­le und wirt­schaft­li­che La­ge dies ermöglicht.
Die Kläge­rin hat im Jah­re 2006 kei­ne Son­der­zah­lung und kei­ne Aus­gleichs­zah­lung nach § 3 TVAstD von der Be­klag­ten er­hal­ten.
Die Kläge­rin hat - so­weit für die Re­vi­si­on noch von In­ter­es­se - die Aus­gleichs­zah­lung von 535,00 Eu­ro brut­to ge­richt­lich gel­tend ge­macht und sich zur Be­gründung ih­rer Kla­ge dar­auf be­ru­fen, dass der TVAstD we­gen der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­wei­sungs­klau­sel auch auf ihr Ar­beits­verhält­nis an­zu­wen­den sei. So­weit die­ser Ta­rif­ver­trag die Aus­gleichs­zah­lung aus­sch­ließlich für Mit­glie­der der Ge­werk­schaft ver.di vor­se­he, han­de­le es sich zu­dem um ei­ne nach der Recht­spre­chung des Großen Se­na­tes des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes un­zulässi­ge ta­rif­li­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel. Es ver­s­toße auch ge­gen den An­spruch des Außen­sei­ters auf Gleich­be­hand­lung nach Art. 3 Abs. 1 GG, wenn die Ar­beit­ge­ber nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­neh­mer schlech­ter be­zahl­ten als or­ga­ni­sier­te Mit­glie­der; nicht nur die­se hätten ei­nen un­ab­ding­ba­ren An­spruch auf ta­rif­li­che Leis­tun­gen. Die Zurück­set­zung von nicht ge­werk­schaft­li­chen
Ar­beit­neh­mern ha­be ei­nen frei­heits­be­schränken­den Cha­rak­ter, der sie zum Ge­werk­schafts­bei­tritt zwin­gen sol­le und des­halb ge­gen die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit aus Art. 9 Abs. 3 GG ver­s­toße. Fer­ner ha­be oh­ne die nun­mehr er­folg­te Strei­chung der Son­der­zah­lung ein An­spruch der Kläge­rin be­stan­den; die­ser könne ihr nicht oh­ne ei­nen sach­li­chen Grund ge­nom­men wer­den, den Ge­werk­schafts­mit­glie­dern je­doch teil­wei­se er­hal­ten blei­ben.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 535,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Au­gust 2006 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat ih­ren Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag da­mit be­gründet, dass der TVAstD der Kläge­rin kei­nen An­spruch auf die Aus­gleichs­zah­lung ge­be, da sie das Tat­be­stands­merk­mal der Mit­glied­schaft in der Ge­werk­schaft ver.di nicht erfülle. Die Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel sei auch wirk­sam. Aber selbst bei ei­ner Un­wirk­sam­keit der Ta­rif­re­ge­lung er­ge­be sich al­lein hier­aus kein An­spruch der Kläge­rin, son­dern le­dig­lich der Weg­fall der Klau­sel ins­ge­samt.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und die Be­ru­fung ge­gen sein Ur­teil zu­ge­las­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts ab­geändert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on er­strebt die Kläge­rin die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils.
Die Re­vi­si­on der Kläge­rin hat kei­nen Er­folg. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat der Be­ru­fung der Be­klag­ten zu Recht statt­ge­ge­ben und die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Der von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­te An­spruch be­steht nicht.
A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat ei­ne An­spruchs­grund­la­ge für den gel­tend ge­mach­ten An­spruch ver­neint. Die Ver­wei­sungs­klau­sel im Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en er­set­ze als Gleich­stel­lungs­ab­re­de nur die Ge­bun­den­heit der Kläge­rin
an den TVAstD, führe je­doch nicht zu ei­ner ver­trag­lich ver­ein­bar­ten um­fas­sen­den „Be­hand­lung als Ge­werk­schafts­mit­glied“. Die Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel in § 3 Abs. 1 TVAstD sei auch nicht rechts­wid­rig. Der Recht­spre­chung des Großen Se­na­tes vom 29. No­vem­ber 1967 sei je­den­falls hin­sicht­lich der vor­lie­gen­den ein­fa­chen Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel nicht zu fol­gen. Die von der Rechts­ord­nung ver­mu­te­te Wirk­sam­keit ei­ner Ver­ein­ba­rung sei zu wi­der­le­gen und nicht zu be­gründen. Auch die Mo­ti­ve der han­deln­den Par­tei­en spiel­ten hierfür nur in sel­te­nen, hier nicht vor­lie­gen­den Fällen ei­ne Rol­le. Ein gröbli­cher Ver­s­toß ge­gen das Ge­rech­tig­keits­emp­fin­den, der für den Großen Se­nat ent­schei­dungs­er­heb­lich ge­we­sen sei, könne das Lan­des­ar­beits­ge­richt für den vor­lie­gen­den Streit­fall nicht er­ken­nen. Die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit der Kläge­rin sei nicht ver­letzt, weil der auf sie aus­geübte Druck le­gi­tim und so­zi­al­adäquat sei und die ne­ga­ti­ve wie die po­si­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit le­dig­lich in ei­nem Kern­be­reich geschützt sei. Dem Ar­beit­ge­ber sei nicht ver­bo­ten oder er­schwert, die frag­li­che Leis­tung an ei­nen Außen­sei­ter zu er­brin­gen.
B. Die­se Ausführun­gen las­sen kei­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­feh­ler er­ken­nen. Der Se­nat folgt dem Lan­des­ar­beits­ge­richt im Er­geb­nis und weit­ge­hend in der Be­gründung. Der Kläge­rin steht kei­ne An­spruchs­grund­la­ge für die gel­tend ge­mach­te For­de­rung zur Verfügung.
I. Ein nor­ma­tiv aus dem TVAstD un­mit­tel­bar be­gründe­ter An­spruch be­steht nicht. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en un­ter­liegt nicht dem TVAstD, da die Kläge­rin nicht Mit­glied der ta­rif­ver­trags­sch­ließen­den Ge­werk­schaft ver.di ist, § 4 Abs. 1 TVG.
II. Auch aus der ein­zel­ver­trag­li­chen Ver­wei­sungs­klau­sel er­gibt sich ein sol­cher An­spruch nicht. Der TVAstD fin­det auf­grund der In­be­zug­nah­me durch den Ar­beits­ver­trag zwar An­wen­dung auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en. Die Kläge­rin erfüllt je­doch nicht die dort ge­nann­te An­spruchs­vor­aus­set­zung ei­ner Mit­glied­schaft in der Ge­werk­schaft ver.di. Ge­gen die Wirk­sam­keit die­ser Ta­rif­re­ge­lung be­ste­hen we­der aus ver­fas­sungs­recht­li­cher noch aus ta­rif­recht­li­cher Sicht Be­den­ken.
1. Die An­wend­bar­keit des TVAstD auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en er­gibt sich aus der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­wei­sungs­klau­sel. Die­se ist - je­den­falls in der hier frag­li­chen Reich­wei­te - als Ta­rif­wech­sel­klau­sel in­ner­halb der für die Be­klag­te gel­ten­den AWO-Ta­rif­verträge an­zu­se­hen.
a) Die Aus­le­gung ei­nes For­mu­lar­ar­beits­ver­tra­ges wie des streit­ge­genständ­li­chen durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt kann vom Re­vi­si­ons­ge­richt oh­ne Ein­schränkung über­prüft wer­den (st. Rspr., vgl. nur Se­nat 30. Au­gust 2000 - 4 AZR 581/99 - mwN, BA­GE 95, 296, 299). Nach §§ 133, 157 BGB sind Verträge so aus­zu­le­gen, wie die Par­tei­en sie nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te ver­ste­hen muss­ten. Da­bei ist vom Wort­laut aus­zu­ge­hen, aber zur Er­mitt­lung des wirk­li­chen Wil­lens der Par­tei­en sind auch die außer­halb der Ver­ein­ba­rung lie­gen­den Umstände ein­zu­be­zie­hen, so­weit sie ei­nen Schluss auf den Sinn­ge­halt der Erklärung zu­las­sen (Se­nat 26. Sep­tem­ber 2001 - 4 AZR 544/00 - BA­GE 99, 120, 123 f.). Dies gilt auch für dy­na­mi­sche Ver­wei­sungs­klau­seln, so­weit sie auf Ta­rif­verträge ver­wei­sen (Se­nat 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - BA­GE 122, 74, 81 mwN).
b) Bei der Aus­le­gung des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt im Er­geb­nis zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass die Ver­wei­sungs­klau­sel die An­wen­dung des TVAstD um­fasst.
aa) Der Wort­laut der Ver­wei­sungs­klau­sel in § VII Ar­beits­ver­trag ist zwar nicht ein­deu­tig. Er nimmt Be­zug auf ei­nen „an­zu­wen­den­den Ta­rif­ver­trag ... in sei­ner je­weils gülti­gen Fas­sung“, oh­ne die­sen Ta­rif­ver­trag na­ment­lich zu be­nen­nen. Die­ser ist al­lein da­durch ge­kenn­zeich­net, dass er „an­zu­wen­den“ ist. Das aber ist ge­ra­de ei­ne Fol­ge der Ver­wei­sungs­klau­sel und kann des­halb nicht zur Kenn­zeich­nung des Be­zug­nah­me­ob­jekts die­nen.
bb) Aus den sons­ti­gen Umständen er­gibt sich je­doch mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit, dass die Par­tei­en mit dem „an­zu­wen­den­den Ta­rif­ver­trag“ den­je­ni­gen Ta­rif­ver­trag ge­meint ha­ben, an den die Be­klag­te selbst gemäß § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG ge­bun­den ist.
(1) Ers­te Hin­wei­se hier­auf lie­fert der in an­de­ren Re­ge­lun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges gewähl­te Wort­laut. Bei der dy­na­mi­schen Be­stim­mung des Ent­gel­tes auf­grund ei­ner Ein­grup­pie­rung der Kläge­rin wird in § III Ar­beits­ver­trag eben­so auf den BMT-AW II ver­wie­sen wie bezüglich der zusätz­li­chen Al­ters­ver­sor­gung in § VIII Ar­beits­ver­trag. Dar­aus er­gibt sich je­den­falls, dass der zum Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses gel­ten­de BMT-AW II von den Par­tei­en in Be­zug ge­nom­men war.
(2) Dass es sich bei dem Be­zug­nah­me­ob­jekt aus § VII Ar­beits­ver­trag aber nicht aus­sch­ließlich um den BMT-AW II han­del­te mit der mögli­chen Fol­ge, dass nur die­ses Ver­trags­werk in dy­na­mi­scher Form in Be­zug ge­nom­men wor­den wäre, er­gibt sich aus der Wort­wahl im Ar­beits­ver­trag. Denn an­ders als in den ge­nann­ten Re­ge­lun­gen zur Ein­grup­pie­rung und zur Al­ters­ver­sor­gung ist dort nicht der BMT-AW II, al­so der sei­ner­zeit ak­tu­ell gel­ten­de Man­tel­ta­rif­ver­trag ge­nannt, son­dern der „an­zu­wen­den­de Ta­rif­ver­trag“. Dies lässt den Rück­schluss zu, dass die Be­zug­nah­me­klau­sel sich nicht auf die­ses kon­kre­te Ver­trags­werk in sei­ner je­weils gülti­gen Fas­sung be­schränken woll­te. An­sons­ten hätte nichts da­ge­gen ge­spro­chen, auch hier die den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en geläufi­ge und von ih­nen an­der­wei­tig ge­nutz­te Be­zeich­nung „BMT-AW II“ zu ge­brau­chen. Die Ver­wei­sung zielt viel­mehr er­kenn­bar auf al­le Ta­rif­verträge, an die die Ar­beit­ge­be­rin ta­rif­ge­bun­den ist.
(3) Dem ent­spricht die Ver­trags­pra­xis der Par­tei­en. Bei­de ge­hen er­kenn­bar nicht nur da­von aus, dass der TVAstD prin­zi­pi­ell An­wen­dung auf das Ar­beits­verhält­nis fin­det, son­dern auch da­von, dass sich die Höhe der der Kläge­rin ge­zahl­ten Son­der­zu­wen­dun­gen in den da­vor lie­gen­den Jah­ren nach den Re­struk­tu­rie­rungs­ta­rif­verträgen rich­te­ten. Die­ser aber war be­reits nicht mehr Be­stand­teil des BMT-AW II und nicht ein­mal mit den­sel­ben Par­tei­en auf Ar­beit­ge­ber­sei­te, nämlich dem Bun­des­ver­band der AWO, han­delnd zu­gleich für die Be­zirks­verbände, ab­ge­schlos­sen wor­den. Es han­del­te sich viel­mehr um ei­nen ge­son­der­ten Haus­ta­rif­ver­trag mit dem Zweck, den Be­zirks­ver­band We­ser-Ems zu sa­nie­ren, der nach dem in der Fol­ge­zeit um­ge­setz­ten Wil­len bei­der Ar­beits-
ver­trags­par­tei­en von der vor­lie­gen­den, im Kern als Ta­rif­wech­sel­klau­sel zu be­wer­ten­den Ver­wei­sungs­be­stim­mung mit um­fasst ist.
Ent­spre­chen­des gilt im Er­geb­nis auch für die der­zei­ti­ge Ver­trags­la­ge. Die Par­tei­en ge­hen übe­rein­stim­mend da­von aus, dass der TVAstD An­wen­dung auf ihr Ar­beits­verhält­nis fin­det, eben­so wie die Not­wen­dig­keit der Außer-Kraft-Set­zung des § 19 HausTV auch nur dann ge­ge­ben sein kann, wenn die­ser an­sons­ten An­wen­dung fände.
2. Aus der hier­nach fest­ste­hen­den An­wend­bar­keit des TVAstD im Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en folgt aber nicht oh­ne wei­te­res auch der gel­tend ge-mach­te An­spruch auf die Aus­gleichs­zah­lung. Die An­spruchs­grund­la­ge des § 3 TVAstD legt als ei­genständi­ge rechts­be­gründen­de An­spruchs­vor­aus­set­zung die Mit­glied­schaft in der Ge­werk­schaft ver.di fest. Die Be­stim­mung wie­der­holt nicht le­dig­lich de­kla­ra­to­risch die Vor­aus­set­zung für ei­ne nor­ma­ti­ve Wir­kung des Ta­rif­ver­trags nach § 4 Abs. 1 TVG. Dies er­gibt sich zwei­fels­frei aus der Aus­le­gung der Ta­rif­be­stim­mung (zu den Aus­le­gungs­grundsätzen bei der Ta­rif­aus­le­gung vgl. et­wa Se­nat 30. Mai 2001 - 4 AZR 269/00 - BA­GE 98, 35, 38 f.; 7. Ju­li 2004 - 4 AZR 433/03 - BA­GE 111, 204, 209), ins­be­son­de­re der Ge­genüber­stel­lung der An­spruchs­grund­la­gen in § 3 („Aus­gleichs­zah­lung für ver.di-Mit­glie­der“) und in § 4 („Er­geb­nis­abhängi­ge Son­der­zah­lung“). Während der erst­ge­nann­te An­spruch aus­drück­lich nur für ver.di-Mit­glie­der vor­ge­se­hen ist, de­ren „Iden­ti­fi­zie­rung“ ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber ei­ner ei­ge­nen Ver­fah­rens­re­ge­lung in § 3 Abs. 3 und 4 TVAstD un­ter­wor­fen ist, be­steht der An­spruch auf die er­geb­nis­abhängi­ge Son­der­zah­lung für „die Beschäftig­ten der AWO-Grup­pe“ (§ 4 Abs. 1 TVAstD). Da der Ta­rif­ver­trag oh­ne­hin nur ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mern ei­nen An­spruch ver­schaf­fen kann, muss die Son­der­re­ge­lung für ver.di-Mit­glie­der nach dem Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ne ei­ge­ne, kon­sti­tu­ti­ve Be­deu­tung ha­ben.
3. Die in § 3 TVAstD als An­spruchs­vor­aus­set­zung ge­nann­te Mit­glied­schaft in der Ge­werk­schaft ver.di wird von der Kläge­rin nicht in­halt­lich durch die ein­zel­ver­trag­li­che Ver­wei­sung auf den TVAstD erfüllt. Die­se be­wirkt le­dig­lich die An­wend­bar­keit des Ta­rif­ver­tra­ges, er­setzt je­doch nicht die als be­son­de­re
An­spruchs­vor­aus­set­zung für die Aus­gleichs­zah­lung im Ta­rif­ver­trag fest­ge­schrie­be­ne Mit­glied­schaft in der Ge­werk­schaft ver.di.
a) In der Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur wird zwar die Wir­kungs­wei­se ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me auf ei­nen Ta­rif­ver­trag zu­wei­len da­hin­ge­hend be­schrie­ben, dass die von ei­nem ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber ver­wand­te Be­zug­nah­me­klau­sel die „Mit­glied­schaft des Ar­beit­neh­mers in der Ge­werk­schaft ... er­setzt“ (zB Löwisch/Rieb­le TVG 2. Aufl. § 3 Rn. 229, 231). Da­bei han­delt es sich je­doch le­dig­lich um ei­ne Il­lus­tra­ti­on der ty­pi­schen Fol­gen ei­ner Ge­werk­schafts­mit­glied­schaft im Verhält­nis zum ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber. Ei­ner Ver­wei­sungs­klau­sel kann je­doch oh­ne be­son­de­re An­halts­punk­te im Wort­laut kei­ne übe­rein­stim­men­de Sta­tus­be­stim­mung durch die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en un­ter­stellt wer­den. Er­kenn­bar ge­woll­te Rechts­fol­ge ei­ner sol­chen Ver­ein­ba­rung ist es al­lein, die An­wend­bar­keit der Ta­rif­nor­men im Ar­beits­verhält­nis her­bei­zuführen, und nicht et­wa, dem Ar­beit­neh­mer ei­nen be­stimm­ten Sta­tus zu ver­schaf­fen oder ihn zu fin­gie­ren. Dem­gemäß wird die Ver­wei­sungs­klau­sel auch als „verkürz­te Ab­spra­che über den Ver­trags­in­halt“ (Ja­cobs Ta­rif­ein­heit und Ta­rif­kon­kur­renz S. 182) ver­stan­den, wo­bei die­se Form der Re­ge­lungs­tech­nik gewählt wird, um ei­ne Über­nah­me des vollständi­gen Wort­lau­tes in den Ar­beits­ver­trag zu ver­mei­den (Gaul NZA 1998, 9, 11) und bei Ände­run­gen des Ta­rif­ver­tra­ges nicht stets um­fang­rei­che neue Ar­beits­verträge ent­wer­fen zu müssen (Schaub ZTR 2000, 259).
Ei­ne darüber hin­aus­ge­hen­de Wir­kungs­wei­se hat ei­ne Ver­wei­sungs­klau­sel je­den­falls im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang auch dann nicht, wenn sie als sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­de im Sin­ne der älte­ren Recht­spre­chung des Se­nats zu ver­ste­hen ist (vgl. hier­zu 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - BA­GE 122, 74, 81 ff. mit zahl­rei­chen Nach­wei­sen aus der älte­ren Recht­spre­chung). Dies ist vor­lie­gend der Fall, weil die Ver­wei­sungs­klau­sel aus der Zeit vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 stammt und von ei­nem ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber im For­mu­lar­ar­beits­ver­trag vor­ge­ge­ben wur­de. Es geht bei der An­nah­me ei­ner Gleich­stel­lungs­ab­re­de nur dar­um, den Ar­beit­ge­ber, bei dem man als selbst Ta­rif­ge­bun­de­nem von ei­ner ent­spre­chen­den Mo­ti­va­ti­on bei der Ver­trags­for­mu­lie­rung aus­geht,
nicht wei­ter­ge­hend zu bin­den, als er ge­genüber ei­nem an den be­tref­fen­den Ta­rif­ver­trag ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer aus Ta­rif­ver­trag oder Ta­rif­werk nor­ma­tiv be­rech­tigt oder ver­pflich­tet ist. Um die­ses Zie­les Wil­len hat die älte­re Se­nats­recht­spre­chung, an der der Se­nat für „Altfälle“ festhält, ei­ne dy­na­mi­sche Ver­wei­sung auf ei­nen Ta­rif­ver­trag oder ein Ta­rif­werk ein­schränkend da­hin aus­ge­legt, dass die Dy­na­mik nur so weit reicht, wie sie bei ei­nem ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer reicht, al­so dann en­det, wenn der Ar­beit­ge­ber we­gen Weg­falls der ei­ge­nen Ta­rif­ge­bun­den­heit nicht mehr nor­ma­tiv an künf­ti­ge Ta­ri­fent­wick­lun­gen ge­bun­den ist. Auch ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de be­wirkt dem­gemäß, wenn nicht et­was an­de­res im Ar­beits­ver­trag fest­ge­legt wor­den ist, nicht, dass der Ar­beit­ge­ber durch sie ver­pflich­tet wird, den be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer ins­ge­samt, bei der An­wen­dung der ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen, so zu be­han­deln, als wäre er Mit­glied der ta­rif­sch­ließen­den Ge­werk­schaft.
b) Die­se Aus­le­gung ent­spricht der bis­he­ri­gen Se­nats­recht­spre­chung. Die durch die Ver­wei­sungs­klau­sel be­wirk­te Er­stre­ckung der Ta­rif­ge­bun­den­heit auf die nicht­or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer ist zwar ge­le­gent­lich auch am Bei­spiel der Mit­glied­schaft in der ta­rif­sch­ließen­den Ge­werk­schaft il­lus­triert wor­den (vgl. zB Se­nat 20. Fe­bru­ar 2002 - 4 AZR 524/00 -; 29. Au­gust 2001 - 4 AZR 332/00 - BA­GE 99, 10, 23). Ei­ne Fest­le­gung hier­auf im recht­li­chen Sin­ne ei­ner Sta­tus­ver­lei­hung kraft Ver­ein­ba­rung ist je­doch nicht er­folgt. Zu ei­ner sol­chen be­stand auch kein kon­kre­ter An­lass. In den zu ent­schei­den­den Fällen wie­sen die Rechts­fol­gen kei­nen Un­ter­schied da­nach auf, ob ei­ne An­wen­dung des Ta­rif­werks auf dem Weg ei­ner Fik­ti­on der Ge­werk­schafts­zu­gehörig­keit, auf dem Weg der Fik­ti­on ei­ner All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung des gan­zen Ta­rif­ver­tra­ges, über ei­ne Fik­ti­on der in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­nor­men als „Be­triebs­nor­men“ iSv. § 3 Abs. 2 TVG oder auf ei­ne an­de­re Art be­gründet wur­de. Maßge­bend war im­mer al­lein das von den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en an­ge­streb­te Er­geb­nis der Er­set­zung ei­ner an­sons­ten an­der­wei­tig zu be­gründen­den Ta­rif­ge­bun­den­heit an den im Ar­beits­ver­trag ge­nann­ten Ta­rif­ver­trag oder das Ta­rif­werk um der Über­nah­me der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen in den In­di­vi­du­al­ver­trag wil­len (al­lein hier­auf ab­stel­lend auch Se­nat 1. De­zem­ber 2004 - 4 AZR 50/04 - BA­GE 113, 40, 42 f.; 19. März 2003 - 4 AZR 331/02 - BA­GE 105, 284, 290; 27. No­vem­ber 2002
- 4 AZR 663/01 - BA­GE 104, 39, 43; 25. Sep­tem­ber 2002 - 4 AZR 294/01 - BA­GE 103, 9, 14; zur Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen den Fol­gen ei­ner fin­gier­ten Ge­werk­schafts­mit­glied­schaft und den Fol­gen ei­ner fin­gier­ten Ta­rif­ge­bun­den­heit bei ei­ner Gleich­stel­lungs­ab­re­de Se­nat 21. Au­gust 2002 - 4 AZR 263/01 - BA­GE 102, 275, 281).
In sei­ner Ent­schei­dung vom 9. Mai 2007 hat der Se­nat so­dann aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Ver­wei­sungs­klau­sel le­dig­lich die Ein­be­zie­hung des Ta­rif­ver­tra­ges als Teil des Ar­beits­ver­tra­ges be­gründet, nicht je­doch ei­ne ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung über ei­ne um­fas­sen­de Be­hand­lung als Ge­werk­schafts­mit­glied kon­sti­tu­iert (9. Mai 2007 - 4 AZR 275/06 - Rn. 28, AP TVG § 3 Ver­bands­zu­gehörig­keit Nr. 23; eben­so be­reits aus­drück­lich Schlie­mann NZA Son­der­bei­la­ge zu Heft 16/2003, 3, 8; ders. ZTR 2004, 502, 510). Nur die­se Aus­le­gung ent­spricht auch der strik­ten Tren­nung zwi­schen dem durch die Ver­wei­sungs­klau­sel be­wirk­ten Rechts­zu­stand und der durch die kon­gru­en­te Ta­rif­ge­bun­den­heit er­folg­ten Gel­tung des je­wei­li­gen Ta­rif­ver­tra­ges, die zur An­wen­dung des Güns­tig­keits­prin­zips führt, wenn es zu ei­ner Kol­li­si­on von an­zu­wen­den­den Re­ge­lun­gen kommt (vgl. nur Se­nat 29. Au­gust 2007 - 4 AZR 767/06 - AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 61 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 37; 22. Ok­to­ber 2008 - 4 AZR 784/07 - NZA 2009, 151).
4. Die Kläge­rin hat auch nicht des­halb ei­nen An­spruch auf die be­gehr­te Leis­tung, weil § 3 TVAstD mit der in ihm ent­hal­te­nen An­spruchs­vor­aus­set­zung ei­ner ver.di-Mit­glied­schaft als un­zulässi­ge Dif­fe­ren­zie­rung an­zu­se­hen wäre und dar­aus mögli­cher­wei­se die Er­stre­ckung des An­spruchs auf Nicht­or­ga­ni­sier­te folg­te. Die ta­rif­li­che Re­ge­lung in § 3 TVAstD ist wirk­sam. Ge­gen sie be­ste­hen we­der ver­fas­sungs­recht­li­che noch ta­rif­recht­li­che Be­den­ken.
a) Ei­ne Ta­rif­re­ge­lung wie die­je­ni­ge in § 3 TVAstD wird als sog. „ein­fa­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel“ be­zeich­net: Die­se ist nach der all­ge­mein ver­wand­ten Ter­mi­no­lo­gie da­durch cha­rak­te­ri­siert, dass sie in ei­ner an­spruchs­be­gründen­den ein­zel­nen Ta­rif­re­ge­lung - „im In­ne­ren des Ta­rif­ver­tra­ges“ - die Mit­glied­schaft in der ta­rif­sch­ließen­den Ge­werk­schaft aus­drück­lich zu ei­ner an­spruchs-
be­gründen­den Vor­aus­set­zung macht (Krau­se in Ja­cobs/Krau­se/Oet­ker TVR Rn. 51, zählt ei­ne sol­che Re­ge­lung al­ler­dings über­haupt noch nicht zu den Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln im Rechts­sin­ne, eben­so Bau­er/Ar­nold NZA 2005, 1209 f.).
Wei­te­re For­men von Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln sind un­ter den Be­zeich­nun­gen „Ta­rif­aus­schluss­klau­sel“ und „Span­nen­klau­sel“ bzw. „Ab­stand­klau­sel“ geläufig. Der Un­ter­schied zu den „ein­fa­chen Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln“ be­steht bei die­sen Er­schei­nungs­for­men dar­in, dass sie je­weils re­gu­lie­rend auf die Ver­ein­ba­run­gen oder die Ver­trags­pra­xis des ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­bers mit nicht or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern im Verhält­nis zu den Ansprüchen der Ge­werk­schafts­mit­glie­der Ein­fluss neh­men wol­len. Die „Ta­rif­aus­schluss­klau­sel“ will dem ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber ver­bie­ten, die ta­rif­lich al­lein den Ge­werk­schafts­mit­glie­dern vor­be­hal­te­ne Leis­tung auch an Außen­sei­ter zu er­brin­gen. Die „Ab­stands­klau­sel“ lässt ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung des Ar­beit­ge­bers mit den Außen­sei­tern zu, be­gründet für die­sen Fall je­doch ei­nen zusätz­li­chen An­spruch für die or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer in Höhe der bei Ta­rif­ab­schluss vor­aus­ge­setz­ten Dif­fe­renz zwi­schen den Ansprüchen der nicht or­ga­ni­sier­ten und den­je­ni­gen der - durch die Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel zusätz­lich be­dach­ten - or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer (vgl. zur Ter­mi­no­lo­gie um­fas­send Fran­zen RdA 2006, 1, 2 f. mwN).
b) Als Maßstab für die Zulässig­keit von Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln gilt die sog. „ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit“, ins­be­son­de­re der Außen­sei­ter.
aa) Da­bei be­darf es im Streit­fall kei­ner ab­sch­ließen­den Ent­schei­dung darüber, ob die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit von Außen­sei­tern in Art. 9 Abs. 3 GG be­gründet ist (so die wohl hM, zB ErfK/Die­te­rich 9. Aufl. GG Art. 9 Rn. 32; Löwisch/Rieb­le TVG 2. Aufl. Grdl. Rn. 16; Wie­de­mann/Wie­de­mann TVG 7. Aufl. Einl. Rn. 278; Münch­Komm/BGB/Müller-Glöge 5. Aufl. § 611 Rn. 315a; Bau­er/Ar­nold NZA 2005, 1209, 1211; vgl. auch BVerfG 1. März 1979 - 1 BvR 532/77 ua. - BVerfGE 50, 290, 367; zum Streit­stand Schu­bert RdA 2001, 199, 200 ff.) oder in Art. 2 Abs. 1 GG (zB Ga­mill­scheg Kol­lek­ti­ves Ar­beits­recht Bd. I S. 3, 82 ff.; Hromad­ka/Masch­mann ArbR Bd. 2 § 12 Rn. 39; früher be­reits
Nip­per­dey in Hu­eck/Nip­per­dey Lehr­buch des Ar­beits­rechts 7. Aufl. Bd. II/1 S. 156 ff.; Bie­den­kopf JZ 1961, 346, 352 f.). Un­ge­ach­tet der dog­ma­ti­schen Be­gründung be­steht je­den­falls weit­ge­hen­de - und für den Streit­fall hin-rei­chen­de - Ei­nig­keit über den In­halt der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit. Die­se um­fasst nach all­ge­mei­ner An­sicht ins­be­son­de­re das Recht des Ein­zel­nen, sich nicht zu Ko­ali­tio­nen zu­sam­men­zu­sch­ließen, be­ste­hen­den Ko­ali­tio­nen fern­zu­blei­ben und bei be­reits er­folg­tem Ein­tritt wie­der aus­tre­ten zu dürfen (vgl. nur ErfK/Die­te­rich Art. 9 GG Rn. 32; Ley­de­cker Der Ta­rif­ver­trag als ex­klu­si­ves Gut Diss. 2005 S. 58, je­weils mwN).
(1) Das Recht, die Mit­glied­schaft in ei­ner Ko­ali­ti­on zu be­en­den und aus ihr aus­zu­tre­ten, darf auch ver­trag­lich oder sat­zungs­recht­lich nicht übermäßig ein­ge­schränkt wer­den, wo­bei ei­ne zeit­li­che Bin­dung für sechs Mo­na­te häufig als Ober­gren­ze ge­nannt wird. Ei­ne Ver­ein­ba­rung, die ein dau­er­haf­tes Ver­blei­ben in der Ko­ali­ti­on ver­spricht, ist nach Art. 9 Abs. 3 Satz 2 GG nich­tig (BAG 19. Sep­tem­ber 2006 - 1 ABR 2/06 - mwN, BA­GE 119, 275, 277 ff.).
(2) Das Recht, ei­ner Ko­ali­ti­on fern zu blei­ben, wird im Kern nicht in Fra­ge ge­stellt. Eben­so un­be­strit­ten ist es aber auch, dass die Mit­glied­schaft in ei­ner Ko­ali­ti­on nicht fol­gen­los bleibt, und dass von den recht­li­chen Fol­gen der ko­ali­ti­onsmäßigen Or­ga­ni­sie­rung ei­nes Ar­beit­ge­bers oder ei­nes Ar­beit­neh­mers für Außen­sei­ter auch ein ge­wis­ser An­reiz aus­ge­hen kann, selbst Mit­glied der Ko­ali­ti­on zu wer­den (vgl. schon BVerfG 20. Ju­li 1971 - 1 BvR 13/69 - BVerfGE 31, 297, 302). Zu­letzt hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung vom 11. Ju­li 2006 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Art. 9 Abs. 3 GG den Nicht-Or­ga­ni­sier­ten le­dig­lich vor ei­nem Zwang oder Druck schützt, ei­ner Ko­ali­ti­on bei­zu­tre­ten; ein von der Re­ge­lung aus­ge­hen­der bloßer An­reiz zum Bei­tritt erfülle die­se Vor­aus­set­zung nicht (BVerfG 11. Ju­li 2006 - 1 BvL 4/00 - BVerfGE 116, 202). Die­se Form der Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Mit­glie­dern ei­ner Ta­rif­ver­trags­par­tei und Un­or­ga­ni­sier­ten ist in § 4 Abs. 1 TVG ge­setz­lich an-ge­ord­net, kann aber auch eben­so dem Be­reich der ko­ali­ti­onsmäßigen Betäti­gungs­frei­heit wie dem Recht auf Be­stands­schutz nach Art. 9 Abs. 3 GG zu­ge­ord­net wer­den.
(3) Ei­ne all­ge­mein ak­zep­tier­te abs­trak­te Gren­ze zwi­schen dem, was noch zulässi­ger An­reiz zum Ge­werk­schafts­bei­tritt ist, und dem, was als un­zulässi­ger Druck oder gar Zwang zu sol­chem Ver­hal­ten an­zu­se­hen ist, ist nicht zu er-ken­nen. Die Li­te­ra­tur ori­en­tiert sich hier nach­voll­zieh­bar an Bei­spie­len, die je­weils mit der für zu­tref­fend ge­hal­te­nen Be­wer­tung ver­se­hen wer­den. Da­bei be­steht weit­ge­hend Ei­nig­keit dar­in, dass der von ta­rif­lich ge­re­gel­ten Zu­gangs­be­schränkun­gen zum Ar­beits­platz (sog. „clo­sed-shops“) aus­ge­hen­de Druck zum Ein­tritt in die Ge­werk­schaft un­zulässig ist und ge­gen die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit der be­trof­fe­nen Außen­sei­ter verstößt (vgl. nur Ga­mill­scheg Kol­lek­ti­ves Ar­beits­recht Band 1 S. 388 ff., der aber auch dar­auf hin­weist, dass es ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung seit 1945 nicht mehr ge­ge­ben hat). Ei­nig­keit be­steht auf der an­de­ren Sei­te aber auch dar­in, dass die Ge­werk­schafts­mit­glie­dern ge­setz­lich zu­ge­spro­che­ne un­mit­tel­ba­re und zwin­gen­de Wir­kung der ta­rif­lich ver­ein­bar­ten Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen sich nicht auf Außen­sei­ter er­streckt. Die­se ha­ben dem­gemäß auch dann kei­nen An­spruch ge­gen den Ar­beit­ge­ber auf ein­zel­ver­trag­li­che Gewährung der­sel­ben Ar­beits­be­din­gun­gen, wenn die­ser ta­rif­ge­bun­den ist; die vom Ta­rif­ver­trags­ge­setz vor­ge­ge­be­ne Dif­fe­ren­zie­rung hält dem Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot und dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz stand (vgl. nur Gie­sen NZA 2004, 1317 mit zahlr. Nachw.).
bb) Ta­rif­li­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln sind so­wohl nach der Recht­spre­chung als auch in der Li­te­ra­tur ins­be­son­de­re un­ter dem Ge­sichts­punkt der un­zulässi­gen Be­ein­träch­ti­gung der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit um­strit­ten.
(1) In meh­re­ren Ent­schei­dun­gen ist das Bun­des­ar­beits­ge­richt da­von aus­ge­gan­gen, dass die je­weils zu be­ur­tei­len­de ta­rif­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung un­wirk­sam sei, ua. weil von ihr ein un­zu­mut­ba­rer Druck auf Außen­sei­ter aus­ge­he, der Ko­ali­ti­on bei­zu­tre­ten, um in den Ge­nuss von ta­rif­ver­trag­lich be­gründe­ten Ansprüchen zu kom­men.
(a) Bei der Ent­schei­dung des Großen Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 29. No­vem­ber 1967 (- GS 1/67 - BA­GE 20, 175) ging es um ei­ne Streik­for­de­rung, die auf den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ge­rich­tet war, der ei­ne
ge­mein­sa­me Ur­laubs­kas­se vor­sah, die von den Ar­beit­ge­bern fi­nan­ziert wer­den soll­te und an­tei­li­ge Zah­lun­gen an drei Grup­pen von Ar­beit­neh­mern vor­sah; al­le im Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer soll­ten je 60,00 Deut­sche Mark er­hal­ten, die Hälf­te des Rest­be­tra­ges die seit min­des­tens ei­nem Jahr im Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer und die an­de­re Hälf­te des Rest­be­tra­ges die im Be­trieb beschäftig­ten Ge­werk­schafts­mit­glie­der. Die Mehr­leis­tung an die Mit­glie­der soll­te da­bei durch ei­ne Ab­stands- oder Span­nen­klau­sel ab­ge­si­chert wer­den, nach der evtl. Zah­lun­gen an Außen­sei­ter zu ei­ner Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers führen soll­ten, den Ab­stand zu den Außen­sei­tern durch ei­ne ent­spre­chen­de Erhöhung der Leis­tung an die Ge­werk­schafts­mit­glie­der zu „kom­pen­sie­ren“.
Der Große Se­nat hat den auf Ab­schluss die­ses Ta­rif­ver­tra­ges ge­rich­te­ten Streik als rechts­wid­rig an­ge­se­hen, weil die Dif­fe­ren­zie­rung der ta­rif­li­chen Leis­tun­gen nach Ar­beit­neh­mern und Ge­werk­schafts­mit­glie­dern ver­fas­sungs­recht­lich und ta­rif­recht­lich un­wirk­sam sei. Ver­fas­sungs­recht­lich ver­let­ze ei­ne sol­che Dif­fe­ren­zie­rung das Grund­recht der po­si­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit der an­ders und der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit der nicht or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer aus Art. 9 Abs. 3 GG. Ta­rif­recht­lich stell­ten Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln ei­ne Über­schrei­tung der Ta­rif­macht dar. Die Vor­ent­hal­tung von Leis­tun­gen an die Außen­sei­ter sei ei­ne un­zulässi­ge Bei­trags­er­he­bung für die In­an­spruch­nah­me ge­werk­schaft­li­cher Ta­rifar­beit. Ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung nach der Ge­werk­schafts­zu­gehörig­keit sei für die Ar­beit­ge­ber­sei­te un­zu­mut­bar. Sie müsse sich sonst „in die Diens­te des Ko­ali­ti­ons­geg­ners“ span­nen las­sen. Zu­dem ver­letz­te ei­ne sol­che Dif­fe­ren­zie­rung das „all­ge­mei­ne Ge­rech­tig­keits­emp­fin­den“ der Außen­sei­ter be­son­ders. Ei­ne fi­nan­zi­el­le Bes­ser­stel­lung von or­ga­ni­sier­ten ge­genüber nicht oder an­ders or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern stel­le da­her ei­nen „so­zia­li­nadäqua­ten” Druck auf die Außen­sei­ter dar.
(b) Zwei Ent­schei­dun­gen des Vier­ten Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts aus dem Jah­re 1987 be­fass­ten sich mit der Be­ein­träch­ti­gung der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit von Außen­sei­tern auf­grund von ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen über quo­tenmäßig be­grenz­te Vor­ru­he­stands­ver­ein­ba­run­gen (Se­nat 21. Ja­nu­ar 1987
- 4 AZR 547/86 - BA­GE 54, 113 ff.; 21. Ja­nu­ar 1987 - 4 AZR 486/86 - AP GG Art. 9 Nr. 46). In bei­den Ent­schei­dun­gen stell­te der Vier­te Se­nat zunächst fest, dass ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung nach Ge­werk­schafts­zu­gehörig­keit grundsätz­lich kei­ne Be­ein­träch­ti­gung der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit sei, und be­rief sich zur Be­gründung auf den „sach­li­chen Grund“, der in § 3 Abs. 1 TVG zu se­hen sei. Den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sei es je­doch ver­wehrt, ei­ne der­ar­ti­ge Klau­sel zu ver­ein­ba­ren, wenn sie da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen oder zu ver­ste­hen sei, dass nur die Vor­ru­he­stands­ver­ein­ba­run­gen mit Ge­werk­schafts­mit­glie­dern bei der Quo­ten­erfüllung zu berück­sich­ti­gen sei­en. Der da­durch mit­tel­bar be­wirk­te Aus­schluss von oder die we­sent­li­che Er­schwe­rung des Zu­gangs zu der­ar­ti­gen Vor­ru­he­stands­re­ge­lun­gen be­wir­ke ei­nen un­zulässi­gen Druck auf die Außen­sei­ter, der Ge­werk­schaft bei­zu­tre­ten. Da­mit sei ih­re ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit im Kern­be­reich berührt.
(c) In ei­ner neue­ren Ent­schei­dung hat­te der Se­nat über ei­ne Ta­rif­klau­sel zu be­fin­den, nach der ei­ne Ta­rif­loh­nerhöhung nur für sol­che Ar­beit­neh­mer gel­ten soll­te, die zu ei­nem be­stimm­ten in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­den Stich­tag Mit­glied der Ge­werk­schaft wa­ren und blie­ben; an­dern­falls soll­te die Ta­rif­erhöhung zurück­ge­zahlt wer­den (9. Mai 2007 - 4 AZR 275/06 - AP TVG § 3 Ver­bands­zu­gehörig­keit Nr. 23 = EzA GG Art. 9 Nr. 91). Der Se­nat hat in den Ent­schei­dungs­gründen aus­drück­lich da­hin­ste­hen las­sen, ob der Auf­fas­sung des Großen Se­nats über die ge­ne­rel­le Un­zulässig­keit von Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln und ih­rer Be­gründung zu fol­gen sei. Die vor­lie­gen­de Klau­sel sei schon des­halb un­wirk­sam, weil sie zusätz­lich zur Ge­werk­schafts­zu­gehörig­keit ei­ne be­stimm­te Stich­tags­re­ge­lung ent­hal­ten ha­be, die später in die Ge­werk­schaft ein­tre­ten­de Ar­beit­neh­mer von der Ta­rif­erhöhung auf Dau­er aus­neh­me so­wie aus­tre­ten­de Mit­glie­der zur Rück­zah­lung ver­pflich­te.
(2) In der Li­te­ra­tur ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die Dis­kus­si­on über die Zulässig­keit von Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln wie­der auf­ge­lebt. Da­bei wird zu-neh­mend die Recht­spre­chung des Großen Se­nats - mit teil­wei­se sehr un­ter-schied­li­chen Ar­gu­men­ten - in Fra­ge ge­stellt (vgl. et­wa Kem­pen/Za­chert/Wen­de­ling-Schröder TVG 4. Aufl. § 3 Rn. 253 ff.; Za­chert DB 1995, 322; Däubler
BB 2002, 1643; Däubler/Hen­sche TVG 2. Aufl. § 1 Rn. 879; Kem­pen FA 2005, 14; Ga­mill­scheg NZA 2005, 146; Ley­de­cker AuR 2006, 11; Ul­ber/Strauß DB 2008, 1970; Ko­cher NZA 2009, 119; be­reits früher teil­wei­se sehr kri­tisch Säcker Grund­pro­ble­me der kol­lek­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit S. 129 ff.; Ha­nau JuS 1969, 213; Git­ter AuR 1970, 129, 133; Wel­ler AuR 1970, 161; Her­schel AuR 1970, 193, 195; Rüthers Ar­beits­recht und po­li­ti­sches Sys­tem BRD : DDR S. 117; Dorn­dorf AuR 1988, 1, 5 ff.; für die ge­ne­rel­le Un­zulässig­keit von Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln - al­ler­dings teil­wei­se mit deut­li­cher Kri­tik an der Be­gründung des Großen Se­nats - dem­ge­genüber zB Löwisch/Rieb­le TVG § 1 Rn. 819 f.; Gie­sen NZA 2004, 1317; Bau­er/Ar­nold NZA 2005, 1209; Wie­de­mann/Wie­de­mann TVG 7. Aufl. Einl. Rn. 285 ff.; Münch­Komm/BGB/ Müller-Glöge 5. Aufl. § 611 Rn. 316; diff. Fran­zen RdA 2006, 1; Grei­ner DB 2009, 398).
c) Der Se­nat muss im Streit­fall nicht näher auf zahl­rei­che der in Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur an­ge­spro­che­nen Pro­ble­me ein­ge­hen. Die hier vor­lie­gen­de „ein­fa­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel“ in Form der ein­fa­chen An­spruchs­vor­aus­set­zung ei­ner „ver.di-Mit­glied­schaft“ ist ent­we­der be­reits we­gen ih­rer Stel­lung im recht­li­chen Gefüge zwi­schen nicht or­ga­ni­sier­tem und or­ga­ni­sier­tem Ar­beit­neh­mer, Ar­beit­ge­ber und Ge­werk­schaft nicht ge­eig­net, Rech­te von nicht or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern rechts­wid­rig zu be­ein­träch­ti­gen. Je­den­falls ist sie in ih­rer kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung nicht rechts­wid­rig und des­halb nich­tig. Sie übt kei­nen un­zulässi­gen, ge­gen die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit der Außen­sei­ter ver­s­toßen­den Druck zum Ge­werk­schafts­bei­tritt aus.
aa) Der Se­nat geht zunächst da­von aus, dass ei­ne ein­fa­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel be­reits struk­tu­rell kei­nen un­zulässi­gen un­mit­tel­ba­ren Druck auf Außen­sei­ter ausüben kann und des­halb kei­nen grundsätz­li­chen recht­li­chen Be­den­ken be­geg­net. § 3 TVAstD er­fasst das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin nicht und will und kann auch an­sons­ten kei­ne recht­li­chen Aus­wir­kun­gen auf ihr Ar­beits­verhält­nis ent­fal­ten.
(1) § 3 TVAstD be­gründet aus­sch­ließlich Rech­te und Pflich­ten von Mit­glie­dern der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en und schränkt die Hand­lungs- und ins­be­son­de­re Ver­trags­frei­heit der ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber nicht ein.
(a) Ein Ta­rif­ver­trag wird zwi­schen Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­schlos­sen. Er enthält schuld­recht­li­che und nor­ma­ti­ve Ele­men­te. Die Wir­kungs­wei­se der nor­ma­ti­ven Re­ge­lun­gen ist in § 4 Abs. 1, § 3 Abs. 2 TVG ge­re­gelt. Nach § 4 Abs. 1 TVG gel­ten die - hier al­lein in Be­tracht kom­men­den - Ab­schluss-, In­halts-und Be­en­di­gungs­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­trags un­mit­tel­bar und zwin­gend für die Mit­glie­der der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, so­weit sie un­ter den Gel­tungs­be­reich des Ta­rif­ver­tra­ges fal­len. Die­se Wir­kungs­wei­se ist durch die kol­lek­tiv aus­geübte Pri­vat­au­to­no­mie mit dem Bei­tritt der Mit­glie­der zur Ko­ali­ti­on le­gi­ti­miert. Mit den Wor­ten des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts: „Die durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­te Norm­set­zungs­be­fug­nis der Ko­ali­tio­nen er­streckt sich grundsätz­lich nur auf die Mit­glie­der der ver­trags­sch­ließen­den Par­tei­en. Die Be­gren­zung der Ta­rif­macht ent­spricht der his­to­risch ge­wach­se­nen und im Grund­ge­setz nie­der­ge­leg­ten Be­deu­tung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit; auch im Selbst­verständ­nis der Ko­ali­tio­nen fin­det sich kein tragfähi­ger An­halts­punkt für ei­nen wei­ter­ge­hen­den Recht­set­zungs­auf­trag, der al­le am Ar­beits­le­ben be­tei­lig­ten Per­so­nen oh­ne wei­te­res um­fasst. In­dem es die Ta­rif­ge­bun­den­heit grundsätz­lich auf die Mit­glie­der der Ta­rif­par­tei­en be­schränkt, trägt das Ta­rif­ver­trags­ge­setz in sei­nem § 3 Abs. 1 dem Grund­satz Rech­nung, dass der Staat sei­ne Norm­set­zungs­be­fug­nis nicht in be­lie­bi­gem Um­fang außer­staat­li­chen Stel­len über­las­sen und den Bürger nicht schran­ken­los der norm­set­zen­den Ge­walt au­to­no­mer Gre­mi­en aus­lie­fern darf, die ihm ge­genüber nicht de­mo­kra­tisch bzw. mit­glied­schaft­lich le­gi­ti­miert sind“ (BVerfG 24. Mai 1977 - 2 BvL 11/74 - BVerfGE 44, 322, 347 f.).
Die Auf­fas­sung der Re­vi­si­on, nicht nur die or­ga­ni­sier­ten Mit­glie­der hätten ei­nen „un­ab­ding­ba­ren An­spruch auf ta­rif­li­che Leis­tun­gen“, ist schon aus die­sem Grund falsch. Die Außen­sei­ter ha­ben ei­nen sol­chen An­spruch al­len­falls auf­grund ei­ner - je­der­zeit ar­beits­ver­trag­lich ab­ding­ba­ren - schuld­recht­li­chen Ver­ein­ba­rung. Hier­in liegt, was an­ge­sichts der wie­der­ge­ge­be­nen Ausführun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts kei­ner wei­te­ren Be­gründung be­darf, auch kein Ver­s­toß ge­gen „den An­spruch des Außen­sei­ters auf Gleich­be­hand­lung aus Art. 3 Abs. 1 GG“, wie die Re­vi­si­on meint. Die Un­gleich­be­hand­lung ist in ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se in § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG an­ge­legt.
(b) Da­mit ist gleich­zei­tig ei­ne Gren­ze der Norm­set­zungs­be­fug­nis der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en be­schrie­ben. Sie können kei­ne Ab­schluss-, In­halts- und Be­en­di­gungs­nor­men ver­ein­ba­ren, die un­mit­tel­bar für nicht Ta­rif­ge­bun­de­ne nor­ma­tiv gel­ten (Däubler/Hen­sche TVG § 1 Rn. 878). Ei­ne Ta­rif­re­ge­lung, die ua. Pflich­ten von Nicht­mit­glie­dern ei­ner Ta­rif­ver­trags­par­tei re­gel­te, würde kei­ne Wir­kung ent­fal­ten, ver­gleich­bar ei­nem Ver­trag zu Las­ten Drit­ter. Ob ei­ne be­ab­sich­tig­te Ein­be­zie­hung ei­nes an ei­ner Ver­ein­ba­rung nicht be­tei­lig­ten Drit­ten als rechts­wid­rig oder un­zulässig cha­rak­te­ri­siert wird oder ob sie le­dig­lich kei­ne Bin­dungs­kraft ent­fal­tet und „nutz­los“ ist, kann un­ent­schie­den blei­ben. Ein Drit­ter kann je­den­falls oh­ne sei­ne Zu­stim­mung nicht recht­lich ver­pflich­tet wer­den.
(c) Es gäbe nur dann ei­nen An­lass, ei­ne mögli­che Ver­let­zung von Rech­ten Drit­ter, ins­bes. der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit von Außen­sei­tern durch Ta­rif­nor­men zu über­prüfen, wenn die ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen zu­min­dest ei­ne sol­che Dritt­wir­kung ent­fal­ten sol­len (ähn­lich Gie­sen NZA 2004, 1317, 1318; an­ders Grei­ner, der von ei­ner be­ab­sich­tig­ten nor­ma­ti­ven Wir­kung ei­ner ein­fa­chen Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel aus­geht, DB 2009, 398, 399). Dies könn­te et­wa dann der Fall sein, wenn das Ver­trags­ver­hal­ten ei­ner ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beits­ver­trags­par­tei ge­genüber Drit­ten im Ta­rif­ver­trag un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar ge­re­gelt wer­den soll. Dies wird teil­wei­se als un­zulässi­ge und rechts­wid­ri­ge Ein­schränkung der Hand­lungs­frei­heit ins­be­son­de­re ei­nes ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­bers für un­zulässig und rechts­wid­rig an­ge­se­hen (zB Löwisch/Rieb­le TVG § 1 Rn. 819; Gie­sen NZA 2004, 1317; Bau­er/Ar­nold NZA 2005, 1209, 1211; Fran­zen RdA 2006, 1, 6). An­de­re be­ru­fen sich dar­auf, dass nie­mand ei­nem Ar­beit­ge­ber das Recht be­strei­te, Un­or­ga­ni­sier­te un­ter­ta­rif­lich zu vergüten. Wenn dies aber zulässig sei, könne ein Ar­beit­ge­ber sich zu ei­nem sol­chen Ver­hal­ten auch ver­pflich­ten (so et­wa Ga­mill­scheg NZA 2005, 146, 147; ähn­lich Ko­cher NZA 2009, 119, 123; abl. Fran­zen aaO).
(d) Die­se Fra­ge be­darf vor­lie­gend kei­ner Ent­schei­dung. § 3 TVAstD greift in die ar­beits­ver­trag­li­che Ge­stal­tungs­frei­heit der be­klag­ten Ar­beit­ge­be­rin und Ta­rif­ver­trags­par­tei nicht ein.
(aa) Nach den all­ge­mei­nen, nir­gends an­ge­grif­fe­nen Grundsätzen des Ar­beits­rechts der Bun­des­re­pu­blik hat kein Außen­sei­ter oh­ne ei­ne ge­son­der­te Rechts­grund­la­ge, die ihm die An­wen­dung von Ta­rif­nor­men auf sein Ar­beits­verhält­nis ver­schafft, ei­nen An­spruch auf Gleich­be­hand­lung mit ei­nem Ta­rif-ge­bun­de­nen. Mehr schreibt aber auch ei­ne ein­fa­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel nicht vor. Wenn ein Ar­beit­ge­ber sich ver­trag­lich ver­pflich­tet, die Ta­rif­ver­trags­nor­men, an die er ge­genüber Ge­werk­schafts­mit­glie­dern nor­ma­tiv ge­bun­den ist, auch auf die Ar­beits­verhält­nis­se mit Außen­sei­tern an­zu­wen­den, übt er da­mit die für ihn gewähr­leis­te­te Ver­trags­frei­heit aus. Die­se Frei­heit gibt ihm aber nicht nur die recht­li­che Möglich­keit, die An­wend­bar­keit ei­nes gan­zen Ta­rif­ver­tra­ges zu ver­ein­ba­ren oder von ei­ner ver­trag­li­chen Ein­be­zie­hung von Ta­rif­recht ab­zu­se­hen. Viel­mehr sind hier - im Rah­men der all­ge­mei­nen Ge­set­ze und des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes - die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en frei, außer der An­wen­dung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges als Gan­zem auch die An­wen­dung von Tei­len oder von Ein­zel­nor­men die­ses Ta­rif­ver­tra­ges zu ver­ein­ba­ren. Im Grund­satz ge­schieht das selbst bei ver­trag­li­chen Ver­wei­sun­gen, die auf den ers­ten Blick Glo­bal­ver­wei­sun­gen zu sein schei­nen, tagtäglich, weil die ar­beits­ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me in der Re­gel nur auf die­je­ni­gen Tei­le des Ta­rif­ver­tra­ges er­folgt, in de­nen ge­ra­de nicht die ein­zeln ver­ein­bar­ten Ar­beits­be­din­gun­gen ge­re­gelt sind („Im Übri­gen gel­ten ... .“). Es können auch bran­chen­frem­de oder nicht mehr gel­ten­de Ta­rif­verträge in Be­zug ge­nom­men wer­den. Außen­sei­ter und Ar­beit­ge­ber sind auch nicht an ei­ner Ver­ein­ba­rung ge­hin­dert, in Ausübung der Ver­trags­frei­heit den Außen­sei­ter in sei­nem Ar­beits­verhält­nis schuld­recht­lich so zu stel­len als sei er Ge­werk­schafts­mit­glied - und so schon vor­ab mögli­chen ein­fa­chen Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln die be­ab­sich­tig­te Wir­kung zu neh­men - (an­ders Ko­cher NZA 2009, 119, 123, die dar­in ei­ne mit Art. 9 Abs. 3 GG be­gründe­te Über­schrei­tung der Re­ge­lungs­be­fug­nis der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en sieht).
(bb) Wenn aber die ein­fa­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel die­se mögli­che und zulässi­ge Ausübung der Ver­trags­frei­heit nicht be­ein­träch­tigt und dies auch von Rechts we­gen nicht an­strebt, dann kann von ihr nicht mehr Druck auf den Außen­sei­ter aus­ge­hen als von je­der an­de­ren Ta­rif­norm auch, die ei­nen
nor­ma­ti­ven An­spruch al­lein für nach § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­neh­mer vor­sieht. Die schuld­recht­li­che Er­stre­ckung wird bei dem ei­nen so we­nig be­ein­träch­tigt wie bei dem an­de­ren.
(2) Die Kläge­rin ist nicht Mit­glied der Ge­werk­schaft ver.di. Des­halb wird das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis von der un­mit­tel­ba­ren und zwin­gen­den Wir­kung des TVAstD nicht er­fasst. Die Kläge­rin kann da­mit nicht un­mit­tel­bar von der nor­ma­ti­ven Wir­kung des Ta­rif­ver­tra­ges be­ein­träch­tigt sein, da sich al­lein durch sei­nen Ab­schluss an den für sie gel­ten­den Ar­beits­be­din­gun­gen un­mit­tel­bar nichts ändert.
(3) So­weit ei­ne mit­tel­ba­re Ände­rung ih­rer Ar­beits­be­din­gun­gen durch den Ta­rif­ver­trag, ins­be­son­de­re durch die in § 2 TVAstD ge­re­gel­te Außer­kraft­set­zung von § 19 HausTV er­fol­gen soll­te, be­ruht dies nicht auf des­sen nor­ma­ti­ver Wir­kung, son­dern al­lein auf der ein­zel­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung zwi­schen den Par­tei­en. Hätten die­se bei­spiels­wei­se ver­ein­bart, dass die Kläge­rin schuld­recht­lich im In­nen­verhält­nis der Par­tei­en wie ein ver.di-Mit­glied be­han­delt wer­den soll­te, ergäbe sich für sie kei­ner­lei Nach­teil. Hätte die Ar­beit­ge­be­rin von der ar­beits­ver­trag­lich ver­mit­tel­ten An­wen­dung der Ta­rif­verträge auf die Ar­beits­verhält­nis­se mit Außen­sei­tern ganz ab­ge­se­hen, stünde die Kläge­rin eben­so wie sie heu­te steht, hätte aber in den nächs­ten Jah­ren kei­ne Chan­ce, nach En­de der Gel­tung des TVAstD eben­so wie die Ge­werk­schafts­mit­glie­der wie­der ei­nen ak­tua­li­sier­ten Rechts­an­spruch auf die Son­der­zu­wen­dung zu er­wer­ben. Von der kon­kre­ten Ar­beits­ver­trags­ge­stal­tung ei­nes ein­zel­nen Ar­beit­ge­bers kann aber nicht abhängen, ob ei­ne an­sons­ten zulässi­ge Re­ge­lung in ei­nem Ta­rif­ver­trag, durch die das Grund­recht auf ko­ali­ti­ons­gemäße Betäti­gung aus Art. 9 Abs. 3 GG aus­geübt wird, un­wirk­sam oder gar nich­tig ist. Die Zulässig­keit ei­ner Ta­rif­norm er­weist sich nur an über­ge­ord­ne­tem Recht und nicht an der Be­triebs­pra­xis ei­nes Ver­bands­mit­glie­des. Bei ei­ner an­de­ren, auf die In­di­vi­du­al­ver­trags­ge­stal­tung ab­stel­len­den Sicht wäre auch un­klar, wie sich ei­ne un­ter­schied­li­che Hand­ha­bung durch ver­schie­de­ne Ver­bands­mit­glie­der auf die Zulässig­keit der Ta­rif­norm als sol­che aus­wir­ken würde.
Da­ge­gen lässt sich auch nicht ein­wen­den, dass die Möglich­keit für die Ar­beit­ge­ber, Außen­sei­ter mit den or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern ar­beits­ver­trag­lich gleich­zu­stel­len, durch ein­fa­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln fak­tisch wirt­schaft­lich er­schwert wer­de und die Außen­sei­ter da­durch be­nach­tei­ligt würden. Ab­ge­se­hen da­von, dass die­se oh­ne­hin kei­nen An­spruch auf ei­ne sol­che Gleich­stel­lungs­ver­ein­ba­rung ha­ben, be­misst sich die öko­no­mi­sche Mehr­be­las­tung des Ar­beit­ge­bers durch den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges auch im Fall des völli­gen Ab­se­hens von - ein­fa­chen - Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln an den von der Ge­werk­schaft aus­ge­han­del­ten Ver­bes­se­run­gen der Ar­beits­be­din­gun­gen. Sie ist da­mit des­to höher, je er­folg­rei­cher die Ge­werk­schaft ver­han­delt oder gekämpft hat. Ge­ra­de der Ar­beit­ge­ber, der ei­nen Fir­men­ta­rif­ver­trag ab­sch­ließt, kennt die in sei­nem Un­ter­neh­men gel­ten­den Ar­beits­ver­trags- und Ta­rif­be­din­gun­gen ge­nau, und kann bei Ab­schluss des Ta­rif­ver­tra­ges selbst über die Zu­mut­bar­keit der ihm da­durch im Er­geb­nis auf­er­leg­ten Be­las­tun­gen ent­schei­den. Ge­ra­de­zu um­kehrt ist es bei ei­nem Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag wie dem TVAstD: hier geht es nicht um Mehr­be­las­tun­gen, son­dern um Ein­spa­run­gen, die der Un­ter­neh­mer als Ta­rif­ver­trags­par­tei nur mit Zu­stim­mung der Ge­werk­schaf­ten er­lan­gen kann. Die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ha­ben in zulässi­ger und ver­bind­li­cher Wei­se die Ge­stal­tung ih­rer Ar­beits­be­din­gun­gen an die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en de­le­giert. Sie können da­von je­der­zeit ge­mein­sam Ab­stand neh­men und ih­ren Ver­trag ändern. An­sons­ten gel­ten für sie die­je­ni­gen Be­stim­mun­gen mit ge­nau dem In­halt, den die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, de­ren Ta­rif­ver­trag von der Ver­wei­sungs­klau­sel er­fasst wird, die­sem ge­ben. Hierfür gilt die An­ge­mes­sen­heits­ver­mu­tung; ei­ne Ta­rif­zen­sur fin­det nicht statt.
(4) Die Kläge­rin ist auch nicht in ih­rem Grund­recht auf ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit ver­letzt. Die Re­ge­lung in § 3 TVAstD berührt - wie dar­ge­legt - ih­ren Rechts­kreis nicht. Dass von der Ta­rif­norm ein An­reiz aus­ge­hen mag, der Ge­werk­schaft bei­zu­tre­ten, ist begüns­ti­gen­den Ta­rif­nor­men ei­gen. Es ist je­doch zu berück­sich­ti­gen, dass be­reits die vor­her gel­ten­de, den An­spruch auf ei­ne Son­der­zah­lung über­haupt erst ver­mit­teln­de Re­ge­lung in § 19 HausTV deut­lich höher war und gleich­wohl von der Kläge­rin nicht als Ver­let­zung ih­rer ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit an­ge­se­hen wur­de, dies erklärter­maßen des­halb, weil in ih­ren
in­di­vi­du­al­recht­li­chen Ar­beits­ver­trag auf­ge­nom­men wor­den war, dass die­se Norm wie der gan­ze HausTV auch auf ihr Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung fin­den soll­te, ob­wohl sie kein Ge­werk­schafts­mit­glied war. Hätte die Be­klag­te die An­wen­dung des mit ver.di aus­ge­han­del­te Ta­rif­werks von vorn­her­ein auf die Mit­glie­der der an die­sem Ta­rif­ver­trag be­tei­lig­ten Ge­werk­schaft be­schränkt, hätte die Kläge­rin sich auch nicht dar­auf be­ru­fen können, hier­von ge­he ein un­zulässi­ger Druck aus, der Ge­werk­schaft bei­zu­tre­ten. Wie dar­ge­legt, kann die kon­kre­te ein­zel­ver­trag­li­che Durchführung ei­nes nicht nor­ma­tiv an ei­nen Ta­rif­ver­trag ge­bun­de­nen Ar­beits­verhält­nis­ses nicht darüber ent­schei­den, ob ei­ne Ta­rif­norm ver­fas­sungs­wid­rig ist oder nicht.
bb) Der Se­nat hat ne­ben den an­ge­spro­che­nen Ge­sichts­punk­ten aber auch in Erwägung ge­zo­gen, dass ein Ta­rif­ver­trag mögli­cher­wei­se grundsätz­lich ge­eig­net sein muss, al­le Ar­beits­verhält­nis­se in sei­nem Gel­tungs­be­reich zu re­geln. Zu ei­ner sol­chen, den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en von Rechts we­gen zu-ge­wie­se­nen Auf­ga­be könn­te auch ei­ne ein­fa­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel im Wi­der­spruch ste­hen und des­halb ei­ner be­son­de­ren recht­li­chen Über­prüfung bedürfen.
Aber auch dann, wenn man hier­von aus­geht, kann an­ge­sichts der den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu­ge­wie­se­nen Ge­stal­tungs­frei­heit ei­ne Un­wirk­sam­keit ei­ner ta­rif­li­chen Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel nur an­ge­nom­men wer­den, wenn die Re­ge­lung rechts­wid­rig ist, ins­be­son­de­re im Verhält­nis zu ei­nem von Rechts we­gen schützens­wert ver­folg­ten Ziel ei­nen un­verhält­nismäßigen, ei­nem Zwang ähn­li­chen Druck ausübt, das Recht dar­auf, ei­ner Ko­ali­ti­on fern­zu­blei­ben, auf­zu­ge­ben, oder ein sons­ti­ges über­wie­gen­des Recht ei­nes Drit­ten be­ein­träch­tigt. Bei­des ist bei der ein­fa­chen Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel in § 3 TVAstD nach Art und Um­fang der dort vor­ge­nom­me­nen Dif­fe­ren­zie­rung nicht der Fall, so dass auch von die­sem recht­li­chen An­satz aus kei­ne durch­grei­fen­den Be­den­ken ge­gen die Wirk­sam­keit die­ser Be­stim­mung be­ste­hen.
(1) Die Auf­ga­be, Re­ge­lun­gen für al­le Ar­beit­neh­mer im Gel­tungs­be­reich der von ih­nen ge­trof­fe­nen ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen zu tref­fen, wird je­den­falls von den bei­den größten ta­rif­wil­li­gen Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten des Deut­schen Ge­werk-
schafts­bun­des in ih­rer Sat­zung nicht aus­drück­lich an­er­kannt. Nach § 5.2 ih­rer Sat­zung ver­tritt die Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di ua. die wirt­schaft­li­chen und öko­lo­gi­schen, die so­zia­len, be­ruf­li­chen und kul­tu­rel­len In­ter­es­sen ih­rer Mit­glie­der im In- und Aus­land und schließt zu die­sem Zweck ua. nach § 5.3 Buchst. e Ta­rif­verträge ab. Ent­spre­chend be­stimmt die In­dus­trie­ge­werk­schaft Me­tall in § 2 Satz 1 ih­rer Sat­zung in der ab dem 1. Ja­nu­ar 2008 gel­ten­den Fas­sung ih­re Auf­ga­be da­hin, die wirt­schaft­li­chen, so­zia­len, be­ruf­li­chen und kul­tu­rel­len In­ter­es­sen der Mit­glie­der zu fördern. Die In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer in­ner­halb ih­res Zuständig­keits­be­reichs un­abhängig von ih­rer Mit­glied­schaft wer­den von bei­den Ge­werk­schaf­ten in ih­ren Sat­zun­gen nicht an­ge­spro­chen. In­so­weit un­ter­schei­den sich die an­ge­spro­che­nen Sat­zun­gen von der in § 2.3 Buchst. b der Sat­zung des - nicht ta­rif­wil­li­gen - Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des (Stand Ju­ni 2006) nie­der-ge­leg­ten um­fas­sen­den so­zi­al­po­li­ti­schen Auf­ga­ben­stel­lung des Bun­des für die In­ter­es­sen al­ler Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer.
Es gibt je­doch un­abhängig von der Sat­zungs­la­ge meh­re­re An­halts­punk­te dafür, dass die Auf­ga­be der Ge­werk­schaf­ten nach der Vor­stel­lung des Ge­setz­ge­bers nicht nur dar­in be­steht, sich für ei­ne Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen ih­rer Mit­glie­der ein­zu­set­zen. Ei­ni­ges spricht dafür, dass die Ar­beits­ver­fas­sung der Bun­des­re­pu­blik nach ih­ren recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen und im Verständ­nis der Recht­spre­chung auf ei­ner um­fas­sen­den Re­ge­lungs­auf­ga­be der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auf­baut, die sich auf die Ar­beits­be­din­gun­gen der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer rich­tet, die in dem­je­ni­gen Aus­schnitt des Ar­beits­le­bens beschäftigt sind, für den die Verbände in ih­ren Sat­zun­gen ih­re sach­li­che Zuständig­keit in An­spruch neh­men.
(a) Für die An­nah­me ei­ner der­ar­ti­gen, von Rechts we­gen vor­ge­ge­be­nen und die ta­rif­li­che Rechts­set­zungs­macht be­gren­zen­den Re­ge­lungs­auf­ga­be der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en reicht al­ler­dings nicht al­lein der Um­stand aus, dass nach § 5 TVG Ta­rif­verträge für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt wer­den können (an­ders of­fen­bar Grei­ner DB 2009, 398, 399 f.; Kle­beck SAE 2008, 97, 98; für Ta­rif­verträge über Ge­mein­sa­me Ein­rich­tun­gen auch Thüsing/Hoff ZfA 2008, 77, 95 ff.;
ähn­lich auch noch Se­nat 23. März 2005 - 4 AZR 203/04 - BA­GE 114, 186, 189 f.; da­ge­gen Schlie­mann ZTR 2000, 198, 204; Ley­de­cker Der Ta­rif­ver­trag als ex­klu­si­ves Gut S. 240; früher schon Bie­den­kopf Gut­ach­ten für den 46. DJT, S. 97, 120; Säcker Grund­pro­ble­me der kol­lek­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit, S. 130 ff.). Die­se dem Bun­des­mi­nis­ter für Ar­beit und So­zia­les ein­geräum­te recht­li­che Möglich­keit baut dar­auf auf, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en Re­ge­lun­gen schaf­fen, die ge­eig­net sind, al­le Ar­beits­verhält­nis­se in ih­rem Gel­tungs­be­reich aus­zu­ge­stal­ten. Das zwingt die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aber nicht, nur sol­che Re­ge­lun­gen zu tref­fen. Ins­be­son­de­re bei Haus(-sa­nie­rungs-)ta­rif­verträgen wie dem TVAstD wird es so gut wie nie das Bedürf­nis nach ei­ner All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung ge­ben (vgl. Wie­de­mann/Wank TVG 7. Aufl. § 5 Rn. 74).
Zu­dem ist ein Ta­rif­ver­trag, der ne­ben an­de­ren Re­ge­lun­gen auch ei­ne Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel enthält, nicht von vorn­her­ein un­ge­eig­net, für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt zu wer­den. Zum ei­nen können ein­zel­ne Be­stim­mun­gen ei­nes Ta­rif­ver­trags von der All­ge­mein­ver­bind­lich­keit aus-ge­nom­men wer­den; dem ste­hen je­den­falls dann kei­ne durch­grei­fen­den Be­den­ken ent­ge­gen, wenn die Re­ge­lun­gen des be­tref­fen­den Ta­rif­ver­trags im Übri­gen ein in sich ge­schlos­se­nes, auch oh­ne die aus­ge­nom­me­nen Re­ge­lun­gen vom Re­ge­lungs­wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit­um­fass­tes Re­gel­werk bil­den (Ga­mill­scheg Kol­lek­ti­ves Ar­beits­recht Bd. I S. 891). Zum an­de­ren hat ei­ne All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung, was die An­wend­bar­keit der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen an­geht, kei­ne wei­ter ge­hen­de Wir­kung als ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me des Ta­rif­ver­tra­ges; le­dig­lich die recht­li­che Ver­bind­lich­keit ist auf­grund der nor­ma­ti­ven Wir­kung ei­nes für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ta­rif­ver­tra­ges verstärkt (§ 5 Abs. 4 TVG). Son­der­rech­te, die nur Mit­glie­dern der ta­rif­sch­ließen­den Ge­werk­schaft ein­geräumt wer­den, be­ste­hen auch nach ei­ner All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung nicht für Nicht­mit­glie­der. Die übri­gen Be­stim­mun­gen wer­den in ih­rer Wir­kung aber er­streckt. Es ist Sa­che des zuständi­gen Bun­des­mi­nis­ters, bei sei­ner Ent­schei­dung zu über­prüfen, ob auch ei­ne sol­che Wir­kung im öffent­li­chen In­ter­es­se nach § 5 Abs. 1 Satz 2 TVG ge­bo­ten er­scheint.
(b) Die Möglich­keit des § 5 TVG gibt aber im­mer­hin ei­nen Hin­weis dar­auf, dass Ta­rif­verträge nach der Rechts­ord­nung auf­grund der Rah­men­be­din­gun­gen bei Ver­trags­schluss und auf­grund Sachnähe der Ver­trags­par­tei­en an­ge­mes­se­ne und aus­ge­wo­ge­ne Re­ge­lun­gen für ih­ren Gel­tungs­be­reich ent­hal­ten sol­len, die ge­eig­net sind, an die Stel­le ei­ner staat­li­chen Re­ge­lung über die be­tref­fen­den Ar­beits­be­din­gun­gen zu tre­ten. Die­se Be­wer­tung lässt sich auch wei­te­ren ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen ent­neh­men.
(aa) Die Her­aus­nah­me von Ta­rif­verträgen aus der In­halt­kon­trol­le nach § 310 Abs. 4 BGB, die auch für Ta­rif­verträge gilt, die ar­beits­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­men wer­den, al­so auch dann, wenn die­se in Ar­beits­verhält­nis­sen un­ter Be­tei­li­gung von Außen­sei­tern an­zu­wen­den sind (§ 310 Abs. 4 Satz 3 BGB; zB BAG 25. April 2007 - 10 AZR 634/06 - BA­GE 122, 174, 180; ErfK/Preis §§ 305 - 310 BGB Rn. 13 mwN) spricht für ei­ne um­fas­sen­de Ge­stal­tungs­auf­ga­be der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en. Der Ver­zicht auf die In­halts­kon­trol­le von Ta­rif­verträgen gewähr­leis­tet nicht nur die Frei­heit ko­ali­ti­ons­gemäßer Betäti­gung; sie hat ih­re sach­li­che Recht­fer­ti­gung auch in der auf den ge­nann­ten Umständen be­ru­hen­den An­ge­mes­sen­heits­ver­mu­tung für Ta­rif­verträge, die auf ei­ner Re­ge­lung des Gel­tungs­be­reichs ins­ge­samt, nicht nur von Mit­glied­schafts­in­ter­es­sen auf­baut.
(bb) Der­sel­be Wer­tungs­hin­ter­grund be­steht für die zahl­rei­chen ge­setz­li­chen Ta­riföff­nungs­klau­seln, durch die der Ge­setz­ge­ber von ihm als an­ge­mes­sen an­ge­se­he­ne so­zia­le Schutz­nor­men zur Dis­po­si­ti­on der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en stellt und dies nicht nur für den un­mit­tel­ba­ren, nor­ma­ti­ven An­wen­dungs­be­reich der Ta­rif­verträge zwi­schen den bei­der­seits Ta­rif­ge­bun­de­nen, son­dern auch dann, wenn zwi­schen nicht Ta­rif­ge­bun­de­nen die Gel­tung der be­tref­fen­den Ta­rif­verträge oder ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen ar­beits­ver­trag­lich ver­ein­bart ist (zB § 622 Abs. 4 BGB, § 3 Abs. 1 Nr. 3 AÜG, § 17 Abs. 3 Be­trAVG, § 13 Abs. 1 BUrlG, § 8 Abs. 4 Satz 4, § 14 Abs. 2 Sätze 3 und 4 Tz­B­fG, § 4 Abs. 4 Ent­gFG). Auch die­se Re­ge­lun­gen ha­ben ih­re Recht­fer­ti­gung im Zwei­fel nur bei sol­chen ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen, die von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en um der
Re­ge­lung der in ih­rem Gel­tungs­be­reich an­ge­sie­del­ten Ar­beits­verhält­nis­se wil­len ge­trof­fen wur­den.
(cc) Auch die vom Ers­ten Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts im Jah­re 1980 an­er­kann­te Zulässig­keit der Aus­sper­rung von nicht­or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern im Ar­beits­kampf spricht dafür, dass ein Ta­rif­ver­trag zu­min­dest auch dar­auf ab­zielt, über die un­mit­tel­bar be­trof­fe­nen Ar­beits­verhält­nis­se der or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer hin­aus Wir­kung in sei­nem Gel­tungs­be­reich zu er­zie­len (vgl. BAG 10. Ju­ni 1980 - 1 AZR 331/79 - BA­GE 33, 195, 202).
(c) Bei Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln, wie der in § 3 TVAstD spre­chen auch die­se Re­ge­lun­gen selbst da­ge­gen, von ei­nem al­lein auf die Mit­glie­der aus­ge­rich­te­ten Re­ge­lungs­wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aus­zu­ge­hen. Denn ei­ne sol­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel geht ja ge­ra­de von der mögli­chen all­ge­mei­nen An­wen­dung des Ge­re­gel­ten - wenn auch nicht mit um­fas­sen­der nor­ma­ti­ver Wir­kung - auf Or­ga­ni­sier­te und Nicht­or­ga­ni­sier­te aus und trifft in­so­weit ei­ne dif­fe­ren­zie­ren­de Re­ge­lung. Es spricht ei­ni­ges dafür, dass hier­von aus­ge­hend auch die In­ter­es­sen der nicht Nor­mun­ter­wor­fe­nen an­ge­mes­sen berück­sich­tigt wer­den müssen.
(d) Die bis hier­her na­he­lie­gen­de An­nah­me ei­ner grundsätz­lich um­fas­sen­den Re­ge­lungs­auf­ga­be der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ist nicht durch § 3 Abs. 1 und § 4 Abs. 1 TVG von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen. Man kann die­se Be­stim­mun­gen auch als ein­fach­ge­setz­li­che Si­che­rung des Frei­heits­rechts ver­ste­hen, grundsätz­lich nicht ge­gen den ei­ge­nen Wil­len frem­der pri­vat­au­to­no­mer Rechts­set­zung un­ter­wor­fen zu wer­den. Ei­ne Re­ge­lungs­auf­ga­be für die Bran­che und mit Be­zug auf die Ar­beits­be­din­gun­gen al­ler im Zuständig­keits­be­reich täti­gen Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer kann auch dann be­ste­hen, wenn Nor­mun­ter­wor­fen­heit nur für die an­ge­ord­net ist, die sich hierfür pri­vat­au­to­nom ent­schie­den ha­ben.
(2) Auch wenn man von ei­ner sol­chen um­fas­sen­den so­zi­al­po­li­ti­schen Auf­ga­ben­stel­lung für die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, al­so auch für die ta­rif­wil­li­gen Ein­zel­ge­werk­schaf­ten, aus­geht, und ihr die Qua­lität bei­misst, dass sich aus ihr
ei­ne recht­li­che Gren­ze für die Re­ge­lungs­be­fug­nis in Ta­rif­verträgen er­ge­ben kann, steht dies der Wirk­sam­keit der Re­ge­lung in § 3 TVAstD nicht durch­grei­fend ent­ge­gen.
(a) Art. 9 Abs. 3 GG geht von der Wahr­neh­mung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit und ih­rer Betäti­gung in mit­glied­schaft­lich ver­fass­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen aus. Dies schließt eben­so wie die sich aus Art. 9 Abs. 3 GG er­ge­ben­de Frei­heit bei der Ge­stal­tung der Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen grundsätz­lich auch Re­ge­lun­gen mit ein, die in be­son­de­rer Wei­se auf die In­ter­es­sen von Ko­ali­ti­ons­mit­glie­dern re­agie­ren. Für dif­fe­ren­zie­ren­de Re­ge­lun­gen strei­ten zu­dem das auch aus über­ge­ord­ne­ten Ge­sichts­punk­ten zu schützen­de Recht der Ge­werk­schaf­ten, im Rah­men der durch Art. 9 Abs. 3 GG grund­recht­lich geschütz­ten Betäti­gungs­frei­heit um Mit­glie­der zu wer­ben, und die ob­jek­ti­ve Funk­ti­on von Ta­rif­verträgen, ins­be­son­de­re von Sa­nie­rungs­ta­rif­verträgen für die Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.
(aa) Das Ko­ali­ti­ons­sys­tem ist zu­neh­mend von ei­ner Dif­fe­ren­zie­rung ge­kenn­zeich­net. Da­bei darf es der ein­zel­nen Ko­ali­ti­on nicht ver­sagt blei­ben, sich von ei­ner kon­kur­rie­ren­den Ge­werk­schaft durch ei­nen Ver­hand­lungs­er­folg ab­zu­gren­zen, der durch ei­ne ein­fa­che ta­rif­li­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel nor­ma­tiv nur den ei­ge­nen Mit­glie­dern und nicht oh­ne wei­te­res auch den Nicht­or­ga­ni­sier­ten oder den Mit­glie­dern kon­kur­rie­ren­der Ge­werk­schaf­ten zu­gu­te­kommt, die im We­ge ei­nes ein­fa­chen An­schluss­ta­rif­ver­tra­ges an­sons­ten die Früch­te der Ge­werk­schafts­ar­beit der ta­rif­sch­ließen­den Ge­werk­schaft ern­ten könn­ten (ähnl. LAG Köln 17. Ja­nu­ar 2008 - 6 Sa 1354/07 - DB 2008, 1979; Ul­ber/Strauß DB 2008, 1970, 1971 f.; Fran­zen RdA 2008, 304, 305; kri­tisch da­ge­gen - al­ler­dings nur für qua­li­fi­zier­te Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln - Grei­ner DB 2009, 398, 401). Dem­ent­spre­chend hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt auch ei­ne Mit­glie­der­wer­bung bei kon­kur­rie­ren­den Ge­werk­schaf­ten für zulässig er­ach­tet und le­dig­lich un­lau­te­re Mit­tel oder die Ziel­rich­tung der Exis­tenz­ver­nich­tung ver­bo­ten (BAG 31. Mai 2005 - 1 AZR 141/04 - BA­GE 115, 58; eben­so Münch­Komm/BGB/ Müller-Glöge 5. Aufl. § 611 Rn. 322; all­ge­mein BAG 20. Ja­nu­ar 2009 - 1 AZR 515/08 -).
Dies gilt um so mehr, als der Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad der Ge­werk­schaf­ten deut­lich zurück­ge­gan­gen ist (nach Ba­sisK/TVG-AKR 2. Aufl. § 3 Rn. 111 liegt er zur Zeit bei we­ni­ger als 25 Pro­zent der Beschäftig­ten). Gleich­zei­tig mit der sich dar­aus er­ge­ben­den Schwächung ih­rer tatsächli­chen Möglich­kei­ten ei­ner ef­fek­ti­ven Teil­nah­me an der Re­ge­lung der Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen ist ins­be­son­de­re in Kri­sen­zei­ten ei­ne an­ge­mes­se­ne Ausfüllung ih­rer so­zi­al­po­li­ti­schen Ord­nungs­auf­ga­be (hier­zu et­wa BVerfG 11. Ju­li 2006 - 1 BvL 4/00 - zu B II 2 c bb der Gründe, BVerfGE 116, 202) noch wich­ti­ger ge­wor­den. Die Le­gi­ti­mität ih­res Or­ga­ni­sa­ti­ons­in­ter­es­ses an Ver­hin­de­rung wei­te­rer Schwächung durch die Si­che­rung des Mit­glie­der­be­stan­des muss vor die­sem Hin­ter­grund hoch be­wer­tet wer­den. Sie kann um der Ef­fek­ti­vität des Ta­rif­ver­trags­sys­tems als Gan­zem auch bei der Erfüllung der den Ge­werk­schaf­ten ge­mein­sam mit den Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­ge­ber­verbänden ob­lie­gen­den Auf­ga­be der Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen Berück­sich­ti­gung fin­den.
(bb) Hin­zu kommt die große Be­deu­tung der öko­no­mi­schen Kri­sen­bewälti­gung für die ge­sam­te Wirt­schaft und ein­zel­ne Un­ter­neh­men durch die Ko­ope­ra­ti­on von Ge­werk­schaf­ten mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te ins­be­son­de­re beim Ab­schluss von Sa­nie­rungs­ta­rif­verträgen wie dem TVAstD. Mit sol­chen Ta­rif­verträgen wer­den un­ter Ein­be­zie­hung und mit Ein­verständ­nis der Ge­werk­schaft be­ste­hen­de ta­rif­li­che Ansprüche auf Zeit ab­ge­senkt und der Ar­beit­ge­ber da­mit ent­las­tet. Be­reits des­halb ist von der grundsätz­li­chen Zu­mut­bar­keit ei­ner Ein­zel­re­ge­lung aus­zu­ge­hen, die für die Mit­glie­der der­je­ni­gen Ge­werk­schaft, die an sol­chen Ab­sen­kun­gen zur Bewälti­gung öko­no­mi­scher Schwie­rig­kei­ten des Ar­beit­ge­bers ko­ope­ra­tiv mit­wirkt und oh­ne die ein Ar­beit­ge­ber we­nig er­folg­ver­spre­chen­de Aus­sich­ten zur Ab­sen­kung der Kos­ten hätte. Dem ent­spricht es, dass dif­fe­ren­zie­ren­de Klau­seln in Sa­nie­rungs­ta­rif­verträgen nicht durch Ar­beitskämp­fe er­zwun­gen wer­den (vgl. nur Grei­ner DB 2009, 398; auch Ha­nau FS Hromad­ka S. 115, 124, weist dar­auf hin, dass die Sach­la­ge in­so­weit von der­je­ni­gen ab­weicht, die der Ar­gu­men­ta­ti­on des Großen Se­nats zu Grun­de lag). Zu sol­chen Ta­rif­verträgen, die die Ar­beits­be­din­gun­gen der ei­ge­nen Mit­glie­der ak­tiv ver­schlech­tern, wird die Zu­stim­mung der Ge­werk­schaft nicht zu er­lan­gen sein, wenn die­se Mit­glie­der nicht - zu­min­dest vorläufig und ein­zel­ver­trag­lich durch
den Ar­beit­ge­ber ver­all­ge­mei­ner­bar - bes­ser ge­stellt wer­den als die sie auf dem Weg der Ta­rif­be­din­gun­gen „nach oben“ be­glei­ten­den Nicht­or­ga­ni­sier­ten.
Es mag sein, dass bei Ver­hand­lun­gen über Sa­nie­rungs­ta­rif­verträge un­ter Ein­schluss von Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln ein nicht un­er­heb­li­cher Druck für die Ar­beit­ge­ber­sei­te be­steht, sich von ei­ner im be­ste­hen­den Ta­rif­ver­trag be­gründe­ten Leis­tungs­ver­pflich­tung auf Zeit zu be­frei­en. Dass hier ein struk­tu­rel­les Un­gleich­ge­wicht zu Las­ten der Ta­rif­ver­trags­par­tei auf Ar­beit­ge­ber­sei­te bestünde, die durch die Ar­beits­ge­rich­te zwin­gend aus­zu­glei­chen wäre, ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on nicht er­sicht­lich. Hierfür gäbe es auch kei­ne Rechts­grund­la­ge. In Ex­tremfällen muss auf die all­ge­mei­nen zi­vil­recht­li­chen Mit­tel zurück­ge­grif­fen wer­den, sich von nicht zu­mut­ba­ren Verträgen oder von Verträgen zu lösen, die un­ter von der Rechts­ord­nung miss­bil­lig­ten Be­gleit­umständen zu­stan­de ge­kom­men sind.
(b) Auch wenn man von der Möglich­keit dif­fe­ren­zie­ren­der Re­ge­lun­gen in Ta­rif­verträgen aus­geht, be­steht vom An­satz ei­ner um­fas­sen­den Re­ge­lungs­auf­ga­be der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aus die Pflicht, bei sol­chen ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen kon­kur­rie­ren­de Rech­te mit zu berück­sich­ti­gen. Frei­heits­rech­te des Ar­beit­ge­bers, was die in­di­vi­du­el­le Ver­trags­ge­stal­tung an­geht, müssen eben­so Teil des Abwägungs­pro­zes­ses sein, wie die geschütz­te Frei­heit der Außen­sei­ter, ei­ner Ko­ali­ti­on fern­zu­blei­ben. Zu­dem kann es dar­auf an­kom­men, dass das ge­schaf­fe­ne Ta­rif­werk als Gan­zes ei­ner um­fas­sen­den Ge­stal­tungs­auf­ga­be der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­recht wird.
Die bei­den letzt­ge­nann­ten Ge­sichts­punk­te strei­ten dafür, dass je­den­falls in al­ler Re­gel Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln nicht an den Re­ge­lun­gen des Aus­tausch­verhält­nis­ses von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung an­knüpfen dürfen, die Grund­la­ge des lau­fen­den Le­bens­un­ter­hal­tes sind, und die im Ar­beits­le­ben je­den­falls re­gelmäßig als Maßstab für die Be­mes­sung der an­ge­mes­se­nen und übli­chen Ar­beits­be­din­gun­gen die­nen (vgl. BAG 24. März 2004 - 5 AZR 303/03 - BA­GE 110, 79, 83). Die­se Gren­ze wirkt sich auch bei der Be­stim­mung ei­ner Höchst­gren­ze für Leis­tun­gen aus, die nur für Ge­werk­schafts­mit­glie­der in Aus­sicht ge­stellt wer­den kann. Auch Son­der­leis­tun­gen, die außer­halb des Aus-
tausch­verhält­nis­ses lie­gen, dürfen von die­sem Maßstab aus­ge­hend nicht ei­ne Höhe er­rei­chen, dass sie die­ses Verhält­nis im wirt­schaft­li­chen Er­geb­nis maßgeb­lich be­ein­flus­sen, sich bei wer­ten­der Be­trach­tung nur als ei­ne Art Um­schich­tung des ins­ge­samt ver­spro­che­nen Ent­gelts von der lau­fen­den Vergütung hin zu ei­ner Ein­mal­zah­lung dar­stel­len.
(c) Nach al­le­dem be­ste­hen auch von dem zu­letzt ver­folg­ten ein­schränken­den Prüfungs­an­satz aus kei­ne durch­grei­fen­den Be­den­ken ge­gen die Rechtmäßig­keit und Wirk­sam­keit von § 3 TVAstD.
Es han­delt sich um ei­ne Re­ge­lung in ei­nem Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag, für die über­ge­ord­ne­te In­ter­es­sen an der Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie strei­ten. Die be­klag­te Ar­beit­ge­be­rin, der es um die wirt­schaft­li­che Ge­sun­dung ih­res Un­ter­neh­mens durch Ab­schluss die­ses Ta­rif­ver­trags ging, wird durch § 3 TVAstD nicht in ih­rer Frei­heit be­ein­träch­tigt, die nicht or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer um­fas­send ein­zel­ver­trag­lich mit den or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern gleich­zu­stel­len.
Der nach dem Ta­rif­ver­trag den Ge­werk­schafts­mit­glie­dern vor­be­hal­te­ne An­spruch auf die Aus­gleichs­zah­lung ist we­der nach sei­ner Art noch der ab­so­lu­ten Höhe nach ge­eig­net, ei­nen nach den mit ab­zuwägen­den In­ter­es­sen un­verhält­nismäßigen, ei­nem Zwang na­he kom­men­den Druck aus­zuüben, von der Ent­schei­dung, kei­ner Ge­werk­schaft an­gehören zu wol­len, Ab­stand zu neh­men. Es han­delt sich um ei­ne ein­mal jähr­lich zu zah­len­de und da­mit außer­halb des lau­fen­den Aus­tausch­verhält­nis­ses lie­gen­de Leis­tung, die im Durch­schnitt et­wa als ein Vier­tel ei­ner Mo­nats­vergütung und nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht mehr als zwei Jah­res­mit­glieds­beiträge aus­macht. Ein verständi­ger Ar­beit­neh­mer wird al­lein im Hin­blick dar­auf kei­nen mit Zwang ver­gleich­ba­ren Druck ver­spüren, von sei­ner Ent­schei­dung ge­gen ei­ne Ge­werk­schafts­zu­gehörig­keit Ab­stand zu neh­men.
Sch­ließlich hat die Re­ge­lung in § 3 TVAstD, in dem von der Be­klag­ten und ver.di im übri­gen ge­schaf­fe­nen Ta­rif­werk mit den dort vor­ge­nom­me­nen Fest­le­gun­gen an­ge­mes­se­ner Ar­beits­be­din­gun­gen für die bei der Be­klag­ten beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer, kei­ner­lei spürba­re Präge­wir­kung. Die Eig­nung
die­ses Ta­rif­werks als all­ge­mei­ne Re­ge­lung der bei der Be­klag­ten gel­ten­den Ar­beits­be­din­gun­gen wird so nicht in Fra­ge ge­stellt.
d) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on muss­te der Se­nat die Sa­che vor sei­ner Ent­schei­dung nicht dem Großen Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts nach § 45 Abs. 3 ArbGG vor­le­gen.
aa) Nach § 45 Abs. 3 iVm. Abs. 2 ArbGG be­steht ei­ne Pflicht zur Vor­la­ge an den Großen Se­nat nur dann, wenn ein Se­nat in ei­ner Rechts­fra­ge ua. von der Ent­schei­dung des Großen Se­nats ab­wei­chen will. Es muss sich da­bei um ei­ne Ab­wei­chung in der­je­ni­gen Rechts­fra­ge han­deln, um de­rent­wil­len der Große Se­nat an­ge­ru­fen wor­den ist (Ger­mel­mann/Mat­thes/Prütting/Müller-Glöge/Prütting ArbGG 6. Aufl. § 45 Rn. 46 f.; GK-ArbGG/Dörner Stand Sep­tem­ber 2008 § 45 Rn. 64).
bb) Da­nach be­stand kei­ne Vor­la­ge­pflicht. Zum Ei­nen han­delt es sich bei der hier zu tref­fen­den Ent­schei­dung nicht um ei­ne Rechts­fra­ge, die der Große Se­nat in sei­ner Ent­schei­dung vom 29. No­vem­ber 1967 (- GS 1/67 - BA­GE 20, 175) be­ant­wor­tet hat. Zum An­de­ren gilt, dass die Rechts­fra­ge - soll­te man sie als vom Großen Se­nat mit­be­ant­wor­tet an­se­hen - vom Se­nat bei der An­wen­dung auf den vor­lie­gen­den Fall nicht ab­wei­chend vom Großen Se­nat be­ant­wor­tet wird. Auch un­ter An­wen­dung der vom Großen Se­nat zu Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln auf­ge­stell­ten Rechts­grundsätze ist die Kla­ge ab­zu­wei­sen, weil § 3 TVAstD auch hier­nach wirk­sam ist.
(1) Bei der vom Großen Se­nat in der Ent­schei­dung vom 29. No­vem­ber 1967 be­han­del­ten Rechts­fra­ge han­delt sich um ei­ne an­de­re Rechts­fra­ge als die­je­ni­ge nach der Zulässig­keit ein­fa­cher Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln, die vor-lie­gend zu be­ant­wor­ten war.
(a) Dem Großen Se­nat wa­ren sei­ner­zeit vom Ers­ten Se­nat sechs Fra­gen vor­ge­legt wor­den, von de­nen der Große Se­nat nur die Fra­gen 1, 2 und 4 be­ant­wor­tet hat. Es ist be­reits sehr frag­lich, ob die im Streit­fall zu ent­schei­den­de Kon­stel­la­ti­on von ei­ner der ge­stell­ten Fra­gen über­haupt er­fasst
wird. Die Ant­wort des Großen Se­na­tes be­fasst sich je­den­falls nicht mit ei­ner der hier vor­lie­gen­den Klau­sel ver­gleich­ba­ren Re­ge­lung, bei der le­dig­lich die Ge­werk­schafts­mit­glied­schaft als ei­genständi­ge Tat­be­stands­vor­aus­set­zung für ei­nen ta­rif­li­chen An­spruch aus­drück­lich auf­geführt ist.
(aa) Die Fra­ge 1 galt der Be­fug­nis von Ta­rif­ver­trags­part­nern, in zwi­schen ih­nen ver­ein­bar­ten Ta­rif­verträgen Re­ge­lun­gen zu tref­fen, die auch Außen­sei­ter er­fas­sen. Die Fra­ge 2 rich­te­te sich auf die Be­fug­nis der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, zwi­schen Ge­werk­schafts­mit­glie­dern und Außen­sei­tern in den­je­ni­gen Ta­rif­verträgen, die Re­ge­lun­gen der in Fra­ge 1 be­schrie­be­nen Art ent­hal­ten, zu dif­fe­ren­zie­ren. Die Fra­ge 4 be­fass­te sich mit der Ab­si­che­rung der­ar­ti­ger Dif­fe­ren­zie­run­gen durch Span­nen­klau­seln.
Bei dem TVAstD han­delt es sich nicht um ei­nen Ta­rif­ver­trag, der im Sin­ne der Fra­ge 1 Außen­sei­ter er­fasst. Die ta­rif­li­che Re­ge­lung kann als sol­che nur Ar­beits­verhält­nis­se er­fas­sen, die zwi­schen bei­der­seits ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beits­ver­trags­part­nern be­ste­hen. Dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en wohl da­von aus­ge­gan­gen sind, dass der ta­rif­ver­trags­sch­ließen­de Ar­beit­ge­ber an sich nur Ge­werk­schafts­mit­glie­dern zu­ste­hen­de ta­rif­li­che Leis­tun­gen über ar­beits­ver­trag­li­che Ver­wei­sungs­klau­seln auch Außen­sei­tern ver­spro­chen hat und den Ar­beit­ge­ber von der Ver­pflich­tung ent­las­ten woll­te, die ver­ein­bar­te Son­der­zah­lung auch an Nicht­or­ga­ni­sier­te leis­ten zu müssen, führt nicht da­zu, dass die Außen­sei­ter von den Re­ge­lun­gen „er­fasst“ wer­den, wie dies in der Kon­stel­la­ti­on der Fall war, die 1967 zu den An­fra­gen an den Großen Se­nat führ­te.
(bb) Die­se Dif­fe­ren­zie­rung kann je­doch da­hin­ste­hen, weil der Große Se­nat in sei­ner Ant­wort die drei ge­nann­ten Fra­gen 1, 2 und 4 ge­mein­sam be­han­delt hat und sich mit Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln im Ein­zel­nen le­dig­lich in der Form ei­ner Span­nen­klau­sel und ih­rer Funk­ti­on der Ab­si­che­rung der ta­rif­li­chen Dif­fe­ren­zie­rung be­fasst hat. So­weit Teil­fra­gen aus die­sem vom Großen Se­nat ge­bil­de­ten Fra­gen­kom­plex ab­sch­ließend be­ant­wor­tet wor­den sind, sind die tra­gen­den Erwägun­gen je­weils un­ver­zicht­bar an die ta­rif­li­chen Span­nen­klau­seln ge­bun­den (eben­so be­reits Säcker Grund­pro­ble­me der kol­lek­ti­ven
Ko­ali­ti­ons­frei­heit S. 130; Stahl­ha­cke Ar­bRGeg. 1973, 21, 23; Dorn­dorf AuR 1988, 1, 6; aA Ha­nau FS Hromad­ka S. 115, 119).
(aaa) Das gilt zunächst für das Ar­gu­ment des Großen Se­na­tes, die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en über­schrit­ten die Gren­zen der Ta­rif­macht durch in­trans­pa­ren­te Re­ge­lun­gen; dem Außen­sei­ter „zu sa­gen, er be­kom­me so­und­so­viel Ur­laubs­geld we­ni­ger, weil er nicht or­ga­ni­siert sei, und der an­de­re be­kom­me sound-so­viel Ur­laubs­geld mehr, weil er or­ga­ni­siert sei, muss bei dem Außen­sei­ter zwangsläufig das Ge­rech­tig­keits­emp­fin­den ver­let­zen“ (BAG GS aaO, S. 221). Die­ser Ge­sichts­punkt kann nur dann in Be­tracht kom­men, wenn der Ta­rif­ver­trag aus­sch­ließt, dass Außen­sei­ter - auf­grund wel­cher An­spruchs­grund­la­ge auch im­mer - vom Ar­beit­ge­ber den­sel­ben Be­trag be­kom­men wie Ge­werk­schafts­mit­glie­der, was nur bei Span­nen- oder Ta­rif­aus­schluss­klau­seln möglich ist, wie sie Ge­gen­stand des sei­ner­zeit zu be­ur­tei­len­den Sach­ver­hal­tes wa­ren.
(bbb) Die Ta­rif­macht der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ist nach der Auf­fas­sung des Großen Se­nats wei­ter dann über­schrit­ten, wenn ei­ne Ko­ali­ti­on von der geg­ne­ri­schen Ko­ali­ti­on Un­zu­mut­ba­res ver­langt. Für die Ar­beit­ge­ber­sei­te sei es un­zu­mut­bar, „bei der ta­rif­li­chen Durch­set­zung der Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Or­ga­ni­sier­ten und Außen­sei­tern mit­zu­wir­ken“ (BAG GS aaO, S. 222). Die Ar­beit­ge­ber­sei­te müsse sich nicht „in ei­ner sol­chen Wei­se in die Diens­te des Ko­ali­ti­ons­geg­ners span­nen ... las­sen ... . Heu­te ist die glei­che Be­hand­lung von Or­ga­ni­sier­ten und Außen­sei­tern in vie­len Fällen weit­ge­hend ei­ne zwin­gen­de be­trieb­li­che und un­ter­neh­me­ri­sche Not­wen­dig­keit ge­wor­den. In vie­len Fällen kann sich die Ar­beit­ge­ber­sei­te die­ser Not­wen­dig­keit heu­te nicht mehr oder nur schwer ent­zie­hen. Die Gleich­be­hand­lung von Or­ga­ni­sier­ten und nicht Or­ga­ni­sier­ten in Ent­gelt­fra­gen wird heu­te weit­ge­hend als ein Aus­druck der so­zia­len Ge­rech­tig­keit emp­fun­den“ (BAG GS aaO, S. 223).
Dar­aus er­hellt, dass der Große Se­nat die Ein­schränkung der Möglich­leit zur („in vie­len Fällen weit­ge­hend zwin­gen­den“) Gleich­be­hand­lung von Außen­sei­tern und Or­ga­ni­sier­ten zum An­satz­punkt sei­ner An­nah­me der Un­zulässig­keit macht. Ei­ne sol­che Ein­schränkung war im der Vor­la­ge zu Grun­de lie­gen­den
Fall nur auf­grund der dort be­ab­sich­tig­ten Span­nen­klau­sel ge­ge­ben, während sie bei ein­fa­chen Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln fehlt.
(ccc) So­weit der Große Se­nat an­ge­nom­men hat, die frag­li­chen Klau­seln ver­letz­ten die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit der Außen­sei­ter da­durch, dass von der sei­ner­zeit be­han­del­ten kon­kre­ten Span­nen­klau­sel ein „so­zia­li­nadäqua­ter Druck“ aus­ge­gan­gen sei, hat er dar­auf ab­ge­stellt, dass es „das Ge­rech­tig­keits-emp­fin­den gröblich (ver­letzt), wenn die Gewährung des Ur­laubs, Ur­laubs­ent­gelts und zusätz­li­chen Ur­laubs­gel­des und ähn­li­cher ta­rif­li­cher Leis­tun­gen von Fra­gen der Or­ga­ni­sa­ti­ons­zu­gehörig­keit abhängig ge­macht wird. Des­halb üben der­ar­ti­ge Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln ei­nen so­zia­li­nadäqua­ten Druck aus, den an­ders und nicht Or­ga­ni­sier­te eben­so we­nig hin­zu­neh­men brau­chen, wie Or­ga­ni­sier­te es nicht hin­zu­neh­men brauch­ten, wenn ein Ar­beit­ge­ber Nicht­or­ga­ni­sier­te bes­ser be­zah­len würde als Or­ga­ni­sier­te. Die Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln der hier strei­ti­gen Ta­rif­verträge sind da­her gemäß Art. 9 Abs. 3 Satz 2 GG nich­tig, und auch in­so­weit fehlt da­mit den Ta­rif­part­nern ei­ne da­hin­ge­hen­de Ta­rif­macht“ (BAG GS aaO, S. 228). Auch hier gilt, dass im Er­geb­nis ei­ne sol­che Abhängig­keit der Leis­tun­gen von der Ge­werk­schafts­zu­gehörig­keit nur dann an­ge­nom­men wer­den kann, wenn die Dif­fe­ren­zie­rung durch ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen ab­ge­si­chert ist, et­wa durch die da­mals von der Ge­werk­schaft an­ge­streb­te Span­nen­klau­sel, nicht aber be­reits bei ei­ner ein­fa­chen Dif­fe­ren­zie­rung, die dem Ar­beit­ge­ber die Er­brin­gung ent­spre­chen­der Leis­tun­gen an Außen­sei­ter we­der er­schwert noch ver­wehrt.
(ddd) Im Übri­gen sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sich der Große Se­nat 1967 nach ei­ner Äußerung des da­ma­li­gen Präsi­den­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts und Vor­sit­zen­den des Großen Se­nats nicht zur Zulässig­keit der ein­fa­chen
Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel geäußert, son­dern le­dig­lich qua­li­fi­zier­te Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln wie Span­nen­klau­seln und ver­gleich­ba­re Re­ge­lun­gen we­gen ih­res außen­sei­ter­dis­kri­mi­nie­ren­den Ef­fek­tes ver­wor­fen hat (Nach­weis bei Säcker Grund­pro­ble­me der kol­lek­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit S. 129 f. Rn. 323).
(cc) Dem­ge­genüber ist vor­lie­gend al­lein darüber zu be­fin­den, ob die von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in ei­nem Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag für ei­nen be­stimm­ten
Aus­gleichs­an­spruch nor­mier­te An­spruchs­vor­aus­set­zung der Ge­werk­schafts­mit­glied­schaft ei­ne Dritt­wir­kung ent­fal­tet, die ih­re Ta­rif­macht über­schrei­tet oder gar die Grund­rech­te von Außen­sei­tern ver­letzt. Die Be­klag­te ist als Ta­rif­ver­trags­par­tei - was auch das mögli­che Ar­gu­ment ei­nes Le­gi­ti­ma­ti­ons­de­fi­zits zwi­schen ver­trags­sch­ließen­dem Ver­band und ta­rif­un­ter­wor­fe­nem Ar­beit­ge­ber ent­fal­len lässt -, je­den­falls ta­rif­lich nicht dar­an ge­hin­dert, die ent­spre­chen­den Leis­tun­gen auch an nicht oder an­ders Or­ga­ni­sier­te zu er­brin­gen; die­se ha­ben le­dig­lich kei­nen ta­rif­li­chen An­spruch, den sie als Nicht­or­ga­ni­sier­te oh­ne­hin nicht ha­ben. Ei­ne Gleich­stel­lung von Außen­sei­tern mit Ta­rif­ge­bun­de­nen ist dem Ar­beit­ge­ber je­der­zeit möglich, in wel­cher - je­nen ge­genüber ver­bind­li­chen oder frei­wil­li­gen - Form auch im­mer. Kei­ner der vom Großen Se­nat an­geführ­ten Ge­sichts­punk­te er­fasst die vor­lie­gen­de Kon­stel­la­ti­on.
(2) Je­doch selbst dann, wenn man zu­guns­ten der Kläge­rin da­von aus­geht, der Große Se­nat ha­be auch über ei­ne ein­fa­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel mit­ent­schei­den wol­len und ha­be dies auch ge­tan, lässt sich die Zulässig­keit der strei­ti­gen Ta­rif­re­ge­lung auch mit der vom Großen Se­nat ver­tre­te­nen Auf­fas­sung recht­fer­ti­gen. Bei der im vor­lie­gen­den Ein­zel­fall zu be­ur­tei­len­den Klau­sel in § 3 TVAstD han­delt es sich we­der um ei­ne „un­zulässi­ge Bei­trags­er­he­bung“ bei den Außen­sei­tern noch um ei­ne so­zia­li­nadäqua­te Re­ge­lung.
(a) Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TVAstD ha­ben die ih­nen ver­lie­he­ne Ta­rif­macht nicht da­durch über­schrit­ten, dass sie mit § 3 TVAstD den Außen­sei­tern ei­ne „un­zulässi­ge Bei­trags­er­he­bung“ auf­er­leg­ten.
(aa) Nach Auf­fas­sung des Großen Se­nats wird mit den sei­ner­zeit zu be­ur­tei­len­den Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln „der Sa­che nach ei­ne Art Leis­tung, ei­ne Art Bei­trag, ei­ne Art Gebühr, ei­ne Art Ab­ga­be, ei­ne Art Her­aus­ga­be von un-ge­recht­fer­tig­ter Be­rei­che­rung oder ähn­li­ches für die In­an­spruch­nah­me ge­werk­schaft­li­cher Ar­beit ver­langt“ (BAG GS aaO, S. 219). Nie­mand dürfe von Drit­ten oh­ne ge­setz­li­che Ermäch­ti­gung oder ver­trag­li­che Un­ter­wer­fung ver­an­lasst wer­den, für das, was er seit je­her kos­ten­los in An­spruch ge­nom­men ha­be und da­her als Ge­mein­gut an­se­hen dürfe, ei­nen Aus­gleich zu er­brin­gen. Ei­ne vom Großen Se­nat durch­aus als möglich an­ge­se­he­ne Rechts­fort­bil­dung, die ei­ne
„Vor­teils­aus­glei­chung mit­tels ta­rif­li­cher Ge­stal­tungs­mit­tel“ (BAG GS aaO, S. 220 f.) zu­ließe, schei­ter­te im kon­kre­ten Fall nach sei­ner Auf­fas­sung an der feh­len­den Ein­hal­tung der „für das Ar­beits­le­ben gel­ten­den Red­lich­keits­maßstäbe“ (BAG GS aaO, S. 221), weil es sich um ei­ne „un­durch­sich­ti­ge Dif­fe­ren­zie­rung“ (BAG GS aaO, S. 221) bei der Gewährung von Ur­laubs­geld han­de­le, die das „Ge­rech­tig­keits­emp­fin­den nach­hal­tig“ ver­let­ze (BAG GS aaO, S. 221), wo­bei al­ler­dings un­klar bleibt, ob der Große Se­nat ent­schei­dend auf die In­trans­pa­renz oder die Ver­let­zung des Ge­rech­tig­keits­emp­fin­dens ab­stellt.
(bb) Die so vom Großen Se­nat ge­zo­ge­ne Gren­ze wird von § 3 TVAstD nicht über­schrit­ten.
(aaa) Da­bei ist zunächst dar­auf hin­zu­wei­sen, dass auch nach den Kri­te­ri­en des Großen Se­nats die vor­lie­gen­de Ta­rif­be­stim­mung als trans­pa­rent an­zu­se­hen ist. Sie ist ei­ne ein­fa­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel und im Ta­rif­ver­trag als „Aus­gleichs­zah­lung für ver.di-Mit­glie­der“ bzw. „Er­satz­leis­tung für den Ver­zicht auf die Son­der­zah­lun­gen“ aus­ge­wie­sen. Da­her kann die Klau­sel im We­ge der Rechts­fort­bil­dung auch nach den Maßstäben des Großen Se­nats zur ge­bo­te­nen Trans­pa­renz als zulässig er­ach­tet wer­den.
(bbb) Die Be­schränkung der Aus­gleichs­zah­lung auf die ver.di-Mit­glie­der stellt über­dies kei­nen Bei­trag der Kläge­rin und an­de­rer nicht or­ga­ni­sier­ter Ar­beit­neh­mer für die In­an­spruch­nah­me ge­werk­schaft­lich ge­schaf­fe­ner Ta­rif­wer­ke dar. Den Außen­sei­tern, hier: der Kläge­rin, wird mit § 3 TVAstD nichts ge­nom­men, was ihr an­sons­ten zustände. Die Nicht­gewährung ei­nes Vor­teils, auf den kei­ner­lei Rechts­an­spruch be­steht, ist mit der Auf­er­le­gung ei­ner Last, wie es ei­ne Bei­trags­entrich­tung wäre, nicht zu ver­glei­chen (Ga­mill­scheg NZA 2005, 146, 148; so auch be­reits Ha­nau JuS 1969, 213, 219).
Die Ge­werk­schafts­mit­glie­der - und nicht die Ge­werk­schaf­ten - er­hal­ten mit der ih­nen al­lein zu­ste­hen­den Aus­gleichs­zah­lung ei­ne Kom­pen­sa­ti­on für die von ih­rer Or­ga­ni­sa­ti­on wie­der­holt zum Aus­druck ge­brach­te und seit Jah­ren in Sa­nie­rungs­ta­rif­verträge um­ge­setz­te Be­reit­schaft, an ge­si­cher­ten Rechts­po­si­tio­nen für ih­re Mit­glie­der nicht fest­zu­hal­ten, son­dern auf Tei­le hier­von
zu­guns­ten der Be­klag­ten zu ver­zich­ten, um die­ser un­ter In­k­auf­nah­me von Nach­tei­len für ih­re Mit­glie­der lang­fris­tig zu ei­ner „dau­er­haf­ten Wett­be­werbsfähig­keit“ - so die Präam­bel zum TVAstD - zu ver­hel­fen und da­mit - mit­tel­bar - auch die Ar­beitsplätze so­wohl ih­rer Mit­glie­der als auch der übri­gen, nicht or­ga­ni­sier­ten Be­leg­schaft zu er­hal­ten. Dass da­bei der Ar­beit­ge­ber und die Ge­werk­schaft ge­mein­sam den von den or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern ab­ver­lang­ten Bei­trag et­was ge­rin­ger aus­fal­len las­sen als den­je­ni­gen an­de­rer, am Ta­rif­ver­trag im Übri­gen ori­en­tier­ter Ar­beit­neh­mer - wo­bei die Be­klag­te in kei­ner Wei­se ge­hin­dert ist, die ent­spre­chen­de Leis­tung auch an die Außen­sei­ter zu er­brin­gen -, ist kei­ne Bei­trags­ein­zie­hung durch die Ge­werk­schaft von den nicht­or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern wie der Kläge­rin für die „Nut­zung“ des Ta­rif­ver­tra­ges.
(b) Die Re­ge­lung ist auch nicht un­zu­mut­bar für die Ar­beit­ge­ber­ko­ali­ti­on.
(aa) Nach Auf­fas­sung des Großen Se­nats ver­lang­te die Ge­werk­schaft mit dem dort be­han­del­ten Ta­rif­ver­trags­an­ge­bot et­was für die Ar­beit­ge­ber­sei­te Un­zu­mut­ba­res, wenn sie for­de­re, bei der ta­rif­li­chen Durch­set­zung der Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Or­ga­ni­sier­ten und Außen­sei­tern mit­zu­wir­ken. Die Ar­beit­ge­ber sei­en „in vie­len Fällen ... weit­ge­hend ... zwin­gend“ (BAG GS aaO, S. 223) auf die Gleich­be­hand­lung al­ler Ar­beit­neh­mer an­ge­wie­sen, so dass es ih­nen „nach den all­ge­mei­nen Maßstäben der Ge­rech­tig­keit“ (BAG GS aaO, S. 223) nicht zu­zu­mu­ten sei, „sich in ei­ner sol­chen Wei­se in die Diens­te des Ko­ali­ti­ons­geg­ners span­nen zu las­sen, wie es in den bis­her be­kannt ge­wor­de­nen und erörter­ten Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln ge­sche­hen soll“ (BAG GS aaO, S. 223).
Da­bei for­mu­lier­te der Große Se­nat als abs­trak­tes Kri­te­ri­um die nach den all­ge­mei­nen Maßstäben der Ge­rech­tig­keit be­stimm­te Zu­mut­bar­keit bzw. Un­zu­mut­bar­keit der „un­glei­chen“ Be­hand­lung. Die kon­kre­ten Umstände der - an­sons­ten nicht wei­ter dar­ge­leg­ten oder mit Fak­ten un­ter­setz­ten - Not­wen­dig­keit der Gleich­be­hand­lung wa­ren da­bei nur Be­gründungs­ele­men­te für die An­nah­me der Un­zu­mut­bar­keit und ei­ne An­wen­dung der all­ge­mei­nen Maßstäbe der Ge­rech­tig­keit bei der Be­ur­tei­lung der kon­kre­ten Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln.
Dies wird ins­be­son­de­re an For­mu­lie­run­gen deut­lich wie „heu­te ist die glei­che Be­hand­lung ... Not­wen­dig­keit ge­wor­den. In vie­len Fällen kann sich die Ar­beit­ge­ber­sei­te die­ser Not­wen­dig­keit heu­te nicht mehr oder nur schwer ent­zie­hen. Die Gleich­be­hand­lung ... wird heu­te weit­ge­hend als ein Aus­druck der so­zia­len Ge­rech­tig­keit emp­fun­den. Die recht­li­che Son­der­stel­lung, die der Or­ga­ni­sier­te nach § 4 Abs. 1, § 3 Abs. 3 - 5 TVG ge­nießt, tritt dem­ge­genüber oft in den Hin­ter­grund ...“ (BAG GS aaO, S. 223).
Dar­aus wird deut­lich, dass die­se Erwägun­gen zeit-, si­tua­ti­ons- und klau­sel­be­zo­gen sind, mit­hin kei­ne Rechts­satz­qua­lität ha­ben. Es han­delt sich um Be­gründungs­ele­men­te, oder auch nur Tei­le der Sub­sum­ti­on an­hand der Umstände des Ar­beits­le­bens zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung. Dies wird auch an­hand der Pro­beüber­le­gung deut­lich, dass sich auf die wie­der­ge­ge­be­nen Ausführun­gen nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu §§ 72, 72a ArbGG ei­ne Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de we­gen Di­ver­genz nicht stützen ließe.
(bb) Die durch § 3 TVAstD be­wirk­te „Un­gleich­be­hand­lung“ ist für die Be­klag­te nicht un­zu­mut­bar. Ganz all­ge­mein ist die Gleich­be­hand­lung auf Ta­rif­ni­veau, von der der Große Se­nat aus­ge­gan­gen ist, kei­nes­wegs die für ei­nen Ar­beit­ge­ber ein­zig zu­mut­ba­re Vor­ge­hens­wei­se. Un­ter­ta­rif­li­che Vergütung ist in­zwi­schen weit ver­brei­tet (Die­te­rich FS Wißmann S. 65: „Mas­sen­er­schei­nung“). Ge­ra­de die Ge­werk­schaf­ten ma­chen die Ein­hal­tung des ta­rif­li­chen Leis­tungs­ni­veaus auch ge­genüber den Außen­sei­tern ar­beits­ge­richt­lich gel­tend (vgl. et­wa die Fall­kon­stel­la­tio­nen bei Se­nat 19. März 2003 - 4 AZR 271/02 - BA­GE 105, 275; BAG 20. April 1999 - 1 ABR 72/98 - BA­GE 91, 210). An­ge­sichts des­sen ist der­zeit von der Zu­mut­bar­keit, wenn nicht gar von ei­nem häufig ver­folg­ten Ziel aus­zu­ge­hen, Außen­sei­ter auf ei­nem un­ter­halb des Ta­rif­ver­trags lie­gen­den Ni­veau un­gleich zu be­han­deln (vgl. nur Buch­ner ZfA 2004, 229, 236, der die Un­ter­bie­tung von Ta­rif­be­din­gun­gen als „not­wen­di­ges Kor­rek­tiv“ an­sieht, das verfügbar blei­ben müsse).
Auch bei dem vor­lie­gen­den Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag ging es für die be­klag­te Ar­beit­ge­be­rin um ei­ne aus öko­no­mi­schen Gründen an­zu­stre­ben­de
Ge­samtlösung, die ih­re wirt­schaft­li­che Be­las­tung zu ver­rin­gern be­stimmt und ge­eig­net war. Von ei­ner Un­zu­mut­bar­keit der da­durch im Zu­sam­men­hang mit § 4 Abs. 1 TVG mögli­cher­wei­se be­wirk­ten, von der Be­klag­ten aber je­der­zeit kor­ri­gier­ba­ren Un­gleich­be­hand­lung kann un­ter die­sen Umständen nicht aus­ge­gan­gen wer­den.
(c) Die Re­ge­lung in § 3 TVAstD ist auch nicht so­zia­li­nadäquat.
(aa) Beim Be­griff der „So­zi­al­adäquanz“ han­delt es sich um ei­nen un­be­stimm­ten Rechts­be­griff. Der Große Se­nat hat die­sen Be­griff nur an­deu­tungs­wei­se ein­ge­grenzt. Da­nach dürfen Ko­ali­tio­nen „die ih­nen vom Ta­rif­ver­trags­ge­setz zur Verfügung ge­stell­ten Macht- und Re­ge­lungs­be­fug­nis­se nicht in ei­ner Wei­se ein­set­zen, die die all­ge­mei­nen un­ge­schrie­be­nen Re­geln ver­letzt, de­ren Be­ach­tung für das Zu­sam­men­le­ben von Men­schen in ei­nem Staats- und Ge­mein­we­sen un­erläss­lich ist und de­ren Ver­let­zung um der all­ge­mei­nen Ord­nung wil­len und auch des­halb zu miss­bil­li­gen ist, weil al­le Rech­te und Frei­hei­ten stets in ei­nem aus­ge­wo­ge­nen Verhält­nis zu­ein­an­der ste­hen müssen“ (BAG GS aaO, S. 225 f.). Der Große Se­nat ver­deut­licht dies und die Un­abhängig­keit von der In­ten­sität des Drucks so­dann an dem Bei­spiel ei­nes als so­zi­al­adäquat an­ge­se­he­nen Drucks „im Ge­dränge des öffent­li­chen Ver­kehrs oder der öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel,... (das) er­heb­li­ches körper­li­ches Ge­schie­be, Ge­dränge und Ge­drückt­wer­den“ zur Fol­ge ha­be, aber hin­zu­neh­men sei, während „zum Bei­spiel dann, wenn sich ihm je­mand auf ei­ner ver­kehrs­ar­men Straße oh­ne vernünf­ti­gen Grund und oh­ne sei­ne Bil­li­gung in den Weg stellt“, dies rechts­wid­rig sei (BAG GS aaO, S. 228).
(bb) Der Große Se­nat hat da­mit den Ober­be­griff der So­zia­li­nadäquanz als zen­tra­les recht­li­ches Kri­te­ri­um her­aus­ge­stellt. Die Be­wer­tung der da­mals zur Ent­schei­dung ste­hen­den Re­ge­lun­gen als so­zi­al in­adäquat und die sich dar­aus er­ge­ben­den Fol­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit so­wie ei­ner Über­schrei­tung der Ta­rif­macht stellt sich da­nach le­dig­lich als Er­geb­nis ei­ner Sub­sum­ti­on der kon­kre­ten, zur Ent­schei­dung ste­hen­den Re­ge­lun­gen un­ter die­sen un­be­stimm­ten Rechts­be­griff dar. Der Rechts­satz des Großen Se­nats kann da­mit dar­auf re­du­ziert wer­den, dass der von ei­ner
dif­fe­ren­zie­ren­den ta­rif­li­chen Re­ge­lung aus­ge­hen­de Druck auf die Außen­sei­ter, der Ge­werk­schaft bei­zu­tre­ten, dann ge­gen die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit verstößt und dann ei­ne Über­schrei­tung der Ta­rif­macht der Ta­rif­ver­trags­part­ner dar­stellt, wenn die­ser Druck so­zi­al in­adäquat ist. Ein so­zi­al adäqua­ter Druck da­ge­gen ist zulässig.
(cc) Der Be­griff der So­zi­al­adäquanz für die recht­li­che Be­wer­tung ko­ali­ti­ons­gemäßer Betäti­gung stammt aus dem Ar­beits­kampf­recht und wur­de be­reits in der ers­ten Ent­schei­dung des Großen Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 28. Ja­nu­ar 1955 ent­wi­ckelt, die sich mit der Rechtmäßig­keit des Streiks be­fass­te (BAG GS 28. Ja­nu­ar 1955 - GS 1/54 - BA­GE 1, 291). Dort ist ein so­zi­al-in­adäqua­ter Streik als „nach sei­nen Mit­teln oder sei­nen Zie­len oder der Un­verhält­nismäßig­keit von Mit­tel und Ziel ... (Ein­griff in die Ge­wer­be­be­trie­be der Ar­beit­ge­ber nach § 823 Abs. 1 BGB)...“ (BAG GS 28. Ja­nu­ar 1955 - GS 1/54 - BA­GE 1, 291, 300, de­tail­liert zum Streik S. 306 f.) be­zeich­net wor­den.
Nach der Ent­schei­dung zu den Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln vom 29. No­vem­ber 1967 ist der Große Se­nat - mit Aus­nah­me ei­nes Vor­la­ge­be­schlus­ses zum Ge­mein­sa­men Se­nat der Obers­ten Ge­richtshöfe des Bun­des zu ei­ner Ver­fah­rens­fra­ge - erst wie­der zu ei­ner ar­beits­kampf­recht­li­chen Fra­ge zur lösen­den oder sus­pen­die­ren­den Aus­sper­rung an­ge­ru­fen wor­den. In der auf die­se An­fra­ge am 21. April 1971 er­gan­ge­nen Ent­schei­dung ist der Be­griff der So­zi­al­adäquanz oh­ne wei­te­re Be­gründung durch den Be­griff der Verhält­nismäßig­keit er­setzt wor­den (BAG GS 21. April 1971 - GS 1/68 - BA­GE 23, 292; vgl. da­zu Ley­de­cker Der Ta­rif­ver­trag als ex­klu­si­ves Gut S. 115 ff.).
(dd) Aus­ge­hend von dem vom Großen Se­nat 1967 zu­grun­de ge­leg­ten Be­griff der So­zi­al­adäquanz ist die strei­ti­ge Ta­rif­re­ge­lung in der Form ei­ner ein­fa­chen Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel un­ter den heu­ti­gen Be­din­gun­gen nach den Kri­te­ri­en des Großen Se­nats so­zi­al­adäquat. Sie erfüllt die vom Großen Se­nat hierfür auf­geführ­ten abs­trak­ten und all­ge­mei­nen, so­wie die be­wer­tungs­be­haf­te­ten Ele­men­te die­ses Be­griffs.
(aaa) Die vom Großen Se­nat zur Be­gründung sei­ner An­nah­me, mit der Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel sei die Ta­rif­macht über­schrit­ten, her­an­ge­zo­ge­ne Be­schränkung des Grund­rechts­schut­zes der Ko­ali­ti­on auf ei­nen „Kern­be­reich des Ta­rif­ver­trags­sys­tems“ hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zwi­schen­zeit­lich aus­drück­lich auf­ge­ge­ben (BVerfG 14. No­vem­ber 1995 - 1 BvR 601/92 - BVerfGE 93, 352). Da­mit ist heu­te je­de ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­sche Betäti­gung durch das Grund­recht aus Art. 9 Abs. 3 GG geschützt. Hier­zu gehören auch exis­tenz-si­chern­de Maßnah­men der Ge­werk­schaft, wie et­wa die Mit­glie­der­wer­bung durch die ta­rif­li­che Ver­ein­ba­rung von un­mit­tel­bar zu­fließen­den Vor­tei­len für ih­re Mit­glie­der (eben­so Ul­ber/Strauß DB 2008, 1970, 1971).
(bbb) Die Kri­te­ri­en, die der Große Se­nat sei­ner Abwägung zur Fra­ge der So­zi­al­adäquanz bei der Be­ant­wor­tung der ihm vor­ge­leg­ten Fra­gen her­an­ge­zo­gen hat, un­ter­lie­gen not­ge­drun­gen dem Wan­del der Zei­ten. Der Be­griff der So­zi­al­adäquanz ist im Jah­re 2007 an­ders aus­zufüllen als im Jah­re 1967. Die Ein­be­zie­hung ei­nes quan­ti­ta­ti­ven Mo­ments in die Abwägung ist da­bei nicht nur zulässig, son­dern ge­bo­ten. Dies zeigt sich da­durch deut­lich in zahl­rei­chen Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, die zeit­lich nach dem Be­schluss des Großen Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts er­gan­gen sind, dass dort je­weils die Be­ein­träch­ti­gung der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit auch un­ter ei­ner - teil­wei­se sehr kon­kre­ten - Abwägung des kon­kre­ten Maßes des auf den Außen­sei­ter aus­geübten Drucks zum Ko­ali­ti­ons­bei­tritt be­wer­tet wird (zB BVerfG 20. Ju­li 1971 - 1 BvR 13/69 - BVerfGE 31, 297, 302; 24. Mai 1977 - 2 BvL 11/74 - BVerfGE 44, 322, 352; 15. Ju­li 1980 - 1 BvR 24/74 - BVerfGE 55, 7, 22; 14. Ju­ni 1983 - 2 BvR 488/80 - BVerfGE 64, 208, 213 f.; 10. Sep­tem­ber 1991 - 1 BvR 561/89 - AP TVG § 5 Nr. 27; 18. Ju­li 2000 - 1 BvR 948/00 - AP AEntG § 1 Nr. 4 = EZA GG Art. 9 Nr. 69; 11. Ju­li 2006 - 1 BvL 4/00 - BVerfGE 116, 202). Das spricht dafür, dass das dem Verhält­nismäßig­keits­grund­satz ver­pflich­te­te Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die­sem quan­ti­ta­ti­ven As­pekt je­den­falls in der Zeit seit 1971 ei­ne er­heb­li­che Be­deu­tung für die hier ge­bo­te­ne Abwägung bei­misst.
(ccc) Hier­von aus­ge­hend ist es heu­te im Rah­men der ge­bo­te­nen Abwägung von er­heb­li­cher Be­deu­tung, dass der Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad der Ge­werk­schaf­ten deut­lich zurück­ge­gan­gen, ih­re so­zi­al­po­li­ti­sche Funk­ti­on je­doch noch wich­ti­ger ge­wor­den ist. Auch un­ter Berück­sich­ti­gung der zu­neh­men­den Plu­ra­lität und Kon­kur­renz von Ge­werk­schaf­ten durch die An­er­ken­nung der Ta­riffähig­keit auch klei­ne­rer Ar­beit­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen so­wie durch das Auf­kom­men von Be­rufs­ver­ei­ni­gun­gen der sog. „Funk­ti­ons­eli­ten“ (da­zu ausführ­lich Bispinck/Drib­busch So­zia­ler Fort­schritt 2008, 153 ff.), muss - vor dem Hin­ter­grund des im Be­reich des Ge­mein­wohls an­ge­sie­del­ten Ziels, die Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie zu er­hal­ten - die Möglich­keit ei­ner Ge­werk­schaft zur Wer­bung von Mit­glie­dern ge­ra­de durch das Er­zie­len von Ver­hand­lungs­er­fol­gen zu­min­dest als Be­wer­tungs­fak­tor an­er­kannt und da­mit in die Abwägung bei der Fest­stel­lung der So­zi­al­adäquanz ein­be­zo­gen wer­den.
(ddd) Die An­wen­dung die­ser Kri­te­ri­en auf die strei­ti­ge Ta­rif­klau­sel führt zu dem Er­geb­nis, dass sie nicht so­zia­li­nadäquat ist. We­gen der Ein­zel­hei­ten der Be­gründungs­ele­men­te kann auf die Ausführun­gen un­ter B II 4 c bb ver­wie­sen wer­den.
5. § 3 TVAstD ist fer­ner auch nicht des­halb un­wirk­sam, weil in der Norm ei­ne Stich­tags­re­ge­lung für die Ge­werk­schafts­mit­glied­schaft ent­hal­ten ist.
a) Der Aus­zah­lungs­zeit­punkt für die Son­der­zah­lung ist in § 3 Abs. 1 TVAstD auf den 31. Ju­li fest­ge­setzt wor­den. Als An­spruchs­vor­aus­set­zung ist wei­ter­hin ei­ne min­des­tens drei­mo­na­ti­ge Mit­glied­schaft in der Ge­werk­schaft ver.di so­wie de­ren Nach­weis spätes­tens ei­nen Mo­nat vor dem Aus­zah­lungs­ter­min ver­ein­bart wor­den (§ 3 Abs. 3 und 4 TVAstD).
b) Ge­gen die Wirk­sam­keit die­ser Ver­ein­ba­rung be­ste­hen kei­ne Be­den­ken. Die Ver­trags­par­tei­en ei­nes Haus­ta­rif­ver­tra­ges sind weit­ge­hend frei bei der Be­stim­mung der Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen Son­der­zah­lun­gen ge­leis­tet wer­den. Bei der zulässi­gen Ver­ein­ba­rung der An­spruchs­vor­aus­set­zung ei­ner Ge­werk­schafts­mit­glied­schaft kann ei­ne be­stimm­te vor­he­ri­ge Mit­glieds­dau­er oh­ne wei­te­res als dif­fe­ren­zie­ren­des Kri­te­ri­um her­an­ge­zo­gen wer­den. Der nach
dem Stich­tag er­folg­te Bei­tritt führt auch nicht zu ei­ner un­zulässi­gen Ent­zie­hung der ta­rif­li­chen Leis­tung, da die Son­der­zah­lung in dem je­wei­li­gen Jahr als ta­rif­li­che Leis­tung nur für die Mit­glie­der ver­ein­bart wor­den ist, die be­reits die Min­dest­dau­er erfüllt ha­ben. Die Möglich­keit des Leis­tungs­er­werbs im kom­men­den Jahr behält das ein­ge­tre­te­ne Mit­glied. In­so­weit liegt ei­ne an­de­re Kon­stel­la­ti­on vor als in dem vom Se­nat am 9. Mai 2007 ent­schie­de­nen Fall (- 4 AZR 275/06 - AP TVG § 3 Ver­bands­zu­gehörig­keit Nr. 23 = EzA GG Art. 9 Nr. 91).
III. Die Kla­ge ist fer­ner in je­dem Fal­le des­halb un­be­gründet, weil selbst bei ei­ner Un­wirk­sam­keit der Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel in § 3 TVAstD ein An­spruch der Kläge­rin auf die dort gewähr­te Leis­tung nicht be­ste­hen würde.
1. Die Rechts­wir­kung der Un­wirk­sam­keit ei­ner Ta­rif­klau­sel führt in der Re­gel ent­ge­gen der bürger­lich-recht­li­chen Aus­le­gungs­re­gel des § 139 BGB nicht da­zu, dass auch die übri­gen ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen un­wirk­sam sind, son­dern nur die be­an­stan­de­te Re­gel selbst. Das gilt je­den­falls dann, wenn der Ta­rif­ver­trag auch oh­ne die un­wirk­sa­me Re­ge­lung noch ei­ne sinn­vol­le und in sich ge­schlos­se­ne Re­ge­lung dar­stellt (st. Rspr. des BAG, vgl. nur Se­nat 9. Mai 2007 - 4 AZR 275/06 - AP TVG § 3 Ver­bands­zughörig­keit Nr. 23 = EzA GG Art. 9 Nr. 91 mit zahlr. weit. Nachw.). Geht man hier­von aus, be­steht be­reits des­halb kein An­spruch auf die Aus­gleichs­zah­lung, die Ge­gen­stand der Kla­ge ist.
Ob im Streit­fall die An­nah­me ge­recht­fer­tigt ist, dass der TVAstD auch oh­ne die Aus­gleichs­zah­lungs­re­ge­lung in § 3 noch ei­ne sinn­vol­le und in sich ge­schlos­se­ne Re­ge­lung dar­stellt - wofür an­ge­sichts der Al­ter­na­ti­ve der Un­wirk­sam­keit des gan­zen TVAstD ei­ni­ges spre­chen mag - oder nicht, spielt für die Ent­schei­dung des Rechts­streits kei­ne Rol­le, weil die Nich­tig­keit der ge­sam­ten ta­rif­li­chen Re­ge­lung in kei­nem Fal­le da­zu führen würde, dass an ih­re Stel­le ei­ne Re­ge­lung träte, nach der die Kläge­rin die Aus­gleichs­zah­lung ver­lan­gen könn­te. Wenn der ge­sam­te TVAstD ent­fal­len würde, wäre mögli­cher­wei­se ein An­spruch nach dem - dann nicht mehr „aus­ge­setz­ten“ - § 19 HausTV ge­ge­ben; ei­nen sol­chen hat die Kläge­rin aber nicht gel­tend ge­macht.
2. Der Se­nat muss auch nicht ab­sch­ließend ent­schei­den, ob hier die in der Li­te­ra­tur teil­wei­se un­ter dem Ge­sichts­punkt des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes an­ge­nom­me­ne Aus­nah­me ei­nes An­spruchs auf „Gleich­be­hand­lung nach oben“ be­steht. Die hierfür vor­aus­ge­setz­te be­reits er­folg­te - und nicht mehr rückgängig zu ma­chen­de - Leis­tungs­er­brin­gung an die zu Un­recht begüns­tig­ten Ge­werk­schafts­mit­glie­der (vgl. da­zu BAG 26. Ok­to­ber 1995 - 6 AZR 125/95 - BA­GE 81, 207, 212 f.; Ha­nau FS Hromad­ka S. 115, 119) ist vom Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht fest­ge­stellt wor­den. Hierfür wäre die Kläge­rin dar­le­gungs-und ggf. be­weis­pflich­tig ge­we­sen, weil es sich da­bei um ei­ne Aus­nah­me­re­ge­lung han­delt, de­ren Vor­aus­set­zun­gen von dem­je­ni­gen vor­zu­tra­gen sind, der sich auf sie be­ruft. Die Kläge­rin hat hier­zu kei­nen Vor­trag er­bracht, ob­wohl sie von Be­ginn des Rechts­streits an die Un­wirk­sam­keit ge­ra­de der­je­ni­gen Klau­sel be­haup­tet hat, die An­spruchs­grund­la­ge für ih­re ei­ge­ne For­de­rung sein soll. Im Übri­gen ist es nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts auch grundsätz­lich aus­ge­schlos­sen, al­lein aus der Be­fol­gung ei­nes - un­ter­stellt - un­wirk­sa­men Norm­be­fehls durch den Ar­beit­ge­ber ei­ne Pflicht des Ar­beit­ge­bers zur Gleich­be­hand­lung zu ent­neh­men. Der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz bin­det den Ar­beit­ge­ber an selbst auf­ge­stell­te Re­geln, nicht an die Be­fol­gung auf ihn - auch ver­meint­lich - von außen ein­wir­ken­den Norm­be­feh­len (vgl. zB BAG 14. März 2007 - 5 AZR 420/06 - BA­GE 122, 1, 5). Da­zu, dass die Be­klag­te die Aus­gleichs­zah­lung re­gel­be­gründend un­abhängig in Kennt­nis ei­ner ver­meint­li­chen Un­wirk­sam­keit des TVAstD er­bracht hätte, hat die Kläge­rin eben­falls nichts vor­ge­tra­gen.
C. Die Kläge­rin hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen, weil ihr Rechts­mit­tel er­folg­los ge­blie­ben ist, § 97 Abs. 1 ZPO.
Der eh­ren­amt­li­che Rich­ter Bre­den­diek ist auf­grund länge­ren Aus­lands­auf­ent­halts an der Un­ter­schrifts­leis­tung ge­hin­dert. Be­p­ler
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