Source: https://studylibde.com/doc/2439563/dokumentation-wolf---der-bundesrat-admin.ch
Timestamp: 2019-08-22 23:05:25
Document Index: 263963397

Matched Legal Cases: ['Art. 5', 'Art. 7', 'Art. 101', 'Art.\n103', 'Art. 104', '§1', 'Art. 105']

Dokumentation Wolf - Der Bundesrat admin.ch
Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz
Coordinated research projects for the conservation and management of carnivores in Switzerland
Projets de recherches coordonnés pour la conservation et la gestion des carnivores en Suisse
KORA, Thunstrasse 31, CH-3074 Muri. Tel +41-31-951 70 40, Fax +41-31-951 90 40, Email: info@kora.ch, http://www.kora.unibe.ch
Bundesamts für Umwelt, Wald
und Landschaft (BUWAL)
Thunstrasse 31
Tel. 031 951 70 40
Fax 031 951 90 40
INFO@KORA.CH
Dokumentation Wolf
Der Wolf kehrt in die Schweiz zurück, von den einen begrüsst, von den anderen verwünscht. Der
Wolf ist ein heimliches Tier, doch unheimlich ist sein Ruf. Objektive Information tut not. Diese Dokumentation enthält kurze Beiträge zum Thema Wolf:
Merkmale und Biologie des Wolfs.
Verbreitung des Wolfs in der Welt und in Europa.
Geschichte des Wolfs in der Schweiz.
Die Rückkehr des Wolfs: Hintergrund der Rückkehr und Chronologie der Ereignisse.
Internationale Übereinkommen, nationale gesetzliche Grundlagen und Management des
Ist der Wolf für den Menschen gefährlich?
Möglichkeiten zur Verhinderung von Übergriffen von Wölfen auf Haustiere.
Die Texte sind mit dem Datum versehen und werden bei Bedarf aktualisiert. Alle Beiträge sind kurz –
damit Sie sich einen raschen Überblick verschaffen können – und deshalb unvollständig. Für einen
umfassenden Einblick ist es unumgänglich, dass Sie sich vertieft mit dem Thema Wolf befassen. Sie
können beim KORA weitere Berichte und Literaturhinweise zu den einheimischen Raubtieren beziehen.
Was ist KORA?
KORA ist ein Akronym für „Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management
der Raubtiere in der Schweiz“. Im Programm KORA sind mehrere problemorientierte Forschungsprojekte zusammengefasst, die sich mit Aspekten der Koexistenz von Raubtieren und Menschen beschäftigen. Das betrifft vor allem die grossen, ehemals ausgerotteten Arten wie Luchs und Wolf, deren Rückkehr ein äusserst kontroverses Thema ist, aber auch kleinere Arten wie den Fuchs, der heute
selbst in Siedlungsräumen häufig anzutreffen ist. Die Aufgabe des Programms KORA ist, zu aktuellen
Problemen im Zusammenhang mit der Erhaltung oder dem Management von Raubtieren die wissenschaftlichen Grundlagen für umsetzbare Lösungen zu erarbeiten.
Wichtigster Auftraggeber des Programms KORA ist das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL). An verschiedenen Modulen sind auch einzelne Kantone sowie Stiftungen aus den
Bereichen Naturschutz und Wissenschaft beteiligt.
Zur Umsetzung von Forschungsprojekten gehört auch die Information. Wir bemühen uns, Ihnen objektive und aktuelle Auskünfte zum Thema Raubtiere in der Kulturlandschaft zu geben oder Sie auf
die entsprechenden Quellen aufmerksam zu machen. Im Team vom Programm KORA sind vor allem
Biologinnen und Biologen tätig, aber auch Leute mit einer veterinärmedizinischen, geographischen,
forstwirtschaftlichen, agronomischen oder kaufmännischen Ausbildung.
Sie erreichen uns unter der Adresse
<DokWolf_Vorwort.doc> / UB / 02.01.99
Thunstrasse 31, CH-3074 Muri,
031 951 70 40,
031 951 90 40
Wirbeltiere (Tiere mit Wirbelsäule)
Säugetiere (warmblütige Tiere mit Fell und mit Milchdrüsen zur
Ernährung ihrer Jungen)
Raubtiere (Carnivoren, Fleischfresser mit Reisszähnen, die das
Abschneiden von Fleischstücken ermöglichen. Raubtiere sind entweder Zehengänger (Wolf, Luchs) oder Sohlengänger (Bär)).
Hundeartige (Caniden, umfasst 13 Gattungen mit 38 Arten).
Canis (Hunde, 8 Arten).
ca. 15 (Unterteilung umstritten).
Vergleich der Klassifizierung von Mensch, Wolf und Hund
Homo (Menschen)
sapiens (Jetztmensch)
Canis (Hunde)
familiaris (Hund)
Anzahl Chromosomen:
12-80 kg, je nach Unterart und Individuum.
100-150 cm Körperlänge, 31-51 cm Schwanz, 60-95 cm Schulterhöhe
Meistens eine Mischung aus beige und anthrazith, aber auch
schwarz, weiss oder falbfarben. Rückenhaare beige mit schwarzer
Spitze, zu einer schwachen Mähne aufgerichtet. Man findet keine
vollständig schwarzen Haare, jedoch auf der Oberseite der Vorderbeine oft ein auffallender dunkler Streifen. Brustkasten beige.
76, wie der Hund.
42 Zähne (32 beim Jungwolf, Dauergebiss mit 7 Monaten).
Fleischfresser, nimmt aber auch Früchte und Insekten.
Nordamerika, Asien, Naher und Mittlerer Osten, Europa.
2 Jahre für Männchen und Weibchen
5-10 Jahre, in Gefangenschaft bis 17 Jahre
Januar bis März, je nach Gegend
Wurfzeit:
Anzahl Junge pro Wurf:
61-63 Tage, 5 Paar Zitzen
März bis Juni, je nach Gegend
300-500 g
Druck der Kiefer / Eckzähne 150 kg/cm2
Streifzüge von bis zu 60 km pro Nacht, (nachgewiesen bis 190 km!)
Spitzengeschwindigkeit 45 bis 50 km/h
guter Schwimmer
kann ein Tier auf 270 m gegen den Wind entdecken
hervorragende Nachtsichtigkeit
Blickwinkel 250° (180° beim Menschen)
hört Töne bis 40 Khz (20 Khz beim Menschen)
kann andere Wölfe auf eine Distanz von 6,4 - 9,6 km heulen hören
Herzfrequenz 90 Schläge/Minute, bei grosser Anstrengung bis 200 Schläge/Minute. Atemfrequenz 15-20/Minute, steigert sich bis auf 100 beim Hecheln.
Canis familiaris dingo
Canis familiaris familiaris
Streifenschakal (Zentralafrika)
Goldschakal (Nord- und Ostafrika, Südosteuropa, Südasien)
Dingo (Australien, Süd- und Südostasien)
Kojote (USA, Kanada)
Schabrackenschakal (Ost- und Südafrika)
Rotwolf (Wiederangesiedelt Nord-Carolina, USA, 1988)
Abessinischer Fuchs (Gebirge Äthiopiens)
Einheimische Arten in der gleichen Familie wie der Wolf
Rotfuchs (Nordhemisphäre, Nordafrika, Australien)
<DokWolf_Signal.doc> / JML / 03.01.99
Um in freier Wildbahn bestehen zu können, haben Tiere unterschiedliche Überlebensstrategien
entwickelt. Einige Arten leben - mit Ausnahme der Paarungszeit - einzelgängerisch in einem
Revier, z.B. der Luchs, andere leben in Gruppen ohne besondere Struktur, z.B. das Renntier,
oder in Gruppen mit einer weiter entwickelten Organisation, z.B. die Gemse. Endlich gibt es
Arten, die in kleinen Gruppen mit einer klar definierten Sozialstruktur leben, wie einige Affenarten oder der Wolf. Anthropologen haben bei primitiven Menschengesellschaften soziale Organisationsformen gefunden, die einem Wolfsrudel ähnlich sind.
Das Leben in einer Gruppe ermöglicht die Verteidigung eines Territoriums, eine bessere Ausnutzung der Nahrungsressourcen und v.a. bietet es sichere Bedingungen für die Aufzucht der
Jungen. Ein Revierbesitzer kennt den hintersten Winkel seines Gebiets, was die Chancen erhöht, sich bei Gefahr in Sicherheit bringen zu können. Die Jungen bleiben beim Leben in der
Gruppe relativ lange in Kontakt mit den Erwachsenen- in der Regel mehr als 1 Jahr – was
eine längere Lernzeit bedeutet.
Die soziale Organisationsform des Wolfs ist der Familienverband oder das Rudel, wo eine klar definierte Hierarchie herrscht. Die wichtigste Aufgabe des Rudels ist der Schutz der Jungen. Typische
Aufgaben für die Erwachsenen in diesem Zusammenhang sind etwa das Warnen der Jungen bei Gefahr, die Jungen immer wieder zum Bau zurückzuführen und ihnen Nahrung zu bringen. Das AlphaPaar steht zuoberst in der Hierarchie, gefolgt vom Beta-Männchen. Anschliessend kommen die subdominanten Mitglieder, d.h. die Jungen der vorangehenden Jahre. Die unterste Stufe bilden die einjährigen Tiere und die Welpen. Zu erwähnen bleibt noch das Omega-Männchen, das am Rand des Rudels
sein gefährdetes Dasein fristet. Der Wolf braucht die sozialen Bindungen, was dazu führt, dass sich
das Omega-Männchen eher den Aggressionen der restlichen Rudelmitglieder aussetzt als allein zu
leben. Diese Position ist aber nicht immer besetzt. Die sozialen Bindungen sind zum Wohl des Rudels
sehr stark, v.a. unter den zusammen aufgewachsenen Mitgliedern.
Das Alpha-Paar bestimmt die lebenswichtigen Aktivitäten des Rudels: Jagd, örtliche Verschiebungen,
Verteidigung des Reviers (markieren, heulen). Die wichtigste Aufgabe des Alpha-Paars ist jedoch die
Regulation der Fortpflanzung des Rudels. Die Kontrolle wird v.a. durch das Alpha-Weibchen durchgeführt, welches die anderen Wölfinnen im Rudel an der Fortpflanzung hindert. Grundsätzlich bringt
immer das Alpha-Weibchen die Jungen zur Welt. Die anderen Weibchen des Rudels beteiligen sich
oft an der Aufzucht dieser Jungen. Die subadulten Erwachsenen spielen die Rolle der Aufpasser. Sie
verhindern, dass die Aggressionen unter den Welpen und den Jungen zu stark werden, bevor sie ritualisiert sind.
Der innere Zusammenhalt der Gruppe, das Aufrechterhalten der Sozialstruktur, die Verteidigung des
Reviers, kurz gesagt das Überleben des Rudels, hängt von der Kommunikationsfähigkeit der Wölfe
ab. Es ist unmöglich ohne eine ausgeklügelte Sprache eine Hierarchie in einer Gruppe aufrechtzuerhalten. Die Wölfe haben ein komplexes Kommunikationssystem entwickelt, welches sich vor allem
des Gesichtsausdrucks, der Körperhaltung, des Blicks, der Vokalisierung und der olfaktorischen Mitteilung (Urin, Kot, Scharrspuren) bedient.
Subdominante Mitglieder, z.B. junge Weibchen, werden manchmal vom Rudel verstossen. Andererseits verlassen ein- oder zweijährige Jungtiere oft auch das Rudel vorübergehend oder später definitiv.
Sie führen dann ein einzelgängerisches Leben, bis sie einen Partner gefunden haben und mit ihm ein
neues Rudel gründen.
Ein Rudel besteht mindestens aus zwei Tieren, oft den Gründerindividuen. In Italien bestehen die Rudel meistens aus 2 bis 7 Tieren, im Mercantour aus 2 bis 8 Tieren. Die Anzahl Tiere in einem Rudel
hängt in erster Linie vom Beutetierangebot ab. In den polnischen Karpaten besteht ein Rudel zu Beginn des Winters im Mittel aus 5,2 Wölfen. In Italien führt das Fehlen von grossen Beutetieren dazu,
dass die Wölfe v.a. paarweise, das heisst in Familien mit nur zwei erwachsenen Tieren zusammenleben.
Ein Rudel besitzt ein exklusives Revier, während einzelgängerisch lebende Wölfe sich in den Gebieten zwischen den Revieren aufhalten. Sie vermeiden den Kontakt zu den Rudeln. Die Reviergrösse
hängt in erster Linie vom Nahrungsangebot und vom Breitengrad ab. Sie variiert daher beträchtlich:
von 52 km2 für ein Rudel mit 5 Tieren in Minnesota (USA) bis 1779 km2 für ein Rudel von 8-10 Tieren in Alberta (Kanada) und 2500 km2 in Alaska (USA). In den Abruzzen (Italien) bestreichen die
Rudel Reviere von 120-200 km2 und im Mercantour ungefähr 200 km2. Im Val Ferret bestrich der
Wolf oder die Wölfe ein Gebiet von mindestens 350 km2. In Gebieten mit tiefer Wolfsdichte findet
ein Paar rasch ein freies Territorium und kann sich etablieren, wie das im Moment in den Alpen der
Fall ist. Hingegen in Gebieten, wo die Wolfspopulation gesättigt ist oder die Nahrungsressourcen
knapp sind, haben es Wölfe schwer, sich niederzulassen.
Der Speisezettel des Wolfes hängt v.a. von den zur Verfügung stehenden Beutetieren ab. Der Wolf
jagt bevorzugt Hirsche, Rehe, Gemsen, Mufflon und Wildschweine (besonders Frischlinge). Der
Steinbock erscheint selten unter seinen Opfern, wohl weil die Art nicht leicht zugänglich ist. Der
Wolf nimmt oft Haustiere, besonders Schafe und Ziegen. Er jagt auch kleinere Tiere wie Hasen, Kaninchen, Murmeltiere, manchmal Füchse und Kleinsäuger. Der Wolf ergänzt gelegentlich seinen
Speisezettel mit kleineren Früchten, Insekten, Lurchen, Vögel und Reptilien. Er frisst bisweilen auch
Gräser, dies wohl mehr zur Förderung der Verdauung als um seinen Hunger zu stillen. Der Wolf ist
aber auch Aasfresser, und er zögert nicht, Abfallhalden aufzusuchen, wenn die Nahrung knapp ist.
Das häufige Schalenwild einer Region bildet die Basis für die Ernährung des Wolfes. Wenn der Wolf
die Wahl hat, bevorzugt er meistens die wilden Beutetiere gegenüber den Haustieren, auch wenn diese
in grosser Zahl vorkommen. Eingeführte Arten wie das Mufflon, oft schlecht an die neue Umgebung
angepasst, fallen dem Wolf besonders leicht zum Opfer. In Italien hat das dazu geführt, dass das Mufflon in mehreren Regionen verschwunden ist.
Die Schätzung des Nahrungsbedarfs erlaubt die Berechnung der Anzahl von einem Wolf erbeuteten
Huftiere pro Jahr. Der Tagesbedarf eines Wolfs beträgt ungefähr 3,7-4,5 kg oder anders gerechnet
0,13-0,21 kg Hirschfleisch pro kg Wolf und Tag. Der mittlere Nahrungsbedarf eines Wolfes ist somit
ungefähr 25 Hirsche pro Jahr.
Der Wolf kann bei einem Angriff auf Haustiere mehrer Tiere aufs Mal töten (4 bis 7, in Extremfällen
mehr), ohne sie zu fressen. Solche Angriffe konzentrieren sich normalerweise auf nur wenige Haustierbesitzer. In den Abruzzen hatten nur 4,1% der Besitzer mehr als 2 Tiere verloren. Diese Verluste
machten aber 30,8% der ausbezahlten Entschädigungen aus. Ähnliche Erfahrungen wurde auch im
Mercantour gemacht.
<DokWolf_Biologie.doc> / JML / 03.01.99
Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der
Ursprünglich war der Wolf das Säugetier mit der weitesten Verbreitung auf der Welt. Er bevölkerte die gesamte nördliche Halbkugel nördlich des 15. Breitengrades. Heutzutage ist seine Verbreitung vor allem in den vereinigten Staaten und in Europa als Folge rücksichtsloser Verfolgung dramatisch geschrumpft.
In den USA haben die Wölfe nur in Alaska und in Minnesota, an der Grenze zu Kanada überlebt.
Heute ist der Wolf in den ganzen USA geschützt, mit Ausnahme von Alaska, wo er vom 1.Oktober bis
zum 30. April gejagt wird. Die Wölfe besiedeln langsam wieder ihr angestammtes Gebiet in den USA.
Aus Kanada sind Wölfe in die Staaten Washington und Montana eingewandert, wo sie sich auch fortpflanzen. Aus Montana sind einige Wölfe nach Idaho migriert. Ein Wolf wurde sogar in Wyoming
südlich des Nationalpark Yellowstone getötet. Aus Kanada und Minnesota sind Wölfe nach Dakota
vorgestossen. Mehrere wurden geschossen. Im Yellowstone National Park wurde der Wolf wiederangesiedelt.
Die Fläche der Ex-Sovietunion beträgt 22 Millionen km2. Es ist sehr schwierig in einem solch riesigen
Gebiet genaueres über die Wolfpopulation zu wissen. Im Gesetz ist der Wolf nirgends erwähnt. Er
wird nicht einmal als Wild aufgeführt und ist daher nicht im Jagdgesetz erwähnt. Der Wolf kommt
heute noch in guter Dichte in den südlichen Provinzen Georgien, Aserbeidschan und Dagestan vor.
Das wichtigste Gebiet befindet sich sicher zwischen dem Kaspischen Meer und China, d.h. Turkmenistan, Uzbekistan, Tadschikistan und Kasakhstan. In Kasakhstan allein leben 85-90‘000 Wölfe.
Von den 12 Grossraubtierarten (> 20 kg), die in China vorkommen, ist der Wolf der einzige, der auf
der Liste der geschützten Arten fehlt. Er ist jedoch in einzelnen Provinzen geschützt (Beijing, Liaonin, Helongjiang, Shandong, Yuann und Ninxia). Der Wolf wird wegen seines Fells, zur Verwendung
in der Medizin und bei Übergriffen auf Haustiere gejagt.
In Indien sind die beiden Unterarten (Canis lupus pallipes und Canis lupus lupus) im Gesetz als bedrohte Arten aufgeführt. Der Wolf ist dort seit 1972 geschützt. Canis lupus pallipes besiedelt eher das
Flachland, während Canis lupus lupus in den Bergen des Himalaja vorkommt.
Die Tierwelt des Nahen und Mittleren Osten hat stark unter dem Auftauchen der motorisierten Fahrzeuge, der Feuerwaffen und der Lebensraumzerstörung im 20. Jahrhundert gelitten. Die meisten
Raubtiere sind heute verschwunden oder bedroht. In Saudiarabien sind von 17 Arten 2 ausgestorben
und 8 weitere stark bedroht. Der Wolf kommt noch in Saudiarabien, Kuwait, Irak, Jordanien, Syrien,
Libanon und Israel vor. In einigen Gegenden des Mittleren Osten greift der Wolf auch Haustiere an,
und die Halter versuchen, den Wolf zum Schutz ihrer Herden zu eliminieren.
Während der Wolf im Osten und Süden Europas (Oststaaten, Griechenland, Balkan, Karpaten, Italien,
Iberische Halbinsel) überlebt hat, wurde er in Westeuropa und selbst in Skandinavien ausgerottet. In
Skandinavien leben heute wieder ungefähr 40 Wölfe, in Finnland rund 100, während auf der Iberischen Halbinsel 1‘500-2‘000 und in Italien je nach Quelle 500-1‘000 Tiere vorkommen. Die grösste
europäische Population befindet sich in Rumänien. Sie umfasst ungefähr 2‘500 Wölfe.
Seit rund 20 Jahren beobachten wir eine Zunahme und eine Ausbreitung des Wolfes in Europa. Die
Abwanderung der Menschen in die Städte, die Zunahme der wildlebenden Beutetiere, eine Änderung
der Einstellung gegenüber dem Wolf, vermehrtes Wissen über die Biologie des Wolfes sowie der bessere Schutz erklären die natürliche Rückkehr dieser Tierart.
<DokWolf_Verbreitung.doc> / JML / 03.01.99
Aktuelle Verbreitung des Wolfs in Europa
Geschichte des Wolfs in der Schweiz
Überall in Europa war der wichtigste Grund für die Ausrottung des Wolfs nicht die bekannten
Schauermärchen, sondern der reelle Konflikt mit der Nutztierhaltung. Als Folge der unkontrollierten Jagd und der massiven Entwaldung waren im ausgehenden 19. Jahrhundert die
Schalenwildbestände zerstört oder drastisch reduziert. Die grossen Raubtiere, namentlich
Luchs und Wolf, hatten keine natürlichen Beutetiere mehr zur Verfügung und mussten sich an
die Haustiere halten. Die Viehzüchter und die Jäger – die um das zurückkehrende Schalenwild
fürchteten – verlangten von den Regierungen die Kontrolle, sprich Ausrottung der Wölfe. Dieses Szenario hat sich in ganz Europa wiederholt.
Im späten Mittelalter und in der Renaissance bestand die Bevölkerung der Schweiz zu 90% aus Bauern. Diese Leute waren häufig arm und besassen nur ganz wenige Nutztiere. Wetter, Missernten,
Frondienst und die Last der Zehnten machten aus ihrem Leben oft einen Kampf ums Überleben. Unter
solchen Bedingungen konnte der Verlust einer Kuh, einer Ziege oder eines Schafes durch ein Raubtier
eine wahre Katastrophe für den Besitzer sein. Der Übergriff eines Wolfs galt nicht selten als himmlische Strafe. So kam der Wolf auch im übertragenen Sinn zu seinem schlechten Ruf. Alles Übel – tyrannische Herrscher, Hunger, Krankheiten – wurde mit dem Wolf in Verbindung gebracht. Der Werwolf-Mythos zum Beispiel hat vermutlich seinen Ursprung in der Übertragung von Tollwut durch
Mit dem Schwinden der Wälder und der natürlichen Beutetiere und der Zunahme der Nutztiere im
Laufe des 16. Jahrhunderts verschärfte sich der Konflikt mit den Wölfen. Seit dem 17. Jahrhundert
waren die meisten Kantone in den Schweizer Alpen eine Zone mit ausgeprägter Viehzucht. Die grossen Märkte – zum Beispiel in Norditalien – wurden mit Fleisch und zunehmend auch mit Hartkäse
aus den Alpen beliefert. Die Nutzung der Alpen erreichte im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt. In dieser Zeit waren viele Bergwälder durch Waldweide und rücksichtslose Ausbeutung der Holzvorräte
zerstört. Damit war auch der Lebensraum der Wildtiere vernichtet. Die ungeregelte Jagd trug das ihre
zum Verschwinden der Schalenwildbestände bei. Mitte des 19. Jahrhunderts waren Steinbock und
Hirsch in der Schweiz ausgerottet, das Reh sehr selten geworden. Das Fehlen der natürlichen Beutetiere zwang die Wölfe, sich von Haustieren zu ernähren, was ihre Verfolgung förderte und erleichterte. In vielen Regionen hatte jedermann das Recht, oft sogar die Pflicht, Wölfe zu erlegen. Abschussprämien und Schussgelder – die in dieser Zeit für viele ein halbes Vermögen bedeuteten – erhöhten
die Attraktivität der Wolfsjagd. Die Mittel zur Bekämpfung der Raubtiere verbesserten sich, vor allem
die Schusswaffen. Ab 1807 kamen Gewehre auf, die auch bei Regenwetter funktionierten und auch
auf Entfernungen von 100 Meter zielgenau trafen. Treibjagden wurden mit solchen Waffen wesentlich erfolgreicher. Schliesslich besiegelte die Entwicklung von zuverlässigen Schlagfallen und das
Aufkommen des Strychnins im 19. Jahrhundert das Schicksal des Wolfs.
Im 16. Jahrhundert war der Wolf noch in der ganzen Schweiz anzutreffen. Mitte des 17. Jahrhunderts
war er in der Ostschweiz, in den Nordalpen und im westlichen Mittelland bereits sehr selten. Er verschwand aus dem Kanton Zürich um 1684, aus Appenzell um 1695 und aus Schaffhausen um 1712.
Die letzten Nachweise in der Zentralschweiz erfolgten 1707 in Zug, 1731 in Schwyz, 1753 in Uri und
1793 in Glarus. Im Jura, im Tessin und im Wallis waren die Wölfe zu dieser Zeit noch recht zahlreich.
Im Engadin wurde der letzte Wolf 1821 erlegt. Im 19. Jahrhundert beschleunigte sich der Niedergang
der Wölfe. In den Archiven vieler Gemeinden im Jura finden sich nun Zahlungen von Abschussprämien für Wölfe ausgewiesen. In der Gemeinde Abbaye (Kanton Waadt) etwa wurden zwischen 1762
und 1842 mindestens 80 Wölfe erlegt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schliesslich verschwand der Wolf auch aus seinen letzen Rückzugsgebieten: 1870 aus dem Wallis, 1872 aus dem
Tessin und 1874 aus Solothurn. Im äussersten Norden des Jura, in der Ajoie, wurden Wölfe noch bis
1890 beobachtet.
Geschichte des Wolfs
Obwohl als Population ausgerottet, tauchten im 20. Jahrhundert immer wieder vereinzelte Wölfe auf.
1908 wurde ein Wolf im Tessin getötet, 1914 zwei Wölfe in Lignerolle (Jura VD) beobachtet. Am 27.
November 1947 wurde der berühmte Wolf von Eischoll (VS) – ein Männchen – erlegt, am 9. September 1954 ein Weibchen auf einer Alp bei Poschiavo (GR). Ein Wolf fiel 1971 im Tessin, ein ausgewachsenes Männchen am 13. Dezember 1978 auf der Lenzerheide und schliesslich am 15. Mai 1990
ein weiteres adultes Männchen in Hägendorf (SO). Die Herkunft dieser Tiere ist unbekannt. In jüngster Zeit nun tauchten wieder Wölfe im Wallis auf. 1995 und 1996 töteten ein oder zwei Wölfe viele
Schafe in den Tälern Ferrets und d‘Entremont, und im November 1998 wurde ein geschossener Wolf
bei Reckingen gefunden. Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Tiere identisch waren
mit den Wölfen der italienischen Population, die vor zehn Jahren begann, in den westlichen Alpenraum vorzustossen. Seit den besagten Angriffen wurde die Anwesenheit des Wolfes häufiger festgestellt (siehe „Die natürliche Rückkehr des Wolfes“).
<DokWolf_Geschichte.doc> / JML / 20.12.98
Die natürliche Rückkehr des Wolfes
Von Juli 1995 bis Mai 1996 sind 117 Schafe und 2 Ziegen von einem oder mehreren Wölfen in
der Region des Grossen St. Bernhard getötet worden. Zur gleichen Zeit konnten Wölfe im Valée
de Suse, Sestrière (Frankreich) beobachtet und im folgenden Winter gefilmt werden. In der
Haute-Maurienne (Frèjus) ist die Anwesenheit des Wolfes seit Herbst 1997 bestätigt. Neun Monate später taucht er auch im Gebirge von Beldonne und l‘Osien (Grenoble) auf. Im Sommer
1998 wurde eine Wolf in der Gemeinde von Val d‘Isère fotografiert. Die genetischen Analysen
von zwei im Gebiet des Grossen St. Bernhard gefunden Koten und des in der Nähe von Reckingen geschossen Wolfes haben die italienische Herkunft dieser Tiere bestätigt.
Aus Italien ist der Wolf nie verschwunden. Die Population war jedoch in den frühen 1970er Jahren in
einem kritischen Zustand. Nur noch gerade 100 Tiere konnten im ganzen Land ausgemacht werden.
Diese Anzahl war zu klein, um langfristig eine lebensfähige Population aufrechtzuerhalten. Da die
natürlichen Beutetiere zu Beginn des Jahrhunderts praktisch verschwunden waren, mussten sich die
Wölfe an Kehrrichtdeponien und Haustiere halten, was zu Konflikten mit den Menschen führte. Die
Unterschutzstellung des Wolfes 1976 führte auch zum Verbot der Giftanwendung. Ein Entschädigungssystem bei Haustierschäden wurde eingeführt und Informationskampagnen für die breite Öffentlichkeit durchgeführt. Die Huftierpopulationen konnten sich - vor allem in den Abruzzen - wieder erholen.
Entgegen vieler Behauptungen ist der Wolf auch aus Norditalien nie ganz verschwunden. Eine landesweite Bestandsaufnahme brachte die Anwesenheit von einzelnen Wölfen in der Gegend des Apennin
von Tosco-Emiliano und ein regelmässiges Vorkommen in der Emilia-Romagna (Florenz) ans Tageslicht. Zusätzlich hatten hier auch die Huftierpopulationen zugenommen, vor allem die Wildschweine.
1985 wurde das Vorkommen des Wolfes in der Gegend von Genua und Alessandria – ungefähr 130
km von der Schweizer Grenze - offiziell bestätigt. Das heisst, dass der Wolf seit 14 Jahren nur zwei
Autostunden von der Schweiz entfernt vorkommt. 1985 wurde ein Wolf östlich von Cúneo nahe der
Grenze Italien-Frankreich erlegt, im Frühjahr 1987 in den Alpes-Maritimes in der Gegend von
l‘Authion/ Vallée de la Roya am Rand des Nationalpark Mercantour. Von 1980 bis 1989 wurden
mindestens 49 Wölfe in der Gegend von Florenz, Bologna und Genau getötet.
Als die zwei ersten Wölfe am 5. November 1992 im Nationalpark Mercantour offiziell beobachtet
wurden, kam ein anderer Wolf im gleichen Monat in der Nähe von Grenoble um (Aspres-les-Corps).
Ein weiteres Tier italienischer Abstammung wurde im Dezember 1994 in den Vogesen geschossen.
Die Ausdehnung der Wälder, der Anstieg der Beutetierpopulationen, die Landflucht und die Unterschutzstellung haben der italienischen Wolfspopulation erlaubt wieder anzusteigen und neue Gebiete
im Piemont und in den Alpen zu besiedeln. Ein solcher Prozess geschieht auch in anderen Gegenden
Europas, wo die Grossraubtierpopulationen, in erster Linie Bär und Wolf, zunehmen.
Von 1985 bis 1992 hat sich die Ausbreitungsfront der Wolfspopulation (etablierte Tiere, keine umherziehenden) 190 km von Genua nach Osten (Mercantour) vorgeschoben, d.h. pro Jahr durchschnittlich
22,8 km. Wenn man diese durchschnittliche Geschwindigkeit auf die 190 km überträgt, die Mercantour von der Schweizer Grenze trennen, erstaunt es nicht weiter, dass der Wolf seit 1998 häufiger in
der Schweiz gesichtet wird. Im November 1998 wurde in Reckingen (VS) ein männliches Exemplar
tot aufgefunden. Einige Wochen später wurde auf der Simplonstrasse ein anderes Männchen von einem Schneepflug getötet. Anfangs Sommer 1999 beobachtete ein Jäger in der Gemeinde Hérémence
einen Wolf in Ruhestellung. Vor Ort eingesammelter Kot wies darauf hin, dass es sich um ein Tier
italienischen Ursprungs handelte. Aller Wahrscheinlichkeit nach siedelte sich das Tier im Val
d’Hérens an, wo es nach mehreren Angriffen auf die Schafherden im August 2000 abgeschossen wurde. Am gleichen Tag wurde ein anderer Wolf in Ginals (VS) offiziell abgeschossen. Dieser hatte grosse Schäden verursacht. Im Jahr 2001 tauchte der Wolf auch in den Kantonen Tessin und Graubünden
Chronologie des Auftauchens des Wolfes in Ligurien, im Piemont und in den westlichen Alpen. Fett gedruckt
sind die Tiere, die durch genetische Analysen bestätigt wurden. Ausnahmslos alle waren italienischer Herkunft.
Monti Falterona, Fumaiolo (La Spezia, Emilia-Romagna, I)
kleine Population
Wölfe häufig beobachtet
freigelassenes Tier?
Lenzerheide, Kt. Graubünden
geschossen (Herkunft unbekannt)
Allessandria (I)
keine Population (15 Tiere)
Grenzgebiet Italien-Frankreich
geschossen oder vergiftet
Gegend von San Rémo (Ligurien)
2 Wölfe (?)
geschossen (?)
Fontan (Alpes-Maritimes)
1990 (15. Mai)
Hägendorf, Kt. Solothurn
1992 (5. November)
von zwei Parkwärtern beobachtet
1992 (November)
Aspres-les-Corps (Isères)
geschossen (in 2 Jahren 180 Schafe getötet)
1993 (Juli)
Kadaver entdeckt (Lawine)
1994 (Dezember)
Val Ferret, Kanton Wallis
1995 (April)
1 Wölfin
1995 (2. September)
geschossen mit Schrot
Vals Ferret et Entremont, Kanton
≥ 1 Wolf
117 Schafe und 2 Ziegen getötet
1996 (5. Februar)
Val d‘Entremont, Kanton Wallis
1996 (17. September)
Orres (Hautes-Alpes)
geschossen (beobachtet mit einem Männchen)
1996 (September)
1 Wolf (?)
1997 (Winter)
Val de Susa (Salbertrand, Italien)
2 und 3 Wölfe gefilmt
1997 (Frühjahr)
1997 (Winter 1996/97) Mercantour (Alpes-Maritimes)
17-20 Wölfe
1997 (Oktober)
Haute-Maurienne (Savoie)
1997 (9. Oktober)
1997 (November)
Italienisches Tal im Anschluss an die 1 Wolf
Haute-Roya (Mercantour)
tot gefunden, Kopf abgeschnitten
1998 (Februar)
(1Wolf)
blutiges Erbrochenes, durch Rattengift hervorgerufen
Queyras (Hautes-Alpes)
≥ 2 Wölfe
mindestens 2 Tiere anwesend
Canjuers (Var)
1998 (21 November)
Goms, Kanton Wallis
1998 (Herbst)
Simplon, Kanton Wallis
Angriffe auf Schafherden
1999 (14. Januar)
Wolf/Wölfe
1999 (3. Juni)
Hérémence (Wallis)
direkte Beobacht. + Kot
2000 (25. August)
Val d’Hérens (Wallis)
offiziell abgeschossen
Ginals (Wallis)
2001 (10. Januar)
Monte Carasso (TI)
1(?) Wolf
tötet drei Ziegen + Kot
2001 (10. April)
Val Bregaglia (GR)
1 (?) Wolf
tötet einen Hirsch + Kot
Gesetzlicher Status des Wolfs in der Schweiz und in Europa
Der Wolf (Canis lupus) ist durch internationale Übereinkommen und durch nationale Gesetzgebungen in vielen Ländern geschützt. Damit ist dieses umstrittene Raubtier, das noch vor kurzer Zeit mit allen Mitteln und sanktioniert durch staatliche Abschussprämien verfolgt wurde,
zu einer der bestgeschützten Tierarten Europas geworden.
Konvention von Bern (Übereinkommen vom 19. September 1979 über die Erhaltung der europäischen
wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume; für die Schweiz in Kraft getreten am 1. Juni 1982). Der Wolf ist im Anhang II (streng geschützte Tierarten ) gelistet. Bulgarien, die
Tschechische Republik, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, die Slowakei, Spanien und die Türkei haben allerdings einen Vorbehalt angebracht, das heisst in diesen Ländern geniesst der Wolf den Schutz
der Berner Konvention nicht.
Convention on International Trade in Endangered Species of the Wild Fauna and Flora (CITES;
3.3.1973): Der Wolf ist in Anhang II (potentiell gefährdete Arten) gelistet. Für Bhutan, Pakistan, Indien und Nepal ist er in Anhang I (vom Aussterben bedrohte Arten) aufgeführt.
EU Habitat Direktiven: In den Ländern der Europäischen Union muss das Habitat des Wolfs erhalten
werden (Anhang II), und die Art geniesst strikten Schutz (Anhang IV).
Rechtlicher Status in der Schweiz
Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (Jagdgesetz, JSG): Im
Art. 5 (Jagdbare Arten und Schonzeiten) ist der Wolf nicht aufgeführt. Nach Art. 7 sind alle Tiere, die
nicht zu einer jagdbaren Art gehören geschützt.
Verordnung über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (Jagdverordnung,
JSV): Seit dem 1. August 1996 sind für den Wolf und eine Reihe weiterer Arten besondere Bestimmungen in Kraft: Der Bund beteiligt sich zu 30-50% an der Vergütung von Schäden, die durch den
Wolf an Haustierbeständen angerichtet werden (Art. 101), falls der Kanton den Rest übernimmt (Art.
103). Das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) kann das Schiessen eines Wolfes
erlauben, falls dieser untragbare Schäden anrichtet (Art. 104). Das BUWAL erstellt Konzepte für die
in §1 gelisteten Arten. Dieser “Managementplan” regelt den Schutz, den Abschuss oder Fang eines
Wolfs, die Beurteilung von Schäden und die Anwendung und Vergütung präventiver Massnahmen
(Art. 105).
Die entsprechenden kantonalen Gesetze und Verordnungen sind dem JSG und der JSV untergeordnet.
Im Jahr 1996 berief das BUWAL die Arbeitsgruppe Grossraubtiere, in der folgende Institutionen Einsitz haben: BUWAL, Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), Jagdverwaltungen der Kantone Graubünden und Wallis, Schweiz. Schafzuchtverband, Schweiz. Jagdschutzverband, WWF Schweiz oder
Pro Natura, Schweiz. Gesellschaft für Wildtierforschung (SGW), je ein Experte aus Frankreich, Italien und der Schweiz. Diese Arbeitsgruppe war an der Ausarbeitung des von der JSV geforderten Managementplans (Konzept Wolf Schweiz) beteiligt.
Das Konzept Wolf Schweiz legt die Rahmenbedingungen fest, die eine Abschwächung der Konflikte
bewirken sollen, welche die Anwesenheit des Wolfs vor allem gegenüber der Viehzucht erzeugt.
Langfristig soll die Umsetzung des Konzepts eine Koexistenz von Mensch und Wolf ermöglichen.
<DokWolf_Legaler_Status.doc> / UB / 02.01.99
Ist der Wolf für Menschen gefährlich?
In der Nähe von Brig sind im Dezember 1998 etliche Schafe getötet worden. Als Täter wird ein
Wolf vermutet. Das Auftauchen eines grossen Raubtiers in der unmittelbaren Umgebung von
Brig hat Verunsicherung ausgelöst. Viele Menschen haben Angst vor dem Wolf, der in der
Überlieferung nicht nur als Geissel für Wild- und Haustier, sondern auch als ein Menschenfresser dargestellt wird. Aus heutiger Sicht wird jedoch deutlich, dass der Wolf für Menschen keine
Gefahr darstellt.
Der Wolf war während mehr als hundert Jahren in der Schweiz ausgerottet. In den zentralen Abruzzen
Italiens aber hat dieses grosse Raubtier überlebt, unmittelbar vor den Toren Roms. Seit zwei Jahrzehnten erholt sich der italienische Wolfsbestand und breitet sich aus. Im Kanton Wallis sind 1995 die
ersten Wölfe aufgetaucht, die unser Land über die italienischen und französischen Alpen erreichten.
Für unbewachte Schafe stellt der Wolf eine Gefahr dar, wie die jüngsten Ereignisse im Wallis zeigen.
Ein Wolf kann in einer Nacht in einer Schafherde mehrere Schafe töten, mehr als er tatsächlich zu
fressen vermag. Aber ist dieses grosse hundeähnliche Raubtier auch für Menschen eine Gefahr?
Nicht nur in Märchen, sondern auch in historischen Berichten wird der Wolf als ein notorischer Menschenfresser dargestellt. Das steht in so krassem Gegensatz zu den Erfahrungen aus der Neuzeit, dass
man an der Wahrheit dieser Überlieferungen zweifeln kann. Die Berichte aus dem Mittelalter und bis
in die Renaissance sind jedoch so zahlreich, dass sie kaum alle erfunden sein können. Man nimmt an,
dass menschenfressende Wölfe im Zusammenhang mit Kriegen oder Seuchen – zum Beispiel der Pest
– vorgekommen sind, wenn den aasfressenden Tieren unzählige menschliche Leichen zur Verfügung
standen. Ob diese an Menschenfleisch gewöhnten Wölfe auch selbst Menschen getötet haben, lässt
sich heute nicht mehr beurteilen.
Ganz anders sind die Erfahrungen im 20. Jahrhundert. Die meisten zeitgenössischen Berichte über
Angriffe von Wölfen auf Menschen kommen aus Indien und Zentralasien. In Europa und in Nordamerika jedoch sind kaum Verletzungen von Menschen durch Wölfe bekannt. Ein einziger Fall – ein Angriff auf zwei Kinder in Spanien – ist dabei tödlich ausgegangen, wobei nie mit Sicherheit geklärt
wurde, ob der Angreifer ein Hund oder ein Wolf war. Tödliche Verletzungen von Menschen durch
Hunde kommen immer wieder vor, und trotzdem halten wir Hunde nicht für eine untolerierbare Gefahr. Bei den Angriffen durch Wölfe handelte es sich fast immer um tollwütige1 oder in die Enge getriebene Tiere. In Kanada, wo über 60‘000 Wölfe leben, ist kein einziger Fall bekannt, bei dem ein
gesunder Wolf spontan einen Menschen angegriffen hätte. In Italien ist der Wolfsexperte Luigi Boitani sämtlichen Gerüchten über Wolfsangriffe nachgegangen. In 20 Jahren hat er keinen Beweis gefunden, dass ein Wolf einen Menschen verletzt hätte. In Italien, wo sich die Wölfe seit Jahrtausenden in
einer Kulturlandschaft behaupten, haben die Raubtiere gelernt, fast unsichtbar in nächster Nähe zum
Menschen zu leben und ihnen geschickt auszuweichen.
Dass die in die Schweiz einwandernden Wölfe in der Nähe von Siedlungen auftauchen ist nicht erstaunlich. Diese Tiere kommen nicht aus einer unbewohnten Gegend, sondern aus Italien oder Frankreich, von wo sie mit dem Menschen und seinen Einrichtungen vertraut sind. Bei Begegnungen auf
kurze Distanz darf man davon ausgehen, dass ein wilder Wolf selbst vor Kindern flüchtet. Trotzdem
muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass jedes Wildtier, wenn in die Enge getrieben oder verwundet, sich zur Wehr setzt und einen Menschen verletzen kann. Deshalb: Wer einen Wolf sieht,
sollte sich ruhig verhalten und das Tier beobachten, aber nicht versuchen, sich anzunähern.
<DokWolf_Mensch.doc> / UB, JML / 20.12.98
Die Schweiz und der gesamte westliche Teil der Alpen sind heute tollwutfrei.
Massnahmen zur Prävention von Wolfsschäden
Die Nutztierhaltung hat dem Menschen erlaubt, eine grosse Zahl von Tieren auf kleinstem
Raum zu konzentrieren; durch die Domestizierung hat allerdings auch Verwundbarkeit der
Zuchttiere gegenüber den Raubtieren erhöht. Deshalb hat der Viehzüchter im Laufe der Jahrtausende Massnahmen zum Schutz der Herden entwickeln müssen. Mit der Ausrottung des
Wolfs in zahlreichen Regionen Europas sind auch die traditionellen Schutzsysteme verschwunden. Mit der Rückkehr der grossen Raubtiere wird es nun notwendig, solche Traditionen wieder aufzunehmen und sie den lokalen Bedürfnissen anzupassen.
Um die Herden gegen die Angriffe der grossen Raubtiere zu schützen, hielten die Hirten grosse Hunde zur Verteidigung ihre Tiere. Diese Hunde lebten ständig unter den Schafen und konnten einem
Wolf oder gar einem Bären standhalten. Meistens rüsteten die Hirten ihre Hunde mit Stachelhalsbändern aus, die sie in einem möglichen Kampf mit einem Grossraubtier vor Halsbissen schützten. Die
ersten solchen Hunderassen sollen aus Asien stammen und schon vor über 5000 Jahren eingesetzt
worden sein. Europa erreichten sie vermutlich zusammen mit nomadisierenden Schafzüchtern aus der
Kaukasus-Region oder über die Seidenstrasse. Gegenwärtig sind aus Eurasien über 30 solcher Herdenschutzhunderassen bekannt. In Europa allerdings sind mit dem Verschwinden der Wölfe auch die
Hunde in Vergessenheit geraten.
Angesichts der vielen Schäden, die streunende Hunde in den Schafherden Frankreichs verursachten,
hatte R. Schmitt die Idee, den Montagne des Pyrénées – den traditionellen Herdenschutzhund der Pyrenäen – wieder einzusetzen. 1985 startete er zusammen mit der Vereinigung der Schafzüchter in Südfrankreich das Programm „Herdenschutzhund“. Das Programm bewies, dass der Montagne des Pyrénées effizient wildernde Hunde abwehren konnte. Seit 1994 wird diese Hunderasse nun auch im
Mercantour zum Schutz der Herden gegen die wiedereingewanderten Wölfe verwendet. Richtig eingesetzt, vermag der Montagne des Pyrénées die Verluste durch Wölfe wesentlich zu senken. In benachbarten Herden ohne Hunde hingegen sind die Verluste auch heute noch hoch. In Italien sind es
die Abruzzen- und Maremma-Hunde, welche die Schäfer beim Schutz der Herden unterstützen, nicht
nur gegen die Wölfe, sondern auch gegen die geschätzten 80‘000 streunenden Hunde Italiens. Herdenschutzhunde werden auch in Europa wieder mehr und mehr verwendet – in Portugal, Norwegen,
Frankreich, der Slowakei, Bulgarien usw. –, um Schafe vor wildernden Hunden und den vielerorts
wiederkehrenden Grossraubtiere zu schützen.
Ein junger Hund muss im Alter von wenigen Wochen bei den Schafen platziert werden und ständig
unter ihnen bleiben, damit er sich mit den Schafen assoziiert. Am besten geschieht das, indem der
Welpe unter Schafen zur Welt kommt und möglichst wenig Kontakt zu den Menschen hat. So lernt er
die Schafe als seinesgleichen kennen und wird sie später gegen seine wirklichen Artgenossen – Hund
und Wolf – verteidigen, ohne selbst je Schafe anzugreifen. Im Gegensatz zum Schäferhund, dessen
Scheinangriffe auf Schafe zum Zusammentreiben der Herde ausgenutzt wird, zeigt der Herdenschutzhund kein Predationsverhalten und behält viele Verhaltenselemente des Junghundes gegenüber den
Schafen auch als ausgewachsenes Tier.
Um seine volle Wirkung zu entfalten, muss der Herdenschutzhund drei Grundelemente des Verhaltens
gegenüber den Schafen zeigen: Aufmerksamkeit, Loyalität und Verteidigung. Das heisst, er muss von
sich aus ständig bei den Schafen bleiben (Aufmerksamkeit), ohne sie in ihrer Aktivität zu stören
(Loyalität), und muss auf jedes Ereignis reagieren, das nicht dem Normalfall entspricht (Verteidigung). Die Schafe ihrerseits suchen die Nähe der Hunde; die Herde ist bei ihrer Anwesenheit ruhiger.
Um den Herdenschutzhunden ihre Aufgabe in der Nacht zu erleichtern, muss allerdings die Herde am
Abend zusammengetrieben werden. Normalerweise ist es möglich, Herdenschutzhunde und Schäferhunde aneinander zu gewöhnen.
Massnahmen zur Prävention
Hier stellt sich das Hauptproblem beim Einsatz von Herdenschutzhunden in der Schweiz. Normalerweise werden die Schafe ohne Überwachung auf den Alpweiden gesömmert und lediglich ein- oder
zweimal pro Woche besucht. Das abendliche Zusammentreiben ist ohne eine entsprechende Anpassung der Schafhaltung nicht möglich. In Frankreich (Haute-Svoie), Spanien (Kantabrisches Gebirge)
und in Nordamerika ist die Erfahrung gemacht worden, dass die Hunde auch alleine mit der Herde
gelassen und durch einen Futterautomaten gefüttert werden können. Falls ein Hund korrekt mit den
Schafen sozialisiert wurde, verlässt er die Herde nicht.
Erfahrungen in Frankreich, Italien und Polen zeigten, dass die Herdenschutzhunde normalerweise
nicht aggressiv gegenüber Menschen sind. Allerdings kann es sein, dass ein Wanderer eine Herde mit
Hunden „überrascht“ oder dass er unbeirrt versucht, trotz der Drohgebärden der Hunde eine Herde zu
durchqueren. In zwei bekannten Fällen in Polen und in Südfrankreich wurden Wanderer ins Bein gebissen.
Herdenschutzhund können zwar einen effizienten, aber nicht einen hundertprozentigen Schutz gewähren. In Frankreich haben sich Herdenschutzhunde als wirksam gegen verwilderte Hunde erwiesen,
aber es ist noch zu früh, um entsprechende Schlüsse für ihren Schutz gegen den Wolf zu ziehen. Die
Schafhirten des Mercantours, die bereits Herdenschutzhunde einsetzten, bestätigen jedoch, dass sich
die Zahl der an die Wölfe verlorenen Schafe in Grenzen hält, im Gegensatz zu benachbarten Herden
ohne Hunde, die oft schwere Verluste erleiden. Gleiche Erfahrungen wurden auch in den USA gemacht.
Der Herdenschutzhund ist – je nach Rasse – erst mit ein bis zwei Jahren wirkungsvoll. Deshalb
müsste ein System mit Hunden bereits vor der Ankunft der Raubtiere etabliert werden. Bei einem oft
in Gruppen jagenden Predator wie dem Wolf müssen unbedingt mehrere Hunde in einer Herde plaziert werden. Die Anwesenheit von mindestens zwei Hunden bewirkt auch, dass sie sich gegenseitig
anstacheln.
Im Vergleich zu allen anderen möglichen Abwehrmassnahmen – andere Herdenschutztiere, (elektrische) Zäune, Flatterhäge, Licht- oder Tonquellen, abschreckende Mittel, Fallenfang, (vergiftete)
Halsbänder für die Schafe oder Gifteinsatz – bleiben Herdenschutzhunde eine der besten Möglichkeiten, Schafe vor Raubtieren zu schützen. Auch Esel können gute „Wachhunde“ sein, die den Hirten
durch ihr Schreien alarmieren können. Esel reagieren empfindlich auf jegliche Störung, hegen eine
Abneigung gegen alle Hundeartigen und verteidigen eine Herde sehr aggressiv gegen Eindringlinge.
Esel sind zum Beispiel in Nordamerika gegen Kojoten und in Namibia gegen Geparden eingesetzt
worden. Esel funktionieren recht gut bei kleinen, eingezäunten Herden, die sie ohne weiteres überblicken können. Ihr Einsatz auf den Alpweiden ist jedoch nicht überzeugend.
Die Schafhaltung in der Schweiz ist nicht mehr an die Anwesenheit von grossen Raubtieren angepasst. Die traditionellen Methoden der Behirtung und Behütung, bewährt durch die Jahrhunderte, entsprechen nicht mehr unserer Zeit. Die Herausforderung der kommenden Jahre wird sein, alte Schutzmethoden anzupassen oder neue zu entwickeln, so dass sie in unsere sozio-ökonomische Realität passen. Ohne Zweifel wird es notwendig sein, in der Schafhaltung teilweise gravierende Anpassungen
vorzunehmen. Diese Aufgabe wird jedoch nur durch eine Zusammenarbeit mit den Schafzüchtern und
Hirten lösbar sein.
<DokWolf_Prävention.doc> / JML / 20.12.98
Das Wolfs-Quiz - Bayerwald Tierpark
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LA.2015-0505 II. Interpellationstext
guter Text - Jagdverband Senftenberg
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Pressemitteilung - Deutsche Sarkoidose
1928 Der Gutauer Josef Etzelstorfer übernimmt offiziell die Leitung
kommst du zu den beiden "tierischen"
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Seminar: Führungstraining mit Wölfen
Lao Tse: Tao Te King Nachdichtung von Wolf Peter Schnetz
Hallo liebe Wölfe, Pfadis und Pios Ich brauche dringend eure Hilfe
Uebungsdokument: Der Wolf
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