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Timestamp: 2018-10-17 19:09:09
Document Index: 17617314

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 10', '§ 14', '§ 16', '§ 3', '§ 14', '§ 16', '§ 14', '§ 14', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 14', '§ 3', '§ 3', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 14', '§ 3', '§ 10', '§ 12', '§ 14', '§ 12', '§ 14', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15']

TRBS 1201-2 - Prüfungen bei Gefährdungen durch Dampf und Druck
Prüfungen bei Gefährdungen durch Dampf und Druck
TRBS 1201 Teil 2
(GMBl. Nr. 46 vom 26. August 2014, S. 950)
Die Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) geben den Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse für die Bereitstellung und Benutzung von Arbeitsmitteln sowie für den Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen wieder.
Diese TRBS konkretisiert im Rahmen des Anwendungsbereichs die Anforderungen der Betriebssicherheitsverordnung. Bei Einhaltung der Technischen Regel kann der Arbeitgeber insoweit davon ausgehen, dass die entsprechenden Anforderungen der Verordnungen erfüllt sind. Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung, muss er damit mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen.
Diese Technische Regel gilt für die Ermittlung und Durchführung von Prüfungen bei Gefährdungen durch Dampf und Druck und beschreibt beispielhaft
Prüfungen auf Basis von § 3 und § 10 BetrSichV von Arbeitsmitteln und
Prüfungen von überwachungsbedürftigen Anlagen nach §§ 14, 15 und 17 BetrSichV.
Außerordentliche Prüfungen, die von der zuständigen Behörde nach § 16 BetrSichV angeordnet werden, sind in dieser Technischen Regel nicht behandelt.
Fußnote § 3
Fußnote §§ 14
Fußnote 15
Fußnote 17 BetrSichV
Fußnote § 16 BetrSichV
Hinweis: Die nachfolgenden Begriffe sind in der TRBS 2141, TRBS 2141 Teil 1 bzw. der TRBS 1201 bestimmt:
TRBS 2141:
bestimmungsgemäße Betriebsweise
Druckbehälteranlage
einfacher Druckbehälter
Prüfdruck (PP)
zulässige Betriebstemperatur (TB)
zulässige Temperatur (TS)
zulässiger Betriebsdruck (PB)
TRBS 2141 Teil 1:
Ausrüstungsteile mit Sicherheitsfunktion, Begrenzungseinrichtungen
TRBS 1201:
2.1 Anlagenteile von überwachungsbedürftigen Druckanlagen
Im Sinne der Definition „Druckanlage“ der TRBS 2141 kann sich der Arbeitgeber/Betreiber an folgenden Beispielen für Anlagenteile überwachungsbedürftiger Druckanlagen orientieren:
Druckbehälter, Dampf- und Heißwassererzeuger (z. B. Hochdruckteil, Zwischenüberhitzerteil), Rohrleitungen im Sinne der Druckgeräterichtlinie (sofern sie nicht unter Artikel 3 Abs. 3 der Richtlinie 97/23/EG fallen), einfache Druckbehälter nach Richtlinie 87/404/EWG (sofern das Druckinhaltsprodukt mehr als 50 bar x Liter beträgt). Rohrleitungen sind nur überwachungsbedürftige Anlagenteile, sofern sie für entzündliche, leicht entzündliche, hoch entzündliche, ätzende, giftige oder sehr giftige Gase, Dämpfe oder Flüssigkeiten bestimmt sind.
Den o. g. Anlagenteilen sind ihre Ausrüstungsteile, wie z. B. Sicherheitsventile, Begrenzungseinrichtungen, Absperrarmaturen, zugeordnet.
2.2 Schutzabstände
Schutzabstände sind Abstände zwischen Druckanlagen und benachbarten Anlagen, Einrichtungen, Gebäuden oder öffentlichen Verkehrswegen, deren Zweck es ist, die Druckanlage vor einem Schadensereignis, wie
Erwärmung infolge Brandbelastung oder
2.3 Sicherheitsabstand
Der Sicherheitsabstand im Sinne dieser Technischen Regel ist der Abstand zwischen einer Anlage und einem Schutzobjekt außerhalb der Anlage, das vor den Auswirkungen eines bestimmbaren störungsbedingten Gasaustritts bei Abweichung vom bestimmungsgemäßen Betrieb geschützt werden soll.
Der Sicherheitsabstand ist der Abstand, außerhalb dessen
bei brennbaren Gasen eine Gefährdung durch Auftreten einer explosionsfähigen Atmosphäre ausgeschlossen werden kann. Dies ist gegeben, wenn die untere Explosionsgrenze (UEG) nicht überschritten wird.
bei sehr giftigen oder giftigen Gasen eine Gefährdung durch Auftreten einer gesundheitsgefährlichen Atmosphäre ausgeschlossen werden kann. Dies ist gegeben, wenn ein gasspezifischer Grenzwert (z. B. der Emergency Response Planning Guideline-2-Wert – ERPG-2-Wert) nicht überschritten wird.
2.4 Schutzobjekte
Schutzobjekte sind
betriebsfremde Anlagen, Gebäude und Einrichtungen außerhalb des Werksgeländes, in oder auf denen sich dauernd oder regelmäßig Menschen aufhalten, zu deren Schutz bei störungsbedingten Gasaustritten nicht ebensolche Vorsorgemaßnahmen getroffen sind, wie für die eigenen Mitarbeiter (z. B. Alarm- und Gefahrenabwehrpläne),
betriebsfremde Anlagen, Gebäude und Einrichtungen innerhalb des Werksgeländes, in oder auf denen sich dauernd oder regelmäßig und gleichzeitig eine größere Anzahl von betriebsfremden Menschen aufhalten, zu deren Schutz bei störungsbedingten Gasaustritten nicht ebensolche Vorsorgemaßnahmen getroffen sind, wie für die eigenen Mitarbeiter (z. B. Alarm- und Gefahrenabwehrpläne) und
öffentliche Verkehrswege, wobei in Abstimmung mit der zuständigen Behörde festgestellt werden kann, dass z. B. Verkehrswege mit geringer Nutzungsintensität keine Schutzobjekte dieser Technischen Regel sind.
Bei Flüssiggaslagerbehälteranlagen ist der Sicherheitsabstand von den vorgenannten Schutzobjekten zu den lösbaren Verbindungen der Anlage zu bemessen, in denen sich Flüssigphase befindet oder beim Befüll- oder Entleervorgang Flüssigphase befinden kann.
2.5 Prüfung vor Inbetriebnahme gemäß § 14 BetrSichV
Die Prüfung vor Inbetriebnahme ist eine Prüfung, bei der festgestellt wird, ob die überwachungsbedürftige Druckanlage sich für die bestimmungsgemäße Betriebsweise in ordnungsgemäßem Zustand befindet.
Fußnote § 14 BetrSichV
2.6 Äußere Prüfungen gemäß § 15 BetrSichV
Die äußere Prüfung umfasst die Beurteilung des äußeren Zustandes der Anlagenteile überwachungsbedürftiger Druckanlagen sowie eine Prüfung des Vorhandenseins, des Zustandes und der Funktion der sicherheitsrelevanten Ausrüstung.
Fußnote § 15 BetrSichV
2.7 Innere Prüfungen gemäß § 15 BetrSichV
Die innere Prüfung umfasst
die Prüfung der drucktragenden Wandung,
die Prüfung der sicherheitsrelevanten Ausrüstungen auf Vorhandensein, Zustand und Funktionsfähigkeit sowie
eine Überprüfung der Übereinstimmung der Aufstellung mit den Angaben der Prüfunterlagen.
2.8 Festigkeitsprüfungen gemäß § 15 BetrSichV
Festigkeitsprüfungen sind in der Regel statische Druckprüfungen zum Nachweis einer entsprechenden Sicherheit gegenüber dem zulässigen Betriebsdruck PB.
2.9 Prüfgegenstand
Prüfgegenstand sind Druckanlagen und deren Anlagenteile bei Gefährdungen durch Dampf und Druck.
Zur Festlegung des Sollzustandes ist für eine überwachungsbedürftige Druckanlage die bestimmungsgemäße Betriebsweise und für druckbeaufschlagte Arbeitsmittel die vorgesehene Benutzung zugrunde zu legen (siehe auch TRBS 1201 Nr. 3.2).
Für die Prüfung von überwachungsbedürftigen Druckanlagen ist in den §§ 14, 15 sowie 17 in Verbindung mit Anhang 5 BetrSichV geregelt, für welche Prüfungen eine befähigte Person und für welche Prüfungen die zugelassene Überwachungsstelle zu beauftragen ist. Die befähigten Personen müssen hierbei die in der TRBS 1203 genannten Qualifikationen erfüllen.
Fußnote § 3 Abs. 3 BetrSichV
Fußnote Anhang 5 BetrSichV
Fußnote § 3 Abs. 3
Fußnote § 10 der BetrSichV
Prüfung von druckbeaufschlagten Arbeitsmitteln, deren Sicherheit von den Montagebedingungen abhängt (§ 10 Abs. 1 Satz 1 BetrSichV). Beispiele hierfür sind:
Prüfung von druckbeaufschlagten Arbeitsmitteln, die Schäden verursachenden Einflüssen unterliegen, welche zu gefährlichen Situationen führen können (§ 10 Abs. 2 Satz 1 BetrSichV). Art, Umfang und Fristen der Prüfungen folgen aus der Gefährdungsbeurteilung. Beispiele hierfür sind:
Prüfung von druckbeaufschlagten Arbeitsmitteln, wenn außergewöhnliche Ereignisse stattgefunden haben, die schädigende Auswirkungen auf die Sicherheit der Arbeitsmittel haben können (§ 10 Abs. 2 Satz 2 BetrSichV). Beispiele hierfür sind:
Prüfung von druckbeaufschlagten Arbeitsmitteln nach Instandsetzungsarbeiten, welche die Sicherheit der Arbeitsmittel beeinträchtigen können (§ 10 Abs. 3 BetrSichV). Beispiele hierfür sind:
Fußnote (§ 10 Abs. 1 Satz 1 BetrSichV)
Fußnote (§ 10 Abs. 2 Satz 1 BetrSichV)
Fußnote (§ 10 Abs. 2 Satz 2 BetrSichV)
Fußnote (§ 10 Abs. 3 BetrSichV)
Für überwachungsbedürftige Druckanlagen und ihre Anlagenteile sind gemäß den §§ 14, 15 sowie 17 in Verbindung mit Anhang 5 BetrSichV die in den nachfolgenden Kapiteln beschriebenen Prüfungen durchzuführen.
Prüfung von Wasserstandsanzeigen bei Dampfkesselanlagen vor Ort an der Anlage und in der Messwarte durch eine unterwiesene Person (Prüfung nach § 3 Abs. 3 BetrSichV),
Funktionsprüfungen an Prozessleittechnik-Schutzeinrichtungen (PLT-Schutzeinrichtungen) gegen Druck- oder Temperaturüberschreitungen oder -unterschreitungen durch eine befähigte Person (Prüfung nach § 10 BetrSichV).
Prüfung, ob der Prüfgegenstand gemäß dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung/sicherheitstechnischen Bewertung eingesetzt und verwendet wird, z. B. Eignung des Druckgerätes für die vorgesehene Betriebsweise unter Berücksichtigung des im Rohrleitungs- und Instrumentierungsfließbild (R&I-Fließbild) dokumentierten Absicherungskonzeptes
Prüfung von sicherheitsrelevanten Ausrüstungsteilen (Begrenzungseinrichtungen) auf anwendungsgerechte Auswahl, richtigen Einbau, Bemessung, Einstellung, Anordnung und Funktion, sofern dies nicht bereits vom Hersteller der Anlage bescheinigt ist; Prozessleittechnik-Schutzeinrichtungen (PLT-Schutzeinrichtungen) bestehen aus Sensoren, Sicherheitslogik und Aktoren und sind in ihrer gesamten sicherheitsrelevanten Funktionskette zu betrachten (siehe Anhang)
Bei der Eigenherstellung von Druckanlagen bzw. Teilen davon durch den Arbeitgeber/Betreiber, werden neben der Montage und Installation auch die im Zuge der Herstellung erforderlichen Prüfungen durch eine zugelassene Überwachungsstelle/befähigte Person durchgeführt. Hierbei gilt hinsichtlich der Beschaffenheitsanforderungen der Anhang I der Richtlinie 97/23/EG (Druckgeräterichtlinie) als Stand der Technik. Die Übereinstimmung der Druckanlage bzw. deren Teile mit den grundlegenden Sicherheitsanforderungen der Richtlinie 97/23/EG (Druckgeräterichtlinie) wird im Rahmen einer Prüfung – entsprechend § 12 Abs. 2 Nr. 2 BetrSichV – festgestellt. Bei der Eigenherstellung sind z. B. die nachfolgenden Prüfungen erforderlich:
Fußnote § 14 Abs. 1 BetrSichV
Fußnote BetrSichV
Fußnote § 12 Abs. 2 Nr. 2 BetrSichV
Nach Austausch von Teilen oder Änderung der sicherheitsrelevanten Einstellwerte an der Begrenzungseinrichtung ist eine Funktionsprüfung durchzuführen. Beim Austausch von Teilen gegen andere Fabrikate oder Typen oder Änderungen der Funktionsweise (z. B. andere Messwerterfassung, andere Struktur der Logik oder andere Bauart der Wirkweise der Aktoren) sind zusätzlich die Eignung und Funktionssicherheit anhand der Dokumentation zu bewerten (siehe Anhang).
Nach einer Änderung der Bauart oder einer Instandsetzung eines Druckgerätes/einfachen Druckbehälters, wodurch die Sicherheit der Anlage beeinflusst wird, stellt die zugelassene Überwachungsstelle/befähigte Person fest, ob sich das Druckgerät/der einfache Druckbehälter nach der Änderung/Instandsetzung in einem für die vorgesehene Betriebsweise ordnungsgemäßen Zustand befindet. Im Vorfeld von Änderungen ist zu empfehlen, diese mit der zugelassenen Überwachungsstelle/befähigten Person abzusprechen. Die Sicherheit ist entsprechend dem bei der Auslegung und Herstellung angewandten Regelwerk zu gewährleisten.
Fußnote § 14 Abs. 2 BetrSichV
die Bauart oder die Betriebsweise seit der letzten Prüfung nach Aussage des Betreibers geändert (nicht nur sicherheitsrelevante Änderungen) worden ist,
die erforderlichen Unterlagen (z. B. Dokumentation über vorangegangene Prüfungen, angeordnete Prüfungen und besondere Prüfungen in der Verantwortung des Betreibers) vorhanden sind,
Prüfung der Funktion übergeordneter sicherheitsrelevanter Ausrüstungsteile, z. B. PLT-Schutzeinrichtungen (Begrenzungseinrichtungen) (siehe Anhang)
Fußnote §§ 15
Für Druckgeräte nach den Nummern 1 bis 4 der Tabelle in § 15 Abs. 5 Satz 1 der BetrSichV kann die äußere Prüfung entfallen, sofern diese Druckgeräte nicht elektrisch, abgas- oder feuerbeheizt sind. Ausnahmeregelungen hiervon sind in Anhang 5 der BetrSichV enthalten.
Sofern für die Betriebsdaten eine Datenerfassung und -verarbeitung vorliegt, die die betriebliche Beanspruchung abbildet und eine Bewertung ermöglicht, können Maßnahmen unter Berücksichtigung der Erschöpfung abgeleitet werden. Zur Ermittlung der Erschöpfung können die Erhebungen durch die befähigte Person bzw. die zugelassene Überwachungsstelle ausgewertet oder überprüft werden, so dass das Erreichen einer bestimmten Erschöpfung einzelner Bauteile rechtzeitig erkannt und demgemäß die erforderlichen Maßnahmen eingeleitet werden können.
Die Betriebsweise wird anhand der betrieblichen Aufzeichnungen über Speise- und Kesselwasser, Aufzeichnungen der betrieblicherseits nach Betriebsanweisung durchgeführten Inspektions- und Prüfungsarbeiten, z. B. bei nicht ständiger Beaufsichtigung, überprüft.
Es werden die im Anhang 5 BetrSichV beschriebenen Anforderungen sowie die aus der Gefährdungsbeurteilung/sicherheitstechnischen Bewertung abgeleiteten Maßnahmen berücksichtigt. So werden bei der zweijährigen äußeren Prüfung von Druckgeräten mit Schnellverschlüssen gemäß Anhang V Abs. 26 BetrSichV der Deckel und die Verschlusselemente auf Verschleiß geprüft. Ebenso wird die Funktionsfähigkeit der Vorentlüftung geprüft.
Fußnote § 15 Abs. 5 Satz 1 der BetrSichV
Fußnote Anhang 5 der BetrSichV
Fußnote Anhang V Abs. 26 BetrSichV
Ziel der inneren Prüfung ist die Feststellung des ordnungsgemäßen Zustandes der drucktragenden Wandungen für den Betrieb. Hierbei sollten sich Prüfumfang und Prüftiefe an möglichen Schädigungszenarien orientieren, wobei auch die Betriebsanleitung des Herstellers Hinweise liefern kann. Soweit erforderlich, wird die Übereinstimmung der Aufstellungsbedingungen mit den Angaben in den Prüfunterlagen festgestellt.
Besichtigen der drucktragenden Wandungen ggf. mit Hilfsmitteln wie z. B. Spiegel, Videoskop, Kamerasysteme.
Anwendung geeigneter zerstörungsfreier Prüfmethoden, sofern eine Schadensanfälligkeit bekannt ist oder eine Schadensvermutung besteht, z. B.:
Wasserdruckprüfung von Rohrbündelwärmetauschern als Ersatzprüfung im Raum um die Rohre, sofern eine Besichtigung nicht möglich ist.
Anwendung geeigneter gleichwertiger Verfahren, wie z. B. Monitoring- und Diagnoseverfahren sowie alle Prüfverfahren, die eine Beurteilung des sicherheitstechnischen Zustandes der Anlagenteile ermöglichen.
Prüfung der Funktionsfähigkeit von Sicherheitseinrichtungen durch eine Funktionsprüfung und Vergleich mit den Angaben über die zuletzt durchgeführte Prüfung. Prüfung der Einrichtungen im ausgebauten Zustand, wenn im eingebauten Zustand eine Prüfung nicht erfolgen kann. Die Funktion kann auch in geeigneter anderer Weise beurteilt werden, z. B. durch Einsichtnahme in die Protokolle der periodischen Prüfungen der Einrichtungen mit Sicherheitsfunktionen.
Sollen höhere Prüfdrücke als die nachfolgend genannten Prüfdrücke zur Anwendung kommen, ist sicherzustellen, dass die auftretende Belastung für die drucktragenden Wandungsteile 95 Prozent der Kaltstreckgrenze nicht überschreitet.
Umlaufkesseln (Wasserrohrkesseln)
PP = 1,3 x PB bei Landdampfkesseln und deren Anlageteilen.
PP = 1,2 x PB bei Landdampfkesseln, die nur aus nahtlosen oder geschweißten Trommeln, Sammlern und Rohren bestehen, und deren Anlageteilen.
Zwangdurchlaufkessel (Wasserrohrkessel)
PP = 1,1 x P'B bei Landdampfkesseln und deren Anlageteilen
Bei Durchlaufkesseln beträgt der Prüfdruck mindestens das 1,1fache des dem zulässigen Betriebsdruck bei der höchsten Dampfleistung entsprechenden Wassereintrittsdruckes (P'B). Ggf. werden die einzelnen Abschnitte des Durchlaufkessels mit einem Druck geprüft, der dem im Rahmen der Vorprüfung/Entwurfsprüfung ermittelten Prüfdruck der einzelnen Teile entspricht.
Großwasserraumkessel > 1 bar Dampfdruck bzw. > 120 °C Heißwassertemperatur:
Die Festigkeitsprüfungen werden mit einem Prüfdruck durchgeführt, bei welchem die zulässige Spannung für den inneren Überdruck bei keinem Bauteil überschritten und die zulässige Spannung bei innerem Überdruck oder der Wert für den äußeren Überdruck bei mindestens einem Bauteil näherungsweise erreicht wird.
In der Regel dürfen Prüfdrücke bei Altanlagen nicht höher sein als bei der erstmaligen Druckprüfung, es sei denn, es erfolgt eine Neuberechnung des zulässigen Prüfdruckes aufgrund der Gefährdungsbeurteilung/sicherheitstechnischen Bewertung unter Berücksichtigung des aktuellen Anlagenzustandes.
Die zulässige Spannung bei innerem Überdruck beträgt 95 % der Kaltstreckgrenze.
In der Regel sind bei einem Prüfdruck unter PP = 1,85 x PB ergänzende zerstörungsfreie Prüfungen an den hochbeanspruchten Stellen erforderlich.
Großwasserraumkessel ≤ 1 bar Dampfdruck bzw. ≤ 120 °C Heißwassertemperatur:
Für Kessel aus nicht zähen Werkstoffen sind individuelle Prüfdrücke festzulegen.
Bei Druckgeräten/einfachen Druckbehältern, die hinsichtlich Auslegung, Fertigung und Betrieb vergleichbar mit Druckgeräten sind, für welche Erfahrungen hinsichtlich der Prüffristen vorhanden sind, können die bisherigen Prüffristen als Orientierung dienen. Ist die Dokumentation hinsichtlich der Ermittlung der Prüffristen nicht ausreichend, um den oben genannten Vergleich durchzuführen, sollte die Prüffrist höchstens zwei Jahre, bei überhitzungsgefährdeten Druckgeräten höchstens ein Jahr betragen.
Zur Berücksichtigung zeitabhängiger Schädigungen der drucktragenden Wandungen siehe TRBS 2141 Teil 2.
Werden zur Ermittlung der Prüffrist zusätzlich zu der Dokumentation, die nach der Verordnung über das Inverkehrbringen von einfachen Druckbehältern (6. ProdSV) oder die nach der Druckgeräteverordnung (14. ProdSV) beim Inverkehrbringen erforderlich ist, weitere technische Unterlagen und Berichte für die Ermittlung der Prüffristen als sinnvoll erachtet, so wird der Umfang dieser Unterlagen im Beschaffungsprozess z. B. über eine Bestellspezifikation bzw. einen Kaufvertrag festgelegt.
Fußnote § 15 BetrSichV in den Absätzen 5 bis 9
Fußnote 12
Fußnote § 15 Abs. 17 BetrSichV
Fußnote § 15 Abs. 5 bis 9
Fußnote 12 BetrSichV
Fußnote (6. ProdSV)
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4 Durchführung der Prüfung
4.1 Vergleich und Bewertung
Gemäß TRBS 1201 Abschnitt 4.1 wird der ermittelte Istzustand durch Vergleich mit dem Sollzustand bewertet. Die Bewertung enthält eine Aussage darüber, ob und unter welchen Bedingungen die Druckanlage weiterhin sicher benutzt werden kann bzw. sich die überwachungsbedürftige Druckanlage in einem ordnungsgemäßen Zustand befindet.
Ist die Abweichung größer (positiv wie negativ) als erwartet oder häufen sich an vergleichbaren Druckanlagen festgestellte Mängel bzw. ergeben sich aus der Prüfung keine Mängel, ist dies ein Anlass zur Überprüfung der bislang festgelegten Prüffristen (Verlängerung, Verkürzung).
Das Prüfergebnis zeigt hinsichtlich Schädigung der Wandung keinen Befund, die vorgesehenen Betriebsparameter wurden nachweislich eingehalten. Bei Fortführung der Betriebsweise wird das bestehende Prüfintervall bestätigt.
An innenliegenden Rohren ist eine Abrasionsrate gemäß erwarteter Annahme eingetreten. Bei weiterhin gleichbleibenden Betriebsparametern führt die Abrasion bei dem vorgesehenen Prüfintervall nicht zu einer Unterschreitung der Soll-Wanddicke. Das bestehende Prüfintervall wird bestätigt.
An innenliegenden Rohren ist bei gleichbleibenden Betriebsparametern eine höhere Abrasionsrate eingetreten als erwartet, wodurch eine Unterschreitung der Soll-Wanddicke im kommenden Prüfintervall zu erwarten ist.
Das bestehende Prüfintervall wird verkürzt oder es werden andere Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit festgelegt.
4.2 Wiederkehrende Prüfungen von Rohrleitungen nach Prüfprogramm durch eine befähigte Person (§ 15 Abs. 11 BetrSichV)
Fußnote (§ 15 Abs. 11 BetrSichV)
Der Betreiber hat in einem Prüfprogramm schriftlich festzulegen, wie bei der wiederkehrenden Prüfung von Rohrleitungen, die von den Nummern 6 bis 9 der Tabelle in § 15 Abs. 5 BetrSichV erfasst sind, vorzugehen ist, damit die Prüfung durch eine befähigte Person durchgeführt werden kann.
Die Prüfung der Rohrleitungen durch eine befähigte Person ist in diesem Fall an folgende Voraussetzungen gebunden:
Der Betreiber muss verfügen über
hinreichende Erfahrungen mit dem Betrieb sowie der Prüfung und Instandhaltung von Rohrleitungen. Diese Bedingung ist in der Regel bei fünfjähriger einschlägiger Erfahrung als erfüllt anzusehen.
eine angemessene Anzahl befähigter Personen.
die erforderlichen Einrichtungen für zerstörungsfreie Prüfungen.
die erforderlichen Einrichtungen für werkstoff- und korrosionstechnische Untersuchungen.
eine geeignete Organisation, die sicherstellt, dass die Festlegungen des Prüfprogramms umgesetzt werden.
Die schriftlichen Festlegungen sind vom Betreiber verbindlich einzuführen. Die Inanspruchnahme externer Firmen für Prüfungen und Untersuchungen nach Nr. 3 und 4 ist zulässig. Für zerstörungsfreie Prüfungen ist zertifiziertes Prüfpersonal nach DIN EN ISO 9712 einzusetzen. Die in den schriftlichen Festlegungen enthaltenen Prüfaufgaben sind den externen Firmen verbindlich vorzugeben.
Voraussetzung für die Erstellung eines Prüfprogramms für die Prüfung einer Rohrleitung durch eine befähigte Person ist die Gefährdungsbeurteilung, aus der das Prüfprogramm entwickelt wird. Bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung für das Prüfprogramm sind insbesondere die TRBS 1201 Teil 2 und die TRBS 2141 Teil 1 bis 3 heranzuziehen. Der Betreiber darf nur solche befähigten Personen beauftragen, die mit der Gefährdungsbeurteilung und den sich daraus entwickelnden Besonderheiten der zu prüfenden Rohrleitung vertraut sind.
Für jede Rohrleitung ist grundsätzlich ein eigenständiges Prüfprogramm zu erstellen. Es können aber auch mehrere Rohrleitungen in einem Prüfprogramm zusammengefasst werden, wenn in der Gefährdungsbeurteilung vergleichbare schädigende Einflüsse ermittelt werden. Soll nach Ablauf der Prüffrist das Prüfprogramm erneut Anwendung finden, hat der Betreiber sich zu vergewissern, ob die Gefährdungsbeurteilung noch aktuell ist. Sofern die Gefährdungsbeurteilung überarbeitet wird, ist auch das Prüfprogramm entsprechend anzupassen. Nummer 4.2.3 findet in Bezug auf die Anpassung entsprechende Anwendung.
Fußnote § 15 Abs. 5 BetrSichV
4.2.2 Inhalt der schriftlichen Festlegungen
Die schriftlichen Festlegungen für die wiederkehrenden Prüfungen (Prüfprogramm) an überwachungsbedürftigen Rohrleitungen müssen mindestens Folgendes umfassen:
Die Darlegung, wie die Voraussetzungen nach Nummer 4.2.1 erfüllt werden
Die Auslegungsparameter der Rohrleitung (Druck, Temperatur, max. Betriebswerte)
Den Rohrleitungsverlauf in dem notwendigen Detaillierungsgrad einschl. der Beschreibung der drucktragenden Bauteile z. B. anhand von R&I-Fließschemata, um eine eindeutige Zuordnung zur Dokumentation zu gewährleisten
Die Beschreibung des Sollzustandes, nach Möglichkeit anhand messbarer Kriterien, z. B. erforderliche Wanddicke, Kalt- und Warmposition der Rohrleitungsunterstützungen, zulässiger Werkstoff-/Gefügezustand
Angaben zu Ort, Art und Umfang der Prüfaufgaben, z. B. visuelle Prüfungen ggf. mit Hilfsmitteln, zerstörungsfreie Prüfungen einschl. der festgelegten Messpunkte an den drucktragenden Bauteilen und Druckprüfungen
Angaben zu den im Vorfeld zu den Prüfungen durchzuführenden Vorbereitungen, wie Demontage von Wärmeschutzisolierungen, für die Prüfungen einzustellende Betriebsparameter
Die Bewertungskriterien für den Vergleich zwischen Soll- und Istzustand
Die Beschreibung der Vorgehensweise für die Aufzeichnung der Prüfergebnisse
Die Beschreibung der Vorgehensweise bei der Verfolgung der Abstellung von Mängeln
Die vorgesehene Prüffrist
In den schriftlichen Festlegungen ist weiterhin zu beschreiben, inwieweit sich die Bewertung auf Aussagen und Prüfungen Dritter abstützen kann.
4.2.3 Prüfung der Festlegungen
Die zugelassene Überwachungsstelle hat die schriftlichen Festlegungen darauf zu prüfen, ob bei ihrer Einhaltung die Anforderungen der BetrSichV sowie der Stand der Technik, insbesondere die für die Prüfung von Rohrleitungen relevanten Abschnitte der TRBS 1201 Teil 2 erfüllt werden. Unterlagen, auf die im Prüfprogramm verwiesen wird (z. B. Rohrleitungsisometrien oder R&I-Fließschemata), sind Bestandteil des Prüfprogramms.
4.2.4 Prüfung durch befähigte Personen
Mit der Durchführung von Prüfungen dürfen befähigte Personen nur beauftragt werden, welche die Qualifikation gemäß TRBS 1203 Nr. 3.2 besitzen. Die befähigte Person unterzieht die Rohrleitung auf Grundlage des Prüfprogramms einer wiederkehrenden äußeren und Festigkeits-Prüfung (ersatzweise auch zerstörungsfreie Prüfung) und dokumentiert, in welchem Zustand sich die Rohrleitung befindet.
4.2.5 Stichproben durch ZÜS
Die ZÜS hat die Stichproben auszuwählen, anhand derer sie die Einhaltung der schriftlichen Festlegungen (Prüfprogramm) prüft. Dabei sind die Stichproben so auszuwählen, dass die Prüfungen möglichst aller befähigten Personen erfasst werden. Stichprobenprüfungen können aus einer vollständigen Überprüfung einer repräsentativ ausgesuchten Rohrleitung bestehen. Im Einzelfall kann auch die Überprüfung einzelner Prüfaufgaben ausreichen. Die Stichprobe ist so durchzuführen, dass bescheinigt werden kann, dass die befähigte Person die schriftlichen Festlegungen eingehalten hat.
4.2.6 Dokumentation der ZÜS
Die ZÜS stellt über das Ergebnis der Prüfungen der schriftlichen Festlegungen nach 4.2.3 sowie über die stichprobenweisen Überprüfungen gemäß 4.2.5 Bescheinigungen aus.
4.3 Aufzeichnungen/Prüfbescheinigungen
Bezüglich der unterschiedlichen Aufzeichnungen siehe TRBS 1201 Nr. 4.2.
Prüfungen von PLT-Schutzeinrichtungen (Begrenzungseinrichtungen) gegen Überschreitungen der zulässigen Betriebsgrenzen von Druckanlagen
Eine beispielhafte Vorgehensweise zur Prüfung von PLT-Schutzeinrichtungen (gesamte sicherheitsrelevante Messkette bestehend aus Sensor, Logik und Aktor) ist im Diagramm in Abbildung A1 innerhalb des gesamten Lebenszyklus der Druckanlage dargestellt. Die einzelnen Prozessschritte werden nachfolgend im Text erläutert.
Abb. A1 Prozess für Bereitstellung und Betrieb einer PLT-Schutzeinrichtung
Zur Durchführung der einzelnen Prozessschritte sind qualitätssichernde Maßnahmen zu definieren und zu dokumentieren. Dieses kann beispielsweise nach DIN EN 61511-Reihe: 2005, DIN EN 50156-1:2005 erfolgen.
Mindestanforderungen sind dabei die Festlegung der Verantwortlichkeiten und die Dokumentation der Prozessschritte.
1. Sollzustand ermitteln
Der Sollzustand für die PLT-Schutzeinrichtungen wird im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermittelt. Die Prozessschritte A) bis C) gehören in den Umfang der Gefährdungsbeurteilung der Druckanlage nach TRBS 1111.
Bei der Gefährdungsbeurteilung für die Druckanlage ist zu ermitteln und festzulegen, welche Sicherheitseinrichtungen für den sicheren Betrieb der Druckanlage erforderlich sind. Maßnahmen zur Begegnung der ermittelten Gefährdungen können gemäß TRBS 2141 und deren Teile PLT-Schutzeinrichtungen sein. Für die PLT-Schutzeinrichtungen muss der Betreiber die sicherheitstechnischen Anforderungen gemäß TRBS 1111 Abschnitt 3 ermitteln.
Definition des Konzepts und des Umfangs der Anlage
Die Druckanlage wird in ihrem Umfang und der vorgesehenen Betriebsweise betrachtet. Dabei werden alle Phasen der Benutzung berücksichtigt, alle Wechselwirkungen mit der Umgebung ermittelt und vorhandene Schnittstellen mit anderen Anlagen beurteilt.
Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen (Sicherheitsbetrachtung der Anlage)
In diesem Schritt werden gemäß dem Stand der Technik die Gefährdungen für die Druckanlage ermittelt und bewertet. Dieses kann beispielsweise auf Basis einer „Gefährdungs- und Risikoanalyse“ nach DIN EN 61511-Reihe: 2005 erfolgen.
Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gemäß TRBS 1111 Abschnitt 3 werden die Schutzfunktionen und der sichere Zustand der Druckanlage bestimmt sowie die Anforderungen an die PLT-Schutzeinrichtung und deren Komponenten festgelegt. Dabei sind unter anderem die umgebungs- und betriebsbedingten Einflüsse auf die PLT-Schutzeinrichtung bei der Spezifikation zu berücksichtigen. Die festgelegten sicherheitstechnischen Anforderungen definieren den Sollzustand und müssen bei der Bestimmung der Prüffristen und -inhalte für die PLT-Schutzeinrichtungen beachtet werden.
Bei der Festlegung der Sicherheitsanforderungen können beispielsweise folgende Gesichtspunkte relevant sein:
Beschreibung aller für die erforderliche funktionale Sicherheit notwendigen sicherheitstechnischen Funktionen
Definition des sicheren Zustandes
Festlegung der Auslöser einer Anforderung sowie deren geschätzte Anforderungsrate (Eintrittswahrscheinlichkeit)
Intervall der Wiederholungsprüfung
Antwortzeiten des sicherheitsrelevanten Systems, um den Prozess in einen sicheren Zustand zu halten
Ermittlung der SIL (Safety Integrity Level nach DIN EN 61508:2010)
Signaleingänge und deren Grenzwerte
Signalausgänge und deren Wirkungsweise
Funktionaler Zusammenhang zwischen Signalein- und -ausgängen
Anforderungen zum Abfahren der Anlage im Handbetrieb
Anforderungen zum Zurücksetzen des sicherheitsrelevanten Systems
Anforderungen zur Inbetriebnahme
Alle Schnittstellen zwischen den sicherheitsrelevanten Systemen und zu anderen Systemen
Beschreibung der Betriebsarten der Anlage und eine Aufstellung der sicherheitstechnischen Funktionen, die zum Betreiben der Anlage in jeder dieser Betriebsarten benötigt werden
Sicherheitsanforderungen an die Anwendersoftware
Anforderungen für Überbrückungen
Berücksichtigung aller Umgebungsbedingungen und Produkteigenschaften
Berücksichtigung der Rücksetzfunktion
Mögliche Bedienungsfehler
Ex-Anforderungen
2. PLT-Schutzeinrichtung wird durch Hersteller in einer verwendungsfertigen Baugruppe auf dem Markt bereitgestellt
Wird die PLT-Schutzeinrichtung durch einen Hersteller als Bestandteil einer Baugruppe nach Druckgeräterichtlinie in Verkehr gebracht, unterliegt diese den Anforderungen des ProdSG.
Die sicherheitstechnischen Anforderungen an die PLT-Schutzeinrichtung als Ergebnis der Ermittlung und Bewertung der Gefährdungen nach Abschnitt 1 sind dem Hersteller mitzuteilen.
3. Prüfung vor Inbetriebnahme der PLT-Schutzeinrichtung bei der Eigenherstellung
Bei der Eigenherstellung der PLT-Schutzeinrichtung durch den Betreiber sind neben der ordnungsgemäßen Montage, Installation und sicheren Funktion auch folgende Prozessschritte zu prüfen:
Auf Basis der unter Abschnitt 1 ermittelten sicherheitstechnischen Anforderungen ist die PLT-Schutzeinrichtung zu planen und zu entwerfen. Es ist zu prüfen, ob der Entwurf (z. B. Funktionspläne, Redundanzen, Grenzwerte, Umgebungsbedingungen) diesen sicherheitstechnischen Anforderungen entspricht. Es wird davon ausgegangen, dass die einzelnen Komponenten der PLT-Schutzeinrichtung von den jeweiligen Herstellern schon sicherheitstechnisch auf die funktionale Sicherheit geprüft sind. Andernfalls sind die erforderlichen Nachweise zu erbringen.
Bei der Auswahl von Sensoren und Aktoren ist beispielsweise für die Erfüllung der zuverlässigen Funktion auf Folgendes zu achten:
Stellantriebe müssen bei max. möglichem Produktdruck funktionsfähig sein
Dimensionierung von Antrieben (z. B. Losbrechkräfte und strömungsdynamische Beanspruchung, z. B. beim schnellen Verzögern von Flüssigkeitsströmen, Stellkraftreserven, Schließzeiten)
Übereinstimmung mit der Spezifikation: PN, DN, Werkstoff
Sicherheitsstellung (Auf- und Zu-Stellung)
Dichtheitsprüfung (innere Dichtheit, Leckrate)
Vorgesehene Einbaulage und Prozessanschluss
Errichtung und Inbetriebnahme der PLT-Schutzeinrichtung
Es ist die sichere Funktion der PLT-Schutzeinrichtung nach Installation aber vor Inbetriebnahme der Druckanlage zu prüfen.
Die Überprüfung der sicheren Funktion bezieht sich auf die vollständige, sicherheitsrelevante Kette, bestehend aus Sensor (z. B. Druckaufnehmer), Signalverarbeitung (Logik) und Aktor (z. B. Ventil). Die Prüfung vor Inbetriebnahme der PLT-Schutzeinrichtung beinhaltet, ob diese nach Stand der Technik ausgeführt wurde. Dieses kann beispielsweise auf Basis der einschlägigen Normen für funktionale Sicherheit (DIN EN 61511-Reihe:2005, DIN EN 50156-1:2005) nachgewiesen werden.
Es ist zu prüfen, dass die ausgeführte PLT-Schutzeinrichtung dem Entwurf und den sicherheitstechnischen Anforderungen entspricht.
In der Dokumentation müssen die erforderlichen Angaben über Auslegung, Zusammenwirken verschiedener Einrichtungen sowie Aufbau und räumliche Anordnung enthalten sein. Je nach Umfang der Schutzeinrichtung können dies sein:
Fließschemata
Festlegung und Ergebnisprotokolle des Sicherheitsgespräches
PLT-Stellenblätter (Messlistenblätter)
Funktionsbeschreibung (Betriebsanleitung)
Logikpläne oder Funktionspläne
Verwendete Geräte und deren Sicherheitsanforderungen
Programme von sicherheitstechnischen Bauteilen
Datenblätter des Herstellers für Betriebsmittel
Sicherheitshandbuch oder Betriebsanleitung
Sind Prüfnachweise erforderlich, so sind diese Unterlagen in die Dokumentation zu integrieren. Je nach Prüfzuständigkeit ist durch eine zugelassene Überwachungsstelle oder durch eine befähigte Person beispielsweise Folgendes zu prüfen:
Anwendungsgerechte Auswahl (z. B. Eignung für das Medium und die Aufstellungsbedingungen)
richtiger Einbau (z. B. gemäß Vorgaben Gerätehersteller)
Bemessung (z. B. Reaktionszeiten)
Einstellung (z. B. Grenzwert, Sicherheitsstellung)
Signatur der Software
Anordnung und Funktion (z. B. Zugänglichkeit, verfahrenstechnisch richtige Anordnung)
4. Prüfung vor Inbetriebnahme der Druckanlage
Die ZÜS/BP prüft, ob eine Gefährdungsbeurteilung für die Druckanlage durchgeführt wurde und ob die für die PLT-Schutzeinrichtung ermittelten sicherheitstechnischen Anforderungen richtig sind und eingehalten werden (siehe TRBS 1201-2 3.4.2.1.1). Dazu ist der Schutz vor Überschreitung der zulässigen Betriebsgrenzen durch die PLT-Schutzeinrichtung zu bewerten. Bei Bereitstellung der PLT-Schutzeinrichtung durch einen Hersteller prüft die ZÜS/BP, ob die Eignung für die vorgesehene Betriebsweise und das rechtskonforme Inverkehrbringen dokumentiert sind. Die sichere Funktion braucht nur insoweit geprüft werden, wie sie von den unter Abschnitt 3 durchgeführten Prüfungen oder einem Konformitätsbewertungsverfahren des Herstellers nicht erfasst wurde.
5. Betrieb und wiederkehrende Prüfungen
Für die PLT-Schutzeinrichtung muss sichergestellt werden, dass sie während der gesamten Betriebsdauer der Druckanlage ihre vorgesehene Funktion erfüllt. Die Prüffristen und -inhalte werden dazu in der Gefährdungsbeurteilung ermittelt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ggf. Funktionen durch Diagnosesysteme kontinuierlich geprüft werden. Die Ergebnisse dieser Diagnosen können bei wiederkehrenden Prüfungen von Anlagenteilen oder der Druckanlage berücksichtigt werden. Die Prüfung erfolgt für die gesamte sicherheitsrelevante Kette (Sensor, Logik und Aktor) und kann nach Abstimmung mit der zugelassenen Überwachungsstelle/befähigten Person im Einzelfall auch in Teilschritten (Sensoren, Aktoren, etc.) erfolgen. Die Bewertung der vorstehenden Teilprüfungen und Diagnoseergebnisse muss den umfassenden Nachweis der sicheren Funktion der PLT-Schutzeinrichtung ergeben.
6. Änderung oder Austausch
Sind Änderungen oder der Austausch von Teilen der PLT-Schutzeinrichtung erforderlich, so sind folgende Fälle zu unterscheiden:
Es werden Komponenten der PLT-Schutzeinrichtung gegen identische Teile ausgetauscht.
Dieser Austausch ist vom Betreiber ordnungsgemäß durchzuführen, die Funktionsfähigkeit zu prüfen und zu dokumentieren. Der Nachweis der ordnungsgemäßen Durchführung ist ggf. Bestandteil der nächsten wiederkehrenden Prüfung. Ergibt sich mit dem Austausch das Erfordernis einer Änderung der Parametrierung dieses Teils, so ist im Einzelfall eine Abstimmung mit der ZÜS oder der befähigten Person erforderlich und ggf. eine Prüfung vor Inbetriebnahme nach Änderung durchzuführen.
Es werden Teile der PLT-Schutzeinrichtung durch nicht identische Teile ersetzt oder sicherheitsrelevante Änderungen in der Steuerung/Parametrierung vorgenommen. Es muss eine Prüfung vor Inbetriebnahme nach Änderung gemäß Abschnitt 3 und 4 je nach Prüfzuständigkeit durch eine zugelassene Überwachungsstelle oder eine befähigte Person durchgeführt werden.
Bei Änderungen der PLT-Schutzeinrichtung, die über 6A) und 6B) hinausgehen (z. B. Änderungen im Schutzkonzept), muss der Betreiber die sicherheitstechnischen Anforderungen nach Abschnitt 1 neu ermitteln.
VDI/VDE 2180-Reihe (2007 bis 2013)
Sicherung von Anlagen der Verfahrenstechnik mit Mitteln der Prozessleittechnik (PLT)
Fußnote TRBS 1111
Die gewünschte Publikation wurde am 26.03.2018 abgelöst. Die neuen Inhalte weichen deutlich von den alten Inhalten ab.
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Fußnote TRBS 1111 Abschnitt 3