Source: https://www.peterlang.com/view/9783653965681/xhtml/zusammen.xhtml
Timestamp: 2018-07-22 23:00:12
Document Index: 385948500

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'Art. 20', 'EuG', 'Art. 4', 'Art. 288', 'Art. 23']

Zusammenfassung : Die Unanwendbarkeit nationaler Rechtsvorschriften wegen Unionsrechtswidrigkeit
Zusammenfassung : Die ...
1. (1. Kapitel) Rechtsprechung und Verwaltung sind im Rahmen ihrer Möglichkeiten zum Schutz des Unionsrechts verpflichtet. Sie sind unionsrechtlich aus dem Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit (Art. 4 Abs. 3 EUV) und grundgesetzlich aus dem Rechtsstaatsprinzip Art. 20 Abs. 3 GG zur Überprüfung nationalen Rechts befugt und verpflichtet.
2. (2. Kapitel) Bevor eine Kollision zwischen nationalem Recht und Unionsrecht festgestellt werden kann, muss zum Schutze der mitgliedstaatlichen Souveränität versucht werden, das nationale Recht unionsrechtskonform auszulegen. Unter unionsrechtskonformer Auslegung ist dabei sowohl die primärrechtskonforme, als auch die sekundärrechtskonforme Auslegung zu verstehen. Letztere umfasst die wohl relevanteste Form – die richtlinienkonforme Auslegung. Auch wenn stets nur von „Auslegung“ gesprochen wird, so sind auch die Formen der Rechtsfortbildung mit umfasst, da der EuGH – wie sich aus seiner Grenzziehung („contra legem“) ergibt – ein weites Verständnis von Auslegung zugrunde legt.
3. Die Pflicht zur unionsrechtskonformen Auslegung kann aus Art. 4 Abs. 3 EUV (ggf. i.V.m. Art. 288 Abs. 3 AEUV) hergeleitet werden. Über den Rechtsanwendungsbefehl in Art. 23 Abs. 1 S. 1 GG erlangt dies im Geltungsbereich des Grundgesetzes Anerkennung. Die Pflicht trifft jeden Träger öffentlicher Gewalt und beginnt bei Richtlinien regelmäßig mit Ablauf der Umsetzungsfrist und bei sonstigen unionsrechtlichen Vorgaben im Regelfall mit deren Inkrafttreten.