Source: http://www.hensche.de/Diskriminierung_Abfindung_keine_Diskriminierung_wegen_geringerer_Abfindung_bei_Bezug_von_Erwerbsminderungsrente_BAG_1AZR34-10-u.html
Timestamp: 2020-07-10 05:54:35
Document Index: 35401307

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 102', '§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 77', '§ 77', '§ 1', '§ 1', '§ 75', '§ 75', '§ 1', '§ 75', '§ 3', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 43', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 3', 'Art. 2', 'Art. 141', 'Art. 5', 'EuG', 'Art. 267', '§ 112', '§ 112', '§ 112', '§ 3', '§ 1', '§ 75', 'Art. 3', '§ 1', 'EuG']

BAG, Urteil vom 07.06.2011, 1 AZR 34/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 07.06.2011, 1 AZR 34/10
Schlagworte: Sozialplan, Abfindung
Entscheidungsdatum: 07.06.2011
Leitsätze: Arbeitnehmer können von Sozialplanleistungen ausgenommen werden, wenn sie wegen des Bezugs einer befristeten vollen Erwerbsminderungsrente nicht beschäftigt sind und mit der Wiederherstellung ihrer Arbeitsfähigkeit auch nicht zu rechnen ist.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 26.03.2009, 5 Ca 5101/08
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 21.12.2009, 16 Sa 577/09
Nachgehend Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 25.03.2015, 1 BvR 2803/11
1 AZR 34/10
16 Sa 577/09
Verkündet am 7. Ju­ni 2011
Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,
Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,
hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 7. Ju­ni 2011 durch den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Linck als Vor­sit­zen­den, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt
Prof. Dr. Koch, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Spel­ge so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Münzer und Schus­ter für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 21. De­zem­ber 2009 - 16 Sa 577/09 - wird zurück­ge­wie­sen.
2. Der Kläger hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.
Der 1951 ge­bo­re­ne und mit ei­nem Grad von 50 be­hin­der­te Kläger war seit 1989 bei der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin­nen in D als Schich­t­e­lek­tri­ker beschäftigt. Er be­zog zu­letzt ein Brut­to­mo­nats­ge­halt in Höhe von 2.231,85 Eu­ro zuzüglich ei­ner Prämie und Schicht­zu­schlägen. Auf das Ar­beits­verhält­nis fand der Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Ar­beit­neh­mer der Pa­pier­in­dus­trie der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land An­wen­dung.
Der Kläger war auf­grund ei­nes We­ge­un­falls seit De­zem­ber 2001 un­un­ter­bro­chen ar­beits­unfähig er­krankt. Seit dem 1. April 2003 be­zog er ei­ne zunächst bis zum 30. Ju­ni 2007 be­fris­te­te ge­setz­li­che Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung, die im Ju­ni 2007 bis zum 30. Ju­ni 2009 verlängert wur­de. Seit dem 1. Ju­li 2009 ist der Ren­ten­be­zug un­be­fris­tet.
Die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten leg­te den Be­trieb in D auf­grund ei­nes Ge­sell­schaf­ter­be­schlus­ses vom Ok­to­ber 2006 zum 31. De­zem­ber 2007 vollständig still. Zu­vor hat­te sie mit dem bei ihr ge­bil­de­ten Be­triebs­rat am 13. März 2007 ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich und ei­nen So­zi­al­plan ver­ein­bart. Nach Nr. 1.1 die­ses So­zi­al­plans sind al­le Ar­beit­neh­mer an­spruchs­be­rech­tigt, die am 4. Ok­to­ber 2006 in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis stan­den und de­ren Ar­beits­verhält­nis durch ei­ne ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge be­triebs­be­ding­te
Kündi­gung, ei­ne Ei­genkündi­gung oder durch Auf­he­bungs­ver­trag en­det. Leis­tun­gen aus die­sem So­zi­al­plan er­hal­ten auch Beschäftig­te, de­ren Ar­beits­verhält­nis ruht. Als Bei­spie­le hierfür sind El­tern­zeit, Mut­ter­schutz, Wehr- und Zi­vil­dienst ge­nannt. Die Höhe der Ab­fin­dung rich­tet sich grundsätz­lich nach der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit und dem Le­bens­al­ter. Die Ge­burts­jahrgänge 1951 und 1952 er­hal­ten 67 % und die Ge­burts­jahrgänge 1950 und älter 70 % des letz­ten Net­to­ent­gelts mul­ti­pli­ziert mit der An­zahl der Mo­na­te vom Aus­tritt bis zum En­de des Mo­nats, in dem der Beschäftig­te das 63. Le­bens­jahr voll­endet. Der so er­mit­tel­te Net­to­be­trag ist ent­spre­chend den ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten auf ei­ne ein­ma­li­ge Brut­to­ab­fin­dung hoch­zu­rech­nen und wird mit der letz­ten Ab­rech­nung zur Aus­zah­lung ge­bracht.
Nach Ab­schluss des In­ter­es­sen­aus­gleichs und So­zi­al­plans be­en­de­te die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten die Ar­beits­verhält­nis­se der ins­ge­samt 358 Ar­beit­neh­mer durch be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen oder auf an­de­re Wei­se. Da­von aus­ge­nom­men wa­ren zunächst nur der Kläger und drei wei­te­re Ar­beit­neh­mer, die zum da­ma­li­gen Zeit­punkt eben­falls ei­ne be­fris­te­te Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung be­zo­gen.
Am 10. Ok­to­ber 2007 schlos­sen die Be­triebs­par­tei­en ei­ne „Be­triebs­ver­ein­ba­rung zur Ergänzung des So­zi­al­pla­nes“ vom 13. März 2007 (BV-Ergänzung). Dar­in ist be­stimmt:
Die Be­triebs­par­tei­en sind bei Ab­schluss des So­zi­al­pla­nes übe­rein­stim­mend da­von aus­ge­gan­gen, dass Mit­ar­bei­ter, die auf­grund des Be­zu­ges be­fris­te­ter vol­ler Er­werbs­min­de­rungs­ren­te zum Stich­tag 04.10.2006 nicht mehr beschäftigt sind und de­ren Wie­der­er­lan­gung der Ar­beitsfähig­keit nicht ab­seh­bar ist, Leis­tun­gen aus dem So­zi­al­plan nicht er­hal­ten sol­len.
Vor­sorg­lich und zur Ver­mei­dung von Streitfällen set­zen die Be­triebs­part­ner die­sen Wil­len mit der nach­fol­gen­den Ergänzung zum So­zi­al­plan noch­mals um:
§ 1 - Ergänzung der Aus­schluss­gründe zur An­spruchs­be­rech­ti­gung
Ziff. 1.2 des So­zi­al­pla­nes vom 13.03.2007 wird wie folgt ergänzt:
Nicht an­spruchs­be­rech­tigt sind des Wei­te­ren Ar­beit­neh­mer, die am 04.10.2006 un­ter Be­zug ei­ner be­fris­te­ten vol­len Er­werbs­min­de­rungs­ren­te nicht beschäftigt sind und
- die nach Ab­lauf der be­fris­te­ten Er­werbs­min­de­rungs­ren­te be­rech­tigt sind, die ge­setz­li­che Re­gel­al­ters­ren­te - auch vor­ge­zo­gen un­ter Hin­nah­me von Ab­schlägen - zu be­an­spru­chen;
- de­ren Ren­ten we­gen ver­min­der­ter Er­werbsfähig­keit un­be­fris­tet ge­leis­tet wer­den oder un­wahr­schein­lich ist, dass die Min­de­rung der Er­werbsfähig­keit be­ho­ben wer­den kann (§ 102 Abs. 2 Satz 5 SGB VI);
- bei de­nen aus an­de­ren Gründen da­mit zu rech­nen ist, dass die mit der Er­werbs­min­de­rung ein­her­ge­hen­de Ar­beits­unfähig­keit auf Dau­er fort­be­steht oder zu­min­dest in ab­seh­ba­rer Zeit nicht be­ho­ben wer­den kann und da­mit ei­nen Grund zur per­so­nen­be­ding­ten, da krank­heits­be­ding­ten, Kündi­gung gem. § 1 Abs. 2 KSchG vor­liegt. Die Be­triebs­par­tei­en ge­hen da­von aus, dass dies bei ei­ner die Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung be­glei­ten­den Ar­beits­unfähig­keit von mehr als drei Jah­ren oder ei­ner ent­spre­chen­den Be­wil­li­gung von vol­ler Er-werbs­min­de­rungs­ren­te für mehr als drei Jah­re ge­ge­ben sind.
§ 2 - Be­son­de­rer Härte­fonds
Zum Aus­gleich be­son­de­rer so­zia­ler Härten stellt S ei­nen Härte­fonds in Höhe von 40.000,-- € für die in § 1 be­nann­ten Mit­ar­bei­ter zur Verfügung. Mit die­sem Härte­fonds sol­len zusätz­li­che so­zia­le Härten der aus­schei­den­den Mit­ar­bei­ter ab­ge­mil­dert wer­den. ...“
Mit Schrei­ben vom 10. De­zem­ber 2007 kündig­te die Be­klag­te „auf­grund der Be­triebs­sch­ließung“ das Ar­beits­verhält­nis des Klägers zum 31. Ju­li 2008. Der Kläger hat hier­ge­gen kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben. Aus dem „Be­son­de­ren Härte­fonds“ er­hielt er ei­ne Ab­fin­dung von 10.000,00 Eu­ro.
Der Kläger hat gel­tend ge­macht, er ha­be ei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung aus dem So­zi­al­plan vom 13. März 2007. Der in der BV-Ergänzung ver­ein­bar­te An­spruchs­aus­schluss sei un­wirk­sam. Er be­nach­tei­li­ge be­hin­der­te Men­schen und ver­let­ze den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, da er nicht für al­le ru­hen­den Ar­beits­verhält­nis­se gel­te.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 222.700,60 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab dem 1. Au­gust 2008 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat zur Be­gründung ih­res Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trags aus­geführt, es sei von An­fang an übe­rein­stim­men­der Wil­le der Be­triebs­par­tei­en ge­we­sen, Ar­beit­neh­mer, die auf­grund des Be­zugs ei­ner vol­len Er­werbs­min­de­rungs­ren­te zum Stich­tag nicht beschäftigt wor­den sei­en und bei de­nen die Wie­der­er­lan­gung der Ar­beitsfähig­keit nicht ab­seh­bar ge­we­sen sei, von den So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­zu­sch­ließen. Dies sei in der BV-Ergänzung nur bestätigt wor­den. Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung lie­ge nicht vor, weil die BV-Ergänzung nicht an ei­ne Be­hin­de­rung als Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­um an­knüpfe, son­dern an den Be­zug ei­ner vol­len Er­werbs­min­de­rungs­ren­te.
Das Ar­beits­ge­richt hat der zunächst auf die Zah­lung ei­ner So­zi­al­plan­ab­fin­dung in Höhe von 133.463,44 Eu­ro brut­to ge­rich­te­ten und nach­fol­gend auf 222.700,60 Eu­ro brut­to erhöhten Kla­ge in Höhe von 123.463,44 Eu­ro brut­to statt­ge­ge­ben und sie im Übri­gen we­gen Ver­falls der Ansprüche und der von der Be­klag­ten in Höhe von 10.000,00 Eu­ro erklärten Auf­rech­nung ab­ge­wie­sen. Da­ge­gen ha­ben bei­de Par­tei­en im Um­fang ih­res Un­ter­lie­gens Be­ru­fung ein­ge­legt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ins­ge­samt ab­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein Be­geh­ren in vol­ler Höhe wei­ter.
Die Re­vi­si­on des Klägers ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen.
I. Die Ansprüche des Klägers auf Zah­lung ei­ner So­zi­al­plan­ab­fin­dung rich­ten sich nach dem So­zi­al­plan vom 13. März 2007 idF der BV-Ergänzung vom 10. Ok­to­ber 2007.
1. Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben den So­zi­al­plan vom 13. März 2007 durch die BV-Ergänzung vom 10. Ok­to­ber 2007 geändert und mit de­ren § 1 den in Nr. 1.2 des So­zi­al­plans vom 13. März 2007 näher be­stimm­ten Kreis der nicht an­spruchs­be­rech­tig­ten Beschäftig­ten er­wei­tert. Die­se Re­ge­lung ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten nicht le­dig­lich de­kla­ra­to­risch, son­dern kon­sti­tu­tiv, weil die dort ge­re­gel­ten „Aus­schluss­gründe zur An­spruchs­be­rech­ti­gung“ in dem So­zi­al­plan vom 13. März 2007 nicht ent­hal­ten wa­ren.
2. Die Ände­rung des So­zi­al­plans vom 13. März 2007 durch die BV-Ergänzung verstößt nicht ge­gen die Grundsätze der Verhält­nismäßig­keit und des Ver­trau­ens­schut­zes.
a) Die Be­triebs­par­tei­en können die Re­ge­lun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung je­der­zeit für die Zu­kunft abändern. Die neue Be­triebs­ver­ein­ba­rung kann da­bei auch Be­stim­mun­gen ent­hal­ten, die für die Ar­beit­neh­mer ungüns­ti­ger sind. Im Verhält­nis zwei­er gleich­ran­gi­ger Nor­men gilt nicht das Güns­tig­keits­prin­zip, son­dern die Zeit­kol­li­si­ons­re­gel. Da­nach geht die jünge­re Norm der älte­ren vor. Ei­ne späte­re Be­triebs­ver­ein­ba­rung kann al­ler­dings be­reits ent­stan­de­ne Ansprüche der Ar­beit­neh­mer grundsätz­lich nicht schmälern. Viel­mehr ist die Möglich­keit ei­ner Rück­wir­kung nor­ma­ti­ver Re­ge­lun­gen durch das Ver­trau­ens­schutz- und das Verhält­nismäßig­keits­prin­zip be­schränkt (BAG 2. Ok­to­ber 2007 - 1 AZR 815/06 - Rn. 19, EzA Be­trVG 2001 § 77 Nr. 20).
b) Die BV-Ergänzung greift nicht in be­reits ent­stan­de­ne Rech­te des Klägers ein. Die Ände­rung des So­zi­al­plans vom 13. März 2007 er­folg­te zu
ei­nem Zeit­punkt, zu dem der Kläger noch kei­nen An­spruch auf So­zi­al­plan­leis­tun­gen er­wor­ben hat­te. Oh­ne an­ders­lau­ten­de Be­stim­mung ent­ste­hen der­ar­ti­ge Ansprüche erst mit dem recht­li­chen En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses (BAG 2. Ok­to­ber 2007 - 1 AZR 815/06 - Rn. 21, EzA Be­trVG 2001 § 77 Nr. 20). Nach­dem die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis des Klägers erst am 10. De­zem­ber 2007 zum 31. Ju­li 2008 und da­mit nach Ab­schluss der BV-Ergänzung vom 10. Ok­to­ber 2007 gekündigt hat, kann of­fen­blei­ben, ob der So­zi­al­plan den Zeit­punkt der An­spruchs­ent­ste­hung be­reits auf den Aus­spruch der Kündi­gung vor­ver­la­gert hat. Im Zeit­punkt der Ver­ein­ba­rung der BV-Ergänzung hat­te der Kläger un­ter kei­nem recht­li­chen Ge­sichts­punkt ei­ne Rechts­po­si­ti­on in­ne, die ein schutzwürdi­ges Ver­trau­en in die Un­abänder­bar­keit der Re­ge­lun­gen vom 13. März 2007 hätte be­gründen können.
3. Der Kläger ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten - vor­be­halt­lich der Be­stim­mun­gen in § 1 BV-Ergänzung - nach Nr. 1.1 des So­zi­al­plans an sich an­spruchs­be­rech­tigt. Er stand am 4. Ok­to­ber 2006 in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis, das durch be­triebs­be­ding­te Kündi­gung der Be­klag­ten vom 10. De­zem­ber 2007 be­en­det wur­de. Die Be­klag­te hat in dem Kündi­gungs­schrei­ben als Grund für die Kündi­gung aus­drück­lich die Be­triebs­sch­ließung an­ge­ge­ben. Ob da­ne­ben auch ein per­so­nen­be­ding­ter Kündi­gungs­grund be­stand, ist un­er­heb­lich, weil die Be­klag­te kei­ne der­ar­ti­ge Kündi­gung erklärt hat.
II. Der Kläger hat nach § 1 3. Spie­gel­strich Satz 2 BV-Ergänzung kei­nen An­spruch auf So­zi­al­plan­leis­tun­gen. Er war an dem maßgeb­li­chen Stich­tag, dem
4. Ok­to­ber 2006, mehr als drei Jah­re, nämlich seit De­zem­ber 2001 ar­beit­sun­fähig und be­zog seit dem 1. April 2003 und da­mit seit mehr als drei Jah­ren vol­le Er­werbs­min­de­rungs­ren­te. Nach die­ser Be­stim­mung war des­halb da­mit zu rech­nen, dass die mit der Er­werbs­min­de­rung ein­her­ge­hen­de Ar­beits­unfähig­keit auf Dau­er fort­be­steht oder zu­min­dest in ab­seh­ba­rer Zeit nicht be­ho­ben wer­den würde. Die­ser An­spruchs­aus­schluss ist wirk­sam.
1. So­zi­alpläne un­ter­lie­gen, wie an­de­re Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen, der ge­richt­li­chen Rechtmäßig­keits­kon­trol­le. Sie sind dar­auf­hin zu über­prüfen, ob sie mit höher­ran­gi­gem Recht, wie ins­be­son­de­re dem be­triebs­ver­fas­sungs­recht-
li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz (§ 75 Abs. 1 Be­trVG), ver­ein­bar sind. Da­nach ha­ben Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat darüber zu wa­chen, dass je­de Be­nach­tei­li­gung von Per­so­nen aus den in die­ser Vor­schrift ge­nann­ten Gründen un­ter­bleibt. § 75 Abs. 1 Be­trVG enthält nicht nur ein Über­wa­chungs­ge­bot, son­dern ver­bie­tet zu­gleich Ver­ein­ba­run­gen, durch die Ar­beit­neh­mer auf­grund der dort auf­geführ­ten Merk­ma­le be­nach­tei­ligt wer­den. Der Ge­setz­ge­ber hat dar­in die in § 1 AGG ge­re­gel­ten Be­nach­tei­li­gungs­ver­bo­te über­nom­men (BAG 12. April 2011 - 1 AZR 764/09 - Rn. 10 f.). Da­zu gehört auch das Ver­bot der Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung.
2. Der in § 75 Abs. 1 Be­trVG ent­hal­te­ne Be­griff der Be­nach­tei­li­gung und die Zulässig­keit ei­ner un­ter­schied­li­chen Be­hand­lung rich­ten sich nach den Vor­schrif­ten des AGG (BT-Drucks. 16/1780 S. 56). Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung liegt da­bei gemäß § 3 Abs. 1 AGG vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Be­nach­tei­li­gungs­grun­des ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde. Da­ge­gen han­delt es sich nach § 3 Abs. 2 AGG um ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung, wenn dem An­schein nach neu­tra­le Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren Per­so­nen we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ge­genüber an­de­ren Per­so­nen in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen können, es sei denn, die be­tref­fen­den Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel sind zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich.
3. § 1 3. Spie­gel­strich BV-Ergänzung führt zu ei­ner un­mit­tel­ba­ren Un­gleich­be­hand­lung iSd. § 3 Abs. 1 AGG.
a) Ei­ne un­mit­tel­ba­re Un­gleich­be­hand­lung liegt nicht nur vor, wenn die we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung aus­drück­lich we­gen ei­nes in § 1 AGG auf­geführ­ten Grun­des er­folgt. Von § 3 Abs. 1 AGG wird viel­mehr auch ei­ne sog. ver­deck­te un­mit­tel­ba­re Un­gleich­be­hand­lung er­fasst, bei der die Dif­fe­ren­zie­rung zwar nicht aus­drück­lich we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des er­folgt, son­dern an ein in die­ser Vor­schrift nicht ent­hal­te­nes Merk­mal an­knüpft, das je­doch in ei­nem un­trenn­ba­ren Zu­sam­men­hang mit ei­nem in die­ser Vor­schrift
ge­nann­ten Grund steht (BT-Drucks. 16/1780 S. 32; da­zu auch BVerfG 28. April 2011 - 1 BvR 1409/10 - Rn. 54, ZTR 2011, 434).
b) Dem­ent­spre­chend führt § 1 3. Spie­gel­strich BV-Ergänzung zu ei­ner un­mit­tel­ba­ren Un­gleich­be­hand­lung iSd. § 3 Abs. 1 AGG. Die zum Aus­schluss von So­zi­al­plan­leis­tun­gen führen­den Gründe ste­hen in ei­nem un­trenn­ba­ren Zu­sam­men­hang mit der nach § 1 AGG ver­bo­te­nen Dif­fe­ren­zie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung.
(1) Nach der Ge­set­zes­be­gründung zu § 1 AGG sind ent­spre­chend der in § 2 Abs. 1 Satz 1 SGB IX ent­hal­te­nen Be­griffs­be­stim­mung Men­schen be­hin­dert, wenn ih­re körper­li­chen Funk­tio­nen, geis­ti­gen Fähig­kei­ten oder see­li­sche Ge­sund­heit mit ho­her Wahr­schein­lich­keit länger als sechs Mo­na­te von dem für das Le­bens­al­ter ty­pi­schen Zu­stand ab­wei­chen und da­her ih­re Teil­ha­be am Le­ben in der Ge­sell­schaft be­ein­träch­tigt ist (BT-Drucks. 16/1780 S. 31). Das steht im Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on, nach der ei­ne Be­hin­de­rung iSd. Richt­li­nie 2000/78/EG ei­ne wahr­schein­lich länge­re Zeit an­dau­ern­de Ein­schränkung ist, die ins­be­son­de­re auf phy­si­sche, geis­ti­ge oder psy­chi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen zurück­zuführen ist und die ein Hin­der­nis für die Teil­ha­be des Be­tref­fen­den am Be­rufs­le­ben bil­det (11. Ju­li 2006 - C-13/05 - [Cha­con Na­vas] Rn. 43 ff., Slg. 2006, I-6467).
Gem. § 1 3. Spie­gel­strich BV-Ergänzung sind nicht an­spruchs­be­rech­tigt Ar­beit­neh­mer, die am 4. Ok­to­ber 2006 un­ter Be­zug ei­ner be­fris­te­ten vol­len Er­werbs­min­de­rungs­ren­te nicht beschäftigt wa­ren und bei de­nen aus an­de­ren Gründen da­mit zu rech­nen ist, dass die mit der Er­werbs­min­de­rung ein­her­ge­hen­de Ar­beits­unfähig­keit auf Dau­er fort­be­steht oder zu­min­dest in ab­seh­ba­rer Zeit nicht be­ho­ben wer­den kann und da­mit ei­nen Grund zur per­so­nen­be­ding­ten, da krank­heits­be­ding­ten Kündi­gung gem. § 1 Abs. 2 KSchG vor­liegt. Die Be­triebs­par­tei­en sind da­bei da­von aus­ge­gan­gen, dass die­se An­for­de­run­gen bei ei­ner die Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung be­glei­ten­den Ar­beits­unfähig­keit von mehr als drei Jah­ren oder ei­ner ent­spre­chen­den Be­wil­li­gung von vol­ler Er­werbs­min­de­rungs­ren­te für mehr als drei Jah­re erfüllt sind.
So­weit in § 1 3. Spie­gel­strich BV-Ergänzung auf den Be­zug ei­ner Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung ab­ge­stellt wird, müssen die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 43 Abs. 2 Satz 2 SGB VI erfüllt sein. Da­nach sind Ver­si­cher­te voll er­werbs­ge­min­dert, die we­gen Krank­heit oder Be­hin­de­rung auf nicht ab­seh­ba­re Zeit außer­stan­de sind, un­ter den übli­chen Be­din­gun­gen des all­ge­mei­nen Ar­beits­mark­tes min­des­tens drei St­un­den täglich er­werbstätig zu sein.
(2) Die Ge­genüber­stel­lung der Merk­ma­le des Be­griffs der Be­hin­de­rung und der tat­be­stand­li­chen An­for­de­run­gen des § 1 3. Spie­gel­strich BV-Ergänzung macht deut­lich, dass die­se in ei­nem un­trenn­ba­ren Zu­sam­men­hang mit der nach § 1 AGG ver­bo­te­nen Dif­fe­ren­zie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung ste­hen. Ein Ar­beit­neh­mer, der den Tat­be­stand des § 1 3. Spie­gel­strich BV-Ergänzung erfüllt, ist in der Teil­ha­be am Be­rufs­le­ben länge­re Zeit ein­ge­schränkt. Da­her hat die Re­ge­lung ei­ne un­mit­tel­ba­re Un­gleich­be­hand­lung des Klägers we­gen ei­ner Be­hin­de­rung zur Fol­ge.
4. Die­se Un­gleich­be­hand­lung stellt je­doch kei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung iSd. § 3 Abs. 1 AGG dar, denn der Kläger wird durch den Aus­schluss­tat­be­stand in § 1 3. Spie­gel­strich BV-Ergänzung nicht ge­genüber Per­so­nen in ei­ner „ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on“ be­nach­tei­ligt.
a) Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung iSd. § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG setzt vor­aus, dass ei­ne Per­son ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung, als ei­ne an­de­re Per­son in ver­gleich­ba­rer Si­tua­ti­on erfährt. Der deut­sche Ge­setz­ge­ber hat in­so­weit die Be­stim­mung des Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78/EG, die eben­falls ei­ne ver­gleich­ba­re Si­tua­ti­on vor­aus­setzt, un­verändert um­ge­setzt. Auch der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on geht in ständi­ger Recht­spre­chung da­von aus, dass ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung nur dann vor­liegt, wenn sich die be­trof­fe­nen Per­so­nen in ei­ner ver­gleich­ba­ren La­ge be­fin­den (vgl. 10. Mai 2011 - C-147/08 - [Römer] Rn. 41, ZTR 2011, 437; 18. No­vem­ber 2010 - C-356/09 - [Kleist] Rn. 32 ff., EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 76/207 Nr. 8; 1. April 2008 - C-267/06 - [Ma­ru­ko] Rn. 72 f., Slg. 2008, I-1757; 9. De­zem­ber 2004 - C-19/02 - [Hlo­zek] Rn. 44 ff., Slg. 2004, I-11491 zu Art. 141 EG so­wie 1. März 2011 - C-236/09 - [Test-Achats] Rn. 28 f. zu Art. 5 der Richt­li­nie
2004/113/EG). Die Si­tua­tio­nen müssen nicht iden­tisch, son­dern nur ver­gleich­bar sein. Dies ist nicht all­ge­mein und abs­trakt, son­dern spe­zi­fisch und kon­kret von den na­tio­na­len Ge­rich­ten im Ein­zel­fall an­hand des Zwecks und der Vor­aus­set­zun­gen für die Gewährung der frag­li­chen Leis­tun­gen fest­zu­stel­len (EuGH 10. Mai 2011 - C-147/08 - [Römer] Rn. 52; 1. April 2008 - C-267/06 - [Ma­ru­ko] Rn. 73, aaO). Da­nach ist uni­ons­recht­lich geklärt, dass ein letz­tent­schei­dungs­be­fug­tes na­tio­na­les Ge­richt un­ter Zu­grun­de­le­gung des vom Ge­richts­hof ent­wi­ckel­ten Ver­gleichs­maßstabs selbst zu prüfen hat, ob sich der Be­trof­fe­ne in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on mit an­de­ren be­fin­det. Die Durchführung ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens nach Art. 267 Abs. 3 AEUV war des­halb nicht ge­bo­ten.
b) Nach die­sen Grundsätzen be­steht zwi­schen dem Kläger und den nach dem So­zi­al­plan an­spruchs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mern kei­ne ver­gleich­ba­re Si­tua­ti­on.
aa) So­zi­alpläne ha­ben nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats ei­ne zu­kunfts­be­zo­ge­ne Aus­gleichs- und Über­brückungs­funk­ti­on. Die in ih­nen vor­ge­se­he­nen Leis­tun­gen sol­len gem. § 112 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG die künf­ti­gen Nach­tei­le aus­glei­chen oder ab­mil­dern, die den Ar­beit­neh­mern durch die Be­triebsände­rung ent­ste­hen können (18. Mai 2010 - 1 AZR 187/09 - Rn. 22 mwN, AP Be­trVG 1972 § 112 Nr. 209 = EzA Be­trVG 2001 § 112 Nr. 38). Die So­zi­al-plan­leis­tun­gen stel­len kein zusätz­li­ches Ent­gelt für die in der Ver­gan­gen­heit er­brach­ten Diens­te dar (BAG 26. Mai 2009 - 1 AZR 198/08 - Rn. 23, BA­GE 131, 61).
bb) Hier­von aus­ge­hend sind ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on nicht al­le Ar­beit­neh­mer, die ih­ren Ar­beits­platz auf­grund ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung ver­lo­ren ha­ben, be­reits aus die­sem Grund in ei­ner „ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on“ iSd. § 3 Abs. 1 AGG. Die Ver­gleich­bar­keit be­stimmt sich viel­mehr nach der zu­kunfts­be­zo­ge­nen Aus­gleichs- und Über­brückungs­funk­ti­on des So­zi­al­plans. Dem­ent­spre­chend kommt es dar­auf an, ob sich der Kläger und die vom So­zi­al­plan begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mer in Be­zug auf ih­re durch die Be-
triebs­still­le­gung ver­ur­sach­ten wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fin­den.
cc) Da­nach be­steht zwi­schen dem Kläger und den an­spruchs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mern kei­ne ver­gleich­ba­re Si­tua­ti­on. Während die­se in­fol­ge der Be­triebs­sch­ließung und dem da­mit ver­bun­de­nen Ver­lust der Ar­beitsplätze ih­ren Ar­beits­ver­dienst ver­lo­ren ha­ben, er­hielt der Kläger be­reits vor der Be­triebs­sch­ließung kein Ar­beits­ent­gelt mehr, son­dern ei­ne Er­werbs­min­de­rungs­ren­te. Hier­an hat sich durch die Be­triebs­still­le­gung nichts geändert. Der Kläger ver­kennt, dass die So­zi­al­plan­ab­fin­dung kei­ne Be­loh­nung für die Diens­te in der Ver­gan­gen­heit ist, son­dern ei­ne zu­kunfts­ge­rich­te­te Hil­fe, die da­zu dient, künf­ti­ge Nach­tei­le aus­zu­glei­chen oder zu mil­dern, die als Fol­ge ei­ner Be­triebsände­rung ent­ste­hen. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on kommt es für die Ver­gleich­bar­keit der Si­tua­tio­nen nicht dar­auf an, ob ein Ar­beit­neh­mer nach der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mögli­cher­wei­se ei­nen An­spruch auf Aus­zah­lung ei­ner Ka­pi­tal­le­bens­ver­si­che­rung hat und hier­durch fi­nan­zi­ell ab­ge­si­chert ist. Die­se auf pri­va­ten Dis­po­si­tio­nen des Ein­zel­nen be­ru­hen­de wirt­schaft­li­che Ab­si­che­rung steht in kei­nem Zu­sam­men­hang mit dem Ver­lust des Ar­beits­plat­zes in­fol­ge ei­ner Be­triebsände­rung und der da­mit ein­her­ge­hen­den Ver­dienstein­buße. Den nach dem So­zi­al­plan an­spruchs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mern ent­ste­hen des­halb auch dann wirt­schaft­li­che Nach­tei­le, wenn sie Leis­tun­gen aus ei­ner pri­va­ten Ka­pi­tal­le­bens­ver­si­che­rung be­zie­hen können. Der­ar­ti­ge Nach­tei­le tre­ten beim Kläger nicht ein.
III. § 1 3. Spie­gel­strich BV-Ergänzung verstößt nicht ge­gen den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz des § 75 Abs. 1 Be­trVG, so­weit nach dem So­zi­al­plan auch Ar­beit­neh­mer, de­ren Ar­beits­verhält­nis ruht, wie bei­spiels­wei­se während der El­tern­zeit, dem Mut­ter­schutz oder dem Wehrund Zi­vil­dienst, an­spruchs­be­rech­tigt sind.
1. Der auf den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG zurück­zuführen­de be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz zielt dar­auf ab, ei­ne Gleich­be­hand­lung von Per­so­nen in ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten si­cher­zu­stel­len und ei­ne gleich­heits­wid­ri­ge Grup­pen­bil­dung aus­zu-
schließen. Maßgeb­lich für das Vor­lie­gen ei­nes die Bil­dung un­ter­schied­li­cher Grup­pen recht­fer­ti­gen­den Sach­grun­des ist vor al­lem der mit der Re­ge­lung ver­folg­te Zweck (BAG 14. De­zem­ber 2010 - 1 AZR 279/09 - Rn. 15, NZA-RR 2011, 182).
2. Da­nach ist die von den Be­triebs­par­tei­en vor­ge­nom­me­ne Grup­pen­bil­dung nicht zu be­an­stan­den. Die Be­triebs­par­tei­en durf­ten in Be­zug auf die Ar­beit­neh­mer, de­ren Ar­beits­verhält­nis ruht, da­von aus­ge­hen, dass sie nach Be­en­di­gung des Ru­hen­stat­be­stands in den Be­trieb zurück­keh­ren und dort wie­der ar­bei­ten und ent­lohnt wer­den. Die­ser Per­so­nen­kreis hat da­mit in­fol­ge der Be­triebsände­rung ei­nen wirt­schaft­li­chen Nach­teil er­lit­ten. Da­ge­gen konn­ten die Be­triebs­par­tei­en da­von aus­ge­hen, dass die von § 1 3. Spie­gel­strich BV-Ergänzung er­fass­ten Per­so­nen nicht wie­der ar­bei­ten wer­den und da­mit auch kein Er­werbs­ein­kom­men er­zie­len können. Folg­lich fehlt es bei die­sem Per­so­nen­kreis an ei­nem aus­gleichsfähi­gen wirt­schaft­li­chen Nach­teil.
Linck Koch Spel­ge
Für den aus dem Amt aus­ge­schie­de­nen eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Münzer
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11/107 Ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­ze kann Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en sein
03.06.2011. Ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen, die Ar­beits­ver­hält­nis­se mit Er­rei­chen des Ren­ten­al­ters au­to­ma­tisch be­en­den, sind dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) zu­fol­ge im All­ge­mei­nen mit dem Eu­ro­pa­recht ...