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Timestamp: 2020-07-05 20:03:28
Document Index: 300660112

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 24', 'BVerG', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 30', '§ 24', '§ 30']

Tierschutzrechtliche und tierschutzfachliche Aspekte der Kastenstandhaltung von Sauen | Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Lösungsansätze für das Deckzentrum
Die Haltung von Sauen in Kastenständen ist derzeit nach deutschem und europäischem Recht im Zeitraum von einer Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin bis zu 4 Wochen nach der darauffolgenden Besamung erlaubt. Diese Haltungsform ist in Deutschland weit verbreitet. In 2007 wurden mindestens 90% der Sauen im Deckzentrum in Kastenständen gehalten (1); daran hat sich bis heute kaum etwas geändert. Im Abferkelbereich ist sogar von einem noch höheren Prozentsatz im Kastenstand gehaltener Sauen auszugehen. Die Kastenstandhaltung gerät zunehmend in die Kritik, weil die Grundbedürfnisse der Sau in dieser Haltungsform nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Gemäß § 2 Tierschutzgesetz muss, wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen und darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.
Nach § 24 Abs. 4 Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) müssen Kastenstände für Jungsauen und Sauen so beschaffen sein, dass die Schweine sich nicht verletzen können und jedes Schwein ungehindert aufstehen, sich hinlegen sowie den Kopf und in Seitenlage die Gliedmaßen ausstrecken kann. Diese Rechtsvorschrift geht zurück auf die Schweinehaltungsverordnung vom 30.05.1988, in der für die Anforderung des ungehinderten Aufstehens, sich Hinlegens und Ausstreckens von Kopf- und in Seitenlage den Gliedmaßen eine Übergangsfrist bis zum 01.01.1992 enthalten war.
Die Breite der Kastenstände für Sauen hat sich in der Praxis in den vergangenen Jahren bei Neu- und Umbauten überwiegend an den Ausführungshinweisen (Anlage zum Handbuch Tierschutzüberwachung in Nutztierhaltungen) orientiert. Sie übersteigt derzeit in der Regel ein lichtes Breitenmaß von 70 cm nicht, obwohl es sich bei den Angaben im Handbuch nur um Mindestmaße handelt. Für die Länge des Kastenstands wurden in den Ausführungshinweisen, ebenfalls als Mindestvorgabe, 200 cm angegeben. Bei einem hochgelegten Trog konnte nach den Ausführungshinweisen die Länge ab Hinterkante Trog auf bis zu 180 cm reduziert werden, sofern die Sau ihre Schnauze ungehindert unter den Trog (mindestens 15 cm Bodenabstand) schieben und trotzdem ungehindert Futter aufnehmen konnte. Diese Maße wurden bereits im niedersächsischen Erlass „Tierschutz; Anforderungen an Neu- und Umbauten von Schweinehaltungen“ vom 31.05.2002 gefordert und basieren u.a. auf der Veröffentlichung von Peter Egle et al. „Tierschutzrechtliche Mindestanforderungen für die Haltung von Mutterschweinen in Kastenständen“ (2). Sowohl der Erlass als auch die Ausführungshinweise richteten sich ursprünglich ausschließlich an die niedersächsischen Veterinärbehörden, damit der Vollzug landkreisübergreifend weitestgehend gleich und tierschutzrechtliche Beurteilungen von z.B. Bauvoranfragen oder Bauanträgen auch vor Errichtung des Stalls möglich waren.
Laut Urteil des Oberverwaltungsgerichts Magdeburg vom 24.11.2015 (Aktenzeichen 3L 386/14) muss einer im Kastenstand gehaltenen (Jung-) Sau die Möglichkeit eröffnet sein, in dem Kastenstand jederzeit eine Liegeposition in beiden Seitenlagen einzunehmen, bei der ihre Gliedmaßen auch an dem vom Körper entferntesten Punkt nicht an Hindernisse stoßen. Diese Vorgaben erfüllen nur Kastenstände, deren Breiten mindestens dem Stockmaß (Widerristhöhe) der darin untergebrachten Schweine entsprechen oder Kastenstände, welche den Tieren die Möglichkeit eröffnen, die Gliedmaßen ohne Behinderung in die beiden benachbarten leeren Kastenstände oder beidseitige (unbelegte) Lücken durchzustrecken.
Eine Revision des Urteils wurde am 08.11.2016 vom Bundesverwaltungsgericht abgelehnt (Beschluss BVerG 3 B 11.16). Das Urteil ist somit rechtskräftig. Da es sich um eine aktuelle Auslegung von bereits geltendem Recht handelt, ist eine Übergangsfrist grundsätzlich nicht vorgesehen.
Tierschutzfachliche Beurteilung der Kastenstandhaltung im Deckzentrum
In einem tiergerechten Haltungssystem müssen die Grundbedürfnisse der darin gehaltenen Tiere angemessen berücksichtigt werden. Nach dem Bedarfsdeckungs- und Schadensvermeidungskonzept von Tschanz (3) ist ein Haltungssystem nur dann tiergerecht, wenn die Tiere ihre angeborenen Verhaltensweisen ausleben können und erhalten, was sie zum Gelingen von Selbstaufbau und Selbsterhaltung benötigen. Zu den grundlegenden Verhaltensweisen der Schweine zählen u. a. Sozialverhalten, Ruheverhalten, Erkundungsverhalten, Nahrungsaufnahmeverhalten, Komfortverhalten und Ausscheidungsverhalten (4,5,6). Die im Folgenden aufgeführten einschlägigen Gutachten und tierschutzfachliche Literatur legen jedoch dar, dass die genannten Grundbedürfnisse der Sauen durch die Haltung im Kastenstand stark eingeschränkt werden bzw. dass einige Verhaltensweisen gar nicht ausführbar sind.
Bildrechte: © LAVES, Tierschutzdienst
Eine Sau im Kastenstand muss ungehindert aufstehen, sich hinlegen sowie Kopf- und in Seitenlage die Gliedmaßen ausstrecken können. Das ist - wie im Foto erkennbar - in vielen der heute noch genutzten Kastenstände nicht möglich.
Bereits seit 2006 führt der Nationale Bewertungsrahmen Tierhaltungsverfahren des KTBL aus, dass Sauen in Kastenständen in nahezu allen ihren Verhaltensweisen stark eingeschränkt sind bzw. bestimmte Verhaltensweisen nicht ausgeführt werden können (4). Weiterhin sieht der nationale Bewertungsrahmen ein verfahrensspezifisch erhöhtes Risiko für eine Vielzahl von Erkrankungen (z. B. Klauenkrankheiten, reduzierte Knochendichte und Herz-Kreislaufstörungen), die sich kaum oder nur mit einem erheblichen Managementaufwand beheben lassen. Außerdem wird ein erhöhtes Risiko für Verhaltensstörungen wie z. B. Leerkauen und Stangenbeißen konstatiert.
Aus dem EFSA Gutachten zu Tiergesundheits- und Tierschutzaspekten unterschiedlicher Aufstallungs- und Haltungssysteme (1) geht hervor, dass die Haltung von Sauen in Kastenständen während des Zeitraums vom Absetzen der Ferkel bis vier Wochen nach der Belegung das Aufsteh- und Abliegeverhalten der Sauen behindert, die Bewegungsfreiheit stark einschränkt sowie Stress und Frustrationen verursacht. Die Frustration durch die Kastenstandhaltung und die Einschränkung des Aufsteh- und Abliegeverhaltens im Kastenstand werden im Rahmen der Risikobewertung durch EFSA sogar unter den wichtigsten tierschutzrelevanten Risiken für diese Nutzungsgruppe eingestuft! Zudem wird festgehalten, dass die Kastenstandhaltung den Sauen die freie Bewegung und soziale Interaktion während eines Zeitraums des Reproduktionszyklus verwehrt, in dem sie dazu besonders stark motiviert sind. Auch das EFSA-Gutachten bestätigt ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen des Bewegungsapparats und Herzkreislaufstörungen sowie ein erhöhtes Risiko für orale Verhaltensstörungen (z. B. Leerkauen und Stangenbeißen).
Auch Moritz et al. legen in ihrem Artikel „Mögliche Straftatbestände bei der Haltung von Sauen in Kastenständen“ (5) ausführlich dar, dass eine Sau im heute üblichen Kastenstand nahezu keine ihrer Verhaltensweisen artgemäß ausüben kann. Hierdurch können den Sauen erhebliche und länger anhaltende Leiden entstehen. Körperliche Leiden entstehen in Zusammenhang mit der Zwangshaltung und der Unmöglichkeit eine bequeme entspannte Liegeposition einzunehmen sowie in Zusammenhang mit dadurch ggf. auftretenden Schmerzen. Ethologische Leiden entstehen, weil die Tiere ihre angeborenen Verhaltensweisen nur sehr eingeschränkt oder gar nicht ausleben können, sowie durch die Tatsache, dass die Tiere mit den ihnen zu Verfügung stehenden Mitteln nicht adäquat auf die Beeinträchtigung ihres Wohlbefindens reagieren können, weil ihnen das Verlassen des Kastenstands nicht möglich ist und sie der Situation damit hilflos ausgeliefert sind. Im Artikel wird insbesondere das Ruheverhalten hervorgehoben, zu dessen Gewährleistung die TierSchNutzV in § 24 Abs. 4 eigene Vorgaben (Liegen mit ausgestrecktem Kopf und Gliedmaßen) macht, dessen Einschränkung besonders schwerwiegend ist und das in einem zu kleinen Kastenstand nicht artgemäß ausgeführt werden kann.
Neben der vom OVG Urteil konkretisierten „ausgestreckten Seitenlage“ fordert die TierSchNutztV in § 24 Abs. 4, dass jedes Schwein ungehindert aufstehen und sich hinlegen kann und die Schweine sich nicht verletzen können. Der Platz, den die Sau braucht, um ungehindert aufstehen und sich hinlegen zu können, so wie es die TierSchNutztV in § 24 Abs. 4 Nr. 2 verlangt, wird in der Literatur auch als dynamischer Platzbedarf bezeichnet. Formeln um diesen dynamischen Platzbedarf zu berechnen wurden schon in den 1980er Jahren von Baxter und Schwaller (7) abgeleitet. Nach Angaben des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) lassen sich diese Formeln noch heute auf moderne Genetiken zufriedenstellend anwenden (8); eine modellhafte Berechnung findet sich in Tab. 1.
Tabelle1: Modellhafte Berechnung der Abmessungen von Sauen in Abhängigkeit von ihrem Gewicht
Körperlänge (cm)*
* Berechnet nach Baxter und Schwaller (1983)
Quelle: Friedrich-Löffler-Institut: Kastenstandhaltung von Sauen im Deckzentrum (8)
Tabelle 2: Größe und Gewicht von Sauen nach Wurfnummer. Gemessen wurden 322 hochtragende Danzucht Sauen aus 3 unterschiedlichen dänischen Beständen.
Mittel 1. Wurf 2. Wurf
> 7. Wurf
287 216 261 279 299 315 320 315
88 82 86 88 90 91 89 90
Länge (cm)**
186 170 180 187 191 192 193 192
* gemessen 30 cm vor dem Schwanzansatz Moustsen (2011) (9)
** Rüsselscheibe bis Schwanzansatz
Tabelle 3: Größe und Gewicht von Sauen nach Wurfnummer. Gemessen wurden 128 hochtragende Sauen des Lehr- und Versuchsgutes Köllitsch.
86 89 90 94 97
192 196 198 199 204
* Widerristhöhe Meyer (2015) (10)
** Rüsselspitze bis Schwanzansatz
Bezüglich der Verletzungsgefahr ist festzuhalten, dass sich Sauen in Kastenständen, deren Breite mindestens ihrer Widerristhöhe entspricht (vgl. OVG Urteil Sachsen-Anhalt), ggf. umdrehen können. Da Sauen in den Tagen unmittelbar nach dem Absetzen der Ferkel und während der Rausche besonders unruhig sind, ist das Risiko für Verletzungen - z.B. durch Umdrehen - in diesem Zeitraum besonders groß. Das bedeutet, dass eine rechtskonforme Ausgestaltung des Kastenstands nach § 24 Abs. 4 TierSchNutztV in den ersten Tagen nach dem Absetzen der Ferkel und während der Rausche nur sehr schwierig umsetzbar ist. Hinzu kommt, dass bisher nur wenige Praxiserfahrungen mit Kastenständen bestehen, die das ausgestreckte Liegen in Seitenlage gewährleisten. Sofern nicht vollständig auf Kastenstände verzichtet werden soll, können daher für den Zeitraum vom Absetzen bis zum Ende der Rausche (ca. 8 Tage) zurzeit nur solche Kastenstände empfohlen werden, die schmal genug sind, ein Umdrehen der Sau zu verhindern, die aber trotzdem ein ungehindertes Aufstehen und Ablegen ermöglichen sowie ausreichend Bodenfreiheit aufweisen, dass die Gliedmaßen beidseitig in unbelegte Lücken/leere Stände ausgestreckt werden können.
Tierschutzfachliche Beurteilung der Gruppenhaltung im Deckzentrum
Da sich, wie oben ausgeführt, die Einzelhaltung im Kastenstand kaum tiergerecht gestalten lässt, stellt aus tierschutzfachlicher Sicht auf die Dauer nur die Gruppenhaltung eine wirkliche Alternative für das Deckzentrum dar. Kleinstbetriebe, in denen eine Gruppenhaltung aufgrund der niedrigen Anzahl an Sauen nicht realisierbar ist, könnten die Sauen ggf. in Buchten, in denen diese sich ungehindert und verletzungsfrei umdrehen können, halten. Im bereits oben genannten EFSA Gutachten wird festgehalten, dass die Gruppenhaltung im Deckzentrum ohne Probleme in Bezug auf das Wohlergehen und ohne Beeinträchtigung der Wurfgröße möglich ist (1). Gegebenenfalls kann es notwendig sein, einige Sauen für wenige Tage während des Zeitraums der Rausche zu isolieren, wenn zu erwarten ist, dass sie sich selbst oder andere Sauen durch ihr Aufreiteverhalten verletzen.
Die Verwendung von Besamungsständen vereinfacht in der Gruppenhaltung das Management. In diesen Ständen dürfen die Sauen nur zur Besamung, d. h. allenfalls für wenige Stunden fixiert werden.
Bei der Gruppenhaltung im Deckzentrum sind angepasste Haltungsbedingungen sowohl aus tierschutzfachlicher als auch aus produktionstechnischer Sicht besonders wichtig. Dies betrifft vor allem den Zeitraum direkt nach dem Absetzen (Gruppenbildung, Rangkämpfe) sowie auch den Zeitraum der Rausche (Unruhe, Aufreiten). Wichtige Faktoren in diesem Zusammenhang sind der im Vergleich zum Wartebereich höhere Platzbedarf, „klauenschonende“ Böden, Ausweichmöglichkeiten und ausreichende Mengen an geeignetem Beschäftigungsmaterial. Zudem ist es wichtig mit stabilen Gruppen zu arbeiten und - wenn möglich - die Gruppengröße im Deckzentrum und im Wartestall auf einander abzustimmen, damit ein erneutes Mischen der Gruppen nicht notwendig wird.
Wird die Gruppenhaltung entsprechend den obengenannten Bedürfnissen der Sauen gestaltet, kann auch während der Rausche auf eine Fixierung im Kastenstand verzichtet werden (1). Die Umsetzung einer solchen Gruppenhaltung im Deckzentrum ist für Neubauten problemlos realisierbar. Bei den meisten Umbauten ist jedoch davon auszugehen, dass Kompromisslösungen geschaffen werden müssen. Dabei wird es in vielen Beständen nicht möglich sein, optimale Bedingungen für die Gruppenhaltung im Deckzentrum zu schaffen. In diesen Fällen kann eine Fixierung der Sau in einem Kastenstand, für 3-5 Tage während der Rausche das Risiko für Verletzungen - wie z. B. Aufreiten - verringern. Wie oben beschrieben, sollte der Kastenstand in diesem Zeitraum schmal genug sein, ein Umdrehen der Sau zu verhindern, aber trotzdem ein ungehindertes Aufstehen und Ablegen sowie ein Ausstrecken von Kopf und Gliedmaßen zu ermöglichen.
Sachstand in anderen EU-Mitgliedstaaten
Innerhalb der EU gibt es bereits in Dänemark, Großbritannien, Niederlande, Österreich und Schweden rechtliche Regelungen, die die Kastenstandhaltung im Deckzentrum auf nur wenige Tage begrenzen bzw. ganz verbieten; in einigen dieser Mitgliedsstaaten gelten für bestehende Stallungen noch Übergangsfristen. Des Weiteren haben die Agrarminister Deutschlands, der Niederlande, Dänemarks und Schwedens die Kommission in einer gemeinsamen Erklärung aufgefordert, die Richtlinie 2008/120/EG u.a. dahingehend zu ändern, die Gruppenhaltung beginnend nach dem Absetzen bis eine Woche vor dem Abferkeln zu fordern.
Außerhalb der EU gibt es in Norwegen und der Schweiz Regelungen, die eine Kastenstandhaltung sowohl im Deckzentrum als auch im Abferkelbereich grundsätzlich verbieten, bzw. auf wenige Tage begrenzen.
Tabelle 4: Zusammenfassung der rechtlichen Regelungen zur Kastenstandshaltung im Deckzentrum in verschiedenen europäischen Ländern
Regelung zur Dauer der Fixierung im Kastenstand*
Fixierung der Sauen im Kastenstand nur noch im Einzelfall während des Zeitraums der Rausche für maximal 3 Tage erlaubt.
Seit 01.01.2015 gültig für Neubauten und größere Umbauten
Fixierung im Kastenstand im Deckzentrum ist nicht erlaubt
Gilt seit 1991; es gab eine Übergangsfrist für Altbauten bis 1999
Fixierung im Kastenstand ist erlaubt vom Absetzen der Ferkel bis 4 Tage nach der Besamung.
Bereits 1998 wurde entschieden, die Gruppenhaltung mit einer Übergangsfrist von 10 Jahren (bis 2008) einzuführen. 2003 wurde die Übergangsfrist um weitere 5 Jahren (bis 2013) verlängert.
Begleitungsangebot durch die Universität Wageningen für Betriebe die Probleme mit der Umsetzung der Gruppenhaltung im Deckzentrum hatten
Fixierung im Kastenstand nur während der Fütterung, des Besamungsvorgangs und einer tierärztlichen Behandlung erlaubt
Bereits gültig für alle Betriebe
Auch im Abferkelbereich ist die Fixierung im Kastenstand grundsätzlich verboten
Fixierung im Kastenstand nur zur Deckzeit für insgesamt maximal 10 Tage erlaubt.
Seit 01.01.2013 gültig für alle neugebauten, umgebauten oder erstmals in Betrieb genommenen Anlagen. Gilt ab 2033 für alle Betriebe
Ab 2033 ist auch im Abferkelbereich eine Bewegungsbucht vorgeschrieben
Gilt seit 1988 für alle Betriebe. Die Übergangsfrist betrug 4,5 Jahre.
Gilt seit 1997. Es gab eine Übergangsfrist für Altbauten bis 2007
* Das Verbot / die zeitliche Begrenzung der Fixierung im Kastenstand bedeutet nicht automatisch, dass die Gruppenhaltung Pflicht ist! In einigen dieser Länder dürfen die Sauen laut Gesetz zwar noch in Einzelbuchten, in denen sie sich umdrehen können, gehalten werden, in der Praxis ist jedoch die Gruppenhaltung Standard.
Hier wurden auf einfache Weise Ausweichmöglichkeiten durch Raumteiler geschaffen.
Empfehlungen für Neubauten
Nach dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse ist die Umsetzung einer tiergerechten Gruppenhaltung im Deckzentrum für Neubauten problemlos realisierbar. Daher sollte die Gruppenhaltung im Deckzentrum in der TierSchNutztV vorgeschrieben werden. Um Planungssicherheit für Tierhalter zu gewährleisten, sollte diese Änderung möglichst zeitnah erfolgen. Dabei sollte die Gruppenhaltung im Deckzentrum so gestaltet werden, dass eine Fixierung von Jungsauen und Sauen nur noch kurzzeitig im „Besamungsstand“ (für wenige Stunden) während des Besamungsvorgangs oder evtl. notwendiger tierärztlicher Maßnahmen zulässig ist. Zudem sollten Bestimmungen im Hinblick auf Platzbedarf, Buchtenstruktur und Bodengestaltung in die TierSchNutztV aufgenommen werden. Für bestehende Anlagen muss hiesigen Erachtens eine angemessene Übergangsfrist festgelegt werden.
Mögliche Lösungen für Altbauten
Für Altbauten gestaltet sich die Situation deutlich schwieriger, da sowohl eine Vergrößerung der vorhandenen Kastenstände als auch ein Umbau des Deckzentrums zu einer Gruppenhaltung innerhalb eines bestehenden Gebäudes für die meisten Betriebe mit einer deutlichen Verringerung der Sauenplätze einher gehen würde. Nichtsdestotrotz bezieht sich die Auslegung des OVG Sachsen Anhalt auf bereits geltendes Recht, sodass eine Übergangsfrist grundsätzlich nicht vorgesehen ist. Der Tierhalter entscheidet dabei eigenverantwortlich wie er die gesetzlichen Vorgaben auf seinem Betrieb umsetzt.
Hierbei ergeben sich aus rechtlicher Sicht für die Praxis beispielsweise folgende Möglichkeiten:
1. Gruppenhaltung - Fixierung nur kurzzeitig (wenige Stunden)
Fixierung von Jungsauen und Sauen in einem „Besamungsstand“ nur noch kurzzeitig (wenige Stunden) während des Besamungsvorgangs oder evtl. notwendiger tierärztlicher Maßnahmen. Ansonsten sind bis auf weiteres wenigstens die derzeitigen Mindestanforderungen für die Gruppenhaltung von tragenden Sauen (insbes. § 24 Abs. 2 und 6 sowie § 30 Abs. 2 TierSchNutztV) einzuhalten. Empfohlen wird jedoch die Haltungsbedingungen an die Bedürfnisse und Verhaltensweisen insbesondere auch rauschender Sauen anzupassen (größerer Platzbedarf, klauenschonende Bodengestaltung, Buchtenstruktur mit Ausweichmöglichkeiten)!
2. Gruppenhaltung - Fixierung der Sauen im Kastenstand nur während des Zeitraums der Rausche für 3-5 Tage:
Fixierung im Kastenstand lediglich während des Zeitraums der Rausche für 3-5 Tage. Ansonsten sind bis auf weiteres wenigstens die derzeitigen Mindestanforderungen für die Gruppenhaltung von tragenden Sauen (insbes. § 24 Abs. 2 und 6 sowie § 30 Abs. 2 TierSchNutztV) einzuhalten. Die Kastenstände müssen dem Tier in dieser Variante die Möglichkeit eröffnen, die Gliedmaßen ohne Behinderung in die beiden benachbarten leeren Kastenstände oder beidseitige (unbelegte) Lücken durchzustrecken. Der Kastenstand, in dem die Sau fixiert ist, muss zudem das ungehinderte Aufstehen und Ablegen gewährleisten. Nach derzeitiger Gesetzeslage wäre in entsprechenden Kastenständen auch eine längere Fixierung (z. B. 10 Tage) rechtlich zulässig. Allerdings ist es sowohl aus tierschutzfachlicher als auch aus produktionstechnischer Sicht sinnvoller, wenn die Gruppenbildung direkt nach dem Absetzen stattfindet und die Sauen unmittelbar nach der Rausche, während der sie fixiert sind, wieder zurück in die Gruppenhaltung geführt werden.
3. Einzelhaltung in Kastenständen vom Tag des Absetzens bis 4 Wochen nach der Besamung:
Die Sauen werden in Kastenständen gehalten, welche dem Tier die Möglichkeit bieten, die Gliedmaßen ohne Behinderung in die beiden benachbarten leeren Kastenstände oder beidseitigen (unbelegten) Lücken durchzustrecken. Der Kastenstand, in dem die Sau fixiert ist, muss zudem das ungehinderte Aufstehen und Ablegen gewährleisten. Alternativ können die Sauen ab dem 8. Tag nach dem Absetzen auch in Kastenständen gehalten werden, deren Breite mindestens ihrer Widerristhöhe entspricht. Aufgrund der Verletzungsgefahr ist es jedoch nicht empfehlenswert, die Sauen direkt nach dem Absetzen und während der Rausche in solchen breiten Kastenständen zu halten.
(1) EFSA (2007) Animal health and welfare aspects of different housing and husbandry systems for adult breeding boars, pregnant, farrowing sows and unweaned piglets. Scientific Opinion of the Panel on Animal Health and Welfare. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2007.572/epdf
(2) Egle, P., Hasse, S., Richter, T., Schaal, F. Tierschutzrechtlcihe Mindestanforderungen für die Haltung von Mutterschweinen in Kastenständen. Amtstierärztlicher Dienst 3, 231-235
(3) Tschanz, B. (1981). KTBL-Schrift 281
(4) Schrader, L., Bünger, B., Marahrens, M., Müller-Arnke, I., Otto, Ch. Schäffer, D., Zerbe, F. (2009). Verhalten von Schweinen. KTBL Fachartikel
(5)Schrader, L., Bünger, B., Marahrens, M., Müller-Arnke, I., Otto, Ch., Schäffer, D., Zerbe, F. (2006). Nationaler Bewertungsrahmen Tierhaltungsverfahren. KTBL-Schrift 446, S 19-25. http://daten.ktbl.de/nbr/postHv.html;jsessionid=01FB22918D8838E06D1EEA619AE30AAF?selectedAction=init
(6) Moritz, J, Schönreiter, S., Erhard, M. (2016). Mögliche Straftatbestände bei der Haltung von Sauen in Kastenständen. Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle 23 – 141-148.
(7) Baxter, M., Schwaller, C. (1983). Space requirements for sows in confinement. Farm animal Housing and Welfare pp 181-199. Martinus Nijhoff, The Hague.
(8) Friedrich-Löffler-Institut (2015). Kastenstandhaltung von Sauen im Deckzentrum. https://openagrar.bmel-forschung.de/servlets/MCRFileNodeServlet/Document_derivate_00012648/FLI-Empfehlungen_Kastenstandbreiten_20150717.pdf
(9) Moustsen, V.A., Lahrmann, H.p., D’Eath, R.B. (2011): Relationship between size and age of modern hyperprolific crossbred sows. Livestock Science, 141, 272-275.
(10) Meyer, E. (2015). Entwicklungen der Körpermaße von Zuchtsauen – Konsequenzen für die Maße von Kastenständen. Landtechnik 70, 9-14.