Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%201978,%201161
Timestamp: 2019-03-22 17:35:48
Document Index: 385945747

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BGH, 03.10.1978 - VI ZR 253/77 - dejure.org
BGH, 03.10.1978 - VI ZR 253/77
Beschädigung eines Weidezauns - Verlust von Vieh - Zurechnung - Dazwischentreten eines Dritten
VersR 1978, 1161
a) Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats kann jemand, der durch vorwerfbares Tun einen anderen zu selbstgefährdendem Verhalten herausfordert, diesem anderen dann, wenn dessen Willensentschluss auf einer mindestens im Ansatz billigenswerten Motivation beruht, aus unerlaubter Handlung zum Ersatz des Schadens verpflichtet sein, der infolge des durch die Herausforderung gesteigerten Risikos entstanden ist (vgl. Senatsurteile vom 12. März 1996 - VI ZR 12/95, BGHZ 132, 164, 166; vom 3. Juli 1990 - VI ZR 33/90, VersR 1991, 111, 112; vom 29. November 1977 - VI ZR 51/76, VersR 1978, 183, 184; vom 21. Februar 1978 - VI ZR 8/77, BGHZ 70, 374, 376 und vom 3. Oktober 1978 - VI ZR 253/77, VersR 1978, 1161, 1162).
In einer späteren Entscheidung hat der BGH das Erfordernis der Herausforderung auf Entscheidungen des Geschädigten selbst beschränkt ("Weidezaunfall", Zurechenbarkeit bejaht, BGH NJW 1979, 712).
Beim Eingreifen eines Dritten kommt es - anders als bei Maßnahmen des Geschädigten selbst - nicht darauf an, ob sich der Außenstehende durch das Verhalten des Erstschädigers zu seinem Willensentschluß herausgefordert fühlen durfte (BGH, Urt. v. 3. Oktober 1978 - VI ZR 253/77, LM § 249 (Bb) BGB Nr. 26).
Demgemäß hat der Bundesgerichtshof etwa dem, der einen Weidezaun beschädigt hat, den Verlust von Vieh zugerechnet, das wegen der Beschädigung entlaufen war, obwohl der Verlust auf widerrechtlicher Aneignung der Tiere durch einen Dritten beruhte (BGH Urteil vom 3. Oktober 1978 - VI ZR 253/77 - VersR 1978, 1161).
a) In der Rechtsprechung ist allerdings anerkannt, daß jemand, der durch vorwerfbares Tun einen anderen zu selbstgefährdendem Verhalten herausfordert, diesem anderen dann, wenn dessen Willensentschluß auf einer mindestens im Ansatz billigenswerten Motivation beruht, aus unerlaubter Handlung zum Ersatz des Schadens verpflichtet sein kann, der infolge des durch die Herausforderung gesteigerten Risikos entstanden ist (vgl. Senatsurteile vom 29. November 1977 - VI ZR 51/76 - VersR 1978, 183, 184 m.w.N.; vom 21. Februar 1978 - VI ZR 8/77 - BGHZ 70, 374, 376 = VersR 1978, 540, 541 und vom 3. Oktober 1978 - VI ZR 253/77 - VersR 1978, 1161, 1162).
Dies gilt auch dann, wenn der Schaden letztlich durch das vorsätzliche Fehlverhalten eines Dritten herbeigeführt wurde (vgl. BGH, Urteil vom 3. Oktober 1978 - VI ZR 253/77, NJW 1979, 712 f.; Urteil vom 26. Januar 1989 - III ZR 192/87, BGHZ 106, 313, 316 f.;… Erman/Ebert, BGB, 12. Aufl., vor § 249 Rn. 59;…Palandt/Grüneberg, BGB, 70. Aufl., vor § 249 Rn. 49;… s.a. Staudinger/Schiemann, BGB, Neubearb. 2005, § 249 Rn. 61;… MünchKomm/Oetker, BGB, 5. Aufl., § 249 Rn. 152).
Er kann fehlen, wenn der Geschädigte oder ein Dritter in völlig ungewöhnlicher und unsachgemäßer Weise in den schadensträchtigen Geschehensablauf eingreift und eine weitere Ursache setzt, die den Schaden erst endgültig herbeiführt (vgl. BGHZ 3, 261, 268; 57, 25, 27 f; 63, 189, 191 f;… BGH, Urt. v. 27. Juni 1963 - II ZR 112/62, VersR 1963, 824, 825; v. 21. Januar 1964 - VI ZR 45/63, VersR 1964, 408, 409; v. 3. Oktober 1978 - VI ZR 253/77, LM BGB § 249 Bb Nr. 26).
Die Willensentschließung des Geschädigten kann dem Schädiger zugerechnet werden, wenn sie durch den haftungsbegründenden Vorgang herausgefordert war (vgl. BGHZ 57, 25, 29 f.; 63, 189, 191 f.; 70, 374, 376; BGH, Urt. v. 3. Oktober 1978 - VI ZR 253/77, LM BGB § 249 Bb Nr. 26).
Das Eingreifen eines Dritten kann dem Schädiger in noch weiterem Umfang zugerechnet werden (vgl. BGHZ 58, 162, 165 f.; 59, 139, 144); in der Regel ergibt sich die haftungsrechtliche Zurechnung der Tat des Dritten daraus, daß ein rechtswidriges Tun des Dritten nicht verhindert oder gar begünstigt worden ist (vgl. BGH, Urt. v. 3. Oktober 1978 - VI ZR 253/77, aaO).
OLG Oldenburg, 01.03.1994 - 5 U 127/93
Gutachten, Unterbringung, Fehler, Behördengutachten, Diagnose, fehlerhaft, …
Den in der Rechtsprechung dazu entschiedenen Fällen lagen Fallgestaltungen zugrunde, in denen sich das dazwischentretende Verhalten Dritter als eigenstfindige rechtswidrige Tat darstellte und erst dadurch der der Rechtsgutsbeeinträchtigung nachfolgende Sekundärschaden eingetreten war (BGH NJW 72, 904 - "Grünstreifenfall"; BGH NJW 79, 712 - Diebstahl von entlaufenem Vieh nach rechtswidriger Beschädigung des Weidezaunes).
Ob in einem solchen Fall der auf freiem rechtswidrigem Entschluß von Dritten beruhende Folgeschaden dem Schädiger billigerweise haftungsrechtlich zugerechnet werden könne oder nicht, weil er nicht mehr in seinen Verantwortungsbereich falle, müsse jeweils nach den Umständen in wertender Betrachtung entschieden werden (BGH NJW 79, 712, 713).
Demgemäß hat der Senat etwa dem, der einen Weidezaun beschädigt hat, den Verlust von Vieh, das wegen der Beschädigung entlaufen war, zugerechnet, obwohl der Verlust auf widerrechtlicher Aneignung der Tiere durch einen Dritten beruhte (Senatsurteil vom 3.10.1978 - VI ZR 253/77 = VersR 1978, 1161 = NJW 1979, 712).
BGH, 02.10.1979 - VI ZR 245/78
Verkehrssicherungspflicht des Verantwortlichen einer Massenveranstaltung …
OLG Stuttgart, 25.03.1998 - 4 U 228/97
Verletzung der Verkehrssicherungspflicht; Verwendung von AGB ; Schutzpflicht für …