Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=III%20ZR%20277/01
Timestamp: 2019-02-22 21:35:34
Document Index: 84024037

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 839', '§ 35', '§ 36', 'Art. 62', 'Art. 64', '§ 839', 'Art. 34', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839', 'Art. 34', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', 'BGH', '§ 839', 'BGH', '§ 839', 'BGH', '§ 10', 'BGH', '§ 839', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839']

BGH, 01.08.2002 - III ZR 277/01 - dejure.org
BGB § 839; BRRG § 35 Abs. 1 Satz 2, § 36 Abs. 3; BayBG Art. 62 Abs. 1 Satz 2, Art. 64 Abs. 1 Satz 3
Amtshaftung: Erfordernis des Handelns "in Ausübung eines öffentlichen Amtes" in Abgrenzung zum Handeln "bei Gelegenheit" (§ 839 BGB, Art. 34 GG) bei "Mobbing" durch einen Vorgesetzten
Revision - Polizeibeamter - Gemeinsame Dienstausübung - Mobbing - Vorgesetzter - Dienstherr - Amtshaftung - Grundsätzliche Bedeutung - Aussicht auf Erfolg - Schmerzensgeld - Beerdigungskosten - Übergegangenes Recht - Abgetretenes Recht
Beamtenrecht - Amtshaftung bei Mobbing
Amtshaftung; Haftung des Dienstherrn bei Mobbing
Zusammenfassung von "Die Rechtsprechung des BGH zu den öffentlich-rechtlichen Ersatzleistungen - 2. Teil" von Vors.Ri. am BGH a.D. Dr. Eberhard Rinne und Vors.Ri. am BGH Wolfgang Schlick, original erschienen in: NJW 2004, 1918 - 1931.
OLG München, 20.09.2001 - 1 U 2443/01
NJW 2002, 3172
MDR 2002, 1368
NZA 2002, 1214
VersR 2003, 67
DVBl 2002, 1639
DÖV 2003, 293
Im Rahmen der Haftung nach § 839 BGB tritt gemäß Art. 34 Satz 1 GG - im Wege der befreienden Haftungsübernahme - der Staat beziehungsweise die jeweilige Anstellungskörperschaft als Anspruchsgegner des Geschädigten an die Stelle dessen, der in Ausübung eines ihm anvertrauten öffentlichen Amtes gehandelt hat; in diesem Falle scheidet eine persönliche Haftung des Amtsträgers gegenüber dem Geschädigten aus (Senat, Urteil vom 6. Juli 1989 - III ZR 79/88, BGHZ 108, 230, 232; Beschluss vom 1. August 2002 aaO …und Urteil vom 22. Juni 2006 - III ZR 270/05, NVwZ 2007, 487 Rn. 6).
Dabei ist nicht auf die Person des Handelnden, sondern auf seine Funktion, das heißt auf die Aufgabe, deren Wahrnehmung die im konkreten Fall ausgeübte Tätigkeit dient, abzustellen (st. Rspr.; s. etwa Senat, Urteile vom 4. Juni 1992 - III ZR 93/91, BGHZ 118, 304, 305 und vom 22. März 2001 - III ZR 394/99, BGHZ 147, 169, 171; Beschluss vom 1. August 2002 aaO S. 3172 f;… Urteile vom 22. Juni 2006 aaO S. 487 Rn. 7 …und vom 14. Mai 2009 - III ZR 86/08, BGHZ 181, 65, 67 Rn. 10;… Beschluss vom 31. März 2011 - III ZR 339/09, NVwZ-RR 2011, 556 Rn. 7;… Urteil vom 15. September 2011 - III ZR 240/10, BGHZ 191, 71, 75 f Rn. 13).
Darüber hinaus ist zu beachten, dass der gesamte Tätigkeitsbereich, der sich auf die Erfüllung einer bestimmten hoheitlichen Aufgabe bezieht, als Einheit beurteilt werden muss und es nicht angeht, die einheitliche Aufgabe in Einzelakte - teils hoheitlicher, teils bürgerlich-rechtlicher Art - aufzuspalten und einer gesonderten Beurteilung zu unterziehen (Senat, Beschluss vom 1. August 2002 aaO S. 3173 mwN; Urteile vom 9. Januar 2003 - III ZR 217/01, BGHZ 153, 268, 276 und vom 16. September 2004 - III ZR 346/03, BGHZ 160, 216, 224).
Diese Sichtweise steht im Einklang mit der Rechtsprechung des Senats, wonach der gesamte Tätigkeitsbereich, der sich auf die Erfüllung einer bestimmten hoheitlichen Aufgabe bezieht, als Einheit beurteilt werden muß und es grundsätzlich nicht angeht, die einheitliche Aufgabe in Einzelakte - teils hoheitlicher, teils bürgerlich-rechtlicher Art - aufzuspalten und einer gesonderten Beurteilung zu unterziehen (…Senat aaO, S. 276; vgl. auch Senats[Nichtannahme-]Beschluß vom 1. August 2002 - III ZR 277/01 - NJW 2002, 3172, 3173 m.w.N.).
Diese Sichtweise steht im Einklang mit der Rechtsprechung des Senats, wonach der gesamte Tätigkeitsbereich, der sich auf die Erfüllung einer bestimmten hoheitlichen Aufgabe bezieht, als Einheit beurteilt werden muß und es nicht angeht, die einheitliche Aufgabe in Einzelakte - teils hoheitlicher, teils bürgerlich-rechtlicher Art - aufzuspalten und einer gesonderten Beurteilung zu unterziehen (vgl. Senats[Nichtannahme-]Beschluß vom 1. August 2002 - III ZR 277/01 - NJW 2002, 3172, 3173).
Die persönliche Haftung des Bediensteten ist in diesem Fall ausgeschlossen (vgl. z.B.: Senatsbeschluss vom 1. August 2002 - III ZR 277/01 - NJW 2002, 3172, 3173).
Dabei ist nicht auf die Person des Handelnden, sondern auf seine Funktion, das heißt auf die Aufgabe, deren Wahrnehmung die im konkreten Fall ausgeübte Tätigkeit dient, abzustellen (z.B.: Senatsurteile BGHZ 147, 169, 171; 118, 304, 305; Senatsbeschluss vom 1. August 2002 aaO S. 3172 f jeweils m.w.N.).
Dabei ist nicht auf die Person des Handelnden, sondern auf seine Funktion, d. h. auf die Aufgabe, deren Wahrnehmung die im konkreten Fall ausgeübte Tätigkeit dient, abzustellen BGH, a.a.O.; Beschluss vom 1. August 2002 - III ZR 277/01, NJW 2002, 3172).
Zur Bestimmung der Voraussetzungen des Mobbings gegenüber untergebenen Beamten gelten inhaltlich dieselben Kriterien wie sie im Rahmen des § 823 BGB bezüglich des Mobbings gegenüber Arbeitnehmern anzuwenden sind (vgl. BGH, Beschluss vom 1. August 2002 - III ZR 277/01, NJW 2002, 3172; Saarl. OLG, Urteil vom 27. März 2014 - 4 U 423/12, n.v.; OLG Stuttgart, VersR 2004, 786;… Sprau, in: Palandt, BGB 77. Aufl., § 839 BGB Rn. 19).
Dabei ist nicht auf die Person des Handelnden, sondern auf seine Funktion, d.h. auf die Aufgabe, deren Wahrnehmung die im konkreten Fall ausgeübte Tätigkeit dient, abzustellen (BGH, Beschluss vom 1. August 2002 - III ZR 277/01, NJW 2002, 3172;… Staudinger/Heinz Wöstmann (2013) BGB § 839 Rn. 93).
Für Schäden, die dadurch entstehen, dass ein Beamter im Rahmen der gemeinsamen Dienstausübung durch seinen Vorgesetzten systematisch und fortgesetzt schikaniert und beleidigt wird, haftet der Dienstherr des Schädigers nach Amtshaftungsgrundsätzen (BGH, Beschluss vom 1. August 2002 - III ZR 277/01, NJW 2002, 3172).
Insoweit muss der gesamte Tätigkeitsbereich, der sich auf die Erfüllung einer bestimmten hoheitlichen Aufgabe bezieht, als Einheit beurteilt werden und geht es nicht an, eine einheitliche Aufgabe in Einzelakte - teils hoheitlicher, teils bürgerlich-rechtlicher Art - aufzuspalten und einer gesonderten Beurteilung zu unterziehen (vgl. nur Senatsbeschluss vom 1. August 2002 - III ZR 277/01, NJW 2002, 3172, 3173 mwN).
Unter Mobbing wird ein systematisches Anfeinden, Schikanieren und Diskriminieren von Beschäftigten untereinander oder durch Vorgesetzte verstanden, das über gewöhnliche, von jedermann zu bewältigende berufliche Schwierigkeiten hinausgeht und eine mehr oder weniger schwerwiegende Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts, der Ehre und/oder der Gesundheit des Betroffenen darstellen kann (vgl. zu diesem Mobbingbegriff im engeren Sinne z.B. Urteil vom 11. Juni 2002 - BVerwG 2 WD 38.01 - Buchholz 236.1 § 10 SG Nr. 51 m.w.N.; vgl. auch BGH, Beschluss vom 1. August 2002 - III ZR 277/01 - ZBR 2003, 57 ).
Soweit in Teilen der zivilgerichtlichen Rechtsprechung auch Beamte betreffend die Auffassung vertreten wird, ausgehend von der Art der Vorgehensweise beim "Mobbing" sei ein die Amtshaftung ausschließendes vorrangiges Rechtsmittel gemäß § 839 Abs. 3 BGB (generell) nicht gegeben und damit auch ein Verschulden hinsichtlich der Nichteinlegung eines solchen Rechtsmittels auszuschließen, vgl. OLG Stuttgart, Urteil vom 28. Juli 2003 - 4 U 51/03 -, NVwZ-RR 2003, 715 = ZBR 2004, 282 = juris, Rn. 30, unter Bezugnahme u.a. auf BGH, Beschluss vom 1. August 2002 - III ZR 277/01 -, a.a.O. = juris, Rn. 19, wo sich allerdings einschränkende Formulierungen finden ("in gravierenden Fällen", wird "kaum" zu einem Anspruchsverlust führen), vermag dem der erkennende Senat nicht zu folgen.
vgl. allgemein zur möglichen Haftung des Dienstherrn eines Beamten nach Amtshaftungsgrundsätzen in Fällen von "Mobbing" etwa BGH, Beschluss vom 1. August 2002 - III ZR 277/01 -, a.a.O. = juris, und OLG Stuttgart, Urteil vom 28. Juli 2003 - 4 U 51/03 -, a.a.O. = juris.
Gegen "Mobbing" ist in der Regel kein den Amtshaftungsanspruch ausschließendes, zumutbares Rechtsmittel gegeben (Anschluß an BGH NJW 2002, 3172).
Nach dem Bundesgerichtshof ist unter "Mobbing" der Missbrauch der Stellung eines Vorgesetzten zu verstehen, um einen Untergebenen systematisch und fortgesetzt zu beleidigen, zu schikanieren und zu diskriminieren (BGH NJW 2002, 3172, 3173).
Angesichts des beamtenrechtlichen (öffentlich-rechtlichen) Normengefüges wird ein Vorgesetzter, der im Rahmen der gemeinsamen Dienstausübung einen Untergebenen respektlos behandelt, regelmäßig hoheitlich tätig (im Einzelnen BGH NJW 2002, 3172, 3173).
vgl. BGH, Beschluss vom 1. August 2002 - III ZR 277/01 -, juris, Rn. 17.
vgl. BGH, Beschluss vom 1. August 2002 - III ZR 277/01 -, juris, Rn. 19.
OLG Koblenz, 01.06.2005 - 1 U 1161/04
Amtshaftung: Schmerzensgeld wegen "Mobbings" und der "Scheibenwischergeste"
VG Göttingen, 02.04.2008 - 3 A 263/06
Anerkennung von Mobbing als Dienstunfall
OLG Köln, 24.05.2012 - 7 U 207/11
Abweisung der Klage eines frühpensionierten Beamten mangels Darlegung von …
Die Regelung des § 839 Abs. 3 BGB, wonach bei den Ansprüchen aufgrund Amtshaftung …
VG Saarlouis, 20.12.2011 - 2 K 668/10
LG Düsseldorf, 20.09.2006 - 2b O 229/04
Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld wegen Mobbing am Arbeitsplatz; …
VG Saarlouis, 23.09.2008 - 2 K 1964/07
VG Köln, 02.07.2018 - 19 L 558/18
VG Regensburg, 25.06.2010 - RO 10A DB 09.1968
Lt. Regierungsdirektor; Verwendung beleidigender Formulierungen in E-mails an den …
VG Würzburg, 27.06.2006 - W 1 K 04.1027
Mehrkosten für die Fahrten zur Arbeitsstätte als Schadensersatz wegen einer …
VG Frankfurt/Oder, 26.03.2015 - 2 L 2/15
LG Mönchengladbach, 14.07.2009 - 3 O 411/08
Haftung medizinischer Dienst
VGH Bayern, 09.07.2008 - 15 ZB 07.2046
LG Limburg, 23.11.2007 - 2 O 202/07
Anspruch auf Zahlung von Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz gegen das Land …