Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Feuerwehr_Polizei_Ueberstunden_Freizeitausgleich_Bezahlung_EuGH_C429-09.html
Timestamp: 2016-12-04 14:13:58
Document Index: 72601275

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 16', 'Art. 6', 'Art. 234', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 16', 'Art. 6', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 16', 'Art. 18', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 16', 'Art. 6', 'Art. 17', 'Art. 19', 'Art. 16', 'Art. 22', 'Art. 27', 'Art. 28', '§ 2', '§ 2', '§ 4', '§ 2', '§ 72', 'Art. 6', '§ 242', 'Art. 6', 'Art. 16', 'Art. 19', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 22', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 22', 'Art. 6', 'Art. 4', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 104', '§ 3', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 242', '§ 242', 'Art. 6', 'Art. 22', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 22', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 91', 'Art. 6', 'Art. 16', 'Art. 6', 'Art. 16']

HENSCHE Arbeitsrecht: C-429/09
Arbeitszeit, Bereitschaftsdienst, Freizeitausgleich, Überstunden, Mehrarbeit
1. Ein Ar­beit­neh­mer, der, wie im Aus­gangs­ver­fah­ren Herr Fuß, als Feu­er­wehr­mann in ei­nem zum öffent­li­chen Sek­tor gehören­den Ein­satz­dienst beschäftigt ist und als sol­cher ei­ne durch­schnitt­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit ab­ge­leis­tet hat, die die in Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung vor­ge­se­he­ne wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit über­schrei­tet, kann sich auf das Uni­ons­recht be­ru­fen, um die Haf­tung der Behörden des be­tref­fen­den Mit­glied­staats aus­zulösen und Er­satz des Scha­dens zu er­lan­gen, der ihm durch den Ver­s­toß ge­gen die­se Be­stim­mung ent­stan­den ist.
2. Das Uni­ons­recht steht ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen,
- die - was vom vor­le­gen­den Ge­richt zu prüfen ist - den An­spruch ei­nes im öffent­li­chen Sek­tor beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers auf Er­satz des Scha­dens, der ihm durch den Ver­s­toß der Behörden des be­tref­fen­den Mit­glied­staats ge­gen ei­ne Vor­schrift des Uni­ons­rechts, im vor­lie­gen­den Fall Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88, ent­stan­den ist, von ei­ner an den Ver­schul­dens­be­griff ge­knüpften Vor­aus­set­zung abhängig macht, die über die der hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ten Ver­let­zung des Uni­ons­rechts hin­aus­geht, und
- die den An­spruch ei­nes im öffent­li­chen Sek­tor beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers auf Er­satz des Scha­dens, der ihm durch den Ver­s­toß der Behörden des be­tref­fen­den Mit­glied­staats ge­gen Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 ent­stan­den ist, da­von abhängig macht, dass zu­vor ein An­trag auf Ein­hal­tung die­ser Be­stim­mung bei sei­nem Ar­beit­ge­ber ge­stellt wur­de.
3. Der von den Behörden der Mit­glied­staa­ten zu leis­ten­de Er­satz des Scha­dens, den sie Ein­zel­nen durch Verstöße ge­gen das Uni­ons­recht zu­gefügt ha­ben, muss dem er­lit­te­nen Scha­den an­ge­mes­sen sein. In Er­man­ge­lung von Uni­ons­vor­schrif­ten auf die­sem Ge­biet ist es Sa­che des na­tio­na­len Rechts des be­tref­fen­den Mit­glied­staats, un­ter Be­ach­tung des Äqui­va­lenz- und des Ef­fek­ti­vitäts­grund­sat­zes zu be­stim­men, ob der Er­satz des Scha­dens, der ei­nem Ar­beit­neh­mer wie im Aus­gangs­ver­fah­ren Herrn Fuß durch den Ver­s­toß ge­gen ei­ne Vor­schrift des Uni­ons­rechts ent­stan­den ist, die­sem Ar­beit­neh­mer in Form von Frei­zeit­aus­gleich oder in Form ei­ner fi­nan­zi­el­len Entschädi­gung zu gewähren ist, und die Re­geln für die Art und Wei­se der Be­rech­nung der An­spruchshöhe fest­zu­le­gen. Die in den Art. 16 bis 19 der Richt­li­nie 2003/88 vor­ge­se­he­nen Be­zugs­zeiträume sind in die­sem Zu­sam­men­hang nicht re­le­vant.
4. Die Ant­wor­ten auf die Fra­gen des vor­le­gen­den Ge­richts sind iden­tisch, un­abhängig da­von, ob der Sach­ver­halt des Aus­gangs­ver­fah­rens un­ter die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 93/104/EG des Ra­tes vom 23. No­vem­ber 1993 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung in der durch die Richt­li­nie 2000/34/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 22. Ju­ni 2000 geänder­ten Fas­sung oder die der Richt­li­nie 2003/88 fällt.
25. No­vem­ber 2010(*)
„So­zi­al­po­li­tik – Schutz der Si­cher­heit und der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer – Richt­li­ni­en 93/104/EG und 2003/88/EG - Ar­beits­zeit­ge­stal­tung - Im öffent­li­chen Sek­tor beschäftig­te Feu­er­wehr­leu­te - Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88/EG - Wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit - Über­schrei­tung - Er­satz des Scha­dens, der durch ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht ent­stan­den ist - Vor­aus­set­zun­gen, de­nen ein Er­satz­an­spruch un­ter­liegt - Ver­fah­rens­mo­da­litäten - Ver­pflich­tung, zu­vor ei­nen An­trag beim Ar­beit­ge­ber zu stel­len - Form und Um­fang der Er­satz­leis­tung - Frei­zeit­aus­gleich oder Entschädi­gung - Grundsätze der Äqui­va­lenz und der Ef­fek­ti­vität“
In der Rechts­sa­che C-429/09
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 234 EG, ein­ge­reicht vom Ver­wal­tungs­ge­richt Hal­le (Deutsch­land) mit Ent­schei­dung vom 30. Sep­tem­ber 2009, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 30. Ok­to­ber 2009, in dem Ver­fah­ren
Stadt Hal­le
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten J. N. Cun­ha Ro­d­ri­gues so­wie der Rich­ter A. Ara­b­ad­jiev, A. Ro­sas, U. Lõhmus und A. Ó Cao­imh (Be­richt­er­stat­ter),
– von Herrn Fuß, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt M. Geißler,
– der Stadt Hal­le, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt T. Brümmer,
– der deut­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch J. Möller und C. Blasch­ke als Be­vollmäch­tig­te,
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung der Richt­li­nie 93/104/EG des Ra­tes vom 23. No­vem­ber 1993 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (ABl. L 307, S. 18) in der durch die Richt­li­nie 2000/34/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 22. Ju­ni 2000 (ABl. L 195, S. 41) geänder­ten Fas­sung (im Fol­gen­den: Richt­li­nie 93/104) und der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (ABl. L 299, S. 9).
Es er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Herrn Fuß und sei­nem Dienst­herrn, der Stadt Hal­le, über den An­trag von Herrn Fuß auf Gewährung ei­nes Aus­gleichs für die über­lan­ge Ar­beits­zeit, die er im Rah­men sei­nes Diens­tes als Feu­er­wehr­mann bei sei­nem Dienst­herrn ge­leis­tet hat.
Richt­li­nie 93/104
Art. 1 („Ge­gen­stand und An­wen­dungs­be­reich“) der Richt­li­nie 93/104 sieht in sei­nen Abs. 1 und 2 Buchst. a vor:
a) die tägli­chen und wöchent­li­chen Min­destru­he­zei­ten, der Min­dest­jah­res­ur­laub, die Ru­he­pau­sen und die wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit“.
In Art. 2 („Be­griffs­be­stim­mun­gen“) die­ser Richt­li­nie heißt es:
Art. 6 („Wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit“) der Richt­li­nie be­stimmt:
Gemäß Art. 16 Nr. 2 die­ser Richt­li­nie können die Mit­glied­staa­ten für die in Art. 6 ge­re­gel­te wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit ei­nen Be­zugs­zeit­raum von bis zu vier Mo­na­ten vor­se­hen, vor­be­halt­lich der nach Art. 17 die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Ab­wei­chun­gen. Nach Art. 17 Abs. 4 darf die­se Möglich­keit der Ab­wei­chung von Art. 16 Nr. 2 je­doch nicht die Fest­le­gung ei­nes Be­zugs­zeit­raums zur Fol­ge ha­ben, der sechs Mo­na­te oder, wenn die­se Be­zugs­zeiträume in Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen So­zi­al­part­nern fest­ge­legt wer­den, zwölf Mo­na­te über­schrei­tet.
Art. 18 Abs. 1 der Richt­li­nie 93/104 sieht vor:
„a) Die Mit­glied­staa­ten set­zen die er­for­der­li­chen Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten in Kraft, um die­ser Richt­li­nie spätes­tens am 23. No­vem­ber 1996 nach­zu­kom­men, oder sie ver­ge­wis­sern sich spätes­tens zu die­sem Zeit­punkt, dass die So­zi­al­part­ner mit­tels Ver­ein­ba­run­gen die er­for­der­li­chen Be­stim­mun­gen einführen; da­bei sind die Mit­glied­staa­ten ge­hal­ten, die er­for­der­li­chen Vor­keh­run­gen zu tref­fen, da­mit sie je­der­zeit gewähr­leis­ten können, dass die von der Richt­li­nie vor­ge­schrie­be­nen Er­geb­nis­se er­zielt wer­den.
– kein Ar­beit­ge­ber von ei­nem Ar­beit­neh­mer ver­langt, im Durch­schnitt des in Ar­ti­kel 16 Num­mer 2 ge­nann­ten Be­zugs­zeit­raums mehr als 48 St­un­den in­ner­halb ei­nes Sie­ben­ta­ge­zeit­raums zu ar­bei­ten, es sei denn der Ar­beit­neh­mer hat sich hier­zu be­reit erklärt;
– kei­nem Ar­beit­neh­mer Nach­tei­le dar­aus ent­ste­hen, dass er nicht be­reit ist, ei­ne sol­che Ar­beit zu leis­ten;
– der Ar­beit­ge­ber ak­tu­el­le Lis­ten über al­le Ar­beit­neh­mer führt, die ei­ne sol­che Ar­beit leis­ten;
– die Lis­ten den zuständi­gen Behörden zur Verfügung ge­stellt wer­den, die aus Gründen der Si­cher­heit und/oder des Schut­zes der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer die Möglich­keit zur Über­schrei­tung der wöchent­li­chen Höchst­ar­beits­zeit un­ter­bin­den oder ein­schränken können;
– der Ar­beit­ge­ber die zuständi­gen Behörden auf Er­su­chen darüber un­ter­rich­tet, wel­che Ar­beit­neh­mer sich da­zu be­reit erklärt ha­ben, im Durch­schnitt des in Ar­ti­kel 16 Num­mer 2 ge­nann­ten Be­zugs­zeit­raums mehr als 48 St­un­den in­ner­halb ei­nes Sie­ben­ta­ge­zeit­raums zu ar­bei­ten.
Richt­li­nie 2003/88
Die Richt­li­nie 2003/88 soll aus­weis­lich ih­res ers­ten Erwägungs­grun­des aus Gründen der Über­sicht­lich­keit und Klar­heit die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 93/104 ko­di­fi­zie­ren.
Art. 1 („Ge­gen­stand und An­wen­dungs­be­reich“) der Richt­li­nie 2003/88 sieht vor:
(2) Ge­gen­stand die­ser Richt­li­nie sind:
a) die tägli­chen und wöchent­li­chen Min­destru­he­zei­ten, der Min­dest­jah­res­ur­laub, die Ru­he­pau­sen und die wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit so­wie
In Art. 2 („Be­griffs­be­stim­mun­gen“) Nr. 1 die­ser Richt­li­nie heißt es:
1. Ar­beits­zeit: je­de Zeit­span­ne, während der ein Ar­beit­neh­mer gemäß den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten ar­bei­tet, dem Ar­beit­ge­ber zur Verfügung steht und sei­ne Tätig­keit ausübt oder Auf­ga­ben wahr­nimmt“.
Art. 6 („Wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit“) die­ser Richt­li­nie sieht vor:
a) die wöchent­li­che Ar­beits­zeit durch in­ner­staat­li­che Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten oder in Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den So­zi­al­part­nern fest­ge­legt wird;
b) die durch­schnitt­li­che Ar­beits­zeit pro Sie­ben­ta­ges­zeit­raum 48 St­un­den ein­sch­ließlich der Über­stun­den nicht über­schrei­tet.“
Nach Art. 16 der Richt­li­nie 2003/88 können die Mit­glied­staa­ten für die in Art. 6 ge­re­gel­te wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit ei­nen Be­zugs­zeit­raum von bis zu vier Mo­na­ten vor­se­hen, vor­be­halt­lich der nach Art. 17 und 18 die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Ab­wei­chun­gen. Gemäß Art. 19 Abs. 1 und 2 die­ser Richt­li­nie darf die­se Möglich­keit der Ab­wei­chung von Art. 16 je­doch nicht die Fest­le­gung ei­nes Be­zugs­zeit­raums zur Fol­ge ha­ben, der sechs Mo­na­te oder, wenn die­se Be­zugs­zeiträume in Ta­rif­verträgen oder Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen So­zi­al­part­nern fest­ge­legt wer­den, zwölf Mo­na­te über­schrei­tet.
In Art. 22 Abs. 1 Un­terabs. 1 die­ser Richt­li­nie heißt es:
„Es ist ei­nem Mit­glied­staat frei­ge­stellt, Ar­ti­kel 6 nicht an­zu­wen­den, wenn er die all­ge­mei­nen Grundsätze der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes der Ar­beit­neh­mer einhält und mit den er­for­der­li­chen Maßnah­men dafür sorgt, dass
a) kein Ar­beit­ge­ber von ei­nem Ar­beit­neh­mer ver­langt, im Durch­schnitt des in Ar­ti­kel 16 Buch­sta­be b) ge­nann­ten Be­zugs­zeit­raums mehr als 48 St­un­den in­ner­halb ei­nes Sie­ben­ta­ge­zeit­raums zu ar­bei­ten, es sei denn der Ar­beit­neh­mer hat sich hier­zu be­reit erklärt;
b) kei­nem Ar­beit­neh­mer Nach­tei­le dar­aus ent­ste­hen, dass er nicht be­reit ist, ei­ne sol­che Ar­beit zu leis­ten;
c) der Ar­beit­ge­ber ak­tu­el­le Lis­ten über al­le Ar­beit­neh­mer führt, die ei­ne sol­che Ar­beit leis­ten;
d) die Lis­ten den zuständi­gen Behörden zur Verfügung ge­stellt wer­den, die aus Gründen der Si­cher­heit und/oder des Schut­zes der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer die Möglich­keit zur Über­schrei­tung der wöchent­li­chen Höchst­ar­beits­zeit un­ter­bin­den oder ein­schränken können;
e) der Ar­beit­ge­ber die zuständi­gen Behörden auf Er­su­chen darüber un­ter­rich­tet, wel­che Ar­beit­neh­mer sich da­zu be­reit erklärt ha­ben, im Durch­schnitt des in Ar­ti­kel 16 Buch­sta­be b) ge­nann­ten Be­zugs­zeit­raums mehr als 48 St­un­den in­ner­halb ei­nes Sie­ben­ta­ge­zeit­raums zu ar­bei­ten.“
Nach Art. 27 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88 wird die Richt­li­nie 93/104 un­be­scha­det der Pflich­ten der Mit­glied­staa­ten hin­sicht­lich der Um­set­zungs­fris­ten auf­ge­ho­ben.
Gemäß Art. 28 der Richt­li­nie 2003/88 trat die­se am 2. Au­gust 2004 in Kraft.
§ 2 Abs. 1 der Ver­ord­nung über die Ar­beits­zeit der Be­am­tin­nen und Be­am­ten im feu­er­wehr­tech­ni­schen Dienst der Städte und Ge­mein­den des Lan­des Sach­sen-An­halt vom 7. Ok­to­ber 1998 (im Fol­gen­den: Arb­ZVO-FW 1998), der bis zum 31. De­zem­ber 2007 galt, sah vor:
„Die re­gelmäßige Ar­beits­zeit beträgt für im Schicht­dienst ein­ge­setz­te Be­am­tin­nen und Be­am­te, de­ren wöchent­li­che Ar­beits­zeit über­wie­gend in Be­reit­schaft ab­ge­leis­tet wird, im Durch­schnitt 54 St­un­den. …“
Mit Wir­kung zum 1. Ja­nu­ar 2008 wur­de die Arb­ZVO-FW 1998 durch die Arb­ZVO-FW vom 5. Ju­li 2007 (im Fol­gen­den: Arb­ZVO-FW 2007) er­setzt.
§ 2 Abs. 1 der Arb­ZVO-FW 2007 lau­tet:
„Die re­gelmäßige durch­schnitt­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit der Be­am­tin­nen und Be­am­ten, ein­sch­ließlich der Mehr­ar­beits­stun­den, beträgt im Jah­res­durch­schnitt 48 St­un­den.“
§ 4 („In­di­vi­du­al­ver­ein­ba­run­gen“) der Arb­ZVO-FW 2007 sieht vor:
„(1) Un­ter Ein­hal­tung der all­ge­mei­nen Grundsätze der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes kann über die re­gelmäßige durch­schnitt­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit des § 2 Abs. 1 hin­aus Schicht­dienst als durch­schnitt­li­che re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit ge­leis­tet wer­den, wenn Be­trof­fe­ne sich hier­zu be­reit erklären und der Dienst­herr ei­nen Nach­weis hierüber führt.
(2) Die Erklärung nach Ab­satz 1 kann mit ei­ner Frist von sechs Mo­na­ten wi­der­ru­fen wer­den. Die Be­trof­fe­nen sind hier­auf schrift­lich hin­zu­wei­sen.“
Nach § 72 Abs. 3 des Be­am­ten­ge­set­zes Sach­sen-An­halt in sei­ner für den Sach­ver­halt des Aus­gangs­ver­fah­rens gel­ten­den Fas­sung kann die Ar­beits­zeit, so­weit der Dienst in Be­reit­schaft be­steht, ent­spre­chend den dienst­li­chen Bedürf­nis­sen verlängert wer­den; im wöchent­li­chen Zeit­raum dürfen 54 St­un­den nicht über­schrit­ten wer­den.
Herr Fuß steht seit dem 10. Mai 1982 im Dienst der Stadt Hal­le. Er wur­de im Jahr 1998 un­ter Be­ru­fung in das Be­am­ten­verhält­nis zum Ober­brand­meis­ter er­nannt und hat seit dem 15. De­zem­ber 2005 das Amt ei­nes Haupt­brand­meis­ters in­ne.
Bis zum 4. Ja­nu­ar 2007 wur­de Herr Fuß im Ein­satz­dienst „ab­weh­ren­der Brand­schutz“ der Feu­er­wehr der Stadt Hal­le als Fahr­zeugführer ver­wen­det. Sei­ne wöchent­li­che Dienst­zeit be­trug durch­schnitt­lich 54 St­un­den; sie um­fass­te im 24-St­un­den-Dienst ab­zu­leis­ten­de Schich­ten. Je­de die­ser Schich­ten, während de­ren der Be­am­te auf der Feu­er­wa­che an­we­send sein muss, setzt sich aus ak­ti­vem Dienst und Be­reit­schafts­dienst zu­sam­men, der fall­wei­se durch Ein­satztätig­keit un­ter­bro­chen wird.
Mit Schrei­ben vom 13. De­zem­ber 2006 be­an­trag­te Herr Fuß un­ter Be­ru­fung auf den Be­schluss des Ge­richts­hofs vom 14. Ju­li 2005, Per­so­nal­rat der Feu­er­wehr Ham­burg (C-52/04, Slg. 2005, I-7111), dass sei­ne wöchent­li­che Ar­beits­zeit künf­tig nicht die in Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 vor­ge­se­he­ne Höchst­gren­ze von durch­schnitt­lich 48 St­un­den über­schrei­tet. In die­sem Schrei­ben mach­te er außer­dem Aus­gleichs­ansprüche für die von ihm in der Zeit von 1. Ja­nu­ar 2004 bis 31. De­zem­ber 2006 ge­leis­te­te rechts­wid­ri­ge Mehr­ar­beit gel­tend; der Aus­gleich könne ent­we­der in Form von Frei­zeit­aus­gleich oder als Mehr­ar­beits­vergütung gewährt wer­den.
Mit Verfügung vom 2. Ja­nu­ar 2007 setz­te die Stadt Hal­le Herrn Fuß ge­gen des­sen Wil­len für ei­nen Zeit­raum von et­wa zwei Jah­ren in die Ein­satz­leit­zen­tra­le um, da ei­ne sol­che Um­set­zung aus dienst­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Gründen er­for­der­lich sei. Die­se Verfügung war Ge­gen­stand des Ur­teils vom 14. Ok­to­ber 2010, Fuß (C-243/09, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht).
Mit Be­scheid vom 20. März 2007 lehn­te die Stadt Hal­le den An­trag von Herrn Fuß auf Gewährung ei­nes Aus­gleichs für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2004 bis 31. De­zem­ber 2006 un­ter Be­ru­fung auf ei­nen Be­schluss des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts des Lan­des Sach­sen-An­halt vom 17. Ok­to­ber 2006 ab, wo­nach ein An­spruch auf Frei­zeit­aus­gleich erst durch An­trag­stel­lung aus­gelöst wer­de. Dem An­trag von Herrn Fuß auf Gewährung von Frei­zeit­aus­gleich für die seit Ja­nu­ar 2007 ge­leis­te­te Mehr­ar­beit gab die Stadt Hal­le hin­ge­gen statt. Da al­ler­dings seit der Um­set­zung von Herrn Fuß in ei­nen an­de­ren Dienst sei­ne durch­schnitt­li­che Höchst­ar­beits­zeit ein­ge­hal­ten wer­de, könne ihm für die­sen Zeit­raum we­der als Scha­dens­er­satz noch auf­grund ei­nes Fol­gen­be­sei­ti­gungs­an­spruchs ein fi­nan­zi­el­ler Aus­gleich gewährt wer­den.
Mit Be­scheid vom 25. April 2007 wies die Stadt Hal­le den Wi­der­spruch zurück, den Herr Fuß ge­gen den ge­nann­ten ab­leh­nen­den Be­scheid ein­ge­legt hat­te, und be­gründe­te dies da­mit, dass Herr Fuß zwar ei­nen An­spruch auf Un­ter­las­sen der Ver­let­zung des Uni­ons­rechts ha­be, die auf der Über­schrei­tung der durch­schnitt­li­chen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 48 St­un­den be­ru­he, dass dies aber erst für die Zeit ab dem En­de des Mo­nats der Stel­lung ei­nes ent­spre­chen­den An­trags gel­te, da der Be­am­te ein rechts­wid­ri­ges Han­deln sei­nes Dienst­herrn zu­vor die­sem ge­genüber be­an­stan­den müsse.
Nach An­sicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Hal­le, bei dem Herr Fuß Kla­ge ge­gen die­se ab­leh­nen­den Be­schei­de vom 20. März und vom 25. April 2007 er­hob, hat die­ser nach na­tio­na­lem Recht kei­nen An­spruch auf Frei­zeit­aus­gleich oder Mehr­ar­beits­vergütung. Der An­spruch auf Dienst­be­frei­ung im Um­fang der Ge­samt­dau­er des ge­leis­te­ten Zu­satz­diens­tes fin­de im na­tio­na­len Recht kei­ne Rechts­grund­la­ge. Herr Fuß ha­be auch kei­nen An­spruch auf Mehr­ar­beits­vergütung, da ei­ne als sol­che be­zeich­ne­te Mehr­ar­beit nicht an­ge­ord­net wor­den sei.
Ein An­spruch auf Dienst­be­frei­ung könne sich nach na­tio­na­lem Recht nur aus dem Grund­satz von Treu und Glau­ben im Sin­ne von § 242 BGB er­ge­ben. Ein sol­cher An­spruch set­ze aber ei­nen An­trag des Be­am­ten an sei­nen Dienst­herrn vor­aus, nur für die ge­setz­lich vor­ge­se­he­ne Ar­beits­zeit in An­spruch ge­nom­men zu wer­den. Erst für nach Stel­lung die­ses An­trags rechts­wid­rig fest­ge­setz­te Ar­beits­zei­ten sei ein Aus­gleich zu gewähren.
Das vor­le­gen­de Ge­richt fragt sich je­doch, ob ein Aus­gleichs­an­spruch nicht aus der Richt­li­nie 2003/88 her­ge­lei­tet wer­den kann. Denn das Er­for­der­nis ei­nes vor­he­ri­gen An­trags würde die prak­ti­sche Wirk­sam­keit des Uni­ons­rechts auf die Fälle be­schränken, in de­nen die­ses vom Be­am­ten gel­tend ge­macht wer­de, was dem im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Ver­hal­ten Vor­schub leis­ten würde, sich nur dann an das Uni­ons­recht zu hal­ten, wenn des­sen Be­ach­tung ein­ge­for­dert wer­de. Zu­dem ha­be die Stadt im vor­lie­gen­den Fall an­gekündigt, den­je­ni­gen, der die Rech­te aus die­ser Richt­li­nie gel­tend ma­che, aus dem Ein­satz­dienst um­zu­set­zen, und Herrn Fuß, nach­dem die­ser be­an­tragt hat­te, dass sei­ne Ar­beits­zeit die wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit nicht mehr über­schrei­ten sol­le, auch um­ge­setzt. Außer­dem stel­le sich die Fra­ge, ob sich ein An­spruch auf Frei­zeit­aus­gleich auch aus den in die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Re­ge­lun­gen über die Be­zugs­zeiträume er­ge­ben könn­te.
Un­ter die­sen Umständen hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Hal­le be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
1. Er­ge­ben sich aus der Richt­li­nie 2003/88 Se­kundäransprüche, wenn der Ar­beit­ge­ber (Dienst­herr) ei­ne Ar­beits­zeit fest­ge­setzt hat, die die Gren­ze des Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 über­schrei­tet?
2. Für den Fall, dass Fra­ge 1 zu be­ja­hen ist, er­gibt sich der An­spruch al­lein aus dem Ver­s­toß ge­gen die Richt­li­nie 2003/88 oder sta­tu­iert das Uni­ons­recht wei­ter ge­hen­de An­for­de­run­gen für den An­spruch wie z. B. ei­nen An­trag auf Ar­beits­zeit­verkürzung ge­genüber dem Dienst­herrn oder ein Ver­schul­den bei der Fest­set­zung der Ar­beits­zeit?
3. Soll­te ein Se­kundäran­spruch ge­ge­ben sein, so stellt sich die Fra­ge, ob er auf Frei­zeit­aus­gleich oder ei­ne fi­nan­zi­el­le Entschädi­gung ge­rich­tet ist und wel­che Vor­ga­ben das Uni­ons­recht für die Be­rech­nung der An­spruchshöhe enthält?
4. Sind die Be­zugs­zeiträume des Art. 16 Buchst. b und/oder Art. 19 Abs. 2 der Richt­li­nie 2003/88 in ei­nem Fall wie dem vor­lie­gen­den un­mit­tel­bar an­wend­bar, in dem das na­tio­na­le Recht le­dig­lich ei­ne Ar­beits­zeit fest­setzt, die die Höchst­ar­beits­zeit des Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 über­schrei­tet, oh­ne ei­nen Aus­gleich vor­zu­se­hen? Soll­te ei­ne un­mit­tel­ba­re An­wen­dung zu be­ja­hen sein, so stellt sich die Fra­ge, ob und ge­ge­be­nen­falls wie der Aus­gleich vor­zu­neh­men ist, wenn der Dienst­herr bis zum Ab­lauf des Be­zugs­zeit­raums den Aus­gleich nicht vor­nimmt?
5. Wie sind die Fra­gen 1 bis 4 während der Gel­tung der Richt­li­nie 93/104 zu be­ant­wor­ten?
Das vor­le­gen­de Ge­richt fragt zum ei­nen nach den Vor­aus­set­zun­gen ei­nes An­spruchs auf Er­satz des Scha­dens, der in ei­ner Si­tua­ti­on wie der des Aus­gangs­ver­fah­rens ent­stan­den ist, in der ein Ar­beit­neh­mer, der als Feu­er­wehr­mann in ei­nem Ein­satz­dienst des öffent­li­chen Sek­tors beschäftigt ist, ei­ne durch­schnitt­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit ab­ge­leis­tet hat, die die in den Richt­li­ni­en 93/104 und 2003/88 vor­ge­se­he­ne über­schrei­tet, und zum an­de­ren nach den Ver­fah­rens­mo­da­litäten und den Kri­te­ri­en für die Gewährung ei­nes sol­chen Er­satz­an­spruchs.
Zur Be­ant­wor­tung die­ser Fra­gen ist ein­gangs fest­zu­stel­len, dass auf den Er­satz­an­spruch, der im Aus­gangs­ver­fah­ren für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2004 bis 31. De­zem­ber 2006 gel­tend ge­macht wird, wie das vor­le­gen­de Ge­richt zu Recht fest­ge­stellt hat, zum Teil die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 93/104, die bis 1. Au­gust 2004 galt, und zum Teil die der Richt­li­nie 2003/88, durch die die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 93/104 mit Wir­kung vom 2. Au­gust 2004 ko­di­fi­ziert wur­den, An­wen­dung fin­den. Da je­doch die maßgeb­li­chen Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­ni­en in ih­rem Wort­laut im We­sent­li­chen übe­rein­stim­men und die Ant­wor­ten auf die Fra­gen des vor­le­gen­den Ge­richts we­gen die­ser Übe­rein­stim­mung un­abhängig da­von, wel­che Richt­li­nie an­wend­bar ist, die glei­chen sind, ist zur Be­ant­wor­tung die­ser Fra­gen al­lein auf die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 2003/88 ab­zu­stel­len.
Zunächst ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 ei­ne be­son­ders wich­ti­ge Re­gel des So­zi­al­rechts der Uni­on ist, die je­dem Ar­beit­neh­mer als ein zum Schutz sei­ner Si­cher­heit und sei­ner Ge­sund­heit be­stimm­ter Min­dest­an­spruch zu­gu­te­kom­men muss und die die Mit­glied­staa­ten ver­pflich­tet, für die durch­schnitt­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit ei­ne Ober­gren­ze von 48 St­un­den vor­zu­se­hen, wo­bei aus­drück­lich klar­ge­stellt ist, dass die­se Ober­gren­ze die Über­stun­den ein­sch­ließt; von die­ser Re­gel kann man­gels in­ner­staat­li­cher Um­set­zung der in Art. 22 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Möglich­keit in Be­zug auf Tätig­kei­ten wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Tätig­keit von Feu­er­wehr­leu­ten selbst bei Ein­verständ­nis des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers in kei­nem Fall ab­ge­wi­chen wer­den (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 5. Ok­to­ber 2004, Pfeif­fer u. a., C-397/01 bis C-403/01, Slg. 2004, I-8835, Rand­nrn. 98 und 100, und Fuß, Rand­nrn. 33 bis 35 und 38).
Wie der Ge­richts­hof be­reits ent­schie­den hat, können die Mit­glied­staa­ten da­her die Reich­wei­te des Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 nicht ein­sei­tig fest­le­gen, in­dem sie den An­spruch der Ar­beit­neh­mer dar­auf, dass die durch­schnitt­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit die­se Ober­gren­ze nicht über­schrei­tet, ir­gend­wel­chen Be­din­gun­gen oder Be­schränkun­gen un­ter­wer­fen (vgl. Ur­tei­le Pfeif­fer u. a., Rand­nr. 99, und Fuß, Rand­nr. 52).
Zu­dem hat der Ge­richts­hof ent­schie­den, dass Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 in dem Sin­ne un­mit­tel­ba­re Wir­kung hat, dass er dem Ein­zel­nen Rech­te ver­leiht, die er un­mit­tel­bar vor den na­tio­na­len Ge­rich­ten gel­tend ma­chen kann (Ur­tei­le Pfeif­fer u. a., Rand­nrn. 103 bis 106, und Fuß, Rand­nrn. 56 bis 59).
Wie der Ge­richts­hof in Rand­nr. 60 des Ur­teils Fuß fest­ge­stellt hat, war die Frist zur Um­set­zung der Richt­li­nie 93/104, die durch die Richt­li­nie 2003/88 ko­di­fi­ziert wur­de, in dem Zeit­raum, für den der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Er­satz­an­spruch gel­tend ge­macht wird, ab­ge­lau­fen und das Land Sach­sen-An­halt hat­te ei­ne sol­che Um­set­zung in sein in­ner­staat­li­ches Recht in Be­zug auf im Ein­satz­dienst beschäftig­te Feu­er­wehr­leu­te nicht vor­ge­nom­men.
Ins­be­son­de­re steht fest, dass die Arb­ZVO-FW 1998, die während die­ses Zeit­raums für Feu­er­wehr­leu­te galt, ei­ne durch­schnitt­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit zu­ließ, die die in Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 vor­ge­se­he­ne Ober­gren­ze von 48 St­un­den über­schritt, und dass das Land Sach­sen-An­halt die in Art. 22 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­ne Ab­wei­chungsmöglich­keit, die ins­be­son­de­re vor­aus­setzt, dass der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer sein Ein­verständ­nis er­teilt hat, während die­ses Zeit­raums nicht in sein in­ter­nes Recht um­ge­setzt hat, da die ver­schie­de­nen Richt­li­ni­en­be­stim­mun­gen erst mit dem Er­lass der Arb­ZVO-FW 2007 mit Wir­kung vom 1. Ja­nu­ar 2008 um­ge­setzt wur­den (vgl. Ur­teil Fuß, Rand­nrn. 36, 37 und 45).
Un­ter die­sen Umständen hat ein von der Stadt Hal­le in ei­nem Ein­satz­dienst beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer wie Herr Fuß das Recht, ge­genüber die­sem öffent­li­chen Ar­beit­ge­ber Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 un­mit­tel­bar gel­tend zu ma­chen, da­mit das sich aus die­ser Richt­li­nie er­ge­ben­de Recht auf ei­ne durch­schnitt­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit, die 48 St­un­den nicht über­schrei­tet, be­ach­tet wird (Ur­teil Fuß, Rand­nr. 60).
In die­sem Zu­sam­men­hang ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die sich aus ei­ner Richt­li­nie er­ge­ben­de Ver­pflich­tung der Mit­glied­staa­ten, das in die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­ne Ziel zu er­rei­chen, so­wie ih­re Pflicht nach Art. 4 Abs. 3 EUV, al­le zur Erfüllung die­ser Ver­pflich­tung ge­eig­ne­ten Maßnah­men all­ge­mei­ner oder be­son­de­rer Art zu tref­fen, al­len Trägern öffent­li­cher Ge­walt in den Mit­glied­staa­ten ob­liegt. Der­ar­ti­ge Ver­pflich­tun­gen tref­fen die Träger öffent­li­cher Ge­walt ge­ge­be­nen­falls auch in ih­rer Ei­gen­schaft als öffent­li­che Ar­beit­ge­ber (Ur­teil vom 15. April 2008, Im­pact, C-268/06, Slg. 2008, I-2483, Rand­nr. 85).
Dar­aus folgt nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs, dass die na­tio­na­len Ge­rich­te und die Ver­wal­tungs­or­ga­ne, so­fern ei­ne mit den An­for­de­run­gen des Uni­ons­rechts übe­rein­stim­men­de Aus­le­gung und An­wen­dung der na­tio­na­len Re­ge­lung nicht möglich ist, das Uni­ons­recht in vol­lem Um­fang an­zu­wen­den und die Rech­te, die die­ses dem Ein­zel­nen einräumt, zu schützen ha­ben, in­dem sie ent­ge­gen­ste­hen­de Vor­schrif­ten des in­ner­staat­li­chen Rechts ge­ge­be­nen­falls un­an­ge­wen­det las­sen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 22. Ju­ni 1989, Cost­an­zo, 103/88, Slg. 1989, 1839, Rand­nr. 33, vom 11. Ja­nu­ar 2007, ITC, C-208/05, Slg. 2007, I-181, Rand­nrn. 68 und 69, und Fuß, Rand­nr. 63).
Die Fra­gen des vor­le­gen­den Ge­richts sind im Licht die­ser Vor­be­mer­kun­gen zu be­ant­wor­ten.
Mit sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob das Uni­ons­recht, ins­be­son­de­re die Richt­li­nie 2003/88, ei­nem Ar­beit­neh­mer, der, wie im Aus­gangs­ver­fah­ren Herr Fuß, als Feu­er­wehr­mann in ei­nem zum öffent­li­chen Sek­tor gehören­den Ein­satz­dienst beschäftigt ist und als sol­cher ei­ne durch­schnitt­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit ab­ge­leis­tet hat, die die in Art. 6 Buchst. b die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­ne Ober­gren­ze von 48 St­un­den über­schrei­tet, ei­nen An­spruch auf Er­satz des ihm ent­stan­de­nen Scha­dens ver­leiht.
Es ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass durch die Richt­li­nie 2003/88 Min­dest­vor­schrif­ten fest­ge­legt wer­den sol­len, die da­zu be­stimmt sind, die Le­bens- und Ar­beits­be­din­gun­gen der Ar­beit­neh­mer durch ei­ne An­glei­chung na­ment­lich der in­ner­staat­li­chen Ar­beits­zeit­vor­schrif­ten zu ver­bes­sern. Die­se Har­mo­ni­sie­rung der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung auf der Ebe­ne der Uni­on durch Gewährung von – u. a. tägli­chen und wöchent­li­chen – Min­destru­he­zei­ten und an­ge­mes­se­nen Ru­he­pau­sen so­wie die Fest­le­gung ei­ner Ober­gren­ze für die wöchent­li­che Ar­beits­zeit soll ei­nen bes­se­ren Schutz der Si­cher­heit und der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer gewähr­leis­ten (vgl. ins­be­son­de­re Ur­tei­le Pfeif­fer u. a., Rand­nr. 76, und Fuß, Rand­nr. 32).
Wie die Eu­ropäische Kom­mis­si­on zu Recht aus­geführt hat, enthält die Richt­li­nie 2003/88 je­doch kei­ne Be­stim­mung zu den Sank­tio­nen, die bei ei­nem Ver­s­toß ge­gen die Min­dest­vor­schrif­ten An­wen­dung fin­den, die in die­ser Richt­li­nie u. a. hin­sicht­lich der Ar­beits­zeit auf­ge­stellt wer­den, und so­mit kei­ne spe­zi­el­le Re­ge­lung zum Er­satz des Scha­dens, der den Ar­beit­neh­mern durch die­sen Ver­s­toß mögli­cher­wei­se ent­stan­den ist.
45 Es ist al­ler­dings dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Grund­satz der Haf­tung des Staa­tes für Schäden, die dem Ein­zel­nen durch dem Staat zu­zu­rech­nen­de Verstöße ge­gen das Uni­ons­recht ent­ste­hen, dem Sys­tem der Verträge in­ne­wohnt, auf de­nen die Uni­on be­ruht (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 19. No­vem­ber 1991, Fran­co­vich u. a., C-6/90 und C-9/90, Slg. 1991, I-5357, Rand­nr. 35, vom 5. März 1996, Bras­se­rie du pêcheur und Fac­tor­ta­me, C-46/93 und C-48/93, Slg. 1996, I-1029, Rand­nr. 31, und vom 26. Ja­nu­ar 2010, Trans­por­tes Ur­ba­nos y Ser­vici­os Ge­ne­ra­les, C-118/08, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 29).
Aus die­ser Recht­spre­chung er­gibt sich, dass die­se Ver­pflich­tung für je­den Fall des Ver­s­toßes ei­nes Mit­glied­staats ge­gen das Uni­ons­recht un­abhängig da­von gilt, wel­che staat­li­che Stel­le die­sen Ver­s­toß be­gan­gen hat und wel­che Stel­le nach dem Recht des be­tref­fen­den Mit­glied­staats die­sen Scha­dens­er­satz grundsätz­lich zu leis­ten hat (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le Bras­se­rie du pêcheur und Fac­tor­ta­me, Rand­nr. 32, vom 1. Ju­ni 1999, Kon­le, C-302/97, Slg. 1999, I-3099, Rand­nr. 62, vom 4. Ju­li 2000, Haim, C-424/97, Slg. 2000, I-5123, Rand­nr. 27, und vom 30. Sep­tem­ber 2003, Köbler, C-224/01, Slg. 2003, I-10239, Rand­nr. 31).
Hier­zu hat der Ge­richts­hof ent­schie­den, dass die Geschädig­ten ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch ha­ben, wenn drei Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind: Die uni­ons­recht­li­che Norm, ge­gen die ver­s­toßen wor­den ist, be­zweckt die Ver­lei­hung von Rech­ten an die Geschädig­ten, der Ver­s­toß ge­gen die­se Norm ist hin­rei­chend qua­li­fi­ziert, und zwi­schen die­sem Ver­s­toß und dem den Geschädig­ten ent­stan­de­nen Scha­den be­steht ein un­mit­tel­ba­rer Kau­sal­zu­sam­men­hang (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Trans­por­tes Ur­ba­nos y Ser­vici­os Ge­ne­ra­les, Rand­nr. 30).
Die Vor­aus­set­zun­gen für die Haf­tung der Mit­glied­staa­ten für Schäden, die Ein­zel­nen durch Verstöße ge­gen das Uni­ons­recht ent­stan­den sind, ent­spre­chend den vom Ge­richts­hof hierfür ent­wi­ckel­ten Leit­li­ni­en kon­kret an­zu­wen­den, ob­liegt grundsätz­lich den na­tio­na­len Ge­rich­ten (vgl. Ur­teil vom 12. De­zem­ber 2006, Test Clai­mants in the FII Group Li­ti­ga­ti­on, C-446/04, Slg. 2006, I-11753, Rand­nr. 210 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Für das Aus­gangs­ver­fah­ren er­gibt sich hin­sicht­lich der ers­ten Vor­aus­set­zung be­reits aus den Rand­nrn. 33 bis 35 des vor­lie­gen­den Ur­teils, dass Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88, so­weit er den Mit­glied­staa­ten ei­ne Ober­gren­ze für die durch­schnitt­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit vor­gibt, die je­dem Ar­beit­neh­mer als Min­dest­an­spruch zu­gu­te­kom­men muss, ei­ne be­son­ders wich­ti­ge Re­gel des So­zi­al­rechts der Uni­on ist, de­ren Reich­wei­te nicht ir­gend­wel­chen Be­din­gun­gen oder Be­schränkun­gen un­ter­wor­fen wer­den darf und die den Ein­zel­nen Rech­te ver­leiht, die sie un­mit­tel­bar vor den na­tio­na­len Ge­rich­ten gel­tend ma­chen können.
Un­ter die­sen Umständen er­scheint Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 of­fen­kun­dig als ei­ne uni­ons­recht­li­che Vor­schrift, die den Ein­zel­nen Rech­te ver­lei­hen soll, so dass die ers­te Vor­aus­set­zung für das Vor­lie­gen ei­nes Er­satz­an­spruchs im Aus­gangs­ver­fah­ren erfüllt ist.
Was die zwei­te Vor­aus­set­zung be­trifft, setzt ein hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ter Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs vor­aus, dass der Mit­glied­staat die Gren­zen, die sei­nem Er­mes­sen ge­setzt sind, of­fen­kun­dig und er­heb­lich über­schrit­ten hat, wo­bei zu den in­so­weit zu berück­sich­ti­gen­den Ge­sichts­punk­ten ins­be­son­de­re das Maß an Klar­heit und Ge­nau­ig­keit der ver­letz­ten Vor­schrift so­wie der Um­fang des Er­mes­sens­spiel­raums gehören, den die ver­letz­te Vor­schrift den na­tio­na­len Behörden belässt (vgl. ins­be­son­de­re Ur­tei­le Bras­se­rie du pêcheur und Fac­tor­ta­me, Rand­nrn. 55 und 56, und vom 25. Ja­nu­ar 2007, Ro­bins u. a., C-278/05, Slg. 2007, I-1053, Rand­nr. 70).
Ein Ver­s­toß ge­gen das Ge­mein­schafts­recht ist je­den­falls dann hin­rei­chend qua­li­fi­ziert, wenn die ein­schlägi­ge Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs of­fen­kun­dig ver­kannt wor­den ist (vgl. ins­be­son­de­re Ur­tei­le Bras­se­rie du pêcheur und Fac­tor­ta­me, Rand­nr. 57, vom 28. Ju­ni 2001, Lar­sy, C-118/00, Slg. 2001, I-5063, Rand­nr. 44, und Köbler, Rand­nr. 56).
Wie in Rand­nr. 48 des vor­lie­gen­den Ur­teils aus­geführt, ist es zwar grundsätz­lich Sa­che der na­tio­na­len Ge­rich­te, zu prüfen, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Haf­tung der Mit­glied­staa­ten für ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht erfüllt sind. Im Aus­gangs­ver­fah­ren verfügt der Ge­richts­hof je­doch über al­le In­for­ma­tio­nen, die für die Be­ur­tei­lung der Fra­ge er­for­der­lich sind, ob der hier ge­ge­be­ne Sach­ver­halt ei­nen hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ten Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht er­ken­nen lässt (vgl. ent­spre­chend Ur­tei­le vom 26. März 1996, Bri­tish Tele­com­mu­ni­ca­ti­ons, C-392/93, Slg. 1996, I-1631, Rand­nr. 41, und vom 17. Ok­to­ber 1996, Den­ka­vit u. a., C-283/94, C-291/94 und C-292/94, Slg. 1996, I-5063, Rand­nr. 49).
Als Herr Fuß während des Zeit­raums, für den der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Aus­gleichs­an­spruch gel­tend ge­macht wird, d. h. zwi­schen dem 1. Ja­nu­ar 2004 und dem 31. De­zem­ber 2006, nach der Arb­ZVO-FW 1998 ei­ne durch­schnitt­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit von 54 St­un­den ab­zu­leis­ten hat­te, was sich aus im 24-St­un­den-Dienst ab­zu­leis­ten­den Schich­ten er­gab, die sich aus ak­ti­ven Diens­ten und Be­reit­schafts­diens­ten zu­sam­men­setz­ten, während de­ren er an sei­nem Ar­beits­ort an­we­send sein muss­te, hat­te der Ge­richts­hof, wie die Kom­mis­si­on zu­tref­fend aus­geführt hat, be­reits das Ur­teil vom 3. Ok­to­ber 2000, Si­map (C-303/98, Slg. 2000, I-7963), den Be­schluss vom 3. Ju­li 2001, CIG (C-241/99, Slg. 2001, I-5139), und das Ur­teil vom 9. Sep­tem­ber 2003, Ja­e­ger (C-151/02, Slg. 2003, I-8389), er­las­sen.
Aus die­ser Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs, die vor dem für das Aus­gangs­ver­fah­ren maßgeb­li­chen Ge­sche­hen er­gan­gen ist, geht je­doch klar her­vor, dass die Ar­beits­zeit, die von Be­diens­te­ten im Rah­men von Ar­beits­be­reit­schaft und Be­reit­schafts­dienst in Form persönli­cher An­we­sen­heit des be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mers am Ar­beits­ort ab­ge­leis­tet wird, un­ter den Be­griff „Ar­beits­zeit“ im Sin­ne der Richt­li­nie 2003/88 fällt und dass die­se da­her ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, die ei­ne durch­schnitt­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit vor­sieht, die – da sie der­ar­ti­ge Ar­beits­be­reit­schaf­ten und Be­reit­schafts­diens­te um­fasst – die in Art. 6 Buchst. b der ge­nann­ten Richt­li­nie vor­ge­se­he­ne wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit über­schrei­tet (vgl. Ur­teil Si­map, Rand­nrn. 46 bis 52, Be­schluss CIG, Rand­nrn. 33 und 34, so­wie Ur­teil Ja­e­ger, Rand­nrn. 68 bis 71, 78 und 79).
Darüber hin­aus hat der Ge­richts­hof die­se Recht­spre­chung am 5. Ok­to­ber 2004, al­so während des für das Aus­gangs­ver­fah­ren maßgeb­li­chen Zeit­raums, im Ur­teil Pfeif­fer u. a. in Be­zug auf Be­reit­schafts­diens­te bestätigt, die von Ar­beit­neh­mern ge­leis­tet wer­den, die wie im vor­lie­gen­den Fall auf dem Ge­biet des Zi­vil­schut­zes tätig sind.
Im Übri­gen hat der Ge­richts­hof eben­falls während die­ses Zeit­raums in An­be­tracht des­sen, dass die­se Fra­ge des Be­griffs „Ar­beits­zeit“ im Sin­ne der Richt­li­nie 2003/88 kei­nen Raum für vernünf­ti­ge Zwei­fel lässt, im Licht der ge­sam­ten in den Rand­nrn. 53 bis 55 des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­nann­ten Recht­spre­chung am 14. Ju­li 2005 gemäß Art. 104 § 3 sei­ner Ver­fah­rens­ord­nung den Be­schluss Per­so­nal­rat der Feu­er­wehr Ham­burg er­las­sen, in dem er ent­schie­den hat, dass die von Ein­satz­kräften ei­ner staat­li­chen Feu­er­wehr aus­geübten Tätig­kei­ten in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 2003/88 fal­len, so dass Art. 6 Buchst. b die­ser Richt­li­nie ei­ner Über­schrei­tung der Ober­gren­ze von 48 St­un­den für die wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit, ein­sch­ließlich Be­reit­schafts­dienst, grundsätz­lich ent­ge­gen­steht – außer un­ter außer­gewöhn­li­chen Umständen, die im Aus­gangs­ver­fah­ren nicht vor­lie­gen (vgl. Ur­teil Fuß, Rand­nr. 44).
Un­ter die­sen Umständen ist fest­zu­stel­len, dass die Nicht­be­ach­tung der Vor­schrif­ten des Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 im für das Aus­gangs­ver­fah­ren maßgeb­li­chen Zeit­raum, da sie in of­fen­kun­di­ger Ver­ken­nung der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs er­folg­te, als hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ter Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht an­zu­se­hen ist; da­mit ist die zwei­te Vor­aus­set­zung, die für die An­er­ken­nung ei­nes Er­satz­an­spruchs vor­lie­gen muss, im Aus­gangs­ver­fah­ren eben­falls erfüllt.
Was schließlich die drit­te Vor­aus­set­zung für die Auslösung der Haf­tung des Staa­tes für ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht be­trifft, ist es Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob – wie sich aus den beim Ge­richts­hof ein­ge­reich­ten Ak­ten zu er­ge­ben scheint – ein un­mit­tel­ba­rer Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen dem Ver­s­toß ge­gen Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 und dem Scha­den be­steht, der Herrn Fuß durch den Ver­lust der Ru­he­zeit ent­stan­den ist, die ihm zu­ge­stan­den hätte, wenn die in die­ser Be­stim­mung vor­ge­se­he­ne wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit ein­ge­hal­ten wor­den wäre.
Folg­lich er­gibt sich vor­be­halt­lich der vom vor­le­gen­den Ge­richt vor­zu­neh­men­den Prüfung, dass die Vor­aus­set­zun­gen, die in der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs für die Gewährung ei­nes Entschädi­gungs­an­spruchs auf­ge­stellt wor­den sind, im Aus­gangs­ver­fah­ren erfüllt sind, was die deut­sche Re­gie­rung in der münd­li­chen Ver­hand­lung im Übri­gen selbst ein­geräumt hat.
Nach der in Rand­nr. 46 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Recht­spre­chung kann ein sol­cher Scha­den, der ei­nem Ein­zel­nen ent­stan­den ist, von ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Ein­rich­tung wie im Aus­gangs­ver­fah­ren der Stadt Hal­le oder dem Land Sach­sen-An­halt er­setzt wer­den, wenn er durch in­ner­staat­li­che Maßnah­men ent­stan­den ist, die die­se Ein­rich­tung un­ter Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht ge­trof­fen hat. Im Übri­gen läuft es dem Uni­ons­recht auch nicht zu­wi­der, dass die Haf­tung ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Körper­schaft auf Er­satz des Scha­dens, der ei­nem Ein­zel­nen durch sol­che Maßnah­men ent­stan­den ist, ne­ben der­je­ni­gen des Mit­glied­staats selbst ge­ge­ben sein kann (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Haim, Rand­nrn. 31 und 32).
Vor­be­halt­lich des An­spruchs auf Entschädi­gung, der sei­ne Grund­la­ge un­mit­tel­bar im Uni­ons­recht hat, wenn die drei in Rand­nr. 47 des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind, hat der Staat die Fol­gen des ent­stan­de­nen Scha­dens im Rah­men des na­tio­na­len Haf­tungs­rechts zu be­he­ben, wo­bei die im na­tio­na­len Scha­dens­er­satz­recht fest­ge­leg­ten Vor­aus­set­zun­gen we­der we­ni­ger güns­tig sein dürfen als bei ähn­li­chen Rechts­be­hel­fen, die nur na­tio­na­les Recht be­tref­fen (Äqui­va­lenz­grund­satz), noch so aus­ge­stal­tet sein dürfen, dass sie die Er­lan­gung der Entschädi­gung prak­tisch unmöglich ma­chen oder übermäßig er­schwe­ren (Ef­fek­ti­vitäts­grund­satz) (Ur­tei­le Köbler, Rand­nr. 58, vom 13. März 2007, Test Clai­mants in the Thin Cap Group Li­ti­ga­ti­on, C-524/04, Slg. 2007, I-2107, Rand­nr. 123, und Trans­por­tes Ur­ba­nos y Ser­vici­os Ge­ne­ra­les, Rand­nr. 31).
Da­her ist auf die ers­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass ein Ar­beit­neh­mer, der, wie im Aus­gangs­ver­fah­ren Herr Fuß, als Feu­er­wehr­mann in ei­nem zum öffent­li­chen Sek­tor gehören­den Ein­satz­dienst beschäftigt ist und als sol­cher ei­ne durch­schnitt­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit ab­ge­leis­tet hat, die die in Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 vor­ge­se­he­ne wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit über­schrei­tet, sich auf das Uni­ons­recht be­ru­fen kann, um die Haf­tung der Behörden des be­tref­fen­den Mit­glied­staats aus­zulösen und Er­satz des Scha­dens zu er­lan­gen, der ihm durch den Ver­s­toß ge­gen die­se Be­stim­mung ent­stan­den ist.
Mit dem ers­ten Teil sei­ner zwei­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob das Uni­ons­recht ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht, die den An­spruch ei­nes im öffent­li­chen Sek­tor beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers auf Er­satz des Scha­dens, der ihm durch den Ver­s­toß der Behörden des be­tref­fen­den Mit­glied­staats ge­gen ei­ne Vor­schrift des Uni­ons­rechts – im vor­lie­gen­den Fall Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 – ent­stan­den ist, an die zusätz­li­che Vor­aus­set­zung ei­nes Ver­schul­dens des Ar­beit­ge­bers knüpft. Mit dem zwei­ten Teil die­ser Fra­ge möch­te es wis­sen, ob die­ser Er­satz­an­spruch da­von abhängig ge­macht wer­den darf, dass zu­vor ein An­trag auf Ein­hal­tung die­ser Be­stim­mung beim Ar­beit­ge­ber ge­stellt wird.
Zur Vor­aus­set­zung ei­nes Ver­schul­dens des Ar­beit­ge­bers
Die drei in Rand­nr. 47 des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen sind nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs aus­rei­chend, um ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch des Ein­zel­nen zu be­gründen (vgl. Ur­tei­le Bras­se­rie du pêcheur und Fac­tor­ta­me, Rand­nr. 66, und Köbler, Rand­nr. 57).
Folg­lich schließt das Uni­ons­recht zwar nicht aus, dass der Staat nach na­tio­na­lem Recht un­ter we­ni­ger stren­gen Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht haf­tet (vgl. Ur­teil Test Clai­mants in the Thin Cap Group Li­ti­ga­ti­on, Rand­nr. 115 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung), es er­laubt je­doch nicht, dass im na­tio­na­len Recht zusätz­li­che Vor­aus­set­zun­gen für die­se Haf­tung auf­ge­stellt wer­den.
Wie der Ge­richts­hof be­reits ent­schie­den hat, können an­ge­sichts der in Rand­nr. 51 des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­nann­ten Recht­spre­chung be­stimm­te ob­jek­ti­ve und sub­jek­ti­ve Ele­men­te, die im Rah­men ei­ner na­tio­na­len Rechts­ord­nung an den Be­griff des Ver­schul­dens ge­knüpft sein können, zwar für die Be­ur­tei­lung der Fra­ge von Be­deu­tung sein, ob ein Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht hin­rei­chend qua­li­fi­ziert ist, die Ver­pflich­tung zum Er­satz der dem Ein­zel­nen ent­stan­de­nen Schäden kann je­doch nicht von ei­ner an den Ver­schul­dens­be­griff ge­knüpften Vor­aus­set­zung abhängig ge­macht wer­den, die über den hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ten Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht hin­aus­geht. Denn die Auf­stel­lung ei­ner sol­chen zusätz­li­chen Vor­aus­set­zung würde dar­auf hin­aus­lau­fen, dass der Entschädi­gungs­an­spruch, der sei­ne Grund­la­ge in der Uni­ons­rechts­ord­nung fin­det, in Fra­ge ge­stellt wäre (vgl. Ur­tei­le Bras­se­rie du pêcheur und Fac­tor­ta­me, Rand­nrn. 78 bis 80, und Haim, Rand­nr. 39).
Dies wäre aber bei ei­ner Vor­aus­set­zung der Fall, nach der in ei­nem Ver­fah­ren wie dem Aus­gangs­ver­fah­ren der Entschädi­gungs­an­spruch we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen das Uni­ons­recht von dem Nach­weis ei­nes kon­kre­ten Ver­schul­dens wie Vor­satz oder Fahrlässig­keit des Ar­beit­ge­bers – hier der Stadt Hal­le – abhängig ge­macht würde, da die Arb­ZVO-FW 1998, wie sich aus den Rand­nrn. 51 bis 58 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, als sol­che be­reits ei­nen hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ten Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht dar­stellt.
Das vor­le­gen­de Ge­richt hat je­doch im Rah­men des bei ihm anhängi­gen Ver­fah­rens zu be­stim­men, ob ei­ne sol­che zusätz­li­che Vor­aus­set­zung durch die na­tio­na­le Re­ge­lung tatsächlich vor­ge­se­hen ist, da die deut­sche Re­gie­rung so­wohl in ih­ren schrift­li­chen Erklärun­gen als auch in der münd­li­chen Ver­hand­lung aus­geführt hat, dass das Ver­schul­den des Ar­beit­ge­bers nach na­tio­na­lem Recht kei­nes­wegs Vor­aus­set­zung für den Entschädi­gungs­an­spruch sei.
Auf den ers­ten Teil der zwei­ten Fra­ge ist da­her zu ant­wor­ten, dass das Uni­ons­recht ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht, die – was vom vor­le­gen­den Ge­richt zu prüfen ist – den An­spruch ei­nes im öffent­li­chen Sek­tor beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers auf Er­satz des Scha­dens, der ihm durch den Ver­s­toß der Behörden des be­tref­fen­den Mit­glied­staats ge­gen ei­ne Vor­schrift des Uni­ons­rechts, im vor­lie­gen­den Fall Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88, ent­stan­den ist, von ei­ner an den Ver­schul­dens­be­griff ge­knüpften Vor­aus­set­zung abhängig macht, die über die der hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ten Ver­let­zung des Uni­ons­rechts hin­aus­geht.
Zur Vor­aus­set­zung der vor­he­ri­gen Stel­lung ei­nes An­trags beim Ar­beit­ge­ber
Der Stadt Hal­le und der deut­schen Re­gie­rung zu­fol­ge ist die Vor­aus­set­zung der vor­he­ri­gen Stel­lung ei­nes An­trags beim Ar­beit­ge­ber, die ih­ren Ur­sprung in der na­tio­na­len Recht­spre­chung ha­be, da­mit zu be­gründen, dass der An­spruch der Be­am­ten, de­ren Ar­beits­zeit die recht­lich zulässi­ge Ar­beits­zeit über­schrit­ten hat, auf Gewährung von Frei­zeit­aus­gleich auf dem Grund­satz von Treu und Glau­ben nach § 242 BGB be­ruht und da­her in das zwi­schen dem Be­am­ten und dem Dienst­herrn be­ste­hen­de Dienst- und Treu­verhält­nis ein­ge­bet­tet ist. Durch die­ses Er­for­der­nis wer­de dem Ar­beit­ge­ber die Möglich­keit ge­ge­ben, sich auf die­se Aus­gleichs­ver­pflich­tung ein­zu­stel­len und den Dienst­plan recht­zei­tig ent­spre­chend an­zu­pas­sen. Die Stadt Hal­le fügt hin­zu, dass die­ses Er­for­der­nis den Wil­len des Ge­setz­ge­bers wi­der­spieg­le, die An­samm­lung von Frei­zeit­aus­gleichs­stun­den in größerer Zahl im In­ter­es­se ei­nes kon­ti­nu­ier­li­chen Dienst­be­triebs zu ver­mei­den.
In die­ser Hin­sicht ist, wie sich aus der in Rand­nr. 62 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Recht­spre­chung er­gibt, zu be­ach­ten, dass es in Er­man­ge­lung ent­spre­chen­der uni­ons­recht­li­cher Be­stim­mun­gen Sa­che der Mit­glied­staa­ten ist, die Ver­fah­rens­mo­da­litäten für Kla­gen fest­zu­le­gen, die den Schutz der den Ein­zel­nen aus dem Uni­ons­recht er­wach­sen­den Rech­te gewähr­leis­ten sol­len, so­fern die­se Mo­da­litäten den Äqui­va­lenz- und den Ef­fek­ti­vitäts­grund­satz wah­ren (vgl. Ur­tei­le vom 14. De­zem­ber 1995, Pe­ter­bro­eck, C-312/93, Slg. 1995, I-4599, Rand­nr. 12, Im­pact, Rand­nr. 46, und vom 29. Ok­to­ber 2009, Pon­tin, C-63/08, Slg. 2009, I-10467, Rand­nr. 43).
Hin­sicht­lich der Wah­rung des Äqui­va­lenz­grund­sat­zes er­gibt sich im vor­lie­gen­den Fall aus den dem Ge­richts­hof vor­ge­tra­ge­nen Umständen, dass das Er­for­der­nis der vor­he­ri­gen Stel­lung ei­nes An­trags beim Ar­beit­ge­ber, da es auf dem Grund­satz von Treu und Glau­ben nach § 242 BGB be­ruht, of­fen­bar – wie die deut­sche Re­gie­rung vorträgt und was al­ler­dings das vor­le­gen­de Ge­richt zu prüfen ha­ben wird – für al­le von Be­am­ten ge­gen ih­ren Dienst­herrn ein­ge­reich­te Kla­gen auf Er­satz des ih­nen ent­stan­de­nen Scha­dens gilt, und zwar un­abhängig da­von, ob sich die­ser Scha­den aus ei­nem Ver­s­toß ge­gen das na­tio­na­le Recht oder aus ei­nem Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht er­gibt.
Das vor­le­gen­de Ge­richt fragt sich je­doch, ob die­se Vor­aus­set­zung nicht dem Ef­fek­ti­vitäts­grund­satz in­so­fern zu­wi­derläuft, als sie die Durch­set­zung des Uni­ons­rechts mögli­cher­wei­se übermäßig er­schwert.
Zur In­an­spruch­nah­me der Rechts­schutzmöglich­kei­ten, die zur Verfügung ste­hen, um ei­nen Mit­glied­staat we­gen Ver­s­toßes ge­gen das Uni­ons­recht in An­spruch zu neh­men, hat der Ge­richts­hof be­reits fest­ge­stellt, dass das na­tio­na­le Ge­richt prüfen kann, ob sich der Geschädig­te in an­ge­mes­se­ner Form um die Ver­hin­de­rung des Scha­den­s­ein­tritts oder um die Be­gren­zung des Scha­den­sum­fangs bemüht hat und ob er ins­be­son­de­re recht­zei­tig von al­len ihm zur Verfügung ste­hen­den Rechts­schutzmöglich­kei­ten Ge­brauch ge­macht hat (Ur­tei­le Bras­se­rie du pêcheur und Fac­tor­ta­me, Rand­nr. 84, Test Clai­mants in the Thin Cap Group Li­ti­ga­ti­on, Rand­nr. 124, und vom 24. März 2009, Dans­ke Slag­te­ri­er, C-445/06, Slg. 2009, I-2119, Rand­nr. 60).
Nach ei­nem all­ge­mei­nen, den Rechts­ord­nun­gen der Mit­glied­staa­ten ge­mein­sa­men Grund­satz muss sich nämlich der Geschädig­te in an­ge­mes­se­ner Form um die Be­gren­zung des Scha­den­sum­fangs bemühen, wenn er nicht Ge­fahr lau­fen will, den Scha­den selbst tra­gen zu müssen (Ur­tei­le vom 19. Mai 1992, Mul­der u. a./Rat und Kom­mis­si­on, C-104/89 und C-37/90, Slg. 1992, I-3061, Rand­nr. 33, Bras­se­rie du pêcheur und Fac­tor­ta­me, Rand­nr. 85, und Dans­ke Slag­te­ri­er, Rand­nr. 61).
Nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs wi­derspräche es je­doch dem Grund­satz der Ef­fek­ti­vität, von den Geschädig­ten zu ver­lan­gen, sys­te­ma­tisch von al­len ih­nen zur Verfügung ste­hen­den Rechts­schutzmöglich­kei­ten Ge­brauch zu ma­chen, selbst wenn dies zu übermäßigen Schwie­rig­kei­ten führen würde oder ih­nen nicht zu­ge­mu­tet wer­den könn­te (Ur­teil Dans­ke Slag­te­ri­er, Rand­nr. 62).
Dem­gemäß hat der Ge­richts­hof be­reits ent­schie­den, dass die Ausübung der Rech­te, die den Ein­zel­nen aus den un­mit­tel­bar an­wend­ba­ren Vor­schrif­ten des Uni­ons­rechts er­wach­sen, unmöglich ge­macht oder übermäßig er­schwert würde, wenn ih­re auf den Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht gestütz­ten Scha­dens­er­satz­kla­gen be­reits des­we­gen ganz oder teil­wei­se ab­ge­wie­sen wer­den müss­ten, weil die Be­trof­fe­nen es un­ter­las­sen ha­ben, das ih­nen durch die Uni­ons­be­stim­mun­gen ver­lie­he­ne und vom na­tio­na­len Recht ver­wei­ger­te Recht gel­tend zu ma­chen, um mit­tels der dafür vor­ge­se­he­nen Rechts­be­hel­fe un­ter Be­ru­fung auf den Vor­rang und die un­mit­tel­ba­re Wir­kung des Uni­ons­rechts ge­gen die Ab­leh­nung durch den Mit­glied­staat vor­zu­ge­hen (vgl. Ur­tei­le vom 8. März 2001, Me­tall­ge­sell­schaft u. a., C-397/98 und C-410/98, Slg. 2001, I-1727, Rand­nr. 106, und Dans­ke Slag­te­ri­er, Rand­nr. 63).
Im vor­lie­gen­den Fall ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass, wie sich aus Rand­nr. 33 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88, mit dem ein wir­kungs­vol­ler Schutz der Si­cher­heit und der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer gewähr­leis­tet wer­den soll, in­dem ih­nen ei­ne Be­gren­zung ih­rer Wo­chen­ar­beits­zeit und Min­destru­he­zei­ten zu­ge­stan­den wer­den, ei­ne be­son­ders wich­ti­ge Re­gel des So­zi­al­rechts der Uni­on ist, von der ein Ar­beit­ge­ber man­gels Um­set­zung des Art. 22 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie ge­genüber ei­nem Ar­beit­neh­mer wie Herrn Fuß in kei­nem Fall ab­wei­chen kann.
Wie der Ge­richts­hof be­reits ent­schie­den hat, ist der Ar­beit­neh­mer als die schwäche­re Par­tei des Ar­beits­ver­trags an­zu­se­hen, so dass ver­hin­dert wer­den muss, dass der Ar­beit­ge­ber ihm ei­ne Be­schränkung sei­ner Rech­te auf­er­le­gen kann (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Pfeif­fer u. a., Rand­nr. 82).
Auf­grund die­ser schwäche­ren Po­si­ti­on kann der Ar­beit­neh­mer nämlich da­von ab­ge­schreckt wer­den, sei­ne Rech­te ge­genüber sei­nem Ar­beit­ge­ber aus­drück­lich gel­tend zu ma­chen, da die Ein­for­de­rung die­ser Rech­te ihn Maßnah­men des Ar­beit­ge­bers aus­set­zen könn­te, die sich zu sei­nem Nach­teil auf das Ar­beits­verhält­nis aus­wir­ken können.
Im Aus­gangs­ver­fah­ren wird nicht be­strit­ten, dass die Stadt Hal­le, wie aus dem Vor­la­ge­be­schluss her­vor­geht, ih­ren Mit­ar­bei­tern im Vor­aus an­gekündigt hat, die Ar­beit­neh­mer, die die Rech­te aus der Richt­li­nie 2003/88 gel­tend ma­chen, um­zu­set­zen, und Herrn Fuß, als er sie un­ter Be­ru­fung auf den Be­schluss Per­so­nal­rat der Feu­er­wehr Ham­burg auf­for­der­te, die in Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie vor­ge­se­he­ne wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit in dem Ein­satz­dienst, in dem er beschäftigt war, ein­zu­hal­ten, ge­gen sei­nen Wil­len und mit so­for­ti­ger Wir­kung in ei­ne an­de­re Dienst­stel­le um­ge­setzt hat.
In ei­nem Ver­fah­ren wie dem Aus­gangs­ver­fah­ren, das den Ver­s­toß ei­nes Ar­beit­ge­bers des öffent­li­chen Sek­tors ge­gen ei­ne uni­ons­recht­li­che Be­stim­mung mit un­mit­tel­ba­rer Wir­kung be­trifft, wird den Behörden des be­tref­fen­den Mit­glied­staats durch die Ver­pflich­tung für die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer, ei­nen An­trag auf Be­en­di­gung des Ver­s­toßes ge­gen die­se Be­stim­mung zu stel­len, um Er­satz des ih­nen auf­grund die­ses Ver­s­toßes ent­stan­de­nen Scha­dens er­hal­ten zu können, ermöglicht, die Auf­ga­be, auf die Ein­hal­tung die­ser Be­stim­mun­gen zu ach­ten, sys­te­ma­tisch auf den Ein­zel­nen zu ver­la­gern, in­dem die­sen Behörden die Möglich­keit eröff­net wird, sich ge­ge­be­nen­falls von der Ein­hal­tung die­ser Be­stim­mun­gen zu be­frei­en, wenn ein sol­cher An­trag nicht ge­stellt wor­den ist.
Wie Herr Fuß und die Kom­mis­si­on zu Recht aus­geführt ha­ben, ver­langt Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 von den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern kei­nes­wegs, dass sie ih­ren Ar­beit­ge­ber zur Ein­hal­tung der in die­ser Be­stim­mung vor­ge­se­he­nen Min­dest­vor­schrif­ten auf­for­dern, son­dern ver­pflich­tet um­ge­kehrt den Ar­beit­ge­ber, wenn die in Art. 22 der Richt­li­nie vor­ge­se­he­ne Ab­wei­chung in das in­ner­staat­li­che Recht um­ge­setzt wor­den ist, ei­ne in­di­vi­du­el­le, aus­drück­li­che und freie Erklärung des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers ein­zu­ho­len, mit der die­ser auf die Rech­te aus Art. 6 Buchst. b ver­zich­tet (vgl. Ur­teil Pfeif­fer u. a., Rand­nrn. 82 und 84).
Wenn die Vor­aus­set­zun­gen dafür erfüllt sind, dass der Ein­zel­ne sich vor den na­tio­na­len Ge­rich­ten auf die Be­stim­mun­gen ei­ner Richt­li­nie be­ru­fen kann, sind, wie sich aus der Recht­spre­chung und den Rand­nrn. 39 und 40 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, al­le Träger öffent­li­cher Ge­walt der Mit­glied­staa­ten, ein­sch­ließlich der Ge­bietskörper­schaf­ten wie Länder, Städte oder Ge­mein­den, ge­ge­be­nen­falls in ih­rer Ei­gen­schaft als öffent­li­che Ar­beit­ge­ber, al­lein des­halb ver­pflich­tet, die­se Be­stim­mun­gen an­zu­wen­den (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le Cost­an­zo, Rand­nrn. 30 bis 33, und Fuß, Rand­nrn. 61 und 63).
Da­her kann ei­nem Ar­beit­neh­mer, dem wie Herrn Fuß durch den Ver­s­toß sei­nes Ar­beit­ge­bers ge­gen die Rech­te aus Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 ein Scha­den ent­stan­den ist, nicht zu­ge­mu­tet wer­den, zu­vor ei­nen An­trag bei die­sem Ar­beit­ge­ber zu stel­len, um ei­nen An­spruch auf Er­satz die­ses Scha­dens gel­tend ma­chen zu können.
Dar­aus folgt, dass das Er­for­der­nis ei­nes sol­chen vor­he­ri­gen An­trags ge­gen den Ef­fek­ti­vitäts­grund­satz verstößt.
Die Stadt Hal­le kann die­ses Er­for­der­nis nicht da­mit recht­fer­ti­gen, die An­samm­lung von Frei­zeit­aus­gleichs­stun­den in größerer Zahl ver­mei­den zu wol­len, da die Ein­hal­tung der Be­stim­mun­gen des Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 genügt, um ei­ne sol­che An­samm­lung zu ver­hin­dern.
Im Übri­gen geht der Ver­such der deut­schen Re­gie­rung fehl, ei­ne Ana­lo­gie zwi­schen der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den na­tio­na­len Re­ge­lung und Art. 91 Abs. 2 ers­ter Ge­dan­ken­strich des Sta­tuts der Be­am­ten der Eu­ropäischen Uni­on her­zu­stel­len. Das in die­ser Be­stim­mung als Zulässig­keits­vor­aus­set­zung für Kla­gen von Be­am­ten der Uni­on vor­ge­se­he­ne Er­for­der­nis der vor­he­ri­gen Ein­le­gung ei­ner Be­schwer­de bei der An­stel­lungs­behörde be­trifft nämlich die Kla­ge ge­gen ei­ne von die­ser Behörde er­las­se­ne be­schwe­ren­de in­di­vi­du­el­le Maßnah­me und nicht wie im vor­lie­gen­den Fall die Be­an­stan­dung ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung, durch die dem Ein­zel­nen ein Scha­den ent­stan­den ist und die ge­gen das Uni­ons­recht verstößt, des­sen Ein­hal­tung die Mit­glied­staa­ten, wie sich aus den Rand­nrn. 83 bis 85 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, selbst si­cher­zu­stel­len ha­ben, oh­ne die­se Auf­ga­be auf den Ein­zel­nen abwälzen zu können.
Folg­lich ist auf den zwei­ten Teil der zwei­ten Fra­ge zu ant­wor­ten, dass das Uni­ons­recht ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht, die den An­spruch ei­nes im öffent­li­chen Sek­tor beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers auf Er­satz des Scha­dens, der ihm durch den Ver­s­toß der Behörden des be­tref­fen­den Mit­glied­staats ge­gen Art. 6 Buchst. b der Richt­li­nie 2003/88 ent­stan­den ist, da­von abhängig macht, dass zu­vor ein An­trag auf Ein­hal­tung die­ser Be­stim­mung bei sei­nem Ar­beit­ge­ber ge­stellt wur­de.
Mit der drit­ten und der vier­ten Fra­ge, die ge­mein­sam zu prüfen sind, fragt das vor­le­gen­de Ge­richt nach der Form des Entschädi­gungs­an­spruchs und nach der Art und Wei­se sei­ner Be­rech­nung.
Zur Form und zur Art und Wei­se der Be­rech­nung der Entschädi­gung ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Er­satz der Schäden, die dem Ein­zel­nen durch Verstöße ge­gen das Uni­ons­recht ent­ste­hen, dem er­lit­te­nen Scha­den an­ge­mes­sen sein muss, so dass ein ef­fek­ti­ver Schutz der Rech­te des Ein­zel­nen gewähr­leis­tet ist (Ur­teil Bras­se­rie du pêcheur und Fac­tor­ta­me, Rand­nr. 82).
Wie sich be­reits aus Rand­nr. 62 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, ist es in Er­man­ge­lung von Uni­ons­vor­schrif­ten auf die­sem Ge­biet Sa­che der na­tio­na­len Rechts­ord­nung je­des Mit­glied­staats, die Kri­te­ri­en fest­zu­le­gen, an­hand de­ren der Um­fang der Entschädi­gung be­stimmt wer­den kann, so­fern der Äqui­va­lenz- und der Ef­fek­ti­vitäts­grund­satz da­bei be­ach­tet wer­den (Ur­teil Bras­se­rie du pêcheur und Fac­tor­ta­me, Rand­nr. 83).
Dar­aus folgt, dass es Sa­che des na­tio­na­len Rechts der Mit­glied­staa­ten ist, un­ter Be­ach­tung der in den bei­den vor­ste­hen­den Rand­num­mern ge­nann­ten Grundsätze zu be­stim­men, ob der Er­satz des Scha­dens, der ei­nem Ein­zel­nen durch den Ver­s­toß ge­gen die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 2003/88 ent­stan­den ist, in Form von Frei­zeit­aus­gleich oder in Form ei­ner fi­nan­zi­el­len Entschädi­gung zu gewähren ist, und die Re­geln für die Art und Wei­se der Be­rech­nung der An­spruchshöhe fest­zu­le­gen.
Hin­sicht­lich der Form des Scha­dens­er­sat­zes muss sich das vor­le­gen­de Ge­richt, da we­der die Gewährung ei­nes Frei­zeit­aus­gleichs noch die ei­ner fi­nan­zi­el­len Entschädi­gung er­war­ten lässt, dass der Er­satz des Scha­dens prak­tisch unmöglich ge­macht oder übermäßig er­schwert wird, ver­ge­wis­sern, dass mit der gewähl­ten Entschädi­gungs­art der Äqui­va­lenz­grund­satz be­ach­tet wird, was an­hand der Entschädi­gun­gen zu be­ur­tei­len ist, die von den na­tio­na­len Ge­rich­ten im Rah­men von ver­gleich­ba­ren Be­schwer­den oder Kla­gen zu­ge­spro­chen wer­den, die auf das in­ner­staat­li­che Recht gestützt sind.
An­ders als Herr Fuß und die Kom­mis­si­on gel­tend ma­chen, kann aus der Richt­li­nie 2003/88, da sie kei­ne Vor­schrift in Be­zug auf den Er­satz des Scha­dens enthält, der auf­grund des Ver­s­toßes ge­gen ih­re Be­stim­mun­gen ent­stan­den ist, nicht ge­fol­gert wer­den, dass das Uni­ons­recht der ei­nen oder der an­de­ren Form der Entschädi­gung den Vor­zug gibt.
Je­den­falls sind die Be­zugs­zeiträume, die in den Art. 16 bis 19 der Richt­li­nie 2003/88 für die An­wen­dung ih­res Art. 6 Buchst. b zum Zweck der Fest­le­gung der durch­schnitt­li­chen Wo­chen­ar­beits­zeit vor­ge­se­hen sind, in ei­nem Ver­fah­ren wie dem Aus­gangs­ver­fah­ren nicht re­le­vant, da die­se Be­stim­mun­gen in die­sem Zu­sam­men­hang zwar un­mit­tel­ba­re Wir­kung ha­ben (Ur­teil Si­map, Rand­nr. 70), es je­doch fest­steht, dass sämt­li­che die­ser Be­zugs­zeiträume für den Zeit­raum, für den Herr Fuß den Aus­gleichs­an­spruch im Aus­gangs­ver­fah­ren gel­tend macht, ab­ge­lau­fen wa­ren.
Da­her ist auf die drit­te und die vier­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass der von den Behörden der Mit­glied­staa­ten zu leis­ten­de Er­satz des Scha­dens, den sie Ein­zel­nen durch Verstöße ge­gen das Uni­ons­recht zu­gefügt ha­ben, dem er­lit­te­nen Scha­den an­ge­mes­sen sein muss. In Er­man­ge­lung von Uni­ons­vor­schrif­ten auf die­sem Ge­biet ist es Sa­che des na­tio­na­len Rechts des be­tref­fen­den Mit­glied­staats, un­ter Be­ach­tung des Äqui­va­lenz- und des Ef­fek­ti­vitäts­grund­sat­zes zu be­stim­men, ob der Er­satz des Scha­dens, der ei­nem Ar­beit­neh­mer wie im Aus­gangs­ver­fah­ren Herrn Fuß durch den Ver­s­toß ge­gen ei­ne Vor­schrift des Uni­ons­rechts ent­stan­den ist, die­sem Ar­beit­neh­mer in Form von Frei­zeit­aus­gleich oder in Form ei­ner fi­nan­zi­el­len Entschädi­gung zu gewähren ist, und die Re­geln für die Art und Wei­se der Be­rech­nung der An­spruchshöhe fest­zu­le­gen. Die in den Art. 16 bis 19 der Richt­li­nie 2003/88 vor­ge­se­he­nen Be­zugs­zeiträume sind in die­sem Zu­sam­men­hang nicht re­le­vant.
An­ge­sichts der Ausführun­gen in Rand­nr. 32 des vor­lie­gen­den Ur­teils ist auf die fünf­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass die Ant­wor­ten auf die Fra­gen des vor­le­gen­den Ge­richts iden­tisch sind, un­abhängig da­von, ob der Sach­ver­halt des Aus­gangs­ver­fah­rens un­ter die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 93/104 oder die der Richt­li­nie 2003/88 fällt.
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