Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/vollstreckungsabwehrklage-und-die-rechtskraftwirkung-37992
Timestamp: 2020-08-15 11:58:30
Document Index: 222414127

Matched Legal Cases: ['§ 767', '§ 767', '§ 767', 'BGH', '§ 389', 'BGH', '§ 812', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 145', '§ 145']

Vollstreckungsabwehrklage und die Rechtskraftwirkung | Rechtslupe
Ist eine Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge wegen Prä­k­lu­si­on des Auf­rech­nungs­ein­wan­des abge­wie­sen wor­den, ist eine Kla­ge auf Fest­stel­lung, dass die titu­lier­te For­de­rung durch die­sel­be Auf­rech­nung erlo­schen sei, unzu­läs­sig.
Grund­sätz­lich schlie­ßen sich Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge und nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge nicht gegen­sei­tig aus [1]. Mit bei­den Kla­gen wer­den zwar mate­ri­el­le Ein­wen­dun­gen gegen den durch Urteil fest­ge­stell­ten Anspruch gel­tend gemacht. Die Kla­gen haben jedoch unter­schied­li­che Rechts­schutz­zie­le. Die Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge ist eine rein pro­zess­recht­li­che Kla­ge, deren Ziel die Besei­ti­gung der Voll­streck­bar­keit des Titels ist [2]. Über den wei­te­ren Bestand des titu­lier­ten Anspruchs wird auf eine Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge hin nicht ent­schie­den [3]. Die­ser kann folg­lich Gegen­stand einer Fest­stel­lungs­kla­ge sein.
Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge und nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge kön­nen auch im Wege der Kla­ge­häu­fung mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den. Wenn ein recht­li­ches Inter­es­se an einer ent­spre­chen­den Fest­stel­lung besteht, kann der Titel­schuld­ner auch nach einer erfolg­rei­chen Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge Kla­ge auf Fest­stel­lung erhe­ben, dass der titu­lier­te Anspruch nicht mehr bestehe. Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann sogar nach Abwei­sung einer Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge eine auf den­sel­ben mate­ri­el­len Ein­wand gegen die titu­lier­te For­de­rung gestütz­te nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge zuläs­sig sein [4]. Mit der Abwei­sung der Kla­ge nach § 767 ZPO wird ledig­lich abge­lehnt, einem titu­lier­ten Anspruch durch rechts­ge­stal­ten­des Urteil die Voll­streck­bar­keit zu neh­men. Damit wird aber nicht zugleich bin­dend ent­schie­den, dass der titu­lier­te Anspruch mate­ri­ell­recht­lich besteht. Das recht­li­che Inter­es­se an der Fest­stel­lung des Erlö­schens der titu­lier­ten For­de­rung kann etwa dar­aus fol­gen, dass der Titel­gläu­bi­ger im Hin­blick auf nach erfolg­ter Voll­stre­ckung mög­li­che Berei­che­rungs­an­sprü­che des Titel­schuld­ners von vorn­her­ein auf eine zwangs­wei­se Durch­set­zung der titu­lier­ten For­de­rung ver­zich­tet.
Ein­wen­dun­gen gegen den titu­lier­ten Anspruch kön­nen nur inso­weit im Wege der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge gel­tend gemacht wer­den, als die Grün­de, auf denen sie beru­hen, nach dem Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung im Aus­gangs­pro­zess ent­stan­den sind (§ 767 Abs. 2 ZPO). Sind die Grün­de vor die­sem Zeit­punkt ent­stan­den und wird die Rechts­wir­kung der Ein­wen­dung erst durch eine Wil­lens­er­klä­rung, etwa eine Auf­rech­nungs­er­klä­rung, aus­ge­löst, so ist nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs der Zeit­punkt maß­ge­bend, in dem die Wil­lens­er­klä­rung objek­tiv abge­ge­ben wer­den konn­te [5].
Nach der oben dar­ge­stell­ten Recht­spre­chung hin­dert zwar die Abwei­sung der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge grund­sätz­lich nicht die Gel­tend­ma­chung der näm­li­chen mate­ri­ell-recht­li­chen Ein­wen­dung in einem Fol­ge­pro­zess über den titu­lier­ten Anspruch selbst (wobei die ana­lo­ge Anwen­dung des § 767 Abs. 2 ZPO, wie der BGH selbst ein­räumt, aller­dings einer genaue­ren Unter­su­chung bedürf­te). Der Auf­rech­nungs­ein­wand nimmt inso­weit jedoch eine Son­der­stel­lung ein. Nach stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung [6] hat die Prä­k­lu­si­on der Auf­rech­nung nicht nur ver­fah­rens­recht­li­che Wir­kung. Viel­mehr tre­ten auch die mate­ri­ell-recht­li­chen Wir­kun­gen der Auf­rech­nung (§ 389 BGB) nicht ein. Die zur Auf­rech­nung gestell­ten Gegen­for­de­run­gen des Titel­schuld­ners wer­den so behan­delt, als sei die Auf­rech­nung nie erklärt wor­den. Sie kön­nen folg­lich vom Titel­schuld­ner selb­stän­dig gegen den Titel­gläu­bi­ger gel­tend gemacht und durch­ge­setzt wer­den. Der Rück­schluss, wenn das Bestehen der For­de­rung im Wege einer Fest­stel­lungs­kla­ge gel­tend gemacht wer­den kön­ne, müs­se auch eine auf das Nicht­be­stehen der Gegen­for­de­rung gerich­te­te nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge mög­lich sein – ist indes­sen nach Ansicht des BGH nicht gerecht­fer­tigt.
Steht die mate­ri­ell-recht­li­che Wir­kung der Abwei­sung einer auf eine Auf­rech­nung gestütz­ten Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge fest, bedeu­tet das zugleich, dass eine auf die näm­li­che Auf­rech­nung gestütz­te nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge erfolg­los blei­ben muss. Ein Aus­ein­an­der­fal­len von Titel einer­seits, mate­ri­el­lem Recht ande­rer­seits kann – anders als bei dem im Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 23. Janu­ar 1985 [7] behan­del­ten Erfül­lungs­ein­wand – nicht ein­tre­ten. Gelän­ge es den Beklag­ten, den titu­lier­ten Betrag bei­zu­trei­ben, könn­ten sie ihn auch behal­ten. Der Klä­ger könn­te ihn nicht nach § 812 Abs. 1 BGB zurück­ver­lan­gen; die Beklag­ten hät­ten also kei­nen Grund, die Voll­stre­ckung im Hin­blick auf die zu erwar­ten­de Rück­for­de­rung zu unter­las­sen. Ein recht­li­ches Inter­es­se an einer sol­chen Kla­ge ist damit nicht ersicht­lich.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. März 2009 – IX ZR 141/​07
RGZ 59, 301, 305[↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. RGZ 100, 98, 100; 158, 145, 149; 165, 374, 380; BGHZ 22, 54, 56; BGH, Urt. v. 30. Mai 1960 – II ZR 207/​58, ZZP 1961, 187, 188 mit zust. Anm. Zeu­ner, eben­da S. 190 f; v. 19. Juni 1984 – IX ZR 89/​83, MDR 1985, 138 f unter II 1 b bb; v. 3. Juni 1997 – XI ZR 133/​96, WM 1997, 1280, 1281; v. 14. Juli 2008 – II ZR 132/​07, WM 2008, 1806, 1807 Rn. 12; KG OLG-Rspr. 21, 88, 89; OLG Ros­tock OLG-NL 2003, 186, 187; OLG Mün­chen WM 2008, 580[↩]
RGZ 158, 145, 149 f; BGHZ 173, 328, 335 Rn. 25; BGH, Urt. v. 19. Juni 1984 – IX ZR 89/​83, MDR 1985, 138 f; v. 23. Janu­ar 1985 – VIII ZR 285/​83, WM 1985, 703, 704; KG OLG-Rspr. 21, 88, 89; OLG Koblenz FamRZ 1994, 1195, 1196; OLG Ros­tock OLG-NL 2003, 186, 187[↩]
BGH, Urteil vom 19. Juni 1984 – IX ZR 89/​83, aaO; Urteil vom 23. Janu­ar 1985 – VIII ZR 285/​83, aaO[↩]
BGHZ 24, 97, 99; 34, 274, 279 f; 100, 222, 225; 125, 351, 352 f; 163, 339, 342; 173, 328, 334 f Rn. 23, 25; BGH, Urteil vom 16. Novem­ber 2005 – VIII ZR 218/​04, NJW-RR 2006, 229, 230 Rn. 14[↩]
RG HRR 1935 Nr. 691; BGHZ 24, 97, 99; 34, 274, 280; 125, 351, 354; ähn­lich Stein/​Jonas/​Leipold, ZPO 22. Aufl. § 145 Rn. 63 ff, 66 f; Münch­Komm-ZPO/­Wag­ner, ZPO 3. Aufl. § 145 Rn. 28; jeweils zu den Rechts­wir­kun­gen einer bereits vor dem Aus­gangs­pro­zess erklär­ten, in die­sem Pro­zess aber wegen Ver­spä­tung prä­k­lu­dier­ten Auf­rech­nung[↩]
Zu wem darf der Hund bei der Tren­nung? Der Hund ist zwar grund­sätz­lich als „Haus­rat“ ein­zu­ord­nen, der im Fall einer Tren­nung bzw. Schei­dung nach Bil­lig­keit zu ver­tei­len ist, aber bei der Zutei­lung muss…
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