Source: http://www.versicherungsbote.de/id/4827392/Risikolebensversicherung-Beratungsfehler-Versicherungsvermittler/
Timestamp: 2016-12-07 08:34:55
Document Index: 22796178

Matched Legal Cases: ['§ 61', '§ 61', '§ 61', '§ 63', '§ 60', '§ 61']

Risikolebensversicherung - Schwere Beratungsfehler durch Versicherungsvermittler?-Vertrieb - Versicherungsbote.de
Anzeige News Schwerpunkt Dienste Service Über uns Weiterbildung Kodex Kontakt Newsletter AltersvorsorgeGeldanlageKarriereKrankenversicherungMarktNetzweltenPolitikPraxisSpartenVertriebKommentar Vertrieb25.08.2015Der EinwurfRisikolebensversicherung - Schwere Beratungsfehler durch Versicherungsvermittler?Vergessene Beratung zur Todesfallabsicherung birgt erhebliche Haftungsrisiken.AlexVan / pixabay
Todesfallabsicherung – Die Abschlusszahlen zur Risikolebensversicherung sind aktuell rückläufig. Diese Entwicklung ist mit Hinsicht auf die Beratungspflichten von Versicherungsvermittlern, Versicherungsmaklern und Versicherungsberatern nicht nachvollziehbar.
Todesfallabsicherung rückläufig
Vor kurzem berichtete Versicherungsbote zu rückläufigen Abschlusszahlen im Bereich der Risikolebensversicherung. Die zurückgehenden Abschlusszahlen sind jedoch schon allein wegen der knapp 8,1 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern kaum nachvollziehbar. Daher bleibt nur die Vermutung, dass in den Beratungsgesprächen zur Todesfallabsicherung irgendetwas völlig schief laufen muss. Wollen Eltern tatsächlich ihre wirtschaftlich unselbständigen Kinder im Falle des eigenen Todes nicht abgesichert wissen? Das erscheint kaum denkbar. Oder ist es eher so, dass Vermittler vergessen das Thema anzusprechen bzw. zu dokumentieren? Trifft Letzteres zu, dann begeben sich die "vergessenden" Vermittler in ein erhebliches Haftungsrisiko.
Beratungsdokumentation gesetzlich vorgeschrieben
Bedingt durch die EU-Vermittlerrichtlinie wurden Mitte 2007 auch in Deutschland die Zulassungs- und Beratungspflichten von Versicherungsvermittlern, Versicherungsmaklern und Versicherungsberatern durch das Vermittlergesetz und die dazugehörigen Verordnungen gesetzlich geregelt.
Versicherungsvertragsgesetz (VVG) § 61
In § 61 VVG finden sich die Beratungs- und Dokumentationspflichten des Versicherungsvermittlers (egal ob Vertreter oder Makler). Um die Brisanz der gesetzlichen Regelungen zu verdeutlichen, die Lesbarkeit zu vereinfachen und die Maßgabe der Beratung- wie auch Dokumentationspflicht sowie des zu erteilenden Rates herauszustellen hier der Gesetzeswortlaut in entsprechend eingekürzter Form:
(1) Der Versicherungsvermittler hat den Versicherungsnehmer, soweit nach … dessen Situation hierfür Anlass besteht, nach seinen Wünschen und Bedürfnissen zu befragen und … zu beraten sowie die Gründe für jeden … erteilten Rat anzugeben. Er hat dies … zu dokumentieren.
Todesfallabsicherung – die Sache mit der Dokumentation
Wenn Versicherungsvermittler, Versicherungsmakler oder Versicherungsberater Familien, Paare oder Singles mit
unterhaltspflichtigen, also wirtschaftlich nicht selbständigen Kindern oder
sonstigen im Haushalt lebenden wirtschaftlich nicht selbständigen Personen oder
höheren Krediten (z.B. Immobiliendarlehen)
beraten, wurde dann die Beratung zur Todesfallabsicherung dokumentiert? Zutreffen kann dies auch im geschäftlichen Bereich, so z.B. für die gegenseitige Absicherung von mehreren Inhabern/Geschäftsführern. Gleiches gilt auch für geschäftsführende Alleingesellschafter, damit in deren Todesfall aus der Versicherungssumme die Anstellung eines Geschäftsführers bestritten werden kann, der die Firma im Auftrag der Erben vorerst fortführt. Fest steht, dass die in § 61 VVG erwähnte Anlass bezogene Situation in allen vorgenannten Fällen vorhanden ist. Fraglich ist hingegen, ob sich zu den Anlass bezogene Situationen in allen vorgenannten Fällen eine Beratungsdokumentation finden lassen wird und ob diese – insofern vorhanden – den Rat des Vermittlers enthält.
Exkurs Beratungs- und Dokumentationspflicht in anderen Bereichen
Insofern keine Beratungseinschränkung auf bestimmte Bereiche vorgenommen wurde (z.B. durch entsprechend eingegrenzten Maklervertrag), gilt die anlassbezogene Beratungspflicht selbstverständlich auch zu weiteren wichtigen Absicherungsarten; so z.B. bei
Berufsunfähigkeitsversicherung und deren Alternativen, wenn der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung aus gesundheitlichen oder wirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist,
Unfallversicherung (z. B. ausreichende Höhe der Grundinvaliditätssumme),
private Haftpflichtversicherung (z.B. Einschluss von Deliktunfähigkeit oder Forderungsausfalldeckung)
Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen (z.B. Einschluss von Elementarschäden)
Schadenersatzpflicht des Vermittlers
Wird die Beratungspflicht verletzt, so ist die Schadenersatzpflicht des Vermittlers in § 63 VVG geregelt. Zitat: "Der Versicherungsvermittler ist zum Ersatz des Schadens verpflichtet, der dem Versicherungsnehmer durch die Verletzung einer Pflicht nach § 60 oder § 61 entsteht."
Fehlende, unvollständige oder fehlerhafte Dokumentationen führen darüber hinaus zu einer Beweislastumkehr zu Lasten des Vermittlers. Fehlt also z.B. die Dokumentation zur , dann muss der Vermittler nachweisen, dass er zum Thema beraten, der ggf. verstorbene Kunde eine Absicherung jedoch abgelehnt hat. Ohne eine vom Kunden unterzeichnete Dokumentation zur Thematik dürfte dies allerdings nahezu unmöglich sein.
Diese gern auf Uhren an größeren Bauwerken verwendete Inschrift bedeutet übersetzt "Der Tod ist gewiss, die Stunde ungewiss". Was dort nicht steht ist, ob mit dieser Inschrift der Tod des im Zweifel nicht versicherten Kunden oder der berufliche Tod des nicht vollständig beratenden bzw. dokumentierenden Vermittlers gemeint ist.
Von Freddy MorgengrauenVertriebRisikolebensversicherungDokumentationTodesfallabsicherung
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