Source: https://www.recht.de/phpbb/viewtopic.php?f=49&t=281807&hilit=ziegel
Timestamp: 2020-01-22 12:09:27
Document Index: 280038787

Matched Legal Cases: ['§ 823', '§ 836', '§ 94', '§ 836', '§ 836', '§ 836']

Dachziegel auf Auto gefallen - wer bezahlt den Schaden? - recht.de
Dachziegel auf Auto gefallen - wer bezahlt den Schaden?
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Beitrag von Einerkeiner » 01.02.19, 17:45
wie sieht es in folgendem Szenario rechtlich aus?
Person A stellt ihr Auto morgens ordnungsgemäß an der Straße vor dem Haus von Besitzer B ab. Im laufe des Mittags fällt ein Dachziegel auf das Auto herunter und richtet Schäden am Dach an. Zu dem Zeitpunkt herrschte kein Sturm. Beweisfotos wurden gemacht und Hausbesitzer B wurde gleich von Autobesitzer A auf den Schaden angesprochen (desinteressiert, irgendwas von weiß nicht ob eine Versicherung besteht gemurmelt, hat sich seither nicht mehr gemeldet).
Autobesitzer A hat mangels rechtlichem Wissen bei der eigenen Kfz-Haftpflichtversicherung (nur Teilkasko) angerufen um und diese meinten 'der Hausbesitzer' müsste für den entstandenen Schaden aufkommen. Nach Recherche im Internet ist sich Autobesitzer A unsicher, weil dort vermehrt geschrieben steht, ohne Sturm bleibt man selbst auf den Kosten sitzen.
Wie sieht die Rechtslage aus? Wer bezahlt den Schaden? Autobesitzer A würde Hausbesitzer B nun gerne nochmal ansprechen, aber mit mehr Hintergrundwissen. Macht es einen Unterschied, dass das Haus sich in einem (von Laien so empfundenen) ungepflegten Zustand befindet?
Re: Dachziegel auf Auto gefallen - wer bezahlt den Schaden?
Beitrag von Blanker Hans » 01.02.19, 19:26
abhängig ob eine Vermietung erfolgt oder auch nicht, wäre die Private Haftpflichtversicherung oder die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht zuständig. Besteht die entsprechende Versicherung nicht, ist der Anspruch nur privatrechtlich durchzusetzen.
Beitrag von karli » 01.02.19, 19:37
Die treten allerdings nur in die Haftung ihres Versicherungsnehmers ein, wenn Diesen ein Verschulden trifft.
Dazu wäre in der Regel Vorsatz, Fahrlässigkeit oder ein anderweitiger Pflichtverstoß, beispielsweise ein Verstoß gegen die Verkehrssicherungspflicht notwendig. § 823 BGB
Das müsste der Geschädigte dann auch belegen können.
Beitrag von Einerkeiner » 01.02.19, 19:49
Der Hausbesitzer wohnt selbst dort
In dem Fall würde Verstoß gegen die Verkehrssicherungspflicht zutreffen? Wie soll der Geschädigte das belegen können? Reicht dafür nicht die Tatsache, dass ohne markantes Wetter ein Ziegel vom Dach gefallen ist?
Beitrag von ktown » 01.02.19, 20:00
Einerkeiner hat geschrieben: In dem Fall würde Verstoß gegen die Verkehrssicherungspflicht zutreffen?
Nicht zwangsläufig. Ein herabfallen einer Ziegel ohne erkennbare äußere Einwirkung (Sturm usw.) legt zwar den Verdacht nahe, dass Ziegeln unzureichend gesichert waren. Es kommt aber auch darauf an, ob man dies aus Hauseigentümer hätte erkennen können oder nicht.
Beitrag von karli » 01.02.19, 20:01
Einerkeiner hat geschrieben: Reicht dafür nicht die Tatsache, dass ohne markantes Wetter ein Ziegel vom Dach gefallen ist?
Normalerweise muss auch ein Hausbesitzer nicht ständig nachschauen, ob da irgendwo was Locker ist.
Das kann ja schon mal passieren, daß sich ein Dachstein bei einem Sturm lockert und dann später erst herunterfällt.
Wenn da nicht tatsächlich Baufälligkeit vorhanden ist, wird's eher schwierig dem Hauseigentümer etwas nachzuweisen.
Manchmal ist es schon schwierig überhaupt nachzuweisen von welchem Haus der Ziegel stammt.
Was sagt denn die eigene KFZ Versicherung dazu?
Ggfs. könnte auch die eigene Kaskoversicherung für derartige Schäden aufkommen.
Beitrag von ktown » 01.02.19, 21:16
karli hat geschrieben: Was sagt denn die eigene KFZ Versicherung dazu?
Einerkeiner hat geschrieben: diese meinten 'der Hausbesitzer' müsste für den entstandenen Schaden aufkommen.
Beitrag von hambre » 01.02.19, 23:01
Nicht ständig, aber in gewissen Abständen schon.
Wenn eine Dachziegel ohne erkennbaren Grund und ohne äußere Einflüsse herunterfällt, dann hat der Hauseigentümer nach dem Beweis des ersten Anscheins seine Verkehrssicherungspflicht verletzt. Diesen Beweis des ersten Anscheins kann der Hauseigentümer widerlegen, z.B. indem er das Protokoll der letzten Kontrolle vorlegt.
Das sehe ich anders, denn gerade nach einem Sturm besteht eine Prüfungspflicht.
Ich halte daher die Wahrscheinlichkeit für hoch, dass Schadenersatzansprüche durchsetzbar sind.
Wenn der Hauseigentümer eine private Haftpflichtversicherung hat, dann soll er dieser Versicherung doch einfach den Schaden melden. Der Hauseigentümer möge sich darüber im Klaren sein, dass eine verspätete Meldung eine Obliegenheitsverletzung sein kann und er dann den Schaden aus eigener Tasche zahlen muss.
Beitrag von ktown » 02.02.19, 09:37
hambre hat geschrieben: Nicht ständig, aber in gewissen Abständen schon.
Beitrag von karli » 02.02.19, 11:40
hambre hat geschrieben: Diesen Beweis des ersten Anscheins kann der Hauseigentümer widerlegen, z.B. indem er das Protokoll der letzten Kontrolle vorlegt.
Mal Hand aufs Herz, Das ist doch eher Lebensfremd!
Vor allem, eine Prüfungspflicht, noch irgendwelche Kriterien, wann eine Prüfung stattzufinden hat, bestehen nicht.
hambre hat geschrieben: Wenn eine Dachziegel ohne erkennbaren Grund und ohne äußere Einflüsse herunterfällt
dann ist das allgemeines Lebensrisiko, das nicht automatisch dem Verschulden des Eigentümers zuzuordnen ist.
Beitrag von Etienne777 » 02.02.19, 17:24
ktown hat geschrieben: Sagt wer?
1.) Der gesunde Menschenverstand.
2.) Das Verantwortungsbewußtsein, das übrigens nicht nur den Schutz Dritter vor Schäden umfaßt, sondern auch sein eigenes Haus, denn aus einem kleinen Loch resultieren nicht selten erhebliche Folgeschäden.
3.) Von einer automatischen Zuordnung hat hambre nicht gesprochen, sondern von einem widerlegbaren Beweis des ersten Anscheins. Gerade wenn man nach dem letzten Unwetter nicht kontrolliert hat, dürfte es praktisch scheitern, den ersten Anschein zu widerlegen.
4.) Letztlich gibt es auch die Verkehrssicherungspflicht, bei Dächern und Gebäuden gehören regelmäßige Zustandskontrollen dazu, die bei Wetterereignissen wie Sturm sogar erweitert sind.
Beitrag von hambre » 02.02.19, 18:56
Beitrag von ktown » 02.02.19, 22:31
Wo stehen da die regelmäßigen Kontrollen?
Beitrag von Etienne777 » 03.02.19, 00:07
ktown hat geschrieben: Wo stehen da die regelmäßigen Kontrollen?
Ihr Textverständnis scheint nicht übermäßig ausgeprägt zu sein, anders kann ich mir diese Frage nicht erklären.
§ 836 Abs. 1 S. 1 BGB begründet eine grundsätzliche Schadensersatzpflicht aus Eigentum i. S. d. § 94 BGB. § 836 Abs. 1 S. 2 BGB befreit von der grundsätzlich bestehenden Schadensersatzpflicht dann, wenn der Besitzer die zur Abwendung der Gefahr erforderliche Sorgfalt walten ließ.
Zur Abwendung der Gefahr eines herabfallenden Dachziegels ist zumindest eine regelmäßige Sichtprüfung der Dachhaut notwendig, zusätzlich ist nach Stürmen zu prüfen, ob das Dach Schaden genommen hat, damit ggf. notwendige Sicherungs- und Instandsetzungsmaßnahmen zur Abwendung von Gefahren eingeleitet werden können. Einem Hausbesitzer der meint das nicht tun zu müssen, steht die schadensersatzbefreiende Wirkung des § 836 Abs. 1 S. 2 BGB gerade nicht zur Seite, da er die dafür vorgesehenen Maßnahmen nicht vornahm.
Fazit: Entweder man tut das Mögliche, Gefahren vorbeugend abzuwenden, dann ist man von der Schadensersatzpflicht qua Gesetz befreit, oder man tut das Mögliche eben nicht, dann ist man fällig, wenn Dritten Schaden entsteht. Ganz nebenbei kann im letztgenannten Falle natürlich neben den Schadensersatzansprüchen auch eine strafrechtliche Verfolgung im Raume stehen. Es heißt nicht von ungefähr: Eigentum verpflichtet.
Beitrag von fodeure » 03.02.19, 10:21
Nun, das hat herzlich wenig mit Textverständnis zu tun. Und nein, aus dem § 836 BGB ergibt sich keineswegs automatisch, daß regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden müssen. Dies ergibt sich zwar letztendlich aus der Rechtsprechung, aber auch hier hatten die beteiligten Instanzen durchaus unterschiedliche Auffassungen.