Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%202014,%20640
Timestamp: 2017-11-23 07:28:10
Document Index: 112291521

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 254', '§ 823', '§ 833', '§ 833', '§ 254', '§ 833', '§ 8', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 833', 'BGH', 'BGH', '§ 833', 'BGH', '§ 599', '§ 8', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 25.03.2014 - VI ZR 372/13 - dejure.org
§ 254 Abs 1 BGB, § 823 Abs 1 BGB, § 833 BGB
Tierhalterhaftung - Handeln auf eigene Gefahr
Ausschluss der Tierhalterhaftung wegen Handelns auf eigene Gefahr bei Aufnahme eines Hundes in der Hundepension des Geschädigten; Berücksichtigung eines für die Verletzung mitursächlichen Fehlverhaltens des Geschädigten als anspruchsmindernd
Tierhalterhaftung gilt auch gegenüber gewerblich tätigem Hundebetreuer; §§ 833, 254 BGB
Kein Ausschluss der Tierhalterhaftung wegen Übergabe eines Hundes in eine Hundepension
BGB § 254; BGB § 833 S. 1; StVG § 8 Nr. 2
Der Biss in der Hundepension - und die Tierhalterhaftung
Kein Ausschluss der Tierhalterhaftung wegen Handelns auf eigene Gefahr bei Unterbringung eines Hundes in einer Hundepension
Unterbringung in Hundepension: Kein Ausschluss der Tierhalterhaftung wegen Handelns auf eigene Gefahr
Ausschluss der Tierhalterhaftung bei Schädigung des Inhabers einer Hundepension im Rahmen seiner Aufsichtsführung
Tierhalterhaftung schützt auch Mitarbeiter von Tierpensionen
Hundebiss in der Tierpension - Dafür haftet der Tierhalter, auch wenn die Pensionsbetreiberin die Aufsicht über den Hund übernahm
Herrchen muss für untergebrachten Hund haften
Tierhalter haftet auch dann wenn er seinen Hund zur vorübergehenden Betreuung in eine Hundepension gegeben hat
Herrchen haftet für bissigen Hund in Hundepension
Tierhalterhaftung: Betreiber einer Hundepension kann Schadenersatzanspruch wegen Hundebiss zustehen - Gewerbliche und professionelle Tätigkeit des Hundepensionbetreibers führt nicht zum Ausschluss der Tierhalterhaftung
AG Vechta, 04.04.2013 - 11 C 147/13
LG Oldenburg, 30.07.2013 - 9 S 239/13
NJW 2014, 2434
NZV 2014, 403
VersR 2014, 640
Eine typische Tiergefahr äußert sich nach ständiger Rechtsprechung des erkennenden Senats in einem der tierischen Natur entsprechenden unberechenbaren und selbständigen Verhalten (…vgl. grundlegend Senatsurteil vom 6. Juli 1976 - VI ZR 177/75, aaO …sowie Urteile vom 20. Dezember 2005 - VI ZR 225/04, aaO; vom 25. März 2014 - VI ZR 372/13, VersR 2014, 640 Rn. 5;… vom 27. Januar 2015 - VI ZR 467/13, aaO, jeweils mwN).
An der Verwirklichung der Tiergefahr fehlt es insbesondere dann, wenn keinerlei eigene Energie des Tieres an dem Geschehen beteiligt ist (Senatsurteil vom 25. März 2014 - VI ZR 372/13, aaO) oder wenn das Tier lediglich der Leitung und dem Willen eines Menschen folgt (…Senatsurteil vom 20. Dezember 2005 - VI ZR 225/04, aaO mwN).
Eine typische Tiergefahr äußert sich in einem der tierischen Natur entsprechenden unberechenbaren und selbständigen Verhalten des Tieres (…vgl. Senatsurteile vom 20. Dezember 2005 - VI ZR 225/04, VersR 2006, 416 Rn. 7; vom 25. März 2014 - VI ZR 372/13, VersR 2014, 640 Rn. 5).
Die Norm begründet eine Gefährdungshaftung, deren gesetzgeberischer Hintergrund in dem unberechenbaren oder auch instinktgemäßem tierischen Verhalten und der dadurch hervorgerufenen Gefährdung von Leben, Gesundheit und Eigentum Dritter liegt, also in der Verwirklichung der Tiergefahr (BGH NJW 2014, 2434).
Hierin liegt allerdings der gesetzliche Anknüpfungspunkt für die Angriffe der Beklagten, nachdem die Fallgruppe des Handelns auf eigene Gefahr nicht einschlägig ist (siehe zuletzt auch BGH NJW 2014, 2434/2435).
Der Grund für die strenge Tierhalterhaftung liegt jedoch gerade in der typischen Tiergefahr, das heißt in dem der Natur des Tieres entsprechenden unberechenbaren selbständigen Verhalten und der dadurch hervorgerufenen Gefährdung von Rechtsgütern Dritter (BGH, Urteil vom 25.03.2014, NJW 2014, 2434).
Die in § 833 BGB begründete Gefährdungshaftung des Tierhalters findet ihren Grund in dem unberechenbaren und selbstständigen Verhalten eines Tieres und der dadurch hervorgerufenen besonderen Gefährdung (BGH, Urteil vom 25.3.2014, VI ZR 372/13, [...] Rn 5; BGH, Urteil vom 20.12.2005, VI ZR 225/04, [...] Rn 7 m.w.N.).
Die Haftung des Tierhalters nach § 833 BGB greift grundsätzlich aber auch dann ein, wenn der Tieraufseher im Rahmen seiner Aufsichtsführung durch das betreute Tier verletzt wird (BGH, Urteil vom 25.03.2014, VI ZR 372/13, [...] Rn. 6).
Unter Berücksichtigung verschiedener, denkbarer Begründungsansätze (Handeln auf eigene Gefahr, Gefälligkeit analog § 599 BGB, §§ 8, 8a StVG analog, Schutzzweck der Norm, Treu und Glauben) lehnt die Rechtsprechung den Haftungsausschluss ab (…BGH, a.a.O., Rn. 14ff.; 25. März 2014, VI ZR 372/13, Rn. 9, juris).
Eine solche typische Tiergefahr verwirklicht sich dann nicht, wenn keinerlei eigene Energie des Tieres an dem Geschehen beteiligt ist (BGH, VersR 2014, 640, zitiert nach juris Rn. 5) oder das Tier jedenfalls so sehr der Wirkung durch äußere Kräfte ausgesetzt ist, dass ihm keine andere Möglichkeit als die des schädigenden Verhaltens bleibt (…BGH, VersR 1978, 515, zitiert nach juris Rn. 14; NJW-RR 1990, 789/791).