Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=EuGH&Datum=2008-04-10&Aktenzeichen=C-412%2F06
Timestamp: 2017-11-18 15:48:04
Document Index: 380381634

Matched Legal Cases: ['EuG', '§ 2', 'EuG', 'Art. 31', 'EuG', 'Art. 10', 'BGH', 'EuG', 'Art. 4', 'EuG']

cc) Selbst nach Bekanntwerden des Urteils des Gerichtshofs vom 10. April 2008 (EuGH, Slg. 2008, I-2383 Rn. 47 ff.) zur unionsrechtlichen Zulässigkeit einer Befristung des Widerrufsrechts wie in § 2 HWiG vorgesehen hat der Gesetzgeber die mit dem OLG-Vertretungsänderungsgesetz getroffene Grundentscheidung nicht aufgegeben (…vgl. Lechner, WM 2015, 2165, 2168).
Der Verbraucher ist entweder ordnungsgemäß belehrt oder nicht (vgl. schon EuGH, Slg. 2008, I-2383 Rn. 35;… außerdem Bülow, WM 2015, 1829, 1830;… Müggenborg/Horbach, NJW 2015, 2145, 2148;… aA Braunschmidt, NJW 2014, 1558, 1560;… Domke, BB 2005, 1582, 1585;… Duchstein, NJW 2015, 1409, 1413;… Edelmann/Hölldampf, KSzW 2015, 148, 149 f.;… Habersack/Schürnbrand, ZIP 2014, 749, 754 f.; OLG Düsseldorf, NJW 2014, 1599; OLG Frankfurt/Main…, Beschluss vom 10. März 2014 - 17 W 11/14, juris Rn. 14 ff.; OLG Köln, WM 2012, 1532, 1534).
Auch wenn der Versicherer durch die Wahl des "Policenmodells" zwar die Ursache für die Unwirksamkeit des Vertrags gesetzt hat und die Informationspflicht nach Art. 31 Abs. 1 der Dritten Lebensversicherungsrichtlinie zwingend ausgestaltet ist, folgt hieraus nicht, dass das Vertrauen des Versicherers in den Bestand des Vertrags im Einzelfall nicht gleichwohl vorrangig schutzwürdig sein kann (vgl. auch EuGH, Urteil vom 10. April 2008, Hamilton, C-412/06, Slg. 2008, I-2383, Rn. 49;… Art. 10 Abs. 1 und Abs. 2 Richtlinie 2011/83/EU).
Hierzu hat er ausgeführt, der Verbraucher sei entweder ordnungsgemäß belehrt oder nicht (BGH, Urteil vom 12.07.2016- XI ZR 564/15 - vgl. schon EuGH, Slg. 2008, I-2383 Rn. 35;… außerdem Bülow, WM 2015, 1829, 1830;… Müggenborg/Horbach, NJW 2015, 2145, 2148;… aA Braunschmidt, NJW 2014, 1558, 1560;… Domke, BB 2005, 1582, 1585;… Duchstein, NJW 2015, 1409, 1413;… Edelmann/Hölldampf, KSzW 2015, 148, 149 f.;… Habersack/Schürnbrand, ZIP 2014, 749, 754 f.; OLG Düsseldorf, NJW 2014, 1599; OLG Frankfurt/Main…, Beschluss vom 10. März 2014 - 17 W 11/14, juris Rn. 14 ff.; OLG Köln, WM 2012, 1532, 1534).
Im Urteil Hamilton, in dem der Gerichtshof darüber entschieden hat, ob eine Maßnahme, wonach das Widerrufsrecht des Kunden einen Monat nach beiderseitiger Erbringung der Leistungen aus einem langfristigen Darlehensvertrag erlischt, eine geeignete Verbraucherschutzmaßnahme ist, hat der Gerichtshof betont, dass der Begriff "geeignet" in Art. 4 Abs. 3 der Richtlinie 85/577 zeigt, dass die entsprechenden Maßnahmen nicht auf einen absoluten Verbraucherschutz abzielen(109), und dass die allgemeine Systematik und der Wortlaut mehrerer Bestimmungen dieser Richtlinie darauf hindeuten, dass für diesen Schutz bestimmte Grenzen gelten(110).
Deswegen sind die Beschränkungen des Verbraucherschutzes, die der Gerichtshof im Urteil Hamilton eingeführt hat, in der vorliegenden Rechtssache nicht relevant, da ja die beiderseitigen Verpflichtungen aus dem Vertrag noch nicht vollständig erfüllt waren.
23 - Vgl. Urteile Heininger (in Fn. 17 angeführt), vom 25. Oktober 2005, Schulte (C-350/03, Slg. 2005, I-9215); vom 25. Oktober 2005, Crailsheimer Volksbank (C-229/04, Slg. 2005, I-9273), und vom 10. April 2008, Hamilton (C-412/06, Slg. 2008, I-2383).
Vgl. auch Urteil Hamilton (in Fn. 23 angeführt, Randnr. 33) und Schlussanträge des Generalanwalts Léger vom 12. Juli 2001 in der Rechtssache Heininger (C-481/99, Slg. 2001, I-9945, Nr. 60).
Vgl. auch das in Fn. 23 angeführte Urteil Hamilton (Randnr. 32).
108 - Urteil Hamilton (in Fn. 23 angeführt).
110 - Urteil Hamilton (in Fn. 23 angeführt, Randnr. 40).
Vgl. in diesem Sinne auch Edelmann, H., "EuGH: Kein grenzenloser Verbraucherschutz", in: Betriebs-Berater , Nr. 19/2008, S. 970; Raynouard, A., "CJCE, 10 avril 2008, C-412/06, Annelore Hamilton c/Volksbank Filder eG", in: Revue de jurisprudence commerciale , Nr. 4/2008, S. 305. Es sei hinzugefügt, dass nach Auffassung des Gerichtshofs im Urteil Hamilton die Verwendung des Ausdrucks "Verpflichtungen aus dem Vertrag" im fünften Erwägungsgrund der Richtlinie 85/577 darauf hindeutet, dass der Verbraucher einen solchen Vertrag während dessen Laufzeit widerrufen kann (Urteil Hamilton, in Fn. 23 angeführt, Randnr. 41, Hervorhebung nur hier) - natürlich nur, wenn er über sein Widerrufsrecht nicht belehrt wurde.