Source: http://www.rechtsprechung-hamburg.de/jportal/portal/page/bsharprod.psml?showdoccase=1&doc.id=KORE200222018&st=ent
Timestamp: 2020-02-23 19:41:40
Document Index: 116651263

Matched Legal Cases: ['§ 22', '§ 23', '§ 22', '§ 22', '§ 23', '§ 23', 'Art. 2', 'Art. 8', 'Art. 5', 'Art. 10', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 23', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 5']

jeweils wie geschehen in dem Videobeitrag unter www. v....de unter der Überschrift „H. K.: Erstmals präsentiert sie ihre Kinder bei einem öffentlichen Event“ sowie in der Sendung „R. e.-D. S.“ am 30.10.2016 um 17:45 Uhr auf dem Fernsehsender R.;
jeweils wie geschehen am 25.11.2016 in dem Beitrag „BH vergessen? H. K.s freizügiger Shopping-Trip mit Ex-Mann S. und den Kids“ unter der URL www. v....de sowie der URL www. v1.de.
Die Beklagte zu 1) ist verantwortlich für die Inhalte der unter www. v....de und www.v1.de abrufbaren Webseiten, die Beklagte zu 2) für die auf dem Fernsehsender R. ausgestrahlten Inhalte. Die Beklagte zu 3) produziert für die Beklagten zu 1) und zu 2) Magazin- und Nachrichtensendungen, unter anderem das Format „R. e.-D. S.“.
So produzierte die Beklagte zu 3) den mit dem Klageantrag zu Ziff. 1 angegriffenen Videobeitrag aus Anlage K2, gegen den sich die Kläger zu 1), 2) und 4) wenden. Dieser wurde am 30.10.2016 in der Sendung „R. e.“ ausgestrahlt und von der Beklagten zu 1) unter www.v....de veröffentlicht. Auf der Website heißt es neben dem Video: „Diese Bilder von H. K. läuten eine neue Ära ein! Sie zeigt ihre Kids bei einem öffentlichen Event.“ In dem Sprechertext des Videos heißt es unter anderem, dass H. K. ihre Kinder „ganz bewusst ins Rampenlicht“ mitgebracht habe. Das Video zeigt unverpixelte Bewegtbilder der Kläger zu 1), 2) und 4), die am Rande einer Charity-Gala der „E. G.-Stiftung“ (E. G. P. A. F.) in Los Angeles entstanden sind, namentlich im Backstage-Bereich der Veranstaltung, in dem zeitgleich ein Kinderfest stattfand. H. K. hatte an der Veranstaltung teilgenommen und war von ihren Kindern begleitet worden. Die Kläger hielten sich jedoch ausschließlich in dem Backstage-Bereich auf. In dem Videobeitrag werden auch die Namen und das jeweilige Alter der Kläger zu 1), 2) und 4) genannt. Wegen der weiteren Einzelheiten der Berichterstattung wird auf Anlage K2 verwiesen.
Die Beklagte zu 1) veröffentlichte des Weiteren den mit dem Klageantrag zu Ziff. 2 angegriffenen Online-Artikel mit dem Titel „BH vergessen? H. K.s freizügiger Shopping-Trip mit Ex-Mann S. und den Kids“ vom 25.11.2016 auf www.v1.de und www.v....de. Dieser ist mit einem begleitenden Video versehen, in dem die inkriminierten fünf Fotos, die die Kläger in wechselnder Beteiligung mit ihren Eltern in einem Ladengeschäft zeigen, enthalten sind. Gegenstand der Wortberichterstattung des Beitrags ist ebenfalls der abgebildete „Shopping-Trip“. Hierin wird unter anderem hervorgehoben, dass H. K. mit den Klägern und ihrem Vater, und nicht etwa mit ihrem damaligen Lebensgefährten, einkaufen gewesen sei. Ferner wird betont, dass H. K. bei dem Shopping-Trip keinen BH getragen habe, sodass sich unter ihrem weißen Top ihre Brüste abzeichneten. Wegen der weiteren Einzelheiten der Berichterstattung wird auf Anlage K10 verwiesen.
Die Kläger sind der Auffassung, die Verbreitung der streitgegenständlichen Bilder und Videos verletze, soweit sie betroffen sind, jeweils ihr Recht am eigenen Bild. Jedenfalls im Rahmen einer Interessenabwägung sei maßgeblich zu berücksichtigen, dass sie selbst keine Personen des öffentlichen Lebens seien. Zu ihren Gunsten streite ferner der besondere persönlichkeitsrechtliche Schutz Minderjähriger. Insoweit wirke es sich zu ihren Gunsten aus, dass ihr äußeres Erscheinungsbild in Deutschland bisher unbekannt gewesen sei - auch die Beklagten erwähnten in der Berichterstattung aus Anlage K2, dass sie, die Kläger, von ihren Eltern zuvor stets gewissenhaft von der medialen Öffentlichkeit ferngehalten worden seien. Auch wenn H. K. in der Vergangenheit Bilder von ihnen auf ihrem Instagram-Account gepostet habe, habe sie stets darauf geachtet, dass ihre Gesichter verdeckt oder zumindest nicht vollständig zu sehen seien. Auch in der Veröffentlichung des „Selfies“ durch H. K., auf welches sich die Beklagten beriefen und in dem auf ihrer Handyhülle ein Bild von ihnen, den Klägern, zu sehen sei, liege keine relevante Selbstöffnung. Es habe sich insoweit offensichtlich um ein Versehen von H. K. gehandelt, die das Foto anschließend unverzüglich von ihrem Instagram-Account gelöscht habe. Das von ihrem Vater veröffentlichte Werbevideo (vgl. Anlage BK7), auf das sich die Beklagten ebenfalls beriefen und in dem sie, die Kläger, zu sehen seien, könne nicht als Beleg dafür herhalten, dass ihre Eltern sie der Öffentlichkeit präsentiert hätten, da H. K., was unstreitig ist, hierin nicht eingewilligt, sondern umgehend rechtliche Schritte eingeleitet habe, um das Video schnellstmöglich aus den Medien entfernen zu lassen. Überdies habe dieser Vorgang im Zeitpunkt der streitgegenständlichen Berichterstattung schon lange zurückgelegen. Die von den Beklagten als Anlagen BK1-BK4 beigebrachten Verbreitungen von Baby-Fotos durch ihre Eltern seien unbeachtlich. Aufgrund der schnellen Veränderung des Erscheinungsbildes seien Fotos in dieser ersten Lebensphase nur äußerst kurzzeitig aktuell. Ferner seien die Fotos bereits 7-13 Jahre alt. Auch der Verweis der Beklagten auf ihre, der Kläger, Teilnahme an den „Kids‘ Choice Awards“ am 11.03.2017 sei vorliegend ohne Bedeutung, da H. K., was unstreitig ist, auch bei jener Veranstaltung nur ohne sie vor die Kameras getreten sei. Ferner führten auch die von den Beklagten beigebrachten ausländischen Presseveröffentlichungen über sie, die Kläger (Anlage BK17), nicht zu einer Zulässigkeit der streitgegenständlichen Berichterstattungen. Es sei aufgrund unterschiedlicher Bildnisschutzstandards in den verschiedenen Rechtsordnungen nicht ersichtlich, ob ein Vorgehen gegen die ausländischen Berichterstattungen überhaupt Aussicht auf Erfolg hätte.
Mit Blick auf den Videobeitrag aus Anlage K2 tragen die Kläger zu 1), 2) und 4) vor, H. K. habe sie im Rahmen der Charity-Gala nicht „präsentiert“, zumal sie, was unstreitig ist, bewusst nur mit anderen Kindern - nicht jedoch mit ihnen, den Klägern - vor den Kameras posiert habe und auch bewusst ohne sie, die Kläger, über den roten Teppich gelaufen sei. Ihnen sei nicht bewusst gewesen, dass sie gefilmt worden seien. Die Kläger zu 1), 2) und 4) sind der Auffassung, die streitgegenständlichen Videoaufnahmen verletzten ihr Recht am eigenen Bild. Es fehle an der erforderlichen Einwilligung i.S.d. § 22 S. 1 KUG, die weder ausdrücklich - dies ist unstreitig - noch konkludent erteilt worden sei. Eine konkludente Einwilligung scheitere bereits daran, dass S. S. auf der Veranstaltung nicht anwesend gewesen sei, da die Einwilligung im Grundsatz nur durch beide zur elterlichen Sorge berechtigten Elternteile erklärt werden könne. Ferner sei auch dem Verhalten H. K.s keine konkludente Einwilligung zu entnehmen gewesen. Jedenfalls wäre die konkrete Berichterstattung von einer konkludenten Einwilligung nicht gedeckt, da sich eine solche allenfalls auf Veröffentlichungen der Aufnahmen im Rahmen von Berichterstattungen über das Charity-Event als solches beschränken würde; eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Veranstaltung finde vorliegend indes nicht statt. Die erforderliche Einwilligung sei auch nicht gem. § 23 Abs. 1 Nr. 1 KUG entbehrlich gewesen, da die in Rede stehenden Aufnahmen kein zeitgeschichtliches Ereignis wiedergäben. Sie wiesen schon keinen ausreichenden Bezug zu der Charity-Gala auf. Im Rahmen einer etwaigen Abwägung würden ihre, der Kläger, geschützten Interessen überwiegen, insbesondere würden sie, die Kläger, ausschließlich im Rahmen privater Momente gezeigt.
Zu den inkriminierten Fotos aus Anlage K10 tragen die Kläger vor, diese seien heimlich von Paparazzi-Fotografen angefertigt oder von einer in dem Ladengeschäft angebrachten versteckten Kamera geschossen worden, jedenfalls sei ihnen, den Klägern, nicht bewusst gewesen, fotografiert zu werden. Die nicht erteilte Einwilligung in die inkriminierte Verbreitung der Bilder sei nicht entbehrlich gewesen, insbesondere liege kein zeitgeschichtliches Ereignis vor. Das abgebildete Einkaufen mit ihren Eltern stelle einen rein privaten Vorgang dar. Der Gegenstand der zugehörigen Wortberichterstattung beziehe sich ebenfalls nicht auf ein zeitgeschichtlich relevantes Ereignis. Die Berichterstattung darüber, dass H. K. beim Einkaufen keinen BH getragen habe, was - unstreitig - schon häufiger der Fall gewesen sei, aber mit ihrem Ex-Ehemann und ihren Kindern einkaufen gehe, diene allein der Befriedigung der Neugier der Leser an ihrem, der Kläger, Privatleben. Jedenfalls wäre es insoweit nicht erforderlich gewesen, sie, die Kläger, abzubilden.
Hinsichtlich des Beitrags vom 25.11.2016 (Anlage K10) bestreitet die Beklagte zu 1) mit Nichtwissen, dass die inkriminierten Fotos von „Paparazzi“ geschossen worden seien und dass den Klägern weder bewusst noch bekannt gewesen sei, dass sie fotografiert würden. Schließlich seien von der Begebenheit weitere Fotos aus unmittelbarer Nähe angefertigt worden, wie sich aus weiteren Berichterstattungen hierüber (vgl. Anlage BK16) ergebe. Die Verbreitung der Fotos sei zulässig, da es sich auch insoweit um Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte handele. Primär werde thematisiert, dass H. K. auf öffentlicher Straße ohne BH unterwegs sei und sich unter dem T-Shirt die Rundungen ihrer Brüste abzeichneten - in dieser „Aufmachung“ sei sie unter anderem mit ihrem Ex-Ehemann und nicht mit ihrem damaligen Lebensgefährten unterwegs gewesen. Hierbei handele es sich um ein zeitgeschichtliches Ereignis. H. K. habe die Kläger bewusst in die abgebildete Situation gebracht, in der sie von einer öffentlichen Aufmerksamkeit habe ausgehen müssen. Zudem seien die Kläger auf den Bildern umfassend verpixelt oder lediglich von hinten abgebildet. Die Eingriffsintensität werde ferner dadurch verringert, dass eine Vielzahl von Fotos eben dieses Shopping-Trips im Internet auffindbar sei, die die Kläger zum Teil sogar unverpixelt zeigten (vgl. Anlage BK16).
Die Zulässigkeit von Bildveröffentlichungen ist nach dem abgestuften Schutzkonzept der §§ 22, 23 KUG zu beurteilen. Danach dürfen Bildnisse einer Person grundsätzlich nur mit deren Einwilligung verbreitet werden, § 22 S. 1 KUG. Die Veröffentlichung des Bildes von einer Person begründet grundsätzlich eine rechtfertigungsbedürftige Beschränkung ihres allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Die nicht von der Einwilligung des Abgebildeten gedeckte Verbreitung seines Bildes ist nur zulässig, wenn dieses Bild dem Bereich der Zeitgeschichte oder einem der weiteren Ausnahmetatbestände des § 23 Abs. 1 KUG positiv zuzuordnen ist und berechtigte Interessen des Abgebildeten nicht verletzt werden (§ 23 Abs. 2 KUG). Dabei ist schon bei der Beurteilung, ob ein Bild dem Bereich der Zeitgeschichte zuzuordnen ist, eine Abwägung zwischen den Rechten des Abgebildeten aus Art. 2 Abs. 1, 1 Abs. 1 GG, Art. 8 Abs. 1 EMRK einerseits und den Rechten der Presse aus Art. 5 I GG, Art. 10 EMRK andererseits vorzunehmen (vgl. BGH GRUR 2007, 899 Rn. 17 - Grönemeyer, BGH GRUR 2015, 816 Rn. 14; Pentz, AfP 2013, 20, 23 f.). Maßgebend für die Frage, ob es sich um ein Bildnis aus dem Bereich der Zeitgeschichte handelt, ist der Begriff des Zeitgeschehens. Der Begriff des Zeitgeschehens darf nicht zu eng verstanden werden. Im Hinblick auf den Informationsbedarf der Öffentlichkeit umfasst er nicht nur Vorgänge von historisch-politischer Bedeutung, sondern ganz allgemein das Zeitgeschehen, also alle Fragen von allgemeinem gesellschaftlichem Interesse. Er wird mithin vom Interesse der Öffentlichkeit bestimmt. Zum Kern der Presse- und der Meinungsbildungsfreiheit gehört es, dass die Presse innerhalb der gesetzlichen Grenzen einen ausreichenden Spielraum besitzt, in dem sie nach ihren publizistischen Kriterien entscheiden kann, was öffentliches Interesse beansprucht, und dass sich im Meinungsbildungsprozess herausstellt, was eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse ist, wobei sogar unterhaltende Beiträge davon nicht ausgenommen sind. Ein Informationsinteresse besteht jedoch nicht schrankenlos, vielmehr wird der Einbruch in die persönliche Sphäre des Abgebildeten durch den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit begrenzt (vgl. BGH, GRUR 2017, 302, 303 - Wowereit m.w.N.). Es bedarf mithin einer abwägenden Berücksichtigung der kollidierenden Rechtspositionen. Die Belange der Medien sind dabei in einen möglichst schonenden Ausgleich zum Persönlichkeitsschutz des von einer Berichterstattung Betroffenen zu bringen, insbesondere zum Schutz des Kernbereichs der Privatsphäre. Bei der Gewichtung des Informationsinteresses im Verhältnis zu dem kollidierenden Persönlichkeitsschutz kommt dem Gegenstand der Berichterstattung maßgebliche Bedeutung zu. Entscheidend ist insbesondere, ob die Medien im konkreten Fall eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse ernsthaft und sachbezogen erörtern, damit den Informationsanspruch des Publikums erfüllen und zur Bildung der öffentlichen Meinung beitragen, oder ob sie - ohne Bezug zu einem zeitgeschichtlichen Ereignis - lediglich die Neugier der Leser oder Zuschauer nach privaten Angelegenheiten prominenter Personen befriedigen. Der Informationsgehalt einer Bildberichterstattung ist im Gesamtkontext, in den das Personenbildnis gestellt ist, zu ermitteln, insbesondere unter Berücksichtigung der zugehörigen Textberichterstattung. Daneben sind für die Gewichtung der Belange des Persönlichkeitsschutzes der Anlass der Berichterstattung und die Umstände in die Beurteilung mit einzubeziehen, unter denen die Aufnahme entstanden ist. Auch ist bedeutsam, in welcher Situation der Betroffene erfasst und wie er dargestellt wird (vgl. BGH GRUR 2017, 302, 303 f. - Wowereit). Nach diesen Grundsätzen ergibt sich, dass die Verbreitung der streitgegenständlichen Videoaufnahmen (2.) und Fotos (3.) unzulässig war.
Selbst wenn man mit dem Kinderfest einen hinreichenden Bezug zu einem zeitgeschichtlichen Ereignis bejahen würde, wäre die Ausnahme vom grundsätzlichen Erfordernis einer Einwilligung in die Verbreitung des streitgegenständlichen Videos gem. § 23 Abs. 1 Nr. 1KUG vorliegend nicht einschlägig. Denn jedenfalls die vorzunehmende Abwägung der widerstreitenden Interessen - den geschützten Interessen der Kläger aus Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG einerseits und der nach Art. 5 Abs. 1 GG geschützten Meinungs- und Pressefreiheit der Beklagten andererseits - fällt vorliegend zugunsten der Kläger aus.
Zwar streitet zugunsten der Beklagten, dass an den Klägern als Kinder zweier äußerst bekannter Personen im Grundsatz ein großes öffentliches Interesse besteht, welches sich von der Bekanntheit ihrer Eltern ableitet. Darüber hinaus ist zugunsten der Beklagten zu berücksichtigen, dass die Eltern der Kläger, insbesondere H. K., über ihren Instagram-Account, in der Vergangenheit eine Vielzahl von Fotos veröffentlicht haben, auf denen die Kläger - wenngleich im Grundsatz niemals vollständig erkennbar - abgebildet sind, was das öffentliche Interesse an ihnen weiter gesteigert haben dürfte. Die insoweit abgebildeten Begebenheiten stellen zudem in weiten Teilen private Situationen dar, in denen sich die Kläger im familiären Umfeld und beispielsweise auf Familienausflügen, im Urlaub oder zu Hause befinden, in einem Fall sogar im Bett. Insoweit hat die Mutter der Kläger ihre jeweilige Privatsphäre in nicht unerheblichem Maße geöffnet.
Indes ist prozessual davon auszugehen, dass H. K. es grundsätzlich bewusst vermieden hat, die Kläger vollständig erkennbar abzubilden. So sind auch auf keinem der als Anlagenkonvolut BK5 beigebrachten und von H. K. verbreiteten Fotos die Kläger vollständig zu erkennen, sondern stets mit dem Gesicht abgewandt, Teile ihres Gesichts verdeckt - beispielsweise durch eine Bettdecke oder durch Skibekleidung - oder überhaupt nur einzelne Körperteile (Hände, Füße) abgebildet. Lediglich auf dem aus Anlagenkonvolut BK8 ersichtlichen Selfie H. K.s sind auf der Hülle ihres Handys die Gesichter der Kläger vollständig erkennbar. Zwar ist diesbezüglich unstreitig, dass dies H. K. bei Veröffentlichung des in Rede stehenden Selfies im Rahmen eines Instagram-Postings nicht bewusst war, es sich also insoweit um ein Versehen ihrerseits handelte. Jedoch hat sie das betreffende Foto auch nach Erlangung der Kenntnis hiervon - anders als die Kläger meinen - keineswegs „unverzüglich“ von ihrem Instagram-Account gelöscht. Vielmehr hat sie trotz der Möglichkeit einer schnelleren Löschung des betreffenden Postings, die sich aus dem Umstand ergibt, dass sie in der Zwischenzeit weitere Postings veröffentlicht hat, jedenfalls drei Tage hiermit zugewartet. Diese einmal vorgekommene Nachlässigkeit der Mutter der Kläger - hiervon ist prozessual auszugehen - führt indes nicht dazu, dass die Kläger die umstrittenen Aufnahmen, die sie bei privaten Beschäftigungen zeigen, hinnehmen müssten. Auf den von den Beklagten beigebrachten früheren „Selfies“ H. K.s sind die Kläger auf der Handyhülle aufgrund der gegebenen Auflösung und der offensichtlich größeren Entfernung zum Spiegel hingegen nicht in vergleichbarer Weise erkennbar. Die von S. S. im Jahre 2012 veranlasste Veröffentlichung eines Werbevideos (vgl. Anlage BK7), auf dem die Kläger ebenfalls vollständig zu sehen waren, ist hingegen ohne die Einwilligung H. K.s geschehen, was sich auch aus dem Artikel der „B.-Zeitung“ aus Anlage BK7 ergibt. Überdies ist H. K. umgehend rechtlich hiergegen vorgegangen, um eine Löschung zu erwirken. Dies geht auch aus der Berichterstattung aus Anlage K14 hervor. Schließlich wirkt sich auch die Verbreitung der Baby-Fotos der Kläger durch ihre Eltern nicht entscheidend zugunsten der Beklagten aus. Zwar sind die Kläger auf diesen bisweilen vollständig zu erkennen, insbesondere sind ihre Gesichter nicht verpixelt oder verdeckt. Jedoch waren die Kläger hierauf jeweils im Säuglingsalter kurz nach ihrer Geburt abgebildet. In diesem frühen Stadium sind insbesondere spätere Gesichtszüge und andere äußere Merkmale noch nicht ausgeprägt beziehungsweise erkennbar. Gerade in der Phase unmittelbar nach der Geburt unterliegt das Äußere eines Säuglings erfahrungsgemäß einer schnellen Veränderung, sodass die Fotos bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung nicht mehr „aktuell“ gewesen sein dürften. Überdies liegt deren Anfertigung, wie auch ihre Veröffentlichung, mittlerweile vergleichsweise lange, etwa 7-13 Jahre, zurück.
Entgegen der Auffassung der Beklagten kann den Klägern auch nicht entgegengehalten werden, dass im Internet - speziell über eine Suche mit der Suchmaschine „Google“ - eine Vielzahl von Fotos der Kläger zu finden ist, welche diese unverpixelt und unter anderem unter vollständiger Abbildung ihrer unverdeckten Gesichter zeigen. Denn unstreitig werden diese sämtlich aus anderen Staaten heraus verbreitet. Dass die Kläger hiergegen bislang nicht, oder jedenfalls nicht mit Erfolg, vorgegangen sind, ist vorliegend nicht zu ihren Lasten zu berücksichtigen, da zum einen unterschiedliche Schutzniveaus bestehen können und die Durchsetzung bildnisrechtlicher Ansprüche im Ausland jedenfalls faktisch nicht ausschließbar mit erheblichen Schwierigkeit verbunden sein kann. Ebenso wenig kann den Klägern die Verlegung ihres Lebensmittelpunktes - durch ihre Eltern - in die USA entgegengehalten werden. Allein der Umstand, dass dort, wie die Beklagten meinen, eine größere Medienöffentlichkeit bestehe, hat keinen Einfluss auf die Zulässigkeit der streitgegenständlichen und hierzulande erfolgten Verbreitungshandlungen des inkriminierten Videomaterials. Ohnehin kann die Kammer nicht feststellen, dass der Lebensmittelpunkt der Kläger in die USA „verlagert“ worden wäre, da diese dort geboren sind und in den USA aufwachsen.
Vorliegend überwiegen die geschützten Interessen der Kläger zu 1), 2) und 4). Zu ihren Gunsten streitet im Rahmen der Abwägung, dass sie in dem inkriminierten Videomaterial unverpixelt und in weiten Teilen erkennbar zu sehen sind. Hingegen waren ihre Eltern in der Vergangenheit stets darum bemüht, das vollständige äußere Erscheinungsbild der Kläger nicht öffentlich preiszugeben, insbesondere nicht im Rahmen eigener Postings auf Instagram oder in anderen sozialen Netzwerken. Bis auf die o.g. Ausnahmen ist so das äußere Erscheinungsbild der Kläger in der Vergangenheit konsequent geschützt worden. Auch ansonsten sind die Kläger von ihren Eltern in der Vergangenheit grundsätzlich aus der Öffentlichkeit herausgehalten worden. Insbesondere haben ihre Eltern die Kläger soweit ersichtlich - abgesehen von den oben erwähnten Ausnahmen - nicht bewusst der Medienöffentlichkeit identifizierbar präsentiert. Dem steht auch, anders als die Beklagten meinen, nicht entgegen, dass die Kläger ihre Mutter im März 2017 zu den „Kids‘ Choice Awards“ begleitet haben. Aus der Berichterstattung aus Anlage BK13 auf www.b...de geht hervor, dass H. K. bei jener Veranstaltung ohne die Kläger vor die Kameras getreten ist. Die Kläger haben während der Veranstaltung lediglich im Publikum gesessen. Es ist auch nicht festzustellen, dass sie besonders prominente Plätze gehabt hätten, beispielsweise in der ersten Reihe gesessen hätten. Hierin kann daher ein bewusstes Zuwenden zur Öffentlichkeit nicht gesehen werden. Selbst wenn jedoch die Kläger bei der Veranstaltung „Kids` Choice Awards“ prominenter aufgetreten wären, hätte dies nicht zur Folge, dass sie die Veröffentlichung ihrer Bildnisse, die anlässlich einer anderen Veranstaltung entstanden sind, hinnehmen müssen, obwohl diese beiden Begebenheiten in keinerlei Zusammenhang stehen und - wie oben ausgeführt - die Kläger in privaten Situationen gezeigt werden (vgl. i.ü. auch OLG Köln, NJW 2017, 1114).
Auch für eine konkludente Einwilligung bestehen keinerlei Anhaltspunkte. Insbesondere ergeben sich solche nicht aus den streitgegenständlichen Fotos selbst, da aus diesen bereits nicht hervorgeht, dass den Eltern der Kläger bewusst gewesen wäre, dass die Kläger wie geschehen fotografiert wurden. Dies ist zudem zwischen den Parteien streitig. Der Vortrag der - insoweit darlegungs- und beweisbelasteten - Beklagten zu 1) dahingehend, dass die Fotos erkennbar aus unmittelbarer Nähe angefertigt worden seien, ist unsubstantiiert. Bereits der Begriff der „unmittelbare(n) Nähe“ ist wertungsgeprägt. Ferner ist eine gewisse Distanz der Kläger zur Kamera schon aus den Bildern heraus erkennbar. Des Weiteren kann ein heimliches und von den Eltern der Kläger unbemerktes Anfertigen der streitgegenständlichen Aufnahmen unabhängig von der konkreten Entfernung der Kamera nicht ausgeschlossen werden. Schließlich hätte sich eine eventuelle Einwilligung auf die konkrete Art der Berichterstattung erstrecken müssen, was vorliegend ebenfalls fraglich wäre.
Schließlich kann abweichend von der Auffassung der Beklagten zu 1) ein zeitgeschichtliches Ereignis auch nicht aus dem Umstand gefolgert werden, dass die Eltern der Kläger, S. S. und H. K., gemeinsam mit ihnen einkauften. Trotz der Trennung der Eltern der Kläger ist es alles andere als ungewöhnlich, dass diese gemeinsamen Aktivitäten mit ihnen nachgehen, zumal solch alltägliche Aktivitäten wie einzukaufen. Es ist insbesondere weder vorgetragen noch anderweitig ersichtlich, dass H. K. und S. S. ansonsten grundsätzlich zerstritten wären oder kein gutes Verhältnis zueinander pflegten. Schließlich vermag auch der Umstand, dass H. K. im Zeitpunkt der Aufnahmen anderweitig liiert war und sie vorliegend nicht mit ihrem damaligen Lebensgefährten, sondern mit ihrem Ex-Ehemann unterwegs war, ein zeitgeschichtliches Ereignis nicht zu begründen. Insbesondere da beide vier gemeinsame Kinder - die Kläger - haben, ist es alles andere als ungewöhnlich, dass sie auch nach ihrer Trennung und trotz neuer Partnerschaften weiterhin Kontakt halten und insbesondere mit den Kindern gemeinsame Unternehmungen machen. Anhaltspunkte für eine Wiederaufnahme der Beziehung zwischen H. K. und S. S. ergeben sich hieraus nicht und sind auch ansonsten nicht erkennbar.