Source: https://judicialis.de/Bundesverwaltungsgericht_BVerwG-7-C-8-98_Urteil_25.02.1999.html
Timestamp: 2019-07-20 10:20:25
Document Index: 302784600

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 1', 'Art. 3', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 985', '§ 4', '§ 7', '§ 16', '§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 3', '§ 1', '§ 1']

Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 25.02.1999 mit dem Az.: BVerwG 7 C 8.98	/* Banner Ads */
Aktenzeichen: BVerwG 7 C 8.98
BVerwG 7 C 8.98 VG 25 A 476.92
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin vom 4. August 1997 wird zurückgewiesen.
Der Kläger erstrebt die Feststellung, daß er hinsichtlich eines Wäschereibetriebes und des Grundstücks L.straße 24 - 28 in Berlin-W. Berechtigter im Sinne des § 2 Abs. 1 Satz 1 des Gesetzes zur Regelung offener Vermögensfragen (Vermögensgesetz - VermG ) ist. Eigentümer des Grundstücks und Inhaber der darauf betriebenen Wäscherei war der Vater des Klägers. Im Jahr 1949 wurden Grundstück und Unternehmen auf der Grundlage des vom sog. demokratischen Magistrat von Groß-Berlin beschlossenen Gesetzes zur Einziehung von Vermögenswerten der Kriegsverbrecher und Naziaktivisten vom 8. Februar 1949 (VOBl für Groß-Berlin, Teil I S. 34) und der zu diesem Gesetz beschlossenen "Liste 1" vom 9. Februar 1949 (a.a.O. S. 43) enteignet und in Volkseigentum überführt.
Der Beklagte lehnte mit Bescheid vom 11. August 1992 die Rückübertragung der Vermögenswerte ab, weil es sich um eine von der Restitution ausgeschlossene Enteignung auf besatzungshoheitlicher Grundlage gehandelt habe (§ 1 Abs. 8 Buchst. a VermG). Im Verlauf des daraufhin eingeleiteten Klageverfahrens legte der Kläger eine von Oberst der Justiz W. unterzeichnete Rehabilitierungsbescheinigung der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation vom 20. September 1994 vor. Darin heißt es, die Sowjetische Militäradministration (SMAD) habe den Vater des Klägers im Jahr 1945 aus politischen Motiven ungesetzlich "repressiert" und dabei sein gesamtes persönliches Eigentum zusammen mit dem Wäschereibetrieb und dem dazu gehörenden Grundstück auf der Grundlage des SMAD-Befehls Nr. 124 konfisziert; er werde gemäß Art. 3 Buchst. e des Rehabilitierungsgesetzes der Russischen Föderation vom 18. Oktober 1991 "bei voller Wiederherstellung der Rechte" rehabilitiert. In einem gleichzeitig vorgelegten, ebenfalls von Oberst W. unterzeichneten Begleitschreiben vom 20. September 1994 ist u.a. ausgeführt, daß das Grundstück auf der Grundlage der Kontrollratsdirektive Nr. 38 und des SMAD-Befehls Nr. 201 entschädigungslos enteignet worden sei.
Das Verwaltungsgericht hat die auf Rückübertragung des Unternehmens und des Grundstücks gerichtete Klage abgewiesen und zur Begründung ausgeführt: Die Rehabilitierungsbescheinigung begründe keinen Restitutionsanspruch nach § 1 Abs. 7 VermG. Zwar beziehe sich § 1 Abs. 7 VermG auch auf Rehabilitierungsentscheidungen ausländischer Stellen. Die Vorschrift betreffe aber nur solche vermögensrechtlichen Folgen, die durch eine gegen die Person des Vermögensinhabers selbst gerichtete, rechtsstaatswidrige Entscheidung veranlaßt worden seien. Erforderlich seien daher zwei Eingriffsakte; der Betroffene müsse über den diskriminierenden Vermögenszugriff hinaus Subjekt eines wiedergutmachungsbedürftigen, grob rechtsstaatswidrigen Einzelaktes gewesen sein. Eine Enteignung, die - wie hier - ohne zusätzliche, gegen die Person des Eigentümers gerichtete straf-, ordnungsstraf- oder verwaltungsrechtliche Entscheidung erfolgt sei, könne nicht, wie in § 1 Abs. 7 VermG vorausgesetzt, "im Zusammenhang" mit einem Unrechtsakt stehen.
Mit der gegen dieses Urteil eingelegten Revision beantragt der Kläger im Hinblick darauf, daß die zurückverlangten Vermögenswerte von der Rechtsvorgängerin der Beigeladenen zwischenzeitlich veräußert wurden, nur noch die Feststellung, daß er Berechtigter im Sinne des § 2 Abs. 1 Satz 1 VermG ist. Zur Begründung führt er aus: Die Auslegung des § 1 Abs. 7 VermG durch das Verwaltungsgericht finde im Wortlaut der Norm keine Stütze und gehe an den damaligen Realitäten sowie der Intention der vorgelegten russischen Rehabilitierungsbescheinigung vorbei. Die Beschlagnahme der Vermögenswerte und ihre nachfolgende Überführung in Volkseigentum stellten einen einheitlichen Lebenssachverhalt dar, den die sowjetische Besatzungsmacht in Gang gesetzt habe und der von den deutschen Behörden lediglich vollendet worden sei. Wie aus einem "Enteignungsvorschlag" der Deutschen Treuhandverwaltung vom 9. September 1948 hervorgehe, sei die Enteignung seines Vaters als Sühnemaßnahme gegen einen Belasteten im Sinne der Kontrollratsdirektive Nr. 38 vom 12. Oktober 1946 und des SMAD-Befehls Nr. 201 vom 16. August 1947 angesehen worden. Dies belege den Ursachenzusammenhang zwischen den Entscheidungen der Sowjetischen Militäradministration und der Enteignung. Der Rehabilitierungsbescheinigung und dem Begleitschreiben könne auch ohne weiteres entnommen werden, daß die entschädigungslose Enteignung zu Unrecht erfolgt sei und deshalb der Aufhebung unterliege. Die vom Verwaltungsgericht vorgenommene Auslegung der Rehabilitierungsbescheinigung verstoße gegen die Grundsätze der Auslegung von Willenserklärungen und überspanne die Anforderungen an den Inhalt solcher Bescheinigungen. Bei den sog. Listenenteignungen handle es sich entgegen der Ansicht des Verwaltungsgerichts auch um gegen die Person des jeweiligen Vermögensinhabers gerichtete verwaltungsrechtliche Einzelentscheidungen.
Der Beklagte und die Beigeladene halten das angefochtene Urteil für zutreffend. Der Oberbundesanwalt führt aus: Das Verwaltungsgericht habe im Ergebnis zutreffend den von § 1 Abs. 7 VermG vorausgesetzten Zusammenhang zwischen dem Vermögensverlust und der durch die Rehabilitierung aufgehobenen Maßnahme verneint. Denn der Vermögensverlust sei nicht durch die von der Rehabilitierungsbescheinigung in Bezug genommene Beschlagnahme nach dem SMAD-Befehl Nr. 124, sondern erst durch die nachfolgende Enteignung und damit durch die Entscheidung einer deutschen Behörde herbeigeführt worden.
Die Revision ist nicht begründet. Das Urteil des Verwaltungsgerichts verstößt nicht gegen Bundesrecht. Der Kläger ist nicht Berechtigter im Sinne des § 2 Abs. 1 Satz 1 des Gesetzes zur Regelung offener Vermögensfragen (Vermögensgesetz - VermG).
1. Berechtigte im Sinne des § 2 Abs. 1 Satz 1 VermG sind u.a. natürliche Personen, deren Vermögenswerte von Maßnahmen gemäß § 1 VermG betroffen sind, sowie ihre Rechtsnachfolger. Zu Recht hat das Verwaltungsgericht in Übereinstimmung mit dem Beklagten einen Anspruch auf Rückübertragung und damit der Sache nach auch die Berechtigtenstellung des Klägers unter Hinweis auf § 1 Abs. 8 Buchst. a Halbsatz 1 VermG abgelehnt. Die streitigen Vermögenswerte sind auf besatzungshoheitlicher Grundlage, nämlich auf der Grundlage des vom sog. demokratischen Magistrat von Groß-Berlin beschlossenen Gesetzes zur Einziehung von Vermögenswerten der Kriegsverbrecher und Naziaktivisten vom 8. Februar 1949 (VOBl für Groß-Berlin, Teil I S. 34) und der zu diesem Gesetz beschlossenen "Liste 1" vom 9. Februar 1949 (a.a.O. S. 43) enteignet worden. Das Vermögensgesetz findet daher - mit Ausnahme seiner Bestimmungen über Zuständigkeiten und Verfahren - nach der genannten Vorschrift keine Anwendung. Im Revisionsverfahren hat sich der Kläger nicht mehr gegen diese Annahme gewendet.
2. Der Kläger kann den geltend gemachten Anspruch auch nicht auf die Vorschrift des § 1 Abs. 7 VermG stützen. Allerdings bleiben gemäß § 1 Abs. 8 Buchst. a Halbsatz 2 VermG Ansprüche nach den Absätzen 6 und 7 "unberührt". Diese durch das Zweite Vermögensrechtsänderungsgesetz vom 14. Juli 1992 (BGBl I S. 1257) eingefügte Vorschrift stellt zunächst klar, daß derjenige, der von einer im Sinne des § 1 Abs. 7 VermG rechtsstaatswidrigen, später aufgehobenen Maßnahme getroffen worden war, die Rückgabe der entzogenen Vermögensgegenstände unabhängig davon beanspruchen kann, ob diese Gegenstände zeitgleich oder später auch auf besatzungsrechtlicher oder besatzungshoheitlicher Grundlage (erneut) entzogen wurden (BVerwG, Urteil vom 28. September 1995 - BVerwG 7 C 28.94 - BVerwGE 99, 268 <275>). Dieselbe Funktion hat die Unberührtheitsklausel für die nach § 1 Abs. 6 VermG wiedergutzumachenden Vermögensentziehungen der NS-Zeit. Für den Fall des § 1 Abs. 7 VermG gewinnt § 1 Abs. 8 Buchst. a Halbsatz 2 VermG praktische Bedeutung insbesondere bei Sachverhalten, bei denen Vermögenswerte z.B. durch eine - später durch Rehabilitierungsentscheidung aufgehobene - strafrechtliche Verurteilung eines sowjetischen Militärtribunals oder eines deutschen Gerichts eingezogen wurden und der Eigentümer danach einem (erneuten) Vermögensverlust im Zuge der auf die SMAD-Befehle Nr. 124 und Nr. 64 zurückzuführenden Enteignungsmaßnahmen deutscher Stellen unterlag.
Freilich erschöpft sich § 1 Abs. 8 Buchst. a Halbsatz 2 VermG im Fall des § 1 Abs. 7 VermG - anders als bei § 1 Abs. 6 VermG - nicht darin, das Verhältnis zwischen zwei verschiedenen, dieselben Vermögenswerte betreffenden Entziehungen zu bestimmen. Die Unberührtheitsklausel betrifft vielmehr auch Fallgestaltungen, bei denen nur eine einzige Vermögensentziehung stattgefunden hat. Sie stellt nämlich klar, daß die (materiellrechtlichen) Vorschriften des Vermögensgesetzes entgegen der in § 1 Abs. 8 Buchst. a Halbsatz 1 VermG aufgestellten Regel dann Anwendung finden, wenn diese Enteignung vom Tatbestand des § 1 Abs. 7 VermG erfaßt wird.
a) Nach § 1 Abs. 7 VermG gilt das Vermögensgesetz entsprechend für die Rückgabe von Vermögenswerten, die im Zusammenhang mit der nach anderen Vorschriften erfolgten Aufhebung rechtsstaatswidriger straf-, ordnungsstraf- oder verwaltungsrechtlicher Entscheidungen steht. Wie der erkennende Senat bereits entschieden hat, handelt es sich bei § 1 Abs. 7 VermG um eine sog. Rechtsfolgenverweisung (Beschluß vom 9. Juni 1994 - BVerwG 7 B 145.93 - Buchholz 112 § 1 VermG Nr. 23 = VIZ 1994, 473; Urteil vom 26. September 1996 - BVerwG 7 C 61.94 - BVerwGE 102, 89 <92 f.>). Der Gesetzgeber geht für den Fall, daß rechtsstaatswidrige (straf-, ordnungsstraf- oder verwaltungsrechtliche) Vermögensentziehungen auf der Grundlage von anderen Wiedergutmachungs- oder Rehabilitierungsregelungen aufgehoben werden, von der grundsätzlichen Pflicht zur Rückgabe des entzogenen Vermögenswerts aus und unterwirft diese Rückgabe den Vorschriften des Vermögensgesetzes. In diesem Sinne hebt der Oberbundesanwalt zutreffend hervor, daß § 1 Abs. 7 VermG keinen eigenen Restitutionstatbestand schafft, sondern anspruchsbegrenzender Natur ist: Wird eine Vermögensentziehung "nach anderen Vorschriften" (als denen des Vermögensgesetzes) aufgehoben, soll der dadurch entstandene Herausgabeanspruch des Geschädigten nicht nach den allgemeinen Regeln des Zivilrechts (vgl. §§ 985 ff. BGB) zur Rückgabe des Vermögenswertes führen, sondern aus Gründen der Gleichbehandlung denselben Beschränkungen wie die durch das Vermögensgesetz begründeten Rückgabeansprüche unterliegen. Dies betrifft insbesondere die Ausschlußgründe der §§ 4 und 5 VermG, aber beispielsweise auch die Vorschriften über den Wertausgleich (§§ 7, 7 a VermG) und über die Rechtsverhältnisse zwischen Berechtigten und Dritten (§§ 16 ff. VermG).
Dementsprechend hat der erkennende Senat bereits entschieden, daß § 1 Abs. 7 VermG von einem zweistufigen Verfahrensablauf ausgeht (Beschluß vom 9. Juni 1994 - BVerwG 7 B 145.93 - a.a.O.; Urteil vom 26. September 1996 - BVerwG 7 C 61.94 - a.a.O.). Auf der ersten Stufe hebt die dafür nach den "anderen Vorschriften" zuständige Stelle die durch eine rechtsstaatswidrige (straf-, ordnungsstraf- oder verwaltungsrechtliche) Entscheidung herbeigeführte Vermögensentziehung auf oder trifft eine der Aufhebung entsprechende Feststellung der Rechtsstaatswidrigkeit. Damit steht die Rückgabeberechtigung des früheren Rechtsinhabers dem Grunde nach fest, vergleichbar mit der Berechtigtenfeststellung im Sinne von § 2 Abs. 1 Satz 1 VermG. Die rechtsgrundlos gewordene Vermögensverschiebung wird sodann auf der zweiten Stufe von den an die Aufhebungsentscheidung gebundenen Ämtern zur Regelung offener Vermögensfragen nach Maßgabe des Vermögensgesetzes rückabgewickelt. Insoweit unterscheidet sich also das dem § 1 Abs. 7 VermG zugrundeliegende Regelungskonzept von § 1 Abs. 6 VermG. Diese Vorschrift erfaßt weil der Unrechtscharakter der NS-Maßnahmen nicht erst festgestellt werden muß Vermögenseinziehungen durch Strafurteile sowie sonstige verfolgungsbedingte Vermögensverluste unmittelbar und macht damit ein vorgeschaltetes Aufhebungsverfahren entbehrlich (vgl. Erläuterungen der Bundesregierung zu § 1 Abs. 7 VermG, BTDrucks 11/7831, S. 3).
b) Für die Vermögensentziehungen, die durch rechtsstaatswidrige straf-, ordnungsstraf- oder verwaltungsrechtliche Entscheidungen ausländischer, insbesondere sowjetischer Stellen erfolgt sind, fehlt es an den mit dem Strafrechtlichen und Verwaltungsrechtlichen Rehabilitierungsgesetz vergleichbaren "anderen Vorschriften" des deutschen Gesetzgebers. Ob dem Erlaß eines Gesetzes, das die Aufhebung der Entscheidungen von Organen fremder Staaten ermöglicht, völkerrechtliche Bedenken entgegenstünden, kann offenbleiben. Jedenfalls darf aus dem Fehlen eines diese Fragen regelnden deutschen Gesetzes nicht geschlossen werden, daß § 1 Abs. 7 VermG solche Fallgestaltungen nicht erfassen wollte, in denen ein fremder Staat die von seinen Organen im besetzten Deutschland nach dem 8. Mai 1945 getroffenen rechtsstaatswidrigen straf-, ordnungsstraf- oder verwaltungsrechtlichen Entscheidungen nach seinen eigenen Rehabilitierungsvorschriften aufhebt. Angesichts der dargelegten Bedeutung des § 1 Abs. 7 VermG ist vielmehr das Gegenteil richtig. Wenn nämlich diese Bestimmung die Abwicklung einer nach anderen Vorschriften aufgehobenen und damit rechtsgrundlos gewordenen Vermögensentziehung den Einschränkungen des Vermögensgesetzes unterwerfen will, so gibt es keinen einleuchtenden Grund für die Annahme, daß diese anspruchsbegrenzende Regelung für Aufhebungsentscheidungen auf der Grundlage ausländischer Vorschriften nicht gelten soll. Wollte man dies anders sehen, würde sich die Herausgabe des betreffenden Vermögensgegenstandes an den Berechtigten nach zivilrechtlichen Regeln bestimmen, ein Ergebnis, daß der Gesetzgeber mit dem Verweis auf das Vermögensgesetz in § 1 Abs. 7 VermG gerade vermeiden wollte. Daß § 1 Abs. 7 VermG auch die Aufhebung rechtsstaatswidriger Entscheidungen nach ausländischen Vorschriften einbeziehen will, hat der Gesetzgeber im übrigen durch die Vorschrift des § 1 Abs. 1 a Satz 2 des Ausgleichsleistungsgesetzes vom 27. September 1994 (BGBl I S. 2624) klargestellt. Diese Aufhebung muß aber, entsprechend einer Rehabilitierung nach deutschen "anderen" Vorschriften im Sinne des § 1 Abs. 7 VermG, immer (auch) wegen der Einziehung von Vermögensgegenständen oder des Vermögens insgesamt erfolgen. Nur dann besteht, wie dargelegt, der in § 1 Abs. 7 VermG vorausgesetzte Zusammenhang zwischen der Rückgabe des Vermögenswertes und der nach der ausländischen Vorschrift erfolgten Aufhebung der rechtsstaatswidrigen Entscheidung.
c) Ausgehend von diesen Grundsätzen läßt sich der mit der Revision geltend gemachte Anspruch nicht auf die Vorschrift des § 1 Abs. 7 VermG stützen. Zwar können nach dem zuvor Gesagten auch Rehabilitierungen nach dem Gesetz der Russischen Föderation über die Rehabilitierung von Opfern politischer Repression, das in seiner geänderten Fassung vom 3. September 1993 auch ausländische Staatsangehörige einbezieht, den Anwendungsbereich des § 1 Abs. 7 VermG eröffnen. Voraussetzung ist aber, wie ausgeführt stets, daß es sich erstens um eine Enteignung oder sonstige Vermögensentziehung handelt, die durch Gerichte, Verwaltungsbehörden oder sonstige staatliche Stellen der Sowjetunion (als der Rechtsvorgängerin der Russischen Föderation) selbst verfügt wurde, sei es als Begleitentscheidung zu einer politischen Verfolgungsmaßnahme (z.B. strafrechtliche Verurteilung mit Vermögensentzug), sei es als ausschließlich vermögensentziehende Entscheidung eines Organs der Besatzungsmacht. Zweitens muß die russische Rehabilitierungsbehörde (auch) die vermögensentziehende Maßnahme aufgehoben oder jedenfalls eine Entscheidung getroffen haben, der - erforderlichenfalls im Wege des Auslegung - zu entnehmen ist, daß (auch) die Vermögensentziehung als unbegründete politische Verfolgung angesehen wird und daher keinen Bestand mehr haben soll (vgl. BVerwG, Urteil vom 17. April 1997 - BVerwG 7 C 15.96 - BVerwGE 104, 279 <289>).
Diese Voraussetzungen sind hier nicht gegeben. Der Vater des Klägers wurde durch eine deutsche staatliche Stelle, nämlich durch den sog. demokratischen Magistrat von Groß-Berlin auf der Grundlage des Gesetzes zur Einziehung von Vermögenswerten der Kriegsverbrecher und Naziaktivisten vom 8. Februar 1949 und der zu diesem Gesetz beschlossenen "Liste 1" enteignet. Durch die sowjetische Besatzungsmacht selbst angeordnet war lediglich die vorangegangene Beschlagnahme gemäß dem SMAD-Befehl Nr. 124, die freilich noch keine eigentums- entziehende Wirkung hatte. Nur auf diese von der Besatzungsmacht verfügte Beschlagnahme und nicht auf die vom Magistrat von Groß-Berlin beschlossene Enteignung bezieht sich die dem Kläger erteilte Rehabilitierungsbescheinigung vom 20. September 1994. Auch aus dem Begleitschreiben zur Rehabilitierungsbescheinigung ergibt sich nichts anderes; es enthält lediglich noch den zusätzlichen Hinweis auf die besatzungsrechtlichen Verlautbarungen (Kontrollratsdirektive Nr. 38 und SMAD-Befehl Nr. 201), aufgrund deren der Vater des Klägers als politisch Belasteter betrachtet und deshalb von den deutschen Behörden in den Kreis der nach dem Gesetz zur Einziehung von Vermögenswerten der Kriegsverbrecher und Naziaktivisten vom 8. Februar 1949 zu enteignenden Personen einbezogen wurde. Eine solche Beschränkung der Rehabilitierung auf die von der Besatzungsmacht selbst getroffenen Maßnahmen, z.B. Verurteilungen durch sowjetische Militärgerichte oder Inhaftierungen durch Sicherheitsorgane, entspricht übrigens auch dem russischen Verständnis von den Rechtswirkungen der ausländischen Staatsangehörigen erteilten Rehabilitierungsbescheinigungen (vgl. z.B. das von Bundesminister Bohl im Bundestag mitgeteilte Schreiben des russischen Außenministers Primakow vom 10. Dezember 1996, Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 13. Wahlperiode, Stenographische Berichte, Band 187, S. 13682; vgl. ferner den im BARoV-Rundbrief Nr. 23 vom 6. Oktober 1998, D IV, wiedergegebenen Vorbehalt, mit dem die russische Militärhauptstaatsanwaltschaft seit November 1997 die Rehabilitierungsbescheinigungen versieht). Freilich wäre, wie klarstellend hervorzuheben ist, nach dem oben Ausgeführten der Tatbestand des § 1 Abs. 7 VermG auch dann nicht erfüllt, wenn sich eine russische Rehabilitierungsbescheinigung im Einzelfall nicht auf eine Maßnahme der sowjetischen Besatzungsmacht beschränken, sondern auch die von deutschen Stellen verfügte Enteignung in ihren Rehabilitierungsausspruch einbeziehen würde.
Es ist nicht erkennbar, daß der Gesetzgeber für die von deutschen Stellen beschlossenen Enteignungen auf besatzungsrechtlicher oder besatzungshoheitlicher Grundlage von diesem ansonsten konsequent eingehaltenen Konzept hätte abweichen wollen. Die Abweichung bestünde zunächst darin, daß über den Umfang und damit auch den Inhalt russischer Rehabilitierungen in bezug auf Eingriffe in Vermögenswerte nicht die zuständigen russischen Behörden, sondern deutsche Stellen, eben die Vermögensämter, entschieden. Es kommt hinzu, daß § 1 Abs. 7 VermG keine Maßstäbe für die Bejahung des zur Rehabilitierung führenden Ursachenzusammenhangs und damit für die Begründung eines Rückgabeanspruchs aufstellt, während etwa das Verwaltungsrechtliche Rehabilitierungsgesetz, wie oben dargelegt, auch hinsichtlich der Eingriffe in Vermögenswerte genaue tatbestandliche Voraussetzungen formuliert (vgl. etwa § 1 Abs. 1 und 2, § 2 Abs. 2 VwRehaG). Schließlich ergäben sich nicht zu rechtfertigende Unterschiede hinsichtlich der Tatbestände, die eine Rückgabe entzogener Vermögenswerte ermöglichen. Wurde beispielsweise ein vermeintlicher Kriegsverbrecher, etwa auf der Grundlage der Kontrollratsdirektive Nr. 38 vom 12. Oktober 1946 und des SMAD-Befehls Nr. 201 vom 16. August 1947 ohne Vermögensentzug von einem deutschen Gericht verurteilt und wurde diese Person später auf besatzungshoheitlicher Grundlage (SMAD-Befehle Nr. 124 und Nr. 64) enteignet, so begründet die Rehabilitierung nach dem Strafrechtlichen Rehabilitierungsgesetz mangels einer nach § 3 Abs. 2 StrRehaG aufzuhebenden Vermögenseinziehung keine vermögensrechtlichen Folgeansprüche. Wäre der Betreffende bei sonst gleicher Sachlage dagegen auf derselben Rechtsgrundlage von einem sowjetischen Militärtribunal ohne Vermögensentzug verurteilt worden, würde dies nach der von der Revision vertretenen Rechtsauffassung im Falle einer auf das Strafurteil bezogenen russischen Rehabilitierung einen Anspruch auf Rückgabe der auf besatzungshoheitlicher Grundlage enteigneten Vermögenswerte gemäß § 1 Abs. 7 VermG begründen.
Freilich hält es der erkennende Senat nicht für von vornherein ausgeschlossen, daß eine Rehabilitierung nach dem russischen Rehabilitierungsgesetz unter bestimmten Voraussetzungen auch zu vermögensrechtlichen Ansprüchen in bezug auf die von deutschen Stellen beschlossenen Enteignungen auf besatzungshoheitlicher Grundlage führen kann. Wurden diese Enteignungen - wie bei den auf die SMAD-Befehle Nr. 124 und Nr. 64 zurückgehenden Enteignungen - mit dem Vorwurf begründet, Kriegsverbrecher oder Naziaktivist gewesen zu sein, und wird die betreffende Person hinsichtlich dieses Vorwurfs von russischer Seite rehabilitiert, so ist gewissermaßen der sowjetische Unrechtsbeitrag zu dieser Enteignung nachträglich beseitigt. Dies könnte die Frage aufwerfen, ob die Enteignung nunmehr als eine nur noch deutschrechtliche Verwaltungsentscheidung anzusehen ist, die unter den Voraussetzungen des Verwaltungsrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes einer Rehabilitierung zugänglich wäre. Ob das Verwaltungsrechtliche Rehabilitierungsgesetz, etwa mit Blick auf die Bestimmung des § 1 Abs. 1 Satz 3 VwRehaG (dazu BVerwG, Beschluß vom 8. April 1998 - BVerwG 7 B 7.98 - VIZ 1998, 630), derartige Fälle erfassen will oder ob der Gesetzgeber dies ausdrücklich regeln müßte, hat der erkennende Senat nicht zu entscheiden, denn diese Frage wäre in einem etwaigen Rehabilitierungsverfahren und nicht im vorliegenden vermögensrechtlichen Verfahren zu prüfen.