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Timestamp: 2020-07-05 17:10:04
Document Index: 269065754

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 31', '§32', '§72', '§ 31', '§60', '§60', '§ 72', '§ 72']

Können Sie uns mal fotografieren?
20.10.2009, 01:39
bonafu
Folgendes Scenario:
Auf einer Gruppenreise bittet mich ein Pärchen, von ihnen mit ihrer Kamera ein Foto vor der Reiseguppe zu machen.
Diese Pärchen veröffentlicht dieses Foto dann auf der eigenen Homepage im Rahmen eines Berichtes über diese Reise.
Auf diesem Bild mit der Reisegruppe im Hintergrund sind aber Personen, die mit der Veröffentlichung nicht einverstanden sind.(Aus welchenGründen auch immer) und nun Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld geltend machen.
Dem Pärchen kann man unerlaubte Veröffentlichung vorwerfen, denn dafür brauchen sie die Einwilligung der abgebideten Personen und die Erlaubnis des Urhebers, und der bin ich, denn ich habe auf den Auslöser gedrückt.
Können die abgebildeten Personen auch mich als Urheber verklagen und kann ich das Pärchen wegen unerlaubter Veröffentlichung belangen. Habe ich eventuell die Veröffentlichung billigend in Kauf genommen oder sind auch in diesem Falle die Nutzungsrechte detailliert zu vereinbaren? Dann könnte ich doch die an mich gestellten Forderungen auf das Pärchen abwälzen.
Ich gehe in diesem Falle davon aus, dass die Sachlage nicht bestritten wird.
Das hört sich zwar abenteuerlich an, aber die Wirklichkeit macht uns oft genug durch diese oder ähnliche Gefälligkeiten zum Urheber mit entspechenden Rechten und Pflichten.
Geändert von bonafu (20.10.2009 um 01:41 Uhr) Grund: Tags eintragen
20.10.2009, 02:30
AW: Können Sie uns mal fotografieren?
Hast du den dem Paar gleich deinen Personalausweis überlassen, oder wie solltest du jetzt in irgendeiner Art belangt werden können?
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20.10.2009, 03:02
Zitat von fox1
Das ist nur ein Beispiel. Es geht mir nur um die Rechtslage und gehe mal davon aus, dass sich die Personen kennen. Wenn dann das Beispielpärchen sich herausreden und mir den schwarzen Peter zuschieben will. Es besteht ja auch die Möglichkeit, dass das Pärchen ohne meine Erlaunbnis mit dem Foto Geld verdienen möchte.
Beispiel: Erster Preis im Fotowettbewerb "Mein schönstes Urlaubsfoto".
Dass ich meine Urheberschaft natürlich beweisen muß, steht auf einem anderen Blatt.
Es geht mir einfach nur darum, inwieweit ich die Rechte und Pflichten eines Urhebers habe.
20.10.2009, 10:44
Hier kann man jetzt verschieden argumentieren, ich versuchs kurz zu machen.
1. Gilt überhaupt Urheberrecht?
UrhG § 2 Geschützte Werke
Kan man schon drüber diskutieren. Wenn das Paar sagt "...vor dem Gebäude..." ist es vielleicht schon gar keine eigene persönliche geistige Schöpfung. Und schon bräuchte man gar nicht mehr weiterdiskutieren
2. Wer ist der Urheber?
Falls doch, ist der Urheber der, der die Schöpfung geistig zu verantworten hat. Hat also mit dem Besitz oder Eigentum an der Kamera wenig zu tun. Somit könnte sogar ein Regisseur Urheber sein, obwohl er die Kamera nicht ein einziges Mal angefasst hat, die hatte nur sein "Sklave" ...
Im Beispiel müsste man erstmal die ersten zwei Fragen beantworten, bevor man überhaupt weiterdenkt.
Gehen wir im weiteren jetzt davon aus, dass der Fotograf des Paars allein für das Bild verantwortlich ist, es also "geschaffen" hat und eine entsprechende schöpferische Höhe vorliegt (die meines Wissens auch bei Bildern erforderlich ist, auch wenn das einige bestreiten und Bildern immer den Urheberrechtsschutz zusprechen. Die Messlatte liegt bei Bildern nur um einiges niedriger als bei einem Text). Somit wäre der Urheber klar.
3. Was ist mit den Rechten?
Welche der Urheber hat ist klar, muss man hier nicht erklären (oder man schaut einfach ins UrhG ) Allerdings gibt es da einen interessanten § zu den Nutzungsrechten
UrhG § 31 Einräumung von Nutzungsrechten
(1) Der Urheber kann einem anderen das Recht einräumen, das Werk auf einzelne oder alle Nutzungsarten zu nutzen (Nutzungsrecht).
Und damit würde ich durchaus sehen, dass bei dem "Auftragsfoto" der Urheber dem Paar die Rechte eingeräumt hat, denn das war ja der "Vetragszweck". Jetzt müsste man natürlich die genauen Formulierungen sehen, aber ein "Mach mal ein Urlaubsfoto von uns" reicht meiner Meinung nach eigentlich aus, um den Vertragszweck genau zu umreißen. Bei Urlaubsfotos muss man inzwischen durchaus damit rechnen, dass sie im Internet erscheinen ... Ich würde hier also eine (stillschweigende) Übertragung der Nutzungsrechte sehen. Und damit steht auch der Umfang der Nutzungsrechte: soweit das Paar Lust hat, also ist auch der Fotowettbewerb abgedeckt.
4. Was ist mit den abgebildeten Personen?
Nach den Persönlichkeitsrechten (Recht am eigenen Bild) kann jeder entscheiden, ob er dargestellt werden will oder nicht. Allerdings ist das an ein paar Voraussetzungen geknüpft. Und eine davon ist, dass die Personen nicht nur Beiwerk sein dürfen.
4a. Sind sie also Beiwerk oder Gegenstand?
Kommt auf das Bild an, aber wenn das Thema des Bildes "Paar im Urlaub" ist, gehe ich mal davon aus, dass sie nur Beiwerk sind. Oder sie haben sich vorgedrängelt. Es gibt zwar noch die Möglichkeit der "Unfähigkeit" des Fotografen, aber das lass ich mal außen vor (das würde in die Richtung Auftrag gehen, und dann würde der Text noch länger, wahrscheinlich liest hier schon keiner mehr )
Schlimmstenfalls sind sie nicht nur Beiwerk ...
4b. Welche Rechte ergeben sich daraus, wenn sie nicht nur Beiwerk sind?
Da ich inzwischen schon extrem von dem "Urlaubsbild vor dem Dom" weg bin, wird es natürlich immer theoretischer. An der Stelle würde ich eigentlich bei der Fragestellung schon lange zu dem Schluss gekommen sein, dass hier gar keine Probleme bestehen.
Die Personen können aber, wenn ihre Persönlichkeitsrechte betroffen sind, der Darstellung widersprechen. Das kann zum einen auf die Entfernung oder Unkenntlichmachung hinauslaufen. Das Bild muss also nicht sofort verschwinden. Das Recht zur Entscheidung hat übrigens der, der das Bild verwendet/veröffentlicht hat.
5. Wer hat die Verletzung Persönlichkeitsrechte dann zu verantworten?
In der Frage war es der Urheber. Aber der ist es meiner Meinung nach gar nicht. Denn er hat das Bild nur fotografiert. Und allein mit dem Foto werden keine Rechte verletzt. Es ist nur die Veröffentlichung durch das Persönlichkeitsrecht abgedeckt. Und somit ist der verantwortlich, der eben das Recht der Veröffentlichung wahrgenommen hat. Auf der Webseite ist das das Paar, wenn es dort die Bilder veröffentlicht hat und der Betreiber der Seite ist.
Was dann den Kalender angeht, in dem das Bild von irgendjemanden verwendet wird, der einen Bilderwettbewerb veranstaltet hat und wo das Paar das Bild eingereicht hat, oder die Fotocommunity - das sind wieder andere weiterführende Themen, die ich schon nicht mehr ohne Anwalt behandeln würde
28.10.2009, 14:06
Zitat von bonafu
Klassiker für ein Seminar zum Thema Urheberrecht/Medienrecht/Persönlichkeitsrecht...
Was den Fotografen angeht, so wird man eventuell davon ausgehen können, daß in so einem Fall ein Nutzungsrecht konkludent eingeräumt wird. Denn sonst würde die Aktion ja keinen Sinn machen... Wie weit dieses Nutzungsrecht dann geht, ist eine andere Frage. Spätestens bei §32a UrhG hört es auf, bzw. würden wohl Ansprüche auf Entgelt entstehen.
Können die abgebildeten Personen auch mich als Urheber verklagen und kann ich das Pärchen wegen unerlaubter Veröffentlichung belangen.
Abgebildete Personen müssen sich ggf. an den halten, der das Bild veröffentlicht usw.
Personen, die irgendwo im Hintergrund rumstehen, haben aber sowieso kein "Recht am eigenen Bild", die sind "unwesentliches Beiwerk". (Bei einer gezielten "Gruppenaufnahme" sieht das wieder anders aus. Aber da wäre dann eben die Gruppe der Auftraggeber des Bildes.)
28.10.2009, 14:13
Auf jeden Fall ist ein ein "einfaches Lichtbild" (§72 UrhG).
Also: ja, es gilt Urheberrecht.
Kann man schon drüber diskutieren. Wenn das Paar sagt "...vor dem Gebäude..." ist es vielleicht schon gar keine eigene persönliche geistige Schöpfung. Und schon bräuchte man gar nicht mehr weiterdiskutieren
Wenn die Aufgenommenen die Aufnahme selber federführend gestaltet haben, meinetwegen. Aber das wird wohl im Regelfall nicht so sein. Im Regelfall erstellt der, der auf den Auslöser drückt, in solchen Fällen ein einfaches Lichtbild, an dem er dann die entsprechenden Rechte hat.
Erstens fassen Regisseure grundsätzlich nicht die Kamera an, denn das macht der Kameramann. Zweitens sind Regisseure grundsätzlich immer Miturheber
Und damit würde ich durchaus sehen, dass bei dem "Auftragsfoto" der Urheber dem Paar die Rechte eingeräumt hat, denn das war ja der "Vetragszweck". Jetzt müsste man natürlich die genauen Formulierungen sehen, aber ein "Mach mal ein Urlaubsfoto von uns" reicht meiner Meinung nach eigentlich aus, um den Vertragszweck genau zu umreißen.
"Die Rechte"?
Es gilt der "Zweckübertragungsgrundsatz", der aus § 31 Abs. 5 UrhG folgt. Vereinfacht gesagt: es wird immer vom Prinzip der "geringstnötigen Rechteinräumung" ausgegangen.
Bei einem Urlaubsfoto würde das wohl heißen: private Nutzung, aber keine Veröffentlichung, schon gar keine zu gewerblichen Zwecken. (Die Frage ist, ob Gerichte heute schon eine Veröffentlichung auf Seiten wie MySpace usw. als "normalen Gebrauch" von Urlaubsfotos ansehen würden, und ob der Urheber damit rechnen muß.)
Vervielfältigen können die Urlauber die Bilder nach Belieben, denn sie sind die Auftraggeber eines Bildnis (§60 UrhG) - nur veröffentlichen geht eben nicht, denn das ist von §60 UrhG nicht gedeckt.
Mit einem Wort: ziemlich grenzwertig, und von der Rechtsprechung meines Wissens noch nie behandelt worden.
28.10.2009, 14:21
Ich hatte letztens mal ein Urteil gesehen, bei dem das Urheberrecht nicht zuerkannt wurde. Hab das Urteil jetzt auf die Schnelle nicht gefunden, aber die Argumentation ist mir noch im Kopf
UrhG § 72 Lichtbilder
Und da drin steht was von der "Schöpfungshöhe". Also auch bei der Anwendung des § 72 UrhG müssen die Anforderungen an ein urheberrechtliches Werk gegeben sein. Heißt: Nicht jedes Lichtbild ist automatisch urheberrechtlich geschützt, nur weil es ein Lichtbild ist. Diese - meiner Meinung nach - Falschinterpretastion hab ich übrigens schon oft bei dir gesehen
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