Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Stuttgart&Datum=28.04.2008&Aktenzeichen=5%20U%206/08
Timestamp: 2020-07-10 23:11:33
Document Index: 337720342

Matched Legal Cases: ['Art. 4', '§ 31', 'BGH', '§ 826', 'BGH', 'BGH']

OLG Stuttgart, 28.04.2008 - 5 U 6/08 - dejure.org
https://dejure.org/2008,4171
OLG Stuttgart, 28.04.2008 - 5 U 6/08 (https://dejure.org/2008,4171)
OLG Stuttgart, Entscheidung vom 28.04.2008 - 5 U 6/08 (https://dejure.org/2008,4171)
OLG Stuttgart, Entscheidung vom 28. April 2008 - 5 U 6/08 (https://dejure.org/2008,4171)
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Aktiengesellschaft: Schadensersatzanspruch des Aktionärs bei Werbung für den Aktienerwerb mit der - aktienrechtlich unzutreffenden - Behauptung einer Kündigungsmöglichkeit
Allgemeine Kollisionsnorm - Grundregel der Anknüpfung an den Erfolgsort - Haftung für Unterlassen - Ausweichklausel des Art. 4 Abs. 3 Rom II-VO bei "offensichtlich engerer Verbindung" zu einem anderen Staat - Grundsatz
Zum Vorrang des Verbraucherschutzes gegenüber dem Grundsatz der aktienrechtlichen Kapitalerhaltung, zur Haftung einer AG gegenüber Anlegern auf Rückzahlung des Anlagekapitals und zur Verjährung derartiger Schadensersatzanspüch
Entgegenstehen des Grundsatzes der aktienrechtlichen Kapitalerhaltung gegen Schadensersatzansprüche von Aktionären gegenüber einer Aktiengesellschaft (AG); Vorrang des Verbraucherschutzes bei einem Aktienerwerb aufgrund unzutreffender Angaben; Haftung der AG auf ...
Vorrang des Verbraucherschutzes gegenüber dem Grundsatz der aktienrechtlichen Kapitalerhaltung; Haftung einer AG gegenüber dem Anleger auf Rückzahlung des Anlagekapitals; Verjährung
LG Stuttgart, 27.11.2007 - 12 O 360/06
WM 2008, 1368
NZG 2008, 951
Die Aktiengesellschaft kann dafür gem. § 31 BGB in Anspruch genommen werden (BGH NJW 2005, 2450 - in Juris Rz. 15 - OLG Stuttgart WM 2008, 1368 - in Juris Rz. 28ff, 62 - Palandt/Sprau a.a.O.).
Das ist auch abgesehen von der Entscheidung des Oberlandesgerichts Stuttgart (WM 2008, 1368ff - in Juris Rz. 32 -), die lediglich eine Falschinformation durch den Emittenten selbst betrifft, in der Rechtsprechung nicht weiter strittig; indessen sind auch Pressemitteilungen im Rahmen der gebotenen Gesamtbetrachtung aller Umstände an den - wie oben ausgeführt, ausgesprochen strengen - Kriterien des § 826 BGB zu messen (…BGHZ 192, 90 - in Juris Rz. 28f - OLG Stuttgart a.a.O. - in Juris Rz. 181ff - LG Stuttgart ZIP 2014, 726 - in Juris Rz. 142 -).
Aufzuklären war ferner darüber, dass die Aktien der B. AG, solange keine Börsennotierung vorlag, mangels eines funktionierenden (Zweit-)Markts faktisch unverkäuflich waren (vgl. OLG Stuttgart, WM 2008, 1368, 1370 f;… siehe auch Senatsurteile vom 18. Januar 2007 - III ZR 44/06, NJW-RR 2007, 621 Rn. 16 …und vom 20. Juni 2013 - III ZR 293/12, BeckRS 2013, 11581 Rn. 7, 10).
Ein solches Verhalten erfüllt nach der Rechtsprechung des Senats die Voraussetzungen einer vorsätzlichen und sittenwidrigen Anlegerschädigung (OLG Stuttgart, U, v. 28.04.2008, Az. 5 U 6/08, WM 2008, 1368 ; U. v. 31.03.2008, Az. 5 U 109/07).
bb) Zu den für die Anlageentscheidung wesentlichen und damit aufklärungspflichtigen Umständen gehört - wie der Senat in Einklang mit der obergerichtlichen Rechtsprechung bereits früher mehrfach entschieden hat - die Information über die eingeschränkte Fungibilität der Anteile, nämlich die besonderen Risiken des Rück- oder Weiterverkaufs von Aktien nicht börsennotierter Unternehmen vor dem Hintergrund des aktienrechtlichen Rücknahmeverbots (OLG Stuttgart, U. v. 31.03.2008, Az. 5 U 109/07, U. v. 28.04.2008, Az. 5 U 6/08, WM 2008, 1368 , [...]Tz. 37 m.w.N. zur Rechtsprechung weiterer Oberlandesgerichte).
Außerdem birgt ein geschlossener Zweitmarkt für den unerfahrenen Anleger zusätzliche Risiken, weil mangels Kursbildung an der Börse der Wert eines Anteils nicht festgestellt und auf Kursschwankungen, insbesondere drohenden Wertverfall, nicht durch kurzfristigen Verkauf reagiert werden kann (vgl. Senat, Az. 5 U 6/08, a.a.O. [...]Tz. 42).
Gleichzeitig musste ihnen klar sein, dass Informationen über Rücknahmemöglichkeiten im Vertrieb nur gegeben werden düfen, wenn dies juristisch geprüft ist, weil solche Informationen regelmäßig für die Anlageentscheidung entscheidend sind (…vgl. BGH, U. v. 18.01.2007, Az. III ZR 44/06, a.a.O.; Senat, U. v. 31.03.2008, 5 U 109/07 und U. v. 28.04.2008 a.a.O.).
Ein solches Verhalten erfüllt nach der Rechtsprechung des Senats die Voraussetzungen einer vorsätzlichen und sittenwidrigen Anlegerschädigung (OLG Stuttgart, U. v. 28.04.2008, Az. 5 U 6/08, WM 2008, 1368 ; U. v. 31.03.2008, Az. 5 U 109/07).
Unter dem Gesichtspunkt der eingeschränkten Fungibilität hat der Senat deshalb bereits einigen Schadensersatzklagen in vergleichbaren Fällen gegen die Beklagte stattgegeben (vgl. z.B. Urteil vom 28.04.2008 - 5 U 6/08, WM 2008, 1368).
Aufzuklären war ferner darüber, dass die Aktien der B. AG, solange keine Börsennotierung vorlag, mangels eines funktionierenden (Zweit-) Markts faktisch unverkäuflich waren (vgl. OLG Stuttgart, WM 2008, 1368, 1370 f;… siehe auch Senatsurteile vom 18. Januar 2007 - III ZR 44/06, NJW-RR 2007, 621 Rn. 16 …und vom 20. Juni 2013 - III ZR 293/12, BeckRS 2013, 11581 Rn. 7, 10).