Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/sicherungsverwahrung-und-ihre-nachtraegliche-anordnung-3134243
Timestamp: 2020-08-09 03:04:57
Document Index: 263658796

Matched Legal Cases: ['§ 316', 'Art. 5', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 316']

Sicherungsverwahrung - und ihre nachträgliche Anordnung | Rechtslupe
Eine nach­träg­li­che Anord­nung der Siche­rungs­ver­wah­rung in einem Ver­fah­ren mit Anlass­ta­ten aus den Jah­ren 2007/​2008 ist gemäß § 316f Abs. 2 Satz 2 EGStGB, der die Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in sei­nem Urteil vom 04.05.2011 [1] umsetzt, nur zuläs­sig, wenn die hoch­gra­di­ge Gefahr der Bege­hung schwers­ter Gewalt- oder Sexu­al­de­lik­te aus kon­kre­ten Umstän­den in der Per­son oder in dem Ver­hal­ten des Betrof­fe­nen abzu­lei­ten ist [2].
Dar­über hin­aus ist es für die rück­wir­kend ange­ord­ne­te oder ver­län­ger­te Frei­heits­ent­zie­hung unter Berück­sich­ti­gung von Art. 5 Abs. 1 Satz 2 lit. e MRK Vor­aus­set­zung, dass der Betrof­fe­ne an einer psy­chi­schen Stö­rung im Sin­ne von § 1 Abs. 1 Nr. 1 des Geset­zes zur The­ra­pie­rung und Unter­brin­gung psy­chisch gestör­ter Gewalt­tä­ter (ThUG) lei­det [3].
Der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit erfor­dert es, hin­sicht­lich bei­der Ele­men­te der Gefähr­lich­keits­pro­gno­se – der Erheb­lich­keit wei­te­rer Straf­ta­ten und der Wahr­schein­lich­keit ihrer Bege­hung – ein gegen­über der bis­he­ri­gen Rechts­an­wen­dung stren­ge­ren Maß­stab anzu­le­gen [4].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Juli 2018 – 1 StR 122/​18
BVerfG, Urteil vom 04.05.2011 – 2 BvR 2365/​09 u.a., NJW 2011, 1931[↩]
BVerfG aaO; zusam­men­fas­send BVerfG, Beschluss vom 20.06.2012 – 2 BvR 1048/​11, BVerfGE 131, 268; vgl. auch BGH, Urtei­le vom 11.08.2016 – 2 StR 4/​16; und vom 07.08.2012 – 1 StR 98/​12, NStZ 2013, 100; Beschlüs­se vom 07.08.2013 – 1 StR 246/​13, NStZ 2014, 209; vom 05.04.2017 – 5 StR 86/​17, NStZ 2017, 526; und vom 24.07.2012 – 1 StR 57/​12[↩]
vgl. u.a. BGH, Urteil vom 11.08.2016 – 2 StR 4/​16; Beschluss vom 24.05.2011 – 5 StR 369/​10; Urtei­le vom 08.11.2011 – 1 StR 231/​11; und vom 07.08.2012 – 1 StR 98/​12; vgl. zum Begriff „psy­chisch Kran­ker“ auch Urteil der 5. Sek­ti­on des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te vom 19.04.2012 – end­gül­tig seit 19.07.2012 – in der Rechts­sa­che B. gegen Deutsch­land – Indi­vi­du­al­be­schwer­de 61272/​09 Zif­fer 67 ff.[↩]
vgl. u.a. BGH, Urteil vom 11.08.2016 – 2 StR 4/​16; Beschluss vom 31.07.2012 – 3 StR 148/​12; BGH, Urteil vom 08.02.2012 – 2 StR 346/​11; Beschluss vom 24.01.2012 – 5 StR 535/​11[↩]
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