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Timestamp: 2020-07-13 18:58:53
Document Index: 120347776

Matched Legal Cases: ['Art. 38', 'Art.20', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 38', 'Art.20', 'Art. 38', 'Art.20', 'Art. 38', 'Art.20', 'Art. 12', 'Art. 14', 'Art. 87', '§ 43', 'Art. 38', 'Art.20', 'Art. 93', 'Art. 38', 'Art. 93', '§ 63', 'Art. 62', 'Art. 93', '§ 63', '§ 64', 'Art. 38', 'Art.20', 'Art.20', '§ 63', '§ 105', '§ 67', '§ 35', 'Art. 93', '§ 67', '§ 64', '§ 64', 'Art. 38', 'Art.20', 'Art.20', 'Art. 42', 'Art. 44', 'Art. 45', 'Art. 53', 'Art. 42', 'Art.20', '§ 101', '§ 111', '§ 394', '§ 395', 'Art.20', 'Art.20', 'Art. 1', 'Art. 12', 'Art.19', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art.19', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 353', '§ 104', '§ 75', '§ 76', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 12', 'Art. 14', 'Art. 87', 'Art. 1', 'Art.19', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 38', 'Art.20', '§ 104', '§ 104', '§ 116', 'Art. 38', 'Art.20', '§ 394', '§ 43', '§ 43', 'Art. 87', '§ 7', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 12', '§ 6', '§ 26', '§ 26', 'Art. 38', 'Art.20', '§ 9', '§ 9', 'Art. 38', 'Art. 12', '§ 3', 'Art. 12', 'Art. 14', '§ 7', '§ 5', '§ 10', '§ 5', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'BGH', 'BGH', '§ 111', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 87', 'Art. 1', '§ 90', 'Art. 87', 'Art. 87', '§ 43', '§ 26', '§ 26', '§ 64', '§ 767']

Parlamentarische Anfragen - und die Auskunftspflicht der Bundesregierung | Rechtslupe
Die Bun­des­re­gie­rung hat ihrer Ant­wort­pflicht bei der Beant­wor­tung von Anfra­gen zur Deut­schen Bahn AG und zur Finanz­markt­auf­sicht nicht genügt und hier­durch Rech­te der anfra­gen­den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten und des Deut­schen Bun­des­ta­ges ver­letzt.
Dies hat jetzt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in einem Organ­streit­ver­fah­ren fest­ge­stellt, in dem die Bun­des­re­gie­rung Fra­gen zu Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen der Bun­des­re­gie­rung und der Deut­schen Bahn AG über Inves­ti­tio­nen in das Schie­nen­netz, zu einem Gut­ach­ten zum Pro­jekt "Stutt­gart 21", zu Zug­ver­spä­tun­gen und deren Ursa­chen sowie zu auf­sichts­recht­li­chen Maß­nah­men der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht gegen­über meh­re­ren Ban­ken in den Jah­ren 2005 bis 2008 ohne hin­rei­chen­de Begrün­dung unvoll­stän­dig beant­wor­tet oder unbe­ant­wor­tet gelas­sen.
Der par­la­men­ta­ri­sche Infor­ma­ti­ons­an­spruch aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 und Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG ist auf Beant­wor­tung gestell­ter Fra­gen in der Öffent­lich­keit ange­legt. Bei Vor­lie­gen berech­tig­ter Geheim­hal­tungs­in­ter­es­sen kann die Beant­wor­tung par­la­men­ta­ri­scher Anfra­gen unter Anwen­dung der Geheim­schutz­ord­nung geeig­net sein, einen ange­mes­se­nen Aus­gleich zwi­schen dem Fra­ge­recht der Abge­ord­ne­ten und kon­f­li­gie­ren­den Rechts­gü­tern zu schaf­fen.
Das ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te par­la­men­ta­ri­sche Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht unter­liegt Gren­zen, die, auch soweit sie ein­fach­ge­setz­lich gere­gelt sind, ihren Grund im Ver­fas­sungs­recht haben müs­sen. Ver­trag­lich ver­ein­bar­te oder ein­fach­ge­setz­li­che Ver­schwie­gen­heits­re­ge­lun­gen sind für sich nicht geeig­net, das Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht zu beschrän­ken.
Der Infor­ma­ti­ons­an­spruch des Par­la­ments kann sich als Aus­druck der aus dem Demo­kra­tie­prin­zip fol­gen­den Ver­ant­wort­lich­keit der Regie­rung gegen­über dem Par­la­ment nur auf Ange­le­gen­hei­ten bezie­hen, die in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Regie­rung fal­len. Die Ver­ant­wort­lich­keit der Regie­rung im Kon­text demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on erstreckt sich auf alle Tätig­kei­ten von mehr­heit­lich oder voll­stän­dig in der Hand des Bun­des befind­li­chen Unter­neh­men in Pri­vat­rechts­form. Dabei ist die Ver­ant­wort­lich­keit der Regie­rung nicht auf die ihr gesetz­lich ein­ge­räum­ten Ein­wir­kungs- und Kon­troll­rech­te beschränkt.
Der Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung für die Deut­sche Bahn AG bezieht sich auf die Aus­übung der Betei­li­gungs­ver­wal­tung sowie auf die Regu­lie­rungs­tä­tig­keit der Bun­des­be­hör­den und die sach­ge­rech­te Erfül­lung des Gewähr­leis­tungs­auf­tra­ges aus Art. 87e Abs. 4 GG. Dar­über hin­aus liegt auch die unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit der Deut­schen Bahn AG im Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung. Der Ver­ant­wor­tungs­zu­sam­men­hang wird nicht durch Art. 87e GG auf­ge­ho­ben.
Die Bun­des­re­gie­rung ist nicht berech­tigt, die Ant­wort auf par­la­men­ta­ri­sche Anfra­gen im Ein­zel­fall unter Ver­weis auf die Betrof­fen­heit der Grund­rech­te der Deut­schen Bahn AG zu ver­wei­gern. Als vom Staat voll­stän­dig beherrsch­te juris­ti­sche Per­son dient sie nicht der Aus­übung indi­vi­du­el­ler Frei­heit Ein­zel­ner und kann sich nicht auf Grund­rech­te beru­fen. Auch räumt Art. 87e GG der Deut­schen Bahn AG kei­nen abwehr­recht­li­chen Sta­tus gegen­über (gemein­wohl­ori­en­tier­ten) Ein­wir­kun­gen des Staa­tes auf ihre Unter­neh­mens­füh­rung ein.
Eine Gren­ze des Infor­ma­ti­ons­an­spruchs des Bun­des­ta­ges bil­det das Wohl des Bun­des oder eines Lan­des (Staats­wohl), das durch das Bekannt­wer­den geheim­hal­tungs­be­dürf­ti­ger Infor­ma­tio­nen gefähr­det wer­den kann.
Das fis­ka­li­sche Inter­es­se des Staa­tes am Schutz ver­trau­li­cher Infor­ma­tio­nen sei­ner (Beteiligungs-)Unternehmen stellt einen ver­fas­sungs­recht­li­chen Staats­wohl­be­lang dar.
Die Funk­ti­ons­fä­hig­keit staat­li­cher Auf­sicht über Ban­ken und ande­re Finanz­in­sti­tu­te, die Sta­bi­li­tät des Finanz­mark­tes und der Erfolg staat­li­cher Stüt­zungs­maß­nah­men in der Finanz­kri­se sind eben­falls Belan­ge des Staats­wohls, die die Ant­wort­pflicht der Bun­des­re­gie­rung auf par­la­men­ta­ri­sche Fra­gen beschrän­ken kön­nen.
Das ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht des Bun­des­ta­ges und die damit ver­bun­de­ne Aus­kunfts­pflicht der Bun­des­re­gie­rung stel­len eine hin­rei­chen­de Grund­la­ge für einen in der Aus­kunfts­er­tei­lung lie­gen­den Grund­rechts­ein­griff dar. Einer wei­ter­ge­hen­den gesetz­li­chen Rege­lung bedarf es inso­weit nicht.
Das par­la­men­ta­ri­sche Infor­ma­ti­ons­recht steht unter dem Vor­be­halt der Zumut­bar­keit. Es sind alle Infor­ma­tio­nen mit­zu­tei­len, über die die Bun­des­re­gie­rung ver­fügt oder die sie mit zumut­ba­rem Auf­wand in Erfah­rung brin­gen kann. Sie muss alle ihr zu Gebo­te ste­hen­den Mög­lich­kei­ten der Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung aus­schöp­fen.
Aus der grund­sätz­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Pflicht der Bun­des­re­gie­rung, Infor­ma­ti­ons­an­sprü­che des Deut­schen Bun­des­ta­ges zu erfül­len, folgt, dass sie die Grün­de dar­le­gen muss, aus denen sie die erbe­te­nen Aus­künf­te ver­wei­gert. Einer beson­de­ren Begrün­dungs­pflicht unter­liegt die Bun­des­re­gie­rung, soweit sie ihre Ant­wort nicht in einer zur Ver­öf­fent­li­chung in einer Bun­des­tags­druck­sa­che bestimm­ten Wei­se erteilt, son­dern dem Deut­schen Bun­des­tag ein­ge­stuft in der Geheim­schutz­stel­le des Deut­schen Bun­des­ta­ges zur Ver­fü­gung stellt.
Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Über­blick
Par­tei­fä­hig­keit
Antrags­ge­gen­stand
Antrags­be­fug­nis
Ver­pflich­tungs­an­trag
Rechts­schutz­be­dürf­nis der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten
Rechts­schutz­be­dürf­nis der Bun­des­tags­frak­ti­on
Rechts­schutz­be­dürf­nis – und die spä­te­re Beant­wor­tung
Sons­ti­ge Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen
Inhalt und Bedeu­tung des par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­rechts
Gren­zen des par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­rechts
Pflicht zur fra­ge­stel­ler­freund­li­chen Aus­le­gung
Pflicht zur Begrün­dung der Ant­wort­ver­wei­ge­rung
Par­la­men­ta­ri­sche Anfra­gen bei bun­des­ei­ge­nen Unter­neh­men
Par­la­men­ta­ri­sche Anfra­gen zur Finanz­markt­auf­sicht
Im Jahr 2010 stell­ten Abge­ord­ne­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges und die Frak­ti­on BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN meh­re­re Anfra­gen zur Deut­schen Bahn AG und zur Finanz­markt­auf­sicht. Sie ver­lang­ten in ers­ter Linie Infor­ma­tio­nen über Gesprä­che und Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen der Bun­des­re­gie­rung und der Deut­schen Bahn AG über Inves­ti­tio­nen in das Schie­nen­netz, über ein von der Bun­des­re­gie­rung in Auf­trag gege­be­nes Gut­ach­ten zur Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nung des Pro­jek­tes "Stutt­gart 21" sowie über Zug­ver­spä­tun­gen und deren Ursa­chen. Dar­über hin­aus rich­te­ten sie Fra­gen zu auf­sichts­recht­li­chen Maß­nah­men der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (BaFin) gegen­über meh­re­ren Ban­ken in den Jah­ren 2005 bis 2008 an die Bun­des­re­gie­rung. Die­se beant­wor­te­te aus Sicht der Antrag­stel­ler sämt­li­che Anfra­gen nur unzu­rei­chend, wes­halb sie im Organ­streit­ver­fah­ren die Fest­stel­lung begeh­ren, dass die Bun­des­re­gie­rung die von ihnen erbe­te­nen Aus­künf­te unter Beru­fung auf ver­fas­sungs­recht­lich nicht trag­fä­hi­ge Erwä­gun­gen ver­wei­gert oder nur unzu­rei­chend beant­wor­tet und sie sowie den Deut­schen Bun­des­tag in den Rech­ten aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 und Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG ver­letzt hat.
Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Über­blick[↑]
Die Anträ­ge sind – soweit zuläs­sig – über­wie­gend begrün­det.
Dem Deut­schen Bun­des­tag steht gegen­über der Bun­des­re­gie­rung ein Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht zu (Art. 38 Abs. 1 Satz 2 und Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG), an dem die ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten und die Frak­tio­nen als Zusam­men­schlüs­se von Abge­ord­ne­ten teil­ha­ben und dem grund­sätz­lich eine Ant­wort­pflicht der Bun­des­re­gie­rung kor­re­spon­diert. Die par­la­men­ta­ri­sche Kon­trol­le von Regie­rung und Ver­wal­tung ver­wirk­licht den Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung, der für das Grund­ge­setz ein tra­gen­des Funk­ti­ons- und Orga­ni­sa­ti­ons­prin­zip dar­stellt. Ohne Betei­li­gung am Wis­sen der Regie­rung kann das Par­la­ment sein Kon­troll­recht gegen­über der Regie­rung nicht aus­üben. Daher kommt dem par­la­men­ta­ri­schen Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se beson­ders hohes Gewicht zu, soweit es um die Auf­de­ckung mög­li­cher Rechts­ver­stö­ße und ver­gleich­ba­rer Miss­stän­de inner­halb von Regie­rung und Ver­wal­tung geht. Die Kon­troll­funk­ti­on ist zugleich Aus­druck der aus dem Demo­kra­tie­prin­zip fol­gen­den Ver­ant­wort­lich­keit der Regie­rung gegen­über dem Par­la­ment.
Der par­la­men­ta­ri­sche Infor­ma­ti­ons­an­spruch ist auf Beant­wor­tung gestell­ter Fra­gen in der Öffent­lich­keit ange­legt. Ver­han­deln von Argu­ment und Gegen­ar­gu­ment, öffent­li­che Debat­te und öffent­li­che Dis­kus­si­on sind wesent­li­che Ele­men­te des demo­kra­ti­schen Par­la­men­ta­ris­mus. Berech­tig­te Geheim­hal­tungs­in­ter­es­sen der Regie­rung oder Grund­rech­te Betrof­fe­ner kön­nen aber die Prü­fung gebie­ten, ob bestimm­te Vor­keh­run­gen par­la­men­ta­ri­scher Geheim­hal­tung erfor­der­lich sind. Auch die Beant­wor­tung par­la­men­ta­ri­scher Anfra­gen unter Anwen­dung der Geheim­schutz­ord­nung kann geeig­net sein, als mil­de­res Mit­tel einen ange­mes­se­nen Aus­gleich zwi­schen dem Fra­ge­recht der Abge­ord­ne­ten und ande­ren schüt­zens­wer­ten Rechts­gü­tern zu schaf­fen.
Das ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te par­la­men­ta­ri­sche Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht unter­liegt gleich­wohl Gren­zen, die, auch soweit sie ein­fach­ge­setz­lich gere­gelt sind, ihren Grund im Ver­fas­sungs­recht haben müs­sen. So kann sich der Infor­ma­ti­ons­an­spruch des Bun­des­ta­ges und der ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten von vorn­her­ein nur auf Ange­le­gen­hei­ten bezie­hen, die in die Zustän­dig­keit der Bun­des­re­gie­rung fal­len und für die sie ver­ant­wort­lich ist. Wei­te­re Gren­zen des Infor­ma­ti­ons­rechts kön­nen sich im vor­lie­gen­den Fall durch Grund­rech­te Drit­ter oder dem Wohl des Bun­des oder eines Lan­des (Staats­wohl) erge­ben.
Die Bun­des­re­gie­rung muss im Fal­le einer Aus­kunfts­ver­wei­ge­rung die Grün­de dar­le­gen, aus denen sie die erbe­te­nen Aus­künf­te ver­wei­gert oder in nicht öffent­li­cher Form erteilt. Einer beson­de­ren Begrün­dungs­pflicht unter­liegt die Bun­des­re­gie­rung, soweit sie ihre Ant­wort ein­ge­stuft in der Geheim­schutz­stel­le des Deut­schen Bun­des­ta­ges zur Ver­fü­gung stellt. Es ist Auf­ga­be der Bun­des­re­gie­rung, nach­voll­zieh­bar dar­zu­le­gen, aus wel­chem Grund die ange­for­der­ten Infor­ma­tio­nen geheim­hal­tungs­be­dürf­tig sind und war­um sie gege­be­nen­falls auch noch nach Jah­ren oder sogar nach Abschluss des betref­fen­den Vor­gangs nicht Gegen­stand einer öffent­li­chen Ant­wort sein kön­nen.
Die Bun­des­re­gie­rung hat die Gren­zen ihrer Ant­wort­pflicht bei der Beant­wor­tung der streit­ge­gen­ständ­li­chen Fra­gen betref­fend den The­men­kom­plex Deut­sche Bahn AG ver­kannt und hier­durch Rech­te der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten, der Bun­des­tags­frak­ti­on und des Deut­schen Bun­des­ta­ges aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 und Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG ver­letzt.
Die Tätig­kei­ten von mehr­heit­lich oder voll­stän­dig in der Hand des Bun­des befind­li­chen Unter­neh­men in Pri­vat­rechts­form unter­fal­len dem Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung. Dies ergibt sich aus der Legi­ti­ma­ti­ons­be­dürf­tig­keit erwerbs­wirt­schaft­li­cher Betä­ti­gung der öffent­li­chen Hand. Dabei ist die Ver­ant­wort­lich­keit der Regie­rung nicht auf die ihr gesetz­lich ein­ge­räum­ten Ein­wir­kungs- und Kon­troll­rech­te beschränkt. Bei dem der­zei­ti­gen Stand der Ver­flech­tung von Staat und Deut­scher Bahn AG ist daher der Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung im Rah­men des par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge­rechts eröff­net. Denn solan­ge der Bund eine Gewähr­leis­tungs­ver­ant­wor­tung sowohl für die Schie­nen­we­ge als auch für die Ver­kehrs­an­ge­bo­te trägt und zugleich als Allein­ei­gen­tü­mer der Deut­schen Bahn AG deren Geschäfts­po­li­tik zumin­dest bis zu einem gewis­sen Gra­de beein­flus­sen kann, kann er nicht von jed­we­der Ver­ant­wor­tung für die Unter­neh­mens­füh­rung frei­ge­stellt wer­den.
Grund­rech­te der Deut­schen Bahn AG, nament­lich der Schutz ihrer Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se (Art. 12 Abs. 1 oder Art. 14 Abs. 1 GG) ste­hen der Aus­kunfts­er­tei­lung nicht ent­ge­gen. Juris­ti­schen Per­so­nen des Pri­vat­rechts, deren Antei­le sich – wie bei der Deut­schen Bahn AG – aus­schließ­lich in den Hän­den des Staa­tes befin­den, fehlt die Grund­rechts­fä­hig­keit im Hin­blick auf mate­ri­el­le Grund­rech­te. Der Umstand, dass künf­tig hin­ter der Deut­schen Bahn AG pri­va­te Anteils­eig­ner, also grund­rechts­fä­hi­ge natür­li­che Per­so­nen, ste­hen kön­nen, zei­tigt kei­ne Vor­wir­kung auf die der­zei­ti­ge Rechts­la­ge. Auch Art. 87e GG stat­tet die Deut­sche Bahn AG nicht mit eige­nen Rech­ten gegen­über ande­ren staat­li­chen Stel­len aus; ihr wird kein abwehr­recht­li­cher Sta­tus gegen­über Ein­wir­kun­gen des Staa­tes auf ihre Unter­neh­mens­füh­rung ver­schafft.
Die Offen­le­gung von Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen des in öffent­li­cher Hand befind­li­chen Unter­neh­mens kann Aus­wir­kun­gen auf den Wert der gehal­te­nen Antei­le oder auf das Geschäfts­er­geb­nis haben. Als fis­ka­li­sches Inter­es­se des Staa­tes kön­nen damit Staats­wohl­be­lan­ge berührt sein.
Vor die­sem Hin­ter­grund hat die Bun­des­re­gie­rung bei der Beant­wor­tung der streit­ge­gen­ständ­li­chen Fra­gen ihrer Ant­wort­pflicht in Bezug auf die Anfra­gen "Ful­da-Run­den der Deut­schen Bahn AG und Finan­zie­rungs­ver­ein­ba­run­gen zu Bedarfs­plan­pro­jek­ten" [1] nicht genügt, da sie die Ant­wort nicht durch Ver­weis auf die Nicht­exis­tenz jähr­lich und ein­heit­lich erstell­ter Lis­ten, die Nicht­exis­tenz von Sta­tis­ti­ken zur Höhe der vom Bund finan­zier­ten zuwen­dungs­fä­hi­gen Kos­ten sowie die akti­en­recht­li­chen Ver­schwie­gen­heits­pflich­ten ver­wei­gern kann. Auch die Ant­wort­ver­wei­ge­rung auf die Klei­ne Anfra­ge zur Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nung für das Pro­jekt "Stutt­gart 21" [2] konn­te die Bun­des­re­gie­rung nicht mit Ver­weis auf die berufs­stän­di­sche Ver­schwie­gen­heits­pflicht der Wirt­schafts­prü­fer nach § 43 der WiPrO sowie der mit der Deut­schen Bahn AG abge­schlos­se­nen Ver­trau­lich­keits­ver­ein­ba­rung begrün­den. In Bezug auf die Klei­ne Anfra­ge "Zug­ver­spä­tun­gen" [3] durf­te die Bun­des­re­gie­rung die Ant­wort nicht mit der Begrün­dung ver­wei­gern, die erfrag­ten Infor­ma­tio­nen gehör­ten voll­stän­dig in den Bereich der Geschäfts­tä­tig­kei­ten der Deut­schen Bahn AG, da auf­grund der hun­dert­pro­zen­ti­gen Betei­li­gung des Bun­des die unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit der Deut­schen Bahn AG in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung fällt.
Auch hin­sicht­lich des The­men­kom­ple­xes Finanz­markt­auf­sicht hat die Bun­des­re­gie­rung die Gren­ze ihrer Ant­wort­pflicht bei der Beant­wor­tung der streit­ge­gen­ständ­li­chen Fra­gen über­wie­gend ver­kannt und hier­durch Rech­te der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten und der Bun­des­tags­frak­ti­on aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 und Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG ver­letzt.
Der Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung erstreckt sich auf die Finanz­markt­auf­sicht und auf von ihr beherrsch­te Finanz­in­sti­tu­te, so dass sich der Infor­ma­ti­ons­an­spruch des Bun­des­ta­ges und der ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten hier­auf bezie­hen kann. Aller­dings kann die Funk­ti­ons­fä­hig­keit staat­li­cher Auf­sicht über Finanz­in­sti­tu­te als Belang des Staats­wohls die Ant­wort­pflicht der Bun­des­re­gie­rung beschrän­ken. Zwar bedarf es zur Gel­tend­ma­chung eines Geheim­hal­tungs­grun­des kei­ner im Ein­zel­fall beleg­ba­ren Gefähr­dung der Kon­troll- und Auf­sichts­tä­tig­keit der Behör­de. Erschwe­run­gen der behörd­li­chen Auf­ga­ben­wahr­neh­mung oder nicht auf kon­kre­ten Tat­sa­chen beru­hen­de Annah­men eines mög­li­chen Rück­gangs der Koope­ra­ti­ons­be­reit­schaft und der frei­wil­li­gen Mit­ar­beit der beauf­sich­tig­ten Unter­neh­men als Fol­ge der Bekannt­ga­be der Infor­ma­tio­nen genü­gen aber nicht. Soll­ten die gesetz­li­chen Befug­nis­se der BaFin nicht aus­rei­chen, um ihrer Auf­ga­be als Auf­sichts­be­hör­de hin­rei­chend nach­zu­kom­men, und soll­te sie daher tat­säch­lich zwin­gend auf die frei­wil­li­ge und über­ob­li­ga­to­ri­sche Preis­ga­be von Infor­ma­tio­nen durch die beauf­sich­tig­ten Finanz­in­sti­tu­te ange­wie­sen sein, so wäre hier jeden­falls gesetz­ge­be­risch nach­zu­steu­ern.
Die Sta­bi­li­tät des Finanz­mark­tes und der Erfolg staat­li­cher Stüt­zungs­maß­nah­men in der Finanz­kri­se set­zen als Belan­ge des Staats­wohls dem par­la­men­ta­ri­schen Infor­ma­ti­ons­an­spruch Gren­zen. Cha­rak­te­ris­tisch für den Finanz­markt ist, dass Fehl­ent­wick­lun­gen, denen die Auf­sicht vor­beu­gen soll, nicht nur das ein­zel­ne Insti­tut, son­dern in beson­de­rem Maße den Markt ins­ge­samt betref­fen. Trotz des Ein­schät­zungs- und Pro­gno­se­spiel­raums der Bun­des­re­gie­rung hin­sicht­lich der Abge­schlos­sen­heit der Finanz­kri­se und der in die­sem Zusam­men­hang ergrif­fe­nen Maß­nah­men sowie des Aus­ma­ßes der mit einer Offen­le­gung ein­her­ge­hen­den Beein­träch­ti­gung, ins­be­son­de­re der ins Feld geführ­ten irra­tio­na­len Reak­tio­nen der hoch sen­si­blen Märk­te, kann dies nicht dazu füh­ren, dass Trans­pa­renz und demo­kra­ti­sche Kon­trol­le wäh­rend der Finanz­kri­se unein­ge­schränkt hin­ten­an ste­hen müs­sen und gleich­zei­tig die­ses Argu­ment auf lan­ge Zeit fort­wirkt. Aller­dings hat der Bund im Zuge der Finanz­kri­se unter Auf­wen­dung von Steu­er­gel­dern in Mil­li­ar­den­hö­he Zuwen­dun­gen an Finanz­in­sti­tu­te ver­ge­ben, um das Ban­ken- und Finanz­sys­tem zu sta­bi­li­sie­ren und vor einer exis­tenz­ge­fähr­den­den Ent­wick­lung zu bewah­ren. Die­se Ziel­set­zung könn­te kon­ter­ka­riert wer­den, wenn ein Insti­tut durch Preis­ga­be sen­si­bler Infor­ma­tio­nen wirt­schaft­li­che Nach­tei­le erlei­det oder gar in sei­ner Exis­tenz bedroht wird.
Vor die­sem Hin­ter­grund hat die Bun­des­re­gie­rung bei der Beant­wor­tung der streit­ge­gen­ständ­li­chen Fra­gen ihrer Ant­wort­pflicht auch in Bezug auf die Anfra­gen zur IKB/​Finanzmarktaufsicht [4] nicht genügt. Sie kann mit dem schlich­ten Ver­weis auf ver­trag­li­che und gesetz­li­che Ver­schwie­gen­heits­pflich­ten und dem Hin­weis, an ande­rer Stel­le und zu einem ande­ren Zeit­punkt geheim berich­tet zu haben, oder nach einem Beschluss des Deut­schen Bun­des­ta­ges die Infor­ma­tio­nen nach VS-Ein­trag in der Geheim­schutz­stel­le des Deut­schen Bun­des­ta­ges zu hin­ter­le­gen, die Ant­wort nicht ver­wei­gern. Die Bun­des­re­gie­rung hat auch ihrer Ant­wort­pflicht hin­sicht­lich der Klei­nen Anfra­ge "Aus­übung par­la­men­ta­ri­scher Kon­troll­rech­te im Bereich Finanz­markt" [5] über­wie­gend nicht genügt. Allein die nicht näher begrün­de­te Annah­me, schon das Bekannt­wer­den der Kon­troll­in­ten­si­tät der Ban­ken­auf­sicht im Hin­blick auf ein­zel­ne Insti­tu­te kön­ne zu einem irrever­si­blen Ver­trau­ens­ver­lust in das jewei­li­ge Insti­tut mit ent­spre­chen­den Reak­tio­nen des Mark­tes füh­ren, kann in die­ser Pau­scha­li­tät eine Ant­wort­ver­wei­ge­rung nicht begrün­den. In die­sem Fall wäre die Tätig­keit der BaFin der par­la­men­ta­ri­schen Kon­trol­le voll­stän­dig ent­zo­gen. Es lie­gen auch kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te dafür vor, dass die Kennt­nis der Öffent­lich­keit von Auf­sichts­maß­nah­men der Jah­re 2005 bis 2008 bei bekann­ter­ma­ßen in Schief­la­ge gera­te­nen und gestütz­ten Insti­tu­ten noch Ende 2010 /​Anfang 2011 tat­säch­lich zu nega­ti­ven Reak­tio­nen auf den Märk­ten hät­te füh­ren kön­nen. Zudem hat die Antrags­geg­ne­rin zu Unrecht die Ant­wort auf die Fra­ge zu den Gehalts- und Bonus­zah­lun­gen über 500.000 Euro bei gestütz­ten Finanz­in­sti­tu­ten nur ein­ge­stuft erteilt, denn das par­la­men­ta­ri­sche Inter­es­se an einer öffent­li­chen Ant­wort mit dem Ziel der Kon­trol­le der Mit­ar­bei­ter­ver­gü­tung bei gestütz­ten Finanz­in­sti­tu­ten und damit der Ver­wen­dung von Steu­er­mit­teln über­wiegt das Inter­es­se an der Geheim­hal­tung die­ser Infor­ma­tio­nen. Ledig­lich in Bezug auf die Risi­ko­be­wer­tung (Zwölf-Fel­der-Matrix) spä­ter gestütz­ter Finanz­in­sti­tu­te in den Jah­ren 2005 bis 2008 hat die Bun­des­re­gie­rung die Ant­wort berech­tig­ter­wei­se in der Geheim­schutz­stel­le des Deut­schen Bun­des­ta­ges zur Ver­fü­gung gestellt. Eine Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit durch Offen­le­gung der Risi­ko­ein­stu­fung nur eini­ger Insti­tu­te kann die Gefahr begrün­den, dass der Markt man­gels wei­te­rer Anhalts­punk­te jede Ein­stu­fung unter­halb der höchs­ten Stu­fe als nega­tiv anse­hen könn­te.
Die Anträ­ge sind inso­weit unzu­läs­sig, wie sie über die Fest­stel­lung der Rechts­ver­let­zung hin­aus dar­auf gerich­tet sind, die Bun­des­re­gie­rung zu ver­pflich­ten, die erbe­te­nen Aus­künf­te zu ertei­len. Im Übri­gen sind die Anträ­ge zuläs­sig.
Par­tei­fä­hig­keit[↑]
Die Par­tei­fä­hig­keit der antrag­stel­len­den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten folgt aus Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG. Als Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges kommt ihnen gemäß Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG ein eige­ner ver­fas­sungs­recht­li­cher Sta­tus zu, den sie im Organ­streit­ver­fah­ren als "ande­re Betei­lig­te" im Sin­ne des Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG ver­tei­di­gen kön­nen [6]. Einer der antrag­stel­len­den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten hat sei­ne Par­tei­fä­hig­keit nicht mit dem Aus­schei­den aus dem Deut­schen Bun­des­tag am 26.05.2011 ver­lo­ren. Maß­geb­lich für die Par­tei­fä­hig­keit von Abge­ord­ne­ten im Organ­streit ist grund­sätz­lich ihr Sta­tus zu dem Zeit­punkt, zu dem sie den Ver­fas­sungs­streit anhän­gig gemacht haben [7] – hier am 18.03.2011.
Die antrag­stel­len­de Bun­des­tags­frak­ti­on ist als Frak­ti­on des Deut­schen Bun­des­ta­ges nach § 63 BVerfGG in Organ­strei­tig­kei­ten par­tei­fä­hig. Par­la­ments­frak­tio­nen sind not­wen­di­ge Ein­rich­tun­gen des Ver­fas­sungs­le­bens [8]. Sie sind zur Gel­tend­ma­chung eige­ner Rech­te befugt, wenn die­se in der Ver­fas­sung ver­an­kert sind [9], und berech­tigt, im Organ­streit die Ver­let­zung oder unmit­tel­ba­re Gefähr­dung von Rech­ten des gesam­ten Par­la­ments gel­tend zu machen [10].
Die Bun­des­re­gie­rung als obers­tes Bun­des­or­gan (Art. 62 ff. GG) ist sowohl in Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG als auch in § 63 BVerfGG aus­drück­lich als mög­li­che Antrags­geg­ne­rin genannt.
Antrags­ge­gen­stand[↑]
Die Anträ­ge bezie­hen sich auf taug­li­che Antrags­ge­gen­stän­de. Nach § 64 Abs. 1 BVerfGG kann Antrags­ge­gen­stand im Organ­streit­ver­fah­ren sowohl eine Maß­nah­me als auch ein Unter­las­sen sein. Es kommt somit nicht dar­auf an, ob es sich bei den gerüg­ten Ant­wor­ten der Antrags­geg­ne­rin jeweils um eine Maß­nah­me in Form der Ver­wei­ge­rung einer hin­rei­chen­den Ant­wort oder um ein Unter­las­sen in Form einer pflicht­wid­ri­gen Nicht­be­ant­wor­tung oder einer nicht hin­rei­chen­den Beant­wor­tung der jewei­li­gen Anfra­ge han­delt. Die Ant­wort­ver­wei­ge­rung, die schlich­te Nicht­be­ant­wor­tung und die nicht hin­rei­chen­de Beant­wor­tung der Anfra­gen der Antrag­stel­ler kön­nen die­se kon­kret in ihrem jewei­li­gen Rechts­kreis aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG betref­fen. Dies gilt glei­cher­ma­ßen für die nicht öffent­li­che Beant­wor­tung. Somit sind die Maß­nah­men oder Unter­las­sun­gen auch rechts­er­heb­lich [11].
Antrags­be­fug­nis[↑]
Die Antrag­stel­ler sind über­wie­gend antrags­be­fugt.
Ein die Antrag­stel­ler und die Antrags­geg­ne­rin umschlie­ßen­des Ver­fas­sungs­rechts­ver­hält­nis [12] liegt vor. Die Antrag­stel­ler bean­stan­den Ant­wor­ten der Antrags­geg­ne­rin auf an die­se gerich­te­te par­la­men­ta­ri­sche Anfra­gen. Der Organ­streit betrifft damit die Reich­wei­te des ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­ten Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­rechts sowie die grund­sätz­li­che Ver­pflich­tung der Bun­des­re­gie­rung, auf Fra­gen im Par­la­ment Rede und Ant­wort zu ste­hen [13]. Das Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht wird ver­letzt, wenn auf berech­tig­te Fra­gen nicht oder nicht voll­stän­dig geant­wor­tet wird. Eine Rechts­ver­let­zung liegt auch vor, wenn unter Ver­ken­nung des Geheim­nis­schut­zes eine öffent­li­che Ant­wort ver­wei­gert oder eine unzu­rei­chen­de Begrün­dung der Geheim­hal­tungs­be­dürf­tig­keit gege­ben wird [14].
An die­sem Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht haben die ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten und die Frak­tio­nen als Zusam­men­schlüs­se von Abge­ord­ne­ten nach Maß­ga­be der Aus­ge­stal­tung in der Geschäfts­ord­nung des Deut­schen Bun­des­ta­ges teil [15]. Ihnen steht folg­lich ein eige­nes sub­jek­tiv-öffent­li­ches organ­schaft­li­ches Recht auf Beant­wor­tung ihrer Fra­gen zur Sei­te. Eine unzu­rei­chen­de Ant­wort ver­letzt auf­grund die­ses Ablei­tungs­zu­sam­men­hangs zugleich den Deut­schen Bun­des­tag in sei­nen Rech­ten [16].
Dar­aus folgt für die Frak­tio­nen im Deut­schen Bun­des­tag, dass sie nicht nur die Ver­let­zung in eige­nen Rech­ten rügen [17], son­dern dar­über hin­aus, unab­hän­gig von ihrer Betei­li­gung an der Fra­ge, ein Recht aus dem Rechts­kreis des Deut­schen Bun­des­ta­ges (Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG) in nach § 63 BVerfGG zuläs­si­ger Pro­zess­stand­schaft gel­tend machen kön­nen [18].
a)) Der Antrag zu 1. wäre des­halb unzu­läs­sig, als danach – wört­lich genom­men – der Antrag­stel­ler zu 1. als Abge­ord­ne­ter (auch) die Ver­let­zung von Rech­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges und die Bun­des­tags­frak­ti­on als Frak­ti­on (auch) die Ver­let­zung in eige­nen Rech­ten rügt, obwohl sie – anders als bei den Anträ­gen zu 2. und zu 3. – an den Anfra­gen nicht betei­ligt war. Sach­ge­recht ist der Antrag aller­dings dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass der Antrag­stel­ler zu 1. (nur) rügt, durch die ange­grif­fe­ne Maß­nah­me in sei­nem (deri­va­ti­ven) Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht ver­letzt wor­den zu sein, und die Bun­des­tags­frak­ti­on (nur) eine Rechts­ver­let­zung des Deut­schen Bun­des­ta­ges gel­tend macht.
Wei­ter­hin ist der Antrag zu 1. unter Her­an­zie­hung der Antrags­schrift dahin­ge­hend zu ver­ste­hen und inso­weit sub­stan­ti­iert, als die Antrag­stel­ler die Ant­wort der Antrags­geg­ne­rin auf die Fra­ge Num­mer 34 der BT-Drs. 17/​4350 aus­schließ­lich im Hin­blick auf die Ver­wei­ge­rung der Beant­wor­tung der Teil­fra­ge nach dem beim Ver­kauf der IKB Deut­sche Indus­trie­bank AG erziel­ten Kauf­preis rügen.
Nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert ist das Vor­brin­gen der Antrag­stel­ler zu dem Antrag zu 3., soweit die Fra­gen 17 bis 19 der Klei­nen Anfra­ge zur Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nung für das Pro­jekt "Stutt­gart 21" [2] betrof­fen sind. Die Fra­gen wur­den durch die Bun­des­re­gie­rung – wenn auch knapp – beant­wor­tet [19]. Die Antrags­schrift ent­hält kei­ne kon­kre­ten Aus­füh­run­gen dazu, was hin­sicht­lich die­ser Ant­wor­ten gerügt wird. Obgleich die Antrags­geg­ne­rin dies in ihrer Antrags­er­wi­de­rung moniert hat, ist auch in der Replik hier­zu kei­ne Ergän­zung vor­ge­nom­men wor­den.
Im Übri­gen haben die Antrag­stel­ler hin­rei­chend dar­ge­legt, dass sie und der Deut­sche Bun­des­tag durch das ange­grif­fe­ne Ver­hal­ten der Antrags­geg­ne­rin in Rech­ten ver­letzt sein kön­nen, die ihnen durch das Grund­ge­setz über­tra­gen wor­den sind. Sie machen gel­tend, dass die Antrags­geg­ne­rin die Fra­gen unter Ver­ken­nung ihrer ver­fas­sungs­recht­li­chen Ant­wort­pflicht nicht oder mit unzu­rei­chen­der Begrün­dung beant­wor­tet habe. Zudem geht aus der Antrags­be­grün­dung her­vor, dass die Antrags­geg­ne­rin unter Ver­ken­nung des Geheim­nis­schut­zes wie auch einer unzu­rei­chen­den Begrün­dung der Geheim­hal­tungs­be­dürf­tig­keit die Fra­gen nicht in der für schrift­li­che Ein­zel­fra­gen nach § 105 der Geschäfts­ord­nung des Deut­schen Bun­des­ta­ges (GO-BT) in Ver­bin­dung mit Num­mer 14 der Anla­ge 4 zur GO-BT vor­ge­se­he­nen und zur Ver­öf­fent­li­chung in einer Bun­des­tags­druck­sa­che bestimm­ten Wei­se beant­wor­tet habe. Es kann nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen wer­den, dass das bean­stan­de­te Ver­hal­ten der Antrags­geg­ne­rin Rech­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges und eige­ne Rech­te der Antrag­stel­ler, die aus dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis zwi­schen den Betei­lig­ten erwach­sen, ver­letzt.
Ver­pflich­tungs­an­trag[↑]
Unzu­läs­sig sind die Anträ­ge fer­ner inso­weit, als sie über die Fest­stel­lung der Rechts­ver­let­zung hin­aus dar­auf gerich­tet sind, die Bun­des­re­gie­rung zu ver­pflich­ten, die erbe­te­nen Aus­künf­te zu ertei­len.
Gemäß § 67 Satz 1 BVerfGG stellt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Fall eines begrün­de­ten Antrags fest, dass die bean­stan­de­te Maß­nah­me oder Unter­las­sung des Antrags­geg­ners gegen eine Bestim­mung des Grund­ge­set­zes ver­stößt. Damit stellt das Gesetz es grund­sätz­lich in das Ermes­sen des Antrags­geg­ners, wie er eine ver­fas­sungs­ge­mä­ße Lage her­stellt. Dem Gericht ist des­halb im Regel­fall ein Ver­pflich­tungs­aus­spruch ver­wehrt [20].
Dabei ist zu beden­ken, dass die Ver­bind­lich­keit der Fest­stel­lung nicht hin­ter einem Ver­pflich­tungs­aus­spruch zurück­bleibt; ins­be­son­de­re ist der Erlass einer Voll­stre­ckungs­an­ord­nung gemäß § 35 BVerfGG nicht von einem Ver­pflich­tungs­aus­spruch abhän­gig. Für eine Abwei­chung von der – die Rege­lung des Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG kon­kre­ti­sie­ren­den – Vor­schrift des § 67 BVerfGG bestün­de daher auch dann kein Anlass, wenn man die Besorg­nis der Antrag­stel­ler hin­sicht­lich einer gene­rell zöger­li­chen Ant­wort­pra­xis teil­te.
Rechts­schutz­be­dürf­nis der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten[↑]
Drei der antrag­stel­len­den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten und die Bun­des­tags­frak­ti­on haben ein Rechts­schutz­in­ter­es­se. Das Rechts­schutz­be­dürf­nis des vier­ten Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten ent­fal­len, weil die­ser am 26.05.2011 nach Nie­der­le­gung des Man­dats aus dem Deut­schen Bun­des­tag aus­ge­schie­den ist. Die par­ti­el­le nach­träg­li­che Ergän­zung bezie­hungs­wei­se Ände­rung des Geheim­hal­tungs­gra­des ein­zel­ner Ant­wor­ten hat das Rechts­schutz­be­dürf­nis hin­ge­gen nicht (teil­wei­se) ent­fal­len las­sen.
Auch im Organ­streit­ver­fah­ren ist das Rechts­schutz­be­dürf­nis des Organs grund­sätz­lich Vor­aus­set­zung für die Sach­ent­schei­dung [21]. Das Organ­streit­ver­fah­ren ist eine kon­tra­dik­to­ri­sche Par­tei­strei­tig­keit. Es dient maß­geb­lich der gegen­sei­ti­gen Abgren­zung der Kom­pe­ten­zen von Ver­fas­sungs­or­ga­nen oder ihren Tei­len in einem Ver­fas­sungs­rechts­ver­hält­nis, nicht der davon los­ge­lös­ten Kon­trol­le der objek­ti­ven Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit eines bestimm­ten Organ­han­delns [22].
Da Bestand und Reich­wei­te des par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­rechts in Bezug auf Ange­le­gen­hei­ten der Deut­schen Bahn AG und der Finanz­markt­auf­sicht zwi­schen den Betei­lig­ten umstrit­ten und klä­rungs­be­dürf­tig sind, ist das Rechts­schutz­be­dürf­nis der Antrag­stel­ler zu 1. bis 3. und der Bun­des­tags­frak­ti­on zu beja­hen. Es stellt sich die Fra­ge, ob die Bun­des­re­gie­rung die Ant­wort auf die Fra­gen mit Ver­weis auf die Beschrän­kung des Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­rechts bei Betei­li­gun­gen des Bun­des, die ent­ge­gen­ste­hen­den gesetz­li­chen oder ver­trag­li­chen Ver­schwie­gen­heits­pflich­ten, die schutz­wür­di­gen Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se der betrof­fe­nen Unter­neh­men und Insti­tu­te sowie die mög­li­chen Gefah­ren für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Auf­sichts­be­hör­den und für die Gesamt­wirt­schaft ver­wei­gern bezie­hungs­wei­se nicht öffent­lich geben durf­te. Ande­re gleich­wer­ti­ge ver­fas­sungs­recht­li­che oder par­la­men­ta­risch-poli­ti­sche Hand­lungs­mög­lich­kei­ten bestehen nicht.
Rechts­schutz­be­dürf­nis der Bun­des­tags­frak­ti­on[↑]
Das Rechts­schutz­be­dürf­nis des Antrag­stel­lers zu 4. ist hin­ge­gen ent­fal­len.
Das Aus­schei­den eines Antrag­stel­lers aus dem Deut­schen Bun­des­tag führt grund­sätz­lich zum Weg­fall des Rechts­schutz­be­dürf­nis­ses im Organ­streit­ver­fah­ren, wenn und weil sich ein sol­cher oder ein ähn­li­cher Streit zwi­schen den Betei­lig­ten nicht wie­der­ho­len kann, es sei denn, dass ein sons­ti­ges schutz­wür­di­ges Inter­es­se an der Klä­rung der auf­ge­wor­fe­nen Rechts­fra­ge besteht [23].
Ein sub­jek­ti­ves (Fortsetzungs-)Feststellungsinteresse [24] liegt in der Per­son des Antrag­stel­lers zu 4. nicht vor. Im Ver­hält­nis zwi­schen die­sem und der Antrags­geg­ne­rin besteht kei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr [25], weil nicht zu erwar­ten ist, dass der Antrag­stel­ler als­bald wie­der ein Bun­des­tags­man­dat erwirbt.
Auch kann der Antrag­stel­ler zu 4. aus dem Umstand, dass ihm – öffent­lich­keits­wirk­sam – Unrecht wider­fah­ren sein könn­te, nichts für sich her­lei­ten. Denn ein "blo­ßes Reha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se" genügt – anders als bei Grund­rechts­ver­let­zun­gen – nicht, um das Bedürf­nis einer retro­spek­ti­ven Fest­stel­lung von Rechts­ver­stö­ßen zu begrün­den [26].
Über­dies hat der Antrag­stel­ler zu 4. kei­ne prä­ju­di­zi­el­le Bedeu­tung der erstreb­ten Ent­schei­dung für ande­re Rechts­ver­hält­nis­se gel­tend gemacht.
Rechts­schutz­be­dürf­nis – und die spä­te­re Beant­wor­tung[↑]
Auch die spä­te­re Beant­wor­tung bezie­hungs­wei­se die Her­ab­stu­fung des Geheim­hal­tungs­gra­des der Ant­wor­ten hat das Rechts­schutz­be­dürf­nis nicht ent­fal­len las­sen.
Soweit die Antrags­geg­ne­rin in ihrer Antrags­er­wi­de­rung mit­teilt, bei erneu­ter Durch­sicht und Prü­fung der Ant­wor­ten fest­ge­stellt zu haben, dass Fra­ge 35 nicht nur nicht öffent­lich beant­wor­tet, son­dern eine Ant­wort gänz­lich unter­blie­ben sei, und sodann der Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär im Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen mit Schrei­ben vom 09.10.2012 an den Antrag­stel­ler zu 1. erklärt habe, dass nun­mehr die Über­sen­dung der Ant­wort an die Geheim­schutz­stel­le des Deut­schen Bun­des­ta­ges ver­an­lasst wor­den sei, ist dem zu ent­neh­men, dass sie ihre eige­ne Vor­ge­hens­wei­se im Nach­hin­ein nicht mehr als zuläs­sig ansieht.
Dem ursprüng­li­chen Begehr der Fra­ge­stel­ler wur­de damit aber gleich­wohl nicht voll­stän­dig ent­spro­chen. Ein Rechts­schutz­be­dürf­nis besteht zum einen fort, soweit die Ant­wort nicht öffent­lich gege­ben wor­den ist. Zum andern wür­de es erst dann ent­fal­len, wenn die Antrags­geg­ne­rin über die blo­ße Ergän­zung der Ant­wor­ten hin­aus auch die strei­ti­ge Ver­pflich­tung zur öffent­li­chen Beant­wor­tung der Fra­gen nicht mehr in Abre­de stell­te. Eine Ver­pflich­tung zur Beant­wor­tung der Fra­gen hat die Antrags­geg­ne­rin bis­lang nicht aner­kannt. Auch wenn man die Rechts­ver­let­zung als abge­schlos­sen betrach­ten und für die­sen Fall ein beson­de­res "Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­in­ter­es­se" für das Organ­streit­ver­fah­ren for­dern woll­te, bestün­de ein sol­ches in Form einer Wie­der­ho­lungs­ge­fahr und eines objek­ti­ven Klar­stel­lungs­in­ter­es­ses [27].
Soweit die Antrag­stel­ler in der Antrags­schrift aus­ge­führt haben, die Antrags­geg­ne­rin habe nach Bekannt­wer­den der Ein­lei­tung des Organ­streit­ver­fah­rens die "Beant­wor­tung der Klei­nen Anfra­gen in Bun­des­tags­druck­sa­che von 'VS-geheim' in 'VS-ver­trau­lich' durch eine Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums v.02.02.2011" geän­dert, haben sie die­se Mit­tei­lung nicht vor­ge­legt und nicht näher ange­ge­ben, um wel­che Ant­wor­ten es sich hier­bei kon­kret gehan­delt hat. Es bleibt daher unklar, in Bezug auf wel­che Ant­wor­ten eine Her­ab­stu­fung der Geheim­hal­tungs­stu­fe erfolgt sein soll.
Dar­auf kommt es jedoch für das Rechts­schutz­be­dürf­nis nicht an. Zwar unter­lie­gen als "geheim" ein­ge­stuf­te Infor­ma­tio­nen und Doku­men­te nach der Geheim­schutz­ord­nung des Deut­schen Bun­des­ta­ges stren­ge­ren Rege­lun­gen für die Ein­sicht­nah­me und Wei­ter­ga­be. Die Antrag­stel­ler sehen sich aber bereits durch die Ein­stu­fung als sol­che in ihrem par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge­recht ver­letzt. Ihnen geht es dar­um, dass sie Infor­ma­tio­nen, die durch die Bun­des­re­gie­rung mit einem Geheim­hal­tungs­grad ver­se­hen wur­den, nicht "in den öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dungs­pro­zess über­spie­len" kön­nen. Damit han­de­le es sich prak­tisch wei­ter­hin um Wis­sen, an das sich kein poli­ti­sches Han­deln anschlie­ßen kön­ne.
Durch eine etwai­ge Ände­rung des Geheim­hal­tungs­gra­des ohne des­sen Auf­he­bung ent­fällt das Rechts­schutz­in­ter­es­se daher nicht.
Sons­ti­ge Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen[↑]
Die Antrag­stel­ler haben ent­spre­chend § 64 Abs. 2 BVerfGG die Bestim­mun­gen des Grund­ge­set­zes bezeich­net, gegen die die bean­stan­de­ten Maß­nah­men ihrer Ansicht nach ver­sto­ßen.
Der am 18.03.2011 ein­ge­gan­ge­ne Antrag wahrt die Sechs­mo­nats­frist des § 64 Abs. 3 BVerfGG. Die Antrag­stel­ler rügen Ant­wor­ten der Antrags­geg­ne­rin vom 19.10.2010 und 30.11.2010 (Antrag zu 3.); vom 30.12 2010 (Antrag zu 1.); und vom 27.01.2011 (Antrag zu 2.).
Die Bun­des­re­gie­rung ist die rich­ti­ge Antrags­geg­ne­rin. Ihre zwi­schen­zeit­li­che Neu­kon­sti­tu­ie­rung ist uner­heb­lich, da hier­durch ihre Orga­ni­den­ti­tät nicht berührt wird.
Inhalt und Bedeu­tung des par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­rechts[↑]
Aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 und Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG folgt ein Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht des Deut­schen Bun­des­ta­ges gegen­über der Bun­des­re­gie­rung, an dem die ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten und die Frak­tio­nen als Zusam­men­schlüs­se von Abge­ord­ne­ten nach Maß­ga­be der Aus­ge­stal­tung in der Geschäfts­ord­nung des Deut­schen Bun­des­ta­ges teil­ha­ben und dem grund­sätz­lich eine Ant­wort­pflicht der Bun­des­re­gie­rung kor­re­spon­diert [28]. Aus dem Fra­ge- und Inter­pel­la­ti­ons­recht des Par­la­ments folgt für die Mit­glie­der der Bun­des­re­gie­rung die ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­pflich­tung, auf Fra­gen Rede und Ant­wort zu ste­hen. Die Ant­wor­ten der Bun­des­re­gie­rung auf schrift­li­che Anfra­gen und auf Fra­gen in der Fra­ge­stun­de des Deut­schen Bun­des­ta­ges sol­len dazu die­nen, dem Bun­des­tag und den ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten die für ihre Tätig­keit nöti­gen Infor­ma­tio­nen auf rasche und zuver­läs­si­ge Wei­se zu ver­schaf­fen. Die Bun­des­re­gie­rung schafft so mit ihren Ant­wor­ten auf par­la­men­ta­ri­sche Anfra­gen die Vor­aus­set­zun­gen für eine sach­ge­rech­te Arbeit des Par­la­ments [29].
Das par­la­men­ta­ri­sche Regie­rungs­sys­tem wird auch durch die Kon­troll­funk­ti­on des Par­la­ments geprägt. Die par­la­men­ta­ri­sche Kon­trol­le von Regie­rung und Ver­wal­tung ver­wirk­licht den Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung, der für das Grund­ge­setz ein tra­gen­des Funk­ti­ons- und Orga­ni­sa­ti­ons­prin­zip dar­stellt. Der Gewal­ten­tei­lungs­grund­satz zielt dabei nicht auf eine voll­stän­di­ge Tren­nung der Funk­tio­nen der Staats­ge­walt, son­dern auf die poli­ti­sche Macht­ver­tei­lung, das Inein­an­der­grei­fen der drei Gewal­ten und die dar­aus resul­tie­ren­de gegen­sei­ti­ge Kon­trol­le und Begren­zung mit der Fol­ge der Mäßi­gung der Staats­ge­walt [30]. Er gebie­tet gera­de im Hin­blick auf die star­ke Stel­lung der Regie­rung, zumal wegen man­geln­der Ein­griffs­mög­lich­kei­ten des Par­la­ments in den der Exe­ku­ti­ve zukom­men­den Bereich unmit­tel­ba­rer Hand­lungs­in­itia­ti­ve und Geset­zes­an­wen­dung, eine Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes dahin, dass par­la­men­ta­ri­sche Kon­trol­le auch tat­säch­lich wirk­sam wer­den kann. Ohne Betei­li­gung am Wis­sen der Regie­rung kann das Par­la­ment sein Kon­troll­recht gegen­über der Regie­rung nicht aus­üben. Daher kommt dem par­la­men­ta­ri­schen Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se beson­ders hohes Gewicht zu, soweit es um die Auf­de­ckung mög­li­cher Rechts­ver­stö­ße und ver­gleich­ba­rer Miss­stän­de inner­halb von Regie­rung und Ver­wal­tung geht [31].
Die Kon­troll­funk­ti­on ist zugleich Aus­druck der aus dem Demo­kra­tie­prin­zip fol­gen­den Ver­ant­wort­lich­keit der Regie­rung gegen­über dem Par­la­ment. Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG gestal­tet den Grund­satz der Volks­sou­ve­rä­ni­tät aus. Er legt fest, dass das Volk die Staats­ge­walt, deren Trä­ger es ist, außer durch Wah­len und Abstim­mun­gen durch beson­de­re Orga­ne der Gesetz­ge­bung, der voll­zie­hen­den Gewalt und der Recht­spre­chung aus­übt. Das setzt vor­aus, dass das Volk einen effek­ti­ven Ein­fluss auf die Aus­übung der Staats­ge­walt durch die­se Orga­ne hat. Deren Akte müs­sen sich auf den Wil­len des Vol­kes zurück­füh­ren las­sen und ihm gegen­über ver­ant­wor­tet wer­den [32].
Die­ser Zurech­nungs­zu­sam­men­hang zwi­schen Volk und staat­li­cher Herr­schaft wird außer durch die Wahl des Par­la­ments, die vom Par­la­ment beschlos­se­nen Geset­ze als Maß­stab der voll­zie­hen­den Gewalt und die grund­sätz­li­che Wei­sungs­ge­bun­den­heit der Ver­wal­tung gegen­über der Regie­rung auch durch den par­la­men­ta­ri­schen Ein­fluss auf die Poli­tik der Regie­rung her­ge­stellt. Das "Aus­ge­hen" der Staats­ge­walt vom Volk muss für das Volk wie auch für die Staats­or­ga­ne jeweils kon­kret erfahr­bar und prak­tisch wirk­sam sein. Es muss ein hin­rei­chen­der Gehalt an demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on erreicht wer­den, ein bestimm­tes Legi­ti­ma­ti­ons­ni­veau [33]. Nur das vom Volk gewähl­te Par­la­ment kann den Organ- und Funk­ti­ons­trä­gern der Ver­wal­tung auf allen ihren Ebe­nen demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on ver­mit­teln. Im Fall der nicht durch unmit­tel­ba­re Volks­wahl legi­ti­mier­ten Amts­wal­ter und Orga­ne setzt die demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on der Aus­übung von Staats­ge­walt regel­mä­ßig vor­aus, dass sich die Bestel­lung der Amts­trä­ger auf das Staats­volk zurück­füh­ren lässt und ihr Han­deln eine aus­rei­chen­de sach­lich-inhalt­li­che Legi­ti­ma­ti­on erfährt. In per­so­nel­ler Hin­sicht ist eine hoheit­li­che Ent­schei­dung demo­kra­tisch legi­ti­miert, wenn sich die Bestel­lung des­je­ni­gen, der sie trifft, durch eine unun­ter­bro­che­ne Legi­ti­ma­ti­ons­ket­te auf das Staats­volk zurück­füh­ren lässt. Die sach­lich-inhalt­li­che Legi­ti­ma­ti­on wird durch Geset­zes­bin­dung und Bin­dung an Auf­trä­ge und Wei­sun­gen der Regie­rung ver­mit­telt. Letz­te­re ent­fal­tet Legi­ti­ma­ti­ons­wir­kung auf­grund der Ver­ant­wort­lich­keit der Regie­rung gegen­über der Volks­ver­tre­tung [34].
Geheim­hal­tung gegen­über dem Par­la­ment beschränkt die par­la­men­ta­ri­schen Kon­troll­mög­lich­kei­ten und kann des­halb den not­wen­di­gen demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­ons­zu­sam­men­hang beein­träch­ti­gen oder unter­bre­chen [35].
Der par­la­men­ta­ri­sche Infor­ma­ti­ons­an­spruch ist auf Beant­wor­tung gestell­ter Fra­gen in der Öffent­lich­keit ange­legt [36]. Ver­han­deln von Argu­ment und Gegen­ar­gu­ment, öffent­li­che Debat­te und öffent­li­che Dis­kus­si­on sind wesent­li­che Ele­men­te des demo­kra­ti­schen Par­la­men­ta­ris­mus [37].
Das im par­la­men­ta­ri­schen Ver­fah­ren gewähr­leis­te­te Maß an Öffent­lich­keit der Aus­ein­an­der­set­zung und Ent­schei­dungs­su­che eröff­net nicht nur Mög­lich­kei­ten eines Aus­gleichs wider­strei­ten­der Inter­es­sen, die bei einem weni­ger trans­pa­ren­ten Ver­fah­ren sich so nicht ergä­ben [38]. Der Grund­satz der Par­la­ments­öf­fent­lich­keit ermög­licht auch die Kon­trol­le durch die Bür­ger und dient damit der effek­ti­ven Ver­ant­wort­lich­keit des Par­la­ments gegen­über dem Wäh­ler [39]. Die­se par­la­men­ta­ri­sche Ver­ant­wor­tung gegen­über den Wäh­lern ist ein zen­tra­ler Mecha­nis­mus des effek­ti­ven Ein­flus­ses des Vol­kes auf die Aus­übung der Staats­ge­walt [40]. Eine ver­ant­wort­li­che Teil­ha­be der Bür­ger an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes setzt vor­aus, dass der Ein­zel­ne von den zu ent­schei­den­den Sach­fra­gen, von den durch die ver­fass­ten Staats­or­ga­ne getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen, Maß­nah­men und Lösungs­vor­schlä­gen genü­gend weiß, um sie beur­tei­len, bil­li­gen oder ver­wer­fen zu kön­nen [41].
Gege­be­nen­falls sind aller­dings For­men der Infor­ma­ti­ons­ver­mitt­lung zu suchen, die geeig­net sind, das Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se des Par­la­ments unter Wah­rung berech­tig­ter Geheim­hal­tungs­in­ter­es­sen der Regie­rung zu befrie­di­gen [36]. Auch Grund­rech­te Betrof­fe­ner kön­nen die Prü­fung gebie­ten, ob eine öffent­li­che Erör­te­rung gerecht­fer­tigt ist oder ob die Grund­rech­te bestimm­te Vor­keh­run­gen par­la­men­ta­ri­scher Geheim­hal­tung erfor­dern [42].
So ist die Über­nah­me von Auf­ga­ben des Ple­nums durch geheim tagen­de par­la­men­ta­ri­sche Unter­gre­mi­en in bestimm­ten Fäl­len mög­lich [43], aller­dings muss dies auf weni­ge Aus­nah­men mit eng begrenz­tem Anwen­dungs­be­reich beschränkt blei­ben und zwin­gend erfor­der­lich sein [44].
Es ist zu beach­ten, dass der Deut­sche Bun­des­tag sei­ne Reprä­sen­ta­ti­ons­funk­ti­on grund­sätz­lich in sei­ner Gesamt­heit durch die Mit­wir­kung aller sei­ner Mit­glie­der wahr­nimmt [45]. Daher ist jeder Abge­ord­ne­te beru­fen, an der Arbeit des Bun­des­ta­ges, sei­nen Ver­hand­lun­gen und Ent­schei­dun­gen teil­zu­neh­men [46]. Soweit Abge­ord­ne­te durch die Über­tra­gung von Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen auf einen beschlie­ßen­den Aus­schuss von der Mit­wir­kung an der par­la­men­ta­ri­schen Ent­schei­dungs­fin­dung aus­ge­schlos­sen wer­den, ist dies nur zum Schutz ande­rer Rechts­gü­ter mit Ver­fas­sungs­rang und unter strik­ter Wah­rung des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit zuläs­sig [47]. Es bedarf eines beson­de­ren Grun­des, der durch die Ver­fas­sung legi­ti­miert und von einem Gewicht ist, das der Gleich­heit der Abge­ord­ne­ten die Waa­ge hal­ten kann [48].
Über­trägt der Deut­sche Bun­des­tag zur Wah­rung ande­rer Rechts­gü­ter von Ver­fas­sungs­rang einem von ihm auf­grund sei­ner Selbst­or­ga­ni­sa­ti­ons­be­fug­nis ein­ge­rich­te­ten Aus­schuss oder einem ande­ren Unter­gre­mi­um ein­zel­ne der von ihm zu erfül­len­den Auf­ga­ben zur selb­stän­di­gen und ple­n­arer­set­zen­den Wahr­neh­mung und bestehen dafür Grün­de, die dem Gebot der gleich­be­rech­tig­ten Mit­wir­kung aller Abge­ord­ne­ten die Waa­ge hal­ten, darf die Beschrän­kung der Sta­tus­rech­te der gewähl­ten Abge­ord­ne­ten und die damit ver­bun­de­ne Ungleich­be­hand­lung nicht wei­ter rei­chen, als dies unbe­dingt erfor­der­lich ist [49]. Auch Belan­ge des Geheim­schut­zes im Inter­es­se ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ter Güter sind als zwin­gen­de Grün­de des Staats­wohls grund­sätz­lich geeig­net, die Ein­schrän­kung von Sta­tus­rech­ten der Abge­ord­ne­ten zu recht­fer­ti­gen [50]. Die Staats­pra­xis kennt das aus elf Abge­ord­ne­ten gebil­de­te Par­la­men­ta­ri­sche Kon­troll­gre­mi­um, das unter ande­rem die nach­rich­ten­dienst­li­che Tätig­keit über­wacht [51]. Zudem hat es das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gebil­ligt, dass über die Wirt­schafts­plä­ne der Geheim­diens­te des Bun­des nicht das Ple­num, son­dern ein wesent­lich klei­ne­res, geheim ver­han­deln­des und aus­schließ­lich zu die­sem Zwe­cke gebil­de­tes Gre­mi­um berät, weil aus der Viel­zahl der Infor­ma­tio­nen, die bei der Bera­tung bekannt wer­den, mosa­ik­ar­tig auch ein Bild von den kon­kre­ten Ope­ra­tio­nen der Geheim­diens­te gewon­nen wer­den und dies dar­über hin­aus zur Gefähr­dung von Per­so­nen füh­ren kann [52]. Eben­so wie bei mili­tä­ri­schen Geheim­nis­sen oder sons­ti­gen aus Grün­den des Staats­schut­zes geheim zu hal­ten­den Infor­ma­tio­nen kann die Geheim­schutz­ord­nung mög­li­cher­wei­se auch dann kei­ne aus­rei­chen­de Vor­sor­ge bie­ten, wenn über Maß­nah­men ent­schie­den wer­den muss, bei denen nicht nur der Inhalt der Bera­tung, son­dern auch die Tat­sa­che der Bera­tung und der Beschluss­fas­sung an sich geheim gehal­ten wer­den müs­sen, um den Erfolg einer Maß­nah­me nicht von vorn­her­ein unmög­lich zu machen [53].
Auch die Beant­wor­tung par­la­men­ta­ri­scher Anfra­gen unter Anwen­dung der Geheim­schutz­ord­nung kann geeig­net sein, als mil­de­res Mit­tel einen ange­mes­se­nen Aus­gleich zwi­schen dem Fra­ge­recht der Abge­ord­ne­ten und kon­f­li­gie­ren­den Rechts­gü­tern zu schaf­fen.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erkennt die Anwen­dung der Geheim­schutz­ord­nung grund­sätz­lich als ein taug­li­ches Instru­ment des Aus­gleichs zwi­schen exe­ku­ti­vem Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se und par­la­men­ta­ri­schem Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se an [54]. Die­se Geheim­schutz­be­stim­mun­gen sind Aus­druck der Tat­sa­che, dass das Par­la­ment ohne eine Betei­li­gung am gehei­men Wis­sen der Regie­rung weder das Gesetz­ge­bungs­recht noch das Haus­halts­recht noch das par­la­men­ta­ri­sche Kon­troll­recht gegen­über der Regie­rung aus­zu­üben ver­möch­te [55].
Eine sys­te­ma­ti­sche Gesamt­schau einer Rei­he von Grund­ge­setz­be­stim­mun­gen – etwa Art. 42 Abs. 1 Satz 2, Art. 44 Abs. 1 Satz 2, Art. 45a Abs. 3 und Art. 53a GG – zeigt, dass der Aus­schluss der Öffent­lich­keit in der Ver­fas­sung als eine Mög­lich­keit zur Wah­rung von Geheim­schutz­in­ter­es­sen unter gleich­zei­ti­ger Ein­be­zie­hung des Par­la­ments ange­legt ist. Die Anwen­dung der Geheim­schutz­ord­nung kon­f­li­giert aller­dings mit der Öffent­lich­keits­funk­ti­on des Par­la­ments. Die genann­ten Aus­nah­me­vor­schrif­ten ändern nichts dar­an, dass die Öffent­lich­keit der Bera­tun­gen nach Art. 42 Abs. 1 GG für die par­la­men­ta­ri­sche Ent­schei­dungs­fin­dung grund­sätz­lich unver­zicht­bar ist. Die Infor­ma­ti­ons­rech­te des Par­la­ments dür­fen nicht dazu füh­ren, dass sich über den par­la­men­ta­ri­schen Geheim­nis­schutz die Arbeits- und Funk­ti­ons­wei­se des Par­la­ments in den wich­ti­gen Berei­chen grund­le­gend ver­schiebt und die­se spe­zi­fi­sche Öffent­lich­keits­funk­ti­on aus­ge­blen­det wird [56].
Eine unter Bedin­gun­gen der Geheim­schutz­ord­nung erlang­te Infor­ma­ti­on kön­nen die Par­la­men­ta­ri­er nicht in den öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dungs­pro­zess über­spie­len. Wenn das Par­la­ment unter Anwen­dung der Geheim­schutz­ord­nung infor­miert wird, ist daher zwar for­mal der Zurech­nungs­zu­sam­men­hang zwi­schen Regie­rung und Par­la­ment gewahrt. Der wei­te­re Ver­ant­wor­tungs­zu­sam­men­hang zum Volk ist unter­bro­chen. Der Wahl­vor­gang sichert die Kon­trol­le des Vol­kes über die Benut­zung der Macht durch die poli­ti­sche Mehr­heit [57]. Ohne die ent­spre­chen­de Infor­ma­ti­on kann die Wäh­ler­schaft weder das Han­deln der Regie­rung noch die par­la­men­ta­ri­sche Reak­ti­on auf die erlang­te Infor­ma­ti­on zur Kennt­nis neh­men und bewer­ten. Bei­des ist aber für die demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on durch den Wahl­akt essen­ti­ell [58].
Aber auch im Ver­hält­nis zwi­schen Regie­rung und Par­la­ment wird der Kon­troll­zu­sam­men­hang durch die Anwen­dung der Geheim­schutz­ord­nung abge­schwächt. Öffent­lich­keit ist essen­ti­ell für die Aus­übung der Kon­troll­funk­ti­on des Par­la­ments. Wäh­rend die zur Vor­be­rei­tung von Gesetz­ge­bung begehr­ten Infor­ma­tio­nen dem Par­la­ment auch dann den gewünsch­ten Sach­ver­stand ver­schaf­fen und damit ihren Zweck erfül­len, wenn sie nicht öffent­lich sind, ver­hält es sich mit Infor­ma­tio­nen zum Zweck der poli­ti­schen oder der Rechts­kon­trol­le anders. In der poli­ti­schen Rea­li­tät ist das Fra­ge­recht in sei­ner Kon­troll­di­men­si­on ganz über­wie­gend ein Mit­tel der Oppo­si­ti­on, wel­ches zu sei­ner Wirk­sam­keit grund­sätz­lich auf Öffent­lich­keit ange­wie­sen ist. Fällt das Öffent­lich­keits­ele­ment weg, so schei­det in der Pra­xis zumin­dest eine sank­tio­nie­ren­de Kon­trol­le aus [59].
Gren­zen des par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­rechts[↑]
Der Infor­ma­ti­ons­an­spruch des Deut­schen Bun­des­ta­ges und der ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten besteht gleich­wohl nicht gren­zen­los.
Das ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te par­la­men­ta­ri­sche Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht unter­liegt Gren­zen, die, auch soweit sie ein­fach­ge­setz­lich gere­gelt sind, ihren Grund im Ver­fas­sungs­recht haben müs­sen [60].
Die ver­trag­lich ver­ein­bar­ten oder ein­fach­ge­setz­li­chen Ver­schwie­gen­heits­re­ge­lun­gen des Kre­dit­we­sen­ge­set­zes oder Akti­en­ge­set­zes sind daher für sich genom­men nicht geeig­net, das Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht zu beschrän­ken. Dies gilt auch für die Richt­li­ni­en, die der Deut­sche Bun­des­tag selbst in sei­nem Geschäfts­ord­nungs­recht für par­la­men­ta­ri­sche Anfra­gen zu öffent­li­chen Unter­neh­men in Pri­vat­rechts­form erlas­sen hat. Ein­fach­ge­setz­li­che Rege­lun­gen kön­nen aber inso­weit von Rele­vanz sein, als sie einen sich mög­li­cher­wei­se inner­halb des Gestal­tungs­spiel­raums des Gesetz­ge­bers bewe­gen­den Aus­gleich kon­f­li­gie­ren­der (Verfassungs-)Rechte dar­stel­len.
Da das Inter­pel­la­ti­ons­recht aus der Kon­troll­funk­ti­on des Par­la­ments her­rührt und zugleich Aus­druck der aus dem Demo­kra­tie­prin­zip fol­gen­den Ver­ant­wort­lich­keit der Regie­rung gegen­über dem Par­la­ment ist, kann sich der Infor­ma­ti­ons­an­spruch des Bun­des­ta­ges und der ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten von vorn­her­ein nicht auf Ange­le­gen­hei­ten bezie­hen, die nicht in die Zustän­dig­keit der Bun­des­re­gie­rung fal­len. Inso­weit fehlt es an einer Ver­ant­wort­lich­keit der Bun­des­re­gie­rung gegen­über dem Deut­schen Bun­des­tag [61].
Dem Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung unter­fällt die Tätig­keit der ihr unmit­tel­bar nach­ge­ord­ne­ten Behör­den ein­schließ­lich der die­sen von Drit­ten zur Ver­fü­gung gestell­ten Infor­ma­tio­nen, wenn und soweit sie für Ent­schei­dun­gen oder sons­ti­ge Ver­wal­tungs­vor­gän­ge rele­vant sind [62]. Der Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung umfasst dem­nach nicht nur das Regie­rungs­han­deln im enge­ren Sinn, son­dern dar­über hin­aus auch die Regie­rungs­ver­ant­wor­tung. Erfasst sind sowohl die von der Regie­rung selbst wahr­ge­nom­me­nen Auf­ga­ben als auch der von ihr ver­ant­wor­te­te Auf­ga­ben­be­reich, mit­hin der Auf­ga­ben­be­reich nach­ge­ord­ne­ter Behör­den [63].
Die Tätig­kei­ten von mehr­heit­lich oder voll­stän­dig in der Hand des Bun­des befind­li­chen Unter­neh­men in Pri­vat­rechts­form unter­fal­len eben­falls dem Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung.
Dies ergibt sich aus der Legi­ti­ma­ti­ons­be­dürf­tig­keit erwerbs­wirt­schaft­li­cher Betä­ti­gung der öffent­li­chen Hand. Da das par­la­men­ta­ri­sche Fra­ge­recht in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auch als Instru­ment und Erfor­der­nis der effek­ti­ven Her­stel­lung demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on ange­se­hen wird, ist der Begriff der Ver­ant­wort­lich­keit der Bun­des­re­gie­rung im Kon­text demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on zu ver­ste­hen.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bedarf alles amt­li­che Han­deln mit Ent­schei­dungs­cha­rak­ter der demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on. Es muss sich auf den Wil­len des Vol­kes zurück­füh­ren las­sen und ihm gegen­über ver­ant­wor­tet wer­den [64].
Ein sol­cher demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­ons­zu­sam­men­hang ist auch dann erfor­der­lich, wenn sich der Staat bei der Wahr­neh­mung sei­ner Auf­ga­ben eines – voll­stän­dig oder mehr­heit­lich – in staat­li­cher Hand befind­li­chen Unter­neh­mens in Pri­vat­rechts­form bedient. Die Mit­glie­der des Ver­tre­tungs­or­gans eines pri­vat­recht­li­chen Unter­neh­mens, an dem der Staat mehr­heit­lich betei­ligt ist, unter­lie­gen hin­sicht­lich ihrer Unter­neh­mens­füh­rung beson­de­rer Beob­ach­tung der öffent­li­chen Hand, denn die­se hat dem Volk gegen­über auch eine Mehr­heits­be­tei­li­gung an einem pri­vat­recht­li­chen Unter­neh­men zu ver­ant­wor­ten. Es ist Auf­ga­be des Par­la­ments, die Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung der Regie­rung auch hin­sicht­lich der Betä­ti­gung der öffent­li­chen Hand im Rah­men ihrer Betei­li­gung an pri­vat­wirt­schaft­li­chen Unter­neh­men zu kon­trol­lie­ren [65].
Bei der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung in pri­vat­recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­for­men ist die Ver­ant­wort­lich­keit der Regie­rung nicht auf die ihr gesetz­lich ein­ge­räum­ten Ein­wir­kungs- und Kon­troll­rech­te beschränkt. Die Reich­wei­te des Fra­ge­rechts kann nicht mit der Reich­wei­te bestehen­der Inge­renz­be­fug­nis­se oder mit dem bestim­men­den Ein­fluss der Regie­rung gleich­ge­setzt wer­den. Die Regie­rung ist dem Par­la­ment nicht nur für ihre Amts­füh­rung im Sin­ne einer Rechen­schafts- und Ein­stands­pflicht für eige­nes Han­deln ver­ant­wort­lich [66].
Zwar kann die in eine unun­ter­bro­che­ne Legi­ti­ma­ti­ons­ket­te ein­ge­bun­de­ne Minis­te­ri­al­ver­wal­tung dem jewei­li­gen öffent­li­chen oder gemischt­wirt­schaft­li­chen Unter­neh­men demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on nur ver­mit­teln, wenn sie auf des­sen Tätig­keit Ein­fluss hat. Aus dem Erfor­der­nis demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on staat­li­chen Han­delns (Art.20 Abs. 2 Satz 1 GG) folgt daher eine Pflicht des Staa­tes, sich hin­rei­chen­de Ein­wir­kungs­rech­te auf das Unter­neh­men vor­zu­be­hal­ten [67].
Die Art der erfor­der­li­chen Ein­wir­kungs­rech­te ist damit aber nicht vor­ge­ge­ben. Demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on kann sowohl orga­ni­sa­to­risch-per­so­nell, also durch eine unun­ter­bro­che­ne, auf das Volk zurück­zu­füh­ren­de Legi­ti­ma­ti­ons­ket­te für die mit der Wahr­neh­mung staat­li­cher Ange­le­gen­hei­ten betrau­ten Amts­wal­ter, als auch sach­lich-inhalt­lich über eine strik­te Bin­dung an die von der Volks­ver­tre­tung erlas­se­nen Geset­ze oder durch eine sank­tio­nier­te demo­kra­ti­sche Ver­ant­wort­lich­keit, ein­schließ­lich der dazu­ge­hö­ri­gen Kon­trol­le, für die Wahr­neh­mung der zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben her­ge­stellt wer­den. Ins­ge­samt muss ein hin­rei­chen­der Gehalt an demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on erreicht wer­den, ein bestimm­tes Legi­ti­ma­ti­ons­ni­veau [68].
Das erreich­te Maß an demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on bei Akti­en­ge­sell­schaf­ten, bei denen der Bund Allein­ei­gen­tü­mer ist, hängt sowohl von der Aus­wahl, Bestel­lung und Abbe­ru­fung der ent­sand­ten Ver­tre­ter (orga­ni­sa­to­risch-per­so­nel­le Legi­ti­ma­ti­on) als auch von den die­se tref­fen­den Berichts­pflich­ten und ihrer Wei­sungs­ge­bun­den­heit (sach­lich-inhalt­li­che Legi­ti­ma­ti­on) ab.
Die Mit­glie­der des Vor­stan­des wer­den vom Auf­sichts­rat bestellt. Die Mit­glie­der des Auf­sichts­rats wer­den wie­der­um durch die mit Ver­tre­tern des Bun­des besetz­te Haupt­ver­samm­lung gewählt oder durch den Bund ent­sandt (§ 101 Abs. 2 AktG) und damit allein nach dem Wil­len der Bun­des­re­gie­rung bestellt. Damit besit­zen die Mit­glie­der des Vor­stan­des einer sol­chen Akti­en­ge­sell­schaft nach den für die funk­tio­na­le Selbst­ver­wal­tung ent­wi­ckel­ten Kri­te­ri­en in per­so­nel­ler Hin­sicht die vol­le demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on, weil sie – gemäß dem "Prin­zip der dop­pel­ten Mehr­heit" – vom Auf­sichts­rat bestellt wer­den [69], der sei­ner­seits mehr­heit­lich mit Ver­tre­tern besetzt ist, die vom Bund als Allein­ak­tio­när in der Haupt­ver­samm­lung bestimmt wor­den sind. Beson­ders augen­fäl­lig ist die per­so­nel­le Legi­ti­ma­ti­on, wenn hohe Regie­rungs­be­am­te in den Auf­sichts­rat ent­sandt wer­den.
Hin­zu kom­men – wenn auch beschränk­te – Prü­fungs- und Auf­sichts­rech­te des vom Bund per­so­nell beherrsch­ten Auf­sichts­rats (§ 111 AktG), wobei die Auf­sichts­rats­mit­glie­der, die auf Ver­an­las­sung einer Gebiets­kör­per­schaft in den Auf­sichts­rat gewählt oder ent­sandt wor­den sind, gemäß § 394 AktG – bei Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen im Rah­men des Berichts­zwecks – frei sind, (jeden­falls) den die Betei­li­gung ver­wal­ten­den Stel­len der Minis­te­ri­al­ver­wal­tung (vgl. § 395 Abs. 1 AktG) zu berich­ten. Zwar trifft es zu, dass die Mit­glie­der des Auf­sichts­ra­tes dem Inter­es­se der Gesell­schaft ver­pflich­tet sind und im Grund­satz ohne Bin­dung an Wei­sun­gen agie­ren müs­sen [70]. Die Wahl pri­va­ter Unter­neh­mens­for­men für die Wahr­neh­mung öffent­li­cher Auf­ga­ben kann daher zu einem Kon­troll, Steue­rungs- und Legi­ti­ma­ti­ons­de­fi­zit füh­ren. Dies bedeu­tet aber nicht, dass das Gesell­schafts­recht an die Steue­rungs­be­dürf­nis­se des Staa­tes als Anteils­eig­ner anzu­pas­sen ist, son­dern dass die­ser selbst die Rechts­form für die ihm oblie­gen­de Auf­ga­ben­wahr­neh­mung zu wäh­len hat, die die erfor­der­li­chen Ein­wir­kungs­mög­lich­kei­ten gewähr­leis­tet. Rei­chen die gesell­schafts­recht­li­chen Ein­wir­kungs­rech­te nicht aus, um eine par­la­men­ta­ri­sche Ver­ant­wort­lich­keit der Regie­rung für die Geschäfts­tä­tig­keit einer voll­stän­dig vom Bund gehal­te­nen Akti­en­ge­sell­schaft sicher­zu­stel­len, beschränkt sich der ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Regie­rung nicht etwa auf die Aus­übung der gesell­schafts­recht­li­chen Befug­nis­se, die der Regie­rung auf­grund der Aktio­närs­stel­lung des Bun­des zuste­hen, oder auf die Wahr­neh­mung einer etwai­gen Gewähr­leis­tungs­ver­ant­wor­tung. Wo – wie im Bereich funk­tio­na­ler Selbst­ver­wal­tung, aber auch mit Blick auf öffent­li­che Unter­neh­men – die Mög­lich­kei­ten der Ein­fluss­nah­me hin­ter dem fach­auf­sicht­li­chen Instru­men­ta­ri­um aus umfas­sen­den Infor­ma­ti­ons- und unbe­schränk­ten Wei­sungs­rech­ten zurück­blei­ben, kann sich die Regie­rung nicht ihrer Ver­ant­wor­tung bege­ben.
Auf die Fra­ge, ob der Legi­ti­ma­ti­ons­zu­sam­men­hang dann den Anfor­de­run­gen des Demo­kra­tie­prin­zips genügt, kommt es nicht an. Denn eine par­la­men­ta­ri­sche Ver­ant­wort­lich­keit der Regie­rung und damit eine Ant­wort­pflicht bleibt – ähn­lich wie bei Hand­lun­gen jen­seits der recht­li­chen (Zuständigkeits-)Grenzen – auch bei einer defi­zi­tä­ren Legi­ti­ma­ti­ons­ket­te bestehen.
Wei­te­re Gren­zen des Aus­kunfts­an­spruchs erge­ben sich aus dem Gewal­ten­tei­lungs­grund­satz [71].
Der Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung zielt auf Macht­ver­tei­lung und die sich dar­aus erge­ben­de Mäßi­gung staat­li­cher Herr­schaft. In sei­ner grund­ge­setz­li­chen Aus­for­mung als Gebot der Unter­schei­dung zwi­schen gesetz­ge­ben­der, voll­zie­hen­der und recht­spre­chen­der Gewalt (Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG) dient er zugleich einer funk­ti­ons­ge­rech­ten Zuord­nung hoheit­li­cher Befug­nis­se zu unter­schied­li­chen, jeweils auf­ga­ben­spe­zi­fisch aus­ge­form­ten Trä­gern öffent­li­cher Gewalt und sichert die recht­li­che Bin­dung aller Staats­ge­walt (Art.20 Abs. 3 GG) [72]. In der Ver­fas­sungs­ord­nung des Grund­ge­set­zes ist die Tei­lung der Gewal­ten nicht als abso­lu­te Tren­nung rea­li­siert und gebo­ten. Die Zwei­ge der Staats­ge­walt sind auf­ein­an­der bezo­gen und mit­ein­an­der ver­schränkt, dür­fen aber ihrer jewei­li­gen Eigen­heit und ihrer spe­zi­fi­schen Auf­ga­ben und Zustän­dig­kei­ten nicht beraubt wer­den [73]. Das Gewal­ten­tei­lungs­prin­zip ist damit zugleich Grund und Gren­ze des Infor­ma­ti­ons­an­spruchs des Par­la­ments gegen­über der Regie­rung [74].
Die Ver­ant­wor­tung der Regie­rung gegen­über Par­la­ment und Volk setzt not­wen­di­ger­wei­se einen Kern­be­reich exe­ku­ti­ver Eigen­ver­ant­wor­tung vor­aus, der einen grund­sätz­lich nicht aus­forsch­ba­ren Initia­tiv, Bera­tungs- und Hand­lungs­be­reich ein­schließt. Dazu gehört zunächst die Wil­lens­bil­dung der Regie­rung selbst, sowohl hin­sicht­lich der Erör­te­run­gen im Kabi­nett als auch bei der Vor­be­rei­tung von Kabi­netts- und Res­sort­ent­schei­dun­gen, die sich vor­nehm­lich in res­sort­über­grei­fen­den und ‑inter­nen Abstim­mungs­pro­zes­sen voll­zieht [75]. Bei dem einer kon­kre­ten Posi­tio­nie­rung vor­ge­la­ger­ten Wil­lens­bil­dungs­pro­zess der Bun­des­re­gie­rung han­delt es sich um einen von ver­schie­de­nen innen- und außen­po­li­ti­schen sowie inner­or­gan­schaft­li­chen Belan­gen, Erwä­gun­gen und Ent­wick­lun­gen abhän­gi­gen Vor­gang, der den Bereich der Bun­des­re­gie­rung noch nicht ver­lässt und über den der Bun­des­tag von Ver­fas­sungs wegen grund­sätz­lich (noch) nicht zu infor­mie­ren ist [76]. Eine Pflicht der Regie­rung, par­la­men­ta­ri­schen Infor­ma­ti­ons­wün­schen zu ent­spre­chen, besteht danach in der Regel nicht, wenn die Infor­ma­ti­on zu einem Mit­re­gie­ren Drit­ter bei Ent­schei­dun­gen füh­ren kann, die in der allei­ni­gen Kom­pe­tenz der Regie­rung lie­gen. Die­se Gefahr besteht bei Infor­ma­tio­nen aus dem Bereich der Vor­be­rei­tung von Regie­rungs­ent­schei­dun­gen regel­mä­ßig, solan­ge die Ent­schei­dung noch nicht getrof­fen ist. Die Kon­troll­kom­pe­tenz des Bun­des­ta­ges erstreckt sich dem­nach grund­sätz­lich nur auf bereits abge­schlos­se­ne Vor­gän­ge; sie ent­hält nicht die Befug­nis, in lau­fen­de Ver­hand­lun­gen und Ent­schei­dungs­vor­be­rei­tun­gen ein­zu­grei­fen [77].
Der aus dem Gewal­ten­tei­lungs­prin­zip fol­gen­de Schutz vor Ein­grif­fen in den Bereich exe­ku­ti­ver Ent­schei­dungs­vor­be­rei­tung erschöpft sich jedoch nicht in die­ser Abschir­mung gegen unmit­tel­ba­re Ein­grif­fe in die auto­no­me Kom­pe­tenz­aus­übung der Regie­rung, son­dern wirkt über den Zeit­punkt einer Ent­schei­dung hin­aus [78]. Zwar schei­den par­la­men­ta­ri­sche Infor­ma­ti­ons­rech­te in Bezug auf abge­schlos­se­ne Vor­gän­ge nicht grund­sätz­lich immer dann aus, wenn es sich um Akte aus dem Bereich der Wil­lens­bil­dung der Regie­rung, ein­schließ­lich der vor­be­rei­ten­den Wil­lens­bil­dung inner­halb der Res­sorts und der Abstim­mung zwi­schen ihnen han­delt; grund­sätz­lich kön­nen auch Infor­ma­tio­nen aus dem Bereich der regie­rungs­in­ter­nen Wil­lens­bil­dung dem par­la­men­ta­ri­schen Zugriff unter­lie­gen [79].
Aller­dings wür­de ein – sei es auch erst nach Abschluss des jewei­li­gen Ent­schei­dungs­pro­zes­ses ein­set­zen­der – schran­ken­lo­ser par­la­men­ta­ri­scher Anspruch auf Infor­ma­tio­nen aus die­sem Bereich vor allem durch sei­ne ein­engen­den Vor­wir­kun­gen die Regie­rung in der selb­stän­di­gen Funk­ti­on beein­träch­ti­gen, die das Gewal­ten­tei­lungs­prin­zip ihr zuweist [80]. Infor­ma­tio­nen aus dem Vor­feld von Regie­rungs­ent­schei­dun­gen sind danach zwar nach Abschluss der jewei­li­gen Ent­schei­dung nicht mehr im sel­ben Maße geschützt wie in der Pha­se, in der die Kennt­nis­nah­me Drit­ter die­sen einen unmit­tel­ba­ren Ein­fluss auf die Ent­schei­dung ver­schaf­fen wür­de [81]. Jedoch sind auch bei abge­schlos­se­nen Vor­gän­gen Fäl­le mög­lich, in denen die Regie­rung geheim zu hal­ten­de Tat­sa­chen aus dem Kern­be­reich exe­ku­ti­ver Eigen­ver­ant­wor­tung mit­zu­tei­len nicht ver­pflich­tet ist [82]. Die Gren­zen des par­la­men­ta­ri­schen Infor­ma­ti­ons­an­spruchs las­sen sich in Bezug auf abge­schlos­se­ne Vor­gän­ge nur unter Berück­sich­ti­gung der jewei­li­gen Umstän­de fest­stel­len [83]. Die Not­wen­dig­keit, hier zwi­schen gegen­läu­fi­gen Belan­gen abzu­wä­gen, ent­spricht der dop­pel­ten Funk­ti­on des Gewal­ten­tei­lungs­grund­sat­zes als Grund und Gren­ze par­la­men­ta­ri­scher Kon­troll­rech­te [83]. In ihr kommt zum Aus­druck, dass die par­la­men­ta­ri­sche Kon­trol­le der Regie­rung einer­seits gera­de dazu bestimmt ist, eine demo­kra­ti­schen und rechts­staat­li­chen Grund­sät­zen ent­spre­chen­de Aus­übung der Regie­rungs­funk­ti­on sicher­zu­stel­len, ande­rer­seits aber die­se Funk­ti­on auch stö­ren kann und daher der Begren­zung auf ein funk­ti­ons­ver­träg­li­ches Maß bedarf [83].
Als funk­tio­nel­ler Belang fällt bei abge­schlos­se­nen Vor­gän­gen nicht mehr die Ent­schei­dungs­au­to­no­mie der Regie­rung, son­dern vor allem die Frei­heit und Offen­heit der Wil­lens­bil­dung inner­halb der Regie­rung ins Gewicht. Unter die­sem Aspekt sind Infor­ma­tio­nen aus dem Bereich der Vor­be­rei­tung von Regie­rungs­ent­schei­dun­gen, die Auf­schluss über den Pro­zess der Wil­lens­bil­dung geben, umso schutz­wür­di­ger, je näher sie der guber­na­ti­ven Ent­schei­dung ste­hen [84].
Fer­ner kön­nen das Fra­ge­recht der Abge­ord­ne­ten und die Ant­wort­pflicht der Bun­des­re­gie­rung dadurch begrenzt sein, dass die­se gemäß Art. 1 Abs. 3 GG die Grund­rech­te zu beach­ten haben [85].
Wer­den Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se durch den Staat offen gelegt oder ver­langt er deren Offen­le­gung, so ist Art. 12 Abs. 1 GG in sei­nem Schutz­be­reich berührt [86]. Dabei ist das Grund­recht der Berufs­frei­heit nach Art.19 Abs. 3 GG auch auf juris­ti­sche Per­so­nen anwend­bar, soweit sie eine Erwerbs­zwe­cken die­nen­de Tätig­keit aus­üben, die ihrem Wesen und ihrer Art nach in glei­cher Wei­se einer juris­ti­schen wie einer natür­li­chen Per­son offen steht [87].
Das Frei­heits­recht des Art. 12 Abs. 1 GG schützt das berufs­be­zo­ge­ne Ver­hal­ten ein­zel­ner Per­so­nen oder Unter­neh­men am Markt. Erfolgt die unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit nach den Grund­sät­zen des Wett­be­werbs, wird die Reich­wei­te des Frei­heits­schut­zes auch durch die recht­li­chen Regeln mit­be­stimmt, die den Wett­be­werb ermög­li­chen und begren­zen [88]. Behin­dert eine den Wett­be­werb beein­flus­sen­de staat­li­che Maß­nah­me eine juris­ti­sche Per­son in ihrer beruf­li­chen Tätig­keit, so stellt dies eine Beschrän­kung ihres Frei­heits­rechts aus Art. 12 Abs. 1 GG dar [89]. Denn durch eine Offen­le­gung kann die Aus­schließ­lich­keit der Nut­zung des betrof­fe­nen Wis­sens für den eige­nen Erwerb beein­träch­tigt wer­den. Wird exklu­si­ves wett­be­werbser­heb­li­ches Wis­sen den Kon­kur­ren­ten zugäng­lich, min­dert dies die Mög­lich­keit, die Berufs­aus­übung unter Rück­griff auf die­ses Wis­sen erfolg­reich zu gestal­ten. So kön­nen unter­neh­me­ri­sche Stra­te­gien durch­kreuzt wer­den. Auch kann ein Anreiz zu inno­va­ti­vem unter­neh­me­ri­schen Han­deln ent­fal­len, weil die Inves­ti­ti­ons­kos­ten nicht ein­ge­bracht wer­den kön­nen, wäh­rend gleich­zei­tig Drit­te unter Ein­spa­rung sol­cher Kos­ten das inno­va­tiv erzeug­te Wis­sen zur Grund­la­ge ihres eige­nen beruf­li­chen Erfolgs in Kon­kur­renz mit dem Geheim­nis­trä­ger nut­zen [90].
Das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung gewähr­leis­tet die Befug­nis des Ein­zel­nen, grund­sätz­lich selbst zu ent­schei­den, wann und inner­halb wel­cher Gren­zen per­sön­li­che Lebens­sach­ver­hal­te offen­bart wer­den [91]. Das Recht gewährt sei­nen Trä­gern ins­be­son­de­re Schutz gegen unbe­grenz­te Erhe­bung, Spei­che­rung, Ver­wen­dung oder Wei­ter­ga­be der auf sie bezo­ge­nen, indi­vi­dua­li­sier­ten oder indi­vi­dua­li­sier­ba­ren Daten [92]. Ein Ein­griff in die­ses Recht liegt etwa vor, wenn die Bun­des­re­gie­rung dem Deut­schen Bun­des­tag Aus­kunft über die Ein­künf­te von Bank­mit­ar­bei­tern erteilt und die­se dabei "bestimm­bar" oder "iden­ti­fi­zier­bar" sind [93].
Juris­ti­sche Per­so­nen sind über Art.19 Abs. 3 GG eben­falls Trä­ge­rin­nen des Rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung, soweit es auf Art. 2 Abs. 1 GG gestützt ist [94]. Eine grund­recht­lich erheb­li­che Gefähr­dungs­la­ge besteht aller­dings nicht stets bereits des­halb, weil eine staat­li­che Stel­le Kennt­nis­se erlangt, die einen Bezug zu einer bestimm­ten juris­ti­schen Per­son und ihrer Tätig­keit auf­wei­sen [95]. Die infor­ma­tio­nel­le Maß­nah­me muss viel­mehr die betrof­fe­ne juris­ti­sche Per­son einer Gefähr­dung hin­sicht­lich ihrer spe­zi­fi­schen Frei­heits­aus­übung aus­set­zen [95].
Inlän­di­sche juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts und juris­ti­sche Per­so­nen des Pri­vat­rechts, die voll­stän­dig oder mehr­heit­lich vom Staat beherrscht wer­den, kön­nen sich nicht auf mate­ri­el­le Grund­rech­te beru­fen.
Inlän­di­sche juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts kön­nen sich nicht auf die mate­ri­el­len Grund­rech­te beru­fen [96]. Das Feh­len ihrer Grund­rechts­fä­hig­keit hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf eine Rei­he ver­schie­de­ner, sich zum Teil ergän­zen­der Grün­de gestützt. So kön­ne der nach Art. 1 Abs. 3 GG an die Grund­rech­te gebun­de­ne Staat nicht gleich­zei­tig Adres­sat und Berech­tig­ter von Grund­rech­ten sein [97]. Auch bei selb­stän­di­gen öffent­lich-recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten han­de­le es sich; vom Men­schen und Bür­ger als dem ursprüng­li­chen Inha­ber der Grund­rech­te her gese­hen, jeweils nur um eine beson­de­re Erschei­nungs­form der ein­heit­li­chen Staats­ge­walt [98]. Nur wenn die Bil­dung und Betä­ti­gung einer juris­ti­schen Per­son Aus­druck der frei­en Ent­fal­tung von pri­va­ten, natür­li­chen Per­so­nen sei, wenn ins­be­son­de­re der Durch­griff auf die hin­ter den juris­ti­schen Per­so­nen ste­hen­den Men­schen es als sinn­voll und erfor­der­lich erschei­nen las­se, sei es gerecht­fer­tigt, juris­ti­sche Per­so­nen als Grund­rechts­in­ha­ber anzu­se­hen und sie kraft des­sen auch in den Schutz­be­reich bestimm­ter mate­ri­el­ler Grund­rech­te ein­zu­be­zie­hen [99]. Die juris­ti­schen Per­so­nen öffent­li­chen Rechts stün­den dem Staat bei Wahr­neh­mung ihrer öffent­li­chen Auf­ga­ben nicht in der glei­chen grund­rechts­ty­pi­schen Gefähr­dungs­la­ge gegen­über wie der ein­zel­ne Grund­rechts­trä­ger [100].
Abwei­chen­des gilt für jene juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts, die unmit­tel­bar einem durch bestimm­te Grund­rech­te geschütz­ten Lebens­be­reich zuge­ord­net sind oder ihm kraft ihrer Eigen­art von vorn­her­ein zuge­hö­ren, wie Rund­funk­an­stal­ten, Uni­ver­si­tä­ten und deren Fakul­tä­ten [101] oder Kir­chen und sons­ti­ge öffent­lich-recht­li­che Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten [102].
Mit im Wesent­li­chen glei­chen Erwä­gun­gen hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auch juris­ti­schen Per­so­nen des Pri­vat­rechts, deren Antei­le sich aus­schließ­lich in den Hän­den des Staa­tes befin­den, die Grund­rechts­fä­hig­keit im Hin­blick auf mate­ri­el­le Grund­rech­te abge­spro­chen und sie der Grund­rechts­bin­dung unter­wor­fen, auch weil ansons­ten die Fra­ge der Grund­rechts­fä­hig­keit der öffent­li­chen Hand in nicht gerin­gem Umfang von der jewei­li­gen Orga­ni­sa­ti­ons­form abhän­gig wäre [103]. Ent­spre­chen­des gilt für soge­nann­te gemischt­wirt­schaft­li­che Unter­neh­men, sofern der Staat mehr als 50 % der Antei­le an die­sen juris­ti­schen Per­so­nen des Pri­vat­rechts hält [104].
Für öffent­li­che Unter­neh­men in Pri­vat­rechts­form, die voll­stän­dig im Eigen­tum der öffent­li­chen Hand ste­hen, ist aner­kannt, dass die Grund­rechts­bin­dung nicht nur den oder die Trä­ger des jewei­li­gen Unter­neh­mens trifft, son­dern das Unter­neh­men selbst. Dies ent­spricht dem Cha­rak­ter eines sol­chen Unter­neh­mens als ver­selb­stän­dig­ter Hand­lungs­ein­heit und stellt eine effek­ti­ve Grund­rechts­bin­dung unab­hän­gig davon sicher, ob, wie­weit und in wel­cher Form der oder die Eigen­tü­mer gesell­schafts­recht­lich auf die Lei­tung der Geschäf­te Ein­fluss neh­men kön­nen und wie – bei Unter­neh­men mit ver­schie­de­nen öffent­li­chen Anteils­eig­nern – eine Koor­di­na­ti­on der Ein­fluss­rech­te ver­schie­de­ner öffent­li­cher Eigen­tü­mer zu gewähr­leis­ten wäre. Akti­vi­tä­ten öffent­li­cher Unter­neh­men blei­ben unab­hän­gig von der Aus­ge­stal­tung der gesell­schafts­recht­li­chen Ein­fluss­rech­te eine Form staat­li­cher Auf­ga­ben­wahr­neh­mung, bei der die Unter­neh­men selbst unmit­tel­bar an die Grund­rech­te gebun­den sind [105].
Nichts ande­res hat für gemischt­wirt­schaft­li­che Unter­neh­men, an denen sowohl pri­va­te als auch öffent­li­che Anteils­eig­ner betei­ligt sind, zu gel­ten, wenn die­se von der öffent­li­chen Hand beherrscht wer­den [106]. Auch bei gemischt­wirt­schaft­li­chen Unter­neh­men erfasst die Fra­ge der Grund­rechts­bin­dung das jewei­li­ge Unter­neh­men ins­ge­samt und kann nur ein­heit­lich beant­wor­tet wer­den. Sie sind gleich­falls als ver­selb­stän­dig­te Hand­lungs­ein­hei­ten tätig. Das Kri­te­ri­um der Beherr­schung mit sei­ner Anknüp­fung an die eigen­tums­recht­li­chen Mehr­heits­ver­hält­nis­se stellt nicht auf kon­kre­te Ein­wir­kungs­be­fug­nis­se hin­sicht­lich der Geschäfts­füh­rung ab, son­dern auf die Gesamt­ver­ant­wor­tung für das jewei­li­ge Unter­neh­men. Anders als in Fäl­len, in denen die öffent­li­che Hand nur einen unter­ge­ord­ne­ten Anteil an einem pri­va­ten Unter­neh­men hält, han­delt es sich dann grund­sätz­lich nicht um pri­va­te Akti­vi­tä­ten unter Betei­li­gung des Staa­tes, son­dern um staat­li­che Akti­vi­tä­ten unter Betei­li­gung von Pri­va­ten. Für sie gel­ten unab­hän­gig von ihrem Zweck oder Inhalt die all­ge­mei­nen Bin­dun­gen staat­li­cher Auf­ga­ben­wahr­neh­mung. Bei der Ent­fal­tung die­ser Akti­vi­tä­ten sind die öffent­lich beherrsch­ten Unter­neh­men unmit­tel­bar durch die Grund­rech­te gebun­den und kön­nen sich umge­kehrt gegen­über Bür­gern nicht auf eige­ne Grund­rech­te stüt­zen [107].
Das ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht des Bun­des­ta­ges und die damit ver­bun­de­ne Aus­kunfts­pflicht der Bun­des­re­gie­rung stel­len eine hin­rei­chen­de Grund­la­ge für einen in der Aus­kunfts­er­tei­lung lie­gen­den Grund­rechts­ein­griff dar. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts liegt in der Auf­ga­ben­zu­wei­sung grund­sätz­lich auch eine Ermäch­ti­gung zum Infor­ma­ti­ons­han­deln der Regie­rung [108]. Einer wei­ter­ge­hen­den gesetz­li­chen Rege­lung bedarf es inso­weit nicht.
Hat der Gesetz­ge­ber aber einen Weg zur Lösung des Kon­flikts zwi­schen dem Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht des Deut­schen Bun­des­ta­ges und sei­ner Abge­ord­ne­ten einer­seits und dem Schutz der Grund­rech­te der betrof­fe­nen Unter­neh­men ande­rer­seits durch eine ein­fach­ge­setz­li­che Rege­lung vor­ge­zeich­net, ist sein Ein­schät­zungs- und Gestal­tungs­spiel­raum im Rah­men der Abwä­gung zu berück­sich­ti­gen. Über­lässt er die Ent­schei­dung hin­ge­gen den Orga­nen der Rechts­an­wen­dung, so sind deren Ein­griffs­hand­lun­gen ver­fas­sungs­recht­lich dar­auf zu über­prü­fen, ob die zugrun­de geleg­ten Annah­men und Abwä­gungs­re­geln sowie ihre Abwä­gung im kon­kre­ten Fall den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen genü­gen, das heißt auch, ob sie inner­halb des den Ent­schei­dungs­trä­gern gewähr­ten Ein­schät­zungs­spiel­raums ver­blei­ben und zur Her­stel­lung prak­ti­scher Kon­kor­danz im kon­kre­ten Streit­fall füh­ren [109].
Eine wei­te­re Gren­ze des Infor­ma­ti­ons­an­spruchs des Bun­des­ta­ges bil­det das Wohl des Bun­des oder eines Lan­des (Staats­wohl), das durch das Bekannt­wer­den geheim­hal­tungs­be­dürf­ti­ger Infor­ma­tio­nen gefähr­det wer­den kann [110].
Die Fra­ge, wel­che Gren­zen die Ver­fas­sung dem par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht setzt, ist unter Berück­sich­ti­gung sei­ner Bedeu­tung im Ver­fas­sungs­ge­fü­ge zu beant­wor­ten. Dies gilt auch für die Aus­le­gung und Anwen­dung des Begriffs der Gefähr­dung des Staats­wohls [111]. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass der Bun­des­tag in der Geheim­schutz­ord­nung in detail­lier­ter Wei­se die Vor­aus­set­zun­gen für die Wah­rung von Dienst­ge­heim­nis­sen bei der Auf­ga­ben­er­fül­lung des Bun­des­ta­ges fest­ge­legt hat [112]. Die Ver­schwie­gen­heits­pflicht auf­grund par­la­ments­recht­li­cher Rege­lun­gen wird durch die straf­recht­li­che Sank­ti­on des § 353b Abs. 2 Nr. 1 StGB bekräf­tigt. Die­se Geheim­schutz­be­stim­mun­gen sind Aus­druck der Tat­sa­che, dass das Par­la­ment ohne eine Betei­li­gung am gehei­men Wis­sen der Regie­rung weder das Gesetz­ge­bungs­recht noch das Haus­halts­recht noch das par­la­men­ta­ri­sche Kon­troll­recht gegen­über der Regie­rung aus­zu­üben ver­möch­te [113]. Zudem ist zu berück­sich­ti­gen, dass das Staats­wohl im par­la­men­ta­ri­schen Regie­rungs­sys­tem des Grund­ge­set­zes nicht allein der Bun­des­re­gie­rung, son­dern dem Bun­des­tag und der Bun­des­re­gie­rung gemein­sam anver­traut ist [114]. Das Par­la­ment und sei­ne Orga­ne kön­nen nicht als Außen­ste­hen­de behan­delt wer­den, die zum Kreis derer gehö­ren, vor denen Infor­ma­tio­nen zum Schutz des Staats­wohls geheim zu hal­ten sind [115]. Mit­hin kann die Beru­fung auf das Wohl des Bun­des gera­de gegen­über dem Bun­des­tag in aller Regel dann nicht in Betracht kom­men, wenn bei­der­seits wirk­sam Vor­keh­run­gen gegen das Bekannt­wer­den von Dienst­ge­heim­nis­sen getrof­fen wur­den. Dass auch die Beach­tung von Vor­schrif­ten zur Wah­rung von Dienst­ge­heim­nis­sen deren Bekannt­wer­den nicht aus­schließt, steht dem nicht ent­ge­gen, denn die­se Tat­sa­che betrifft alle drei Gewal­ten [116].
Die Geheim­schutz­be­stim­mun­gen des Bun­des­ta­ges las­sen aller­dings die eige­ne, aus der ihr anver­trau­ten Regie­rungs­ge­walt her­rüh­ren­de Ver­ant­wor­tung der Bun­des­re­gie­rung für die Wah­rung der Dienst­ge­heim­nis­se unbe­rührt [117]. Die Bun­des­re­gie­rung ist daher nicht ver­pflich­tet, Ver­schluss­sa­chen, die Dienst­ge­heim­nis­se ent­hal­ten, dem Bun­des­tag vor­zu­le­gen, wenn die­ser nicht den von der Bun­des­re­gie­rung für not­wen­dig gehal­te­nen Geheim­schutz gewähr­leis­tet [118].
Das par­la­men­ta­ri­sche Infor­ma­ti­ons­recht steht schließ­lich unter dem Vor­be­halt der Zumut­bar­keit. Es sind alle Infor­ma­tio­nen mit­zu­tei­len, über die die Regie­rung ver­fügt oder die sie mit zumut­ba­rem Auf­wand in Erfah­rung brin­gen kann. Da sich der par­la­men­ta­ri­sche Infor­ma­ti­ons­an­spruch im Hin­blick auf die mög­li­che poli­ti­sche Bedeu­tung auch län­ger zurück­lie­gen­der Vor­gän­ge auf Fra­gen erstreckt, die den Ver­ant­wor­tungs­be­reich frü­he­rer Bun­des­re­gie­run­gen betref­fen, kön­nen die Bun­des­re­gie­rung im Rah­men des Zumut­ba­ren zudem Rekon­struk­ti­ons­pflich­ten tref­fen [119].
Die im Bereich der Regie­rung vor­han­de­nen Infor­ma­tio­nen sind nicht auf die Gesamt­heit der vor­han­de­nen Doku­men­te beschränkt, son­dern umfas­sen auch das per­sön­li­che, nicht akten­kun­di­ge Wis­sen der han­deln­den Per­so­nen. Eine erschwer­te Zugäng­lich­keit oder Aus­wert­bar­keit von Quel­len mag im Ein­zel­fall dazu füh­ren, dass sich die Regie­rung auf eine Unzu­mut­bar­keit frist­ge­rech­ter Beant­wor­tung beru­fen kann; sie ver­mö­gen aber nicht gene­rell die Beschrän­kung der Ant­wort­pflicht auf doku­men­tier­te Gegen­stän­de zu recht­fer­ti­gen [120]. Die Bun­des­re­gie­rung muss daher alle ihr zu Gebo­te ste­hen­den Mög­lich­kei­ten der Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung aus­schöp­fen [121].
Pflicht zur fra­ge­stel­ler­freund­li­chen Aus­le­gung[↑]
Ange­sichts der hohen Bedeu­tung des par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge­rechts kann von dem Fra­ge­stel­ler eine sorg­fäl­ti­ge For­mu­lie­rung sei­ner Fra­gen erwar­tet wer­den [122]. Wo aller­dings Unge­nau­ig­kei­ten bei der For­mu­lie­rung der Fra­ge erkenn­bar aus einem Infor­ma­ti­ons­de­fi­zit des Fra­ge­stel­lers resul­tie­ren, hat die Bun­des­re­gie­rung bei der Beant­wor­tung dem dahin­ter ste­hen­den Infor­ma­ti­ons­be­dürf­nis so weit wie mög­lich Rech­nung zu tra­gen [122]. Dabei gel­ten für die Aus­le­gung einer par­la­men­ta­ri­schen Anfra­ge grund­sätz­lich die all­ge­mei­nen Aus­le­gungs­re­geln, somit ist zunächst ins­be­son­de­re vom Wort­laut; und vom Zusam­men­hang aus­zu­ge­hen, in den die Fra­ge gestellt wur­de [123].
Daher muss die Bun­des­re­gie­rung bei der Bestim­mung des Inhalts einer Fra­ge den wesent­li­chen Inhalt der Fra­ge und ihrer Begrün­dung auf­grei­fen, den wirk­li­chen Wil­len und das dar­aus erkenn­ba­re Infor­ma­ti­ons­be­dürf­nis des Fra­ge­stel­lers ermit­teln und danach Art und Umfang ihrer Ant­wort aus­rich­ten. Die Aus­le­gung ist im Zwei­fel so vor­zu­neh­men, dass die Fra­ge kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken begeg­net. Ver­blei­ben nach der Aus­le­gung der Fra­ge Zwei­fel an deren Inhalt oder ist die Fra­ge mehr­deu­tig, kann die Regie­rung bei der Ant­wort dar­auf hin­wei­sen, dass sie die Fra­ge in einem bestimm­ten Sinn ver­steht oder ihr zur Zeit eine Beant­wor­tung nicht mög­lich ist [124].
Pflicht zur Begrün­dung der Ant­wort­ver­wei­ge­rung[↑]
Aus der grund­sätz­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Pflicht der Bun­des­re­gie­rung, Infor­ma­ti­ons­an­sprü­che des Deut­schen Bun­des­ta­ges zu erfül­len, folgt, dass sie die Grün­de dar­le­gen muss, aus denen sie die erbe­te­nen Aus­künf­te ver­wei­gert [125] oder in nicht öffent­li­cher Form erteilt.
Die Bun­des­re­gie­rung muss – auch im Hin­blick auf das Gebot gegen­sei­ti­ger Rück­sicht­nah­me im Ver­hält­nis zwi­schen Ver­fas­sungs­or­ga­nen – den Bun­des­tag in die Lage ver­set­zen, sei­ne Auf­ga­be der par­la­men­ta­ri­schen Kon­trol­le des Regie­rungs­han­delns effek­tiv wahr­zu­neh­men. Dies kann er nur dann, wenn er anhand einer der jewei­li­gen Pro­blem­la­ge ange­mes­se­nen, aus­führ­li­chen Begrün­dung beur­tei­len und ent­schei­den kann, ob er die Ver­wei­ge­rung der Ant­wort akzep­tiert oder wel­che wei­te­ren Schrit­te er unter­nimmt, sein Aus­kunfts­ver­lan­gen ganz oder zumin­dest teil­wei­se durch­zu­set­zen. Hier­zu muss er Abwä­gun­gen betrof­fe­ner Belan­ge, die zur Ver­sa­gung von Aus­künf­ten geführt haben, auf ihre Plau­si­bi­li­tät und Nach­voll­zieh­bar­keit über­prü­fen kön­nen. Eine Begrün­dung der Ant­wort­ver­wei­ge­rung ist nur dann ent­behr­lich, wenn die Geheim­hal­tungs­be­dürf­tig­keit evi­dent ist [126].
Einer aus­führ­li­che­ren Begrün­dung bedarf es, wenn die Bun­des­re­gie­rung Aus­künf­te zu Umstän­den aus ihrem Ver­ant­wor­tungs­be­reich ver­wei­gern will, etwa weil es sich um einen Vor­gang aus dem Kern­be­reich exe­ku­ti­ver Eigen­ver­ant­wor­tung han­delt oder weil in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len Grün­de des Staats­wohls der Aus­kunfter­tei­lung ent­ge­gen­ste­hen. In die­sen Fäl­len bedarf der Fra­ge­stel­ler nähe­rer Anga­ben, um die Abwä­gung zwi­schen dem par­la­men­ta­ri­schen Infor­ma­ti­ons­recht einer­seits und den betrof­fe­nen Belan­gen, die zur Ver­sa­gung der Aus­künf­te geführt haben, ande­rer­seits auf ihre Plau­si­bi­li­tät hin über­prü­fen zu kön­nen [127].
Ein pau­scha­les Beru­fen auf einen der ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­de, die dem par­la­men­ta­ri­schen Unter­su­chungs­recht Gren­zen set­zen, genügt in kei­nem Fall. Das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen eines Infor­ma­ti­ons­ver­wei­ge­rungs­rechts ist sub­stan­ti­iert, nicht ledig­lich for­mel­haft, dar­zu­le­gen. Eine sub­stan­ti­ier­te Begrün­dung der ableh­nen­den Ent­schei­dung ist unent­behr­li­che Grund­la­ge auch der (verfassungs-)gerichtlichen Kon­trol­le, die andern­falls weit­ge­hend zur Dis­po­si­ti­on der Bun­des­re­gie­rung stün­de [128].
Einer beson­de­ren Begrün­dungs­pflicht unter­liegt die Bun­des­re­gie­rung, soweit sie ihre Ant­wort nicht in der nach § 104 in Ver­bin­dung mit § 75 Absatz 3 und § 76 Absatz 1 GO-BT vor­ge­se­he­nen, zur Ver­öf­fent­li­chung in einer Bun­des­tags­druck­sa­che bestimm­ten Wei­se erteilt, son­dern sie ein­ge­stuft in der Geheim­schutz­stel­le des Deut­schen Bun­des­ta­ges zur Ver­fü­gung stellt. Denn der par­la­men­ta­ri­sche Infor­ma­ti­ons­an­spruch als sol­cher ist auf Beant­wor­tung gestell­ter Fra­gen in der Öffent­lich­keit ange­legt.
Die Begrün­dung der nicht öffent­li­chen Beant­wor­tung muss so aus­führ­lich und plau­si­bel sein, wie es das Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se zulässt. Es ist Auf­ga­be der Bun­des­re­gie­rung, nach­voll­zieh­bar dar­zu­le­gen, aus wel­chem Grund die ange­for­der­ten Infor­ma­tio­nen geheim­hal­tungs­be­dürf­tig sind und war­um sie gege­be­nen­falls auch noch nach Jah­ren oder sogar nach Abschluss des betref­fen­den Vor­gangs nicht Gegen­stand einer öffent­li­chen Ant­wort sein kön­nen [129].
Ein Nach­schie­ben von Grün­den kommt nicht in Betracht, da es den Zweck des Begrün­dungs­er­for­der­nis­ses ver­feh­len wür­de. Die­ses soll gewähr­leis­ten, dass der Fra­ge­stel­ler die Grün­de der Ant­wort­ver­wei­ge­rung erfährt und so in die Lage ver­setzt wird, sie nach­zu­voll­zie­hen und die Erfolgs­aus­sich­ten einer Inan­spruch­nah­me ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes abzu­schät­zen. Ist die Ver­schaf­fung voll­stän­di­ger Infor­ma­ti­on zunächst ohne zurei­chen­de Begrün­dung abge­lehnt wor­den, so ver­mag eine erst im Organ­streit­ver­fah­ren gege­be­ne ergän­zen­de Begrün­dung nichts an dem dar­in lie­gen­den Rechts­ver­stoß zu ändern [130].
Par­la­men­ta­ri­sche Anfra­gen bei bun­des­ei­ge­nen Unter­neh­men[↑]
Der Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung für die Deut­sche Bahn AG ist eröff­net.
Die Ver­ant­wor­tung bezieht sich zunächst auf die Aus­übung der Betei­li­gungs­ver­wal­tung durch die hier­für zustän­di­ge Regie­rung sowie auf die Regu­lie­rungs­tä­tig­keit der Bun­des­be­hör­den und die sach­ge­rech­te Erfül­lung des Gewähr­leis­tungs­auf­tra­ges aus Art. 87e Abs. 4 GG. Das Par­la­ment benö­tigt für die Beur­tei­lung der Fra­ge, ob der Bund gewähr­leis­tet, dass dem Wohl der All­ge­mein­heit, ins­be­son­de­re den Ver­kehrs­be­dürf­nis­sen, beim Aus­bau und Erhalt des Schie­nen­net­zes der Eisen­bah­nen des Bun­des sowie bei deren Ver­kehrs­an­ge­bo­ten auf die­sem Schie­nen­netz hin­rei­chend Rech­nung getra­gen wird, Infor­ma­tio­nen über eben die­se Ver­kehrs­be­dürf­nis­se und die Ver­kehrs­an­ge­bo­te. Der Gesetz­ge­ber muss bewer­ten kön­nen, ob und wie er bei einer dau­er­haf­ten Nicht- oder Schlech­ter­fül­lung des Gewähr­leis­tungs­auf­tra­ges, die struk­tu­rell bedingt ist, nament­lich auf einer nicht hin­rei­chen­den Steue­rungs­mög­lich­keit der öffent­li­chen Hand beruht, ein­grei­fen kann oder sogar ein­grei­fen muss.
Dar­über hin­aus liegt auch die unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit der Deut­schen Bahn AG im Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung. Die Ver­ant­wort­lich­keit der Regie­rung im Kon­text demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on erstreckt sich auf alle Vor­gän­ge ein­schließ­lich des unter­neh­me­ri­schen Han­delns als Allein­ei­gen­tü­me­rin einer Akti­en­ge­sell­schaft – somit auch der Deut­schen Bahn AG –, für die über die Regie­rung demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on des Deut­schen Bun­des­ta­ges in Anspruch genom­men wird.
Grund­sätz­lich ist von der Legi­ti­ma­ti­ons­be­dürf­tig­keit der Geschäfts­tä­tig­keit öffent­li­cher Unter­neh­men aus­zu­ge­hen. Dabei genügt die maß­geb­li­che Mit­wir­kung bei der Bestel­lung der Auf­sichts­rä­te (und so mit­tel­bar der Vor­stän­de) sowie der Bestand von (auch nur mit­tel­ba­ren) Ein­wir­kungs­mög­lich­kei­ten, um die (par­la­men­ta­ri­sche) Ver­ant­wort­lich­keit der Regie­rung zu begrün­den. Nicht erfor­der­lich ist es dem­ge­gen­über, dass die Regie­rung in der Lage ist, Ein­fluss auf die kon­kret in Rede ste­hen­de Geschäfts­tä­tig­keit zu neh­men.
Nichts ande­res ergibt sich für die unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit der Deut­schen Bahn AG. Der Ver­ant­wor­tungs­zu­sam­men­hang wird nicht durch Art. 87e GG auf­ge­ho­ben, der in sei­nen Absät­zen 3 und 4 GG eine bestimm­te Form der Pri­va­ti­sie­rung für die Eisen­bah­nen des Bun­des und der ver­blei­ben­den staat­li­chen Auf­ga­ben vor­sieht, näm­lich eine Orga­ni­sa­ti­ons­pri­va­ti­sie­rung bei der­zeit vol­ler Eigen­tü­merstel­lung des Bun­des.
Eine Frei­stel­lung vom Erfor­der­nis demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on wäre auch dann nicht anzu­neh­men, wenn der Wort­laut von Art. 87e GG und die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Ver­fas­sungs­än­de­rung es nahe­leg­ten, dass über eine blo­ße Orga­ni­sa­ti­ons­pri­va­ti­sie­rung hin­aus auch eine Auf­ga­ben­pri­va­ti­sie­rung inten­diert ist und die Erbrin­gung von Eisen­bahn­diens­ten danach kei­ne unmit­tel­bar gemein­wohl­ge­bun­de­ne Ver­wal­tungs­auf­ga­be des Bun­des mehr sein soll, und zwar auch kei­ne, die die­ser mit­hil­fe eines von ihm beherrsch­ten Unter­neh­mens zu erfül­len hät­te, son­dern eine pri­vat­wirt­schaft­li­che, nach Markt­ge­set­zen ohne beson­de­re Gemein­wohl­bin­dung und mit dem Ziel der Gewinn­erzie­lung betrie­be­ne Auf­ga­be pri­vat­recht­li­cher Unter­neh­men [131].
Denn solan­ge der Bund eine Gewähr­leis­tungs­ver­ant­wor­tung sowohl für die Schie­nen­we­ge als auch für die Ver­kehrs­an­ge­bo­te trägt und die­se nicht nur über das Regu­lie­rungs­recht wahr­neh­men, son­dern zugleich als Allein­ei­gen­tü­mer der Deut­schen Bahn AG deren Geschäfts­po­li­tik im Rah­men der recht­lich bestehen­den Ein­wir­kungs­mög­lich­kei­ten und per­so­nel­len Ver­flech­tun­gen zumin­dest bis zu einem gewis­sen Gra­de beein­flus­sen kann, kann er nicht von jed­we­der Ver­ant­wor­tung für die Unter­neh­mens­füh­rung frei­ge­stellt wer­den. Im Übri­gen ist die Gewähr­leis­tungs­ver­ant­wor­tung des Bun­des nach Art. 87e Abs. 4 Satz 1 GG nicht immer klar von der grund­sätz­lich gewinn­ori­en­tier­ten Unter­neh­mens­füh­rung nach Art. 87e Abs. 3 Satz 1 GG zu tren­nen bezie­hungs­wei­se ohne Kennt­nis­se über die­se zu beur­tei­len.
Es bleibt dabei, dass jede staat­li­che Tätig­keit demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on bedarf und demo­kra­tisch ver­ant­wor­tet wer­den muss, so dass bei dem der­zei­ti­gen Stand der Ver­flech­tung von Staat und Unter­neh­men der Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung im Rah­men des par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge­rechts für die Deut­sche Bahn AG eröff­net ist.
Die Bun­des­re­gie­rung ist nicht berech­tigt, die Ant­wort auf par­la­men­ta­ri­sche Anfra­gen im Ein­zel­fall unter Ver­weis auf die Betrof­fen­heit der Grund­rech­te der Deut­schen Bahn AG (a) oder eine die­ser zuste­hen­den grund­rechts­ähn­li­chen Frei­heit (b) zu ver­wei­gern.
Die Deut­sche Bahn AG kann sich nicht auf Grund­rech­te, nament­lich auf den Schutz ihrer Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se durch Art. 12 Abs. 1 oder Art. 14 Abs. 1 GG beru­fen, da sämt­li­che Antei­le an ihr vom Staat gehal­ten wer­den. Als vom Staat voll­stän­dig beherrsch­te juris­ti­sche Per­son dient sie nicht der Aus­übung indi­vi­du­el­ler Frei­heit Ein­zel­ner.
Der Ver­weis auf die Fest­le­gung der Deut­schen Bahn AG auf erwerbs­wirt­schaft­li­che Betä­ti­gung durch Art. 87e Abs. 3 Satz 1 GG und die feh­len­de unmit­tel­ba­re Gemein­wohl­ver­pflich­tung gebie­ten kei­ne ande­re Bewer­tung. Zwar ist nicht zu ver­ken­nen, dass die Rege­lung funk­tio­nal auf das Markt­prin­zip und die damit ver­bun­de­ne wett­be­werb­li­che Gleich­stel­lung der Markt­teil­neh­mer zielt. Hier­aus lässt sich aber nicht ablei­ten und ist auch aus der Geset­zes­his­to­rie nicht ersicht­lich, dass der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber mit der Rege­lung selbst eine lex spe­cia­lis zu Art. 1 Abs. 3 bezie­hungs­wei­se Art.19 Abs. 3 GG schaf­fen und der Deut­schen Bahn AG Grund­rechts­fä­hig­keit zuspre­chen woll­te [132].
Ursprüng­li­ches Ziel der Bahn­re­form war es, die Eisen­bahn den ande­ren Ver­kehrs­trä­gern gleich­zu­stel­len, also eine strik­te Tren­nung von staat­li­cher Gewähr­leis­tungs­ver­ant­wor­tung und unter­neh­me­ri­scher Leis­tungs­er­brin­gung vor­zu­neh­men. Vie­les spricht dafür, dass damit die Her­stel­lung eines Ant­ago­nis­mus zwi­schen Staat und Bahn­un­ter­neh­men gewollt war, der pri­vat­wirt­schaft­li­che Hand­lungs­ra­tio­na­li­tä­ten im Eisen­bahn­sek­tor frei­set­zen soll­te. Damit soll­te gleich­wohl kei­ne sub­jek­tiv-recht­li­che Eman­zi­pa­ti­on der Eisen­bah­nen des Bun­des ein­her­ge­hen, die ihnen all­ge­mein Grund­rechts­fä­hig­keit ver­mit­telt.
Der Umstand, dass künf­tig hin­ter der Deut­schen Bahn AG pri­va­te Anteils­eig­ner, also grund­rechts­fä­hi­ge natür­li­che Per­so­nen, ste­hen kön­nen, zei­tigt kei­ne Vor­wir­kung auf die der­zei­ti­ge Rechts­la­ge [133].
Aus der feh­len­den Grund­rechts­be­rech­ti­gung der Deut­schen Bahn AG dürf­ten sich auch kaum wett­be­werb­li­che Nach­tei­le für die­se erge­ben. Denn die Wett­be­werbs­ord­nung des ein­fa­chen Rechts gilt grund­sätz­lich für alle Unter­neh­men glei­cher­ma­ßen und in glei­cher Aus­le­gung. Wo etwai­ge Nach­tei­le aber aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben – wie hier dem par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht – resul­tie­ren, sind sie Fol­ge der der­zeit vol­len Eigen­tü­merstel­lung des Bun­des.
Auch stat­tet Art. 87e GG die Deut­sche Bahn AG nicht mit eige­nen Rech­ten gegen­über ande­ren staat­li­chen Stel­len aus; ihr wird kein abwehr­recht­li­cher Sta­tus gegen­über (gemein­wohl­ori­en­tier­ten) Ein­wir­kun­gen des Staa­tes auf ihre Unter­neh­mens­füh­rung ver­schafft.
Es wird zwar ver­tre­ten, dass Art. 87e Abs. 3 Satz 1 GG in teleo­lo­gi­scher Aus­le­gung ein sub­jek­tiv-öffent­li­ches Recht der Eisen­bah­nen des Bun­des ent­nom­men wer­den müs­se [134]. Mit der Grund­ge­setz­än­de­rung sei­en die Eisen­bah­nen des Bun­des aus der öffent­li­chen Ver­wal­tung aus­ge­glie­dert und orga­ni­sa­to­risch, wirt­schaft­lich und finan­zi­ell ver­selb­stän­digt wor­den [135]. Ihnen kom­me ein auto­no­mer Ent­schei­dungs­spiel­raum bezüg­lich der Unter­neh­mens­po­li­tik, ins­be­son­de­re auch des ope­ra­ti­ven Geschäfts zu, in den der Bund nicht ein­grei­fen dür­fe. Die Deut­sche Bahn AG habe folg­lich eine grund­rechts­ähn­li­che Frei­heit gegen­über dem Staat als Eigen­tü­mer, die die Grund­rechts­bin­dung gegen­über dem Bür­ger unbe­rührt las­se [136].
Die­se Sicht­wei­se ver­mag jedoch nicht zu über­zeu­gen.
Ursprüng­lich war bei der Bahn eine "Ent­las­sung" in markt­wirt­schaft­li­che Struk­tu­ren gewollt. Eisen­bahn­ver­kehrs- und Eisen­bahn­in­fra­struk­tur­dienst­leis­tun­gen soll­ten, wie bei ande­ren Ver­kehrs­trä­gern auch, nach den Regeln des Mark­tes bereit­ge­stellt wer­den; auf die Leis­tungs­er­brin­gung selbst soll­te der Staat kei­nen unmit­tel­ba­ren Ein­fluss haben [137]. Das Eigen­tum an der Schie­nen­in­fra­struk­tur soll­te nicht beim Bund ver­blei­ben, um eine unter­neh­me­ri­sche Hand­ha­bung der Infra­struk­tur als Pro­duk­ti­ons­mit­tel zu ermög­li­chen [138].
Aller­dings ist die­ses Kon­zept nicht Gesetz gewor­den. Der Bun­des­rat hat sei­nen Wider­stand gegen eine voll­stän­di­ge Kapi­tal­pri­va­ti­sie­rung und sei­nen abwei­chen­den Vor­schlag, das Schie­nen­netz im unmit­tel­ba­ren Eigen­tum des Bun­des zu belas­sen, mit dem zu gerin­gen Ein­fluss auf pri­va­te Eigen­tü­mer begrün­det [139]. Dies hat zu dem Kom­pro­miss geführt, wonach zwar nicht das Eigen­tum am Schie­nen­netz, wohl aber die Mehr­heit an dem Unter­neh­men, auf das die Infra­struk­tur über­geht, beim Bund ver­blei­ben muss (Art. 87e Abs. 3 Satz 2 und 3 GG) und die­sen eine Gewähr­leis­tungs­ver­ant­wor­tung trifft (Art. 87e Abs. 4 GG).
Die Vor­schrift des Art. 87e GG wur­de in ers­ter Linie als Frei­stel­lung von staats­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Bin­dun­gen (Art. 87 Abs. 1 Satz 1 GG a.F.) ver­stan­den [140]; für eine beab­sich­tig­te sub­jek­tiv-recht­li­che Ermäch­ti­gung der Deut­schen Bahn AG ist nichts ersicht­lich. Die Rege­lung eines sol­chen Rechts wäre über­dies unvoll­kom­men, da eine Mög­lich­keit der ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Durch­set­zung nicht geschaf­fen wor­den ist.
Das (fis­ka­li­sche) Inter­es­se des Staa­tes am Schutz ver­trau­li­cher Infor­ma­tio­nen sei­ner (Beteiligungs-)Unternehmen stellt einen ver­fas­sungs­recht­li­chen Staats­wohl­be­lang dar.
Der ein­fach­recht­lich gewähr­te Schutz der Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se kann das ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­te Fra­ge- und Aus­kunfts­recht des Par­la­ments gegen­über der Regie­rung zwar nicht unmit­tel­bar ein­schrän­ken, mit­tel­bar aber inso­weit, als er sei­ner­seits dem Schutz öffent­li­cher Belan­ge, die ver­fas­sungs­recht­lich anzu­er­ken­nen sind, dient. Die Offen­le­gung von Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen des in öffent­li­cher Hand befind­li­chen Unter­neh­mens kann Aus­wir­kun­gen auf den Wert der gehal­te­nen Antei­le oder auf das Geschäfts­er­geb­nis haben, letz­te­res mit der Fol­ge, dass sich die Gewinn­ab­schöp­fung min­dert oder Zuschüs­se aus dem öffent­li­chen Haus­halt erfor­der­lich oder umfäng­li­cher wer­den. Auch wenn pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­te Unter­neh­men, die sich ganz oder mehr­heit­lich in öffent­li­cher Hand befin­den, kei­nen Grund­rechts­schutz genie­ßen, besteht doch zumin­dest ein auch ver­fas­sungs­recht­lich aner­ken­nens­wer­tes öffent­li­ches Inter­es­se dar­an, dass deren Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se geschützt wer­den. Andern­falls könn­te der Staat nicht über sol­che Gesell­schaf­ten mit dem Ziel wirt­schaft­lich erfolg­rei­chen Han­delns am Markt teil­neh­men, was das Grund­ge­setz aber in den Art. 87e und 87f GG aus­drück­lich vor­sieht.
Das öffent­li­che Inter­es­se an der mög­lichst effek­ti­ven Ver­wen­dung staat­li­cher Gel­der ist zudem berührt, weil die Offen­ba­rung von Kos­ten­struk­tu­ren und Bud­gets Aus­wir­kun­gen auf die Ange­bo­te der Werk­un­ter­neh­mer haben kann. Eine Ver­teue­rung von Infra­struk­tur­maß­nah­men kann eben­falls höhe­re Zuschüs­se des Bun­des erfor­der­lich machen. Betrof­fen ist das Inter­es­se an der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der EIU, das sich im Gewähr­leis­tungs­auf­trag des Art. 87e Abs. 4 GG nie­der­schlägt.
Das Grund­ge­setz geht zwar, wie Art. 87e GG zeigt, davon aus, dass der Staat auch unter­neh­me­risch im Wett­be­werb am Markt tätig sein oder sich an pri­va­ten Unter­neh­men betei­li­gen kann. Damit ist offen­bar die Vor­stel­lung ver­bun­den, dass sich der Staat bei der Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben die Kräf­te des Mark­tes zunut­ze machen oder eine Auf­ga­be sogar ganz in den Markt ent­las­sen kann. Durch eine hohe Trans­pa­renz sei­ner (Beteiligungs-)Unternehmen wür­den die­se (nicht unum­strit­te­nen) posi­ti­ven Effek­te mög­li­cher­wei­se beein­träch­tigt oder besei­tigt. Aller­dings dürf­te aus­zu­schlie­ßen sein, dass der Staat hier­durch gehin­dert wür­de, die ihm oblie­gen­den Auf­ga­ben über­haupt noch zu erfül­len. Letzt­lich ste­hen also in ers­ter Linie fis­ka­li­sche Inter­es­sen im Raum, die zwar nicht uner­heb­lich, aber mit einer Bedro­hung der Sicher­heit oder gar des Bestan­des des Bun­des oder eines Lan­des nicht ver­gleich­bar sind.
Die Antrags­geg­ne­rin hat die Gren­zen ihrer Ant­wort­pflicht bei der Beant­wor­tung der streit­ge­gen­ständ­li­chen Fra­gen betref­fend den The­men­kom­plex Deut­sche Bahn AG ver­kannt und hier­durch Rech­te der Antrag­stel­ler und des Deut­schen Bun­des­ta­ges aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 und Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG ver­letzt.
Die Antrags­geg­ne­rin hat ihrer Ant­wort­pflicht in Bezug auf die Klei­ne Anfra­ge "Ful­da-Run­den der Deut­schen Bahn AG und Finan­zie­rungs­ver­ein­ba­run­gen zu Bedarfs­plan­pro­jek­ten" [1] nicht genügt.
Indem die Antrags­geg­ne­rin auf die Fra­gen 1 bis 3 die­ser Klei­nen Anfra­ge hin­sicht­lich der in den "Ful­da-Run­den" ein­ge­stell­ten Gesamt­kos­ten für Bedarfs­plan­pro­jek­te die Ant­wort unter Hin­weis auf die Unmög­lich­keit der Vor­la­ge einer ent­spre­chen­den Auf­stel­lung ver­wei­gert hat, hat sie das Fra­ge­recht des Antrag­stel­lers zu 3. und der Bun­des­tags­frak­ti­on in ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­si­ger Wei­se ver­kürzt. Die Ant­wort kann nicht durch Ver­weis auf die Nicht­exis­tenz jähr­lich und ein­heit­lich erstell­ter Lis­ten für die statt­ge­fun­de­nen "Ful­da-Run­den" ver­wei­gert wer­den.
Hin­sicht­lich der Ful­da-Lis­ten ist zunächst fest­zu­hal­ten, dass die Bun­des­re­gie­rung deren Exis­tenz impli­zit ein­räumt, wenn sie mit­teilt, es gebe "bei­spiels­wei­se" für die Bespre­chung aus dem März 2010 kei­ne sol­che Lis­te, und die­se Lis­ten sei­en im Übri­gen nicht ein­heit­lich. Erst­mals mit der Antrags­er­wi­de­rung im Ver­fah­ren wur­de behaup­tet, die Infor­ma­tio­nen exis­tier­ten nicht und könn­ten von der Antrags­geg­ne­rin auch nicht beschafft wer­den. Die­se Behaup­tung steht aller­dings erneut im Wider­spruch zu der schrift­sätz­li­chen Erläu­te­rung, auf­grund geän­der­ter inhalt­li­cher Schwer­punk­te der "Ful­da-Kon­fe­ren­zen" sei die Form der vor­han­de­nen Ergeb­nis­dar­stel­lung sehr unter­schied­lich. Damit wird wie­der­um bestä­tigt, dass es durch­aus Lis­ten gibt, aller­dings in unter­schied­li­cher Dar­stel­lungs­form. Wenn 2010 kei­ne Lis­te erstellt wur­de, so ist hier­mit nicht erläu­tert, wes­halb die erbe­te­nen Lis­ten für die wei­te­ren Jah­re seit 2004 nicht vor­ge­legt wer­den kön­nen. Die Ertei­lung von Teil­ant­wor­ten steht nicht im frei­en Ermes­sen der Regie­rung. Die­se ist viel­mehr ver­pflich­tet, eine sol­che Teil­ant­wort zu geben, wenn eine voll­stän­di­ge Beant­wor­tung der Fra­ge nicht mög­lich ist [141].
Auch der Ein­wand, die tat­säch­lich vor­han­de­nen Lis­ten sei­en nicht ein­heit­lich und nicht in der erfor­der­li­chen Form ver­füg­bar, kann für sich genom­men eine voll­stän­di­ge Ant­wort­ver­wei­ge­rung nicht recht­fer­ti­gen, schon weil damit weder eine recht­li­che oder fak­ti­sche Unmög­lich­keit behaup­tet noch sonst auf einen aner­kann­ten Ant­wort­ver­wei­ge­rungs­grund Bezug genom­men wird. Im Übri­gen ist es Sache der Fra­ge­stel­ler, dar­über zu befin­den, ob sie die­se für eine Beur­tei­lung der anste­hen­den Prio­ri­sie­run­gen der Bedarfs­plan­pro­jek­te nut­zen kön­nen.
Soweit die Antrags­geg­ne­rin anführt, die "Ful­da-Run­den" wür­den ledig­lich auf Arbeits­ebe­ne geführt, wäh­rend die Ent­schei­dun­gen über die Prio­ri­sie­rung von Vor­ha­ben in Gesprä­chen zwi­schen dem Vor­stand der Deut­schen Bahn AG und der Bun­des­re­gie­rung getrof­fen wür­den, ist in Rech­nung zu stel­len, dass die Antrag­stel­ler nicht nach den Ent­schei­dun­gen selbst gefragt haben, son­dern nach den die­sen zugrun­de lie­gen­den Tat­sa­chen, näm­lich den soge­nann­ten Ful­da-Lis­ten. Inso­weit ver­mag der Hin­weis der Antrags­geg­ne­rin auf den feh­len­den Ent­schei­dungs­cha­rak­ter der "Ful­da-Run­den" die Ver­wei­ge­rung einer Beant­wor­tung der Fra­gen nicht zu recht­fer­ti­gen. Unge­ach­tet des­sen setzt eine sach­ge­rech­te Bewer­tung von Ent­schei­dun­gen gera­de die Kennt­nis des Kon­texts und des Infor­ma­ti­ons­stands vor­aus, an dem Ent­schei­dungs­trä­ger ihr Ver­hal­ten aus­rich­ten [142].
Die Ant­wort auf die Fra­gen 4 und 5 der Klei­nen Anfra­ge "Ful­da-Run­den der Deut­schen Bahn AG und Finan­zie­rungs­ver­ein­ba­run­gen zu Bedarfs­plan­pro­jek­ten" [1] hat die Antrags­geg­ne­rin eben­falls zu Unrecht ver­wei­gert.
Die Antrags­geg­ne­rin hat die Ant­wort auf die­se Fra­gen mit der Begrün­dung abge­lehnt, die Höhe der vom Bund finan­zier­ten zuwen­dungs­fä­hi­gen Kos­ten vari­ie­re von Vor­ha­ben zu Vor­ha­ben. Eine ent­spre­chen­de Sta­tis­tik lie­ge der Bun­des­re­gie­rung nicht vor, und es sei in Anbe­tracht von rund 60 lau­fen­den Finan­zie­rungs­ver­ein­ba­run­gen zu Bedarfs­plan­vor­ha­ben sowie einer jähr­li­chen Anpas­sungs­ver­ein­ba­rung, die eine Viel­zahl der Vor­ha­ben fort­schrei­be, nicht mög­lich, eine sol­che kurz­fris­tig zu erstel­len.
Mit die­ser Begrün­dung behaup­tet die Antrags­geg­ne­rin nicht die Unmög­lich­keit der Beant­wor­tung der Anfra­ge, son­dern ledig­lich das Unver­mö­gen, die­se inner­halb der Zwei-Wochen-Frist des § 104 Abs. 2 Halbs. 1 GO-BT zu beant­wor­ten. Dies stellt kei­ne hin­rei­chen­de Begrün­dung für die Ant­wort­ver­wei­ge­rung dar. Die Frist für die Beant­wor­tung einer Klei­nen Anfra­ge kann nach § 104 Abs. 2 Halbs. 2 GO-BT durch den Prä­si­den­ten des Bun­des­ta­ges im Beneh­men mit dem Fra­ge­stel­ler ver­län­gert wer­den. Die Antrags­geg­ne­rin hat nicht vor­ge­tra­gen, einen sol­chen Antrag erfolg­los gestellt zu haben [119].
Soweit die Antrags­geg­ne­rin nach­träg­lich mit Schrei­ben vom 07.01.2011 die Unzu­mut­bar­keit der Auf­be­rei­tung behaup­tet, weil dies den Zeit­rah­men zur Beant­wor­tung von Klei­nen Anfra­gen bei wei­tem spren­gen und erheb­li­che Tei­le der per­so­nel­len Kapa­zi­tä­ten bin­den wür­de, ohne zu gewähr­leis­ten, dass aus den Ergeb­nis­sen tat­säch­lich die gewünsch­ten Aus­sa­gen ableit­bar sind, wird dies dem Rang des par­la­men­ta­ri­schen Aus­kunfts­rechts nicht gerecht. Die Bun­des­re­gie­rung tref­fen im Rah­men des Zumut­ba­ren grund­sätz­lich auch Rekon­struk­ti­ons­pflich­ten [143]. Schließ­lich darf die Regie­rung bei etwai­ger Unzu­mut­bar­keit einer voll­stän­di­gen Ant­wort eine Teil­ant­wort – im Sin­ne einer auf erkenn­bar unvoll­stän­di­ger Infor­ma­ti­ons­er­he­bung grün­den­den Ant­wort – nicht allein mit der Begrün­dung ver­wei­gern, sie schul­de nur voll­stän­di­ge Ant­wor­ten. Soll­te auch dies nicht mög­lich sein, müss­te die Bun­des­re­gie­rung zumin­dest den Auf­wand, der die Unzu­mut­bar­keit begrün­den soll, so umschrei­ben, dass die Fra­ge­stel­ler die­sen auf Plau­si­bi­li­tät und den Schluss der Unzu­mut­bar­keit auf sei­ne Rich­tig­keit über­prü­fen kön­nen.
Die Antrags­geg­ne­rin hat fer­ner ihrer Ant­wort­pflicht in Bezug auf Fra­ge 13 der Klei­nen Anfra­ge "Ful­da-Run­den der Deut­schen Bahn AG und Finan­zie­rungs­ver­ein­ba­run­gen zu Bedarfs­plan­pro­jek­ten" zu den Gewinn­pla­nun­gen 2011 bis 2014 [1] nicht genügt, soweit sie ange­führt hat, die Zah­len unter­lä­gen der Ver­schwie­gen­heits­pflicht nach §§ 116, 395 AktG.
Die schlich­te Beru­fung auf die Ver­schwie­gen­heits­pflich­ten des Akti­en­rechts ist zur Begrün­dung der Ant­wort­ver­wei­ge­rung nicht aus­rei­chend. Die Fra­ge, ob das aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG und Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG abge­lei­te­te Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht des Bun­des­ta­ges gegen­über der Regie­rung eine (ver­fas­sungs­kon­for­me) Aus­le­gung der §§ 394, 395 AktG erfor­dert, wonach stets eine öffent­li­che Infor­ma­ti­on des Bun­des­ta­ges zu erfol­gen hat, die auch eine Ver­öf­fent­li­chung als Bun­des­tags­druck­sa­che erlaubt, bedarf an die­ser Stel­le kei­ner Ent­schei­dung, da die Antrags­geg­ne­rin die Ant­wort gänz­lich ver­wei­gert hat.
Auch die Ant­wort auf die Fra­ge 16 der Klei­nen Anfra­ge zur Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nung für das Pro­jekt "Stutt­gart 21" [2] hat die Antrags­geg­ne­rin in ver­fas­sungs­recht­lich zu bean­stan­den­der Wei­se ver­wei­gert. Die Ant­wort, wonach die durch den Wirt­schafts­prü­fer ein­ge­se­he­nen Daten Arbeits­un­ter­la­gen sei­en, die der berufs­stän­di­schen Ver­schwie­gen­heits­pflicht der Wirt­schafts­prü­fer nach § 43 der WiPrO sowie der mit der Deut­schen Bahn AG abge­schlos­se­nen Ver­trau­lich­keits­ver­ein­ba­rung unter­lie­gen, stellt kei­ne hin­rei­chen­de Begrün­dung für eine voll­stän­di­ge Ant­wort­ver­wei­ge­rung dar.
Nach § 43 Abs. 1 Satz 1 WiPrO hat der Wirt­schafts­prü­fer sei­nen Beruf unab­hän­gig, gewis­sen­haft, ver­schwie­gen und eigen­ver­ant­wort­lich aus­zu­üben. Hier­aus ergibt sich die Pflicht des Wirt­schafts­prü­fers, die Unter­la­gen des Auf­trag­ge­bers Drit­ten gegen­über ver­trau­lich zu behan­deln. Die Rege­lung dient dem Schutz des Ver­trau­ens der Man­dan­ten und der Öffent­lich­keit in den Berufs­stand des Wirt­schafts­prü­fers [144].
Es ist schon ein­fach­recht­lich nicht ersicht­lich, wes­halb die allein den Wirt­schafts­prü­fer tref­fen­de Ver­schwie­gen­heits­pflicht die Antrags­geg­ne­rin dar­an hin­dern soll­te, mit­zu­tei­len, wel­che Daten die Wirt­schafts­prü­fer bei der Deut­schen Bahn AG ange­for­dert haben. Dies gilt umso mehr, als die Antrags­geg­ne­rin nach eige­nem Vor­brin­gen das Gut­ach­ten zur Über­prü­fung der Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nung der Deut­schen Bahn AG für das Pro­jekt "Stutt­gart 21" wegen mög­li­cher Fol­gen für den Bund als Eigen­tü­mer selbst in Auf­trag gege­ben hat. Inso­fern ver­mag auch das – erst im Ver­fah­ren vor­ge­brach­te – Argu­ment nicht zu über­zeu­gen, bei dem Pro­jekt "Stutt­gart 21" han­de­le es sich um ein eigen­wirt­schaft­li­ches Pro­jekt der Deut­schen Bahn AG und nicht um ein Bedarfs­plan­pro­jekt, so dass die Zugriffs­mög­lich­kei­ten des Bun­des und damit der Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Regie­rung stark beschränkt sei­en.
Soweit sich die Antrags­geg­ne­rin in ihrer Ant­wort­ver­wei­ge­rung auf eine ver­trag­li­che Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Deut­schen Bahn AG und der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft beru­fen hat, kann dies die Ant­wort­ver­wei­ge­rung eben­falls nicht recht­fer­ti­gen. Es ist schon nicht dar­ge­tan, dass sich die Deut­sche Bahn AG ihrer­seits gegen­über den Wirt­schafts­prü­fern ver­trag­lich ver­pflich­tet hat, über die gut­ach­ter­li­che Prü­fung und deren Ergeb­nis Still­schwei­gen zu bewah­ren. Im Übri­gen hat die Antrags­geg­ne­rin nicht gel­tend gemacht, ihr lägen die erfrag­ten Infor­ma­tio­nen nicht vor, etwa weil die Deut­sche Bahn AG unter Beru­fung auf die Ver­ein­ba­rung die Wei­ter­ga­be ver­wei­gert hät­te. Es erschie­ne auch nicht plau­si­bel, dass ihr als Auf­trag­ge­be­rin des Gut­ach­tens die erfrag­ten Infor­ma­tio­nen nicht vor­lie­gen.
Die erst im Organ­streit­ver­fah­ren vor­ge­brach­te Behaup­tung, das Gut­ach­ten, auf das Fra­ge 16 der Klei­nen Anfra­ge "Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nung für Stutt­gart 21" gerich­tet sei, ent­hal­te Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se der Deut­schen Bahn AG, die zum unter­neh­me­ri­schen Kern­be­reich zähl­ten, und des­halb sei eine Wei­ter­ga­be der Infor­ma­tio­nen ohne Ein­wil­li­gung der Deut­schen Bahn AG nicht zuläs­sig, ver­mag die Ant­wort­ver­wei­ge­rung nicht nach­träg­lich zu recht­fer­ti­gen. Zum einen hät­te sie schon bei der Ant­wort­ver­wei­ge­rung selbst auf­ge­stellt wer­den müs­sen. Zum ande­ren ist sie uner­heb­lich. Die streit­ge­gen­ständ­li­che Fra­ge rich­tet sich nicht auf das Gut­ach­ten als Gan­zes, son­dern nur dar­auf, wel­che über die Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nung hin­aus­ge­hen­den Daten die Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft bei der Deut­schen Bahn AG ange­for­dert hat. Es hät­te nähe­rer Dar­le­gung bedurft, wes­halb die Ant­wort auf die­se Anfra­ge ein Betriebs- oder Geschäfts­ge­heim­nis beinhal­ten soll. Gegen die Behaup­tung, das Gut­ach­ten betref­fe den unter­neh­me­ri­schen Kern­be­reich, spricht auch das eige­ne Vor­brin­gen der Antrags­geg­ne­rin, die Regie­rung habe das Gut­ach­ten wegen mög­li­cher mit­tel­ba­rer Fol­gen für den Bund als Eigen­tü­mer der Deut­schen Bahn AG aus­nahms­wei­se in Auf­trag gege­ben.
Die Antrags­geg­ne­rin durf­te die Ant­wort auf die Fra­gen 1 bis 14 der Klei­nen Anfra­ge "Zug­ver­spä­tun­gen" [3] nicht mit der Begrün­dung ver­wei­gern, die erfrag­ten Infor­ma­tio­nen gehör­ten voll­stän­dig in den Bereich der Geschäfts­tä­tig­kei­ten der Deut­schen Bahn AG und ihr lägen die­se nicht vor.
Die unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit der Deut­schen Bahn AG fällt in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung, die die 100%ige Betei­li­gung des Bun­des an die­sem Unter­neh­men ver­wal­tet. Dar­über hin­aus betrifft die Pro­ble­ma­tik erheb­li­cher Ver­spä­tun­gen im Zug­ver­kehr der Deut­schen Bahn AG auch den Gewähr­leis­tungs­auf­trag des Bun­des nach Art. 87e Abs. 4 Satz 1 GG, dass dem Wohl der All­ge­mein­heit, ins­be­son­de­re den Ver­kehrs­be­dürf­nis­sen, beim Aus­bau und Erhalt des Schie­nen­net­zes der Eisen­bah­nen des Bun­des sowie bei deren Ver­kehrs­an­ge­bo­ten auf die­sem Schie­nen­netz, soweit die­se nicht den Schie­nen­per­so­nen­nah­ver­kehr betref­fen, Rech­nung getra­gen wird.
Die Ant­wort­ver­wei­ge­rung der Bun­des­re­gie­rung könn­te allen­falls unter dem Gesichts­punkt der Unmög­lich­keit gerecht­fer­tigt sein. Die Bun­des­re­gie­rung ist zunächst nur ver­pflich­tet, die bei ihr tat­säch­lich vor­han­de­nen Infor­ma­tio­nen mit­zu­tei­len. Dar­über hin­aus ist sie ver­pflich­tet, die ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den recht­li­chen und fak­ti­schen Ein­wir­kungs­rech­te auf das pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­te öffent­li­che Unter­neh­men zu nut­zen, um die erfrag­ten Infor­ma­tio­nen zu beschaf­fen. Bei ihrer Ant­wort­ver­wei­ge­rung muss die Bun­des­re­gie­rung ange­ben, wel­che Bemü­hun­gen sie ent­fal­tet hat, um ent­spre­chen­de Infor­ma­tio­nen zu erlan­gen. Mit ihrer im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren gerüg­ten Ant­wort zeigt die Bun­des­re­gie­rung hin­ge­gen, dass sie bereits den sie tref­fen­den Ver­ant­wor­tungs­be­reich ver­kannt und sich daher über­haupt nicht um die Erlan­gung der Anga­ben zu den Zug­ver­spä­tun­gen und den dies­be­züg­li­chen Grün­den bemüht hat.
Par­la­men­ta­ri­sche Anfra­gen zur Finanz­markt­auf­sicht[↑]
Der Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung erstreckt sich auf die Finanz­markt­auf­sicht und auf von ihr beherrsch­te Finanz­in­sti­tu­te.
Er ist im Rah­men des Hier­ar­chie­prin­zips ohne wei­te­res eröff­net, soweit es um Infor­ma­tio­nen geht, die bei nach­ge­ord­ne­ten Behör­den vor­lie­gen.
Die Ban­ken­auf­sicht wird in Deutsch­land von der BaFin und der Bun­des­bank gemein­sam aus­ge­übt (§ 7 KWG). Die BaFin ist gemäß § 1 Abs. 1 Gesetz über die Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sichts­ge­setz – Fin­DAG) im Geschäfts­be­reich des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen errich­tet wor­den und unter­steht nach § 2 Fin­DAG des­sen Rechts- und Fach­auf­sicht.
Kei­ne nach­ge­ord­ne­te Behör­de – und damit nicht im Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung tätig – ist hin­ge­gen die Deut­sche Bun­des­bank, die nach § 2 Satz 1 Gesetz über die Deut­sche Bun­des­bank (Bun­des­bankG) eine bun­des­un­mit­tel­ba­re juris­ti­sche Per­son des öffent­li­chen Rechts und nach § 12 Satz 1 Bun­des­bankG bei der Aus­übung ihrer Befug­nis­se von Wei­sun­gen der Bun­des­re­gie­rung unab­hän­gig ist.
Der Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung erstreckt sich auch auf von ihr beherrsch­te Finanz­in­sti­tu­te.
Die streit­ge­gen­ständ­li­chen Fra­gen bezie­hen sich zum Teil auf Ban­ken, die im Zuge von Ret­tungs­maß­nah­men in der Finanz­kri­se ver­staat­licht wur­den. So wird die Hypo Real Esta­te Hol­ding AG (nun GmbH) seit dem 13.10.2009 zu 100 % vom SoFFin gehal­ten und stellt aus­weis­lich der Ent­spre­chens­er­klä­rung des Vor­stands und des Auf­sichts­rats der Hypo Real Esta­te Hol­ding AG zum Public Cor­po­ra­te Gover­nan­ce Kodex des Bun­des vom 31.03.2016 eine 100%ige Betei­li­gung des Bun­des dar. Der Anteil der staat­li­chen KfW an der IKB betrug vor dem Ver­kauf an den Inves­tor Lone Star nach einer Kapi­tal­erhö­hung im August 2008 über 90, 8 % [145]. An der Com­merz­bank AG hielt der Bund hin­ge­gen im streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum 2011 nur 25 % und eine Aktie [146]; der­zeit ist er nur noch mit etwa 15 % betei­ligt [147].
Die Funk­ti­ons­fä­hig­keit staat­li­cher Auf­sicht über Finanz­in­sti­tu­te, die Sta­bi­li­tät des Finanz­mark­tes und der Erfolg staat­li­cher Stüt­zungs­maß­nah­men in der Finanz­kri­se sind Belan­ge des Staats­wohls, die die Ant­wort­pflicht der Bun­des­re­gie­rung auf par­la­men­ta­ri­sche Fra­gen beschrän­ken kön­nen.
Das Grund­ge­setz selbst ent­hält kei­ne aus­drück­li­che Rege­lung, aus der sich die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Auf­sicht über die Ban­ken und den Finanz­markt als Rechts- bezie­hungs­wei­se Schutz­gut von Ver­fas­sungs­rang ablei­ten lässt. Ange­sichts der Bedeu­tung des Finanz­mark­tes, des­sen Pro­ble­me – wie sich im Zuge der Finanz­kri­se gezeigt hat – auch auf die Real­wirt­schaft durch­schla­gen, liegt aber auf der Hand, dass die staat­li­che Auf­sicht über die auf die­sem Markt täti­gen Finanz­in­sti­tu­te und die Regu­lie­rung die­ser Tätig­keit eine wich­ti­ge Funk­ti­on ist, die im ele­men­ta­ren Inter­es­se des Staa­tes liegt. Die Auf­sicht dient der Bewäl­ti­gung markt­spe­zi­fi­scher Risi­ken und bil­det eine wesent­li­che Rah­men­be­din­gung des­je­ni­gen Mark­tes, auf dem die in Anspruch genom­me­nen Unter­neh­men tätig sind. Die staat­li­che Auf­sichts­tä­tig­keit soll daher das Inter­es­se der All­ge­mein­heit an einer funk­ti­ons­fä­hi­gen Gesamt­wirt­schaft schüt­zen [148]. Die Auf­sicht über Kre­dit- und Finanz­dienst­leis­tungs­in­sti­tu­te dient ins­be­son­de­re dazu, Miss­stän­den im Kre­dit- und Finanz­dienst­leis­tungs­we­sen ent­ge­gen­zu­wir­ken, wel­che die Sicher­heit der den Insti­tu­ten anver­trau­ten Ver­mö­gens­wer­te gefähr­den, die ord­nungs­mä­ßi­ge Durch­füh­rung der Bank­ge­schäf­te oder Finanz­dienst­leis­tun­gen beein­träch­ti­gen oder erheb­li­che Nach­tei­le für die Gesamt­wirt­schaft her­bei­füh­ren kön­nen (§ 6 Abs. 2 KWG).
Zwar bedarf es zur Gel­tend­ma­chung eines Geheim­hal­tungs­grun­des kei­ner im Ein­zel­fall beleg­ba­ren Gefähr­dung der Kon­troll- und Auf­sichts­tä­tig­keit der Behör­de. Es genügt die durch Tat­sa­chen beleg­te kon­kre­te Mög­lich­keit, dass durch eine Infor­ma­ti­ons­wei­ter­ga­be an den Deut­schen Bun­des­tag gene­rell die Aus­übung der Kon­troll- und Auf­sichts­auf­ga­ben der Behör­de nach­tei­lig beein­flusst wird. Erschwe­run­gen der behörd­li­chen Auf­ga­ben­wahr­neh­mung oder nicht auf kon­kre­ten Tat­sa­chen beru­hen­de Annah­men eines mög­li­chen Rück­gangs der Koope­ra­ti­ons­be­reit­schaft der beauf­sich­tig­ten Unter­neh­men als Fol­ge der Bekannt­ga­be der Infor­ma­tio­nen genü­gen aber nicht, zumal der Gesetz­ge­ber davon aus­geht, dass auf der Grund­la­ge der gesetz­li­chen Mit­wir­kungs­pflich­ten die Auf­ga­ben effek­tiv zu bewäl­ti­gen sind. Wür­de allein der in den Vor­der­grund der Über­le­gun­gen gestell­te Umstand, dass die BaFin bei ihrer Auf­ga­ben­er­fül­lung auf die frei­wil­li­ge Mit­ar­beit der beauf­sich­tig­ten Finanz­in­sti­tu­te ange­wie­sen sei und folg­lich bei jed­we­der Ein­schrän­kung die­ser Koope­ra­ti­on zwangs­läu­fig in ihrer Tätig­keit behin­dert wer­de, als aus­rei­chend betrach­tet, käme dies letzt­lich einem voll­stän­di­gen Aus­schluss des Zugangs zu den der BaFin in ihrer Auf­sichts- und Kon­troll­tä­tig­keit nach dem KWG über­mit­tel­ten Infor­ma­tio­nen und damit in der Sache einer Bereichs­aus­nah­me gleich [149]. Soll­ten die gesetz­li­chen Befug­nis­se der BaFin nicht aus­rei­chen, um ihrer Auf­ga­be als Auf­sichts­be­hör­de hin­rei­chend nach­zu­kom­men, und soll­te sie daher tat­säch­lich zwin­gend auf die frei­wil­li­ge und über­ob­li­ga­to­ri­sche Preis­ga­be von Infor­ma­tio­nen durch die beauf­sich­tig­ten Finanz­in­sti­tu­te ange­wie­sen sein, so wäre hier jeden­falls gesetz­ge­be­risch nach­zu­steu­ern.
Bei der Ein­schät­zung, ob und in wel­chem Aus­maß nach­tei­li­ge Aus­wir­kun­gen tat­säch­lich zu erwar­ten sind, ist schließ­lich zu berück­sich­ti­gen, dass in ande­ren Staa­ten die dor­ti­gen Auf­sichts­be­hör­den – ohne Funk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gun­gen – durch­aus einer legis­la­ti­ven Kon­trol­le sowie damit ver­bun­de­ner Berichts­pflich­ten unter­fal­len und daher weit­ge­hen­de Trans­pa­renz her­ge­stellt wird.
So sind das ame­ri­ka­ni­sche Federal Reser­ve Sys­tem (Fed) und des­sen zen­tra­les Füh­rungs­or­gan, das Board of Gover­nors of the Federal Reser­ve Sys­tem (FRB), zwar recht­lich unab­hän­gig und kei­nen Wei­sun­gen unter­wor­fen. Die Fed beschreibt sich selbst aber als unab­hän­gi­ge Regie­rungs­be­hör­de, die gegen­über der Öffent­lich­keit und dem Kon­gress rechen­schafts­pflich­tig ist. Eine Rück­kopp­lung an den Kon­gress erfolgt über umfang­rei­che Berichts­pflich­ten [150]. Das FRB, des­sen Mit­glie­der vom Prä­si­den­ten mit Zustim­mung des Senats ("by and with the advice and con­sent of the sena­te") ernannt wer­den, wird in der Lite­ra­tur sogar als "inde­pen­dent agen­cy des Kon­gres­ses" bezeich­net [151].
Auch die Finan­cial Ser­vices Aut­ho­ri­ty (FSA) des Ver­ei­nig­ten König­reichs ist gegen­über dem Finanz­mi­nis­te­ri­um und damit mit­tel­bar gegen­über dem Par­la­ment ver­ant­wort­lich. So wird der dem Finanz­mi­nis­te­ri­um vor­zu­le­gen­de Tätig­keits­be­richt über die­ses an das Par­la­ment wei­ter­ge­lei­tet. Die FSA wird regel­mä­ßig zu Sit­zun­gen des Finanz­aus­schus­ses (Tre­a­su­ry Select Com­mit­tee) gela­den und dort ange­hört [152].
Cha­rak­te­ris­tisch für den Finanz­markt ist, dass Fehl­ent­wick­lun­gen, denen die Auf­sicht vor­beu­gen soll, nicht nur das ein­zel­ne Insti­tut, son­dern in beson­de­rem Maße den Markt ins­ge­samt betref­fen. Es han­delt sich um ein ver­netz­tes Markt­sys­tem wech­sel­sei­ti­ger Abhän­gig­kei­ten, das in beson­de­rem Maß vom Ver­trau­en der Markt­teil­neh­mer in hin­rei­chen­de Kon­troll­me­cha­nis­men abhän­gig ist [153]. Die Begrün­dung zum Regie­rungs­ent­wurf des Kre­dit­we­sen­ge­set­zes [154] hebt her­vor, dass der Finanz­markt wie kaum ein ande­rer Wirt­schafts­zweig für sei­ne Tätig­keit das unein­ge­schränk­te Ver­trau­en der Öffent­lich­keit in die Sicher­heit und das soli­de Geschäfts­ge­ba­ren des gesam­ten Gewer­bes zur Vor­aus­set­zung hat. Füh­ren Schwie­rig­kei­ten eines Insti­tuts zu Ver­lus­ten der Ein­le­ger, kann dadurch leicht auch das Ver­trau­en in die ande­ren Insti­tu­te beein­träch­tigt wer­den. Außer­dem wir­ken sich erns­te­re Schwie­rig­kei­ten im Finanz­markt wegen des­sen volks­wirt­schaft­lich zen­tra­ler Stel­lung erfah­rungs­ge­mäß auch auf ande­re Wirt­schafts­zwei­ge aus [148].
Trotz des Ein­schät­zungs- und Pro­gno­se­spiel­raums der Bun­des­re­gie­rung hin­sicht­lich der Abge­schlos­sen­heit der Finanz­kri­se und der in die­sem Zusam­men­hang ergrif­fe­nen auf­sicht­li­chen Maß­nah­men sowie des Aus­ma­ßes der mit einer Offen­le­gung ein­her­ge­hen­den Beein­träch­ti­gung, ins­be­son­de­re der ins Feld geführ­ten irra­tio­na­len Reak­tio­nen der hoch sen­si­blen Märk­te, kann dies nicht dazu füh­ren, dass Trans­pa­renz und demo­kra­ti­sche Kon­trol­le wäh­rend der Finanz­kri­se unein­ge­schränkt hin­ten­an ste­hen müs­sen und gleich­zei­tig die­ses Argu­ment auf lan­ge Zeit fort­wirkt.
Dabei ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass Trans­pa­renz als Mit­tel zur Markt­dis­zi­pli­nie­rung dient.
Der Bas­ler Aus­schuss für Ban­ken­auf­sicht hat bereits 1998 in sei­nem Bericht zur Bedeu­tung von Infor­ma­tio­nen für eine wirk­sa­me Markt­dis­zi­plin und eine wirk­sa­me Ban­ken­auf­sicht fest­ge­hal­ten, dass Trans­pa­renz Sicher­heit und Soli­di­tät des Bank­we­sens schaf­fe. Die regel­mä­ßi­ge Offen­le­gung von aktu­el­len und ver­läss­li­chen Infor­ma­tio­nen habe für den Markt beson­de­re Bedeu­tung, da Trans­pa­renz Ver­trau­en auf­bau­en, den Zugang zu den Kapi­tal­märk­ten ver­bes­sern und Markt­un­si­cher­hei­ten ver­rin­gern kön­ne. Wenn Markt­teil­neh­mer "wohl­in­for­mier­te" Ent­schei­dun­gen tref­fen könn­ten, för­de­re dies ein "effi­zi­en­te­res und umsich­ti­ges" Ver­hal­ten der Ban­ken und aller Markt­teil­neh­mer. Eine früh­zei­ti­ge Offen­le­gung kön­ne das Aus­maß von Markt­stö­run­gen ver­rin­gern, da die Markt­teil­neh­mer kon­ti­nu­ier­li­cher infor­miert wür­den und daher bei neu­en Infor­ma­tio­nen über die aktu­el­le Lage nicht so leicht über­re­agie­ren dürf­ten. Dabei sei zu beach­ten, dass etwa bei der Risi­ko­be­ur­tei­lung stets eine gewis­se Unsi­cher­heit bestehe, da die Rech­nungs­le­gungs- und Offen­le­gungs­stan­dards der Län­der sehr unter­schied­lich sei­en und bei der Anwen­dung ein erheb­li­cher Inter­pre­ta­ti­ons- und Ermes­sens­spiel­raum bestehe sowie eine gewis­se Ver­trau­lich­keit zu wah­ren sei. Dass die Offen­le­gung für eine geschwäch­te Bank Pro­ble­me mit sich brin­gen kön­ne, wider­le­ge nicht das Argu­ment, dass sie für soli­de Ban­ken einen Anreiz bie­te, ihre Geschäf­te auch wei­ter­hin soli­de und effi­zi­ent zu füh­ren [155].
Im Bereich der Ban­ken­auf­sicht ver­pflich­tet der deut­sche Gesetz­ge­ber mit § 26a KWG die Kre­dit­in­sti­tu­te, regel­mä­ßig qua­li­ta­ti­ve und quan­ti­ta­ti­ve Infor­ma­tio­nen über die Eigen­mit­tel­struk­tur und ‑anfor­de­run­gen, die Risi­ken ihrer Geschäfts­tä­tig­keit, das Risi­ko­ma­nage­ment­ver­fah­ren, die ange­wand­ten Kre­dit­ri­si­ko­min­de­rungs­tech­ni­ken, Ver­brie­fungs­trans­ak­tio­nen, Ver­gü­tung und Ver­schul­dung zu ver­öf­fent­li­chen. § 26a KWG ergänzt die Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der Ver­ord­nung (EU) Nr. 575/​2013 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 26.06.2013 über Auf­sichts­an­for­de­run­gen an Kre­dit­in­sti­tu­te und Wert­pa­pier­fir­men und zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EU) Nr. 646/​2012 (CRR), die im Wesent­li­chen den bereits bis­her bestehen­den Offen­le­gungs­an­for­de­run­gen der mit der CRR auf­ge­ho­be­nen Ban­ken­richt­li­nie 2006/​48/​EG ent­spre­chen. Die Offen­le­gungs­pflicht ermög­licht eine Beur­tei­lung von Inte­gri­tät und Trag­fä­hig­keit ein­zel­ner Unter­neh­men und ihrer geschäft­li­chen Stra­te­gien [156].
Der Erfolg staat­li­cher Stüt­zungs­maß­nah­men in der Finanz­kri­se stellt einen Belang des Staats­wohls dar.
Der Bund hat im Zuge der Finanz­kri­se der Jah­re 2007/​2008 Zuwen­dun­gen an Finanz­in­sti­tu­te ver­ge­ben, um das Ban­ken- und Finanz­sys­tem zu sta­bi­li­sie­ren und vor einer exis­tenz­ge­fähr­den­den Ent­wick­lung zu bewah­ren. Die­se Ziel­set­zung könn­te kon­ter­ka­riert wer­den, wenn ein Insti­tut durch Preis­ga­be sen­si­bler Infor­ma­tio­nen wirt­schaft­li­che Nach­tei­le erlei­det oder gar in sei­ner Exis­tenz bedroht wird. Damit wäre der Erfolg der unter Auf­wen­dung von Steu­er­gel­dern in Mil­li­ar­den­hö­he vor­ge­nom­me­nen staat­li­chen Stüt­zungs­maß­nah­men gefähr­det. Zudem wür­de auf die­se Wei­se das Gebot miss­ach­tet, wirt­schaft­lich und spar­sam mit staat­li­chen Mit­teln umzu­ge­hen.
Das fis­ka­li­sche Inter­es­se an der Wert­erhal­tung der Antei­le der öffent­li­chen Hand an den Finanz­in­sti­tu­ten kann hin­ge­gen allein und für sich genom­men kein eige­ner Staats­wohl­be­lang sein. Einen all­ge­mei­nen Anspruch des am Markt teil­neh­men­den Staa­tes auf Wert­er­halt sei­ner Betei­li­gun­gen gibt es nicht und kann es nicht geben, da damit das Markt- und Wett­be­werbs­prin­zip außer Kraft gesetzt wür­de. Für Insti­tu­te, an denen der Staat auf­grund von Stüt­zungs­maß­nah­men alle oder die Mehr­heit der Antei­le hält, besteht aber ein auch ver­fas­sungs­recht­lich aner­ken­nens­wer­tes öffent­li­ches Inter­es­se am Schutz der Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se.
Die Antrags­geg­ne­rin hat die Gren­ze ihrer Ant­wort­pflicht bei der Beant­wor­tung der streit­ge­gen­ständ­li­chen Fra­gen zum The­men­kom­plex Finanz­markt­auf­sicht teil­wei­se ver­kannt und hier­durch Rech­te der Antrag­stel­ler aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 und Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG ver­letzt.
Die Antrags­geg­ne­rin hat ihrer Ant­wort­pflicht in Bezug auf die Schrift­li­chen Fra­gen zur IKB/​Finanzmarktaufsicht [4] nicht genügt.
Die Ant­wort auf die in Fra­ge 34 der BT-Drs. 17/​4350 ent­hal­te­ne Teil­fra­ge nach dem beim Ver­kauf der IKB erziel­ten Kauf­preis hat die Antrags­geg­ne­rin zu Unrecht ver­wei­gert.
Der Hin­weis, über den Kauf­preis sei ver­trag­lich Ver­trau­lich­keit ver­ein­bart wor­den, sämt­li­che der Ver­trau­lich­keit unter­lie­gen­de Unter­la­gen zu IKB-Stüt­zung und ‑Ver­kauf ein­schließ­lich des Kauf­ver­trags hät­ten von Sep­tem­ber 2008 bis Okto­ber 2009 in der Geheim­schutz­stel­le des Deut­schen Bun­des­ta­ges zur Ein­sicht aus­ge­le­gen und das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen habe im Haus­halts- und im Finanz­aus­schuss des Deut­schen Bun­des­ta­ges in gehei­mer Sit­zung hier­zu berich­tet, ist für eine Ant­wort­ver­wei­ge­rung nicht hin­rei­chend.
Der Umstand, dass an ande­rer Stel­le und zu einem ande­ren Zeit­punkt geheim über den Kauf­preis berich­tet wur­de, kann die Beant­wor­tung der Fra­ge nicht erset­zen. Es wäre daher kon­kret anzu­ge­ben gewe­sen, wes­halb die Ant­wort zum Zeit­punkt der Bear­bei­tung durch die Antrags­geg­ne­rin Ende 2010 ver­wei­gert wur­de. Hier­zu kann der schlich­te Ver­weis auf (nicht vor­ge­leg­te) ver­trag­li­che Ver­schwie­gen­heits­ver­ein­ba­run­gen nicht aus­rei­chen, zumal die­se die Bun­des­re­gie­rung nach eige­nem Vor­trag in den Jah­ren 2008/​2009 ersicht­lich nicht gehin­dert haben, dem Bun­des­tag über den Kauf­preis – unter Anwen­dung der Geheim­schutz­ord­nung – zu berich­ten.
Die Antrags­geg­ne­rin war nicht berech­tigt, die Ant­wort auf Fra­ge 35 der BT-Drs. 17/​4350 zur Ver­sa­gung der Geneh­mi­gung für den Rück­erwerb eige­ner Ver­bind­lich­kei­ten ohne hin­rei­chen­de Begrün­dung zu ver­wei­gern.
Der Ver­weis auf die Ver­schwie­gen­heits­pflicht des § 9 KWG und die Mög­lich­keit, auf einen Beschluss des Deut­schen Bun­des­ta­ges oder eines sei­ner Aus­schüs­se hin die Infor­ma­tio­nen nach VS-Ein­trag in der Geheim­schutz­stel­le des Deut­schen Bun­des­ta­ges zu hin­ter­le­gen bezie­hungs­wei­se münd­li­che Aus­kunft in ein­ge­stuf­ter Sit­zung zu ertei­len, genügt nicht.
§ 9 KWG kann als ein­fach­recht­li­che Rege­lung das ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht des Deut­schen Bun­des­ta­ges nicht begren­zen. Viel­mehr ist er – auch im Lich­te von Art. 38 GG – so aus­zu­le­gen, dass er einer Aus­kunfter­tei­lung dann nicht ent­ge­gen­steht, wenn höher­ran­gi­ge öffent­li­che Inter­es­sen eine sol­che erfor­dern. Ein sol­ches Inter­es­se kann das par­la­men­ta­ri­sche Fra­ge­recht dar­stel­len. Ob die­ses im Ver­hält­nis zu den grund­recht­lich oder über das Staats­wohl geschütz­ten Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen pri­va­ter oder öffent­li­cher Ban­ken als höher­ran­gig anzu­se­hen ist, muss die Bun­des­re­gie­rung jeweils im Ein­zel­fall im Wege einer auf prak­ti­sche Kon­kor­danz und scho­nen­den Aus­gleich abzie­len­den Abwä­gung ermit­teln. Die dabei anzu­stel­len­den Erwä­gun­gen sind von ihr in der Begrün­dung zu ihrer Ant­wort­ver­wei­ge­rung mit­zu­tei­len, damit der Fra­ge­stel­ler anhand die­ser Begrün­dung ent­schei­den kann, ob sein ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­tes Fra­ge­recht hin­rei­chend berück­sich­tigt und gewich­tet wor­den ist. Der pau­scha­le Ver­weis auf ein aus Art. 12 GG abzu­lei­ten­des Offen­ba­rungs­ver­bot reicht inso­weit nicht aus. Vor­lie­gend kön­nen zudem auch Ban­ken betrof­fen sein, die im Zuge von Stüt­zungs­maß­nah­men ver­staat­licht wur­den und daher nicht grund­rechts­fä­hig sind.
Soweit die Bun­des­re­gie­rung dar­auf ver­weist, die erfrag­ten Infor­ma­tio­nen könn­ten nach Vor­la­ge eines ent­spre­chen­den Beschlus­ses des Bun­des­ta­ges unter Anwen­dung der Geheim­schutz­ord­nung über­mit­telt wer­den, räumt sie impli­zit ein, dass sie zur voll­stän­di­gen Ant­wort­ver­wei­ge­rung nicht berech­tigt war. Sie ver­kennt dabei jedoch, dass es nicht Sache der Fra­ge­stel­ler ist, einen Beschluss des Deut­schen Bun­des­ta­ges her­bei­zu­füh­ren, um der Bun­des­re­gie­rung eine Ant­wort unter Anwen­dung der Geheim­schutz­ord­nung zu ermög­li­chen. Der Geheim­hal­tungs­grad nach § 3 Abs. 2 Satz 1 der Geheim­schutz­ord­nung des Deut­schen Bun­des­ta­ges wird durch die her­aus­ge­ben­de Stel­le, vor­lie­gend durch die Bun­des­re­gie­rung, bestimmt. Ant­wor­ten, die auch aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den einer ver­trau­li­chen Behand­lung im Deut­schen Bun­des­tag bedür­fen, sind daher unter Anga­be des Geheim­hal­tungs­gra­des an die Geheim­schutz­stel­le des Deut­schen Bun­des­ta­ges zu über­mit­teln, wie dies in ande­ren hier streit­ge­gen­ständ­li­chen Fäl­len auch gesche­hen ist.
Die Antrags­geg­ne­rin hat ihre Ant­wort­pflicht hin­sicht­lich der Fra­gen 1, 4, 6, 8, 11 und 18 der Klei­nen Anfra­ge "Aus­übung par­la­men­ta­ri­scher Kon­troll­rech­te im Bereich Finanz­markt" [5] ver­kannt.
In ihrer Vor­be­mer­kung zur Ant­wort auf die Klei­ne Anfra­ge "Aus­übung par­la­men­ta­ri­scher Kon­troll­rech­te im Bereich Finanz­markt" [5] hat die Antrags­geg­ne­rin zunächst zutref­fend aus­ge­führt, dass sie sich ver­pflich­tet sieht, bei der Beant­wor­tung von Fra­gen aus dem Par­la­ment die Grund­rech­te der von die­sen Fra­gen betrof­fe­nen Grund­rechts­trä­ger zu wah­ren, nament­lich die durch Art. 12 (und Art. 14) GG geschütz­ten Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se der betrof­fe­nen Kre­dit­in­sti­tu­te. Sie hat dabei die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­wi­ckel­te Defi­ni­ti­on des Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­ses über­nom­men und dar­auf abge­stellt, dass es wesent­lich dar­auf ankommt, ob ein Bekannt­wer­den der betref­fen­den Infor­ma­ti­on geeig­net wäre, die Wett­be­werbs­po­si­ti­on des Unter­neh­mens nach­tei­lig zu beein­flus­sen. Der sodann gezo­ge­ne Schluss, dies sei hier der Fall, da Infor­ma­tio­nen über Auf­sichts­maß­nah­men oder Ein­schät­zun­gen der Ban­ken­auf­sicht in Bezug auf ein­zel­ne Insti­tu­te grund­sätz­lich immer geeig­net sei­en, die Wett­be­werbs­po­si­ti­on des jewei­li­gen Unter­neh­mens nach­tei­lig zu beein­flus­sen, ist hin­ge­gen zu pau­schal. Ob ein berech­tig­tes Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se besteht, hängt von den ein­zel­nen erfrag­ten Infor­ma­tio­nen ab.
Ent­spre­chen­des gilt für die Aus­füh­run­gen zur Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Finanz­markt­auf­sicht als Staats­wohl­be­lang. Die gene­rel­le Aus­sa­ge, auf­sicht­li­ches Han­deln oder Ein­schät­zun­gen und Bewer­tun­gen der Auf­sicht mit Bezug zu ein­zel­nen Insti­tu­ten dürf­ten nicht offen­ge­legt wer­den, um die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Ban­ken­auf­sicht nicht zu beein­träch­ti­gen, kann in die­ser Pau­scha­li­tät eine Ant­wort­ver­wei­ge­rung nicht begrün­den, da sie dazu führ­te, die Tätig­keit der BaFin der par­la­men­ta­ri­schen Kon­trol­le voll­stän­dig zu ent­zie­hen. Die dro­hen­de Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Auf­sicht muss daher eben­so wie dro­hen­de Ver­trau­ens­ver­lus­te des Mark­tes in Bezug auf beauf­sich­tig­te Insti­tu­te kon­kret und nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt wer­den.
Dass die hier erfrag­te Zusam­men­stel­lung der Teil­nah­me der Ban­ken­auf­sicht an den Sit­zun­gen der Gre­mi­en mit Kon­troll­auf­ga­ben bestimm­ter Ban­ken über meh­re­re Jah­re hin­weg eben­so wie die Doku­men­ta­ti­on der Häu­fig­keit, mit der die Ban­ken­auf­sicht sich in den Gre­mi­en äußer­te, Rück­schlüs­se auf das Ver­hält­nis zwi­schen der betrof­fe­nen Bank und der Ban­ken­auf­sicht zulie­ße und der Öffent­lich­keit einen Ein­druck ver­mit­teln könn­te, ob und in wel­chem Umfang der Geschäfts­be­trieb einer Bank aus Sicht der Ban­ken­auf­sicht einer gewis­sen Kon­trol­le bedurf­te, kann als Ant­wort­ver­wei­ge­rungs­grund nicht aus­rei­chen. Auch eine gene­rel­le Beschrän­kung auf die nicht öffent­li­che Beant­wor­tung der dies­be­züg­li­chen Fra­gen lässt sich so nicht recht­fer­ti­gen. Wenn schon die blo­ße Tat­sa­che der Beauf­sich­ti­gung und ihrer Häu­fig­keit nicht der par­la­men­ta­ri­schen Kon­trol­le zugäng­lich wären, dann ver­blie­be im Ergeb­nis kein rele­van­ter kon­trol­lier­ba­rer Bereich der Auf­sicht. Dies hät­te zur Fol­ge, dass die Finanz­markt­auf­sicht kei­ne sach­lich-inhalt­li­che demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on mehr in Anspruch neh­men könn­te. Die Legi­ti­ma­ti­ons­ket­te wäre zwar nicht zwi­schen BaFin und Bun­des­re­gie­rung, wohl aber zwi­schen die­ser und dem Bun­des­tag unter­bro­chen. Die dann ver­blei­ben­de per­so­nel­le und insti­tu­tio­nel­le Legi­ti­ma­ti­on könn­te ange­sichts der gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Bedeu­tung des in Rede ste­hen­den Ver­wal­tungs­han­delns kein aus­rei­chen­des Legi­ti­ma­ti­ons­ni­veau her­stel­len.
Dabei ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass die erfrag­te Auf­sichts­tä­tig­keit zum Zeit­punkt der Fra­gen bereits meh­re­re Jah­re zurück­lag und schon damals all­ge­mein bekannt war, dass sich die betrof­fe­nen Finanz­in­sti­tu­te in einer beson­de­ren Schief­la­ge befun­den hat­ten und teil­wei­se mit ganz erheb­li­chen staat­li­chen Mit­teln geret­tet wer­den muss­ten. Der in den Vor­be­mer­kun­gen ange­führ­te Hin­weis der Bun­des­re­gie­rung, das Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se der betrof­fe­nen Insti­tu­te bestehe gleich­wohl fort, da Markt­teil­neh­mer typi­scher­wei­se dar­aus Rück­schlüs­se auf die gegen­wär­ti­ge und zukünf­ti­ge wirt­schaft­li­che Lage und Wett­be­werbs­si­tua­ti­on der Insti­tu­te zögen, genügt inso­weit als Ant­wort­ver­wei­ge­rungs­grund nicht. Zudem wür­de eine sol­che Argu­men­ta­ti­on dazu füh­ren, dass die Auf­sichts­tä­tig­keit der BaFin nicht nur wäh­rend, son­dern auch noch Jah­re nach einer Finanz­kri­se der par­la­men­ta­ri­schen Kon­trol­le ent­zo­gen wäre, so dass auch eine Auf­ar­bei­tung etwai­ger ver­gan­ge­ner Ver­säum­nis­se und eine dar­auf gestütz­te Erar­bei­tung von Lösun­gen zur Ver­mei­dung künf­ti­ger Kri­sen nicht mög­lich wäre.
Die Antrags­geg­ne­rin hat die Ant­wort auf Fra­ge 1 der Klei­nen Anfra­ge "Aus­übung par­la­men­ta­ri­scher Kon­troll­rech­te im Bereich Finanz­markt" [5] zur Teil­nah­me der BaFin an Auf­sichts­rats­sit­zun­gen der (spä­ter) SoFFin-gestütz­ten Finanz­in­sti­tu­te in den Jah­ren 2005 bis 2008 zu Unrecht ver­wei­gert.
Die von der Bun­des­re­gie­rung ange­führ­ten Grün­de rei­chen nicht aus, um die öffent­li­che Beant­wor­tung der Fra­ge nach der Teil­nah­me der BaFin an den Gre­mi­en­sit­zun­gen zu ver­wei­gern und sich auf eine ver­trau­li­che Ant­wort zu beschrän­ken.
Die Bun­des­re­gie­rung beruft sich anschei­nend auf zwei ver­schie­de­ne Gren­zen des Fra­ge­rechts und ihrer Ant­wort­pflicht. Soweit es heißt, die Teil­nah­me von Mit­ar­bei­tern der BaFin bezie­hungs­wei­se der Bun­des­bank an Sit­zun­gen von Gre­mi­en mit Kon­troll­auf­ga­ben sei äußerst sen­si­bel und ein weit­rei­chen­der Ein­griff in die Grund­rech­te der Finanz­in­sti­tu­te, könn­te man dies so ver­ste­hen, dass sich die Bun­des­re­gie­rung auf Grund­rech­te Drit­ter als Gren­ze des Fra­ge­rechts beru­fen wol­le. Aller­dings wird hier der Grund­rechts­ein­griff nicht in der öffent­li­chen Beant­wor­tung einer par­la­men­ta­ri­schen Anfra­ge, son­dern in der Gre­mi­en­teil­nah­me selbst als Auf­sichts­mit­tel gese­hen. Inso­fern beschrän­ken sich die Ant­wort­ver­wei­ge­rungs­grün­de auf die mit der Ver­öf­fent­li­chung detail­lier­ter Infor­ma­tio­nen ver­bun­de­ne Gefahr eines irrever­si­blen Ver­trau­ens­ver­lus­tes in das jewei­li­ge Insti­tut mit ent­spre­chen­der Reak­ti­on des Mark­tes, ins­be­son­de­re sei­ner Gläu­bi­ger.
Die Bun­des­re­gie­rung hat in ihrer Ant­wort nicht klar­ge­stellt, wie sie die­sen Belang in das Gefü­ge der aner­kann­ten Ant­wort­ver­wei­ge­rungs­grün­de ein­ord­net, nament­lich ob es hier­bei um den Schutz von Grund­rech­ten der (pri­va­ten) Ban­ken oder um Belan­ge des Staats­wohls gehen soll.
Die Fra­ge der Antrag­stel­ler ziel­te dar­auf zu erfah­ren, an wie vie­len Gre­mi­en­sit­zun­gen bestimm­ter Finanz­in­sti­tu­te Mit­ar­bei­ter der BaFin in einem bestimm­ten Zeit­raum teil­ge­nom­men haben. Zwar mögen die Finanz­in­sti­tu­te ein Inter­es­se an der Geheim­hal­tung die­ser Tat­sa­chen haben. Es han­delt sich hier­bei aber weder um tech­ni­sches noch um kauf­män­ni­sches Wis­sen des jewei­li­gen Finanz­in­sti­tuts, mit­hin nicht um Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se. Es geht allein um einen Umstand, der mit der exter­nen Beauf­sich­ti­gung durch Behör­den ver­bun­den ist. Auch wer­den nicht Infor­ma­tio­nen erfragt, die die Ban­ken der BaFin im Rah­men von Beauf­sich­ti­gungs­maß­nah­men preis­ge­ben muss­ten, so dass auch deren Koope­ra­ti­ons­ver­hal­ten nicht in Rede steht. Viel­mehr ist Fra­ge­ge­gen­stand die Anzahl behörd­li­cher Maß­nah­men. Behörd­li­ches Han­deln wird aber nicht dadurch zu einem Betriebs- oder Geschäfts­ge­heim­nis, dass das hier­durch betrof­fe­ne Unter­neh­men ein Inter­es­se an der Geheim­hal­tung die­ses Han­delns hat.
Somit könn­te allen­falls die Ver­mei­dung irrever­si­bler Ver­trau­ens­ver­lus­te in das jewei­li­ge Finanz­in­sti­tut mit ent­spre­chen­der Reak­ti­on des Mark­tes als Staats­wohl­be­lang geeig­net sein, eine Ant­wort­ver­wei­ge­rung zu recht­fer­ti­gen. Wenn die Ver­öf­fent­li­chung von Infor­ma­tio­nen über die staat­li­che Ban­ken­auf­sicht zu Ver­trau­ens­ver­lus­ten und ent­spre­chen­den Markt­re­ak­tio­nen füh­ren soll­te, dann wäre die Ver­mei­dung die­ser Reak­tio­nen und der damit wie­der­um ver­bun­de­nen Gefahr für den gesam­ten Ban­ken­sek­tor ein aner­ken­nens­wer­ter Staats­wohl­be­lang, und zwar sowohl wegen der damit ein­her­ge­hen­den Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Auf­sicht als auch wegen der durch Stüt­zungs­maß­nah­men betrof­fe­nen fis­ka­li­schen Inter­es­sen des Staa­tes. Aller­dings bedarf es ange­sichts des Ver­fas­sungs­rangs und der Bedeu­tung des par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge­rechts für die demo­kra­ti­sche Kon­trol­le des Han­delns der Regie­rung und ihrer nach­ge­ord­ne­ten Behör­den einer kon­kre­ten Dar­le­gung, auf­grund wel­cher genau­en Umstän­de wel­che Art von Markt­re­ak­ti­on erwart­bar und wahr­schein­lich ist.
Vor­lie­gend hät­te es einer sol­chen kon­kre­ten Dar­le­gung schon des­halb bedurft, weil nur Auf­sichts­maß­nah­men der Jah­re 2005 bis 2008, das heißt im Zeit­raum vor Ein­tritt der Finanz­kri­se, erfragt wur­den. Es ist all­ge­mein bekannt, dass die Ban­ken, auf die sich die Fra­ge bezog, in den Fol­ge­jah­ren – wenn auch in unter­schied­li­chem Aus­maß – in Schief­la­ge gerie­ten und teil­wei­se erheb­lich durch den Staat gestützt wer­den muss­ten, bis hin zu einer voll­stän­di­gen Ver­staat­li­chung etwa bei der HRE. Es hät­te dar­ge­legt wer­den müs­sen, war­um die Infor­ma­tio­nen über die Auf­sichts­tä­tig­keit der BaFin und der Bun­des­bank in Bezug auf die­se Finanz­in­sti­tu­te vor der Finanz­kri­se bei einer Ver­öf­fent­li­chung Ende 2010/​Anfang 2011 noch geeig­net sein soll­ten, das Ver­trau­en der Märk­te zu erschüt­tern.
Hin­sicht­lich der Wort­mel­dun­gen erscheint die Anga­be der Bun­des­re­gie­rung, Wort­pro­to­kol­le über die­se Sit­zun­gen wür­den regel­mä­ßig nicht geführt, Wort­mel­dun­gen der Auf­sicht sei­en damit für die Beant­wor­tung der Anfra­ge nicht dar­stell­bar, aus­le­gungs­be­dürf­tig. Die Anga­be "regel­mä­ßig" bedeu­tet nicht, dass in den rele­van­ten Sit­zun­gen kein Wort­pro­to­koll geführt wur­de. Die Antrags­geg­ne­rin hät­te dar­le­gen müs­sen, dass in den kon­kret nach­ge­frag­ten Sit­zun­gen kei­ne Wort­pro­to­kol­le ange­fer­tigt wur­den. Soweit die Antrags­geg­ne­rin sich dar­auf beru­fen woll­te, dass es ihr unmög­lich oder unzu­mut­bar sei, nach­träg­lich zu rekon­stru­ie­ren, ob Wort­pro­to­kol­le geführt wur­den und ob sich jeweils Mit­ar­bei­ter der Auf­sichts­be­hör­den zu Wort gemel­det haben, hät­te es nähe­rer Aus­füh­run­gen zum Umfang des mit der Rekon­struk­ti­on ver­bun­de­nen Auf­wan­des bedurft.
Auch bei der Ver­wei­ge­rung einer öffent­li­chen Ant­wort auf Fra­ge 4 der Klei­nen Anfra­ge betref­fend die Auf­sichts­ge­sprä­che der BaFin bezie­hungs­wei­se der Bun­des­bank mit den Finanz­in­sti­tu­ten in den Jah­ren 2005 bis 2008 hat die Antrags­geg­ne­rin die Reich­wei­te ihrer Begrün­dungs­pflicht ver­kannt.
Die abs­trak­te Beru­fung auf die mög­li­cher­wei­se bestehen­de Gefahr, dass durch die Offen­le­gung der Anzahl der anlass­be­zo­ge­nen Auf­sichts­ge­sprä­che auf Ein­zel­in­sti­tuts­ba­sis die Wett­be­werbs­po­si­ti­on der betrof­fe­nen Finanz­in­sti­tu­te nach­tei­lig beein­flusst wer­den kön­ne, recht­fer­tigt für sich genom­men die Ver­wei­ge­rung einer öffent­li­chen Ant­wort nicht. Die Anbe­raumung sol­cher Gesprä­che stellt kein Betriebs- oder Geschäfts­ge­heim­nis der jewei­li­gen Finanz­in­sti­tu­te dar, son­dern staat­li­ches Auf­sichts­han­deln. Dass durch die öffent­li­che Mit­tei­lung anlass­be­zo­ge­ner Auf­sichts­ge­sprä­che vor Aus­bruch der Finanz­kri­se Grund­rech­te der Finanz­in­sti­tu­te – soweit die­se über­haupt Grund­rechts­schutz in Anspruch neh­men kön­nen – betrof­fen sind, ist nicht erkenn­bar. Auch geht es nicht um Anga­ben der Finanz­in­sti­tu­te gegen­über der BaFin, so dass eine mög­li­che Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Auf­sicht auf­grund frei­wil­li­ger Koope­ra­ti­on nicht im Rau­me steht.
Die Wett­be­werbs­po­si­ti­on der ein­zel­nen Finanz­in­sti­tu­te kann auch nicht als Staats­wohl­be­lang aner­kannt wer­den. Soweit das Funk­tio­nie­ren der Finanz­markt­auf­sicht und fis­ka­li­sche Inter­es­sen des Staa­tes an der Wirk­sam­keit erfolg­ter und der Ver­mei­dung künf­ti­ger Stüt­zungs­maß­nah­men ange­spro­chen sind, reicht die Begrün­dung auch bei die­ser Ant­wort nicht aus. Es lie­gen kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te dafür vor und sind auch nicht dar­ge­tan, dass die Kennt­nis der Öffent­lich­keit von Auf­sichts­maß­nah­men der Jah­re 2005 bis 2008 bei danach bekann­ter­ma­ßen in Schief­la­ge gera­te­nen und gestütz­ten Finanz­in­sti­tu­ten noch Ende 2010/​Anfang 2011 tat­säch­lich zu nega­ti­ven Reak­tio­nen auf den Märk­ten hät­te füh­ren kön­nen.
Die Antrags­geg­ne­rin hat die Ver­wei­ge­rung der Ant­wort auf Fra­ge 6 der Klei­nen Anfra­ge zu Son­der­prü­fun­gen der BaFin eben­falls nicht hin­rei­chend begrün­det. Die Begrün­dung macht für sich genom­men nicht plau­si­bel, war­um nur eine ein­ge­stuf­te, mit­hin nicht öffent­li­che Ant­wort erteilt wer­den konn­te.
Auch bei die­ser Fra­ge sind kei­ne Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se der beauf­sich­tig­ten Kre­dit­in­sti­tu­te betrof­fen, so dass der Schutz von Grund­rech­ten die­ser Insti­tu­te nicht in Rede steht, eben­so wenig wie deren frei­wil­li­ge Koope­ra­ti­on mit der BaFin. Es geht wie­der­um nur um (gesetz­lich vor­ge­se­he­ne) Auf­sichts­maß­nah­men des Staa­tes.
Die Anga­ben der Bun­des­re­gie­rung zu den mit der Offen­le­gung der Son­der­prü­fun­gen der Jah­re 2005 bis 2008 ver­bun­de­nen Gefah­ren für das Ver­trau­en in die geprüf­ten Finanz­in­sti­tu­te und zu mög­li­chen Markt­re­ak­tio­nen rei­chen auch hier nicht aus, um die Ver­wei­ge­rung einer öffent­li­chen Ant­wort zu begrün­den. Die Bun­des­re­gie­rung hät­te näher begrün­den müs­sen, wes­halb bei so lan­ge zurück­lie­gen­den Maß­nah­men Ende 2010/​Anfang 2011 noch nega­ti­ve Markt­re­ak­tio­nen in Bezug auf bekann­ter­ma­ßen staat­lich gestütz­te Finanz­in­sti­tu­te zu erwar­ten waren.
Die Antrags­geg­ne­rin hat die Not­wen­dig­keit, die Ant­wort auf Fra­ge 8 der Klei­nen Anfra­ge zur auf­sicht­li­chen Behand­lung außer­bi­lan­zi­el­ler Con­duits nur ein­ge­stuft zu ertei­len, nicht hin­rei­chend begrün­det.
Auch die­se Fra­ge zielt nicht auf die Offen­le­gung von Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen der beauf­sich­tig­ten Finanz­in­sti­tu­te. Gefragt wird viel­mehr nach der Behand­lung von soge­nann­ten Con­duits durch die Auf­sichts­be­hör­den, nach den dies­be­züg­lich mit den Ban­ken geführ­ten Gesprä­chen, nach dem dama­li­gen Kennt­nis­stand der Behör­den­mit­ar­bei­ter und nach Rechts­än­de­run­gen in Bezug auf die­se Con­duits in Fol­ge der Finanz­kri­se.
Wie­der­um ver­bleibt als Argu­ment der Antrags­geg­ne­rin allein die nicht näher begrün­de­te oder gar beleg­te Annah­me, schon das Bekannt­wer­den der Kon­troll­in­ten­si­tät der Ban­ken­auf­sicht im Hin­blick auf ein­zel­ne Insti­tu­te kön­ne zu einem irrever­si­blen Ver­trau­ens­ver­lust in das jewei­li­ge Finanz­in­sti­tut mit ent­spre­chen­den Reak­tio­nen des Mark­tes füh­ren. Sie macht jedoch kei­ne kon­kre­ten und auf den Ein­zel­fall bezo­ge­ne Anga­ben dazu, wes­halb und mit wel­chen Reak­tio­nen genau zu rech­nen sein soll. Im Ergeb­nis scheint sie der Ansicht zu sein, dass die Kon­troll­in­ten­si­tät der Ban­ken­auf­sicht der öffent­li­chen par­la­men­ta­ri­schen Kon­trol­le gene­rell ent­zo­gen sei. Eine sol­che Bereichs­aus­nah­me sehen aber weder die Ver­fas­sung noch das ein­fa­che Recht vor.
Soweit die Antrags­geg­ne­rin in ihrer Ant­wort auf Fra­ge 8 ergän­zend anführt, dass die in der Ver­gan­gen­heit abge­schlos­se­nen Geschäf­te bis heu­te Aus­wir­kun­gen auf die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der betrof­fe­nen Finanz­in­sti­tu­te hät­ten, ist auch die­se Anga­be nicht bestimmt genug, um eine ange­mes­se­ne Abwä­gung zwi­schen den betrof­fe­nen Staats­wohl­be­lan­gen – wenn man die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Ban­ken als einen sol­chen anse­hen woll­te – und dem par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge­recht zu ermög­li­chen. Sie ist über­dies zu undif­fe­ren­ziert, soweit sich etwa ein­zel­ne Con­duits in der Abwick­lung befin­den. Es bedürf­te nähe­rer Dar­le­gung, dass selbst in einer sol­chen Situa­ti­on mit der Offen­le­gung von frü­he­ren Maß­nah­men der Ban­ken­auf­sicht nach wie vor die Gefahr "irrepa­ra­bler Ver­trau­ens­ver­lus­te" und "irra­tio­na­ler Markt­re­ak­tio­nen" ein­her­ge­hen wür­de, die das par­la­men­ta­ri­sche Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se zurück­tre­ten lie­ße.
Die Antrags­geg­ne­rin hat die Ver­wei­ge­rung der öffent­li­chen Beant­wor­tung der Fra­ge 11 zu Maß­nah­men der BaFin bezie­hungs­wei­se der Bun­des­bank gegen­über der HSH Nord­bank nicht hin­rei­chend begrün­det und damit ihre ver­fas­sungs­recht­li­che Pflicht ver­kannt.
Die­se Fra­ge bezieht sich mit den inter­nen Kon­trol­len und der Risi­ko­steue­rung der HSH Nord­bank auf unter­neh­mens­be­zo­ge­ne Tat­sa­chen und Vor­gän­ge, die nicht offen­kun­dig, son­dern nur einem begrenz­ten Per­so­nen­kreis zugäng­lich sind und an deren Nicht­ver­brei­tung die HSH Nord­bank mög­li­cher­wei­se ein berech­tig­tes Inter­es­se hat. Es kann offen blei­ben, ob es sich bei den Tech­ni­ken der Steue­rung und Kon­trol­le um Betriebs­ge­heim­nis­se und bei den Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren inner­halb der Bank sowie deren per­so­nel­ler und säch­li­cher Aus­stat­tung um Geschäfts­ge­heim­nis­se han­delt. Die HSH Nord­bank ist eine Lan­des­bank, die aus der Fusi­on der Lan­des­ban­ken von Ham­burg und Schles­wig-Hol­stein her­vor­ge­gan­gen ist und deren Antei­le sich im maß­geb­li­chen Zeit­raum ganz über­wie­gend in öffent­li­cher Hand befan­den. Sie ist folg­lich nicht grund­rechts­be­rech­tigt und war es auch im frag­li­chen Zeit­raum nicht.
Ein Inter­es­se an der Wah­rung der Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se der HSH Nord­bank als Staats­wohl­be­lang kann sich daher zum einen als fis­ka­li­sches Inter­es­se auf Län­der­ebe­ne auf Sei­ten der Eigen­tü­mer erge­ben. Zum ande­ren könn­te das fis­ka­li­sche Inter­es­se des Bun­des berührt sein, wenn tat­säch­lich ein irrepa­ra­bler Ver­trau­ens­ver­lust ein­trä­te und die Bank durch hier­aus resul­tie­ren­de Markt­re­ak­tio­nen in eine Schief­la­ge gerie­te, die die Leis­tungs­fä­hig­keit der Län­der Ham­burg und Schles­wig-Hol­stein über­stie­ge und Fol­ge­wir­kun­gen auf dem gesam­ten Finanz­sek­tor zei­tig­te. Dies bedürf­te aller­dings einer nähe­ren Erläu­te­rung durch die Antrags­geg­ne­rin im Rah­men der Ver­wei­ge­rung einer öffent­li­chen Ant­wort. Die HSH Nord­bank muss­te auf­grund der Finanz­kri­se durch Garan­tien des SoFFin und durch Eigen­ka­pi­tal­hil­fen und Garan­tien der Län­der Ham­burg und Schles­wig-Hol­stein in Mil­li­ar­den­hö­he geret­tet wer­den [157]. Wenn die streit­ge­gen­ständ­li­che Fra­ge nun dar­auf abzielt, zu erfah­ren, durch wel­che Maß­nah­men Auf­sichts­be­hör­den auf die HSH Nord­bank ein­ge­wirkt haben, um die inter­nen Kon­trol­len und die Risi­ko­steue­rung auf neue Ent­wick­lun­gen im Geschäfts­mo­dell aus­zu­rich­ten, dann ist nicht von vorn­her­ein ersicht­lich, wie eine dies­be­züg­li­che Ant­wort zu Ver­trau­ens­ver­lus­ten füh­ren könn­te. Eher wäre eine Ver­trau­ens­stär­kung zu erwar­ten, es sei denn, dass sol­che Auf­sichts­maß­nah­men unter­blie­ben sein soll­ten. In die­sem Fall wäre die par­la­men­ta­ri­sche Auf­klä­rung aber umso bedeut­sa­mer.
Die Antrags­geg­ne­rin hat zu Unrecht die Ant­wort auf Fra­ge 18 zu den Gehalts- und Bonus­zah­lun­gen über 500.000 Euro bei SoFFin-gestütz­ten Finanz­in­sti­tu­ten nur ein­ge­stuft erteilt.
Der Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­re­gie­rung bezieht sich auf alles staat­li­che Han­deln der Exe­ku­ti­ve des Bun­des, für das demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on erfor­der­lich ist und in Anspruch genom­men wird, also auch auf die wirt­schaft­li­che Betä­ti­gung der öffent­li­chen Hand durch die 100%ige oder mehr­heit­li­che Betei­li­gung an pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­ten Unter­neh­men. Folg­lich konn­te die Antrags­geg­ne­rin jeden­falls in Bezug auf die Ban­ken, an denen der Bund – gege­be­nen­falls mit­tel­bar über den SoFFin – mehr­heit­lich betei­ligt ist, die Beant­wor­tung der Fra­ge nicht unter Ver­weis auf ihre feh­len­de Ver­ant­wor­tung ver­wei­gern. Es kann daher dahin­ste­hen, ob sie dies mit ihrer vor­lie­gen­den Ant­wort über­haupt getan hat.
Offen­sicht­lich stel­len Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­run­gen Geschäfts­ge­heim­nis­se dar. Es han­delt sich um unter­neh­mens­be­zo­ge­ne Tat­sa­chen, die nicht offen­kun­dig, son­dern nur einem begrenz­ten Per­so­nen­kreis zugäng­lich sind und an deren Nicht­ver­brei­tung der Rechts­trä­ger ein berech­tig­tes Inter­es­se hat. Es ist ohne wei­te­res nach­voll­zieh­bar, dass mit der Offen­le­gung von Ver­gü­tungs­struk­tu­ren die Gefahr der Abwer­bung von Mit­ar­bei­tern und der sin­ken­den Attrak­ti­vi­tät des Arbeit­ge­bers ein­her­ge­hen kann.
Soweit es um das Grund­recht der betrof­fe­nen Mit­ar­bei­ter auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung geht, wur­de zwar kei­ne nament­li­che Auf­schlüs­se­lung erbe­ten. Aller­dings erscheint es plau­si­bel, dass Exper­ten in der Lage sein könn­ten, die Anga­ben ein­zel­nen Per­so­nen zuzu­ord­nen. Dies gilt umso mehr, je klei­ner der Kreis der für eine Ver­gü­tung von über 500.000 Euro in Betracht kom­men­den Per­so­nen ist.
Gleich­wohl über­wiegt das par­la­men­ta­ri­sche Inter­es­se an einer öffent­li­chen Ant­wort mit dem Ziel der Kon­trol­le der Mit­ar­bei­ter­ver­gü­tung bei vom SoFFin gestütz­ten Finanz­in­sti­tu­ten das Inter­es­se an der Geheim­hal­tung die­ser Infor­ma­tio­nen. Denn es geht um die Ver­wen­dung der durch den öffent­li­chen Haus­halt den Finanz­in­sti­tu­ten zur Ver­fü­gung gestell­ten Mit­tel. Dabei ist die Wer­tung des Gesetz- und Ver­ord­nungs­ge­bers zu berück­sich­ti­gen, dass bei Ban­ken, die auf der Grund­la­ge von § 7 FMStFG gestützt wur­den, wäh­rend der Dau­er der Sta­bi­li­sie­rungs­maß­nah­me gemäß § 5 Abs. 2 Nr. 4a FMStFV eine Ver­gü­tung der Organ­mit­glie­der und Geschäfts­lei­ter, die 500.000 Euro pro Jahr über­steigt, grund­sätz­lich als unan­ge­mes­sen gilt. Zwar hat der Ver­ord­nungs­ge­ber von der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge in § 10 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 FMStFG, Anfor­de­run­gen an die Ver­gü­tung der Orga­ne, Ange­stell­ten und wesent­li­chen Erfül­lungs­ge­hil­fen zu bestim­men, nur im Hin­blick auf die Organ­mit­glie­der und Geschäfts­lei­ter Gebrauch gemacht. Aller­dings sol­len nach § 5 Abs. 2 Nr. 3 FMStFV die Insti­tu­te über die kon­kre­te Ver­gü­tung der Organ­mit­glie­der und Geschäfts­lei­ter hin­aus ihre Ver­gü­tungs­sys­te­me ins­ge­samt auf ihre Anrei­zwir­kung und Ange­mes­sen­heit über­prü­fen. Ver­gü­tungs­sys­te­me sol­len nicht zur Ein­ge­hung unan­ge­mes­se­ner Risi­ken ver­lei­ten, son­dern an lang­fris­ti­gen und nach­hal­ti­gen Zie­len aus­ge­rich­tet sein. Im Hin­blick auf das par­la­men­ta­ri­sche Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se kann es daher kei­nen Unter­schied machen, auf wel­cher Ebe­ne eine ent­spre­chend hohe Ver­gü­tung gezahlt und staat­li­che Mit­tel ein­ge­setzt wer­den. Inso­fern stellt die anony­mi­sier­te Ver­öf­fent­li­chung von Gehäl­tern über 500.000 Euro bei gestütz­ten Finanz­in­sti­tu­ten eine Kon­se­quenz der kon­troll­be­dürf­ti­gen Ver­ga­be von Finanz­markt­sta­bi­li­sie­rungs­maß­nah­men dar. Zwar mag die Gefahr bestehen, dass die auf die­se Wei­se kon­trol­lier­ten Finanz­in­sti­tu­te Ziel ver­stärk­ter Per­so­nal­ab­wer­be­be­mü­hun­gen ande­rer Finanz­in­sti­tu­te wer­den. Das hier­mit ver­bun­de­ne Maß an Trans­pa­renz ist vor dem Hin­ter­grund der ohne­hin gel­ten­den nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben beschränkt; mög­li­che nega­ti­ve Effek­te sind inso­fern hin­zu­neh­men. Soweit mit der Fra­ge ledig­lich eine Auf­schlüs­se­lung nach Finanz­in­sti­tut, Art der SoFFin-Hil­fe, Jahr, Mit­ar­bei­ter­zahl und Betrag erbe­ten wur­de, ist hier­mit ein für die ein­zel­nen Mit­ar­bei­ter gerin­ge­rer Ein­griff in ihr Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ver­bun­den als im Fal­le der Namens­nen­nung, selbst wenn es für eini­ge weni­ge Per­so­nen mit Exper­ten­wis­sen mög­lich sein soll­te, auf ein­zel­ne Per­so­nen rück­zu­schlie­ßen. Im Übri­gen ist das all­ge­mei­ne Bekannt­wer­den der Ver­gü­tung für die Betrof­fe­nen nicht der enge­ren Pri­vat­sphä­re zuzu­ord­nen, son­dern dem beruf­li­chen Bereich.
Die Antrags­geg­ne­rin hat die Ant­wort auf die Fra­ge 14 der Klei­nen Anfra­ge "Aus­übung par­la­men­ta­ri­scher Kon­troll­rech­te im Bereich Finanz­markt" [5] zur Ein­ord­nung der (spä­ter) SoFFin-gestütz­ten Finanz­in­sti­tu­te in die Zwölf-Fel­der-Matrix in den Jah­ren 2005 bis 2008 berech­tig­ter­wei­se als VS-Ver­trau­lich ein­ge­stuft in der Geheim­schutz­stel­le des Deut­schen Bun­des­ta­ges zur Ver­fü­gung gestellt.
Unge­ach­tet der Fra­ge, ob in Bezug auf die Zwölf-Fel­der-Matrix Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se der beauf­sich­tig­ten pri­va­ten Kre­dit­in­sti­tu­te betrof­fen sein könn­ten, kann die Bekannt­ga­be der Risi­ko­ein­stu­fung eines pri­va­ten Kre­dit­in­sti­tu­tes durch die BaFin bezie­hungs­wei­se durch die Antrags­geg­ne­rin in den Schutz­be­reich von Art. 12 Abs. 1 GG ein­grei­fen. Das Frei­heits­recht des Art. 12 Abs. 1 GG schützt das berufs­be­zo­ge­ne Ver­hal­ten ein­zel­ner Per­so­nen oder Unter­neh­men am Markt. Behin­dert eine den Wett­be­werb beein­flus­sen­de staat­li­che Maß­nah­me eine juris­ti­sche Per­son in ihrer beruf­li­chen Tätig­keit, so stellt dies eine Beschrän­kung ihres Frei­heits­rechts aus Art. 12 Abs. 1 GG dar [89]. Eine Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit durch Offen­le­gung der Ein­stu­fung nur eini­ger Finanz­in­sti­tu­te in die Matrix kann die Gefahr begrün­den, dass der Markt man­gels wei­te­rer Anhalts­punk­te jede Ein­stu­fung unter­halb der höchs­ten Stu­fe als nega­tiv anse­hen könn­te.
Soweit öffent­li­che, ver­staat­lich­te oder teil­ver­staat­lich­te Kre­dit­in­sti­tu­te wie die HRE betrof­fen sind, sind die­se zwar nicht grund­rechts­fä­hig, ihre Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se sind aber als Staats­wohl­be­lang geschützt.
Dem steht das par­la­men­ta­ri­sche Inter­es­se an der Kon­trol­le der Auf­sichts­tä­tig­keit der BaFin über die Kre­dit­in­sti­tu­te gegen­über. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Anfra­ge sich nur auf die Jah­re 2005 bis 2008 rich­tet, also den Zeit­raum (kurz) vor Beginn der Finanz­kri­se. Den Fra­ge­stel­lern geht es ersicht­lich dar­um, fest­zu­stel­len, ob die BaFin mit ihrer Zwölf-Fel­der-Matrix das Risi­ko, wel­ches sich in den Fol­ge­jah­ren tat­säch­lich rea­li­sier­te, ange­mes­sen erfasst und erkannt hat. Die­ses Kon­troll­in­ter­es­se ist gewich­tig, da es um die Auf­ar­bei­tung der Finanz­kri­se und ihrer Ursa­chen sowie um die Mög­lich­kei­ten zur Ver­mei­dung künf­ti­ger Kri­sen durch gege­be­nen­falls ver­bes­ser­te Auf­sichts­me­cha­nis­men geht.
Die Annah­me der Antrags­geg­ne­rin, dass die Ver­öf­fent­li­chung einer Risi­ko­ein­stu­fung von Kre­dit­in­sti­tu­ten in den Jah­ren 2007 und 2008 auch Ende 2010/​Anfang 2011 geeig­net ist, Markt­re­ak­tio­nen aus­zu­lö­sen, die sowohl das jeweils betrof­fe­ne Insti­tut schä­di­gen als auch im Extrem­fall eine neue Finanz­kri­se her­bei­füh­ren kön­nen, ist nicht von vorn­her­ein aus­zu­schlie­ßen. Dabei besteht auch bei den nicht grund­rechts­be­rech­tig­ten ver­staat­lich­ten Finanz­in­sti­tu­ten ein staat­li­ches Inter­es­se an der Ver­mei­dung neu­er Risi­ken bei die­sen und in der Fol­ge auf dem gesam­ten Finanz­markt.
Vor die­sem Hin­ter­grund stellt die Anwen­dung der Geheim­schutz­ord­nung des Deut­schen Bun­des­ta­ges ein Instru­ment eines ange­mes­se­nen Aus­gleichs zwi­schen den ver­fas­sungs­recht­lich anzu Geheim­hal­tungs­in­ter­es­sen der Kre­dit­in­sti­tu­te und der Antrags­geg­ne­rin einer­seits und dem par­la­men­ta­ri­schen Infor­ma­ti­ons- und Kon­troll­in­ter­es­se ande­rer­seits dar.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 7. Novem­ber 2017 – 2 BvE 2/​11
BT-Drs. 17/​3757[↩][↩][↩][↩]
BT-Drs. 17/​3766[↩][↩][↩]
BT-Drs. 17/​3149[↩][↩]
BT-Drs. 17/​4350[↩][↩]
BT-Drs. 17/​3740[↩][↩][↩][↩][↩]
stRspr seit BVerfGE 2, 143, 166 f.; vgl. auch etwa BVerfGE 112, 363, 365; 114, 121, 146; 124, 161, 184; 137, 185, 223 Rn. 104; 140, 115, 138 Rn. 55[↩]
vgl. BVerfGE 4, 144, 152; 102, 224, 231; 108, 251, 270 f.; 136, 277, 299 f. Rn. 60; 139, 194, 220 Rn. 96; 140, 115, 138 Rn. 55[↩]
vgl. BVerfGE 96, 264, 277; 103, 81, 86; 104, 310, 324; 137, 185, 223 Rn. 105; 139, 194, 220 f. Rn. 98[↩]
vgl. BVerfGE 1, 208, 221; 84, 290, 297; 124, 161, 185; 137, 185, 224 Rn. 107; 139, 194, 221 Rn. 99; 140, 115, 144 Rn. 74; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 124, 161, 185; 137, 185, 224 Rn. 107; 139, 194, 221 Rn. 99[↩]
vgl. BVerfGE 124, 161, 185[↩]
vgl. BVerfGE 124, 161, 188; 137, 185, 230 f. Rn. 129; 139, 194, 221 Rn. 99[↩]
vgl. BVerfGE 139, 194, 221 Rn. 99[↩]
vgl. BVerfGE 124, 161, 187; 139, 194, 221 Rn. 99[↩]
BT-Drs. 17/​4008, S. 5[↩]
grund­le­gend BVerfGE 20, 119, 129; 124, 161, 188; 136, 277, 301 Rn. 64; zu einer Son­der­kon­stel­la­ti­on BVerfGE 112, 118, 147 f.[↩]
vgl. BVerfGE 62, 1, 33; 67, 100, 127; 68, 1, 77; 119, 302, 307 f.; 124, 78, 113; 140, 115, 146 Rn. 80[↩]
vgl. BVerfGE 68, 1, 69 ff.; 73, 1, 29 f.; 80, 188, 212; 104, 151, 193 f.; 118, 244, 257; 126, 55, 67 f.; 134, 141, 194 Rn. 160; 136, 190, 192 Rn. 5; 140, 115, 146 Rn. 80[↩]
vgl. BVerfGE 87, 207, 209; vgl. auch BVerfGE 102, 224, 232; 119, 302, 307 f., aller­dings mit der Beson­der­heit, dass zwi­schen­zeit­lich auch die jeweils ange­grif­fe­ne Norm geän­dert wor­den war; sie­he BVerfGE 136, 190, 192 ff. Rn. 4 ff. zum Aus­schei­den des Antrags­geg­ners aus dem Bun­des­tag[↩]
vgl. BVerfGE 119, 302, 308[↩]
vgl. BVerfGE 119, 302, 308; 136, 190, 193 Rn. 7 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 136, 190, 192 f. Rn. 6[↩]
vgl. BVerfGE 121, 135, 152; 131, 152, 194; vgl. auch BVerfGE 137, 185, 230 Rn. 126 f. zur ange­kün­dig­ten Ände­rung der Ant­wort­pra­xis[↩]
vgl. BVerfGE 124, 161, 188; stRspr[↩]
vgl. zum Gan­zen BVerfGE 13, 123, 125; 57, 1, 5; 105, 252, 270; 105, 279, 306; 124, 161, 187 ff.; 137, 185, 230 f. Rn. 129; 139, 194, 223 Rn. 104; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 85[↩]
vgl. BVerfGE 3, 225, 247; 7, 183, 188; 9, 268, 279; 22, 106, 111; 34, 52, 59; 95, 1, 15; 137, 185, 231 Rn. 130; 139, 194, 223 f. Rn. 105; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 86[↩]
vgl. BVerfGE 67, 100, 130; 110, 199, 219, 222; 124, 78, 121; 137, 185, 231 f. Rn. 130; 139, 194, 223 f. Rn. 105; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 86[↩]
vgl. BVerfGE 83, 60, 72; 93, 37, 66; 130, 76, 123; 137, 185, 232 Rn. 131; 139, 194, 224 Rn. 106; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 87[↩]
vgl. BVerfGE 83, 60, 72; 93, 37, 67; 107, 59, 87; 130, 76, 124; 137, 185, 232 Rn. 131; 139, 194, 224 f. Rn. 107; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 87[↩]
vgl. BVerfGE 93, 37, 67 f.; 107, 59, 87 f.; 130, 76, 124; 137, 185, 232 f. Rn. 131; 139, 194, 225 Rn. 107; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 87[↩]
vgl. BVerfGE 130, 76, 128; 137, 185, 233 Rn. 132; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 88[↩]
vgl. BVerfGE 124, 161, 193[↩][↩]
vgl. BVerfGE 70, 324, 355; vgl. auch BVerfGE 130, 318, 344; sie­he fer­ner BVerfGE 84, 304, 329[↩]
vgl. BVerfGE 70, 324, 355 unter Ver­weis auf BVerfGE 40, 237, 249[↩]
vgl. BVerfGE 125, 104, 124; 130, 318, 344[↩]
vgl. BVerfGE 83, 60, 71 f.; 93, 37, 66[↩]
vgl. BVerfGE 44, 125, 147[↩]
vgl. BVerfGE 77, 1, 47; 124, 78, 125[↩]
vgl. BVerfGE 70, 324, 364; 130, 318, 359 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 130, 318, 360[↩]
BVerfGE 130, 318, 342; vgl. auch schon BVerfGE 44, 308, 316; 56, 396, 405; 80, 188, 218; fer­ner BVerfGE 131, 230, 235[↩]
vgl. BVerfGE 130, 318, 342[↩]
vgl. BVerfGE 131, 230, 235[↩]
vgl. BVerfGE 131, 230, 235; 137, 185, 241 f. Rn. 151[↩]
vgl. BVerfGE 130, 318, 353[↩]
vgl. BVerfGE 70, 324, 358 f.; 130, 318, 359; vgl. auch BVerfGE 131, 230, 235[↩]
BVerfGE 130, 318, 359[↩]
vgl. BVerfGE 130, 318, 362; 137, 185, 242 f. Rn. 152[↩]
vgl. BVerfGE 67, 100, 135; 70, 324, 359; 124, 78, 124 f.; 130, 318, 362; 131, 152, 208; 137, 185, 264 Rn.199; 143, 101, 143 Rn. 139; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 97[↩]
vgl. BVerfGE 143, 101, 143 Rn. 139; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 98[↩]
vgl. BVerfGE 137, 185, 264 Rn.199[↩]
BVerfGE 5, 85, 199[↩]
vgl. BVerfGE 137, 185, 264 Rn.200[↩]
vgl. BVerfGE 137, 185, 264 f. Rn.201[↩]
vgl. BVerfGE 124, 78, 118; 143, 101, 135 Rn. 111 zum Beweis­erhe­bungs­recht eines par­la­men­ta­ri­schen Unter­su­chungs­aus­schus­ses[↩]
vgl. BVerfGE 124, 161, 189, 196; 137, 185, 233 Rn. 134; 139, 194, 225 Rn. 107; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 90[↩]
vgl. BVerfGE 124, 161, 196 f. zum Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz; vgl. BVerfGE 139, 194, 225 ff. Rn. 108 ff. zur Bun­des­po­li­zei; vgl. BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 90 zu den Nach­rich­ten­diens­ten des Bun­des[↩]
vgl. Baye­ri­scher Ver­fas­sungs­ge­richts­hof, Ent­schei­dung vom 26.07.2006 – Vf. 11-IVa-05 421 ff.; eben­so Baye­ri­scher Ver­fas­sungs­ge­richts­hof, Ent­schei­dung vom 20.03.2014 – Vf. 72-IVa-12 70 ff. zur Ver­ant­wort­lich­keit der baye­ri­schen Staats­re­gie­rung für die Tätig­keit des Lan­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz; Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 19.08.2008 – 7/​07 246[↩]
vgl. BVerfGE 77, 1, 40; 83, 60, 72; 93, 37, 66; 107, 59, 87; 130, 76, 123[↩]
vgl. BVerfGE 98, 145, 162 f.[↩]
so aber Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 17.01.2000 – 6/​99, NVwZ 2000, S. 671, 672; Baye­ri­scher Ver­fas­sungs­ge­richts­hof, Ent­schei­dung vom 26.07.2006 – Vf. 11-IVa-05 421 ff.; Ver­fas­sungs­ge­richts­hof des Frei­staa­tes Sach­sen, Beschluss vom 05.11.2009 – 133-I-08 107 ff.[↩]
vgl. Ehlers, Ver­wal­tung in Pri­vat­rechts­form, 1984, S. 129 ff.; Drei­er, Hier­ar­chi­sche Ver­wal­tung im demo­kra­ti­schen Staat – Gene­se, aktu­el­le Bedeu­tung und funk­tio­nel­le Gren­zen eines Bau­prin­zips der Exe­ku­ti­ve, 1991, S. 258 f.; Gers­dorf, Öffent­li­che Unter­neh­men im Span­nungs­feld zwi­schen Demo­kra­tie- und Wirt­schaft­lich­keits­prin­zip – Eine Stu­die zur ver­fas­sungs­recht­li­chen Legi­ti­ma­ti­on der wirt­schaft­li­chen Betä­ti­gung der öffent­li­chen Hand, 2000, S. 171 ff., 225 ff.; vgl. auch schon Ipsen, JZ 1955, S. 593, 598 f.[↩]
vgl. BVerfGE 83, 60, 72; 93, 37, 67; 107, 59, 87; 130, 76, 124; 137, 185, 232 f. Rn. 131; 139, 194, 224 f. Rn. 107[↩]
vgl. BVerfGE 107, 59, 88[↩]
vgl. zum akti­en­recht­li­chen Grund­satz BGHZ 36, 296, 306; BGHZ 169, 98, 106 Rn. 18; Haber­sack, in: Mün­che­ner Kom­men­tar zum Akti­en­ge­setz, 4. Aufl.2014, § 111 Rn. 136 ff. m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 67, 100, 139; 110, 199, 214; 124, 78, 120; 131, 152, 206; 137, 185, 233 Rn. 135 ff.; 143, 101, 136 Rn. 117; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 91[↩]
vgl. BVerfGE 124, 78, 120; 137, 185, 233 Rn. 135[↩]
vgl. BVerfGE 9, 268, 279 f.; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 110, 199, 219; 124, 78, 122; 137, 185, 233 Rn. 135; 143, 101, 136 f. Rn. 118; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 91[↩]
vgl. BVerfGE 67, 100, 139; 110, 199, 214, 222; 124, 78, 120; 137, 185, 234 Rn. 136; 143, 101, 137 Rn. 119; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 92[↩]
BVerfGE 137, 185, 235 Rn. 136 mit Ver­weis auf BVerfGE 131, 152, 206[↩]
vgl. BVerfGE 143, 101, 137 Rn. 120; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 93[↩]
vgl. BVerfGE 143, 101, 137 Rn. 121[↩]
vgl. BVerfGE 137, 185, 249 Rn. 168[↩]
vgl. BVerfGE 110, 199, 215; 124, 78, 121[↩]
vgl. BVerfGE 137, 185, 249 f. Rn. 169[↩]
vgl. BVerfGE 67, 100, 139; 110, 199, 216; 124, 78, 121; 137, 185, 250 Rn. 169[↩]
vgl. BVerfGE 110, 199, 219; 124, 78, 122; 137, 185, 250 Rn. 169[↩][↩][↩]
vgl. BVerfGE 110, 199, 221; 124, 78, 122 f.; 137, 185, 250 Rn. 170[↩]
vgl. BVerfGE 67, 100, 142; 76, 363, 387; 77, 1, 46; 124, 78, 125; 137, 185, 243 Rn. 153; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 100[↩]
vgl. BVerfGE 115, 205, 230; 128, 1, 56; 137, 185, 243 Rn. 154[↩]
vgl. BVerfGE 50, 290, 363; 115, 205, 229; 137, 185, 243 Rn. 154; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 105, 252, 265; 115, 205, 229; 137, 185, 243 Rn. 154[↩]
vgl. BVerfGE 86, 28, 37; 115, 205, 230; 137, 185, 243 f. Rn. 154[↩][↩]
BVerfGE 115, 205, 230; 137, 185, 244 Rn. 155[↩]
vgl. BVerfGE 65, 1, 43; 78, 77, 84; 84, 192, 194; 96, 171, 181; 103, 21, 32 f.; 113, 29, 46; 115, 320, 341; 128, 1, 42[↩]
vgl. BVerfGE 65, 1, 43; 67, 100, 143; 84, 239, 279; 103, 21, 33; 115, 320, 341; 128, 1, 42[↩]
vgl. BVerfGE 128, 1, 46; BVerfGK 13, 336, 340[↩]
vgl. BVerfGE 118, 168, 202 f.; 128, 1, 43[↩]
vgl. BVerfGE 118, 168, 204[↩][↩]
vgl. BVerfGE 4, 27, 30; 15, 256, 262; 21, 362, 368 ff.; 35, 263, 271; 45, 63, 78; 61, 82, 100 f.; zuletzt BVerfG, Urteil vom 06.12 2016 – 1 BvR 2821/​11 u.a. 187[↩]
vgl. BVerfGE 45, 63, 79; 61, 82, 102; BVerfG, Urteil vom 06.12 2016 – 1 BvR 2821/​11 u.a. 188[↩]
vgl. BVerfGE 45, 63, 79 f.; 68, 193, 212 f.; BVerfG, Urteil vom 06.12 2016 – 1 BvR 2821/​11 u.a.190[↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 06.12 2016 – 1 BvR 2821/​11 u.a.190; ent­spre­chend zur Fra­ge der Grund­rechts­bin­dung BVerfGE 128, 226, 244, 246 f.[↩]
vgl. BVerfGE 128, 226, 245 f.[↩]
vgl. BVerfGE 128, 226, 246[↩]
vgl. BVerfGE 128, 226, 246 f.; vgl. auch BVerfG, Urteil vom 06.12 2016 – 1 BvR 2821/​11 u.a.204[↩]
vgl. BVerfGE 105, 252, 268; 105, 279, 301[↩]
vgl. BVerfGE 137, 185, 258 Rn. 185 mit Ver­weis auf BVerfGE 115, 205, 233 f.[↩]
vgl. BVerfGE 67, 100, 134 ff.; 124, 78, 123; 137, 185, 240 Rn. 149; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 95[↩]
vgl. BVerfGE 124, 78, 123; 137, 185, 204 Rn. 149[↩]
vgl. BVerfGE 67, 100, 135; 77, 1, 48; vgl. auch BVerfGE 70, 324, 359[↩]
vgl. BVerfGE 67, 100, 135; 70, 324, 359; 137, 185, 240 f. Rn. 149; 143, 101, 143 Rn. 139; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 97 f.[↩]
vgl. BVerfGE 67, 100, 136; 124, 78, 124; 137, 185, 241 Rn. 149[↩]
vgl. BVerfGE 124, 78, 124; 137, 185, 241 Rn. 149[↩]
vgl. BVerfGE 67, 100, 136; 137, 185, 241 Rn. 149; 143, 101, 143 Rn. 138; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 98[↩]
BVerfGE 67, 100, 137; 70, 324, 359; 137, 185, 241 Rn. 150[↩]
vgl. BVerfGE 67, 100, 137; 137, 185, 241 Rn. 150[↩]
vgl. BVerfGE 124, 161, 197[↩][↩]
vgl. Ver­fas­sungs­ge­richts­hof des Frei­staa­tes Sach­sen, Beschluss vom 05.11.2009 – 133-I-08 102; Ham­bur­gi­sches Ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 21.12 2010 – HVerfG 1/​10 77[↩]
vgl. Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 19.08.2008 – 7/​07 252[↩]
vgl. BVerfGE 137, 185, 229 Rn. 124[↩][↩]
vgl. BVerfGE 110, 199, 213; 137, 185, 228 f. Rn. 124[↩]
vgl. Nie­der­säch­si­scher Staats­ge­richts­hof, Urteil vom 22.10.2012 – StGH 1/​12 56 f.[↩]
vgl. BVerfGE 124, 161, 193; 137, 185, 244 Rn. 156[↩]
vgl. BVerfGE 124, 161, 193; 137, 185, 244 Rn. 156; 139, 194, 231 f. Rn. 121; 143, 101, 144 Rn. 143; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 107[↩]
vgl. BVerfGE 139, 194, 232 Rn. 123[↩]
vgl. BVerfGE 124, 78, 128[↩]
vgl. BVerfGE 124, 78, 128 f.[↩]
vgl. BVerfGE 124, 78, 147; BVerfG, Beschluss vom 13.06.2017 – 2 BvE 1/​15 108[↩]
vgl. Hom­mel­hof­f/­Schmidt-Aßmann, Die Deut­sche Bahn AG als Wirt­schafts­un­ter­neh­men, ZHR 160 (1996), S. 521, 551 ff.; Möstl, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 87e Rn. 80 [Nov.2006]; Gers­dorf, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 87e Rn. 47; Ham­mer, Die unter­neh­me­ri­sche Frei­heit der Eisen­bah­nen des Bun­des, DÖV 2011, S. 761, 766 f.; Uerp­mann-Witt­zack, in: v. Münch/​Kunig, GG, 6. Aufl.2012, Art. 87e, Rn. 10; Hei­se, Die Deut­sche Bahn AG zwi­schen Wirt­schaft­lich­keit und Gemein­wohl­ver­ant­wor­tung, 2013, S. 338 ff.; 343 ff.; Wind­horst, in: Sachs, GG, 7. Aufl.2014, Art. 87e Rn. 42[↩]
vgl. Drei­er, in: ders., GG, Bd. I, 3. Aufl.2013, Art. 1 III Rn. 73; vgl. auch Masing, in: Isensee/​Kirchhof, HStR IV, 3. Aufl.2006, § 90 Rn. 34 zu Art. 87f GG[↩]
vgl. Isen­see, Schutz des staats­ab­hän­gi­gen Unter­neh­mens vor Son­der­be­las­tun­gen – Inpflicht­nah­me der Deut­schen Bahn für die bahn­po­li­zei­li­chen Kos­ten des Bun­des­grenz­schut­zes, in: P. Kirch­hof u.a. (Hrsg.), Fest­schrift für Klaus Vogel, 2000, S. 93, 105 f.[↩]
vgl. Ham­mer, Die unter­neh­me­ri­sche Frei­heit der Eisen­bah­nen des Bun­des, DÖV 2011, S. 761, 767 f.[↩]
vgl. Gers­dorf, Ent­geltre­gu­lie­rung im Eisen­bahn­sek­tor, 2015, S. 108 f.[↩]
so Jochum, Die Grund­rechts­bin­dung der Deut­schen Bahn, NVwZ 2005, S. 779, 781; vgl. auch Wind­thorst, in: Sachs, GG, 7. Aufl.2014, Art. 87e Rn. 48, 68[↩]
BT-Drs. 12/​5015, S. 6 f. – ursprüng­li­cher Regie­rungs­ent­wurf[↩]
BT-Drs. 12/​5015, S. 16 – Gegen­äu­ße­rung der Bun­des­re­gie­rung[↩]
BT-Drs. 12/​5015, S. 11[↩]
vgl. BT-Drs. 12/​5015, S. 7[↩]
vgl. Ham­bur­gi­sches Ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 21.12 2010 – HVerfG 1/​10 94[↩]
vgl. Ver­fas­sungs­ge­richts­hof des Frei­staa­tes Sach­sen, Beschluss vom 05.11.2009 – 133-I-08 112[↩]
vgl. BVerfGE 124, 161, 197 f.[↩]
vgl. Kel­ler, in: Hense/​Ulrich, WPO, 2008, § 43 Rn. 54[↩]
vgl. Jah­res­ab­schluss und Lage­be­richt der IKB Deut­sche Indus­trie­bank AG 2008/​2009, S. 18[↩]
vgl. Geschäfts­be­richt 2011, S. 33[↩]
vgl. Geschäfts­be­richt 2016, S. 17[↩]
vgl. BVerfGE 124, 235, 246 f.[↩][↩]
vgl. BVerwG, Beschluss vom 23.06.2011 – 20 F 21.1019 ff.; Hess. VGH, Beschluss vom 02.03.2010 – 6 A 1684/​08 9 ff., 15[↩]
sie­he https://www.federalreserve.gov/faqs/about_12798.htm [zuletzt abge­ru­fen am 12.07.2017]; vgl. auch Heun, Die Zen­tral­bank in den USA: das Federal Reser­ve Sys­tem, in: Staats­wis­sen­schaf­ten und Staats­pra­xis 9 [1998], S. 241, 259 f.[↩]
vgl. Schä­fer, Ban­ken­auf­sichts­recht in Deutsch­land, dem Ver­ei­nig­ten König­reich und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, 2011, S. 110; sie­he auch Heun, Die Zen­tral­bank in den USA: das Federal Reser­ve Sys­tem, in: Staats­wis­sen­schaf­ten und Staats­pra­xis 9 [1998], S. 241, 245, 259 f.[↩]
sie­he http://www.fsa.gov.uk/about/who/accountability/parliament [zuletzt abge­ru­fen am 12.07.2017][↩]
vgl. Kauf­hold, Sys­tem­auf­sicht: Anfor­de­run­gen an die Aus­ge­stal­tung einer Auf­sicht zur Abwehr sys­te­mi­scher Risi­ken ent­wi­ckelt am Bei­spiel der Finanz­auf­sicht, 2016, S. 36 ff., 137 ff., 181 ff.[↩]
vgl. BT-Drs. 3/​1114, S.19 f.[↩]
vgl. Arbeits­grup­pe "Trans­pa­renz" des Bas­ler Aus­schus­ses für Ban­ken­auf­sicht, Ver­bes­se­rung der Trans­pa­renz im Bank­we­sen – Offen­le­gung und auf­sichts­re­le­van­te Infor­ma­tio­nen zur För­de­rung eines siche­ren und soli­den Bank­we­sens, Sep­tem­ber 1998[↩]
vgl. Ohler, Wirt­schafts- und Finanz­markt­be­richt­erstat­tung zwi­schen Medi­en­frei­heit und Regu­lie­rung, AfP 2010, S. 101, 101 f.; Auerbach/​Klotzbach, in: Schwennicke/​Auerbach, KWG, 3. Aufl.2016, § 26a Rn. 1, 3; Hil­len, in: Boos/­Fi­scher/­Schul­te-Matt­ler, KWG, CRR-VO, 5. Aufl.2016, § 26a KWG Rn. 1 ff.[↩]
vgl. Kon­zern­ge­schäfts­be­richt 2010, S. 6 f.[↩]
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