Source: https://www.kfz-expert.de/2019/10/11/urteil-des-ag-aachen-vom-19-12-2017-zur-hoehe-der-sachverstaendigenkosten-und-keine-verweisung-auf-guenstigere-reparaturmoeglichkeit-wenn-das-gutachten-schon-mittlere-ortsuebliche-verrechnungssaetze/
Timestamp: 2020-05-27 14:37:23
Document Index: 51201479

Matched Legal Cases: ['§ 115', '§ 249', '§ 242', '§ 254', '§ 287', 'BGH', '§ 286']

Urteil des AG Aachen vom 19.12.2017 zur Höhe der Sachverständigenkosten und keine Verweisung auf günstigere Reparaturmöglichkeit, wenn das Gutachten schon mittlere ortsübliche Verrechnungssätze berücksichtigt – Kfz-Sachverständigenbüro Dipl.-Ing. Günther Diefenthal
Die Klägerin kann gegen die Beklagte die Zahlung von Gutachterkosten und weiteren Schadenersatzkosten aus § 115 WG’BGB verlangen.
Wird bei einem Verkehrsunfall ein Fahrzeug beschädigt, ist der Gescädigte grundsätzlich berechtigt, einen Sachverständigen mit der Schätzung der Schadenshöhe zu beauftragen und von dem Schädiger gemäß § 249 Abs. 2 S. 1 BGB den Ersatz der objektiv erforderlichen Sachverständigenkosten als Herstellungsaufwand zu verlangen. Als erforderlich sind diejenigen Aufwendungen anzusehen, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten machen würde. Wenn der Geschädigte die Höhe der für die Schadensbeseitigung aufzuwendenden Kosten beeinflussen kann, so ist er nach dem Begriff des Schadens und dem Zweck des Schadensersatzes wie auch nach dem letztlich auf § 242 BGB zurückgehenden Rechtsgedanken des § 254 Abs. 2 S. 1 BGB unter dem Gesichtspunkt der Schadensminderungspflicht gehalten, allein im Rahmen des ihm Zumutbaren den wirtschaftlicheren Weg der Schadensbehebung zu wählen. Deshalb ist bei der Prüfung, ob der Geschädigte den Aufwand zur Schadensbeseitigung in vernünftigen Grenzen gehalten hat, grundsätzlich eine subjektbezogene Schadensbetrachtung anzustellen, d.h. Rücksicht auf die spezielle Situation des Geschädigten, insbesondere auf seine individuellen Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten sowie auf die möglicherweise gerade für ihn bestehenden Schwierigkeiten zu nehmen. Bei der Beauftragung eines Kfz-Sachverständigen darf sich der Geschädigte daher damit begnügen, den ihm in seiner Lage ohne Weiteres erreichbaren Sachverständigen zu beauftragen. Er muss nicht zuvor eine Marktforschung nach dem honorargünstigsten Sachverständigen betreiben. Der Geschadigte genügt seiner Darlegungslast dabei regelmäßig durch Vorlage einer Rechnung des von ihm zur Schadensbeseitigung in Anspruch genommenen Sachverständigen. Die tatsächliche Rechnungshöhe bildet bei der Schadensschätzung nach § 287 ZPO sodann ein wesentliches lndiz für die Bestimmung des zur Herstellung erforderlichen Betrages (BGH, Urteil vom 11.02.2014, Vl ZR 225/13,Rdnr. 7 f. m.w.N – zitiert nach Juris).
Das tatsächliche Anfallen der einzelnen Kostenpositionen erachtet das Gericht ‘aufgrund der substantiierten Darlegung der Klägerseite gemäß §§ 286, 287 ZPO als ausreichend dargelegt.
Hinsichtlich der weiterhin mit Verweis auf die Möglichkeit einer kostengünstigeren Reparatur vorgenommene Ansruchskürzung der Beklagten ist das Gericht der Auffassung, dass in dem Fall, in dem – wie vorliegend geschehen – der Mittelwert der ortsüblichen Stundenverrechnungssätze geltend gemacht wird, ein weiterer Verweis auf eine – noch – kostengünstigere Reparaturmöglichkeit kein Gehör finden kann. Ein Verstoß gegen das Gebot der Wirtschaftlichkeit kann zumindest dann nicht vorliegen; wenn der Geschädigte diejenigen Kosten ansetzt, die ortsüblich anzusetzen sind. Andernfalls würde der Geschädigte zur absolut kostengünstigsten Reparaturmöglichkeit de facto verpflichtet, ohne von seiner Ersetzungsbefugnis – welche ihm im Rahmen des Werkstattrisikos grundsätzlich zusteht – überhaupt Gebrauch machen zu können. Andernfalls würde eben dieses Werkstattrisiko – systemwidrig – in die Befugnis des Schädigers gestellt werden (vgl. zum Ganzen überzeugend LG Düsseldorf vom 13.01.2017 – zitiert nach Juris.)