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Timestamp: 2019-12-14 20:15:05
Document Index: 88060463

Matched Legal Cases: ['§68', '§65', '§69', '§27', '§70', '§68']

Nachprüfung im Gesetz - CityCampus SummerSchool
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Schulrecht ist Landesrecht. Alle Angaben beziehen sich auf das Land Rheinland-Pfalz!
Grundsätzlich sind Nachprüfungen der Rettungsanker, um eine Versetzung in die nächste Klassenstufe sozusagen in "letzter Sekunde" doch noch zu erreichen. Für viele Eltern stellt sich in den kommenden Tagen die Frage, ob denn eine Nachprüfung sinnvoll ist, oder ob die Wiederholung der Klassenstufe nicht vielleicht besser für die schulische Entwicklung des Sohnes/der Tochter wäre.
In der Regel wird die Entscheidung, ob ein Schüler an einer Nachprüfung teilnehmen kann im Rahmen der Zeugniskonferenz (Versetzungskonferenz) entschieden. Durchaus kann es jedoch sinnvoll sein, schon rechtzeitig mit dem Klassenlehrer Kontakt aufzunehmen - so sind Eltern schon vor den Konferenzen darüber informiert, ob diese Möglichkeit von Seiten der Schule überhaupt in Betracht gezogen wird.
Zu bedenken ist Folgendes:
Als Eltern tun Sie Ihrem Kind nicht unbedingt einen Gefallen, wenn Sie unter allen Umständen eine Nachprüfung anstreben! Manchmal ist es für die schulische Entwicklung einfach besser eine Klassenstufe zu wiederholen - z.B. wenn die Lücken so groß sind, dass eine Nachprüfung zwar die Versetzung sichern kann, die Lücken aber im kommenden Schuljahr nicht mit Sicherheit geschlossen werden können.
Voraussetzungen der Zulassung zur Nachprüfung
Nachprüfungen sind für Schüler der RealschulePlus und Gymnasien in den Klassenstufen 6 bis 9 möglich, bei Schülern einer Gesamtschule in der 9. Klasse. Dies sind die Voraussetzungen für eine Zulassung zur Nachprüfung (§68f. SchulO RP 2009):
Der Schüler steht in mindestens zwei Fächern auf einer Notenstufe schlechter als "ausreichend", d.h. auf "mangelhaft" oder "ungenügend".
Der Schüler ist in der 6. bis 9. ( RS+ und Gym.) bzw. 9. (IGS) Klassenstufe. In der 5. und 10. Klassenstufe ist grundsätzlich keine Nachprüfung möglich - ebenso in der gymnasialen Oberstufe. Jedoch kommt eine Nachprüfung für Realschule plus Schüler in der Realität auch nur in der 9. Klasse vor, da in nicht abschlussbezogenen Klassen eine automatische Versetzung erfolgt (§65. Abs. 1 SchulO RP 2009).
Die Lehrer der Versetzungskonferenz müssen der Überzeugung sein, dass der Schüler im nächsten Schuljahr (der nächsten Klassenstufe) in der Lage ist die Lücken zu schließen. Und dies ist gleichzeitig die größte Hürde - immerhin sind die Lehrer zum Zeitpunkt der Zeugniskonferenz der Auffassung, die Leistungen des Schülers entsprechen einem "mangelhaft" oder "ungenügend".
Die Nachprüfung muss in einem der Fächer stattfinden, die schlechter als "ausreichend" bewertet wurden. Nicht möglich ist die Nachprüfung in einem anderen Fach, um dann eine Note zu erhalten, mit der man eine schlechte ausgleichen kann. Bsp: Ein Schüler hat in Mathe und Physik eine 5 ("mangelhaft"). Dann muss die Prüfung in einem dieser Fächer stattfinden. Eine Prüfung in z.B. Englisch zur Verbesserung von"befriedigend" auf "gut", womit dann die Fächer ausgeglichen werden könnten, ist nicht zulässig.
Zur Versetzung muss die Verbesserung um eine Notenstufe im Fach der Nachprüfung ausreichen.
Bei Schülern der sechsten Klasse kann KEINE Nachprüfung stattfinden, WENN diesen in der 5. und 6. Klasse eine Empfehlung zum Wechsel der Schullaufbahn (z.B. Gym --> RS+) ausgesprochen wurde.
In besonderen Fällen (z.B. längere Krankheit) sind - auf Antrag der Eltern - Nachprüfungen in (maximal) zwei Fächern möglich.
Zulassung und Vorbereitung auf die Nachprüfung
Für eine Zulassung zur Nachprüfung müssen zuerst einmal alle Voraussetzungen der Zulassung erfüllt sein. In der Versetzungskonferenz wird dann beratschlagt, ob für diesen Schüler eine Nachprüfung in Frage kommt. In jedem Fall werden die Eltern nach der Entscheidung der Versetzungskonferenz schriftlich darüber informiert.
Wichtig: Falls ein Schüler zu einer Nachprüfung zugelassen wird, müssen die Eltern die Schule innerhalb von drei Tagen nach Zugang darüber informieren, ob ihr Kind an einer Nachprüfung teilnimmt und in welchem Fach die Nachprüfung stattfinden soll.
In jedem Fall ist ist die Entscheidung über die Zulassung zur Nachprüfung vor den Sommerferien zu treffen. Die Prüfung selbst muss spätestens am letzten Tag der Sommerferien stattfinden. Wann die Prüfung frühestens stattfinden darf ist eine "kleine Streitfrage". Da sich schon einige Gerichte mit dieser Frage beschäftigen durften, könnte man denken die Frage sei schon geklärt. Mitnichten ist dies jedoch der Fall. Allenfalls die Tendenz von ca. vier Wochen Vorbereitungszeit für die Nachprüfung lasst sich erkennen. Auch in Schulen ist die Meinung nicht eindeutig: Einige Schulen und Eltern argumentieren, dass Schüler Zeit benötigen um sich auf die Prüfung vorzubereiten und nennen die letzte Ferienwoche als akzeptablen Zeitpunkt. Andere Meinungen hingegen betonen, dass in Frage kommende Schüler sich theoretisch über ein ganzes Schuljahr hinweg vorbereiten konnten und sehen einen relativ frühen Termin als richtig an. Wie es sich im Einzelfall verhält, erfahren betroffene Schüler und Eltern von der Schulleitung. Nachdem die Frage des "Wann" geklärt ist, geht es um die Vorbereitung. Dabei ist idealerweise die Fachlehrkraft behilflich, die den Schüler im letzten Jahr in dem entsprechenden Fach unterrichtet hat. Die Lehrkraft "gibt Hinweise auf den inhaltlichen Rahmen der Nachprüfung und unterbreitet Vorschläge für eine geeignete Vorbereitung" (§69 Abs. 4 SchulO RP 2009). Als Themen sollen vor allem die Bereiche ausgewählt werden, in denen der Schüler bisher Mängel zeigte - so soll eine entsprechende Leistungsverbesserung des Schülers deutlich zu Tage treten. Wer die Prüfung durchführen wird liegt im Ermessen der Schulleitung, in der Regel wird es aber die bisherige Lehrkraft sein, die den Schüler im letzten Schuljahr unterrichtet hat.
Was tun bei einer Nichtzulassung zur Nachprüfung?
Nachprüfungsentscheidungen sind in allererster Linie pädagogisch getroffene Entscheidungen. Sie beziehen sowohl die Leistungsfähigkeit und -prognose als auch die psychische Lage ("Wie wird er/sie auf eine (Nicht-)Versetzung reagieren?") des Schülers mit ein. Falls die Versetzungskonferenz zu dem Entschluss kommt den Schüler nicht zu einer Nachprüfung zuzulassen, gibt es für Eltern/Erziehungsberechtigte nur eine Möglichkeit dagegen vorzugehen:
Einwand: Sie können gegen die Nichtzulassungsentscheidung Einwände geltend machen. In diesem Fall entscheidet die Schulleitung, ob die Einwände berechtigt sind und die Entscheidung der Nichtzulassung zu beanstanden ist. Dazu muss die Entscheidung gegen Rechts- und Verwaltungsvorschriften verstoßen (§27 Abs. 6 SchuG). Dies bedeutet: Reine Einwände wie "aber nächstes Jahr schafft mein Kind das Klassenziel" werden keinen Erfolg haben.
Klage: Eine Klage gegen die Nichtzulassung zur Nachprüfung ist nicht vorgesehen. Es kann lediglich gegen die Entscheidung der Nichtversetzung ein Widerspruch eingelegt werden bzw. gegen die Nichtversetzungsentscheidung der Versetzungskonferenz Klage erhoben werden. Bevor Sie jedoch einen solchen Schritt unternehmen, sollte erst das schulische Wissen des Schülers von dritter Seite prüfen lassen und sich dann mit einem Anwalt beraten.
Auch bei der Erwägung eines solchen Schrittes sollte niemals das Wohl des Kindes außer Acht gelassen werden: In eigentlich allen Fällen (uns sind da keine Außnahmen bekannt), wird eine entsprechende Entscheidung der Konferenzen nicht ohne triftigen Grund gefällt - und manchmal ist die Wiederholung einer Klassenstufe sinnvoll. Uns sind leider mehrere Fälle bekannt, bei dem Schüler von ihren Lehrern "mitgeschleift" wurden und am Ende den Schulabschluss nicht geschafft haben.
Form der Nachprüfung
Die Form der Nachprüfung (§70 SchulO RP 2009) ist vergleichbar mit der Notenfindung während des Schuljahres:
In alle Fächern in denen Klassenarbeiten geschrieben werden, besteht die Nachprüfung aus einer schriftlichen Arbeit, die dem Umfang der bisherigen Klassenarbeiten entspricht. Auch die Zeit, die für die schriftliche Nachprüfung zur Verfügung steht, orientiert sich am Zeitrahmen der bisherigen Klassenarbeiten. Um eine Entscheidung abzusichern, kann in allen Fächern, in denen eine schriftliche Nachprüfung stattfindet, eine zusätzliche mündliche Prüfung angesetzt werden.
In allen anderen Fächern wird eine mündliche Prüfung durchgeführt. In Ausnahmefällen kann die mündliche Prüfung durch eine praktische Prüfung ersetzt werden (wenn es in diesem Fach denn sinnvoll ist). Bei mündlichen Prüfungen ist von ca. 15 Minuten Prüfungszeit (plus Vorbereitungszeit) auszugehen - so zumindest der Richtwert in der Schulordnung - was nicht bedeutet, dass eine Entscheidungsfindung nicht schon nach 10 oder erst nach 20 Minuten erfolgen kann. Für praktische Prüfungen gibt es keine Empfehlung, der Zeitrahmen richtet sich nach der praktischen Aufgabe.
Die Zulassung zur Nachprüfung bringt es mit sich, dass in der Regel vorläufig kein Zeugnis ausgestellt wird. Sobald die Bewertung der Nachprüfung feststeht, wird das Zeugnis ausgestellt und mit folgendem Zusatz versehen:
Falls die Nachprüfung bestanden wurde: "Die Schülerin/Der Schüler wird aufgrund
der Nachprüfung vom [Datum] im Fach [Fach] in die Klassenstufe [Klassenstufe] versetzt.“ (§68 Abs. 3 SchulO RP 2009)
Falls die Nachprüfung nicht bestanden wurde: Es erfolgt ein reiner Nichtversetzungsvermerk, die Tatsache, dass eine Nachprüfung durchgeführt aber nicht bestanden wurde, wird nicht im Zeugnis vermerkt.
Die Zeugnisnoten werden auch durch eine Nachprüfung nicht verändert, d.h. die "schlechten Noten" werden nicht besser - lediglich die Versetzungsentscheidung wird durch eine bestandene Nachprüfung beeinflusst. Auf der anderen Seite können sich Noten durch eine Nachprüfung auch nicht verschlechtern.
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