Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/versichertenberater-entschaedigung-taetigkeit-3133456
Timestamp: 2019-10-18 13:50:51
Document Index: 106903443

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 61', '§ 39', '§ 61', '§ 61', '§ 40', '§ 4', '§ 3', '§ 16', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3']

Ver­si­cher­ten­be­ra­ter – und die Ent­schä­di­gung für die ehren­amt­li­che Tätig­keit | Rechtslupe
Eine Tätig­keit als "Betreu­er" i.S. die­ser Vor­schrift setzt sowohl eine päd­ago­gi­sche Aus­rich­tung als auch einen direk­ten per­sön­li­chen Kon­takt vor­aus 1.
Dies ergibt sich zum einen aus der Begrün­dung des Finanz­aus­schus­ses zum Steu­er­be­rei­ni­gungs­ge­setz 1999 2, mit dem der Begriff des "Betreu­ers" in die Vor­schrift auf­ge­nom­men wor­den ist. Trotz etwai­ger Über­schnei­dun­gen zu den schon zuvor erfass­ten "ver­gleich­ba­ren neben­be­ruf­li­chen Tätig­kei­ten" soll­ten danach aus­drück­lich die­je­ni­gen Tätig­kei­ten erfasst wer­den, die durch einen direk­ten päd­ago­gisch aus­ge­rich­te­ten Kon­takt zu den betreu­ten Men­schen dem Kern­be­reich des ehren­amt­li­chen Enga­ge­ments zuzu­rech­nen sind.
Zum ande­ren ist der sys­te­ma­ti­sche Zusam­men­hang mit den ande­ren Per­so­nen­grup­pen zu berück­sich­ti­gen, die in § 3 Nr. 26 EStG genannt wer­den. Die Tätig­kei­ten als "Übungs­lei­ter, Aus­bil­der, Erzie­her" sind sämt­lich von einer päd­ago­gi­schen Aus­rich­tung geprägt; sie neh­men auf ande­re Men­schen durch per­sön­li­chen Kon­takt Ein­fluss, um auf die­se Wei­se geis­ti­ge und kör­per­li­che Fähig­kei­ten zu ent­wi­ckeln und zu för­dern 3.
Dem­entspre­chend gilt das Erfor­der­nis der päd­ago­gi­schen Aus­rich­tung und des per­sön­li­chen Kon­takts sowohl für die Betreu­er als auch für die ver­gleich­ba­ren neben­be­ruf­li­chen Tätig­kei­ten i.S. des § 3 Nr. 26 EStG. Dass die Tätig­keit unter sozia­len Aspek­ten wün­schens­wert ist, reicht auch unter Berück­sich­ti­gung des Geset­zes­zwecks der Stär­kung des ehren­amt­li­chen Enga­ge­ments und der dadurch gebo­te­nen wei­ten Aus­le­gung des § 3 Nr. 26 EStG nicht aus 4.
"Ver­si­cher­ten­be­ra­ter" ist gemäß § 61 Abs. 1 Satz 1 der Sat­zung der Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV) die Funk­ti­ons­be­zeich­nung für die Ver­si­cher­ten­äl­tes­ten i.S. des § 39 SGB IV. Sie haben ins­be­son­de­re die Auf­ga­be, eine orts­na­he Ver­bin­dung der Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV) zu den Ver­si­cher­ten und den Leis­tungs­be­rech­tig­ten her­zu­stel­len und die­se zu bera­ten und zu betreu­en; sie sol­len in Fra­gen der Ren­ten­ver­si­che­rung Aus­kunft und Rat ertei­len und den Ver­si­cher­ten bei der Aus­fül­lung von Leis­tungs­an­trä­gen behilf­lich sein (§ 61 Abs. 1 Satz 2 der Sat­zung der Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV). Die Ver­si­cher­ten­be­ra­ter wer­den durch die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV) gewählt (§ 61 Abs. 2 Satz 1 der Sat­zung der Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV). Sie üben ihre Tätig­keit ehren­amt­lich aus (§ 40 Abs. 1 Satz 1 SGB IV, § 4 der Sat­zung der Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV).
Zwar hat die Ver­si­cher­ten­be­ra­te­rin danach per­sön­li­chen Kon­takt zu den von ihr bera­te­nen Per­so­nen, denen sie auch Wis­sen über deren Ren­ten­an­sprü­che ver­mit­telt. Im Vor­der­grund steht aber nicht die Ent­wick­lung und För­de­rung der geis­ti­gen Fähig­kei­ten der bera­te­nen Per­so­nen, son­dern die Opti­mie­rung der Ver­mö­gens­si­tua­ti­on die­ser Per­so­nen im Bereich der Ren­ten. Dies bedeu­tet, dass es letzt­lich nur um die Unter­stüt­zung bei Ver­mö­gens- und Finanz­fra­gen geht, die kei­nen päd­ago­gi­schen Cha­rak­ter hat 5.
Aus dem Wort­laut der Vor­schrift ergibt sich, dass es sich bei dem Frei­be­trag gemäß § 3 Nr. 26a EStG um einen Jah­res­be­trag han­delt, der auch dann nur ein­mal zu gewäh­ren ist, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge ver­schie­de­ne neben­be­ruf­li­che Tätig­kei­ten aus­übt 6. Denn Satz 1 stellt im Plu­ral auf die "Ein­nah­men aus neben­be­ruf­li­chen Tätig­kei­ten" ab, die bis zur Höhe von "ins­ge­samt 500 Euro im Jahr" steu­er­frei sein sol­len. Ent­spre­chen­des gilt für die Berech­nung in Satz 3, wenn "die Ein­nah­men für die in Satz 1 bezeich­ne­ten Tätig­kei­ten", d.h. die Ein­nah­men sämt­li­cher Tätig­kei­ten i.S. des Sat­zes 1, "den steu­er­frei­en Betrag", d.h. den Jah­res­be­trag in Höhe von 500 EUR, über­stei­gen.
Die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs steht nicht im Wider­spruch zu sei­ner Ent­schei­dung vom 31.01.2017 7, wonach Ent­schä­di­gun­gen ehren­amt­li­cher Rich­ter für Zeit­ver­säum­nis i.S. des § 16 des Jus­tiz­ver­gü­tungs- und ent­schä­di­gungs­ge­set­zes nicht zu steu­er­ba­ren Ein­künf­ten füh­ren. Weder die ehren­amt­li­che Tätig­keit als Ver­si­cher­ten­be­ra­te­rin noch die ehren­amt­li­che Tätig­keit als Mit­glied eines Wider­spruchs­aus­schus­ses sind mit der Tätig­keit eines ehren­amt­li­chen Rich­ters ver­gleich­bar. Denn die Ver­si­cher­ten­be­ra­te­rin han­del­te nicht wie eine unab­hän­gi­ge Rich­te­rin, son­dern ver­folg­te die Inter­es­sen der Ver­si­cher­ten und ins­be­son­de­re in ihrer Funk­ti­on als Mit­glied eines Wider­spruchs­aus­schus­ses, mit der sie im Ergeb­nis Teil der Selbst­ver­wal­tung der Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV) war- auch die Inter­es­sen der Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV).
vgl. R 3.26 Abs. 1 der Lohn­steu­er-Richt­li­ni­en 2012 ‑LStR; Berg­kem­per in Herrmann/​Heuer/​Raupach ‑HHR, § 3 Nr. 26 Rz 5; von Beckerath in Kirch­hof, EStG, 17. Aufl., § 3 Nr. 26 Rz 50; Hand­zik in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 3 Rz 1018e; Stuhr­mann in Bordewin/​Brandt, § 3 Nr. 26 EStG Rz 27[↩]
vgl. auch BFH, Urteil vom 17.10.1991 – IV R 106/​90, BFHE 166, 72, BSt­Bl – II 1992, 176[↩]
R 3.26 Abs. 8 LStR; HHR/​Bergkemper, § 3 Nr. 26a EStG Rz 2; Blümich/​Erhard, § 3 Nr. 26a EStG Rz 5; Ross in Frotscher/​Geurts, EStG, § 3 Nr. 26a EStG Rz 4; Schmidt/​Levedag, a.a.O., § 3 Rz 96; Hand­zik in Littmann/​Bitz/​Pust, a.a.O., § 3 Rz 1058 i.V.m. 1030a; Tor­möh­len in Korn, § 3 Nr. 26a EStG Rz 8; vgl. auch BFH, Urtei­le vom 23.06.1988 – IV R 21/​86, BFHE 154, 81, BSt­Bl – II 1988, 890; und vom 15.02.1990 – IV R 87/​89, BFHE 160, 307, BSt­Bl – II 1990, 686, zu § 3 Nr. 26 EStG a.F.[↩]