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Timestamp: 2017-12-16 14:02:42
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Matched Legal Cases: ['§ 25', '§ 1', '§ 53', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33']

BaFin veröffentlicht neuen FAQ-Katalog zum Algorithmus-Handel - Lexology
BaFin veröffentlicht neuen FAQ-Katalog zum
Die BaFin präzisiert mit der Veröffentlichung häufig gestellter Fragen und Antworten
(„FAQs“) zum Rundschreiben 06/2013 (BA)—Anforderungen an Systeme und Kontrollen
für den Algorithmushandel von Instituten
(das Rundschreiben) die dort getroffenen
Aussagen. Im Rahmen des algorithmischen Handels setzen Computer bestimmte
Handelsstrategien ohne weiteres menschliches Zutun allein um. Um die jeweils
entstehenden Risiken einzudämmen und Marktmanipulationen zu verhindern, hat die
ESMA im Jahr 2013 entsprechende Guidelines
veröffentlicht. Infolge derer wurden 2013
die Anforderungen an die Organisationspflichten gemäß §§ 25a KWG und 33 Abs. 1 und
1a WpHG angepasst. Das Rundschreiben formuliert in prinzipienorientierter Weise
Anforderungen, die Institute einhalten müssen, wenn sie Algorithmushandel betreiben
und direkte oder geförderte Marktzugänge bereitstellen.
Die am 6. Mai veröffentlichten FAQs der BaFin sollen nun die Transparenz der
Erwartungshaltung der Aufsicht erhöhen und bestehende Anforderungen erläutern.
Dieser Compliance Alert konkretisiert unseren Compliance Alert vom 2. Mai 2014 und
fasst die aktuell von der BaFin veröffentlichten Antworten kurz zusammen.
1 Rundschreiben 6/2013 (BA)-Anforderungen an Systeme und Kontrollen für den Algorithmus-Handel von Instituten,
Geschäftszeichen: BA54-FR2210-2013/0021 vom 18.12.2013
2 ESMA Guidelines on systems and controls in an automated trading environment for trading platforms, investment firms and
competent authorities, ESMA/2012/122, 24 February 2012COMPLIANCE ALERT
Die BaFin fordert, dass Institute (§ 1 Abs. 1b KWG) und Zweigstellen von Unternehmen mit Sitz
im Ausland (§ 53 Abs. 1 KWG) (gemeinsam im Folgenden Institute) bis Anfang Juli 2014 die
Anforderungen des Rundschreibens umsetzen. Sollten sich Verzögerungen bei der Umsetzung
ergeben, die nicht auf ein Versäumnis des jeweiligen Instituts zurückzuführen sind, erwartet die
BaFin gleichwohl, dass spätestens am Jahresende 2014 die vollumfängliche Umsetzung der
Anforderung des Rundschreibens bei allen betroffenen Instituten abgeschlossen ist.
Abgrenzung zwischen Algorithmushandel und einfachen Aufträgen
mit Limits sowie Smart-Order-Routings
Nach Ansicht der BaFin gibt es keine grundsätzliche Ausnahmeregelung für Limit Orders (wie
sog. Trailing-Stop-Loss-Orders oder One-Cancels-the-Other-Orders für Retail-Kunden). Für
einfache Aufträge mit Limits (sog. Stop-Loss-Aufträge) als Eigengeschäft gelten bereits die
Anforderungen des Rundschreibens 10/2012 (BA)—Mindestanforderungen an das
Risikomanagement (MaRisk).
Die Nutzung von Auftragsformaten, die von den Börsen selbst angeboten werden, sieht die
BaFin, wenn die Institute die Aufträge manuell eingeben, nicht als Algorithmushandel an.
Für die BaFin ist allerdings Smart-Order-Routing eine Form des Algorithmushandels, sofern
keine manuelle Intervention bei der Ausführung des Auftrags erforderlich ist. Hierbei ist das
Proportionalitätsprinzip zu beachten.
Die BaFin verweist hierbei nochmal auf den FAQ-Katalog zum Hochfrequenzhandelsgesetz.
Dort hatte sie bereits geklärt, dass—soweit bei einer Order der Ausführungsort nicht vorgegeben
ist und der Algorithmus ausschließlich die Verpflichtung zur bestmöglichen Ausführung von
Kundenaufträgen nach § 33a WpHG umsetzt—dieser nicht in den Anwendungsbereich von § 33
Abs. 1a WpHG zum Algorithmushandel fällt. Weitergehende Smart-Order-Routing-Systeme
fallen jedoch unter § 33 Abs. 1a WpHG.
Auch bei der Frage, wann eine Entscheidung des Systems über die Einleitung, das Erzeugen, das
Weiterleiten oder die Ausführung eines Auftrags ohne menschliche Intervention für anfallende
Geschäfte oder Aufträge vorliegt, verweist die BaFin auf den FAQ-Katalog zum
Hochfrequenzhandelsgesetz. Hier bestimmt die BaFin, dass es darauf ankommt, ob das System
selbstständig entscheidet und über die Einleitung, das Erzeugen, das Weiterleiten oder die
Ausführung von Aufträgen Entscheidungen trifft. Eine Entscheidung des Systems liegt auch
dann vor, wenn das System auf Algorithmen oder einzelne Parameter eines Algorithmus von
anderen Systemen reagiert und als Reaktion ohne weitere menschliche Intervention Aufträge
einleitet, erzeugt, weiterleitet oder ausführt. Keine Entscheidung des Systems liegt dagegen vor,
wenn vor Einleitung, Erzeugung, Weiterleitung oder Ausführung von Aufträgen noch eine
menschliche Intervention erforderlich ist.COMPLIANCE ALERT
Abgrenzung zwischen Algorithmushandel und Hochfrequenzhandel
Die BaFin verdeutlicht nochmals, dass das Rundschreiben organisatorische Anforderungen an
Institute stellt, welche den Algorithmushandel betreiben. Der Hochfrequenzhandel ist dabei
lediglich eine echte Teilmenge des Algorithmushandels. Es kann somit möglich sein, dass ein
Institut das Rundschreiben zu beachten hat, obwohl es keinen Hochfrequenzhandel betreibt.
Unverbindliche Preisempfehlung und interne Kennzeichnungspflicht
Das Rundschreiben formuliert in Teilziffer 7, dass auch unverbindliche Preisempfehlungen
(oder auch sog. nonbinding Quotes) berücksichtigt werden müssen, wenn auf deren Basis ohne
menschliche Intervention verbindliche Aufträge generiert werden. Ein Algorithmus, welcher
unverbindliche Preisempfehlungen erstellt, kann somit als eine Art Sub-Algorithmus angesehen
werden, welcher in Verbindung zu dem Algorithmus steht, der seinerseits weitere Algorithmen
generiert oder bedient (und somit verbindliche Aufträge generiert).
Dies bedeutet, dass nonbinding Quotes dann gekennzeichnet werden müssen, wenn diese zu
einer Ausführung (also zu einem verbindlichen Auftrag) geführt haben. Alles andere wäre ein
exorbitanter Dokumentationsaufwand geworden, den die BaFin hierdurch vermeidet.
Nichtsdestotrotz gilt es zu beachten, dass auch nonbindung Quotes, die zu verbindlichen
Aufträgen geführt haben, für viele Häuser eine enorme Dokumentationsflut darstellen werden.
Allerdings gibt die BaFin den betroffenen Instituten die Möglichkeit, falls einzelne
Anforderungen aus Sicht des Instituts nicht relevant sind und kein Risiko besteht, im Einzelfall
schriftlich zu begründen, dass gerade kein Risiko besteht oder warum die einzelnen
Anforderungen nur sinngemäß umgesetzt werden können.
Bei der geforderten Kennzeichnungspflicht handelt es sich um eine institutsinterne
Kennzeichnung, die nicht auf der Handelsplattform kommuniziert werden muss. Teilziffer 17
Satz 3 des Rundschreibens ist aus Sicht der BaFin vielmehr eine Vereinfachung, da sich ein
Institut bei der praktischen Umsetzung der Vorgabe an bestehenden oder künftigen Pflichten
orientieren kann (um Doppelung zu verhindern). Entscheidend ist, dass ein Institut einen
Auftrag mit dem Algorithmus (oder den Algorithmen) den einzelnen Kunden (oder
Mitarbeitern) zuordnen kann. Auch dies führt zu einem enormen Dokumentations- und ITAufwand bei den jeweils betroffenen Instituten. Diese interne Kenntnis soll gleichzeitig im
Rahmen des Risikomanagements genutzt werden (z.B. im Notfallkonzept).
Beim Betreiben des Algorithmushandels entstehen insbesondere operationelle sowie
Reputationsrisiken. Diese können beispielsweise durch marktmissbräuchliches Verhalten oder
das Eingehen von Risiken entstehen, die aus Sicht der Kunden/Mitarbeiter unüberschaubar und
unbeherrschbar sein können. Hierbei ist eine Klärung durch die Geschäftsleitung für den Fall
einzuholen, dass ein Institut im Rahmen der Risikoinventur, entgegen der Vermutung des
Rundschreibens, zu dem Ergebnis kommen sollte, dass der von ihm betriebene
Algorithmushandel kein wesentliches Risiko darstellt.COMPLIANCE ALERT
Überprüfung der Handelsplattformen
Die Institute haben zu überprüfen, inwieweit die beteiligten Handelsplattformen über ein aus
Sicht des Instituts angemessenes Risikomanagement und ausreichende Notfallpläne verfügen.
Wichtig ist dabei, dass die Analyse der Handelsplattformen entweder durch das interne
Risikomanagement des Instituts vorgenommen oder diesem zumindest kommuniziert wird.
Hierbei genügt es, Erklärungen dieser regulierten Märkte
3 über die Umsetzung der Leitlinien
Nr. 1, 3, 5 und 7 des Leitlinienbündels ESMA/2012/122 einzuholen.
Vorabkontrolle, Echtzeit und zeitnahe Überwachungen
Dieser Punkt stellt die Institute vor erhebliche organisatorische, IT-System-technische und
kapazitätsmäßige Probleme.
Eine der zentralen Anforderungen des Rundschreibens ist ein dreiteiliges Auftragskontrollsystem, welches abhängig von Art, Umsatz und Komplexität der Algorithmen von den Instituten
risikoangemessen umgesetzt werden muss.
• Erstens muss das Institut vor Versenden des Auftrags sicherstellen, dass im Rahmen dieser
Vorabkontrolle die geeigneten Limite eingerichtet sind (z.B. Kontrahentenlimite,
Emittentenlimite). Die Institute müssen selbstständig festlegen, welche Limite sie als
geeignet für die Vorabkontrolle betrachten.
• Zweitens ist jeder Auftrag vom Risikocontrolling in Echtzeit zu überwachen. Die BaFin hat
bewusst auf eine regelbasierte Definition von Echtzeit durch Vorgabe einer exakten
Zeitspanne verzichtet. Um die Anforderungen risikoangemessen umsetzen zu können, kann
das Institut somit für die jeweiligen Handelsgeschäfte Methoden für eine angemessene
Echtzeitkontrolle festlegen und somit den maximalen Zeitraum zwischen den Kontrollen
selbst bestimmen. Die BaFin erwartet jedoch, dass Institute für Handelsgeschäfte vorab
einen Zeitraum und die Methoden für die Kontrollen definieren (so erwartet sie
beispielweise einen kürzeren Zeitraum im Kontext des Hochfrequenzhandels als bei weniger
häufigen Handelsgeschäften).
Die BaFin erwartet zudem, dass die „Echtzeit“, also die Zeitspanne der Kontrolle nach dem
Geschäft, mit Zunahme der Risikostruktur des Geschäftes geringer werden muss. D.h. je
schneller und komplexer das Geschäft, desto schneller muss die Kontrolle sein.
Diese Echtzeitkontrollen können durchaus automatisiert sein. Jedoch müssen Mitarbeiter in
die Lage versetzt werden, bei Bedarf rechtzeitig gegenzusteuern zu können. Generell sind
alle Geschäfte in Echtzeit in der Positionsführung darzustellen und auf die Limite
anzurechnen. Sofern Risikolimite und deren Auslastung auf Basis eines value at risk
Ansatzes vergeben und ermittelt werden, ist sich die BaFin der technischen Restriktion für
die kontinuierliche Berechnung bewusst. In diesen Fällen ist durch leicht ermittelbare
im Sinne von „regulated markets“, also Börsen und regulierten Handelsplattformen.COMPLIANCE ALERT
operationelle Limite (Volumenlimite oder ähnliches) sicherzustellen, dass die Risikolimite
bis zum nächsten Berechnungszyklus nicht überschritten werden können.
Im Kontext der Funktionstrennung legt die BaFin Wert darauf, dass das Risikocontrolling in
Echtzeit über (drohende) Limitverletzungen informiert wird. Das Risikocontrolling muss die
Information unabhängig vom Handel erhalten können. Dies kann über ein entsprechendes
Benutzerberechtigungskonzept erfolgen. Es bleibt dem Institut unbenommen, auf Ebene des
Handels noch granularere Limite (bis auf Desk- oder Händlerebene) vorzugeben.
• Drittens hat das Institut zeitnah zu überwachen, ob im Handel gegen das WpHG verstoßen
wird, ob also beispielsweise eine Marktmanipulation vorliegt. Eine automatisierte „zeitnahe
Überwachung“ der Einhaltung des WpHG kann je nach Einzelfall z.B. bis zum
Handelsbeginn am nächsten Tag erfolgen. Im Einzelfall kann eine manuelle Bearbeitung
auch zeitnah nach Handelsbeginn des Folgetages erfolgen.
Dies bedeutet also, dass die BaFin grundsätzlich davon ausgeht, dass bei einer über-NachtVerarbeitung, die grundsätzlich bei Compliance-Systemen vorherrscht, vor Handelsbeginn
am nächsten Tag die Überwachung (und auch deren Auswertung) erfolgt sein muss. Da ITSysteme hierbei nur Treffer über Nacht generieren können, bleibt es weiterhin erforderlich,
dass Mitarbeiter insbesondere von Compliance-Funktionen sich der generierten Treffer vor
Handelsbeginn annehmen müssen.
Fremdbezug und Auslagerung bzgl. Algorithmen
Institute müssen geeignete Vorkehrungen treffen, um sicherzustellen, dass sie ihre Algorithmen
verstehen und beherrschen und dass alle notbedingten Prüfungs- und Kontrollrechte gewahrt
bleiben, auch im Falle eines Fremdbezugs oder Auslagerung der Algorithmen.
Es ist nachvollziehbar zu dokumentieren, warum ein Algorithmus eine bestimmte
Handelsentscheidung getroffen hat. Daher sind alle relevanten Marktdaten sowie nicht
ausgeführte Aufträge und Preisempfehlungen drei Monate lang aufzubewahren bzw. verfügbar
zu halten. Dabei ist der Umfang der zu dokumentierenden Marktdaten vom Institut
eigenverantwortlich festzulegen. Das Institut muss zumindest in der Lage sein, für
abgeschlossene Transaktionen (einschließlich der stornierten) die für den Abschluss
ausschlaggebenden Marktdaten mit hinreichender Genauigkeit rekonstruieren zu können. Bei
unverbindlichen Preisempfehlungsdaten ist dabei auf die Algorithmen abzustellen, welche
verbindliche Aufträge generieren. Im Einzelfall kann ein Institut begründen, warum Marktdaten
nicht als relevant eingestuft werden, welche zur Erzeugung der unverbindlichen
Preisinformationen genutzt werden. Diese relevanten Daten im Sinne des Risikomanagements
können sich von den Daten unterscheiden, welche gemäß Teilziffer 63 des Rundschreibens
mindestens 5 Jahre zu dokumentieren sind, um Marktmissbräuche entdecken zu können.COMPLIANCE ALERT
Unterscheidung zwischen direktem/gefördertem Marktzugang und
Online-Banking im Retail-Bereich
Nach Ansicht der BaFin ist der Begriff „Handel betreiben“ nach § 33 Abs. 1a WpHG weit
auszulegen. Neben dem Eigenhandel der Wertpapierdienstleistungsunternehmen ist hier auch
der Fall erfasst, dass ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen, das z.B. Mitglied/Teilnehmer
oder Nutzer einer Handelsplattform ist, bestimmten Kunden (darunter geeignete
Gegenparteien) die elektronische Übermittlung von Aufträgen an die internen elektronischen
Handelssysteme des Instituts gestattet, um diese unter der Handels-ID des Instituts
automatisch an bestimmte Handelsplattformen weiterzuleiten. Soweit der Kunde
algorithmischen Handel betreibt, muss sich das Wertpapierdienstleistungsunternehmen auf
geeignete Art und Weise versichern, dass der Kunde die gesetzlichen Vorgaben nach § 33 Abs. 1a
WpHG einhält.
Nicht erfasst hiervon werden allerdings Retail-Kunden, die ihre Order über Online-Systeme der
Banken aufgeben, insbesondere auch im Online-Banking, soweit hier die Aufträge nur über das
Internet an die Bank weitergeleitet werden, ohne dass sie inhaltlich bearbeitet werden. Somit
kann ein Institut im Einzelfall begründen, warum das jeweilige Online-System kein
direkter/geförderter Marktzugang ist.
Anforderungen für algorithmisch-erzeugte Aufträge für Kunden
Hier ist die Sichtweise des Instituts ausschlaggebend. Wenn aus Sicht des Instituts keine
menschliche Intervention nötig ist, gelten die Anforderungen in Kapital 8 des Rundscheibens
für alle Aufträge, unabhängig davon, ob diese manuell oder algorithmisch vom Kunden erzeugt
wurden. Ist jedoch nach Einschätzung des Instituts eine menschliche Intervention durch das
Institut nötig, liegt kein direkter/geförderter Marktzugang im Sinne dieses Rundschreibens vor.
Dauer der existierenden Geschäftsbeziehungen zwischen Institut und
Kunde, wenn ein direkter/geförderter Marktzugang angeboten wird
Das Rundschreiben formuliert Anforderungen an die erforderlichen Eigenschaften des Kunden,
dem direkter/geförderter Marktzugang angeboten werden soll. Dabei gibt die BaFin keine
konkreten Kriterien vor, wann ein Institut „eine ausreichend lange und intensive
Geschäftsbeziehung“ unterhält. Ein Jahr gilt dabei als Orientierungsgröße für den Zeitraum, in
welchem der Kunde Geschäfte mit dem Institut betrieben haben sollte. Das Institut muss
allerdings in jedem Fall in der Lage sein zu beurteilen, welche Art von Geschäften der Kunde
betreibt, welche konkreten Vorkehrungen er bzgl. des Risiko- und Compliance-Managements
getroffen hat und wie vertrauenswürdig solvent der Kunde ist. Will ein Institut einen
direkten/geförderten Marktzugang an Kunden oder eine lange und intensive
Geschäftsbeziehung vorgeben, sind gesonderte adäquate und weitaus konservativere Prozesse
vom Institut zu entwickeln.COMPLIANCE ALERT
Die BaFin hat nun durch die FAQ weitere Präzisierungen in Bezug auf die Umsetzung des
Algorithmushandels und des Hochfrequenzhandels in Instituten in Deutschland vorgenommen.
Bemerkenswert ist dabei, dass bei der internen Kennzeichnungspflicht nur noch unverbindliche
Quotierungen dokumentiert werden müssen, die zu verbindlichen Aufträgen führen. Auch gilt es
hervorzuheben, dass die Nutzung von Auftragsformaten, die von Börsen angeboten werden,
wenn Aufträge manuell eingegeben werden, von der BaFin nicht als Algorithmushandel durch
Institute angesehen werden. Dies hatten wir bereits in unserem Compliance Alert vom 2. Mai
2014 diskutiert. Eine grundsätzliche Ausnahmeregelung für spezielle Auftragsvarianten, z.B.
bestimmte Limit Orders, macht die BaFin jedoch nicht.
Zu einer echten Herausforderung wird jedoch das dreiteilige Auftragskontrollsystem führen, das
von der BaFin verlangt wird. Hier gilt es, das besondere Augenmerk auf die Überwachung durch
das Risikocontrolling in Echtzeit zu legen. Ferner stellt es auch eine organisatorische
Herausforderung dar, zeitnah (und damit nach Ansicht der BaFin im Einzelfall bis zum
Handelsbeginn am nächsten Tag) eine Überwachung sicherzustellen, ob bei einem Handel
gegen das WpHG verstoßen wurde oder beispielsweise Marktmanipulation vorliegt.
Die betroffenen Institute sind gehalten, die in diesem Alert beschriebenen Anforderungen der
BaFin zeitnah und damit grundsätzlich bis Anfang Juli 2014 umzusetzen. Die BaFin erwartet
jedoch, dass, je nach Umsetzungsaktivitäten in den einzelnen Häusern, die vollumfängliche
Umsetzung der Anforderungen des Rundschreibens 6/2013 (BA) bei allen betroffenen
Instituten bis zum Jahresende 2014 spätestens abgeschlossen ist.