Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/rueckruf-einer-ueberweisung-auf-gekuendigtes-konto-337412
Timestamp: 2020-01-29 06:09:55
Document Index: 291211603

Matched Legal Cases: ['§ 37', '§ 37', '§ 676', '§ 667', '§ 780', '§ 667', '§ 677', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Rück­ruf einer Über­wei­sung auf ein gekün­dig­tes Kon­to | Rechtslupe
Rückruf einer Überweisung auf ein gekündigtes Konto
Über­weist das Finanz­amt eine Steu­er­erstat­tung auf ein frü­he­res, inzwi­schen von der Bank gekün­dig­tes Kon­to­kor­rent­kon­to des Steu­er­pflich­ti­gen, obwohl die­ser ihm dafür ein ande­res Kon­to benannt hat, kann es den Erstat­tungs­be­trag auch dann nicht von der Bank zurück­for­dern, wenn die­se den­sel­ben mit einem fort­be­stehen­den Schul­den­sal­do auf dem betref­fen­den Kon­to ver­rech­net hat.
Das Finanz­amt hat kei­nen Rück­zah­lungs­an­spruch gegen die Bank gemäß § 37 Abs. 2 Satz 1 AO. Nach die­ser Vor­schrift hat der­je­ni­ge, auf des­sen Rech­nung gezahlt wor­den ist, gegen den Leis­tungs­emp­fän­ger einen Anspruch auf Erstat­tung des gezahl­ten Betra­ges, wenn ohne recht­li­chen Grund gezahlt wor­den ist. Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall war nicht die Bank die Emp­fän­ge­rin der Leis­tung des Finanz­amt, son­dern der Steu­er­pflich­ti­ge war als Inha­ber des Steu­er­erstat­tungs­an­spru­ches- Leis­tungs­emp­fän­ger i.S. des § 37 Abs. 2 Satz 1 AO.
Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits 1 aus­ge­führt hat, will das Finanz­amt mit einer Über­wei­sung auf ein vom Steu­er­pflich­ti­gen ange­ge­be­nes Kon­to nicht zu Guns­ten des Kre­dit­in­sti­tuts, son­dern mit befrei­en­der Wir­kung gegen­über dem Anspruchs­be­rech­tig­ten leis­ten, der das Kon­to ange­ge­ben hat. Das Kre­dit­in­sti­tut ist nicht Leis­tungs­emp­fän­ger, son­dern ledig­lich die vom Steu­er­pflich­ti­gen bezeich­ne­te Zahl­stel­le, und zwar selbst dann, wenn es das Kon­to vor der Über­wei­sung des Finanz­amt gekün­digt hat. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat sich damit der Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs 2 ange­schlos­sen, der in der Ent­ge­gen­nah­me des Über­wei­sungs­be­tra­ges und des­sen Ver­bu­chung auf dem intern wei­ter­ge­führ­ten Kon­to ein Han­deln für den frü­he­ren Kon­to­in­ha­ber – wei­ter­hin als Zahl­stel­le – sieht. Denn die Bank ist in Nach­wir­kung des Giro­ver­tra­ges ver­pflich­tet, Zah­lun­gen, die sie – wozu sie befugt ist 3- für den frü­he­ren Kun­den ent­ge­gen­nimmt, auf dem bis­he­ri­gen Kon­to ent­spre­chend § 676f Satz 1 BGB zu ver­bu­chen bzw. nach § 667 BGB her­aus­zu­ge­ben. Mit der Gut­schrift erfüllt sie dem­nach eine eige­ne nach­ver­trag­li­che Pflicht, wäh­rend sich die Leis­tung zwi­schen dem Über­wei­sen­den, der die fehl­ge­hen­de Zah­lung ver­an­lasst hat, und dem Über­wei­sungs­emp­fän­ger voll­zieht 4.
Die­se Erwä­gun­gen sind nicht nur auf den sei­ner­zeit ent­schie­de­nen Fall anwend­bar, in dem das Kre­dit­in­sti­tut den Über­wei­sungs­be­trag letzt­lich an den Insol­venz­ver­wal­ter aus­ge­kehrt hat­te. Aus ihnen folgt viel­mehr auch für die vor­lie­gen­de Fall­kon­stel­la­ti­on, in der die Bank den ein­ge­buch­ten Erstat­tungs­be­trag mit dem Schuld­sal­do auf dem Kon­to­kor­rent­kon­to ver­rech­net hat, dass sie mit der Ein­bu­chung ihrer nach­wir­ken­den Ver­pflich­tung aus dem Giro­ver­trag gegen­über dem Steu­er­pflich­ti­gen nach­ge­kom­men ist. Denn nimmt eine Bank berech­tig­ter­wei­se eine Zah­lung ent­ge­gen und ver­bucht sie auf dem vor­ma­li­gen Kun­den­kon­to, so ver­hält sie sich ent­spre­chend ihrer nach­wir­ken­den Ver­pflich­tung aus der Kon­to­kor­rentab­re­de, unab­hän­gig davon, ob sich das Kon­to im Soll oder im Haben befin­det.
Soweit der Bun­des­fi­nanz­hof in den Beschlüs­sen vom 28. Janu­ar 2004 5 und vom 6. Juni 2003 6 eine ande­re Auf­fas­sung ver­tre­ten hat, hält er dar­an nicht fest.
Wenn nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs die Bank eines Über­wei­sungs­emp­fän­gers im mehr­glied­ri­gen Über­wei­sungs­ver­kehr regel­mä­ßig nur als blo­ße Leis­tungs­mitt­le­rin, d.h. als Zahl­stel­le des Über­wei­sungs­emp­fän­gers han­delt und als sol­che in kei­ner­lei Leis­tungs­ver­hält­nis zu dem Über­wei­sen­den steht, kann von ihr unter kei­nen Umstän­den die Her­aus­ga­be einer Fehl­über­wei­sung ver­langt wer­den, wenn sie den Über­wei­sungs­be­trag auf dem Kon­to des Über­wei­sungs­emp­fän­gers gut­ge­schrie­ben hat. Aus­drück­lich for­mu­liert der Bun­des­ge­richts­hof: "Wenn der Emp­fän­ger vom Über­wei­sen­den irr­tüm­lich falsch bezeich­net wird, liegt ein Feh­ler im Valu­t­aver­hält­nis (d.h. zwi­schen dem Über­wei­sen­den und dem Über­wei­sungs­emp­fän­ger) vor, der grund­sätz­lich auch in die­sem berei­che­rungs­recht­lich abzu­wi­ckeln ist."
Indem die Bank im Streit­fall den vom Finanz­amt über­wie­se­nen Betrag ent­spre­chend dem Über­wei­sungs­auf­trag auf dem Kon­to des Steu­er­pflich­ti­gen ver­bucht und mit dem bestehen­den Schuld­sal­do ver­rech­net hat, hat sie für den frü­he­ren Kon­to­in­ha­ber gehan­delt und die Über­wei­sung offen­kun­dig nicht etwa als Zah­lung an sich ange­se­hen. Denn sie hat sich inso­weit ent­spre­chend ihren nach­wir­ken­den Pflich­ten aus dem Giro­ver­trag ver­hal­ten. Die Ver­rech­nung der Gut­schrift mit dem bestehen­den Schuld­sal­do ist in dem bank­üb­li­chen sei­ner­zeit auch mit A bestehen­den- Kon­to­kor­rent­ver­hält­nis begrün­det und stellt des­halb kei­ne eige­ne Zweck­be­stim­mung der Bank über die Ver­wen­dung der ein­ge­gan­ge­nen Über­wei­sung dar. Ob die Bank im Innen­ver­hält­nis zu A berech­tigt war, die Gut­schrift zu ver­rech­nen oder ob der Steu­er­pflich­ti­ge aus einem abs­trak­ten Schuld­ver­spre­chen bzw. aner­kennt­nis gemäß §§ 780 f. BGB oder unmit­tel­bar aus §§ 667, 681 Satz 2, § 677 BGB einen ggf. pfänd­ba­ren- Anspruch auf Her­aus­ga­be des Betra­ges hat­te 7, ist für den vor­lie­gen­den Rechts­streit nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich und bedarf des­halb kei­ner Erör­te­rung.
Nicht zu ent­schei­den hat der Bun­des­fi­nanz­hof bei der gege­be­nen Fall­ge­stal­tung, ob das Finanz­amt einen zivil­recht­li­chen Kon­dik­ti­ons­an­spruch gegen die Bank hät­te, wenn die­se die ein­ge­gan­ge­ne Über­wei­sung etwa zur Til­gung eines noch valu­tie­ren­den Dar­le­hens ver­wen­det hät­te.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22. Novem­ber 2011 – VII R 27/​11
Kla­ge auf Rück­zah­lung geleis­te­ter Brut­to­ar­beits­ver­gü­tung Ver­langt der Arbeit­ge­ber die Rück­zah­lung geleis­te­ter Brut­to­ar­beits­ver­gü­tung, schließt dies die Arbeit­neh­mer­an­tei­le zur Sozi­al­ver­si­che­rung ein 8. Bei der…
BFH in BFHE 227, 360, BSt­Bl II 2010, 255[↩]
BGH, Urteil in BGHZ 170, 121, NJW 2007, 914[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 21.03.1995 – XI ZR 189/​94, Zeit­schrift für Wirt­schafts­recht und Insol­venz­pra­xis ZIP- 1995, 659, m.w.N.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 15.11.2005 – XI ZR 265/​04, ZIP 2006, 17, II.01.[↩]
BFH, Urteil vom 28.01.2004 – VII B 139/​03, BFH/​NV 2004, 762[↩]
BFH, Urteil vom 06.06.2003 – VII B 262/​02, BFH/​NV 2003, 1532, m.w.N.[↩]
vgl. BGH, Urteil in BGHZ 170, 121, II.01. b bb, NJW 2007, 914[↩]
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