Source: https://ratsinfo.leipzig.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1011809
Timestamp: 2019-06-24 13:37:51
Document Index: 59599508

Matched Legal Cases: ['§ 78', '§ 79', '§ 78', '§ 79', '§ 79', '§ 2', '§ 78', '§ 79', '§ 78', '§ 79']

Vorlage - VI-DS-06936
Betreff: "Jahr der Industriekultur 2020" i.V.m. überplanmäßigen Aufwendungen nach § 78 in Anlehnung an § 79 (1) SächsGemO
23.04.2019 FA Wirtschaft und Arbeit
26.04.2019 FA Kultur
Ratsversammlung (Fortsetzung vom 15.05.2019) geändert beschlossen
Die Stadt Leipzig beteiligt sich an dem vom Freistaat Sachsen für das Jahr 2020 ausgerufenen Themenjahr „Industriekultur“ in umfassender Form. Dafür stellt die Stadt Leipzig maximal 350.000 Euro zur Verfügung.
Der Stadtrat beschließt die zweckgebundene Verwendung der Mittel entsprechend Punkt 9 „Übersicht Vorschlag Zuschuss Stadt Leipzig“ der Vorlage. Die Mittel sollen sowohl als Zuwendungen gemäß Rahmenrichtlinie ausgereicht werden (Festbetragsfinanzierung), als auch der Mittelbewirtschaftung durch die Stadt Leipzig zur Verfügung stehen.
Für die Aktivitäten zum „Jahr der Industriekultur 2020“ werden in 2019 überplanmäßige Aufwendungen nach § 78 in Anlehnung an § 79 (1) SächsGemO i.H.v.
a) 60.000 € im Innenauftrag „Industriekultur“ (104153020551)
b) 10.000 € im PSP-Element „Theater der Jungen Welt“ (1.100.26.1.0.02) bestätigt. Die Deckung erfolgt aus dem PSP-Element „Dezernat IV – Kultur“ (1.100.11.1.1.02.24).
„Für die Aktivitäten zum „Jahr der Industriekultur 2020“ werden in 2020 überplanmäßige Aufwendungen nach § 79 (1) SächsGemO i.H.v.
a) 30.000 € im PSP-Element „Theater der Jungen Welt“ (1.100.26.1.0.02)
b) 6.500 € im PSP-Element „Stadtgeschichtsforschung/Bildungsauftrag“ (1.100.11.1.6.02.03) bestätigt.
Die Deckung erfolgt aus dem PSP-Element „Dezernat IV – Kultur“ (1.100.11.1.1.02.24).
Die Vorlage informiert über die geplanten Aktivitäten im Jahr der Industriekultur 2020 in Leipzig, mit denen aus Sicht der Stadt Leipzig das Thema Industriekultur einen breiten Interessentenkreis auf unterschiedlichste Weise nahegebracht werden soll. Anknüpfend an verschiedene Zielstellungen geht es darum, das Jahr der Industriekultur sowohl für die Stadtgesellschaft als auch für Touristen nachhaltig erlebbar zu machen. Ein zentrales Anliegen ist dabei neben der Reflexion der Industriekultur aus kultureller und wissenschaftlicher Sicht der Diskurs über die Industrie von morgen als gesellschaftliche Komponente.
1.Bedeutung der Industriekultur für Leipzig / Anknüpfungspunkte
2.Ziele des Themenjahres / Themenjahre vs. Jubiläen?
3.Prozess Programmplanung „Jahr der Industriekultur 2020“
4.Kernvorhaben im „Jahr der Industriekultur 2020“
5.Förderung kultureller Projekte mit einem innovativen Bezug zur „Industriekultur“
6.Öffentlichkeitsarbeit und Marketing / Kooperation mit der LTM GmbH
7.Kooperation mit der 4. Sächsischen Landesausstellung „Boom!“ in Sachsen
8.Einbindung von Unternehmen / Nachhaltigkeit
9.Übersicht Vorschlag Zuschuss Stadt Leipzig
10.Folgen bei Nichtbeschluss
Bedeutung der Industriekultur für Leipzig / Anknüpfungspunkte
Der Freistaat Sachsen hat das Jahr 2020 zum Jahr der Industriekultur ausgerufen. Mit diesem Themenjahr soll das Landesthema Industriekultur insgesamt gestärkt und einer breiteren Öffentlichkeit nähergebracht werden. Akteure und Netzwerkpartner werden mit ihren Aktivitäten bekannter gemacht, aber auch weiter vernetzt und qualifiziert.
Da der Schwerpunkt der Aktivitäten des Freistaates mit der 4. Sächsischen Landesausstellung „Boom!“ auf dem südwestsächsischen Raum um Chemnitz/Zwickau liegt, besteht die Herausforderung für die Stadt Leipzig darin, unter Nutzung der beträchtlichen Potentiale vor Ort einen originären Beitrag zum Jahr der Industriekultur zu leisten und die Bedeutung sowie die Ausstrahlung der einst mit Abstand größten sächsischen und mitteldeutschen Industriestadt für eine breite Öffentlichkeit überzeugend herauszuarbeiten.
Das identitätsstiftende Thema Industriekultur ist dafür prädestiniert, bei einem breiten Adressatenkreis Entdeckerfreude zu wecken, Stolz auf vergangene und gegenwärtige Leistungen besonders am Wohnort und in der Region zu fördern und junge Menschen auf konkrete Weise an die Arbeitswelt und ihre Fortschritte und Veränderungen heranzuführen. Dabei geht es nicht nur um den Prozess der Produktion, sondern auch um die Verknüpfung des Themas in die unterschiedlichsten Bereiche:
- Kultur (Unternehmer als Stifter, Mäzene, Sponsoren)
- Kunst (Produktdesign, grafische Gestaltung für Werbeplakate)
- Architektur (nicht nur Industriebauten sondern auch Bauten für die Arbeiterschaft: Stichwort Meyer’sche Häuser)
- evidente Bezüge zur Messe −Überschneidungen von Industrie- und Verkehrsentwicklung
- Zeitzeugen, die (nicht mehr existierende) Unternehmen aus ihren eigenen Arbeitswelten erlebten / erleben
- Lost Places vs. Räume für Kreative / Freie Szene
Leipzig ist heute wie kaum eine andere Stadt für die kreative Umnutzung von ehemaligen Fabrikhallen bekannt. Die Geschichte der einstigen Firmen ist meist nicht mehr sichtbar. Warum wurden sie gebaut und verändert? Was wurde hier hergestellt? Was trieb die Unternehmer an? Wie beeinflusste die Fabrikarbeit das Leben der Menschen? Wie veränderte die Industrie Stadt und Umland? Welche Identitäten entstanden? Welche Brüche gab es? Welche Potentiale stecken heute im industriekulturellen Erbe?
Ziele des Themenjahres / Themenjahre vs. Jubiläen?
Das Jahr der Industierkultur in Leipzig soll keine (einseitige) Rückschau in die prosperierende Stadt des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts sein, es stellt vielmehr Bezüge zur pulsierenden Urbanität der Gegenwart her. Zukunftsorientierte Fragen sind dabei u.a. die nach den Arbeitswelten von Morgen und den Anforderungen von Industrie an die moderne Stadt.
Die Ziele der Stadt Leipzig im „Jahr der Industriekultur 2020“ sind:
- einen breiten Adressatenkreis ansprechen und Entdeckerfreude wecken
- junge Menschen auf konkrete Weise an die Arbeitswelt und ihre Fortschritte und Veränderungen heranführen
- Unternehmen dich Möglichkeit bieten, sich im Wettbewerb um Fachkräfte in anderen Formaten zu präsentieren
- das Thema nachhaltig über das Jahr 2020 hinaus entwickeln
Seit dem Jahr 2009 verfolgt die Stadt Leipzig das Ziel, mit der Bündelung identitätsstiftender und öffentlichkeitswirksamer Potenziale auf ein jährlich wechselndes Leipziger „Leuchtturm“-Thema (bei Beibehaltung der Qualität des kulturellen Angebots in der gesamten Breite) die Anziehungskraft der Kommune zu erhöhen und ihren hohen Qualitätsanspruch zu untermauern. Die Themenauswahl folgte einer Kette von historisch bedeutsamen, weit über Leipzig hinaus wahrgenommenen und reflektierten Jubiläen.
So erfolgreich die einzelnen Jubiläumsjahre für sich waren, stellt sich langfristig die Frage, ob thematische Schwerpunktsetzungen entlang historischer Daten erfolgen sollten, oder ob das Konzept der „Themenjahre“, das besser auf gegenwärtige Fragestellungen reagieren kann, ein geeigneteres ist.
Ab dem Jahr 2021 wird die Dichte der historischen Ereignisse, die bisher den Jubiläumskalender prägten, abnehmen. Dies sollte als Chance begriffen werden, bewusste thematische Setzungen vorzunehmen, die auch einen historischen Bezug haben können, vielmehr aber im „Heute“ verankert sind. Das vom Freistaat Sachsen ausgerufene Jahr der Industriekultur 2020 bietet die Möglichkeit, beispielhaft das Konzept „Themenjahr“ in Leipzig zu erproben.
Leipzigs Themensetzungen und Jubiläen wirken identitätsstiftend nach innen und imageprägend nach außen. Sie zeigen Leipzig als weltoffene und vielstimmige Kulturstadt und unterstützen die Ziele des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes „Leipzig 2030“.
Prozess Programmplanung „Jahr der Industriekultur 2020“
Zur Entwicklung erster programmatischer Inhalte wurde im Herbst 2017 die „Arbeitsgruppe Jahr der Industriekultur 2020 in Leipzig“ unter der Leitung des Dezernats Kultur ins Leben gerufen. Sie umfasst Experten und institutionelle Partner zum Thema Industriekultur sowie Multiplikatoren aus dem Tourismussektor.
- Bürgermeisterin für Kultur, Dr. Skadi Jennicke (Vorsitz)
- Industriekultur e.V. (Vorsitzender: Prof. Markus Krabbes, HTWK)
- Leipziger Messe GmbH (Geschäftsführer: Martin Buhl-Wagner)
- Stadtgeschichtliches Museum (Direktor: Dr. Volker Rodekamp / Dr. Anselm Hartinger)
- Stadtarchiv Leipzig (Direktorin: Dr. Beate Berger)
- Museum für Druckkunst (Direktorin: Dr. Susanne Richter)
- Sächsisches Staatsarchiv, Außenstelle Leipzig (Leitung: Dr. Volker Jäger)
- Sächsisches Wirtschaftsarchiv e.V. (Vorsitzender: Ulf Kühlewind)
- Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (Geschäftsführer: Volker Bremer)
- Koordinierungsstelle Sächsische Industriekultur (Dr. Dirk Schaal)
- Helge-Heinz Heinker (Wirtschaftsjournalist)
Die Arbeitsgruppe hat erste Kernvorhaben im Jahr der Industriekultur 2020 für die vorliegende Vorlage definiert. Diese wurden in einer Jurysitzung bewertet und gerankt, um eine finanzielle Unterstützung durch die Stadt Leipzig abzuschätzen. Zugleich haben sich anschließend die Projektideen weiter qualifiziert. In einem zweiten Schritt sollen Projektmittel auf Grundlage der Rahmenrichtlinie öffentlich ausgeschrieben werden (siehe Punkt 5), um einen breite Beteiligung am Jahr der Industriekultur 2020 zu ermöglichen.
Kernvorhaben im „Jahr der Industriekultur 2020“
Aus dem geschilderten Prozess stellen sich zum jetzigen Zeitpunkt (Stand: 18.02.2019) folgende Kernvorhaben dar, mit denen das Jahr der Industriekultur in 2020 in Leipzig gestaltet werden soll. Darüber hinaus gibt es Gespräche mit weiteren potenziellen Partnern, mit deren Projekten beispielsweise die Themen Rüstungsindustrie und Zwangsarbeit oder die Bedeutung von jüdischen Unternehmerinnen und Unternehmen für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt reflektiert werden sollen.
Ziel ist es, die unterschiedliche inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Industriekultur“ mit monatlich punktuellen Veranstaltungen zu verankern und somit auch ein „Jahresangebot“ zu schaffen.
Projekt- und Themenkalender (noch nicht alle Vorhaben sind terminiert):
Projekt/Thema
bereits im Januar 2019
200. Geburtstag von Karl Heine und Verleihung des Karl-Heine-Preises
Nov 2019 bis Februar 2020
Leipziger Stadtbibliothek: Ausstellung zum 100. Geburtstag des Fotografen Karl Heinz Mai am 28. Februar 2020 (fotografische Dokumentation der Nachkriegszeit)
Dezember 2019 bis Feb 2020
Museum der bildenden Künste / Industriekultur e.V. Leipzig: „Der optimierte Mensch. Industriekultur im Spiegel der bildenden Kunst“
Verleihung des Karl-Heine-Preises als Auftakt des Jahres der Industriekultur 2020 in Leipzig
Preisverleihung und Auftakt
Februar bis November 2020
Stadtarchiv Leipzig: „Die Entwicklung Leipzigs zur Großstadt“
Museum für Druckkunst Leipzig: Das Auge des Fotografen. Industriekultur in der deutschen Fotografie seit 1900
Schwerpunktthema Industriekultur bei der Umsetzung des bundesweiten „Tag der Archive“
4. Sächsisches Landesausstellung: „Boom!“ in Zwickau
Stadtgeschichtliches Museum: „Industrie Stadt Mensch. Zeitschneisen in die Leipziger Industriekultur“
Theater der Jungen Welt: „Über sieben Brücken“
Schaubühne Lindenfels: „Bohei & Tamtam“
Kunst, Markt, Fest auf der Karl-Heine-Straße
Führungen, Vorträge, Interaktion
November 2020 – Mai 2021
Messe „Denkmal“
Grassimuseum für Angewandte Kunst: „Reklame. Verführung in Blech“
„Ausstellung zum 100. Geburtstag des Fotografen Karl Heinz Mai am 28. Februar 2020“
18. November 2019 bis 29. Februar 2020
In Zusammenarbeit mit der Fotothek Mai Leipzig und dem Lehmstedt Verlag Leipzig.
Museum der bildenden Künste / Industriekultur e.V. Leipzig
„Der optimierte Mensch. Industriekultur im Spiegel der bildenden Kunst“
Laufzeit: 12. Dezember 2019 bis 29. Februar 2020
Drei industrielle Revolutionen liegen hinter uns, die vierte, die Digitalisierung, bewegt uns rasant. Credo all dieser Revolutionen ist der Fortschritt durch Technik. Doch welche Auswirkung diese Technikeuphorie auf die Menschen hat, wurde und wird in Industrie und Gesellschaft kaum hinreichend kritisch hinterfragt. Vielmehr sind es die Künste, die eine Katalysatorfunktion übernehmen, indem sie mehrere Facetten der industriellen Revolutionen offenbarten. Dabei changierten sie von heroischen Darstellungen bis hin zur komplexen Kapitalismuskritik. Dazwischen viele Graustufen, welche zum Nachdenken bewegen. Sie fordern unwillkürlich die Frage nach dem Selbst heraus.
Die Ausstellung mit dem (Arbeits-)Titel „Der optimierte Mensch“ soll über mehrere Einzelthemen insbesondere das Verhältnis von Mensch und Maschine reflektieren. Der Fokus liegt auf Leipzig und Umgebung. Das meint den traditionell gewachsenen Wirtschaftsraum um die Metropolen Leipzig und Halle, der entscheidend durch die Leipziger Messe geprägt wurde.
Laufzeit: 6. März bis 28. Juni 2020
Industrie Stadt Mensch
Zeitschneisen in die Leipziger Industriekultur
Laufzeit: 10. Mai – 01. November 2020
Leipzig war und ist eine bedeutende Industriestadt in Mitteldeutschland. Die Ausstellung stellt rückblickend Produkte und Leistungen ausgewählter Firmen und Arbeitswelten dar sowie Zukunftsprojekte moderner Unternehmen. Themenschwerpunkte sind auch Infrastrukturen wie Schiene, Straße, Luft- und Wasserwege. Deren Vernetzung macht Leipzig einzigartig. Zudem wird die Dynamik der Stadtentwicklung gezeigt. Die Industrialisierung war Motor dieser Entwicklungen und ist bis heute sichtbare unternehmerische Vision als kulturelles Erbe, über Technik und Architektur hinaus. Industrialisierung veränderte das Leben der Menschen. Es entstanden neue Milieus und Kulturen, Freizeitverhalten und „Urbanität“. Indem beispielhaft die Umnutzung ehemaliger Industriestandorte gezeigt wird, wird Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbunden.
Die Idee einer Präsentation der Ausstellung auf dem Gelände der Halle 7 (Vergleiche Anfrage) wurde nach erster Prüfung nicht weiterverfolgt.
„Über sieben Brücken“
Der einst von Industrie geprägte Leipziger Westen ist heute ein kulturelles Zentrum der Stadt. 2020 wird dieses lebhafte Viertel mit seinen prägenden Brücken im Sommertheater des Theaters der Jungen Welt (TdJW) open air in theatralen und musikalischen Collagen in neuem, bisher unbekanntem Licht zu erleben sein. Historische Ereignisse und fiktionale Geschichten fügen sich zu einem Karneval der Kulturen im öffentlichen Raum und lassen bekannte Alltagsorte neu erleben. Akteure der Stadtgesellschaft und nachbarschaftliche Initiativen sind dabei ebenso involviert, wie Zeitzeugen des Wandels im Leipziger Westen. Mit dieser Veranstaltung knüpft das TdJW an die erfolgreichen Sommertheater auf dem Karl-Heine-Kanal an, bei denen die Zuschauer auf Booten sitzend ein Theatererlebnis am Ufer und auf Brücken erleben können.
„Bohei & Tamtam“ – Kunst Markt Fest auf der Karl-Heine-Straße
„Bohei & Tamtam“ ist nicht nur der einzige Straßenmarkt der Stadt, sondern gleich ein ganzes Festival. Boulevard trifft Industriegeschichte, trifft Street-Art, trifft Off-Kultur. Präsentiert werden altes und neues Handwerk, Kreativwirtschaft, Kunst und Populärkultur. Ein Tag als Festival, gestaltet von Akteuren, Flaneuren, Erfindern, Kreativen, Einheimischen und Zugezogenen, Anliegern und Touristen – 2020 auch unter überregionaler und internationaler Beteiligung. Aktuelle und brisante Themen und Fragen der Städte im Wandel werden lokalisiert und im Quartier verhandelt: Mobilität, Nachhaltigkeit, Gentrifizierung, Migration, bezahlbarer Wohnraum, Zukunft der Arbeit. Dies geschieht nicht nur im Gespräch an den Ständen zahlreicher Vereine und Organisationen, sondern auch im Format eines gemeinschaftlich gestalteten Umzuges unter dem geschichtlich-pointierten Titel „Parade der Werktätigen“, dem Höhepunkt von „Bohei & Tamtam“.
Industriekultur e.V. Leipzig / IHK
8. Tage der Industriekultur 2020 / Offenes Werktor
03. – 06. September 2020
Mittlerweile sind die Tage der Industriekultur in Leipzig schon zur Tradition geworden: Das reichhaltige Programm für diese vier Tage ist gefüllt mit Höhepunkten für sämtliche Interessen. Die Veranstaltungen widmen sich der Industriemetropole Leipzig, deren Entwicklung eng mit dem Großunternehmer und Pionier Karl Heine verbunden ist. Außerdem zeigen sie, wie kreativ man dem industriekulturellen Erbe heute begegnen kann. Erleben können das die Besucher auf verschiedenen Themenrouten, die auch in die Region führen – von Museen und historischen Sammlungsbeständen bis hin zur Route „Offenes Werktor“, bei der etwa 30 erfolgreiche Industrieunternehmen einen Einblick in ihre Arbeit geben.
Reklame. Verführung in Blech
Laufzeit: 26. November 2020 – 09. Mai 2021
Werbung ist so alt wie der Handel. Doch Ende des 19. Jahrhunderts trat ein neues Medium an die Öffentlichkeit, das so präsent wurde, dass bald von der „Blechpest“ die Rede war. Bunte Emailschilder an Häuserwänden und Geschäftseingängen animierten die Kundschaft mit einprägsamen Motiven und markanten Sprüchen zum Kaufen. Viele Schilder orientierten sich stark an den zeitgenössischen Kunstströmungen, vom Jugendstil bis zur neuen Sachlichkeit, und nicht wenige wurden von bedeutenden Künstlern entworfen. In der Ausstellung wird ein breites Themenspektrum gezeigt, das von der Automobilwerbung, über Nahrungsmittel bis hin zu exotischen Kolonialwaren reicht. Manche Werbebotschaft und Marke ist noch heute bekannt. Das emaillierte Blech garantierte eine lange Lebensdauer und war dem Papierplakat in dieser Hinsicht überlegen. Dennoch war der abrupte Niedergang der Emailschilder in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert nicht zu verhindern.
Terminierung noch offen:
Sächsisches Wirtschaftsarchiv e.V. Leipzig / Universität Leipzig
Wissenschaftliche Konferenz: „Von der Industriemetropole zur resilienten Stadt. Leipzig im regionalen und überregionalen Vergleich“
Die Friedliche Revolution von 1989 brachte für die wirtschaftliche Entwicklung Leipzigs den wohl tiefsten Einschnitt seiner neueren Geschichte: Aus der bisherigen Industriemetropole wurde für einige Jahre eine Stadt der Industriebrache, der Arbeitslosigkeit, der Neuorientierung hin zu einem Dienstleistungszentrum. Erst 2002 setzte mit der Neuansiedlung von Porsche eine Trendwende ein, und Leipzig begann, erneut zu einem Industriezentrum zu werden. Allerdings waren es nicht mehr die traditionellen Industrien, die Leipzig seit dem 19. Jahrhundert zu einer Industriemetropole gemacht hatten – die Textil-, die Graphische, die Musikinstrumenten- und viele andere, die im beginnenden 21. Jahrhundert für eine erneute Blüte der Leipziger Gewerbelandschaft sorgten, sondern für hiesige Verhältnisse neue Industrien, allen voran die Automobilbranche, Logistik- und Transportunternehmen. Diese neuen Industriecluster bewirkten eine Re-Industrialisierung Leipzigs in vergleichsweise kurzer Zeit und in ihrem Gefolge einen bis dahin nicht mehr für vorstellbar gehaltenen wirtschaftlichen und demographischen Aufschwung. Diese Leipzig-spezifische Entwicklung – vielleicht einzigartig in den Neuen Bundesländern – lässt sich sehr gut mit dem Konzept der resilienten Stadt in Verbindung bringen: „Resilienz“ bedeutet die Fähigkeit eines komplexen adaptiven Systems – etwa einer Stadt –, eine Krise, ein disruptives Ereignis, nicht nur zu überstehen, sondern sogar noch gestärkt aus dieser hervorzugehen.
Die Konferenz stellt die Frage, warum sich gerade Leipzig – anders als viele andere ehemalige Industriezentren in den Neuen Bundesländern – durch einen derart hohen Grad an Resilienz, an Widerstandsfähigkeit gegen Krisen und Kraft zur ‚Neuerfindung‘ seiner selbst, auszeichnet.
„Industriegeschichte immersiv erleben“
Laufzeit noch offen
Multimedial – digital – interaktiv! Dafür steht das Kunstkraftwerk Leipzig. In dem ehemaligen Heizkraftwerk im Stadtteil Lindenau/Plagwitz lassen spektakuläre 360°-Videoshows die Besucher in andere Welten eintauchen, sei es in die Zeit der Renaissance oder die Malerei Hundertwassers. In Kooperation mit zahlreichen Partnern ist für 2020 eine Show geplant, die sich gezielt mit Leipzigs industrieller Geschichte auseinandersetzt. Dabei wird authentisches Bild- und Filmmaterial, das die Stadtgeschichte, die Lebensweise von Arbeitern und Unternehmern oder die Entwicklung von Berufsbildern zeigt, mit Musik untermalt und aufwendig in Szene gesetzt.
Von der Messehalle zum Stadtarchiv
Die bewegte Geschichte des ehemaligen Sowjetischen Pavillons
Mit dem Bau der Technischen Messe wurde die Stadt Leipzig einerseits ihrer Rolle als Messestandort und andererseits ihrer industriellen sowie wirtschaftlichen Entwicklung gerecht. Die Ausstellung zeigt die bewegte Geschichte des ehemaligen Sowjetischen Pavillons und heutigen Standorts des Leipziger Stadtarchivs – auf einzigartige Weise treffen sich hier Architektur und Ingenieurskunst, Wirtschaft und Industrie, Sport und Kultur. 1923/24 für den Verein Deutscher Werkzeugmaschinen-Fabriken als damals größter Hallenbau
Deutschlands errichtet, folgten der ersten Nutzung zur Leipziger Frühjahrsmesse 1925 zahlreiche sportliche Großereignisse außerhalb der Messezeiten, wie die Sechstagerennen, Boxkämpfe oder das Bundeskegeln. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Umbau zur
Ausstellungshalle der Sowjetunion 1950–52 setzte sich die duale Nutzung als Messehalle und Veranstaltungsort mit dem Deutschen Evangelischen Kirchentag und kulturellen Veranstaltungen bis weit nach 1990 fort.
Eine begehbare Industriestadt (Arbeitstitel)
In einer Erlebnisausstellung in einer alten Industriehalle (möglicherweise) wird eine begehbare Industriestadt in einer Art Labyrinth präsentiert. Dies wird möglich, indem großformatige linearisierte Straßenbilder von Industriekomplexen und Stadtszenen verwendet werden. Zusätzlich wird die Rolle der Industrialisierung für unsere heutige Gesellschaft thematisiert.
Berbau-Technik-Park im Leipziger Neuseenland
Ein authentischer Ort der Industriekultur
Der Schaufelradbagger im Bergbau-Technik-Park ist schon von Weitem sichtbar. Die Freilichtausstellung an der A 38 widmet sich dem Braunkohlenbergbau, der bis 1990 das Landschaftsbild rund um Leipzig bestimmte. Die heutige Freizeitregion Leipziger Neuseenland verdankt ihre Entstehung der jahrzehntelangen Gewinnung, Veredlung und Nutzung der Braunkohle.
Außerdem planen LOFFT – Das Theater, das Sächsische Staatsarchiv, der Verein Deutsches Museum für Galvanotechnik e.V., die VDI GaraGe gemeinnützige GmbH, das Eisenbahnmuseum, das Westwerk und weitere Partner Projekte im Jahr der Industriekultur 2020.
Förderung kultureller Projekte mit einem innovativen Bezug zur „Industriekultur“
Um den vielfältigen Möglichkeiten des Themas „Industriekultur“ gerecht zu werden, soll ein spezielles Förderverfahren entwickelt werden. Es sollen innovative, offene und bürgernahe Projekte gefördert werden, die einen Bezug zur Gegenwart herstellen.
Die Kriterien sind u.a.
- „Industriekultur“ aus einer gegenwärtigen Perspektive betrachten
- Fragen zum Thema der „Zukunft der Arbeit“ stellen
- neue Kooperationsformen, beispielsweise mit Akteuren aus der Wirtschaft, erproben
- jüngere Zielgruppen erreichen und maßgeblich die kulturelle Bildung unterstützen
- stark in die Stadtgesellschaft hineinstrahlen
- intermedial ausgerichtet sind oder neue Interaktionsformen einbeziehen.
Die Ausschreibung wird per Pressemitteilung veröffentlicht; sie wird im Amtsblatt und auf der städtischen Webseite platziert. Außerdem wird sie über die Kanäle der freien Kunst und Kultur kommuniziert (z.B. Leipzig+Kultur). Der Einreichungsschluss für die Projekte soll im September 2019 liegen. Die eingereichten Projekte werden von einer Jury, u.a. bestehend aus Experten zur Industriekultur, Vertreter/-innen des Stadtrates, Vertreter/-innen der Verwaltung, bewertet und zur Entscheidung gebracht. Die finanziellen Mittel sollen anschließend auf der Grundlage der städtischen Rahmenrichtlinie ausgereicht werden.
Öffentlichkeitsarbeit und Marketing / Kooperation mit der LTM GmbH
Der Freistaat Sachsen hat bereits im Jahr 2017 das einheitliche Logo zum Jahr der Industriekultur vorgestellt. „Mit dem Logo als gemeinsamem Erkennungszeichen können die beteiligten Kultur- und Forschungseinrichtungen, Schulen, Unternehmen, Archive und Tourismusorganisationen unentgeltlich werben und auf sich aufmerksam machen.“, so das SMWK.
Auch hat der Freistaat eine gemeinsame Website www.industriekultur-in-sachsen.de eingerichtet, auf der alle Akteure ihre Programmpunkte einpflegen können.
Für die Stadt Leipzig wurde im Februar 2019 in enger Abstimmung mit dem Referat Kommunikation die Website www.leipzig.de/industriekultur2020 angelegt, auf der sukzessive alle Veranstaltungen im Jahr der Industriekultur kalendarisch veröffentlicht werden.
Der Außenauftritt, insbesondere überregional und international, soll gemeinsam mit der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH entwickelt werden. Die LTM GmbH hat im Februar 2019 einen ersten Programmflyer zum Jahr der Industriekultur in Leipzig veröffentlicht. Zielpunkt dieser Maßnahmen war die Internationale Tourismusbörse Anfang März 2019. Damit wurde es Reiseveranstaltern möglich, das Jahr der Industriekultur in ihre Programmplanungen aufzunehmen.
Langfristig sind weitere Printmaterialien, Gewinnspiele, Social Media Aktivitäten sowie der Versand von Pressemeldungen über das OTS-Netzwerk der news aktuell GmbH (dpa-Gruppe, Reichweite: bis zu 750.000 weltweite Kontaktadressen zu Journalisten, Redaktionen und Bloggern) in Planung.
Kooperation mit der 4. Sächsischen Landesausstellung „Boom!“ in Sachsen
Auf Basis der bisherigen Projektideen fanden Abstimmungen mit den Kuratoren der 4. Sächsischen Landesausstellung „Boom!“ statt. Die Leipziger Überlegungen wurden hier als ein wichtiger, eigenständiger Beitrag zum Themenjahr des Freistaates Sachsen gesehen, die die Ziele der Landesausstellung ergänzen und die Thematik Industriekultur deutlich weiter fassen, als es in Zwickau möglich sein wird. Aktuell werden Kooperationsmöglichkeiten geprüft, die folgende Punkte umfassen sollen (Auswahl):
- Gemeinsame Pressekonferenz mit den Bürgermeistern aus Leipzig, Chemnitz und Zwickau
- Präsentation der Leipziger Akteure im Audi-Bau Zwickau (Zentralausstellung) und umgekehrt: Präsentation der Sächsischen Landesausstellung bei den Industriekultur-Akteuren in Leipzig
- Gegenseitige Bewerbung über Sondermedien (Freie Presse und Publikationen der Stadt Leipzig wie das Amtsblatt)
- Gegenseite Online-Vermarktung (Verlinkung auf Webseiten, Teilen von Social-Media-Beiträgen)
Einbindung von Unternehmen/ Nachhaltigkeit
Mit den in der Vorlage dargestellten Zielsetzungen und Projekten sollen Unternehmen vor Ort angesprochen und erfragt werden, ob eine Beteiligung am Jahr der Industriekultur für sie von Interesse ist. Für eine mögliche Zusammenarbeit sind verschiedene Optionen denkbar: Nutzung von Kommunikationswegen der Unternehmen, um die Angebote zu bewerben oder als Präsentationplattform für Unternehmen. Primär geht es darum, Partner in der Wirtschaft zu finden, die sich aus ihrer Tradition heraus den historischen Aspekten des Industriekulturjahres in Leipzig verpflichtet fühlen, genauso wie Unternehmen, die nach 1990 vor Ort neu entstanden sind und sich über ihren Unternehmenszweck in die Stadtgesellschaft einbinden.
Ein Ziel des „Industriekulturjahres“ ist die Verstetigung des Themas in Leipzig über 2020 hinaus. Die zahlreichen, bisher sehr individuell agierenden Akteure im Bereich der Industriekultur sollen ihre Kräfte bündeln und damit eine stärkere Wahrnehmung von „Industriekultur“ in all ihren Facetten in Leipzig bewirken. In Abhängigkeit von der Resonanz auf das Jahr der Industriekultur prüft die Stadt Leipzig, ob mit einer finanziellen Förderung eines noch zu bestimmenden Partners das Thema Industriekultur weiter entwickelt werden kann.
Übersicht Vorschlag Zuschuss Stadt Leipzig
Zur Gestaltung des vorab angeführten Programms stellt die Stadt Leipzig 350.000 Euro zur Verfügung. Es handelt sich dabei, gemäß §§ 2 Abs. 1 SächsKRG; 2 Abs. 3 und Satz 1 und 2 SächsGemO, um eine weisungsfreie Pflichtaufgabe der Gemeinde. Die Mittel stehen im Haushaltsplan der Stadt Leipzig 2019/20 planmäßig zur Verfügung.
Im Detail zeigt sich folgender Mittelbedarf:
Programm „Kernvorhaben“
Industriekultur e.V.
Ausschreibung Kulturprojekte
„Freie Szene“
Überregional (LTM GmbH)
Regional / Presse / Werbemittel
Gesamt 2019 / 2020
Sollte der Vorlage nicht zugestimmt werden, kann das sächsische Jahr der Industriekultur 2020 in Leipzig nicht umgesetzt werden.
ja, Erläuterung siehe Punkt 10.
Für das Jahr 2020 stehen aus Sicht des Dezernates Kultur zwei zentrale Themen im Fokus, die einen originären und exponierten Bezug zur Stadt Leipzig haben. Zum einen jährt sich der 100. Todestag des Leipziger Künstlers Max Klinger, zu dessen Würdigung den Stadtrat eine separate Vorlage erreichen wird. Zum anderen stand die Stadt Leipzig vor der Frage, ob das Jahr der Industriekultur, das vom Freistaat Sachsen ausgerufen wurde, auch ein Leipziger Thema von Bedeutung ist. Die umfängliche Auseinandersetzung mit der Industriekultur in dieser Stadt mündet in diese Vorlage, die dem Stadtrat vorschlägt, in 2020 mit dem Thema entsprechende Akzente zu setzen.
Anlagen: Flyer „Industriekultur“ der Stadt Leipzig und der LTM GmbH für die ITB 2019
1 Flyer Industriekultur (5032 KB)
VI-DS-06936 "Jahr der Industriekultur 2020" i.V.m. überplanmäßigen Aufwendungen nach § 78 in Anlehnung an § 79 (1) SächsGemO 02.4 Dezernat Kultur Beschlussvorlage
VI-DS-06936-ÄA-01 "Jahr der Industriekultur 2020" i.V.m. überplanmäßigen Aufwendungen nach § 78 in Anlehnung an § 79 (1) SächsGemO Geschäftsstelle der SPD-Fraktion Änderungsantrag