Source: https://www.tuhh.de/tuhh/uni/informationen/ordnungen-richtlinien/richtlinie-zur-sicherung-guter-wissenschaftlicher-praxis.html
Timestamp: 2017-03-29 15:04:47
Document Index: 288571931

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 2', '§ 3', '§ 4', '§ 5', '§ 80', '§ 6']

TUHH – Universität – Informationen – Ordnungen & Richtlinien – Richtlinie zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis
TUHHUniversitätInformationenOrdnungen & RichtlinienRichtlinie zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis
Richtlinie zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten an der Technischen Universität Hamburg-Harburg
§ 1 Gute wissenschaftliche Praxis Wissenschaftliche Arbeit beruht auf Grundprinzipien, die in allen wissenschaftlichen Disziplinen gleichermaßen gelten. Oberstes Prinzip ist die Wahrhaftigkeit gegenüber sich selbst und anderen. Sie ist zugleich ethische Norm und Grundlage der von Disziplin zu Disziplin verschiedenen Regeln wissenschaftlicher Professionalität, d. h. guter wissenschaftlicher Praxis. Als Beispiele guter wissenschaftlicher Praxis kommen insbesondere in Betracht: allgemeine Prinzipien wissenschaftlicher Arbeit, insbesondere lege artis zu arbeiten,Resultate zu dokumentieren,die eigenen Ergebnisse konsequent selbst anzuzweifeln,strikte Ehrlichkeit im Hinblick auf die Beiträge von Partnern, Konkurrenten und Vorgängern zu wahren, Zusammenarbeit und Leitungsverantwortung in Arbeitsgruppen,die Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses,die Sicherung und Aufbewahrung von Primärdaten,wissenschaftliche Veröffentlichungen als Medium der Rechenschaft von Wissenschaftlern über ihre Arbeit,die Achtung fremden Eigentums,die Einhaltung ethischer Standards bei der Durchführung von Erhebungen. Gute wissenschaftliche Praxis läßt sich nur durch das Zusammenwirken aller Mitglieder der Universität verwirklichen. Die Einhaltung und Vermittlung der dafür maßgebenden Regeln obliegt in erster Linie den einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, auch soweit sie als Projektleiter, Leiter von Arbeitsgruppen, Betreuer oder sonst als Vorgesetzte tätig sind. Die Forschungsschwerpunkte und Studiendekanate der Technischen Universität Hamburg-Harburg nehmen die ihnen übertragenen Aufgaben in der Ausbildung, in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und in der Organisation des Forschungs- und Wissenschaftsbetriebes wahr. Sie sind daher dafür verantwortlich, die organisatorisch-institutionellen Voraussetzungen für die Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis zu schaffen. § 2 Wissenschaftliches Fehlverhalten Wissenschaftliches Fehlverhalten liegt vor, wenn gegen das Prinzip der Wahrhaftigkeit bewußt oder grob fahrlässig verstoßen wird, insbesondere wenn Falschangaben gemacht werden, geistiges Eigentum anderer verletzt oder die Forschungstätigkeit anderer beeinträchtigt wird. Ein Fehlverhalten von einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kommt insbesondere in Betracht bei: Falschangaben durch Erfinden von DatenVerfälschung von Daten und Quellen, wie z. B. durch Unterdrücken von relevanten Quellen, Belegen oder Texten,Manipulation von Quellen, Darstellungen oder Abbildungen,Auswählen und Zurückweisen unerwünschter Ergebnisse ohne Offenlegung unrichtige Angaben in einem Bewerbungsschreiben oder einem Förderantrag (einschließlich Falschangaben zum Publikationsorgan und zu in Druck befindlichen Veröffentlichungen)unrichtige Angaben zur wissenschaftlichen Leistung von Bewerberinnen und Bewerbern in Auswahl- oder Gutachterkommissionen. Verletzung geistigen Eigentums in Bezug auf ein – von einem anderen geschaffenes – urheberrechtliches Werk oder von anderen stammende wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse, Hypothesen, Lehren oder Forschungsansätze durch unbefugte Verwertung unter Anmaßung der Autorenschaft (Plagiat)Ausbeutung von Forschungsansätzen und Ideen, insbesondere als Gutachter (Ideendiebstahl)Anmaßung wissenschaftlicher Autor- oder Mitautorschaft ohne eigenen Beitrag,Verfälschung des Inhalts,unbefugte Veröffentlichung oder unbefugtes Zugänglichmachen gegenüber Dritten, solange das Werk, die Erkenntnis, die Hypothese, der Lehrinhalt oder der Forschungsansatz noch nicht veröffentlicht ist,Inanspruchnahme der (Mit-)Autorschaft einer anderen Person ohne deren Einverständnis. Beeinträchtigung der Forschungstätigkeit anderer durch Sabotage von Forschungstätigkeit anderer wie z. B. durch Beschädigen, Zerstören oder Manipulieren von Versuchsanordnungen, Geräten, Unterlagen, Hardware, Software, Chemikalien oder sonstigen Sachen, die ein anderer zur Durchführung eines Experiments benötigt,arglistiges Verstellen oder Entwenden von Büchern, Archivalien, Handschriften, Datensätzen,vorsätzliche Unbrauchbarmachung von wissenschaftlich relevanten Informationsträgern. Beseitigung von Primärdaten, soweit damit gegen gesetzliche Bestimmungen oder fachspezifisch anerkannte Grundsätze wissenschaftlicher Arbeit verstossen wird.Unerlaubtes Vernichten oder unerlaubte Weitergabe von Forschungsmaterial. Eine Mitverantwortung für Fehlverhalten kann sich unter anderem ergeben aus aktiver Beteiligung am Fehlverhalten anderer, dem Mitwissen um Fälschungen durch andere, der Mitautorschaft an fälschungsbehafteten Veröffentlichungen sowie grober Vernachlässigung der Aufsichtspflicht. § 3 Vermeidung wissenschaftlichen Fehlverhaltens
Zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zur Vermeidung wissenschaftlichen Fehlverhaltens sind an der Technischen Universität Hamburg-Harburg die folgenden Regeln zu beachten:Die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens und guter wissenschaftlicher Praxis sollen den Studierenden bereits zu Beginn ihres Studiums vermittelt werden. Dabei sollen die Studierenden zu Ehrlichkeit und Verantwortlichkeit in der Wissenschaft erzogen werden. Die Möglichkeit wissenschaftlichen Fehlverhaltens ist angemessen zu thematisieren, um Studierende und Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler entsprechend zu sensibilisieren.Das Zusammenwirken in Arbeitsgruppen soll so gestaltet sein, dass die erzielten Ergebnisse gegenseitig mitgeteilt, einem kritischen Diskurs unterworfen und in einen gemeinsamen Kenntnisstand integriert werden können.Der Ausbildung und Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses gilt besondere Aufmerksamkeit. Die Leiterinnen und Leiter der wissenschaftlichen Arbeitseinheiten tragen dafür Sorge, dass den in ihren Arbeitseinheiten tätigen Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern eine wissenschaftlich erfahrene Ansprechpartnerin oder ein wissenschaftlich erfahrener Ansprechpartner zu ihrer Betreuung, Beratung und Unterstützung zugeordnet werden.Bei Leistungs- und Bewertungskriterien gilt, dass Qualität und Originalität als Bewertungsmaßstab stets Vorrang vor Quantität haben.Es ist Ehrlichkeit im Hinblick auf die Forschungsbeiträge von Partnern, Konkurrenten und Vorgängern zu wahren. Als Autoren von Veröffentlichungen sollen jedoch nur diejenigen Partner genannt werden, die wesentlich zu den Ergebnissen beigetragen haben. Es ist sicherzustellen, dass Primärdaten als Grundlage für Veröffentlichungen auf haltbaren und gesicherten Trägern in dem Institut, in dem sie entstanden sind, für zehn Jahre aufbewahrt werden.§ 4 VertrauenspersonenDie Präsidentin oder der Präsident bestellt im Benehmen mit den Studiendekanen und Sprechern der Forschungsschwerpunkte der Technischen Universität Hamburg-Harburg zwei Vertrauenspersonen für Angehörige der Hochschule, die Vorwürfe und Hinweise auf wissenschaftliches Fehlverhalten vorzubringen haben. Bestellt werden dürfen nur wissenschaftlich renommierte Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Die Amtszeit beträgt jeweils drei Jahre. Erneute Bestellungen sind zulässig.Die Vertrauenspersonen sind bei der Führung ihres Amtes unabhängig und keinen Weisungen unterworfen. Ihnen dürfen aus der Wahrnehmung ihrer Aufgaben keine Nachteile entstehen.Jede oder jeder Hochschulangehörige kann frei wählen, an welche Vertrauensperson sie oder er sich mit ihren bzw. seinen Vorwürfen oder Hinweisen auf wissenschaftliches Fehlverhalten wendet. Die Aufgaben nach dieser Richtlinie sind jedoch von der jeweils anderen Vertrauensperson wahrzunehmen, wenn die Besorgnis besteht, dass eine Vertrauensperson befangen sein könnte oder nicht auszuschließen ist, dass sie aufgrund ihrer sonstigen Stellung in der Hochschule mit dem anzuzeigenden oder angezeigten Fehlverhalten zu befassen wäre. Im Übrigen vertreten sich die Vertrauenspersonen gegenseitig.Im Falle der Anzeige wissenschaftlichen Fehlverhaltens gibt die angesprochene Vertrauensperson der oder dem Anzeigenden innerhalb kurzer Frist Gelegenheit zur weiteren Erläuterung und zur Erörterung des angezeigten Sachverhaltes. Die Vertrauensperson prüft die Hinweise auf ein mutmaßliches wissenschaftliches Fehlverhalten summarisch auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre Bedeutung, auf mögliche Motive und im Hinblick auf Möglichkeiten zur Ausräumung der Vorwürfe. Die Vertrauenspersonen sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.Die Vertrauenspersonen werden im Personal- und Vorlesungsverzeichnis / Handbuch der Technischen Universität Hamburg-Harburg bekannt gemacht.§ 5 Kommission Für die Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens wird eine Kommission eingerichtet. Die Kommission besteht aus den zwei dienstältesten Mitgliedern des Ältestenrates und den Vertrauenspersonen. Die Kommission wählt aus ihrer Mitte eine Vorsitzende oder einen Vorsitzenden. Die Kommission kann im Einzelfall bis zu drei weitere Personen als Sachkundige mit beratender Stimme hinzuziehen.Besteht die Besorgnis, dass ein dem Ältestenrat angehörendes Mitglied der Kommission befangen ist oder kann nicht ausgeschlossen werden, dass es aufgrund seiner sonstigen Stellung in der Hochschule mit dem angezeigten Verhalten zu befassen wäre, werden dessen Aufgaben in der Kommission vom nächst dienstältesten Mitglied des Ältestenrates wahrgenommen. Dasselbe gilt, falls ein dem Ältestenrat angehörendes Mitglied der Kommission an der Wahrnehmung seiner Aufgaben in der Kommission verhindert ist oder sein Amt in der Kommission durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Vorsitzenden niedergelegt hat.Die Kommission tagt nicht öffentlich; § 80 Abs. 5 Hamburgisches Hochschulgesetz bleibt unberührt. Sie ist zur Verschwiegenheit verpflichtet. Beschlüsse werden mit einfacher Mehrheit gefaßt.§ 6 Verfahren bei wissenschaftlichem Fehlverhalten Erhalten die Vertrauenspersonen konkrete Hinweise auf wissenschaftliches Fehlverhalten, so veranlassen sie über die Universitätspräsidentin bzw. den Universitätspräsidenten die Einberufung der Kommission. Die Information der Kommission über die erhobenen Anschuldigungen erfolgt schriftlich unter Wahrung der Vertraulichkeit zum Schutz des Informierenden und des Betroffenen, dem Fehlverhalten vorgeworfen wird.Die Kommission ist berechtigt, die zur Aufklärung des Sachverhaltes erforderlichen Informationen und Stellungnahmen einzuholen und im Einzelfall auch Fachgutachterinnen und Fachgutachter aus dem betroffenen Wissenschaftsbereich sowie andere Expertinnen und Experten hinzuzuziehen. Die Kommission prüft in freier Beweiswürdigung, ob ein wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegt.Dem Betroffenen sind die belasteten Tatsachen und gegebenenfalls Beweismittel unverzüglich zur Kenntnis zu geben; der Name des Informierenden wird dem betroffenen nur offenbart, wenn der Informierende zuvor sein Einverständnis erklärt hat. Dem Betroffenen sowie dem Informierenden ist Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben; sie sind auf ihren Wunsch auch mündlich anzuhören. Die Frist für die Stellungnahme beträgt zwei Wochen.Kommt die Kommission nach Auswertung der Stellungnahmen oder der Anhörung zu dem Ergebnis, dass sich der Betroffene ohne Preisgabe der Identität des Informierenden nicht sachgerecht verteidigen kann, weil etwa der Glaubwürdigkeit oder den Motiven des Informierenden für die Feststellung des möglichen Fehlverhaltens wesentliche Bedeutung zukommt, wird dem Betroffenen der Name des Informierenden offenbart. Der Betroffene ist gleichzeitig aufzufordern, binnen zwei Wochen eine ergänzende Stellungnahme abzugeben; er ist auf Wunsch auch mündlich anzuhören. Dem Informierenden dürfen wegen der Anzeige des möglichen Fehlverhaltens keine Nachteile entstehen, es sei denn, sie oder er hat in Bezug auf das angezeigte Verhalten vorsätzlich falsche Behauptungen aufgestellt.Die Kommission legt der Universitätspräsidentin bzw. dem Universitätspräsidenten vier Wochen nach Eingang der letzten Stellungnahme im Sinne der Absätze 3 oder 4 bzw. nach Verstreichen der Abgabefristen ihren Untersuchungsbericht mit einer Empfehlung zum weiteren Verfahren vor. Zugleich unterrichtet sie den Betroffenen und den Informierenden über das wesentliche Ergebnis ihrer Ermittlungen.Die Universitätspräsidentin bzw. der Universitätspräsident entscheidet auf der Grundlage des Untersuchungsberichtes und der Empfehlung der Kommission, ob das Verfahren eingestellt werden kann oder ob ein wissenschaftliches Fehlverhalten hinreichend erwiesen ist. Im letzteren Fall entscheidet sie oder er auch über die zu treffenden Maßnahmen. Ist der Verdacht eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens zu Unrecht erhoben worden, sorgt sie oder er für eine Rehabilitation des Betroffenen.(Stand: Juli 2009)
Prof. Dr.-Ing. Heinz Herwig Prof. Dr. rer. nat. Gerold Schneider
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