Source: https://www.hensche.de/urteile-und-kommentare-zum-thema-insolvenz-des-arbeitgebers.html
Timestamp: 2020-07-12 15:05:59
Document Index: 251743157

Matched Legal Cases: ['§ 613', '§ 130', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 113']

Urteile und Kommentare: Insolvenz des Arbeitgebers - HENSCHE Arbeitsrecht
Ur­tei­le und Kom­men­ta­re: In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers
Ur­teil­s­an­mer­kun­gen zum The­ma In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers von 2001 bis heu­te: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht
Un­ser Rechts­an­walts­team kom­men­tiert seit 2001 lau­fend ak­tu­el­le Ur­tei­le und wich­ti­ge Ge­set­zes­än­de­run­gen zum Ar­beits­recht, un­ter an­de­rem zum The­ma In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers.
28.11.2016. Die Richt­li­nie 2008/94/EG schreibt den Mit­glied­staa­ten kei­ne kon­kre­ten Re­ge­lun­gen zum In­sol­venz­schutz von Be­triebs­ren­ten­bei­trä­gen vor, die der Ar­beit­ge­ber in­sol­venz­be­dingt nicht ab­führt: Eu­ro­päi­scher Ge­richts­hof, Ur­teil vom 24.11.2016, C-454/15 (Webb-Sä­mann).
18.06.2016. Wird der Be­triebs­rat bei ei­ner ge­plan­ten Be­triebs­schlie­ßung über die be­trof­fe­nen Be­rufs­grup­pen nicht in­for­miert, kann er die­sen Feh­ler durch ei­ne ab­schlie­ßen­de Stel­lung­nah­me hei­len: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.06.2016, 6 AZR 405/15 (Pres­se­mel­dung Nr. 30/16).
27.03.2014. Bei ei­ner In­sol­venz des Ar­beits­ge­bers über­nimmt der In­sol­venz­ver­wal­ter das Ru­der und prüft Un­ter­la­gen, Kon­ten, of­fe­ne For­de­run­gen und Zah­lun­gen, die der Ar­beit­ge­ber kurz vor der Plei­te ge­leis­tet hat. Da­bei kann er in be­stimm­ten Fäl­len Lohn­zah­lun­gen nach­träg­lich wie­der her­aus­ver­lan­gen. Die­ses Recht zur "In­sol­venz­an­fech­tung" hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil wei­ter zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer be­grenzt: BAG, Ur­teil vom 29.01.2014, 6 AZR 345/12.
07.02.2013. Legt der Ar­beit­ge­ber ent­ge­gen ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Ziel­ver­ein­ba­rungs­re­ge­lung kei­ne Jah­res­zie­le fest und wird er spä­ter in­sol­vent, ist der An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf Scha­dens­er­satz we­nig wert, da er kein Mas­se­an­spruch ist, son­dern nur ei­ne ein­fa­che In­sol­venz­for­de­rung: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 14.11.2012, 10 AZR 793/11.
28.10.2012. In­ves­to­ren, die Tei­le ei­nes in­sol­ven­ten Un­ter­neh­mens kau­fen, möch­ten meis­tens die Rechts­fol­gen des § 613a Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) um­ge­hen, denn bei ei­nem Be­triebs­über­gang im Sin­ne die­ser Vor­schrift ha­ben sie au­to­ma­tisch al­le Ar­beits­ver­hält­nis­se "am Hals". Al­so ver­sucht man, die Ar­beit­neh­mer vor­über­ge­hend in ei­ner Trans­fer­ge­sell­schaft zu be­schäf­ti­gen, da­mit sich der In­ves­tor von dort die ihm ge­neh­men Ar­beit­neh­mern her­aus­su­chen und mit ih­nen neue Ver­trä­ge ma­chen kann. Das geht aber schief, wenn die Tä­tig­keit in der Trans­fer­ge­sell­schaft nur vor­ge­scho­ben ist: BAG, Ur­teil vom 25.10.2012, 8 AZR 572/11.
25.01.2012. Der ehe­ma­li­ge Chef der Ber­li­ner Tre­ber­hil­fe wehrt sich vor dem Ar­beits­ge­richt (ArbG) Ber­lin-Bran­den­burg ge­gen sei­ne Kün­di­gung. Eh­lert war we­gen sei­nes auf­wen­di­gen Le­bens­stils in die Kri­tik ge­ra­ten. Sei­ne Kli­en­ten, die Ob­dach­lo­sen in Ber­lin, ha­ben oft nicht mehr als das, was sie am Lei­be und in ei­nem Plas­tik­beu­tel mit sich tra­gen, Herr Eh­lert hin­ge­gen nutz­te ei­nen Ma­se­ra­ti als Dienst­wa­gen. Jetzt ist der Mo­tor an­schei­nend aus: ArbG Ber­lin-Bran­den­burg, AZ: 5 Ca 19989/11.
12/019 Insolvenz von Manroland: Verhandlungen gehen weiter
14.11.2011. Trotz Auf­he­bungs­ver­trags kei­ne Ab­fin­dung: Wird auf­grund ei­ner In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers die im Auf­he­bungs­ver­trag ver­ein­bar­te Ab­fin­dung nicht ge­zahlt, be­steht nach Er­öff­nung des vor­läu­fin­gen In­sol­venz­ver­fah­rens kein Recht des Ar­beit­neh­mers zum Rück­tritt vom Auf­he­bungs­ver­trag: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­tei­le vom 10.11.2011, 6 AZR 357/10, 6 AZR 583/10, 6 AZR 342/10.
07.10.2011. Ar­beit­neh­mer in­sol­ven­ter Un­ter­neh­men müs­sen Lohn­zah­lun­gen, die sie vor der Er­öff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens er­hal­ten ha­ben, in al­ler Re­gel nicht an den In­sol­venz­ver­wal­ter er­stat­ten. Denn ei­ne sol­che Er­stat­tungs­pflicht auf­grund ei­ner "In­sol­ven­ze­an­fech­tung" ge­mäß § 130 Abs.1 Satz 1 In­sol­venz­ord­nung (In­sO) be­steht nach ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) von vorn­her­ein nicht, wenn mit der Lohn­zah­lung Ar­beits­leis­tun­gen der vor­aus­ge­hen­den drei Mo­na­ten be­gli­chen wer­den. Und auch dann, wenn län­ger zu­rück­lie­gen­de Zeit­räu­me be­zahlt wer­den, sind Lohn­zah­lun­gen nur dann an den In­sol­venz­ver­wal­ter zu er­stat­ten, wenn der Ar­beit­neh­mer zum Zeit­punkt der Lohn­zah­lung die Zah­lungs­un­fä­hig­keit sei­nes Ar­beit­ge­bers auf­grund kauf­män­ni­schen In­si­der­wis­sens kann­te: BAG, Ur­teil vom 06.10.2011, 6 AZR 262/10.
22.06.2011. Dem Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­fol­ge wer­den vor dem In­sol­venz­ver­fah­ren an­ge­sam­mel­te Ur­laubs­an­sprü­che in der In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers so be­han­delt, als wä­ren sie kom­plett nach In­sol­ven­zer­öff­nung ent­stan­den, wo­mit sie als "Mas­se­for­de­run­gen" Vor­rang ge­gen­über ge­wöhn­li­chen "In­sol­venz­for­de­run­gen" ha­ben, d.h. ge­gen­über For­de­run­gen, die (eben­falls) vor der In­sol­ven­zer­öff­nung ent­stan­den sind. Be­grün­det wird dies mit der Fäl­lig­keit der Ur­laubs­an­sprü­che, die erst nach Er­öff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens ein­tritt. Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Ulm meint, dass dies auch gilt, wenn sich die Ur­laubs­an­sprü­che we­gen lan­ger Krank­heit jah­re­lang an­ge­sam­melt ha­ben: ArbG Ulm, Ur­teil vom 20.08.2010, 1 Ca 74/10.
12.05.2011. Nach An­sicht des nie­der­säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) hat ein Auf­he­bungs­ver­trag auch bei In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers Be­stand: Ar­beit­neh­mer kön­nen nach der Er­öff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens über das Ver­mö­gen ih­res Ar­beit­ge­bers nicht mehr von ei­nem Auf­he­bungs­ver­trag zu­rück­tre­ten. Auch ei­ne An­fech­tung we­gen Irr­tums ist meist aus­ge­schlos­sen: LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 15.12.2010, 2 Sa 742/10.
04.01.2011. In der In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers sind Ar­beit­neh­mer (Klein-)Gläu­bi­ger wie al­le an­de­ren Gläu­bi­ger auch. Da sie in kei­ner Wei­se be­vor­zugt wer­den, kann der In­sol­venz­ver­wal­ter auch von ih­nen grund­sätz­lich zu un­recht er­hal­te­ne Geld­be­trä­ge zu­rück­for­dern. Dies ge­schieht durch die so­ge­nann­te In­sol­venz­an­fech­tung, die Ge­schäf­te rück­gän­gig ma­chen soll, durch die ein Gläu­bi­ger ge­gen­über an­de­ren Gläu­bi­gern be­vor­zugt wur­de. Ar­beit­neh­mer, die ver­spä­tet Lohn­zah­lun­gen be­kom­men, sind in die­sem Sin­ne pri­vi­le­giert. Die Recht­spre­chung for­dert aber dar­über hin­aus auch, dass der Ar­beit­neh­mer von der schlech­ten Fi­nanz­la­ge sei­nes Ar­beit­ge­bers wuss­te oder hät­te wis­sen kön­nen. Die nö­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen sind prak­tisch nie er­füllt und Lohn­zah­lun­gen da­her sel­ten er­folg­reich an­fecht­bar: Thü­rin­ger Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 04.06.2010, 8 Sa 32/09.
10/042 Namensliste in der Insolvenz: Nicht in kirchlichen Einrichtungen
09/217 Arbeitsentgelt in der Insolvenz: Anfechtung durch Insolvenzverwalter in der Regel erfolglos
24.11.2009. Nach ei­nem Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Je­na kann ein In­sol­venz­ver­wal­ter bei In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers die an den Ar­beit­neh­mer ge­zahl­te Ver­gü­tung nur dann er­folg­reich an­fech­ten, wenn der Ar­beit­neh­mer von der Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Ar­beit­ge­bers Kennt­nis hat­te. Die An­for­de­run­gen, die hier­an zu stel­len sind, sind hoch. ArbG Je­na, Ur­teil vom 31.07.2009, 1 Ca 421/08.
09/115 Keine Haftung für Altersteilzeitguthaben bei Betriebsübergängen aus der Insolvenzmasse
03.07.2009. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat mit Ur­teil vom 30.10.2008 (8 AZR 54/07) sei­ne Recht­spre­chung be­stä­tigt, dass der Ar­beit­ge­ber, der ei­nen Be­trieb aus der In­sol­venz­mas­se er­wor­ben hat, nicht für Wert­gut­ha­ben aus Al­ters­teil­zeit­ver­ein­ba­run­gen haf­tet, die vor der In­sol­venz an­ge­spart wur­den (wir be­rich­te­ten dar­über in Ar­beits­recht ak­tu­ell 08/137). Nun­mehr lie­gen die Ur­teils­grün­de vor: BAG, Ur­teil vom 30.10.2008, 8 AZR 54/07.
09/070 Anfechtung von Lohnzahlungen in der Insolvenz bleiben die Ausnahme.
28.04.2008. Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) hat in ei­ner Ent­schei­dung vom Fe­bru­ar 2009 die Mög­lich­keit des In­sol­venz­ver­wal­ters, kurz vor dem In­sol­venz­ver­fah­ren an Ar­beit­neh­mer ge­flos­se­ne Lohn­zah­lun­gen im We­ge der In­sol­venz­an­fech­tung her­aus­zu­ver­lan­gen, zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer er­heb­lich ein­ge­schränkt. Weiß ein Ar­beit­neh­mer, dem der Ar­beit­ge­ber kurz vor dem In­sol­venz­ver­fah­ren rück­stän­di­ge Lohn­for­de­run­gen zahlt, dass der Ar­beit­ge­ber an­de­ren Ar­beit­neh­mern eben­falls Lohn schul­dig ist, recht­fer­tigt al­lein die­se Kennt­nis nach An­sicht des BGH nicht den Schluss auf die Zah­lungs­un­fä­hig­keit oder Zah­lungs­ein­stel­lung des Ar­beit­ge­bers: BGH, Ur­teil vom 19.02.2009, IX ZR 62/08.
13.03.2009. Ar­beit­ge­ber kön­nen die nach dem Ge­setz al­le drei Jah­re zu prü­fen­de Be­triebs­ren­ten­an­pas­sung ver­wei­gern, wenn ih­re wirt­schaft­li­che La­ge so schlecht ist, dass ei­ne Er­hö­hung der Be­triebs­ren­ten nicht mach­bar ist. Nach ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) kann es bei der Be­ur­tei­lung der wirt­schaft­li­chen La­ge ei­nes Kon­zern-Toch­ter­un­ter­neh­mens aus­nahms­wei­se auch auf die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se der Kon­zern­mut­ter an­kom­men. Vor­aus­set­zung da­für ist, dass am An­pas­sungs­stich­tag kon­kre­te An­halts­punk­te da­für be­ste­hen, dass in den nächs­ten drei Jah­ren die im Kon­zern be­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Pro­ble­me (hier: In­sol­venz der Kon­zern­mut­ter) auf das Toch­ter­un­ter­neh­men „durch­schla­gen“: BAG, Ur­teil vom 10.02.2009, 3 AZR 727/07.
08/137 Bei Betriebsübernahmen in der Insolvenz keine Haftung für Altersteilzeit-Wertguthaben
19.12.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat im An­schluss an sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung klar­ge­stellt, dass der Er­werb ei­nes Be­triebs oder Be­triebs­teils aus der In­sol­venz­mas­se nicht zur Fol­ge hat, dass der Er­wer­ber für die Er­fül­lung von Wert­gut­ha­ben aus Al­ters­teil­zeit­ver­trä­gen haf­tet. Hier ist der Ar­beit­neh­mer der Dum­me: BAG, Ur­teil vom 30.10.2008, 8 AZR 54/07.
08/109 Gesetzentwurf der Bundesregierung will Insolvenzschutz von Arbeitszeitguthaben verbessern.
24.10.2008. Die Bun­des­re­gie­rung hat am 22.09.2008 den Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Ver­bes­se­rung der Rah­men­be­din­gun­gen für die Ab­si­che­rung fle­xi­bler Ar­beits­zeit­re­ge­lun­gen (Bun­des­tag Drucks. 16/10289) vor­ge­legt. Das Ge­setz zielt dar­auf, dass Ver­ein­ba­run­gen über Ar­beits­zeit­kon­ten für den Ar­beit­neh­mer trans­pa­ren­ter aus­ge­stal­tet wer­den und dass die Wert­gut­ha­ben bes­ser als bis­her vor in­sol­venz­be­ding­ten Aus­fäl­len ge­schützt wer­den.
18.08.2007. Der Er­werb meh­re­rer ein­zel­ner Be­triebs­mit­tel ei­nes vom In­sol­venz­ver­wal­ter still­ge­leg­ten Be­triebs durch ver­schie­de­ne Un­ter­neh­men führt nicht da­zu, dass die Ar­beit­neh­mer des still­ge­leg­ten Be­triebs im We­ge des Be­triebs­über­gangs auf die­se Un­ter­neh­men über­ge­hen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 26.07.2007, 8 AZR 769/06.
05/02 BAG: Keine verkürzte Kündigungsfrist vor Insolvenzeröffnung
25.02.2005. Nach ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) kann nur der In­sol­venz­ver­wal­ter ge­mäß § 113 Satz 1, 2 In­sol­venz­ord­nung (In­sO) mit ab­ge­kürz­ter Frist kün­di­gen, nicht aber ein vor­läu­fi­ge In­sol­ven­ver­wal­ter vor Ver­fah­rens­er­öff­nung: BAG, Ur­teil vom 20.01.2005, 2 AZR 134/04.