Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BStBl.%20II%202006,%20446
Timestamp: 2019-06-25 20:59:04
Document Index: 113813104

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 19', '§ 57', '§ 363', '§ 1587', '§ 19', '§ 1587']

BFH, 08.03.2006 - IX R 107/00, IX R 78/01 - dejure.org
BFH, 08.03.2006 - IX R 107/00, IX R 78/01
https://dejure.org/2006,660
BFH, 08.03.2006 - IX R 107/00, IX R 78/01 (https://dejure.org/2006,660)
BFH, Entscheidung vom 08.03.2006 - IX R 107/00, IX R 78/01 (https://dejure.org/2006,660)
BFH, Entscheidung vom 08. März 2006 - IX R 107/00, IX R 78/01 (https://dejure.org/2006,660)
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Werbungskostenabzug bei Zahlungen im Rahmen von Versorgungsausgleichsvereinbarungen
EStG § 9 Abs. 1 § 19 Abs. 1 S. 1 Nr. 2
BFH gewährt Werbungskostenabzug - Ausgleichszahlungen für den Verzicht auf einen Versorgungsausgleich
Steuer.html (Kurzinformation)
Sind Zahlungen zur Vermeidung des Versorgungsausgleichs Werbungskosten?
Zusammenfassung von "Werbungskostenabzug von Ausgleichszahlungen an Ehegatten zur Vermeidung des Versorgungsausgleichs, Anmerkungen zu den BFH-Urteilen v. 08.03.2006, Az.: IX R 107/00 und Az.: IX R 78/01" von StB Klaus Korn, original erschienen in: NWB 2006, 2333 - 2336.
BFHE 212, 511
NJW 2006, 1839
DB 2006, 701
BStBl II 2006, 446
EFG 2000, 351
a) Ein Ausgleichsverpflichteter, der als Beamter oder nach beamtenrechtlichen Grundsätzen einen Anspruch auf eine Altersversorgung hat, kann derartige Abfindungszahlungen, mit denen er die durch das Quasi-Splitting eintretende Kürzung der später zufließenden Pensionsbezüge nach § 57 BeamtVG vermeidet, ebenso wie Auffüllungszahlungen an den Dienstherrn sofort als (vorab entstandene) Werbungskosten abziehen (vgl. BFH-Urteile vom 8. März 2006 IX R 107/00, BFHE 212, 511, BStBl II 2006, 446; in BFHE 212, 514, BStBl II 2006, 448;… vom 17. Juni 2010 VI R 33/08, BFH/NV 2010, 2051;… vom 24. März 2011 VI R 59/10, BFH/NV 2011, 1130).
Das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 8. März 2006 IX R 107/00 (BFHE 212, 511, BStBl II 2006, 446) sei nicht einschlägig.
Sollte es sich nicht um einen schuldrechtlichen Versorgungsausgleich handeln, lägen zumindest Werbungskosten vor (BFH-Urteile in BFHE 212, 511, BStBl II 2006, 446, und vom 8. März 2006 IX R 78/01, BFHE 212, 514, BStBl II 2006, 448).
In den zitierten Fällen (BFH-Urteile in BFHE 212, 511, BStBl II 2006, 446, und in BFHE 212, 514, BStBl II 2006, 448) seien konkrete Gegenleistungen für den Verzicht auf den Versorgungsausgleich zu bewerten gewesen.
Entscheidend ist mithin allein, ob die vorliegend zu beurteilenden Zahlungen dazu dienen, eine Verringerung der sonst im Scheidungsfall beim Kläger zufließenden Versorgungsbezüge zu verhindern (BFH-Urteile in BFHE 212, 511, BStBl II 2006, 446, und in BFHE 212, 514, BStBl II 2006, 448).
ddd) Hierin liegt auch der Unterschied zu den Urteilen des IX. Senats des BFH vom 8. März 2006 IX R 107/00 (BFHE 212, 511, BStBl II 2006, 446) und IX R 78/01 (BFHE 212, 514, BStBl II 2006, 448).
Der IX. Senat hat in seinem Urteil vom 8. März 2006 IX R 107/00 (BFHE 212, 511, BStBl II 2006, 446; s. auch Heuermann, Der Betrieb --DB-- 2006, 688) keine entscheidungserhebliche und daher den Senat bindende rechtliche Aussage getroffen, die im Widerspruch stehen würde zu der hier einschlägigen ständigen Rechtsprechung des BFH zu den Anschaffungs- und Anschaffungsnebenkosten von immateriellen Rechten.
Das Einspruchsverfahren wegen der streitigen Ausgleichszahlungen ruhte gem. § 363 Abs. 3 Abgabenordnung (AO) bis zur Entscheidung der beim Bundesfinanzhof (BFH) unter dem Az. VI R 19/00 und IX R 107/00 anhängigen Verfahren.
Nach Ergehen des BFH-Urteils vom 8.3.2006 im Verfahren IX R 107/00 beantragte der Kläger, das Einspruchsverfahren wieder aufzunehmen und die Ausgleichszahlungen als Werbungskosten zum Abzug zuzulassen.
Der Beklagte habe die BFH-Entscheidungen in den Verfahren VI R 19/00 und IX R 107/00 unzutreffend nicht berücksichtigt.
Anders als beim öffentlich-rechtlichen Versorgungsausgleich (vgl. hierzu u.a. auch BFH-Urteile vom 8. März 2006 IX R 107/00, BFHE 212, 511, BStBl II 2006, 446 und IX R 78/01, BFHE 212, 514, BStBl. II 2006, 448) erhält der ausgleichsberechtigte Ehegatte keinen eigenständigen Versicherungsschutz.
31 d) Der Kläger kann sich auch nicht auf die Rechtsprechung des BFH stützen, wonach Ausgleichszahlungen, die ein zum Versorgungsausgleich verpflichteter Beamter aufgrund einer Vereinbarung gem. § 1587 o BGB an den anderen Ehegatten leistet, um Kürzungen seiner Versorgungsbezüge (§ 19 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EStG) zu vermeiden, im Jahr der Zahlung als Werbungskosten abziehen kann (vgl. hierzu im Einzelnen BFH-Urteile vom 8. März 2006 IX R 107/00 und IX R 78/01 a.a.O.).
Damit stehen die Ausgleichszahlungen - im Gegensatz zu den tatsächlichen und rechtlichen Verhältnissen des hier zu beurteilenden Streitfalles - ersichtlich im wirtschaftlichen Zusammenhang mit künftigen Einnahmen des Klägers und sind sofort als vorab entstandene Werbungskosten abziehbar (vgl. hierzu im Einzelnen BFH-Urteil vom 8. März 2006 IX R 107/00, a.a.O.).
Wendet er - wie in dem vom BFH im Verfahren IX R 107/00 entschiedenen Streitfall - trotzdem etwas auf, um seine vollen Bezüge zu erhalten, erwirbt er damit - im Gegensatz zum Kläger - keinen Vermögensgegenstand (Wirtschaftsgut), was beim Beamten zum vollen Werbungskostenabzug führt (vgl. Heuermann in DB 2006, 688 ff. m.w.N.).
Der Steuerpflichtige wendet aus versteuertem Einkommen etwas auf (die Ausgleichszahlung oder die Wiederauffüllungszahlung), was später voll der Besteuerung unterliegt (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 8. März 2006 IX R 107/00, BFHE 212, 511, BStBl II 2006, 446; IX R 78/01, BFHE 212, 514, BStBl II 2006, 448;… vom 17. Juni 2010 VI R 33/08, BFH/NV 2010, 2051;… vom 24. März 2011 VI R 59/10, BFH/NV 2011, 1130).
NV: Zahlungen, die ein Steuerpflichtiger für den Ausschluss eines schuldrechtlichen Versorgungsausgleichs (§§ 1587f ff. BGB a.F.) leistet und die beim Zahlungsempfänger keine Steuerpflicht auslösen, können nicht steuermindernd berücksichtigt werden (Abgrenzung zu den BFH-Urteilen vom 8. März 2006 IX R 107/00, BFHE 212, 511, BStBl II 2006, 446, und IX R 78/01, BFHE 212, 514, BStBl II 2006, 448).
Zu Unrecht habe das FG die Grundsätze der Urteile des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 8. März 2006 IX R 107/00 (BFHE 212, 511, BStBl II 2006, 446) und IX R 78/01 (BFHE 212, 514, BStBl II 2006, 448) nicht angewandt.
Voraussetzung für die Abziehbarkeit der Aufwendungen als Werbungskosten ist, dass sie in einem ausreichend bestimmten wirtschaftlichen Zusammenhang mit der Einkunftsart stehen (ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteil in BFHE 212, 511, BStBl II 2006, 446).
dd) Diese Rechtsansicht des erkennenden Senats steht im Einklang mit den Urteilen des IX. Senats des BFH in BFHE 212, 511, BStBl II 2006, 446 und in BFHE 212, 514, BStBl II 2006, 448.