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Timestamp: 2018-10-18 11:04:20
Document Index: 103412693

Matched Legal Cases: ['§186', '§187', '§186', '§187', '§ 186', '§ 186']

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Darf ein Psychiater so etwas schreiben?
Dieses Thema "ᐅ Darf ein Psychiater so etwas schreiben? - Medizinrecht" im Forum "Medizinrecht" wurde erstellt von melizza, 28. September 2018.
melizza Neues Mitglied 28.09.2018, 19:40
A´s behandelnder Pychiater verließ kurz vor A´s Entlassung die Klinik. A´s Arztbrief wurde vom Nachfolger geschrieben den A nur zum Entlassungsgespräch sah.
Man stelle sich die Geschichte so vor:
Auf der Station war auch eine Kleptomanin nicht A nennen wir sie B die immer offen ihre Beute zeigte.
Im Arztbrief stehen diese Behauptungen und Beurteilungen:
1 .A hat während ihrer Schulzeit gestohlen ( hat A nicht gesagt)
2. A hatte wechselnde Beziehungen zu Männern( ungefähr 4 Beziehungen bis zu diesem Zeitpunkt mit 34 Jahren)
3. über A´s Freund ein Schmuckproduzent schreibt der Psychiater
das es 3 Männer wären da A ihn 3 mal getroffen hat wurden es verschiedene Männer.
4. A berichtete mit Genuß über Kaufhausdiebstähle sie liebte die Vorstellung erwischt zu werden.( A nie von Diebstahl gesprochen)
5. A´s Wunsch das Gebiss zu sanieren war auch autodestruktiv gefärbt da sie auf einer Vollnarkose bestand ( durch 2 epileptischen Anfälle Grand mal wurden ihr 5 Zähne zerstört und die mussten raus A hatte Angst vor dem großen Eingriff)
6. A verhielt sich auch in bittersüß-lustvoller Erwartung
7 .A hatte einen Beruf den sie angeblich wegen einer Allergie aufgeben musste.( hatte A aber wirklich Attest gibt es)
8.A berichtete immer wieder über zwanghafte Kaufhausdiebstähle( A hat das nie gesagt und getan)
9. A hinterließ das Gefühl Sie sei eine tickende Zeitbombe.
10. man wird weiterhin damit rechenen müßen das A ihr Umfeld als aktiv handelnd gestalten wird.
Wie kann A dagegen vorgehen?
Ist das Verleumdung, Beleidigung oder böse Nachrede? Arzt alle unterzeichnenden Ärzte oder Klinik?
bennelong V.I.P. 28.09.2018, 22:38
AW: Darf ein Psychiater so etwas schreiben?
Ob da eine Verwechslung mit einer anderen Patientin vorliegt, wie Sie behaupten, kann hier niemand wissen. Das muss A mit der Klinik klären. Für irgendwelche Straftaten sehe ich jedenfalls keine Anhaltspunkte.
Jougan Boardneuling 10.10.2018, 23:06
Wenn ich das richtig verstanden habe, behauptet der Psychiater in dem Entlassungsbericht, dass A geklaut hat, obwohl dies nicht der Fall ist?
Das ist zumindest üble Nachrede, §186, wenn der Arzt sogar über die Unwahrheit Bescheid weiß, ist es Verleumdung, §187.
Wer bekommt so einen Bericht denn zu sehen?
Wäre wichtig für den Punkt der Behauptung gegenüber Dritten.
Wrzlfrzl V.I.P. 10.10.2018, 23:15
Zitat von Jougan: ↑
Das ist zumindest üble Nachrede, §186, wenn der Arzt sogar über die Unwahrheit Bescheid weiß, ist es Verleumdung, §187..
Nein, das ist natürlich nicht so. Ein Arzt schreibt das, was ihm vom Patienten oder Dritten mitgeteilt wird, nicht mehr und nicht weniger. Eine fahrlässige Verleumdung oder üble Nachrede gibt es nicht.
Jougan Boardneuling 10.10.2018, 23:27
Ich habe es aber so verstanden, dass dem Arzt nie gesagt wurde, dass A geklaut habe, also muss er es ja zwangsläufig erfunden haben?
bennelong V.I.P. 11.10.2018, 09:51
Zitat von melizza: ↑
...Auf der Station war auch eine Kleptomanin nicht A nennen wir sie B die immer offen ihre Beute zeigte. ...
Die TE scheint mit diesem Satz zu insinuieren, dass der Arztbrief/Entlassbrief nicht die Patientin A, sondern die "Kleptomanin" B beschreibt, mithin eine Verwechslung vorliege. Wenn das wirklich so sein sollte, liegt natürlich keine der im EB angefragten Straftaten vor.
Im Übrigen ist die Unterstellung, ein behandelnder Psychiater würde sich Gesprächsinhalte ausdenken, reichlich wirklichkeitsfern.
zeiten V.I.P. 11.10.2018, 10:48
Ich würde mal so sagen: wirklichkeitsnah ist, dass in psychiatrischen Arztbriefen oft Falschdarstellungen zu finden sind, die sich nur mit Schlamperei und Verwechslungen oder Handschrift-nicht-mehr-lesen-können erklären lassen.
Das liegt auch daran, dass die Arztbriefe oftmals erst deutlich nach Entlassung der Patientin geschrieben werden, wenn sich die Ärztin oder der Arzt schon gar nicht mehr erinnern kann - oder wie hier, von einem Arzt, der die Patientin nicht kannte.
Eine Straftat liegt dabei natürlich nicht vor - das wurde ja schon gesagt. Für die Betroffenen ist das aber dennoch schockierend, wenn sie erfahren, dass sie auf diese Weise negativ beschrieben wurden und das möglicherweise auch nicht sofort aufgefallen ist.
Die Patientin sollte sich unbedingt mit der Klinik in Verbindung setzen und die Verwechslung aufklären. Der Brief muss korrigiert werden.
bennelong V.I.P. 11.10.2018, 10:59
Der Brief muss korrigiert werden.
Solange überhaupt nicht geklärt ist, ob tatsächlich eine "Schlamperei" vorliegt oder ob die Patientin schlicht Inhalte ihrer Krankheit leugnet (was übrigens hundertmal häufiger vorkommt als die von @zeiten behaupteten ärztlichen Falschdarstellungen), muss da gar nichts korrigiert werden.
Jougan Boardneuling 11.10.2018, 13:39
Ähm, also so realitätsfern ist es nicht. Ich kenne da ein paar ähnliche Fälle.
Ich verstehe auch nicht, wie das nicht üble Nachrede o.ä. ist, wenn so ein Entlassungsbrief ja an weiter behandelnde Ärzte übergeben wird, die sich darauf dann ihre Meinung bilden.
Vorausgesetzt es stimmt so, wie es der TE geschildert hat.
Ich finde es etwas merkwürdig, dass dem TE hier im Sachverhalt Dinge unterstellt werden, für die keine objektiven Anhaltspunkte vorliegen.
Wenn der Sachverhalt es so vorgibt, dann wird es auch so sein, da gibt es nichts hinzuzudenken. Wenn ein Arzt über mich behaupten würde, ich hätte eine Straftat (mehrere Straftaten: Diebstahl) begangen und das auch noch schriftlich fest hält und an weitere Ärzte gibt (das hat ein Entlassungsbericht an sich), dann ist es doch zumindest üble Nachrede, wenn der Patient das nicht getan hat.
Was natürlich die Beweislage betrifft, so sieht die Sache ganz anders aus.
bennelong V.I.P. 11.10.2018, 14:23
Ich verstehe auch nicht, wie das nicht üble Nachrede o.ä. ist...
Dann lies mal § 186 StGB.
zeiten V.I.P. 11.10.2018, 15:05
Naja, daraus ergibt sich die Straflosigkeit ja grade nicht. § 186 StGB liegt anhand des objektiven Tatbestands ja exakt vor (sofern es um eine Verwechslung geht).
Die Straftat scheitert in einem solchen Fall einzig am Vorsatz. Der Arzt hat diese Aussagen über diese Patientin ja gar nicht treffen wollen.
@ Jougan
Bei den meisten Straftaten muss Vorsatz vorliegen. Der Arzt müsste mit die Aussagen über diese Patientin absichtlich getroffen haben. Man muss allerdings davon ausgehen, dass der Arzt die Patientinnen lediglich verwechselt hat und grade nichts falsches darlegen hat wollen. Daran scheitert die Strafbarkeit.
TomRohwer V.I.P. 11.10.2018, 19:37
Bei den meisten Straftaten muss Vorsatz vorliegen.
Strafbar ist immer nur vorsätzliches Tun, es sei denn, im Gesetz ist ausdrücklich auch eine Strafbarkeit bei fahrlässigem Tun bestimmt.
TomRohwer V.I.P. 11.10.2018, 19:41
Der Brief an sich darf nicht korrigiert werden, das würde klar gegen die ärztliche Dokumentationspflicht verstoßen.
Er muss so, wie er geschrieben wurde, in der Patientenakte bleiben, und dann dazu eine Ergänzung, daß sich herausgestellt hat, daß es sich um einen Irrtum handelte, oder was auch immer...
Auch unstrittig falsche Eintragungen in die Patientenakte dürfen nicht "gelöscht" werden, sondern es muß der Fehler und seine Korrektur dokumentiert werden.
Das ist auch im Interesse des Patienten, denn nur so lässt sich später einmal nachvollziehen, ob da irgendwer auf Grundlage dieser falschen Informationen gehandelt hat.
(Ist genau wie in der Buchführung - Fehler dürfen korrigiert werden, aber sie müssen so korrigiert werden, daß der Fehler und seine Korrektur nachvollziehbar bleiben.)
Kataster V.I.P. 11.10.2018, 22:25
Äh - ist die TE denn überhaupt noch hier bzw. interessiert?
Wichtig wäre, wohin das Schreiben ohne Zustimmung der A gehen würde und welchen Schaden es dort anrichten könnte.
Schaden, ja, ich sehe hier die zivilrechtliche Seite im Vordergrund.
Ist wirklich der Schreiber über den Unterlagen eingenickt - ist das nicht gut, gewiss. Aber von einer strafrechtlichen Verfolgung hat A erst mal gar nichts.
Hat A schon eine Sammlung Befunde, so kann sie darauf verweisen (Kopien als Anhang oder Anlage) und die Klinik bitten, den Arztbrief zu korrigieren. Weil falsch und sonst rechtliche Schritte.
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