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Timestamp: 2019-12-07 09:11:36
Document Index: 196517336

Matched Legal Cases: ['§ 2325', '§ 2325', 'BGH', '§ 2332', '§ 2326', '§ 2325']

Todesnahe Schenkung (Erbrecht) - frag-einen-anwalt.de
www.frag-einen-anwalt.deErbrechtSchenkungTodesnahe Schenkung
| 14.03.2006 00:11 |
Schenkung Schenkung Haus Erbfolge Tod
die Schenkung ist grundsätzlich durchaus zu berücksichtigen.
Sie haben sogenannte Pflichtteilsergänzungsansprüche gegen den beschenkten Miterben, und zwar gemäß § 2325 Abs. 3 BGB, wenn die Schenkung – wie hier – nicht länger als 10 Jahre vor dem Erbfall zurückliegt.
Nach § 2325 Abs. 1 BGB können Sie „als Ergänzung des Pflichtteils den Betrag verlangen, um den sich der Pflichtteil erhöht, wenn der verschenkte Gegenstand dem Nachlasse hinzugerechnet wird“.
Diese Ansprüche können Sie auch dann stellen, wenn Sie selbst als Erbe am Nachlass beteiligt sind oder waren, Sie also weder testamentarisch von der Erbfolge ausgeschlossen wurden noch die Erbschaft ausgeschlagen haben.
Denn ein ordentlicher Pflichtteilsanspruch ist nicht Voraussetzung für einen Pflichtteilsergänzungsanspruch (Bundesgerichtshof BGH NJW 1973, 995).
Sie sollten aber beachten, dass diese Ansprüche gemäß § 2332 BGB innerhalb von drei Jahren verjähren, gerechnet ab dem Zeitpunkt, in dem der (potentielle) Pflichtteilsberechtigte von dem Eintritt des Erbfalls und der ihn beeinträchtigenden Verfügung (also der Schenkung) Kenntnis erlangt hat.
Wenn der hinterlassene Erbteil mehr als die Hälfte des Nachlasses beträgt, wird gemäß § 2326 BGB von der Pflichtteilsergänzung der Betrag abgezogen, um den der tatsächliche Wert der Hinterlassenschaft den fiktiven Pflichtteilsanspruch (Hälfte des Nachlasses) übersteigt.
Unter den eben genannten Voraussetzungen wird Ihr Bruder den Wert des Hauses also in entsprechendem Umfang, je nach dem wie viel von dem Vermögen des Erblassers nach der Schenkung noch vorhanden war, auszugleichen haben.
Für Rückfragen zum Verständnis meiner Antwort stehe ich gerne zur Verfügung, ebenso für eine weitergehende Beauftragung in dieser Angelegenheit, wenn Sie dies wünschen.
Nachfrage vom Fragesteller	14.03.2006 | 15:20
Besteht ein Unterschied bei der Ausgleichspflicht, wenn die Schenkung nur 4 Monate vor dem Tod des Erblassers erfolgte oder sagen wir 2 Jahre voher? Oder anders gefragt, gibt es irgendwelche "Karenzzeiten" vor dem Tod des Erblassers, während denen eine Schenkung nicht gilt sondern ganz normal der Erbmasse -zumindest rechnerisch- zugeschlagen wird?
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 14.03.2006 | 16:33
Es macht keinen Unterschied, ob die Schenkung vier Monate oder zwei Jahre vor dem Erbfall zurückliegt, da hier eine zehnjährige Frist gilt.
Wie sich aus § 2325 Abs. 3 BGB ergibt, werden zugunsten des Pflichtteilsberechtigten alle Schenkungen voll berücksichtigt (also der Erbmasse rechnerisch zugeschlagen), die innerhalb der letzten zehn Jahre vor dem Tod des Erblassers vollzogen wurden.
"Antwort ist umfassend und sehr verständlich "