Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Kuendigung_einer_lesbischen_Erzieherin_Verwaltungsgericht_Augsburg_3K12.266_u.html
Timestamp: 2019-07-23 00:52:02
Document Index: 48180127

Matched Legal Cases: ['§ 4', 'Art. 5', '§ 18', 'Art. 5', '§ 113', '§ 113', '§ 18', 'Art. 137', 'Art. 140', 'Art. 137', '§ 1', '§ 611', '§ 18', 'Art. 137', 'Art. 140', 'Art. 137', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 1', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 9', '§ 18', '§ 626', '§ 18', '§ 18', '§ 114', '§ 9', 'Art. 4', '§ 4', '§ 1', '§ 9', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 3', '§ 138', 'Art. 2', 'Art. 8', 'EGMR', '§ 18', '§ 17', '§ 18', '§ 9', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18', 'Art. 5', 'Art. 5', '§ 2', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', '§ 18', 'Art. 8', 'Art. 9', '§ 113', '§ 154', '§ 167', '§ 708', '§ 18']

VG Augsburg, Urteil vom 19.06.2012, 3 K 12.266 - HENSCHE Arbeitsrecht
VG Augs­burg, Ur­teil vom 19.06.2012, 3 K 12.266
Schlagworte: Kündigung, Elternzeit
Gericht: Verwaltungsgericht Augsburg
Aktenzeichen: 3 K 12.266
Entscheidungsdatum: 19.06.2012
VG Augs­burg, Ur­teil v. 19.06.2012 – 3 K 12.266
Die Kos­ten des Ver­fah­rens hat die Kläge­rin zu tra­gen.
Die Bei­ge­la­de­ne trägt ih­re außer­ge­richt­li­chen Kos­ten selbst.
Das Ur­teil ist hin­sicht­lich der Kos­ten vorläufig voll­streck­bar. Die Kläge­rin darf die Voll­stre­ckung durch Si­cher­heits­leis­tung in Höhe des zu voll­stre­cken­den Be­trags ab­wen­den, wenn nicht der Be­klag­te vor­her Si­cher­heit in glei­cher Höhe leis­tet.
Die Kläge­rin be­gehrt von dem Be­klag­ten, die or­dent­li­che Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Bei­ge­la­de­nen während der El­tern­zeit für zulässig zu erklären.
1. Die 1973 ge­bo­re­ne Bei­ge­la­de­ne ist seit dem 1. Sep­tem­ber 1998 in der Kin­der­ta­gesstätte der Kläge­rin beschäftigt, wo­bei das Ar­beits­verhält­nis zunächst be­fris­tet war. An­fangs war die Bei­ge­la­de­ne als Kin­der­pfle­ge­rin tätig, seit dem 1. De­zem­ber 1998 ist sie als Kin­der­gar­ten­lei­te­rin in Voll­zeit beschäftigt. Der Ar­beits­ver­trag vom 23. Ju­li 1998, zu­letzt geändert mit 4. Ände­rungs­ver­trag vom 5. De­zem­ber 2002, be­inhal­tet in § 4 Abs. 2, dass die „Grund­ord­nung des kirch­li­chen Diens­tes im Rah­men kirch­li­cher Ar­beits­verhält­nis­se“ des­sen we­sent­li­cher Be­stand­teil ist.
Mit Schrei­ben vom 23. Au­gust 2011 be­an­trag­te die Bei­ge­la­de­ne bei der Bischöfli­chen Fi­nanz­kam­mer A. - durch wel­che die Vergütung er­folgt - El­tern­zeit für ein Jahr un­ter Vor­la­ge ei­ner Ge­burts­be­schei­ni­gung für ihr am 16. Au­gust 2011 ge­bo­re­nes Kind und ei­ner Be­schei­ni­gung über die Be­gründung ei­ner Le­bens­part­ner­schaft am 11. Ju­li 2011. Zu­gleich erklärte sie, da ih­re Le­bens­wei­se in der ka­tho­li­schen Kir­che lei­der nicht an­er­kannt wer­de, sei sie sich im Kla­ren darüber, dass dies ei­nen Kündi­gungs­grund dar­stel­le.
Die Kläge­rin teil­te der Bei­ge­la­de­nen dar­auf­hin mit Schrei­ben vom 1. Sep­tem­ber 2011 mit, von ka­tho­li­schen Mit­ar­bei­tern wer­de er­war­tet, dass sie die Grundsätze der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re an­er­ken­nen und be­ach­ten. Von der Lei­tung ei­nes pfarr­li­chen Kin­der­gar­tens sei das persönli­che Le­bens­zeug­nis im Sin­ne der Grundsätze der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re zu ver­lan­gen; die­se An­for­de­run­gen erfülle die Bei­ge­la­de­ne nun nicht mehr. Ei­ne Fort­set­zung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses schei­de da­mit aus, der Ab­schluss ei­nes Auflösungs­ver­tra­ges wer­de an­ge­bo­ten. Die Bei­ge­la­de­ne er­wi­der­te hier­auf mit Schrei­ben vom 10. Sep­tem­ber 2011, sie stim­me ei­nem Auflösungs­ver­trag nicht zu, da sie sonst ei­ne „Schuld“ bzw. ei­nen „Feh­ler“ ih­rer­seits zu­ge­ben würde. Sie ste­he zum Le­bens­mo­dell der Le­bens­part­ner­schaft und wei­ter­hin zum Glau­ben.
Mit Schrei­ben vom 23. Sep­tem­ber 2011 be­an­trag­te die Kläge­rin bei der Re­gie­rung von S. (Ge­wer­be­auf­sichts­amt), ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Bei­ge­la­de­nen mit ei­ner Kündi­gungs­frist von sechs Mo­na­ten zum Schluss des Ka­len­der­vier­tel­jah­res zu­zu­stim­men. Als Mit­ar­bei­te­rin ei­ner Pfarr­kir­chen­stif­tung un­ter­lie­ge die Bei­ge­la­de­ne der
Grund­ord­nung des kirch­li­chen Diens­tes im Rah­men kirch­li­cher Ar­beits­verhält­nis­se. Gemäß Art. 5 Abs. 2 die­ser Grund­ord­nung stel­le der Ab­schluss ei­ner nach dem Glau­bens­verständ­nis und der Rechts­ord­nung der Kir­che ungülti­gen Ehe ei­nen be­son­ders schwe­ren Loya­litäts­ver­s­toß dar, der ei­ne Kündi­gung nach sich zie­he. Nach der Erklärung des Ständi­gen Ra­tes der Deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz zur Un­ver­ein­bar­keit von Le­bens­part­ner­schaf­ten nach dem Le­bens­part­ner­schafts­ge­setz mit den Loya­litätsob­lie­gen­hei­ten im Rah­men kirch­li­cher Ar­beits­verhält­nis­se stel­le das Ein­ge­hen ei­ner der­ar­ti­gen Le­bens­part­ner­schaft ei­nen sol­chen schwer­wie­gen­den Ver­s­toß im Sin­ne der ge­nann­ten Be­stim­mung der Grund­ord­nung dar. Die Bei­ge­la­de­ne sei sich des­sen be­wusst und ha­be dies auch zum Aus­druck ge­bracht. Die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses sei dem­nach nicht möglich, den an­ge­bo­te­nen Auflösungs­ver­trag ha­be die Bei­ge­la­de­ne ab­ge­lehnt.
Mit Be­scheid der Re­gie­rung von ... - Ge­wer­be­auf­sichts­amt - vom 23. Ja­nu­ar 2012 wur­de die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Bei­ge­la­de­nen nicht zu­ge­las­sen. Das vor­ge­tra­ge­ne Ver­hal­ten der Bei­ge­la­de­nen erfülle kei­nes­falls den Tat­be­stand des be­son­de­ren Fal­les im Sin­ne des § 18 Abs. 1 BEEG. Die Diöze­se ... stel­le ei­nen in­ner­kirch­li­chen Vor­gang zur Ent­schei­dung der welt­li­chen Ge­walt. Die staat­li­che Ord­nung ha­be nicht die Auf­ga­be, ei­nen sol­chen Sach­ver­halt nach kir­chen­recht­li­chen Be­stim­mun­gen zu be­wer­ten und zu ent­schei­den. In Deutsch­land be­ste­he kei­ne Staats­kir­che; die Behörde ha­be sich so­mit welt­an­schau­lich neu­tral zu ver­hal­ten und sei an die Wer­tung der Kir­che nicht ge­bun­den. Im Be­scheid ist aus­geführt: „Nach welt­an­schau­lich neu­tra­lem Verständ­nis ist der Akt der Schei­dung mit Wie­der­ver­hei­ra­tung vor dem Hin­ter­grund der staat­li­chen Ge­set­ze le­gi­tim“ [sic]. Ei­ne schwer­wie­gen­de Ver­let­zung ar­beits­ver­trag­li­cher Pflich­ten schei­de dem­nach aus, zu­mal das Ar­beits­verhält­nis auf­grund der El­tern­zeit der­zeit ru­he.
2. Die Kläge­rin be­an­tragt,
den Be­klag­ten un­ter Auf­he­bung des Be­schei­des der Re­gie­rung von ..., Ge­wer­be­auf­sichts­amt, vom 23. Ja­nu­ar 2012 zu ver­pflich­ten, ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Bei­ge­la­de­nen für zulässig zu erklären;
hilfs­wei­se den Be­klag­ten zu ver­pflich­ten, den An­trag der Kläge­rin vom 23. Sep­tem­ber 2011 auf Zu­las­sung der Kündi­gung der Bei­ge­la­de­nen un­ter Be­ach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Ge­richts er­neut zu be­schei­den.
Es be­ste­he ein An­spruch auf die be­gehr­te Zu­stim­mung. Ein be­son­de­rer Fall im Sin­ne des Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­set­zes lie­ge vor, da die Bei­ge­la­de­ne ei­nen schwer­wie­gen­den Ver­s­toß ge­gen ih­re Loya­litätsob­lie­gen­hei­ten be­gan­gen ha­be, was da­zu führe, dass dem Ar­beit­ge­ber die Auf­recht­er­hal­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­zu­mut­bar wer­de. Der Be­klag­te ver­ken­ne die Schwe­re des Ver­s­toßes. Das Ein­ge­hen ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft bzw. das Prak­ti­zie­ren von Ho­mo­se­xua­lität ver­s­toße ge­gen Art. 5 Abs. 2 der Grund­ord­nung des kirch­li­chen Diens­tes im Rah­men kirch­li­cher Ar­beits­verhält­nis­se, da durch ein sol­ches Ver­hal­ten ge­gen ei­nen Grund­pfei­ler der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re ge­han­delt wer­de. Ins­be­son­de­re auch im Co­dex Ju­ris Ca­no­ni­ci sei nie­der­ge­legt, dass un­ter der Ehe und der Ge­mein­schaft für das gan­ze Le­ben der Bund zwi­schen Mann und Frau ver­stan­den wer­de. Ein nach der Grund­ord­nung ge­ne­rell als Kündi­gungs­grund in Be­tracht kom­men­des Ver­hal­ten schließe die Möglich­keit der Wei­ter­beschäfti­gung aus, wenn es von pas­to­ral, ka­te­che­tisch oder lei­tend täti­gen Mit­ar­bei­tern oder Mit­ar­bei­tern, die auf­grund ei­ner Mis­sio ca­no­ni­ca tätig sind, be­gan­gen wer­de. Von ei­ner Kündi­gung könne nur ab­ge­se­hen wer­den, wenn schwer­wie­gen­de Gründe des Ein­zel­falls die­se als
un­an­ge­mes­sen er­schei­nen ließen. Auch wenn das staat­li­che Ar­beits­recht An­wen­dung fin­de, sei das ver­fas­sungsmäßig ga­ran­tier­te kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht zu berück­sich­ti­gen. Aus dem streit­ge­genständ­li­chen Be­scheid ge­he nicht her­vor, dass die Behörde die­sem Recht Rech­nung ge­tra­gen ha­be. Aus­fluss die­ses Rechts sei auch die Ent­schei­dung darüber, ob und wie hin­sicht­lich der im kirch­li­chen Dienst täti­gen Mit­ar­bei­ter ei­ne Ab­stu­fung der Loya­litäts­pflich­ten grei­fe. Die von der Kir­che da­hin­ge­hend ge­trof­fe­nen Grund­ent­schei­dun­gen sei­en zu ak­zep­tie­ren. Das Ver­lan­gen der Kläge­rin nach Ein­hal­tung der Grund­ord­nung ste­he mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben in Ein­klang. Das Selbst­be­stim­mungs­recht würde qua­si ne­giert, wenn ein be­son­de­rer Fall be­reits des­halb nicht an­ge­nom­men wer­de, weil das Ein­ge­hen ei­ner Le­bens­part­ner­schaft le­gi­tim sei. Das Er­mes­sen sei auf Null re­du­ziert, da es der Kläge­rin kei­nes­falls zu­zu­mu­ten sei, die Bei­ge­la­de­ne wei­ter zu beschäfti­gen; auch lägen Er­mes­sens­feh­ler vor. Die Behörde ha­be von ih­rem Er­mes­sen kei­nen bzw. feh­ler­haft Ge­brauch ge­macht, da sie sich nicht mit dem vor­lie­gen­den Fall aus­ein­an­der­ge­setzt und die In­ter­es­sen der Kläge­rin nicht berück­sich­tigt bzw. in dem er­for­der­li­chen Maße ge­wich­tet ha­be. Aus der Mit­tei­lung der Bei­ge­la­de­nen, zum Le­bens­mo­dell der Le­bens­part­ner­schaft zu ste­hen, könne ge­fol­gert wer­den, dass sich die­se mit der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re ge­ra­de nicht iden­ti­fi­zie­re. Bei den Kir­chen hänge die Glaubwürdig­keit maßgeb­lich da­von ab, dass ih­re Mit­glie­der, die in ein Ar­beits­verhält­nis zu ih­nen tre­ten, die kirch­li­che Ord­nung auch in ih­rer Le­bensführung re­spek­tier­ten.
3. Die Re­gie­rung von ..., Ge­wer­be­auf­sichts­amt, be­an­tragt für den Be­klag­ten Kla­ge­ab­wei­sung.
Ein An­spruch auf Zu­las­sung der Kündi­gung be­ste­he nicht, es läge kein be­son­de­rer Fall vor. Das Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz ver­lei­he ei­ner Ar­beit­neh­me­rin ei­nen be­son­de­ren Kündi­gungs­schutz, der nur bei außer­gewöhn­li­chen Umständen nicht mehr grei­fe. Im Fall ei­ner Kündi­gung auf­grund persönli­chen Ver­hal­tens sei­en we­gen die­ses ab­so­lu­ten Kündi­gungs­schut­zes er­heb­lich stren­ge­re An­for­de­run­gen als im Ar­beits­ver­trags­recht zu stel­len. Er­for­der­lich sei­en schwe­re Pflicht­verstöße, wie be­triebs­be­ding­te Straf­ta­ten oder be­harr­li­che, wie­der­hol­te Ver­let­zun­gen ar­beits­ver­trag­li­cher Pflich­ten. Zwar lie­ge ein Ver­s­toß ge­gen die vor­ge­nann­te Grund­ord­nung vor, je­doch lie­ge dar­in kein Pflicht­ver­s­toß, der ei­nen be­son­de­ren Fall recht­fer­ti­ge. Das kirch­li­che
Selbst­be­stim­mungs­recht wer­de nicht in Fra­ge ge­stellt; dies führe aber nicht da­zu, dass ein be­son­ders schwe­rer Fall be­jaht wer­den müsse. Auch hier sei viel­mehr ei­ne Abwägung da­hin­ge­hend vor­zu­neh­men, ob die In­ter­es­sen der Kläge­rin auf­grund des Ver­s­toßes aus­nahms­wei­se vor­ran­gig sei­en ge­genüber den ge­setz­lich geschütz­ten In­ter­es­sen der Bei­ge­la­de­nen. Die Wei­ter­beschäfti­gung während der El­tern­zeit sei nicht un­zu­mut­bar. Zwar könne die Kläge­rin das Ar­beits­verhält­nis mit der Bei­ge­la­de­nen auf­grund des Ver­s­toßes ge­gen die Loya­litäts­pflich­ten be­en­den, je­doch lägen kei­ne Gründe vor, die ein Ab­war­ten bis zum En­de der El­tern­zeit nicht zu­ließen, da ei­ne ne­ga­ti­ve Außen­wir­kung während die­ser Zeit nicht ein­tre­te. Man­gels Vor­lie­gen der Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen der ein­schlägi­gen Norm stel­le sich die Fra­ge der Er­mes­sens­re­du­zie­rung auf Null nicht.
4. Mit Be­schluss des Ge­richts vom 27. Fe­bru­ar 2012 wur­de die Ar­beit­neh­me­rin der Kläge­rin zum Ver­fah­ren bei­ge­la­den. Die Bei­ge­la­de­ne stell­te kei­nen An­trag.
5. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Ge­richts- und die vor­ge­leg­te Behörden­ak­te ver­wie­sen.
Die zulässi­ge Ver­pflich­tungs­kla­ge ist un­be­gründet. Die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch dar­auf, dass der Be­klag­te die or­dent­li­che Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Bei­ge­la­de­nen für zulässig erklärt (§ 113 Abs. 5 Satz 1 der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung - Vw­GO). Auch ein An­spruch der Kläge­rin auf (er­neu­te) Ver­be­schei­dung ih­res An­trags auf Zulässig­keits­erklärung un­ter Be­ach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Ge­richts be­steht nicht (§ 113 Abs. 5 Satz 2 Vw­GO). Denn im Er­geb­nis hat die Re­gie­rung von O., Ge­wer­be­auf­sichts­amt, mit Be­scheid vom 23. Ja­nu­ar 2012 zu Recht die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch die Kläge­rin nicht zu­ge­las­sen.
1. Die Kläge­rin be­darf gemäß § 18 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 des Ge­set­zes zum El­tern­geld und zur El­tern­zeit (Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz - BEEG) zur Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Bei­ge­la­de­nen ei­ner Erklärung der zuständi­gen Behörde, dass die Kündi­gung zu­ge­las­sen wird.
a) Nach Art. 137 Abs. 3 Satz 1 der deut­schen Ver­fas­sung vom 11. Au­gust 1919 (WRV), der auf­grund von Art. 140 des Grund­ge­set­zes (GG) Be­stand­teil des Grund­ge­set­zes ist, ord­net und ver­wal­tet je­de Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft ih­re An­ge­le­gen­hei­ten selbstständig in­ner­halb der Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes.
Nach dem Selbst­verständ­nis der ka­tho­li­schen Kir­che um­fasst die Re­li­gi­ons­ausübung nicht nur den Be­reich des Glau­bens und des Got­tes­diens­tes, son­dern auch das Wir­ken in der Welt ent­spre­chend der re­li­giösen Auf­ga­be der Kir­che. Hier­zu gehört ins­be­son­de­re auch das ca­ri­ta­ti­ve Wir­ken im Be­reich der Kran­ken­pfle­ge und all­ge­mein der Fürsor­ge für hilfs­bedürf­ti­ge Men­schen ein­sch­ließlich de­ren Er­zie­hung und Aus­bil­dung (vgl. BVerfG vom 4.6.1985 BVerfGE 70, 138/163).
Die von der Kir­che ge­tra­ge­ne vor­schu­li­sche Kin­der­er­zie­hung ist nach dem Selbst­verständ­nis der ka­tho­li­schen Kir­che als Bei­trag zur um­fas­sen­den Bil­dung des Men­schen zu se­hen und da­mit ei­ne ih­rer An­ge­le­gen­hei­ten im Sin­ne des Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV (vgl. Can. 794 § 1 und Can. 795 des Co­dex Ju­ris Ca­no­ni­ci von 1983 - CIC; BVerfG vom 17.2.1981, BVerfGE 57, 220/243; BAG vom 25.4.1978 BA­GE 30, 247).
b) So­weit die Kir­chen den rein „in­ner­kirch­li­chen“ Be­reich nicht ver­las­sen, ist ihr Han­deln der staat­li­chen Re­ge­lungs­be­fug­nis und da­mit auch der Kon­trol­le durch staat­li­che Ge­rich­te grundsätz­lich ent­zo­gen (vgl. BVerwG vom 30.10.2002 BVerw­GE 117, 145/148; BayVGH vom 4.10.1995 VGH n. F. 48, 115 = NVwZ-RR 1996,447). Verlässt in­des die Kir­che durch das Han­deln ih­rer Ein­rich­tun­gen den in­ner­kirch­li­chen Be­reich und be­dient sie sich zur Re­ge­lung ih­rer Rechts­be­zie­hun­gen der Rechts­for­men des staat­li­chen Rechts, un­ter­stellt sie die­se Rechts­be­zie­hun­gen auch der Gel­tung staat­li­chen Rechts und letzt­end­lich auch der staat­li­chen Ge­richts­bar­keit. Ob ei­ne Maßnah­me dem
in­ner­kirch­li­chen Be­reich zu­zu­ord­nen ist oder den staat­li­chen Be­reich berührt, ent­schei­det sich da­nach, was ma­te­ri­ell, der Na­tur der Sa­che oder Zweck­bin­dung nach als ei­ge­ne An­ge­le­gen­heit der Kir­che an­zu­se­hen ist (vgl. BVerfG vom 1.6.1983 NJW 1983, 2569). Übt die Kir­che ih­re Tätig­keit et­wa durch An­gehöri­ge des geist­li­chen Stan­des, Kir­chen­be­am­te oder durch Mit­glie­der ei­ner Or­dens­ge­mein­schaft aus, so sind die sich hier­aus er­ge­ben­den Rechts­be­zie­hun­gen staat­li­chen Re­ge­lun­gen und der staat­li­chen Recht­spre­chung ent­zo­gen (vgl. St­ei­ner in: Fest­schrift für Ri­char­di, 2007, S. 980 f.; BVerwG vom 30.10.2002 a. a. O.; BayVGH vom 4.10.1995 a. a. O.)
Beschäfti­gen kirch­li­che Ein­rich­tun­gen je­doch welt­li­ches Per­so­nal auf­grund von Ar­beits­verträgen, so un­ter­stel­len sie selbst die ent­spre­chen­den Rechts­be­zie­hun­gen dem staat­li­chen Recht in Ge­stalt des Ar­beits­rechts nach den §§ 611 ff. des Bürger­li­chen Ge­setz­buchs (BGB) und den spe­zi­el­len Vor­schrif­ten zur Re­ge­lung von Ar­beits­verhält­nis­sen.
Zu die­sen spe­zi­el­len Vor­schrif­ten gehören un­zwei­fel­haft auch die Re­ge­lun­gen des Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­set­zes und da­bei auch das Kündi­gungs­ver­bot mit Aus­nah­me­re­ge­lung während der El­tern­zeit in § 18 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 BEEG. Da­bei han­delt es sich um ein all­ge­mei­nes Ge­setz im Sin­ne von Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV, dem­nach um ei­ne po­ten­ti­el­le Schran­ke für die kirch­li­che Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie. Denn Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 3 WRV er­ken­nen das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht an, zie­hen ihm zu­gleich aber ei­ne Gren­ze mit den „Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes“. Ei­nen Aus­nah­me­tat­be­stand für die Kir­chen sieht das Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz nicht vor. Es ist da­her da­von aus­zu­ge­hen, dass der Ge­setz­ge­ber dem Selbst­be­stim­mungs­recht ge­genüber dem durch § 18 BEEG zu schützen­den Rechts­gut nicht von vorn­her­ein größeres Ge­wicht zu­er­kann­te bzw. zu­er­ken­nen woll­te (v. Cam­pen­hau­sen, Staats­kir­chen­recht, 3. Aufl. 1996, S. 121 f.). Da­mit er­gibt sich die Not­wen­dig­keit der Rechtsgüter­abwägung, um der Wech­sel­wir­kung von Kir­chen­frei­heit und Schran­ken­zweck Rech­nung zu tra­gen (BVerfG vom 4.6.1985 a. a. O.); wo­bei dem Selbst­verständ­nis der Kir­chen ein be­son­de­res Ge­wicht bei­zu­mes­sen ist (BVerfGE vom 18.9.1998 NJW 1999, 349 und vom 13.12.1983 BVerfGE 66, 1).
c) Zuständig für die Ent­schei­dung, ob ei­ne Kündi­gung nach § 18 Abs. 1 Satz 2 BEEG zu­zu­las­sen ist, ist vor­lie­gend nach § 18 Abs. 1 Satz 3 BEEG und § 1 Nr. 1 der Ver­ord­nung über Zuständig­kei­ten auf dem Ge­biet des Ar­beits­schut­zes, der Si­cher­heits­tech­nik, des Che­mi­ka­li­en- und Me­di­zin­pro­duk­te­rechts (ASiMPV) und Nr. 7.5 der An­la­ge zu die­ser Ver­ord­nung das Ge­wer­be­auf­sichts­amt der Re­gie­rung von O.
2. Bei der Ent­schei­dung über die Zu­las­sung ei­ner Kündi­gung nach § 18 Abs. 1 Satz 2 BEEG ist ei­ne Abwägung zu tref­fen zwi­schen der Be­deu­tung der so­for­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses für das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht und dem Schutz­zweck des Kündi­gungs­ver­bo­tes in § 18 Abs. 1 Satz 1 BEEG.
a) Das Tat­be­stands­merk­mal des „be­son­de­ren Fal­les“ in § 18 Abs. 1 Satz 2 BEEG - bei des­sen Präzi­sie­rung vor­lie­gend das kirch­li­che Selbst­ver­wal­tungs­recht zu berück­sich­ti­gen ist - stellt ei­nen un­be­stimm­ten Rechts­be­griff dar und un­ter­liegt in vol­lem Um­fang der ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Prüfung. Dem Ge­wer­be­auf­sichts­amt als zuständi­ge Behörde ist in­so­weit kein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum ein­geräumt (vgl. BVerwG vom 18.8.1977 BVerw­GE 54, 276 und BayVGH vom 29.2.2012 NZA-RR 2012, 302 je­weils zum ver­gleich­ba­ren § 9 des Mut­ter­schutz­ge­set­zes - MuSchG; VG Augs­burg vom 7.12.2010 Az. Au 3 K 10.967; Rancke Hand­kom­men­tar Mut­ter­schutz/El­tern­geld/El­tern­zeit, 1. Aufl. 2007, im Fol­gen­den: Rancke, HK-MuSchG/BEEG, Rd­Nr. 30 zu § 18 BEEG). Wann ein be­son­de­rer Fall an­ge­nom­men wer­den kann, ist im Ge­setz nicht be­stimmt; er ist nicht gleich­zu­set­zen mit dem wich­ti­gen Grund in § 626 Abs. 1 BGB (vgl. Buch­ner/Be­cker/Bul­la, Mut­ter­schutz- und Bun­des­er­zie­hungs­geld­ge­setz, 7. Aufl. 2003, Rd­Nr. 24 zu § 18 BErzGG; VGH BW vom 20.2.2007 NZA-RR 2007, 290). Be­reits der Wort­laut der Vor­schrift, aber auch der Sinn und Zweck des Kündi­gungs­ver­bots, spre­chen für ei­ne äußerst en­ge Aus­le­gung der Aus­nah­men vom
Ver­botstat­be­stand. Aber auch dann, wenn ein sol­cher be­son­de­rer Fall vor­liegt, darf die Kündi­gung nur in Aus­nah­mefällen für zulässig erklärt wer­den. Sind die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ge­ge­ben, trifft die zuständi­ge Behörde ei­ne Er­mes­sens­ent­schei­dung (§ 18 Abs. 1 Satz 2 BEEG; vgl. BayVGH vom 6.3.2012 Az. 12 ZB 10.2202 <ju­ris> und vom 30.11.2004 BayVBl 2005, 409), die nur im Rah­men des § 114 Vw­GO ge­richt­lich über­prüfbar ist.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist ein be­son­de­rer Fall nur dann an­zu­neh­men, wenn außer­gewöhn­li­che Umstände es recht­fer­ti­gen, die vom Ge­setz grundsätz­lich als vor­ran­gig an­ge­se­he­nen In­ter­es­sen des El­tern­zeit in An­spruch neh­men­den Ar­beit­neh­mers hin­ter die In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers an der Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses zurück­tre­ten zu las­sen (vgl. BVerwG vom 30.9.2009 BVerw­GE 135, 67 m. w. N. und vom 18.8.1977 a. a. O. zum Be­griff des be­son­de­ren Fal­les in § 9 MuSchG).
b) Die be­son­de­ren Be­lan­ge der Kläge­rin als kirch­li­che Ar­beit­ge­be­rin sind in die­se Abwägung ein­zu­stel­len.
aa) Die Grund­ord­nung des kirch­li­chen Diens­tes im Rah­men kirch­li­cher Ar­beits­verhält­nis­se (im Fol­gen­den: GrO) ist in­fol­ge der Ein­be­zie­hung we­sent­li­cher Be­stand­teil des zwi­schen der Kläge­rin und der Bei­ge­la­de­nen be­ste­hen­den Ar­beits­ver­tra­ges. Nach Art. 4 Satz 1 die­ser Grund­ord­nung, die in An­hang II Nr. 1 des Ar­beits­ver­trags­rechts der Baye­ri­schen (Erz-)Diöze­sen - ABD, in der ab 1. Ok­to­ber 2005 gel­ten­den Fas­sung, ent­hal­ten ist, wird von ka­tho­li­schen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern er­war­tet, dass sie die Grundsätze der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re an­er­ken­nen und be­ach­ten. Satz 2 legt fest, dass ins­be­son­de­re im pas­to­ra­len, ka­te­che­ti­schen und er­zie­he­ri­schen Dienst so­wie bei Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern, die auf­grund ei­ner Mis­sio ca­no­ni­ca tätig sind, das persönli­che Le­bens­zeug­nis im Sin­ne der Grundsätze der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re er­for­der­lich ist. Dies gilt nach Satz 3 auch für lei­ten­de Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter. Gemäß § 4 Abs. 4 GrO ha­ben al­le Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter kir­chen­feind­li­ches Ver­hal­ten zu un­ter­las­sen (Satz 1). Sie dürfen in ih­rer persönli­chen Le­bensführung und in ih­rem dienst­li­chen Ver­hal­ten die Glaubwürdig­keit der Kir­che und der Ein­rich­tung, in der sie beschäftigt sind, nicht gefähr­den (Satz 2). Die Ein­ge­hung ei­ner Le­bens­part­ner­schaft ist nach der Erklärung des Ständi­gen Ra­tes der Deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz vom 24. Ju­ni 2002 mit die­sen Loya­litätsob­lie­gen­hei­ten nicht ver­ein­bar, son­dern wi­der­spricht der Auf­fas­sung über Ehe und Fa­mi­lie, wie sie die ka­tho­li­sche Kir­che lehrt. Dies wird in Can. 1055 § 1 CIC be­kräftigt, nach dem durch die Ehe bzw. den Ehe­bund, Mann und Frau un­ter sich die Ge­mein­schaft des gan­zen Le­bens be­gründen.
bb) Die über die Ein­be­zie­hung der Grund­ord­nung er­folg­te ar­beits­ver­trag­li­che Un­ter­schei­dung hin­sicht­lich ka­tho­li­scher Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter und die mit ihr ver­bun­de­ne Un­gleich­be­hand­lung der Bei­ge­la­de­nen we­gen ih­rer Re­li­gi­on ist nach § 9 Abs. 2 des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) ge­recht­fer­tigt.
cc) Das Ver­lan­gen der Kläge­rin nach Ein­hal­tung der vor­ge­nann­ten Loya­litätsob­lie­gen­hei­ten bzw. der Vor­schrif­ten der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re steht im Ein­klang mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben. Ins­be­son­de­re stellt die Kläge­rin hier­durch an die Loya­lität ih­rer Ar­beit­neh­mer kei­ne un­an­nehm­ba­ren An­for­de­run­gen. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (Be­schluss vom 4.6.1985 a. a. O.) ermöglicht das Selbst­be­stim­mungs­recht den Kir­chen, in den Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes den kirch­li­chen Dienst nach ih­rem Selbst­verständ­nis zu re­geln und spe­zi­fi­sche Ob­lie­gen­hei­ten kirch­li­cher Ar­beit­neh­mer ver­bind­lich zu ma­chen. Denn die An­wen­dung des staat­li­chen Ar­beits­rechts auf die kirch­li­chen Ar­beits­verhält­nis­se hebt de­ren Zu­gehörig­keit zu den „ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten“ im Sin­ne der Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie nicht auf. Dies hat zur Fol­ge, dass hier die vor­ge­ge­be­nen kirch­li­chen Maßstäbe für die Be­wer­tung ein­zel­ner Loya­litäts­pflich­ten der Bei­ge­la­de­nen zu­grun­de zu le­gen sind, so­weit die Ver­fas­sung das Recht der Kir­che an­er­kennt, hierüber selbst zu be­fin­den (vgl.
BAG vom 8.9.2011 NJW 2012, 1099; VGH BW vom 26.5.2003 NZA-RR 2003, 629). Es bleibt dem­nach grundsätz­lich den ver­fass­ten Kir­chen über­las­sen zu be­stim­men, was die „Glaubwürdig­keit der Kir­che und der Ein­rich­tung, in der sie beschäftigt sind“ (vgl. Art. 4 Abs. 4, Art. 5 Abs. 5 GrO) er­for­dert, wel­ches die zu be­ach­ten­den „Grundsätze der ka­tho­li­schen Glau­bens - und Sit­ten­leh­re“ sind (vgl. Art. 4 Abs. 1 GrO) und wel­che „Loya­litäts­verstöße“ (vgl. Art. 5 Abs. 2 GrO) aus „kir­chen­spe­zi­fi­schen Gründen“ als „schwer­wie­gend“ an­zu­se­hen sind. Die Ent­schei­dung, ob und wie bei in­ner­halb der im kirch­li­chen Dienst täti­gen Mit­ar­bei­ter ei­ne Ab­stu­fung der Loya­litätsan­for­de­run­gen grei­fen soll, ist eben­falls grundsätz­lich ei­ne dem kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­recht un­ter­lie­gen­de An­ge­le­gen­heit (vgl. BAG vom 8.92011 a. a. O.). Durch die An­wen­dung die­ser Vor­ga­ben be­gibt sich das Ge­richt auch nicht in Wi­der­spruch zu den Grund­prin­zi­pi­en der Rechts­ord­nung, wie sie im all­ge­mei­nen Willkürver­bot (Art. 3 Abs. 1 GG) so­wie in dem Be­griff der „gu­ten Sit­ten“ (§ 138 Abs. 1 BGB) und des ord­re pu­blic ih­ren Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben (vgl. BVerfG vom 4.6.1985 a. a. O.).
Die Ein­ge­hung ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft durch die Bei­ge­la­de­ne zählt zum pri­va­ten Le­bens­be­reich, der grundsätz­lich außer­halb der Ein­fluss­sphäre der Kläge­rin steht und durch die ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten nur in­so­weit ein­ge­schränkt wird, wie sich das pri­va­te Ver­hal­ten auf den kirch­li­chen Be­reich aus­wirkt. Das Recht auf freie Ent­fal­tung der Persönlich­keit (Art. 2 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes - GG) der Bei­ge­la­de­nen um­fasst zwar re­gelmäßig auch die Frei­heit, ei­ne ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft zu schließen. Die in den Grund­rechts­nor­men ent­hal­te­ne ob­jek­ti­ve Wert­ord­nung gilt als ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­ent­schei­dung für al­le Be­rei­che des Rechts und wirkt des­halb auch auf das Pri­vat­recht ein (vgl. BVerfG vom 14.2.1973 BVerfGE 34, 269, 280). Da­mit ge­winnt der ver­fas­sungs­recht­li­che Persönlich­keits­schutz für das Ar­beits­verhält­nis und die sich dar­aus er­ge­ben­den Rech­te und Pflich­ten Be­deu­tung (vgl. BAG vom 27.2.1985 BA­GE 48, 122). Die­ses Grund­recht be­steht je­doch nicht un­ein­ge­schränkt, viel­mehr sieht die ver­fas­sungs­recht­li­che Ga­ran­tie des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts, wie dar­ge­legt, vor, dass auch für die Kin­der­ta­gesstätten als er­zie­he­ri­sche Ein­rich­tun­gen spe­zi­el­le Ob­lie­gen­hei­ten kirch­li­cher Ar­beit­neh­mer ver­bind­lich fest­ge­legt wer­den.
Zu­dem be­steht nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te - de­ren Be­ach­tung ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­ten ist (vgl. BVerfG vom 14.10.2004 BVerfGE 111, 307) - je­den­falls ein Abwägungs­ge­bot zwi­schen dem Recht der bei­ge­la­de­nen Ar­beit­neh­me­rin auf Ach­tung ih­res Pri­vat- und Fa­mi­li­en­le­bens ei­ner­seits und den geschütz­ten Rech­ten der Kläge­rin als kirch­li­che Ar­beit­ge­be­rin an­de­rer­seits (Art. 8, 9 und 11 der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on vom 4.11.1950 - EM­RK, die in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf­grund des Ge­set­zes vom 7.8.1952 mit Ge­set­zes­kraft gilt, BGBl II, S. 685; BAG vom 8.9.2011 a. a. O.). Geschützt ist hier­bei die Ei­genständig­keit von Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ge­gen un­zulässi­ge staat­li­che Ein­mi­schung (vgl. EGMR vom 3.2.2011 NZA 2011, 277 und vom 23.9.2010 NZA 2011, 279). Dies ist im Rah­men der vor­zu­neh­men­den In­ter­es­sen­abwägung zu berück­sich­ti­gen.
c) Die Be­deu­tung des Kündi­gungs­ver­bo­tes ist im Rah­men der Abwägung zu berück­sich­ti­gen.
aa) Der Son­derkündi­gungs­schutz zielt dar­auf ab, den Ar­beit­neh­mern bei der In­an­spruch­nah­me von El­tern­zeit die Sor­ge um ih­ren Ar­beits­platz zu neh­men; die Vor­schrift des § 18 Abs. 1 BEEG soll gewähr­leis­ten, dass ihr Ar­beits­verhält­nis während der El­tern­zeit grundsätz­lich im recht­li­chen Be­stand un­verändert bleibt (vgl. BVerwG vom 30.9.2009 a. a. O.).
Die Ge­set­zes­be­gründung zum Ent­wurf des Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­set­zes (BT-Drucks. 16/1889 S. 27) be­inhal­tet, dass die Re­ge­lun­gen der §§ 17 bis 21 des Bun­des­er­zie­hungs­geld­ge­set­zes (BErzGG) in­halt­lich un­verändert über­nom­men wer­den bzw. wur­den. Zur Not­wen­dig­keit des El­tern­geld­ge­set­zes wird u. a. aus­geführt, es sei ei­ne ver­fas­sungs­recht­lich vor­ge­ge­be­ne staat­li­che Auf­ga­be, die Rah­men­be­din­gun­gen dafür zu schaf­fen, dass Fa­mi­li­en ih­re je­weils gewähl­ten For­men des Mit­ein­an­der­le­bens und Fürein­an­der­sor­gens
ver­wirk­li­chen können; durch kon­ti­nu­ier­li­che Er­werbs­bio­gra­phi­en blei­be die wirt­schaft­li­che Selbstständig­keit der Part­ner ge­wahrt (BT-Drucks. 16/1889 S. 14 und 16). Die Be­gründung zur Kündi­gungs­schutz­re­ge­lung des § 18 BErzGG des Re­gie­rungs­ent­wurfs zum Bun­des­er­zie­hungs­geld­ge­setz vom 16. Au­gust 1985 (BR-Drucks. 350/85) nennt als Ziel des Ge­set­zes, die Förde­rung der ständi­gen Be­treu­ung ei­nes Kin­des in der ers­ten Le­bens­pha­se durch ein El­tern­teil so­wie die Schaf­fung von mehr Wahl­frei­heit für die Ent­schei­dung zwi­schen der Tätig­keit in der Fa­mi­lie und außerhäus­li­cher Er­werbstätig­keit. Dies könne nur er­reicht wer­den, wenn die Mut­ter oder der Va­ter in der Re­gel während der Zeit des Er­zie­hungs­ur­laubs kei­ne Kündi­gung zu befürch­ten brau­che. Der Zweck der Aus­nah­me­re­ge­lung vom Kündi­gungs­schutz und der Be­griff des be­son­de­ren Fal­les sind da­hin­ge­hend um­schrie­ben wor­den: „Die­ser Kündi­gungs­schutz kann aber nicht un­ein­ge­schränkt gel­ten. Es muss ins­be­son­de­re aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die wirt­schaft­li­che Exis­tenz des Be­trie­bes gefähr­det wird.“ Die ursprüng­lich zu § 9 MuSchG ent­wi­ckel­te Aus­le­gung des Be­griffs des be­son­de­ren Falls hat sich der Ge­setz­ge­ber des Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­set­zes dem­nach - aus­weis­lich der vor­ge­nann­ten Ge­set­zes­ma­te­ria­li­en - aus­drück­lich zu Ei­gen ge­macht (vgl. BVerwG vom 30.9.2009 a. a. O.).
bb) Nach § 18 Abs. 1 Satz 2 BEEG liegt ein be­son­de­rer Fall im dar­ge­leg­ten Sinn u. a. bei be­son­ders schwe­ren Verstößen des Ar­beit­neh­mers ge­gen ar­beits­ver­trag­li­che Pflich­ten vor, wenn dies da­zu führt, dass dem Ar­beit­ge­ber die Auf­recht­er­hal­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­zu­mut­bar wird (vgl. BayVGH vom 30.11.2004 a. a. O.) Dem­ent­spre­chend be­schreibt Nr. 2.1.6 der All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrift zum Kündi­gungs­schutz bei El­tern­zeit vom 3. Ja­nu­ar 2007 (Bun­des­an­zei­ger 2007, Nr. 5 S. 247), die Behörde ha­be da­von aus­zu­ge­hen, dass ein be­son­de­rer Fall ins­be­son­de­re dann ge­ge­ben sei, wenn be­son­ders schwe­re Verstöße des Ar­beit­neh­mers ge­gen ar­beits­ver­trag­li­che Pflich­ten oder vorsätz­li­che straf­ba­re Hand­lun­gen des Ar­beit­neh­mers dem Ar­beit­ge­ber die Auf­recht­er­hal­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­zu­mut­bar ma­chen.
cc) Bei ei­ner Ar­beit­neh­me­rin in El­tern­zeit schei­det ei­ne Ver­let­zung der ar­beits­ver­trag­li­chen Haupt­pflicht, der Ar­beits­leis­tung, aus; in Be­tracht kom­men al­ler­dings schwer­wie­gen­de Ver­let­zun­gen fort­be­ste­hen­der ar­beits­ver­trag­li­cher Ne­ben­pflich­ten (vgl. BayVGH vom 30.11.2004 a. a. O.). Ei­ner or­dent­li­chen ver­hal­tens­be­ding­ten oder per­so­nen­be­ding­ten Kündi­gung im vollständig ru­hen­den Ar­beits­verhält­nis während der El­tern­zeit wird die Behörde nur ganz aus­nahms­wei­se zu­stim­men können (vgl. Rancke in HK-MuSchG/BEEG Rd­Nr. 33 zu § 18 BEEG, der dies un­ter Ver­weis auf BVerwG vom 21.10.1970 a. a. O. nur als zulässig er­ach­tet, wenn der Kündi­gungs­grund so be­las­tend für den Ar­beit­ge­ber ist, dass ei­ne wei­te­re Fortführung des Ar­beits­verhält­nis­ses exis­tenz­gefähr­dend sein könn­te).
d) Die Abwägung entfällt hier nicht we­gen of­fen­sicht­li­cher Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung. Der Rechts­streit um die Rechts­wirk­sam­keit der Kündi­gung ist vor den Ar­beits­ge­rich­ten aus­zu­tra­gen (vgl. Rancke, HK-MuSchG/BEEG, Rd­Nr. 2 zu § 18 BEEG). Da­her hat das Ge­wer­be­auf­sichts­amt nicht im Rah­men des vor­ge­la­ger­ten be­son­de­ren Kündi­gungs­schut­zes nach § 18 Abs. 1 Satz 1 BEEG - gleich­sam par­al­lel zum Ar­beits­ge­richt - über die Fra­ge der So­zi­al­wid­rig­keit der Kündi­gung zu be­fin­den (vgl. BVerwG vom 2.7.1992 BVerw­GE 90, 287 zum Son­derkündi­gungs­schutz für Schwer­be­hin­der­te). Ei­ne Pflicht des Ge­wer­be­auf­sichts­am­tes zur Ver­wei­ge­rung der Zu­stim­mung zur Kündi­gung aus Gründen des Ar­beits­rechts kann al­len­falls dann in Be­tracht kom­men, wenn die ar­beits­recht­li­che Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung oh­ne je­den vernünf­ti­gen Zwei­fel of­fen zu­ta­ge liegt (vgl. BayVGH vom 9.3.1995 Az. 12 B 93.3543 <ju­ris> zum Son­derkündi­gungs­schutz für Schwer­be­hin­der­te). Dies ist hier nicht der Fall.
e) Die Abwägung entfällt nicht we­gen ei­ner so­ge­nann­ten Sinn­ent­lee­rung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Der Kündi­gungs­schutz nach § 18 Abs. 1 Satz 1 BEEG setzt ein Ar­beits­verhält­nis vor­aus, das - die In­an­spruch­nah­me der El­tern­zeit hin­weg­ge­dacht - sinn­voll Be­stand ha­ben kann (vgl. BVerwG vom 30.9.2009 und vom 18.8.1977 je­weils a. a. O.). Nur in die­sem Rah­men wird der Bei­ge­la­de­nen ei­ne
an den Fort­be­stand die­ses Verhält­nis­ses an­knüpfen­de Pla­nungs­si­cher­heit gewähr­leis­tet. Ei­ne sinn­ge­rech­te Auf­recht­er­hal­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ist da­nach für den Fall der Be­triebs­still­le­gung - mit Blick dar­auf, dass kei­ne Ar­beits­leis­tung mehr er­bracht wer­den kann - als unmöglich er­ach­tet wor­den. Vor­lie­gend ist dem­ge­genüber ei­ne we­sens- und sinn­ge­rech­te Fort­set­zung der Rechts­be­zie­hun­gen möglich, da die Ar­beits­leis­tung bei der Kläge­rin wei­ter­hin tatsächlich er­bracht wer­den kann.
3. Die Abwägung fällt zu­las­ten der Kläge­rin aus, wes­halb die Kla­ge ab­zu­wei­sen ist.
a) Die Bei­ge­la­de­ne hat sich zwar durch das Ein­ge­hen der ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft in Wi­der­spruch zu den be­rech­tig­ten Loya­litätser­war­tun­gen der Kläge­rin ge­setzt und da­mit ei­ne während der El­tern­zeit fort­be­ste­hen­de ar­beits­ver­trag­li­che Ne­ben­pflicht ver­letzt, was nach kirch­li­chem Verständ­nis ei­nen schwer­wie­gen­den Loya­litäts­ver­s­toß dar­stellt. Des­halb liegt je­doch nicht be­reits zwangsläufig ein be­son­de­rer Fall im dar­ge­leg­ten Sinn vor, da der be­son­de­re Kündi­gungs­schutz während der El­tern­zeit - ne­ben dem all­ge­mei­nen ar­beits­recht­li­chen Kündi­gungs­schutz - sonst letzt­end­lich ins Lee­re gin­ge.
Nach den maßgeb­li­chen kirch­li­chen Vor­schrif­ten liegt ein Loya­litäts­ver­s­toß der Bei­ge­la­de­nen, da­mit ei­ne „An­knüpfungs­tat­sa­che“ für die An­nah­me ei­nes be­son­de­ren Fal­les vor (vgl. BayVGH vom 29.2.2012 a. a. O.). Ob der vor­ge­tra­ge­ne Loya­litäts­ver­s­toß aus ar­beits­recht­li­cher Sicht hin­rei­chend schwer wiegt, um ei­ne Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen, bleibt zwar, wie dar­ge­legt, der Ent­schei­dung der Ar­beits­ge­rich­te vor­be­hal­ten. Je­den­falls ist aber nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass die be­ab­sich­tig­te or­dent­li­che Kündi­gung of­fen­sicht­lich un­wirk­sam wäre.
Die nach Art. 5 Abs. 2 GrO ge­ne­rell als Kündi­gungs­grund in Be­tracht kom­men­de Ein­ge­hung ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft recht­fer­tigt nach Art. 5 Abs. 3 GrO ei­ne Kündi­gung, wenn die Bei­ge­la­de­ne „lei­tend tätig“ ist. Hierfür spricht die Beschäfti­gung als Kin­der­gar­ten­lei­te­rin so­wie § 2 der Dienst­ord­nung für pädago­gi­sches Per­so­nal in den ka­tho­li­schen Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen (s. Teil C.7 des ABD), der die Auf­ga­ben der Lei­tung fest­legt. Gemäß Art. 5 Abs. 3 Satz 2 GrO kann von der Kündi­gung al­ler­dings aus­nahms­wei­se ab­ge­se­hen wer­den, wenn schwer­wie­gen­de Gründe des Ein­zel­falls die­se als un­an­ge­mes­sen er­schei­nen las­sen. Dies­bezügli­che An­halts­punk­te sind nicht vor­ge­tra­gen. Auch er­scheint ei­ne Kündi­gung im Zeit­punkt der Ent­schei­dung des Ge­richts im Hin­blick auf die Ver­fah­rens­vor­schrift des Art. 5 Abs. 1 GrO zu­min­dest nicht of­fen­sicht­lich un­verhält­nismäßig. Da­nach muss der kirch­li­che Dienst­ge­ber, wenn ein Mit­ar­bei­ter die Beschäfti­gungs­an­for­de­run­gen nicht mehr erfüllt, durch „Be­ra­tung“ ver­su­chen, dass der Mit­ar­bei­ter die­sen Man­gel auf Dau­er be­sei­tigt. Un­abhängig da­von, dass ein sol­ches Gespräch vor dem Aus­spruch der be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung noch statt­fin­den kann, hat die Bei­ge­la­de­ne ge­genüber der Kläge­rin be­reits zum Aus­druck ge­bracht, dass sie zum „Le­bens­mo­dell“ der Le­bens­part­ner­schaft ste­he, dem­nach nicht be­reit ist, die­se auf­zu­ge­ben. Zu­dem greift Art. 5 Abs. 5 Satz 2 GrO - wo­nach im Fal­le des Ab­schlus­ses ei­ner nach dem Glau­bens­verständ­nis und der Rechts­ord­nung der Kir­che ungülti­gen Ehe ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung je­den­falls dann aus­schei­det, wenn sie un­ter öffent­li­ches Ärger­nis er­re­gen­den oder die Glaubwürdig­keit der Kir­che be­ein­träch­ti­gen­den Umständen ge­schlos­sen wird - hier nicht. Denn die Bei­ge­la­de­ne hat ih­re Le­bens­part­ner­schaft le­dig­lich ge­genüber ih­rer Ar­beit­ge­be­rin an­ge­zeigt, oh­ne öffent­li­chen Ärger zu er­re­gen oder die Glaubwürdig­keit der Kläge­rin in Fra­ge zu stel­len bzw. in Mit­lei­den­schaft zu zie­hen.
b) Der dar­ge­leg­te Ver­s­toß der Bei­ge­la­de­nen ge­gen ih­re ar­beits­ver­trag­li­che Ne­ben­pflicht führt hier nach Abwägung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen aber nicht da­zu, dass der Kläge­rin die Auf­recht­er­hal­tung des be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses während der El­tern­zeit, die nach Ak­ten­la­ge am 15. Au­gust 2012 en­den wird, schlecht­hin un­zu­mut­bar ist.
Zu­guns­ten der Bei­ge­la­de­nen spricht zunächst der Schutz­zweck des § 18 Abs. 1 BEEG, der Ar­beit­neh­mern während der El­tern­zeit grundsätz­lich die Sor­ge um ih­ren Ar­beits­platz neh­men und
ei­ne kon­ti­nu­ier­li­che Er­werbs­bio­gra­phie er­hal­ten will. Auch ist das Ver­hal­ten der Bei­ge­la­de­nen le­gi­tim, kann al­so kei­nes­wegs mit den ei­ne Aus­nah­me von die­sem Kündi­gungs­schutz be­gründen­den, bei­spiel­haft an­geführ­ten straf­ba­ren Hand­lun­gen des Ar­beit­neh­mers gleich­ge­setzt wer­den. Der im Rah­men der münd­li­chen Ver­hand­lung zum Aus­druck kom­men­de Wunsch der Bei­ge­la­de­nen, mit ih­rer Part­ne­rin in ei­ner nach bürger­li­chem Recht ge­ord­ne­ten Part­ner­schaft bzw. im ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Rah­men zu le­ben, ist grund­recht­lich und durch Art. 8 und 12 EM­RK geschützt. Zu­dem ru­hen die ar­beits­ver­trag­li­chen Haupt­pflich­ten während der El­tern­zeit, so dass sich die Le­bens­part­ner­schaft bzw. prak­ti­zier­te Ho­mo­se­xua­lität nicht im Rah­men der er­zie­he­ri­schen Ar­beit der Bei­ge­la­de­nen aus­wir­ken kann. Wo­bei zu berück­sich­ti­gen ist, dass die­se ih­re Tätig­keit auch bis­her, trotz der be­ste­hen­den Ho­mo­se­xua­lität, be­an­stan­dungs­frei ausführ­te. In­so­fern liegt auch kei­ne Si­tua­ti­on vor, die den Be­trieb der Kin­der­ta­gesstätte gefähr­den würde.
Zu­guns­ten der Kläge­rin ist der nach kirch­li­chem Verständ­nis schwe­re Loya­litäts­ver­s­toß in die Abwägung ein­zu­stel­len. Die Kläge­rin hat als Träge­rin ei­ner ka­tho­li­schen Ein­rich­tung das
ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Recht, auch als sol­che zu wir­ken und in Er­schei­nung zu tre­ten. Sie ver­steht er­zie­he­ri­sche Bil­dung im Sin­ne der Erfüllung ei­nes re­li­giösen Auf­trags und er­war­tet von ei­ner ka­tho­li­schen Kin­der­gar­ten­lei­te­rin auch ei­ne pri­va­te Le­bensführung im Sin­ne der Grundsätze der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re. Das Ein­ge­hen ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft ist nach kirch­li­chem Verständ­nis mit die­ser Glau­bens- und Sit­ten­leh­re un­ver­ein­bar. Nach Art. 9 und 11 EM­RK wird gewähr­leis­tet, dass sich die Men­schen auf­grund ei­ner sie ver­bin­den­den re­li­giösen Auf­fas­sung zu­sam­men­fin­den und ih­re An­ge­le­gen­hei­ten nach Maßstäben ord­nen können, die nicht vom Staat oder der je­weils herr­schen­den öffent­li­chen Mei­nung über die Na­tur des Men­schen kor­ri­giert wer­den dürfen, und zwar auch dann, wenn die be­tref­fen­den Aus­sa­gen ei­nem Teil oder auch der Mehr­heit der Bevölke­rung nicht nach­voll­zieh­bar er­schei­nen mögen.
Maßgeb­lich ge­schwächt wird das In­ter­es­se der Kläge­rin an der Auflösung des be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses während der El­tern­zeit al­ler­dings da­durch, dass die Bei­ge­la­de­ne durch ihr Ver­hal­ten die Glaubwürdig­keit der Kir­che nicht gefähr­det hat. Denn die Bei­ge­la­de­ne hat ih­re Le­bens­part­ner­schaft nicht nach außen bzw. an die Öffent­lich­keit ge­tra­gen, son­dern le­dig­lich ge­genüber der Kläge­rin an­ge­zeigt. Auf­grund ih­res Ver­hal­tens wur­de die An­ge­le­gen­heit auch nicht von den Me­di­en auf­ge­grif­fen, dies er­folg­te erst nach Kla­ge­er­he­bung durch die Kläge­rin. Das im Rah­men der münd­li­chen Ver­hand­lung von Sei­ten der Kläge­rin vor­ge­leg­te Schrei­ben der Bei­ge­la­de­nen vom 27. Fe­bru­ar 2012 führt in­so­fern zu kei­ner an­de­ren Be­ur­tei­lung. Die hier­in als Möglich­keit an­ge­spro­che­ne öffent­li­che Kam­pa­gne ist sei­tens der Bei­ge­la­de­nen tatsächlich nicht er­folgt. Zu­dem be­ton­te die­se, dass sie nicht be­ab­sich­tigt ha­be, das Schrei­ben bzw. die An­ge­le­gen­heit zu veröffent­li­chen. Auch ver­wies sie dar­auf, wei­ter­hin zum Glau­ben ste­he. Im Übri­gen bleibt es der Kläge­rin un­be­nom­men, nach Ab­lauf der El­tern­zeit, das Ein­ge­hen der Le­bens­part­ner­schaft der Kläge­rin zum An­lass für den Aus­spruch der be­ab­sich­tig­ten or­dent­li­chen Kündi­gung zu neh­men und in­so­weit die nach ih­rem Verständ­nis -auch mit Blick auf die Glaubwürdig­keit - ge­bo­te­ne Kon­se­quenz zu zie­hen.
Nach al­le­dem ist hier kein be­son­de­rer Fall im dar­ge­leg­ten Sinn ge­ge­ben, so dass man­gels Vor­lie­gen der Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen kein An­spruch der Kläge­rin auf die be­gehr­te Zulässig­keits­erklärung durch das Ge­wer­be­auf­sichts­amt be­steht.
Folg­lich ist auch kein An­spruch auf er­neu­te Ver­be­schei­dung des An­trags der Kläge­rin vom 23. Sep­tem­ber 2011 ge­ge­ben (§ 113 Abs. 5 Satz 2 Vw­GO).
4. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 154 Abs. 1 Vw­GO. Der Aus­spruch der vorläufi­gen Voll­streck­bar­keit be­ruht auf § 167 Vw­GO i. V. m. §§ 708 Nr. 11, 711 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung (ZPO).
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12/235 Kün­di­gung ei­ner les­bi­schen Er­zie­he­rin
19.06.2012. Wäh­rend der El­tern­zeit kann der Ar­beit­ge­ber im All­ge­mei­nen nicht kün­di­gen. Will er es doch, braucht er die vor­he­ri­ge Zu­stim­mung der Be­hör­de, die die­se aber ge­mäß § 18 Abs.1 ...