Source: http://www.kuselit.de/rezension/18403/?folder=1000&id=477&resize=1&mwidth=250&mheight=300
Timestamp: 2018-01-18 15:32:54
Document Index: 178470672

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 2', '§ 3', '§ 4', '§ 5', '§ 6', '§ 7', '§ 8', '§ 9', '§ 2', '§ 6', '§ 8', '§ 9', '§ 4', '§ 5', '§ 5']

Oliver Kessler (Hrsg.) - Unternehmensfinanzierung Mittelstand
978-3-8487-0700-3
Baden-Baden 2015. ISBN 978-3-8487-0700-3
Finanzierungsstrukturen werden zunehmend komplexer, auch im Mittelstand. Zusammenfassende Darstellungen der damit verbundenen rechtlichen Fragen mit Fokus auf den Mittelstand finden sich hingegen kaum. Der Zuschnitt des hier zu besprechenden Handbuchs ist deshalb mit Nachdruck zu begrüßen.
Die insgesamt neun Autoren sind überwiegend Rechtsanwälte der renommierten Sozietät Oppenhoff & Partner. Hinzu kommen zwei praxiserprobte Professoren der German Graduate School of Management and Law und ein Unternehmensjurist. Das 460 Seiten umfassende Werk gliedert sich in neun Abschnitte. Zunächst werden die Grundlagen der Unternehmensfinanzierung aus betriebswirtschaftlicher Sicht (25 Seiten, § 1), das Markt- und Regulierungsumfeld (40 Seiten, § 2) und die bilanziellen Grundlagen erläutert (16 Seiten, § 3). Es folgt ein Kapitel zu den gesellschaftsrechtlichen Rahmenbedingungen (20 Seiten, § 4), bevor im Mittelteil einzelne Finanzierungsinstrumente im Detail erläutert werden (164 Seiten, § 5). Abgeschlossen wird das Handbuch mit drei ergänzenden Kapiteln, die sich mit rechtlichem Risikomanagement und Compliance im Mittelstand (30 Seiten, § 6), steuerrechtlichen Aspekten (43 Seiten, § 7) und der Prozessführung im Bereich der Unternehmensfinanzierung (55 Seiten, § 8) befassen, und schließlich einer knappen Zusammenfassung (11 Seiten, § 9).
Die Erwartungen des Rezensenten kann das Handbuch nur teilweise erfüllen. Gut gelungen sind insbesondere die Ausführungen zu Darlehen und Konsortialdarlehen, die von den Zahlungsströmen über Zusicherungen und Gewährleistungen bis zu Kündigungsmöglichkeiten und Kreditsicherheiten alle wesentlichen Fragen kompakt und gut verständlich erläutern. Anschaulich, praxisnah und informativ sind ebenso die Kapitel zu Aktien- und Anleiheemissionen und Derivaten, in denen die Verfasser Schritt für Schritt aufzeigen, wie die betreffenden Instrumente genutzt werden können und welche rechtlichen Anforderungen dabei beachtet werden müssen. Lob verdienen die Verfasser auch für ihre Entscheidung, die gesellschaftsrechtlichen Rahmenbedingungen zur Unternehmensfinanzierung in ein eigenes Kapitel „vor die Klammer“ zu ziehen und vor der Auseinandersetzung mit den einzelnen Finanzierungsinstrumenten zu behandeln. Die rechtlichen Fragestellungen, die im Zusammenhang mit den einzelnen Finanzierungsinstrumenten angesprochen werden, können auf diese Weise deutlich besser eingeordnet werden.
Der insoweit entstandene positive Eindruck wird allerdings durch eine Reihe negativer Kritikpunkte getrübt. Hauptmanko ist der zu knappe Umfang. Hinzu kommt eine wenig überzeugende Schwerpunktsetzung. So fällt beispielsweise das Kapitel zu Marktumfeld und Regulierung der Unternehmensfinanzierung (§ 2), in dem die Finanz- und Staatsschuldenkrise und die daraus resultierenden Neuerungen im Bereich der Bankenregulierung nachgezeichnet werden, nach dem Geschmack des Rezensenten für die Zwecke des vorliegenden Handbuchs deutlich zu breit aus; hier hätte man sich auf die wesentlichen Implikationen für Finanzierungsvorhaben beschränken und auf Einzelheiten zu Entwicklung und Hintergründen der Bankenregulierung verzichten können. Ähnliches gilt für die Kapitel zu rechtlichem Risikomanagement und Compliance (§ 6) und zur Prozessführung im Bereich der Mittelstandsfinanzierung (§ 8). Die Abschnitte sind durchaus informativ  eine gute Zusammenfassung findet sich im letzten Kapitel (§ 9) , nehmen aber zu viel Raum ein, wenn man sich den knappen Umfang des Werks insgesamt vor Augen führt.
An anderen Stellen werden relevante Aspekte dagegen ausgeblendet oder nur angerissen, deren (genauere) Erläuterung wichtig und sinnvoll gewesen wäre, so z.B. die Grundlagen zur Ausgestaltung und Funktionsweise der Gesellschafterkonten in der Personengesellschaft. Überhaupt fällt auf, dass die Ausführungen zu den im Mittelstand nicht seltenen Personengesellschaften häufig recht oberflächlich bleiben (vgl. z.B. § 4 Rn. 14-16, Rn. 34 oder § 5 Rn. 166-198). Auch die nicht mehr als 6 ½ Seiten zu hybriden Finanzierungsinstrumenten (Mezzanine-Kredite, Genussrechte und stille Beteiligungen) werden der praktischen Bedeutung dieser Instrumente nicht gerecht und vermitteln nur einen sehr groben Überblick, der durch Hinzuziehung anderer Literatur ergänzt werden muss, wenn eines der Instrumente näher in Betracht gezogen wird. Vermisst hat der Rezensent desweiteren eine genauere Darstellung der Förderfinanzierungen durch die KfW, die häufig besonders günstige Konditionen bieten. Ihnen sollte ein prominenterer Platz und mehr Raum eingeräumt werden, z.B. in einem eigenen Abschnitt bei den einzelnen Finanzierungsinstrumenten (§ 5).
Fazit: Das Werk hinterlässt einen gemischten Eindruck. Zu hoffen bleibt, dass die Verfasser im Rahmen einer zweiten Auflage Gelegenheit zur Nachbesserung haben werden. Eine ordentliche Grundlage ist bereits gelegt.