Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=23%20W%2035/11
Timestamp: 2019-06-26 19:17:58
Document Index: 153578175

Matched Legal Cases: ['§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 2', '§ 850', 'BGH', '§ 850', '§ 675', '§ 850', '§ 2', '§ 850', '§ 307', '§ 522', '§ 850', '§ 307', '§ 850', '§ 3', '§ 1', '§ 850', 'BGH', '§ 38']

KG, 29.09.2011 - 23 W 35/11 - dejure.org
https://dejure.org/2011,15945
KG, 29.09.2011 - 23 W 35/11 (https://dejure.org/2011,15945)
KG, Entscheidung vom 29.09.2011 - 23 W 35/11 (https://dejure.org/2011,15945)
KG, Entscheidung vom 29. September 2011 - 23 W 35/11 (https://dejure.org/2011,15945)
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§ 850k Abs 7 S 2 ZPO
Allgemeine Geschäftsbedingungen einer Bank: Wirksamkeit einer Entgeltklausel für das Führen eines Pfändungsschutzkontos
Zur Frage, ob eine Bank, die das Führen von Girokonten kostenfrei auch ohne monatlichen Geldeingang anbietet, mit dem im Internet veröffentlichten Preisaushang im Hinblick auf ein Pfändungsschutzkonto mit dem Inhalt "Kontoführung mit folgenden Leistungen 5,00 EUR monatlich" gegen AGB-Recht verstößt
ZPO § 850k Abs. 7 S. 2
Entgeltfestsetzung bei P-Konto
Das Pfändungsschutzkonto darf nicht mehr Gebühren kosten als die fürs Girokonto "üblichen"
ZPO § 850k Abs. 7 Satz 2
LG Berlin - 15 O 283/11
NJW 2012, 395
ZIP 2012, 112
WM 2012, 267
Denn jedenfalls umfasst § 850k Abs. 7 Satz 2 ZPO nach seinem eindeutigen Wortlaut sowie dem schuldnerschützenden Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelung nicht nur die Umwandlung eines bestehenden Girokontos in ein Pfändungsschutzkonto, sondern auch die Rechtspflicht, das derart umgewandelte Konto als Pfändungsschutzkonto zu führen, solange der Zahlungsdiensterahmenvertrag über das Girokonto ungekündigt fortbesteht (KG Berlin, WM 2012, 267, 268).
Vor der benannten Gesetzesänderung war die Rechtslage, ob die bankseitige Kündigung eines Pfändungsschutzkontos wirksam ist, zweifelhaft (bejahend KG NJW 2012, 395;… Goebel, Kontopfändung, 2010, § 2 Rn. 581, 92 ablehnend Ahrens in Prütting/Gehrlein, ZPO, § 850k Rn. 24; offen BGH WM 2012, 2381 Rn 56).
Entgegen der Auffassung der Klägerin wurde das nach Nr. 19 Abs. 1 AGB-Banken vertraglich vereinbarte Recht der Beklagten zur ordentlichen Kündigung weder durch eine Kontenpfändung noch durch eine bevorstehende oder bewirkte Umwandlung in ein Pfändungsschutzkonto nach § 850 k Abs. 7 S. 2 ZPO beschränkt (KG NJW 2012, 395 Rn 31;… Herresthal WM 2013, 773, 778 m.w.N. Graf v Westphalen in: Erman, BGB, 15. Aufl. 2017, § 675h Rn 5;… Schuschke/Walker, Vollstreckung und vorläufiger Rechtsschutz, 6. Aufl. 2016, § 850 k ZPO Rn 3;… Goebel, Kontopfändung, 2010, § 2 Rn. 581, 92 ablehnend Ahrens in Prütting/Gehrlein, ZPO, § 850k Rn. 24).
Entgeltklauseln wie die hier streitgegenständliche werden aus diesem Grund in der Rechtsprechung ganz überwiegend der Inhaltskontrolle nach § 307 BGB unterzogen (KG, NJW 2012, S. 395 ff.;… OLG Frankfurt, ZIP 2012, S. 814 ff.; OLG Nürnberg, Urteil vom 22. November 2011, 3 U 1585/11, bei juris; OLG Bremen, Urteil vom 23. März 2012, 2 U 130/11, abrufbar über den Internetauftritt des Klägers; Thüringer Oberlandesgericht, Hinweisbeschluss nach § 522 ZPO vom 6. Mai 2011, 1 U 85/11, Bl. 65 ff. d. A.;… LG Leipzig, ZVI 2011, S. 73 f.;… LG Halle/Saale, ZVI 2011, S. 35 f.;… LG Erfurt, VuR 2011, S. 188 ff., im Volltext bei juris; LG Bamberg, Urteil vom 22. Februar 2011, 1 O 445/10, bei juris).
Der Anbieter von kostenlosen oder preiswerten Girokonten ist nicht etwa zur Erhebung eines Sonderentgeltes für das Führen eines Pfändungsschutzkontos berechtigt, während dies einem Anbieter versagt ist, dessen Preise ohnehin schon im bundesweiten oder regionalen Durchschnitt oder darüber liegen (dazu insbesondere KG, NJW 2012, S. 395 ff.).
Da die Kreditinstitute nach § 850k Abs. 7 ZPO verpflichtet sind, ein Girokonto auf Verlangen des Kunden als P-Konto zu führen, ist davon auszugehen, dass das Führen des Girokontos als P-Konto nach dem Willen des Gesetzgebers zu den den Kreditinstituten gesetzlich übertragenen Pflichten gehört (vgl. auch KG Berlin, Urteil v. 29.9.2011, ZIP 2012, 112 ff., juris Rn. 34;… OLG Naumburg a. a. O.; Ahrens NJW-Spezial 2011, 85).
Der Senat teilt die Auffassung des Landgerichts, dass die beanstandete Klausel gegen § 307 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1 BGB in Verbindung mit § 850k ZPO n.F. verstößt, weshalb der gemäß den §§ 3 Abs. 1 Nr. 1, 4 UKlaG klagebefugte Kläger die Beklagte gemäß den §§ 1 UKlaG, 307 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1 BGB auf Unterlassung in Anspruch nehmen kann (siehe auch KG, Urt. v. 29.09.2011, Az.: 23 W 35/11, NJW 2012, 395ff.).
Denn sie weicht von dem bereits genannten Grundsatz ab, dass jeder Vertragspartner seine gesetzlichen Pflichten zu erfüllen hat, ohne dass er dafür ein besonderes Entgelt verlangen darf (KG NJW 2012, 395 ff. = WM 2012, 267 ff. = juris 30; OLG Naumburg, Urteil vom 27. Mai 2011, 10 U 5/11, Seite 8).
Dass sich die aus § 850k Abs. 7 Satz 2 ZPO ergebende Pflicht, solange der Kontovertrag nicht gekündigt ist, auch auf das Führen des Kontos bezieht und nicht nur auf dessen Umstellung, ergibt sich im Übrigen schon aus dem Wortlaut des Gesetzes, wonach das Kreditinstitut das Girokonto auf Verlangen des Kunden "als Pfändungsschutzkonto" führt (KG NJW 2012, 395 ff. = WM 2012, 267 ff. = juris 31).
Der Begriff der rechtsgeschäftlich vereinbarten Leistung als solcher und die Frage des Vorliegens einer solchen Leistung sind der Disposition der Parteien nämlich von vornherein entzogen (BGH NJW 2002, 2386 = WM 2002, 1355 ff = juris Rn 14; KG NJW 2012, 395 ff. = WM 2012, 267 ff = juris Rn 28).
Der Umstand, dass eingetragener Eigentümer nicht der Insolvenzschuldner, sondern die rechtsfähige Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist, steht nicht entgegen (vgl. OLG München ZIP 2011, 375; OLG Dresden ZIP 2012, 112;… Schöner/Stöber, Grundbuchrecht, Rdn. 4291;… Demharter, GBO, 28. Aufl., Rdn.8 zu § 38 GBO).
Ohne die Eintragung des Insolvenzvermerkes könnte der Schuldner durch seine Mitwirkung an Verfügungen über das Grundstück den Wert des zur Masse gehörenden Abfindungs- oder Auseinandersetzungsguthabens beeinflussen, denn es wäre ein gutgläubiger Erwerb von diesem als Vertreter der GbR möglich (vgl. OLG München ZIP 2011, 375; OLG Dresden ZIP 2012, 112).