Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=EU:C:2003:114
Timestamp: 2019-07-21 16:07:14
Document Index: 349825338

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 2', 'EuG', 'Art. 2', 'Art. 4', 'Art. 5', '§ 3', 'Art. 2', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

EuGH, 27.02.2003 - C-320/01 - dejure.org
https://dejure.org/2003,1902
EuGH, 27.02.2003 - C-320/01 (https://dejure.org/2003,1902)
EuGH, Entscheidung vom 27.02.2003 - C-320/01 (https://dejure.org/2003,1902)
EuGH, Entscheidung vom 27. Februar 2003 - C-320/01 (https://dejure.org/2003,1902)
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Wiebke Busch gegen Klinikum Neustadt GmbH & Co. Betriebs-KG.
Richtlinie 76/207 des Rates, Artikel 2 Absatz 1 und 3, und Richtlinie 92/85 des Rates, Artikel 4 Absatz 1 und 5
1. Sozialpolitik - Männliche und weibliche Arbeitnehmer - Zugang zur Beschäftigung und Arbeitsbedingungen - Gleichbehandlung - Rückkehr einer Schwangeren auf ihren Arbeitsplatz vor dem Ende des Erziehungsurlaubs - Pflicht der Arbeitnehmerin, dem Arbeitgeber mitzuteilen, dass sie schwanger ist - Fehlen
Wiebke Busch gegen Klinikum Neustadt GmbH & Co. Betriebs-KG
Unmittelbare Diskriminierung - Schutz der werdenden Mutter
Auslegung von Art. 2 Abs. 1 Richtlinie 76/207/EWG; Verpflichtung einer vorzeitig aus dem Erziehungsurlaub zurückkehrenden Abrbeitnehmerin zur Mitteilung einer bestehenden Schwangerschaft gegenüber dem Arbeitgeber; Verbot der Diskriminierung auf Grund des Geschlechts hinsichtlich der Arbeitsbedingungen; Recht des Arbeitgebers zur Anfechtung seiner Zustimmung zur Rückkehr seiner Arbeitnehmerin an ihren Arbeitsplatz bei Vorliegen eines Irrtums über das Bestehen einer Schwangerschaft bei der Betroffenen
Schutz schwangerer Frauen erheblich erweitert!
Zusammenfassung von "Sozialgerechtigkeit versus Vertragsgerechtigkeit - arbeitsrechtliche Erfahrungen mit Diskriminierungsregeln" von Prof. Dr. Hermann Reichold, original erschienen in: JZ 2004, 384 - 393.
Vorabentscheidungsersuchen des Arbeitsgerichts Lübeck - Auslegung von Artikel 2 Absatz 1 der Richtlinie 76/207/EWG des Rates zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern und Frauen hinsichtlich des Zugangs zur Beschäftigung, zur Berufsbildung und zum beruflichen Aufstieg sowie in Bezug auf die Arbeitsbedingungen - Einstellung einer schwangeren Frau für eine befristete Beschäftigung - Offenbarungspflicht hinsichtlich der Schwangerschaft - Möglichkeit der Anfechtung des Vertrages wegen Irrtums, wenn die tatsächliche Ausübung der Beschäftigung wegen der Schwangerschaft nicht möglich ist
ArbG Lübeck, 06.08.2001 - 1 Ca 1222/01
ArbG Lübeck, 10.04.2003 - 1 Ca 1222/01
EuGH, 01.04.2004 - C-320/01
NJW 2003, 1107
EuZW 2003, 176
NZA 2003, 373
DVBl 2003, 791
BB 2003, 686
Sie stützte ihre Klage insbesondere auf das Urteil vom 27. Februar 2003, Busch (C-320/01, Slg. 2003, I-2041).
Die Stadt Tampere war außerdem der Auffassung, dass das oben genannte Urteil Busch im vorliegenden Fall nicht einschlägig sei.
Da eine diskriminierende Behandlung, die sich aus Bestimmungen wie den im Ausgangsverfahren in Rede stehenden ergibt, nur Frauen betreffen kann, bewirken die genannten Bestimmungen, die die Konditionen des während des Erziehungsurlaubs fortbestehenden Arbeitsverhältnisses festlegen, eine nach Art. 2 der Richtlinie 76/207 verbotene unmittelbare Diskriminierung aufgrund des Geschlechts (vgl. in diesem Sinne Urteil Busch, Randnr. 38).
25 - Vgl. etwa die Urteile Dekker (…C-177/88, EU:C:1990:383, Rn. 12 und 17), Handels- og Kontorfunktionærernes Forbund (…C-179/88, EU:C:1990:384, Rn. 13), Busch (C-320/01, EU:C:2003:114, Rn. 39), Kiiski (…C-116/06, EU:C:2007:536, Rn. 55), Kleist (…C-356/09, EU:C:2010:703, Rn. 31), Ingeniørforeningen i Danmark (…C-499/08, EU:C:2010:600, Rn. 23 und 24), Maruko (…C-267/06, EU:C:2008:179, Rn. 72), Römer (…C-147/08, EU:C:2011:286, Rn. 52) und Hay (…C-267/12, EU:C:2013:823, Rn. 41 und 44); im selben Sinne auch Urteil CHEZ Razpredelenie Bulgaria (…C-83/14, EU:C:2015:480, Rn. 76, 91 und 95).
Es ist darauf hinzuweisen, dass Art. 4 Abs. 1 und Art. 5 der Richtlinie 92/85 einen besonderen Schutz von schwangeren Arbeitnehmerinnen, Wöchnerinnen und stillenden Arbeitnehmerinnen bezüglich jeder Tätigkeit zum Ziel haben, bei der ein besonderes Risiko für ihre Sicherheit und ihre Gesundheit besteht oder die negative Auswirkungen auf Schwangerschaft oder Stillzeit haben kann (Urteil vom 27. Februar 2003, Busch, C-320/01, Slg. 2003, I-2041, Randnr. 42).
Vielmehr trifft eine solche Regelung normativ kategorial ausschließlich Frauen (vgl. klarstellend § 3 Abs. 1 Satz 2 AGG; für das Recht der EU Art. 2 Abs. 2 Buchstabe c der Richtlinie 2006/54/EG; EuGH, Urteil vom 11. November 2010, Rs. C-232/09, Danosa; Urteil vom 8. November 1990, Rs. C-177/88, Dekker, Slg. I-1990, 3941 ; Urteil vom 27. Februar 2003, Rs. C-320/01, Busch, Slg. I-2003, 2041 ; Urteil vom 29. Oktober 2009, Rs. C-63/08, Alabaster).
LAG Baden-Württemberg, 15.01.2019 - 19 Sa 52/18
Beschäftigungsverbot - Stillzeit - Mutterschutzlohn - Rechtsmissbrauch - …
Im Übrigen entspricht es der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs, zu Artikel 2 Abs. 1 der Richtlinie 76/207/EWG, dass ein Verhalten legitim ist, das ausschließlich darauf gerichtet ist, durch die vorzeitige Rückkehr an den Arbeitsplatz aus dem Erziehungsurlaub das wegen eines Beschäftigungsverbotes zu zahlende Mutterschaftsgeld und den vom Arbeitgeber zu zahlenden Zuschuss zu erhalten (EUGH 27. Februar 2003 - C-320/01 - juris "Busch").
24 Vgl. Urteile vom 8. November 1990, Dekker (…C-177/88, EU:C:1990:383, Rn. 12 und 17), vom 8. November 1990, Handels- og Kontorfunktionærernes Forbund (…C-179/88, EU:C:1990:384, Rn. 13), vom 27. Februar 2003, Busch (C-320/01, EU:C:2003:114, Rn. 39), und vom 1. April 2008, Maruko (…C-267/06, EU:C:2008:179, Rn. 72).
28 - Vgl. etwa die Urteile Dekker (…C-177/88, EU:C:1990:383, Rn. 12 und 17), Handels- og Kontorfunktionærernes Forbund (…C-179/88, EU:C:1990:384, Rn. 13), Busch (C-320/01, EU:C:2003:114, Rn. 39), Kiiski (…C-116/06, EU:C:2007:536, Rn. 55), Kleist (…C-356/09, EU:C:2010:703, Rn. 31), Ingeniørforeningen i Danmark (…C-499/08, EU:C:2010:600, Rn. 23 und 24), Maruko (…C-267/06, EU:C:2008:179, Rn. 72), Römer (…C-147/08, EU:C:2011:286, Rn. 52) und Hay (…C-267/12, EU:C:2013:823, Rn. 41 und 44); im selben Sinne auch Urteil CHEZ Razpredelenie Bulgaria (…C-83/14, EU:C:2015:480, Rn. 76, 91 und 95).
29 - Zur Diskriminierung wegen des Geschlechts durch Bezugnahme auf eine Schwangerschaft vgl. Urteile Dekker (…C-177/88, EU:C:1990:383, Rn. 12 und 17), Handels- og Kontorfunktionærernes Forbund (…C-179/88, EU:C:1990:384, Rn. 13) und Busch (C-320/01, EU:C:2003:114, Rn. 39).
31 - Urteile vom 8. November 1990, Dekker (C-177/88, Slg. 1990, I-3941, Randnrn. 12 und 17) und Handels- og Kontorfunktionærernes Forbund (C-179/88, Slg. 1990, I-3979, Randnr. 13), sowie Urteile vom 27. Februar 2003, Busch (C-320/01, Slg. 2003, I-2041, Randnr. 39), und vom 20. September 2007, Kiiski (C-116/06, Slg. 2007, I-7643, Randnr. 55).
28 - So gehören nach seinen Feststellungen zu den Arbeitsbedingungen z. B. die Festlegung des Beginns des Mutterschaftsurlaubs (Urteil vom 27. Oktober 1998 in der Rechtssache C-411/96, Boyle u. a., Slg. 1998, I-6401, Randnr. 47), das Recht jedes Arbeitnehmers auf jährliche Beurteilung (Urteil vom 30. April 1998 in der Rechtssache C-136/95, Thibault, Slg. 1998, I-2011, Randnr. 27), die Bereitstellung von Kindertagesstättenplätzen zugunsten der Arbeitnehmer an ihrem Arbeitsort oder andernorts durch den Arbeitgeber (Urteil Lommers, Randnr. 26), die Voraussetzungen für die Rückkehr des Arbeitnehmers an seinen Arbeitsplatz nach dem Erziehungsurlaub (Urteil vom 27. Februar 2003 in der Rechtssache C-320/01, Busch, Slg. 2003, I-2041, Randnr. 38), eine Teilzeitarbeitsregelung, die älteren Arbeitnehmern einen gleitenden Übergang vom Erwerbsleben in die Altersrente ermöglichen soll (Urteile Kutz-Bauer, Randnr. 45, und Steinicke, Randnrn. 49 und 50) und die zeitliche Festlegung des bezahlten Jahresurlaubs (Urteil vom 18. März 2004 in der Rechtssache C-342/01, Merino Gómez, noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 36).
56 - Im Urteil Busch (Randnr. 44) heißt es: "[D]er Gerichtshof [hat] bereits entschieden, dass eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts nicht mit dem finanziellen Nachteil gerechtfertigt werden kann, den der Arbeitgeber erleiden würde.".
Auch aus dem Urteil des EuGH vom 27. Februar 2003 - C-320/01 - lässt sich solches für die hier gegebene Sachlage nicht schlussfolgern.
Was das Urteil des EuGH vom 27. Februar 2003 - C-320/01 - betrifft, gibt es im Übrigen noch Veranlassung auf einige beachtliche Unterschiede zum vorliegenden Verfahren hinzuweisen: Dort war, soweit aus den Entscheidungsgründen ersichtlich, die (zunächst nicht bekannt gewesene) Schwangerschaft einer Beschäftigten tragender Grund für das Verhalten des Arbeitgebers - u.a. Anfechtung der Zustimmung zur vorzeitigen Rückkehr aus dem Erziehungsurlaub - gewesen.
VG Frankfurt/Main, 02.08.2012 - 9 K 5006/11