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Timestamp: 2016-10-27 01:17:15
Document Index: 19747930

Matched Legal Cases: ['Art. 18', 'BGE', 'Art. 18', 'BGE', 'Art. 28', 'Art. 28', 'BGE', 'Art. 18', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 22', 'Art. 22']

114 V 11924. Urteil vom 8. April 1988 i.S. M. gegen Schweizerische Unfallversicherungsanstalt und Versicherungsgericht von Appenzell A.Rh.
Art. 18 al. 2 deuxi�me phrase LAA, art. 28 al. 1 OLAA: Evaluation de l'invalidit� en cas de retard dans la formation cons�cutif � l'accident; d�termination du revenu r�alisable sans invalidit� et du revenu d'invalide. - L'art. 28 al. 1 OLAA n'est pas applicable lorsque la formation d'un apprenti est retard�e en raison de l'accident. Dans ce cas, et conform�ment � la jurisprudence, il faut consid�rer comme revenu r�alisable sans invalidit� celui que l'apprenti obtiendrait selon toute vraisemblance s'il n'avait pas �t� victime d'un accident et s'il avait pu achever normalement sa formation (consid. 2a). - Quand le salaire de l'apprenti doit-il �tre consid�r� comme le revenu d'invalide (consid. 2b)? Faits � partir de page 119
A.- Die 1956 geborene Barbara M., ausgebildete Turnlehrerin, begann am 19. Juli 1982 in der Firma J.B. C. eine dreij�hrige Lehre als M�belschreinerin und war daher bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen Betriebs- und Nichtbetriebsunfall versichert. Am 18. Juli 1983 erlitt sie anl�sslich eines Verkehrsunfalls eine Doppelfraktur des linken Armes, und am 25. Juli 1984 brach sie sich auf einer Bergtour den linken Vorderarm sowie zwei Finger der rechten Hand. Als Folgen blieben Beweglichkeits- und Sensibilit�tsdefizite zur�ck (kreis�rztlicher BGE 114 V 119 S. 120Abschlussbericht des Dr. med. C. vom 23. Oktober 1985). Die Versicherte musste daher die Ausbildung am 2. Juli 1984 abbrechen, setzte sie aber am 15. April 1985 in der Firma M. I. AG fort. Nachdem die SUVA ihre gesetzliche Leistungspflicht anerkannt hatte, gew�hrte sie Barbara M. r�ckwirkend ab 1. November 1985 eine Invalidenrente, wobei die Anstalt eine durch beide Unf�lle bewirkte Erwerbsunf�higkeit von 15% annahm (Verf�gung vom 12. Dezember 1985).
Barbara M. liess Einsprache erheben und die Ausrichtung einer "der effektiv erlittenen Beeintr�chtigung in der Erwerbsf�higkeit" entsprechenden Invalidenrente beantragen. Sie liess geltend machen, durch die unfallbedingte zweij�hrige Verz�gerung der Ausbildung erhalte sie bis am 14. April 1987 nur den Lehrlingslohn von Fr. 600.-- im ersten und Fr. 900.-- im zweiten Jahr; demgem�ss betrage die Erwerbseinbusse bis 15. April 1986 82% und hernach bis 14. April 1987 73%; eine 15%ige Einschr�nkung liege erst nach dem Lehrabschluss vor. Mit Einspracheentscheid vom 4. April 1986 hielt die SUVA an der angefochtenen Verf�gung fest, da die Abgeltung des einem Lehrling durch Verz�gerung der Ausbildung entstandenen Schadens gesetzlich nicht vorgesehen sei.
C.- Die Versicherte l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit dem Begehren auf Festlegung des "zutreffenden Invalidit�tsgrades" und Zusprechung einer entsprechenden Invalidenrente.
1. a) Streitig und zu pr�fen ist vorliegend die Bemessung des Invalidit�tsgrades f�r die Zeit ab 1. November 1985 (Beginn des Rentenanspruchs).
b) Gem�ss Art. 18 Abs. 2 Satz 2 UVG wird f�r die Bestimmung des Invalidit�tsgrades das Erwerbseinkommen, das der Versicherte nach Eintritt der unfallbedingten Invalidit�t und nach Durchf�hrung allf�lliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihm zumutbare T�tigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen BGE 114 V 119 S. 121k�nnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das er erzielen k�nnte, wenn er nicht invalid geworden w�re.
2. a) Art. 28 Abs. 1 UVV legt fest, welcher hypothetische, ohne gesundheitliche Einschr�nkung erzielbare Verdienst (Valideneinkommen) f�r die Invalidit�tsbemessung massgeblich ist, wenn der Versicherte eine geplante Ausbildung unfallbedingt nicht aufnehmen konnte oder abbrechen musste. Dagegen wird der - hier vorliegende - Tatbestand der unfallbedingten Verz�gerung bzw. Verl�ngerung der Ausbildung durch Art. 28 Abs. 1 UVV nicht erfasst. Insoweit diese Bestimmung nicht zur Anwendung gelangt, gilt rechtsprechungsgem�ss jener Verdienst als Valideneinkommen, den der Versicherte ohne versicherte gesundheitliche Beeintr�chtigung bei sonst gleichen Verh�ltnissen wahrscheinlich erzielen w�rde (ZAK 1985 S. 634 Erw. 3, 1980 S. 511 Erw. 4 mit Hinweis und S. 593, 1961 S. 367 Erw. 3; vgl. auch BGE 99 V 29 Erw. 3a und EVGE 1968 S. 92 Erw. 2a). Im Lichte dieses Grundsatzes, der sich unmittelbar aus Art. 18 Abs. 2 UVG ergibt, kann vorliegend entgegen der Auffassung von Vorinstanz und SUVA, wonach eine Verz�gerung der Ausbildung von vornherein keine Konsequenzen f�r die Invalidit�tsbemessung habe, nicht der Lehrlingslohn als Valideneinkommen angenommen werden. Denn nach der Aktenlage ist davon auszugehen, dass die Beschwerdef�hrerin ohne die erlittenen versicherten Unf�lle aller Wahrscheinlichkeit nach seit dem 19. Juli 1985 (dem Datum des geplanten Abschlusses der am 19. Juli 1982 begonnenen Lehre) das Einkommen einer gelernten Schreinerin erzielen w�rde, welches unbestrittenermassen Fr. 39'773.-- betr�gt.
b) Es stellt sich weiter die Frage, ob der von der Beschwerdef�hrerin effektiv erzielte Monatslohn von Fr. 600.-- im ersten und Fr. 900.-- im zweiten Lehrjahr als Invalideneinkommen zu betrachten und der Invalidit�tsbemessung zugrunde zu legen ist, was die Vorinstanz mit der Argumentation verneint, es fehle am Erfordernis der stabilen Verh�ltnisse.
Wenn der Verdienst, den ein Versicherter in einem zuf�lligen Zeitpunkt erzielt, f�r sich allein grunds�tzlich kein gen�gendes Kriterium f�r die Bestimmung der Erwerbsunf�higkeit bildet, so kann das Mass der tats�chlichen Erwerbseinbusse mit dem Umfang der Erwerbsunf�higkeit unter Umst�nden doch �bereinstimmen. Dies trifft dann zu, wenn - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverh�ltnisse eine Bezugnahme auf den allgemeinen Arbeitsmarkt praktisch er�brigen, wenn der Versicherte eine T�tigkeit BGE 114 V 119 S. 122aus�bt, bei der anzunehmen ist, dass er die ihm verbleibende Arbeitsf�higkeit in zumutbarer Weise voll aussch�pft (BGE 109 V 27 Erw. 3c), und wenn das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn (BGE BGE 104 V 90) erscheint.
Die am 15. April 1985 aufgenommene zweite Lehre in der Firma M. I. AG kann durchaus als stabiles Arbeitsverh�ltnis im Sinne dieser Rechtsprechung gelten. Ferner erscheint auch das Arbeitsentgelt von Fr. 600.-- (im ersten Lehrjahr) bzw. Fr. 900.-- (im zweiten Lehrjahr) als angemessener Leistungslohn eines Lehrlings. Zu pr�fen ist aber, ob die Beschwerdef�hrerin durch diese T�tigkeit die ihr verbleibende Arbeitsf�higkeit in zumutbarer Weise voll aussch�pft oder ob ihr eine bessere Verwertung der Restarbeitsf�higkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt durch Wiederaufnahme des urspr�nglich erlernten Turnlehrerinnenberufes zumutbar ist. Dies ist angesichts der gesundheitlichen Einschr�nkungen wie auch unter Ber�cksichtigung des Umstandes, dass die am 19. Juli 1982 begonnene Schreinerlehre bereits recht weit vorangeschritten war, als sie unfallbedingt abgebrochen werden musste, zu verneinen. Somit erweist sich die Entl�hnung im Rahmen der am 15. April 1985 neu aufgenommenen Ausbildung von Fr. 600.-- bzw. Fr. 900.-- als zumutbares Invalideneinkommen w�hrend der Lehrzeit. Der Invalidit�tsgrad ist demnach ab 1. November 1985 durch Vergleich des Lehrlingslohnes mit dem Verdienst eines ausgelernten Schreiners festzulegen.
c) Der SUVA bleibt eine revisionsweise �nderung des Invalidit�tsgrades gem�ss Art. 22 Abs. 1 UVG auf den 15. April 1987, das Datum des Lehrabschlusses, vorbehalten.
In Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde werden der Entscheid des Versicherungsgerichts von Appenzell A.Rh. vom 23. Oktober 1986 und der Einspracheentscheid vom 4. April 1986 aufgehoben, und es wird die Sache an die SUVA zur�ckgewiesen, damit diese im Sinne der Erw�gungen �ber den Rentenanspruch neu verf�ge.
99 V 29,
109 V 27,
art. 28 al. 1 OLAA,
Art. 22 Abs. 1 UVG