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Timestamp: 2017-05-24 15:34:26
Document Index: 21352446

Matched Legal Cases: ['§ 63', '§ 63', '§ 63', '§ 63', '§ 63', '§ 63']

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Veröffentlichungen in R&P 2/2011Wolfgang Heinz:
Anhand der Strafrechtspflegestatistiken wird die Entwicklung sowohl der strafgerichtlichen Unterbringungsanordnungen nach §§ 63, 64, 66 StGB als auch der Bestandszahlen im Maßregelvollzug dargestellt. Noch nie wurde in Deutschland bei so vielen Personen strafgerichtlich eine Unterbringung gem. §§ 63, 64 StGB angeordnet wie in den letzten Jahren und noch nie befanden sich zum Stichtag so viele Personen im Vollzug gem. §§ 63, 64 StGB. Diese Zunahme ist freilich nur teilweise Folge einer Verschärfung der Sanktionierungspraxis, sondern beruht – jedenfalls bei Körperverletzungs- und Raubdelikten – auch auf einer Zunahme der angeklagten Straftaten. Eine Sonderauswertung der Strafverfolgungs- und der Maßregelvollzugsstatistiken der Länder zeigt deutliche länderspezifische Unterschiede sowohl in den Unterbringungsanordnungen als auch in den Bestandszahlen. Diese Unterschiede bestehen auch beim Vergleich relativ homogener Deliktsgruppen, sind also nicht vollständig durch Tat- oder Tätermerkmale zu erklären, sondern beruhen auf einer regional unterschiedlichen Sanktionierungspraxis.
Schlüsselwörter: Psychiatrisches Krankenhaus, Entziehungsanstalt, Sicherungsverwahrung, §§ 63, 64, 66 StGB, regionale Unterschiede
The renaissance of hospital treatment orders in Germany – a statistical overview
Based on criminal justice statistics, the development of hospital treatment orders according to sections 63, 64 and 66 of the German Criminal Code (CC), as well as the number of detainees, are presented and differentiated according to offence- and offender-specific attributes. Never before (in West Germany) were there so many orders according to sect. 63, 64 CC than nowadays. This rise can be explained with to a strong focus on security but also, at least in instances of criminal assault and robbery with a rise in the number of cases. An analysis of the detention orders in German states showed state-specific differences which remain within groups of offences, and hence cannot be explained by the type of offence or offender characteristics, but rather follow regionally different detention practices.
Key words: Forensic psychiatry, hospital treatment order, preventive detention, criminal code, Germany
in: R & P 2011, Heft 2, Seiten 63-78
Hans-Joachim Traub / Gerd Weithmann:
Um die ansteigenden Belegungszahlen in der forensischen Psychiatrie begrenzen zu können, müssen verschiedene mögliche Ursachen dieser Entwicklung analysiert werden. Es wird untersucht, ob regionale Faktoren bei gleichen justiziellen und psychiatriepolitischen Rahmenbedingungen innerhalb eines Bundeslandes die Anzahl forensischer Patienten beeinflussen. Die Belegungsentwicklung der nach § 63 StGB Untergebrachten werden für alle forensischen Kliniken in Baden-Württemberg von 1997 bis 2006 verglichen. Neben Unterschieden in den Entlass- und Aburteilungsraten werden Patientenmerkmale, Delikte und forensische Rahmenbedingungen als weitere Faktoren erfasst. In einem weiteren Schritt werden die externen Rahmenbedingungen erkundet (Kriminalitätsrate, sozialökonomische Hintergründe), die einen Einfluss auf regional unterschiedliche Aburteilungsraten haben können.
Es zeigen sich erhebliche divergente Entwicklungen innerhalb Baden-Württembergs. Unterschiede in der Belegung der einzelnen Kliniken sind weniger auf diagnose- und deliktspezifische Merkmale der jeweiligen forensischen Patienten oder auf unterschiedliche Entlassraten zurückzuführen, als auf regional erhöhte Aburteilungsraten.
Die erhöhten Aburteilungsraten können durch unterschiedliche regionale Gewaltkriminalitätsraten und sozialökonomische Indikatoren nicht befriedigend erklärt werden. Als mögliche Ursachen werden regionale Unterbringungsstile der Justiz und die Vernetzung mit der Allgemeinpsychiatrie diskutiert.
Schlüsselwörter: Maßregelvollzug, forensische Psychiatrie, Baden-Württemberg, Prävalenz, Aburteilungen
Regional developments in Germany’s forensic psychiatry - a comparison between forensic hospitals in the federal state of Baden-Württemberg
In order to understand increasing numbers of forensic inpatients the authors looked at the impact of regional factors on the population of forensic inpatients notwithstanding an identical framework of legal regulations and policies within a German federal state (Baden-Württemberg). The rates of growth in inpatients of all forensic hospitals in Baden-Württemberg were compared from 1997 to 2006. Differences between forensic hospitals in the rates of sentencing and discharge, and individual characteristics of patients, offences and forensic legal conditions were examined. Annual data by the Federal Office of Statistics and the Federal Ministry of Social Affairs on hospital treatment orders (§ 63 StGB German Penal Code) were used. There are substantial differences in the growth of the forensic inpatient populations within Baden-Württemberg, which cannot be ascribed to individual characteristics of patients, types of offences or low discharge rates, but rather to different rates of sentencing by regional courts. Additional data show no positive association of sentencing rates with regional crime rates and socioeconomic indicators.
Key words: Mentally disordered offenders, forensic psychiatry, sentences, Baden-Württemberg, Germany
in: R & P 2011, Heft 2, Seiten 79-87
Sozialisation und Überzeugungen bei sogenannten Ehrenmördern. Eine vergleichende Studie zwischen den sogenannten Ehrenmördern und anderen gewalttätigen Straftätern
Obwohl Fachleute davon ausgehen, dass neben allgemeinen psychosozialen Belastungen auch kulturspezifische und migrationsbedingte Faktoren für kriminelle Auffälligkeiten von Migranten eine Rolle spielen, wurde bislang wenig über die spezielle Situa­tion von sog. Ehrenmördern geforscht. Unsere Studie geht von der These aus, dass diese Tätergruppe über eine patriarchalisch-religiöse Denkstruktur verfügt und daraus eine Vorstellung von »Ehre« entwickelt hat. Im Zusammenhang mit biografischen Belastungen ist sie eher bereit, andere Personen zu verletzten oder zu töten, wenn ihre geglaubten Werte und Normen missachtet werden.
21 türkischstämmige Männer zwischen 19 und 34 Jahren in Deutschland, die aufgrund geglaubter Ehrverletzung andere Menschen getötet hatten und deshalb wegen Mord oder Totschlag in Haft waren (»Ehrenmörder«), wurden untersucht. Die beiden Vergleichsgruppen setzten sich aus 24 türkischstämmigen Straftätern, die wegen Gewaltanwendungen ohne Todesfall einsaßen, und aus 20 Gefangenen, die wegen Mord oder Totschlag aus anderen Gründen im Gefängnis waren, zusammen. Um die jeweiligen Tatmotive festzustellen, wurden halbstandardisierte Interviews in Justizvollzugsanstalten eingesetzt.
Die Gruppe der sog. Ehrenmörder zeigte gegenüber den Kontrollgruppen signifikante Unterschiede hinsichtlich Herkunft und Sozialisation, struktureller Gewalt im Herkunftsland und familiärer Belastungen. Zwischen den Parametern »Verstärkung durch das soziale Umfeld« und »Kosten-Nutzen-Erwägungen«, »Herkunft und Sozialisation« und »strukturelle Gewalt« bestand eine Korrelation. Bei den sog. Ehrenmördern ließen sich starke patriarchalisch-religiöse Kognitionen mit struktureller Gewalt feststellen, die erst bei geglaubter Norm- und Werteverletzung handlungs- und zielorientierte Aggression auslösten.
Schlüsselwörter: Ehrenmorde, psychosoziale Belastungen, Kultur, Aggression
Socialization and beliefs in perpetrators of honor killings – A comparative study of honor killings and other violent offences
Next to general psychosocial stress culture-specific and migration related factors are assumed in criminal offences of migrants. Little is known on the specific situation of the perpetrators of honor killings. This study hypothesized that perpetrators of honor killings have a patriarchal-religious belief system generating an idea of »honor«. In correlation to biographic exposure to a violation of values and norm they are more likely to hurt or kill other persons. 21 Turkish men in German prisons, between 19 and 34 years old, all perpetrators of honor killings were examined. The comparison groups were 24 Turkish delinquents (convicted for violent offences) and 20 other delinquents (convicted of murder or homicide – but not for honor killings). A semi-standardized interview was used. Significant differences emerged in the honor killing group concerning origin and socialization, structural violence in the country of origin and the family burden. A correlation between the factors reinforcement through social environment and cost-benefit considerations, origin and socialization and structural violence was found. In perpetrators of honor killings strong patriarchal-religious beliefs with structural violence seem to activate direct action and aggression when they belief their cultural norms and values are violated.
Key words: Honor killings, psychosocial stress, culture, aggression, migration
in: R & P 2011, Heft 2, Seiten 88-94
© DGSPLetzte Aktualisierung:24.05.2017DGSP GeschäftsstelleZeltinger Str. 950969 KölnTel.: (0221) 51 10 02Fax: (0221) 52 99 03E-Mail: info(at)forensik.de facebooktwitterKontaktImpressumAGB