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Timestamp: 2018-11-12 22:59:55
Document Index: 176622267

Matched Legal Cases: ['§ 66', '§ 38', '§ 7', '§ 12', '§ 7', '§ 8', '§ 7', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1']

249.825/0-XII/37/04
Der unabhängige Bundesasylsenat hat durch das Mitglied Dr. Holzschuster gemäß § 66 Abs.4 AVG iVm § 38 Abs.1 AsylG 1997, BGBl. I Nr. 76/1997 idF BGBI. I Nr. 101/2003 (AsylG), entschieden:
Der Berufung von M. A. vom 27.04.2004 gegen den Bescheid des Bundesasylamtes vom 22.04.2004, Zahl: 04 01.352-BAT wird stattgegeben und M. A. gemäß § 7 AsylG Asyl gewährt. Gemäß § 12 leg. cit. wird festgestellt, dass M. A. damit kraft Gesetzes die Flüchtlingseigenschaft zukommt.
Der Asylwerber ist nach eigenen Angaben am 26.01.2004 illegal in das Bundesgebiet eingereist und hat am selben Tag einen Asylantrag eingebracht. Er wurde hieraufhin im Beisein eines geeigneten Dolmetschers für die russische Sprache niederschriftlich einvernommen, was zum Bestandteil des gegenständlichen Bescheides erhoben wird.
Sein damaliges Vorbringen wurde im Bescheid des Bundesasylamtes vom 22.04.2004, Zahl: 04 01.352-BAT gemäß § 7 AsylG abgewiesen und die Zurückweisung, Zurückschiebung oder Abschiebung nach Russland gemäß § 8 AsylG für zulässig erklärt.
In der fristgerecht dagegen erhobenen Berufung wiederholt der Berufungswerber die von ihm vor der Erstinstanz vorgebrachten Fluchtgründe und führt ergänzend aus, dass die Auffassung der belangten Behörde, es würde sich bei der ihm drohenden Verfolgung um keine Verfolgungshandlungen im Sinne der Konvention handeln, unhaltbar sei. Er habe ausführlich dargelegt, dass ihm Verfolgung drohe. Hinsichtlich des - wie im angefochtenen Bescheid angeführt - nicht vorhandenen zeitlichen Naheverhältnisses zwischen den Vorkommnissen im Jahr 1999 und seiner Flucht 2004 möchte er anbringen, dass die Verfolgung nach wie vor aktuell sei und er sowohl dem russischen Geheimdienst als auch den Wahabiten bisher entkommen habe können, da er sich eben bei seinem Bruder versteckt gehalten habe. Weiters werde im erstinstanzlichen Bescheid ausgeführt, dass es sich um Verfolgung durch Privatpersonen handle, die nicht asylrelevant wäre. Allerdings sei auf Grund der sippenhaften Organisation und der Radikalität der Wahabiten ein Schutz durch seinen Heimatstaat nicht möglich und sei daher die Verfolgung sehr wohl dem Staat zuzurechnen. Eine Rückkehr nach Dagestan sei ihm und seinen Kindern nicht möglich.
Der Unabhängige Bundesasylsenat hat über diese Berufung ein ergänzendes Ermittlungsverfahren im Rahmen einer mündlichen Verhandlung durchgeführt. Im Rahmen dieser Berufungsverhandlung wurde ergänzend Beweis erhoben durch Erörterung folgender Beilagen:
ein vom Asylwerber beschriebenes Blatt Papier (Beilage A);
Fragebeantwortungen des Auswärtigen Amtes Berlin vom 11.04.2003 sowie vom 20.11.2003 (Beilage B);
ein Artikel der TAZ vom 16.12.2003 mit dem Titel Tod im Hinterhalt (Beilage C);
Bericht des Auswärtigen Amtes Berlin über die asyl- und abschiebungsrelevante Lage in der Russischen Föderation vom 16.02.2004 (Beilage D);
Bericht, Deutsche Welle vom 06.04.2004 mit dem Titel "Wenn sich das föderale Zentrum nicht einmischt, wird Russland Dagestan verlieren" (Beilage E);
Auszug betreffend Kumyken (Kumyk- oder Berg-Tataren) aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie (Beilage F).
Auf Grundlage der vor dem Bundesasylamt durchgeführten Einvernahme und des dargestellten ergänzenden Ermittlungsverfahrens wird folgender Sachverhalt festgestellt und der Entscheidung zugrunde gelegt:
Der Berufungswerber ist Staatsangehöriger der Russischen Föderation, gehört zur Volksgruppe der Kumyken, ist moslemischen Glaubensbekenntnisses und lebte im Dorf T. in der Republik Dagestan. Ende 00. 1999 wurde sein Haus von den russischen Truppen zerstört und lebten seine Frau und seine Kinder in der Folge bei seinen Schwiegereltern im Dorf C. Der Berufungswerber blieb jedoch im Dorf T. und schloss sich zunächst den Wahabiten an. Bei den Wahabiten hat er verschiedene Hilfstätigkeiten verrichtet, wie Transporte für Ausrüstungen und Krankentransporte. Da angeheuerte Personen aus Pakistan, Tschetschenien, Lettland etc. diese Bewegung unterstützten und immer radikaler wurden und beispielsweise Krankenhäuser und Schulen zerstörten, verließ der Berufungswerber diese Bewegung sogleich Ende 00. 1999. Als er zu seiner Familie zurückkehrte, begangen die Säuberungen von Seiten der russischen Sicherheitskräfte und wurden Personen gesucht, die die Wahabiten unterstützt und mit ihnen gekämpft hatten. Auch der Berufungswerber wurden während dieser Säuberungsaktionen festgenommen und wurde er am 00.00. 1999 in das Gefängnis, in der Nähe von M. gebracht, wo er bis zum 00.00. 2000 inhaftiert war. Während der Inhaftierung wurde er immer wieder geschlagen und misshandelt und wurde ihm vorgeworfen, gegen die föderalen Kräfte zu kämpfen und versuchte man von ihm Daten von Wahabiten zu erfahren. Der Berufungswerber konnte jedoch von seinen Verwandten freigekauft werden und kehrte er wieder zu seiner Familie und seinen Schwiegereltern zurück. Aber auch dort wurde er von den russischen Sicherheitskräften nicht in Ruhe gelassen und wurde er ständig kontrolliert und musste er auch immer wieder Bestechungsgelder bezahlen, um weiteren Misshandlungen und Inhaftierungen zu entgehen. Dann versteckte er sich fast zwei Jahre lang bei seinem Bruder in D. im Gebiet K. In der Zwischenzeit wurde er jedoch immer wieder von russischen Sicherheitskräften bei seiner Familie und seinen Schwiegereltern gesucht und wurden diese auch mit dem Tode bedroht. Allerdings wurde er auch von den Wahabiten gesucht und wurde seiner Frau mit Vergewaltigung gedroht, falls sich der Berufungswerber nicht mehr ihnen anschließen und sie unterstützen sollte. Die Verwandten mussten immer wieder Geld bezahlen. Als der Berufungswerber auch bei seinem Bruder in D. von den russischen Sicherheitskräften nicht in Ruhe gelassen und die Situation immer gefährlicher wurde, verließ er mit seiner Familie sein Heimatland. Der Berufungswerber befürchtet bei einer Rückkehr in sein Heimatland wieder von den russischen Sicherheitskräften misshandelt und inhaftiert zu werden. Auch hat er Angst vor den Wahabiten, weil er die wahabitische Bewegung verlassen hatte und er diese nicht mehr unterstützen wollte.
Zu den Wahabiten, insbesondere in Dagestan werden folgende Feststellungen getroffen:
Die "Wahabiten" sind eine ideologisch-religiöse Strömung, die durch Einzelpersonen und verschiedene Organisationen in verschiedener Weise repräsentiert wird. Die wahabitsche Bewegung scharte sich vor allem um die regional-extremistische religiöse Gruppierung "Al-Islamija" unter Führung Achmed Kadi Achtajews. Nach dessen Tod übernahm Maomed Bagaudin die Führung innerhalb der Organisation und es kam zu einer Radikalisierung. Im Vorfeld des Einfalls dagestanischtschetschenischer Kämpfer in Dagestan Anfang August 1999 formierte Bagaudin im tschetschenischen Bezirk Wedeno die sogenannte "Islamische Armee des Nordkaukasus" als Abteilung der sogenannten "Dagestanischen Aufstandsarmee". Der Einfall dieser Kämpfer führte zum bewaffneten Eingreifen föderaler Sicherheitskräfte.
Dagestan war schon seit Beginn der 90er Jahre das Zentrum des Wahabismus in der ehemaligen Sowjetunion und verbreitete sich dieses Gedankengut über Literatur und Kassetten auch in andere Teile Russlands aus und erhielten die Wahabiten vor allem unter jüngeren, meist ärmeren Männern großen Zulauf, weil sie offen gegen die Russen kämpften und von ihnen Waffen, Fahrzeuge und einen Sold erhielten. Bis zum Jahre 1999 hatte die Tätigkeit wahabitischer Gruppen in Dagestan systematisch zugenommen und hatte sich die Sicherheitslage derart verschärft, dass die föderalen und lokalen Sicherheitskräfte bewaffnete anti-terroristische Operationen begangen, wobei zahlreiche Personen, die im Verdacht standen mit den Wahabiten zusammenzuarbeiten, verhaftet wurden.
Die Dagestanische Regierung hat am 16.09.1999 ein Gesetz "Über das Verbot wahabitischer und anderer extremistischer Tätigkeit auf dem Gebiet der Republik Dagestan" erlassen. Darin wird in Widerspruch zur dagestanischen Verfassung u.a. die Schaffung und Unterhaltung wahabitischer und anderer extremistischer Organisationen, religiöse Missionierung extremistischer Richtung sowie das Betreiben von Vorlagen, die extremistisches und separatistisches Gedankengut verbreiten, verboten.
Zu Dagestan werden folgende Feststellungen getroffen:
Im Sommer 1999 sind tschetschenische Rebellen unter dem Kommando von Jamil Bassajev in Dagestan einmarschiert, wodurch sich der Tschetschenienkonflikt auch nach Dagestan ausweitete. Auch in jüngster Zeit (2003) kam es immer wieder zu Gefechten zwischen russischen Truppen und tschetschenischen Freischärlern in Dagestan. Dagestan stellt nach wie vor eine höchst instabile Region dar und es kommt immer wieder zu Kämpfen mit tschetschenischen Freischärlern, die auch zu Lasten der dort ansässigen Zivilbevölkerung gehen. So wurde im Dezember 2003 (siehe Beilage C) von einer Schiesserei in den Bergen Dagestans berichtet, bei der neun russische Soldaten getötet worden sind. Nach Agenturberichten waren Grenzschützer von tschetschenischen Rebellen in einen Hinterhalt gelockt worden. Die Soldaten waren auf dem Weg nach Schauri im Zutinski Rayon, wo Rebellen in der Nacht zuvor das Krankenhaus besetzt und vier Geiseln in ihre Gewalt gebracht hatten. Das Innenministerium Dagestans vermutete indes, die Rebellen seien auf dem Weg nach Georgien gewesen. Die Grenze gilt im Winter bei mindestens vier Metern Schneehöhe als unpassierbar. Unwahrscheinlich ist daher auch, dass die Rebellen von Georgien aus in Dagestan eingefallen sind. Ebenso ungeklärt ist das Motiv der Geiselnahme. Der Überfall tschetschenischer Rebellen unter der Führung des Wahabiten, Schamil Basajew, auf dagestanische Dörfer 1999 war der Auftakt des zweiten Tschetschenienkrieges. In den armen Bergdörfern Dagestans haben die Wahabiten großen Zulauf.
Des Weiteren wird einem Bericht der "Deutschen Welle" vom 06.04.2004 folgend, dargetan, dass "Explosionen und Auftragsmorde" in Dagestan zum Alltag gehören. So sind am 02.04.2004 in der Republik mit einem Zeitabstand von 15 Minuten die Gaspipeline Mosdok-Kasimagomed und die Erdölpipeline Baku-Noworossijsk gesprengt worden. Infolge dieser Terroranschläge blieben 150 000 Einwohner der Republik ohne Gas, die Lieferung von Erdöl zu den Schwarzmeerterminals wurde unterbrochen. Ende März kam es in Dagestan zu weiteren Auftragsmorden. Opfer der Auftragsmörder wurden diesmal ein Abgeordneter der Volksversammlung der Republik und ein Major des föderalen Sicherheitsdienstes Russlands. Für den "Abschuss" hochrangiger Beamten in Dagestan werden Lizenzen ausgestellt. In den letzten Jahren wurde kein einziger Auftragsmord an einem hohen Beamten aufgedeckt. In Dagestan ist der Clan-Faktor seit langem der entscheidenste. Die Clans schrecken in der Republik vor nichts zurück, um an der Macht zu bleiben. Die Leute in der Republik haben keine Beschäftigung, weshalb Massenarbeitslosigkeit die Folge ist.
Die andauernden Kampfhandlungen, die gewaltsamen Übergriffe russischer Truppenteile auf Zivilisten und die humanitäre Notlage zwangen viele Bewohner Tschetscheniens, Zuflucht in den ebenfalls zu Russland gehörenden Nachbarrepubliken Inguschetien und Dagestan, in anderen Regionen Russlands und in Nachbarstaaten, wie etwa in Georgien zu suchen. Trotz forcierter russischer Bemühungen um die Rückführung der tschetschenischen Flüchtlinge aus den Nachbarregionen nach Tschetschenien, ist deren Anzahl dort nach wie vor hoch. Etwa 10.000 dürften sich in Dagestan aufhalten.
Zur Volksgruppe der Kumyken werden folgende Feststellungen getroffen:
Die Volksgruppe der Kumyken (Eigenbezeichnung: Qumuq bzw. Qumuqlar) bewohnt den nördlichen Teil der russischen Teilrepublik Dagestan und weite Teile der tschetschenischen und inguschischen Republik. Auch in Teilen der Republik Nordossetien sind sie als Minderheit anzutreffen. Daneben besiedeln sie auch die Küstenebene des Kaspischen Meeres von Derbent bis zur Terekmündung. Die Kumyken führen sich selbst auf die alten Chasaren zurück. Der Religion nach gehören die Kumyken seit dem 7. Jahrhundert dem sunnitischen Islam an und bei ihnen herrscht bis heute ein strenges Vaterrecht vor. Dieses Volk besteht heute noch überwiegend aus Wanderhirten, die die Schafszucht betreiben. Die halbsesshaften Kumyken betreiben bescheidenen Acker- und Gartenbau sowie die Bienenaufzucht. Die Sesshaften betreiben Ackerbau und an der Küste des Kaspischen Meeres die Fischerei. Im Jahr 1944 wurden auch die Kumyken auf einen Befehl Stalins nach Zentralasien verschleppt und sie wurden im nördlichen Kasachstan angesiedelt. Aber bereits im Jahre 1957 kehrten sie in ihre alte Heimat zurück. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion Ende der 1980er Jahre, schlossen sich auch die Kumyken zu verschiedenen Bürger-Bewegungen zusammen. Im Jahr 1996 traten auch die Kumyken der UNPO bei.
Zu einer allfälligen inländischen Schutzalternative wird folgendes festgestellt:
In der Folge von Bombenattentaten auf Wohnhäuser in russischen Großstädten ab September 1999 (über 300 Opfer) kam es u.a. in und um Moskau herum zu willkürlichen Festnahmen von südländisch/kaukasisch aussehenden Personen, bei denen verschiedene Zivilisten kaukasischer Herkunft mehrere Tage lang von der Polizei ohne Angabe von Gründen inhaftiert wurden. Dabei soll es auch zu Gewaltanwendungen durch russische Polizeikräfte gekommen sein.
In Folge der Geiselnahme vom Oktober 2002 hat sich im Zusammenhang mit der intensiven Fahndung nach den Drahtziehern und Teilnehmern an der Geiselnahme der Kontrolldruck gegenüber kaukasisch aussehenden Personen signifikant erhöht.
Derzeit stehen kaukasisch aussehende Personen unter einer Art Generalverdacht, so dass verstärkten Kontrollmaßnahmen aller Art (Ausweiskontrollen, Wohnungsdurchsuchungen, Abnahme von Fingerabdrücken) nicht von der Hand zu weisen sind.
In der Praxis wird an vielen Orten (u.a. in großen Städten wie z. B. Moskau und St. Petersburg) der legale Zuzug von Personen aus den südlichen Republiken der Russischen Föderation durch Verwaltungsvorschriften sehr stark erschwert. Diese Zuzugsbeschränkungen gelten unabhängig von der Volkszugehörigkeit.
Nach der Geiselnahme sind besonders in Moskau und anderen Großstädten Tschetschenen, wie andere Personen kaukasischer Herkunft bzw. mit vermeintlich südländisch/kaukasischem Aussehen verstärkten diskriminierenden Kontrollmaßnahmen (Ausweiskontrollen, Hausdurchsuchungen usw.) ausgesetzt. Doch mündet die intensive Fahndungstätigkeit russischer Sicherheitskräfte nach den Drahtziehern und Teilnehmern an dem Geiseldrama automatisch in einer Diskriminierung kaukasisch aussehender Personen.
Die Feststellungen zur Person des Berufungswerbers ergeben sich insbesondere aus seinen Ausführungen in der Berufungsverhandlung vor der erkennenden Behörde. Der Berufungswerber war durchaus in der Lage, seine Verfolgung, insbesondere sowohl seine Probleme mit den russischen Sicherheitskräften als auch seine Probleme mit den Wahabiten klar und konkret darzustellen und machte der Berufungswerber vor der erkennenden Behörde insgesamt einen durchaus glaubwürdigen Eindruck.
Der Verwaltungsgerichtshof verlangt in seiner jüngsten Rechtssprechung eine ganzheitliche Würdigung des individuellen Vorbringens eines Asylwerbers unter dem Gesichtspunkt der Konsistenz der Angaben, der persönlichen Glaubwürdigkeit des Asylwerbers und der objektiven Wahrscheinlichkeit seines Vorbringens, wobei letzteres eine Auseinandersetzung mit (aktuellen) Länderberichten verlangt (VwGH vom 26.11.2003, Zl.: 2003/20/0389). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass eine weitgehende Konsistenz zwischen dem Vorbringen des Berufungswerbers vor der erstinstanzlichen Behörde und vor der Berufungsbehörde feststellbar ist. Ferner stimmen seine Angaben mit den vorgehaltenen Länderberichten überein.
Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die Berufungsbehörde den Angaben des Berufungswerbers Glaubwürdigkeit zubilligt.
Die Feststellungen betreffend die Wahabiten gründen sich auf die Beilage B. Die Feststellungen zur allgemeinen politischen Situation in Dagestan gründen sich auf die Berichte Beilagen C bis E. Die Feststellungen zur Volksgruppe der Kumyken gründen sich auf den Bericht Beilage F. Die Feststellungen zu einer allfälligen inländischen Schutzalternative gründen sich auf den Bericht Beilage D.
Rechtlich folgt aus dem festgestellten Sachverhalt:
Gemäß § 7 Asylgesetz 1997 hat die Behörde Asylwerbern auf
Antrag mit Bescheid Asyl zu gewähren, wenn glaubhaft ist, dass
ihnen im Herkunftsstaat Verfolgung (Art. 1
keiner der in Art. 1 Abschnitt C oder F der GFK
genannten Endigungs- oder Ausschlussgründe vorliegt.
Zentrales Element dieses Flüchtlingsbegriffes ist die "begründete Furcht vor Verfolgung". Eine Furcht kann nur dann wohlbegründet sein, wenn sie im Licht der speziellen Situation des Asylwerbers unter Berücksichtigung der Verhältnisse im Verfolgerstaat objektiv nachvollziehbar ist. Es kommt nicht darauf an, ob sich eine bestimmte Person in einer konkreten Situation tatsächlich fürchtet, sondern ob sich eine mit Vernunft begabte Person in dieser Situation aus Konventionsgründen fürchten würde. Unter Verfolgung ist ein ungerechtfertigter Eingriff von erheblicher Intensität in die zu schützende persönliche Sphäre des einzelnen zu verstehen. Erhebliche Intensität liegt vor, wenn der Eingriff geeignet ist, die Unzumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes des Heimatstaates zu begründen. Die Verfolgungsgefahr steht mit der wohlbegründeten Furcht in engstem Zusammenhang und ist Bezugspunkt der wohlbegründeten Furcht. Eine Verfolgungsgefahr ist auch dann anzunehmen, wenn eine Verfolgung mit maßgeblicher Wahrscheinlichkeit droht, die entfernte Möglichkeit einer Verfolgung genügt nicht. (vgl. VwGH vom 19.12.1995, Zl.: 94/20/0858; VwGH vom 14.10.1998, Zl.:
98/01/0262)
Nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes (vgl. schon Steiner, Österreichisches Asylrecht [1990] 30; aus jüngerer Zeit etwa die Erkenntnisse des VwGH vom 27. Juni 1995, 94/20/0836; vom 24. Oktober 1996, 95/20/0231; vom 28. März 1995, 95/19/0041, u.v.a.) liegt eine dem Staat zuzurechnende Verfolgungshandlung nicht nur dann vor, wenn diese unmittelbar von staatlichen Organen aus Gründen der Konvention gesetzt wird, sondern es kann eine dem Staat zuzurechnende asylrelevante Verfolgungssituation auch dann gegeben sein, wenn der Staat nicht gewillt oder - wie es in der bisherigen Rechtsprechung ausgedrückt wurde - nicht in der Lage ist, von "Privatpersonen" ausgehende Handlungen mit Verfolgungscharakter zu unterbinden, sofern diesen - würden sie von staatlichen Organen gesetzt - Asylrelevanz zukommen sollte (siehe Erkenntnis des VwGH vom 04.05.2000, 99/20/0177)
Wenn es sich bei den Verfolgungen durch die Wahabiten wohl um keine staatliche Verfolgung handelt und grundsätzlich die Republik Dagestan durchaus gewillt ist, Verfolgung durch Wahabiten hintanzuhalten (siehe die obigen Sachverhaltsfeststellung), so ist diese jedoch offenbar im konkreten Fall nicht in der Lage, dem Berufungswerber den erforderlichen Schutz zu gewähren, zumal diese - als Teil der Russischen Föderation - den Berufungswerber selbst verfolgt. Vor dem Hintergrund der getroffenen Feststellungen bedeutet dies, dass der Flüchtlingsbegriff der Genfer Flüchtlingskonvention erfüllt ist. Der Berufungswerber wird von russischer staatlicher Seite wegen der ihm unterstellten politischen bzw. religiösen Gesinnung ausgehend von der Tatsache, dass er bereits inhaftiert war und dadurch in das Blickfeld der russischen Soldaten gelangt ist, somit mit maßgeblicher Wahrscheinlichkeit als Unterstützer der Wahabiten angesehen bzw. wird ihm eine solche Unterstützung unterstellt. Dies zeigt sich auch dadurch, dass der Berufungswerber immer wieder von russischen Soldaten bei seiner Familie gesucht wird.
Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass konkrete Verfolgungsmaßnahmen gegen den Berufungswerber, sowohl von Seiten der russischen Sicherheitskräfte als auch von Seiten der Wahabiten erfolgt sind und er daher mit maßgeblicher Wahrscheinlichkeit Eingriffe von sehr hoher Intensität in seine zu schützende persönliche Sphäre, von zwei Seiten zu erwarten hätte.
Weiters ist festzuhalten, dass es für Bürger "kaukasischer Nationalität" fast unmöglich ist, auf legalem Weg Identitätspapiere zu erhalten oder sich in anderen Teilen der Russischen Föderation legal niederzulassen. Dazu kommt noch, dass der Berufungswerber in Verdacht stand, ein Unterstützer der Wahabiten zu sein und in der Russischen Föderation notorischer Weise derartige Personen überall gesucht werden und nirgends vor Verfolgungsmaßnahmen sicher sind.
Da sich demnach die vom Berufungswerber geltend gemachte Furcht vor Verfolgung als wohlbegründet im Sinne von Art. 1 Abschnitt A Z 2 der GFK erweist und auch kein Anhaltspunkt für einen der in Art. 1 Abschnitt C oder F der GFK angeführten Endigungs- bzw. Ausschlussgründe ersichtlich ist, war der Berufung Folge zu geben und die Flüchtlingseigenschaft des Berufungswerbers festzustellen.
Da der Asylantrag vor in Krafttreten der Asylgesetznovelle 2003 gestellt wurde, war im Sinne der dort angeführten Übergangsbestimmungen dieses Verfahren nach der bisherigen Rechtslage zu Ende zu führen.