Source: https://www.juraforum.de/lexikon/unfallopfer
Timestamp: 2017-10-22 08:08:27
Document Index: 316101364

Matched Legal Cases: ['§ 823', '§ 844', '§ 844', '§ 845', '§ 844', '§ 846']

Unfallopfer: Definition, Begriff und Erklärung im JuraForum.de
Erklärung zum Begriff Unfallopfer
Schadensersatz nach Deliktsrecht
Unfall versus Verletzung
Unfallopfer und Trauma
Symbolfoto für einen Autounfall (© andreas-speer - fotolia.de)
Der Begriff Unfallopfer wird insbesondere im Versicherungsrecht, also sowohl im Rahmen von privaten Versicherungen nach dem VVG als auch im Rahmen der gesetzlichen Versicherungen nach dem SGB VII, aber auch im deutschen Deliktrecht verwendet. Unfallopfer ist dabei derjenige, der aufgrund eines Unfalls einen Schaden erleidet.
Ein Unfall ist nach allgemeiner Ansicht immer dann gegeben, wenn eine Person durch ein plötzlich von außen auf seinen Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine Schädigung erleidet. Der Unfallbegriff setzt demnach aus zwei Komponenten zusammen:
zum einen aus dem Unfallereignis (= plötzliche Einwirkung von außen auf den Körper) und
zum anderen aus der Ereignisfolge (= unfreiwillige Schädigung).
Letzteres ist stets von der Unfallfolge zu unterscheiden, wie z.B. Invalidität, Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit oder Tod.
Das erste Todesopfer durch einen Verkehrsunfall war die 45-jährige Bridget Driscoll, die im Sommer 1896 von einem Automobil erfasst wurde. Der PKW hatte die für die damalige Zeit durchaus rasante Geschwindigkeit von 6,5 Stundenkilometern. B. Driscol starb an einer Kopfverletzung. Eine Strafverfolgung hat nicht stattgefunden. Ein Verkehrsunfall beschreibt sich juristisch in Verbindung mit einer Straftat als
„ein zumindest für den Unfallbeteiligten unvorhergesehenes, plötzliches Ereignis, welches in ursprünglichem Zusammenhang mit dem Straßenverkehr steht“.
Es muss sich dabei nicht um einen Zusammenstoß handeln, die Kausalität einer am Verkehr teilnehmenden Person mit dem Unfall ist ausreichend. Handelt es sich um einen Unfall, der einen Personenschaden zur Folge hatte, so ist dieser unbedingt anzeigepflichtig. Bei Sachschäden ist die sogenannte „Bagatellgrenze“ auf 20 bis 150 Euro beziffert. Die Rechtsprechung unterscheidet grundsätzlich zwischen Motorradunfall, Autounfall, LKW-Unfall sowie Fußgängerunfall und Fahrradunfall.
Eine besondere Sparte sind die Alleinunfälle. Dies sind Verkehrsunfälle, an denen lediglich ein einziges Fahrzeug, mit in aller Regel einem Fahrer beteiligt ist. Genauso können aber auch mehrere Insassen oder auch andere Verkehrsteilnehmer verletzt werden. Die Alleinunfälle haben eine eigene Kategorie in der Statistik der Verkehrsunfälle. Überhöhte Geschwindigkeit, Übermüdung des Fahrers, technische Defekte, Einfluss von Alkohol – und nicht zuletzt eine zumeist vermutete suizidale Absicht, sind die Gründe für diese Art von Unfällen.
Einem Unfallopfer steht in der Regel ein Schadensersatz aus Deliktsrecht nach § 823 BGB [Bürgerliches Gesetzbuch] oder auch ein anderer Schadensersatzanspruch immer dann zu, wenn eine andere Person den Unfall verursacht hat (sog. Unfallverursacher). Ist der Unfallverursacher für einen solchen Unfall versichert, greift seine Versicherung und damit grundsätzlich die Regelungen des VVG [Versicherungsvertragsgesetz]; hilfsweise seine gesetzliche Unfallversicherung, die sich nach den Vorschriften des SGB VII [Siebtes Sozialgesetzbuch] richtet. Hinsichtlich den Versicherungen gilt gleiches aber auch entsprechend, wenn ein Schaden aufgrund eines Unfalls ohne einen (fremden) Unfallverursacher eintritt, etwa bei einem Arbeitsunfall.
Bei der Haftungsbeurteilung sind stets alle rechtlichen und tatsächlichen Ursachen heranzuziehen. Dabei spielen nicht nur u.a. Fragen nach einer nur mittelbaren Schädigung oder eines Mitverschulden wegen eigenen bzw. zuzurechnenden Fehlverhaltens sowie Mitverantwortlichkeit aus Betriebsgefahr eine wesentliche Rolle, sondern bspw. Fragen nach einem möglichen fehlenden oder unzureichenden Schadennachweis oder auch hinsichtlich möglicher unzureichender Geldmittel (etwa hinsichtlich Haftungshöchstsumme oder Deckungssummenüberschreitung).
Besteht ein Schadensersatzanspruch, so steht dieser grundsätzlich nur dem Unfallopfer zu. Dritte können aber aus den §§ 844, 845 BGB einen Ersatzanspruch haben, soweit sie selbst einen Schaden als Folge der Verletzung des Unfallopfers erleiden. Dieser Ersatzanspruch kompensiert den Wegfall gesetzlicher Unterhalsansprüche der Dritten bei Tod eines nahen Angehörigen (vgl. § 844 BGB) und den Wegfall von Dienstleistungen des Verstorbenen (vgl. § 845 BGB) sowie den Anfall der Beerdigungskosten (vgl. § 844 Absatz 1 BGB). Darüber hinaus hat die Rechtsprechung den Anspruch auf Ersatz von sog. Schockschäden hinzugefügt. Nach § 846 BGB werden bei einem Mitverschulden des Unfallopfers den Hinterbliebenen zugerechnet.
Um ein Unfallopfer zu beschreiben, braucht es auch einen Unfall. Die Abgrenzung nun von leichtem Unfall zu einer Verletzung kann nicht klar getroffen werden. So ist es nach Ansicht des Deutschen Versicherungsverbandes bereits ein Unfall, wenn ein Muskelriss vorliegt, ein Gelenk verrenkt wird, Bänder oder Kapseln gezerrt werden.
Die Krankheit wiederum ist ein zeitlich begrenztes schädliches Ereignis, ein Unfall kann im allgemeingültigen Sprachgebrauch auch ohne Opfer vonstattengehen. Eine Sache ist nicht in der Lage, einen Unfall zu erleiden, ein Opfer zu sein, sie kann allerhöchstens beschädigt werden. Metaphorisch jedoch lässt die deutsche Sprache hier alles zu.
Die Häufigkeit von Unfällen beweist sich über die Jahre als gleichbleibend. Weltweit zählte die WHO in 2003 1,2 Millionen Unfälle mit Todesopfern. Prognosen meinen, die Todesfälle durch übertragbare Krankheiten würden abnehmen, während die Zahl der tödlichen Verletzungen zunehmen werde.
Aus Statistiken des Jahres 2004 geht hervor, dass über 10 Prozent der Bevölkerung, 8,5 Millionen Menschen, einen Unfall erlitten. Im Jahre 2003 verstarben in Deutschland etwa 1,2 Prozent aller Unfallopfer. Das heißt, übertragen, 2,4 Prozent aller Todesfälle waren Unfallopfer.
In den Achtziger Jahren bezifferte man in den USA die Unfallzahlen bei 150 000 pro Jahr. 400 000 der Opfer verblieben dauerhaft behindert. In der industrialisierten Umwelt, in der wir uns befinden, sind entsprechende Unfälle, gerade wenn man sich die Altersgruppe der unter 45-jährigen Erwachsenen ansieht, die durchaus häufigsten. Dabei sind die Unfälle mit männlichen Unfallopfern die häufigsten.
In aller Regel beschreibt dieser Terminus die Art des Unfalles, auch das, was das Unfallopfer im Augenblick des Unfalles getan hat.
So ist ein Arbeitsunfall ein solcher, der während der Tätigkeit eines Versicherungsnehmers in einem Ausbildungsverhältnis, einem Dienst- oder Arbeitsverhältnis passiert. Das Unfallopfer, um als solches benannt zu werden, erleidet dabei einen gesundheitlichen Schaden oder kommt zu Tode.
Weiter als Unfallarten zu nennen sind diverse, sogenannte Einzelunfälle. So beispielsweise der
Wildunfall,
der Haushaltsunfall,
der Bergunfall oder
der Sportunfall.
Als Großschadenlage definiert werden
Gefahrgutunfall,
Flugunfall,
Bahnunfall,
Unfälle im Schienenverkehr,
Grubenunglücke.
Was die Unfälle im Straßenverkehr angeht, kennt der Gesetzgeber 10 unterschiedliche Unfallarten.
In der herkömmlichen Medizin heißt Trauma schlicht Verwundung. In der Psychologie definiert man ein Trauma als eine Verletzung der Seele des Menschen. So ist hier auch von einem Psychotrauma die Rede.
Ein Trauma kann durch die verschiedensten Ereignisse ausgelöst werden, sicherlich zählen neben
Kriegen,
politischer Haft und Folter oder
Terroranschlägen auch
die Folgen eines unverschuldeten schweren Unfalles, der den Menschen als Unfallopfer zurücklässt, dazu.
Ein Trauma kann, im besten Fall auch durchaus positive Wirkungen haben. Der Mensch überwindet das Trauma und geht gestärkt aus der Situation hervor. Dieses Verhalten nennt die Psychologie „posttraumatisches Wachstum“.
Existiert für das Unfallopfer jedoch keine Möglichkeit die verstärkte Stresssituation zu verlassen, die Angst zu lösen, kann es zu massiven psychischen Symptomen kommen, die sogenannten posttraumatischen Belastungsstörungen. Verschiedene Konzepte versuchen sich dem Problem zu näheren. Die „Hardiness“, (Widerstandsfähigkeit) beispielsweise arbeitet mit dem Prinzip der Stressoren, die „Resilienz“ versucht auf soziale und persönliche Ressourcen zurückzugreifen, um eine Besserung der Entwicklung bei traumatisierten Unfallopfern zu erreichen. Die Salutogenese schließlich identifiziert sich mit dynamischen Wechselwirkungen und Faktoren, die die Gesundheit, körperlich und seelisch vorantreibt. Die Salutogenese versteht sich als komplementär zur Pathogenese, sie, so ihre Verfechter, sei keine Behandlung, sondern vielmehr ein Prozess.
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