Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/wirtschaftsstrafrecht/fremdgeldauszahlung-strohmann-schuldnerbeguenstigung-3111436
Timestamp: 2020-08-10 11:54:05
Document Index: 302052781

Matched Legal Cases: ['§ 283', 'BGH', '§ 283', 'BGH', 'BGH', '§ 283', '§ 283', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Fremdgeldauszahlung an einen Strohmann - und die Schuldnerbegünstigung | Rechtslupe
Fremdgeldauszahlung an einen Strohmann - und die Schuldnerbegünstigung
Zahlt ein Rechts­an­walt Fremd­geld, das ihm vor­geb­lich von einem Ver­wand­ten sei­nes Man­dan­ten zum Zwe­cke der Schul­den­re­gu­lie­rung über­las­sen wur­de, nicht an sei­nen Man­dan­ten son­dern – in Kennt­nis von des­sen Zah­lungs­ein­stel­lung – auf des­sen Wei­sung an des­sen Ver­wand­te aus, die das Geld sofort dem Man­dan­ten aus­hän­digt, so erfüllt die­ses Ver­hal­ten des Rechts­an­walts nicht den Straf­tat­be­stand der Schuld­ner­be­güns­ti­gung – weder in Form des „Ver­heim­li­chens“ noch des „Bei­sei­te­schaf­fens“.
Ver­heim­li­chen
Ver­heim­li­chen ist jedes Ver­hal­ten, durch das ein Ver­mö­gens­be­stand­teil oder des­sen Zuge­hö­rig­keit zur Insol­venz­mas­se der Kennt­nis des Insol­venz­ver­wal­ters oder der Gläu­bi­ger ent­zo­gen wird [1].
Ein Ver­heim­li­chen kann nicht nur
durch Ver­ber­gen einer Sache [2]
durch die Behaup­tung eines den Gläu­bi­g­er­zu­griff hin­dern­den Rechts [3],
durch fal­sche Aus­kunft gegen­über dem Insol­venz­ver­wal­ter über die Vor­aus­set­zun­gen eines Anfech­tungs­rechts [4] oder
durch fal­sche Anga­ben im Rah­men der Abga­be einer eides­staat­li­chen Ver­si­che­rung [5].
Voll­endet ist die Tat erst durch Ein­tritt eines zumin­dest vor­über­ge­hen­den Täu­schungs­er­folgs; das auf die Ver­heim­li­chung gerich­te­te Ver­hal­ten allein genügt nicht [6].
Ein voll­ende­tes „Ver­heim­li­chen“ in die­sem Sin­ne sah der Bun­des­ge­richts­hof im vor­lie­gen­den Fall nicht: Denn es ist weder fest­ge­stellt, dass die aus­ge­stell­te Quit­tung gegen­über Gläu­bi­gern oder dem Insol­venz­ver­wal­ter ver­wen­det wur­de, noch führ­te die Über­ga­be der 50.000 € an die Nich­te des insol­ven­ten Man­dan­ten zur Ent­zie­hung die­ses Ver­mö­gens­be­stand­teils zum Nach­teil der Gläu­bi­ger. Schließ­lich wur­de das Geld von ihr im vor­lie­gen­den Fall noch in den Kanz­lei­räu­men des Rechts­an­walts an ihren Onkel über­ge­ben und damit sei­nem Ver­mö­gen wie­der zuge­führt.
Bei­sei­te­schaf­fen
Der Bun­des­ge­richts­hof ver­neint sodann auch, dass sich der Rechts­an­walt wegen voll­ende­ten Bei­sei­te­schaf­fens im Sin­ne von § 283d Abs. 1 StGB straf­bar gemacht hät­te.
Ein Bei­sei­te­schaf­fen liegt vor, wenn ein zum Ver­mö­gen des Schuld­ners gehö­ren­der Ver­mö­gens­ge­gen­stand dem als­bal­di­gen Gläu­bi­g­er­zu­griff ent­zo­gen oder der Zugriff zumin­dest wesent­lich erschwert wird. Dies kann ent­we­der durch eine Ände­rung der recht­li­chen Zuord­nung eines Ver­mö­gens­ge­gen­stan­des oder eine Zugriffs­er­schwe­rung auf­grund tat­säch­li­cher Umstän­de gesche­hen [7].
Durch die Aus­zah­lung der 50.000 € an die Nich­te des Man­dan­ten und die anschlie­ßen­de Über­ga­be des Gel­des von der Nich­te an den Man­dan­ten ist die­ses Geld wie­der dem Ver­mö­gen des Schuld­ners zuge­flos­sen, also des­sen Ver­mö­gen nicht zum Nach­teil der Gesamt­heit der Gläu­bi­ger ver­rin­gert wor­den. Letzt­lich soll­te durch das Gesche­hen auch nach der Vor­stel­lung des Rechts­an­walts dem Man­dan­ten der Zugriff auf sein Geld erhal­ten wer­den.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Mai 2016 – 1 StR 114/​16
vgl. BGH, Beschluss vom 14.03.2016 – 1 StR 337/​15, NJW 2016, 1525; RG, Urteil vom 02.05.1930 – – I 296/​30, RGSt 64, 138, 140; OLG Frankfurt/​Main, Beschluss vom 18.06.1997 – 1 Ws 56/​97, NStZ 1997, 551; Radtke/​Petermann in: Münch­Komm-StGB, 2. Aufl., § 283 Rn. 17[↩]
vgl. hier­zu etwa BGH, Urteil vom 20.12 1957 – 1 StR 492/​57, BGHSt 11, 145, 146; RG aaO[↩]
RG aaO S. 141[↩]
RG, Urteil vom 29.02.1932 – – III 984/​31, RGSt 66, 152 f.[↩]
Radtke/​Petermann aaO; Fischer, 63. Aufl., § 283 Rn. 5; Heine/​Schuster in: Schönke/​Schröder, 29. Aufl., § 283 Rn. 5[↩]
BGH, Urteil vom 29.04.2010 – 3 StR 314/​09, BGHSt 55, 107, 113 mwN; vgl. auch BGH, Beschluss vom 22.01.2013 – 1 StR 234/​12, NJW 2013, 949, 950[↩]
Kanzlei und Beruf Vollstreckung und Insolvenz Wirtschaftsstrafrecht
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