Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/einreichung-per-bea-vom-elektronischen-anwaltspostfach-eines-anderen-rechtsanwalts-3199827
Timestamp: 2019-12-09 20:54:27
Document Index: 24073949

Matched Legal Cases: ['§ 72', '§ 130', '§ 130', '§ 46', '§ 130', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 25', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 31', '§ 130', '§ 130', '§ 130', '§ 4', '§ 130', '§ 130', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Ein­rei­chung per beA – vom elek­tro­ni­schen Anwalts­post­fach eines ande­ren Rechts­an­walts | Rechtslupe
Einreichung per beA - vom elektronischen Anwaltspostfach eines anderen Rechtsanwalts
Ein Schrift­satz (hier: eine Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­grün­dung) ist auch bei feh­len­der Per­so­nen­iden­ti­tät zwi­schen der am Ende des Schrift­sat­zes ange­ge­be­nen Per­son und dem beA-Post­fach­in­ha­ber wirk­sam ein­ge­reicht.
Die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­grün­dung kann nach § 72 Abs. 5 ArbGG iVm. § 130a ZPO auch als elek­tro­ni­sches Doku­ment bei Gericht ein­ge­reicht wer­den. Nach § 130a Abs. 3 ZPO, der dem § 46c Abs. 3 ArbGG ent­spricht, der sei­ner­seits für das Urteils­ver­fah­ren des ers­ten Rechts­zugs gilt, jedoch für das Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht in Bezug genom­men wur­de, muss ein elek­tro­ni­sches Doku­ment mit einer qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Signa­tur (qeS) der ver­ant­wor­ten­den Per­son ver­se­hen sein oder von der ver­ant­wor­ten­den Per­son signiert und auf einem siche­ren Über­mitt­lungs­weg ein­ge­reicht wer­den.
Im Hin­blick auf die nach § 130a Abs. 3 Alt. 1 ZPO erfor­der­li­che qeS der ver­ant­wor­ten­den Per­son ergibt sich Nähe­res aus der Ver­ord­nung (EU) Nr. 910/​2014 (über elek­tro­ni­sche Iden­ti­fi­zie­rung und Ver­trau­ens­diens­te, sog. eID­AS-Ver­ord­nung). Nach Art. 3 Nr. 12 die­ser Ver­ord­nung ist eine qeS eine "fort­ge­schrit­te­ne elek­tro­ni­sche Signa­tur" (vgl. zu die­ser Art. 3 Nr. 11 die­ser Ver­ord­nung), die von einer qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Signa­tur­er­stel­lungs­ein­heit erstellt wur­de und auf einem qua­li­fi­zier­ten Zer­ti­fi­kat für elek­tro­ni­sche Signa­tu­ren beruht. Nach Art. 25 Abs. 2 die­ser Ver­ord­nung hat eine qeS die glei­che Rechts­wir­kung wie eine hand­schrift­li­che Unter­schrift. Sie muss von der "ver­ant­wor­ten­den Per­son" stam­men, also von dem­je­ni­gen, des­sen hand­schrift­li­che Unter­schrift dem Form­erfor­der­nis genü­gen wür­de 1. Im Hin­blick auf § 130a Abs. 3 Alt. 2 ZPO sind in § 130a Abs. 4 ZPO ver­schie­de­ne "siche­re Über­mitt­lungs­we­ge" bestimmt, dar­un­ter in § 130a Abs. 4 Nr. 2 ZPO der Über­mitt­lungs­weg zwi­schen dem beA nach § 31a der Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung und der elek­tro­ni­schen Post­stel­le des Gerichts.
Im hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall wur­de die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­grün­dung des Beklag­ten als elek­tro­ni­sches Doku­ment per beA ein­ge­reicht. Am Schluss des Begrün­dungs­schrift­sat­zes ist der Name "L K, LL.M." mit dem Zusatz "Rechts­an­walt" wie­der­ge­ge­ben. In der Zei­le dar­über heißt es: "mit qua­li­fi­zier­ter elek­tro­ni­scher Signa­tur gezeich­net". Die Über­mitt­lung erfolg­te aus­weis­lich der im Trans­fer­ver­merk ersicht­li­chen Anga­ben ein­schließ­lich der "Visi­ten­kar­te des Absen­ders" aus dem beA von A M. Der Trans­fer­ver­merk ent­hält die Anga­be "Siche­rer Über­mitt­lungs­weg aus einem beson­de­ren Anwalts­post­fach". A M ist aus­weis­lich des auf der ers­ten Sei­te der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­grün­dung befind­li­chen Kanz­lei-Brief­kopfs ange­stell­ter Rechts­an­walt in der Kanz­lei K Rechts­an­wäl­te. Zusätz­lich wur­de das elek­tro­ni­sche Doku­ment von A R M qua­li­fi­ziert elek­tro­nisch signiert.
Damit genügt die Ein­rei­chung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­grün­dung den Anfor­de­run­gen von § 130a Abs. 3 ZPO.
Es kann dahin­ste­hen, ob bei nicht gege­be­ner Per­so­nen­iden­ti­tät zwi­schen der am Ende des Schrift­sat­zes ange­ge­be­nen Per­son (hier: L K, LL.M.) und dem beA-Post­fach­in­ha­ber (hier: A M) eine Über­mitt­lung nach § 130a Abs. 3 Alt. 2 ZPO – also ohne qeS der ver­ant­wor­ten­den Per­son – genü­gen kann 2.
Jeden­falls sind die Anfor­de­run­gen von § 130a Abs. 3 Alt. 1 ZPO durch die hier zusätz­lich erfolg­te qeS erfüllt.
Rechts­an­walt A M hat das Doku­ment nach den Anga­ben im Trans­fer­ver­merk selbst als beA-Post­fach­in­ha­ber über­mit­telt und zudem sei­ne qeS hin­zu­ge­setzt. Dies erfolg­te in Über­ein­stim­mung mit § 4 Abs. 1 Nr. 1 ERVV, wonach ein elek­tro­ni­sches Doku­ment, das mit einer qeS der ver­ant­wor­ten­den Per­son ver­se­hen ist, auch "auf einem siche­ren Über­mitt­lungs­weg" über­mit­telt wer­den darf 3. Durch die Ein­rei­chung des elek­tro­ni­schen Doku­ments mit qeS, die die glei­che Rechts­wir­kung wie sei­ne hand­schrift­li­che Unter­schrift hat, hat Rechts­an­walt A M die Ver­ant­wor­tung für des­sen Inhalt über­nom­men, ist also "ver­ant­wor­ten­de Per­son" iSv. § 130a Abs. 3 Alt. 1 ZPO. Die Rechts­wir­kung ent­spricht der der erfolg­ten eigen­hän­di­gen Unter­schrift nach § 130 Nr. 6 ZPO 4.
Danach ist es uner­heb­lich, dass am Schluss des Schrift­sat­zes der Name "L K, LL.M." mit dem Zusatz "Rechts­an­walt" wie­der­ge­ge­ben ist und es in der Zei­le dar­über heißt: "mit qua­li­fi­zier­ter elek­tro­ni­scher Signa­tur gezeich­net", wobei es auch ohne Bedeu­tung ist, ob es sich dabei (nur) um ein Redak­ti­ons­ver­se­hen han­delt oder ob der Ent­wurf des Schrift­sat­zes von Rechts­an­walt L K, LL.M. stammt. Wie auch außer­halb der elek­tro­ni­schen Über­mitt­lungs­we­ge muss ein bevoll­mäch­tig­ter Rechts­an­walt einen bestim­men­den Schrift­satz nicht selbst ver­fasst haben, son­dern es genügt, die­sen nach eigen­ver­ant­wort­li­cher Prü­fung zu geneh­mi­gen und zu unter­schrei­ben und damit zugleich die Ver­ant­wor­tung für den Inhalt des Schrift­sat­zes zu über­neh­men 5.
vgl. bereits BGH 21.12 2010 – VI ZB 28/​10, Rn. 8, BGHZ 188, 38; BVerwG 14.09.2010 – 7 B 15.10, Rn. 24[↩]
zur Dis­kus­si­on vgl. ua. OLG Braun­schweig 8.04.2019 – 11 U 146/​18; ArbG Lübeck Ver­fü­gung vom 19.06.2019 – 6 Ca 679/​19 – BeckRS 2019, 16942; Mül­ler FA 2019, 170; Mül­ler FA 2019, 98; Lapp juris­PR-ITR 17/​2019 Anm. 3; Rad­ke jM 2019, 272, 276; Bernhardt/​Leeb in Heck­mann juris­PK-Inter­net­recht 6. Aufl. Kap. 6 Rn. 280.1[↩]
vgl. auch BGH 15.05.2019 – XII ZB 573/​18, Rn. 11[↩]
vgl. eben­so OLG Karls­ru­he 16.07.2019 – 17 U 423/​19, Rn. 12[↩]
vgl. nur BGH 13.06.2017 – XI ZB 25/​16, Rn. 6 ff. mwN[↩]
beANichtzulassungsbeschwerdeNichtzulassungsbeschwerdebegründung