Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2012-02-28/viii-zb-54_11
Timestamp: 2017-09-20 00:22:45
Document Index: 83142352

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 148', 'BGH', 'BGH', '§ 148', 'BGH', 'BGH', '§ 148', 'BGH', 'BGH', '§ 7', '§ 93', '§ 148', '§ 94']

BGH, 28.02.2012 - VIII ZB 54/11 - Aussetzung eines Verfahrens gemäß § 148 ZPO analog im Falle der Anhängkeit einer Vielzahl von gleich gelagerten Fällen bei dem zur Entscheiudng berufenen Gericht (Masseverfahren) | anwalt24.de
Beschl. v. 28.02.2012, Az.: VIII ZB 54/11
Referenz: JurionRS 2012, 11807
Aktenzeichen: VIII ZB 54/11
AG Hamburg-Harburg - 02.07.2010 - AZ: 645 C 320/09
LG Hamburg - 23.08.2011 - AZ: 304 S 54/10
BB 2012, 845-846
GuT 2012, 54-55
NJW-RR 2012, 575-576
NZG 2012, 598-599
ZAP 2012, 493
ZAP EN-Nr. 285/2012
ZfBR 2012, 440-441
ZIP 2012, 2132
Der Umstand, dass beim Bundesgerichtshof ein Revisionsverfahren anhängig ist, in dem über eine Rechtsfrage zu entscheiden ist, von deren Beantwortung auch die Entscheidung eines zweiten Rechtsstreits ganz oder teilweise abhängt, rechtfertigt die Aussetzung der Verhandlung des zweiten Rechtsstreits grundsätzlich auch dann nicht, wenn bei dem zur Entscheidung berufenen Gericht eine Vielzahl von gleich gelagerten Fällen anhängig ist.
Es bleibt offen, ob eine Aussetzung ausnahmsweise dann erfolgen darf, wenn die Zahl der bei dem Gericht anhängigen Verfahren die Grenze erreicht, bei der eine angemessene Bewältigung schlechthin nicht mehr möglich ist (Anschluss an BGH, Beschlüsse vom 30. März 2005 - X ZB 26/04, BGHZ 162, 373, 377 und X ZB 20/04, [...] Rn. 13, 15).
b) Allein die Tatsache, dass in einem anderen Verfahren über einen gleich oder ähnlich gelagerten Fall nach Art eines Musterprozesses entschieden werden soll, rechtfertigt für sich genommen ebenfalls noch keine Aussetzung analog § 148 ZPO (BGH, Beschlüsse vom 30. März 2005 - X ZB 26/04, aaO S. 376, und X ZB 20/04, [...] Rn. 11; vgl. auch BGH, Beschluss vom 25. Januar 2006 - IV ZB 36/03, aaO; Senatsurteil vom 21. Februar 1983 - VIII ZR 4/82, NJW 1983, 2496 unter II 2 a; OLG Stuttgart, OLGR 1999, 134 f.).
Insbesondere enthält § 148 ZPO keine allgemeine Ermächtigung, die Verhandlung eines Rechtsstreits zur Abwendung einer vermeidbaren Mehrbelastung des Gerichts auszusetzen (BGH, Beschluss vom 30. März 2005 - X ZB 26/04, aaO). Denn die Vorschrift stellt nicht auf sachliche oder tatsächliche Zusammenhänge zwischen verschiedenen Verfahren, sondern auf die Abhängigkeit vom Bestehen oder Nichtbestehen eines Rechtsverhältnisses ab. Allein die tatsächliche Möglichkeit eines Einflusses genügt dieser gesetzlichen Voraussetzung nicht, so dass die bloße Übereinstimmung in einer entscheidungserheblichen Rechtsfrage die Aussetzung noch nicht erlaubt (BGH, Beschlüsse vom 30. März 2005 - X ZB 26/04, aaO S. 377, und X ZB 20/04, [...] Rn. 15; BFH, BFH/NV 2010, 1847). Dem entsprechend hat auch der Gesetzgeber mit § 7 KapMuG und § 93a VwGO eigens spezialgesetzliche Grundlagen für eine von § 148 ZPO beziehungsweise der parallelen Vorschrift des § 94 VwGO an sich nicht mehr gedeckte Aussetzung von Musterverfahren geschaffen (vgl. BT-Drucks. 11/7030 S. 28; 15/5091 S. 14).