Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=21.04.2009&Aktenzeichen=XI%20ZR%2055/08
Timestamp: 2019-07-18 05:48:32
Document Index: 153519530

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 492', 'BGH', 'BGH', '§ 199', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 307', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 21.04.2009 - XI ZR 55/08 und XI ZR 78/08 - dejure.org
BGH, 21.04.2009 - XI ZR 55/08 und XI ZR 78/08
https://dejure.org/2009,162
BGH, 21.04.2009 - XI ZR 55/08 und XI ZR 78/08 (https://dejure.org/2009,162)
BGH, Entscheidung vom 21.04.2009 - XI ZR 55/08 und XI ZR 78/08 (https://dejure.org/2009,162)
BGH, Entscheidung vom 21. April 2009 - XI ZR 55/08 und XI ZR 78/08 (https://dejure.org/2009,162)
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Revision gegen die Unterlassungklage eines Verbraucherschutzverbandes hinsichtlich der Verwendung bestimmter Allgemeiner Geschäftsbedingungen (AGB); Wirksamkeit einer AGB-Klausel über die gesetzlich oder vertraglich ohnehin gewährleistete Entgelt-Berechtigung einer Sparkasse; Grundsatz der "kundenfeindlichsten" Auslegung
Auslegung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen durch das Gericht; Formularmäßige Vereinbarung eines Entgelts für Tätigkeiten und Leistungen einer Sparkasse
Sparkassen-AGB teilweise unwirksam
Entgeltfestsetzung in AGB
BGH kippt AGB-Klauseln von Sparkassen - Banken dürfen Entgelte nicht "nach billigem Ermessen" festlegen oder ändern
AGB der Sparkassen teilweise unwirksam
AGB-Klauseln von Sparkassen unwirksam
Sparkassen-AGB: Unzulässige Entgelte
Hierunter fallen auch Regelungen, die nicht Entgelt für Sonderleistungen zum Gegenstand haben, sondern Aufwendungen für die Erfüllung gesetzlich oder nebenvertraglich begründeter eigener Pflichten des Verwenders oder für Tätigkeiten in dessen eigenem Interesse auf den Kunden abwälzen (BGH v. 21.04.2009, XI ZR 55/08).
Eine so verstandene Abweichung von einer Rechtspflicht ist nicht nur im Falle eines Abweichens von Gesetzesvorschriften im materiellen Sinne gegeben, sondern auch dann, wenn von allgemein anerkannten Rechtsgrundsätzen oder von wesentlichen Rechten und Pflichten abgewichen wird, die sich aus der Natur des jeweiligen Vertragsverhältnisses ergeben (BGHZ 137, 27, 29; BGHZ 136, 261, 264; BGH, Urteile vom 21. April 2009 - XI ZR 55/08, bei juris Rz. 16 m. zahlr w. N. …und vom 30. November 2004 - XI ZR 49/04 - bei Juris Rz. 9; m.w.N.; dies entspricht den Vorgaben der Richtlinie 93/13 EWG des Rates vom 05 April 1993, in deren Präambel es heißt: "Für die Zwecke dieser Richtlinie dürfen Klauseln, die den Hauptgegenstand eines Vertrages oder das Preis-/Leistungsverhältnis der Lieferung bzw. der Dienstleistung beschreiben, nicht als mißbräuchlich beurteilt werden. Jedoch können der Hauptgegenstand des Vertrages und das Preis-/Leistungsverhältnis bei der Beurteilung der Missbräuchlichkeit anderer Klauseln berücksichtigt werden.").
Die Auslegung einer AGB-Klausel hat nach ihrem objektiven Inhalt und typischen Sinn einheitlich so zu erfolgen, wie sie von verständigen und redlichen Vertragspartnern unter Abwägung der Interessen der normalerweise beteiligten Verkehrskreise verstanden wird, wobei die Verständnismöglichkeiten des durchschnittlichen Vertragspartners zugrunde zu legen sind (st. Rspr., BGHZ 106, 259, 264 f.; BGHZ 176, 244, Tz. 19; BGH, Urteile vom 21. April 2009 - XI ZR 55/08, bei juris Rz. 11 und vom 15. November 2006 - VIII ZR 166/06, WM 2007, 1142, Tz. 19).
Nach ständiger Rechtsprechung führt diese Auslegungsregel dazu, dass bei einer mehrdeutigen Klausel von den möglichen Auslegungen diejenige zugrunde zu legen ist, die zur Unwirksamkeit der Klausel führt (BGHZ 139, 190, 199; BGHZ 158, 149, 155; BGH, Urteil vom 21. April 2009 - XI ZR 55/08, bei juris Rz. 11).
Denn damit ist die scheinbar "kundenfeindlichste" Auslegung im Ergebnis regelmäßig die dem Kunden günstigste (BGHZ 158, 149, 155; BGHZ 176, 244, Tz. 19; BGH, Urteile vom 21. April 2009 - XI ZR 55/08, bei juris Rz. 11, vom 21. September 2005 - VIII ZR 38/05, WM 2005, 2335, 2337, vom 11. Oktober 2007 - III ZR 63/07, WM 2007, 2202, Tz. 25 und 31, vom 15. November 2007 - III ZR 247/06, WM 2008, 308, Tz. 28).
Zutreffend weist das Landgericht aber darauf hin, dass im Verbandsprozess maßgebend ist der Grundsatz der "kundenfeindlichsten" Auslegung (BGHZ 180, 257, Tz. 11; Urteil vom 21.04.2009 - XI ZR 55/08, Tz. 11).
Nach dem gesetzlichen Leitbild kann für solche Tätigkeiten ein Entgelt nicht beansprucht werden (BGH, Urteil vom 21.04.2009 - XI ZR 55/08, Tz. 21).
Der Bundesgerichtshof habe aber in seinen Urteilen vom 21. April 2009 (XI ZR 55/08 und 78/08) zu erkennen gegeben, dass das Recht zur Kündigung und zur gerichtlichen Überprüfung der Zinsanpassung nicht dazu geeignet sei, eine Unangemessenheit bei Zinsanpassungsklauseln auszuschließen.
Die Beklagte ist der Auffassung, die auf Verbraucherkreditverträge (§ 492 BGB) bezogene neuere Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (XI ZR 55/08 und XI ZR 78/08) sei auf Kontokorrentkreditverhältnisse nicht übertragbar.
Zu diesen Regelungen zählt die Erhebung von Entgelten für Tätigkeiten, zu denen der Verwender gesetzlich und nebenvertraglich bereits verpflichtet ist oder die er im eigenen Interesse erbringt (…BGH, Urt. v. 07.12.2010 - XI ZR 3/10, ZGS 2011, 134 [137] Rn. 26; Urteile vom 21. April 2009 - XI ZR 55/08 und XI ZR 78/08, ZGS 2009, 322 [324 f.];… Urt. v. 07.06.2011 - XI ZR 388/10, ZGS 2011, 417 [419] Rn. 19).
Soweit dies die Forderungen aufgrund der Unwirksamkeit der Zinsanpassungsklausel betrifft, ist bereits keine Verjährung eingetreten, da der Kläger erst seit der Entscheidung des BGH vom 21.04.2009 (Az. XI ZR 55/08) über die gemäß § 199 BGB erforderliche Kenntnis von den den Anspruch begründenden Umständen haben konnte und die Verjährungsfrist daher erst am 01.01.2010 beginnen konnte (…vgl. OLG Düsseldorf, Urt. v. 05.05.2015, Az. I-9 64/13 m.w.N.).
Eine Preisnebenabrede liegt vor, wenn die Regelung kein Entgelt für eine Leistung, die dem Kunden auf rechtsgeschäftlicher Grundlage erbracht wird, zum Gegenstand hat, sondern sie lediglich allgemeine Betriebskosten, Aufwand zur Erfüllung gesetzlich oder nebenvertraglich begründeter eigener Pflichten oder für Tätigkeiten, die im eigenen Interesse liegen, auf den Kunden abwälzt (BGH NJW 2011, 2640; BGH BeckRS 2009, 13142, jeweils zitiert nach beck-online;… BGH, Urt. v. 21.04.2009, XI ZR 78/08;… BGH, Urt. v. 07.12.2010, a.a.O., jeweils zitiert nach juris;… OLG Celle a.a.O.;… OLG Düsseldorf Urt. v. 24.02.2011, a.a.O.; ;… LG Karlsruhe a.a.O.;… LG Bonn a.a.O.).
Eine (nicht kontrollfähige) Hauptpreisabrede liegt hingegen vor, wenn der Preis der vertraglichen Hauptleistung oder das Entgelt für eine rechtlich nicht geregelte, zusätzlich angebotene Sonderleistung vereinbart wird (…BGH Urt. v. 21.04.2009 a.a.O.;… BGH Urt. v. 07.12.2010 a.a.O.;… OLG Celle a.a.O.; LG Karlsruhe a.a.O., BGH BeckRS 2009, 13142, zitiert nach beck-online).
Entgeltklauseln, durch welche ein Kreditinstitut einen Vergütungsanspruch für Tätigkeiten normiert, zu deren Erbringung es bereits gesetzlich oder auf Grund einer selbständigen vertraglichen Nebenpflicht verpflichtet ist oder die es ausschließlich im eigenen Interesse vornimmt, sind mit wesentlichen Grundgedanken der gesetzlichen Regelungen nicht vereinbar, da nach dem gesetzlichen Leitbild für solche Tätigkeiten ein Entgelt nicht beansprucht werden kann (…BGH Urt. v. 21.04.2009 a.a.O.;… OLG Celle a.a.O., LG Karlsruhe a.a.O.; BGH BeckRS 2009, 13142, BGH NJW 2011, 2640, jeweils zitiert nach beck-online).
Im Hinblick auf den Anspruch auf Auslagenersatz im Zusammenhang mit der Bestellung, Verwaltung, Freigabe oder Verwertung von Sicherheiten, habe das Landgericht Nürnberg-Fürth zu Unrecht auf die Entscheidung des BGH vom 21.04.2009 (Az: XI ZR 55/08) abgestellt.
Beide Teile enthalten bei kundfeindlichster Auslegung, von der auszugehen ist (BGH Urteile vom 21.04.2009, Az: XI ZR 55/08 und XI ZR 78/08), jeweils Bestimmungen, durch die von Rechtsvorschriften abweichende oder diese ergänzende Regelungen vereinbart werden, daher der Inhaltskontrolle nach § 307 BGB unterliegen und dieser nicht standhalten.
Darunter fallen allerdings weder Bestimmungen über den Preis der vertraglichen Hauptleistung noch Klauseln über das Entgelt für eine rechtlich nicht geregelte, zusätzlich angebotene Sonderleistung (BGH, Urteile v. 21. April 2009 - XI ZR 55/08, BB 2009, 905/juris Tz. 16 und XI ZR 78/09,BGHZ 180, 257-272/juris Tz. 16, jeweils unter Hinweis auf BGHZ 124, 254 ff.; 133, 10 ff. und 137, 27 ff.).