Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bfh/2014-12-02/viii-r-16_12
Timestamp: 2017-11-24 20:48:31
Document Index: 252552642

Matched Legal Cases: ['§ 20', '§ 10', '§ 179', '§ 180', '§ 9', '§ 180', '§ 180', '§ 20', '§ 10', '§ 20', '§ 20', '§ 10', '§ 10', '§ 10']

BFH, 02.12.2014 - VIII R 16/12 - Steuerpflicht von Zinsen auf Lebensversicherungsbeiträge | anwalt24.de
Urt. v. 02.12.2014, Az.: VIII R 16/12
Referenz: JurionRS 2014, 34806
Aktenzeichen: VIII R 16/12
FG München - 20.10.2010 - AZ: 9 K 2830/10
§ 20 Abs. 1 Nr. 6 S. 3 EStG
§ 10 Abs. 1 Nr. 2 lit. b EStG
1. Hat der Steuerpflichtige eine Kapitallebensversicherung beliehen und mit den Darlehensmitteln die Baukosten zweier Doppelhaushälften bestritten, so hat er die auf die Sparanteile der Versicherungsbeiträge entfallenden Zinsen zu versteuern, wenn eine der Doppelhaushälften veräußert und der Erlös nicht vollständig zur Tilgung des Darlehens verwendet wird.
2. In diesem Fall scheidet auch eine Aufteilung in einen steuerschädlichen und einen steuerunschädlichen Teil des Darlehens aus.
1. Nach § 179 Abs. 1 und § 180 Abs. 2 AO i.V.m. § 9 der Verordnung über die gesonderte Feststellung von Besteuerungsgrundlagen nach § 180 Abs. 2 der Abgabenordnung i.d.F. der Zweiten Verordnung zur Änderung der Verordnung über die gesonderte Feststellung von Besteuerungsgrundlagen nach § 180 Abs. 2 der Abgabenordnung vom 16. Dezember 1994 (BGBl I 1994, 3834, BStBl I 1995, 3) stellt das für die Einkommensbesteuerung des Versicherungsnehmers zuständige Finanzamt die Steuerpflicht der außerrechnungsmäßigen und rechnungsmäßigen Zinsen aus den in den Beiträgen enthaltenen Sparanteilen (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG) gesondert fest, wenn für die Beiträge zu Versicherungen auf den Erlebens- oder Todesfall die Voraussetzungen für den Sonderausgabenabzug nach § 10 Abs. 2 Satz 2 EStG nicht erfüllt sind.
Für diesen Fall sieht § 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 3 EStG i.d.F. des Steueränderungsgesetzes 1992 vom 25. Februar 1992 (BGBl I 1992, 297, BStBl I 1992, 146) —nachfolgend bis zum 31. Dezember 2004: § 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 4 EStG— die Steuerbefreiung vor, wenn die Voraussetzungen für den Sonderausgabenabzug nach § 10 Abs. 2 Satz 2 Buchst. a oder b EStG erfüllt sind oder soweit bei Versicherungsverträgen Zinsen in Veranlagungszeiträumen gutgeschrieben werden, in denen Beiträge nach § 10 Abs. 2 Satz 2 Buchst. c EStG abgezogen werden können.
Wird eine Lebensversicherung i.S. des § 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG —wie im Streitfall— zur Sicherung eines Darlehens eingesetzt, kommt diese Steuerfreiheit allerdings nur in Betracht, wenn das Darlehen selbst "unmittelbar und ausschließlich" der Finanzierung von Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines (zur Einkünfteerzielung bestimmten) Wirtschaftsgutes dient (vgl. BFH-Urteile vom 23. November 2004 IX R 2/04, BFH/NV 2005, 694; vom 1. März 2005 IX R 58/03, BFHE 209, 299, BStBl II 2005, 597 [BFH 01.03.2005 - IX R 58/03]; vom 7. Juli 2005 IX R 20/04, BFH/NV 2006, 264).
Bei dieser Ausgangslage ist nach der Rechtsprechung grundsätzlich eine Aufteilung in einen steuerschädlichen und einen steuerunschädlichen Teil des Darlehens ausgeschlossen (BFH-Urteile vom 7. November 2006 VIII R 1/06, BFHE 215, 486, BStBl II 2010, 18 [BFH 07.11.2006 - VIII R 1/06]; vom 24. November 2009 VIII R 29/07, BFHE 228, 36, BStBl II 2011, 251 [BFH 24.11.2009 - VIII R 29/07]; vom 12. Oktober 2011 VIII R 49/09, BFHE 235, 419, BStBl II 2014, 156 [BFH 12.10.2011 - VIII R 49/09]; BFH-Beschluss vom 23. April 2010 VIII B 48/08, BFH/NV 2010, 1439; vgl. dazu auch Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen —BMF— vom 15. Juni 2000 IV C 4 -S 2221- 86/00, BStBl I 2000, 1118).
a) Für die Frage, ob ein Darlehen ganz oder teilweise für Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts —wie hier von zwei Doppelhaushälften— verwendet worden ist, kommt es nach ständiger Rechtsprechung auf die tatsächliche Verwendung der Darlehensmittel an (vgl. BFH-Urteile in BFHE 228, 36, [BFH 24.11.2009 - VIII R 29/07] BStBl II 2011, 251 [BFH 24.11.2009 - VIII R 29/07]; vom 9. Februar 2010 VIII R 21/07, BFHE 229, 108, BStBl II 2011, 257 [BFH 09.02.2010 - VIII R 21/07]).
Denn wenn das Darlehen zu anderen Zwecken als der ursprünglichen Nutzung zur Finanzierung von Anschaffungs- und Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts verwendet wird, insbesondere wenn nach der Veräußerung des angeschafften oder hergestellten Wirtschaftsguts der Verkaufserlös statt einer möglichen Tilgung des Darlehens in andere Anlageprodukte reinvestiert wird, so verletzt dies —ebenso wie die von den Klägern eingeräumte Verwendung zu privaten Zwecken— das Gebot der Ausschließlichkeit (vgl. BFH-Urteil vom 12. Oktober 2011 VIII R 30/09, BFHE 235, 412, BStBl II 2014, 153 [BFH 12.10.2011 - VIII R 30/09]).