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Timestamp: 2016-10-24 14:12:27
Document Index: 100384155

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 50', 'Art. 50', 'Art. 1157', 'Art. 1157', 'Art. 11', 'Art. 1164', 'Art. 11', 'Art. 1159', 'BGE', 'Art. 1164', 'BGE', 'Art. 1164', 'Art. 1164', 'BGE', 'BGE', 'Art. 1164', 'Art. 1164', 'BGE', 'Art. 1157', 'Art. 657', 'Art. 1183', 'Art. 1184', 'Art. 1170', 'BGE', 'Art. 1181', 'Art. 1181', 'Art. 24', 'BGE', 'Art. 808', 'Art. 754', 'Art. 755', 'BGE', 'Art. 752', 'Art. 1156', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 1173', 'Art. 1181', 'Art. 1157', 'Art. 1157', 'Art. 1159', 'Art. 1164', 'Art. 657', 'Art. 1183', 'Art. 1184', 'Art. 808', 'Art. 752', 'Art. 1156', 'Art. 1173']

113 II 28353. Urteil der I. Zivilabteilung vom 23. Juni 1987 i.S. St. Gallische Kantonalbank gegen Gl�ubigergemeinschaft der 6 1/2% Anleihe 1973-88 der Rheintalischen Gas-Gesellschaft (Berufung)
Pouvoirs de la communaut� des cr�anciers lors d'emprunts par obligations (art. 1164 al. 1 CO). La communaut� des cr�anciers n'a pas qualit� pour ouvrir une action en responsabilit� d'auteur de prospectus (art. 1156 al. 3, art. 752 CO) contre une banque �mettrice (consid. 2-6). Faits � partir de page 283
BGE 113 II 283 S. 283
A.- Im Jahre 1973 nahm die Rheintalische Gas-Gesellschaft AG, St. Margrethen (RGG) eine 6 1/2% Obligationenanleihe BGE 113 II 283 S. 284von vier Millionen Franken auf. Die Anleihe wurde einem Bankenkonsortium, in welchem die St. Gallische Kantonalbank federf�hrend war, fest �bernommen und vom 5. bis zum 12. Dezember 1973 �ffentlich zur Zeichnung aufgelegt.
1978 ersuchte die RGG um Nachlassstundung. Am 10. Januar 1979 wurde ein zwischen ihr und ihren Gl�ubigern abgeschlossener Liquidationsvergleich gerichtlich genehmigt. Mit Schreiben vom 11. Juli 1980 teilte der Liquidator den Gl�ubigern mit, es k�nne mit einer Dividende von rund 20% gerechnet werden. Die Liquidationsorgane h�tten deshalb beschlossen, die privilegierten Gl�ubiger vollst�ndig zu befriedigen und den Gl�ubigern der 5. Klasse eine Abschlagszahlung von 15% auszurichten. Nach der Verlustrechnung des Liquidators vom 29. Juni 1983 erbrachten die Aktiven einen Verwertungserl�s von rund Fr. 5'353'000.--, welchem kollozierte Forderungen von insgesamt Fr. 13'221'000.-- gegen�berstanden. Unter den Forderungen der 5. Klasse (einschliesslich Pfandausf�llen) von Fr. 9'585'000.-- befinden sich auch die vier Millionen Franken Obligationenkapital aus der erw�hnten Anleihe zuz�glich Fr. 130'000.-- aufgelaufene Zinsen bis zum 30. Juni 1978.
Am 18. M�rz 1983 fand eine vom Liquidator einberufene Versammlung der Anleihensgl�ubiger statt. Sie w�hlte Conrad Marti zum Anleihensvertreter und beauftragte ihn mit der Erhebung einer Prospekthaftungsklage gegen die St. Gallische Kantonalbank. Als Marti w�hrend des Prozesses starb, trat sein Stellvertreter, Heinrich Schwegler, an seine Stelle.
B.- Am 13. Juli 1983 klagte die Gl�ubigergemeinschaft gegen die St. Gallische Kantonalbank auf Bezahlung von drei Millionen Franken nebst 6 1/2% Zins seit dem 1. Juli 1978. Die Beklagte schloss auf Abweisung der Klage und erhob vorab die Einreden des falschen Rechtsweges (ausschliessliche Anwendbarkeit des kantonalen Verantwortlichkeitsgesetzes), der fehlenden Aktivlegitimation der Gl�ubigergemeinschaft sowie der Verwirkung und Verj�hrung. Das Bezirksgericht St. Gallen beschr�nkte das Verfahren auf diese Einreden und verwarf sie mit Urteil vom 21. Juni 1985. Eine dagegen erhobene kantonale Berufung der Beklagten wies das Kantonsgericht St. Gallen am 6. November 1986 ab.
C.- Die Beklagte hat gegen das Urteil des Kantonsgerichts Berufung eingelegt mit dem Antrag, es aufzuheben und die Klage abzuweisen. Die Kl�gerin schliesst auf Abweisung der Berufung.
BGE 113 II 283 S. 285
1. Nach Art. 50 Abs. 1 OG ist gegen einen selbst�ndigen Vor- oder Zwischenentscheid ausnahmsweise die Berufung zul�ssig, wenn dadurch sofort ein Endentscheid herbeigef�hrt und ein so bedeutender Aufwand an Zeit oder Kosten f�r ein weitl�ufiges Beweisverfahren erspart werden kann, dass die gesonderte Anrufung des Bundesgerichts als gerechtfertigt erscheint. Die Beklagte beruft sich nicht mehr auf die Einrede der Unzul�ssigkeit des Rechtsweges, h�lt hingegen daran fest, die Kl�gerin sei nicht aktivlegitimiert und die Forderung �berdies verj�hrt. Wird eine dieser Einreden gesch�tzt, so ist die Klage abzuweisen und er�brigt sich die Pr�fung der Prospekthaftung, die sowohl hinsichtlich der Haftungsvoraussetzungen wie des Schadens eines zus�tzlichen, nicht einfachen Beweisverfahrens bed�rfte. Die Voraussetzungen des Art. 50 Abs. 1 OG sind somit erf�llt.
2. Die Gl�ubiger bilden von Gesetzes wegen eine Gemeinschaft, wenn die Anleihensobligationen aufgrund einheitlicher Anleihensbedingungen �ffentlich zur Zeichnung aufgelegt werden (Art. 1157 Abs. 1 OR), der Anleihensschuldner Sitz oder Niederlassung in der Schweiz hat und dem privaten Recht unterstellt ist (Art. 1157 Abs. 3 OR). Die Gl�ubigergemeinschaft ist nicht als juristische Person ausgestaltet und damit nach herrschender Auffassung auch nicht rechtsf�hig (vgl. BUCHER, N 43 ff. zu Art. 11 ZGB; hinsichtlich der Rechtsf�higkeit anderer Meinung BECK, Die Gl�ubigergemeinschaft bei Anleihensobligationen nach der Verordnung des Bundesrates vom 20. Februar 1918, S. 51). Wie anderen nicht mit juristischer Pers�nlichkeit ausgestatteten Rechtsgemeinschaften (z.B. Kollektiv- und Kommanditgesellschaft, Stockwerkeigent�mergemeinschaft) sind ihr durch das Gesetz bestimmte Befugnisse verliehen, welche ihr erlauben, am Rechtsverkehr selbst�ndig, unabh�ngig von den in ihr zusammengefassten Obligation�ren, teilzunehmen (Art. 1164 Abs. 1 OR). Damit wird ihr auch als nicht rechtsf�higem Gebilde von Bundesrechts wegen in bestimmtem Umfang Parteif�higkeit zuerkannt (vgl. BUCHER, N 80 ff. zu Art. 11 ZGB; H�PPI, Die Beschl�sse der Anleihensgl�ubigerversammlung, Diss. Freiburg 1950, S. 11). Insoweit ist die Gemeinschaft auch prozessf�hig (BECK, a.a.O. S. 51; ZIEGLER, N 11 zu Art. 1159 OR; H�PPI, a.a.O. S. 11; F. HUBER, Der Schutz der Obligation�re nach den Entw�rfen zum OR, Diss. Bern 1936, S. 127).
BGE 113 II 283 S. 286
Der Umfang der Parteif�higkeit ist durch Auslegung insbesondere des Art. 1164 Abs. 1 OR zu bestimmen. Dabei muss das Gesetz in erster Linie aus sich selbst heraus, d.h. nach Wortlaut, Sinn und Zweck und den ihm zugrunde liegenden Wertungen ausgelegt werden. Auch die Materialien fallen ins Gewicht, wenn sie eine klare Antwort geben; sie k�nnen allerdings durch Zeitablauf an Bedeutung verlieren (BGE 111 II 152 E. 4a mit Hinweisen).
3. Art. 1164 Abs. 1 OR bestimmt, die Gl�ubigergemeinschaft sei befugt, in den Schranken des Gesetzes die geeigneten Massnahmen zur Wahrung der gemeinsamen Interessen der Anleihensgl�ubiger, insbesondere gegen�ber einer Notlage des Schuldners, zu treffen. Der Gesetzestext pr�zisiert nicht, was unter den gemeinsamen Interessen der Anleihensgl�ubiger zu verstehen ist. Allein aus dem Wortlaut der Bestimmung l�sst sich daher die Zust�ndigkeit der Gl�ubigergemeinschaft nicht abgrenzen.
4. Das Bundesgesetz �ber die Gl�ubigergemeinschaft bei Anleihensobligationen vom 1. April 1949 erg�nzte auf den 1. Januar 1950 das Obligationenrecht mit den heutigen Artikeln 1157 bis 1186. Die gesetzliche Regelung kn�pft an Bestimmungen an, die bereits 1936 bei der Revision des Gesellschaftsrechts in das Obligationenrecht aufgenommen, indes nie in Kraft gesetzt wurden, weil in der Krisen- und Kriegszeit weitergehende notrechtliche Massnahmen n�tig waren (Botschaft, BBl 1947 III S. 873 f.; Berichterstatter Renold im Nationalrat, Sten.Bull. Nationalrat 1948, S. 93). Der Bundesrat hatte schon am 20. Februar 1918 unter dem Druck der durch den Ersten Weltkrieg entstandenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Verordnung betreffend die Gl�ubigergemeinschaft bei Anleihensobligationen erlassen. Diese gab der Versammlung der Obligation�re die Befugnis, mit einer Mehrheit von mindestens drei Vierteln des im Umlauf befindlichen Kapitals eine Reihe bestimmt umschriebener Eingriffe in die Gl�ubigerrechte f�r alle Obligation�re verbindlich zu beschliessen, um dadurch den notleidenden Schuldner zu entlasten (Botschaft, BBl 1947 III S. 870). Diese Befugnis war dann angesichts der versch�rften Wirtschaftskrise der dreissiger Jahre durch verschiedene Bundesratsbeschl�sse mehrfach erweitert worden (Botschaft, a.a.O., S. 870 ff.; Berichterstatter Renold im Nationalrat, Sten.Bull. Nationalrat 1948, S. 93).
Die Vorlage von 1936 enthielt eine dem Art. 1164 OR entsprechende Bestimmung. Berichterstatter Zust f�hrte dazu im St�nderat aus, die Notlage des Schuldners sei der wichtigste Fall, f�r den BGE 113 II 283 S. 287die Gl�ubigergemeinschaft in Funktion trete. Indes solle die Gl�ubigerversammlung auch sonst Beschl�sse fassen k�nnen, die im gemeinsamen Interesse der Gl�ubiger l�gen. Darin komme gerade die Eigenart dieses Rechtsinstituts gegen�ber dem Nachlassverfahren zum Ausdruck. Es sei etwa an den Fall zu denken, wo bei einer durch Grundpfand sichergestellten Anleihe der Verkauf einzelner belasteter Objekte und im Anschluss daran deren Pfandentlassung in Frage stehe und das Zustandekommen des Gesch�fts im Interesse der Gl�ubiger liege, ohne dass deshalb eine Notlage des Schuldners vorliegen m�sse (Sten.Bull. St�nderat 1932, S. 50). Bei der Beratung des geltenden Gesetzes f�hrte Berichterstatter Schmuki im St�nderat aus, grunds�tzliche Neuerungen bringe die Vorlage nicht. Zweck der Bestimmungen bleibe nach wie vor, die Sanierung von Wirtschaftsunternehmungen dadurch zu erm�glichen, dass eine bestimmte Mehrheit von Anleihensgl�ubigern mit Wirkung auch f�r die nicht zustimmende Minderheit auf gewisse Gl�ubigerrechte verzichte (Sten.Bull. St�nderat 1948, S. 296). In der Botschaft von 1928 wird ebenfalls hervorgehoben, dass die Bestimmungen der Gl�ubigergemeinschaft sich als Notwendigkeit erwiesen h�tten, da ohne sie Sanierungen verunm�glicht worden w�ren, deren Scheitern geradezu wirtschaftliche Katastrophen herbeigef�hrt h�tte (BBl 1928 I S. 346). Hinsichtlich der Befugnisse der Gl�ubigerversammlung h�lt der Bundesrat fest, diese k�nne im Rahmen des Gesetzes die Massnahmen treffen, die zur Wahrung der gemeinsamen Interessen der ihr angeh�renden Gl�ubiger geeignet seien. Der Gesetzesentwurf hebe insbesondere die Beschl�sse hervor, die gegen�ber einer Notlage des Schuldners getroffen werden m�ssten. Daneben gebe es aber Beschl�sse, die von einer solchen Notlage unabh�ngig seien (BBl 1928 I S. 348). Die Botschaft von 1947 unterstreicht, dass der Bundesrat schon 1905 das Bed�rfnis hervorgehoben habe, unter den zahlreichen Gl�ubigern aus dem gesamten Forderungsverh�ltnis eine n�here Verbindung herzustellen, die es erm�gliche, gemeinsame Massregeln gegen�ber dem Schuldner zu treffen (BBl 1947 III S. 874).
Die Materialien lassen somit erkennen, dass die Zust�ndigkeit der Gl�ubigergemeinschaft als eine begrenzte empfunden wurde, vorab auf die Notlage des Schuldners, auf allf�llige Sanierungen ausgerichtet, dar�ber hinaus aber auch f�r andere Massnahmen begr�ndet, die sich aus den gemeinsamen Anliegen der Gl�ubiger rechtfertigen. Abgesehen davon, dass die �usserungen ohnehin zum Teil zeitlich weit zur�ckliegen, lassen die Materialien indes BGE 113 II 283 S. 288keinen eindeutigen Schluss zu. Insbesondere kann aus dem Umstand, dass Vorkehren wie die gemeinsame Anhebung einer Prospekthaftungsklage nicht erw�hnt werden, nicht geschlossen werden, diese sei von vornherein von der Zust�ndigkeit der Gl�ubigergemeinschaft ausgeschlossen; denn bei Erlass des Gesetzes und der fr�heren Vorschriften stand die Sanierung des notleidenden Schuldners angesichts der damaligen Wirtschaftslage und der Erfahrungen der Kriegs- und Krisenzeit verst�ndlicherweise im Vordergrund.
5. Entscheidend sind damit Sinn und Zweck der Bestimmung und die ihr zugrunde liegenden Wertungen.
a) Die Anleihe ist ein in Teilbetr�ge aufgeteiltes Grossdarlehen auf einheitlicher Rechtsgrundlage (Zinssatz, Ausgabepreis, Laufzeit, Zeichnungsfrist und Liberierungsdatum). Gest�tzt auf seine Anleihensbedingungen schliesst der Anleihensnehmer mit einer Vielzahl von Darleihern selbst�ndige Einzelvertr�ge ab, wobei er f�r die R�ckforderung jedes Teilbetrags dem Darleiher ein Wertpapier (Anleihensobligation) begibt (MEIER-HAYOZ/VON DER CRONE, Wertpapierrecht, S. 269 Rz. 3; GUHL/MERZ/KUMMER, Das Schweizerische Obligationenrecht, 7. Aufl., S. 872). Die Gl�ubiger sind weder untereinander verbunden noch in der Regel dem Emittenten bekannt. Das wirkt sich nachteilig aus, namentlich wenn sich eine �nderung der Anleihensbedingungen aufdr�ngt. Die Gl�ubigergemeinschaft erm�glicht deshalb unter bestimmten Voraussetzungen ein gemeinsames Vorgehen der Gl�ubiger. Einerseits bezweckt sie die gemeinsame Wahrung der Gl�ubigerinteressen; andererseits erm�glicht sie dem Schuldner Sanierungsmassnahmen, ohne dass ein Nachlassverfahren eingeleitet werden muss (MEIER-HAYOZ/VON DER CRONE, a.a.O., S. 289 Rz. 103; GUHL/ MERZ/KUMMER, a.a.O., S. 872; J�GGI/DRUEY/VON GREYERZ, Wertpapierrecht, S. 92; MERZ, Obligationenrecht, Allg. Teil, in: Schweiz. Privatrecht, Bd. VI/1, S. 91). Das d�rfte haupts�chlich bei finanziellen Schwierigkeiten des Schuldners n�tig sein, worauf Art. 1164 Abs. 1 OR ausdr�cklich hinweist. Eine Anpassung an ver�nderte Verh�ltnisse kann sich aber auch sonst etwa bei unerwarteten Wertverminderungen eines zugunsten der Anleihensgl�ubiger bestellten Grundpfands aufdr�ngen (J�GGI/DRUEY/VON GREYERZ, a.a.O., S. 92). Auch wenn die Massnahmen im einzelnen nicht festgelegt sind, ist doch ihr Rahmen insoweit abgesteckt, als die Gl�ubigergemeinschaft wesensgem�ss auf das Anleihensverh�ltnis beschr�nkt ist. Gemeinsame Interessen der Obligation�re im Sinn von Art. 1164 BGE 113 II 283 S. 289Abs. 1 OR liegen deshalb nur vor, wenn sie auf das Anleihensverh�ltnis Bezug haben (STRAESSLE, Die Vorschriften �ber die Gl�ubigergemeinschaft bei Anleihensobligationen (Art. 1157-1186 OR) in ihrer Anwendbarkeit auf die Gl�ubigergemeinschaft bei Genussscheinen nach Art. 657 OR, Diss. Freiburg 1961, S. 70 mit Hinweisen). Daraus folgt, dass die Gl�ubigergemeinschaft darauf beschr�nkt ist, auf eine �nderung der Anleihensbedingungen hinzuwirken oder Massnahmen zu treffen, die f�r die Erhaltung des Haftungssubstrats des Anleihensschuldners geboten erscheinen. In diesem Sinn ist sie auch befugt, die Rechte der Obligation�re im Konkurs des Schuldners wahrzunehmen (Art. 1183 OR), nicht dagegen im Nachlassvertrag (Art. 1184 OR). Nicht auf das Anleihensverh�ltnis gerichtete Gl�ubigerinteressen, selbst wenn sie gemeinsame sein sollten, kann die Gl�ubigergemeinschaft demnach nicht in eigenem Namen wahrnehmen.
Diese Beschr�nkung ergibt sich f�r die im Gesetz abschliessend genannten M�glichkeiten, in die Rechte der Gl�ubiger einzugreifen (Art. 1170 OR; BGE 96 II 202 E. 2), ohne weiteres. Aber auch f�r die sogenannten �brigen Befugnisse, d.h. die Beschl�sse betreffend das Rechtsverh�ltnis zum Schuldner ohne Eingriffe in die Gl�ubigerrechte (Art. 1181 OR), kann nichts anderes gelten, da sie im Verh�ltnis zu jenen von untergeordneter Bedeutung sind, wobei vorab an administrative Belange gedacht ist (MEIER-HAYOZ/VON DER CRONE, a.a.O., S. 290 Rz. 114), und so Gew�hr besteht, dass die Gewichte der Kompetenzenordnung nicht verschoben werden.
b) W�hrend offensichtlich ist, dass Anspr�che der Gl�ubiger im Verh�ltnis zum Anleihensschuldner auf das Anleihensverh�ltnis gerichtet sind, ist fraglich, wieweit das f�r Anspr�che gegen�ber Dritten gilt. In der Literatur wird zum Teil die Auffassung vertreten, die Gl�ubigergemeinschaft k�nne ausschliesslich im Rahmen der Rechtsbeziehungen zwischen den Gl�ubigern und dem Schuldner t�tig werden; soweit ihr eine Prozessf�hrungsbefugnis zustehe, k�nne sich diese lediglich auf die Erf�llungsklage beziehen (OULEVEY, Le statut juridique des obligataires, Diss. Lausanne 1929, S. 114 f.; GUBLER, Vertretung und Treuhand bei Anleihen nach schweizerischem Recht, Diss. Z�rich 1938, S. 11 und 50). Andere Autoren bejahen auch die M�glichkeit, gegen Dritte vorzugehen, so etwa ZIEGLER (N 4 zu Art. 1181 OR) im Rahmen eines Verantwortlichkeitsprozesses gegen einen Anleihensvertreter oder Pfandhalter, BECK (a.a.O. N 14 zu Art. 24 der Verordnung des Bundesrats vom 20. Februar 1918) f�r die Anhebung der Verantwortlichkeitsklage BGE 113 II 283 S. 290gegen Verwaltungsr�te der schuldnerischen Gesellschaft oder H�PPI (a.a.O., S. 32), welcher allgemein von der Prozessf�hrung gegen den Schuldner oder gegen Dritte spricht. Folgt man dieser Auffassung, so kann sich nach dem Dargelegten die Anspruchsberechtigung und Prozessf�hrungsbefugnis gegen�ber Dritten nur auf Forderungen beziehen, die ihrerseits zum Anleihensverh�ltnis in einem unmittelbaren, rechtlichen Zusammenhang stehen, insbesondere darauf ausgerichtet sind, das Haftungssubstrat f�r die Anleihe zu erhalten. Dies trifft beispielsweise f�r eine Klage gegen den Pfandeigent�mer aus Art. 808 ZGB zu. Es gilt auch f�r Verantwortlichkeitsanspr�che aus Art. 754 f. OR, soweit diese den mittelbaren, aus dem Schaden der schuldnerischen Gesellschaft abgeleiteten Schaden betreffen (Art. 755 f. OR; BGE 110 II 393 E. 1). In diesem Fall wird durch die Verantwortlichkeitsklage unmittelbar das Verm�gen der Gesellschaft und damit das Haftungssubstrat der Gesellschaftsgl�ubiger ber�hrt. Soweit hingegen eine direkte Sch�digung der Gl�ubiger in Frage steht, fehlt dieser Bezug. Gleiches gilt f�r die Klage aus Prospekthaftung; bei dieser kommt von vornherein nur eine direkte Sch�digung der Gl�ubiger in Frage (Art. 752, Art. 1156 Abs. 3 OR).
Hinzu kommt, dass das Gebot der Gleichbehandlung die Ber�cksichtigung bloss einzelner Gl�ubiger oder Gl�ubigergruppen ausschliesst (STRAESSLE, a.a.O., S. 108). Verantwortlichkeitsanspr�che m�ssen sich daher in gleichem Mass in jedem einzelnen Gl�ubigerverh�ltnis verwirklichen, was nur bei mittelbaren, nicht aber bei unmittelbaren, von den individuellen Haftungsvoraussetzungen abh�ngenden Anspr�chen zutrifft (dazu HUREAU, Les pouvoirs des assembl�es d'obligataires, Paris 1948, S. 54 f.).
Schliesslich ist zu beachten, dass der Schutz des Anleihensobligation�rs sich in drei Phasen abwickelt. Zu unterscheiden sind der vorvertragliche Schutz der Obligation�re durch den Prospektzwang, sein Schutz w�hrend der Anleihensdauer, welcher auf den vertraglichen Beziehungen zum Schuldner und den daraus fliessenden Nebenrechten, insbesondere den Kontrollrechten, gr�ndet, sowie der verantwortlichkeitsrechtliche Schutz bei Nichterf�llung (CARRY, La protection des obligataires, in: Semaine internationale de droit, Paris 1937, Diskussionsvotum S. 152 ff.). Dabei liegt die Bedeutung der Gl�ubigergemeinschaft im wesentlichen im Schutz der Gl�ubigerrechte w�hrend der laufenden Anleihe. Prospekt- und Verantwortlichkeitsschutz (jedenfalls im Bereiche direkter Sch�digung) dagegen realisieren sich individuell, in der Regel auch BGE 113 II 283 S. 291f�r die Gl�ubiger unterschiedlich, da sie von den individuell erforderlichen Haftungsvoraussetzungen abh�ngen (CARRY, a.a.O., S. 153 ff. Ziff. 2).
Aus diesen Gr�nden ist es ausgeschlossen, dass die Gl�ubigergemeinschaft die Anspr�che aus Prospekthaftung gegen�ber der Beklagten in eigenem Namen geltend macht. Dem steht die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Aktivlegitimation des Sachwalters eines in Liquidation stehenden Anlagefonds (BGE 100 II 52 ff.) nicht entgegen. Das Bundesgericht hat diese nur insoweit bejaht, als der Sachwalter unmittelbar zum Fondsverm�gen geh�rende Forderungen und damit bloss mittelbare Anspr�che der Anleger geltend macht (BGE 100 II 62). Auch aus dem zwischen den Parteien ergangenen Entscheid BGE 107 III 49 ff. ergibt sich nichts anderes, da das Bundesgericht damals nur zu entscheiden hatte, ob g�ltig Betreibung angehoben worden war und sich zum Umfang der Kompetenzen der Gl�ubigergemeinschaft nicht �usserte.
6. Die Klage ist somit mangels Aktivlegitimation der Gl�ubigergemeinschaft abzuweisen. Dabei kann offenbleiben, ob auch das dem Prozess anhaftende Kostenrisiko, verbunden mit dem Verbot der Gl�ubigerbelastung (Art. 1173 OR), das selbst�ndige Vorgehen der Gl�ubigergemeinschaft ausschl�sse, wie die Beklagte noch geltend macht.
Die Berufung wird gutgeheissen, das Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen (II. Zivilkammer) vom 6. November 1986 aufgehoben und die Klage abgewiesen.
96 II 202,
100 II 52 suite... ,
100 II 62,
art. 1164 al. 1 CO,
Art. 1181 OR suite... ,
art. 1156 al. 3, art. 752 CO,
Art. 1157 Abs. 1 OR,
Art. 1157 Abs. 3 OR,
Art. 1159 OR,
Art. 1164 OR,
Art. 657 OR,
Art. 1183 OR,
Art. 1184 OR,
Art. 808 ZGB,
Art. 752, Art. 1156 Abs. 3 OR,
Art. 1173 OR