Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/anwaltshaftung-schadensersatzklage-und-der-nicht-eingeklagte-klagegrund-3108779
Timestamp: 2020-02-20 18:10:37
Document Index: 102544159

Matched Legal Cases: ['§ 308', '§ 253', '§ 308', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Anwalts­haf­tung, Scha­dens­er­satz­kla­ge – und der nicht ein­ge­klag­te Kla­ge­grund | Rechtslupe ")}}return a.proceed()});scriptParent=document.getElementsByTagName("script")[0].parentNode;if(scriptParent.tagName.toLowerCase!=="head"){head=document.getElementsByTagName("head")[0];aop_around(head,"insertBefore");aop_around(head,"appendChild")}aop_around(scriptParent,"insertBefore");aop_around(scriptParent,"appendChild");var a2a_config=a2a_config||{};a2a_config.no_3p=1;var addthis_config={data_use_cookies:false};var _gaq=_gaq||[];_gaq.push(["_gat._anonymizeIp"])}
Anwalts­haf­tung, Scha­dens­er­satz­kla­ge – und der nicht ein­ge­klag­te Kla­ge­grund
Gemäß § 308 Abs. 1 ZPO ist das Gericht nicht befugt, einer Par­tei etwas zuzu­spre­chen, was nicht bean­tragt ist. Die Bin­dung an den Antrag betrifft nicht nur den Urteils­aus­spruch, son­dern auch den Grund des erho­be­nen Anspruchs (§ 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO).
Der Klä­ger allein legt den Streit­ge­gen­stand fest, den pro­zes­sua­len Anspruch also, über wel­chen das Gericht zu ent­schei­den hat.
Die­ser wird bestimmt durch den Kla­ge­an­trag, in dem sich die vom Klä­ger in Anspruch genom­me­ne Rechts­fol­ge kon­kre­ti­siert, und den Lebens­sach­ver­halt (Kla­ge­grund), aus dem der Klä­ger die begehr­te Rechts­fol­ge her­lei­tet 1.
Legt ein Gericht sei­nem Urteils­aus­spruch einen ande­ren Kla­ge­grund zugrun­de als den­je­ni­gen, mit dem der Klä­ger sei­nen Kla­ge­an­trag begrün­det hat, ver­stößt es gegen § 308 Abs. 1 ZPO. Das Gericht darf sein Urteil nicht auf einen Kla­ge­grund stüt­zen, wel­chen der Klä­ger nicht gel­tend gemacht hat.
Der Streit­ge­gen­stand einer Kla­ge, mit wel­cher ein Anspruch auf Scha­dens­er­satz wegen einer Anwalts­pflicht­ver­let­zung gel­tend gemacht wird, wird wesent­lich durch den Vor­wurf bestimmt, wel­chen der kla­gen­de Man­dant erhebt, und den Scha­den, wel­chen die behaup­te­te Pflicht­ver­let­zung nach Dar­stel­lung des Klä­gers ver­ur­sacht hat.
Wirft der kla­gen­de Man­dant dem beklag­ten Anwalt etwa Feh­ler beim Aus­spruch einer frist­lo­sen Kün­di­gung vor, ist dies ein ande­rer Streit­ge­gen­stand als der Vor­wurf einer unsach­ge­mä­ßen Pro­zess­füh­rung im anschlie­ßen­den Rechts­streit über die Wirk­sam­keit der Kün­di­gung 2.
Der Vor­wurf einer pflicht­wid­ri­gen Pro­zess­füh­rung ist ein ande­rer Streit­ge­gen­stand als der­je­ni­ge der Falsch­be­ra­tung vor Erhe­bung einer erkenn­bar aus­sichts­lo­sen Kla­ge 3.
Umge­kehrt erfasst der Vor­wurf der Falsch­be­ra­tung vor Erhe­bung der aus­sichts­lo­sen Kla­ge nicht auch den­je­ni­gen des unter­las­se­nen Hin­wei­ses auf eine erfolg­ver­spre­chen­de Revi­si­on 4. Der Klä­ger hat den Streit­ge­gen­stand fest­zu­le­gen. Alter­na­ti­ven, die im Wider­spruch zum Haupt­vor­brin­gen ste­hen, kön­nen nur nach den Regeln der even­tu­el­len Kla­ge­häu­fung hilfs­wei­se gel­tend gemacht wer­den.
Wirft der Man­dant dem Rechts­an­walt im Ergeb­nis das Unter­las­sen einer erfolg­ver­spre­chen­den Maß­nah­me vor, reicht es nicht aus, den Auf­trag vor­zu­tra­gen, wel­chen er dem Anwalt erteilt hat, und sodann zu bean­stan­den, dass das erstreb­te Ziel nicht erreicht wor­den sei.
Er darf es nicht dem Gericht über­las­sen, Wege zu suchen, auf denen die­ses Ziel hät­te erreicht wer­den kön­nen, um sodann dem Anwalt vor­zu­wer­fen, die­se Wege nicht beschrit­ten zu haben. Hin­rei­chend bestimmt ist die Kla­ge viel­mehr erst dann, wenn der Klä­ger vor­trägt, wel­che erfolg­ver­spre­chen­de Maß­nah­me der Anwalt unter­las­sen hat.
Kom­men meh­re­re Wege in Betracht, kann er die Kla­ge hier­auf stüt­zen, hat jedoch, soweit sie sich aus­schlie­ßen oder zu unter­schied­li­chen Schä­den geführt haben sol­len, ein Haupt- und Hilfs­ver­hält­nis zu bil­den. An die­sen Vor­trag ist das Gericht gebun­den. Zu einer Ergän­zung einer unvoll­stän­di­gen Kla­ge ist es nicht ver­pflich­tet und im Hin­blick auf den Bei­brin­gungs­grund­satz, wel­cher den Zivil­pro­zess beherrscht, auch nicht berech­tigt, solan­ge es an einer ein­deu­ti­gen pro­zes­sua­len Erklä­rung des Klä­gers fehlt 5.
BGH, Urteil vom 03.04.2003 – I ZR 1/​01, BGHZ 154, 342, 347 f; vom 29.06.2006 – I ZR 235/​03, BGHZ 168, 179 Rn. 15[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 19.11.1992 – IX ZR 221/​91, nv[↩]
BGH, Beschluss vom 29.09.2011 – IX ZB 106/​11, WM 2011, 2113 Rn. 9 ff, 13 mit zust. Anm. K. Schmidt, JuS 2012, 653[↩]
BGH, Urteil vom 13.03.2008 – IX ZR 136/​07, WM 2008, 1560 Rn. 24[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 09.06.2011 – IX ZR 47/​10, nv, Rn. 2[↩]
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