Source: https://www.kostenlose-urteile.de/AG-Luebeck_33-C-392611_Restaurantparkplatz-Ausserhalb-der-Oeffnungszeiten-auf-Gaesteparkplatz-geparktes-Fahrzeug-darf-abgeschleppt-werden.news13874.htm
Timestamp: 2019-12-14 16:39:16
Document Index: 42992354

Matched Legal Cases: ['§ 858', '§ 823', '§ 858', '§ 858', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Urteil > 33 C 3926/11 | AG Lübeck - Restaurantparkplatz: Außerhalb der Öffnungszeiten auf Gästeparkplatz geparktes Fahrzeug darf abgeschleppt werden < kostenlose-urteile.de
Im zugrunde liegenden Fall stellte ein Autofahrer sein Fahrzeug auf einem Gästeparkplatz eines Restaurants ab. Das Restaurant war zu der Zeit geschlossen. Der Inhaber des Restaurants wollte das Fahrzeug abschleppen lassen und beauftragte den Abschleppdienst. Zum eigentlichen Abschleppvorgang kam es nicht mehr, da der Fahrer erschien, als der Abschleppdienst eintraf. Der Restaurantbesitzer verlangte von dem Autofahrer die Erstattung der durch die Beauftragung des Abschleppdienstes verursachten Kosten (hier: 98,50 EUR). Mit Erfolg. Das Amtsgericht Lübeck verurteilte den Fahrer zur Zahlung von 98,50 Euro nebst Zinsen in Höhe von 5 %.
Unbefugtes Abstellen stellt verbotene Eigenmacht im Sinne des § 858 Abs. 1 BGB dar
Der Restaurantbesitzer habe gegen den Autofahrer einen Anspruch aus § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 858 Abs. 1 BGB auf Schadensersatz im geltend gemachten Umfang. Das unbefugte Abstellen eines Fahrzeugs auf einem privaten Kundenparkplatz stelle eine verbotene Eigenmacht im Sinne des § 858 Abs. 1 BGB dar, der sich der unmittelbare Grundstücksbesitzer erwehren darf, indem er das Fahrzeug abschleppen lässt (BGH, Urteil v. 05.06.2009 - V ZR 144/08 - = BGHZ 181, 233). Die Beklagte sei daher verpflichtet, dem Restaurantbetreiber den ihm aus der verbotenen Eigenmacht entstandenen Schaden zu ersetzen.
Unerheblich ist, ob der Fahrer später im Restaurant speisen wollte
Dabei ist unerheblich, ob die Beklagte ihr Fahrzeug bereits um 15.20 Uhr oder erst kurz nach 16.00 Uhr auf dem Gästeparkplatz abstellte, denn das Restaurant öffnete am fraglichen Tag erst um 17.00 Uhr und dies war der Beklagten jedenfalls nach ihrer Ankunft auch bekannt. Unerheblich ist auch, ob die Beklagte, wie sie behauptet, beabsichtigte, nach Öffnung des Restaurants dort einen Tisch zu reservieren. Ein solches Vorhaben berechtigt den potentiellen Gast nicht, sein Fahrzeug außerhalb der Öffnungszeiten sozusagen im Vorgriff auf einen eventuellen späteren Besuch des Restaurants - zu dem es im Übrigen unstreitig nicht gekommen ist - auf dem Gästeparkplatz abzustellen. Der Restaurantbetreiber war daher berechtigt, das unbefugt auf dem Gästeparkplatz parkende Fahrzeug der Beklagten abschleppen zu lassen.
Auch Kosten für die Vorbereitung eines Abschleppvorgangs sind zu ersetzen
Zu den erstattungsfähigen Kosten für die Entfernung eines unbefugt auf einem Privatgrundstück abgestellten Fahrzeugs zählen aber nicht nur die Kosten des reinen Abschleppens, sondern auch die Kosten, die im Zusammenhang mit der Vorbereitung des Abschleppvorgangs entstehen (BGH, Urteil v. 02.12.2011 - V ZR 30/11 -). Die Klägerin hat daher einen Anspruch auf Erstattung der Kosten für die Leerfahrt von 98,50 Euro.
Quelle: ra-online, Amtsgericht Lübeck (vt/pt)
(Verwaltungsgericht Koblenz, Urteil vom 10.11.2008
[Aktenzeichen: 3 K 416/08.KO])
Urteile zu den Schlagwörtern: abgebrochener Abschleppvorgang | Abschleppen | Abschleppkosten | Besitzstörung | verbotene Eigenmacht
Jahrgang: 2012, Seite: 801 NJW-RR 2012, 801
Dokument-Nr. 13874
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