Source: http://m.hensche.de/Abfindung-bei-betriebsbedingter-Kuendigung-LAG-Rheinland-Pfalz-7Sa210-16-02.06.2017.html
Timestamp: 2017-06-25 10:34:46
Document Index: 134431667

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 4', '§ 10', '§ 1', '§ 1', '§ 1']

HENSCHE Arbeitsrecht: Abfindung bei betriebsbedingter Kündigung gemäß § 1a KSchG
Macht der Ar­beit­ge­ber be­reits im Kün­di­gungs­schrei­ben ei­ne Ab­fin­dungs­zu­sa­ge un­ter Ver­weis auf § 1a Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG), kann für den Ar­beit­neh­mer im Nor­mal­fall nicht mehr viel an­bren­nen. An­statt zum An­walt zu ge­hen und Kün­di­gungs­schutz­kla­ge zu er­he­ben, kann sich der ge­kün­dig­te Ar­beit­neh­mer zu­rück­leh­nen und bei Ab­lauf der Kün­di­gungs­frist ei­ne Ab­fin­dung von ei­nem hal­ben Mo­nats­ge­halt pro Be­schäf­ti­gungs­jahr ver­lan­gen. Wie ein ak­tu­el­ler Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Rhein­land-Pfalz zeigt, gilt das aber nicht in al­len Fäl­len: LAG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 18.01.2017, 7 Sa 210/16. Wann haben betriebsbedingt gekündigte Arbeitnehmer einen Anspruch auf Abfindung?
„(1) Kündigt der Ar­beit­ge­ber we­gen drin­gen­der be­trieb­li­cher Er­for­der­nis­se nach § 1 Abs.2 Satz 1 und er­hebt der Ar­beit­neh­mer bis zum Ab­lauf der Frist des § 4 Satz 1 kei­ne Kla­ge auf Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung nicht auf­gelöst ist, hat der Ar­beit­neh­mer mit dem Ab­lauf der Kündi­gungs­frist An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung. Der An­spruch setzt den Hin­weis des Ar­beit­ge­bers in der Kündi­gungs­erklärung vor­aus, dass die Kündi­gung auf drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se gestützt ist und der Ar­beit­neh­mer bei Ver­strei­chen­las­sen der Kla­ge­frist die Ab­fin­dung be­an­spru­chen kann. (2) Die Höhe der Ab­fin­dung beträgt 0,5 Mo­nats­ver­diens­te für je­des Jahr des Be­ste­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses. § 10 Abs.3 gilt ent­spre­chend. Bei der Er­mitt­lung der Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses ist ein Zeit­raum von mehr als sechs Mo­na­ten auf ein vol­les Jahr auf­zu­run­den.“
Streit über die Höhe der Abfindung gemäß § 1a KSchG nach Ablauf der Klagefrist
LAG Rheinland-Pfalz: Der Abfindungsanspruch nach § 1a Abs.1 Satz 1 KSchG entsteht nicht, wenn das Arbeitsverhältnis aufgrund eines nachgeschobenen Aufhebungsvertrages endet
Und da die Ab­fin­dungshöhe im Auf­he­bungs­ver­trag ver­bind­lich auf 53.120,00 EUR fest­ge­legt wor­den war, gab es kei­ne recht­li­che Grund­la­ge für die ein­ge­klag­te Mehr­for­de­rung von 21.841,75 EUR. Fa­zit: Sind be­triebs­be­dingt gekündig­te Ar­beit­neh­mer mit ei­nem Ab­fin­dungs­an­ge­bot gemäß § 1a KSchG ein­ver­stan­den, soll­ten sie die Füße still­hal­ten. Wer ein sol­ches An­ge­bot ei­ner­seits an­neh­men, an­de­rer­seits „op­ti­mie­ren“ möch­te, soll­te die­se Ver­hand­lung über ei­nen An­walt führen las­sen. An­dern­falls droht ei­ne Ver­rin­ge­rung oder schlimms­ten­falls der völli­ge Ver­lust der Ab­fin­dung.
Mus­ter­schrei­ben: Be­triebs­be­ding­te Kündi­gung mit Ab­fin­dungs­an­ge­bot Ar­beits­recht ak­tu­ell: 16/180 So­zi­al­plan und Stich­tags­re­ge­lung Ar­beits­recht ak­tu­ell: 16/069 Ab­wick­lungs­ver­trag und vor­zei­ti­ges Aus­schei­den