Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Hinweispflicht_Arbeitgeber_Betriebsrente_keine_allgemeine_Hinweispflicht_auf_Entgeltumwandlung_Hessisches_LAG_6Sa566_11.html
Timestamp: 2018-04-24 21:05:02
Document Index: 301138749

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 8', '§ 66', '§ 241', '§ 133', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 97']

Hessisches LAG, Urteil vom 27.07.2011, 6 Sa 566/11 - HENSCHE Arbeitsrecht
Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 27.07.2011, 6 Sa 566/11
Aktenzeichen: 6 Sa 566/11
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Offenbach - 5 Ca 513/10
Ak­ten­zei­chen: 6 Sa 566/11
(Ar­beits­ge­richt Of­fen­bach: 5 Ca 513/10)
hat das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt, Kam­mer 6,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 27. Ju­li 2011
Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Of­fen­bach vom 16. Mai 2011 – 5 Ca 513/10 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch. Der Kläger meint, der be­klag­te Ar­beit­ge­ber ha­be ei­ne Pflicht, ihn auf ei­nen An­spruch auf be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung durch Ent­gelt­um­wand­lung ab dem 01. Ja­nu­ar 2002 gülti­gen § 1 a Be­trAVG hin­zu­wei­sen, ver­letzt und haf­te auf Scha­dens­er­satz.
Der am 15. Mai 1964 ge­bo­re­ne und ge­schie­de­ne Kläger war vom 02. Mai 2000 bis zum 30. Ju­ni 2010 auf der Grund­la­ge ei­nes schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 02. Mai 2000 (Bl. 70, 71 d.A.) bei dem Be­klag­ten beschäftigt. Die Par­tei­en schlos­sen im Rah­men ei­nes Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens ei­nen Be­en­di­gungs­ver­gleich am 26. Mai 2010. Die­ser lau­tet (Bl. 72, 73 d.A.):
„Ver­gleich:
1. Die Par­tei­en sind sich darüber ei­nig, dass das zwi­schen ih­nen be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis auf­grund or­dent­li­cher Kündi­gung des Be­klag­ten vom 26. Fe­bru­ar 2010 mit Ab­lauf des 30. Ju­ni 2010 sein En­de fin­den wird.
2. Der Be­klag­te rech­net für 17 Ta­ge Ur­laubs­ab­gel­tung ord­nungs­gemäß ab und zahlt den sich hier­aus er­ge­ben­den Net­to­be­trag abzüglich 426,99 EUR net­to an den Kläger aus.
3. Der Be­klag­te er­teilt dem Kläger ein qua­li­fi­zier­tes Ar­beits­zeug­nis mit gu­ter Leis­tung- und Führungs­be­ur­tei­lung.
4. Mit die­sem Ver­gleich sind sämt­li­che Vergütungs­ansprüche des Klägers er­le­digt.
5. Nicht er­le­digt sind mögli­che Ansprüche des Klägers auf Scha­dens­er­satz so-wie auf Schmer­zens­geld we­gen der ge­sund­heit­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen des Klägers.
7. Die Kos­ten wer­den ge­gen­ein­an­der auf­ge­ho­ben.“
Der Kläger hat be­haup­tet, dem Be­klag­ten sei sein grundsätz­li­ches In­ter­es­se an ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung be­kannt ge­we­sen. Die ge­schie­de­ne Ehe­frau des Klägers ha­be anläss­lich der Ar­beits­auf­nah­me mehr­fach nach­ge­fragt, ob der Be­klag­te vermögens­wirk­sa­me Leis­tun­gen gewähre. In die­sem Zu­sam­men­hang ha­be die ge­schie­de­ne Ehe­frau des Klägers auch nach­ge­fragt, ob die Möglich­keit ei­ner Al­ters­vor­sor­ge bestünde. Die Zah­lung von vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen ha­be der Be­klag­te aus­drück­lich ab­ge­lehnt. Auf die Fra­ge nach der Möglich­keit ei­ner Al­ters­vor­sor­ge sei der Be­klag­te gar nicht ein­ge­gan­gen.
Der Kläger hat wei­ter be­haup­tet, er hätte bei ent­spre­chen­der Kennt­nis ei­ne Ver­sor­gungs­re­ge­lung durch Ent­gelt­um­wand­lung ge­wollt. Ihm sei es wirt­schaft­lich auch möglich ge­we­sen, 215,00 EUR brut­to von sei­nem Ver­dienst für ei­ne Di­rekt­ver­si­che­rung zu ver­wen­den. Der Kläger hat be­haup­tet, bei Ab­schluss ei­ner sol­chen Di­rekt­ver­si­che­rung auf die Lauf­zeit des Ar­beits­verhält­nis­ses (9 Jah­re) er­rech­ne sich ein An­spruch auf Ka­pi­tal­ab­fin­dung in Höhe von 24.000,00 EUR in­klu­si­ve Über­schuss in Höhe von 28.680,00 EUR. Der Auf­wand für die Prämie von 215,00 EUR hätte nur 117,21 EUR be­tra­gen (53,98 EUR Steu­er­vor­teil, 43,48 EUR Er­spar­nis So­zi­al­ver­si­che­rung).
den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an ihn 14.380,38 EUR nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.
Der Be­klag­te hat die An­sicht ver­tre­ten, dass der Ar­beit­ge­ber grundsätz­lich nicht ver­pflich­tet sei, sei­ne Ar­beit­neh­mer über den An­spruch auf Ent­gelt­um­wand­lung nach § 1 a Be­trAVG zu in­for­mie­ren. In­so­fern bestünde da­her auch kein Scha­dens­er­satz­an­spruch, wenn der Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­neh­mer nicht in­for­miert. Im streit­ge­genständ­li­chen Ar­beits­verhält­nis lägen auch kei­ne be­son­de­ren Umstände vor, die ei­ne aus­nahms­wei­se Hin­weis­pflicht des Be­klag­ten be­gründen könn­ten. Der Be­klag­te hat dar­auf ver­wie­sen, dass der Kläger zu­letzt ein Net­to­ge­halt von 1.340,00 EUR ge­habt ha­be. Es sei in Zwei­fel zu zie­hen, dass der zu­vor lang­zeit­ar­beits­lo­se Kläger auf ei­nen Teil sei­nes Net­to­ge­hal­tes hätte ver­zich­ten können und wol­len. Der Be­klag­te hat wei­ter die Höhe des gel­tend ge­mach­ten fik­ti­ven Scha­dens be­strit­ten und wei­ter dar­auf ver­wie­sen, dass der Kläger die durch die statt­des­sen ein­ge­zahl­ten So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträge erhöhte Ren­ten­an­wart­schaft, so­wie die Nach­tei­le, die durch die Ver­steue­rung der Ka­pi­tal­ab­fin­dung im Aus­zah­lungs­zeit­punkt des Ver­si­che­rungs­be­tra­ges ent­ste­hen, sich an­rech­nen las­sen muss.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 16. März 2011 die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Es hat an­ge­nom­men, dass der Ar­beit­ge­ber von sich aus nicht auf die Möglich­keit, Tei­le des Ar­beits­ein­kom­mens durch Ent­gelt­um­wand­lung für ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung zu ver­wen­den, hin­zu­wei­sen ha­be. Erst wenn es dar­um ge­he, „wie“ der Ent­gelt­um­wand­lungs­an­spruch durch­geführt wird, bestünden ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Pflich­ten. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens der Par­tei­en und der Erwägun­gen des Ar­beits­ge­rich­tes wird auf die an­ge­grif­fe­ne Ent­schei­dung Be­zug ge­nom­men.
Ge­gen die­ses Ur­teil hat der Kläger in­ner­halb der in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 27. Ju­li 2011 vor dem Be­ru­fungs­ge­richt aus­weis­lich der Sit­zungs­nie­der­schrift fest­ge­stell­ten und dort er­sicht­li­chen Fris­ten Be­ru­fung ein­ge­legt.
Der Kläger meint, dem Ar­beits­ge­richt könne aus Rechts­gründen nicht ge­folgt wer­den. Ha­be vor dem In­kraft­tre­ten des § 1 a Be­trAVG ei­ne ent­spre­chen­de Aus­kunfts­ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers auf­grund der ihm ob­lie­gen­den Fürsor­ge­pflicht be­stan­den, fol­ge sie seit dem 01. Ja­nu­ar 2002 auf­grund der ge­setz­li­chen Ver­pflich­tung aus § 1 a Be­trAVG. Auch oh­ne aus­drück­li­che Erwähnung in der ge­setz­li­chen Be­stim­mung ergäbe sich mit dem dort ge­re­gel­ten Recht auf Ent­gelt­um­wand­lung ei­ne ent­spre­chen­de In­for­ma­ti­ons­pflicht des Ar­beit­ge­bers. Der Ar­beit­ge­ber sei ver­pflich­tet Ver­sor­gungsmöglich­kei­ten zu gewähr­leis­ten. Dies recht­fer­ti­ge es im Er­geb­nis, kei­ne Un­ter­schie­de zur An­nah­me ei­ner er­wei­ter­ten Aufklärungs­pflicht durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt im Be­reich des öffent­li­chen Diens­tes zu ma­chen.
1. das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Of­fen­bach am Main vom 16. März 2011 – 5 Ca 513/10 – ab­zuändern;
2. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an ihn 14.380,38 EUR net­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.
Der Be­klag­te ver­tei­digt das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil und nimmt Be­zug auf sei­nen erst­in­stanz­li­chen Vor­trag. Der Be­klag­te meint wei­ter, durch den Ver­gleich vom 26. Mai 2010 sei­en sämt­li­che Vergütungs­ansprüche des Klägers er­le­digt. Nicht er­le­digt sei­en le­dig­lich even­tu­el­le Scha­dens­er­satz- und Schmer­zens­geld­ansprüche des Klägers, die auf des­sen ge­sund­heit­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen be-
ru­hen. Die Kla­ge sei dem­gemäß be­reits un­zulässig. Der Be­klag­te be­haup­tet, anläss­lich der Gespräche über Vermögens­bil­dung/Al­ters­vor­sor­ge zwi­schen den Par­tei­en ha­be der Kläger be­kun­det, dass er In­ter­es­se an Ar­beit­ge­ber­leis­tun­gen oder staat­li­cher Förde­rung ha­be, aber nicht dar­an, ei­ge­ne Mit­tel auf­zu­wen­den. Un­strei­tig ist da­bei über Ent­gelt­um­wand­lung nicht ge­spro­chen wor­den.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Be­ru­fungs­vor­brin­gens wird auf den vor-ge­tra­ge­nen In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen und den übri­gen Ak­ten­in­halt Be­zug ge­nom­men.
Die Be­ru­fung des Klägers ist statt­haft (§§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1 und 2 b ArbGG), außer­dem frist- und form­ge­recht ein­ge­legt wor­den (§§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG, 517, 520 ZPO) und da­mit ins­ge­samt zulässig.
Die Be­ru­fung des Klägers ist in der Sa­che je­doch er­folg­los. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Da­bei steht ei­nem An­spruch des Klägers aus po­si­ti­ver For­de­rungs­ver­let­zung bzw. aus § 241 Abs. 2 BGB nicht der ge­richt­li­che Ver­gleich vom 26. Mai 2010 ent­ge­gen. Die Aus­gleichs­klau­sel in Ziff. 4 des Ver­glei­ches er­fasst nur Vergütungs­ansprüche. Scha­dens­er­satz­ansprüche sind in Ziff. 4 des Ver­glei­ches ge­re­gelt. Ziff. 4 des Ver­glei­ches enthält je­doch kei­ne Aus­sa­ge über die Er­le­di­gung von Scha­dens­er­satz­ansprüchen, al­len­falls im We­ge des Um­kehr­schlus­ses könn­te an­ge­nom­men wer­den, dass über die in Ziff. 5 des Ver­glei­ches von der Er­le­di­gung aus­ge­nom­me­nen Scha­dens­er­satz-und Schmer­zens­geld­ansprüche hin­aus al­le wei­te­ren mögli­chen Schmer­zens­geld­ansprüche er­le­digt sein soll­ten. Für die­se An­nah­me bie­tet der Ver­gleich
aber kei­ne aus­rei­chen­den An­halts­punk­te. Dem Ver­gleich vom 26. Mai 2010 kann da­her auch nicht im We­ge der Aus­le­gung (§§ 133, 157 BGB) mit hin­rei­chen­der Klar­heit ent­nom­men wer­den, dass Scha­dens­er­satz­ansprüche, die nicht ih­ren Grund in ei­ner ge­sund­heit­li­chen Be­ein­träch­ti­gung des Klägers ha­ben, nach die­sem Ver­gleich er­le­digt bzw. ab­ge­gol­ten sein soll­ten.
Im Übri­gen folgt das Be­ru­fungs­ge­richt den zu­tref­fen­den Ent­schei­dungs­gründen des Ar­beits­ge­rich­tes. We­der aus Fürsor­ge­pflicht des Ar­beit­ge­bers, noch aus § 1 a Be­trAVG er­gibt sich ei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers ab In­kraft­tre­ten des § 1 a Be­trAVG zum 01. Ja­nu­ar 2002 den Ar­beit­neh­mer dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er ei­nen An­spruch auf Ent­gelt­um­wand­lung hat und der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet ist, zu­min­dest ei­ne Di­rekt­ver­si­che­rung ab­zu­sch­ließen, wenn der Ar­beit­neh­mer Tei­le sei­nes Ge­hal­tes in die­ser Wei­se zur be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ein­set­zen will. Der Be­klag­te hat kei­ne Rechts­pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­letzt, in dem er es un­ter­ließ, auf den mit Wir­kung vom 01. Ja­nu­ar 2002 be­ste­hen­den An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung durch Ent­gelt­um­wand­lung gem. § 1 a Be­trAVG hin­zu­wei­sen. Rich­tig ist, und da­von geht auch das Be­ru­fungs­ge­richt aus, dass je­dem Ar­beits­verhält­nis die Ne­ben­pflicht in­ne­wohnt, die im Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis ste­hen­den In­ter­es­sen des Ar­beit­neh­mers so zu wah­ren, wie dies un­ter Berück­sich­tung der In­ter­es­sen und Be­lan­ge bei­der Ver­trags­part­ner nach Treu und Glau­ben ver­langt wer­den kann. Die Schutz- und Rück­sicht­nah­me­pflicht des Ar­beit­ge­bers gilt auch für die Vermögens­in­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer. Dar­aus können sich zum ei­nen Hin­weis- und In­for­ma­ti­ons­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers er­ge­ben. Zum an­de­ren hat er, wenn er sei­nen Ar­beit­neh­mern bei der Wahr­neh­mung ih­rer In­ter­es­sen be­hilf­lich ist, zweck­ent­spre­chend zu ver­fah­ren und sie vor dro­hen­den Nach­tei­len zu be­wah­ren. Hin­weis- und Aufklärungs­pflich­ten be­ru­hen auf den be­son­de­ren Umständen des Ein­zel­falls und sind das Er­geb­nis ei­ner um­fas­sen­den In­ter­es­sen­abwägung. Die er­kenn­ba­ren In­for­ma­ti­ons­bedürf­nis­se des Ar­beit­neh­mers ei­ner­seits und die Be­ra­tungsmöglich­kei­ten des Ar­beit-
ge­bers an­de­rer­seits sind zu be­ach­ten (vgl. BAG Ur­teil v. 14.01.2009 – 3 AZR 71/07 – AP Nr. 7 zu § 1 Be­trAVG Aus­kunft).
Die­se Hin­weis- und In­for­ma­ti­ons­pflicht geht aber nicht da­hin, dass der Ar­beit­ge­ber oh­ne kon­kre­ten An­lass auf das In­kraft­tre­ten von Rechts­vor­schrif­ten hin-wei­sen muss, die dem Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch gewähren. Dies gilt auch für den An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung im We­ge der Ent­gelt­um­wand­lung gem. § 1 a Be­trAVG. Woll­te man dies an­ders se­hen, so käme es ge­ra­de nicht auf die Umstände des Ein­zel­falls an, son­dern al­le Ar­beit­ge­ber hätten zum 01. Ja­nu­ar 2002 von sich aus al­le Ar­beit­neh­mer auf die Möglich­keit der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung im We­ge der Ent­gelt­um­wand­lung hin­wei­sen müssen. Dies ent­spricht nicht der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes, das in der Ent­schei­dung vom 14. Ja­nu­ar 2009 – 3 AZR 71/07 – ge­ra­de auf ei­ne um­fas­sen­de In­ter­es­sen­abwägung und die Umstände de Ein­zel­falls ab­stellt. Darüber hin­aus war für den Be­klag­ten ein In­for­ma­ti­ons­bedürf­nis des Klägers auch nicht er­kenn­bar. Der Be­klag­te konn­te da­von aus­ge­hen, dass der Kläger, wenn er ein In­ter­es­se an ei­ner pri­va­ten Al­ters­vor­sor­ge hat, sich an ein Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men wen­det. Der Be­klag­te konn­te da­her da­von aus-ge­hen, dass der Kläger, wenn nicht schon durch die öffent­li­che Dis­kus­si­on der Förde­rung pri­va­ter Al­ters­vor­sor­ge, so doch durch die Be­ra­tung ei­ner Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft, die In­for­ma­ti­on über den ge­setz­li­chen An­spruch des § 1 a Be­trAVG er­hal­ten hätte. Ein In­for­ma­ti­ons­bedürf­nis des Klägers war dem Be­klag­ten auch nicht des­halb er­kenn­bar, weil der Kläger sich zu Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses im Jah­re 2000 nach ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung er­kun­det ha­ben will. Zu die­sem Zeit­punkt war § 1 a Be­trAVG noch nicht in Kraft. Er wur­de erst durch das Al­ters­vermögens­ge­setz vom 26. Ju­ni 2001 dem Be­trAVG hin­zu­gefügt. Es gibt auch sonst kei­ne Umstände des vor­lie­gen­den Ein­zel­falls, die ei­ne Hin­weis- und In­for­ma­ti­ons­pflicht des Be­klag­ten be­gründen. Es kann er­war­tet wer­den, dass ein Ar­beit­neh­mer, der sich für sei­ne Al­ters­vor­sor­ge in­ter­es­siert, sich die Kennt­nis der Möglich­keit ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters-
vor­sor­ge durch Ent­gelt­um­wand­lung ver­schafft. Es han­delt sich hier­bei um kei­ne kom­ple­xe und schwie­rig zu be­schaf­fen­de In­for­ma­ti­on. Et­was an­de­res mag gel­ten, wenn der Ar­beit­neh­mer bei dem Ar­beit­ge­ber nach der Möglich­keit ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung im We­ge der Ent­gelt­um­wand­lung nach­fragt. Dies ist im Streit­fall je­doch nicht ge­sche­hen. So­weit die Recht­spre­chung dem Ar­beit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes ge­stei­ger­te Hin­weis. und In­for­ma­ti­ons­pflich­ten auf­er­legt, so hat dies sei­nen Grund ein­mal dar­in, dass der Ar­beit­neh­mer des öffent­li­chen Diens­tes im All­ge­mei­nen über die be­ste­hen­den Ver­sor­gungs­sys­te­me nicht hin­rei­chend un­ter­rich­tet ist, der Ar­beit­ge­ber aber über die not­wen­di­ge Kennt­nis verfügt (vgl. BAG Ur­teil v. 17.12.1991 – 3 AZR 44/91 –, AP Nr. 32 zu § 1 Be­trAVG Zu­satz­ver­sor­gungs­kas­sen), zum An­de­ren dar­in, dass nicht er­war­tet wer­den kann, dass der Ar­beit­neh­mer mit kom­ple­xen Ver­sor­gungs­sys­te­men des öffent­li­chen Diens­tes ver­traut ist (vgl. BAG Ur­teil vom 14.01.2009 – 3 AZR 71/07 – a.a.O.), oder dar­in, dass der der Ar­beit­ge­ber oh­ne­hin Mit­wir­kungs­pflich­ten bei der Ver­schaf­fung von Ver­sor­gungs­ansprüchen im öffent­li­chen Dienst schul­det (vgl. BAG Ur­teil v. 18.12.1984 – 3 AZR 168/82 -, AP Nr. 3 zu § 1 Be­trAVG Zu­satz­ver­sor­gungs­kas­sen). Ein hier mit die­sen Sach­ver­hal­ten ver­gleich­ba­rer Fall ist im Streit­fall nicht ge­ge­ben.
Der Kläger gem. § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten sei­nes er­folg­los ein­ge­leg­ten Rechts­mit­tels zu tra­gen.
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