Source: https://www.hensche.de/urteile-und-kommentare-zum-thema-schwerbehinderung.html
Timestamp: 2020-01-26 08:43:54
Document Index: 3576077

Matched Legal Cases: ['§ 33', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 84', '§ 85', '§ 90']

Urteile und Kommentare: Schwerbehinderung - HENSCHE Arbeitsrecht
Ur­teil­s­an­mer­kun­gen zum The­ma Schwer­be­hin­de­rung von 2007 bis heu­te: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht
Un­ser Rechts­an­walts­team kom­men­tiert seit 2001 lau­fend ak­tu­el­le Ur­tei­le und wich­ti­ge Ge­set­zes­än­de­run­gen zum Ar­beits­recht, un­ter an­de­rem zum The­ma Schwer­be­hin­de­rung, schwer­be­hin­der­ter Mensch.
18/179 Un­ter­rich­tung des Ar­beit­neh­mers über die Ver­trags­auf­lö­sung we­gen Er­werbs­min­de­rungs­ren­te
24.07.2018. Die An­er­ken­nung ei­ner Schwer­be­hin­de­rung muss für den er­wei­ter­ten Be­en­di­gungs­schutz nicht schon zum Zeit­punkt des Ren­ten­be­scheids be­an­tragt sein, son­dern erst bei der Be­en­di­gungs­mit­tei­lung des Ar­beit­ge­bers: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.01.2018, 7 AZR 622/15.
18/121 Erst An­hö­rung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung, dann An­trag beim In­te­gra­ti­ons­amt
18.05.2018. Ar­beit­ge­ber müs­sen vor der Kün­di­gung ei­nes Schwer­be­hin­der­ten zu­nächst die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung be­tei­li­gen. Erst da­nach ist der An­trag auf Zu­stim­mung beim In­te­gra­ti­ons­amt zu stel­len: Ar­beits­ge­richt Ha­gen, Ur­teil vom 06.03.2018, 5 Ca 1902/17.
17/026 Kün­di­gung in Un­kennt­nis ei­ner Schwerbehinderung
21.03.2016. Das Ru­hen des Ar­beits­ver­hält­nis­ses ge­mäß § 33 Ta­rif­ver­trag für den öf­fent­li­chen Dienst (TVöD) we­gen ei­ner teil­wei­sen Er­werbs­min­de­rungs­ren­te auf Zeit ist ver­fas­sungs­kon­form: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 17.03.2016, 6 AZR 221/15.
05.02.2015. Ar­beit­neh­mer ha­ben kei­nen Rechts­an­spruch dar­auf, dass ihr An­walt bei Ge­sprä­chen über ein sog. be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM) teil­nimmt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 18.12.2014, 5 Sa 518/14.
08.11.2013. Sind Ar­beit­neh­mer in­ner­halb ei­nes Jah­res län­ger als sechs Wo­chen un­un­ter­bro­chen oder wie­der­holt ar­beits­un­fä­hig er­krankt, muss der Ar­beit­ge­ber ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM) durch­füh­ren. Spricht der Ar­beit­ge­ber ei­ne auf lan­ge Krank­heits­zei­ten ge­stütz­te krank­heits­be­ding­te Kün­di­gung aus, oh­ne zu­vor ein kor­rek­tes BEM durch­ge­führt zu ha­ben, hat es spä­ter schwer, mit der Kün­di­gung vor Ge­richt durch­zu­kom­men. Das zeigt ein ak­tu­el­ler Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Schles­wig-Hol­stein: LAG Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 18.09.2013, 3 Sa 133/13.
17.12.2012. Kün­digt ein Ar­beit­ge­ber ei­nem Ar­beit­neh­mer aus krank­heits­be­ding­ten Grün­den, oh­ne zu­vor ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM) durch­ge­führt zu ha­ben, hat er es schwer, ei­ne sol­che Kün­di­gung im Fal­le ei­ner Kün­di­gungs­schutz­kla­ge vor Ge­richt mit Er­folg zu ver­tei­di­gen. Un­mög­lich ist das aber nicht, wie ein ak­tu­el­ler Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Rhein­land-Pfalz zeigt: Ur­teil vom 20.03.2012, 3 Sa 505/11.
10.12.2012. Beim Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs­ver­tra­ges mit ei­nem Schwer­be­hin­der­ten be­steht kein An­hö­rungs­recht der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung. Sie hat al­len­falls ein Recht auf Un­ter­rich­tung, das der Ar­beit­ge­ber aber je nach den Um­stän­den des Ein­zel­falls auch noch nach dem Ver­trags­schluss er­fül­len kann: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 14.03.2012, 7 ABR 67/10.
07.08.2012. Ur­laub bei Dau­er­krank­heit ver­fällt ge­ne­rell nach 15 Mo­na­ten, d.h. zum 31. März des über­nächs­ten Jah­res. Ei­ne be­son­de­re ge­setz­li­che oder ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung ist da­zu nicht er­for­der­lich. Das hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­nem Grund­satz­ur­teil vom heu­ti­gen Ta­ge ent­schie­den und da­mit ei­ne der ak­tu­ell am hef­tigs­ten um­strit­te­nen Fra­gen des Ar­beits­rechts ge­klärt: BAG, Ur­teil vom 07.08.2012, 9 AZR 353/10.
29.10.2010. Das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) und der für Schwer­be­hin­der­te gel­ten­de Son­der­kün­di­gungs­schutz nach dem Neun­ten Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IX) sind erst an­wend­bar, wenn das Ar­beits­ver­hält­nis mehr als sechs Mo­na­te be­stan­den hat. Ist die­se War­te­zeit noch nicht her­um, kön­nen Ar­beit­neh­mer ge­gen ei­ne vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung da­her meist we­nig ein­wen­den. Ab­ge­se­hen von ei­ner Schwan­ger­schaft hilft dann nur die Be­ru­fung auf all­ge­mei­ne zi­vil­recht­li­che Rechts­grund­sät­ze wie Sit­ten­wid­rig­keit und Treu­wid­rig­keit, die die Ge­rich­te aber meist nie ak­zep­tie­ren. Könn­te ei­ne Pro­be­zeit­kün­di­gun­gen dar­an schei­tern, dass der Ar­beit­ge­ber ei­ner über die Pro­be­zeit hin­aus­ge­hen­den "län­ger­fris­ti­gen" Ur­laubs­pla­nung zu­ge­stimmt hat? Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 27.08.2010, 13 Sa 988/10.
06.04.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat in der Sa­che Schultz-Hoff ent­schie­den, dass auch der Zu­satz­ur­laub für Schwer­be­hin­der­te, der we­gen Er­kran­kung nicht ge­nom­men wer­den kann, nicht ver­fal­len darf und da­mit die dies­be­züg­li­che Streit­fra­ge ge­klärt. Ob ta­rif­li­cher Zu­satz­ur­laub ver­fal­len kann, hängt da­ge­gen von dem er­kenn­ba­ren Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ab. BAG, Ur­teil vom 23.03.2010, 9 AZR 128/09 (Schultz-Hoff).
18.02.2009. In Über­ein­stim­mung mit den Schluss­an­trä­gen der Ge­ne­ral­an­wäl­tin Trs­ten­jak vom 24.01.2008 hat der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) ent­schie­den, dass der Ver­fall von Ur­laubs­an­sprü­chen, den lan­ge er­krank­te Ar­beit­neh­mer auf­grund deut­scher ur­laubs­recht­li­cher Grund­sät­ze hin­neh­men müs­sen, ge­gen die Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 04.11.2003 ver­stößt. Auf­grund die­ses EuGH-Ur­teils kön­nen län­ger er­krank­te Ar­beit­neh­mer künf­tig er­heb­li­che Rest­ur­laubs­an­sprü­che gel­tend ma­chen: EuGH, Ur­teil vom 20.01.2009, C-350/06 (Schultz-Hoff).
08/095 Verbotene Diskriminierung bei Benachteiligung eines Arbeitsnehmers wegen der Behinderung seines Kindes: Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 17.07.2008, C-303/06 (Coleman gg. Attriddge Law, Steve Law)
20.08.2007. Kün­digt der Ar­beitgber aus krank­heits­be­ding­ten Grün­den, oh­ne zu­vor ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM) gem. § 84 Abs.2 Neun­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IX) durch­zu­füh­ren, so führt dies nicht au­to­ma­tisch zur Un­wirk­sam­keit der Kün­di­gung. Al­ler­dings trägt der Ar­beit­ge­ber ei­ne ge­stei­ger­te Dar­le­gungs­last in be­zug auf die ne­ga­ti­ven be­trieb­li­chen Aus­wir­kun­gen der Krank­heit: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 12.07.2007, 2 AZR 716/06.
23.07.2007. Will der Ar­beit­ge­ber ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen kün­di­gen, braucht er die vor­he­ri­ge Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­am­tes (§ 85 Neun­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch - SGB IX). Die­ser be­son­de­re Kün­di­gungs­schutz greift aber erst ein, wenn der Schwer­be­hin­der­te län­ger als sechs Mo­na­te be­schäf­tigt war (§ 90 Abs.1 Nr.1 SGB IX). Kurz­fris­ti­ge Un­ter­bre­chun­gen las­sen da­bei die Sechs­mo­nats­frist nicht neu be­gin­nen, doch fragt sich, wann ei­ne nur kurz­fris­ti­ge Un­ter­bre­chung vor­liegt bzw. ein "en­ger sach­li­cher Zu­sam­men­hang" bei­der Ar­beits­ver­hält­nis­se. Da­zu hat sich das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung ge­äu­ßert: BAG, Ur­teil 19.06.2007, 2 AZR 94/06.