Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=11/1996/630/813
Timestamp: 2019-09-17 23:57:56
Document Index: 152891931

Matched Legal Cases: ['EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'Art. 3', 'Art. 3', 'EGMR', 'Art. 3', 'EGMR', 'Art. 3', 'EGMR', 'EGMR', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 53', 'EuG', 'EuG', '§ 53', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR']

EGMR, 29.04.1997 - 24573/94 - dejure.org
https://dejure.org/1997,17719
EGMR, 29.04.1997 - 24573/94 (https://dejure.org/1997,17719)
EGMR, Entscheidung vom 29.04.1997 - 24573/94 (https://dejure.org/1997,17719)
EGMR, Entscheidung vom 29. April 1997 - 24573/94 (https://dejure.org/1997,17719)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1997,17719) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Non-violation de l'art. 3 (en cas d'expulsion vers la Colombie) (französisch)
No violation of Art. 3 (in case of expulsion to Colombia) (englisch)
EKMR, 02.03.1995 - 24573/94
EKMR, 07.12.1995 - 24573/94
NVwZ 1998, 163
11/1996/630/813
Der Senat folgt der neuen Rechtsauffassung des Bundesverwaltungsgerichts, zumal sie der ständigen Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte entspricht, wonach Art. 3 EMRK auch dann anwendbar ist, wenn die Gefahr von Personen oder Gruppen von Personen ausgeht, die nicht Vertreter des Staates sind (vgl. EGMR, Urteil vom 29.04.1997 - 11/1996/630/813 - NVwZ 1998, 163; Urteil vom 28.06.2011 - 8319/07 - NVwZ 2012, 681, Ziff. 213).
Das gilt zunächst für die Entscheidung vom 29. April 1997 - 11/1996/630/813 - in der Sache H.L.R. gegen Frankreich, in der über den Antrag eines Drogenschmugglers aus Kolumbien zu entscheiden war.
Zwar haben die Vertragsstaaten der EMRK im Rahmen des etablierten Völkerrechts und vorbehaltlich ihrer vertraglichen Verpflichtungen einschließlich der Konvention das Recht, die Einreise, den Aufenthalt und die Ausweisung von Ausländern zu regeln; gleichwohl kann die Ausweisung eines Asylbewerbers durch einen Vertragsstaat eine Verletzung von Art. 3 EMRK darstellen (…EGMR, st. Rspr.: Urt. v. 30.10.1991 im Fall Vilvarajah u. a. NVwZ 1992, 869;… Urt. v. 17.12.1996 im Fall Ahmed, NVwZ 1997, 1100; Urt. v. 29.04.1997 im Fall H.L.R., NVwZ 1998, 163, 164 Tz. 33 ff.; 02.05.1997 im Fall D., NVwZ 1998, 161, 162 Tz. 46 ff.).
Ist die allgemeine Situation im Zielland indes nicht von einem entsprechend hohen allgemeinen Gefahrenpotential gekennzeichnet, so kommt es entscheidend auf die persönliche Situation des jeweils Betroffenen an, die sich in irgendeiner Hinsicht als schlechter darstellen muss als die der Mehrzahl der Personen im Zielland bezogen auf die konkreten Gefahren des Art. 3 EMRK (vgl.: EGMR, Urt. v. 30.10.1991, 29.04.1997, a. a. O.).
Daran hat der EGMR in seinem Urteil vom 29.04.1997 (NVwZ 1998, 163, 164 Tz. 40) ausdrücklich festgehalten und anerkannt, reale Gefahren im Zielstaat, verursacht von nichtstaatlichen Stellen, könnten ebenfalls einer Abschiebung nach dort entgegenstehen.
Durch die Rechtsprechung der Europäischen Menschenrechtskommission (EuKHMR) und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EuGHMR) ist aber aus dem Verbot der Täterschaft eines Signatarstaates auch ein Verbot der Teilnahme an solchen Handlungen ausländischer Staaten durch Abschiebung in diese hergeleitet worden (vgl. EuKHMR, Entscheidung vom 31.10.1997 - 36717/97 -, S. 6 der englischen Fassung der Entscheidungsumdrucks; EuGHMR, Urteil vom 07.07.1989 - Nr. 1/1989/161/217 -, (Fall Soering), NJW 1990, 2183; EuGHMR, Urteil vom 29.04.1997 - 11/1996/630/813 -, InfAuslR 1997, 333; GK - AuslR, II - § 53 Rz 173).
Darüber hinaus wird in der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte immer wieder klar zum Ausdruck gebracht, dass die Vertragsstaaten nach einem feststehenden Grundsatz des Völkerrechts und vorbehaltlich ihrer Verpflichtungen aus internationalen Verträgen einschließlich der Konvention das Recht haben, die Einreise, den Aufenthalt und die Ausweisung von Ausländern zu kontrollieren; außerdem sei zu beachten, dass das Recht auf politisches Asyl weder in der Konvention noch in ihren Zusatzprotokollen enthalten sei (so EuGHMR, Urteil vom 17.12.1996 - 71/1995/577/663 - (Ahmed ./. Österreich), InfAuslR 1997, 279 (280); EuGHMR, Urteil vom 29.04.1997 - 11/1996/630/813 - (H.L.R. ./. Frankreich), InfAuslR 1997, 333 (334); EuKHMR, Entscheidung vom 31.10.1997 - 36717/97 -, S. 5 f. der englischen Fassung des Entscheidungsumdrucks).
zur wortgleichen Vorgängerregelung des § 53 Abs. 4 AuslG, BVerwG, Urteil vom 17.10.1995 - 9 C 15.95 - BVerwGE 99, 331; vom 15.04.1997 - 9 C 38/96 - BVerwGE 104, 265 = NVwZ 1997, 1127 unter Auseinandersetzung mit dem Urteil des EGMR vom 17.12.1996, InfAuslR 1997, 341 und Urteil vom 02.09.1997 - 9 C 40.96 - BVerwGE 105, 187 = NVwZ 1999, 311 unter Auseinandersetzung mit den Urteilen des EGMR vom 29.04.1997 - 11/1996/630/813 - und vom 02.05.1997 - 146/1996/767/964 -.
An dieser Interpretation hat der EGMR im Grundsatz auch noch im Urteil vom 29.4.1997 (HLR ./. Frankreich (Kolumbianischer Drogenhändler), NVwZ 1998, 163ff.) festgehalten.
VG Frankfurt/Main, 09.10.2000 - 9 E 4594/99