Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=28.11.2016&Aktenzeichen=GrS%201/15
Timestamp: 2019-06-24 09:52:09
Document Index: 329849715

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 163', '§ 3', '§ 126', '§ 163', '§ 11', '§ 60', '§ 360', '§ 11', '§ 102', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 3', '§ 8', '§ 52', 'Art. 2', '§ 4', '§ 227', 'Art. 20', '§ 85', '§ 38', '§ 163', '§ 5', '§ 163', '§ 102', '§ 163', '§ 163', '§ 4', '§ 5', '§ 4', '§ 10', '§ 10', 'Art. 110', 'Art 3', 'Art 20', '§ 85', '§ 163', '§ 227', '§ 163', '§ 227', '§ 102', '§ 163', '§ 163', '§ 4', '§ 52', '§ 36', '§ 4', '§ 4', '§ 227', '§ 115', '§ 163', '§ 115', '§ 116', '§ 163', '§ 163']

BFH, 28.11.2016 - GrS 1/15 - dejure.org
https://dejure.org/2016,52831
BFH, 28.11.2016 - GrS 1/15 (https://dejure.org/2016,52831)
BFH, Entscheidung vom 28.11.2016 - GrS 1/15 (https://dejure.org/2016,52831)
BFH, Entscheidung vom 28. November 2016 - GrS 1/15 (https://dejure.org/2016,52831)
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§ 11 Abs. 4 der Finanzgerichtsordnung (FGO), § ... 4 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG), § 163 der Abgabenordnung (AO), § 3 Nr. 66 EStG, § 126 Abs. 4 FGO, §§ 163, 227 AO, § 11 Abs. 7 Satz 2 FGO, § 60 Abs. 3 Satz 1 FGO, § 360 Abs. 3 AO, § 11 Abs. 4 FGO, § 102 Satz 1 FGO, Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG), Art. 3 Abs. 1 GG, § 11 Nr. 4 des Körperschaftsteuergesetzes (KStG), § 11 Abs. 1 Nr. 4 KStG, § 11 Nr. 4 KStG, § 3 EStG, § 8 Abs. 1 KStG, § 52 Abs. 2i EStG, Art. 2 des Gesetzes zur Finanzierung eines zusätzlichen Bundeszuschusses zur gesetzlichen Rentenversicherung, § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG, § 227 AO, Art. 20 Abs. 3 GG, § 85 Satz 1 AO, § 38 AO, § 163 Satz 1 AO, § 5 AO, § 163, § 102 FGO, § 163 Abs. 1 Satz 1, § 163 Satz 1, § 4 Abs. 1, 3 EStG, § 5 Abs. 1 EStG, § 4 Abs. 1 EStG, § 10d Abs. 2 EStG, § 10d EStG, Art. 110 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zur Insolvenzordnung
Art 3 Abs 1 GG, Art 20 Abs 3 GG, § 85 AO, § 163 AO, § 227 AO
Steuererlass aus Billigkeitsgründen nach dem sog. Sanierungserlass des BMF unzulässig
Sanierungsgewinne - und der Steuererlass aus Billigkeitsgründen
Legalitätsprinzip verletzt: Sanierungserlass des BMF gekippt
Sanierungserlass des BMF verworfen
Sanierungserlass gekippt
Sanierungsgewinne steuerpflichtig: Mandantin unterliegt verliert
Anwendung des Sanierungserlasses aus Vertrauensschutzgründen
Begünstigung von Sanierungsgewinnen: Sanierungserlass der Finanzverwaltung gekippt
Gesetz gegen Umsatzsteuerbetrug beschlossen
Sanierungserlass gekippt - unüberwindbare Hürde für Unternehmensretter?
Sanierungserlass gekippt - Schutzschirm und Eigenverwaltung (vorübergehend) beerdigt?
Sanierungserlass reloaded! - Die Reaktionen von BMF und Gesetzgeber auf den Beschluss des Großen Senats
Sanierungserlass - Der Gesetzgeber muss jetzt handeln!
pwc.de (Kurzaufsatz mit Bezug zur Entscheidung)
Sanierungserlass ist rechtswidrig
AO § 163, AO § 227, FGO § 102
Abweichende Steuerfestsetzung, Sachliche Unbilligkeit, Sanierungsgewinn, Ermessen
Kurznachricht zu "Sanierungsgewinn: Steuererlass aus Billigkeitsgründen nach dem sog. Sanierungserlass des BMF" von RA/StB Dr. Jens-Uwe Hinder, LL.M. und RAin Dr. Jenny Broekmann, original erschienen in: GmbHR 2017, 310 - 326.
Kurznachricht zu "Die Besteuerung von Sanierungsgewinnen unter Berücksichtigung der Entscheidung des Großen Senats des BFH vom 28.11.2016- Reaktionsmöglichkeiten" von RA/StB Dr. Martin T. Mohr, original erschienen in: BB 2017, 673 - 679.
Kurznachricht zu "Der Sanierungserlass - Bestandsaufnahme nach dem BFH-Beschluss und seine Auswirkungen auf die Restrukturierungspraxis" von RA Götz Lautenbach und WP/StB Markus Roll und WP/StB Burkhard Völkner, original erschienen in: BB 2017, 643 - 648.
Kurznachricht zu "Unternehmenssanierung nach dem Beschluss des Großen Senats des BFH v. 28.11.2016" von RA/StB Dr. Christian Sistermann, LL.M, original erschienen in: DStR 2017, 689 - 695.
Kurznachricht zu "Aktuelle Entwicklungen im Insolvenzrecht" von RAin Dr. Anja Commandeur und RAin Kristin Brocker, LL.M., original erschienen in: NZG 2017, 333 - 335.
Kurznachricht zu "Der sog. Sanierungserlass ist tot - Es lebe die Ausgliederung" von RA/FAInsR/FAStR/FAHuGesR Dr. Gerrit Hölzle und RA/StB Dr. Günter Kahlert, original erschienen in: ZIP 2017, 510 - 514.
Kurznachricht zu "Der Beschluss des Großen Senats des BFH zum Sanierungserlass" von RA/StB Ferdinand Petersen, original erschienen in: Stbg 2017, 149 - 154.
Kurznachricht zu "Sanierung ohne Sanierungserlass - Was kommt nun?" von RA/FAInsR Sebastian Harder, original erschienen in: NJW Spezial 2017, 277 - 278.
Kurznachricht zu "Steuerfreiheit von Sanierungsgewinnen: quid novi?" von RA/StB/WP Wolfgang Sonnleitner und RAin Dr. Noemi Strotkemper, original erschienen in: BB 2017, 668 - 673.
Kurznachricht zu "Der sog. Sanierungserlass ist tot - Wie geht es weiter?" von RA/StB Dr. Günter Kahlert und RA Dr. Arne Schmidt, original erschienen in: ZIP 2017, 503 - 510.
Kurznachricht zu "Der BFH verwirft den Sanierungserlass - Die Restrukturierung von Forderungen in der Unternehmenskrise - Lösungsansätze für die Praxis und Ausblick auf eine gesetzliche Neuregelung" von Tobias Geerling und Dr. Uwe Hartmann, original erschienen in: DStR 2017, 752 - 757.
Kurznachricht zu "Anspruch auf Steuerfreiheit eines Sanierungsgewinns im Einzelfall" von Prof. Dr. Marc Desens, original erschienen in: ZIP 2017, 645 - 652.
Kurznachricht zu "Das Sanierungsprivileg als Spielball zwischen den drei Gewalten - Oder: Der Gesetzgeber hat das letzte Wort" von RA/StB Prof. Dr. Hans-Joachim Kanzler, original erschienen in: NWB 2017, 1078 - 1083.
Kurznachricht zu "Sanierungserlass gekippt - Praxisfolgen und aktuelle Lösungsansätze für lnsolvenzplanverfahren" von RA/FAARbR Norman Lenger, LL.M., original erschienen in: NZI 2017, 290 - 294.
Kurznachricht zu "Aus aktuellem Anlass: Rechtliche Anforderungen an das bilanzielle Eigenkapital für eine nachhaltige Sanierung" von RA Dr. Stefan Sax und WP Tammo Andersch, MBA und Sebastian Philipp, MBA, original erschienen in: ZIP 2017, 710 - 713.
Kurznachricht zu "Die Sanierung des Sanierungssteuerrechts" von StB Dr. Martin Weiss, original erschienen in: StuB 2017, 264 - 270.
Kurznachricht zu "Verstoß des Sanierungserlasses des BMF gegen Grundsatz der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung - Anmerkung zum Beschluss des BFH vom 28.11.2016" von RA Reinhard Willemsen, original erschienen in: NZI 2017, 163 - 173.
Kurznachricht zu "Neuere Entwicklungen im Bilanzrecht" von Prof. Dr. Joachim Hennrichs, original erschienen in: NZG 2017, 618 - 621.
Kurznachricht zu "Totgesagte leben länger - Neues zum Sanierungserlass" von VorsRiFG Bernd Rätke, original erschienen in: BBK 2017, 411 - 419.
deloitte-tax-news.de (Meldung mit Bezug zur Entscheidung)
BMF: (Weiter-)Anwendung des Sanierungserlasses
noerr.com (Meldung mit Bezug zur Entscheidung, 10.03.2017)
Gesetzgebungsverfahren: Sanierungsgewinne
BFH - X R 23/13 (Verfahren ohne Entscheidung erledigt)
BFHE 255, 482
ZIP 2017, 338
NZI 2017, 163
BB 2017, 463
BB 2017, 481
BStBl II 2017, 393
NZG 2017, 360
NZG 2017, 618
Der sog. Sanierungserlass des BMF vom 27. März 2003 (BStBl I 2003, 240; ergänzt durch das BMF-Schreiben vom 22. Dezember 2009, BStBl I 2010, 18) verstößt gegen den Grundsatz der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung (Anschluss an den Beschluss des Großen Senats des BFH vom 28. November 2016 GrS 1/15, BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393).
Der Große Senat des BFH hat mit Beschluss vom 28. November 2016 GrS 1/15 (BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393) entschieden, dass das BMF mit dem im sog. Sanierungserlass vorgesehenen Billigkeitserlass der auf einen Sanierungsgewinn entfallenden Steuer gegen den Grundsatz der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung verstößt.
Die Voraussetzungen der Unbilligkeit, die sich aus persönlichen oder sachlichen Gründen ergeben können, sind im Rahmen der gerichtlichen Überprüfung der behördlichen Entscheidung uneingeschränkt zu prüfen (ständige Rechtsprechung, vgl. Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 98 ff., m.w.N.).
Sonach lässt sich der Steuererlass in Fällen, in denen die Unbilligkeit der Besteuerung i.S. der §§ 163 und 227 AO nicht gegeben ist, auch nicht mit einer durch Verwaltungsvorschrift geschaffenen Selbstbindung der Finanzverwaltung und einem darauf gestützten Anspruch des Steuerpflichtigen auf Gleichbehandlung begründen (vgl. wiederum den Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 107 f.).
Nach dem Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393 (Rz 109 ff.) beschreiben die im sog. Sanierungserlass aufgestellten Voraussetzungen für einen Steuererlass aus Billigkeitsgründen keinen Fall sachlicher Unbilligkeit i.S. der §§ 163, 227 AO.
In Reaktion auf den am 8. Februar 2017 veröffentlichten Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393 hat das BMF mit Schreiben vom 27. April 2017 (BStBl I 2017, 741, Ziff. 1) "aus Gründen des Vertrauensschutzes" u.a. angeordnet, dass in den Fällen, in denen --wie im Streitfall-- der Forderungsverzicht der an der Sanierung beteiligten Gläubiger bis zum 8. Februar 2017 endgültig vollzogen worden ist, der sog. Sanierungserlass "weiterhin uneingeschränkt anzuwenden" sei.
Dessen Legalität ist vielmehr von Teilen des Schrifttums (vgl. z.B. Schmidt/ Heinicke, EStG, 36. Aufl., § 4 Rz 460 "Sanierungsgewinne"; Kanzler, Finanz-Rundschau 2003, 480; Bareis/Kaiser, Der Betrieb --DB-- 2004, 1841) und der finanzgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. Urteil des FG München vom 12. Dezember 2007 1 K 4487/06, Entscheidungen der Finanzgerichte 2008, 515) schon frühzeitig infrage gestellt worden (vgl. auch Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 67 ff., m.w.N. zur kontroversen Rezeption des sog. Sanierungserlasses in Rechtsprechung und Schrifttum).
aa) Der Große Senat des BFH hat in dem Beschluss in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393 (Rz 112 f.) ausgeführt: "Eine sachliche Billigkeitsmaßnahme stellt immer auf den Einzelfall ab und ist atypischen Ausnahmefällen vorbehalten.
Gerade bei der vom sog. Sanierungserlass geforderten vorrangigen Verlustverrechnung kann der nach Verrechnung verbleibende Sanierungsgewinn so gering sein, dass seine Besteuerung eine Gefährdung der Unternehmenssanierung nicht befürchten lässt; gleichwohl gewährt der sog. Sanierungserlass in jedem Fall eines verbleibenden Sanierungsgewinns den Steuererlass (Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 120 f.).
Die Steuerbefreiungen sind gemäß § 52 Abs. 4a EStG und § 36 Abs. 2c GewStG i.d.F. des vorgenannten Gesetzes erstmals in den Fällen anzuwenden, in denen die Schulden ganz oder teilweise nach dem 8. Februar 2017 --dem Zeitpunkt der Veröffentlichung des Beschlusses des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393-- erlassen wurden.
Verwaltungsvorschriften, zu denen die ErbStR 2011 gehören, sind keine die Gerichte bindenden Rechtsnormen (Beschluss des Großen Senats des BFH vom 28. November 2016 GrS 1/15, BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 40).
Eine sachliche Billigkeitsmaßnahme stellt immer auf den Einzelfall ab und ist atypischen Ausnahmefällen vorbehalten (Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 112).
Dieser allein obliegt es zu entscheiden, ob die Auslegung der Rechtsnorm durch die Finanzverwaltung im Einzelfall Bestand hat (Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 107).
Deshalb lässt sich ein Anspruch auch nicht mit einer durch Verwaltungsvorschrift geschaffenen Selbstbindung der Finanzverwaltung und einem darauf gestützten Anspruch des Steuerpflichtigen auf Gleichbehandlung begründen (Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 108).
Die Kammer geht jedenfalls mit der aktuellen obergerichtlichen Rechtsprechung davon aus, dass das Tatbestandsmerkmal "unbillig" ein im gerichtlichen Verfahren vollständig überprüfbarer Rechtsbegriff ist (vgl. ausdrücklich hierzu: BFH, 1. Senat, U. v. 23.08.2017 - I R 52/14, zit. nach Juris Rn. 15 und BFH, Großer Senat, B. v. 28.11.2016 - GrS 1/15, zit. nach Juris, Rn. 98-106 m.w.N., ebenfalls BVerwG, U. v. 19.02.2015 - 9 C 10.14 und OVG NRW, U. v. 25.04.2017 - 14 A 1479/13, Juris).
Hierzu hat der Große Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) in seiner aktuellen Grundsatzentscheidung zum sog. "Sanierungserlass" vom 28.11.2016 ausgeführt, dass die an sich unterschiedlichen Auffassungen zur Einordnung des Begriffs "unbillig" nicht zu voneinander abweichenden Ergebnissen führen (Große Senat des BFH, B. v. 28.11.2016 - GrS 1/15, zit. nach Juris, Rn. 101).
Daher kommt auch der GmS-OGB mit seiner Entscheidung in BFHE 105, 101, BStBl II 1972, 603 [B. v. 19.10.1971 - 3/70] zu dem Schluss, es mache "vom Ergebnis her keinen bedeutsamen Unterschied", ob man von einem Tatbestandsmerkmal und einer Rechtsentscheidung ausgehe, oder von einer Ermessensentscheidung, die auf ihre Vereinbarkeit mit den Grundsätzen der Billigkeit geprüft werde" (Große Senat des BFH, B. v. 28.11.2016 - GrS 1/15, zit. nach Juris, Rn. 101).
Allerdings erging die Entscheidung des OVG des Landes Sachsen-Anhalt vom 10.11.2016 (4 L 97/15) zeitlich vor der erst kurz darauf ergangenen Grundsatz-Entscheidung des Großen Senats des BFH vom 29.11.2016 (GrS 1/15).
Ein Gewinn im Sinne des § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG liegt folglich auch vor, wenn sich das Betriebsvermögen im Verlauf des Wirtschaftsjahres dadurch erhöht, dass Schulden zum Zwecke der Sanierung ganz oder teilweise erlassen werden (vgl. BFH, B. v. 28.11.2016 - GrS 1/15 - zit. nach Juris, Rn. 115.).
Auch wenn zentrales Ziel der zum 01.01.1999 in Kraft getretenen Insolvenzordnung die Unternehmenserhaltung ist und auch die (außergerichtlichen) Sanierungsmöglichkeiten mit Einführung der Insolvenzordnung verbessert werden sollten, so zwingt dies nicht zu der Folgerung, der Fiskus habe sich mit Steuersubventionen an Sanierungen zu beteiligen (BFH Großer Senat, B. v. 28.11.2016 - GrS 1/15, zit. nach Juris, Rn. 139).
Abgesehen davon, dass der Große Senat des Bundesfinanzgerichtshofs in seinem Beschluss vom 28.11.2016 - GrS 1/15 festgestellt hat, dass der im Sanierungserlass vorgesehene Billigkeitserlass der auf einen Sanierungsgewinn entfallenden Steuer gegen den Grundsatz der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung verstößt, richtet sich der Sanierungserlass "nur" an die Finanzbehörden.
Im Vordergrund standen für ihn auch die Erzielung von Mehreinnahmen durch eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage, die Beseitigung des Widerspruchs zur allgemeinen ertragsteuerlichen Regel des § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG und die Vereinfachung des Steuerverfahrens (vgl. BFH Großer Senat, B. v. 28.11.2016 - GrS 1/15, zit. nach Juris, Rn. 128 m. w. N.).
Andernfalls bleiben zum einen die übrigen Motive des Gesetzgebers unbeachtet, zum anderen würde eine steuerliche Belastung, die nach der Wertentscheidung des Gesetzgebers grundsätzlich hinzunehmen sei, durch eine Billigkeitsmaßnahme ausgehebelt werden (BFH Großer Senat, B. v. 28.11.2016 - GrS 1/15, zit. nach Juris, Rn. 129 m.w.N.).
Diese Entscheidung ist dem Gesetzgeber vorbehalten (…OVG NRW, U. v. 25.04.2017 - 14 A 1479/13, zit. nach Juris, Rn. 76; BFH Großer Senat, B. v. 28.11.2016 - GrS 1/15, zit. nach Juris, Rn. 132).
Diese Rechtsprechung kann nicht übersehen worden sein (BFH Großer Senat, B. v. 28.11.2016 - GrS 1/15, zit. nach Juris, Rn. 130).
Bei der Gewerbesteuer zeigt sich die Leistungsfähigkeit in der objektivierten Ertragskraft des Gewerbebetriebs (vgl. BVerfG, B. v. 21.06.2006 - 2 BvL 2/99, zit. nach Juris; vgl. BFH, B. v. 28.11.2016 - GrS 1/15, zit. nach Juris, Rn. 116 f.).
Aufgrund der aktuellen Grundsatzentscheidung des Großen Senats des Bundesfinanzhofs im Beschluss vom 28.11.2016 - GrS 1/15 zur dogmatischen Einordnung des Merkmals "unbillig" in § 227 AO bedarf es der grundsätzlichen Klärung, ob diese rechtlichen Erwägungen für einen Billigkeitserlass auf die Gewerbesteuer übertragbar sind.
Billigkeitsmaßnahmen in Sanierungsfällen können nur auf besondere, außerhalb des BMF-Schreibens in BStBl I 2003, 240 liegende Gründe des Einzelfalls, insbesondere auf persönliche Billigkeitsgründe gestützt werden (Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 145; BFH-Urteil in BFHE 259, 28, BStBl II 2018, 236, Rz 13).
Ebensowenig kann nach der Entscheidung des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393 in einem Revisionsverfahren die Frage entscheidungserheblich sein, ob das FG bei der Überprüfung einer Erlassentscheidung der Finanzverwaltung die Vorgaben des Sanierungserlasses zutreffend umgesetzt hat.
Soweit der Kläger unter Abschnitt VII. und VIII. der Beschwerdebegründung ausführt, das FG sei gemäß § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO von dem Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393 abgewichen, weil es die darin anerkannte Zulässigkeit einzelfallbezogener Billigkeitsmaßnahmen gemäß §§ 163, 227 der Abgabenordnung (AO) für Sanierungsgewinne und die Vorgaben des Großen Senats des BFH zur Berechnung steuerfreier Sanierungsgewinne im Rahmen einer einzelfallbezogenen Billigkeitsmaßnahme grundsätzlich verkannt habe, hat die Beschwerde ebenfalls keinen Erfolg.
a) Der Kläger arbeitet zu der behaupteten Abweichung des FG von den Aussagen des Großen Senats des BFH zu Rz 124 f. des Beschlusses in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393 nicht --wie es gemäß § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO i.V.m. § 116 Abs. 3 Satz 3 FGO erforderlich wäre (s. unter 2.a)-- heraus, mit welchem tragenden Rechtssatz das FG in der Vorentscheidung von einem tragenden Rechtssatz des Großen Senats des BFH im Beschluss in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393 in grundsätzlicher Weise abweichen soll.
Danach ist nicht erkennbar, dass das FG --wie der Kläger behauptet-- entgegen der Aussagen in Rz 124 f. des Beschlusses des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393 einzelfallbezogene Billigkeitsmaßnahmen in Sanierungsfällen als grundsätzlich unzulässig angesehen haben könnte.
Ob sich den Aussagen des Großen Senats des BFH in Rz 133 f. des Beschlusses in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393 --wie der Kläger meint-- überhaupt entnehmen lässt, es dürften bei der Berechnung eines gemäß § 163 AO im Rahmen einer einzelfallbezogenen Billigkeitsmaßnahme steuerfrei zu stellenden Sanierungsgewinns allenfalls noch nicht verbrauchte Verluste desselben Veranlagungszeitraums oder überhaupt keine Verluste mit dem Sanierungsgewinn verrechnet werden, kann dahinstehen.
Soweit der Kläger im Stile einer Revisionsbegründung im Übrigen darlegt, aus welchen Gründen er nach den Vorgaben des Sanierungserlasses und der Entscheidung des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393 die rechtliche Würdigung des FG für rechtsfehlerhaft hält, ist die Revision ebenfalls nicht zuzulassen.
Die Unbilligkeit kann sich aus persönlichen oder sachlichen Gründen ergeben (BFH-Urteil vom 23. Juli 2013 VIII R 17/10, BFHE 242, 134, BStBl II 2013, 820; Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393).
Sie gleichen Härten aus, die der steuerrechtlichen Wertentscheidung des Gesetzgebers nicht entsprechen und damit zu einem vom Gesetzgeber nicht gewollten Ergebnis führen (Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393).
Nachdem der Große Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) zwischenzeitlich entschieden hat, dass das genannte BMF-Schreiben gegen den Grundsatz der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung verstößt (Beschluss vom 28. November 2016 GrS 1/15, BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393), hat der Kläger ergänzend vorgetragen, der Große Senat habe ausdrücklich zugelassen, eine Billigkeitsmaßnahme in Fällen des sanierungsbedingten Forderungsverzichts auf besondere, außerhalb des BMF-Schreibens liegende Gründe des Einzelfalls, insbesondere auf persönliche Billigkeitsgründe, zu stützen.
Der Große Senat des BFH hat allerdings entschieden, dass das genannte BMF-Schreiben gegen den Grundsatz der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung verstößt und daher von den Gerichten nicht angewendet werden darf (Beschluss in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393).
Da das in §§ 163 und 227 AO verwendete Merkmal "unbillig" danach ein im gerichtlichen Verfahren überprüfbarer Rechtsbegriff ist, kommt ein dieses Merkmal einschließendes behördliches Ermessen nicht in Betracht (vgl. Beschluss des Großen Senats des BFH vom 28. November 2016 GrS 1/15, BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 98 ff., 106).
Dies ergibt sich allerdings schon daraus, dass der Sanierungserlass nach dem Beschluss des Großen Senats des BFH (in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393) gegen den Grundsatz der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung verstößt.
(3) Überdies führt das Vorbringen der Klägerin schon deshalb nicht zum Erfolg, weil der Große Senat des BFH (vgl. Beschluss in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 132) entschieden hat, dass es nicht in der Kompetenz der Finanzverwaltung liegt, vermeintlich unschlüssige Gesetzesänderungen durch Billigkeitsmaßnahmen zu korrigieren.
cc) Der Verzicht der Gesellschafter der Klägerin hat auch --entgegen der Auffassung der Klägerin-- die Leistungsfähigkeit der Klägerin erhöht, obwohl der Klägerin keine Liquidität zugeflossen ist (vgl. Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 114 und 116).
Sachliche Billigkeitsgründe sind unabhängig von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Steuerpflichtigen, auf die die Klägerin abstellt, zu beurteilen (vgl. Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 119).
vgl. BFH, Beschluss vom 28. November 2016 - GrS 1/15 -, juris, Rdnr. 115.
vgl. BFH, Beschluss vom 28. November 2016 - GrS 1/15 -, juris, Rdnr. 139.
vgl. BFH, Beschluss vom 28. November 2016 - GrS 1/15 -, juris, Rdnr. 142 f.
vgl. BFH, Beschluss vom 28. November 2016 - GrS 1/15 -, juris, Rdnr. 124.
vgl. BFH, Beschluss vom 28. November 2016 - GrS 1/15 -, juris, Rdnr. 128 f.
vgl. BFH, Beschluss vom 28. November 2016 - GrS 1/15 -, juris, Rdnr. 130.
vgl. BFH, Beschluss vom 28. November 2016 - GrS 1/15 -, juris, Rdnr. 116 f.
FG Berlin-Brandenburg, 13.12.2018 - 3 K 3207/17
BVerwG, 28.06.2017 - 4 B 22.17
Steuerliche Absetzbarkeit von Herstellungskosten bei Baudenkmalen; Anbau eines …