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Timestamp: 2017-12-17 13:45:45
Document Index: 43683829

Matched Legal Cases: ['§16', '§ 3', '§35', '§ 9', '§ 9', 'BGH', '§ 198']

Zitat: Wir lieben es wenn Menschen ihre Meinung frisch heraus sagen , vorrausgesetzt sie denken wie wir...
- Mark Twain (amerikan. Schriftsteller u. Satiriker)-
Verkehrs-/Marktwert
Beim Verkehrswert einer Immobilie handelt es sich um den Preis der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr am wahrscheinlichsten erzielbar ist.
Der Verkehswert wird auch als „Marktwert“ oder „gemeiner Wert“ bezeichnet.
Die rechtliche Definition des Verkehrswertes ist von zentraler Bedeutung für das gesamte Wirtschafts- und Rechtsleben. Er dient zum Beispiel für
· Bewertungen von Fonds- und Gesellschafteranteilen
· Vermögensauseinandersetzungen (z. B. Erbfall, Scheidung)
· Kauf- bzw. Verkaufsverhandlungen
· steuerliche Bedarfsbewertung
Hinweise zur Erbschafts-und Schenkungssteuer
Bei Vorliegen besonderer Umstände, ist es möglich, dass der Verkehrswert des Grundstücks niedriger ist, als der vom Finanzamt nach den starren Regeln des Bewertungsgesetzes errechnete Grundbesitzwert. Für diese Fälle hat der Gesetzgeber eine Öffnungsklausel ins ErbStG aufgenommen, wonach es jedem Steuerpflichtigen gestattet ist, durch ein von einem öffentlich bestellten und vereidigten oder zertifizierten Sachverständigen (CertExpert) für die Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken auf den Stichtag des Erbfalls erstelltes Verkehrswertgutachten nachzuweisen, daß der Verkehrswert (Marktwert, Gemeiner Wert) des Grundstücks niedriger ist.
Beleihungswert (§16 Abs. 2, Pfandbriefgesetz)
(Mortgage lending value)
Grundsatz der Beleihungswertermittlung (§ 3 BelWertV):
(3) Der Beleihungswert darf einen auf transparente Weise und nach einem anerkannten Bewertungsverfahren ermittelten Marktwert nicht übersteigen.
Der Marktwert ist der geschätzte Betrag, für welchen ein Beleihungsobjekt am Bewertungsstichtag zwischen einem verkaufsbereiten Verkäufer und einem kaufbereiten Erwerber, nach angemessenem Vermarktungszeitraum, in einer Transaktion im gewöhnlichen Geschäftsverkehr verkauft werden könnte, wobei jede Partei mit Sachkenntnis, Umsicht und ohne Zwang handelt." (Quelle: Gesetz zur Neuordnung des Pfandbriefrechts vom 22. Mai 2005, BGBl. I Nr. 29, S. 1373 ff.)
Während der Verkehrswert bzw. der Marktwert den aktuellen, am Markt unter normalen Umständen erzielbaren Preis eines Objektes darstellen, gibt der Beleihungswert den Wert des Objektes aus Sicht eines Kreditinstituts wieder, das dieses Objekt über einen Zeitraum von 10 - 20 Jahren finanzieren muss. In diesem Zeitraum darf der (stichtagsabhängige) Marktwert nicht unter den vorher ermittelten Beleihungswert fallen. Dieser stellt also quasi einen gedämpften Marktwert dar.
Der Beleihungswert findet nicht nur bei den bankinternen Kreditentscheidungen Verwendung. Er ist auch die Grundlage für die Einstufung einer Forderung als Realkredit nach KWG sowie bei der Anrechnung von stillen Reserven in Immobilien für das Eigenkapital der Banken. Realkredite sind privilegiert bei der Eigenkapitalunterlegung nach §35 SolvV bei den Banken.
Zeitwert (Versicherungsbilanzrichtliniengesetz)
Der Zeitwert (Marktwert) ist der Betrag der zwischen fremden Dritten in einem privatrechtlichen Vertrag erzielbar wäre. Dabei soll angenommen werden, dass es einen verkaufswilligen Verkäufer und einen ihm nicht durch persönliche Beziehungen verbundenen Käufer gibt, das Grundstück offen am Markt angeboten wird, die Marktverhältnisse einer ordnungsgemäßen Veräußerung nicht entgegenstehen und eine dem Objekt angemessene Verhandlungszeit zur Verfügung steht.
Gemeiner Wert (§ 9 Bewertungsgesetz)
Der Gemeine Wert ist nach der Legaldefinition des § 9 Bewertungsgesetz der Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach der Beschaffenheit des Wirtschaftsgutes bei einer Veräußerung zu erzielen wäre.
Dabei sind alle Umstände, die den Preis beeinflussen, zu berücksichtigen. Hierzu gehören zum Beispiel die Beschaffenheit des Wirtschaftsgut und seine Marktfähigkeit.
Ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse sind nicht zu berücksichtigen. Als persönliche Verhältnisse sind auch Verfügungsbeschränkungen anzusehen, die in der Person des Steuerpflichtigen oder eines Rechtsvorgängers begründet sind.
Das gilt insbesondere für Verfügungsbeschränkungen, die auf letztwilligen Anordnungen beruhen. Umgangssprachlich wird der gemeine Wert auch als Verkehrswert bezeichnet.
Einkommensteuerrechtlich hat der gemeine Wert Bedeutung bei der Geschäftsaufgabe, der damit zusammenhängenden Überführung der Wirtschaftsgüter aus dem Betriebsvermögen in das Privatvermögen sowie bei Wertermittlungen hinsichtlich von Erbschafts- und Schenkungsangelegenheiten.
Die Begriffe „Gemeiner Wert“ und der „Verkehrswert“ führen trotz der unterschiedlichen Definition im Ergebnis zu identisch en Werten, (BGH, Urteil vom 27. November 1961, Az. III ZR 167/60)
Fair Value (beizulegender Zeitwert oder auch „fairer Wert“)
Fair Value ist ein Begriff für den Wertansatz aus der angloamerikanischen Rechnungslegung. Laut IFRS bzw. US GAAP ist der Fair Value derjenige Betrag, zu dem ein Vermögenswert zwischen sachverständigen, vertragswilligen und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern getauscht oder eine Verpflichtung beglichen werden kann. Es handelt sich demnach um einen hypothetischen Marktpreis unter idealisierten Bedingungen. Strikt zu unterscheiden ist der Fair Value als Marktwert von subjektiven Wertvorstellungen, wie sie im „Value in use“, dem unternehmensspezifischen Wert einer Position, zum Ausdruck kommt.
Das IAE-Rechnungslegungssystem beinhaltet derzeit 37 Standards und 17 Interpretationen.
Da zwischenzeitlich einige Standards vom IASB durch neuere Standards ersetzt (d.h. gestrichen) wurden, geht die Nummerierung der Standards nicht mit der Anzahl der Standards konform.
• lAS 2 Vorräte (Inventories),
• lAS 11 Fertigungsaufträge (Construction Contracts),
• lAS 16 Sachanlagen (Property, Plant and Equipment),
• IAS 40 als Finanzanlagen gehaltene Immobilien (Investment Property) und
• IFRS 5 zu veräußerndes Anlagevermögen. (non-current assets held for sale).
Auf Liegenschaften übertragen bedeutet dies, daß der Boden im Regelfall zum Anschaffungspreis in der Bilanz aufzuführen ist, Gebäude hingegen mit den Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten gemindert um die vorgenommenen Abschreibungen.
Da Grundstücke im Regelfall - abweichend von den meisten anderen betrieblichen Gütern – an Wert zunehmen, beträgt der Buchwert nur einen Bruchteil des Verkehrswertes.
Buchwert und Verkehrswert stehen in keinem festen Verhältnis!
In welchem Verhältnis Buchwert und Verkehrswert stehen, ist für jeden Einzelfall gesondert zu ermitteln. Daraus folgt, dass der Buchwert für die Zwecke der Wertmittlung im Sinne einer marktpreisorientierten Betrachtung - von Ausnahmefällen abgesehen - ungeeignet ist.
Der Begriff Einheitswert bezeichnet einen Wert, der für mehrere Steuern (z. B. Vermögensteuer, Grundsteuer, Gewerbesteuer, Erbschaftsteuer, Grunderwerbsteuer) gleichmäßig als Besteuerungsgrundlage dient. Einheitswerte werden zurzeit für inländischen Grundbesitz, und zwar für Grundstücke und land- und forstwirtschaftliches Vermögen festgestellt.
Die Einheitswerte werden durch Feststellungsbescheide der Finanzbehörden gesondert ermittelt. Im Rahmen der Feststellung wird der Wert, die Art und Zurechnung des Gegenstandes festgestellt. Durch die gesonderte Feststellung ist der Einheitswertbescheid ein Grundlagenbescheid für den Grundsteuermessbetrag.
Einwendungen gegen die Höhe der Grundsteuer können daher verfahrensrechtlich nur durch Anfechtung des Einheitswertbescheides erreicht werden.
· Grundsteuer:
Aus dem Einheitswert wird durch die Anwendung einer entsprechenden Grundsteuermesszahl der
Grundsteuermessbetrag errechnet.
· Gewerbeertragsteuer:
Für Betriebsgrundstücke wird der Gewerbeertrag um 1,2 % des Einheitswertes des Betriebsgrundstücks gekürzt.
Für diese Berechnung ist von 140 % des Einheitswertes auszugehen. Hierdurch soll eine doppelte Belastung mit
Grund- und Gewerbesteuer vermieden werden.
Die neuen Regelungen sind am 1. Januar 2009 in Kraft getreten. Selbst genutztes Wohneigentum ist komplett von der Steuer befreit, wenn Ehepartner oder Kinder weiter in dem Haus wohnen. Für Kinder gilt aber die Auflage, dass die Wohnung nicht größer als 200 Quadratmeter sein darf. Eine Wertgrenze nach oben gibt es nicht.
Aufgrund der im neuen Bewertungsgesetz geregelten typisierenden Bewertungsverfahren lässt es sich nicht vermeiden, dass die ermittelten Werte in besonders gelagerten Fällen über den tatsächlichen Wert eines Grundstücks hinausgehen. Damit sich die vereinfachte Grundbesitzbewertung für den Steuerpflichtigen nicht zu seinem Nachteil auswirkt, kann der Steuerpflichtige mittels eines Gutachtens nach dem neuen § 198 BewG gegenüber dem Finanzamt nachweisen, dass der gemeine Wert am Bewertungsstichtag niedriger ist als der nach den Bewertungsvorschriften ermittelte Grundbesitzwert.