Source: https://kirchenrecht-baden.de/document/40404
Timestamp: 2020-08-09 13:58:44
Document Index: 35585087

Matched Legal Cases: ['§ 7', 'Art. 9', 'Art. 7', '§ 7', '§ 3', 'Art. 92', '§ 10', 'Art. 92', 'Art. 8', 'Art. 8', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', 'Art. 4', '§ 3', 'Art. 28', '§ 4', 'Art. 28', '§ 3', 'Art. 4', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8', '§ 10', '§ 28', '§ 56', '§ 56']

Kommentar zu: Artikel 10 (100.100 Grundordnung (GO)) - Kirchenrecht Online-Nachschlagewerk
Kommentar zu: Artikel 10 (100.100 Grundordnung (GO))
A. Rechtsstellung ungetaufter Kinder
B. Zulassung zur evangelischen Unterweisung
C. Teilnahme am Abendmahl
I. Taufe als Voraussetzung
II. Zulassung von Kindern
III. Einladung an alle Konfessionen
D. Konfirmation
E. Abmeldung für einzelne Amtshandlungen
( 5 ) Gemeindeglieder können eine andere Pfarrerin oder einen anderen Pfarrer mit deren bzw. dessen Zustimmung für einzelne Amtshandlungen wählen.1#
Der Artikel entspricht in den Absätzen 1 und 2 dem bisherigen § 7 Abs. 1 und 3 GO. In dem Muster einer Ordnung Kirchenmitgliedschaft der Arnoldshainer Konferenz vom 26. April 1996 heißt es zum Rechtsstatus ungetaufter Kinder:
»Einige Kirchenverfassungen (Braunschweig/Hannover) sehen ausdrücklich vor, daß ungetaufte Kinder christlicher Eltern bis zur Religionsmündigkeit als Kirchenmitglieder gelten oder bestimmte Rechte haben, ohne Mitglieder zu sein (Baden). Die Arnoldshainer Konferenz hat sich in einer Stellungnahme vom 12. Dezember 1972 auf dem Hintergrund der Diskussion über den Taufaufschub dazu geäußert: ›Es entspricht gemeinsamer Lehre, die noch nicht getauften Kinder christlicher Eltern der besonderen Verantwortung der Gemeinde anzuempfehlen und sie an der Verkündigung teilhaben zu lassen. Dieses in den seelsorgerlichen Bereich fallende Geschehen sollte nicht verrechtlicht werden.‹ Diese Argumente treffen auch weiterhin zu. Es empfiehlt sich, keinen mitgliedschaftsrechtlichen Status zu begründen, sondern entsprechend der badischen Regelung Teilnahmebedingungen zu beschreiben, z.B. das Recht auf Teilnahme am gottesdienstlichen Leben, an der kirchlichen Unterweisung und der Inanspruchnahme kirchlicher Einrichtungen.«
Die Bestimmung ist daher keine Ausnahme von dem Erfordernis der Taufe zur Begründung der Kirchenmitgliedschaft, sondern räumt ungetauften Kindern, als Annex zur Kirchenmitgliedschaft von mindestens einem Elternteil, die in Art. 9 Abs. 1 GO genannten mitgliedschaftlichen Rechte ein, mit Ausnahme der Zulassung zum Abendmahl.2# Sie sind deshalb bis zur Religionsmündigkeit3# wie Kirchenmitglieder zu behandeln.
Praktische Bedeutung gewinnt das vor allem im Zusammenhang mit den Angeboten der kirchlichen Unterweisung, der Bildung und Erziehung. Ungetaufte Kinder müssen deshalb auf Wunsch ihrer evangelischen Eltern4# zur Teilnahme am evangelischen Religionsunterricht5# zugelassen werden. Die Entscheidung darüber steht daher nicht im Ermessen der Lehrkräfte, die den Unterricht erteilen.6#
Anders liegt der Fall dagegen bei ungetauften Jugendlichen, die das 14. Lebensjahr bereits vollendet haben, also religionsmündig sind. Für sie gilt nach Absatz 2, dass sie auf ihren Wunsch zur Teilnahme am evangelischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen zugelassen werden können.7# Die Kirchenmitgliedschaft eines Elternteils wird dabei nicht vorausgesetzt. Die Entscheidung darüber trifft die den Unterricht erteilende Lehrkraft.8#
Absatz 2 findet außerdem unabhängig vom Alter Anwendung auf getaufte Personen, die einer anderen christlichen Kirche angehören. Bei der Zulassung zur Teilnahme am Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ist – vorbehaltlich anderer Vereinbarungen der beteiligten Kirchen – Voraussetzung, dass Religionsunterricht der eigenen Konfession nicht erteilt wird.9# Die Zulassung zur Teilnahme erfolgt mit allen Rechten und Pflichten,10# d.h., es wird im Rahmen der staatlichen Bestimmungen eine Note erteilt, die versetzungserheblich ist. Eine bloß »gastweise« Teilnahme kommt daher nicht in Betracht.
Durch die Zulassung von Schülerinnen und Schülern, die nicht der evangelischen Kirche angehören, wird das Prinzip der »Konfessionalität des Religionsunterrichts«11#, wie es durch Art. 7 Abs. 3 GG vorgegeben ist, nicht infrage gestellt. Im Unterschied zur Auffassung der römisch-katholischen Kirche gehört das Prinzip der sog. »konfessionellen Homogenität der Schülerschaft« nach evangelischem Verständnis nicht zu einem Wesensmerkmal des konfessionellen Religionsunterrichts. Zur Wahrung seines konfessionellen Charakters genügt vielmehr die konfessionelle Ausrichtung durch den Lehrplan und die Lehrkräfte, die ihn erteilen. Hinsichtlich der Teilnahme von Schülerinnen und Schülern, die nicht der evangelischen Kirche angehören, steht der Grundsatz einer »missionarischen Offenheit« im Vordergrund.
Die Feier des Abendmahls hält die Erinnerung wach an das letzte Nachtmahl, das Jesus mit seinen Jüngern nach den Berichten in den ersten drei Evangelien (Mt. 26,17 ff.; Mk. 14, 12 ff.; Lk. 22, 7 ff.) und der von Paulus zitierten Überlieferung (1. Kor. 11,23 ff.) vor seiner Verhaftung und Hinrichtung gehalten hat.
In Absatz 3 wird die Taufe als Voraussetzung für die Zulassung zum Abendmahl festgelegt, wie es durchgehend den bestehenden Regelungen in den Lebensordnungen der evangelischen Kirche entspricht.12# Zur Frage, wie mit Ungetauften umzugehen ist, die am Abendmahl teilnehmen wollen, wird im Muster einer Ordnung Abendmahl der Arnoldshainer Konferenz vom 20. April 1994 Folgendes ausgeführt:
»Es kann vorkommen, daß Ungetaufte bei einer Abendmahlsfeier anwesend sind. Sie sollen beim Herzutreten zum Tisch des Herrn nicht zurückgewiesen werden. Ihr Entschluß, am Abendmahl teilzunehmen, wird im gegebenen Einzelfall respektiert, es soll jedoch danach mit ihnen ein Gespräch geführt werden, dass sie diese Abendmahlsteilnahme als Eröffnung des Weges zur Taufe und zur Gemeinde Jesu Christi verstehen und ihn auch gehen.«
Das Recht zur Teilnahme am Abendmahl erlischt mit dem Kirchenaustritt.13# Sollten sie dennoch teilnehmen wollen, empfiehlt sich die entsprechende Anwendung der zitierten Regel für die Teilnahme von Ungetauften mit dem Ziel eines Wiedereintritts in die Kirche.
Nach bisherigem Recht ist davon ausgegangen worden, dass das Recht zur selbstständigen Teilnahme am Abendmahl mit der Konfirmation zugesprochen wird.14# Diese Regel muss im Lichte des Beschlusses der Landessynode vom 25. Oktober 2001 zur Teilnahme von Kindern am Abendmahl zumindest relativiert werden. Der Beschluss lautet:
»Auf Grund eines tieferen theologischen Verständnisses der Zusammengehörigkeit von Taufe und Abendmahl erkennt die Landessynode:
Wer getauft ist, ist zur Feier des Heiligen Abendmahls eingeladen.
Kinder sollen ihrem Alter gemäß darauf vorbereitet sein.
Die Vorbereitung soll erkennen lassen, dass sie von Christus eingeladen sind und dass er im Abendmahl zu ihnen kommt. Diese Vorbereitung kann im Kindergottesdienst, im Familiengottesdienst und im Abendmahlsgottesdienst selbst erfolgen, aber auch durch besonderen Unterricht, auf Familienfreizeiten, Kinderbibelwochen und ähnlichen Veranstaltungen oder durch die Eltern und Paten selbst.
Der Beschluss der Landessynode vom 21. Oktober 1977 zur Teilnahme von Kindern am Abendmahl (GVBl 1978, S. 12) wird aufgehoben.«15#
Absatz 3 entspricht dieser Beschlusslage. Im nachfolgenden Absatz 4 wird deshalb als Rechtsfolge der Konfirmation auch nur das Recht zur Übernahme des Patenamtes genannt, nicht aber die Zulassung zur Teilnahme am Abendmahl in selbstständiger Verantwortung.
Über das Verständnis des Abendmahls bzw. der Eucharistiefeier hat es in der Theologiegeschichte heftige Auseinandersetzungen gegeben. Bis heute besteht darüber keine Einigkeit zwischen der römisch-katholischen Kirche und den Kirchen der Reformation.16# Nach römisch-katholischem Verständnis kann die Konsekration gültig nur von einem geweihten Priester vorgenommen werden.
»Der Dienst der Priester, die das Sakrament der Weihe empfangen haben, macht in der von Christus bestimmten Heilsordnung deutlich, daß die von ihm gefeierte Eucharistie eine Gabe ist, die auf radikale Weise die Vollmacht der Gemeinde überragt. Das priesterliche Dienstamt ist unersetzlich, um die eucharistische Konsekration gültig an das Kreuzesopfer und an das Letzte Abendmahl zu binden.«17#
Dieses Verständnis führt dazu, dass es den katholischen Gläubigen von ihrer Kirche nicht erlaubt ist, am evangelischen Abendmahl teilzunehmen.
»Deshalb müssen die katholischen Gläubigen bei allem Respekt vor den religiösen Überzeugungen ihrer getrennten Brüder und Schwestern der Kommunion fernbleiben, die bei ihren Feiern ausgeteilt wird, damit sie nicht einer zweideutigen Auffassung über das Wesen der Eucharistie Vorschub leisten und so die Pflicht versäumen, für die Wahrheit klar Zeugnis abzulegen.«18#
Auch innerhalb des Protestantismus ist ein gemeinsames Verständnis des Abendmahls als Grundlage der uneingeschränkten Abendmahlsgemeinschaft erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt worden.19# Eingeladen sind heute alle Mitglieder der evangelischen Kirche und anderer Kirchen, mit denen Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft besteht. Das ist bei allen Kirchen der Fall, die die Leuenberger Konkordie unterzeichnet haben. Im Rahmen eucharistischer Gastfreundschaft sind aber auch Mitglieder solcher christlicher Kirchen eingeladen, mit denen noch keine Kirchengemeinschaft besteht (z.B. römische Katholiken).
Bei der Konfirmation handelt es sich um einen Ritus, der in der Reformationszeit entstanden ist und heute in fast allen evangelischen Kirchen praktiziert wird. In Baden steht noch die Kirchliche Lebensordnung »Die Konfirmation« vom 17. Oktober 1989 in Geltung.20# Der Evangelische Oberkirchenrat hat dazu als Durchführungsbestimmungen die Leitlinien vom 6. März 1990 erlassen.21# Mit der Konfirmation wendet sich die Kirche an junge Menschen zwischen Kindheit und Jugendalter. Die Konfirmation erinnert die als Kinder getauften Jugendlichen an ihre Taufe und an ihre Zugehörigkeit zur Gemeinde Jesu Christi. Was Gott ihnen zugesagt hat, sollen sie erfahren und im Glauben annehmen. Was ihnen in der Taufe geschenkt ist, soll sie auf ihrem weiteren Lebensweg begleiten.
Konfirmiert werden Jugendliche, die am 30. Juni des Konfirmationsjahres mindestens das 14. Lebensjahr vollendet haben. In besonderen Fällen können auch Erwachsene konfirmiert werden, die als Kinder getauft, aber nicht konfirmiert worden sind.22# Menschen, die erst als Erwachsene getauft werden, werden nicht zusätzlich konfirmiert.
Im Unterschied zur Firmung in der römisch-katholischen Kirche ist die Konfirmation kein Sakrament.23# Sie ist zwar am Sakrament der Taufe orientiert und hat diese zur Voraussetzung, sie ist aber kein Bestandteil der sakramentalen Taufhandlung selbst, die als solche abgeschlossen ist.
Voraussetzung für die Konfirmation ist die Taufe und evangelisches Bekenntnis. Die alte Formulierung in § 7 Abs. 2 GO, nach der die Konfirmation die Taufe und Kirchenmitgliedschaft voraussetzt, war zu weit, weil sie die Konfirmation auch von Mitgliedern nicht evangelischer Kirchen, z.B. von römischen Katholiken, nicht ausschloss. Die Bindung an die Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche ist wiederum zu eng, da eine Konfirmation von Mitgliedern evangelischer Freikirchen nicht ausgeschlossen werden soll. Deren Recht auf Zulassung zur »evangelischen Unterweisung« ergibt sich bereits aus Absatz 2.
Zum Konfirmationsunterricht können nach Absatz 2 auch Ungetaufte zugelassen werden. Bei dem inzwischen häufig auftretenden Fall, dass Jugendliche zum Konfirmationsunterricht angemeldet werden, die noch nicht getauft sind, dient die Konfirmationszeit zur Vorbereitung auf die Taufe, die nach einer angemessenen Zeit des Unterrichts oder im Konfirmationsgottesdienst selbst erfolgt. Findet die Taufe erst im Konfirmationsgottesdienst statt, kann die Teilnahme am Abendmahl zum Problem werden, wenn dieses bereits im Laufe der Konfirmationszeit mit der Konfirmationsgruppe gefeiert werden soll.
Mit der Konfirmation wird das Recht erworben, das Patenamt zu übernehmen. Die Bestimmung schließt nicht aus, dass auch nicht konfirmierte Personen das Patenamt übernehmen können, wie z.B. Personen, die erst im Erwachsenenalter getauft worden sind. Als ausgeschlossen kann aber nach wie vor gelten, dass noch nicht konfirmierte Kinder das Patenamt übernehmen können.24#
Eine weiter gehende rechtliche Bedeutung kommt der Konfirmation heute nicht mehr zu. Mit der Konfirmation wird den Jugendlichen zwar die Einladung zur Teilnahme am Abendmahl in selbstständiger Verantwortung öffentlich ausgesprochen, sie ist aber keine Zulassungsvoraussetzung im Rechtssinne, wie das bei der Taufe der Fall ist. Aufgrund des Beschlusses der Landessynode zur Teilnahme von Kindern am Abendmahl vom 25. Oktober 200125# ist eine Teilnahme auch schon vor der Konfirmation möglich. Auch das passive kirchliche Wahlrecht besteht unabhängig von der Konfirmation, da § 3 LWG für die Wahlberechtigung für die Wahl des Ältestenkreises allein an die Vollendung des 14. Lebensjahres anknüpft.
Das staatliche Recht knüpft keinerlei Rechtsfolgen an die Konfirmation. Die von Albert Stein ins Gespräch gebrachte Forderung, hinsichtlich der Verpflichtung zur Zahlung von Kirchensteuern nicht an die Taufe, sondern an die Konfirmation anzuknüpfen, hat sich nicht durchgesetzt.26#
E. Abmeldung für einzelne Amtshandlungen27#
Der Artikel wurde durch das Kirchliche Gesetz zur Änderung der Grundordnung vom 20. April 201328# um einen Absatz 5 ergänzt. Er entspricht in der Sache dem vorherigen Artikel 92 Abs. 2 Satz 1 der GO von 2007 und gibt Gemeindegliedern als Ausnahme vom Territorialprinzip29# die Möglichkeit, für eine einzelne Amtshandlung eine andere Pfarrerin bzw. einen anderen Pfarrer zu wählen. Nicht übernommen wurde bei der Umstellung die Regelung aus dem früheren Art. 92 Abs. 2 Satz 2 GO a.F., nach der Pfarrerinnen und Pfarrer nicht verpflichtet sind, Amtshandlungen an Personen vorzunehmen, für die sie nicht zuständig sind. Sie findet sich jetzt als § 10 Abs. 5 Satz 2 im Ausführungsgesetz zum Pfarrdienstgesetz der EKD vom 16. April 2011.30# Das soll die Pfarrerinnen und Pfarrer vor Überforderungen schützen, wie sie z.B. in Gemeinden mit einer attraktiven »Hochzeitskirche« entstehen können.
Aus der Grundordnung ins Ausführungsgesetz zum Pfarrdienstgesetz der EKD verschoben wurde auch der bisherige Art. 92 Abs. 3 GO, in dem die Notwendigkeit des sog. „Abmeldescheins“ oder „Dimissoriale“ geregelt ist.31# Ohne diesen Schein darf die gewählte Pfarrerin bzw. der gewählte Pfarrer die Amtshandlung nicht vornehmen. Die Regelung hält an der Schriftform fest, sodass ein bloß mündlich oder telefonisch erklärest Einverständnis der zuständigen Pfarrerin bzw. des zuständigen Pfarrers nicht ausreicht.32# Als der Schriftform genügend ist es aber anzusehen, wenn die Einverständniserklärung auf elektronischem Wege übermittelt wird.
Weggefallen ist bereits früher der vor der Neufassung von 2007 in der Grundordnung enthalten gewesene Satz, dass der Abmeldeschein zu versagen ist, „wenn es seelsorgerlich geboten ist, weil das Gemeindeglied sich durch die Abmeldung kirchlichen Ordnungen entziehen will“33#. Diese Formulierung ist nicht praktikabel, weil sie auf einen subjektiven Tatbestand abstellt, der in der Praxis kaum zu beweisen sein dürfte. Seelsorgerliche Gründe sind im Übrigen gegenüber Dritten nicht kommunizierbar. Die Verweigerung eines Abmeldescheines ist aber ein Vorgang, der dem Beschwerderecht unterliegt34#, also in seiner Begründung nachprüfbar sein muss.
Im Übrigen enthielt die Bestimmung die Unterstellung, dass sich nicht alle Pfarrerinnen und Pfarrer entgegen ihrer mit der Ordination übernommenen Verpflichtung an die kirchlichen Ordnungen halten. Die Erfahrung zeigt, dass das tatsächlich nicht immer der Fall ist. So kommt es z.B. vor, dass Pfarrerinnen oder Pfarrer bereit sind, Personen zum Patenamt zulassen, die nicht der evangelischen Kirche oder einer ACK-Kirche angehören, obwohl dies nach Artikel 5 der Lebensordnung Taufe nicht zulässig ist. Die Erteilung des Abmeldescheines müsste also verweigert werden, wenn er zu dem Zweck beantragt wird, diese Regelung zu umgehen. Die Verweigerung des Abmeldescheines ist aber kein geeignetes Mittel, die eventuelle Pflichtwidrigkeit einer anderen Pfarrerin bzw. eines anderen Pfarrers zu korrigieren. In diesem Falle müsste vielmehr die zuständige Dekanin bzw. der Dekan im Wege der Dienstaufsicht tätig werden. Aus den genannten Gründen hat die Erteilung des Abmeldescheins ebenso wie die nachträgliche Mitteilung über die erfolgte Vornahme der Amtshandlung nur noch eine reine Ordnungsfunktion. Die Dimissoriale kann daher nicht mehr verweigert werden.
Zur Zulassung von Kindern zum Abendmahl siehe unten zu Absatz 3.
Siehe dazu oben: Art. 8 Rdnr. 8.
Zum Erfordernis der Zustimmung beider erziehungsberechtigten Elternteile siehe oben: Art. 8 Rdnr. 8 ff.
Zur Zulassung zum Konfirmationsunterricht siehe unten zu Absatz 4.
Vergl.: § 7 Abs. 2 Kirchliches Gesetz über den evangelischen Religionsunterricht in der Evangelischen Landeskirche in Baden (Religionsunterrichtsgesetz – RUG) vom 15. April 2000, GVBl. S. 114, zuletzt geändert am 24. Oktober 2007, GVBl. S. 194 (RS Baden Nr. 370.100).
Siehe: § 7 Abs. 4 Satz 1 RUG.
Siehe: § 7 Abs. 6 Satz 2 RUG.
Siehe: § 7 Abs. 4 Satz 2 RUG.
Siehe: § 7 Abs. 6 Satz 1 RUG.
Zu diesem Prinzip vergl.: J. Winter, Staatskirchenrecht, S. 134 ff.
Vergl. auch: Art. 4 Abs. 1 LO Abendmahl vom 19. April 2008, GVBl. S. 128 (RS Baden Nr. 220.600); Muster einer Ordnung Abendmahl der Arnoldshainer Konferenz (1994), Art. IV § 3 Abs. 1; Art. 28 Ordnung des kirchlichen Lebens der Evangelischen Kirche der Union, 2. Aufl. Leipzig 1999; Leitlinien kirchlichen Lebens der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Gütersloh 2003, Nr. 3 Abs. 1.
Vergl. Arnoldshainer Konferenz, Muster einer Ordnung Abendmahl, Art. VI § 4; Ordnung des kirchlichen Lebens der Evangelischen Kirche der Union (1999) Art. 28 Abs. 2; Leitlinien kirchlichen Lebens der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (2002) Nr. 3 Abs. 6.
Vergl. die geltende Lebensordnung Konfirmation III, Nr. 20 (RS Baden Nr. 220.200): »Mit der Konfirmation wird den Jugendlichen die Einladung zur Teilnahme am Abendmahl in selbständiger Verantwortung öffentlich ausgesprochen. Sie können das Patenamt übernehmen.« So auch: Arnoldshainer Konferenz, Muster einer Ordnung Abendmahl, Art. IV § 3 Abs. 2.
Verhandlungen der Landessynode, Ordentliche Tagung vom 21. bis 25. Oktober 2001, S. 61; schon seit dem Beschluss der Landessynode vom 21. Oktober 1977 konnten mit Genehmigung des Ältestenkreises nach entsprechender Vorbereitung nicht konfirmierte Kinder zum Abendmahl zugelassen werden. Vor dem ersten Abendmahlsgang musste eine Anmeldung bei der Gemeindepfarrerin oder dem Gemeindepfarrer erfolgen. Eine solche Zulassung durch den Ältestenkreis und eine Anmeldung vor dem ersten Abendmahl ist nicht mehr notwendig.
Siehe dazu oben: Vorspruch Rdnr. 12 ff.
Enzyklika Ecclesia de Eucharistia vom 17. April 2003, Nr. 29.
Ebd. Nr. 30
Siehe dazu oben: Art. 4 Rdnr. 5 f.
GVBl. 1990, S. 1 (RS Baden 220.200); als einzige der Lebensordnungen wurden bei der Konfirmation bisher die Regelungen aus der Ordnung kirchlichen Lebens der EKU von 1999 nicht übernommen.
GVBl. S. 77 (RS Baden 220.210).
V. Nr. 24 LO Konfirmation.
Vergl. Can. 879 CIC: »Das Sakrament der Firmung, das ein Prägemal eindrückt, beschenkt die Getauften, die auf dem Weg der christlichen Initiation voranschreiten, mit der Gabe des Heiligen Geistes und verbindet sie vollkommener mit der Kirche; es stärkt sie und verpflichtet sie noch mehr dazu, sich in Wort und Tat als Zeugen Christi zu erweisen sowie den Glauben auszubreiten und zu verteidigen.«
In der bis zum 31.12.2001 in Baden gültigen Lebensordnung »Die heilige Taufe« war in Nr. 12 die Kinderpatenschaft, auch in der Form der Stellvertretung ausdrücklich ausgeschlossen. In der Sache gilt das bis heute.
Siehe oben: Rdnr. 9.
Siehe oben: Art. 8 Rdnr. 15 f.
Zur Frage der Ummeldung in eine andere Gemeinde „im Ganzen“, d.h. nicht nur für eine einzelne Amtshandlung, vergl. die Kommentierung bei Art. 8 Rdnr. 21 ff.
Siehe dazu die Kommentierung bei Art. 8 Rdnr. 19 ff.
GVBl. S. 91.
Siehe jetzt § 10 Abs. 6 AG-PfDG EKD
Nach § 28 Abs. 2 PfDG.EKD bedarf es für Gottesdienste und Amtshandlungen im Bereich einer anderen Gemeinde der »vorherigen Genehmigung« der für diese Gemeinde zuständigen Stelle. In welcher Form, die Genehmigung zu erteilen ist, schreibt das EKD-Gesetz nicht vor.
§ 56 Abs. 1 Satz 2 GO a.F.
Siehe früher ausdrücklich: § 56 Abs. 2 GO.