Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/erstattungsfaehigkeit-der-kosten-eines-unterbevollmaechtigten-345126
Timestamp: 2020-01-27 17:57:41
Document Index: 258642155

Matched Legal Cases: ['§ 91', '§ 91', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Erstat­tungs­fä­hig­keit der Kos­ten eines Unter­be­voll­mäch­tig­ten | Rechtslupe
Erstat­tungs­fä­hig­keit der Kos­ten eines Unter­be­voll­mäch­tig­ten
Die Erstat­tungs­fä­hig­keit der Kos­ten eines Unter­be­voll­mäch­tig­ten, der für den aus­wär­ti­gen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten beim Pro­zess­ge­richt die Ver­tre­tung in der münd­li­chen Ver­hand­lung wahr­nimmt, rich­tet sich danach, ob eine ver­stän­di­ge und wirt­schaft­lich ver­nünf­ti­ge Par­tei die kos­ten­aus­lö­sen­de Maß­nah­me ex ante als sach­dien­lich anse­hen durf­te 1.
Die Erstat­tungs­fä­hig­keit der Kos­ten eines Unter­be­voll­mäch­tig­ten, der – wie hier – für den am Wohn­ort oder Geschäfts­ort der Par­tei ansäs­si­gen Rechts­an­walt Ter­mi­ne beim Pro­zess­ge­richt wahr­nimmt, rich­tet sich nach § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 2 stel­len die Kos­ten eines Unter­be­voll­mäch­tig­ten dann not­wen­di­ge Kos­ten der Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung im Sin­ne von § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO dar, wenn durch die Tätig­keit des Unter­be­voll­mäch­tig­ten erstat­tungs­fä­hi­ge Rei­se­kos­ten des Haupt­be­voll­mäch­tig­ten erspart wer­den, die ansons­ten bei der Wahr­neh­mung des Ter­mins durch den Haupt­be­voll­mäch­tig­ten ent­stan­den wären.
Für die Ver­gleichs­be­rech­nung zwi­schen den fik­ti­ven Rei­se­kos­ten des Haupt­be­voll­mäch­tig­ten und den durch die Beauf­tra­gung des Unter­be­voll­mäch­tig­ten zur Ter­mins­ver­tre­tung ent­stan­de­nen Kos­ten ist anders als das Beschwer­de­ge­richt meint nicht auf eine ex post­Be­trach­tung abzu­stel­len. Maß­geb­lich ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs viel­mehr 3, ob eine ver­stän­di­ge und wirt­schaft­lich ver­nünf­ti­ge Par­tei die kos­ten­aus­lö­sen­de Maß­nah­me ex ante als sach­dien­lich anse­hen durf­te. Dabei darf die Par­tei ihr berech­tig­tes Inter­es­se ver­fol­gen und die zur vol­len Wahr­neh­mung ihrer Belan­ge erfor­der­li­chen Maß­nah­men ergrei­fen. Sie trifft ledig­lich die Oblie­gen­heit, unter meh­re­ren gleich­ge­ar­te­ten Maß­nah­men die kos­ten­güns­ti­ge­re aus­zu­wäh­len.
Wenn die Par­tei prüft, ob sie einen Unter­be­voll­mäch­tig­ten zur Ter­mins­wahr­neh­mung hin­zu­zieht, liegt dies auch im Inter­es­se der erstat­tungs­pflich­ti­gen Gegen­par­tei; denn die Beauf­tra­gung des Unter­be­voll­mäch­tig­ten kann, etwa bei einem gerin­gen Streit­wert und einer erheb­li­chen Ent­fer­nung zwi­schen dem Kanz­lei­sitz des Haupt­be­voll­mäch­tig­ten und dem Pro­zess­ge­richt oder wenn meh­re­re Ter­mi­ne wahr­zu­neh­men sind, kos­ten­güns­ti­ger sein als die Ter­mins­wahr­neh­mung durch den Haupt­be­voll­mäch­tig­ten 4.
Bei der gebo­te­nen ex ante-Beur­tei­lung durf­te nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs im hier ent­schie­de­nen Fall der Klä­ger im Zeit­punkt der Beauf­tra­gung des Unter­be­voll­mäch­tig­ten davon aus­ge­hen, dass vor­aus­sicht­lich meh­re­re Ter­mi­ne vor dem Pro­zess­ge­richt in Ham­burg wahr­zu­neh­men sein wür­den. Das Land­ge­richt Ham­burg hat­te zunächst nur Ter­min zur Güte­ver­hand­lung und münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ein­zel­rich­ter ohne Ladung von Zeu­gen anbe­raumt, obgleich von bei­den Par­tei­en Zeu­gen zum Beweis ihrer – strit­ti­gen – Behaup­tun­gen benannt wor­den waren. Für die Anrei­se des Haupt­pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers zu zwei Ter­mi­nen vor dem Land­ge­richt Ham­burg wären höhe­re Kos­ten ent­stan­den als durch die Beauf­tra­gung des Unter­be­voll­mäch­tig­ten.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Juli 2012 – VIII ZB 106/​11
Schen­kung von Dar­le­hens­teil­for­de­run­gen an die Kin­der Auf die unent­gelt­li­che Abtre­tung der einem beherr­schen­den Gesell­schaf­ter gegen die GmbH zuste­hen­den Dar­le­hens­for­de­run­gen an sei­ne min­der­jäh­ri­gen, eben­falls an der GmbH betei­lig­ten Kin­der, ist die zur…
Fort­füh­rung von BGH, Beschluss vom 16.10.2002 – VIII ZB 30/​02, WM 2003, 1617[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 16.10.2002 – VIII ZB 30/​02, WM 2003, 1617 unter [B] II 2 a; vom 21.12.2011 – I ZB 47/​09, NJW-RR 2012, 381 Rn. 6; vom 09.09.2004 – I ZB 5/​04, GRUR 2005, 84 unter II 2 a; vom 04.04.2006 – VI ZB 66/​04, VersR 2006, 1089 Rn. 4[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 16.10.2002 – VIII ZB 30/​02, aaO unter [B] II 2 b bb; vom 04.04.2006 – VI ZB 66/​04, aaO Rn. 6[↩]
BGH, Beschluss vom 16.10.2002 – VIII ZB 30/​02, aaO unter [B] II 2 a[↩]
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