Source: http://www.psoriasis-forum-berlin.de/verein/12-amtliches/
Timestamp: 2018-12-14 14:19:38
Document Index: 307386004

Matched Legal Cases: ['§ 45', '§41', '§42', '§40', '§12', '§ 108', '§ 108', '§ 111', '§ 111', '§ 40', '§ 39', '§ 275', '§ 40', '§ 39', '§ 115', '§ 115', '§ 108', '§ 28', '§ 32', '§ 40', '§ 39', '§ 32', '§ 39', '§ 282', '§ 108', '§ 10', '§ 106', '§ 106', '§ 23', '§ 18', '§ 37', '§ 27', '§ 29', '§ 33', '§40', '§12', '§ 10', '§ 40', '§ 38', '§ 199', '§35']

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Wann wird Psoriasis als Berufskrankheit anerkannt?
Zwischen 1995 und 2010 gab es in Deutschland 130 Fälle, in denen Psoriasis als Berufskrankheit anerkannt wurde. Sechs Betroffene davon wurden wegen ihrer Berufsunfähigkeit als ,,rentenberechtigt" eingestuft.
Obwohl Schuppenflechte genetisch bedingt ist, kann sie als Berufskrankheit anerkannt werden, wenn sie
• sie erstmals durch berufliche Einwirkungen am Arbeitsplatz ausbricht,
• sie sich beruflich bedingt verschlimmert oder deutlich verändert,
• die Arbeit nicht die einzige, aber eine wesentliche Teil-Ursache ist.
Ein wesentlicher Hinweis auf die berufliche Ursache ist, dass sie sich in der ,,arbeitsfreien Zeit" (z.B. Urlaub) deutlich bessert. Offiziell wird dem eine sechswöchige, durchgehende Arbeitspause zugrunde gelegt. Diesen Zeitraum kann aber heutzutage kein Arbeitnehmer nachweisen, es sei denn durch Krankschreibung. Deshalb sollte man sich von diesem unrealistischen Zeitraum nicht abschrecken lassen. Wer das im Beruf an sich beobachtet, muss es unbedingt der behandelnden Hautärztin berichten. Voraussetzung fur eine Anerkennung ist, dass der Krankheitsverlauf und mögliche berufliche Ursachen von der Dermatologin dokumentiert werden.
Grundlage ist die ,,Berufskrankheiten-Verordnung", eine Liste der offiziell anerkannten Berufskrankheiten. Die jeweils aktuelle Version findet sich auf der lnternetseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Psoriasis wäre nach Ziffer 5101 zu überprüfen. Typisch für eine berufsbedingte Form ist die "ekzematisierte Psoriasis". Das ist eine Schuppenflechte, die durch Ekzeme überlagert ist.
Berufsbedingt entsteht eine Psoriasis durch Reizung an ,,Kontaktstellen", meist an den Händen (Köbner-Effekt). Zusätzlich können Menschen mit Schuppenflechte auch eine beruflich erworbenen Kontakt-Allergie bekommen. Es dauert bei Psoriatikern nur manchmal etwas länqer, bis die ausbricht. Ein Zusammenhang zwischen der Psoriasis und der Berufstätigkeit kann dann vermutet werden, wenn die Psoriasis an den Stellen auftritt, auf die im Beruf besonders eingewirkt wird. Das muss vom Hautarzt dokumentiert werden!
Durch äußer Reize wie Druck oder Kratzen können Plaques ausgelöst werden:
• in den Hand-Innenflächen, z.B. durch Griffe von Werkzeugen o.ä.,
• wenn die Hände intensiv gereinigt werden müssen,
• wenn die Haut (insbesondere der Hände) besonders beansprucht wird,
• wenn Gelenke oder Wirbelsäule besonders belastet werden.
• in Berufen mit Hautbelastungen und Risikofaktoren:
- Chemikalien, Feuchtigkeit oder Reibungen können Psoriasis-Herde provozieren.
- längeres Tragen nicht atmungsaktiver Schutzhandschuhe.
- Hautkontakt zu Reizstoffen und /oder Allergenen.
- Friseurberuf: Nassberuf mit ausgeprägtem Kontakt zu lrritantien und Allergenen (Haarfärbemittel, Inhaltsstoffe von Dauerwellenpräparaten, Konservierungsstoffe und Duftstoffe).
- Chemische lndustrie: Reizungen der Haut durch den Umgang mit Lösunqsrnitteln, Säuren oder Laugen rnöqlich.
- Masseure, Mechaniker, Monteure und Maschinenbediener: sehr oft mechanische Hautbelastungen
- Fliesenleger: mechanische Belastungen im Bereich der Knie
- Baugewerbe, Landwirtschaft oder fertigende Industrie: Mechanische Reizungen (z.B. Druck), Hitze oder Kälte,
- Gefahrenquellen im Baugewerbe (Maurer): Hautirritation und Allergie- Gefahr durch z.B. Zement.
Die Beurteilung des Arbeitsplatzes (Gefährdungsanalyse) ist durch den Präventionsdienst des Unfallversicherunqsträqers (Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse) möqlich.
Hautärzte haben ihr Wissen und ihre Tipps auf der Internetseite "Hautgesund im Beruf"zusammengetragen. Dort gibt es Links auch zu Informationen je nach Gewerbe.
Mit der App"Haut&Job" kannst du testen, ob deine Hautprobleme als Berufskrankheit gelten könnten. Es gibt eine Version für iOSund eine für Android.
Es gibt eine Broschüre "Aktiv im Job"speziell für Menschen mit Psoriasis.
"Was passiert, wenn die Hautkrankheit eine Berufskrankheit ist?", Psoriasis-Netz
Um es gleich vorweg zu sagen: Es gibt leider kein Patentrezept und kein „Wundermittel“ gegen Psoriasis. Schuppenflechte ist eine chronische Krankheit. Das heißt, wenn sie einmal ausgebrochen ist, hat man sie, bis auf seltene Ausnahmen, ein Leben lang. Aber die Krankheit verläuft meist in Schüben: Mal ist sie stärker, mal schwächer und es gibt Zeiten, in denen viele Patienten völlig erscheinungsfrei sind.
Psoriasis ist noch nicht heilbar. Aber es gibt inzwischen sehr effektive Therapien und Medikamente, die helfen können, möglichst lange erscheinungsfrei zu bleiben - auch in schweren Fällen. Leider wirken sie nicht bei jedem gleich gut, bei manchen nur eine Zeitlang oder überhaupt nicht! Sie müssen sich leider auf den mühsamen Weg machen, alle Ihnen angebotenen Therapiemöglichkeiten auszuprobieren, in der Hoffung, etwas zu finden, das Ihnen möglichst lange hilft. Das fällt vielen schwer zu akzeptieren.
Leider gibt es keinen Arzt, der eine Psoriasis heilen kann! Aber es gibt Ärzte, die sich mit dieser Krankheit ausführlich beschäftigen. Die finden Sie im PsoNet. Grundsätzlich wird eine Psoriasis nach medizinischen "Leitlinien" behandelt. Die finden Sie z.B. unter Pso-Leitlinien. Darin wird genau beschrieben, in welchem Fall mit welchem Wirkstoff oder welcher Therapie behandelt werden soll. Wenn äußerliche Behandlungen (Salben, Cremes, Bestrahlung, Klimatherapie) nicht mehr helfen, sollen Medikamente verschrieben werden. Wenn weniger starke Medikamente (Fumaderm®, Methotrexat) nicht mehr helfen, müssen stärkere (Ciclosporin, Otezla® oder Biologika) verschrieben werden. In manchen schweren Fällen sind selbst erfahrene niedergelassene Hautärzte überfordert. Dann sollten Sie sich eine Uni-Hautklinik in Wohnnähe suchen und sich dorthin überweisen lassen. In diesen Kliniken ist man mehr darin geübt, mit schwer therapierbaren Hautpatienten umzugehen.
Bitte informieren Sie sich ausführlich und seriös über Ihre Erkrankung! Sie sollten wissen, welche Therapien Sie von Ihrem Arzt erwarten können. Denn nur der gut informierte Patient kann mit seiner Krankheit richtig umgehen und Therapievorschläge beurteilen. Die Ärzte haben meist zu wenig Zeit, um Sie umfassend aufzuklären. Wenn Sie über ihre Krankheit und die Behandlungsmöglichkeiten wenig wissen, riskieren Sie, ein Leben lang unzufrieden zu sein. Vor allem fallen Sie eher auf die Versprechen von Quacksalbern mit ihren Wundermitteln herein und geben dafür unnötig viel Geld aus. Nur als "aufgeklärter Patient" können Sie sich einen Arzt zu suchen, mit dem Sie klarkommen und gemeinsam die Behandlung planen.
Zur ersten Übersicht gibt es Patienten-Broschüren, die Sie sich auf unserem Internetportal www.Psoriasis-Netz.de herunterladen können. Viele stammen von Pharmafirmen, sind inhaltlich aber meist in Ordnung. Einige kann man als Druckversion bei uns bestellen. Mit der vierteljährlich erscheinenden Patientenzeitschrift „PSO aktuell“ sind Sie stets auf dem neuesten Stand. Auf www.Psoriasis-Netz.de können Sie fast alles über Schuppenflechte nachlesen. Dort im Forum finden Sie viele Antworten auf typische Fragen. Sie können im Chat mit anderen Betroffenen ihre Erfahrungen austauschen. Auf dieser Seite können Sie zu einzelnen Themen Informationsblätter herunterladen. Unsere Informationen sind kostenlos und zu jeder Tages- und Nachtzeit zugänglich. Oder Sie wenden sich an eine Selbsthilfegruppe und tauschen dort persönlich Ihre Erfahrungen aus.
Psoriatiker können viel dazu tun, damit ihre Krankheit nicht zu heftig ausbricht oder eine Zeit lang überhaupt nicht auftritt. Zum Beispiel dadurch, dass sie ihre Haut regelmäßig pflegen, auch wenn sie kaum auffällige Stellen haben. Je gesünder Sie sich ernähren, desto eher haben Sie eine Chance, dass die Psoriasis nicht noch zusätzlich „gefüttert“ wird. Wenn Sie 2/3 (frische) pflanzliche und nur 1/3 tierische Nahrungsmittel zu sich nehmen, kann das die Psoriasis günstig beeinflussen. Fetter Fisch ist ebenfalls positiv. Aber: Es gibt keine eindeutige Diät für Psoriatiker! Auch wenn das manche behaupten. Alkohol, Rauchen und Übergewicht fördern die Schuppenflechte.
Jeder Mensch hat seine eigene Psoriasis. Der eine kann gut damit leben, der andere muss sich sein Leben lang damit abquälen. Aber eine Therapie hat nur dann überhaupt eine Chance zu wirken, wenn Sie selbst dahinter stehen und sie aktiv unterstützen. Das gilt für schulmedizinischeTherapien wie für alternative Ansätze.
Leider wirken die Medikamente nicht bei jedem gleich gut. Was dem einen hilft, kann bei dem anderen überhaupt nicht anschlagen. Inzwischen gibt es aber so viele verschiedene Medikamente, dass die meisten Psoriatiker für lange Zeit erscheinungsfrei bleiben können. Aber immer mehr dieser Medikamente muss man ein Leben lang anwenden. Neu aufflammende Entzündungen sollen dadurch möglichst vermieden werden, um weitere, oft schwere Begleit-Erkrankungen zu vermeiden.
Die Psyche kann die Psoriasis verschlechtern, vor allem negativer Stress. Deshalb wird den Psoriatikern immer geraten, Entspannungstechniken zu erlernen. Die meisten psychischen Probleme haben die Menschen aber mit ihrer Schuppenflechte selbst, sobald sie erst einmal ausgebrochen ist. Die große Kunst ist es, die Krankheit so zu bewältigen, dass man sich nicht von ihr einschüchtern lässt und sich von Menschen zurückzieht. Aber es gibt niemanden, der allein durch Entspannung oder psychologische Betreuung seine Schuppenflechte losgeworden ist. Je nachdem, wie aktuell Ihre persönliche psychische Situation ist, sollten Sie sich ernsthaft überlegen, ob Sie sich psychologische Unterstützung holen, finanziert von der Krankenkasse: Krankheitsbewältigung muss man manchmal genauso lernen und trainieren, wie ein drogenfreies Leben.
Manche Patienten kritisieren, dass die Ärzte nur die Symptome behandeln würden, anstatt die "wahren Ursachen" zu bekämpfen. Es stimmt, dass bis heute nur die Symptome der Psoriasis gelindert werden können. Das aber besser, als jemals zuvor! Weshalb gerade bei Menschen mit Psoriasis das Immunsystem gestört ist, weiß man noch nicht. Das gilt übrigens für alle chronischen Hautkrankheiten.
Wenn Sie persönlich mehr zur Alternativ-Medizin tendieren, sollten Sie das ruhig ausprobieren, solange Sie nicht zu viel Geld dafür ausgeben müssen. Es gibt Menschen, denen haben Naturheilverfahren u.a. geholfen. Aber unseres Wissens nie in schweren Fällen. Wer so stark betroffen ist, sollte auf jeden Fall zu einem Dermatologen gehen!
Sie sehen, man braucht sehr viel Kraft, um mit dieser Krankheit leben zu können.
Wenn Sie weitere Fragen haben, setzen Sie sich mit uns in Verbindung. Unsere Arbeit ist rein ehrenamtlich und wir informieren Sie selbstverständlich kostenlos. Niemand muss Mitglied in unserem Verein werden, um Hilfe zu bekommen! Sie dürfen uns aber gerne finanziell unterstützen, weil natürlich auch ehrenamtliche Arbeit Kosten verursacht. Auf Wunsch erhalten Sie eine Bescheinigung fürs Finanzamt.
Wie viel Tage gibt es frei bei Krankheit des Kindes?
Wenn Ihr Kind so krank ist, dass es zu Hause gepflegt werden muss, sind Sie als Arbeitnehmer von der Arbeit befreit und erhalten dafür das so genannte „Kinderkrankengeld“ (§ 45 SGB V).
• ein ärztliches Attest vorliegt, dass und wie lange Sie der Arbeit fernbleiben müssen, weil das erkrankte Kind beaufsichtigt, betreut oder gepflegt werden muss und
• niemand anders im Haushalt lebt, der das Kind pflegen kann und
• das Kind das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat und
• das Kind gesetzlich (d.h. nicht privat) krankenversichert ist.
Jedes Elternteil darf diese Regelung pro Kind insgesamt 10 Arbeitstage im Kalenderjahr beanspruchen. Beide zusammen also 20 Arbeitstage. Bei mehreren Kindern (sind es 25 Arbeitstage im Jahr. Alleinerziehenden stehen doppelt so viel zu, also 20 Arbeitstage bei einem Kind bzw. 50 Arbeitstage bei mehreren. Bei einer 5-Tage-Woche sind 10 Arbeitstage = zwei Wochen. Arbeitgeber dürfen diese Freistellung nicht verweigern. Für die Pflege schwerstkranker Kinder wird das Kinderkrankengeld zeitlich unbefristet bezahlt. Wer privat krankenversichert ist, darf eine unbezahlte Freistellung von seinem Arbeitgeber verlangen.
Diese Regelung gilt nicht nur für leibliche Kinder, sondern auch für Pflege-, Adoptiv- und Stiefkinder, wenn sie in der Familienversicherung mit versichert sind.
Das Kinderkrankengeld muss bei der Krankenkasse beantragt werden. Es wird genauso berechnet, wie das Krankengeld für erwachsene Arbeitnehmer: 70% des beitragspflichtigen Einkommens, maximal 90 % des Nettogehalts. Es ist also keine 100 %-ige Entgeltfortzahlung, wie in den ersten sechs Wochen bei eigener Krankheit.
Arbeitnehmer, für die ein Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung gilt, können eventuell finanziell besser gestellt sein. In vielen dieser Vereinbarungen ist geregelt, dass und wie lange Arbeitnehmer bezahlt freigestellt werden, wenn ihr Kind erkrankt ist. Dann erhalten sie ihre Vergütung zu 100 % weiter, wenn nicht ausdrücklich etwas anderes geregelt ist.
Kann man einen "guten" Arzt empfehlen?
Wir, als Menschen, die selbst Psoriasis haben, können sehr gut verstehen, dass Sie verzweifelt sind. Sie müssen leider akzeptieren, dass es sich bei der Schuppenflechte um eine chronische, d.h. grundsätzlich lebenslange Krankheit handelt. Nur in wenigen Fällen haben es Menschen geschafft, von der Psoriasis geheilt zu werden. Inzwischen sind die (schulmedizinischen) Behandlungsmöglichkeiten aber derart gut, dass viele immer länger (fast) erscheinungsfrei bleiben und mit ihrer Krankheit leben können. Manchmal gehört viel Geduld dazu, bis der "richtige" Wirkstoff gefunden wird. Das liegt selten am Arzt! Denn bei Psoriatikern wirken Medikament bzw. Therapien sehr unterschiedlich. Was dem einen gut hilft, verträgt die andere vielleicht überhaupt nicht. Da müssen Sie dann eventuell Verschiedenes ausprobieren, bis erste Erfolge sichtbar werden. Die meisten Medikamente brauchen Wochen, bis sie wirken. Bitte haben Sie Geduld und sprechen Sie darüber mit dem behandelnden Arzt.
Auch die Frage, wie gut Naturheilkundler helfen können, muss jeder für sich selbst herausfinden. Seriöse Naturheilkundler verstehen sich als "Komplementär-Mediziner", d.h. suchen nach Therapien, bei denen Schulmedizin und Naturheilkunde sich ergänzen. Seien Sie misstrauisch, wenn jemand Sie nur alternativ behandeln will. Eine mittelschwere oder sogar schwerer Psoriasis kann nach unserer Erfahrung nicht allein naturheilkundlich behandelt werden.
Wir sind eine Selbsthilfegruppe und haben die Erfahrung gemacht, dass es nicht immer leicht ist zu entscheiden, welcher Arzt „gut“ und welcher Arzt „schlecht“ ist. Zum einen ist das sehr subjektiv: Jeder hat unterschiedliche Vorstellungen darüber, was er persönlich unter einem "guten" Arzt versteht. Soll der sich Zeit nehmen? Soll der immer das verschreiben, was ich ihm vorschlage? Soll der neue Medikamente an mir ausprobieren? Dabei helfen kann diese Checkliste oder ein Ärzte-Bewertungs-Portal wie Sanego. Dabei müssen Sie berücksichtigen, dass solche Bewertungen immer sehr subjektiv sind und von den (manchmal zu hohen) Erwartungen der Patienten abhängen.
Wir haben nicht die Möglichkeiten der Stiftung Warentest, Ärzte umfassend zu testen. In Berlin gibt es mehr als 200 Dermatologen. Und es sind nicht nur Hautärzte, die Psoriasis behandeln, sondern auch Allgemeinmediziner. Mit Gelenk-Psoriasis gehen viele zu Rheumatologen, Internisten oder Orthopäden. Wer soll das noch übersehen und wer soll seriöse Empfehlungen aussprechen? Leider müssen Sie also selbst ausprobieren, mit welcher Ärztin bzw. welchem Arzt Sie gut auskommen. Nur, wenn Sie der Ärztin oder dem Arzt vertrauen, ist eine erfolgreiche Therapie mit Ihrer Unterstützung denkbar.
Wenn es Ihnen um fachliche Kompetenz geht, gibt es Dermatologen, die sich intensiver mit Psoriasis beschäftigen, regelmäßig weiterbilden und sich miteinander austauschen: Die Mitgliederliste des Pso-Net finden Sie hier. Weitere Adressen, die wir über Ärzte und Beratungsmöglichkeiten weitergeben, finden Sie hier. Gehen Sie davon aus, dass Allgemeinmediziner nicht auf dem neuesten Stand sein können. Gerade aber bei der Psoriasis gibt es ständig neue Erkenntnisse. Immer wieder behaupten Heilpraktiker, sie könnten Psoriasis "heilen". Unsere Erfahrung ist, dass sehr viele von ihnen eine sehr vereinfachte, oft ideologisch verbrämte Vorstellung davon haben, was Psoriasis tatsächlich ist. Weiterbildung, sich stets auf den aktuellen Stand der Wissenschaft zu begeben, ist bei Heilpraktikern nicht vorgeschrieben. Wenn überhaupt, besuchen sie meist nur Kongresse, die ihr medizinisches Weltbild bestätigen und nicht kritisch hinterfragen.
Wir empfehlen auf jeden Fall, sich gegenüber dem Arzt als „mündiger“ Patient zu verhalten: Das heißt, Sie sollten sich regelmäßig über die Behandlungen der Schuppenflechte informieren. Vieles erfahren Sie auf unseren monatlichen Treffen. Basis-Informationen über Schuppenflechte und ihre Behandlung finden Sie unter anderem in zahlreichen Broschüren. Sehr ausführlich, stets aktuell und kritisch, werden Sie im Internet auf www.Psoriasis-Netz.de oder in der Fachzeitschrift „PSO aktuell“ informiert.
Nur, wenn Sie selbst gut informiert zum Arzt gehen, können Sie ihm auch selbstbewusst sagen, welche Behandlung Sie ausprobieren und welche Sie lieber meiden wollen. Und wenn der Arzt Sie nicht so behandeln will, wie Sie es möchten, gehen Sie zu einem anderen! Sie können nicht erwarten einen Arzt zu finden, der Ihre Schuppenflechte heilt! Manchmal müssen Sie erst mehrere ausprobieren, bis Sie einen gefunden haben, dem Sie vertrauen. Das ist normal, wenn auch zeitaufwendig. Sprechen Sie mit dem Arzt darüber, welche Ziele mit der Therapie erreicht werden sollen.
Allgemein kann man sagen, dass Haut- und Rheumakliniken kompetente Ärzte haben. In diesen Kliniken wird man aber nur behandelt, wenn man von einem niedergelassenen Arzt dorthin überwiesen wird. Die Charité hat einmal pro Woche eine Sprechstunde für Psoriatiker, wie auch die Rheumakliniken in Buch und in Wannsee. Aber es gibt in der Stadt viele andere gute Ärzte, die sich mit Schuppenflechte und den Problemen der Betroffenen auskennen. Nehmen Sie sich Zeit, den Arzt oder die Ärztin zu finden, die Ihren eigenen Vorstellungen am Nähesten kommt. In der Selbsthilfegruppe handhaben wir das so, dass jeder zu unserm Treffen kommt, die Anwesenden fragen darf, ob jemand einen "guten Arzt" in Wohnnähe kennt. Dann kann man noch einmal nachfragen, was demjenigen besonders an dem Arzt gefällt, warum er ihn „gut“ findet. Das ist dann ein persönlicher Tipp, für den wir nicht „offiziell“ verantwortlich sind.
Lohnt es sich für Menschen mit Psoriasis, von der gesetzlichen Krankenkasse in eine private zu wechseln? Welche private Krankenversicherung ist am günstigsten? Wer das herausfinden will, muss sich viel Zeit nehmen und mit den Besonderheiten der Privatversicherung vertraut machen. Es gibt 40 überregionale private Krankenversicherer. Jeder bietet rund 5.000 Tarifkombinationen an. Seit die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen immer weiter gekürzt werden und Beiträge und Zuzahlungen steigen, boomt das Geschäft bei den Privaten. Wer berechtigt ist, sich privat zu versichern, kann sich dort "voll" gegen Krankheitskosten absichern. Aber auch Kassenpatienten dürfen sich zusätzlich privat versichern, z.B. für bessere Krankenhausunterbringung. Fast alles ist privat zu vereinbaren. Das macht die Auswahl so kompliziert.
Zuerst sollten Sie herausfinden, wer seriös private Krankenversicherungen miteinander verglichen hat. Das Internet ist zwar voller Angebote. Aber Vorsicht ist geboten, weil man nie genau weiß, wer hinter diesen Vergleichen steht. Absolut seriös dagegen ist die Stiftung Warentest. Die bietet Ihnen an, ganz individuell günstige Anbieter einer privaten Vollversicherung zu ermitteln. Sie beantworten auf einem Fragebogen, welche Leistungen Sie wünschen. Jedes Familienmitglied muss einen gesonderten Bogen ausfüllen: Der erste zahlt 18 €, jeder weitere Erwachsene 13 € , Kinder 8 €. Nach drei Wochen erhalten Sie eine Liste von fünf möglichen privaten Krankenversicherungen, die als solide eingestuft werden. Auch die Verbraucherzentralen beraten Sie und bieten an, angemessene Privat-Krankenversicherungen für Sie heraus zu finden.
Stiftung Warentest, Computerservice "Private KV", 10773 Berlin
Verbraucherzentrale Bundesverband, Markgrafenstraße 66, 10969 Berlin
Regelmäßig finden sich Artikel über private Krankenversicherungen in den Zeitschriften FINANZtest, Capital (ebenfalls Computeranalyse möglich) und Focus Money. Achten Sie vor allem auf Sonderhefte zu diesem Thema. Empfohlen werden private Krankenversicherer, die in der Vergangenheit ihre Beiträge maßvoll erhöht und regelmäßig hohe Rücklagen gebildet haben. Einige Vergleiche berücksichtigen zusätzlich die Anzahl der Beschwerden beim Aufsichtsamt. Es gibt Tipps, wie man mit Vertretern umgeht, was im Schadensfall zu beachten ist und wie man aus überteuerten Verträgen herauskommt. Es sind nicht immer die Großen der Branche, die empfohlen werden!
Vor allem private Versicherungsvertreter halten diese Computertests für fragwürdig und leicht zu manipulieren. Sie würden nicht offen legen, welches Gewicht die einzelnen Punkte haben. Nur im persönlichen Gespräch könne man herausbekommen, was ein Patient an speziellen Behandlungen oder Medikamenten benötige. Nur ein erfahrener Versicherungsagent wisse, welche Krankenversicherung die gewünschten Leistungen rechtsverbindlich erstattet. Vergleiche der Agenturen sind kostenlos. Dagegen gibt die Stiftung Warentest zu bedenken, dass Agenturen ihre Angebote ohne Nennung der Gesellschaft abgeben, manchmal ungefragt Vertreter schicken und sich vorrangig an ihrer Abschlussprämie orientieren würden. Schließlich kann mit jedem Abschluss zwischen 300 € und 2.500 € verdient werden.
Bei einer privaten Krankenversicherung gibt es für den Arzt keine Einschränkungen, wie viel er im Quartal verschreiben darf. Oft werden sogar naturheilkundliche Leistungen übernommen. Leistungskürzungen gibt es nicht, dafür aber Beitragserhöhungen. Die können im schlechtesten Fall das Dreifache betragen. Wenn Sie sich von den empfohlenen Versicherungen einen Tarif ausrechnen lassen, ist es meist trotz der ausführlichen Angebote nicht möglich, sie miteinander zu vergleichen. Jede Versicherung geht von einem anderen Leistungsumfang aus. Keine Versicherung rechnet unaufgefordert einen Standardtarif aus, der einer gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen würde. Sie müssen sich das selbst aus den Unterlagen errechnen oder noch einmal die Versicherungen um vergleichbare Angebote bitten.
Bevor eine Versicherung einen Vertrag mit Ihnen abschließt, will sie vorher wissen, auf welches Risiko sie sich einlässt. Ein Antragsteller muss deshalb wahrheitsgemäß Fragen nach bisherigen Krankheiten und Behandlungen beantworten. Wer etwas verschweigt, muss mit nachteiligen Folgen rechnen. Im harmlosen Fall wird die Behandlung nicht bezahlt. In anderen Fällen wird geprüft, ob bisherige Ausgaben mit der verschwiegenen Krankheit zusammenhängen. Die können dann zurück gefordert werden. Beim Krankheitsbild „Psoriasis“ leuchten für den Privat-Versicherer sofort alle Warnlampen auf, denn das bedeutet meist hohe Ausgaben. Für Psoriatiker, die sich privat versichern wollen, fordert die Versicherung immer ein Gutachten vom behandelnden Arzt an. Anhand der Selbstauskunft des Patienten und dieses ärztlichen Attestes entscheidet sie, wie mit dem Aufnahmeantrag verfahren wird. Einige Krankenversicherungen nehmen Psoriatiker erst gar nicht auf bzw. nur dann, wenn sie noch nicht stationär behandelt wurden. Die anderen erheben für Psoriatiker einen "Risikozuschlag", der meist zwischen 30 und 80% liegt.
Manche Versicherungsagenturen verhandeln mit der Gesellschaft über den Zuschlag. Andere Versicherungsvertreter bestreiten, dass Psoriatiker überhaupt einen Verhandlungsspielraum haben. Manchmal lässt eine Versicherungen auch bei chronisch Kranken über den Aufschlag mit sich reden. Zum Beispiel dann, wenn sich noch weitere Familienmitglieder privat versichern wollten. Der Versicherte kann nach §41a und §42 des Versicherungsvertragsrecht jederzeit fordern, dass der Zuschlag wegfällt oder reduziert wird. Aber nur, wenn die Krankheit auskuriert oder sich deutlich gebessert hat. Das aber kommt bei Psoriatikern fast nie vor. Für sie gilt das Prinzip "einmal Risikozuschlag, immer Risikozuschlag". Aber es wäre riskant, eine Versicherung allein nach der Zuschlagshöhe auszuwählen. Eine Privatversicherung, die mit niedrigen Aufschlägen lockt, kann irgendwann ihre Kosten nicht mehr decken und muss die Beiträge erhöhen.
Man kann für Psoriatiker nicht von vornherein sagen, ob sich eine private Krankenversicherung lohnt. Das muss in jedem einzelnen Fall genau ausgerechnet werden. Nur Beamte sind privat immer günstiger krankenversichert. Das liegt daran, dass sie von ihrem Dienstherrn einen Teil der Krankheitsausgaben als Beihilfe erhalten und sich nur noch für die Restkosten absichern müssen.
Berechtigt, eine private Krankenversicherung abzuschließen sind
• Arbeitnehmer, deren Einkommen über der jährlich neu festgelegten Versicherungspflichtgrenze liegen,
• Beamte, Richter oder Berufssoldaten,
• Selbständige oder Freiberufler,
• Studenten und Rentner (wenn sie bereits vorher privat versichert waren).
Bei der privaten Krankenversicherung muss sich jedes Familienmitglied einzeln versichern. Es gibt keine Familienversicherung. Der monatliche Beitrag wird nicht nach dem Einkommen berechnet. Auch wer arbeitslos ist, muss weiterhin den vereinbarten Beitrag bezahlen.
Die Beitragshöhe ergibt sich aus dem
• dem vereinbarten Leistungsumfang (mehr Versicherungsschutz kostet mehr) und der Höhe der jährlichen Selbstbeteiligung,
• Eintrittsalter (Ältere beginnen mit höheren Beiträgen),
• Geschlecht (Frauen zahlen 4050 % mehr),
• Gesundheitszustand (mit Vorerkrankungen zahlt man einen "Risikozuschlag" oder wird nicht aufgenommen).
* Informieren Sie sich ausführlich, welche privaten Krankenversicherungen empfehlenswert sind und was Sie bei der Auswahl alles beachten müssen (z.B. Beitragsentwicklung, Umgang mit Altersrückstellungen). Dabei helfen Ihnen Verbraucherzentralen, Stiftung Warentest und Verbraucherzeitschriften.
* Holen Sie sich mehrere vergleichbare Leistungsangebote ein, z.B. mithilfe von Computeranalysen oder Agenturen, die für mehrere Versicherungen tätig sind.
* Weisen Sie die Vertreter von Beginn an darauf hin, dass Sie Psoriatiker sind. So können Sie unnötig lange Gespräche vermeiden.
* Versuchen Sie herauszufinden, ob der Risikozuschlag für Ihre Psoriasis verhandelbar ist. Nehmen Sie einen niedrigen Aufschlag aber nicht als einziges Auswahlkriterium.
* Überlegen Sie genau, ob Sie einen "Probeantrag" stellen. Die Versicherungen wissen, dass viele damit testen wollen, ob sie überhaupt aufgenommen werden. Das kann eine strengere Risikoprüfung auslösen. Wenn Sie einen ganz normalen Antrag auf Versicherungsschutz stellen und der enthält später einen hohen Risikozuschlag, müssen Sie den Versicherungsvertrag nicht annehmen
Wer trägt welche Kosten bei Therapie und Rehabilitation?
Die tatsächlichen Leistungen der Sozialversicherungen bleiben nicht gleich. Wenn ein Sozialgesetz geändert wird, geschieht das aus politischen Gründen. Einzelne konkrete Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen werden – nach sachlichen Erwägungen – im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zwischen Ärzten und Krankenkassen ausgehandelt. Im Zweifelsfall fragen Sie sicherheitshalber bei Ihrer Krankenkasse oder der Unabhängigen Patientenberatung nach.
Welche Psoriasis-Therapie zahlt die gesetzliche Krankenkasse?
Grundsätzlich gilt, dass die Kasse alle für die Schuppenflechte zugelassenen Therapien und Medikamente bezahlen muss.
Dazu gehören äußerlich aufzutragende Wirkstoffe, wenn sie verschreibungspflichtig sind. Rezeptfreie dagegen werden nicht erstattet. Cremes mit Mahonia aquifolium, Weihrauch und teer- oder schieferölhaltige Präparate müssen die Patienten selbst bezahlen. Ausnahmen: Das Teer-Shampoo Tarmed® oder gleichartige Rezepturen. Außerdem zahlen die Kassen bei Psoriasis salizylsäurehaltige Zubereitungen.
Calci-Neurin-Inhibitoren (Elidel®, Protopic®) sind nicht bei der Psoriasis zugelassen. Sie dürfen nur verschrieben werden, wenn der Patient gleichzeitig an einem atopischen Ekzem (Neurodermitis) leidet. Vorsicht: Diese Wirkstoffgruppe ist innerhalb der Dermatologie umstritten.
UV-Bestrahlung und PUVA als Selektive Ultraviolette Phototherapie darf der niedergelassene Arzt abrechnen (EBM Abrechnungsziffer 30430), obgleich einige Dermatologen behaupten, sie würden das nicht extra bezahlt bekommen. Eine ambulante Balneo-Fototherapie (außerhalb eines Klinikaufenthalts) wird von den Kassen übernommen. Sie muss aber vorher genehmigt werden. Laser-Bestrahlung oder Dermo-Dyne®-Lichtimpfung müssen die Patienten stets selbst bezahlen. Bei Heimbestrahlungsgeräten beteiligt sich die Kasse eventuell an den Kosten. Ein Bestrahlungskamm wird zu 100 % übernommen. Bei größeren Geräten muss der Patient nachweisen, dass eine Bestrahlung in der Arztpraxis für ihn persönlich nicht zumutbar ist (beruflich bedingt, zu lange Anfahrt, körperliche Behinderung o.ä.).
Alle innerlich wirkenden Präparate sind rezeptpflichtig. Sie werden deshalb grundsätzlich von der Kasse bezahlt. Biologika übernehmen die Kassen unter Umständen nur dann, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind: Zum Beispiel, wenn andere Medikamente nicht angemessen gewirkt haben oder der Patient sie nicht verträgt. Inzwischen dürfen viele Biologika aber direkt verschrieben werden, d.h. es müssen nicht erst andere (billigere) Medikamente ausprobiert werden. Das gilt für Patienten, die sehr schwer von der Schuppenflechte betroffen sind. Aber immer noch verschreibt die Mehrheit der Hautärzte überhaupt keine Biologika – im Gegensatz zu den Rheumatologen. Dafür gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Wer sicher gehen will, nach den Empfehlungen der Dermatologischen Fachgesellschaft DDG behandelt zu werden, muss nach Ärzten suchen, die sich im PsoNet organisiert haben.
Alternativen, wie z.B. naturheilkundliche Mittel oder eine Ichthyo-Therapie (Knabberfische) werden grundsätzlich nicht erstattet. Es gibt aber einige gesetzliche Krankenkassen, die als freiwillige Leistung durchaus alternative Behandlungen bezahlen. Wer sich dafür interessiert, kann Einzelheiten bei Krankenkassen oder der UPD erfragen bzw. im Internet recherchieren.
Die Behandlung in einer naturheilkundlich ausgerichteten Klinik dagegen kann sehr wohl übernommen werden. Das setzt aber voraus, dass der Patient dort (stationär) eingewiesen ist. Homöopathische Leistungen werden nur dann erstattet, wenn sie von einem Vertrags- („Kassen“-) Arzt mit entsprechender zusätzlicher Ausbildung erbracht werden.
Welche erstattungsfähigen Maßnahmen gibt es bei Psoriasis Arthritis?
Schon bei den ersten Anzeichen von Gelenkbeschwerden ist es dringend geraten, vom Arzt feststellen zu lassen, ob es sich um eine Psoriasis Arthritis (PsA) handelt. Wer sich zu spät behandeln lässt riskiert, dass die Gelenke für immer kaputt gehen. Bei Verdacht sollte man möglichst zu einem Rheumatologen gehen. Da es aber nicht so viele davon gibt, wissen inzwischen auch viele Dermatologen, wie man eine Psoriasis Arthritis diagnostiziert.
Alle zugelassenen, schulmedizinischen Medikamente gegen Psoriasis Arthritis werden von den Krankenkassen bezahlt. Das trifft ebenfalls auf die radioaktive Bestrahlung der Gelenke (Radiosynoviorthese - RSO) zu. Naturheilkundliche Mittel (von Weihrauch bis zum Teufels­krallenwurzel-Trockenextrakt) müssen dagegen immer privat bezahlt werden.
Die Kosten für eine Kältekammer-Therapie übernimmt die Kasse nur, wenn sie innerhalb eines Krankenhaus-Aufenthalts stattfindet. Wer ambulant in die Kältekammer will, muss das mit seiner Kasse persönlich aushandeln. Es gibt Kassen, die erstatten einen Teil der Kosten, wenn eine medizinische Verordnung durch den behandelnden Arzt. vorliegt.
Obgleich Bewegung bei PsA extrem wichtig ist, werden physio-therapeutische Maßnahmen (Massagen, Physiotherapie) nur sparsam verschrieben. Der Arzt kann aber „Rehabili­tationssport“ oder „Funktionstraining“ verschreiben. Die Krankenkassen genehmigen dann 50 Anwendungen für 18 Monate. Man kann sich bei der eigenen Kasse danach erkundigen, ob zusätzlich private sportliche Aktivitäten bezuschusst werden. Trainiert werden müssen vor allem die Muskeln, um die Gelenke zu entlasten. Damit ist nicht Ausdauertraining gemeint.
Werden die Ausgaben für Hautpflege erstattet?
Nein, da sie vom Gemeinsamen Bundesausschuss nicht als „verordnungsfähige Arzneimittel“ angesehen werden. So diene z.B. Harnstoff (Urea) der Pflege und nicht der Therapie. Dermatologen dagegen sprechen bei Pflegemitteln von „Basis-Therapie“, mit der Hautkrankheiten und Schübe abgemildert werden können.
Ausnahme: Wenn die Schuppenflechte als Berufskrankheit anerkannt ist (s.u.), muss die gesetzliche Unfallversicherung auch die Ausgaben für Pflegemittel übernehmen.
Wer muss nichts zuzahlen?
Für alle gesetzlich Versicherten gilt eine Höchstgrenze für Zuzahlungen: 2% des Brutto­einkommens. Schwerwiegend chronisch Kranke müssen sogar nur 1% ihres Brutto­einkommens zuzahlen. Das betrifft Rezepte für Medikamente, Heilmittel und häusliche Krankenpflege sowie Krankenhausaufenthalte. Wer dennoch mehr aufwenden muss, kann sich von der Krankenkasse von der Zuzahlung befreien lassen: Entweder ab dem Zeitpunkt, von dem ab die Summe erreicht ist für den Rest des Jahres. Oder für ein ganzes Jahr im voraus, wenn man den Höchstbetrag der Kasse vorab überweist.
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sind von Zuzahlungen zu rezeptpflichtigen Medika­menten völlig befreit. Bei Kindern unter 12 Jahren werden auch rezeptfreie Medikamente von den Kassen übernommen, wenn sie ärztlich verordnet wurden.
Es kann sein, dass man für ein bestimmtes Arzneimittel nichts zuzahlen muss. In dem Fall hat eine Krankenkasse mit einer Pharmafirma einen Rabattvertrag ausgehandelt. Der Patient bekommt dann den verschriebenen Wirkstoff in Form des Präparates dieser Firma.
Wer gilt als „„schwerwiegend“ chronisch krank?
Psoriatiker werden von den Krankenkassen nicht automatisch als „Chroniker“ eingestuft. Sie müssen das beantragen. Dazu gibt es direkt vom Arzt eine Bescheinigung.
Der GB-A hat sich darauf festgelegt, dass die 1 % - Regelung nur für „schwerwiegend“ chronisch Kranke gelten soll. Das sind Patienten, die wegen derselben Krankheit dauerhaft in Behandlung sind und mindestens einmal im Quartal den Arzt aufsuchen müssen. Psoriatiker müssen
zu 60 % behindert oder erwerbsgemindert sein oder
in Pflegestufe zwei oder drei eingestuft sein oder
auf eine kontinuierliche medizinische Versorgung angewiesen, um zu verhindern, dass ihre Lebensqualität dauerhaft beeinträchtig ist.
Für Psoriatiker, die weder schwer behindert noch pflegebedürftig sind, heißt es, ihrem Arzt deutlich zu machen, wie stark ihre Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigt wäre, wenn sie nicht ärztlich versorgt werden. Der dafür vorgesehene (DLQI-) Fragebogen ist lückenhaft und berücksichtigt kaum die Einschränkungen von älteren Patienten. Deshalb sollte man dem Arzt ausführlich seine persönlichen Einschränkungen darstellen. Zum Beispiel:
Wer deutlich sichtbare Plaques hat, traut sich nicht, am öffentlichen Leben teilzu­nehmen, weil er nicht angestarrt oder abgelehnt werden will (individuelle Beispiele wie Sport, Kultur, Vereinsleben, einkaufen und bezahlen).
Wer deutlich sichtbare Plaques hat, ist gehemmt, neue Partner oder Freunde kennen zu lernen, wirkt oft unattraktiv auf andere und wird offen gemobbt oder ausgegrenzt.
Wer unter Juckreiz leidet, schläft nachts schlecht, ist am nächsten Tag unaus­geschlafen und weniger leistungsfähig bzw. macht Fehler.
Wer unter Psoriasis Arthritis leidet, kann sich viel schlechter oder kaum noch bewegen, kann viele notwendigen Handgriffe im Haushalt, aber auch bei der Freizeitbeschäftigung nicht oder nur eingeschränkt und unter Schmerzen ausführen.
Gibt es für Rentner oder Arbeitslose Spezialregelungen bezüglich der Kostenerstattung?
Empfänger von Arbeitslosengeld II dürfen gegenüber dem Jobcenter bzw. der Bundesagentur für Arbeit einen Mehrbedarf geltend machen, wenn das zur medizinischen Grundversorgung erforderlich ist. Es gab bisher (nur) einen einzigen Fall eines Neurodermitikers, der vor Gericht den Mehrbedarf erstritten hatte. Psoriatiker sollten das zum Beispiel mit den hohen Ausgaben für harnstoffhaltigen Pflegemittel oder besondere Diäten versuchen.
Empfänger von Arbeitslosengeld I oder Rentner sollten alle Belege über Praxisgebühren, Zuzahlungen für „erstattungsfähige“ Medikamente, Heilmittel, Hilfsmittel, häusliche Krankenpflege, Haushaltshilfe und stationäre Unterbringung sammeln. Wenn sie mehr als 2 % bzw. 1 % ihres ALG oder ihrer Rente ausgegeben haben, sollten sie sich sofort von der Krankenkasse für den Rest des Jahres von allen Zuzahlungen befreien lassen.
Wie sieht es mit Rehabilitationsmaßnahmen innerhalb Deutschlands aus?
Reha-Maßnahmen, deren Zweck es ist, die „Arbeitsfähigkeit wieder herzustellen“, werden von der Deutschen Rentenversicherung durchgeführt. Sie müssen dort beantragt werden. Reha-Maßnahmen, deren Zwecke es ist, den „allgemeinen Gesundheitszustand wieder herzustellen“, werden von der gesetzlichen Krankenkasse finanziert. Sie müssen dort beantragt werden.
Die Versicherungsträger lehnen nach unserer Erfahrung viele Reha-Anträge erst einmal ab. Aber wenn der Patient Widerspruch einlegt, steigt die Chance, dass der Reha-Antrag bewilligt wird. Wir raten den Antragsstellern, beim Reha-Antrag oder dem Widerspruch sich nicht nur vom Hautarzt, sondern vor allem von der gewünschten Reha-Klinik beraten zu lassen. Die Kliniken wissen am besten, bei welchen Begründungen ein Antrag nur schwer abgelehnt werden kann. Sollten auf dem Reha-Antrag mehrere Krankheiten aufgeführt werden, muss Psoriasis oder Psoriasis Arthritis unbedingt als erste oder zweite genannt werden. Sonst kann es passieren, dass man in der Klinik auf die ersten beiden genannten Krankheiten, nicht aber auf Schuppenflechte behandelt wird.
Psoriasis Patienten müssen nicht, wie andere, vier Jahre warten, bis sie eine neue Reha-Maß­nahme beantragen können. Anträge können jederzeit gestellt werden, wenn es „aus gesund­heitlichen Gründen dringend erforderlich ist" (§40 SGB V bzw. §12 SGB VI).
Eine Reha-Maßnahme wird dann beantragt, wenn der Hautarzt sie entsprechend verordnet. Meist wird bei Reha-Maßnahmen nach Aktenlage entschieden. Aber manche Antragsteller müssen sich beim Medizinischen Dienst der Krankenkasse (MDK) oder dem der Renten­versicherung vorstellen. Wenn der begutachtende Arzt kein Dermatologe ist, kann allein das ein Grund sein, Widerspruch gegen eine Ablehnung einzulegen. Kein fachfremder Arzt kann aktuell darüber informiert sein, was in den vergangenen Jahren über die Psoriasis und ihren Einfluss auf die Lebensqualität bekannt geworden ist.
Wie sieht es mit Kuraufenthalten im Ausland aus?
Schon seit Jahren gibt es den Begriff „Kur“ nicht mehr im Sozialgesetzbuch, auch wenn er in Prospekten der Anbieter von Gesundheitsreisen weiterhin verwendet wird.
Die Deutsche Rentenversicherung genehmigt keine Reha-Maßnahmen am Toten Meer. Die Krankenkassen dagegen zahlen Aufenthalte am Toten Meer. Wir raten aber, sich vor der Beantragung bei Veranstaltern zu erkundigen, die solche Reisen organisieren. Sie kennen sich am besten darin aus, welchen Begründungen sich die Kassen nicht verschließen können.
Ein Arztbesuch in einem EU-Land wird immer übernommen. Dafür reicht die Versichertenkarte. Die stationäre Behandlung in einem Krankenhaus eines EU-Landes muss vorher genehmigt werden.
Es ist möglich, sich bis zu drei Wochen in einer Kurklinik im EU-Ausland behandeln zu lassen. Bekannt sind preisgünstige Angebote aus Polen, Tschechien, Kroatien, Slowakei oder Ungarn. Reise, Unterkunft und Verpflegung müssen vom Patienten immer selbst bezahlt werden. Aber die Krankenkasse beteiligt sich an den Therapiekosten. Ein Antrag auf „Zuschuss zu einer ambulante Vorsorgemaßnahme ist möglich, wenn
der ausgewählte Kurort staatlich und kassenärztlich anerkannt ist,
der Hautarzt bescheinig hat, dass die Kur notwendig und zu befürworten ist.
Dieser Zuschuss wird aber erst nachträglich gezahlt, muss also vorher ausgelegt werden. Dazu muss man die Rechnung der Kurklinik mit genauer Aufstellung der bezahlten Anwendungen einreichen.
Welche Vorteile hat man bei der Reha, wenn man privat versichert ist?
Private Krankenkassen haben Psoriatiker nicht gerne als Mitglied. Sie sind teuer. Wer als Vorerkrankung „Psoriasis“ angibt, muss mit Risikozuschlägen meist zwischen 30 % und 80 % rechnen. Ist man aber erst einmal privat versichert, wird man in einer Reha-Klinik als Privat-Patient behandelt. Mit allen bekannten Vorteilen. Viele Therapie- und Diagnose-Möglichkeiten werden dann in der Klinik gemacht. Aber vorsichtig: Privatpatienten dürfen sich erst dann in einer Klinik anmelden, wenn sie vorher die Zusage ihrer privaten Krankenversicherung haben, dass die Kosten übernommen werden.
Zwischen 1995 und 2010 gab es in Deutschland 130 Fälle gab, in denen Psoriasis als Berufskrankheit anerkannt wurde. Das ist dann möglich, wenn wenn sie erstmals durch berufliche Einwirkungen am Arbeitsplatz ausbricht; aber auch wenn sie sich beruflich bedingt verschlimmert oder deutlich verändert. Dazu gehört immer der Nachweis, dass sie sich in der „arbeitsfreien Zeit“ deutlich bessert. Wer das an sich beobachtet hat, sollte das unbedingt der Hautärztin berichten und dokumentieren lassen.
Wenn die Schuppenflechte als beruflich verursacht anerkannt ist, ist nicht mehr die gesetzliche Krankenkasse, sondern die gesetzliche Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft) für die Behandlungskosten zuständig. Die wesentlichen Vorteil: Es müssen alle notwendigen medizinischen Leistungen übernomen werden und nicht nur die finanziell vertretbaren. Auch die Pflegemittel (als „Basis-Therapie“) müssen bezahlt werden. Der Patient muss keine Zuzahlungen leisten.
Wer informiert oder berät über die Erstattung von Mitteln bei chronischen Kranken?
Alles, was wir wissen und von anderen erfahren haben finden Sie auf dem Internetportal Psoriasis-Netz.
Außerdem können sich Patienten helfen lassen von:
Telefon 08000 11 77 22 (kostenloser Anruf)
Türkisch (08000 11 77 23) und Russisch (08000 11 77 24) jeweils montags und mittwochs von 10.00 bis 12.00 sowie von 15.00 bis 17.00 Uhr.
Örtliche Verbraucherzentrale Patientenberatung
örtliche Kassenärztliche Vereinigung - Patientenberatung
Medizinisches Beratungsnetz
Stiftung Gesundheit e.V.
Telefon 0800 073 24 83 , kostenloser Anruf, Mo.–Fr. 9.00-17.00 Uhr
Wann sollten Sie sich stationär behandeln lassen?
“Stationär“ heißt, dass Sie Ihre Psoriasis nicht zu Hause oder (ambulant) beim Hautarzt behandeln lassen, sondern für eine umfassende Therapie in eine Klinik eingewiesen werden müssen. Entweder mit Übernachtung oder Sie bleiben nicht über Nacht und werden auf einer “Tagesstation“ behandelt. Anerkannte Gründe können sein
• Ihre Psoriasis wird nicht besser, obgleich Sie zu Hause alles tun, was der Hautarzt empfohlen hat.
• Eine ambulante Therapie (z.B. Bestrahlung) verbessert Ihre Haut oder Ihre Gelenke nicht mehr.
• Der Arzt empfiehlt Ihnen eine Therapie, die nicht in Ihrer Wohnortnähe ambulant angeboten wird.
• Es ist notwendig, die Therapie einzubetten in weitere Maßnahmen (Patientenschulung, psychologische Betreuung, Diät o.ä.).
• Es ist Ihnen persönlich nicht zuzumuten, sich weiterhin ambulant behandeln zu lassen, z.B. weil Sie keine starken Medikamente einnehmen wollen (bei Kinderwunsch), der Weg zur Behandlung zu weit ist oder Sie Ihre Kinder nur sehr umständlich unterbringen könnten.
Je nach dem, wie dringlich es ist, können Sie entweder akut in ein Krankenhaus eingewiesen werden oder langfristig einen Rehabilitations-Antrag stellen.
Wie kommen Sie schnell in eine Klinik?
Grundsätzlich darf jeder Arzt eine Krankenhausbehandlung anordnen. Es sollte, muss aber nicht ein Facharzt sein, wie z.B. ein Dermatologe, ein Rheumatologe oder ein Orthopäde. Die Einweisung kann erfolgen, wenn
• die Schuppenflechte zur Zeit sehr ausgeprägt ist,
• sie sich in nächster Zeit drastisch zu verschlimmern droht,
• der Arzt mit ambulanter Behandlung nicht weiterkommt oder
• andere dringende Gründe vorliegen.
Die Krankenkassen fordern, dass zuvor alle zumutbaren Möglichkeiten einer ambulanten Therapie ausgeschöpft wurden. Seien Sie auf entsprechende Fragen vorbereitet und notieren Sie sich, was Sie bisher schon vergeblich versucht haben.
Grundsätzlich ist der Arzt verpflichtet, Sie in das „nächst erreichbare und geeignete“ Krankenhaus in Wohnortnähe einzuweisen. Dieses Krankenhaus muss als Akut-Krankenhaus von der Krankenkasse zugelassen sein (§ 108 SGB V). Lassen Sie sich erst einweisen, wenn Sie sich eine Klinik ausgesucht haben und sicher sind, dass es freie Plätze gibt. Fragen Sie, ob die Klinik Probleme hinsichtlich der Kostenübernahme durch Ihre Krankenkasse sieht. Es gibt immer wieder aktuelle Konflikte zwischen einzelnen Kassen und einzelnen Kliniken.
Der Arzt darf auch eine stationäre Behandlung direkt in einer Rehabilitations-Klinik mit Akutbetten anordnen. Einige Kliniken in den Kurorten dürfen Patienten mit Krankenhaus-Einweisung aufnehmen (zugelassen nach § 108 + § 111 SGB V). Sie werden dann genau so behandelt und untergebracht, wie ein „Kurgast“. Das ist meist kein Problem, wenn Sie im Einzugsbereich der Klinik wohnen. Die Kasse darf eine Behandlung in einer weiter entfernten Klinik genehmigen, muss es aber nicht. Es hängt davon ab, ob Sie oder Ihr Arzt gute Argumente vortragen. Das kann zum einen das breitere Therapiekonzept der Klinik sein oder dass Sie dort schon vorher erfolgreich therapiert worden sind. Zum anderen sind die Kosten dort meist niedriger als in wohnortnahen Kliniken. Wenn Sie bereit sind, die Anreise zu bezahlen, ist Ihre Kasse vermutlich eher geneigt, die Behandlung dort zu finanzieren. Haben Sie sich eine weiter entfernte Akutfachklinik ausgesucht, lassen Sie sich von dort direkt helfen. Rufen Sie dort an. Bitten Sie darum, Ihnen oder Ihrem Arzt entsprechende Unterlagen zuzuschicken, um die Krankenkasse zu überzeugen. Die Reha-Kliniken mit Akutbetten wissen am besten, auf welche Argumente die Krankenkasse reagiert.
Der Arzt darf eine reine Reha-Klinik zur Akutbehandlung empfehlen (zugelassen nach § 111 SGB V), wenn diese besser auf Psoriasis spezialisiert ist als die nächstgelegene Akutklinik. Das ist der Fall, wenn die Klinik z.B. ein umfassendes Behandlungskonzept hat, gleichzeitig Haut und Gelenke behandelt oder außergewöhnliche Behandlungsmöglichkeiten hat (Excimer-Laser, Interferenzstromgerät, UV-freie Lichttherapie o.ä.). Ein Argument könnte auch sein, dass Alleinerziehende ihr Kind mitbringen können. Eine Kostenübernahme ist nur erlaubt als Aus¬nahmereglung (§ 40 Abs.4 SGB V). Beachten Sie unsere vorherigen Tipps.
Privatversicherte müssen sich vor jeder Krankenhauseinweisung eine Leistungszusage von ihrer Kasse einholen.
Darf die Kasse eine Akut-Einweisung ablehnen?
Viele gesetzliche Krankenkassen stehen unter starkem finanziellen Druck. Sie versuchen vieles, um eine teure Klinikeinweisung abzuwenden. Lassen Sie sich nicht einschüchtern! Wir raten Ihnen, sich direkt und persönlich die Kostenübernahme für den Krankenhausaufenthalt bei Ihrer Kasse bestätigen zu lassen. Wenn Sie das per Post machen, riskieren Sie einen zeitaufwendigen Schriftverkehr. Von Angesicht zu Angesicht und mit deutlichem Hinweis auf die Rechtslage wird Ihnen Ihre Kasse den Stempel nicht versagen können. Bereiten Sie sich gut vor und nehmen Sie sich ruhig jemanden mit, der Sie dabei unterstützt.
Nur der einweisende Arzt entscheidet, ob eine stationäre Behandlung medizinisch notwendig ist. Es ist immer besser, wenn das ein Facharzt ist, in unserem Fall ein Dermatologe. Mit dieser ärztlichen Krankenhauseinweisung („roter Schein“) haben Sie Anspruch auf (voll-)stationäre Behandlung in einem zugelassenen Krankenhaus. Als „Zweitgutachter“ tritt dann das Krankenhaus auf. Es prüft, ob die Einweisung medizinisch notwendig ist, weil das Behandlungsziel z.B. nicht durch teilstationäre, vor- und nachstationäre oder ambulante Behandlung einschließlich häuslicher Krankenpflege erreicht werden kann (§ 39 SGB V).
Die Krankenkasse darf die Kostenübernahme nicht verweigern, weil sie den Krankenhausaufenthalt medizinisch bezweifelt oder sich für unzuständig erklärt. Die Kasse darf nur prüfen nur, ob das angeordnete Krankenhaus „zugelassen“ ist und die Kasse entsprechende Verträge mit dem Krankenhaus geschlossen hat. Trotzdem gibt es Kassen, die ihre Sachbearbeiterinnen anders anweisen:
• So wird behauptet, Psoriasis sei rein ambulant zu behandeln oder Sie hätten noch nicht alle ambulanten Möglichkeiten ausgenutzt. Aber es steht einer Verwaltungskraft nicht zu, Ihre bisherigen Therapieversuche medizinisch zu bewerten.
• Man verlangt, dass Sie sich beim Medizinischen Dienst (MDK) einen Termin geben lassen sollen, um die Einweisung des Arztes zu begutachten. Es gehört zwar zu den Aufgaben des MDK zu prüfen, ob eine Kassenleistung notwendig ist. Die Krankenhausbehandlung gehört aber ganz eindeutig nicht dazu (§ 275 SGB V). Nur wenn der begründete Verdacht besteht, dass Sie sich eine Leistung erschleichen wollen, darf der MDK eingeschaltet werden.
Handelt es sich nicht um eine Krankenhauseinweisung, sondern haben Sie einen Rehabilitations-Antrag (§ 40 SGB V) gestellt, dann darf der MDK Ihren Zustand sehr wohl medizinisch überprüfen.
• Es wird erklärt, die Kasse sei für die stationäre Behandlung der Psoriasis überhaupt nicht zuständig. Arbeitnehmer müssten ihren Antrag beim Rentenversicherungsträger stellen. Bei der Psoriasis-Therapie würde es sich um eine Rehabilitation handeln, um die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen. Das stimmt nicht! Die Kasse ist zuständig für alle akuten Fälle, in denen Sie sofort behandelt werden müssen. Wenn Sie langfristig eine Reha-Maßnahme beantragen, dann wird bei Arbeitnehmern geprüft, ob die Rentenversicherung oder die Krankenversicherung zuständig ist. Erklärt der Arzt, durch die Psoriasis würde Ihre Erwerbsfähigkeit nicht gemindert werden, ist weiterhin die Krankenversicherung zuständig. Nur Kinder, Hausfrauen und Rentner beantragen ihre Kuren immer bei der Krankenkasse.
Die Rechtslage ist klar, wird aber von einigen Krankenkassen missachtet, um die Betroffenen einzuschüchtern. Bedenken Sie, dass Sie kein Bittsteller sind, sondern Sie zahlen meist seit Jahren Ihre Beiträge in die Krankenversicherung ein. Deshalb steht es Ihnen zu, diejenigen gesetzlichen Leistungen zu beanspruchen, die für Sie persönlich medizinisch notwendig sind. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!
Privatkassen verweisen meist darauf, dass es sich bei der stationären Psoriasis-Behandlung um eine Reha-Maßnahme handelt, die nicht sie, sondern die Rentenversicherung zu zahlen habe. Versicherte sollten sich trotzdem nicht abwimmeln lassen. Bei einem „akuten“ Psoriasisschub muss schnell gehandelt werden, damit sich die Krankheit nicht verschlimmert. Und das dürfen nur der Arzt und das Krankenhaus entscheiden, nicht aber eine Verwaltungsangestellte.
Es gibt Krankenkassen, die grundsätzlich erst einmal eine Kostenübernahme verweigern. Legen Sie sofort schriftlich Widerspruch ein. Nehmen Sie unsere Argumente als Grundlage. Setzen Sie eine kurze Frist (eine Woche) und drohen Sie allgemein „juristische Schritte“ an.
Bevor Sie unnötig Geld ausgeben, lassen Sie sich von Fachleuten beraten:
Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD), deutschlandweites Beratungstelefon: 01803 11 77 22 (9 Cent pro Minute aus dem Festnetz) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
UPD, Beratungsstelle Berlin, Telefon: 80 10 78 25,
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, (auch in Magdeburg und Hannover)
Verbraucherzentrale Berlin (Patientenberatung) Tel: 030 21 48 52 60 (Anmeldung: Di.,Mi. 14-17 Uhr) Tel: 0190 88 77 14 (gebührenpflichtig) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Der informierte Patient - Der Weg zu einer erfolgreichen Behandlung (kostenlos bei der Techniker Krankenkasse)
Gesetzliche Regelungen, die im Text angesprochen worden sind
SGB 5 § 39 Krankenhausbehandlung
(1) Die Krankenhausbehandlung wird vollstationär, teilstationär, vor- und nachstationär (§ 115a) sowie ambulant (§ 115b) erbracht. Versicherte haben Anspruch auf vollstationäre Behandlung in einem zugelassenen Krankenhaus (§ 108), wenn die Aufnahme nach Prüfung durch das Krankenhaus erforderlich ist, weil das Behandlungsziel nicht durch teilstationäre, vor- und nachstationäre oder ambulante Behandlung einschließlich häuslicher Krankenpflege erreicht werden kann. Die Krankenhausbehandlung umfasst im Rahmen des Versorgungsauftrags des Krankenhauses alle Leistungen, die im Einzelfall nach Art und Schwere der Krankheit für die medizinische Versorgung der Versicherten im Krankenhaus notwendig sind, insbesondere ärztliche Behandlung (§ 28 Abs. 1), Krankenpflege, Versorgung mit Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln, Unterkunft und Verpflegung; die akutstationäre Behandlung umfasst auch die im Einzelfall erforderlichen und zum frühest möglichen Zeitpunkt einsetzenden Leistungen zur Frührehabilitation.
(3) Die Landesverbände der Krankenkassen, die Verbände der Ersatzkassen, die Bundesknappschaft und die See-Krankenkasse gemeinsam erstellen unter Mitwirkung der Landeskrankenhausgesellschaft und der Kassenärztlichen Vereinigung ein Verzeichnis der Leistungen und Entgelte für die Krankenhausbehandlung in den zugelassenen Krankenhäusern im Land oder in einer Region und passen es der Entwicklung an (Verzeichnis stationärer Leistungen und Entgelte). Dabei sind die Entgelte so zusammenzustellen, dass sie miteinander verglichen werden können. Die Krankenkassen haben darauf hinzuwirken, dass Vertragsärzte und Versicherte das Verzeichnis bei der Verordnung und Inanspruchnahme von Krankenhausbehandlung beachten.
(4) Versicherte, die das achtzehnte Lebensjahr vollendet haben, zahlen vom Beginn der vollstationären Krankenhausbehandlung an innerhalb eines Kalenderjahres für längstens 14 Tage 9 Euro je Kalendertag an das Krankenhaus, das diesen Betrag an die Krankenkasse weiterleitet. Die innerhalb des Kalenderjahres bereits an einen Träger der gesetzlichen Rentenversicherung geleistete Zahlung nach § 32 Abs. 1 Satz 2 des Sechsten Buches sowie die nach § 40 Abs. 5 Satz 2 geleistete Zahlung sind auf die Zahlung nach Satz 1 anzurechnen.
(5) Die See-Krankenkasse kann für kranke Seeleute, die ledig sind und keinen Haushalt haben, über den Anspruch nach Absatz 1 hinaus Unterkunft und Verpflegung in einem Seemannsheim erbringen. Absatz 4 gilt.
(5) Versicherte, die eine Leistung nach Absatz 1 oder 2 in Anspruch nehmen und das achtzehnte Lebensjahr vollendet haben, zahlen je Kalendertag 9 Euro an die Einrichtung. Die Zahlungen sind an die Krankenkasse weiterzuleiten.
(6) Versicherte, die das achtzehnte Lebensjahr vollendet haben und eine Leistung nach Absatz 1 oder 2 in Anspruch nehmen, deren unmittelbarer Anschluss an eine Krankenhausbehandlung medizinisch notwendig ist (Anschlussrehabilitation), zahlen den sich nach § 39 Abs. 4 ergebenden Betrag für längstens 14 Tage je Kalenderjahr an die Einrichtung; als unmittelbar gilt der Anschluss auch, wenn die Maßnahme innerhalb von 14 Tagen beginnt, es sei denn, die Einhaltung dieser Frist ist aus zwingenden tatsächlichen oder medizinischen Gründen nicht möglich. Die innerhalb des Kalenderjahres bereits an einen Träger der gesetzlichen Rentenversicherung geleistete kalendertägliche Zahlung nach § 32 Abs. 1 Satz 2 des Sechsten Buches sowie die nach § 39 Abs. 4 geleistete Zahlung sind auf die Zahlung nach Satz 2 anzurechnen. Die Zahlungen sind an die Krankenkasse weiterzuleiten.
(7) Die Spitzenverbände der Krankenkassen legen gemeinsam und einheitlich und unter Beteiligung der Arbeitsgemeinschaft nach § 282 (Medizinischer Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen) Indikationen fest, bei denen für eine medizinisch notwendige Leistung nach Absatz 2 die Zuzahlung nach Absatz 6 Satz 1 Anwendung findet, ohne dass es sich um Anschlussrehabilitation handelt. Vor der Festlegung der Indikationen ist den für die Wahrnehmung der Interessen der stationären Rehabilitation auf Bundesebene maßgebenden Organisationen Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben; die Stellungnahmen sind in die Entscheidung einzubeziehen.
SGB 5 § 108 Zugelassene Krankenhäuser
Die Krankenkassen dürfen Krankenhausbehandlung nur durch folgende Krankenhäuser (zugelassene Krankenhäuser) erbringen lassen: 1. Hochschulkliniken im Sinne des Hochschulbauförderungsgesetzes, 2. Krankenhäuser, die in den Krankenhausplan eines Landes aufgenommen sind (Plankrankenhäuser), oder 3. Krankenhäuser, die einen Versorgungsvertrag mit den Landesverbänden der Krankenkassen und den Verbänden der Ersatzkassen abgeschlossen haben.
Aufgaben des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen
2. zur Einleitung von Leistungen zur Teilhabe, insbesondere zur Koordinierung der Leistungen und Zusammenarbeit der Rehabilitationsträger nach den §§ 10 bis 12 des Neunten Buches, im Benehmen mit dem behandelnden Arzt,
(1b) Der Medizinische Dienst überprüft bei Vertragsärzten, die nach § 106 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 geprüft werden, stichprobenartig und zeitnah Feststellungen der Arbeitsunfähigkeit. Die in § 106 Abs. 2 Satz 4 genannten Vertragspartner vereinbaren das Nähere.
1. die Notwendigkeit der Leistungen nach den §§ 23, 24, 40 und 41 unter Zugrundelegung eines ärztlichen Behandlungsplans vor Bewilligung und bei beantragter Verlängerung; die Spitzenverbände der Krankenkassen können gemeinsam und einheitlich Ausnahmen zulassen, wenn Prüfungen nach Indikation und Personenkreis nicht notwendig erscheinen; dies gilt insbesondere für Leistungen zur medizinischen Rehabilitation im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung (Anschlussheilbehandlung),
2. (entfällt),
3. bei Kostenübernahme einer Behandlung im Ausland, ob die Behandlung einer Krankheit nur im Ausland möglich ist (§ 18),
4. ob und für welchen Zeitraum häusliche Krankenpflege länger als vier Wochen erforderlich ist (§ 37 Abs. 1),
5. ob Versorgung mit Zahnersatz aus medizinischen Gründen ausnahmsweise unaufschiebbar ist (§ 27 Abs. 2).
1. die medizinischen Voraussetzungen für die Durchführung der kieferorthopädischen Behandlung (§ 29),
2. vor Bewilligung eines Hilfsmittels, ob das Hilfsmittel erforderlich ist (§ 33); der Medizinische Dienst hat hierbei den Versicherten zu beraten; er hat mit den Orthopädischen Versorgungsstellen zusammenzuarbeiten,
3. bei Dialysebehandlung, welche Form der ambulanten Dialysebehandlung unter Berücksichtigung des Einzelfalls notwendig und wirtschaftlich ist.
(4) Die Krankenkassen und ihre Verbände sollen bei der Erfüllung anderer als der in Absatz 1 bis 3 genannten Aufgaben im notwendigen Umfang den Medizinischen Dienst zu Rate ziehen, insbesondere für allgemeine medizinische Fragen der gesundheitlichen Versorgung und Beratung der Versicherten, für Fragen der Qualitätssicherung, für Vertragsverhandlungen mit den Leistungserbringern und für Beratungen der gemeinsamen Ausschüsse von Ärzten und Krankenkassen, insbesondere der Prüfungsausschüsse.
Die besonders teuren Therapien und Medikamente sind für die Fälle vorgesehen, in der eine "schwere" Psoriasis vorliegt. Wann aber handelt es sich um einen wirklich "schweren" Fall?
Für den Dermatologen ist eine Psoriasis „schwer“, wenn sie sich auf wesentliche Teile des Körpers ausgedehnt hat und aus dicken Plaques (Schuppenkruste) oder stark entzündete Stellen besteht. Das misst man mit dem Psoriasis Area and Severity Index (PASI). Mit dem Body Surface Area (Body Surface Area) erfasst man das Ausmaß, d.h. wie viel der Körperoberfläche von der Psoriasis betroffenen ist. Die eingeschränkte Lebensqualität, d.h. das subjektive Unwohlsein wird beschrieben mit dem Dermatology Life Quality Index (DLQI).
Eine „schwere“ Krankheit hat man auch, wenn zwar „nur“ die Füße und Hände betroffen sind, man aber damit nicht oder kaum noch laufen und greifen kann. Man ist auch dann „schwer“ erkrankt, wenn man am Arbeitsplatz durch die Psoriasis deutlich eingeschränkt ist und damit rechnen muss, seinen Job zu verlieren. „Schwer“ erkrankt kann auch sein, wessen Psoriasis für andere deutlich sichtbar ist, z.B. im Gesicht oder an den Fingernägeln. Ebenso, wenn man Psoriasis im Genital- oder Analbereich hat und damit Probleme in der Partnerschaft entstehen. Wenn die Psoriasis den Patienten so stark belastet, dass es z.B. zu Selbstmordgedanken oder Trennungsabsichten führt, gilt sie ebenfalls als „schwere“ Krankheit. Es ist bekannt, dass es Beleiterkrankungen („Komorbidiäten“) der Psoriasis gibt. Wer aufgrund seiner Schuppenflechte unter weiteren schwere Krankheiten leidet, ist ebenfalls „schwer“ betroffen. Dazu gehören zum Beispiel Psoriasis Arthritis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Herz- / Kreislauf- und Gefäß- Erkrankungen.
Psoriatiker, die weder als „behindert“ noch als „pflegebedürftig“ eingestuft werden, sollten im Einzelnen deutlich machen, wie ihre Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigt ist:
Wer deutlich sichtbare Plaques hat, traut sich nicht, am öffentlichen Leben teilzunehmen, weil er nicht angestarrt oder abgelehnt werden will (persönliche Beispiele aufzählen aus Beruf, Familien, Sport, Kultur, Vereinsleben, Einkaufen und Bezahlen an der Kasse).
Wer unter Juckreiz leidet, schläft nachts schlecht, ist am nächsten Tag unausgeschlafen und weniger leistungsfähig bzw. macht Fehler und ist unausgeglichen.
Wer unter Psoriasis Arthritis leidet, kann sich viel schlechter oder kaum noch bewegen, kann viele notwendigen Handgriffe im Haushalt, aber auch bei der Freizeitbeschäftigung nicht oder nur eingeschränkt unter Schmerzen ausführen.
Wer täglich oder mehrmals in der Woche zeitintensiv seine Stellen behandelt oder zur Bestrahlung fahren muss, ist ebenfalls stark belastet, weil ihm die Zeit für andere soziale Kontakte fehlt.
Die individuelle psychische und soziale Lage („Lebensqualität“) muss vom Arzt also immer mit herangezogen werden, um zu erklären, dass es sich bei dem Patienten um einen „schweren Fall handelt. Wenn Sie Ihrem Arzt genau berichten wollen, wie Ihre persönliche Lebensqualität eingeschränkt ist, sollten Sie sich gut vorbereiten, d.h. über längere Zeit alle Punkte sammeln und aufschreiben. Man neigt dazu zu verdrängen, wie erheblich die Psoriasis ins eigene Leben eingreifen kann.
Anfang 2011 berichten uns die Fachkliniken, dass sie kaum noch Reha-Patienten von Krankenkassen haben. Die Krankenkassen würden "dichtmachen". Auch Patientenberatungsstellen gehen davon aus, dass Dreiviertel aller Anträge auf eine Rehabilitationsmaßnahme erst einmal abgelehnt werden. Stets wird behauptet, dass die medizinischen Voraussetzungen für eine Rehabilitationsmaßnahme nicht vorliegen würden. Damit werden Antragsteller eingeschüchtert, denn viele denken, sie müssten die Ablehnung akzeptieren oder wissen nicht, wie sie sich dagegen wehren können.
Wir raten Ihnen, statt des Reha-Antrags sich gleich akut in ein Krankenhaus einweisen zu lassen oder Widerspruch einzulegen.
Akut-Einweisung anstelle von Reha-Antrag
Wenn Ihnen das Widerspruchsverfahren zu umständlich ist, weil schon der Antrag sehr zeitaufwendig war, könnten Sie versuchen, sich stattdessen vom Arzt in ein Krankenhaus akut einweisen zu lassen. Eine Akut-Einweisung bedeutet, dass Sie sofort ins Krankenhaus müssen, weil Ihre Psoriasis so schlimm ist, dass man mit der Behandlung nicht mehr warten kann.
Einer ärztlichen Einweisung darf die Krankenkasse nicht widersprechen! Sie darf nur ablehnen, die Kosten zu übernehmen, wenn sie mit dem Krankenhaus keinen Versorgungsvertrag geschlossen hat. In vielen Fällen sind Fachkliniken mit Akutbetten preiswerter, als eine örtliche Klinik. Wenden Sie sich wegen der Begründung dafür an eine Fachklinik Ihrer Wahl. Die wird Ihnen mit Argumenten helfen. Ihr Vorteil: In diesen Klinken werden Sie genauso behandelt, als wenn Sie dort zur Reha wären, z.B. werden Sie in vielen Fachkliniken in Einzelzimmern untergebracht.
Für eine Akut-Einweisung wegen Psoriasis bewilligen die Krankenkassen heutzutage nur 14 Tage. Wenn Sie sicher sind, dass diese Zeit nicht ausreicht, sollten Sie sich für eine Fachklinik mit Akutbetten entscheiden. Das ist eine Reha-Klinik, die aber auch akute Fälle behandeln darf. Im Prinzip darf jede Akut-Klinik nach Abschluss einer zweiwöchigen Akutbehandlung eine "Anschluss-Heilbehandlung" beantragen. Das wird gemacht, wenn Ihnen nach 14 Tagen Verweildauer noch nicht geholfen werden konnte. Aber in einer Fachklinik mit Akutbetten sind die Kosten pro Tag deutlich niedriger sind, als in einem reinen Akut-Krankenhaus. Das erleichtert sicherlich die Entscheidung eines KassenmItarbeiters.
Sie haben grundsätzlich die freie Wahl des Akut-Krankenhauses. D.h. Sie dürfen sich auch für eine Fachklinik mit Akutbetten irgendwo in Deutschland entscheiden, wobei Sie Fahrtkosten dann privat tragen müssen.
Wenn Ihnen das zu anstrengend ist, überzeugen Sie Ihren Arzt, dass er Sie in ein Akut-Krankenhaus einweist.
Lassen Sie sich nicht abwimmeln
Der andere Weg ist, einem abgelehnten Reha-Antrag zu widersprechen. Wenn Sie diesen Weg gehen wollen, lassen Sie sich von einer Ablehnung nicht beeindrucken. Widersprechen Sie innerhalb der angegebenen Frist! Dieser Widerspruch sollte aber gut begründet sein. Versuchen Sie nicht, den Widerspruch alleine im stillen Kämmerchen zu formulieren. Reagieren Sie nicht empört und mit rein gefühlsmäßigen Argumenten auf die Ablehnung. Ein Widerspruch muss immer fristgemäß erfolgen. Aber man darf auch ohne Begründung widersprechen, wenn man ankündigt, dass man die Argumente nachreicht. So hat man noch nach dem Termin genug Zeit, fehlende Argumente oder Bestätigungen zu sammeln.
Grundsätzlich gilt: Ihre letzte Rehabilitationsmaßnahme muss nicht vier Jahre zurückliegen! Anträge können jederzeit gestellt werden, wenn es „aus gesundheitlichen Gründen dringend erforderlich ist" (§40 SGB V bzw. §12 SGB VI), d.h. wenn Sie einen schweren Psoriasis-Schub haben. Mit dem gleichen Argument können Sie übrigens die normalerweise auf 20 Tage begrenzte Behandlungsdauer verlängern lassen. Es gibt Menschen mit Psoriasis oder Psoriasis Arthritis, die jedes Jahr eine Reha-Maßnahme bewilligt bekommen!
Sie sollten versuchen, Ihren Widerspruch möglichst glaubhaft zu formulieren. Zum einen geht es darum, Ihren persönlichen Therapieverlauf und Ihre persönliche Erkrankung darzulegen. Sie sollten sich den entsprechenden Paragraphen genau durchlesen. Versuchen Sie entlang der Formulierungen im Gesetzestext zu begründen, welche der genannten Voraussetzungen genau für Sie zutrifft, um Ihre Krankheit in einer Reha-Klinik behandeln zu lassen. Beachten Sie, nicht nur körperliche Einschränkungen zu benennen, sondern vor allem psychische und andere, die Ihre Lebensqualität verschlechtern. Je mehr Sie aufzählen, desto eindrucksvoller!
Reha-Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV)
Die DRV ist nur für Reha-Anträge von Arbeitnehmern zuständig, d.h. sie bezahlt nur Klinikaufenthalte, durch die eine Erwerbsfähigkeit ermöglicht oder verbessert werden kann. Für Reha-Anträgen, bei denen die Krankheit keinen Einfluss auf die Erwerbsfähigkeit hat oder der von Patienten gestellt wird, die nicht im Berufsleben stehen, sind die Krankenkassen zuständig.
Für Reha-Anträge bei der DRV gilt § 10 im Sozialgesetzbuch VI. Da heißt es:
a) bei erheblicher Gefährdung der Erwerbsfähigkeit eine Minderung der Erwerbsfähigkeit durch Leistungen zur medizinischen Rehabilitation oder zur Teilhabe am Arbeitsleben abgewendet werden kann,
b) bei geminderter Erwerbsfähigkeit diese durch Leistungen zur medizinischen Rehabilitation oder zur Teilhabe am Arbeitsleben wesentlich gebessert oder wiederhergestellt oder hierdurch deren wesentliche Verschlechterung abgewendet werden kann,
Die Deutsche Rentenversicherung unterhält eigene Reha-Einrichtungen, die vorrangig belegt werden. Sofern der Sparkurs überhaupt noch andere Zuweisungen erlaubt, wird das Angebot der Vertragskliniken genau geprüft. Wenn Sie in eine Fachklinik wollen, in der Sie schon einmal waren, begründen Sie Ihren Wunsch (Zum Beispiel: "Hat mir sehr gut geholfen. War so und so lange seit dem erscheinungsfrei.")
Reha-Antrag bei der Krankenkasse
Die Krankenkassen sind für Reha-Anträge zuständig, die von Patienten gestellt werden, die nicht im Berufsleben stehen bzw. von Arbeitnehmern, bei denen die Krankheit keinen Einfluss auf die Erwerbsfähigkeit hat. Die DRV dagegen ist nur für Reha-Anträge von Arbeitnehmern zuständig, d.h. sie bezahlt nur Klinikaufenthalte, durch die eine Erwerbsfähigkeit ermöglicht oder verbessert werden kann. Da zwischen Renten- und Krankenversicherungen keine Abgrenzungsrichtlinien vereinbart wurden, gibt es einen ärztlichen Ermessensspielraum.
Für Reha-Anträge bei der Krankenkasse gilt § 40 im Sozialgesetzbuch V. Da heißt es sinngemäß: Reicht eine Krankenbehandlung nicht aus, erbringt die Krankenkasse aus medizinischen Gründen erforderliche Rehabilitationsleistungen in Rehabilitationseinrichtungen. Die Krankenversicherung muss zahlen, wenn die Reha anstelle einer sonst erforderlichen Krankenbehandlung verordnet wird. Ist eine Reha-Maßnahme nur im Ausland (außer Davos) möglich, muss ebenfalls die Krankenkasse angesprochen werden. Die Rentenversicherung zahlt (noch) keine Aufenthalte am Toten Meer (Ausnahme: DRV Mitteldeutschland). Wollen Sie eine Klimakur am Toten Meer von der Krankenkasse bezahlt bekommen, sollten Sie sich bei einem der Reiseveranstalter genau vorher erkundigen. Auch die wissen, wie man gegenüber der Kasse argumentieren muss.
Die gesetzlichen Krankenkassen überlassen die Wahl der Einrichtung gewöhnlich dem Arzt, der eine stationäre Rehabilitation empfiehlt und deren Notwendigkeit medizinisch begründet. Dabei sollte er Wünsche des Patienten selbstverständlich berücksichtigen. Wenn Sie in eine Fachklinik wollen, in der Sie schon einmal waren, begründen Sie Ihren Wunsch (Zum Beispiel: "Hat mir sehr gut geholfen. War so und so lange seit dem erscheinungsfrei.") Sie können auch mit den Unterbringungskosten argumentieren, die meist deutlich niedriger sind, als in einer wohnortnahen Klinik.
Persönliche Behandlungsnotwendigkeit (DRV- bzw. Kassen-Antrag)
Formulieren Sie eine persönliche Begründungen: Sie kennen Ihre Krankheitsgeschichte selbst am besten. Schildern Sie ausführlich, wie Sie körperlich und psychisch unter Ihrer Krankheit leiden. Wie beeinflusst die Krankheit Ihren Alltag, Ihr Berufsleben, Ihre sozialen Kontakte und Partnerbeziehungen? Sehr hilfreich ist es auch, ein psychologisches Gutachten beizufügen. Das bekommt man von einer Therapeutin schon nach einigen Sitzungen.
Bitten Sie zum anderen den behandelnden Arzt, Ihren Zustand sehr genau zu diagnostizieren. Mit zu kurzen Begründungen gibt es erfahrungsgemäß Probleme! Das ärztliche Attest sollte aufzählen, welche bisherigen Therapien langfristig erfolglos waren:
- Was wurde in den vergangenen zwölf Monaten alles unternommen?
- Wie lautet das Ergebnis der Therapien?
- Weshalb sind die ambulanten Möglichkeiten ausgeschöpft?
Im Einzelnen könnten folgende Aussagen getroffen werden:
- Trotz regelmäßiger Behandlung mit .... besteht weiterhin ein ausgedehnter Hautbefund von etwa ... Prozent der Körperoberfläche.
- Auch bei zunächst erfolgreichen ambulanter Therapien halten die einigermaßen beschwerdefreien Intervalle immer nur kurzzeitig an und kehren hartnäckig wieder zurück.
- In den vergangenen zwei Jahren war außerdem eine akut-stationäre Krankenhausbehandlung notwendig.
- Eine bereits früher in Anspruch genommene medizinische Reha-Leistung liegt zwar noch keine vier Jahre zurück, ist aber dringend wieder erforderlich.
- Die Patientin war aufgrund Ihrer Krankheit mehrfach und langfristig arbeitsunfähig.
- Eine Gelenkbeteiligung schränkt zusätzlich die Fähigkeit zu den normalen Alltagsaktivitäten ein.
- Der Patient neigt dazu, seine Krankheit resignativ aufzufassen und muss unbedingt angeregt werden, aktiv mitzuhelfen, die Krankheit zu bewältigen (“Compliance").
- Die Patientin leidet psychisch darunter, dass ihre Krankheit nicht zurückgeht. Sie neigt dazu, sich depressiv zu verhalten, ist ängstlich und isoliert sich vom gesellschaftlichen Leben und äußerst vermehrt Selbstmordgedanken.
Lassen Sie sich eventuell zusätzlich von professionellen und erfahrenen Sozial-Experten helfen. Die sitzen in den Patientenberatungsstellen oder den Fachkliniken. Näheres erfahren Sie zum Beispiel unter www.unabhaengige-patientenberatung.de. Wenn Sie schon wissen, in welche Reha-Klinik Sie wollen, sollten Sie dort anrufen. Die Klinik berät Sie, was im Widerspruch stehen sollte, denn dort weiß man am besten, auf welche Fachbegriffe es bei Ihrer Krankheit ankommt.
Manche Leute suchen sich gleich einen Anwalt. Unter www.medizinrechts-beratungsnetz.de werden kostenlos Anwälte genannt, die sich auf Sozialrecht spezialisiert haben. Die gleiche Auskunft erhalten Sie auch bei der örtlichen Anwaltskammer. Die Rechtsschutzversicherung deckt „vorgerichtliche" Kosten zum Beispiel für Beratungsgespräche beim Anwalt n i c h t ab.
Medizinische Dienste oft ohne Fachärzte
Nicht alle Antragsteller werden noch persönlich begutachtet. Viele Fälle werden nur noch am Schreibtisch entschieden. Rentenversicherung bzw. Krankenkasse haben eigene Mediziner, die Reha-Anträge prüfen. Das erledigt der Sozialmedizinische Dienst (SMD) oder ein Vertrauensarzt der Rentenversicherung bzw. der Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Die Versicherung muss sich nicht an die Stellungnahme des Gutachters halten.
Es ist ein Widerspruchsgrund, wenn Sie nur nach Aktenlage oder von einem fachfremden Arzt begutachtet worden sind! Sind Sie von einem Dermatologen bzw. Rheumatologen oder Orthopäden untersucht worden? Gutachter anderer Fachrichtungen haben nur wenig Erfahrung mit Psoriasis bzw. Psoriasis Arthritis. Sie dürfen ein Obergutachten von einem Facharzt verlangen.
Nicht abschrecken lassen vom Reha-Vertragsarzt
Seit dem 01. April 2007 müssen eigentlich alle Patienten, die bei der gesetzlichen Krankenkasse eine Reha-Leistung beantragen wollen, zu einem dafür speziell ausgebildeten "Reha-Vertragsarzt" gehen. Nur der darf offiziell die medizinische Begründung für den Antrag formulieren.
Aber die meisten der niedergelassenen Ärzte haben diese - immerhin gesetztiche! - Regelung erfolgreich boykottiert, so dass Sie jetzt weiterhin Ihren Reha-Antrag vom behandelnden Dermatologen oder Rheumatologen ausfüllen lassen können.
Haushaltshilfen und Freistellung von der Arbeit bei krankem Kind
Haushaltshilfen sollen Ihnen die Hausarbeit abnehmen, die Sie normalerweise alleine machen würden. Wenn Sie aber zu Hause krank sind oder in einer Klinik behandelt werden, muss sich irgend jemand um den Haushalt kümmern.
Das Gesetz schreibt eine Haushaltshilfe nur vor, wenn kleinere Kinder im Haus-halt sind oder für die Zeit der Schwangerschaft bzw. der Entbindung. Einige Krankenkassen finanzieren als freiwillige Zusatzleistung Haushaltshilfen auch bei älteren Kindern oder sogar dann, wenn Kinderlose dadurch nicht ins teure Krankenhaus eingeliefert werden müssen.
Suchen Sie sich also diejenige Krankenkasse aus, die für Ihre Lebenssituation die besten Regelungen anbietet.
Der Anspruch auf eine Haushaltshilfe ist immer unabhängig davon, wie viel Sie verdienen.
Gesetzlich steht Ihnen eine Haushaltshilfe zu, wenn Sie
zu Hause gepflegt werden oder im Krankenhaus liegen oder irgend eine Form der Rehabilitation machen und
mit einem Kind im Haushalt leben, das unter 12 Jahre ist bzw. das so behindert ist, dass es auf Hilfe angewiesen ist (Es muss nicht das eigene Kind sein) und
niemand im Haushalt lebt, dem es zuzumuten wäre, diese Aufgaben an Ihrer Stelle zu übernehmen (§ 38 SGB V).
Eine Haushaltshilfe gibt es auch, wenn Sie wegen Schwangerschaft oder Entbindung Ihren Haushalt nicht selbst führen können. Dabei ist es unerheblich, ob Sie schon Kinder haben und wie alt diese sind (§ 199 Reichsversicherungsordnung).
Grundsätzlich ist es die Krankenkasse, bei denen eine Haushaltshilfe beantragt werden muss. Wer aber z.B. eine Reha-Maßnahme von der Rentenversicherung bezahlt bekommt, muss auch dort die Hilfe beantragen.
Sie können sich eine Haushaltshelferin von der Kasse stellen lassen oder selbst eine besorgen, z.B. über eine Sozialstation. Wenn Sie sich selbst darum kümmern, sollten Sie sich vorher darüber informieren, welchen Stundenlohn die Kasse erstattet. Das ist bei jeder Krankenkasse unterschiedlich. Klären Sie das vorher ab. Manche Kassen akzeptieren nur dann selbst gestellte Haushaltshilfen, wenn besondere Gründe vorliegen (z.B. Vertrauensperson aus psychologischen Gründen oder für die Kinderbetreuung). Eltern, Verwandte (bis zum zweiten Grad) bzw. Verschwägerte erhalten nur Fahrgeld und “angemessenen” Verdienstausfall ersetzt. Das darf zusammen nicht mehr kosten, als eine reguläre Haushaltshilfe nehmen würde.
Die Krankenkassen dürfen aber freiwillig bei Haushaltshilfen mehr leisten, als das Gesetz vorschreibt. So gibt es Kassen, die eine Haushaltshilfe bewilligen
bis zum 14. Lebensjahr des Kindes,
bei Kinderlosen oder Eltern mit älteren Kindern, z.B. wenn es abzusehen ist, dass sie nur vorübergehend benötigt wird,
schon bei akuten Krankheiten (z.B. schweren Psoriasis-Schüben), um dadurch einen teuren Krankenhausaufenthalt zu vermeiden.
In allen Fällen benötigen Sie ein ärztliches Attest, dass Sie eine Haushaltshilfe brauchen, d.h. weshalb, wie lange und wie viele Stunden pro Tag. Wenn der Arzt das nicht von alleine anbietet, sollte die kranke Mutter oder der kranke Vater ihn direkt darauf ansprechen. Manche Ärzte befürchten, ihr Budget damit zu belasten. In eiligen Fällen kann der Arzt das Attest an die Kasse faxen. Die meisten Kassen gewähren bis zu acht Stunden Haushaltshilfe pro Tag. Die tatsächliche Dauer hängt aber vom Einzelfall ab.
Im Sozialgesetzbuch V ist nicht vorgesehen, bei akuter Erkrankung eine Haushaltshilfe zu stellen. Psoriatiker mit einem schweren Schub sind oft nur noch eingeschränkt fähig, ihre Familie zu versorgen: Wer Stellen am gesamten Körper und dem Kopf hat und unter Schmerzen in den Gelenken leidet, denkt nicht mehr viel an anderes. Viel Zeit beansprucht es, zur Bestrahlung zu fahren oder sich zu Hause einzuschmieren. Man schafft es nicht, einkaufen zu gehen, den Kindern mittags etwas zu kochen oder ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen. Es fällt schwer, die Kleinsten aufs Klo zu setzen oder ständig hinterher zu sein, damit sie nichts anstellen. Steife Gelenke lassen es nicht zu, einen Knopf anzunähen oder mit den Kindern zu spielen. Wer einen Partner hat, wird es ihm nicht zumuten, deshalb seine Berufstätigkeit einzuschränken oder Urlaub zu nehmen. Am besten wäre es, ins Krankenhaus zu gehen. Aber wer kümmert sich dann tagsüber um die Kinder?
In diesem Fall gibt es keinen Rechtsanspruch auf eine Haushaltshilfe, es sei denn, Sie sind in einer Krankenkasse, die in ihrer Satzung vorsieht, auch das zu bezahlen.
Wird man mit Psoriasis als Behinderter anerkannt?
Ausführliche Informationen zum Behinderten-Recht findet sich bei betanet. Die Gutachter des Versorgungsamtes selbst halten sich penibel an die Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV). Daraus lassen sich (fast) alle Fragen erschöpfend beantworten.
Als „behindert“ im Sinne des Sozialgesetzbuches IX gilt, wer in seinen körperlichen, geistigen oder seelischen Funktionen beeinträchtigt ist. Dieser Zustand darf nicht nur vorübergehend sein. Amtlich anerkannt wird nur, wer auf Dauer oder mindestens sechs Monate lang gehandikapt ist. Mehrere Beeinträchtigungen (z.B. verschiedene körperliche + psychische Gebrechen) werden nicht zusammengezählt, sondern es wird ermittelt, wie sich diese insgesamt als Behinderung auswirken. Als „schwer behindert“ gilt, bei wem ein Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr anerkannt wurde. Behinderte, bei denen ein GdB von mindestens 30 festgestellt wurde, können sich von der Bundesagentur für Arbeit mit Schwerbehinderten gleichstellen lassen. Dadurch erhalten sie die gleichen Förderungen und den gleichen Kündigungsschutz, wie Schwerbehinderte. Das geht nur, wenn der Behinderte plausibel macht, dass er ohne diese Gleichstellung seinen Arbeitsplatz verlieren oder sonst keinen geeigneten finden würde. Zum Beispiel, wenn der Arbeitgeber einen Behinderten nur dann einstellt, wenn er für ihn finanzielle Zuschüsse bekommt. Das Integrationsamt bezahlt dem Arbeitgeber z.B. bis zu 100% der Personalkosten, teure Zusatzapparaturen und manchmal sogar einen Firmen-PKW für außergewöhnlich Gehbehinderte.
Wer behindert ist, ist noch lange nicht arbeitsunfähig! Ganz im Gegenteil, sind die meisten Behinderten berufstätig. Natürlich kann jemand, der z.B. durch seine Hautkrankheit behindert ist, trotzdem am PC arbeiten. Ein Behinderter wird zwar nicht alle, aber vermutlich eine Menge Berufe ausüben können. Warum also lässt man sich als Behinderte amtlich anerkennen? Weil Behinderte und Schwerbehinderte Sonderregelungen, Vergünstigungen und Steuervorteile beanspruchen dürfen. Damit soll versucht werden, Benachteiligungen auszugleichen oder abzumildern, die man auf Grund seines Gebrechens gegenüber Gesunden hat. Ausführliche Informationen zu diesen "Nachteils-Ausgleichen" finden sich in den Broschüren der regionalen Versorgungsämter oder im Internet.
Wesentliche Vorteile für Behinderte
Einem schwer behinderten oder einem ihn gleich gestellten Arbeitnehmer darf nur gekündigt werden, wenn das Integrationsamt vorher zustimmt. Es soll alles unternommen werden, um eine Kündigung abzuwenden. Einzige Voraussetzung: Das Arbeitsverhältnis ist unbefristet und die Probezeit ist abgelaufen. Dieser besondere Kündigungsschutz gilt von dem Tag an, an dem ein Antrag auf Anerkennung oder Gleichstellung bei der jeweiligen Behörde eingeht.
Zusatzurlaub:
Ein Schwerbehinderter erhält zusätzlich fünf Arbeitstage Erholungsurlaub, nicht aber ein ihm gleichgestellter Behinderter.
Keine Überstunden:
Ein Schwerbehinderter darf jegliche Mehrarbeit bzw. tägliche Arbeitszeit über acht Stunden hinaus ablehnen.
Je nach Grad der Behinderung wird einem Behinderten ein pauschaler Freibetrag von der Einkommenssteuer zugebilligt. (§35 EStG). Zusätzliche Ausgaben, die wegen der Behinderung entstanden sind, können leichter als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden. Der Steuerexperte rät, wer es nicht schafft, einen GdB von mindestens 50 erkannt zu bekommen, sollte versuchen, wenigstens eine eingeschränkte Gehfähigkeit (z.B. bei Psoriasis an den Fußsohlen) feststellen zu lassen. Das würde sich steuerlich deutlich lohnen.
Vorzeitige Rente:
Schwerbehinderte dürfen zwei Jahre früher in den Altersruhestand gehen, ohne dass die Rente deshalb gekürzt wird.
Außergewöhnlich gehbehinderte Autofahrer (Merkzeichen "aG") dürfen für sie reservierte Behindertenparkplätze benutzen. Dagegen dürfen erheblich Gehbehinderte (Merkzeichen "G") nur im eingeschränkten Halteverbot parken, solange Sie dadurch der Straßenverkehr nicht behindern.
Freifahrten:
Wer schwerbehindert ist, darf im öffentlichen Personen-Nahverkehr ermäßigt oder kostenlos fahren bzw. sich von 50% der KfZ-Steuer befreien lassen. Begleitpersonen oder ein Hund sind kostenlos, wenn im Ausweis das Merkzeichen "B" steht.
Nachteile für Behinderte
In der derzeitigen wirtschaftlichen Lage gibt es viele Arbeitgeber, die würden jemanden nicht einstellen, wenn sie erfahren, dass er als Schwerbehinderter anerkannt ist. Aus Angst, jemand könnte deshalb immer wieder längere Zeit krank geschrieben werden, vor allem aber wegen der besonderen Schutzvorschriften. Trotzdem darf ein Bewerber bei einem Vorstellungsgespräch nicht mehr nach einer Behinderung oder einem GdB gefragt werden (Schutz vor Diskriminierung). Auf solche unzulässige Frage darf man im Arbeitsleben eine unwahre Antworten geben. Ausnahme: Ein Bewerber muss seinen GdB mitteilen, wenn die Arbeit wegen der Behinderung eigentlich nicht oder nur eingeschränkt ausführbar ist bzw. die Behinderung für den Arbeitsplatz von besonderer Bedeutung ist. Aber Vorsicht: Wenn wegen der Behinderung ein monatlicher Steuer-Freibetrag beansprucht wird, erfährt das der Arbeitgeber. Das kann man verhindern, indem man die Behinderung nur in der jährlichen Einkommenssteuer-Erklärung geltend macht.
Grad der Behinderung bei Psoriasis (VersMedV, Ziffer 17.7.)
GdB bis 10, wenn die Pso auf die bevorzugten, typischen Stellen beschränkt ist (mit Ausnahme des behaarten Kopfes).
GdB bis 20, wenn die Pso ausgedehnt ist, aber erscheinungsfreie Intervalle von mehreren Monaten auftreten.
GdB 30 bis 50, bei andauerndem ausgedehnten Befall oder stark beeinträchtigendem lokalen Befall (z.B. an den Händen).
Zusätzlich ist es zu bewerten, wenn eine außergewöhnliche Nagelbeteiligung mit Zerstörung der Nagelplatten vorliegt. Im Einzelnen ist zu berücksichtigen, wie stark der Gebrauch der Hände, die Greif- und Geh-Fähigkeit beeinträchtigt sind, welche Schmerzen der Mensch hat und in wieweit die Nägel optisch verändert sind.
Für die Berücksichtigung des Behinderungsgrades sind außerdem in die Bewertung mit aufzunehmen, wo genau die Hauterscheinungen sind (Gesicht, Hände, Füße), wie stark der Juckreiz ist, wie der Betroffene bisher auf Therapien angesprochen hat (therapieresistent?), wie oft er stationär (akut oder rehabilitativ) behandelt werden musste und wie kontinuierlich die Krankheit ambulant versorgt werden muss (Belastungen durch die Therapie). Schließlich muss ebenfalls berücksichtigt werden, wie stark die Lebensqualität durch die Krankheit beeinträchtigt ist. Dazu gehören die psychischen Belastungen, die Einschränkungen im Beruf, Alltag, Freizeit und bei den Sozial- und Partnerschaftskontakten. Je genauer Patient und Arzt diese Belastungen dokumentieren, desto genauer kann der GdB bestimmt werden. Ein GdB über 50 ist bei reinen Hauterscheinungen selten.
Grad der Behinderung bei Psoriasis Arthrits (VersMedV, Ziffer 18.2.1)
Für die Psoriasis Arthritis gibt es keine eigene Tabelle. Die Gutachter orientieren sich an den Bewertungen für „entzündlich-rheumatische Krankheiten“.
GdB bis 10 bei leichten Beschwerden, ohne wesentliche Funktionseinschränkungen.
GdB 20 - 40 bei geringen Auswirkungen, d.h. leichtgradigen Funktionseinbußen und Beschwerden an einzelnen Gelenken (geringe Krankheitsaktivität).
GdB 50 - 70 bei mittelgradigen Auswirkungen, d.h. andauernden, erheblichen Funktionseinbußen und /Beschwerden (therapeutisch schwer beeinflussbare Krankheitsaktivität)
GdB 80 - 100 bei schweren Auswirkungen, d.h. nicht mehr zu reparierende Funktionseinbußen und fortgeschrittene Gelenkzerstörungen.
Berücksichtigung von mehreren Krankheiten
In der derzeit gültigen Versorgungsmedizin-Verordnung wurde für die Psoriasis schon berücksichtigt, dass Gelenke- oder Wirbelsäulen mit beteiligt sein könnten (Psoriasis Arthritis). Dass es weitere schwere, lebensbedrohliche Begleiterkrankungen der Psoriasis gibt, ist erst ungefähr seit 2007 bekannt. Die müssen ebenfalls berücksichtigt werden, um den Grad der Behinderung festzustellen. Grundsätzlich gilt: Es wird nicht bewertet und zusammengezählt, wie jede einzelne Krankheiten das Leben beeinträchtigt. Grundsätzlich muss es eine Hauptbehinderung geben, die durch weitere Krankheiten verstärkt wird. Daraus ergibt sich eine Gesamtbehinderung, die durch den GdB ausgedrückt werden soll.
Der Antrag, eine Behinderung amtlich festzustellen und den Grad der Behinderung zu bestimmen, wird beim VERSORGUNGSAMT gestellt. Formulare und Hilfestellungen erhalten Sie beim dortigen KundenCenter oder hier. Bei der Antragsstellung können Sie sich helfen lassen von den regionalen Beratungsstellen der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland, regionalen Selbsthilfe- Kontakt- und Informationsstellen oder von örtlichen Sozialstationen. Sozial- oder Patientenverbände dagegen bieten solche Beratungen meist nur für ihre Mitglieder an. In Großbetrieben und bei Öffentlichen Arbeitgebern wendet man sich an den Schwerbehinderten-Beauftragten.
Jedes Bundesland hat seine eigenen Veröffentlichungen, unter Titeln wie „Behinderung und Ausweis“, "Schwerbehinderte Menschen und ihr Recht" oder "Berliner Ratgeber für Menschen mit Behinderung". Die gedruckten Versionen bekommt man beim jeweiligen Versorgungsamt.
Genaue Beschreibung der Behinderung
Auf dem Antrag soll man einen Arzt des eigenen Vertrauens nennen. Der sollte das Krankheitsbild und den Krankheitsverlauf möglichst umfassend beschreiben können. Also ein Arzt, bei dem man schon länger in Behandlung ist. Es ist völlig unnötig, mit dem Antrag ein Attest mit einzureichen und es vielleicht sogar selbst zu bezahlen. Der Arzt wird automatisch vom Versorgungsamt um Stellungnahme gebeten und erhält dafür eine Vergütung von 21 Euro. Erfahrungsgemäß sind viele dieser Arztberichte zu knapp, zu oberflächlich und damit zu wenig aussagekräftig. Sie könnten sich Ihre Patientenakte kopieren lassen und daraus für den Arzt den bisherigen Krankheitsverlauf aufschreiben. Gehen Sie die oben genannten Punkte durch, die für den GdB berücksichtigt werden müssen und versuchen Sie, zu jedem Bereich etwas aufzuschreiben - je drastischer, desto deutlicher.
Es ist nicht besonders günstig, einen Neu- oder einen Verlängerungs-Antrag zu stellen, wenn man gerade erscheinungsfrei ist – warum auch immer. Andererseits kann man glaubhaft machen, dass der momentane Zustand nicht dauerhaft ist. Wenn dem Gutachter der bisherige Werdegang ausführlich vorliegt und man glaubhaft macht, dass man nach erscheinungsfreien Perioden regelmäßig wieder starke Schübe bekommt, könnte er einen „Mittelwert“ bilden. Wenn sich die Krankheit bessern könnte, z.B. durch teure, hochwirksame Biologika, könnte eine Nachuntersuchung angeordnet werden. Da müsste man dann schon belegen, dass die momentane Therapie im Laufe der Zeit weniger wirkt.
Der medizinische Gutachter der Behörde entscheidet meist nur auf Grund der schriftlichen Unterlagen. Eine ergänzende Untersuchung gibt es in den seltenen Fällen, in denen die Aktenlage nicht eindeutig ist. Das gesamte Verfahren dauert ungefähr drei bis fünf Monate.
Am Ende des Verfahrens steht ein Bescheid des Versorgungsamts. Wer nicht damit einverstanden ist, sollte dagegen Widerspruch innerhalb von vier Wochen einlegen. Dabei helfen die schon oben erwähnten Stellen. Wichtig: Halten Sie die Frist ein und legen Sie erst nur formal Widerspruch ein, ohne ihn zu begründen. Lassen Sie sich dann eine Kopie des ärztlichen Gutachtens vom Versorgungsamt geben. Das war schließlich die Grundlage für den Bescheid, den Sie nicht akzeptieren. Jetzt können Sie sich von Ihrem Arzt oder anderen Fachleute beraten lassen, in welchen Punkten man widersprechen sollte. Ein Klageverfahren vor dem Sozialgericht ist in der ersten Instanz kostenlos, wenn man das ohne Anwalt macht. Eine Rechtsberatung bei den Sozialverbänden kostet beim ersten Mal ebenfalls nichts. Das Sozialgericht setzt eventuell einen eigenen, unabhängigen Gutachter ein. Nachteil: Der Klageweg kann sich über sehr lange Zeit hinziehen, weil die Sozialgerichte völlig überlastet sind.
Man kann sich auch beim Versorgungsamt über Art und Methode des Gutachters beschweren, wenn man den Eindruck hat, hier hat jemand fahrlässig entschieden. Im Rahmen der Dienstaufsichtsbeschwerde muss dann überprüft werden, ob der Gutachter Fehler gemacht hat. Schneller als der gerichtliche Weg geht es, wenn Sie eine „Neufeststellung“ der Behinderung beantragen. Dann muss es eine neue Untersuchung und ein neues Gutachten geben. Auch hierbei sollten Sie sich vorher bei einer der genannten Anlaufstellen umfassend beraten lassen.
Wer davon überzeugt ist, dass es ihm zusteht, als Behinderter anerkannt zu werden, sollte nicht so schnell aufgeben! Sie haben es mit einer schwerfälligen und völlig überlasteten Bürokratie zu tun und sie fordern Extra-Arbeit. Wenn Sie also das Gefühl haben, dass z.B. Ihr Hausarzt den Befund vor sich herschiebt, fragen Sie regelmäßig nach. Auch, was er hineinschreiben will. Wichtig ist, dass aus der Krankheitsgeschichte klar hervorgeht, dass Sie einer erheblichen Einschränkung unterliegen und dass langfristig keine Besserung zu erwarten ist. Erscheinungsfreie Zeiten bei der Schuppenflechte müssen deutlich als vorübergehend dargestellt werden. Es gibt Ärzte, die so etwas nicht gerne schreiben oder denen 21 € zu wenig dafür sind. Lassen Sie nicht locker und setzen Sie sich für Ihr Recht ein. Auch wenn es mühsam ist.
Auch ein Bescheid vom Versorgungsamt ist nicht die Bibel! Es kann vorkommen, dass externe Gutachter manchmal überfordert sind oder es sich zu einfach machen. Überall sitzen nur Menschen, die sich irren oder die falsch entscheiden können. Sie selbst wissen am besten, wie stark Ihre Krankheit Sie einschränkt. Geben Sie nicht auf, wenn die anderen das nicht gleich genau so sehen, wie Sie selbst. Und holen Sie sich immer Hilfe bei Fachleuten. In den meisten Fällen kostet Sie das zwar Zeit, aber kein Geld.
Telefon: 90 229 64 64 (Mo-Fr 7-19 Uhr)
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