Source: https://steamcommunity.com/groups/foruncut/announcements/detail/1706240323218936777
Timestamp: 2020-04-04 22:46:42
Document Index: 16337665

Matched Legal Cases: ['§ 23', '§ 13', '§ 24', '§ 4', '§ 18', '§ 12', '§ 14', '§ 18', '§ 10', '§ 10']

„Simuliertes Glücksspiel“: Coin Master wird nicht indiziert
Mar 6 @ 3:01am	- Rigolax
Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat gestern bekanntgegeben,[www.bundespruefstelle.de] dass die Mobile-Games Coin Master, sowie Coin Trip und Coin Kingdom, nicht indiziert werden. Die Entscheidungen auf Nicht-Indizierung seien am 4. März im größeren 12er- statt kleinerem 3er-Gremium erfolgt; das 12er-Gremium wird in der Regel für Fälle bemüht, deren Ausgang nicht „offensichtlich“ ist nach § 23 Abs. 1 JuSchG.
In der veröffentlichten Mitteilung erklärt die Bundesprüfstelle, dass eine Verharmlosung von Glücksspiel im Sinne der behördlichen Spruchpraxis sozialethisch desorientierend sei, was zu einer Indizierung führen kann. In den vorliegenden Fällen sei dieser Tatbestand jedoch nicht erfüllt und damit kam eine indizierungsrelevante Einstufung als „jugendgefährdend“ nicht in Betracht.
Die Bonner Behörde führt folgend aus, dass sich sogenannte Interaktionsrisiken aus den „Spielanlagen“ ergäben, die „zu exzessiver Nutzung sowie zur Schädigung finanzieller Interessen von Kindern und Jugendlichen führen können“ – gemeint sind neben einer Spielsucht also die möglichen Echtgeldeinzahlungen (finanzielle Gewinne/Auszahlungen sind nicht möglich). Derartige Interaktionsrisiken seien aktuell nicht in dem für die Indizierung maßgeblichen Jugendschutzgesetz (JuSchG) normiert und daher nicht Gegenstand der durchgeführten Verfahren gewesen.
Das JuSchG habe vielmehr aktuell eine rein medieninhaltliche Ausrichtung – reguliert also z. B. Gewalt- oder Sexualdarstellungen. Die im Spiel visualisierten Spielautomaten hätten jedenfalls von tatsächlichen Glücksspielautomaten abweichende Elemente enthalten, das Gameplay werde durch alternative Spielhandlungen unterbrochen und es gebe Alternativen zu der virtuellen Spielwährung „Coins“. Daher könne nicht mit einer erforderlichen Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass die Spielhandlung grundsätzlich zu einer „Prägung positiv gefärbter Glücksspieleinstellungen, einer Desensibilisierung gegenüber Glücksspielverlusten, der Förderung unrealistischer Gewinnerwartungen [oder] zu einem (schnelleren) Umstieg zu echtem Glücksspiel führt“, folglich also eine Glücksspielverharmlosung darstelle.
Die Erfassung einer solchen, dann sogenannten jugendgefährdenden Wirkung bedürfe allgemein „einer grundsätzlichen Erweiterung der gefestigten und durch Rechtsprechung bestätigten Spruchpraxis der Bundesprüfstelle zu Konsummitteln mit Suchtgefährdungspotential um den Tatbestand der Verherrlichung bzw. Verharmlosung von Glücksspiel“.
Eine Indizierung wäre voraussichtlich auf Listenteil C erfolgt. Dieser Indexteil wird in der Regel nicht-öffentlich geführt und entsprechende Entscheidungen werden nicht regulär verkündet (§ 13 Abs. 2 DVO-JuSchG). Auf diesem Listenteil indizierte Medien bzw. URLs werden in das sogenannte BPjM-Modul eingetragen, sofern die Tat im Ausland begangen wurde (§ 24 Abs. 5 JuSchG); dort geführte Websites werden von Suchmaschinen wie google.de gefiltert. Online-Angebote, die zu solch indizierten Medien ganz oder im Wesentlichen inhaltsgleich sind, dürfen nur mittels aufwendiger Altersverifikation[www.kjm-online.de] in sogenannten geschlossenen Benutzergruppen zugänglich gemacht oder beworben werden (§ 4 Abs. 2 Satz 2 JMStV); ein solches System hat weder Google Play noch der App Store implementiert.
Coin Master belegt im (deutschen) Google Play Store aktuell Platz #1 der Liste der umsatzstärksten Titel. Wäre die Indizierung erfolgt, hätte dies voraussichtlich auch (weitrechende) Folgen für andere Veröffentlichungen gehabt, womöglich z. B. für einen Nachfolger von NBA 2K20 mit einer USK-Altersfreigabe ab 0 Jahren oder für GTA Online.[www.gamesradar.com]
Comedian motiviert Indizierungsverfahren
Dass die Indizierung der App Coin Master (et al) überhaupt verhandelt wurde, liegt offensichtlich an den Anstrengungen von Jan Böhmermann bzw. dem Team der ehemaligen ZDFneo-Sendung Neo Magazin Royale. In einem ca. 20-minütigen Segment ausgestrahlt am 10. Oktober letzten Jahres kritisierte Böhmermann diese und ähnliche Spiele stark und rief zum Sendungsende auf, dass dazu berechtigte Stellen Indizierungsanträge bzw. -anregungen einreichen. Die Bundesprüfstelle vermeldete[www.bundespruefstelle.de] am Folgetag den Eingang „eine[r] Vielzahl an Anträgen bzw. Anregungen zur Indizierung des Spiels“.
Neben den bunten, mutmaßlich kinderaffinen Darstellungen brachte Böhmermann Verbindungen von Investoren aus der (unzweifelhaften) Glücksspielbranche und Werbeverträge mit mutmaßlich bei einem jungen Publikum reichweitenstarke Prominente und Influencer wie Bianca „Bibi“ Claßen oder Daniela Katzenberger an. Auch wurde ausgeführt, dass das Endlevel (der damaligen Version) eine Spielhalle darstelle. Böhmermann: „Coin Master versucht gezielt Kinder zum Glücksspiel zu verführen“ (12:17 im verlinkten Video).
Der Anbieter von Coin Master, Moon Active, hat die Vorwürfe teilweise zurückgewiesen[rp-online.de]: „Das Spiel ist nicht für Kinder designt“. Laut Äußerung gegenüber der FAZ bereue man allerdings die Kooperation mit Bibi und habe diese eingestellt; man sei sich ihrer potentiellen Attraktivität für Kinder nicht bewusst gewesen.
In der öffentlich-rechtlichen Late-Night-Show wurden zudem die USK-Alterskennzeichnungen ab 0 Jahren problematisiert. Die in der Sendung gezeigten Titel hatten zum Ausstrahlungszeitpunkt offenbar im Google Play Store noch derartige Einstufungen, die allerdings nicht mit dem hoheitlichen Kennzeichnungsverfahren unter Beteiligung der Obersten Landesjugendbehörden (OLJB) entstanden waren, sondern durch das nicht direkt gesetzlich anerkannte IARC-System. Das in der Sendung kurz gezeigte USK-Logo (13:24) war streng genommen nicht korrekt, da es für USK-Kennzeichnungen unter Beteiligung der OLJB[www.bag-jugendschutz.de] gilt.
Das tatsächlich dort genutzte IARC-Verfahren wird von der USK als nicht-behördliche, von der deutschen Spieleindustrie durch GAME e. V. finanzierte Selbstkontrolleinrichtung angeboten. Mittels eines Algorithmus basierend auf Selbstdeklaration der Spielinhalte generieren Anbieter in teilnehmenden Stores automatisiert die Alterseinstufungen. Nachprüfungen und Kontrollen, z. B. auf Nutzermeldungen, finden jedoch statt. Einen Tag nach Ausstrahlung der Sendung, am 11. Oktober, veröffentlichte[usk.de] die USK auf ihrer Website ein Update einer etwas älteren Meldung; offenbar wurden kurz zuvor entsprechende Spiele auf ab-16-Ratings hochgestuft:
„Im Rahmen des IARC-Systems bzw. des JMStV finden ‚simulierte Glücksspiele‘ hingegen bereits Berücksichtigung. Eine Einstufung mit USK 16 ist insbesondere dann wahrscheinlich, wenn verstärkt typische casino- und glücksspielartige Assoziationen hervorgerufen werden, die darüber hinaus zentrale Spielmechanik sind und im Rahmen einer Gesamtbetrachtung (z.B. in Verknüpfung mit In-App Transaktionen) eine entwicklungsbeeinträchtigende Wirkung entfalten können (wie z.B. die App Coin Master).“
Der hier angeführte Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) der Bundesländer gilt für Online-Angebote/Telemedien, anders als das JuSchG des Bundes für Trägermedien (DVDs etc.). Nichtsdestoweniger können gemäß § 18 Abs. 2 Nr. 3 und 4 JuSchG auch Online-Angebote/Telemedien durch die BPjM indiziert werden, wie bei unter anderem Coin Master verhandelt wurde. Die USK-Gremien können zudem Dank § 12 Satz 2 JMStV Kennzeichnungen wie nach § 14 JuSchG durchführen, d. h. Online-Angebote so alterskennzeichnen als lägen sie auf Trägermedien vor, was dann wohl auch eine Schutzwirkung vor Indizierung gemäß § 18 Abs. 8 JuSchG generiert.
Jugendschutzgesetz künftig mit Interaktionsrisiken
Wie von der Bundesprüfstelle ausgeführt, kennt das Jugendschutzgesetz aktuell keine Interaktionsrisiken. Dies dürfte sich aller Voraussicht nach allerdings mit der kommenden JuSchG-Reform ändern: Die zuletzt veröffentlichte Fassung des § 10b JuSchG-Entwurf definiert sogenannte entwicklungsbeeinträchtigende Medien wie folgt:
“[1.] Zu den entwicklungsbeeinträchtigenden Medien nach § 10a Nummer 1 zählen insbesondere übermäßig ängstigende, Gewalt befürwortende oder das sozialethische Wertebild beeinträchtigende Medien.
[2.] Bei der Beurteilung der Entwicklungsbeeinträchtigung können auch außerhalb der medieninhaltlichen Wirkung liegende Umstände der jeweiligen Nutzung des Mediums berücksichtigt werden, wenn diese auf Dauer angelegter Bestandteil des Mediums sind und eine abweichende Gesamtbeurteilung rechtfertigen.
[3.] Insbesondere sind nach konkreter Gefahrenprognose als erheblich einzustufende Risiken für die persönliche Integrität von Kindern und Jugendlichen, die im Rahmen der Nutzung des Mediums auftreten können, angemessen zu berücksichtigen.“
(Zitiert nach der von der Anwaltskanzlei Osborne Clarke veröffentlichten konsolidierten Fassung[spielerecht.de]. Absätze von uns zur besseren Lesbarkeit eingefügt. Siehe auch die sonstigen Erläuterungen zum Entwurf von den dort tätigen Juristen im spielerecht.de-Blog.)[spielerecht.de]
Bei diesem Bereich handelt es sich nun lediglich um sogenannte entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte, d. h. unterhalb der Schwelle für indizierungsrelevante Jugendgefährdung. Derartige Faktoren würden künftig bei USK- oder FSK-Altersfreigaben nach dem JuSchG relevant sein, also vielleicht den Unterschied zwischen einer Freigabe ab USK 6 und 12 ausmachen.
Aus unserer Sicht ist allerdings nicht gänzlich auszuschließen, dass die BPjM-Gremien die Reform zum Anlass nehmen könnten, eine härtere Spruchpraxis zu etablieren, falls die Änderungen als Fingerzeig des Gesetzgebers verstanden würden, um etwaige Inhalte stärker zu regulieren. Wenn wohl auch nicht direkt vergleichbar, modifizierte das 49. Strafrechtsänderungsgesetz zur Umsetzung europäischer Vorgaben zum Sexualstrafrecht auch keine unmittelbar für folgende Indizierungen geltend gemachten Normen, schlug sich aber evident in einer Verschärfung der Spruchpraxis der USK/OLJB- und BPjM-Gremien nieder und findet explizit Erwähnung in Bezug auf die normierte „Nein-heißt-Nein-Lösung“ in den Indizierungsentscheidungen[fragdenstaat.de] von zwei Anime-Spielen.
The ‘simulated gambling’ app Coin Master, and similar apps, have not been blacklisted on the so-called index by the German federal agency BPjM, as reported by them yesterday.
The games’ content has been a contentious topic in Germany after a comedian has fiercely criticized in his late night show that they would groom children for gambling, going so far as to call for eligible groups to file motions to have them blacklisted.
Further context may be found[www.gamesindustry.biz] in this older article by gamesindustry.biz.
pyri Mar 7 @ 5:42pm
Also ich lege (ein letztes Mal) doch noch Wert darauf zwischen Motorsport und (kriminellem) Innenstadtverkehr deutlich unterschieden zu haben und gerade darauf aufmerksam gemacht, dass das im Jugendschutz unterschiedlich bewertet wird.
Was ich schrieb ist unten alles dokumentiert. Meine gesamt Wortwahl.
Ich schrieb auch eindeutig von einer Verbrechensthematik.
Und was alles eine Amokfahrt wäre, so wie die in meiner Hauptstadt vom 20. Juni 2015, sollte begrifflich eigentlich auch klar sein: Action-Szenen wie aus "Alarm für Cobra 11" sind damit nicht gemeint.
NIK_F_S Mar 7 @ 7:49am
Nun du hast Need for Speed betitelt, im 2005 Teil "Most Wanted" war das zerstören von Polizeiwagen, teils explosiv durch amokfahrt durch Tankstellen, mit ein Spielziel, und das ist ganz klar illegal, das legaler Motorsport jugendfrei ist ist am Thema vorbei wie wenn ich sagen das Sex mit gegenseitigem Einverständnis (und dem richtigen Alter) legal ist, was aber nix dran ändert das Vergewaltigen illegal ist (Motorsport ist nicht das gleiche wie rumrasen auf offenen Strassen)
will ich das NFS gebannt wird wie damals überlegt wurde mit Autobahnraser? nein ganz sicher nicht, aber es ändert nix daran dass mit zweierlei maß gemessen wird wenn es nicht verboten wird kleine Kinder glücksspiel süchtig zu machen aber es Erwachsenen verboten wird bspw. in L4D2 abgetrennte Gliedmaßen zu sehen (gleichzeitig aber Indiana Jones im Fernsehen laufen darf, aber sind ja Nazis die da verrecken :3)
pyri Mar 7 @ 6:18am
In herkömmlichen Rennspielen kann jedoch niemand überfahren werden und zu Schaden kommen, oder das Spiel blendet kurz vor dem Zusammenstoß aus.
pyri Mar 7 @ 6:17am
Motorsport ist grundsätzlich sogar jugendfrei. Nur (Rallye-)Autos mit Totalschäden erst ab 6 (Demolition Derbies vereinzelt auch darüber).
In Spielen mit (kriminellem) Innenstadtverkehr (etwa bei Titeln wie Microsoft's historischem "Midtown Madness") springen PassantInnen, wenn man sie anfährt, unrealistisch automatisch zur Seite, oder sie sind überhaupt menschenleer (wie "Need for Speed"). Diese tragen meist ein USK-12-Kennzeichen (vor allem aber wegen der Verbrechensthematik und nicht wegen dem Gameplay): ist das alles keineswegs der Fall, und werden Amokfahrten tendenziell ermutigt, werden sie (immer noch) indiziert (siehe "Carmageddon"). Höhere Freigaben tragen sie zumal dann, wenn (Schuss-)Waffen darin vorkommen (Vehicular Combat, etwa "Twisted Metal") und ihre Ästhetik weniger abstrakt als in "Mario Kart" (USK-0) oder "Wipeout" (USK-6) ist.
Karl_Zimmermann (Gott) Mar 7 @ 2:41am
Tja geht halt ums Geld, am Glücksspiel verdient der Staat ordentlich mit an an Splatterfilmen und Games eben nicht. So läuft es hier in Deutschland. Ratet mal warum Zigarettenwerbung noch erlaubt ist, in jeden anderen EU Land verboten.
D34^d4^ng^3^1 Mar 6 @ 10:59pm
absloutely falwelss⚡[GER] Mar 6 @ 6:52pm
Hab ich das jetzt richtig verstanden? Kinder dürfen per Glücksspiel süchtig gemacht werden, aber ich als Erwachsener, darf kein Zombiespiel spielen!? DEUTSCHLAND IST EINFACH NUR LÄCHERLICH - viel Spaß beim degenerieren^^
Asoraso Mar 6 @ 5:03pm
redsimonDE Mar 6 @ 3:16pm
Ja, das wundert mich nicht. Es gibt eben Lobbyisten fürs Abzocken von Kindern, da sie leicht beeinflussbar sind, daher auch die ganzen Spiele mit Lootboxen, die erst jetzt langsam verboten werden. Aber für Spiele als Kunstwerke, die Geschichte oder Waffenwirkungen unzensiert zeigen, da setzt sich keiner für ein, damit kann man ja auch nicht soviel Geld machen und das entspricht auch nicht der Agenda des Establishments. Dessen Devise ist: Degeneration Ja, Kunst Nein.
Sandaligerula Mar 6 @ 1:29pm