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Timestamp: 2020-07-09 14:49:05
Document Index: 141690199

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 4', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 6', 'Art. 3', '§ 27', 'Art. 3', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 12', '§ 10', '§ 4', '§ 4', 'Art. 3', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 4', '§ 6', '§ 6', '§ 31', '§ 14', 'Art. 3', '§ 4']

Autor Thema: Studentin im Zweitstudium VGH München 7 BV 17.770 Wohngeld Härtefall (Gelesen 8505 mal)
« am: 11. August 2019, 18:24 »
Edit "Bürger" 11/2019:
Aktuelle Fortsetzung in hiesigem Thread ab dem Beitrag unter
Zitat von: Schluss-mit-lustig am 11. August 2019, 15:27
Anm.: Nach Sichtung der direkten vorinstanzlichen Entscheidung (Urteil vom 28.02.2018 des VGH München zu 7 BV 17.770)
wird die Verhandlung wohl zum Thema haben, ob man als Wohngeld-Beziehender bzw. mit geringem Verdienst auskommender und
nicht zum BAföG-Bezug berechtigter Student als einen sog. „besonderen Härtefall“ i.S.d. § 4 Abs. 6 RBStV angesehen werden muss;
bzw. ob im „regulären Befreiungskatalog“ (§ 4 Abs. 1 RBStV) eine planwidrige Regelungslücke vorliegt.
Zu den m. E. nicht zutreffenden Feststellungen des VGH empfehle ich einmal das Urteil des BVerfG zu studieren, dass die Erfolgsaussichten einer Klage gegen die Rundfunkgebühren in einem ähnlichen Fall in RN 11 wie folgt beurteilte:
c) Die Entscheidung über die Auslagenerstattung orientiert sich vielmehr an der Erfolgsaussicht der Hauptsache, weil die verfassungsrechtliche Lage durch die vom Bundesverfassungsgericht formulierten Anforderungen an eine zulässige Typisierung durch den Gesetzgeber und deren Grenzen (vgl. etwa BVerfGE 100, 138 <174>; 103, 310 <319>; 112, 268 <280 f.>) bereits geklärt ist. Hiernach entspricht die Anordnung der Auslagenerstattung der Billigkeit, weil die Verfassungsbeschwerde Aussicht auf Erfolg hatte. Jedenfalls soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung des Art. 3 Abs. 1 GG rügt, war die Verfassungsbeschwerde zulässig und offensichtlich begründet. Die angegriffenen Entscheidungen verstießen gegen Art. 3 Abs. 1 GG.
In RN12 heißt es:
Das Gebot, wesentlich Gleiches gleich und wesentlich Ungleiches ungleich zu behandeln, gilt auch für ungleiche Begünstigungen (vgl. BVerfGE 79, 1 <17>; 110, 412 <431>). Verboten ist daher ein gleichheitswidriger Begünstigungsausschluss, bei dem einem Personenkreis eine Begünstigung gewährt, einem anderen Personenkreis die Begünstigung aber vorenthalten wird (vgl. BVerfGE 110, 412 <431>; 121, 108 <119>). Der Beschwerdeführer wird durch die angegriffenen Entscheidungen als Rentner mit einem geringfügig über den Regelsätzen nach dem SGB II und dem SGB XII liegenden Einkommen gegenüber Empfängern dieser Sozialleistungen schlechter gestellt.
https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Downloads/DE/2011/11/rk20111109_1bvr066510.pdf?__blob=publicationFile&v=1
Der Kläger war Rentner und hatte nach Abzug der Regelsätze nicht genug Geld übrig die Rundfunkgebühren zu zahlen. Sein Antrag auf Befreiung von der Gebühr wurde abgelehnt, weil geringes Einkommen keinen Befreiungsgrund darstellen sollte. Der Rundfunkgebührenstaatsvertrag enthielt ebenfalls eine Liste von Befreiungsgründen. Nachdem der Kläger im Instanzenzug abblitzte, legte er Verfassungsbeschwerde ein. Daraufhin knickte die LRA ein und gewährte Befreiung. Der Rentner erklärte dann die Beschwerde für erledigt, wollte aber seine Auslagen ersetzt sehen. Nachdem dies verweigert wurde, landete dann dieser Streit wieder beim BVerfG. Und das gab dem Kläger recht. Mittelbar hat es erklärt, dass die Liste der Befreiungsgründe gerade nicht abschliessend sei und andere, nicht aufgeführte Gründe durchaus zur Befreiung führen können, ggf. müssen.
Ich sehe nicht, warum das heute anders sein soll. Damals hätte man immerhin noch argumentieren können, dass niemand ein gebührenpflichtiges Empfangsgerät bereit halten müsse. Dem Rentner stand also eine Ausweichmöglichkeit zur Verfügung. Diese besteht heute nicht mehr. Insofern müssten m. E. die möglichen Gründe für eine Befreiung deutlich weiter gefasst werden. Zu geringes Einkommen ist daher, im Gegensatz zu Ansicht der Richter im Instanzenzug, sehr wohl als Befreiungsgrund zu akzeptieren. Denn warum sollte heute eine Schlechterstellung gegenüber den durch die Regeln des sogn. Rundfunkbeitragsstaatsvertrag Begünstigten zulässig sein?
Zum Instanzenweg und zugehörigen Diskussionen siehe auch:
Verhandlung VG Ansbach, Do., 02.02.17, ab 10:30 vom 24. Januar 2017
https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,21805.0.html
GERICHTSTERMIN: Verhandlung, BayVGH München, Di, 20.02.2018, 10:30h 30. Januar 2018
https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,26149.0.html
VERHANDLUNG am BVerwG zur Studenten u. Wohngeld-Problematik, 30.10.2019, 10 Uhr vom 11. August 2019
https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,31862.0.html
Sowie die zugehörigen Pressemeldungen zum Urteil des BVerwG vom 01.11.2019:
« Letzte Änderung: 02. November 2019, 17:43 von Bürger »
Re: Studentin im Zweitstudium VGH München 7 BV 17.770 Wohngeld Härtefall
« Antwort #1 am: 11. August 2019, 20:45 »
Um mit Deiner Abschlussfrage anzufangen...
Zitat von: drboe am 11. August 2019, 18:24
Mittelbar hat es erklärt, dass die Liste der Befreiungsgründe gerade nicht abschliessend sei und andere, nicht aufgeführte Gründe durchaus zur Befreiung führen können, ggf. müssen.
Sie ist es ebensowenig, wie sie es zu Gebührenzeiten war - & heute sogar noch weniger, nachdem es ja keine Vermeidungsmöglichkeit der "Rundfunkbeitrags"-Pflicht mehr gibt (außer einfach Hartzie*)) werden, Sterben oder Auswandern :->>), wie nicht nur Du noch einmal festgestellt hast. Des Pudels Kern den Punkt betreffend ist ganz einfach, dass das im Interesse maximal klingelnder Kassen lediglich der Wunschtraum der Abzocker ist bzw. von deren Helfershelfern in Richterrobe in der staatlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit.
*) nicht beleidigend oder abschätzig gemeint
Als Ergänzung zur Wiedergabe des benannten Urteils bzgl. RN 12 sei noch etwas angefügt, nämlich RN 17, wo es glasklar heisst
Aufgrund der mit der Pauschalierung in § 6 Abs. 1 Nr. 3 RGebStV verbundenen Härten ist die Anwendung des Rundfunkgebührenstaatsvertrages durch das Verwal-
tungs- und das Oberverwaltungsgericht nicht mehr mit Art. 3 Abs. 1 GG vereinbar, ohne dass der Rundfunkgebührenstaatsvertrag selbst verfassungswidrig wäre.
Viel deutlicher dürfte es nicht gehen.
Was auf dem Hintergrund die Erforderlichkeit der Weiterfassung der Befreiungstatbestände anlangt, ist aber weiter die Frage*), ob diese tatsächlich notwendig wäre - über das hinaus, was eindeutig in den jeweiligen Landtagsdrucksachen als Gesetzesbegründung zum 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag (& entsprechend bereits auch schon in den Beschlussvorlagen des VIII. Rundfunkänderungsstaatsvertrags zum 01.04.2005) festgehalten worden war. Zwar fehlt nach dunkler Erinnerung eines fiktiven Besuchers bzgl. nachstehender Ausführungen des Entwurfs des 15. RfÄndStv zum Thema Befreiung v. "Rundfunkbeitrag" Berlin, aber in den Ausfertigungen der anderen Bundesländer zu den Befreiungstatbeständen steht Schwarz auf Weiss folgendes drin (Hervorheb. & Anmerk. nicht im Original):
Absatz 6 sieht weiterhin eine Beitragsbefreiung in besonderen Härtefällen vor. Abweichend
derten“ Antrages voraussetzt. Der Begriff des besonderen Härtefalles wird nicht definiert. Ein
satzes 1 Satz 1 vorliegen*), eine vergleichbare Bedürftigkeit nachgewiesen werden kann. Mit
der Regelung des Satzes 2 ist ein besonderer Härtefall insbesondere auch in dem Fall ge-
jeweilige Bedarfsgrenze um weniger als die Höhe des Rundfunkbeitrags überschreiten.Für
den Nachweis ist die Vorlage eines ablehnenden Bescheids dieses Inhalts erforderlich.**) Dar-
*) Empfänger von Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem Dritten Kapitel des Zwölften Buches des
Sozialgesetzbuches (Sozialhilfe) oder nach den §§ 27 a oder 27 d des Bundesversorgungs-gesetzes
**) Hinzufügung zur ansonsten in dem Zusammenhang gleichlautenden LT-Drucksachen zum VIII. RfÄndStV
https://www.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP16/Drucksachen/Basisdrucksachen/0000004500/0000004526.pdf
https://www.landtag-niedersachsen.de/drucksachen/drucksachen_16_5000/3001-3500/16-3437.pdf
https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD15-1303.pdf
& ergänzend das:
Jüngstes Urteil des Bundesverfassungsgerichts u. a. zur Frage der Stellung richterlicher Rechtsfortbildung zum Gesetz bzw. dem »klar erkennbaren Willen des Gesetzgebers«
Leitsatz 3: "3. Richterliche Rechtsfortbildung darf den klar erkennbaren Willen des Gesetzgebers nicht übergehen und durch ein eigenes Regelungsmodell ersetzen.")
Link: http://www.bverfg.de/e/ls20180606_1bvl000714.html
Was sind die obigen Aussagen zu den sogenannten "Härtefällen" anderes als die Anweisung und Ausdruck des Gesetzgeberwillens (& damit auch der Möglichkeit!) zur verfassungskonformen Gesetzesanwendung, wie sie sich aus obiger in RN 17 wiedergegebenen Feststellung ergibt? Bezogen auf das Ausgangsproblem steht doch eigentlich alles drin - wobei natürlich hier nicht extra erwähnt werden muss, dass derartig eindeutige Aussagen seitens der einschlägig bekannten Herrschaften grundsätzlich unterschlagen, bzw. von manchem dt. Verwaltungsgericht bzw. Oberverwaltungsgericht regelmäßig übersehen® oder im Zuge "kreativer" Rechtsprechung bedarfsweise auch von links auf rechts gezogen bzw. passend zurechtrabulisiert werden. Letzteres manchmal sogar noch garniert mit der - allerdings nirgendwo im Sinne eines nachlesbaren, dezidierten Gesetzgeberwillens belegten - u. a. Siekmann'schen Behauptung, es handele sich beim Härtefalltatbestand "um eine besonders eng auszulegende Ausnahmevorschrift". So "eng" also, dass es den eigentlich gar nicht gibt.
Denn ein Beispiel, wie ein solcher Härtefall auszusehen hätte - wenn schon ein "Härtefall" im Sinne des Gesetzgeberwillens nach Auffassung v. Anstalten, "Beitragsservice" und dem gemeinen dt. Verwaltungsgericht überhaupt kein "Härtefall" ist - sind alle diese bis heute schuldig geblieben. Und nicht einmal im Falle des obigen Rentners war die GEZ - nachdem diese sich jahrelang und unterstützt durch die Gerichte mit Händen & Füßen gewehrt hatte - imstande, ihre urplötzliche (kurz vor einem Urteil in obiger Sache :->>) gemachte "Entdeckung" daß es sich um einen "Härtefall" handele, zu substanziieren. Der Mann war plötzlich einfach ein "Härtefall"...
Spannend wäre ergänzend zur im obigen Verfahren ja bereits erfolgten eindeutigen (leider nur nicht als Urteil vorliegenden) Bewertung der Art. 3, 1 Problematik insofern eigentlich nur noch die folgende Frage: Nämlich, ob (wie es dem Vernehmen nach ggü. jedem Geringverdiener und Kleinrentner, der nicht Hartzie ist, die Verwaltungsgerichte immer noch bzw. mit wachsender Begeisterung regelmäßig tun - die Beerdigung Bedürftiger bezahlt schliesslich das Sozialamt, also ist immer Geld für den "Rundfunkbeitrag" in der Erbmasse vorhanden :->>) auch das Bundesverfassungsgericht Art. 1,1 GG (Recht auf menschenwürdige Existenz - und dazu gehört ein mindestens dem Sozialhilfesatz entsprechendes materielles Lebensniveau) über die Klinge der berühmten Verwaltungsvereinfachung® springen lassen wird oder würde. Wenn man sich Österreich ansieht - denen & ihrer GIS reicht bis heute ja sogar einfach der Steuerbescheid - könnte das bereits hierzulande noch einmal einen Ansatzpunkt bieten, wo der benannte hiesige Staatsvertrag im Sinne des Grundgesetzes korrigiert bzw. eine einfache & insbesondere für die Herrschaften in den Anstalten bzw. "Beitragsservice" verbindlich anzuerkennende einfache Möglichkeit der Nachweiserbringung zu schaffen wäre - wenn schon beim "Beitragsservice" & in den Anstalten offenbar nur mit Dyskalkulie geschlagene Mitarbeiter (Steuerbescheid lesen & verstehen :->>) zu sitzen scheinen.
Darüber hinaus könnte das dann - zumal angesichts der in Europa (Österr. ./. D) bislang ja kaum zu überbietenden Variationsbreite bzgl. der Befreiung oder willkürlichen Nichtbefreiung Bedürftiger von "Rundfunkbeitrag" oder -gebühren ja dann u. U. auch noch einmal einen Anlauf auf europ. oder sogar internationaler Rechtsebene ermöglichen.
*) aber bei ausdrücklicher Zustimmung bzgl. Deiner Ansicht im Hinblick auf die Notwendigkeit der Befreiung derer mit "lediglich geringem Einkommen" (© "Beitragsservice" 2013-2019 / Binder, Vesting & andere ÖRR-Schreiberlinge: Beck'scher Kommentar zum Rundfunkrecht), jedenfalls so lange Art. 1,1 Grundgesetz noch nicht gestrichen ist :->>)
« Letzte Änderung: 11. August 2019, 21:36 von Besucher »
« Antwort #2 am: 11. August 2019, 22:05 »
Ist die Kläger-Person ermittelbar?
... damit durch das Einbringen neuer Argumente das Bundesverwaltungsgericht erstmals seinen Einheitsentscheid von 2016...2017 nicht mehr verwenden kann.
Wichtig ferner wegen neuer Verfassungsbeschwerde,
Es erfolgt in diesen Tagen, ein Pilotverfahren zu einem Teil der Gesichtspunkte,
Rechtsweg erschöpft,
so dass das BVerwG wegen Vorgreiflichkeit aussetzen könnte.
Bezüglich der Ausführungen zur Rechtslage hier im Thread:
Das ist immer hilfreich für die Seele, also weiter so.
Allerdings ist ja klar, was Recht ist, jedenfalls nun ausreichend fortgeschritten im Schriftsatzkomitee einer entsprechend juristisch orientierten Plattform erarbeitet. Die Aufgabe lautet nun, durch geeignet rechts- und wirtschaftswissenschaftlich kompetente Schriftsätze der Rechtsprechung zu ermöglichen, die Manipulation des Rechtslage durch die ARD-Juristen nachvollziehbar bewiesen zu erhalten.
Dann und nur dann kann die Rechtsprechung diesem Politik- und Justizskandal ein Ende bereiten. .
Dafür wäre das Wichtigste, den Kläger der BVerwG-Sache kontaktieren zu können.
« Antwort #3 am: 18. August 2019, 13:29 »
Der Beschluss und insbesondere der Wortlaut der Begründung des BVerfG sollte mit Quellenangabe genügen um die Behauptung zu widerlegen, die Aufzählung im sogn. RBStV zu Befreiungstatbeständen sei abschliessend. Auch wenn Gerichte Urteile in vergleichbaren Fällen ignorieren können, sind Beschlüsse des BVerfG doch von etwas anderer Qualität. Wenn aber ein Gericht also unbedingt Gründe für eine Bestätigung der damaligen Beurteilung des BVerfG schaffen will, kann es sich ja weiter merkbefreit geben. Es ist sicher nicht schön, wenn ein x-beliebiges Gericht vom BVerfG einen Nasenstüber bekommt. Für die obersten Gerichte dürfte das peinlich sein.
« Antwort #4 am: 31. Oktober 2019, 11:11 »
Protokoll zur Revisionssverhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig
am 30.10.2019, Sitzungssaal III, 1. Obergeschoss, Zimmer 1.034, „Großer Sitzungssaal“
Az.: 6 C 10.18
Die Verhandlung fand vor der sechsten Kammer statt, die aus fünf Richtern besteht.
Anwesend waren die Klägerin und ihr Anwalt.
Als Vertreter des Beklagten sind zwei Mitarbeiter des BR erschienen (Frau Amsel und Herr Näher)1; eine Vertretung der beteiligten Landesstaatsanwaltschaft Bayern war nicht anwesend.
Das Publikum bestand aus ca. 45 Zuhörern.2
Der Vorsitzende Richter entschuldigte sich eingangs für die schärfere Eingangskontrolle.
Nachdem aus dem Publikum nach seinem Namen gefragt worden war, nannte er ihn und verwies darauf, daß er auch am Infobrett vor dem Gerichtssaal abgelesen werden könne. Außerdem ermahnte er das Publikum, daß eine Gerichtsverhandlung keine öffentliche Veranstaltung sei. Gerade bei Rundfunkbeitragsverhandlungen habe er schon öfter Einwürfe aus dem Publikum erlebt.
Der Berichterstattende Richter trug die Sachlage vor. Laut der Vorinstanz (Bay. Verwaltungsgerichtshof)3 sei die Ungleichbehandlung eines Studenten ohne BAföG gerechtfertigt; eine Verletzung der Berufsfreiheit nach Art. 12 GG liege nicht vor.
Der Vorsitzende Richter fragte im Anschluß nach Anträgen, denn diese würden vor dem BVerwG immer zu Beginn der Verhandlung gestellt.
Soweit er es sehe, verfolge die Klägerin mit ihrer Revision zwei Rechtsschutzziele. Zunächst verfolge die Klägerin eine Rücknahme des Beitragsbescheids für den Zeitraum von xx bis yy; zudem solle der Beklagte verpflichtet werden, sie ab Oktober 2014 zu befreien.
Der Vorsitzende Richter fragte die Klägerin, ob sie nach dem Eintritt ins Masterstudium von der Beitragspflicht befreit worden sei.
Klägerin: Nein. Trotz gestellter Anträge sei sie nicht befreit worden.
Vorsitzender Richter: Frage, wann das Studium beendet worden sei und um welchen Befreiungszeitraum es ginge.
Rechtsanwalt: Nannte Ende des Studiums. Gab nach Beratung mit der Klägerin zur Antwort, daß dies unklar sei.
Vorsitzender Richter fragt die Vertreter des BR, warum die Klägerin nicht befreit worden sei.
Amsel: Mit Klageeingang erfolge eine Mahn- und Sollaussetzung der Beitragskonten bis die Verjährung der Beiträge drohe. Über Befreiungsanträge würde erst nach Klageerledigung entschieden.
[Anm. d. Protokollführer: Diese Aussagen schienen die Richter doch ziemlich zu irritieren. Das Publikum übrigens auch.]
Vorsitzender Richter erklärt, daß sich die Rechtsordnung geändert habe, der Beklagte aber nicht auf die Änderung der Rechtslage reagiert habe.
Näher gibt an, daß er nicht wisse, ob Befreiungsanträge der Klägerin bei ihnen eingegangen seien.
Vorsitzender Richter fragt nach, wie es mit neuen Anträgen aussehe.
Näher: Das Gerichtsverfahren betreffe nur den alten Antrag von 2015. Es sei üblich rückständige Beiträge mit rechtsmittelfähigem Verwaltungsakt festzusetzen.
Klägerin: Die Klägerin gibt an, schon im April 2015 einen Antrag gestellt zu haben.
Vorsitzender Richter: Das BVerwG sei ein Revisionsgericht und deswegen an die Aktenlage des Bay. VGH gebunden.
RA: Die Rechtsfrage sei entscheidend.
Vorsitzender Richter: Gibt zu Protokoll:
Antrag der Klägerin, die Urteile der Vorinstanzen zu ändern und den Bescheid von 2015 aufzuheben,
sowie den Ablehnungsbescheid von 2015 aufzuheben und den Beklagten zu verpflichten, der Klägerin eine Befreiung von der Beitragspflicht von xx bis yy zu gewähren.
Der Beklagte beantragt, die Revision abzuweisen.
Weiter stellte der Vorsitzende Richter fest, daß es schon viele Verhandlungen zu diesem Thema gegeben habe. Das BVerwG habe 2016 die Verfassungsmäßigkeit der Rundfunkbeiträge bejaht und das BVerfG habe dies am 18.7.2018 bestätigt. Aus diesem Grund sehe das Gericht die Frage nach der Verfassungsmäßigkeit als geklärt an, dennoch dürfe sich die Klägerin dazu noch äußern.
RA: Nach kurzer Beratung mit der Klägerin gab er an, sich dazu nicht mehr äußern zu wollen, die Härtefallproblematik sei von Bedeutung.
Vorsitzender Richter: Zunächst werde man die Festsetzung der Rundfunkbeiträge untersuchen. Nach § 10 Abs. 5 RBStV würden rückständige Beiträge durch die zuständige LRA festgesetzt. Bezüglich der „Rückständigkeit“ stelle sich die Frage, ob an dieser Stelle schon die Befreiungsanträge relevant seien. Dem Gesetz nach gebe es keine Festsetzung, wenn befreit wurde. Näheres sei im Gesetz nicht ausgeführt.
Die Klägerin habe die Möglichkeit zur Stellungnahme. RA lehnt ab.
Vorsitzender Richter: „Sie überlassen diese Rechtsfragen also der Weisheit des Gerichts? Das ist schön.“
Amsel: Anträge hemmen die Vollstreckung nicht, sie hemmten nur die Festsetzung
[Anm. d. Protokollanten: Wir sind uns nicht sicher, ob wir das richtig verstanden haben.]
Die Festsetzung erfolge automatisiert. Würde es anders gehandhabt, würde sich die Festsetzung verzögern.
Vorsitzender Richter: „Ihre Verwaltungspraxis spielt keine Rolle für die Rechtslage!“
In § 4 Abs. 1 RBStV werde die Befreiung aus sozialen Gründen geregelt. Diese Regelung diene dem Hauptzweck der Verwaltungsvereinfachung. Nicht geklärt sei die Frage der analogen Anwendung. Eine Analogie setze eine planwidrige Regelungslücke voraus.
In § 4 Abs. 6 Satz 1 RBStV sei der „besondere Härtefall“ geregelt. Am 12. Oktober 2011 habe die 6. Kammer des BVerwG bzgl. Härtefällen entschieden, daß das Regelungskonzept aus damals $ 4 RGebStV nicht umgangen werden könne und allgemeine Einkommensschwäche keine Ausnahme darstellen würde.4
Im November 2011 habe das BVerfG entschieden, daß Art. 3 GG eine Ungleichbehandlung nicht rechtfertige.5 Eine Befreiung aufgrund finanzieller Not dürfe nicht versagt werden, sonst würde § 4 Abs. 6 RGebStV verfassungswidrig. Dies zeige das Wörtchen „insbesondere“ an. Daraus lasse „sich messerscharf schließen, daß es auch noch andere Fälle geben muß!“
RA: Schließt sich der Ausführung des vorsitzenden Richters an. Fürth weiter aus: Es komme darauf an, ob eine vergleichbare Bedürftigkeit vorliege. Im Falle der Klägerin liege ein Wohngeldbescheid vor, da sie kaum oder kein Einkommen gehabt habe, da ihr das Wohngeld sonst nicht gewährt worden wäre. Daraus lasse sich sehen, daß eine vergleichbare Bedürftigkeit vorliege. Dies habe der BR auch nie bestritten.
Im BAföG sei geregelt, daß das Erststudium gefördert werde, das Zweitstudium hingegen nicht. Das sei durchaus nachvollziehbar. Den Rundfunkbeitrag müsse aber inzwischen jeder zahlen. Es lägen hier zwei verschiedene Gesetze vor, die verschiedene Bereiche regelten. Aus diesem Grund seien die Regelungen des BAföG nicht einfach auf den RBStV übertragbar, denn damit würde der Gesetzgeber dem Sozialstaatsprinzip nicht gerecht.
Amsel: Bzgl. des Wohngeldes sei zu betonen, daß der Gesetzgeber sich wiederholt bewußt dagegen entschieden habe, dieses Merkmal in den Befreiungskatalog des § 4 Abs. 1 RBStV aufzunehmen. Bis 2005 hätte dies im Gesetz gestanden und dann gestrichen worden, da es der Verwaltungsvereinfachung dienen solle, wenn die LRA nicht die Grundlagen überprüfen müßten. Diesbezüglich sei auch schon entschieden worden, daß keine verfassungsmäßige Problematik vorliege. Ausnahmen von der Beitragspflicht seien nur in den seltensten Fällen zu gewähren.
Bzgl. der Auslegung von § 4 Abs. 6 RBStV müsse man den „besonderen Härtefall“ näher beleuchten. Ob im Falle der Klägerin eine „Härte“ vorliege? Aus Sicht der Klägerin wohl schon. Es stelle sich aber die Frage, ob das Entfallen eines Vorteils schon als Härte angesehen werden könne. Dann sei zu untersuchen, ob es sich um eine „besondere Härte“ handle. Hier käme es auf die vergleichbare Interessenlage an. Es ginge um atypische Fälle, die vom Gesetzgeber übersehen worden seien.
Dies ließe sich auch am Wörtchen „insbesondere“ sehen. Dies lasse sich z.B. auf einen Patienten im Wachkoma anwenden, der keinen Vorteil aus der Rundfunknutzung ziehen könne, aber nicht direkt in § 4 Abs. 1 RBStV aufgeführt sei. Daran könne man sehen, daß es durchaus Fälle gäbe, in denen § 4 Abs. 6 RBStV anwendbar sei.
Vorsitzender Richter betonte, daß es sich beim Rundfunkbeitrag nicht um eine „Steuer“ handle. Man befände sich hier im Bereich der Vorzugslasten. Es käme darum auf den Vorteil an.
Im § 4 RBStV sei die Befreiung aus sozialen Gründen geregelt, wenn eben kein Geld da sei. Der Unterschied zum früheren Gebührenmodell bestehe darin, daß man früher die Gebühren vermeiden oder verringern konnte. „Das geht jetzt nicht mehr.“
RA fragt Amsel, ob es außer ihrem Beispiel mit dem Wachkomapatienten noch weitere Fälle gäbe, in denen § 4 Abs. 6 RBStV Anwendung finde oder ob dieser § ohne Fallanwendung und damit faktisch gegenstandslos sei.
Näher: Der Fall des Komapatienten sei in § 4 Abs. 1 RBStV geregelt. Der Betreuer eines Komapatienten könne einen Befreiungsantrag stellen. Der Wachkomapatient sei dort nicht extra aufgelistet, deswegen greife hier § 4 Abs. 6 RBStV. [Anm. d. Protokollführer: Der Komapatient ist in Abs. 1 ebenfalls nicht eindeutig aufgelistet.]
Er persönlich halte § 4 Abs. 6 Satz 2 RBStV für „dogmatisch verfehlt“. Er gelte nur für vom Gesetzgeber übersehene Fallkonstruktionen. Der Bezug von Wohngeld sei hingegen nicht atypisch, es gebe hier viele Fälle. Außerdem sei der Bezug von Wohngeld nicht mit dem Bezug nach BAföG vergleichbar, da ersterer nicht zu Schulden führe, zweiterer aber schon. Ebenfalls sei das Wohngeld nicht mit Sozialhilfe vergleichbar, da hier eine Vermögensanrechnung erfolge.
Berichterstattender Richter: Betont, daß der Begriff der „vergleichbaren Bedürftigkeit“ weiter überprüft werden müsse. Außerdem müsse man zur Kenntnis nehmen, daß das BVerfG 2011 die Frage nach der Vergleichbarkeit anders gesehen habe. In diesem Fall sei es um einen Rentner gegangen, der Wohngeld erhalten habe. Intensive, wiederkehrende Belastungen seien nach BVerfG nicht aus Gründen der Verwaltungsvereinfachung hinnehmbar. Es stelle sich darum die Frage, ob der Begriff des „besonderen Härtefalls“ nicht verfassungskonform ausgelegt worden sei. Man müsse den Vergleich von Sozialhilfe und Wohngeld kritischer betrachten.
Vorsitzender Richter: Der Beklagte sei auf die Entscheidung des BVerfG von 2011 überhaupt nicht eingegangen. Dieser Beschluß habe leider keine Bindewirkung, da es sich um einen Kostenfestsetzungsbeschluß handle.6
Näher: Es reiche nicht aus, nur das Einkommen anzuschauen. Die LRA seien keine Sozialbehörden. Es greife zu kurz, auf das Merkmal von 5 % des Einkommens abzustellen. Damit würde auch die Wertung des Gesetzgebers umgangen werden.
Es gäbe auch Fälle, in denen das Einkommen sehr gering ausfalle. Dann stelle sich aber heraus, daß das Einkommen aus Zinsauszahlungen bestehe.
Im Übrigen gäbe es im BAföG eine Härtefallklausel.7 Die Klägerin hätte dementsprechend einen Antrag beim BAföG-Amt stellen können. Es müsse auf die „Einheit der Rechtsordnung“ geachtet werden.
Berichterstattender Richter: Es sei zu bemerken, daß die LRA bis 2005 Prüfungen von Befreiungsanträgen selbst vorgenommen hätte. Da sei es schließlich auch gegangen.
Im Beschluß des BVerfG von 2011 sei es außerdem um einen Rentner mit Wohngeld gegangen. Eine Überprüfung der Vermögensverhältnisse hätte da auch nicht stattgefunden oder als Voraussetzung genannt worden. „Anscheinend ignorieren Sie diese Entscheidung.“
Vorsitzender Richter zitiert aus der Entscheidung des BVerfG vom 9.11.2011 [Rn. 15]:
Die ungleiche Behandlung des Beschwerdeführers gegenüber Empfängern von Leistungen nach dem SGB II und dem SGB XII findet ihre sachliche Rechtfertigung ebenfalls nicht in der Möglichkeit, aus Gründen der Verwaltungspraktikabilität zu generalisieren, zu typisieren und zu pauschalieren [...]. Die Auslegung und Anwendung der § 6 Abs. 1 Satz 1 und § 6 Abs. 3 RGebStV durch das Verwaltungsgericht und das Oberverwaltungsgericht, insbesondere die restriktive Anwendung der Härtefallregelung in § 6 Abs. 3 RGebStV wird den vom Bundesverfassungsgericht formulierten Voraussetzungen einer zulässigen Typisierung nicht gerecht. Hierzu ist unter Berücksichtigung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes erforderlich, dass die mit ihr verbundenen Härten nur unter Schwierigkeiten vermeidbar wären, sie lediglich eine verhältnismäßig kleine Zahl von Personen betreffen und der Verstoß gegen den Gleichheitssatz nicht sehr intensiv ist [...]. Die Verwaltungsvereinfachung bei der Prüfung, ob eine Befreiung von Rundfunkgebühren zu gewähren ist, vermag hiernach die Ungleichbehandlung des Beschwerdeführers gegenüber Empfängern von Leistungen nach dem SGB II oder SGB XII nicht zu rechtfertigen, da keine kleine Anzahl von Personen betroffen ist und der Verstoß gegen den Gleichheitssatz intensiv ist.
Näher: Beim Wohngeld handle es sich um eine Begünstigung.
Vorsitzender Richter: Entscheidend sei nicht das Wohngeld, sondern das Einkommen.
Näher: Weist darauf hin, daß es sich bei der Entscheidung des BVerfG nur um einen Kostenfestsetzungsbeschluss gehandelt habe, weshalb er nicht binden sei.
Der BR müsse erst kucken, „was das öffentliche Recht hergibt“.
Klägerin: Das Wohngeldamt habe die finanziellen Verhältnisse genau überprüft. Es habe also schon eine Einkommensüberprüfung stattgefunden.
RA: Allein die finanzielle Notlage muß als Anknüpfungspunkt gesehen werden.
Näher: Aufgrund der Neuerungen des Bundesdatenschutzgesetzes sei es für die LRA problematisch, die Unterlagen der Antragssteller zu überprüfen. Die LRA dürften nicht einfach die Daten verarbeiten und speichern. Das sei für den Nachweis der Einkommensverhältnisse aber notwendig.
Vorsitzender Richter: Es sei natürlich klar, daß Belege vorgelegt werden müßten. Der Vertreter des BR habe aber das BDSG falsch verstanden, denn dieses sehe zahlreiche Ausnahmen für die Speicherung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten vor, insbesondere im Verwaltungsbereich oder wenn der Betroffene damit einverstanden sei.8
Näher: Damit würde das Gesetz auf ein reines Deklarationsgebot hinauslaufen. Dies würde zu Beitragsungerechtigkeit führen.
Berichterstattender Richter: Es sei bekannt, daß „Sie nicht zimperlich sind, wenn es darum geht, Anträge abzuweisen“. Der Umgang mit persönlichen Daten sei im RBStV ausführlich geregelt. Eingereichte Nachweise dürften natürlich gespeichert werden.
Amsel: Einwand, daß sie die Entscheidung des BVerfG von 2011 nicht mißachtet hätten.
Vorsitzender Richter: Es sei nicht vorgeworfen worden, daß die Entscheidung mißachtet worden sei. „Sie gehen nicht darauf ein.“
Amsel: Die Klägerin sei mit einem Rentner nicht zu vergleichen. Die Situation im Zweitstudium sei durch die Klägerin aufgrund einer bewußten Entscheidung so herbeigeführt worden. Diese Entscheidungsfreiheit habe der Rentner nicht. Die Klägerin hätte ihr Erststundium beenden können.
Vorsitzender Richter: Das Gericht werden über alle Aspekte beraten.
Letzte Möglichkeit der Stellungnahme für Klägerin und Beklagten. Die Klägerin würde gerne noch etwas sagen, dies sei aber vor dem BVerwG nicht zulässig.
RA: Aktuell werde der § 4 Abs. 6 RBStV ausgehöhlt.
Näher: Seiner Ansicht nach müsse ein Regulativ auf der Primärebene geschaffen werden.
Klägerin, der das Gericht doch noch das Wort erteilte: Bezüglich der Frage nach dem Merkmal „atypisch“ sollte bedacht werden, daß der Gesetzgeber das Wohngeld als vorrangig vor der Sozialhilfe ansehe. Das Wohngeld solle das Abrutschen in die Sozialhilfe verhindern.
Wenn das Einkommen unterhalb der Einkommensgrenze liege, sei das schon ein atypischer Fall.
Vorsitzender Richter: Gibt bekannt, daß sich das Gericht im Anschluß an die folgende Verhandlung zuerst mit diesem Fall befassen werde. Das Urteil werde am 1.11. bekannt gegeben.
Beschluß: Das Urteil wird am heutigen Tag ergehen.
Ende: 10:10 Uhr.
1 Namen aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.
2 Die Zuhörer bestanden zum größten Teil aus Senioren und Studenten. Da im Anschluß an die GEZ-Verhandlung die Verhandlung 6 C 18.18 um eine CD des Rappers Bushido erfolgen sollte, war die erste Sitzreihe komplett für die Presse reserviert (und blieb natürlich während der ersten Verhandlung leer).
3 Urteil vom 28.02.2018 des VGH München zu 7 BV 17.770
4 Gemeint ist vmtl.:
BVerwG, Urteil vom 12.10.2011, 6 C 34.10; https://www.bverwg.de/121011U6C34.10.0
Beantragt ein Rundfunkteilnehmer trotz Vorliegens der Voraussetzungen weder Hilfe zum Lebensunterhalt noch Ausbildungsförderung, so kann keine Befreiung von der Rundfunkgebühr nach § 6 Abs. 1 RGebStV verlangt werden. Es fehlt in diesem Fall auch an der Voraussetzung einer besonderen Härte zur Befreiung nach § 6 Abs. 3 RGebStV.
5 BVerfG, Beschluß vom 9.11.2011, 1 BvR 665/10, https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2011/11/rk20111109_1bvr066510.html
6: Nach § 31 BVerfGG binden die Entscheidungen des BVerfG „die Verfassungsorgane des Bundes und der Länder sowie alle Gerichte und Behörden“.
https://dejure.org/gesetze/BVerfGG/31.html
7 Gemeint ist vmtl. § 14a BAföG
[Quelle: https://www.bafoeg-rechner.de/FAQ/paragraph/14a.php]
8: Persönliche Anmerkung: Diese Stelle war besonders witzig, da Herr Näher seit 2016 Datenschutzbeauftragter des BR ist.
« Antwort #5 am: 31. Oktober 2019, 12:50 »
Am 09.11.2011 war Art. 3 GG noch etwas mehr als "Willkürverbot" für das BVerfG. Was geschah zwischen diesem Datum und dem 18.07.2018?
Vielleicht, hoffentlich, wird die Klägerin Erfolg haben. Es geht ja um materielle Bedürftigkeit, nicht um immaterielle Sachen wie Freiheiten für den Bürger, die heute nicht mehr eine Rolle zu spielen scheinen. Der Staat soll ja nur für Brot und Zirkus (Rundfunk), sonst nichts, sorgen.
« Letzte Änderung: 31. Oktober 2019, 12:57 von DumbTV »
« Antwort #6 am: 31. Oktober 2019, 14:00 »
Danke für den Bericht! Ich vermute mal ich bin nicht allein in der Erwartung auf das Urteil.
« Antwort #7 am: 31. Oktober 2019, 15:09 »
Auch von mir danke für das Protokoll und Deine Arbeit. Ich weiß, wie viel Stunden das Einstellen in Anspruch nimmt
« Antwort #8 am: 31. Oktober 2019, 15:27 »
Grandioses Protokoll und ein herzliches Dankeschön für diesen enormen Aufwand.
Der Inhalt lässt auf einiges hoffen, das für "Bafög-würdige" Studenten und Wohngeldbezieher interessant werden könnte.
Die wichtigsten Punkte scheinen vom Gericht einigermaßen erfasst worden zu sein und die Argumentation des Beklagten war wohl extrem dürftig bzw. fragwürdig. Das kennen wir zwar irgendwoher, aber es bleibt zu hoffen und niemals aufzugeben.
« Antwort #9 am: 31. Oktober 2019, 17:55 »
Was ich mich die ganze Zeit frage ist, wie ein Oberverwaltungsgericht auf das schmale Brett kommt, dass das tatsächliche Einkommen praktisch keine Rolle spielt? Man lasse sich einmal diese Aussage der VGH München auf der Zunge zergehen:
Die im Katalog des § 4 Abs. 1 Nr. 1 bis 10 RBStV aufgenommenen Befreiungstatbestände sind als Ausnahmen von der Rundfunkbeitragspflicht eng auszulegen und nicht analogiefähig. Sie sind entsprechend dem gesetzgeberischen Ziel einer Verwaltungsvereinfachung auf den Kreis der dort genannten Begünstigten beschränkt und damit abschließend geregelt.
Damit kommt es nicht mehr auf das tatsächliche Einkommen an, sondern auf die Quellen und ob diese im sogn. RBStV genannt sind. Sozialstaatsgebot? Pustekuchen! - D.h., dass man nach Ansicht der Richter selbst dann für den ÖR-Rundfunk zahlen muss, wenn man monatlich weniger als 100 € Einkommen hat, wenn dieses Geld keine dort aufgeführte staatliche Leistung ist.
In welchem Wolkenkuckucksheim muss man zu Haus sein, um solchen Schwachsinn auch nur zu denken? Das noch in ein Urteil zu schreiben, ist eine Unverschämtheit. Die so urteilenden Richter gehören geteert, gefedert und auf dem Marktplatz an den Pranger gestellt, aber nicht auf den Richterstuhl eines Gerichts eines Landes, das sich als demokratischer und sozialer Bundesstaat bezeichnet.
« Antwort #10 am: 31. Oktober 2019, 18:31 »
Vielen tausend Dank für das gute Protokoll!
Und ich bin recht überrascht, wie verständig der Vorsitzende Richter argumentiert hat. Nein, ich meine nicht sein Bashing zur Verwaltungspraxis des BR, sondern die doch recht differenzierte Würdigung von Niedrigeinkommen.
Aus dem Aktenzeichen rate ich, dass es sich um den 6. Senat gehandelt haben müsste.
Das war allerdings auch der Senat mit den Copy-and-Paste-Urteilen, oder?
Mal sehen, wie viel Angst nun der Spruchkörper davor haben wird, im Bayrischen Rundfunk zur Primetime gesendet zu werden.
« Antwort #11 am: 31. Oktober 2019, 20:51 »
Dies Verhandlungs-Protokoll ist ziemlich das Wichtigste, was wir zwischen allem auch schon Wichtigen zu lesen bekamen.
@Philosoph erhält unseren gemeinsamen Dank für die umfassende Arbeit wie auch für das Herausarbeiten wichtiger Gesichtspunkte.
So ist nun alles geeignet auswertbar.
Weiteres hierzu erfolgt nun per PM und E-Mail - Feind liest mit im öffentlichen Forum.
« Antwort #12 am: 31. Oktober 2019, 21:07 »
Zitat von: drboe am 31. Oktober 2019, 17:55
Im Musterurteil, das mir das VG Berlin schickte, steht unter Rn 67:
Der Beklagte hat zu Recht darauf hingewiesen, dass Gründe für eine Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht bislang nicht vorliegen.
http://www.gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de/jportal/portal/t/pqm/bs/10/page/sammlung.psml?pid=Dokumentanzeige&showdoccase=1&js_peid=Trefferliste&documentnumber=1&numberofresults=1&fromdoctodoc=yes&doc.id=MWRE140002725&doc.part=L&doc.price=0.0#focuspoint
Eben, der Beklagte flüsterte es in das Ohr des Richters. Die Argumentation ist immer dieselbe: es geht um die Möglichkeit. Wer so ein niedriges Einkommen hat, kann Sozialhilfe beantragen und sich befreien lassen. Siehe Rn 66, 67, 68.
In Rn 43 ist noch schlimmer: je weniger Härtefälle es gibt, desto unmöglicher ist, dass ein Härtefall intensiv und unzumutbar sei.
Logisch gesehen ist ein Argument wie: man gehört zu einer kleinen Gruppe, man ist also klein.
Mir hat der RBB sogar empfohlen, obwohl ich nie in meinem Leben Sozialhilfe beantragte und es nicht vor habe:
Der Antragsteller kann sich nicht deshalb mit Erfolg aufgrund seiner Einkommensituation auf eine besondere Härte berufen, weil er angehalten ist, zuerst sein erspartes Geld bis zur Vermögensfreigrenze aufzubrauchen und anschließend zeitgerecht erneut einen Antrag auf Sozialleistungen zu stellen, der dann auch zur Bewilligung von Sozialleistungen führen wird (vgl. bereits zum Rundfunkgebührenstaatsvenrag Verwaltungsgericht Bayreuth, Beschluss vom 11.03.2013, Az. B 3 K 12.702).
https://stmichael.tk/2014-07-23K6.txt
Für den RBB ist mein Schicksal wegen meines niedrigen Einkommens: ein Dauersozialfall.
Die letzten Worte der Klägerin, die man hier im tollen Protokol liest, halte ich für sehr erfreulich:
« Letzte Änderung: 31. Oktober 2019, 21:56 von DumbTV »
K. Ramba
« Antwort #13 am: 01. November 2019, 10:11 »
Pressemitteilung Bundesverwaltungsgericht Leipzig 01.11.2019
Nr. 78/2019 vom 01.11.2019
Die Klägerin ist Inhaberin einer Wohnung und damit grundsätzlich zur Entrichtung des Rundfunkbeitrags verpflichtet. Sie absolvierte im Anschluss an ein abgeschlossenes Bachelor-Studium ein Zweitstudium, für das sie mangels Förderungsfähigkeit keine Leistungen nach dem Berufsausbildungsförderungsgesetz und deshalb auch keine Sozialleistungen erhielt. Sie lebte von Unterhaltsleistungen der Eltern und Wohngeld. Nach Abzug der Mietkosten standen ihr 337 € für ihren Lebensunterhalt zur Verfügung. Sie beantragte daher eine Befreiung von der Entrichtung des Rundfunkbeitrags. Den Antrag lehnte der Beklagte ab und setzte mit gesondertem Bescheid rückständige Rundfunkbeiträge fest. Die hiergegen gerichteten Widersprüche sowie die anschließend gegen die Beitragsfestsetzung und auf Befreiung von der Rundfunkbeitragspflicht gerichtete Klage blieben in den Vorinstanzen erfolglos.
Das Bundesverwaltungsgericht hat die vorinstanzlichen Urteile teilweise geändert und die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt zur Befreiung der Klägerin von der Rundfunkbeitragspflicht verpflichtet. Die Festsetzung rückständiger Rundfunkbeiträge ist rechtmäßig, weil die Klägerin zum damaligen Zeitpunkt als Beitragsschuldnerin noch nicht von der Entrichtung des Rundfunkbeitrags für den Zeitraum der Beitragsfestsetzung befreit gewesen ist. Gleichzeitig hat ihre Klage auf Befreiung von der Rundfunkbeitragspflicht Erfolg. Die Klägerin erhält zwar keine Leistungen nach dem Berufsausbildungsförderungsgesetz oder eine andere Sozialleistung, die nach den Katalogtatbeständen des Rundfunkbeitragsstaatsvertrags zu einer Befreiung führen. Eine erweiternde Anwendung dieser Katalogtatbestände auf Empfänger von Wohngeldleistungen und Absolventen von nicht förderungsfähigen Zweitstudiengängen scheidet aus, weil die Landesgesetzgeber bewusst und insoweit abschließend die Befreiung an die bundesgesetzlichen Regelungen der im Katalog genannten Sozialleistungen zur Vereinfachung geknüpft haben. Jedoch sieht der Rundfunkbeitragsstaatsvertrag hierneben auch eine Befreiung in besonderen Härtefällen vor. Der Begriff des besonderen Härtefalls erfasst vor allem diejenigen Fälle, in denen der Beitragsschuldner eine mit den Empfängern von Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem SGB XII vergleichbare Bedürftigkeit nachweisen kann. Hierzu zählen einkommensschwache Beitragsschuldner wie die Klägerin, die nach Abzug ihrer Wohnkosten weniger Einkommen zur Verfügung haben als ein Bezieher von derartigen Leistungen, und kein verwertbares Vermögen haben. Gründe der Verwaltungsvereinfachung rechtfertigen es nicht, einkommensschwachen Personen, die mit ihrem Einkommen unter den sozialhilferechtlichen Regelsätzen liegen und dieses zur Deckung ihres Lebensbedarfs benötigen, eine Befreiung zu versagen, während die Empfänger von Hilfe zum Lebensunterhalt nicht auf ihr Einkommen zur Entrichtung des Rundfunkbeitrags zurückgreifen müssen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten müssen in solchen Fällen anhand der vom Beitragspflichtigen vorzulegenden Nachweise das Vorliegen einer vergleichbaren Bedürftigkeit prüfen.
Weitere Pressemeldungen dazu siehe u.a. unter
Edit "Bürger" (mit Dank an "Schluss-mit-lustig" für die Erstmeldung):
Urteil nun im Volltext veröffentlicht unter
BVerwG, Urteil vom 30.10.2019 - 6 C 10.18
https://www.bverwg.de/de/301019U6C10.18.0
Fortsetzung der Diskussion zum Urteil nunmehr unter
« Letzte Änderung: 18. Dezember 2019, 00:44 von Bürger »
« Antwort #14 am: 01. November 2019, 11:03 »
So, der wichtigste Job ist geschafft
und ich hätte nie geglaubt, dass das so plötzlich geschieht. Noch gestern, gerade in den Stunden, während das Gericht tagte, war ein Gespräch in einer Senderanstalt zwischen Zuständigen und @pjotre , in dem dieser klarstellte, dass die ihm gegenüberstehenden zwei Vertreter der Gegner - also ARD-Juristen - insoweit nicht siegen können, weil sie das Gesetz nicht einhalten.
Mit dem im Entscheid-Protokoll genannten Herrn "Näher" beim BR
erfolgte beim BR ebenfalls eine ausführliche Behandlung in Wort und Schriftsatz. Die Vertraulichkeit des gesprochenen Wortes gelte. Nur so viel: Das Recht war Kern der Meinungs-Gegensätze, seine Meinungen waren wie im Protokoll, also korrekt erörtert wie ja bei "öffentlich-rechtlich" eine Juristen-Pflicht, aber ohne Erkennbarkeit einer Brücke über die Deutung der Rechtslage.
Und das Recht siegte nun nach rund 6 Jahren ohne entsprechendes recht. Eine Verfassungsbeschwerde ist für den BR wohl nicht möglich mangels Aktivlegitimation - oder falls überhaupt, dann ja wohl ohne Erfolgsaussicht.
So lange mussten wir alle auf unsere Richter warten, bis sie das immer schon klarliegende Recht als rechtens erkennen.
Rund 50 Verwaltungsgerichte, rund 200 Verwaltungsrichter - und ein einsamer Dr. Sprißler hat den Mut.
Bitte im Fuß meines Beitrags wieder einmal lesen, wie das mit unserer Bürgerpflicht zu sehen ist.
Wir alle hier haben das Recht, mit unserm Gewissen im Reinen zu sein. Viele andere haben die Bedeutung unseres Streitens nicht begriffen.
Es sind noch andere Schlachten zu schlagen. Aber diese war die wichtigste, weil juristisch am klarsten.
Die Folgewirkungen sind noch gar nicht richtig abzuschätzen. Doch ich will es hier kurz halten und dem mitlesenden Gegner nicht verraten, was ihn nun erwarten könnte.
Die Umsetzung in Briefbeispiele für 10 Prozent der Bürger wird sofort in Angriff genommen.
Ich hoffe, dass die Verantwortlichen dieses Forums nun etwas beschließen, wie alle im Forum an diesem Nutzen partizipieren können - rund ein Drittel aller mit E-Mail-Adresse Erreichbaren, also durch das Forum wohl rund 5000, durch die angegliederte Unterschriftenliste rund 30 000.
in einer Forumslogik mit ihrem aktualisierenden Informationsreichttum ist das nun gezielt Mögliche und Nötige rein kommunikationstechnisch nicht machbar. Das erfordert eine andere Austauschlogik. Dies ist verfügbar, implementiert und aktiv. Alles weitere darüber isei der internen Bearbeitung vorbehalten.
« Letzte Änderung: 01. November 2019, 11:18 von pjotre »