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Timestamp: 2016-10-21 14:49:29
Document Index: 351552667

Matched Legal Cases: ['Art. 7', 'Art. 8', 'Art. 16', 'Art. 18', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 43', 'Art. 61', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 18', 'Art. 66']

8C_85/2013 (29.05.2013)
8C_85/2013 � � Urteil vom 29. Mai 2013
vertreten durch Rechtsanw�ltin Stephanie Rippmann,
T.________, geboren 1982, arbeitete in einem Pensum von 70 % als K�chenhilfe bei der Genossenschaft X.________ und war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) f�r die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen sowie Berufskrankheiten versichert, als sie am 25. Juli 2008 als Mitfahrerin einen Auffahrunfall erlitt und sich dabei eine proximale Oberarmfraktur rechts mit Dislokation und Einziehung der Weichteile zwischen den Frakturenden zuzog, welche gleichentags mit offener Einrichtung und Osteosynthese mittels Marknagel behandelt wurde. Da sich eine avitale Pseudoarthrose, eine Frozen Shoulder und eine ungen�gende und verschobene Konsolidierung der Knochenbruchstelle zeigte, musste am 13. M�rz 2009 an der Klinik A.________ eine Re-Osteosynthese am proximalen Humerus rechts vorgenommen werden. Weil die Arbeitgeberin eine R�ckkehr der Versicherten an den angestammten Arbeitsplatz nach einem Arbeitsversuch im Sommer 2009 als unwahrscheinlich erachtete, l�ste sie das Arbeitsverh�ltnis auf Ende des Jahres 2009 auf. Nachdem die Fraktur vollst�ndig konsolidiert war, wurde am 20. Mai 2010 das Metall entfernt. Vom 22. Dezember 2010 bis 31. Mai 2011 absolvierte die Versicherte ein Praktikum in einem 50 %-Pensum als Verk�uferin in der Kleiderabteilung eines Kaufhauses. Am 10. Juli 2011 brachte sie ihr zweites Kind zur Welt. In der Folge klagte sie �ber eine erneute Schmerzzunahme im Schultergelenk. Kreisarzt Dr. med. S.________, Facharzt f�r Chirurgie FMH, attestierte T.________ in seiner Abschlussuntersuchung vom 23. Januar 2012 bei einer Hypotrophie der Schultermuskulatur rechts mit einer Beweglichkeitseinschr�nkung eine volle Arbeitsf�higkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in einer den Behinderungen in der Schulter angepassten T�tigkeit. Mit Verf�gung vom 7. Februar 2012 sprach die SUVA der Versicherten eine Integrit�tsentsch�digung auf der Basis einer Einbusse von 15 % zu und verneinte einen Rentenanspruch. Die verf�gte Zusprechung der Integrit�tsentsch�digung erwuchs in Rechtskraft. Die Unfallversicherung lehnte den Rentenanspruch mit Einspracheentscheid vom 1. Mai 2012 erneut ab.
T.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren mit dem Antrag, in Aufhebung des angefochtenen Entscheides sei ihr eine Rente zuzusprechen, eventualiter sei die Sache zur weiteren Abkl�rung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen und Grunds�tze �ber die Erwerbsunf�higkeit (Art. 7 ATSG), die Invalidit�t (Art. 8 Abs. 1 ATSG), die Bemessung des Invalidit�tsgrades nach der Einkommensvergleichsmethode (Art. 16 ATSG) und den Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG) zutreffend dargelegt. Gleiches gilt in Bezug auf die Grundlagen �ber den f�r die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem Gesundheitsschaden (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) und auf den im Sozialversicherungsrecht bei der Beantwortung von Tatfragen �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) sowie den Beweiswert und die Beweisw�rdigung medizinischer Berichte und Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3 S. 352 mit Hinweisen). Darauf wird verwiesen.
Die Beschwerdef�hrerin l�sst zun�chst vorbringen, die Verwaltung und das kantonale Gericht h�tten die Frage nach psychischen Beeintr�chtigungen mit Krankheitswert zu wenig abgekl�rt.
3.1.�Sowohl das Verwaltungsverfahren als auch der kantonale Sozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben Verwaltung und Sozialversicherungsgericht den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis �ber die f�r die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (SVR 2010 AlV Nr. 2 S. 3, 8C_269/2009 E. 2.2 mit Hinweisen).
Der rechtserhebliche Sachverhalt ist von Amtes wegen unter Mitwirkung der Versicherten resp. der Parteien zu ermitteln. In diesem Sinne rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abh�ngt, ob �ber den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist (�FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 1983, S. 43 und 273; Urteil 9C_214/2009 vom 11. Mai 2009 E. 3.2). Die Beweise sind ohne Bindung an f�rmliche Beweisregeln umfassend und pflichtgem�ss zu w�rdigen. Die kantonalen Versicherungsgerichte haben somit alle Beweismittel, unabh�ngig davon, von wem sie stammen, objektiv zu pr�fen und danach zu entscheiden, ob die verf�gbaren Unterlagen eine zuverl�ssige Beurteilung des streitigen Anspruchs gestatten. Insbesondere d�rfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu w�rdigen und die Gr�nde anzugeben, weshalb sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; Urteile 9C_1061/2009 vom 11. M�rz 2010 E. 4.2 und 9C_744/2009 vom 15. Dezember 2009 E. 4.2).
3.2.�Mit dem kantonalen Gericht steht fest, dass psychische Auff�lligkeiten erstmals im Austrittsbericht der Klinik B.________ vom 13. Juli 2010 erw�hnt werden. Diagnostiziert wurde ein Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsst�rung, initial sei eine depressive Stimmung der Patientin erkannt worden, welche eingehend psychosomatisch exploriert wurde. Da ein g�nstiger Spontanverlauf festgestellt wurde, stellten die �rzte der Rehabilitationsklinik keine spezifische Behandlungsindikation, empfahlen der Versicherten aber eine allgemeine psychotherapeutische Behandlung. Am 19. November 2010 �berwies der behandelnde Hausarzt, Dr. med. E.________, die Beschwerdef�hrerin an den psychiatrischen Dienst C.________ zur Evaluation der psychiatrischen Situation, insbesondere mit der Frage nach einer Essst�rung und medikament�ser Behandlung. Dieses Vorgehen wurde von der SUVA ausdr�cklich begr�sst. Indessen wollte die Versicherte laut Auskunft des Hausarztes keine Therapie machen. Die Vorinstanz zieht daraus den Schluss, der Leidensdruck und damit das Ausmass der psychischen Beschwerden sei nicht allzu gross gewesen.
3.3.�Damit steht fest, dass die Unfallversicherung den psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdef�hrerin untersuchen wollte, sich diese aber trotz erfolgter Anmeldung beim psychiatrischen Dienst C.________ an einer entsprechenden Abkl�rung nicht interessiert zeigte. Es kann der SUVA und der Vorinstanz demnach heute nicht vorgeworfen werden, sie h�tten den Untersuchungsgrundsatz verletzt.
3.4.�Entscheidend aber ist, dass die SUVA und das kantonale Gericht auf weitere Abkl�rungen des psychischen Gesundheitszustandes verzichten durften, wenn allf�llige psychische Beschwerden nicht in einem ad�quaten Kausalzusammenhang mit dem versicherten Unfall stehen w�rden. Die Vorinstanz hat die Ad�quanz in Anwendung der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung gepr�ft und verworfen. Die Beschwerdef�hrerin hat die entsprechenden Erw�gungen im angefochtenen Entscheid nicht ger�gt und auch keine Argumente vorgebracht, weshalb diese nicht rechtm�ssig sein sollten. Es hat demnach bei der vorinstanzlichen Feststellung, dass eine allf�llige psychische Gesundheitssch�digung die Arbeitsf�higkeit der Beschwerdef�hrerin nicht in anspruchsrelevanter Hinsicht beeintr�chtige, sein Bewenden.
Weiter l�sst die Beschwerdef�hrerin vorbringen, die vom Kreisarzt attestierte Arbeitsf�higkeit von 100 % in einer leichten, den bleibenden Behinderungen am rechten Arm angepassten T�tigkeit stehe im Widerspruch zu den Beurteilungen der behandelnden �rzte.
4.1.�Das kantonale Gericht hat hinsichtlich der Frage, welche T�tigkeiten der Beschwerdef�hrerin aufgrund der objektivierbaren Unfallrestfolgen noch zumutbar sind und wie hoch ihre Arbeitsf�higkeit in einer dieser T�tigkeiten ist, auf die Schlussfolgerungen des Dr. med. S.________ im �rztlichen Abschlussbericht vom 23. Januar 2012 abgestellt. Demgem�ss finde sich objektiv eine Hypotrophie der Schultermuskulatur rechts, insbesondere des Infraspinatus und des Deltoideus sowie eine Beweglichkeitseinschr�nkung der rechten Schulter in Bezug auf Elevation, Retroversion, Ab- und Adduktion sowie Extrarotation. Die Schmerzen im Bereich der Schulter seien bisher therapierefrakt�r gewesen, wobei auch gem�ss den Berichten der Klinik A.________ unfallfremde Faktoren eine Rolle zu spielen scheinen. Zumutbar sei eine k�rperlich leichte, wechselbelastende T�tigkeit mit Heben von Gewichten bis Lendenh�he von bis zu 5 kg und ohne Notwendigkeit des Hebens und Tragens oder des Arbeitens �ber Brusth�he und ohne Stossbelastungen sowie repetitive T�tigkeiten, bei denen der rechte Arm wiederholten Schl�gen und Vibrationen ausgesetzt sei. Der Arzt h�lt ausdr�cklich fest, dass die Verk�uferinnent�tigkeit, die die Versicherte anl�sslich ihres Praktikums ausgef�hrt habe, im Wesentlichen diesem Profil entsprechen w�rde.
4.2.�Es liegt entgegen der Darstellung in der Beschwerdeschrift keine begr�ndete �rztliche Zumutbarkeitsbeurteilung vor, welche der kreis�rztlichen Einsch�tzung widersprechen w�rde. Im Bericht �ber eine Verlaufskontrolle an der Klinik A.________ vom 26. September 2011 wird zwar eine 100%ige Arbeitsunf�higkeit erw�hnt, dies aber unter dem Titel "Anamnese" und nicht als eigene Beurteilung �ber die Zumutbarkeit. Dementsprechend wird das Ausmass der genannten Arbeitsunf�higkeit auch nicht begr�ndet. Indessen halten die zust�ndigen �rzte die postpartale und depressive Komponente als zus�tzliches Erschwernis f�r eine weitere Therapie. Anl�sslich der darauf folgenden Verlaufskontrolle vom 13. Dezember 2011 macht Oberarzt Dr. med. P.________ von der Klinik A.________ keine Aussage �ber die Arbeitsf�higkeit mehr. Er h�lt lediglich fest, dass die Patientin seit der zweiten Geburt keine Arbeit mehr aufgenommen habe. Schliesslich findet sich auch im Bericht des Schmerzzentrums des Spitals D.________ vom 25. April 2012 keine Beurteilung der Arbeitsf�higkeit. Indessen wird von einer belastenden psychosozialen Situation der Patientin berichtet, obwohl ein Schon- und Meideverhalten nicht festgestellt werden konnte und die Ressourcen der Patientin als gut eingesch�tzt wurden. Entgegen den Ausf�hrungen in der Beschwerdeschrift erfolgte das Praktikum nicht aus gesundheitlichen Gr�nden in einem 50 %-Pensum, sondern weil die Beschwerdef�hrerin dies ausdr�cklich so w�nschte. Es gibt daher keinen Anlass, von der eingehend begr�ndeten Einsch�tzung der Arbeitsf�higkeit durch den Kreisarzt abzuweichen.
Streitig sind weiter die erwerblichen Auswirkungen dieser Einschr�nkung.
5.1.�Einigkeit herrscht bez�glich des hypothetischen Valideneinkommens von Fr. 51'194.-. Die Vorinstanz und die SUVA gingen f�r die Ermittlung des Invalideneinkommens vorerst vom Lohn aus, den die Beschwerdef�hrerin als Verk�uferin in der Damenkonfektion der Y.________ AG verdienen k�nnte. Wenn sie nicht schwanger geworden w�re, h�tte sie eine entsprechende Stelle annehmen und Fr. 49'384.- im Jahr verdienen k�nnen. Da sie konkret aber keiner Erwerbsarbeit nachgeht, ist der allgemeine Arbeitsmarkt massgebend. Daher sind die Einkommenszahlen gem�ss den Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes f�r Statistik (LSE) massgebend. Die Unfallversicherung und das kantonale Gericht haben f�r Frauen im gesamten privaten Sektor auf dem niedrigsten Anforderungsniveau 4 ein Jahreseinkommen f�r 2012 von Fr. 54'108.- ermittelt und angesichts des Zumutbarkeitsprofils davon einen Abzug von 10 % vorgenommen (Invalideneinkommen von Fr. 48'697.-). In beiden Varianten resultiert ein Invalidit�tsgrad von weniger als 10 %. Die Beschwerdef�hrerin moniert diesbez�glich einzig, dass ein Leidensabzug in der H�he von mindestens 15 % vorzunehmen sei.
5.2.1.�Ein (behinderungsbedingt oder anderweitig begr�ndeter) Abzug nach Massgabe der Grunds�tze von BGE 126 V 75 ist erst vorzunehmen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte daf�r bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer Kriterien ihre gesundheitlich bedingte (Rest-) Arbeitsf�higkeit auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Erfolg erwerblich verwerten kann (Urteil [des Bundesgerichts] 8C_778/2007 vom 29. Mai 2008 E. 5.2 mit Hinweisen). Praxisgem�ss ist durch einen entsprechenden Abzug vom Tabellenlohn der Tatsache Rechnung zu tragen, dass pers�nliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalit�t oder Aufenthaltskategorie�und Besch�ftigungsgrad Auswirkungen auf die H�he des Lohnes der versicherten Person haben k�nnen (BGE 124 V 321 E. 3b/aa S. 323). Der Abzug ist unter W�rdigung der Umst�nde im Einzelfall nach pflichtgem�ssem Ermessen gesamthaft zu sch�tzen und darf maximal 25 % betragen (BGE 126 V 75 E. 5b/aa-cc S. 79 ff.).
5.2.2.�Von den genannten Gr�nden f�llt einzig das "Ausmass der Behinderung", also die vom Kreisarzt formulierten Bedingungen an eine der Behinderung am rechten Arm/Schulter angepassten T�tigkeiten in Betracht. Anhaltspunkte, die eine (zus�tzliche) Reduktion des anhand statistischer Durchschnittswerte ermittelten Invalideneinkommens rechtfertigten, bestehen nicht. Der vorgenommene Abzug von 10 % ist demnach nicht zu beanstanden. Es liegt keine fehlerhafte Ermessensbet�tigung vor.
5.3.�Aus der Gegen�berstellung von Validen- (Fr. 51'194.-) und Invalideneinkommen (minimal Fr. 48'679.-) resultiert ein Invalidit�tsgrad von knapp 5 %. Auch wenn man mit der Beschwerdef�hrerin noch eine zus�tzliche Reduktion des Invalideneinkommens im Bereiche von 0.385 % vornehmen w�rde, da das Valideneinkommen der Beschwerdef�hrerin bei der Genossenschaft X.________ um 5.385 % unter dem Durchschnittseinkommen gem�ss LSE liegt (vgl. BGE 135 V 297), resultiert kein massgeblich h�herer Invalidit�tsgrad. Da gem�ss Art. 18 Abs. 1 UVG lediglich eine mindestens 10%ige Invalidit�t zum Bezug einer Invalidenrente berechtigt, hat es beim abschl�gigen Rentenbescheid sein Bewenden.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat die Beschwerdef�hrerin die Gerichtskosten zu tragen (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG).