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Timestamp: 2020-07-10 04:11:10
Document Index: 67137302

Matched Legal Cases: ['§ 1031', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 91', '§ 1032', 'Art. 27', 'Art. 28', 'BGH', '§ 37', '§ 37', 'BGH', '§ 37', 'BGH', 'BGH', '§ 1031']

Schiedsklauseln ausländischer Broker | Rechtslupe
Schieds­klau­seln in Ver­trä­gen aus­län­di­scher Bro­ker mit inlän­di­schen Ver­brau­chern sind nach deut­schem Recht zu beur­tei­len und müs­sen die Form des § 1031 Abs. 5 ZPO ein­hal­ten.
Die Schieds­ver­ein­ba­rung wäre aller­dings unver­bind­lich, wenn die Klä­ger kei­ne Kauf­leu­te wären. Nach § 37h WpHG sind Schieds­ver­ein­ba­run­gen über künf­ti­ge Rechts­strei­tig­kei­ten aus Wert­pa­pier­dienst­leis­tun­gen, Wert­pa­pier­ne­ben­dienst­leis­tun­gen oder Finanz­ter­min­ge­schäf­ten nur ver­bind­lich, wenn bei­de Ver­trags­tei­le Kauf­leu­te oder juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts sind [1].
Das gilt auch im Anwen­dungs­be­reich des New Yor­ker Über­ein­kom­mens über die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung aus­län­di­scher Schieds­sprü­che vom 10. Juni 1958 [2] (UNÜ). § 37h WpHG ver­stößt nicht gegen Art. II Abs. 1 UNÜ [3]. Die gegen­tei­li­ge Ansicht ver­kennt, dass die Rege­lung des § 37h WpHG eine Beschrän­kung nur der sub­jek­ti­ven Schieds­fä­hig­keit ent­hält [4] und daher nicht mit § 91 GWB aF [5] ver­gli­chen wer­den kann [6]. In Bezug auf die sub­jek­ti­ve Schieds­fä­hig­keit sieht das UNÜ indes kei­ne auto­no­me Rege­lung vor, son­dern eröff­net viel­mehr über Art. V Abs. 1 Buchst. a) UNÜ aus­drück­lich den Rück­griff auf das für die Par­tei­en maß­geb­li­che per­sön­li­che Recht [7]; dies ist hier deut­sches Recht.
Die Schieds­klau­sel erfüllt aller­dings nicht die in Art. II UNÜ vor­ge­schrie­be­ne Form, die auch in der – hier gege­be­nen – Ein­re­de­si­tua­ti­on des § 1032 Abs. 1 ZPO gewahrt sein muss, wenn die Schieds­ab­re­de – wie hier – zu einem aus­län­di­schen Schieds­spruch im Sin­ne von Art. I Abs. 1 UNÜ füh­ren kann [8].
Die ers­te Schrift­for­mal­ter­na­ti­ve ist nicht erfüllt, weil der Kon­to­füh­rungs­ver­trag, auf des­sen Rück­sei­te unter ande­rem die Schieds­klau­sel der Beklag­ten abge­druckt ist, nur von den Klä­gern unter­zeich­net wor­den ist und damit nicht das bei­der­sei­ti­ge (sog. vol­le) Schrift­form­erfor­der­nis wahrt [9]. Auch ein Schrift­wech­sel im Sin­ne des Art. II Abs. 2 Alt. 2 UNÜ liegt nicht vor. Ein sol­cher lässt sich nicht aus der nach Ver­trags­schluss erfolg­ten Über­sen­dung des den Kon­to­aus­zü­gen jeweils bei­gefüg­ten Merk­blatts mit der dar­in befind­li­chen Schieds­klau­sel her­lei­ten. Abge­se­hen davon, dass die Beklag­te sich auf die­se inhalt­lich von Zif­fer 15 der Geschäfts­be­din­gun­gen abwei­chen­de Schieds­klau­sel nicht beru­fen hat, befand sie sich nur in dem Merk­blatt, das die Beklag­te den Klä­gern über­sand­te, mit­hin nicht in gewech­sel­ten Schrift­stü­cken [10].
Die Klä­ger ver­hal­ten sich nicht wider­sprüch­lich, indem sie sich auf die For­mun­gül­tig­keit der Schieds­klau­sel beru­fen. Dabei kann dahin­ste­hen, ob das Ver­bot wider­sprüch­li­chen Ver­hal­tens dem UNÜ inhä­rent ist und es danach einer Par­tei, die eine Schieds­ver­ein­ba­rung unter­schrie­ben hat, ver­wehrt sein kann, unter Hin­weis dar­auf, dass der die Schieds­ein­re­de erhe­ben­de Ver­trags­part­ner sie selbst nicht unter­schrie­ben hat, die Unwirk­sam­keit der Schieds­ver­ein­ba­rung gel­tend zu machen [11]. Denn den Klä­gern kann schon des­we­gen kein wider­sprüch­li­ches Ver­hal­ten vor­ge­wor­fen wer­den, weil die Beklag­te sich ihrer­seits wider­sprüch­lich ver­hal­ten hat. Sie hat nicht nur von vorn­her­ein im Ver­trags­for­mu­lar ein Unter­schrif­ten­feld und damit eine Unter­schrift für sich selbst nicht vor­ge­se­hen, son­dern zusam­men mit den Kon­to­aus­zü­gen das Merk­blatt "Terms and Con­di­ti­ons" mit einer Schieds­klau­sel über­sandt, die mit der in Zif­fer 15 der Geschäfts­be­din­gun­gen inhalt­lich nicht über­ein­stimmt.
Trotz der Nicht­ein­hal­tung der Form des Art. II UNÜ kann die Schieds­ver­ein­ba­rung aber über den Meist­be­güns­ti­gungs­grund­satz des Art. VII UNÜ form­wirk­sam sein, wenn das auf die Schieds­ver­ein­ba­rung anwend­ba­re Recht gerin­ge­re Forman­for­de­run­gen stellt und die­se erfüllt sind [12]. Aller­dings rei­chen die bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen nicht aus, um ent­schei­den zu kön­nen, wel­che natio­na­len Form­vor­schrif­ten auf die streit­ge­gen­ständ­li­che Schieds­ver­ein­ba­rung anwend­bar sind.
Zustan­de­kom­men und Wirk­sam­keit einer Schieds­ver­ein­ba­rung bemes­sen sich im Kol­li­si­ons­fall nach den Regeln des deut­schen inter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts [13]. Die danach im Streit­fall zeit­lich noch anwend­ba­ren Art. 27 ff. EGBGB aF [14] füh­ren zur Gel­tung des Sta­tuts des Haupt­ver­tra­ges, mit dem die Schieds­ver­ein­ba­rung regel­mä­ßig die engs­te Ver­bin­dung im Sin­ne von Art. 28 Abs. 1 EGBGB aF auf­weist [12], wenn eine aus­drück­li­che auf sie bezo­ge­ne Rechts­wahl fehlt.
Das ist hier der Fall. Die Par­tei­en haben in Bezug auf die Schieds­klau­sel, die kei­nen bestimm­ten Schieds­ort fest­legt, eine Rechts­wahl nicht getrof­fen. Die zwi­schen den Par­tei­en zustan­de gekom­me­nen Kon­to­füh­rungs­ver­trä­ge sehen eine der­ar­ti­ge Ver­ein­ba­rung nicht vor. Auch eine nach­träg­li­che Rechts­wahl­ver­ein­ba­rung ist zwi­schen den Par­tei­en nicht zustan­de gekom­men. Zwar befin­det sich in dem letz­ten Satz des mit "Arbi­tra­ti­on Agree­ment" über­schrie­be­nen Abschnitts im Merk­blatt "Terms and Con­di­ti­ons" jeweils eine Wahl New Yor­ker Rechts. Jedoch bezieht sich die­se Rechts­wahl nur auf die in die­sem Abschnitt abge­druck­te Schieds­klau­sel, auf die sich die Beklag­te bei der von ihr erho­be­nen Ein­re­de der Schieds­ver­ein­ba­rung gera­de nicht beruft und die mit der von der Beklag­ten inso­weit gel­tend gemach­ten Schieds­klau­sel in Zif­fer 15 der Geschäfts­be­din­gun­gen auch inhalt­lich nicht über­ein­stimmt.
Nichts ande­res wür­de sich erge­ben, wenn mit der Revi­si­on den von der Recht­spre­chung abwei­chen­den Stim­men im Schrift­tum zu fol­gen wäre, nach denen das Recht des ver­ein­bar­ten Schieds­or­tes auf die Schieds­ver­ein­ba­rung anzu­wen­den sein soll [15]. Nach der streit­ge­gen­ständ­li­chen Schieds­ver­ein­ba­rung kann zwi­schen meh­re­ren Schieds­or­ten unter­schied­li­cher Rechts­ord­nun­gen frei gewählt wer­den, so dass ein bestimm­ter Schieds­ort noch nicht fest­steht. Für einen sol­chen Fall ist auch nach die­ser Auf­fas­sung das für den Haupt­ver­trag gel­ten­de Recht maß­geb­lich [16].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Juni 2010 – XI ZR 349/​08
vgl. BGH, Urtei­le vom 09.03.2010 – XI ZR 93/​09, WM 2010, 749, Tz. 20 ff.[↩]
vgl. Assmann/​Schneider/​Sethe, WpHG, 5. Aufl., § 37h Rn. 36 mit Fn. 6; Reithmann/​Martiny/​Mankowski, Inter­na­tio­na­les Ver­trags­recht, 7. Aufl., Rn. 2541; Schwark/​Zimmer, KMRK, 3. Aufl., § 37h WpHG Rn. 5, 7; aA Leh­mann, SchiedsVZ 2003, 219, 224 f.; ihm fol­gend Jor­dans, Schieds­ge­rich­te bei Ter­min­ge­schäf­ten und Anle­ger­schutz, S. 263 ff., 267; Iff­land, Bör­sen­schieds­ge­richts­bar­keit in Deutsch­land und Russ­land, S. 183 f.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 09.03.2010 – XI ZR 93/​09, WM 2010, 749, Tz. 21, mwN[↩]
BGBl. 1957 I S. 1081, 1098[↩]
vgl. Assmann/​Schneider/​Sethe, aaO, § 37h Rn. 36 mit Fn. 6 aE[↩]
so auch Leh­mann, SchiedsVZ 2003, 219, 224[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 21.09.2005 – III ZB 18/​05, WM 2005, 2201, 2203[↩][↩]
BGH, Beschluss vom 21.09.2005 – III ZB 18/​05, WM 2005, 2201, 2203[↩]
vgl. Reithmann/​Martiny/​Hausmann, Inter­na­tio­na­les Ver­trags­recht, 7. Aufl., Rn. 6612, 6620, mwN[↩]
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