Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/die-mangelhafte-gebaeudestatik-363415
Timestamp: 2020-07-15 01:49:58
Document Index: 159764853

Matched Legal Cases: ['§ 254', '§ 634', '§ 280', '§ 633', '§ 254', '§ 278', '§ 254', '§ 254', '§ 254', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Die mangelhafte Gebäudestatik | Rechtslupe
Die von einem Trag­werks­pla­ner für ein Gebäu­de erstell­te Sta­tik ist man­gel­haft, wenn sie den ver­ein­bar­ten Zweck, die Stand­fes­tig­keit des Gebäu­des unter Berück­sich­ti­gung des Bau­grun­des und sei­ner Trag­fä­hig­keit zu gewähr­leis­ten, nicht erfüllt, weil sie die nach den kon­kre­ten Boden- und Grund­was­ser­ver­hält­nis­sen erfor­der­li­chen Maß­nah­men nicht vor­sieht.
Den Auf­trag­ge­ber trifft grund­sätz­lich die Oblie­gen­heit, dem Trag­werks­pla­ner die für die man­gel­freie Erstel­lung der Sta­tik erfor­der­li­chen Anga­ben zu den Boden- und Grund­was­ser­ver­hält­nis­sen zu machen. Hat er unzu­tref­fen­de Anga­ben gemacht und ist des­halb die Sta­tik man­gel­haft, trifft den Auf­trag­ge­ber für einen dar­aus ent­ste­hen­den Scha­den eine Mit­haf­tung wegen Ver­schul­dens gegen sich selbst.
Hat der von dem Auf­trag­ge­ber beauf­trag­te pla­nen­de Archi­tekt die unzu­tref­fen­den Anga­ben gemacht, muss sich der Auf­trag­ge­ber des­sen Ver­schul­den gemäß §§ 254, 278 BGB zurech­nen las­sen.
Gemäß § 634 Nr. 4, §§ 280, 281 BGB kann der Bestel­ler von dem Trag­werks­pla­ner Scha­dens­er­satz ver­lan­gen, wenn ihm durch eine schuld­haft man­gel­haf­te Sta­tik ein Scha­den am Bau­werk ent­stan­den ist.
Der Ver­trag über die vom Trag­werk­pla­ner zu erbrin­gen­de Trag­werks­pla­nung ist als Werk­ver­trag zu qua­li­fi­zie­ren [1].
Die Pla­nung eines Trag­werks­pla­ners ist man­gel­haft, wenn sie nicht die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Beschaf­fen­heit auf­weist, § 633 Abs. 2 Satz 1 BGB. Wel­che Beschaf­fen­heit die Ver­trags­par­tei­en ver­ein­bart haben, ergibt die Aus­le­gung des Ver­tra­ges. Zur ver­ein­bar­ten Beschaf­fen­heit gehö­ren alle Eigen­schaf­ten des Wer­kes, die nach der Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en den ver­trag­lich geschul­de­ten Erfolg her­bei­füh­ren sol­len. Der ver­trag­lich geschul­de­te Erfolg bestimmt sich auch danach, wel­che Funk­ti­on das Werk nach dem Wil­len der Par­tei­en erfül­len soll. Eine Abwei­chung von der ver­ein­bar­ten Beschaf­fen­heit liegt vor, wenn der mit dem Ver­trag ver­folg­te Zweck des Wer­kes nicht erreicht wird und das Werk sei­ne ver­ein­bar­te oder nach dem Ver­trag vor­aus­ge­setz­te Funk­ti­on nicht erfüllt. Die ver­ein­bar­te Beschaf­fen­heit liegt danach nicht vor, wenn die Pla­nung eines Archi­tek­ten den nach dem Ver­trag vor­aus­ge­setz­ten Zweck nicht erfüllt [2]. Nichts ande­res gilt für die Pla­nung eines Trag­werks­pla­ners. Die­se hat den Zweck, die Stand­fes­tig­keit des zu errich­ten­den Gebäu­des unter Berück­sich­ti­gung der Beschaf­fen­heit des Bau­grun­des und sei­ner Trag­fä­hig­keit zu gewähr­leis­ten. Sie ist daher grund­sätz­lich man­gel­haft, wenn sie die­sen Zweck nicht erfüllt, weil die nach Sach­la­ge erfor­der­li­chen Maß­nah­men gegen drü­cken­des Was­ser nicht vor­ge­se­hen sind [3].
Aller­dings kön­nen die Par­tei­en ande­re Ver­ein­ba­run­gen tref­fen. Auch die Funk­tio­na­li­tät einer Trag­werks­pla­nung kann durch Ver­ein­ba­run­gen der Par­tei­en ein­ge­schränkt wer­den. Eine sol­che Ein­schrän­kung ergibt sich aller­dings ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on nicht allein dar­aus, dass dem Trag­werks­pla­ner vom Auf­trag­ge­ber oder von sei­nem Archi­tek­ten Pla­nungs­un­ter­la­gen über­ge­ben wer­den, die kei­ne Anga­ben dazu ent­hal­ten, ob drü­cken­des Was­ser vor­liegt. Ob der Trag­werks­pla­ner allein dar­aus den Schluss zie­hen darf, dass drü­cken­des Was­ser nicht ansteht, kann dahin­ge­stellt blei­ben. Jeden­falls kann die­sem Umstand nicht ent­nom­men wer­den, dass der Auf­trag­ge­ber dem Trag­werks­pla­ner den Auf­trag erteilt, eine Sta­tik ohne Berück­sich­ti­gung der tat­säch­li­chen Boden- und Grund­was­ser­ver­hält­nis­se zu erstel­len. An einer sol­chen Trag­werks­pla­nung hat der Auf­trag­ge­ber regel­mä­ßig kein Inter­es­se, denn ihm kommt es dar­auf an, eine den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen gerecht wer­den­de Trag­werks­pla­nung zu erhal­ten. Die­ses Inter­es­se des Auf­trag­ge­bers mit dem dar­aus abzu­lei­ten­den Inhalt des Auf­trags, eine für das kon­kret geplan­te Gebäu­de zutref­fen­de Sta­tik zu erstel­len, ist auch für den Trag­werks­pla­ner ersicht­lich. Etwas ande­res ergibt sich hier auch nicht aus dem vom Beru­fungs­ge­richt zuguns­ten des Trag­werk­pla­ner unter­stell­ten Sach­ver­halt, dass ihm neben der Geneh­mi­gungs­pla­nung auch die ver­al­te­te geprüf­te Sta­tik aus dem ers­ten Bau­ab­schnitt über­ge­ben wur­de mit dem Bemer­ken, es sol­le alles wie beim ers­ten Bau­ab­schnitt gemacht wer­den. Auch dar­aus konn­te der Trag­werk­pla­ner nicht ent­neh­men, dass die Funk­tio­na­li­tät der von ihm zu erstel­len­den Trag­werks­pla­nung ein­ge­schränkt sein soll­te. Die Pla­nungs­un­ter­la­gen soll­ten es dem Trag­werk­pla­ner ersicht­lich ermög­li­chen, eine Trag­werks­pla­nung zu erstel­len, die den Erfor­der­nis­sen des zu errich­ten­den kon­kre­ten Bau­werks ent­sprach. Die Über­ga­be der Unter­la­gen stell­te damit nur eine Mit­wir­kungs­hand­lung zur Erlan­gung einer sach­ge­rech­ten Trag­werks­pla­nung dar; ein Auf­trag, eine Trag­werks­pla­nung unab­hän­gig von den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen vor Ort zu erstel­len, war damit nicht ver­bun­den.
Von der über­nom­me­nen Ver­pflich­tung, eine funk­ti­ons­taug­li­che Pla­nung zu erstel­len, die auch den nach Sach­la­ge erfor­der­li­chen Schutz gegen drü­cken­des Grund­was­ser vor­se­hen muss, kann sich der Trag­werks­pla­ner nicht durch einen ein­sei­ti­gen for­mel­haf­ten Hin­weis frei­zeich­nen, die Bau­grund­an­nah­me sei vor Bau­be­ginn vom aus­füh­ren­den Unter­neh­mer und von der Bau­lei­tung allein ver­ant­wort­lich zu prü­fen [4]. Ent­spre­chen­des gilt für den vom Trag­werk­pla­ner ver­wen­de­ten Hin­weis in den Vor­be­mer­kun­gen zur sta­ti­schen Berech­nung, es sei zu über­prü­fen, ob die zugrun­de geleg­ten Boden­pres­sun­gen mit Sicher­heit auf­ge­nom­men wer­den könn­ten, im Zwei­fels­fall sei ein Boden­gut­ach­ter ein­zu­schal­ten, der Auf­stel­ler der sta­ti­schen Berech­nung sei unver­züg­lich zu infor­mie­ren und es sei Rück­spra­che zu hal­ten, falls Grund­was­ser oder ande­re Beson­der­hei­ten zu erwar­ten sei­en. Der Trag­werks­pla­ner muss sich, sofern er kei­ne ande­ren Ver­ein­ba­run­gen mit dem Auf­trag­ge­ber getrof­fen hat, viel­mehr die für die ord­nungs­ge­mä­ße Erfül­lung sei­nes Auf­trags not­wen­di­gen Kennt­nis­se ver­schaf­fen und gege­be­nen­falls durch eige­ne Initia­ti­ve dafür sor­gen, dass ihm die erfor­der­li­chen Anga­ben vom Auf­trag­ge­ber oder des­sen Archi­tek­ten gemacht wer­den. Das gilt ins­be­son­de­re für Anga­ben zu den Boden­ver­hält­nis­sen, ohne deren Kennt­nis eine ord­nungs­ge­mä­ße Erle­di­gung des Auf­trags in der Regel nicht denk­bar ist [5]. Die Unter­su­chung der Bau­grund­ver­hält­nis­se und des Grund­was­ser­stan­des ist, sofern kei­ne dahin­ge­hen­de geson­der­te Beauf­tra­gung vor­liegt, zwar nicht Auf­ga­be des Trag­werks­pla­ners, son­dern in aller Regel vom Archi­tek­ten zu ver­an­las­sen [6]. Das ent­bin­det den Trag­werks­pla­ner jedoch nicht von sei­ner Pflicht, die Sta­tik auf der Grund­la­ge trag­fä­hi­ger und den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen gerecht wer­den­der Unter­la­gen zu fer­ti­gen und dafür zu sor­gen, dass ihm die­se Unter­la­gen zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Inwie­weit der Trag­werks­pla­ner auf ihm über­mit­tel­te Anga­ben des Auf­trag­ge­bers ver­trau­en kann, betrifft nicht die Fra­ge der Man­gel­haf­tig­keit sei­nes Werks, son­dern ein even­tu­ell zu ver­nei­nen­des Ver­schul­den an einem Man­gel.
Auf die­ser Grund­la­ge ist im vor­lie­gen­den Fall damit die von dem Trag­werk­pla­ner erstell­te Sta­tik man­gel­haft. Der in der Revi­si­on zu unter­stel­len­de Umstand, dass dem Trag­werk­pla­ner von dem Archi­tek­ten ledig­lich die Geneh­mi­gungs­pla­nung und die – ver­al­te­te – geprüf­te Sta­tik aus dem ers­ten Bau­ab­schnitt, aus denen sich kei­ne Hin­wei­se auf eine Grund­was­ser­be­las­tung erga­ben, aus­ge­hän­digt wur­den, schränkt die nach dem Ver­trag ver­ein­bar­te Funk­tio­na­li­tät nicht ein. Der dem Trag­werk­pla­ner erteil­te Auf­trag zur Erstel­lung einer Sta­tik soll­te unter ande­rem dazu die­nen, ein den Plan­vor­ga­ben des Archi­tek­ten ent­spre­chen­des Gebäu­de unter Berück­sich­ti­gung der Boden­ver­hält­nis­se und einer even­tu­el­len Grund­was­ser­be­las­tung stand­si­cher zu errich­ten. Die­se Zweck­be­stim­mung hat die Trag­werks­pla­nung des Trag­werk­pla­ner ver­fehlt, da dar­in das tat­säch­lich anste­hen­de drü­cken­de Was­ser nicht berück­sich­tigt wor­den ist.
Der Bun­des­ge­richts­hof bejaht daher das Ver­schul­den des Trag­werk­pla­ner an der Erstel­lung der man­gel­haf­ten Sta­tik. Aller­dings hät­te der Trag­werk­pla­ner an sich auf­grund der ihm vom Archi­tek­ten über­ge­be­nen Unter­la­gen davon aus­ge­hen dür­fen, dass drü­cken­des Grund­was­ser jeden­falls beim bereits errich­te­ten Nach­bar­bau kei­ne Rol­le gespielt hat. Denn der Archi­tekt hat ihm die geprüf­te Sta­tik für die­ses Bau­werk über­ge­ben und damit den Anschein erweckt, die­se Sta­tik sei pro­blem­los für das neue Bau­werk zu ver­wen­den. Aus der über­ge­be­nen geprüf­ten Sta­tik ergab sich kein Anhalts­punkt dafür, dass mit drü­cken­dem Was­ser zu rech­nen und des­halb die Erstel­lung des Kel­lers in Form einer wei­ßen Wan­ne erfor­der­lich wäre. Die dem Trag­werk­pla­ner von dem Archi­tek­ten zur Erstel­lung der Sta­tik über­ge­be­ne Geneh­mi­gungs­pla­nung sah zudem ledig­lich eine 20 cm dicke Sohl­plat­te vor, die von vorn­her­ein bei drü­cken­dem Was­ser nicht hät­te vor­ge­se­hen wer­den dür­fen.
Für den Trag­werk­pla­ner bestand nicht bereits des­halb Ver­an­las­sung, die aus der über­ge­be­nen Sta­tik ersicht­li­chen Boden- und Grund­was­ser­ver­hält­nis­se in Fra­ge zu stel­len, weil die­se Sta­tik im Hin­blick auf die dazu erfolg­ten Nach­trä­ge unvoll­stän­dig war. Denn die Unvoll­stän­dig­keit der über­reich­ten Sta­tik war für den Trag­werk­pla­ner nicht ersicht­lich. Nach dem vom Beru­fungs­ge­richt zuguns­ten des Trag­werk­pla­ner unter­stell­ten Sach­ver­halt war die­sem weder bekannt noch war er dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den, dass es Nach­trä­ge zu der ihm vor­ge­leg­ten Sta­tik gab. Es erga­ben sich für ihn kei­ne Anhalts­punk­te dahin, dass für den ers­ten Bau­ab­schnitt nicht allein die ihm über­ge­be­ne geprüf­te Sta­tik erstellt wor­den war. Nach den vor­ge­leg­ten Unter­la­gen und den Anga­ben des Archi­tek­ten konn­te der Trag­werk­pla­ner daher davon aus­ge­hen, dass im ers­ten Bau­ab­schnitt nach der ihm aus­ge­hän­dig­ten geprüf­ten Sta­tik gebaut wor­den war und die danach anzu­neh­men­den ört­li­chen Ver­hält­nis­se auch für den zwei­ten Bau­ab­schnitt vor­la­gen.
Jedoch ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Trag­werk­pla­ner ander­wei­tig über die Was­ser­be­las­tung des Grund­stücks infor­miert wor­den war und ihm die­se jeden­falls hät­te bekannt sein müs­sen. Den Trag­werk­pla­ner trifft des­halb ein Ver­schul­den dar­an, dass er die Sta­tik man­gel­haft erstellt hat. Ist einem Sta­ti­ker aus ande­ren Quel­len als den über­reich­ten Unter­la­gen bekannt, dass die­se die tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se nicht zuver­läs­sig abbil­den, so darf er die­se Unter­la­gen sei­nen Berech­nun­gen nicht ohne wei­te­re Auf­klä­rung der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se zugrun­de legen [7].
Das Beru­fungs­ge­richt [8] trifft kei­ne Aus­sa­ge dazu, ob dem Bau­herrn ein Mit­ver­schul­den an der Ent­ste­hung des Scha­dens anzu­las­ten ist. In einem Grund­ur­teil kann von einer Ent­schei­dung über ein mit­wir­ken­des Ver­schul­den des Geschä­dig­ten abge­se­hen wer­den, sofern fest­steht, dass die­ses nicht zu einem voll­stän­di­gen Haf­tungs­aus­schluss führt, also dem Geschä­dig­ten jeden­falls ein Anspruch bleibt [9]. Wird die Klä­rung der Mit­haf­tung des Geschä­dig­ten damit dem Betrags­ver­fah­ren über­las­sen, muss dies im Urteils­te­nor, zumin­dest aber in den Urteils­grün­den kennt­lich gemacht wer­den [10]. Das ist nicht gesche­hen. Das Beru­fungs­ge­richt hat sich weder im Urteils­aus­spruch noch in den Ent­schei­dungs­grün­den eine dahin­ge­hen­de Ent­schei­dung vor­be­hal­ten. Das Beru­fungs­ge­richt hat ledig­lich bei der Beklag­ten zu 1 ein mit­wir­ken­des Mit­ver­schul­den des Bau­herrn geprüft und dies bejaht. Dar­aus ist zu schlie­ßen, dass es eine Haf­tungs­be­schrän­kung des Trag­werk­pla­ner wegen mit­wir­ken­den Ver­schul­dens des Bau­herrn ver­neint hat. Inso­weit hält das Urteil der recht­li­chen Nach­prü­fung nicht stand.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den [11], dass den Auf­trag­ge­ber in sei­nem Ver­trags­ver­hält­nis zum bau­auf­sichts­füh­ren­den Archi­tek­ten regel­mä­ßig die Oblie­gen­heit trifft, die­sem ein­wand­freie Plä­ne zur Ver­fü­gung zu stel­len. Der bau­auf­sichts­füh­ren­de Archi­tekt kann sei­ne Auf­ga­be, eine man­gel­freie Errich­tung des Bau­werks her­bei­zu­füh­ren, nur auf der Grund­la­ge man­gel­frei­er Plä­ne sinn­voll wahr­neh­men. Sol­che zu über­ge­ben, liegt daher im eige­nen Inter­es­se des Auf­trag­ge­bers. Über­lässt er dem bau­auf­sichts­füh­ren­den Archi­tek­ten feh­ler­haf­te Plä­ne, ver­letzt er die­ses Inter­es­se im Sin­ne eines Ver­schul­dens gegen sich selbst. Nach § 254 Abs. 2 Satz 2, § 278 BGB muss er sich die Mit­ver­ur­sa­chung des Scha­dens durch den von ihm beauf­trag­ten pla­nen­den Archi­tek­ten zurech­nen las­sen, weil er sich des Archi­tek­ten zur Erfül­lung der ihn aus § 254 Abs. 1 BGB im eige­nen Inter­es­se tref­fen­den Oblie­gen­heit bedient hat.
Nichts ande­res hat zu gel­ten, wenn der Auf­trag­ge­ber dem Trag­werks­pla­ner durch den von ihm mit der Pla­nung beauf­trag­ten Archi­tek­ten Plä­ne und Unter­la­gen zu den bei der Erstel­lung der Trag­werks­pla­nung zu berück­sich­ti­gen­den Boden- und Grund­was­ser­ver­hält­nis­sen über­reicht oder dazu sons­ti­ge Anga­ben macht, die den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen nicht ent­spre­chen. Wie aus­ge­führt, kann der Trag­werks­pla­ner eine zutref­fen­de Sta­tik nur erstel­len, wenn Klar­heit hin­sicht­lich der Boden- und Grund­was­ser­ver­hält­nis­se herrscht. Er kann und darf daher erwar­ten, dass der Auf­trag­ge­ber ihm die Anga­ben macht, die es ihm ermög­li­chen, eine man­gel­freie, den Boden- und Grund­was­ser­ver­hält­nis­sen gerecht wer­den­de Trag­werks­pla­nung zu erstel­len. Wer­den ihm inso­weit unzu­tref­fen­de Anga­ben gemacht oder erge­ben sich sonst aus den ihm als Grund­la­ge sei­ner Berech­nun­gen über­ge­be­nen Unter­la­gen unzu­tref­fen­de Boden- und Grund­was­ser­ver­hält­nis­se, ver­letzt der Auf­trag­ge­ber die ihm gegen­über dem Trag­werks­pla­ner bestehen­de Oblie­gen­heit, die­sem die der Trag- werks­pla­nung zugrun­de zu legen­den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se mit­zu­tei­len. Erbringt der Auf­trag­ge­ber die von ihm zu for­dern­de Mit­wir­kung nicht, trägt er zu einer dar­aus resul­tie­ren­den man­gel­haf­ten Trag­werks­pla­nung bei und ist folg­lich für einen dar­aus erwach­sen­den Scha­den mit­ver­ant­wort­lich.
Hat der Auf­trag­ge­ber die unzu­tref­fen­den Anga­ben nicht selbst gemacht, son­dern der von ihm beauf­trag­te pla­nen­de Archi­tekt, muss er sich des­sen Ver­schul­den gemäß §§ 254, 278 BGB zurech­nen las­sen. Der Auf­trag­ge­ber hat sich in die­sem Fall zur Erfül­lung der berech­tig­ten Erwar­tung des Trag­werks- pla­ners, dass ihm von dem Auf­trag­ge­ber zutref­fen­de Anga­ben zu den Boden- und Grund­was­ser­ver­hält­nis­sen gemacht wer­den, des Archi­tek­ten bedient. Die­ser macht folg­lich die ent­spre­chen­den Anga­ben in Erfül­lung der dem Auf­trag­ge­ber oblie­gen­den Auf­ga­ben. Sein Ver­schul­den ist daher dem Auf­trag­ge­ber zuzu­rech­nen. Soweit sich aus der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs im Urteil vom 04.03.1971 [12] etwas ande­res erge­ben soll­te, hiel­te der Bun­des­ge­richts­hof dar­an nicht fest. Zwar trifft es zu, dass der Auf­trag­ge­ber bei der Beauf­tra­gung eines Archi­tek­ten und eines Sta­ti­kers dar­auf ver­trau­en kön­nen muss, dass die­se in der erfor­der­li­chen Wei­se zusam­men­wir­ken. Das recht­fer­tigt es jedoch nicht, den Auf­trag­ge­ber von der Ver­ant­wor­tung für die Ent­ste­hung des Scha­dens zu befrei­en, die ihm über §§ 254, 278 BGB für ein schuld­haf­tes Ver­hal­ten sei­nes Erfül­lungs­ge­hil­fen zuge­wie­sen ist. Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits in sei­ner Ent­schei­dung vom 27.11.2008 [13] dar­auf hin­ge­wie­sen, dass eine Zurech­nung auch nicht des­halb ver­neint wer­den kann, weil der feh­ler­haft infor­mier­te Auf­trag­neh­mer sei­ner­seits ver­pflich­tet ist, die Infor­ma­tio­nen gewis­sen­haft zu über­prü­fen. Die Zurech­nung des Mit­ver­schul­dens ist, wie auch im Ver­hält­nis des Auf­trag­ge­bers zum Bau­un­ter­neh­mer oder bau­über­wa­chen­den Archi­tek­ten, sach­ge­recht. Sie führt ins­be­son­de­re dazu, dass die Rück­griffs- und Insol­venz­ri­si­ken unter den Betei­lig­ten ange­mes­sen unter Berück­sich­ti­gung der Umstän­de des Ein­zel­falls ver­teilt wer­den.
Danach kommt im vor­lie­gen­den Fall ein ganz erheb­li­ches Mit­ver­schul­den des Bau­herrn in Betracht. Denn der Archi­tekt, der den Trag­werk­pla­ner namens und im Auf­trag des Bau­herrn beauf­tragt hat, hat, wovon in der Revi­si­on aus­zu­ge­hen ist, die­sem als Grund­la­ge für die Erstel­lung der Trag­werks­pla­nung eine bekann­ter­ma­ßen ver­al­te­te geprüf­te Sta­tik über­ge­ben, wonach drü­cken­des Was­ser nicht zu berück­sich­ti­gen war und ihm auch im Übri­gen die damals bekann­te Grund­was­ser­be­las­tung nicht mit­ge­teilt.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Mai 2013 – VII ZR 257/​11
vgl. BGH, Urtei­le vom 18.09.1967 – VII ZR 88/​65, BGHZ 48, 257, 258; vom 20.01.1972 – VII ZR 148/​70, BGHZ 58, 85, 86[↩]
BGH, Urteil vom 14.02.2001 – VII ZR 176/​99, BGHZ 147, 1, 4; Urteil vom 20.12.2012 – VII ZR 209/​11, BauR 2013, 624 = NZBau 2013, 244[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 06.12.2007 – VII ZR 157/​06, BauR 2008, 543, 545 unter II.1. b = NZBau 2008, 260[↩]
BGH, Urteil vom 06.12.2007 – VII ZR 157/​06, BauR 2008, 543, 545 unter II.1. b = NZBau 2008, 260[↩]
BGH, Urteil vom 06.12.2007 – VII ZR 157/​06, aaO; Urteil vom 04.03.1971 – VII ZR 204/​69, BauR 1971, 265, 268; OLG Düs­sel­dorf, BauR 2000, 1358 = NZBau 2000, 474[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 15.12.1966 – VII ZR 151/​64, VersR 1967, 260; OLG Düs­sel­dorf, BauR 1992, 536, 537; BauR 2001, 277, 279 = NZBau 2000, 526; BauR 2005, 1660[↩]
OLG Olden­burg, BauR 1981, 399, 401; OLG Düs­sel­dorf, BauR 2001, 277, 279 = NZBau 2000, 526; vgl. auch OLG Karls­ru­he, BauR 2007, 1911[↩]
OLG Hamm, Urteil vom 29.11.2011 – I‑24 U 35/​09[↩]
BGH, Urteil vom 31.01.1996 – VIII ZR 243/​94, BauR 1996, 424, 426; Urteil vom 24.03.1999 – VIII ZR 121/​98, BGHZ 141, 129, 136[↩]
BGH, Urtei­le vom 31.01.1996 – VIII ZR 243/​94 und vom 24.03.1999 – VIII ZR 121/​98, jeweils aaO[↩]
BGH, Urteil vom 27.11.2008 – VII ZR 206/​06, BGHZ 179, 55 Rn. 30, 36[↩]
BGH, Urteil vom 04.03.1971 – VII ZR 204/​69, BauR 1971, 265, 268[↩]
BGH, Urteil vom 27.11.2008 – VII ZR 206/​06, aaO[↩]
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