Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bfh/2010-04-21/vi-r-46_08
Timestamp: 2017-10-17 04:12:28
Document Index: 314397065

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 41', '§ 42', '§ 8', '§ 6', '§ 8', '§ 6', '§ 6', '§ 8', '§ 6']

BFH, 21.04.2010 - VI R 46/08 - Tatsächliche Überlassung eines Dienstwagens durch den Arbeitgeber an den Arbeitnehmer als Voraussetzung für die Anwendung der 1%-Regelung; Geltung des Anscheinsbeweis für eine tatsächliche private Nutzung eines vom Arbeitgeber dem Arbeitnehmer überlassenen Dienstwagens | anwalt24.de
Urt. v. 21.04.2010, Az.: VI R 46/08
Referenz: JurionRS 2010, 20639
Aktenzeichen: VI R 46/08
FG Niedersachsen - 23.04.2007 - AZ: 11 K 379/06
§ 8 Abs. 2 S. 2-5 EStG
§ 41a Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EStG
§ 42d Abs. 1 Nr. 1 EStG
BFHE 229, 228 - 234
AuA 2011, 248
AuR 2010, 396
BB 2010, 1949 (Pressemitteilung)
BB 2010, 2939-2941
BBK 2010, 799-800
BeSt 2010, 38
BFH/NV 2010, 1707-1709
BFH/PR 2010, 366
BStBl II 2010, 848-851 (Volltext mit amtl. LS)
DAR 2010, 602-603
DB 2010, 1676-1678
DStR 2010, 1568-1570
EStB 2010, 330
GmbHR 2010, 264
GStB 2010, 38
HFR 2010, 1055-1056
KÖSDI 2010, 17107
KÖSDI 2012, 17840
LGP 2010, 181-182
NWB 2010, 2512
NWB 2010, 2514
NWB direkt 2010, 838
NWB direkt 2010, 840
schnellbrief 2010, 8
StB 2010, 297
StBW 2010, 723-724
StuB 2010, 639
StX 2010, 500-501
ZAP 2010, 1094
ZAP EN-Nr. 700/2010
Jurion-Abstract 2010, 224843 (Zusammenfassung)
Die Anwendung der 1%-Regelung setzt voraus, dass der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer tatsächlich einen Dienstwagen zur privaten Nutzung überlassen hat.
Überlässt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer unentgeltlich oder verbilligt einen Dienstwagen auch zur privaten Nutzung, begründet das nach der ständigen Rechtsprechung des Senats einen als Lohnzufluss zu erfassenden Nutzungsvorteil des Arbeitnehmers (Urteile des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 6. November 2001 VI R 62/96, BFHE 197, 142, BStBl II 2002, 370 ; vom 7. November 2006 VI R 19/05, BFHE 215, 256, BStBl II 2007, 116; VI R 95/04, BFHE 215, 252, BStBl II 2007, 269; vom 4. April 2008 VI R 68/05, BFHE 221, 17, BStBl II 2008, 890). Der Vorteil ist nach § 8 Abs. 2 Sätze 2 bis 5 EStG i.V.m. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG entweder mit der 1%-Regelung oder mit der Fahrtenbuchmethode zu bewerten. Nach der 1%-Regelung ist als Vorteil für jeden Kalendermonat 1% des inländischen Listenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich der Kosten für Sonderausstattungen einschließlich der Umsatzsteuer anzusetzen. Die Fahrtenbuchmethode bemisst den Vorteil mit dem auf die private Nutzung entfallenden Teil der gesamten Kraftfahrzeugaufwendungen, wenn die durch das Kraftfahrzeug insgesamt entstehenden Aufwendungen durch Belege und das Verhältnis der privaten Fahrten und der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu den übrigen Fahrten durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nachgewiesen werden.
Die Anwendung der 1%-Regelung setzt indessen voraus, dass der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer tatsächlich einen Dienstwagen zur privaten Nutzung überlassen hatte. Denn § 8 Abs. 2 Satz 2 EStG begründet ebenso wenig wie § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG originär einen steuerbaren Tatbestand, sondern bewertet lediglich der Höhe nach einen Vorteil, der dem Grunde nach feststehen muss. Dementsprechend bezeichnet die ständige Rechtsprechung des BFH die 1%-Regelung auch als eine grundsätzlich zwingende, stark typisierende und pauschalierende Bewertungsregelung, die nicht zur Anwendung kommt, wenn eine Privatnutzung ausscheidet (BFH-Urteile vom 13. Februar 2003 X R 23/01, BFHE 201, 499, BStBl II 2003, 472 ; in BFHE 215, 256, BStBl II 2007, 116, m.w.N.).
Die Rechtsprechung des BFH legt auch im betrieblichen Bereich bei unmittelbarer Anwendung des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG eine beschränkte Reichweite des allgemeinen Erfahrungssatzes zu Grunde, wenn sie zwar davon ausgeht, dass bestimmte Arten von eigenen Kraftfahrzeugen, insbesondere PKW und Krafträder, typischerweise nicht nur vereinzelt und gelegentlich für private Zwecke genutzt werden, diesen allgemeinen Erfahrungssatz aber nicht auf LKW, Zugmaschinen oder Werkstattwagen des Betriebsinhabers erstreckt (BFH-Urteile in BFHE 201, 499, [BFH 13.02.2003 - X R 23/01] BStBl II 2003, 472 ; vom 18. Dezember 2008 VI R 34/07, BFHE 224, 108, BStBl II 2009, 381).
Für eine solche Überlassung eines Dienstwagens genügt es insbesondere nicht, dass nur feststeht, dass Arbeitnehmer Kraftfahrzeuge aus dem Fuhrpark des Arbeitgebers für betriebliche Zwecke nutzen. Stehen Kraftfahrzeuge lediglich als Poolfahrzeuge zur Verfügung und sind diese --anders als in dem durch Senatsurteil vom 15. Mai 2002 VI R 132/00 (BFHE 199, 230, BStBl II 2003, 311 ) entschiedenen Fall-- auch nicht einem oder mehreren Arbeitnehmern konkret zugeordnet und ihnen (anteilig) auch zur privaten Nutzung überlassen, so kann nach den vorgenannten Rechtsgrundsätzen ein geldwerter Vorteil nicht auf § 8 Abs. 2 Satz 2 EStG i.V.m. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG gestützt werden.