Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kapitalanlagerecht/bankrechtliche-bedenken-gegen-eine-bestimmte-anlageform-und-der-anlageprospekt-366091
Timestamp: 2020-07-04 03:14:13
Document Index: 180567672

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 32', '§ 1', '§ 1', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'BGH', '§ 1', '§ 230', 'BGH']

Bankrechtliche Bedenken gegen eine bestimmte Anlageform und der Anlageprospekt | Rechtslupe
Bank­recht­li­che Beden­ken gegen eine bestimm­te Anla­ge­form und der Anla­ge­pro­spekt
In einem Anla­ge­pro­spekt ist auf bank­recht­li­che Beden­ken gegen eine bestimm­te Anla­ge­form hin-zuwei­sen, wenn mit der Ver­wirk­li­chung der dar­aus fol­gen­den Beden­ken ernst­haft zu rech­nen ist und die­se Risi­ken jeden­falls nicht nur ganz ent­fernt lie­gen.
Ein Anle­ger muss über bank­recht­li­che Beden­ken gegen eine bestimm­te Anla­ge­form grund­sätz­lich auf­ge­klärt wer­den. Denn er hat ein berech­tig­tes Inter­es­se zu wis­sen, ob das Anla­ge­mo­dell recht­lich abge­si­chert ist oder ob mit bank­auf­sichts­recht­li­chen Maß­nah­men und damit ver­bun­de­nen Pro­zess­ri­si­ken zu rech­nen ist [1]. Zutref­fend hat das Beru­fungs­ge­richt wei­ter ange­nom­men, dass die­ser Grund­satz nicht unbe­grenzt gilt. Nicht über jedes Risi­ko muss auf­ge­klärt wer­den, son­dern nur über sol­che Risi­ken, mit deren Ver­wirk­li­chung ernst­haft zu rech­nen ist oder die jeden­falls nicht nur ganz ent­fernt lie­gen.
Eine sol­che Auf­klä­rungs­pflicht hat der Bun­des­ge­richts­hof in den Ent­schei­dun­gen zum "Pen­si­ons­Spar­plan" und zur "Secu­Ren­te" ange­nom­men [2]. Dort war durch eine Ände­rung des § 1 KWG zwei­fel­haft gewor­den, ob ein teil­wei­ses Ste­hen­las­sen des Aus­ein­an­der­set­zungs­gut­ha­bens eines stil­len Gesell­schaf­ters über eine Lauf­zeit von 10 bis 40 Jah­ren mit dem Ziel, dass dem Gesell­schaf­ter in die­ser Zeit eine monat­li­che Ren­te zu zah­len war, dazu führ­te, dass der Ver­trag als Bank­ge­schäft anzu­se­hen war. Dazu fehl­te der dor­ti­gen Beklag­ten die erfor­der­li­che bank­auf­sichts­recht­li­che Geneh­mi­gung nach § 32 KWG. Nach § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 KWG in der seit dem 1. Janu­ar 1998 gel­ten­den Fas­sung ist die Annah­me frem­der Gel­der als Ein­la­gen oder ande­rer unbe­dingt rück­zahl­ba­rer Gel­der des Publi­kums ein Bank­ge­schäft, sofern der Rück­zah­lungs­an­spruch nicht in Inha­ber- oder Order­schuld­ver­schrei­bun­gen ver­brieft wird, ohne Rück­sicht dar­auf, ob Zin­sen ver­gü­tet wer­den (Ein­la­gen­ge­schäft). Das damals zustän­di­ge Bun­des­auf­sichts­amt für das Kre­dit­we­sen hat­te ange­nom­men, die­se Defi­ni­ti­on tref­fe auf ein Anla­ge­mo­dell zu, bei dem das Aus­ein­an­der­set­zungs­gut­ha­ben in Form einer monat­li­chen Ren­te aus­zu­zah­len ist. Das Amt hat­te von der dama­li­gen Beklag­ten ver­langt, das Gut­ha­ben in einer Sum­me aus­zu­zah­len [3].
Das ist auf den vor­lie­gen­den Fall nicht über­trag­bar. Grund­sätz­lich ist die Her­ein­nah­me von Gesell­schaf­ter-Ein­la­gen, auch sol­cher der stil­len Gesell­schaf­ter, kein Ein­la­gen­ge­schäft im Sin­ne des § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 KWG [4]. Ver­mö­gens­ein­la­gen stil­ler Gesell­schaf­ter, die am lau­fen­den Ver­lust des kapi­tal­neh­men­den Unter­neh­mens teil­neh­men, erfül­len als nur bedingt rück­zahl­ba­re Ansprü­che die Vor­aus­set­zun­gen des § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 KWG nicht [5]. Bei der Gesell­schaf­te­r­Ein­la­ge steht die Bil­dung einer Zweck­ge­mein­schaft im Vor­der­grund. Dem­entspre­chend nimmt der stil­le Gesell­schaf­ter regel­mä­ßig und so auch hier nicht nur am Gewinn, son­dern auch am Ver­lust teil. Wird die Gesell­schaft auf­ge­löst, hat er kei­nen Anspruch auf eine Ren­te zum Zweck der Alters­ver­sor­gung. Das Aus­ein­an­der­set­zungs­gut­ha­ben ist viel­mehr unter Berück­sich­ti­gung der Ver­lust­an­tei­le zu berech­nen. Dass es nach der hier vor­lie­gen­den gesell­schafts­ver­trag­li­chen Rege­lung in vier Raten über zwei Jah­re aus­zu­zah­len ist, hat ledig­lich den Zweck, die Liqui­di­tät des Han­dels­un­ter­neh­mens zu erhal­ten. Der­ar­ti­ge Rege­lun­gen sind im Gesell­schafts­recht üblich. Dass sie eine bank­recht­li­che Erlaub­nis vor­aus­set­zen, ver­tritt soweit ersicht­lich weder die Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (BaFin) noch die Recht­spre­chung abge­se­hen vom Land­ge­richt Ber­lin [6] im vor­lie­gen­den Fall. Im Gegen­teil hat der Bun­des­ge­richts­hof aus­ge­spro­chen, dass kein Bank­ge­schäft vor­liegt, wenn das Aus­ein­an­der­set­zungs­gut­ha­ben wegen eines Liqui­di­täts­eng­pas­ses nur ver­zö­gert aus­ge­zahlt wer­den kann [7]. Glei­ches gilt, wenn zur Ver­mei­dung eines Liqui­di­täts­eng­pas­ses von vorn­her­ein eine Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung getrof­fen wird.
Bun­des­ge­richts­hof, Ver­säum­nis­ur­teil vom 23. Juli 2013 – II ZR 143/​12
BGH, Urteil vom 21.03.2005 – II ZR 149/​03, ZIP 2005, 763, 765; Urteil vom 01.12.2011 – III ZR 56/​11, ZIP 2012, 135 Rn. 15[↩]
BGH, Urteil vom 21.03.2005 – II ZR 149/​03, ZIP 2005, 763, 765; Urteil vom 26.09.2005 – II ZR 314/​03, ZIP 2005, 2060, 2064[↩]
BGH, Urteil vom 21.03.2005 – II ZR 149/​03, ZIP 2005, 763[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 15.03.1984 III ZR 15/​83, BGHZ 90, 310, 313 f.; Schä­fer in Boos/​Fischer/​SchulteMattler, KWG, 4. Aufl., § 1 Rn. 40; Sos­nitza, NZG 2000, S. 87 f.; s. auch BGH, Urteil vom 23.03.2010 – VI ZR 57/​09, ZIP 2010, 1122 Rn. 17[↩]
vgl. Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs zu § 1 Satz 2 Nr. 1 KWG, BR- Drucks. 963/​96, S. 62 f.; Blau­rock, Hand­buch der stil­len Gesell­schaft, 6. Aufl., Rn.19.84; Sing­hof in Singhof/​Seiler/​Schlitt, Mit­tel­ba­re Gesell­schafts­be­tei­li­gun­gen, 2004, Rn. 336; Münch­Komm-HGB/K. Schmidt, 3. Aufl., § 230 Rn. 88; Bor­n­e­mann, ZHR 166 [2002], 211, 225 ff. mwN[↩]
LG Ber­lin, Urteil vom 18.12.2008 – 5 O 140/​08[↩]
BGH, Urteil vom 08.05.2006 II ZR 123/​05, ZIP 2006, 1201 Rn. 16[↩]
AnlageprospektProspektfehler