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Timestamp: 2016-10-24 12:26:09
Document Index: 164836462

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 134', 'Art. 159', 'Art. 135', 'BGE']

U 357/01 (08.04.2002)
U 357/01 Gr
S.________, 1958, Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Bruno H�fliger, Schwanenplatz 7, 6004 Luzern,
A.- Der 1958 geborene S.________ war ab 1. Februar 1993 bei der Firma M.________ AG angestellt und bei der "Elvia" Versicherungs-Gesellschaft (nachfolgend: Elvia) obligatorisch gegen die Folgen von Unfall und Berufskrankheit versichert. Am 14. Februar 1996 war er als Lenker eines Personenwagens von einer Auffahrkollision betroffen. Dr. med. H.________, Allgemeine Medizin FMH, den der Versicherte erstmals am 16. Februar 1996 konsultiert hatte, diagnostizierte in Berichten vom 8. und 21. M�rz 1996 ein Schleudertrauma der Halswirbels�ule (HWS). Die Elvia holte weitere Ausk�nfte des Dr. med. H.________ vom 10. Juni und 29. August 1996, des Zentrums Y.________ vom 27. M�rz 1996 sowie der Medizinischen Klinik des Spitals X.________ vom 23. August 1996 ein. Nachdem Dr. med. H.________ in einem Schreiben vom 7. Oktober 1996 eine vertrauens�rztliche Untersuchung angeregt hatte, gab die Elvia bei Dr. med. B.________, Chirurgie FMH, ein Gutachten in Auftrag, welches am 5. Dezember 1996 erstattet wurde. Anschliessend stellte sie - wie bereits in einem Schreiben vom 19. September 1996 angek�ndigt - mit Verf�gung vom 8. April 1997 ihre Leistungen per 31. Juli 1996 ein. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 7. August 1997 fest. Auf Beschwerde hin hob das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern den Einspracheentscheid auf mit der Begr�ndung, im Zusammenhang mit der Erstellung und Verwertung des Gutachtens des Dr. med. B.________ seien die Geh�rs- und Mitwirkungsrechte des Versicherten verletzt worden (Entscheid vom 12. M�rz 1998).
Die Elvia holte - nachdem der Versicherte eine Stellungnahme der Rehaklinik vom 6. M�rz 1998 hatte einreichen lassen - bei Dr. med. S.________, Neurologie FMH, ein Gutachten ein, welches am 9. Juni 1999 erstattet wurde. Der Gutachter hatte seinerseits einen Bericht der Klinik X.________, vom 10. November 1998 (Magnetresonanztomographie der LWS) und ein Gutachten des Neuropsychologischen Instituts Z.________ vom 12. Januar 1999 beigezogen. In der Folge einigten sich die Parteien vergleichsweise auf eine Integrit�tsentsch�digung auf Grund einer Integrit�tseinbusse von 15 %.
Am 22. September 1999 liess der Versicherte - unter Beilage eines Zeugnisses des Dr. med. E.________, Allgemeine Medizin FMH, vom 11. September 1999 - einen R�ckfall melden und die Zusprechung weiterer Leistungen beantragen. Die Elvia lehnte das Gesuch mit Verf�gung vom 18. Januar 2000 ab, weil der ad�quate Kausalzusammenhang zu verneinen sei. Diesen Standpunkt best�tigte sie mit Einspracheentscheid vom 5. April 2000.
B.- Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern in dem Sinne gut, dass es den Einspracheentscheid aufhob und die Sache an die Elvia zur�ckwies, damit diese �ber ihre gesetzliche Leistungspflicht neu verf�ge (Entscheid vom 13. September 2001). Im Verlauf des Verfahrens hatte der Versicherte unter anderem Stellungnahmen des PD Dr. med. W.________, Augenarzt FMH vom 14. Mai 2000 und des Dr. med. M.________, Otorhinolaryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie FMH, vom 24. August 2000 einreichen lassen. Das kantonale Gericht hatte seinerseits einen Bericht des Dr. med. E.________ vom 27. Juli 2001 (Krankengeschichte, mit Beilagen) eingeholt.
C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt die Elvia die Aufhebung des kantonalen Entscheids.
S.________ l�sst das Rechtsbegehren stellen, die Verwaltungsgerichtsbeschwerde sei abzuweisen. Das Bundesamt f�r Sozialversicherung verzichtet auf eine Vernehmlassung.
1.- Das kantonale Gericht hat die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen) zutreffend dargelegt. Entsprechendes gilt f�r die von der Judikatur entwickelten Grunds�tze zum Erfordernis des ad�quaten Kausalzusammenhanges im Allgemeinen (BGE 125 V 461 Erw. 5a mit Hinweisen) sowie insbesondere bei den Folgen eines Unfalles mit Schleudertrauma der HWS oder �quivalenten Verletzungen ohne organisch nachweisbare Funktionsausf�lle (BGE 117 V 359 ff.), mit Einschluss als leicht zu qualifizierender Unfallereignisse (RKUV 1998 Nr. U 297 S. 243 ff.). Darauf wird verwiesen.
2.- Auf Grund der medizinischen Akten ist erstellt, dass der Versicherte anl�sslich des Unfalls vom 14. Februar 1996 ein HWS-Distorsionstrauma und damit eine einem Schleudertrauma der HWS �quivalente Verletzung (vgl. SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2) erlitten hat. Zudem ist hinreichend dokumentiert und unbestritten, dass in der Folge eine Reihe der zum typischen Beschwerdebild eines solchen geh�renden Symptome aufgetreten ist, die in einem nat�rlichen Kausalzusammenhang zum Unfallereignis stehen.
3.- Streitig ist die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom 14. Februar 1996 und den vom Versicherten geklagten Beschwerden und im Rahmen dieser Pr�fung die Qualifikation des Unfallereignisses.
a) Die Vorinstanz nahm einen Unfall im mittleren Bereich an. Sie bejahte aber den ad�quaten Kausalzusammenhang selbst bei Annahme eines leichten Unfalls, weil die massgebenden unfallbezogenen Kriterien in geh�ufter Weise erf�llt seien. Die Beschwerdef�hrerin geht demgegen�ber von einem leichten Unfall aus und verneint f�r den Fall, dass die unfallbezogenen Kriterien trotzdem beigezogen werden m�ssten, deren Vorliegen in erforderlichem Masse.
b) aa) Gem�ss der Darstellung in der Vernehmlassung des Versicherten zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde verlief der Unfall vom 14. Februar 1996 wie folgt: Der Beschwerdegegner musste sein Fahrzeug vor einem Rotlichtsignal anhalten. Er stieg aus dem Wagen, um ein Laubblatt zu entfernen, welches sich unter dem Scheibenwischerblatt verklemmt hatte. Anschliessend stieg er zur�ck in sein Auto, gurtete sich an und stellte die F�sse auf Bremse und Kupplung. In diesem Moment wurde das Fahrzeug von hinten von einem anderen Personenwagen gerammt. Der Beschwerdegegner hatte dabei den Kopf leicht nach vorne geneigt, da er seine Aufmerksamkeit immer noch dem verschmutzten Scheibenwischer widmete.
bb) F�r die Qualifikation eines Unfalls als schwer, mittelschwer oder leicht ist vom augenf�lligen Geschehensablauf auszugehen (BGE 117 V 366 Erw. 6a). Das Eidgen�ssische Versicherungsgericht hat Auffahrkollisionen vor einem Fussg�ngerstreifen oder einem Lichtsignal regelm�ssig als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen eingestuft (nicht ver�ffentlichte Urteile E. vom 21. Juni 1999, U 128/98, K. vom 20. M�rz 1998, U 262/97 und D. vom 6. Juni 1997, U 187/95). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist das Ereignis vom 14. Februar 1996 entweder ebenso zu beurteilen oder - angesichts des durch die Beschwerdef�hrerin eingeholten interdisziplin�ren Gutachtens des Ingenieurb�ros I.________, in welchem eine kollisionsbedingte Geschwindigkeits�nderung (Delta-v) von lediglich 3 bis 6 km/h angegeben wird - sogar den leichten Unf�llen zuzuordnen. Dies kann letztlich offen bleiben, da die Ad�quanzfrage - als Ausnahme von der Regel - auch bei leichten Unf�llen zu pr�fen ist, wenn ein als leicht zu qualifizierender Unfall unmittelbare Folgen zeitigt, die sich nicht offensichtlich als unfallunabh�ngig erweisen (RKUV 1998 Nr. U 297 S. 243 ff.). Diese Voraussetzung ist vorliegend erf�llt, wie die Vorinstanz mit zutreffender Begr�ndung dargelegt hat. Die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs ist daher nach den Kriterien zu pr�fen, wie sie f�r dem mittleren Bereich (im Grenzbereich zu den leichten) zuzuordnende Unf�lle gelten. Sie ist zu bejahen, falls ein einzelnes der unfallbezogenen Kriterien (besonders dramatische Begleitumst�nde oder besondere Eindr�cklichkeit des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung; ungew�hnlich lange Dauer der �rztlichen Behandlung; Dauerbeschwerden; �rztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; erheblicher Grad und lange Dauer der Arbeitsunf�higkeit) in besonders ausgepr�gter Weise gegeben ist oder die zu ber�cksichtigenden Kriterien insgesamt in geh�ufter oder auffallender Weise erf�llt sind (BGE 117 V 367 f.).
c) aa) Der Unfall vom 14. Februar 1996 ereignete sich weder unter besonders dramatischen Begleitumst�nden noch war er von besonderer Eindr�cklichkeit.
bb) Dr. med. H.________ konnte die Behandlung grunds�tzlich bereits per 29. M�rz 1996 abschliessen. Anschliessend veranlasste er die Durchf�hrung einer Physiotherapie sowie eine Untersuchung auf der Neurologischen Station des Spitals X.________ vom 13. August 1996 und schliesslich die vertrauens�rztliche Untersuchung durch Dr. med. B.________. Der durch die Vorinstanz bei Dr. med. E.________ eingeholten Krankengeschichte vom 27. Juli 2001 sowie den entsprechenden Beilagen ist zu entnehmen, dass die erste Konsultation bei diesem Arzt am 31. Oktober 1997 stattfand. In der Folge wurden bis zum Einspracheentscheid vom 5. April 2000, welcher die zeitliche Grenze der gerichtlichen �berpr�fung festlegt (BGE 116 V 248 Erw. 1a), eine Reihe von Berichten eingeholt und Untersuchungen veranlasst. Daneben wurde die Physiotherapie weitergef�hrt. Von einer ungew�hnlich langen Dauer der �rztlichen Behandlung kann bei dieser Sachlage nicht gesprochen werden. Insbesondere kommt weder den verschiedenen Abkl�rungsmassnahmen noch den sporadischen Konsultationen des Hausarztes die Qualit�t einer regelm�ssigen, zielgerichteten Behandlung zu.
cc) Es bestehen keinerlei Anzeichen f�r eine �rztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen verschlimmert h�tte. Auch von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen kann nicht gesprochen werden.
dd) Das Vorliegen rezidivierender Kopfschmerzen, welche seit dem Unfall regelm�ssig auftraten, ist hinreichend dokumentiert (Zwischenbericht des Dr. med. H.________ vom 21. M�rz 1996; Gutachten des Dr. med. S.________ vom 9. Juni 1999). Das Kriterium der Dauerbeschwerden ist daher erf�llt.
ee) im Bezug auf das Kriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzung f�hrt die Beschwerdef�hrerin unter Berufung auf das Urteil D. vom 16. August 2001 (U 21/01) aus, eine HWS-Distorsion, durch welche das typische Beschwerdebild hervorgerufen werde, gelte nicht a Prior und ohne weiteres als Verletzung besonderer Art. Diese Aussage ist in dem Sinne zu pr�zisieren, dass sich die Frage, ob eine Verletzung besonderer Art vorliegt, nicht allgemein beantworten l�sst, sondern im Einzelfall zu pr�fen ist. Von der Rechtsprechung bejaht wurde sie bei einer H�ufung verschiedener, f�r ein HWS-Schleudertrauma oder eine einem solchen �quivalente Verletzung typischer Beschwerden mit schwerwiegenden Auswirkungen. Dass der Beschwerdegegner an einer Reihe der zum typischen Beschwerdebild z�hlenden Symptome leidet, ist erstellt. Da diese durchaus schwerwiegende Auswirkungen zeitigten, ist das Kriterium der besonderen Art der Verletzung erf�llt, obwohl auf Grund der Akten nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad feststeht, dass der Beschwerdegegner die behauptete vorgezeigte K�rperhaltung eingenommen h�tte.
ff) Der Beschwerdegegner war nach dem Unfall zun�chst zu 100 % arbeitsunf�hig, nahm die Arbeit jedoch bereits nach kurzer Zeit wieder auf. Anschliessend arbeitete er bis November 1999 ununterbrochen mit einem vollen Pensum. Von �rztlicher Seite wurde ihm f�r die Zeit ab 1. Juni 1999 eine teilweise Arbeitsunf�higkeit (25 %) attestiert (Unfallschein UVG mit Eintragungen des Dr. med. E.________ vom 17. Mai bis 17. Oktober 2001; vgl. Gutachten des Dr. med. S.________ vom 9. Juni 1999). Die mit der Vernehmlassung zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereichte Best�tigung der Arbeitgeberin vom 23. November 2001 enth�lt dieselbe Aussage. Dass die Arbeitsunf�higkeit bereits zu einem fr�heren Zeitpunkt im erforderlichen Ausmass reduziert gewesen w�re, ist auf Grund der Akten nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad nachgewiesen. Wie die Beschwerdef�hrerin zu Recht ausf�hrt, kann unter diesen Umst�nden das Kriterium des erheblichen Grades und der langen Dauer der Arbeitsunf�higkeit nicht als erf�llt angesehen werden, ist doch gerade die Leistungspflicht f�r die ab Juni 1999 bescheinigte teilweise Arbeitsunf�higkeit streitig.
gg) Da nur zwei und damit nicht mehrere der unfallbezogenen Kriterien erf�llt sind, kommt dem Unfallereignis vom 14. Februar 1996 keine rechtlich massgebende Bedeutung f�r die ab Mai 1999 bestehenden Beschwerden und die damit verbundene Arbeitsunf�higkeit zu, weshalb der ad�quate Kausalzusammenhang zu verneinen ist.
4.- Das Verfahren ist kostenlos (Art. 134 OG). Der obsiegenden Beschwerdef�hrerin steht keine Parteientsch�digung zu (Art. 159 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 135 OG; BGE 123 V 309 Erw. 10 mit Hinweisen).
Luzern vom 13. September 2001 aufgehoben.