Source: https://www.rechtsanwaltmoebius.de/urteil/ag-muenchen_182-c-26144-05_kein-widerrufsrecht-eintrittskarten.html
Timestamp: 2019-04-25 20:36:22
Document Index: 133618059

Matched Legal Cases: ['§ 433', '§ 312', '§ 312', '§ 254', '§ 280', '§ 256', '§ 293', '§ 70', '§ 3']

Amtsgericht München, Urteil 182 C 26144/05, Kein Widerrufsrecht Eintrittskarten Fernabsatz
Amtsgericht München, Kein Widerrufsrecht Eintrittskarten Fernabsatz
Aktenzeichen: 182 C 26144/05 Verkündet am:
1. Die Beklagte wird verurteilt, an die Klagepartei Zug um Zug gegen Übergabe von 4 Karten für die Gastronomieveranstaltung Witzigmann am 26.3.2005 EUR 626,40 nebst Zinsen hieraus in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit 8.2.2005 zuzüglich EUR 59,15 vorgerichtliche Kosten nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz hieraus seit 11.2.2005 zu bezahlen.
2. Es wird festgestellt, dass sich die Beklagte bezüglich der Abnahme der 4 Eintrittskarten in Annahmeverzug befindet.
Die Beklagte kann die Zwangsvollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des zu vollstreckenden Betrages abwenden, wenn nicht der Kläger vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet.
6. Der Streitwert wird auf EUR 874,42 festgesetzt.
Die Parteien streiten darüber, ob die Beklagte verpflichtet ist, den Kaufpreis für vier Eintrittskarten für die Gastronomieveranstaltung des Gastronoms Witzigmann im Spiegelzelt zu bezahlen.
Der Kläger vertritt die Auffassung, die Beklagte sei gemäß § 433 II BGB zur Zahlung es Kaufpreises verpflichtet, da ein wirksamer Vertrag geschlossen und kein Rücktrittsrecht bestehe. Insbesondere macht er geltend, das Fernabsatzgesetz sei im vorliegenden Fall nicht anwendbar. Zum einen habe die Beklagte als Unternehmerin gehandelt, zum anderen handle es sich vorliegend um die Erbringung einer Dienstleistung im Bereich Freizeitgestaltung, so dass die Anwendbarkeit des Fernabsatzgesetzes ausscheide. Der Kläger behauptet weiter, auch aktivlegitimiert zu sein. Vertragspartner sei allein er als Inhaber der Firma M T-Center geworden.
Die im Internet erscheinende Bezeichnung "GbR, Geschäftsführer P H" sei falsch und fehlerhaft erfolgt. Wer die falsche Bezeichnung veranlaßt habe, lasse sich nicht mehr zurückverfolgen.
Die Beklagte wird verurteilt, an die Klagepartei Zug um Zug gegen Übergabe von vier Karten für die Gastronomieveranstaltung Witzigmann am 26.3.2005 Euro 626,40 nebst Zinsen hieraus in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit 8.2.2005 zuzüglich Euro 59,15 vorgerichtliche Kosten nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz hieraus seit 1.2.2005 zu bezahlen.
Es wird festgestellt, dass sich die Beklagte bezüglich der Abnahme der vier Eintrittskarten in Annahmeverzug befindet.
Der Kläger wird verurteilt, an die Beklagte Euro 98,02 zuzüglich Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz hieraus seit 9.2.2005 zu bezahlen
Die Beklagte trägt vor, der Kläger sei nicht aktivlegitimiert. Sie habe einen Vertrag mit der M T-Center GbR, Geschäftsführer P H, abgeschlossen, nicht jedoch mit einem Einzelkaufmann. Im übrigen ist sie der Auffassung, ihr stehe ein Rücktrittsrecht nach dem Fernabsatzgesetz zu. Sie habe eine private Abendveranstaltung mit Freunden geplant. Es handle sich bei dem Kontakt mit dem Kläger um den Kauf von Inhaberpapieren, jedoch nicht um Erbringung von Dienstleistungen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Dienstleistungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums i. S. des Fernabsatzgesetzes erbringe im vorliegenden Fall lediglich der Gastronom Witzigmann selbst, nicht jedoch der Kläger. Die Beklagte bringt weiter vor, dass es dem Kläger möglich gewesen wäre, die Karten anderweitig zu verkaufen. Sie ist deshalb der Auffassung, sie schulde nichts, jedenfalls sei sie wirksam per E-Mail vorn 5.1.2005 vom Vertrag zurückgetreten.
Im Übrigen wird wegen des Parteivorbringens Bezug genommen auf die gewechselten Schriftsätze und das Protokoll der mündlichen Verhandlung vom 26.10.2005.
Die Beklagte konnte nicht wirksam vom Vertrag zurücktreten. Ein Rücktrittsrecht ist vorliegend nicht gegeben. Insbesondere ist das Fernabsatzgesetz im vorliegenden Fall nicht anwendbar. Dabei kann dahinstehen, ob die Beklagte hier als Unternehmer oder Privatperson gehandelt hat, da vorliegend ein Ausnahmetatbestand vom Anwendungsbereich des Fernabsatzgesetzes gemäß § 312 b Abs. 3 Ziffer 6 BGB vorliegt.
Auch ist es nicht nötig, dass der Vertragspartner die letztlich angestrebte Dienstleistung, hier: die Veranstaltung im Spiegelzeit, selbst erbringt. Ausreichend ist eine Dienstleistung in Bezug auf diese Dienstleistung. Hier vermittelt der Kläger Tickets für die Freizeitveranstaltung, was somit in den Anwendungsbereich des § 312 b Abs. 3 Ziffer 6 BGB fällt.
Der Kläger muss sich auch nicht vorhalten lassen, eine Schadensminderungspflicht verletzt zu haben. Vorliegend steht kein Schadensersatzanspruch des Klägers im Raum, sondern ein Anspruch auf Kaufpreiszahlung. § 254 BGB ist vorliegend nicht anwendbar.
Der Anspruch auf Erstattung der vorgerichtlichen Anwaltskosten und die begehrten Zinsen ergibt sich aus §§ 280, 286 BGB.
Bezüglich des Annahmeverzugs besteht insbesondere Feststellungsinteresse gemäß § 256 ZPO.
Die Voraussetzungen des Annahmeverzuges gemäß §§ 293 ff BGB liegen vor.
Ein Anspruch der Beklagten auf vorgerichtliche Anwaltskosten gegen den Kläger besteht nicht.
Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit richtet sich nach §§ 70B Nr. 11, 711 ZPO.
Die Streitwertfestsetzung erfolgte gemäß §§ 3 ff ZPO. Klageantrag und Widerklageantrag waren zu addieren. Für die Feststellung des Annahmeverzugs war ein Betrag von EUR 150,- anzusetzen.