Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Beruecksichtigung_von_Vorbeschaeftigungszeiten_bei_der_Berechnung_einer_vorzeitigen_Firmenrente_BAG_3AZR615.html
Timestamp: 2017-08-20 02:09:13
Document Index: 74504758

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 7', '§ 20', '§ 2', '§ 2', '§ 7', '§ 1', '§ 2', '§ 16', '§ 2', '§ 19', '§ 20', '§ 17', '§ 20', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 17', '§ 2', '§ 2', '§ 305', '§ 7', '§ 17', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 559', '§ 305', '§ 97']

Akten­zeichen: 3 AZR 6/15
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 19.03.2014,22 Ca 4473/13
hat der Drit­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 19. Mai 2016 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Zwan­zi­ger, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Spin­ner, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ah­rendt so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Prof. Dr. Rei­ter und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Nötzel er­kannt:
Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 29. Ok­to­ber 2014 - 6 Sa 677/14 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Berück­sich­ti­gung von Vor­beschäfti­gungs­zei­ten bei der Be­rech­nung ei­ner vor­zei­ti­gen Fir­men­ren­te.
Die im Mai 1961 ge­bo­re­ne Kläge­rin war seit März 1992 bei der S mbH (im Fol­gen­den S) beschäftigt. Die­se wur­de in der Fol­ge­zeit auf die Con­dor Flug­dienst GmbH (im Fol­gen­den Con­dor) - ei­nem da­mals zum Kon­zern der Be­klag­ten gehören­den Un­ter­neh­men - ver­schmol­zen. Die Kläge­rin kündig­te ihr Ar­beits­verhält­nis mit der Con­dor im Au­gust 2001, um zur Be­klag­ten zu wech­seln. Seit dem 7. No­vem­ber 2001 war die Kläge­rin bei der Be­klag­ten als Flug­be­glei­te­rin tätig. In Nr. 2 des Ar­beits­ver­trags der Par­tei­en vom 5. No­vem­ber 2001 ist ver­ein­bart, dass sich die ge­gen­sei­ti­gen Rech­ten und Pflich­ten ua. aus den „für den Be­reich Ka­bi­nen­be­sat­zun­gen Ge­mischt und In­ter­kont. gel­ten­den Ta­rif­verträgen ... in ih­rer je­weils gel­ten­den Fas­sung“ er­ge­ben. Der Kläge­rin wa­ren in Nr. 5 Satz 1 ih­res Ar­beits­ver­trags Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zu­ge­sagt. Nr. 5 Satz 2 des Ar­beits­ver­trags be­stimmt, dass In­halt und Um­fang der Ver­sor­gungs­leis­tun­gen in ei­nem Ta­rif­ver­trag ge­re­gelt sind, des­sen je­weils gel­ten­de Be­stim­mun­gen In­halt die­ses Ver­trags sind.
Mit Schrei­ben vom 5. No­vem­ber 2001 teil­te die Be­klag­te der Kläge­rin Fol­gen­des mit:
„An­rech­nung der Vor­dienst­zeit
wir freu­en uns, Ih­nen mit­tei­len zu können, dass wir die bei Con­dor er­brach­te Vor­dienst­zeit auf Ih­re tech­ni­schen Ein­tritts­da­ten an­rech­nen können. Ihr fik­ti­ves Ein­tritts­da­tum ist so­mit der
Die­ses Da­tum ist maßgeb­lich
• für die Be­rech­nung der Kran­ken­bezüge,
• für die Er­rech­nung der Kündi­gungs­frist,
• bei der Gewährung von Flug­preis­ermäßigun­gen (oh­ne Rechts­an­spruch),
• für das Fir­men­ju­biläum.
Darüber hin­aus rech­nen wir Ih­re Vor­dienst­zeit gemäß Pro­to­koll­no­tiz IV zum Ta­rif­ver­trag Über­g­angs­ver­sor­gung vom 01.04.1989 auf die Be­rufs­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung an. Das fik­ti­ve Da­tum hierfür ist eben­falls der
Im übri­gen gilt der mit Ih­nen ge­schlos­se­ne Ar­beits­ver­trag un­verändert wei­ter.
Der Ta­rif­ver­trag Über­g­angs­ver­sor­gung für Flug­be­glei­ter der Deut­schen Luft­han­sa Ak­ti­en­ge­sell­schaft (DLH) und der Con­dor Flug­dienst GmbH (CFG) in der Fas­sung vom 1. April 1989 (im Fol­gen­den TV-ÜV 1989) ent­hielt aus­zugs-wei­se fol­gen­de Be­stim­mun­gen:
„§ 1 Gel­tungs­be­reich und Ge­gen­stand
(2) Leis­tun­gen aus die­sem Ta­rif­ver­trag wer­den gewährt als:
a) Fir­men­ren­te
c) Leis­tun­gen aus der Be­rufs­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung
§ 7 Be­rufs­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung
(1) DLH/CFG ver­pflich­ten sich, für die Flug­be­glei­ter ab Be­ginn ih­res 4. flie­ge­ri­schen Dienst­jah­res im Kon­zern ei­ne Be­rufs­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung ab­zu­sch­ließen. An-
spruch auf die Ver­si­che­rungs­sum­me be­steht nur, wenn das flie­ge­ri­sche Ar­beits­verhält­nis des­halb vor­zei­tig en­det, weil der Flug­be­glei­ter im Sin­ne von § 20 Abs. (1) a) und b) MTV Bord dau­ernd flug­un­taug­lich ge­wor­den ist.
(2) Die Ver­si­che­rungs­sum­men be­tra­gen:
bis zum voll­ende­ten 30. Le­bens­jahr DM 20.000,--
im 45. Le­bens­jahr DM 150.000,--
(3) Die Prämi­en zu der Be­rufs­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung wer­den bis zum voll­ende­ten 45. Le­bens­jahr von DLH/CFG ge­tra­gen.
Pro­to­koll­no­tiz IV
(1) Für Flug­be­glei­ter, die bei ih­rer Ein­stel­lung/Wie­der­ein­stel­lung das 32. Le­bens­jahr voll­endet hat­ten, gilt § 2 Abs. (3) mit fol­gen­der Maßga­be:
Beträgt die Ge­samt­beschäfti­gungs­zeit bis zur Voll­endung des 55. Le­bens­jah­res rech­ne­risch we­ni­ger als 276 vol­le Beschäfti­gungs­mo­na­te, wird die Fir­men­ren­te gemäß § 2 Abs. (3) je feh­len­dem Beschäfti­gungs­mo­nat um 1/276 gekürzt.
(2) Für Flug­be­glei­ter, die bei ih­rer Ein­stel­lung/ Wie­der­ein­stel­lung das 28. Le­bens­jahr voll­endet hat­ten, gel­ten bis zur Voll­endung des 45. Le­bens­jah­res an­stel­le der Staf­fe­lung gemäß § 7 Abs. (2) fol­gen­de mit Wir­kung vom 01.01.1991 um 25 % an­ge­ho­be­ne Ver­si­che­rungs-sum­men:
im 4. und 5. Beschäfti­gungs­jahr DM 50.000,--
6. bis 13. Beschäfti­gungs­jahr DM 100.000,--
14. Beschäfti­gungs­jahr DM 110.000,--
15. Beschäfti­gungs­jahr DM 120.000,--
16. Beschäfti­gungs­jahr DM 130.000,--
17. Beschäfti­gungs­jahr DM 140.000,--
Wie­der­ein­ge­stell­ten Flug­be­glei­tern wer­den bis zu drei frühe­re Beschäfti­gungs­jah­re an­ge­rech­net; bis zu drei wei­te­re Jah­re wer­den an­ge­rech­net, wenn der wie­der­ein­ge­stell­te Flug­be­glei­ter nach Voll­endung des 33. Le­bens­jah­res aus­ge­schie­den war.“
Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en en­de­te auf­grund ei­ner seit dem 26. April 2013 be­ste­hen­den dau­ern­den Flug­dienst­un­taug­lich­keit der Kläge­rin
zum 31. De­zem­ber 2013. Die Kläge­rin be­zieht seit dem 1. Ja­nu­ar 2014 ei­ne vor­zei­ti­ge Fir­men­ren­te nach dem Ta­rif­ver­trag Über­g­angs­ver­sor­gung für Flug­be­glei­ter der Deut­schen Luft­han­sa Ak­ti­en­ge­sell­schaft (DLH) in der Neu­fas­sung vom 1. Ju­li 2003 (im Fol­gen­den TV-ÜV 2003). Die­ser re­gelt ua.:
„Teil I Gel­tungs­be­reich
§ 1 Gel­tungs­be­reich und Ge­gen­stand
2. Leis­tun­gen aus die­sem Ta­rif­ver­trag wer­den gewährt als:
a. Fir­men­ren­te (§§ 2 und 3)
c. Leis­tun­gen aus der Be­rufs­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung (§ 16)
Teil II Fir­men­ren­te
§ 2 Fir­men­ren­te
1. Flug­be­glei­ter ha­ben ei­nen An­spruch auf Zah­lung der Fir­men­ren­te, wenn sie we­gen Er­rei­chens der ta­rif­ver­trag­li­chen Al­ters­gren­ze (§ 19 MTV Ka­bi­ne) mit dem 55. oder ggf. ei­nem späte­ren Le­bens­jahr aus dem flie­ge­ri­schen Ar­beits­verhält­nis aus­schei­den, oh­ne dass sie be­reits An­spruch auf Al­ters­ren­te aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und nach dem Ta­rif­ver­trag Luft­han­sa-Be­triebs­ren­te ha­ben.
3. Die Fir­men­ren­te be­steht aus ei­nem Grund­be­trag und aus ei­nem Zu­satz­be­trag. Der Grund­be­trag beträgt nach ei­ner Ge­samt­beschäfti­gungs­zeit von 23 Jah­ren** 60 % der vor Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu­letzt be­zo­ge­nen und mit dem Um­stel­lungs­fak­tor 0,9717 ... mul­ti­pli­zier­ten Ge­samt­vergütung ...
4. Der An­spruch auf Fir­men­ren­te ent­steht be­reits vor­zei­tig, wenn der/die Flug­be­glei­ter(in) nach dem voll­ende­ten 45. Le­bens­jahr dau­ernd flug­dienst­un­taug­lich im Sin­ne von § 20 MTV Ka­bi­ne ge­wor­den ist. ...
** sie­he Pro­to­koll­no­tiz II
Teil IV Flug­dienst­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung
§ 17 Flug­dienst­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung
1. Luft­han­sa ver­pflich­tet sich, für Flug­be­glei­ter ab Be­ginn ih­res 6. flie­ge­ri­schen Dienst­jah­res im Kon­zern ei­ne Flug­dienst­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung ab­zu­sch­ließen. An­spruch auf die Ver­si­che­rungs­sum­me be­steht nur, wenn das flie­ge­ri­sche Ar­beits­verhält­nis des­halb vor­zei­tig en­det, weil der Flug­be­glei­ter im Sin­ne von § 20 MTV Ka­bi­ne dau­ernd flug­dienst­un­taug­lich ge­wor­den ist.
2. Ab 01.01.2006 be­tra­gen die Ver­si­che­rungs­sum­men in Abhängig­keit von Dienst­al­ter und Beschäftig­ten­grup­pe
Dienst­jahr FB Ver­si­che­rungs­sum­me in € PI PII
5. Die Prämi­en zu der Flug­dienst­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung wer­den bis zum voll­ende­ten 45. Le­bens­jahr von Luft­han­sa ge­tra­gen.
Pro­to­koll­no­tiz II
2. Für Flug­be­glei­ter, die bei ih­rer Ein­stel­lung/Wie­der­ein­stel­lung das 32. Le­bens­jahr voll­endet hat­ten, gilt § 2 Abs. (3) mit fol­gen­der Maßga­be: Beträgt die Ge­samt­beschäfti­gungs­zeit bis zur Voll­endung des 55. Le­bens­jah­res rech­ne­risch we­ni­ger als 276 vol­le Beschäfti­gungs­mo­na­te, wird die Fir­men­ren­te gemäß § 2 Abs. (3) je feh­len­dem Beschäfti­gungs­mo­nat um 1/276 gekürzt.“
Die Be­klag­te leg­te bei der Be­rech­nung der vor­zei­ti­gen Fir­men­ren­te der Kläge­rin nach § 2 Abs. 3 TV-ÜV 2003 ei­ne Beschäfti­gungs­zeit ab dem 1. No­vem­ber 2001 und da­mit von 175 Mo­na­ten zu­grun­de. Dem­ent­spre­chend kürz­te sie die vor­zei­ti­ge Fir­men­ren­te der Kläge­rin nach Nr. 2 der Pro­to­koll­no­tiz zum TV-ÜV 2003 um 101/276.
Hier­ge­gen hat sich die Kläge­rin mit ih­rer Kla­ge ge­wandt. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, bei der Be­rech­nung der Fir­men­ren­te müss­ten auch ih­re
Beschäfti­gungs­zei­ten bei der S und der Con­dor ab dem 1. Sep­tem­ber 1992 berück­sich­tigt wer­den. Die Be­klag­te ha­be ihr ei­ne An­rech­nung die­ser Zei­ten im Schrei­ben vom 5. No­vem­ber 2001 zu­ge­sagt. Auch fol­ge ei­ne An­re­chen­bar­keit aus der - un­strei­tig - von der Be­klag­ten er­teil­ten „Be­schei­ni­gung zur Vor­la­ge bei ei­nem Arzt oder ei­ner Kran­ken­kas­se“ vom 8. Mai 2013, in der bestätigt wor­den sei, dass sie seit dem 1. Sep­tem­ber 1992 bei der Be­klag­ten beschäftigt wer­de. Zu­dem sei ihr von der Be­klag­ten im Jahr 2006 der Ab­schluss ei­nes Se­ni­or-Teil­zeit­ver­trags an­ge­bo­ten wor­den; Vor­aus­set­zung hierfür sei die Voll­endung des 15. Dienst­jah­res und da­mit die An­er­ken­nung der Vor­dienst­zei­ten ge­we­sen.
fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te bei der Be­rech­nung der Fir­men­ren­te gemäß Ta­rif­ver­trag Über­g­angs­ver­sor­gung für Flug­be­glei­ter in der Neu­fas­sung vom 1. Ju­li 2003 ver­pflich­tet ist, bei der Be­rech­nung der Ge­samt­beschäfti­gungs­zeit die Beschäfti­gungs­zeit seit dem 1. Sep­tem­ber 1992 zu berück­sich­ti­gen.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ihr Kla­ge­ziel wei­ter. Die Be­klag­te be­gehrt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on.
Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Recht an­ge­nom­men, dass die Be­klag­te bei der Be­rech­nung der vor­zei­ti­gen Fir­men­ren­te der Kläge­rin nach § 2 Abs. 3 TV-ÜV 2003 iVm. Nr. 2 der Pro­to­koll­no­tiz II nicht die Beschäfti­gungs­zei­ten der Kläge­rin bei der S und der Con­dor ab dem 1. Sep­tem­ber 1992 berück­sich­ti­gen muss.
I. Ein An­spruch der Kläge­rin auf Berück­sich­ti­gung die­ser frühe­ren Beschäfti­gungs­zei­ten er­gibt sich nicht aus den Be­stim­mun­gen des TV-ÜV 2003. Dies er­gibt die Aus­le­gung (zu den für die Aus­le­gung ei­nes Ta­rif­ver­trags gel­ten-den Grundsätzen vgl. et­wa BAG 12. Au­gust 2015 - 7 AZR 592/13 - Rn. 16).
1. Be­reits der Wort­laut der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen zeigt, dass für die Be­rech­nung der Fir­men­ren­te nur die in ei­nem Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten ver­brach­ten Beschäfti­gungs­zei­ten maßge­bend sind. Nach § 2 Abs. 3 TV-ÜV 2003 iVm. Nr. 2 der Pro­to­koll­no­tiz hängt die Höhe der Fir­men­ren­te von der „Ge­samt­beschäfti­gungs­zeit“ so­wie die An­zahl der „Beschäfti­gungs­mo­na­te“ ab. Die For­mu­lie­rung „Ge­samt­beschäfti­gungs­zeit“ er­fasst zwar auch die von ei­nem wie­der­ein­ge­stell­ten Flug­be­glei­ter in ei­nem frühe­ren Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten er­brach­ten Vor­dienst­zei­ten (vgl. zur die­ser Aus­le­gung BAG 18. Ok­to­ber 2008 - 3 AZR 189/07 - Rn. 17 ff.). Hier­zu gehören aber nicht Beschäfti­gungs­zei­ten, die von dem Flug­be­glei­ter in ei­nem Ar­beits­verhält­nis mit ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber er­bracht wur­den. Nach dem all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch, der we­gen feh­len­der an­der­wei­ti­ger De­fi­ni­ti­on durch die Ta­rif­par­tei­en auch dem TV-ÜV 2003 zu­grun­de liegt, ist un­ter „Beschäfti­gungs­zeit“ nur die Zeit zu ver­ste­hen, während der ein Ar­beits­verhält­nis mit dem Ar­beit­ge­ber be­stand (vgl. auch BAG 15. Ok­to­ber 1986 - 4 AZR 584/85 -). Be­triebs­zu­gehörig­keits­zei­ten, die in ei­nem Ar­beits­verhält­nis mit ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber er­bracht wur­den, gehören da­ge­gen nicht da­zu.
2. Die­ses Norm­verständ­nis wird auch durch den Ver­gleich mit § 17 Abs. 1 TV-ÜV 2003 gestützt. Nach die­ser Be­stim­mung be­steht ei­ne Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zum Ab­schluss ei­ner Flug­dienst­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung für Flug­be­glei­ter ab dem sechs­ten flie­ge­ri­schen „Dienst­jahr im Kon­zern“. Die Re­ge­lung stellt - an­ders als die For­mu­lie­rung in § 2 Abs. 3 TV-ÜV 2003 und in der Pro­to­koll­no­tiz II zum TV-ÜV 2003 - ge­ra­de nicht auf die Beschäfti­gungs­zeit, son­dern auf die im Kon­zern er­brach­ten Dienst­jah­re ab. Dies zeigt, dass die Ta­rif­par­tei­en des TV-ÜV 2003 bei der Berück­sich­ti­gung von Be­triebs­zu­gehörig­keits­zei­ten der Flug­be­glei­ter be­wusst da­nach un­ter­schie­den ha­ben, ob die­se in ei­nem Ar­beits-
verhält­nis mit der Be­klag­ten oder auch bei an­de­ren kon­zern­an­gehöri­gen Un­ter­neh­men er­bracht wur­den.
II. Die Kläge­rin kann ihr Be­geh­ren auf An­rech­nung ih­rer frühe­ren Beschäfti­gungs­zei­ten bei der Be­rech­nung der vor­zei­ti­gen Fir­men­ren­te nach § 2 Abs. 3 TV-ÜV 2003 iVm. Nr. 2 der Pro­to­koll­no­tiz II auch nicht auf das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 5. No­vem­ber 2001 stützen. Die Be­klag­te hat die Vor­dienst­zei­ten der Kläge­rin bei der S und der Con­dor ab dem 1. Sep­tem­ber 1992 nur für die Be­rufs­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung nach Teil IV TV-ÜV 2003 und nicht im Hin­blick auf die Fir­men­ren­te nach Teil II TV-ÜV 2003 an­ge­rech­net. Dies er­gibt die Aus­le­gung des Schrei­bens.
1. Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts enthält das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 5. No­vem­ber 2001 All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen iSd. § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB. Sei­ne Aus­le­gung hat da­her nach den für All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen gel­ten­den Grundsätzen zu er­fol­gen (vgl. et­wa BAG 13. Ja­nu­ar 2015 - 3 AZR 897/12 - Rn. 24).
2. Be­reits aus dem Wort­laut des Schrei­bens er­gibt sich, dass die frühe­ren Beschäfti­gungs­zei­ten der Kläge­rin bei der S und Con­dor nicht für die Fir­men­ren­te an­er­kannt wur­den. Die Be­klag­te hat in dem Schrei­ben vom 5. No­vem­ber 2001 die Vor­dienst­zei­ten der Kläge­rin nicht ge­ne­rell, son­dern le­dig­lich für be­stimm­te Re­ge­lungs­be­rei­che des Ar­beits­verhält­nis­ses und in un­ter­schied­li­chem zeit­li­chen Um­fang an­ge­rech­net. Die An­rech­nung der Beschäfti­gungs­zei­ten der Kläge­rin bei der S und Con­dor ab dem 1. Sep­tem­ber 1992 be­zieht sich da­bei aus­drück­lich nur auf die Be­rufs­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung. Vor dem Hin­ter­grund die­ser ein­deu­ti­gen For­mu­lie­rung ist es un­er­heb­lich, dass die im Schrei­ben der Be­klag­ten in Be­zug ge­nom­me­ne Pro­to­koll­no­tiz IV zum TV-ÜV 1989 nicht nur Re­ge­lun­gen über die Höhe der Ver­si­che­rungs­sum­me bei der Be­rufs­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung (Abs. 2 der Pro­to­koll­no­tiz IV zum TV-ÜV 1989), son­dern auch zur Be­rech­nung der Fir­men­ren­te (Abs. 1 der Pro­to­koll­no­tiz IV zum TV-ÜV 1989) enthält.
3. Ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on durf­te ein verständi­ger Erklärungs­empfänger die im Schrei­ben vom 5. No­vem­ber 2001 er­folg­te Zu­sa­ge zur An­rech­nung der Vor­dienst­zei­ten auf die Be­rufs­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung auch nicht über ih­ren Wort­laut hin­aus da­hin ver­ste­hen, dass sie sich auch auf die Fir­men­ren­te nach dem TV-ÜV in der je­weils gel­ten­den Fas­sung be­zie­hen soll­te.
Nach den ta­rif­li­chen Vor­ga­ben un­ter­schei­den sich die den Flug­be­glei­tern zu­ge­sag­te Fir­men­ren­te und die Be­rufs- bzw. Flug­dienst­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung so­wohl in ih­rer Ziel­set­zung als auch in ih­ren kon­kre­ten Vor­aus­set­zun­gen er­kenn­bar von­ein­an­der. Die Be­rufs- bzw. Flug­dienst­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung deckt aus­sch­ließlich das Ri­si­ko ei­ner vor Voll­endung des 45. Le­bens­jah­res ein­tre­ten­den dau­ern­den Flug­dienst­un­taug­lich­keit der Flug­be­glei­ter ab (vgl. § 7 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 3 TV-ÜV 1989, § 17 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 5 TV-ÜV 2003). Da­ge­gen gewähr­leis­tet die Fir­men­ren­te zum ei­nen die Über­g­angs­ver­sor­gung der Flug­be­glei­ter zwi­schen der Voll­endung ih­res 55. Le­bens­jahrs und dem Be­zug ei­ner ge­setz­li­chen Ren­te (vgl. § 2 Abs. 1 TV-ÜV 1989, § 2 Abs. 1 TV-ÜV 2003); zum an­de­ren si­chert sie das Ri­si­ko ei­ner nach Voll­endung des 45. Le­bens­jahrs ein­tre­ten­den Flug­dienst­un­taug­lich­keit ab (§ 2 Abs. 5 TV-ÜV 1989, § 2 Abs. 4 TV-ÜV 2003). Auch die den Mit­ar­bei­tern gewähr­ten Leis­tun­gen sind un­ter­schied­lich: Während die Ver­sor­gungs­empfänger beim Be­zug ei­ner Fir­men­ren­te mo­nat­li­che Zah­lun­gen von der Be­klag­ten er­hal­ten, ha­ben sie bei Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen für die Be­rufs- bzw. Flug­dienst­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung le­dig­lich An­spruch auf Zah­lung ei­ner ein­ma­li­gen Ver­si­che­rungs­sum­me. An­ge­sichts die­ser Un­ter­schie­de konn­te ein verständi­ger Ar­beit­neh­mer nicht da­von aus­ge­hen, dass sich die An­er­ken­nung von Vor­dienst­zei­ten für die Be­rufs- bzw. Flug­dienst­un­taug­lich­keits­ver­si­che­rung auch auf die Fir­men­ren­te be­zie­hen würde.
So­weit sich die Kläge­rin in die­sem Zu­sam­men­hang erst­mals in der Re­vi­si­on auf ein Schrei­ben des Ver­si­che­rers be­ruft, wo­nach den Ar­beit­neh­mern mit­ge­teilt wor­den sei, dass die Ein­mal­zah­lung in ei­ne Ren­te „um­ge­rech­net“ wer­de, han­delt es sich um vom Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht fest­ge­stell­ten neu­en Sach­vor­trag in der Re­vi­si­ons­in­stanz, der nach § 559 ZPO nicht berück­sich­tigt wer­den kann.
4. Die Kläge­rin kann sich auch nicht er­folg­reich auf die Un­klar­hei­ten­re­ge­lung in § 305c Abs. 2 BGB be­ru­fen. Das Schrei­ben der Be­klag­ten vom
5. No­vem­ber 2001 enthält an­ge­sichts sei­nes un­miss­verständ­li­chen In­halts kei­ne Un­klar­heit.
III. Das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 8. Mai 2013 führt zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. In dem „zur Vor­la­ge bei ei­nem Arzt oder ei­ner Kran­ken­kas­se“ ge­fer­tig­ten Schrei­ben hat die Be­klag­te der Kläge­rin le­dig­lich be­schei­nigt, dass sie we­gen dau­er­haf­ter Flug­dienst­un­taug­lich­keit ar­beits­unfähig ist. Ein Wil­le der Be­klag­ten, Vor­dienst­zei­ten der Kläge­rin un­ein­ge­schränkt auch für die Be­rech­nung der Fir­men­ren­te an­zu­er­ken­nen, lässt sich dem Schrei­ben nicht ent­neh­men. Ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on hat die Be­klag­te vor dem Hin­ter­grund ih­res un­miss­verständ­li­chen Schrei­bens vom 5. No­vem­ber 2001 da­mit auch kei­nen an­der­wei­ti­gen An­schein ge­setzt, den sie sich nun­mehr ent­ge­gen­hal­ten las­sen müss­te.
Der Um­stand, dass die Be­klag­te der Kläge­rin im Jahr 2006 ei­nen Se­ni­or-Teil­zeit­ver­trag an­ge­bo­ten hat, führt eben­falls zu kei­ner an­de­ren Be­wer­tung. Die Kläge­rin konn­te ei­nem sol­chen An­ge­bot der Be­klag­ten nicht ent­neh­men, dass die Be­klag­te da­mit ih­re frühe­ren Beschäfti­gungs­zei­ten auch im Hin­blick auf die Fir­men­ren­te an­er­ken­nen woll­te.
IV. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. 24
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