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Timestamp: 2020-06-05 05:45:28
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Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§2303', '§2018']

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Exhumierung: Vaterschaftstest an einem Leichnam
2017 forderte eine Spanierin die Ausgrabung des legendären toten Malers und Surrealisten Salvador Dalí, um festzustellen, dass sie seine Tochter ist. Dalí wurde exhumiert, allerdings stellte sich heraus, dass die Frau nicht mit ihm verwandt war. Ist die Ausgrabung eines Leichnams, um einen Vaterschaftstest durchzuführen, auch hierzulande möglich?
Vaterschaftstest: Exhumierung in Deutschland
Ja, die Ausgrabung eines Leichnams (Exhumierung) zwecks Vaterschaftsfeststellung ist auch in Deutschland möglich. Dies beschloss der Bundesgerichtshof (BGH, 29.10.2014, Az.: XII ZB 20/14).
Eine Frau aus Dresden forderte die Exhumierung eines Mannes, von dem sie glaubte, ihr Vater zu sein. Ein Vaterschaftstest an dem Verstorbenen sollte dies beweisen.
Die Frau war 1944 außerehelich in der ehemaligen DDR geboren und aufgewachsen. Ihre Mutter eröffnete ihr an ihrem 18. Geburtstag die Identität des vermeintlichen Vaters. Sie habe mit dem 2011 verstorbenen Mann im Zeitraum der Empfängnis geschlafen.
Amtsgericht lehnt Exhumierung ab
Dem Amtsgericht (AG) Dresden war das Geständnis der Mutter zunächst nicht Grund genug für eine Exhumierung und lehnte den Antrag der Frau ab (AG Dresden, 24.09.2012, Az.: 307 F 1381/12) .
Auch der eheliche Sohn des Toten war am Verfahren beteiligt und verweigerte sowohl einen eigenen DNA-Test als auch die Exhumierung seines Vaters. Er berief sich auf sein Recht zur Totenfürsorge.
Bundesgerichtshof bewilligt Exhumierung
Die Frau legte jedoch Beschwerde gegen das Urteil vom Amtsgericht ein und der Fall landete am Oberlandesgericht (OLG) Dresden. Das OLG Dresden erklärte in II. Instanz das Urteil des Amtsgerichts für unberechtigt (OLG Dresden, 17.12.2013, Az.: 20 UF 1351/12).
Der Sohn des Verstorbenen legte daraufhin in dem streitsamen Verfahren Einspruch beim BGH ein – ohne Erfolg.
Laut BGH (Az.: XII ZB 20/14) wiegt das Recht einer Person auf Klärung ihrer Abstammung schwerer als die Achtung der Totenruhe.
Voraussetzungen für Exhumierung
Um die Exhumierung eines Toten zwecks Vaterschaftsfeststellung vor Gericht erfolgreich durchzusetzen, müssen dem Gericht genügend Indizien vorgelegt werden, die eine Ausgrabung rechtfertigen würden.
Die Frau konnte dem Oberlandesgericht Dresden glaubhaft machen, dass der Mann tatsächlich ihr Vater war. Sie belegte ihre Vermutung mit Beweisen in Form von Briefen und dergleichen ihres Vaters an sie und ihre Mutter.
Für die Genehmigung der Ausgrabung einer Leiche und die damit verbundene Störung der Totenruhe sind triftige Gründe nötig. Hierzu gehören u.a.:
Klärung der Todesursache des Verstorbenen (z.B. im Rahmen einer strafrechtlichen Ermittlung),
Umbettung des Verstorbenen,
Klärung der Abstammungsfrage oder
Klärung von Erbschaftsanprüchen.
Erbschaftsansprüche nach posthumer Vaterschaftsfeststellung
In dem Fall aus Dresden ging es nicht zuletzt um die Teilhabe der Frau an einer größeren Erbschaft. Laut BGH stellt nicht nur die eigene Abstammungsfrage einen legitimen Grund für eine Exhumierung dar, sondern auch eventuelle Erbschaftsansprüche.
Mit der Feststellung der Vaterschaft gilt das uneheliche Kind als rechtmäßiger Erbe des Verstorbenen – auch wenn er zum Zeitpunkt der Vaterschaftsfeststellung bereits verstorben ist. Somit steht ihm als anerkanntes Kind mindestens der Pflichtteil (§2303 BGB) des Erbes zu.
Fristen für nachträgliche Erbschaftsansprüche
Möchte man nachträgliche Erbschaftsansprüche geltend machen, muss man Verjährungsfristen beachten. Bei der Durchsetzung von Pflichtteilsansprüchen gilt gemäß §2018 BGB grundsätzlich eine Frist von 3 Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem der Anspruchsberechtigte vom Erbfall Kenntnis erlangt hat.
Wird eine Verwandtschaft zum Erblasser erst nach dessen Tod festgestellt, sollte man die Ansprüche also innerhalb von 3 Jahren nach Kenntnisnahme der Verwandtschaft geltend machen.
Bundesgerichtshof, Urteil vom 29.10.2014, Aktenzeichen: XII ZB 20/14
Amtsgericht Dresden, 24.09.2012, Az.: 307 F 1381/12
Oberlandesgericht Dresden, 17.12.2013, Az.: 20 UF 1351/12
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