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Timestamp: 2017-02-25 01:08:05
Document Index: 131519662

Matched Legal Cases: ['Art. 67', 'Art. 50', 'Art. 552', 'Art. 594', 'Art. 620', 'Art. 772']

UNTERNEHMENSGRÜNDUNG. Leitfaden. Unternehmensgründung. Wie mache ich mich selbstständig - PDF
UNTERNEHMENSGRÜNDUNG. Leitfaden. Unternehmensgründung. Wie mache ich mich selbstständig
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1 UNTERNEHMENSGRÜNDUNG Leitfaden Unternehmensgründung Wie mache ich mich selbstständig2 3 UNTERNEHMENSGRÜNDUNG Leitfaden Unternehmensgründung Wie mache ich mich selbstständig4 Impressum Herausgeber: Handelskammer Bozen Unternehmensgründung Südtiroler Straße 60 I Bozen Tel Fax In Zusammenarbeit mit: Autonome Provinz Bozen - Südtirol Abtl. Handwerk, Industrie und Handel Abtl. Innovation, Forschung, Entwicklung und Genossenschaften Landhaus 5, Raiffeisenstraße 5 I Bozen TIS innovation park Siemensstraße 19 I Bozen Autoren: Dr. Sabine Platzgummer, Handelskammer Bozen Dr. Markus Messner, Handelskammer Bozen Dr. Petra Gratl, TIS innovation park Danksagung für fachliche Unterstützung und nützliche Informationen: Dr. Benedetta Bracchetti - Umwelt, Handelskammer Bozen Dr. Wolfgang Burchia - Rechtsanwalt Dr. Provvidenza Dichiara - Handelsregister, Handelskammer Bozen Alessandro Franzoi - Patente und Marken, Handelskammer Bozen Dr. Monika Frenes - Unternehmensnachfolge, Handelskammer Bozen Adelheid Frost - Unternehmensberaterin und Trainerin Dr. Christian Höller - TIS innovation park Dr. Irmgard Lantschner - Innovationsservice, Handelskammer Bozen Heidelinde Mair, Amt für Handel und Dienstleistungen, Autonome Provinz Bozen Dr. Ivo Morelato - Schiedsgericht, Handelskammer Bozen Dr. Barbara Moroder - WIFO, Handelskammer Bozen Dr. Wilhelm Obwexer - Wirtschafts- und Steuerberater P. i. Fabio Pellegrinon - Amt für technischen Arbeitsschutz, Autonome Provinz Bozen Günther Pichler - Handelsregister, Handelskammer Bozen Alexander Risser - Umwelt, Handelskammer Bozen Dr. Egon Gerhard Schenk - Arbeitsrechtsberater Dr. Patrizia Silvestro, WIFI-Weiterbildung, Handelskammer Bozen Gregor Stimpfl - Versicherungsberater Dr. Georg Tiefenbrunner - Berufsverzeichnisse und -alben, Handelskammer Bozen Dr. Sabine Vieider - Patente und Marken, Handelskammer Bozen Dr. Mira Vivarelli - INAIL Horst Völser - Unternehmensberater Dr. Marion Zelger LL.M. - Juristin Grafik: Mediapool GmbH, Frangart Druck: Druckerei Karodruck, Eppan 5. Ausgabe, Mai 2011 Nachdrucke und sonstige Verbreitung - auch auszugsweise - nur unter Angabe der Quelle (Herausgeber und Titel) gestattet. Im Interesse der besseren Lesbarkeit wurde auf die Schreibweise der weiblichen Form verzichtet. Wir legen jedoch Wert auf die Feststellung, dass die Broschüre weiblichen und männlichen Benutzern gleichermaßen gerecht wird.5 Vorwort Sie haben vor, sich selbstständig zu machen? Sie verfolgen eine Idee, die Sie verwirklichen möchten? Sein eigener Chef zu sein, klingt sehr verlockend. Allerdings setzt der Schritt in die Selbstständigkeit vielfältige Überlegungen und wichtige Entscheidungen voraus und erfordert von potentiellen Unternehmensgründern bereits im Vorfeld unternehmerisches Handeln. Dies gilt sowohl für das geplante Unternehmen als auch für den privaten Bereich. Überprüfen Sie zunächst die Rahmenbedingungen Ihrer Unternehmensgründung: das wirtschaftliche Umfeld, die rechtlichen und steuerlichen Aspekte einer Gründung, die organisatorischen Erfordernisse, die Finanzierungsmöglichkeiten und nicht zuletzt der vielleicht wichtigste Aspekt - die persönlichen Voraussetzungen für den Schritt in die Selbstständigkeit. Die ersten Jahre stellen für alle Unternehmensgründer eine Herausforderung dar und fordern viel Einsatz, Energie und Geduld. Dieser Leitfaden möchte Ihnen dabei helfen, unnötige Gründungsfehler zu vermeiden und gibt Antworten auf Ihre Fragen. Zahlreiche Checklisten, viele praktische Beispiele und Tipps erleichtern eine sorgfältige Planung. Aufgrund der großen Nachfrage erscheint nun bereits die fünfte überarbeitete Auflage dieser Broschüre. Das bewährte Grundgerüst" des Leitfadens wurde wieder beibehalten; alle Kapitel wurden jedoch aktualisiert bzw. ergänzt. Der Leitfaden ersetzt zwar keine Berater, doch kann er Ihnen als grundlegende Orientierungshilfe dienen. Vergessen Sie nicht: Eine Unternehmensgründung ist vor allem dann erfolgreich, wenn Sie wohl überlegt und gut geplant ist. Wir wünschen Ihnen einen erfolgreichen Start! Dr. Thomas Widmann Landesrat für Wirtschaft Dr. Ing. Roberto Bizzo Landesrat für Innovation On. Dr. Michl Ebner Präsident der Handelskammer Bozen Dr. Nikolaus Tribus Präsident des TIS innovation park6 Leitfaden Unternehmensgründung Inhaltsverzeichnis I GRÜNDUNG: VON DER GESCHÄFTSIDEE ZUM KONZEPT EINFÜHRUNG Neugründung oder Übernahme? Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit Formen der Selbstständigkeit Franchising Sind Sie ein Unternehmertyp"? Innovation - mehr als eine zündende Idee! RECHTSFORM Einzelunternehmen oder Gesellschaft? Personengesellschaften Kapitalgesellschaften Genossenschaften Rechtsformen auf einen Blick Standort, Betriebsräume und -einrichtung Standortwahl Betriebsräume und -einrichtung Kundenbindung Organisation Aufgaben der Organisation Make or buy" Lieferantenbeziehungen aufbauen und pflegen Zeit- und Selbstmanagement Marketing Product (Produkt und Dienstleistung) Price (Preispolitik) Place (Distribution und Vertrieb) Promotion (Kommunikationspolitik) Online-Marketing Social Media Marketing Typische Marketing-Fehler von Unternehmensgründern...557 6. Finanzierung Kapitalbedarf Eigenkapital Fremdkapital Wie führe ich ein Bankgespräch? Venture Capital und Business Angels Garantiegenossenschaften Öffentliche Finanzhilfen II DER GESCHÄFTSPLAN (BUSINESS PLAN) III RAHMENBEDINGUNGEN FÜR DIE UMSETZUNG DES KONZEPTES Steuern Buchhaltung Sozialabgaben Versicherungen Betriebliche Versicherungen Persönliche Versicherungen Rechtliche Vorschriften Ermächtigungen und Lizenzen Meldungen und Registrierungen Gewerbliche Schutzrechte Weitere Vorschriften Mitarbeiter Arbeitsverträge Vertragstypen Einstellung eines Mitarbeiters Auflösung eines Arbeitsverhältnisses Diverses Tipps zur Vertragsgestaltung Datenschutz Produkthaftung, Gewährleistung (Garantie) Qualitätsmanagement (QM) Internationales Schiedsgericht und Mediationsstelle der Handelskammer IV SCHRITTE EINER UNTERNEHMENSGRÜNDUNG Industrie Handwerk Gastgewerbe Handel Dienstleistungen V ANHANG Nützliche Adressen für Unternehmer8 I GRÜNDUNG Von der Geschäftsidee zum Konzept 1. EINFÜHRUNG Der Ideenreichtum für Unternehmensgründungen ist praktisch grenzenlos. Wer mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht, stößt immer wieder auf Anregungen. Oft wird dabei nach komplett neuen Produkten oder Dienstleistungen Ausschau gehalten. Doch echte Neuerungen oder Erfindungen gibt es eher selten. Das Rad muss aber nicht immer neu erfunden werden. 1 Wenn Sie noch auf Ideensuche sind, könnten Ihnen folgende Tipps weiterhelfen: Beobachtung von Branchen, Trends und Entwicklungen: Wer Änderungen schnell erkennt und darauf reagiert, kann mit einer Geschäftsidee davon profitieren Besuch von Messen und Ausstellungen: Im Ausland gibt es genügend erfolgreiche Ideen, die auch hier Erfolg versprechen können Lesen von Zeitschriften, Fachliteratur und Recherchen im Internet Spezialisierung: sich durch ein besonderes Angebot oder einen besonderen Service von der Konkurrenz abheben. Wenn Sie eine passende Geschäftsidee gefunden haben, gilt es zu überlegen, ob diese auch gewinnbringend ist. Das tollste Produkt und die beste Dienstleistung nützen nichts, wenn es dafür keine oder zu wenig Käufer gibt. 2 Prüfen Sie deshalb Ihre Geschäftsidee gründlich und lassen Sie diese dann zu einem gut ausgearbeiteten Konzept reifen. Die vorliegende Broschüre soll Ihnen dabei eine Hilfe sein. Tipp Nutzen Sie das kostenlose Beratungsangebot des Service für Unternehmensgründung der Handelskammer Bozen und des TIS innovation park. Weitere Ansprechpartner für Beratungen sind die Wirtschaftsverbände und andere Organisationen (siehe Adressenverzeichnis). 8 1 Vgl. Leitfaden für Gründerinnen und Gründer, 2010, Seite 7 2 Vgl. Betriebsgründung, 1998, Seite 39 I GRÜNDUNG: von der geschäftsidee zum Konzept - EINFÜHRUNG 1.1. Neugründung oder Übernahme? Bei einer Neugründung wird von Null" gestartet: Die Räumlichkeiten werden neu angemietet und adaptiert, der Kundenstock muss erst aufgebaut, Maschinen und Warenlager müssen angekauft und die evtl. erforderlichen behördlichen Genehmigungen eingeholt werden. Der Vorteil einer Neugründung besteht darin, dass Sie den Betrieb von Anfang an nach Ihren eigenen Vorstellungen aufbauen können. 3 Allerdings müssen Sie den Markt für Ihr Produkt bzw. Ihre Dienstleistung erst erobern und Beziehungen zu Kunden und Lieferanten neu aufbauen. Darüber hinaus müssen Sie geeignete Mitarbeiter auswählen, Ihre Marktstellung festigen und sich langfristig einen guten Ruf erarbeiten, um sich auf dem Markt etablieren zu können. Von einer Übernahme wird gesprochen, wenn ein bereits auf dem Markt eingeführtes Unternehmen samt Kundenstock, Inventar, Maschinen, Warenlager, Patente, immateriellen Werten und bereits eingelernten Mitarbeitern von einem Nachfolger übernommen wird. Bei der Übernahme, also der Fortführung eines bestehenden Unternehmens, müssen Sie auf bereits vorhandene Vorgaben aufbauen. Von Anfang an müssen Sie Ihr Können auf allen Schauplätzen eines bereits gewachsenen Betriebes gleichzeitig unter Beweis stellen. Dadurch, dass mittelständische Unternehmen in vielen Fällen sehr stark durch die Persönlichkeit des Übergebers geprägt sind, wird die Übernahme zusätzlich erschwert. Langjährige Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten haben sich auf diese Persönlichkeit eingestellt. Der neue Chef muss sich dieses Vertrauen erst erwerben. Die Übernahme eines bestehenden Unternehmens bringt gegenüber einer Neugründung aber auch Vorteile mit sich: Das Unternehmen ist auf dem Markt bereits etabliert, Beziehungen zu Kunden und Lieferanten sind aufgebaut, die Dienstleistung bzw. das Produkt des Unternehmens ist eingeführt, die Mitarbeiter bilden ein eingespieltes Team und der Nachfolger kann auf den Erfahrungen des Vorgängers aufbauen. 3 Vgl. Leitfaden zur Betriebsnachfolge, 2005, Seite 6 910 I GRÜNDUNG: von der geschäftsidee zum Konzept - EINFÜHRUNG Diese Vorteile kommen allerdings nur dann zum Tragen, wenn Sie als Nachfolger auch die für das entsprechende Unternehmen notwendigen persönlichen, unternehmerischen und fachlichen Anforderungen erfüllen. 4 Tipp Nähere Informationen zur Unternehmensnachfolge erhalten Sie beim Service für Unternehmensnachfolge der Handelskammer Bozen (www.handelskammer.bz.it). Die Suche nach einem geeigneten Unternehmen für die Übernahme kann durch Datenbanken wie z.b. incontrerete" unter erleichtert werden Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit Für den Schritt in die Selbstständigkeit sollten Sie sich ausreichend Zeit nehmen, denn Unternehmensgründungen sind vor allem dann erfolgreich, wenn Sie wohl überlegt und sorgfältig geplant sind. Vor allem sollten Sie genau abwägen, was dafür und was dagegen spricht. Ganz gleich ob Sie ein neues Unternehmen gründen, ein bestehendes Unternehmen übernehmen oder als aktiver Teilhaber in ein Unternehmen einsteigen: Sie sind in jedem Fall ein Unternehmensgründer, der sich zuallererst Klarheit über die eigenen Lebensziele verschaffen sollte: Was wollen Sie? Welche Visionen und Wünsche haben Sie? Wo setzen Sie Ihre Prioritäten? Wie viel Zeit wollen Sie für sich und/oder Ihre Familie aufwenden? Wie wichtig sind Ihnen Karriere, beruflicher und finanzieller Erfolg? Sind Ihre Lebensziele mit den Anforderungen eines Unternehmeralltags zu vereinbaren? Pro + Mehr Entscheidungs- und Handlungsfreiheit + Umsetzung der eigenen Ideen + Eigene Fähigkeiten erkennen + Höheres gesellschaftliches Ansehen + Kein Druck von Vorgesetzten, keine Unterordnung Kontra - Verzicht auf einen sicheren und oft gut bezahlten Arbeitsplatz - Risiko, das investierte Kapital zu verlieren - Im Normalfall eher niederes Anfangseinkommen - Viel Verantwortung und hohe Arbeitsbelastung - Längere Arbeitsausfälle (Urlaube, Krankheiten) sind besonders am Anfang problematisch 10 4 Vgl. Unternehmensnachfolge. Die optimale Planung, 2010, Seite 811 I GRÜNDUNG: von der geschäftsidee zum Konzept - EINFÜHRUNG 1.3. Formen der Selbstständigkeit Sich selbstständig machen, heißt nicht automatisch Unternehmer werden, denn es gibt auch andere Formen nicht-abhängiger Arbeit. Eine klare Abgrenzung zwischen freiberuflicher und unternehmerischer Tätigkeit ist zwar nicht immer einfach, dennoch ist eine solche Unterscheidung wichtig, da es zivil- und steuerrechtliche Unterschiede gibt. A) Freiberufliche Tätigkeit B) Unternehmerische Tätigkeit ( Unternehmer" Art ZGB) Freiberufliche Arbeit ( Ausübung der geistigen Berufe": Art ZGB) Gelegentliche freiberufliche Tätigkeit (Art. 67, Buchstabe 1), Einheitstext der direkten Steuern - DPR 917/86) Kontinuierliche und koordinierte freie Mitarbeit (Art. 50, 1. Absatz, Buchstabe c-bis, Einheitstext der direkten Steuern - DPR 917/86) Landwirtschaftlicher Unternehmer (Art ZGB) Handelsunternehmer (im weiteren Sinn - Art ZGB) Kleinunternehmer (darunter auch der Handwerksbetrieb - Art ZGB) Dienstleistungen (z.b. Beförderung) Vermittlungstätigkeit (z.b. Groß-, Einzel-, Wanderhandel) Produktionstätigkeit (Industrielle Tätigkeit) A) Freiberufliche Tätigkeit Freiberufliche Arbeit Freiberufler sind keine Unternehmer im Sinne des Art ZGB. Es gibt ungeregelte freie Berufe" (z.b. Künstler, Schriftsteller, Unternehmensberater), für deren Ausübung keine besondere Eintragung in Berufsverzeichnisse vorgesehen ist, und geschützte freie Berufe", deren Ausübung meist an folgende Bedingungen geknüpft sind: Ausbildung (z.b. Universitätsstudium bei Ärzten, Rechtsanwälten usw. oder Abschluss der Geometerschule bei Geometern) mehrjähriges Praktikum Staatsexamen Eintragung in das dafür vorgesehene Berufsverzeichnis Einhaltung der berufsethischen Richtlinien (z.b. Verpflichtung zur Verschwiegenheit). 1112 I GRÜNDUNG: von der geschäftsidee zum Konzept - EINFÜHRUNG Um eine freiberufliche Tätigkeit ausüben zu können, müssen Sie: eine Mehrwertsteuer-Nummer haben die Sozialbeiträge beim NISF (INPS) oder bei den jeweiligen Pensionskassen der Berufskammern einzahlen die Buchführung machen (Bücher, Steuererklärungen, Einzahlungen, usw.). Eine eindeutige gesetzliche Regelung, wer Freiberufler ist und wer nicht, liegt nicht vor - es gibt eine Reihe von Grenzfällen. Erkundigen Sie sich bei der Handelskammer oder bei der Vereinigung der Südtiroler Freiberufler (siehe Adressenverzeichnis), um zu erfahren, ob Ihre künftige Tätigkeit als gewerblich oder als freiberuflich eingestuft wird. Gelegentliche freiberufliche Tätigkeit Bei dieser Form der freiberuflichen Tätigkeit hat die Arbeitsleistung einmaligen Charakter. Dafür ist keine MwSt.-Nummer notwendig, auch müssen keine Eintragungen und Anmeldungen bei öffentlichen Verzeichnissen gemacht werden. Seit 1. Januar 2004 unterliegen die Honorare aus gelegentlichen freiberuflerischen Tätigkeiten der Sozialversicherungspflicht gemäß Gesetz 335/95, falls die bezogenen Honorare im Jahr über liegen. Die Beiträge werden durch den Mandanten beim NISF/INPS eingezahlt. Die geleistete Tätigkeit unterliegt weiterhin dem Steuerrückbehalt von 20%, weswegen auf jeden Fall eine Steuererklärungspflicht besteht. Kontinuierliche und koordinierte freie Mitarbeit Die kontinuierliche, koordinierte und freie Mitarbeit im herkömmlichen Sinne ist nur mehr bei folgenden Tätigkeiten möglich: Mitarbeit durch Bezieher von Altersrenten Verwalter, Aufsichtsräte und Mitglieder von Kollegien und Kommissionen Mitarbeiter von Amateursportvereinen Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung. Ansonsten ist eine kontinuierliche, koordinierte und freie Mitarbeit nur mehr im Rahmen von projektbezogenen Verträgen (Projektarbeit) möglich. Diese neue Vertragsform ersetzt die bisherigen sogenannten co.co.co."- Verträge, welche oft zu einer Umgehung arbeits- und sozialrechtlicher Vorschriften geführt hatten. Beim neuen Projekt-Arbeitsvertrag ist als Aufgabe des Beschäftigten im Arbeitsvertrag ein konkretes Projekt 1213 I GRÜNDUNG: von der geschäftsidee zum Konzept - EINFÜHRUNG oder Arbeitsprogramm oder eine Phase desselben zu definieren. Der Auflösungszeitpunkt des Vertrages muss entweder zeitlich bestimmt oder aus dem Zweck zeitlich bestimmbar sein. Nähere Informationen zu dieser Vertragsform finden Sie in der Schriftenreihe der Südtiroler Sparkasse (Band Nr. 5, April 2004) Handbuch zur Reform des Arbeitsmarktes - Neue und flexible Formen der Arbeit". B) Unternehmerische Tätigkeit Unternehmer ist, wer berufsmäßig eine organisierte, wirtschaftliche Tätigkeit zum Zweck der Produktion oder des Austausches von Gütern oder Dienstleistungen ausübt" (Art ZGB). Drei Aspekte kennzeichnen also einen Unternehmer: die Ausübung einer wirtschaftlichen Tätigkeit die Organisation der dazu notwendigen Mittel die berufsmäßige Ausübung der Tätigkeit. Unternehmer werden im Gegensatz zu Freiberuflern im Handelsregister bei der Handelskammer eingetragen. An dieser Stelle können auch zwei weitere Begriffe geklärt werden: Die materielle Grundlage für die Ausübung der Unternehmertätigkeit ist der Betrieb (azienda). Er muss nicht Eigentum des Unternehmers sein. Dieser kann seine wirtschaftliche Tätigkeit auch aufgrund eines Pachtvertrages ausüben. Die Firma (ditta) ist der Name, unter welchem der Unternehmer seine Tätigkeit ausübt. Der Unternehmer hat das Recht auf den ausschließlichen Gebrauch des von ihm gewählten Firmennamens. 1314 I GRÜNDUNG: von der geschäftsidee zum Konzept - EINFÜHRUNG 1.4. Franchising Franchising bezeichnet ein spezifisches Vertriebssystem, bei dem ein Franchise-Geber einem Unternehmen die Nutzung eines erprobten Geschäftskonzeptes gegen Entgelt zur Verfügung stellt. Es vereint damit Vorteile des direkten Vertriebsweges (z.b. einheitlicher Markenauftritt und direkte Marktnähe) mit den Vorteilen des indirekten Vertriebes (z.b. das überdurchschnittliche Engagement von rechtlich selbstständigen Vertriebspartnern, den Franchise-Nehmern). Franchising bietet die Möglichkeit, eine erfolgreiche Geschäftsidee mehreren Partnern zur Verfügung zu stellen und so den Geschäftstyp zu multiplizieren. 5 Konkret handelt es sich um ein Unternehmen (Franchise-Geber), das über eine in der Praxis erprobte Geschäftsidee verfügt, die es einem anderen Unternehmen (Franchise-Nehmer) gegen Gebühr anbietet. 6 Das Franchisepaket enthält alles, was zum sofortigen Geschäftsbeginn nötig ist: Know-how, Name, Marketingaktivitäten, Produktlinie, Werbung, Waren und Dienstleistungen. Dafür zahlt der Franchise- Nehmer an den Franchise-Geber ein regelmäßiges Entgelt, die sog. Franchisegebühr. Vorteile für Franchise-Nehmer: Schneller Marktzugang Geringeres Risiko Einstiegserleichterung durch schlüsselfertigen Betrieb" Vermeiden von Gründungsfehlern Hilfe bei Standortwahl und -analyse Erprobtes Marken- und Dienstleistungssortiment Image eines Großunternehmens, geschützter Name, gemeinsame Werbung, Einkaufs- und Kostenvorteile Leichterer Zugang zu Krediten. Nachteile für Franchise-Nehmer: Schwierige Auswahl des passenden Systems Abhängigkeit von der Geschäftspolitik des Franchise-Gebers Geringer Einfluss auf die Geschäftspolitik des Franchise-Gebers Langfristige Bindung: Kündigungen bei Konflikten sind nicht einfach Vgl Vgl. Ihr Unternehmen und Verträge, 2006, Seite 59 7 Vgl15 I GRÜNDUNG: von der geschäftsidee zum Konzept - EINFÜHRUNG Tipp Derzeit gibt es sehr viele Franchise-Systeme am Markt. Bevor Sie sich vertraglich mit einem Franchise-Geber verpflichten und viel Geld dafür investieren, informieren Sie sich genau über die Seriosität des Anbieters: So mancher Franchise-Geber liefert seinen Franchise-Partnern nicht mehr als die unbedingt notwendige Ware und dazu nur ein dünnes Werbepaket! 1516 I GRÜNDUNG: von der geschäftsidee zum Konzept - EINFÜHRUNG 1.5. Sind Sie ein Unternehmertyp"? Bevor Sie ein Unternehmen gründen, sollten Sie sich grundsätzlich die Frage stellen, ob Sie ein Unternehmertyp sind. Um erfolgreicher Unternehmer zu sein, müssen Sie gewisse Voraussetzungen mitbringen: fachliche und persönliche Eigenschaften sowie familiäre Unterstützung. Natürlich ist es nicht notwendig, sämtliche unternehmerische Eigenschaften und Qualifikationen mitzubringen. Viele Dinge kann man auch erlernen und erfahren. Nutzen Sie die Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogramme, die für Unternehmensgründer angeboten werden! Damit Sie Ihre persönliche Einstellung zum Unternehmertum besser kennen lernen, empfehlen wir Ihnen den Test auf Seite 17. Checkliste: unternehmerische Voraussetzungen 8 Fachliche Eigenschaften: Fachkenntnis Kaufmännische Grundkenntnisse Branchenerfahrung Persönliche Eigenschaften: Keine Scheu vor Druck und Stress Lust auf Eigenständigkeit Freude am Organisieren Keine Scheu vor Risiko und Gefahr Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen Wunsch, sich von anderen abzuheben Keine Scheu vor Krisen und Konflikten Keine Lust auf Mittelmäßigkeit Lust auf Flexibilität Lust auf Erfolg Lust auf Veränderung Lust auf Zusammenarbeit Keine Lust auf Stillstand und Rückschritt Familiäre Unterstützung: Familie bejaht Gründung Familie unterstützt Umsetzung Tipp Der Service für Unternehmensgründung der Handelskammer Bozen organisiert Informationsveranstaltungen, Vorträge und Seminare speziell für Unternehmensgründer (www.wifi.bz.it) Vgl. Leitfaden für Gründerinnen und Gründer, 2010, Seite 917 I GRÜNDUNG: von der geschäftsidee zum Konzept - EINFÜHRUNG TEST 9 Sind Sie bereit, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Sie können mit diesem Test zweierlei überprüfen: ob Sie die richtige persönliche Einstellung zum Unternehmer-Dasein haben und ob Ihre Voraussetzungen für eine erfolgreiche Unternehmensgründung grundsätzlich stimmen. Prüfen Sie ihre Ausbildung und Erfahrungen! Passt Ihre Berufsausbildung und/oder praktische Erfahrung zur Branche, in der Sie sich selbstständig machen wollen? Ja auf jeden Fall (2) Nur zum Teil (1) Nein (0) Konnten Sie in Ihrem Berufsleben schon Führungserfahrungen sammeln, d.h. hatten Sie die Arbeit von Mitarbeitern zu organisieren, leiten bzw. zu kontrollieren? Ja, mehrjährige Führungserfahrung (2) Max. 2-jährige Führungserfahrung (1) keine Führungserfahrung (0) Prüfen Sie ihre finanziellen Voraussetzungen! Haben Sie finanzielle Reserven, so dass Sie sich in einer gewissen Unabhängigkeit von Banken oder anderen Kapitalgebern selbstständig machen können? Ja, auf jeden Fall (2) Ja, mit Einschränkungen (1) Nein (0) Prüfen Sie, zu welchen Opfern Sie bereit sind! Sind Sie bereit, wenigstens in den ersten Jahren 60 und mehr Stunden pro Woche zu arbeiten? Ja, auf jeden Fall (2) Ja, mit Einschränkungen (1) Nein, auf keinen Fall (0) Können Sie für wenigstens 2 Jahre weitgehend auf Urlaub, Freizeit und Familienleben verzichten? Ja, auf jeden Fall (2) Ja, mit Einschränkungen (1) Nein (0) Prüfen Sie ihre Fitness! Waren Sie in den letzten 3 Jahren durchwegs körperlich fit und leistungsfähig? Ich war praktisch nie krank (2) Ich war nur gelegentlich leicht krank (1) Ich war häufiger/für längere Zeit krank (0) Besitzen Sie eine gut fundierte kaufmännische oder betriebswirtschaftliche Ausbildung und/oder entsprechend zu bewertende Erfahrung? Ja, umfangreiche Qualifikation (2) Nur zum Teil (1) Keine derartige Ausbildung/Erfahrung (0) In welchem Umfang konnten Sie bisher Erfahrungen im Verkauf/Vertrieb sammeln? Mehrjährige Erfahrung (2) Max. 2-jährige Erfahrung (1) Keine oder geringe Erfahrung (0) Kann Ihr Lebenspartner durch sein Einkommen für den gemeinsamen Lebensunterhalt sorgen oder haben Sie noch andere Einkommensquellen? Ja, auf jeden Fall (2) Ja, mit Einschränkungen (1) Nein (0) Wollen Sie riskieren, in dieser Zeit kein regelmäßiges und stabiles Einkommen zu erzielen? Ja, auf jeden Fall (2) Ja, mit Einschränkungen (1) Nein (0) Sind Sie beruflich bisher schon gewohnt, sich selber Ziele zu setzen und diese selbstständig zu verfolgen (ohne Druck durch Vorgesetzte)? Ja, sehr häufig (2) Manchmal (1) Nur ausnahmsweise (0) 9 Vgl. Existenzgründung. Die wichtigsten Bausteine für das eigene Unternehmen, 2009, Seite 33 1718 I GRÜNDUNG: von der geschäftsidee zum Konzept - EINFÜHRUNG Halten Sie auch auf Dauer Stresssituationen stand und weichen Sie solchen Situationen nicht aus, sondern gehen die notwendigen Problemlösungen an? Überwiegend ja (2) Eher ja (1) Nur sehr bedingt (0) Prüfen Sie, was für Sie auf dem Spiel steht! Die Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber und allgemein als Arbeitnehmer (in ihrem Beruf) sind weniger gut (2) durchschnittlich (1) sehr gut (0) Glauben Sie, dass Sie als Selbstständiger noch ruhig schlafen können, wenn Sie an die möglichen Unsicherheiten einer unternehmerischen Existenz denken? Hat Ihr Lebenspartner eine positive Einstellung zur beruflichen Selbstständigkeit und ist er bereit, Sie bei Ihren Gründungsaktivitäten und in den ersten Jahren zu unterstützen? Ja, auf jeden Fall (2) Ja, zum Teil (1) Nein, eher nicht (0) Habe keinen fixen Partner (1) Kein Grund zur Beunruhigung (2) Ich werde damit leben (1) Ich bin eher unsicher (0) AUSWERTUNG DES TESTS Zählen Sie die Punkte neben den ausgewählten Antworten zusammen und lesen Sie die nachfolgende Auflösung: 0-14 Punkte Sie sollten sich noch einmal die Frage stellen, ob Sie wirklich eine unternehmerische Selbstständigkeit anstreben wollen oder ob ein Angestelltenverhältnis nicht doch ein für Sie persönlich besser geeignetes Arbeitsumfeld darstellt Punkte Das Ergebnis fällt für Sie nicht klar aus. Es wird nicht deutlich genug, ob Sie besser in abhängiger Beschäftigung oder als Selbstständiger arbeiten können. Suchen Sie nach zusätzlichen Informationen und reden Sie mit möglichst vielen Menschen über dieses Thema Punkte Sie sind prinzipiell motiviert, sich selbstständig zu machen. Offensichtlich bringen Sie auch die grundsätzlichen Voraussetzungen für eine unternehmerische Selbstständigkeit mit. Informieren Sie sich, wie Sie eine Geschäftsidee am besten in die Wirklichkeit umsetzen können. Natürlich können Sie mit so einem kurzen Check nur einen ersten Hinweis erhalten. Suchen Sie deshalb noch andere Möglichkeiten zur Reflexion und Prüfung: Gespräche mit Freunden, Bekannten und Beratern, Kurse und Seminare, Bücher, usw. 1819 I GRÜNDUNG: von der geschäftsidee zum Konzept - EINFÜHRUNG 1.6. Innovation - mehr als eine zündende Idee! Innovation ist ein wesentlicher Motor für die wirtschaftliche Entwicklung, das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Innovation findet in vielen Bereichen eines Unternehmens statt und bedeutet die wirtschaftliche Umsetzung einer neuen Idee für ein Produkt bzw. eine Dienstleistung, ein Verfahren bzw. einen Prozess oder aber eine neue Organisationsform durch das Unternehmen". Man unterscheidet also drei Arten von Innovation: Produkt- bzw. Dienstleistungsinnovation Verfahrens- bzw. Prozessinnovation Sozial- bzw. Organisationsinnovation Wichtig ist die Umsetzung der neuen Idee am Markt: Eine gute Idee ohne Verwertung am Markt ist noch keine Innovation. Während Forschung und Entwicklung die Umsetzung von Geld in Wissen ist, bedeutet Innovation sozusagen die Umwandlung von Wissen in Geld - es geht also darum, neues Wissen sehr rasch und effizient in marktfähige Lösungen umzusetzen. Der Innovationsprozess im Unternehmen ist keineswegs eine selbstverständliche Tätigkeit, sondern stellt den Unternehmer und dessen Mitarbeiter vor große Herausforderungen. Es müssen die Grenzen der Routine überwunden werden, dem innovativen Unternehmer werden Risikobereitschaft, Weitblick, Ausdauer und die Fähigkeit, andere Menschen von der eigenen Idee zu überzeugen, abverlangt. Trotz der großen Bedeutung von Innovation sind nicht alle Unternehmen permanent innovativ. Vielfach wird die neue Idee mit der Unternehmensgründung realisiert, später aber werden Produkte, Produktionsweise und Unternehmenskonzept nur graduell adaptiert. Um aber die eigene Wettbewerbsposition zu sichern, ist es notwendig, ständig nach neuen Lösungen Ausschau zu halten. Innovation ist dabei nicht die Folge eines brillanten Geistesblitzes, sondern das Ergebnis eines bewusst gelebten Prozesses, der in all seinen Phasen - Ideenfindung, Ideenbewertung, Konzeption, Umsetzung, Markteinführung - geplant, organisiert und gelenkt werden muss, damit das Innovationsergebnis nicht dem Zufall überlassen bleibt. 1920 I GRÜNDUNG: von der geschäftsidee zum Konzept - EINFÜHRUNG Neuheit Erfindung Weiterentwicklung Modifizierung INNOVATION Ergebnis Neues Produkt Neues Verfahren Neue Dienstleistung Prozess IDEENFINDUNG IDEENPRÜFUNG IDEENREALISIERUNG IDEENVERWERTUNG Suchfeldbestimmung Kreativitätsworkshop Recherchen Strategische Richtung Marktchancen Gewerbliche Schutzrechte Technische Machbarkeit Finanzierung Entwicklung Innovation Marketing Markteinführung Lizenzvergabe Nähere Informationen zum Thema Innovation erhalten Sie beim Amt für Innovation der Autonomen Provinz Bozen, beim Innovationsservice der Handelskammer Bozen und beim TIS innovation park. Tipp Der TIS innovation park bietet Unternehmen das Innovationswerkzeug ROSi an. Mit Hilfe von ROSi wird dem Unternehmer eine Entscheidungsgrundlage geboten, anhand derer er die ideale Innovationsstrategie für sein Unternehmen wählen kann, wodurch Unsicherheiten und Fehlentscheidungen vermieden werden. Das Werkzeug ROSi hilft bei der Auswahl der richtigen Innovationsvariante (die richtigen Dinge tun) und bei der Steuerung der Mittel innerhalb der ausgewählten Innovationsvariante (die Dinge richtig tun). Das Tool ist einfach und außerordentlich praxisbezogen; es analysiert das Erfolgspotenzial von innovativen Prozessen, Produkten oder Dienstleistungen und ermittelt deren mögliche Verkaufschancen. In nur einem Tag steht das Ergebnis fest. Fällt das Resultat positiv aus, werden die erforderlichen Maßnahmen sofort definiert. Nähere Informationen erhalten Sie beim Gründerzentrum im TIS innovation park (www.tis.bz.it). 20 Mehr anzeigen
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