Source: http://www.juraforum.de/forum/t/ist-die-verbreitung-von-fanfiction-mittels-einer-website-zulaessig.394934/
Timestamp: 2016-05-01 19:29:27
Document Index: 302232939

Matched Legal Cases: ['§ 23', '§ 24', '§ 23', '§ 24', '§ 23', '§ 31', '§ 23', 'BGH', '§ 10', 'BGH', 'BGH', '§ 45']

Ist die Verbreitung von FanFiction mittels einer Website zulässig? - Urheberrecht - JuraForum.de
Ist die Verbreitung von FanFiction mittels einer Website zulässig?
Dieses Thema "Ist die Verbreitung von FanFiction mittels einer Website zulässig? - Urheberrecht" im Forum "Urheberrecht" wurde erstellt von TomBombadil, 12. April 2012.
Sagen wir T. stößt im Internet auf eine Website, die es Autoren von FanFiction (Fangeschriebene Fortsetzungen zu populären Büchern, Filmen etc.) ermöglicht, ihre Werke kostenlos für andere Personen einsehbar zu machen. Die Website ist Werbefinanziert und hat beträchtlichen Traffic.
Die kommerzielle Nutzung von FanFiction durch dessen Autoren ist nach T.'s Recherche nicht erlaubt. T. fragt sich daher, ob der Werbeprofit der Website, durch das öffentlich zugänglich machen, die Verwertungsrechte des eigentlichen Urhebers beschneidet. T. wundert sich besonders wegen des enormen Traffics, der sicherlich den Urhebern der Originalwerke und dessen Verlegern aufgefallen sein muss.
AW: Ist die Verbreitung von FanFiction mittels einer Website zulässig?
"E=TomBombadil;972965]Die kommerzielle Nutzung von FanFiction durch dessen Autoren ist nach T.'s Recherche nicht erlaubt.[/QUOTE]
Nach meiner Recherche ist rechtlich auch eine nicht-kommerzielle öffentliche Nutzung nicht erlaubt. Recherchiert habe ich im deutschen Urheberrechts-Gesetz. Das besagt: "§ 23 Bearbeitungen und Umgestaltungen
Eine Ausnahme dazu bildet der folgende § 24 Freie Benutzung
Zum Unterschied zwischen 24 und 23 lese man http://www.schmunzelkunst.de/saq.htm#freinutz
T. fragt sich daher, ob der Werbeprofit der Website, durch das öffentlich zugänglich machen, die Verwertungsrechte des eigentlichen Urhebers beschneidet.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Nein. Auch ohne Profit ist eine Bearbeitung nach § 23 zustimmungspflichtig und eine Freie Benutzung nach § 24 frei für Jedermann.
Wenn die aktuellen Rechteinhaber (laut § 23 also Urheber, laut § 31 UrhG also meist der Verlag) aber beide eine gewisse Nutzung nach § 23 dulden unter gewissen Bedingungen - hier "keine kommerzielle Nutzung, nur als reiner Austausch unter Fans" -
wie sich die britische Autorin Rowling mal über Hairy-Pother-Fän-Fiction im Internet äußerte, wobei ich die Stellungnahme des mit-maßgeblichen Verlags nicht kenne, die ebenfalls wichtig wäre im Streitfall mit Frau R. -
dann fällt eine solche Duldung eben flach, wenn die Bedingung für diese Duldung nicht erfüllt ist - hier eine nicht-kommerzielle Nutzung.
Krass getippt: Die damals in einem Interview sich duldend gebende Autorin hatte sicher folgende Szenarien im Sinn, als sie unkommerzielle Fanfiction gut hieß: - Hie Foren, wo Fan "Kid_12" postet: "Folgende Fortsetzung fände ich toll ..."
- Da ein Buch, ein Film, eine Website, wo zwecks Gewinnstrebens erwachsene Profis wie ich den (urheberrechtlich geschützten) Plot über H. P. unauthorisiert nutzen, weiterspinnen und vermarkten.
T. wundert sich besonders wegen des enormen Traffics, der sicherlich den Urhebern der Originalwerke und dessen Verlegern aufgefallen sein muss.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Ich mich gar nicht! Denn wenn ich Geld damit verdiene, dass ich eine gute Umgebung für einen Austausch von Fans anbiete, dann ist das immer noch besser, als wenn ich Geld damit verdiene (oder zu recht keins damit verdiene), dass ich eine miserable Umgebung für einen Austausch von Fans anbiete!
Damit bin ich in erster Linie ein Anbieter einer komfortablen Plattform zum Austausch von Texten meiner Kunden. Damit bin ich immer noch kein direkter kommerzieller Nutzer von Weitererzählungen von Fans! Ich biete eine Dienstleistung - Kommunkation -, die Fans bieten die Inhalte - sich gegenseitig an!
Was die Autorin R. in diesem ominösen Interview offensichtlich gutgeheißen hat.
Anders wäre es, wenn ich die Inhalte selber schreiben und anbieten würde. Und dies gegen Geld. Gegen Eintrittsgeld: "H. P., geile Fortsetzung für 5 Euro!"
Wenn ich aber nur die - von der Autorin gut geheißene - Gratis-Oberfläche biete zum Gratis-Austausch unter Fans? Gruß aus Berlin, Gerd"
Ähnlich hatte ich das auch gedacht. Jedoch könnte ich mir eine Verletzung des Telemediengesetzes vorstellen? Schließlich sind Peer-To-Peer Websites wie das hochgegangene Megaupload, die ebenfalls nur den Austausch unter Nutzern ermöglichen, ja auch verantwortlich für das, was sie zum Download anbieten?
eine Website, die es Autoren von Fortsetzungen zu populären Büchern, Filmen etc. ermöglicht, ihre Werke kostenlos für andere Personen einsehbar zu machen. Die Website ist Werbefinanziert und hat beträchtlichen Traffic.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Die Anbieter der Fortsetzungswerke würden Urheberrechte verletzen, wenn sie "zu nah" am Original bleiben:
BGH, Urteil vom 29. 4. 1999 - I ZR 65/96
Das italienische Verlagsunternehmen ist der Ansicht, durch die Vervielfältigung und Verbreitung der deutschen Übersetzung des Romans "Laras Tochter" werde in ihr zustehende Rechte an "Dr. Shiwago" eingegriffen. (...)
(...) das [ Urteil der Vorinstanz ] spricht zutreffend davon, daß "Laras Tochter" das Werk "Dr. Shiwago" linear - in der von dem älteren Werk angelegten Spur - fortschreibe. Auch in den späteren Kapiteln bleibt die Romanwelt des "Dr. Shiwago" in verschiedenster Weise gegenwärtig. Dies geschieht zum einen dadurch, daß Handlungsstränge fortgeführt werden, die in "Dr. Shiwago" angelegt sind, wie insbesondere die Reise von Lara, Komarowski und Katja in den fernen Osten Rußlands, die Emigration der Familie Shiwago nach Paris oder die Anknüpfung an die Umstände des Todes von Shiwago einige Jahre später in Moskau. Zum anderen wird die Erinnerung an die Welt des "Dr. Shiwago" beim Leser durch Rückblenden, Gedanken und Gespräche handelnder Personen oder durch sonstige Bezugnahmen wachgehalten. (...)
http://lexetius.com/1999,848
Die Verwertungsrechte der Urheber werden durch die aktive Täterschaft / Beihilfe zu rechtswidrigen Verwertungshandlungen ( = öffentliches Zugänglichmachen via Internet ) verletzt. - Ob der Rechtsverletzer das in der Absicht zur Gewinnerzielung macht ( und wie hoch seine Gewinne dabei sind ), spielt für die Rechtsverletzung als solche keine Rolle. ( Höchstens für die Höhe einer Bestrafung wegen gewerblicher Urheberrechtsverletzung, und für Schadensersatzansprüche ist die Profitsituation relevant ).
Die Verwertungsrechte der Urheber werden durch die aktive Täterschaft / Beihilfe zu rechtswidrigen Verwertungshandlungen ( = öffentliches Zugänglichmachen via Internet ) verletzt. - Ob der Rechtsverletzer das in der Absicht zur Gewinnerzielung macht ( und wie hoch seine Gewinne dabei sind ), spielt für die Rechtsverletzung als solche keine Rolle.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Gut, das heißt also ob mit Profit oder ohne: das Bereitstellen einer Plattform für die nicht-kommerzielle Nutzung von nicht-autorisierter Fanfiction ist bereits rechtswidrig?
Gut, das heißt also ob mit Profit oder ohne: das Bereitstellen einer Plattform für die nicht-kommerzielle Nutzung von nicht-autorisierter Fanfiction ist bereits rechtswidrig?Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
In D. zunächst nicht. Außer, der Plattformer hat vorher schon "Kenntnis von der rechtswidrigen Handlung oder der Information", die er verbreitet. Sagt das Telemediengesetz in § 10
Oder wenn er nicht reagiert, also nicht "unverzüglich tätig" wird, "um die Information zu entfernen oder den Zugang zu ihr zu sperren, sobald" er "diese Kenntnis erlangt" hat. (ebd.)
Wenn man wie bei Dr. Schiwago erst vom BGH erfahren kann, dass man auf das lineare Fortschreiben alter Handlungsstränge achten muss, dann ist es eher unwahrscheinlich, dass der Plattformer vorab schon "Kenntnis von der rechtswidrigen Handlung oder der Information" gehabt hat - oder hätte haben müssen, weil er sich hätte kundig machen müssen.
Sagen wir mal so: Dass das Austauschen von fremden Musiken und Filmen rechtswidrig ist, muss ein durchschnittlich informierter Plattformer eher wissen ...
Wenn man wie bei Dr. Schiwago erst vom BGH erfahren kann, dass man auf das lineare Fortschreiben alter Handlungsstränge achten muss, dann ist es eher unwahrscheinlich, dass der Plattformer vorab schon "Kenntnis von der rechtswidrigen Handlung oder der Information" gehabt hat - oder hätte haben müssen, weil er sich hätte kundig machen müssen.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Bedeutet dies, dass für jedes einzelne Werk das zum Tausch angeboten wird "Kenntnis über rechtswidrige Handlung" erlangt werden muss (zBp der Original-Autor beschwert sich) oder gilt das für alle Werke des Fanfiction Genres allgemein?
Wenn man weiß, dass es rechtswidrig ist, darf man es nich publizieren bzw. "öffentlich zugänglich machen".
Wenn man es nicht weiß, muss man erst damit aufhören, wenn man davon erfährt.
Dazwischen gibt es möglicherweise ein "wenn man es hätte wissen müssen". Analog heißt es § 45 SGB X Abs. 2: "soweit er [...] die Rechtswidrigkeit [...] kannte oder infolge grober Fahrlässigkeit nicht kannte; grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn" er "die erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt hat."
Analog zum Telemediengesetz könnte dies bedeuten: Wenn man nichts Genaues von einer Rechtswidrigkeit weiß, aber den dringenden Verdacht hat, dass bei einem Text eine Rechtswidrigkeit vorliegt, dann muss man im Rahmen des Möglichen recherchieren, ob dem so ist oder nicht.
Wer also in Deutschland aufgewachsen ist und den Namen Günter Grass liest, der muss den dringenden Verdacht haben, dass dieser Urheber noch keine 70 Jahre tot ist. Von dem kann dann sicher erwartet werden, dass er seine Familie befragt oder das Internet, wo er schnell erfährt, dass Grass noch lebt - wenn auch auf letzter Patrone, wie er eben selbst verkündet hat .
Wenn man weiß, dass es rechtswidrig ist, darf man es nich publizieren bzw. "öffentlich zugänglich machen".Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Gut also muss jedes Werk einzeln geprüft werden. Aber die Plattform muss generell nicht dicht machen, wenn eins der Werke rechtswidrig ist und nach Anfrage entfernt wurde.
wenn auch auf letzter Patrone, wie er eben selbst verkündet hat .Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Haha großartig TomBombadil
Gut also muss jedes Werk einzeln geprüft werden.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Nein. Wenn nicht zu gewärtigen ist, dass Rechtswidriges gepostet wird, kann der Forensiker seine Software den Job erledigen lassen und abwarten, bis wer was Rechtswidriges meldet.
Anders sah es mal ein Gericht, als ein Forensiker einen Beitrag freigab, von dem ob seiner Provokanz zu erwarten war, dass rechtswidrige Antworten kämen über Nacht, und der Betreiber dennoch seelenruhig zu Bett ging.
Hier, in diesem besonderen Fall, hätte der Forenbetreiber ausnahmsweise mal jeden Beitrag prüfen müssen auf Rechtswidrigkeiten, bis der von ihm bewusst in Kauf genommene Sturm sich gelegt hat, meinte das Gericht. Was ja nachvollziehbar ist. Aber halt nicht gilt für ein Forum in ruhigem Fahrwasser. Wie "Käthchens Häkelforum 2012".
Aber die Plattform muss generell nicht dicht machen, wenn eins der Werke rechtswidrig ist und nach Anfrage entfernt wurde.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Dafür kenne ich keine Rechtsgrundlage. Welche galt bei dem dicken Deutschen in Neuseeland, weiß ich nicht.
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Schön, wenn wer auf dem Laufenden ist. Gruß aus Berlin, Gerd
Dafür kenne ich keine Rechtsgrundlage. Welche galt bei dem dicken Deutschen in Neuseeland, weiß ich nicht.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Das war aber ein recht extremer Fall bei dem die Betreiber aktiv den Tausch illegaler Originalkopien gefördert haben sollen.
Nein. Wenn nicht zu gewärtigen ist, dass Rechtswidriges gepostet wird, kann der Forensiker seine Software den Job erledigen lassen und abwarten, bis wer was Rechtswidriges meldet.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Okay, das hat mich auf jeden Fall weiter gebracht. Herzlichsten Dank! TomBombadil
das Bereitstellen einer Plattform für die nicht-kommerzielle Nutzung von nicht-autorisierter Fanfiction ist bereits rechtswidrig?Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Allerdings haftet er als Anbieter von Telemediendiensten nicht schon allein deswegen für die von ihm gespeicherten fremden Inhalte, nur weil er sie für einen Nutzer gespeichert und zugänglich gemacht hat - insofern knüpft das Telemediengesetz eine Haftung nicht schon automatisch an den bloßen Umstand des Seicherns/Zugänglichmachens fremder Nutzer-Information.
Es kommt auf die konkrete Ausgestaltung des Zugänglichmachens an: wenn der Plattformbetreiber gezielt um das Hochladen von Fortsetzungeschichten insbesonderer bekannter Film-/Romanwerke wirbt, in der Absicht, sie Dritten zugänglich zu machen, dann haftet er vermutlich "sofort" ( zumindest auf Unterlassung/Beseitigung, eher (noch) nicht auf Schadensersatz ). Denn man wird mit guten Gründen argumentieren können, daß bei einem solchen besonders "gefährlichen" Geschäftsmodell ( was das Risiko von Urheberrechtsverletzungen angeht ) besondere (Vorab-)Prüfpflichten angezeigt sein könnten ...
Wieviele der vom Plattformbetreiber umworbenen "Fan-Fiction"-Geschichten werden denn eine solche Distanz zum Vorbild wahren wollen/können, daß sie objektiv NICHT als urheberrechtsverletzend geltend dürften ... 0,1% ? Durfte der Plattformbetreiber denn umgekehrt darauf vertrauen, sein Geschäftsmodell würde weit überwiegend ( > 90% ) nur urheberrechtlich zulässige Fortsetzungsgeschichten(-Schreiber) anlocken? Mußte er nicht argwöhnen, daß vor allem besonders nah am Original entlangerzählte Geschichten ihm die meisten Besucher (und damit Werbe-Provisionen) einbringen würden? 11
Wieviele der vom Plattformbetreiber umworbenen "Fan-Fiction"-Geschichten werden denn eine solche Distanz zum Vorbild wahren wollen/können, daß sie objektiv NICHT als urheberrechtsverletzend geltend dürften ... 0,1% ?Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Bei einer solchen gezielten Werbung sollte sich der Betreiber schon eher vorab schlau machen, wo die Risiken einer Urheberrechtsverletzung liegen. Eher nicht in einem allgemeinen Plauderforum, in dem ein Poster schreibt, "Ich fände es gut, wenn die Geschichte so weiter gehen würde: ..."
Meine Begründung für meine Vermutung: Wenn es schon einer solch komplexen Überlegung wie im Schiwago-Urteil bedurft hatte ("lineare Fortschreiben alter Handlungsstränge" oder nicht), dann ist eine Vorab-Recherche eher nicht die Sorgfaltspflicht eines Plauder-Forums-Betreibers. Eher aber schon für den eines Handlungsstränge-Fortschreibungs-Forums.
Überzeugt und zu einer nachträglichen Differenzierung bewogen hat mich diese deine Fragestellung:
Durfte der Plattformbetreiber denn umgekehrt darauf vertrauen, sein Geschäftsmodell würde weit überwiegend ( > 90% ) nur urheberrechtlich zulässige Fortsetzungsgeschichten(-Schreiber) anlocken? Mußte er nicht argwöhnen, daß vor allem besonders nah am Original entlangerzählte Geschichten ihm die meisten Besucher (und damit Werbe-Provisionen) einbringen würden?Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
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