Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/medizinische-fusspflege-in-der-umsatzsteuer-389694
Timestamp: 2020-07-15 12:36:50
Document Index: 122466371

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 4', 'Art. 132', 'Art. 13', 'Art. 132', 'Art. 13', '§ 4', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 4', 'Art. 131', '§ 3', '§ 81', '§ 96', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 4', '§ 4']

Medizinische Fußpflege in der Umsatzsteuer | Rechtslupe
Bei medi­zi­nisch indi­zier­ten fuß­pfle­ge­ri­schen Leis­tun­gen i.S. des § 3 PodG, die Podo­lo­gen erbrin­gen, han­delt es sich um umsatz­steu­er­freie Heil­be­hand­lun­gen, wäh­rend "selbst­in­di­zier­te" Behand­lun­gen kei­ne Heil­be­hand­lun­gen sind.
Als Nach­weis des the­ra­peu­ti­schen Zwecks von Leis­tun­gen kön­nen nicht nur ärzt­li­che Ver­ord­nun­gen in Form eines Kas­sen- oder Pri­vat­re­zepts die­nen, son­dern auch ande­re Unter­la­gen, die zum the­ra­peu­ti­schen Zweck eine ver­gleich­ba­re Aus­sa­ge­kraft wie ärzt­li­che Ver­ord­nun­gen haben und von Per­so­nen stam­men, die zur Fest­stel­lung des the­ra­peu­ti­schen Zwecks befä­higt sind. Der Nach­weis des the­ra­peu­ti­schen Zwecks einer Leis­tung muss grund­sätz­lich für jede Leis­tung geson­dert erbracht wer­den.
Nach § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG umsatz­steu­er­frei sind Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin, die im Rah­men der Aus­übung der Tätig­keit als Arzt, Zahn­arzt, Heil­prak­ti­ker, Phy­sio­the­ra­peut, Heb­am­me oder einer ähn­li­chen heil­be­ruf­li­chen Tätig­keit durch­ge­führt wer­den. Die­se Vor­schrift setzt Art. 132 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem (MwSt­Sys­tRL) in natio­na­les Recht um. Danach befrei­en die Mit­glied­staa­ten Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin, die im Rah­men der Aus­übung der von dem betref­fen­den Mit­glied­staat defi­nier­ten ärzt­li­chen und arzt­ähn­li­chen Beru­fe durch­ge­führt wer­den, von der Steu­er. Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. b und c der Sechs­ten Richt­li­nie 77/​388/​EWG des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern und Art. 132 Abs. 1 Buchst. b und c der MwSt­Sys­tRL sind in glei­cher Wei­se aus­zu­le­gen; daher kann auch die Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on zu Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. b und c der Richt­li­nie 77/​388/​EWG wei­ter­hin zur Aus­le­gung her­an­ge­zo­gen wer­den [1]. § 4 Nr. 14 Buchst. a UStG ist im Lich­te die­ser Bestim­mun­gen richt­li­ni­en­kon­form aus­zu­le­gen [2].
Der Begriff "Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin" ist ein auto­no­mer uni­ons­recht­li­cher Begriff [3] und umfasst Leis­tun­gen, die zur Dia­gno­se, Behand­lung und, so weit wie mög­lich, Hei­lung von Krank­hei­ten oder Gesund­heits­stö­run­gen die­nen [4]. Doch folgt dar­aus nicht zwangs­läu­fig, dass die the­ra­peu­ti­sche Zweck­be­stimmt­heit einer Leis­tung in einem beson­ders engen Sin­ne zu ver­ste­hen ist [5].
Dage­gen sind Leis­tun­gen, die kei­nem the­ra­peu­ti­schen Ziel die­nen, kei­ne Heil­be­hand­lun­gen [6].
Bei der Fra­ge, ob eine Leis­tung the­ra­peu­ti­schen oder ande­ren Zwe­cken dient, geht es um die Beur­tei­lung einer medi­zi­ni­schen Fra­ge, die auf medi­zi­ni­schen Fest­stel­lun­gen beru­hen muss, die von dem ent­spre­chen­den Fach­per­so­nal getrof­fen wor­den sind; die rein sub­jek­ti­ve Vor­stel­lung, die der Pati­ent von der Leis­tung hat, ist als sol­che für die Beur­tei­lung, ob die­se einem the­ra­peu­ti­schen Zweck dient, nicht maß­geb­lich [7]. Der Steu­er­pflich­ti­ge, der sich auf die Steu­er­be­frei­ung beruft, trägt inso­weit die Fest­stel­lungs­last [8].
Außer­dem muss der Leis­tungs­er­brin­ger über einen beruf­li­chen Befä­hi­gungs­nach­weis ver­fü­gen [9].
Bei Tätig­kei­ten im Rah­men des seit 2002 bun­des­weit gesetz­lich gere­gel­ten Berufs des Podo­lo­gen führt bereits die erfolg­rei­che Able­gung der staat­li­chen Prü­fung im Regel­fall zu der erfor­der­li­chen Berufs­qua­li­fi­ka­ti­on [10].
Aus­ge­hend davon kann der erfor­der­li­che Nach­weis, dass eine fuß­pfle­ge­ri­sche Leis­tung eine Heil­be­hand­lung ist, auch ohne ärzt­li­che Ver­ord­nung in Form eines Kas­sen- oder Pri­vat­re­zepts geführt wer­den kann, wenn ande­re Unter­la­gen mit der­sel­ben Aus­sa­ge­kraft wie einer ärzt­li­chen Ver­ord­nung vor­ge­legt wer­den, aus denen sich der the­ra­peu­ti­sche Zweck der Leis­tung eben­so ein­deu­tig ergibt.
Der Gesetz­ge­ber hat in § 3 PodG die Auf­ga­ben­stel­lung des Podo­lo­gen sowie das Aus­bil­dungs­ziel wie folgt defi­niert:
"Die Aus­bil­dung soll ent­spre­chend der Auf­ga­ben­stel­lung des Berufs ins­be­son­de­re dazu befä­hi­gen, durch Anwen­dung geeig­ne­ter Ver­fah­ren nach den aner­kann­ten Regeln der Hygie­ne all­ge­mei­ne und spe­zi­el­le fuß­pfle­ge­ri­sche Maß­nah­men selb­stän­dig aus­zu­füh­ren, patho­lo­gi­sche Ver­än­de­run­gen oder Sym­pto­me von Erkran­kun­gen am Fuß, die eine ärzt­li­che Abklä­rung erfor­dern, zu erken­nen, unter ärzt­li­cher Anlei­tung oder auf ärzt­li­che Ver­an­las­sung medi­zi­nisch indi­zier­te podo­lo­gi­sche Behand­lun­gen durch­zu­füh­ren und damit bei der Prä­ven­ti­on, The­ra­pie und Reha­bi­li­ta­ti­on von Fuß­er­kran­kun­gen mit­zu­wir­ken (Aus­bil­dungs­ziel)."
Zur Begrün­dung hat der Gesetz­ge­ber aus­ge­führt, Ziel sei es, an die Sei­te der Ärz­te einen qua­li­fi­zier­ten Podo­lo­gen zu stel­len, der ins­be­son­de­re bei Pati­en­ten, bei denen podo­lo­gi­sche Behand­lun­gen mit erheb­li­chen Risi­ken ver­bun­den sein kön­nen (wie. z.B. Pati­en­ten mit Durch­blu­tungs­stö­run­gen, Dia­be­tes, Blut­krank­hei­ten oder beson­de­ren Infek­ti­ons­ri­si­ken), wich­ti­ge Auf­ga­ben in der Prä­ven­ti­on, bei der The­ra­pie und der Reha­bi­li­ta­ti­on auf dem Gebiet der medi­zi­ni­schen Fuß­pfle­ge über­nimmt; dane­ben ste­he bei "selbst­in­di­zier­ten Behand­lun­gen" im Bereich der medi­zi­ni­schen Fuß­pfle­ge ein erkenn­bar qua­li­fi­zier­ter Beruf zur Ver­fü­gung [11]. Das Spek­trum der medi­zi­ni­schen Fuß­pfle­ge­pra­xen sol­le sich ‑ori­en­tiert am Aus­bil­dungs­ziel des PodG- lang­fris­tig auf ein breit gefä­cher­tes Tätig­keits­feld aus­rich­ten, wel­ches neben der "selbst­in­di­zier­ten Behand­lung" zuneh­mend durch "medi­zi­nisch indi­zier­te" Behand­lungs- und Pro­phy­la­xe­maß­nah­men gekenn­zeich­net sei [12]. Gera­de eine fun­dier­te Aus­bil­dung ver­set­ze die Podo­lo­gin oder den Podo­lo­gen erst in die Lage, die Gren­zen des Arbeits­be­reichs zu erken­nen, um dem Pati­en­ten auf Ver­an­las­sung des Arz­tes eine opti­ma­le Behand­lung zukom­men zu las­sen [12]. In Zukunft sol­le der Arzt für medi­zi­nisch indi­zier­te podo­lo­gi­sche Maß­nah­men der Prä­ven­ti­on, The­ra­pie und Reha­bi­li­ta­ti­on auf einen Fach­be­ruf zurück­grei­fen kön­nen, des­sen Leis­tungs­qua­li­tät durch eine gere­gel­te Aus­bil­dung und eine staat­li­che Aner­ken­nung garan­tiert sei [13]. Mit der Unter­sa­gung der Ver­wen­dung der Bezeich­nung "Medi­zi­ni­scher Fuß­pfle­ger" sol­le deut­lich gemacht wer­den, dass nur Podo­lo­gen medi­zi­nisch indi­zier­te Fuß­pfle­ge (podo­lo­gi­sche Behand­lung auf ärzt­li­cher Ver­an­las­sung) aus­üben kön­nen [14].
Aus der Sys­te­ma­tik des § 3 PodG und den genann­ten Geset­zes­ma­te­ria­li­en ergibt sich, dass hin­sicht­lich der Leis­tun­gen der Podo­lo­gen zu dif­fe­ren­zie­ren ist: Sie erbrin­gen einer­seits "selbst­in­di­zier­te" Behand­lun­gen, bei denen sich der Pati­ent dafür ent­schei­det, einen Podo­lo­gen in Anspruch zu neh­men, und außer­dem "medi­zi­nisch indi­zier­te" Behand­lun­gen, bei denen die Leis­tung unter ärzt­li­cher Anlei­tung oder auf ärzt­li­che Ver­an­las­sung erfolgt. Als Zwi­schen­stu­fe besteht die Leis­tung des Podo­lo­gen außer­dem dar­in, (z.B. bei Vor­nah­me selbst­in­di­zier­ter Maß­nah­men) patho­lo­gi­sche Ver­än­de­run­gen oder Sym­pto­me von Erkran­kun­gen am Fuß zu erken­nen, die eine ärzt­li­che Abklä­rung erfor­dern (und nach erfolg­ter ärzt­li­cher Abklä­rung ggf. eine medi­zi­nisch indi­zier­te Leis­tung auf Ver­an­las­sung des Arz­tes nach sich zie­hen kön­nen).
Bei "medi­zi­nisch indi­zier­ten" Leis­tun­gen i.S. des § 3 PodG han­delt es sich um Heil­be­hand­lun­gen, wäh­rend "selbst­in­di­zier­te Behand­lun­gen" kei­ne Heil­be­hand­lun­gen sind.
Zwar wir­ken ‑wie die Klä­ge­rin zutref­fend gel­tend macht- nach dem Wort­laut des § 3 PodG Podo­lo­gen mit allen von ihnen erbrach­ten Leis­tun­gen, also auch den "selbst­in­di­zier­ten Behand­lun­gen" i.S. des § 3 Alt. 1 PodG, bei der Prä­ven­ti­on, The­ra­pie und Reha­bi­li­ta­ti­on von Fuß­er­kran­kun­gen mit.
Aller­dings han­delt es sich ‑inso­weit ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ge­rin und des Finanz­ge­richt- sowohl beim Schnei­den der Fuß­nä­gel als auch beim Ent­fer­nen der Horn­haut um Leis­tun­gen, die nicht nur the­ra­peu­ti­schen, son­dern auch ande­ren Zwe­cken (näm­lich der all­ge­mei­nen Kör­per­pfle­ge oder kos­me­ti­schen Zwe­cken) die­nen kön­nen.
Des­halb müs­sen zur zutref­fen­den Abgren­zung der steu­er­frei­en und steu­er­pflich­ti­gen Leis­tun­gen von Podo­lo­gen grund­sätz­lich für jeden ein­zel­nen Leis­tungs­emp­fän­ger von dazu befä­hig­tem Fach­per­so­nal medi­zi­ni­sche Fest­stel­lun­gen zum Zweck der Leis­tung getrof­fen wer­den [15]. Dafür spricht auch, dass der Gesetz­ge­ber bei Schaf­fung des PodG im Jahr 2001 davon aus­ge­gan­gen ist, dass ein Vier­tel der an Dia­be­tes erkrank­ten Per­so­nen an behand­lungs­be­dürf­ti­gen Ver­än­de­run­gen am Fuß lei­den [16], also drei Vier­tel nicht. Dies zu beur­tei­len ist Auf­ga­be des behan­deln­den Arz­tes oder Heil­prak­ti­kers.
Selbst­in­di­zier­te Behand­lun­gen i.S. des § 3 Alt. 1 PodG schei­den danach als steu­er­freie Heil­be­hand­lun­gen von Podo­lo­gen aus; denn die rein sub­jek­ti­ve Vor­stel­lung des Pati­en­ten vom Zweck der Leis­tung ist als sol­che für die Beur­tei­lung, ob der Ein­griff einem the­ra­peu­ti­schen Zweck dient, nicht maß­geb­lich [17]. Will der Pati­ent errei­chen, dass eine Leis­tung umsatz­steu­er­frei an ihn erbracht wer­den kann, muss er jeden­falls in dem hier zu beur­tei­len­den Grenz­be­reich medi­zi­ni­sche Fest­stel­lun­gen von dazu befä­hig­tem medi­zi­ni­schem Fach­per­so­nal bei­brin­gen. Ob dies ‑wie die Klä­ge­rin behaup­tet- für den Pati­en­ten mit Kos­ten und Mühen ver­bun­den ist, ist inso­weit uner­heb­lich.
Die zur Ein­stu­fung als Heil­be­hand­lung erfor­der­li­chen medi­zi­ni­schen Fest­stel­lun­gen kön­nen Podo­lo­gen nach dem Berufs­bild des § 3 PodG nicht selbst tref­fen; denn sie sind auf­grund ihrer Aus­bil­dung nicht dazu befä­higt, die Vor­er­kran­kun­gen, an denen die Pati­en­ten lei­den sol­len (z.B. Durch­blu­tungs­stö­run­gen, eine lau­fen­de Che­mo­the­ra­pie oder Cor­ti­son­be­hand­lung, die Ein­nah­me von Mar­cu­mar oder Immun­sup­pre­si­va oder eine "Blu­ter­krank­heit"), zu dia­gnos­ti­zie­ren.
Hin­ge­gen sind medi­zi­nisch indi­zier­te podo­lo­gi­sche Behand­lun­gen Heil­be­hand­lun­gen; denn sie erfol­gen unter ärzt­li­cher Anlei­tung oder auf ärzt­li­che Ver­an­las­sung. Bei­des setzt medi­zi­ni­sche Fest­stel­lun­gen von dazu befä­hig­tem Fach­per­so­nal vor­aus.
Aller­dings kann als Nach­weis des the­ra­peu­ti­schen Zwecks von Leis­tun­gen der Podo­lo­gen nicht nur, wie das Finanz­amt meint, eine ärzt­li­che Ver­ord­nung in Form eines Kas­sen- oder Pri­vat­re­zepts die­nen.
Eine vor­he­ri­ge ärzt­li­che Ver­ord­nung einer fuß­pfle­ge­ri­schen Leis­tung in Form eines Kas­sen- oder Pri­vat­re­zepts ist zwar ein taug­li­cher und für den Podo­lo­gen äußerst sinn­vol­ler Nach­weis des the­ra­peu­ti­schen Zwecks sei­ner Leis­tung; denn das Vor­lie­gen oder Feh­len einer vor­he­ri­gen ärzt­li­chen Ver­ord­nung gewährt dem Podo­lo­gen Rechts­si­cher­heit, indem es ihm ermög­licht, sei­ne umsatz­steu­er­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen zu erken­nen, bevor er mit dem Pati­en­ten das Geschäft abschließt, und zu die­sem Zeit­punkt zu wis­sen, ob er die Umsatz­steu­er in den Preis sei­ner Leis­tung ein­be­zie­hen muss oder nicht [18].
Indes schreibt weder das natio­na­le Recht noch das Uni­ons­recht einem Unter­neh­mer mit beruf­li­chem Befä­hi­gungs­nach­weis zwin­gend vor, wie er den Nach­weis des the­ra­peu­ti­schen Zwecks der von ihm erbrach­ten Leis­tung zu füh­ren hat. Lie­gen die mate­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen einer Norm (hier: der Steu­er­be­frei­ung des § 4 Nr. 14 UStG) zwei­fels­frei vor, darf deren Anwen­dung grund­sätz­lich nicht allein auf­grund feh­len­der for­mel­ler Nach­wei­se (hier: eines Kas­sen- oder Pri­vat­re­zepts) ver­sagt wer­den [19].
Soweit die Mit­glied­staa­ten gemäß Art. 131 der MwSt­Sys­tRL Bedin­gun­gen zur Gewähr­leis­tung einer kor­rek­ten und ein­fa­chen Anwen­dung der Befrei­un­gen sowie zur Ver­hü­tung von Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen, Steu­er­um­ge­hun­gen und etwai­gen Miss­bräu­chen fest­le­gen dür­fen, ist dies zwar grund­sätz­lich zu berück­sich­ti­gen [20]; jedoch dür­fen sich sol­che Maß­nah­men nicht auf die Defi­ni­ti­on des Inhalts der vor­ge­se­he­nen Befrei­un­gen erstre­cken [21].
Dem kann das Finanz­amt nicht mit Erfolg ent­ge­gen­hal­ten, dass ein Podo­lo­ge mit Leis­tun­gen, die nicht auf einer ärzt­li­chen Ver­ord­nung in Form eines Kas­sen- oder Pri­vat­re­zepts beru­hen, außer­halb sei­nes Berufs­bilds tätig sei, das der Mit­glied­staat defi­nie­ren dür­fe; denn das natio­na­le Berufs­recht der Podo­lo­gen ent­hält die vom Finanz­amt gese­he­ne Begren­zung des Berufs­bilds nicht. Für medi­zi­nisch indi­zier­te Leis­tun­gen, zu denen Podo­lo­gen eben­falls befä­higt sind, lässt § 3 Alt. 3 PodG eine ärzt­li­che Ver­an­las­sung genü­gen und ver­langt kei­ne ärzt­li­che Ver­ord­nung in Form eines Pri­vat- oder Kas­sen­re­zepts, die das Finanz­amt als ein­zig mög­li­che Nach­wei­se gel­ten las­sen will.
Unter den genann­ten Vor­aus­set­zun­gen kön­nen Podo­lo­gen des­halb den Nach­weis des the­ra­peu­ti­schen Zwecks einer Leis­tung gemäß § 81 Abs. 1 Satz 1, § 96 Abs. 1 Satz 1 FGO mit allen zuläs­si­gen Beweis­mit­teln, die dies­be­züg­lich eine ver­gleich­ba­re Aus­sa­ge­kraft wie eine ärzt­li­che Ver­ord­nung haben, füh­ren, müs­sen dabei aber gewär­ti­gen, dass es zu die­sem Nach­weis medi­zi­ni­scher Fest­stel­lun­gen am Pati­en­ten durch medi­zi­nisch dazu befä­hig­tes Fach­per­so­nal bedarf.
Da von Podo­lo­gen behan­del­te Zustän­de nicht zwin­gend chro­nisch sind, muss die Podo­lo­gin außer­dem nach­wei­sen, dass die medi­zi­ni­schen Fest­stel­lun­gen von dem dazu qua­li­fi­zier­ten Fach­per­so­nal in den medi­zi­nisch gebo­te­nen zeit­li­chen Abstän­den erneu­ert wur­den, damit ersicht­lich ist, dass der ursprüng­lich vor­han­de­ne the­ra­peu­ti­sche Zweck trotz der mitt­ler­wei­le erfolg­ten Behand­lun­gen immer noch fort­be­stand.
Ver­blei­ben­de Zwei­fel am the­ra­peu­ti­schen Zweck (etwa des­halb, weil der the­ra­peu­ti­sche Zweck im Zeit­punkt der Behand­lung im Nach­hin­ein nicht mehr mit dem für eine rich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung erfor­der­li­chen Grad an Gewiss­heit fest­ge­stellt wer­den kann) gehen zu Las­ten der Podo­lo­gin, die inso­weit in beson­de­rem Maße dar­le­gungs­pflich­tig ist [22].
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 1. Okto­ber 2014 – XI R 13/​14
vgl. EuGH, Urteil vom 10.06.2010 – C‑86/​09 ‑Future Health Technologies‑, Slg. 2010, I‑5215, UR 2010, 540, Rz 26 f.[↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 19.12 2002 – V R 28/​00, BFHE 201, 330, BStBl II 2003, 532; vom 01.04.2004 – V R 54/​98, BFHE 205, 505, BStBl II 2004, 681[↩]
vgl. EuGH, Urtei­le vom 20.11.2003 – C‑212/​01 ‑Unterpertinger‑, Slg. 2003, I‑13859, BFH/​NV Bei­la­ge 2004, 111, Rz 35; vom 20.11.2003 – C‑307/​01 ‑D' Ambrumenil‑, Slg. 2003, I‑13989, BFH/​NV Bei­la­ge 2004, 115, Rz 53[↩]
EuGH, Urteil vom 08.06.2006 – C‑106/​05 ‑L.u.P.-, Slg. 2006, I‑5123, BFH/​NV Bei­la­ge 2006, 442, Rz 27; BFH, Urteil vom 12.08.2004 – V R 27/​02, BFH/​NV 2005, 583[↩]
EuGH, Urteil vom 10.06.2010 – C‑262/​08 ‑CopyGene‑, Slg. 2010, I‑5053, UR 2010, 526, Rz 29[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 14.09.2000 – C‑384/​98 ‑D.-, Slg. 2000, I‑6795, BFH/​NV Bei­la­ge 2001, 31, Rz 18 f.; BFH, Urteil vom 15.07.2004 – V R 27/​03, BFHE 206, 471, BStBl II 2004, 862[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 21.03.2013 – C‑91/​12 ‑PFC Clinic‑, HFR 2013, 458, UR 2013, 335, Rz 34 f.; s. dazu auch BFH, Beschluss vom 19.06.2013 – V S 20/​13, BFH/​NV 2013, 1643, Rz 17[↩]
vgl. dazu all­ge­mein EuGH, Urteil vom 27.04.2006 – C‑443/​04 und – C‑444/​04 ‑Sol­le­veld u.a.-, Slg. 2006, I‑3617, BFH/​NV Bei­la­ge 2006, 299; BFH, Urtei­le vom 12.08.2004 – V R 18/​02, BFHE 207, 381, BStBl II 2005, 227; vom 11.11.2004 – V R 34/​02, BFHE 208, 65, BStBl II 2005, 316[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 07.02.2013 – V R 22/​12, BFHE 240, 428, BStBl II 2014, 126, Rz 19 ff.; eben­so nun­mehr Abschn. 4.14.4. Abs. 11 Satz 1 Nr. 10, Satz 2 USt-AE[↩]
BR-Drs. 672/​00, S. 1, unter A.[↩]
BR-Drs. 672/​00, S. 8[↩][↩]
BT-Drs. 14/​7107, S. 2[↩]
BR-Drs. 672/​00, S. 15, ers­ter Absatz[↩]
vgl. EuGH, Urteil ‑PFC Cli­nic- in HFR 2013, 458, UR 2013, 335, Rz 34 f.[↩]
BR-Drs. 672/​00, S. 9[↩]
vgl. EuGH, Urteil ‑PFC Cli­nic- in HFR 2013, 458, UR 2013, 335, Rz 34[↩]
vgl. dazu EuGH, Urteil vom 06.09.2012 – C‑273/​11 ‑Mec­sek-Gabo­na‑, HFR 2012, 1121, UR 2012, 796, Rz 39, 41, m.w.N.[↩]
vgl. all­ge­mein zu Steu­er­be­frei­un­gen EuGH, Urtei­le vom 27.09.2007 – C‑146/​05 ‑Collée‑, Slg. 2007, I‑7861, BStBl II 2009, 78, Rz 31; vom 27.09.2012 – C‑587/​10 ‑VSTR‑, HFR 2012, 1212, UR 2012, 832, Rz 46; zum Vor­steu­er­ab­zug s. EuGH, Urtei­le vom 08.05.2008 – C‑95/​07 und – C‑96/​07 ‑Ecotrade‑, Slg. 2008, I‑3457, UR 2008, 512, Rz 63; vom 21.10.2010 – C‑385/​09 ‑Nide­ra Handelscompagnie‑, Slg. 2010, I‑10385, UR 2011, 27, Rz 51 ff.; vom 01.03.2012 – C‑280/​10 ‑Pol­ski Trawertyn‑, HFR 2012, 461, UR 2012, 366, Rz 43; vom 06.02.2014 – C‑424/​12 ‑Fatorie‑, HFR 2014, 383, Mehr­wert­steu­er­recht 2014, 125, Rz 34 ff.[↩]
EuGH, Urteil ‑PFC Cli­nic- in HFR 2013, 458, UR 2013, 335, Rz 38[↩]
vgl. EuGH, Urtei­le vom 19.01.1982 8/​81 ‑Becker‑, Slg. 1982, 53, UR 1982, 70, Rz 32; vom 14.12 2006 – C‑401/​05 ‑VDP Den­tal Laboratory‑, Slg. 2006, I‑12121, UR 2007, 104, Rz 26; vom 15.11.2012 – C‑174/​11 ‑Zimmermann‑, HFR 2013, 84, UR 2013, 35, Rz 39[↩]
vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2013, 1643, Rz 17[↩]
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