Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%202006,%201837
Timestamp: 2019-01-16 21:37:10
Document Index: 17754092

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 125', '§ 113', '§ 125', '§ 323', '§ 1', '§ 102', '§ 113', '§ 323', '§ 113', '§ 323', '§ 113', '§ 113', '§ 323', '§ 113', '§ 15', '§ 1', '§ 23', '§ 113', '§ 15', '§ 1', '§ 113', '§ 113', '§ 125', '§ 1', '§ 15', '§ 15', '§ 1', '§ 15', '§ 15']

Rechtsprechung: NJW 2006, 1837 - dejure.org
Weitere Entscheidungen unten: BAG, 17.11.2005 | BAG, 22.09.2005 | BAG, 17.11.2005
Kündigung: Einarbeitungszeit muss Arbeitnehmern nicht gegeben werden
Dabei bezieht sich der Prüfungsmaßstab der groben Fehlerhaftigkeit nicht nur auf die Gewichtung der sozialen Indikatoren, sondern erfasst den gesamten Vorgang der sozialen Auswahl und erstreckt sich daher auch auf die Bildung der auswahlrelevanten Gruppen (vgl. zuletzt BAG vom 17.11.2005 - 6 AZR 107/05, DB 2006, 844 = ZIP 2006, 774 und vom 28.08.2003 - 2 AZR 368/02, ZIP 2004, 1271).
Nach dem Willen des Gesetzgebers soll die soziale Rechtfertigung einer in Anwendung einer Namensliste ausgesprochenen betriebsbedingten Kündigung nur noch in Ausnahmefällen infrage gestellt werden können (vgl. BAG vom 17.11.2005 - 6 AZR 107/05, DB 2006, 844 = ZIP 2006, 774 und vom 28.08.2003 - 2 AZR 368/02, ZIP 2004, 1271 und vom 02.12.1999 - 2 AZR 757/98, DB 2000, 1338).
Es ist nicht als grob fehlerhaft zu beanstanden, wenn die Betriebsparteien bezüglich der Vergleichbarkeit auf die sofortige Substituierbarkeit ohne Einarbeitungszeit abgestellt haben (BG vom 17.11.2005 - 6 AZR 107/05 unter II c bb der Gründe, DB 2006, 844; ähnlich LAG Hamm vom 12.11.2003 - 2 Sa 1232/03 und vom 15.11.2006 - 2 Sa 427/06; a.A. Bichlmeier, DZWiR 2006, 287; dazu auch Thüsing/von Medem, EWiR 2006, 499).
Allerdings muss zuvor der Insolvenzverwalter seine Auskunftspflicht gemäß § 1 Abs. 3 Satz 2 2. Halbsatz KSchG erfüllt haben (BAG vom 10.02.1999 - 2 AZR 716/98, NZA 1999, 702; BAG vom 21.02.2002 - 2 AZR 581/00, NZA 2002, 1360; BAG vom 17.11.2005 - 6 AZR 107/05, ZIP 2006, 774 = DB 2006, 844).
Ist die Überprüfbarkeit der sozialen Auswahl umfassend eingeschränkt, kann auch die Bildung der auswahlrelevanten Gruppen nur auf grobe Fehlerhaftigkeit kontrolliert werden (BAG vom 17.11.2005 - 6 AZR 107/05 - DB 2006, 844 = ZIP 2006, 774; BAG vom 28.08.2003 - 2 AZR 368/02, ZIP 2004, 1271).
Grob fehlerhaft gemäß § 125 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 InsO ist eine soziale Auswahl nur dann, wenn ein evidenter, ins Auge springender schwerer Fehler vorliegt und der Interessenausgleich jede Ausgewogenheit vermissen lässt (BAG vom 17.11.2005 - 6 AZR 107/05 - DB 2006, 844 = ZIP 2006, 774 und vom 28.08.2003 - 2 AZR 368/02, ZIP 2004, 1271).
Nur wenn die Austauschbarkeit offensichtlich verkannt worden ist und es an sachbezogenen Differenzierungsgründen mangelt, kann die Bildung der Vergleichsgruppen als grob fehlerhaft bezeichnet werden (BAG vom 17.11.2005 - 6 AZR 107/05, unter 2 c bb) der Gründe, DB 2006, 844; vgl. auch LAG Hamm vom 12.11.2003 - 2 Sa 1232/03).
Fehlt es an einer sofortigen Substituierbarkeit, ist die Bildung der Vergleichsgruppen nicht grob fehlerhaft (BAG vom 17.11.2005 - 6 AZR 107/05, DB 2006, 844).
InsO § 113 InsO § 125 UmwG § 323 Abs. 1 KSchG § 1 BetrVG § 102
EInsO, UmwG, KSchG, BetrVG
Kündigung von Arbeitsverhältnissen wegen insolvenzbedingter Stilllegung auch im abgespaltenen Unternehmen
Kündigung; Umstrukturierung; Insolvenzrecht - Betriebsbedingte Kündigung durch Insolvenzverwalter wegen Betriebsstillegung in der Insolvenz eines abgespaltenen Unternehmens; Vorrang des Kündigungsrechts gem. § 113 InsO vor vereinbartem Ausschluss der ordentlichen Kündigung; Verhältnis zwischen Bestandsschutz nach § 323 UmwG und Sonderkündigungsrecht des Insolvenzverwalters gem. § 113 InsO; Sozialauswahl nach Stilllegung eines am gemeinschaftlichen Betrieb beteiligten Unternehmens; Bestandsschutz nach § 323 UmwG und Sozialauswahl
Arbeitsrecht - Insolvenz eines abgespaltenen Unternehmens und Kündigung durch den Insolvenzverwalter wegen Betriebsstilllegung
Bundesarbeitsgericht zur Kündigung durch einen Insolvenzverwalter - Insolvenz eines abgespaltenen Unternehmens und Kündigung durch den Insolvenzverwalter wegen Betriebsstilllegung
Kündigung eines Insolvenzverwalters wegen Stilllegung eines abgespaltenen Unternehmens
ArbG München, 28.10.2003 - 18b Ca 2572/02
ArbG München, 21.09.2004 - 18b Ca 2572/02
LAG München, 21.09.2004 - 11 Sa 26/04
BAGE 116, 19
ZIP 2006, 631
NZA 2006, 658
BB 2006, 1278
DB 2006, 788
Diese Frist geht als gesetzliche Spezialregelung allen längeren Kündigungsfristen vor (vgl. BAG 22. September 2005 - 6 AZR 526/04 - zu II 1 a der Gründe, BAGE 116, 19;… Gottwald/Heinze/Bertram aaO Rn. 67).
Dem widersprechen (tarifvertragliche) Unkündbarkeitsklauseln (vgl. BAG 19. Januar 2000 - 4 AZR 70/99 -AP InsO § 113 Nr. 5 = EzA InsO § 113 Nr. 10; Senat 22. September 2005 - 6 AZR 526/04 - AP UmwG § 323 Nr. 1 = EzA InsO § 113 Nr. 18, auch zur Veröffentlichung in der Amtlichen Sammlung vorgesehen).
Indes führt diese Überlegung vorliegend deshalb nicht zur Sozialwidrigkeit der streitgegenständlichen Kündigung, weil der Beklagte Ziff. 1 sämtlichen Arbeitnehmern der Insolvenzschuldnerin im Zusammenhang mit der Einstellung der verbliebenen Sortierarbeiten gekündigt hatte, wodurch ein Ausscheiden aus einem etwaigen Gemeinschaftsbetrieb erfolgt wäre (vgl. hierzu im Einzelnen BAG, Urteil vom 22.09.2005 - 6 AZR 526/04, m. w. N.).
Hinweise des Senats: Parallelsache zu - 6 AZR 526/04 - (führend) und - 6 AZR 527, 533, 534, 547/04 -.
Denn mit der hier glaubhaft gemachten Auflösung des Gemeinschaftsbetriebes entfällt die Möglichkeit des weiteren Einsatzes bei dem anderen Arbeitgeber (so BAG 22.09.2005 - 6 AZR 526/04, NZA 2006, 658 zur Frage der Sozialauswahl).
Hinweise des Senats: Parallelsache zu - 6 AZR 526/04 - (führend) und - 6 AZR 527, 534, 547, 569/04 -.
Hinweise des Senats: Parallelsache zu - 6 AZR 526/04 - (führend) und - 6 AZR 533, 534, 547, 569/04 -.
Betriebsbedingte Kündigung in der Insolvenz, Sozialauswahl
Sonderkündigungsschutz für Betriebsratsmitglieder auch in der Insolvenz des Arbeitgebers
Auch in der Insolvenz sind Betriebsratsmitglieder nicht in die Sozialauswahl einzubeziehen
ArbG Augsburg, 14.01.2003 - 4 Ca 4235/00
LAG München, 10.11.2004 - 10 Sa 727/03
Im Hinblick auf die "Fremdvergabe" bisher durch die Außendienstpartner verrichteter Aufgaben bedarf es aber einer sorgfältigen Prüfung, ob von einer Stilllegung oder nur von einer Verkleinerung dieses Bereichs auszugehen ist (zur Abgrenzung vgl. BAG 17. November 2005 - 6 AZR 118/05 - Rn. 21, AP KSchG 1969 § 15 Nr. 60 = EzA KSchG § 1 Soziale Auswahl Nr. 64).
Eine Betriebsabteilung ist ein räumlich und organisatorisch abgegrenzter Teil eines Betriebs oder eines Betriebsteils, der eine personelle Einheit erfordert, dem eigene technische Betriebsmittel zur Verfügung stehen und der eigene Betriebszwecke verfolgt, die Teil des arbeitstechnischen Zwecks des Gesamtbetriebs sind oder in einem bloßen Hilfszweck für den arbeitstechnischen Zweck des Gesamtbetriebs bestehen können (BAG, Urteil vom 17.11.2005, 6 AZR 118/05, NZA 2006, 370, Urteil vom 22.09.2005, 2 AZR 544/04, NZA 2006, 558, Urteil vom 21.06.1995, 2 AZR 693/94, EzA Nr. 14 zu § 23 KSchG).
Die Höchstdauer der Kündigungsfrist wird in § 113 Satz 2 InsO auf drei Monate zum Monatsende festgelegt (Senat 17. November 2005 - 6 AZR 118/05 - AP KSchG 1969 § 15 Nr. 60 = EzA KSchG § 1 Soziale Auswahl Nr. 64; BAG 6. Juli 2000 - 2 AZR 695/99 - BAGE 95, 216; 19. Januar 2000 - 4 AZR 70/99 - AP InsO § 113 Nr. 5 = EzA InsO § 113 Nr. 10).
Dieses gesetzliche Kündigungsverbot geht dem allgemeinen Kündigungsschutz als spezialgesetzliche Regelung vor (BAG vom 21.04.2005 - 2 AZR 241/04 NZA 2005, 1307; BAG vom 17.11.2005 - 6 AZR 118/05 NZA 2006, 370).
Auch in der Insolvenz des Arbeitgebers genießen Wahlbewerber besonderen Kündigungsschutz, denn § 125 InsO ist lediglich gegenüber § 1 KSchG lex specialis, aber nicht im Verhältnis zu § 15 KSchG (BAG vom 17.11.2005 - 6 AZR 118/05 NZA 2006, 370).
2.2.1 Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (vgl. BAG vom 17. November und vom 21. April 2005 - 6 AZR 118/05 und 2 AZR 241/04 - NZA 2006, 370 und NZA 2005, 1307 jeweils für Betriebsratsmitglieder) sind kraft Gesetzes ordentlich unkündbare Arbeitnehmer nicht in die Sozialauswahl einzubeziehen.
Gesetzliche Kündigungsverbote gehen dem allgemeinen Kündigungsschutz als spezialgesetzliche Regelungen vor (vgl. BAG 17. November 2005 - 6 AZR 118/05 - Rn. 17, AP KSchG 1969 § 15 Nr. 60 = EzA KSchG § 1 Soziale Auswahl Nr. 64;… 21. April 2005 - 2 AZR 241/04 - Rn. 18, BAGE 114, 258) .
Betriebsabteilung ist ein räumlich und organisatorisch abgegrenzter Teil eines Betriebes oder eines Betriebsteils, dem eigene technische Betriebsmittel zur Verfügung stehen und der eigene Betriebszwecke verfolgt, die Teil des arbeitstechnischen Zwecks des Gesamtbetriebs sind oder die in einer Hilfsfunktion für den arbeitstechnischen Zweck des Gesamtbetriebes bestehen (BAG 21.07.2005 - 6 AZR 118/05 - AP KSchG 1969 § 15 Nr. 60, zu I 2 b cc; 22.09.2005 - 2 AZR 544/04 - AP KSchG 1969 § 15 Nr. 59, zu B II 4).
LAG Rheinland-Pfalz, 11.12.2008 - 10 Sa 383/08
Wirksamkeit einer betriebsbedingten Kündigung - keine Altersdiskriminierung bei …
Gesetzliche Kündigungsverbote gehen dem allgemeinen Kündigungsschutz als spezialgesetzliche Regelungen vor (BAG Urteil vom 17.11.2005 - 6 AZR 118/05 - NZA 2006, 370).
Gesetzliche Kündigungsverbote gehen dem allgemeinen Kündigungsschutz als spezialgesetzliche Regelungen vor (vgl. BAG 17.11.2005 - 6 AZR 118/05 - Rn. 17).