Source: http://m.hensche.de/Europarecht_freier_Warenverkehr_Verstoss_gegen_Europarecht_durch_Vorschrift_die_freien_Warenverkehr_einschraenkt_EuGH_C-490-09-u.html
Timestamp: 2017-07-26 16:26:14
Document Index: 304171242

Matched Legal Cases: ['Art. 49', 'Art. 226', 'Art. 24', 'Art. 12', 'Art. 24', 'Art. 24', 'Art. 12', 'Art. 17', 'Art. 65', 'Art. 61', 'Art. 24', 'Art. 12', 'Art. 49', 'Art. 49', 'Art. 24', 'Art. 12', 'Art. 49', 'Art. 49', 'Art. 24', 'Art. 12', 'Art. 49', 'Art. 5', 'Art. 49', 'Art. 49', 'Art. 24', 'Art. 12', 'Art. 49', 'Art. 24', 'Art. 24', 'Art. 46', 'Art. 49', 'Art. 24', 'Art. 12', 'Art. 226', 'Art. 38', '§ 1', 'Art. 12', 'Art. 49', 'Art. 10', 'Art. 226', 'Art. 10', 'Art. 49', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 69', '§ 3', 'Art. 49', 'Art. 24', 'EuG']

27. Ja­nu­ar 2011(*)
„Ver­trags­ver­let­zung ei­nes Mit­glied­staats – Art. 49 EG – Frei­er Dienst­leis­tungs­ver­kehr – Nicht­er­stat­tung der Kos­ten von in an­de­ren Mit­glied­staa­ten als dem Großher­zog­tum Lu­xem­burg durch­geführ­ten Ana­ly­sen und La­bor­un­ter­su­chun­gen – Na­tio­na­le Re­ge­lung, die nicht die Über­nah­me in Form ei­ner Er­stat­tung der für sol­che Ana­ly­sen und Un­ter­su­chun­gen ent­stan­de­nen Kos­ten vor­sieht – Na­tio­na­le Re­ge­lung, die die Über­nah­me von Leis­tun­gen der Ge­sund­heits­ver­sor­gung von der Erfüllung al­ler in die­ser Re­ge­lung vor­ge­se­he­nen Vor­aus­set­zun­gen abhängig macht“
In der Rechts­sa­che C-490/09
be­tref­fend ei­ne Ver­trags­ver­let­zungs­kla­ge nach Art. 226 EG, ein­ge­reicht am 30. No­vem­ber 2009,
Eu­ropäische Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch G. Ro­zet und E. Tra­ver­sa als Be­vollmäch­tig­te, Zu­stel­lungs­an­schrift in Lu­xem­burg,
Großher­zog­tum Lu­xem­burg, ver­tre­ten durch C. Schiltz als Be­vollmäch­tig­ten im Bei­stand von A. Ro­desch, avo­cat,
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten J. N. Cun­ha Ro­d­ri­gues, der Rich­ter A. Ara­b­ad­jiev (Be­richt­er­stat­ter), A. Ro­sas und U. Lõhmus so­wie der Rich­te­rin P. Lindh,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 28. Ok­to­ber 2010,
Mit ih­rer Kla­ge be­an­tragt die Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten, fest­zu­stel­len, dass das Großher­zog­tum Lu­xem­burg da­durch ge­gen sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus Art. [49] EG ver­s­toßen hat, dass es Art. 24 des lu­xem­bur­gi­schen Code de la sécu­rité so­cia­le, der die Er­stat­tung der Kos­ten von in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat durch­geführ­ten bio­me­di­zi­ni­schen Ana­ly­sen aus­sch­ließt und ei­ne Kos­tenüber­nah­me für die­se Ana­ly­sen nur über das Sach­leis­tungs­sys­tem vor­sieht, und Art. 12 der Sat­zung der Uni­on des cais­ses de ma­la­die, wo­nach die Kos­ten von in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat durch­geführ­ten bio­me­di­zi­ni­schen Ana­ly­sen nur dann er­stat­tet wer­den, wenn al­le in den na­tio­na­len ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen von Lu­xem­burg vor­ge­se­he­nen Vor­aus­set­zun­gen für die Durchführung erfüllt sind, in Kraft ge­las­sen hat. Recht­li­cher Rah­men
Art. 24 des lu­xem­bur­gi­schen Code de la sécu­rité so­cia­le in sei­ner auf den Rechts­streit an­wend­ba­ren Fas­sung (Mémo­ri­al A 2008, S. 790, im Fol­gen­den: Code de la sécu­rité so­cia­le) be­stimmt:
„Leis­tun­gen der Ge­sund­heits­ver­sor­gung wer­den in Form der Er­stat­tung durch die Cais­se na­tio­na­le de santé [vor­mals Uni­on des cais­ses de ma­la­die] und die Kran­ken­kas­sen an die geschütz­ten Per­so­nen, de­nen die Kos­ten ent­stan­den sind, oder in Form der un­mit­tel­ba­ren Über­nah­me durch die Cais­se na­tio­na­le de santé gewährt; im zu­letzt ge­nann­ten Fall kann der Leis­tungs­er­brin­ger die geschütz­te Per­son nur in Höhe ih­rer ge­ge­be­nen­falls in der Sat­zung fest­ge­leg­ten Selbst­be­tei­li­gung in An­spruch neh­men. Man­gels ab­wei­chen­der Be­stim­mung in ei­ner ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung kommt die Leis­tungs­gewährung in Form der un­mit­tel­ba­ren Über­nah­me nur bei fol­gen­den Hand­lun­gen, Dienst­leis­tun­gen und Lie­fe­run­gen zur An­wen­dung:
– Ana­ly­sen und La­bor­un­ter­su­chun­gen;
Zwi­schen den Par­tei­en des Rechts­streits ist un­strei­tig, dass die lu­xem­bur­gi­schen Vor­schrif­ten über die so­zia­le Si­cher­heit kei­ne Möglich­keit der Über­nah­me der Ana­ly­sen und La­bor­un­ter­su­chun­gen im Sin­ne von Art. 24 des Code de la sécu­rité so­cia­le in Form der Er­stat­tung der den So­zi­al­ver­si­cher­ten für die­se Ana­ly­sen und Un­ter­su­chun­gen ent­stan­de­nen Kos­ten vor­se­hen.
Art. 12 Abs. 1 und 2 der Sat­zung der Uni­on des cais­ses de ma­la­die in ih­rer Fas­sung auf­grund des am 1. Ja­nu­ar 1995 an­wend­ba­ren ko­or­di­nier­ten Tex­tes (Mémo­ri­al A 1994, S. 2989, im Fol­gen­den: Sat­zung) lau­tet:
„Die Kran­ken­kas­se in Lu­xem­burg über­nimmt nur die­je­ni­gen Dienst­leis­tun­gen und Lie­fe­run­gen, die in Art. 17 des Code [de la sécu­rité so­cia­le] vor­ge­se­hen und in den in Art. 65 die­ses Code ge­nann­ten No­men­kla­tu­ren oder in den durch die vor­lie­gen­de Sat­zung vor­ge­se­he­nen Ver­zeich­nis­sen ein­ge­tra­gen sind.
Die Dienst­leis­tun­gen können ge­genüber der Kran­ken­kas­se nur dann gel­tend ge­macht wer­den, wenn sie gemäß den Be­stim­mun­gen der in den Art. 61 und 75 des Code [de la sécu­rité so­cia­le] ge­nann­ten ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen er­bracht wor­den sind.“
Bei der Kom­mis­si­on gin­gen zwei Be­schwer­den ein, die Fälle be­tra­fen, in de­nen der lu­xem­bur­gi­schen So­zi­al­ver­si­che­rung an­ge­schlos­se­ne Pa­ti­en­ten die Er­stat­tung der Kos­ten von in an­de­ren Mit­glied­staa­ten als dem Großher­zog­tum Lu­xem­burg durch­geführ­ten bio­me­di­zi­ni­schen Ana­ly­sen ver­wei­gert wor­den war.
In ei­nem die­ser Fälle wur­de die Kos­ten­er­stat­tung ab­ge­lehnt, weil die na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten die Über­nah­me der Kos­ten der be­tref­fen­den Ana­ly­sen un­mit­tel­bar durch die Kran­ken­kas­sen vorsähen und die be­trof­fe­ne Kran­ken­kas­se in Er­man­ge­lung ei­ner Gebühren­re­ge­lung bezüglich der Leis­tung nicht zur Er­stat­tung be­fugt sei.
In dem an­de­ren Fall wur­de der Kom­mis­si­on zu­fol­ge die Er­stat­tung von in Deutsch­land durch­geführ­ten Blut‑ und Ul­tra­schall­un­ter­su­chun­gen mit der Be­gründung ver­wei­gert, dass nur die in der Sat­zung vor­ge­se­he­nen Leis­tun­gen er­stat­tet wer­den könn­ten und die Leis­tun­gen gemäß den Be­stim­mun­gen der je­weils an­wend­ba­ren na­tio­na­len ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen er­bracht wer­den müss­ten. In die­sem Fall hätten die Vor­aus­set­zun­gen für die Er­stat­tung der be­tref­fen­den Un­ter­su­chun­gen we­gen der Un­ter­schie­de zwi­schen dem lu­xem­bur­gi­schen und dem deut­schen Ge­sund­heits­sys­tem vom Be­schwer­deführer nicht erfüllt wer­den können. Bei­spiels­wei­se sei­en die Ent­nah­men un­mit­tel­bar vom Arzt vor­ge­nom­men wor­den, wo­hin­ge­gen sie nach lu­xem­bur­gi­schem Recht in ei­nem „ge­trenn­ten La­bor“ durch­geführt wer­den müss­ten. Die­ses Er­for­der­nis sei je­doch in Deutsch­land un­erfüll­bar.
Im An­schluss an die­se Be­schwer­den sand­te die Kom­mis­si­on am 23. Ok­to­ber 2007 dem Großher­zog­tum Lu­xem­burg ein Mahn­schrei­ben, in dem sie gel­tend mach­te, dass die Bei­be­hal­tung von Art. 24 des Code de la sécu­rité so­cia­le und Art. 12 der Sat­zung ge­gen Art. 49 EG ver­s­toße.
Mit Schrei­ben vom 17. De­zem­ber 2007 ant­wor­te­te das Großher­zog­tum Lu­xem­burg auf das Mahn­schrei­ben, dass es sich sei­ner uni­ons­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen be­wusst sei und be­ab­sich­ti­ge, ei­ne um­fas­sen­de Lösung für das von der Kom­mis­si­on auf­ge­wor­fe­ne Pro­blem zu fin­den und „Ein­z­elfälle“, die in der Zwi­schen­zeit auf­tre­ten soll­ten, „prag­ma­tisch“ zu be­han­deln.
Das Großher­zog­tum Lu­xem­burg führ­te gleich­wohl meh­re­re tech­ni­sche Schwie­rig­kei­ten in Be­zug auf die Ein­hal­tung der be­tref­fen­den Ver­pflich­tun­gen an. Es be­rief sich u. a. dar­auf, dass es der Uni­on des cais­ses de ma­la­die nicht möglich sei, ei­ne im We­ge der Ana­lo­gie fest­ge­setz­te Gebühren­re­ge­lung für die Er­stat­tung im Aus­land ent­stan­de­ner Kos­ten an­zu­wen­den, auf na­tio­na­le Be­son­der­hei­ten hin­sicht­lich der Vor­aus­set­zun­gen für die Er­stat­tung der Kos­ten für bio­me­di­zi­ni­sche Ana­ly­sen und dar­auf, dass die Ände­rung der Sat­zung in die Zuständig­keit der So­zi­al­part­ner fal­le.
Da die Kom­mis­si­on dar­in kei­ne fes­te Zu­sa­ge der lu­xem­bur­gi­schen Stel­len sah, den gerügten Ver­s­toß zu be­sei­ti­gen, rich­te­te sie am 16. Ok­to­ber 2008 ei­ne mit Gründen ver­se­he­ne Stel­lung­nah­me an das Großher­zog­tum Lu­xem­burg und for­der­te es auf, in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Er­halt die­ser Stel­lung­nah­me sei­nen Ver­pflich­tun­gen aus Art. 49 EG nach­zu­kom­men.
Nach ei­nem Schrift­wech­sel zwi­schen dem Großher­zog­tum Lu­xem­burg und der Kom­mis­si­on, im Rah­men des­sen die­ses u. a. gel­tend mach­te, dass die Kran­ken­kas­sen in Lu­xem­burg auf­ge­for­dert wor­den sei­en, die Kos­ten von außer­halb von Lu­xem­burg durch­geführ­ten bio­me­di­zi­ni­schen Ana­ly­sen in An­wen­dung ei­ner ana­log zu den lu­xem­bur­gi­schen Gebühren fest­ge­leg­ten Gebühren­ord­nung zu über­neh­men, dass die Uni­on des cais­ses de ma­la­die auf­ge­for­dert wor­den sei, ih­re Sat­zung zu ändern, und dass die Ände­rung des Code de la sécu­rité so­cia­le nicht iso­liert, son­dern im Rah­men ei­ner an­ste­hen­den um­fas­sen­den Re­form er­fol­gen wer­de, ge­lang­te die Kom­mis­si­on zu dem Schluss, dass kei­ne Be­stim­mung zur Ände­rung der strei­ti­gen na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten er­las­sen wor­den sei, und hat da­her be­schlos­sen, die vor­lie­gen­de Kla­ge zu er­he­ben.
Mit Be­schluss des Präsi­den­ten des Ge­richts­hofs vom 19. April 2010 ist das König­reich Däne­mark als Streit­hel­fer zur Un­terstützung der Anträge des Großher­zog­tums Lu­xem­burg zu­ge­las­sen wor­den.
Nach­dem das König­reich Däne­mark dem Ge­richts­hof mit­ge­teilt hat, dass es sei­nen Streit­hil­fe­an­trag zurück­zie­he, hat der Präsi­dent des Ge­richts­hofs mit Be­schluss vom 14. Ju­li 2010 die Strei­chung die­ses Mit­glied­staats als Streit­hel­fer an­ge­ord­net.
Nach An­sicht der Kom­mis­si­on führen Art. 24 des Code de la sécu­rité so­cia­le und Art. 12 der Sat­zung zu ei­ner un­ge­recht­fer­tig­ten Be­schränkung des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs im Sin­ne von Art. 49 EG.
Sie macht gel­tend, dass es sich bei me­di­zi­ni­schen Leis­tun­gen um Dienst­leis­tun­gen im Sin­ne von Art. 49 EG han­de­le und dass die­ser die An­wen­dung ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung aus­sch­ließe, die die Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen zwi­schen Mit­glied­staa­ten ge­genüber der Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen in­ner­halb ein und des­sel­ben Mit­glied­staats er­schwe­re. Außer­dem las­se das Uni­ons­recht zwar die Zuständig­keit der Mit­glied­staa­ten für die Aus­ge­stal­tung ih­res Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit und für die Fest­le­gung der Vor­aus­set­zun­gen für die Gewährung von Leis­tun­gen der so­zia­len Si­cher­heit un­berührt, doch müss­ten sie bei der Ausübung die­ser Be­fug­nis das Uni­ons­recht be­ach­ten.
Das Sys­tem der un­mit­tel­ba­ren Über­nah­me der Kos­ten von Ana­ly­sen und La­bor­un­ter­su­chun­gen durch die Kran­ken­kas­sen gel­te nicht in Fällen, in de­nen sich das La­bor, an das sich ei­ne der lu­xem­bur­gi­schen So­zi­al­ver­si­che­rung an­ge­schlos­se­ne Per­son wen­de, außer­halb von Lu­xem­burg be­fin­de. Der Um­stand, dass nach den na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten die be­tref­fen­den Leis­tun­gen nur durch die­ses Sys­tem über­nom­men wer­den könn­ten, ma­che es dem­nach unmöglich, ei­ner sol­chen Per­son die Kos­ten bio­me­di­zi­ni­scher Ana­ly­sen zu er­stat­ten, die in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat als dem Großher­zog­tum Lu­xem­burg durch­geführt würden.
Der Ge­richts­hof ha­be be­reits ent­schie­den, dass Mit­glied­staa­ten, die ein Sach­leis­tungs­sys­tem er­rich­tet hätten, Me­cha­nis­men der nachträgli­chen Er­stat­tung der Kos­ten für ei­ne Be­hand­lung vor­se­hen müss­ten, die in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat als dem­je­ni­gen durch­geführt wor­den sei­en, in dem die be­tref­fen­den Per­so­nen ver­si­chert sei­en.
Selbst wenn die lu­xem­bur­gi­schen Behörden im Fall von Ana­ly­sen oder Un­ter­su­chun­gen, die in an­de­ren Mit­glied­staa­ten als dem Großher­zog­tum Lu­xem­burg durch­geführt würden, ei­ne Er­stat­tungs­re­ge­lung an­wen­de­ten, könn­ten die Kos­ten für die­se Leis­tun­gen zu­dem nicht er­stat­tet wer­den, wenn nicht bei ih­rer Durchführung al­le in den ein­schlägi­gen lu­xem­bur­gi­schen Vor­schrif­ten vor­ge­se­he­nen Vor­aus­set­zun­gen erfüllt wor­den sei­en. Für die Über­nah­me der be­tref­fen­den Leis­tun­gen wer­de in­so­weit ver­langt, dass sie in ei­nem „ge­trenn­ten Un­ter­su­chungs­la­bor“ er­bracht würden. In Deutsch­land, aber auch in an­de­ren Mit­glied­staa­ten, führ­ten die Ärz­te der­ar­ti­ge Ana­ly­sen je­doch selbst durch.
Mit den in den lu­xem­bur­gi­schen Rechts­vor­schrif­ten vor­ge­se­he­nen Vor­aus­set­zun­gen für die Über­nah­me wer­de da­her ei­ne Un­ter­schei­dung da­nach ein­geführt, wie die Ge­sund­heits­ver­sor­gung in den Mit­glied­staa­ten or­ga­ni­siert sei. So könne ei­ne der lu­xem­bur­gi­schen So­zi­al­ver­si­che­rung an­ge­schlos­se­ne Per­son je nach­dem, in wel­chem Mit­glied­staat sie Leis­tun­gen der Ge­sund­heits­ver­sor­gung in An­spruch ge­nom­men ha­be, ei­ne Er­stat­tung er­hal­ten oder auch nicht. Als Bei­spiel führt die Kom­mis­si­on an, dass ei­ne der lu­xem­bur­gi­schen So­zi­al­ver­si­che­rung an­ge­schlos­se­ne Per­son, wenn sie sich nach Frank­reich oder Bel­gi­en be­ge­be, wo Ana­ly­sen ganz über­wie­gend in „ge­trenn­ten La­bo­ren“ durch­geführt würden, die Kos­ten er­stat­tet be­kom­me. Be­ge­be sie sich hin­ge­gen nach Deutsch­land, wie es bei ei­ner der bei ihr ein­ge­reich­ten Be­schwer­den der Fall ge­we­sen sei, wer­de kei­ne Er­stat­tung gewährt.
Der Ge­richts­hof ha­be ent­schie­den, dass die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewährung der Leis­tun­gen des Ver­si­che­rungs­mit­glied­staats auch Pa­ti­en­ten ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den könn­ten, die Leis­tun­gen der Ge­sund­heits­ver­sor­gung in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat er­hiel­ten, dass sie aber we­der dis­kri­mi­nie­rend sein noch die Freizügig­keit be­hin­dern dürf­ten. Die in den lu­xem­bur­gi­schen Rechts­vor­schrif­ten vor­ge­se­he­nen Vor­aus­set­zun­gen hin­gen aber un­mit­tel­bar da­mit zu­sam­men, wie die Mit­glied­staa­ten die Ge­sund­heits­ver­sor­gung or­ga­ni­sier­ten, so dass es den Pa­ti­en­ten tatsächlich unmöglich sei, in ir­gend­ei­ner Art und Wei­se dar­auf Ein­fluss zu neh­men, wie die be­tref­fen­den Leis­tun­gen er­bracht würden. An ei­ner Ana­ly­se hin­ge­gen ände­re sich in der Sa­che nichts, ob sie nun von ei­nem Arzt in sei­ner Pra­xis, in ei­nem Kran­ken­haus oder in ei­nem „ge­trenn­ten La­bor“ durch­geführt wer­de.
Art. 24 des Code de la sécu­rité so­cia­le und Art. 12 der Sat­zung hiel­ten da­mit im Er­geb­nis die der lu­xem­bur­gi­schen So­zi­al­ver­si­che­rung an­ge­schlos­se­nen Per­so­nen da­von ab, sich an Er­brin­ger me­di­zi­ni­scher Leis­tun­gen in an­de­ren Mit­glied­staa­ten als dem Großher­zog­tum Lu­xem­burg zu wen­den, und stell­ten folg­lich ei­ne Be­schränkung des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs dar, die nicht ge­recht­fer­tigt sei.
Was die Ge­fahr für das Sys­tem ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­run­gen an­geht, die dar­in be­ste­hen soll, dass die ver­trag­lich ge­bun­de­nen Leis­tungs­er­brin­ger kein In­ter­es­se mehr dar­an hätten, aus­ge­han­del­te Prei­se zu ak­zep­tie­ren, wenn die Leis­tun­gen un­abhängig da­von, ob die Leis­tungs­er­brin­ger ver­trag­lich ge­bun­den sei­en oder nicht, zum sel­ben Ta­rif er­stat­tet würden, macht die Kom­mis­si­on gel­tend, dass das Großher­zog­tum Lu­xem­burg kei­nen Be­leg hierfür vor­ge­legt ha­be. Zu­dem wir­ke sich das Sys­tem der un­mit­tel­ba­ren Über­nah­me durch die Kran­ken­kas­sen zu­guns­ten der ver­trag­lich ge­bun­de­nen Leis­tungs­er­brin­ger aus, da ver­trag­lich nicht ge­bun­de­ne Leis­tungs­er­brin­ger es ih­ren Pa­ti­en­ten je­den­falls nicht an­bie­ten könn­ten.
Zu den An­wei­sun­gen an die Kran­ken­kas­sen, die Kos­ten von außer­halb von Lu­xem­burg durch­geführ­ten bio­me­di­zi­ni­schen Ana­ly­sen zu über­neh­men, führt die Kom­mis­si­on aus, dass ei­ne bloße Ver­wal­tungs­pra­xis, die die Ver­wal­tung na­tur­gemäß be­lie­big ändern könne und die nur un­zu­rei­chend be­kannt sei, nicht als ei­ne rechts­wirk­sa­me Erfüllung der uni­ons­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen an­ge­se­hen wer­den könne.
Das Großher­zog­tum Lu­xem­burg ist der Auf­fas­sung, dass die Wei­ge­rung der Kran­ken­kas­sen, die Kos­ten von Ana­ly­sen zu über­neh­men, die in ei­nem La­bor in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat durch­geführt würden, nicht mit Art. 49 EG in Ein­klang ste­he.
Es gibt je­doch zu be­den­ken, dass die Mit­glied­staa­ten aus­sch­ließlich zuständig blie­ben für die Or­ga­ni­sa­ti­on, Fi­nan­zie­rung und Er­brin­gung von Leis­tun­gen der Ge­sund­heits­ver­sor­gung, und wirft die Fra­ge auf, ob die ih­nen auf­er­leg­te Pflicht zur Er­stat­tung der Kos­ten der be­tref­fen­den Leis­tun­gen, oh­ne dass sie ei­ne Vor­ab­kon­trol­le ausüben könn­ten, nicht ge­gen den in Art. 5 Abs. 3 EG nie­der­ge­leg­ten Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit ver­s­toße. Die­se Pflicht ver­s­toße ge­gen die Ho­heits­rech­te der Mit­glied­staa­ten in dem be­tref­fen­den Be­reich und zwin­ge das Großher­zog­tum Lu­xem­burg zu ei­ner ra­di­ka­len Ände­rung der Or­ga­ni­sa­ti­on sei­nes Ge­sund­heits­sys­tems.
Das Großher­zog­tum Lu­xem­burg macht fer­ner gel­tend, dass sein Ge­sund­heits­sys­tem auf den Grundsätzen der zwin­gen­den ver­trag­li­chen Bin­dung der Leis­tungs­er­brin­ger und der Bud­ge­tie­rung der Kran­kenhäuser be­ru­he. Die­ses Sys­tem tra­ge so­zi­al­po­li­ti­schen Erwägun­gen Rech­nung, in­dem es Bürgern mit be­schei­de­nen Mit­teln die­sel­ben Vor­tei­le gewähre wie sol­chen mit ho­hen Einkünf­ten. Es könne nur auf­recht­er­hal­ten wer­den, wenn vie­le So­zi­al­ver­si­cher­te es tatsächlich in An­spruch nähmen, und der Me­cha­nis­mus der un­mit­tel­ba­ren Über­nah­me durch die Kran­ken­kas­sen sei ein Mit­tel, um die­ses Er­geb­nis zu er­zie­len.
Würde es je­doch den wohl­ha­bends­ten So­zi­al­ver­si­cher­ten er­laubt, nach Be­lie­ben Leis­tun­gen der Ge­sund­heits­ver­sor­gung in den Mit­glied­staa­ten in der Nähe des Großher­zog­tums Lu­xem­burg in An­spruch zu neh­men, wäre die für das Funk­tio­nie­ren des lu­xem­bur­gi­schen Ge­sund­heits­sys­tems nöti­ge So­li­da­rität gefähr­det. Die in Lu­xem­burg ansässi­gen Er­brin­ger me­di­zi­ni­scher Leis­tun­gen würden es dem­ent­spre­chend ab­leh­nen, sich den An­for­de­run­gen zu un­ter­wer­fen, die sich aus dem Sys­tem ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­run­gen ergäben. Tatsächlich sei­en in den Ta­rif­ver­hand­lun­gen Gebühren­erhöhun­gen zu­ge­stan­den wor­den, um die ver­trag­li­che Bin­dung be­stimm­ter Leis­tungs­er­brin­ger auf­recht­zu­er­hal­ten.
Das Großher­zog­tum Lu­xem­burg führt gleich­wohl aus, dass es nicht be­ab­sich­ti­ge, sich der Ände­rung der in der Kla­ge der Kom­mis­si­on be­an­stan­de­ten Be­stim­mun­gen zu wi­der­set­zen. Ent­spre­chen­de Ände­run­gen würden im Rah­men ei­ner um­fas­sen­den Re­form des be­tref­fen­den Be­reichs vor­ge­nom­men; bis da­hin ha­be die In­spec­tion généra­le de la sécu­rité so­cia­le kla­re, ge­naue und zwin­gen­de An­wei­sun­gen ge­ge­ben, die die Kran­ken­kas­sen zur Er­stat­tung der in an­de­ren Mit­glied­staa­ten durch­geführ­ten La­bor­un­ter­su­chun­gen ver­pflich­te­ten und de­ren Nicht­be­fol­gung zur Aus­set­zung oder so­gar Auf­he­bung ei­ner an­ders­lau­ten­den Ent­schei­dung führe. Die Ein­hal­tung von Art. 49 EG sei dem­nach si­cher­ge­stellt.
Das Großher­zog­tum Lu­xem­burg be­an­tragt da­her, die Kla­ge der Kom­mis­si­on ab­zu­wei­sen.
Die Kom­mis­si­on wirft dem Großher­zog­tum Lu­xem­burg zum ei­nen vor, da­durch ge­gen sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus Art. 49 EG ver­s­toßen zu ha­ben, dass es im Rah­men sei­ner Vor­schrif­ten über die so­zia­le Si­cher­heit nicht die Möglich­keit der Über­nah­me von in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat durch­geführ­ten Ana­ly­sen und La­bor­un­ter­su­chun­gen im Sin­ne von Art. 24 des Code de la sécu­rité so­cia­le in Form der Er­stat­tung von Kos­ten, die den So­zi­al­ver­si­cher­ten für die­se Ana­ly­sen und Un­ter­su­chun­gen ent­stan­den sei­en, son­dern nur ei­ne un­mit­tel­ba­re Über­nah­me durch die Kran­ken­kas­sen vor­ge­se­hen ha­be. Zum an­de­ren rügt sie, dass das Großher­zog­tum Lu­xem­burg je­den­falls gemäß Art. 12 der Sat­zung die Er­stat­tung der Kos­ten von in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat durch­geführ­ten bio­me­di­zi­ni­schen Ana­ly­sen durch die Kran­ken­kas­sen da­von abhängig ma­che, dass al­le Vor­aus­set­zun­gen für die Durchführung erfüllt sei­en, die die in die­sem Ar­ti­kel erwähn­ten na­tio­na­len ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen vorsähen.
Zunächst ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass zwar fest­steht, dass das Uni­ons­recht die Zuständig­keit der Mit­glied­staa­ten für die Aus­ge­stal­tung ih­rer Sys­te­me der so­zia­len Si­cher­heit un­berührt lässt und dass in Er­man­ge­lung ei­ner Har­mo­ni­sie­rung auf der Ebe­ne der Eu­ropäischen Uni­on das Recht je­des Mit­glied­staats be­stimmt, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Leis­tun­gen der so­zia­len Si­cher­heit gewährt wer­den. Gleich­wohl müssen die Mit­glied­staa­ten bei der Ausübung die­ser Be­fug­nis das Uni­ons­recht be­ach­ten, ins­be­son­de­re die Be­stim­mun­gen über den frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehr (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 12. Ju­li 2001, Smits und Peer­booms, C‑157/99, Slg. 2001, I‑5473, Rand­nrn. 44 bis 46, vom 13. Mai 2003, Müller-Fauré und van Riet, C‑385/99, Slg. 2003, I‑4509, Rand­nr. 100, vom 16. Mai 2006, Watts, C‑372/04, Slg. 2006, I‑4325, Rand­nr. 92, und vom 5. Ok­to­ber 2010, El­chi­nov, C‑173/09, Slg. 2010, I‑0000, Rand­nr. 40).
In­so­weit verstößt je­de na­tio­na­le Re­ge­lung ge­gen Art. 49 EG, die die Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen zwi­schen Mit­glied­staa­ten ge­genüber der Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen in­ner­halb nur ei­nes Mit­glied­staats er­schwert (Ur­tei­le vom 28. April 1998, Kohll, C‑158/96, Slg. 1998, I‑1931, Rand­nr. 33, und vom 15. Ju­ni 2010, Kom­mis­si­on/Spa­ni­en, C‑211/08, Slg. 2010, I‑0000, Rand­nr. 55).
Nach ständi­ger Recht­spre­chung fal­len ent­gelt­li­che me­di­zi­ni­sche Leis­tun­gen in den An­wen­dungs­be­reich der Be­stim­mun­gen über den frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehr (vgl. u. a. Ur­tei­le Kohll, Rand­nr. 29, und El­chi­nov, Rand­nr. 36), oh­ne dass da­nach zu un­ter­schei­den wäre, ob die Ver­sor­gung in ei­nem Kran­ken­haus oder außer­halb ei­nes sol­chen er­bracht wird (Ur­tei­le vom 12. Ju­li 2001, Van­brae­kel u. a., C‑368/98, Slg. 2001, I‑5363, Rand­nr. 41, Müller-Fauré und van Riet, Rand­nr. 38, Watts, Rand­nr. 86, und vom 5. Ok­to­ber 2010, Kom­mis­si­on/Frank­reich, C‑512/08, Slg. 2010, I‑0000, Rand­nr. 30).
Der Ge­richts­hof hat außer­dem ent­schie­den, dass der freie Dienst­leis­tungs­ver­kehr die Frei­heit der Leis­tungs­empfänger, ins­be­son­de­re der Per­so­nen, die ei­ne me­di­zi­ni­sche Be­hand­lung benöti­gen, ein­sch­ließt, sich zur In­an­spruch­nah­me die­ser Dienst­leis­tun­gen in ei­nen an­de­ren Mit­glied­staat zu be­ge­ben (vgl. Ur­teil vom 31. Ja­nu­ar 1984, Lui­si und Car­bo­ne, 286/82 und 26/83, Slg. 1984, 377, Rand­nr. 16, so­wie Ur­tei­le Watts, Rand­nr. 87, El­chi­nov, Rand­nr. 37, und Kom­mis­si­on/Frank­reich, Rand­nr. 31).
Fer­ner schließt der Um­stand, dass ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung zum Be­reich der so­zia­len Si­cher­heit gehört und darüber hin­aus für die Kran­ken­ver­si­che­rung Sach­leis­tun­gen und kei­ne Er­stat­tung vor­sieht, me­di­zi­ni­sche Be­hand­lun­gen nicht vom Gel­tungs­be­reich die­ser Grund­frei­heit aus (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le Müller-Fauré und van Riet, Rand­nr. 103, Watts, Rand­nr. 89, und Kom­mis­si­on/Spa­ni­en, Rand­nr. 47).
So­weit die Kom­mis­si­on mit ih­rer Kla­ge ers­tens rügt, dass es kei­ne Möglich­keit der Über­nah­me von Ana­ly­sen und La­bor­un­ter­su­chun­gen im Sin­ne von Art. 24 des Code de la sécu­rité so­cia­le im We­ge ei­ner Er­stat­tung der für die­se Ana­ly­sen und Un­ter­su­chun­gen ent­stan­de­nen Kos­ten ge­be, ist zunächst fest­zu­stel­len, dass es da­bei nur um die Über­nah­me von Leis­tun­gen der Ge­sund­heits­ver­sor­gung geht, die von Er­brin­gern me­di­zi­ni­scher Leis­tun­gen durch­geführt wer­den, die kei­ne ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung mit den lu­xem­bur­gi­schen Kran­ken­kas­sen ge­schlos­sen ha­ben, da die Kos­ten von Leis­tun­gen der Ge­sund­heits­ver­sor­gung über das Sys­tem der un­mit­tel­ba­ren Über­nah­me durch die­se Kas­sen ab­ge­deckt wer­den, so­bald die be­tref­fen­den Leis­tun­gen von ei­nem ver­trag­lich ge­bun­de­nen Leis­tungs­er­brin­ger er­bracht wer­den.
Zwar hin­dern die na­tio­na­len Vor­schrif­ten über die so­zia­le Si­cher­heit die So­zi­al­ver­si­cher­ten nicht dar­an, sich an ei­nen Er­brin­ger me­di­zi­ni­scher Leis­tun­gen zu wen­den, der in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat als dem Großher­zog­tum Lu­xem­burg ansässig ist, doch las­sen sie nicht die Er­stat­tung der Kos­ten von durch ei­nen ver­trag­lich nicht ge­bun­de­nen Leis­tungs­er­brin­ger er­brach­te Leis­tun­gen der Ge­sund­heits­ver­sor­gung zu, ob­wohl die­se Er­stat­tung das ein­zi­ge Mit­tel für die Über­nah­me sol­cher Leis­tun­gen dar­stellt.
Da das lu­xem­bur­gi­sche So­zi­al­ver­si­che­rungs­sys­tem un­strei­tig auf ei­nem Sys­tem zwin­gen­der ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­run­gen be­ruht, han­delt es sich bei den Leis­tungs­er­brin­gern, die ei­ne ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung mit den lu­xem­bur­gi­schen Kran­ken­kas­sen ge­schlos­sen ha­ben, grundsätz­lich um sol­che, die im Großher­zog­tum Lu­xem­burg ansässig sind.
Tatsächlich könn­ten die Kran­ken­kas­sen ei­nes Mit­glied­staats zwar ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen mit Leis­tungs­er­brin­gern im Aus­land schließen. Je­doch dürf­te die Vor­stel­lung grundsätz­lich il­lu­so­risch sein, dass vie­le Leis­tungs­er­brin­ger in den an­de­ren Mit­glied­staa­ten ei­nen An­lass se­hen soll­ten, ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen mit den be­tref­fen­den Kran­ken­kas­sen zu schließen, da ih­re Aus­sich­ten, dass sich die­sen Kas­sen an­ge­schlos­se­ne Pa­ti­en­ten an sie wen­den, zu­falls­be­dingt und be­schränkt blei­ben (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Müller-Fauré und van Riet, Rand­nr. 43).
So­weit die An­wen­dung der in Re­de ste­hen­den lu­xem­bur­gi­schen Vor­schrif­ten die Möglich­keit der Über­nah­me von Ana­ly­sen und La­bor­un­ter­su­chun­gen im Sin­ne von Art. 24 des Code de la sécu­rité so­cia­le, die von den Er­brin­gern me­di­zi­ni­scher Leis­tun­gen durch­geführt wer­den, die in an­de­ren Mit­glied­staa­ten als dem Großher­zog­tum Lu­xem­burg ansässig sind, de fac­to na­he­zu oder so­gar vollständig aus­sch­ließt, hält sie folg­lich die der lu­xem­bur­gi­schen So­zi­al­ver­si­che­rung an­ge­schlos­se­nen Per­so­nen da­von ab, sich an sol­che Leis­tungs­er­brin­ger zu wen­den, oder hin­dert sie so­gar dar­an und stellt so­wohl für die be­tref­fen­den Per­so­nen als auch für die Leis­tungs­er­brin­ger ein Hin­der­nis für den frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehr dar.
Zu sei­ner Ver­tei­di­gung macht das Großher­zog­tum Lu­xem­burg gel­tend, dass sein So­zi­al­ver­si­che­rungs­sys­tem in Ge­fahr ge­rie­te, wenn die Ver­si­cher­ten nach Be­lie­ben Leis­tun­gen der Ge­sund­heits­ver­sor­gung in an­de­ren Mit­glied­staa­ten in An­spruch neh­men könn­ten, weil sich dann ei­ne un­zu­rei­chen­de Zahl die­ser Ver­si­cher­ten an die Er­brin­ger me­di­zi­ni­scher Leis­tun­gen in Lu­xem­burg wen­den würde und Letz­te­re es ab­leh­nen würden, sich den An­for­de­run­gen zu un­ter­wer­fen, die sich aus dem Sys­tem ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­run­gen ergäben.
Der Ge­richts­hof hat in­so­weit zum ei­nen an­er­kannt, dass das Ziel, ei­ne aus­ge­wo­ge­ne, al­len zugäng­li­che ärzt­li­che und kli­ni­sche Ver­sor­gung auf­recht­zu­er­hal­ten, zu den Aus­nah­men aus Gründen der öffent­li­chen Ge­sund­heit nach Art. 46 EG zählen kann, so­weit die­ses Ziel zur Er­rei­chung ei­nes ho­hen Ni­veaus des Ge­sund­heits­schut­zes beiträgt (Ur­tei­le Kohll, Rand­nr. 50, Müller-Fauré und van Riet, Rand­nrn. 67 und 71, und Watts, Rand­nr. 104), und zum an­de­ren, dass ei­ne er­heb­li­che Gefähr­dung des fi­nan­zi­el­len Gleich­ge­wichts des Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit ei­nen zwin­gen­den Grund des All­ge­mein­in­ter­es­ses dar­stel­len kann, der ei­ne Be­schränkung des Grund­sat­zes des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs zu recht­fer­ti­gen ver­mag (Ur­tei­le Kohll, Rand­nrn. 41, Müller-Fauré und van Riet, Rand­nr. 73, Watts, Rand­nr. 103, und El­chi­nov, Rand­nr. 42).
Das Großher­zog­tum Lu­xem­burg hat je­doch we­der dar­ge­tan, dass ei­ne sol­che Gefähr­dung be­steht, noch erläutert, war­um die Nicht­er­stat­tung der Kos­ten von Ana­ly­sen und La­bor­un­ter­su­chun­gen, die von in an­de­ren Mit­glied­staa­ten ansässi­gen Er­brin­gern me­di­zi­ni­scher Leis­tun­gen durch­geführt wer­den, si­cher­stel­len können soll, dass das Ziel des Schut­zes der öffent­li­chen Ge­sund­heit er­reicht wird, und nicht über das hin­aus­geht, was hier­zu ob­jek­tiv er­for­der­lich ist.
Außer­dem hat der Ge­richts­hof zu dem Vor­brin­gen, dass die Mit­glied­staa­ten ge­zwun­gen wären, die Grundsätze und die Struk­tur ih­res Kran­ken­ver­si­che­rungs­sys­tems auf­zu­ge­ben, und dass so­wohl ih­re Frei­heit, ein Sys­tem der so­zia­len Si­cher­heit ih­rer Wahl zu er­rich­ten, als auch das Funk­tio­nie­ren die­ses Sys­tems be­ein­träch­tigt würden, ins­be­son­de­re, wenn sie bei ih­rer Or­ga­ni­sa­ti­on des Zu­gangs zur Ge­sund­heits­ver­sor­gung Me­cha­nis­men zur Er­stat­tung der Kos­ten für in an­de­ren Mit­glied­staa­ten er­brach­te Leis­tun­gen der Ge­sund­heits­ver­sor­gung einführen müss­ten, in Rand­nr. 102 des Ur­teils Müller‑Fauré und van Riet ent­schie­den, dass die Ver­wirk­li­chung der durch den EG‑Ver­trag ga­ran­tier­ten Grund­frei­hei­ten die Mit­glied­staa­ten un­ver­meid­lich ver­pflich­tet, ei­ni­ge An­pas­sun­gen in ih­ren na­tio­na­len Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit vor­zu­neh­men, oh­ne dass dies als Ein­griff in ih­re sou­veräne Zuständig­keit in dem be­tref­fen­den Be­reich an­ge­se­hen wer­den könn­te.
Zu­dem müssen be­reits im Rah­men der Durchführung der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 1408/71 des Ra­tes vom 14. Ju­ni 1971 zur An­wen­dung der Sys­te­me der so­zia­len Si­cher­heit auf Ar­beit­neh­mer und de­ren Fa­mi­li­en, die in­ner­halb der Ge­mein­schaft zu- und ab­wan­dern (ABl. L 149, S. 2), die­je­ni­gen Mit­glied­staa­ten, die ein Sach­leis­tungs­sys­tem oder so­gar ei­nen na­tio­na­len Ge­sund­heits­dienst er­rich­tet ha­ben, Me­cha­nis­men der nachträgli­chen Er­stat­tung der Kos­ten für ei­ne in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat als dem zuständi­gen durch­geführ­te Be­hand­lung vor­se­hen (Ur­teil Müller‑Fauré und van Riet, Rand­nr. 105). In­so­weit ist der zuständi­ge Mit­glied­staat, der über ein Sach­leis­tungs­sys­tem verfügt, durch nichts dar­an ge­hin­dert, die Er­stat­tungs­beträge fest­zu­set­zen, auf die die Pa­ti­en­ten, die in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat ver­sorgt wur­den, An­spruch ha­ben, so­weit die­se Beträge auf ob­jek­ti­ven, nicht­dis­kri­mi­nie­ren­den und trans­pa­ren­ten Kri­te­ri­en be­ru­hen (Ur­teil Müller‑Fauré und van Riet, Rand­nr. 107).
Was schließlich die von der In­spec­tion généra­le de la sécu­rité so­cia­le aus­ge­ge­be­nen An­wei­sun­gen an­geht, die das Großher­zog­tum Lu­xem­burg anführt, um dar­zu­tun, dass die be­haup­te­te Ver­trags­ver­let­zung nicht vor­lie­ge, genügt der Hin­weis, dass ei­ne sich aus der An­wen­dung sol­cher An­wei­sun­gen er­ge­ben­de bloße Ver­wal­tungs­pra­xis, die die Ver­wal­tung na­tur­gemäß be­lie­big ändern kann und die nur un­zu­rei­chend be­kannt ist, nicht als rechts­wirk­sa­me Erfüllung der Ver­pflich­tun­gen aus dem Ver­trag an­ge­se­hen wer­den kann (vgl. u. a. Ur­teil vom 13. De­zem­ber 2007, Kom­mis­si­on/Ita­li­en, C‑465/05, Slg. 2007, I‑11091, Rand­nr. 65).
Folg­lich ist fest­zu­stel­len, dass das Großher­zog­tum Lu­xem­burg da­durch ge­gen sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus Art. 49 EG ver­s­toßen hat, dass es im Rah­men sei­ner Vor­schrif­ten über die so­zia­le Si­cher­heit nicht die Möglich­keit der Über­nah­me der Kos­ten von in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat durch­geführ­ten Ana­ly­sen und La­bor­un­ter­su­chun­gen im Sin­ne von Art. 24 des Code de la sécu­rité so­cia­le im We­ge ei­ner Er­stat­tung der für die­se Ana­ly­sen und Un­ter­su­chun­gen ent­stan­de­nen Kos­ten, son­dern nur ein Sys­tem der un­mit­tel­ba­ren Über­nah­me durch die Kran­ken­kas­sen vor­ge­se­hen hat.
So­weit sich die Kla­ge der Kom­mis­si­on zwei­tens auf Art. 12 der Sat­zung be­zieht, ist zunächst dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es im Rah­men ei­nes Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­rens nach Art. 226 EG der Kom­mis­si­on ob­liegt, das Vor­lie­gen der be­haup­te­ten Ver­trags­ver­let­zung nach­zu­wei­sen, in­dem sie dem Ge­richts­hof die er­for­der­li­chen An­halts­punk­te lie­fert, an­hand de­ren er das Vor­lie­gen der Ver­trags­ver­let­zung prüfen kann (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 29. April 2010, Kom­mis­si­on/Deutsch­land, C‑160/08, Slg. 2010, I‑0000, Rand­nr. 116, und Kom­mis­si­on/Frank­reich, Rand­nr. 56).
Außer­dem er­gibt sich aus Art. 38 § 1 Buchst. c der Ver­fah­rens­ord­nung des Ge­richts­hofs und der ein­schlägi­gen Recht­spre­chung, dass die Kla­ge­schrift den Streit­ge­gen­stand an­ge­ben und ei­ne kur­ze Dar­stel­lung der Kla­ge­gründe ent­hal­ten muss und dass die­se An­ga­ben so klar und deut­lich sein müssen, dass sie dem Be­klag­ten die Vor­be­rei­tung sei­nes Ver­tei­di­gungs­vor­brin­gens und dem Ge­richts­hof die Wahr­neh­mung sei­ner Kon­troll­auf­ga­be ermögli­chen. Folg­lich müssen sich die we­sent­li­chen tatsächli­chen und recht­li­chen Umstände, auf die ei­ne Kla­ge gestützt wird, zu­sam­menhängend und verständ­lich un­mit­tel­bar aus der Kla­ge­schrift er­ge­ben, und die Anträge der Kla­ge­schrift müssen ein­deu­tig for­mu­liert sein, da­mit der Ge­richts­hof nicht ul­tra pe­ti­ta ent­schei­det oder ei­ne Rüge über­geht (vgl. Ur­teil vom 21. Fe­bru­ar 2008, Kom­mis­si­on/Ita­li­en, C‑412/04, Slg. 2008, I‑619, Rand­nr. 103, so­wie Ur­tei­le Kom­mis­si­on/Spa­ni­en, Rand­nr. 32, und vom 28. Ok­to­ber 2010, Kom­mis­si­on/Mal­ta, C‑508/08, Slg. 2010, I‑0000, Rand­nr. 16).
Zum ei­nen ist fest­zu­stel­len, dass die Kom­mis­si­on in Be­zug auf Art. 12 der Sat­zung dem Großher­zog­tum Lu­xem­burg vor­wirft, die Er­stat­tung der Kos­ten für in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat durch­geführ­te bio­me­di­zi­ni­sche Ana­ly­sen von der Erfüllung sämt­li­cher Vor­aus­set­zun­gen abhängig zu ma­chen, die in sei­nen ein­schlägi­gen na­tio­na­len Re­ge­lun­gen vor­ge­se­hen sei­en. Sie macht fer­ner gel­tend, dass die­se Vor­aus­set­zun­gen „of­fen­sicht­lich un­verhält­nismäßig“ sei­en.
Wie die Kom­mis­si­on in ih­rer Kla­ge­schrift selbst be­merkt hat, hat der Ge­richts­hof hier­zu ent­schie­den, dass die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewährung von Leis­tun­gen der so­zia­len Si­cher­heit, für de­ren Fest­le­gung die Mit­glied­staa­ten eben­so zuständig sind wie für die Be­stim­mung des Um­fangs der von der So­zi­al­ver­si­che­rung ga­ran­tier­ten De­ckung, dem Ver­si­cher­ten bei ei­ner Ver­sor­gung in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat als dem der Ver­si­che­rungs­zu­gehörig­keit ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den können, so­weit sie we­der dis­kri­mi­nie­rend sind noch die Freizügig­keit be­hin­dern (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Müller-Fauré und van Riet, Rand­nr. 106).
Ab­ge­se­hen von dem Er­for­der­nis, das die Kom­mis­si­on so­wohl im Mahn­schrei­ben als auch in der mit Gründen ver­se­he­nen Stel­lung­nah­me an­geführt hat und wo­nach „bio­me­di­zi­ni­sche Ana­ly­sen“ von ei­nem „ge­trenn­ten La­bor“ durch­geführt wer­den müssen, hat die Kom­mis­si­on je­doch in ih­ren Schriftsätzen nicht an­ge­ge­ben, um wel­che Vor­aus­set­zun­gen es sich han­delt. Sie hat auch nicht erläutert, in wel­chen Be­stim­mun­gen des lu­xem­bur­gi­schen Rechts sie im Ein­zel­nen vor­ge­se­hen sei­en.
Dem­nach hat die Kom­mis­si­on dem Ge­richts­hof nicht die er­for­der­li­chen An­halts­punk­te ge­lie­fert, an­hand de­ren er die Un­ver­ein­bar­keit der be­tref­fen­den Vor­aus­set­zun­gen mit Art. 49 EG prüfen kann.
Was zum an­de­ren das in Rand­nr. 53 des vor­lie­gen­den Ur­teils erwähn­te Er­for­der­nis an­geht, hat die Kom­mis­si­on we­der die Be­stim­mung des lu­xem­bur­gi­schen Rechts be­nannt, in der es vor­ge­se­hen ist, noch klar und deut­lich fest­ge­stellt, wel­che ge­naue Be­deu­tung die­ses Er­for­der­nis hat und auf wel­che me­di­zi­ni­schen Leis­tun­gen es an­wend­bar ist.
In die­ser Hin­sicht ha­ben we­der die Ausführun­gen zu der bei der Kom­mis­si­on ein­ge­reich­ten Be­schwer­de noch ih­re An­ga­ben in der münd­li­chen Ver­hand­lung die Aufklärung die­ser As­pek­te ermöglicht.
Die Kom­mis­si­on hat hier­zu in der münd­li­chen Ver­hand­lung gel­tend ge­macht, dass sie in Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren nicht über Un­ter­su­chungs­be­fug­nis­se verfüge und für die Er­mitt­lung des Sach­ver­halts auf die Ant­wor­ten und die Zu­sam­men­ar­beit der Mit­glied­staa­ten an­ge­wie­sen sei.
Die­ser Um­stand al­lein recht­fer­tigt es je­doch nicht, dass sich die Kom­mis­si­on ih­ren in den Rand­nrn. 49 und 50 des vor­lie­gen­den Ur­teils erwähn­ten Pflich­ten ent­zieht.
Der Ge­richts­hof hat zwar ent­schie­den, dass nach Art. 10 EG die Mit­glied­staa­ten nach Treu und Glau­ben an den Un­ter­su­chun­gen der Kom­mis­si­on im Rah­men von Art. 226 EG mit­wir­ken müssen und ihr al­le zu die­sem Zweck an­ge­for­der­ten Auskünf­te zu er­tei­len ha­ben (vgl. Ur­tei­le vom 13. Ju­li 2004, Kom­mis­si­on/Ita­li­en, C‑82/03, Slg. 2004, I‑6635, Rand­nr. 15, und vom 4. März 2010, Kom­mis­si­on/Ir­land, C‑221/08, Slg. 2010, I‑0000, Rand­nr. 60).
Aus den Ak­ten, die dem Ge­richts­hof vor­lie­gen, geht je­doch we­der her­vor, dass die Kom­mis­si­on das Großher­zog­tum Lu­xem­burg auf­ge­for­dert hätte, ihr die an­wend­ba­ren Vor­schrif­ten zu über­mit­teln, noch, dass sie ihm vor­ge­wor­fen hätte, ge­gen sei­ne Pflich­ten aus Art. 10 EG ver­s­toßen zu ha­ben.
Sch­ließlich hat die Kom­mis­si­on auch nicht dar­ge­tan, in­wie­fern das in Rand­nr. 53 des vor­lie­gen­den Ur­teils erwähn­te Er­for­der­nis den frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehr be­schränkt, son­dern le­dig­lich auf die man­gels Har­mo­ni­sie­rung auf der Ebe­ne des Uni­ons­rechts ver­blei­ben­den Un­ter­schie­de zwi­schen den na­tio­na­len Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit ver­wie­sen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 15. Ja­nu­ar 1986, Pin­na, 41/84, Slg. 1986, 1, Rand­nr. 20, und Kom­mis­si­on/Spa­ni­en, Rand­nr. 61).
Die Kom­mis­si­on hat so­mit nicht nach­ge­wie­sen, dass das Großher­zog­tum Lu­xem­burg da­durch ge­gen sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus Art. 49 EG ver­s­toßen hat, dass es Art. 12 der Sat­zung, wo­nach die Über­nah­me von Dienst­leis­tun­gen und Lie­fe­run­gen im Ge­sund­heits­we­sen durch die Kran­ken­kas­sen da­von abhängt, dass al­le Vor­aus­set­zun­gen für die Durchführung erfüllt sind, die die in die­sem Ar­ti­kel erwähn­ten na­tio­na­len ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen vor­se­hen, in Kraft ge­las­sen hat.
Nach al­le­dem ist die Kla­ge der Kom­mis­si­on ab­zu­wei­sen, so­weit sie Art. 12 der Sat­zung be­trifft.
Nach Art. 69 § 3 Abs. 1 der Ver­fah­rens­ord­nung kann der Ge­richts­hof die Kos­ten tei­len oder be­sch­ließen, dass je­de Par­tei ih­re ei­ge­nen Kos­ten trägt, wenn je­de Par­tei teils ob­siegt, teils un­ter­liegt. Da im vor­lie­gen­den Fall die Par­tei­en teils ob­siegt ha­ben und teils un­ter­le­gen sind, sind je­der Par­tei ih­re ei­ge­nen Kos­ten auf­zu­er­le­gen.
Aus die­sen Gründen hat der Ge­richts­hof (Zwei­te Kam­mer) für Recht er­kannt und ent­schie­den:
1. Das Großher­zog­tum Lu­xem­burg hat da­durch ge­gen sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus Art. 49 EG ver­s­toßen, dass es im Rah­men sei­ner Vor­schrif­ten über die so­zia­le Si­cher­heit nicht die Möglich­keit der Über­nah­me der Kos­ten für in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat durch­geführ­te Ana­ly­sen und La­bor­un­ter­su­chun­gen im Sin­ne von Art. 24 des lu­xem­bur­gi­schen Code de la sécu­rité so­cia­le in sei­ner auf den Rechts­streit an­wend­ba­ren Fas­sung im We­ge ei­ner Er­stat­tung der für die­se Ana­ly­sen und Un­ter­su­chun­gen ent­stan­de­nen Kos­ten, son­dern nur ein Sys­tem der un­mit­tel­ba­ren Über­nah­me durch die Kran­ken­kas­sen vor­ge­se­hen hat.
3. Die Eu­ropäische Kom­mis­si­on und das Großher­zog­tum Lu­xem­burg tra­gen ih­re ei­ge­nen Kos­ten.
* Ver­fah­rens­spra­che: Französisch. Quel­le: Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on (EuGH), http://cu­ria.eu­ro­pa.eu	m.hensche.de
zur Übersicht C-490/09 Kontakt