Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Diskriminierung_Religion_Diakonie_Arbeitsgericht_Berlin_54Ca6322-13.html
Timestamp: 2017-10-22 19:02:53
Document Index: 103093799

Matched Legal Cases: ['§ 15', 'Art. 9', '§ 2', '§ 2', 'EuG', '§ 3', '§ 3', '§ 9', '§ 9', 'EuG', '§ 3', '§ 9', 'Art. 140', 'Art 137', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 253', '§ 253', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 7', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 61', '§ 15', '§ 7', '§ 15', '§ 15', '§ 3', '§ 1', '§ 11', '§ 7', '§ 7', '§ 1', '§ 7', '§ 15', '§ 15', '§ 6', '§ 6', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 5', 'Art 4', '§ 9', '§ 9', '§ 7', '§ 9', '§ 9', 'Art. 137', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 12', '§ 92', '§ 39', '§ 2']

HENSCHE Arbeitsrecht: 54 Ca 6322/13
Schlag­worte: Diskriminierung: Religion
Akten­zeichen: 54 Ca 6322/13
hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin, 54. Kam­mer, auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 18.12.2013
durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt Sch. als Vor­sit­zen­der
so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Frau V. und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Frau Dr. D.
Der Be­klag­te hat an die Kläge­rin € 1957,73 (ein­tau­send­neun­hun­dert­sie­ben­undfünf­zig 73/100) zu zah­len.
Die Kos­ten des Ver­fah­rens trägt der Be­klag­te.
Der Streit­wert wird auf 9.788,65 € fest­ge­setzt.
Die Par­tei­en strei­ten über ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch der Kläge­rin nach § 15 AGG we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot.
Der Be­klag­te ist ein im Ok­to­ber 2012 ge­gründe­tes Werk der evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land, das durch Zu­sam­men­schluss des Dia­ko­ni­schen Wer­kes mit Brot für die Welt und des Evan­ge­li­schen Ent­wick­lungs­diens­tes ent­stan­den ist. Grund­la­ge sei­ner Tätig­keit ist die Sat­zung vom 14. Ju­ni 2012 (Bl. 140-160 d.A.).
Zu­dem re­gelt die Richt­li­nie des Ra­tes der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land nach Art. 9 Buchst. B Grund­ord­nung über die An­for­de­run­gen der pri­vat­recht­li­chen be­ruf­li­chen Mit­ar­beit in der evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land und des Dia­ko­ni­schen Wer­kes vom 01. Ju­li 2005 die An­for­de­run­gen an die in pri­vat­recht­li­chen Dienst- und Ar­beits­verhält­nis­sen beschäftig­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter (Bl. 161-179 d.A.).
§§ 2, 3 der Richt­li­nie be­stim­men:
1. Der Dienst der Kir­che ist durch den Auf­trag be­stimmt, das Evan­ge­li­um in Wort und Tat zu be­zeu­gen. Al­le Frau­en und Männer, die in An­stel­lungs­verhält­nis­sen in Kir­che und Dia­ko­nie tätig sind, tra­gen in un­ter­schied­li­cher Wei­se da­zu bei, dass die­ser Auf­trag erfüllt wer­den kann. Die­ser Auf­trag ist die Grund­la­ge der Rech­te und Pflich­ten von An­stel­lungs­trägern so­wie Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern.
1. Die be­ruf­li­che Mit­ar­beit in der Evan­ge­li­schen Kir­che und ih­rer Dia­ko­nie setzt grundsätz­lich die Zu­gehörig­keit zu ei­ner Glied­kir­che der Evan­ge­li­schen Kir­che vor­aus, mit der die evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land in Kir­chen­ge­mein­schaft ver­bun­den ist.
2. Für Auf­ga­ben, die nicht der Verkündi­gung, Seel­sor­ge, Un­ter­wei­sung oder Leis­tung zu­zu­ord­nen sind, kann von Ab­satz 1 ab­ge­wi­chen wer­den, wenn an­de­re ge­eig­ne­te Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter nicht zu ge­win­nen sind. In die­sem Fall können auch Per­so­nen ein­ge­stellt wer­den, die ei­ner an­de­ren Mit­glieds­kir­che der Ar­beits­ge­mein­schaft christ­li­cher Kir­chen in Deutsch­land oder der Ver­ei­ni­gung Evan­ge­li­scher Frei­kir­chen­an­gehören sol­len. Die Ein­stel­lung von Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zun­gen des Ab­sat­zes 1 nicht erfüllen, muss im Ein­zel­fall un­ter Be­ach­tung der Größe der Dienst­stel­le oder Ein­rich­tung und ih­rer sons­ti­gen Mit­ar­bei­ter­schaft so­wie der wahr­zu­neh­men­den Auf­ga­ben und des je­wei­li­gen Um­fel­des ge­prüft wer­den. § 2 Ab­satz 1 Satz 2 bleibt un­berührt.
Fer­ner gilt bei dem Be­klag­ten die Dienst­ver­trags­ord­nung der EKD vom 10.07.2008 (im Fol­gen­den DVO-EKD - Bl. 164-179 d.A.), die die all­ge­mei­nen Ar­beits­be­din­gun­gen der pri­vat­recht­lich beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter der EKD, der Haupt­geschäfts­stel­le des Dia­ko­ni­schen Wer­kes und wei­te­rer Wer­ke und Ein­rich­tun­gen re­gelt.
Ei­ne von der Dia­ko­nie er­stell­te Mit­ar­bei­ten­den­sta­tis­tik zum 01.09.2008 weist ei­nen An­teil von 53 % der Mit­ar­bei­ter als Mit­glied ei­ner evan­ge­li­schen Kir­che, 28,5 % als Mit­glie­der der römisch-ka­tho­li­schen Kir­che, hin­ge­gen aber 16,5 % oh­ne Glau­bens­be­kennt­nis aus. In Ber­lin sind al­lein 46,6 % und in Bran­den­burg so­gar 67,2 % der Mit­ar­bei­ter der Dia­ko­nie oh­ne Glau­bens­be­kennt­nis aus­ge­wie­sen (Bl. 283-288 d.A.).
Der Be­klag­te hat am 25. No­vem­ber 2012 die Stel­le ei­nes Re­fe­ren­ten/ei­ner Re­fe­ren­tin (60%) be­fris­tet auf zwei Jah­re aus­ge­schrie­ben (Bl. 21 d.A.). Ge­gen­stand der Tätig­keit soll­te ein un­abhängi­ger Be­richt zur Um­set­zung der An­ti­ras­sis­mus­kon­ven­ti­on durch Deutsch­land als zusätz­li­che Grund­la­ge für die Ver­ein­ten Na­tio­nen für ih­ren Ab­sch­ließen­den Be­mer­kun­gen zum deut­schen Staa­ten­be­richt sein. Die Vergütung soll­te in An­leh­nung an die Grup­pe E 13 TVöD nach der Dienst­ver­trags­ord­nung der evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land er­fol­gen (DVO.EKD)
Die An­for­de­run­gen an die zu be­set­zen­de Stel­le wur­den wie folgt de­fi­niert:
Be­glei­tung des Pro­zes­ses zur Staa­ten­be­richt­er­stat­tung 2012 bis 2014
Or­ga­ni­sa­ti­on, Ver­wal­tung und Sach­be­richt­er­stat­tung zum Ar­beits­be­reich
Ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten oder ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on
Fun­dier­te Kennt­nis­se im Völker­recht und der An­ti­ras­sis­mus­ar­beit
Gu­te Kennt­nis­se und Er­fah­run­gen in der Be­wirt­schaf­tung von Pro­jekt­mit­teln
Sehr gu­te Eng­lisch­kennt­nis­se
Ana­ly­sefähig­keit, Lern­be­reit­schaft, Initia­ti­ve, Be­last­bar­keit
Be­reit­schaft zur Über­nah­me von Ver­ant­wor­tung
Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Teamfähig­keit
Be­reit­schaft zu häufi­gen Dienst­rei­sen
Die Kläge­rin hat sich auf die­se Stel­le mit Schrei­ben 29.11.2012 ein­sch­ließlich Le­bens­lauf in­ner­halb der Be­wer­bungs­frist be­wor­ben. Die Kläge­rin verfügt über ein ab­ge­schlos­se­nes Fach­hoch­schul­stu­di­um der So­zi­alpädago­gik. Ei­nen Hin­weis auf die Zu­gehörig­keit zu
ir­gend­ei­ner Kon­fes­si­on oder auf das Feh­len ei­ner Kon­fes­si­on enthält das Be­wer­bungs­schrei­ben nicht (Bl. 22-23, 24-32 d.A.). Die Be­klag­te hat die Kon­fes­si­ons­zu­gehörig­keit der Kläge­rin zu kei­ner Zeit nach­ge­fragt.
Auf die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le ha­ben sich ne­ben der Kläge­rin wei­te­re 37 Per­so­nen be­wor­ben, von de­nen vier zum Vor­stel­lungs­gespräch am 22.01.2013 ein­ge­la­den wur­den. Die Kläge­rin wur­de nicht zu ei­nem Vor­stel­lungs­gespräch ein­ge­la­den.
Aus­gewählt wur­de in der Fol­ge Herr J. K. A. deutsch-gha­nai­scher Her­kunft. Der Be­wer­ber hat im Fe­bru­ar 2008 sein po­li­tik­wis­sen­schaft­li­ches Stu­di­um an der Frei­en Uni­ver­sität mit ei­ner eng­lisch­spra­chi­gen Di­plom­ar­beit und sehr gu­ten No­ten ab­ge­schlos­sen. Seit Fe­bru­ar 2008 ar­bei­tet er an der Uni­ver­sität B. an ei­ner Pro­mo­ti­on mit in­ter­na­tio­na­lem Be­zug (Bl.182-190 d.A.). In Be­zug auf sei­ne Kon­fes­si­ons­zu­gehörig­keit hat er sich in sei­ner Be­wer­bung „als in der Ber­li­ner Lan­des­kir­che so­zia­li­sier­ten evan­ge­li­schen Chris­ten“ be­zeich­net. Brei­ten Raum nimmt in sei­ner Be­wer­bung ei­ne Lis­te von Pu­bli­ka­tio­nen und For­schungs­ar­bei­ten ein (Bl. 185-186 d.A.).
Nach­dem die Kläge­rin am 23.01.2013 er­fah­ren hat­te, dass sie für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le nicht berück­sich­tigt wor­den ist, hat sie durch Schrei­ben ih­res Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten 25.02.2013 ge­genüber der Be­klag­ten Entschädi­gungs- und Scha­den­er­satz­ansprüche gel­tend ma­chen las­sen (Bl. 33, 34 d.A.).
Der Be­klag­te ließ sei­ner­seits durch sei­ne da­ma­li­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten mit­tei­len, auf­grund wel­cher Umstände der be­vor­zug­te Be­wer­ber für die Be­set­zung der Stel­le aus­gewählt wor­den ist. Er ver­wies dar­auf, dass der ein­ge­stell­te Be­wer­ber über „ei­ne weit­aus höhe­res Maß an wis­sen­schaft­li­cher Qua­li­fi­ka­ti­on und Er­fah­rung“ verfüge (Bl. 35, 36 d.A.).
Mit der am 30.04.2013 beim ArbG Ber­lin ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge for­dert die Kläge­rin ei­ne Entschädi­gung. Sie sei we­gen ih­rer Re­li­gi­on we­ni­ger güns­tig be­han­delt wor­den als an­de­re ver­gleich­ba­re Be­wer­ber. Es be­ste­he die Ver­mu­tung, dass sie we­gen ih­rer Kon­fes­si­ons­lo­sig­keit die Stel­le nicht er­hal­ten ha­be. Die Berück­sich­ti­gung der Re­li­gi­on im Be­wer­bungs­ver­fah­ren sei nicht ge­recht­fer­tigt und rechts­wid­rig ge­we­sen.
Die Kläge­rin erfülle die Vor­aus­set­zun­gen der Aus­schrei­bung. Der be­vor­zug­te Be­wer­ber verfüge wie die Kläge­rin nicht über ein Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten.
Sie be­strei­tet, dass der be­vor­zug­te Be­wer­ber und die zum Vor­stel­lungs­gespräch ein­ge­la­de­nen Be­wer­ber die An­for­de­run­gen an die Aus­schrei­bung erfüll­ten so­wie die Ausführun­gen des Be­klag­ten zu den Mit­be­wer­bern und dem Prüfver­fah­ren. Er­fah­run­gen des be­vor­zug­ten Be­wer­bers mit an­ti­ras­sis­ti­scher Ar­beit wer­den eben­falls be­strit­ten. Im Un­ter­schied da­zu ver­weist die Kläge­rin auf ih­re dies­bezügli­chen prak­ti­schen Er­fah­run­gen
und von ihr ge­fer­tig­te Veröffent­li­chun­gen. Der Kläge­rin sei man­gels Vor­stel­lungs­gesprächs die Möglich­keit der Dar­stel­lung die­ser Ar­bei­ten ver­sagt ge­blie­ben.
Die Kläge­rin sei an­ge­sichts ih­rer be­ruf­li­chen Er­fah­run­gen au­gen­schein­lich qua­li­fi­ziert. So sei sie als po­li­ti­sche Re­fe­ren­tin beim Bun­des­vor­stand des DGB beschäftigt ge­we­sen. Zu­dem sei­en die tatsächli­chen be­ruf­li­chen Er­fah­run­gen und Qua­li­fi­ka­tio­nen mit ein­zu­be­zie­hen. Für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le sei ein „pas­sen­des“ Stu­di­um nicht vor­han­den. Dies gel­te glei­cher­maßen für das Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten wie für das Stu­di­um des be­vor­zug­ten Be­wer­bers in Po­li­tik­wis­sen­schaf­ten und das Stu­di­um der Kläge­rin im Be­reich So­zi­alpädago­gik. Die in der Aus­schrei­bung ge­for­der­te ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on könne auch durch Be­rufs­er­fah­run­gen er­wor­ben wer­den. Die Kläge­rin ha­be auf­grund ih­rer prak­ti­schen Ar­beit im Un­ter­schied zum aus­gewähl­ten Be­wer­ber um­fas­sen­de Kennt­nis­se des in­ter­na­tio­na­len Rechts. Ei­ne Eig­nung sei nicht be­reits da­durch aus­ge­schlos­sen, dass der Stel­len­be­wer­ber nicht al­le An­for­de­run­gen an die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le erfülle, son­dern nur, wenn ihm die Min­dest­an­for­de­run­gen dafür fehl­ten. Das Kri­te­ri­um „ver­gleich­ba­re Si­tua­ti­on“ sei ein eu­ro­pa­recht­li­ches Kri­te­ri­um und bedürfe der Aus­le­gung durch den EuGH.
Die Kläge­rin sei zu­min­dest mit al­len Be­wer­bern zu ver­glei­chen, die durch die Ein­la­dung zum Vor­stel­lungs­gespräch ei­ne güns­ti­ge­re Be­hand­lung er­fah­ren hätten. Der Ver­gleich mit dem ein­ge­stell­ten Be­wer­ber sei nur re­le­vant, wenn es um die Fra­ge ge­he, ob die Kläge­rin oh­ne die Be­nach­tei­li­gung die Stel­le er­hal­ten hätte. Wenn die Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit ein Fak­tor in ei­nem Mo­tivbündel von meh­re­ren Fak­to­ren sei, sei be­reits ob­jek­tiv vom Vor­lie­gen ei­ner Be­nach­tei­li­gung aus­zu­ge­hen. Ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung sei nicht da­durch aus­ge­schlos­sen, dass es wei­te­re Zulässi­ge Gründe für die Be­nach­tei­li­gung ge­be. Die Kir­chen­mit­glied­schaft sei of­fi­zi­el­les Ein­stel­lungs­kri­te­ri­um ge­we­sen.
Die Chan­cen der Kläge­rin sei­en be­reits durch die For­de­rung in der Aus­schrei­bung nach der evan­ge­li­schen Kon­fes­si­on im Aus­wahl­ver­fah­ren mit­be­ein­flusst wor­den. Mit der Aus­schrei­bung ha­be der Be­klag­te mit­ge­teilt, dass er nach der Re­li­gi­on zu dif­fe­ren­zie­ren be­ab­sich­ti­ge. Be­reits die Fra­ge nach der Re­li­gi­on stel­le ei­nen er­heb­li­chen Ein­griff in das Persönlich­keits­recht dar. Zu­dem stünden der Hin­weis in der Aus­schrei­bung, wo­nach die Ein­stel­lung „un­ge­ach­tet ih­rer Her­kunft“ er­fol­ge, und die ge­for­der­te Re­li­gi­on in ei­nem Span­nungs­verhält­nis. Da­mit sei­en Be­wer­bun­gen aus der größten Ber­li­ner Mi­gran­ten­grup­pe fak­tisch aus­ge­schlos­sen wor­den.
Die Berück­sich­ti­gung der Re­li­gi­on im Be­wer­bungs­ver­fah­ren sei nur ge­recht­fer­tigt, wenn sie ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung an­ge­sichts der Tätig­keit dar­stel­le. Dies tref­fe auf die zu be­set­zen­de Stel­le nicht zu. Der Be­klag­te beschäfti­ge auch Per­so­nen, die nicht der evan­ge­li­schen Kon­fes­si­on an­gehörten. Dies las­se die als Soll­vor­schrift aus­ge­stal­te­te Re­ge­lung von § 3 Zif­fer 2 der Richt­li­nie es Ra­tes der EKD zu und
wer­de durch die Mit­ar­bei­ten­den­sta­tis­tik der Dia­ko­nie be­legt. So­weit der Be­klag­te dies re­strik­ti­ver se­he, ha­be dies nichts mit dem Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che zu tun. Der Be­klag­te müsse sich an die von der Kir­che auf­ge­stell­ten Grundsätze hal­ten und dürfe die­se nicht über­schrei­ten. Nach dem Leit­bild der evan­ge­li­sche Kir­che (§ 3 EKD-RL) wer­de zwi­schen verkündi­gungs­na­her und verkündi­gungs­fer­ner Tätig­keit un­ter­schie­den und für letz­te­re die Mit­glied­schaft in der Kir­che nur als Soll­vor­schrift an­ge­se­hen.
Die Kläge­rin be­strei­tet, dass der zu fer­ti­gen­de „un­abhängi­ge“ Be­richt aus Sicht der evan­ge­li­schen Kir­che er­fol­ge, da die­ser nach Kennt­nis der Kläge­rin auch aus pro­jekt­be­zo­ge­nen Förder­mit­teln der Klas­sen­lot­te­rie fi­nan­ziert wer­de. Zu­dem wer­de der Be­richt ge­mein­sam mit der Ar­beits­grup­pe Ras­sis­mus im Fo­rum Men­schen­rech­te er­stellt, die nicht nur aus christ­li­chen Grup­pen be­ste­he. Bei­de hätten auch ge­mein­sam zu Ver­an­stal­tun­gen ein­ge­la­den (Bl. 289-290 d.A). Auf der Ver­an­stal­tung vom 09.08.2013 sei­en vom Stel­len­in­ha­ber erklärt wor­den, dass es sich um ei­nen un­abhängi­gen Be­richt von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen han­de­le.
Es sei frag­lich, ob es sich bei den Mit­glie­dern der ACK um ei­ne „be­stimm­te“ Re­li­gi­on im Sin­ne von § 9 AGG han­deln könne. Die Mit­glied­schaft in ei­ner die­ser Kir­chen gewähr­leis­te nicht, dass die Per­son tatsächlich den Glau­ben des Be­klag­ten tei­le oder nicht viel­mehr al­lein we­gen der Beschäfti­gungsmöglich­keit bei der Kir­che de­ren Mit­glied sind.
Es lie­ge kei­ne ge­recht­fer­tig­te Un­gleich­be­hand­lung im Sin­ne von § 9 AGG vor. Die Re­ge­lun­gen der evan­ge­li­schen Kir­che würden ei­ne Kir­chen­mit­glied­schaft nicht vor­aus­set­zen. Ent­spre­chen­de Re­ge­lun­gen in der Richt­li­nie der EKD sei­en als Soll­vor­schrif­ten aus­ge­stal­tet. Tatsächlich er­fol­ge auch ein Beschäfti­gung von Mit­ar­bei­tern, die nicht Mit­glied ei­ner Kir­che sei­en. Auch ei­ne Kir­chen­mit­glied­schaft in­di­zie­re kei­nes­wegs, dass sich die Mit­glie­der mit den The­sen und dem Leit­bild der Kir­che iden­ti­fi­zie­ren.
Das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot sei völker­recht­lich be­gründet und nicht ge­rin­ger zu be­wer­ten als et­wa ein Willkürver­bot. Der Be­klag­te müsse sich auch an eu­ropäisches Recht hal­ten.
We­gen der eu­ro­pa­recht­lich ge­bo­te­nen Aus­le­gung der Sa­che, sei das Ver­fah­ren dem EuGH vor­zu­le­gen.
Es han­de­le sich vor­lie­gend um ei­nen schwe­ren Ver­s­toß mit Wie­der­ho­lungs­ge­fahr. Des­we­gen sei ei­ne Entschädi­gung auf min­des­tens 5 Brut­to­gehälter der Grup­pe E13 TVöD bei ei­ner Ar­beits­zeit von 60 % zu be­mes­sen.
We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Kla­ge (Bl. 11-20 d.A.) so­wie die Schriftsätze vom 15.11.2013 (Bl. 240-282 d.A.) und vom 02.12.2013 (Bl. 361-363 d.A.) nebst An­la­gen ver­wie­sen.
Er ver­weist auf das für den Be­klag­ten for­mu­lier­te Leit­bild sei­ner Tätig­keit und des­sen Sat­zung. Der Be­klag­te ver­ste­he sich als un­mit­tel­ba­re Le­bens- und We­sensäußerung der christ­li­chen Kir­che, zu de­ren Sen­dungs­auf­trag vor al­lem die Verkündung des christ­li­chen Glau­bens so­wie die täti­ge Nächs­ten­lie­be gehörten. Die Richt­li­nie über die An­for­de­run­gen der pri­vat­recht­li­chen be­ruf­li­chen Mit­ar­beit in der EKD und im Dia­ko­ni­schen sei un­mit­tel­ba­rer Aus­fluss kirch­li­chen Rechts, die An­ge­le­gen­hei­ten in ei­ge­ner Sa­che frei und vom staat­li­chen Zu­griff un­abhängig re­geln zu können. Be­deut­sam für das Selbst­verständ­nis des Be­klag­ten sei das Bild der christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft, der die Be­son­der­heit des kirch­li­chen Diens­tes, der maßgeb­lich im Auf­trag Je­su Chris­ti ge­prägt sei. Da­von sei ne­ben dem Got­tes­dienst der aus dem Glau­ben er­wach­sen­de Dienst am Mit­men­schen er­fasst.
Der Be­klag­te sei als Teil kirch­li­chen Han­delns kein „nor­ma­ler“ Ar­beit­ge­ber, son­dern un­ter­lie­ge über das Grund­ge­setz ei­nem be­son­de­ren Schutz. Die Mit­glied­schaft zu ei­ner Kir­che sei ge­eig­ne­tes Kri­te­ri­um, um gewähr­leis­ten zu können, dass sich die Mit­ar­bei­ter mit dem Auf­trag des Ar­beit­ge­bers iden­ti­fi­zie­ren. Von den im Jahr 2013 bei dem Be­klag­ten beschäftig­ten et­wa 650 Ar­beit­neh­mern des Be­klag­ten gehörten 99 % ei­ner christ­li­chen Re­li­gi­on an.
Der von dem Be­klag­ten zu er­stel­len­de Par­al­lel­be­richt zur Um­set­zung der An­ti­ras­sis­mus­kon­ven­ti­on sei un­abhängig von staat­li­cher Be­richt­er­stat­tung die nach außen wir­ken­de Po­si­tio­nie­rung der Be­klag­ten zu der Kon­ven­ti­on.
We­gen der star­ken Außen­wir­kung des Be­richts und der ergänzen­den Pu­bli­ka­tio­nen und Fach­beiträge sei ein möglichst wis­sen­schaft­li­cher Hin­ter­grund und pu­bli­zis­ti­sche Er­fah­rung er­for­der­lich, ge­paart mit ent­spre­chen­dem Fach­wis­sen. Die Tätig­keit des Stel­len­in­ha­bers ent­fal­te so­mit un­mit­tel­ba­re Außen­wir­kung für den Be­klag­ten und die Evan­ge­li­sche Kir­che so­wie ih­re Ein­rich­tun­gen. Für den Be­klag­ten sei da­her ein rechts­wis­sen­schaft­li­ches oder ei­ne ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on un­ver­zicht­ba­res Kri­te­ri­um. Nach der Ver­kehrs­an­schau­ung sei­en für der­ar­ti­ge Re­fe­ren­tens­te­tel­len ty­pi­scher­wei­se Per­so­nen mit uni­ver­sitärem Hoch­schul­stu­di­um ein­ge­stellt. Dies zei­ge sich auch in der Be­wer­tung durch die Vergütungs­grup­pe E13 TVöD, die ein wis­sen­schaft­li­che Hoch­schul­stu­di­um /Mas­ter vor­aus­set­ze und mit dem höhe­ren Be­am­ten­dienst ver­gleich­bar sei.
Die ein­ge­gan­ge­nen Be­wer­bun­gen sei­en von der Fach­ab­tei­lung des Be­klag­ten ge­sam­melt, re­gis­triert und ge­schlos­sen an die zuständi­ge Ab­tei­lungs­lei­te­rin Zwi­ckert wei­ter ge­lei­tet wor­den. Die­se ha­be dann die Un­ter­la­gen ge­sich­tet und die Qua­li­fi­ka­tio­nen der Be­wer­ber ver­gli­chen. Aus­nahms­los die vier Be­wer­ber mit ei­nem nach­ge­wie­se­nen uni­ver­sitären Hoch­schul­stu­di­um sei­en in die en­ge­re Aus­wahl ge­nom­men und zum Vor­stel­lungs­gespräch am 22.01.2013 ein­ge­la­den wor­den. Die Aus­wah­l­ent­schei­dung sei noch am sel­ben Ta­ge ge­trof­fen und am 24.01.2013 die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung un­ter­rich­tet wor­den. Nach­dem die­se der Ein­stel­lung am 28.01.2013 zu­ge­stimmt ha­be, sei der Be­wer­ber am 29.01.2013 ent­spre­chend in­for­miert wor­den.
Maßgeb­li­che Aus­wahl­kri­te­ri­um zu­guns­ten des Herrn J. K. A. sei­en des­sen uni­ver­sitäre Hoch­schul­aus­bil­dung so­wie die Tätig­keit im wis­sen­schaft­li­chen und pu­bli­zie­ren­den Be­reich ge­we­sen. Zu­dem ha­be er Er­fah­run­gen mit Pro­jekt­ar­beit und -lei­tung vor­wei­sen können und sich um­fas­send mit The­men zum Be­reich Ras­sis­mus beschäftigt. Das Stu­di­um der Po­li­tik­wis­sen­schaf­ten ha­be große Bezüge zum Be­reich Völker­recht und Staa­ten­leh­re. Sch­ließlich sei­en die er­heb­li­chen na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Qua­li­fi­ka­tio­nen be­acht­lich ge­we­sen.
Ei­ne Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin lie­ge nicht vor. Be­reits der Um­stand, dass die Kläge­rin nicht über das ge­for­der­te uni­ver­sitäre Hoch­schul­stu­di­um verfüge, sei der Grund dafür ge­we­sen, sie nicht zum Vor­stel­lungs­gespräch ein­zu­la­den. Auch die so­zi­alpädago­gi­sche Aus­rich­tung der Kläge­rin sei weit ent­fernt vom An­for­de­rungs­pro­fil des Be­klag­ten.
Es bedürfe zur Prüfung des Entschädi­gungs­an­spruchs ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on (§ 3 Abs. 1 AGG). Ei­ne sol­che lie­ge be­reits nicht vor. Der Be­klag­te ha­be Wert auf ein uni­ver­sitäres Hoch­schul­stu­di­um ge­legt, wel­ches die Kläge­rin im Un­ter­schied zum berück­sich­tig­ten Be­wer­ber nicht vor­wei­sen könne.
Bei an­ge­nom­me­ner un­ter­schied­li­cher Be­hand­lung we­gen der Re­li­gi­on sei ei­ne sol­che nach § 9 AGG ge­recht­fer­tigt. Der Be­klag­te sei ei­ne ei­ner Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft zu­ge­ord­ne­te Ein­rich­tung in die­sem Sin­ne. Die Re­li­gi­on stel­le ei­ne un­ter Be­ach­tung des Selbst­verständ­nis­ses nach der Art der Tätig­keit ei­ne ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung dar. Mit der Tätig­keit wer­de der Stel­len­in­ha­ber un­mit­tel­bar nach außen für den Be­klag­ten tätig und ver­tre­te des­sen Mei­nung und die sei­ner nach­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen in Li­te­ra­tur, Öffent­lich­keit und Po­li­tik. Da der Stel­len­in­ha­ber ei­nen Par­al­lel­be­richt zum Staa­ten­be­richt der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hin­sicht­lich der UN-An­ti­ras­sis­mus­kon­ven­ti­on ver­fas­se, in der Zen­tra­le des Be­klag­ten an­ge­sie­delt sei und da­mit in­ten­si­ve Ein­bli­cke in die in­ne­re Struk­tur des Be­klag­ten er­hal­te, sei es äußerst be­deut­sam, dass er im in­ne­ren Ein­klang mit den Wer­ten und Über­zeu­gun­gen des Be­klag­ten agie­re.
Nach den für den Be­klag­ten maßgeb­li­chen Re­ge­lun­gen als Aus­fluss von Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art 137 Abs. 3 WRV sei die Zu­gehörig­keit zu ei­ner christ­li­chen Kir­che ei­ne not­wen­di­ge An­for­de­rung für die Be­gründung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Das Recht des Be­klag­ten, ei­ne sol­che An­for­de­rung zu stel­len, sei vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus­drück­lich an­er­kannt. Zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis kom­me man auch nicht bei Aus­le­gung der EU-Richt­li­nie 2000/78/EG, auf die das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz zurück­ge­he.
Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz berück­sich­ti­ge die Vor­ga­ben der EG-Richt­li­nie 2000/78/EG so­wie die Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und ha­be zu­gleich das kirch­li­che Ar­beits­recht we­der ab­geändert noch abändern wol­len. So­weit nach der Recht­spre­chung an­er­kannt sei, dass ein Kir­chen­aus­tritt die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zur Fol­ge ha­ben könne, müsse dies auch für die Be­gründung von Ar­beits­verhält­nis­sen gel­ten, da­mit kei­ne sys­te­ma­ti­schen Wi­dersprüche entstünden. Der Ge­setz­ge­ber ha­be mit § 9 AGG die gel­ten­de Rechts­la­ge auf­recht­er­hal­ten wol­len.
Ei­ne da­von ab­wei­chen­de richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung von § 9 AGG sei nicht ge­bo­ten. Die Re­ge­lung be­we­ge sich im Rah­men des ge­setz­ten Ge­stal­tungs­rah­mens und sei mit der Richt­li­nie ver­ein­bar. Die Re­li­gi­on sei ei­ne ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung im Sin­ne von § 9 AGG für die zu be­set­zen­de Stel­le. Ein von der EU-Kom­mis­si­on durch­geführ­tes Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren ge­gen Deutsch­land we­gen der Um­set­zung der Richt­li­nie sei am 06. Mai 2008 ein­ge­stellt wor­den.
Ei­ner Vor­la­ge der Sa­che an den Eu­ropäischen Ge­richts­hof bedürfe es nicht, da die Fra­ge der eu­ro­pa­rechts­kon­for­men Aus­le­gung von § 9 AGG nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich sei.
Sch­ließlich sei ei­ne Entschädi­gung im Fal­le ei­ner Ver­ur­tei­lung des Be­klag­ten an­ge­sichts der Ge­samt­umstände weit un­ter­halb der ge­setz­lich fest­ge­setz­ten drei Mo­nats­vergütun­gen ge­recht­fer­tigt.
We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Schriftsätze des Be­klag­ten vom 16.09.2013 (Bl. 59-138 d.A.) und vom 29.11.2013 (Bl. 342-354 d.A.) nebst An­la­gen ver­wie­sen.
Der auf Zah­lung ei­ner Entschädi­gung ge­rich­te­te Kla­ge­an­trag ist un­ein­ge­schränkt zulässig gem. § 253 Abs. 2 ZPO, ins­be­son­de­re ist er hin­rei­chend be­stimmt (§ 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO). Die Kläge­rin durf­te die Höhe der von ihr be­gehr­ten Entschädi­gung in das Er­mes­sen des Ge­richts stel­len. § 15 Abs. 2 Satz 1 AGG räumt dem Ge­richt bei der Höhe der Entschädi­gung ei­nen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum ein, wes­halb ei­ne Be­zif­fe­rung des
Zah­lungs­an­trags nicht not­wen­dig ist. Er­for­der­lich ist al­lein, dass der Kläger Tat­sa­chen, die das Ge­richt bei der Be­stim­mung des Be­trags her­an­zie­hen soll, be­nennt und die Größen­ord­nung der gel­tend ge­mach­ten For­de­rung an­gibt (BAG v. 13.10.2011, 8 AZR 608/10, EzA § 15 AGG Nr 16, Rn. 16). Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind erfüllt. Die Kläge­rin hat ei­nen Sach­ver­halt dar­ge­legt, der dem Ge­richt die Be­stim­mung ei­ner Entschädi­gung ermöglicht, und den Be­trag der an­ge­mes­se­nen Entschädi­gung be­zif­fert.
Die Kla­ge ist auch be­gründet. Die Kläge­rin kann die Zah­lung ei­ner Entschädi­gung gem. § 15 Abs. 2 AGG von dem Be­klag­ten ver­lan­gen. Der Be­klag­te hat bei der Be­set­zung der Stel­le des Re­fe­ren­ten/der Re­fe­ren­tin ge­gen das Ver­bot ver­s­toßen, Beschäftig­te we­gen ih­rer Re­li­gi­on zu be­nach­tei­li­gen (§§ 7 und 1 AGG).
Als Be­wer­be­rin ist die Kläge­rin nach § 6 Abs. 1 Satz 2 AGG „Beschäftig­te“ und fällt in den persönli­chen An­wen­dungs­be­reich des AGG. Un­er­heb­lich ist da­bei, ob der Be­wer­ber für die aus­ge­schrie­be­ne Tätig­keit ob­jek­tiv ge­eig­net ist (BAG v. 19.08.2010, 8 AZR 466/09, NZA 2011, 203-206; 8 AZR 370/09, NZA 2011, 200-202).
Der Be­klag­te ist als „Ar­beit­ge­ber“ pas­siv le­gi­ti­miert. Nach § 6 Abs. 2 Satz 1 AGG ist Ar­beit­ge­ber im Sin­ne des Ge­set­zes, wer „Per­so­nen nach Ab­satz 1“ des § 6 AGG „beschäftigt“. Ar­beit­ge­ber ei­nes Be­wer­bers ist al­so der, der um Be­wer­bun­gen für ein von ihm an­ge­streb­tes Beschäfti­gungs­verhält­nis ge­be­ten hat (BAG v. 19.08.2010, 8 AZR 370/09, NZA 2011, 200-202). Auf­grund sei­ner Stel­len­aus­schrei­bung trifft dies auf den Be­klag­ten zu.
Die Kläge­rin hat die ge­setz­li­chen Fris­ten nach § 15 Abs. 4 AGG zur Gel­tend­ma­chung des An­spruchs auf Entschädi­gung ge­wahrt.
a) Nach § 15 Abs. 4 Satz 1 AGG ist ein An­spruch nach Abs. 1 oder Abs. 2 des § 15 AGG in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten schrift­lich gel­tend zu ma­chen. Im Fal­le ei­ner Be­wer­bung be­ginnt die Frist mit dem Zu­gang der Ab­leh­nung (§ 15 Abs. 4 Satz 2 AGG). Die Kläge­rin hat un­strei­tig am 23. Ja­nu­ar 2013 von der Ab­leh­nung ih­rer Be­wer­bung Kennt­nis er­langt. Das Schrei­ben des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin vom 25. Fe­bru­ar 2013 war da­mit frist­wah­rend.
b) Die am 30. April 2013 per Te­le­fax und am 03. Mai 2013 im Ori­gi­nal beim Ar­beits­ge­richt Ber­lin ein­ge­gan­ge­ne und dem Be­klag­ten am 10. Mai 2013 zu­ge­stell­te Kla­ge wahr­te die Drei­mo­nats­frist des § 61b Abs. 1 ArbGG.
Die Kläge­rin hat in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on im Zu­sam­men­hang mit der Be­wer­bung auf die Stel­le als Re­fe­ren­tin ob­jek­tiv ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung er­fah­ren als die vier zu Vor­stel­lungs­gesprächen ein­ge­la­de­nen Mit­be­wer­ber.
a) Vor­aus­set­zung für ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG ist ein Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 AGG. § 15 Abs. 2 AGG enthält le­dig­lich ei­ne Rechts­fol­gen­re­ge­lung, für die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen ist auf § 15 Abs. 1 AGG zurück­zu­grei­fen (BAG v. 16.02.2012, 8 AZR 697/10 NZA 2012, 667, Rn. 30).
b) Gemäß § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG liegt ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung vor, wenn ein Beschäftig­ter we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde. Zu die­sen Gründen zählen auch sol­che der Re­li­gi­on, al­so so­wohl Be­nach­tei­li­gun­gen we­gen der Zu­gehörig­keit zu ei­ner sol­chen als auch des Feh­lens ei­ner Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit.
aa) Nach § 11 AGG darf ein Ar­beits­platz nicht un­ter Ver­s­toß ge­gen § 7 Abs. 1 AGG aus­ge­schrie­ben wer­den. Ei­ne Aus­schrei­bung verstößt ge­gen § 7 Abs. 1 AGG, wenn Men­schen, die ein in § 1 AGG ge­nann­tes Merk­mal auf­wei­sen, vom Kreis der für die zu be­set­zen­de Stel­le in Be­tracht kom­men­den Per­so­nen aus­ge­schlos­sen wer­den (BAG v. 19.08.2010, 8 AZR 530/09 NZA 2010, 1412-1418, Rn. 57). Die Ver­let­zung der Ver­pflich­tung, ei­nen Ar­beits­platz nicht un­ter Ver­s­toß ge­gen § 7 Abs. 1 AGG aus­zu­schrei­ben, kann die Ver­mu­tung be­gründen, die Be­nach­tei­li­gung sei we­gen des in der Aus­schrei­bung be­zeich­ne­ten ver­bo­te­nen Merk­mals er­folgt (BAG v. 19.08.2010, 8 AZR 530/09, Rn. 59, aaO.).
bb) Es liegt ei­ne ungüns­ti­ge­re Be­hand­lung der Kläge­rin vor.
Die­se be­steht dar­in, dass sie aus dem Aus­wahl­ver­fah­ren aus­ge­schie­den und im Un­ter­schied zu vier an­de­ren Be­wer­bern von dem Be­klag­ten nicht zu ei­nem Vor­stel­lungs­gespräch ein­ge­la­den wor­den ist. Der Kläge­rin wur­de da­mit be­reits im Vor­feld der ei­gent­li­chen Be­set­zungs­ent­schei­dung die Chan­ce auf Ein­stel­lung ge­nom­men. Dies stellt ei­ne ungüns­ti­ge­re Be­hand­lung dar, un­abhängig da­von, ob die Kläge­rin ein­ge­stellt wor­den wäre (BAG v. 18.03.2010, 8 AZR 1044/08, NZA 2010, 1129-1133, mwN). Ein Nach­teil im Rah­men
ei­ner Aus­wah­l­ent­schei­dung liegt auch dann vor, wenn der Be­wer­ber - wie hier die Kläge­rin - nicht in die Aus­wahl ein­be­zo­gen, son­dern vor­ab in ei­nem Be­wer­bungs­ver­fah­ren aus­ge­schie­den wird. Die Be­nach­tei­li­gung liegt be­reits in der Ver­sa­gung ei­ner Chan­ce (st. Rspr., vgl. BAG v. 13.10.2011, 8 AZR 608/10, EzA AGG § 15 Nr. 16, Rn. 24).
cc) Die Un­gleich­be­hand­lung der Kläge­rin er­folg­te we­gen der feh­len­den kon­fes­sio­nel­len Bin­dung und da­mit aus Gründen der Re­li­gi­on. Ne­ben den fach­li­chen An­for­de­run­gen an die Be­wer­ber setz­te der Be­klag­te aus­drück­lich „die Mit­glied­schaft in ei­ner evan­ge­li­schen oder der ACK an­gehören­den Kir­che und die Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem dia­ko­ni­schen Auf­trag“ vor­aus. Da­mit wur­de be­reits in der Aus­schrei­bung deut­lich ge­macht, dass der Be­klag­te ne­ben fach­lich-in­halt­li­chen An­for­de­run­gen auch an die Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit an­knüpft und die­se so­gar aus­drück­lich als „Vor­aus­set­zung“ für ei­ne er­folg­rei­che Be­wer­bung de­fi­niert. Die feh­len­de Ein­be­zie­hung der Kläge­rin in die nähe­re Aus­wahl war da­mit zu­min­dest auch durch das verpönte Merk­mal „Re­li­gi­on“ in­di­ziert.
Der Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen be­nach­tei­li­gen­der Be­hand­lung und dem Merk­mal der Re­li­gi­on ist be­reits dann ge­ge­ben, wenn die Be­nach­tei­li­gung an die Re­li­gi­on an­knüpft oder durch die­se mo­ti­viert ist. Da­bei ist es nicht er­for­der­lich, dass der be­tref­fen­de Grund das aus­sch­ließli­che Mo­tiv für das Han­deln des Be­nach­tei­li­gen­den ist. Aus­rei­chend ist viel­mehr, dass das verpönte Merk­mal Be­stand­teil ei­nes Mo­tivbündels ist, wel­ches die Ent­schei­dung be­ein­flusst hat. Auf ein schuld­haf­tes Han­deln oder gar ei­ne Be­nach­tei­li­gungs­ab­sicht kommt es nicht an (BAG v. 20.06.2013, 8 AZR 482/12, EzA-SD 2013, Nr. 22, 7-10, Rn. 41, mwN).
dd) Es be­ste­hen ent­ge­gen der An­sicht des Be­klag­ten auch kei­ne Be­den­ken ge­gen das Vor­lie­gen ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on.
(1) Die ob­jek­ti­ve Eig­nung ei­ner Be­wer­be­rin ist kei­ne Tat­be­stands­vor­aus­set­zung für ei­nen An­spruch nach § 15 Abs. 1 oder 2 in Verb. mit § 6 Abs. 1 Satz 2 AGG. Der Wort­laut des § 6 Abs. 1 Satz 1 AGG bie­tet kei­nen An­halts­punkt für das Er­for­der­nis ei­nes sol­chen Tat­be­stands­merk­mals. Für ei­ne Aus­le­gung über den Wort­laut hin­aus be­steht auch an­ge­sichts des § 3 Abs. 1 AGG kein Bedürf­nis. Ver­gleich­bar i.S.d. § 3 Abs. 1 S. 1 AGG ist die Aus­wahl­si­tua­ti­on nur für Ar­beit­neh­mer, die glei­cher­maßen die ob­jek­ti­ve Eig­nung für die zu be­set­zen­de Stel­le auf­wei­sen. Maßgeb­lich für die ob­jek­ti­ve Eig­nung ist da­bei nicht das for­mel­le An­for­de­rungs­pro­fil des je­wei­li­gen Ar­beit­ge­bers, son­dern die An­for­de­run­gen, wel­che an die je­wei­li­ge Tätig­keit nach der im Ar­beits­le­ben herr­schen­den Ver­kehrs­an­schau­ung ge­stellt wer­den (BAG v. 18.03.2010, 8 AZR 1044/08, aaO, Rn. 23, 31 mwN).
(2) Die ungüns­ti­ge­re Be­hand­lung der Kläge­rin er­folg­te in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on iSd. § 3 Abs. 1 S. 1 AGG, denn die Kläge­rin erfüll­te die Vor­aus­set­zung, ob­jek­tiv für die
Beschäfti­gung als Re­fe­ren­tin ge­eig­net zu sein. Ver­gleich­bar iSd. § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG ist die Aus­wahl­si­tua­ti­on nur für Ar­beit­neh­mer, die glei­cher­maßen die ob­jek­ti­ve Eig­nung für die zu be­set­zen­de Stel­le auf­wei­sen. Die ob­jek­ti­ve Eig­nung ist Kri­te­ri­um der „ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on“ iSd. § 3 Abs. 1 AGG.
Der Be­klag­te hat ei­ne Stel­le als Re­fe­rent/Re­fe­ren­tin aus­ge­schrie­ben. Ent­ge­gen der Be­haup­tung des Be­klag­ten weist be­reits das – nach der Recht­spre­chung nicht maßgeb­li­che - An­for­de­rungs­pro­fil der Aus­schrei­bung nicht das Er­for­der­nis ei­nes Hoch­schul­ab­schlus­ses aus, son­dern „ein ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten oder ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on“ und ver­weist hin­sicht­lich der Vergütung auf die Ent­gelt­grup­pe 13 TVöD. Da­bei mag es sein, dass er Be­klag­te sub­jek­tiv nur an­de­re wis­sen­schaft­li­che Hoch­schul­ab­schlüsse als ver­gleich­bar an­ge­se­hen ha­ben mag. Ob­jek­tiv ist dies je­den­falls nicht der Fall und die Aus­schrei­bung lässt dies auch nicht er­ken­nen.
Zunächst enthält der TVöD selbst nur ak­tu­el­le Ent­gelt­ta­bel­len, die für den die Ent­gelt­grup­pe 13 beim Bund ein Grund­ge­halt in der Stu­fe 1 von 3.262,89 € aus­weist. Die Ein­grup­pie­rung selbst be­stimmt der Ta­rif­ver­trag der­zeit nicht, son­dern greift noch auf die Vergütungs­ord­nung des BAT zurück. Nach den Überführungs­re­geln im öffent­li­chen Dienst ent­spricht die Ent­gelt­grup­pe 13 des TVöD der Vergütungs­grup­pe IIa BAT (oh­ne Ib). Die­ser sieht in der ers­ten Fall­grup­pe zwar das Merk­mal ei­ner ab­ge­schlos­se­nen wis­sen­schaft­li­chen Hoch­schul­aus­bil­dung und ei­ne ent­spre­chen­de Tätig­keit vor, al­ter­na­tiv je­doch auch gleich­wer­ti­ge Fähig­kei­ten und Er­fah­run­gen bei ent­spre­chen­der Tätig­keit. Die Fall­grup­pe 3 der Vergütungs­grup­pe IIa BAT er­for­dert nicht ein­mal ein Hoch­schul­stu­di­um, son­dern lässt bei Tätig­kei­ten im kom­mu­na­len Be­reich ei­ne Ein­grup­pie­rung auch oh­ne Nach­weis ei­ner spe­zi­el­len Qua­li­fi­ka­ti­on ei­ne Ein­stu­fung in die­se Vergütungs­grup­pe zu, wenn schwie­ri­ge Auf­ga­ben zu er­le­di­gen sind und die Größe der Ver­ant­wor­tung dies er­for­dern. In­so­weit ist be­reits die Grund­an­nah­me des Be­klag­ten, Ent­gelt­grup­pe 13 er­for­de­re ei­nen Hoch­schul­ab­schluss, feh­ler­haft.
Als „Re­fe­rent“ wird im öffent­li­chen Dienst ein Mit­ar­bei­ter im höhe­ren Dienst, in der Re­gel als Re­fe­rats­lei­ter, und in der Pri­vat­wirt­schaft häufig ein höhe­rer Sach­be­ar­bei­ter ver­stan­den, des­sen Tätig­keit in der Re­gel ein ab­sol­vier­tes Stu­di­um vor­aus­setzt, aber auch all­ge­mein als Vor­tra­gen­der oder Be­richt­er­stat­ter (vgl. u.a. Du­den, Stich­wort: Re­fe­rent). An­ge­sichts der wahr­zu­neh­men­den Auf­ga­ben der Be­richt­er­stat­tung zur Um­set­zung der UN-An­ti­ras­sis­mus­kon­ven­ti­on kann vor­lie­gend eher von letz­te­rer Be­griffs­be­deu­tung und der da­zu be­ste­hen­den herr­schen­den Ver­kehrs­auf­fas­sung aus­ge­gan­gen wer­den. Für ei­ne sol­che Tätig­keit ist – je nach Art der Be­richt­er­stat­tung – ein wis­sen­schaft­li­ches Hoch­schul­stu­di­um si­cher­lich nütz­lich, aber nicht zwin­gend er­for­der­lich. Bei vor­han­de­nen gleich­wer­ti­gen Fähig­kei­ten, Er­fah­run­gen und Kennt­nis­sen kann den An­for­de­run­gen an ei­ne der­ar­ti­ge
Re­fe­ren­tentätig­keit oh­ne wei­te­res ent­spro­chen wer­den. Der Be­klag­te stellt im Rah­men der Ver­gleich­bar­keit der Si­tua­ti­on in­des al­lein auf den wis­sen­schaft­li­chen Cha­rak­ter der ver­gleich­ba­ren Qua­li­fi­ka­ti­on ab, den die we­der die Stel­len­aus­schrei­bung selbst, noch die Re­fe­ren­tentätig­keit als sol­che nach herr­schen­der Ver­kehrs­auf­fas­sung er­for­dert.
Die Kläge­rin hat im Rah­men ih­rer Be­wer­bung auf un­strei­tig vor­han­de­ne langjähri­ge ein­schlägi­ge Er­fah­run­gen und Kennt­nis­se in der An­ti­ras­sis­mus­ar­beit, Pro­jekt­ar­beit, Geschäftsführung von Or­ga­ni­sa­tio­nen, in der Zu­sam­men­ar­beit mit na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen und als Re­fe­ren­tin des DGB-Bun­des­vor­stands und des In­for­ma­ti­ons- und Do­ku­men­ta­ti­ons­zen­trums in der An­ti­ras­sis­mus­ar­beit (IDA) ver­wie­sen. Die Kläge­rin hat da­mit ih­re ob­jek­ti­ve Eig­nung für die zu be­set­zen­de Stel­le oh­ne wei­te­res nach­ge­wie­sen.
Bei­de Be­wer­ber erfüllen un­strei­tig nicht die An­for­de­rung aus der Aus­schrei­bung „wis­sen­schaft­li­che Hoch­schul­stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaft“. Die Kläge­rin hat in Be­zug auf die al­ter­na­tiv ge­for­der­te „ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on“ die Vor­aus­set­zun­gen für die zu be­set­zen­de Re­fe­ren­ten­stel­le eben­so erfüllt wie der be­vor­zug­te Be­wer­ber auf an­de­rem We­ge.
Die un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin er­folg­te we­gen der feh­len­den Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit der Kläge­rin und war nicht durch § 9 AGG ge­recht­fer­tigt und da­mit nicht zulässig.
a) Bei dem Be­klag­ten han­delt es sich um ei­ne ei­ner Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tung im Sin­ne von § 9 Abs. 1 AGG. Die Evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land ist frag­los ei­ne Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft. Sie hat den Be­klag­ten ge­bil­det, um nach den kirch­li­chen Auf­trag al­len Men­schen durch Wort und Tat zu be­zeu­gen, mit dem Be­klag­ten wahr­zu­neh­men und die Zu­sam­men­gehörig­keit des Ent­wick­lungs­diens­tes mit der Dia­ko­nie als We­sens- und Le­bensäußerung der Kir­che zu be­kräfti­gen (vgl. Präam­bel der Sat­zung Bl. 140 d.A.). Da­mit ent­spricht er den in der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Grundsätzen (vgl. u.a. BVerfG v. 04.06.1985, 2 BvR 1718/83, NJW 1986, 367). Auf die Rechts­form kommt es nicht an, so dass auch re­li­giöse Ver­ei­ne, wie der Be­klag­te, dar­un­ter fal­len können.
b) Das Selbst­verständ­nis des Be­klag­ten und das Selbst­be­stim­mungs­recht der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land recht­fer­ti­gen die Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin nicht.
aa) Die Fra­gen des Selbst­verständ­nis­ses der Kir­che und ih­re ju­ris­ti­sche Reich­wer­te wur­den im We­sent­li­chen durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aus den sech­zi­ger bis acht­zi­ger Jah­ren be­ant­wor­tet und ge­prägt, die durch den Be­klag­ten teil­wei­se
zi­tiert wur­de (vgl. u.a. BVerfG v. 16.10.1968, 1 BvR 241/66, NJW 1969, 31; v. 04.06.1985, 2 BvR 1703/83; 2 BvR 1718/83; 2 BvR 856/84, NJW 1986, 367-372). So hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zum Selbst­verständ­nis der Ka­tho­li­schen und Evan­ge­li­schen Kir­che fest­ge­stellt, dass die Re­li­gi­ons­ausübung nicht nur den Be­reich des Glau­bens und des Got­tes­diens­tes um­fasst, son­dern auch die Frei­heit zur Ent­fal­tung und Wirk­sam­keit in der Welt, wie es ih­rer re­li­giösen und dia­ko­ni­schen Auf­ga­be ent­spricht. Die täti­ge Nächs­ten­lie­be ist nach dem Neu­en Tes­ta­ment ei­ne we­sent­li­che Auf­ga­be für den Chris­ten und wird von der Ka­tho­li­schen wie der Evan­ge­li­schen Kir­che als kirch­li­che Grund­funk­ti­on ver­stan­den (BVerfG v. 16.10.1968, 1 BvR 241/66, Rn. 26, NJW 1969, 31). Woll­te man in­des aus­ge­hend da­von al­len in der Kir­che und ih­ren Ein­rich­tun­gen zu be­set­zen­den Stel­len, un­abhängig von der Art der Tätig­keit und ih­rer Nähe oder Ent­fer­nung zu Auf­ga­ben der Verkündi­gung, Seel­sor­ge, Un­ter­wei­sung oder Lei­tung, von der Mit­glied­schaft in der Kir­che abhängig ma­chen, würde dies zwin­gend zu ent­spre­chen­den Dis­kri­mi­nie­run­gen bei der Stel­len­be­set­zung führen, oh­ne dass dies ei­ne ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung im Sin­ne von § 9 Abs. 1 AGG dar­stel­len würde (vgl. da­zu näher un­ter Ab­schnitt I.5.c) der Ent­schei­dungs­gründe). Dem­gemäß dif­fe­ren­ziert § 5 der Richt­li­nie des Ra­tes der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land auch da­hin­ge­hend, dass die Zu­gehörig­keit zu ei­ner Glied­kir­che der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land oder ei­ner mit ihr ver­bun­de­nen Kir­chen­ge­mein­schaft in be­stimm­ten Fällen ver­zicht­bar ist, wenn die zu über­tra­gen­den Auf­ga­ben nicht der Verkündi­gung, Seel­sor­ge, Un­ter­wei­sung oder Lei­tung die­nen. Tatsächlich ist nach den vor­lie­gen­den Sta­tis­ti­ken der Dia­ko­nie auch ein nicht un­beträcht­li­cher An­teil von Mit­ar­bei­tern der Dia­ko­nie, in Ber­lin im­mer­hin fast die Hälf­te nicht kon­fes­sio­nell ge­bun­den. Der Be­klag­te räumt zu­dem ein, dass auch bei ihm zu­min­dest kei­ne 100 %ige kon­fes­sio­nel­le Bin­dung der Mit­ar­bei­ter ge­ge­ben ist.
An­ge­sichts der sich aus dem Eu­ropäischen Recht, hier ins­be­son­de­re Art 4 Abs. 1 der EG.-Richt­li­nie 2000/78/EG, und dem in der Fol­ge aus dem All­ge­mei­nen Ge­lich­be­hand­lungs­ge­setz er­ge­ben­den neue­ren An­for­de­run­gen, be­darf die bis­he­ri­ge Be­wer­tung des kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­ses da­her ei­ner Neu­in­ter­pre­ta­ti­on da­hin­ge­hend, dass das Selbst­verständ­nis bei kon­kre­ten Beschäfti­gungs­verhält­nis­sen nur dann ei­ne ent­schei­den­de Rol­le spielt, wenn die­ses in ei­ner di­rek­ten Be­zie­hung zum Selbst­verständ­nis der Kir­che oder ih­rer Ein­rich­tun­gen steht (vgl. Däubler/Bertz­bach-Wed­de § 9 Rn. 35). An­de­ren­falls lie­fe dies dar­auf hin­aus, dass die Kir­che und so­mit auch der Be­klag­te gänz­lich frei über sei­ne Ein­stel­lungs­pra­xis und da­mit über Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­en ent­schei­den könn­te.
Zu­dem gibt die Sat­zung des Be­klag­ten und die dar­in erklärten Zie­le ei­nen Hin­weis dar­auf, dass sein Selbst­verständ­nis schwer­punktmäßig eher in der Ver­fol­gung all­ge­mei­ner
hu­ma­nis­ti­scher Zie­le liegt, wie al­len Men­schen un­ter­schieds­los Bei­stand zu leis­ten, Ur­sa­chen ih­rer Nöte auf­zu­de­cken, zu be­nen­nen und zu be­sei­ti­gen, bei der Über­win­dung von Ar­mut, Hun­ger und Not in der Welt bei­zu­tra­gen, für ei­ne ge­rech­te­re Ge­sell­schaft und ein nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung ein­zu­tre­ten (vgl. Präam­bel Bl. 140 d.A.)
bb) Dies wi­derspräche in­des dem Cha­rak­ter des § 9 AGG als Aus­nah­me­vor­schrift zu § 7 AGG. Da­bei wird durch § 9 AGG nicht ge­ne­rell jeg­li­ches Han­deln der Kir­che und ih­rer Ein­rich­tun­gen in Be­zug auf die Be­hand­lung ih­rer Mit­ar­bei­ter we­gen der Re­li­gi­on aus­ge­nom­men, son­dern nur, „so­weit dies nach Art der Tätig­keit ei­ne ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt“ (§ 9 Abs. 1 letz­ter Halb­satz AGG). Das be­deu­tet, dass auch in­ner­halb der Kir­chen der Re­gel­fall ge­ra­de ein an­de­rer ist und nach der ge­setz­li­chen Vor­ga­be sein muss. Das folgt auch aus dem Erwägungs­grund 23 der Richt­li­nie 2000/78/EG (ABL EG Nr. L 303/16 v. 02.12.2000), wo­nach nur „un­ter sehr be­grenz­ten Be­din­gun­gen … ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung ge­recht­fer­tigt sein (kann), wenn ein Merk­mal, das mit der Re­li­gi­on … zu­sam­menhängt, ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt, so­fern es sich um ei­nen rechtmäßigen Zweck und ei­ne an­ge­mes­se­ne An­for­de­rung han­delt.“
cc) Das Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che oder ih­rer Ein­rich­tun­gen hat für die kon­kre­te Aus­schrei­bung und Stel­len­be­set­zung auch nur mit­tel­ba­re Be­deu­tung. Gestützt auf das Selbst­be­stim­mungs­recht kann je­den­falls nicht die kon­kre­te Ein­stel­lungs­ent­schei­dung be­gründet wer­den, denn auch dies lie­fe wie­der­um auf ei­ne gänz­lich freie Ent­schei­dung des Be­klag­ten hin­aus, oh­ne an Grundsätze Eu­ropäischen und in­ner­staat­li­chen Rechts ge­bun­den zu sein. Das Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen nach Art. 137 Abs. 3 WRV be­zieht sich aus­drück­lich auf das „Ord­nen“ und „Ver­wal­ten“ ih­rer An­ge­le­gen­hei­ten in­ner­halb der Gren­zen gel­ten­den Rechts. Da­mit sind die Kir­chen be­rech­tigt, ei­genständi­ges Recht zu schaf­fen, wie es vor­lie­gend z.B. im Rah­men der Richt­li­nie des Ra­tes der Evan­ge­li­schen Kir­chen in Deutsch­land und der DVO.EKD er­folgt ist. In die­sem Rah­men kann die Kir­che grundsätz­lich auch selbst fest­le­gen, dass be­stimm­te Po­si­tio­nen nur mit Mit­glie­dern der Kir­che be­setzt wer­den, so­weit sich die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung in ob­jek­ti­ver Wei­se un­mit­tel­bar aus den Glau­bens­zie­len der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft ab­lei­tet (vgl. Däubler/Bertz­bach-Wed­de § 9 Rn. 49). Dies kann bei der hier zu be­set­zen­den Po­si­ti­on nicht an­ge­nom­men wer­den. Die Er­stel­lung ei­nes Be­richts an die Ver­ein­ten Na­tio­nen zur Um­set­zung der An­ti­ras­sis­mus­kon­ven­ti­on hat zwar auch ei­nen Be­zug zu den Glau­bens­zie­len der Evan­ge­li­schen Kir­che, der sich ver­mut­lich auch in der Art der Be­richt­er­stat­tung teil­wei­se nie­der­schla­gen wird, lei­tet sich in­des nicht un­mit­tel­bar und zwin­gend dar­aus ab.
c) Im Hin­blick auf die Art der mit der Aus­schrei­bung zu be­set­zen­den Stel­le und der dar­aus er­wach­sen­den Tätig­keit stellt auch un­ter Berück­sich­ti­gung der obi­gen Ausführun­gen zum
Selbst­verständ­nis und Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen kei­ne ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung dar.
aa) Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz stellt ei­nen Teil der Um­set­zung eu­ropäischer An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­richt­li­ni­en, un­ter an­de­rem der Richt­li­nie 2000/78/EG, dar (BGBl. 2006, I, S. 1897). Des­sen Re­ge­lun­gen und da­mit auch § 9 AGG sind da­mit richt­li­ni­en­kon­form aus­zu­le­gen. Nach der Recht­spre­chung des EUGH ist das in­ner­staat­li­che Recht „so­weit wie möglich“ an­hand des Wort­lauts und des Zwecks der ein­schlägi­gen Richt­li­nie zu in­ter­pre­tie­ren (vgl. u.a. EUGH v. 24.01.2012, C-282/10, NZA 2012, 139-142).
Erwägungs­grund 23 der Richt­li­nie 2000/78/EG (ABL EG Nr. L 303/16 v. 02.12.2000), be­stimmt, dass nur „un­ter sehr be­grenz­ten Be­din­gun­gen … ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung ge­recht­fer­tigt sein (kann), wenn ein Merk­mal, das mit der Re­li­gi­on … zu­sam­menhängt, ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt, so­fern es sich um ei­nen rechtmäßigen Zweck und ei­ne an­ge­mes­se­ne An­for­de­rung han­delt.“ Im Hin­blick auf den Sta­tus der Kir­chen wird im Erwägungs­grund Nr. 24 die Möglich­keit eröff­net, spe­zi­fi­sche Be­stim­mun­gen über die we­sent­li­chen, rechtmäßigen und ge­recht­fer­tig­ten be­ruf­li­chen An­for­de­run­gen bei­zu­be­hal­ten oder vor­zu­se­hen, die Vor­aus­set­zung für die Ausübung ei­ner dies­bezügli­chen be­ruf­li­chen Tätig­keit sein können.
Im Un­ter­schied zum Wort­laut des § 9 AGG, der le­dig­lich von „ge­recht­fer­tig­ten“ be­ruf­li­chen An­for­de­run­gen spricht, stellt die Eu­ropäische Richt­li­nie auf die „we­sent­li­chen, rechtmäßigen und ge­recht­fer­tig­ten be­ruf­li­chen An­for­de­run­gen“ ab. Auf die­se Erwägun­gen der Rah­men­richt­li­nie wird in der of­fi­zi­el­len Ge­set­zes­be­gründung auch aus­drück­lich hin­ge­wie­sen und zu § 9 Abs. 1 des Ent­wurfs zum AGG wört­lich der Erwägungs­grund 24 als Be­gründung für die ge­setz­li­che Re­ge­lung zi­tiert und in den letz­ten bei­den Sätze der Be­gründung zu § 9 Abs. 1 die For­mu­lie­run­gen des Ge­set­zes mit de­nen der Rah­men­richt­li­nie fak­tisch gleich­ge­setzt, oh­ne in­des den Wort­laut ent­ge­gen ursprüng­li­cher Ab­sicht auch so in das Ge­setz auf­zu­neh­men. So heißt es un­ter Hin­weis auf den Erwägungs­grund 24, dass die Mit­glied­staa­ten in die­ser Hin­sicht spe­zi­fi­sche Be­stim­mun­gen über die we­sent­li­chen, rechtmäßigen und ge­recht­fer­tig­ten be­ruf­li­chen An­for­de­run­gen bei­be­hal­ten oder vor­se­hen können, die Vor­aus­set­zung für die Ausübung ei­ner dies­bezügli­chen be­ruf­li­chen Tätig­keit sein können. Ent­spre­chend er­lau­be § 9 Abs. 1 es Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten und den übri­gen dort ge­nann­ten Ver­ei­ni­gun­gen, bei der Beschäfti­gung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung zu dif­fe­ren­zie­ren, wenn ei­ne be­stimm­te Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung im Hin­blick auf ihr Selbst­be­stim­mungs­recht oder nach der Art der Tätig­keit ei­ne ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt (BT-Drs. 16/1780 v. 08.06.2006). Fer­ner hat sich die Bun­des­re­gie­rung im Zu­sam­men­hang mit ei­nem ge­gen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land
geführ­ten Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren bei der Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78/EG (Ver­fah­ren Nr. 2007/2362) mit ih­rer Mit­tei­lung vom 30.05.2008 auch da­hin­ge­hend geäußert, dass „ei­ne be­ruf­li­che An­for­de­rung nur dann nach § 9 Ab­satz 1 AGG ge­recht­fer­tigt (sei), wenn sie im kon­kre­ten Fall auch we­sent­lich, rechtmäßig und ge­recht­fer­tigt im Sin­ne von Ar­ti­kel 4 Ab­satz 2 der Richt­li­nie ist“ (Bl. 328 d.A.).
Wenn al­so an­ge­sichts des­sen nicht oh­ne­hin da­von aus­zu­ge­hen ist, dass § 9 Abs. 1 AGG im Aus­nah­me­fall ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung we­gen der Re­li­gi­on zulässt, wenn die­se ei­ne die „we­sent­li­che, rechtmäßige und ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung“ dar­stellt, so ist die Re­ge­lung im Lich­te der Rah­men­richt­li­nie 2000/76/EG je­den­falls in die­ser Wei­se aus­zu­le­gen. Da­mit ist die ge­setz­li­che Be­stim­mung deut­lich en­ger zu fas­sen, als es de­ren Wort­laut zunächst an­neh­men lässt.
bb) Der Be­klag­te hat kei­ne Gründe vor­ge­tra­gen, die die An­nah­me recht­fer­ti­gen, für die zu be­set­zen­de Stel­le sei die Kir­chen­mit­glied­schaft ei­ne we­sent­li­che, rechtmäßige und ge­recht­fer­tig­te be­ruf­li­che An­for­de­rung.
Nach den all­ge­mei­nen Re­geln der Dar­le­gungs- und Be­weis­last ist der­je­ni­ge dar­le­gungs­pflich­tig, der sich auf die für ihn güns­ti­ge Rechts­fol­ge be­ruft. Da es sich bei der Re­ge­lung um ei­ne Aus­nah­me­vor­schrift han­delt, die im In­ter­es­se des Be­klag­ten auch die ungüns­ti­ge­re Be­hand­lung der Kläge­rin im Ver­gleich zu ih­ren Mit­be­wer­bern be­gründen soll, hat die­ser dar­zu­le­gen, dass aus­nahms­wei­se für die zu be­set­zen­de Stel­le die­se en­gen An­for­de­run­gen erfüllt sind.
Ein sol­cher Vor­trag ist dem Be­klag­ten nicht ge­lun­gen. Die aus­ge­schrie­be­ne Re­fe­ren­tentätig­keit be­zieht sich auf ei­ne An­ge­le­gen­heit, die nicht un­mit­tel­bar auf die Ver­mitt­lung, Verkündung und prak­ti­schen Um­set­zung der Re­li­gi­on ab­zie­len. Die Po­si­ti­on stellt auch kei­ne Lei­tungs­funk­ti­on in­ner­halb der Kir­che dar. Viel­mehr han­delt es sich um ei­ne Re­fe­ren­ten­stel­le, die sich zwar mit dem The­ma „An­ti­ras­sis­mus“ be­fasst, das auch nach re­li­giösen und dia­ko­ni­schen Wert­maßstäben und dem ent­spre­chen­den Men­schen­bild von nicht un­er­heb­li­cher Be­deu­tung ist. In­so­fern ist die Übe­rein­stim­mung mit dem evan­ge­li­schen Welt­bild nütz­lich. Dies be­gründet in­des noch bei wei­tem nicht, war­um die Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit für die Tätig­keit we­sent­lich und er­for­der­lich ist. Da­bei ist ergänzend zu berück­sich­ti­gen, dass der Be­richt nicht durch die Evan­ge­li­sche Kir­che al­lein ver­ant­wor­tet wird, son­dern schon nach der Stel­len­aus­schrei­bung „in Be­ra­tung mit Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen und wei­te­ren In­ter­es­senträgern“ zu er­stel­len ist.
Die Ausführun­gen des Be­klag­ten zu den we­sent­li­chen Stel­len­an­for­de­run­gen erschöpfen sich – los­gelöst von der zu er­brin­gen­den Tätig­keit – in all­ge­mei­nen Pro­grammsätzen und
schlag­wort­ar­ti­gen Dar­stel­lun­gen hin­sicht­lich der Öffent­lich­keits­wirk­sam­keit der zu be­set­zen­den Stel­le, oh­ne dies näher aus­zuführen. Da­bei ist nicht oh­ne Be­lang, dass sich die Öffent­lich­keits­ar­beit je­den­falls nicht auf den un­mit­tel­ba­ren so­ge­nann­ten verkündi­gungs­na­hen Be­reich. Ori­en­tiert man die­se Auf­ga­ben an des­sen in der Sat­zung des Be­klag­ten zu­sam­men­ge­fass­ten Zie­len, stellt man fest, dass es sich fast aus­nahms­los und vor­ran­gig um all­ge­meingülti­ge hu­ma­nis­ti­sche Zie­le han­delt. Spe­zi­el­le vor­ran­gig vom Glau­ben und der Re­li­gi­on ge­prägte Zie­le sind dar­in eben­so we­nig fest­zu­stel­len wie in der Tätig­keit der aus­ge­schrie­be­nen Stel­le.
Die Kläge­rin hat da­her An­spruch auf ei­ne Entschädi­gung gem. § 15 Abs. 2 AGG als Er­satz für den im­ma­te­ri­el­len Scha­den, der ihr in­fol­ge der Be­nach­tei­li­gung aus Gründen der Re­li­gi­on ent­stan­den ist. Durch die er­lit­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung der Kläge­rin wur­den ih­re all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rech­te ver­letzt.
a) Tat­be­stand­li­che Vor­aus­set­zung für den Entschädi­gungs­an­spruch ist ei­ne un­zulässi­ge Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin (vgl. BAG v. 07.07.2011, 2 AZR 396/10. NZA 2012, 34, 36), , die hier ge­ge­ben ist. Das Vor­lie­gen von Pflicht­ver­let­zun­gen des Be­klag­ten ist für den An­spruch eben­so we­nig er­for­der­lich wie ein Ver­schul­den oder ei­ne Kau­sa­lität.
b) Bei der Be­mes­sung der Höhe der Entschädi­gung ist fest­zu­stel­len, dass § 15 Abs. 2 AGG ei­ne Ober­gren­ze von drei Mo­nats­gehältern sta­tu­iert, die nicht über­schrit­ten wer­den darf. Es han­delt sich in­so­weit nicht um ei­ne Re­ge­l­entschädi­gung. Viel­mehr ist im je­wei­li­gen Ein­zel­fall zu prüfen, wie die er­lit­te­ne Persönlich­keits­ver­let­zung zu be­wer­ten ist.
An die­ser Stel­le sei zunächst dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der An­trag der Kläge­rin zwar die Fest­set­zung der Entschädi­gungshöhe in das rich­ter­li­che Er­mes­sen stellt, gleich­wohl durch An­ga­be des aus ih­rer Sicht min­des­tens zu be­an­spru­chen­den Entschädi­gungs­be­tra­ges in Höhe von ge­nau drei Mo­nats­vergütun­gen ei­nes voll­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer mit ei­ner Ent­gelt­grup­pe 13 nach dem TVöD in Höhe von der­zeit 3.262,89 € die­ses Er­mes­sen be­reits auf null zu re­du­zie­ren ge­denkt.
Zu­dem geht die Kam­mer da­von aus, dass der Entschädi­gungs­zah­lung auf drei Mo­nats­gehälter der in Aus­sicht ge­nom­me­nen Stel­le zu be­gren­zen ist, denn § 15 Abs. 2 S. 2 AGG stellt aus­drück­lich ei­nen Be­zug zu die­ser Stel­le durch den Hin­weis auf die Nicht­ein­stel­lung her. Es kann nur die­se Vergütung ge­meint sein, denn der Be­zug zu ir­gend­ei­nem an­de­ren Mo­nats­ge­halt fehlt. An­de­ren­falls wäre es der Fan­ta­sie des Stel­len­be­wer­bers über­las­sen, was er als Maßstab für die Entschädi­gungshöhe her­an­zie­hen möch­te. In­so­weit geht auch der Hin­weis der Kläge­rin fehl, ei­ne auf die Teil­zeit­vergütung
ab­ge­stell­te Entschädi­gungs­zah­lung stel­le be­reits ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung dar, weil die Persönlich­keits­ver­let­zung Teil­zeit­beschäftig­ter nicht we­ni­ger Wert sei, als die Voll­zeit­beschäftig­ter. Die Be­mes­sung der Entschädi­gungshöhe kann als ein­zig sinn­vol­len An­knüpfungs­punkt nur die in Aus­sicht ge­nom­me­ne Stel­le ha­ben, denn an­de­ren­falls müss­te man ar­gu­men­tie­ren, dass auch die Persönlich­keits­ver­let­zung ei­nes Be­wer­bers auf ei­ner ge­ring do­tier­ten Stel­le we­ni­ger wert wäre als die­je­ni­gen Be­wer­bers auf ei­ne hoch­do­tier­te Stel­le. Die­sem Di­lem­ma könn­te man al­len­falls durch ei­nen Fest­be­trag aus­glei­chen, dem wie­der­um ei­ne Rei­he an­de­rer Be­den­ken ent­ge­gen­ste­hen wer­den. Es kann so­mit nur auf die Mo­nats­vergütung ei­ner mit 60 % Ar­beits­zeit aus­ge­stal­te­ten Stel­le der Ent­gelt­grup­pe 13 TVöD ab­ge­stellt wer­den, al­so ei­nen Be­trag in Höhe von 1.957,73 €.
c) Für die Entschädi­gungs­be­mes­sung sind Art, Schwe­re und Dau­er des Ver­s­toßes so­wie die Fol­gen für den Ar­beit­neh­mer (BAG v. 18.03.201, 8 AZR 1044/08, aaO) und das Aus­maß des Ver­schul­dens zu berück­sich­ti­gen (BAG v. 22.01.2009, 8 AZR 906/07, NZA 2009, 945-954).
Die Kläge­rin hat in­so­weit nicht vor­ge­tra­gen, ins­be­son­de­re zu den Fol­gen des Ver­s­toßes für sie selbst. Geht man in­des da­von aus, dass der ge­setz­li­che Höchst­be­trag in be­son­ders schwe­ren Fällen, et­wa ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung aus meh­re­ren Gründen oder wie­der­hol­te Dis­kri­mi­nie­run­gen aus­zu­spre­chen wäre, muss sich die Entschädi­gung für die Kläge­rin deut­lich dar­un­ter ein­rei­hen. Hin­zu kommt, dass auf Sei­ten des Be­klag­ten das Aus­maß des Ver­schul­dens eher als ge­ring ein­zu­stu­fen ist. Der Be­klag­te hat sich bei sei­ner Aus­schrei­bungs­pra­xis an sei­ne seit Jahr­zehn­ten be­ste­hen­den und im Grun­de be­an­stan­dungs­frei prak­ti­zier­ten Re­geln ge­hal­ten und ist von ei­ner aus sei­ner Sicht ge­si­cher­ten Rechts­la­ge aus­ge­gan­gen. Die Kam­mer hält un­ter Berück­sich­ti­gung der ge­samt­umstände des Ein­zel­falls die Zah­lung ei­ner Entschädi­gung in Höhe ei­ner Mo­nats­vergütung für ge­bo­ten aber auch für an­ge­mes­sen.
Die Kos­ten­ent­schei­dung ba­siert auf §§ 12a Abs. 1, 46 Abs. 2 ArbGG, 91, 92 ZPO. Der Be­klag­te hat als Un­ter­lie­gen­der die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen. Zwar ist die Kläge­rin in der Fest­set­zung der Höhe der Entschädi­gung teil­wei­se un­ter­le­gen. Da sie je­doch die Be­mes­sung der Höhe in das rich­ter­li­che Er­mes­sen ge­stellt hat, ist es ge­recht­fer­tigt, Dem Be­klag­ten gem. § 92 Abs. 2 Ziff. 2 ZPO gleich­wohl die ge­sam­ten Ver­fah­rens­kos­ten auf­zu­er­le­gen
Der Streit­wert wird gem. §§ 39, 40 GKG, 61 Abs. 1, 46 Abs. 2 ArbGG, §§ 2 ff. ZPO fest­ge­setzt. Er ent­spricht der Höhe der min­des­tens gel­tend ge­mach­ten Kla­ge­for­de­rung.
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