Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201981,%201511
Timestamp: 2020-05-28 19:28:14
Document Index: 140115358

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 13', '§ 1', 'BGH', '§ 1', '§ 11', 'BGH', '§ 13', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 9', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 13', 'BGH', 'BGH']

BGH, 11.02.1981 - VIII ZR 335/79 - dejure.org
BGH, 11.02.1981 - VIII ZR 335/79
https://dejure.org/1981,333
BGH, 11.02.1981 - VIII ZR 335/79 (https://dejure.org/1981,333)
BGH, Entscheidung vom 11.02.1981 - VIII ZR 335/79 (https://dejure.org/1981,333)
BGH, Entscheidung vom 11. Februar 1981 - VIII ZR 335/79 (https://dejure.org/1981,333)
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Anwendung einer durch Urteil verbotenen Bestimmung aus Allgemeinen Geschäftsbedingungen bei der Abwicklung bereits abgeschlossener Verträge - Erstreckung einer Bindungswirkung des Unterlassungsurteils auch auf bereits vor deren Rechtskraft abgeschlossene Verträge - ...
NJW 1981, 1511
MDR 1981, 750
WM 1981, 379
BB 1981, 1793
DB 1981, 1129
Der Gesetzgeber hat in Kenntnis der bereits zu § 13 AGBG - der Vorgängervorschrift des § 1 UKlaG - ergangenen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, nach der vom Verwender einer unwirksamen Allgemeinen Geschäftsbedingung keine Beseitigungshandlung dahingehend verlangt werden konnte, dass er bereits abgewickelte Verträge rückabwickelte oder den Vertragspartner von sich aus auf die Unangemessenheit der Klausel aufmerksam machte (vgl. BGH, Urteil vom 11. Februar 1981 - VIII ZR 335/79, NJW 1981, 1511, 1512) auch in § 1 UKlaG im Hinblick auf den Verwender lediglich eine Unterlassungspflicht normiert.
Indem der Rechtsverkehr nicht nur vor der weiteren neuerlichen Verwendung einer unwirksamen Klausel in neu abzuschließenden Verträgen bewahrt wird, sondern auch vor einer Berufung auf eine solche Klausel in bereits bestehenden Verträgen, wird zugleich der durch die Regelung des § 11 UKlaG verfolgte Zweck erreicht, widersprüchliche Entscheidungen über die Unwirksamkeit derselben Klausel zu vermeiden (BGH, NJW 1981, 1511, 1512).
Den Rechtsverkehr auch von derart unwirksamen Klauseln freizuhalten, gehört zum Zweck der Verbandsklage nach § 13 AGBG (vgl. BGHZ 92, 24, 26 [BGH 28.06.1984 - VII ZR 276/83]; BGH NJW 1981, 1511, 1512; 1983, 1853;… Ulmer/Brandner/Hensen § 9 Rdn. 29, 30).
Auch wenn es vorliegend nicht mehr um die Einbeziehung in neue Verträge geht, ist in der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs anerkannt, dass mit der Verbandsklage nicht nur die Unterlassung der Verwendung einer beanstandeten Klausel für künftige Vertragsabschlüsse verlangt werden kann, sondern der Verwender es auch zu unterlassen hat, sich bei der Abwicklung solcher bereits bestehender Verträge auf diese Klausel zu berufen (vgl. BGH, Urteile vom 11. Februar 1981 - VIII ZR 335/79, NJW 1981, 1511 f und vom 13. Juli 1994 - IV ZR 107/93, BGHZ 127, 35, 37; Senatsurteil vom 18. April 2002 - III ZR 199/01, NJW 2002, 2386 …sowie Urteil vom 13. Dezember 2006 - VIII ZR 25/06, NJW 2007, 1054 Rn. 36).
Seine Unterlassungsverpflichtung geht vielmehr lediglich dahin, sich bei der Durchsetzung seiner Rechte nicht auf die unwirksame Klausel zu berufen (vgl. BGH, Urteil vom 11. Februar 1981 - VIII ZR 335/79, NJW 1981, 1511, 1512).
Der Bundesgerichtshof hat zu der Vorgängervorschrift des § 13 AGBG entschieden, vom Verwender einer unwirksamen Klausel könne nicht verlangt werden, dass er bereits abgewickelte Verträge rückabwickle oder den Vertragspartner von sich aus auf die Unangemessenheit der Klausel aufmerksam mache; seine Unterlassungspflicht gehe vielmehr lediglich dahin, sich bei der Durchsetzung seiner Rechte nicht auf die unwirksame Klausel zu berufen, sie also nicht mehr zu verwenden (Urteil vom 11. Februar 1981 - VIII ZR 335/79 - NJW 1981, 1511 unter II 2 c cc).
Dieser Rechtsprechung ist die Literatur im wesentlichen, wenn auch mit unterschiedlicher Begründung, gefolgt (vgl. Bunte BB 1981, 1793; Löwe BB 1988, 1832;… Soergel/Stein, BGB 12. Aufl. § 13 AGBG Rdn. 10;… Hensen in Ulmer/Brandner/Hensen, AGB-Gesetz 7. Aufl. § 13 Rdn. 27;… Palandt/Heinrichs, BGB 53. Aufl. § 13 AGBG Rdn. 6;… differenzierend Lindacher in Wolf/Horn/Lindacher, AGB-Gesetz 3. Aufl. § 13 Rdn. 66f.;… kritisch Gerlach,. MünchKomm 3. Aufl. § 13 AGBG Rdn. 42, der aber meint, diese Rechtsprechung liege in der rechtspolitischen Gesamtrichtung des AGBG;… a.A. ohne nähere Begründung Erman/Werner, BGB 9. Aufl. § 13 Rdn. 31).
Insbesondere soll die den Verbänden eingeräumte Klagebefugnis verhindern, daß sich eine rechtsunkundige Vertragspartei, wenn ihr von dem Verwender eine nach §§ 9 ff. AGBG unwirksame Klausel entgegengehalten wird, von vornherein von einer Geltendmachung und Durchsetzung ihrer Rechte abhalten läßt (BGH, Urteil vom 11. Februar 1981 aaO. unter II 2 c aa m.w.H.).
Es hinge damit weitgehend vom Zufall ab, ob der Vertragspartner es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommen läßt und in diesem Individualrechtsstreit zwischen Verwender und Kunden das Gericht die Unwirksamkeit der Klausel feststellt (vgl. BGH, Urteil vom 11. Februar 1981 aaO. für die gleichzeitige Kontrolle).
Auf den Umstand, daß die Beklagte - ebenso wie andere Verwender - u.U. deswegen finanzielle Nachteile erleidet, weil sich jedenfalls bei noch nicht abgewickelten Verträgen der Käufer auf die Unwirksamkeit der Preiserhöhung berufen kann (vgl. dazu Senatsurteil vom 11. Februar 1981 - VIII ZR 335/79 = WM 1981, 379), kommt es nicht an.
Wer verurteilt ist, eine Bestimmung in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht mehr zu verwenden, darf sich auch bei der Abwicklung bereits abgeschlossener Verträge nicht mehr auf diese Bestimmung berufen (vgl. BGH NJW 1981, 1511; BGH NJW 1997, 1068, 1069).
Eine "Verwendung" Allgemeiner Geschäftsbedingungen, deren Unterlassung mit der Klage begehrt wird, besteht auch darin, daß der Verwender sich in Altfällen auf eine Klausel beruft, selbst wenn er diese für den Abschluß neuer Verträge nicht mehr verwendet (BGH, Urt. v. 11.2.1981 - VIII ZR 335/79, NJW 1981, 1511 unter II 1; BGHZ 116, 1, 6;… Hensen in Ulmer/Brandner/Hensen, aaO § 13 Rdn. 27).
Wer sich nicht mit der gesetzlichen Regelung begnügt und zur Erweiterung seiner Rechte den Weg der Allgemeinen Geschäftsbedingungen wählt, ist in der Regel nicht dadurch in seinem schutzwürdigen Vertrauen beeinträchtigt, daß eine Klausel geraume Zeit unbeanstandet geblieben ist und erst nach Jahren gerichtlich für unwirksam erachtet wird (BGHZ 106, 42, 52; BGH, Urt. v. 11. Februar 1981 - VIII ZR 355/79, NJW 1981, 1511, 1512).
OLG Düsseldorf, 21.12.2000 - 6 U 45/00
OLG Bamberg, 04.03.2011 - 3 W 27/11
LG Düsseldorf, 04.11.1987 - 12 O 107/87