Source: http://www.abschaffung-der-jagd.de/initiative/reden/profdrwolfgangkarnowsky65antijagddemo.html
Timestamp: 2017-11-21 00:44:10
Document Index: 265843733

Matched Legal Cases: ['§ 16', '§ 1', '§ 7', 'Art. 1', 'Art. 14', 'Art. 20', 'Art. 20', '§ 17']

Redebeitrag Prof. Dr. Wolfgang Karnowsky
Allianz für Tierrechte, Kundgebung in Siegen, Redebeitrag zum 10.3.2007
Prof. Dr. jur. Wolfgang Karnowsky, Fachhochschule Dortmund und PAKT e.V., Düsseldorf
Forderungen und rechtspolitische Anmerkungen auf der
65. Demonstration des Bündnisses „Natur ohne Jagd“ - diesmal in der Siegener Innenstadt ab 12.30
Als früherer Richter am Landgericht Münster und Dortmund, jetziger Hochschullehrer der Rechtswissenschaft an der Fachhochschule Dortmund und auch als ehemaliges Mitglied in der Tierschutzkommission gem. § 16 b des Tierschutzgesetzes beim Bundeslandwirtschaftsministerium - dort habe ich den Bundesverband Menschen für Tierrechte/Bundesverband der Tierversuchsgegner, Aachen vertreten - möchte ich drei Thesen zur Jagd vortragen und werde dann meine acht rechtspolitischen Forderungen an den Gesetzgeber und die Bundes- und Landesregierungen stellen.
A. Heute fordern wir hier in Siegen die Abschaffung der Jagd, weil neben unseren zentralen ethischen Gründen auch
1. die Jagd nie ein Mittel zum „artenreichen Wildbestand“ sein kann (so aber noch jener plakative und unbewiesene § 1 Abs. 2 Bundesjagdgesetz), ferner weil
2. die Hege und Ökologie von Fauna und Flora nie diese Form der Regulierung von möglichen Überpopulationen durch die Jagd erfordern (z. B. sind sog. Verbissschäden eher die Folge der Jagd; viele Fachwissenschaftler belegen das) und
3. weil nie Jagdgegner unter den Grundeigentümern, die ihre Flächen nicht bejagen lassen wollen, länger mehr gegen ihr Gewissen gesetzlich zur Jagd-Duldung gezwungen werden dürfen. Die §§ 7 ff BJagdG verstoßen gegen die Menschenwürde (Art. 1 GG), die Eigentumsgarantie (Art. 14 GG) und den neuen Art. 20 a GG. Das BJagdG ist daher aus meiner juristischen Sicht in weiten Teilen nichtig.
B. 2002 erfolgte die überfällige GG-Novellierung: Der Tierschutz ist nun in der Verfassung: In Art. 20 a GG . Ist er aber damit wirklich in guter „Verfassung“?
Ich muss nur an die Hennenhaltung und die neueste Rechtsprechung zum Schächten erinnern.
1. Wir - Juristen für Tierrechte - fordern: Tierrechte auch in die geplante, immer wieder verschobene EU-Verfassung!
2. Wir fordern eine Treuhänderklage (Bekannt auch als „Robbenklage“) für Tiere; es ist die sog. Verbandsklage für unsere sprachlosen Mitgeschöpfe im Rahmen einer pathozentrischen, d. h. am Merkmal Schmerzempfindlichkeit orientierten , artübergreifenden und damit allein konsequenten antispeziesistischen Ethik.
3. Wir fordern detaillierte Regeln für alle „Nutztiere“: Haltungsverordnungen auf veterinärwissenschaftlicher Basis: z.B. auch für Zirkustiere und Schafe u. a.
4. Förderung einer „nutztierlosen“ Landwirtschaft durch Umsteuerung der Subventionen ab 2008? Bio-veganer Landbau ist möglich und ökologisch für alle, bald 10 Milliarden Menschen auf unserer Erde notwendig!
5. Wir wollen eine Fleischsteuer je kg wie z. B. die Tabaksteuer (eine Idee von Edgar Guhde von PAKT) wegen der unsäglichen Umweltschäden (Gülle; Flächenverbrauch; Immissionen wie Methan und Ammoniak)!
6. Keine Milchsubventionen mehr – analog zur Streichung der Kohlesubventionen!
7. „Das Schlachten zum Essen“ ist kein „vernünftiger Grund“ mehr zum Töten (so aber jetzt noch § 17 TSchG ). Wir fordern eine auch in Bezug auf Tiere gewaltfreie Gesellschaft, eine artübergreifende Ethik und wir hoffen auf den Sieg über jeden artegoistischen Speziesismus nach schon erfolgter Überwindung von Rassismus, Sexismus und Nationalismus. 8. Nochmals hier und heute in Siegen: Eine „Natur ohne Jagd“ möglichst bald!
Rechtsanwalt Storr: "Zwangsbejagung ade!"
Präsident des Landestierschutzverbandes NRW