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Timestamp: 2019-09-18 02:57:53
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Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 180', '§ 179', '§ 17', '§ 16', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 23', '§ 17', '§ 20', '§ 17', '§ 255', '§ 17', '§ 17', '§ 4', '§ 252', '§ 17', '§ 17', '§ 175', '§ 17', '§ 17', '§ 3', '§ 17', '§ 17', '§ 2', '§ 17', '§ 7', '§ 8', '§ 8', '§ 20', '§ 14', '§ 17', '§ 8']

Beteiligungsveräußerung ⇒ Lexikon des Steuerrechts | smartsteuer
3.6.4 Rückabwicklung der Veräußerung
6 Auflösungsgewinne bzw. -verluste nach § 17 Abs. 4 EStG
Nach § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG gehört zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb auch der Gewinn aus der Veräußerung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft, wenn der Veräußerer innerhalb der letzten fünf Jahre am Kapital der Gesellschaft unmittelbar oder mittelbar zu mindestens 1 % beteiligt war. Hat der Veräußerer den veräußerten Anteil innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Veräußerung unentgeltlich erworben, so gilt dies nach § 17 Abs. 1 Satz 4 EStG entsprechend, wenn der Veräußerer zwar nicht selbst, aber der Rechtsvorgänger oder, sofern der Anteil nacheinander unentgeltlich übertragen worden ist, einer der Rechtsvorgänger innerhalb der letzten fünf Jahre am Kapital der Gesellschaft unmittelbar oder mittelbar zu mindestens 1 % beteiligt war. Für die Berücksichtigung eines Verlusts aus der Veräußerung von unentgeltlich erworbenen Kapitalgesellschaftsanteilen (Zuwendung des Kapitalgesellschaftsanteils an einen Freund) kann die bei Verträgen unter fremden Dritten bestehende anzunehmende Vermutung für das Vorliegen eines entgeltlichen Geschäfts im Fall der Übertragung eines Kapitalgesellschaftsanteils, für den der Zuwendende hohe Anschaffungskosten getragen hat, nicht alleine wegen eines Freundschaftsverhältnisses zwischen dem Zuwendenden und dem Empfänger als widerlegt anzusehen sein. Die tatsächliche Vermutung, dass fremde Personen einander im Geschäftsleben nichts zu schenken pflegen, kann von dem die objektive Beweislast (Feststellungslast) tragenden Steuerpflichtigen (Kläger) durch unmittelbaren Beweis oder mit Hilfe eines Indizienbeweises widerlegt werden. Zu berücksichtigen ist, dass die genannte Vermutung umso stärker ausfällt, je wirtschaftlich werthaltiger der übertragene Gesellschaftsanteil für den Übertragenden und den Empfänger ist (BFH Urteil vom 9.5.2017, IX R 1/16, BFH/NV 2017, 1168).
Mit Urteil vom 6.12.2017 hat der BFH entschieden, dass auf der Ebene des veräußernden Gesellschafters der entgeltliche Erwerb eigener Anteile durch die GmbH ein Veräußerungsgeschäft i.S.d. § 17 Abs. 1 EStG darstellt (Bestätigung des BMF-Schreibens vom 27.11.2013, BStBl I 2013, 1615, Rz. 20 Satz 1). Die rein gesellschaftsintern wirkende Umgliederung einer freien Gewinnrücklage in eine zweckgebundene Rücklage führt nicht zu nachträglichen Anschaffungskosten auf den Geschäftsanteil des veräußernden Gesellschafters (BFH vom 6.12.2017, IX R 7/17, LEXinform 0951280).
In 2010 gliederte eine GmbH einen Betrag von ca. 100 000 € aus der freien (Gewinn-)Rücklage in eine zweckgebundene Rücklage zum Erwerb eigener Anteile durch die GmbH um. In 2011 veräußerte die alleinige Gesellschafterin (Klägerin) ihre Geschäftsanteile mit allen Gewinnbezugsrechten für nicht ausgeschüttete Gewinne und allen sonstigen Nebenrechten zum einen an einen Dritten und zum anderen an die GmbH. Im Einspruchsverfahren trug die Klägerin zur Begründung ihrer Rechtsansicht, dass der Gewinn aus dem Erwerb eigener Anteile nicht der Besteuerung unterliege, vor, dass der Erwerb eigener Anteile durch die GmbH kein Anschaffungsvorgang sei, sondern eine Kapitalherabsetzung. Die veränderte Behandlung eigener Anteile durch das BilMoG wirke aufgrund des Maßgeblichkeitsprinzips auf die steuerliche Gewinnermittlung ein. Die Rücklage zur Finanzierung des Erwerbs eigener Anteile sei als Anschaffungskosten vom Veräußerungserlös abzuziehen.
Der BFH befand jedoch, dass ein entgeltlicher Erwerb eigener Anteile durch die GmbH auch aus der im Streitfall maßgebenden Sicht der Anteilseignerin (Klägerin) ein Veräußerungsgeschäft i.S.d. § 17 EStG darstellt. Die von der GmbH zum Erwerb eigener Anteile gebildete Rücklage mindert nicht den von der Klägerin bei der Veräußerung des Anteils an die GmbH erzielten Veräußerungsgewinn. Die rein gesellschaftsintern wirkende Umgliederung einer Gewinnrücklage in eine zweckgebundene Rücklage führt nicht zu nachträglichen Anschaffungskosten auf den Geschäftsanteil des veräußernden Gesellschafters, da dieser Vorgang die Stellung des Gesellschafters gegenüber der Gesellschaft nicht berührt. Denn der Gesellschafter hat im Zeitpunkt der Umgliederung mangels Gewinnverteilungsbeschlusses keinen Anspruch auf Gewinnausschüttung. Auch kann eine solche Umgliederung nicht einer Kapitalzuführung des Gesellschafters von außen gleichgestellt werden. Die auf der Ebene der Gesellschaft anknüpfenden handelsrechtlichen Änderungen durch das BilMoG beinhalten keine Neuregelung hinsichtlich der hier allein in Rede stehenden Gesellschafterebene.
Kapitalbeteiligungen einer vermögensverwaltenden Personengesellschaft sind den Gesellschaftern der Personengesellschaft für die Bestimmung des Veräußerungstatbestands nach § 17 EStG anteilig zuzurechnen (sog. Bruchteilsbetrachtung). Folge der Bruchteilsbetrachtung ist u.a., dass Veräußerungsgewinne nach § 17 EStG weder Gegenstand einer einheitlichen und gesonderten Feststellung nach § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO noch – im Falle einer Unterbeteiligung – Gegenstand des besonderen Feststellungsverfahrens gem. § 179 Abs. 2 Satz 3 AO sein können. Dies gilt selbst dann, wenn ein Gesellschafter aufgrund der Höhe seines Anteils an der Personengesellschaft sowie der Höhe der zum Gesamthandsvermögen gehörenden Kapitalbeteiligung gem. § 17 EStG wesentlich an der Kapitalgesellschaft beteiligt ist (BFH Urteil vom 9.5.2000, VIII R 41/99, BStBl II 2000, 686; s. H 17 (2) &lsqb;Gesamthandsvermögen&rsqb; EStH).
3.6.4. Rückabwicklung der Veräußerung
Im Wirtschaftsleben kommt es immer wieder vor, dass obligatorische Verträge geschlossen werden, bei denen aber die sachenrechtliche Eigentumsübertragung oder die Abtretung der Rechte scheitern. Häufiger werden auch Rücktrittsrechte mit Rückabwicklungsregelungen in einen Kaufvertrag aufgenommen. Zur Rückabwicklung und erneuten Veräußerung von Anteilen und der damit verbundenen Ermittlung der Anschaffungskosten hat sich der BFH in seinem Urteil vom 6.12.2016 (IX R 49/15, BFH/NV 2017, 945, LEXinform 0950813) beschäftigt (s.a. Anmerkung vom 26.5.2017, LEXinform 0880257).
Ein Mitgesellschafter von zwei GmbHs veräußerte im Dezember 08 seine Anteile für ca. 10,5 Mio. € an eine AG. Der Kaufpreis wurde gestundet, aber letztlich von der Erwerberin nicht bezahlt. Im März 11 wurde daher die Rückabwicklung der Kaufverträge mit Rückabtretung der Anteile vorgenommen. Ein Veräußerungsgewinn wurde danach im Einkommensteuerbescheid 08 nicht mehr erfasst. Schließlich wurden im Kj. 16 die Anteile nach dem Tod des Gesellschafters von seiner Witwe endgültig an einen Dritten veräußert. Die Witwe ging davon aus, dass im März 11 ein erneuter Erwerb der GmbH-Anteile erfolgt war und der Erwerbspreis durch Verrechnung mit dem gestundeten vorherigen Verkaufspreis bezahlt wurde. Durch die dadurch erhöhten Anschaffungskosten verringerte sich der Veräußerungsgewinn des Jahres 16 deutlich auf ca. 1,9 Mio. €.
Der Große Senat des BFH hat zu § 16 Abs. 2 EStG entschieden (BFH vom 19.7.1993, GrS 2/92, BStBl II 1993, 897), dass es nur auf den tatsächlich erzielten Veräußerungsgewinn ankommt. Dies erfordert es, später eintretende Veränderungen beim ursprünglich vereinbarten Veräußerungspreis solange und soweit materiell-rechtlich auf den Zeitpunkt der Veräußerung zurückzubeziehen, als der Erwerber seine Verpflichtung zur Zahlung des Kaufpreises noch nicht erfüllt hat. Dabei ist es unerheblich, welche Gründe für die Minderung oder Erhöhung des (tatsächlich erzielten) Erlöses maßgebend waren. Entsprechendes gilt für die Ermittlung des Veräußerungspreises i.S.d. § 17 Abs. 2 EStG.
In Fortentwicklung dieser Rechtsprechung hat der BFH entschieden, dass es für die Bewertung der als Gegenleistung (Veräußerungspreis) erhaltenen Sachgüter auf die Verhältnisse im Zeitpunkt der Erfüllung der Gegenleistungspflicht ankommt, wenn sie von den Verhältnissen im Zeitpunkt der Entstehung des Veräußerungsgewinns abweichen.
Diese Rechtsprechung betrifft ausdrücklich nur Umstände, die sich auf die Höhe des Veräußerungspreises auswirken. Sie ist jedoch zu übertragen auf die Frage, ob ein Anschaffungsvorgang dem Grunde nach anzunehmen ist. Der Fall, dass der Veräußerungspreis rückwirkend in voller Höhe entfällt, ist danach genauso zu behandeln wie der Fall, dass die Veräußerung insgesamt rückgängig gemacht wird. Dies gebietet der Zweck des § 17 EStG, nur den tatsächlich erzielten Veräußerungsgewinn zu erfassen. Danach liegt grundsätzlich eine steuerlich zurückwirkende Rückabwicklung und keine Veräußerung/Anschaffung vor, wenn der ursprüngliche Vertrag im Zeitpunkt der Rückabwicklung noch nicht beiderseits vollständig erfüllt war. Unerheblich ist dagegen, ob der Vertrag wegen einer Leistungsstörung rückabgewickelt worden ist und ob eine Leistungsstörung wirklich vorlag. Darin liegt keine unzulässige Durchbrechung des Grundsatzes, wonach ein einmal verwirklichter Sachverhalt im Steuerrecht nicht einvernehmlich rückgängig gemacht werden kann. Ihre Rechtfertigung findet diese Ausnahme in § 17 EStG und der dort gebotenen Stichtagsbetrachtung.
Etwas anderes gilt nach der Rechtsprechung, wenn die Gegenleistung vollständig erfüllt ist. Eine Rückabwicklung des Vertrags nach diesem Zeitpunkt wirkt materiell-rechtlich nur dann zurück, wenn der Rechtsgrund für die spätere Änderung im ursprünglichen Rechtsgeschäft angelegt war.
War ein Veräußerungsgewinn bereits entstanden, bewirkt die steuerlich zurückwirkende Rückabwicklung des Vorgangs, dass der Veräußerungsgewinn rückwirkend entfällt. Dies schließt es zugleich aus, den Vorgang der Rückabwicklung aus der Sicht des ursprünglichen Veräußerers als Anschaffung zu behandeln.
Zur fehlgeschlagenen Rückabwicklung und zum Veräußerungsvorgang i.S.d. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG s.a. das BFH-Urteil vom 31.1.2017 (IX R 26/16, BFH/NV 2017, 952, LEXinform 0950979) zur Übertragung von Anteilen an geschlossenen Immobilienfonds s.a. BFH Urteile vom 6.9.2016, IX R 44/14, BFH/NV 2017, 191, IX R 45/14, BFH/NV 2017, 197 und IX R 27/15, BFH/NV 2017, 202 und ebenfalls unter → Private Veräußerungsgeschäfte.
Bei Anteilsübertragungen zwischen nahestehenden Personen (Geschwister), bei denen das zu entrichtende Entgelt mit Rücksicht auf die Wertlosigkeit des Anteils 0 € beträgt, ist nur dann von einer Veräußerung i.S.v. § 17 EStG und nicht von einer Schenkung auszugehen, wenn nach dem Gesamtbild der objektiven Umstände unter Berücksichtigung des Willens und der Vorstellungen der Vertragsparteien feststeht, dass der übertragene Anteil sowohl objektiv als auch in den Augen der Vertragsparteien wertlos ist (BFH-Urteil vom 8.4.2014, IX R 4/13, BFH/ NV 2014, 1201 und FG Düsseldorf Urteil vom 19.3.2015, 8 K 1885/13 E–F, EFG 2015, 1364, LEXinform 5017890, Revision eingelegt, Az. BFH: IX R 23/15, LEXinform 0950270).
Im Fall a) liegt die Kaufpreisforderung von (29 088 € × 15 Jahre &equals;) 436 320 € weit über dem Verkehrswert, sodass der Kaufpreis in einen Zins- und Tilgungsanteil aufzuteilen ist.
Im Fall c) entspricht die Kaufpreisforderung von (20 000 € × 15 Jahre &equals;) 300 000 € genau dem Verkehrswert von 300 000 €. Das FG Düsseldorf hat entschieden, dass eine zur Aufteilung der Kaufpreisraten in einen Zins- und Tilgungsanteil führende Kapitalüberlassung gegen Entgelt zu verneinen ist, wenn sich bei einem Geschäft unter Angehörigen die über den gesamten Zeitraum zu leistenden Ratenzahlungen auf eine Kaufpreisforderung an dem Verkehrswert des verkauften WG orientieren.
Im Fall d) liegt die Kaufpreisforderung von (36 000 € × 15 Jahre &equals;) 540 000 € weit über dem Verkehrswert, sodass der Kaufpreis nach dem Urteil des FG Düsseldorf vom 22.10.2014 (7 K 451/14 E, LEXinform 5017474, rkr.) in einen Zins- und Tilgungsanteil aufzuteilen ist.
Mit Urteil vom 9.2.2010 (VIII R 43/06, BStBl II 2010, 818), dem sich das FG Düsseldorf mit Urteil vom 22.10.2014 (s.o.) anschließt, hat der BFH entschieden, dass dann, wenn kein entgeltlicher Leistungsaustausch stattfindet, auch keine Kapitalüberlassung erfolgt, sodass in den wiederkehrenden Zahlungen auch kein nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG zu erfassender Zinsanteil enthalten ist.
Veräußerungsgewinn ist gem. § 17 Abs. 2 Satz 1 EStG der Betrag, um den der Veräußerungspreis nach Abzug der Veräußerungskosten die Anschaffungskosten übersteigt. Anschaffungskosten sind nach § 255 Abs. 1 Satz 1 HGB Aufwendungen, die geleistet werden, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben. In diesem Sinne angeschafft – mit der Folge weiterer nachträglicher Anschaffungskosten – wird ein GmbH-Anteil auch dann, wenn der Gesellschafter das daran bestehende dingliche Nutzungsrecht eines Dritten wie z.B. einen Nießbrauch ablöst. Denn erwirbt ein Stpfl. ein mit einem dinglichen Nutzungsrecht belasteten Gegenstand, so erhält er zunächst um das Nutzungsrecht gemindertes Eigentum. Seine Rechte als Eigentümer sind durch das Nutzungsrecht begrenzt. Löst er das Nutzungsrecht ab, so verschafft er sich die vollständige Eigentümerbefugnis an dem Gegenstand. Daher sind Aufwendungen zur Befreiung von einem Nießbrauch als nachträgliche Anschaffungskosten einzustufen.
6. Auflösungsgewinne bzw. -verluste nach § 17 Abs. 4 EStG
Für die Gewinnermittlung nach § 17 Abs. 2 EStG – und somit auch bei der Auflösung einer Kapitalgesellschaft – ist eine Stichtagsbewertung auf den Zeitpunkt der Gewinn- oder Verlustrealisierung vorzunehmen. Das bedeutet u.a., dass alle am jeweiligen Bilanzstichtag vorhersehbaren Risiken und Verluste zu berücksichtigen sind, die bis zum Zeitpunkt des Abschlusses der Liquidation – oder bis zu dem an seine Stelle tretenden Zeitpunkt – noch entstehen werden (§§ 4 Abs. 1, 5 EStG, § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB; s.a. H 17 (7) &lsqb;Auflösung und Kapitalherabsetzung&rsqb; EStH).
An den vorstehend beschriebenen Zeitpunkten einer Gewinn- oder Verlustrealisierung ändert nichts, dass nach Veräußerung einer Beteiligung oder nach Auflösung einer Kapitalgesellschaft noch Aufwendungen anfallen können, die nachträgliche Anschaffungskosten der Beteiligung i.S.d. § 17 Abs. 2 Satz 1 EStG sind. Das kann insoweit der Fall sein, als ein Kapitalgesellschafter für eine Verbindlichkeit der Gesellschaft eine Bürgschaft übernommen oder eine Zahlung für die Freistellung von dieser Verpflichtung geleistet hat und der Ersatzanspruch aus der Bürgschaft gegen die Gesellschaft nicht realisierbar ist. Solche nachträglichen Anschaffungskosten sind bei der Ermittlung des Gewinns nach § 17 Abs. 2 Satz 1 EStG zu den oben erwähnten Zeitpunkten zu berücksichtigen. Es handelt sich dann um ein nachträgliches Ereignis, das die Höhe des Veräußerungs- oder Auflösungsgewinns beeinflusst und auf den Zeitpunkt der Veräußerung oder Auflösung zurückzubeziehen ist. Das Ereignis beeinflusst die Steuerschuld des Jahres der Veräußerung oder Auflösung und ist nach § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO zu berücksichtigen (BFH Urteil vom 1.7.2014, IX R 47/13, BStBl II 2014, 786 Rz. 19).
Mit der Aufhebung des Eigenkapitalersatzrechts durch das MoMiG ist die gesetzliche Grundlage für die bisherige Rechtsprechung zur Berücksichtigung von Aufwendungen des Gesellschafters aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen als nachträgliche Anschaffungskosten im Rahmen des § 17 EStG entfallen. Aufwendungen des Gesellschafters aus seiner Inanspruchnahme als Bürge für Verbindlichkeiten der Gesellschaft führen nicht mehr zu nachträglichen Anschaffungskosten auf seine Beteiligung. Die bisherigen Grundsätze zur Berücksichtigung von nachträglichen Anschaffungskosten aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen sind weiter anzuwenden, wenn der Gesellschafter eine eigenkapitalersetzende Finanzierungshilfe bis zum Tag der Veröffentlichung dieses Urteils geleistet hat oder wenn eine Finanzierungshilfe des Gesellschafters bis zu diesem Tag eigenkapitalersetzend geworden ist. (BFH Urteil vom 11.7.2017, IX R 36/15, BFH/NV 2017, 1501).
Bei der insolvenzfreien Auflösung entsteht nach den vorstehenden Grundsätzen der Auflösungsgewinn bzw. -verlust regelmäßig erst in dem Zeitpunkt, in dem weder mit einer Auskehrung von Gesellschaftsvermögen an den Gesellschafter noch mit einer wesentlichen Änderung der durch die Beteiligung veranlassten Aufwendungen wie Veräußerungskosten, Aufgabekosten oder nachträglichen Anschaffungskosten mehr zu rechnen ist. Auf Ebene der Gesellschaft sind auch Sachverhalte zu berücksichtigen, die die Kapitalgesellschaft oder den Gesellschafter – wenn er Kaufmann wäre – zur Bildung einer Rückstellung verpflichten würden (BFH Urteil vom 27.11.2001, VIII R 36/00, BStBl II 2002, 731).
Für die Berücksichtigung eines Verlusts aus der Veräußerung von unentgeltlich erworbenen Kapitalgesellschaftsanteilen (Zuwendung des Kapitalgesellschaftsanteils an einen Freund) kann die bei Verträgen unter fremden Dritten bestehende anzunehmende Vermutung für das Vorliegen eines entgeltlichen Geschäfts im Fall der Übertragung eines Kapitalgesellschaftsanteils, für den der Zuwendende hohe Anschaffungskosten getragen hat, nicht alleine wegen eines Freundschaftsverhältnisses zwischen dem Zuwendenden und dem Empfänger als widerlegt anzusehen sein. Die tatsächliche Vermutung, dass fremde Personen einander im Geschäftsleben nichts zu schenken pflegen, kann von dem die objektive Beweislast (Feststellungslast) tragenden Steuerpflichtigen (Kläger) durch unmittelbaren Beweis oder mit Hilfe eines Indizienbeweises widerlegt werden. Zu berücksichtigen ist, dass die genannte Vermutung umso stärker ausfällt, je wirtschaftlich werthaltiger der übertragene Gesellschaftsanteil für den Übertragenden und den Empfänger ist (BFH Urteil vom 9.5.2017, IX R 1/16, BFH/NV 2017, 1168).
Hat der Stpfl. einen Veräußerungserlös, eine Rückzahlung auf das Eigenkapital oder eine Gewinnausschüttung erhalten, so ist der Verlust entsprechend den Grundsätzen des Halb- bzw. Teileinkünfteverfahrens zu kürzen (s.a. BFH Urteil vom 20.4.2011, I R 97/10, BStBl II 2011, 815). Bei der Ermittlung des Auflösungsverlusts i.S.v. § 17 Abs. 1 und Abs. 4 EStG ist der Erwerbsaufwand nicht gem. § 3c Abs. 2 Satz 1 EStG begrenzt abziehbar, wenn der Stpfl. lediglich solche durch seine Beteiligung an der GmbH vermittelten Einnahmen erzielt hat, für die noch das Anrechnungsverfahren galt (BFH Urteil vom 6.4.2011, IX R 28/10, BStBl II 2011, 814). Ein Verlust nach § 17 Abs. 4 EStG kann erst in dem Veranlagungszeitraum berücksichtigt werden, in dem endgültig feststeht, in welcher Höhe der Stpfl. mit Zahlungen aus einer Bürgschaft belastet wird (FG Münster Urteil vom 27.3.2014, 2 K 4479/12 E, EFG 2014, 1299, LEXinform 5016575, bestätigt durch BFH Urteil vom 2.12.2014, IX R 9/14, BFH/NV 2015, 666 Nr. 5).
Bei der → Gewerbesteuer bleibt bei der Ermittlung des Gewerbeertrags (→ Gewerbeertrag) bei natürlichen Personen und Personengesellschaften der Gewinn bzw. Verlust der Beteiligungsveräußerung i.S.d. § 17 EStG außer Ansatz (R 7.1 Abs. 3 Nr. 2 GewStR). Der Gewinn aus der Veräußerung einer zum Betriebsvermögen einer natürlichen Person oder einer Personengesellschaft gehörenden Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft i.S.d. § 2 Abs. 2 GewStG ist allerdings stets Gewerbeertrag. Gewinne aus der Veräußerung wesentlicher Beteiligungen i.S.d. § 17 EStG gehören nicht zum Gewerbeertrag, weil diese Vorschrift nur zur Anwendung kommt, wenn die Beteiligung zum Privatvermögen (also nicht zu einem Betriebsvermögen) gehört.
Bei Kapitalgesellschaften gehört der Gewinn aus der Veräußerung einer betrieblichen Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft nicht zum Gewerbeertrag Vielmehr ist der Gewerbeertrag gem. § 7 Satz 1 GewStG nach den Vorschriften des KStG zu ermitteln. Danach sind die Regelungen des § 8b KStG bei der Ermittlung des Gewerbeertrags zu beachten (s.a. BFH Urteil vom 9.8.2006, I R 95/05, BStBl II 2007, 279). Nach § 8b Abs. 2 KStG bleiben Gewinne aus der Veräußerung eines Anteils an einer Körperschaft oder Personenvereinigung, deren Leistungen beim Empfänger zu Einnahmen i.S.d. § 20 Abs. 1 Nr. 1, 2, 9 und 10 Buchst. a des EStG gehören, oder an einer Organgesellschaft i.S.d. § 14 oder § 17 außer Ansatz. § 8b Abs. 3 KStG bestimmt, dass 5 % des (steuerfreien) Gewinns als nicht abzugsfähige Betriebsausgaben anzusehen sind. Im Ergebnis gehören damit faktisch 95 % des Gewinns nicht zum Gewerbeertrag.