Source: https://www.blja.bayern.de/hilfen/erziehung/vollzeitpflege/index.php
Timestamp: 2018-03-18 08:04:27
Document Index: 261187685

Matched Legal Cases: ['§ 33', '§ 27', '§ 8', '§ 1630', 'Art. 34', 'Art. 41', '§ 36', '§ 33', '§ 44', '§ 34', '§ 45']

Vollzeitpflege nach § 33 SGB VIII ist eine mögliche Hilfe zur Erziehung für Eltern, die sich nicht in der Lage sehen, eine dem Wohl ihres Kin­des oder Jugendlichen ent­spre­chende Erziehung selbst zu gewähr­leisten und wenn die Hilfe für die Ent­wick­lung des jungen Menschen not­wendig und geeignet ist. Das Kind lebt für eine be­stimm­te Zeit oder auf Dauer in einer Pflegefamilie, die die Verantwortung für die Be­treu­ung und Erziehung des Kindes im Alltag übernimmt. Voll­zeit­pflege unter­scheidet sich dabei von anderen Hilfearten gemäß §§ 27 ff. SGB VIII. Sie wird vorwiegend nicht durch pro­fessionelle päda­gogische Fachkräfte erbracht, sondern in der Regel von en­ga­gier­ten Laien.
§§ 8a, 38, 39, 44 SGB VIII
§§ 1630, 1632, 1684, 1685, 1688 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
Art. 34 ff., Art. 41 Gesetz zur Ausführung der Sozialgesetze (AGSG)
Die konkrete Ausgestaltung der Hilfe – von der kurzfristigen Aufnahme bis hin zur lang­fristigen Lebensperspektive für das Kind oder den Jugendlichen – richtet sich nach dem erzieherischen Bedarf sowie dem Wohl des zu betreuenden Kindes oder Ju­gend­lichen. Während der gesamten Dauer eines Pflegeverhältnisses werden die leiblichen Eltern und die Pflegefamilie vom Jugendamt betreut. Im Rahmen regel­mäßiger Hilfe­plangespräche gemäß § 36 SGB VIII muss mit allen Beteiligten – in der Regel halbjährlich – gemeinsam die konkrete Ausgestaltung der Hilfe vereinbart und überprüft werden.
Haben Personen Interesse an der Aufnahme eines Pflegekindes und wollen sich hierüber beraten lassen, richten sie ihren Wunsch an das örtliche Jugendamt. Das anschließende Bewerbungsverfahren ist ein zweiseitiger Entscheidungsprozess. Bewerber müssen sich ent­schei­den, ob sie eine Pflegefamilie werden wollen, und das Jugend­amt muss die Entscheidung treffen, ob es die Bewerber grundsätzlich für die Aufnahme eines Pflegekindes geeignet hält. Während dieses Be­ra­tungs­pro­zes­ses können Einzelgespräche, Hausbesuche, In­for­ma­tions­ver­an­stal­tungen, Seminare sowie Literaturstudium zum Einsatz kommen.
Das Bayerische Landesjugendamt unterstützt die örtlichen Jugend­ämter und mit der Auf­ga­ben­wahrnehmung beauftragte freie Träger, indem es praxisnahe Arbeitshilfen zur Verfügung stellt, Fach­ver­an­staltungen durchführt, Fachliche Empfehlungen ent­wickelt, in schwierigen Fragen beratend zur Seite steht und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem jeweiligen Aufgabenfeld fortbildet. Darüber hinaus ist es in schwie­ri­gen Ein­zel­fällen, z. B. bei der Vermittlung älterer Kinder, Geschwister oder Kindern mit einer Krank­heit bzw. Behinderung unmittelbar behilflich. Bei der An­er­ken­nung und Voll­strec­kung von Entscheidungen ausländischer europäischer Ge­rich­te (außer Däne­mark) sind die Regelungen des Internationalen Familien­rechts­ver­fah­rens­ge­set­zes zu beachten, die die Vorgaben der Brüssel-IIa-Verordnung konkretisieren. Demzufolge bedarf die Unterbringung eines Kindes aus dem eu­ro­päischen Ausland in einer Pflegefamilie in Bayern der Zustimmung des Bayerischen Landesjugendamts.
ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt (Hrsg.): Sozialpädagogische Diagnose & Hilfeplan; München 2013
ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt: Rechtsanspruch auf Hilfe zur Erziehung verteidigen durch Qualifizierung der Steuerungs­pro­zesse in der Einzelfallhilfe; Jahresbericht 2011, S. 36 – 52; München 2012
Sabella, Peter: Unterbringung von Kindern oder Jugendlichen in einem Heim oder einer Pflegefamilie in EU-Mitgliedsstaaten; ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt Mitteilungsblatt 6/2011; München 2011
ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt (Hrsg.): Vollzeitpflege – Arbeitshilfe für die Praxis der Jugendhilfe; 3. vollständig überarbeitete Auflage, München 2016
ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt (Hrsg.): Fragebögen für Ver­wand­ten­pflege­bewerber; München 2010;Checkliste, Basisbogen, Informationen und Fragen zur Aufnahme des Kindes/Jugendlichen
Die Fragebögen werden demnächst barrierefrei eingestellt.
Reinfelder, Hans: Das neue FamFG und seine Auswirkungen auf die öffentliche Jugendhilfe; ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt (Hrsg.); Mitteilungsblatt des Bayerischen Landesjugendamts 4/2009, München 2009
Parhofer, Sybille; Reinhardt, Jörg; Flynn, Claudia: Adoptions- und Pflege­kind­ver­mitt­lung. Gesprächsleitfaden und Arbeitshilfe; ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt (Hrsg.); München 2008
Wunsch, Angelika: Adoptions- und Pflegekindervermittlung. Eignungsüberprüfung von Bewerbern in der Adoptions- und Pflegekindervermittlung; ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt (Hrsg.); 2. Auflage, München 2006
ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt: Orientierungspunkte zur Abgrenzung zwi­schen § 33 i.V.m. § 44 und § 34 i.V.m. § 45 SGB VIII; Beschluss des Bayerischen Landesjugendhilfeausschusses vom 26. Oktober 1998
Bayerischer Landkreistag / Bayerischer Städtetag: Empfehlungen des Bayerischen Landkreistags und des Bayerischen Städtetags für die Vollzeitpflege nach dem SGB VIII, Stand: 1. Januar 2017
Bayerischer Landkreistag / Bayerischer Städtetag: Anhang zu den Richtlinien: Beispiel zu Nr. 2.1 und 4.2 für das Bewertungsverfahren
Kindler H. / Helming E. / Meysen T. / Jurczyk K.: Handbuch Pflege­kinder­hilfe. Deutsches Jugendinstitut e. V. (Hrsg.), München 2010
Küfner, Marion: Pflegekinder im Kontakt. Eine Analyse der Rechtsprechung zu Umgangskonflikten bei Pflegekindern; Deutsches Jugendinstitut e. V. (Hrsg.), München 2008
Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter (Hrsg.): Hilfe zur Erziehung in Pflegefamilien und in familienähnlichen Formen, November 2002