Source: http://www.psychiatrie.or.at/index.php?start=22
Timestamp: 2017-03-28 21:38:47
Document Index: 65381381

Matched Legal Cases: ['§ 240', 'Art 12', '§ 284', '§ 252', 'OGH', '§8', 'Art. 12', 'Art. 15', 'Art 17', 'Art. 19', 'Art 25', '§ 256', '§ 257', '§3', '§ 275', '§ 118', '§ 120', '§ 121', '§ 252', '§ 256', '§ 118', '§ 120', '§ 121']

Bezirksgericht Hall in Tirol (Unterbringung in der Psychiatrie) im neuen Missstandsbericht der Volksanwaltschaft
In der Unterbringungssache am BG Hall in Tirol, indem es um einen Todesfall in der Psychiatrie Hall geht und der zuständige Richter die gesetzlich vorgeschriebene Anhörung bis zum Tod nach 7 Tagen nicht vorgenommen hat und auch keinen Unterbringungsakt angelegt hat, hat die Voksanwaltschaft in ihrem Bericht festgestellt, dass ein Verfahrensstillstand von fast acht Monaten festzustellen war, der in einem Verfahren des BG Hall über die Zulässigkeit einer Unterbringung, die Zulässigkeit der medizinischen Behandlung, freiheitsbeschränkender Maßnahmen im Psychiatrischen Krankenhaus Hall auftrat(VA-BD-J/0562-B/1/2015). Durch die Diskriminierung von psychisch Kranken, denen die notwendige medizinische Behandlung verwehrt wurde, das Unterbrinungsrecht umgangen wurde, ist- wie dieser vermeidbare Todesfall zeigt- keine Bagatelle, es ist mit größter Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Tod vermeidbar war, wenn nicht durch den Freiheitsentzug die notwendige medizinische Behandlung der somatischen Beschwerden bei einem Facharzt oder einer Klinik verhindert wurde bzw. mechanische oder/und vor allem auch medikamentöse Freiheitsbeschränkungen zusätzlich gesetzt wurden.
Die Volksanwaltschaft stellt dazu fest, dass die hier vorliegende Säumnis des Bezirksgerichtes Hall nicht dazu beiträgt, das Vertrauen der Recht suchenden Bevölkerung in die Justiz zu fördern.
MISSSTANDSFESTSTELLUNGEN 2016 der VA
Der Menschenrechtskommissar der Europäischen Kommission verlangt Aufklärung.Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Bericht von Nils Muiznieks, dem Menschenrechtskommissar des Europarats . Herr Muiznieks war im Juni 2012 zu Besuch in Österreich, um sich ein Bild über menschenrechtliche Situation in Österreich zu machen. Die folgenden Textpassagen beziehen sich auf den Fall aus dem Jahre 2011:
Patients’ ombudspersons act as legal representatives in court proceedings for involuntary placement and also support individuals during their stay in hospitals or psychiatric departments. In principle their tasks end by law when the individual dies in an institution. However, in 2010 the Austrian Supreme Court of Justice held that their power of representation remains in such cases as otherwise there would be a gap in human rights protection.8The Commissioner is aware that there is no established domestic case law yet regarding the continuation of the power of representation if an individual dies shortly after having been released from an institution where he or she might have been subjected to measures of restraint or medical treatment. This gap leads to legal uncertainty which risks provoking further court cases.
See decision 4 Ob 210/09z of 23 February 2010 available under http://www.ris.bka.gv.at (Patientin in der Psychiatrie Hall stirbt an einer Thrombose nach 6-tägiger ununterbrochener Fixierung.
Der vollständige Bericht auf Englisch kann hier abgerufen werden: https://wcd.coe.int/ViewDoc.jsp?id=1970297
Der Menschenrechtskommissar bezieht sich auch auf die Entscheidung des obersten Gerichtshofes bei einem ähnlichen Fall (6 Tage ununterbrochene Fixierung eines Patienten, Patient stirbt an Thrombose) in der Psychiatrie in Hall
Es ist zu hoffen, dass alle Todesfälle in psychiatrischen Abteilungen, psychosozialen Einrichtungen, Heimen präventiv durch die unabhängigen Kommissionen (OPCAT) der Volksanwaltschaft österreichweit und auch in Tirol untersucht werden.
Stellungnahme zum Entwurf Sachwalter Neu
Begutachtung Erwachsenenschutzgesetz
Der Entwurf des neuen Erwachsenenschutzgesetzes, der vom Justizministerium vorgelegt wurde, liegt zur Begutachtung auf. Zahlreiche Stellungnahmen wurden eingebracht, die auf der Parlaments Homepage unter obigem Link abrufbar sind.
Stellungnahme von Mag. Otto Westreicher:
ich bedanke mich für die Möglichkeit zur Stellungnahme zum Entwurf des 2. Erwachsenenschutzgesetzes und gratuliere dem Justizministerium für den mutigen vorliegenden Entwurf.
Nichtsdestotrotz erlaube ich mir zum vorliegenden Entwurf des 2. Erwachsenenschutz-Gesetzes (2. ErwSchG) einige Bedenken und Korrekturen zu den Bestimmungen einzubringen, die ich bereits in der Informationsveranstaltung in Innsbruck am 21. September 2015 vorbringen konnte, die m.E. der UN-Behindertenkonvention widersprechen und/oder aufgrund der Erfahrungen im psychosozialen Bereich auch als Vertreter im Monitoringausschuss für Tirol zu Ungunsten der gewünschten Selbstbestimmung der Betroffenen nicht praxistauglich sind, bzw. leicht zu umgehen sind.
1. Begutachtungssverfahren
Für sehr viele Betroffene ist die Begutachtungsfrist einfach zu kurz. Viele Menschen mit psychosozialen Behinderung und Lernschwierigkeiten benötigen Unterstützung, um diesen Entwurf beurteilen zu können und dementsprechend mehr Zeit. Die 8-seitige Zusammenfassung in Leichter Sprache ist auch nicht ausreichend, es wäre sicher notwendig insbesondere auch die 83 Seiten Erläuterungen in Leichter Sprache für diese Personen zur Verfügung zu stellen. Außerdem ist die Begutachtung in die Urlaubszeit gefallen. Wie man aus den bisherigen Stellungnahmen entnehmen kann, hat auch noch keine betroffene Person eine Stellungnahme abgegeben. Es geht daher die Bitte, alle Unterlagen in Leichter Sprache zur Verfügung zu stellen und die Begutachtungsfrist zu verlängern.
2. Terminologie (§ 240 ABGB):Volljährige Personen, die aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer vergleichbaren Beeinträchtigung in ihrer Entscheidungsfähigkeit eingeschränkt sind.
Die Selbstvertreter und auch u.a. der Monitoringausschuss Tirol und der Bundesmonitoringausschuss wollen den Ausdruck Menschen mit Lernschwierigkeiten, weil eine Beeinträchtigung u.a.den medizinischen Aspekt betont, und somit nach der UN-Behindertenkonvention Art 12 dem sozialen Modell widerspricht. Außerdem ist durch die unklare Definition eine Ausweitung der rein medizinischen Voraussetzungen für eine Erwachsenenvertretung gegeben. Es ist sehr schade, dass die Selbstvertreter, die Betroffenen in diesem zentralen Punkt bisher nicht ernst genommen wurden. Deshalb bitte ich, diese Formulierung im Gesetz zu ändern, um die im Vollzug zu befürchtende Diskriminierung aufgrund einer Behinderung zuvorzukommen. Mit dem Begriff „psychische Krankheit“ wird wiederum nur das medizinische Modell herangezogen und nicht der Kontext und das soziale Umfeld gemäß der UN-Behindertenkonvention eingeschlossen und alle Personen mit einer psychischen Krankheit potentiell als nicht selbstbestimmt lebend stigmatisiert und diskriminiert.
Deshalb wird die Bezeichnung Menschen mit psychosozialer Behinderung und Lernschwierigkeiten vorgeschlagen und zur Diskussion gestellt.
Vertretungsbefugnis nächster Angehöriger gemäß §§ 284b ff ABGB idgF und die selbstständig errichtete Vorsorgevollmacht (für einfache Angelegenheiten).
Die Neuregelungen im neuen Erwachsenenschutzgesetz z.B. der Ausweitung auf der nächsten Angehörigen auf Geschwister, selbstgewählte Vertretung, Vorsorgevollmacht sind unbedingt auch im Unterbringungsgesetz und Heimaufenthaltsgesetz anzupassen, damit in Einrichtungen, in denen die Freiheit entzogen wird, zumindest der gleiche Rechtsschutz besteht. Außerdem ist die Formulierung als Bringschuld so zu wählen, damit wie sich in der Praxis des Vollzugs des Unterbringungsgesetzes zeigt, leicht umgangen werden kann. 4. §§ 252, 253,254 ABGB "Medizinische Behandlung"
Die Bestimmungen zur medizinischen Behandlung sind grundsätzlich zu unklar definiert und der Rechtsschutz und die Selbstbestimmung der Patienten ist im Vollzug dadurch leicht zu umgehen, wie auch die Praxis im Unterbringungsgesetz zeigt. Insbesondere muss man bedenken, dass es bei der medizinischen Behandlung ohne Zustimmung bei Menschen mit psychosozialer Behinderung und Lernschwierigkeit nicht nur um Operationen und somatischer Versorgung bedarf, sondern vor allem um die medizinische Behandlung mit Psychopharmaka, Schmerzmittel etc. wie Opioide/Analgetika, Narkotika, Antidementiva, Antidepressiva, Non-Psychopharmaka und Off - Label-Use, Antipsychotika/Neuroleptika, Benzodiazepine usw. handelt, die schon aufgrund der meist vorliegenden Multimorbidität und der Vielzahl der zu verabreichenden zusätzlichen Medikamente eine besondere Heilbehandlung darstellen, weil schwerwiegende und sogar tödliche Nebenwirkungen auftreten können (QT-Zeitverlängerung, Plötzlicher Herztod, Atemdepression, Lungenentzündung, Embolie, Thrombose, Stürze) und/oder gerade bei älteren Personen, die den weitaus größten Personenkreis für das Erwachsenenschutzgesetz (Demenz) umfasst, paradoxe Reaktionen wie nachweislich u.a. Psychosen und Suizid. Weiters ist zu bedenken, dass die verabreichten Psychopharmaka oder Schmerzmittel die Entscheidungsfähigkeit oft auf lange Zeit (z.B.Depotneuroleptika oder Sedativa, Opoide) beeinflussen können oder zu Abhängigkeit und Suchtkrankheit führen können. Deshalb ist die Aufklärung und die Selbstbestimmung bei der medizinischen Behandlung einer der Kernpunkte für eine Diskriminierung, weil keinem somatisch Kranken wird die Entscheidungsfähigkeit abgesprochen, wenn er eine Behandlung nicht will, obwohl die negativen Folgen ernsthaft und auch tödlich sein können.
Es wird leider, wie auch die Praxis besonders im Unterbringungsgesetz, aber auch im Heimaufenthaltsgesetz allein schon wegen fehlender Ressourcen und Strukturmängel die nach der UN-Behindertenkonvention geforderte Selbstbestimmung der Patienten nur auf dem Papier gegeben sein. Die große Anzahl von m.E.vermeidbaren Todesfällen in der Psychiatrie (siehe z.B. KH Hall in Tirol: OGH 23.02.2010 4 Ob 210/09z, 1 Ub 253/12s, März 2016, 26.April 2016) auch im Zusammenhang durch zusätzliche freiheitsbeschränkende Maßnahmen durch Medikation gegen den Willen, wird durch die Ausschaltung der Selbstbestimmung einer medizinischen Behandlung und Nicht- ernst-nehmen der schon jetzt möglichen Vorsorgevollmacht, Krisenpass, Behandlungsvereinbarungen, Vorsorgevollmachten und Familienanamnese im Bereiche des Unterbringungsgesetzes für Personen mit psychosozialer Behinderung und Lernschwierigkeiten zu befürchten sein. Wenn in der Gerontopsychiatrie ¾ aller Patienten beispielsweise in Hall in Tirol gegen ihren Willen und somit gegen die Selbstbestimmung mechanisch fixiert werden, kann man nur ungefähr aufgrund der Untersuchungen im Heimbereich abschätzen wie hoch die Rate von medikamentöser Fixierung ist, denn darüber gibt es nicht einmal Aufzeichnungen. Alles legal unter dem Deckmantel nicht entscheidungsfähig, Eigengefährdung oder Fremdgefährdung.
Auch hier müssen alle Bestimmungen als Bringschuld formuliert werden. Die unklaren Regelungen sind auch seitens der Krankenanstalten und Ärzten in der Praxis, im Vollzug nicht durchführbar und die Selbstbestimmung hinsichtlich Aufklärung und Zustimmung bei medizinischen Behandlung muss sich am Willen und Wohl des Patienten orientierten, umso mehr bei Menschen mit psychosozialer Behinderung und Lernschwierigkeiten(siehe Zwangsmaßnahmen gefährden eher die Therapie vom 25.8.2016: Suicide risk and absconding in psychiatric hospitals with and without open door policies: a 15 year, observational study . Menschen mit psychosozialer Behinderung und Lernschwierigkeiten sind gleich zu behandeln wie Menschen mit somatischen Krankheiten und nicht zu diskriminieren.
Es geht daher die Bitte, die volle Selbstbestimmung im Bereich der medizinischen Behandlung gemäß der UN-Behindertenkonvention auch – ja gerade für Menschen mit psychosozialer Behinderung und Lernschwierigkeiten im neuen Gesetz vollinhaltlich zu verankern und auch im Unterbringungsgesetz und Heimaufenthaltsgesetz und im §8 KAKuG anzupassen.
Stellungnahme NAP-Menschenrechtehttp://volksanwaltschaft.gv.at/downloads/fhu38/stellungnahme%20nap-mr-dez-14.pdf
Bedeutung des Allgemeinen Kommentars Nr. 1 (General Comment No.1-2014) des UN-Ausschusses über die Rechte von Menschen mit Behinderungen zu Art. 12 – BRK (Gleiche Anerkennung vor dem Recht) bzw.Verhältnis zu den Artikeln Freiheit von Folter und grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (Art. 15) http://www.ohchr.org/Documents/HRBodies/CRPD/GC/DGCArticle12.doc
GLEICHSTELLUNG UND NICHTDISKRIMINIERUNG (ART. 5)
Kinder mit Behinderungen (Artikel 7),
GLEICHE ANERKENNUNG VOR DEM RECHT (ART. 12) Der Ausschuss empfiehlt, dass Strukturen der unterstützten Entscheidungsfindung die Autonomie, den Willen und die Vorlieben der Person respektieren und sich vollständig im Einklang mit Artikel 12 des Übereinkommens befinden müssen; hierzu zählt auch das Recht der betroffenen Person, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten eine nach Aufklärung abgegebene Einverständniserklärung für eine medizinische Behandlung zu erteilen und zu widerrufen
FREIHEIT UND SICHERHEIT DER PERSON (ART. 14) 30. Der Ausschuss fordert den Vertragsstaat auf, alle notwendigen gesetzlichen, administrativen und gerichtlichen Maßnahmen zu treffen um sicherzustellen, dass niemand gegen seinen Willen in irgendeiner Art von Einrichtung für psychische Gesundheit festgehalten wird. 31. Der Ausschuss fordert den Vertragsstaat auch auf sicherzustellen, dass alle Dienstleistungen im Bereich psychischer Gesundheit auf der Grundlage einer freiwilligen, nach Aufklärungen erteilten Einverständniserklärung der betroffenen Person bereitgestellt werden.
FREIHEIT VON FOLTER UND GRAUSAMER, UNMENSCHLICHER ODER ERNIEDRIGENDER BEHANDLUNG ODER STRAFE (ART. 15) 33. Empfehlung, dass die Verwendung von Netzbetten, Fixierungen und anderen nicht einvernehmlichen Praktiken abschafft, die bei Personen mit intellektuellen, psychischen und psychosozialen Behinderungen in psychiatrischen Spitälern und Einrichtungen eingesetzt werden.
Schutz der Unversehrtheit der Person(Art 17)
Selbstbestimmtes Leben und Inklusion in der Gemeinschaft (Art. 19)
Gesundheit (Art 25) Menschen mit Behinderungen eine Versorgung von gleicher Qualität wie anderen Menschen angedeihen zu lassen, namentlich auf der Grundlage der freien Einwilligung nach vorheriger Aufklärung.
§ 256 Forschung
Wie die Erfahrungen aus dem Unterbringungsgesetz zeigen ist mit dem Passus „für deren Gesundheit oder Wohlbefinden von unmittelbaren Nutzen sein kann“ leider sowohl bei Ablehnung der entscheidungsfähigen Person, als auch des Vertreters leicht zu umgehen. Daher wird angeregt bei Menschen mit psychosozialer Behinderung und Lernschwierigkeiten Forschung mit einer Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit (z.B. auch Blutabnahmen) oder der Persönlichkeit (z.B. Medikamentenversuche) erst nach Bewilligung durch die Ethikkommission und nachvollziehbarer Aufklärung (Bringschuld)und nachvollziehbarer Zustimmung zu bewilligen. (siehe hierzu beispielsweise Formular über wissenschaftliche Forschung im Verfahren 1 Ub 253/12s in der Psychiatrie Hall. Ebenso muss der Datenschutz ernst genommen werden.
6. § 257 Änderung des Wohnortes
Wie die Erfahrungen aus dem Unterbrinungsgesetz §3 Abs. 2 (Alternativen) zeigen, werden in der Praxis, sofern zu wenig Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit einer psychosozialen Behinderung und Lernschwierigkeiten betreffend der psychosozialen Versorgung von den Ländern und Gemeinden bereitgestellt werden, um ein selbstbestimmtes Leben am bestehenden Wohnort zu gewährleisten und die nach UN-Behindertenkonvention geforderte De-Institionalisierung und Ausbau von gemeindenahen ambulanten Dienstleistungen (siehe Empfehlungen der UNO nr.30 und nr. 31 FREIHEIT UND SICHERHEIT DER PERSON (ART. 14) umzusetzen, damit in der Praxis auch die Wahlmöglichkeit besteht, um den Wohnort nicht verlassen zu müssen.
7. § 275. (1) Bestellung eines Rechtsanwaltes/Notar zum Erwachsenenvertreter
Der Passus „wenn vorwiegend Rechtskenntnisse erforderlich sind“ öffnet die Gelegenheit, wie bisher einfach beliebige Rechtsanwälte/Notare zu Erwachsenenvertretern zu bestimmen. Personen mit psychosozialen Behinderung und Lernschwierigkeiten benötigen meistens eine umfassende Unterstützung, die nur professionelle Vereine bieten können. Es ergeht somit die Anregung anstatt wiederum vermehrt Rechtsanwälte zu bestimmen, den professionellen Vereinen die nötigen Ressourcen zur Verfügung (rechtliche Beratung) zu stellen.
8. § 118. (1)Erstanhörung Nach den bisherigen Erfahrungen der Betroffenen ist die Anhörung im Bereiche der Sachwalterschaft (jetzt Erwachsenenvertretung), Unterbringungsgesetz und Maßnahmenvolllzug sehr oft eine Farce (siehe Beschwerden an die Volksanwaltschaft und Monitoringausschuss, Enquete Verbesserung der psychosozialen Versorgung in Tirol 2014, Bericht des Monitoringausschusses 30.06.2015 ). Deshalb ergeht die Anregung nur mehr speziell geschulte Richter zu bestellen und ein Mindestmaß an Zeit für die Erstanhörung vorzuschreiben.
9. § 120a Sachverständigengutachten
Es ergeht die Bitte, Sachverständigengutachten verpflichtend beizubehalten, wobei der betroffenen Person die Ablehnung eines Sachverständigengutachters/Gutachterin zustehen soll. Die derzeitige Praxis zeigt ein großes Manko bei der Qualität und Unabhängigkeit der Sachverständigen, bisher werden nur Sachverständige aus dem Bereiche der Psychiatrie herangezogen, die oft schon vorher im Unterbringungsverfahren nach UbG tätig waren. Deshalb ist es wichtig, dass nach dem sozialen Modell der Behindertenkonvention nur mehr speziell ausgebildete Personen aus den Bereichen Heilpädagogik, Pflegewissenschaft, Psychologie und Psychiatrie und Allgemeinmedizin als Sachverständige herangezogen werden können.
10. § 121 (1)Mündliche Verhandlung
Eine verpflichtende mündliche Verhandlung muss unbedingt beibehalten werden. Wichtig wäre, dass diese Verhandlung ein unabhängiger und speziell geschulter Richter/Richterin vornimmt und nicht wie bisher in vielen Gerichtsbezirken üblich auch gleichzeitig als Richter/Richter nach Unterbringungsgesetz bei der betroffenen Person tätig war.
11.. Artikel 10 Änderung des Unterbringungsgesetzes
In Zusammenhang mit der Neuordnung des Erwachsenenschutzgesetzes müssen auch die Freiheitsrechte und Persönlichkeitsrechte für Menschen mit einer psychosozialen Behinderung und Lernschwierigkeiten nach den Vorgaben der UN-Behindertenkonvention angeglichen werden, um denselben Rechtsschutz zu gewährleisten, wie in den Punkten 3. Vertretungsbefugnis nächster Angehöriger, 4. §§ 252, 253,254 ABGB "Medizinische Behandlung" , 5. § 256 Forschung,8. § 118. (1)Erstanhörung , 9. § 120a Sachverständigengutachten und 10. § 121 (1)Mündliche Verhandlung ausgeführt wurde.
12. Artikel 11 Änderung des Heimaufenthaltsgesetzes
Zu unklar und bedenklich ist auch die Formulierung in den Erläuterungen „altersuntypische Freiheitsbeschränkungen“.
Weiterlesen: Stellungnahme zum Entwurf Sachwalter Neu Forderungen in Tirol am Tag der Suizidprävention
Am 10. September ist weltweit der Suizidpräventionstag. Zur aktuellen Situation der Selbstmorde in Tirol folgende Grafik.
Suizid hat vielfältige Ursachen, trotzdem sind die Forderungen nach einer Verbesserung der psychosozialen Versorgung in Tirol berechtigt:
1. Mobiler 24/7 aufsuchender Krisen- und Notdienst
2. Deinstitutionaliserung- Ambulant vor stationär
3. Entstigmatisierung,Entdiskriminierung und Enttabuisierung durch Gleichbehandlung einer psychischen Krankheit mit somatischen Krankheiten
4. Psychiatrische Kassenarzte: Die Versorgung durch leistbare (Kassenärzte) Fachärzte ist nicht ausreichend, auch im Bereiche der Kinder-und Jugendpsychiatrie; dadurch kommt es zu langen Wartezeiten von Monaten - auch bei suizidalen Krisen -und Einschränkung von Einzelgesprächen.
5. Wohnangebote: Es fehlt an niederschwelligen therapeutischen Wohnangeboten, die leistbar sind. Alternativen wie mehr betreutes Einzelwohnen, bzw. wo und mit wem im sozialen Umfeld, das Leben gestaltet werden kann - natürlich mit entprechender Unterstützung - sind berechtigte Forderungen nach der UN-Konvention.
6.Rehabilitationsgeld: Neben dem Recht auf Arbeit gibt es andererseits auch ein Recht auf ausreichenden Rückzug aus dem Erwebsleben zur Krisenverarbeitung un Genesungsprozess und um psychosoziale und sozialpsychiatrische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Selten wird berufliche Reha bewilligt, die Aufteilung der Finanzierung bedeuten einen bürokratischen Hürdenlauf der Betroffenen.
7.Informationsstelle: Eine zentrale, unabhängige und leicht zugängliche Informationsstelle für Menschen mit psychosozialen Problemen auch über Krisenintervention, umfassende Information über Unterstützungsangebote, die auch transparent im Internet zugänglich sein soll.
8. Behandlungsvereinbarung/ Krisenpass: Im Fall eines stationären Aufenthaltes müssen die Erfahrungen ernst genommen werden und bei der Behandlung und Therapieplanung berücksichtigt werden. Dazu wären rechtlich bindende Behandlungsvereinbarungen oder Krisenpässe geeignete Instrumente, damit insbesondere Zwangsmaßnahmen reduziert und Compliance erhöht werden.
9. Modellplätze für Psychotherapie: Es stehen für psychisch erkrankte Personen zu wenig Modellplätze für Psychiatrie zur Verfügung, eine leistbare optimale Therapie ist daher nicht zugänglich, es kommt zu langen Wartezeiten, mehr Transparenz bezüglich der Vergaberichtlinien ist zu wünschen.
Eine neue Studie stellt klar: Zwangsmaßnahmen gefährden eher die Therapie
Im The Lancet Psychiatry wurde eine Studie veröffentlicht mit 350.000 Patientenfällen. (25.8.2016)
Suicide risk and absconding in psychiatric hospitals with and without open door policies: a 15 year, observational study
Die Ergebnisse könnten die demokratische Psychiatrie der offenen Türen wieder beflügeln. Die Ergebnisse zeigen, dass geschlossene Stationen an einer allgemeinpsychiatrischen Klinik die Selbstgefährdung oder das Entweichen nicht mindern, im Gegenteil in offenen geführten Abteilungen war die Rate für Suizidversuche und Flucht wesentlich geringer.
Wichtig ist vielmehr, ein wertschätzendes, humanes Umfeld und eine demokratische Atmosphäre zu schaffen, bei der eine gemeinsame Entscheidungsfindung mit den Patienten gefördert wird. Der Patient muss in die Therapie einbezogen werden, er muss ernst genommen werden und somit eine Kultur entstehen, die ohne Zwang, Gewalt, medikamentöse Fixierung und mechanische Fixierung auskommt, damit der Patient freiwillig und aktiv an der Genesung teilnimmt. Das erfordert natürlich mehr Humanressourcen, mehr Pflegepersonal, engmaschige Bewtreuung, multidisziplonäre Behandlungsansätze.
Wenn beispielsweise in der Psychiatrie Hall (Gerontopsychiatrie) 3 Viertel aller Patienten mit zusätzlichen Freiheitsbeschränkungen und Zwangsmaßmahmen durch mechanische Fixierung erfahren müssen, abgesehen von der medikamentösen Sedierung, von der es keine Statistiken gibt, kann man davon ausgehen, dass die strukturellen Defizite dafür verantwortlich sind, dass Patienten nicht gerne freiwillig in die geschlossene Abteilung sich begeben, wenn sie solche erniedrigende und traumatisierende Erfahrungen machen mussten. Die freiwillige Aufnahmerate in die geschlossene Station liegt nicht umsonst bei nur 1 Prozent!
Es ist nur zu hoffen, dass endlich Behandlungsvereinbarungen und ein Krisenpass, wichtigersind, als verschlossene Türen und Zwangsmaßnahmen. Natürlich gibt es Situationen, in denen solche Maßnahmen zum Schutz der Patienten oder der Fremdgefährdung solche Maßnahmen notwendig sind, als letztes Mittel.
Für Kinder und Jugendliche gibt es keinen Platz mehr in der Universitätsklinik Psychiatrie
Kinder und Jugenldiche, die in psychischen Krisen sich befinden, werden in Tirol weiterhin diskriminiert.
Es ist traurig, dass nicht an das Wohl und die Gesundheit der Kinder- und Jugendlichen gedacht wurde und wird. Bereits die Ausgliederung bzw. Verlegung der Kinder-und Jugendpsychiatrie aus dem Universitätsklinikum und Kinderklinik in Innsbruck ist ein fataler Fehler gewesen, entgegen den internationalen Trend und den Rat der Fachleute, nämlich dass die Psychiatrie und hier besonders die Kinder-und Jugendpsychiatrie als Abteilung der Kinderklinik geführt werden muss, damit erstens die Stigmatisierung bekämpft wird und auch damit eine multidisziplinäre optimale medizinische Versorgung zusammen mit der universitären Kinderklinik bzw. den anderen universitären Abteilungen möglich ist. In Hall ist das nicht der Fall, hier gibt es keine Kinderklinik.Oder übernimmt hier wie in der geschlossenen Psychiatrie Hall - einmalig in Österreich - ein Wahlarzt, der seine Ordination auf dem Gelände der Psychiatrie betreibt, die notwendige somatische medizinische Behandlung- in Krisenfällen? Aufgrund der Petition Verbesserung der psychosozialen Versorgung in Hinblick der UN-Konvention in Tirol (eingebracht von Mag. Otto Westreicher) wurde in der Enquete Fr.Prof.Sevecke von LR Tilg hoch und heilig versprochen, dass der Standort in Innsbruck erhalten bleibt. Der Bedarf ist mehr als gegeben - die Warteliste von suizidgefährdeten! Jugendlichen auf eine stationäre Aufnahme ist lang. Für das Wohl der Kinder , die offensichtlich keine Lobby besitzen, wäre das sowieso förderlich. Eine optimale Versorgung nach dem Stand der Wissenschaft ist in der Kinder-und Jugenpsychiatrie in Hall nicht möglich, abgesehen davon, dass durch die Stigmatisierung und insbesondere durch den vorbelasteten Standort Hall (Verbrechen des NS Regimes) eine Akzeptanz einer freiwilligen niederschwelligen Behandlung seitens der Eltern und der Kinder-und Jugendlichen mehr als fragwürdig erscheint.
Siehe Artikel in der Tiroler Tageszeitung vom 27.08.2016: http://www.tt.com/politik/landespolitik/11940979-91/psychiatrie-f%C3%BCr-kinder-nur-noch-tagesklinik.csp
Petition Verbesserung der ambulanten Versorgung in Tirol
Mag. Fill vom Verein Vertretungsnetz/Sachwalterschaft hat folgende Petition eingebracht. Unter diesem Link können Sie die Petition unterstützen.
Verbesserung der ambulanten Versorgung in Tirol durch Übernahme der ungedeckten Betreuungskosten aus Mitteln der Mindestsicherung bzw. der Rehabilitation; Michael Fill
Endlich auch Präambel der Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie
Während die deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie schon aufgrund der UN-Konvention für Menschen mit Behinderung zu einem grundsätzlichen ethischen Stellungnahme durch gerungen hat, ist endlich auch die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie mit einer Präambel gefolgt:Im Rahmen der letzten Hauptversammlung wurde einstimmig die folgende Präambel zu den Statuten der ÖGPP beschlossen: „Die ÖGPP ist sich ihrer besonderen Verantwortung um die Würde und die Rechte von psychisch erkrankten Personen und ihren Angehörigen bewusst. Diese Verpflichtung resultiert nicht zuletzt aus der historischen Verstrickung der Psychiatrie in Misshandlungen, Zwangssterilisierungen und Krankenmorde während der Zeit des Nationalsozialismus und aus der mangelhaften Aufarbeitung dieser Geschehnisse in den Jahrzehnten nach 1945. Die ÖGPP wird in Zukunft alles in ihrer Macht Stehende dafür tun, dass sich dergleichen nicht wiederholt.“
Auch in Tirol wäre es an der Zeit für die Aufarbeitung der Psychiatrie bis zum Jahr 2016.
Reform der Sachwalterschaft beschlossen
Minister Brandstätter will auch aufgrund der Kritik durch Betroffene, Angehörige, Volksanwaltschaft und des internationalen Drucks durch die Empfehlungen der UN-Behindertenkonvewntion Artikel 12, Artikel 14, Artikel 19 und der steigenden Zahl an Entmündigungen von Personen die Anzahl der Sachwalterschaft um ein Drittel reduzieren.
Das neue Gesetz liegt in Begutachtung und tritt 2018 in Kraft, die derzeit Betroffenen müssen aber noch bis 2022 warten.
Es gibt genau wie bei den Unterbringungen in der geschlossenen Psychiatrie starke regionale Unterschiede, die vor allem von den handelnden Personen und deren Beurteilung einhergeht, bzw. der jahrelangen gelebten Praxis:
Ganz entscheidend wird sein, ob die professionelle Betreuunng durch den Verein Sachwalterschaft / Vertretungsnetz in Tirol ausgebaut wird, damit solche Diskriminierungen auch durch das neue Gesetz möglichst verhindert werden. http://www.tt.com/panorama/gesellschaft/11755349-91/behindertem-wird-das-einkommen-vorenthalten.csp
In Tirol haben die Klientenvertreter in Ihren Forderungen anlässlich der Veranstaltung 40 Jahre pro mente im März 2016 auch im Beisein des Landeshauptmannes von Tirol Herrn Platter auch bezüglich der Sachwalterschaft klar deponiert: Psychosoziale Versorgung in Tirol- Forderungen der Betroffenen
In Tirol sind überdurchschnittlich viele Personen betroffen, nämlich 6200:
Maßnahmenvollzug Reform verschoben
Der Maßnahmenvollzug in Österreich steht weiterhin im Blickpunkt der Menschenrechtsorganisationen - auch international. Die notwendige Reform wurde wieder verschoben, insbesondere soll die schon verhandelte Einweisung in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher bei strafbaren Handlungen mit einem Strafrahmen von einem Jahr wieder bleiben. Die Gutachten, die die Gefährlichkeit attestieren sind in der Qualität heftig kritisiert worden. Auch in der forensischen Psychiatrie in Hall sind Jugendliche und Kinder untergebracht, die aufgrund einer Behinderung und mangels alternativer Betreuungseinrichtungen in Tirol untergebracht worden und noch untergebracht sind. Der Monitoringausschuss hat die Praxis und den Vollzug heftigst kritisiert. 15-jähriger in der forensischen Psychiatrie in Hall in Tirol
Mit 19 Jahren tot in der forensischer Psychiatrie in Hall in Tirol
Freiheitsbeschränkungen in der Psychiatrie und Heimen
Die Freiheitsbeschränkungen in der Psychiatrie , Heimen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Krankenanstalten sowie psychosozialen Einrichtungen werden durch das Heim Aufenthaltsgesetz sowie für die Psychiatrie durch das Unterbringung ehesten geregelt.
Wieviele Menschen sind davon betroffen?
86000 Menschen in dePsychiatrie, davon 26000 in der geschlossenen Psychiatrie.
MechanischeFreiheitsbeschränkung (Fixierung) durch Festhalten, Anbinden, Fesselung ans Bett
Medikamentöse Freiheitsbeschränkung durch sedierende Psychopharmaka (Ruhigstellung)
Drohung derselben
Wie oft werden diese Maßnahmen eingesetzt?
Wie oft erfolgt eine gerichtliche Überprüfung?
Siehe Gerichtsurteil Konradinum.
Heimskandal Land Tirol will sich bei Opfern entschuldigen
Auch die 3600 Opfer der Kinder und Jugendpsychiatrie der Universität Innsbruck unter der Leitung von Prof. Dr.Dr. Nowak-Vogl in der berüchtigten Beobachtungsstation werden in einer Festveranstaltung des Landes Tirol um Entschuldigung gebeten.
Es ist zu bezweifeln, dass die Opfer überhaupt Interesse haben daran teulzunehmen.
http://m.tt.com/politik/landespolitik/11237658-91/festakt-für-tiroler-heimopfer-gefordert.csp
http://mobileapps.http://mobileapps.tt.com/panorama/gesellschaft/11680400-91/heimkinder-skandal-tirol-will-sich-entschuldigen.csptt.com/panorama/gesellschaft/11680400-91/heimkinder-skandal-tirol-will-sich-entschuldigen.csp
Geschlossene Psychiatrie Hall - Menschenrechte versus Schutz von Leben
Tot in der Forensischen Psychiatrie Hall mit 19-Jahren
Schwere Vorwürfe: Vermeidbare Todesfälle in der Psychiatrie in Tirol
Reha Gesetz Neu- Öffentliche Sitzung Monitoringausschuss Tirol
Seite 3 von 18	StartZurück12345678910WeiterEnde	Enquete Verbesserung der psychosozialen Gesundheit in Tirol	Aufgrund der beiden Petitionen an den Tiroler Landtag fand die Enquete unter dem Titel Verbesserung der psychosozialen Gesundheit in Tirol am 2.Juni 2014 statt: