Source: http://www.juzjenfeld.de/viewpage.php?page_id=21
Timestamp: 2018-01-16 11:11:28
Document Index: 180032533

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 8', '§ 64', '§ 69', '§ 72', '§ 171', '§ 30']

JuZ Jenfeld - Schutzkonzept
Schutzkonzept - Jugendzentrum Jenfeld
Schutzkonzept Jugendzentrum Jenfeld
Eine wichtige rechtliche Grundlage ist für uns das am 20. November 1989 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete Übereinkommen über die Rechte des Kindes (UN-Kinderrechtskonventionen – UN-KRK). Die UN-KRK legt wesentliche Standards zum Schutz von Kindern und Jugendlichen fest und nominiert eigenständige Förder- und Partizipationsrechte der Kinder und Jugendlichen.
Nach § 1 SGB VIII hat jeder Mensch ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung, auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit und auf Schutz vor Gefahren für sein Wohl. Die Sicherung der Rechte von Kindern und Jugendlichen durch Beteiligung und Möglichkeiten zur Beschwerde ist für uns alle, die für Kinder und Jugendliche Verantwortung tragen, zentrales Anliegen und zentrale Aufgabe.
Uns ist bewusst, dass das Herstellen von Beteiligungsmöglichkeiten sowie der qualifizierte Umgang mit Gefährdungssituationen ein ständiger pädagogischer und organisatorischer Prozess ist und nur auf der Grundlage einer wertschätzenden Einrichtungs- und Organisationskultur möglich ist.
Der junge Mensch wird kontinuierlich in seiner Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit gefördert und daran beteiligt. Beteiligung fördert die ermutigende und positive Erfahrung, sich erfolgreich und konstruktiv für eigene Interessen einsetzen zu können. Die Beteiligung setzt an der Lebenswelt des Besuchers alters-, alltags- und handlungsorientiert an und gibt Raum für eigenverantwortliches Gestalten. Daraus ergibt sich zwingend, dass alle jungen und Mädchen ein Recht auf Achtung ihrer persönlichen Grenzen und Anspruch auf Hilfe und Unterstützung bei sexuellen und/oder gewalttätigen Übergriffen haben. Daher ist es unser Ziel, körperliche, seelische und sexuelle Gewalt in unserer Einrichtung möglichst zu verhindern. Darüber hinaus bemühen wir uns darum zu erkennen, wenn unsere Besucher durch andere, äußere Einflüsse drangsaliert oder gefährdet werden.
Der/die Ansprechpartner/in bei Beschwerden/Problemen sind ……../alle Mitarbeiter des Jugendzentrums:
Vertrauensschutz ist eine wichtige Voraussetzung, damit junge Menschen und Personensorgeberechtigten den Mut fassen, sich zu beschweren und sensible Informationen preiszugeben. Allen steht das Recht auf Schutz ihrer persönlichen Daten zu. Die Weitergabe von Informationen soll mit Zustimmung des Besuchers/der Besucherin / Personensorgeberechtigten erfolgen. Die Beschwerdeführer (Besucher / Personensorgeberechtigte / Mitarbeiter) müssen über den Umfang, die Adressaten und den Zweck der Weitergabe der Daten stets informiert sein.
Auslöser der Wahrnehmung des Schutzauftrages nach § 8a SGB VIII sind gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohles des Kindes und des Jugendlichen.
Gewichtige Anhaltspunkte für die Kindeswohlgefährdung sind Hinweise oder Informationen über Handlungen gegen Kinder und Jugendliche oder Lebensumstände, die das leibliche, geistige oder seelische Wohl des jungen Menschen gefährden. _Dies kann geschehen durch eine missbräuchliche Ausübung der elterlichen Sorge, durch Vernachlässigung des jungen Menschen, durch unverschuldetes Versagen der Eltern oder durch das Verhalten eines Dritten (z.B. Besucher, Mitarbeiter der Einrichtung). Als Kindeswohl gefährdende Erscheinungsformen lassen sich grundsätzlich unterscheiden:
· körperliche und seelische Vernachlässigung
· seelische Misshandlung
· körperliche Misshandlung und
· sexuelle Gewalt.
Bei Vorliegen eines konkreten Verdachtsfalles auf Kindeswohlgefährdung
Alle Mitarbeiter des Jugendzentrums sind dem Schutzauftrag verpflichtet. Jeder Mitarbeiter informiert die Einrichtungsleitung, unabhängig von der eigenen Risikoabschätzung, über das Bekanntwerden gewichtiger Anhaltspunkte und zur Abschätzung des Gefahrenrisikos. Alle Mitarbeiter treffen sich innerhalb von 24 Stunden nach Bekanntgabe des Falles zu einer „kollegialen Beratung zur Risikoeinschätzung“.
Handlungsschritte / Prozessablauf
Wenn das Kollegium/die Leitung zu der Einschätzung gekommen ist, dass eine Kindeswohlgefährdung anzunehmen ist, wird auf die betreffenden Personen, bzw. auf die Personensorgeberechtigen/Erziehungsberechtigten eingewirkt, damit diese die erforderlichen Hilfen in Anspruch nehmen.
Der Allgemeine Sozialdienst (ASD) wird informiert, wenn die als notwendig erachteten Hilfen vom Jugendzentrum nicht angeboten werden können und /oder wenn die Personensorgeberechtigten nicht in der Lage/nicht bereit sind, Hilfen in Anspruch zu nehmen.
Die Mitteilung an den ASD enthält mindestens und soweit der Einrichtung bekannt:
· Name, Anschrift, ggf. abweichender Aufenthaltsort des Jugendlichen
· Name, Anschrift, ggf. abweichender Aufenthaltsort der Eltern /Personensorgeberechtigten
· Beobachtete gewichtige Anhaltspunkte
· Ergebnis der Abschätzung des Gefährdungsrisikos
· Bereits getroffene und für erforderlich gehaltene weitere Maßnahmen
· Beteiligung der Personensorgeberechtigten sowie des jungen Menschen
· Ergebnis der Beteiligung
· Beteiligte Fachkräfte der Einrichtung, ggf. bereits eingeschaltete weitere Träger von Maßnahmen
· Weitere Beteiligte oder Betroffene.
Die Risikoeinschätzung und die Ergebnisse der Überlegungen über die jeweils weiteren Verfahrensschritte werden schriftlich dokumentiert und bei der Einrichtungsleitung aufbewahrt.
Die Dokumentationspflicht umfasst alle Verfahrensschritte und muss bei jedem
Verfahrensschritt beinhalten:
· Beteiligte Personen
· Zu beurteilende Situation
· Ergebnis der Beurteilung
· Benennung der Verantwortlichkeiten für den nächsten Schritt
· Zeitvorgaben für Überprüfungen
Soweit von der Einrichtung bzw. den von ihr beschäftigten Fachkräften zur Sicherstellung diese Schutzauftrages Informationen bekannt werden oder ermittelt werden müssen und die Weitergabe dieser Informationen zur Sicherstellung des Schutzauftrages erforderlich ist, bestehen keine die Wahrnehmung dieser Aufgabe einschränkenden datenschutzrechtlichen Vorbehalte. Insofern gilt der Grundsatz, dass die Daten zu dem Zweck übermittelt oder genutzt werden dürfen, zu dem sie erhoben worden sind (§ 64 Abs. 1 SGB VIII, § 69 Abs.1 und 2 SGB X).
Der Träger stellt gemäß § 72a SGB VIII sicher, dass die Einrichtung keine Personen beschäftigt die rechtskräftig wegen einer Straftat nach §§ 171,174 bis 174c, 176 bis 181a, 182 bis 184 f oder 225, 232 bis 233a, 234, 235 oder 236 Strafgesetzbuch verurteilt worden sind.
Weiterhin werden folgende Methoden zur Abschätzung des Gefahrenrisikos angewendet:
· Ausführliches Einstellungsgespräch
· Bei der Einstellung und in regelmäßigen Abständen muss von den Mitarbeitern ein Führungszeugnis nach § 30 Abs. 5 und 30a Abs. 1 des Bundeszentralregistergesetzes vorgelegt werden
· Gestaltung der Probezeit mit Reflexionsgesprächen
Verbindliche Vereinbarung zur fachlich adäquaten Distanz der pädagogischen Mitarbeiter/ Mitarbeiterinnen im Kontakt mit Kinder und Jugendlichen.(siehe Anlage)
Alle Haupt-, neben- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/Innen verpflichten sich,
die individuellen/ kulturellen Schamgrenzen und das Recht von Mädchen und Jungen auf (sexuelle) Selbstbestimmung zu achten,
Räume, in denen sie sich mit Jugendlichen oder jungen Erwachsenen befinden, nicht abzuschließen, sodass diese jederzeit von außen durch Dritte geöffnet werden können,
Bevorzugungen oder Benachteiligungen, Belohnungen oder Bestrafungen grundsätzlich mit dem Team abzusprechen[1]. Sonderregelungen, Geschenke und die Übertragung oder Vergütung von privaten Dienstleistungen an Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, die Annahme von Geld/Sachgeschenken von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien sind im Team abzusprechen,
im Kontakt mit Mädchen und Jungen sind alle Handlungen mit sexualbezogenem Charakter [z.B. küssen, Berührungen von Brust oder Genitalien] zu unterlassen sowie sexuelle Reden [z.B. sexuell getönte Kosenamen oder sexistische „Witze“] zu vermeiden,
verbale Aggressivität oder sexuelle Entwertung zu vermeiden,
Körperkontakt ohne klare fachliche Indikation zu vermeiden,
über versehentliche Berührungen von Mädchen und Jungen im Brust- oder Genitalbereich das Team zu informieren [Eintrag ins Teambuch],
währen der Tätigkeit darauf zu achten, dass sie keine Kleidung tragen, die zu einer Sexualisierung der Atmosphäre beiträgt [z.B. sexuell aufreizende Freizeitkleidung, die viel Haut sichtbar werden lässt oder Genitalien abzeichnet],
die Unterstützung grenzverletzender/gewalttätiger Umgangsweisen und/oder einer sexualisierten Atmosphäre zwischen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu vermeiden,
Im Kontakt mit Kindern und Jugendlichen die Regelungen des Jugendschutzes zu beachten,
Verwandtschaftsverhältnisse und Privatbeziehungen/- kontakte zu betreuenden Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und/ oder deren Familien dem Team umgehend offenzulegen,
jegliche Angebote einer vergüteten Tätigkeit durch die Eltern, Kinder und Jugendlichen abzulehnen [z.B. Babysitterdienste bei Geschwisterkindern, zusätzliche Förderung einzelner Jugendlicher],
im Falle von Verstößen von Kolleginnen und Kollegen gegen diese Dienstanweisung dieses im Team bzw. gegenüber der Einrichtungsleitung oder einer externen Fachberatung zu benennen und Möglichkeiten eines weiteren Vorgehens zu reflektieren.
Hamburg, den 14.01.2014
[1] Gegebenenfalls wird das Team im Nachgang mit dem Thema befasst und es ergeht ein gemeinsamer Beschluss.
2,518,610 eindeutige Besuche
Mail juz-jenfeld[at]quadriga-hamburg.de