Source: https://www.strafrechtsblogger.de/tag/%C2%A7-112-stpo/
Timestamp: 2019-07-21 17:47:36
Document Index: 44162386

Matched Legal Cases: ['§ 112', '§ 112', '§ 112', '§ 211', '§ 257', '§ 260', '§ 261', '§ 32', '§ 260', '§ 261', '§ 244', '§ 257', '§ 257', '§ 32']

§ 112 StPO | strafrechtsblogger
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§ 112 StPO § 211 StGB § 257 StPO § 260 StPO § 261 StPO § 32 StGB dringender Tatverdacht Erklärung heimtückisch Konstanz der Aussage Landgericht Berlin Notwehr versuchter Mord
Zusammen mit dem Kollegen Rechtsanwalt Dr. Nöding habe ich einen Mandanten vor dem Landgericht Berlin wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes verteidigt.
Unserem Mandanten wurde vorgeworfen, dass er mit einem Messer heimtückisch dem vermeintlich Geschädigten in den Kopf gestochen haben soll. Hierbei ist die Klinge an der Spitze abgebrochen und mussste aus dem Kopf herausoperiert werden.
Heute musste unser Mandant aufgrund der Beweislage freigesprochen werden, § 260 StPO, § 261 StPO. Während der Beweisaufnahme gem. § 244 StPO konnten wir darlegen, dass es erhebliche Widersprüche in den Aussagen des vermeintlich Geschädigten gab.
Hierbei nutzten wir insbesondere die Möglichkeit der Erklärung gem. § 257 Abs. 2 StPO. Es war für uns vorteilhaft, dass der vermeintlich Geschädigte an einem Verhandlungstag als letzter Zeuge vernommen wurde. Es war uns deshalb möglich, eine umfangreiche schriftliche Erklärung bis zum nächsten Verhandlungstag vorzubereiten. Eine Erklärung gem. § 257 StPO kann nur bis zum Aufruf des nächsten Zeugen abgegeben werden.
Im Gegensatz zum vermeintlich Geschädigten gab unser Mandant dagegen widerspruchsfrei an, dass er aus Notwehr gem. § 32 StGB gehandelt hat. Unserem Mandanten wurde mit einem Messer in die Lunge gestochen, so dass ein Lungenflügel eingefallen ist.
Eines der wichtigsten Kriterien bei der Aussageanalyse ist die Konstanz der Aussage im Verlauf des Verfahrens. Dieses Kriterium erfüllte der vermeintlich Geschädigte im Gegensatz zu unserem Mandanten nicht.
Regelmäßig lässt sich ein Gericht vor der Urteilsverkündung nicht so offen in die Karten schauen. Ich gehe davon aus, dass die meisten Spruchkörper am Landgericht Berlin den Haftbefehl in rechtswidriger Weise nicht vor der Urteilsverkündung aufgehoben hätten.