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Timestamp: 2019-04-20 07:02:43
Document Index: 144670593

Matched Legal Cases: ['§ 274', '§ 274', '§ 274', '§ 274', '§ 274', '§ 274']

IAS/IFRS und HGB im Vergleich – ein Überblick (Teil 4) | dasFiBuWissen - Fachwissen von Experten für Ihren Erfolg.
IAS/IFRS und HGB im Vergleich - ein Überblick (Teil 4)
Bilanzierung [ Stand: 13.08.2018 ]
Autor: Sabine Wienke
In dieser Reihe geht Expertin Sabine Wienke auf die unterschiedlichen Rechnungslegungen nach IFRS und HGB ein und stellt sie im Vergleich gegenüber. In Teil 4: Latente Steuern.
3 Latente Steuern
Die wenigen Vermögensgegenstände und Vermögenswerte, die bis hierhin betrachtet wurden, führen ggf. schon zu Abweichungen zwischen Handelsbilanz und IAS/IFRS- Bilanz, so dass zwingend auch die latenten Steuern betrachtet werden müssen.
Handelsrechtlich besteht eine Passivierungspflicht für latente Steuern (§ 274 Abs. 1 Satz 1 HGB).
In diesen Fällen weicht der handelsrechtliche Wertansatz von Vermögensgegenständen, Schulden und Rechnungsabgrenzungsposten vom steuerlichen Wertansatz ab und
diese Abweichung baut sich in zukünftigen Geschäftsjahren voraussichtlich wieder ab und
führt insgesamt zu einer Steuerbelastung (§ 274 Abs. 1 Satz 1 HGB).
Führt die sich insgesamt ergebene Abweichung zu einer Steuerentlastung, besteht ein Aktivierungswahlrecht für latente Steuern (§ 274 Abs. 1 Satz 2 HGB).
Anstatt eines saldierten Ausweises der Steuerentlastung bzw. Steuerbelastung, der sich aus der gesamten Abweichung ergibt, kann auch ein unsaldierter Ausweis der Steuerentlastung als aktive latente Steuern und der Steuerbelastung als passive latente Steuern gewählt werden (
Anstatt eines saldierten Ausweises der Steuerentlastung bzw. Steuerbelastung, der sich aus der gesamten Abweichung ergibt, kann auch ein unsaldierter Ausweis der Steuerentlastung als aktive latente Steuern und der Steuerbelastung als passive latente Steuern gewählt werden (§ 274 Abs. 1 Satz 3 HGB).
Steuerliche Verlustvorträge sind in die Berechnung aktiver latenter Steuern in Höhe der zu erwartenden Verlustverrechnung innerhalb der nächsten fünf Jahre einzubeziehen (§ 274 Abs. 1 Satz 4 HGB).
Eine Abzinsung der latenten Steuern erfolgt nicht und es ist der voraussichtliche Steuersatz im Zeitpunkt des Abbaus der Abweichung anzuwenden (§ 274 Abs. 2 Satz 1 HGB).
Latente Steuern nach IAS/IFRS
Im IAS/IFRS Abschluss werden gleichfalls die Abweichungen zwischen Buchwert eines Vermögenswertes oder einer Schuld in der Bilanz zu dessen steuerlichem Wert betrachtet und explizit nur temporäre Abweichungen/Differenzen berücksichtigt (IAS 12 Tz. 5).
Für zu versteuernde temporäre Differenzen besteht grds. eine Passivierungspflicht (IAS 12 Tz. 15).
Es besteht eine Aktivierungspflicht für abzugsfähige temporäre Differenzen (IAS 12 Tz. 24).
Für noch nicht genutzte steuerliche Verluste oder steuerliche Gutschriften besteht ebenfalls eine Aktivierungspflicht (IAS 12 Tz. 34). Bei der Betrachtung bleibt die Laufzeit unberücksichtigt und es wird stattdessen vollständig auf die Wahrscheinlichkeit abgestellt, in wie weit steuerliche Ergebnisse in Zukunft zur Verfügung stehen um diese steuerlichen Verluste oder Gutschriften zu nutzen (IAS 12 Tz. 34).
Es ist der zu erwartende Steuersatz anzusetzen, mit dem der Vermögenswert realisiert bzw. die Schuld erfüllt wird (IAS 12 Tz. 47).
Eine Abzinsung erfolgt nicht (IAS 12 Tz. 53).
Werden in der Handelsbilanz also bereits passive und/oder aktive latente Steuern ausgewiesen, so sind diese im IAS/IFRS-Abschluss neu zu analysieren, da die Abweichung zwischen Steuerbilanz und Handelsbilanz durch eine weitere Abweichung zwischen Handelsbilanz und IAS/IFRS-Bilanz ergänzend zu berücksichtigen ist.
Ferner ist zu berücksichtigen, dass bei Nichtausüben des handelsrechtlichen Aktivierungswahlrechtes für latente Steuern, diese im IAS/IFRS Abschluss ggf. nun zu aktivieren sind, da hier kein Wahlrecht besteht (IAS 12 Tz. 24).