Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/vollstreckung/die-direktversicherung-in-der-betrieblichen-altersversorgung-und-ihre-vorausabtretung-3203342
Timestamp: 2020-07-13 09:09:58
Document Index: 242459027

Matched Legal Cases: ['§1', '§2', '§ 1', '§ 2', '§ 134', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 851', '§ 400', '§ 139', '§ 2', '§ 139', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Die Direktversicherung in der betrieblichen Altersversorgung - und ihre Vorausabtretung | Rechtslupe
Die Direktversicherung in der betrieblichen Altersversorgung - und ihre Vorausabtretung
Bei einer zur betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung abge­schlos­se­nen Direkt­ver­si­che­rung im Sin­ne von §1b Abs.2 Satz1 BetrAVG unter­liegt die Vor­aus­ab­tre­tung des mit dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­fal­les fäl­li­gen Anspruchs auf Aus­zah­lung der Ver­si­che­rungs­leis­tung nicht dem Ver­bot des §2 Abs.2 Satz4 BetrAVG.
Bei einer zur betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung abge­schlos­se­nen Direkt­ver­si­che­rung im Sin­ne von § 1b Abs. 2 Satz 1 BetrAVG unter­liegt die Abtre­tung des mit dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­fal­les fäl­li­gen Anspruchs auf Aus­zah­lung der Ver­si­che­rungs­leis­tung nicht dem Ver­bot des § 2 Abs. 2 Satz 4 BetrAVG. Die vom Schuld­ner erklär­te Abtre­tung der Ansprü­che an die Streit­hel­fe­rin war, soweit sie sich nach den vom Beru­fungs­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen auf die Ansprü­che auf Aus­zah­lung der jewei­li­gen Ablauf­leis­tung bezog, nicht wegen Ver­sto­ßes gegen die­ses Ver­bot nich­tig (§ 134 BGB).
Nach § 2 Abs. 2 Satz 4 BetrAVG, der seit sei­nem Inkraft­tre­ten inso­weit im Wesent­li­chen unver­än­dert gilt, darf der aus­ge­schie­de­ne Arbeit­neh­mer die Ansprü­che aus dem Ver­si­che­rungs­ver­trag in Höhe des durch Bei­trags­zah­lun­gen des Arbeit­ge­bers gebil­de­ten geschäfts­plan­mä­ßi­gen Deckungs­ka­pi­tals weder abtre­ten noch belei­hen. In die­ser Höhe darf der Rück­kaufs­wert auf­grund einer Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­trags nicht in Anspruch genom­men wer­den; viel­mehr wird der Ver­trag im Fal­le einer Kün­di­gung in eine prä­mi­en­freie Ver­si­che­rung um gewan­delt (§ 2 Abs. 2 Satz 5 BetrAVG).
Aller­dings gilt die Vor­schrift des § 2 Abs. 2 Satz 4 BetrAVG nicht mehr, wenn die Ver­sor­gungs­an­wart­schaft zum Voll­recht ers­ta rkt ist [3]. Die Norm ent­hält kei­ne gesetz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dung dar­über, in wel­chem Umfang der Arbeit­neh­mer bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­fal­les tat­säch­lich in den Genuss der Alters­si­che­rung kom­men soll. Ist der Ver­sor­gungs­fall ein­ge­tre­ten, rich­tet sich der Schutz des Schuld­ners nicht mehr nach § 2 Abs. 2 Satz 4 BetrAVG, son­dern nach den all­ge­mei­nen Pfän­dungs­schutz­vor­schrif­ten [4]. Dem­ge­mäß ist der Anspruch eines Arbeit­neh­mers auf Aus­zah­lung der Ver­si­che­rungs­sum­me aus einer Direkt­ver­si­che­rung vor Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les als zukünf­ti­ge For­de­rung pfänd­bar [5]. Dar­aus folgt zugleich, dass § 2 Abs. 2 Satz 4 BetrAVG auch einer Vor­aus­ab­tre­tung die­ses Anspruchs durch den mit unver­fall­ba­rer Anwart­schaft aus­ge­schie­de­nen Arbeit­neh­mer nicht ent­ge­gen­steht [6].
Soweit unter Bezug­nah­me auf eine Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz [7] hier­ge­gen ein­ge­wen­det wird, dass ein der­art ein­ge­schränk­tes Ver­ständ­nis des § 2 Abs. 2 Satz 4 BetrAVG weder mit des­sen Wort­laut noch Zweck zu ver­ein­ba­ren sei, trifft dies nicht zu.
Das Recht auf den Rück­kaufs­wert ist zwar nur eine ande­re Erschei­nungs­form des Rechts auf die Ver­si­che­rungs­sum­me. Gleich­wohl sind der Anspruch auf die Ver­si­che­rungs­leis­tung im Ver­si­che­rungs­fall und der Anspruch auf den Rück­kaufs­wert nach Kün­di­gung aber kei­ne Tei­le eines ein­heit­li­chen Anspruchs, son­dern zwei getrenn­te Ansprü­che [8]. Vor die­sem Hin­ter­grund legt anders als die Revi­si­on meint bereits der Wort­laut des § 2 Abs. 2 Satz 4 BetrAVG mit sei­ner Bezug­nah­me auf das Deckungs­ka­pi­tal nahe, dass der Abtre­tungs­aus­schluss nicht sämt­li­che ver­trag­li­chen Ansprü­che betrifft, son­dern in zeit­li­cher Hin­sicht auf den Schutz der Anwart­schaft abzielt. Eben dies war vom Gesetz­ge­ber beab­sich­tigt [9] und gera­de des­halb wur­de § 2 Abs. 2 Satz 4 BetrAVG um die Beschrän­kung des § 2 Abs. 2 Satz 5 BetrAVG ergänzt [10]. Wort­laut, Sys­te­ma­tik und Zweck ver­deut­li­chen damit, dass ein all­um­fas­sen­der Schutz der Ver­sor­gung des Arbeit­neh­mers mit den Bestim­mun­gen in § 2 Abs. 2 BetrAVG nicht ver­bun­den ist, son­dern des­sen Ver­fü­gungs­macht nur in bestimm­ter Hin­sicht sach­lich beschränkt wird [11]. Ent­ge­gen der Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz [12], die Anwart­schaft dür­fe dem Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht ledig­lich als lee­re Hül­le ver­blei ben, schützt § 2 Abs. 2 Satz 4 BetrAVG den Arbeit­neh­mer nach dem vom Gesetz­ge­ber gewähl­ten Rege­lungs­kon­zept nicht davor, dass mit dem Erstar­ken der Ver­sor­gungs­an­wart­schaft zum Voll­recht tat­säch­lich nicht er, son­dern auf­grund vor­an­ge­gan­ge­ner Abtre­tung der Zes­sio­nar in den Genuss der Ver­si­che­rungs­sum­me kommt [13].
Etwas ande­res ergibt sich nicht aus recht­li­chen Unter­schie­den zwi­schen einer Vor­aus­ab­tre­tung und einer Pfän­dung [14]. Viel­mehr besteht grund­sätz­lich ein Gleich­lauf von Abtre­tungs­und Pfän­dungs­ver­bo­ten. Gemäß § 851 Abs. 1 ZPO ist eine For­de­rung in Erman­ge­lung beson­de­rer Vor­schrif­ten der Pfän­dung nur inso­weit unterwo rfen, als sie über­trag­bar ist [15]. Umge­kehrt kann eine For­de­rung nach § 400 BGB nicht abge­tre­ten wer­den, soweit sie der Pfän­dung nicht unter­wor­fen ist.
Eine umfas­send zu ver­ste­hen­de, also gegen­wär­ti­ge und zukünf­ti­ge Ansprü­che und Rech­te ein­be­zie­hen­de Abtre­tung ist nicht gemäß § 139 BGB ins­ge­samt nich­tig, selbst wenn das Rechts­ge­schäft zum Teil mit § 2 Abs. 2 BetrAVG unver­ein­bar gewe­sen ist.
Nach § 139 BGB ist, wenn ein Teil eines Rechts­ge­schäfts nich­tig ist, das gan­ze Rechts­ge­schäft nich­tig, wenn nicht anzu­neh­men ist, dass es auch ohne den nich­ti­gen Teil vor­ge­nom­men sein wür­de. Maß­ge­bend ist, wel­che Ent­schei­dung die Par­tei­en bei Kennt­nis der Teil­nich­tig­keit nach Treu und Glau­ben und unter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te getrof­fen hät­ten. Dies bedeu­tet in der Regel, dass die Par­te ien das objek­tiv Ver­nünf­ti­ge gewollt und eine geset­zes­kon­for­me Rege­lung ange­strebt haben [16]. Dient die Abtre­tung wie im Streit­fall der Siche­rung von Ansprü­chen des Zes­sio­nars, geht der hypo­the­ti­sche Par­tei­wil­le dahin, den Siche­rungs­zweck soweit wie mög­lich zu för­dern [17].
Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart [18] stellt in der Vor­in­stanz revi­si­ons­recht­lich beden­ken­frei dar­auf ab, dass die­sem Inter­es­se durch die Abtre­tung allein der künf­ti­gen Ansprü­che noch gedient wird. Die Streit­hel­fe­rin hat hier­durch eine Sicher­heit erlangt; dem Schuld­ner ist es ermög­licht wor­den, wenigs­tens die ver­füg­ba­ren Siche­rungs­mit­tel ein­zu­set­zen [19].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Mai 2020 -IV ZR 124/​19
so neben OLG Stutt­gart, Urteil vom 04.04.2019 7 U 247/​18, NJW-RR 2019, 1175, auch OLG Saar­brü­cken VersR 2019, 1038, 1039 ff.[↩]
OLG Koblenz, Urteil vom 12.10.2012 10 U 1151/​11[↩]
OLG Koblenz, aaO[↩]
so aber OLG Koblenz, Urteil vom 12.10.2012 10 U 1151/​11[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 30.06.2004 – VIII ZR 243/​03, NJW 2004, 3045 unter – II 1 b bb; vom 22.05.1996 – VIII ZR 194/​95, NJW 1996, 2087 unter – II 2 b[↩]
BGH, Urteil vom 18.11.2009 – IV ZR 39/​08, r+s 2010, 71 Rn. 28[↩]
OLG Stutt­gart, Urteil vom 04.04.2019 7 U 247/​18, NJW-RR 2019, 1175[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 18.11.2009 aaO[↩]
Frist­ver­län­ge­rungs­an­trag – und die von der Fach­kraft notier­te… Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs hat ein Rechts­an­walt durch orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen sicher­zu­stel­len, dass ein frist­ge­bun­de­ner Schrift­satz recht­zei­tig gefer­tigt wird und inner­halb der lau­fen­den Frist…
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