Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=18.07.1994&Aktenzeichen=1%20BvR%201177/93
Timestamp: 2019-09-22 15:10:45
Document Index: 167094910

Matched Legal Cases: ['§ 86', '§ 86', 'BGH', '§ 286', '§ 286', 'Art. 103', '§ 103']

BVerfG, 18.07.1994 - 1 BvR 1177/93 - dejure.org
https://dejure.org/1994,2383
BVerfG, 18.07.1994 - 1 BvR 1177/93 (https://dejure.org/1994,2383)
BVerfG, Entscheidung vom 18.07.1994 - 1 BvR 1177/93 (https://dejure.org/1994,2383)
BVerfG, Entscheidung vom 18. Juli 1994 - 1 BvR 1177/93 (https://dejure.org/1994,2383)
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Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch vorweggenommene Beweiswürdigung im Zivilprozeß
Zivilprozeß - Vorweggenommene Beweiswürdigung
AG München, 03.06.1993 - 312 C 2731/93
NJW-RR 1995, 441
Das Gericht darf ein Beweisangebot nicht schon deshalb übergehen, weil es die Wahrscheinlichkeit als gering einschätzt, dass durch die Beweiserhebung neue Erkenntnisse gewonnen werden (BVerfG, Kammerbeschlüsse vom 18. Juli 1994 - 1 BvR 1177/93 - NJW-RR 1995, 441 …und vom 22. Januar 2001, a.a.O.; BVerwG, Beschlüsse vom 14. Januar 1998 - BVerwG 3 B 214.97 - Buchholz 310 § 86 Abs. 1 VwGO Nr. 286 und vom 31. Januar 2002 - BVerwG 7 B 92.01 - Buchholz 310 § 86 Abs. 1 VwGO Nr. 318).
Hierin ist der Fall einer vorweggenommenen Beweiswürdigung zu sehen, die im Prozessrecht keine Stütze findet (vgl. BVerfG, 1. Kammer des Ersten Senats, Beschluss vom 18. Juli 1994 - 1 BvR 1177/93 -, NJW-RR 1995, S. 441).
Das Gericht darf ein Beweisangebot nicht schon deshalb übergehen, weil es die Wahrscheinlichkeit als gering einschätzt, dass durch die Beweiserhebung neue Erkenntnisse gewonnen werden (BVerfG, Kammerbeschlüsse vom 18. Juli 1994 - 1 BvR 1177/93 - NJW-RR 1995, 441 und vom 22. Januar 2001 - 1 BvR 2075/98 - NJW-RR 2001, 1006; BVerwG…, Beschluss vom 14. Juni 2005 a.a.O.; stRspr).
103 Abs. 1 GG verpflichtet die Gerichte, die Ausführungen der Prozessbeteiligten zur Kenntnis zu nehmen und in Erwägung zu ziehen (BVerfG NJW-RR 1995, 441; NJW 1987, 485; ständige Rechtsprechung).
Das Gebot des rechtlichen Gehörs soll als Prozessgrundrecht sicherstellen, dass die vom Fachgericht zu treffende Entscheidung frei von Verfahrensfehlern ergeht, die ihren Grund in unterlassener Kenntnisnahme und Nichtberücksichtigung des Sachvortrags der Parteien haben (BVerfG, NJW-RR 1995, 441; NJW 1987, 485).
Das ist inbesondere der Fall, wenn eine Beweiswürdigung prozessual unzulässig vorweggenommen wird (BVerfG NJW-RR 1995, 441; NJW-RR 2001, 1006, 1007;… BGH, Urt. v. 13. September 2004 - II ZR 137/02, WM 2004, 2365, 2366).
StGH Hessen, 10.11.1999 - P.St. 1414
Rechtliches Gehör; Subsidiarität; Grundrechtsklage
Die Nichtberücksichtigung eines aus Sicht des Fachgerichts entscheidungserheblichen Beweisantritts, die im Prozessrecht keine Stütze mehr findet, verletzt daher die Garantie rechtlichen Gehörs (ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, vgl. etwa NJW 1979, 413; NJW 1991, 285; NJW-RR 1995, 441; ZIP 1996, 1761 f.).
Auch nach dem Lösungsansatz des Landgerichts konnte dieses nicht gemäß § 286 Abs. 1 ZPO die materielle Begründetheit der Eigenbedarfskündigung unterstellen, da § 286 ZPO den Richter nicht von der Pflicht zur gewissenhaften Prüfung und Abwägung und der Erschöpfung des gesamten Streitstoffes befreit (vgl. BVerfG, NJW-RR 95, 441 m.w.Nw.).
Der Senat verkennt ferner nicht, dass die völlige Ungeeignetheit eines angebotenen Beweismittels nur mit größter Zurückhaltung angenommen werden kann, nicht zuletzt deshalb, weil das unzulässige Übergehen eines Beweisantrages auch gegen Art. 103 Abs. 1 GG verstößt (BVerfG, NJW-RR 1995, 441 m.w.N.).
Dieser Verstoß beinhaltet gleichzeitig eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör gem. § 103 Abs. 1 GG (BVerfG, NJW-RR 1995, 441).