Source: https://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/schutzgebiete/die_einzelnen_naturschutzgebiete/-41772.html
Timestamp: 2020-07-11 12:12:48
Document Index: 244566160

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 4', '§ 10', '§ 5', '§ 28', '§ 28', '§ 42', '§ 28', '§ 24', '§ 4', '§ 64', '§ 65', '§ 5', '§ 3', '§ 10', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3']

Verordnungstext zum Naturschutzgebiet "Deinster Mühlenbach" | Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Verordnungstext zum Naturschutzgebiet "Deinster Mühlenbach"
Verordnung der Bezirksregierung Lüneburg über das Naturschutzgebiet "Deinster Mühlenbach" im Landkreis Stade vom 30.12.2003
(1) Das in § 2 näher bezeichnete Gebiet in der Gemarkung Deinste, Gemeinde Deinste, und der Gemarkung Groß Fredenbeck, Gemeinde Fredenbeck, jeweils Samtgemeinde Fredenbeck, Landkreis Stade, wird zum Naturschutzgebiet "Deinster Mühlenbach" erklärt.
(2) Das Naturschutzgebiet (NSG) hat eine Größe von ca. 153 ha.
(1) Die Grenze des NSG ergibt sich aus der mitveröffentlichten Karte. Sie verläuft auf der dem NSG abgewandten Seite der grauen Linie. Gräben und lineare Gehölzstrukturen, die von der grauen Linie berührt werden, sind Bestandteil des NSG. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung.
(2) Soweit sich in den §§ 4 und 5 Regelungen auf den Deinster Mühlenbach, die Westerbeck oder den Großen Bach beziehen, gelten sie jeweils nur für den Hauptlauf dieser Bäche.
(1) Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege und Entwicklung der naturnahen Bachniederungen des Deinster Mühlenbaches, der Westerbeck und des Unterlaufes des Großen Baches einschließlich angrenzender naturnaher Geestbereiche als Lebensraum schutzbedürftiger Arten und Lebensgemeinschaften.
Das NSG ist besonders geprägt durch einen hohen Flächenanteil ungenutzter bzw. extensiv genutzter Bereiche. Mit dem Vorkommen historisch alter Wälder weist das Gebiet selten gewordene Landschaftselemente auf, die sich gleichzeitig durch eine besondere Schönheit auszeichnen.
1. die Erhaltung und Entwicklung naturnaher Bäche,
2. die Erhaltung und Entwicklung naturnaher, in Teilbereichen der Eigendynamik überlassener Laubwälder, insbesondere von
a. Erlen- und Eschenwäldern der Auen und Quellbereiche,
b. Mesophilen Eichen- und Hainbuchen-Mischwäldern,
c. Bodensauren Eichen-Mischwäldern,
d. Bodensauren Buchenwäldern,
e. Birken-Bruchwäldern,
3. die Erhaltung und Entwicklung sonstiger naturnaher niederungstypischer Lebensräume, z.B. Feuchtgebüschen, Röhrichten, Riedern, Hochstaudenfluren etc.,
(3) Die Ausweisung des NSG ist ein Beitrag zum Aufbau und zum Schutz des Europäischen ökologischen Netzes "Natura 2000". Sie dient damit der Umsetzung der FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen, ABl. EG Nr. L 206, S. 7, zuletzt geändert durch Richtlinie 97/62/EG vom 27. Oktober 1997, ABl. EG Nr. L 305, S. 42). Soweit unter Absatz 2 Nrn. 1 - 4 Erhaltungsziele im Sinne des § 10 Abs. 1 Nr. 9 Buchst. a Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) integriert sind, werden diese in der Anlage konkretisiert.
1. das Zulassen von eigendynamischen Prozessen in den Bächen, ihren Tälern und den angrenzenden naturnahen Geestbereichen,
3. die Reduzierung anthropogener Stoffeinträge,
4. die Erhaltung und Wiederherstellung niederungstypischer Standortbedingungen sowie die Erhaltung historisch alter Waldstandorte,
4. Wasser aus Fließ- und Stillgewässern oder Grundwasser zu entnehmen (die Entnahme von Tränkewasser für Weidevieh ist jedoch weiterhin zulässig),
Fallenjagd mit Totfangfallen ist nicht zulässig. Fallenjagd mit Lebendfangfallen ist innerhalb eines Abstands von 100 m zu den Ufern der Westerbeck, des Großen Baches, des Deinster Mühlenbaches, der Schwinge und des Deinster Mühlenteichs nicht zulässig.
(5) Von dem Verbot des Absatzes 4 kann die obere Jagdbehörde im Einvernehmen mit der oberen Naturschutzbehörde auf Antrag eine Ausnahme zulassen, wenn
4. die forstwirtschaftliche Nutzung privateigener Wälder, soweit sie in der mitveröffentlichten Karte nicht als "Naturwald" dargestellt sind, wie folgt:
a. unter einzelstammweiser, boden- und vegetationsschonender Nutzung; Balsampappeln, Hybridpappeln und Nadelbäume dürfen jedoch auch flächig entnommen werden,
b. unter ausschließlicher Verwendung von standortheimischen Laubgehölzen entsprechend den jeweiligen Standortverhältnissen bei der Neubegründung oder beim Unterbau von Waldbeständen,
c. ohne Standortveränderungen, z.B. durch Entwässerungs- und sonstige Meliorationsmaßnahmen, und ohne Düngung und Kalkung,
d. ohne Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (Pheromonfallen sind zulässig),
e. ohne Holzeinschlag und -rücken in der Zeit vom 1. März bis 31. Juli (Ausnahme: Kalamitätennutzung in Nadelholzbeständen),
f. auf dem in der mitveröffentlichten Karte nicht als "Naturwald" dargestellten Teil des Flurstücks 80/2, Flur 1, Gemarkung Deinste zusätzlich unter Belassung von mindestens 10 starken (Brusthöhendurchmesser mindestens 55 cm), stehenden Bäumen der Arten Rotbuche und Stieleiche bis zu ihrem natürlichen Zerfall.
Die Vorschriften des BNatSchG zum Schutz von Horst- und Höhlenbäumen als Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten besonders geschützter Tierarten sowie zum Schutz besonders geschützter Pflanzenarten (u.a. Stechpalme) bleiben unberührt.
Verkehrssicherungsmaßnahmen bleiben auch in den in der mitveröffentlichten Karte als "Naturwald" dargestellten Bereichen sowie in Waldbeständen der öffentlichen Hand weiterhin zulässig. Hierbei anfallendes Holz ist jedoch im "Naturwald" bzw. in den Waldbeständen der öffentlichen Hand zu belassen;
5. die Bewirtschaftung vorhandener privateigener Grünlandflächen und des Flurstücks 119 in der Flur 3, Gemarkung Groß Fredenbeck als Dauergrünland nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis i.S. des § 5 Abs. 4 BNatSchG, wie folgt:
a. ohne zusätzliche Entwässerungsmaßnahmen,
b. ohne Veränderung des Bodenreliefs und ohne Umbruch, Nachsaat ausschließlich als Übersaat,
d. unter Belassung eines nicht genutzten Randstreifens von 5 m Breite an der Schwinge und beidseitig 2,5 m Breite an der Westerbeck und am Deinster Mühlenbach (jeweils gemessen ab Böschungsoberkante; im Bereich von Überfahrten ist die Einhaltung des Randstreifens nicht erforderlich),
e. Errichtung und Änderung von Zäunen nur für die Rinder- und Schafhaltung;
6. die Aufforstung privateigener Grünlandflächen und des Flurstücks 119 in der Flur 3, Gemarkung Groß Fredenbeck, soweit sie nicht zu den besonders geschützten Biotopen gemäß § 28a NNatG oder zu besonders geschütztem Feuchtgrünland gemäß § 28b NNatG zählen, mit Gehölzen standortheimischer Laubbaumarten im Einvernehmen mit der oberen Naturschutzbehörde;
7. die Nutzung vorhandener Brunnen;
8. die Nutzung privateigener Teiche (unter Gewährleistung der Regenwasserrückhaltefunktion des Deinster Mühlenteiches) wie folgt:
a. ohne Anwendung von Pflanzenschutzmitteln,
b. Legen von Reusen nur mit Otterschutzgittern,
c. ohne Ableiten von Sand oder Schlamm in Fließgewässer;
9. die Unterhaltung von Wegen wie folgt:
a. unbefestigte Wege ausschließlich mit Sand zur Beseitigung von Gefahrenquellen,
b. Wege mit wassergebundener Decke mit Sand oder Mineralgemisch,
c. sonstige Wege entsprechend dem vorhandenen Deckschichtmaterial;
10. Maßnahmen zur Unterhaltung der vorhandenen Rohrleitungen, Kabel und Freileitungen; Erneuerung von Rohren, Masten und Fundamenten jedoch nur im Einvernehmen mit der oberen Naturschutzbehörde;
11. Maßnahmen zur Unterhaltung vorhandener Drainsysteme sowie ihr Ersatz durch solche gleicher Leistungsfähigkeit;
12. die mechanische Gewässerunterhaltung (einschließlich der Bisambekämpfung), soweit dies zur Sicherung der Nutzbarkeit bebauter Grundstücke und privateigener landwirtschaftlicher Nutzflächen erforderlich ist, wie folgt:
a. ohne Mahd eines 5 m breiten Uferstreifens an der Schwinge und ohne Mahd eines 2,5 m breiten Uferstreifens an der Westerbeck und am Deinster Mühlenbach,
b. Verwendung von Grabenfräsen nur in der Zeit vom 1. Mai bis 15. Oktober,
13. die Errichtung und der Betrieb nicht fest mit dem Boden verbundener Hoch- und Ansitze, soweit sie sich nach Material und Bauweise der Landschaft anpassen und in Anlehnung an Bäume oder in Deckung von Gehölzen errichtet werden;
14. die Fischerei an den Bächen im bisherigen Umfang in Form einer Bestandshege ohne Ausübung der Handangelei (Laichschongebiet).
(2) Weitergehende Vorschriften der §§ 42 und 43 BNatSchG sowie der §§ 28 a und b NNatG bleiben unberührt. Sofern die in Absatz 1 genannten Handlungen nach anderen öffentlich-rechtlichen Vorschriften genehmigungspflichtig sind, gelten die Freistellungen nur im Rahmen einer zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Verordnung bestehenden Genehmigung.
(1) Wer vorsätzlich oder fahrlässig den Verboten des § 24 Abs. 2 NNatG oder des § 4 Abs. 3 dieser Verordnung zuwiderhandelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit nach § 64 Nr. 1 oder Nr. 4 NNatG. Sie kann mit einer Geldbuße nach § 65 NNatG geahndet werden.
Diese Verordnung tritt am Tage nach der Ausgabe des Amtsblattes für den Regierungsbezirk Lüneburg, in dem sie veröffentlicht worden ist, in Kraft. Abweichend von Satz 1 tritt § 5 Abs. 1 Nr. 5 Buchst. d erst am 01.01.2005 in Kraft.
503.9-22221/6 – Nr. 477
Anlage zu § 3 der Verordnung der Bezirksregierung Lüneburg über das Naturschutzgebiet "Deinster Mühlenbach" im Landkreis Stade
Erhaltungsziele i.S. des § 10 Abs. 1 Nr. 9 Buchst. a BNatSchG sind die Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes folgender Lebensraumtypen des Anhangs I sowie von Populationen folgender Tierarten des Anhangs II (FFH-Arten) der Richtlinie 92/43/EWG:
- geschlängeltem bis mäandrierendem Verlauf, niedrigen, unverbauten, überwiegend gehölzbestandenen Ufern mit Gleit- und Prallufern (mit Vorkommen von größeren Blocksteinen), durchgängiger Sohle (aktuell gilt dies für den Bachabschnitt unterhalb des Deinster Mühlenteichs, langfristig auch für die Westerbeck), Tief- und Flachwasserbereichen sowie vielfältiger Sedimentstruktur (Wechsel zwischen sandigen und kiesigen Bereichen, am Unterlauf auch Torfsohlen) bei insgesamt stabiler, erosionsfester Sohle (auch mit festliegenden Sand- und Kiesbänken) durch Zulassen weitgehender Eigendynamik
- naturraumtypischer Fischbiozönose
• als Lebensraum bzw. Teillebensraum bachtypischer Tier- und Pflanzen-Arten, u.a. von
- Iltis, Eisvogel, Gebirgsstelze, Bachforelle, Blauflügel-Prachtlibelle, Große Erbsenmuschel als sonstige charakteristische Arten,
§ 3 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. a
91E0 Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae) [prioritärer Biotop]
• als Lebensraum bzw. Teillebensraum feuchtwaldtypischer Tier- und Pflanzen-Arten, u.a. von
- Fischotter als FFH-Art,
- Iltis, Eisvogel, Pirol, Kleinspecht, Nachtigall, Wechselblättrigem Milzkraut, Gegenblättrigem Milzkraut, Bach-Nelkenwurz, Kleinem Baldrian, Hain-Gilbweiderich, Hain-Sternmiere, Sumpfdotterblume als sonstige charakteristische Arten
§ 3 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. b und c
• als Lebensraum bzw. Teillebensraum waldtypischer Tier- und Pflanzen-Arten, u.a. von
- Buntspecht, Kleiber, Gartenbaumläufer, Winter-Schachtelhalm, Einbeere, Ausdauerndes Bingelkraut als sonstige charakteristische Arten
§ 3 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. d
9110 Hainsimsen-Buchenwälder (Luzulo-Fagetum) und
9120 Atlantische, saure Buchenwälder mit Unterholz aus Stechpalme und gelegentlich Eibe (Quercion robori-petraeae oder Ilici-Fagenion)
• vorrangig im Bereich des historisch alten Waldstandortes Deinster Mühlenholz als strukturreiches, überwiegend ungenutztes, der Eigendynamik überlassenes Vegetationsmosaik dieser beiden Lebensraumtypen mit Rotbuche als dominierender Baumart
- auf mehr oder weniger basenarmen, mäßig feuchten - frischen, Standorten
- unter Sicherung der vorhandenen Stechpalmen-Bestände
- Schwarzspecht, Hohltaube, Dohle, Buntspecht, Waldlaubsänger, Draht-Schmiele, Behaarter Hainsimse, Schattenblume als sonstige charakteristische Arten
§ 3 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. e
91D0 Moorwälder [prioritärer Biotop]
• kleinflächig auf dem Flurstück 32/3, Flur 1, Gemarkung Deinste als naturnaher, strukturreicher, ungenutzter, der Eigendynamik überlassener Bestand aus standortheimischen Gehölzarten (mit Dominanz von Moor-Birke)
- auf nassen, nährstoffarmen Niedermoorböden
- Kleinspecht, Weidenmeise, Gagel, Torfmoose als charakteristische Arten
§ 3 Abs. 2 Nr. 3 6430
- Geflügelter Braunwurz, Wasserdost, Echtem Mädesüß als sonstige charakteristische Arten
- Bewahrung der Bachniederung als Teil eines großräumigen, kaum durch Straßen zerschnittenen Raumes
Die als sonstige charakteristische Arten aufgeführten Tier- und Pflanzenarten stellen lediglich eine Auswahl der charakteristischen Arten i.S. des Artikels 1 Buchst. e der Richtlinie 92/43/EWG dar.