Source: https://www.historicum.net/themen/reformation/reformation-politikgeschichtlich/das-reich-rahmenbedingungen/1d-quellenauszuege/
Timestamp: 2018-11-19 22:01:52
Document Index: 107187029

Matched Legal Cases: ['§18', '§27', '§ 1', '§ 3', '§ 4', '§7', '§7', '§9', '§10', '§11', '§12', '§13', '§14', '§15', '§16', '§17', '§18', '§ 19', '§ 20', '§ 21', '§ 22', '§23', '§24', '§25', '§26', '§27', '§28', '§29', '§30', '§31', '§56', '§80', '§86', '§104', '§115', '§135', '§137', '§141', '§28']

historicum.net: Quellen: 1d Reichstag und Reformation
Quellenauszüge
1. Wormser Edikt (8. Mai 1521)
2. "Protestation" und "Appellation" (April 1529)
3. Augsburger Religionsfriede (25. September 1555)
4. Declaratio Ferdinandea (24. September 1555)
Intitulatio (S. 643,19)
Wir Karl der funft …
Arenga (S. 643,19 – S. 644,11)
Enthält die Begründung für die Ausstellung des Edikts:
Nachdem unserm Römischen kaiserlichen ambt zusteet, […] um der heiligen Römischen und gemeiner kirchen beschirmung willen, […] ausdilgung und undertruckung der unglaubigen zu erweitern, […] fürsehung zu thun, das kain befleckung der ketzerei oder arkwon in dem Römischen reiche unsern hailigen glauben verunraine, […]
Narratio (S. 644,12 – S.653,12)
Hier werden zuerst sehr genau die Umstände beschrieben, die zur Entstehung der päpstlichen Bulle Exurge Domine führten, danach folgt die Verwerfung von Luthers theologischen Lehren sowie eine genaue Beschreibung der Vorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden.
[…] so hat sich doch Martin Luther darüber nit allein nit erkennet, gebessert, noch sein irrsal revociert, noch von bäbstlicher Heiligkait absolution und widerumb in der heiligen christenlichen kirchen gnad begert, sonder seins verkerten gemüts und verstands vil böser frucht und würkung, wie ein wüettender in ein offenbare underdruckung der hailigen kirchen einfallend, durch vil gehaufte bücher, die nit allein neuer, sonder vormals von den hailigen concilien verdambten ketzereien und gotslesterungen vol sein, in Lateinischer und Deutscher sprach aus ime selbst oder zum wenigsten under seinem namen gemacht, teglichen ausgebreitet, […]
(645,30-646,9)
Ferner findet sich eine genaue Darstellung des Verhörs Luthers vor dem Reichstag und der anschließenden ständischen Vermittlungsversuche. Auch Luthers Beharren auf der Schrift als Maßstab (sola scriptura) wird erwähnt:
[…] Und als solicher vleis und ernst bei im unfruchtbar gewesen ist, hat unser churfürsten einer zwen güetig und kunstreich doctores zu ime genomen und mitsampt denselben, […] in zu bewegen, das er mer ansehe unsers heiligen vater babsts, dessgleichen unser und aller reichsstende, auch ander christglaubigen nation gebrauch, den si nach ordnung der christenlichen kirchen so lange jar herbracht haben, dann sein ainigen sinn; mit dem anhang wann er von derseben seiner einsinnigkeit abweiche und sich widerumb bekere, werde er befinden und erkennen, das solichs aus ainem loblichen exempel vil hailiger väter und zu behaltung seiner seel, ere und leibs beschehe. Darauf, als wir glaublichen bericht sein, solle Martin Luther geantwort haben, das er nit allein alle jetzgemelte personen, sonder auch ain gemain concilium (ob gleichwol ains sein wurde) verdechtlich und arkwenig halte, und das er aus seinen schriften nit die wenigist silben verwandeln wolle, […] es sei dann, das er von ainem gelerten mann uberwunden werde, doch nach seiner regel und nit aus den concilien, noch aus kaierlichen oder gaistlichen gesetzen, […] sonder allein aus den worten der hailigen schrift, die er vermaint nach seinem sinn zu ersettigung seines zufelligen gemüts verstanden werden sollen; […](652,3-24)
Dispositio (S. 653,12 – S. 658,23)
1. Strafmaßnahmen (S. 653,13 – S. 655,11)
Die Strafmaßnahmen des Kaisers werden durch folgende Formel legitimiert:
Am ersten zu lob dem almechtigen und beschirmung des christenlichen glaubens, auch des Römischen bischofs und stuls gebürlichen ere, in craft des ambts unser keiserlichen wirdigkeit, hochheit und auctoritet, darzu mit einhelligem rat und willen unser und des heiligen reichs churfürsten, fürsten und stende jetzo hie versamelt, haben wir zu ewiger gedechtnus diss handels, zu volstreckung des decrets, sentenz und verdamnus laut der bullen, so unser hailiger vater babst, als diser sachen ordenlicher richter hat ausgeen lassen, […]
(653,13-654,3)
Der Kaiser erklärt, dass Martin Luther als Ketzer anzusehen sei:
[…] Martin Luther, als von gots kirchen abgesündert gelide und einen verstopten zertrenner und offenbarn ketzer von uns und euch allen und jedem insodnerheit zu achten und ze halten erkennet und ercleret und thun das wissentlich in kraft diss briefs. […]
(654,3-7)
Es wird unter Androhung der Strafen für Majestätsverletzung, der Reichsacht und Aberacht und des Entzugs aller kaiserlicher Privilegien ein Hausungs- und Hofungsverbot ausgesprochen. Danach folgt die Achterklärung, eine eigentliche Verkündigungsformel fehlt jedoch: Luther sollte gefangen genommen und an den Kaiser ausgeliefert werden.
Und gebieten darauf euch allen […] das ir […] den vorgemelten Martin Luther nit hauset, hoffet, etzt, drenket, noch enthaltet, noch ime mit worten oder werken haimlich noch offenlich kainerlai hilf, anhang, beistand noch fürschub beweiset, sonder wo ir ine alsdann ankomen und betretten und des mechtig sein mügt, in fenklichen annemet und uns wolbewart zusendet, […]
(654,7-20)
Auch Luthers Anhänger durften (sofern sie nicht die päpstliche Absolution vorweisen konnten) gefangen genommen, ihre Güter eingezogen werden.
2. Zensurbestimmungen (S. 655,12 – S.658,23)
Der Kauf und Verkauf, das Lesen, der Besitz oder die Verbreitung von Luthers Schriften wird unter Strafe gestellt, genauso wie Zustimmung zu Luthers Meinung und jede Form ihrer öffentlichen Äußerung oder Verteidigung. Weiters wurde ein Befehl zur Vernichtung ketzerischer Schriften erteilt:
[…] Darzu sollet ir all und eur jeder, in was wirden, stats oder wesens der sei, […] all und jeglich solich obbestimpt des Luthers vergift schriften und bücher, als die so dienen zu ainem grossen auflauf, schaden, zertrennung und ketzereien in gotes kirchen, mit dem feur zu verbrennen und in den und ander weg genzlichen abzethun, zu vernichten und zu verdilgen. […]
(655,32-656,9)
Dieses Verbot galt nicht nur für Luthers Schriften, sondern wurde auf alles, was gegen den überkommenen Glauben, den Papst oder die Geistlichkeit gerichtet war, ausgedehnt. Fortan sollte jedes Druckerzeugnis religiösen Inhalts dem Ortsbischof zur Genehmigung vorgelegt werden. Damit wurde eine Rechtsgrundlage für die Kontrolle sämtlicher im Druck verbreiteter kirchenkritischer Äußerungen (nicht ausschließlich reformatorischer Natur) geschaffen.
Corroboratio (S. 658,24ff.)
Und damit dem allen volziehung beschehe und glauben gegeben werde, so haben wir disen brief mit unserm kaiserlichen insigel besigelt, …
(658,24f.)
zitiert nach: RTA Bd. 2, S. 640-669, Nr.92.
Das Geschehen des Speyrer Reichstags blieb für die Bezeichnung der Bekenner des ‚wahren Wortes Gottes’ als „Protestanten“ bis heute namengebend.
Erste Protestation der evangelischen Fürsten, 19.4.1529 (RTA JR 7, 1260-1265); namentlich erwähnt: Kf Johann v. Sachsen
Erweiterte Protestation, 20.4.1529 (RTA JR 7, 1273-1288) – namentlich erwähnt: Kf Johann, Mkgf Georg v. Brandenburg-Ansbach-Kulmbach, Ldgf Philipp v. Hessen, Ft Wolfgang v. Anhalt, Johann Furster, Kanzler (Hzg Ernsts v. Braunschweig-Lüneburg-Celle)
Reichstagsabschied vom 22.4.1529 (RTA JR 7, 1296-1314)
Appellationsinstrument, 25.4.1529 (RTA JR 7, 1345-1356; auszugsweise auch: Ulrich Köpf (Hg.), Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung, Bd. 3: Reformationszeit 1495-1555, Stuttgart 2001, S. 349-353)
Auszug aus dem Appellationsinstrument:
[Der Anlaß]
[...] beschwerungen iren kf. und f.g., auch allen den jenigen, so ietzt und zukunftiger zeit der predigt gotlichs worts und wahrhait und mit abtuung gotloser breuche und wideraufrichtung cristenlicher ceremonien vorwandt, auf angezaigtem reichstag begegent weren. Derhalben [...] wurden ire kf. und f.g. hochlich und unvormeidlich gedrengt, von denselben handlungen und erfolgtem vormeinten neuen abschied (als merglich beschwert) an die hochgedachte ro. ksl. m. und ein frei christenlich concilion etc. zu appelliren.[...]
(1347,1-11)
[Der Rechtsgrund]
Nachdem in allen beschriben rechten das mittel der appellacion und berufung zu aufenthalt derer, die beschwert sein ader furchten sich kunftiglich beschwert zu werden, ausgesatzt und ainem jeden geburt, auch dermaß befreit ist, das dieselbige von keinem gewalt abgetan, nach daruber geschritten ader derselben zuwider gehandelt nach attentirt soll werden, hierumb in willen und meinung, von etzlicher vil hocher, dapferer und wichtigen beschwert wegen, welche uns [...] in gesambt und sonderlich und unsern christlichen unterdanen, auch gemeinlichen allen denen, die itzt und kunftiglich dem h. gotteswort vorwandt, auf diesen RT [...] begegent und zugestanden seint, [...] zu appelliren, provocirn und zu berufen, auch alles und jedes meher zu ton, so uns die recht in dem falh geben und zulassen, protestirn und bedingen wir anfangs offentlich vor got und meniglich, dem diese unsere appellacion und berufung zu lesen ader horen furkombt, das unser wil, gemut und meinung [...] allain die eher gottes des allmechtigen, seins h. worts und unser auch meniglichs seelen seligkait zu suchen, [...] Dann alledieweil die recht (aus dem das die natur zwuschen allen menschen ein naturlich vorwantnus gewurkt) zuelassen, das sich ainer des andern, der zu zeitlichem tod verurtailt wirdet, auch außerhalb volmacht anzunemen und von desselbigen wegen zu appelliren und sein bestes zu schaffen hat, wie vil meher wil uns als geliedern eins gaistlichen leibs, des son gottes [...] wol zustehen, geburen und fugen, dergleichen [...] auch zu tun und dieselben unsere nechsten sich dieses unsers rechtlichen schutzes mit zu freuen und zu gebrauchen. [...]
(1347,28-1349,7)
[Schilderung des Verhandlungsverlaufs des Speyrer Reichstages] (1349,7 – 1353,7)
[Die Appellation]
Dem allen nach protestirn, recusirn, provocirn, appellirn, supplicirn und berufen wir, die obgemelten kurfursten und fursten, fur uns selbst, unsere unterdanen und vorwanten auch itzige und kunftige anhanger und adherenten [...] von allen obangezaigten beschwerden, so uns von anfang dieses RT bis zu ende und mit dem vormeinten abschied begegent sein, auch aller handlung und aller andern beschwerungen, wie die daraus entspringen ader hierunder gezogen ader folgen werden mugen, sie seint hieinnen benent ader nit, ire untuchlichkait und nullitet in alwege furbehalten, zu und fur die ro. ksl. und christliche maiestat, [...] und darzu an und fur das schirstkunftig frei christlich gemein concilium und versamblung der heiligen christenhait, fur unser nationalzusamenkomen und darzu einen jeden dieser sachen bequemen unparteischen und christlichen richter; und unterwerfen uns, unser furstentumb, herschaften, land und leute, leib und gut, auch alle itzige und kunftige dieser unser appellacion anhanger in der ksl. m. und eins christlichen concilii schutz und schirm; [...] auch behalten wir uns bevor, solche appellacion, provocacion und supplicacion zu meren, bessern, mindern ader andern, von neuen einzulegen, als dan die gewohnliche form sollichs herbracht und zugelassen hat.
Dieweil dan die gesanten botschaften der nachbenanten erbarn und freien reichsstette als Straßburg, Nurmberg, Ulm, Costnitz, Lindau, Memmingen, Kempten, Nördlingen, Halbrun, Reutlingen, Ysna, Sant Gallen, Weißenburg und Windsheim, als [...] gegenwertig gewesen, haben dieselben botschaften zustund dieser obangezaigten kurfurst und fursten appellacion adherirt, angezaigt und bedinget, das sie und ire hern und gewalthaber derselben appellacion adheriren, auch keinem furnemen, damit und dadurch wider die appellirende kurfurst und fursten ader wieder ire getane appellacion attentirt und neuerung furgenomen wolt werden, nit anhangen nach vorwandt sein oder darwider tun wollen. [...]
(1353,8-1354,17)
[Begäubigung durch die Notare]
[...] Leonhard Stetner [...] des kurfursten zu Sachsen etc. canzleischreiber, [...] Pangratius Saltzman [...] m. g. h. mgf Georgen zu Brandenburg etc. cammersecretari [...]
(1355,5-30)
zitiert nach: RTA, Bd.7, S. 1345-1356, Nr. 167.
Der sog. Augsburger Religionsfriede ist Teil des Abschieds des Augsburger Reichstags von 1555. Der Augsburger Religionsfriede bedeutete eine reichsrechtliche Anerkennung der Augsburgischen Confessionsverwandten und den Schutz des Landfriedens für die beiden großen Bekenntnisse im Reich. Nicht nur die Täufer, sondern auch Reformierte blieben vom Religionsfrieden ausgeschlossen.
Die politisch bedeutsamste Regelung des Friedens war die Verbindung des Rechts der weltlichen Reichsstände zur freien Konfessionswahl mit dem Recht zur Bestimmung der Konfession ihres ganzen Landes, dem sog. ius reformandi, das in der Folgezeit mit der berühmten Formel cuius regio, eius religio umschrieben wird. Im sog. ‚Geistlichen Vorbehalt’ (§18) wurde geregelt, dass die geistlichen Reichsfürsten bei Übertritt zum Augsburger Bekenntnis ihr Amt und ihre Territorien abtreten sollten. Für die Reichsstädte wurde eine eigene Regelung getroffen (§27).
Wir Ferdinand von Gottes Gnaden Römischer König [...] etc. Bekennen öffentlich und thun kund allermänniglich: Nachdem die Römische Kayserl. Majestät, Unser lieber Bruder und Herr, aus hochdringenden, bewegenden Ursachen, fürnemlich aber darum, dieweil Ihro Majestät befunden, daß des Heil. Reichs Satzungen, Ordnungen und Abschiede [...] S.217
§§ 1/2 Einberufung des Reichstages
§ 3 Unmöglichkeit des persönlichen Erscheinens des Kaisers
§ 4 Vertretung des Kaisers durch den König
[...] so haben Ihr Liebd. und Kayserliche Maj. Uns als Römischen König freundlich und brüderlich ersucht, daß Wir in Ihrer Maj. Abseyn Ihr Liebd. und Kays. Maj. Verwesen und diesem Reichs-Tag beywohnen wolten, Uns auch vollmächtigen, absolute und ohn Hinter-sich-bringen Gewalt gegeben, mit Churfürsten, Fürsten und gemeinen Ständen, auch der Abwesenden Räthen, Bottschafften und Gesandten alles das fürzunehmen, zu handeln und zu schliessen, das dem H. Reich zu Ehren, Auffnehmen, Nutz und Gutem und zu Abstellung und Verhütung aller verdächtlichen Unruhen, Widerwärtigkeiten und Gefährlichkeiten, auch Beförderung, Pflantzung und Erhaltung beständigs Friedens und gemeiner Wohlfahrt immer gereichen möcht. [...] S. 219
Religionsfriede §§7-30 (S. 220-230)
Der Religionsfriede setzt sich aus folgenden Paragraphen zusammen:
§§7/8: Bekenntnisfrage
§9: Errichtung eines dauerhaften Friedens
§10: Aufschub der Beschlussfassung über die Bekenntnisfrage
§11: Beschränkung auf die Errichtung des Friedens
§12: Einhaltung des Landfriedens
§13: Ausdehnung des Landfriedens auf Religionsstreitigkeiten
§14: Allgemeines Friedensgebot
Setzen demnach, ordnen, wöllen und gebieten, dass hinfüro niemands, was Würden, Stands oder Wesen der sey, um keinerley Ursachen willen, wie die Namen haben möchten, auch in was gesuchtem Schein das geschehe, den anderen bevehden, bekriegen, berauben, fahen, überziehen, belägern, […] sondern ein jeder den andern mit rechter Freundschafft und Christlicher Lieb meynen, auch kein Stand noch Glied des H. Reichs dem andern, so an gebühreden Orten Recht leyden mag, den freyen Zugang der Proviant, Nahrung, Gewerb, Renth, Gült und Einkommen abstricken noch aufhalten, sonder in alle Wege die Kayserl. Majestät und Wir alle Stände und hinwiederum die Stände die Kayserl. Maj., Uns, auch ein Stand den andern bey diesen nachfolgenden Religions-, auch gemeiner Constitution des aufgerichten Land-Friedens alles Inhalts bleiben lassen sollen. (S. 223f.)
§15: Einbeziehung der Angehörigen des Augsburger Bekenntnisses
Und damit solcher Fried auch der spaltigen Religion halben […] aufgericht und erhalten werden möchte, so sollen die Kayserl. Maj., Wir, auch Churfürsten, Fürsten und Stände des H. Reichs keinen Stand des Reichs von wegen der Augspurgischen Confession und derselbigen Lehr, Religion und Glaubens halb mit der That gewaltiger Weiß überziehen, beschädigen, vergewaltigen […] sondern bey solcher Religion, Glauben, Kirchengebräuchen, Ordnungen und Ceremonien, auch ihren Haab, Gütern, liegend und fahrend, Land, Leuthen, Herrschafften, Obrigkeiten, Herrlichkeiten und Gerechtigkeiten ruhiglich und friedlich bleiben lassen, und soll die streitige Religion nicht anders dann durch Christliche, freundliche, friedliche Mittel und Wege zu einhelligem, Christlichem Verstand und Vergleichung gebracht werden, alles bey Kayserl. und Königl. Würden, Fürstl. Ehren, wahren Worten und Pön des Land-Friedens. (S. 224)
§16: Schutz der Angehörigen des katholischen Glaubens
Dargegen sollen die Stände, so der Augspurgischen Confession verwandt, die Röm. Kays. Maj., Uns und Churfürsten, Fürsten und andere des H. Reichs Stände der alten Religion anhängig, geistlich und weltlich, […] gleicher Gestalt bey ihrer Religion, Glauben, Kirchengebräuchen, Ordnungen und Ceremonien, […] unbeschwert bleiben und sie derselbigen friedlich und ruhiglich gebrauchen, geniessen, unweigerlich folgen lassen und getreulichen darzu verholffen seyn, […] (S. 224f.)
§17: Ausschluss anderer Bekenntnisse
Doch sollen alle andere, so obgemelten beeden Religionen nicht anhängig, in diesem Frieden nicht gemeynt, sondern gäntzlich ausgeschlossen seyn. (S. 225)
§18: Sogen. geistlicher Vorbehalt
[…] wo ein Ertzbischoff, Bischoff, Prälat oder ein anderer Geistliches Stands von Unser alten Religion abtretten würde, daß derselbig sein Ertzbistumb, Bistumbe, Prälatur und andere Beneficia, auch damit alle Frucht und Einkommen, so er davon gehabt, alsbald ohn einige Verwiderung und Verzug, jedoch seinen Ehren ohnnachtheilig, verlassen, auch den Capituln, und denen es von gemeinen Rechten oder der Kirchen und Stifft Gewohnheiten zugehört, ein Person, der alten Religion verwandt, zu wehlen und zu ordnen zugelassen seyn, welche auch samt der geistlichen Capituln und andern Kirchen bey der Kirchen und Stifft Fundationen, Electionen, Präsentationen, Confirmationen, altem Herkommen, Gerechtigkeiten und Gütern, liegend und fahrend, unverhindert und friedlich gelassen werden sollen, jedoch künfftiger Christlicher, freundlicher und endlicher Vergleichung der Religion unvergreifflich. (S. 225f.)
§ 19 Aufgehobene geistliche Einrichtungen
Dieweil aber etlichen Stände und derselben Vorfahren etliche Stiffter, Klöster und andere geistliche Güter eingezogen [...] so sollen auch solche eingezogene Güter, welche denjenigen, so dem Reich ohn Mittel unterworffen und Reichsstände sind, nicht zugehörig und dero Possession die Geistlichen zu Zeit des Passauischen Vertrages oder seithero nicht gehabt, in diesem Friedstand mit begriffen und eingezogen seyn [...] S. 226
§ 20 Suspendierung der bisherigen geistlichen Gerichtsbarkeit
[...] so soll die geistliche Jurisdiction (doch den geistlichen Churfürsten, Fürsten und Ständen, Collegien, Klöstern und Ordensleuten an ihren Renthen, Gült, Zins und Zehenden, weltliche Lehenschafften, auch andern Rechten und Gerechtigkeiten, wie obstehet, unvergriffen) wider der Augspurgischen Confessions-Verwanten Religion, Glauben, Bestellung der Ministerien, Kirchengebräuchen, Ordnungen und Ceremonien, so sie uffgericht oder uffrichten möchten, biß zu endlicher Vergleichung der Religion nicht exercirt, gebraucht oder geübt werden [...] S. 226
§ 21 Bisherige kirchliche Abgaben
Als auch den Ständen, der alten Religion verwandt, alle ihre zuständige Renth, Zinß, Gült und Zehenden, wie oblaut, folgen sollen, so soll auch einem jeden Stand, unter dem die Renth, Zinß, Gülte, Zehenden oder Güter gelegen, an denselbigen Gütern seine weltliche Obrigkeit, Recht und Gerechtigkeit, so er vor Anfang dieses Stritts in der Religion daran gehabt und in Brauch gewesen, vorbehalten und dardurch denselbigen nichts benommen seyn;[...] S. 227
§ 22 Streitigkeiten über die bisherigen kirchlichen Abgaben
Und ob solcher Bestellung halben Zwispalt und Missverstand fürfielen, so sollen sich die Partheyen etlicher schiedlicher Personen [...] vergleichen, die nach summarischer Verhörung beeder Theil in sechs Monaten erkennen, was und wie viel zu Unterhaltung obgemeldter Ministerien und Stück gegeben werden soll; [...] S. 227
§23: Verbot der Zwangsbekehrung
§24: Abzugsrecht bei Bekenntniswechsel
§25: Religionsausgleich
Und nachdem ein Vergleichung der Religion und Glaubenssachen durch zimliche und gebührliche Wege gesucht werden soll und aber ohne beständigen Frieden zu Christlicher, freundlicher Vergleichung der Religion nicht wol zu kommen, so haben Wir, auch der Churfürsten Räth an Statt der Churfürsten, erscheinende Fürsten, Stände […] bewilligt, solchen Frieden in allen obgeschriebenen Articuln biß zu Christlicher, freundlicher und endlicher Vergleichung der Religion und Glaubens-Sachen stät, fest und unverbrüchlich zu halten und demselben treulich nachzukommen. […] (S. 228f.)
§26: Einbeziehung der Reichsritterschaft
§27: Regelung für die Reichsstädte
Nachdem aber in vielen Frey- und Reichs-Städten die beede Religionen, nemlich Unsere alte Religion und der Augspurg. Confession-Verwandten Religion ein zeithero im Gang und Gebrauch gewesen, so sollen dieselbigen hinführo auch also bleiben und in denselben Städten gehalten werden und derselben Frey- und Reichs-Städt Bürger und andere Einwohner, geistlichs und weltlichs Stands, friedlich und ruhig bey- und neben einander wohnen […] (S. 229)
§28: Bestätigung aller bisherigen Friedensregelungen
Und soll alles, das in hievorigen Reichs-Abschieden, Ordnungen oder sonst begriffen und versehen, so diesem Fried-Stand in allem seinem Begriff, Articuln und Puncten zuwider seyn oder verstanden werden möchte, demselbigen nichts benehmen, derogieren noch abbrechen, auch dagegen keine Declaration oder etwas anders [...] nicht gegeben, erlangt noch angenommen [...] werden. (S. 229f.)
§29: Kaiserliches und königliches Versprechen
§30: Versprechen der Reichsstände
Neben dem Religionsfrieden enthält dieser Reichsabschied vom 25. September 1555 Bestimmungen zu folgenden Bereichen:
Exekutionsordnung §§31-54 (S. 230-241)
Kreisordnung §§56-78 (S. 241-251)
Leistungen der Kirche §§80-84 (S. 251-253)
Verteilung der Kosten §§86-103 (S.253-259)
Reichskammergerichtsordnung §§104-114 (S. 259-262)
Moderation der Anschläge (= Ermäßigung der Matrikularbeiträge, d.h. der in den Matrikeln festgelegten Beiträge der Kreise) §§115 – 134 (S. 263-270)
Polizeiordnung §§135-136 (S. 270-272)
Münzordnung §§137-139 (S. 272f.)
Schlussformel §§141-144 (S. 273f.)
Arno Buschmann (Hg.), Kaiser und Reich, Klassische Texte zur Verfassungsgeschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation vom Beginn des 12. Jahrhunderts bis zum Jahre 1806, München 1984, S. 215-282.
Von hier wurde auch die Betitelung der einzelnen Paragraphen übernommen.
Obwohl nach §28 des Abschieds jede Veränderung des Religionsfriedens durch zusätzliche Erklärungen untersagt war, erließ König Ferdinand unter dem Datum vom 24. September 1555 eine Erklärung, die den Untertanen geistlicher Fürsten, die sich schon zur Augsburger Konfession bekannten, ihren alten Glaubensstand zusicherte.
Wir Ferdinand von Gottes Genaden, Römischer Kunig, zu allen Zeiten Merer des Reichs etc.
bekennen offenlich und tuen kund allermenniglich mit disem Brief, […] das demnach wir in craft der römischen kaiserlichen Maiestät unsers lieben Brudern und Herrns uns gegebner Volmacht und Heimbstellung erklärt, gesetzt und entschaiden haben, tuen auch solches hiemit wissentlich in craft diz Briefs, das der Geistlichen aigen Ritterschaft, Stet und Comunen, welche lange Zeit und Jahr her der Augspurgischen Confession Religion anhengig gewesen und derselbigen Religion Glauben Kirchengebreuchen Ordnungen und Ceremonien offentlich gehalten und gebraucht und bis auf heut dato noch also halten und gebrauchen, von derselbigen irer Religion Glauben Kirchengebreuchen Ordnungen und Ceremonien offenlich gehalten und gebraucht und bis auf heut dato noch also halten und gebrauchen, von derselbigen irer Religion Glauben, Krichengebreuchen und Ceremonien hinfüro durch jemand nit gedrungen, donder dabei bis zu obberürter christenlicher und entlicher Vergleichung der Religion unvergwaltigt gelassen werden sollen. […]
Ulrich Köpf (Hg.), Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung, Bd. 3: Reformationszeit 1495-1555, Stuttgart 2001, S. 485 f.
Zuletzt geändert: 13.06.2006