Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%202007,%201528
Timestamp: 2019-07-16 01:28:36
Document Index: 365998007

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 675', '§ 666', '§ 667', '§ 675', '§ 28', 'BGH', 'BGH', '§ 667', '§ 14', '§ 259', 'BGH', 'BGH', '§ 259', '§ 666', '§ 665', '§ 666', '§ 14', '§ 259', 'BGH', 'BGH', '§ 259', 'BGH', '§ 666', '§ 242', '§ 260', 'BGH', '§ 666', 'BGH', 'BGH', '§ 28', '§ 28', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 08.02.2007 - III ZR 148/06 - dejure.org
https://dejure.org/2007,782
BGH, 08.02.2007 - III ZR 148/06 (https://dejure.org/2007,782)
BGH, Entscheidung vom 08.02.2007 - III ZR 148/06 (https://dejure.org/2007,782)
BGH, Entscheidung vom 08. Februar 2007 - III ZR 148/06 (https://dejure.org/2007,782)
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Berufung des Geschäftsbesorgers auf ein eigenes Geheimhaltungsinteresse und auf datenschutzrechtliche Belange der Mieter beim Vermietungs-Vermittlungsvertrag; Informationspflichten des Beauftragten; Bezug des Inhalts und der Grenzen der Auskunftspflicht zu dem zwischen den Parteien bestehenden Rechtsverhältnis
Zur Frage, inwieweit ein Geschäftsbesorger, der es übernommen hat, eine Ferienwohnung im Namen und für Rechnung des Eigentümers an Feriengäste zu vermieten, sich auf ein eigenes Geheimhaltungsinteresse und auf datenschutzrechtliche Belange der Mieter berufen kann, wenn der Eigentümer Namen und Anschriften der Mieter erfahren möchte
Ferienwohnungsvermietung - Bekanntgabe der Mieteranschriften
Auskunft-, Rechenschafts- und Herausgabepflicht im Geschäftsbesorgungsvertrag gem. §§ 675 I, 666, 667 BGB
BGB § 666 § 667 § 675 Abs. 1; BDSG § 28 Abs. 1
Datenschutz rechtfertigt Verweigerungshaltung nicht - Energieausweis: Energieversorger müssen Verbrauchsdaten der Mieter übermitteln
Wohnungsvermittlung: Auskunft über Mieterdaten
Zur Auskunftspflicht des Vermittlers von Ferienwohnungen gegenüber Eigentümer
Ferienwohnung: Eigentümer hat Anspruch auf Adressen der Mieter! (IMR 2007, 176)
AG Emden, 22.11.2005 - 5 C 795/04
AG Emden, 19.05.2006 - 5 C 795/04
LG Aurich, 19.05.2006 - 1 S 325/05
NJW 2007, 1528
NZM 2007, 375
ZMR 2007, 435
VersR 2007, 801
WM 2007, 1423
Es genügt hierfür bereits das allgemeine Interesse des Berechtigten, die Tätigkeit des Abrechnungspflichtigen zu kontrollieren (vgl. BGH, Urteile vom 8. Februar 2007 - III ZR 148/06, WM 2007, 1423 Rn. 6;… vom 3. November 2011 - III ZR 105/11, WM 2012, 944 Rn. 12 f.;… vom 9. November 2017 - III ZR 610/16, WM 2017, 2296 Rn. 21; jeweils mwN).
Der Geschäftsbesorger, der es übernommen hat, eine Ferienwohnung im eigenen Namen aber für Rechnung des Eigentümers an Feriengäste zu vermieten, ist nach Ausführung des Auftrags beziehungsweise Beendigung des Vertragsverhältnisses ungeachtet eines sodann bestehenden Wettbewerbsverhältnisses mit dem Eigentümer diesem gegenüber verpflichtet, unter Vorlage der Verträge mit den Mietern über die während der Geschäftsbesorgung vorgenommenen Vermietungen Auskunft zu erteilen und Rechenschaft abzulegen (Fortführung des Senatsurteils vom 8. Februar 2007, III ZR 148/06, NJW 2007, 1528).
Diese weit gefassten Informations- und Herausgabepflichten des Beauftragten sind damit zu erklären, dass er seine Tätigkeit im Interesse des Auftraggebers ausübt (vgl. Senatsurteil vom 8. Februar 2007 - III ZR 148/06, WM 2007, 1423 Rn. 6).
Dies hat der Senat bereits für die Fallgestaltung entschieden, dass der Beauftragte verpflichtet ist, die Mietverträge mit den Urlaubsgästen im Namen des Auftraggebers zu schließen (Urteil vom 8. Februar 2007 - III ZR 148/06, WM 2007, 1423 Rn. 6 ff, 13).
Die Auskunftspflicht des Beauftragten setzt dabei nicht voraus, dass der Auftraggeber die begehrte Information zur Vorbereitung weiterer Ansprüche benötigt (Senatsurteil vom 8. Februar 2007 aaO Rn. 6; BGH, Urteil vom 30. Januar 2001 - XI ZR 183/00, NJW 2001, 1486).
Auch diese Unterlagen stellen nach § 667 BGB herauszugebenden drittgerichteten Schriftverkehr dar, den der Beauftragte für den Auftraggeber geführt und erhalten hat (vgl. Senatsurteil vom 8. Februar 2007 - III ZR 148/06, WM 2007, 1423 Rn. 13).
Zwar war der Beauftragte in dem dem Senatsurteil vom 8. Februar 2007 (III ZR 148/06, WM 2007, 1423) zugrunde liegenden Sachverhalt im Unterschied hierzu verpflichtet, die Verträge im Namen des Auftraggebers zu schließen (…aaO Rn. 8, 10).
Auf sich beruhen kann, ob der Kläger die verlangten Unterlagen, obgleich die Verträge mit den Mietern nicht in seinem Namen geschlossen wurden, auch deshalb benötigt, um gegenüber den Finanzbehörden belegen zu können, dass nach § 14 UStG ordnungsgemäße Rechnungen erteilt worden sind (siehe hierzu Senatsurteil vom 8. Februar 2007 - III ZR 148/06, WM 2007, 1423 Rn. 6).
Zwar ist im Grundsatz anerkannt, dass der Anspruch auf Rechenschaftslegung nach § 259 BGB durch Geheimhaltungsinteressen des Schuldners oder Dritter eingeschränkt sein kann, was insbesondere in Betracht kommt, wenn Schuldner und Gläubiger in einem Wettbewerbsverhältnis zueinander stehen (Senatsurteil vom 8. Februar 2007 - III ZR 148/06, WM 2007, 1423 Rn. 8 mwN; BGH, Urteil vom 28. Oktober 1953 - II ZR 149/52, BGHZ 10, 385, 387;… MünchKommBGB/Krüger, 5. Aufl., § 259 Rn. 31).
Entscheidend ist jedoch, dass Inhalt und Grenzen der Auskunftspflicht auf das zwischen den Parteien bestehende Rechtsverhältnis bezogen werden (Senatsurteil vom 8. Februar 2007 - III ZR 148/06, WM 2007, 1423 Rn. 8).
Der Beauftragte unterliegt den weitreichenden Informationspflichten des § 666 BGB, weil er fremdnützig im Rechtskreis des Auftraggebers tätig wird und deshalb dessen Interessen wahrzunehmen sowie gemäß § 665 BGB grundsätzlich dessen Weisungen zu befolgen hat (…vgl. Senatsurteile vom 3. November 2011 aaO, Rn. 12 und vom 8. Februar 2007 - III ZR 148/06, WM 2007, 1423 Rn. 6 jew. zu § 666 Variante 3 BGB).
Vielmehr genügt das allgemeine Interesse des Auftraggebers, die Tätigkeit des Beauftragten zu kontrollieren (Senatsurteile vom 8. Februar 2007 - III ZR 148/06, NJW 2007, 1528 Rn. 6 …und vom 3. November 2011 - III ZR 105/11, NJW 2012, 58 Rn. 13).
Auf sich beruhen kann, ob die Klägerin die verlangten Unterlagen, obgleich die Verträge mit den Mietern nicht in ihrem Namen geschlossen wurden, auch deshalb benötigt, um gegenüber den Finanzbehörden belegen zu können, dass nach § 14 UStG ordnungsgemäße Rechnungen erteilt worden sind (siehe hierzu Senatsurteil vom 8. Februar 2007 - III ZR 148/06, WM 2007, 1423 Rn. 6).
Zwar ist im Grundsatz anerkannt, dass der Anspruch auf Rechenschaftslegung nach § 259 BGB durch Geheimhaltungsinteressen des Schuldners oder Dritter eingeschränkt sein kann, was insbesondere in Betracht kommt, wenn Schuldner und Gläubiger in einem Wettbewerbsverhältnis zueinander stehen (Senatsurteil vom 8. Februar 2007 - III ZR 148/06, WM 2007, 1423 Rn. 8 m.w.N.; BGH, Urteil vom 28. Oktober 1953 - II ZR 149/52, BGHZ 10, 385, 387;… MünchKommBGB/Krüger, 5. Aufl., § 259 Rn. 31).
aa) Diese umfasst die Pflicht des Geschäftsbesorgers/Beauftragten, dem Geschäftsherrn/Auftraggeber die erforderlichen Nachrichten zu geben, auf Verlangen über den Stand des Geschäfts Auskunft zu erteilen und nach der Ausführung des Auftrags Rechenschaft abzulegen (vgl. BGH, Urteil vom 8.2.2007 - III ZR 148/06, NJW 2007, 1528 ).
Das Auskunftsrecht aus § 666 BGB setzt deshalb -anders als das aus § 242 BGB abgeleitete (…vgl. hierzu Palandt/Grüneberg, 69. Aufl., § 260 Rdn. 6 m.w.N.) - nicht notwendig einen konkreten Hauptanspruch voraus, dessen Durchsetzung es dienen muss (vgl. BGH, Urteil vom 28.2.1989 - XI ZR 91/88, NJW 1989, 1601 ; Urteil vom 30.1.2001 - II ZR 183/00, NJW 2001, 1486 ; Urteil vom 8.2.2007 - III ZR 148/06, NJW 2007, 1528 ;… Seiler in MünchKomm/BGB, 4. Aufl., § 666, Rdn. 3).
Diese Voraussetzungen sind im Streitfall erfüllt, da die Übermittlung der Daten zur Erfüllung der Auskunftspflichten der Beklagten erforderlich ist und ein entgegenstehendes schutzwürdiges Interesse der Bezugsberechtigten insoweit nicht anzuerkennen ist (vgl. hierzu auch BGH, Urteil vom 8.2.2007 - III ZR 148/06, NJW 2007, 1528 ).
Vielmehr genügt sein allgemeines Interesse, die Tätigkeit des Geschäftsbesorgers zu kontrollieren (Senatsurteile vom 8. Februar 2007 - III ZR 148/06, NJW 2007, 1528 Rn. 6;… vom 3. November 2011 - III ZR 105/11, NJW 2012, 58 Rn. 12 f …und vom 1. Dezember 2011 - III ZR 71/11, BGHZ 192, 1 Rn. 15).
Eine derartige konkludente Zweckbestimmung genügt den Erfordernissen des § 28 Abs. 1 Satz 2 BDSG (…vgl. hierzu nur Wolff in Wolff/Brink, BeckOK DSR, Stand: 1. August 2015, § 28 Rn. 17 unter Hinweis auf BGH, Urteil vom 8. Februar 2007 III ZR 148/06, NJW 2007, 1528 Rn. 12).
Nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 08.02.2007 (NJW 2007, S. 1528) sei maßgeblich auf das zwischen den Parteien bestehende Rechtsverhältnis abzustellen.
So hat der Bundesgerichtshof ausgeführt, die weit gefassten Informationspflichten des Beauftragten, die damit zu erklären seien, dass er seine Tätigkeit im Interesse des Auftraggebers ausübe, schlössen bei einem Vertrag, der darauf gerichtet sei, dass der Beauftragte im Namen des Auftraggebers und für dessen Rechnung Zeitmietverträge mit Feriengästen abschließe, auch die Pflicht ein, dem Auftraggeber Namen und Anschriften der Gäste mitzuteilen (vgl. BGH, NJW 2007, S. 1528).
Eine Einschränkung ist auch wegen eines Geheimhaltungsinteresses des Schuldners denkbar (vgl. BGH NJW 2007, 1528).