Source: https://aln.zh.ch/internet/baudirektion/aln/de/ala/boden_pacht/ertragswert.html
Timestamp: 2020-01-26 17:26:55
Document Index: 305577923

Matched Legal Cases: ['Art. 11', 'Art 21', 'Art 36', 'Art 42', 'Art. 49', 'Art. 73', 'Art. 37', 'Art. 5', 'Art. 10']

Ertragswertschätzung (Ausgewählt)
Grundsätzliches zum Ertragswertsystem
Das Ertragswertsystem ist ein Grundpfeiler der Schweizerischen Agrarpolitik. Es dient insbesondere der Beschränkung der Verschuldung der Landwirtschaft.
Durch die Begrenzung der Übernahmewerte und der Belastungsgrenze und dadurch der Landgutkosten, hat es auch eine produktionskostendämpfende Wirkung. Falls Landwirte Eigentümer des Bodens sein sollen, müssen sie diesen zu tragbaren Bedingungen erwerben können. Die Übernahme zum Ertragswert in der Familie ist daher das wichtigste Instrument zur Festigung des bäuerlichen Grundbesitzes.
Der Ertragswert ist ein wichtiger Bestandteil verschiedener Vorschriften des landwirtschaftlichen Rechts:
Art. 11 und 17 BGBB Anrechnung landwirtschaftlicher Gewerbe in der Erbteilung zum Ertragswert
Art 21 BGBB Anrechnung landwirtschaftlicher Grundstücke in der Erbteilung zum doppelten Ertragswert
Art 36 und 37 BGBB Bei der Auflösung von Mit- oder Gesamteigentum. Anrechnung der Anteile an landwirtschaftlichen Gewerben zum Ertragswert und an landwirtschaftlichen Grundstücken zum doppelten Ertragswert
Art 42 und 44 BGBB Vorkaufsrecht der Verwandten an landwirtschaftlichen Gewerben zum Ertragswert und an landwirtschaftlichen Grundstücken zum doppelten Ertragswert
Art. 49 BGBB Vorkaufsrechte der Miteigentümer an Miteigentumsanteilen an landwirtschaftlichen Gewerben zum Ertragswert und an landwirtschaftlichen Grundstücken zum doppelten Ertragswert
Art. 73 BGBB Belastungsgrenze, 135% vom landwirtschaftlichen Ertragswert
(+ nichtlandwirtschaftlicher Ertragswert)
Hofübergabe zu Lebzeiten Diese erfolgt dank der bestehenden Vorschriften für den Erb- und Vorkaufsfall in aller Regel zum Ertragswert.
Art. 37 und 38 LPG Angemessene Verzinsung des Ertragswertes im Pachtzins
Verordnung über die Strukturverbesserungen in der Landwirtschaft (SSV)
Art. 5 SSV
Innerhalb von fünf Jahren vor der Gewährung von Investitionshilfen muss der Gesuchsteller das landwirtschaftliche Gewerbe oder landwirtschaftliche Grundstücke unter folgenden Voraussetzungen übernommen haben oder übernehmen:
a) innerhalb der Familie nach den Bestimmungen des bäuerlichen Bodenrechts
b) ausserhalb der Familie höchstens zum 2.5-fachen Ertragswert bei ganzen Gewerben und nicht über dem 8-fachen Ertragswert bei einzelnen Grundstücken
Vermögenssteuer Der Ertragswert wird von praktisch allen Kantonen für die Bewertung der landwirtschaftlichen Gewerbe und Grundstücke übernommen.
Gesetzliche Definition des Ertragswertes (Art. 10 BGBB)
Der Ertragswert entspricht dem Kapital, das mit dem Ertrag eines landwirtschaftlichen Gewerbes oder Grundstückes bei landesüblicher Bewirtschaftung zum durchschnittlichen Zinssatz für erste Hypotheken verzinst werden kann. Für die Feststellung des Ertrags und des Zinssatzes ist auf das Mittel mehrerer Jahre (Bemessungsperiode) abzustellen.
Der Bundesrat regelt die Art der Berechnung, die Bemessungsperiode und die Einzelheiten der Schätzung.
Nichtlandwirtschaftlich genutzte Flächen, Gebäude und Anlagen oder Teile davon werden mit dem Ertragswert, der sich aus der nichtlandwirtschaftlichen Nutzung ergibt, in die Schätzung einbezogen.
Der Bundesrat setzt die Bemessungsperiode und den anwendbaren Zinssatz in der Verordnung über das bäuerliche Bodenrecht (VBB) / SR 211.412.110 fest. Die weiteren Einzelheiten der Schätzung regelt er in der "Anleitung für die Schätzung des landwirtschaftlichen Ertragswertes".
Grundlage zur Ertragswertschätzung
Als aktuelle Schätzungsgrundlage kommt die per 1. Februar 2004 vom Bundesrat erlassene Anleitung für die Schätzung des landwirtschaftlichen Ertragswertes vom 26. November 2004 zur Anwendung. Danach werden die einzelnen Betriebsbestandteile (Land, Gebäude, Wald etc.) separat bewertet. Den einzelnen Ertragswertansätzen sind Buchhaltungsergebnisse (1994-2001) sowie eine Prognose (2002-2007) und eine Trendschätzung (2008-2010, Fortschreibung der durchschnittlichen Veränderungen der Jahre 2002-2007) zugrunde gelegt. Die Ertragswertansätze sind zudem je nach Verkehrslage von Wohnhaus und Betrieb (Ökonomiegebäude, Boden) abgestuft. Bei den Betrieben des produzierenden Gartenbaus, den Obst- und Beerenproduktionsbetrieben, den Gemüsebaubetrieben sowie den Sömmerungsbetrieben wird für die Bewertung der Spezialgebäude anstelle der Verkehrslage das Absatzpotential beurteilt.
Wann braucht man eine Ertragswertschätzung?
Erhöhung oder Festsetzung des Ertragswertes / der Belastungsgrenze
Bauprojekt (mit oder ohne Subventionen)
Investitionskredit (Zürcher Landwirtschaftliche Kreditkasse, ZLK)
Wer schätzt den Ertragswert?
Amt für Landschaft und Natur, Abteilung Landwirtschaft, Walcheplatz 2, Postfach, 8090 Zürich, Tel.: 043 259 27 56
Schweizerischer Bauernverband, Laurstrasse 10, 5201 Brugg, Tel.: 056 462 51 11
Jardin Suisse, Unternehmerverband Gärtner Schweiz, Forchstrasse 287, 8008 Zürich, Tel.: 044 388 53 30
diverse private landwirtschaftliche Beratungsbüros
Für die Erhöhung oder Festsetzung der Belastungsgrenze muss die Ertragswertschätzung vom ALN mittels einer Verfügung genehmigt werden.
Was muss eingereicht oder bereitgehalten werden?
Ertragswertschätzung (wenn durch Dritte durchgeführt)
evtl. alte Ertragswertschätzung
Planunterlagen (Bauprojekte oder bestehende Bauten)
Grundbuch- oder Grundregisterauszug
evtl. Kaufverträge
evtl. Abtretungsvertrag (oder Erbteilungsvertrag)
evtl. Unterlagen Melioration (Feld- und Waldzusammenlegungen)