Source: https://www.mittelstands-anwaelte.de/bundesgerichtshof-entscheidet-zu-formularklauseln-ueber-abzugsbetraege-bei-foerderdarlehen-kfw-darlehen/
Timestamp: 2019-12-10 01:39:29
Document Index: 99843254

Matched Legal Cases: ['§ 812', '§ 502', '§ 500', '§ 502', '§ 502', '§ 307', '§ 511', '§ 307', '§ 500', '§ 502']

Bundesgerichtshof entscheidet zu Formularklauseln über Abzugsbeträge bei Förderdarlehen (KfW-Darlehen) | DASV - Die Deutsche Anwalts- und Steuerberatervereinigung für die mittelständische Wirtschaft e.V.
Bun­des­ge­richts­hof ent­schei­det zu For­mu­lar­klau­seln über Abzugs­be­trä­ge bei För­der­dar­le­hen (KfW-Dar­le­hen)
(Kiel) Der u.a. für das Bank­recht zustän­di­ge XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat sich in vier Ver­fah­ren mit Ansprü­chen von Dar­le­hens­neh­mern auf Rück­zah­lung von Abzugs­be­trä­gen befasst, die Kre­dit­in­sti­tu­te im Rah­men von aus För­der­mit­teln der Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (nach­fol­gend KfW) gewähr­ten Dar­le­hen auf­grund for­mu­lar­mä­ßi­ger Bestim­mun­gen in den Dar­le­hens­ver­trä­gen in Höhe von jeweils 4 % des Dar­le­hens­nenn­be­tra­ges ein­be­hiel­ten.
Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 16.02.2016 zu sei­nen Urtei­len vom sel­ben Tage, Az. XI ZR 454/14, XI ZR 63/15, XI ZR 73/15, XI ZR 96/15.
Zur Refi­nan­zie­rung hat­ten die Kre­dit­in­sti­tu­te mit der KfW jeweils Dar­le­hens­ver­trä­ge abge­schlos­sen, die eben­falls Abzugs­be­trä­ge in Höhe von 4 % des Dar­le­hens­nenn­be­tra­ges zuguns­ten der KfW vor­sa­hen. Die Kla­gen aller Dar­le­hens­neh­mer waren in den Tat­sa­chen­in­stan­zen erfolg­los. Der XI. Zivil­se­nat hat die Revi­sio­nen der Dar­le­hens­neh­mer in den drei Fäl­len zurück­ge­wie­sen, in denen die Dar­le­hens­ver­trä­ge vor dem 11. Juni 2010 geschlos­sen wur­den. In dem Ver­fah­ren, dem ein nach die­sem Tag abge­schlos­se­ner Dar­le­hens­ver­trag zugrun­de lag, ist das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und das Ver­fah­ren an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen wor­den, damit feh­len­de tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen zur Anwen­dung neu­er Rege­lun­gen des Ver­brau­cher­dar­le­hens­rechts nach­ge­holt wer­den kön­nen.
In dem Ver­fah­ren XI ZR 454/14 ist in den zwi­schen den kla­gen­den Dar­le­hens­neh­mern und dem Kre­dit­in­sti­tut geschlos­se­nen Dar­le­hens­ver­trag fol­gen­de strei­ti­ge Klau­sel über Abzugs­be­trä­ge ein­be­zo­gen wor­den:
“Es wird ein Dis­agio (Abzug vom Nenn­be­trag des Kre­dits) von 4,00 v.H. erho­ben. Die­ses umfasst eine Risi­ko­prä­mie von 2,0 v.H. für das Recht zur außer­plan­mä­ßi­gen Til­gung d. Kre­dits wäh­rend d. Zins­fest­schrei­bung u. 2,0 % Bear­bei­tungs­ge­bühr.”
Die Dar­le­hens­neh­mer hal­ten die­se Klau­sel für unwirk­sam. Die Revi­si­on der Dar­le­hens­neh­mer gegen die Abwei­sung ihrer Kla­ge auf Rück­zah­lung des Abzugs­be­trags war erfolg­los. Den kla­gen­den Dar­le­hens­neh­mern steht kein Anspruch auf Rück­zah­lung des Abzugs­be­trags gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 BGB zu, weil die strei­ti­ge Klau­sel wirk­sam ist.
Die strei­ti­ge Klau­sel ent­hält zwei inhalt­lich von­ein­an­der zu tren­nen­de Rege­lun­gen. Der Abzugs­be­trag von 4 % ist näm­lich in eine Bear­bei­tungs­ge­bühr von 2 % und in eine Risi­ko­prä­mie von 2 % auf­ge­teilt, die jeweils Gegen­stand einer eigen­stän­di­gen AGB-recht­li­chen Wirk­sam­keits­prü­fung sind.
Die den Dar­le­hens­neh­mern in der Klau­sel ein­ge­räum­te Mög­lich­keit, das För­der­dar­le­hen, auf das § 502 BGB in der ab dem 11. Juni 2010 gel­ten­den Fas­sung kei­ne Anwen­dung fin­det, jeder­zeit wäh­rend der andau­ern­den Zins­bin­dung zu til­gen, ohne zur Abgel­tung der recht­lich gesi­cher­ten Zins­er­war­tung des beklag­ten Kre­dit­in­sti­tuts eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung zah­len zu müs­sen (Risi­ko­prä­mie), stellt einen wirt­schaft­li­chen Vor­teil dar. Die­se somit zusätz­lich ange­bo­te­ne Leis­tung darf die Beklag­te geson­dert in Form einer Risi­ko­prä­mie – hier in Höhe von 2 % des Dar­le­hens­nenn­be­tra­ges – beprei­sen, ohne dass dies einer AGB-recht­li­chen Inhalts­un­ter­kon­trol­le unter­liegt.
Soweit die Klau­sel dar­über hin­aus eine Bear­bei­tungs­ge­bühr in Höhe von 2 % vor­sieht, han­delt es sich zwar um eine kon­troll­fä­hi­ge Preis­ne­ben­ab­re­de. Denn mit der Bear­bei­tungs­ge­bühr wird Auf­wand bepreist, der kei­ne Son­der­leis­tung betrifft, son­dern der Beschaf­fung des För­der­dar­le­hens dient und damit bei der ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­trags­er­fül­lung durch das Kre­dit­in­sti­tut ent­steht. Dass die­ser Auf­wand nicht unmit­tel­bar bei dem beklag­ten Kre­dit­in­sti­tut ent­stan­den ist, son­dern von die­sem einem Drit­ten, hier der KfW, zu erstat­ten ist, ändert an der Kon­troll­fä­hig­keit der Klau­sel nichts.
Nach die­sen Grund­sät­zen hat der XI. Zivil­se­nat auch die Revi­sio­nen der Dar­le­hens­neh­mer in den wei­te­ren Ver­fah­ren XI ZR 63/15 und XI ZR 73/15 zurück­ge­wie­sen, da in die dort geschlos­se­nen Dar­le­hens­ver­trä­ge sach­lich ver­gleich­ba­re Klau­seln ein­be­zo­gen waren.
In dem Ver­fah­ren XI ZR 96/15 hat der XI. Zivil­se­nat das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Der die­sem Ver­fah­ren zu Grun­de lie­gen­de Dar­le­hens­ver­trag wur­de nach Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Umset­zung der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie am 11. Juni 2010 geschlos­sen. Nach dem dabei neu ein­ge­führ­ten § 500 Abs. 2 BGB ist ein Dar­le­hens­neh­mer berech­tigt, sei­ne Ver­bind­lich­kei­ten aus einem Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag jeder­zeit ganz oder teil­wei­se zu erfül­len. Die von ihm im ungüns­tigs­ten Fall gemäß § 502 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BGB zu zah­len­de Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung darf 1 % des vor­zei­tig zurück­ge­zahl­ten Betrags nicht über­schrei­ten und ist damit stets gerin­ger als der von der Beklag­ten in die­sem Fall ein­be­hal­te­ne Abzugs­be­trag in Höhe von 4 % des Dar­le­hens­nenn­be­trags. Danach wür­de die Klau­sel bei der Beprei­sung des Ver­zichts auf die Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung zu Las­ten des Klä­gers von § 502 Abs. 1 BGB abwei­chen und unter­lä­ge gemäß § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB der AGB-recht­li­chen Inhalts­kon­trol­le. Da zudem gemäß § 511 Satz 1 BGB von den genann­ten gesetz­li­chen Rege­lun­gen bei einem Ver­brau­cher­dar­le­hen nicht zum Nach­teil des Ver­brau­chers abge­wi­chen wer­den darf, wür­de die strei­ti­ge Klau­sel den Klä­ger unan­ge­mes­sen im Sin­ne des § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB benach­tei­li­gen und wäre damit im Rah­men des im Revi­si­ons­ver­fah­ren zu unter­stel­len­den Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­tra­ges unwirk­sam.
Da das Beru­fungs­ge­richt aber kei­ne tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen hat, ob der vor­lie­gen­de Dar­le­hens­ver­trag ein Ver­brau­cher­dar­le­hen dar­stellt, kann nicht abschlie­ßend beur­teilt wer­den, ob die § 500 Abs. 2, § 502 Abs. 1 BGB auf das vor­lie­gen­de Dar­le­hen anzu­wen­den sind. Des­we­gen war das Beru­fungs­ur­teil auf­zu­he­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen.