Source: http://m.hensche.de/Arbeitslosengeld_Sperrzeit_Arbeitsaufgabe_Kuendigung_des_unbefristeten_Arbeitsverhaeltnisses_zur_Aufnahme_eines_befristeten_wichtiger_Grund_verfassungskonforme_Auslegung_BSG_B11aAL55-05R-u.html
Timestamp: 2017-03-23 18:11:24
Document Index: 62830970

Matched Legal Cases: ['§ 54', '§ 117', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 121', '§ 119', '§ 144', '§ 119', '§ 119', '§ 144', '§ 144', '§ 27', '§ 8', '§ 37', '§ 37']

HENSCHE Arbeitsrecht: B 11a AL 55/05 R
Sozialgericht Itzehoe, Gerichtsbescheid vom 20.04.2004, S 2 AL 119/02
Az: B 11a AL 55/05 R ...,
Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter: ...,
Die Be­klag­te trägt - un­ter Berück­sich­ti­gung des be­reits auf Grund des Teil­ver­gleichs über­nom­me­nen Kos­ten­an­teils - die not­wen­di­gen außer­ge­richt­li­chen Kos­ten der Kläge­rin. - 2 -
Sie mel­de­te sich am 1. No­vem­ber 2001 ar­beits­los und be­an­trag­te Alg. Mit Be­scheid vom 10. Ja­nu­ar 2002 lehn­te die Be­klag­te den An­trag für die Zeit vom 1. No­vem­ber 2001 bis zum 23. Ja­nu­ar 2002 ab, weil der An­spruch we­gen des Ein­tritts ei­ner Sperr­zeit mit ei­ner Dau­er von 12 Wo­chen ru­he. Die Sperr­zeit min­de­re den An­spruch auf Alg um 90 Ta­ge. Mit ei­nem wei­te­ren Be­scheid vom 10. Ja­nu­ar 2002 be­wil­lig­te die Be­klag­te der Kläge­rin Alg ab 24. Ja­nu­ar 2002 in Höhe von wöchent­lich 165,90 Eu­ro. Ab 18. März 2002 wur­de die Alg-Be­wil­li­gung we­gen derAuf­nah­me ei­ner Tätig­keit bei der Fir­ma G in P auf­ge­ho­ben.
Das So­zi­al­ge­richt hat die Kla­ge durch Ge­richts­be­scheid vom 20. April 2004 ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG) hat ei­ne schrift­li­che Aus­kunft beim ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber zu den Aus­sich­ten auf ei­nen An­schluss­ar­beits­platz ab 1. No­vem­ber 2001 ein­ge­holt. Das LSG hat die - 3 -
Die Kläge­rin be­an­tragt sinn­gemäß,das Ur­teil des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 22. Ju­li 2005 und den Ge­richts­be­scheid des So­zi­al­ge­richts It­ze­hoe vom 20. April 2004 so­wie die Be­schei­de der Be­klag­ten vom 10. Ja­nu­ar 2002 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des der Be­klag­ten vom 17. Ju­ni 2002 auf­zu­he­ben bzw zu ändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der
Rich­ti­ge und zulässi­ge Kla­ge­art ist die kom­bi­nier­te An­fech­tungs- und Leis­tungs­kla­ge (§ 54 Abs 1 und 4 So­zi­al­ge­richts­ge­setz <SGG>), denn in der Sa­che ver­folgt die Kläge­rin ih­ren Leis­tungs­an­spruch für die Zeit vom 1. No­vem­ber 2001 bis zum 23. Ja­nu­ar 2002. Die Vor­aus­set­zun­gen des An­spruchs auf Alg (§§ 117 ff SGB III) ha­ben für den vor­ge­nann­ten Zeit­raum vor­ge­le­gen; dies wird auch von der Be­klag­ten aus­weis­lich ih­rer Erklärung im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung am 12. Ju­li 2006 nicht in Zwei­fel ge­zo­gen. Da­bei ist für die recht­li­che Be­ur­tei­lung un­er­heb­lich, dass die Kläge­rin vor ih­rer Ar­beits­lo­sig­keit ab 1. No­vem­ber 2001 ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis im Aus­land zurück­ge­legt hat. Denn nach dem hier maßgeb­li­chen Ab­kom­men - 5 -
1. Die Kläge­rin hat ihr Beschäfti­gungs­verhält­nis da­durch gelöst, dass sie das (un­be­fris­te­te) Ar­beits­verhält­nis bei der P GmbH durch die Kündi­gungs­erklärung vom 2. Ja­nu­ar 2001 zum 31. März 2001 be­en­det hat. Die­se Kündi­gung war nach den Fest­stel­lun­gen des LSG für den Ein­tritt der Ar­beits­lo­sig­keit ab 1. No­vem­ber 2001 ursächlich, da das An­schluss-Beschäfti­gungs­verhält­nis ab 1. April 2001 von vorn­her­ein be­fris­tet war und auch tatsächlich mit dem Aus­lau­fen der Be­fris­tung en­de­te. Zwi­schen dem En­de des un­be­fris­te­ten und der Auf­nah­me des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses lag kein Zeit­raum der Beschäfti­gungs­lo­sig­keit, so­dass al­lein auf die am 1. No­vem­ber 2001 nach Be­en­di­gung des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses ein­ge­tre­te­ne Ar­beits­lo­sig­keit ab­zu­stel­len ist (vgl in­so­weit die ab­wei­chen­de tatsächli­che Si­tua­ti­on in BSG SozR 4-4300 § 144 Nr 9). Die Ar­beits­lo­sig­keit muss - wie der Ver­gleich mit der 2. Alt der Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be zeigt - nicht un­mit­tel­bar durch die Lösung her­bei­geführt wer­den (vgl auch Wink­ler in Ga­gel, SGB III, § 144 Rd­Nr 82; Schwei­ger NZS 2002, 79, 80 ff). Der in der Li­te­ra­tur ver­tre­te­nen ge­gen­tei­li­gen Auf­fas­sung, nach der die Be­en­di­gung ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses nicht als kau­sal für die nach Aus­lau­fen der Be­fris­tung ei­nes An­schluss­ar­beits­verhält­nis­ses ein­tre­ten­de Ar­beits­lo­sig­keit an­zu­se­hen sei (Nie­sel in Nie­sel, SGB III, 3. Aufl 2005, § 144 Rd­Nr 19; Val­go­lio in Hauck/Noftz, SGB III, § 144 Rd­Nr 59; Rolfs in Er­fur­ter Komm, 4. Aufl, § 144 Rd­Nr 14; We­ber, AuB 2004, 97, 102), folgt der Se­nat nicht (vgl auch BS­GE 3, 298, 302 - zum Ar­beits­platz­wech­sel). Der an­geb­li­che Wer­tungs­wi­der­spruch zu § 121 Abs 5 SGB III, wo­nach ei­ne Beschäfti­gung nicht schon des­halb un­zu­mut­bar ist, weil sie be­fris­tet ist, be­steht nicht. Denn die Re­ge­lung über die Zu­mut­bar­keit - 6 -
des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung sei­ner In­ter­es­sen mit den In­ter­es­sen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ein an­de­res Ver­hal­ten zu­ge­mu­tet wer­den kann (vgl BS­GE 66, 94, 97 = SozR 4100 § 119 Nr 36; BSG SozR 3-1500 § 144 Nr 12; SozR 3-4100 § 119 Nr 14 und 15; SozR 4-4100 § 119 Nr 1). Dies ist nicht nach den sub­jek­ti­ven Vor­stel­lun­gen des Ar­beits­lo­sen zu be­ur­tei­len, son­dern ein wich­ti­ger Grund iS des Sperr­zeit­rechts muss ob­jek­tiv ge­ge­ben sein (stRspr, vgl BS­GE 92, 74, 82 = SozR 4-4300 § 144 Nr 6; SozR 4-4300 § 144 Nr 9 mwN). - 8 -
Sch­ließlich hat das LSG kei­ne Umstände fest­ge­stellt, die auf ein miss­bräuch­li­ches - auf die Er­lan­gung der Ver­si­che­rungs­leis­tung ge­rich­te­tes - Han­deln der Kläge­rin schließen ließen. Ein Miss­brauch lässt sich nicht et­wa den Ausführun­gen des LSG ent­neh­men, die In­ten­sität des In­ter­es­ses der Kläge­rin an der Aus­lands­beschäfti­gung er­schei­ne zwei­fel­haft, wenn man berück­sich­ti­ge, dass sie den Ar­beits­ver­trag für ei­ne wei­te­re be­fris­te­te Beschäfti­gung im Som­mer 2002 be­reits im Ja­nu­ar 2002 gekündigt ha­be. Die­ses späte­re Ver­hal­ten kann der Kläge­rin ins­be­son­de­re des­we­gen nicht ent­ge­gen ge­hal­ten wer­den, weil sich das 2001 auf­ge­nom­me­ne be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis auf ei­nen Zeit­raum von mehr als ei­nem hal­ben Jahr er­streck­te und da­mit sei­nem Um­fang nach deut­lich über ein Ar­beits­verhält­nis von kur­zer Dau­er hin­aus­ging. Pro­ble­ma­tisch könn­te aus Sicht des Se­nats al­len­falls ein Zeit­raum un­ter­halb von zwei bzw drei Mo­na­ten sein. Letz­te­res fol­gert der Se­nat aus der Re­ge­lung zur ge­ringfügi­gen Beschäfti­gung (§ 27 Abs 2 Satz 1 SGB III iVm § 8 Abs 1 Nr 2 So­zi­al­ge­setz­buch Vier­tes Buch) und der Drei-Mo­nats-Gren­ze, die der Ge­setz­ge­ber - al­ler­dings erst mit Wir­kung ab 1. Ju­li 2003 - für die Mel­de­pflicht bei be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen in § 37b Satz 2 SGB III in der Fas­sung des Ge­set­zes vom 23. De­zem­ber 2002 (BGBl I 4607), ab 31. De­zem­ber 2005 in § 37b Satz 1 - 10 -
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