Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%2039/87
Timestamp: 2020-06-06 04:41:17
Document Index: 272150316

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 10.11.1987 - VI ZR 39/87 - dejure.org
https://dejure.org/1987,120
BGH, 10.11.1987 - VI ZR 39/87 (https://dejure.org/1987,120)
BGH, Entscheidung vom 10.11.1987 - VI ZR 39/87 (https://dejure.org/1987,120)
BGH, Entscheidung vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87 (https://dejure.org/1987,120)
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Ärztliche Versäumnisse bei der diagnostischen Abklärung von Krankheitssymptomen als grobe Behandlungsfehler - Beweiserleichterungen hinsichtlich des Kausalverlaufes bei Vorliegen eines groben Behandlungsfehlers - Anforderungen an Diagnoseirrtum als "groben" ...
NJW 1988, 1513
MDR 1988, 397
VersR 1988, 193
VersR 1988, 293
Denn bei einer solchen Sachlage geht es im Kern nicht um die Fehlinterpretation von Befunden, sondern um deren Nichterhebung (vgl. Senatsurteil vom 08. Juli 2003 - VI ZR 304/02, VersR 2003, 1256, 1257; vom 3. November 1998 - VI ZR 253/97, VersR 1999, 231, 232; vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87, VersR 1988, 293, juris Rn. 14;… Bischoff, Festschrift für Geiß, 2000, S. 345 ff.).
Hierbei handelt es sich nämlich um eine juristische Wertung, die nicht der Sachverständige, sondern das Gericht aufgrund der ihm unterbreiteten Tatsachen zu treffen hat (st. Rspr. des Senats, vgl. BGHZ 72, 132, 135 sowie Urteile vom 3. Dezember 1985 - VI ZR 106/84 - VersR 1985, 366, 367 und vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293, 294).
Zwar ist die Beurteilung der Frage, ob ein Behandlungsfehler als "grob" anzusehen ist, in erster Linie Sache des Tatrichters, die er anhand der ihm vom Sachverständigen unterbreiteten Fakten zu treffen hat (Senatsurteil vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293, 294).
Die Revision zielt insoweit darauf ab, daß nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats (Urteil vom 10. November 1987 - aaO) ein Diagnosefehler nur dann als grob zu beurteilen sei, wenn er auf einem fundamentalen Irrtum beruhe.
Demgegenüber geht es vorliegend nicht eigentlich um einen Diagnoseirrtum, nämlich die Fehlinterpretation von erhobenen Befunden, sondern um die Frage, ob die Ärzte es grob fehlerhaft unterlassen haben, einer sich aufdrängenden Verdachtsdiagnose mit den dabei üblichen Befunderhebungen nachzugehen (Senatsurteil vom 10. November 1987 - aaO -).
a) Entgegen der Rüge der Revision ist dem Beklagten nach den Feststellungen des Berufungsgerichts allerdings nicht nur eine falsche Diagnosestellung vorzuwerfen, die lediglich bei einem nach Ansicht der Revision hier nicht vorliegenden fundamentalen Irrtum als grober Behandlungsfehler bewertet werden könnte (vgl. dazu Senatsurteile vom 14. Juli 1981 - VI ZR 35/79 - VersR 1981, 1033, 1034 = AHRS 6560/4 und vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293, 294 = AHRS 6562/20).
Hier war es nach den wiederholten Ausführungen des Sachverständigen (…Sitzungsniederschrift vom 14.12.2017, S. 7, II 101;… vgl. Gutachten vom 25.02.2016, S. 7, I 213) im Hinblick auf den Umstand, dass der Beklagten zu 1 von Fieber berichtet worden war und dass Fieber und Schmerzen durch die Gabe von Nurofen vor der Untersuchung zu deren Zeitpunkt unterdrückt sein konnten (vgl. auch: BGH, NJW 1988, 1513 f., juris Tz. 9/10), geboten, die Klägerin im Sinne einer weitergehenden Diagnostik kurzfristig noch am selben Mittag wieder einzubestellen zur weiteren Abklärung.
Mit diesem Grundsatz soll den Schwierigkeiten ärztlicher Diagnosestellung Rechnung getragen werden (Senatsentscheidung vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293).
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