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Timestamp: 2019-09-17 22:57:59
Document Index: 214434654

Matched Legal Cases: ['Art. 15', '§ 10', '§ 22', '§ 10', '§ 22', '§ 10', '§ 10', '§ 22', '§ 20', 'Art. 83', '§ 24', '§ 34', 'Art. 15', '§ 10', '§ 22', '§ 10', '§ 22', '§ 10', '§ 22', '§ 142', '§ 10']

Teil-Vor­be­zug zur Wohn­ei­gen­tums­för­de­rung von der Schwei­zer Pen­si­ons­kas­se | Rechtslupe
Deut­sche Grenz­gän­ger, die in der Schweiz arbei­ten, wer­den nach Art. 15a DBA-Schweiz1 im Ergeb­nis so behan­delt wie Per­so­nen, die in Deutsch­land ansäs­sig und tätig sind2. Der Vor­be­zug von einer Schwei­zer Pen­si­ons­kas­se ist kein Arbeits­lohn3.
Gegen­stand der vor­ste­hend genann­ten Ren­ten und ande­ren Leis­tun­gen sind Zah­lun­gen von gesetz­li­chen oder pri­va­ten Ein­rich­tun­gen, bei denen die Bei­trags­zah­lun­gen dem Son­der­aus­ga­ben­ab­zug als Alters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 3 EStG unter­lie­gen. Der Gesetz­ge­ber hat durch das Alt­Ein­kG mit Wir­kung ab dem Jahr 2005 die nach­ge­la­ger­te Besteue­rung ein­ge­führt und damit das Prin­zip der inter­tem­po­ra­len Kor­re­spon­denz ver­wirk­licht4. § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG erfasst mit­hin Ren­ten, die auf steu­er­lich ent­las­te­ten Bei­trä­gen beru­hen.
Die Ertrags­an­teils­be­steue­rung gilt dem­ge­gen­über für Ren­ten, die durch den Ein­satz von ver­steu­er­tem Ein­kom­men erwor­ben wur­den, die also nicht der abzugs­be­güns­tig­ten Alters­vor­sor­ge zuzu­ord­nen sind5.
§ 10 Abs. 1 Nr. 2 EStG und damit kor­re­spon­die­rend § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG erfas­sen auch Leis­tun­gen aus­län­di­scher gesetz­li­cher Ren­ten­ver­si­che­run­gen. Dies folgt aus der Rege­lung des § 10 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. c EStG und ist jeden­falls im Aus­gangs­punkt unbe­strit­ten6.
Gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung im vor­ge­nann­ten Sinn ist auch die Schwei­zer Pen­si­ons­kas­se7.
Nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs ist ent­schei­dend, ob bei rechts­ver­glei­chen­der Betrach­tung fest­ge­stellt wer­den kann, dass die aus­län­di­sche Ein­rich­tung nach ihrer Struk­tur und den von ihr im Ver­sor­gungs­fall zu erbrin­gen­den Leis­tun­gen der deut­schen gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ent­spricht. Dies folgt dar­aus, dass die Rege­lun­gen des Alt­Ein­kG über die Abzieh­bar­keit von Alters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen und die Steu­er­bar­keit der hier­auf beru­hen­den Ren­ten auf dem von der Sach­ver­stän­di­gen­kom­mis­si­on zur Neu­ord­nung der steu­er­recht­li­chen Behand­lung von Alters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen und Alters­be­zü­gen8 ent­wi­ckel­ten Drei-Schich­ten-Modell beru­hen, des­sen ers­te Schicht die Basis­ver­sor­gung ist, die von den Bei­trä­gen aus gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­run­gen getra­gen wird. Hier­bei hat sich die Kom­mis­si­on und ihr fol­gend der Gesetz­ge­ber am Leit­bild der deut­schen gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ori­en­tiert. Unmaß­geb­lich ist, ob das aus­län­di­sche Alters­ver­sor­gungs­sys­tem die zu beur­tei­len­de Ren­ten­ver­si­che­rung der Basis­ver­sor­gung zuord­net9.
Maß­geb­li­che Struk­tur­ele­men­te der deut­schen gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung sind, dass zu erbrin­gen­de Bei­trags­zah­lun­gen auf einer gesetz­li­chen Anord­nung beru­hen, die Ver­si­che­rung für den betrof­fe­nen Per­so­nen­kreis obli­ga­to­risch ist und die Leis­tun­gen als Leis­tun­gen öffent­lich-recht­li­cher Art zu erbrin­gen sind10.
Nicht ent­schei­dend ist nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs, dass die Pen­si­ons­kas­se abwei­chend vom Sys­tem der deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung im Rah­men des Kapi­tal­de­ckungs­ver­fah­rens und nicht im Wege des Umla­ge­ver­fah­rens finan­ziert wird. Dass die­sem Gesichts­punkt kei­ne ent­schei­den­de Bedeu­tung zukommt, zeigt zum einen die Tat­sa­che, dass auch die deut­schen Ver­sor­gungs­wer­ke sich nach Maß­ga­be des Anwart­schafts­de­ckungs- oder des offe­nen Deckungs­plan­ver­fah­rens, nicht aber im Umla­ge­ver­fah­ren finan­zie­ren11, und zum ande­ren § 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG, der unter den dort genann­ten Vor­aus­set­zun­gen aus­drück­lich Bei­trags­zah­lun­gen zum Auf­bau einer eige­nen kapi­tal­ge­deck­ten Alters­ver­sor­gung begüns­tigt.
Maß­geb­lich ist statt­des­sen, dass die Ren­ten­ver­si­che­rungs­an­sprü­che nicht beleih­bar, nicht ver­erb­lich, nicht ver­äu­ßer­bar, nicht über­trag­bar und nicht kapi­ta­li­sier­bar sind, also eine tat­säch­li­che Ver­wen­dung für die Alters­ver­sor­gung sicher­ge­stellt ist12.
Soll­te ein Schwei­zer Grenz­gän­ger nach­wei­sen, dass er Leis­tun­gen erhält, die auf Bei­trä­gen der Jah­re bis zum 31. Dezem­ber 2004 beru­hen, die in die­ser Zeit zehn Jah­re lang ober­halb der jeweils gel­ten­den Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze zur deut­schen gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung gele­gen haben, dann wären die­se Bezü­ge prin­zi­pi­ell gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. bb Satz 2 EStG mit dem Ertrags­an­teil zu besteu­ern; bei einer Ein­mal­zah­lung ent­fie­le –man­gels Ertrags­an­teils– die Besteue­rung13. Einen sol­chen Nach­weis hat der Antrag­stel­ler im Streit­fall nicht erbracht.
Der bis­he­ri­gen Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung, dass die Ein­mal­zah­lung aus der Schwei­zer Pen­si­ons­kas­se als Lebens­ver­si­che­rung zu behan­deln sei und nur im Rah­men des § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG erfasst wer­den kön­ne, ist nicht zu fol­gen. Der Aus­zah­lung des Ein­mal­be­trags aus der Schwei­zer Pen­si­ons­kas­se liegt nicht eine Lebens­ver­si­che­rung zugrun­de, son­dern eine Ren­ten­zah­lung14.
Auch nach Schwei­zer Recht ist der Vor­be­zug gemäß Art. 83a BVG als Kapi­tal­leis­tung aus Vor­sor­ge steu­er­bar15.
Eine Begüns­ti­gung nach §§ 24, 34 EStG kommt nicht in Betracht. Der Wort­laut des § 34 Abs. 2 EStG ist nicht erfüllt. Abge­se­hen davon ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs eine Zusam­men­bal­lung not­wen­dig; das ist bei einer Teil­aus­zah­lung nicht der Fall16.
Abkom­men zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung auf dem Gebie­te der Steu­ern vom Ein­kom­men und vom Ver­mö­gen vom 05.09.1972, BGBl II 1972, 1021, BSt­Bl I 1972, 518; dazu im Ein­zel­nen Flick/​Wassermeyer/​Wingert/​Kempermann, Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men Deutsch­land-Schweiz, Art. 15a Rz 2 [↩]
Miessl, IStR 2007, 883, 884 [↩]
zum Arbeits­lohn­be­griff vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 29.04.2009 – X R 31/​08, BFH/​NV 2009, 1625; und vom 07.05.2009 – VI R 37/​08, BFHE 225, 106, BSt­Bl II 2010, 135 [↩]
BFH, Urteil vom 26.11.2008 – X R 15/​07, BFHE 223, 445, BSt­Bl II 2009, 710 [↩]
z.B. pri­va­te, nicht von § 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG erfass­te Ren­ten­ver­si­che­run­gen; vgl. Schmid­t/We­ber-Grel­let, EStG, 28. Aufl., § 22 Rz 70, 102 [↩]
Fischer in Kirch­hof, EStG, 8. Aufl., § 10 Rz 13 und § 22 Rz 27; Kulosa in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 10 EStG Rz 126; BMF, Schrei­ben vom 24.02.2005 – IV C 3 – S 2255 – 51/​05, BSt­Bl I 2005, 429, Tz 4 [↩]
Decker/​Looser, NWB Fach 3, 14099, 14101; Rou­sek Fol­kers, Zeit­schrift für Steu­ern und Recht 2007, 30; OFD Karls­ru­he, Ver­fü­gung vom 03.09.2007 – S 2255 A – St 131, Tz. 1; a.A. jeden­falls im Rah­men von § 22 EStG Miessl, BB 2006, 1251; ders., IStR 2007, 883; Heit­zler, NWB Fach 3, 14875 [↩]
BMF-Schrif­ten­rei­he Bd. 74 [↩]
a.A. Miessl, IStR 2007, 883, 885 [↩]
BSG, Urteil vom 18.12.2008 – B 11 AL 32/​07 R, BSGE 102, 211, zu § 142 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 SGB III [↩]
BFH, Urteil in BFHE 223, 445, BSt­Bl II 2009, 710 [↩]
Fischer in Kirch­hof, a.a.O., § 10 Rz 12 [↩]
Miessl, BB 2006, 1251, 1253; Decker/​Looser, NWB Fach 3, 14099, 14105 [↩]
so auch Decker/​Looser, NWB Fach 3, 14099, 14102 [↩]
vgl. Gagax/​Ger­ber, Die Steu­er­ge­set­ze des Bun­des, Aus­ga­be 2007, 419 [↩]
vgl. BFH, Urteil vom 25. August 2009 – IX R 11/​09, BFHE 226, 265 [↩]