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Timestamp: 2020-01-17 20:16:51
Document Index: 239333700

Matched Legal Cases: ['§ 166', '§ 168', '§ 170', '§ 164', '§ 169', '§ 168', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Zulas­sung als Rechts­an­walt beim Bun­des­ge­richts­hof | Rechtslupe
Zulassung als Rechtsanwalt beim Bundesgerichtshof
22. Oktober 2013 Rechtslupe
Zulas­sung als Rechts­an­walt beim Bun­des­ge­richts­hof
Das Ver­fah­ren auf Zulas­sung als Rechts­an­walt beim Bun­des­ge­richts­hof ist ein gestuf­tes Ver­wal­tungs­ver­fah­ren 1. Die Ent­schei­dung dar­über, wel­che Bewer­ber dem Wahl­aus­schuss vor­ge­schla­gen wer­den, obliegt der Bun­des­rechts­an­walts­kam­mer sowie der Rechts­an­walts­kam­mer beim Bun­des­ge­richts­hof (§ 166 BRAO). Aus deren Vor­schlags­lis­ten benennt der Wahl­aus­schuss dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz die dop­pel­te Zahl von Rechts­an­wäl­ten, die er für die Zulas­sung beim Bun­des­ge­richts­hof für ange­mes­sen hält (§ 168 Abs. 2 BRAO).
Hier­bei steht dem Wahl­aus­schuss ein gericht­lich nur ein­ge­schränkt über­prüf­ba­rer Beur­tei­lungs­spiel­raum sowohl bezüg­lich der Ange­mes­sen­heit der Zulas­sun­gen als auch der Eig­nung der Bewer­ber im Rah­men der Bes­ten­aus­le­se zu 2. Über die Zulas­sun­gen ent­schei­det dann das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz (§ 170 Abs. 1 BRAO). Die­ses ist an die Wahl des Aus­schus­ses im Rah­men von § 164 BRAO gebun­den. Danach kann als Rechts­an­walt beim Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­sen wer­den, wer durch den Wahl­aus­schuss benannt wird; dem­entspre­chend sind auch nur die Anträ­ge die­ser Per­so­nen der Mit­tei­lung des Aus­schuss­vor­sit­zen­den an das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz bei­zu­fü­gen (§ 169 Abs. 2 BRAO).
Der Wahl­aus­schuss hat inso­weit die Zulas­sung von 8 Rechts­an­wäl­ten als ange­mes­sen ange­se­hen und dem Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um des­halb ins­ge­samt 16 Per­so­nen benannt. Der Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um ist aber bei sei­ner Ent­schei­dung über die Zulas­sung nicht an die­se vom Wahl­aus­schuss als ange­mes­sen ange­se­he­ne Zahl von neu­en Rechts­an­wäl­ten gebun­den; inso­weit kön­nen aus der Wahl­lis­te weni­ger oder bis zu dop­pelt so vie­le Rechts­an­wäl­te zuge­las­sen wer­den, wie der Aus­schuss für ange­mes­sen gehal­ten hat 3. Genau­so wenig besteht eine Bin­dung an die vom Wahl­aus­schuss für rich­tig gehal­te­ne Rei­hen­fol­ge unter den Kan­di­da­ten 4. Hier­bei sind die Ent­schei­dun­gen des Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums wegen des auch inso­weit bestehen­den Beur­tei­lungs­spiel­raums eben­falls gericht­lich nur ein­ge­schränkt über­prüf­bar 5.
Der Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um darf aller­dings die Zahl der Neu­zu­las­sun­gen im Rah­men der Bewer­ber­lis­te des Wahl­aus­schus­ses nicht nach Belie­ben fest­le­gen. Nicht anders als der Wahl­aus­schuss in sei­ner Ent­schei­dung nach § 168 Abs. 2 BRAO hat sich der Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um bei der abschlie­ßen­den Fest­le­gung der Zahl der zuzu­las­sen­den Rechts­an­wäl­te an den Bedürf­nis­sen einer geord­ne­ten Rechts­pfle­ge zu ori­en­tie­ren. Er muss inso­weit dar­auf ach­ten, dass einer­seits eine aus­rei­chen­de Ver­sor­gung der Recht­su­chen­den an revi­si­ons­an­walt­li­cher Bera­tung und Ver­tre­tung garan­tiert ist, ande­rer­seits die bei dem Bun­des­ge­richts­hof sin­gu­lar zuge­las­se­nen Rechts­an­wäl­te im Hin­blick auf ihre Berufs­aus­übungs­frei­heit, vor allem aber auch im Hin­blick auf die mit der Sin­gu­lar­zu­las­sung ver­folg­ten Inter­es­sen des Gemein­wohls aus­rei­chen­de Mög­lich­kei­ten revi­si­ons­an­walt­li­cher Betä­ti­gung haben.
Dies ändert aber nichts dar­an, dass der Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um einen Beur­tei­lungs­spiel­raum hat, inner­halb des­sen er die her­an­zu­zie­hen­den Gesichts­punk­te in gewis­sem Umfang anders gewich­ten kann als der Wahl­aus­schuss. Dabei kann er im Inter­es­se der Rechts­pfle­ge etwa auch dar­auf hin­wir­ken, durch eine begrenz­te Aus­wei­tung der vom Wahl­aus­schuss für erfor­der­lich gehal­te­nen Neu­zu­las­sun­gen wei­te­re beson­ders qua­li­fi­zier­te Rechts­an­wäl­te für die Rechts­an­walt­schaft bei dem Bun­des­ge­richts­hof zu gewin­nen 6. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat in die­sem Sin­ne zur Begren­zung der Zahl pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­ger Pro­zess­ver­tre­ter beim Bun­des­ge­richts­hof dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das im All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­de gesetz­ge­be­ri­sche Ziel, den Rechts­an­wäl­ten beim Bun­des­ge­richts­hof mit dem Ziel der Ver­mei­dung von Rechts­mit­teln ohne hin­rei­chen­de Erfolgs­aus­sich­ten eine Fil­ter­funk­ti­on zuzu­wei­sen, gefähr­det wäre, wenn so vie­le Rechts­an­wäl­te zuge­las­sen wür­den, dass hier­durch ein rui­nö­ser Wett­be­werb unter den Revi­si­ons­an­wäl­ten ein­set­zen wür­de.
Außer­dem erfor­dert das Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­ge­bot mit Blick auf die ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­li­che beschränk­te Pos­tu­la­ti­ons­fä­hig­keit der Rechts­an­wäl­te beim BGH, dass den dadurch in ihrer beruf­li­chen Betä­ti­gung erheb­lich ein­ge­schränk­ten Rechts­an­wäl­ten trotz der gebo­te­nen Kon­zen­tra­ti­on auf das Revi­si­ons­recht ein Geschäfts­an­fall ver­bleibt, der aus­rei­chend ist, damit ihre Berufs­aus­übung ihnen eine ihrer Stel­lung aus­kömm­li­che Lebens­grund­la­ge ermög­licht 7, unge­ach­tet des­sen, dass mit der Zulas­sungs­be­schrän­kung kein Schutz vor Kon­kur­renz zur Siche­rung einer bes­se­ren Ein­kom­mens­si­tua­ti­on beab­sich­tigt ist 8.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Okto­ber 2013 – AnwZ 4/​13
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 18.02.2005 – AnwZ 3/​03, BGHZ 162, 199, 204 und vom 11.09.2006 – AnwZ 1/​06, BGHZ 169, 77 Rn. 8[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 18.02.2005, aaO S.207 f.; Beschluss vom 05.12.2006 – AnwZ 2/​06, BGHZ 170, 137 Rn. 27, 39 m.w.N.[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 11.09.2006, aaO Rn. 16 ff.; sie­he auch BVerfG, NJW 2008, 1293 Rn. 38[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 11.09.2006, aaO Rn. 14 f.; und vom 05.12.2006, aaO Rn. 55[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 18.02.2005, aaO S.200; und vom 11.09.2006, aaO Rn. 15, 23[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 11.09.2006, aaO Rn. 22 f.[↩]
vgl. BVerfG, NJW 2008, 1293 Rn. 36[↩]
BVerfG, aaO Rn. 42[↩]
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