Source: http://joerg-hutter.de/Karl_Gorath/chronologie_der_verfolgung.htm
Timestamp: 2020-05-27 07:15:51
Document Index: 153110589

Matched Legal Cases: ['§ 175', '§ 2', '§ 175', '§ 2', '§ 175', '§ 175', '§ 207', '§ 207']

Chronologie der Verfolgung des Bremer Rosa-Winkel-Häftlings Karl Gorath
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Karl Gorath (alias Karl B.) Chronologie der Verfolgung
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Erinnerung an das Schicksal der Rosa-Winkel-Häftlinge am Beispiel von Karl Gorath
Gedenkrede zum 61. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee
Erinnerung an das Schicksal des Rosa-Winkel-Häftlings Karl Gorath
Interview mit Karl im Jahr 1998
Gutachten Zuchthaus Celle
Kriminalpolizei Bremen verfügt Einweisung in ein Konzentrationslager
Der Weg durch die Konzentrationslager
Gutachten Zuchthaus Bremen nach 1945
Abbildung 1: Deckblatt der Haftakte aus dem
Zuchthaus Celle vom 1.03.1940:
In rosa Schrift findet sich der Vermerk "Homo."
auf dem Aktendeckel.
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Ich möchte zu Beginn in groben Zügen die Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz skizzieren, in dem auch der Bremerhavener Karl Gorath als Homosexueller interniert war. Danach schildere ich – nur die wichtigsten Stationen – seines Verfolgungsschicksals, denn es kann zwischenzeitlich wohl zu den am besten dokumentierbaren Biografien eines Rosa-Winkel-Häftlings zählen. Die Geschichte Karl Goraths illustriert nicht nur en detail die Mechanismen von der strafrechtlichen Verurteilung bis hin zur Verschleppung in ein Konzentrationslager, sondern sie dokumentiert zudem die Kontinuität der Homosexuellenverfolgung, die sich nach der Befreiung der Konzentrationslager in der Bundesrepublik Deutschland bruchlos fortgesetzt hat.
Doch zunächst zur nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Das Konzentrationslager Auschwitz steht als Symbol für eine bislang beispiellose Vernichtung von Menschen, für eine Todesfabrik deutscher Perfektion, der weit über eine Millionen Menschen zum Opfer fielen. Diese Massenhinrichtungen durch Erschießungen, Folter und Hunger, durch ‚Abspritzen’ mit Phenol und Vergasen mit Zyklon B traf insbesondere die jüdischen Häftlinge, Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene und polnische Zwangsarbeiter. Sie zählten allesamt zu den rassisch definierten Feindgruppen der Nationalsozialisten. Die reichsdeutschen Häftlinge blieben zwar von systematischen Massenmorden verschont, ihre Deportation nach Auschwitz bedeutete angesichts der entsetzlichen Ernährungs- und Hygiene-Situation meistens jedoch ebenfalls der sichere Tod (ausführlich zum Konzentrationslager Auschwitz siehe den Artikel zum Konzentrationslager Auschwitz in diesem Web).
Das Lager selbst ist auf Geheiß des Reichsführers der SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler in der Nähe der polnischen Stadt Oswiecim, einem Eisenbahnknotenpunkt, von Mai bis Dezember 1940 entstanden. Neben dem Stammlager auf einem ehemaligen Kasernengelände errichten die Häftlinge 1941 ein Arbeitslager des IG-Farbenkonzerns in Dwory und ein Kriegsgefangenenlager in Birkenau. Die ersten Massenmorde finden am 3. September 1941 im Stammlager statt. Zu ihren Opfern zählen sowjetische Kriegsgefangene und kranke polnische Häftlinge. Sowjetische Kriegsgefangene erweitern im Winter 1941/42 den Lagerkomplex Birkenau. Dort beginnen die Vergasungen von Juden am 20. März 1942 zunächst in zwei Bauernhäusern. Ab Mitte 1942 lässt die SS in Birkenau ein ganzes Vernichtungszentrum mit Gaskammern und Krematorien errichten. Dort findet im Sommer 1944 die letzte Etappe des Mordprogramms statt. Ihm fallen polnische Juden zum Opfer. Ende November 1944 gibt Himmler den Befehl, die Krematorien zu zerstören. Am 17. Januar 1945 treten die verbliebenen etwa 67.000 Häftlinge zum letzen Abendappell an. Sie werden am nächsten Tag in offenen Güterwagons ins Reichsinnere transportiert. Am 27. Januar befreit die Rote Armee die im Lager zurück gebliebenen und meist kranken etwa 7.000 Häftlinge.
Zeugnisse der Männer mit dem rosa Winkel kennen wir heute Dank der Recherchen einer Gruppe schwuler Männer, die sich in einer vom Bremer Rat und Tat Zentrum organisierten Reise 1989 im Archiv des Auschwitz-Museums auf Spurensuche begeben hat. Da die Häftlinge bei der Räumung des Lagers den Befehlen nicht nachkamen, Akten und andere Dokumente zu verbrennen, sondern einen Teil dieser Unterlagen verstecken konnten, existieren noch heute etwa 400.000 Häftlingskarteikarten, Einlieferungs-, Transport- und Todeslisten sowie Häftlingsfotos. Hinzu kommen so genannte Kassiber, aus dem Lager geschmuggelte Berichte der Widerstandsbewegung über Häftlingszahlen, die über Krakau nach London geschmuggelt wurden. Aus all diesen Unterlagen ließen sich 50 Häftlingsschicksale rekonstruieren, die meist im Jahr 1941 im Konzentrationslager Auschwitz als Rosa-Winkel-Häftlinge interniert waren.
Über Rosa-Winkel-Frauen im Konzentrationslager Auschwitz wissen wir bis heute so gut wie gar nichts. Bekannt ist durch Forschungen von Claudia Schoppmann, dass die Nationalsozialisten lesbisch oft mit asozial gleichsetzten und die betreffenden Frauen als Sozialverfolgte interniert gewesen sind. Viele lesbische Frauen waren zudem gezwungen, in den Lagerbordellen zu ‚arbeiten’. Schoppmann berichtet von der Einrichtung einer Frauenabteilung im Stammlager Auschwitz, deren Insassen zum großen Teil aus dem Konzentrationslager Ravensbrück stammten. Noch existente Listen von Frauentransporten umfassen Angaben zu 75.697 Frauen, die bis zum Februar 1944 dort registriert und eingewiesen wurden.
Die Forschungslücken unterstreichen, wie notwendig noch immer eine umfassende, professionelle Aufarbeitung der Homosexuellenverfolgung ist. Die im Folgenden von mir nur schlagwortartig und chronologisch angeordneten Verfolgungsdaten von Karl Gorath verdeutlichen ebenfalls, dass auch hier noch viele Fragen offen bleiben. Offen bleibt die Zuordnung von Unterschriften zu Personen, die Rekonstruktion von Täterprofilen und ihren Karrieren nach Kriegsende, die Klärung von Verfolgungsumfang und Verfolgungsintensität der einzelnen Verfolgungsinstanzen wie der Bremer Staatsanwaltschaften und Bremer Gerichte, der Zuchthäuser von Celle und Bremen-Oslebshausen sowie der Bremer Kriminalpolizei, deren Personalakten ab 1943 verschwunden sein sollen.
Die Verfolgungsbiografie von Karl Gorath
Karl Gorath, geboren in Dreibergen im Kreis Zwischenahn
1928 und 1929,
Erste gleichgeschlechtliche sexuelle Erfahrungen mit 14 und 15jährigen Schülern der Realschule und des Gymnasiums in Bremerhaven
(Verteidiger A. L. Heuer in: Staatsarchiv Bremen, Akte G 4/1934, Bl. 84 und folgende S. 2-4)
9. Januar 1934,
Anzeige des Schuldirektors des humanistischen Gymnasiums bei der Kriminalpolizei
(Staatsarchiv Bremen, Akte G 4/1934, Bl. 1a)
Haftbefehl und Gefängnis
(Staatsarchiv Bremen, Akte G 4/1934, Bl. 12 und 17)
Abbildung 2: Häftlingsfoto von Karl Gorath, aufgenommen von der Kriminalpolizei Bremerhaven nach seiner ersten Verhaftung 1934.
Urteil des Landgerichts Bremen: Gefängnis von einem Jahr und drei Monaten
(Staatsarchiv Bremen, Akte G 4/1934, Bl. 96 und folgende S. 2-4).
Ablehnung eines Gnadengesuches durch den Bremer Innensenator
(Staatsarchiv Bremen, Akte G 4/1934, Bl. 108).
Nach erneutem Gnadengesuch Aussetzung der Reststrafe durch den Bremer Innensenator zum 31. Dezember 1934
(Staatsarchiv Bremen, Akte G 4/1934, Bl. 109).
28. Juni 1935,
Strafrechtsnovellen vom 28. Juni 1935 mit einer Verschärfung des § 175 Strafgesetzbuch (Erhöhung des Strafrahmens und Erweiterung des Tatbestandes auf alle homosexuellen Handlungen inkl. der wechselseitigen Onanie) und der Änderung des § 2 Strafgesetzbuchs (Aufheben des Verbots der gesetzlichen Analogie bzw. Bestimmtheitsgebots. Nun konnte bestraft werden, „wer eine Tat begeht, die das Gesetz für strafbar erklärt, oder die nach dem Grundgedanken eines Strafgesetzes oder nach gesundem Volksempfinden Bestrafung verdient.“)
(Die Strafrechtsnovellen vom 28. Juni 1935 und die amtlichen Begründungen zu diesen Gesetzen. Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuches, § 175, 175 a, Berlin 1935, S. 39 sowie Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuches, § 2, Berlin 1935, S. 8.)
14. November 1939, 26 Jahre alt
Urteil des Landgerichtes Verden/Aller: Zuchthausstrafe von einem Jahr wegen unzüchtigen Vergehens an einem Jugendlichen
(Hauptstaatsarchiv Hannover, Akte Hann. 86 Celle, Acc. 142/90, Nr. 39/0548 - vormals Staatsanwaltschaft Verden, Zweigstelle Wesermünde, 3 KLs. 22/39 -, J I, Bl. 6 – 9 Rs.)
26. Januar 1940,
Erneutes Urteil des Landgerichtes Verden/Aller: Die Gesamtzuchthausstrafe summiert sich auf zwei Jahre und sechs Monate
(Hauptstaatsarchiv Hannover, Akte Hann. 86 Celle, Acc. 142/90, Nr. 39/0548 - vormals Staatsanwaltschaft Verden, Zweigstelle Wesermünde, 3 KLs. 1/40 -, J II, Bl. 2.)
Einlieferung in das Zuchthaus Celle
(Hauptstaatsarchiv Hannover, Akte Hann. 86 Celle, Acc. 142/90, Nr. 39/0548 - vormals Staatsanwaltschaft Verden, Zweigstelle Wesermünde, 3 KLs. 22/39 -, Deckblatt)
Erneutes Urteil des Landgerichts Verden/Aller: Gesamtstrafe wird auf insgesamt drei Jahre festgesetzt
Gnadengesuch von Karl Gorath, eingereicht durch den Anwalt Dr. Hans Obenauer
(Hauptstaatsarchiv Hannover, Akte Hann. 86 Celle, Acc. 142/90, Nr. 39/0548 - vormals Staatsanwaltschaft Verden, Zweigstelle Wesermünde, 3 KLs. 1/40 -, J II, Bl. 13, 14.)
24. Februar 1942 und 3. März 1942
Ablehnung des Gnadengesuches durch die Strafanstalt Celle: „Einen Gnadenverweis befürworte ich für Gorath nicht, da allein die unnachgiebige Strafvollstreckung die erforderliche abschreckende Wirkung ausüben kann.“
(Hauptstaatsarchiv Hannover, Akte Hann. 86 Celle, Acc. 142/90, Nr. 39/0548 - vormals Staatsanwaltschaft Verden, Zweigstelle Wesermünde, 3 KLs. 1/40 -, J II, Bl. 13.)
Ablehnung eines Gnadengesuches durch den Oberstaatsanwalt beim Landgericht Verden
(Hauptstaatsarchiv Hannover, Akte Hann. 86 Celle, Acc. 142/90, Nr. 39/0548 - vormals Staatsanwaltschaft Verden, Zweigstelle Wesermünde, 3 KLs. 1/40 -, J II, Bl. 14.)
Mitteilung des Zuchthauses Celle über die bevorstehende Haftentlassung an die Kripo-Leitstelle in Wesermünde-Lehe
(Hauptstaatsarchiv Hannover, Akte Hann. 86 Celle, Acc. 142/90, Nr. 39/0548 - vormals Staatsanwaltschaft Verden, Zweigstelle Wesermünde, 3 KLs. 1/40 -, J II, Bl. 16, 16 Rs.)
Anordnung polizeilicher Vorbeugungshaft durch SS-Hauptsturmführer und Kriminalrat Hirschberg, Leiter der Kriminalabteilung der Staatlichen Kriminalpolizei Wesermünde. „Gegen Gorath habe ich mit Wirkung vom Tage der Strafverbüssung polizeiliche Vorbeugungshaft angeordnet. Ich bitte, Gorath mittels Sammeltransportes nach dem Polizeigefängnis Bremen-Ostertor überführen zu lassen.“ Gezeichnet Hirschberg
(Hauptstaatsarchiv Hannover, Akte Hann. 86 Celle, Acc. 142/90, Nr. 39/0548 - vormals Staatsanwaltschaft Verden, Zweigstelle Wesermünde, 3 KLs. 1/40 -, J II, Bl. 17 sowie Bundesarchiv Koblenz, Reichssicherheitshauptamt, Akte R 58 423, Bl. 12 und 13.)
Umlauf-Mitteilung des Zuchthauses Celle: „Der Strafgefangene Gorath wird in polizeiliche Vorbeugungshaft genommen und am 18.12.1942, 6.00 Uhr durch die hiesige Polizei abgeholt.“
(Hauptstaatsarchiv Hannover, Akte Hann. 86 Celle, Acc. 142/90, Nr. 39/0548 - vormals Staatsanwaltschaft Verden, Zweigstelle Wesermünde, 3 KLs. 1/40 -, J II, Bl. 18)
30. Januar 1943,
Deportation in das Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg,
(Häftlingskartei des Wirtschaftsverwaltungshauptamtes, Häftlingsnummer 16045, Einlieferungsstelle Kripo, Haftart B.V. (=Berufsverbrecher) Unterschrift „Rei.“, Bundesarchiv Koblenz laut Auskunft der Gedenkstätte Neuengamme vom 8.03.2004)
Februar – Juni 1943
Zwangsarbeit in dem KZ-Rüstungsbetrieb der Walther-Werke im Konzentrationslager Neuengamme, danach im Lazarett des Außenlagers Wittenberge.
Straftransport in das Konzentrationslager Auschwitz
(Państwowe Muzeum W Oswięcimiu, Archiwum, Dokumente Arbeitseinsatz, Tom 4, Signatur D - An I – 3 a / 296, Nr. inw. 32350, Nr. filmu 273/296)
Abbildung 3: Häftlingsfoto von Karl Gorath, aufgenommen von der Politischen Abteilung des Konzentrationslagers Auschwitz bei der Einlieferung am 1.06.1943.
Häftlingsfoto von Karl Gorath, Häftlingsnummer 124630.
Juni 1943 –
Zwangsarbeit im Krankenlager in Block 25, danach Blockältester von Block 3a im Stammlager.
18. Januar 1945,
Räumung des Konzentrationslagers und Transport in offenen Güterwagons in das Konzentrationslager Mauthausen in Österreich
(Nachweis unter http://www.keom.de/denkmal/karte/lager_auswert.php?lager_id=156)
Ankunft im Konzentrationslager Mauthausen bei Linz, zunächst Arbeitseinsatz in Roggendorf (Bau von Baracken), danach Deportation in das Außenlager Kloster Melk an der Donau
(Państwowe Muzeum W Oswięcimiu, Archiwum, Dokumente KL Mauthausen, Zugänge von KL-Auschwitz / Männer, Tom 8 K. 66, Sygn.D-Mon-3/9/8, Nr. inw. 149719. D -Häftlingsnummer 117762 laut Entlassungsdokument im Bestand Hutter, persönlicher Nachlass)
‚Evakuierung’ der Häftlinge in das Außenlager Ebensee des Konzentrationslagers Mauthausen am Traunsee im Salzkammergut
(Nachweis unter http://www.keom.de/denkmal/karte/lager_auswert.php?lager_id=801)
Befreiung des Außenlagers Ebensee durch amerikanische Truppen
(Bestand Hutter, Entlassungsdokument im persönlichen Nachlass)
Januar 1946,
Erneute Ermittlungen der Bremerhavener Kriminalpolizei
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 2a.)
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 6)
Anklageerhebung nach § 175 a (schwere Unzucht unter Männern)
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 26, 26 Rs., 27)
Erste Verhandlung vor dem Landgericht Bremen-Wesermünde
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 34, 34 Rs., 35)
Zweite Verhandlung vor dem Landgericht Bremen-Wesermünde
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 43-46 Rs.)
Dritte Verhandlung vor dem Landgericht Bremen-Wesermünde: Urteil Gesamtzuchthausstrafe von fünf Jahren
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 60 – 65 Rs.)
Revision gegen das Urteil durch Strafverteidiger Dr. Hans Obenauer
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 74)
Entscheidung des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg: Die Revisionsrüge betreffend der Anwendung des § 175 a ist unbegründet, da „die Strafrechtsnovelle vom 28. Juni 1935 kein nationalsozialistisches Unrecht darstelle“. Das Urteil wird aufgehoben und an das Landgericht Bremen-Wesermünde zurückverwiesen.
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 87 – 91 Rs.)
Vierte Verhandlung vor dem Landgericht Bremen – Strafkammer Bremerhaven mit dem Urteil: Fünf Jahre Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 109 – 114 Rs.)
Karl Gorath an die Staatsanwaltschaft Wesermünde:
„In der Begründung befinden sich keine Sachverhalte, die meine zweieinhalb Jahre unschuldig nach Haftverbüßung erlittene KZ-Lagerhaft berücksichtigen. Ich habe in den Jahren körperlich und seelisch derart gelitten, dass ich mich nach meiner Rückkehr sofort wegen Unterernährung und Nervenschwäche in Behandlung begeben habe.“
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 125, 125 Rs.)
Überführung von der Haftanstalt Bremerhaven in das Zuchthaus Bremen-Oslebshausen
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 128)
Erstes Gnadengesuch von Karl Gorath an den Generalstaatsanwalt Bremen
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 1, 1 Rs.)
Ablehnung des Gnadengesuches durch die Haftanstalt - Vollzugsleiter Dr. Edmund Duckwitz
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 4)
Ablehnung des Gnadengesuches durch das Landgericht
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 5)
Ablehnung des Gnadengesuches durch den Staatsanwalt
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 6)
6. August 1949,
Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens durch den Verteidiger Dr. Hans Obenauer
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 145, 145 Rs.)
Beschluss des Landgerichts Bremen: Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens wird als unzulässig verworfen
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 146, 146 Rs.)
Sofortige Beschwerde gegen den Beschluss des Landgerichts des Verteidigers Dr. Hans Obenauer
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 148, 148 Rs.)
Entscheidung des Strafsenats des Hanseatischen Oberlandesgerichts Bremen: Die Beschwerde des Verurteilten ist begründet. Die Wiederaufnahme ist zu prüfen
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 152 – 154)
10. März 1950,
Erster Antrag Karl Goraths auf Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts aus dem Zuchthaus Bremen-Oslebshausen heraus
(Staatsarchiv Bremen, Landesamt für Wiedergutmachung, Akte 4,54 – E 7876, Bl. 3 – 7 Rs.)
Beschluss des Landgerichts Bremen: Der Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens wird als unbegründet verworfen
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 186, 186 Rs.)
Zweites Gnadengesuch, eingereicht durch den Anwalt Dr. Hans Obenauer
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 7, 7 Rs.)
Ablehnung des Gnadengesuches durch die Haftanstalt
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 8, 8 Rs.)
Landgericht Bremen befürwortet das Gnadengesuch unter Auflagen
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 9)
Zuchthaus Bremen-Oslebshausen widerspricht dem Landgericht.
„Nach wie vor steht die hiesige Dienststelle auf dem Standpunkt, dass Gorath unzweifelhaft weiter eine Gefahr für die Jugend darstellt und glaubt daher auch nicht, einen Gnadenerweis befürworten zu können.“ Gezeichnet Dr. Duckwitz, Dr. Schlingmann
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 10)
Ablehnung des Gnadengesuches durch den Oberstaatsanwalt beim Landgericht Bremen
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 11)
Drittes Gnadengesuch, eingereicht durch den Anwalt Dr. Hans Obenauer
„Der Verurteilte (…) verspricht, seine unglückliche Veranlagung zu unterdrücken und nicht wieder rückfällig zu werden. Er hat seine Verfehlungen mit 11 Jahren Freiheitsentziehung unter schwersten Umständen so weitgehend gebüßt, dass man ihm nunmehr wegen eines Restes von rund dreieinhalb Monaten Bewährungsfrist geben kann.“
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 16, 16 Rs.)
Ablehnung des Gnadengesuches durch das Zuchthaus Bremen-Oslebshausen
„Es liegt kein Anlass vor, die Stellungnahme vom 20.06.1950 abzuändern. Gorath, der mehrfach wegen Sittlichkeitsverbrechen vorbestraft ist, bildet bei seiner Veranlagung in der Freiheit eine Gefahr. Die Strafe kann auf ihn nur als abschreckendes Mittel wirken. Deshalb, und um ihn so lange als möglich der Öffentlichkeit fernzuhalten, sollte er die Strafe voll verbüssen.“
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 18)
24. November 1950
Der Vorsitzende der Strafkammer verweist auf die frühere Stellungnahme des Landgerichtes (Entlassung unter Auflagen)
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 19)
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 22 - 24)
24. Dezember 1950
Viertes Gnadengesuch von Karl Gorath an den Generalstaatsanwalt in Bremen
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 26 – 27 Rs.)
„Ihr Gesuch vom 24.12.1950 an den Herrn Generalstaatsanwalt in Bremen auf Gewährung von Straferlass ist mir zum zuständigen Befinden zugeführt worden. Nach Prüfung des Sachverhaltes habe ich keine Veranlassung gefunden, einen Gnadenerweis für Sie zu befürworten oder Ihnen bedingte Strafaussetzung zu bewilligen. Aufgrund der mir (…) erteilten Ermächtigung bescheide ich Sie hiermit ablehnend.“
(Stadtarchiv Bremerhaven, Gnadenheft der Staatsanwaltschaft, Akte 1 Gns 207/48 in Akte KLs 5/46, Bl. 28)
Entlassung aus der Strafanstalt
(Stadtarchiv Bremerhaven, Akte KLs 5/46, Bl. 192 sowie Staatsarchiv Bremen, Gefangenenbuch 1947, Akte 4,80 – II., Bl. 34)
Zwangsheirat mit Anna Katharina Arndt
(Bestand Hutter, persönlicher Nachlass, Glückwunschschreiben von Dr. Edmund Duckwitz, Bremen-Oslebshausen vom 25.10.1951)
Januar bis August 1953
Dreieinhalb Jahre nach Antragstellung Prüfung des Antrages auf Wiedergutmachung durch die Entschädigungsbehörde der Stadt Bremerhaven: Anfragen beim Zuchthaus Celle, der Kriminalpolizei Bremerhaven und der Staatsanwaltschaft Verden/Aller
(Staatsarchiv Bremen, Landesamt für Wiedergutmachung, Akte 4,54 – E 7876, Bl. 10 – 36)
Entscheidung des Magistrats der Stadt Bremerhaven, Entschädigungsbehörde
Aufgrund der Vorstrafe und aufgrund der Tatsache, dass „der Antragsteller nicht wegen seiner politischen Überzeugung, aus Gründen der Rasse, des Glaubens oder der Weltanschauung verfolgt wurde“ ist der Antrag auf Wiedergutmachung als unbegründet abzuweisen.
(Staatsarchiv Bremen, Landesamt für Wiedergutmachung, Akte 4,54 – E 7876, Bl. 38 – 41)
Widerspruch Karl Goraths gegen den Bescheid der Entschädigungsbehörde der Stadt Bremerhaven
(Staatsarchiv Bremen, Landesamt für Wiedergutmachung, Akte 4,54 – E 7876, Bl. 43, 43 Rs.)
Klage Karl Goraths gegen die Freie Hansestadt Bremen, eingereicht über das Amtsgericht Bremerhaven
(Staatsarchiv Bremen, Landesamt für Wiedergutmachung, Akte 4,54 – E 7876, Bl. 55)
Urteil des Landgerichts Bremen, Entschädigungskammer: Die Klage wird abgewiesen
(Staatsarchiv Bremen, Landesamt für Wiedergutmachung, Akte 4,54 – E 7876, Bl. 65 – 68)
Zweiter Entschädigungsantrag Karl Goraths an die Entschädigungskammer des Landgerichts
(Staatsarchiv Bremen, Landesamt für Wiedergutmachung, Akte 4,54 – E 7876, Bl. 87)
Entschädigungsbehörde der Stadt Bremerhaven an das Landesamt für Wiedergutmachung in Bremen
Wir haben dem Antragsteller mitgeteilt, dass ihm nach § 207 des Bundesentschädigungsgesetzes für offensichtlich unbegründete Anträge die Kosten auferlegt werden können. „Wir bitten um Auskunft, in welcher Höhe (vom Antragsteller) Kostenvorschüsse gefordert werden können, da wir nicht einsehen, daß in diesem Falle der § 207 des Bundesentschädigungsgesetzes keine Anwendung finden soll.“
(Staatsarchiv Bremen, Landesamt für Wiedergutmachung, Akte 4,54 – E 7876, Bl. 90)
Landesamt für Wiedergutmachung an das Entschädigungsbehörde der Stadt Bremerhaven
„Die Auferlegung der Kosten ist in dem Bescheid auszusprechen, durch den der geltend gemachte Anspruch abgelehnt wird. Es wird vorgeschlagen, dem Antragsteller die gewünschten Antragsformulare zuzusenden …“
(Staatsarchiv Bremen, Landesamt für Wiedergutmachung, Akte 4,54 – E 7876, Bl. 91)
Entschädigungsbehörde der Stadt Bremerhaven überreicht die entsprechenden Formblätter mit dem Hinweis, dass dem Antragsteller für einen offensichtlich unbegründeten Antrag die Kosten auferlegt werden können.
(Staatsarchiv Bremen, Landesamt für Wiedergutmachung, Akte 4,54 – E 7876, Bl. 92)
Antrag Karl Goraths auf Schadenersatz nach dem Bundesentschädigungsgesetz
„Seit 1953 bin ich erwerbslos, da ich schwere körperliche Arbeiten nicht machen kann und aus diesem Grunde wirtschaftlich in grosser Notlage.“
(Staatsarchiv Bremen, Landesamt für Wiedergutmachung, Akte 4,54 – E 7876, Bl. 93 – 94 Rs.)
Entschädigungsbehörde der Stadt Bremerhaven an Karl Gorath
Der hier eingegangene „Antrag ist unvollständig, da das Einlageblatt, Seite 3 und 4, von Ihnen nicht mit übersandt wurde. Außerdem haben Sie den Ihnen überlassenen Mantelantrag nicht ausgefüllt und eingereicht“. Es folgt ein erneuter Verweis auf die Kosten, die dem Antragsteller für offensichtlich unbegründete Anträge auferlegt werden können.
(Staatsarchiv Bremen, Landesamt für Wiedergutmachung, Akte 4,54 – E 7876, Bl. 95)
Oberfinanzdirektion Bremen an das Landesamt für Wiedergutmachung
„Herr Gorath macht Ansprüche (nach dem Allgemeinen Kriegsfolgengesetz) geltend, weil er im Konzentrationslager gewesen ist, er aber nach dem Bundesentschädigungsgesetz nicht entschädigt werden konnte.“ Um Aktenübersendung wird gebeten.
(Staatsarchiv Bremen, Landesamt für Wiedergutmachung, Akte 4,54 – E 7876, Bl. 96)
Landesamt für Wiedergutmachung an die Oberfinanzdirektion Bremen
„Wir möchten bemerken, dass die hier geltend gemachten Entschädigungsansprüche als unbegründet abgewiesen werden mussten, da die Voraussetzungen des (…) Bundesentschädigungsgesetzes nicht erfüllt sind.“
(Staatsarchiv Bremen, Landesamt für Wiedergutmachung, Akte 4,54 – E 7876, Bl. 98)
Ablehnung des Antrages durch die Oberfinanzdirektion Bremen,
(Bestand Hutter, Akte Bremischer Härtefonds, Bl. 164, 164 Rs.; Aktenzeichen 0 4013 – B BV 23 laut Schreiben der Oberfinanzdirektion Hamburg an Karl Gorath vom 20.10.1989)
Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte lehnt den Rentenanspruch für die Haftzeiten im Konzentrationslager ab.
„Die Zeit vom 1.08.1939 bis zum 8.05.1945 kann als Ersatzzeit nicht anerkannt werden, weil sie weder nachgewiesen noch ausreichend glaubhaft gemacht ist.“
(Bestand Hutter, Persönlicher Nachlass, Akte Sozialversicherung, Bl. 6, Bl. 7)
Klage Karl Goraths gegen den ablehnenden Bescheid der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte
(Sozialgericht Bremen, Akte SAn 7/76, Bl 1)
Urteil des Sozialgerichtes Bremen: Die Klage wird abgewiesen, „denn der Kläger fand sich nicht als Verfolgter im Sinne des Bundesentschädigungsgesetzes in den Konzentrationslagern, sondern aufgrund der Verurteilungen wegen der von ihm begangenen Sittlichkeitsdelikte.“
(Sozialgericht Bremen, Akte SAn 7/76, Bl 58 - 74)
Debatte in der Bremischen Bürgerschaft über die Einrichtung eines Härtefonds für die ‚vergessenen’ Opfer des Nationalsozialismus
(Bestand Hutter, Akte Bremischer Härtefonds, Bremische Bürgerschaft, 12. Wahlperiode, Plenarprotokoll 17. Sitzung vom 27.04.1988)
Erste Kontaktaufnahme Karl Goraths mit dem Rat und Tat Zentrum für Schwule und Lesben,
(Bestand Hutter, Akte Bremischer Härtefonds, Bl. 135)
Einrichtung der Bremischen Härteregelung für die ‚vergessenen’ Opfer
(Bestand Hutter, Akte Bremischer Härtefonds, Bremische Bürgerschaft, 12. Wahlperiode, Drucksache 12/310 vom 28.09.1988, Bl. 128, S. 1-3)
Beschluss des Bremer Senats zur Aufnahme des Rat und Tat Zentrums in den Beirat des Härtefonds, Schreiben des Senatspräsidenten Klaus Wedemeier
(Bestand Hutter, Akte Bremischer Härtefonds, Bl. 116)
Antrag Karl Goraths an das Landesamt für Wiedergutmachung
(Bestand Hutter, Akte Bremischer Härtefonds, Bl. 160, S. 1-6)
Bewilligung einer einmaligen Leistung durch den Härtebeirat
(Bestand Hutter, Akte Bremischer Härtefonds, Bl. 158, 158 Rs.)
15. – 29. Juli 1989
Busfahrt mit Karl Gorath in die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz
(Bestand Hutter, Akte Bremischer Härtefonds, Bl. 117, 118)
Bewilligung einer laufenden Leistung nach der Bremischen Härtefallregelung
(Bestand Hutter, Akte Bremischer Härtefonds, Bl. 159, 159 Rs.)
Verstorben in seiner Bremerhavener Wohnung im Alter von 90 Jahren
Was nun, so ist angesichts der offenkundigen Forschungslücken am nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus von schwul-lesbischer Seite aus anzuregen und in die öffentliche Debatte einzubringen? Sicherlich die Forderung an die Politik in Land und Bund, endlich ein lebendiges Mahnmal in Form einer offiziell geförderten Forschungseinrichtung als eine Geste des Ausgleichs für historische Schuld einzurichten. Sicherlich auch die Forderung an den Bremer Senat, in seiner nächsten offiziellen Feierstunde am 26. Januar 2007 einmal explizit der Befreiung der homosexuellen Opfer zu gedenken. Und sicherlich der Appell an uns alle, aus der Vergangenheit Lehren für die Gegenwart zu ziehen.
Um dem letztgenannten Anspruch konkret werden zu lassen, möchte ich an diesem Gedenktag abschließend die Aufmerksamkeit auf die Rosa-Winkel-Häftlinge von heute lenken. Ich meine die Opfer der aktuellen Homosexuellenverfolgung im Iran. Laut Presseberichten sind allein im Jahr 2005 neun Männer in verschiedenen iranischen Städten öffentlich gehängt worden, weil sie – höchstwahrscheinlich unter Folter – gleichgeschlechtliche Kontakte gestanden haben. Einigen wenigen der Betroffenen gelingt hin und wieder die Flucht ins Ausland. Doch auch deutsche Behörden tun sich schwer, den Betreffenden Asyl zu gewähren, wie im Fall des Iraners Andre Aragoli aus Hessen, dessen Asylantrag das Verwaltungsgericht Kassel mit der Begründung abgelehnt hat, nicht die homosexuelle Neigung, sondern die homosexuelle Praxis würde im Iran verfolgt <Stop deportation of Andre Aragoli, www.ermis.de/aragoli/, Frankfurt 1.2006>. Nur Dank des starken Protestes haben die Behörden Andre Aragoli aus der Abschiebehaft entlassen und ihm eine Aufenthaltsgenehmigung erteilt.
Irans Schwule und Lesben brauchen unsere Hilfe. Die im Exil ansässige Persische Schwulen- und Lesbenorganisation sammelt im Internet Unterstützungsunterschriften unter einer Petition (Link zur Petition). Jeder bzw. jede von uns kann dort durch einen Eintrag seine Solidarität bekunden.
Liebe Anwesende, wir wollen abschließend die Namen der bislang bekannten Rosa-Winkel-Häftlinge aus Auschwitz vorlesen. Im Gedenken an alle schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus seien die folgenden 48 Namen genannt (Zu den existenten Fotos von einigen der benannten Häftlinge):
Hermann Bartel, Dekorateur, geb. 1901, ins KZ am 6. Dezember 1941, gestorben am 2. März 1942,
Friedrich Baumann, Arbeiter, geb. 1893, ins KZ am 20. Juni 1941, gestorben am 8. April 1942,
Anton Berzchik, Arbeiter, geb. 1895, ins KZ am 23. Mai 1941, weiteres Schicksal unbekannt,
Oskar Birke, Landwirt, geb. 1893, ins KZ am 29. August 1941, gestorben am 1. November 1941,
Kurt Bruhn, Kellner, geb. 1913, ins KZ am 27. November 1941, nach Mauthausen deportiert am 25. Januar 1942, weiteres Schicksal unbekannt,
Theodor Brüning, Angestellter, geb. 1896, ins KZ am 19. September 1941, weiteres Schicksal unbekannt,
Kurt Brüssow, Schauspieler, geb. 1910, ins KZ am 28. Mai 1941, weiteres Schicksal unbekannt,
Alfred Danjek, Polizeibeamter, geb. 1913, ins KZ am 25. November 1941, weiteres Schicksal unbekannt,
Walter Degen, Schlosser, geb. 1909, ins KZ am 29. August 1941, nach Mauthausen deportiert am 4. Mai 1942, weiteres Schicksal unbekannt,
Johann Dorfner, Feinbäcker, geb. 1903, vom KZ Flossenburg nach Auschwitz deportiert am 3. Dezember 1943, weiteres Schicksal unbekannt,
Emil Drews, Landarbeiter, geb. 1883, ins KZ am 22. August 1941, gestorben am 10. Januar 1942,
Alfred Fischer, Schumacher, geb. 1881, ins KZ am 31. Oktober 1941, gestorben am 28. November 1941,
Max Gergla, Kaufmann, geb. 1905, ins KZ am 28. November 1941, gestorben am 14. Februar 1942,
Johann Gidius, Arbeiter, geb. 1900, ins KZ am 12. September 1941, gestorben am 13. November 1941,
Karl Göttlich, Zimmermann, geb. 1887, ins KZ am 8. August 1941, gestorben am 2. Februar 1942,
Otto Herzfeld, Arbeiter, geb. 1907, ins KZ am 3. Oktober 1941, gestorben am 7. August 1942,
Erwin Jahnke, Elektriker, geb. 1911, ins KZ am 19. Dezember 1941, weiteres Schicksal unbekannt,
Walter John, Arbeiter, geb. 1910, ins KZ am 29. August 1941, gestorben am 29. Oktober 1941,
Willi Käcker, Kaufmann, geb. 1905, ins KZ am 29. August 1941, gestorben am 18. Oktober 1941,
Egbert Kipke, Braumeister, geb. 1910, ins KZ am 19. September 1941, weiteres Schicksal unbekannt,
Leo Kleefeld, Büroangestellter, geb. 1888, ins KZ am 29. Juni 1941, weiteres Schicksal unbekannt,
Josef Klose, Schneider, geb. 1894, ins KZ am 25. Juli 1941, gestorben am 9. Dezember 1941,
Herrmann Krause, Landarbeiter, geb. 1891, ins KZ am 29. Juni 1941, weiteres Schicksal unbekannt,
Friedrich Kühne, Kaufmännischer Angestellter, geb. 1912, ins KZ am 23. Mai 1941, weiteres Schicksal unbekannt,
Franz Langecker, Kaufmännischer Angestellter, geb. 1900, ins KZ am 22. August 1941, weiteres Schicksal unbekannt,
Paul Langer, Landarbeiter, geb. 1885, ins KZ am 8. August 1941, gestorben am 26. Oktober 1941,
Paul Lehrfeld, Metallarbeiter, geb. 188, ins KZ am 22. August 1941, gestorben am 25. Januar 1942,
Karl Lübben, Diplom-Ingenieur, geb. 1890, ins KZ am 19. Dezember 1941, gestorben am 11. Februar 1942,
Johann Majschek, Fleischer, geb. 1888, ins KZ am 26. September 1941, gestorben am 6. April 1942,
Johann Mauler, Arbeiter, geb. 1897, ins KZ am 12. September 1941, gestorben 14. Februar 1942,
Rudolf von Mayer, Gerichtsassessor, geb. 1905, ins KZ am 30. Mai 1941, gestorben am 19. August 1942,
Waldemar Mews, Bäcker, geb. 1915, ins KZ am 10. Oktober 1941, nach Mauthausen deportiert am 4. Mai 1942, weiteres Schicksal unbekannt,
Richard Nagel, Beruf unbekannt, geb. 1893, vom KZ Flossenburg nach Auschwitz deportiert am 31. August 1942, weiteres Schicksal unbekannt,
Georg, Pecha, Schlosser, geb. 1906, Datum der KZ-Internierung unbekannt, nach Mauthausen deportiert am 25. Januar 1945, weiteres Schicksal unbekannt,
Walter Peters, Medizinischer Arzt, geb. 1890, ins KZ am 10. Oktober 1941, gestorben am 15. Oktober 1941,
August Pfeiffer, Diener, geb. 1895, ins KZ am 1. November 1941, gestorben am 28. Dezember 1941,
Günther Pieka, Mühlenarbeiter, geb. 1920, ins KZ am 23. Mai 1941, weiteres Schicksal unbekannt,
Walter Pietzsch, Schiffbauer, geb. 1900, vom KZ Flossenburg nach Auschwitz deportiert am 3. Dezember 1943, weiteres Schicksal unbekannt,
Friedrich Poguntke, Friseur, geb. 1906, ins KZ am 19. September 1941, weiteres Schicksal unbekannt,
Willi Pohl, Textilarbeiter, geb. 1907, ins KZ am 6. Juni 1941, gestorben am 21. Mai 1942,
Hugo Präbitzer, Elektriker, geb. 1901, ins KZ am 12. September 1941, gestorben am 31. November 1941,
Franz Ruffert, Gärtner, geb. 1902, ins KZ am 5. Oktober 1941, gestorben am 24. Dezember 1941,
Fritz Ruske, Krankenpfleger, geb. 1907, ins KZ am 27. November 1941, weiteres Schicksal unbekannt,
Richard Schiller, Bürogehilfe, geb. 1900, ins KZ am 25. November 1941, gestorben am 6. Februar 1942,
Erwin Schimitzek, Kaufmännischer Angestellter, geb. 1918, ins KZ am 22. August 1941, gestorben am 28. Januar 1942,
Heinz Schumacher, Kaufmann, geb. 1909, ins KZ am 5. Dezember 1941, gestorben am 13. März 1942,
Emil Sliwiok, Arbeiter, geb. 1913, ins KZ am 10. Oktober 1941, gestorben am 21. Januar 1942,
Ernst Weimar, Kaufmann, Datum der KZ-Internierung unbekannt, nach Mauthausen deportiert am 25. Januar 1945, weiteres Schicksal unbekannt.
Vorgetragen in Bremen, am 27. Januar 2006, im Bremer Rat und Tat Zentrum für Schwule und Lesben.
Weitere Forschungsergebnisse zum Schicksal von Karl Gorath alias Karl B.
[Hauptseite über den Rosa-Winkel-Häftling - Main side on the Pink-Triangle-Prisoner]