Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=3%20StR%20503/01
Timestamp: 2019-09-15 23:04:02
Document Index: 93469808

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 32', '§ 33', '§ 33', 'BGH', '§ 33', 'BGH', '§ 33', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 18.04.2002 - 3 StR 503/01 - dejure.org
BGH, 18.04.2002 - 3 StR 503/01
https://dejure.org/2002,1494
BGH, 18.04.2002 - 3 StR 503/01 (https://dejure.org/2002,1494)
BGH, Entscheidung vom 18.04.2002 - 3 StR 503/01 (https://dejure.org/2002,1494)
BGH, Entscheidung vom 18. April 2002 - 3 StR 503/01 (https://dejure.org/2002,1494)
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Totschlag; Mord; Notwehr (Unmittelbarkeit; Notwehrlage; Putativnotwehr; Einschränkungen der Notwehr in sozialen Näheverhältnissen; Ehe; Konfliktvermeidungsgebot); Beweiswürdigung (Widersprüche; Gesamtwürdigung)
Totschlag - Vorsatz - Sachrüge - Notwehrlage - Gegenwärtiger Angriff
Notwehr gegen häusliche Gewalt
StGB § 32 § 33
Freispruch wegen Tötung eines gewalttätigen Ehemannes aufgehoben
Nach mehr als 50 Stichen auf den Ehemann wohl doch ins Gefängnis - keine Notwehr
Zusammenfassung von "Einschränkung des Notwehrrechts bei engen persönlichen Beziehungen" von Prof. Dr. Frank Zieschang, original erschienen in: JURA 2003, 527 - 532.
NStZ-RR 2002, 203
§ 33 StGB begründet Straffreiheit nur für denjenigen, der als rechtswidrig Angegriffener in Überschreitung seiner Notwehrbefugnisse den Angreifer aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken verletzt oder gar tötet; er setzt mithin das Bestehen einer Notwehrlage voraus (vgl. BGH NStZ 1987, 20; StV 1997, 291, 292 m.w.N.; NStZ-RR 2002, 203, 204).
Auf den sogenannten Putativnotwehrexzess ist § 33 StGB nach herrschender Meinung nicht anwendbar (vgl. BGH NStZ-RR 2002, 203, 204 m.w.N.;… siehe auch Nachweise bei Lenckner/Perron in Schönke/Schröder StGB 26. Aufl. § 33 Rdn. 8).
Entscheidend sind daher nicht die Befürchtungen des Angegriffenen, sondern die Absichten des Angreifers und die von ihm ausgehende Gefahr einer (neuerlichen oder unverändert fortdauernden) Rechtsgutverletzung (…BGH aaO jeweils mwN; siehe auch Urteil vom 18. April 2002 - 3 StR 503/01, NStZ-RR 2002, 203).
d) Zur gleichen Einschränkung des Notwehrrechts könnte die Erwägung führen, dass bei einem derartigen persönlichen Näheverhältnis wie dem des Angeklagten zu seinem - zumal jugendlichen - Opfer lebensgefährliche Verteidigungsmittel nicht ohne weiteres angewendet werden dürfen, wenn nur leichte Körperverletzungen drohen (vgl. BGH, Urteil vom 25. September 1974 - 3 StR 159/74, NJW 1975, 62 f.; vgl. demgegenüber auch BGH, Urteil vom 11. Januar 1984 - 2 StR 541/83, NJW 1984, 986 f.; Urteil vom 18. April 2002 - 3 StR 503/01, NStZ-RR 2002, 203, 204;… hierzu umfassend auch Fasten aaO S. 199 ff.).
Hätte der Angeklagte nämlich mit einem unmittelbar bevorstehenden rechtswidrigen Angriff gerechnet und damit einen Sachverhalt angenommen, der ihn - falls er zuträfe - zur Nothilfe zu Gunsten des Mitangeklagten berechtigte, kämen gegebenenfalls die rechtlichen Grundsätze der Putativnotwehr in Betracht (vgl. BGH, Urteil vom 18. April 2002 - 3 StR 503/01, NStZ-RR 2002, 203, 204;… Beschluss vom 11. Dezember 1991 aaO).