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Timestamp: 2016-10-28 12:31:50
Document Index: 207150633

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_649/2015 (28.01.2016)
8C_649/2015 � � Urteil vom 28. Januar 2016
�HOTELA Versicherungen AG, Rue de la Gare 18,
1820 Montreux, vertreten durch Rechtsanwalt Lorenz Fivian,
�A.________, vertreten durch Rechtsanwalt Dominique Chopard,
Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts Wallis vom 10. Juli 2015.
Die 1982 geborene A.________ war als Zimmerfrau im Hotel B.________ t�tig und dadurch bei der HOTELA Versicherungen AG (nachfolgend: Hotela) obligatorisch gegen Unfallfolgen versichert. Am 20. April 2011 erlitt sie als Beifahrerin einen Autounfall, wobei sie sich nebst einer Commotio cerebri insbesondere multiple Rissquetschwunden im Bereich der rechten Hand mit einer subtotalen L�sion der Extensorsehne des dritten Fingers, einer Gelenkser�ffnung des PIP (Fingermittelgelenk) und einer Knochenabrasion im Bereich des K�pfchens der proximalen Phalanx dieses Fingers zuzog. Die Hotela gew�hrte Heilbehandlung und richtete Taggeld aus. Unter anderem liess sie die Versicherte durch den orthop�dischen Chirurgen Dr. med. C.________ gutachterlich untersuchen. Gem�ss Expertise vom 18. November 2011 bestand eine Arbeitsf�higkeit von 50% in der angestammten T�tigkeit; der festgestellte Morbus Sudeck bessere sich nur langsam; die Behandlung sei noch nicht abgeschlossen. Mit Verf�gung vom 29. Februar 2012 stellte die Unfallversicherung fest, sp�testens seit dem 1. Oktober 2011 l�ge keine organische Gesundheitssch�digung mehr vor, die auf den versicherten Unfall zur�ckzuf�hren sei, weshalb sie ab diesem Zeitpunkt keine Leistungen mehr erbringe. Auf Einsprache der A.________ hin holte die Hotela, nebst weiteren Abkl�rungen, eine polydisziplin�re Expertise bei der interdisziplin�ren medizinischen Gutachterstelle MEDAS Zentralschweiz (nachfolgend: Medas) ein (Gutachten vom 7. November 2013). Gest�tzt darauf hiess die Unfallversicherung die Einsprache mit Entscheid vom 16. Mai 2014 in dem Sinne teilweise gut, als sie sich verpflichtete, Versicherungsleistungen bis zum 31. Mai 2012 auszurichten. Danach fehle es an einem ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen den geklagten psychischen Beschwerden und dem versicherten Unfall.
Die von A.________ gegen den Einspracheentscheid vom 16. Mai 2014 erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgericht Wallis in dem Sinne gut als es die Hotela verpflichtete, die gesetzlichen Leistungen in Form von Heilbehandlung und Taggeld weiterhin zu erbringen.
Die Hotela f�hrt Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Rechtsbegehren, der kantonale Gerichtsentscheid sei aufzuheben und der Einspracheentscheid vom 16. Mai 2014 zu best�tigen. Ferner wird darum ersucht, der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
�A.________ schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Das kantonale Gericht und das Bundesamt f�r Gesundheit verzichten auf eine Vernehmlassung.
Streitig ist die Leistungspflicht der Unfallversicherung ab 1. Juni 2012.
Das kantonale Gericht hat erkannt, gem�ss Gutachten der Medas sei im Heilungsverlauf der rechten Hand der Endzustand erreicht und die empfohlene ergotherapeutische Behandlung diene nur noch der Verbesserung der Funktion und der Schmerzlinderung. Demnach habe die Hotela den Fall zu Recht abgeschlossen. Zu pr�fen bleibe, ob die noch behandlungsbed�rftigen psychischen Beschwerden in einem ad�quaten Kausalzusammenhang zum versicherten Unfallereignis stehen (vgl. BGE 134 V 109 E. 3 und 4 S. 112 ff.). Das wird auch von der Beschwerdegegnerin nicht bestritten.
Der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall der Versicherten vom 20. April 2011 und ihren psychischen Beschwerden ist unbestrittenermassen nach der Praxis zu den psychischen Unfallfolgen zu beurteilen. Dabei sind die psychischen Beschwerdekomponenten des Gesundheitsschadens auszuklammern (BGE 115 V 133; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1 S. 116). Einigkeit herrscht unter den Parteien auch dar�ber, dass das Unfallereignis den mittelschweren Unf�llen im engeren Sinn zuzurechnen ist, weshalb die Ad�quanz nur bejaht werden kann, wenn mindestens drei der sieben Ad�quanzkriterien erf�llt sind oder eines besonders ausgepr�gt vorliegt (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140; SVR 2013 UV Nr. 3 S. 7 E. 5.2.3 und 6 Ingress [8C_389/2012]).
Die Vorinstanz bejahte in einfacher Form die drei Ad�quanzkriterien der k�rperlichen Dauerschmerzen, des schwierigen Heilungsverlaufs mit erheblichen Komplikationen und des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunf�higkeit. Die �brigen Kriterien erachtete sie als nicht erf�llt.
6.1.�Das kantonale Gericht bezeichnete das Kriterium der k�rperlichen Dauerschmerzen mit der Begr�ndung als erf�llt, die Versicherte leide gem�ss rheumatologischer Medas-Beurteilung an einem chronischen und therapierefrakt�ren Verlauf, der ihr nicht mehr erlaube, in ihrem angestammten Beruf als Zimmerfrau in einem Hotel zu mehr als 50 % zu arbeiten.
6.2.�Gem�ss rheumatologischem Medas-Teilgutachten vom 3. Juni 2013 leidet die Versicherte neben einem Residualzustand mit leichter Funktionseinschr�nkung und einer Minderbelastbarkeit der rechten Hand, Finger II bis IV, an einem diffusen oberen Quadrantenschmerzsyndrom rechts sowie einem diffusen myofaszialen Schmerzsyndrom lumboiliosakral beidseits. Der Gutachter f�hrt in seiner medizinischen Beurteilung aus, von rheumatologischer Seite her k�nne dieses ausweitende, therapierefrakt�re, persistierende zervikale Schmerzsyndrom nicht durch entsprechende organische Befunde begr�ndet werden. Bez�glich der organisch nachgewiesenen Unfallfolgen in Form eines Residualzustandes nach Handverletzung mit einer leichtgradigen Bewegungseinschr�nkung werden im Gutachten keine Dauerbeschwerden vermerkt. Da die als k�rperlich imponierenden, organisch jedoch nicht hinreichend erkl�rbaren Beschwerden bei einer Pr�fung der Ad�quanz nach BGE 115 V 133 nicht in die Beurteilung einzubeziehen sind, ist das Kriterium entgegen der Vorinstanz nicht erf�llt. Die Tatsache, dass in der angestammten T�tigkeit eine andauernde (Teil-) Arbeitsunf�higkeit attestiert wurde, kann bei der Beurteilung des Ad�quanz-Kriteriums der Dauerschmerzen keine Beachtung finden, bildet die Frage der langandauernden Arbeitsunf�higkeit doch ein eigenes Kriterium.
7.1.�Das Kriterium des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunf�higkeit bezieht sich nicht allein auf das Leistungsverm�gen im angestammten Beruf (SVR 2012 UV Nr. 23 S. 83 E. 4.2.6 [8C_435/2011]; RKUV 2011 Nr. U 422 S. 544 [U 56/00]; Urteil 8C_871/2014 E. 7.1). Es sind nur jene Zeiten zu ber�cksichtigen, welche die versicherte Person aufgrund einer rein physischen Betrachtungsweise arbeitsunf�hig war.
7.2.�Die Vorinstanz qualifiziert dieses Kriterium mit der Begr�ndung als erf�llt, die Versicherte k�nne ihrem angestammten Beruf als Zimmerm�dchen dauerhaft nur noch zu 50 % nachgehen und eine angepasste T�tigkeit sei ihr nur mit Einschr�nkungen m�glich. Darin kann ihr nicht gefolgt werden. Das kantonale Gericht hat nicht ber�cksichtigt, dass die Versicherte gem�ss zusammenfassender medizinischer Beurteilung der Medas in einer die Minderbelastbarkeit der rechten Hand ber�cksichtigenden, k�rperlich leichten, nicht st�ndig repetitiven und nicht ausgesprochen feinmotorischen T�tigkeit aus physischen Gr�nden in der Arbeitsf�higkeit nicht eingeschr�nkt ist. Der vollumf�nglichen Verwertung dieser aus somatischer Sicht zumutbaren Arbeitsf�higkeit stehen gem�ss Gutachten nur psychiatrische Befunde entgegen. Diese sind indessen, wie dargelegt, bei der Kausalit�tsbeurteilung nach Massgabe der Rechtsprechung gem�ss BGE 115 V 133 nicht zu ber�cksichtigen. Auch dieses Kriterium ist daher nicht erf�llt.
Sind diese beiden Kriterien zu verneinen, kann offen bleiben, ob mit der Vorinstanz das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen als gegeben zu betrachten ist. Denn es liegt sicherlich nicht in besonders ausgepr�gter Form vor. Damit ist maximal ein Kriterium - und dieses nicht qualifiziert - erf�llt. Dies f�hrt zur Verneinung der ad�quaten Unfallkausalit�t der psychischen Beschwerden und damit zur Gutheissung der Beschwerde.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Kantonsgerichts Wallis vom 10. Juli 2015 wird aufgehoben und der Einspracheentscheid der HOTELA Versicherungen AG vom 16. Mai 2014 best�tigt.