Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%20198,%20265
Timestamp: 2020-06-02 12:44:22
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Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839', '§ 74', '§ 839', '§ 74', 'BGH', '§ 287', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839', 'BGH', 'BGH', '§ 839', '§ 276', 'BGH', '§ 839', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839', 'BGH', '§ 276', 'BGH', 'BGH', '§ 277', '§ 839', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839', '§ 826', 'BGH', '§ 839', 'BGH', 'BGH', '§ 74', 'BGH', '§ 74', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 276', 'BGH', '§ 839']

BGH, 10.10.2013 - III ZR 345/12 - dejure.org
https://dejure.org/2013,29604
BGH, 10.10.2013 - III ZR 345/12 (https://dejure.org/2013,29604)
BGH, Entscheidung vom 10.10.2013 - III ZR 345/12 (https://dejure.org/2013,29604)
BGH, Entscheidung vom 10. Januar 2013 - III ZR 345/12 (https://dejure.org/2013,29604)
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§ 839a Abs 1 BGB, § 74a Abs 5 S 1 ZVG
Haftung des gerichtlichen Sachverständigen: Unrichtiges Verkehrswertgutachten im Zwangsversteigerungsverfahren; Inaugenscheinnahme des Versteigerungsobjekts; Ermittlung eines abweichenden Verkehrswerts durch das Regressgericht; grobe Fahrlässigkeit
BGB § 839 a; ZVg § 74 a
Zur Haftung eines Sachverständigen für unrichtiges Verkehrswertgutachten in Zwangsversteigerungsverfahren
Haftung des Sachverständigen für ein unrichtiges Verkehrswertgutachten im Zwangsversteigerungsverfahren bzgl. des festgestellten Verkehrswerts als "unrichtig"; Auswirkung der Baumängel und Bauschäden auf den Verkehrswert
Eingeschränkte Haftung des Verkehrswertgutachters bei Baumängeln; unrichtiges Gutachten; Zwangsversteigerung; abrissreifes Einfamilienhaus
Zur Haftung des Sachverständigen für ein unrichtiges Verkehrswertgutachten im Zwangsversteigerungsverfahren; zu den Voraussetzungen des Vorliegens grober Fahrlässigkeit
III. Zivilsenat des BGH sieht auch in dem Revisionsurteil vom 10.10.2013 - III ZR 345/12 - in § 287 ZPO eine Beweiserleichterung für den Kläger.
Haftung für unrichtiges Verkehrswertgutachten
Inaugenscheinnahme des Versteigerungsobjekts führt nicht zur Unrichtigkeit eines Verkehrswertgutachtens
Haftung des Sachverständigen im Zwangsversteigerungsverfahren
Verkehrswertgutachter haftet nur bei "unrichtigem" Verkehrswert! (IMR 2014, 32)
LG Frankfurt/Main, 09.02.2007 - 19 O 153/06
OLG Frankfurt, 02.03.2017 - 3 U 56/07
BGH, 30.11.2017 - III ZR 110/17
BGHZ 198, 265
NJW-RR 2014, 90
MDR 2013, 1397
VersR 2014, 1384
WM 2013, 2225
Rpfleger 2014, 146
BauR 2014, 322
ZfBR 2014, 133
(1) Grobe Fahrlässigkeit erfordert einen in objektiver Hinsicht schweren und in subjektiver Hinsicht schlechthin unentschuldbaren Verstoß gegen die Anforderungen der konkret erforderlichen Sorgfalt (BGH, Urteile vom 30. Januar 2001 - VI ZR 49/00, NJW 2001, 2092, 2093…, vom 11. Juli 2007 - XII ZR 197/05, NJW 2007, 2988 Rn. 15 und vom 10. Oktober 2013 - III ZR 345/12, BGHZ 198, 265 Rn. 26 mwN).
Selbst ein objektiv grober Pflichtenverstoß rechtfertigt für sich noch keinen zwingenden Schluss auf ein entsprechend gesteigertes personales Verschulden (BGH, Urteile vom 30. Januar 2001 - VI ZR 49/00, NJW 2001, 2092, 2093 und vom 10. Oktober 2013 - III ZR 345/12, BGHZ 198, 265 Rn. 28).
Es spricht vielmehr alles dafür, dass der den Notruf entgegennehmende Mitarbeiter des Beklagten die in der konkreten Situation erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt und schon einfachste, ganz naheliegende Überlegungen nicht angestellt und das nicht beachtet hat, was im gegebenen Fall jedem einleuchten musste (vgl. Senatsurteile vom 10. Oktober 2013 - III ZR 345/12, BGHZ 198, 265 Rn. 26;… vom 3. November 2016 - III ZR 286/15, BeckRS 2016, 20144 Rn. 17 …und vom 23. März 2017 - III ZR 93/16, BeckRS 2017, 107457 Rn. 8 zum Begriff der groben Fahrlässigkeit; jeweils mwN).
Dies ist insbesondere der Fall, wenn es von einem unzutreffenden Sachverhalt ausgeht - auch: wenn die festgestellten Tatsachen überhaupt nicht existieren (…MünchKomm-BGB/Wagner, aaO. Rn. 19) -, die Befunderhebung, soweit nicht vom Gericht vorgegeben, fehlerhaft oder unvollständig ist (…Palandt/Sprau, BGB 76. Aufl. § 839a Rn. 3) oder wenn das Gutachten aus Befundtatsachen (SaarlOLG OLGR 2009, 196, 197) bzw. dem festgestellten Sachverhalt falsche Schlüsse zieht (BGHZ 198, 265, 269 Rn. 17;… Knerr in Geigel, aaO. Rn. 6).
Kann die Beweisfrage vom Sachverständigen nicht exakt im Sinne einer mathematischen Genauigkeit ermittelt werden, ist ihm ein Bewertungsspielraum zuzugestehen (vgl. BGHZ 198, 265, 270 f. Rn. 20, zum Verkehrswertgutachten;… Erman/Mayen, BGB 14. Aufl. § 839a Rn. 6).
Es muss eine auch subjektiv schlechthin unentschuldbare Pflichtverletzung vorliegen, die das in § 276 Abs. 2 BGB bestimmte Maß erheblich überschreitet (BGHZ 198, 265, 273 Rn. 26).
aa) Dieser Maßstab gilt gleichermaßen für die Haftung des Sachverständigen nach § 839a BGB ; der Gutachter muss unbeachtet gelassen haben, was jedem Sachkundigen hätte einleuchten müssen, und seine Pflichtverletzung schlechthin unentschuldbar sein (BGHZ 198, 265, 273 Rn. 27; SaarlOLG OLGR 2009, 196, 198; OLG Braunschweig…, Urteil vom 19.01.2017 - 2 U 119/14, juris Rn. 38;… Stein/Itzel/Schwall, Praxishandbuch des Amts- und Staatshaftungsrechts 2. Aufl. Rn. 677).
Die Beschränkung der Haftung des vom Gericht beauftragten Gutachters dient laut den Gesetzesmaterialien (BT-Drucks. 14/7752, 28) der inneren Freiheit, derer er bedarf, um sein Gutachten unabhängig und ohne Druck eines möglichen Rückgriffs erstatten zu können (BGHZ 198, 265, 273 Rn. 27; OLG Braunschweig…, Urteil vom 19.01.2017 - 2 U 119/14, juris Rn. 38).
Im Einzelfall kann es gerechtfertigt sein, von einem bestimmten äußeren Geschehensablauf und vom Ausmaß des damit einhergehenden objektiven Pflichtverstoßes auf innere Vorgänge und eine gesteigerte subjektive Vorwerfbarkeit zu schließen (BGHZ 198, 265, 273 f. Rn. 28).
Allgemein unterliegt die Beurteilung des (Nicht-) Vorliegens grober Fahrlässigkeit der tatrichterlichen Würdigung (BGHZ 198, 265, 274 Rn. 29).
Die Darlegung und der Nachweis eines (mindestens) grob fahrlässigen Verschuldens des gerichtlichen Sachverständigen obliegen dem Geschädigten (BGHZ 198, 265, 274 Rn. 29; SaarlOLG OLGR 2009, 196, 197).
aa) Bei dem Anspruch aus § 839a BGB besteht im Unterschied zu sonstigen Schadensersatzansprüchen die Besonderheit, dass die Erstattung eines unrichtigen Gutachtens zur Begründung der Haftung nicht ausreicht, der Sachverständige vielmehr vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt haben muss, und dass das Vorliegen (mindestens) grober Fahrlässigkeit, wie oben ausgeführt, aus der Perspektive eines Sachkundigen (BGHZ 198, 265, 273 Rn. 27; SaarlOLG OLGR 2009, 196, 198; OLG Braunschweig…, Urteil vom 19.01.2017 - 2 U 119/14, juris Rn. 38;… Stein/Itzel/Schwall, aaO. Rn. 677), also hier eines Aussagepsychologen, zu beurteilen ist.
Es muss eine auch subjektiv schlechthin unentschuldbare Pflichtverletzung vorliegen, die das in § 276 Abs. 2 BGB bestimmte Maß erheblich überschreitet (st. Rspr.; vgl. nur Senatsurteil vom 10. Oktober 2013 - III ZR 345/13, NJW-RR 2014, 90 Rn. 26; BGH, Urteile vom 8. Juli 1992 - IV ZR 223/91, BGHZ 119, 147, 149; vom 29. Januar 2003 - IV ZR 173/01, NJW 2003, 1118, 1119; vom 12. Juli 2005 - VI ZR 83/04, NJW 2006, 1271;… vom 11. Juli 2007 - XII ZR 197/05, NJW 2007, 2988 Rn. 15 …und vom 17. Februar 2009 - VI ZR 86/08, NJW-RR 2009, 812 Rn. 10;… Palandt/Grüneberg aaO § 277 Rn. 5; jeweils mwN).
Auch der "Billigung" durch das Gerichts kommt keine ein grobes Verschulden des Sachverständigen generell ausschließende Bedeutung zu; sie ist in aller Regel gerade Voraussetzung für die Haftung des Sachverständigen gemäß § 839a BGB weil diese nur dann eingreift, wenn die Entscheidung des Ausgangsprozesses auf seinem Gutachten - und damit auch auf dessen Billigung durch die Gerichte des Ausgangsprozesses - beruht (vgl. BGH, Beschluss vom 24.07.2014 III ZR 412/13; hierbei Festhaltung an BGH, Urteil vom 10.10.2013 in III ZR 345/12).
Folglich ist ein Gericht dann auch nicht ohne weiteres in der Lage, fachliche Mängel eines Gutachtens zu erkennen (vgl. weiter BGH, Beschluss vom 24.07.2014 III ZR 412/13; hierbei Festhaltung an BGH, Urteil vom 10.10.2013 in III ZR 345/12).
Weiterhin ist zu beachten, dass nach der Auffassung des Bundesgerichtshofes ein Gericht selbst nicht ohne weiteres in der Lage sein muss, fachliche Mängel eines Gutachtens zu erkennen (vgl. BGH, Beschluss vom 24.07.2014, III ZR 412/13; BGH, Urteil vom 10.10.2013 in III ZR 345/12).
Für den Vorwurf der grob fahrlässigen Gutachtenerstattung (vgl. allg. BGHZ 198, 265 = VersR 2014, 1384) hat das Landgericht entscheidend darauf abgehoben, dass die Beklagte unter Verletzung der "an eine Begutachtung zu stellenden wissenschaftlichen und methodischen Qualitäts- und Neutralitätsanforderungen" ihre - kategorischen und uneingeschränkten - Schlussfolgerungen ohne jede tragfähige Begründung getroffen, eine ihr bekannte Vordiagnose schlicht ignoriert und sich zudem mit der Verkehrsunfallanalyse fachfremde Kompetenzen angemaßt habe.
Unrichtig ist ein Sachverständigengutachten auch dann, wenn es aus dem festgestellten Sachverhalt falsche Schlüsse zieht (BGHZ 198, 265 = NJW-RR 2014, 90 Tz. 17).
Die Voraussetzungen des § 839a BGB, der hier als Spezialnorm gegenüber § 826 BGB allein als Anspruchsgrundlage in Betracht kommt (vgl. BGH, Urteil vom 10.10.-, III ZR 345/12, Rn. 14), liegen nicht vor.
Der Ersteher (Meistbietende) ist "Verfahrensbeteiligter" (des Zwangsversteigerungsverfahrens) im Sinne von § 839a BGB (BGH, Urteil vom Urteil vom 10.10.-, III ZR 345/12, Rn. 15;… Urteil vom 9. März 2006, III ZR 143/05, Rn. 6 ff).
Er darf in schutzwürdiger Weise darauf vertrauen, dass der Gutachter bei der Ermittlung des Verkehrswerts sorgfältig und sachgemäß verfahren ist (BGH, Urteil vom 10.10.-, III ZR 345/12, Rn. 15;… Urteil vom 9. März 2006, a.a.O., Rn. 7f.).
Für das Verkehrswertgutachten nach § 74a Abs. 5 Satz 1 ZVG ist zu berücksichtigen, dass es der Feststellung des Verkehrswerts des Versteigerungsobjekts dient und gerade auch in dieser Hinsicht, also bezüglich des festgestellten Verkehrswerts, "unrichtig" sein muss (BGH, Urteil vom 10.10.-, III ZR 345/12, Rn. 17f.; OLG Schleswig, Urteil vom 06.07.2007, 14 U 61/06;… Hintzen/Engels/Rellermeyer-Hintzen, ZVG, 15. Aufl., § 74a Rn. 71).
Die Beschränkung der Haftung des vom Gericht beauftragten Gutachters dient der inneren Freiheit, derer er bedarf, um sein Gutachten unabhängig und ohne Druck eines möglichen Rückgriffs erstatten zu können (BGH, Urteil vom 10.10.-, III ZR 345/12, Rn. 27;… Urteil vom 24.07.2014, III ZR 412/12, Rn. 3).
Zwar wirkt sich eine gewisse Toleranz regelmäßig nicht zu Lasten des beklagten Sachverständigen aus (vgl. BGH, Urteil vom 10.10.-, III ZR 345/12, Rn. 20), jedoch ist hier zu berücksichtigen, dass sich die Differenz zwischen den ermittelten Verkehrswerten nicht aus einem den Sachverständigen einzuräumenden Wertungsspielraum ergibt, sondern weil der Beklagte die Wohnfläche fehlerhaft zu groß ermittelt hat.
(2) Der Beklagte hat ferner grob fahrlässig gehandelt, denn er hat bei der Ermittlung der Wohnfläche unbeachtet gelassen, was jedem Sachkundigen hätte einleuchten müssen, und seine Pflichtverletzung ist schlechthin unentschuldbar (vgl. BGH, Urteil vom 10.10.-, III ZR 345/12, Rn. 27;… Urteil vom 24.07.2014, III ZR 412/12, Rn. 3).
So hat der Bundesgerichtshof in der Entscheidung vom 10.10.-, III ZR 345/12 ausgeführt, dass es für die Frage der Schadenskausalität in erster Linie auf die (Un-)Richtigkeit des ermittelten Verkehrswertes und nicht den im Verkehrswertgutachten beschriebenen Gebäudezustand ankomme (auf den sich der dortige Kläger verlassen hatte).
Dieser ist vor dem primären Zweck der Wertermittlung und -festsetzung zu sehen, einer "Verschleuderung des Grundbesitzes" entgegenzuwirken (vgl. BGH, Urteil vom 10.10.-, III ZR 345/12, Rn. 19).
Der Schadensersatz kann dabei entweder darauf gerichtet sein, den Geschädigten so zu stellen, als hätte er den Grundstückskaufvertrag nicht geschlossen, oder darauf gestützt werden, dass der Geschädigte den bewerteten Gegenstand bei korrekter Wertfestsetzung zu einem für ihn günstigeren Preis veräußert hätte (vgl. BGH…, Urteil vom 9. März 2006 - III ZR 143/05, BGHZ 166, 313 Rn. 13; Urteil vom 10. Oktober 2013 III ZR 245/12, BGHZ 198, 265 Rn. 36).
(b) Die Bestimmung der zulässigen Bindung des Käufers nach dem Maß zu beurteilen, in dem der Kaufpreis hinter dem Verkehrswert zurückbleibt, ist nicht - wie die Revision meint - deshalb undurchführbar, weil der Verkehrswert eines Grundstücks sich nicht exakt im Sinne einer mathematischen Genauigkeit ermitteln lässt (vgl. BGH, Urteil vom 10. Oktober 2013 - III ZR 345/12, BGHZ 198, 265 Rn. 20).
Es muss eine auch subjektiv schlechthin unentschuldbare Pflichtverletzung vorliegen, die das in § 276 Abs. 2 BGB bestimmte Maß erheblich überschreitet (BGH, Urteil vom 10. Oktober 2013 - III ZR 345/12, juris Rn. 26).
LG Magdeburg, 11.09.2018 - 11 O 217/18
Zivilurteil: Teures Parken vor statt in der eigenen Garage
Anspruch nach § 839a BGB für unrichtiges Verkehrswertgutachten
OLG Brandenburg, 07.03.2018 - 7 U 87/16
Haftung des gerichtlichen Sachverständigen: Grob fahrlässige Ermittlung der …
OLG Frankfurt, 06.03.2014 - 1 U 114/12
Haftung eines Sachverständigen für falsches Verkehrswertgutachten gegenüber …
Zur Kostenentscheidung unter Berücksichtigung einer durch ein Kreditinstitut grob …
OLG Brandenburg, 17.07.2019 - 7 U 39/18
OLG Karlsruhe, 30.05.2014 - 4 U 248/13
Wann ist ein Verkehrswertgutachten mangelhaft?