Source: https://pohlmannhofmann.de/faq/
Timestamp: 2020-02-25 02:31:43
Document Index: 206904203

Matched Legal Cases: ['§ 270', '§ 270', '§ 270', '§ 26', '§ 179', '§ 270']

FAQ | Pohlmann Hofmann Insolvenzverwalter
Fragen von Gläubigern
Fragen von Schuldnern
FAQ’s (Frequently Asked Questions) – Häufig gestellte Fragen.
Nachfolgend haben wir häufige Fragen, mit denen wir im Vorfeld oder während eines Insolvenzverfahrens konfrontiert werden – sortiert nach Beteiligten (Allgemein, Gläubiger, Arbeitnehmer etc.) – zusammengestellt und mit entsprechende Antworten versehen.
Beraten Sie auch bei Insolvenzantragstellung?
Nein, wir erbringen keine individuelle Beratung, da wir ausschließlich als Insolvenzverwalter und -gutachter für die Gerichte tätig sind sowie als Sachwalter in Verfahren mit (beantragter) Eigenverwaltung (§§ 270 ff. InsO). Wir haben keine Mandanten. In geeigneten Fällen können wir Sie jedoch gerne im Vorfeld einer Insolvenzantragstellung in allgemeiner Form über den Ablauf eines Insolvenzverfahrens und dessen Folgen beraten.
Können wir Sie bei Gericht als Insolvenzverwalter vorschlagen?
Ja. Selbstverständlich können Sie uns als Gläubiger oder auch als Schuldnerunternehmen bei Gericht als Insolvenzverwalter vorschlagen. Das Gericht wird aber in jedem Fall einen aus seiner Sicht für den konkreten Fall geeigneten Insolvenzverwalter auswählen. Das muss nicht die vorgeschlagene Person sein. Sie sollten in jedem Fall ausführen, welche Beweggründe Ihrem Vorschlag zu Grunde liegen, da derartige Empfehlungen darauf hindeuten können, dass die vorgeschlagene Person gerade nicht die vom Gesetz geforderte Unabhängigkeit mitbringt.
Können wir Sie bei Gericht als Sachwalter (bei beantragter Eigenverwaltung) vorschlagen?
Ja. Wir stehen ausdrücklich als Sachwalter bzw. vorläufiger Sachwalter zur Verfügung und zwar selbstverständlich schon für Eigenverwaltungen nach bisheriger Rechtslage, als auch im Rahmen von (beantragten) Eigenverwaltungen nach den zum 01.03.2012 neu eingeführten Regelungen u.a. zum “Schutzschirmverfahren” (§§ 270b, 270a InsO). Im sog. Schutzschirmverfahren nach § 270b InsO ist ein Vorschlag des Schuldners zur Person des vorläufigen Sachwalters sogar ausdrücklich vorgesehen. Eine in hohem Maße konstruktive Zusammenarbeit und ein abgestimmtes Vorgehen mit den Beratern und der Geschäftsleitung des Schuldnerunternehmens und das Respektieren der Entscheidungs- und Handlungsoptionen des Unternehmens sind für uns selbstverständlich. Ungeachtet dessen üben wir in der gebotenen Weise im Interesse der Gläubiger die Aufsicht über den Schuldnerbetrieb stets unabhängig von Sonderinteressen, kompetent und sachlich aus.
Ein Insolvenzverfahren über das Vermögen einer GmbH dauert im Bundesdurschnitt nach einer Erhebung des Instituts für Mittelstandsforschung, Bonn, 49 Monate. In Großverfahren oder bei besonders komplexen Problemen sind Verfahrensdauern von über zehn Jahren keine Seltenheit. Einer unserer Kanzleigrundsätze lautet „effizient“. Wir gehen alle Verwertungsmaßnahmen regelmäßig unmittelbar nach Verfahrenseröffnung parallel an. Entsprechend haben wir unsere Kapazitäten und Strukturen ausgerichtet. Dadurch erreichen wir eine deutlich kürzere Verfahrensdauer.
Ich will Gegenstände aus einem Insolvenzverfahren kaufen. An wen wende ich mich?
Das ist unterschiedlich. In der Regel beauftragen wir zur Erzielung bestmöglicher Ergebnisse öffentlich bestellte und vereidigte Versteigerer mit der Verwertung. In geeigneten Fällen verwerten wir auch selbst. Ein Unternehmen als Ganzes verwerten wir stets selbst. Fragen Sie also bitte – am besten per Telefax – bei uns an. Sie erhalten kurzfristig Nachricht oder wir leiten Ihre Anfrage weiter.
Wieviel kostet ein Insolvenzverfahren?
Die Verfahrenskosten setzen sich aus den Gerichtsgebühren, der Vergütung für den Insolvenzverwalter und der etwaigen Vergütung für die Mitglieder eines Gläubigerausschusses (soweit gebildet) zusammen. Sowohl die Höhe der Gerichtsgebühren, als auch die der Verwaltervergütung bestimmen sich letztlich nach dem Wert der während des gesamten Verfahrens realisierten Insolvenzmasse. Die Gerichtsgebühren belaufen sich auf mindestens EUR 75,00 (bei Eigeninsolvenzanträgen) bzw. EUR 225,00 (bei Fremdanträgen). Hinzu kommen noch die Auslagen des Gerichts, z.B. für ein Sachverständigengutachten oder Veröffentlichungskosten. Die Verwaltervergütung beläuft sich auf mindestens EUR 1.000,00 (netto) zzgl. Auslagen. Die Verwaltervergütung ist im Übrigen regressiv, d.h. der Anteil aus der Insolvenzmasse, der auf die Verwaltervergütung entfällt, wird prozentual geringer, je höher die Masse ist. So entfallen beispielsweise 40% der ersten 10.000,00 Euro der Insolvenzmasse auf die Verwaltervergütung, während etwa von einer Masse von über 50,0 Mio. noch 0,5% auf die Verwaltervergütung entfallen.
Ich kann die Höhe unserer Forderung noch nicht genau bestimmen. Was mache ich?
Von der Insolvenzantragstellung erfahren Sie nur vom Schuldner selbst oder falls Sie im Rahmen des Eröffnungsverfahrens vom Gericht oder Gutachter um Auskunft gebeten werden. Erst bei Eröffnung eines Insolvenzverfahrens oder wenn besondere Sicherungsmaßnahmen angeordnet werden, finden Sie die öffentliche Bekanntmachung im Internet unter www.insolvenzbekanntmachungen.de. Hat Sie das Schuldnerunternehmen dem Insolvenzverwalter als Gläubiger benannt, wird Ihnen der Eröffnungsbeschluss zugestellt. Seit 1.7.2007 wird auch der Beschluss über die Abweisung eines Insolvenzantrags mangels Masse (§ 26 InsO) im Internet unter www.insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht.
Die Forderungsanmeldung ist stets an den Insolvenzverwalter (in Eigenverwaltungsverfahren: an den Sachwalter) zu senden. Das Gericht ist für die Entgegennahme nicht zuständig. Mit der Übersendung an das Gericht verzögern Sie die Aufnahme Ihrer Forderungsanmeldung in die Tabelle. Unter Umständen kann Ihre Forderung im Rahmen des ersten Prüfungstermins dann nicht mehr berücksichtigt werden oder die Forderung kann verjähren.
Ja. Die vom Gericht im Eröffnungsbeschluss festgesetzte Frist ist keine Ausschlussfrist. Forderungsanmeldungen, die noch einige Tage vor dem Prüfungstermin bei uns eingehen, versuchen wir trotz Fristablaufs noch in die Tabelle aufzunehmen und mit zu prüfen. Forderungsanmeldungen, die verspätet eingehen, werden in einem besonderen Prüfungstermin zu einem späteren Zeitpunkt geprüft. Hierfür erhebt das Gericht Gebühren i.H.v. aktuell EUR 20,00. Allerdings findet der besondere Prüfungstermin in der Regel erst kurz vor Verfahrensabschluss statt. Es kann also einige Zeit vergehen, bevor Sie das Prüfungsergebnis erfahren.
Liegt für eine zur Tabelle angemeldete Forderung ein vollstreckbarer Schuldtitel (z.B. Vollstreckungsbescheid) oder ein Endurteil vor, so obliegt es dem Bestreitenden, nicht dem anmeldenden Gläubiger, den Widerspruch durch Erhebung einer Feststellungsklage zu verfolgen (§ 179 Abs. 2 InsO). Das gilt selbstverständlich nur, wenn der Titel auch vorgelegt wurde und zwar spätestens im Prüfungstermin (bzw. bei Prüfung im schriftlichen Verfahren: spätestens bei Ablauf der Widerspruchsfrist). Die Vorlage einer Kopie des Titels reicht aus. Haben Sie übersehen, den Titel vorzulegen, wird Ihre Forderung grundsätzlich als nicht titulierte behandelt. Eine Frist, innerhalb derer der Insolvenzverwalter oder ein widersprechender Gläubiger die Feststellungsklage zu erheben hat, existiert nicht. Solange nicht die negative Feststellung des Bestands der Forderung erstritten wurde, muss die Forderung, soweit der Titel auch vorgelegt wurde, wie eine festgestellte Forderung bei den Verteilungen behandelt werden. Das bedeutet, dass Sie etwa bei einer Abschlagszahlung oder der Schlussverteilung mit der Quote berücksichtigt werden, obwohl Ihre Forderung in der Insolvenztabelle mit einem Widerspruch vermerkt ist. Etwas anderes gilt nur, wenn der Bestreitende vor der Verteilung nachweist, dass er nun Feststellungsklage erhoben hat; dann wird der betreffende Anteil bis zum Ausgang des Feststellungsklage zurückbehalten. Verfolgt der Bestreitende den Widerspruch nicht können Sie auch selbst Feststellungsklage gegen den Bestreitenden erheben oder einen über die Forderung anhängigen Prozess gegen den Bestreitenden aufnehmen.
Nein. Der Bericht wird erst im Berichtstermin erstattet. Zwar wird eine Zusammenfassung des Berichts in der Regel einige Tage vor dem Berichtstermin an das Insolvenzgericht zu dessen Vorbereitung und zur Wahrnehmung dessen Aufsicht übersandt, eine Übersendung an Dritte vor dem Berichtstermin halten wir jedoch nicht für statthaft. Gerne senden wir Ihnen den schriftlichen Bericht nach dem Berichtstermin auf Anforderung zu.
Was ist ein “Schutzschirmverfahren” und wie kann ich es beantragen?
Das ”Schutzschirmverfahren” wurde zum 01.03.2012 neu eingeführt. Die Regelungen hierzu finden sich insbesondere in § 270 b InsO. Das Verfahren bietet Schuldnerunternehmen, die noch nicht zahlungsunfähig (sondern nur drohend zahlungsunfähig oder überschuldet) sind, die Möglichkeit in einem maximal drei Monate dauernden Zeitraum einen Sanierungs-Insolvenzplan aufzustellen. In dieser Zeit kann das Unternehmen durch bestimmte gerichtlich angeordnete Sicherungsmaßnahmen im Interesse einer künftigen Sanierung geschützt werden. Zudem wird kein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt, sondern ein vorläufiger Sachwalter mit deutlich geringeren Befugnissen. Aus unserer Sicht sollte die Einleitung eines Schutzschirmverfahrens stets gut vorbereitet und von einer spezialisierten Wirtschaftskanzlei mit profunden insolvenzrechtlichen Kenntnissen eng begleitet werden, da dem Schuldnerunternehmen in vielen Bereichen die Aufgaben eines Insolvenzverwalters zukommen. Wir haben uns entschieden, diese Beratungsleistungen selbst nicht anzubieten, stehen jedoch in geeigneten Verfahren gerne als Sachwalter zur Verfügung.
Gegen mich/mein Unternehmen wurde Insolvenzantrag gestellt. Die Forderung ist unberechtigt. Was mache ich?
Sie werden vom Insolvenzgericht zu jedem Insolvenzantrag angehört. Legen Sie gegenüber dem Gericht (möglichst mit geeigneten Nachweisen) dar, weshalb Sie die betreffende Forderung für unberechtigt erachten. Bestellt das Gericht einen Gutachter oder einen vorläufigen Insolvenzverwalter kooperieren Sie und erläutern Sie Ihre Rechtsansicht. Das Gericht prüft vor seiner Entscheidung über den Insolvenzantrag eingehend, ob ein Insolvenzgrund tatsächlich vorliegt.
Ich will mit dem Antrag stellenden Gläubiger Ratenzahlung vereinbaren. Kann das Insolvenzverfahren “ruhen”?
Das Insolvenzverfahren ist ein Amts- und Eilverfahren. Ein “Ruhen” des Verfahrens – ähnlich wie bei Zivilprozessen – kennt die Insolvenzordnung nicht, auch nicht mit dem Einverständnis des Antrag stellenden Gläubigers. Solange ein Insolvenzantrag anhängig ist, muss das Gericht Sicherungsmaßnahmen prüfen und – sobald feststeht, ob ein Insolvenzgrund vorliegt – über den Antrag entscheiden.