Source: http://regelwerke.vbg.de/vbg_dguvi/di208-002/di208-002_0_.html
Timestamp: 2020-01-19 06:10:38
Document Index: 260426218

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Sitz-Kassenarbeitsplätze
DGUV Information 208-002 (bisher BGI 532-1)
Stand: Oktober 2015 (02/17)
In diesem Merkblatt wird auf die ergonomischen und sicherheitstechnischen Anforderungen eingegangen, denen Kassentische für einen Sitz- und Sitz-/Stehkassenarbeitsplatz mit und ohne Vorlaufband genügen müssen. Es enthält Informationen darüber, wie Kassenarbeitsplätze gestaltet werden sollen, um unnötige Belastungen des Kassenpersonals zu vermeiden.
Der Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) hat eine Handlungsanleitung zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen an Kassenarbeitsplätzen (LV 20) entwickelt. Diese Handlungsanleitung stellt nicht nur eine Arbeitsgrundlage für Aufsichtspersonen dar, sondern Arbeitgeber, Arbeitsgestalter und Hersteller können darauf ebenfalls zurückgreifen, um Kassenarbeitsplätze zu beschaffen, einzurichten oder zu beurteilen. Die Handlungsanleitung kann im Internet unter der Adresse: http://lasi-info.com im Menü „Publikationen“ bestellt bzw. der Text heruntergeladen werden. Die Anforderungen aus dieser Handlungsanleitung wurden in diesem Merkblatt berücksichtigt.
Die erforderlichen Stuhlbewegungen, der ungehinderte Ein- und Ausstieg sowie ein Wechsel der Körperhaltung während der Arbeit müssen möglich sein. Zum Hinsetzen wird eine Fläche von 900 x 640 mm2 benötigt. Kann das Stuhluntergestell unter überbaute Flächen geschoben werden, reicht eine Fläche von 800 x 600 mm2 aus.
um stehen zu können (600 x 600 mm2 Mindestfläche),
Das Kassenpersonal soll gegen Anstoßen, z. B. Anfahren durch Einkaufswagen, geschützt sein. Dies kann durch eine bis in Arbeitsplattenhöhe geschlossene Kassenbox erfolgen. Zum Gang offene Kassentische bieten keinen Schutz. Zusätzliche psychische Belastungen können entstehen, wenn Kunden in die Kassenbox treten oder greifen können. Durch eine Tür wird der Anreiz zu unerlaubten Griffen in die Ladenkasse gesenkt.
Kassentische müssen Einrichtungen haben, mit denen sie allpolig vom elektrischen Netz getrennt werden können. Diese Einrichtungen müssen gegen unbefugtes oder irrtümliches Einschalten gesichert werden können. Den Anforderungen genügen z. B. Hauptschalter nach DIN EN 60204. Es können auch Steckverbindungen verwendet werden, soweit sie für das In- und Außerbetriebsetzen geeignet sind.
Die Notbefehlseinrichtung, ausgeführt z. B. als Druckknopf oder Drehgriff, muss auffällig rot gekennzeichnet sein, damit sie gut sichtbar ist.
Höhe der Arbeitsfläche – bei Sitzkassenarbeitsplätzen
– bei Sitz-/Stehkassenarbeitsplätzen
Nicht höhenverstellbare Arbeitsflächen sollen eine Höhe (W) von 960 mm haben. Arbeitshöhen zwischen 950 mm und 1060 mm können toleriert werden, wenn hierdurch eine günstigere Arbeitshaltung eingenommen werden kann (Bild 5).
Höhenverstellbare Arbeitsflächen sollen zwischen 1225 mm und 960 mm einstellbar sein. Werden hauptsächlich größere oder schwerere Objekte gehandhabt, ist die Arbeitsflächenhöhe je nach Artikelgröße zu verringern. Üblicherweise erfolgen Absenkungen zwischen 100 mm und 300 mm.
Die seitliche Begrenzung ist bestimmt durch einen Winkel zwischen den Armen von 60° (Bild 6).
eine Breite (B2) von 1300 mm.
An Steharbeitsplätzen sind größere Arbeitsbereiche möglich als an Sitzarbeitsplätzen. An kombinierten Sitz/Stehkassenarbeitsplätzen sind jedoch nur die kleineren Abmessungen des Arbeitsbereichs für das Sitzen heranzuziehen.
Besonders häufige Tätigkeiten (Frequenz > 10/min) sind im bevorzugten Arbeitsbereich auszuführen. Der bevorzugte Arbeitsbereich hat eine Tiefe (C1) von 450 mm ab Arbeitsflächenvorderkante (bei Vorbeugen bis 20°).
Andere Tätigkeiten (Frequenz < 10/min) können im maximalen Arbeitsbereich ausgeführt werden. Der maximale Arbeitsbereich hat eine Tiefe (C2) von 570 mm. Diese Werte gelten für eine Arbeitsflächenhöhe von 960 mm.
Bei Kassenarbeitsplätzen kann von diesem Maß abgewichen werden, wenn die Anordnung der Arbeitsmittel dies erforderlich macht, z. B. Geldlade im Greifraum. In diesem Fall kann die Beinraumhöhe (A) bis auf 650 mm reduziert werden.
Ist zum Einnehmen der Arbeitshaltung eine Drehbewegung mit dem Arbeitsstuhl erforderlich, muss eine Beinraumbreite von mindestens 1094 mm zur Verfügung stehen. Die Beinraumtiefe (D) im Fußbereich beträgt 882 mm. Für das Registrieren und Kassieren ist eine Beinraumtiefe von 600 mm ausreichend, sofern für die hintere Sitzhaltung die gesamte Tiefe der Kassenbox genutzt werden kann. Die Beinraumtiefe in Kniehöhe muss mindestens 547 mm ab Arbeitsplattenkante betragen (Bild 8 + 9).
Warenabfluss
Die Warenhandhabung soll im bevorzugten Arbeitsbereich enden. Es muss ein zügiger Warenablauf gewährleistet sein. Die Ware soll im bevorzugten Arbeitsbereich losgelassen werden können und dann vom Kunden auf der Staufläche abgenommen werden, selbsttätig in die Warenbox rutschen oder durch ein Förderband abtransportiert werden. Der Warenabfluss soll so erfolgen, dass das Kassenpersonal empfindliche Ware nicht besonders schützen muss, da das Hineinheben der Ware in Warenboxen zum Verdrehen und Beugen führt.
Der Warenablauf ist so zu gestalten, dass keine Hebearbeit durch das Kassenpersonal nötig ist.
Weichen zum Teilen von Warenboxen sollen innerhalb des maximalen Arbeitsbereichs zu verstellen sein. Bei Warenboxen, in die die Ware mit einem Ablaufband transportiert wird, sind Gefährdungen durch Einziehen zwischen Ablaufband und Weiche zu vermeiden.
Auflaufstellen der Fördergurte und Einzugstellen am Bandförderer
Die Auflaufstellen und Einzugstellen der Fördergurte sowie Kettenräder müssen gesichert sein.
Die Auflaufstellen der Fördergurte auf Umlenk- und Spannrollen lassen sich gegen Hineingreifen durch Füllstücke oder durch die Kassentischverkleidung sichern.
Einzugstellen an der Einlaufstelle der Bandförderer im Bereich der Warenrutsche können z. B. durch Bleche (Klappen) gesichert werden, die lose eingelegt sind und leicht nach oben ausweichen können oder durch schmalere Klappen, die beim Anheben den Bandantrieb abschalten.
Wie Unfälle zeigen, lässt sich die Einzugsgefahr nicht dadurch beseitigen, dass die starre Kante der Warenrutsche dicht an den Gurt des Bandförderers herangeführt wird.
Aus einem Unfallbericht: Obwohl die Kante der Warenrutsche einen sehr kleinen Abstand zum Fördergurt hatte, wurde die Haut des Unterarms eingezogen. Beim Versuch, den Unterarm ruckartig aus der Einlaufstelle herauszuziehen, brach sich die Kassiererin den Unterarmknochen an.
Einzugsgefahr besteht auch zwischen dem Fördergurt des Bandförderers und festen Rahmenteilen oder der Verkleidung des Kassentisches.
Diese Gefahrstellen können durch Ergänzung der Kassentischverkleidung verdeckt werden.
Hilfsmittel zur Kontrolle der Einkaufswagen
Die Einsicht in Einkaufswagen ist so zu organisieren, dass die übliche Arbeitshaltung beim Kontrollieren nicht wesentlich verändert werden muss (Bild 11).
Dies kann z. B. durch Spiegel, Kamerasysteme, Glaselemente im Kassentisch, Abstand des Einkaufswagens zur Kassenbox beim Vorbeischieben, Einkaufswagengestaltung (Höhe der Ladefläche) erfolgen.
Das regelmäßige Verlassen der Sitzposition für diese Kontrollarbeit stellt keine ergonomisch sinnvolle Maßnahme gegen ständiges Sitzen dar.
Bild 11: Platzbedarf zum Aufstehen für Sichtkontrollen
Einrichtungen für bargeldloses Zahlen können bis zum maximalen Arbeitsbereich angeordnet werden.
Überfallmeldeanlagen sollten unauffällig, d. h. ohne Haltungswechsel betätigt werden können.
Werden Kassenrohrpostsysteme eingesetzt, ist die Beschickungsöffnung im Arbeitsbereich anzuordnen.
Die Beschäftigten am Kassenarbeitsplatz sind vor Zugluft zu schützen. Die Luftgeschwindigkeit am Kassenarbeitsplatz soll < 0,15 m/s sein. Sie darf bei Raumtemperaturen bis zu 20 °C 0,2 m/s nicht überschreiten. Dies ist bei der Auswahl des Aufstellungsortes des Kassenarbeitsplatzes zu beachten. Wo möglich und erforderlich, sind Schleusen im Bereich der Eingangszone anzubringen.
Die Raumtemperatur am Kassenarbeitsplatz muss mindestens 19 °C betragen. Zusatzheizungen für den Kassenarbeitsplatz müssen vom Kassenpersonal reguliert werden können. Zusatzheizungen werden insbesondere erforderlich, wenn die Raumtemperatur in der Verkaufsstätte nach der körperlichen Beanspruchung der Arbeitnehmer beim Ein- und Ausräumen der Regale festgelegt wurde.
Der Schallpegel am Kassenarbeitsplatz ist so niedrig wie möglich zu halten. Bewährt hat sich ein maximaler Lärmexpositionspegel von 70 dB(A). Bei einem Störgeräusch von 68 dB(A) ist z. B. eine ausreichende Sprachverständigung beim Sprechen mit erhobener Stimme nur noch bei einem Abstand von höchstens 85 cm zwischen Bedienungspersonal und Kunden gegeben.
Kassentische mit Bandförderer fallen in den Geltungsbereich der Maschinen-Verordnung (Verordnung zum Gerätesicherheitsgesetz). Dementsprechend gehört neben der CE-Kennzeichnung eine Bedienungsanleitung zum Lieferumfang dieser Kassentische. Für die übrigen Kassentische sollte darauf bestanden werden, dass eine Betriebsanleitung der Lieferung von Kassentischen beigefügt ist.
Kassentische, die mit einem GS-Zeichen versehen sind, wurden von einer unabhängigen Prüfstelle auf Arbeitssicherheit geprüft und erfüllen auch die Handlungsanleitung zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen an Kassenarbeitsplätzen (siehe Titelbild).
Instandhaltung von Kassentischen
Instandhaltungsmaßnahmen (Inspektion, Wartung, Instandsetzung) hat der Arbeitgeber anhand der Gebrauchsanleitungen und seiner Gefährdungsbeurteilung zu planen und durchzuführen oder durchführen zu lassen.
Der Arbeitgeber hat die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen, dass den Beschäftigten angemessene Informationen für die bei der Arbeit benutzten Arbeitsmittel zur Verfügung stehen. Die Informationen müssen mindestens Angaben über die Einsatzbedingungen, über absehbare Betriebsstörungen und über die bezüglich der Benutzung der Arbeitsmittel vorliegenden Erfahrungen enthalten. Da der Kassenarbeitsplatz aus verschiedenen Arbeitsmitteln zusammengestellt wird, ist es sinnvoll, die nötigen Informationen in einer Betriebsanweisung zusammenzustellen. Die Betriebsanweisung sollte alle regelmäßigen Tätigkeiten regeln. Hierzu gehören auch das Kontrollieren und Reinigen der Arbeitsmittel.
Training des Kassenpersonals
Die Funktion der Arbeitsmittel ist im Rahmen einer Schulungsmaßnahme zu erläutern und zu trainieren. Ebenso sollen Hinweise gegeben werden, wie das individuelle Einstellen der Arbeitsmittel schnell bei Personalwechsel und Kundenandrang durchgeführt werden kann.
Der Arbeitgeber hat die Tätigkeit so zu organisieren, dass die tägliche Arbeit am Kassenarbeitsplatz regelmäßig durch andere Tätigkeiten oder durch zusätzliche Pausen unterbrochen wird. Medizinische Untersuchungen an Kassenarbeitsplätzen (auch mit Scannern) ergaben, dass ein regelmäßiger Wechsel zwischen verschiedenen Tätigkeiten und eine zeitliche Begrenzung der Tätigkeitsabschnitte erforderlich sind. Tätigkeitsabschnitte mit einer mittleren Dauer von 90 bis 100 Minuten erwiesen sich als ergonomisch vertretbar, um einseitige körperliche Überlastungen zu vermeiden.
Schutzmaßnahmen gegen Raubüberfälle
Es sind geeignete bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen zu treffen um:
den Anreiz für einen Raubüberfall möglichst niedrig zu halten bzw. die Durchführung zu erschweren,
die Gefährdung des Kassenpersonals so gering wie möglich zu halten,
während bzw. nach einem Raubüberfall schnellstmöglich eine Alarmierung auslösen und Erste-Hilfe leisten zu können.
Hierzu stellt die BGHW ihren Mitgliedsunternehmen kostenlose Medien wie Broschüren, Merkblätter, Checklisten und Videos zur Verfügung.
Geldabwurfbehälter
Zur Verringerung des Überfallrisikos wird empfohlen, Geldabwurfbehälter in der Nähe der Kassenlade anzuordnen, um Geldbeträge, die in der Kasse nicht benötigt werden, einem direkten Zugriff zu entziehen. Der Schlüssel sollte nicht am Kassenarbeitsplatz aufbewahrt werden.
Kassensysteme bestehen im Wesentlichen aus einem Banknotenwechsler, der von den Beschäftigten bedient wird, einem Münzwechsler, in den der Kunde seine Münzen selbst einwirft und Wechselgeld herausbekommt, sowie aus der Software zur Kontrolle der Bargeldbestände, die in das Kassenabrechnungssystem vor Ort integriert wird. Die Preise der Waren werden wie bisher erfasst. Der Kunde kann Münzen bis zur gewünschten Höhe selbst einwerfen. Geldscheine werden von der Kassiererin oder dem Kassierer eingelegt. Der gezahlte Geldbetrag wird sofort berechnet, und der Kunde erhält automatisch sein Wechselgeld.
Das Bargeld ist für Unbefugte unzugänglich. Hierdurch wird das Risiko von Raubüberfällen erheblich gemindert. Darüber hinaus bietet dieses System dem Betreiber weitere interessante Vorteile:
es wird korrektes Wechselgeld ausgegeben,
Kassenfehlbestände werden vermieden,
die Kassenabrechnung erfolgt automatisch und schnell, wodurch das Kassenpersonal flexibler eingesetzt werden kann (Rotation),
die Arbeitsbedingungen für das Kassenpersonal werden verbessert (erhöhte Sicherheit, Entlastung beim Kundenkontakt, geringeres Risiko von Hauterkrankungen bei Nickelallergien),
ein schnellerer und freundlicher Kassenservice durch die Entlastung des Kassenpersonals wird ermöglicht.
Das System übermittelt automatisch wichtige Informationen über den Geldumlauf im Geschäft, was jederzeit einen genauen Überblick über die Bargeldlogistik ermöglicht.
Rechtsquellen und Schriften
Technische Regel für Arbeitsstätten „Beleuchtung“ (ASR A3.4)
Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (DGUV Vorschrift 1)*
Unfallverhütungsvorschrift „Laserstrahlung“ (DGUV Vorschrift 11)*
DIN EN 894-1 „Sicherheit von Maschinen; Ergonomische Anforderungen an die Gestaltung von Stellteilen“
DIN EN 60204 „Sicherheit von Maschinen; Elektrische Ausrüstung von Maschinen“
DIN EN 1335-2 u. -3 „Büromöbel; Büro-Arbeitsstuhl – Teil 2 und Teil 3“
DIN 68877 „Arbeitsdrehstuhl“
Umgang mit Zahlungsmitteln in Verkaufsstellen (Bestell-Nr. 108-001, bisher BGR/GUV-R 141)*
BGHW-Kompakt „Prävention und Nachsorge von Raubüberfällen“ (Bestell-Nr. M 3)*
BGHW-Kompakt „Sitzen im Büro“ (Bestell-Nr. M 82)*
BGHW-Kompakt „Steh-Kassenarbeitsplätze“ (Bestell-Nr. M 87)*
BGHW-Kompakt „Arbeiten mit Bildschirmgeräten“ (Bestell-Nr. M 102)*
Unterweisungsfilm „Fit und Klasse an der Kasse“ (Bestell-Nr. DVD 5)*
Faltblatt „Erstbetreuung und Psychologische Soforthilfe – Die BGHW hilft nach einem Überfall“ (Bestell-Nr. F 5)*
Diese Schriften bietet die BGHW ihren Mitgliedsbetrieben kostenlos an.