Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Tarifvertrag_LAG-Saarland-BB_2Sa78-07.html
Timestamp: 2017-08-21 11:51:18
Document Index: 253015567

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 35', '§ 2', '§ 3', '§ 12', '§ 15', '§ 2', '§ 3', '§ 12', '§ 2', '§ 37', '§ 13', '§ 38', '§ 13', '§ 2', '§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 2', '§ 4', '§ 2', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§256', '§ 256', '§ 256', '§ 2', '§ 256', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 35', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 38', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'BGH', 'BGH', '§ 613', '§ 613', '§ 39', '§ 624', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 139', '§ 140', '§ 4', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 5', '§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 33', '§ 97', '§ 72']

Akten­zeichen: 2 Sa 78/07
Ent­scheid­ungs­datum: 09.01.2008
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Neunkirchen, Urteil vom 15.03.2007, 2 Ca 1384/06
- 2 Sa 78/07-
(2 Ca 1384/06 ArbG Neun­kir­chen)
am 9. Ja­nu­ar 2008
gez. Cha­rous­set
Jus­tiz­beschäftig­te als
LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT SAAR­LAND
der H. KG E., ver­tre­ten durch die persönlich haf­ten­de Ge­sell­schaf­te­rin,
hat die Zwei­te Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Saar­land auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 9. Ja­nu­ar 2008 durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts Dier, den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Cull­mann und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Fel­lin­ger
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das am 15. März 2007 verkünde­te Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Neun­kir­chen (2 Ca 1384/06) wird zurück­ge­wie­sen.
Der Kläger ist seit 1990 bei der Be­klag­ten als Me­tall­ar­bei­ter beschäftigt. Auf das Ar­beits­verhält­nis fan­den auf­grund bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­bin­dung die Ta­rif­verträge für die Ar­bei­ter und An­ge­stell­ten in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des An­wen­dung. Der Ge­mein­sa­me Man­tel­ta­rif­ver­trag für Ar­bei­ter und An­ge­stell­te in der wei­ter­ver­ar­bei­ten­den Ei­sen-, Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des vom 13. März 1987 in der Fas­sung vom 5. De­zem­ber 1997, den die IG Me­tall mit dem Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des ab­ge­schlos­sen hat, enthält hin­sicht­lich der Ar­beits­zeit in § 2 Ab­satz 1 un­ter der Über­schrift Re­gelmäßige Ar­beits­zeit un­ter an­de­rem fol­gen­de Re­ge­lung:
1. Die ta­rif­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit oh­ne Pau­sen beträgt 35 St­un­den.
Die ver­ein­bar­te verlänger­te Ar­beits­zeit kann auf Wunsch des Beschäftig­ten oder des Ar­beit­ge­bers mit ei­ner Ankündi­gungs­frist von 3 Mo­na­ten geändert
wer­den, es sei denn, sie wird ein­ver­nehm­lich früher geändert. Das Ar­beits­ent­gelt wird ent­spre­chend an­ge­passt.
Un­ter der Über­schrift In­kraft­tre­ten und Kündi­gung heißt es in § 35 des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges:
2. Mit Aus­nah­me des § 2 Ziff. 1 und 7, § 3, § 12, §§ 15 bis 22 ist die­ser Ta­rif­ver­trag erst­mals zum 31. De­zem­ber 2000 mit ei­ner Frist von 1 Mo­nat zum Mo­nats­en­de künd­bar.
3. Der § 2 Ziff. 1 und 7 so­wie der § 3 sind mit ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat zum Mo­nats­en­de, erst­mals
zum 30. April 2003, künd­bar. Ei­ne Kündi­gung die­ser Be­stim­mun­gen hat die zeit­glei­che Be­en­di­gung des
Ta­rif­ver­tra­ges zur Beschäfti­gungs­brücke vom 31. März 2000 zur Fol­ge.
4. Die §§ 12, 15 bis 22 können mit drei­mo­na­ti­ger Frist, erst­mals zum 31. De­zem­ber 2001, gekündigt
Mit Wir­kung zum 25. Sep­tem­ber 2004 ist die Be­klag­te aus dem Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des aus­ge­tre­ten.
Am 10. Fe­bru­ar 2005 ha­ben die Par­tei­en ei­ne Ände­rungs­ver­ein­ba­rung zum Ar­beits­ver­trag ge­trof­fen.
Die­se Ver­ein­ba­rung (Blatt 5 und 6 der Ak­ten) hat fol­gen­den Wort­laut:
Bei­de Par­tei­en ver­ein­ba­ren die­se Ände­rung zum Ein­zel­ar­beits­ver­trag zur Si­che­rung von Ar­beitsplätzen durch Erhöhung der Wo­chen­ar­beits­zeit bei der H. KG E.
Ab­wei­chend von den bis­her ver­trag­lich bzw. ta­rif­ver­trag­lich be­gründe­ten Re­ge­lun­gen der nach­fol­gend auf­geführ­ten Punk­te wer­den fol­gen­de Ände­run­gen ver­ein­bart:
Bei Ar­beits­verhält­nis­sen mit ei­ner 35-St­un­den­wo­che steigt die wöchent­li­che Ar­beits­zeit ab dem 01.04.2005 von 35 auf 36 Wo­chen­ar­beits­stun­den oh­ne Lohn­aus­gleich. Ab dem 01.01.2006 steigt die wöchent­li­che Ar­beits­zeit je­des Jahr um ei­ne [1] Wo­chen­ar­beits­stun­de oh­ne Lohn­aus­gleich, bis am 01.01.2007 ei­ne Wo­chen­ar­beits­zeit von 38 St­un­den er­reicht
Von 01.04.2005 bis 31.12.2005 36 Wo­chen­ar­beits­stun­den, von 01.01.2006 bis 31.12.2006 37 Wo­chen­ar­beits­stun­den,
ab 01.01.2007 38 Wo­chen­ar­beits­stun­den.
Während der Lauf­zeit die­ser Ände­rungs­ver­ein­ba­rung er­fol­gen Erhöhun­gen des Ent­gelts in glei­cher pro­zen­tua­ler Höhe wie die Erhöhun­gen im Ta­rif­ge­biet der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des und wer­den oh­ne An­rech­nung even­tu­el­ler über­ta­rif­li­cher Zu­la­gen aus­ge­zahlt.
Der Ar­beit­ge­ber gewährt im Ge­gen­zug für die Lauf­zeit der ein­zel­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung Schutz vor be­triebs­be­ding­ter Kündi­gung.
Die Ver­ein­ba­rung hat ei­ne Min­dest­lauf­zeit von zwei [2] Jah­ren und kann nach Ab­lauf der Min­dest­lauf­zeit mit ei­ner Kündi­gungs­frist von sechs [6] Mo­na­ten zum Quar­tals­en­de mit­tels Teilkündi­gung des Ar­beits­ver­tra­ges von bei­den Par­tei­en gekündigt wer­den, oh­ne dass hier­von die sons­ti­gen Ver­trags­be­din­gun­gen be­trof­fen sind. Ent­spre­chend der Min­dest­lauf­zeit der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung und der ein­zu­hal­ten­den Kündi­gungs­frist beträgt die­ser Kündi­gungs­schutz dann min­des­tens zwei­ein­halb [2,5] Jah­re. Erst hier­an kann sich die Kündi­gungs­frist des ei­gent­li­chen Ar­beits­verhält­nis­ses an­sch­ließen.
Im Fal­le der Kündi­gung die­ser Ver­ein­ba­rung tre­ten die vor Ab­schluss die­ser Ver­ein­ba­rung gel­ten­den ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen un­ter Berück­sich­ti­gung der je­weils während der Lauf­zeit die­ser Re­ge­lun­gen ver­ein­bar­ten Erhöhun­gen des Ent­gelts in Kraft.
Im Fal­le des Ab­schlus­ses ei­nes Haus­ta­rif­ver­tra­ges bei der H. KG E. steht dem Mit­ar­bei­ter und dem Ar­beit­ge­ber ein Son­derkündi­gungs­recht zu. Durch die Son­derkündi­gung ver­liert die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung ih­re Wir­kung und die ent­spre­chen­den Re­ge­lun­gen des Haus­ta­rif­ver­tra­ges er­hal­ten Gültig­keit.
Während der Lauf­zeit die­ser Ver­ein­ba­rung können wei­te­re Ver­hand­lun­gen auf­ge­nom­men wer­den, die ei­ne Erhöhung der Wo­chen­ar­beits­zeit um wei­te­re zwei [2] St­un­den mit Lohn­aus­gleich auf 40 St­un­den zum Ge­gen­stand ha­ben.
Die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch den ein­zel­nen Mit­ar­bei­ter bleibt von die­ser Ver­ein­ba­rung un­berührt. Die Kündi­gungs­frist ent­spricht den bis­her gel­ten­den ver­ein­bar­ten Kündi­gungs­fris­ten.
Es gel­ten im Übri­gen die bis­her an­zu­wen­den­den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen für das Ar­beits­verhält­nis fort, die von den oben ge­nann­ten Re­ge­lun­gen nicht berührt wer­den. Ins­be­son­de­re blei­ben die zum Zeit­punkt des Aus­tritts des Ar­beit­ge­bers aus dem ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber­ver­band gel­ten­den ta­rif­li­chen Leis­tun­gen, wie zum Bei­spiel Ur­laubs-und Weih­nachts­geld, er­hal­ten.
Soll­ten Be­stim­mun­gen die­ses Ver­tra­ges oder ei­ne künf­ti­ge in ihn auf­ge­nom­me­nen Be­stim­mung ganz oder teil­wei­se nicht rechts­wirk­sam oder nicht durchführ­bar sein oder ih­re Rechts­wirk­sam­keit oder Durchführ­bar­keit später ver­lie­ren, so soll hier­durch die Gültig­keit der übri­gen Be­stim­mun­gen des Ver­tra­ges nicht berührt wer­den. Das glei­che gilt, so­weit sich her­aus­stel­len soll­te, dass der Ver­trag ei­ne Re­ge­lungslücke enthält. An­stel­le der un­wirk­sa­men oder un­durchführ­ba­ren Be­stim­mun­gen oder zur Auffüllung der Lücke soll ei­ne an­ge­mes­se­ne Re­ge­lung gel­ten, die, so­weit recht­lich möglich, dem am nächs­ten kommt, was die Par­tei­en ge­wollt ha­ben oder nach dem Sinn und Zweck des Ver­tra­ges ge­wollt hätten, so­fern sie bei Ab­schluss die­ses Ver­tra­ges oder bei der späte­ren Auf­nah­me ei­ner Be­stim­mung den Punkt be­dacht hätten.
Am 20. Ju­li 2005 ha­ben die IG Me­tall und der Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des ei­nen neu­en Man­tel­ta­rif­ver­trag ge­schlos­sen. § 2 Zif­fer 1 die­ses Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges lau­tet:
"1. Die ta­rif­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit oh­ne Pau­sen beträgt 35 St­un­den.
Soll für ein­zel­ne Beschäftig­te die in­di­vi­du­el­le re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit auf bis zu 40 St­un­den verlängert wer­den, be­darf dies der Zu­stim­mung des Beschäftig­ten
Leh­nen Beschäftig­te die Verlänge­rung ih­rer in­di­vi­du­el­len re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit ab, so darf ih­nen dar­aus kein Nach­teil ent­ste­hen
Die ver­ein­bar­te verlänger­te Ar­beits­zeit kann auf Wunsch des Beschäftig­ten oder des Ar­beit­ge­bers mit ei­ner Ankündi­gungs­frist von drei Mo­na­ten geändert wer­den, es sei denn, sie wird ein­ver­nehm­lich früher geändert. Das Ar­beits­ent­gelt wird ent­spre­chend an­ge­passt.
Die §§ 37 und 38 des neu­en Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges ha­ben fol­gen­den Wort­laut:
In­kraft­tre­ten und Kündi­gung
Einführung im Be­trieb
Mit der Einführung die­ses Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges im Be­trieb ver­liert der Ge­mein­sa­me Man­tel­ta­rif­ver­trag für Ar­bei­ter und An­ge­stell­te in der Ei­sen-, Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des vom 13. März 1987 in sei­ner je­weils gel­ten­den Fas­sung sei­ne Wir­kung
Vor­ge­nann­ter Ta­rif­ver­trag tritt spätes­tens mit Ab­lauf des 31. De­zem­bers 2008 - im Fall des § 13 Abs. 4 des Ent­gelt­rah­men­ab­kom­mens mit Ab­lauf des 31. De­zem­bers 2009 - außer Kraft.
In dem in § 38 des neu­en Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges in Be­zug ge­nom­me­nen § 13 des Ent­gelt­rah­men­ab­kom­mens heißt es:
Ab dem be­trieb­li­chen Einführungs­stich­tag gilt das neue Ent­gelt­rah­men­ab­kom­men mit un­mit­tel­ba­rer und zwin­gen­der Wir­kung.
Außer dem Kläger ha­ben 93 Pro­zent der Ar­bei­ter der Be­klag­ten und al­le An­ge­stell­ten ei­ne Ver­ein­ba­rung un­ter­zeich­net, die der­je­ni­gen ent­spricht, die auch der Kläger am 10. Fe­bru­ar 2005 un­ter­schrie­ben hat. Der Kläger hält die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung für un­wirk­sam, so­weit da­von die zu leis­ten­de Ar­beits­zeit be­trof­fen ist. Die Ver­ein­ba­rung wi­der­spre­che, so führt der Kläger aus, der Re­ge­lung in § 2 des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges vom 13. März 1987 in der Fas­sung vom 5. De­zem­ber 1997. An die­sen Man­tel­ta­rif­ver­trag sei die Be­klag­te auch nach ih­rem Aus­tritt aus dem Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des nach § 3 Ab­satz 3 des Ta­rif­ver­trags­ge­set­zes (TVG) ge­bun­den ge­we­sen. Der Man­tel­ta­rif­ver­trag sei nicht gekündigt wor­den, er gel­te für die­je­ni­gen Ar­beit­ge­ber wei­ter, die das neue Ent­gelt­rah­men­ab­kom­men (ERA) nicht einführen. Die Be­klag­te ha­be die­ses Ent­gelt­rah­men­ab­kom­men zunächst auch nicht ein­geführt. Die geänder­te Ver­ein­ba­rung über die Ar­beits­zeit sei für ihn, so macht der Kläger wei­ter gel­tend, auch ungüns­ti­ger als die ta­rif­li­che Re­ge­lung. Sie ver­s­toße da­her ge­gen § 4 Ab­satz 3 TVG. Mit sei­ner am 25. Ok­to­ber 2006 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat der Kläger be­an­tragt fest­zu­stel­len, dass die Ände­rung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit gemäß der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 10. Fe­bru­ar 2005 rechts­un­wirk­sam ist und zwi­schen den Par­tei­en die Ar­beits­zeit nach dem Ge­mein­sa­men Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Ar­bei­ter und An­ge­stell­ten in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des An­wen­dung fin­det.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ei­ne Bin­dung an den Man­tel­ta­rif­ver­trag ha­be zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung nicht mehr be­stan­den. Die in § 3 Ab­satz 3 TVG ge­re­gel­te Nach­bin­dung
an den Ta­rif­ver­trag en­de zu dem Zeit­punkt, zu dem der Ta­rif­ver­trag in der Zeit nach dem Aus­tritt aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band - erst­mals gekündigt wer­den könne. Das gel­te un­abhängig da­von, ob der Ta­rif­ver­trag tatsächlich gekündigt wer­de. Die­ses Verständ­nis des § 3 Ab­satz 3 TVG sei ge­bo­ten, weil an­dern­falls ein Ver­s­toß ge­gen die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit vor­lie­ge. Das gel­te je­den­falls bei Man­tel­ta­rif­verträgen, die oft Jah­re und Jahr­zehn­te in Kraft sei­en, oh­ne gekündigt zu wer­den. Hier ha­be der Man­tel­ta­rif­ver­trag erst­mals zum 31. De­zem­ber 2004 gekündigt wer­den können. Ab­ge­se­hen da­von ver­s­toße die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung, so führt die Be­klag­te wei­ter aus, schon des­halb nicht ge­gen § 4 Ab­satz 3 TVG, weil der Kläger und die übri­gen Ar­beit­neh­mer, die die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung un­ter­zeich­net hätten, da­durch für die Lauf­zeit der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung ge­gen be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen geschützt und da­durch letzt­lich bes­ser ge­stellt ge­we­sen sei­en als nach der ta­rif­li­chen Re­ge­lung. Zu­dem ha­be der Kläger sein Recht, die Un­wirk­sam­keit der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung gel­tend zu ma­chen, ver­wirkt. Sie, die Be­klag­te, ha­be sich nach ein­ein­halb Jah­ren, in de­nen die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung prak­ti­ziert wor­den sei, dar­auf ein­ge­rich­tet, dass ih­re Wirk­sam­keit nicht mehr in Fra­ge ge­stellt wer­de.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Ar­beits­ge­richt hat ers­tens fest­ge­stellt, dass die Ände­rung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit gemäß der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 10. Fe­bru­ar 2005 un­wirk­sam ist. Zwei­tens hat das Ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt, dass zwi­schen den Par­tei­en die Ar­beits­zeit nach § 2 Zif­fer 1 des Ge­mein­sa­men Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges für die Ar­bei­ter und An­ge­stell­ten der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des An­wen­dung fin­det. Das Ar­beits­ge­richt hat - kurz zu­sam­men­ge­fasst - aus­geführt, der Fest­stel­lungs­an­trag sei zulässig. Auch wenn der Kläger die Möglich­keit ha­be, die zusätz­li­chen Lohn­beträge, die ihm in­fol­ge ei­ner Un­wirk­sam­keit der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung zu­ste­hen könn­ten, je­weils ein­zu­kla­gen, so be­ste­he doch zunächst ein recht­li­ches In­ter­es­se an ei­ner als­bal­di­gen Fest­stel­lung, ob die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung wirk­sam sei. Der Fest­stel­lungs­an­trag sei auch be­gründet. Die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung sei nach § 4 Ab­satz 3 TVG un­zulässig. Sie wei­che von der Re­ge­lung der Ar­beits­zeit in § 2 Ab­satz 1 des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges für die Ar­bei­ter und An­ge­stell­ten der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des ab. An den Man­tel­ta­rif­ver­trag sei die Be­klag­te zum Zeit­punkt des
Ab­schlus­ses der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung noch ge­bun­den ge­we­sen. Das er­ge­be sich aus § 3 Ab­satz 3 TVG. Zwar wer­de dis­ku­tiert, ob die Re­ge­lung ver­fas­sungs­kon­form, nämlich der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit Rech­nung tra­gend, da­hin aus­ge­legt wer­den müsse, dass die Nach­bin­dung des Ar­beit­ge­bers an den Ta­rif­ver­trag nicht un­be­grenzt be­steht, son­dern nach ei­nem be­stimm­ten Zeit­raum en­det. In Be­tracht ge­zo­gen würden da­bei Zeiträume von ei­nem hal­ben Jahr, zwei Jah­ren oder auch fünf Jah­ren. Ver­tre­ten wer­de aber auch, dass die Nach­bin­dung zu dem Zeit­punkt en­de, zu dem der Ta­rif­ver­trag erst­mals gekündigt wer­den könne. Je­den­falls der zu­letzt ge­nann­ten Auf­fas­sung könne nicht ge­folgt wer­den. Auf die übri­gen dis­ku­tier­ten Zeiträume kom­me es nicht an, weil die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung, um die es hier ge­he, be­reits fünf Mo­na­te nach dem Aus­tritt der Be­klag­ten aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band ge­trof­fen wor­den sei. Zu die­sem Zeit­punkt ha­be die Nach­bin­dung je­den­falls noch be­stan­den. Die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung stel­le den Kläger auch nicht bes­ser als die ta­rif­li­che Re­ge­lung. Aus ihr fol­ge ei­ne höhe­re Wo­chen­ar­beits­zeit oh­ne Lohn­aus­gleich. Die da­durch be­wirk­te Lohn­ein­buße wer­de nicht durch die wei­te­re in der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung ent­hal­te­ne Re­ge­lung, wo­nach die ta­rif­li­chen Loh­nerhöhun­gen wei­ter­zu­ge­ben sei­en, kom­pen­siert. Der Ge­sichts­punkt der Si­che­rung des Ar­beits­plat­zes durch den Aus­schluss ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung sei im Rah­men des nach § 4 Ab­satz 3 TVG an­zu­stel­len­den Güns­tig­keits­ver­gleichs nicht zu berück­sich­ti­gen. Ei­ne Ver­wir­kung der ta­rif­li­chen Rech­te des Klägers sei nach § 4 Ab­satz 2 Satz 2 TVG aus­ge­schlos­sen. Die ta­rif­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist sei in dem vor­lie­gen­den Rechts­streit nicht von Be­deu­tung, weil es hier um die Fest­stel­lung ei­nes Rechts­verhält­nis­ses ge­he und nicht um ei­nen An­spruch, der von der ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist er­fasst wer­de.
Da­ge­gen wen­det sich die Be­klag­te mit ih­rer Be­ru­fung. Sie ver­tritt wei­ter­hin die Auf­fas­sung, dass die Nach­bin­dung nach § 3 Ab­satz 3 TVG be­reits zu dem Zeit­punkt en­den müsse, zu dem der Ta­rif­ver­trag erst­mals hätte gekündigt wer­den können. Das sei hier zum 31. De­zem­ber 2004 möglich ge­we­sen. Ei­ne darüber hin­aus ge­hen­de Nach­bin­dung kom­me im Hin­blick auf die ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­te ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit nicht in Be­tracht. An­ders als bei der sich aus § 4 Ab­satz 5 TVG er­ge­ben­den Nach­wir­kung von Ta­rif­verträgen, die je­der­zeit außer
durch kol­lek­tiv­recht­li­che Re­ge­lun­gen auch durch ei­ne ein­zel­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer er­setzt wer­den könne, sei ei­ne sol­che ein­zel­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung während der Dau­er der Nach­bin­dung nicht möglich. Ver­kannt ha­be das Ar­beits­ge­richt schließlich auch, dass die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung für den Kläger ins­ge­samt güns­ti­ger sei als die ta­rif­li­che Re­ge­lung, und zwar we­gen des da­mit be­wirk­ten Kündi­gungs­schut­zes und we­gen der Zu­sa­ge re­gelmäßiger Loh­nerhöhun­gen.
Die Be­klag­te bean­tragt,
un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
hilfs­wei­se - für den Fall, dass die Kam­mer das Fort­be­ste­hen ei­nes recht­li­chen In­ter­es­ses an den ge­stell­ten Fest­stel­lungs­anträgen ver­nei­nen soll­te - fest­zu­stel­len, dass sich der Rechts­streit in der Haupt­sa­che hin­sicht­lich der Fest­stel­lungs­anträge er­le­digt hat.
Der Kläger hält die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts für rich­tig. Er ver­weist er­neut dar­auf, dass die Ta­rif­bin­dung nach § 3 Ab­satz 3 TVG bis zur Be­en­di­gung des Ta­rif­ver­tra­ges fort­be­ste­he. Die­se Re­ge­lung ver­s­toße nicht ge­gen die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit. Die Re­ge­lung sei durch ih­ren Zweck ge­recht­fer­tigt, der dar­in be­ste­he, zur Ab­si­che­rung des Ge­stal­tungs­auf­tra­ges der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ne Flucht aus der Ta­rif­bin­dung zu ver­hin­dern. Dass die Bin­dung an die be­ste­hen­den Ta­rif­verträge fort­be­ste­he, sei durch die frühe­re Mit­glied­schaft im Ar­beit­ge­ber­ver­band le­gi­ti­miert. Zu be­den­ken sei in die­sem Zu­sam­men­hang wei­ter, dass die Nach­bin­dung nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht erst dann en­de, wenn der Ta­rif­ver­trag gänz­lich en­de, son­dern be­reits dann, wenn er le­dig­lich geändert wer­de. Auch die Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts im Zu­sam­men­hang mit dem nach § 4 Ab­satz 3 TVG an­zu­stel­len­den Güns­tig­keits­ver­gleich sei­en zu­tref­fend.
In dem Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung vor der Kam­mer, auf den die­ses Ur­teil er­gan­gen ist, hat der Kläger dar­auf ver­wie­sen, dass er die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 10. Fe­bru­ar 2005 zwi­schen­zeit­lich - auf­grund ei­nes zwi­schen der Be­klag­ten und de­ren Be­triebs­rat zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer ver­ein­bar­ten Son­derkündi­gungs­rechts - zum 1. Mai 2007 gekündigt ha­be. In dem­sel­ben Ter­min ha­ben die Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Par­tei­en übe­rein­stim­mend erklärt, dass für die Zeit ab dem 1. Ok­to­ber 2007 ein Ergänzungs­ta­rif­ver­trag als Fir­men­ta­rif­ver­trag ge­schlos­sen wor­den sei. Die­ser am 23. No­vem­ber 2007 von der Be­klag­ten mit der IG Me­tall ge­schlos­se­ne Ergänzungs­ta­rif­ver­trag (Blatt 89 bis 91 der Ak­ten), der von der Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers in dem Ter­min zu den Ak­ten ge­reicht wur­de, hat fol­gen­den Wort­laut:
Vor­ran­gi­ges Ziel die­ser Ver­ein­ba­rung ist es, für den Stand­ort E. der Fir­ma H. KG E. Ar­beitsplätze und Ar­beits­be­din­gun­gen zu­kunftsfähig zu ge­stal­ten und nach Möglich­keit neue Ar­beitsplätze zu schaf­fen.
Dies ver­langt die nach­hal­ti­ge Ver­bes­se­rung der Wett­be­werbsfähig­keit, der In­no­va­ti­onsfähig­keit und der In­ves­ti­ti­ons­be­din­gun­gen am Stand­ort E.. Zur Un­terstützung ist für die Lauf­zeit die­ses Ergänzungs­ta­rif­ver­tra­ges ein be­son­de­rer Bei­trag der Beschäftig­ten er­for­der­lich.
Die Par­tei­en die­ses Ergänzungs­ta­rif­ver­tra­ges be­ken­nen sich zu die­sen Zie­len und ih­rer Auf­ga­be, den zu­kunftsfähi­gen Rah­men für Beschäfti­gung am Stand­ort E. zu ge­stal­ten.
Für das Werk E. der H. KG E. ver­pflich­tet sich die H. KG E. für die Lauf­zeit des Ver­tra­ges In­ves­ti­tio­nen in neue Tech­no­lo­gi­en, Pro­zes­se, Ma­schi­nen und Pro­duk­ti­ons­flächen (z.B. Pul­ver­an­la­ge) in Höhe von min­des­tens 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro im Stand­ort E. zu täti­gen.
Die­ser Ergänzungs­ta­rif­ver­trag gilt für al­le Beschäftig­ten und Aus­zu­bil­den­den* des Stand­or­tes E. der H. KG E., so­weit sie un­ter den persönli­chen Gel­tungs­be­reich der Ta­ri­fe für die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des fal­len.
* Die Be­grif­fe Mit­ar­bei­ter, Beschäftig­te und Aus­zu­bil­den­der ste­hen so­wohl für weib­li­che wie für männ­li­che Per­so­nen.
Nach­zah­lung
Die H. KG E. ver­pflich­tet sich, mit der De­zem­ber­lohn/-ge­halts­zah­lung 2007 al­le im Be­reich der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des ver­ein­bar­ten Ent­gel­terhöhun­gen aus dem Jah­re 2007 zu zah­len.
Die H. KG E. ver­pflich­tet sich, für die Lauf­zeit die­ses Ver­tra­ges In­ves­ti­tio­nen in Höhe von min­des­tens 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro am Stand­ort E. zu täti­gen.
Soll­ten bis zum 31. De­zem­ber 2009 In­ves­ti­tio­nen in Höhe der oben ge­nann­ten Sum­me nicht getätigt wor­den sein, ver-pflich­tet sich die H. KG E., al­le ge­leis­te­ten und nicht be­zahl­ten St­un­den, die auf­grund die­ser Ver­ein­ba­rung ge­leis­tet wur­den, dann mit ei­nem Mehr­ar­beits­zu­schlag von 50 % an die Beschäftig­ten zu zah­len. Da­zu sind die ge­ar­bei­te­ten und nicht be­zahl­ten St­un­den zu er­fas­sen.
Ver­bands­bin­dung
Die H. KG E. tritt rück­wir­kend zum 1. Ok­to­ber 2007 in den Ar­beit­ge­ber­ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des e.V. ein.
Aus­schluss be­triebs­be­ding­ter Kündi­gun­gen
Bis zum 31. De­zem­ber 2012 sind be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen im Werk E. der H. KG E. aus­ge­schlos­sen.
Der An­teil der Leih­ar­beit­neh­mer darf im Jah­res­durch­schnitt 9 % der Stamm­be­leg­schaft nicht über­schrei­ten. Dies gilt nicht für die Zahl der Fe­ri­en­hel­fer, die in der Ur­laubs­zeit ein­ge­setzt wer­den.
Der Ar­beit­ge­ber teilt dem Be­triebs­rat je­weils zum En­de ei­nes Ka­len­der­halb­jah­res die Zahl der Leih­ar­beit­neh­mer zur Über­prüfung mit.
Die­se Re­ge­lung gilt nicht für Aus­zu­bil­den­de.
Im Werk E. der H. KG E. wird der Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trag (ERA) zum 1. Ju­li 2008 ein­geführt.
Für al­le Beschäftig­ten, die am Ta­ge des Ab­schlus­ses die­ses Ergänzungs­ta­rif­ver­tra­ges im Werk E. beschäftigt sind, er­folgt ei­ne Re­gelüberführung nach der Ta­bel­le, die als An­la­ge 1 die­sem Ergänzungs­ta­rif­ver­trag bei­gefügt ist.
Im Fal­le ei­ner dro­hen­den In­sol­venz steht bei­den Ver­trags­part­nern ein außer­or­dent­li­ches Kündi­gungs­recht zu.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts (Blatt 33 bis 52 der Ak­ten) und auf die Schriftsätze der Par­tei­en Be­zug ge­nom­men.
Die Par­tei­en führen den vor­lie­gen­den so­wie ei­nen wei­te­ren par­al­lel ge­la­ger­ten Rechts­streit als "Pi­lot­ver­fah­ren". Wei­te­re beim Ar­beits­ge­richt noch anhängi­ge gleich­ge­la­ger­te sie­ben Ver­fah­ren hat das Ar­beits­ge­richt bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss der bei­den bei der Kam­mer anhängi­gen Ver­fah­ren aus­ge­setzt.
Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt ist zu Recht zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass die Ände­rung der Ar­beits­zeit durch die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 10. Fe­bru­ar 2005 un­wirk­sam ist und des­halb die Ar­beits­zeit, die in dem Ge­mein­sa­men Man­tel­ta­rif­ver­trag für Ar­bei­ter und An­ge­stell­te in der wei­ter­ver­ar­bei­ten­den Ei­sen-, Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des vom 13. März 1987 in der Fas­sung vom 5. De­zem­ber 1997 ver­ein­bart wur­de, auch über den 1. April 2005 hin­aus wei­ter galt.
I. Die von dem Kläger ge­stell­ten Fest­stel­lungs­anträge sind nach §256 ZPO zulässig.
1. Nach § 256 ZPO kann auf die Fest­stel­lung des Be­ste­hens oder des Nicht­be­ste­hens ei­nes Rechts­verhält­nis­ses ge­klagt wer­den. Der Fest­stel­lungs­an­trag muss sich da­bei nicht auf das ge­sam­te Rechts­verhält­nis - et­wa auf die Wirk­sam­keit ei­nes Ver­tra­ges - be­zie­hen, son­dern er kann auch ein­zel­ne Fol­gen aus ei­nem Rechts­verhält­nis, et­wa be­stimm­te Ansprüche oder Ver­pflich­tun­gen oder den Um­fang ei­ner Leis­tungs­pflicht, be­tref­fen (da­zu bei­spiels­wei­se BAG, Ur­teil vom 25. Mai 2005, 5 AZR 566/04, NZA 2005, 981 mit wei­te­ren Nach­wei­sen). Dar­um geht es dem Kläger hier. Er will fest­ge­stellt wis­sen, wel­che Ar­beits­zeit für ihn in der Zeit ab dem 1. April 2005 galt. Da­von ist das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­ge­gan­gen.
2. Wei­te­re Vor­aus­set­zung für die Zulässig­keit ei­nes Fest­stel­lungs­an­tra­ges ist nach § 256 ZPO, dass der Kläger ein recht­li­ches In­ter­es­se an der als­bal­di­gen Fest­stel­lung hat, dass das Rechts­verhält­nis be­steht oder nicht be­steht. Auch das ist hier der Fall.
Nach­dem mit Wir­kung ab dem 1. Ok­to­ber 2007 ein Ergänzungs­ta­rif­ver­trag als Fir­men­ta­rif­ver­trag in Kraft ge­tre­ten ist, des­sen Wirk­sam­keit und An­wend­bar­keit für die Zeit ab dem 1. Ok­to­ber 2007 von dem Kläger in dem Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung vor der Kam­mer nicht in Fra­ge ge­stellt wur­de, und nach­dem in die­sem Ta­rif­ver­trag für die Zeit ab dem 1. Ok­to­ber 2007 auch ei­ne neue ta­rif­li­che Re­ge­lung zur Ar­beits­zeit ge­trof­fen
wur­de, ist der zwei­te Fest­stel­lungs­an­trag des Klägers da­hin aus­zu­le­gen, dass es ihm da­mit nur noch um die Fest­stel­lung geht, dass die Ar­beits­zeit nach § 2 Zif­fer 1 des Ge­mein­sa­men Man­tel­ta­rif­ver­trag für Ar­bei­ter und An­ge­stell­te in der wei­ter­ver­ar­bei­ten­den Ei­sen-, Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des für die Zeit vom 1. April 2005 bis zum 30. Sep­tem­ber 2007 maßge­bend sein soll. Auch an die­ser Fest­stel­lung hat der Kläger nach Auf­fas­sung der Kam­mer noch ein recht­li­ches In­ter­es­se. Da­von, wel­che Ar­beits­zeit während die­ses Zeit­raums maßgeb­lich ge­we­sen ist, hängt ab, ob dem Kläger für die­sen Zeit­raum wei­ter­ge­hen­de Vergütungs­ansprüche zu­ste­hen. Aus der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung können sich da­her noch Ansprüche des Klägers er­ge­ben (zu die­sem Ge­sichts­punkt im Zu­sam­men­hang mit dem Rechts­schutz­in­ter­es­se im Sin­ne von § 256 ZPO: BAG, Ur­teil vom 12. Ja­nu­ar 1988, 1 AZR 352/86, NZA 1988, 621 mit wei­te­ren Nach­wei­sen)
Zwar hätte der Kläger, nach­dem es nur noch um die­sen Zeit­raum geht, auch die Möglich­keit, sei­ne ein­zel­nen Vergütungs­ansprüche im We­ge der Leis­tungs­kla­ge be­zif­fert gel­tend zu ma­chen. Dar­auf muss er sich aber nach Auf­fas­sung der Kam­mer aus Gründen der Pro­zessöko­no­mie - un­ter Hin­weis auf pro­zessöko­no­mi­sche Ge­sichts­punk­te wird der Vor­rang der Leis­tungs­kla­ge vor der Fest­stel­lungs­kla­ge im Re­gel­fall an­ge­nom­men - hier nicht ver­wei­sen las­sen. Denn die Ent­schei­dung über die von dem Kläger ge­stell­ten Fest­stel­lungs­anträge führt für den ge­nann­ten Zeit­raum zu ei­ner ab­sch­ließen­den Klärung der Dau­er der für den Kläger maßgeb­li­chen Ar­beits­zeit, über die die Par­tei­en aus­sch­ließlich strei­ten. In ei­nem sol­chen Fall ist es der ein­fa­che­re und sach­ge­rech­te­re und da­mit der pro­zess­wirt­schaft­lich sinn­vol­le­re Weg, die be­tref­fen­de Fra­ge im Rah­men ei­nes Fest­stel­lungs­an­tra­ges klären zu las­sen (da­zu auch BAG, Ur­teil vom 8. Mai 1984, 3 AZR 68/82, NZA 1985, 155, und BAG, Ur­teil vom 8. Ju­ni 1999, 3 AZR 113/98, je­weils mit wei­te­ren Nach­wei­sen). Dem ent­spricht, dass die Par­tei­en die hier maßgeb­li­chen Rechts­fra­gen im Rah­men zwei­er "Pi­lot­ver­fah­ren" klären las­sen wol­len, wes­halb die übri­gen gleich­ge­la­ger­ten Ver­fah­ren, die noch in ers­ter In­stanz anhängig sind, vom Ar­beits­ge­richt bis zur rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung in den bei­den "Pi­lot­ver­fah­ren" aus­ge­setzt wur­den. Hin­zu kommt, dass sich die Kam­mer auch dann mit den zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­gen Rechts­fra­gen aus­ein­an­der­set­zen müss­te, wenn ein fort­be­ste­hen­des
Fest­stel­lungs­in­ter­es­se im Hin­blick auf den zwi­schen­zeit­lich ver­ein­bar­ten Fir­men­ta­rif­ver­trag zu ver­nei­nen wäre. Dann nämlich müss­te sich die Kam­mer mit die­sen Fra­gen je­den­falls des­halb be­fas­sen, weil der Kläger für die­sen Fall vor­sorg­lich be­an­tragt hat fest­zu­stel­len, dass sich der Rechts­streit in der Haupt­sa­che er­le­digt hat.
II. Die von dem Kläger ge­stell­ten Fest­stel­lungs­anträge sind auch be­gründet. Zu die­sem Er­geb­nis ist das Ar­beits­ge­richt zu Recht ge­langt.
1. Die Ände­rung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit, die mit der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung zum Ar­beits­ver­trag vom 10. Fe­bru­ar 2005 er­folgt ist, ist un­wirk­sam, sie ist nach § 4 Ab­satz 3 TVG un­zulässig. Nach die­ser Norm sind Ab­ma­chun­gen, die von Ta­rif­nor­men ab­wei­chen, die den In­halt ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ord­nen (§ 4 Ab­satz 1 TVG), nur zulässig, wenn sie durch den Ta­rif­ver­trag ge­stat­tet sind oder ei­ne Ände­rung zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers dar­stel­len.
a. Auch wenn ein Ar­beit­ge­ber aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band aus­tritt, bleibt sei­ne Ta­rif­ge­bun­den­heit nach § 3 Ab­satz 3 TVG be­ste­hen, bis der Ta­rif­ver­trag en­det (da­zu bei­spiels­wei­se BAG, Ur­teil vom 14. Au­gust 2007, 9 AZR 587/06, ZTR 2007, 684 mit wei­te­ren Nach­wei­sen). En­den kann der Ta­rif­ver­trag auf­grund des Ab­laufs ei­ner ver­ein­bar­ten Be­fris­tung, auf­grund ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Auf­he­bung durch die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en oder auf­grund ei­ner Kündi­gung durch ei­ne der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en (da­zu BAG, Ur­teil vom 7. No­vem­ber 2001, 4 AZR 703/00, NZA 2002, 748). Ein Ta­rif­ver­trag en­det da­mit - ent­ge­gen ei­ner von ei¬nem Teil der ar­beits­recht­li­chen Li­te­ra­tur ver­tre­te­nen Auf­fas­sung (ei­ne Über­sicht zum Mei­nungs­stand zu die­ser Fra­ge fin­det sich bei­spiels­wei­se bei OET­KER, in: WIE­DE­MANN, Ta­rif­ver­trags­ge­setz, 7. Auf­la­ge 2007, Rand­num­mer 89 zu § 3 TVG) - nicht be­reits zu dem Zeit­punkt, zu dem er gekündigt wer­den könn­te, son­dern erst zu dem Zeit­punkt zu dem er wirk­sam gekündigt wird.
Das er­gibt sich ein­deu­tig aus dem Wort­laut der Norm. Denn dort heißt es, dass die Ta­rif­ge­bun­den­heit be­ste­hen bleibt, bis der Ta­rif­ver­trag en­det. Es heißt dort hin­ge­gen nicht, dass die Ta­rif­ge­bun­den­heit be­ste­hen bleibt, bis der Ta­rif­ver­trag en­den könn­te oder be­en­det wer­den könn­te. Nur die­ses Verständ­nis der
Norm ent­spricht zu­dem auch ih­rem Zweck. Zweck des § 3 Ab­satz 3 TVG ist es, dem Ar­beit­ge­ber den An­reiz zu neh­men, aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band aus­zu­tre­ten, um da­mit ei­nem miss­lie­bi­gen Ta­rif­ver­trag zu ent­ge­hen (BAG, Ur­teil vom 10. De­zem­ber 1997, 4 AZR 193/97, NZA 1998, 488 mit wei­te­ren Nach­wei­sen). Zur Ab­si­che­rung des Ge­stal­tungs­auf­tra­ges der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en soll die Flucht des Ar­beit­ge­bers aus dem Ta­rif­ver­trag ver­hin­dert wer­den (BAG, Ur­teil vom 7. No­vem­ber 2001, 4 AZR 703/00, NZA 2002, 748). Die­ser Zweck würde vollständig ver­fehlt, wenn die Ta­rif­bin­dung be­reits zu dem Zeit­punkt en­den würde, zu dem der Ta­rif­ver­trag nach dem Aus­tritt des Ar­beit­ge­bers aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band erst­mals gekündigt wer­den kann (da­zu auch OET­KER, in: WIE­DE­MANN, Ta­rif­ver­trags­ge­setz, 7. Auf­la­ge 2007, Rand­num­mer 89 zu § 3 TVG). Das zeigt der hier zu ent­schei­den­de Fall be­son­ders deut­lich. § 35 Zif­fer 3 des Ge­mein­sa­men Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges für Ar­bei­ter und An­ge­stell­te in der wei­ter­ver­ar­bei­ten­den Ei­sen-, Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des vom 13. März 1987 in der Fas­sung vom 5. De­zem­ber 1997 sieht - nach Ab­lauf der ver­ein­bar­ten Min­dest­lauf­zeit, die bis zum 30. April 2003 reich­te - ei­ne Kündi­gungs­frist von ei­nem Mo­nat zum Mo­nats­en­de vor. Das würde be­deu­ten, dass die Ta­rif­bin­dung der Be­klag­ten - wenn man der An­sicht fol­gen würde, dass der Ta­rif­ver­trag be­reits zu dem Zeit­punkt en­det, zu dem er erst­mals gekündigt wer­den könn­te - be­reits spätes­tens zwei Mo­na­te nach dem Aus­tritt der Be­klag­ten aus dem Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des ge­en­det hätte. Der Aus­tritt aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band käme da­her ei­nem En­de der Ta­rif­bin­dung prak­tisch na­he­zu gleich. Das soll durch § 3 Ab­satz 3 TVG aber ge­ra­de ver­hin­dert wer­den. Auch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 3 Ab­satz 3 TVG be­legt, dass die Ta­rif­bin­dung ge­ra­de nicht mit dem Zeit­punkt en­den soll­te, zu dem ei­ne Kündi­gung des Ta­rif­ver­tra­ges nach dem Aus­tritt des Ar­beit­ge­bers aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band erst­mals möglich ist, son­dern erst dann, wenn der Ta­rif­ver­trag tatsächlich gekündigt wird (ausführ­lich auch da­zu OET­KER, in: WIE­DE­MANN, Ta­rif­ver­trags­ge­setz, 7. Auf­la­ge 2007, Rand­num­mern 58, 59 und 89 zu § 3 TVG mit wei­te­ren Nach­wei­sen). Auch dar­auf hat das Ar­beits­ge­richt be­reits zu­tref­fend hin­ge­wie­sen. Dem­gemäß hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt, so­weit für die Kam­mer er­sicht­lich, in kei­ner Ent­schei­dung auch nur er­wo­gen, dass die Ta­rif­bin­dung nach § 3 Ab­satz 3 TVG be­reits zu dem Zeit­punkt en­den könn­te, zu dem der Ta­rif­ver­trag gekündigt wer­den kann.
Der Ge­mein­sa­me Man­tel­ta­rif­ver­trag für Ar­bei­ter und An­ge­stell­te in der wei­ter­ver­ar­bei­ten­den Ei­sen-, Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des vom 13. März 1987 in der Fas­sung vom 5. De­zem­ber 1997 wur­de bis­lang nicht gekündigt. An des­sen Stel­le soll zwar der neue Man­tel­ta­rif­ver­trag tre­ten, der am 20. Ju­li 2005 von der IG Me­tall und dem Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des ge­schlos­sen wur­de. Wie sich aus § 38 des neu­en Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges er­gibt, soll die­ser den frühe­ren Man­tel­ta­rif­ver­trag je­doch (erst) dann ablösen, wenn das neue Ent­gelt­rah­men­ab­kom­men (ERA) im Be­trieb ein­geführt wird, spätes­tens je­doch mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2008, oder - falls die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Frist zur Einführung des Ent­gelt­rah­men­ab­kom­mens bis da­hin verlängern - mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2009. Die Be­klag­te hat das Ent­gelt­rah­men­ab­kom­men während des Zeit­raums, um den es hier geht, al­so in der Zeit bis zum 30. Sep­tem­ber 2007, nicht in ih­rem Be­trieb ein­geführt. Das soll nach dem Fir­men­ta­rif­ver­trag, den die Be­klag­te am 23. No­vem­ber 2007 mit der IG Me­tall ge­schlos­sen hat, erst zum 1. Ju­li 2008 ge­sche­hen. Auch die­ser Fir­men­ta­rif­ver­trag, mit dem auch die Ar­beits­zeit in dem Be­trieb neu ge­re­gelt wur­de und der als die spe­zi­el­le­re Re­ge­lung dem Ver­bands­ta­rif­ver­trag vor­geht (da­zu BAG, Ur­teil vom 24. Ja­nu­ar 2001, 4 AZR 655/99, NZA 2001, 788, und BAG, Ur­teil vom 4. April 2001, 4 AZR 237/00, BZA 2001, 1085, je­weils mit wei­te­ren Nach­wei­sen), gilt erst ab dem 1. Ok­to­ber 2007. Der Ge­mein­sa­me Man­tel­ta­rif­ver­trag für Ar­bei­ter und An­ge­stell­te in der wei­ter­ver­ar­bei­ten­den Ei­sen-, Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des vom 13. März 1987 in der Fas­sung vom 5. De­zem­ber 1997 wur­de in der Zeit nach dem Aus­tritt der Be­klag­ten aus dem Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des auch nicht in­halt­lich geändert, was zu ei­ner Be­en­di­gung des Ta­rif­ver­tra­ges auch hin­sicht­lich der nicht geänder­ten Nor­men des Ta­rif­ver­tra­ges hätte führen können (da­zu bei­spiels­wei­se BAG, Ur­teil vom 27. Sep­tem­ber 2001, 2 AZR 236/00, NZA 2002, 750, und BAG, Ur­teil vom 7. No­vem­ber 2001, 4 AZR 703/00, NZA 2002, 748). Da­von aus­ge­hend galt bis zum Ab­lauf des 30. Sep­tem­ber 2007 der frühe­re Man­tel­ta­rif­ver­trag wei­ter.
b. Al­ler­dings wird in der ar­beits­recht­li­chen Li­te­ra­tur von nicht we­ni­gen Au­to­ren die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Dau­er der Bin­dung an den Ta­rif­ver­trag nach § 3 Ab­satz 3 TVG müsse zeit­lich be­grenzt
sein. Dis­ku­tiert wird dies zum ei­nen im Rah­men von Vor­schlägen zur Re­for­mie­rung des § 3 Ab­satz 3 TVG, al­so un­ter rechts­po­li­ti­schen As­pek­ten (da­zu auch BÜDEN­BE­N­DER, Ta­rif­bin­dung trotz Aus­tritts aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band - ei­ne not­wen­di­ge oder ei­ne kor­rek­tur­bedürf­ti­ge Re­ge­lung?, NZA 2000, 509, 512 f). Ver­tre­ten wird al­ler­dings auch, dass es be­reits nach dem der­zeit gel­ten­den Recht zur Wah­rung der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit ei­ne zeit­li­che Be­gren­zung der Bin­dungs­dau­er nach § 3 Ab­satz 3 TVG ge­ben müsse und sich ei­ne sol­che Be­gren­zung auch rechts­dog­ma­tisch be­gründen las­se. Da­bei set­zen man­che Au­to­ren die zeit­li­che Gren­ze un­ter Hin­weis auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes zur ma­xi­mal zulässi­gen Frist zur Kündi­gung der Mit­glied­schaft in ei­ner Ge­werk­schaft (BGH, Ur­teil vom 4. Ju­li 1977, II ZR 30/76, AP Num­mer 25 zu Ar­ti­kel 9 GG, und BGH, Ur­teil vom 22. Sep­tem­ber 1980, II ZR 34/80, AP Num­mer 33 zu Ar­ti­kel 9 GG) be­reits mit ei­nem hal­ben Jahr seit dem Aus­tritt des Ar­beit­ge­bers aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band an. An­de­re befürwor­ten in An­leh­nung an die Frist des § 613 a Ab­satz 1 Satz 2 BGB - nach die­ser Norm en­det für den nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber die zwin­gen­de Wir­kung von Ta­rif­nor­men, die nach § 613 a Ab­satz 1 BGB im An­schluss an ei­nen Be­triebsüber­gang zum In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­wor­den sind, ein Jahr nach dem Be­triebsüber­gang - ei­ne Frist von ei­nem Jahr seit dem Aus­tritt aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band. Wie­der an­de­re be­vor­zu­gen un­ter Hin­weis auf § 39 Ab­satz 2 BGB, wo­nach die Kündi­gungs­frist für den Aus­tritt aus ei­nem Ver­ein höchs­tens zwei Jah­re be­tra­gen darf, ei­ne Zwei­jah­res­frist. Und schließlich wird auch noch ei­ne ma­xi­ma­le Frist von fünf Jah­ren in Be­tracht ge­zo­gen, und zwar im Hin­blick dar­auf, dass nach § 624 BGB ein Dienst­verhält­nis je­den­falls nach fünf Jah­ren gekündigt wer­den kann (ausführ­lich zu die­sen Ansätzen bei­spiels­wei­se OET­KER, in: WIE­DE­MANN, Ta­rif­ver­trags­ge­setz, 7. Auf­la­ge 2007, Rand­num­mer 92 bis 94 zu § 3 TVG, und BEH­RENDT/GAU­MANN /LIE­BER­MANN, Ta­rif­ver­trag­li­che Bin­dungs­wir­kun­gen und -fol­gen beim Aus­tritt aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band - Am Bei­spiel des Lan­des Hes­sen nach dem Aus­tritt aus dem TdL, NZA 2006, 525, je­weils mit um­fang­rei­chen Nach­wei­sen).
c. Die Fra­ge, ob es ei­ne sol­che zeit­li­che Gren­ze für die Nach­bin­dung nach § 3 Ab­satz 3 TVG gibt, kann hier nicht oh­ne wei­te­res des­halb of­fen blei­ben, weil die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung zwi­schen den Par­tei­en am 10. Fe­bru­ar 2005 ge­trof­fen wur­de, al­so
in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von we­ni­ger als ei­nem hal­ben Jahr seit dem mit Wir­kung zum 25. Sep­tem­ber 2004 er­folg­ten Aus­tritt der Be­klag­ten aus dem Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des. Dann wäre die Ver­ein­ba­rung zwar nach al­len so­eben erwähn­ten Auf­fas­sun­gen in der ar­beits­recht­li­chen Li­te­ra­tur nach § 4 Ab­satz 3 TVG noch un­zulässig ge­we­sen. Da­mit wäre aber noch nicht die Fra­ge be­ant­wor­tet, wel­che Fol­gen das hätte. Denn dann käme zum ei­nen in Be­tracht, dass die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung nach § 139 BGB nur teil­wei­se un­wirk­sam ist, nämlich nur für die Zeit bis zu ei­ner ma­xi­mal zulässi­gen Dau­er der Nach­bin­dung (da­zu BAG, Ur­teil vom 23. Fe­bru­ar 2005, 4 AZR 186/04, DB 2005, 2305). Zum an­de­ren könn­te die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung in die­sem Fall nach § 140 BGB da­hin um­zu­deu­ten sein, dass sie für den Fall des Weg­falls der Nach­bin­dung ei­ne vor­weg­ge­nom­me­ne an­de­re Ab­ma­chung im Sin­ne von § 4 Ab­satz 5 TVG dar­stel­len soll­te (zu die­ser Fra­ge et­wa BAG, Ur­teil vom 14. Fe­bru­ar 1991, 8 AZR 166/90, NZA 1991, 779, und BAG, Ur­teil vom 23. Fe­bru­ar 2005, 4 AZR 186/04, DB 2005, 2305; da­zu außer­dem LAG Hamm, Ur­teil vom 7. No­vem­ber 2006, 19 Sa 413/06, ab­ruf­bar bei ju­ris). In bei­den Fällen würde die zunächst un­wirk­sa­me Ände­rungs­ver­ein­ba­rung ab dem En­de der ma­xi­mal zulässi­gen Dau­er der Nach­bin­dung "wie­der auf­le­ben". Ob das der Fall wäre, braucht hier aber nicht ver­tieft zu wer­den.
d. Denn die oben be­schrie­be­nen recht­li­chen Ansätze können je­den­falls in dem hier zu ent­schei­den­den Fall nicht zu ei­nem En­de der Nach­bin­dung vor Ab­lauf des Mo­nats Sep­tem­ber 2007 führen. Es er­scheint be­reits zwei­fel­haft, ob die­se recht­li­chen Ansätze über­haupt ge­eig­net sind, ei­ne ein­schränken­de An­wen­dung des § 3 Ab­satz 3 TVG zu ermögli­chen. We­der der Wort­laut des § 3 Ab­satz 3 TVG noch der Zweck der Vor­schrift noch de­ren Ent­ste­hungs­ge­schich­te las­sen ei­ne sol­che ein­schränken­de Aus­le­gung der Norm zu. Es er­scheint da­her frag­lich, ob ei­ne ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung der Norm mit dem Ziel ei­ner sol­chen zeit­li­chen Be­gren­zung der Dau­er der Nach­bin­dung zulässig wäre oder ob man da­mit nicht die Gren­zen rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung über­schrei­ten würde, wofür ei­ni­ges spricht. Die­se Fra­ge muss aber nicht wei­ter ver­tieft wer­den. Hier er­gab sich auf­grund der Re­ge­lung in § 3 Ab­satz 3 TVG ei­ne Nach­bin­dung an den Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Dau­er von rund drei Jah­ren. Je­den­falls dies be­geg­net nach Auf­fas­sung der Kam­mer kei­nen durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken. Die ne­ga­ti­ve
Ko­ali­ti­ons­frei­heit wird durch § 3 Ab­satz 3 TVG nicht un­mit­tel­bar be­ein­träch­tigt, denn die Be­klag­te wur­de durch die­se Norm nicht dar­an ge­hin­dert, aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band aus­zu­tre­ten. Auch ei­ne un­zulässi­ge, nämlich im Hin­blick auf den Zweck der Vor­schrift un­verhält­nismäßige mit­tel­ba­re Be­ein­träch­ti­gung der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit ver­mag die Kam­mer nicht zu er­ken­nen.
aa. Zweck des § 3 Ab­satz 3 TVG ist es, dem Ar­beit­ge­ber den An­reiz zu neh­men, aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band aus­zu­tre­ten, um da­mit ei­nem miss­lie­bi­gen Ta­rif­ver­trag zu ent­ge­hen. Da­mit si­chert § 3 Ab­satz 3 TVG auch den Ge­stal­tungs­auf­trag der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en (da­zu BAG, Ur­teil vom 7. No­vem­ber 2001, 4 AZR 703/00, NZA 2002, 748, und BAG, Ur­teil vom 13. De­zem­ber 1995, 4 AZR 1062/94, BA­GE 82,27), und da­mit letzt­lich auch ei­ne funk­ti­onsfähi­ge Ta­rif­au­to­no­mie. Auch die­se soll durch Ar­ti­kel 9 Ab­satz 3 GG gewähr­leis­tet wer­den (zu die­sem Ge­sichts­punkt auch BAG, Be­schluss vom 18. Ju­li 2006, 1 ABR 36/05, NZA 2006, 1225, und bei­spiels­wei­se OET­KER, in: WIE­DE­MANN, Ta­rif­ver­trags­ge­setz, 7. Auf­la­ge 2007, Rand­num­mer 60 und 61 zu § 3 TVG, so­wie BÜDEN­BE­N­DER, Ta­rif­bin­dung trotz Aus­tritts aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band - ei­ne not­wen­di­ge oder ei­ne kor­rek­tur­bedürf­ti­ge Re­ge­lung?, NZA 2000, 509, 512, je­weils mit wei­te­ren Nach­wei­sen). Auch die­ser Zweck der Re­ge­lung ist da­her ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­kert.
bb. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat be­reits in ei­ner Ent­schei­dung aus dem Jah­re 1993 aus­geführt, dass Be­den­ken ge­gen die Ver­fas­sungsmäßig­keit des § 3 Ab­satz 3 TVG nicht be­ste­hen; zur Be­gründung ver­weist das Bun­des­ar­beits­ge­richt in die­ser Ent­schei­dung dar­auf, dass der Ge­setz­ge­ber ei­nen Ta­rif­ver­trag auch für all­ge­mein­ver­bind­lich erklären könne, oh­ne da­mit ge­gen die Ver­fas­sung zu ver­s­toßen (BAG, Ur­teil vom 4. Au­gust 1993, 4 AZR 499/92, NZA 1994, 34; zu dem Ge­sichts­punkt der Möglich­keit zur All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung von Ta­rif­verträgen außer­dem - im Zu­sam­men­hang mit der Nach­wir­kung - auch BAG, Ur­teil vom 15. Ok­to­ber 2003, 4 AZR 573/02, NZA 2004, 387, un­ter I 3 b der Gründe). Letz­te­res sieht auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt so (Be­schluss vom 3. Ju­li 2000, 1 BvR 945/00, NZA 2000, 947). Auch ei­ne sol­che All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung führt aber zu ei­ner un­ter Umständen dau­er­haf­ten Bin­dung des Ar­beit­ge­bers an den Ta­rif­ver­trag, auch wenn der Ar­beit­ge­ber nicht Mit­glied ei­nes Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des ist.
cc. Von be­son­de­rer Be­deu­tung er­scheint zu­dem wei­ter, dass der Ar­beit­ge­ber sei­ne Bin­dung an die von dem Ar­beit­ge­ber­ver­band ver­ein­bar­ten Ta­rif­verträge durch sei­nen Bei­tritt zu dem Ver­band - in Ausübung der ihm zu­ste­hen­den Ko­ali­ti­ons­frei­heit - ge­ra­de selbst her­bei­geführt hat. Die Fort­gel­tung der Bin­dung an den Ta­rif­ver­trag ist da­her letzt­lich durch die frühe­re Mit­glied­schaft des Ar­beit­ge­bers im Ar­beit­ge­ber­ver­band le­gi­ti­miert (BAG, Ur­teil vom 7. No­vem­ber 2001, 4 AZR 703/00, NZA 2002, 748; zu die­sem Ge­sichts­punkt außer­dem: BVerfG, Be­schluss vom 3. Ju­li 2000, 1 BvR 945/00, NZA 2000, 947, un­ter II 2 b der Gründe, und - im Zu­sam­men­hang mit der Nach­wir­kung - auch BAG, Ur­teil vom 15. Ok­to­ber 2003, 4 AZR 573/02, NZA 2004, 387, un­ter I 3 b der Gründe). Mit dem Ein­tritt in den Ar­beit­ge­ber­ver­band ak­zep­tiert der Ar­beit­ge­ber auch den In­halt der zum Zeit­punkt sei­nes Ein­tritts be­ste­hen­den Ta­rif­verträge und erklärt sich darüber hin­aus da­mit ein­ver­stan­den, dass der Ar­beit­ge­ber­ver­band auch für ihn, den Ar­beit­ge­ber, ver­bind­li­che Ta­rif­verträge ab­sch­ließt. Er ak­zep­tiert da­mit auch die von dem Ar­beit­ge­ber­ver­band ver­ein­bar­ten (mögli­chen) Lauf­zei­ten der Ta­rif­verträge (zu die­sem Ge­sichts­punkt ausführ­lich BÜDEN­BE­N­DER, Ta­rif­bin­dung trotz Aus­tritts aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band - ei­ne not­wen­di­ge oder ei­ne kor­rek­tur­bedürf­ti­ge Re­ge­lung?, NZA 2000, 509, 513 f, 516, und Däubler, Ta­rif­aus­stieg - Er­schei­nungs­for­men und Rechts­fol­gen, NZA 1996, 225, 226, so­wie LO­RENZ, in: DÄUBLER, Ta­rif­ver­trags­ge­setz, 2. Auf­la­ge 2006, Rand­num­mer 82 zu § 3 TVG). Dass Ta­rif­verträge - und be­son­ders Man­tel­ta­rif­verträge - lan­ge Lauf­zei­ten ha­ben (können), muss auch je­der Ar­beit­ge­ber wis­sen. Auch die­se ak­zep­tiert er da­mit durch sei­nen Bei­tritt zu dem Ar­beit­ge­ber­ver­band. Dies ist nach An­sicht der Kam­mer der maßgeb­li­che Ge­sichts­punkt, der ei­ne auch länger an­dau­ern­de Nach­bin­dung, je­den­falls ei­ne sol­che von rund drei Jah­ren, recht­fer­tigt.
dd. Da­von aus­ge­hend kommt es nach Auf­fas­sung der Kam­mer auch nicht mehr ent­schei­dend dar­auf an, dass ei­ne dau­er­haf­te Bin­dung an die­se Ta­rif­verträge in der Re­gel nicht zu befürch­ten ist. Denn zum ei­nen führt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts be­reits je­de nach dem Aus­tritt des Ar­beit­ge­bers aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band er­fol­gen­de in­halt­li­che Ände­rung des Ta­rif­ver­tra­ges zum En­de der Ta­rif­bin­dung auch in Be­zug auf die Tei­le des Ta­rif­ver­tra­ges, die nicht geändert wur­den
(da­zu bei­spiels­wei­se BAG, Ur­teil vom 27. Sep­tem­ber 2001, 2 AZR 236/00, NZA 2002, 750, und BAG, Ur­teil vom 7. No­vem­ber 2001, 4 AZR 703/00, NZA 2002, 748). Zum an­de­ren be­steht zu­min­dest die Möglich­keit, die Nach­bin­dung durch ei­nen Fir­men­ta­rif­ver­trag zu be­en­den. Ei­nen sol­chen Fir­men­ta­rif­ver­trag hat­te die Be­klag­te bei Ab­schluss der am 9. März 2005 mit dem Kläger ge­trof­fe­nen Ände­rungs­ver­ein­ba­rung auch selbst be­reits in Be­tracht ge­zo­gen, wie sich aus Zif­fer 4 Ab­satz 2 der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung er­gibt. Denn dort ist in Be­zug auf die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung ein Son­derkündi­gungs­recht so­wohl zu­guns­ten des Klägers als auch zu­guns­ten der Be­klag­ten für den Fall ver­ein­bart, dass ein "Haus­ta­rif­ver­trag" zu­stan­de kommt. In ei­nem sol­chen Fall soll­te die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung ih­re Wir­kung ver­lie­ren, es soll­ten dann statt­des­sen die Re­ge­lun­gen des "Haus­ta­rif­ver­tra­ges" gültig sein. Und ei­nen sol­chen Fir­men­ta­rif­ver­trag hat die Be­klag­te dann noch während des Be­ru­fungs­ver­fah­rens auch tatsächlich ab­ge­schlos­sen und da­mit die Nach­bin­dung an den frühe­ren Man­tel­ta­rif­ver­trag be­en­det. Dem Ab­schluss ei­nes sol­chen Fir­men­ta­rif­ver­tra­ges wird sich zu­min­dest dann, wenn Ar­beitsplätze be­droht sind, ei­ne Ge­werk­schaft in der Re­gel auch nicht ver­sch­ließen. Zwar ging in dem hier zu ent­schei­den­den Fall der Ab­schluss die­ses Fir­men­ta­rif­ver­tra­ges mit dem Wie­der­ein­tritt der Be­klag­ten in den Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie ein­her (§ 5 des Fir­men­ta­rif­ver­tra­ges). Dass dies je­doch stets oder auch nur re­gelmäßig so sein muss, kann aber nicht un­ter­stellt wer­den.
ee. Der Ver­gleich, den die Be­klag­te zwi­schen der Möglich­keit, die Nach­bin­dung zu be­en­den (§ 3 Ab­satz 3 TVG), und den wei­ter­ge­hen­den Möglich­kei­ten, die Nach­wir­kung zu be­en­den (§ 4 Ab­satz 5 TVG), an­stellt (zu die­sem An­satz auch BEH­RENDT/GAU­MANN/LIE­BER­MANN, Ta­rif­ver­trag­li­che Bin­dungs­wir­kun­gen und -fol­gen beim Aus­tritt aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band - Am Bei­spiel des Lan­des Hes­sen nach dem Aus­tritt aus dem TdL, NZA 2006, 525), über­zeugt die Kam­mer nicht. § 3 Ab­satz 3 TVG und § 4 Ab­satz 5 TVG ha­ben ganz un­ter­schied­li­che Zwe­cke. § 4 Ab­satz 5 TVG dient den In­ter­es­sen der Par­tei­en des Ar­beits­ver­tra­ges. Die­se Norm soll ver­hin­dern, dass das Ar­beits­verhält­nis nach der Be­en­di­gung des Ta­rif­ver­tra­ges, al­so nach Ab­lauf der Nach­bin­dung, in­halts­leer wird. Des­halb sol­len die bis­her gel­ten­den ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen zunächst wei­ter an­ge­wandt wer­den, bis ei­ne an­de­re Ab­ma­chung zu­stan­de kommt. Die­sem Zweck ent­spre­chend sind die Mög-
lich­kei­ten zur Be­en­di­gung der Nach­wir­kung re­la­tiv vielfältig, es kom­men dafür ins­be­son­de­re auch ein­zel­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen, Ände­rungskündi­gun­gen und Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen in Be­tracht. Dem­ge­genüber dient § 3 Ab­satz 3 TVG, wie wei­ter oben be­reits näher erläutert wur­de, dem Schutz der nach Ar­ti­kel 9 Ab­satz 3 GG eben­falls gewähr­leis­te­ten Ta­rif­au­to­no­mie (ausführ­lich zu die­sen un­ter­schied­li­chen Zwe­cken des § 3 Ab­satz 3 TVG ei­ner­seits und § 4 Ab­satz 5 TVG an­de­rer­seits: BAG, Ur­teil vom 15. Ok­to­ber 2003, 4 AZR 573/02, NZA 2004, 387). Die­ser Zweck und der Um­stand, dass der Ar­beit­ge­ber sei­ne Bin­dung an die von dem Ar­beit­ge­ber­ver­band ver­ein­bar­ten Ta­rif­verträge durch sei­nen Bei­tritt zu dem Ver­band selbst her­bei­geführt hat, recht­fer­ti­gen es, dass der Ar­beit­ge­ber während des Zeit­raums der Nach­bin­dung nur be­grenzt die Möglich­keit hat, die Nach­bin­dung selbst zu be­en­den. Dass ei­ne sol­che Möglich­keit - durch Ab­schluss ei­nes Fir­men­ta­rif­ver­tra­ges - aber im­mer­hin be­steht, wur­de be­reits dar­ge­legt.
ff. Dem­gemäß hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt bis­lang, so­weit für die Kam­mer er­sicht­lich, auch in kei­ner Ent­schei­dung er­wo­gen, dass es un­ter ver­fas­sungs­recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten ei­ne zeit­li­che Be­gren­zung der Dau­er der Nach­bin­dung nach § 3 Ab­satz 3 TVG ge­ben könn­te, auch nicht in Fällen, in de­nen die­se Nach­bin­dung länger dau­er­te (wie et­wa in dem Fall, der dem Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 14. Fe­bru­ar 1991, 8 AZR 166/90, NZA 1991, 779 zu­grun­de lag: ein Jahr Nach­bin­dung mit an­sch­ließen­der Nach­wir­kung; oder bei dem Fall, um den es in dem Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 7. No­vem­ber 2001, 4 AZR 703/00, NZA 2002, 748, ging: erst­ma­li­ge Künd­bar­keit des Ta­rif­ver­tra­ges erst zwei Jah­re nach Aus­tritt des Ar­beit­ge­bers aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band; oder bei dem Fall, der Ge­gen­stand des Ur­teils des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 4. April 2001, 4 AZR 237/00, NZA 2001, 1085, ist: erst­ma­li­ge Künd­bar­keit des Ta­rif­ver­tra­ges erst zwei­ein­halb Jah­re nach Aus­tritt des Ar­beit­neh­mers aus der Ge­werk­schaft).
e. Die Be­klag­te war da­nach bis En­de Sep­tem­ber 2007 an die Re­ge­lun­gen über die Ar­beits­zeit in dem Ge­mein­sa­men Man­tel­ta­rif­ver­trag für Ar­bei­ter und An­ge­stell­te in der wei­ter­ver­ar­bei­ten­den Ei­sen-, Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des vom 13. März 1987 in der Fas­sung vom 5. De­zem­ber 1997 ge­bun­den. Die in der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 10.
Fe­bru­ar 2005 ent­hal­te­nen Re­ge­lun­gen hin­sicht­lich der Ar­beits­zeit wei­chen von den ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen ab. Die Re¬ge­lun­gen in der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 10. Fe­bru­ar 2005 sind da­bei nicht güns­ti­ger als die ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung.
aa. Nach der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung soll­te die wöchent­li­che Ar­beits­zeit ab dem 1. April 2005 von 35 St­un­den auf 36 St­un­den erhöht wer­den, ab dem 1. Ja­nu­ar 2006 auf 37 St­un­den und ab dem 1. Ja­nu­ar 2007 auf 38 St­un­den. Ein Lohn­aus­gleich soll­te nicht er­fol­gen. Zwar soll­ten nach der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung ta­rif­li­che Loh­nerhöhun­gen, die während der Lauf­zeit der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung er­fol­gen, an den Kläger wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Die zu­letzt ge­nann­te Re­ge­lung ist auch bei dem Güns­tig­keits­ver­gleich nach § 4 Ab­satz 3 TVG zu berück­sich­ti­gen, denn sie steht in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang mit der Erhöhung der Ar­beits­zeit oh­ne Lohn­aus­gleich (zu dem Kri­te­ri­um des sach­li­chen Zu­sam­men­hangs be­zie­hungs­wei­se dem "Sach­grup­pen­ver­gleich" im Rah­men von § 4 Ab­satz 3 TVG: BAG, Ur­teil vom 20. April 1999, 1 ABR 72/98, NZA 1999, 887 mit wei­te­ren Nach­wei­sen). Denn bei­de Re­ge­lun­gen be­tref­fen die Fra­ge, wie die ge­leis­te­te Ar­beits­zeit zu vergüten ist. Es konn­te je­doch zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung - auf den es für den an­zu­stel­len­den Güns­tig­keits­ver­gleich an­kommt (da­zu BAG, Ur­teil vom 27. Ja­nu­ar 2004, 1 AZR 148/03, NZA 2004, 667 mit wei­te­ren Nach­wei­sen) - nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Lohn­ein­bußen, die sich auf­grund der erhöhten Ar­beits­zeit oh­ne Lohn­aus­gleich er­ge­ben, durch die Wei­ter­ga­be der ta­rif­li­chen Loh­nerhöhun­gen - auf sol­che Loh­nerhöhun­gen hätte der Kläger oh­ne die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung kei­nen An­spruch ge­habt, wenn sie nach dem Aus­tritt der Be­klag­ten aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band ver­ein­bart wur­den - kom­pen­siert wer­den. Da­von ist das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­ge­gan­gen. An­spruch auf die ta­rif­li­chen Loh­nerhöhun­gen, die noch während der Mit­glied­schaft der Be­klag­ten im Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des ver­ein­bart wor­den wa­ren, hat­te der Kläger oh­ne­hin. Sol­che Loh­nerhöhun­gen wa­ren hier noch für die Zeit bis ein­sch­ließlich Fe­bru­ar 2006 wei­ter­zu­ge­ben, so dass die von April 2005 bis Fe­bru­ar 2006 ge­leis­te­te erhöhte Ar­beits­zeit - ei­ne St­un­de Mehr­ar­beit oh­ne Lohn­aus­gleich bis En­de 2005 und zwei St­un­den Mehr­ar­beit oh­ne Lohn­aus­gleich für Ja­nu­ar und Fe­bru­ar 2006 - über­haupt nicht kom­pen­siert wur­de. Im ge­sam­ten Jahr 2006 wa­ren zu­dem be­reits zwei St­un­den in der Wo­che oh­ne Lohn­aus­gleich
mehr zu leis­ten. Das be­wirk­te fak­tisch be­reits ei­ne Lohnkürzung von mehr als fünf Pro­zent, und dies noch oh­ne Berück­sich­ti­gung von Mehr­ar­beits­zu­schlägen, die nach der ta­rif­li­chen Re­ge­lung bei ei­ner Leis­tung von mehr als 35 St­un­den in der Wo­che an­ge­fal­len wären. Ab Ja­nu­ar 2007 muss­ten drei St­un­den in der Wo­che oh­ne Lohn­aus­gleich mehr ge­leis­tet wer­den, was letzt­lich ei­ne Lohnkürzung von fast acht Pro­zent be­deu­te­te, eben­falls noch oh­ne Berück­sich­ti­gung von Mehr­ar­beits­zu­schlägen. Ob die­se ho­hen Lohn­ein­bußen durch nach Fe­bru­ar 2006 ver­ein­bar­te ta­rif­li­che Loh­nerhöhun­gen aus­ge­gli­chen wer­den, war bei Ab­schluss der Ver­ein­ba­rung völlig of­fen und auch aus­ge­spro­chen un­wahr­schein­lich. Dem­gemäß war es ja auch ge­ra­de Sinn der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung, dass die Be­klag­te (Per­so­nal-) Kos­ten spa­ren kann. Nach Sep­tem­ber 2007 er­fol­gen­de ta­rif­li­che Loh­nerhöhun­gen wa­ren in den Güns­tig­keits­ver­gleich oh­ne­hin nicht mehr ein­zu­be­zie­hen, weil bei Ab­schluss der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung über­haupt nicht si­cher war, ob die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung über En­de Sep­tem­ber 2007 hin­aus gel­ten wird, denn es war bei­den Par­tei­en das Recht ein­geräumt, die Ver­ein­ba­rung mit Wir­kung zum Ab­lauf des Mo­nats Sep­tem­ber 2007 zu kündi­gen (Zif­fer 3 der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung). Bei ei­ner frühzei­ti­gen Ver­ein­ba­rung ei­nes Haus­ta­rif­ver­tra­ges hätte we­gen des für die­sen Fall ver­ein­bar­ten Son­derkündi­gungs­rechts die Lauf­zeit der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung so­gar noch kürzer sein können.
bb. Dass sich die Be­klag­te in Zif­fer 2 der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung außer­dem ver­pflich­tet hat­te, während der Lauf­zeit der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung kei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung aus­zu­spre­chen, ist bei dem nach § 4 Ab­satz 3 TVG an­zu­stel­len­den Güns­tig­keits­ver­gleich nicht von Be­deu­tung, denn es han­delt sich da­bei nicht um ei­ne Re­ge­lung, die mit den hin­sicht­lich der Ar­beits­zeit und der Vergütung in der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang steht. Ar­beits­zeit und Ar­beits­ent­gelt ei­ner­seits und ei­ne Beschäfti­gungs­ga­ran­tie an­de­rer­seits sind völlig un­ter­schied­li­che Re­ge­lungs­ge­genstände, für de­ren Be­wer­tung es kei­nen ge­mein­sa­men Maßstab gibt. Sie können nicht mit­ein­an­der ver­gli­chen wer­den. Ei­ne Beschäfti­gungs­ga­ran­tie ist des­halb nicht ge­eig­net, Ver­schlech­te­run­gen beim Ar­beits­ent­gelt oder bei der Ar­beits­zeit zu recht­fer­ti­gen (ausführ­lich da­zu BAG, Ur­teil vom 20. April 1999, 1 ABR 72/98, NZA 1999, 887). Auch dar­auf hat das
Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend hin­ge­wie­sen.
2. Da­mit steht zu­gleich fest, dass für das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en auch in der Zeit zwi­schen dem 1. April 2005 und dem 30. Sep­tem­ber 2007 die Ar­beits­zeit maßgeb­lich ge­we­sen ist, die in dem Ge­mein­sa­men Man­tel­ta­rif­ver­trag für Ar­bei­ter und An­ge­stell­te in der wei­ter­ver­ar­bei­ten­den Ei­sen-, Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie des Saar­lan­des vom 13. März 1987 in der Fas­sung vom 5. De­zem­ber 1997 ver­ein­bart war. Dar­auf, ob das für die Zeit zwi­schen dem 1. Mai und dem 30. Sep­tem­ber 2007 auch des­halb gilt, weil der Kläger die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 10. Fe­bru­ar 2005 - auf­grund ei­nes zwi­schen der Be­klag­ten und de­ren Be­triebs­rat zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer ver­ein­bar­ten Son­derkündi­gungs­rechts - zum 1. Mai 2007 gekündigt hat, kommt es da­her nicht mehr an.
3. Die aus die­sem Man­tel­ta­rif­ver­trag re­sul­tie­ren­den Rech­te können nicht ver­wir­ken (§ 4 Ab­satz 4 Satz 2 TVG). Dar­auf hat das Ar­beits­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung zu­tref­fend hin­ge­wie­sen. Die Be­klag­te kommt auf die­sen Ge­sichts­punkt im Be­ru­fungs­ver­fah­ren auch nicht mehr zurück.
4. Die Fest­stel­lungs­anträge des Klägers be­zie­hen sich nur auf die Fra­ge, wel­che Ar­beits­zeit in dem ge­nann­ten Zeit­raum für das Ar­beits­verhält­nis maßge­bend ge­we­sen ist. Sie be­zie­hen sich hin­ge­gen nicht auf be­stimm­te sich dar­aus er­ge­ben­de Ansprüche, et­wa wei­ter­ge­hen­de Vergütungs­ansprüche. Die Aus­schluss­frist des § 33 des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges - da­nach sind Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis in­ner­halb ei­ner Frist von drei Mo­na­ten seit ih­rer Fällig­keit schrift­lich gel­tend zu ma­chen - ist da­her in dem vor­lie­gen­den Rechts­streit oh­ne Be­deu­tung. Auch da­von ist das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­ge­gan­gen. Auch da­ge­gen wen­det sich die Be­klag­te im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nicht.
III. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten konn­te da­nach kei­nen Er­folg ha­ben. Die Kos­ten­ent­schei­dung er­gibt sich aus § 97 Ab­satz 2 ZPO. Die Re­vi­si­on war nach § 72 Ab­satz 2 Num­mer 1 ArbGG zu­zu­las­sen. Die ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen, die in der ar­beits­recht­li­chen Li­te­ra­tur wei­ter­hin kon­tro­vers dis­ku­tiert wer­den, ha­ben grundsätz­li­che Be­deu­tung.
Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Be­klag­ten Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­den. Die Re­vi­si­on ist bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt, Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt (Te­le­fax-Num­mer 03 61/ 26 36 20 00), in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat nach Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils schrift­lich ein­zu­le­gen. Die Re­vi­si­on ist in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils zu be­gründen. Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift müssen von ei­nem bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.
gez. Cull­mann
gez. Fel­lin­ger
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