Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BFHE%20186,%201
Timestamp: 2019-12-10 21:26:22
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Matched Legal Cases: ['§ 169', '§ 370', '§ 20', '§ 169', '§ 169', '§ 235', '§ 169', '§ 169', '§ 378', '§ 370', '§ 370', '§ 25', '§ 56', '§ 169', '§ 169', '§ 2', '§ 235', '§ 370', '§ 378']

BFH, 02.04.1998 - V R 60/97 - dejure.org
https://dejure.org/1998,1098
BFH, 02.04.1998 - V R 60/97 (https://dejure.org/1998,1098)
BFH, Entscheidung vom 02.04.1998 - V R 60/97 (https://dejure.org/1998,1098)
BFH, Entscheidung vom 02. April 1998 - V R 60/97 (https://dejure.org/1998,1098)
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AO 1977 § 169 Abs. 2 Satz 2, § 370; StGB § 20
Festsetzungsfrist des § 169 AO 1977 - Anwendbarkeit - Steuerhinterziehung - Schuldausschließungsgrund
Abgabenordnung; keine Verlängerung der Festsetzungsfrist bei schuldloser Steuerhinterziehung
BFHE 186, 1
BB 1998, 1678
BStBl II 1998, 529
BStBl II 1998, 530
Sachliche Gründe, das fast wortgleich formulierte Tatbestandsmerkmal "hinterzogene Steuern" im Rahmen des § 169 Abs. 2 Satz 2 AO anders zu interpretieren als im Rahmen des § 235 Abs. 1 Satz 1 AO, sind nicht ersichtlich (vgl. BFH-Urteil in BFHE 186, 1, BStBl II 1998, 530).
Aus dem Wortlaut des § 169 Abs. 2 Satz 2 AO "Steuer hinterzogen", § 169 Abs. 2 Satz 3 AO "begangen" und § 378 Abs. 1 AO "begeht" ergibt sich jedoch, dass eine Verlängerung der Festsetzungsfrist nur eintritt, wenn die dritte Person den objektiven und subjektiven Tatbestand einer der in § 370 Abs. 1 AO bezeichneten Taten erfüllt (BFH-Urteil in BFHE 186, 1, BStBl II 1998, 530).
Das setzt voraus, dass der jeweilige Täter den Tatbestand in objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt (BFH-Urteil vom 2. April 1998 V R 60/97, BFHE 186, 1, BStBl II 1998, 530).
c) Die Antragsteller haben mit Rücksicht darauf, dass sie für die Streitjahre 1988 bis 1992 Einkünfte aus Kapitalvermögen von weniger als 800 DM bzw. 1 200 DM (Summe aus Werbungskostenpauschbetrag und Sparer-Freibetrag) erklärt und für das Streitjahr 1993 angegeben haben, Einkünfte dieser Art in Höhe von nicht mehr als 12 200 DM erzielt zu haben, sowohl den objektiven als auch den subjektiven Tatbestand der Steuerhinterziehung verwirklicht (§ 370 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 4 AO 1977 i.V.m. § 25 Abs. 3 Sätze 1 und 2 EStG, § 56 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung --EStDV--; dazu BFH-Urteil vom 2. April 1998 V R 60/97, BFHE 186, 1, BStBl II 1998, 530).
Beides vermag deshalb auch nicht die Geltung der 10-jährigen Festsetzungsverjährungsfrist in Frage zu stellen (vgl. BFH-Entscheidungen in BFHE 186, 1, BStBl II 1998, 530; in BFHE 193, 63, BStBl II 2001, 16;… zur Verfahrenseinstellung s. BFH-Beschluss vom 2. Februar 2001 IV B 162/99, BFH/NV 2001, 890;… Ruban in Hübschmann/Hepp/ Spitaler, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, 10. Aufl., § 169 AO 1977 Rz. 37;… Klein/Rüsken, Abgabenordnung, 7. Aufl., § 169 Rz. 26).
a) Die Frage nach der Anwendbarkeit eines milderen Gesetzes i.S. des § 2 Abs. 3 StGB erledigt sich im Streitfall nicht schon dadurch, dass die Festsetzung von Hinterziehungszinsen gemäß § 235 Abs. 1 AO 1977 keine Bestrafung des Täters voraussetzt, sondern lediglich erfordert, dass der objektive und der subjektive Tatbestand der Steuerhinterziehung erfüllt sind und kein Schuldausschließungsgrund vorliegt (vgl. BFH-Urteil vom 2. April 1998 V R 60/97, BFHE 186, 1, BStBl II 1998, 530, m.w.N.).
aa) Die verlängerte Festsetzungsfrist setzt eine (objektiv und subjektiv) tatbestandsmäßige, rechtswidrige und schuldhafte Steuerhinterziehung i.S. des § 370 AO oder leichtfertige Steuerverkürzung i.S. des § 378 AO voraus (BFH-Beschluss vom 18. Dezember 1986 I B 49/86, BFHE 148, 218, BStBl II 1988, 213; BFH-Urteil vom 2. April 1998 V R 60/97, BFHE 186, 1, BStBl II 1998, 530).
Es wird zwar nicht die strafrechtliche Verurteilung des Täters verlangt, Voraussetzung ist aber, dass der objektive und subjektive Tatbestand der Steuerhinterziehung erfüllt ist und kein Rechtfertigungsgrund oder Schuldausschließungsgrund vorliegt (BFH-Urteil vom 2. April 1998 V R 60/97, BStBl II 1998, 530).
Täter einer vorsätzlichen Steuerhinterziehung kann deshalb auch derjenige sein, der die Angelegenheiten eines Steuerpflichtigen wahrnimmt -z.B. dessen Steuerberater-, wenn dieser den Tatbestand in objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt (vgl. in diesem Sinne BFH-Urteile vom 19. Dezember 2002 IV R 37/01, BStBl II 2003, 385 und vom 2. April 1998 V R 60/97, BStBl II 1998, 530; Urteil des FG Düsseldorf vom 11. April 2001 18 K 7170/97 E, EFG 2001, 944).
Die Festsetzung von Hinterziehungszinsen setzt zwar nicht die Bestrafung des Täters voraus, verlangt aber, dass der objektive und subjektive Tatbestand der Steuerhinterziehung erfüllt sind und kein Schuldausschließungsgrund vorliegt (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 2. April 1998 V R 60/97, BFHE 186, 1, BStBl II 1998, 530).
FG Köln, 11.11.1998 - 11 K 4408/95
BFH, 19.02.1999 - I R 28/98
FG München, 16.12.1999 - 3 K 1905/97
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