Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/der-selbstaendige-choreograph-und-die-umsatzsteuer-318823
Timestamp: 2020-07-10 13:51:55
Document Index: 297676607

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 12', 'EuG', '§ 12', 'EuG', '§ 12', 'EuG', '§ 12', '§ 12', '§ 73', '§ 73', '§ 73', '§ 73', '§ 12', '§ 73', '§ 73', '§ 73', '§ 12', '§ 73', '§ 73', 'Art. 12', '§ 12', '§ 73', 'EuG', '§ 12', '§ 73', '§ 73', '§ 73', '§ 73', '§ 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', '§ 12', '§ 12', 'Art. 12', '§ 12', '§ 73', '§ 12', 'EuG', 'EuG', '§ 73', 'BGH', '§ 73', '§ 4', 'EuG', 'EuG', '§ 73', '§ 73']

Der selbständige Choreograph und die Umsatzsteuer | Rechtslupe
Der selb­stän­di­ge Cho­reo­graph und die Umsatz­steu­er
Nach einer Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf gilt zwar auch für Solis­ten­leis­tun­gen an Kon­zert­ver­an­stal­ter der ermä­ßig­te Steu­er­satz, nicht aber für die Leis­tun­gen eines selb­stän­di­gen Cho­reo­gra­phen, der gegen­über Thea­ter­be­trie­ben Leis­tun­gen zur Ein­stu­die­rung und künst­le­ri­schen Umset­zung von Kampf­sze­nen in Thea­ter­auf­füh­run­gen erbringt. Hier­bei han­delt es sich nach Ansicht des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf nicht um mit Thea­ter­auf­füh­run­gen und Kon­zer­ten ver­gleich­ba­re Dar­bie­tun­gen eines aus­üben­den Künst­lers. Damit wider­spricht das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf dem Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, das zu einer gegen­tei­li­gen Ent­schei­dung kam [1].
Für die für diver­se Thea­ter­ver­an­stal­ter erbrach­ten Cho­reo­gra­phie­leis­tun­gen kann nicht die Steu­er­ermä­ßi­gung gemäß § 12 Abs.2 Nr.7 Buchst. a) bzw. Buchst. c) UStG in Anspruch genom­men wer­den. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 12 Abs.2 Nr.7 Buchst. a) UStG sind weder bezüg­lich der alten – bis zum 15.12.2004 gel­ten­den Fas­sung – noch nach der sei dem 16.12.2004 gel­ten­den Fas­sung erfüllt.
Nach § 12 Abs.2 Nr.7 Buchst. a) UStG ermä­ßigt sich die Steu­er sich auf 7%
für die Leis­tun­gen der Thea­ter, Orches­ter, Kam­mer­mu­sik­ensem­bles, Chö­re und Muse­en sowie die Ver­an­stal­tung von Thea­ter­vor­füh­run­gen und Kon­zer­ten durch ande­re Unter­neh­mer (alte, bis zum 15.1.2004 gel­ten­de Geset­zes­fas­sung) bzw.
für die Ein­tritts­be­rech­ti­gung für Thea­ter, Kon­zer­te und Muse­en, sowie die den Thea­ter­vor­füh­run­gen und Kon­zer­ten ver­gleich­ba­ren Dar­bie­tun­gen aus­üben­der Künst­ler (neue, ab dem 16.12.2004 gel­ten­de Geset­zes­fas­sung).
Eine inhalt­li­che Ände­rung soll­te mit der Neu­fas­sung nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers – abge­se­hen davon, dass jetzt auch den Ensem­bles ver­gleich­ba­re Leis­tun­gen von Ein­zel­künst­lern der Steu­er­ermä­ßi­gung unter­lie­gen – im Übri­gen nicht ver­bun­den sein [2]. Die Geset­zes­än­de­rung geht auf das Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten vom 23.10.2003 [3] zurück, wonach für die Solis­ten­leis­tun­gen an Kon­zert­ver­an­stal­ter – wie bis­lang schon für Ensem­bles – aus Grün­den der Wett­be­werbs­neu­tra­li­tät der ermä­ßig­te Steu­er­satz gewährt wer­den muss.
Bereits vor Neu­fas­sung des § 12 Abs.2 Nr.7 Buchst. a) UStG hat­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen unter Bezug­nah­me auf die EuGH-Ent­schei­dung klar gestellt [4], dass § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a) UStG auf die Leis­tun­gen der dort auf­ge­führ­ten Ein­rich­tun­gen sowie für die ent­spre­chen­den Leis­tun­gen der aus­üben­den Künst­ler anwend­bar sei, mit der Fol­ge, dass die­se Umsät­ze dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz unter­lie­gen. Für den gesam­ten Streit­zeit­raum sind damit Dar­bie­tun­gen aus­üben­der Künst­ler, die als Thea­ter­vor­füh­run­gen anzu­se­hen bezie­hungs­wei­se mit die­sen ver­gleich­bar sind, mit dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz zu besteu­ern [5].
Der Klä­ger kann sich als Cho­reo­graph jedoch auch unter Her­an­zie­hung der EuGH Ent­schei­dung nicht mit Erfolg auf die Vor­schrift des § 12 Abs.2 Nr.7 Buchst. a) UStG beru­fen, da die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Vor­schrift nicht erfüllt sind.
Auf­grund der ange­führ­ten EuGH-Ent­schei­dung kann zwar die Ver­sa­gung der Steu­er­ermä­ßi­gung nicht mehr damit begrün­det wer­den, dass der Klä­ger ledig­lich als Ein­zel­un­ter­neh­mer und damit als Solist für den jewei­li­gen Thea­ter­ver­an­stal­ter tätig gewor­den sei [6].
Aller­dings hat der Klä­ger mit sei­ner Cho­reo­gra­phie­tä­tig­keit die Vor­aus­set­zun­gen des § 12 Abs.2 Nr.7 Buchst. a) UStG des­halb nicht erfüllt, weil es sich bei die­ser Tätig­keit nicht um – mit Thea­ter­vor­füh­run­gen und Kon­zer­ten ver­gleich­ba­re – Dar­bie­tun­gen eines aus­üben­den Künst­lers han­delt. Der Klä­ger hat zwar im Rah­men sei­ner Tätig­keit an Thea­ter­auf­füh­run­gen als aus­üben­der Künst­ler mit­ge­wirkt, er hat jedoch als Cho­reo­graph von Kampf­sze­nen nicht selbst ein künst­le­ri­sches Werk – wie nach dem Wort­laut des § 12 Abs.2 Nr. 7 Buchst. a) UStG erfor­der­lich – dar­ge­bo­ten.
Der Begriff des aus­üben­den Künst­lers ent­stammt dem Urhe­ber­recht und zwar auch dem inter­na­tio­na­len Urhe­ber­recht [7]. Nach der Legal­de­fi­ni­ti­on in § 73 UrhG ist aus­üben­der Künst­ler im Sin­ne die­ses Geset­zes, wer ein Werk oder eine Aus­drucks­form der Volks­kunst auf­führt, singt, spielt oder auf eine ande­re Wei­se dar­bie­tet oder an einer sol­chen Dar­bie­tung künst­le­risch mit­wirkt. Hier­nach ist der Klä­ger als Cho­reo­graph im Bereich Kampf­sze­nen zwar nicht als unmit­tel­bar aus­üben­der Künst­ler im Sin­ne der ers­ten Alter­na­ti­ve des § 73 UrhG zu beur­tei­len, da hier­zu nur die Per­so­nen­grup­pe zählt, die typi­scher­wei­se selbst vor Publi­kum auf­tritt und das Werk auf die Büh­ne trans­por­tiert (Sän­ger, Musi­ker, Schau­spie­ler etc.) [8]. Aller­dings zählt der Klä­ger mit sei­ner Cho­reo­gra­phie­tä­tig­keit zu der Grup­pe der aus­üben­den Künst­ler i.S. der 2. Alter­na­ti­ve des § 73 UrhG, wel­che an der Dar­bie­tung eines Wer­kes künst­le­risch mit­wir­ken. Mit­wir­kung bedeu­tet Ein­fluss­nah­me auf die Werk­in­ter­pre­ta­ti­on; eine blo­ße Ein­fluss­nah­me auf das äuße­re Erschei­nungs­bild der Dar­bie­tung ist nicht aus­rei­chend [9]. Durch das Erfor­der­nis einer künst­le­ri­schen Mit­wir­kung soll die Abgren­zung zum eben­falls mit­wir­ken­den tech­ni­schen Per­so­nal vor­ge­nom­men wer­den [10]. Regis­seu­re und Diri­gen­ten wir­ken regel­mä­ßig an der Werk­in­ter­pre­ta­ti­on mit [11]. Eine künst­le­ri­sche Mit­wir­kung ent­fällt dage­gen, wenn ledig­lich eine hand­werk­li­che Hand­ha­bung vor­liegt, die vor­ge­ge­be­ne Form­ge­stal­tun­gen nach­voll­zieht.
Nach den viel­fa­chen Beschei­ni­gun­gen der Thea­ter­häu­ser, für wel­che der Klä­ger als Kampf­cho­reo­graph tätig war und ist, wonach es sich bei dem Klä­ger um einen "…Cho­reo­gra­phen und Spe­zia­lis­ten für Fecht- und Kampf­sze­nen im deutsch­spra­chi­gen Raum" han­de­le und ihm im Rah­men sei­ner Tätig­keit die "Kon­zep­ti­on und künst­le­ri­sche Gestal­tung der Cho­reo­gra­phien" oblie­ge, geht das Gericht – in Über­ein­stim­mung mit dem beklag­ten Finanz­amt – davon aus, dass der Klä­ger mit sei­ner Tätig­keit ver­gleich­bar einem Regis­seur als aus­üben­der Künst­ler i.S. des § 73 UrhG anzu­se­hen ist, indem er an den Thea­ter­auf­füh­run­gen, für wel­che er als Cho­reo­graph beauf­tragt war, künst­le­risch mit­ge­wirkt hat.
Die Leis­tun­gen des Klä­gers, die aus­schließ­lich "hin­ter den Kulis­sen" erbracht wer­den und sich in der künst­le­ri­sche Mit­wir­kung an den Auf­füh­run­gen erschöp­fen, wer­den jedoch vom Wort­laut der Ermä­ßi­gungs­vor­schrift des § 12 Abs.2 Nr.7 Buchst. a) UStG nach der Über­zeu­gung des Gerichts nicht erfasst, da hier­von nur die Dar­bie­tung selbst und damit die Leis­tun­gen der aus­üben­den Künst­ler i.S. der 1. Alter­na­ti­ve des § 73 UrhG erfasst wer­den, nicht jedoch die Leis­tun­gen der Künst­ler i.S. der 2. Alter­na­ti­ve des § 73 UrhG, die an der Dar­bie­tung eines Wer­kes künst­le­risch mit­wir­ken. Die nach dem Wort­laut erfor­der­li­che – einer Thea­ter­vor­füh­rung oder einem Kon­zert ver­gleich­ba­re – Dar­bie­tung ist nach der Legal­de­fi­ni­ti­on des § 73 UrhG nicht mit der künst­le­ri­schen Mit­wir­kung an den Thea­ter­auf­füh­run­gen gleich zu set­zen.
Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ver­tritt die Ansicht, dass der Begriff der "Dar­bie­tung" i.S. von § 12 Abs.2 Nr. 7 Buchst. a) UStG auf­grund der Defi­ni­ti­on des "aus­üben­den Künst­lers" in § 73 UrhG nur sol­che Leis­tun­gen erfas­sen kann, die typi­scher­wei­se in Auf­trit­ten gegen­über einem Publi­kum bestehen [12], nicht hin­ge­gen Leis­tun­gen, die im Hin­ter­grund einer Thea­ter­auf­füh­rung erbracht wer­den, selbst wenn der Leis­ten­de hier­mit der Grup­pe der "aus­üben­den Künst­ler" i.S. der 2. Alter­na­ti­ve des § 73 UrhG zuzu­ord­nen ist.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg [13] ist das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf aller­dings nicht der Ansicht, dass es die Vor­ga­ben des Art. 12 Abs. 3 Buch­sta­be a Unter­abs. 3 in Ver­bin­dung mit Anla­ge H, Kate­go­rie 7 und 8 der Sechs­ten Umsatz­steu­er-Richt­li­nie [14] gebie­ten, Leis­tun­gen eines Regis­seurs bzw. – wie hier – eines Cho­reo­gra­phen ermä­ßigt zu besteu­ern und den Leis­tun­gen der dar­bie­ten­den Künst­ler gleich­zu­stel­len. Der vom Euro­päi­schen Gerichts­hof in einer Viel­zahl von Ent­schei­dun­gen her­vor­ge­ho­be­nen Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät, der es ver­bie­tet, gleich­ar­ti­ge und des­halb mit­ein­an­der im Wett­be­werb ste­hen­de Dienst­leis­tun­gen hin­sicht­lich der Mehr­wert­steu­er unter­schied­lich zu behan­deln [15], ist nicht dadurch ver­letzt, dass der Gesetz­ge­ber in § 12 Abs.2 Nr.7 Buchst. a) UStG künst­le­ri­sche Leis­tun­gen im Bereich der Dar­bie­tung begüns­tigt hat, nicht hin­ge­gen Leis­tun­gen eines mit­wir­ken­den Künst­lers i.S. der 2. Alter­na­ti­ve des § 73 UrhG. Der Klä­ger bie­tet kei­ne Leis­tun­gen an, die mit denen etwa eines Schau­spie­lers ver­gleich­bar sind und im Wett­be­werb ste­hen.
Auch das eben­falls vom EuGH in sei­nen Ent­schei­dun­gen nor­mier­te Gleich­be­hand­lungs­ge­bot, des­sen Ver­let­zung im Steu­er­be­reich u.a. durch Dis­kri­mi­nie­run­gen gekenn­zeich­net sein kann, die Wirt­schafts­teil­neh­mer betref­fen, die nicht zwangs­läu­fig mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren, aber sich trotz­dem in einer in ande­rer Bezie­hung ver­gleich­ba­ren Situa­ti­on befin­den und wel­ches ver­langt, dass ver­gleich­ba­re Sach­ver­hal­te nicht unter­schied­lich behan­delt wer­den, es sei denn, dass eine Dif­fe­ren­zie­rung objek­tiv gerecht­fer­tigt wäre [16], wird nicht dadurch ver­letzt, dass der deut­sche Gesetz­ge­ber Dar­bie­tungs­leis­tun­gen aus­üben­der Künst­ler ermä­ßigt besteu­ert durch § 12 Abs.2 Nr.7 Buchst. a) UStG, nicht hin­ge­gen Leis­tun­gen der an einer Auf­füh­rung mit­wir­ken­den Künst­ler i.S. des § 73 2.Alt. UrhG. Eine Ver­gleich­bar­keit der Tätig­keit des Klä­gers, der mit sei­nem Kampf­kunst­trai­ning im Hin­ter­grund zu dem Gelin­gen der Thea­ter­auf­füh­run­gen bei­trägt, zu der Tätig­keit der dar­bie­ten­den Künst­ler, etwa den Schau­spie­lern, wel­che das Thea­ter­stück auf­füh­ren, ist nicht bereits dadurch gege­ben, dass es sich sowohl bei dem Klä­ger als auch bei den Schau­spie­lern um aus­üben­de Künst­ler i.S. des § 73 UrhG han­delt. Eine dis­kri­mi­nie­ren­de Ungleich­be­hand­lung könn­te nur dann gege­ben sein, wenn ande­re aus­üben­de Künst­ler, die an Dar­bie­tun­gen ledig­lich mit­wir­ken im Sin­ne des § 73 2.Alt. UrhG (z.B. Regis­seu­re) [17], die Steu­er­ermä­ßi­gung für sich in Anspruch neh­men könn­ten, hin­ge­gen der Klä­ger als Kampf­cho­reo­graph nicht.
Dies ist jedoch nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf nicht der Fall [18]. Im übri­gen sei in die­sem Zusam­men­hang dar­auf hin­ge­wie­sen, dass im Hin­ter­grund von Thea­ter­auf­füh­run­gen auch ande­re Unter­neh­mer mit­wir­ken, die nicht den Sta­tus des aus­üben­den Künst­lers im Sin­ne von § 73 2.Alt. UrhG für sich in Anspruch neh­men kön­nen (z.B. selb­stän­di­ge Ton­meis­ter, Bühnen‑, Kos­tüm oder Mas­ken­bild­ner) [19] und ihre Umsät­ze dem Regel­steu­er­satz des § 12 Abs.1 UStG unter­wer­fen müs­sen.
Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf stimmt auch nicht der Aus­sa­ge des Finanz­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg [20] zu, wonach ein Mit­glied­staat, der von einer durch die Richt­li­nie ein­ge­räum­ten Ermäch­ti­gung Gebrauch machen möch­te, grund­sätz­lich im Inter­es­se einer ein­heit­li­chen Anwen­dung ver­pflich­tet sein soll, die­se in vol­lem Umfan­ge umzu­set­zen. Gemäß Art. 12 Abs. 3 Buch­sta­be a Unter­abs. 3 der 6. USt-Richt­li­nie ist es den Mit­glied­staa­ten frei­ge­stellt, die Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den und Dienst­leis­tun­gen der in Anhang H genann­ten Kate­go­rien ermä­ßigt zu besteu­ern. Eine grund­sätz­li­che Ver­pflich­tung des Mit­glied­staa­tes, die in Anhang H auf­ge­führ­ten Umsät­ze, soweit sie sich in einer Kate­go­rie befin­den, ent­we­der ins­ge­samt oder gar nicht zu begüns­ti­gen, ver­mag das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf dem Wort­laut des Art. 12 Abs. 3 Buch­sta­be a Unter­abs. 3 der 6. USt.-Richtlinie nicht zu ent­neh­men. Viel­mehr ist es hier­nach auch zuläs­sig, nur ein­zel­ne Umsät­ze einer Kate­go­rie aus dem Anhang H mit einem ermä­ßig­ten Steu­er­satz zu begüns­ti­gen, ande­re hin­ge­gen nicht. Die Gren­ze der Befug­nis eines Mit­glied­staa­tes, von einer Ermäch­ti­gung im Sin­ne des Art. 12 Abs. 3 Buch­sta­be a Unter­abs. 3 der 6. USt.-Richtlinie nach eige­nem Belie­ben Gebrauch zu machen, ist nach Ansicht des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf ledig­lich die Beach­tung des steu­er­li­chen Neu­tra­li­täts­grund­sat­zes und des Gleich­be­hand­lungs­ge­bo­tes, die aber – wie hier – durch die Ungleich­be­hand­lung der Leis­tun­gen des Klä­gers zu denen eines dar­bie­ten­den Künst­lers nicht ver­letzt sind.
Woll­te man hin­ge­gen der Ansicht des Finanz­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg (in FG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 04.11.2008 – 7 K 2310/​06 B, EFG 2009, 156, Rdnr. 65)) fol­gen, so könn­ten sich z.B. auch Unter­neh­men, die mit der Instand­set­zung medi­zi­ni­scher Gerä­te befasst sind, auf eine direk­te Anwen­dung des Art. 12 Abs. 3 Buch­sta­be a Unter­abs. 3 in Ver­bin­dung mit Anla­ge H, Kate­go­rie 4 der 6. USt.-Richtlinie und die Anwen­dung des ermä­ßig­ten Steu­er­sat­zes mit der Begrün­dung beru­fen, der deut­sche Gesetz­ge­ber habe zwar durch § 12 Abs.2 Nr.1 UStG i.V.m. Nrn.51 und 52 der Anla­ge zu § 12 Abs.2 Nrn. 1 und 2 UStG die Lie­fe­rung und Ver­mie­tung medi­zi­ni­scher Gerä­te steu­er­be­güns­tigt hat, nicht aber – obwohl in Kate­go­rie 4 des Anhangs H zu Art. 12 Abs. 3 Buch­sta­be a Unter­abs. 3 der 6. USt.-EG-Rl. eben­falls benannt – auch deren Instand­set­zung.
Der Klä­ger kann sich schließ­lich auch nicht mit Erfolg dar­auf beru­fen, dass sei­ne Cho­reo­gra­phie­tä­tig­keit gemäß § 12 Abs.2 Nr.7 Buchst. c) UStG ermä­ßigt zu besteu­ern sei. Nach die­ser Vor­schrift ermä­ßigt sich die Steu­er auf sie­ben Pro­zent für die die Ein­räu­mung, Über­tra­gung und Wahr­neh­mung von Rech­ten, die sich aus dem Urhe­ber­rechts­ge­setz erge­ben.
Die­se Ermä­ßi­gungs­vor­schrift gilt zwar grund­sätz­lich für alle aus­üben­den Künst­ler i.S. von § 73 UrhG, die den Schutz des Urhe­ber­rechts für sich in Anspruch neh­men kön­nen, und damit auch für den Klä­ger. Aller­dings han­delt es sich, soweit sich der Klä­ger in sei­nen Ver­trä­gen gegen­über den Thea­ter­be­trei­bern auch dazu ver­pflich­tet hat, der jewei­li­gen Büh­ne auch die Auf­füh­rungs­rech­te an sei­nen Cho­reo­gra­phien der Kampf­kunst für eine unbe­grenz­te Zahl von Auf­füh­run­gen zu über­las­sen, um blo­ße Neben­leis­tun­gen zu der Haupt­leis­tung, die Cho­reo­gra­phie und die Kampf­sze­nen mit den Schau­spie­lern in Trai­nings­stun­den ein­zu­stu­die­ren.
Die Ein­räu­mung oder Über­tra­gung der urhe­ber­recht­li­chen Nut­zungs­rech­te muss Haupt­be­stand­teil der ein­heit­li­chen Gesamt­leis­tung sein [21]. Es reicht aber nicht aus, dass im Rah­men eines Umsat­zes (z.B. Werk­ver­trag) auch Rech­te nach dem Urhe­ber­ge­setz mit­über­tra­gen wer­den. So liegt der Fall aber hier: Nach dem vor­lie­gen­den Werk­ver­trag erhält der Klä­ger sein Hono­rar für die Cho­reo­gra­phie und Ein­stu­die­rung der Kampf­sze­nen; das Hono­rar bemisst sich dabei expli­zit an dem Umfang der ver­an­schlag­ten Trai­nigs­ein­hei­ten. Zugleich mit dem Hono­rar für die Trai­nings­ein­hei­ten über­lässt der Klä­ger dem Thea­ter­be­trei­ber die not­wen­di­gen Auf­füh­rungs­rech­te. Selbst wenn es zu einer Ver­ein­ba­rung des Klä­gers mit sei­nen Ver­trags­part­nern über die Über­tra­gung von Schutz­rech­ten gekom­men sein soll­te, ist die­se Rechts­ein­räu­mung nicht die Haupt­leis­tung bzw. wesent­li­cher Inhalt der Ver­trags­be­zie­hung zu sei­nen Auf­trag­ge­bern gewe­sen, son­dern allen­falls eine unselb­stän­di­ge Neben­leis­tung, die den Steu­er­satz für die Haupt­leis­tung nicht beein­flusst [22]. Soweit ein urhe­ber­recht­li­ches Nut­zungs- und Ver­wer­tungs­recht nur als unwe­sent­li­cher Bestand­teil einer ein­heit­li­chen Gesamt­leis­tung ver­ein­bart wird oder nur eine unselb­stän­di­ge Neben­leis­tung zur Haupt­leis­tung dar­stellt, teilt es das Schick­sal der umsatz­steu­er­recht­lich nicht begüns­tig­ten Haupt­leis­tung [23].
Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf, Urteil vom 27. Janu­ar 2010 – 5 K 1072/​08 U
FG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 04.11.2008 – 7 K 2310/​06 B, EFG 2009, 156[↩]
sie­he unter Anga­be der BT-Drs. Huschens in Vogel/​Schwarz, Kom­men­tar zum UStG, § 12 Abs.2 Nr.7 Buchst. a), Rdnr. 1b[↩]
EuGH, Urteil vom 23.10.2003 – C‑109/​02, BStBl II 2004, 337; UR 2004, 34[↩]
BMF, Schrei­ben vom 26.3.2004 – IV B 7‑S 7238 – 2/​04, BStBl I 2004, 449[↩]
so auch FG Ham­burg, Urteil vom 28.05.2009 – 1 K 53/​08, EFG 2009, 1878[↩]
sie­he älte­re Rspr. des BFH vor Erge­hen des EuGH-Urteils C‑109/​02, u.a.: BFH, Urteil vom 24.02.2000 – V R 23/​99, BFHE 191, 88, BStBl II 2000, 302[↩]
sie­he hier­zu FG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 04.11.2008 – 7 K 2310/​06 B, EFG 2009, 156; Rdnr. 68[↩]
sie­he hier­zu Drei­er in Dreier/​Schulze, UrhG-Kom­men­tar, 3. Aufl. 2008, § 73, Rdnr.10 – 12[↩]
sie­he hier­zu mit aus­führ­li­chen Fund­stel­len: FG Ham­burg, Urteil vom 23.10.2008 – 5 K 150/​07[↩]
BGH, Urteil vom 14.11.1980 – I ZR 73/​78, GRUR 1981, 419 – Quiz­mas­ter[↩]
Drei­er in Dreier/​Schulze, UrhG, § 73 Rn. 13[↩]
so auch u.a. Nie­der­säch­si­sches Fin­Min, Erlass zu § 4 Nr.20 UStG vom 05.02.2004 – S 7177 ‑54 ‑32, UR 2005, 43[↩]
in FG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 04.11.2008 – 7 K 2310/​06 B, EFG 2009, 156[↩]
Sechs­ten Richt­li­nie des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern – 77/​388/​EWG – [↩]
EuGH, Urtei­le vom 10.09.2002 – C – 141/​00 [Küg­ler], UR 2002, 513, Rz. 56; vom 23.10.2003 – C – 109/​02 [Kommission/​Deutschland], BStBl. II 2004, 482, Rz. 20; vom 26.05.2005 – C‑498/​03 [Kingscrest], UR 2005, 453, Rz. 41, 52; vom 12.01.2006 – C – 246/​04 [Turn- und Sport­ver­ein Wald­burg], UR 2006, 224, Rz. 33[↩]
EuGH, Urteil vom 10.04.2008 – C‑309/​06, UR 2008, 592[↩]
sie­he Drei­er in Dreier/​Schulze, UrhG, § 73 Rn. 13[↩]
ent­ge­gen der Auf­fas­sung des FG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 04.11.2008 – 7 K 2310/​06 B, EFG 2009, 156[↩]
sie­he Bei­spie­le von Drei­er in Dreier/​Schulze, UrhG, § 73 Rn. 14[↩]
in FG Ber­lin-Bran­den­burg, Urti­el vom 04.11.2008 -7 K 2310/​06 B, EFG 2009, 156, Rdnr. 65[↩]
BFH, Urtei­le vom 14.02.1974 – V R 129/​70, BStBl II 1974, 261; vom 25.11.2004 – V R 25/​04, V R 26/​04, BFHE 208, 479, BStBl II 2005, 419; vgl. auch Abschn. 168 Abs. 1 UStR; BMF, Schrei­ben vom 22.12.1993, BStBl I 1994, 45 bezgl. Com­pu­ter­pro­gram­men[↩]
vgl. inso­weit auch BFH, Urtei­le vom 13.03.1997 – V R 13/​96, BStBl II 1997, 372; und vom 23.07.1998 – V R 87/​97, BStBl II 1998, 641[↩]
vgl. FG Nürn­berg, Urteil vom 26.01.1993 – II 142/​90; EFG 1993, 550[↩]
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