Source: http://jugend.dgb.de/ausbildung/beratung/dr-azubi/?fp.l=t&fp.d=99358
Timestamp: 2017-09-21 04:50:07
Document Index: 221198470

Matched Legal Cases: ['§18', '§3', '§ 18', '§7', '§7', '§22']

Kein Lohn -Urlaub gestrichen - Abmahnung
Ich hab einige wichtige fragen.
Für den Monat Juni wurde mir mein Lohn nicht gezahlt. Ich hab erstmal nichts gemacht und auf ein Gespräch mit meiner Ausbilderin gewartet. Beim Gespräch was denn jetzt letzen Montag (10.07.17) stattgefunden hat. Mit der Begründung das ich einige Zeit krank war (immer mit AU, keine 6 Wochen am Stück) haben sie mir mein Gehalt nicht überwiesen, "Wer keine Leistung zeigt, bekommt auch kein Lohn" so ungefähr die Aussage.
Wie alle mitbekommen haben war in Hamburg der G20, am Freitag (07.07.17) konnte ich die Schule nicht pünktlich erreichen, selbst mein Lehrer ist nicht gekommen (Reisen beide mit der selben Bahn) ca. kurz nach 9 bekam ich den Anruf das ich umdrehen kann und nach Hause kann da unsere Klasse nach Hause geschickt wurde, waren nur 6 von 28 Schüler da. Am Montag dann in der Schule wurde gesagt das alles Entschuldigt sei. Da wir früher Schluss hatten, und ich zu Hause blieb und mich bei der Firma nicht gemeldet habe will meine Firma mich abmahnen. Das lustige ist, in meine Klasse gehen noch 4 Arbeitskollegen, keiner hat sich bei der Firma gemeldet und bescheid gesagt das wir früher Schluss haben. Ich jedoch bin der einzige der eine Abmahnung bekommen soll.
Im Gespräch wurde mir auch mein bewilligter Urlaub im August gestrichen mit der Begründung das ich Krank war.
Die Ver.di kann mir nicht helfen da ich zu dem Zeitpunkt kein Mitglied war, was kann ich noch tun?
James: 13.07.2017 19:00:04 |
RE: Kein Lohn -Urlaub gestrichen - Abmahnung
vielen Dank für die Anfrage an unser Dr. Azubi Forum.
Das ist ja wirklich eine verzwickte Situation! Effektiv sind es gerade zwei Problemstellungen:
- Die fehlende Ausbildungsvergütung und der gestrichene Urlaub. Beides vom Betrieb begründet durch die Krankheitstage.
- Die Abmahnung aufgrund der fehlenden Info, dass die Berufsschule ausfällt. Damit verbunden die Ungleichbehandlung mit den anderen Azubis die ebenfalls von der Schule nach Hause gefahren sind.
Zunächst einmal zur Ausbildungsvergütung:
Deine Ausbildungsvergütung muss dir regelmäßig, und zwar vor Ablauf des Monats, gezahlt werden - so steht es im Gesetz (§18 Berufsbildungsgesetz). Sonst kannst du ja nicht richtig mit deinen monatlichen Finanzen kalkulieren.
Wenn du krank bist, hast du Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (§3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse.
Wenn dein Gehalt ausbleibt, solltest du es möglichst bald geltend machen. Wenn du Gewerkschaftsmitglied bist, hilft sie dir dabei, ohne dass Kosten für dich entstehen. Leider bist du anscheinend aktuell noch kein Mitglied. Ich hoffe du kannst nachvollziehen, dass ver.di dies nur für ihre Mitglieder macht. (Leider heißt es viel zu oft: „Warum soll ich Gewerkschaftsmitglied werden, ich bekomm doch auch so alles.“. Tatsächlich haben aber nur Mitglieder einen Anspruch auf die entsprechenden Tarifverträge und die Leistungen der Gewerkschaften.)
Sollten Dir durch die verspätete Zahlung oder ausbleibende Ausbildungsvergütung Mahnkosten oder Überziehungszinsen entstanden sein, dann kannst Du diese Deinem Betrieb in Rechnung stellen.
Eine Geltendmachung schreibt man während der Ausbildung oder nach Ende der Ausbildung, um Leistungen schriftlich einzufordern. Wenn du eine Geltendmachung schreibst, musst du die Höhe deiner Forderung darin angeben und deinen Arbeitgeber am besten mit einer Fristsetzung (also einem genauem Datum) zur Zahlung auffordern. Außerdem solltest du sie so bald wie möglich formulieren und per Einschreiben (mit Rückschein) abschicken, damit du einen Nachweis über deine Geltendmachung hast. Du kannst auch eine Kopie des Schreibens an die zuständige Stelle schicken (hier reicht ein ganz normaler Brief), um sie über deine Probleme in Kenntnis zu setzen. Hier hast du eine grobe Vorlage für eine Gehaltsgeltendmachung:
laut § 18 Berufsbildungsgesetz muss mein Gehalt bis zum letzten Arbeitstag des Monats auf meinem Girokonto eingehen. Ich habe mein Gehalt für den Monat allerdings bis heute nicht erhalten. Bitte überweisen Sie mir den ausstehenden Betrag von xxx Euro umgehend auf mein Konto.
(Unterschrift Azubi)
Nun zum Urlaub:
Leider gibt es häufig Probleme mit dem Zeitpunkt des Urlaubs. Das Bundesurlaubsgesetz sagt dazu, dass du dich mit deinem Ausbilder auf den Urlaubszeitpunkt einigen musst (§7 Bundesurlaubsgesetz). In der Praxis heißt das: Du stellst einen Urlaubsantrag und dein Ausbilder darf dir den Urlaub nur dann verweigern, wenn wichtige soziale (zum Beispiel Vorrang von Mitarbeitern mit Kindern), oder betriebliche Gründe (zum Beispiel feststehender Betriebsurlaub) dagegen sprechen (§7 Bundesurlaubsgesetz). Wenn es also in deinem Betrieb festgelegte Betriebsferien gibt, musst auch du dich daran halten. Aber häufig wird der Urlaub aus anderen Gründen verweigert wie zum Beispiel Personalmangel. Dieser Grund ist nur in Ausnahmesituationen rechtens, denn der reibungslose Ablauf des Betriebes sollte nicht davon abhängen, ob der Azubi da ist oder nicht.
Nachdem du für deine Krankheitstage anscheinend jeweils eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hast, ist dies erst mal kein Grund deinen Urlaub nachträglich doch zu verwehren.
Um auf Nummer sicher zu gehen gilt folgender Grundsatz: Stelle einen schriftlichen Urlaubsantrag und bitte frühzeitig um mögliche Termine. Dein Ausbilder muss innerhalb von einem Monat auf deinen Antrag reagieren. Du solltest dir die Urlaubsgenehmigung für einen bestimmten Zeitraum unbedingt schriftlich geben lassen, so hättest du im Streitfall einen Nachweis und die Chancen stehen gut, dass du den Urlaub auch tatsächlich antreten kannst! Reagiert dein Ausbilder nicht innerhalb von einem Monat kannst du davon ausgehen, dass dein Urlaub genehmigt ist. Trotzdem musst du aufpassen, wenn sich der Ausbilder dann plötzlich quer stellt. Denn auch, wenn du dich im Recht fühlst, weil der Urlaub schon genehmigt war: Eigenmächtiger Urlaubsantritt ist Kündigungsgrund (§22 Berufsbildungsgesetz). In diesem Fall solltest du dich lieber an deine Gewerkschaft wenden und versuchen deinen Urlaubswunsch mit legitimen Mitteln durchzusetzen.
Zu guter Letzt noch etwas zur Abmahnung:
Eine Abmahnung ist erst mal ein Schock und das soll sie auch sein! Eine Abmahnung soll dir deutlich zu verstehen geben, dass dein Ausbilder mit deiner Leistung oder deinem Verhalten nicht zufrieden ist. Damit die Abmahnung formal richtig ist, muss ganz genau drin stehen, welche Pflichtverletzung dir zum Vorwurf gemacht wird. Außerdem muss dir eine Abmahnung auch immer die Kündigung androhen, falls du deine Leistung oder dein Verhalten nicht änderst. Es gibt eine Faustregel, die besagt, dass der Kündigung eines Azubis mindestens zwei Abmahnungen vorausgehen müssen (Ausnahme: Bei groben Vergehen wie zum Beispiel Diebstahl kann auch ohne Abmahnung gekündigt werden). Per Gesetz hat der Ausbilder nämlich „erzieherische Pflichten“, was im Klartext bedeutet, dass du erst mal durch die Abmahnung die Chance bekommst, dazuzulernen. Deshalb muss die Abmahnung auch relativ bald nach deiner Pflichtverletzung ausgesprochen werden, also nicht zum Beispiel ein Jahr später, denn dann kannst du ja nichts mehr ändern!
Nach frühestens eineinhalb Jahren verliert die Abmahnung dann ihre Gültigkeit, sie verjährt sozusagen. Achtung: Falls es plötzlich Abmahnungen hagelt, kann das ein Zeichen dafür sein, dass dein Ausbilder dich loswerden will und deine Kündigung vorbereitet. Dann solltest du dich umgehend bei deiner Gewerkschaft beraten lassen.
Das die anderen 4 keine Abmahnung bekommen habe ist aus deiner Sicht natürlich nicht cool. Allerdings liegt es im Ermessen des Betriebes Abmahnungen zu erteilen. Diesbezüglich kann man kaum gegen die Ungleichbehandlung vorgehen. Du kannst es allerdings kritisch ansprechen.
Auch wenn du sie anscheinend schon hast, hier noch mal die Kontaktdaten zu ver.di:
Ver.di Geschäftsstelle Hamburg
Tel.: 040/2858-100
Fax: 01805-837343-21202
(Generell gilt: Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand. Daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten. Schließlich treten immer wieder Probleme im Arbeitsleben auf, wie du merkst leider sogar schon während der Ausbildung. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.)
Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, dass sich die Probleme, gerade mit der Ausbildungsvergütung, schnell klären!
Dr. Azubi: 17.07.2017 13:19:44