Source: https://rd.springer.com/chapter/10.1007/978-3-642-95317-0_22
Timestamp: 2018-07-20 18:45:10
Document Index: 103219992

Matched Legal Cases: ['§ 831', 'BGH', 'BGH', '§ 31', '§ 831', '§ 95', '§ 831', '§ 5', '§ 831', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 831', '§ 95', 'BGH', '§ 126', '§ 31', 'BGH', '§ 31', 'BGH', '§ 823', '§ 64', 'Art. 116', 'Art. 52', 'Art. 211', '§714', '§ 31']

Die sogenannte Organhaftung und die Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Versuch einer Analogiebildung zu Richterrecht | Springer for Research & Development
Gesetzgebungstheorie, Juristische Logik, Zivil- und Prozeßrecht pp 261-273 | Cite as
Die sogenannte Organhaftung und die Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Versuch einer Analogiebildung zu Richterrecht
Burkhard Schmiedel
Das Wort „Organhaftung” ist ein abstrakter und zudem ein dogmengeschichtlich sehr befrachteter Begriff. Spricht man überdies von der „sogenannten Organhaftung”, so will man sich offenbar von diesem Begriff distanzieren, will ihn sich nicht in seiner eigentlichen Bedeutung zu eigen machen. So wäre es recht mühsam, mit einer Begriffsklärung zu beginnen.
Um einige Ausführungen zu § 831 BGB gekürzter und durch Fußnoten und Thesen ergänzter Text meiner Antrittsvorlesung als Freiburger Privatdozent vom 18. Juni 1976; die Vortragsform wurde erhalten. — Jürgen Rödig hat eine frühere Fassung dieses Beitrags noch gekannt und darüber — wie seit vielen Jahren über fast alle meine wissenschaftlichen Arbeiten — mit mir diskutiert.
BGHZ45, 311.Google Scholar
Diese Einschränkung macht auch der BGH; siehe a.a.O. S. 313 („in der Regel”).Google Scholar
Vgl. etwa: Kornblum, Udo, Die Haftung der Gesellschafter für Verbindlichkeiten von Personengesellschaften (= Sammlung Athenäum, 3), 1972, S. 41 ff.Google Scholar
Nitschke, M., Die Anwendbarkeit des im § 31 BGB enthaltenen Rechtsgedankens auf alle Unternehmensträger, NJW 1969, 1737, S. 1738 (Ausschluß des § 831 allerdings wohl nur bei atypischen Gestaltungen); Esser, J., Schuldrecht II, 4. Aufl. 1971, § 95 V, S. 290.Google Scholar
Sellert, W., Zur Anwendung der §§ 831, 31 BGB auf die Gesellschaft bürgerlichen Rechts, AcP 175 (1975) 77 ff.; Nicknig, Paul-Georg, Die Haftung der Mitglieder einer BGB-Gesellschaft für Gesellschaftsschulden (= Abhandlungen zum deutschen und europäischen Handels- und Wirtschaftsrecht, 6), 1972, S. 37 f.; Schmidt, Karsten, Gilt § 5 HGB im „Unrechtsverkehr”?, DB 1972, 959 ff., S. 959; Soergel/Zeuner, BGB Bd. 3, 10. Aufl. 1969, § 831 Anm. 176. — Schon vor BGHZ 45, 311, u.z. mit besonders sorgfältiger Begründung, Fabricius, F., Zur Haftung der BGB-Gesellschaft für unerlaubte Handlungen aus der Geschäftsführung von Gesellschaftern, in: Gedächtnisschrift f. Rudolf Schmidt, 1966, 171, S. 172 ff. — Wenige Jahre nach Inkrafttreten des BGB bereits Marcus, Haftung von Gesellschaften des bürgerlichen Rechts für Wettbewerbsdelikte ihrer Geschäftsführer, DJZ 1906, 78 f.Google Scholar
Zu der vor BGHZ 45, 311 herrschenden Auffassung: Fabricius, a.a.O.; Kornblum, a.a.O., S. 11 f. (mit Nachweisen).Google Scholar
So BGHZ 45, 311, S. 313 und alle in N. 3 Genannten außer Sellert (der das herkömmlicherweise für die Geschäftsherren Stellung geforderte „Weisungsrecht” insgesamt durch andere Kriterien zu ersetzen sucht).Google Scholar
BGH, a.a.O.Google Scholar
Ob § 831 BGB als Zurechnungsnorm für den Regelfall wirklich ausscheiden muß, soll hier dahingestellt bleiben; ich hoffe, darauf in einer späteren Arbeit zurückkommen zu können.Google Scholar
So: Fabricius, a.a.O. (N. 3), S. 179 ff.; Kornblum, a.a.O. (N. 3), S. 44 ff; Nitschke, a.a.O. (N. 3) (allerdings für „alle Unternehmensträger”); Sellert, a.a.O. (N. 3), S. 98 ff.; Nicknig, a.a.O. (N. 3), S. 34 ff.; Westermann, Harry, Personengesellschaftsrecht, 2. Aufl. 1973, Rdnr. 380 (zumindest dazu neigend); Flume, W., Die Gesamthand als Besitzer, in: Freundesgabe f. Hans Hengeler, 1972, 76 ff., S. 85; ders., Schuld und Haftung bei der Gesellschaft des bürger-lichen Rechts, in: Festschrift f. Harry Westermann, 1974, 119 ff., S. 142 f.; Esser, a.a.O. (N. 3), § 95 V, S. 290; Beuthien, V., Die Haftung von Personengesellschaften, DB 1975, 725 ff., 774 ff., S. 775; Wiedemann, Herbert, Juristische Person und Gesamthand als Sondervermögen, Sonderbeitrag Nr. 4/1975 zu Nr. 34 der WM vom 23.8.1975; Reinhardt, Rudolf, Gesellschaftsrecht, 1973, S. 46; Schmidt, Karsten, a.a.O. (N. 3), S. 959 u. 962.Google Scholar
Vgl. von den in der vorstehenden Nota Genannten vor allem Fabricius, Nitschke, Kornblum und Nicknig.Google Scholar
Heck, Philipp, Grundriß des Schuldrechts, 1929, S. 377.Google Scholar
Vgl. den Leitsatz der Entscheidung des BGH vom 8.2.1952, LM Nr. 1 zu § 126 HGB= NJW 1952,537.Google Scholar
Dieser Ansatz findet sich schon bei Marcus, a.a.O. (N. 3), und, jedenfalls im Prinzip, jetzt auch bei Ernst, a.a.O. (N. 3), S. 144 ff. (nach ausführlich begründeter Zurückweisung der Argumente von Fabricius für die Analogie zu § 31 BGB auf S. 139 ff.).Google Scholar
Vgl. etwa: BGH, a.a.O. (N. 11); Hueck, Alfred/Hueck, Götz, Gesellschaftsrecht, 17. Aufl. 1975, S. 41; Hueck, Alfred, Das Recht der offenen Handelsgesellschaft, 4. Aufl. 1971, S. 274; Soergel/Schultze-v. Lasaulx, BGB Bd. 1, 10. Aufl. 1967, § 31 Anm. 11. — Anders jedoch insbesondere: Nitschke, a.a.O. (N. 3) S. 1740; Rittner, Fritz, Die werdende juristische Person, 1973, S. 258 f.; Ernst, a.a.O. (N. 3), S. 144/145.Google Scholar
BGHZ 45, 311, S. 312.Google Scholar
Nachweise sogleich unter IV.Google Scholar
Vgl. Gierke, Otto, Deutsches Privatrecht I, 1895, S. 472.Google Scholar
v. Tuhr, Andreas, Der Allgemeine Teil des Deutschen Bürgerlichen Rechts I, 1910, S. 464; v. Tuhrs glanzvolle Widerlegung der Organtheorie beginnt auf S. 461.Google Scholar
Zu dieser Gleichsetzung Schmiedel, Burkhard, Deliktsobligationen nach Deutschem Kartellrecht I, Zivilrechtsdogmatisehe Grundlegung: Untersuchungen zu § 823 Abs. 2 BGB, 1974, S. 201 ff.; siehe auch Rödig, Jürgen, Die Theorie des gerichtlichen Erkenntnisverfahrens, 1973, § 64 (S. 279 ff.), explizit zum Verhältnis „Gesetzgeber”-„Gesetzesverfasser” S. 299 N. 58.Google Scholar
Siehe in diesem Zusammenhang vor allem: Zur Gesetzgebungstechnik, in: Festschrift f. Justus Wilhelm Hedemann, 1938, S. 75 ff. (zur Analogie S. 80 f.).Google Scholar
RGZ 15,121 (5.2.1886).Google Scholar
Siehe v. Lutz, J. (Hrsg.), Protokolle der Kornmission zur Berathung eines allgemeinen deutschen Handelsgesetzbuches [„Nürnberger Protokolle”], Beilagenband I,1861, S. 162, Art. 116.Google Scholar
Nürnberger Protokolle, a.a.O., S. 151, Art. 52 und S. 180, Art. 211.Google Scholar
Nürnberger Protokolle, IX. Theil, S. 4518 f.Google Scholar
Ibd. S. 4582 und S. 4544.Google Scholar
RGZ 15, 121, S. 123.Google Scholar
In RGZ 10, 301 (29.6.1883).Google Scholar
RGZ 15,121, S. 123 ff.Google Scholar
Ibd. S. 127.Google Scholar
A.a.O. (oben N. 22 mit N. 24), S. 4518.Google Scholar
Ibd.Google Scholar
RGZ 15,121, S. 127/128.Google Scholar
Ibd. S. 129.Google Scholar
Unten unter 3.Google Scholar
35. RGZ 17, 93 (21.3.1887).Google Scholar
RGZ 20,190 (21.4.1888).Google Scholar
RGZ 32, 32(2.11.1893).Google Scholar
A.a.O. S. 35.Google Scholar
Siehe §714 BGB.Google Scholar
Das bedeutet in der praktischen Konsequenz, daß BGB-Gesellschaften, die wirtschaftlich ohne oder von geringer Bedeutung sind, für das die offenen Handelsgesellschaften treffende Haftungsprinzip ausscheiden, denn bei solchen Gesellschaften besteht regelmäßig kein Anlaß, sich über die Regelung von Geschäftsführung und Vertretung auch nur Gedanken zu machen. Damit kommt es zu einer auch unter Billigkeitsgesichtspunkten wünschenswerten Differenzierung, die doch bei klaren, spezifisch juristischen Tatbestandskriterien ansetzen kann und nicht auf einen so unsicheren Maßstab wie „wirtschaftliche Größe” zu rekurrieren braucht.Google Scholar
Vgl. oben N. 32 und das zugehörige Zitat.Google Scholar
Bei Hahn, C./Mugdan, B., Die gesammten Materialien zu den Reiehs-Justizgesetzen VI, Materialien zum Handelsgesetzbuch, 1897.Google Scholar
RGZ 46, 18, S. 20.Google Scholar
RGZ 76, 35 (13.2.1911), S. 48.Google Scholar
Siehe Rittner, a.a.O. (N. 13).Google Scholar
Nachweise oben N. 13.Google Scholar
So Soergel/Schultze v. Lasaulx, a.a.O. (N. 13); Sellert, a.a.O. (N. 3), S. 98;Hueck, A., a.a.O. (N. 13).Google Scholar
Die „Zwischenschaltung” des Gewohnheitsrechts, wonach erst „die allgemeine Rechtsüberzeugung, die sich in einer konstanten Übung manifestiert”, einer ständigen (höchstrichterlichen) Rechtsprechung normativen Charakter verleihen soll (so Larenz, Karl, Methodenlehre der Rechtswissenschaft, 3. Aufl. 1975, S. 425), dürfte auch sonst in aller Regel auf eine bloße Fiktion hinauslaufen.Google Scholar
Aus der — allmählich schwer überschaubar werdenden — Literatur zu Richterrecht seien genannt (alle mit weiteren Nachw.): Fischer, Robert, Die Weiterbildung des Rechts durch die Rechtsprechung, 1971; Kruse, Heinrich Wilhelm, Das Richterrecht als Rechtsquelle des innerstaatlichen Rechts, 1971 (= Recht und Staat, 396), Schneider, Hans-Peter, Richterrecht, Gesetzesrecht und Verfassungsrecht, 1969; Coing, Helmut, Zur Ermittlung von Sätzen des Richterrechts, JuS 1975, 277 ff.Google Scholar
So von den in N. 8 Genannten insbesondere Fabricius, Nitschke, Harry Westermann, Flume (1974), Beuthien.Google Scholar
In der Festschrift f. Harry Westermann, 1974, S. 143.Google Scholar
Der Rekurs auf die „Analogie zu § 31 BGB”, die nur die Haftung mit dem Gesellschaftsvermögen trage (a.a.O.), übersieht — wie dargelegt — Ursprung und Geltungsgrund des fraglichen Haftungsprinzips schon bei der offenen Handelsgesellschaft.Google Scholar
Schmiedel B. (1978) Die sogenannte Organhaftung und die Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Versuch einer Analogiebildung zu Richterrecht. In: Klug U., Ramm T., Rittner F., Schmiedel B. (eds) Gesetzgebungstheorie, Juristische Logik, Zivil- und Prozeßrecht. Springer, Berlin, Heidelberg
DOI https://doi.org/10.1007/978-3-642-95317-0_22