Source: https://finanzgericht.niedersachsen.de/aktuelles/presseinformationen/newsletter-5-2020-vom-20-mai-2020-188492.html
Timestamp: 2020-08-04 00:01:05
Document Index: 285555403

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 173', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 8']

Newsletter 5/2020 vom 20. Mai 2020 | Nds. Finanzgericht
Newsletter 5/2020 vom 20. Mai 2020
des Niedersächsischen
Urteil vom 19. November 2019 - 5 K 282/18
Besteuerung von Aufsichtsräten u.ä.: Vorsitzender des Verwaltungsrats eines berufsständischen Versorgungswerks unterliegt mit dieser Tätigkeit nicht der Umsatzsteuer
Mit Urteil vom 19. November 2019 (5 K 282/18) hat der 5. Senat des Niedersächsischen Finanzgerichts – soweit ersichtlich – als erstes Finanzgericht unter Berücksichtigung des Urteils des Europäischen Gerichtshofs vom 13. Juni 2019 C-420/18 (DStR 2019, 1396) zur Steuerbarkeit der Einnahmen eines Verwaltungsratsvorsitzenden Stellung genommen. Danach unterliegt die Tätigkeit nicht der Umsatzsteuer, wenn der Verwaltungsratsvorsitzende weder im eigenen Namen nach außen auftritt noch gegenüber dem Versorgungswerk über die Befugnis verfügt, die für dessen Führung erforderlichen Entscheidungen zu treffen.
Das Finanzamt hielt die Tätigkeit des Klägers als Verwaltungsrat für umsatzsteuerbar und – wegen der Höhe seiner Bezüge auch im Lichte des § 4 Nr. 26 Umsatzsteuergesetz – steuerpflichtig.
Urteil vom 25. Februar 2020 - 9 K 112/18
Mit Urteil vom 25. Februar 2020 (9 K 112/18) hat der 9. Senat des Niedersächsischen Finanzgericht entschieden, dass Verluste aus der Vermietung einer Immobilie mangels Vorliegen einer Einkünfteerzielungsabsicht auch rückwirkend dann nicht mehr anerkannt werden können, wenn dem Finanzamt nachträglich Umstände bekannt werden, aus denen sich die bereits bei Abschluss des Mietvertrags bestehende Absicht einer späteren unentgeltlichen Übertragung des Vermietungsobjektes an die Mieter ergibt.
Im zugrunde liegenden Streitfall hatte der Kläger ein Einfamilienhaus, dass er kurze Zeit zuvor von seiner Mutter im Wege der vorgenommenen Erbfolge übertragen bekommen hatte, an seinen Sohn und seine Schwiegertochter vermietet. Nach dem auf unbestimmte Zeit geschlossenen Mietvertrag sollte die Mietzeit am Tag des Besitzübergangs auf den Kläger (1. Mai 2013) beginnen. In der Folgezeit nahm der Kläger zunächst jedoch umfangreiche Umbau- und Erweiterungsarbeiten nach den Wünschen der Mieter vor. Die Mieter beteiligten sich hieran mit einem Kostenbeitrag von 65.000 €. Der Umzug in das Einfamilienhaus erfolgte anschließend in Etappen bis zum 5. November 2014 (Ummeldung im Melderegister). Mit notariellem Vertrag vom 9. Juli 2015 übertrug der Kläger dann das Mietobjekt – mit Wirkung zum 1. Januar 2016 - im Wege der vorweggenommenen Erbfolge auf seinen Sohn. Das Finanzamt, das die erheblichen Werbungskostenüberschüsse in den Jahren 2013 bis 2015 (insgesamt über 450.000 €) zunächst anerkannt hatte, erfuhr von dieser unentgeltlichen Übertragung erst im Rahmen der Veranlagungsarbeiten der Steuererklärung 2016. Aufgrund dessen ging das Finanzamt von einer von vorn herein nur begrenzten Mietzeit und einer fehlenden Überschusserzielungsabsicht aus und änderte in der Folge die bestandskräftigen Einkommensteuerbescheide 2013 bis 2015 gemäß § 173 Abs. 1 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO). Von den hiergegen gerichteten Einsprüchen wies das Finanzamt zunächst nur den Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid 2015 als unbegründet zurück. Hiergegen richtete sich die vorliegende Klage. Die Kläger wandten ein, die Übertragung habe auf einem später gefassten Entschluss aufgrund neuer Umstände (Geburt des Enkelsohnes verbunden mit finanziellen Engpässen bei den Mietern) beruht.
Der 9. Senat des Niedersächsischen Finanzgerichts wies die Klage ab. Auch wenn beim Abschluss des Mietvertrags noch keine Anzeichen für eine von vorn herein bestehende zeitliche Begrenzung der Vermietungsabsicht erkennbar gewesen seien, sei die für die Überschusserzielungsabsicht sprechende Regelvermutung der BFH-Rechtsprechung im Falle einer Dauervermietung dann nicht anzuwenden, wenn der Steuerpflichtige das Objekt in engem zeitlichen Zusammenhang mit der Anschaffung/Herstellung (i.d.R. bis zu 5 Jahren) veräußere, selbstnutze oder unentgeltlich übertrage. Dieses im Streitfall gegen die Dauervermietungsabsicht sprechende Indiz hätten die Kläger nicht widerlegt. Angesichts dessen konnte der Senat offen lassen, ob der Mietvertrag auch deshalb steuerlich unter dem Aspekt eines Scheinmietverhältnisses nicht anzuerkennen war, weil die Klägerin – mit der Kenntnis des Klägers – ihren Sohn mit einen monatlichen Betrag in Höhe der zu zahlenden Miete „unterstützt“ hatte.
Urteil vom 14. April 2020 - 9 K 21/19
Nach § 3 Nr. 11 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) sind u.a. Bezüge aus öffentlichen Mitteln steuerfrei, die als Beihilfe zu dem Zweck bewilligt werden, die Erziehung unmittelbar zu fördern. Der 9. Senat des Niedersächsischen Finanzgericht hatte sich – soweit ersichtlich als erstes Finanzgericht – mit der Frage zu befassen, ob auch Zahlungen eines Landkreises an eine Sozialpädagogin für die sozialpädagogische nachmittägliche Betreuung unter diese Befreiungsvorschrift fallen. Mit Urteil vom 14. April 2020 (9 K 21/19) hat das Finanzgericht entschieden, dass die Geldleistungen des Landkreises nicht als uneigennützig gewährte Unterstützungszahlungen im Sinne des § 3 Nr. 11 EStG anzusehen sind.
Im zugrunde liegenden Streitfall hatte die Klägerin, eine Sozialpädagogin, im Rahmen einer Nebentätigkeit für den Landkreis Aufgaben im Rahmen einer sozialpädagogischen nachmittäglichen Betreuung in einer Familie übernommen. Zum Aufgabenbereich gehörten u.a. die Beratung und Unterstützung der Eltern in Erziehungsfragen, die unterstützende Begleitung bei Kontakten zu Behörden, Schulen u. Ä., das Heranführen an Möglichkeiten aktiver Freizeitgestaltung und die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen bei der Erledigung der Hausaufgaben. Die Honorartätigkeit umfasste im Monat 35 Zeitstunden. Das Honorar betrug 16 € pro Stunde. Ferner gewährte der Landkreis eine monatliche Sachkostenpauschale. Das Finanzamt erfasste die Einnahmen als Einkünfte aus selbständiger Arbeit und berücksichtigte einen Freibetrag von 2.400 € gemäß § 3 Nr. 26 EStG. Vergeblich begehrte die Klägerin dagegen eine vollständige Freistellung der Honorare.
Weitere Entscheidungen des
Niedersächsischen Finanzgerichts
Urteil vom 8. Mai 2019 - 4 K 240/18
Beginn einer Außenprüfung
Eine Außenprüfung kann mit einer an den Steuerpflichtigen ergangenen Aufforderung zur Vorlage von Aufzeichnungen, Büchern, Geschäftspapieren u. Ä. begonnen werden und dadurch den Ablauf der Festsetzungsfrist hemmen.
Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt, BFH–Az.: X B 99/19
Gerichtsbescheid vom 18. März 2020 - 6 K 20/18
Zur Abzugsfähigkeit ausländischer Quellensteuern
Ausländische Quellensteuern auf nach § 8b KStG steuerfreie Dividenden können nicht bei der Ermittlung des Gewerbeertrages einer Organgesellschaft abgezogen werden.
Revision eingelegt, BFH-Az.: I R 16/20
Urteil vom 27. Juni 2019 - 11 K 291/18
Bei fehlender zeitnaher Umsetzung einer in einem Versorgungsvertrag vereinbarten Erhöhung der Barleistungen scheidet ein Sonderausgabenabzug aus.
Revision eingelegt, BFH-Az.: X R 3/20
Die Volltexte der genannten Entscheidungen erhalten Sie auf der Seite der Rechtsprechung der Niedersächsischen Justiz. Dort können Sie unter "Suche" das jeweilige Aktenzeichen eingeben. Weitere Entscheidungen des Niedersächsischen Finanzgerichts ab Entscheidungsdatum 1. Januar 2000 können Sie dort ebenfalls finden.
Niedersächsischen Finanzgericht
Lutz Fette zum Vorsitzenden Richter am Finanzgericht ernannt
Am vergangenen Freitag, dem 15. Mai 2020, wurde Herr Lutz Fette von der Vizepräsidentin des Niedersächsischen Finanzgerichts Petra Hager zum Vorsitzenden Richter am Finanzgericht ernannt.
Lutz Fette begann seine steuerliche Berufskarriere von 1990 bis 1993 mit einer dualen Ausbildung im gehobenen Dienst der niedersächsischen Finanzverwaltung beim Finanzamt Hannover-Mitte und gleichzeitigem Studium an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege (heute: Steuerakademie Niedersachsen) in Rinteln.
Im Anschluss daran studierte er Rechtswissenschaften an der Leibniz Universität Hannover und legte im Jahr 1997 sein Erstes und nach seinem Referendariat im Jahr 1999 sein Zweites Juristisches Staatsexamen ab.
Im Oktober 1999 trat Herr Fette in den höheren Dienst der Niedersächsischen Finanzverwaltung ein und war zunächst im Finanzamt Hildesheim, ab Oktober 2000 dann beim Finanzamt für Fahndung und Strafsachen in Hannover tätig.
Im Juli 2007 wechselte Lutz Fette als Richter an das Niedersächsische Finanzgericht, wo er zunächst dem u.a. für Vollstreckung zuständigen 15. Senat und ab April 2010 dem insb. für Körperschaftsteuer und Steuerberatersachen zuständigen 6. Senat zugewiesen war. Seit Januar 2010 ist Herr Fette Beisitzer in dem für Einkommensteuer und Körperschaftsteuer zuständigen 10. Senat.
Seine Funktion als Vorsitzender wird er zukünftig in dem u.a. für Haftungssachen zuständigen 14. Senat ausüben.