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Timestamp: 2016-10-28 02:41:12
Document Index: 48184245

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'Art. 28', 'Art. 28', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 4', 'BGE']

I 567/00 (29.11.2001)
R.________, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch Rechtsanwalt Paul von Moos, Kasernenplatz 2, 6003 Luzern,
A.- Die 1949 geborene R.________ war seit 1974 als Hilfsarbeiterin bei der Firma X.________ AG t�tig. Auf Ende Mai 1992 wurde ihr die Stelle wegen einer Betriebsumstrukturierung gek�ndigt. Seither ging sie keiner Erwerbst�tigkeit mehr nach. Im Oktober 1996 meldete sie sich unter Hinweis auf R�ckenbeschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Luzern holte u.a.
einen Bericht des Dr. med. A.________, Arzt f�r Allgemeine Medizin FMH, vom 20. September 1997 sowie ein Gutachten der Medizinischen Abkl�rungsstelle (MEDAS) ein. Die MEDAS zog konsiliarisch Berichte der beiden �rzte Dres. med.
M.________, Facharzt FMH f�r Innere Medizin speziell f�r Rheumaerkrankungen, und B.________, Spezialarzt FMH f�r Psychiatrie und Psychotherapie, bei und kam in ihrem Gutachten vom 4. Januar 1999 zum Schluss, der Versicherten sei unter Ber�cksichtigung des somatischen und psychosomatischen Gesundheitszustandes eine k�rperlich leichte Besch�ftigung zu 50 % zumutbar. Mit Verf�gung vom 22. September 1999 sprach die IV-Stelle der Versicherten ab 1. M�rz 1997 bei einem Invalidit�tsgrad von 59 % eine halbe Invalidenrente zu.
C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst R.________ beantragen, der kantonale Entscheid und die Verf�gung seien aufzuheben und es sei ihr ab 1. M�rz 1997 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.
1.- a) Die Vorinstanz hat die massgeblichen gesetzlichen Bestimmungen �ber den Invalidit�tsbegriff (Art. 4 IVG), die Voraussetzungen und den Umfang des Rentenanspruchs (Art. 28 Abs. 1 und Abs. 1bis IVG), die Ermittlung des Invalidit�tsgrads nach der Einkommensvergleichsmethode (Art. 28 Abs. 2 IVG; siehe auch BGE 104 V 136 Erw. 2a und b) und die Aufgabe des Arztes oder der �rztin im Verfahren der Invalidit�tsbemessung (BGE 115 V 134 Erw. 2, 114 V 314 Erw. 3c, 105 V 158 Erw. 1; siehe auch BGE 125 V 261 Erw. 4) zutreffend dargelegt. Darauf kann verwiesen werden.
b) Zu erg�nzen ist, dass in F�llen, in welchen f�r die Bestimmung des trotz Gesundheitssch�digung zumutbarerweise noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) von Tabellenl�hnen ausgegangen wird, es sich nicht rechtfertigt, f�r jedes Merkmal, das ein unter den Durchschnittswerten liegendes Einkommen erwarten l�sst, separat quantifizierte Abz�ge vom in den Lohn- und Strukturerhebungen (LSE) des Bundesamtes f�r Statistik ausgewiesenen Durchschnittsverdienst vorzunehmen und diese zusammenzuz�hlen, da damit Wechselwirkungen ausgeblendet werden. Vielmehr ist ganz allgemein der Einfluss aller Merkmale auf das Invalideneinkommen (leidensbedingte Einschr�nkung, Alter, Dienstjahre, Nationalit�t/Aufenthaltskategorie und Besch�ftigungsgrad) unter W�rdigung der Umst�nde im Einzelfall nach pflichtgem�ssem Ermessen gesamthaft zu sch�tzen (BGE 126 V 75 Erw. 5b/bb; vgl. AHI 1999 S. 181 und S. 243 Erw. 4c, 1998 S. 292 oben). Der Abzug vom statistischen Lohn ist unter Ber�cksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale auf insgesamt h�chstens 25 % zu begrenzen (BGE 126 V 75 Erw. b/cc).
c) Weiter ist zu ber�cksichtigen, dass das Eidgen�ssische Versicherungsgericht in dem noch nicht in der Amtlichen Sammlung ver�ffentlichten Urteil B. vom 5. Oktober 2001 (I 724/99) unter Hinweis auf die Rechtsprechung pr�zisierend festgehalten hat, dass Art. 4 Abs. 1 IVG zu Erwerbsunf�higkeit f�hrende Gesundheitssch�den versichert, worunter soziokulturelle Umst�nde nicht zu begreifen sind.
Es braucht in jedem Fall zur Annahme einer Invalidit�t ein medizinisches Substrat, das (fach)�rztlicherseits schl�ssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit wesentlich beeintr�chtigt. Je st�rker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgepr�gter muss eine fach�rztlich festgestellte psychische St�rung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeintr�chtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herr�hren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszust�nden klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstst�ndigte psychische St�rungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit sind unabdingbar, damit �berhaupt von Invalidit�t gesprochen werden kann. Wo der Gutachter dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umst�nden ihre hinreichende Erkl�rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (vgl. AHI 2000 S. 153 Erw. 3).
2.- Streitig und zu pr�fen ist, ob die Beschwerdef�hrerin ab 1. M�rz 1997 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
3.- Die Vorinstanz hat in W�rdigung der medizinischen Unterlagen, insbesondere gest�tzt auf das Gutachten der MEDAS vom 4. Januar 1999 und die Stellungnahme der Frau Dr.
med. W.________, Fach�rztin FMH f�r Physikalische Medizin, speziell Rheumaerkrankungen, vom 16. Juni 1998 richtig festgehalten, dass die Beschwerdef�hrerin unter chronischem linksbetontem Panvertebralsyndrom, Fibromyalgie-Syndrom und psychischem Ersch�pfungszustand leidet und ihr leichte k�rperliche
Arbeit, bei der keine Lasten �ber zehn Kilogramm gehoben sowie keine repetitiven T�tigkeiten in geb�ckter Haltung oder T�tigkeiten �ber Kopf auszuf�hren sind, aus medizinischen Gr�nden im Umfang von 50 % objektiv zumutbar ist.
4.- Die Beschwerdef�hrerin macht geltend, bei einem von der Vorinstanz best�tigten Grad der Arbeitsf�higkeit von 50 % werde der psychischen Komponente ihrer Leiden nicht in ausreichendem Masse Rechnung getragen. Sie beantragt, es sei im Rahmen eines erneuten psychiatrischen Konsiliums abzukl�ren, ob und inwieweit sich bei ihr eine Arbeitsunf�higkeit aus rheumatologischer Sicht und eine solche aus psychiatrischer Sicht allenfalls kumulieren.
Dem Antrag ist angesichts der vorstehenden Darlegungen (Erw. 1c hievor) nicht zu folgen. Die MEDAS-Gutachter haben die Versicherte pers�nlich untersucht, die zwei Konsiliarberichte vom 16. November 1998 und die Berichte der behandelnden �rzte sowie die Ergebnisse zus�tzlicher rheumatologischer und neurologischer Untersuchungen beigezogen, bevor sie den Grad der Arbeitsf�higkeit der Beschwerdef�hrerin gesamthaft auf 50 % sch�tzten. Sie haben dabei insbesondere auch klar ber�cksichtigt, dass bei der Beschwerdef�hrerin psychopathologische Befunde vorliegen. Allerdings gelangten sie zu der Einsch�tzung, dass vor allem die rheumatologischen und weniger die psychopathologischen Befunde die Arbeitsf�higkeit einschr�nken.
Dagegen ist nichts einzuwenden, hat doch der Psychiater Dr. med. B.________ gem�ss seinem Bericht vom 19. November 1998 bei der Beschwerdef�hrerin keine psychischen oder psychosomatischen Beeintr�chtigungen spezifiziert, denen im Sinne des Gesagten gegen�ber der soziokulturellen Belastungssituation selbstst�ndige Bedeutung und (teil-)invalidisierende, bei der Festsetzung des Arbeitsunf�higkeitsgrads zus�tzlich ins Gewicht fallende Krankheitswertigkeit zukommt. Er hat sogar ausdr�cklich betont, es sei bei der Versicherten eine eigentliche Depression nicht sichtbar, und er hat insbesondere auch keine Behandlungsbed�rftigkeit allf�lliger psychischer Leiden angegeben. Er hat zudem ausdr�cklich auf "nicht IV-relevante Faktoren" hingewiesen. Als Ursache f�r den von ihm diagnostizierten psychischen Ersch�pfungszustand nannte er im Wesentlichen eine Reihe pers�nlicher, famili�rer und herkunftsbezogener Umst�nde der Versicherten, wie etwa die Mehrfachbelastung als Mutter und Berufst�tige, ihren Teilverzicht auf die Rolle als Erzieherin ihrer Kinder und ganz allgemein kulturelle Faktoren.
Der von den �rzten gesch�tzte und von der Vorinstanz best�tigte Grad einer Arbeitsf�higkeit von 50 % in einer leidensangepassten T�tigkeit ist somit zu best�tigen.
5.- Das kantonale Gericht hat auch die Auswirkungen der genannten gesundheitlichen Einschr�nkungen in erwerblicher Hinsicht u.a. unter Bezugnahme auf den statistischen Lohn einer Frau f�r einfache und repetitive T�tigkeiten im privaten Sektor (LSE 1996 S. 17, Tabelle TA1) dargelegt, woraus sich ein Invalidit�tsgrad von maximal 62,5 % ergab, was lediglich zum Bezug einer halben Rente berechtigt. Es hat dabei den Abzug vom statistischen Lohn auf der H�chstgrenze von insgesamt 25 % festgesetzt (BGE 126 V 75 Erw. b/cc). In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird nichts vorgebracht, was zu einer abweichenden Beurteilung zu f�hren verm�chte. Im Wesentlichen werden die bereits im vorinstanzlichen Verfahren erhobenen, im angefochtenen Entscheid mit zutreffender Begr�ndung entkr�fteten Einwendungen wiederholt.