Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=C-236/92
Timestamp: 2019-08-18 12:21:14
Document Index: 392542142

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 249', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Rechtsprechung: C-236/92 - dejure.org
Schlußanträge unten: Generalanwalt beim EuGH, 17.11.1993
https://dejure.org/1994,529
EuGH, 23.02.1994 - C-236/92 (https://dejure.org/1994,529)
EuGH, Entscheidung vom 23.02.1994 - C-236/92 (https://dejure.org/1994,529)
EuGH, Entscheidung vom 23. Februar 1994 - C-236/92 (https://dejure.org/1994,529)
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1. Handlungen der Organe - Richtlinien - Unmittelbare Wirkung - Voraussetzungen
Begründung subjektiver Rechte durch eine Richtlinie über Abfälle; Inhaltliche Unbedingtheit und hinreichende Genauigkeit der Bestimmung einer Richtlinie
Ablagerung festen Haushaltsmülls
Ablagerung von festem Haushaltsmüll - Richtlinie 75/442/EWG.
NJW 1995, 123 (Ls.)
NVwZ 1994, 885
BB 1994, 341
aa) Eine Gemeinschaftsbestimmung ist unbedingt, wenn sie eine Verpflichtung begründet, die weder an eine Bedingung geknüpft ist noch zu ihrer Erfüllung und Wirksamkeit einer Maßnahme der Gemeinschaftsorgane oder der Mitgliedsstaaten bedarf (EuGH 3. April 1968 - Rs. 28/67 - [Firma Molkerei-Zentrale Westfalen/Lippe GmbH] Slg. 1968, 215; 23. Februar 1994 - C-236/92 - [Comitato di coordinamento per la difesa della Cava u.a.] Slg. 1994 I-483, 497 Rn. 9).
Hinzu kommen muß, daß die Verpflichtungen, die sich aus der Richtlinie ergeben, hinreichend bestimmt umschrieben sind (vgl. EuGH, Urteile vom 19. Januar 1982 - RS 8/81 - Slg. 1982, 53, 71, vom 26. Februar 1986 - RS 152/84 - Slg. 1986, 737, 748 und vom 23. Februar 1994 - C 236/92 - Slg. 1994, I 497, 502).
Dabei handelte es sich aber nicht um ein eigenständiges Verfahren, sondern um einen unselbständigen Teil des Planfeststellungsverfahrens (BVerwG, Beschluß vom 23. Februar 1994 aaO.).
Nach der ständigen Rechtsprechung des EuGH (vgl. Urteil vom 23. Februar 1994, NVwZ 1994, 885 m.w.N.) ist in all den Fällen, in denen Bestimmungen einer Richtlinie inhaltlich als unbedingt und hinreichend genau erscheinen, die Richtlinie, sofern sie nicht fristgemäß in nationales Recht umgesetzt worden ist, unmittelbar anzuwenden (vgl. hierzu auch Fischer, Zur unmittelbaren Anwendung von EG-Richtlinien in der öffentlichen Verwaltung, NVwZ 1992, 635 ff. zu EuGH Urteil vom 19. November 1991; Lenz, Entwicklung und unmittelbare Geltung des Gemeinschaftsrechts, DVBl. 1990, 903 ff., 907 ff.; Steinberg und Klösser, Zur unmittelbaren Wirkung von Umweltschutzrichtlinien der Europäischen Gemeinschaft, BayVBl. 1994, 33 ff.; BVerfG, Beschluß vom 8. April 1987, BVerfGE 75, 235 ff.).
Zwar wird in der obergerichtlichen Rechtsprechung (vgl. VGH Baden- Württemberg, Urteile vom 11. Juni 1993 …und vom 3. September 1993 aaO.; die Frage dagegen offenlassend BVerwG, Beschluß vom 23. Februar 1994 aaO.) teilweise die Auffassung vertreten, es handele sich dabei um reine Verfahrensbestimmungen bezüglich eines unselbständigen Teiles des Planfeststellungsverfahrens, deren Nichtbeachtung der Bürger ebensowenig gerichtlich geltend machen könne.
Bei den jeweils vorgenommenen Untersuchungen handelt es sich nämlich nicht um abgeschlossene selbständige Verfahren, sondern um unselbständige Teile des Planfeststellungsverfahrens (BVerwG, Beschluß vom 23. Februar 1994 aaO.), die deshalb bis zum Abschluß des Planfeststellungsverfahrens sozusagen "auf dem neuesten Stand" zu halten sind.
Nach ständiger Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes können sich die Einzelnen in all den Fällen, in denen Bestimmungen einer Richtlinie inhaltlich als unbedingt und hinreichend genau erscheinen, von dem nationalen Gericht gegenüber dem Staat auf die Bestimmung berufen, wenn der Staat die Richtlinie nicht fristgemäß oder unrichtig in nationales Recht umgesetzt hat (vgl. insb. EuGH, Urteil vom 23.02.1994 - Rs C-236/92, NVwZ 1994 S. 885; EuGH, Slg. 1982, 53 = NJW 1982, 499 - Becker; EuGH, Slg. 1989, 1839 = NVwZ 1990, 649 = EuZW 1990, 296 L = NJW 1990, 3071 L - Fratelli Costanzo).
Eine Gemeinschaftsbestimmung ist unbedingt, wenn sie eine Verpflichtung begründet, die weder an eine Bedingung geknüpft ist noch zu ihrer Erfüllung und Wirksamkeit einer Maßnahme der Gemeinschaftsorgane oder der Mitgliedsstaaten bedarf (vgl. EuGH, Urteil vom 23.02.1994 - Rs C-236/92, NVwZ 1994 S. 885; EuGH, Slg. 1968, 215 = NJW 1968, 2208 L - Molkerei-Zentrale Westfalen/Lippe).
Eine Bestimmung ist außerdem hinreichend genau, um von einem einzelnen herangezogen und vom Gericht angewandt zu werden, wenn sie unzweideutig eine Verpflichtung begründet (vgl. EuGH, Urteil vom 23.02.1994 - Rs C-236/92, NVwZ 1994 S. 885; EuGH, Slg. 1986, 723 = NJW 1986, 2178 - Marshall, EuGH, Slg. 1986, 3855 - Federatie Nederlandse Vakbeweging).
24 - Urteile vom 4. Dezember 1974 in der Rechtssache 41/74 (Von Duyn, Slg. 1974, 1337, Randnrn. 13 f.), vom 3. April 1968 in der Rechtssache 28/67 (Molkerei- Zentrale Westfalen/Lippe, Slg. 1968, 216) und vom 23. Februar 1994 in der Rechtssache C-236/92 (Difesa, Slg. 1994, I-483).
29 - Zur unmittelbaren Wirkung im Zusammenhang mit diesem Kriterium vgl. bereits das Urteil in der Rechtssache C-236/92 (zitiert in Fußnote 24).
In diesem Zusammenhang ist jedoch zu beachten, dass eine Unionsvorschrift dann unbedingt ist, wenn sie eine Verpflichtung normiert, die an keine Bedingung geknüpft ist und zu ihrer Durchführung oder Wirksamkeit auch keiner weiteren Maßnahmen der Unionsorgane oder der Mitgliedstaaten bedarf (vgl. u. a. Urteile vom 3. April 1968, Molkerei-Zentrale Westfalen/Lippe, 28/67, Slg. 1968, 216, 230 f., und vom 23. Februar 1994, Comitato di coordinamento per la difesa della cava u. a., C-236/92, Slg. 1994, I-483, Randnr. 9).
22 a) Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs sind die Einzelnen in all den Fällen, in denen Bestimmungen einer Richtlinie inhaltlich als unbedingt und hinreichend genau erscheinen, berechtigt, sich gegenüber dem Staat auf diese Bestimmungen zu berufen, wenn der Staat die Richtlinie nicht fristgemäß in nationales Recht umsetzt oder eine unzutreffende Umsetzung der Richtlinie vornimmt (vgl. Gerichtshof, Rs. 148/78, Ratti Slg. 1979, 1629; Urteil vom 19. Januar 1982 - Rs. 8/81, Becker, Slg. 1982, 53; Urteil vom 26. Februar 1986 - Rs. 152/84, Marshall, Slg. 1986, 732; Urteil vom 22. Juni 1989 - 103/88, Fratelli Costanzo, Slg. 1989, 1839; Urteil vom 23. Februar 1994 - C-236/92, Comitatio di coordi-namento per la difesa della Cava, Slg. 1994, I-483).
Dafür genügt es nicht, dass die Bestimmung programmatischen Charakter hat und lediglich die Ziele nennt, die die Mitgliedstaaten bei der Erfüllung der konkreteren Verpflichtungen zu beachten haben (vgl. Gerichtshof, Urteil vom 23. Februar 1994 - C-236/92, Comitato di coordinamento per la difesa della Casa, Slg. 1994, I-483).
Dieser Vorschrift fehlt die für eine unmittelbare Anwendung erforderliche Unbedingtheit sowie hinreichende Bestimmtheit (vgl. EUGH, Urt. v. 23.02.1994 - Rs.C-236/92;… vgl. Nettesheim in Grabitz/Hilf, Das Recht der Europäischen Union, Kommentar, Rdnr. 161 zu Art. 249 EG-Vertrag).
https://dejure.org/1993,19227
Generalanwalt beim EuGH, 17.11.1993 - C-236/92 (https://dejure.org/1993,19227)
Generalanwalt beim EuGH, Entscheidung vom 17.11.1993 - C-236/92 (https://dejure.org/1993,19227)
Generalanwalt beim EuGH, Entscheidung vom 17. November 1993 - C-236/92 (https://dejure.org/1993,19227)
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Comitato di coordinamento per la difesa della Cava und andere gegen Regione Lombardia und andere.
Ablagerung von festem Haushaltsmüll - Richtlinie 75/442/EWG
9 - Die Kommission bezieht sich insoweit insbesondere auf das Urteil vom 8. Oktober 1987 in der Rechtssache C-80/86 (Kolpinghuis Nijmegen, Slg. 1987, 3969, Randnr. 15) und die Schlussanträge von Generalanwalt Jacobs vom 20. Mai 1992 in der Rechtssache C-295/90 (Parlament/Rat, Urteil vom 20. Oktober 1992, Slg. 1992, I-4193), Nr. 43, sowie von Generalanwalt Darmon vom 17. November 1993 in der Rechtssache C-236/92 (Comitato di coordinamento per la difesa della Cava u. a., Urteil vom 23. Februar 1994, Slg. 1994, I-483), Nr. 27.