Source: https://www.grin.com/document/159696
Timestamp: 2020-01-19 07:57:36
Document Index: 46684476

Matched Legal Cases: ['§297', '§290', '§290', '§290', '§271', '§290', '§294', '§294', '§290', '§294']

Abgrenzung des Konsolidierungskreises nach HGB und IFRS | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
A L Adrian Lebherz (Autor)
2 Konzerntatbestand (Mutter-Tochter-Verhältnis)
3 Stufenkonzeption des HGB
4 Allgemeine Einbeziehungspflicht
5 Konsolidierungswahlrechte / Ausnahmen
5.2 Beschränkung der Rechtsausübung
5.3 Unverhältnismäßig hohe Kosten
5.4 Halten von Anteilen nur zum Zwecke der Weiterveräußerung
5.5 Tochterunternehmen von untergeordneter Bedeutung
6 Konsolidierungskreis im weiteren Sinne
6.1 Gemeinschaftsunternehmen
6.2 Assoziierte Unternehmen
7 Zweckgesellschaften / Special-Purpose-Entities
Die aktuellen Entwicklungen im Bankensektor haben gezeigt, dass Unternehmen offensichtlich unerkannt von Anlegern, Kunden, Geschäftspartnern und anderen Interessengruppen Konstrukte implementieren können, welche die tatsächliche Kapitalund Finanzlage des Konzerns verschleiern.
Der Konzernabschluss soll „ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns“ (§297 Abs. 2 Satz 2) vermitteln und es somit ermöglichen, die Geschäftslage des gesamten Konzerns zu beurteilen. Offensichtlich werden die Konzernabschlüsse dieser umfangreichen Informationsfunktion aber nicht immer in vollem Umfang gerecht.
Ein wichtiger Teilaspekt des Informationsgehalts ist die Frage, ob im Konzernabschluss überhaupt alle zugehörigen Unternehmen abgebildet werden und somit die Frage nach den gesetzlichen Regelungen für den Konsolidierungskreis. Unter dem Titel „Abgrenzung des Konsolidierungskreises nach HGB und IFRS“ soll in dieser Arbeit geklärt werden, welche Unternehmen überhaupt in den Konzernabschluss einbezogen werden müssen, wo Wahlrechte oder Ausnahmen bestehen und welche Unternehmen nicht einbezogen werden dürfen.
Dabei liegt der Fokus dieser Arbeit auf den Voraussetzungen für eine Einbeziehung oder Nichteinbeziehung und nicht auf der daraus resultierenden Buchungsmethodik. Insbesondere soll geklärt werden wie Special Purpose Entities behandelt werden und wie der Mechanismus funktioniert, mit dem Unternehmen mit Hilfe von SPEs Bi- lanzposten „verschwinden“ lassen können. SPEs werden häufig im Rahmen des „Window Dressing“ eingesetzt. Alleine im Enron Skandal schätzt man die Anzahl der legal nicht konsolidierten SPEs auf mehrere hundert.1 Bezüglich der SPEs liegt der Schwerpunkt ebenfalls auf den Einbeziehungsvorschriften. Die Rolle der Rating- agenturen und Sponsoren ist nicht Gegenstand des Fokus der vorliegenden Arbeit.
Als Voraussetzung für das Bestehen eines Konzerns und somit für die Aufstellungspflicht eines konsolidierten Konzernabschlusses muss mindestens ein MutterTochter-Verhältnis für das Mutterunternehmen vorliegen. Grundsätzlich kann zur Begründung eines solchen Mutter-Tochter-Verhältnisses zwischen zwei Konzepten unterschieden werden.
In den IFRS kommt unabhängig von der Rechtsform des Mutterunternehmens das Control Konzept zur Anwendung (IAS 27.13). Unter Control versteht man „die Mög- lichkeit, die Finanz- und Geschäftslage eines Unternehmens zu bestimmen, um aus dessen Tätigkeit Nutzen zu ziehen“ (IAS 27.4). Es ist explizit nicht gefordert, dass die Beherrschung des Unternehmens auch tatsächlich ausgeführt wird. Im deutschen Recht ist das Control Konzept für Kapitalgesellschaften in §290 Abs. 2 HGB veran- kert.2 IAS 27.13 (a)-(d) und §290 Abs. 2 Nr.1-3 geben konkrete Sachverhalte an für die das Bestehen von Control anzunehmen ist. Dies ist beispielsweise eine Mehrheit der Stimmrechte der Gesellschafter, oder Rechte aufgrund von Beherrschungsverträ- gen.
Zusätzlich zum Control Konzept kennt das HGB noch das Konzept der einheitlichen Leitung (§290 Abs. 1 HGB). Von einheitlicher Leitung ist auszugehen, „wenn die Konzernspitze die Geschäftspolitik des Tochterunternehmens und sonstige grund- sätzliche Fragen ihrer Geschäftsführung aufeinander abstimmt und im Konfliktfall das Konzerninteresse überwiegt“.3 In Unterscheidung zum Control Konzept wird hier also die tatsächliche Ausübung der Beherrschung vorausgesetzt. Desweiteren ist eine Beteiligung nach §271 Abs. 1 HGB am Tochterunternehmen erforderlich (§290 Abs. 1 Satz 1 HGB).4 Der Rechnungslegende hat nach deutschem Handelsrecht stets beide Vorschriften nebeneinander zu prüfen.
Nach dem Weltabschlussprinzip sind sowohl nach HGB als auch nach IFRS alle Tochterunternehmen, unabhängig von Rechtsform und ihrem Sitz zu betrachten (§294 Abs. 1 HGB; IAS 27.12).
Das HGB unterscheidet nach dem Grad der Einflussnahme durch das Mutterunter- nehmen verschiedene Stufen der Einbeziehung in den Konzernabschluss. Der Konsolidierungskreis ist definiert, als die Gesamtheit aller Tochterunternehmen, die im Rahmen der Vollkonsolidierung in den Konzernabschluss einbezogen werden müssen.5 Diese Unternehmen, die den Konzerntatbestand erfüllen, werden alternativ auch als Konsolidierungskreis im engeren Sinne oder als Vollkonsolidierungskreis6 bezeichnet. Auf der nächsten Stufe werden Gemeinschaftsunternehmen alternativ quotal oder „at equity“ in den Konzernabschluss einbezogen.7 Assoziierte Unterneh- men werden auf der dritten Stufe nach der Equity Methode bilanziert.8 Reine Kapi- talbeteiligungen werden zu Anschaffungskosten bewertet und abgebildet. Alle im Konzernabschluss berücksichtigten Unternehmen bilden den Konsolidierungskreis im weiteren Sinne.9
Der Konzernabschluss bildet also die gesamte Einflusssphäre des Konzerns ab. Allerdings ist zu beachten, dass nur die Existenz mindestens eines Tochterunternehmens zur Aufstellungspflicht führt.
In den IFRS werden alle Tochterunternehmen als "group“ bezeichnet (Vgl. IAS 27.4). Hierzu gehören auch Tochterunternehmen, die nicht konsolidiert werden. Ge- meinschaftsunternehmen und assoziierte Unternehmen zählen nicht zur Gruppe. Die Stufenkonzeption des HGB lässt sich also nur bedingt auf die IFRS übertragen.10
Das Mutterunternehmen muss grundsätzlich alle Tochterunternehmen11 im Konzernabschluss konsolidieren (§294 Abs. 1 HGB; IAS 27.12).
Diese grundsätzliche Einbeziehungspflicht besteht auch für mittelbare Tochterunternehmen (§290 Abs. 3 Satz 1 HGB; IAS 27.13).
Im Umkehrschluss gilt in beiden Regelwerken ein Einbeziehungsverbot für alle Un- ternehmen, die den Konzerntatbestand nicht erfüllen (IAS 27.31).12 Bei wesentlichen Änderungen in der Zusammensetzung des Konsolidierungskreises muss der Konzernabschluss Angaben enthalten, die die Vergleichbarkeit aufeinan- derfolgender Abschlüsse sicherstellen (§294 Abs. 2 HGB; IAS 7.39; IFRS 3).
1 Vgl. Schäfer / Kuhnle (2006), S. 44.
2 Für Nicht Kapitalgesellschaften,
3 vgl. Küting / Weber (2008), S. 98 f.
4 Coenenberg (2005), S. 561.
5 Vgl. Küting / Weber (2008), S. 94 - 98.
6 Vgl. Coenenberg (2005), S. 1282
7 Vgl. Allgemeine Einbeziehungspflicht, S. 6/7
8 Vgl. 6.1, S. 9.
9 Vgl. 6.2, S. 9. Der Konsolidierungskreis im weiteren Sinne umfasst also alle Tochterunternehmen sowie alle Gemeinschafts- und assoziierte Unternehmen, vgl. Küting / Weber (2008), S. 131/132.
10 Vgl. Küting / Weber (2008), S. 132.
11 Vgl. Abschnitt 2, S. 4.
12 Vgl. Coenenberg (2005), S. 568.
Adrian Lebherz (Autor)
V159696
9783640730872
9783640731169
Konsolidierung, SPE, Zweckgesellschaft, HGB, IFRS, Special Purpose Entity, Konsolidierungskreis
Adrian Lebherz (Autor), 2008, Abgrenzung des Konsolidierungskreises nach HGB und IFRS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159696