Source: https://m.hausarbeiten.de/document/334762
Timestamp: 2019-12-07 11:05:31
Document Index: 326433560

Matched Legal Cases: ['§ 137', '§ 137', '§ 137', '§ 108', '§ 108', '§137']

Qualitätssicherung im Krankenhaus. Qualitätsberichte nach § 137 ...
von Berit Ziesmer (Autor)
2. Vorgeschichte des Qualitätsberichts in Deutschland
4. Qualitätsberichte nach § 137 SGB V
4.1 Inhalt und Umfang des Qualitätsberichts
4.2 Gliederung des Qualitätsberichts
4.2.1 Kapital A: Struktur- und Leistungsdaten
4.2.2 Kapitel B: Struktur- und Leistungsdaten der Fachabteilungen
4.2.3 Kapitel C: Qualitätssicherung
4.3 Verfahren und Fristen der Übermittlung des Qualitätsberichts
4.4 Folgen nicht ordnungsmäßiger Lieferung des Qualitätsberichts
4.5 Leistungen des Qualitätsberichts
5. Qualitätsindikatoren
5.2 Verfahren des AQUA-Institut
5.3 Informationslieferung durch Qualitätsindikatoren
5.4 Aussagefähigkeit von Qualitätsindikatoren
Abbildung 1: Ablauf des Strukturierten Dialogs
Wer kennt nicht die Unsicherheit, wenn ein Krankenhausbesuch bevorsteht. Viele Fragen gehen einem durch den Kopf, und das nicht zu Unrecht: Es geht um das eigene Leben. Eine Antwort darauf mögen vielleicht Familienangehörige oder Freunde geben. Auch im Internet sind etliche Portale, in dem Meinungen ausgetauscht werden.
Jedoch ist es nicht leicht, die Qualität eines Krankenhauses zu messen. Die Medizin hat mit Menschen zu tun. Dieses komplizierte System besteht nicht nur aus einem Körper mit vielen Organen, sondern unterscheidet sich auch in ihren jeweiligen Bedürfnissen und Erwartungen. Deshalb gibt es auch unterschiedliche Reaktionen auf dieselbe medizinische Behandlung. Darüber hinaus müssen auch seelische, soziale oder vielleicht auch religiös-spirituelle Aspekte bedacht werden, um den Menschen mit seiner Krankheit zu verstehen.1
Um ein seriöses und vertrauenswürdiges Bild von einem Krankenhaus zu machen, stehen seit 2005 Qualitätsberichte der Krankenhäuser zur Verfügung. Dadurch soll eine gewisse Transparenz über die Leistungen des Krankenhauses für Interessenten gewährleistet und mit Mithilfe von Qualitätsindikatoren definiert werden.
Mit dem Gesundheitsreformgesetz aus dem Jahr 1989 wurde das erste Mal die rechtlichen Grundlagen der Qualitätssicherung für deutsche Krankenhäuser festgelegt. Die verpflichtende Teilnahme an Maßnahmen der Qualitätssicherung ist mit dem § 137 SGB V eingeführt worden.2 Im Jahr 1993 wurden weitere Ergänzungen und rechtliche Regelungen der Qualitätssicherung in Krankenhäuser durch das Gesundheitsstrukturgesetz gebracht. Mit dem GKV- Gesundheitsreformgesetz aus dem Jahr 2000 wurden die Krankenhäuser verpflichtet, eine einrichtungsinterne Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln. Dazu gehörte auch die Beteiligung an einrichtungsüber- greifenden Maßnahmen der Qualitätssicherung. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird mit Abschlägen auf die Krankenhausentgelte abgestraft.3 Mit der Einführung des diagnosebezogenen Fallpauschalensystems für Krankenhäuser legte der Gesetzgeber im April 2002 fest, dass jedes nach § 108 SGB V zugelassenes Krankenhaus ab 2005 alle zwei Jahre einen strukturierten Qualitätsbericht zu erstellen hat. Dieser muss unverändert von den Landesverbänden der Krankenkasse im Internet veröffentlicht werden.4 Zu diesen Einrichtungen gehören Hochschulkliniken, Plankrankenhäuser und Krankenhäuser, die einen Versorgungsvertrag mit den Landesverbänden der Krankenkassen und den Verbänden der Ersatzkassen abgeschlossen haben.5 Dabei ist der Qualitätsbericht vom Krankenhaus selbst auszufüllen und nicht von einer Trägerschaft. Bei einem Krankenhaus mit mehreren zugelassenen Standorten ist ein vollständiger standortspezifischer Qualitätsbericht je Standort, sowie zusätzlich ein Gesamtbericht über alle Standorte anzufertigen und zu übermitteln. Zu beachten ist, dass bis zu drei ausgelagerte Fachabteilungen oder bis zu drei ausgelagerte Funktionsbereiche nicht als eigener Standort zählen.6 Den Inhalt und Umfang der Qualitätsberichte beschließen seit Anfang 2004 der Gemeinsame Bundesausschuss als oberste Beschlussgremium der gemein- samen Selbstverwaltung unter Beteiligung der privaten Krankenversicherung, der Bundesärztekammer und der Berufsorganisation der Krankenpflegeberufe.7
Der Begriff „Qualität“ kommt aus dem lateinischen Wort „qualitas“ und hat die Bedeutung „Eigenschaft“ oder „Beschaffenheit“. Obwohl Qualität neutral ist, wird es im deutschen Sprachgebrauch hingegen als positiv bewertet und mit vollkommener Produkteigenschaft gleichgesetzt. Eine konkrete Definition ist jedoch nicht vorhanden, denn es sind vielerlei Aspekte vorhanden. Da es sich beim Gesundheitswesen um eine spezielle Form des Dienstleistungssektors handelt, werden weitere verschiedene Definitionen dargelegt. Beispielsweise unterscheidet Hildebrand drei Facetten der Qualität. Dazu gehört die klinische Qualität, Qualität aus Patientensicht und Preis-Leistungs-Qualität.8
Die Qualitätssicherung ist ein Teil des Qualitätsmanagements, der auf das Erzeugen von Vertrauen darauf gerichtet ist, das Qualitätsansprüche erfüllt werden. Es kann somit nie allein betrachtet werden, sondern nur im Zusammen- spiel mit Qualitätsplanung, -lenkung und -verbesserung. Im Gesundheitswesen wird es mit der Einhaltung von definierten Qualitätsindikatoren gleichgesetzt.9
Über den Inhalt der Qualitätsberichte haben die Mitglieder des Gemeinsamen Bundesausschusses lange gehandelt. Während einerseits maximale Transparenz wünschenswert erscheint, besteht andererseits die Gefahr, dass die Veröffentlichung von Daten für das einzelne Krankenhaus auch die Preisgabe von „Betriebsgeheimnissen“ enthält. Das könnte unter dem zunehmend schwieriger werdenden Bedingungen des deutschen Gesundheitssektors existenzielle Nachteile für einzelne Häuser mit sich bringen. Aus diesem Grund ist der Qualitätsbericht an einigen Stellen ein Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen der Partner im Gesundheitswesen.10
Der strukturierte Qualitätsbericht der Krankenhäuser unterteilt sich in drei Teile. Der erste Teil sind die Struktur- und Leistungsdaten des Krankenhauses. Der zweite Teil gibt Informationen über die Struktur- und Leistungsdaten der Fachabteilungen oder Organisationseinheiten. Im letzten Teil sind Qualitätsdaten aus der externen stationären Qualitätssicherung zu finden.11
Part A beinhaltet konkret an erster Stelle die allgemeinen Kontaktdaten wie beispielweise Adresse, Telefon oder Art der Trägerschaft. Bei Krankenhäuser mit mehreren zugelassenen Standorten sind diese Daten nicht nur in einem Gesamtbericht, sondern in eigenständigen Standortberichten zu fassen. Gefolgt wird es mit dem Punkt der regionalen Versorgungspflicht für die Psychiatrie, die aufgrund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet sind psychisch erkrankte Patienten aus einer bestimmten Region stationär aufzunehmen. Diese Einrichtungen haben hierfür eine besondere Fachkompetenz. Anschließend sind die medizinische-pflegerischen Leistungsangebote des Krankenhauses aufzulisten. Diese sind in der Regel nichtärztliche Leistungen wie Pflege- überleitung, Diät- und Ernährungsberatung oder Ergotherapie, die im gesamten Krankenhaus angeboten werden. Gefolgt wird dem Bericht von den weiteren nicht-medizinischen Leistungsangeboten des Krankenhauses. Darunter fallen unter anderem die Räumlichkeiten, Verpflegung, Ausstattung der Patienten- zimmer und die persönliche Betreuung. Der siebte Punkt beinhaltet Aspekte der Barrierefreiheit. Diese Angaben sollen dabei die besonderen Belange wie beispielsweise von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, mit Hör- oder Sehbehinderung sowie mit geringen oder ohne Deutschkenntnisse aufgreifen. Danach werden Informationen über die Forschung und Lehre des Krankenhauses gegeben, denn Forschungsschwerpunkte können darauf hin- weisen, dass im Haus spezielle medizinisch-wissenschaftliche Fachkenntnisse oder Spezialisierungen vorhanden sind. Das Krankenhaus kann auch anführen, dass es sich an klinischen Studien beteiligt, in die Patienten im Rahmen ihrer Behandlung einbezogen werden können. Nachfolgend ist die Anzahl der Betten und Fallzahlen, die ein Maß für die Größe eines Krankenhauses sind. Diese Zahlen dienen jedoch eher der Krankenhausbedarfsplanung oder werden für politische Aussagen genutzt, um die Leistungsfähigkeit unseres Gesundheits- wesens darzustellen. Weitere Angaben sind personelle Ausstattung des Krankenhauses, Verantwortliche Personen des einrichtungsinternen Qualitäts- management und besondere apparative Ausstattung. Bei der besonderen apparativen Ausstattung kann es sich zum Beispiel um spezielle Röntgengeräte oder Magnetresonanztomographen handeln. Zum Schluss wird das patientenorientiertes Lob- und Beschwerdemanagement dargestellt. Interessierte Personen können sich mit diesen Angaben ein Bild über die besonderen Qualitätsbemühungen der Krankenhäuser machen und sie anhand der standardisierten Angaben einfach vergleichen.12
Part B enthält zuallererst Diagnosen nach ICD, die Hauptdiagnose. Hier kann zusätzlich abgelesen werden, wie oft Patienten mit dieser Erkrankung behandelt wurden. Darauf sind die Prozeduren nach OPS aufgelistet, gefolgt von den ambulanten Behandlungsmöglichkeiten. Hier kann beispielweise eine Notfall- ambulanz oder eine Belegarztpraxis am Krankenhaus angegeben werden. Der dritte Punkt ist die Zulassung zum Durchgangsarztverfahren der Berufs- genossenschaft. Die Durchgangsärzte benennen bei Arbeitsunfällen die Diagnose und entscheiden über den weiteren Therapieverlauf. Die Teilnahme am Durchgangsarztverfahren ist somit ein Hinweis auf eine besondere unfall- medizinische Erfahrung und das Vorhandensein bestimmter medizinisch- technischer Einrichtung im Krankenhaus. Der letzte Punkt des Teil B ist die personelle Ausstattung. Hier geht es um die Anzahl und die Qualifikationen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, untergliedert in Ärztinnen und Ärzte, Pflege- personal und spezielles therapeutisches Personal.13
Der letzte Part des Qualitätsberichts legt die Teilnahme an der externen vergleichenden Qualitätssicherung dar. Als nächstes sind die Leistungsbereiche und Dokumentationsrate zu nennen. Hier stellen Krankenhäuser dar, wie hoch die Fallzahlen der erbrachten dokumentationspflichtigen Leistungen und die Dokumentationsraten im jeweiligen Leistungsbereich waren. Gefordert ist eine vollzählige Dokumentation mit einer Rate von 100 Prozent. Dokumentationsraten von unter 95 Prozent werden als mangelhaft eingestuft und mit finanziellen Abschlägen quittiert.
1 Vgl. G-BA, 03/2014, S. 3
2 Vgl. Igl (2002), S. 486
3 Vgl. Keun/Prott (2008), S. 16
4 Vgl. Selbmann, 2004, S. 712
5 Vgl. § 108 SGB V
6 Vgl. JOMEC, Beratung und Management für Kliniken und Gesundheitseinrichtungen
7 Vgl. Selbmann, 2004, S. 712
8 Vgl. Hahne, 2011, S.48-49
9 Vgl. Hahne, 2011, S.55
10 Vgl. G-BA, 03/2014, S.8
11 Vgl. GKV-Spitzenverband, 2012
12 Vgl. G-BA, 03/2014, S. 10-13
13 Vgl. G-BA, 03/2014, S.14-16
9783668246683
9783668246690
v334762
Qualitätsmanagement Krankenhaus Qualitätsbericht §137 SGB V Qualitätssicherungs-Kennzahlen
Berit Ziesmer (Autor)