Source: https://www.rechtslupe.de/allgmeines/parlamentarische-anfrage-zu-einem-privaten-unternehmen-323277
Timestamp: 2020-07-13 11:08:18
Document Index: 59134203

Matched Legal Cases: ['Art. 25', 'Art. 27', '§ 54', 'Art. 12', '§ 3', '§ 2', '§ 4', 'Art. 7', 'Art. 14', '§ 1', '§ 4', '§ 5', '§ 8', '§ 17', 'Art. 7']

Parlamentarische Anfrage zu einem privaten Unternehmen | Rechtslupe
Par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge zu einem pri­va­ten Unter­neh­men
Wen­det sich ein pri­va­tes Unter­neh­men dage­gen, dass die Regie­rung eine das Unter­neh­men betref­fen­de par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge beant­wor­tet, ist der Ver­wal­tungs­rechts­weg gege­ben. Zuläs­sig ist der Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung.
Der Schutz pri­va­ter Rech­te und der Infor­ma­ti­ons­an­spruch der Abge­ord­ne­ten sind im Ein­zel­fall ein­an­der so zuzu­ord­nen, dass bei­de so weit wie mög­lich ihre Wir­kung ent­fal­ten.
Der Ver­wal­tungs­rechts­weg ist zuläs­sig, denn es liegt eine öffent­lich-recht­li­che Strei­tig­keit nicht­ver­fas­sungs­recht­li­cher Art vor. Der Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung ist die rich­ti­ge Antrags­form. Denn in der Haupt­sa­che wäre die statt­haf­te Kla­ge­art eine Unter­las­sungs­kla­ge in Form der all­ge­mei­nen Leis­tungs­kla­ge [1].
Ein Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht des Land­tags gegen­über der Lan­des­re­gie­rung folgt aus Art. 25 Abs. 1 Satz 2 und Art. 27 Abs. 3 LV. An die­sem Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht neh­men die ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten und die Frak­tio­nen als Zusam­men­schlüs­se von Abge­ord­ne­ten nach Maß­ga­be der Aus­ge­stal­tung in der Geschäfts­ord­nung des Land­tags teil [2]. Die­sem Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht kor­re­spon­diert eine Ver­pflich­tung der Lan­des­re­gie­rung, Anfra­gen zu beant­wor­ten (vgl. § 54 Abs. 3 LTGO). Die Ant­wort­pflicht der Lan­des­re­gie­rung erstreckt sich grund­sätz­lich nur auf sol­che Berei­che, für die die Lan­des­re­gie­rung ver­ant­wort­lich ist [3]. Die Ver­hält­nis­se rein pri­vat getra­ge­ner Unter­neh­men wie der Antrag­stel­le­rin sind nur in ein­ge­schränk­tem Umfang zuläs­si­ger Gegen­stand par­la­men­ta­ri­scher Anfra­gen und Ant­wor­ten der Lan­des­re­gie­rung [4]. Dies ist jeden­falls dann der Fall, wenn ein Bezug zur Ver­ant­wort­lich­keit der Lan­des­re­gie­rung besteht [5].
Der Anspruch der Abge­ord­ne­ten geht auf eine voll­stän­di­ge und zutref­fen­de Beant­wor­tung der par­la­men­ta­ri­schen Anfra­ge. Gren­zen die­ses Infor­ma­ti­ons­an­spruchs erge­ben sich aus dem Ver­fas­sungs­recht. So unter­lie­gen Anga­ben zu Unter­neh­men und über Unter­neh­mens­da­ten Ein­schrän­kun­gen. Von Bedeu­tung ist inso­weit ins­be­son­de­re der durch Art. 12 Abs. 1, 14 Abs. 1 GG gewähr­leis­te­te Schutz von Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen. Er ver­bie­tet die unbe­fug­te Wei­ter­ga­be von Unter­neh­mens­da­ten, die nicht offen­kun­dig sind und an deren Nicht­ver­brei­tung der Rechts­trä­ger ein berech­tig­tes Inter­es­se hat [6]. Auf Daten­schutz dage­gen kann sich die Antrag­stel­le­rin nicht beru­fen, denn das Lan­des­da­ten­schutz­ge­setz gilt nur für natür­li­che Per­so­nen (§ 3 Abs. 1 LSDG). Der Schutz eines Unter­neh­mens darf nur im über­wie­gen­den Inter­es­se der All­ge­mein­heit und unter Beach­tung des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ein­ge­schränkt wer­den; die Ein­schrän­kung darf nicht wei­ter gehen als es unter Berück­sich­ti­gung öffent­li­cher Inter­es­sen uner­läss­lich ist. Die­ser Schutz und der par­la­men­ta­ri­sche Infor­ma­ti­ons­an­spruch müs­sen im Ein­zel­fall ein­an­der so zuge­ord­net wer­den, dass bei­de so weit wie mög­lich ihre Wir­kun­gen ent­fal­ten. Bei der hier­nach gebo­te­nen Abwä­gung sind Art und Bedeu­tung des mit der Anfra­ge ver­folg­ten Ziels und die Schutz­wür­dig­keit und ‑bedürf­tig­keit der betrof­fe­nen Daten ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen [7]. Bei der Abwä­gung ist schließ­lich zu berück­sich­ti­gen, dass die Beant­wor­tung sol­cher Anfra­gen für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des par­la­men­ta­ri­schen Sys­tems von gro­ßer Bedeu­tung ist und bei Beein­träch­ti­gun­gen die Mög­lich­keit einer spä­te­ren Rich­tig­stel­lung besteht [8].
Im vor­lie­gen­den Fal­le kann die Antrag­stel­le­rin als Betrei­ber von Pri­vat­schu­len zuläs­si­ger­wei­se Gegen­stand von par­la­men­ta­ri­schen Anfra­gen sein. Denn es bestehen zwi­schen ihr als Betrei­ber von Pri­vat­schu­len und der öffent­li­chen Ver­wal­tung und damit der Regie­rung recht­li­che Bezie­hun­gen.
Die in Baden-Würt­tem­berg grund­sätz­lich bestehen­de Schul­pflicht ist von gro­ßer Bedeu­tung und von hohem Wert [9]. Die Schul­pflicht muss in einer öffent­li­chen Schu­le (vgl. § 2 Abs. 1 Satz 1 SchG) oder in einer geneh­mig­ten Ersatz­schu­le (vgl. § 4 Abs. 2 PSchG) erfüllt wer­den. Die Pri­vat­schu­len sind in die mit der Schul­pflicht ver­bun­de­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben und Auf­ga­ben ein­ge­bun­den (Art. 7 Abs. 4 GG, Art. 14 Abs. 2 Satz 3 LV; vgl. § 1 PSchG). Nach § 4 Abs. 1 PSchG ist für Ersatz­schu­len eine Geneh­mi­gung erfor­der­lich, die von bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen abhän­gig ist (§§ 5 f. PSchG) und einer umfang­rei­chen Prü­fung bedarf (vgl. Vogel, RdJB 2009, 346). Es fin­det eine ein­ge­schränk­te Über­wa­chung statt (§ 8 PSchG). Schließ­lich steht Ersatz­schu­len staat­li­che Finanz­hil­fe zu (§§ 17 ff. PSchG); das Son­de­rungs­ver­bot (Art. 7 Abs. 4 GG) ist zu beach­ten.
Nach die­sen Grund­sät­zen hat die Antrag­stel­le­rin kei­nen Anspruch auf vor­läu­fi­ge Unter­sa­gung der Beant­wor­tung der par­la­men­ta­ri­schen Anfra­ge.
Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 12. Okto­ber 2010 – 12 K 3829/​10
vgl. zu allem VGH Bad.-Württ., Urteil vom 15.10.1996, NJW 1997, 754[↩]
vgl. zum Bun­des­recht ins­ge­samt BVerfG, Beschluss vom 01.07.2009, BVerfGE 124, 161[↩]
vgl. VerfGH NRW, Urteil vom 19.08.2008, DVBl 2008, 1380; VerfGH Sach­sen, Beschluss vom 05.11.2009 – Vf. 133-I-08[↩]
vgl. VerfGH NRW, Urteil vom 19.08.2008, a.a.O.; Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 26.07.2006, NVwZ 2007, 204[↩]
vgl. Glau­ben/​Edinger, DÖV 1995, 941, 944[↩]
vgl. hier­zu BVerfG, Beschluss vom 14.03.2006, BVerfGE 115, 205; BVerwG, Beschluss vom 04.01.2005 – 6 B 59/​04[↩]
vgl. ins­ge­samt VerfGH NRW, Urteil vom 19.08.2008, a.a.O.; Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 26.07.2006, a.a.O.; Lennartz/​Kiefer, DÖV 2006, 185, 188[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 15.03.1996, NJW 1996, 2085[↩]
vgl. VG Stutt­gart, Beschluss vom 17.11.2009 – 12 K 4153/​09, m.w.N.[↩]