Source: https://www.kriminalpolizei.de/nc/ausgaben/2019/juni/detailansicht-juni/artikel/schusswaffengebrauch-unter-strafverfolgender-zielsetzung-teil-2.html?tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=4
Timestamp: 2019-08-26 05:07:52
Document Index: 282386123

Matched Legal Cases: ['Art. 30', 'Art. 30', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 20', '§ 6', '§ 163', 'BGH', 'Art. 74', 'BGH', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 9', '§ 81', '§ 14', '§ 42', '§ 81', '§ 81', '§ 12', 'Art. 20', '§ 8', '§ 20', '§ 30', '§ 81', '§ 66', '§ 7', '§ 7', '§ 8', '§ 66', '§ 7', '§ 7', '§ 8', '§ 3', '§ 10', '§ 1', '§ 9', '§ 10', '§ 11', '§ 1', '§ 13', '§ 9', '§ 12', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 21', 'Art 30']

Es gibt eine Reihe von Denkansätzen, wie sich unmittelbarer Zwang durch Schusswaffengebrauch mit repressiver Zielrichtung rechtfertigen lässt. Der vorgeschlagene Lösungsweg allein über den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit mag rechtsdogmatisch interessant sein. Er leidet jedoch ganz erheblich am verfassungskräftigen Bestimmtheitsgebot und somit an der verfassungsrechtlichen Normenklarheit. Das UZwG Bund als sachnähere Rechtsmaterie zur StPO, weil beide Gesetze Bundesrecht verkörpern, überzeugt nicht. Dieser Weg scheitert jedoch an Art. 30 und 70 GG, wonach Polizeiangelegenheiten Ländersache sind. Überzeugend ist daher der Weg, der durch ländergesetzliche Regelungen geschaffen worden ist, auch für den Schusswaffengebrauch mit repressiver Zielrichtung. Der Anwendungsbereich des Art. 30 GG ist eröffnet, wobei sich „Befugnisse“ auf bestimmte, zu Eingriffen in Freiheitsrechte berechtigende Mittel bezieht, „Aufgaben“ hingegen auf sachliche Bereiche staatlichen Tätigwerdens abzielen.64 Ganz entscheidend wird zwar die Auffassung von der Möglichkeit einer Ergänzung des Katalogs der polizeilichen Zwangsbefugnisse durch den Landesgesetzgeber durch § 6 EGStPO widerlegt.65 Gleichwohl stellen aber die insoweit in Rede stehenden Vorschriften „nur“ spezielle Ausformungen des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit dar, die zudem ermessensbindend wirken. Dies zu regeln, ist den Landesgesetzgebern nicht untersagt; ein Verstoß bzw. eine Kollision mit § 6 Abs. 1 Satz 1 EGStPO liegt demnach nicht vor. Die Vorschriften der Länder, die den Schusswaffengebrauch in ihren „Polizeigesetzen“ regeln, erfüllen in vollem Umfang die verfassungsrechtlichen Gebote der Bestimmtheit und Normenklarheit, sei es, dass sie den Schusswaffengebrauch mit präventiver Zielrichtung, sei es, dass sie den Schusswaffengebrauch mit repressiver Zielrichtung normieren.
Der Autor war als Direktor beim Polizeipräsidenten Direktionsleiter und Polizeiführer Schwerstkriminalität.
Vollstreckungsermächtigungen sind insoweit § 6 Abs. 1 VwVG (sog. Normalvollzug bzw. gestrecktes Verfahren) und § 6 Abs. 2 VwVG (sog. sofortiger Vollzug, der mit Blick auf den Polizeivollzugsdienst auch entsprechend für das sog. abgekürzte/verkürzte Verfahren gilt).
Als Vorführung wird gemeinhin die Durchsetzung der Vorladung mit unmittelbarem Zwang angesehen; vgl. dazu Knape/Schönrock, a.a.O., Rdnr. 35, 36 und 38 zu § 20 ASOG Bln.
Beim (präventivem) Verwaltungshandeln ist vom so genannten dreiaktigen Verfahren die Rede; ausgehend vom Regelfall des Normalvollzugs ist damit der Erlass des Grund-Verwaltungsakts, aus Berliner Sicht dessen Vollstreckung nach dem VwVG (§ 6 Abs. 1) als inkorporiertes Landesrecht und die Anwendung unmittelbaren Zwanges nach den Vorschriften des UZwG Bln gemeint.
Vgl. Sigrist, Probleme der Identitätsfeststellung und der polizeilichen Razzia nach dem Berliner ASOG, JR 1976, 397 (399); dazu Krause/Nehring, Strafverfahrensrecht in der Polizeipraxis, 1978, S. 91, Rdnr. 173.
Schenke, Kompetenz des Landesgesetzgebers zur Regelung polizeilicher Befugnisse auf dem Gebiet der Strafverfolgung?, JR 1970, 48 ff.
Vgl. Götz, a.a.O., S. 148.
Die §§ 163b,163c StPO existierten damals noch nicht. Diese Befugnisse wurden erst mit dem Änderungsgesetz vom 14.4.1978, BGBl. I S. 497 in die StPO eingefügt.
Vgl. Götz, a.a.O., S. 149; dazu ders., Die Entwicklung des allgemeinen Polizei- und Ordnungsrechts (1981 bis 1983), NVwZ 1984, 211 (212).
Vgl. Emmerig, Die Doppelfunktion der Polizei, DVBl. 1958, 338 ff.; BGH, NJW 1962, 1020 ff.
Vgl. Sigrist, a.a.O.; dazu auch Götz, a.a.O.
Vgl. Sigrist, a.a.O. und Götz, a.a.O., S. 142/143 jeweils mit weiteren Hinweisen.
Vgl. schon Krüger, Polizeilicher Schusswaffengebrauch, 1979, S. 82; dazu entspr. BVerfGE 113, 348 (369) = juris, Absatz-Nr. 98 = BeckRS 2005, 28075, Absatz-Nr. 96 zur Reichweite der konkurrierenden Gesetzgebung nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG (hier: gerichtliches Verfahren unter Einschluss des Strafverfahrens).
Vgl. Benfer, Anwendung unmittelbaren Zwanges zur Durchsetzung strafprozessualer Rechtseingriffe?, NJW 2002, 2688.
Vgl. BGH, NJW 1962, 1020 (1021).
So auch OLG Dresden, NJW 2001, 3643 (3644) zur zwangsweisen Blutentnahme nach § 81a StPO; dazu Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 61. Aufl. (2018), Rdnr. 10 und 29 zu § 81a, ferner dies, a.a.O., Rdnr. 45 der Einleitung; so schon Kleinknecht/Meyer-Goßner, StPO, 45. Aufl., Rdnr. 18 zu § 81a.
Vgl. Meyer-Goßner/Schmitt, a.a.O., Rdnr. 45 der Einleitung mit Hinweis auf KG, JR 1979, 347 f.; Kleinknecht, NJW 1964, 2181 ff.
So OLG Dresden, a.a.O.; dazu BayObLG, NJW 1964, 459 ff.; OLG Schleswig, NJW 1964, 2215 ff.; OLG Koblenz, VRS 54, 357 ff.
Zum Prüfungsschema von Gefahrenabwehr-, Zwangs- und strafprozessualen Maßnahmen vgl. Wagner, Bundespolizeirecht, VDP, 4. Aufl. (2018), S. 82.
Im Ergebnis so auch Wagner, a.a.O., S. 76, der ebenfalls darauf abstellt, dass in Ermangelung eines Zwangsmittelkatalogs – so wie ihn § 9 Abs. 1 VwVG kennt – die StPO als einzig statthafte Zwangsart den unmittelbaren Zwang zulässt. Er leitet das ebenfalls aus § 81c Abs. 6 StPO ab, wonach „zur Durchsetzung einer körperlichen Untersuchung der unmittelbare Zwang das statthafte Zwangsmittel ist“.
Vgl. § 14 UZwG Bln; dazu § 42 Abs. 1 Nr. 4 Alt. 1 oder Nr. 5 MEPolG 1977.
Vgl. dazu EN 30.
Vgl. Krause/Nehring, a.a.O., 1978, Rdnr. 3 zu § 81a StPO; nach Meyer-Goßner/Schmitt, a.a.O., Rdnr. 10 zu § 81a muss der Beschuldigte körperliche Untersuchungen dulden, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Maßnahme zwangsweise durchgesetzt werden kann, wenn der Beschuldigte die Maßnahme nicht duldet.
Vgl. Knape, a.a.O., 93 (95).
Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit – das Übermaßverbot – leitet sich unmittelbar aus den Grundrechten ab; vgl. Knape/Schönrock, a.a.O., Rdnr. 2 zu § 12 ASOG Bln mit umfangreichen Rechtsprechungsnachweis; ferner Möllers, Wörterbuch der Polizei, 2. Aufl. (2010), S. 2104; ferner Schwabenbauer in: Lisken/Denninger, Handbuch des Polizeirechts, 6. Aufl. (2018), G. 132 ff.
So aber Benfer, a.a.O., 2688.
Z.B. im Rahmen der Vorlesungen von Dozenten an der FHVR Berlin, die im Hauptberuf Richter oder Staatsanwälte waren. Zum verfassungskräftigen Bestimmtheitsgebot und zum korrespondierenden rechtsstaatlichen Gebot der Normenklarheit vgl. BVerfG, Beschl. v. 9.4.2003 – 1 BvL 1/01, 1 BvR 1749/01, E 108, 52 [67, 74 f.] = juris, Absatz-Nrn. 43, 59 ff. = BeckRS 2003, 30315317, S. 10, 13 f. mit umfangreichem Rspr.-Nachw. des BVerfG.
Vgl. BVerfGE 95, 267 (307); E 83, 130 (152); BVerwGE 109, 29 (37).
Vgl. BVerfGE 57, 295 (320 f.); E 80, 137 (161).
Vgl. BVerfGE 101, 1 (34); E 57, 295 (327); E 83, 130 (142).
Vgl. dazu Kunig, Zur „hinreichenden Bestimmtheit“ von Norm und Einzelakt, Jura 1990, 495 (496).
So zu verstehen in BVerfGE 58, 257 (274).
Vgl. Jarass/Pieroth a.a.O., Rdnr. 54 zu Art. 20 GG.
Vgl. BVerfGE 83, 130 (152); E 86, 288 (311); E 98, 218 (251).
Vgl. BVerfGE 77, 170 (230 f.); E 98, 218 (251); E 101, 1 (34); 108, 282 (312); BVerwGE 68, 69 (72); dazu OVG Bremen, Urt. v. 5.2.2018 – 2 LC 139/17, S. 10, 14 ff., 17 u. 31 = juris, Absatz-Nrn. 33, 46 – 49, 51 u. 88 = BeckRS 2018, 3048, S. 10 [Absatz-Nr. 28], S. 13 f. [Absatz-Nrn. 41 – 44], S. 15 [Absatz-Nr. 46] u. S. 26 f. [Absatz-Nr. 83]; zum verfassungskräftigen Bestimmtheitsgebot u. zum korrespondierenden rechtsstaatlichen Gebot der Normenklarheit vgl. BVerfG, Beschl. v. 9.4.2003 – 1 BvL 1/01, 1 BvR 1749/01, E 108, 52 [67, 74 f.] = juris, Absatz-Nrn. 43, 59 ff. = BeckRS 2003, 30315317, S. 10, 13 f. mit umfangreichem Rspr.-Nachw. des BVerfG; ferner Brenneisen/Blauhut, a.a.O., 189 mit Hinweis auf Pieroth/Schlink/Kingreen/Poscher, Grundrechte Staatsrecht II, 30. Aufl. (2014), S. 79 und Stein/Frank, Staatsrecht, 21. Aufl. (2010), S. 156.
Vgl. BVerfGE 86, 288 (311); E 93, 213 (238); E 109, 133 (188); E 110, 33 (55); BVerwG, NVwZ-RR 90, 47; dazu Pieroth/Schlink/Kniesel, Polizei- und Ordnungsrecht mit Versammlungsrecht, 9. Aufl. [2016], § 8 Rdnr. 50.
Vgl. Jarass/Pieroth, a.a.O., Rdnr. 54 zu § 20 GG.
Vgl. Brenneisen/Blauhut, a.a.O.; dazu Möllers, a.a.O., S. 274; ferner Kunig, a.a.O.
Andere Meinung offenbar Becker, a.a.O., der im Zusammenhang systematisch inakzeptabel mit der Tötung eines Menschen durch hoheitlichen Schusswaffengebrauch auf die amtliche Begründung zum SOG M-V verweist.
Vgl. BVerfGE 15, 25 (34); E 23, 288 (316 f.); dazu BVerfGE 74, 358 (370); E 111, 307 (317).
Vgl. Knape/Schönrock, a.a.O., Rdnr. 32 zu § 30 ASOG Bln; dazu auch Brenneisen/Blauhut, a.a.O., 186.
Vgl. BVerfGE 5, 13 (15 f.); E 113, 348 (366).
Stichtag für sog. vorkonstitutionelles Recht ist der 23.5.1949, jener Tag, an dem das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft trat. Recht, das bereits davor existierte und auch nach diesem Datum weiterhin unverändert in Kraft blieb, zählt zum vorkonstitutionellen Recht. Die StPO vom 1.2.1877 ist im Kernbestand ihrer Normen auch heute noch geltendes Recht.
Vgl. OLG Dresden, NJW 2001, 3643 ff.; dazu Meyer-Goßner/Schmitt, a.a.O., Rdnrn. 10 und 29 zu § 81a, ferner dies, a.a.O., Rdnr. 45 der Einleitung; so wohl auch Brenneisen/Blauhut, a.a.O., 188.
Vgl. z.B. § 66 ASOG Bln, § 7 UZwG Bln, § 7 PolG NRW und § 8 BbgPolG.
Vgl. BVerfGE 113, 348 (367).
Vgl. BVerfGE 113, 348 (366 f.).
Vgl. BVerfGE 64, 72 (79); E 85, 386 (403 f.); E 113, 348 (366).
Vgl. BVerfGE 5, 13 (16); E 28, 36 (46); dazu auch Lepa, Der Inhalt der Grundrechte, 6. Aufl. (1990), S. 316.
Vgl. z.B. § 66 ASOG Bln und § 7 UZwG Bln; § 7 PolG NRW; § 8 BbgPolG; § 3 UZwG Bund.
Vgl. § 10 UZwG Bund.
Zum Aufbau zwangsrechtlicher Prüfungen siehe Sadler, VwVG/VwZG, 8. Aufl. (2011), A. Anhang VwVG: Muster (S. 633 ff.); dazu Borsdorf/Kastner, S. 147 ff.; 157 f.; ferner oben Fußn. 25.
Vgl. § 1 Abs. 2 UZwG Bln; dazu Heesen/Hönle/Peilert/Martens, a.a.O., Rdnr. 2 zu § UZwG Bund mit Hinweis auf Abschnitt I (4) UZvVwV – BMI.
Vgl. dazu auch Heesen/Hönle/Peilert/Martens, a.a.O., Rdnr. 1 zu § UZwG Bund; dazu Knape/Schönrock, a.a.O., Rdnrn. 11 ff. zu § 9 UZwG Bln (S. 1011 ff.).
Vgl. dazu auch Heesen/Hönle/Peilert/Martens, a.a.O., Rdnr. 1 zu § UZwG Bund.
Vgl. § 10 UZwG Bund, hier sind all jene Fallvarianten des UZwG Bln – §§ 11 bis 16 – in einer Norm zusammengefasst; zu den Vorschriften des LVwG S-H vgl. Brenneisen/Blauhut, Zulässigkeit und Grenzen des Schusswaffengebrauchs zur Durchsetzung strafprozessualer Maßnahmen – Teil II, DIE POLIZEI 2015, 221 ff.
Der Schusswaffengebrauch richtet sich nach den §§ 1, 3 Nr. 1, 2 Abs. 1 und 4, 8 Abs. 1, 9 Abs. 1 Satz 2 und 4 UZwG Bln, soweit nicht alarmierte Spezialkräfte das Türschloss mittels eines Explosivmittels zerstören.
Vgl. AV Pol UZwG Bln Nr. 57 lit. c zu § 13 UZwG Bln.
Vgl. § 9 Abs. 1 Satz 2 UZwG Bln und § 12 Abs. 1 Satz 2 UZwG Bund.
Vgl. § 9 UZwG Bln.
Vgl. § 9 Abs. 2 Satz 1 UZwG Bln.
Vgl. § 9 Abs. 1 Satz 1 UZwG Bln.
So schon Götz, Allgemeines Polizei- und Ordnungsrecht, 13. Aufl. (2001), § 21 (Verfolgung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten), Rdnr. 536.
Vgl. Jarass/Pieroth, a.a.O., Rdnr. 3 zu Art 30 GG.
So schon Gerland, JW 1934, 108 Anm.