Source: http://wolfgang-wiechmann.de/Rechnungswesen/Einkommensteuer/LOES%20Klausur%20Grundkurs%20Rechnungswesen%202006.htm
Timestamp: 2020-04-10 00:54:42
Document Index: 174309357

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 8', '§ 8', '§ 9', '§ 9', '§ 1', '§ 1', '§ 9']

Klausur Grundkurs 112 Rechnungswesen /Wn
LÖSUNG Klausur Grundkurs 112 Rechnungswesen /Wn
Aufgabe 1: Grundbegriffe des Steuerrechts (23 P)
1) Was sind Steuern? Geben Sie den Steuerbegriff der Abgabenordnung wieder.
- keine direkte Gegenleistung.
- von öffentlich-rechtlichem Gemeinwesen auferlegt
- kraft Gesetzes auferlegt
- die Erzielung der Einnahmen kann Nebenzweck sein. (6 Punkte)
2) Was versteht man unter einer Gemeinschaftsteuer?
Gemeinschaftsteuern werden nach bestimmten Schlüsseln zwischen Bund, Ländern und Gemeinden aufgeteilt. (2 Punkte)
3) Erläutern Sie an einem selbst gewählten Beispiel mit 3 Wirtschaftsstufen (Urproduktion, Fabrikation, Handel) das Prinzip der Umsatzsteuer als indirekte Steuer!
Stellen Sie ihr Beispiel dazu zunächst in Tabellenform dar und nehmen Sie Ihre Erläuterungen dann an Hand dieses Beispiels vor. Hierbei sollten Sie auch auf die Begriffe Steuerschuldner und Steuerträger eingehen.
Produktions-bzw. Handelsstufe
Ausgangsrechnung = Eingangsrechnung der nachfolgenden Umsatzstufe
30:000;-
=16 % von
Darstellung in der Tabelle:
jeweils Bruttopreis, USt, Vorsteuer, Zahllast (6 P)
Die Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, auf ihre Umsätze die USt zu erheben und an das Finanzamt abzuführen. Sie sind also die Steuerschuldner. (2 P)
Die Unternehmen können sich von der vereinnahmten Umsatzsteuer die Beträge abziehen, die sie selbst als Umsatzsteuer an ihre Vorlieferanten entrichtet haben (Vorsteuerabzug). (2 P)
Durch den Vorsteuerabzug werden sie mit der Umsatzsteuer nicht belastet. (1 P)
Der Handel stellt dem Verbraucher die Umsatzsteuer von 4.800,- in Rechnung. Dieser Betrag entspricht der Summe der Beträge, die alle Unternehmen zusammen als Zahllast an das Finanzamt abgeführt haben. (2 P)
Der Verbraucher wird dadurch als Einziger mit der Umsatzsteuer belastet, er ist der Steuerträger. (2 P)
Aufgabe 2: Einkommensteuerpflicht (15 P)
1) Was versteht man unter Inland im Sinne des EStG?
Der Inlandsbegriff wird im EStG nicht definiert, sondern vorausgesetzt. Inland im Sinne des EStG ist der Geltungsbereich des EStG, d.h. das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. (2 P)
Zum Inland gehört auch der der Bundesrepublik Deutschland zustehende Anteil am Festlandsockel, soweit dort Naturschätze des Meeresgrundes und des Meeresuntergrundes erforscht oder ausgebeutet werden (§ 1 Abs. 1 Satz 2) (2 P)
2) Was versteht man unter Wohnsitz im Sinne des § 8 AO?
Eine natürliche Person hat einen Wohnsitz dort, wo sie eine Wohnung unter Umständen innehat, die darauf schließen lassen, dass sie die Wohnung beibehalten und benutzen wird (§ 8 AO). (2 P)
3) Was ist unter dem gewöhnlichen Aufenthalt im Sinne des § 9 AO zu verstehen?
Eine natürliche Person hat ihren gewöhnlichen Aufenthalt dort, wo sie sich unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, dass sie an diesem Ort oder in diesem Gebiet nicht nur vorübergehend verweilt (§ 9 AO). (2 P)
4) Wer ist nach § 1 Abs. 1 EStG unbeschränkt einkommensteuerpflichtig?
Unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind nach § 1 Abs. 1 Satz 1 EStG
2. die im Inland
3. einen Wohnsitz oder
4. ihren gewöhnlichen Aufenthalt
haben. (4 P)
5) Georg Smith ist Angestellter einer Londoner Bank. Er hat seinen Wohnsitz in London. In der Zeit vom 10.01.2001 bis 17.11.2001 arbeitete er bei der Düsseldorfer Filiale seiner Arbeitgeberin und wohnte während dieser Zeit in einem Düsseldorfer Hotel.
Ist Georg Smith im Inland unbeschränkt oder beschränkt einkommensteuerpflichtig? Begründen Sie Ihre Antwort.
George Smith ist für die Zeit vom 10.01 bis 17.11. 2001 im Inland unbeschränkt einkommemsteuerpflichtig,
· er eine natürliche Person ist,
· die im Inland ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort hatte. (3 P)
Aufgabe 3: Werbungskosten (7 P)
1) Was versteht man nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG unter Werbungskosten?
Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. (2 P)
2) Entscheiden Sie, ob folgende Aufwendungen Betriebsausgaben, Werbungskosten oder Aufwendungen für die Lebensführung sind:
2. private Telefongebühren
3. Aufwendungen für eine Erholungsreise
4. Grundsteuer für ein Betriebsgrundstück
5. Aufwendungen eines Arbeitnehmers für typische Berufskleidung
6. Aufwendungen für einen Maßanzug, der von einem Angestellten nachweislich während der Arbeitszeit getragen wird.
7. AfA für einen betrieblichen Lkw
8. Hypothekenzinsen für ein Fabrikgebäude
9. Aufwendungen eines Arbeitnehmers für Ernährung
10. Telefongebühren eines Unternehmers für betrieblich veranlasste Gespräche, die über den privaten Telefonanschluss geführt werden
(Je 0,5 = 5 P)
Aufgabe 4: Einkommensteuertarif (18 P)
1) Erläutern Sie am Gesetzestext die vier Zonen des Einkommensteuertarifs!
Je nach der Höhe des zu versteuernden Einkommens sind zu unterscheiden:
bis 7.664,- €:
die Nullzone (= Grundfreibetrag, durch den das Existenzminimum steuerfrei gestellt wird) (2 P),
· von 7.665,- bis 12.739,- €: die untere Progressionszone,
in der die Tarifkurve von null an den dann folgenden Verlauf herangeführt wird (2 P),
· von 12.740,- bis 52.151,- €: die obere Progressionszone,
in der die Einkommenszuwächse mit einem von 23 % bis 42 % progressiv ansteigenden Steuersatz belastet werden (2 P),
· und die obere Proportionalzone,
in der ab einem Einkommen von 52.155 Euro Einkommenszuwächse proportional mit dem Spitzensteuersatz von 42 % belastet werden (2 P)
2) Berechnen Sie die zu zahlende Einkommensteuer für ein zu versteuerndes Einkommen von 35.000,- €. Veranlagungszeitraum 2005. Der Rechenweg muss erkennbar sein.
Die zu zahlende Einkommensteuer beträgt:
Berechnung Z: = 2,2261 (2 P)
Berechnung Steuer nach Formel: = 7458,49 € (2 P)
Bestimmung Steuer als abgerundeter Betrag = 7458,- € (1 P)
3) Dem progressiv gestalteten Einkommensteuertarif liegt eine bestimmte Theorie zugrunde. Benennen und erläutern sie diese Theorie!
Ihr liegt die sog. Opfertheorie (1 P) zugrunde,
wonach ein Vermögen desto entbehrlicher für die Lebensbedürfnisse werde, wie es sei (1 P);
das Lebensnotwendige müsste steuerfrei bleiben (1 P),
der Luxus könnte hoch (1 P)
und das Überflüssige könnte ganz weggesteuert werden (1 P).
C:\Eigene Dateien\RECHNUNGSWESEN\Kursphase 13\4. Semester\LA 1 Einkommensteuer\LÖS Klausur Grundkurs Rechnungswesen 2006.doc Erstelldatum 09.05.2006 18:46:00