Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/auslegung-sozialplans-evangelischen-3118569?pk_campaign=feed&pk_kwd=auslegung-sozialplans-evangelischen
Timestamp: 2019-08-19 16:44:48
Document Index: 280243298

Matched Legal Cases: ['§ 40', '§ 10', '§ 77', '§ 112', '§ 1', '§ 75', '§ 112']

Der Sozi­al­plan erstreckt sich sei­nem Wort­laut nach gera­de nicht auf alle Mit­ar­bei­ter der drei Lan­des­kir­chen, son­dern nur auf die­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter der jewei­li­gen Kir­chen­ver­wal­tung. Die ein­zel­nen Dienst­ge­ber und die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tun­gen haben den Anwen­dungs­be­reich des Sozi­al­plans bewusst auf einen bestimm­ten Mit­ar­bei­ter­kreis ein­ge­grenzt. Der Sozi­al­plan gilt nur für sol­che Mit­ar­bei­ter, die zu einem bestimm­ten Zeit­punkt in bestimm­ten Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten tätig waren, also z. B. im Kon­sis­to­ri­um. Um die­sen begrenz­ten Anwen­dungs­be­reich noch­mals zu ver­deut­li­chen, haben es die Ver­fas­ser des Sozi­al­plans nicht dabei belas­sen, die Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit zu benen­nen, son­dern haben Orts­an­ga­ben hin­zu­ge­fügt, z. B. „in G.”. Zu wei­te­ren Erläu­te­rung haben sie den Klam­mer­zu­satz „Kir­chen­ver­wal­tun­gen” ange­hängt.
Das ent­spricht dem Sinn und Zweck des Sozi­al­plans. Die Mit­ar­bei­ter in den Kir­chen­ver­wal­tun­gen sind die­je­ni­ge Per­so­nen­grup­pe, bei der nicht nur ein recht­li­cher Über­gang des Arbeits­ver­hält­nis­ses auf die neu gebil­de­te Kir­che anstand, son­dern bei denen Ver­än­de­run­gen ihres Auf­ga­ben­ge­biets bzw. ihres Dienstor­tes zu erwar­ten waren. Die Fusi­on der drei Lan­des­kir­chen als sol­che greift noch nicht in die kon­kre­ten Arbeits­be­din­gun­gen ein. Ob die sich dar­an anschlie­ßen­den orga­ni­sa­to­ri­schen Maß­nah­men bei den Mit­ar­bei­tern zu wirt­schaft­li­chen Nach­tei­len füh­ren, die es aus­zu­glei­chen gilt, hängt von der jewei­li­gen unter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung ab. Der Sozi­al­plan beruht auf § 40 Buchst. f des Kir­chen­ge­set­zes über Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tun­gen in der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (MVG.EKD). Danach sind Sozi­al­plä­ne ins­be­son­de­re bei Auf­lö­sung, Ein­schrän­kung, Ver­le­gung und Zusam­men­le­gung von Dienst­stel­len oder erheb­li­chen Tei­len von ihnen auf­zu­stel­len. Als der Sozi­al­plan vom 27.08.2010 geschlos­sen wur­de, stand bereits fest, dass die bis­he­ri­gen Kir­chen­ver­wal­tun­gen der drei Lan­des­kir­chen zusam­men­ge­legt und zum Teil ver­legt wer­den. Nach Zif­fer IV.06.03.1 des Ver­tra­ges über die Bil­dung einer Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che in Nord­deutsch­land vom 05.02.2009 ist der zukünf­ti­ge Sitz des Lan­des­kir­chen­am­tes in – C-Stadt, wäh­rend sich in S. eine Außen­stel­le befin­det. Auf die damit ver­bun­de­ne Ver- und Zusam­men­le­gung von Dienst­stel­len oder Dienst­stel­len­tei­len bezieht sich der Sozi­al­plan. Dem­entspre­chend knüpft er die Abfin­dungs­zah­lung an eine Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses „wegen der Zusam­men­le­gung der Ämter” (§ 10 Abs. 1). Der Sozi­al­plan hat den Zweck, evtl. wirt­schaft­li­che Nach­tei­le der­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter zu mil­dern oder aus­zu­glei­chen, bei denen sich eine Ände­rung ihres Auf­ga­ben­ge­biets oder ihres Dienstor­tes bereits unmit­tel­bar abzeich­ne­te. Das sind die Mit­ar­bei­ter in den Kir­chen­ver­wal­tun­gen. Bei den Mit­ar­bei­tern der Diens­te und Wer­ke stan­den der­art weit­rei­chen­de Ver­än­de­run­gen zum dama­li­gen Zeit­punkt nicht an. Zwar war es not­wen­dig, die Diens­te und Wer­ke in eine neue Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur zu über­füh­ren. Damit war aber nicht zwangs­läu­fig eine räum­li­che Ver­la­ge­rung von Auf­ga­ben oder eine Zusam­men­le­gung von Dienst­stel­len ver­bun­den. Soweit in den Diens­ten und Wer­ken unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den, ist hier­zu ggf. ein wei­te­rer Sozi­al­plan zu schlie­ßen. Der Sozi­al­plan vom 27.08.2010 ist jeden­falls nicht auf evtl. zukünf­ti­ge orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men aus­ge­legt.
Aus­le­gung eines Sozi­al­plans Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts sind Sozi­al­plä­ne als Betriebs­ver­ein­ba­run­gen eige­ner Art wegen ihrer nor­ma­ti­ven Wir­kun­gen (§ 77 Abs. 4 Satz 1, § 112 Abs. 1 Satz 3 BetrVG) wie…
BAG, Urteil vom 20.12 2012 – 2 AZR 32/​11, Rn. 43, juris, NZA-RR 2013, 627↩
vgl. BAG, Urteil vom 10.11.2015 – 3 AZR 576/​14, Rn. 21, juris, AP Nr. 76 zu § 1 BetrAVG Gleich­be­hand­lung↩
BAG, Urteil vom 14.05.2013 – 1 AZR 43/​12, Rn. 18, juris, AP Nr. 58 zu § 75 BetrVG 1972↩
BAG, Urteil vom 01.02.2011 – 1 AZR 417/​09, Rn. 22, juris, AP Nr. 211 zu § 112 BetrVG 1972↩