Source: https://www.finanztip.de/testament-checkliste/
Timestamp: 2020-05-29 03:22:36
Document Index: 45117260

Matched Legal Cases: ['§ 2247', '§ 2247', '§ 2150', '§ 2048', '§ 2096', '§ 2267', '§ 2232']

Testament handschriftlich schreiben: Musterbeispiel und Checkliste - Finanztip
So setzen Sie Ihr Testament auf
Dr. Britta Beate Schön Stand: 29. August 2019
Mit einem Testament können Sie selbst Ihren Nachlass regeln und bestimmen, wer was erbt. Ein eigenhändiges Testament ist nur wirksam, wenn Sie es selbst mit der Hand schreiben und unterschreiben.
Als Alternative dazu können Sie auch zu einem Notar gehen und ein sogenanntes öffentliches oder notarielles Testament errichten.
Finden Sie heraus, wer in Ihrer Familie wie viel nach der gesetzlichen Erbfolge erben würde. Sind Sie damit nicht einverstanden, müssen Sie ein Testament verfassen.
Haben Sie viel zu vererben und zählen dazu auch Immobilien oder leben Sie in einer besonderen familiären Situation, wenden Sie sich am besten an einen Notar.
Nutzen Sie unsere Checkliste, wenn Sie Ihr Testament schreiben wollen.
Was kann ich in mein Testament schreiben?
Wie kann ich eigenhändig mein Testament errichten?
Wie kann ich ein öffentliches Testament errichten?
Vor- und Nachteile eines öffentlichen und eigenhändigen Testaments
In Deutschland werden enorme Summen vererbt. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge geht für den Zeitraum bis 2027 von 3,1 Billionen Euro aus. Je höher der Nachlass, desto größer das Streitpotenzial. Mit einem Testament und einer guten Nachlassplanung lässt sich Streit innerhalb der Familie in Grenzen halten.
Jeder kann durch ein Testament oder einen Erbvertrag selbst bestimmen, wer erben soll und wer nicht. Jeder vierte Deutsche hat ein Testament gemacht. In allen anderen Fällen greift die gesetzliche Erbfolge, die in vielen Familien zu einer gerechten Verteilung des Nachlasses führt. Bevor Sie also Ihren letzten Willen aufschreiben, sollten Sie überprüfen, wer nach der gesetzlichen Erbfolge erben würde.
Sind Sie damit nicht in allen Punkten einverstanden, möchten Sie einen Angehörigen enterben oder möchten Sie jemanden bedenken, der nicht zur Familie gehört, dann müssen Sie ein Testament aufsetzen. Dazu müssen Sie eine eigenhändig verfasste und unterschriebene Erklärung zu Papier bringen (§ 2247 BGB).
Wer noch nicht volljährig, aber mindestens 16 Jahre alt ist, kann ebenfalls ein Testament machen, allerdings nur vor einem Notar. Menschen, die nicht lesen können, können kein eigenhändiges Testament errichten (§ 2247 Abs. 4 BGB).
Worauf Sie achten müssen, wenn Sie ein Testament errichten, haben wir Schritt für Schritt in einer Checkliste für Sie zusammengefasst.
Nutzen Sie unsere Checkliste für die Erstellung eines Testaments:
Mit Ihrem Testament können Sie selbst bestimmen, wer Erbe werden und wer nur den Pflichtteil erhalten soll. Sie können ebenfalls entscheiden, ob Sie jemandem einen besonderen Gegenstand vermachen wollen und wer an die Stelle eines Erben treten soll, falls dieser inzwischen ebenfalls verstorben ist. Das sind nur Beispiele – darüber hinaus können Sie viele weitere Dinge in Ihrem letzten Willen regeln. Wichtig ist immer, dass die Formulierungen klar und eindeutig sind.
Das Wichtigste in einem Testament ist, dass Sie eine oder mehrere Personen als Erben festlegen. Das können der Ehepartner, die Kinder, aber auch jede andere Person sein. Der Erbe oder die Erbengemeinschaft wird Ihr Rechtsnachfolger, die Erben treten in alle Rechte und Pflichten ein.
Sie können eine Person als Alleinerben einsetzen. Dadurch vermeiden Sie Konflikte in einer Erbengemeinschaft. Der Alleinerbe wird Ihr Rechtsnachfolger, er erbt nicht nur die Guthaben, sondern auch die Schulden. Das könnte im Testament so lauten:
Beispiel: „Mein Ehemann soll Alleinerbe sein.“
Es reicht zum Beispiel nicht, wenn im Testament Folgendes steht: „Der mich pflegt und begleitet, soll Alleinerbe sein“. Das ist keine Erbeinsetzung. Es ist nicht klar, was mit Pflege gemeint ist. Soll das Kind Erbe sein, das die Pflege organisiert hat, oder soll der Pflegedienst erben? Das Oberlandesgericht Köln hat eine solche Regelung für unwirksam erklärt (Beschluss vom 14. November 2016, Az. 2 Wx 536/16). Statt des Testaments ist in diesem Fall die gesetzliche Erbfolge zum Tragen gekommen.
Sie können auch mehrere Erben bestimmen, entweder zu gleichen Teilen oder mit unterschiedlichen Anteilen. Achten Sie dabei aber darauf, dass die Erbengemeinschaft nicht zu groß wird. Je mehr Erben sich einigen müssen, desto schwieriger wird die Auseinandersetzung.
Beispiel: „Meine drei Kinder sollen jeweils zu gleichen Teilen erben.“
Einzelne Dinge vermachen
Sie können in Ihrem Testament bestimmte Dinge auch jemandem vermachen, der nicht Erbe werden soll. Der Erbe muss dann dem Beschenkten das Vermächtnis herausgeben. Das kann ein guter Weg sein, um Konflikte innerhalb einer Erbengemeinschaft zu vermeiden.
Weitere Informationen rund um diese Form der Schenkung, lesen Sie in unserem Ratgeber Vermächtnis.
Wollen Sie einem Erben einen bestimmten Vermögensgegenstand vermachen – etwa einem Ihrer Kinder das Aktiendepot – , müssen Sie deutlich schreiben, ob diese Zuwendung auf den Erbteil angerechnet werden soll oder nicht.
Beispiel: Der Erblasser will beide Kinder zu Erben einsetzen, die Tochter soll das Wertpapierdepot bekommen. Ist dieser Punkt unklar formuliert, stellt sich die Frage, ob das Depot auf den Erbteil angerechnet werden soll oder aber ob sie das Depot zusätzlich zu ihrem Erbteil erhalten soll. Letztere Regelung wäre ein sogenanntes Vorausvermächtnis (§ 2150 BGB).
So könnten Sie ein Vorausvermächtnis formulieren: „Meine beiden Kinder setze ich zu meinen Vollerben jeweils zu gleichen Teilen ein. Meine Tochter erhält darüber hinaus im Wege des Vorausvermächtnisses, also ohne Anrechnung auf ihren Erbteil, mein Wertpapierdepot.“
Eine Teilungsanordnung könnten Sie so festlegen (§ 2048 BGB): „Meine beiden Kinder setze ich zu meinen Vollerben jeweils zu gleichen Teilen ein. Meine Tochter erhält im Wege der Teilungsanordnung und somit in Anrechnung auf ihren Erbteil mein Wertpapierdepot.“
Ersatzerben im Testament benennen
Erben kann nur derjenige, der Sie überlebt. Da niemand in die Zukunft schauen kann, ist nicht auszuschließen, dass der eingesetzte Erbe vor Ihnen verstirbt. Bestimmen Sie daher im Testament bei Bedarf einen oder mehrere Ersatzerben (§ 2096 BGB).
Beispiel: „Hiermit setze ich meinen einzigen Sohn zu meinem Alleinerben ein, ersatzweise meine einzige Schwester.“
Testamentsvollstrecker bestimmen
Sie können im Testament einen Testamentsvollstrecker bestimmen, der Ihren letzten Willen ausführen soll. Ein Testamentsvollstrecker hilft, das Erbe zu verwalten und zu verteilen, er soll Streit zwischen den Erben verhindern. Anstelle der Erben nimmt er den Nachlass für die Zeit der Abwicklung in Besitz und darf über den Nachlass verfügen. Wie weit seine Befugnisse gehen, richtet sich nach dem, was Sie im Testament anordnen. Geeignet sind Personen, die sich im Erb- und Steuerrecht gut auskennen.
Beispiel: „Zum Testamentsvollstrecker bestimme ich Herrn A. Er soll die Auseinandersetzung unter den Miterben bewirken und für die Erfüllung der Vermächtnisse und Auflagen sorgen.“
Auflagen und Bedingungen im Testament
Sie können in Ihrem Testament auch Wünsche äußern, Bedingungen stellen und Aufgaben verteilen. Soll Ihre Enkelin zum Beispiel die Eigentumswohnung erst bekommen, wenn sie ihr Studium abgeschlossen hat, dürfen Sie das so formulieren. Sie können auch festlegen, dass ein hoher Geldbetrag als Vermächtnis erst an den Enkel ausgezahlt werden soll, wenn der volljährig ist.
Sie sollten den Bogen aber nicht überspannen, indem Sie Ihre Erben zu einem Verhalten nötigen – etwa zu regelmäßigen Besuchen. Einen solchen Fall hatte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main zu bewerten. Die beiden Enkel sollten nach dem Willen des Großvaters nur erben, wenn sie ihn mindestens sechs Mal im Jahr besuchten. Diese Bedingung hielten die Richter für sittenwidrig (Beschluss vom 5. Februar 2019, Az. 20 W 98/18).
Sie können Ihren Erben auch nicht vorschreiben, dass sie heiraten oder wen sie heiraten sollen. Solche Auflagen sind ebenfalls sittenwidrig und damit unwirksam.
Sie müssen den gesamten Text selbst mit der Hand schreiben und unterzeichnen, da sich nur anhand der individuellen Züge der Handschrift die Echtheit des Testaments überprüfen lässt. Es genügt nicht, den Text am Computer aufzusetzen, auszudrucken und dann zu signieren. Unterschreiben Sie mit Vornamen und Nachnamen. Umfasst das Testament mehrere Seiten, sollten Sie es auf jeder Seite rechts unten unterzeichnen.
Unwirksam ist also ein Testament, das eine dritte Person geschrieben hat und dann vom Erblasser unterzeichnet wurde, etwa weil die Hand des Testierenden schon sehr zittrig war (OLG Frankfurt am Main, Beschluss vom 12. Dezember 2013, Az. 20 W 281/12).
Ehegatten dürfen hingegen für einander unterzeichnen. Das geht, indem sie ein gemeinschaftliches Testament aufsetzen. Dieses muss zumindest ein Ehepartner eigenhändig schreiben und der andere Ehepartner braucht es nur noch unterschreiben (§ 2267 BGB).
Sie sollten in der Erklärung angeben, wann und an welchem Ort Sie Ihren letzten Willen niedergeschrieben haben. Das ist wichtig, falls mehrere Testamente auftauchen. Denn ein jüngeres Testament hebt ein älteres auf. Fehlen die Angaben, ist es zwar nicht unwirksam, es können dadurch aber Zweifel an der Gültigkeit aufkommen.
Bei Dokumenten, die nicht mit „Testament“ oder „Mein letzter Wille“ überschrieben sind, ist es bisweilen nicht eindeutig, ob der Verfasser wirklich seinen Nachlass regeln wollte. Definitiv nicht als Testament gilt eine entsprechend gekennzeichnete Erklärung, falls der Erblasser im Rahmen einer Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht jemand anders eine Generalvollmacht erteilt hat, die auch über den Tod hinaus wirksam ist (OLG Frankfurt am Main, Beschluss vom 11. Juni 2015, Az. 20 W 155/15).
Da Sie Ihr Testament mit der Hand selbst schreiben müssen, stellen wir Ihnen kein Muster zur Verfügung. Ein mit dem Computer erstelltes Testament ist nicht wirksam, auch wenn Sie es ausdrucken und persönlich unterschreiben.
Jeder Erblasser, jede Familie und jeder Nachlass ist anders, so dass eine allgemeine Vorlage in den meisten Fällen nicht hilfreich ist. Beispiel: So könnte ein handgeschriebenes Testament aussehen.
Sie können ein bestehendes Testament nachträglich ergänzen. Diese Nachträge sollten Sie ebenfalls mit der Hand schreiben und mit Ort und aktuellem Datum sowie Vor- und Familiennamen unterzeichnen, um spätere Schwierigkeiten und Rechtsstreitigkeiten unter den Begünstigten zu vermeiden.
Ein öffentliches oder notarielles Testament müssen Sie bei einem Notar errichten. Dazu können Sie in seiner Kanzlei Ihren letzten Willen erklären, den dieser dann dokumentiert. Sie dürfen Ihr Testament aber auch selbst verfassen oder verfassen lassen und dann dieses Schriftstück mit Ihrem letzten Willen einem Notar übergeben (§ 2232 BGB).
Für das notarielle Testament müssen Sie eine Gebühr zahlen, die sich nach dem Wert Ihres Vermögens richtet, über das Sie zum Zeitpunkt der Errichtung des Testaments verfügen. Beläuft sich Ihr Nachlass zum Beispiel auf 25.000 Euro, fallen Gebühren an in Höhe von 115 Euro; bei einem Nachlasswert von 100.000 Euro zahlen Sie 273 Euro, jeweils zuzüglich Auslagen und Mehrwertsteuer.
Hinweis: Wer für seine Bestattung vorsorgen möchte, denkt meist an eine teure Sterbegeldversicherung. Doch es gibt bessere Alternativen.
Beide Testamentsarten haben zwar den gleichen Rang, es gibt aber jeweils Vor- und Nachteile.
Vergleich von Testamenten: Selbst schreiben oder zum Notar?
Es ist keine andere Person nötig.
Sie können alles besprechen und sich vom Notar beraten lassen.
Sie können es jederzeit und an jedem Ort verfassen.
Durch amtliche Verwahrung wird sichergestellt, dass das Testament auch gefunden und nicht gefälscht wird.
Es ersetzt in der Regel den Erbschein. Die Erben haben keine weiteren Kosten.
Sie können es auch beim Amtsgericht verwahren lassen.
Das Testament lässt sich jederzeit ändern oder vernichten.
Es kann verloren gehen oder nicht gefunden werden.
Es fallen Notarkosten an.
Es besteht das Risiko, dass das Testament unklar oder unwirksam ist.
Sie müssen einen Termin vereinbaren.
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: August 2019)