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Timestamp: 2019-04-21 15:14:09
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Matched Legal Cases: ['Art. 5', '§ 1', '§ 1', '§ 1', 'Art. 5', 'Art. 5', '§ 15', '§ 15', '§ 9', '§ 18', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1']

BVerwG, 28.08.1996 - 6 C 15.94 - dejure.org
Einordnung eines Buches als Kunstwerk unter einzelfallbezogener Gewichtung - Abwägung zwischen Kunstfreiheit und Jugendschutz - Indizierung eines Buches
GG Art. 5 Abs. 3 S. 1; GjS §§ 1 6
Jugendschutzrecht - Jugendgefährdende Schriften, Indizierung schwer jugendgefährdender Schriften, Abwägung zwischen Kunst und Jugendschutz, "Rosa Autostop"
VG Köln, 20.09.1994 - 17 K 7925/92
NJW 1997, 602
NVwZ 1997, 381 (Ls.)
ZUM 1997, 941
afp 1997, 570
Diese Ermittlungspflichten der Bundesprüfstelle werden indessen u.a. durch den Zweck der Abwägung in der Weise eingegrenzt, daß z.B. dann, wenn im Einzelfall allenfalls geringfügigen Belangen der Kunstfreiheit schwerwiegende Belange des Jugendschutzes gegenüberstehen und jene offenkundig überwiegen, es nicht geboten ist und unverhältnismäßig wäre, die Ermittlungen weiter zu betreiben, als es zur Feststellung eines eindeutigen Übergewichts der Belange des Jugendschutzes erforderlich ist (im Anschluß an Urteil vom 28. August 1996 - BVerwG 6 C 15.94 - Buchholz 436.52 § 1 GjS Nr. 20).
c) Eine weitere, praktisch bedeutsame Begrenzung der Ermittlungspflichten der BPS ergibt sich schließlich und vor allem aus denjenigen Rechtsgründen, die der Senat in seinem Urteil vom 28. August 1996 - BVerwG 6 C 15.94 - (Buchholz 436.52 § 1 GjS Nr. 20 = NJW 1997, 602) dargelegt hat.
Dieser Zusammenhang läßt es zwar nicht zu, daß auf der Seite der Belange der Kunstfreiheit diese in der Weise rein fiktiv gewichtet werden, daß letztlich offenbleibt, wo konkret auf einer von Null bis zum Maximum (z.B. "so gut wie Goethe") reichenden Werteskala sie eingeordnet werden; hier ist eine konkrete Abwägung mit den widerstreitenden Belangen des Jugendschutzes nicht möglich (vgl. dazu das angeführte Urteil des Senats vom 28. August 1996, a.a.O.).
In einem solchen Falle würden mögliche weitere Gesichtspunkte von allenfalls geringem Gewicht ("Kleinstgewichte") auf der Seite der Kunstfreiheit, die sich etwa als Ergebnis der Anhörung des im Ausland ansässigen Regisseurs ergeben könnten, keinesfalls ausreichen, das feststehende "Schwergewicht" der Belange des Jugendschutzes auch nur annähernd aufzuwiegen, so daß eine weitere Ermittlung auf der Seite der Belange der Kunst, die zudem die Entscheidung über den Indizierungsantrag möglicherweise erheblich verzögern würde, im Sinne des Urteils des Senats vom 28. August 1996, a.a.O., unnötig und unverhältnismäßig wäre.
Es hat also die Frage, ob ein durch Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG geschütztes Kunstwerk vorliegt, nicht offengelassen und auch nicht den Kunstcharakter schlicht - positiv - unterstellt, was - wie bereits mit Urteil des Senats vom 28. August 1996, a.a.O., entschieden - mit Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG unvereinbar gewesen wäre.
Zwar hat die BPS sowohl in der Entscheidung des Dreiergremiums im vereinfachten Verfahren gemäß § 15 a Abs. 1 und 2 GjS als dann auch in der auf Antrag der Klägerin gemäß § 15 a Abs. 4 GjS erlassenen Entscheidung des Zwölfergremiums gemäß § 9 Abs. 3 GjS es für zulässig gehalten, die Frage, ob es sich bei dem indizierten Videofilm um ein Kunstwerk handele, offenzulassen; diese Auffassung der BPS verletzte offensichtlich Bundesrecht (vgl. Urteil des Senats vom 28. August 1996, a.a.O.).
Mit dieser Rechtsauffassung befindet sich das Berufungsgericht in voller Übereinstimmung mit den Anforderungen des Bundesrechts, wie sie der Senat in seinem Urteil vom 28. August 1996, a.a.O., bereits eingehend dargelegt hat.
vgl. OVG NRW, Urteil vom 05.12.2003 - 20 A 5599/98 -, juris, Rn. 6; so wohl auch: BVerwG, Urteil vom 28.08.1996 - 6 C 15/94 -, juris, Rn. 19.
vgl. BVerwG, Urteil vom 28.08.1996 - 6 C 15/94 - juris, Rn. 16.
vgl. BVerwG, Urteil vom 28.08.1996 - 6 C 15/94 - juris, Rn. 16, 17.
BVerwG, Urteil vom 18. Februar 1998 - 6 C 9.97 -, NJW 1999, 75, juris, Rn. 29, 39; auch Urteil vom 28. August 1996 - 6 C 15.94 -, NJW 1997, 602, juris, Rn. 20; OVG NRW, Beschluss vom 3. Juni 2015 - 19 B 463/14 -, NWVBl. 2016, 36, juris, Rn. 5; der Rspr. d. BVerwG zustimmend: Liesching/Schuster, Jugendschutzrecht, 5. Auflage 2011, § 18 JuSchG, Rn. 87 f.
BVerwG, Urteil vom 28. August 1996, a. a. O., Rn. 28.
28. August 1996 - 6 C 15.94 -, juris Rdn. 20.
- 6 C 15.94 -, juris Rdn. 28.
Die der Indizierungsentscheidung zugrundeliegenden Erwägungen der Bundesprüfstelle müssten vielmehr, soweit es um die wertende Einschätzung des Kunstwerks und um die Beurteilung des von ihm ausgehenden schädigenden Einflusses für Jugendliche gehe, als sachverständige Aussagen begriffen werden, die im Verwaltungsprozess wirksam in Frage zu stellen denselben Aufwand erfordere, der notwendig sei, um die Tragfähigkeit fachgutachtlicher Äußerungen zu erschüttern (vgl. BVerwG vom 26.11.1992 BVerwGE 91, 211/215 f.; vom 28.8.1996 NJW 1997, 602 f.; vom 18.2.1998 NJW 1999, 75 ff.).
vgl. BVerwG, Urteil vom 28. August 1996 - 6 C 15.94 -, NJW 1997, 602; BVerwG, Urteil vom 26. November 1992 - 7 C 20.92 -, BVerwGE 91, 211 (216).
vgl. BVerwG, Urteil vom 28. August 1996 - 6 C 15.94 -, NJW 1997, 602.
vgl. BVerwG, Urteil vom 28. August 1996 - 6 C 15.94 -, a.a.O.
Wie es im Sachverhaltsteil der Entscheidung heißt, gehe die Neuberatung darauf zurück, daß das Bundesverwaltungsgericht im Urteil vom 28. August 1996 (6 C 15.94) zur Indizierung des ebenfalls von der Klägerin herausgegebenen Buchs "Rosa Autostop" einen Abwägungsausfall festgestellt habe, weil die Annahme, alle Kunst sei gleichwertig, nicht den vom Bundesverfassungsgericht aufgestellten Abwägungsanforderungen entspreche.
Vgl. BVerwG, Urteil vom 28. August 1996 - 6 C 15.94 -, Buchholz 436.52 § 1 GjS Nr. 20 (S. 2 f.).
Vgl. BVerwG, Urteil vom 28. August 1996, a.a.O., S. 6. Daß die Bundesprüfstelle hinter der Bewertung des Gutachters G(2) zurückgeblieben ist, ist jedenfalls gut vertretbar und frei von Rechtsfehlern; ein Anlaß zur Einholung weiterer Gutachten besteht aus diesem und den oben genannten Gründen ebenfalls nicht.
Vgl. BVerwG, Urteil vom 26. November 1992 - 7 C 20.92 -, Buchholz 436.52 § 1 GjS Nr. 18 (S. 42-44) in Umsetzung von BVerfG, Beschluss vom 27. November 1990 - 1 BvR 402/87 -, BVerfGE 83, 130 (143 ff.); ferner BVerwG, Urteil vom 28. August 1996 - 6 C 15.94 -, Buchholz 436.52 § 1 GjS Nr. 20 (S. 2 f.).
Vgl. BVerfG, Beschluss vom 27. November 1990, a.a.O. S. 146 f.; Kammerbeschluss vom 3. November 2000 - 1 BvR 581/00 -, NJW 2001, 596; BVerwG, Urteil vom 28. August 1996, a.a.O. (Ls. 2).
Vgl. dazu im Einzelnen schon BVerwG, Urteil vom 28. August 1996, a.a.O. sowie Urteil vom 18. Februar 1998 - 6 C 9.97 -, Buchholz 436.52 § 1 GjS Nr. 21 (S. 13).
BVerfG, Urteil vom 27. November 1990 - 1 BvR 402/87 -, BVerfGE 83, 130, 147 ff.; zu den Kriterien auch BVerwG, Urteil vom 28. August 1996 - 6 C 15.94 -, Buchholz 436.52 § 1 GjS Nr. 20, S. 4.
Vgl. BVerwG, Urteil vom 28. August 1996, a.a.O. S. 5 f. Im vorliegenden Fall ist eine Betrachtung mit dem gebotenen Mindestmaß an Differenzierung nicht erkennbar.
Vgl. BVerwG, Urteil vom 28. August 1996, a.a.O. S. 5. Die Beklagte verdeutlicht schließlich nicht, dass umgekehrt die Belange des Jugendschutzes so stark ausgeprägt sind, dass eine Diskrepanz zu den künstlerischen Belangen offenkundig und weitere Feststellungen zum Übergewicht einer Seite deshalb von vornherein unverhältnismäßig gewesen wären.
Vgl. BVerwG, Urteil vom 28. August 1996 - 6 C 15.94 -, Buchholz 436.52 § 1 GjS Nr. 20 (S. 2 f.); Urteil vom 26. November 1992 - 7 C 20.92 -, Buchholz 436.52 § 1 GjS Nr. 18 (S. 44).
Vgl. BVerfG, Beschluss vom 27. November 1990 - 1 BvR 402/87 -, BVerfGE 83, 130 (146 f.); Kammerbeschluss vom 3. November 2000 - 1 BvR 581/00 -, NJW 2001, 596; BVerwG, Urteil vom 28. August 1996, a.a.O. Ls. 2. Dem Verwaltungsgericht wie dem Kläger ist darin beizupflichten, dass die Indizierungsentscheidung insoweit deutliche Schwächen aufweist.
Vgl. dazu BVerwG, Urteil vom 26. November 1992, a.a.O. S. 42-44, in Umsetzung von BVerfG, Beschluss vom 27. November 1990 - 1 BvR 402/87 -, BVerfGE 83, 130 (143 ff.); ferner BVerwG, Urteil vom 28. August 1996, a.a.O. S. 2 f. Dies schließt eine Verletzung des Kunstvorbehalts in § 1 Abs. 2 Nr. 2 GjS aus.