Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=28.06.1994&Aktenzeichen=VI%20ZR%20153/93
Timestamp: 2019-07-16 13:28:25
Document Index: 74445202

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 34', '§ 839', 'BGH', 'BGH', '§ 27', 'Art. 34', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 328', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 28.06.1994 - VI ZR 153/93 - dejure.org
https://dejure.org/1994,906
BGH, 28.06.1994 - VI ZR 153/93 (https://dejure.org/1994,906)
BGH, Entscheidung vom 28.06.1994 - VI ZR 153/93 (https://dejure.org/1994,906)
BGH, Entscheidung vom 28. Juni 1994 - VI ZR 153/93 (https://dejure.org/1994,906)
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Fehler des Durchgangsarztes - Anspruch des Unfallversicherungsträgers - Übergang von Ansprüchen des Geschädigten
Kein originärer Schadensersatzanspruch einer BG gegen einen D-Arzt wegen eines Behandlungsfehlers
BGHZ 126, 297
NJW 1994, 2417
NJW-RR 1994, 1434 (Ls.)
VersR 1994, 1195
Der Arzt, der die Heilbehandlung durchführt, übt deshalb kein öffentliches Amt aus und haftet für Fehler persönlich (vgl. Senatsurteile vom 28. Juni 1994 - VI ZR 153/93, BGHZ 126, 297, 301;… vom 9. Dezember 2008 - VI ZR 277/07, aaO;… vom 9. März 2010 - VI ZR 131/09, aaO; BGH…, Urteil vom 9. Dezember 1974 - III ZR 131/72, aaO, 271 f.).
Ist seine Entscheidung über die Art der Heilbehandlung fehlerhaft und wird der Verletzte dadurch geschädigt, haftet in diesem Fall für Schäden nicht der D-Arzt persönlich, sondern die Berufsgenossenschaft nach Art. 34 Satz 1 GG i.V.m. § 839 BGB (vgl. Senatsurteile vom 28. Juni 1994 - VI ZR 153/93, aaO, 300;… vom 9. Dezember 2008 - VI ZR 277/07, aaO Rn. 17;… vom 9. März 2010 - VI ZR 131/09, aaO Rn. 9; Senatsbeschluss vom 4. März 2008 - VI ZR 101/07, juris; BGH…, Urteil vom 9. Dezember 1974 - III ZR 131/72, aaO, 272 ff.).
Dem hat sich der erkennende Senat angeschlossen (vgl. Senat, BGHZ 126, 297, 300) .
Soweit nach einer in Teilen der Literatur und der Rechtsprechung vertretenen Ansicht noch weitergehend die gesamte Tätigkeit eines D-Arztes bis zur Entscheidung über das "Ob und Wie", also etwa auch die Erstversorgung (§ 27 Abs. 1 Nr. 1 SGB VII) und die Diagnosestellung, als Ausübung eines öffentlichen Amtes angesehen wird (vgl. Kreft in LM Art. 34 GG Nr. 99a Bl. 71 f.; K. Müller SGb 1975, 511 f.;… Pfeifer, aaO, 126 f.;… Stein/Itzel/Schwall, Praxishandbuch des Amts- und Staatshaftungsrechts, Rn. 618;… Wolber, aaO, 264;… OLG Schleswig, aaO), nimmt der Senat Bezug auf seinen Beschluss vom 4. März 2008 (- VI ZR 101/07 - [...]): Wenn in BGHZ 126, 297, 301 von einer Zäsur durch die Entscheidung über das "Ob und Wie" die Rede ist, durch welche die (anschließende) ärztliche Behandlung dem Privatrecht unterfällt, versteht sich dies als inhaltliches Abgrenzungskriterium, nicht als zeitliches; ein Nebeneinander der Pflichtenkreise bei der Erstbehandlung und möglicherweise auch bei der Diagnosestellung ist daher nicht ausgeschlossen.
Vielmehr würde zwischen ihm und dem Patienten ein zivilrechtliches Behandlungsverhältnis begründet (BGH NJW 1994, 2417).
Diese Entscheidung des Durchgangsarztes zwischen allgemeiner und besonderer Heilbehandlung bildet eine Zäsur in seiner Pflichtenstellung (BGH NJW 1994, 2417).
Um eine Ausuferung der Haftung des Vertragsschuldners zu vermeiden und die Grenze zur deliktischen Haftung nicht aufzuweichen, ist die Einbeziehung eines Dritten in die Schutzwirkungen eines Vertrages nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs auf jene Fälle begrenzt, in denen der Dritte mit der Hauptleistung bestimmungsgemäß in Berührung kommt, ein schutzwürdiges Interesse des Gläubigers an der Einbeziehung des Dritten besteht, den Interessen des Schuldners durch Erkennbarkeit und Zumutbarkeit der Haftungserweiterung Rechnung getragen wird und der Dritte schutzbedürftig ist (BGH, NJW 2008, 2245, 2247; NJW 1994, 2417, 2419;… Palandt/Grüneberg, BGB, 75. Aufl., § 328 Rn. 16 - 18).
Bei seiner Entscheidung, ob und in welcher Weise ein Verletzter in die berufsgenossenschaftliche Heilbehandlung übernommen wird, erfüllt der H-Arzt als Beauftragter der Berufgenossenschaft eine dieser obliegenden Pflicht (BGH NJW 1975, 589; BGH NJW 1994, 2417 jeweils zum vergleichbaren Fall eines Durchgangsarztes).
Die Entscheidung über die Art der berufsgenossenschaftlichen Heilbehandlung bildet die Zäsur in der Pflichtenstellung des H-Arztes (BGH NJW 1994, 2417).
Der Bundesgerichtshof hat in seiner Entscheidung NJW 1994, 2417 ausgeführt, dass dem H-Arzt in der anschließenden Heilbehandlung etwa unterlaufene Fehler nicht mehr als Verstöße gegen seine öffentlich rechtlichen Pflichten angesehen werden können.