Source: https://www.recht-freundlich.de/beraterhaftung/beratungshaftung
Timestamp: 2018-02-23 16:39:00
Document Index: 83890411

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 31', '§ 31', '§ 5', '§ 34', '§ 31', '§ 278', '§ 662', '§ 675', '§ 280', '§ 276', '§ 280', 'BGH', '§ 311', '§ 241', '§ 241', 'BGH', 'BGH', '§ 347', '§ 31', '§ 195', '§ 195', '§ 37', 'BGH', '§ 199']

In Kategorie(n): Beratungshaftung - 09. Mai 2017 von Rechtsanwalt Thomas Feil
Durch die zunehmende Komplexität in allen denkbaren Bereichen unseres Lebens gewinnen Spezialisten, die anderen Personen fachkundige Informationen geben können immer mehr an Bedeutung. Der Begriff der Beratung ist dabei in den verschiedensten Lebenszusammenhängen denkbar. Vor allem im Bereich der Kapitalanlagen spielt die Beratungshaftung eine große Rolle. Es kann im Rahmen der Anlagenberatung häufig zu schwer kalkulierbaren Risiken kommen. Im schlimmsten Fall können dabei Investitionen, die der Beratene aufgrund der Anlageberatung getätigt hat, Verluste erleiden. Häufig wird es dem Anleger erst nach dem eintreten eines Schadens bewusst, welches genaue Risiko er durch die Anlage eingegangen ist. Besonders wenn ein Anleger aufgrund von Ratschlägen eines Beraters oder einer Bank gehandelt hat, stellt sich regelmäßig die Frage der Beratungshaftung. Denn bei der Beratung handelt es sich grundsätzlich um ein Rechtsgebiet, in dem strenge Maßstäbe zum Schutz der Verbraucher bzw. der Anleger herrschen. So kann sich der Anleger im Falle eines erlittenen Schadens die Frage stellen, in wie weit der jeweilige Berater diesen Schaden zu verantworten hat und ob sich möglicherweise im Rahmen der Beratungshaftung Ansprüche auf einen Schadensersatz ergeben können. Grundsätzlich ist es in einem solchen Fall immer ratsam einen Anwalt aufzusuchen, der Sie anhand Ihres genauen Sachverhalts über Ihre Möglichkeiten aufklären kann und Ihnen Im Falle einer Beratungshaftung zur Seite stehen kann.
Nachfolgend möchten wir Ihnen einen Überblick über das Thema der Beratungshaftung bei Kapitalanlagen geben und Ihnen mögliche Szenarien einer Falschberatung und deren rechtlichen Folgen aufzeigen.
Was genau ist eine Beratung
Was ist unter einer Haftung zu verstehen
Voraussetzung für eine Beratungshaftung
Falschberatung durch Berater, Vermittler und Makler
Gesetzliche Haftung des Beraters
Vertragliche Haftung des Beraters
Haftung nach der Rechtsprechung
Beratungshaftung von Kreditinstituten
Bratungsfreie Geschäfte (grds. keine Beratungshaftung)
Rückabwicklung der Kapitalanlage
Verjährung bei der Beratungshaftung
Wie kann ein Anwalt bei Beratungshaftung helfen
Der Begriff der Beratung ist fest in der Umgangssprache verankert, doch was genau unter einer Beratung zu verstehen ist, ist nicht immer ganz klar. Grundsätzlich ist unter einer Beratung die Erklärung von Tatsachen, sowie die Darstellung und Bewertung von Entscheidungsalternativen zu verstehen. So können Sie sich beispielsweise an einen Berater in finanziellen Angelegenheiten wenden oder bei Fragen zur Ernährung einen Ernährungsberater aufsuchen. So kommt es bei einer Beratung, egal in welchem Bereich diese stattfindet, zu einem Gespräch zwischen dem Berater und den Beratenden. Sowohl bei dem Berater als auch bei dem Beratenden kann es sich um natürliche Personen oder Organisationen handeln. Durch das Gespräch soll dem Ratsuchenden dabei eine Auskunft erteilt oder eine Hilfestellung gegeben werden. Die Entscheidung, ob der erteilte Rat angenommen werden soll und auch befolgt wird, liegt letztendlich in der Entscheidungsgewalt des Beratenden.
Bei der Haftung handelt es sich um einen Rechtsbegriff, der in vielen unterschiedlichen Rechtsgebieten Verwendung findet. Grundsätzlich ist unter einer Haftung die Verantwortung für Personen und deren Handlungen zu verstehen. Besondere Bedeutung bei der Beratungshaftung kommt der aus dem Zivilrecht stammenden Vertraglichen Haftung zu. Grundlage ist bei der vertraglichen Haftung stets der abgeschlossene Vertrag. Kommt es nun zu einer Verletzung von einer Pflicht aus dem Vertrag, kann sich für den Gläubiger daraus verschieden Rechtsfolgen wie beispielsweise bei einem Kaufvertrag der Umtausch, ergeben.
Die Grundlage der Beratungshaftung ist der Beratungsvertrag, bei dem es sich rechtlich gesehen um einen Dienstvertrag mit Geschäftsbesorgungscharakter handelt. Die Auskunfts- oder Beratungspflicht wird dabei zu einer vertraglichen Hauptpflicht, wenn die Parteien sie zum Gegenstand des Auftrags- oder Geschäftsbesorgungsvertrags machen. Bei einem solchen Beratungsvertrag handelt es sich um einen formfreien Vertrag. Dieser muss zwischen den Parteien nicht ausdrücklich geschlossen werden, es reicht aus, wenn dies durch schlüssiges Handeln geschieht. Nach dem BGH kommt ein solcher Vertrag zustande, wenn ein Anleger an ein Kreditinstitut herantritt, um sich bezüglich einer Geldanlage beraten zu lassen. Nimmt die Bank dieses Gesuch an und berät den Kunden bezüglich der verschiedenen Anlagemöglichkeiten, so gilt die stillschweigende Annahme als Abschluss des Beratungsvertrages.
Es besteht unabhängig von den in dem Beratungsvertrag getroffenen Vereinbarungen, die Voraussetzung einer Falsch- oder Schlechtberatung für eine Beratungshaftung. Doch wann immer eine Beratung als eine Falsch- oder Schlechtberatung zu sehen ist, ist nicht immer ganz klar. So handelt es sich beispielsweise nicht schon dann um eine Falsch- oder Schlechtberatung, wenn der Anwalt und das Gericht bei einem Rechtsstreit zwei unterschiedliche Rechtsansichten vertreten. Kommt es jedoch bei dem Beratenden durch eine Verletzung der Aufklärungspflicht zu einem Schaden, so ist von einer Schlecht- oder Falschberatung auszugehen. Zu einem solchen Schaden kann es beispielsweise kommen, wenn der Anleger eine Kapitalanlage aufgrund fehlerhafter Information durch den Berater erwirbt und dadurch einen Verlust erleidet. Zu den Grundsätzen, an die sich der Berater zu halten hat zählen die Wahrheit, Klarheit und Vollständigkeit der Beratung. Kommt es dazu, dass einer diese Grundsätze durch den Berater nicht eingehalten wird, so liegt ein Fall der Schlecht- oder Falschberatung vor.
Eine Falschberatung durch eine Bank liegt beispielsweise vor, wenn sie die Normen des Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) nicht erfüllt. Voraussetzung für Anlageinformationen einschließlich Werbemitteilungen ist, dass diese nach § 31 Abs. 2 WpHG redlich, eindeutig und nicht irreführend sind. Allerdings ändern die Informationspflichten des § 31 Abs. 3 WpHG in Verbindung mit § 5 Abs. 2 WpDVerOV sowie die im Januar 2010 neu eingeführte Aufzeichnungspflicht in § 34 Abs. 2a WpHG nichts an der generellen Formfreiheit eines Bankvertrages. Auch wird in § 31 Abs. 5 WpHG verlangt, dass die Bank den Kunden über seine Kenntnis im Bereich der Finanzinstrumente befragt und anhand dieses Wissensstandes die Angemessenheit der Finanzinstrumente für den Kunden beurteilt. Dabei sind besonders die Erfahrungen, die der Kunde mit den jeweiligen Finanzinstrumenten bereits hat zu berücksichtigen. Sollte der Kunde sich für ein bestimmtes Finanzinstrument interessieren, über welches er jedoch keinerlei Erfahrung hat, so ist dem Kunden mitzuteilen, dass es sich dabei um ein unangemessenes Finanzinstrument handeln könnte. Anleger haben grundsätzlich verschiedene Vorstellungen darüber, wie risikoreich sie ihr Geld anlegen wollen. Banken haben aus diesem Zweck Risikoklassen eingeführt, in denen die Kunden nach deren persönlicher Risikobereitschaft in vorgegebene Risikoprofile im Rahmen der Finanzberatung eingeteilt werden.
Bei den Beratern kann es sich um Unternehmen oder natürliche Personen handeln, die den Beratenden auf Grundlage eines Beratungsvertrages aufklären, beraten oder ihm Empfehlungen geben. Dabei ergeben sich sämtliche Beratungsaufgaben aus dem Beratungsvertrag, bei denen es sich meist um Aufklärung, Beratung und Empfehlung handelt. Arbeitnehmer, die beratende Tätigkeiten wahrnehmen, verpflichten als Erfüllungsgehilfen nach § 278 Abs. 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) haftungsrechtlich ihren Arbeitgeber, der im Falle einer falschen Beratung haftet. Durch die Verpflichtung zur Aufklärung, Beratung, Empfehlung und möglichen Warnungen sollen die Beratenden im Rahmen der Beratungshaftung geschützt werden.
Die Haftung bei einer Falschberatung kann sich aus dem Gesetz, aus vertraglichen Regelungen oder der Rechtsprechung ergeben. Besonders Anlagevermittler, Anlageberater und Vermögensverwalter haben ein nicht unerhebliches Risiko zu tragen.
Als aller erstes ist zu prüfen, ob bei der Haftung des Beraters das Recht des Dienstvertrags oder des Werkvertrags anzuwenden ist. Ein Rechtsanwalt sollte dabei auch prüfen, ob es zwischen dem Anleger und der Bank zu einem Beratungsvertrag oder einem Vermittlungsvertrag gekommen ist. Im Zuge eines Dienstvertrags kann der Beratene im Falle einer Schlechtleistung durch den Berater lediglich Schadensersatz verlangen. Dass der Beratene dabei für das gezahlte Honorar nur eine fehlerhafte Beratungsleistung erhalten hat, muss er hinnehmen. Handelt es sich jedoch um einen Werkvertrag, so hat der Berater in vollen Umfang für das Erreichen des Beratungsziels einzustehen und hat so lange nachzubessern, bis ein mangelfreier Erfolg vorliegt, da er sonst keine Honorare erhält.
Sowohl bei einem unentgeltlichen Auftrag nach § 662 BGB, als auch bei Geschäftsbesorgungsvertrag nach § 675 Abs. 1 BGB, handelt es sich bei der Auskunfts- oder Beratungspflicht um eine der Hauptpflichten aus dem Vertrag. Ein Berater muss jedoch nur dann für einen falschen Rat haften, wenn dieser eine vertragliche oder vorvertragliche Pflicht verletzt oder eine unerlaubte Handlung darstellt.
Sollte es nun dazu kommen, dass der Berater einen falschen Rat gegeben hat, so muss er nach § 280 Abs. 1 S. 1BGB aufgrund der Pflichtverletzung aus dem Beratungsvertrag haften. So handelt es sich bei dem Vorliegen eines wirksamen Schuldverhältnisses in Form des Beratungsvertrages um die erste Voraussetzung, die für einen Anspruch auf Schadensersatz benötigt wird.
Als nächste Voraussetzung für einen Schadensersatzanspruch bedarf es einer Pflichtverletzung des Schuldners. Der Begriff der Pflichtverletzung bezieht sich dabei auf sämtliche Pflichten, die in einem Schuldverhältnis bestehen. Die vertraglichen Hauptpflichten in einem Beratungsvertrag sind wie bereits erwähnt die Auskunfts- oder Beratungspflicht. Die Pflichtverletzung muss zudem rechtswidrig sein und ist durch den Anspruchsteller zu Beweisen.
Ob der Berater die Pflichtverletzung auch tatsächlich zu vertreten hat bestimmt sich nach §§ 276, 278 BGB, man spricht hier von einem sogenannten „Vertretenmüssen“. Aus der negative Formulierung des § 280 Abs. 1 S. 2 „das gilt nicht“ folgt, dass die Verantwortlichkeit des Schuldners grundsätzlich vermutet wird. So hat der Berater bei einem Vorliegen einer Pflichtverletzung aus dem Beratungsvertrag nachzuweisen, dass er die Pflichtverletzung nicht zu vertreten hat.
Die letzte Voraussetzung für einen Schadensersatzanspruch ist das Vorliegen eines Schadens durch die Pflichtverletzung. Der Schaden müsste in objektiv zurechenbarer Weise durch das pflichtwidrige Verhalten des Beraters verursacht worden sein. Wenn dies der Fall ist, so ist der Gläubiger grundsätzlich so gestellt werden, wie er bei pflichtgemäßem Verhalten des Schuldners stünde. Zu dem Schadensersatzanspruch des Gläubigers gehören nach der Rechtsprechung des BGH auch Steuern, die dem Geschädigten durch die Schädigung erspart wurden. Grundgedanke bei der Berechnung des Schadensersatzes ist der der schadensersatzrechtlichen Vorteilsausgleichung. Zu einer deliktischen, also einer zu einer Unrechtshaftung, kann es nur ausnahmsweise kommen. Denn durch Beratungsfehler kommt es ausschließlich zu Vermögensschäden, das Vermögen als solches wird durch das Deliktsrecht jedoch nicht geschützt.
Kommt es dagegen zu Beratungsfehlern, die zeitlich vor dem Abschluss des Beratungsvertrages liegen, so kommt eine Beratungshaftung aus § 311 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 241 Abs. 2 BGB in Betracht. Grundsätzlich bestehen bereits bei Eintritt in die Vertragsverhandlungen so gennante vorvertragliche Schutzpflichten, bei deren Verletzung eine Schadensersatzpflicht bestehen kann. Bei solchen vorvertraglichen Schutzverhältnissen geht es darum, die Rechte und Rechtsgüter des anderen Teils vor Schäden zu bewahren. Auch das Vermögen wird durch § 241 Abs. 2 BGB in das vorvertraglichen Stadium mit einbezogen. Im Mittelpunkt stehen dabei Verletzungen von Aufklärungs- und Beratungspflichten. Grundsätzlich sind im Rahmen der vorvertraglichen Schuldverhältnisse zwei Fallgruppen denkbar. Zum einen kann es durch die Verletzung von vorvertraglichen Pflichten dazu kommen, dass ein für den anderen Teil günstiger Vertrag nicht zustande kommt. Als zweite Fallgruppe ist das Zustandekommen eines nachteiligen Vertrags zu sehen, den der Geschädigte bei ordnungsgemäßer Aufklärung oder Beratung nicht oder zu anderen Konditionen geschlossen hätte. Dazu gehören vor allem Fälle, in denen ein Verkäufer den Käufer fahrlässig über die Rentabilität des Geschäfts täuscht. Solche beratenden Tätigkeiten werden hauptsächlich von Banken ausgeübt .Zu einer Beratungshaftung durch Kreditinstitute kommt es nach Ziffer 19.1 AGB-Sparkassen immer bei einem eigenen Verschulden, sowie bei einem Verschulden von Personen, die im Namen des Kreditinstituts Kunden beraten. Grundsätzlich geht daraus hervor, dass Kreditinstitute für alle Bankgeschäfte durch eine falsche Beratung haften und für das eigene Verschulden einzustehen haben. Bei einer solchen Verschuldenshaftung handelt es sich um eine Verpflichtung zum Schadensersatz. Dieser Verpflichtung liegen Haftpflichtbestimmungen privatrechtlichen Inhalts zu Grunde, die ein schuldhaftes, also nicht nur objektiv rechtswidriges, sondern persönlich vorwerfbares Verhalten in Form von Vorsatz oder Fahrlässigkeit voraussetzen. Im Falle einer falschen Beratung liegt eine Verschuldenshaftung vor, wenn die Bank nicht nur objektiv rechtswidrig, sondern auch fahrlässig gehandelt hat. Grundsätzlich kann eine solche Haftung nur ausgeschlossen werden, wenn dies nicht sittenwidrig ist.
Die Rechtsprechung sieht besonders in dem Verbraucherschutz ein außerordentlich hohes Schutzgut. So ist es nicht verwunderlich, dass die Beratungshaftung auf den Schutz des Verbrauchers ausgerichtet ist. Der BGH hat entschieden, dass eine Haftung aus einem (stillschweigend abgeschlossenen) Beratungsvertrag immer dann vorliegt, wenn Auskünfte erteilt werden, die für den Beratenden erkennbar von erheblicher Bedeutung sind und dieser die Auskünfte zu Grundlage wesentlichen Entschlüsse oder Maßnahmen machen will. Vor allem wenn es sich dabei um eine Beratung durch einen sachkundigen Beraters handelt und bei diesem ein eigenes wirtschaftliches Interesse gegeben ist. Jedoch schließt auch das Fehlen sonstiger vertraglichen Beziehungen einen solchen haftungsbegründenden Auskunftsvertrag nicht aus, da dieser vor allem durch die Erteilung von Auskünften zustande kommt. Zu orientieren hat sich die Art und der Umfang der Beratungshaftung an den Umständen des Einzelfalls. Eine Beratungshaftung besteht dabei grundsätzlich für alle Berater, denen Kunden „typischerweise ihr Vertrauen schenken.“
Aufgrund des Vertrauens, welches Beratene in einen Berater setzen, hat dieser stets gewissenhaft zu handeln. So muss ein Berater beispielsweise Angeben Dritter auf ihre Richtigkeit hin überprüfen, bevor er diese dem Beratenden weitergibt. Dieser Pflicht muss der Berater, umso mehr er den Anschein der Kenntnis erweckt, nachgehen. Dabei gilt grundsätzlich die Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltes.
Bei der Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltes handelt es sich um einen Begriff aus der Beratungshaftung im deutschen Strafrecht. Der Begriff beschreibt die Vermutung, dass ein Adressat einer fachlichen Aufklärung sich auch nach dieser verhalten hätte, wenn die fachliche Beratung auch tatsächlich oder konkret stattgefunden hätte. Dies spiegelt die Vermutung wieder, dass der Schaden durch die Pflichtverletzung des Beraters entstanden ist. Besonders hinsichtlich von Kapitalgeschäften und Koppel- bzw. Verbundgeschäften hat der BGH die Beratungshaftung in den letzten Jahren ausgedehnt.
Nicht nur im Rahmen der Beratungshaftung, sondern auch nach § 347 Abs. 1 Handelsgesetzbuch (HGB), haften Kreditinstitute für die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns. Auch bei der Beratung durch Kreditinstitute hat die Rechtsprechung besonders den Schutz der Anleger ins Auge gefasst. So hat eine Beratung besonders „anlegergerecht“ und „objektgerecht“ zu erfolgen. Eine objektive Beratung hat sich dabei an dem Wissensstand und den Erfahrungen des jeweiligen Kunden zu orientieren. Unter der Berücksichtigung dieser Aspekte, sollte es sich bei dem empfohlenen Anlageprodukt, um ein für den Kunden geeignetes Produkt handeln. Handelt es sich um besonders Risikoreiche Anlageprodukte wie zum Beispiel Options- oder Termingeschäfte, so bestehen erweiterte Beratungspflichten.
Bei dem Wertpapiergeschäft werden von so genannten Discount-Brokern beratungsfreie Geschäfte angeboten, da die Beratung nicht zum Pflichtenkreis einer Direktbank gehört. In einem solchen Fall kommt es zu keinem stillschweigend geschlossen Anlageberatungsvertrag. Es besteht also keine Beratungspflicht seitens der Direktbank, mithin auch grundsätzlich keine Beratungshaftung.
Bei einem Broker handelt es sich um einen Wertpapierhändler, der auch Privatkundschaft hat und nicht nur Wertpapieraufträge ausführt. Der Begriff des „Discount-Brokers“ beschreibt dabei lediglich Broker, die in der Regel niedrigere Gebühren und Aufschläge im Wertpapierhandel anbieten, als dies Filialbanken tun. Ein wesentlicher Unterschied zu Filialbanken besteht darin, dass in der Regel keine Beratungs- und andere Dienstleistungen angeboten werden, sodass im Regelfall auch eine Beratungshaftung entfällt.
Jedoch wird, bedingt durch § 31 Abs. 5 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG), auch bei beratungsfreien Geschäften aufsichtsrechtlich eine Angemessenheitsprüfung gefordert. So wird nur in dem Fall, dass der Discount-Broker eine tatsächliche bestehende Aufklärungsbedürftigkeit des Kunden entdeckt oder infolge grober Fahrlässigkeit nicht erkannt hat, zivilrechtlich eine Aufklärungspflicht verlangt. Kommt es zu einer gestaffelten Einschaltung mehrerer Wertpapierdienstleistungsunternehmen ist grundsätzlich nur das kundennähere Unternehmen zur Befragung des Anlegers verpflichtet.
Sollte es nun dazu gekommen sein, dass der Anleger bei einer aufgrund fehlerhafter Beratung getätigten Kapitalanlage einen Schaden in Form eines Verlustes erlitten hat, bestehen möglicherweise zivilrechtliche Ansprüche gegen den Berater (Beratungshaftung).
Auch kann für den Anleger die Möglichkeit bestehen, den Abschluss der Kapitalanlage rückabzuwickeln. Im Falle einer solchen Rückabwicklung kann der Anleger das eingesetzte Kapital gegen Rückübertragung der „wertlosen“ Anlage zurückerhalten. Auch besteht in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, dass dem Anleger der entstandenen Zinsverlust für den Anlagenzeitraum ersetzt wird.
Auch im Rahmen der Beratungshaftung und einem möglichen Anspruch auf einen Schadensersatz bestehen Verjährungsfristen. Besonders bei einer fehlerhaften Anlageberatung, stellt sich diese meist erst nach dem Eintritt eines Schadens als fehlerhaft heraus.
Unter einer Verjährung ist die Entkräftung eines Anspruchs durch Zeitablauf zu verstehen. Die Verjährung hat den Zweck, die Erhaltung der Rechtssicherheit und des Rechtsfriedens zu sichern. Der Schuldner soll vor der Geltendmachung veralteter Ansprüche geschützt werden. Denn aufgrund der vergangenen Zeit ist er oft nur schwer in der Lage sich gegenüber der Inanspruchnahme durch den Gläubiger zu verteidigen.
Bei einer Schlecht- oder Falschberatung gilt nach § 195 BGB die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren. Diese gilt immer, wenn weder durch Gesetz oder durch Vereinbarungen kürzere oder längere Fristen bestimmt sind. Die regelmäßige Verjährungsfrist nach § 195 beginnt, wenn kein anderweitiger Verjährungsbeginn vereinbart worden ist, mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden und der Gläubiger von den Anspruch begründenden Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt hat oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangen müsste.
Das Ende von Verjährungsfristen können dabei mehrere Fakten beeinflussen. Unter anderem kann es zu einer Hemmung der Verjährung kommen. Bei einer Hemmung kommt es zu einem Stillstand der Frist, diese läuft erst nach dem Wegfall der Hemmungsgründe weiter. Dies gilt grundsätzlich, also nicht nur für Fälle der Beratungshaftung.
Bei Wertpapieren besteht jedoch die spezialrechtliche Vorschrift des § 37a WpHG. Nach dieser Vorschrift beginnt die 3-jährige Verjährungsfrist von dem Zeitpunkt an, in dem der Anspruch entstanden ist. Diese Verjährungsfrist beginnt nach überwiegender Ansicht in Literatur und Rechtsprechung in dem Moment, in dem es zu der Ausführung des umstrittenen Wertpapierkaufs kommt. Häufig kommt es bei solchen Prozessen zu einer eingewandten Einrede durch Banken und Bausparkasse.
Als eine Einrede wird im deutschen Zivilprozessrecht eine Tatsachenbehauptung des Beklagten verstanden, mit der dieser sich verteidigen will, ohne die klagebegründenden Behauptungen des Prozessgegners zu bestreiten.
Strittig war dabei lange Zeit die Frage, ob die regelmäßige Verjährungsfrist, die ab dem 1. Januar 2002 kenntnisunabhängig zu laufen begonnen hatte, am 31. Dezember 2004 abgelaufen ist oder aber ob die 3-Jahres-Frist erst nach Kenntniserlangung vom Anspruch bzw. grob fahrlässiger Nichtkenntnis zu laufen beginnt. Der BGH hat sich jedoch bereits 2007 für die Auffassung, dass die Frist erst nach Kenntniserlangung beginnt, aufgrund des Verbraucherschutzes entschieden.
Hat die Bank oder der Anlageberater vorsätzlich gegen die Pflichten aus dem Beratungsvertrag verstoßen, gilt eine zehnjährige Verjährungsfrist für die Beratungshaftung. Somit dürften Beratungsfälle vor dem 1. Januar 2002 aufgrund der fehlerhaften Anlageberatung durch § 199 Abs.3 Nr. 1 BGB nach zehn Jahren verjährt sein. Um jedoch die konkrete Verjährungsfrist zu bestimmen muss der genaue Einzelfall betrachtet werden.
Sollte Ihnen durch eine fehlerhafte Beratung durch eine Bank oder durch einen Anlage Berater ein Schaden entstanden sein, empfiehlt es sich zunächst, sich an einen spezialisierten Anwalt zu wenden. Dieser kann anhand Ihres Einzelfalls der Beratungshaftung prüfen, welche Möglichkeiten es für Sie gibt und wie diese am besten abzuwägen sind. Ein Rechtsanwalt kann Ihnen dabei helfen, mögliche Ansprüche in Sachen Beratungshaftung außergerichtlich geltend zu machen oder die Ansprüche in einem Mahnverfahren oder in einem regulären Gerichtsverfahren durchzusetzen.
Gern können Sie unverbindlich Kontakt mit unserer Kanzlei aufnehmen und im Rahmen einer kostenfreien Ersteinschätzung mit einem Rechtsanwalt aus unserem Hause sprechen. Sollte in Ihrem Fall die Einschaltung eines Anwalts in Sachen Beratungshaftung sinnvoll erscheinen, können wir Sie gern rechtlich vertreten.