Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/notwehr-und-der-schon-noch-gegenwaertige-angriff-3122553
Timestamp: 2019-11-17 05:17:27
Document Index: 252253192

Matched Legal Cases: ['§ 32', '§ 32', '§ 32', 'BGH', 'BGH', '§ 32', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Not­wehr – und der schon /​noch gegen­wär­ti­ge Angriff | Rechtslupe
Gegen­wär­tig im Sin­ne des § 32 Abs. 2 StGB kann auch ein Ver­hal­ten sein, das zwar noch kein Recht ver­letzt, aber unmit­tel­bar in eine Ver­let­zung umschla­gen kann und des­halb ein Hin­aus­schie­ben der Abwehr­hand­lung unter den gege­be­nen Umstän­den ent­we­der deren Erfolg gefähr­den oder den Ver­tei­di­ger zusätz­li­cher nicht mehr hin­nehm­ba­rer Risi­ken aus­set­zen wür­de 1.
Hat der Angrei­fer bereits eine Ver­let­zungs­hand­lung began­gen, dau­ert der Angriff so lan­ge an, wie eine Wie­der­ho­lung und damit ein erneu­ter Umschlag in eine Ver­let­zung unmit­tel­bar zu befürch­ten ist 2.
Dabei kommt es auf die objek­ti­ve Sach­la­ge an. Ent­schei­dend sind daher nicht die Befürch­tun­gen des Ange­grif­fe­nen, son­dern die Absich­ten des Angrei­fers und die von ihm aus­ge­hen­de Gefahr einer (neu­er­li­chen oder unver­än­dert fort­dau­ern­den) Rechts­gut­ver­let­zung 3.
Ver­mag das Gericht nicht zu klä­ren, ob tat­säch­lich ein Angriff bevor­stand, ist unter Anwen­dung des Zwei­fels­grund­sat­zes von der für den Ange­klag­ten güns­tigs­ten Mög­lich­keit aus­zu­ge­hen 4, näm­lich dass ein "Angriff und ein Nach­set­zen" unmit­tel­bar bevor­stand. Danach ist der recht­li­chen Wer­tung eine objek­tiv bestehen­de Not­wehr­la­ge zugrun­de zu legen.
Das unter­schei­det den Sach­ver­halt von der Fall­ge­stal­tung, die dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 23.08.1977 5 zugrun­de lag und auf die sich der Gene­ral­bun­des­an­walt stützt, die sich aber auf die Vor­aus­set­zun­gen eines Erlaub­nis­tat­be­standsirr­tums bzw. eines Erlaubnis(Verbots)irrtums bezieht.
Erfolgt die Hand­lung, um sich gegen einen gegen­wär­ti­gen rechts­wid­ri­gen Angriff zu ver­tei­di­gen, han­del­te der Ver­tei­di­ger infol­ge­des­sen mit Ver­tei­di­gungs­wil­len, kommt es nicht dar­auf an, dass der Ange­klag­te einen wei­te­ren Angriff nur "für mög­lich gehal­ten" hat 6.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. März 2017 – 1 StR 486/​16
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vgl. BGH, Beschluss vom 11.12 1991 – 2 StR 535/​91, BGHR StGB § 32 Abs. 2 Angriff 5; Urteil vom 24.11.2016 – 4 StR 235/​16, NStZ-RR 2017, 38 mwN[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 09.08.2005 – 1 StR 99/​05, NStZ 2006, 152, 153; Beschluss vom 25.01.2017 – 1 StR 588/​16[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 18.04.2002 – 3 StR 503/​01, NStZ-RR 2002, 203; vom 09.08.2005 – 1 StR 99/​05, NStZ 2006, 152, 153; und vom 24.11.2016 – 4 StR 235/​16, NStZ-RR 2017, 38; Beschluss vom 25.01.2017 – 1 StR 588/​16; sie­he auch Beschluss vom 28.10.2015 – 5 StR 397/​15, JuS 2016, 562[↩]
vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 26.08.2004 – 4 StR 236/​04, NStZ 2005, 85[↩]
BGH, Urteil vom 23.08.1977 – 1 StR 159/​77[↩]
vgl. nur BGH, Urteil vom 27.10.2015 – 3 StR 199/​15, NStZ 2016, 333 mwN[↩]