Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/berliner-wachpolizist-objektschutz-3132352
Timestamp: 2020-07-05 00:10:32
Document Index: 85142932

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 17', '§ 22', '§ 22', '§ 29', '§ 29', '§ 22', '§ 22', '§ 22']

Berliner Wachpolizist im Objektschutz - und seine Eingruppierung | Rechtslupe
Berliner Wachpolizist im Objektschutz - und seine Eingruppierung
Auf­grund der arbeits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen rich­ten sich die Arbeits­be­din­gun­gen der Ber­li­ner Wach­po­li­zis­ten nach dem "Tarif­ver­trag zur Anglei­chung des Tarif­rechts des Lan­des Ber­lin an das Tarif­recht der Tarif­ge­mein­schaft deut­scher Län­der (Anglei­chungs-TV Land Ber­lin)" vom 14.10.2010 in der jewei­li­gen Fas­sung.
Nach des­sen § 2 fin­den die zwi­schen der Tarif­ge­mein­schaft deut­scher Län­der (TdL) und der Ver­ein­ten Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft – ver.di – (Bun­des­vor­stand), jeweils ggf. zusam­men mit wei­te­ren Tarif­ver­trags­par­tei­en ver­ein­bar­ten Tarif­ver­trä­ge in der jewei­li­gen Fas­sung Anwen­dung, soweit das Arbeits­ver­hält­nis von dem Gel­tungs­be­reich erfasst wird. Damit ist auch § 17 Abs. 1 TVÜ-Län­der anwend­bar, der zunächst die Wei­ter­gel­tung von §§ 22, 23 BAT/​BAT‑O ein­schließ­lich der Anla­ge 1a bis zum 31.12 2011 anord­ne­te.
Maß­ge­bend für die Ein­grup­pie­rung sind danach wei­ter­hin §§ 22, 23 BAT/​BAT‑O iVm. Anla­ge 1a.
Die ursprüng­lich nur als vor­über­ge­hend ange­se­he­ne Über­lei­tung der Ange­stell­ten ent­spre­chend Anla­ge 2 zum TVÜ-Län­der im Sin­ne einer for­ma­len Zuord­nung der bis­he­ri­gen Ver­gü­tungs­grup­pen des BAT/​BAT‑O zu den neu­en Ent­gelt­grup­pen des TVÜ-Län­der ist mit Inkraft­tre­ten der neu­en Ent­gelt­ord­nung zum TV‑L am 1.01.2012 als grund­sätz­lich dau­er­haft bestimmt wor­den (§ 29a Abs. 2 TVÜ-Län­der).
Eine Über­prü­fung und ggf. Neu­fest­set­zung der mit der Über­lei­tung erfolg­ten Ein­grup­pie­run­gen soll­te danach für die Dau­er der unver­än­dert aus­zu­üben­den Tätig­keit nicht mehr statt­fin­den (sie­he Pro­to­koll­erklä­rung zu § 29a Abs. 2 Satz 2 TVÜ-Län­der) [1].
Dem­entspre­chend ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass es – unter Berück­sich­ti­gung der Anla­ge 2 zum TVÜ-Län­der – für die tarif­ge­rech­te Ein­grup­pie­rung des Wach­po­li­zis­ten auf die Tätig­keits­merk­ma­le der Anla­ge 1a zum BAT/​BAT‑O ankommt [2].
§ 22 Abs. 2 Satz 1 und Satz 2 BAT/​BAT‑O ist der Wach­po­li­zist in der Ver­gü­tungs­grup­pe ein­grup­piert, deren Tätig­keits­merk­ma­len die gesam­te von ihm nicht nur vor­über­ge­hend aus­zu­üben­de Tätig­keit ent­spricht. Die gesam­te aus­zu­üben­de Tätig­keit ent­spricht den Tätig­keits­merk­ma­len einer Ver­gü­tungs­grup­pe, wenn zeit­lich min­des­tens zur Hälf­te Arbeits­vor­gän­ge anfal­len, die für sich genom­men die Anfor­de­run­gen eines Tätig­keits­merk­mals oder meh­re­rer Tätig­keits­merk­ma­le die­ser Ver­gü­tungs­grup­pe erfül­len. Hier­nach ist Bezugs­ob­jekt der tarif­li­chen Bewer­tung der Arbeits­vor­gang. Des­halb sind für die zutref­fen­de Ein­grup­pie­rung grund­sätz­lich zunächst die Arbeits­vor­gän­ge gem. § 22 Abs. 2 Unter­abs. 2 BAT/​BAT‑O zu bestim­men [3]. Arbeits­vor­gän­ge sind nach der Pro­to­koll­no­tiz zu § 22 Abs. 2 BAT/​BAT‑O Arbeits­leis­tun­gen (ein­schließ­lich Zusam­men­hang­ar­bei­ten), die, bezo­gen auf den Auf­ga­ben­kreis des Ange­stell­ten, zu einem bei natür­li­cher Betrach­tung abgrenz­ba­ren Arbeits­er­geb­nis füh­ren (zB unter­schrifts­rei­fe Bear­bei­tung eines Akten­vor­gangs, Erstel­lung eines EKG, Fer­ti­gung einer Bau­zeich­nung, Ein­tra­gung in das Grund­buch, Kon­struk­ti­on einer Brü­cke oder eines Brü­cken­teils, Bear­bei­tung eines Antrags auf Wohn­geld, Fest­set­zung einer Leis­tung nach dem Bun­des­so­zi­al­hil­fe­ge­setz). Für die Bestim­mung eines Arbeits­vor­gangs ist das Arbeits­er­geb­nis maß­ge­bend [4]. Jeder ein­zel­ne Arbeits­vor­gang ist als sol­cher zu bewer­ten und darf dabei hin­sicht­lich der Anfor­de­run­gen zeit­lich nicht auf­ge­spal­ten wer­den.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 16. Mai 2018 – 4 AZR 274/​16
vgl. zum Gan­zen BAG 13.12 2017 – 4 AZR 576/​16, Rn.19 mwN[↩]
LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 02.03.2016 – 15 Sa 1952/​15[↩]
BAG 22.02.2017 – 4 AZR 514/​16, Rn. 33 f. mwN[↩]
st. Rspr., zuletzt BAG 28.02.2018 – 4 AZR 816/​16, Rn. 24 mwN[↩]