Source: https://www.finanztip.de/lebensversicherung-rueckkaufswer/
Timestamp: 2018-02-21 17:17:09
Document Index: 180874071

Matched Legal Cases: ['BGH', '§169', '§169', 'BGH', '§169', 'BGH']

Rückkaufswert Lebensversicherung - Rückkauf nach Kündigung - Berechnen, Rechner, Risiko, Steuer - Finanztip
StartVersicherungVorsorgeÜberblick Lebensversicherung
Der Rückkaufswert gibt Auskunft über den Wert einer Lebensversicherung. Das wird spätestens wichtig beim Verkauf oder der Beitragsfreistellung einer Police.
Für Policen, die ab 2008 abgeschlossen wurden, gibt das Gesetz die Berechnung des Mindestrückkaufswerts vor: Abschlusskosten müssen gleichmäßig auf die ersten fünf Jahre verteilt werden.
Für Lebensversicherungen zwischen 1994 und 2007 hat der BGH die Berechnung des Rückkaufswerts festgelegt: Er muss mindestens der Hälfte der Beiträge entsprechen, von denen Verwaltungskosten abgezogen wurden. Abschlusskosten dürfen nicht abgezogen werden. Bei diesen Policen darf keine Gebühr bei der vorzeitigen Beendigung erhoben werden (Stornoabzug).
Einmal im Jahr erhalten Inhaber einer Lebensversicherung ihre Standmitteilung – darin findet sich immer auch der aktuelle Rückkaufswert der Police. Für die meisten Besitzer eines Vertrages wird der Rückkaufswert erst dann interessant, wenn sie überlegen, den Vertrag zu kündigen, zu verkaufen oder beitragsfrei zu stellen. Dann kommt nämlich die Frage auf: Wie viel ist die Lebensversicherung wert?
Vor allem in den ersten Jahren nach dem Abschluss ist die Antwort ernüchternd: Die gezahlten Beiträge sind in der Regel deutlich höher als der Rückkaufswert. Wie die Abbildung zeigt, liegt er mehrere Jahre deutlich unter dem, was Sie insgesamt eingezahlt haben.
Am Anfang zehren die Abschlussprovisionen für den Versicherungsvertreter beziehungsweise Verkäufer und weitere Abschlusskosten an der Einzahlung. Wer 30 Jahre lang 100 Euro im Monat einzahlt, muss bis zu 900 Euro Abschlusskosten bezahlen. Dazu kommen die regelmäßigen Verwaltungskosten von durchschnittlich 2 Prozent der Beiträge pro Jahr, die einen weiteren Teil des Geldes beanspruchen. Außerdem besteht ein großer Teil des Werts einer Police aus dem Schlussüberschuss, der erst gezahlt wird, wenn Sie die Versicherung bis zum Ende der Vertragslaufzeit durchhalten.
Rückkaufswert ab 2008
Für Kapitallebensversicherungen, die ab dem Jahr 2008 abgeschlossen wurden, ist die Berechnung des Rückkaufswerts im Gesetz anders geregelt als für frühere Verträge. Nach dem Versicherungsvertragsgesetz (§169 Abs. 3 VVG) entspricht der Rückkaufswert dem Deckungskapital. Vereinfacht entspricht das dem Sparanteil der Beiträge (Versicherungs-, Abschluss- und Verwaltungskosten werden vom Beitrag abgezogen) und den zugeteilten Überschussbeteiligungen und Zinsen. Dieses Kapital dient dazu, dass später, bei Ablauf der Police, die Lebensversicherung ausbezahlt werden kann.
Abschlusskosten begrenzt
Der Zillmersatz, also die Höhe der Abschlusskosten, die mit dem Beitrag verrechnet werden, darf seit 2015 nicht höher als 2,5 Prozent der gesamten Beiträge sein. Die Summe zieht die Versicherung meist in den ersten fünf Jahren von den Beiträgen ab.
Eigentlich beginnen alle Lebensversicherungen mit einem negativen Guthaben, denn zuerst werden die Abschlusskosten abbezahlt. Wer dann kündigt, bevor diese Kosten voll getilgt sind, verliert alle gezahlten Beiträge – der Rückkaufswert beträgt Null. Doch das hat der Gesetzgeber für alle Versicherungen, die ab 2008 abgeschlossen wurden, verhindert. Jedem Besitzer einer Police steht ein Mindestrückkaufswert zu, wenn er die Versicherung vorzeitig beendet. Der Mindestrückkaufswert entspricht mindestens dem Deckungskapital, das sich ergibt, indem die Abschluss- und Vertriebskosten gleichmäßig auf die ersten fünf Jahre verteilt werden. Diese Aufteilung von Kosten auf mehrere Jahre nennt sich Zillmerung.
Ein Stornoabschlag bei frühzeitigem Ausstieg ist möglich, wenn er vereinbart und angemessen ist (§169 Abs. 5 VVG).
Rückkaufswert für 1994 bis 2007
Für Lebensversicherungen, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden, gab es mehrere Gerichtsurteile zur Berechnung des Rückkaufswerts (BGH 12. Oktober 2005 – IV ZR 162/03 und 17. Oktober 2012 - IV ZR 202/10 und 25. Juli 2012 - IV ZR 201/10 und 11. September 2013 - IV ZR 17/13). Dementsprechend muss der Mindestrückkaufswert mindestens der Hälfte des ungezillmerten Deckungskapitals entsprechen. Bei der Berechnung dürfen also Verwaltungskosten abgezogen werden, nicht aber die hohen Abschlusskosten. Außerdem erklärten die Gerichte verschiedene Klauseln bei diesen Verträgen für unwirksam. Nicht rechtens ist zum Beispiel ein Stornoabzug im Fall einer Kündigung, also eine zusätzliche Gebühr für den Vertragsabbruch.
Die Berechnung gilt auch für Verträge aus dieser Zeit, die bereits gekündigt oder beitragsfrei gestellt worden sind. Bei diesen Verträgen hat die Versicherung möglicherweise zu wenig Geld ausbezahlt. Betroffene können innerhalb von drei Jahren nach der Kündigung eine Erstattung nachfordern.
Rückkaufswert bei fondsgebundenen Lebensversicherungen
Falls Sie der Versicherer beim Abschluss einer Lebensversicherung zwischen 1994 und 2007 nicht ausreichend oder falsch über Ihr Widerrufsrecht informiert hat, ist noch heute ein Widerspruch möglich. Dann müsste die Versicherung alle gezahlten Beiträge gut verzinst zurückzahlen.
Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen richtet sich seit 2008 die Höhe des Rückkaufswerts nach dem Zeitwert der Police (§169 Abs. 4 VVG). Maßgeblich ist der Wert der Fondsanteile. Auch bei Fondspolicen müssen die Abschluss- und Vertriebskosten auf die ersten fünf Jahre verteilt werden.
Auch für Fondspolicen korrigierten Gerichte die Berechnung des Rückkaufswerts (BGH IV ZR 321/05 vom 26.09.2007 und 26.09.2007 - IV ZR 321/05). So gilt für Verträge, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden, dass der Rückkaufswert mindestens der Hälfte des Fondsguthabens entsprechen muss, von dem zwar Verwaltungs- aber keine Abschlusskosten abgezogen werden dürfen. Man spricht dann von den ungezillmerten Fondsguthaben.
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