Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=03.04.1987&Aktenzeichen=VI%20R%2091/85
Timestamp: 2019-12-09 20:32:23
Document Index: 225497232

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 21', '§ 21', '§ 9', '§ 21', '§ 9']

BFH, 03.04.1987 - VI R 91/85 - dejure.org
https://dejure.org/1987,908
BFH, 03.04.1987 - VI R 91/85 (https://dejure.org/1987,908)
BFH, Entscheidung vom 03.04.1987 - VI R 91/85 (https://dejure.org/1987,908)
BFH, Entscheidung vom 03. April 1987 - VI R 91/85 (https://dejure.org/1987,908)
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EStG 1982 § 9 Abs. 1 Nr. 1, § 21, § 21a
Werbungskosten - Eheleute - Arbeitszimmer - Schuldzinsen - Miteigentumsanteil
EStG (1982) § 9 Abs. 1 Nr. 1, §§ 21, 21a
Voller Abzug der Werbungskosten für ein Arbeitszimmer, auch wenn ein Dritter (Ehefrau) die Kosten - teilweise - getragen hat
BFHE 149, 572
NJW 1987, 2543
BStBl II 1987, 623
Nach Auffassung des Senats kann hieraus nur die Schlussfolgerung gezogen werden, dass in Bezug auf die grundstücksorientierten Aufwendungen die BFH-Urteile vom 3.4.1987 VI R 91/85 (BFHE 149, 572, BStBl II 1987, 623) und vom 19.5.1995 VI R 64/93 (…BFH/NV 1995, 879) überholt sind.
Die Frage, ob durch die Beschlüsse des Großen Senats vom 23.8.1999 die BFH-Urteile vom 3.4.1987 VI R 91/85 (BFHE 149, 572, BStBl II 1987, 623) und vom 19.5.1995 VI R 64/93 (…BFH/NV 1995, 879) überholt sind, hat grundsätzliche Bedeutung.
Die Urteile des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 3. April 1987 VI R 91/85 (BFHE 149, 572, BStBl II 1987, 623) und vom 12. Februar 1988 VI R 141/85 (BFHE 152, 491, BStBl II 1988, 764), nach denen bei der alleinigen Nutzung eines Arbeitszimmers durch einen Miteigentümer diesem die gesamten AfA zuzubilligen seien, seien nicht überzeugend.
Sie rügt außerdem eine Abweichung von BFH-Urteilen in BFHE 149, 572, BStBl II 1987, 623, und in BFHE 152, 491, BStBl II 1988, 764.
Nach dem Urteil in BFHE 149, 572, BStBl II 1987, 623 kann der Ehemann bei der geschilderten Fallgestaltung auch die anteilig auf das Arbeitszimmer entfallenden Schuldzinsen insgesamt und nicht nur zur Hälfte als Werbungskosten abziehen.
Denn der Umstand, daß die Miteigentümer miteinander verheiratet waren, war in den Urteilen in BFHE 149, 572, BStBl II 1987, 623, und in BFHE 152, 491, BStBl II 1988, 764 nur insoweit von Bedeutung, als den Ehegatten unabhängig davon, welcher Ehegatte die Aufwendungen tatsächlich getragen hatte, die Anschaffungskosten je zur Hälfte zuzurechnen waren.
Davon kann nur dann die Rede sein, wenn der Dritte für Rechnung des Steuerpflichtigen an dessen Gläubiger leistet (z.B. BFH-Urteil vom 3. April 1987 VI R 91/85, BFHE 149, 572, BStBl II 1987, 623; Beschluss des Großen Senats vom 23. August 1999 GrS 2/97, BFHE 189, 160, BStBl II 1999, 782, unter C. IV. 1. c aa).
Etwas anderes gilt nur dann, wenn ein Dritter dem Steuerpflichtigen einen Geldbetrag zukommen lassen will und zur Abkürzung des Zahlungswegs Verbindlichkeiten des Steuerpflichtigen begleicht, die diesem aus aufwandsverursachenden Vorgängen entstanden sind (BFH-Urteil vom 3. April 1987 VI R 91/85, BFHE 149, 572, BStBl II 1987, 623).
d) Die Rechtsprechung des RFH und des BFH stellt auf den Zuwendungsgedanken nur in den Fällen ab, in denen ein Dritter dem Steuerpflichtigen einen Geldbetrag zukommen lassen will und zur Abkürzung des Zahlungsweges Verbindlichkeiten des Steuerpflichtigen begleicht, die diesem aus aufwandsverursachenden Vorgängen entstanden sind (RFH-Urteil vom 10. Februar 1937 VI A 111/37, RFHE 41, 50, RStBl 1937, 898; BFH-Urteil vom 3. April 1987 VI R 91/85, BFHE 149, 572, BStBl II 1987, 623).
Nach einer in der Literatur vertretenen Auffassung (…vgl. die Literaturnachweise bei Schmidt/Drenseck, a.a.O., § 9 Anm. 2 n; vgl. nunmehr auch BFH-Urteil vom 3. April 1987 VI R 91/85, BFHE 149, 572, BStBl II 1987, 623) soll es dem Abzug von Aufwendungen als Werbungskosten nicht entgegenstehen, daß ein Dritter die Aufwendungen übernommen hat; auch dieser sog. "Drittaufwand" soll bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen als Werbungskosten abziehbar sein.
Lediglich dann, wenn ein Dritter dem Steuerpflichtigen einen Geldbetrag zuwendet und zur Abkürzung des Zahlungsweges die Verbindlichkeit des Steuerpflichtigen begleicht, die diesem aus aufwandsverursachten Vorgängen entstanden ist, steht dies einem Werbungskostenabzug beim Steuerpflichtigen nicht entgegen (vgl. BFH-Urteil vom 3. April 1987 VI R 91/85, BFHE 149, 572, BStBl II 1987, 623).
a) Der zum Werbungskosten-/Betriebsausgabenabzug entwickelte Gedanke, unter bestimmten (im einzelnen streitigen) Voraussetzungen auch Zahlungen eines Dritten als Aufwendungen des Steuerpflichtigen anzusehen (vgl. vor allem BFH-Urteil vom 3. April 1987 VI R 91/85, BFHE 149, 572, BStBl II 1987, 623), ist auf den Bereich der Vorsorgeaufwendungen nicht übertragbar: Wenn es in diesen Fällen unbedenklich ist, den Gesichtspunkt der individuellen Belastung in gewissem Umfang zu vernachlässigen, so findet das seine Rechtfertigung letztlich in dem Zweck des Werbungskosten-/Betriebsausgabenabzugs, alle diejenigen Aufwendungen zu erfassen, die der Erzielung von Einkünften gedient haben (vgl. vor allem Jakob/Jüptner, Finanz-Rundschau - FR - 1988, 141;… Stadie, Die persönliche Zurechnung von Einkünften, 1983, S. 33 ff.).
Dazu verweist der Senat auf die BFH-Urteile vom 31. Oktober 1978 VIII R 196/77 (BFHE 127, 168, BStBl II 1979, 401 ); vom 20. November 1980 IV R 117/79 (BFHE 131, 516, BStBl II 1981, 68 ); vom 3. April 1987 VI R 91/85 (BFHE 149, 572, BStBl II 1987, 623 ) sowie dem Beschluß des Großen Senats vom 26. Oktober 1987 GrS 2/86 (BFHE 151, 523, BStBl II 1988, 348 -C I.1.b, cc und c-) und das BFH-Urteil vom 3. Dezember 1987 IV R 41/85 (BFHE 151, 446, BStBl II 1988, 266 ).