Source: https://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Berufung_im_Arbeitsrecht_nur_mit_Unterschrift_LAG_Nuernberg_4Sa37-12.html
Timestamp: 2020-01-28 03:48:52
Document Index: 62156128

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 169', '§ 10', '§ 10', '§ 9', '§ 1', '§ 2', '§ 97', '§ 307', '§ 253']

5 Ca 626/11
Die Be­klag­te meint, die Vergütungs­ver­ein­ba­rung in Zif­fer 1 des Ar­beits­ver­tra­ges sei los-gelöst von der Ver­wei­sung in Zif­fer 7 zu be­ur­tei­len und hal­te in­so­weit ei­ner Trans­pa­renz­kon­trol­le stand. Hin­sicht­lich der Vergütung sei aus­drück­lich auf die Re­ge­lun­gen des CG­ZP-Ta­rif­ver­tra­ges ver­wie­sen wor­den und nicht auf ein wei­te­res Ta­rif­werk. Die Ver­wei­sungs­klau­sel in Zif­fer 7 des Ver­tra­ges be­zie­he sich aus­sch­ließlich auf nicht an­der­wei­tig ver­trag­lich ge­re­gel­te Ar­beits­be­din­gun­gen.
Das für die Fra­ge der Vergütung in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­werk der CG­ZP sei auch dann ein­schlägig, wenn die­ses von ei­ner nicht ta­riffähi­gen Par­tei ab­ge­schlos­sen wor­den sein soll­te.
Da die Ver­wei­sung auf den CG­ZP-Ta­rif­ver­trag von den zuständi­gen Auf­sichts­behörden jah­re­lang oh­ne Be­an­stan­dung als zulässig an­ge­se­hen wor­den sei, müsse sie Ver­trau­ens­schutz ge­nießen. Soll­ten sich die ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen zur feh­len­den Ta­riffähig­keit der CG­ZP auch auf die Ver­gan­gen­heit be­zie­hen, würde dies ge­gen das in Ar­ti­kel 20 GG ver­an­ker­te Rück­wir­kungs­ver­bot ver­s­toßen.
Et­wai­ge Ansprüche ha­be der Kläger ver­wirkt, da er die Durch­set­zung sei­ner Ansprüche nicht zeit­nah be­trie­ben ha­be. Die lan­ge Untätig­keit des Klägers zwi­schen dem Zeit­punkt der schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung und der ge­richt­li­chen Wei­ter­ver­fol­gung sei­ner Ansprüche ha­be bei ihr ei­nen Ver­trau­en­stat­be­stand ge­schaf­fen.
Zur Be­gründung trägt er vor, auf­grund der un­kla­ren Re­ge­lung in Zif­fer 7 des Ver­tra­ges sei auch die in Zif­fer 1 des Ver­tra­ges er­folg­te Be­zug­nah­me auf ta­rif­li­che Ent­gelt­re­ge­lun­gen in­trans­pa­rent und da­mit un­wirk­sam. We­gen der nicht wirk­sa­men Be­zug­nah­me auf ei­nen gülti­gen Ta­rif­ver­trag grei­fe das ge­setz­li­che Ge­bot des „equal-pay“.
Für ei­ne Ver­wir­kung sei­ner Ansprüche ha­be er kei­ner­lei Um­stands­mo­ment ge­setzt.
Nach­dem die Par­tei­en im Ver­hand­lungs­ter­min des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nürn­berg am 11.07.2012 die Sach­anträge ge­stellt und zur Sa­che ver­han­delt hat­ten, hat der Kläger­ver­tre­ter erst­mals im wei­te­ren Ver­hand­lungs­ter­min vom 05.12.2012 die nicht ord­nungs­gemäße Un­ter­zeich­nung der Be­ru­fungs­schrift gerügt.
Die Be­klag­te ih­rer­seits be­an­stan­det mit Schrift­satz vom 12.06.2013 die feh­len­de Ge­samt­be­rech­nung des Dif­fe­renz­lohn­an­spruchs nach § 10 Abs. 4 AÜG und mit Schrift­satz vom 25.07.2013 ei­ne Ver­let­zung der Zu­stell­vor­schrift des § 169 Abs. 2 ZPO, da die zu­ge­stell­te Ab­schrift der Kla­ge nicht ge­richt­lich be­glau­bigt wor­den sei.
Dies­bezüglich trägt die Kla­ge­par­tei vor, der Be­klag­ten sei ei­ne ei­genhändig un­ter­zeich­ne­te Aus­fer­ti­gung der Kla­ge­schrift zu­ge­stellt wor­den.
Das Erst­ge­richt hat der Kla­ge zu Recht statt ge­ge­ben, denn dem Kläger ste­hen die gel­tend ge­mach­ten Dif­fe­renz­beträge zuzüglich von Zin­sen zu.
und mit­hin nicht von der feh­len­den Trans­pa­renz der Ver­wei­sungs­re­ge­lung in Zif­fer 7 des Ver­tra­ges er­fasst wird, liegt hier­in kei­ne wirk­sa­me In­be­zug­nah­me gel­ten­den Ta­rif­rechts.
Das Ge­bot der Gleich­be­hand­lung nach § 10 Abs. 4 Satz 1 und Satz 4 AÜG wird nicht gemäß § 10 Abs. 4 Satz 2 AÜG durch Be­zug­nah­me auf ei­nen von der CG­ZP ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­trag aus­ge­schlos­sen. Die CG­ZP konn­te nämlich kei­ne wirk­sa­men Ta­rif­verträge ab­sch­ließen.
Nach den Ent­schei­dun­gen des ers­ten Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 14.12.2010 (1 ABR 19/10 – BA­GE 136, 302), dem Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 09.01.2012 (24 TaBV 1258/11) so­wie der Zurück­wei­sung der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de (BAG vom 22.05.2012 – 1 ABN 27/12) ist rechts­kräftig und mit bin­den­der Wir­kung ge­genüber je­der­mann fest­ge­stellt, dass die CG­ZP seit ih­rer Gründung und je­den­falls bis zum 14.12.2010 nicht ta­riffähig war. Die §§ 9 Nr. 2, 10 Abs. 4 Satz 2 AÜG set­zen je­doch ei­nen zum Zeit­punkt der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung und während der Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses wirk­sa­men Ta­rif­ver­trag vor­aus. Fehlt ei­ner Ta­rif­ver­trags­par­tei die Ta­riffähig­keit, kann sie al­len­falls ei­ne Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­rung oh­ne nor­ma­ti­ve Wir­kung, aber kei­nen Ta­rif­ver­trag i.S.d. § 1 Abs. 1 TVG ab­sch­ließen. Trotz feh­len­der Ta­riffähig­keit ab­ge­schlos­se­ne „Ta­rif­verträge“ sind des­halb von An-fang an un­wirk­sam (so BAG vom 13.03.2013 – 5 AZR 954/11 – NZA 2013/680).
d. In der­sel­ben Ent­schei­dung hat das BAG klar­ge­stellt, dass ein et­wai­ges Ver­trau­en der Ver­lei­her in die Ta­riffähig­keit der CG­ZP nicht geschützt ist.
Zwar kann es der aus Ar­ti­kel 20 Abs. 3 GG her­ge­lei­te­te Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes ge­bie­ten, ei­nen durch ge­fes­tig­te Recht­spre­chung be­gründe­ten Ver­trau­en­stat­be­stand er­for­der­li­chen­falls durch Be­stim­mun­gen zur zeit­li­chen An­wend­bar­keit ei­ner geänder­ten Recht­spre­chung oder Bil­lig­keits­erwägun­gen im Ein­zel­fall Rech­nung zu tra­gen. Die Ent­schei­dun­gen zur feh­len­den Ta­riffähig­keit der CG­ZP wa­ren je­doch mit ei­ner Recht­spre­chungsände­rung ver­bun­den.
We­der das Bun­des­ar­beits­ge­richt noch ein In­stanz­ge­richt hat­ten je­mals zu­vor in ei­nem dafür nach § 2a Abs. 1 Nr. 4 i.V.m. § 97 ArbGG vor­ge­se­he­nen Ver­fah­ren die Ta­riffähig­keit der CG­ZP be­jaht.
a. Ei­ne in dem in Zif­fer 1b des Ar­beits­ver­tra­ges in Be­zug ge­nom­me­nen Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges der CG­ZP ent­hal­te­ne Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lung ist nicht Be­stand­teil des Ar­beits­ver­tra­ges des Klägers ge­wor­den.
Die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en sind zwar grundsätz­lich frei, ein kol­lek­ti­ves Re­ge­lungs­werk ein­zel­ver­trag­lich in Be­zug zu neh­men, oh­ne dass es auf des­sen nor­ma­ti­ve Wirk­sam­keit an­kommt.
Ei­ne der­ar­ti­ge Ab­re­de schei­det je­doch aus, wenn An­halts­punk­te dafür vor­lie­gen,
b. Ei­ne wirk­sa­me In­be­zug­nah­me ei­ner an­der­wei­ti­gen ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist er­folgt im vor­lie­gen­den Fall eben­falls nicht.
Bei der Re­ge­lung in Zif­fer 7 des Ver­tra­ges han­delt es sich, wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend fest­ge­stellt hat, um ei­ne in­trans­pa­ren­te Be­zug­nah­me­klau­sel.
In­so­weit kann auf die Ausführun­gen im Erst­ur­teil ver­wie­sen und von ei­ner rein wie­der­ho­len­den Dar­stel­lung ab­ge­se­hen wer­den.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 13.03.2013 (aaO) fest­ge­stellt, dass ei­ne Be­zug­nah­me­klau­sel auf un­ter­schied­li­che Ta­rif­verträge be­reits dann in­trans­pa­rent und nach § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB un­wirk­sam ist, wenn der Ar­beit­neh­mer nicht bei Ver­trags­schluss und für die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses er­ken­nen kann, wel­ches von meh­re­ren ta­rif­li­chen Re­gel­wer­ken zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt auf sein Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung fin­den soll.
Dies wird durch die Re­ge­lung in Zif­fer 7c des Ver­tra­ges nicht gewähr­leis­tet, da für den Kläger we­der zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses noch zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt da­nach er­kenn­bar war, wel­cher der in Be­tracht kom­men­den Ta­rif­verträge nach den Re­ge­lun­gen in Zif­fer 7b und 7c zu wel­chem Zeit­punkt auf sein Ar­beits­verhält­nis zur An­wen­dung ge­lan­gen soll.
4. Der Kläger durf­te sich hin­sicht­lich sei­ner Equal-Pay-Ansprüche auf die Dif­fe­renz al­lei­ne des Grund­loh­nes be­schränken. Er war nicht ge­hal­ten, al­le zusätz­li­chen Vergütungs­be­stand­tei­le (mo­nat­li­che Zu­la­gen, Son­der­zah­lun­gen o,.ä.) zum Ge­gen­stand des ge­richt­li­chen Ver­fah­rens ma­chen.
In­so­weit rügt die Be­klag­te zu Un­recht ei­ne feh­len­de Ge­samt­be­rech­nung der Dif­fe­renz­lohn­ansprüche. Da der Gläubi­ger ei­ner For­de­rung je­der­zeit be­rech­tigt ist auch nur ei-
nen Teil­be­trag ge­richt­lich durch­zu­set­zen, führt dies nicht zur Ver­sa­gung sei­nes Teil­an­spruchs.
Et­was an­de­res würde sich nur dann er­ge­ben, wenn un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Vergütungs­be­stand­tei­le sich die streit­ge­genständ­li­chen mo­nat­li­chen Dif­fe­renz­beträge re­du­zie­ren würden. In­so­weit fehlt es je­doch an ei­nem dies­bezügli­chen sub­stan­ti­ier­ten Sach­vor­trag der Be­klag­ten. Es wäre ih­re pro­zes­sua­le Ob­lie­gen­heit ge­we­sen, kon­kret dar­zu­le­gen, dass die Berück­sich­ti­gung wei­te­rer Vergütungs­be­stand­tei­le in den ein­zel­nen streit­ge­genständ­li­chen Mo­na­ten zu ei­nem ge­rin­ge­ren mo­nat­li­chen Dif­fe­renz­be­trag führen würde. Oh­ne ei­nen dies­bezügli­chen Sach­vor­trag kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, die Be­klag­te leis­te über das Grund­ge­halt hin­aus höhe­re Zu­la­gen und Son­der­zah­lun­gen als die Ent­lei­he­rin.
a. Die Zah­lungs­kla­ge wur­de der Be­klag­ten ord­nungs­gemäß zu­ge­stellt.
Auf­grund der Ein­sicht­nah­me in die Hand­ak­te des Be­klag­ten­ver­tre­ters wur­de in dem Ver­hand­lungs­ter­min am 07.08.2013 der Sach­vor­trag der Kläger­ver­tre­ter zur Über­zeu­gung der er­ken­nen­den Kam­mer nach­ge­wie­sen, es sei ih­re übli­che Pra­xis, we­gen der feh­len­den ei­ge­nen Be­rech­ti­gung zur Be­glau­bi­gung von Kla­ge­ab­schrif­ten je­weils zwei ei­genhändig un­ter­zeich­ne­te Ex­em­pla­re der Kla­ge­schrift bei Ge­richt ein­zu­rei­chen. Die Kla­ge wur­de aus­weis­lich der Zu­stell­ur­kun­de der Be­klag­ten persönlich zu­ge­stellt. Bei der in den Hand­ak­ten des Be­klag­ten­ver­tre­ters be­find­li­chen Ko­pie han­delt es sich nicht um ei­ne vom Ge­richt ge­fer­tig­te und be­glau­big­te. Aus­weis­lich des Ver­merks der Geschäfts­stel­le wur­de nämlich die Kla­ge zwei­fach kom­plett ein­ge­reicht. In­so­fern ist der Be­klag­ten das Ori­gi­nal ei­ner ord­nungs­gemäß un­ter­zeich­ne­ten Kla­ge­schrift gemäß §§ 253 Abs. 2, 166 ZPO zu­ge­stellt wor­den.
Et­wai­ge Mängel der Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift könn­ten von der Be­klag­ten auf-
Lei­k­auf-Götz
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