Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/gef-KV-unter-Alkohol--f9001.html
Timestamp: 2017-12-14 04:51:40
Document Index: 382270173

Matched Legal Cases: ['§ 224', '§ 224', '§ 20', '§ 21', '§ 49', '§ 230']

gef. KV. unter Alkohol (Strafrecht) - frag-einen-anwalt.de
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gef. KV. unter Alkohol
26.12.2005 22:49 |
Ich wurde angezeigt.
Ich war bei einem Kollegen feiern (Geburtstag). erst mal Bier getrunken. Dann in eine Disco in der Stadt. Dort weitergetrunken mit zwei Kollegen. Irgendwann war ich "voll" und hab dann ein Mädel angesprochen. Sorry, für die Wortwahl, aber ich schreib wie es IST bzw. war. Das hat mein Kollege noch alles mitbekommen. Dann kam ihr Freund und noch ein anderer Typ. Die standen rechts von mir und ich weiß gar nicht mehr,ob der mich angetippt hatte. Keine Ahnung. Mein Freund weiß es leider auch nicht, da er den anderen Kollegen versorgte der sich eine Schnittwunde von einem gebrochenen Glas zugezogen hatte. Ich weíß nicht mal mehr wie die ausgesehen haben. Jedenfalls hatte ich mich umgedrehet und sah die Typen an. Ich weiß nicht mehr, wer angefangen hat, aber es gab eine Schlägerei. Jedenfalls weiß ich noch, wie ich plötzlich herumgeschüttelt wurde und da ich mein Gleichgewicht (wg. Alkohol) nicht mehr halten konnte bin ich hingeflogen. Als nächstes war plötzlich ein Türsteher da. Laut meinem Kollegen haben die mich rausgetragen und ich hätte ihm gesgat, er solle meine Jacke holen. Davon weiß ich wirklich nix mehr.
Dann war ich draußen und bin weggelaufen, als plötzlich zwei Türsteher angerannt kamen und mich zu Boden brachten. Ich führte ein Pfefferspray und ein Messer mit. Dies nahmen sie mir ab. Ich griff sie nicht damit an. Die Polizei kam und ich wurde mitgenommen. Eine Blutentnahme ergab über 1,6 Promille. Als ich fragte was mir vorgeworfen wurde, wurde mir eröffnet, dass ich eine gef. KV begangen hätte. Ich hätte eine Flasche geworfen und einen Unbeteiligten am Kopf getroffen. Der kam ins Kranknehaus mit einer Platzwunde und wurde am selben Abend wieder entlassen. Ich war in dem Moment echt geschockt und habe versucht mich daran zu erinnern. Danach wurde ich erkennungsdienstlich behandelt. Erst als mir die Polizei (ich bin am nächsten Tag gleich aufs Revier) sagte, dass sie Zeugen hätte, muß es wohl tatsächlich so gewesen sein. Mit tut das leid und ich habe auch um die Tele.nummer des Opfers gebeten, habe sie aber nicht erhalten.
Mein Handeln war nicht gewollt! besteht Aussicht auf Erfolg gegen diese gef. KV rechtlich vorzugehen, dass sie komplett aufgehoben wird?
Der Vorwurf gefährlicher Körperverletzung lässt sich im Rahmen der hier möglichen summarischen Überprüfung nicht von der Hand weisen. Denn hinsichtlich des einschlägigen § 224 StGB:
begeht, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder
schweren Fällen mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren
dürfte mit der geworfenen Flasche – das dies zutreffend ist, einmal unterstellt- „ein gefährliches Werkzeug“ vorliegen. Auf die evt. zusätzlich vorliegenden Beispiele von § 224 StGB kommt es deswegen nicht mehr an.
Trotz Ihrer geschilderten Erinnerungslücken wird man mit der sehr restriktiven Rechtsprechung zu § 20 StGB auch von einer Schuldfähigkeit ausgehen müssen. Mir fällt allerdings auf, dass Sie für 1,6 Promille BAK erstaunliche Erinnerungslücken haben. Dies müsste noch näher aufgeklärt werden. Die Rechtsprechung hat auch bei BAK-Werten knapp unter 2 Promille eine verminderte Schuldfähigkeit nach § 21 StGB (mit der Folge einer Strafmilderung nach § 49 StGB) bejaht, wenn eine persönlichkeitsfremdes und auffallendes Tatverhalten vorliegt – dies kann ich natürlich nicht beurteilen, u.a. hängt es auch von Ihrem, mir nicht bekannten Alter ab.
Der Vorwurf der GEFÄHRLICHEN Körperverletzung hat dann leider den Nachteil, dass es sich um Gegensatz zur einfachen oder fahrlässigen Körperverletzung nicht um ein sog. Antragsdelikt handelt (§ 230 StGB). Die evt. Rücknahme der Strafanzeige hilft Ihnen also nicht weiter – die Staatsanwaltschaft wird und muss so oder so ermitteln.
Wie es nun generell weitergeht, lässt sich nicht sicher sagen. Da Sie die „Dummheit“ ja vernünftigerweise gar nicht erst beschönigen, kommt ein sog. Strafbefehl in Betracht. Die dann zu gewärtigende Geldstrafe würde, wenn Sie nicht mehr als neunzig Tagessätze beträgt, nicht in das Führungszeugnis aufgenommen – unterstellt, dass im Bundeszentralregister keine weitere Strafe eingetragen ist. Bei dieser Einschätzung gehe ich davon aus, dass Sie bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten sind.
Die Polizei muss Ihnen die Adresse des Opfers in der Tat nicht mitteilen. Formulieren Sie einfach ein Entschuldigungsschreiben und geben es bei der Polizei mit der Bitte ab, es dem Opfer auszuhändigen. Ansonsten arbeiten Sie mit Polizei resp. Staatsanwaltschaft zusammen, beschönigen Sie nichts, weisen Sie aber auch auf den ausgesprochenen Einzelfallcharakter Ihres Handels hin. Die Mitnahme von Pfeffer und Messer (deren Gründe für mich im Dunkeln bleiben) macht dies natürlich nicht einfacher.
Ich hoffe, Ihnen mit dieser Antwort zunächst einmal weitergeholfen zu haben und wünsche Ihnen für das Jahr 2006 alles Gute.
Für Rückfragen stehe ich Ihnen im Rahmen der kostenlosen Nachfragefunktion von „Frag einen Anwalt“ gerne zur Verfügung.
Nachfrage vom Fragesteller	28.12.2005 | 01:54
vielen herzlichen Dank für die ausführliche und schnelle Beratung.
Ich bin 24 Jahre jung, mache eine Lehre und habe Abitur. Bin also kein so Depp, wie das hier vielleicht erscheinen mag. Auch wenn ich beim durchlesen meines Textes genau das von mir denke..
Das Messer und das P. habe ich zu meiner Verteidigung dabei (habe gewisse Erfahrungen in meinem Leben gemacht, wo ich das Opfer war). Da fällt mir ein, dass ich das in dieser öffentlichen Veranstaltung wohl gar nicht hätte dabei haben dürfen.
Jedenfalls habe ich kein Eintrag im Führungszeugnis...jedoch eine Anzeige wegen OWI wg. Alkohol am Steuer (1 Monat Fahrverbot) vor 4 Monaten gehabt und eine Anzeige wegen Volksververhetzung...250.- Euro (vor 2 Jahren) an eine gemeinnützige Einrichtung gespendet (jetzt weiß ich auch, warum wir Deutschen immer die größten Spender sind *g*).
Jedenfalls hat die Polizei ja Zeugen, die den Flaschenwurf gesehen haben. Deshalb glaub ich das ja auch, auch wenn ich mich daran nicht erinneren kann. Aber nun gut.
Letzte Frage: Kann es sein, dass ich für diese dumm gelaufene "Aktion" in den Knast muß und vorsorgehalber schon mal einen Kampfsportverein besuchen sollte?
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 28.12.2005 | 09:18
ob man sich hinsichtlich eines drohendes JVA-Aufenthaltes einem Kampfsportverein anschließen sollte, vermag ich nicht zu beurteilen.
In Ihrem Fall ist es aber auf Grundlage der ergänzend erteilten Informationen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so, das Sie nicht mit einer unbedingten Freiheitsstrafe rechnen müssen. Gerade deswegen spricht alles dafür, den dummen Vorfall wie in meiner Ausgangsantwort beschrieben, möglichst schnell "aus der Welt zu bringen".
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