Source: https://www.akademie.de/wissen/eidesstattliche-versicherung/strafrecht-ev
Timestamp: 2018-12-15 10:44:02
Document Index: 184986365

Matched Legal Cases: ['§ 156', '§ 283', '§ 283', '§ 288', '§ 283', '§ 288', '§ 290', '§ 297']

Insolvenz, Gläubigervergleich und PfändungsschutzEidesstattliche Versicherung - was tun?Strafrecht und eidesstattliche Versicherung
Dass viele Schuldner bei der eidesstattlichen Versicherung am liebsten etwas auslassen oder falsch angeben möchten, ist nachvollziehbar. Über die Angaben im Vermögensverzeichnis des Schuldnerverfahrens sollen den Gläubigern schließlich alle Sachwerte, Einkommensquellen und Vermögenswerte bekannt werden. Vorher tappen die Gläubiger oft im Dunkeln, kennen beispielsweise den Arbeitgeber oder die Konten des Schuldners nicht und können daher dort nicht pfänden. Hat ein Gläubiger eine Sach- und Barpfändung veranlasst, muss der Schuldner dem Gerichtsvollzieher in der Wohnung über seine Konten, Lebensversicherung oder seinen Arbeitgeber keine Angaben machen. Die eidesstattliche Versicherung des Schuldners soll hier die gewünschte Transparenz für Pfändungen schaffen.
Falsche oder unvollständige Angaben werden bei einer eidesstattlichen Versicherung nach § 156 StGB bestraft. Wird der Schuldner angezeigt und kann ihm nachgewiesen werden, dass er bei seiner eidesstattlichen Versicherung "vergessen" hat, Sach- und Geldvermögen oder Einkommensquellen anzugeben, stehen darauf bis zu drei Jahren Haft oder Geldstrafe. Bereits bei fahrlässig gemachten Angaben droht bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe. Späte Reue und der Versuch, die eigene eidesstattliche Versicherung zu berichtigen, kommen zu spät. Der Vorgang bleibt trotzdem strafbar.
Beim Ausfüllen der Formularseiten für die eidesstattliche Versicherung sollte der Schuldner sehr sorgfältig vorgehen, weil auch die "Fahrlässigkeit" unter Strafe steht. Bei Unklarheiten, was in einer Einzelposition gemeint ist, sollte der Schuldner unbedingt beim
Anders ist es bei Überschuldung bzw. Zahlungsunfähigkeit. Dann macht sich der Schuldner nach § 283 StGB ff wegen Bankrotts strafbar, wenn er aktiv unnötige Vermögensverluste herbeiführt und so gegen die Interessen seiner Gläubiger handelt. Wer dann Vermögen beiseite schafft, verheimlicht, unbrauchbar macht, übermäßige Beträge unwirtschaftlich verschwendet, an der Börse verzockt, verspielt oder verwettet usw. kann mit bis zu 5 Jahren Haft bestraft werden. Übrigens: Selbst bei nachweislicher Spielsucht ist ein Freispruch selten - obwohl dann eine verminderte Schuldfähigkeit berücksichtigt werden kann.
Ergebnis: Verbraucht der Schuldner sein Vermögen für seinen normalen Lebensunterhalt, ist das nicht angreifbar. Versucht der Betroffene bei Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit aber, das eigene Vermögen den Gläubigern zu entziehen - oder riskiert er es anderweitig - ist das strafbar. Die Gerichte beurteilen die Strafbarkeit nach dem Abstand zwischen dem Zeitpunkt der Vermögensminderung und dem Eintritt der Zahlungsunfähigkeit.
In ähnliche Richtung wie § 283 StGB geht auch § 288 StGB: Wer bei drohender Zwangsvollstreckung sein Vermögen veräußert oder beiseite schafft, um die Befriedigung der Gläubiger zu vereiteln, erhält bis zu zwei Jahre Haftstrafe oder Geldstrafe.
Wer nach § 283 oder § 288 StGB strafrechtlich belangt wurde, dem kann nach § 290 InsO und § 297 InsO auch die Restschuldbefreiung bei der Verbraucherinsolvenz versagt werden.
Mehr zu den Versagungsgründen erfahren Sie im Beitrag "Das Verfahren zur Restschuldbefreiung und mögliche Versagungsgründe: Ihre Rechte als Gläubiger".