Source: http://wald-eltmannshausen.de/statut.htm
Timestamp: 2018-11-21 01:27:46
Document Index: 20634324

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 8', '§ 13', '§ 32', '§ 43', 'Art. 100', '§ 1']

Statut und Präambel
für die Waldinteressentenschaft
(Gemeinschaftswald) Eltmannshausen
ll. Rechtsverhältnisse §§ 1-7
lll. Bewirtschaftung §§ 8-12
lV. Verwaltung §§ 13-31
V. Sonstige Bemerkungen § 32
"68 Gemeindenutzungsberechtigte haben aus dem Holz 287 1/16 Acker das Gemeindeholz und das Steinbühlchen 3 Acker sowie vom Hetteröder Holze 5 3/4 Acker 21 Rth das Holz mit Ausnahme des Lohes und des Bauholzes zu beziehen, während die Gemeinde den Überschuß an Holz, der bei der Anfertigung von 68 gleichen Teilen sich ergibt, vereinnahmt aus Vll. § 43. Nach Art. 100 übertragen am 05. Juni 1943 und umgeschrieben am 08. Dezember 1975."
Aufgrund dieser Katastereintragung im Grundbuch von Eltmannshausen, Band 31, Blatt 1103, bezogen seit mehr als 100 Jahren die Eigentümer von 66 Nutzungsrechten (2 Anteile gehörten der politischen Gemeinde zum Unterhalt der Schule) Reis- und Scheitholz zur nötigen Befeuerung. Jedoch gibt es Hinweise dafür, daß bereits zu landgräflicher Zeit und sogar vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) eine geordnete Holzentnahme durch die Einwohner Eltmannshausens in den Waldungen östlich des Kombergs vorgenommen wurde. So sind in einem Forstinventar von 1569 die noch heute bekannten Flurnamen "Lindenau", "Wüstung Hutterodt", "Werkmeister Triesch" und "Birkenstruth" erwähnt.
Das Wesen der Holzgerechtigkeit war nicht in allen Regionen gleich, ja es gab sogar Unterschiede zwischen Nachbardörfern. Neben der Holzgerechtigkeit gab es z.B. eine Hute-, eine Weide- oder eine Fischereigerechtigkeit.
Trotz jahrhundertealter Tradition und grundbuchamtlicher Eintragung war die Rechtsnatur der Waldinteressentenschaft immer umstritten. Bis in die heutige Zeit wurde insbesondere von kommunaler Seite versucht, das bestehende Eigentumsrecht ersatzlos zu streichen oder das Nutzungsrecht auslaufen zu lassen.
Aufgrund der hessischen Forstgesetzgebung ist ein natürlicher Holzaufwuchs nicht mehr vorgesehen. Nachdem in früheren Jahrhunderten der Wald zur Viehweide, zur Waldstreunutzung, zur Entnahme von Nutz- und Brennholz sowie zum Lohschälen diente, ist heute lediglich die Produktion von Stammholz gefragt. Um den drohenden Verlust des Nutzungsrechtes zu verhindern, wurde versucht mit der Stadt Eschwege als Rechtsnachfolgerin der Kommune Eltmannshausen ein Ausgleich zu schaffen.
So wurden 1982 der damalige Vorsitzende Hermann Becker, Gerhard Rudeloff und Uwe Zinngrebe beauftragt, mit der Stadt und dem damaligen Bürgermeister Rudolph zu verhandeln.
Die Eigentümer von 66 Nutzungsrechten an den auf Grundbuchblatt 1103 verzeichneten Grundstücken verzichten auf ihre Rechte (im wesentlichen Huterechte). Im Gegenzug übereignet die Stadt den 66 Rechtsinhabern zum Ausgleich für die Aufgabe dieser Rechte die im Grundbuch von Eltmannshausen Blatt 1103 unter lfd. Nr. 483 und 584 des Bestandverzeichnisses eingetragenen Grundstücke
Flur 11 Flurstück 8 Wald (Holzung), Am Eltmannshäuser Gemeindewald in Größe von 64,09 ar
Flur 11 Flurstück 7/4 Landwirtschaftsfläche, Waldfläche, Gemeindewaldung in Größe von 40,0981 ha
zu ideellen Bruchteilen überträgt.
In mühseliger Arbeit wurde in den folgenden Jahren die Zustimmung aller Rechtsinhaber eingeholt, wobei aufgrund von teilweise nicht geordneten Erbverhältnissen viel persönlicher Einsatz und juristische Kleinarbeit notwendig waren, um alle notwendigen Grundbücher zu bereinigen.
Aller Skepsis zum Trotz konnte so am 07. November 1990 vor dem Notar Helmut Gerlach, Eschwege, der vorliegende Vertrag besiegelt werden.
Obwohl die Forstwirtschaft im öffentlichen wie im privaten Besitz zur Zeit wenig Profit verspricht, sind wir überzeugt davon, auch im Interesse nachfolgender Generationen einen wertvollen Besitz erworben zu haben. Über die frei von uns zu gestaltende Nutzung hinaus scheint uns der Eltmannshäuser Wald auch als natürliches Biotop und als wesentlicher gemeinnütziger Faktor der Einwohnerschaft Eltmannshausen erhaltenswert.
Der vernünftigen Verwaltung und Bewirtschaftung unseres Waldbesitzes und einer gerechten Verteilung von Rechten und Pflichten dient das nachfolgende Statut.
Dr. Uwe Zinngrebe, im November 1990
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