Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/versicherungsrecht/widerspruch-und-verjaehrungsbeginn-bei-der-rentenversicherung-im-policenmodell-392748
Timestamp: 2020-01-28 06:39:24
Document Index: 73283923

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 199']

Wider­spruch und Ver­jäh­rungs­be­ginn bei der Ren­ten­ver­si­che­rung im Poli­cen­mo­dell | Rechtslupe
Bei einer im frü­he­ren Poli­cen­mo­dell abge­schlos­se­nen Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung beginnt die Ver­jäh­rung des Berei­che­rungs­an­spruchs erst, wenn der Ver­si­che­rungs­neh­mer den Wider­spruch nach § 5a VVG a.F. erklärt hat.
In dem hier vom Bun­des­ge­richt­hof ent­schie­de­nen Fall begehr­te der kla­gen­de Ver­si­che­rungs­neh­mer Rück­zah­lung geleis­te­ter Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge aus einer Ren­ten­ver­si­che­rung nach einem Wider­spruch gemäß § 5a Abs. 1 Satz 1 VVG a.F. Er bean­trag­te bei der Beklag­ten den Abschluss eines Ren­ten­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges mit Ver­trags­be­ginn zum 1.04.1998. Die All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen und die Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on erhielt er mit dem Ver­si­che­rungs­schein. Von April 1998 bis Mai 2008 zahl­te er Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge in Höhe von ins­ge­samt 9.356, 18 €. Mit Schrei­ben vom 05.06.2008 erklär­te er unter ande­rem den Wider­spruch nach § 5a Abs. 1 Satz 1 VVG a.F. und hilfs­wei­se die Kün­di­gung gegen­über der Beklag­ten. Die­se bestä­tig­te die Kün­di­gung und zahl­te dem Klä­ger einen Rück­kaufs­wert von 9.331, 60 €. Mit der im April 2011 erho­be­nen Kla­ge ver­langt er Rück­zah­lung aller auf den Ver­trag geleis­te­ten Bei­trä­ge nebst Zin­sen abzüg­lich des bereits gezahl­ten Rück­kaufs­werts, ins­ge­samt 4.580, 82 €. Die Beklag­te hat Ver­fris­tung des Wider­spruchs ein­ge­wandt und die Ein­re­de der Ver­jäh­rung erho­ben.
Sowohl das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Stutt­gart 1 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz das Land­ge­richt Stutt­gart 2 haben die Kla­ge abge­wie­sen, weil der Wider­spruch gemäß § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG a.F. ver­fris­tet gewe­sen sei. Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun das kla­ge­ab­wei­sen­de Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und den Rechts­streit an das Land­ge­richt Stutt­gart zurück ver­wie­sen:
Ein Anspruch auf Prä­mi­en­rück­zah­lung aus unge­recht­fer­tig­ter Berei­che­rung kann dem Klä­ger nach Ansicht des Bun­des­ge­richs­hofs nicht wegen Ver­jäh­rung ver­sagt wer­den. Nach dem für das Revi­si­ons­ver­fah­ren maß­geb­li­chen Sach­ver­halt war davon aus­zu­ge­hen, dass der von dem Klä­ger erklär­te Wider­spruch – unge­ach­tet des Ablaufs der in § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG a.F. nor­mier­ten Jah­res­frist – recht­zei­tig war und infol­ge­des­sen der zwi­schen den Par­tei­en geschlos­se­ne Ver­si­che­rungs­ver­trag nicht wirk­sam zustan­de gekom­men ist. Das folgt aus dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 07.05.2014 3, mit dem ent­schie­den wur­de, dass in Fäl­len der vor­lie­gen­den Art grund­sätz­lich ein Wider­spruchs­recht fort­be­steht, wenn der Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht ord­nungs­ge­mäß über die­ses belehrt wor­den ist und/​oder die Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on oder die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen nicht erhal­ten hat.
Der Rück­ge­währ­an­spruch war bei Erhe­bung der Kla­ge im April 2011 nicht ver­jährt. Zu die­sem Zeit­punkt war die maß­geb­li­che regel­mä­ßi­ge drei­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist nicht abge­lau­fen. Die Regel­ver­jäh­rung begann mit dem Schluss des Jah­res 2008. Der Berei­che­rungs­an­spruch ent­stand im Sin­ne des § 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB, als der Klä­ger mit Schrei­ben vom 05.06.2008 den Wider­spruch erklär­te und damit dem bis dahin schwe­bend unwirk­sa­men Ver­si­che­rungs­ver­trag end­gül­tig die Wirk­sam­keit ver­sag­te. Erst durch den Wider­spruch wur­de der Schwe­be­zu­stand been­det und Klar­heit geschaf­fen, dass dem Ver­si­che­rer die geleis­te­ten Prä­mi­en nicht zustan­den. Erst nach der Ent­schei­dung des Ver­si­che­rungs­neh­mers, den Wider­spruch zu erklä­ren, stand fest, dass der Ver­trag, den die Par­tei­en bis dahin wie einen wirk­sa­men Ver­trag durch­ge­führt hat­ten, end­gül­tig unwirk­sam war.
Nach der Zurück­ver­wei­sung wird das Land­ge­richt nun die Fra­ge der Ord­nungs­ge­mäß­heit der Wider­spruchs­be­leh­rung sowie ggfls. die Höhe des Rück­ge­währ­an­spruchs klä­ren müs­sen.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. April 2014 – – IV ZR 103/​15
AG Stutt­gart – Urteil vom 01.07.2011 – 3 C 1079/​11[↩]
LG Stutt­gart – Urteil vom 18.04.2012 – 5 S 173/​11[↩]
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