Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/gesellschaftsrecht/beitritt-publikumspersonengesellschaft-gesellschafterpflichten-3128561
Timestamp: 2019-10-17 00:13:36
Document Index: 237807570

Matched Legal Cases: ['§ 305', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 15', 'Art. 103', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Bei­tritt zur Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaft – und die Gesell­schaf­ter­pflich­ten | Rechtslupe
Beitritt zur Publikumspersonengesellschaft - und die Gesellschafterpflichten
Bei­tritt zur Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaft – und die Gesell­schaf­ter­pflich­ten
Für den einer Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaft bei­tre­ten­den Gesell­schaf­ter müs­sen sich die mit dem Bei­tritt ver­bun­de­nen, nicht unmit­tel­bar aus dem Gesetz fol­gen­den Pflich­ten aus dem Gesell­schafts­ver­trag klar erge­ben.
Die Rück­for­de­rung von Aus­schüt­tun­gen aus der Liqui­di­tät, zu deren Rück­zah­lung der Kom­man­di­tist von Geset­zes wegen nicht ver­pflich­tet ist und die daher einer gesell­schafts­ver­trag­li­chen Grund­la­ge bedarf 1, muss sich an einem ande­ren Grund­satz der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs mes­sen las­sen, der unab­hän­gig von der Aus­le­gungs­re­gel des § 305c Abs. 2 BGB Gel­tung bean­sprucht. Danach müs­sen sich für den einer Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaft bei­tre­ten­den Gesell­schaf­ter die mit dem Bei­tritt ver­bun­de­nen, nicht unmit­tel­bar aus dem Gesetz fol­gen­den Pflich­ten aus dem Gesell­schafts­ver­trag klar erge­ben 2, weil die erst nach Abschluss des Gesell­schafts­ver­trags bei­tre­ten­den Gesell­schaf­ter in ihrem Ver­trau­en dar­auf geschützt wer­den müs­sen, nur sol­che Leis­tun­gen erbrin­gen zu müs­sen, die dem Ver­trags­text unmiss­ver­ständ­lich zu ent­neh­men sind 3.
Lässt sich ein von der Gesell­schaft behaup­te­ter Anspruch dem Gesell­schafts­ver­trag durch Aus­le­gung nicht posi­tiv ent­neh­men, weil der Gesell­schafts­ver­trag inso­weit miss­ver­ständ­lich oder unklar ist, bedarf es zur Anspruchs­ver­nei­nung nicht noch der Fest­stel­lung eines ver­tret­ba­ren Aus­le­gungs­er­geb­nis­ses 4.
Im hier ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Dem Gesell­schafts­ver­trag der Fonds­ge­sell­schaft (im Fol­gen­den: GV) lässt sich nicht klar und unmiss­ver­ständ­lich ent­neh­men, dass die an die Kom­man­di­tis­ten bewirk­ten gewinn­un­ab­hän­gi­gen Aus­schüt­tun­gen aus der Liqui­di­tät die­sen als Dar­le­hen der Fonds­ge­sell­schaft zur Ver­fü­gung gestellt wor­den sind.
Die Gesamt­re­ge­lung ist unter ande­rem des­halb unklar, weil nach § 12 Abs. 4 Satz 1 GV nicht jede Liqui­di­täts­aus­schüt­tung ein Dar­le­hen sein soll, son­dern nur bzw. auch ein Dar­le­hen sein kann, und als ein­zi­ge im Gesell­schafts­ver­trag gere­gel­te Vor­aus­set­zung, wann Liqui­di­täts­aus­schüt­tun­gen Dar­le­hen an die Gesell­schaf­ter sein sol­len, in § 12 Nr. 4 Abs. 2 Satz 3 GV bestimmt ist: "solan­ge Ver­lust­son­der­kon­ten bestehen". Das im Gesell­schafts­ver­trag dar­ge­stell­te Kon­ten­sys­tem der Klä­ge­rin sieht jedoch kei­ne mit Ver­lust­son­der­kon­ten bezeich­ne­ten Gesell­schaf­ter­kon­ten vor. An die­sem Befund ändert sich nichts dadurch, dass auf dem nach dem im Gesell­schafts­ver­trag beschrie­be­nen Kon­ten­sys­tem der Gesell­schaft ein­zu­rich­ten­den Ergeb­nis­son­der­kon­to auch Ver­lus­te gebucht wer­den sol­len. Aus die­ser Zweck­be­stim­mung des Ergeb­nis­son­der­kon­tos kann ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on ein ver­stän­di­ger Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaf­ter nicht ohne wei­te­res erken­nen, dass, wie die Klä­ge­rin behaup­tet, mit dem in § 12 Nr. 4 Abs. 2 Satz 3 GV genann­ten Ver­lust­son­der­kon­to das in § 15 Nr. 2 c)) gere­gel­te Ergeb­nis­son­der­kon­to gemeint sein soll. Zwei­fel hier­an wer­den neben der Benen­nung des Kon­tos dadurch begrün­det, dass nach der gesell­schafts­ver­trag­li­chen Rege­lung Gewin­ne eben­falls auf dem Ergeb­nis­son­der­kon­to gut­ge­bracht wer­den sol­len.
Es bleibt dabei, dass den Kom­man­di­tis­ten eine gegen sie per­sön­lich gerich­te­te For­de­rung aus den Bilan­zen der Fonds­ge­sell­schaft nicht in dem Maße erkenn­bar war, dass von einem Aner­kennt­nis der Gesell­schaf­ter durch die Fest­stel­lung der Bilanz aus­ge­gan­gen wer­den kann.
An die­ser Auf­fas­sung hält der Bun­des­ge­richts­hof fest.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Novem­ber 2017 – II ZR 127/​16
Über­zo­ge­ne Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen Da die Hand­ha­bung der Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen durch das Gericht die­sel­ben ein­schnei­den­den Fol­gen hat wie die Anwen­dung von Prä­k­lu­si­ons­vor­schrif­ten, ver­letzt sie Art. 103 Abs. 1 GG bereits…
vgl. BGH, Urteil vom 12.03.2013 – II ZR 73/​11, ZIP 2013, 1222 Rn. 8 ff.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 16.02.2016 – II ZR 348/​14, ZIP 2016, 518 Rn. 15; Urteil vom 12.03.2013 – II ZR 73/​11, ZIP 2013, 1222 Rn. 14[↩]
BGH, Beschluss vom 27.06.2016 – II ZR 63/​15 9; Urteil vom 16.02.2016 – II ZR 348/​14, ZIP 2016, 518 Rn. 15; vgl. bereits BGH, Urteil vom 30.04.1979 – II ZR 57/​78, WM 1979, 672[↩]
vgl. OLG Köln, Urteil vom 03.11.2016 18 U 80/​16 49[↩]
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