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Timestamp: 2018-01-22 18:03:16
Document Index: 90168305

Matched Legal Cases: ['§ 153', '§ 351', '§ 350', '§ 243', '§ 176', '§ 306', '§ 177', '§ 245', '§ 308', '§ 154', '§ 306']

Schönberg, den 06. März 1894
[ => Original lesen: 1894 Nr. 19 Seite 1]
vom Jahre 1878 und 1885.
Die Zinsscheine Reihe V. Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der 4%igen deutschen Reichsanleihe von 1878 und Reihe III Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der 3 1/2%igen deutschen Reichsanleihe von 1885 über die Zinsen für die zehn Jahre vom 1. April 1894 bis 31. März 1904 nebst den Anweisungen zur Abhebung der folgenden Reihe werden von der Königlich Preußischen Kontrolle der Staatspapiere hierselbst, Oranienstraße 92/94 unten links, vom 1. März d. J. ab, Vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn= und Festtage und der letzten drei Geschäftstage jedes Monats, ausgereicht werden.
Wer die Empfangnahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Zinsscheinanweisungen für jede Anleihe mit einem besonderen Verzeichniß zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda unentgeldlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher der Zinsscheinanweisungen eine numerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. In letzterem Falle erhält der Einreicher das eine Exemplar, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sofort zurück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben.
In Schriftwechsel kann die Kontrolle der Staatspapiere sich mit den Inhabern der Zinsscheinanweisungen nicht einlassen. Wer die Zinsscheine durch eine der obengenannten Bankanstalten oder Oberpostkassen beziehen will, hat derselben die Anweisungen für jede Anleihe mit einem doppelten Verzeichniß einzureichen. Das eine Verzeichniß wird, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Ausreichungsstellen unentgeltlich zu haben.
- Die Abreise der Kaiserin nach Abazzia findet, wie die "Nordd. Allg.=Ztg." meldet, voraussichtlich am 8. März statt. Der Kaiser wird sich gutem Vernehmen nach spätestens in der Woche vor Ostern zum Besuch seiner Gemahlin nach Abazzia begeben. Ueber die Dauer seines Aufenthalts dort ist noch nichts bekannt, doch nimmt man an, daß der Monarch einige Wochen fortbleiben wird.
- Zur Kaiserreise nach Oesterreich wird aus Triest geschrieben: Wie mit Bestimmtheit verlautet, wird der deutsche Kaiser von Venedig aus auch unsere Stadt besuchen, wenn auch nur auf wenige Stunden. In der reichsdeutschen Kolonie, die hier sehr zahlreich ist, giebt sich große Begeisterung kund. Aus Venedig wird gemeldet, daß König Humbert dem Kaiser sein Palais zur Verfügung gestellt habe. Aus Abbazzia schreibt man ferner: Bei Gelegenheit der Anwesenheit des deutschen Kaiserpaares wird vor unserem Hafen eine Yachtflottille ankern, wie wir sie hier noch nie gesehen haben. Außer der vom Kaiser Wilhelm in England gecharterten Dampfyacht wird noch die Yacht des Kaisers von Oesterreich "Phantasie," die eben fertiggestellte Yacht "Miramare," die Yacht "Deli" der ungarischen Regierung, u. die schöne Dampfyacht des regierenden Fürsten von Lichtenstein hier liegen. Auf seiner Fahrt nach Venedig wird das deutsche Kaiserpaar auch die Stadt Pola besuchen, und wird dadurch Deutschlands Kaiser zum ersten Male Gelegenheit finden, Oesterreichs Marine bei der Arbeit zu sehen. Selbstverständlich ist der Besuch des Kriegsarsenals und eines der hervorragendsten Forts der Befestigungen in Aussicht genommen. Kaiser Franz Josef wird seinen hohen Gast nach Pola begleiten.
- Ein italienisches Geschwader aus drei großen Kriegsschiffen wird zu Ehren der Anwesenheit
[ => Original lesen: 1894 Nr. 19 Seite 2]
des deutschen und österreichischen Kaisers in Abbazia in diesem Frühjahr vor Fiume Anker werfen.
- Wenig oder gar nicht bekannt ist, daß auch Graf Herbert Bismarck eine Villa in Abbazia besitzt, welche er vom Grafen Hoyos mit als Morgengabe seiner Frau erhielt.
- Die Rang= und Quartierliste der preußischen Armee wird in diesem Jahr auch das 13. würtembergische Armeekorps erhalten; fortan wird nur eine für beide Heeresteile gemeinsame Rangliste ausgegeben. Für 1894 soll die erweiterte Rangliste den Stand vom 20. Mai enthalten und mit Abschluß des genannten Tages in Druck gehen.
- Die Annahme des russischen Handelsvertrags gilt jetzt als durchaus gesichert, und zwar ganz unabhängig von irgend welchen Erklärungen oder Abstimmungen über die Aufhebung der Staffeltarife und des Identitätsnachweises. Die Kommission hat bereits Sonnabend vormittag unter dem Vorsitz des Abg. Hammacher ihre Beratungen begonnen. Man hofft in 5 Sitzungen also bis zum Donnerstag künftiger Woche, die Verhandlungen zu Ende zu führen. Alsdann ist mündliche Berichterstattung durch den Abg. Möller in Aussicht genommen. Spätestens am Montag, den 12. März, also kann die zweite Beratung im Plenum beginnen und kann alsdann die Schlußabstimmung noch vor dem 16. März, dem Beginn der Osterferien, stattfinden.
- Die Hotels von Petersburg sind, der Times zufolge, gefüllt von deutschen Handelsreisenden und sonstigen Geschäftsleuten, welche nach Petersburg gekommen sind, um den mit Deutschland abgeschlossenen Handelsvertrag so zeitig als möglich ausnutzen zu können.
- Die russische Regierung bestellte vorbehaltlich des Zustandekommens des Handelsvertrages 18 Lokomotiven zu je 30 000 Mark bei der sächsischen Maschinenfabrik Hartmann in Chemnitz.
- Der Bundesrat hat am Montag der Aufhebung des Identitätsnachweises für Getreide zugestimmt.
- Die "Post" meldet: "Gutem Einvernehmen nach, dürfte es jetzt für feststehen, daß die preußischen Staffeltarife für Getreide und Mühlenfabrikate aufgehobnen werden."
- Der preußische Kultusminister Dr. Bosse soll den in Lehrerkreisen gehegten Wünschen, daß den Elementarlehrern der einjährig=freiwillige, Militärdienst gestattet werde, nicht entgegen sein. Wegen der nötigen Aenderung des Seminarkurses und im Hinblick auf die finanziellen Schwierigkeiten, ist die endgültige Regelung in naher Zeit aber noch nicht möglich, jedoch stellen demnächst kommissarische Beratungen der beteiligten Ministerien darüber bevor.
- Der französische Senat hat die Getreidezoll=Vorlage in der von der Kammer votierten Fassung, nach welcher der Zoll auf 7 Franken pro 100 Kilo erhöht wird, mit 189 gegen 32 Stimmen angenommen.
- Die "Pol. Corr." meldet aus Petersburg: Der Zustand des Ministers Giers wird von den Aerzten als nahezu hoffnungslos bezeichnet.
- Das Repräsentantenhaus zu Washington nahm den Gesetzentwurf Blands betreffend die Ausprägung von 2 Millionen Dollars monatlich aus dem im Staatsschatze befindlichen von der Prägegebühr herrührenden Silber an.
- Wasserarmer Sommer. Von Sachverständigen wird die Befürchtung ausgesprochen, daß der kommende Sommer noch trockener würde, als der vorige, wenn nicht noch ganz erhebliche Schneemassen dem Erdreich neue Wassermengen zuführen. Die Quellen in den Bergen fließen sehr schwach und von Schneemassen ist keine Rede mehr.
- Mischungen, um Motten zu vertilgen. 1) 7 Teile Lupulin, 120 Teile Schnupftabak, 60 Teile Kampher, 240 Teile Cedernholzspäne. 2) 30 Teile Karbolsäure, 30 Teile Kampher, 500 Teile Benzin. Mit diesen Mitteln besprengt man Kleidungsstücke, oder man befeuchtet mit letzterem Mittel Löschpapier und legt dieses zwischen die Kleidungsstoffe.
- Getrocknete Schnitzel. Schlesien hat den Vorzug, auch bereits eine Zuckerfabrik zu besitzen die sich mit dem Darren der Zuckerrübenschnitzel beschäftigt. Dem Direktor Handtmann gebührt der Verdienst, in der ihm unterstellten Zuckerfabrik Bernstadt diese Neuerung eingeführt zu haben, die von allen praktischen und theoretischen Landwirten als ein großer Fortschritt auf dem Gebiete der Fütterung und Tierhygiene angesehen wird. Hoffentlich findet das gute Beispiel bald mehr Nachfolger bei den anderen Zuckerfabriken.
- Die von der Royl geographical society in London im Jahre 1890 an Dr. Emin Pascha verliehene, aber demselben nicht mehr zugestellte goldene Medaille ist nunmehr der Schwester des Verstorbenen, Fräulein Melanie Schnitzer, ausgehändigt worden. Die Medaille soll der hinterlassenen Tochter Dr. Emin Paschas, Ferida, bei ihrer Großjährigkeit zum dauernden Besitz übergeben werden.
- Das letzte gekrönte Haupt, welches in Abbazia weilte, war König Alexander von Serbien. Dort passierte ihm bekanntlich das vielbelachte "Vergiftungs=Abenteuer." Sein und seines Gefolges Frühstückskaffee war nämlich eines schönen Tages - versalzen. In theatralischem Tone rief König Milan: "Wer hat meinen Sohn vergiftet!" und schloß denselben weinend an die Brust. Damals nahm der Koch die Schuld auf sich: er habe sich vergiften wollen. Eingeweihte aber wissen daß den armen Koch nicht das geringste Verschulden traf, sondern er nur der unglückliche Sündenbock war, der heimlich dafür von dem Direktor der Kuranstalt mit einem schönen Stück Gelde entschädigt wurde. Eine Spezialität der Wasserleitung von Abbazia ist nämlich, daß sie zeitweilig - Salzwasser giebt. Es sind ja nur Tiefquellen gefaßt, welche aus dem Meeresgrunde hervorquellen und manchmal wird - namentlich nach Stürmen - statt des süßen Quellwasser Meerwasser gepumpt. Nun aber ist ein für alle Male gegen solche unliebsamen Ueberraschungen Vorsorge getroffen, und Deutschlands Kaiserin wird in Abbazia echtes Wiener Hochquellwasser trinken welches für sie in besonderen Cisternenwaggons hingeschafft werden wird, damit nicht auch sie eines schönen Tages ihren Kaffee - versalzen finde.
Gegen den Hofgänger Carl Weidemann, gebürtig aus Stadt Linden, zuletzt zu Hof Wahrsow, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Unterschlagung und Diebstahls verhängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Amtsgerichtsgefängniß zu Schönberg i./M. abzuliefern.
Beschreibung: Größe ca. 1,65 m, Haare schwarz, Stirn niedrig, Kinn spitz, Nase spitz, Mund gewöhnlich, Gesicht länglich, Alter ca. 20 Jahre. Kleidung: Kleinkrämpiger schwarzer Hut, dunkler Jaquett=Rock, dunkle Hose und Schuhe mit Gummizug.
Schönberg, den 5. März 1894.
[ => Original lesen: 1894 Nr. 19 Seite 3]
Sonnabend, den 10. März d. J.
sollen in Gr. Siemz:
1 Dreschmaschine, 1 Häckselmaschine, 1 Saemaschine, 1 Stuhlwagen und 1 Paar Pferdesielen
deckt von jetzt fremde Stuten, Deckgeld 13 M.
Hr. Oldenburg,
Zu verkaufen ein sehr schöner
2 jähr. Zuchtbolle.
Ca. 40 Ladungen
deutscher oder englischer Stückkohlen sollen auf Jahreslieferung (1. Mai 1894/95) vergeben werden. Bedingungen beim Unterzeichneten. Offerten sind bis zum 15. März einzureichen.
Molkerei-Revisions=Verband für das Fürstenthum Ratzeburg.
Niendorf, den 5. März 1894.
[ => Original lesen: 1894 Nr. 19 Seite 4]
Von jetzt an verkaufe ich
prima kernfettes junges Rindfleisch
Zu verkaufen eine kleine
Verloren auf dem Wege vom Bahnhof bis Spehrs Hotel am 23. Februar Abends ein schwarzwollenes Tuch mit Fransen, abzugeben gegen Belohnung in der Exped. der Anzeigen.
Eine Pferdedecke
gefunden, abzufordern bei
Standesamts-Nachrichten Carlow,
pro Januar und Februar 1894.
Der unverehelichten Elisabeth Holst zu Cronscamp 1 S.
Dem Arbeiter Chr. Zeuner zu Neschow 1 S.
Der unverehelichten Luise Kaven zu Carlow 1 T.
Dem Fischer Heinrich Böttcher zu Klocksdorf 1 T.
Der unverehelichten Caroline Oldenburg zu Neschow 1 S.
Der unverehelichten Luise Beckmann zu Cronscamp 1 S.
Der unverehelichten Luise Kaven zu Cronscamp 1 S.
2. Eheschließungen:
Der Schmiedemeister Johann Freitag zu Gr. Molzahn mit Catharina Luise Horstmann zu Carlow.
3. Sterbefälle:
Die Wittwe Marie Kreutzfeldt geb. Pahl 76 J. 4 M. alt.
Der Weher Peter Joachim Möller zu Neschow 73 J. alt.
Die Altentheilerin Catharina Möller zu Klocksdorf 83 J. 9 M. alt.
Der Altentheiler Hans Heinrich Hundt zu Klocksdorf 87 J. 3 M. alt.
Die Arbeiterfrau Elisabeth Behrend zu Carlow 51 J. alt.
Die Schneiderfrau Catharina Beckmann zu Cronskamp 53 J. 3 M. alt.
Luise Marie Catharina Kähler zu Carlow 5 J. 3 M. alt.
[ => Original lesen: 1894 Nr. 19 Seite 5]
- Nr. 3 des "Officiellen Anzeigers für das Fürstenthum Ratzeburg" pro 1893 enthält
(1.) Bekanntmachung, betreffend die Abänderung des Formulars für die Unfallanzeigen.
(2.) Bekanntmachung, betreffend die Ernennung eines anderweitigen französischen Generalkonsuls in Hamburg.
(3.) Publikandum, betreffend die Liquidationen über Militairleistungen.
(4.) Bekanntmachung, betreffend die zehnjährigen Durchschnittspreise des Liquidationsjahres 1. April 1894/95 für Landlieferungen.
Aus den Sturmtagen vom 8. bis 13. Februar.
Seit langer Zeit hat kein so anhaltender und verheerender Sturm nicht blos die Küstengegenden Deutschlands sondern auch das Binnenland heimgesucht wie der am 8. Februar beginnende und am 13. noch fortdauernde. Die Ursache der Erscheinung lag in der eigentümlichen Luftdruckverteilung über Europa, die sich seit Anfang Februar eingestellt hatte.
Die Verheerungen des Sturmes zu schildern, die er an Gebäuden, Telegraphenleitungen, Bäumen usw. angerichtet hat, würde einen sehr großen Raum beanspruchen; hier sei eine der schwersten Katastrophen erwähnt: der Einsturz des Jakobikirchturmes in Stettin. Die im Sommer vorigen Jahres auf dem Turm der Jakobikirche errichtete neue, im Gebälk noch freistehende Spitze, die in diesem Frühjahr eingedeckt werden sollte, ist von dem am 12. Februar mächtiger denn in den letzten Tagen herrschenden Sturm in die Tiefe hinabgestürzt worden. Schon den ganzen Vormittag hindurch hatte der Sturm unheimlich die in die Lüfte ragende Turmspitze umtobt, daß es wie dumpfes Donnern in die Tiefe herniederklang. Plötzlich um 1 Uhr nachmittags, neigte sich der mächtige Turmhelm und schlug in der vollen Achse des Kirchenschiffes in das gewaltige Dach ein, dieses, sowie den Dachreiter zum großen Teil zerschmetternd. Ein donnerähnliches Getöse, dann eine Wolke von Staub und Splittern, und der neuerrichtete Turm war nicht mehr. Ein wirrer Knäuel von Balken, Splittern und Ziegeltrümmern lag auf dem Kirchdach und zu beiden Seiten des Kirchhofes; die mächtigen Balken, oft zu mehreren zusammengebolzt und verstrebt, waren zersplittert wie Streichhölzer. Wurde der Turm nicht nach rückwärts auf das Kirchdach geweht, sondern nach vorn in die belebte Papenstraße, so hätte die Katastrophe unfehlbar Verluste an Menschenleben im Gefolge gehabt. Ein Unglücksfall ist jedoch zu beklagen: der Pendant der Kirche, der gerade im Augenblick des Einsturzes aus dem der Kirche gegenüberliegenden Pfarrhause heraustrat, wurde von einem herabstürzenden Balken so schwer am Kopfe verletzt, daß er am folgenden Tage verschied. Die den Kirchhof umgebenden Häuser sind mit verhältnismäßig geringen Beschädigungen davongekommen. Die starke eiserne Bewehrung der von der Breitenstraße aus zum Kirchplatz führenden Freitreppe wurde von den herniederstürzenden Trümmern wie dünner Draht zerrissen. Alsbald nach dem Bekanntwerden des Unglücks eilten die Schutzmannschaften und die Feuerwehr zur Stelle, um die Zugänge zur Unfallstelle abzusperren, denn von dem zum größten Teil zertrümmerten Kirchendach hingen zahlreiche Balken und losgelöste Ziegel an dem nackten Sparrenwerk, jeden Augenblick mit Herabsturz drohend. Die Wegräumung dieser gefahrvollen Trümmer wird bei der gewaltigen Höhe des Bauwerks eine sehr schwierige und zeitraubende sein; inwieweit durch den Einsturz des Turmes das Kirchengewölbe in Mitleidenschaft gezogen ist, läßt sich gegenwärtig noch nicht übersehen.
- Neustrelitz. I. Königl. Hoheit die Großherzogin unternahm Montag die erste Spazierfahrt und war am Mittwoch auch im Tiergarten anwesend. Die Fahrten sind der hohen Frau sehr gut bekommen; sie ist jetzt wieder hergestellt. - Im Laufe des Jahres 1893 sind auf den Großherzoglichen Wildbahnen (mit Ausschluß des Fürstenthums Ratzeburg) 286 Stück Edelwild, darunter 47 Hirsche, 579 Stück Dammwild, darunter 54 Schaufler, 109 Stück Schwarzwild, darunter 24 dreijährige Keiler, 271 Stück Rehwild, 1186 Hasen, 30 Fasanen, 29 Schnepfen, 759 wilde Enten, 29 Wachteln, 20 Bekassinen und 653 Rebhühner erlegt und 4130 Krammetsvögel gefangen worden; dagegen wurden an Raubzeug vertilgt und geschossen; 343 Füchse, 470 Weihen, Falken und Habichte, 2383 Krähen, 5 Raben und 38 Eichhörnchen.
- Schönberg. Der Geflügelzüchter Maack hierselbst erhielt auf der Geflügelausstellung zu Halle a. S. für einen Stamm schwarzer Minorka, von denen 33 Stämme ausgestellt waren, den zweiten Preis.
- Schönberg. Auf der Lübecker Geflügel=Ausstellung, die in diesen Tagen daselbst im Tivoli stattfindet und auf der auch verschiedene Geflügelzüchter unseres Fürstenthums Hühner ausgestellt hatten, erhielt der Geflügelzüchter W. Maack hierselbst für Houdoan einen Ehrenpreis; Volkmann=Kl. Siemz bekam für silberfarbige Wyandots den ersten Preis.
- Zur Entgegennahme von freiwilligen Gaben, die es ermöglichen, auch den Muhamedanern das Evangelium zu bringen, ist nach der "M. Z.", in Schwerin eine Sammelstelle errichtet.
- Güstrow. Tableau der diesjährigen ersten ordentlichen Schwurgerichtsperiode
Montag, 5. März. Knecht Fritz Wieck=Stömkendorf: § 153 St.=G.=B. (Meineid).
Montag, 5. März. Expeditionsdiätar H. Edler=Rostock: § 351 (Verbrechen im Amte).
Montag, 5. März. Güterbodenmstr. Müller=Stavenhagen: §§ 350 und 351 (Verbrechen im Amte).
Dienstag, 6. März. Arbeiter Jul. Parlow=Wittstock: §§ 243, 250 und 255 (Diebstahl und Raub).
Dienstag, 6. März. Handelsmann Kleist=Schwerin: § 176 (Verbrechen wider die Sittlichkeit)
Mittwoch, 7. März. Tagelöhnerfrau Wilhelmine Striggow=Hoppenrade: § 306 (Brandstiftung).
Mittwoch, 7. März. Hofgänger Emil Morgenstern=Barneckow: §§ 177, 42 und 176 (Nothzuchtversuch).
Donnerstag, 8. März. Die Maurergesellen Hermann Westphal und Carl Müller=Waren: §§ 245, 303, 230, 223 und 226 (Bedrohung, Sachbeschädigung und Körperverletzung mit tödl. Ausgang).
Freitag, 9. März. Schmiedemstr. Aug. Vick=Gr. Krams: § 308 (Brandstiftung)
Freitag, 9. März. Bäcker und Frau Alsleben=Redefin: § 154 (Meineid).
Sonnabend, 10. März. Erbpächter Thiel und dessen Ehefrau=Grevenhagen: § 306 (Brandstiftung.)
-Friedland, 1. März. Friedland feiert heute den Tag seines 650jährigen Bestehens. Sie, die älteste Stadt im Lande Stargard, wurde am 29. Februar 1244 von den beiden Markgrafen von Brandenburg aus Albrechts des Bären Stamme Johann I. und seinem Bruder Otto III. gegründet und der Stadt das Stendal'sche Stadtrecht verliehen. Das Original des von ihnen ausgestellten
[ => Original lesen: 1894 Nr. 19 Seite 6]
Stiftungsbriefes ist im hiesigen Stadtarchive noch vorhanden. Die Stadt diente früher als Grenzfestung gegen Pommern. Zu Heinrich des Löwen Zeit wurde die Stadt mit festen Mauern, starken thurmähnlichen Thoren, Wallgräben und Wällen umgeben. Das jetzt gebräuchliche Stadtwappen zeigt drei auf einem doppelten Mauerbogen stehende gezinnte rothe Thürme, unter diesen und zwischen den Brustbildern der beiden Markgrafen einen silbernen Schild mit rothem Adler. Der ursprüngliche Name der Stadt war "Vredeland".
- Mit dem Bau zur Errichtung einer Genossenschaftsmolkerei in Rehna soll in Kürze begonnen werden, so daß zum 1. Oktober d. Js. der Betrieb eröffnet werden kann. Als geeignetes und durch seine Lage vortheilhaftes Terrain soll hiermit ein Platz an der Amtsstraße ausersehen und mit dem Besitzer des betreffenden Terrains bereits feste Abmachungen getroffen worden sein.
- Goldberg. Unser Städtchen befindet sich in Aufregung. Der Secretär beim hiesigen Amtsgericht hat sich nach einem mißglückten Erhängungsversuch die Pulsadern geöffnet, lebt jedoch noch, während die Frau sich erhängte. Grund zum Selbstmord sollen nach der "N. Z." zerrüttete Vermögensverhältnisse sein.
- Vom Vorstand des "Reichsvereins" in Lübeck wurde beschlossen, dem Fürsten Bismarck am ersten April zu seinem Geburtstage in Friedrichsruh einen Fackelzug zu bringen; die Betheiligung dürfte großartig werden.
- An die Protestanten Deutschlands haben jetzt der ständige Ausschuß des Protestantenvereins und die Vorstände einer größeren Anzahl kirchlicher Vereine einen Aufruf erlassen, in dem sie sich gegen die Rückberufung der Jesuiten und gegen die neue preußische Agende aussprechen.
- Ueber die Katastrophe auf der "Brandenburg" sprach sich Staatssekretär Hollmann folgendermaßen aus: Meine persönliche Ansicht geht mit Vorbehalt der gerichtlichen Untersuchung dahin, es handelt sich nicht um einen Konstruktionsfehler, auch Material und Arbeit war tadellos, aber es hat bei der angewandten Konstruktion eine Sicherheit gefehlt, deren Nichtvorhandensein die Gefahr mit sich brachte. Die Maschine ist auf dem "Vulkan" in Stettin selbstständig hergestellt worden in den Einzelheiten im Einbau und in der Montierung. Die Zeichnung des Hauptventils ist aber leider sogleich aus dem Konstruktionsbureau ohne vorherige Mittheilung an den beaufsichtigenden Beamten an die Werkstatt gegangen. Auf dieser Zeichnung hat die erforderliche Sicherheit gefehlt. Nach Ausführung der Arbeit war aber der Mangel nicht mehr zu erkennen, weil er an der inneren Stopfbüchse sich befand. Jedermann mußte voraussetzen, daß die Sicherheit vorhanden. Daß dies nicht der Fall, dafür fehlt jede Erklärung. Wie ist es möglich, daß bei einer Maschinenbauanstalt wie "Vulkan" von solcher Erfahrung und Zuverlässigkeit solche Unterlassung vorkommt? Doch leider Gottes begegnet mitunter dem verständigsten Menschen ein Fehler in einem Augenblick geistiger Abwesenheit. Redner erinnert an den englischen Admiral, der den Untergang der "Viktoria" im Mittelmeer durch einen falschen, unausführbaren Befehl verschuldet habe.
- Für die Hinterbliebenen der auf der "Brandenburg" Verunglückten sind bis jetzt bereits 40 000 Mk. eingegangen. Es handelt sich um 60 Witwen und Waisen. - Die im Marinelazareth zu Kiel befindlichen Verwundeten sind vollständig außer Lebensgefahr und haben das Bett bereits verlassen.
- Die Briefmarkenauktion, welche die Londoner Firma Ventom, Bull und Cooper letzte Woche abgehalten hat, erzielte nicht weniger als 2600 Pfd. Sterling (52 000 Mk.) Für einige Marken wurden geradezu fabelhafte Preise gezahlt, unter Anderem für eine kanadische schwarze 12 Pence=Marke 50 Pfd. Sterling (1000 Mk.), Neu=Braunschweig 1 Schilling=Marke 9 Pfd. Sterling, Neufundland 1 Schilling 19 Pfd. Sterling, Vereinigte Staaten 15 Cents mit umgekehrter Mitte 15 Pfd. Sterling, Britisch=Guiana von 1850 4 Cents 23 Pfd. Sterling, 2 Britisch=Guiana von 1851 1 Cents=Marken 10 Pfd. Sterling 15 Schilling, von 1856 4 Cents 13 Pfd. Sterling.
- Fürst Bismarck ließ zum Andenken an den Besuch des Kaisers sämtlichen Schulkindern von Friedrichsruh Porzellanbecher mit dem Bilde des Kaisers schenken.
- Ein bemerkenswerther Fall von Ansteckung durch die Diphtheritis wird aus Berlin berichtet. In einem großen Hotel in der Friedrichstadt erkrankte ein Kind des Besitzers an der Diphtheritis und wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo es starb. An demselben Abend hatte sich in dem Hotel eine größere Gesellschaft versammelt und acht Theilnehmer derselben erkrankten am folgenden Tage gleichfalls an Diphtheritis. Von denselben sind ein Herr, eine in Berlin bekannte Persönlichkeit, und die Malerin Agnes Stamer der Krankheit erlegen. Endlich ist noch eine dritte Person im Hotel selbst, eine Gräfin Buinska, die mit ihrem Gatten seit längerer Zeit im Hotel gelebt hatte, an Diphtheritis gestorben.
- In Waldendorf bei Tittling (Niederbayern) ist der dort auf Besuch weilende 74 Jahre alte Privatier Vogt von drei Doggen überfallen und derart zugerichtet worden, daß er an den erlittenen Verletzungen gestorben ist.
- In der vergangenen Woche herrschten in Hammerfest orkanartige Stürme, wodurch großer Schaden angerichtet wurde. Mehrere Menschen sind ums Leben gekommen. Die Walfischfänger=Station bei Troldfjord ist vom Sturme ganz fortgerissen worden.
- Von einem unliebsamen Zwischenfall, an welchem zwei deutsche Reisende und mehrere Schweizer Offiziere beteiligt gewesen sind, wird aus Airolo an der Gotthardbahn berichtet. Wie der Berner "Bund" meldet, stiegen am Sonntag in Airolo im "Hotel de la poste" zwei deutsche Herrn ab. Im Speisesaal des Hotels befanden sich zu gleicher Zeit vier Offiziere vom Fort Airolo, die beim Verlassen des Lokals die Thür offen stehen ließen. Darauf soll sich einer der beiden Fremden erhoben und, indem er die Thür schloß, wohl in der Meinung, nicht verstanden zu werden, gesagt haben: "Haben diese Herren keine Thüren zu Hause? Das ist doch unverschämt". Die Offiziere kehrten in den Speisesaal zurück, wo ein lebhafter Wortwechsel entstand. Es wurde eine Abteilung Festungssoldaten herbeibeordert, die das Hotel umstellte und die beiden Fremden ins Fort abführte. Die Tessiner Regierung wandte sich darauf Namens der Gemeinde Airolo um Freilassung der beiden Deutschen an das Militärdepartement in Bern, das sofort eine amtliche Untersuchung eintreten ließ. Die Offiziere hatten kein Recht, die fremden Zivilisten verhaften zu lassen, und dürften daher streng bestraft werden.
- Aus verschiedenen Theilen Spaniens kommen ernste Nachrichten über Sturm, Wolkenbruch und Ueberschwemmungen. Viele Flüsse sind aus ihren Ufern getreten und zahlreiche Frachtschiffe und Fischerbarken haben Schiffbruch gelitten. Auch Verluste an Menschenleben sind zu beklagen. Die Stadt Alvira in der Provinz Valencia steht vollständig unter Wasser.
- Eine Feuersbrunft zerstörte die an der Rotherhithe=Street in London gelegenen mächtigen Getreidespeicher der Firma Bellamy & Company. Der Schaden beträgt über eine Million Mark.
- Die Choleraepidemie in Petersburg ist dem "Regierungsboten" zufolge seit dem 16. Febr. erloschen.
- In den Vereinigten Staaten von Nordamerika herrscht sehr kaltes Wetter und von mehreren Distrikten laufen Berichte über heftige Schneestürme ein. Die ankommenden Dampfer hatten von dem Unwetter stark zu leiden.
- Die deutschen Militairvereine in den Vereinigten Staaten von Nordamerika beabsichtigen im nächsten Jahr zur 25. Wiederkehr des Tages der Schlacht von Sedan einen Massenausflug nach Deutschland zu unternehmen, um in einer noch zu bestimmenden Stadt den Tag festlich zu begehen. Die Leipziger Militärvereine laden die amerikanischen Vereine unter Zustimmung des Rates der Stadt Leipzig ein, Leipzig als Feststadt zu wählen.