Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=GRUR%201994,%20445
Timestamp: 2020-02-20 09:28:55
Document Index: 387118703

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 10.03.1994 - I ZR 51/92 - dejure.org
https://dejure.org/1994,979
BGH, 10.03.1994 - I ZR 51/92 (https://dejure.org/1994,979)
BGH, Entscheidung vom 10.03.1994 - I ZR 51/92 (https://dejure.org/1994,979)
BGH, Entscheidung vom 10. März 1994 - I ZR 51/92 (https://dejure.org/1994,979)
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Produkthersteller - Beipackzettel - Redaktioneller Beitrag - Getarnte Werbung - Sittenwidrigkeit - Mithaftung
"Beipackzettel"; Mitverantwortung des Produktherstellers für eine redaktionelle Werbung
NJW 1994, 1536
GRUR 1994, 445
BB 1994, 961
DB 1994, 2443
afp 1994, 141
In einer Reihe von Entscheidungen hat der Senat ferner mit Blick auf die Eigenverantwortung der Presse für die redaktionelle Gestaltung der Zeitung oder Zeitschrift eine wettbewerbsrechtliche Haftung von Unternehmen verneint, die in Anspruch genommen worden waren, nachdem von ihnen an die Presse versandte (werbende) Produktinformationen unverändert als redaktionelle Beiträge veröffentlicht worden waren (…BGH, Urt. v. 18.2.1993 - I ZR 14/91, GRUR 1993, 561, 562 = WRP 1993, 476 - Produktinformation I; Urt. v. 10.3.1994 - I ZR 51/92, GRUR 1994, 445, 446 f. = WRP 1994, 400 - Beipackzettel;… Urt. v. 30.6.1994 - I ZR 167/92, GRUR 1994, 819, 821 = WRP 1994, 728 - Produktinformation II;… Urt. v. 18.10.1995 - I ZR 227/93, GRUR 1996, 71, 72 f. = WRP 1996, 98 - Produktinformation III).
Da sich die Veröffentlichung des beanstandeten Beitrags zwanglos ohne jede Mitwirkung der Beklagten erklären läßt, fehlt es auch an einer ausreichenden Grundlage für eine Vermutung, daß die Beklagte der Redaktion die Anzeige oder Informationen gezielt zur Veröffentlichung oder in einer Weise hat zukommen lassen, die die Annahme nahelegt, daß über die Produkte unter Verstoß gegen das Gebot der Trennung von redaktionellem Teil und Werbung berichtet werden sollte (…vgl. BGH, Urt. v. 18.10.1995 - I ZR 227/93, GRUR 1996, 71, 72 = WRP 1996, 98 - Produktinformation III;… Urt. v. 19.9.1996 - I ZR 130/94, GRUR 1997, 139, 140 = WRP 1997, 24, 26 - Orangenhaut; Urt. v. 10.3.1994 - I ZR 51/92, GRUR 1994, 445, 446 = WRP 1994, 400 - Beipackzettel).
Wie der erkennende Senat bereits mehrfach entschieden hat, ist zwar in der Veröffentlichung eines redaktionellen Beitrags, welcher ein Produkt über das durch eine sachliche Information bedingte Maß hinaus werbend darstellt, indem er beispielsweise trotz einer Vielzahl von Produkten entsprechender Art nur ein Erzeugnis nennt, in der Regel eine sittenwidrige Förderung fremden Wettbewerbs zu sehen (…vgl. BGH, Urt. v. 18.2.1993 - I ZR 14/91, GRUR 1993, 561, 562 = WRP 1993, 476 - Produktinformation I;… Urt. v. 18.2.1993 - I ZR 219/91, GRUR 1993, 565, 566 = WRP 1993, 478 Faltenglätter;… Urt. v. 3.2.1994 - I ZR 321/91, GRUR 1994, 441, 442 = WRP 1994, 398, 399 - Kosmetikstudio; Urt. v. 10.3.1994 - I ZR 51/92, GRUR 1994, 445, 446 = WRP 1994, 400, 40l - Beipackzettel;… Urt. v. 30.6.1994 - I ZR 167/92, GRUR 1994, 819, 820 = WRP 1994, 728 - Produktinformation II).
Insoweit unterscheidet sich der vorliegend zu beurteilende Fall doch noch in relevanter Weise von dem Sachverhalt, den der BGH in der Entscheidung "Beipackzettel (GRUR 1994, 445) zu beurteilen hatte.
Wie der erkennende Senat bereits mehrfach entschieden hat, bestehen keine rechtlichen Bedenken, in der Veröffentlichung eines redaktionellen Beitrags, welcher ein Produkt über das durch eine sachliche Information bedingte Maß hinaus werbend darstellt, indem er beispielsweise trotz einer Vielzahl von Produkten entsprechender Art nur ein Erzeugnis nennt, eine sittenwidrige Förderung fremden Wettbewerbs zu sehen (…vgl. BGH, Urt. v. 18.2.1993 - I ZR 14/91, GRUR 1993, 561, 562 = WRP 1993, 476 - Produktinformation I;… BGH, Urt. v. 3.2.1994 - I ZR 321/91, WRP 1994, 398, 399 - Kosmetikstudio; BGH, Urt. v. 10.3.1994 - I ZR 51/92, WRP 1994, 400, 401 - Beipackzettel).
Auch hier gilt der Grundsatz, dass der Verkehr der Information seitens eines am Wettbewerb nicht beteiligten Dritten größere Bedeutung beilegt und mehr Beachtung schenkt als der Werbung des Herstellers selbst (BGH a.a.O. "Faltenglätter" und BGH GRUR 1994, 445, 446 "Beipackzettel").
In Anwendung dieser Grundsätze hat der Bundesgerichtshof in seiner neueren Rechtsprechung vorinstanzliche Entscheidungen für rechtsfehlerfrei erachtet, die redaktionelle Beiträge als wettbewerbswidrig angesehen hatten, weil in ihnen in keiner Weise angedeutet war, daß neben dem allein benannten Erzeugnis noch eine Vielzahl entsprechender Produkte auf dem Markt angeboten wird (BGH GRUR 1994, 445, 446 = WRP 1994, 400, 401 - Beipackzettel; ähnlich BGH GRUR 1993, 561, 562 = WRP 1993, 476 - Produktinformation), weil bei einem Bericht über ein neu eröffnetes Kosmetikstudio dessen Vorzüge ohne - jede kritische Distanz in einer Weise lobend hervorgehoben worden waren, die bei dem Verkehr den Eindruck erweckte, daß von redaktioneller Seite ein Besuch dieses Betriebs geradezu empfohlen werde (BGH GRUR 1994, 441, 442 = WRP 1994, 398, 399 - Kosmetikstudio) oder weil ein Kosmetikpräparat ohne sachliche Berichterstattung unkritisch lobend reklamehaft angepriesen wurde (BGH GRUR 1993, 565, 566 = WRP 1993, 478, 479 - Faltenglätter).