Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/strafvereitelung-amt-dienstgeheimnis-3122795
Timestamp: 2020-02-19 09:36:27
Document Index: 75575926

Matched Legal Cases: ['§ 353', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 353', '§ 353', '§ 353', '§ 353', '§ 353', 'BGH', 'BGH', '§ 61', 'BGH', '§ 203', '§ 353', '§ 353', 'BGH', 'BGH', '§ 261']

Straf­ver­ei­te­lung im Amt – und das Dienst­ge­heim­nis | Rechtslupe
Dienst­ge­heim­nis­se im Sin­ne des § 353b Abs. 1 StGB sind tat­säch­li­che Gege­ben­hei­ten, die nur einem beschränk­ten Per­so­nen­kreis bekannt sind und die der Geheim­hal­tung bedür­fen.
Sie müs­sen dem betref­fen­den Amts­trä­ger im inne­ren Zusam­men­hang mit sei­ner Dienst­tä­tig­keit bekannt gewor­den sein 1.
Wer­den Tat­sa­chen, deren Kennt­nis nur einem bestimm­ten geschlos­se­nen Per­so­nen­kreis vor­be­hal­ten ist, wei­te­ren Per­so­nen bekannt, so geht deren Geheim­nis­cha­rak­ter dadurch noch nicht ver­lo­ren 2. Auch kommt es nicht dar­auf an, ob die Zahl der Mit­wis­ser bestimm­bar ist 3. Selbst ein noch unge­si­cher­tes und daher der Bestä­ti­gung bedür­fen­des "Bekannt­sein" einer Tat­sa­che hebt deren Geheim­nis­cha­rak­ter noch nicht auf 4.
Erst wenn eine geheim­hal­tungs­be­dürf­ti­ge Tat­sa­che einer unge­wis­sen Viel­zahl von Per­so­nen bekannt gewor­den ist und sich dadurch so ver­brei­tet hat oder auf ande­re Wei­se so zugäng­lich gewor­den ist, dass ein ver­stän­di­ger und erfah­re­ner Mensch ohne wei­te­res zuver­läs­sig von ihr Kennt­nis haben oder sich von ihr aus all­ge­mein zugäng­li­chen Quel­len unschwer über­zeu­gen kann, hat sie ihren Geheim­nis­cha­rak­ter ver­lo­ren 5.
Damit sah der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall ein Dienst­ge­heim­nis noch als gege­ben an: Zwar hat­te der Lei­ten­de Ober­staats­an­walt auf die Nach­fra­ge eines Redak­teurs der ört­li­chen Zei­tung die Exis­tenz und – jeden­falls in gro­ben Zügen – auch den Inhalt des anony­men Schrei­bens bestä­tigt und damit nicht nur den Kreis der Mit­wis­ser erwei­tert, son­dern auch die Grund­la­ge für eine sich auf eine zuver­läs­si­ge Quel­le stüt­zen kön­nen­de Pres­se­ver­öf­fent­li­chung geschaf­fen. Dadurch hat­te das anony­me Schrei­ben sei­nen Geheim­nis­cha­rak­ter aber noch nicht ver­lo­ren. Denn die Zei­tung hat erst spä­ter – im Zusam­men­hang mit den Ermitt­lun­gen wegen der hier beur­teil­ten Straf­ver­ei­te­lung im Amt – über den Vor­gang berich­tet, sodass die Exis­tenz und der Inhalt des anony­men Schrei­bens bis dahin weder einer unge­wis­sen Viel­zahl von Per­so­nen zuver­läs­sig bekannt, noch in dem oben dar­ge­stell­ten Sin­ne zugäng­lich gewor­den sind. Auch die Anfra­ge des Jour­na­lis­ten der Lan­des­zei­tung bei der Pres­se­stel­le der Kreis­po­li­zei­be­hör­de stellt den Geheim­nis­cha­rak­ter des anony­men Schrei­bens nicht in Fra­ge. Sie deu­tet zwar dar­auf hin, dass auch die­ser Jour­na­list Kennt­nis von dem Schrei­ben hat­te und damit ein (wei­te­rer) Mit­wis­ser außer­halb der Ermitt­lungs­be­hör­den war. Aber auch er hat im Tat­zeit­raum dar­über nicht berich­tet. Soweit das Land­ge­richt nicht aus­zu­schlie­ßen ver­mocht hat, dass es noch wei­te­re Per­so­nen außer­halb der Ermitt­lungs­or­ga­ne gab, die Kennt­nis von dem anony­men Schrei­ben und sei­nem Inhalt hat­ten, han­delt es sich um eine nicht auf Tat­sa­chen gestütz­te Annah­me. Es ist aber weder im Hin­blick auf den Zwei­fels­grund­satz noch sonst gebo­ten, zu Guns­ten des Ange­klag­ten Sach­ver­hal­te zu unter­stel­len, für deren Vor­lie­gen das Beweis­ergeb­nis kei­ne kon­kre­ten tat­säch­li­chen Anhalts­punk­te erbracht hat 6.
vgl. BGH, Urteil vom 09.12 2002 – 5 StR 276/​02, BGHSt 48, 126, 129; Urteil vom 23.03.2001 – 2 StR 488/​00, BGHSt 46, 339, 340 f. mwN; vgl. auch BGH, Urteil vom 15.11.2012 – 2 StR 388/​12, NStZ-RR 2013, 110, 111[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 08.11.1965 – 8 StE 1/​65, BGHSt 20, 342, 383; RG, Urteil vom 04.03.1940 – 2 D 31/​40, RGSt 74, 110, 111; Vormbaum in Leip­zi­ger Kom­men­tar zum StGB, 12. Aufl., § 353b Rn. 7; Graf in Mün­che­ner Kom­men­tar zum StGB, 2. Aufl., § 353b Rn. 22 mwN[↩]
vgl. RG, Urteil vom 04.03.1940 – 2 D 31/​40, RGSt 74, 110, 111[↩]
vgl. RG, Urteil vom 04.03.1940 – 2 D 31/​40, RGSt 74, 110, 111; Vormbaum, aaO, § 353b Rn. 7; Per­ron in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 353b Rn. 4; Graf, aaO, § 353b Rn. 23 mwN[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 09.12 2002 – 5 StR 276/​02, BGHSt 48, 126, 129 f. zu § 61 Abs. 1 Satz 2 BBG u.a.; und vom 08.10.2002 – 1 StR 150/​02, BGHSt 48, 28, 30 ff. zu § 203 StGB; Bosch in SSW-StGB, 3. Aufl., § 353b Rn. 4; Fischer, StGB, 64. Aufl., § 353b Rn. 13 mwN[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 29.09.2016 – 4 StR 320/​16, NStZ-RR 2016, 380, 381; Urteil vom 18.09.2009 – 5 StR 224/​08, BGHR StPO § 261 Beweis­wür­di­gung, unzu­rei­chen­de 20[↩]
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