Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=2%20BvR%201610/03
Timestamp: 2018-10-22 15:29:00
Document Index: 381885652

Matched Legal Cases: ['Art 19', 'BGH', 'Art. 19', 'Art. 97', 'EuG', 'EGMR', 'BGH', 'BGH', 'Art. 19']

BVerfG, 29.03.2005 - 2 BvR 1610/03 - dejure.org
Effektivität des Rechtsschutzes; Gewährung in angemessener Zeit (Bedeutung der Sache; Schwierigkeit des Falles; Verhalten der Beteiligten; nicht beeinflussbare Verzögerungen durch Gutachter; kein Berufen auf angespannte Personalsituation); Ermessen des Richters bei der Bearbeitung anhängiger Verfahren (kein Gestaltungsspielraum bei gerichtlicher Feststellung einer rechtswidrigen Untätigkeit); Strafvollzug (Genehmigung der Teilnahme an der beruflichen Weiterbildung oder Ausbildung)
Verletzung von GG Art 19 Abs 4 durch Untätigkeit des zu einer Entscheidung in Strafvollzugsangelegenheiten berufenen Fachgerichts
Rechtsschutz gegen Untätigkeit von Richtern an Fachgerichten; Erfassung eines zeitnahen Rechtsschutzes von der verfassungsrechtlichen Gewähr der Effektivität des Rechtsschutzes; Pflicht des Gesetzgebers die zum effektiven Rechtsschutz erforderlichen Rahmenbedingungen herzustellen; Pflicht zum Ausschluss von Fehlerrisiken im Rahmen des gesetzlich ausgestalteten Rechtssystems
"Untätigkeit des Gerichts”. Müssen Gerichte doch privatisiert werden?
Grundrechtsverletzung durch untätiges Gericht
123recht.net (Kurzinformation, 7.4.2005)
Richterliche Untätigkeit: Strafgefangener vor Bundesverfassungsgericht erfolgreich // Recht auf effektiven Rechtsschutz trotz einer Vielzahl von Anträgen verletzt
strafvollzugsarchiv.de (Kurzanmerkung)
Untätigkeit einer Strafvollstreckungskammer
LG Hamburg - 609 Vollz 152/00
BVerfGK 5, 155
NJW 2005, 3488
Dans l'affaire no 2 BvR 1610/03 (décision du 29 mars 2005), le tribunal régional de Hambourg, chambre de l'application des peines, était resté inactif malgré plusieurs demandes d'accélération et une décision de la cour d'appel de Hambourg qui avait constaté que la durée de la procédure était illicite.
Zur Ausübung seiner verfahrensgestaltenden Befugnisse ist dem Gericht - auch im Hinblick auf die richterliche Unabhängigkeit - ein Gestaltungsspielraum zuzubilligen (vgl. BVerfG, Beschlüsse vom 29. März 2005 - 2 BvR 1610/03 - NJW 2005, 3488 …und vom 1. Oktober 2012 a.a.O. jeweils m.w.N.; vgl. auch BGH…, Urteil vom 4. November 2010 a.a.O.).
Landesregierung und Haushaltsgesetzgeber haben daher die Einhaltung einer angemessenen Verfahrensdauer durch die Organisation der Gerichtsbarkeit und deren personelle und sächliche Ausstattung sicherzustellen (vgl. BVerfGE 36, 264, 275; BVerfGK 5, 155, 159;… Beschluss vom 2. Juli 2003 - 2 BvR 273/03 -, juris Rn. 13).
Die Pflicht, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, damit Gerichtsverfahren innerhalb angemessener Frist beendet werden können, ergibt sich nicht allein aus Art. 19 Abs. 4 GG (dazu BVerfG, Kammerbeschluss vom 04.11.2010 - 1 BvR 3389/08 - juris RdNr. 82; Kammerbeschluss vom 29.03.2005 - 2 BvR 1610/03 - juris RdNr. 13; Kammerbeschluss vom 14.10.2003 - 1 BvR 901/03 - juris RdNr. 10).
Die Dauer eines Verfahrens hängt vielmehr stets von dem Einzelfall ab, wobei das Gericht im Hinblick auf den in Art. 97 Abs. 1 GG ebenfalls verfassungsrechtlich abgesicherten Grundsatz der richterlichen Unabhängigkeit über einen Ermessensspielraum hinsichtlich der konkreten zeitlichen Gestaltung des Verfahrens verfügt (BVerfG, Beschl. v. 16.12.1980 - 2 BvR 419/80 -, BVerfGE 55, 349, 369 = NJW 1981, 1499, 1500; Beschl. v. 16.5.1995 - 1 BvR 1087/91 -, BVerfGE 93, 1, 13 = NJW 1995, 2477; Beschl. v. 29.3.2005 - 2 BvR 1610/03 -, NJW 2005, 3488, 3489).
Lediglich in "Ausreißerfällen" kann die Feststellung getroffen werden, dass die Untätigkeit eines Gerichts rechtswidrig war (BVerfG, Beschl. v. 29.3.2005 - 2 BvR 1610/03 -, a. a. O.;… LG München I, Urt. v. 12.1.2005 - 9 O 17286/03 -, EuGRZ 2006, 308: 4 Jahre 7 Monate; BVerfG, Beschl. v. 17.11.1999 - 1 BvR 1708/99 -, NJW 2000, 797: 15 Jahre;… EGMR, Urt. v. 8.6.2006 - 75529/01 -, NJW 2006, 2389: 16, 5 Jahre;… BGH, Urt. v. 11.1.2007 - III ZR 302/05 -, BGHZ 170, 260 = DVBl. 2007, 908: Grundbucheintragung erst nach über eineinhalb Jahren).
Diese Grundsätze sind vom Bundesverfassungsgericht erst kürzlich wieder mit Beschluss vom 29. März 2005 (2 BvR 1610/03) bestätigt worden.
Zur Ausübung seiner verfahrensgestaltenden Befugnisse ist dem Gericht - auch im Hinblick auf die richterliche Unabhängigkeit - ein Gestaltungsspielraum zuzubilligen (vgl. BVerfG, B. v. 29.3.2005 - 2 BvR 1610/03 - NJW 2005, 3488, v. 1.10.2012 - 1 BvR 170/06 - NVwZ 2013, 789 jeweils m. w. N.).
Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (vgl. Beschluss vom 29. März 2005 - 2 BvR 1610/03 - NJW 2005, 3488) erfordert Art. 19 Abs. 4 GG, dass Rechtsschutz innerhalb angemessener Zeit gewährt wird.
Der Staat muss alle notwendigen Maßnahmen treffen, damit Gerichtsverfahren innerhalb angemessener Zeit beendet werden können (vgl. BVerfG, Beschluss vom 29. März 2005, a.a.O., S. 3489).
KG, 20.04.2005 - 5 Ws 190/05
Strafvollzug: Auswirkung der Fristüberschreitung für Stellungnahme durch …
BVerfG, 21.09.2005 - 2 BvR 422/05
LSG Thüringen, 28.04.2005 - L 6 B 85/04
Statthaftigkeit der Beschwerde gegen die Untätigkeit des Sozialgerichts (hier: …