Source: http://auschwitz-prozess.de/index.php?show=Krauch-Carl
Timestamp: 2019-01-22 14:19:48
Document Index: 297881871

Matched Legal Cases: ['§ 241', '§ 239', '§ 239', '§ 240', '§ 239', '§ 239', '§ 240']

Herr Zeuge, ich habe hier eine beglaubigte Fotokopie einer eidesstattlichen Erklärung vorliegen. Die beginnt mit den Worten: »Ich, Carl Krauch, wohnhaft in Heidelberg«. Wenn Sie sich die einmal ansehen wollten und uns sagen wollten, ob diese Erklärung von Ihnen stammt.1 [Pause]
Herr Zeuge, Ihnen wurde die eidesstattliche Versicherung vorgelegt, die Sie unterschrieben haben, die Sie als richtig anerkannt haben. Da heißt es in Ziffer 3: »Die IG Farben konnte zur Errichtung einer Buna-Fabrik an sich nicht gezwungen werden. Das Reichswirtschaftsministerium trat an sie mit dem diesbezüglichen Antrag heran.« 2 Stimmt das?
»Die Abhängigkeit des Lagerbetriebes von wirtschaftlichen Interessen und die Lebensbedingungen der Häftlinge im Konzentrationslager Auschwitz« 3
Ich gehe weiter und halte Ihnen folgendes vor: »Bütefisch zusammen mit Dürrfeld verhandelten dann mit SS-Obergruppenführer Wolff über die Frage des Einsatzes von KZ-Häftlingen im IG Buna-Werk Auschwitz. Bütefisch erklärte mir nach der Besprechung mit SS-Obergruppenführer Wolff, er hätte sich mit ihm auf einer befriedigenden Basis geeinigt.« 4
Haben Sie den Antrag gestellt, daß erstens die jüdische Bevölkerung in Auschwitz raschestens auszusiedeln ist, die Wohnungen freizumachen sind und für die Unterbringung der Beamten und Angestellten des Buna-Werkes sicherzustellen sind?5
da sie nicht zur Sache gehören. Für die Frage, ob die des Mordes oder der Beihilfe zum Mord Angeklagten im Sinne des Eröffnungsbeschlusses schuldig sind oder nicht, ist die Aufklärung der wirtschaftlichen Beziehungen der IG Farbenindustrie zu der SS-Führung ohne Bedeutung.« 6
Nein, Herr Rechtsanwalt Doktor Kaul, der Vorhalt stimmt nicht. Ich habe den Zeugen gefragt, ob ihm bekannt gewesen ist, daß derartige Aussonderungen auf Befehl des Angeklagten Mulka und Höcker vorgenommen worden sind, genau wie es in Ihrem Beweisantrag7 auch drinsteht. Diese Frage habe ich gestellt, und daraufhin hat er gesagt: »Nein, das weiß ich nicht.«
»Weiter sagte Obersturmbannführer Maurer zu, daß alle schwachen Häftlinge abgeschoben werden können, so daß die Gewähr für eine fast volle Leistung, verglichen mit einem deutschen Hilfsarbeiter, herausgeholt werden kann.« 8
241 [+ zu]. Ich bin mir im klaren, daß man nicht etwa eine ausdehnende Auslegung einer solchen Bestimmung vornehmen kann. Aber gegen die mißbräuchliche Ausübung eines an sich zustehenden Rechts ist ja in jedem Fall, gleich ob im Strafprozeß oder im Zivilprozeß, ein Mittel gegeben. Denn eine mißbräuchliche Ausübung ist nicht gestattet.9
Die übrigen von dem Vertreter der Nebenklage gestellten Fragen, denen von seiten der Verteidigung widersprochen wurde, werden zurückgewiesen, da sie nicht zur Sache gehören und auch nicht zur Überprüfung der Glaubwürdigkeit des Zeugen dienen.« 10
Mit wem ist auf seiten der SS von der IG Farbenindustrie wegen der Versorgung des Buna-Werkes mit KZ-Häftlingen verhandelt worden?11
1. Vgl. eidesstattliche Erklärung vom 13.02.1947, Nürnberger Dokument NI-4033, Dokument 2a, Beweisantrag von Nebenklagevertreter Kaul vom 08.05.1964, Anlage 1 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 11.05.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 98.
2. Vgl. eidesstattliche Erklärung vom 13.02.1947, Nürnberger Dokument NI-4033, Bl. 1, Dokument 2a, Beweisantrag von Nebenklagevertreter Kaul vom 08.05.1964, Anlage 1 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 11.05.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 98.
3. Vgl. Beweisantrag von Nebenklagevertreter Kaul vom 05.02.1965, Anlage 1 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 05.02.1965, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 108.
4. Vgl. eidesstattliche Erklärung vom 13.02.1947, Nürnberger Dokument NI-4033, Bl. 2, Dokument 2a, Beweisantrag von Nebenklagevertreter Kaul vom 08.05.1964, Anlage 1 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 11.05.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 98.
5. Vgl. Görings Weisung vom 18.02.1941 betr. »Bevölkerungspolitische Maßnahmen für das Buna-Werk Auschwitz in Ostoberschlesien«. Der Zeuge Krauch hat nach den Erkenntnissen der Forschung bei Göring die Weisung veranlasst. Vgl. Bernd C. Wagner: IG Auschwitz. Zwangsarbeit und Vernichtung von Häftlingen des Lagers Monowitz 1941-1945. München: K. G. Saur Verlag, 2000, S. 51.
6. Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 19.02.1965, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 108, Bl. 1.175 ff.
7. Vgl. Beweisantrag von Nebenklagevertreter Kaul vom 05.02.1965, Anlage 1 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 05.02.1965, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 108.
8. »Wochenbericht 90/91 für die Zeit vom 8.2. – 21.2.1943«, Dokument 11, Beweisantrag von Nebenklagevertreter Kaul vom 08.05.1964, Anlage 1 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 11.05.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 98.
9. StPO § 241: »1. Dem, welcher im Falle des § 239 Abs. 1 die Befugnis der Vernehmung mißbraucht, kann sie von dem Vorsitzenden entzogen werden. 2. In den Fällen des § 239 Abs. 1 und des § 240 Abs. 2 kann der Vorsitzende ungeeignete und nicht zur Sache gehörende Fragen zurückweisen.« Vgl. §§ 239 und 240 StPO: § 239: »1. Die Vernehmung der von der Staatsanwaltschaft und von dem Angeklagten benannten Zeugen und Sachverständigen ist der Staatsanwaltschaft und dem Verteidiger auf deren übereinstimmenden Antrag von dem Vorsitzenden zu überlassen. Bei den von der Staatsanwaltschaft benannten Zeugen und Sachverständigen hat diese, bei den von dem Angeklagten benannten der Verteidiger in erster Reihe das Recht zur Vernehmung. 2. Der Vorsitzende hat auch nach dieser Vernehmung die ihm zur weiteren Aufklärung der Sache erforderlich scheinenden Fragen an die Zeugen und Sachverständigen zu richten.« § 240: »1. Der Vorsitzende hat den beisitzenden Richtern auf Verlangen zu gestatten, Fragen an den Angeklagten, die Zeugen und die Sachverständigen zu stellen. 2. Dasselbe hat der Vorsitzende der Staatsanwaltschaft, dem Angeklagten und dem Verteidiger sowie den Geschworenen und den Schöffen zu gestatten. Die unmittelbare Befragung eines Angeklagten durch einen Mitangeklagten ist unzulässig.«.
10. Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 19.02.1965, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 108, Bl. 1.180.
11. Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 19.02.1965, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 108, Bl. 1.181.