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Timestamp: 2019-07-19 22:53:08
Document Index: 91431621

Matched Legal Cases: ['§ 249', '§ 313', '§ 398', '§ 249', '§ 632', '§ 315', '§ 286', '§ 91']

Amtsrichter der 105. Zivilabteilung des AG Leipzig verurteilt erneut die HUK-COBURG Allgemeine Versicherung AG zur Zahlung rechtswidrig gekürzter Sachverständigenkosten mit Urteil vom 16.4.2015 – 105 C 5168/14 -. | Captain HUK
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Publiziert am 3. Juli 2015 von Willi Wacker
zum bevorstehenden heißen Wochenende veröffentlichen wir für Euch hier die Nr. 5 aus der Leipziger Urteilssammlung zu den Sachverständigenkosten aus abgetretenem Recht gegen die HUK-COBURG. „Business as usual“ herrscht offenbar in Leipzig vor. Die HUK-COBURG betreibt nach wie vor – trotz der vielen gegen sie ergangenen Urteile – unbeirrt ihre Kürzungsgeschäfte weiter und fällt auch weiterhin auf die Nase. Nach wie vor muss sie die Kosten der Rechtsstreite wegen rechtswidriger Schadensersatzkürzungen nach unverschuldeten Verkehrsunfällen tragen. Wahrlich ein unwirtschaftliches Unternehmen. Es herrscht aber auch beim Gericht das übliche Rechtsprechungsgeschäft. Immer wieder muss das erkennende Gericht wegen der rechtswidrigen Kürzungen durch die HUK-COBURG diese zur Zahlung des vollständigen Schadensersatzes gemäß § 249 II 1 BGB verurteilen. Eben „business as usual“, und zwar auch auf beiden Seiten. Die eine ist rechtsberatungsresistent und die andere ist konsequent. Lest aber selbst das Urteil des AG Leipzig vom 16.4.2015 und gebt anschließend bitte Eure Kommentare ab.
Aktenzeichen: 105 C 5168/14
Verkündet am: 16.04.2015
HUK-COBURG-Allgemeine Versicherung AG, Bahnhofsplatz, 96450 Coburg, vertreten durch den Vorstand Dr. Wolfgang Weiler
auf Grund der mündlichen Verhandlung vom 08.01.2015 am 16.04.2015
1. Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin € 98,52 zzgl. Zinsen i.H.v. 5 Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz seit dem 02.10.2010 zu zahlen sowie die Klägerin von weiterer außergerichtlicher Rechtsanwaltsvergütung der Rechtsanwälte Lange. Schurig i.H.v. € 70,20 (netto) zzgl. Zinsen i.H.v. 5 Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz seit dem 08.01.2011 durch Zahlung an die Prozessbevollmächtigten der Klägerin freizustellen.
Der Streitwert beträgt € 98,52
entfällt gem. § 313a Abs. 1 ZPO
Die zulässige Klage ist vollumfänglich aus §§ 398 ff. BGB, 7 ff. StVG, 823 BGB, 115 VVG i. V. m. § 249 BGB begründet.
Das Amtsgericht Leipzig hat bereits mit seinen Urteilen vom 02.08.2007 (Az.: 105 C 8014/06), 28.06.2007 (Az.: 105 C 643/06), 14.06.2007 (Az.: 105 C 203/07), 14.06.2007 (Az.: 105 C 204/07), 12.07.2007 (Az.: 105 C 2159/07), 19.02.2009 (Az.: 105 C 1288/08), und 18.08.2011 (Az.: 105 C 667/11) sowie vom 15.01.2015 (Az.: 105 C 5162/14) entschieden, dass eine Beklagte als Haftpflichtversicherung eines Kraftfahrzeuges unter den in den jeweiligen Urteilen festgelegten Prämissen zur Zahlung der Kosten des Sachverständigengutachtens verpflichtet ist.
Es wird ergänzend hingewiesen, dass der Bundesgerichtshof bereits in seinem Urteil vom 04.04.2006 in der Fassung des Berichtigungsbeschlusses vom 16.05.2006 (Az.: X ZR 122/05) grundsätzlich festgestellt hat, dass ein Vertrag, nach dem ein Sachverständiger ein Gutachten über die Höhe eines Kraftfahrzeugunfallschadens zu erstatten hat, ein Werkvertrag ist und für die Bemessung der Vergütung des Sachverständigen der Inhalt der zwischen den Parteien getroffenen Vereinbarung maßgeblich ist, wobei nach § 632 BGB – in dieser Reihenfolge – ihre tatsächliche Absprache, eine eventuell vorliegende Taxe oder die übliche Vergütung den Inhalt der Vereinbarung bestimmen.
Andererseits ist die verbleibende Vertragslücke nach den Grundsätzen über die ergänzende Vertragsauslegung zu schließen, für die Gegenstand und Schwierigkeit der Werkleistung und insbesondere die mit dem Vertrag verfolgten Interessen der Parteien von Bedeutung sein können.
Nur wenn sich auf diese Weise eine vertraglich festgelegte Vergütung nicht ermitteln lässt, kann zur Ergänzung des Vertrages auf die Vorschriften der §§ 315 ff. BGB zurückgegriffen werden.
Der Bundesgerichtshof hat weiter festgelegt, dass ein Sachverständiger, der für Routinegutachten eine an der Schadenhöhe orientierte angemessene Pauschalierung seiner Honorare vornimmt, die Grenzen des ihm vom Gesetz eingeräumten Gestaltungsspielraumes grundsätzlich nicht überschreitet.
Er hat weiter in den Gründen ausgeführt, dass, wenn sich nach einer festen Übung Spannen für Leistungen, wie die Leistungen der Schadengutachter für Kraftfahrzeugschäden auch für überregional tätige Auftraggeber, wie Versicherungen, allgemein herausgebildet haben, die Feststellung, welche Vergütung üblich ist, dem nicht entgegen steht, dass sich an einem bestimmten Orte eine feste Übung nicht gesondert feststellen lässt.
Nach dem zu Grunde liegenden Sachverhalt haben die … und die Klägerin unstreitig beim Vertragsschluss vereinbart, dass die im Sachverständigenbüro ausliegende Honorartabelle Vertragsbestandteil des Sachverständigenauftrags vom 19.08.2010 ist und als Abrechnungsgrundlage des Sachverständigenhonorars dienen soll.
Diese Honorartabelle ist nach Schadenhöhen der Bruttoreparaturkosten gestaffelt, wobei ggf. bei einer Wertminderung diese hinzu zu addieren ist, im Fall des wirtschaftlichen Totalschadens der Brutto-Wiederbeschaffungswert.
Der Bundesgerichtshof hat in der oben zitierten Entscheidung ausdrücklich festgestellt, dass nicht von Amts wegen ein „gerechter“ Preis zu ermitteln ist; vielmehr geht es grundsätzlich darum, ob die getroffene Bestimmung des Sachverständigenhonorars sich noch in den Grenzen der Billigkeit hält und erst dann, wenn der Berechtigte die ihm durch die Billigkeit gesetzten Grenzen der Preisbemessung überschritten hat, die Bestimmung durch die Entscheidung des Gerichts zu ersetzen ist.
Die Vereinbarung der Parteien ist bindend, da Anhaltspunkte für eine sittenwidrige Preisvereinbarung nicht ersichtlich bzw. substantiiert dargetan sind. Auch sonstige Nichtigkeitsgründe sind nicht erkennbar.
Insoweit wird ergänzend auf die Entscheidungen des Landgerichts Leipzig vom 14.10.2005 (Az.: 16 S 238/05) = Amtsgericht Leipzig (Az.: 113 C 7019/04 und vom 19.02.2006 (Az.: 12 S 549/05) = Amtsgericht Leipzig (Az.: 117 C 13084/04) verwiesen.
Anhaltspunkte, von den grundsätzlichen Entscheidungen dieses Gerichts als auch von den anderen Referaten des Amtsgerichts Leipzig bzw. der Berufungskammern abzuweichen, sind nicht ersichtlich.
Auch die weiterführenden Ausführungen der Beklagten führen im Ergebnis nicht zum Erfolg, da ein Missverhältnis zwischen den entstandenen Schaden und der Höhe des Gutachterhonorars der Klägerin nicht erkennbar ist.
Ausführungen der Beklagten zur „Mietwagenproblematik“ gehen fehl.
Gerade bei der sachverständigen Untersuchung von Kraftfahrzeugen, die im Straßenverkehr auch ein erhebliches – technisches – Gefahrenpotential darstellen, kommt es darauf an, dass im Fall des Eintritts eines Schadens dieser mit der gebotenen Sorgfalt und Sachkunde festgestellt und untersucht wird.
Pauschalierungen der Beklagten auf anderweitige untergerichtliche Entscheidungen überzeugen nicht.
Insbesondere wird auch im Hinblick auf die von der Beklagten gerügten Nebenkosten auf die Entscheidung diese Gerichtes vom 28.06.2007 (Az.: 105 C 10643/06) verwiesen. Die weitergehenden ausführlichen Ausführungen der Parteien zum Sachverständigenhonorar und auch den neueren Entscheidungen sowohl des Bundesgerichtshofs als auch des Oberlandesgerichts Dresden führen zu keiner anderen Betrachtungsweise.
Der Klage musste daher stattgegeben werden.
Die zuerkannten Nebenforderungen beruhen auf §§ 286, 288 Abs. 1 BGB.
Die prozessualen Nebenentscheidungen fußen in §§ 91, 708 Nr. 11, 713 ZPO.
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3. Juli 2015 um 17:57
Das sagte der Beklagten-Anwalt, der in Leipzig und auch in Halle tätig ist, in einem Nebensatz: „in Leipzig gibt es nichts mehr zu gewinnen“. Trotzdem wird von Ihm alles bestritten, jedoch fällt in Leipzig kein ehrenwerter Richter mehr auf diesen unseriösen und rechtswidrigen Kürzungsunsin rein. Die Sachsen haben halt die Trickserei durchschaut. Doch warum gibt es keine aktive Aufsicht die diesen dokumentierten Bösen auf die Finger Haut?
5. Juli 2015 um 12:37
Vielleicht hilft es, wenn das Gericht konsequent die Anordnung des persönlichen Erscheinens der Parteien zur Aufklärung des Sachverhalts anordnet. Mag der Vorstand (oder der Sachbearbeiter) jeweils erläutern, was genau es mit den Kürzungen auf sich hat. Jeden Sitzungstag eine Sache um 9.00 Uhr, die nächste Sache um 12.00 Uhr. Dann ist der Sachbearbeiter einen halben Tag außer Gefecht gesetzt. Nächste Woche dann das gleiche noch einmal.
Der Prozeßbevollmächtigte der Versicherung wird den Sachverhalt im Termin sicherlich nicht aufklären können. Falls er es doch versucht, riskiert er ein Ordnungsgeld für seine Mandantin.
Würde das AG diese Vorgehensweise konsequent durchziehen, würde sich das Regulierungsverhalten in Leipzig wahrscheinlich ändern.
Versicherungen kürzen (unberechtigt), so lange es sich lohnt. Also muß man dafür sorgen, daß die Kürzungsversuche so teuer werden, daß sie sich nicht mehr lohnen…