Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/wirtschaftsstrafrecht/kaufpreisminderungen-und-der-subventionsbetrug-durch-unterlassen-384419
Timestamp: 2020-02-17 12:07:18
Document Index: 86539314

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 255', '§ 255', '§ 264', '§ 264', '§ 264', '§ 4', '§ 6', '§ 263', '§ 264', '§ 263', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Kauf­preis­min­de­run­gen – und der Sub­ven­ti­ons­be­trug durch Unter­las­sen | Rechtslupe
Kaufpreisminderungen - und der Subventionsbetrug durch Unterlassen
Kauf­preis­min­de­run­gen – und der Sub­ven­ti­ons­be­trug durch Unter­las­sen
Sub­ven­ti­ons­er­heb­lich sind nach § 2 Abs. 5 Inves­ti­ti­ons­zu­la­gen­ge­setz 1999 jeden­falls die Anschaf­fungs­kos­ten für die gelie­fer­ten Anla­gen.
Der Begriff der Anschaf­fungs­kos­ten, der nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung § 255 Abs. 1 HGB zu ent­neh­men ist 1, umfasst die Auf­wen­dun­gen, die geleis­tet wer­den, um einen Ver­mö­gens­ge­gen­stand zu erwer­ben und ihn in einen betriebs­be­rei­ten Zustand zu ver­set­zen, soweit sie dem Ver­mö­gens­ge­gen­stand ein­zeln zuge­ord­net wer­den kön­nen. Abzu­zie­hen sind Anschaf­fungs­preis­min­de­run­gen (§ 255 Abs. 1 Satz 3 HGB).
Dar­un­ter sind nicht nur Kauf­preis­nach­läs­se, son­dern ganz all­ge­mein Ermä­ßi­gun­gen der Anschaf­fungs­kos­ten und damit auch Rück­flüs­se von im Zusam­men­hang mit dem Erwerb geleis­te­ten Auf­wen­dun­gen zu ver­ste­hen, die nicht sofort abzieh­bar, son­dern auf die Zeit der Nut­zungs­dau­er des Wirt­schafts­guts zu ver­tei­len gewe­sen wären 2.
Der Tatrich­ter hät­te für einen Frei­spruch hier dar­le­gen und erör­tern müs­sen, inwie­weit es sich nicht in Wirk­lich­keit um eine Ermä­ßi­gung der Anschaf­fungs­kos­ten gehan­delt hat.
Etwas ande­res gilt frei­lich in Bezug auf die betrof­fe­ne För­der­maß­nah­me – Gemein­schafts­auf­ga­be "Ver­bes­se­rung der regio­na­len Wirt­schafts­struk­tur" . Hier­für stellt kei­ne sub­ven­ti­ons­er­heb­li­chen Tat­sa­chen i. S. von § 264 Abs. 8 StGB dar.
Sub­ven­ti­ons­er­heb­lich sind nur sol­che Tat­sa­chen, die durch Gesetz oder auf­grund eines Geset­zes vom Sub­ven­ti­ons­ge­ber als sub­ven­ti­ons­er­heb­lich bezeich­net sind (§ 264 Abs. 8 Nr. 1 StGB) oder von denen die Bewil­li­gung, Gewäh­rung, Rück­for­de­rung, Wei­ter­ge­wäh­rung oder das Belas­sen einer Sub­ven­ti­on oder eines Sub­ven­ti­ons­vor­teils gesetz­lich abhän­gig ist (§ 264 Abs. 8 Nr. 2 StGB). Die Sub­ven­ti­ons­er­heb­lich­keit muss sich fol­ge­rich­tig aus einem Gesetz (im for­mel­len oder mate­ri­el­len Sin­ne), d.h. einem Bun­des- oder Lan­des­ge­setz oder einer Rechts­ver­ord­nung, erge­ben; die Bezeich­nung als "sub­ven­ti­ons­er­heb­lich" in Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten, Richt­li­ni­en etc. genügt jedoch nicht 3.
An einer sol­chen gesetz­li­chen Anknüp­fung fehlt es aber bei Sub­ven­ti­ons­ver­ga­ben im Rah­men der Gemein­schafts­auf­ga­be "Ver­bes­se­rung der regio­na­len Wirt­schafts­struk­tur". Weder das Sub­ven­ti­ons­ge­setz noch das Gesetz über die Gemein­schafts­auf­ga­be "Ver­bes­se­rung der regio­na­len Wirt­schafts­struk­tur" vom 06.10.1969 4 ent­hal­ten kon­kre­te Hin­wei­se auf die Anknüp­fung der­ar­ti­ger För­der­mit­tel im All­ge­mei­nen bzw. des Inves­ti­ti­ons­zu­schus­ses im Beson­de­ren an die Anschaf­fungs­kos­ten. Sub­ven­ti­ons­er­heb­li­che Tat­sa­chen erge­ben sich allen­falls aus dem nach § 4 des Geset­zes über die Gemein­schafts­auf­ga­be "Ver­bes­se­rung der regio­na­len Wirt­schafts­struk­tur" (in der bis zum 13.09.2007 gel­ten­den Fas­sung) auf­ge­stell­ten Rah­men­plan des nach § 6 die­ses Geset­zes zusam­men tre­ten­den Pla­nungs­aus­schus­ses aus Mit­glie­dern der Bun­des- und Lan­des­re­gie­run­gen oder wei­te­ren, im Zusam­men­hang mit der För­de­rung ste­hen­den kon­kre­ten Ver­wal­tungs­be­stim­mun­gen 5. Dies genügt jedoch eben­so wenig wie der aus­weis­lich der Urteils­fest­stel­lun­gen in den Zuwen­dungs­be­schei­den ent­hal­te­ne Hin­weis "auf die Sub­ven­ti­ons­er­heb­lich­keit der Anga­ben" 6.
Soweit – was nahe­liegt – auch die Anschaf­fungs­kos­ten zu den aus­weis­lich der För­de­rungs­be­schei­de sub­ven­ti­ons­er­heb­li­chen "Anga­ben" zähl­ten, ist jedoch eine Straf­bar­keit der Ange­klag­ten wegen Betru­ges (§ 263 Abs. 1 StGB) zu prü­fen. Kommt die für sich genom­men abschlie­ßen­de Son­der­re­ge­lung des § 264 StGB nicht in Betracht, lie­gen aber die Vor­aus­set­zun­gen des (ver­such­ten) Betru­ges vor, lebt die Straf­bar­keit nach § 263 StGB wie­der auf 7.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Okto­ber 2014 – 1 StR 114/​14
vgl. BFH, Urteil vom 26.03.1992 – – IV R 74/​90, BB 1992, 2471 f.; für den par­al­le­len Begriff der Her­stel­lungs­kos­ten auch BFH, Urtei­le vom 20.08.2013 – – IX R 5/​13, BFH/​NV 2014, 312 ff.; vom 04.07.1990 – GrS 1/​89, BB 1990, 1886 ff.[↩]
BFH, Urteil vom 20.08.2013 – – IX R 5/​13, BFH/​NV 2014, 312 ff.[↩]
vgl. bereits BGH, Urteil vom 11.11.1998 – 3 StR 101/​98, BGHSt 44, 233, 237[↩]
BGBl. I, S. 1861[↩]
vgl. bereits Thü­rO­LG, Beschluss vom 01.11.2006 – 1 Ws 290/​06, StV 2007, 417 (nur Ls.); näher Kali­gin, BB 2009, 524 ff.[↩]
vgl. bereits BGH aaO; OLG Thü­rin­gen aaO[↩]
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