Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=8%20C%2043/83
Timestamp: 2019-03-19 22:10:05
Document Index: 44183188

Matched Legal Cases: ['§ 42', '§ 137', '§ 9', '§ 8', 'BGH', '§ 8', '§ 72', '§ 8', '§ 8', '§ 72', '§ 8', '§ 8', '§ 184', '§ 8', '§ 9', '§ 8', '§ 8', '§ 6', '§ 8', '§ 9', '§ 8', '§ 9', '§ 8', '§ 5', '§ 8', 'BGH', 'BGH', '§ 72', '§ 8', '§ 8', 'BGH']

Rechtsprechung: 8 C 43/83 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: BVerwG, 09.12.1985
Klagebefugnis von Mietern einer öffentlich geförderten Wohnung bei Erteilung einer Mieterhöhungsgenehmigung für den Vermieter - Mietpreisbindung öffentlich subventionierter Wohnungen - Beteiligung der Mieter am Genehmigungsverfahren zur Erhöhung der Durchschnittsmiete
VwGO § 42 Abs. 2, § 137 Abs. 1 Nr. 1
VG Minden, 12.02.1979 - 5 K 1708/77
OVG Nordrhein-Westfalen, 28.10.1981 - 14 A 971/79
BVerwG, 09.12.1985 - 8 C 43.83
BVerwGE 72, 226
NJW 1986, 1628
NVwZ 1986, 555 (Ls.)
ZMR 1986, 136
WM 1986, 165
WM 1986, 179
DVBl 1986, 559
DÖV 1976, 438
DÖV 1986, 438
Das Bundesverwaltungsgericht hat darauf seit jeher mit Nachdruck hingewiesen und aus diesem Grunde in ständiger Rechtsprechung sogar Klagen gegen behördliche Zustimmungen oder Genehmigungen zu privaten Rechtsgeschäften ohne eine angemessen deutliche Willensäußerung des Gesetzgebers in Richtung auf eine Zweigleisigkeit der Rechtsverfolgung für unzulässig erachtet, wenn der Betroffene die Einwendungen, mit denen er die Genehmigung oder Zustimmung abzuwehren sucht, in dem wegen des privaten Rechtsverhältnisses vor den ordentlichen Gerichten zu führenden Prozeß erheben kann (vgl. u. a. Urteile vom 8. März 1985 - BVerwG 8 C 88.82 - Buchholz 454.32 § 9 WoBindG 1974 Nr. 1 S. 1 [3 f.] und vom 15. November 1985 - BVerwG 8 C 43.83 - Buchholz 454, 32 § 8 a WoBindG 1974 Nr. 2 S. 1 [4 f.]) jeweils m.w.N.).
Das Landgericht, das nicht dem besagten Rechtsentscheid, sondern der abweichenden Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil vom 15.11.1985, BVerwGE 72, 226 = NJW 1986, 1628 = WuM 1986, 179 = DÖV 1986, 438 ) folgen will, legt dem Senat deshalb folgende Frage zum Rechtsentscheid vor:.
Dieser Rechtsentscheid ist auf Ablehnung gestoßen, sowohl in der Literatur (vgl. etwa Eisel und Nagler, WuM 1984, 325 ff.; Zimmermann und Bittmann, WuM 1985, 383 ff.) als auch in der Rechtsprechung (BVerwGE 72, 226 = NJW 1986, 1628 ; der BGH hat sich in einer Entscheidung vom 18.2.1987 - BBauBl 1987, 598 - noch nicht festgelegt).
Dem letzteren Bedenken hat das Bundesverwaltungsgericht zusätzliches Gewicht verliehen, indem es durch seine Entscheidung vom 15.11.1985 (BVerwGE 72, 226 ) den Mietern schlechthin die Befugnis abgesprochen hat, Genehmigungsbescheide nach § 8 a Abs. 4 WoBindG vor dem Verwaltungsgericht anzufechten.
Als bloßen Genehmigungsvorbehalt in diesem Sinne sieht man allgemein auch das Erfordernis der Durchschnittsmiet-Genehmigung an, und zwar sowohl der ersten ("Bewilligungs-")Genehmigung gemäß § 72 Abs. 1 des II. WoBauG, § 8 a Abs. 2 WoBindG , als auch der (etwaigen) Erhöhungsgenehmigung gemäß § 8 a Abs. 4 Satz 1 WoBindG (vgl. Fischer-Dieskau/Pergande/Schwender, WoBauR, II. WoBauG § 72 Anm. 3 und 5.2 sowie WoBindG § 8 a Anm. 3; Eisel und Nagler, WuM 1984, 325; Zimmermann und Bittmann, WuM 1985, 383;… Sternel, Mietrecht, 3. Aufl., III Rdn. 888; Schade/Schubart/Wienicke, Wohnungsmietrecht, Anhang C WoBindG § 8 a , C 137;… Köhler, Handbuch der Wohnraummiete, 3. Aufl., § 184 Rdn. 9; Silberkuhl, ZMR 1987, 161, 164; BVerwGE 72, 226 , das dort allerdings nur die Genehmigung nach § 8 a Abs. 4 WoBindG behandelt; vgl. ferner aus der Zeit vor Erlaß des Rechtsentscheids vom 10.9.1984: Derleder, WuM 1982, 59, 62; anders Storz, Das Mietpreisrecht für den sozialen Wohnungsbau, S. 39).
Es sei aber klargestellt, daß der Senat die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 15.11.1985 (BVerwGE 72, 226 ) im Ergebnis für zutreffend hält.
Ein solches nur mittelbares Betroffensein des Mieters genügt nicht für die Annahme einer Verletzung von (Miet-)Rechten (vgl. Urteil vom 15. November 1985 - BVerwG 8 C 43.83 - BVerwGE 72, 226 [BVerwG 15.11.1985 - 8 C 43/83] m.weit.Nachw.).
Das reicht für die Annahme einer Klagebefugnis des Mieters nicht aus (vgl. Urteile vom 8. März 1985 - BVerwG 8 C 88.82 - Buchholz 454.32 § 9 WoBindG 1974 Nr. 1 S. 1 und vom 15. November 1985, a.a.O. S. 230 f.).
Ein solches Recht ist dann gegeben, wenn ein Rechtssatz des öffentlichen Rechts nicht nur öffentlichen Interessen, sondern auch Individualinteressen derart zu dienen bestimmt ist, daß die Träger dieser Interessen die Einhaltung des Rechtssatzes sollen verlangen können (vgl. Urteile vom 25. Februar 1977 - BVerwG IV C 22.75 - BVerwGE 52, 122 [BVerwG 25.02.1977 - IV C 22/75] und vom 15. November 1985, a.a.O. S. 229 f.).
Eine derartige Schutzfunktion zugunsten der Mieter haben grundsätzlich die Vorschriften des § 8 WoBindG über die Bindung des Vermieters an die Kostenmiete (vgl. Urteile vom 25. Juni 1982 - BVerwG 8 C 74.80 - Buchholz 454.32 § 8 WoBindG 1974 Nr. 2 S. 1 und vom 15. November 1985, a.a.O. S. 230 m.weit.Nachw.).
Wenn der Gesetzgeber gleichwohl auch dem berechtigt interessierten Dritten weder eine Anfechtungsbefugnis noch eine sonstige verwaltungsverfahrensrechtliche Schutzposition eingeräumt hat, deutet bereits dies auf das Fehlen einer drittschützenden Funktion der Vorschriften über die Freistellung hin (vgl. auch Urteil vom 15. November 1985, a.a.O. S. 232).
Eine Norm des öffentlichen Rechts hat nach der allgemein verbreiteten Schutznormtheorie nur dann drittschützenden Charakter, wenn sie nicht nur öffentlichen Interessen, sondern - zumindest auch - Individualinteressen derart zu dienen bestimmt ist, daß die Träger der Individualinteressen die Einhaltung des Rechtssatzes sollen verlangen können (vgl. BVerfGE 27, 297 [BVerfG 17.12.1969 - 2 BvR 23/65]; BVerwGE 72, 226 [BVerwG 15.11.1985 - 8 C 43/83]).
Diese ist auch nicht berechtigt, die nach der Modernisierung in einer dann aufzustellenden Wirtschaftlichkeitsberechnung zu ermittelnde Miete verbindlich zu regeln (vgl. § 6 Abs. 1 Sätze 2 bis 5 NMV 1970; Urteile vom 25. Juni 1982 - BVerwG 8 C 74.80 - Buchholz 454.32 § 8 WoBindG 1974 Nr. 2 S. 1 , vom 8. März 1985 - BVerwG 8 C 88.82 - Buchholz 454.32 § 9 WoBindG 1974 Nr. 1 S. 1 und vom 15. November 1985 - BVerwG 8 C 43.83 - Buchholz 454.32 § 8 a WoBindG 1974 Nr. 2 S. 1 ).
Die faktische Schutzfunktion des Zustimmungsvorbehalts auch zugunsten der - durch die an eine Erteilung der Zustimmung geknüpfte Möglichkeit der Mieterhöhung - betroffenen Mieter bedeutet nicht notwendigerweise, daß diese Mieter von der Bewilligungsstelle die gänzliche oder teilweise Versagung der Zustimmung verlangen können (…vgl. vielmehr für die Genehmigungen nach § 9 Abs. 7 Satz 3 und § 8 a Abs. 4 WoBindG 1974: Urteile vom 8. März 1985, a.a.O. S. 3 und vom 15. November 1985, a.a.O. S. 3 ff.).
Das verkennt die Revision, wenn sie unter Hinweis auf das Urteil des Senats vom 15. November 1985 (a.a.O.) einwendet, den Mietern fehle insoweit die Klagebefugnis.
Insbesondere betreffen der Rechtsentscheid des OLG Hamm vom 10. September 1984 (…- 4 RE Miet 1/84 -, a.a.O.) sowie die Urteile des BVerwG vom 8. März 1985 (- 8 C 88.82 -, BVerwG 46 in RE Miet = NJW 1985, 1913) und vom 15. November 1985 (- 8 c 43.83 -, BVerwG 54 in RE Miet = BVerwGE 72, 226 = WuM 1986, 179) und des OVG Münster vom 20. Oktober 1986 (- 14 A 1935/84 -, WuM 1987, 188) nicht die hier entscheidungserhebliche Frage der Bindungswirkung von Ansätzen einer Wirtschaftlichkeitsberechnung, die Gegenstand einer Genehmigung nach § 5 a Abs. 1 Satz 2, Abs. 3 NMV war, und zwar im Rahmen einer Mieterhöhung nach § 8 a Abs. 3 WoBindG.
Der BGH hat in seinem Urteil vom 18. Februar 1987 (- VIII ZR 93/86 -, BGH 85 in RE Miet = WuM 1987, 185, 186 f. = ZMR 1987, 212, 213 f.) zutreffend darauf hingewiesen, daß sich der genannte Rechtsentscheid des OLG Hamm allein mit der Bindungswirkung einer erstmaligen Genehmigung der Durchschnittsmiete im Sinne von § 72 Abs. 2 II. WoBauG, § 8 a Abs. 2 WoBindG befaßt (vgl. zum Problem auch Bittmann, WuM 1986, 166 re.Sp.) und das Urteil des BVerwG vom 15. November 1985 (a.a.O.) - ebenso wie das genannte Urteil des OVG Münster (…a.a.O.) - die Bindungswirkung von Genehmigungen nach § 8 a Abs. 4 WoBindG behandelt.
Der BGH referiert dann nur, daß nach dem Urteil des BVerwG vom 15. November 1985 (- 8 c 43.83 -, BVerwG 54 in RE Miet = BVerwGE 72, 226 = WuM 1986, 179) nicht einmal eine Bindungswirkung der Genehmigung hinsichtlich dieses Sockelbetrages bestehe.
Ein mittelbares Betroffensein eines Dritten, das durch die Reaktion des Normadressaten ausgelöst wird, ohne dass die Norm auch dem Schutz des Dritten dient, genügt nicht (vgl. Urteil vom 15. November 1985 - BVerwG 8 C 43.83 - BVerwGE 72, 226 ;… Beschluss vom 14. Februar 1991 a.a.O. S. 70).
Ein Eingriff in ein subjektives öffentliches Recht des Antragstellers als Drittem liegt darin nicht (vgl. zu Genehmigung einer Versicherungsprämienerhöhung Urteil vom 16. Juli 1968 - BVerwG 1 A 5.67 - BVerwGE 30, 135 ; zu einer Mieterhöhungsgenehmigung Urteil vom 15. November 1985 a.a.O. S. 229; zu einer Zweckentfremdungsgenehmigung Urteil vom 22. April 1994 - BVerwG 8 C 29.92 - BVerwGE 95, 341 ).
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