Source: https://www.gabler-banklexikon.de/definition/verlustzuweisungsgesellschaft-62273
Timestamp: 2020-06-04 16:53:43
Document Index: 284521421

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 15', '§ 2', '§ 15', '§ 18', '§ 20', '§ 21', '§ 2', '§ 15', '§ 10']

Verlustzuweisungsgesellschaft • Definition | Gabler Banklexikon
Abschreibungsgesellschaft; 1. Begriff: Personenvereinigung, deren beschränkt haftende Gesellschafter primär beabsichtigten, Steuerersparnisse zu erzielen. Dies kann durch Ausnutzung steuerlicher Asymmetrien zwischen laufender und Veräußerungsgewinnbesteuerung geschehen, insbesondere wenn steuerliche Lenkungsnormen genutzt werden können. Durch Rechtsprechung und Gesetzgebung heute weitestgehend unwirksam.
2. Funktionsweise: Zur Entstehung von Buchverlusten nutzbare Lenkungsnormen sind z.B. Sonderabschreibungen, Bewertungsfreiheiten oder erhöhte Absetzungen. Sie können auch zu (Buch-)Verlusten führen, die die Hafteinlagen der Gesellschafter übersteigen. Durch eine begünstigt besteuerte oder bei der Verwaltung von Immobilien nach Ablauf von zehn Jahren sogar nicht steuerbare Veräußerung des Gesellschaftsanteils konnten so laufende (Buch-)Verluste steuermindernd genutzt werden, ohne später stille Reserven in gleichem Maße versteuern zu müssen. Beispiele waren Bauherrenmodelle, Flugzeugleasingbeteiligungen, Windkraftfonds in der Rechtsform einer GmbH & Co. KG, Schiffsfonds u.ä.
3. Einschränkung: Die Erzielung von Steuerersparnissen stellt keine Gewinnerzielungsabsicht dar, so dass Verlustzuweisungsgesellschaften einen Totalgewinn erzielen müssen, um überhaupt wirksam werden zu können. Der BFH hat der ökonomisch gegenstandslosen und der konzeptionell nur auf die Erzielung von Steuerersparnissen gerichteten Verlustzuweisung in mehreren Entscheidungen Einhalt geboten, und der Gesetzgeber hat solchen Modellen den Boden entzogen. Dies geschah bereits sehr früh durch eine Beschränkung der Verlustverrechnung auf die Hafteinlagen mit § 15a EStG generell, später dann mit der Einkapselung von Verlusten in Steuerstundungsmodellen auf das Objekt, in dem sie entstanden sind (§ 15b, der § 2b EStG ersetzt hat). Mit dem Steuerentlastungsgesetz 1999/2000/2002 wurde die begünstigte Nachversteuerung der Veräußerungsgewinne zum halben Steuersatz aufgehoben. Schon länger ist die Verlustverrechnung bei beschränkt haftenden Gesellschaftern eingeschränkt. Der zugerechnete Anteil am Verlust der Gesellschaft ist für den einzelnen beschränkt haftenden Mitunternehmer nur insoweit hinsichtlich anderer Einkünfte der gleichen Einkunftsart oder anderer Einkunftsarten ausgleichs- bzw. abzugsfähig, als er nicht zu einem negativen Kapitalkonto führt oder dieses erhöht (§ 15a EStG). Diese Regelung gilt sinngemäß für Einkünfte aus selbstständiger Arbeit (§ 18 IV EStG), Kapitaleinkünfte eines stillen Gesellschafters (§ 20 I Nr. 4 EStG) sowie Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (§ 21 I 2 EStG). Durch das Steuerentlastungsgesetz 1999/2000/2002 wurde die Verlustberücksichtigung für negative Einkünfte aus Verlustzuweisungen weiter eingeschränkt. Gemäß dem neu eingefügten § 2b EStG, der Ende 2005 durch § 15b EStG (Verluste im Zusammenhang mit Steuerstundungsmodellen) ersetzt worden ist, können solche Verluste nicht mehr mit anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden. Auch ein Verlustabzug nach § 10d EStG ist nur noch innerhalb von Einkünften aus demselben Steuerstundungsmodell möglich. Ein Steuerstundungsmodell wird durch eine modellhafte Gestaltung gekennzeichnet, die darauf abzielt, durch prognostizierte Verluste von über zehn Prozent des eingesetzten Kapitals in der Anfangsphase der Investition Verluste mit übrigen Einkünften zu verrechnen.
Teilen Sie Ihr Wissen über "Verlustzuweisungsgesellschaft"
Mindmap "Verlustzuweisungsgesellschaft"
Mindmap Verlustzuweisungsgesellschaft Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/verlustzuweisungsgesellschaft-62273 node62273 Verlustzuweisungsgesellschaft node57403 Einkünfte aus Vermietung ... node62273->node57403 node61625 stille Reserven node62273->node61625 node58381 Gesellschaft node62273->node58381 node51749 Steuerstundungsmodelle node62273->node51749 node58382 Gesellschaft bürgerlichen Rechts ... node62015 Überschusseinkunftsarten node62015->node57403 node62277 Vermögen node60844 Recht node57403->node62277 node57403->node60844 node57915 Finanzierungsregeln node57915->node61625 node56292 Bilanzanalyse Analyse der ... node56292->node61625 node56315 Bilanzkurs einer Aktie node56315->node61625 node62435 Vorsorgereserven für allgemeine ... node62435->node61625 node61804 Teilhaberpapier node61804->node58381 node60737 Publikumsgesellschaft node60737->node62273 node56196 Beteiligung node60737->node56196 node55487 Aktie node60737->node55487 node57328 Eigenkapital node60737->node57328 node61803 Teilhaberecht node60737->node61803 node59142 Kapitalverflechtung node59142->node58381 node58381->node58382 node39421 Liebhaberei node51749->node39421 node61803->node58381 node57400 Einkünfte aus Kapitalvermögen node57400->node57403
Mindmap Verlustzuweisungsgesellschaft Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/verlustzuweisungsgesellschaft-62273 node62273 Verlustzuweisungsgesellschaft node51749 Steuerstundungsmodelle node62273->node51749 node58381 Gesellschaft node62273->node58381 node61625 stille Reserven node62273->node61625 node57403 Einkünfte aus Vermietung ... node62273->node57403 node60737 Publikumsgesellschaft node60737->node62273