Source: https://www.verkehrsunfall.org/
Timestamp: 2017-10-21 14:09:41
Document Index: 89002516

Matched Legal Cases: ['§ 323', '§ 142', '§ 142', '§ 69', '§ 223', '§ 229', '§ 142']

▷ Was tun nach einem Unfall? | Verkehrsunfall.org
Insgesamt gut 2,4 Millionen Verkehrsunfälle registrierten die Polizeibehörden im Jahre 2014 bundesweit. Die meisten endeten dabei zum Glück nur mit Sachschäden. Doch immerhin mehr als 300.000 Personenschäden waren zu beklagen. Zugleich sagt das Statistische Bundesamt für das Jahr 2015 eine erneute Steigerung bei den Zahlen von Verkehrstoten voraus: Etwa 3450 Unfalltote werden erwartet – 2 % mehr als im Vorjahr.
Im folgenden finden Sie nähere Informationen zu den Unfallkategorien:
Fahrrad­unfall
Gefahrgut­unfall
Park­unfall
Reifen­panne
Selbst­verschuldeter Unfall
Traktor­unfall
Doch wie reagieren Sie nach einem Verkehrsunfall richtig? Wann kann Ihnen unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen werden? Was ist bei kleineren Sachschäden zu beachten? Diese und mehr Fragen sollen Ihnen auf diesem Ratgeberportal zum Thema “Unfall” näher erläutert werden.
➥ Direkt zum Unfall-Ratgeber (PDF)
Zirka 2,4 Millionen Verkehrsunfälle registrierte die Polizei im Jahre 2014.
Die richtige Handlungsweise nach einem schweren Unfall kann Leben retten. Doch immer häufiger kommt es vor, dass Fahrzeugführer einfach an Unfallstellen vorbeifahren – die einen aus Angst, die anderen aus Gleichgültigkeit. Die Motivlage jedoch ist unerheblich: Leisten Sie an einer ungesicherten Unfallstelle keine Hilfe, behindern Sie Rettungskräfte bei ihrer Arbeit oder werden Sie gar zum “Gaffer”, müssen Sie mit harten Strafen rechnen.
Besonders für Unfälle auf der Autobahn gilt: Queren Sie unter keinen Umständen die Fahrbahn! Ein weiterer Personenschaden wird so nur provoziert. Die Entfernungen der anderen Fahrzeuge lassen sich durch die hohen Geschwindigkeiten nur schwer abschätzen. Ihr eigenes Wohl steht stets an erster Stelle. Sie sind niemals verpflichtet, Ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen.
Bei einem Verkehrsunfall ist das richtige Handeln von großer Bedeutung.
Zu allererst sollten Sie langsam an den Straßenrand fahren. Schalten Sie hierzu den Warnblinker ein, um den nachfolgenden Verkehr auf Ihre Halteabsicht und das Verkehrshindernis hinzuweisen. Stellen Sie Ihr Fahrzeug dabei stets am Straßenrand ab, damit die Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer so gering wie möglich bleibt – lassen Sie die Warnblinkanlage eingeschaltet.Bevor Sie aussteigen, bietet es sich an, die Warnweste überzuziehen, um sich keiner unnötigen Gefahr auszusetzen und für den fließenden Verkehr besser sichtbar zu sein.
Das Warndreieck muss je nach Verkehrslage weit genug vor der Unfallstelle – vom nachfolgenden Verkehr aus gesehen – platziert werden, um ander Verkehrsteilnemer rechtzeitig auf das kommende Verkehrshindernis hinzuweisen:
Nach einem Unfall muss das Warndreieck aufgestellt werden.
Wählen Sie den Notruf – 112 – und verschaffen Sie sich derweil einen ersten Überblick über den Unfallort: Sind Verletzte zu vermuten oder handelt es sich in erster Linie um Blechschäden? Befinden sich noch Insassen in den Unfallfahrzeugen? Nachdem der Rettungsdienst alarmiert ist, versuchen Sie gegebenenfalls eingeklemmten oder eingesperrten Fahrzeuginsassen aus den Unfallwagen zu helfen.Ist dies nicht ohne weiteres möglich, versuchen Sie diese anzusprechen und ein Gespräch aufrecht zu halten. Weisen Sie darauf hin, dass der Krankenwagen bereits unterwegs ist – schon allein das Wissen, dass Hilfe kommt, kann beruhigend auf die Unfallbeteiligten wirken. Sind Verletzte zu beklagen, an die Sie leicht herankommen können, obliegt es Ihnen, Erste Hilfe zu leisten.
Viele Personen sind dahingehend besonders unsicher und haben Angst, etwas falsch zu machen. Doch sollten sich die meisten vor allem dessen bewusst werden: Leisten Sie keine Erste Hilfe, können Sie sich nach § 323c Strafgesetzbuch (StGB) der unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen:
Dies ist nur dann möglich, wenn Ihnen Fahrlässigkeit im Handeln nachgewiesen werden kann. Doch ist dies in der Regel nicht der Fall. Und am Ende sollen vor allem diejenigen geschützt werden, die sich trauten, Erste Hilfe zu leisten. Anderes können auch die Zuständigen nicht wollen, da sich sonst nur immer weniger Personen fänden, die tatsächlich im Schadensfall Hilfe leisten.
Nach einem Unfall ist die Erste Hilfe Pflicht! In jedem Fahrzeug muss sich daher ein Verbandskasten befinden.
Jeder Führerscheininhaber hat, um die Fahrerlaubnis zu bekommen, einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren müssen. ADAC und Deutsches Rotes Kreuz verweisen jedoch immer öfter darauf, dass dieser einmalige Kurs oftmals nur wenig nützt. Um in Stresssituationen – und dazu gehören vor allem Unfallsituationen – richtig und schnell agieren zu können, bedarf es einer regelmäßigen Auffrischung des Gelernten.
Je mehr Übung für den Ernstfall besteht, desto souveräner können die Personen handeln. Sie müssen dann meist nicht mehr lange über die einzelnen Schritte nachdenken, sondern rufen einfach das erlernte Wissen ab. Jedem Fahrer ist daher zu empfehlen, in regelmäßigen Abständen an Auffrischungskursen bei den zuständigen Hilfsdiensten teilzunehmen.
Geraten Sie als Ersthelfer an einen Unfallort, können Sie sich bei auftretender Unsicherheit jedoch stets auch an dem Erste-Hilfe-Leitfaden im Notfallkoffer orientieren.
In jedem Fahrzeug muss sich mindestens ein Erste-Hilfe-Kasten mit den notwendigen Verbands- und Hilfsmaterialien befinden. Hierzu zählen auch Wärmedecken, Handschuhe, Schere und Erste-Hilfe-Karte, auf der die benötigten Handgriffe und -kniffe aufgelistet und erläutert sind.
Treffen die Rettungskräfte am Unfallort ein, übernehmen diese alles weitere – auch die Versorgung der Verletzten. Gegebenenfalls müssen Sie sich jedoch noch als Augenzeuge zur Verfügung halten.
Nach einem Verkehrsunfall mit Personenschaden kann die Fahrerflucht besonders hart bestraft werden.
Verkehrsunfall mit Unfallflucht – Strafe nach § 142 StGB
Unfallbeteiligt ist jeder, der willentlich oder fahrlässig zum Schadensfall beigetragen hat. Hat z. B. der Beifahrer den Fahrer abgelenkt oder ihm ins Lenkrad gegriffen, so gilt auch er als Unfallbeteiligter und muss an Ort und Stelle verbleiben:
Unfallbeteiligter ist jeder, dessen Verhalten nach den Umständen zur Verursachung des Unfalls beigetragen haben kann. (§ 142 Absatz 5 StGB)
Doch nicht nur fahrlässige Körperverletzung oder Tötung bei einem Verkehrsunfall können zu diesen drastischen Maßnahmen führen. Auch dann kann unerlaubtes Entfernen vom Unfallort eine Strafe nach sich ziehen, wenn nur vermeintliche Bagatellschäden vorhanden sind. Sicherlich ist eine Strafe bei Fahrerflucht wegen geringfügiger Sachschäden in den meisten Fällen niedriger anzusetzen, doch ganz straffrei kommen nur die wenigsten davon, selbst wenn es sich nur um einen Kratzer im Lack handelt. Ein Unfall mit Fahrerflucht ist immer eine strafbare Handlung.
Auch bei einer Fahrerflucht nach einem geringen Sachschaden können strenge Konsequenzen auf den Unfallverursacher zukommen. Zudem kann bei Fahrerflucht auch die Versicherung Leistungen verweigern.
Auch, wer die Unfallflucht nicht bemerkt, muss gegebenenfalls mit einer Anzeige wegen Fahrerflucht rechnen. Hat ein Passant etwa Ihr Nummernschild notiert, nachdem Sie beim Ausparken einen anderen Wagen touchierten und einfach davonfuhren, kann dieser die Polizei hierüber verständigen. Gegebenenfalls ist von einer Strafverfolgung jedoch abzusehen, wenn Sie nachweislich begründen können, dass Sie den Unfall tatsächlich nicht bemerkten. Allerdings gilt hier besondere Vorsicht: Nutzen Sie dies als einfache Schutzbehauptung, um einer Strafe zu entgehen, können die Gerichte ggf. auch per Gutachten feststellen lassen, ob bei der vorliegenden Situation tatsächlich nichts zu bemerken gewesen wäre.
Eine Strafe für unbeabsichtigte Fahrerflucht ist allgemein nicht zu befürchten. Im Einzelfall ist für unerlaubtes Entfernen vom Unfallort auch bei Bemerken des Handelnden von Strafen gänzlich abzusehen, wenn es sich lediglich um kleinere Sachschäden handelt. Hierfür gibt es jedoch keine eindeutige Regelung. In Rechtsangelegenheiten beruhen die meisten richterlichen Entscheidungen auf den Einzelfallbewertungen der jeweiligen Umstände.
Eine Fahrerflucht kann auch in solchen Fällen Ahndungen nach sich ziehen, wenn der Verursacher von einem Unfall nicht rechtzeitig die Auskunftspflicht erfüllt. Auch nachträglich ist dies möglich. Doch sind hierfür zeitliche Begrenzungen gegeben. Und nur in Ausnahmefällen kann von einer Verfolgung abgesehen werden.
Fahrerflucht: ein Bußgeld ist in der Regel nicht angedacht. Für Straftatbestände im Straßenverkehr erfolgt in der Regel jedoch die zusätzliche Verhängung von drei Punkten in Flensburg. Da es sich hierbei um einen Straftatbestand handelt, können weit gravierendere Sanktionen wie Geld- oder Haftstrafen folgen. Nach § 69 Absatz 2 Punkt 3 STGB droht zudem der Führerscheinentzug, sollte der Flüchtige sich von einem durch ihn verursachten Unfall unzulässigerweise entfernen, “obwohl [er] weiß oder wissen kann, daß bei dem Unfall ein Mensch getötet oder nicht unerheblich verletzt worden oder an fremden Sachen bedeutender Schaden entstanden ist […].”
Nach einem Unfall sind häufig Schmerzensgeldansprüche von Seiten der geschädigten Personen anzunehmen. Wurden Personen körperlich verletzt, steht Ihnen dies auch zu. In der Regel kann für die Ansprüche auch die Versicherung eintreten.
Haben Sie den Unfall jedoch unerlaubt verlassen, verfällt der Versicherungsschutz in aller Regel nicht. Aber: Nur bei vorhandener Vollkaskoversicherung werden die Schäden am eigenen Fahrzeug übernommen. Eine Teilkasko übernimmt in einem solchen Fall zumeist lediglich Glasschäden. Allerdings kann die Versicherung gegenüber ihrem Versicherungsnehmer in Regress gehen und einen Betrag von bis zu 5.000 Euro zurückverlangen. Sie müssen das Schmerzensgeld in der Regel in voller Höhe eigenständig zahlen. Die Ansprüche richten sich nach dem vorzuwerfenden Tatbestand und der Schwere der Verletzungen.
Fahrlässige Körperverletzung im Straßenverkehr ist dabei von der mutwilligen Körperverletzung (§ 223 StGB) abzugrenzen. Für letztere muss dem Täter nachgewiesen werden, dass dieser die körperliche Unversehrtheit des Opfers mit eindeutiger Absicht anstrebte.
Fahrlässige Körperverletzung bei einem Unfall (§ 229 StGB):
Haben Sie nach einem Unfall im ruhenden Verkehr (z. B. beim Ein- und Ausparken) Fahrerflucht begangen, tritt die 24-Stunden-Regelung in Kraft. Vorraussetzung ist jedoch, dass bei dem Autounfall nur ein geringer Sachschaden verursacht wurde.
Diese Richtlinie (§ 142 Absatz 3 StGB) beschreibt, dass für den Fall die Strafen für das unerlaubte Entfernen abgemildert oder gar gänzlich ausgesetzt werden können, wenn sich der Täter innerhalb von 24 Stunden nach dem Verstoß auf einer der zuständigen Polizeibehörden meldet und den Tatbestand zugibt oder die nachträgliche Feststellung gegenüber dem Geschädigten ermöglicht.
In der Probezeit werden zahlreiche Verkehrsverstöße wesentlich strenger geahndet als nach Ablauf dieser zweijährigen Bewährungsphase. Verursachen Sie in der Probezeit einen Unfall und verlassen den Ort des Geschehens unerlaubt, kann Ihnen der Führerschein entzogen werden. Dies betrifft jedoch auch alle anderen Fahrer, denen die Unfallflucht vorzuwerfen ist. Bei leichteren Unfällen ist generell auch nur die Verhängung eines Fahrverbotes von den Behörden zu veranlassen.
Zusätzlich zu den Sanktionen nach StGB müssen Fahranfänger mit den zusätzlichen Ahndungen rechnen, die Vergehen in der Probezeit zur Folge haben. Hierzu zählt etwa die Teilnahme an einem Aufbauseminar.
Die wichtigsten Informationen zum richtigen Vorgehen bei einem Verkehrsunfall haben wir für Sie in einem übersichtlichen Ratgeber zusammen­gefasst.
Neben Fakten zu den Themen Erste Hilfe und Fahrerflucht, ist auch ein Vordruck für den Unfallbericht enthalten. Durch das Unfall-Lexikon erhalten Sie zudem einfache und kurze Definitionen zu Begriffen rund um das Thema Unfall.
Mit dem Ratgeber im Handschuhfach sind Sie im Falle eines Unfalls gut vorbereitet, auch wenn wir natürlich hoffen, dass Sie diese Hilfe nie in Anspruch nehmen müssen.
Copyright © 2016-2017 verkehrsunfall.org | Alle Angaben ohne Gewähr.