Source: https://www.diamant-software.de/blog/jahresabschluss-im-mittelstand/
Timestamp: 2020-08-10 22:07:17
Document Index: 47069315

Matched Legal Cases: ['§141', '§ 242', '§266', '§ 275', '§271', '§269', '§284', '§ 325', '§1']

Jahresabschluss im Mittelstand: 10 Antworten auf häufige Fragen
Konzerne/Verbünde
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Jahresabschluss im Mittelstand: 10 Antworten auf die wichtigsten Fragen
Nützliches Hintergrundwissen zum Abschluss des Geschäftsjahres
Das Jahr hat zwölf Monate und am Ende steht der Jahresabschluss auch im Mittelstand an. Obwohl viele Rechnungswesen-Teams regelmäßig mit gemischten Gefühlen auf dieses Ereignis reagieren: Der Jahresabschluss ist unausweichlich. Wir beantworten die 10 drängendsten Fragen zum Jahresabschluss im Mittelstand.
01 Wozu dient der Jahresabschluss?
02 Wer muss einen Jahresabschluss erstellen?
03 Was sind die wesentlichen Bestandteile des Jahresabschlusses?
04 Welche Positionen gehören in die Bilanz?
05 Welche Positionen beinhaltet hat die GuV-Rechnung?
06 Was beinhaltet der Lagebericht?
07 Was gehört in den Anhang?
08 Wer muss den Jahresabschluss veröffentlichen?
09 Wer ist verantwortlich für den Jahresabschluss?
10 Was ist eine E-Bilanz?
Ein korrekter Jahresabschluss ist auch im Mittelstand ein wesentlicher Bestandteil der ordnungsgemäßen Buchführung. Er schließt das Geschäftsjahr ab und ermittelt das Ergebnis und Betriebsvermögen. Der Jahresabschluss beinhaltet also Informationen über den wirtschaftlichen Zustand eines Unternehmens am Ende des Geschäftsjahres. Drei Hauptfunktionen erfüllt diese jährliche Prozedur:
Zahlungsbemessung: Der Jahresabschluss dient als Grundlage für die Besteuerung und mögliche weitere Zuzahlungen des Unternehmens, etwa Erfolgsbeteiligungen oder Dividenden.
Rechenschaft: Stakeholder wie Gläubiger, Anteilseigner oder die Öffentlichkeit bekommen Informationen über das Vermögen eines Unternehmens (Bilanz) und den Erfolg des Geschäftsjahres (Gewinn- und Verlustrechnung).
Ausschüttungsbemessung: Kann der erwirtschaftete Jahresüberschuss (Gewinnvortrag) an die Anteilseigner ausgeschüttet werden? Dieser Fragen widmen sich Gesellschafterversammlungen auf Basis des Jahresabschlusses.
Grundsätzlich untersteht jedes Unternehmen der Bilanzierungspflicht, das mehr als 600.000€ Umsatz oder 60.000€ Gewinn im Geschäftsjahr erwirtschaftet hat (§141 Abgabeordnung).
Ein Jahresabschluss besteht mindestens aus der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung (§ 242 Abs. 3 HGB).
Bei Kapitalgesellschaften und diesen gleichgestellten Personenhandelsgesellschaften muss zudem ein Anhang beigefügt werden. Dieser gibt Auskunft über die voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens. Hinzu kommt gegebenenfalls der Lagebericht, der Auskunft über die Zukunftsaussichten gibt.
Bei kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaften, die keinen Konzernabschluss aufstellen müssen, zählen zum Jahresabschluss zusätzlich die Kapitalflussrechnung und der Eigenkapitalspiegel. Optional ist eine Segmentberichterstattung.
Die Bestandteile einer Bilanz sind in §266 HGB klar vorgegeben und detailliert auf der Aktiv-, sowie Passivseite erläutert:
Aufbau und Inhalte einer Bilanz
05 Welche Positionen beinhaltet die GuV-Rechnung?
Die GuV-Rechnung kann nach zwei verschiedenen Verfahren aufgestellt werden: dem Gesamtkostenverfahren (§ 275 Abs. 2 HBG) und dem Umsatzkostenverfahren (§271 Abs. 3 HGB):
Gesamtkostenverfahren vs. Umsatzkostenverfahren
Der Lagebericht muss ein realistisches Bild der Geschäftstätigkeit vermitteln – zu Geschäftsverlauf, Geschäftsergebnis und der Lage der Kapitalgesellschaft. Auch der Aufbau des Lageberichtes ist im Handelsgesetzbuch (§269 HGB) vorgegeben. Der Lagebericht enthält:
Wesentliche finanzielle Leistungsindikatoren
Beurteilung der voraussichtlichen Entwicklung samt Chancen und Risiken
Erläuterung der Annahmen
Versicherung, dass die Darstellung im Lagebericht nach bestem Wissen erfolgt ist
Risikomanagementziele und -methoden
Preisänderungs-, Ausfall- und Liquiditätsrisiken, Risiken aus Zahlungsstromschwankungen
Bericht des Bereichs Forschung und Entwicklung
Informationen zu Zweigniederlassungen der Gesellschaft
Grundsätzlich müssen Informationen über die Geschäftstätigkeit, die Ertragslage, die Vermögenslage, die Finanzlage und die Corporate Social Responsibility aus dem Lagebericht hervorgehen.
Ihr Unternehmen muss einen Anhang erstellen. Was gehört dort hinein? Im HGB §284 ff. ist ein ausführlicher Anforderungskatalog aufgeführt. Dieser lässt sich auf diese drei Punkte zusammenfassen:
Allgemeine Grundsätze: welche Sachverhalte wurden in die Bilanz aufgenommen und wie werden diese ausgewiesen? Hier werden die Methoden erläutert.
Erläuternde, ergänzende und korrigierende Informationen zur Bilanz und zur Gewinn- und Verlustrechnung: In der Bilanz zusammengefasste Posten müssen hier ebenso aufgeschlüsselt werden, wie die Art der Abschreibung. Verkäufe und außergewöhnliche Ereignisse gehören in die korrigierenden Informationen. Sie sorgen für mehr Klarheit.
Sonstige Angaben: hier werden die Namen aller Mitglieder der Geschäftsführung, des Aufsichtsrates genannt und Angaben zu deren Bezügen und Bezugsrechten gemacht (vollständig). Auch die Anzahl der Beschäftigten gehört hierher.
Hier kommt der Begriff „Publizitätspflicht“ ins Spiel. Grundsätzlich ist muss der Jahresabschluss inklusive Bestätigungsvermerkt spätestens 12 Monate nach Ende des Geschäftsjahres im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Das ist verpflichtend für alle Kapitalgesellschaften gemäß § 325 HGB (s.o.) sowie Personenhandelsgesellschaften ohne persönlich haftenden Gesellschafter wie z.B. die GmbH & Co. KG. Außerdem sind alle Unternehmen zur Veröffentlichung verpflichtet, die an drei aufeinanderfolgenden Stichtagen mindestens zwei dieser Kriterien erfüllen (§1 Publizitätsgesetz):
Bilanzsumme von mehr als 65 Millionen Euro
Umsatzerlöse von mehr als 130 Millionen Euro
Mehr als 5.000 Arbeitnehmer
Auch wenn der Abschluss durch den kaufmännischen Bereich erarbeitet und erstellt wird, verantwortlich ist der gesetzliche Vertreter der Gesellschaft – also die Geschäftsführung in einer GmbH oder die Vorstände in einer AG. Wichtig zu wissen: auch wenn der Jahresabschluss durch eine sachkundige Person erstellt wird (Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater), verbleibt die Verantwortung beim gesetzlichen Vertreter.
Wie bereits erwähnt dient der Jahresabschluss auch zur Steuerbemessung. Die E-Bilanz ist dessen elektronische Übermittlung an das Finanzamt. Dem entsprechend werden in der E-Bilanz neben Stammdaten die Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung übermittelt. Übertragen werden die Daten über das ELSTER-Portal.
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