Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/die-klage-mit-der-eingescannten-unterschrift-321828
Timestamp: 2020-07-14 09:30:41
Document Index: 139929893

Matched Legal Cases: ['§ 64', '§ 64', '§ 126', '§ 47', '§ 130', '§ 52', '§ 2', '§ 52', '§ 52', '§ 64', '§ 64', '§ 64', '§ 64', '§ 64', '§ 64', 'BGH', 'BGH', '§ 52', '§ 130', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 128']

Die Klage mit der eingescannten Unterschrift | Rechtslupe
Kla­gen mit ein­ge­scann­ter Unter­schrift des Bevoll­mäch­tig­ten ent­spre­chen nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs jeden­falls dann den Schrift­forman­for­de­run­gen des § 64 Abs. 1 FGO, wenn sie von dem Bevoll­mäch­tig­ten an einen Drit­ten mit der tat­säch­lich aus­ge­führ­ten Wei­sung gemailt wer­den, sie aus­zu­dru­cken und per Tele­fax an das Gericht zu sen­den.
Zwar wird in der Recht­spre­chung unter­schied­lich beur­teilt, ob eine nur ein­ge­scann­te Unter­schrift dem Schrift­form­erfor­der­nis bestim­men­der Schrift­sät­ze ent­spricht. Unge­ach­tet die­ses Streits muss aber eine sol­che Kla­ge­schrift eben­so wie eine nicht unter­schrie­be­ne Kla­ge als wirk­sam ange­se­hen wer­den, wenn ihr trotz feh­len­der oder for­mal unzu­rei­chen­der Unter­schrift nach den objek­ti­ven Gesamt­um­stän­den aus der maß­geb­li­chen Sicht des Gerichts deren Inhalt sowie der Erklä­ren­de und des­sen unbe­ding­ter Erklä­rungs­wil­le ent­nom­men wer­den kann. Es reicht auch aus, wenn die Erklä­rung und ihr Inhalt durch Ein­schal­tung Drit­ter ersicht­lich wird. Denn der aus­schließ­li­che Zweck des Schrift­lich­keits­ge­bots ist es, den Erklä­rungs­in­halt sowie die erklä­ren­de Per­son und ihren unbe­ding­ten Wil­len zur Absen­dung zuver­läs­sig fest­stel­len zu kön­nen.
Nach § 64 Abs. 1 FGO ist den for­mel­len Anfor­de­run­gen an eine finanz­ge­richt­li­che Kla­ge genügt, wenn sie bei dem Gericht schrift­lich oder zur Nie­der­schrift des Urkund­s­be­am­ten der Geschäfts­stel­le erho­ben wird.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung soll die Schrift­form gewähr­leis­ten, dass der Inhalt der Erklä­rung und die erklä­ren­de Per­son hin­rei­chend zuver­läs­sig fest­ge­stellt wer­den kön­nen. Des Wei­te­ren soll das aus dem Schrift­form­erfor­der­nis abge­lei­te­te Gebot einer Unter­schrift des Erklä­ren­den sicher­stel­len, dass das Schrift­stück kei­nen Ent­wurf betrifft, son­dern mit Wis­sen und Wol­len des Erklä­ren­den an das Gericht gesandt wur­de [1].
Die­ses Unter­schrifts­er­for­der­nis ist gewahrt, wenn ein Rechts­be­helf oder ein ande­rer sog. bestim­men­der Schrift­satz nach Maß­ga­be des § 126 Abs. 1 BGB von dem Rechts­be­helfs­füh­rer bzw. Ver­fas­ser oder sei­nem jewei­li­gen Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten [2] eigen­hän­dig –hand­schrift­lich– unter­schrie­ben [3] und mit einer sol­chen Unter­schrift vor Ablauf der Kla­ge­frist bei Gericht vor­ge­legt wur­de (vgl. §§ 47 Abs. 1, 116 Abs. 2, 120 Abs. 1, 129 Abs. 1 FGO) [4].
Die­se Anfor­de­run­gen –auch hin­sicht­lich der eigen­hän­di­gen Unter­schrift– gel­ten grund­sätz­lich glei­cher­ma­ßen für bestim­men­de Schrift­sät­ze, die dem Gericht per Tele­fax über­mit­telt wer­den.
Dem Unter­schrifts­er­for­der­nis genügt aller­dings bei Schrift­sät­zen von Behör­den, Kör­per­schaf­ten oder Anstal­ten des öffent­li­chen Rechts eine maschi­nen­schrift­li­che Unter­zeich­nung mit hand­schrift­li­chem Beglau­bi­gungs­ver­merk auch ohne Dienst­sie­gel [5].
Dar­über hin­aus bedarf es nach stän­di­ger Recht­spre­chung kei­ner eigen­hän­di­gen Unter­schrift, wenn der jewei­li­ge bestim­men­de Schrift­satz durch Tele­gramm, Fern­schrei­ber, Tele­brief, Tele­ko­pie oder Bild­schirm­text­mit­tei­lung über­mit­telt wird (vgl. § 130 Nr. 6 ZPO) [6].
Auch die Über­mitt­lung der Kla­ge­schrift per Com­pu­ter­fax ist ohne Unter­schrift wirk­sam, weil bei die­ser Form auf der Sei­te des Absen­ders kein kör­per­li­ches Schrift­stück exis­tiert. Infol­ge­des­sen genügt es für die Wirk­sam­keit einer der­art erho­be­nen Kla­ge, dass sich aus dem Schrift­satz selbst oder den Begleit­um­stän­den die Urhe­ber­schaft und der Wil­le, das Schrift­stück in den Ver­kehr zu brin­gen, hin­rei­chend sicher erge­ben [7].
Davon unbe­rührt bleibt die Mög­lich­keit, eine Kla­ge durch ein elek­tro­ni­sches Doku­ment im Sin­ne des § 52a FGO mit den dort spe­zi­al­ge­setz­lich gere­gel­ten beson­de­ren Anfor­de­run­gen, näm­lich unter Anga­be des Namens des Klä­gers sowie einer qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Signa­tur nach § 2 Nr. 3 des Signa­tur­ge­set­zes zu erhe­ben (sie­he § 52a Abs. 1 Satz 3 FGO) [8].
Wird die Kla­ge –wie im Streit­fall– per Tele­fax erho­ben, muss sie aller­dings grund­sätz­lich eigen­hän­dig unter­schrie­ben sein [9]. Das Feh­len der Unter­schrift ist indes­sen unschäd­lich, wenn das Tele­fax­form­blatt unter­schrie­ben ist, mit der Kla­ge­schrift eine Ein­heit bil­det, die Per­son des Absen­ders voll­stän­dig bezeich­net und kein Zwei­fel dar­an besteht, dass die Kopier­vor­la­ge ord­nungs­ge­mäß eigen­hän­dig unter­zeich­net wur­de [10].
Ob das danach für bestim­men­de Schrift­sät­ze grund­sätz­lich bestehen­de Gebot "eigen­hän­di­ger Unter­schrift" auch durch eine ein­ge­scann­te Unter­schrift –wie im Streit­fall– gewahrt wird, wird nicht ein­heit­lich beur­teilt.
Für die ver­gleich­ba­re Form der Unter­schrift durch Ver­wen­dung eines Fak­si­mi­les­tem­pels hat die älte­re BFH-Recht­spre­chung grund­sätz­lich die Wirk­sam­keit der Erklä­run­gen ver­neint [11].
Nach der zu einer Kla­ge­er­he­bung durch Com­pu­ter­fax ergan­ge­nen Ent­schei­dung des Gemein­sa­men Senats der Obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des erfüllt eine ein­ge­scann­te Unter­schrift dage­gen das Schrift­form­erfor­der­nis [12]. Sie erfüllt näm­lich glei­cher­ma­ßen den schon in der frü­he­ren Recht­spre­chung des GmS-OGB bezeich­ne­ten aus­schließ­li­chen Zweck des Schrift­lich­keits­ge­bots, zuver­läs­sig den Erklä­rungs­in­halt sowie die erklä­ren­de Per­son und ihren unbe­ding­ten Wil­len zur Absen­dung fest­stel­len zu kön­nen [13].
Auf der Grund­la­ge die­ser Recht­spre­chung des Gemein­sa­men Senats der Obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des, deren Grund­la­ge durch die Rege­lun­gen in den §§ 52a FGO, 130a ZPO nicht berührt wird, weil die damit geschaf­fe­nen Son­der­vor­schrif­ten für den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr unab­hän­gig neben die Vor­schrif­ten zur Schrift­form getre­ten sind [14], hat die Recht­spre­chung
die Ein­le­gung eines Rechts­be­helfs per E‑Mail mit ein­ge­scann­ter Unter­schrift [15] oder
den Wider­ruf eines gericht­li­chen Ver­gleichs in der­sel­ben Form [16] sowie
die Ein­le­gung eines Rechts­be­helfs [17]
für form­wirk­sam erach­tet.
Im Ein­klang mit die­ser Recht­spre­chung ist auch für den Streit­fall von einer form­wirk­sa­men Kla­ge­er­he­bung inner­halb der Kla­ge­frist aus­zu­ge­hen.
Die Auf­fas­sung der Vor­in­stanz, das Schrift­form­erfor­der­nis nach § 64 FGO sei im Streit­fall durch den per Tele­fax über­sand­ten Schrift­satz mit ein­ge­scann­ter Unter­schrift nicht gewahrt, teilt der Bun­des­fi­nanz­hof nicht.
Geht man näm­lich von der Rich­tig­keit des unter Beweis gestell­ten und vom Finanz­ge­richt nicht in Zwei­fel gezo­ge­nen Kla­ge­vor­trags aus, dass der frü­he­re Bera­ter des Klä­gers den Kla­ge­schrift­satz mit der ein­ge­scann­ten Unter­schrift gefer­tigt und einem sei­ner Mit­ar­bei­ter zur (tat­säch­lich erfolg­ten) Über­sen­dung an das Gericht über­mit­telt hat, erfüllt die inner­halb der Kla­ge­frist bei Gericht per Fax ein­ge­gan­ge­ne Kla­ge­schrift mit der ein­ge­scann­ten Unter­schrift des frü­he­ren Klä­ger­ver­tre­ters das Schrift­form­erfor­der­nis nach § 64 FGO.
Es muss näm­lich nach dem aus­schließ­li­chen Zweck des Schrift­lich­keits­ge­bots, zuver­läs­sig den Erklä­rungs­in­halt sowie die erklä­ren­de Per­son und ihren unbe­ding­ten Wil­len zur Absen­dung fest­stel­len zu kön­nen [18], schon dann als die Schrift­form wah­rend ange­se­hen wer­den, wenn der abge­ge­be­nen Pro­zess­er­klä­rung –wie hier– nach den Gesamt­um­stän­den aus der maß­geb­li­chen Sicht des Gerichts deren Inhalt sowie der Erklä­ren­de und des­sen unbe­ding­ter Erklä­rungs­wil­le zu ent­neh­men sind. Ein dar­über hin­aus­ge­hen­der Zweck kommt dem Schrift­form­erfor­der­nis eben­so wie ande­ren Ver­fah­rens­vor­schrif­ten näm­lich nicht zu. Ins­be­son­de­re soll es eben­so wie ande­re Ver­fah­rens­vor­schrif­ten nur die ein­wand­freie Durch­füh­rung des Rechts­streits unter Wah­rung der Rech­te aller Betei­lig­ten sicher­stel­len und nicht behin­dern [19].
Maß­geb­li­cher Zeit­punkt für die erfor­der­li­che Fest­stel­lung, ob und wann eine Kla­ge mit wel­chem Inhalt und von wem –unbe­dingt– ein­ge­legt wor­den ist, ist eben­so wie für ande­re Sachur­teils­vor­aus­set­zun­gen der Zeit­punkt der gericht­li­chen Ent­schei­dung, im Streit­fall mit­hin der Zeit­punkt der münd­li­chen Ver­hand­lung [20]. In die­sem Zeit­punkt ist ggf. zur Fest­stel­lung der Sachur­teils­vor­aus­set­zun­gen –auch hin­sicht­lich der "Schrift­lich­keit einer Kla­ge­er­he­bung"– im Zwei­fels­fall durch das erken­nen­de Gericht Beweis zu erhe­ben [21].
Auf die­ser Grund­la­ge ist dann, wenn die Kla­ge­schrift ent­spre­chend dem unter Beweis gestell­ten, aber vom Gericht ersicht­lich nicht für beweis­be­dürf­tig gehal­te­nen Vor­trag des Klä­gers tat­säch­lich durch den frü­he­ren Bera­ter erstellt, von des­sen Mit­ar­bei­ter aus­ge­druckt und sodann wei­sungs­ge­mäß per Fax –inner­halb der Kla­ge­frist– an das Gericht über­sandt wur­de, die Rechts­auf­fas­sung der Vor­in­stanz, nur wegen der ein­ge­scann­ten Unter­schrift sei die Kla­ge nicht form­ge­recht ein­ge­legt wor­den, mit der BFH-Recht­spre­chung zu § 64 FGO unver­ein­bar.
Danach kann dem Zweck des § 64 Abs. 1 FGO auch auf ande­re Wei­se ent­spro­chen wer­den als durch eigen­hän­di­ge Unter­zeich­nung des maß­ge­ben­den Schrift­stü­ckes durch den Ver­fas­ser [22]. So kann sich selbst aus einem nicht unter­schrie­be­nen bestim­men­den Schrift­satz in Ver­bin­dung mit wei­te­ren Unter­la­gen oder Umstän­den die Urhe­ber­schaft und der Wil­le, das Schrei­ben in den Rechts­ver­kehr zu brin­gen, hin­rei­chend sicher erge­ben [23]. Dem­entspre­chend hat auch der Bun­des­fi­nanz­hof eine nur maschi­nen­schrift­lich unter­schrie­be­ne Kla­ge­schrift wegen der auf den Streit­fall bezo­ge­nen Kla­ge­be­grün­dung und bei­gefüg­ter Vor­kor­re­spon­denz in Ver­bin­dung mit dem Brief­kopf des Ein­sen­ders nach den Gesamt­um­stän­den als form­wirk­sam im Sin­ne des § 64 Abs. 1 FGO ange­se­hen [24]. Danach kann glei­cher­ma­ßen in finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren dem Zweck des § 64 Abs. 1 FGO in ande­rer Wei­se als mit der eigen­hän­di­gen Unter­zeich­nung bestim­men­der Schrift­sät­ze durch den Ver­fas­ser ent­spro­chen wer­den, wenn fest­steht, dass das Schrift­stück kei­nen Ent­wurf betrifft, son­dern dem Gericht mit Wis­sen und Wol­len des Berech­tig­ten zuge­lei­tet wor­den ist [25].
Nach die­sen Grund­sät­zen kann im Streit­fall die Wirk­sam­keit der Kla­ge­er­he­bung nicht ver­neint wer­den, weil sie zum einen den Erklä­rungs­in­halt sowie die erklä­ren­de Per­son aus­weist und zum ande­ren ihre Absen­dung auf­grund der in der münd­li­chen Ver­hand­lung erklär­ten Umstän­de ersicht­lich auf dem unbe­ding­ten Wil­len des frü­he­ren Klä­ger­ver­tre­ters beruh­te [26]. Denn die hier gege­be­ne unstrei­ti­ge Über­sen­dung des Kla­ge­schrift­sat­zes durch einen Drit­ten (Über­sen­dung über den Fax-Anschluss des X Büros durch einen Mit­ar­bei­ter des frü­he­ren Bevoll­mäch­tig­ten des Klä­gers) auf Wei­sung des Klä­gers lässt eben­so wie die per­sön­lich ver­an­lass­te Über­sen­dung einer maschi­nen­schrift­lich unter­schrie­be­nen Kla­ge [27] oder wie der Ein­gang eines mit ein­ge­scann­ter Unter­schrift ver­se­he­nen Com­pu­ter­fa­xes [19] ersicht­lich kei­ne Zwei­fel dar­an, dass die Kla­ge mit Wis­sen und Wol­len des (ver­tre­te­nen) Klä­gers erho­ben wor­den ist.
Bei die­ser Sach- und Rechts­la­ge kann dahin­ste­hen, ob die Grund­sät­ze der Ent­schei­dung des Gemein­sa­men Senats der Obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des [19] zur Form­wirk­sam­keit bestim­men­der Schrift­sät­ze mit ein­ge­scann­ter Unter­schrift unab­hän­gig von dem jeweils gewähl­ten Über­sen­dungs­weg (Brief­post, Tele­fax etc.) oder aber nur für sog. Com­pu­ter­fa­xe gel­ten.
Aus der Sicht des Bun­des­fi­nanz­hofs kann eine sol­che Beschrän­kung auf Com­pu­ter­fa­xe nicht allein aus dem Umstand gefol­gert wer­den, dass Gegen­stand des Ver­fah­rens vor dem Gemein­sa­men Senat der Obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des ein sol­ches Com­pu­ter­fax war. Viel­mehr spricht die Begrün­dung des Gemein­sa­men Senats der Obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des eher für die Anwen­dung der Ent­schei­dungs­grund­sät­ze auf alle For­men der Über­sen­dung bestim­men­der Schrift­sät­ze. So betrifft der in der Ent­schei­dung als maß­geb­lich ange­se­he­ne Gesichts­punkt, dass es für die Schrift­form­erfor­der­nis­se und ins­be­son­de­re die Ent­behr­lich­keit eigen­hän­di­ger Unter­schrift nur auf den bei Gericht als Emp­fän­ger sicht­bar wer­den­den Schrift­satz ankommt, glei­cher­ma­ßen Schrift­sät­ze, die wie im Streit­fall per Tele­fax über­mit­telt wur­den.
Des Wei­te­ren hat der Gemein­sa­men Senat der Obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des sei­nen Beschluss aus­drück­lich unter Bezug­nah­me auf sei­ne frü­he­re –nicht zu einem Com­pu­ter­fax– ergan­ge­ne Ent­schei­dung [28] begrün­det. Der damit ver­bun­de­ne Hin­weis auf den aus­schließ­li­chen Zweck des Schrift­form­erfor­der­nis­ses, Inhalt, Urhe­ber und Erklä­rungs­wil­le sicher fest­stel­len zu kön­nen und auf die hin­rei­chen­de Erfül­lung die­ses Zwecks durch eine nur ein­ge­scann­te Unter­schrift recht­fer­ti­gen ersicht­lich kei­ne Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen den Wegen, auf denen das jewei­li­ge Doku­ment mit der ein­ge­scann­ten Unter­schrift über­mit­telt wird [29].
Gleich­wohl muss der Bun­des­fi­nanz­hof die­se Fra­ge hier offen­las­sen, weil sie im Streit­fall aus den bereits dar­ge­stell­ten Grün­den nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich ist und im Übri­gen die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs [30] eine erneu­te Anru­fung des Gemein­sa­men Senats der Obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des erfor­der­lich machen könn­te. Im Streit­fall bedeu­tet die Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs jeden­falls des­halb kei­ne Abwei­chung vom Beschluss des BGH [31] weil Gegen­stand des BGH-Ver­fah­rens eine Kla­ge­schrift war, bei der die per Fax über­sand­te Fas­sung eine Unter­schrift auf­wies, die nicht nur ein­ge­scannt wor­den war, son­dern zudem einen ande­ren Namen als die spä­ter im Ori­gi­nal über­sand­te Rechts­be­helfs­schrift auf­wies und schon des­halb erheb­li­che Zwei­fel an einer Über­sen­dung "mit Wis­sen und Wol­len" des Ver­fas­sers begrün­den muss­te.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22. Juni 2010 – VIII R 38/​08
vgl. GmS-OGB, Beschluss vom 30.04.1979 – GmS-OGB 1/​78, NJW 1980, 172; BFH, Urteil vom 29.08.1969 – III R 86/​68, BFHE 97, 226, BStBl II 1970, 89; BFH, Beschluss vom 05.11.1973 – GrS 2/​72, BFHE 111, 278, BStBl II 1974, 242; BFH, Urteil vom 17.12.1998 – III R 101/​96, BFH/​NV 1999, 967; BFH, Beschluss in BFH/​NV 2002, 1597[↩]
BFH, Urteil vom 18.05.1972 – V R 149/​71, BFHE 106, 7, BStBl II 1972, 771[↩]
vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 97, 226, BStBl II 1970, 89; vom 07.08.1974 – II R 169/​70, BFHE 113, 490, BStBl II 1975, 194; BFH, Beschlüs­se vom 24.01.1994 – V R 137/​93, BFH/​NV 1995, 312; vom 15.01.2002 – X B 143/​01, BFH/​NV 2002, 669[↩]
BFH, Beschluss in BFH/​NV 2002, 1597[↩]
vgl. GmS-OGB, Beschluss in NJW 1980, 172[↩]
BFH, Beschlüs­se vom 21.06.1968 – III B 36/​67, BFHE 92, 438, BStBl II 1968, 589; vom 22.03.1983 – VIII B 117/​80, BFHE 138, 403, BStBl II 1983, 579; BFH, Urteil vom 03.10.1986 – III R 207/​81, BFHE 148, 205, BStBl II 1987, 131[↩]
BFH, Beschluss vom 11.11.1997 – VII B 108/​97, BFH/​NV 1998, 604; Schles­wig-Hol­stei­ni­sches FG, Urteil vom 05.03.2008 – 2 K 202/​06, EFG 2009, 427; FG Mün­chen, Urteil vom 26.11.2007 – 1 K 2342/​07[↩]
BFH, Urteil vom 18.10.2006 – XI R 22/​06, BFHE 215, 47, BStBl II 2007, 276; FG Müns­ter, Urteil vom 23.03.2006 – 11 K 990/​05 F, EFG 2006, 994; zur Not­wen­dig­keit einer sol­chen qua­li­fi­zier­ten Signa­tur als Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung elek­tro­ni­scher bestim­men­der Schrift­sät­ze nach –dem § 52a FGO ent­spre­chen­den– § 130a ZPO sie­he BGH, Beschluss vom 14.01.2010 – VII ZB 112/​08, MDR 2010, 460[↩]
BFH, Urtei­le vom 28.11.1995 – VII R 63/​95, BFHE 179, 5, BStBl II 1996, 105; vom 16.02.2005 – VI R 66/​00, BFH/​NV 2005, 1120; BFH, Beschlüs­se vom 26.03.1991 – VIII B 83/​90, BFHE 163, 510, BStBl II 1991, 463; vom 12.04.1996 – V S 6/​96, BFH/​NV 1996, 824; vom 19.05.2000 – VIII B 13/​00, BFH/​NV 2000, 1358; in BFH/​NV 2002, 1597; BGH, Beschluss vom 11.10.1989 – IVa ZB 7/​89, WM 1989, 1820[↩]
BFH, Beschluss vom 31.03.2000 – VII B 87/​99, BFH/​NV 2000, 1224[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 97, 226, BStBl II 1970, 89; in BFHE 113, 490, BStBl II 1975, 194; eben­so BAG, Urteil vom 05.08.2009 – 10 AZR 692/​08, NJW 2009, 3596; vgl. aber BFH, Urteil vom 19.09.1974 – IV R 24/​74, BFHE 113, 416, BStBl II 1975, 199 zur Wirk­sam­keit einer Kla­ge­schrift in Form eines Matri­zen­ab­zugs und damit nur auf der Matri­ze im Ori­gi­nal ent­hal­te­nen Unter­schrift[↩]
vgl. GmS-OGB, Beschluss in MDR 2000, 1089[↩]
GmS-OGB, Beschluss in NJW 1980, 172; vgl. hier­zu auch die Ent­schei­dun­gen des BFH in BFHE 138, 403, BStBl II 1983, 579, und vom 13.12.1984 – IV R 274/​83, BFHE 143, 198, BStBl II 1985, 367[↩]
vgl. BAG, Urteil in NJW 2009, 3596; BGH, Beschluss vom 15.07.2008 – X ZB 8/​08, NJW 2008, 2649[↩]
LSG NRW, Urtei­le vom 13.09.2007 – L 9 SO 24/​06; vom 26.04.2007 – L 9 SO 25/​06; Beschluss vom 26.10.2009 – L 19 B 301/​09 AS ER[↩]
LAG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 09.08.2005 – 5 Sa 363/​04[↩]
BGH, Beschluss in NJW 2008, 2649; LAG Bre­men, Urteil vom 10.08.2004 – 1 Sa 165/​03; OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 14.11.2005 – I‑9 U 30/​05[↩]
GmS-OGB, Beschluss in NJW 1980, 172[↩]
GmS-OGB, Beschluss in MDR 2000, 1089[↩][↩][↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 23.04.1985 – VII R 109/​80, BFH/​NV 1987, 304: "… in jeder Lage des Ver­fah­rens –auch vom Revi­si­ons­ge­richt– zu über­prü­fen"; vom 14.05.1987 – X R 51/​82, BFH/​NV 1988, 96; vom 17.10.1990 – I R 118/​88, BFHE 162, 534, BStBl II 1991, 242[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 29.04.1993 – IV R 26/​92, BFHE 171, 1, BStBl II 1993, 720[↩]
sie­he hier­zu auch BFH, Urtei­le vom 18.05.1972 – V R 1/​71, BFHE 106, 4; und vom 27.07.1977 – I R 207/​75, BFHE 123, 286, BStBl II 1978, 11[↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, vgl. BVerwG, Urtei­le vom 17.10.1968 – II C 112.65, BVerw­GE 30, 274; vom 07.11.1973 – VI C 124.73, HFR 1974, 174; und vom 20.04.1977 – VI C 26.75, Ver­wal­tungs­recht­spre­chung 29, 764; zusam­men­fas­send Beschluss vom 26.06.1980 – 7 B 160.79[↩]
BFH, Urteil in BFHE 148, 205, BStBl II 1987, 131[↩]
BFH, Beschluss vom 17.08.2009 – VI B 40/​09, BFH/​NV 2009, 2000 unter Bezug­nah­me auf BFH, Beschluss vom 31.03.2000 – VII B 87/​99, BFH/​NV 2000, 1224, m.w.N.[↩]
zu die­sen Anfor­de­run­gen sie­he GmS-OBG, Beschluss in NJW 1980, 172[↩]
wie in BFHE 148, 205, BStBl II 1987, 131[↩]
GmS-OBG, NJW 1980, 172[↩]
so auch BGH, Beschluss in NJW 2008, 2649[↩]
BGH, Beschluss vom 10.10.2006 – XI ZB 40/​05, NJW 2006, 3784, ver­fas­sungs­recht­lich vom BVerfG durch Nicht­an­nah­me­be­schluss vom 18.04.2007 – 1 BvR 110/​07, NJW 2007, 3117 unbe­an­stan­det[↩]
BGH, NJW 2006, 3784[↩]
Beschwer­de gegen Ableh­nung einer Ter­mins­ver­le­gung Eine Ladung zum Ter­min ist nicht anfecht­bar. Denn § 128 Abs. 2 FGO bestimmt aus­drück­lich, dass u.a. pro­zess­lei­ten­de Ver­fü­gun­gen ‑zu denen auch Ladun­gen gehö­ren ((vgl.…
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