Source: http://www.studieren-ohne-abitur.de/web/artikel/Nordrhein-Westfalen
Timestamp: 2018-01-19 17:33:52
Document Index: 237595973

Matched Legal Cases: ['§ 49', '§ 2', '§ 45', '§ 53', '§ 42', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 62', '§ 62', '§ 49', '§ 63', '§ 10', '§ 1', '§ 24', '§ 2', '§ 3', '§ 5', '§ 6', '§ 24', '§ 24', '§ 23', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 11', '§ 3', '§ 62']

Seit 2010 zeigt sich in Nordrhein-Westfalen ein regelrechter Boom beim Studium ohne allgemeine Hochschul-und Fachhochschulreife. Grundlage dafür war vor allem die Schaffung großzügiger rechtlicher Rahmenbedingungen. Aktuell hat der Anteil beruflich qualifizierter Studienanfänger(innen) in NRW zwar Einbußen zu verzeichnen. Dennoch erreicht er im Bundesländervergleich einen Spitzenwert und zwar den zweiten Platz hinter Hamburg. Der Anteil der Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung geht im aktuellen Berichtsjahr zwar ebenfalls ein wenig zurück, doch befindet sich NRW damit deutschlandweit immer noch in der Spitzengruppe auf Platz drei. Stetig erhöht werden konnte dagegen in den zurückliegenden Jahren die Absolvent(inn)enquote, wodurch sich das Bundesland in dieser Kategorie auf den nunmehr dritten Platz steigert. Wesentlichen Anteil an dem überdurchschnittlichen Abschneiden von NRW in puncto Studium ohne Abitur hat die FernUniversität in Hagen. 2015 nahmen dort mehr als 2.000 beruflich Qualifizierte ein Studium auf. Diesen Zahlenwert erreichte in dem Jahr keine andere deutsche Hochschule.
Fachlich entsprechende Berufsausbildung (2 Jahre)
Fachlich entsprechende Berufserfahrung (3 Jahre)
In besonders begründeten Einzelfällen auch ohne Berufsausbildung möglich.
Nur bei Wahl eines nicht verwandten Studienfaches.
Ja, in nicht-zulassungsbeschränkten Studiengängen.
§ 49 Abs. 4 HG: „Das Ministerium regelt im Einvernehmen mit dem für das Schulwesen zuständigen Ministerium durch Rechtsverordnung den Zugang zu einem Hochschulstudium auf Grund einer beruflichen Vorbildung.“
§ 2 der BBHZVO: Folgende Abschlüsse einer Aufstiegsfortbildung berechtigen zur Aufnahme des Studiums in jedem Studiengang an jeder Hochschule: Meisterbrief im Handwerk nach §§ 45 oder 51a der Handwerksordnung, Fortbildungsabschluss i. S. von §§ 53 oder 54 des Berufsbildungsgesetzes oder §§ 42 oder 42a der Handwerksordnung, der Abschluss einer Fachschule, eine vergleichbare landesrechtlich geregelte Fortbildung für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe, der Abschluss einer sonstigen vergleichbaren bundes- oder landesrechtlich geregelten Aufstiegsfortbildung.
Beruflich Qualifizierte die ein fachnahes Hochschulstudium aufnehmen möchten, müssen laut § 3 der BBHZVO einen Abschluss nach Bundes- oder Landesrecht geregelten mindestens zweijährigen Berufsausbildung sowie eine anschließende und darauf aufbauende mindestens dreijährigen Berufspraxis (jeweils in einem dem angestrebten Studium fachlich entsprechenden Bereich) vorweisen. Eine weitere fachlich verwandte Berufsausbildung sowie anteilig eine hälftige Teilzeitbeschäftigung werden hier ebenfalls als berufliche Tätigkeit angerechnet (§ 3 Abs. 2 BBHZVO). Für Stipendiat(inn)en des Aufstiegsstipendienprogramms des Bundes sind zwei Jahre berufliche Tätigkeit ausreichend. Außerdem können laut § 4 Abs. 5 BBHZVO in „besonders begründeten Einzelfällen" über eine Zugangsprüfung auch Personen ein fachlich entsprechendes Studium aufnehmen, die „eine mehrjährige herausgehobene oder inhaltlich besonders anspruchsvolle Tätigkeit ausgeübt" haben, ohne zuvor einen Berufsabschluss erlangt zu haben. Dies wird durch die Prüfungsordnung der Hochschulen geregelt.
Bei Beabsichtigung der Aufnahme eines fachfremden Hochschulstudiums haben beruflich Qualifizierte in NRW die Möglichkeit an einer Zugangsprüfung teilzunehmen oder, in nicht zulassungsbeschränkten Studiengängen, alternativ ein Probestudium aufnehmen (§ 4 BBHZVO). Die Zulassungsvoraussetzungen für Zugangsprüfung oder Probestudium werden in § 4 Abs. 1 und 2 der BBHZVO geregelt:
Zugelassen wird, wer eine mindestens zweijährige Berufsausbildung und eine danach mindestens dreijährige berufliche Tätigkeit (für Stipendiat(inn)en des Aufstiegsstipendienprogrammes des Bundes sind zwei Jahre ausreichend) auch in einem der Ausbildung fachlich nicht entsprechenden Beruf nachweisen kann. Die hauptverantwortliche und selbstständige Führung eines Familienhaushalts und die Kindererziehung oder Pflege eines Angehörigen sind der beruflichen Tätigkeit gleichgestellt. Als berufliche Tätigkeit werden zudem angerechnet:
der freiwillige Wehrdienst,
der Bundesfreiwilligendienst,
die Tätigkeit als Entwicklungshelfer(in) (i. S. des Entwicklungshelfergesetzes)
der Abschluss einer weiteren mindestens zweijährigen bundes- oder landesrechtlich geregelten Berufsausbildung.
Auch hier wird eine mindestens hälftige Teilzeitbeschäftigung oder Übernahme der aufgelisteten Tätigkeiten als berufliche Tätigkeit mit dem entsprechenden Anteil angerechnet (§ 4 Abs. 2 BBHZVO).
Wesen und Inhalte der Zugangsprüfung:
§ 6 Abs. 4 BBHZVO: "Die bestandene Zugangsprüfung berechtigt studiengangbezogen zur Aufnahme des Studiums im ersten Fachsemester."
§ 6 Abs. 1 und 3 BBHZVO: Mit der Zugangsprüfung sollen die fachlichen und methodischen Kenntnisse der Bewerber(innen) hinsichtlich eines Studiums im angestrebten Studiengang überprüft werden. Inhalt der Prüfung ist sowohl allgemeines als auch fachbezogenes Wissen, das in der Regel in schriftlichen und mündlichen Prüfungsteilen nachgewiesen werden muss. Die Hochschulen regeln durch Ordnung das Nähere des Zugangsprüfungsverfahrens und die Inhalte der Zugangsprüfung. Über den Erfolg der Prüfung entscheidet der Prüfungsausschuss und nicht bestandene Prüfungsteile können wiederholt werden.
§ 6 Abs. 4 BBHZVO: Auf Antrag wird die an einer anderen Hochschule des Landes oder in der Trägerschaft des Landes erfolgreich abgelegte Zugangsprüfung anerkannt, sofern hinsichtlich der durch die Prüfung nachgewiesenen Kompetenzen kein wesentlicher Unterschied zu den Leistungen besteht, die ersetzt werden.
Wesen und Inhalte des Probestudiums:
§ 5 Abs. 2 BBHZVO: „Das erfolgreiche Probestudium berechtigt studiengangbezogen zur Fortsetzung des Studiums im jeweiligen Studiengang. Das Probestudium ist erfolgreich, wenn 1. in Bachelorstudiengängen pro absolviertem Probesemester durchschnittlich mindestens 20 Leistungspunkte nach dem Europäischen Credit-Transfer-System erworben wurden oder 2. in Studiengängen, die mit einer staatlichen oder kirchlichen Prüfung abgeschlossen werden, mindestens zwei Drittel erfolgreiche Studien- und Prüfungsleistungen erbracht wurden, die in der jeweiligen Studien- und Prüfungsordnung innerhalb der absolvierten Probesemester vorgesehen sind.“
§ 5 Abs. 1, 2 und 3 BBHZVO: Das Probestudium dauert mindestens zwei Semester, jedoch soll diese Frist individuell je nach gegebenen Umständen, wie beispielsweise bei Teilzeitstudierenden oder Studierenden mit Behinderung (weitere Umstände genannt in § 5 Abs. 3 BBHZVO), von den Hochschulen angepasst werden. Nach Ablauf des Probestudiums erlischt für die auf Probe studierende Person als solche der Anspruch auf Teilnahme an den nach der Prüfungsordnung erforderlichen Prüfungen.
§ 5 Abs. 3 BBHZVO: Die Hochschule kann durch Ordnung Einzelheiten zum Probestudium regeln.
Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen und Studien
§ 62 Abs. 1 HG: An einem weiterbildenden Studium kann auch teilnehmen, wer die erforderliche Eignung im Beruf erworben hat. „Das Weiterbildungsangebot ist mit den übrigen Lehrveranstaltungen abzustimmen und soll berufspraktische Erfahrungen einbeziehen. Die Hochschule regelt die Voraussetzungen und das Verfahren des Zugangs und der Zulassung. Sie kann die Zulassung insbesondere beschränken, wenn wegen der Aufnahmefähigkeit oder der Art oder des Zwecks der Weiterbildung eine Begrenzung der Teilnehmerzahl erforderlich ist.“ Gemäß § 62 Abs. 3 HG können beruflich Qualifizierte an einem weiterbildenden Studium teilnehmen, welches mit einem Weiterbildungszertifikat endet, aber ohne einschlägigen berufsqualifizierenden Studienabschluss besitzen sie keine Zugangsberechtigung für einen weiterbildenden Masterstudiengang. Damit steht beruflich Qualifizierten ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung und ohne ersten Studienabschluss nur eine Weiterbildung offen, die nicht zum Masterabschluss führt. Das Nähere regelt die Prüfungsordnung.
In § 49 Abs. 12 HG ist geregelt, dass studienrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten, die in anderer Weise als durch ein Studium erworben wurden, in einer besonderen Hochschulprüfung (Einstufungsprüfung) nachgewiesen werden können. Die Bewerber(innen) sollen nach Ergebnis dieser Prüfung in einen entsprechenden Studienabschnitt des Studiengangs zugelassen werden. „Das Nähere regeln die Prüfungsordnungen, die für Studiengänge, die mit einer staatlichen Prüfung abgeschlossen werden, im Einvernehmen mit den jeweils zuständigen Fachministerien erlassen werden.“
§ 63a Abs. 7 HG regelt weiterhin, dass sonstige Kenntnisse und Qualifikationen in Form eines Antrages und auf Grundlage vorgelegter Unterlagen, für Prüfungsleistungen anerkannt werden können, wenn sie diesen bezüglich des Inhalts und Niveaus gleichen.
§ 10 Abs. 4 BBHZVO: Der Hochschulwechsel nach NRW in einen gleichen oder in einen fachlich verwandten Studiengang ist nach zwei Semestern nachweislich erfolgreich absolvierten Studiums möglich. § 1 Abs. 1 bis 3 der BBHZVO regelt auch den Hochschulwechsel innerhalb von NRW.
§ 24 Abs. 2 der VergabeVO NRW bestimmt eine Vorabquote in Höhe von mindestens zwei Prozent bis maximal vier Prozent für Bewerber(innen), welche den Hochschulzugang auf Grund einer beruflichen Aufstiegsfortbildung gemäß § 2 der Verordnung, fachlich entsprechender beruflicher Bildung gemäß § 3 der Verordnung oder eines erfolgreichen Probestudiums gemäß § 5 der Verordnung erhalten haben. Bewerber(innen), die eine „Zugangsprüfung im Sinne der §§ 6 und 7 Berufsbildungshochschulzugangsverordnung erfolgreich abgelegt haben, werden dieser Quote nicht zugeordnet, sondern mit der Durchschnittsnote der Zugangsprüfung am Verfahren beteiligt" (§ 24 Abs. 2 Satz 3 VergabeVO NRW).
Die Studienplätze der Quote werden nach dem Ergebnis eines Auswahlverfahrens, welches Auskunft über die Eignung und die Motivation der Bewerber(innen) gibt (Anlage 6 Nr. 3 VergabeVO NRW), gemäß Anlage 6 vergeben (§ 24 Abs. 2 VergabeVO NRW). „Im Auswahlverfahren wird die Rangfolge der Bewerberinnen und Bewerber auf Grund der Bewerbungsunterlagen und eines Auswahlgesprächs ermittelt; die Kommission kann durch einen einstimmigen Beschluss in besonderen Fällen von dem Auswahlgespräch absehen“ (Anlage 6 Nr. 3 Satz 1 VergabeVO NRW). Bei gleichen Ergebnissen entscheidet das Los (Anlage 6 Nr. 1 VergabeVO NRW).
Die in der Quote unbesetzten Studienplätze werden nach § 23 Abs. 2 VergabeVO NRW der Wartezeitquote hinzugerechnet.
§ 9 Abs. 1 BBHZVO: Bewerber(innen) sollen an einem von der Hochschule angebotenen Beratungsgespräch teilnehmen. Im Beratungsgespräch soll fehlendes fachliches oder methodisches Vorwissen ermittelt und über die Möglichkeiten des Ausgleichs des fehlenden Vorwissens i. S. einer Studienerfolgsprognose informiert werden.
§ 9 Abs. 2 BBHZVO: „Die Hochschule bietet allen Bewerbern, die keine Zugangsprüfung ablegen, einen Test an, in dem vor Beginn des Studiums die Eignung für den angestrebten Studiengang getestet wird. Die Teilnahme ist freiwillig. Das Testergebnis hat keinen Einfluss auf den Zugang zum Studium.“
§ 9 Abs. 3 BBHZVO: „Die Hochschule kann besondere Angebote zum Ausgleich des fehlenden fachlichen oder methodischen Vorwissens bereitstellen.“
§ 11 der BBHZVO legt fest, dass die Hochschulen dem Ministerium jährlich folgende statistische Daten zum Studium mit beruflicher Qualifikation liefern: der Anteil von Studierenden in Studiengängen nach Aufstiegsfortbildung, nach Berufsausbildung und Berufserfahrung, nach Probestudium, nach Zugangsprüfung (abgelegte und bestandene Zugangsprüfungen), Studienerfolg, Alter und Geschlecht, Dauer der beruflichen Tätigkeit. Zudem den Anteil der Studierenden, die an anderen Hochschulen ihr Studium als beruflich Qualifizierte aufgenommen haben.
Es ist Aufgabe der Hochschulen, die Vereinbarkeit von Beruf, Studium und Erziehung zu fördern (§ 3 Abs. 5 HZG). Zudem sollen sie Teilzeitstudiengänge einrichten. „Die Liste der für ein Studium in Teilzeit geeigneten Studiengänge ist in geeigneter Weise zu veröffentlichen.“ (§ 62 a Abs. 2 Satz 2 HZG)
Seit 2010 zeigt sich in Nordrhein-Westfalen ein regelrechter Boom beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife. Nachdem das Land zwei Jahre hintereinander die Liste der Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung im bundesweiten Ländervergleich angeführt hat, belegt es nun seit vier Jahren und mit einem aktuellen Anteil von 4,28 Prozent einen sehr guten 2. Platz, hinter Hamburg als Erstplatziertem. Damit wird der Bundesdurchschnitt mit 2,47 Prozent deutlich übertroffen. Dennoch liegt der Anteil an Studienanfänger(innen) im Jahr 2015 um 0,78 Prozentpunkte unter dem Wert des Vorjahres und dadurch wieder unterhalb der 5 Prozent-Grenze. Interessant an der Verteilung der Studienanfänger(innen) ohne Abitur in NRW ist, dass sich nahezu 60 Prozent davon ausschließlich auf die FernUniversität in Hagen und die private FOM Hochschule für Ökonomie & Management Essen verteilen. Bei den Studierendenanteilen wurde NRW 2011 anteilig von Berlin sowie im darauffolgenden Jahr dann auch von Hamburg übertroffen und rangiert seitdem im Bundesländervergleich auf dem 3. Platz. Derzeitig ist die Quote der beruflich qualifizierten Studierenden leicht zurückgegangen und liegt bei 2,57 Prozent. Bezüglich der Absolvent(inn)enquote ohne Abitur und Fachhochschulreife weist NRW wie bereits in den vergangenen Jahren einen um weitere 0,32 Prozentpunkte steigenden Anteil auf. Mit einem Wert von 1,65 Prozent schafft es NRW im Bundesländervergleich vom 5. auf den 3. Platz und folglich auch in dieser Kategorie ins Spitzentrio.
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