Source: http://m.hensche.de/Kuendigung_Freistellung_fristlose_Kuendigung_bei_Freistellung_wegen_schwerwiegender_Pflichtverletzung_Hessisches-LAG_7Sa248-11-u.html
Timestamp: 2017-03-30 12:29:59
Document Index: 284119290

Matched Legal Cases: ['§ 626', '§ 7', '§ 626', '§ 5', '§ 7', '§ 7', '§ 17', '§ 5', '§ 626', '§ 626', '§ 7', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 102', '§ 72']

Im Fal­le ei­ner schwer­wie­gen­den Ver­let­zung der ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten (hier: Trans­fer ei­ner großen Zahl von Kun­den­da­ten ei­nes Bank­kun­den­be­treu­ers auf sei­nen Pri­vat- PC) kommt auch bei ei­nem von der Ar­beits­pflicht bis zum ver­ein­bar­ten Be­en­di­gungs­ter­min frei­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung gem. § 626 BGB in Be­tracht. Die man­geln­de Wie­der­ho­lungs­ge­fahr steht dem nicht ent­ge­gen, sie ist im Rah­men der In­ter­es­sen­abwägung ein­zu­be­zie­hen (im An­schluss an BAG Ur­teil vom 05. April 2001 - 2 AZR 217/00).
29. Au­gust 2011
Ak­ten­zei­chen: 7 Sa 248/11(Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main: 4 Ca 5416/10)
hat das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt, Kam­mer 7,auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 29. Au­gust 2011
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Schäfer als Vor­sit­zen­denund den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Til­lyund den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Wag­ner
Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 21. De­zem­ber 2010 – 4 Ca 5416/10 – ab­geändert.
Der im Jah­re 1974 ge­bo­re­ne, ver­hei­ra­te­te und ei­nem Kind zum Un­ter­halt ver­pflich­te­te Kläger war seit Ok­to­ber 2008 als Fir­men­kun­den­be­treu­er bei der be­klag­ten Bank, seit dem 01. April 2009 als Ab­tei­lungs­di­rek­tor mit Pro­ku­ra beschäftigt. Sein mo­nat­li­ches Brut­to­grund­ge­halt be­lief sich auf 6.000,00 € brut­to.
Am 11. und 16. Ju­ni 2010 un­ter­zeich­ne­ten die Par­tei­en ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag, in dem sie u.a. ver­ein­bar­ten:- die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 31. De­zem­ber 2010,- die un­wi­der­ruf­li­che Frei­stel­lung des Klägers von sei­ner Ar­beits­pflicht ab dem 01. Ju­li 2010,- die Wei­ter­zah­lung der Vergütung ein­sch­ließlich des 13. Mo­nats­ge­halts, - für das Geschäfts­jahr 2009/2010 ei­ne fi­xier­te va­ria­ble Vergütung in Höhc von 16.000,00 € zuzüglich ei­ner Son­der­zah­lung in Höhe von 2.500,00 € we­gen der Ver­mitt­lung ei­nes neu­en Kun­den,- die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung in Höhe von 18.374,00 €,- die Möglich­keit ei­ner frühe­ren Be­en­di­gung durch den Kläger, wo­durch sich die Ab­fin­dung um 50% der an­sons­ten bis zum 31. De­zem­ber 2010 zu zah­len­den Vergütung erhöht,- in § 7 Abs. 1 die Ver­pflich­tung des Klägers, „spätes­tens zum End­ter­min […] sämt­li­che der Bank gehören­den Da­ten und Un­ter­la­gen (ein­sch­ließlich Adress­lis­ten, Kun­den­da­tei­en etc.) […] vollständig an die Bank zurück­zu­ge­ben“ Das­sel­be soll­te „für Ko­pi­en von Da­ten und Un­ter­la­gen der vor­be­zeich­ne­ten Art“ gel­ten.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten die­ses Ver­trags wird auf Bl. 79 - 82 d.A. ver­wie­sen.
Am 29. Ju­ni 2010 von 14.30 Uhr bis 19.01 Uhr und am 30. Ju­ni 2010 von 11.41 Uhr bis 18.19 Uhr über­mit­tel­te der Kläger ins­ge­samt 94 E-Mails mit ca. 622 MB in 1.660 Da­tei­anhängen an sein pri­va­tes E-Mail-Post­fach bei gmx.de. Da­bei han­del­te es sich un­strei­tig über­wie­gend um Da­ten, die dem Bank­ge­heim­nis un­ter­lie­gen, dar­un­ter- Kon­takt­da­ten der vom Kläger und an­de­ren Per­so­nen be­treu­ten Kun­den,- Un­ter­la­gen für die Vor­be­rei­tung von Kun­den­be­su­chen und Be­suchs­be­rich­te,
- so ge­nann­te Ban­ken­spie­gel (Do­ku­men­te, in de­nen die ei­nem Un­ter­neh­men von ver­schie­de­nen Ban­ken ein­geräum­ten Kre­dit­li­ni­en bzw. in An­spruch ge­nom­me­nen Kre­di­te auf­ge­lis­tet wer­den),- so ge­nann­te SWOT-Ana­ly­sen (Ana­ly­sen der Stärken, Schwächen, Chan­cen und Ri­si­ken ei­nes Un­ter­neh­mens in Form ei­ner knap­pen, aber de­tail­lier­ten Auf­stel­lung,- Pla­nungs­un­ter­la­gen zur kun­den­sei­ti­gen Un­ter­neh­mens­pla­nung so­wie Or­ga­ni­gram­me,- Kre­dit­anträge und Kre­dit­verträge.
We­gen der ge­sam­ten Da­tei­anhänge und ih­rer In­hal­te wird auf die von der Be­kla­gen als An­la­ge KV 4 zur Kla­ge­er­wi­de­rung zu den Ak­ten ge­reich­te Auf­stel­lung (Bl. 83 - 129 d.A.) ver­wie­sen. Die Be­klag­te er­hielt am 07. Ju­li 2010 durch die er­mit­teln­de Da­ten­schutz­kom­mis­si­on Kennt­nis von die­sem Da­ten­trans­fer. Ihr Vor­stands­vor­sit­zen­der wur­de be­reits am 08. Ju­li 2010 hierüber in­for­miert.
Mit Schrei­ben vom 14. Ju­li 2010, ergänzt am 16. Ju­li 2010, hörte die Be­klag­te den bei ihr ge­bil­de­ten Be­triebs­rat zur be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung an. We­gen des In­halts der Anhörungs­schrei­ben wird auf Bl. 149 - 156 d.A. ver­wie­sen. Der Be­triebs­rat stimm­te der be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung mit Schrei­ben vom 19. Ju­li 2010 zu.
Mit Schrei­ben vom 20. Ju­li 2010, we­gen des­sen In­halt auf Bl. 4 d.A. Be­zug ge­nom­men wird, kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger frist­los. Die­ser bot der Be­klag­ten dar­auf­hin an, die trans­fe­rier­ten Da­ten un­verzüglich in An­we­sen­heit ei­nes Ver­tre­ters der Be­klag­ten zu löschen.
Ge­gen die­se Kündi­gung wen­det sich der Kläger mit sei­ner am 09. Au­gust 2010 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge. Durch schrift­li­che Erklärung vom 02. Sep­tem­ber 2010 hat der Kläger das Ar­beits­verhält­nis zum 30. Sep­tem­ber 2010 be­en­det. Er ar­bei­tet seit­dem als Fir­men­kun­den­be­treu­er für die Lan­des­bank A.
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ein Kündi­gungs­grund i.S.d. § 626 BGB läge nicht vor.
fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en we­der durch die sei­tens der Be­klag­ten mit Schrei­ben vom 20. Ju­li 2010 aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung noch sonst­wie auf­gelöst wor­den ist, son­dern un­verändert fort­be­steht.
Sie hat die Mei­nung geäußert, der Kläger ha­be rechts­wid­rig und schuld­haft Da­ten ent­wen­det, sich der Be­triebs­spio­na­ge schul­dig ge­macht, ei­nen Ar­beits­zeit­be­trug be­gan­gen, ge­gen das aus­drück­li­che Ver­bot zur pri­va­ten Nut­zung des dienst­li­chen E-Mail-Ac­counts so­wie ge­gen § 5 Satz 1 Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz ver­s­toßen. Des­halb sei es ihr auch un­ter Berück­sich­ti­gung der Frei­stel­lung des Klägers und des be­reits ge­schlos­se­nen Auf­he­bungs­ver­trags nicht zu­zu­mu­ten ge­we­sen, das Ar­beits­verhält­nis bis zum ver­ein­bar­ten End­ter­min fort­zu­set­zen.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und dies da­mit be­gründet, dass zwar ein wich­ti­ger Grund an sich, der die Be­klag­te zum Aus­spruch ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung be­rech­ti­gen könn­te, vor­lie­ge, da der Kläger un­strei­tig un­be­rech­tigt Bank­da­ten auf sein pri­va­tes E-Mail-Ac­count trans­fe­riert hat. Im Rah­men der auf der zwei­ten Prüfungs­stu­fe durch­zuführen­den In­ter­es­sen­abwägung er­wei­se sich die Kündi­gung je­doch als un­verhält­nismäßig. Zum ei­nen sei hier ei­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung nicht ent­behr­lich ge­we­sen, denn der Kläger ha­be zwar ge­gen Vor­ga­ben zur IT-Si­cher­heit und ge­gen die Kon­zern­be­triebs­ver­ein­ba­rung zur Nut­zung pri­va­ter E-Mail via Web­mail ver­s­toßen, dar­in erschöpfe sich aber sein Fehl­ver­hal­ten, denn er ha­be die Da­ten nicht an un­be­fug­te Drit­te wei­ter­ge­ge­ben oder sie ih­nen auf an­de­re Wei­se zugäng­lich ge­macht, son­dern sie le­dig­lich an sein pri­va­tes Ac­count ge­schickt. Aus­weis­lich § 7 Abs. 1 des Auf­he­bungs­ver­trags sei er auch erst zum End­ter­min zur Her­aus­ga­be der Da­ten etc. ver­pflich­tet ge­we­sen. Für ei­ne zweck­wid­ri­ge Ver­wen­dung der Da­ten ge­be es kei­ne An­halts­punk­te, son­dern nur Ver­mu­tun­gen der Be­klag­ten. So­weit ein Ar­beits­zeit­be­trug in Fra­ge kom­me, ha­be dies die Be­klag­te nicht zum Ge­gen­stand der Be­triebs­rats­anhörung ge­macht.
Zum an­de­ren sei das Kündi­gungs­recht maßgeb­lich vom Pro­gno­se­prin­zip be­stimmt. Ei­ne Kündi­gung sei kei­ne Sank­ti­on, son­dern zu­kunfts­ori­en­tiert. Ei­ne ne­ga­ti­ve Pro­gno­se schei­te­re aber hier dar­an, dass an­ge­sichts der un­wi­der­ruf­li­chen Frei­stel­lung des Klägers ei­ne Wie­der­ho­lung na­he­zu aus­ge­schlos­sen sei. Über­dies sei ei­ne Sper­rung des In­ter­net-Zu­gangs des Klägers das mil­de­re Mit­tel ge­we­sen.
Ge­gen die­ses Ur­teil vom 21. De­zem­ber 2010 (Bl. 198 - 205 d.A.), auf des­sen In­halt zur wei­te­ren Sach­dar­stel­lung Be­zug ge­nom­men wird, rich­tet sich die Be­ru­fung der Be­klag­ten.
Sie äußert die Auf­fas­sung, das Ar­beits­ge­richt sei zwar an­ge­sichts der un­strei­ti­gen ver­bots­wid­ri­gen Über­tra­gung sen­si­bler Bank- und Kun­den­da­ten zu Recht zu dem Er­geb­nis ge­kom­men, dass ein Kündi­gungs­grund an sich vor­liegt. Es ha­be aber das Ver­hal­ten des Klägers nur verkürzt gewürdigt. Sein Fehl­ver­hal­ten erschöpfe sich ge­ra­de nicht im Ver­s­toß ge­gen be­trieb­li­che An­ord­nun­gen und Ver­ein­ba­run­gen. Viel­mehr kom­me die Über­tra­gung der Da­ten - oh­ne dass es auf die Ver­wirk­li­chung ei­nes kon­kre­ten Straf­tat­be­stan­des an­kom­me - im kündi­gungs­recht­li­chen Sin­ne ei­nem Dieb­stahl gleich. Auf § 7 Abs. 1 des Auf­he­bungs­ver­trags könne sich der Kläger nicht be­ru­fen, da die­ser sich nur auf rechtmäßig er­lang­te Da­ten be­zie­he.
Darüber hin­aus ha­be sich der Kläger ei­nes straf­ba­ren Ver­s­toßes ge­gen § 17 Abs. 2 Nr. 1a UWG (Be­triebs­spio­na­ge) schul­dig ge­macht und wei­ter­hin ei­nen Ar­beits­zeit­be­trug be­gan­gen. Dies sei auch Ge­gen­stand der Be­triebs­rats­anhörung ge­we­sen, in der die Be­klag­te das Ver­hal­ten des Klägers am 29. und 30. Ju­ni 2010 ausführ­lich ge­schil­dert ha­be. Auf die Be­nut­zung des Be­griffs „Ar­beits­zeit­be­trug“ selbst kom­me es da­nach nicht an.
Sch­ließlich stel­le die Ver­sen­dung ver­trau­li­cher Da­ten auch ei­nen Ver­s­toß ge­gen § 5 Abs. 1 BDSG dar. Je­den­falls die Or­ga­ni­gram­me von Kun­den ent­hiel­ten per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten, die der Kl. un­be­fugt wei­ter­ge­ge­ben ha­be.
Vor die­sem Hin­ter­grund sei die durch­geführ­te In­ter­es­sen­abwägung feh­ler­haft, weil sie u.a. die In­ten­sität der Pflicht­ver­let­zung, die Ge­fah­ren ei­nes Re­pu­ta­ti­ons­scha­dens der Be­klag­ten, von Scha­dens­er­satz­ansprüchen be­trof­fe­ner Kun­den und die un­zu­mut­ba­re Be­las­tung durch die fi­nan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen ge­genüber dem Kläger aus dem Auf­he­bungs­ver­trag nicht genügend berück­sich­tigt ha­be.
Ei­ne Ab­mah­nung sei hier schon des­halb ent­behr­lich ge­we­sen, weil es für den Kläger of­fen­sicht­lich ge­we­sen sei, dass die Be­klag­te sein Ver­hal­ten nicht hin­neh­men würde. Die Ein­hal­tung der hier ver­letz­ten Pflich­ten gehöre zum ar­beits­ver­trag­li­chen Kern­be­reich ge­ra­de ei­nes Fir­men­kun­den­ver­tre­ters. Es sei auch an­ge­sichts der Frei­stel­lung des Klägers kein mil­de­res Mit­tel als die außer­or­dent­li­che Kündi­gung er­sicht­lich. Die Sper­rung des In­ter­net-Zu­gangs ha­be zwar die zukünf­ti­ge Ent­wen­dung von Da­ten ver­hin­dern, nicht aber den ent­stan­de­nen Ver­trau­ens­ver­lust be­he­ben können.
Die Kla­ge wird un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 21. De­zem­ber 2010 - 4 Ca 5416/10 - ab­ge­wie­sen.
We­gen des wei­te­ren Vor­trags der Par­tei­en in der Be­ru­fungs­in­stanz wird auf die Be­ru­fungs­be­gründung vom 26. April 2011 (Bl. 277 - 309 d.A.) und die Be­ru­fungs­be­ant­wor­tung vom 01. Au­gust 2011 (Bl. 317 - 327 d.A.) so­wie den wei­te­ren Schrift­satz der Be­klag­ten vom 19. Au­gust 2011 (Bl. 342 - 355 d.A.) ver­wie­sen.
Die zulässi­ge und auch recht­zei­tig er­ho­be­ne Kla­ge ist un­be­gründet.
Die außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten hat das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en am 20. Ju­li 2010 auf­gelöst, denn der Be­klag­ten war die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses aus wich­ti­gem Grund i.S.d. § 626 BGB nicht wei­ter zu­mut­bar.
Die Prüfung der Rechtmäßig­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ist nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, dem das Be­ru­fungs­ge­richt folgt, in zwei auf­ein­an­der fol­gen­den Schrit­ten durch­zuführen. Da­nach ist zunächst zu prüfen, ob ein wich­ti­ger Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung an sich vor­liegt. So­dann ist im Rah­men ei­ner um­fas­sen­den In­ter­es­sen­abwägung zu ent­schei­den, ob un­ter Würdi­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les dem Kündi­gen­den die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum En­de der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist un­zu­mut­bar war.
Die An­wen­dung die­ser Grundsätze auf den vor­lie­gen­den Fall führt aus fol­gen­den Gründen zu dem ein­gangs ge­nann­ten Er­geb­nis:
1. Das Ar­beits­ge­richt ist zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass das un­strei­ti­ge Ver­hal­ten des Klägers an sei­nen letz­ten bei­den Ar­beits­ta­gen an sich als wich­ti­ger Grund nach § 626 Abs. 1 BGB ge­eig­net war, das Ar­beits­verhält­nis frist­los zu be­en­den. Denn er hat sich un­strei­tig über zwin­gend an­zu­wen­den­de Ver­hal­tens­re­ge­lun­gen im Hau­se der Be­klag­ten hin­weg­ge­setzt und in großem Um­fang Da­ten, die dem Bank­ge­heim­nis un­ter­lie­gen, an sei­ne pri­va­te E-Mail-An­schrift trans­fe­riert, ob­wohl we­der ei­ne dienst­li­che Ver­an­las­sung noch ei­ne Ge­neh­mi­gung ei­nes sol­chen Ver­hal­tens vor­lag.
Dem ist der Kläger auch im We­sent­li­chen nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten. Wenn er vor­ge­tra­gen hat, dass er ge­le­gent­lich an­ge­wie­sen wor­den sei, dienst­li­che Da­ten auf sei­nem Pri­vat­rech­ner zu ver­ar­bei­ten, so ist das in kei­ner Wei­se mit dem un­be­fug­ten Trans­fe­rie­ren großer Da­ten­men­gen oh­ne jeg­li­che dienst­li­che Ver­an­las­sung zu ver­glei­chen. So­weit er vorträgt, Verstöße ge­gen die ein­schlägi­ge Kon­zern­be­triebs­ver­ein­ba­rung würden ständig ge­bil­ligt, muss­te die­ser un­sub­stan­zi­ier­te Vor­trag un­berück­sich­tigt blei­ben.
2. Dem Ar­beits­ge­richt ist aber nicht zu fol­gen, so­weit es im Rah­men der ge­bo­te­nen In­ter­es­sen­abwägung die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum ver­ein­bar­ten Be­en­di­gungs­ter­min als zu­mut­bar an­ge­se­hen hat.
a) Das Ar­beits­ge­richt ist feh­ler­haft da­von aus­ge­gan­gen, dass sich das Fehl­ver­hal­ten des Kläger in dem Ver­s­toß ge­gen in­ner­be­trieb­li­che Richt­li­ni­en erschöpft, da er die Da­ten we­der un­be­fugt an Drit­te wei­ter­ge­ge­ben noch zweck­wid­rig ver­wen­det hat.
Es hat da­bei ins­be­son­de­re den Cha­rak­ter der trans­fe­rier­ten Da­ten außer Acht ge­las­sen. Da­bei han­del­te es sich nicht et­wa le­dig­lich um ir­gend­wel­che mehr oder we­ni­ger frei zugäng­li­che be­trieb­li­che Da­ten der Be­klag­ten. Viel­mehr be­fan­den sich dar­un­ter in großem Um­fang ver­trau­li­che Da­ten der vom Kläger be­treu­ten Kun­den, die ein be­gründe­tes großes In­ter­es­se dar­an ha­ben, dass die An­ga­ben, die sie ge­genüber ei­ner Bank z.B. im Rah­men von Kre­dit­ver­hand­lun­gen ma­chen, un­ter al­len Umständen ver­trau­lich be­han­delt wer­den. Be­reits die Da­tenüber­tra­gung auf ei­nen pri­va­ten Rech­ner stellt da­bei un­abhängig von der tatsächli­chen oder be­ab­sich­tig­ten wei­te­ren Nut­zung oder gar Wei­ter­ga­be an Drit­te ei­ne außer­or­dent­li­che star­ke Pflicht­ver­let­zung dar, denn es ver­steht sich von selbst, dass die Da­ten­si­cher­heit in ei­nem Pri­vat­haus­halt und auf ei­nen pri­va­ten Rech­ner selbst un­ter An­wen­dung der bestmögli­chen Pro­gram­me nicht dem­sel­ben Da­ten­schutz un­ter­liegt, wie dies beim Com­pu­ter ei­ner Bank der Fall ist. Be­reits die Tat­sa­che, dass der un­be­fug­te Da­ten­trans­fer des Klägers durch die Da­ten­schutz­kom­mis­si­on der Be­klag­ten nach we­ni­gen Ta­gen ent­deckt wur­de, be­weist, dass die Be­klag­te im ei­ge­nen, aber auch im be­gründe­ten In­ter­es­se ih­rer Kun­den weit mehr als der Nut­zer ei­nes PC für die Si­cher­heit ih­rer Kun­den­da­ten Sor­ge trägt.
Da­bei kann letzt­lich da­hin­ge­stellt blei­ben, ob der Kläger mit sei­nem Ver­hal­ten ei­nen Straf­tat­be­stand ver­wirk­licht hat, denn der hier un­strei­tig ge­ge­be­ne Ver­s­toß ge­gen ele­men­ta­re Prin­zi­pi­en der Ge­heim­hal­tungs­pflicht von Bank­da­ten hat kündi­gungs­recht­lich ein na­he­zu gleich großes Ge­wicht wie ei­ne straf­ba­re Hand­lung zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers.
So­weit der Kläger vorträgt, er ha­be die auf sei­nen Rech­ner ko­pier­ten Da­ten kei­nes­falls an Drit­te wei­ter­ge­ben, son­dern da­mit le­dig­lich selbst während der Zeit der Frei­stel­lung zu Trai­nings­zwe­cken und zum Er­halt sei­ner fach­li­chen
Kom­pe­tenz ar­bei­ten wol­len, wer­tet die Be­ru­fungs­kam­mer dies als un­er­heb­li­che Schutz­be­haup­tung des Klägers.
b) Wei­ter­hin war im vor­lie­gen­den Fall ei­ne zu­vor aus­zu­spre­chen­de Ab­mah­nung ent­behr­lich. Ge­ra­de als Fir­men­kun­den­be­treu­er und Lei­ter der ent­spre­chen­den Ab­tei­lung muss­te dem Kläger auch oh­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung klar sein, dass die Be­klag­te die Über­tra­gung ei­ner be­deu­ten­den Men­ge ver­trau­li­cher Kun­den­da­ten auf ei­nen Pri­vat­rech­ner kei­nes­falls bil­li­gen würde.
Dar­an ändert we­der § 7 Abs. 1 des Auf­he­bungs­ver­trags noch die neue­re Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG Ur­teil vom 10. Ju­ni 2010 - 2 AZR 541/09 - ju­ris) et­was.
Zu Recht weist die Be­klag­te dar­auf hin, dass sich die Klau­sel im Auf­he­bungs­ver­trag, in der die Rück­ga­be­pflicht des Klägers ge­re­gelt ist, sich le­dig­lich auf sol­che Un­ter­la­gen, Ma­te­ria­li­en und Da­ten be­zieht, die dem Kläger zur Ausübung sei­ner Tätig­keit im Rah­men des Ar­beits­verhält­nis­ses von der Be­klag­ten zur Verfügung ge­stellt wur­den. Es ver­steht sich von selbst, dass die Be­klag­te dem Kläger durch die­se Klau­sel, die ein­deu­tig ei­ne Ver­pflich­tung des Klägers zur Rück­ga­be re­gelt, nicht et­wa die tem­poräre Nut­zung wi­der­recht­lich er­lang­ter Da­ten er­lau­ben woll­te.
Wenn das Bun­des­ar­beits­ge­richt in der ge­nann­ten Ent­schei­dung vom 10. Ju­ni 2010 den Grund­satz auf­ge­stellt hat, dass in ei­nem langjähri­gen störungs­frei be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis ein Ver­trau­ens­gut­ha­ben auf­ge­baut wird, das mögli­cher­wei­se durch ei­ne ein­zel­ne straf­ba­re Hand­lung zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers („Ba­ga­tell­de­likt“) nicht rest­los auf­ge­zehrt wird, so ist dies mit dem vor­lie­gen­den Fall nicht ver­gleich­bar. Denn we­der hat der Kläger in vie­len Jah­ren des störungs­frei­en Be­stan­des des Ar­beits­verhält­nis ein sol­ches Ver­trau­ens­gut­ha­ben auf­ge­baut - das Ar­beits­verhält­nis be­stand noch nicht ein­mal zwei Jah­re lang - noch han­delt es sich bei der Pflicht­ver­let­zung um ein Ba­ga­tell­de­likt. Viel­mehr liegt hier ei­ne schwe­re Pflicht­ver­let­zung vor, die ge­eig­net ist, in ei­nem noch nicht lan­ge be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis das für die Fort­set­zung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses selbst für kur­ze Zeit er­for­der­li­che Ver­trau­ens­verhält­nis rest­los zu zerstören.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat im Fall ei­nes Bank­kun­den­be­treu­ers, der im Ver­dacht stand, während der Zeit der Frei­stel­lung Wert­pa­pie­re und ei­nen Geld­be­trag in Höhe von 50.000,00 DM un­ter­schla­gen zu ha­ben, fest­ge­stellt: „Das Ar­beits­verhält­nis ei­nes Kun­den­be­treu­ers bei ei­ner Bank ba­siert ganz we­sent­lich auf dem Ver­trau­en in die Ehr­lich­keit die­ses Ar­beit­neh­mers. Die persönli­che Eig­nung für die Beschäfti­gung als Kun­den­be­treu­er bei ei­ner Bank steht und fällt mit sei­ner Ver­trau­enswürdig­keit. Der schwer­wie­gen­de Ver­dacht […] ist des­halb grundsätz­lich ge­eig­net, dem Ar­beit­ge­ber ei­ne Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit die­sem Ar­beit­neh­mer für die Dau­er ei­ner länge­ren Frist bis zur Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses un­zu­mut­bar zu ma­chen. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Ar­beits­pflicht des Ar­beit­neh­mers be­reits sus­pen­diert ist. Ist die Ver­trau­ens­grund­la­ge für ei­ne wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit der Par­tei­en endgültig zerstört, so ist es dem Ar­beit­ge­ber re­gelmäßig un­zu­mut­bar, dem Ar­beit­neh­mer, in des­sen Ehr­lich­keit er ob­jek­tiv be­gründet das Ver­trau­en ver­lie­ren muss­te, oh­ne ent­spre­chen­de Ge­gen­leis­tung sein Ge­halt bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist und ei­ne ho­he Ab­fin­dung zu zah­len. Auch die Ge­fahr wei­te­rer Pflicht­ver­let­zun­gen, mögli­cher­wei­se un­ter Hin­weis auf das for­mell noch be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis, kann in ei­nem der­ar­ti­gen Fall die Un­zu­mut­bar­keit der Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis be­gründen.“ (BAG Ur­teil vom 05. April 2001 - 2 AZR 217/00 - AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 34, RNr. 22)
Mit je­nem Fall ist der hier vor­lie­gen­de durch­aus ver­gleich­bar, denn auch hier ist das Ver­trau­en der Be­klag­ten in die In­te­grität des Ar­beit­neh­mers, die selbst­verständ­li­che Eig­nungs­vor­aus­set­zung ei­nes Kun­den­be­treu­ers ist, durch sein Ver­hal­ten rest­los zerstört, so­dass die Prüfung, ob ein Fest­hal­ten an den Kon­di­tio­nen des Auf­he­bungs­ver­trags noch zu­mut­bar ist, un­ter die­sen be­son­de­ren Vor­aus­set­zun­gen er­fol­gen muss. c) Al­ler­dings ist auch nach den Fest­stel­lun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts die un­wi­der­ruf­li­che Frei­stel­lung als ei­ner der maßgeb­li­chen Ge­sichts­punk­te bei der In­ter­es­sen­abwägung zu berück­sich­ti­gen.
Hier­bei ist aber ent­ge­gen der An­sicht des Ar­beits­ge­richts nicht aus­sch­ließlich auf die Pro­gno­se und die kaum ge­ge­be­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ab­zu­stel­len. Zwar kann die Zu­mut­bar­keitsprüfung nach § 626 Abs. 1 BGB er­ge­ben, dass das Schwer­ge­wicht der Störung des Ar­beits­verhält­nis­ses in der
Wie­der­ho­lungs­ge­fahr be­steht und des­halb die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu­mut­bar er­scheint, wenn man­gels ei­nes Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruchs des Ar­beit­neh­mers und ei­ner Wei­ter­beschäfti­gungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers künf­ti­ge gleich­ar­ti­ge Be­las­tun­gen des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zu sei­ner Be­en­di­gung aus­ge­schlos­sen er­schei­nen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (Ur­teil vom 05. April 2001 - 2 AZR 217/00 - a.a.O. RNr. 23) lässt es aus­drück­lich da­hin­ge­stellt, ob es in ei­nem sol­chen Fall ge­ne­rell be­son­de­rer In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers be­darf, um den Aus­spruch ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung noch zu recht­fer­ti­gen und ob in der­ar­ti­gen Fällen von ei­nem re­gelmäßigen Über­wie­gen der Ar­beit­neh­mer­inter­es­sen aus­zu­ge­hen ist, da es sol­che be­son­de­re In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers an ei­ner so­for­ti­gen Be­en­di­gung im da­ma­li­gen Fall als ge­ge­ben an­sah.
So lie­gen die Din­ge auch hier. Durch die schwer­wie­gen­de Pflicht­ver­let­zung des Klägers ist das für das Ar­beits­verhält­nis ei­nes Kun­den­be­treu­ers bei ei­ner Bank un­erläss­li­che Ver­trau­ens­verhält­nis endgültig zerstört. Da­nach sind der Be­klag­ten wei­te­re Vergütungs­zah­lun­gen, so­weit sie nicht auf in der Ver­gan­gen­heit er­brach­ten Leis­tun­gen be­ru­hen, eben­so wie die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung in Höhe von mehr als drei Mo­nats­vergütun­gen nach ei­nem Be­stand des Ar­beits­verhält­nis von nicht ein­mal zwei Jah­ren nicht zu­zu­mu­ten. Da­bei kann noch da­hin­ge­stellt blei­ben, ob es die Be­klag­te ge­genüber ih­ren Kun­den, de­ren Da­ten der Kläger auf sei­nen Pri­vat­rech­ner ko­piert hat, dul­den kann, wenn er bis zum Jah­res­en­de 2010 noch for­mell als ihr Ab­tei­lungs­di­rek­tor für Fir­men­kun­den­be­treu­ung geführt wird.
d) Die­sem über­wie­gen­den In­ter­es­se der Be­klag­ten an ei­ner so­for­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Kläger ste­hen die In­ter­es­sen des Klägers ent­ge­gen, der mit der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ei­nen Teil sei­nes so­zia­len Be­sitz­stan­des so­wie Ge­halts­ansprüche und den An­spruch auf Zah­lung der Ab­fin­dung ver­liert und des­sen Ar­beits­verhält­nis zu­dem mit dem Ma­kel ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ver­se­hen wird.
An­ge­sichts der Schwe­re der Pflicht­ver­let­zung und der sich dar­aus er­ge­ben­den In­ter­es­sen der Be­klag­ten, die oben ausführ­lich dar­ge­stellt wur­den, können die In­ter­es­sen des Klägers nicht da­zu führen, ei­nen - 13 -
Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en bis zum ver­ein­bar­ten Be­en­di­gungs­ter­min als der Be­klag­ten zu­mut­bar an­zu­se­hen.
3. Die außer­or­dent­li­che Kündi­gung ist auch nicht aus an­de­ren Gründen un­wirk­sam, denn die Be­klag­te hat die Zwei-Wo­chen-Frist des § 626 BGB ein­ge­hal­ten und auch den bei ihr ge­bil­de­ten Be­triebs­rat ord­nungs­gemäß i.S.d. § 102 Be­trVG an­gehört. Auf die Fra­ge, ob da­bei auch der Vor­wurf ei­nes Ar­beits­zeit­be­trugs durch die Dar­stel­lung der un­strei­ti­gen Hand­lun­gen des Klägers im­pli­ziert war, kommt es an­ge­sichts der Fest­stel­lun­gen un­ter 1. und 2. die­ses Ur­teils nicht an.
Nach die­sem Er­geb­nis war das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Für die Zu­las­sung des Rechts­mit­tels der Re­vi­si­on gemäß § 72 Abs. 2 ArbGG be­stand kei­ne ge­setz­lich be­gründ­ba­re Ver­an­las­sung. m.hensche.de
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