Source: https://german-rifle-association.de/waffenrecht-mpu-fuer-sportschuetzen-nach-%C2%A7-6-abs-3-waffg-ein-erfahrungsbericht/
Timestamp: 2019-05-26 03:22:57
Document Index: 2446988

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 6', '§ 14', '§ 6', '§ 14', '§ 4', '§ 4', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6']

#Waffenrecht: MPU für Sportschützen nach § 6 Abs. 3 WaffG. Ein Erfahrungsbericht. - German Rifle Association
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Von Daniel Alexander Lea.
Seit der Gesetzesänderung von 2003 bekommen Sportschützen ab dem 18. Lebensjahr noch keine vollwertigen Waffenbesitzkarten mehr. Wer zwischen dem 21. und 25. Lebensjahr Großkaliberwaffen erwerben will, muss der Behörde ein Zeugnis über die persönliche Eignung vorlegen. Über die Begutachtung ranken sich Mythen und Legenden. Schreckensgeschichten, von wegen, wenn man da durchfällt, müsste man auch seinen Führerschein dalassen oder von Waffengegnern, die absichtlich negative Gutachten erstellen, hört man nicht nur von Vereinskollegen, sondern wie in meinem Falle sogar von Sachkundelehrern. Nachdem ich im April 2016 meinen 21. Geburtstag gefeiert hatte, habe ich Ende Mai meine Sportschützen MPU gemacht und auch bestanden.
Ich möchte in diesem Artikel von meiner eigenen Erfahrung berichten und Jungschützen, die gerne Großkaliber erwerben wollen, so gut ich kann darüber informieren. Außerdem hoffe ich auch die alten Hasen etwas aufzuklären und somit dem Seemannsgarn ein Ende zu bereiten.
Zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr gilt die Beschränkung des § 14 Absatz 1 WaffG. Danach darf der Schütze nur Schusswaffen bis zu einem Kaliber von 5,6 mm lfB (.22 l.r.) für Munition mit Randfeuerzündung, wenn die Mündungsenergie der Geschosse höchstens 200 Joule (J) beträgt, und Einzellader-Langwaffen mit glatten Läufen mit Kaliber 12 oder kleiner, sofern das sportliche Schießen mit solchen Waffen durch die genehmigte Sportordnung eines Schießsportverbandes zugelassen ist, erwerben.[1]
Nach § 6 Abs. 3 WaffG müssen Schützen, die noch nicht das 25. Lebensjahr vollendet haben, für die erstmalige Erteilung einer Erlaubnis zum Erwerb und Besitz einer Schusswaffe auf eigene Kosten ein amts- oder fachärztliches oder fachpsychologisches Zeugnis über die geistige Eignung vorlegen. Die Vorgabe gilt nicht für den Erwerb und Besitz von Schusswaffen im Sinne von § 14 Abs. 1 Satz 2. [2]
Das heißt, möchte man zwischen dem 21. und 25. Lebensjahr Waffen mit größerem Kaliber erwerben, muss man der Waffenbehörde ein amts- oder fachärztliches oder fachpsychologisches Zeugnis über die geistige Eignung vorlegen.
Die Kosten für dieses Gutachten trägt der Schütze selbst (§ 4 Abs. 1 Nr.2 AWaffV) [3].
Es gibt hierfür kein vorgeschriebenes Standardgutachten oder Standardverfahren.[4] Es muss also nicht zwingend MPU heißen. Die Mindestanforderungen an ein solches Gutachten ergeben sich aus § 4 Abs. 5 Satz 3 AWaffV und den allgemeinen Verwaltungsvorschriften zu § 6 WaffG [5].
ACHTUNG: Wird von der Behörde wegen unsachgemäßem Umgang mit Waffen oder Munition, psychischer Erkrankung oder Alkohol- oder Drogenmissbrauch die persönliche Eignung infrage gestellt, richtet sich die MPU nach § 6 Abs. 2 WaffG, was eine komplett andere Norm ist. Sie kann sich daher deutlich von der MPU für Sportschützen unter 25 nach § 6 Abs. 3 WaffG unterscheiden.
Wo kann ich so ein Gutachten machen lassen?
Die Begutachtung soll von Gutachtern folgender Fachrichtungen durchgeführt werden:
Der Schütze darf außerdem mit dem Arzt oder Psychologen in den letzten 5 Jahren in keinem Behandlungsverhältnis gestanden haben.
Ihr könnt ein solches Gutachten also im Grunde genommen bei jedem Psychologen, Psychiater oder Psychotherapeuten machen lassen, bei dem ihr noch nicht in Behandlung wart.
Die Standardadresse für die Sportschützen MPU sind die medizinisch psychologischen Institute des TÜV. Dort werden auch die berüchtigten „Idiotentests“ bei Autofahrern gemacht. Vorteil hier ist, dass ihr ein angesehenes Institut habt. Das Gutachten hat also eine entsprechende Aussagekraft. Außerdem ist zu erwarten, dass der TÜV-Gutachter entsprechend neutral ist. [6]
Ansonsten lohnt sich sicher auch der Anruf beim örtlichen Gesundheitsamt, wobei der Amtsarzt hier in Wiesbaden solche Gutachten nicht auf Patientenwunsch erstellt, sondern ggf. nur auf Behördenauftrag.
Auch die DEKRA bietet die MPU für Sportschützen bundesweit an. [7]
Am besten ist, ihr ruft einfach mal bei verschiedenen Praxen an und fragt, wann sie Termine frei haben und wie die Preise sind. Dann könnt ihr vergleichen und euch die nettesten Leute mit den geringsten Preisen heraussuchen.
Die Preise für so ein Gutachten können sehr unterschiedlich sein. Normal sind aber ca. 100 – 200 €. Ich habe beim TÜV Frankfurt 149 € bezahlt.
Die Verfahren können von Gutachter zu Gutachter etwas unterschiedlich sein. Ich kann hier daher nur aus meiner eigenen Erfahrung beim MPI des TÜV in Frankfurt am Main berichten. Je nachdem, wo ihr das Gutachten erstellen lasst, kann es etwas anders sein. Die Verfahren sind aber in ihren Grundzügen alle gleich, daher sollte das, was ich hier schreibe, als Orientierung für alle Gutachter geeignet sein (keine Gewähr!).
Ich habe Ende April 2016 beim TÜV in Frankfurt am Main angerufen und einen Termin für den 31. Mai 2016 bekommen. Also etwas mehr als ein Monat Wartezeit. Die Terminbestätigung kommt per Formbrief, darin stehen dann auch schon die genauen Kosten. Es gibt grundsätzlich für das Gutachten keine Mindestaltersbeschränkung. Ihr könnt es also schon machen lassen, wenn ihr mit 18 – 20 eure erste WBK bekommen habt und dann gleich nach eurem 21. Geburtstag von der Behörde die Auflagen löschen lassen. Je früher, desto mehr lohnt es sich!
Das MPI liegt sehr angenehm nur fünf Minuten zu Fuß vom Frankfurter Hauptbahnhof entfernt. Die Anreise ist also unproblematisch. Nachdem ich angekommen war, hat ein sehr freundlicher junger Mann meinen Ausweis kontrolliert und bei ihm musste ich auch gleich meine 149€ Gebühr bezahlen (Kartenzahlung ist möglich). Dann hat er mir zwei Fragebögen in die Hand gedrückt.
Der eine Fragebogen ist ein NEO-FFI Persönlichkeitstest, mit solchen Fragen wie „Ich bin gerne mit anderen Menschen umgeben“, „Unter Stress verliere ich schnell die Kontrolle“, „Ich lerne gerne neue Länder kennen“ oder „Ich erledige Aufgaben immer schnell und zuverlässig“. Man kann jeweils 5 mögliche Einschätzung ankreuzen (Trifft überhaupt nicht zu, trifft eher nicht zu, weder noch, trifft eher zu, trifft voll zu; oder so ähnlich, den genauen Wortlaut habe ich mir nicht gemerkt). Hier sollte man schon wahrheitsgemäß antworten, denn es gibt auch Kontrollfragen. Ich habe von einem anderen Test gelesen, indem auch Fragen vorkamen wie „Waren Sie jemals frech zu Ihren Eltern“. Wer dann “Nein” ankreuzt, macht sich unglaubwürdig, denn wenigstens in der Pubertät war jeder einmal irgendwann etwas frech zu seinen Eltern. Es bietet sich natürlich aber auch an, sich nicht völlig unkontrolliert und unzuverlässig darzustellen. Ich denke, jeder sollte ein Gefühl dafür haben, was ein normales, glaubwürdiges Antwortmuster ist.
Aus den Antworten lässt sich dann ein Persönlichkeitsprofil erstellen, mit den großen fünf Persönlichkeitsfaktoren Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit. Die Werte werden dann mit einer Testbatterie von einigen Hundert befragten Legalwaffenbesitzern verglichen. Freilich liegen die Werte in der Gaußschen Normalverteilung. Wenn ihr also da auch durchschnittliche Werte habt, dann habt ihr das quasi schon mal „bestanden“.
Dazu gibt es noch einen zweiten Fragebogen, auf dem man die Antworten hinschreiben muss. Das können mal Stichwörter sein, mal Dreizeiler.
Die Fragen sind so in etwa „Wann sind Sie das erste Mal mit Schusswaffen in Kontakt gekommen?“, „Welche Personen sollten Ihrer Meinung nach Waffen besitzen dürfen?“, „Sollten die Waffengesetze eher verschärft, beibehalten, oder entschärft werden?“, „Welche Verwendung von Schusswaffen halten Sie für ethisch?“ oder „Was bedeutet der Waffenbesitz für Sie und Ihr Leben“?
Auch hier solltet ihr ehrlich und glaubhaft antworten. Freilich ist „um Ausländer abzuknallen“ keine gute Antwort auf die Frage, wozu man Waffen besitzen will, aber ich habe z.B. geschrieben, dass ich finde, dass die Waffengesetze in bestimmten Punkten gelockert werden sollen, weil es einige unnötige bürokratische Hürden gibt. Und auch auf die Frage nach der Ethik habe ich geschrieben, dass ich auch die Verwendung zum Schutz von Leben, also Notwehr/Nothilfe für ethisch vertretbar halte. Ich denke, jeder der tatsächlich reif genug für den Waffenbesitz ist, sollte ein gutes Gespür für sinnvolle Antworten auf diese Fragen haben.
Dazu gab es dann noch drei Reaktionstests am Computer. Beim ersten Test sind auf dem Bildschirm oben vier verschiedene U E 3 W förmige Symbole und unten erscheint dann jeweils ein Symbol und wenn es mit einem der oben angezeigten übereinstimmt, dann muss man den grünen Knopf drücken, wenn da zum Beispiel ein weiterer Strich ist, oder ein Dach auf dem Symbol, dann muss man den roten Knopf drücken. Das Ganze natürlich so schnell wie möglich.
Der zweite Test ist ein Linienverfolgungstest, bei dem man eine Linie durch ein Wirrwarr von Linien verfolgen muss und dann jeweils 1 – 9 drücken, muss, je nachdem, wo die Linie hinführt.
Der dritte Test ist schon recht stressig. Auf dem Bildschirm erscheinen nacheinander verschiedenfarbige Punkte, zu denen man den entsprechenden farbigen Knopf auf dem Kontrollbrett drücken muss. Außerdem gibt es einen hohen und einen tiefen Ton, zu dem man jeweils einen hellgrauen, oder dunkelgrauen Knopf drücken muss. Und dann gibt es noch ein linkes und ein rechtes Pedal. Das Ganze geht dann sehr schnell und man muss wirklich schnell reagieren, da das Ganze auch auf Zeit geht.
Mir wurde gesagt, dass Geschwindigkeit bei den Tests wichtiger ist, als Präzision. Und die Toleranz ist wirklich recht hoch. Ich hatte das Gefühl nur danebengehauen zu haben und war mir sicher durchgefallen zu sein, aber mein Ergebnis war sogar sehr gut.
Wenn ihr körperlich und geistig fit seid, nicht verkatert oder betrunken oder völlig unausgeschlafen oder am Verhungern seid, oder THC im Blut habt, dann solltet ihr das locker schaffen.
Am Ende gibt es dann noch ein klärendes Gespräch mit dem Gutachter. Der Psychologe dort, her Bethke ist wirklich sehr nett. In dem Gespräch geht es in erster Linie darum, dass der Gutachter sich einen persönlichen Eindruck macht. Außerdem können eventuelle Ungereimtheiten aus den Fragebögen geklärt werden und bestimmte Dinge erläutert werden. Ich hatte z.B. angekreuzt, dass ich häufig Dinge aufschiebe, etc. und daher war bei mir der Faktor „Gewissenhaftigkeit“ unterdurchschnittlich. Ich habe ihm dann erklärt, dass das Ganze auf Dinge wie Hausaufgaben, etc. bezogen ist und ich mit Schusswaffen immer größtmögliche Sorgfalt walten lasse. Er meinte dann, dass meine geschriebenen Antworten auf dem zweiten Fragebogen das auch ausgleichen. Da ich eine rot-grün-Schwäche habe, wurde das auch entsprechend für die Tests berücksichtigt, wo man farbige Knöpfe drücken musste.
Er hat mir dann noch gesagt, dass ich das „bestanden“ habe und ich in den nächsten zwei Wochen das Gutachten erhalten werde.
Das ganze Prozedere hat ca. 4 Stunden gedauert, wobei die meiste Zeit einfach Wartezeit war, bis der Testcomputer frei war, bzw. der Psychologe Zeit hatte.
Alles in Allem waren die Leute dort sehr freundlich und ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass sie privatem Waffenbesitz abgeneigt waren, oder versucht haben, mir das Leben schwer zu machen. Im Gegenteil fand ich, dass sie mich sehr gut unterstützt haben.
Das Gutachten kam dann in der Woche darauf mit der Post.
Anerkennung durch die Waffenbehörde
Wenn das Gutachten entsprechend positiv ausgefallen ist und den gesetzlichen Vorgaben entspricht, muss die Waffenbehörde das auch anerkennen. Bei mir gab es anfangs etwas Probleme, da es meine Behörde gewohnt ist, Gutachten mit 7 – 9 Seiten Umfang zu erhalten und meines ein Kurzgutachten ist. Ich habe noch mal beim TÜV angefragt und die stellen immer nur ein Kurzgutachten aus. Und das ist auch das, was vom Gesetz her verlangt wird. Es wird ein Zeugnis ausgestellt, in welchem das Ergebnis des Gutachtens kurz bezeugt und das Testverfahren erläutert wird. Das Gutachten selbst verbleibt eigentlich beim Gutachter. Die Waffenbehörde hat nur das Ergebnis bzw. die Antwort auf die Frage “persönlich geeignet ja/nein?” zu interessieren. Das steht in den allgemeinen Verwaltungsvorschriften zu § 6 WaffG. Nach einer Email und ein paar Telefonaten, haben Sie mir dann letztlich doch den Vermerk in die WBK eingetragen, nachdem sie das intern geprüft hatten. Oben unter I. habe ich alle Rechtsquellen aufgeführt. Solltet ihr mal Probleme haben, dann könnt ihr da nachlesen und entsprechend argumentieren. Zur letzten Not müsst ihr euch halt einen rechtsmittelfähigen Bescheid ausstellen lassen, einen Fachanwalt suchen und klagen. Es sollte sich aber in der Regel durch ein paar freundliche Gespräche klären lassen.
So sieht der Eintrag in der WBK dann aus:
Um es kurz zu machen: Ihr habt das Geld umsonst ausgegeben.
Nicht mehr und nicht weniger. Der TÜV ist weder für eure WBK, noch für euren Führerschein zuständig. Er beantwortet euren Prüfungsauftrag und auch nur das. Er wird weder eure WBK einziehen, noch euren Führerschein. Er wird das Ergebnis auch nicht an die Waffenbehörde weiterleiten, denn der Psychologe unterliegt als Arzt der Schweigepflicht. Ihr bekommt das Gutachten und könnt es verwenden, um euer Frühstücksbrot damit einzuwickeln.
Ihr könnt dann, sofern ihr euch das leisten könnt, auch zu einem anderen Psychologen gehen und es da nochmal versuchen.
Die MPU für Sportschützen ist nichts, wovor man Angst haben müsste. Es muss aber angemerkt sein, dass das Ganze auch durchaus einen ganzen Arbeitstag lang dauern kann und auch nicht ganz billig ist. Es ist auch etwas unangenehm sich geistig so zu entblößen und dass man quasi denselben „Idiotentest“ machen muss, wie Autofahrer, die wegen Alkoholkonsum, oder Verkehrsverstößen den Führerschein abgenommen bekommen haben.
Wenn ihr also bereits 24 ½ Jahre alt seid, dann würde ich sagen, lohnt sich das nicht mehr (ein Kollege von mir hat das aber ohne Witz mit 24 ½ Jahren noch gemacht, weil er kein halbes Jahr mehr warten wollte!). Wenn ihr aber wie ich gerade frisch 21 geworden seid und auch wirklich gleich eine eigene GK-Waffe kaufen wollt, dann würde ich sagen, lohnt sich das schon.
Wenn ihr einen neutralen Prüfer habt und ihr tatsächlich geistig und körperlich geeignet seid, dann besteht ihr den Test auch. Stellt sicher, dass ihr gut ausgeschlafen seid, genug gegessen und getrunken habt und ihr nicht noch vom Vorabend verkatert seid oder Restalkohol im Blut habt. Seid freundlich und ehrlich und setzt euren gesunden Menschenverstand ein. Dann klappt das auch bei euch!
[1] https://www.gesetze-im-internet.de/waffg_2002/__14.html
[2] https://www.gesetze-im-internet.de/waffg_2002/__6.html
[3] http://www.gesetze-im-internet.de/awaffv/__4.html
[4] Steindorf, Waffenrecht, 8. Auflage, 2007, § 6 Rdnr. 11.
[5] http://www.dsb.de/media/PDF/Recht/Waffenrecht/Aktuelles/1_Waffenverwaltungsvorschrift_22_03_2012.pdf
[6] TÜV Süd: https://www.tuev-sued.de/fuehrerschein-pruefung/waffenbesitz-eignungscheck; TÜV Nord: http://www.tuev-nord.de/de/weitere-dienstleistungen/waffenrecht-10857.htm
[7] http://www.dekra.de/de/sicherheit-im-umgang-mit-waffen
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28 Gedanken zu “#Waffenrecht: MPU für Sportschützen nach § 6 Abs. 3 WaffG. Ein Erfahrungsbericht.”
20. Juni 2016 um 15:54
den Ausführungen des Autors kann ich mich nur anschließen!
Selbst 21 Jahre, habe im März diesen Jahres meine Sportschützen-MPU beim TÜV Thüringen in Coburg abgelegt. Der Ablauf war identisch, lediglich der Preis, mit 220€ etwas höher, allerdings immer noch weit unter dem, was der TÜV Süd für das Gutachten haben wollte.
21. Juni 2016 um 17:39
Glückwunsch! Aber das ist schon ein Batzen Geld!!!
grasdackel sagt:
Tolle Sache. Solche Lobhudeleien sind ein echter Bärendienst. Nach dem Motto: So schlimm ist das doch nicht.
Wasser auf die Mühlen der Law&Order-Spinner aus der Politik, eine Bestätigung dafür, dass man mit unreflektiert formulierten Gesetzen, die aus einer Hysterie entstanden ist, auf dem richtigen Weg ist.
Warum lasst ihr – gerade ihr jungen Leute – euch das gefallen?
Normale Reaktionen auf diesen gesetzgeberischen Schwachsinn sollten sein:
– Boykott. Ich rate den ganze jungen Leuten in meinem Umfeld: Lasst diesen Dreck sein, wartet im Zweifel die paar Jahr. Spart euch das Geld für diesen bürokratischen Unfug. Überwiegt die Ungeduld, dann gibt es je nach Verein / Umfeld durchaus die eine oder andere Möglichkeit.
– Geht aktiv auf die politischen Entscheider zu, sprich: Eure Abgeordneten. Ob Land, Bund oder EU – schreibt da regelmäßig hin und fragt nach, warum ein junger, gesunder Mensch einen Idiotentest machen muss, nur weil er seinen Sport ausüben will.
Oder ist es der Generation “Facebook” schon so egal, dass es eh nicht mehr drauf ankommt – neben Bewegungsprofilen, Nutzerprofilen für die Werbeindustrie, kann man dich auch gleich ein Persönlichkeitsprofil in den Big-Data-Topf werfen, man hat ja nichts zu verbergen?
Vielleicht ist es der angehende Generationskonflikt 2.0, denkt einfach mal so drüber nach: Psychologische Eignungstests machen unter bestimmten Umständen Sinn, wenn jemand *aktiv* gegen bestehende Regeln und Gesetze verstoßen hat und die Gesellschaft nun wissen möchte, ob der Kandidat überhaupt die entsprechende Eignung und Reife hat, z.B. am Straßenverkehr teilzunehmen.
Beim Idiotentest für Sportschützen wird das ganze Prinzip auf den Kopf gestellt: Der Kandidat muss überhaupt nicht aktiv gegen Regeln verstoßen. Der Staat nimmt pauschal an, dass der Kandidat *keine* Eignung hat und eine Untersuchung auf eine Eignung erfolgt *präventiv*. Vergleichbar dazu: Man kann die Führerscheinprüfung bestehen, um anschließend ein Auto besitzen zu dürfen, muss man zur MPU.
Und bitte nein, nicht das Argument: “Ja, aber mit 25 ist Schluss damit”.. Wer den Brüsseler Irrsinn mitverfolgt, der wird eines Besseren belehrt. Dort will diese Eignungsuntersuchung, den Idiotentest, für jeden Waffenbesitzer durchsetzen.
Sorry lieber Daniel, so nett und sachlich der Text auch geschrieben ist, ich habe dafür kein Verständnis..
Solange die Gesetzeslage so ist, wie sie ist, BRAUCHT es eine Anleitung für Menschen, die diesen Weg gehen wollen, weil sie keine Lust haben 4 weitere Jahre auf Großkaliberbesitz zu warten. Ich habe mich sehr gefreut, dass endlich darüber mal jemand einen Artikel schreibt, der den Weg aufzeigt. Das als kontraproduktiv einzustufen, halte ich für realitätsfremd. Die gesetzliche Regelung ist da, warum also nicht nutzen?
Das diese gesetzliche Regelung völliger Schwachsinn ist, darüber müssen wir nicht sprechen, das sehen wir genau so. Im Moment ist es aber nun mal so geregelt und wer unter 25 GK besitzen will, der muss da wohl oder übel durch.
So sehe ich das jedenfalls – ganz pragmatisch.
Argumente der Politik, Schritt 1:
– Die Regelung soll schlecht sein? Sie wird doch von den Menschen angenommen.
– Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit (im Hintergrund schriet einer vom TÜV dazwischen: “Umsatz, Umsatz, Umsatz”) und die Regelung hat doch bei den unter 25-Jähirgen prima funktioniert. Dann können wir sie doch auf alle Waffenbesitzer ausweiten, so schlimm kann das ja nicht sein.
Das wird so kommen. Darum ein Bärendienst.
Daniel Alexander Lea sagt:
Es ging hier bewusst nicht um eine wertende Einschätzung der Rechtslage. Dazu ist an anderer Stelle Platz. Hier ging es lediglich um Aufklärung darüber, was hinter der Vorgabe des § 6 Abs. 3 WaffG steckt und wie so eine Untersuchung ablaufen könnte.
Wenn man die Regelung boykottiert, dann hat der Staat auch nur das erreicht, was er erreichen will, nämlich, dass unter 25 Jährige und damit ein ganz erheblicher Teil der Waffenbesitzer gar keine GK Waffen mehr besitzen. Ein Boykott bring auf diese Weise also gar nichts. Eher das Gegenteil. “GK Waffen braucht man nicht. Die unter 25 Jährigen schießen auch alle nur KK.” Wie du siehst, kann man diesen Spieß auch umdrehen. Ich denke, da ist es besser, wenn möglichst viele 21 – 25 Jährige eine MPU bestehen und dann GK Waffen besitzen. Das schafft auch wieder eine größere Lobby für GK Waffen und bringt das Argument, dass ein ganz erheblicher Teil der Jungen Aspiranten ohne Probleme die MPU bestehen und auch GK Waffen besitzen. Je mehr Menschen GK Waffen besitzen, desto schwieriger wird ein Verbot.
Davon, dass ich das Ganze schönrede und verlobhudele kann nicht die Rede sein. Ich habe an mehreren Stellen geschrieben, dass ich das zum Teil auch sehr unangenehm fand, dass es viel Zeit und Geld kostet und dass es sich nur lohnt, wenn man wirklich noch mehr als 3 Jahre warten müsste. Ich fand, der TÜV hat sich mir gegenüber sehr korrekt verhalten und es gibt keinen Grund Angst vor der MPU zu haben. Nur das wollte ich rüber bringen. Ich wollte diese Vorgaben zu keinem Zeitpunkt gutheißen und das habe ich auch nicht gemacht.
Eine pragmatische Anleitung, was sich hinter dem “Monster” MPU verbirgt finde ich gut und sehe das wie Marc.
Das ganze im Fazit aber als harmlosen Zeitvertreib, nach dem Motto ” Ist doch nicht so schlimm, hab Dich nicht so” darzustellen halte ich (mit Brüssel im Hinterkopf) für falsch. Einfach weil niemand die Regeln für die MPU transparent festlegt. Wenn das BMI morgen beschließt, dass beim TÜV zu viele Leute bestehen, dann machen das eben nur noch Amtsärzte und der Test wird so angepasst wie man es braucht.
Und zum Thema:” Der TÜV wird Eure WBK nicht einziehen”. Wenn es soweit kommt, dass meine WBK nur aufgrund einer bestandenen MPU erhalten bleibt, muss ich innerhalb einer Frist eine solche nachweisen. Sonst zieht die Behörde sie ein.
Und zum Satz “Wenn ihr einen neutralen Prüfer habt und ihr tatsächlich geistig und körperlich geeignet seid,” wer bestimmt eigentlich, was “geistig geeignet” bedeutet? Und warum muss ich schnelle Reaktionen haben um Pistole zu schießen? Das Schießen auf unerwartet auftauchende Ziele ist in Deutschlkand verboten! Komisch, dass mich der TÜV genau darauf testet…..
Bevor das jetzt zu negativ rüberkommt:
Nein Danke zur MPU!
Zu keiner Zeit habe ich die gesetzliche Regelung gutgeheißen, noch die MPU schöngeredet. Was du unterstellst ich ins Fazit geschrieben haben soll, habe ich nicht geschrieben. Ich habe das nicht als harmlosen Zeitvertreib dargestellt. Ich habe vielmehr an mehreren Stellen geschrieben, dass es auch sehr unangenehm sein kann, dass es viel Zeit und Geld kostet und dass sich das nur lohnt, wenn man noch mehrere Jahre warten müsste. Also bitte nichts unterstellen, was ich so nicht geschrieben habe, nur um irgendetwas Kritisches zu schreiben. Es ging hier ausschließlich um eine neutrale Darstellung der geltenden Gesetzeslage und meine persönliche Erfahrung als Leitfaden für junge Schützen.
Du schreibst nicht “sehr unangenehm” sondern “etwas unangenehm”, Du schreibst nicht, dass es “viel Geld” kostet sondern das es “nicht ganz billig” ist. Wenn Du es sehr unangenehm, teuer und zeitaufwändig fandest, dann schreib das doch so im Text und nicht erst im Kommentar. Ich kann nur sehen was Du schreibst. Wenn Du es anders meinst fehlen mir dazu Deine Stimme und Deine Mimik um das herauslesen zu können.
Immer dieses sinnfreie Gemeckere wegen nichts…
Interessant das die schon eine GK besitzen (da gehe ich von aus) sagen warte doch die paar Jahre.
Natürlich ist das blöd, es bleibt doch, grade uns Sportschützen nichts anderes übrig sich an Gesetzte zu halten.
Ich finde es grade zu lächerlich, den Jungen zu sagen verzichte auf deine eigene Waffe.
@stkie sagt:
22. Juni 2016 um 00:18
22. Juni 2016 um 10:42
Ich finde es gut, dass Du Deine Erfahrung mit uns geteilt hast.
Hi Daniel Alexander Lea,
Danke für deinen Bericht. Natürlich wollen wir nicht den MPU Befürworter in die Arme spielen.
Aber durch so Berichte und Kommunikation wird alles transparent. Was gut ist für uns.
Eine mir sehr nahe stehende Person, hat auf Grund seelischer Krankheit auch MPU für die WBK machen müssen.
Die hat beim TÜV Süd 400 € gekostet und 1 tag Urlaub.
Der Psychologe und die Ärztin waren Objektiv und Sachlich.
Auch war das Gutachten positiv.
Aber wie vorher schon gesagt wurde, es liegt an den Gutachter ob man besteht oder nicht (Willkür) .
Beziehungsweise nach den staatlichen Vorgaben wo sie bekommen können.
Und was die Preispolitik angeht, gibt es auch keine Grenzen.
Guten Abend, vielen Dank für den Artikel.
Ich biete in meiner medizinischen Gutachtenpraxis in Weißenfels solche Gutachten in ähnlichem Umfang 8 Dauer ca 2-3 Stunden) an. Termine innerhalb von wenigen Tagen verfügbar. Gutachten 3 Stunden nach Abschluss der Untersuchung fertiggestellt.
Gutachtenpraxisherrmann@aol.com
Eine AOL-E-Mail-Adresse und kein Internetauftritt? Wirkt auf mich nun nicht so seriös.
Das es ein Gutachten braucht um 18 bis nicht ganz 25 jährige an Waffen zu lassen verstehe ich gut,
wenn ich auch nicht nachvollziehen kann, das man generell junge Leute in den Verdacht stellt nicht ganz dicht zu sein.
Für alles sind sie tauglich nur beim Thema Waffen macht man unterschiede.
Ich sage, ” In dubio pro reo”, beweise Du mir erst das ich spinne dann können wir darüber reden.
Solche Gutachten gibt es weder als Grundsätzlich notwendig, für Führerscheine noch für Eltern noch für andere.
Also gerade weshalb für uns die wir vom Grundsatz her, schon mehr als kontrolliert werden.
Besonders erschwerend ist zu bewerten das es in Zukunft auch für alle Waffenbesitzer angewandt werden soll, wenns nach den Eurokraten geht.
Von der anderen Seite betrachtet, sollten dann aber auch u.a.Politiker diesen Test machen lassen.
Sie richten ohne Waffengewalt mit nur einer oder mehreren Unterschriften mehr Schaden an als jeder bisherige Amokläufer.
Nicht das ich es je gut geheißen hätte das mit Waffen Dinge geschehen die absolut nicht tolerierbar sind,
Zudem ist es auch verwerflich das besonders in diesem sachbezogen Fall( Waffenbesitz) auch noch zu Kosten kommt die nur der Geldbeschaffung dient und abschrecken soll.
Den wer von uns lässt sich schon gerne u. dann auch noch auf eigene Kosten auf seine geistige Potenz prüfen, wenns nicht sein muss.
Mfg, Kreitmeier
Wer 18 ist und einen Führerschein hat, darf Autos ohne jegliche PS Begrenzung fahren. Das darf man bei der Diskussion nicht vergessen.
kann man auch an der MPU für Sportschützen teilnehmen, bevor man das 21. Lebensjahr erreicht hat? Schon klar, dass die WBK dann trotzdem erst gilt wenn man 21 geworden ist.
Ich bin 20 Jahre alt momentan.
für die MPU gibt es grundsätzlich keine Altersbeschränkung. Du kannst sie also jetzt schon machen und das Zeugnis bei der Behörde einreichen. Der Verwaltungsakt (Eintrag des Vermerks in die WBK) wird dann jedoch erst vollzogen, wenn du 21 wirst.
vielen Dank für deine schnelle Antwort. Dann werde ich mich mal erkundigen und die MPU hinter mich bringen…
Ich hab im Dezember 2016 meine MPU bei einem niedergelassenen Arzt für Neurologie / Psychatrie absolviert. Wir hatten ein mehrstündiges Gespräch, kein Fragebogen, Computertest oder ähnliches. Ist positiv ausgefallen.
Nun eine Frage: Habt ihr das ‘MPU-Gutachten’, bei mir sind es mehrere Din-A-4 Seiten, im Original an die Waffenbehörde (bei mir die örtliche Polizei) verschickt oder als Kopie / beglaubigte Kopie?
Hab Angst dass es auf dem Postweg verloren gehen könnte, dann ist es nämlich weg.
@Thomas W. Ich habe damals nur ein Kurzgutachten, also eine Art Zeugnis erhalten. Mit dem bin ich zur Waffenbehörde und der Sachbearbeiter hat sich das dann einfach kopiert und zu den Akten gelegt. So würde ich es an deiner Stelle auch machen. Einfach persönlich vorbeigehen und überreichen. Wenn es auf dem Postweg sein MUSS dann mindestens mit Einwurfeinschreiben und Sendungsnummer, damit es im Zweifel verfolgt werden kann.
Ich hatte heute auch meinen Termin beim TÜV- Süd für das Gutachten.
Dieser Beitrag hat mich wirklich gut vorbereitet und mir auch etwas die Bedenken, ja vielleicht auch die Angst vor der Prozedur genommen.
Auch für mich fiel das Gutachten Positiv aus.
Ich möchte mich gerne bei Daniel für diesen wirklich hilfreichen und grandios geschriebenen Beitrag bedanken.
Jetzt kann ich noch ergänzend hinzufügen, dass ich direkt am nächsten Tag das Gutachten in zweifacher Ausführung im Briefkasten hatte. Mittlerweile bin ich auch schon soweit meine WBK beim Landratsamt zu beantragen.
9. März 2017 um 00:02
Vielen Dank für diesen außerordentlich sachlichen und wie ich finde hilfreichen Bericht. Ich finde es toll, dass sich eine junger Sportschütze hier die Mühe gemacht hat, anderen jungen Sportschützen den Weg zur eigenen Großkaliberwaffe aufzuzeigen. Das Gemeckere einiger Kommentatoren ist hier absolut deplatziert. Ziel des Artikels war es eben nicht, die geltenden Gesetzeslage anzuprangern, sondern vielmehr zu zeigen, wie man als junger Schütze im Rahmen des geltenden Rechts zur eigenen Großkaliberwaffe kommt. Auch finde ich es bemerkenswert, wie ausgesprochen unvoreingenommen die Gutachter dem Schiesssport gegenüber zu stehen scheinen, was in der heutigen Zeit leider nicht als selbstverständlich angesehen werden darf, bei all der Stimmung, die gerne gegen Sportschützen gemacht wird.
Dieser Artikel sollte in der Tat alle jungen Schützen ermutigen, sich der MPU zu stellen und den Sport im Großkaliber zu unterstützen. Wer sich darüber hinaus auch politisch engagieren will, möge dies gerne tun. Diffamierende Kommentare zu einem wirklich hilfreichem Artikel wie diesem haben mit politischer Meinungsbildung in etwa so viel zu tun, wie Gregor Gisy mit dem Wu Tang Clan.
Ich habe das Gutachten auch kürzlich machen müssen.
Ich habe nicht bestanden da ich angeblich ein “hohes Gewaltpotenzial” besitze.
Auf meine Ankreuzfragen wurde kaum eingegangen.
In der 5. Klasse hatte ich eine Auseinandersetzung mit einem 2 Jahre älteren Mitschüler, aus dieser Geschichte wurde mir ein Strick gedreht.
Ich habe beim TÜV Nord hinterfragt ob ich ab dem 25. Lebnsjahr “automatisch” reif genug bin.
Natürlich antwortete die Psychologin mit einem “Ja”.
Nun kam der Schreck; ich habe heute mit dem Ordnungsamt telefoniert und die meinten ich MUSS ein positives Gutachten aufweisen ansonsten werde ich mir niemals eine Waffe zulegen dürfen.
Mein nächstes Gutachten werde ich nicht mehr beim TÜV machen.
Ich bin so enttäuscht von dieser, anscheinend inkompetenten Psychologin.