Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=30.04.1997&Aktenzeichen=12%20RK%2030/96
Timestamp: 2020-02-28 07:08:10
Document Index: 234121107

Matched Legal Cases: ['§ 30', '§ 56', '§ 10', '§ 10', '§ 30', '§ 30', '§ 1', '§ 56', '§ 10', '§ 56', '§ 30', '§ 10', '§ 56', '§ 56', '§ 30', '§ 10', '§ 205', '§ 10', '§ 30', '§ 205', '§ 1', '§ 1', '§ 56', '§ 10', '§ 30', '§ 56', '§ 10', '§ 10', '§ 30', '§ 30']

BSG, 30.04.1997 - 12 RK 30/96 - dejure.org
https://dejure.org/1997,2090
BSG, 30.04.1997 - 12 RK 30/96 (https://dejure.org/1997,2090)
BSG, Entscheidung vom 30.04.1997 - 12 RK 30/96 (https://dejure.org/1997,2090)
BSG, Entscheidung vom 30. April 1997 - 12 RK 30/96 (https://dejure.org/1997,2090)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1997,2090) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Asylbewerber - Familienversicherung - Durchführung - Asylverfahren
SG Koblenz, 19.04.1995 - S 5 K 144/94
LSG Rheinland-Pfalz, 30.05.1996 - L 5 K 60/95
BSGE 80, 209
NVwZ 1998, 326
Jedenfalls für den Bereich des SGB II läuft es der Vereinheitlichung des Begriffs des gewöhnlichen Aufenthalts zuwider, wenn unter Berufung auf eine sog Einfärbungslehre vor allem des früheren 4. Senats des BSG (…vgl hierzu BSG SozR 3-1200 § 30 Nr. 21 S 45 ff;… ähnlich BSG SozR 3-2600 § 56 Nr. 7 S 31 ff; anders für die Familienversicherung nach § 10 SGB V: BSGE 80, 209 ff, 211 f = BSG SozR 3-2500 § 10 Nr. 12 S 52 f) dem Gesetzeswortlaut nicht zu entnehmende Tatbestandsmerkmale im Sinne von rechtlichen Erfordernissen zum Aufenthaltsstatus aufgestellt werden (…vgl Schlegel in jurisPK-SGB I, 2. Aufl 2012, § 30 RdNr 26, 50 ff) und damit einzelnen Personengruppen der Zugang zu existenzsichernden Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts versperrt wird .
Zwar kann die Auslegung einer Vorschrift des SGB I unter Berücksichtigung der konkreten Regelungsmaterie des jeweils anzuwendenden besonderen Buches des Sozialgesetzbuches unterschiedlich erfolgen (…vgl zB zum gewöhnlichen Aufenthalt iS von § 30 Abs. 1 und 3 SGB I für das Erziehungsgeld, die Rentenversicherung und die Krankenversicherung die Urteile vom 27.9.1990, 4 REg 30/89, BSGE 67, 243, 246 = SozR 3-7833 § 1 Nr. 2, vom 28.7.1992, 5 RJ 24/91, BSGE 71, 78, 80 = SozR 3-2600 § 56 Nr. 2 und vom 30.4.1997, 12 RK 30/96, BSGE 80, 209, 211 = SozR 3-2500 § 10 Nr. 12).
Insbesondere die Frage, wann ein Ausländer seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat, ist deshalb für den Bereich verschiedener Sozialgesetze unterschiedlich beantwortet worden (…vgl BSGE 71, 78 = SozR 3-2600 § 56 Nr. 2;… SozR 3-1200 § 30 Nr. 15; BSGE 80, 209 = SozR 3-2500 § 10 Nr. 12;… BSGE 82, 23, 24 = SozR 3-2600 § 56 Nr. 11).
Insbesondere die Frage, wann ein Ausländer seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat, ist für den Bereich verschiedener Sozialgesetze unterschiedlich beantwortet worden (…vgl die ausführlichen Darstellungen in den Urteilen des BSG vom 28. Juli 1992 - 5 RJ 24/91 - BSGE 71, 78 = SozR 3-2600 § 56 Nr. 2, vom 9. August 1995 - 13 RJ 59/93 - SozR 3-1200 § 30 Nr. 15 und vom 30. April 1997 - 12 RK 30/96 - SozR 3-2500 § 10 Nr. 12).
Der Senat hat in Bestätigung der bisherigen Rechtsprechung zu § 205 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 1 RVO entschieden, daß Asylbewerber ihren gewöhnlichen Aufenthalt i.S. des § 10 Abs. 1 Nr. 1 SGB V im Inland haben können, auch wenn ihr Aufenthalt nur zur Durchführung des Asylverfahrens gestattet ist (Urteil vom 30. April 1997 - 12 RK 30/96, zur Veröffentlichung vorgesehen).
Infolgedessen hat das Bundessozialgericht (BSG) die Frage, wann ein Ausländer seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat, ungeachtet der allgemeinen Definition des gewöhnlichen Aufenthalts in § 30 Abs. 3 SGB I, für den Bereich verschiedener Sozialgesetze zwar unterschiedlich beantwortet (…BSGE 57, 93 = SozR 2200 § 205 Nr. 56 und Urteil vom 30. April 1997 - 12 RK 30/96 - für den Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung;… BSGE 53, 294 = SozR 5870 § 1 Nr. 10 und Nr. 14 für das Kg;… BSGE 67, 243 = SozR 3-7833 § 1 Nr. 2 für das Erziehungsgeld), jedoch stets verlangt, daß es sich um einen rechtmäßigen Aufenthalt handeln muß.
In diesem Sinne hat auch das BSG (Urteil vom 30. Januar 2013 - B 4 AS 54/12 R -) zum Leistungsrecht nach dem SGB II entschieden, es laufe der Vereinheitlichung des Begriffs des gewöhnlichen Aufenthalts zuwider, wenn unter Berufung auf eine sog. "Einfärbungslehre" vor allem des früheren 4. Senats des BSG (vgl. hierzu BSG, Urteil vom 3. April 2001 s. o.; ähnlich BSG…, Urteil vom 27. Januar 1994 - 5 RJ 16/93 - SozR 3-2600 § 56 Nr. 7; anders für die Familienversicherung nach § 10 SGB V: BSG, Urteil vom 30. April 1997 - 12 RK 30/96 - BSGE 80, 209) dem Gesetzeswortlaut nicht zu entnehmende Tatbestandsmerkmale im Sinne rechtlicher Erfordernisse zum Aufenthaltsstatus aufgestellt würden und damit einzelnen Personengruppen der Zugang zu existenzsichernden Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts versperrt werde.
Für den Bereich des SGB II dem Begriffs des gewöhnlichen Aufenthalts zuwider, wenn unter Berufung auf eine sog. Einfärbungslehre des früheren 4. Senats des BSG (…vgl. hierzu BSG SozR 3-1200 § 30 Nr. 21 S. 45 ff.;… ähnlich BSG SozR 3-2600 § 56 Nr. 7 S 31 ff.; anders für die Familienversicherung nach § 10 SGB V: BSG, Urt. v. 30.4.1997 - 12 RK 30/96, SozR 3-2500 § 10 Nr. 12 S 52 f.) dem Gesetzeswortlaut nicht zu entnehmende Tatbestandsmerkmale im Sinne von rechtlichen Erfordernissen zum Aufenthaltsstatus aufgestellt werden (…vgl. Schlegel in jurisPK-SGB I, 2. Aufl. 2012, § 30 Rn. 26, 50 ff.) und damit einzelnen Personengruppen der Zugang zu existenzsichernden Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts versperrt wird.
Über die allgemeine Definition des § 30 SGB I hinaus ist bei der Auslegung des Begriffes "gewöhnlicher Aufenthalt" der jeweilige Regelungsgegenstand und -zusammenhang mit zu berücksichtigen und der Begriff unter Beachtung des Regelungszwecks und des Sachbereichs zu interpretieren (BSG, Urteil vom 30.04.1997 - 12 RK 30/96).