Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/probezeit-fuer-die-fristenkontrolle-326081
Timestamp: 2020-02-22 04:30:26
Document Index: 138228235

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 233', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Pro­be­zeit für die Fris­ten­kon­trol­le | Rechtslupe ")}}return a.proceed()});scriptParent=document.getElementsByTagName("script")[0].parentNode;if(scriptParent.tagName.toLowerCase!=="head"){head=document.getElementsByTagName("head")[0];aop_around(head,"insertBefore");aop_around(head,"appendChild")}aop_around(scriptParent,"insertBefore");aop_around(scriptParent,"appendChild");var a2a_config=a2a_config||{};a2a_config.no_3p=1;var addthis_config={data_use_cookies:false};var _gaq=_gaq||[];_gaq.push(["_gat._anonymizeIp"])}
Jeden­falls nach Ablauf einer bean­stan­dungs­frei­en sechs­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit kann ein Rechts­an­walt die Berech­nung und Notie­rung ein­fa­cher und in sei­nem Büro geläu­fi­ger Fris­ten einer aus­ge­bil­de­ten und sorg­fäl­tig über­wach­ten Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­ten über­las­sen 1.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann ein Rechts­an­walt die Berech­nung und Notie­rung – wor­auf es im hier vom Bun­des­ge­richt­hof ent­schie­de­nen FAll aus­schließ­lich ankommt – ein­fa­cher und in sei­nem Büro geläu­fi­ger Fris­ten einer gut aus­ge­bil­de­ten, als zuver­läs­sig erprob­ten und sorg­fäl­tig über­wach­ten Büro­kraft über­las­sen, soweit nicht beson­de­re Grün­de gegen deren Zuver­läs­sig­keit spre­chen 2. Grund­sätz­lich darf nur voll aus­ge­bil­de­tes und sorg­fäl­tig über­wach­tes Per­so­nal hier­mit betraut wer­den, nicht dage­gen etwa eine noch aus­zu­bil­den­de Kraft 3. Auch beim Ein­satz von nur kurz­fris­tig geschul­tem und noch nicht wäh­rend eines län­ge­ren Zeit­raums erprob­tem Büro­per­so­nal sind an die not­wen­di­ge Über­wa­chung von Fris­tein­tra­gun­gen beson­de­re Anfor­de­run­gen zu stel­len 4.
Nach die­sen Maß­stä­ben durf­te im hier vom BGH ent­schie­de­nen Fall der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers die Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­te Z. mit der Ein­tra­gung der Beru­fungs­frist in den Fris­ten­ka­len­der betrau­en. Jeden­falls nach Ablauf einer sechs­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit bedurf­te es kei­ner eigen­stän­di­gen Kon­trol­le durch den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten, ob Frau Z. die Fris­ten jeweils im Ein­zel­fall kor­rekt in den Fris­ten­ka­len­der ein­ge­tra­gen hat­te. Denn nach einem sol­chen Zeit­raum kann bei ent­spre­chen­den Erfah­run­gen davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass sich die Mit­ar­bei­te­rin als zuver­läs­sig erwie­sen hat. Einer noch län­ge­ren stän­di­gen Über­wa­chung aller ihrer Tätig­kei­ten bedarf es nicht. Dies wür­de eine Über­span­nung der Anfor­de­run­gen an den Rechts­an­walt zur Über­wa­chung sei­ner ein­ge­stell­ten Mit­ar­bei­ter bedeu­ten. Viel­mehr reicht es grund­sätz­lich aus, dass der Mit­ar­bei­ter eine Pro­be­zeit von sechs Mona­ten bean­stan­dungs­frei absol­viert hat. Beson­de­re Umstän­de, die aus­nahms­wei­se eine beson­de­re Kon­trol­le von Frau Z. hät­ten not­wen­dig machen kön­nen, sind nicht ersicht­lich.
Dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers gereicht es auch nicht zum Ver­schul­den, dass er im kon­kre­ten Fall zwar den der elek­tro­ni­schen Akte bei­gefüg­ten Zusatz beim Datei­na­men über­prüft und hier­aus die zutref­fen­de Berech­nung der Beru­fungs­frist und zugleich die Doku­men­ta­ti­on ihrer Ein­tra­gung in den Fris­ten­ka­len­der erse­hen, nicht jedoch zudem kon­trol­liert hat, ob die­ser Doku­men­ta­ti­on ent­spre­chend die Ein­tra­gung im Fris­ten­ka­len­der selbst auch kor­rekt erfolgt war.
Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te war zu einer wei­te­ren stän­di­gen Über­prü­fung von Frau Z. nach Ablauf ihrer Pro­be­zeit nicht mehr ver­pflich­tet. Daher kann ihm grund­sätz­lich nicht vor­ge­wor­fen wer­den, eine Über­prü­fung des Fris­ten­ka­len­ders unter­las­sen zu haben. Der Umstand, dass er über den Ablauf der Pro­be­zeit hin­aus bis Ende Mai sei­ne Kon­trol­len in glei­cher Wei­se fort­füh­ren woll­te, ändert hier­an nichts. Denn über das all­ge­mein gebo­te­ne Maß hin­aus­ge­hen­de Maß­nah­men eines Rechts­an­walts bei der Fris­ten­kon­trol­le füh­ren nicht zur Ver­schär­fung sei­ner Sorg­falts­pflicht 5. Es kommt des­halb nicht dar­auf an, ob der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te bei der von ihm durch­ge­führ­ten Kon­trol­le der Fris­ten­ein­tra­gun­gen von Frau Z. beab­sich­tigt hat­te, die Fris­ten­be­hand­lung voll­stän­dig, d.h. auch den Ein­trag in den Fris­ten­ka-len­der zu über­prü­fen, dies aber ver­se­hent­lich nicht getan hat.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Janu­ar 2011 – VII ZB 95/​08
im Anschluss an BGH, Beschluss vom 17.02.2009 – VI ZB 75/​08, Scha­den-Pra­xis 2010, 30[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 05.11.2003 – XII ZR 140/​02, BGHR ZPO § 233 – Fris­ten­be­rech­nung 5 m.w.N.; vom 27.09.2007 – IX ZA 14/​07, AnwBl 2008, 71; vom 17.02.2009 – VI ZB 75/​08, Scha­den-Pra­xis 2010, 30[↩]
BGH, Beschluss vom 11.09.2007 – XII ZB 109/​04, NJW 2007, 3497 m.w.N.[↩]
BGH, Urteil vom 23.09.1977 – V ZR 39/​77, VersR 1978, 139[↩]
BGH, Beschluss vom 22.03.1995 – VIII ZB 2/​95, NJW 1995, 1682; Urteil vom 19.12.1991 – VII ZR 155/​91, NJW 1992, 1047[↩]