Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=20.03.2013&Aktenzeichen=B%2012%20KR%208/10%20R
Timestamp: 2019-06-18 17:50:52
Document Index: 243508744

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 5', '§ 48', 'Art 13', 'Art 27', '§ 5', '§ 264', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', 'Art. 13', 'Art. 11', 'Art. 13', 'Art. 27', 'Art. 13', 'Art. 11', '§ 48', '§ 5', '§ 5', 'EuG', 'EuG', '§ 4', 'Art. 71', 'Art. 23', '§ 186', 'Art. 28']

BSG, 20.03.2013 - B 12 KR 8/10 R - dejure.org
https://dejure.org/2013,24729
BSG, 20.03.2013 - B 12 KR 8/10 R (https://dejure.org/2013,24729)
BSG, Entscheidung vom 20.03.2013 - B 12 KR 8/10 R (https://dejure.org/2013,24729)
BSG, Entscheidung vom 20. März 2013 - B 12 KR 8/10 R (https://dejure.org/2013,24729)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2013,24729) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Krankenversicherung - in der Bundesrepublik Deutschland lebender Rentner - kein Ausschluss der Auffang-Versicherungspflicht bei Anspruch auf Absicherung im Krankheitsfall gegenüber anderem Staat (hier Schweiz)
§ 5 Abs 1 Nr 11 SGB 5, § 5 Abs 1 Nr 13 SGB 5, § 48 SGB 12, Art 13 Abs 2 Buchst f EWGV 1408/71, Art 27 EWGV 1408/71
SG Freiburg, 23.02.2010 - S 14 KR 6443/08
DB 2014, 18
a) Zwar lagen die hierfür notwendigen Voraussetzungen am 1.4.2007 - dem hier insoweit maßgebenden Beurteilungszeitpunkt (…vgl BSGE 107, 26 = SozR 4-2500 § 5 Nr. 12, RdNr 16; auch BSG Urteil vom 20.3.2013 - B 12 KR 8/10 R - Urteilsabdruck RdNr 16 - zur Veröffentlichung in BSGE und SozR vorgesehen) - teilweise vor.
Insoweit hat der Senat nämlich bereits wiederholt entschieden, dass einzig der "Empfang" von Hilfen zur Gesundheit nach dem Fünften Kapitel des SGB XII bzw eine Übernahme der Krankenbehandlung nach § 264 Abs. 2 SGB V (ohne gleichzeitigen "Empfang" laufender Leistungen) nach der inhaltlichen Änderung des Entwurfs des § 5 Abs. 8a S 2 SGB V im Gesetzgebungsverfahren einen eigenständigen Ausschlusstatbestand für den Eintritt der Versicherungspflicht nach § 5 Abs. 1 Nr. 13 SGB V nicht (mehr) darstellen kann (…vgl BSG SozR 4-2500 § 5 Nr. 15 RdNr 13 f;… BSGE 107, 26 = SozR 4-2500 § 5 Nr. 12, RdNr 28; zuletzt BSG Urteil vom 20.3.2013 - B 12 KR 8/10 R - Urteilsabdruck RdNr 17 - zur Veröffentlichung in BSGE und SozR vorgesehen) .
LSG Rheinland-Pfalz, 29.07.2014 - L 5 KR 109/14
Krankenversicherung - Auffang-Versicherungspflicht nach § 5 Abs 1 Nr 13 SGB 5 - …
Zu solchen Ansprüchen zählten auch Leistungsansprüche gegen ausländische Krankenversicherungsträger bzw Ansprüche auf Sachleistungen aufgrund über und zwischenstaatlichen Rechts, die der Betroffene zunächst durchsetzen müsse (Hinweis auf Bundessozialgericht BSG 20.3.2013 - B 12 KR 8/10 R, juris Rn 19).
Aus Art. 13 Abs. 2 Buchstabe f EWG-VO Nr. 1408/71 bzw Art. 11 Abs. 3 Buchstabe e VO (EG) Nr. 883/04 ergibt sich für Personen, die, wie die Antragstellerin, endgültig jede Berufstätigkeit aufgegeben haben, der Vorrang der Zuständigkeit des Wohnsitzstaates (zu Art. 13 Abs. 2 Buchstabe f EWG-VO Nr. 1408/71 BSG 20.3.2013 - B 12 KR 8/10 R, juris Rn 22).
Ein konkreter Anspruch auf Sachleistungen bei Krankheit im Rahmen eines ge-setzlichen Sicherungssystems darf vom nationalen Gesetzgeber nicht an solche Bedingungen geknüpft werden, die mit der im vorrangigen Gemeinschaftsrecht festgelegten kollisionsrechtlichen Zuordnung der primären (endgültigen) Leistungszuständigkeit und Kostentragungspflicht an den Wohn(mitglied)staat Deutschland im Widerspruch stehen (BSG 20.3.2013 aaO, juris Rn 28).
Es widerspräche einer an der "objektiven Lage" orientierten kollisionsrechtlichen Anordnung der primären (endgültigen) Leistungszuständigkeit und Kostentragungspflicht des Wohn(mitglied)staats, wenn dieser (hier: Deutschland) das Entstehen der Krankenversicherungspflicht und damit einen konkreten Anspruch auf Sachleistungen bei Krankheit von einer anderweitigen Absicherung im Nichtwohnsitzstaat (hier: Polen) abhängig machen könnte (vgl BSG 20.3.2013 aaO).
Entgegen der Auffassung der Antragsgegnerin gilt dies nicht nur wie bei dem Sachverhalt des Urteils des BSG vom 20.3.2013 (aaO) im Rahmen des dort maßgebenden Anwendungsbereichs von Art. 27 EWG-VO Nr. 1408/71 (Rentenansprüche nach den Rechtsansprüchen von zwei oder mehr Mitgliedsstaaten), sondern auch in der vorliegenden Konstellation der Anwendbarkeit des Art. 13 Abs. 2 Buchstabe f EWG-VO Nr. 1408/71 bzw Art. 11 Abs. 3 Buchstabe e VO (EG) Nr. 883/04. Auch für die vorliegende Fallgestaltung gilt der kollisionsrechtliche Vorrang des Status des Wohn(mitglieds)staates (BSG 20.3.2013 aaO Rn 22).
Der bloße Empfang von Hilfen zur Gesundheit nach § 48 SGB XII genügt für einen Ausschluss von der Auffang-Versicherungspflicht nach § 5 Abs. 1 Nr. 13 SGB V nicht (BSG 20.3.2013 aaO, juris Rn 17).
Das BSG hat mit Urteil vom 20. März 2013 (B 12 KR 8/10 R, juris) einer gemeinschaftsrechtskonformen Auslegung des § 5 Abs. 1 Nr. 13 SGB V den Vorzug gegeben in dem Sinne, dass bei Doppelrentnern die Möglichkeit, Leistungen eines anderen rentengewährenden Staates in Anspruch zu nehmen, keine "anderweitige Absicherung" darstellt.
Das ist etwa dann der Fall, wenn die Auslegung entscheidungserheblicher Normen durch die Rechtsprechung des EuGH bereits geklärt ist (EuGH, ebenda;… BSGE 70, 206, 215 = SozR 3-4100 § 4 Nr. 3 S 21 mwN;… BSG SozR 3-6050 Art. 71 Nr. 8 S 48; zuletzt BSG Urteil vom 20.3.2013 - B 12 KR 8/10 R - RdNr 21, zur Veröffentlichung in BSGE und SozR vorgesehen) .
Das Recht der Europäischen Union ist diesbezüglich höher- und damit vorrangig (vgl. für einen ähnlich gelagerten Fall das Urteil des BSG vom 10. März 2013, Az. B 12 KR 8/10 R, juris Rn. 19;… Janda in Fuchs, Kommentar zum Europäischen Sozialrecht, Vorbemerkung Art. 23ff VO (EG) Nr. 883/2004, Rn. 8, Punkt b).
In Bezug auf diesen Punkt ist die Argumentation des BSG im Urteil B 12 KR 8/10 R vom 20.3.2013 übertragbar.
Zwar lagen die für die sog. Auffangpflichtversicherung notwendigen Voraussetzungen am 1. April 2007 - dem wegen § 186 Abs. 11 SGB V insoweit maßgebenden Beurteilungszeitpunkt (BSG, Urteile vom 06. Oktober 2010 - B 12 KR 25/09 R -, und vom 20. März 2013 - B 12 KR 8/10 R -, jeweils juris) - teilweise vor.
Ausgehend von dieser Kollisionsvorschrift ist der Wohnsitzstaat primär kollisionsrechtlich zuständig und - wenn dieser keinen Anspruch auf Sachleistungen gewährt - an zweiter Stelle der rentengewährende Mitgliedstaat, wenn nach dem Recht dieses Staates ein Anspruch auf Leistungen bei Krankheit gegeben ist (Wohnsitzfiktion, zur Vorgängervorschrift des Art. 28 Verordnung (EWG) Nr. 1408/71, BSG, Urteil vom 20. März 2013 - B 12 KR 8/10 R -, BSGE 113, 134-144, Rn. 22).
Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung ist für das Eingreifen der Auffangpflichtversicherung nicht erforderlich, dass dieser eine Absicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung unmittelbar voranging (vgl. zuletzt BSG, Urteil vom 20.03.2013, B 12 KR 8/10 R, Rn. 17 bei juris).