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Timestamp: 2020-07-13 18:32:34
Document Index: 47478242

Matched Legal Cases: ['§ 179', '§ 18', '§ 118', '§ 18', '§ 127', '§ 18', '§ 180', '§ 181', '§ 74']

Freie Mitarbeit in auswärtiger Steuerberatungspraxis - und die örtliche Zuständigkeit des Finanzamtes | Rechtslupe
Freie Mitarbeit in auswärtiger Steuerberatungspraxis - und die örtliche Zuständigkeit des Finanzamtes
Freie Mit­ar­beit in aus­wär­ti­ger Steu­er­be­ra­tungs­pra­xis – und die ört­li­che Zustän­dig­keit des Finanz­am­tes
Nach §§ 179 Abs. 1, 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b AO sind die Ein­künf­te aus frei­be­ruf­li­cher Tätig­keit im Wege geson­der­ter Fest­stel­lung von Besteue­rungs­grund­la­gen fest­zu­stel­len, wenn das für die geson­der­te Fest­stel­lung zustän­di­ge Finanz­amt nicht auch für die Steu­ern vom Ein­kom­men zustän­dig ist.
Die­se Vor­aus­set­zung ist im Fal­le von Ein­künf­ten aus selb­stän­di­ger Arbeit bei frei­er Mit­ar­beit eines Steu­er­be­ra­ters in einer aus­wär­ti­gen Steu­er­be­ra­tungs­pra­xis gegeben.Denn das im Streit­fall beklag­te und für die Ein­kom­mens­be­steue­rung des Steu­er­be­ra­ters als Wohn­sitz-Finanz­amt zustän­di­ge Finanz­amt ist nicht für die Fest­stel­lung der Besteue­rungs­grund­la­gen hin­sicht­lich der frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit des Steu­er­be­ra­ters in S zustän­dig.
Nach Maß­ga­be der tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt ist des­sen Wür­di­gung, der Steu­er­be­ra­ter habe sei­ne steu­er­be­ra­ten­de Tätig­keit in der Steu­er­be­ra­ter­pra­xis als selb­stän­di­ger Steu­er­be­ra­ter i.S. des § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG aus­ge­übt für den Bun­des­fi­nanz­hof nach § 118 Abs. 2 FGO bin­dend, weil die­se Wür­di­gung denk­ge­setz­lich mög­lich ist und nicht gegen all­ge­mei­ne Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt und die Betei­lig­ten dage­gen kei­ne Ein­wen­dun­gen erho­ben haben.
Auf die­ser Grund­la­ge ist nicht das Wohn­sitz-Finanz­amt, son­dern das für die Steu­er­be­ra­ter­pra­xis zustän­di­ge Finanz­amt für die Fest­stel­lung der Besteue­rungs­grund­la­gen hin­sicht­lich der dort vom Steu­er­be­ra­ter aus­ge­üb­ten Tätig­keit zustän­dig, weil der Steu­er­be­ra­ter die­se Tätig­keit ‑wegen der dort erziel­ten höchs­ten Umsät­ze aus sei­ner steu­er­be­ra­ten­den Tätig­keit (hier: 61 % sei­ner Umsät­ze)- i.S. des § 18 Abs. 1 Nr. 3 AO "vor­wie­gend" aus­ge­übt hat [1].
Das Feh­len einer ent­spre­chen­den geson­der­ten Fest­stel­lung der Besteue­rungs­grund­la­gen durch das zustän­di­ge Finanz­amt als Grund­la­ge der Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zung durch das beklag­te Wohn­sitz-Finanz­amt kann nicht nach § 127 AO geheilt wer­den.
Denn die Ver­let­zung der §§ 18, 19 AO in der gemäß § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b AO getrof­fe­nen Zuord­nung ist ein nicht heil­ba­rer Rechts­feh­ler [2], weil die Beach­tung der Vor­greif­lich­keit des Fest­stel­lungs­ver­fah­rens im Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gungs­ver­fah­ren hin­sicht­lich der geson­dert fest­zu­stel­len­den Besteue­rungs­grund­la­gen zu der auch im Revi­si­ons­ver­fah­ren von Amts wegen zu wah­ren­den Grund­ord­nung des Ver­fah­rens gehört [3].
Wegen der danach nach­zu­ho­len­den geson­der­ten Fest­stel­lung, für die die Fest­stel­lungs­ver­jäh­rung nach § 181 Abs. 5 Satz 1 AO wegen Rechts­hän­gig­keit des nicht fest­set­zungs­ver­jähr­ten ange­foch­te­nen Ein­kom­men­steu­er­be­scheids noch nicht ein­ge­tre­ten ist, war vor­lie­gend die Sache an das Finanz­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen. Die­ses muss das Ver­fah­ren mit Blick auf die nach­zu­ho­len­de Fest­stel­lung durch das für die Tätig­keit in S zustän­di­ge Finanz­amt nach § 74 FGO aus­set­zen [4].
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. August 2015 – VIII R 53/​13
zur Maß­geb­lich­keit der Umsät­ze: BFH, Urtei­le vom 10.06.1999 – IV R 69/​98, BFHE 189, 8, BStBl II 1999, 691; vom 27.08.2014 – VIII R 16/​13[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 11.12 1987 – III R 228/​84, BFHE 152, 27, BStBl II 1988, 230[↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 26.07.1983 – VIII R 28/​79, BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290; vom 14.02.1984 – VIII R 126/​82, BFHE 141, 124, BStBl II 1984, 580; und vom 19.07.1990 – IV R 11/​89, BFH/​NV 1991, 649, sowie ‑zur geson­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung- BFH, Urtei­le vom 14.02.2008 – IV R 44/​05, BFH/​NV 2008, 1156; vom 16.12 2009 – IV R 18/​07, BFH/​NV 2010, 1419[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290; BFH, Beschlüs­se vom 03.08.2000 – III B 179/​96, BFHE 192, 255, BStBl II 2001, 33; vom 13.12 2011 – X B 127/​11, BFH/​NV 2012, 601[↩]
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